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MITTHEILUNGEN 



KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 

GEOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT. 




III. JAHRGANG 1859. 



REDIGIRT 



FRANZ FOETTERLE, 

K- K. BKRGRATI1 ERSTEM SECRETAR »ER K. K. GEOGRAPHISCHEN GESEI.LSVHAKT 



WIEN, 1859. 

DRUCK VON M. AÜER. 



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INHALT 

des dritten Bandes. 

Seite 

Statuten der k. k. geographischen Gesellschaft V 

Geschäftsordnung der k. k. geographischen Gesellschaft VII 

Verzeichniss der Mitglieder der k. k. geographischen Gesellschaft X 

Berichte über die Versammlungen der k. k. geographischen Gesellschaft. 

Jahresversammlung am 9. November 1858. 

Fürst von Salm H. Jahresbericht 1 

Foetterle F. Rechenschaftsbericht 10 

Verzeichniss der verschiedenen fnstitute, Gesellschaften etc.j mit welchen die k. k. 

geographische Gesellschaft in Schriftentausch getreten ist (3 

Kintzl L. Antrag des Danke6 an den Präsidenten 17 

Wahl von Functionären 17 

Wahl von neuen Mitgliedern . ^ . *\^ 18 

Foetterle F. Vorlage erhaltener Geschenke von Hrn\pToyikar M. Kirchner 

in Chartum und von Hrn. Freiherrn von Hiet^inger 18 

Fr-ankl Dr. L. A. Vorlage mehrerer seiner Werke und des Gedichtes „an die 

hingeschiedene Freundin I<ia Pfeiffer" . . . .\ 18 

Matkovich P. Einsendung der topographischen Karte des Gebietes St. Michel 

di Lemmo in lstrien 18 

Versammlung am 23. November 1858. 

Czoernig K. Freih. v. Eröffnung der Versammlung 18 

Wahl von neuen Mitgliedern 18 

Schmidt Dr. J. Ueber die Metallbarometer 19 

Schmidt Dr. J. Ueber den grossen Do na tischen Kometen 19 

H eifert A. Freih. v. Ueber den Mangel eines allgemeinen topographischen Le- 
xikons von Oesterreich 20 

Hauer F. v. Vorlage des Werkes: Reports of Exploration^ and Surveys to ascer- 
tain the most practicable and economical rötete for a reilroad from 
the Missisippi river lo the Pacißc Ocean, made linder the Direction 

of the Secretary of War in 1853 — 1854 21 

Foetterle F. Vorlage von 100 Aquarell-Ansichten aus dem Thal der Rienz und 

Boite und dem Drauthale von Hrn. k. k. Rath und Professor Th. Ender. 25 

Eingegangene Druckschriften 27 

Versammlung am 7. Dezember 1858. 
Czoernig K. zeigt den Verlust mehrerer Mitglieder durch den Tod an . . 27 

Wahl neuer Mitglieder 28 

Foetterle F. Vorlage des Werkes: „das mineralogische Lexikon für das Kaiser- 

thum Oesterreich von V. Ritter von Zepharovich" 28 

Foetterle F. Vorlage von A. St ein hau s er's Zusammenstellung über: Organi- 
sation und Fortschritt der militärisch- kartographischen Arbeiten in 

Oesterreich 28 

Foetterle F. Vorlage einer Reihe landschaftlicher Ansichten des obern Save- 

Thales vom Hrn. k. k. Rath und Prof. Th. Ender 28 

Eingegangene Druckschriften 28 

Versammlung am 21. Dezember 1858. 

Wahl neuer Mitglieder 29 

Foetterle F. Vorlage zweier gezeichneter Kartenwerke der Republik Venedig von 

Christoforo Sorte 29 

I 



II 

Seite 
Guggenberger M. „lieber eine practische bequeme geographische Maasseinheit 

als genauer Theilwerth der geographischen Meile 31 

Ruthner Dr. A. v. Vorlage von Aquarell-Landschaften aus Salzburg und Tyrol 

von Hrn. k. k. Rath und Prof. Tu. Ender 34 

Eingegangene Druckschriften 35 

Versammlung am 4. Jänner 1859. 

Foetterle F. Mittheilung über den Tod zweier Mitglieder 36 

Foetterle F. Vorlage der Werke: „der milit. Maria Theresien-Orden" von J. Hir- 
tenfeld und „les saints lieux u von Mislin 36 

Foetterle F. Bericht über die November-Sitzung der kais. russisch. -geogr. Gesellschaft 36 

Ha i din ger W. Vorlage von : „Lettre*, sur la Turquie par M. P. de Tchihatchef" 36 

H ai d in ger W. Vorlage von Prof. Dr. F. Locher's „Allgemeiner Erdkunde" . 37 

Haidinger V\\ Mittheilungen aus einem Schreiben von S. R. Murchison. . 38 

Guggenberger M. Schilderung des Leopoldsteiner See's 38 

Foetterle F. Vorlage einer grossen Karte von Kleinasien 38 

Foetterle F. Vorlage von landschaftlichen Aquarell-Darstellungen aus den süd- 
lichen Alpengegenden von Hrn. k. k. Rath und Prof. Th. Ender 39 
Eingegangene Druckschriften 39 

Versammlung am 18. Jänner 1859. 

Wahl neuer Mitglieder 41 

Foetterle F. Vorlage eingegangener Druckschriften 41 

Foetterle F. Vorlage von K. v. Sonklar*s Mittheilung: „Ueber einige Höhen- 
messungen der Gebrüder A. und H. S chlagi n t weit" 41 

Haidinger W. Mittheilung von Nachrichten von der „Novara" 41 

Haidinger W. Vorlage mehrerer von Hrn. E. R. Straznicky erhaltener 

Zeitungsblätter 42 

Boleslawsky G. v. Vorlage ethnograph scher Gegenstände aus Egypten, Nubien 

und Sudan 43 

Kornhuber Dr. G. A. Ueber das Moor „Schur" 43 

Foetterle F. Mittheilung über seine Reise nach dem Orient 44 

Eingegangene Druckschriften 44 

Versammlung am 1. Februar 1859. 

Wahl eines neuen Mitgliedes 45 

Foetterle F.Vorlage des Werkes: „Reisen in Central-Afrika" v. Dr. H. Barth 45 
Haidinger W. Nachricht über M. v. Riedwald's Allgm. Zeitg f. Wissenschaft 45 
Becker Dr. M. Vorlage der von dem k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt eingeführten Lehrbücher für Volksschulen . . . : 46 

Foetterle F. Mittheilung über seine Reise nach dem Orient 46 

Eingegangene Druckschritten 46 

Versammlung am 15. "Februar 1S59. 

Wahl neuer Mitglieder 47 

Foetterle F. Mittheilung über seine Reise nach dem Orient 47 

Stäche Dr. G. Darstellung der geologisch-geographischen Beschaffenheit der Tschit- 47 

scherei in Istrien 47 

Eingegangene Druckschriften 48 

Versammlung am 1. März 1859. 

Wahl eines neuen Mitgliedes 49 

Streffleur V. Ueber die Configuration des Terrains innerhalb des Weichbildes 

von Wien 49 

Zhishman Dr. Jos. Ueber den Zug Alarich's nach Griechenland, dem Pelopones 

und Epirus 50 

Stur D. Nachtrag zu den Mittheilungen und Untersuchungen über das Erdbeben 

zu Sillein am 15. Jänner 1858 von Hrn. Joseph Kiemen s ... 51 
Lorenz Dr. J. Ueber die Versumpfungen in den oberen Flussthälern der Salzach, 

Enns und Mur 55 

Eingegangene Druckschriften 57 

Versammlung am 22. März 1859. 

Foetterle F. Mittheilung über den Tod zweier Mitglieder 58 

Wahl neuer Mitglieder 58 



III 

Seite 

Becker Dr. M. Ueber die topographischen Verhältnisse im Umkreis des Oetscher 59 

Foetterle F. Vorlage sämmtlicher Manuscripte Dr. W. Helfer's über Hinter-Indien 59 
Foetterle F. Vorlage der „Land- und Seekarte des mittelländischen Meeres nebst 

den angrenzenden Ländern von Dr. Henry Lange" 59 

Foetterle F. Vorlage des Werkes Dr. Bö'ttgers: „Das Mittelmeer." 59 

Foetterle F. Mittheilung über Don Mazza's Institut in Verona 59 

Foetterle F. Mittheilung über die wissenschaftliche Reise des Herrn Dr. Th. 

Kotschy nach dem Taurus und Kurdistan 60 

Eingegangene Druckschriften 60 

Versammlung am 5. April 1859. 

Wahl neuer Mitglieder 62 

Haidinger W. Mitteilung von Nachrichten von den Novara-Reisenden ... 62 

Müller Dr. Fr. Mittheilungen über eine Reise nach Grodno 69 

Zhishman Dr. J. Alarichs Zug nach Italien 69 

Eingegangene Druckschriften 70 

Versammlung am 3. Mai J859. 

Wahl eines neuen Mitgliedes 71 

Foetterle F. Mittheilung des Verlustes durch den Tod der korrespondirenden 

Mitglieder P. von Sick, und 0. Sendtner 72 

Foetterle F. Vorlage der Abhandlung „Höhenmessungen im nordöstlichen Un- 
garn" von Fr. Ritter v. Hauer 72 

Foetterle F. Vorlage der Mittheilung „über die Quellen des liburnischen Kar- 
stes und der vorliegenden Inseln" von Dr. J. R. Lorenz . . . . 72 

Haidinger W. Vorlage der Abhandlung: „Das Delta des Nil von Cap. Spratt 72 

Wolf H. Die Strassen- Fluss- und Eisenbahnnivellements im Honther und Neo- 

grader-Comitate in Ungarn 73 

Steinhauser A. Vorlage von Kartenwerken über Bayern 73 

Versammlung am 17. Mai 1859. 

Andrian Frh. v. Vorlage mehrerer Berichte an das engl. Parlament 76 

Foetterle F. Ueber die Teraingestaltung des nordwestlichen ungarischen Gebirgs- 

landes 77 

Ruthner Dr. A. v. Uebergang aus dem Oetzthal in das Pitzthal 7 7 

Eingegangene Druckschriften 77 

Versammlung am 7. Juni 1859. 

Wahl neuer Mitglieder 78 

Foetterle F. Die Publication der h. Mechitaristen-Congregation auf S. Lazaro 78 
Foetterle F. Die hydrographischen Verhältnisse des Kreises: Unter dem Wiener- 
Wald 78 

Ruthner Dr. A. v. Uebergang -von dem Oetzthal in das Pitzthal 78 

Foetterle F. Bericht des Herrn J. M. Ziegler über den Vorgang der topo- 
graphischen Arbeiten in der Schweiz, über 'Munzingers Reisen in 
Afrika / 79 

Versammlung am 18. Ocktober 1859. 
Genehmigung der erfolgten Uebergabe einer Medaille an die Equipage der k. k. 

Fregatte „Novara" 86 

Foetterle F. Einladung zur Subscription von Beiträgen für die A. v. Hum- 
boldt-Stiftung 87 

Wahl neuer Mitglieder 87 

Foetterle F. Vorlage der Karten der beiden Hemisphären von Dr. C. Vogel 

in Leipzig 87 

Haidinger W. Schreiben von Dr. D. Livingstone aus Tette am Zambesi-FIusse 87 

Haidinger W. Schreiben des Hrn. Dr. R. Ave- Lalle mant 89 

Haidi nger W. Bericht über die neuesten von Hrn. Dr. F. Hochstetter von 

Auckland und Nelson erhaltenen Nachrichten 91 

Haidinger W. Ueber Dr. F. Liharzik's Werk „das Gesetz des menschlichen 

Wachsthums 94 

Frauenfeld G. Notizen zur Kenntniss über die Insel Neu-Amsterdam .... 94 
Haidinger W. Das dritte und letzte Jahr der Erdumseglung der k. k. Fregatte 

„Novara" von Dr. K. Scherz er 94 

1* 



IV 

Seite 
Foetterle F. Vorlage zweier Mittheilungen des Hrn. Prof. L. H. Jeitteles 

in Kaschau 95 

Foetterle F. Notiz über die Planina-Grotte von Dr. E. H. Costa 97 

Eingegangene Druckschriften 97 

Abhandlungen. 

I, Fligely A. v. Organisation und Fortschritt der militär- kartographischen 

Arbeiten in Oesterreich 1 

II. Scherzer Dr. K. und Schwarz Dr. E. Lieber Körpermessungen . . 11 
III. Matkovich P. Topographische Karte des Gebietes St. Michel di Lemmo 

in Istrien .... 32 

IV. Schmidt J. F. Ueber den Reichenauer-Berg in Mähren 38 

V. Barth Dr. W. Versuch einer Erklärung der verhältrrissmä<sig höhern Tem- 
peratur an den Polen der Erde aus dem Verhältniss zwischen Sonne 
und Erde 44 

VI. Sonklar K. v. Ueber einige Höhenmessungen der Gebrüder A. und H. 

S c h 1 a g i n t w e i t 58 

VII. Pechmann E. Die geographische Breite von Insbruck 65 

VIII. Hauer F. Ritter v. „Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn* ... 71 

IX. Lorenz Dr. J. R. Die Quellen des liburnischen Karstes und der vor- 

liegenden Inseln 103 

X. Steinhauser A. Die älteste und neueste topographische Karte von Baiern 108 
XL Wolf H. Strassen-, Fluss-, und Eisenbahn-Nivellements im Honther- und 

Neograder-Comitate Ungarns 120 

XII. Ruthner Dr. A. v. Uebergang aus dem Oetzthal in das Pitzthal über 

den Hocbvernagt- und Sechsegertenferner 130 

XIII. Dr. F. Müller. Mittheilungen über eine Reise nach Grodno in den Bialo- 

wescher-Wald und über die Auerochsen 155 

XIV. Dr. J. W. Helfer's gedruckte und ungedruckte Schriften über die Te- 

nasserim-Provinzen, den Mergui-Archipel und die Andamanen-Inseln 167 
XV. Jeitteles L. H. Quellentemperatur-Messungen in den Sudeten und Kar- 

pathen 390 

XVI. Jeitteles L. H. Das Erdbeben am 15. Jänner 1858 in den Karpathen 

und Sudeten in seinen Beziehungen zur Atmosphäre 397 

XVII. Scherzer Dr. K. Das zweite Jahr der Erdumseglung Sr. Maj. Fregatte 

„Novara" 414 

XVIII. Scherzer Dr. K. Das dritte und letzte Jahr der Frdumeglung Sr Maj. 

Fregatte „Novara" 425 



STATUTEN 

DER KAISERLICH KÖNIGLICHEM 

GEOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT. 



I. Zweck und Mittel. 

1. Der Zweck der Gesellschaft ist, die Interessen der geographischen Wissen- 
schaft in ihren verschiedenen Richtungen zu fördern. 

2. Die Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind periodische Versammlungen, 
Herausgabe von Druckschriften und Karten, Unterstützung, Zuerkennung von Preisen, 
anzulegende Sammlungen von Büchern, Karten und andern zweckdienlichen Gegenständen. 

3. Die Gesellschaft schöpft die Mittel zur Bestreitung ihrer Auslagen und Ver- 
mehrung ihres Besitzes aus Beiträgen, welche sie erhält an Geld und andern Gegenständen. 

II. Bildung und Erneuerung. 

4. Die Gesellschaft besteht aus: a) ordentlichen Mitgliedern, b) ausserordentlichen 
Mitgliedern, e) correspondirenden Mitgliedern und d) Ehrenmitgliedern a. im Inlande 
ß im Auslande. 

5. Ordentliche Mitglieder sind diejenigen, welche einen Jahresbeitrag von 5 Gul- 
den C. M., oder für Lebenszeit die 12* 2 fache Ausgleichungssumme per 62 fi. 30 kr. zahlen. 

Ausserordentliche Mitglieder sind diejenigen, welche einen jährlichen Beitrag von 
mindestens 10 fl. C. M. leisten. 

6 Zur Aufnahme als ordentliches oder ausserordentliches Mitglied wird der Name 
von einem Mitgliede dem Ausschusse vorgeschlagen, von diesem der nächsten Gesammt- 
versammlung empfohlen und durch absolute Majorität angenommen. 

7. Dieses Verfahren ist für jene Personen, welche, sich vorbehaltlich der Aller- 
höchsten Genehmigung und ihrer eigenen Annahme der Statuten als eventuelle Mitglie- 
der der Gesellschaft erklären, nicht mehr erforderlich. 

8. Zu correspondirenden Mitgliedern werden jene Personen gewählt, welche, 
ohne einen Beitrag zu leisten, die Interessen der geographischen Gesellschaft durch 
ihre persönliche Thäthigkeit fördern. 

9. Zu Ehrenmitgliedern a. im Inlande oder ß. im Auslande, sollen solche Per- 
sonen gewählt werden, welchen die Gesellschaft für ihre ausgezeichneten Verdienste 
um die Förderung der geographischen Wissenschaft eine besondere Anerkennung dar- 
zubringen wünscht. 

10. Sowohl die Correspundenten, wie die Ehrenmitglieder werden vom Aus- 
schusse der Gesammtversammlung vorgeschlagen und mit absoluter Stimmenmehrheit 
gewählt. Die Aufnahme eines Ausländers als Mitglied der Gesellschaft hat nicht ohne 
Genehmigung des Ministeriums des Innern zu geschehen. 

III. Rechte und Pflichten. 

11. Alle Mitglieder sind verpflichtet, die Zwecke der Gesellschaft innerhalb der 
durch die Statuten gezogenen Grenzen nach Kräften zu fördern; die ordentlichen und 
ausserordentlichen Mitglieder überdiess auch die jährlich zu entrichenden Beiträge regel- 
mässig zu zahlen. — Die VerahsJiumung der Einzahlung des Jahresbeitrages nach 
Jahresfrist wird als Austrittserklärung betrachtet. 

12. In den Gesammtversammlungen hat jedes anwesende Mitglied Eine Stimme. 
Es hat das Recht, Anträge zu stellen, welche an den Ausschuss zu richten und schrift- 
lich dem Secretär zu übergeben sind. 

Die Mitglieder werden durch Druckschriften, welche sie unentgeltlich in Empfang 
nehmen können, in der Kenntniss der Vorgänge erhalten. Sie benützen die Samm- 
lungen nach den in der Geschäftsordnung bestimmten Normen. 

IV. Geschäftsführung- und Leitung. 

13. Die Geschäftsführung geschieht theils: a) in den Gesammtversammlungen 
durch die versammelten Mitglieder, b) durch die von denselben gewählten Functionäre. 

14. Die den Gesammtversammlung-en zur Entscheidung vorbehaltenen Geschäfte 
sind: a) Wahl aller Mitglieder, b) Wahl der Functionäre, c) Annahme der Geschäfts- 



VI 

Ordnung, d) die Genehmigung des jährlich zu legenden Rechnungsberichtes, e) Aende- 
rung der Statuten, wobei übrigens die Allerhöchste Genehmigung vorbehalten ist. 

l.j. In der Regel findet jeden Monat eine Gesammtversammlung statt. Der Tag 
derselben wird in der Wiener Zeitung bekannt gemacht. 

16. Ausserordentliche Versammlungen können nur durch den Ausschuss bestimmt 
werden, und müssen dann ebenfalls in der Wiener Zeitung bekannt gemacht werden. 

17. Alle übrigen Geschäfte besorgt ein Ausschuss durch die Functionäre. Diese 
bilden einen Körper, der in seiner vollständigen Zusammensetzung aus 34 Vertrauens- 
männern besteht, a) Ein Präsident mit einjähriger Functionsdauer. b) Sechs Vice-Prä- 
sidenten mit zweijähriger Functionsdauer und jährlicher Erneuerung der Hälfte. Nach 
dem ersten Jahre bestimmt das Loos die Austretenden, c) Zwei Secretäre. d) Ein 
Rechnungsführer, e) Ein Cassier, und zwar alle vier mit einer in der Geschäftsord- 
nung zu bestimmenden Functionsdauer. f) Zwei Prüfungscommissäre der Jahresrechnungen 
mit einmaliger Function der Prüfung, g) Einundzwanzig Ausschussmänner mit dreijäh- 
riger Functionsdauer und jährlicher Erneuerung eines Drittheils. Nach dem ersten und 
zweiten Jahre bestimmt das Loos die Austretenden. 

18. Der Präsident und die sechs Vice-Präsidenten sind nach dem Austreten 
nicht sogleich wieder zu derselben Function wählbar. 

19. Der Präsident leitet die Verhandlungen in den Gesammt- und Ausschuss- 
Sitzungen, welche letztere er beruft. Er gibt am Schlüsse seines Functionsjahres einen 
Jahresbericht. 

20. Die Vice-Präsidenten unterstützen den Präsidenten in der Geschäftsleitung 
und vertreten denselben nach einem einmonatlichen Turnus. 

21. Die Secretäre führen die Protokolle in den Sitzungen, besorgen die Corre- 
spondenz und überwachen die Sammlungen. Einer der Secrectäre legt den im Aus- 
schuss berathenen, jährlich zu legenden Rechenschaftsbericht in der Gesammtsitzung vor. 

22. Der Rechnungsführer und der Cassier besorgen die Geldangelegenheiten der 
Gesellschaft. 

23. Sämmtliche Functionäre werden von dem Präsidenten oder von dem ihn 
vertretenden Vice-Präsidenten zu Ausschuss-Sitzungen berufen, in welchen die Anwe- 
senden Stimme haben. 

V. Vertretung und Schlichtung von Streitigkeiten. 

24. In diesen Ausschuss-Sitzungen werden sämmtliche Geschäfte der Gesellschaft 
erledigt, welche nicht der Gesammt- Versammlung vorbehalten sind; die vor die letztere 
kommmenden Fragen und Anträge näher erwogen und die zu fassenden Entschlüsse 
vorbereitet. 

25. Sowohl für die Gesammt- wie Ausschuss-Sitzungen leitet ein Secretär die Vor- 
bereitungen. 

26. Jede Abstimmung, sowohl in den Gesammt- wie Ausschuss-Sitzungen geschieht 
nach absoluter Majorität der Stimmen. 

27. Ueber jede Gesammt- und Ausschuss-Sitzung wird ein Protokoll geführt, 
welches von dem jedesmaligen Vorsitzenden, dem Sekretär und einem anwesenden 
Ausschussmanne gefertigt wird. 

28. Die Gesellschaft wird durch den Präsidenten oder im Falle seiner Verhin- 
derung durch den ihn vertretenden Vice-Präsidenten gemeinschaftlich mit einem Sekre- 
tär nach aussen und den Behörden gegenüber vertreten. 

29. Der Natur der Gesellschaft nach sind eigentliche Streitigkeiten nicht denkbar 
— Die etwa eintretenden Verschiedenheiten der Ansichten, die sich auf die Erreichung 
der gesellschaftlichen Zwecke beziehen, werden in den Ausschuss-Sitzungen vorgetragen 
und in Anträge formulirt, in einer Gesainmt-Sitzung zur Entscheidung vorgelegt. 

VI. Auflösung der Ciesellschaft. 

30. Im Falle der Auflösung der Gesellschaft, welche vorläufig zur Kenntniss der 
politischen Landesstelle zu bringen ist, entscheidet die Gesammt-Sitzung über die Moda- 
litäten der Auflösung, insbesondere aber über die bezüglich des Gesellschaftsvermö- 
gens zu treffenden Verfügungen. 



VII 



GESC HAFTS-ORDNUNG 

DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 

GEOGRAPHISCHEN -GESELLSCHAFT. 



Der Zweck der Gesellschaft ist die Förderung der geographischen Wissenschaft 
in ihren verschiedenen Richtungen und zwar durch periodische Versammlungen, Heraus- 
gabe von Druckschriften und Karten, Unterstützungen, Zuerkennung von Preisen, an- 
zulegende Sammlungen von Büchern. Karten und andern zweckdienlichen Gegenständen. 
Die Geschäftsordnung hat daher nähere Erörterungen für alle diese Zweige, so wie 
für die Geschäftsführung im Allgemeinen zu enthalten. 

Die Geschäftsordnung geschieht: a) durch die Functionäre: 

I. Der Präsident. 

§. 1. Der Präsident führt bei allen Sitzungen den Vorsitz, eröffnet dieselben, 
leitet die Verhandlungen, und schliesst sie. 

§. 2. Er unterfertigt die Diplome und alle wichtigeren Akten, in welchen die 
Gesellschaft als Ganzes nach Aussen und den Behörden gegenüber repräsentirt ist. 

§. 3. Er beruft die Ausschuss-Sitzungen. 

§. 4. Er nimmt die von dem Rechnungsführer und Kassier von drei zu drei 
Monaten verfassten Rechnungsabschlüsse zur Kenntniss. 

§. 5.. Er weiset specielle wissenschaftliche oder administrative Gegenstände in 
vorkommenden Fällen eigenen Referenten aus der Zahl der Ausschuss- oder der übrigen 
Mitglieder zu. 

§. 6. Er gibt am Schlüsse seines Functionsjahres einen Jahresbericht. 

§. 7. Im Verhinderungsfalle wird er durch den in der Tour stehenden Vice- 
präsidenten vertreten, 

11. Vice-Präsidenten. 

§. 8. Die sechs Vicepräsidenten vertreten den Präsidenten in allen seinen Func- 
tionen und zwar von Monat zu Monat abwechselnd in alphabetischer Reihenfolge. 

111. Secretäre. 

§. 9. Den beiden Secretären fallen alle die Geseilschaft betreffenden admini- 
strativen Geschäfte zu, in welche sie sich theilen. 

§. 10. Alle an die Gesellschaft gerichteten Zusendungen gehen an den ersten 
Secretär; derselbe beantwortet alle Briefe, Anfragen und Akten im Einverständnisse 
mit dem Präsidenten und legt sie nöthigenfalls berichterstattend in der Ausschuss- 
sitzung vor. 

§. 11. Er trägt die in den Ausschusssitzungen formulirten Anträge in den Ge- 
sammtsitzungen zur Entscheidung vor. 

§. 12. Er legt ferner alle eingegangenen Tausch- oder Geschenkgegenstände 
in den Gesammtversammlungen, so wie die an die Gesellschaft eingesendeten wissen- 
schaftlichen Aufsätze dem Ausschusse vor. 

§. 13. Er führt über die für die Gesammtversammtung angemeldeten Vorträge 
eine eigene Aufschreibung. 

§. 14. Er unterfertigt mit dem Präsidenten alle Diplome und alle Akten, sowie 
allein die minderwichtigen kurrenten, administrativen Gegenstände der Correspondenz. 

§. 15. Er verfasst den am Schlüsse des Jahres zu legenden Rechenschaftsbe- 
richt und legt ihn der Ausschusssitzung und der allgemeinen Versammlung vor. Dieser 
Rechenschaftsbericht enthällt zugleich den Rechnungsabschluss des Jahres, sowie Vor- 
anschläge. 

§. 16. Er leitet im Einverständnisse mit dem Präsidenten den Druck der Ge- 
sellschaftsschriften. 

§. 17. Er führt über die Mitglieder ein genaues Verzeichniss. 

§. 18. Er führt die Kanzlei direction. 

§. 19. Er unterfertigt alle an den Kassier zur Auszahlung gerichteten Anweisungen. 

§. 20. Die Function des ersten Secretärs dauert vier Jahre. 



VIII 

§. 21. Der zweite Secretär führt bei allen Sitzungen das Protokoll und un- 
terstützt den ersten Secretär in allen seinen Geschäften. 

§. 22. Er besorgt ferner die Ordnung und Aufsicht der Bibliothek und der 
Sammlungen, worüber er genaue Kataloge führt. 

§. 23. Er führt ferner über alle an die Gesellschaft eingegangenen Gegenstände 
eine chronologische Vormerkung und eine eigene Inventarsrechnung. 

§. 24. Die Function des zum ersten Mal gewählten zweiten Secretärs dauert 
zwei Jahre, später ebenfalls 4 Jahre. 

IV. Rechnungsführer. 

§. 25. Der Rechnungsführer nimmt alle an den Verein gelangenden Gelder in 
Empfang und übergibt sie dem Kassier zur Aufbewahrung, worüber ein eigenes Vor- 
merkungsbuch zwischen Beiden geführt wird. 

§. 26. Er übernimmt alle zur Zahlung einlangenden Contos und weiset den Be- 
trag zur Auszahlung an den Kassier mittelst eigener vorgedruckten Anweisungen, die 
vom Secretär mitgefertigt sind. 

§. 27. Er führt über sämmtliche Einnahmen und Ausgaben eine eigene Geld- 
rechnung und übergibt dem Präsidenten von drei zu drei Monaten einen vom Kas- 
sier mitgefertigten Kechnungsabschluss. 

§. 28. Er unterfertigt mit dem Kassier die Jahreskarten. 

§. 29. Er bereitet alljährlich einen vollständigen Jahresabschluss vor und über- 
gibt denselben dem ersten Secretär. 

§. 30. Die Function des Rechnungsführers dauert drei Jahre. 

V. Kassier. 

§. 31. Der Kassier nimmt die ihm vom Rechnungsführer übergebenen Gesell- 
schaftsgelder in Empfang und führt hierüber eine geuaue Aufschreibung. 

§. 32. Er zahlt alle an ihn gerichteten vom Rechnungsführer und Sekretär un- 
terfertigten Anweisungen aus, und verzeichnet dieselben. 

§. 33. Sobald die Baarschaft Einhundert Gulden übersteigt, legt er sie frucht- 
bringend an. „ • 

§.- 34. Er unterzeichnet alle vom Rechnungsführer verfassten dreimonatlichen , 
und Jahresrechnungen, so wie die Jahreskarten. 

VI. Prüfungs-Commissäre. 

§. 35. Die Function des Kassiers dauert zwei Jahre. 

§. 36. Die Prüfungs-Commissäre revidiren die vom Rechnungsführer zu legende 
Jahresrechnung und die vom zweiten Secretär zu führende Inventarialrechnung am 
Jahresschlüsse. 

VII. Ausschussmitglieder. 

§. 37. Die Ausschuss -Mitglieder haben in den Aussohuss- Sitzungen entschei- 
dende Stimme. 

§. 38. Sie übernehmen in vorkommenden Fällen Referate zur Erledigung, 
b) durch die 

Gesammt- Versammlungen. 

§. 39. Den Vorsitz bei diesen fü'irt der Präsident ; ist dieser nicht anwesend, so 
übernimmt der Monats-Vicepräsident, als dessen Stellvertreter den Vorsitz. Sollte der- 
selbe nicht anwesend sein, oder den Vorsitz ablehnen, so folgt der nächstgereihte 
Monats-Vicepräsident u. s. f. 

§. 40. Sollte auch keiner der. Vicepräsidenten anwesend sein, oder den Vorsitz 
ablehnen, so leitet ein im Alphabet zunächst folgendes Ausschussmitglied die Verhand- 
lungen. 

§. 41. Gegenstände der Gesammtsitzungen sind: die wissenschaftlichen Vorträge, die 
die Gesellschaft betreffenden Mittheilungen, und die der Gesammt-Versammlung durch 
die Statuten vorbehaltenen Geschäfte. 

§. 42. Die Vorträge werden von den Mitgliedern der Gesellschaft gehalten. 

§. 43. In besonderen Fällen ladet der Präsident oder der erste Secretär, im 
Einverständnisse mit demselben, zur Abhaltung eines Vortrages auch solche Personen 
ein, welche nicht Mitglieder der Gesellschaft sind. 

§. 44. Wer einen Vortrag zu halten beabsichtigt, wird ersucht, davon dem er- 
sten Secretär schriftlich oder mündlich, wo möglich zwei Tage vor der Versammlung, 
die Mittheilung zu machen. 



IX 

§. 45. Zrir Beschlussfähigkeit der Gesammtversammlung ist die Anwesenheit von 
mindestens einundzwanzig Mitgliedern erforderlich. 

Jahres- Versammlung. 

§. 46. Die erste Gesanimtversamuilung im Monat November eines jeden Jahres 
wird zugleich als Jahresversammlung betsaehtet, in welcher der Jahresbericht und der 
Rechenschaftsbericht vorgelegt wird. 

§. 47. In derselben werden die erforderlichen Wahlen der Functionäre vor- 
genommen. 

Ausschuss-Sitzungen. 

§. 48. Zu den Ausschuss-Sitzungen werden die Functionäre besonders eingeladen. 

§. 49. In denselben führt der Präsident oder der ihn vertretende Monatspräsi- 
dent den Vorsitz. Die Sitzung beginnt mit der Vorlesung des Protokolls der vorher- 
gegangenen Ausschuss-Sitzung. 

§. 50. Gegenstände der Ausschuss-Sitzungen sin>l: die Berichte des ersten Se- 
cretärs über die gefassten Beschlüsse, die wichtigsten die Gesellschaft betreffenden Ein- 
laufe, und die eingegangenen Anträge. 

§. 51. Zur Beschlussfähigkeit ist die Anwesenheit von mindestens sieben Func- 
tionären erforderlich. 

§. 52. Alle anwesenden Functionäre sind stimmfähig, bei gleicher Stimmenzahl 
entscheidet der Präsident. 

§. 53. Auf Verlangen eines Mitgliedes ist über den Schluss der Debatten ab- 
zustimmen. Sobald der Schluss der Debatte ausgesprochen ist, hat nur noch der An- 
tragsteller oder Berichterstatter das Recht zum Worte. 

§. 54. Bei der Fragestellung ist ein Antrag auf Aussetzung des Beschlusses auf 
eine spätere Zeit vor allen materiellen Verbesserungsvorschlägen zur Abstimmung zu 
bringen. Von zwei selbstständigen Anträgen ist derjeige zuerst zur Abstimmung zu 
bringen, durch dessen Annahme der andere Antrag von selbst hinwegfällt. Ausser die- 
sem Falle hat der weitergehende Antrag den Vorrang vor dem andern. Im Uebrigen 
gehen Verbesser'ings-Vorschläge den Hauptanträgen vor. 

Herausgabe von Druckschriften. 

§. 55. Die Gesellschaft veröffentlicht Druckschriften, deren Ausdehnung von den 
vorhandenen Geldmitteln abhängt. 

§. 56. Diese sollen enthalten: a) die Sitzungsberichte über die Gesammtsitzun= 
gen der Gesellschaft, b) Abhandlungen sowohl von Mitgliedern, wie von Nichtmitglie- 
dern über geographische Gegenstände. 

§. 57. Die Abhandlungen werden »on den Sitzungsberichten dadurch getrennt 
gehalten, dass sie eine abgesonderte Paginirung erhalten. 

§. 58. Jeder Verfasser erhält von seiner gelieferten Abhandlung fünfzig Se- 
paratabdrücke gratis. 

§. 56. Die Redaction führt der erste Secretär in Einvernehmen mit dem Prä- 
sidenten. 

Bibliothek. 

§. 60. Alle an die Gesellschaft einlangenden Druckschriften und Karten wer- 
den in einer Bibliothek aufbewahrt, deren Aufsicht der zweite Secretär führt. 

§. 61. Ueber dieselben wird ein gehöriger Katalog und ein chronologisches Vor- 
merkbuch der einlangenden Gegenstände geführt. 

§. 62 Jedes Mitglied ist berechtigt, aus der Bibliothek die Druckschriften zu 
benützen. 

§. 63. Gegen jede Entlehnung aus dem Vereinslokale wird eine Empfangsbe- 
stätigung ausgestellt. 

§. Auch andere an die Gesellschaft eingehende Gegenstände werden in der 
Bibliothek aufbewahrt und hierüber wird vom zweiten Secretär ein eigenes Inventa- 
rium geführt. 

Hilfspersonale. 

§. 65. Zur weiteren Besorgung der Geschäfte wird den Secretären ein Scriptor 
zur Aushilfe und ein Diener gegen eine monatliche Entschädigung beigegeben. 



K. K. GEOGRAPHISCHE GESELLSCHAFT. 



Funktionäre. 

Präsident: 

Czocrnig Karl, Freiherr v. Czernhausen, Se. Excellenz, U. J. Dr., Commandeur, k. k. w. geh. 
Kalh, Seetionschef im k. k. Handelsministerium, C. M. K. A. 

Vicc-l*rä.sitleuten : 

Baidinger Wilhelm, Ritter, Phil. Dr., k. k. Seetionsrath, Director der k. k. geologischen 

Reichsanstalt, M. K. A. 
Belfert Alexander, Freiherr von, U. J. Dr., Unterstaatssecretär im k. !.. Ministerium für Cultus 

und Unterricht, 
flieizinger Karl, Freiherr von, Se. Excellenz, k. k. wirklicher geheimer Rath, k. k. Reichsrath. 
Kinlzl Leopold, k. k Generalmajor. 
Saliii-Rcilieischeidt-kiaiitlieiin Hugo, Se. Durchlaucht Fürst von, Ritter des goldenen Vliesses, 

Grosskreuz, k. k. Reichsrath etc. 
Steinhäuser Anton, k. k Rath. 



Secretär : 

filcchunngsführer : 

trassier; 



FoetUrle Franz, k. k. Bergrath. 
Hornig Emil, k. k. Professor. 

Artaria August, Kunsthändler. 

Censoren : 

flarinat Anton, Revident im statistischen Bureau des k. k. Handelsministeriums. 
Schimmer Gustav Adolf. Revident im statistischen Bureau des k. k. Handelsministeriums. 

Ausschuss- Mitglieder: 

lierker Moriz A., Phil Dr., k. k. Schulrath. 

Bergmann Joseph, Ritter, Custos im k. k. Münz- und Antiken-Cabinet, M. K. A. 

Cjbnlz Ignaz, k. k. Artillerie Hauptmann. 

Ficker Adolf, U. J. et Phil. Dr., Ministerial-Secretär im k. k. Handelsministerium. 

Kitzinger Leop., Med. et Phil.Dr, Custos-Adjunkt am k. k. zoologischen Hof-Cabinete. M. K.A. 

Fligely August von, Commandeur, k. k. Generalmajor, Director des k. k. Militär, geographischen 
Institutes. 

Fritscfa Karl, Adjunkt a. d. k. k. Cential-Anstalt für Meteorologie u. Erdmagnetismus, CM. K.A 

Bauer Franz, Ritter von, k. k. Bergrath, C. M. K. A. 

Beller Karl, k. k. Professor am k. k. Theresianum. 

Beufler zu Rasen und Perdonegg Ludwig, Ritter von. k. k. w. Kämmerer, k. k. Seetionsrath. 

flingenau Otto Freiherr von, k. k. wirkl. Kämmerer, Bergrath, Professor. 

Börnes Moriz, Ritter, Phil. Dr., Custos und Vorstand des k. k. Hof-Mineralien-Cabinetes. - 

Kotschy Dr. Theodor, Custos-Adjunkt am k. k. botanischen Hof-Cabinete. 

Rreil Karl, Ritter, Phil. Dr., Director der k. k. Central -Anstalt für Meteorologie und Erd- 
magnetismus, M. K. A. 

Muszvnski Karl, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Pechmann Eduard, Ritter, Oberstlieutenant im k. k. Mifit. Ingenieur-Geographen-Corps. 

Reissek Siegfried, Med. Dr., Custos-Adjunkt am k. k. botanischen Hof-Cahinete. C. M. K. A. 

Buthner Anton v. , U. J. Dr., Hof- und Gerichts-Advokat. 

Simon; Friedrich, k. k. Professor. 

Zhishinan Josef. Phil. Dr., Professor am k. k. Theresianum. 



XI 
Ehren - Mitglieder. 

Des Inlandes: 

S e. k. k H o h e i t d e r D u r c h 1 a u c h t i g s t e P r i n z und Herr 

Erzherzog Ferdinand Maximilian. 
Se. k. k. Hoheit der Durchlauchtigste Prinz und Herr 

Erzherzog Karl Ludwig. 
S e. k. k. H o h e i t d e r D u r c h I a u c h t i g s t e P r i n z undHerr 

Erzherzog A I b r e c li t. 
S e. k. k. H o h e i t d e r D u r c h I a u e h t i g s t e Prinz und Herr 

Erzherzog Karl Ferdinand. 
S e. k. k. H o h e i t d e r I) u r c . h I a u c h t i g s t e Prinz und Herr 

Erzherzog IS te phan. 
S e. k. k. H o h e i t d e r D u r e h I a u c h t i g s t e P r i n z undHerr 

Erzherzog Joseph. « 

S e. k. k. Hoheit der Durchlauchtigste Prinz und Herr 
Erzherzog Ludwig Joseph. 

Bone Dr. Ami, M. K. A. , Wi e n. 

Hauslab, Se. Excellenz Franz Ritter v.. k k. \v. Geh. Kath, k. k. Feldmarschall-Lieutenant. Wien. 

Nostitz Gräfin Pauline vi, geborne Freiin Des-Granges. Schön dorf bei Neu-Arad, Ungarn. 

Des Auslandes: 

S e. M a j. der Kaiser von Brasilien 

Dom Pedro II 

S e. M a j. der König von S c h w e d e n und Norwegen 

Karl XIV. 

S e. kaiserliche Hoheit der G r o s s f ü r s t 

Constautiu von R u s s 1 a n d. 

Bache Alexander D., Superintendant des Coast Survey der Vereinigten Staaten von Nordamerika, 
Washington. 

Baer Dr. Karl Ernst von, kaiserlich russischer Staatsrat!) und Akademiker, St. Petersb urg. 

Barth Dr. Heinrich, Ritter des Bath-Ordens, Hamburg. 

Baeyer, königl. preussischer Generalmajor und Ahtheilungschef im grossen Generalstab, Berlin. 

Beaiiinoiit Leonce Lllc de, Ritter, kaiserlich französischer Senator, beständiger Secretär der kai- 
serlichen Akademie der Wissenschaften, Paris. 

Brisbane Sir Thomas Macdougall, Hart,, königl. grossbritannischer General-Lieutenant, Präsident 
der königl. Gesellschaft von Edinburg. Edinburg. 

Candolle Alphons de, Professor, Genf. 

Demidoff Anatol Fürst von, kaiserlich russischer Kammerherr , Staatsrat!), SanDonato bei 
Florenz. 

Daumas Melchior, kaiserl. französischer Divisions-General, Director der Abtheilung für Algier 
im Kriegsministerium, Paris. 

Dove Heinrich Wilhelm, königl. preussischer Professor, Mitglied der königl. Akademie der 
Wissenschaften, Berlin. 

IMipperrcy Louis Isidore, kaiserl. französischer Admiral, Paris. 

Dupin Karl Baron, kaiserl. französischer Senator, Mitglied des Instituts von Frankreich, Paris. 

Ehrenberg Dr. Christian Gottfried, Ritter, Professor, Mitglied der königl. Academie der Wissen- 
schaften, Berlin. 

Ermann Dr. Adolph, königl. preussischer Professor, Berlin. 

Fitz Roy Robert, königl. grossbritannischer Rear-Admiral, Mitglied der königl. Gesellschaft, 
London. 

Fremont John Christ., Oberst der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Washington. 

Fries Dr. Elias, Ritter, königl. schwedischer Professor, Upsala. 

Grey Sir George, Gouverneur des Kapiandes in der Kapsta dt. 

Griiiell Henry, Vice-Präsident der geographischen Gesellschaft in New-York. 

Hansteen Christian, Commandern*, königl. schwed. Professor, Christian)*). 

Hermann Dr. Friedrich Benedikt Wilhelm von, königl. bayer. Staatsrat!), Director des statist. 
Bureau und Vorstand d. k. General-Bergwerks- und Salinen-Administration, München. 

Hooker Sir William Jackson, Ritter, Director des königl. botanischen Gartens, Mitglied der k. 
Gesellschaft in London, Kew. 

Jomard Edme Francois, Präsident der geographischen Gesellschaft in Paris, Mitglied des kais. 
Institutes von Frankreich, Paris. 



XII 

Keyserling Alexander Andreje» itsch Graf von, kaiseri. russischer Kammerherr, Reval 

Kupfl'or Adolph Theodor, kaiseri. russischer Staatsrath, Akademiker, St. Petersburg. 

Lainuiit Dr. Johann Ritter, Conservator der königl. Sternwarte, München. 

Lesscps Ferdinand von, Paris. 

Luca Se. Excellenz Anton Xaver de, apostolischer Nuntius. Erzbischof von Tarsus, Grosskreuz 
der königl. bayer. Krone,. Mitglied der b. Congregation de Propaganda fide etc., Wien. 

Liitke Fr. v., kaiseri. russischer Admiral, St. Petersburg. 

Lyell Sir Charles. Hitler, Mitglied der königl. Gesellschaft, London. 

IMarlius Dr. Karl Philipp Friedrich von. königl. bayer. Hofrath, Commandern-, Ritter, München. 

JUiddendurfT Adolph Theodor von, kaiseri. russischer Staatsrath, beständiger Secretär der kais. 
Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg. 

Horeau de Jonnes Alexander, Mitglied des Institutes von Frankreich, Paris. 

Murchison Sir Roderick Impey, Grosskreuz, Mitglied der königl. Gesellschaft und Präsident 
der königl. geographischen Gesellschaft, London. 

Quctelet Dr. Adolph Lambert Jacob. Director der königl. Sternwarte, Präsident der Central- 
Commission für Statistik, Brüssel. 

Ranlinsuii Heinrich Creswicke, königl. gross britannischer Oberst, Commandeur, Mitglied der 
königl. Gesellschaft, London. 

Rose Dr. Gustav, Professor der Mineralogie. Berlin. 

Rü|t|)el Dr. Eduard, Frankfurt a. M. 

Sabine Eduard, königl. grossbritannischer General-Major, Mitglied der königl. Gesellschaft, 
London. 

Sinjth William Henry, königl. grossbritannischer Rear-Admiral, Ritter, Mitglied der königl. Ge- 
sellschaft, Lo mloii. 

8 1 r ii v e Friedrich Georg Wilhelm v., kaiseri. russischer Staatsrath, Director der kaiseri. Stern- 
warte, Pulkowa. 

Sykes William Henry, königl. grossbritannischer Oberst, Mitglied der königl. Gesellschaft, 

I. ii II il on. 
Tchlhatcheff Peter von, kaiserlich russischer Kamnierherr, St. Petersburg. 
Vlcunite de Yerncuil Philipp Eduard le Poulletier, Mitglied des kaiseri. Institutes von Frankreich, 

Vice-Präsident der geologischen Gesellschaft von Frankreich, Paris. 
Wheweli Reverend William D. D , Marter of Trinity College, Mitglied der königl. Gesellschaft 

in London, Cambridge. 
Wied Seine Durchlaucht Maximilian Prinz von, Wied. 
Zarco del Valle y Huet, Seine Excellenz Don Antonio Remon, Grosskreuz, königl. spanischer 

General-Lieutenant, Präsident der königl. Akademie der Wissenschaften, Madrid. 

Correspoudirende Mitglieder. 

Des Inlandes: 

Kremiuer Alfred von, k. k. Vice-Consul und Consulats-Leiter in Cairo. 

Loossey Karl, k. k. General-Consul in New -York. 

Schwarz Dr. Wil., k. k. Sectionsrath u. Kanzlei-Directur des k. k. General-Consulats in Paris. 

Magyar Ladislaus Amerigo, in Bihe in Afrika. 

Des Auslandes: 
Ablcb Hermann, kaiseri. russischer Staatsrath, Akademiker, St. Petersburg. 
Anderson Ch. J., Stockholm. 
Andrec Karl, Phil. Dr. Leipzig. 

Angelrodt E. J.. k. k. Vice Consul in St. Louis, Missouri. U. S. A. 
d'Avezac, Secretär der geographischen Gesellschaft, Paris. 
Bergbaus Dr. Heinrich, königl. preussischer Professor, Berlin. 
Bickerstcth Dr., Inspector siimmtlicher Spitäler, Kapstadt. 
Bleck Dr. W. H. J, Kapstadt. 

Blceker Dr. P., Präsident der naturforschenden Gesellschaft für Niederland. Indien, Batavia. 
Buist Dr. F. Georg, Mitglied der königl. Gesellschaft in London, Secretär der geographischen 

Gesellschaft, Bomb a y. 
Carrasco Don Eduardo, Cosmografo major del Peru, Professor, Director der nautischen Schule, 

Lima. 
Castelnau Graf Francis de, kaiseri. französischer General-Consul, Kapstadt. 
Dana James D., Professor, New-Haven, Connecticut. 

Darwin Charles Esq., Mitglied der königl. Gesellschaft in London, Down bei Bromley, Kent 
Daussy Peter, Commandeur, Mitglied des kaiserliehen Instituts von Frankreich, Paris. 
Kniory W. E., Major der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Washington. 



XIII 

Engel Dr. Christian Lorenz Ernst, Vorstand des statistischen Bureau's, Berlin. 

Kwald Ludwig, grossherzogl. hessischer Ober-Steuerrath, Vorstand des Vereines für Erdkunde 

und verwandte Wissenschaften, Darmstadt. 
Ferrcira Lagos Dr. Manne], kaiserl. brasilianischer Prnfessor, Rio de Janeiro. 
Flügel Felix Philipp Dr., Konsul der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Leipzig. 
Forchbammer Dr. Peter, Professor, Kiel. 

Galton Francis Esq., Mitglied der geographischen Gesellschaft, London. 
Gibbon M. Mac Jupes, Intendant des botanischen Gartens in der Kapstadt. 
Gicwinck Dr. Constantin, kaiserl. russischer Professor, Dorpat. 
Grisebach Dr. August, königl. hannoverscher Professor, Göttingen. 
Hamilton William John Esq., Mitglied der königl. Gesellschaft, Präsident der geologischen 

Gesellschaft, London. 
Uampe Ernst, Apotheker, B I anke nbu r g. 
Ueer Dr. Oswald, Professor, Zürich 

lleliuerseii Gregor v., kaiserl. russischer General-Major, Akademiker, St. Petersburg. 
Henry Joseph, Secretär des Smithsonian Institution, Washington. 
Heuglin Theodor, Ritter von, Stuttgart. 
Holding Mr. J. C., Kapstadt. 
Hooker Joseph Dalton, Mitglied der königl. Gesellschaft in London, Director-Assistent der 

königl. Gärten, Kew. 
Jochuius A., königl. preussischer General-Lieutenant, London. 
Jobnston Alexander Keith Esq., Mitglied der königl. Gesellschaft, Edinburg. 
.luiigliiiliii Dr. Franz, Batavia. 
Juritz Dr. C. F., Kapstadt. 

hänilz Dr. Ludwig Friedlich, kaiserl. russischer Professor, Dorpat. 
Karsten Dr. Hermann, königl. preussischer Professor, Berlin. 
Kiepert Dr. Heinrich, Mitglied der königl. Akademie der Wissenschaften. Berlin. 
Kolblug Dr., Missionär zu Gnadenthal im Kapland. 

Koppen Peter v., kaiserl. russischer Staatsrath, Akademiker, St. Petersburg, 
hülzing Dr. Traugott Friedrich, königl. preussischer Professor, Nordhausen. 
Lacblan Mr. Mac, zu Stelienbosch im Kapland. 
Laing Dr. T., Inspector sämmtlicher Spitäler in der Kapstadt. 

Lamansky Eugen v., Secretär der kaiserl. russischen geograph. Gesellschaft, St. Petersburg. 
Layard Mr. L., Secretär des Südafrikanischen Museums, Kapstadt. 
Lcgoyt August, Chef des Bureau für allgemeine Statistik im kaiserl. Ministerium des Innern, 

Paris. 
Llvingstone Dr. David, k. grossbritann. Consul in Afrika. 
Maclear M., Uirector der Sternwarte, Kapstadt. 

Malte-Brun V. A, Redactions-Secretär der geographischen Gesellschaft, Paris. 
Maury Alfred, General-Secretär der geographischen Gesellschaft, Paris. 
Maury Mathew Fontaine, Director der Sfernwarte der Vereinigten Staaten von Nordamerika, 

Washington. 
Merk Ernst, Command. des k. k. österr. Leopold-Ord., k. k. General-Consul, Hamburg. 
Mettcnius G., königl, sächsischer Professor, Leipzig. 
Müller Karl, königl. sächsischer Professor, Halle a. d. S. 
Muh ich J., Batavia. 

Netscher M. E., Directionsmitglied der Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft, Batavia. 
\i uinaiin Karl Friedrich, königl. bayerischer Professor, München. 
Pappe Dr. L., Kapstadt. 

Peieruianu Dr. August, Geograph der Perthes'schen geographischen Anstalt, Gotha. 
Peters Dr. Wilhelm, königl. preussischer Professor, Berlin. 
Poeppig Eduard, königl. sächsischer Professor, Leipzig. 
lia» son Mr., Kolonial-Sccretär, Kapstadt. 
Roser Dr., Missionär zu Gnade nthal im Kapland. 

Sartorius v. Walterhansen Dr. Wolfgang Freih., königl. hannoverscher Professor, Göttingen. 
Schlagintweit Dr. Hermann, Berlin. 
Schlaginlweit Dr. Robert, Berlin. 

Scbomburgk Sir Richard Henry, königl. grossbritannischer General-Consul, Siain. 
Schür b de Capaneina Dr. Wilhelm, kaiserl. brasilianischer Professor, Rio de Janeiro. 
Shaw Dr. Norton, Secretär der königl. geographischen Gesellschaft, London. 
Seemann Dr. Berthold, Redacteur der Bonplandia, London. 

Spruner Karl von, Oberstlieutenant im kön. bayer. General-Quartiermeisterstabe, München. 
Slraznickj Eduard R., Bibliothekar der geographischen Gesellschaft, New- York. 
Sturz Johann Jacob, Berlin. 



XIV 

Sydow Ernst von, königl. preussiseher Hauptmann a. D., Gotha. 

Vcrsteeg \V. F., k. niederländisch. Kapitän etc., Bat a via. 

Vogel Dr. Eduard,, Reisender in Central-Afrika. 

Wagner Dr. Moriz, M ü n c li e n. 

Wappaeus Dr. Johann Eduard, königl. hannoverscher Professor, Göttingen. 

Weddell Hugo A., Garten-Director im Musee imperial d'histolre naturelle, Paris. 

ft'citzel A. W. P., k. niederländ. Capitän etc , Batavia. 

Wjlej Mr., Kapstadt. 

Ziegler W. M., Palmgarten bei Winterthur in der Schweiz. 

Anssordentliche nnd ordentliche Mitglieder. 

(Die ausserordentlichen Mitglieder sind mit A. r?I. bezeichnet.) 
Abel Joseph, k. k. Schichtenmeister. C i I I i. 
Alpenburg August Ritter von, Realitätsbesitzer. Innsbruck. 
Alt Alois, Dr. U. J., Landes-Advokat. Krakau. 

Acken Hermann von. Hauptmann im k. k. Ingenieur-Geographen-Corps, 
Anaker Emil Edler von, Hauptmann im k. k. Gen. -Quartiermeisterstabe. 
Andiian-Werburg Ferdinand Freiherr von, Geolog an der k. k. geologischen Reichs- 
Anstalt. 



1856 

1857 

1858 



1857 
1856 



1859 

n 

1857 
1856 
1857 

1856 

1857 
1857 
1856 



Ankersbofen Theophil, Freiherr von, Landstrasse 497. 
int 



toine Franz, k. k. Hofgärtner, k. k. Hofburg. 

Areiistein Joseph, Se. Hochw., Phil. Dr., Ritter, k. k. Professor. Stadt, Heili- 
genkreuzerhof. 
10 Arneth Joseph C, Ritter, k.k. Regierungsrath, Director der k. k. Münz- und 
Antiken-Cabinete. Stadt, alter Fleischmarkt 697. 

Aitaria August, Kunsthändler, Stadt, Kohlmarkt 1151. 

Artaria Claudius, Kunsthändler. Stadt, Kohlmarkt 1151. 

Auer Alois, Ritter, Philos. Dr., k. k. Hofrath, Director der k. k. Hof- und 
Staatsdruckerei. Neubau, Mariahilfer Hauptstrasse 306. 

Auerhahn, Erzieher bei Herrn Grafen Kinsky, Stadt, Freiung 62. 

Babanek Wenzel, Professor am k. k. Obergymnasium. Pisek. 

Bach Dr. Alexander Freiherr von, Se. Excellenz, Grosskreuz, k. k. wirklicher 
geheimer Rath, k. k. Botschafter in Rom. A. M. (10 fl.) 

Balbi Eduard von, k. k. Professor. Venedig. 
18561 Bauer Alexander, Dr. Ch. Stadt, Kärthnerstrasse 1049. 

1857j Bauer Edmund. Gemeinderath , Director des stabilimento teenico, Consul von 

Hayti und Buenos-Ayres, Tri est. 
20 Bauiugartner Andreas Freiherr von, Se. Excellenz, Philos. Dr., Grosskreuz, k. k. 
wirkl. geheimer Rath, Präsident der K. A. W. A. JJI. (15 fl.) Stadt, Seiler- 
stätte 803. 

Bayer Anton, k. k. Hauptmann und Director der k. k. Militär-Schwimmschule 
Jägerzeile 49. 

Becsey de la Volta Stephan Freiherr von, Ritter des k. k. Maria Theresien- 
Ordens, k. k. Oberst-Lieutenant, Stadt 1578. 

Beer Joseph G. Landstrasse 138. 

Beck Friedrich, Buchhändler. Stadt 603. 

Becker Moriz A., Phil. Dr., k. k. Schulralh. Landstrasse, Razumowskyg. 93. 

Bell Samuel, Sectionsrath im k. k. Ministerium des Innern. Landstrasse, Wagg. 662, 

Bergmann Joseph, Ritter, Custos im k. k. Münz- und Antiken-Cabinete. M. K. A. 
Landstrasse, unteres Belvedore 642. 

Bilhaber Herrmann. Ch. Dr. Josephin. Florianigasse 52. 

Blaba P. Franz, Consistorialrath und Bezirksdeehant. Heraltitz. Mähren. 
30 Blumfeld Franz Seraphin Edler von, Comthur. Ministerialrat!! im k. k. Han- 
delsministerium. Stadt 136. 

Böhm Joseph Georg, Phil. Dr., Director der k. k. Sternwarte. Prag. 
1859 Buleslawsky Gustav von, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur-Geograph-Corps. 

1836 Bunitz Herrmann, Phil. Dr. k. k. Cniversitäts-Professor. M. K. A. alte Wieden 

Hauptstrasse 348. 

Boscban Friedrich, Med. Dr. Stadt, alt. Fleischmarkt 702. 

Buscban Friedrich, k. k. priv. Grosshändler, Stadt, Pressgasse 457. 

Brachelli Hugo, Beamter im Statist. Bureau des k. k. Handelsministeriums 
Spittelberg 134. 

Braumüller Wilhelm, Buchhändler. A. M. (10 fl.) Stadt, Graben 567. 



XV 



Breiiner-Enkevoirth Aug. Graf, k. k. Oberst-Erbland-Kämmerer. A. HI. (12 fl.) 

Landstrasse 6- 
Hrozowskj Wenz., Vice-Director d. Gremial-Handelsschule. Stadt, Tuchlfluben 557. 
40 Brück Karl Freiherr von, Se. Exe., Grosskreuz, k. k. w. geheimer Rath, k. k. Finanz- 
minister, A. HI. (10 fl.) Stadt Himmelpfortgasse. 
1837 Briijiiiaiin Wilhelm, k. k. Ober-Berg-Commissär. Kaschau. 

1858 ßniniier Joseph, Director des k. k. Ober-Gymnasiums zu Vinkovce. 

Bruuiier von ftattenwyl Karl, k. k. Telegraphen-Director. 
Bublcli Sigismund, Erzieher, Mariahilf 42. 

1857 Biicker Dr. B. F., Informator in P Ionen bei Takum in Kurland. 

1858 Bühler Ernst, Ingenieur der k. k. a. priv. Kaiser Ferdinand's Nordbahn, Prerau. 
1856| Blink Franz, Ccntral-Direetor der freiherrl. Rothschild'schen Eisenwerke. Witt- 

kowitz, Mähren. 
„ Burg Adam, Ritter von, k. k. Regierungsrath, Professor, M. K. A. Wieden 348. 

„ Bürger Johann, Währing 133. 

1857 50 Busan Hermann von, Hofrath des k k. Obersten Gerichtshofes. Stadt, höh. 
Markt 512. 

1856 Butterweck Karl. Alservorstadt 127. 

1857 Civelli Joseph, Besitzer der geographischen Anstalt in Mailand. 

1856 Conrad Michael, Sectionsrath im k. k. Finanzministerium. Landstr. Rennweg 636. 

1857 Costa Ethbin Heinr. v., U. J. et Phil Dr., Secretar des histor. Vereins von Krain, 
Laibach. 

1856 Cjbulz Ignaz, k. k. Artillerie-Hauptmann. 
Czedik von Bründlsberg Alois, k. k. Professor. Wieden, Favoritcnstrassc 314. 
Czerniu, Graf von Chudenitz Eugen, Se. Excelleuz, k. k. wirkl. geheimer Rath. 

A« HI. (25 fl.) Josephstadt, Glacis 213. 
Czoernig Karl Freih.v. Czernhausen, Se.Exc, U. J. Dr., k. k. w. geh. Rath, Sectionschef 

im k.k. Handelsm. C. M. K. A. A. HI. (10 fl.) Stadt, alter Fleischmarkt 690. 
Üauscher Anton U. J. Dr., Press bürg. 

1857 60 Decker Karl, k. k. Kunstmeister. S Chemnitz. 
Denk Anton, Stadt 571. 

Dolezal Anton, Revident im statistischen Bureau des k. k. Handelsministeriums. 
Drassenberger Joseph k. k. Rechnungsrath. Landstrasse, Heumarktglacis 498. 
Dreer Franz von, Doctor der Medizin. Tri est. 

1859 Dunlop Alexander Graham, Attache der k. grossbritannischen Gesandtschaft. 
1857 Ebersberg Julius, k. k. Hauptmann, Professor an der k. k. Artillerie-Akademie. 

Weisskirchen. 

1856 Egger Franz, ü. J. Dr., k. k. Hof- und Gerichts-Advokat. Stadt, Wollzeile 776. 

1857 Egger Alois, Professor am k. k. akademischen Ober-Gymnasium. Landstrasse 87. 
Eugelbardt Ignaz, Sectionsrath im k. k Handelsministerium. 

70 Erik von der Burg Karl, k. k. Schulrath. Josephstadt 216. 

1856 Einust von Gerdovchak Erperich, Gutsbesitzer. Josephstadt 319. 
Lttingshausen Constantin. Ritter von, Med. Dr., Professor an der k. k. medic. 

chirurg. Josephs-Akademie, Alservorstadt 222. 
1858j Ettncr Moritz, Hauptmann im k k. General-Quartiermeister-Stabe. Ofen. 

1857 Fabisch Joseph, k. k. Oberst, Direct. der k. k. Artil. -Akademie. Weisskirchen. 

1856 Farkas von Vukotinovic, Gutsbesitzer. Agram. 
Felder Cajetan, U.J. Dr., k. k. Hof- und Gerichts-Advokat. Stadt, Kohlmarkt 1149/50. 
FtMizI Eduard, Med. Dr., k. k. Universitäts-Professor, Director des k. k. bota- 
nischen Gartens. M. K. A., Landstrasse, Rennweg 638. 

Ticker Adolph, U. J. et Phil. Dr., Ministerial-Secretär im k. k. Handelsminis- 
terium. Landstrasse. Hauptstrasse 370. 
Figdor Gustav, k. k. priv. Grosshändler. Jägerzeile 579. 

1858 80 Filippi Eduard, Ritter, Oberst-Lieutenant in der k. k. Marine-Artillerie, Sections- 
chef beim k. k. Marine-Commando. Tri est. 

1857 de Fiori Franz, Prof. an der nautischen Akademie. -Tri est. 

1856 Fitzinger Leopold, Med. et Phil Dr.. Custos-Adjunkt am k. k. Hof-Naturalien- 

Cabinete. M. K. A. 

Fligelj August von, Commandern-, k. k. General-Major, Director des k. k. militär- 
geographischen Institutes. A. HI. (20 fl.) 

Foetterle Franz, k. k. Bergrath. Landstrasse, Razumowskygasse 93. 

Frankl Joseph Adam Paul, Med. Dr., Stadt, Weihburggasse 939. 



XVI 



Eintr. 
Jahr 

1856 



1857 
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Frauenfeld Georg, Custos-Adjunkt am k. k. Hof-Naturalien-Cabinete. 

Friesach Karl von, Med. Dr. Stadt 484. 

Fritsch Joseph, k. k. Zollbeamter. Zinnwald. 

Fritsrh Karl. Adjunkt an der k. k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnet- 
ismus C. M. K. A. Wieden, Favoritenstrasse 303. 
90 Gabler Wilhelm, Phil. Dr, Ilossau 199. 

Gabrielv Joseph von, Rechnungsrath im k. k. Handelsministerium. 

Ganabl Johann, Major im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Galsclier Albert, Se. Hoehw., Capitular des Stiftes Schotten und k. k. Professor. 

Ghcipiier von Mely-Nadasd Paul Sigmund, Hofrath des k. k. Obersten Gerichtshofes, 
Laimgnibe 184. 

Gigl Alexander, Bibliotheks-Offiziul im k. k. Ministerium des Innern. 

Gintl Wilhelm, Phil. Dr., k. k. Telegraphen-Director. C. M. K. A. Leopoldstadt 623. 

Glasl Karl, Professor an der k. k. Ober-Realschule am Schottenfeld. 

Ginelin Otto, Phil. Dr. 

Göhlert T. V., Ministerial-Concipist im k. k. Ministerium des Innern. 
100 Gorizutti Franz Freiherr v., k. k. Feldmarschall-Lieutenant, Truppen -Üivisions- 
Commandant. Venedig. 

Götsch Georg, Wundarzt. Tschars bei Naturns, Vintschgau in Tyrol- 

Guttschar Job , Se. Hochw.. bisch. Consistorialrath, k. k. Schulrath. Grosswardein. 

Griimii Johaun, Director der k. k. Montan-Lehranstalt. Pfibram. 

Grün Dionys, k. k. Professor. Landstrasse 487. 

Grünne Ferdinand Graf, Rittmeister im k. k. Adjutanten-Corps. 

Grüner Karl, Major im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Guggeuberger Ignaz Martin, k. k. Hauptmann. Wieden 376. 

Giiggentbal Victor von, k. k. Major, Vorstand der k. k. Kriegs-Bibliothek. 

Giitinaimstlial Ludwig, Ritter von, Vice-Präsident der k. k. Central-See-Behörde 
T r i e s t. 
110 Uaecker C. Friedrich, Beamter der k. k. priv. Credit-Anstalt. Landstrasse, Wag- 
gasse 663. 

Haidinger Fugen, k. k. priv. Fabriksbesitzer. Ellbogen. 

Ilaidiiiger Rudolph, k. k. priv. Fabriksbesitzer. Ell böge n. 

Haiduiger Wilhelm, Ritter, k. k. Hofrath, Director der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt. M. K. A. Landstrasse, Ungeigasse 363. 

flank eil berg Theodor, Ritter von. Stadt, ßürgerspital. 

Harniat Anton, Revident im statist. Bureau des k.k. Handelsministeriums. Landstr. 337. 

flarlinger Anton, Lithograph. Mariahilf 71. 

flarlinger August, Lithograph. Mariahilf 71. 

Hartnigg Paul, Bergwerks-ßeamter der Venetianischen Bergbau-Gesellschaft. Sap- 
pada hei Auronzo. 

Haueis Emil , Lehramts-Candidat. Stadt 168. 
120 flauer Franz Ritter von, k. k. Bergrath. C. M. K. A. Landstrasse, Lagergasse 774. 

Hauer Joseph Ritter von, Se. Excellenz, k. k wirkl. geheimer Rath. A. M« 
(10 fl.J Landstrasse, Hauptstrasse 279. 

HaiiT Julius Ritter von, k.k. Maschinen-Inspectors-Adjunkt. Schemnitz. 

flauer Karl Ritter von, k. k. Hauptmann und Vorstand des chemischen Labarato- 
riums der k. k. geologischen Reichsanstalt, Landstrasse, Ungergasse 575. 

Hauke, Director der Handels-Akademie. 

Heine Gustav, Redacteur des Fremdenblattes, Stadt, Wollzeile 774. 

Heinrich Alois, Secretar des niederösterreichischen Gewerbe-Vereines. 

Heisler Ferdinand von, U. J. Dr., Senats-Präsident des k. k. Obersten Gerichtshofes. 
Stadt, Singerstrasse 896. 

Helfert Alexander Freiherr von, U. J. Dr., Unter-Staatssecretär im k. k. Ministerium 
für Cultus und Unterricht, Stadt, Wollzeile 769. 

Heller Karl, Professor am k. k. Theresianum. 
130 Hcngelinüller Mich., Hofrath des k. k. Obersten Gerichtshof. Stadt, neuen Markt 1053, 

Hess Heinrich Freiherr von, Se. Excellenz, Grosskreuz, k. k. wirkl. geheimer Rath: 
Feldmarschall, Stadt 1073. 

Hessler Ferdinand, Phil. Dr., k. k- Professor. C. M. K. A. Neue Wieden 775. 

Heuller zuRaseu und Perdonegg Ludwig Ritter von, k.k. wirkl. Kämmerer, Sections- 
rath im k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht. Landstrasse 747. 
1857| flieber Carlmann, Phil. Dr., Director des k. k. Ober-Gymnasiums. Gratz. 



Eintr. 
Jahr. 

1856 
1857 
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ausser- 



XVII 



Olerschel Joachim, Ritter, Ingenieur. Laimgrube 177. 

flletzliiger Karl Freih. v., Se. Excellenz, k. k. wirkl. geh. Rath, Reichsrath.Stadt 548. 

Hillgenau Otto Freiherr von k. k. wirkl. Kammerer, k. k. Rergrath, Professor. Stadt, 

Seilerstätte 804. 
Ulrteiifeld J. N., Redacteur der Militär-Zeitung. Rossau 127. 
Borbeder Johann Karl, Ministerial-Secretär im k. k. Finanz-Ministerium. 
140 flocbsteüer Ferdinand, Phil. Dr., Geolog der k. k. geologischen Reichsanstalt. 
Hochstetter Karl. Fabriksbesitzer. Hruschau, Mähren. 
Huck Karl, Ritter von, Phil. Dr., Se. Excellenz, k. k. wirkl. geheimer Rath, Sections- 

chef im k. k. Finanzministerium. Stadt, unt. Bäckerstrasse 746. 
Hofer Joseph, Professor ander k.k. Realschule in der Leopoldstadt. Leopoldst. 185. 
Hofler Joseph, Beamter beider Dampfschifffahrts-Gesellschaft. Alservorstadt 15. 
Hoffinger Johann Baptist von, U. J. Dr., k. k. Hof-Concipist. Stadt 785. 
II u ll'in an ii Leopold von, k. k. Hof- und Ministerial-Secretär. Stadt 753. 
Bögelsberger Karl, Professor an der k.k. Ober-Realschule auf der Landstrasse, 

Landstrasse Gemeindegasse 74. 
Hiilenia Edmund, Gutsbesitzer. Egendorf, Ober-Oesterreich. 
Uölzel Eduard, Buch- und Kunsthändler. Imütz. 
150 Hopfuer Johann, Erzieher bei Sr. Durchlaucht dem regierenden Fürsten von Lich- 
tenstein. Stadt 44. 
Börnes Moriz, Phil. Dr., Ritter, Director des k. k. Hof-Mineralien-Cabinets. 
Bornig Emil, Professor an der k. k. Ober-Reaschule auf der Landstrasse. Stadt 

Wallfischgasse 1020. 
Borustcin Karl, Phil. Dr., Adjunct an der k. k. Universitäts-Sternwarte. C. M. K. A. 
Bovanji Franz, Se. Hochw., Domherr v. Grosswardein. Stadt, Bürgerspital. 
Brubv Franz, k. k. Catastral-Archivar, Alservorstadt 210. 
Brubv Karl, k. k. Gensdarmerie-Ober-Lieutenant in Oedenburg. 
Brubv Moriz, Hauptmann im k. k. Infanten e-Reg. Erzherzog Karl. 
Bügel Karl Freiherr von, Se. Excellenz, Grosskreuz, k. k. wirkl. geh. Rath, 

ordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister. A, M. (01 fl.) 
Jan Georg, Director des städt. Museums. Mailand. 
160 Jüek August, k. k. Linienschiffs-Arzt, Leibarzt Se. k. Hoheit des Herrn Erzherzog 

Ferdinand Maximilian. T r i e s t. 
Jlllv Gustav, Professor am k. k. Ober-Gymnasium. Ol mutz. 
Jokelv Johann, Geolog an der k. k. geologischen Reichsanstalt. 
Kaiser Johann Nepomuk, Ritter, k. k. Universitäts-Professor. Landstrasse 304. 
Kastner Leopold, Vorstand der Registratur der k. k. priv. Credit- Anstalt. 
Keler Sigmund von, Hauptmann im k. k. General-Quartiermeister Stabe. 
Kempen Johann, Freiherr von Fichtenstamm, Se. Excellenz, Grosskreuz, k. k. wirkl. 

geheimer Rath, k. k. Feldzeugmeister in Pension A. WI. 
Kerner Anton, Med. Dr., Professor am k. k. Josephs-Polyteehnikum. Ofen. 
Kerr Frau Leopoldine, Mitglied mehr, gelehrten Gesellschaften A. IM. 
Keszthcly, die Direction des k. k. Ober-Gymnasiums zu. 
170 Kintzl Leopold, k. k. General-Major, Alservorstadt, Glacis 200. 

Riraly Jos. Paul, Director des evangelischen Ober-Gymnasiums. Oedenburg. 

Kluger von Teschenberg Adolph, Hauptmann im k. k. General-Quartirmcister-Stabe. 

Kluii Vincenz, Dr., Phil., Professor an der Handels-Akademie. Stadt Strauchgasse. 

Kocziczka Wenzel, Hauptmann im k. k. Lin. Inf. Reg. Erzh. Wilhelm Nr. 12. 

Kögler Wilhelm, k. k. Professor. Prag. 

Koristka Karl, k. k. Professor am st. Polytechnicum. Prag. 

Kornhuber Gustav Andreas, Med. et Phil., Dr. Professor an der Ober-Realschule 

Pressburg 
Kotschy Oscar, Pfarrer. Bist ritz, Schlesien. 
Kutscby Dr. Theodor, Custos-Adjunkt am k.k. botanischen Hoi-Cabinet. Josephstadt, 

Roferanogasse 78. 
180 Kralnsky Alois Ritter von, Hauptmann im k. k. Lin. Inf. Reg. Erzh. Stephan Nr. 58. 
Krasicki Kasimir Graf A. UI. (10 fl.) Lemberg. 

Kreil Karl, Phil. Dr., Director der k. k. Central-Anstaltfür Meteorologi und Erdmag- 
netismus. M K. A. Wieden, Favoritenstrasse 303. 
Krichubrr Ludwig Ritter von. Alte Wieden, Schmölerlgasse. 

Rronenfels Johann Ritter von, Ober-Lieutenant im k. k. Lin. Inf. Reff. Grossherzog 
von Baden Nr. 50., Prof. der Geographie am k. k. Kadetten-Institute Fi um e. 



') 



XVIII 



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Jahr. 

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Krumb aar Joseph, Minislerial-Concipist im k. k. Ministerium für Cultus u. Unterricht. 
Kubinyi August von, k. k. Rath, Director des ungarischen National-Museums. Pest, 
kubinyi Franz von, Gutsbesitzer. Pest. 

K ii k ii I a Wilhelm, Professor an der k. k. Ober-Realschule. Laybach. 
Kiinesch Adalbert, Se. Hoehw. ; Professor an der k.k. Nautischen Akademie. Trio st. 
190 kiinzc'k August, k. k. Universitäts-Professor. C. M. K. A. Erdberg. 108. 
kupfeisrhmidt Adolph, k. k. Salinen-Cassa-Offizial. Bochni a. 
kurz Eduard, k. k. Professor in Gratz. 
Lanckoronsky-Brzezlc Kasimir Graf, k. k. wirkl. Kämmerer. A. HI. (-5 fl.) Stadt 

Schenkenstrasse 51. 
Langner Julius, Hauptmann im k. k. 46. Lin. Inf. Reg. 
Lanza Franz, Med. Dr., Professor am k. k. Ober-Gymnasium. Spalato. 
Lehne Gustav, k. k. Gensdarmerie-Rittmeister. 

Lens Louis Guislain de, Secretär'der Galizischen Karl-Ludwigs-Bahn. Stadt 903. 
Lerch Johann, Med. et Phil. Dr., Leopoldstadt 675. 
Lctoclia Anton, k. k. Kriegscommissär. 
200 Lewynski Heinrich, Se. Hochw., Professor am k. k. Ober-Gymnasium. Lemberg. 
Liebenberg Emil Ritter von, Major im k. k. Lin. Inf. Regimente Nr. 11. 
Liebener Leonhard, k. k. Ober-Baudirector. Innsbruck. 
Lindeiiberg Louis, Fabriksbesitzer. 

Lipoid Marcus Vineenz, k. k. Bergrath. Landstrasse, Waggasse 665. 
Littrnw Heinrich Ritter von, k. k. Fregatten-Capitain, Director der k.k. Handels- und 

Nautischen Akademie. Tri est. 
Lobkowllz Karl Johann, Fürst von, Herzog von Raudnitz, Commandeur, k. k. wirkl. 

geheimer Rath, Statthalter von Niederösterreich etc. A. HI. (12 fl.) 
Locher Franz, Phil. Dr., Professor. Ell wangen, Würteinberg. 
Loefllcr Franz, Gutspächter. Krzeszow bei Sucha, Galizien. 
Lorenz Josef Roman, Phil. Dr., Professor am k. k. Obergymnasiuni. Fiume. 
210 Löwenthal J., Redacteur der österreichischen Zeitung. 

Luby Caspar E., Bauverwalter. A. HI. (10 fl.) Jak vir bei Neu-Szöny. 

Lukas Franz, Phil. Dr., Assistent an der k. k. Central-Anstalt für Meteorologie und 

Erdmagnetismus. Wieden 303. 
Malaguzzi de Valery Alexander Graf. Venedig. 

Marck Franz, Professor am k. k. Ober-Gymnasium. Vinkovce, Militärgrenze. 
Marenbolz K. Th. Ferdinand Freiherr von, k. k. Hauptmann in Pension. Linz. 
Marien! Jacob, k. k. Generalmajor in Pension. 
Marschall auf Burgholzhausen August Friedrich Graf, Erbmarschall in Thüringen, 

k. k. w. Kämmerer, Archivar der k. k. geolog. Reichsanstalt. Stadt, Wollzeile 789. 
Matkovich Peter, Se. Hochw., Professor am k. k. Ober-Gymnasium. Warasdin. 
Matzenauer Josef, Piaristen-Ordens-Priester. 
220 Mayer Karl, Erzieher bei Herrn Grafen Hardegg. Freiung. 
Mayr Gustav, Med. Dr., k. k. Professor. Pest. 

Menhardt Johann, Beamter im stat. Bureau des k. k. Handelsministeriums. Wieden 487. 
Messedaglia Angelo, U. J. Dr., o. ö. Professor der National-Oekonomie und Statistik. 

Padu a. 
Meszäros Gustav von, Major im k. k. General-Quartiermeister-Stabe. Alservorstadt. 

Schlösselgasse 318. 
Migerka U. J. Dr. Venedig. 

Miller August von und zu Aichholz. A. HI. (20 fl.) Stadt, Krugerstr. 
Miller Franz von und zu Aichholz. Hruschau, Mähren. 
Miller Friedrich, Amanuensis der k. k. Universitäts-Bibliothek. 
Miller Vineenz von und zu Aichholz. Stadt, Krugerstr. 
230 Mislin Jacob, Monsignor, inful. Abt von St. Maria de Gog, geh. Kämmerer Sr. Heil. 

des Pabstes Pius IX., Domherr des Domeapitel. zu Grosswardein. Stadt, Kruger- 
strasse 1010. 
Molin Raphael. Med. Dr., Professor an der k. k. Universität. Padua. 
Morelli Hadrian, k. k. Corvetten-Capitän. Triest. 
Much Mathäus, k. k. Finanz-Procuraturs-Concipist. Temesvar. 
Mündel Joseph, Sectionsrath im k. k. Finanz-Ministerium. Alservorstadt 319. 
Mustatza Nicolaus Freih. v., Gutsbesitzer zu Toporouz, Bukowina. 
Muszynski Karl, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Muth Alexander v., k. k. Landesgerichts-Secretär. Stadt, alt. Fleischmarkt 696. 



XIX 



Eintr. 
Jahr. 

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Muzler Stephan, Se. Hocliw. Director des k. k. Obergymnasium. Warasdin. 
Nardi Franz, Dr., So. Hochw., Auditor der Sacra Routa. Koni. 
240 Nciudhj Joseph von, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Neuinann Franz, Jurist, Stadt, Annag. 995. 

Ncumaiin Julius, Hauptmann im k. k. General-Quartiermeister-Stahe. 
Obrntiuller Ignaz, Professor an der städtischen Ober-Realschule. Pressburg. 
Palacky Johann, Docent an der k. k. Universität. Prag. 
Pasetti Florian Ritter von, Ministerialrat!] im k. k. Handelsministerium. 
Patera Adolph, k. k. Reichs-Chemiker. Joachims thal, Böhmen. 
Pattloch Otto, Opalgruben-Inspeetor. Dubnik, Ungarn. 

Pechmami Eduard, Ritter, Oherstlieut. im k. k. Milit.-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Peters Karl, Med. Dr., Professor an der k. k. Universität. Pest. 
250 Petz Eduard. Major im k. k. Kriegs-Archiv. 

Pick Hermann, Med. Dr., Professor am k. k. akad. Ober-Gymnasium. Stadt 594. 
Pierre Victor, Phil. Dr., Professor an der k. k. Universität. Prag. 
Pipitz Dr. F. E., Redactcur der Triester-Zeitung. Triest. 
Pitt oni Joseph Claudius, Ritter von Dannenfeldt. k. k. Truchsess. Gratz 
Pirona Julius, Med. Dr., Professor am k. k. Lyceal-Gymnasium. Udine. 
Pleischl Adolph Martin, Ritter, k. k. Regierungsrath. Alservorstadt 109. 
Pohl Joseph, Chem. Dr., Professor am k. k. polytechnischen Institute. Wicden 462. 
Pokorny Alois, Med. Dr., Professor am k. k. akad. Ober-Gymnasium. Stadt 74. 
Poszvek Gustav, Professor am evangelischen Ober-Gymnasium. Oedenburg. 
260 Potyka Theodor, Ingenieur-Assistent der k. k. priv. Feidinands-Nordbahn. 
Prasch Vincenz, Professor am k. k. Obergymnasium. Brunn. 
Pratobevera-Wiesborn Adolph Freiherr von, Hofrath des k. k. Obersten Gerichts- und 

Cassationshofes. 
Proschko Fr. Isidor, U. J. Dr., k k. Ober-Polizei-Commissär. Linz. 
Ptaschnik Johann, Professor am k. k. Obergymnasium am Thcresianum. 
Radoneiz Eduard, k. k. Linienschift's-Lieutenant. Triest. 
Raffclsbergcr Franz, Eigenthümer der k. k. a pr. typo-geographischen Kunstanstalt. 

Alservorstadt, Quergasse 349. 
Rakovszkv Stephan von, Gutsbesitzer. Pressburg. 
Ratzesberg Ludwig Ritter von, Wartenburg bei Vöklabruck. 0. Ö. 
Rcirhenbacb Karl Freih. v., Phil. Dr. C. M. K. A. Schloss Reis en b c r g nächst Wien. 
270 Reissek Siegfried, Med. Dr., Custos-Adjunkt im k. k. botanischen Hof-Museum. 
C. M. K. A. Landstrasse 408. 
Rcitlinger, Philos. Dr., Privatdocent. Stadt, Bischofgasse. 
Repitsi'h Johann, k. k. Professor am Gymn. Lügos. 

Reslhubcr Augustin, Se. Hochw., C. M. K. A. Dir. d. Sternwarte. Kremsmünster. 
Reuss August Emil, Ritter, Professor an der k. k. Universität. M. K. A. Prag. 
Richtkufen Ferdinand Freih. v., Phil. Dr., Geolog an der k. k. geolog. Reichsanstalt. 
Robert Justin, k. k. priv. Fabriksbesitzer. Oberalm bei Hallein, Salzburg. 
Rochleder Friedrich, Med. Dr., Professor an der k. k. Universität. M. K. A. Prag. 
Robiati Mathias Ambrosius Dr., Professor. Mailand. 
Rolle Friedrich, Phil. Dr., Assistent am k. k. Hof-Mineralien-Cabinete. 
280 Röslcr Maximilian, Professor an der k. k. Ober-Realschule auf der Landstrasse. 

Rosinanit Alois, Präsidial-Secretär d. k. k. n. öst. Statthalt. Stadt, Spitalplatz 1100. 
Rossiwal Joseph. Revident im statistischen Bureau des k. k. Handelsministeriums. 
Rosthorn Hugo Edler von, Mitinteressent einer Metallwaarenfabrik. Leopoldstadt, 

grosse Fuhrmannsgasse 716. 
Rucber Ignaz Edler v., Oberstlieutenant im k.k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Russeger Joseph Ritter von, k. k. Ministerialrath, Vorstand der k. k. Berg-, Forst- 

und Güter-Direction C. M. K. A. Schemnitz. 
Ruthncr Anton von, J. U. Dr., k. k. Hof- und Gerichts-Advokat, Stadt 597. 
Saffran Emanuel Freiherr von, Oberst im k. k. Adjutanten-Corps. 
Saliii-Reiffersrheidt-Kraiithcim Hugo, Se. Durchlaucht Fürst von, Ritter des goldenen 

Vlieses, k. k. Reichsrath. Landstrasse, Razumowskygasse 74. 
Salzbacher Joseph, Se. Hochw., Theologiae Dr., Domherr und Capitular-Prälat zu 
St. Stephan. 
1857 290 Sapieha Leo, Se. Durchlaucht Fürst von, Stadt 903. 

Sauer Franz, Lehrer der Unter-Realschule zu St. Thecla auf der Wieden. 
1856| Schabus Jakob, Professor an der k. k. Ober-Realschule am Schottenfeld. 

2* 



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XX 

Eintr. 
Jahr. 

1858 Schiffer Julius Ritter von, Ingenieur der k. k. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn 

„ Schaller Josef, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur- Geographen-Corps. 

1856 Scballhaminei' Michael, Reichsritter, im k. k. Post-Controlor. Oedenburg. 

1858 Sc hau b Franz, Phil, Dr., Director der k. k. Marine-Sternwarte. Triest. 

„ Srhauensteiu Anton, k. k. Finanz-Ministerial-Concipist. 

1856 Scheda Joseph, Major im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

1858 Scbefrzik Anton, Ingenieur der k. k. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn. 

1856 300 Scherzer Karl, Ritter von, Phil. Dr. 

„ Schimmer Gustav Adolph, Revident im Statist. Rureau des k. k. Handelsministeriums 

1857 Schindler Gustav, Ritter, Oberst im k. k. Genie-Corps und General-Archivs-[)inctn;\ 

Stadt 468. 

1856 Schleicher Wilhelm. Gresten, Nied. Oesterreich. 

„ Schmerling Anton Ritter von, Se. Excellenz, k. k. geh. Rath, Präsident d.'s k k 

obersten Gerichtshofes. 
„ Schmldl, Erzieher bei Herrn Grafen Wilczek. Stadt. 

„ Schmidt Adolf, Phil. Dr., Professor an der Handelsakademie. Pest. 

1857 Schmidt Julius, Phil. Dr., Director der königl. Sternwarte. Athen. 
„ Schmidt Wilhelm. Phil. Dr. Augsburg. 

1856 Schmitt Augustin, k. k. Professor. Gumpendorf Nr. 394. 

„ 310 Schober Johann, Director der Realschule. Leopoldstadt. 

1858 Scholz Anton, Med. Dr. Prag. 

1856 Schom Adolf, k. k. Oberlieutenant, Professor am k. k. Cadctten-Institute Ha inburjj 

„ Schott Heinrich, k. k. Hofgarten- und Menagerie-Direktor. C. M. K. A. Seh ö n b run n. 

1858 ScbröcUnger Julius, Ritter v. Neudenberg, k. k. Ministerial-Secretär. Wieden 378. 
Schnitter Dr. Anton, Professor am k. k. politechnischenlnstitute.M.K. A. Wieden 51. 
Schubert W., Direktor der evangelischen Lehranstalt. Oberschützen, Ungarn. 
Schwarlz Gustav, Edler von Mohrenstern. A. Jfl. (15 fl.) Jägerzeile Nr. 47. 

1858j Schwarz Karl, Ingenieur-Assistent der k. k. priv. Kaiser-Ferdinands-Nordbahn. 

„ Schwarz Franz, Med. Dr., Chefarzt im k. k. Hospital. Ko nsta ntin o p el. 

1856' 320 Schwarz Georg, Commandeur. Stadt, Graben 1122. 

Schwarzcnberg Johann Adolf Fürst zu, Herzog zu Krummau, Ritter des Ord. des gold. 
Vliesses, Grosskreuz, k. k. w. geh. Rath, Präsident der Landwirthschaftsgese Ilsehaft 
(A. I»I.) (15 fl.) 
Schwenda Julius, k. k. Professor a. d. k. k. Oberrealschule a. d. Landstrasse. 
Schweiz W. August, Se. Hoehw., k. k. Professor. Josefstadt im h. Piaristen-Colleg. 

1856 Sedlarzek Ernst, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

1859 Sedlaczek Josef, k. k. Rezirksvorsteher zu Szilagyi Cseh, Siebenbürgen. 

1857 Seidel J. W., Buchhändler, Stadt, Graben. 
Seldl Johann Gabriel Ritter, k. k. Schätzmeister und Custos am k. k. Münz- und 

Antiken-Cabinete. M. K. A. Alservorstadt 149. 
Seiller Johann Caspar, Freih. von, Comthur, Bürgermeister der Reichshaupt- und 

Residenzstadt Wien. A. IM. (10 fl.) 
Sellgmaim Franz. Med. Dr., k. k. Professor. Stadt 153. 

1857 330 Seligmann F. A., Med. Dr., k. k. Fregatten-Arzt. Triest. 
Senft Eduard, U. J. Dr., k k. Gerichts-Adjunkt. Ausp itz, Mähren 
Sevbel Emil, k. k. priv. Fabriksbesitzer. Wieden. 

Simon; Friedrich, k. k, Universitäts-Professor. Landstrasse. Waggasse 508. 
Slmigliiowicz Franz, k. k. Professor. Czernowitz. 

1859 Slmlginowicz Adolf, Professor am k. k. kathol. Gymnasium. Kronstadt 

1858 Skuppa J. k. k. Hauptmann. 
Sommaruga Franz Freiherr von, Sectionsrath im k. k. Finanz-Ministerium, Hoher 

Markt 511. 
Soiiderlelthner Georg, Concepts-Adjunkt bei der k. k. Obersten Polizei-Behörde. 
Sonklar von Innstätten Karl, Major im k. k. Lin. Inf. Regiment Nr. 16. Wiener- 
Neustadt. 
340 Spaur Anton Ritter von, Stadt 152. 
1858j Stäche Guido, Phil., Dr., Geolog der k. k. geologischen Reiehsanstalt. 
1857) Stein Lorenz, k. k. Universitäts-Professor. Leopoldstadt 656. 
1856i Steinhäuser Anton, k. k. Rath. Stadt 1072. 
„ I Stifft Freiherr von, Stadt 833. 

„ I Streffleur Valentin, k. k. Generalkriegs-Commissär. Landstrasse 747. 
M i Stur Dionys, Geolog an der k. k. geolog. Reichsanstalt. 



Eiotr. 
Jahr. 

1857 



i857 

1859 
1856 

1859 
1857 
1856 



1857 
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1856 
1856 
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1858 
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1856 

1858 

1857 
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1857 

1856 

1857 
1858 

1857 



1856 
1857 



XXI 



Suess Eduard, k. k. Universitäts-Professor, erster Custos-Adjunct am k. k. Hof- 
Mineralien-Cabinete. 

Teirlrb Valentin, Phil. Dr., Director der Ober-Realschule auf der Wieden. 

Temple Rudolf, Hauptmann im k. k. Linien Inf. Regimente Prinz Friedrich Wilhelm 
von Preussen Nr. 20. Pest. 
350 Tburin Caspar, Se. Hochw. Professor am k. k. Obergymnasium Warasdin. 

Tkalar Emerieh Ignaz von, Phil. Dr. Secretär der Handels-Kammer. Agram. 

Tkalec Jacob Franz, Professor am k. k. Ober-Gymnasium. Agram. 

Toinascbek Karl, Professor am k. k. Obergymnasium am Theresianum. 

Trotter Victor, U. J. Dr. Hof- und Gerichts-Advocat. 

Tschudl Johann Jacob v., Med. Dr. CM. K. A. Jacob erhof bei Edlitz. Nied. Oest. 

Turcsänjl Adolf, k. k. Professor. Oedenburg. 

Turrziuanowirz Paul, k. k. Schichtmeisters-Adjunkt. Wieliczka. 

Iranisch Anton, Phil. Dr.. Secretär der Handels- Kammer. Laibach. 

I rllngcr Paul. Se. Hochw. Beneficiat. Gresten, Nied. Oestereich. 
360 Vacanl de Font Olivo Camill Freiherr von, Commandeur, k. k. Feldmarschall-Lieu- 
tenant. Mailand. 

Yanlcek Franz, k. k. Professor am Ober-Gymnasium. Vinkovce. Militärgränze. 

Veigl Joseph, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Wagner Ferdinand, Director der Realschule in der Jägerzeile. 

Walbel Georg, Med. Dr., im k. k. allgem. Krankenhause. 

Walderdorf Arthur, Wilderich, Graf von. 

Walland Ignaz, General-Agent für Eisen-Industrie. Stadt 300. 

Warhanek Wilhelm, Professor an der k. k. Ober-Realschule. Landstrasse 109. 

Warna Heinrich, Med. Dr., k. k. Marine-Oberarzt. Triest. 

Weiss Adolph, Phil. Dr., Landstrasse 140. 

Weiss Edmund, Assistent der k. k. Sternwarte. Landstrasse 440. 
370 Werner Joseph, Freih. v., Se. Exe, k. k. w. geh. Rath, k. k. Gesandter in Dresden. 

Wllczek Johann Graf von, k. k. wirkl. Kämmerer. Stadt 26. 

Wilrzek Heinrich Graf von, k. k. wirklicher Kämmerer. Szemered, Ungarn. 

Wilkens C. F., Handelsmann. 

Wlssiagg Johann, k. k. Landesgerichtsrath. Pressburg. 

Wittinarin Alois Ritter von, k. k. Gubernialrath, Director des österr. Lloyd. Triest. 

Woblniann Bruno, Phil. Dr., Erzieher bei Herrn Grafen Hoyos. Alservorstadt 200. 

Woldfich D., Johann Nep., Prof. am k. k. Gymnasium. Eperies. 

Wolf Heinrich, Geolog an der k. k. geologischen Reichsanstalt. 
380 Wüllerstorfu. Urbair Bernh. Freih. v., Commod. k. k. Linienschiffs-Capitän. Trie st. 

Würtenberger Franz, k. k. Oberfactor. Steyer. 

Zaufall Franz, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Zegladowlcz Titus, Ritter, Se. Hochw., k. k. Professor. Bochnia. 

Zeltbaimner Anton, Professor am k. k. Ober-Gymnasium. Pest. 

Zepharowlch Victor, Ritter von, Phil., Dr., k. k. Universitäts-Professor. Krakau. 

Zerenner Karl, Phil., Dr., Coburg. 

Zezschwitz Friedrich Oskar, Freiherr von, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur- 
Geographen-Corps. 

Zlegl Joseph, Lehrer an der Unter-Realschule in der Leopoldstadt. 

Zeuschner Ludwig, Warschau- 
390 Zhlsbiiia.ii Anton Eduard, Professor an der k- k. Handels- und Nautischen Akademie 
Triest. 

Zblshiuan Joseph, Phil., Dr., Prof- am k. k. Theresianum. Wieden Hechteng. 4054- 

Zwach Martin, Ministerialsecretär im k- k. Handelsministerium. 



Die Gesellschaft verlor durch den Tod folgende 
JEhren-Mitglieder : 

Se. k. k. Hoheit den Durchlauchtigsten Prinzen und Herrn, Erzherzog Jobann. 

Dieterlcl Dr. Thomas, k. preuss. geh. Ober-Regierungsrath, Dir. des statist. Bureau. Berlin. 

Humboldt Alexander Freiherr von, Se. Exe, Berlin. 

Ritter Carl, k. preuss. Professor, Präsident der Gesellschaft für Erdkunde. Berlin. 



XXII 



Correspondirende Mitglieder : 

Papen August, k. hannoverscher Major a. D., Frankfurt a. M. 

Scblaglntwell Adolf. Berlin. 

Sendiaer Otto, Dr., k. bayer. Professor. München. 

Sfcfe Paul von, Phil. Dr.,"k. würtemb, Finanzrath. Stuttgart. 

Ausserordentliche und ordentliche Mitglieder : 

Aiidrlan-Wcrbiirg Victor Freiherr von, k. k. wirkl. Kämmerer A. IH. 

Augustln Vincenz Freiherr von, Grosskreuz, k. k. w. geh. Rath. k. k. Feldzeugineister. A. .11. 

Bajzath Michael, k. k. pens. Oberst. 

t hini'l Joseph, Se. Hochw., Chorherr zu St. Florian, k. k. Regierungsrath. M. K. A. 

C» ra i I ich Joseph, Phil. Dr., k. k. a. o. Professor, Custos-Adjunct etc. 

Krzlwani'k Franzi k. k. Oberlieutenant. 

Lejdult Franz, Med. Dr., Professor am k. k. polytechnischen Institute. M. K. A. 

Metternich-Wiiineburg Clemens Wenzel Lothar, Fürst von, Se. Durchlaucht. 

Hledwald Max von. 

Sejdl Mathias, k. k. Major. 



BERICHTE ÜBER DIE VERSAMMLUNGEN 

DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 

GEOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT. 



Jahresversammlung am 9. November 1858. 

Der Herr Präsident Sr. Durchlaucht Fürst und Altgraf Hugo v. Salm 
Reiff er scheid - Krau thei in eröffnete die Versammlung mit folgender 
Ansprache : 

Verehrte Herren! Indem die Periode ihr Ende erreicht hat, für 
welche Ihr wohlwollendes Vertrauen mich zum Präsidenten unserer Gesell- 
schaft berief, liegt mir Ihnen gegenüber noch eine Pflicht zu erfüllen ob. 

Ich habe Ihnen einen übersichtlichen Bericht über die Leistungen, 
oder was hier gleichbedeutend ist, die Fortschritte der geographischen 
Wissenschaft während des abgelaufenen Jahres zu erstatten. 

Zufrieden, wenn man mich nur als bescheidenen Freund der Wis- 
senschaften gelten lassen will, dessen Beruf es zuvor erheischt, sich ihrer 
Resultate, wie er eben kann, als Werkzeug in mancher Richtung zu bedie- 
nen, ihm aber nicht vergönnt, sie auch wissenschaftlich, dass ist um ihrer 
selbst willen, und mit dem Aufgebot aller Kräfte zu betreiben, wurde es 
mir zunächst zum Bedürfniss, mich für den vorliegenden Zweck nach 
einem Muster umzusehen, an ein Beispiel mich anzulehnen, welches ich 
denn auch in dem Voranschritt meines verehrten Vorgängers, des würdi- 
gen Ritters W. Haidinger, dessen Gedanke der Gründer unserer Gesell- 
schaft wurde, gefunden habe. Hat er die Aufgabe eines Jahresberichtes 
als eine der schwierigsten bezeichnet, die ihm noch vorgelegen, was sollte ich 
empfinden und sagen? — Gar mancherlei höchst triftiges, gälte es Rechtferti- 
gung dem Ablehnen einer Aufgabe zu suchen. Dass davon keine Rede sein 
kann, liegt in dem mir durch Ihre Wahl bewiesenen Vertrauen, dem mir 
nur, so weit die schwachen Kräfte eben reichen, zu entsprechen erübrigt. 
Erlauben Sie mir nach diesen einleitenden W T orten, nunmehr zur Sache 
zu schreiten. 

Wie billig wendet sich zuerst die erste Betrachtung jenen unserer 
Mitglieder zu, deren Laufbahn, während des nun zu Ende gehenden 
Jahres, durch ihren tief zu bedauernden Tod abgeschnitten wurde; deren 
für sie persönlich abgeschlossenes Wirken, uns, den Ueberlebenden, im 
Sinne gesellschaftlicher Genossenschaft, fortzusetzen und zu ergänzen obliegt. 

Zuerst lassen Sie mich unseres ordentlichen Mitgliedes Dr. Friedrich 
Wilhelm Freiherrn von Reden gedenken, den im rüstigsten Mannesalter 
der Tod so schnell überwältigte, dass die Meisten von uns durch dessen 
Kunde überrascht wurden, noch ehe sie von Krankheit, geschweige von 
Gefahr, etwas geahnt. 

Sie kennen alle meine Herren die unermüdliche Bienen-Emsigkeit, 
mit der von Reden ein Material des ungeheuersten Details gesammelt 
und ordnend gestiftet, ja in manchem Theil schon geniessbar verarbeitet 
hatte. Als echter Mann der lebendigen Wissenschaft, hielt er nicht 
die Welt um der Statistik willen geschaffen, sondern suchte in dieser 
einen allgemeinen Schlüssel zur Beurtheilung der Weltverhältnisse. 

Mittheilungen der k. k, geographischen Gesellschaft III. Bd. 1. Heft. 1 



2 Jahresversammlung am 9. November 1858. 

In trüber Betrachtung, wie viel er gesäet, und wie verhältnissmässig 
wenig ihm ein zu früher Tod an Erndte einzuheimsen vergönnte, ist 
wohl ein seufzender Wunsch erlaubt, dass seine Saat den würdigen Pfle- 
ger finden und nicht verloren gehen möge ! — 

Der zweite ist unser ordentliches Mitglied, Herr Emil Porth, der 
an Jahren fast noch Jüngling, aus innerem Drang sich wissenschaftlichen 
Anstrebungen ergab. In v. rhältnissmässig behaglichen Verhältnissen, gaben 
ihm diese, sowie die Natur seines Bergbesitzes, hiezu Mittel und Anregung. 

Sich unserm verehrten Secretär Herrn Bergrath Foetterle auf 
dessen Excursion nach Klein- Asien anschliessend, nahm er dort den 
tödtlichen Keim in sich auf, der ihm nicht einmal mehr die Wiederkehr 
in den Schoss der Seinigen gestattete. Schwer erkrankt, raffte ihn in 
Triest ein rasch entwickeltes Nervenfieber hinweg, eben da er, rückkeh- 
rend, kaum die Schwelle der Heimath wieder betreten. 

Drittens nenne ich Ihnen Herrn Anton von Reguly, correspondi- 
rendes Mitglied unserer Gesellschaft. 

Mit der Leidenschaft des Lernens verband er die Begabung uner- 
müdlichen Fleisses, die es ihm möglich machte, gründliche Sprachstudien 
bei fremdesten Stämmen des hohen Noidens zu machen, und zugleich 
noch andere nahe liegende wissenschaftliche Interessen zu pflegen. Mehr- 
fach von Seiten der ungarischen Akademie, so wie vom Eifer heimischer 
Freunde unterstützt, fand er auch mannigfache Förderung in Russland, 
das ihm auch die Anerkennung zollte, nachdem er eine mühevolle Karte 
des nördlichen Uralgebiethes in 16 Quartblättern beendigt. „Reguly sei 
durch dieses Werk zum Entdecker einer ausgedehnten terra 
incognita in der Geographie und Ethnographie Russlands 
geworden." 

Die Verarbeitung alles des gesammelten reichen Materials, als reif 
für die Oeffentlichkeit, war ihm nicht mehr vollständig vergönnt. Dem 
Vernehmen nach ist die ungarische Akademie im Besitze seiner nachge- 
lassenen Aufzeichnungen. Ein ausführliches Verzeichnis* seiner Arbeiten 
enthält seine Biographie, wie selbe der Pester Lloyd vom 29. August 
dieses Jahres ab, brachte. 

Nun lassen Sie mich des Falles erwähnen, der uns vor nur wenig 
Wochen unserer Ida Pfeiffer beraubte. Unser im doppelten Sinne, dem 
ihrer Abstammung als Oesterreicherin . und dem ihrer Verbindung mit 
unserer Gesellschaft, als deren Ehrenmitglied. 

Wahrlich eine wunderbare Frau , mit dem dunklen Instinct eines 
Dranges in die Ferne, welche jedoch ohne deren kriegerische Wuth, fast 
an die Führer der uralten Völkerwanderung gemahnt. 

Mit einem Muth und einer Ausdauer , ja lassen Sie es mich ein 
Gottvertrauen in die selbstbewust gewordene Bestimmung nennen, begabt, 
wie sie in solchem Grade auch dem stärksten Manne zur Ehre gereich- 
ten, hat sie Gegenden durchwandert, wohin auch nicht viele Europäer 
gedrungen, hat sie Beschwerden und Gefahren überstanden, die manchen 
Stärkeren gesättigt und entmuthigt hätten, ihr aber, waren sie nur erst 
vorüber, nur ein Reitz zu Entwürfen neuer Unternehmungen wurden. 

Vom Haus aus ohne Diplom oder sonstigen Zunftbrief, wusste sie 
mit dem angebornen Takt weiblicher Auffassung so manches Interessante 
zu erkennen und zu sammeln, dass ihre Reisen immerhin auch der stren- 
geren Wissenschaft nicht ohne einigen Gewinn blieben; denn dieser 



Fürst von Salm. 3 

kömmt es ja nicht immer auf den plötzlichen Gewinn ganzer Länder- 
strecken an; auch der einzelne, noch so gering scheinende Baustein ist 
ihr ein wahrer, echter und dauernder Gewinn. 

Und so sei ehrende Erinnerung ihrem Namen geweiht, so wie dem 
tragischen Schicksal, dem sie endlich erlag, als sie schon leidend, inmitten 
schauerlicher Mordscenen, kaum das Leben vor der madegassischen Wild- 
katze Ranaivalo Manjoka zu bergen vermochte, und mit dem Todeskeim, 
den diese Schrecken entzündet, heimkehrend dahin siechte, dieselben in 
letzten glühenden Fieberphantasien noch einmal durchlebend. 

Noch habe ich Ihnen unseres Ehrenmitgliedes des Herrn Dr. Ignatz 
Knoblecher Erwähnung zu thun, Apostolischen Provicars der katholischen 
Mission für Central-Afrika in Chartum. 

Einer ausführlicheren Biographie steht der Raum nicht zu Gebot, 
auch sind deren Umstände bereits von der OelTentlichkeit vielfach gewür- 
digt, sowie auch seine Missionsberichte in derselben Erwähnung und Ver- 
breitung fanden. Ein echter Glaubensbote, blieben ihm auch die Anfor- 
derungen der Wissenschaft nicht fremd. Manche daraus hervorgegangenen 
Sammlungen hatte auch unsere Gesellschaft Gelegenheit, Ihrer Kenntniss- 
nahme vorzuführen. Er ist ein Opfer seines warmen Eifers geworden. 
Tiefleidend musste er Erholung seiner Kräfte in Europa suchen, gelegent- 
lich einer Reise, deren Hauptzweck jedoch die Interessen seiner Mission 
betraf. Ein unerforschlicher Rathschluss Hess ihn nicht mehr zu seinem 
W T erke zurückkehren. Zu Neapel ereilte ihn der Tod, ihm nur den Trost 
des Vertrauens lassend, dass was er so innig betrieben und gewirkt, zur 
Fortführung tüchtigen Freundeshänden, die er zum Theil hiefür herange- 
bildet, verblieb. 

Weiter entriss uns der Tod zwei ordentliche Mitglieder, den Piari- 
sten -Ordens-Priester P. Gottfried Fitzinger und den Professor W. Zdo- 
binsky, ersteren im besten Mannes-, diesen im eben vollendeten Jüng- 
lingsalter. Beide eifrige Theilnehmer unserer Bestrebungen, ersterer auch 
durch Beiträge ein Mehrer unserer Bibliothek. 

Von Ausländern verloren wir das Ehrenmitglied Herrn Robert Brown, 
einen der verdienstvollsten Botaniker neuerer Zeit. Lange Freund und 
Genosse Sir Joseph Banks, testamentarischer Nutzniesser seiner kostba- 
ren Sammlungen, bis sie an das brittische Museum gelangten, starb er 
von jedem, der ihn kannte, auch den Fachgenossen verehrt, sowohl um 
seines tiefen Wissens, als seines einfach harmlosen Characters voll Liebens- 
würdigkeit willen. 

Das correspondirende Mitglied Mariano Eduardo de Rivero Usta- 
riz, Generalkonsul von Peru für Belgien zu Brüssel. Durch Studien in 
Europa gebildet, Director der Bergbaue und des Museums von Peru, war 
er auch Reisebegleiter der Herren Boussingault und Ro ul in in Columbia 
gewesen. Die geographische Gesellschaft hat ihm eine Bereicherung 
ihrer ßüchersammlung durch mehrere seiner eigenen Publicationen zu 
verdanken. 

Indem ich hiermit die, leider nicht kleine Liste derer schliesse, deren 
Tod die Gesellschaft als ihre Mitglieder in doppelter Weise zu beklagen 
hat, habe ich noch mit wenigem eines Mannes zu gedenken, der, obwohl 
nicht in unserer unmittelbaren Genossenschaft, so doch wesentlich der 
von uns gepflegten Wissenschaft, und zwar mit grosser Bedeutung, in 
einer ihrer practischsten Richtungen angehört. Nenne ich den Namen 

1* 



4 Jahresversammlung am 9. November 1858. 

Alois Negrelli Ritter von Moldelbe, so nenne ich für die Zeitgenos- 
sen einen der wesentlichsten Träger und thätigsten Mitwirkenden, seit 
Beginn jener denkwürdigen Werke, mit denen Oesterreich begann die 
ersten Stränge von Eisenbahnen zu legen, die schon jetzt, ein bedeutend 
verzweigtes Netz, seine Länder so vielfach durchziehen. 

Wie aber innere Verbindungen nur dann eine nicht untergeordnete 
Weltbedeutung gewinnen, wenn sie nicht bloss an den eigenen Grenzen 
abbrechen, sondern überall an die allgemeinen, von der Natur selbst gege- 
benen oder geforderten grossen Weltverbindungen anzuknüpfen suchen, so 
finden wir mit Stolz unsern Negrelli auch unter den ersten Theilueh- 
mern an den Studien und Vorarbeiten zum Durchstich der Landenge von Suez. 

Wie bei Gibraltar die mittelländische Binnensee, den sie umrahmen- 
den Völkern den Weg in das Weltmeer eröffnete, durch das sie fortan 
der Compass Flavio Giajas von Amalfi um die Welt und wieder zur 
Heimath zurückführte, so soll dem gegenüber nun ein zweites Thor eröff- 
net werden als kürzester Wasserweg in den Orient, den die Schiffe bis- 
her nur um das ungeheure Afrika herum zu fahren hatten. 

Ein bedeutsames Zeichen der Zeit , dass sie dieses gerade jetzt 
erstrebt, worauf ich noch zurückkommen werde. Hier genüge die Andeu- 
tung wieder Name Negrelli, sowohl bei der Gründung von Eisenbahnen, 
als einer künstlichen Weltwasserstrasse, fortan den Gedenktafeln der 
Geschichte angehört, denn auch er weilt nicht mehr unter den Leben- 
den, auch ihn traf es, die Verwirklichung heissesten Strebens nicht 
erleben zu sollen. 

Suez, dem er ein neues Leben eröffnen gewollt, gab ihm den Tod. 
Schwere Anstrengungen in dem gefährlichen Clima zerrütteten seine 
Gesundheit, welche die heimathliche Luft, die Pflege der Seinen , ihm 
nicht mehr herzustellen, sondern ihm nur die Ruhe in vaterländischer 
Erde zu geben vermochten, die leicht auf seiner Asche liege. 

Von dem ehrenden Gedanken der Todten, die ihr Wirken hieniden 
vollendet, gehe ich nun zum Wirken der Lebenden über. Hier darf ich 
mich berichtend kürzer fassen, denn ihre Thätigkeit , vor unseren Augen 
sich entwickelnd, bringt sich selber zu Kenntniss und Erinnerung. 

Mit der innern Heimath beginnend habe ich Ihnen vorerst die 
Ergebnisse des k. k. militärisch-geographischen Institutes vorzuführen, 
wie ich deren Bekanntgebung der gütigen Mittheilung seines Directors 
des Herrn Generalmajors August von Fligely verdanke. 

Das k. k. Militär, geographische Institut hat im Verlaufe dieses Jahres 
von der Spezialkarte von Böhmen im Maasse von 1 : 144,000, — die Blattei- 
Nr. 2, 8, 14, 27 und 36 herausgegeben, es bleiben somit von den 38 dieses 
Werk bildenden Blättern noch 9 zu publiciren, welche im nächsten Jahre 
fertig werden. 

Auch von der Generalkarte dieses Landes in 4 Blättern und im 
Maasse von 1 : 288,000 sind bereits 3 im Gerippstich vollendet. 

Die Spezialkarte von Dalmatien in 21 Blättern im Maasse von 1 : 144,000 
ist im Stiche so weit vorgeschritten, dass das Gerippe vollendet, fünf 
Blätter beschrieben und zwei Blätter sich bereits im Terrainstich befinden. 

Die Aufnahme von Ungarn hat durch die allerhöchst bewilligte Ver- 
mehrung der Arbeitskräfte solche Fortschritte gemacht, dass die gänzliche 
Vollendung in 2 Jahren zu erwarten steht. — Die Spezialkarte dieses 
Landes im Maase von 1 : 144,000 wurde daher in der Zeichnung auch 



Fürst von Salm. *J 

begonnen. Von der schon im vorigen Jahre erwähnten General- und 
Administrativkarte von Ungarn im Maasse von 1 : 288,000 und 17 Blättern, 
sind bereits 8 Blätter erschienen. — Die vielen Schwierigkeiten in 
der Orthographie der Ortsnamen fanden ihre Erledigung durch einen 
hohen Befehl, welcher auf die strengste Benützung der durch die 
politischen Behörden herausgegebenen Ortsverzeichnisse hinwies. — Auch 
auf die vielen, wie in keiner andern Provinz der Monarchie in solchem 
Maasse zu erwartenden Veränderungen im Strassennetze, Eisenbahnbau etc. etc. 
wurde dadurch Bedacht genommen, dass der Terrain vom Geripp getrennt 
auf einen eigenen Stein ausgeführt wurde und färbig gedruckt wird. Von 
ganz besonderem Interesse dürfte aber der orographische Theil dieser 
Karte sein, da bis nun keine der bekannten Karten auch nur annähernd 
einen richtigen Begriff von der Terraingestaltung dieses Landes gab , — 
noch geben konnte. 

Geodätische Arbeiten fanden in der westlichen Militär-Grenze u. z. 
im Liccaner-, Otocaner-, Oguliner- und Sluiner-Grenzregimente statt. — 
Sie bezweckten die Vervollständigung des I. Netzes und die Legung eines 
Netzes II. und III. Ordnung zum Gebrauche der Katastral-Vermessung. 

In Ober-Oesterreich wurde das Netz I. Ordnung zur Verbindung der 
Basen bei Wiener-Neustadt und Innsbruck vollständig beendet, — und in 
Ungarn das Hauptnetz, ausgehend von der Basis bei Wiener-Neustadt bis 
Ofen gemessen, und in verschiedenen Theilen Punkte für die Militär-Auf- 
nahme bestimmt. 

Die in den Jahren 1856 und 1857 bewirkte Aufnahme des Fürsten- 
tums Wallachei nach der gleichzeitig bewirkten Triangulirung in 112 
Militär-Sections-Blätter zusammengestellt, rein gezeichnet und photographisch 
copirt. 

Hieran reihet sich die vom Hrn. k. k. Schulrath Dr. M. Becker herausge- 
gebene Wandkarte des Kaiserthums Oesterreich. 

Was sowohl dem täglichen wie dem Schulgebrauch erspriesslich sein 
kann, bringt sie in reicher Fülle zu übersichtlich klarer Anschauung; in 
ihrer Durchführung gleichmässig den Geographen, wie den Freund und 
gewiegten Kenner der Schule beurkundend. 

Von diesen häuslichen Arbeiten biethet sich der Uebergang zu eigent- 
lichen Reisen durch heimische Kräfte. 

Schon bei Gelegenheit des zu früh verblichenen Porth wurde erwähnt, 
dass er den k. k. Bergrath F. Foetterl e auf einer Reise nach Klein-Asien 
begleitet, welche dieser, als Mitglied der k. k. geologischen Reichsanstalt 
zu Zwecken geologischer, sowie sich daran knüpfender bergmännischer 
Forschungen unternahm , mit dem nächsten Zwecke der Constatirung von 
Kohlenlagern und ihre Ausbeutung für Schiffahrtszwecke. 

Herr Dr. Karl Kr eil, Director der k. k. Central-Anstalt für Meteo- 
rologie und Erdmagnetismus, unternahm in Begleitung des Directors der 
k. k. Marine-Sternwarte in Triest Hrn. Dr. Schaub eine Seereise auf 
einem k. k. Kriegsschiffe in das schwarze Meer, um magnetische Beob- 
achtungen auf diesem selbst, wie auch an den verschiedensten Küstenpunkten 
anzustellen. Derselbe ist erst kürzlich auf der Donau zurückgekehrt. 

Hieran reihen sich Reisen mehrerer Mitglieder der k. k. geologischen 
Reichsanstalt im Laufe des Sommers nach Ober-Ungarn zu speciellen Zwecken 
dieser Anstalt, von der auch die ausführlicheren Berichte erstattet werden. 

Ebenso machte auch Hr. k. k. Bergrath M. V. Lipoid einen Ausflug nach 



6 Jahresversammlung am 9. November 1858. 

Cattaro, worüber der Bericht gleichfalls der geologischen Reichsanstalt zusteht, 
sowie über die weitern sonstigen geologischen Aufnahmsreisen dieses Sommers. 

Dahin gehört auch die auf Anregung des Herrn Dr. A. Schmidl 
durch Seine kaiserliche Hoheit den durchlauchtigsten Herrn ErzherzogAlbr echt 
in das Werk gesetzte Untersuchung des Biharer-Comitates, an welcher sich 
die Herren Professoren Dr. Schmidl, Dr. Peters, Dr. Kern er und 
J. Wastler betheiligten, die von Dr. Julius Schmidt auf eigene Kosten 
unternommene Bereisung des Erdbebenkreises um Sillein in Ungarn, worüber 
das 1. Heft 1858 unserer Mittheilungen eine Abhandlung enthält, und 
woran sich eine Reise des Professors Jeitteles in Troppau anschliesst, 
welche derselbe mit Unterstützung der kaiserlichen Academie der Wissen- 
schaften zu gleichem Zwecke unternahm, und von der ein Bericht erst 
vor ganz kurzem der letzteren zugekommen ist. 

Der Professor am Ober -Gymnasium in Fiume Herr Dr. J. Lorenz, 
uns bereits durch Untersuchungen über die Salzburger Torfmoore bekannt, 
hat vergangenen Sommer, mit Unterstützung des k. k. Unterrichts-Mini- 
steriums, eingehende Untersuchungen im Quarnero, in phisikalisch-geogra- 
phischen, zoologischen, botanischen und geologischen Beziehungen ausge- 
führt, hiebei mit anerkennenswerthester Liberalität durch den österr. Lloyd 
gefördert, der ihm zur Befahrung ein eigenes Dampfboot zur Verfügung 
stellte. 

Die Anwesenheit des durch seine „Studien über Albanien" bekannten 
k. k. Consuls in Syra, Hr. v. Hahn, gab der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften Veranlassung ihn zu geographischen Arbeiten zwischen Bel- 
grad und Saloniki zu unterstützen, namentlich in den Thälern der Morawa 
und des Wardar, und das deren beide Gebiethe trennende Gebirge, wovon 
nicht nur eine belangreiche Erweiterung geographischer Kenntniss , sondern 
auch die Lösung mancher Frage über Führung einer Eisenbahn nach Salo- 
niki zu erwarten ist. 

Auf eigene Kosten unternahm Hr. Professor Dr. Franz Unger eine 
Reise nach Unter- und Ober-Aegypten, und gelangte auf dem Nil bis 
Assuan. Auf der Rückreise besuchte er die Syrische Küste sowie Cypern 
und Rhodus. 

Der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften hat er bereits einen Vortrag 
über das Alter der ägyptischen fossilen Hölzer, als ersten Reise-Erfolg vorgelegt. 

Ihn begleitete theilweise Hr. Eckhold durch Beiträge des k. k. 
Unterrichts-Ministeriums und mehrerer Gönner unterstüzt, denen auch unsere 
Gesellschaft sich anschloss, so wie durch freie Fahrt auf der Südbahn und nach 
Alexandrien gefördert. InCairo mit Herrn Unger zusammentreffend, begleitete er 
ihn bis Assuan und stromabwärts zurück bis Edfu, wo sie sich trennten. Herr 
Eckhold befindet sich noch in Cairo, von wo er Vegetations- Studien 
ägyptischer Baumarten und eine Abhandlung über dortige Wald- und Wüsten- 
cultur einsandte, die von Tafeln voll gelungener Charakteristik, von verschie- 
denen Baum- und Waldparthien begleitet ist. 

Einer der tüchtigsten Zoologen Oesterreichs Herr Dr. Schmarda ist 
erst vor Kurzem von einer mehrjährigen Reise um die Erde zurückgekehrt. 

Im Jahre 18o2 begleitete er Herrn Dr. F. Ritter v. Fried au nach Ceylon, 
ging von da über Mauritius und die Capstadt nach Sidney und nach Neusee- 
land, an die Westküste von Südamerika nach Chili und Peru, machte meh- 
rere Ausflüge in die Andischen Condilleren, und kehrte über Panama zurück. 
Die Mittel zu diesen Reisen hatte Herr Ritter v. Fried au ermöglicht, auf dessen 



Fürst von Salm. 7 

Schloss in Steiermark sich auch nunmehr die gemachten grossen zoolo- 
gischen Sammlungen Schmarda's, voll des werthvollsten Materials, nament- 
lich die niederen Thierklassen betreffend, befinden, von dessen Bearbeitung um so 
mehr wissenschaftlicher Gewinn zu erwarten steht, als sich Hr. Schmarda 
hiezu noch längere Zeit im Jardin des plantes in Paris, sehr eingehen- 
den Vorbereitungsstudien unterzog. 

Noch auf Reisen befinden sich von unsern Mitgliedern Dr. v. Tschudi 
und Dr. Friesach seit längerer Zeit in Südamerika, dann Hr. August 
Müller von und zu Aichholz in Syrien. 

Mit dem allgemeinen umfassenden das Einzelne abschliessend, kann 
ich Ihnen meine Herren über die Fahrt der k. k. Corvette Carolina 
Folgendes mittheilen: 

Als die Weltumseglungs-Expedition der k. k. Fregatte „Novara" beschlos- 
sen wurde, erhielt die k. k. Corvette „Carolina" die Bestimmung anfäng- 
lich die erstgenannte Fregatte zu begleiten, und sodann ihre Fahrt allein 
nach den südamerikanischen Küsten zu maritimen Zwecken auszudehnen. 
Aus Anlass dieser projektirten Excursion der Corvette „Carolina" fand sich 
Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Ferdinand 
Maximilian allergnädigst veranlasst, die Benützung der projektirten Reise 
der „Carolina" zu handelspolitischen Zwecken in Anregung zu bringen, 
worauf mit Allergnädigster Zustimmung Seiner kaiserlichen Hoheit die 
Entsendung des Handels-Agenten Herrn Ferd. Fabel auf der Corvette 
„Carolina" behufs Anbahnung kommerzieller Verbindungen zwischen Oester- 
reich und den südamerikanischen Staaten beschlossen wurde. 

Am 30. April 1857 verliess die Corvette „Carolina" den Hafen von 
Triest. 

Am 8. August 1857 Ankunft in Bahia. 

Aufenthalt daselbst bis 31. August 1857. 

In Bahia hat der Handels-Agent Hrn. Fabel die erste Aufstellung der 
ihm mitgegebenen Mustersammlung österreichischer Waaren und Fabrikate 
veranstaltet. 

Bis zum 31. August war die Corvette „Carolina" 79 Tage in See 
gewesen, und 49 Tage in verschiedenen Häfen vor Anker gelegen. 

Am 8. September 1857 Ankunft der „Carolina" in Rio de Janeiro. 

In der brasilischen Hauptstadt veranstaltete Fabel abermals eine 
Ausstellung österreichischer Waarenmuster, und trennte sich von der „Caro- 
lina", um Behufs Realisirung seiner kommerziellen Zwecke seinen Aufent- 
halt in Rio de Janeiro zu verlängern. 

Der Tag des Abganges der „Carolina" von Rio de Janeiro ist unbekannt. 

Am 17. November 1857 erfolgte die Abreise der „Carolina" von 
Montevideo. 

Am 13. April 1858 traf die Corvette Carolina in Gibraltar wieder 
im Mittelmeere ein. 

Nenne ich noch die Expedition um die Welt der k. k. Fregatte 
„Novara", so berühre ich einen Gegenstand, der uns nur mit erhebenden 
Empfindungen erfüllen kann. Mit tiefster Theilnahme, von Zeit zu Zeit 
durch die bereits eingegangenen Berichte angefrischt, folgen ihr unsere 
Gedanken, die jetzt wahrscheinlich schon das stille Meer in seinem süd- 
lichen Theil durchfurcht, unter Führung eines ebenso tüchtigen Seemanns 
als Gelehrten, des Commodors v. Wüllerstorf, schon im zweiten Sta- 



8 Jahresversammlung am 9. November lö58. 

dium ihrer Aufgabe begriffen ist, in jener Hälfte ihrer Fahrt, die schon 
die Aussicht gibt, bald die Segel heimwärts zu stellen, da dem Plane nach 
die Rückkehr um das Cap Hörn erfolgen soll. Gott geleite das gute Schiff 
und die guten Männer die es trägt! 

In ganz kurzer Uebersicht entnehme ich noch Petermanns Mit- 
theilungen einige Notizen über geographische Reisen und Arbeiten, die 
auf den Antheil des Jahres 1858 fallen. 

Für Europa finden wir die Angabe der Arbeiten , welche im Laufe 
der nächsten Zeit durch das topographische Bureau des königlich preus- 
sischen Generalstabs zur Ausführung kommen sollen: 

1. Vollständige Aufnahme der Hohenzoller'schen Fürstenthümer, für eine 
Karte im Massstab von 1 : 50.000. 

2. Beendigung der Bemessung der Altmark, um im Jahre 1859 die Pro- 
vinz Preussen mit allen Kräften anfassen zu können. 

3. Vollendung und Revision der Aufnahme der Umgegend von Berlin, 
um sie wie 1 : 50,000 in Kupfer zu graviren. 

4. Umfassende Versuche in Anwendung der Photographie zu Zwecken des 
topographischen Bureaus. 

Beiträge zur Bestimmung der Seehöhe von Dresden. 

In Russland sind seit vergangenem Jahre 51 Generalstabs -Offiziere 
in eben so viele Gouvernements abgeschickt worden, um deren statistische 
Beschreibungen zu revidiren und nach einem neuen Programm zusammenzu- 
stellen. Diese sollen dann mit Karten in russischer Sprache in die Oeffent- 
lichkeit kommen. 

Arbeiten des kaiserlich russischen Generalstabs und topographischen 
Kriegsdepots: 

1. Trigonometrische Netze in den Gouvernements Kostroma von Woronesch, 
und längst der Wolga von Sanatow bis Simbirsk. Im Sanatow'schen 
Gouvernement zur Anknüpfung an die Triangulation der Gouv. Woronesch, 
Tambow und Pensa. 

2. Zwei chronometrische und astronomische Expeditionen in die Gouv. 
Wologda und Wiätka, wo an 100 Punkte bestimmt werden sollen. 

3. Topographische Aufnahme der Gouv. Poltawa, Gorkoff und Esthland 
im Maassstab 1 : 42000 (1 Werst = 1 engl. Zoll). 

4. In Sibirien, dem Kaukasus u. s. w. Fortsetzung der topographischen 
Arbeiten. Von den Graveuren werden heuer noch Smolensk und 
Kaluga, vielleicht auch Witegsk vollendet. Im Maassstab von 1 : 126,000 
(3 Werst = 1 engl. Zoll). 

In Asien sind neueste Nachrichten über Roths Reisen, aber auch die 
seines Todes, der am 26. Juni erfolgte. 

Ferner Cühdorfs Schilderung der Wichtigkeit des russischen Besitzes 
am Amur und einer Reise von dessen Mündung nach Moskau. 

Für Afrika sind mehrere Reisen theils beabsichtigt, wie Maccarthys 
theils im Zuge, wie August Rösche rs von Hamburg, in Chaillus im äqua- 
torialen Theil, dann Burtons Reise von der Ostküste gegen den innerafri- 
kanischen See. Gemeldet wird Neimanns Tod in Cairo am 15. März. In 
Aussicht wird die Herausgabe der Reisen von Ladislaus Magyar gestellt, 
dessen seltsam genug Livingstone gar nicht erwähnt. 

In Amerika reist Herr L. Pückler in den Andesregionen. 

In Australien hat die Regierung der Niederlande eine Expedition nach 



Fürst von Salm. 9 

Neu-Guinea abgeschickt, zum doppelten Zweck eine Niederlassung zu gründen, 
als auch zur Anstellung wissenschaftlicher Untersuchungen. 

Als Neuestes gelangte an unsern Altmeister Alexander vonHumbo ld t durch 
den Consul in Bombay die telegraphische Nachricht, dass auf Befehl des 
John Lawrenec und unter dem Commando Lord William Hay's von Simla 
eine Expedition abgefertigt wird, um Adolph Schlagintweit aufzusuchen. 
Noch ist also ein günstiger Erfolg vielleicht zu hoffen ! 

Niemand mehr als ich selbst meine Herren fühlt und bedauert mehr 
die unerquickliche Trockenheit dieses summarischen Details, aber die Zeit 
ist mir zugemessen und ich habe Ihre Geduld vielleicht schon über Gebühr 
in Anspruch genommen. Wo ich irrte oder etwas übersah oder sonst eine 
Ergänzung nöthig würde, soll sie noch vor der Drucklegung verbessernd 
eintreten. 

Gestatten Sie mir zum Schlüsse eilend, noch einige wenige abrundende 
Worte : 

Mit Recht nannte Linne die Botanik die Scientia amabilis , mit 
gleichem Rechte, ja in noch höherem Sinne wäre der Geographie diese 
Bezeichnung zu vindiziren. Ist jene das blühende Mädchen, so strahlt 
diese, eine Königin, in voller Pracht matronalen Reizes, in strengerer 
Reife und dennoch in vollendeter Liebenswürdigkeit. Mit noch manchen 
andern führt sie auch die Wissenschaft der Botanik in ihrem Gefolge 
und neben ihr geht, auf ihre Schulter gestützt, Staatskunst, in einer 
Hand die Feder , das Schwert in der andern , den Adlerblick in die 
Ferne gerichtet. 

Was ich Ihnen so eben von geographischen Leistungen aufgezählt, 
reiht sich von selbst nach drei Kategorien. Es ist die Arbeit sinnender 
Wissenschaft, die bei nächtlicher Lampe die Kunde von Wegen und 
Stegen der Welt verarbeitet, die Gesetze erforscht, nach denen sich deren 
Wesen und Art dargestellt und diess Alles in Umrissen dem Auge über- 
sichtlich fasslich, festzuhalten sucht. Bald zeigen sich Lücken in einer 
oder der andern Art, diese zu ergänzen, eröffnet der wandernde Handel 
ein Folium für Geographie, worin er einzeln zu Buche bringt , woraus 
ihm wieder die Wissenschaft ein organisches Ganze zum Gesammtgewinn 
heranbildet. Ja sie begeistert kühne Herzen, um ihretwillen allein weite 
Meere unter neuen Sternbildern nach unbekannten Küsten zu durchfor- 
schen, durch pfadlose Wüsten zu dringen, bis auch diese , dem schon 
Bekannten sich anschliessend, dieses fortzusetzen und zu ergänzen. Dieses 
möchte ich practische Geographie nennen , die von der Wissenschaft 
geführt, ihr Reich durch entdeckende Thaten erweitert. 

Nun tritt eine Praxis noch höherer Potenz hinzu, und wie alle 
Exponentialgrössen, nur in seltenen Fällen nach der rationalen Einfachheit 
elementarer Rechnungsweise aufzufassen und zu berechnen. Es ist dieses 
erobernde Geographie , wie sie einst vorzugsweise Spanien und England 
nach Westen und Osten getrieben , damit die Wissenschaft für ewig 
bereicherten, aber in ihren practischen Resultaten, sie eben auch nur krie- 
gerisch zu behaupten vermögen. 

So wurde in neuesten Tagen wieder das märchenhafte Indien unse- 
rem Tagesinteresse schaudervoll näher gerückt, so nährt das ferne China 
die Spalten der Zeitungen mit willkommener Speise, so hat Russland an 
den Ufern des, bisher eben nur dem Namen nach bekannten, Amur, 
im Stillen die Gründe einer Besitzergreifung gelegt, die uns nun schon 



10 Jahresversammlung am 9. November 1858. 

als vollendete Thatsache entgegentritt, ehe noch ihr Beginn so recht zur 
gesprächsweisen Kenntniss der Welt gediehen war. 

Diess meine Herren, sind Ereignisse von weit grösserer als der 
nächst sichtbaren Tragweite. Wir stehen eben wieder an einem der grossen 
Wendepunkte der Weltgeschichte. 

Seit mit dem unergründlich geheimnissvollen Ereigniss, von dem der 
Welt die Rechnung einer neuen Zeit darum zu Theil wurde, weil erst 
von da an eine geistige Einheit, Stammesgeschichten zur Weltgeschichte 
zusammenzubinden und fügen begann, können wir ein Hin- und Zurückwogen 
derselben, in grossartigem Verhältniss fast regelmässige Strömungen von 
Osten nach Westen und wieder von Westen nach Osten verfolgen. 

Von Osten drang das Christenthum nach Westen, und bald nach 
ihm der Strom bisher unbekannter Stämme in der Völkerwanderung, 
bestimmt dessen Träger in staatlichem Boden zu werden. Kaum in Europa 
gefestigt, trieb ein dunkler Instinct die Völker in den Kreuzzügen wieder 
nach Osten, das Grab des Erlösers aus den Fäusten der letzten Nach- 
zügler der Völkerwanderung, Seldschuckischer Fürsten, zu retten. 

Ohne dauernden Erfolg an Ermattung verendet, hatten sie doch den 
Kriegseifer Türkischer und später Mongolischer Horden geweckt, die wieder 
in gewaltigen Strömen nach Westen zuflutheten. Die stolze Byzanz war 
gefallen, flüchtend drängte die antike Bildung, ein geistiger Strom nach 
Westen. Nach Westen drang durch Columbus wachgerufen das Streben 
der Conquistadoren nach einem geträumten Eldorado. Nach Westen brach- 
ten Holland und England die Keime heimischer Staatseinrichtungen, bis sie 
ihnen in errungener Selbstständigkeit über den Kopf wuchsen. 

Nach mancherlei Zwischenfallen, welche auszuführen die Zeit mir 
nicht erlaubt, die aber alle nur das Gemälde vollenden, von dem mir 
nur eine Andeutung der äussersten Umrisse vergönnt bleibt, stehen wir 
nun wieder an dem Punkte des nach Osten rückfluthenden Weltstromes. 

Diess ist die Bedeutung der jetzigen Tage, darum wird, wenn nicht 
England, so doch Europa, wie in Indien , so in China endlich siegen. 
Darum wird der uralte Landzusainmenhang zweier Welttheile gelöst und 
das Land bei Suez durchschnitten. Darum entsteht ein zweites junges 
Russland am Amur, um bald Japan die Hand zur allgemeinen Verbrüde- 
rung zu bieten, wo es sich zunächst mit Amerika begegnen wird , wel- 
ches dann von dieser Seite in einem nächsten Weltenalter den Sturm 
und Drang nach seinem Westen zu uns herüber beginnen wird. 

Doch meine Herren ich bemerke wie mich Phantasie über die, 
vielleicht erlaubten Gränzen führt. Lächelnd wird wohl Mancher fragen, 
wie ein einfacher Jahresbericht der Anlass sein konnte, sich bis zu Deu- 
tungen der Zukunft zu versteigen? Indess meine Herren nehmen Sie es 
mit Nachsicht auf, wenn ein Drang mich vielleicht zu weit führte, den 
Sie an sich nicht verdammen werden, den Drang, auch beim kleinsten 
Einzelnen, sich eines grossen Ganzen und organischen Zusammenhanges 
instinctartig bewusst zu werden." 

Hierauf las der erste Secretär Herr k. k. Bergrath F. Foetterle 
folgenden von ihm verfassten, und vom Ausschusse gut geheissenen 
Rechenschaftsbericht über das vergangene Vereinsjahr 1858. 

Meine Herren! 

„Ich habe die Ehre, Ihnen heute den Rechenschaftsbericht über die 
Thätigkeit unserer geographischen Gesellschaft in dem vergangenen zwei- 



F. Foetterle. 1 i 

ten Jahre ihres Bestehens, sowie über ihre inneren Angelegenheiten und 
ihre Finanzen vorzutragen. Ich kann diess mit um so mehr Befriedigung 
thun, als ich Ihnen meine Herren nur Erfreuliches zu berichten habe, 
aus dem sie entnehmen werden, dass die Thätigkeit der Gesellschaft 
zwar in einer langsamen, aber um desto sicherern Zunahme begriffen ist; 
dass sie nicht mehr den Schwankungen unterliegt, welche so häufig bei 
neuen Gesellschaften oft durch unbedeutenden äusseren, oft persönlichen 
Einfluss während einiger Zeit eintreten, und kürzer oder länger andauern. 
Mit voller Beruhigung können wir Unsere Gesellschaft als consolidirt 
betrachten. Wir geniessen noch fortwährend die Begünstigung der freien 
Benützung des Lokales zowohl zu Versammlungen , wie zur Bib- 
liothek, und verdanken sie dem Wohlwollen Sr. Excellenz des Herrn 
Ministers des Innern, Freiherrn v. Bach, und unserem hochverehrten 
ersten Präsidenten und gegenwärtigen Vicepräsidenten Herrn Sectionsrathe 
W. Haidinger. Die bedeutende Zunahme der Mitglieder gibt uns einen 
erfreulichen Beweis für das Wachsen der Theilnahme an den Interessen 
der Gesellschaft auch ausserhalb dem Kreise ihrer Thätigkeit, sowie die 
bedeutende Vermehrung der Verbindung mit anderen Gesellschaften und 
Instituten uns ein erfreulicher Beweiss ist, dass man auch unseren Pub- 
licationen einen Werth beilegt, und ihren Inhalt beachtet. Sowohl die 
Anzahl von Vorträgen in den allgemeinen Versammlungen, wie die Anzahl 
der Beiträge zu den Abhandlungen haben sich in einer Weise gemehrt, 
dass es mir möglich wurde, von den Mittheilungen statt 2 Heften wie 
im vergangenen Jahre, 3 Hefte für den 2. Band abzuschliessen. Einen 
ebenso erfreulichen Fortschritt zeigt die Seele des Bestandes der Gesell- 
schaft, die finanzielle Seite, denn mit der Vermehrung der Mitglieder ist 
auch eine Vermehrung der Beiträge eingetreten, und wir haben heute 
keine Klage über allzu viele Versäumniss der Beitragsleistung für das 
vergangene Jahr zu führen. 

Ich übergehe nun zu den einzelnen Geschäftsabtheilungen, und will 
mich etwas weitläufiger bei jedem derselben einlassen. 

Die Gesammtanzahl der Mitglieder der Gesellschaft sowohl ausser- 
ordentliche wie ordentliche belief sich im Laufe des vergangenen Gesell- 
schaftsjahres, wie aus dem betreffenden Rechenschaftsberichte und aus 
dem im ersten Band der Gesellschaftsschriften enthaltenen Mitglieder-Ver- 
zeichnisse ersichtlich ist, auf 321, wovon 16 ausserordentliche mit einem 
Gesammtbeitrage von 229 Gulden C. M., und 305 ordentliche; von diesen 
hatten 94 ausserhalb Wien in Oesterreich, und 5 ausserhalb der öster- 
reichischen Monarchie in den andern Staaten Europas ihren Wohnsitz 
aufgeschlagen. Seit jener Zeit bis zu Ende October des 1. J. sind neuer- 
dings der Gesellschaft 65, wovon 2 als ausserordentliche Mitglieder bei- 
getreten. Freilich hat die Gesellschaft auch den Verlust von 4 Mitglie- 
dern durch den Tod zu beklagen, (der Herren Freiherrn von Reden, 
P. G. F i t z i n g e r, Professor E. Zdobinsky, und E. Port h), während 9 andere 
Herren aus der Reihe der Mitglieder sich ausscheiden Hessen. Es ver- 
blieben demnach am Schlüsse des vergangenen Monates 374 Mitglieder, 
wovon 18 ausserordentliche mit einem Gesammtjahresbeitrage von 264 
Gulden (277.20 Gulden Oesterreichische Währung) und 356 ordent- 
liche. Von der Gesammtzahl sind 54 k. k. Offiziere. Es dürfte hier nicht 
ohne Interesse sein zu erfahren, in welchem Verhältnisse die Betheiligung 
an der Gesellschaft in geographischer Verbreitung zunimmt, was aus fol- 



\2 Jahresversammlung am 9. November 1858. 

genden Zahlen ersichtlich sein mag. Wie es in der Natur der Sache 
selbst liegt, hat dieselbe innerhalb der Residenz am stärksten zugenom- 
men, denn gegenwärtig wohnen von den 374 Mitgliedern 253 in Wien, 
7 wohnen im Ausland in den Städten Augsburg, Coburg, Constantinopel, 
Ellwangen, Florenz, Plönen und Warschau; und 114 in 51 verschiede- 
nen Ortschaften der österreichischen Monarchie, u. z. in Agram, Baden, 
Bistritz bei Teschen, Bochnia, Czernowitz, Dubnik bei Eperies, Edlitz bei 
Neunkirchen, Ellbogen, Eggendorf im Traunkreis, Gratz, Gresten , Heral- 
titz bei Trebitsch, Hruschau bei M. Ostrau, Innsbruck, Jaworzno, Joa- 
chimsthal, Keszthely, Krakau, Kremsmünster, Laybach, Lemberg, Linz, 
Mailand, Mauer, Oberalm, Oberschützen, Oedenburg, Ofen, Ollmütz, Padua, 
Pest, Pilsen, Prag, Prerau , Pressburg, Przibram, Sappada bei Auronzo 
Schemnitz, Schmöllnitz, Steyr, Szemered, Szigeth Marmaros, Temesvar, 
Triest, Tschars in Tyrol, Udine, Warasdin, Venedig, Vinkovce, Wr. Neu- 
stadt, Witkowitz und Zara; unter diesen Orten ist wieder Triest durch 
15, Prag durch 8, Pest, Pressburg und Ollmütz durch je 5 Mitglieder 
am zahlreichsten vertreten. 

Da die Bibliothek eine der wichtigsten Besitzungen und geistigen 
Mittel einer Gesellschaft ist, so wurde ihrer Vermehrung und ihrer zweck- 
mässigen Instandhaltung besondere Sorgfalt gewidmet. Die Möglichkeit der 
ersteren wurde durch die zahlreichen Geschenke hochverehrter Gönner 
und Freunde erleichtert, wozu unsere verehrten Ehren-, correspondirenden, 
wie wirklichen Mitglieder beitrugen. Die Ordnung der Bibliothek, wie die 
Führung des allgemeinen alphabetischen Kataloges, des Zettlkataloges und des 
Realkataloges verdanke ich vorzüglich beinahe einzig dem ungemein grossen 
Eifer und Thätigkeit unseres Scriptors Herrn A. Senonner. 

Es freut mich ungemein, Ihnen meine Herren die angenehme Mittheilung 
machen zu können, dass der Stand der Gesellschaftsbibliothek sich im 
Laufe des vergangenen Jahres mehr als verdoppelt hat, was aus dem 
nachfolgenden Vergleiche am deutlichsten ersichtlich ist. 

Der Stand der Bibliothek betrug 

,, T , . ± t... , an Karten, bestehend 

an Werken mit Banden „,.. m-.u 

Planen etc. aus Blattern 

zu Ende des Vereinsjahres 1857 262 979 46 320. 

zu Ende des Vereinsjahres 1858 775 2011 77 421. 

daher beträgt die Vermehrung 513 1032 31 101. 

Aus eigenen Geldmitteln konnte leider auch dieses Jahr fast gar 
nichts beigetragen werden. 

Gewiss werden Sie meine Herren mir alle beistimmen, wenn ich 
hier in Ihrer Aller Namen den hochverehrten Gebern den verbindlichsten 
Dank der Gesellschaft ausdrücke, denen unsere Bibliothek so viele und 
werthvolle Werke, welche Ihnen grösstentheils bereits in den einzelnen 
Monatsversammlungen vorgelegt wurden, verdankt; und sie alle hier noch- 
mals nenne, wenn sie Ihnen auch aus den bereits erfolgten Vorlagen 
bekannt sein werden; es sind die Herren: Abich H. in St. Petersburg, 
Angelrodt in St. Louis, d'Aveeac in Paris, Artaria A., Se. Excellenz A. Freih. 
von Bach in Wien , Baeyer in Berlin, Bauer E. in Triest, Brachelli H., Graf A. 
Breonner in Wien,v. Balbi E. in Venedig, v. Costa D. E. H. in Laybach, Freih. v. 
Cioernigin Wien,R.Danmas,K.DanssyinParis,Fr. v. Demidoff in W T ien, Dietz B. in 
Karlsruhe, Erdmann in Stockholm, Ermann Dr. A. in Berlin, Flügel Dr. F. in 
Leipzig, Forchhammer Dr. P. in Kiel, Fritsch K., Fitiinger G. in Wien, Graham 



F. Foetterle. 13 

C. in London, (irrewink Dr. in Dorpat, Haidinger W. in Wien, Helmersen G. in 
St. Petersburg, Se. Excellenz Freih. v. Hietzinger K., Freih. v. Hingenan, R.Heufler 
L., v. Hönigsberg Dr. R., Heinzel in Wien, Hölzel in Ollmütz, v. Jochmas in 
London, Kästner L. in Wien, Kiepert H. in Berlin, Rornhuber Dr. G. A. in Press- 
burg, Roristka B. in Prag, L. Freiin v. Kotz in Prag, ftocziczka W. in Krakau. 
de Lesseps F. in Paris, Löwenthal J. in Wien, Lorenz Dr. J. in Fiume, Loosey K. 
in New- York, Mayr Dr. B. in Pest, Malte Brnn in Paris, Metger Dr. J. in Han- 
nover, Mühry Dr. A. in Göttingen, Mnrchison Sir R. J. in London, Nardi Dr. 
F. v. in Rom. Negrelli F. R. v., Papen K. in Frankfurt, Palacky Dr. J. in Prag, 
Paleocapa in Turin, Perthes J. in Gotha, Patloch 0. inDubnik, Pipitz Dr. J. 
in Triest, de Rivero, Ritter K. in Berlin. Salzbacher Dr. J. in Wien, Schröckin- 
ger Ritter von, Schwarz Georg in Wien, Varnhagen in Paris, Wenzig J. in 
Prag, Wurzbach Dr. C. v. in Wien, Zeithammer A. in Agram, Ziegler J. M. in 
Winterthur. — 

Eine andere ebenso reiche wie werthvolle Quelle des Zuflusses für 
die Bibliothek bilden die zahlreichen Druckschriften, welche der Gesellschaft 
von den verschiedenen Gesellschaften und Instituten des In- und Auslandes 
als Gegensendungen für die eigenen Mittheilungen zukommen; aus dem 
nachfolgenden Verzeichnisse dieser Institute und Gesellschaften wollen Sie 
die Ausdehnung der Verbindungen entnehmen, welche zu dem Zwecke 
der Bereicherung unserer Bibliothek, so wie zur Verbreitung der eigenen 
Druckschriften eingeleitet wurden." 

Verzeichniss 

der verschiedenen Institute, Gesellschaften u. s. w., mit welchem die k. k. 
geographische Gesellschaft in Schriftentausch getreten ist. 
a. Im Inlande: 
Agram , k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft. 

Brunn, k. k. M. schl. Gesellschaft für Ackerbau, Natur- und Landeskunde. 
„ Statistisch historische Section der „ „ 

„ Forstsection der k. k. „ „ 

„ Werner- Verein zur geologischen Durchforschung von Mähren und Schlesien. 
Czernowitz, k. k. Ober-Gymnasium. 

„ Verein für Landeskultur und Landeskunde. 

Gratz , k. k. Landwirthschaftsgesellschaft. 

Heruiannstadt, Siebenbürgischer Verein für Naturwissenschaften. 
Innsbruck , Ferdinandeum. 

Riagenfurt , k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft. 
Lavbach, Historischer Verein für Krain. 
Lemberg, k. k. Ackerbau-Gesellschaft. 
Linz, Museum Francisco Carolinum. 

„ k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft. 
Mailand, J. r. Instituto Lombardo. 

„ Academia physico-medico-statistica. 

Pesth, Ungarische Akademie der Wissenschaften. 

„ Redaction des Pesth'er Lloyd. 
Prag, k. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. 
„ Naturhistorischer Verein „Lotos". 
„ k. k. patriot. ökonomische Gesellschaft. 
Pressburg, Städtische Ober-Realschule. 
„ Verein für Naturkunde. 

„ Ungarischer Forstverein. 

Venedig, J. r. Instituto Veneto. 

,, Collegium der Mechitaristen auf S. Lazaro. 
Verona, Academia dell' agricoltura, delle scienze di commeracio- 
Wien, k, k. Direction für administrative Statistik. 



14 Jahresversammlung am 9. November 1858. 

Wien k. k. geologische Reichsanstalt. 

„ k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft. 
,, k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft. 
„ k. k. n. öst. Gewerbe-Verein. 
„ Redaction der Austria. 

5 , „ der österr. botanischen Monatschrift. 

Und die Handelskammern zu: Agram, Bergamo, Botzen, Brescia, Brunn, Budweis, Chia- 
venna, Como, Cremona, Czernowitz. Fiume, Gratz, Klausenburg, Kronstadt, Laybach. 
Leoben, Linz, Lodi, Mailand, Oedenburg, Ollmütz, Padua, Pavia, Pesth, Pilsen, Prag, 
Rovigo, Salzburg, Temesvar, Treviso, Triest, Troppau, Udine, Verona, Vicenza und Wien, 

b. Im Auslande. 
Albany, New- York State Library. 
Amsterdam', N. Akademie der Wissenschaften. 
Barmen , Rheinische Missions-Gesellschaft. 
Berlin, Gesellschaft für Erdkunde. 
Bologna, Academia delle science. 
Boston, American Academy of arts and sciences. 
Breslau, k. Universität. 

„ schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur. 
Brüssel , k. Akademie der Wissenschaften. 

,, k. Central-Commission für Statistik. 
Cambridge American Association for the advancement of science. 

„ Haward College. 

Darmstadt, Gesellschaft für Erdkunde und verwandte Wissenschaften. 
Frankfurt a. M., Geographischer Verein. 

„ Ravenstein's geographische Anstalt. 

Görlitz, Naturforschende Gesellschaft. 
Gotha, Justus Perthes 's geographische Anstalt. 
Bannau , Wetterau'sche Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. 
Karlsruhe, das grossherzogliche Ministerium. 
London, Royal Society. 

„ Asiatic Society of Great Britain and Irland. 
,, Ethnological Society. 
}} Statistical Society. 
„ Geographical Society. 
„ Mission Society. 
„ Britisch Evangelical Society. 
Moskau, kais. Naturforschende Gesellschaft. 
München, k. Akademie der Wissenschaften. 
Neubrandenburg, Verein der Freunde der Naturwissenschaften. 
New-Haweu, the Editor of the American Journal. 
New- York, Geographical Society. 

„ American Ethnographical Society. 

,, Redaction der Mission Intelligencer. 

Paris, Soci6t6 de la Geographie. 

,, Soci6te pour la propagation de la foi. 
St. Louis (Missouri), Academy of sciences. 
St. Petersburg, k. russ. geographische Gesellschaft. 
Philadelphia, Franklin Institute. 

,, American Philosophical Society. 

,, Geological Society. 

Turin, Redaction des Bolletino dell' Istmo di Suez. 
Washington, Smithsonian Institution. 
„ Patent-Oflice. 

,, War Departement. 

„ National Observatory and Hydrographical Office. 

„ U. St. Coast Survey. 

Wiesbaden , Verein für Naturkunde. 

„Es sind demnach 119 verschiedene Institute und Gesellschaften, wovon 
47 in 28 verschiedenen Orten im Auslande, und 72 in 42 verschiedenen 
Orten im Inlande, mit welchen unsere Gesellschaft in Verbindung steht, 
welchen sie ihre Mittheilungen zusendet, und von welchen sie bereits ihre 
Druckschriften erhalten hat, oder deren Zusendung in naher Aussicht steht. 



F. Foetterle. 15 

Von den ausländischen Gesellschaften und Instituten erlaube ich mir nament- 
lich auf die zahlreiche Vertretung der Nordamerikanischen aufmerksam zu 
machen; die Gesellschaft verdankt die Herstellung dieser Verbindung dem 
unermüdlichen Eifer und der regen Theilnahme unseres correspondirenden 
Mitgliedes des k. k. österreichischen General-Consuls zu New-York Hrn. 
Karl Loosey, und des nordamerikanischen General-Consuls zu Leipzig 
Hrn. Dr. Flügel, denen die Gesellschaft hiefür zu grösstem Danke ver- 
pflichtet ist. 

Vergleicht man die diessjährigen mit den vorjährigen Verbindungen 
zum gegenseitigen Schriftenaustausche und Verkehre, so zeigt es sich, 
dass am Schlüsse dieses Jahres im Inlande mit 65, und im Auslande mit 
39 verschiedenen Instituten und Gesellschaften mehr Verbindungen einge- 
leitet waren, als am Schlüsse des vergangenen Jahres, und ich bin fort- 
während bemüht, diese sowohl für die Bibliothek nützlichen, wie die 
Gesellschaft selbst sehr ehrenden Verbindungen fortwährend auszudehnen. 

Auch unser kleines Nubisches Museum hat zu Anfang des Jahres 
durch Herrn Hansal's Geschenk eine nicht unwesentliche Vermehrung 
erhalten. Diese besteht aus folgenden ethnographischen Gegenständen: 
10 vergiftete Pfeile, 29 eiserne Pfeile, 4 grosse Bogen, u. z. 2 von 
den Bari, und 2 von den Tschier, 8 eiserne Lanzen der Bari, (2 des 
Nemnemstammes), 1 ganz aus Eisen verfertigte Wurfpflanze, 1 Zauberstab 
eines Regenmachers, 2 Eisenhacken, welche auf die Feinde geschleudert 
werden, 1 Keule von schwarzem Eisenholz, 1 Pfeifenrohr, 1 junger Stamm 
des schwimmenden Ambackholzes, 2Rahad, 1 Negerflöte, 2 Pfeifen, welche 
die Bari bei ihrem Gesänge brauchen, 1 Streitaxt mit einer Gabel zum 
Eindrücken der Augen des Feindes, 1 Zierstab der Heliab, 1 Keule der 
Schilluk von schwerem gelben Holze, 1 lederner Riemen, welcher als 
Abzeichen des Haus- und Besitzstandes getragen wird, 1 Schild der östlich 
vom Barilande wohnenden Bern aus dem Rückentheile einer Giraffenhaut 
und mehrere Hausgeräthe, Schmuck und Ziersachen. 

Einen ebenso erfreulichen Fortgang habe ich die Ehre, Ihnen meine 
Herren, über die eigenen Druckschriften der Gesellschaft, die Mittheilun- 
gen, zu berichten. Im Laufe des Jahres wurden zwei Hefte des 2. Bandes 
vollendet und versendet, ein drittes Heft wurde am 31. October als Schlussheft 
des 2. Bandes abgeschlossen, und ist zum grössten Theile schon gesetzt, 
so dass ich in kurzer Zeit die Ehre haben werde, es Ihnen vorlegen zu 
können. Ich verdanke vielen unserer hochverehrten Herren Mitglieder werth- 
volle Beiträge wie den Herren Dr. A. Alth, F. Simony, J. M. Gug- 
genberger, A. Steinhauser, Th. Kotschy, Dr. J. Schmidt, A. E. 
Zhis hinan, Dr. L. F. Kämtz und unseren Novara-Reisenden, dem Hrn. 
Commodore v. Wüllerstorf selbst und Dr. K. Scherzer und erlaube 
mir hier allen diesen Herren meinen besonderen Dank auszudrücken. Wie 
in dem vorjährigen ersten Bande, sehen wir auch in dem zweiten die 
Richtung gleichsam angedeutet, welche für unsere geographische Gesell- 
schaft gleichsam vorgezeichnet ist, denn auch hier herrscht unser eigenes 
schönes Kaiserreich so wie der Osten vor, da unter den 16 Abhandlun- 
gen 6 auf die österreichische Monarchie, 6 auf Asien, 1 auf Afrika sich 
beziehen, und 3 mehr allgemeinen Inhaltes sind. 

Wir sind aber auch denjenigen Herren zu besonderem Danke ver- 
pflichtet, welche durch das lebendige Wort in den allgemeinen Versamm- 
lungen so viel zu unserer Belehrung und geistigen Unterhaltung beitrugen. 



16 Jahresversammlung am 9. November 1858. 

Mit wahrer Befriedigung werden Sie meine Herren sowohl aus der 
Abtheilung der Abhandlungen, wie der Sitzungsberichte entnehmen, dass 
auch in dieser und gewiss der wichtigsten Abtheilung der Wirksamkeit 
unserer Gesellschaft die Leistungen des eben vergangenen nicht hinter 
denen des Vorjahres geblieben sind, und ich kann nur die Herren ein- 
laden, auch in dem nun zu beginnenden Jahre eine eben grosse Theil- 
nahme an der Thatigkeit der Gesellschaft entwickeln zu wollen. 

Ich kann nicht umhin, hier meinem hochverehrten Freunde, unserem 
allverehrten Hrn. Vice-Präsidenten Sectionsrath Haidinger, sowie den 
Herren Ausschussmitgliedern Schulrath Dr. M. Becker und Bergrath F. v. Hauer 
meinen verbindlichsten Dank auszudrücken für die Bereitwilligkeit, mit der 
sie sich während meiner längeren Abwesenheit der Redaction der Mitthei- 
lungen, und den Secretariatsgeschäften unterzogen. 

Was die Vertheilung der Druckschriften betrifft, so wurde sie in 
diesem Jahre folgender Massen vorgenommen: 

Von dem ersten Jahrgange wurde ausser den bereits in dem Rechen- 
schaftsberichte vom vorigen Jahre ausgewiesenen 41 2 Exemplaren noch Yertheilt 

12 an Mitglieder des kaiserlichen Hauses und an Ehrenmitglieder, 

48 an neu eingetretene Mitglieder, 

78 an Gesellschaften, mit welchen Verbindungen angeknüpft wurden. 

550 Exemplare des 1. Bandes wurden demnach bisher vertheilt und es bleiben 
450 Exemplare als Rest der ganzen Auflage. 

Von dem zweiten Bande wurden vertheilt: 
374 an die ausserordentlichen und ordentlichen Mitglieder , 
31 an die Mitglieder des allerhöchsten Kaiserhauses und an mehrere 
Ehrenmitglieder, 
119 an verschiedene Gesellschaften und Institute; daher 

524 Exemplare im Ganzen und es bleiben 

476 Exemplare als Rest der ganzen Auflage übrig. 

Was den Stand der Kasse der Gesellschaft, sowie die Einnahmen 
und Ausgaben im Laufe dieses Jahres betrifft, so habe ich die Ehre, 
Ihnen meine Herren im Nachfolgenden einen Auszug der von den Herren 
Censoren revidirten Jahresrechnung, welche wir den freundlichen Bemü- 
hungen des Herrn Rechnungsführers E. Hornig und des Herrn Kassiers 
A. Artaria verdanken, im Nachfolgenden mitzutheilen: 

Einnahmen» 

Kassarest vom Jahre 1857 , . . . 1011 fl. 37 kr. 

Jahresbeiträge 1919 „ — „ 

Zinsen von Obligationen 20 „ 42 „ 

Summa 2951 „ 19 „ 
Ausgaben. 

Druck der Mittheilungen . 1546 fl. 46 kr. 

Kanzlei-Erfordernisse . 87 „ 32 „ 

Remuneration des Scriptor 200 „ — „ 

„ des Vereinsdieners ........ 100 „ — „ 

Auslagen für Bibliothek 88 „ — „ 

Postporto 199 „ 40 „ 

Reise-Unterstützung 150 „ — „ 



Summa 2371 „ 58 „ 
Es verbleibt demnach ein Rest von 579 fl. 21 kr., wovon 160 fl. 
CMze. in 5% Obligationen, für die Einnahmen von 1859: rechnet man 



F. Foetterle. 17 

hiezu die Beiträge von 18 ausserordentlichen Mitgliedern mit 264 fl. , die 
Zinsen der lebenslänglichen Einzahlungen von 3 Mitgliedern mit 15 fl. und 
die Jahresbeiträge von 353 ordentlichen Mitgliedern, mit 1765 Gulden, 
so haben wir eine Einnahme für das Jahr 1859 von 2623 Gulden CMze., 
ungerechnet der noch sicher zu erwartenden Einnahme von Beiträgen neu 
eintretender Mitglieder. Es erscheint diese Summe im Vergleiche mit der 
vorjährigen Einnahme von 2951 fl. 19 kr. zwar um 328 fl. geringer, 
allein wenn man bedenkt, dass am Schlüsse des vergangenen Jahres ein 
Rest von 1011 Gulden von einer zweijährigen Einnahme, und einer blos 
einjährigen Ausgabe , sehr viel zu der Höhe jener Einnahmssumme beitrug, 
so muss die im künftigen Jahre zu erwartende Einnahme als ein bedeu- 
tender Fortschritt in der Vermehrung der disponiblen Geldmittel betrachtet 
werden. — Als ein bedeutungsvolles und erfreuliches Zeichen der Theil- 
nahme, an den Interessen der Gesellschaft wollen Sie es betrachten, dass 
bloss eine sehr geringe Anzahl von Mitgliedern bisher ihrer Verpflichtung 
der Leistung des Jahresbeitrages für 1858 nicht nachgekommen sind, unter 
diesen sind jedoch die meisten auswärts, denen es nicht an Willen, son- 
dern an geeigneter Gelegenheit zur Einsendung mangelte, und bei denen 
an der Leistung nicht zu zweifeln ist. 

Nachdem ich Ihnen, Meine Herren , einen kurzen Ueberblick über die 
innern Angelegenheiten unserer Gesellschaft entworfen habe, und zum 
Schlüsse gelangt bin, habe ich Ihnen noch im Namen des Ausschusses 
den Dank desselben auszudrücken für die Unterstützung und Aufnahme, 
die Sie seinen Anträgen zu Theil werden Hessen, sowie für die Theil- 
nahme, die Sie den Interessen der Gesellschaft zollten ; erlauben Sie mir, 
meine Herren, Ihnen hier noch speciell meinen eigenen Dank auszudrü- 
cken für die besondere Nachsicht mit der Sie stets die Güte hatten, 
meine Thätigkeit für die Gesellschaft zu beurtheilen; ich habe volle 
Ursache dieselben namentlich für das vergangene Jahr in Anspruch zu 
nehmen, wo mich mein specieller Beruf für längere Zeit den Interessen 
der Gesellschaft entzog: nehmen Sie schlüsslich die Versicherung, dass 
ich mit gleicher Vorliebe fortfahren werde , mir die Interessen der 
Gesellschaft wie bisher angelegen sein zu lassen, und sie ebenso zu 
vertreten; und ich kann nur mit der inständigsten Bitte an Sie Alle 
meine Herren schliessen, mich auch fernerhin in diesen meinen Bestre- 
bungen wie bisher unterstützen zu wollen." 

Da nun nach Erstattung des wissenschaftlichen sowie des Rechen- 
schaftsberichtes über das eben abgelaufene Vereinsjahr die Function des 
Präsidenten zu Ende geht, so dankte Se. Durchlaucht Fürst von Salm 
nochmals der Gesellschaft für das ihm während seiner Function als Prä- 
sident bewiesene Vertrauen und ersuchte die Versammlung zur Wahl eines 
neuen Präsidenten schreiten zu wollen. 

Herr k. k. Generalmajor L. Kintzl ergriff hierauf das Wort und 
dankte im Namen der ganzen Gesellschaft dem abtretenden Herrn Präsi- 
denten für die rastlose und erfolgreiche Vertretung der Interessen der 
Gesellschaft, und die ganze Versammlung stimmte mit Freuden diesem 
Ausdrucke des Dankes bei. 

Da nun den Statuten der Gesellschaft gemäss der abtretende Präsi- 
dent zu derselben Function nicht wieder wählbar ist, so stellte der Aus- 
schuss der Versammlung den Antrag, dieselbe möge den k. k. Sec- 
tionschef Herrn Dr. Carl Freiherrn von Czoernig für das nächste 

.Minheilungen der k. k. geogr. Gesellschaft. III. Bd. I. Heft. *> 



jg Versammlung am 23. November 1858. 

Vereinsjahr zu ihrem Präsidenten wählen, welcher Antrag angenommen 
wurde. 

Hierauf wurden über Antrag des Ausschusses als Ersatz für drei 
den Statuten gemäss austretende und nicht wieder wählbare Vicepräsi- 
denten u. z., die Herren k. k. Regierungsrath J. Chine i, k. k. Generalma- 
jor A. v. Fligely und Graf C. Lanckoronski zu neu eintretenden 
Vicepräsidenten gewählt die Herren: Se. Durchlaucht Fürst von Salm- 
Reifferscheid, Se. Excellenz K. Freiherr v. Hunzinger und Herr 
k. k. Generalmajor L. Kintzl. Zum Kassier wurde Herr A. Artaria, 
zu Rechnungs-Censoren die Herren A. Harmat und G. A. Schimmer 
wieder gewählt. 

Da auch den Statuten gemäss das Loos zum Austritt aus dem 
Ausschusse sieben Ausschussmitglieder traf, und zwei andere Ersatzwahlen 
stattzu6nden hatten, so wurden zu neuen Ausschussmitgliedern gewählt die 
Herren: Generalmajor A. v. Fligely, k. k. Major E. Pechmann, k. k. 
Hauptmann J. Cyhulz, Professor Dr. K. Heller und Professor Dr. J. 
Zhishman; und die Herren V. Freiherr von Andrian, Dr. L. Fitzin- 
ge r, K. Fritsch und Dr. M. Hörn es wiedergewählt. 

Als neu eintretende ordentliche Mitglieder wurden gewählt die Her- 
ren L. Kastner, Vorstand der Registratur der k. k. pr. Kreditanstalt, 
Dr. J. Lorenz, k. k. Professor am Obergymnasium zu Fiume, und J. 
Skuppa, Hauptmann im k. k. Militär-Ingenieur Geographen-Korps. 

Hr. Foetterle zeigte nun mehrere Geschenke vor, welche der 
Gesellschaft in letzterer Zeit zugekommen sind. Se. Hochwürden Herr 
M. Kirchner, prov. Provicar der katholischen Mission in Central-Africa 
zu Chartum , der seit kurzer Zeit sich in Wien befindet , hatte der 
Gesellschaft einige ethnographische Gegenstände für ihr kleines Nubisches 
Museum übergeben. Ein äusserst werthvolles Geschenk an Druckschriften, 
bestehend aus 74 Bänden, verdankt die Gesellschaft Sr. Excellenz Herrn 
Freiherrn v. Hi et zi nger, es befindet sich darunter die vollständige Ausgabe 
von K. Ritter's Erdkunde, so wie mehrere andere Werke von Dr. H. Berg- 
haus, Gaspari Hasel und Canabich, v. Lic htenstern, Somm er und 
sein eigenes Werk „Statistik der österreichischen Militärgrenze." 

Hr. Dr. L. A. Frank 1 überreichte durch den Secretär der Gesell- 
schaft nebst seiner eigenen Beschreibung „nach Jerusalem" und Inschrif- 
ten des alten jüdischen Friedhofes auch sein Gedicht „an die hingeschie- 
dene Freundin Ida Pfeiffer" in zahlreichen Exemplaren, die an die 
Anwesenden vertheilt wurden. 

Das ordentliche Mitglied, Herr k. k. Professor P. Matkovich in 
Warasdin, sandte die Kopie einer topographischen Karte des Gebietes 
von St. Michel di Lemmo in Istrien, welche er während seiner diesjäh- 
rigen Studien im Museo Correr in Venedig fand und kopirte, nebst einer 
Beschreibung (Siehe dieses Heft: Abhandlungen Nr. III, S. 32.) 



Versammlung am 23. \ovember 1858. 

Der Herr Präsident k. k. Sectionschef Freiherr von Czoernig führte 
den Vorsitz und eröffnete die Sitzung, indem er der Gesellschaft den Dank 
für seine Wahl zu ihrem diessjährigen Präsidenten ausdrückte. 

Zu neuen ordentlichen Mitgliedern wurden gewählt die Herren: k. k. 
Oberlieutenant H. v. Acken, Abt und Domherr J. Mislin, Fabriksbesitzer 
H. von Rosthorn, k. k. Oberlieutenant J. Schallerund Dr. G. Stäche. 



Dr. J. Schmidt. 19 

Der Astronom der Sternwarte zu Athen, Herr Dr. Julius Schmidt 
macht einige Mittheilungen über den Fortgang seiner die Metallbarometer 
betreffenden Untersuchungen. Indem er kurz die zu Olmütz im Jahre 1854 
begonnenen Versuche, dann seine Beobachtungen in Italien, endlich seine im 
Jahre 1857 unter Mitwirkung des Herrn Prälaten v. Unkrechtsberg ausge- 
führten Vergleichungen zwischen Metall- und Quecksilber-Barometern berührt, 
zeigt er die Gestalt der Kurven , durch welche man die Variationen der 
Aneroide-Stände gegen den Stand des Quecksilbers ausdrückt und die gerin- 
gen Aenderungen desselben, welche aus theils bekannten, theils unbekannten 
Ursachen seit 1857 eingetreten sind. Die Reisen der Herren Bergrathes F. 
r. Hauer und Baron F. v. Richthofen in Ungarn (1858) gaben ihm Veranlas- 
sung, aufs neue sich mit den Metallbarometern zu beschäftigen, indem jene 
Herren sich solcher Instrumente zu ihren zahlreichen hypsometrischen 
Bestimmungen bedienten. Um diese wichtige Beobachtungsreihe in fast unbe- 
kannten Länderräumen sicher berechnen zu können, ward für beide Metall- 
barometer die ganze Untersuchung wieder angefangen und durch die am 28. 
October in Begleitung des Herrn Gustav Ts eher mack unternommene Bestei- 
gung des Gloggnitzer Schneeberges zum Abschlüsse gebracht. Herr Schmidt 
machte schliesslich darauf aufmerksam, dass er diessmal zu Argumenten sei- 
ner Reductionstafeln die wahren (von Wärme corrigirten) Stände des Metall- 
barometers benutzt, wodurch jetzt jede Art von ermüdender Interpellation 
wegfällt, die dann auftritt, wenn mehrere Stände des Quecksilbers gemacht 
werden. 

Nach dieser Notitz über Metallbarometer sprach Herr Dr. Schmidt 
etwas ausführlicher über den grossen, am 2ten Juni 1858 von Donati in 
Florenz entdeckten Kometen. 

Nach den Rechnungen der Herren Beult es in Berlin, Stampfer und 
Löwy in Wien bewegt sich der Komet in einer langgedehnten Ellipse in 
einer Zeit von 2100 bis 2500 Jahren, welche sich bei der definitiven Bahn- 
bestimmung viel sicherer wird angeben lassen. 

Die merkwürdigen Erscheinungen an dem Kometen schilderte Hr. Schmidt 
nach seinen eigenen Beobachtungen, ohne indessen mehr als die wichtigsten 
Punkte hervorzuheben : Sichtbarkeit des Kometen in der Dämmerung und am 
Tage ; Zeit des grössten Glanzes, nicht genau mit der Umdrehung überein- 
stimmend; Länge des Schweifes, die vom 7. bis 11. October leicht bis zu 
40° und mehr (gemessen in der Krümmung des Schweifes) erkannt werden 
konnte. Am 11. October Hess sich der Schweif bis zum Kopfe des Drachen 
verfolgen, während der Kern im Aequator stand. Sodann ward der Zurück- 
biegung des Schweifes gedacht , oder seines Zurückbleibens hinter der 
Richtung des Radius Vector; endlich des mächtigen Phänomens der Licht- 
ausströmung des Kernes, welche in der Gestalt von conzentrischen Kugel- 
schalen am Kerne aufsteigend sich in der Gestalt von lichten Kreisbogen 
oder Heiligenscheinen um den glänzenden Nucleus bildeten. Diese Ausströ- 
mung erreichte, gemessen am Kerne in der Richtung zur Sonne hin, 
oft 2000 geographische Meilen im Halbmesser und , unterstützt durch 
zahlreiche Mikrometermessungen zwischen dem 2. und 18. October Hessen 
sich Näherungswerthe, wenn auch nur ganz im Rohen, für die Geschwin- 
digkeiten ermitteln, mit welchen der Kern des Kometen die Lichtmeteore 
gegen die Sonne hin ausströmte. Diese Geschwindigkeiten sind sehr 
gross, grösser als die unserer Orkane, und selbst grösser als die des 
Schalles und des Lichts, 

2* 



20 Versammlung am 2?> November 1858. 

Zuletzt wurden noch die Versuche mit der von Herrn Sectionsrath 
Haidinger für Krj Stallbeobachtungen mit so vielem Erfoige in Vorschlag 
gebrachten dichroskopischen Lupe erwähnt, um nämlich die Anwesenheit 
des polarisirten Lichtes am Kometen durch eine längere Beobachtungsreihe 
zwischen dem 25. September und dem 18. October herzustellen. 

Zum Schluss legte Herr Schmidt photographische Tafeln über den 
Kometen vor, die der ausgezeichnete Photograph Herr Ludwig Angerer 
nach Handzeichnungen des Beobachters in sehr gelungener Weise ausge- 
führt hatte. 

Die ganze mit vielen Abbildungen versehene Abhandlung über den 
Kometen wird in diesem Winter zu Athen durch den Druck veröffent- 
licht werden. 

Der Herr Vize-Präsident Freiherr v. H eifert bespricht, anknüpfend 
an einen am 17. Februar 1857 über denselben Gegenstand gehaltenen 
Vortrag des Herrn Ministerial-Secretärs Dr. Anton Beck, den Mangel 
eines allgemeinen topographischen Lexikons von Oesrerreieh. Im Jahre 
1851 ist die erste Abtheilung eines allgemeinen Post-Lexikons von Oester- 
reich, herausgegeben vom Postkursbureau des k. k. Handelsministeriums, 
erschienen, Unterösterreich enthaltend. In den Jahren 1852 — 1858 erschien 
in 17 Heften die zweite Abtheilung dieses Werkes, nicht mehr ein ein- 
zelnes Kronland enthaltend, sondern eine Kronländer- Gruppe, nämlich 
Böhmen , Mähren und Schlesien. Seitdem ist nichts weiter heraus- 
gekommen, was um so mehr zu bedauern, als die an's Licht getretenen 
Theile in der That auf das Vollständigste und Verlässlichste alle Anfor- 
derungen erfüllen, die an ein Unternehmen dieser Art gestellt werden 
können. Zwei Privatunternehmungen , die seitdem an die Oeffentlichkeit 
kamen, lassen dieses Bedauern nur in erhöhtem Grade hervortreten. Der 
einen, einem topographischen Handwörterbuch von Galizien, Krakau und 
Bukowina, Lemberg 1855, lässt sich zum Lobe nachsagen, dass es wohl 
Alles leiste, was durch die Privatkräfte eines Einzelnen geleistet werden 
kann. Allein mit dem amtlich zu Gebote stehenden Materiale verglichen, 
enthält diese so sorgfältige Arbeit vielleicht eben so viele Lücken als 
Daten; mindestens hat eine, noch durchaus nicht auf erschöpfende Voll- 
ständigkeit Anspruch machende Vergleichung gezeigt, dass den 11 ersten 
Nummern dieses Lexikons 12 Nummern entgegengestellt werden können, 
die entweder ganz fehlen oder wo die bei der Verschiedenheit der Les- 
arten eines und desselben Ortsnamens unerlässlichen Vorweisungen mangeln. 
Lässt schon eine sich auf ein einzelnes Kronland oder eine Kronländergruppe 
beschränkende Privatarbeit so erhebliche Lücken wahrnehmen , so muss dies 
begreiflicherweise noch mehr der {''all sein, wenn sich die Kräfte eines Ein- 
zelneu an ein den ganzen Umfang des grossen Kaiserreiches umfassendes 
Unternehmen wagen. Dies ist bei dem 1857 mit der ersten Lieferung 
begonnenen topographischen Universal-Lexikon des österreichischen Kaiser- 
staates von J. A. Jarosch der Fall. Der seitdem verstorbene Verfasser, 
Jarosch, hat seinem Werk den alten Crusius zu Grunde gelegt, die neue 
politische und gerichtliche Eintheilung oft ganz unrichtig beigefügt, wo es 
ihm nicht zusammenging, ganz fallen gelassen; dabei ist dem Verfasser der 
Unfall begegnet, dass er auch solche Orte anführt, die zu Crusius Zeiten 
allerdings zu Oesterreich gehörten, seitdem aber in Folge von Grenzberich- 
tigungen an Nachbarstaaten abgetreten worden sind; der Auslassungen und 
Unrichtigkeiten oder mangelhaften Angaben ist eine Unzahl. Diese beiden 



Dr. A. Freih. v. Helfert. F. v. Hauer. 21 

jüngsten Erscheinungen auf dem Gebiete der topographischen Lexikographie 
Oesterreichs müssen daher, wie gesagt, das Bedauern nun erneuern und 
steigern, dass das vom Kursbureau des k. k. Handelsministeriums seit Jah- 
ren angesammelte vollständige und verlässliche Materiale leider noch immer 
der so wünschenswerten Veröffentlichung entgegenharrt. Es ist von mehre- 
ren Seiten die Vermuthung ausgesprochen worden, dass die geographische 
Gesellschaft selbst die Ausführung eines solchen Werkes in die Hand neh- 
men werde. Hierüber wäre, nach Hrn. Freiherrn v. Helfert's Meinung, Fol- 
gendes zu erwiedern : Wenn die geographische Gesellschaft einmal den IM an 
einer allgemeinen österreichischen Topographie in Angriff nehmen wollte, so 
dürfte diess in keiner andern Weise geschehen, als in einer solchen, die 
der Stellung und dem Berufe dieser Gesellschaft würdig und entsprechend 
wäre; so müsste dieses ein wissenschaftliches Nationalwerk sein , welches 
die topographischen Wissenswürdigkeiten nach allen Richtungen hin umfasste, 
also nicht bloss Nomenklatur, Distanzen, politische und gerichtliche Zustän- 
digkeit u. s. w., sondern auch geographische Lage, Klima, Bevölkerung, aber 
ferner Lokalgeschichte, soziale Verhältnisse, Industrie, Handel, Wissenschaft 
u. s. w. ; so könnte diess nicht in der wenn auch practischen, so doch unmetho- 
dischen Gestalt eines Namensverzeichnisses, sondern nur nach Theilungsgrün- 
den geschehen, welche der natürliche Zusammenhang der Dinge an die Hand 
gibt. Ein solches Werk würde aber begreiflicherweise jahrelanger Vorbereitun- 
gen bedürfen, es würde, wenn es auch mit allem Eifer betrieben würde, eine 
Reihe von Jahren zu seinem Erscheinen fordern. So lange diess nicht geschieht, 
sollte die geographische Gesellschaft, nach Herrn Freiherrn v. Helfert's 
Ansicht, wenigstens solchen topographischen Unternehmungen, welche inner- 
halb enger gezogener Grenzen Verdienstliches, oder wie die bisherigen Publi- 
kationen des Postkurs-Bureau Ausgezeichnetes leisten, und welche, wenn gleich 
zunächst nur der Befriedigung practischer Bedürfnisse gewidmet, dennoch auch 
der wissenschaftlichen Forschung nicht unergiebige Ausbeute versprechen, ja 
ein unentbehrliches Nothbehelf sind, so sollte die Gesellschaft solchen Unter- 
nehmungen jedenfalls ihre warme Sympathie und ihr reges Interesse zuwenden. 
Herr Freiherr v. Hei fert behält sich vor, einen hierauf bezüglichen Antrag bei 
dem Ausschusse der Gesellschaft einzubringen. 

Herr Bergrath Franz von Hauer legte die bisher erschienenen 8 grossen 
Quartbände des amerikanischen Prachtwerkes: Reports of Eccplorations and 
Surveys to ascertain the rnost practicable and economical route for a railroad 
from the Missisippi river to the Pacific Ocean, made under the Directum of 
the Secretary of War in 1853 — 1854, zur Ansicht vor. Den ersten Band, der 
im Jahre 1855 erschien, hatte die k. k. geographische Gesellschaft schon vor 
längerer Zeit durch den k. k. Herrn Generalkonsul C. J. Loosey zum 
Geschenke erhalten und er war in der Versammlung am 11. September 1856 
von Herrn Sectionsrath Hai ding er vorgelegt worden, die ganze Reihe der 
übrigen, die in den Jahren 1855 bis 1857 erschienen verdankt die k. k. geo- 
graphische Gesellschaft Herrn Jefferson Davis, Kriegssekretär der Vereinigten 
Staaten , unter dessen unmittelbarer Oberleitung die Untersuchungen, deren 
Ergebnisse in dem Werke verzeichnet sind, ausgeführt wurden. 

Diese Untersuchungen wurden angeordnet von dem Kongress der Verei- 
nigten Staaten, der in seinen Sitzungen vom 3. März 1853, 31. Mai 1854 und 
5. August 1854 erst 150,000 dann 40,000 und dann wieder 150,000, also 
zusammen 340,000 Dollars (728,565 fl. Oe. W.) für dieselben bewilligte. 

Der Druck der gesammten Berichte in den vorliegenden Bänden wurde 



22 Versammlung am 23. November 1858. 

vom Senate in seiner Sitzung am 24. Februar 1855 angeordnet, und zwar 
wurden 10,000 Abzüge für den Gebrauch des Senates, 500 für den Kriegsse- 
cretär und je 50 Exemplare für jeden der bei den Untersuchungen beschäftigten 
kommandirenden Offiziere bestimmt. 

Im ganzen wurden im Verlaufe der Jahre 1853, 1854 und 1855 fünf 
Hauptlinien, manche derselben mit verschiedenen Varianten zwischen dem Strom- 
gebiet des Missisippi und dem stillen Ocean, dann zahlreiche Linien in Califor- 
nien und Oregon untersucht. JedeLinie war einer besonderenAbtheilung, beste- 
hend aus Offizieren vom Corps der topographischen Ingenieure, Naturforschern, 
Civil-Ingenieuren und Assistenten, einen Maler, wissenschaftlichen Sammlern 
u. s. w. übergeben; wo erforderlich, war auch eine militärische Escorte bei- 
gegeben. 

Der Umfang der geleisteten Arbeiten dürfte das folgende summarische 
Inhaltsverzeichniss der bis jetzt erschienenen achtBände der „Reports" am besten 
ersichtlich machen. 

Bd. I. A. Bericht des Kriegssecretärs an das Repräsentanten-Haus über die ver- 
schiedenen vorgenommenen Untersuchungen 33 Seiten. Eine Uebersichts- 
Karte und 2 Tafeln mit Profilen der untersuchten Routen. 

B. Prüfung der Berichte über die Untersuchungen der Jahre 1853 und 

1854 für Eisenbahnrouten vom Missisippi zum stillen Ocean, und früherer 
Untersuchungen die auf denselben Gegenstand Bezug haben von Capt. A.A. 
Humphreys und Lieutenant G. K. Warren 74 Seiten. 

C. Eisenbahn Memoranda von Capitän Geo. B. Mc. Clellan 15 Seiten. 

D. Bericht über die Kosten des Transportes von Truppen und ihren Erforder- 

nissen nach Californien, Oregon, Neu-Mexiko u. s. w. von General Tho- 
mas S. Jesup. 2 Seiten. 

E. Bericht über die Untersuchungen für eine Route nah am 47. und 49. Grad 

nördlicher Breite von St. Paul nach Puget Soned von J. J. Stevens, 
Gouverneur des Washington Territoriums. 651 Seiten. 
Bd. II. A. Bericht von Lieutenant E. G. Beckwith über die von Capitän J. W. 
Gunnison untersuchte Linie zwischen dem 38. und 39. Parallelkreis von 
der Mündung des Kansas-Flusses zum Sevier-See. (Capitän Gunnison 
selbst war bei seiner Arbeit zugleich mit dem Topographen und Maler Herrn 
Kern und dem Botaniker F. Kreutzfeldt von den Pah-Utah-Indianern 
ermordet worden) 128 Seiten mit 13 landschaftlichen Darstellungen in 
Farbendruck, Tafeln der meteorologischen Beobachtungen, Höhenmes- 
sungen u. s. w. 

B. Bericht von Lieutenant E.[G. Beckwith über die Linie am 4ten Parallelkreis. 

96 Seiten. Angeschlossen der 1.) Bericht von James Schiel über die 
Geologie der Gegend zwischen dem 38 und 41ten Grad. 17 Seiten mit 
vielen Holzschnitten und vier Tafeln mit Abbildungen von Petreffacten dann 
2) Bericht von John Torray und Asa Gray über die botanischen Ergeb- 
nisse der Expedition. 14 Seiten mit 10 Tafeln. 

C. Bericht von Fred. W. Lander über die Recognoscirung einer Route von 

Puget Sound über den South -Pass zum Missisippi. (Derselbe hatte diese 
Untersuchung im Jahre 1854 auf eigene Kosten ausgeführt, und das 
Repräsentanten-Haus beschloss seinen Bericht jenen der anderen Expedi- 
tionen beizuschliessen. 45 Seiten. 

D. Bericht von Capitän John Pope über die Untersuchung der Route nah am 

32. Grad n. B. vom Red Riner zum Rio Grande 156 Seiten mit Tabellen 
wie oben dazu. 



Fr. v. Hauer. 23 

1. Botanischer Bericht von John Torrey und Asa Gray, 20 Seiten 
mit 10 Tafeln. 

2. Geologischer Bericht von William P. Blake SO Seiten mit 1 
geologischen Karte und einer Tafel mit Profilen. 

E. Bericht von Lieutenant John G. Parke über den Theil derselben Route zwi- 

schen Dona Ana am Rio Grande und Pirnas Villages am Gila. 28 Seiten. 

F. Auszüge aus den Berichten von Lieutenant Col. W. H. Emory über in den 

Jahren 1846 und 1847 gemachte Untersuchungen jenes Theiles derselben 
Route der zwischen dem Zusammenfluss des S. Pedro mit dem Gila und 
dem Zusammenfluss des Letzteren mit dem Colorade liegt. (20 Seiten). 

Bd. III. A. Auszüge aus dem vorläufigen Berichte von Lieutenant A. W. Whipple 
über die Route nah am 35. Parallelkreis. 36 Seiten. 

B. Hauptbericht von Lieutenant A. W. Whipple über die bezeichnete Route 
und zwar: 

1) Reisetagebuch 136 Seiten mit 20 landschaftlichen Ansichten, theils 

Tafeln in Farbendruck, theils Holzschnitten. 

2) Bericht über den topographischen Charakter der Gegend. T7 Seiten, 

5 Tafeln, viele Tabellen. 

3) Bericht über die Indianer-Stämme von Lieutenant Whipple, Thomas 

Ewbank, und Professor W. M. W. Turner, mit Vocabularien der 
indischen Sprachen, einer Geschichte der Apacher und anderer 
Stämme und 42 Abbildungen. (127 Seiten). 

4) Bericht über die Geologie der Route und zwar a) Bericht über die 

Sammlungen von Will. P. Blake, und b) Resume und Feldnotizen 
von Jules Marcou. Zusammen 175 Seiten mitl geologischen Karte, 
einen Durchschnitt vom stillen Ocean bis zum Missisippi. 2 Tafeln 
Abbildungen von Petreffacten aus der Kohlenformation und der Krei- 
deformation und vielen Holzschnitten. 
Bd. IV. Fortsetzung von Lieutenant A. W.Whipple's Hauptbericht. 

5) Bericht über die Botanik der Expedition bestehend aus 

a) Allgemeine Beschreibung des botanischen Charakters der Gegend von 
J. M. Bigelow. 8., 216 Seiten. 

6) Beschreibung der Waldbäume von demselben. Seite 17 — 26 mit einer 
grossen Tafel, einem botanischen Profil, welches die Verbreitung 
der Baumarten entlang der Boute ersichtlich macht. 

c) Beschreibung der Cactien von George Engelmann und J. M. Bige- 

low. S. 27—58 mit 24 Tafeln Abbildungen. 

d) Beschreibung der allgemeinen botanischen Sammlungen Yon John 

Torrey. S. 59—182 mit 25 Tafeln Abbildungen. 

e) Beschreibung der Moose und Leberkräuter von W. S. Sullivant. S. 

183 — 193 mit 10 Tafeln. 

6) Vorläufige Notizen über die zoologischen Ergebnisse der Expedition 

von Dr. B. B. Kennerly. 17 Seiten. 

Endlich Anhänge und zwar astronomische und magnetische Beobachtungen, 
Höhenmessungen, meteorologische Beobachtungen u. s. w. durchaus Zahlenre- 
sultate. 288 Seiten. 
Bd. V. Bericht des Lieutenants R. S. Williamson über dieRoutenin Californien 

zur Verbindung mit den Routen nah am 35. und 32. Parallelkreis und zwar 

1) Reisebericht. 43 Seiten mit 24 Ansichten theils Holzschnitte, theils 

Tafeln im Farbendruck. 

2) Geologischer Bericht von Will. B. Blake. 310 Seiten mit 12 Tafeln 



24 Versammlung am 23. November 1858. 

landschaftlichen Ansichten in Farbendruck, 8 Blättern mit Durch- 
schnitten, vier geologischen Karten, vielen Holzschnitten u. s. w. 
Dazu als Anhänge 
«) Notizen über fossileFische von Prof. Louis Agassiz.4 Seiten, ITafel. 

b) Beschreibung fossiler Muscheln (Tertiäre und jüngere) von T. A. 

Conrad. 13 Seiten, 8 Tafeln. 

c) Catalog der rezenten Muscheln und Beschreibung der neuen Arten von 

Augustus A. Gould. 7 Seiten, 1 Tafel. 

d) Brief von Prof. J. W. Bailey über die Struktur einer fossilen Pflanze 

vom Posuncula-Biver. 1 Seite. 

e) Beschreibung der Structur des fossilen Holzes aus der Colorado Wüste 

von Prof Geo. C. Seh äffe r. 2 Seiten, 1 Tafel. 

f) Chemische Untersuchung von Bodenarten u. s.w. von J. D. Easter. 

4 Seiten. 

g) Catalog der geologischen Sammlung und Beschreibung einzelner Stücke. 

15 Seiten. 
k) Beschreibung der von \V. P. Blak e gesammelten (rezenten) Pflanzen 
von John Torrey. 12 Seiten, 10 Tafeln. 
3) Botanischer Bericht von E.Durand und T. C. Hilgard. 15 Seiten mit 
17 Tafeln. Dazu Anhänge wie früher 14 Seiten. 
Bd. VI. Bericht von Lieutenant Henry L. Ab bot über die unter dem Commando 
des Lieutenant B. S. Williamson im Jahre 1855 in Oregon und Califor- 
nien untersuchten Bouten. 

1) Allgemeiner Bericht 134 Seiten mit 12 Tafeln, landschaftliche Ansich- 

ten in Farbendruck. 

2) Geologischer Bericht und zwar 

d) Bericht über die Geologie der Boute von J. S. Ne w berry 68 Seiten 

mit 1 Tafel und vielen Holzschnitten. 
6) Beschreibung der Tertiärfossilen von T. A. Conrad. 5 Seiten, 4Tafeln. 

c) Analyse von Wasser und Mineralien von den hot Springs im Des chutes- 

Thal von L. M. Dornbach. 5 Seiten. 

d) Catalog der gesammelten Mineralien und Fossilien. 7 Seiten. 

3) Bericht über die Botanik der Boute von J. S. Newberry. 102 Seiten 

mit 16 Tafeln, darunter die 10 ersten Abbildungen von Bäumen in 
Farbendruck. An der Bestimmung der Pflanzen hatten die Herren 
John Torrey, W. S. Sullivant, und Eduard Tuckermann 
theilgenommen. 

4) Zoologischer Bericht und zwar : 

a) Bericht über die gesammelten Fische von Dr. Charl. Girard. 34 Seiten, 

11 Tafeln. 

b) Mammalien und Vögel von J. S. Newberry. 75 Seiten, 5 Tafeln. 

c) Landschneken von W. G. Binney. 4 Seiten. Anhang. Astronomische 

Beobachtungen u. s w. wie oben 64 Seiten. 
Bd. VII. AJ Bericht von Lieutenant John G. Parke über Bouten in Californien 
zur Verbindung mit den Bouten nah am 35. und 32. Grad und über 
den Theil der letzten Boute zwischen dem Bio grande und Pirnas 
Villages am Gila. 

1) Allgemeiner Bericht. 42 Seiten mit 8 Tafeln landschaftlichen Ansich- 

ten in Farbendruck. 

2) Geologischer Bericht von Thomas Antisell, 204 Seiten mit 14 Tafeln 

mit Durchschnitten. 10 Tafeln Petrefacten, 2 geologischen Karten. 



F. v. Hauer. F. Foetterle. 25 

3) Botanischer Bericht von John Torrey. 28 Seiten mit 8 Tafeln. 
Anhänge wie früher 116 Seiten mit 11 Tafeln. 
B. Schluss der offiziellen Uebersicht der Berichte und zwar: 

1) Auszug der jährlichen Berichte des Kriegssecretärs an den Congress 

vom December 1855 und 1856. 

2) Berichte über den Fortgang der Untersuchungen von Capitän A. A. 

Humphreys an den Kriegssecretär von denselben Jahren. 

3) Tafel welche die vergleichsweise Länge, Kosten u. s. w. der ver- 

schiedenen untersuchten Routen ersichtlich macht. 
Bd. VIII. Generalbericht über die Zoologie der verschiedenen untersuchten 
Routen. 1. Theil. Mammalia von Spencer F. Baird. 757 Seiten 
mit 60 Tafeln. 
Mit diesem Bande ist die Herausgabe der Berichte noch nicht geschlossen, 
noch steht in weiteren Bänden die Beschreibung der anderen Classen des Tier- 
reiches in Aussicht. 

Der ungeheuren Masse wissenschaftlichen Materiales gegenüber, welches 
die ganze Publication darbietet, ist jedes weitere Eingehen auf Details an diesem 
Orte unthunlich nur die auf die Frage der zu erbauenden Eisenbahn, bezügliche 
Schlusstabelle aus dem 7. Bande möge hier noch eine Stelle finden. Sie gibt in 
gedrängtester Form Antwort auf die Frage um derentwillen zunächst die ganzen 
Untersuchungen eingeleitet worden waren. (Die Tabelle siehe die folgende Seite.) 
Herr k. k. Bergrath Foetterle zeigte bei 100 verschiedene Blätter 
landschaftlicher Darstellungen vor, welche er zu diesem Zwecke dem Ver- 
fasser derselben, dem ausgezeichneten Maler Herrn k. k. Rathe und Pro- 
fessor Thomas Ender verdankte. Es sind Aquarell-Studien, von dem 
Letzteren im vergangenen Sommer in der erstaunlich kurzen Zeit von 
3 1 /, Monaten der Natur selbst entnommen. Sie beziehen sich auf die 
Thäler der Rienz und der Boite mit den Ansichten des Toblacher-, Dürrn- 
und Misurina-See's, von Peutelstein, von Cortina, des Anteiao, des Pelmo, 
von Balle, Pieve die Cadore und des Lago die Sta. Croce bei Belluno, 
ferner auf das Drau-, Lieser und Malta-Thal mit den Ansichten von 
Innichen, des Sextenthaies und von Innerfeld, von Lienz, von Greifenburg, 
Spital, Gmünd, Malta, und des Gössgrabens, von Millstadt und des Mill- 
städter-See's, von Ostrawitz, Geiersberg, des Wörther-See's u. s. w. Sie 
geben eine naturgetreue Ansicht aller dieser Gegenden in ihrem Zusam- 
menhange. Es sind nicht nur meisterhaft ausgeführte Bilder sondern sie 
geben den Charakter der Gegend, den Einfluss des Gesteins auf die 
Beschaffenheit des Terrains, die Verschiedenheit der Formation mit einer 
so wundervollen Auffassung, wie diess selbst bei den grössten Kunst- 
werken dieser Art sehr schwer wieder zu finden ist. Wir sehen in die- 
sen Bildern die Grossartigkeit unserer eigenen Alpen, einerseits das wild 
romantische Zerrissene der Kalk- und Dolomit-Alpen, so wie das Besänf- 
tigende, welches Schiefergebilde auf die ersteren dort ausüben, wo sie 
gemeinschaftlich auftreten; auf der anderen Seite zwar noch die Gross- 
artigkeit, aber schon mit dem viel sanfteren Charakter derjenigen Gebirge, 
welche aus krysfallinischen Gebirgen bestehen, wie dies bei unseren Cen- 
tralalpen der Fall. Diese Bilder liefern den schönsten Beweis, wie reich 
unsere Alpen an grossen schönen Naturansichten sind. 



26 



Versammlung am 23. November 1858 





























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Freih. v. Czoernig. 27 

Eingegangene Druckschriften : 

Oesterreichs Neugestaltung 1848— i858. Von Freiherrn v. Czoernig. Wien 1858. 
Ausweis über den Handel in Oesterreich u. s. w. XIV. XVII. Wien 1856 — 1858. — 

Tafeln zur Statistik der österr. Monarchie. N. Folge. 1849—1851. I 1—9 1852—1854. 

II 6. 1856—1858. — Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. VII. 1. Wien. 

1858. Von der k. k. Direction für administrative Statistik. 
Vergleichende geologische Grundzüge der kaukasisch-armenischen und nordpersischen 

Gebirge. Prodromus der Geologie der kaukasischen Länder. Von H. Abich. 

St. Petersburg 1858. Vom Verfasser. 
Statistique de la France. Territoire, Population, agriculture, Industrie de Paris 1837 — 

1856. In 14 Bden. Vom kais. franz. statistischen Bureau, Paris. 
Beports of Explorations and surveys to ascertain the most practicable and economical 

route for a Bailroad from the Mississippi river to the Pacific Ocean II — VIII. 

Washington. 1855 — 1857. Vom Secretär des Kriegsdepart. Washington. 
Message from the President of the United States to the tuo Houses of Congress at 

the commencement of the Session of the Congress. 1857/58. I — III. Washington 1858. 
Beport of the Commerce and Navigation 1857. Washington 1857. — Annual Beport of 

the Board of Begents 1656. Washington 1856. — Meteorological andphysical 

Tables prepared for the Smithsonian Institution. By Arn. Guyot. 2. edit. 

Washington 1858. Von dem Smithsonian Institution in Washington. 
Beport of the Superintendent of the Coast Survey showing the progress of the Survey 

during the year 1856. Washington 1857. Von Prof. Dr. Bache in Washington. 
Journal of the American Oriental Society. New-Haven I — V. 1850 — 1856. Von der 

Gesellschaft. 
Transactions of the Academy of science. St. Louis I. 2. 1858. Von der Akademie. 
Letter of the Lieut. G. K. Warren to the H. G. W. Jones relative to his explo- 
rations of Nebraska territory 1858. Vom Verfasser. 
The seventh Census of the United States 1850. Dr. Bow. Superintendent of the U. S. 

Census. Washington 1856. Vom Yale College, New Haven. 
Fortsetzung der Zeitschriften der k. k. Landwirthschaftsgesellschaften in Wien, Agram, 

Brunn, Klagenfurt, Gratz, Linz, der Austri», der Militär-Zeitung und des Pest. 

Lloyd. 

Versammlung am 7. Deeember 1858. 
Der Herr Präsident, k. k. Sectionschef Freiherr v. Czoernig führte 
den Vorsitz und eröffnete die Sitzung mit der Mittheilung der schweren Ver- 
luste , welche die Gesellschaft durch den in letzter Zeit erfolgten Tod meh- 
rerer Mitglieder trafen. Er erwähnte zuerst des Todes Sr. Durchlaucht des 
regierenden Fürsten Alois Liechtenstein, der durch Betheiligung an so 
vielen gemeinnützigen Unternehmungen so Vieles zum allgemeinen Besten 
und zur Förderung der Wissenschaft beitrug und dem auch die k. k. 
geographische Gesellschaft, wenn er derselben auch nicht angehörte, doch 
zu besonderem Danke verpflichtet ist, indem es ihr gestattet sei, das in 
seinem Palais befindliche Sitzungslokale der k. k. geologischen Reichsanstalt 
zu benützen. Ein sehr schwerer Verlust für die Gesellschaft selbst ist der 
Tod ihrer beiden Mitglieder des Freiherrn Viktor v. Andrian-Werburg 
und des k. k. Regierungsrathes Josef C hm el. Ersteren ereilte der Tod am 
23. November 1. J. in einem Alter von 45 Jahren. Als Ausschussmitglied 
verdankt ihm die Gesellschaft eine ungemein grosse Theilnahme an der 
Förderung ihrer Interessen, so wie er stets grosses Interesse an vater- 
ländischen Unternehmungen zeigte. Chmel starb am 28. November 1. J. 
in einem Alter von 60 Jahren. An ihm verlor nicht nur die geographische 
Gesellschaft einen sehr theilnehinenden Vice-Präsidenten, sondern Oesterreich 
den ausgezeichnetsten Forscher vaterländischer Geschichte, dem diese 
Anerkennung in den weitesten wissenschaftlichen Kreisen Europa's zu Theil 
wurde. Der Herr Präsident theilte mit, dass, um dieser Anerkennung auch 
einen bleibenden Ausdruck zu verleihen, innerhalb der Kaiserlichen Aka- 



28 Versammlung am 7. December 1858. 

demie und der Central-Commission zur Erhaltung der Baudenkmale der 
Entschluss gefasst wurde, Chmel über seinem Grabe ein Denkmal zu 
setzen. Ueber Herrn Schulrathes Dr. Becker Antrag wurde eine Be» 
theiligung an diesem Unternehmen auch innerhalb der k. k. geographi- 
schen Gesellschaft festgesetzt. 

Ueber Antrag des Auschusses wurden den Statuten gemäss die Herren 
Arth. Wilderich Graf v. Wald er dor ff, und Professor Vincenz Prasch 
in Brunn zu ordentlichen Mitgliedern der Gesellschaft gewählt. 

Herr Secretär Foetterle legte mehrere Druckschriften und Karten- 
werke vor, welche der Gesellschaft im Tausche gegen ihre eigenen Mit- 
theilungen zugekommen sind. 

Herr Foetterle legte ferner ein für Oesterreich höchst wichtiges 
Werk vor, dessen Verfasser der Gesellschaft angehört, „das mineralogische 
Lexicon für das Kaiserthum Oesterreich von V. Ritter v. Zepharovic h". 
Es ist dies das erste Werk, was die Vertheilung des so reichen Mine- 
ralvorkommens Oesterreichs behandelt, und das Verdienst des Verfassers 
ist ein um so grösseres, als nur sehr wenige, einzelne Kronländer betref- 
fende Vorarbeiten bestanden. Hier sehen wir zum ersten Male Oesterreichs 
Mineralreichthum in einer systematisch geographischen Zusammenstellung, 
es sind in dem Werke 3237 verschiedene Fundorte von Mineralvorkom- 
men aufgeführt, wovon 634 auf Böhmen, 407 auf Mähren, 302 auf Un- 
garn, 306 auf Tirol, 238 auf Steiermark, 224 auf Siebenbürgen und 
951 auf die anderen Kronländer fallen. 

Dem Director des k. k. militärisch-geographischen Institutes, Herrn 
k. k. Generalmajor A. v. Fligely, verdankt die k. k. geographische Gesell- 
schaft die Mittheilung sehr werthvoller Daten über die Organisation und 
den Fortschritt der militärisch-kartographischen Arbeiten in Oesterreich. Herr 
k. k. Rath A. Steinhauser hatte diese Daten zu einer für die „Mit- 
theilungen" der Gesellschaft bestimmten Abhandlung zusammengestellt, welche 
von dem Secretär vorgelesen wurde. (Siehe dieses Heft: Abhandlungen 
Nr. I. Seite 1.) 

Am Schlüsse legte Herr Foetterle abermals eine grössere Reihe 
von landschaftlichen Ansichten vor, welche ihm von dem Verfasser derselben, 
dem ausgezeichneten Maler, Herrn k. k. Rath und Professor Thomas Ender 
mitgetheilt wurden. Sie beziehen sich auf die Gegenden des oberen Save- 
thales von Ratschach bis Radmannsdorf, des Wocheinerthaies von der Wochein 
bis Veldes, auf die Umgebung von Tarvis und Raibl, auf das Isonzothal 
und auf die Mündung des Val di Ferro in das Tagliamentothal und in die 
Ebene von Friaul bei Gemona. Der Einfluss des Kalkes und des Dolomites 
auf das Eigenthümliche seiner Gebirgsbildung, ihre steilen und zackigen 
Formen, so wie der Einfluss verschiedener Gesteinsformationen auf die 
Terraingestaltung sind in diesen der Natur entnommenen Darstellungen auf 
eine so ausgezeichnete Weise gegeben, wie dies äusserst selten wieder- 
zufinden ist, und man fühlt sich bei Betrachtung dieser Bilder unwillkür- 
lich in einen der an Naturschönheiten reichsten Theil unseres Kaiserreiches 
versetzt. 

Eingegangene Druckschriften : 

Oversigt over det Kong. Danske Videnskabernes Selskabs Forhandlinger og dets Medlemers 
Arbeider i Aaret 1857. Von der k. Akad. d. Wiss. in Kopenhagen. 

Zeitschrift für allgemeine Erdkunde N. F. V. 3. Berlin 1858. Von der Gesellschaft 
für Erdkunde in Berlin. 



Freih. v. Czoernig. 29 

Verhandlungen der Forst-Section für Mähren und Schlesien. H. 33. 44. Brunn 1858. 
Von der Forst-Seetion in Brunn. 

Bulletino dell' lstmo di Suez III. 21. Torino 1858. Von der Redaction. 

Atti dell' I. R. Istituto veneto di scienze, lettere ed arti Ser. III. Vot. III. disp. 9. 10 
Venezia 1858. Vom k. k. Institute. 

Parallelo chromatische Tafeln zum Studium der Geologie, von Dr.J. R. Lorenz. Gotha 1858. 

Atlas der Alpenländer, Schweiz, Savoyen, Piemont, Südbayern, Tirol u. s. w. Nach 
dem neuesten Materiale bearbeitet von J. G. Mayr. 1. Lieferung. Titel und 
Uebersichtsblatt. Sect. I. IV. Gotha 1858. Von J. Perthes geographischer 
Anstalt in Gotha. 

Archiducatus Austriae inferioris geographica et noviter emendata accuratissima descriptio. 
Jussu et sumptibus inclytorum Archiducatus Austriae inferioris dominorum Sta- 
tuum provincialum tabula haec geographica noviter emendata in lucem data est 
Anno Sal. dorn. 1697. Jac. Hoffmann et Jakobus Hermundt sculpe. Vom Freih. 
v. Stifft. 

Verhandlungen und Mittheilungen des Siebenbürger-Vereins für Naturwissenschaften in 
Hermannstadt. II 5 — 8 de 1858. Vom Vereine. 

lieber den Zusammenhang der Gletscherschwankungen mit den meteorologischen Ver- 
hältnissen. Von Carl v. Sonklar. k. k. Major. Wien 1858. Vom Verfasser. 

Mittheilungen über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesammtgebiethe der Geographie. 
Von Dr. A. Petermann. Nr. 10 de 1858. Gotha. Von J. Perthes geogra- 
phischer Anstalt in Gotha. 

Carta stradale e postale dell' Italia disegnata secondo le carte e le opere piü accre- 
ditate dei moderni geografi da Carlo Cerri nella proporzione di -rrhrs del 
naturale; l'anno 1852 con aggiunte dell' anno 1857. Vienna. 

Mappa generalis Regni Hungariae partiumque adnexorum Croatiae Slavoniae et confinorum 
militarium magni item Principatus Transsylvaniae etc. Pesthini. Anno 1806. Joannes 
de Lipszky. Von Herrn August Artaria. 

Fortsetzung von Zeitschriften. 



Versammlung am 21. December 1858. 

Der Herr Präsident k. k. Sectionschef Dr. K. Freiherr von Czoer- 
nig führte den Vorsitz. 

Ueber Antrag des Ausschusses wurden Herr Fr. 0. Freiherr v. 
Zez schwitz, Oherlieutenant im k. k. Milit. Ingenieur Geographen-Korps zum 
ordentlichen und die Herren Ernst Merk, k. k, österreichischer General- 
konsul in Hamburg, und Dr. Karl Andreein Leipzig zu correspondirenden 
Mitgliedern gewählt. Der Herr Secretär Foetterl e theilte hierauf eine 
Zuschrift Sr. Excellenz des Herrn k. k. Ministers des Innern Freih. v. Bach mit, 
in welcher Se. Excellenz über eine Mittheilung Seiner kaiserlichen Hoheit des 
durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Marine-Oberkommandanten, Ferdinand 
Maximilian, der geographischen Gesellschaft eine Liste von Gelehrten 
in ßatavia, welche sich um die „Novara"- Expedition besondere Verdienste 
erworben haben, vorlegt und zur Wahl als corrcspondirende Mitglieder 
vorschlägt. Ueber Antrag des Ausschusses werden hierauf die Herren: 
Dr. P. Bleecker, Präsident der naturforschenden Gesellschaft für Nieder- 
ländisch-Indien in Batavia, Dr. J. Munnich, M. E. Netscher, Direc- 
tionsmitglieder der Gesellschaft für Künste und Wissenschaften in Batavia, 
A. W. P. Weitzel, k. Niederländischer Kapitän und Directions-Secretär 
der Gesellschaft für Künste und Wissenschaften in Batavia, und W. F. 
Versteeg, k. Niederländischer Kapitän und Ingenieur-Director derselben 
Geseilschaft, zu correspondirenden Mitgliedern gewählt. 

Ausser den theils als Geschenk, theils im Tausche eingegangenen 
Druckschriften legte der Herr Secretär Foetterle zwei ältere grosse 
gezeichnete Kartenwerke vor, welche er zu diesem Zwecke durch gütige 



30 Versammlung am 21. December 1858. 

Vermittlung des Mitgliedes Herrn k. k. Hauptmann E. Petz mit höherer 
Bewilligung dem k. k. Kriegsarchive verdankt. Beide umfassen Theile der 
Republick Venedig zu Ende des 16ten Jahrhunderts und sind ausgeführt 
von dem Kartenzeichner der Republick Christofore Sorte mit einer für 
die damalige Zeit ungemein grossen Sorgfalt und Genauigkeit. Das eine 
dieser Kartenwerke, bestehend aus acht auf Leinwand aufgespannten Blät- 
tern umfasst die Provinz Friaul; sie scheint als Hauptzweck gehabt zu 
haben die Darstellung der Gränze der Republick gegen Kärnthen und 
Istrien, da auf der auf der Karte befindlichen Aufschrift ausschliesslich 
diese Grenze, welche überdiess auf der Karte mit einer starken Goldlinie 
bezeichnet ist, und die damals im Gebrauche gewesenen Uebergangspässe 
hervorgehoben sind. Diese Aufschrift lautet folgendermassen: 

„Io Christoforo Sorte, Primo Perito ordinario dil chia mo magistrato 
di ben inculti dil Ser mo Du. D. di Venetia. Di Venetia il di 15. Noven- 
brio 1590. Ho fatto il presente Dissegno dilla Patria dil friuli di ordine dilli Ill rai 
sig n Pro" sopra la fabrica dil Palazo di S. Marco sopra al quäl dissegno si 
a da sapere come sono separato con unna Linea di oro il stado della Ser ma 
Sig a di Venetia dal stado Arciducale, et a preso di cio si crederano sopra 
a esso dissegno signato N ri di oro i quali significano li Passi senciali che 
terminano nel stado Veneto per liquali si puol transitar di qua e dela dellj 
stadi sopra nominati, et Prima il Passo importantissimo delli Tre Ponti che e 
a N° I. il quäl sono sopra laPiave f. dove si entrano in essa Lansiei f. dove sono 
quatro Transiti in esso Ponte di grandissima importanza, il Primo viene dal lago 
di missurina Territorio alemano, etAuronzo, Passo di molta importanza dove 
puol caminar essercitj alemanj . et da detto Ponte si puol transitar al prencipio 
del Taiamento f. nella cargna il quäl va a capitar a Tolmezo, et a Venzon dove 
puol transitar essercitj di molta importanza. et da detto ponte Passo che va a 
Sapada nella cargna Passo ordinario di eavidi. et da detto Ponte scorrendo giu 
Per la Piave alla Pieve di Cadore et a N. IV a Perarolo dove entrano la Boit f. 
nella Piave, et e Passo di molta importanza quäl viene da Botistai et d'Ampezo, 
et di ipsloch: et a N°. V. a M. -f~ transito da envali du somaja N°. VI. a Mte. de 
Lanza Passo ordinario che va da Tolmezo nell Allemagna Transito da cavali, a N°. 
VII. Passo prencipalissimo de Ponteba che va a Vilaco, et capita a Venzon, a 
N°. VIII. Passo de chiaveredo scorendo per la strada imperiale a tulmin, a N°. II. 
va nella de Nadison f. va a capitar a cividale Passo de grandissima importanza, 
et a N°. X. vi sono Passo dove turchi in Crestianita quallj vene per la valle de 
Vipao et paso il Lisonzo f. loco che sono tra Goricia, et Gradisca , et questo 
sono quanto ho trovato et alla loro bona gratia umilmeute mihi raccomando." 

Das zweite Kartenwerk, um 4 Jahre später als das vorhergehende 
verfasst und in derselben Manier ausgeführt, umfasst die Provinzen Padua 
und Treviso, die Lagunen und die Po-Mündungen und besteht aus 10 
Blättern. Es ist mit demselben Fleisse ausgeführt, wie das vorhergehende 
und gibt ein genaues Bild der damaligen Beschaffenheit der Küste, da 
der Maassstab auf beiden Kartenwerken gleich, beiläufig 1 Zoll gleich einer 
italienischen Meile ist. Es scheint dieses Kartenwerk nur ein Theil eines 
grossen aus fünf wahrscheinlich gleichen Theilen bestehenden Werkes, 
die ganze „terra ferma" der Republick Venedig darstellend, zu sein, und ihre 
Aufschrift lautet: „Jo christofore Sorte ho fatto il pressente dissegno il 
quäl sono uno dillj cinque pezi di tutto il stado di Terra ferma dilla 
ser ma Sig a de Venetia il quäl dissegno sono il Padoano, Trevisano, lagune 
et parte de Polesene, il quäl si puol vedere le distantie de luoco a 



M. Guggenberger. 31 

luoco, col compaso sopra la presente scala, et fatto fidelmente quanto ho 
saputo levato col bossolo di Venetia il di io luglio 1594. 

Herr k. k. Hauptmann M. Guggenberger machte folgende Mitthei- 
lung: „Ueber eine praktisch bequeme geographische Maass- 
einheit als genauer Theilwerth der geographischen Meile, 
was der französische Meter nicht ist." 

„Die neueste Zeit strebt mehr als je nach Einigung in Gewicht, 
Münze und Mass. Für erstere Beide sind bereits grosse Schritte gesche- 
hen; für das Letztere wären dergleichen nicht minder nöthig. 

Was aber fürs Leben nothwendig erachtet wird, könnte doch in 
der geographischen Wissenschaft mindestens als wünschenswerth, und somit 
ein dahinzielender, vermittelnder Vorschlag wohl nicht als ganz überflüs- 
sig erscheinen. Die Verkörperung der Idee eines absoluten Grund- 
maasses hat seit ßes sei's so gründlichen Nachweisungen ihre bestimmte 
Gränze erhalten; aber ein bequemes Mittelmaass mit Decimaleintheilung 
bleibt um nichts weniger ein allgemeines Desiderium. 

Das neufranzösische Längenmaass (Metre) wurde längere Zeit für 
eine feststehende Einheit angesehen, jedoch für alle Länder und Völ- 
ker, die den Fuss als Mittelmaas gebrauchen, nicht annehmbar befunden, 
und zwar aus guten Gründen. „Denn 1, kann," wie unser berühmte 
Astronom Bessel sagt*) „das Meter die Anfangs beabsichtigte Bedeu- 
tung (eines Naturmaasses als genauer Theil der Erdausmessung) in kei- 
nem Falle haben, und wirklich nichts anders sein als ein, zwar nach 
einer gewissen Absicht gewählter, aber dennoch innerhalb engerer oder 
weiterer Gränzen willkührlicher Theil der Toise de Peron." 

2. Dringt sich von selbst die so fühlbar unbequeme Handhabung 
des Meters für alle Völker und Staaten auf , welche Klafter-, Schuh-, Zoll-, 
Linien- und Punkt-Eintheilung haben, und auch jetzt noch immer die grosse 
Mehrzahl (nach v. Littrow gibt es sogar über 100 Fussgattungen) bilden. 

Der Metre (als halbe Klafter oder 3 Schuh) ist nämlich für Strec- 
kenmaass (Klafter) offenbar zu klein, für Werkmaass (Schuh) zu gross; 
sein Zehntel {DecimMre) als Schuh, wie der Centimetre als Zoll , der 
Millimetre als Linie ebenfalls viel zu klein, 

Aber auch das Klafter- oder Ruthenmaass zeigt bei den verschiede- 
nen Völkern eine zu grosse, von G bis zu 20 Fuss betragende Längen- 
abweichung; nur der Fuss oder Schuh ist, ungeachtet seines so überaus 
zahlreichen Auftretens doch am geringsten auseinander, in Nord- und 
Mitteleuropa nämlich zwischen 125 bis 140 Pariser Linien. 

Im Süden kennt man zwar auch den Fuss , rechnet jedoch mehr 
in anderer Weise. 

Eine Fusseinheit würde demnach wohl am füglichsten entsprechen, 
sowohl in der Zehnthel-Theilung als Vervielfältigung. 

Von den allgemeinen Bedürfnissen aber auch ganz abgesehen, möchte 
sich schon für den speciellen Gebrauch der Geographie, welche ja bereits 
ihr eigenthümliches Grossmaass, die geographische Meile, wirklich 
besitzt, zum Behufe der übrigen kleineren Ausmessungen und Darstellun- 
gen ein gleichförmiges The ilmaass für Unterricht und Ueber- 
sicht gleich fördernd herausstellen, das als genauer Theilwerth der 
geographischen Meile ja auch nicht ohne alle wissenschaftliche Berechti- 
gung erschiene, und als bequem vermittelnd für alle Höhen-, Längen-, 



") Astronomische Nachrichten Nr. 438. 



32 Versammlung am 21. December 1858. 

Flächen- und Körperangaben dort nicht unwillkommen erscheinen dürfte, 
wo die geographische Meile als Maasseinheit zu gross ist. 

Von diesem Standpunkte aus erhielt mein Versuch zur Auffindung 
eines solchen geographischen Fussmaasses allerdings einige Ermunterung. 
Der geographische Fuss als wissenschaftliche Maasseinheit. 

Unser Bessel hat sich veranlasst gesehen*) die Aufgabe der Be- 
stimmung des wahrscheinlichsten Erdsphäroids zu lösen, und 
dabei die zehn verlässlichsten Gradmessungen zu Grunde gelegt: 

1. die peruanische, — 2. und 3. die beiden ostindischen, — 4. die 
letzte französische, — 5. die englische, — 6. die hannoversche, — 7. die 
schwedische, — dann die drei neuesten, 8. in- Russland vom General Ten- 
ner, welche mit der von Struve einen Meridianbogen von 8 Grad um- 
fasst. — 9. in Dänemark von Schuhmacher, die 1 % Grad und 10. in 
Preussen von Major Bayer und Bessel selbst, welche ebenfalls 1 y 2 Grad 
umspannt. Die Länge eines Erdquadranten, welche nach der anfänglichen Absicht 
10 Millionen Meter sein sollte, ist dieser neuen Bestimmung zu Folge' 
= 10,000565.278 Meter, mit einer mittleren Unsicherheit von 508.7 Meter 
letztere demnach fast so gross wie ihre Abweichung von der runden 
Zahl. „Man sieht", sagt Bessel, „wie unsicher das Meter als fester Theil- 
werth selbst jetzt noch, wo die Zahl der Gradmessungen sich beträcht- 
lich vermehrt hat. sein würde." 

Inzwischen haben die Franzosen **) selbst nachgewiesn, dass sich 
1808 ein Rechnungsfehler eingeschlichen, der auf die Grösse des Meters 
Einfluss hat; und da Bessel bei obiger Berechnung das Metermaass anwandte, 
so sah er sich auch bemüssigt, seine Rechnung durch Berücksichtigung 
dieses Fehlers zu verbessern. Es stellt sich also die Länge des Erd- 
quadranten = 10,000855.76 Meter = 5,131170.81 Toisen, mit dem mittle- 
ren Fehler T 498.23 Meter heraus. 

Dieser neuesten und sorgfältigsten Bestimmung gemäss enthält nun 
eine geographische Meile 3807.232 Toisen =- 2284.3392 Pariser Fuss. 
Könnte man nun diese Grösse der geographischen Meile in eine runde 
Anzahl gleicher Theile zerlegen, deren Längenwerth den gebräuchlichsten 
Fussmaassen nicht zu fern läge, so wäre die mir selbst gestellte Auf- 
gabe gelöst. Und in der That entspricht die Zahl 25,000 dieser Anforderung 
auf das Genaueste; denn glücklicher Weise ist 22843.392 Pariser Fuss 
getheilt durch 25000 genau gleich 0.91373568 Pariser Fuss = 131.5779 
Pariser Linien, eine Grösse der gesuchten Fusslänge, welche sich sehr 
bequem und fast in der Mitte der gewöhnlichsten Fussmaasse einreihen lässt. 

Pariser Linien. 

Am nächsten steht der schwedische Fuss mit 131,615 

dann der Oldenburgische mit 131,162 

Nach abwärts folgen 

Hannover mit 129,484 

Baiern 129,38 

Lübeck und die beiden Meklenburge 129,00 

Lippe Schaumburg 128.60 

Lippe Detmold • 128,34 

Bremen • 128,27 

Hessen-Cassel 127,54 

Würtemberg 127,00 

Hamburg wie Holstein und Schleswig mit 126,98 

'*) Comptes rendus i841. T. XII. p. ü?6. 
**) Astronomische Nachrichten Nr. 333. 



M. Guggenberger. 33 

Pariser Lininn 

Braunschweig ~~136M~ 

Frankfurt a. M 126,20 

Sachsen (Königreich) 125,54 

Sachsen-Weimar 125,00 

nach Aufwärts dagegen : 

Baden und die Schweiz mit 132,90 

England und 

Russland mit 135,114 

Preussen sowie Anhalt, auch 
Dänemark und 

Norwegen mit 139,13 

Oesterreich mit 140,127 

endlich 

Frankreichs alter Fuss mit 144,00 

und der dritte Theil des Meters 147,7653 

Der Meter kann aber auch (wie es der Badische und Schweitzer 

Fuss mit 0,3 Meter bereits in Anwendung zeigt) dem geographischen Fuss 

bis auf 1,4 Pariser Linie nahe gebracht werden, wenn man 3 Meter in 

10 gleiche Theile zerlegt. 

Belgien, die Niederlande, Hessen-Darmstadt, Nassau haben den Meter 

oder Theile desselben als Grundmaass, während die wenig angewendeten 

Fussmaasse von Mittel-Italien, Spanien und Portugal nur etwas grösser 

sind als der österreichische Fuss. 

Das geographische Maass enthielte nun 

I. Die geographische Meile = 25000 geographische Fuss = 10000 
geographische Schritt oder geographische Ellen = 22843,392 Pariser Fuss; 

II. Den geographischen Schritt, wie die geographische Elle = 2,5 
geographischen Fuss = 2,2843392 Pariser Fuss. 

Für die Zehntheilung würden sich folgende Abstufungen ergeben: 

1. Die geographische Klafter oder kleine Ruthe = 10 geographische 
Fuss = 9,1373568 Pariser Fuss; 

2. Der geographische Fuss = 10 geographische Zoll = 0,91373568 
Pariser Fuss = 10,9648 Pariser Zoll; 

3. Der geographische Zoll = 10 geographischen Linien = 1,09648 
Pariser Zoll = 13,15779 Pariser Linien; 

4. Die geographische Linie = 10 geographische Puncte = 1,315779 
Pariser Linien ; 

5. Der geographische Punct = 0,1316 Pariser Linien. 

So wie nachgewiesenermassen der Unterschied des geographischen 
Fuss es mit den gebräuchlichen Fussmaassen aller Länder nicht bedeu- 
tend erscheint, ist es glücklicherweise auch bei dem geographischen zehn- 
theiligen Zoll, der Linie und dem Puncte der Fall, dass sie näm- 
lich von der gewohnten Grösse viel weniger abweichen, als es der Fall 
wäre, wenn der alte Fuss in 10 Zoll anstatt in zwölf zerfiele. 

Für Oesterreich z. B. ergibt sich folgendes Verhältniss: 

1 geographische Meile = 2500 geographische Klafter = 4000 weni- 
ger 87,54 österreichische Klafter. 

1 geographische oder 10 Schuh-Klafter =*■ 9,38 österreichische Fuss. 

1 geographische Schritt = 2,5 geographische Fuss = 2,35 österr. 
Fuss, d. h. der geographische Schritt ist nur um 7,36 Pariser Linien 
kleiner als der österreichische Schritt. 

3 



34 Versammlung am 21. Pezembei 1858. 

I geographische Elle = 2,5 geographische Fuss = 2,35 österreichi- 
sche Fuss erscheint gegen die österreichische Elle = 2,465 österreichische 
Fuss kleiner um 16,47 Pariser Linien. 

1 geographischer Fuss = 131,5779 Pariser Linien ist ebenfalls 
nur um 8,549 Pariser Linien kleiner als der österreichische Fuss; dage- 
gen entfallt 

1 geographischer Zoll = 13,15779 Pariser Linien im Vergleich des 
österreichischen Zolles grösser um 1,48 Pariser Linien; und 

1 geographische Linie = 1,3158 Pariser Linien übertrifft die 
österreichische Linie (0,973 p. "') um 0,3428 Pariser Linien = 4,11 Par. 
Puncte; endlich ist 

1 geographischer Punct = 0,13159 Pariser Linie ebenfalls grösser 
als der österreichische Punct um 0,05 einer Pariser Linie. 

Zusammengefasst ergibt sich beim geographischen Maass gegen 
österreichisches 

Kleiner: die Meile (um 2,2°) der Schritt (2,2 |) die Elle (4,8f) 

der Fuss (6,11) 
Grösser: der Zoll (12,71) die Linie (35,2 1) der Punct (62,5 1). 

Die Verkleinerungen sind also wirklich sehr unbedeutend, und Ver- 
stössen gegen die gewohnte Anschauung fast nicht, wahrend die Ver- 
grösserung der kleinsten Maasstheile für Constructionen in jedem Maass- 
stabe wohl kaum unwillkommen sein wird In nahezu gleichem Verhält- 
nisse steht das geographische Theilmaass auch zu dem preussischen Län- 
genmasse, weil der preussische Fuss noch um keine ganze Pariser Linie 
kleiner ist als der österreichische Fuss. Der am andern Ende obiger 
Vergleichsscala verzeichnete kleinste Fuss von 125 Pariser Linien (Sach- 
sen-Weimar) steht vom geographischen Fuss nur um 1 Linie weniger 
ab als der preussische Fuss, so dass der geographische Fuss wohl als 
ein in der Mitte liegendes Fussmaass betrachtet werden kann, und in wis- 
senschaftlicher Beziehung als genauer Theilwerth der geographischen Meile 
in allen Maassabstufungen auch für jedes Bedürfniss der Höhen-Flächen- 
und Körperangaben vermittelnd einzutreten vermag. 

Ob und wie weit auch ausserhalb des wissenschaftlichen Bereiches 
dieser als ganz neutral zu betrachtende Fuss einem dezimalen Vereins- 
maasse zu Grunde gelegt werden könnte, darf hier füglich dahingestellt, 
und müsste der natürlichen Einwirkung der Wissenschaft auf das Leben 
überlassen bleiben." 

Herr Dr. A. v. Ruthner legte eine Reihe von Aquarellen des kai- 
serlichen Rathes und Professors Herrn Thomas Ender vor, welche derselbe 
zur Besichtigung auf das Freundlichste der k. k. geographischen Gesell- 
schaft überliess. Sie stellen Landschaften aus Salzburg und Tirol, und 
zwar hauptsächlich aus den Centralalpen und insbesonders aus der Tauern- 
kette, endlich in zwei Ansichten den Pasterzengletscher in Kärnthen dar. 

Wenn die geographische Gesellschaft aus Veranlassung der Vorlage 
der Studien desselben Künstlers aus dem Dolomitgebirge Tirols, aus den 
venetianischen Alpen, aus Krain und einem Theile von Kärnthen in den 
letzten zwei Sitzungen allgemein anerkannt habe, dass Herr Ender's 
Aquarelle nicht nur künstlerisch schön, sondern dass sie auch im höch- 
sten Grade naturgetreu sind und dass vornehmlich der Einfiuss der verschie- 
denen Gebirgsarten auf die Charakteristik der einzelnen Gegenden mit seltener 
Wahrheit aufgefasst ist, so muss dieses Verdienst den vorliegenden landschaft- 



Dr. A. v. Ruthner. 35 

liehen Darstellungen in nicht minderem Maasse zugesprochen werden, als 
in diesem tritt noch ein neuer Vorzug Herrn Ender's hervor: das rechte 
Verständniss der Gletscher, welche selten vollständig mit dem Pinsel auf- 
gefasst in den Abbildungen der Pasterze, des Rauriser Goldberges, die 
beiden höheren Thalstufen von Kaprun, nämlich der Wasserfall-Alpen und 
des Moserbodens, dann in jenen des Venedigers und der übrigen Glet- 
scher der Sulzbachthäler, der Fernau im hintersten Theile des Sulzbach- 
thales in Tirol u. a. m. mit einer kaum zu übertreffenden Naturwahrheit 
wiedergegeben werden. 

Um solche Bilder zu malen, ist nicht bloss ein grosses künstleri- 
sches Talent, sondern auch die wärmste Liebe zur Natur, wie sie Herrn 
Professor Ender eigen ist, sowie sein grosser Fleiss und seine lang- 
jährige Uebung erforderlich. Als Beweiss wie der Verfasser zum Zwecke 
seiner Studien selbst die minder gekannten Gegenden des österreichischen 
Hochgebirges besucht habe, führt Herr Dr. A. v. Ruthner an, dass von 
den 19 Thälern des Herzogthums Salzburg, welche von der Grenze Tirols 
bis zur steyrischen Grenze alle unter sich parallel von dem von Westen nach 
Osten ziehenden Hauptrücken der Tauernkette gegen die in derselben Rich- 
tung fliessende Salzach und Enns von Süden nach Norden herabsteigen, nur 
zwei, nämlich das Taurachthal und das Gasteinerthal, ersteres wegen der 
durch selbes führenden Poststrasse über den Radstädtertauern , letzteres 
wegen des berühmten Heilbades stark, nur vier, nämlich das Thal von Rau- 
ris und Fusch, und zwar hauptsächlich wegen des Tauernüberganges nach 
Heiligenblut, Fusch wohl auch noch wegen des Fuscherbades, dann das Vel- 
ber- und Krimmler-Achenthal, weil durch sie Tauernwege nach Tirol ziehen, 
öfter, die übrigen 13 dagegen nur höchst selten von Fremden besucht wer- 
den. In den vorliegenden Studien finden sich aber Aufnahmen von nicht 
weniger als acht von diesen Seitenthälern und zwar sei eines, das von Gastein, 
durch eilf, die übrigen der Mehrzahl nach je durch drei ja vier Darstellun- 
gen vertreten. 

Eingegangene Druckschriften : 

Oesterreich. Botanische Zeitschrift. Nr. 7 — 12. Wien 1858. Von der Redaction 

Nouvelies Annales des Voyages , de la Geographie, de l'histoire et de l'Archeologie 

VI. Serie. IV. annee Nov. 1858. Paris. Von der Redaction 

Beiträge zur Statistik der freien Stadt Frankfurt, herausgegeben von der statistischen 

Abtheilung des Frankfurter -Vereins für Geographie und Statistik. I. 1. 1858. 

Vom Vereine. 
Jahresbericht der Oberrealschule in Ellbogen für das Schuljahr 1850. Von der Direc- 

tion der Oberrealschule. 
Abhandlungen der philosophisch-philologischen Classe der k. bayr. Akademie der Wis- 
senschaften VIII. 3. München 1858. Von der königl. Academie. 
Mittheilungen des historischen Vereins für Krain im Juli, August. Laibach 1858. 

Vom Vereine. 
Esquisse de la geographie , de l'ethnographie et de l'histoire naturelle d'une partie de 
l'Afrique australe interieure (du cours superieur du fleuve orange au cours du 
Zambeze.) par M. E. Cortambert. Paris 1858. Vom Verfasser. 

Reisehandbuch für Besucher des Ötscher aus eigener Beobachtung und bisher unbenutzten 
Quellen geschöpft von mehreren Freunden der Landeskunde und herausgegeben von 
M. A. Becker. (Mit einer Karte und Rundsicht vom Gipfel.) Wien 1859. 

Vom Herausgeber. 



36 

Versammlung am I. Jänner 1859. 

Der Herr Präsident, k. k. Sectionschef Dr. K. Freiherr v. Czoernig, 
führte den Vorsitz. 

Der Herr Secretär Foetterle machte die Mittheilung, dass die Gesell- 
schüft abermals zwei ihrer Mitglieder durch den Tod verloren habe, das ordent- 
liche Mitglied M. v. Bajzäth, k. k. pensionirten Oberst, der durch besondere 
Theilnahme an allen wissenschaftlichen Bestrebungen inOesterreich und nament- 
lich an denen der Gesellschaft von derem Beginne an sich auszeichnete, und 
das correspondirende Mitglied, August Papen, k. Hannover'scher Major ausser 
Dienst in Gosslar, rühmlichst bekannt durch seine früheren kartographischen 
Arbeiten, sowie durch sein letztes grossartiges Unternehmen der Herausgabe 
einer Schichtenkarte von Central-Europa in 12 Sektionen, deren artistische 
Ausführung Hr. A. Ravenstein in Frankfurt übernommen hatte. Hr. A. Papen 
hatte diesem riesigen Unternehmen sich mit aller Aufopferung seiner Zeit und 
seiner materiellen Mittel hingegeben, die Herausgabe hatte bereits begonnen 
und die Vorarbeiten für alle 12 Sektionen waren bereits vollendet, als ihn der 
Tod jeder weiteren Mühe enthob. Dem unternehmenden Geiste A. Raven- 
stein's ist es zu danken, dass dieses schöne Werk ununterbrochen fort- 
gesetzt wird. 

Hr. Foetterle legte eine grössere Reihe werthvoller Geschenke an 
Druckschriften vor, welche die Gesellschaft letzterer Zeit von wohlwollenden 
Gönnern erhalten hatte. Sr. Durchlaucht dem Fürsten Lothar v. Metternich 
als Kanzler des Maria-Theresia-Ordens, so wie Hrn. J. V. Hirtenfeld als 
Verfasser, verdankt die Gesellschaft das prachtvolle Werk „der Militär Maria- 
Theresien-Orden und seine Mitglieder" , zu dessen Ausführung die erste 
Säcularfeier im Jahre 1857 die Veranlassung war, und dessen thatenreicher 
Inhalt jedes wahren Oesterreichers Herz mit Freude und Stolz erfüllt. Herrn 
Abbe J. Mislin verdankt die Gesellschaft sein aus 3 Bänden bestehendes Werk 
„Les saints lieux," Pilgerreise nach Jerusalem, durch Oesterreich, Ungarn, 
Slavonien, die Donaufürstenthümer u. s. w. Die tief eingehenden Schilderungen 
der Zustände der verschiedenen Länder, durch welche den Herrn Verfasser sein 
Weg im Jahre 1848, als er die Reise unternahm, führte, machen das Werk 
zu einem höchst schätzbaren. 

Aus einem Berichte über die November-Sitzung der kaiserlich Russischen 
geographischen Gesellschaft in St. Petersburg theilte Herr Foetterle mit, dass 
der der Sibirischen Expedition beigegebene Astronom, Hr. M. A. Schwartz, 
nachdem er die ihm gestellte Aufgabe glücklich zu Ende geführt , nach 
St. Petersburg zurückgekehrt sei. Ebenso sei die chronometrische Expedition, 
welche im vergangenen Frühjahre von der geographischen Gesellschaft in Ver- 
bindung mit dem Generalstabe in die Gouvernements Wologda und Wiatka ent- 
sendet wurde, um die geographische Lage der vorzüglichsten Puncte für die 
Anfertigung der Karte des Europäischen Russland zu bestimmen, zurückgekehrt, 
nachdem die Lage von 75 Punkten genau bestimmt wurde. Auch habe sich in 
der Gesellschaft ein Spezial-Comite' gebildet für Meteorologie, Klimatologie und 
für physikalische Geographie ; welches unter der Leitung des Professors in 
Dorpat, Hrn. Dr. Kämtz, ein eigenes Journal publiziren wird, zu dessen 
Bestreitung der Kosten die Gesellschaft einen Beitrag von 1000 Rubeln 
bestimmt hat. 

Herr k. k. Sectionsrath Haidinger legt vor „Lettres sur la Turquie par 
M. P. de Tchihatchef" ein Heft von 84 Seiten, welches ihm der hochverehrte 



W. Haidinger. 37 

Verfasser, unser Ehrenmitglied, zu diesem Zwecke für die k. k. geographische 
Gesellschaft eingesendet hatte. Es trägt die lebendige Form von Reiseberichten, 
an Ort und Stelle, während seines letzten, „des achten", Ausfluges in die 
Türkei und nach Kleinasien geschrieben, zwei Briefe von Kerasun, einer von 
Gümüchhane, zwei von Erzindjan, acht von Konstantinopel, einen von Syra, 
aber mit der höheren Beurtheilung der Verhältnisse jenes orientalischen Reiches, 
zu welcher ihn seine langjährige Bekanntschaft mit den verschiedenen Theilen 
desselben, mit Sprachen, Sitten, Geschichte und mit allen naturwissenschaft- 
lichen Beziehungen befähigt. Zehn Jahre sind es, seit er seine Forschungs- 
reisen in Kleinasien begonnen. Die oben erwähnten fünfzehn Briefe waren 
ursprünglich an den Herausgeber der in Brüssel herauskommenden Zeitung „Le 
Nord" gerichtet, und sind hier gesammelt, unverändert wieder abgedruckt. 
Herr von Tchihatchef stellt in höchst anziehender Weise die Theorie und 
Praxis in der Lage der gegenwärtigen Verhältnisse der Türkei einander gegen- 
über. Hier findet man nebst den eigentlichen Nachrichten über den Fortschritt 
der Reise so manche ethnografische und politische Merkwürdigkeiten, hier bei 
Gümüchhane einen Volksstamm, nach Tageszeiten abwechselnd christlich und 
Mohammedanisch ; dort wieder in dem Dorfe Koutou bei Amasia Vorsorge für 
Beschaffung von Cirkassischen Individuen für den Sklavenverkauf in die Harems 
nach Art gewisser Unternehmungen in den sklavenhaltenden südlichen Ver- 
einigten Staaten von Nordamerika; dann wieder die Gesetze des Sultans, der 
Uat-Humayum, in Konstantinopel ausgesprochen, und doch in Erzerum nicht 
befolgt, ja nicht einmal bekannt gemacht, und so vieles Andere. Herr von 
Tchihat chef, in seiner eigenthümlich unabhängigen Stellung, wohlwollend über- 
all aufgenommen, ist doch auch sehr vorbereitet, die wahren Lagen der Gesell- 
schaft zu erkennen, und wenn er über viele derselben sein wenig günstiges 
Urtheil auszusprechen nicht ansteht, so hebt er wieder mit Wohlgefallen her- 
vor, wie man jetzt noch, was durch die Verbreitung der Civilisation und Ver- 
feinerung der Kultur immer mehr eingeschränkt wird, Reste uralter hoch- 
poetischer Traditionen in jenen Ländertheilen antrifft. Die Zeit schreitet fort, 
aber doch dürfte jene Veränderung nicht so bald stattfinden, und Herr von 
Tchihatchef schliesst den letzten Brief mit der Betrachtung, dass ihn selbst 
so etwas wohl nie verhindern wird , die Türkei als Mann der Wissenschaft 
wieder zu bereisen, sie als Philosoph manchmal einer Kritik zu unterwerfen und 
dieselbe als Künstler zu lieben. 

Herr Sectionsrath H ai dinge r freut sich, im Schoosse der hochverehrten 
Gesellschaft seinen wärmsten Dank einem unserer wahrhaft geographischen 
Fachgenossen und Gesellschafts-Mitgliede darzubringen , Herrn Professor Dr. 
Franz Locher in Ellwangen, der sich unserer Gesellschaft schon von allem 
Anfange an eifrigst anschloss, und der ihm nun nicht nur ein Exemplar seiner 
zweiten, gänzlich umgearbeiteten Auflage des Werkes „Allgemeine Erdkunde 
oder neuestes Handbuch zur Beförderung und Belebung des geographischen 
Sinnes und Wissens für Schule und Haus" freundlichst zum Geschenke gesandt, 
sondern der ihm auch die Widmung dieses so anerkannt werthvollen Werkes 
eingeschrieben hatte. Herr Sectionsrath Hai ding er bemerkt, wie er in Bezie- 
hung auf Geographie wohl nur den lebhaftesten Wunsch der Förderung der- 
selben einigen Anspruch auf diese Ehre haben könnte, aber dieses Uebermass 
von „Erkenntlichkeit" wie es der Verfasser so freundlich ausdrückt, entspringt 
wohl aus einem in sich selbst dankbaren Gemüthe, das sich so reich in der Ver- 
bindung darstellt, mit welcher der Verfasser sein Werk beginnt, die Beziehung 
auf den Ewigen, den Schöpfer des All, dem wir die Erde selbst und Alles auf 



38 Versammlung vom 4. Jänner 1859. 

derselben verdanken, und den eigentlichen wahren Fortschritt des Menschen auf 
Erden durch das Christenthum, treu dem gewählten Motto: „die Erde ist das 
grosse Wohn- und Erziehungshaus, in dem der Mensch nach göttlicher Anwei- 
sung seiner höheren Bestimmung mehr und mehr entgegenreifen sollte." Für 
den so vielartigen reichen Inhalt, der bei den gegenwärtigen fortwährenden 
Reisen und Studien, sich immer wiederholenden Erhebungen neuester Angaben, 
so sehr zahlreichen Veränderungen unterliegt, ist auch mit Sorgfalt möglichst 
das Neueste aufgesammelt worden. 

Aus einem Schreiben unseres hochverehrten Ehrenmitgliedes Sir Roderick 
Murchison an Herrn Haidinger glaubte Letzterer mittheilen zu sollen, dass 
Murchison kürzlich auf das Höchste durch ein eigenhändiges Schreiben 
Seiner kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Fer- 
dinand Maximilian erfreut worden sei, mit dem freundlichsten Danke für 
die wohlwollende Aufnahme, welche Herr Dr. Schaub, Director der k. k. 
Marine-Sternwarte in Triest, bei seinem Aufenthalte in England im vorigen 
Frühjahre zu Theil geworden war. 

Ueber die erste Englische Gesandtschaft nach China theilt Murchison 
mit, dass er beantragt habe, einen wissenschaftlich tüchtig vorgebildeten Arzt 
derselben beizugeben. „Ich wünschte um ein Vierteljahrhundert jünger zu sein, 
um in dem Gefolge Sr. Excel lenz als „Haupt-Stein-Zerbrecher" mich selbst der 
Gesandtschaft anzuschliessen. Peking ist ohne allen Zweifel umgeben von 
silurischen, devonischen und flötzführenden Steinkohlenformations-Schichten. 

Murchison selbst war mit dem letzten Druckbogen der zweiten Auflage 
seiner Siluria beschäftigt. 

Herr k. k. Hauptmann M. Guggenberger gab eine Schilderung des 
Leopoldsteiner See's nördlich von Eisenerz, seiner Lage und Ausdehnung. Nach 
den noch jetzt sehr deutlich bezeichneten Grenzen hatte dieser See einst gegen 
2300 Wr. Klafter in der Länge und an der breitesten Stelle fast in der Mitte 
eine Breite von etwa 300 Klafter. Die Veränderungen der Zeit, die Anhäufungen 
der grossen Schuttmassen aus dem ihn umgebenden steilen Kalk- und Dolomit- 
gehängen hatten jedoch eine so grosse Veränderung hervorgebracht, dass der 
See jetzt bereits auf 1500 Klafter in eine wagrechte Thalsohle verwandelt ist 
und nur 800 Klafter noch mit Wasser bedeckt sind, dessen tiefste Stelle bei 
80 Klafter beträgt. Diese Veränderung konnte nur durch den, auf der rechten 
steileren Seite fliessenden Schuttbach bewirkt werden ; die von demselben 
gebildete Schuttbank, die unter Wasser sich ausbreitet, wird nämlich vom 
Wellenschlage in Form kleiner Dünen wieder am Ufer aufgehäuft und so die nur 
wenige Zolle über dem Wasserspiegel erhobene fast wagrechte Thalsohle 
erzeugt. Der Seeabfluss mündet nicht weit von seinem Ausfluss in den Erzbach, 
unter einem beinahe stumpfen Winkel, wodurch am linken Ufer des Erzbaches 
sich eine kleine Schotter-Terrasse ansetzt, die im Grossen am untern Laufe des 
Erzbaches und an der Enns, dem Vereinigungspunkte beider gegenüber, als 
eine der hier zu beobachtenden Diluvialterrassen erscheint. 

Herr Bergrath F. Foetterle zeigte eine grosse Karte von Kleinasien und 
den angrenzenden Ländertheilen aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts vor, 
welche sich in dem hiesigen Hofkriegs-Archive befindet und von dem Herrn 
Vorstande desselben mit höherer Bewilligung zu dem Zwecke der Vorlage in 
dieser Versammlung gütigst überlassen wurde. Diese Karte, 1 Klafter hoch und 
1 Klafter 17 Zoll breit, auf mit Gummi überzogenen Taffet gezeichnet, gehört 
gewiss zu den grössten kartographischen Leistungen der Türkei im vorigen 
Jahrhunderte. Sie umfasst Kleinasien und Persien, einen Theil von Egypten 



I. Foetterle. 39 

und von Arabien, reicht östlich bis an den Indus, nördlich bis an das nördliche 
Ende des Azow'schen Meeres und westlich bis an die Donaumündungen. Die 
Schrift auf derselben ist nur Türkisch ; sie enthält die politische Eintheilung 
Kleinasiens und ganz Persiens, die Namen der Statthalterschaften sind überall 
roth geschrieben; überdies enthält sie die meisten Orte, so wie die damals 
bestandenen Karawanenwege. Die Gebirgszüge sind sehr oberflächlich nur 
angedeutet. Die Erläuterungen zu dieser Karte sind in einer Schrift an der 
unteren linken Ecke in 43 Zeilen und am unteren Rande in der Mitte in 
22 Zeilen gegeben. Diese Schrift ist die Aufzählung der verschiedenen Statt- 
halterschaften mit ihren verschiedenen Sandschaks sowohl der ganzen Asiatischen 
Türkei, wie von Persien. Der Schluss der Worte gibt Aufschluss sowohl über 
die Zeit der Entstehung der Karte, so wie über den Verfasser und lautet : 
Schrieb's der arme Elhadsch-Abdulah, berühmt unter den Namen Hafis-Sade, 
Schreiber der grossen Geographie im Jahre 1141 (1728) aus der Beschrei- 
bung des armen Ibrahim eines der Muteferika der hohen Pforte." Ferner „Die 
Karte ist geschrieben im Jahre 1139 (1726) in der guten Stadt Konstantinopel, 
Gott wolle sie bewahren vor Unglück und Gefahren." Ibrahim war ein Unga- 
rischer Renegat und führte die Druckerei in Konstantinopel ein , deren erster 
Direktor er auch war. Diese Quellen , welche der Verfasser dieser Karte 
benützte, sind fast ausschliesslich aus dem „Dschihanuma" d. i. Weltschau ent- 
lehnt. Die Karte wurde nach der Mittheilung des k. k. Hofkriegsrathes bei 
Gelegenheit der Uebergabe derselben an das k. k. Kriegsarchiv von dem k. k. 
Oesterreichischen Residenten vonTalmanin Konstantinopel im Jahre 1729 
acquirirt und eingesendet. J. Freiherr von Hamm er-Pu rgsta 11 gibt im 
8. Bande seiner Geschichte des Osmanischen Reiches eine ausführliche Be- 
schreibung dieser Karte, welche vielleicht das einzige bestehende Exemplar 
sein dürfte und gewiss um so interessanter ist, als die Türkei sehr wenige 
kartographische und geographische Werke, von Mahomedanern ausgeführt und 
in ihrer Sprache geschrieben besitzt. Denn zu dem vorzüglichsten gehören nur: 
Dschihanuma, d. i. Weltschau von Hadschi Chalfa, fortgesetzt von Behram in 
Damaskus, mit 40 Karten, gedruckt in Konstantiuopel im Jahre 1732; ferner 
Bahrije d. i. See-Atlas vom Jahre 1520 mit 133 Karten von Piri Reis, und 
Tohfelul kubar fiesfaril-ebhar d. i. Geschenke an die Grossen, die Seekriege 
betreffend mit 4 Karten von Hadschi Chalfa im Jahre 1728, endlich ist auch 
eine Erdkarte in vier Blättern in Holzstich von Hadschi Achmet aus Tunis im 
Jahre 1559 unter Sultan Suleiman verfertigt. Die Originalplatten befinden sich 
in der Marciana in Venedig, während einen Abdruck derselben Se. Durchlaucht 
Fürst Mette mich in seiner Bibliothek besitzt. 

Herr k. k. Bath und Professor Thomas Ender hatte abermals die Güte, 
einige seiner zahlreichen und ausgezeichneten Aufnahmen Oesterreichischer 
Alpengegenden in Aquarell ausgeführt, zur Ansicht zuzuschicken, welche am 
Schlüsse vorgezeigt wurden. Dieselben bezogen sich diesmal auf Gegenden an 
der Südtirol-Venetianisehen Grenze und das Etschthal, und gaben ebenso über- 
raschend getreu und herrlich aufgefasst den Charakter dieser schönen Gegen- 
den, wie die früheren vorgelegten Darstellungen des Herrn k. k. Rathes 
Th. Ender. 

Eingegangene Druckschriften. 
Landwirtschaftliche Zeitschrift von und für Ober-Oesterreich. Linz Nr. 1 de 1859. Von 

der k. k. Landwi rthschafts - Gesellschaft in Linz. 
Pesther-Lloyd Nr. 1—12 de 1859. Von der Redaction. 

Allgemeine Land- und forstwirthschaftliche Zeitung. Herausgegeben von der k. k. Land- 

wirthschafts-Gesellschaft in Wien. Jahrgang 1889. Nr. 1 — 3. 

Von der Gesellschaft. 



40 

Jahreshefte des Württembergischen Alterthums-Vereins in Stuttgart. VIII. Heft. — Schriften 
des VI. Heft 18Ö6. — VII. Rechenschaftsbericht des 1854/55. — Satzungen des 
1843. Vom Vereine. 

Resume historique de l'exploration faite dans l'Afrique centrale de 1855 ä 1856 par 
le Dr. Ed. Vogel. Par V. A. Malte Brun. Paris 1858. — Itineraire 
historique et archeologique de Philippeville a Constanlinc. Par V. A. Malte Brun. 
Paris 1858. Vom Verfasser. 

Märkische Forschungen. Herausgegeben von dem Verein für Geschichte der Mark Bran- 
denburg. III— V. Berlin 1845/57. Vom Vereine. 
Bulletin de la Societe Imp. des Naturalistes de Moscon. Annee 1858. Nr. 3. Von 

der kais. Gesellschaft. 

23ter Jahresbericht des historischen Kreis-Vereins im Regierungsbezirke von Schwaben 

und Neuburg für das Jahr 1857. Augsburg 1858. Vom Vereine. 

Mittheilungen aus J. Perthes geogr. Anst. Von Dr. A. Peter mann. Nr. XI. XII. 1858. 

Von der geographischen Anstalt. 
Jahresbericht des Voigtländischen Alterthumsforschenden Vereins. XIII — XXX. Gera 
1833 — 1855. — Yolkssagen aus dem Orlagau nebst Belehrungen aus dem Sagen- 
reiche. Mitgetheilt von W. Born er. Altenburg 1838. — Plendistria, imagines, 
calearia et arma veterum lapidea non ita pridem in pago H'Orlae ad Sorbitzii 
Wirraeque ripas deteeta descripsit Dr. G. G. Adler. Gerae. — Variseia. Mit- 
theilungen aus dem Archive des Voigtl. Alterth.-V. Herausgegeben von Fr. Alberfi. 
3 Lief. 1834. — Bericht über die Vers, am 28. Mai 1858. 

Vom Voigtl and. Alterthums-Ve reine in Hohenlauben. 
Bulletino dell' Istmo di Suez. III. Nr. 24. Torino 1858. Von der Redaction. 

Austria. Wochenschrift für Volkswirtschaft und Statistik. XI. Jahrgang. Heft 1. 1859. 

Von der Redac tion. 

Atti dell' Academia fisio — medico statistica di Milano. Anno Academ. 1857/58. Vol. 

III. Anno XIII. disp. 14. Von der Academie. 

Memoire dell' J. R. Istituto lomb. di scienze leltere ed arti. Vol. VII. fasc. 7. Milano 1858. 

Atti dell'J. R. Istituto loinb. etc. Vol. I. Fasc. 11 Milano 1858. Vom k. k. Institute. 

35. Jahresbericht der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur vom Jahre 1857. 

Breslau. Von der Gesellschaft. 

Annales de la propagation de la foi. Janvier 1859. Nr. 182. Paris. Von de r Bed actio n. 

Berichte der Rheinischen Missionsgesellschaft. Nr. 19 — 24. Barmen 1858. 

Von der Gesellschaft. 
Nouvelles annales des Voyages , de la geographie, de l'histoire et de 1' Archeologie. 
VI. Ser. IV. ann. Decemb. Paris 1858. Von der Redac tion. 

Zeitschrift für allgemeine Erdkunde. N. Folge. V. Band. 4. Heft. Berlin 1858. 

Von der geographischen Gesellschaft in Berlin, 

2tes Jahresheft des Vereines des Krainer-Landes-Museums. Laibach 1858. Vom Vereine. 

Geographie industrielle et commerciale de la Belgique indiquant les produetions mine- 

rales, agricoles et industrielles de chaque localite etc. par C. N. Bari et. 1858. 

Vom Verfasser. 
Jahrbuch der k. k. geologischen Beichsanstalt. Wien IX. 3. 1858. 

Von der k. k. geologischen Reichsanstalt. 
Wochenblatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. Nr. 6 de 1858/59. 

Von der Landwirthschafts-Gesellschaft Gratz. 
Gospodarski List. Zagrebu. Nr. 1 de 1859. Von der k. k. Landw. Ges. in Agram. 
Bericht des Ap. E. Popp und Fr. A. Vost über die nach den Donau-Fürstenthümern 
Wallachei und Moldau und nach Bulgarien etc. unternommenen Reise. 

Von der Handelskammer Kronstadt. 
Jahrbuch u. Mittheilungen derk. k. Central-Commission z. Erforschung u. Erhaltung der Bau- 
denkmale. I — III. Wien 1856 — 1858. Von der k. k. Central-Commission. 
Aegypten. Reisebilder aus dem Oriente. Von L. Liba v . 4. Lief. Wien 1858. 

Von Herrn Aug. Grafen v. Breuner. 
Suevia universa IX tabulis delineata, in quibus omnium non solum ad circulum pertinentium 
Episcopatuum, ducatuum etc., sed etiam omnium eidem inter et adjacentium Statuum 
territoria, urbes, oppida, monasteria etc. distinete et aecuratissime reperiuntur, juxta 
recentissimam observationem exhibita a Jaques Michal, Capitaine et Ingenieur, 
sculpta a Matheo Struttero, Chalcogr. August. 
Atlas Silesiae id est ducatus Silesiae generaliter quatuor mappis nee non specialiter 
XVI. mappis tot prineipatus representantihus geographice xhibitus addita praefatione. 
qua de historia hujus atlantis agitur auetoritate publica in lucem emissus ab Homan- 
nianis Heredibus Norimbergae 1750. Vom Herrn k. k. General-Major L. Kintzl. 



41 

Versammlung am 18. Jänner 1859. 

Der Herr Präsident k. k. Sectionschef Dr. K. Frh. v. Czoernig führteden 
Vorsitz. — Ueber Antrag des Ausschusses wurden die Herren Job. Ptaschnik, 
Professor am k. k. Theresianum und Wenz. Babänek, k. k. Prof. in Pisek zu 
ordentlichen Mitgliedern, und Hr. Ed. R. Strasznitzky, Secretär der geogra- 
phischen Gesellschaft in New- York zum correspondirenden Mitgliede gewählt. 

Der Hr. Secretär F. Foetterle legte hierauf eine grössere Reihe einge- 
gangener Druckschriften zur Ansicht vor. Als Geschenke verdankt namentlich 
die Gesellschaft dem Herrn Präsidenten Freiherrn von Czoernig die bisherigen 
Publicationen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der 
Baudenkmale, bestehend in 3 Bänden Mittheilungen und 3 Bänden Jahrbüchern, 
welche durch den reichen Inhalt des werthvollsten Materials ein glänzendes 
Zeugniss von der Nützlichkeit und Zweckmässigkeit des Inslebenrufens dieser 
kaiserl. Institution geben. Der Hr. Präsident machte selbst auf die in dem 
3. Bande des Jahrbuches in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Anwendung 
gebrachte Photolithographie aufmerksam, durch welche es nun möglich ist, selbst 
die komplizirtesten und feinsten Zeichnungen auf Stein wiederzugeben, und von 
hier aus zu vervielfältigen. — Ein anderes Geschenk verdankt die Gesellschaft 
ihrem Vize-Präsidenten Herrn General-Major L. Kintzl, bestehend aus 
20 Blättern der Homannschen Karten von Schlesien vom J. 1736 und aus einer 
grossen Karte von Schwaben von Jaques Michal. 

Hr. k. k. Major K. von Sonklar sandte einige Bemerkungen und Berich- 
tigungen der von den Gebrüdern Herren A. und H. Schlagintweit in ihren 
Werken „Untersuchungen über die physikalische Geographie und Geologie der 
Alpen" und „Neue Untersuchungen" etc. veröffentlichten Höhenbestimmungen. 
(Siehe Abhandlungen dieses Heft Nr. VI. S. 58.) 

Herr k. k. Sectionsrath Haidinger berichtet über die letzten von unseren 
Freundenaufderk.k.Fregatte„Novara"erhaltenenNeuigkeiten. Schon in derSitzung 
der k. k. geologischen Beichsanstalt am 11. wurden über Briefe von Hrn. Com- 
modore von Wüllerstorf und Dr. Scherzer berichtet, so wie einer gemein- 
schaftlichen Abhandlung des Letztern mit Herrn Dr. Schwarz gedacht, welche 
für die k. k. geographische Gesellschaft bestimmt, hiermit vorgelegt wird. 
(Siehe Abhandlungen dieses Heft Nr. II. Seite 11. Auch von Sr. Excellenz dem 
Herrn General-Gouverneur von Australien Sir William H. Danison war ein 
Schreiben eingelangt. Später kamen Briefe von Herrn Dr. Hochstetter und 
Frauenfeld. Von Allem wurde am 13. von Hrn. Hai ding er in der Sitzung 
der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Bericht erstattet. Die Beise von 
Shanghai bis Sydney, vorüber an den Mariannen-, Carolinen- und Salomons- 
Inseln, war durch einen heftigen Drehwind, Teifun, noch in dem chinesischen 
Meere, und Stürme, so wie später durch Windstillen so beeinträchtigt, dass nur 
die Carolinen Ponynipat, und später die Insel Sikeiana dem Stewart Atoll ange- 
hörig, östlich von den Salomons-Inseln (Br. 8° 22 l S. L. Greenw. 162° 58° 0) 
auf wenige Stunden besucht werden konnte. Letztere gab eine werthvolle ethno- 
graphische Ausbeute, wenn auch nur von 180 bis 200 Menschen, aber schönen, 
herkulischen Gestalten bewohnt. 

Unsere „Novara" wurde in Sydney, wo sie am 5. November ankam, mit 
ausgesprochenstem Wohlwollen empfangen. Schon am 6. erhielt die „Austra- 
lische deutsche Zeitung" folgenden Gruss (Ausschnitt den Haidinger Herrn 
J. Gentill i verdankt, und welchen er hier der k. k. geographischen Gesell- 
schaft als Erinnerungsblatt überreichte). „An die Herren der Novara-Expedition : 
„Mit inniger Freude haben wir Ihre glückliche Ankunft in Port Jackson vernom- 



42 Versammlung am 18. Jänner 1859. 

„inen und heissen Sie, edle Männer, an den Gestaden Australiens herzlieh will- 
kommen. Seien Sie, hochgeehrte Herren, von der wärmsten Theilnahme der 
„hiesigen Deutschen an dem grossartigen Unternehmen der Novara-Expedition, 
„so wie von unserer bewundernden Anerkennung Ihrer edlen, segensreichen 
„Wirkung überzeugt. 

„Der mächtige Donner Ihrer Kanonen wird in manchem deutschen Herzen 
„die schlummernde Liebe zum Vaterlande wecken, wie das freundliche Bild 
„Ihres innig vereinten Männerbundes den Trieb zu einheitlichem Zusammen- 
halten der Deutschen dieser Stadt neu beleben wird. Mögen Sie sich während 
„Ihres Aufenthaltes an diesen Ufern des besten Wohlseins zu erfreuen haben !" 

Hochachtungsvoll die Redaktion der „Australischen Deutschen Zeitung." 

Es war schon von früher her in Erwartung der Ankunft der Novara eine 
Versammlung der Deutschen in Sydney auf den 8. bestimmt gewesen. Sie wurde 
aus Veranlassung der Ankunft rasch auf den 6. November zurückverlegt. 

In einem Schreiben, von Herrn Dr. Hochstetter vom 3. Nov. in See 
bis 11. Nov. in Port Jacson, das ich am lo. Jänner erhielt, wird freudig und 
anschliessend an die früheren Berichte hervorgehoben, wie sehr die. deutsche 
wie die englische Bevölkerung in Aufmerksamkeiten und Wohlwollen, vom Gou- 
verneur beginnend, durch alle Klassen wetteifert. Herr Dr. Ho chstetter hatte 
auch sogleich nach seiner Ankunft die Steinkohlenwerke von Newcastle am 
Hunter river besucht, mit welcher Gegend Sydney durch tägliche Dampfschilf- 
Fahrten, wie Triest mit Venedig verbunden ist, und war mit drei Kisten Samm- 
lungsgegenständen, Kohlenmustern, fossilen Pflanzenresten , so wie silurischen 
Versteinerungen aus dem Innern, nach Port Jacson zurückgekehrt, theils selbst 
gesammelt, theils von den frühern Besitzern aufs Freundlichste überlassen, 
namentlich den Herren K eene, dem Begierungs-Examiner of the Coal Fields 
of Neu South Wales, dem Revd. Mr. Canon Wilton und zwei hochgebildeten 
jungen Damen Harriet und Helena Scott, Töchtern des Mr. A. W. Scott, 
Parlaments-Mitgliedes und Besitzers von Ash-Irland in Hunter Biver. Diese bei- 
den Damen sind in Begriff ein grösseres Werk über australische Schmetterlinge 
herauszugeben, die sie selbst gesammelt in allen Ständen beobachtet, und in 
trefflichster Weise in Mahlerei und Lithographie dargestellt. 

Der Aufenthalt im Hafen von Sydney, wo die Novara vom Gouverneur 
freundlichst in der Regierungsdocke aufgenommen wurde, dürfte wohl länger 
dauern, als zuerst beabsichtigt war, da die Fregatte verschiedener Ausbesserung 
bedarf. Ein wahres Goldfieber war wieder in Australien im Anzüge, nachdem noch 
in der Nähe von Sydney ein anderer Klumpen von 90 Unzen Goldgehalt aufge- 
funden worden war. Kürzlich erst war eine völlige Völkerwanderung, von gan- 
zen 10,000 Menschen nach dem Fitzroy-River (Port Curtis, Nord-Australien) 
durch einen wahren Gold- Wahnsinn geführt worden, von wo sie gröstentheils 
halbverhungert, in ihren Hoffnungen getäuscht, wieder zurückkehrten. 

Herrn E. R. Strasznitzky , Secretär der geographischen Gesellschaft 
in Neu-York, sandte an Herrn k. k. Sectionsrath Haidinger mehrere einzelne 
Zeitungsblätter mit geographischen Nachrichten. 

Die deutsche „Neu-Yorker Staats-Zeitung" vorn 17. Dezember 1858 
enthält einen Bericht über eine Erforschungs-Expedition nach dem in dein Golf 
von Californien einmündenden Bio Colorado, unter Lieutenant Ives. 

Von höchstem Interesse ist die Aussicht auf die neue Expedition 
nach dem Nordpol, nach der offenen See, in der sich so grosse Erfolge 
für den Wallfischfang voraussehen lassen. Herr Dr. Hayes, ein Begleiter 
Kane's auf seiner früheren Reise, hat sich bereit erklärt, im Jahre 1860, mit 



VV. Haidinger. 43 

einem Schiffe von 100 Tonnen und zwölf Matrosen, dieses Unternehmen begin- 
nen zu wollen. Mehrere Gesellschaften haben schon ihren Beistand zugesagt. 
Zwei wichtige Schreiben vom Hrn. Prof. Agassiz an Dr. John d. L. Leconte, 
und von Dr. A. D. Bache, Superintendent of the Coast Surwey an Dr. Hayes 
selbst sprachen ihre Ueberzeugung von der Zweckmässigkeit und Nützlichkeit 
und dem hohen Interesse der Frage aus. Agassiz sagt: Die Wallfische, als 
warmblutige Thiere bedürfen zum Athmen der Luft, also auch des offenen Was- 
sers. Nie finden sie sich im Winter südlich von dem grossen Eisgürtel. Daher 
muss am Pol das Meer offen sein, wohin sie sich zurückziehen. „Dieses Argu- 
ment ist für den Physiologen unwiderstehlich." Folgendes ist der Beiseplan : 
Man schifft Baffius Bay hinauf, und längs Grinnel Land so seenördlich als mög- 
lich, um dort zu überwintern, vorher aber noch nördlicher auf dem Eise Maga- 
zinen anzulegen. Ein Boot auf Schlitten gestellt, sollte dann in einem Monate, 
in der Breite von etwa 81° die offene See erreichen, von wo bis zum Nordpol 
dann noch etwa 000 Meilen übrig sind. Die Anträge, von Herrn Viele gestellt, 
dass die Gesellschaft sich der Unternehmung nachdrücklichst annehme und ein 
Comite von fünf Mitgliedern bilde, die sich mit Herrn Dr. Hayes über die 
Organisation derselben verständigen und von Zeit zu Zeit Nachricht von dem 
Slande geben, wurde von Herrn Henry G rinn eil dem Vicepräsidenten, unserm 
hochverehrten Ehrenmitgliede unterstützt und angenommen. Auch Herrn Dr. 
Hayes wurde ein Dankvolum dargebracht. Der schönste Dank , bemerkte in 
einer glänzenden Bede der Präsident, Dr. Hawks, ist das höcht zahlreiche 
Publikum, welches sich /.ur Anhörung des Vortrags versammelt hatte und mit 
athemloser Aufmerksamkeit dem Vortrage gefolgt war. „Gott hat den Menschen 
den Enthusiasmus verliehen, dasjenige Werk zu unternehmen, welches sie durch- 
zuführen am geschicktesten sind." Diess sei seine Ansicht, und wenn Dr. Hayes 
diesen Enthusiasmus besitze das Werk der Nordpol-Erforschung zu bestätigen 
und zu vollenden, so wünsche er ihm dazu Gottes besten Segen. 

So ferne uns auch die näheren Beziehungen der Ausführung dieser Unter- 
nehmung liegen, so sehr ist aber doch auch unsere Gesellschaft, sind alle 
Geographen in der Lösung dieser wichtigen und aufregenden Unternehmung 
betheil igt, und auch wir wünschen dem unternehmenden und erfahreneu Mann 
auch von unserer Seite unsern reichen Beifall und hohe Anerkennung zu geben, 
undden Wunsch, dass wir von seinen Erfolgendie günstigsten Nachrichten erleben 
mögen! Herr k. k. Oberlieutenant G. v. Boleslawsky zeigte eine Sammlung 
ethnographischer Gegenstände aus Aegypten , Nubien und Seidan vor, welche 
er auf einer zweijährigen nach Chartum unternommenen Beise von dem letzt- 
genannten Orte selbst mitgebracht hatte. Darunter befanden sich vorzüglich 
Waffen, Musikinstrumente, Bekleidungs- und Schmuckgegenstände, Bauchrequi- 
siten, Hausgeräthe u. s. w. 

Hr.Dr.G.A. Kornhub er theilte eine topographische Notiz über das Moor 
„Schur" bei St. Georgen in Ungarn mit. Aelteren Nachrichten zufolge ist dieses 
Sumpfterrain der Best eines ehemals hier bestandenen weiter ausgedehnten 
Sees ; welcher schon zu Bömerzeiten entwässert wurde. Die Versumpfung des 
Schur ist durch das ungewöhnlich geringe Gefälle und den dadurch verlang- 
samten Abfluss des Wassers bedingt, welches von den nahen Gebirgsbächen 
herabgeführt, sich daselbst anhäuft. Zu dieser fortwährenden Stauung, die selbt 
in sehr trockenen Sommer stattfindet, treten durch plötzliche oder länger anhal- 
tende atmosphärische Niederschläge oder durch rasches Schmelzen des Schnees 
veranlasst, Ueberschwemmungen hinzu, wodurch die Moorbildung unterhalten 
und gefördert wird. Der Abfluss des Moorwassers bildet den Ursprung des sog. 
Schwarzwassers, welches gegen Lanschütz der Donau zutliesst. Die ausser- 



44 Versammlung am 18. .Jänner 1859. 

ordentlich dunkle Farbe, welche dasselbe von den beigemengten und aufgelösten 
organischen Stoffen erhält, hat ihm mit Recht den Namen verschafft Der gröste 
Theil des Schurs trägt einen dichten Waldbestand ; ausserdem kommen viele 
Pflanzen aus der Familie der Halbgräser vor, welche das Material zur Torf- 
erzeugung besonders auf den den Wald umgebenden Wiesengründen darbieten. 
Nach Hrn. Dr. Bauer's Bestimmung enthält dieser Torf im Mittel aus zwei 
Analysen 11 Percent Wasser und 16 Percent Asche, und an Heizkraft entspre- 
chen 22 Zentner desselben einer Klafter 30zölligen Fichtenholzes. In der Mitte 
einer unter dem Namen Rustenmoore bekannten Erhebung des Bodens war bei 
6 Fuss Tiefe der Untergrund noch nicht zu erreichen, aber schon bei 3' trat 
eine lebhafte Entwickelung von Schwefelwasserstoff auf, worauf Wasser empor- 
drang, in welchem noch beständig Blasen der erwähnten Luftart aufstiegen, 
Dieser Hydrothiongehalt des Moorwassers hatte schon in früher Zeit Veranlas- 
sung zur Gründung des St. Georgner Schwefelbades gegeben, welches seither 
alljährlich von Beilbedürftigen besucht wird. Die Bedeutung dieses Wassers 
dürfte noch durch die Thatsache gewinnen, dass Hr. Dr. Bauer sowohl in dem 
aus den Badelokalitäten, als von der Rustenwiese entnommenen Wasser und in 
der Asche von Torf an letzterem Ort eine quantitativ bestimmbare Menge Jod 
nachgewiesen hat. Im Innern des Erlenwaldes findet sich nur torfige Erde mit 
einem Aschengehalt von 32 Percenten und von geringem Brennwerth. 

Hr. k. k. Bergrath F. Foetterle begann eine Mittheilung über die 
von ihm im vergangenen Frühjahre unternommene Reise nach Konstantinopel, 
dem nördlichen Küstenreich von Kleinasien und einem Theil von Griechenland. 
Eingegangene Druckschriften : 

Lettres sur la Turquie par M. P. de Tchiha tchef. Bruxelles 1859. Vom Verfasser. 
Die welthistorische Bedeutung der Meere , insbesondere des Mittelmeercs , von Carl 

Zathlef. Dorpat 1858. Vom Verfasser. 

Botanische Ergebnisse einer Reise durch das östliche Trans-Kaukasien und den Ader- 

beidshan, ausgeführt in den Jahren 1855 und 1656 von Nicolai v. Seidlitz. 

1. Heft. Dorpat 1857. Vom Verfasser. 

Les saints Lieux. Pelerinage a Jerusalem en passant par PAutriche, la Hongrie, la Sla- 

vonie, les provinces Danubiennes etc. Par Msgr. Mislin Abbe mitree etc. I — III. 

Paris 1858. Vom Verfasser. 

Jahresbericht des vaterländischen .Museums Carolino-Augusteum der Landeshauptstadt 

Salzburg pro 1856 — 1857. Von der Museal -Direction. 

Verhandlungen und Mittheilungen des ni'ed österr. Gewerbe- Vereins. Jahrgang 1858. 
Heft 9, 10. Wien. Vom Vereine. 

Archiv za Povestnicu Jugoslavensku. Zagrebu I — IV. 1851 — 1857. Vom Vereine. 

Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie. Herausgegeben von dem histo- 
rischen Vereine für Kärnten. I — IV. Jahrgang 1849 — 1858. Vom Vereine. 
Der Militär Maria Theresia Orden und seine Mitglieder. Nach authentischen Quellen 
bearbeitet von Dr. J. Hirtenfeld. Zur ersten Säcularfeier 1857. Wien 1857. 2 Bde. 

Vom Verfasser. 

CTATMCTH4ECKIfl TAB.11111,1,1 POCCIIICKOII IDIIIEPIII 3A 1856. 

u. s. w. (Statistische Tabellen u. s. w. aus dem Jahre 1856. 

Von Se. Excel. A. Lewschine in St. Petersburg. 

Jahresbericht der Wetterauer Gesellschaft für die gesammte Naturkunde in Hanau über 
die Gesellschaftsjahre von August 1851 — 1855. 1857/58. Vom Vereine. 

Landeskunde des Herzogthums Meiningen von G. Brückner. 2 Bände. Meiningen 1851/53. 

Neue Beiträge zur Geschichte deutschen Alterthums. Herausgegeben von dem Henebur- 
gischen alterthumsforschenden Vereine. Meiningen 1. Lief. 1858. Vom Vereine. 

Topografia del Polesine di Rovigo. tratta in parte da publici Calastici dei recenti estimi, 
che esistono negli Archivi di Rovigo, Lendonara, e Badia e il rimanente rilevato 
per commisione degli 111. ed Ecc. Signori Proveditori all' Adige e deputati alle 
Valli Veronesi da Dom. Marchetti, publ. Perito all' estimo della citta di Rovigo e 
di detto Ecc. Magistrato cella direzione del Sign. Alvise Milanovich, Ten. Colo- 
nello Ingegnere direttore l'anno 1786. Von 0. Freih. v. Hingenau. 



45 
Versammlung am 1. Februar 1859. 

Der Herr Präsident, k. k. Sectionschef K. Freiherr von Czoernig, 
führte den Vorsitz. 

Den Statuten gemäss wurde als ordentliches Mitglied gewählt: Herr 
Gustav von Boleslawski, k. k. pensionirter Oberlieutenant. 

Unter den der Gesellschaft zugekommenen Druckschriften hebt Herr 
Sekretär insbesondere hervor: „Reisen in Central- Afrika" von Dr. H. Barth, 
welches nun vollendete, aus 5 Bänden bestehende Werk, die Gesellschaft 
dem Herrn Verfasser selbst verdankt. 

Herr k. k. Sectionsrath Haidinger gibt Nachricht über eine neue 
in's Leben tretende wissenschaftliche Zeitschrift: 

„Ein hochverehrtes Mitglied unserer Gesellschaft, Herr Maximilian 
von Riedwald, begründet in diesem Augenblicke ein Unternehmen, das 
uns in den vielfachen Beziehungen der Geographie zu Allem was die 
Wissenschaft darbietet auf das Anregendste zu berühren geeignet erscheint. 
Es ist diess die „Allgemeine Zeitung für Wissenschaft, Central-Organ 
zur Verbreitung der neuen Fortschritte des Wissens. Herausgegeben und 
redigirt von M. v. Riedwald, Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften, 
unter Mitwirkung vieler Gelehrten und Fachmänner. u Die erste Nummer 
erscheint im April 1859, wöchentlich zwei Druckbogen, dazu Monathefte 
von fünf Druckbogen, Subscription für erstere im Jahre 4 fl., für letz- 
tere 3 fl. Ö. W. Der Zweck ist eine leitende Uebersicht, alles in der 
Wissenschaft als neu Erscheinende fortlaufend einem theilnehinenden ge- 
bildeten Publikum vorzulegen, und so die Orientirung in der wissenschaft- 
lichen Bewegung auf unserer Erde zu erleichtern und nicht nur den 
Forschern in Einem Gebiete die ihm etwas mehr entfernt liegenden 
näher zu rücken, sondern namentlich dem Freunde wissenschaftlicher 
Bildung überhaupt die Ergebnisse der gegenwärtigen und sich fortwährend 
steigernden Erfolge menschlicher wissenschaftlicher Thätigkeit in einem 
grossen, anziehenden Bilde vor Augen zu stellen. Wohl dürfen wir diess 
als ein schönes Band der Vereinigung vielartiger Beziehungen in den der 
neuesten Zeit angehörigen wissenschaftlichen Bewegungen unserer k. k. 
Haupt- und Besidenzstadt, unseres grossen Vaterlandes Oesterreich be- 
trachten. Oft habe ich, nicht nur in sehnlichsten Wünschen gefühlt, sondern 
auch in Gesprächen geäussert, wie erfolgreich die Benützung schon der 
uns zunächstliegenden nun gebildeten Bibliotheken Averden könnte. Die 
Bibliothek der k. k. geologischen Reichsanstalt, letztere 15. November 1849 
gegründet, mit ihren 2554 Bücher- und 353 Karten-Nummern in 5472 
Bänden, die unserer eigenen k. k. geographischen Gesellschaft, am 1. De- 
zember 1855 begonnen, mit 7T5 Bücher- und 77 Karten-Nummern in 
2011 Bänden und 421 Blättern, dazu die in ihrer glanzvollen Stellung 
sehr viel reichere Bibliothek der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 
ebenfalls nun seit 30. Mai 1846, die Bibliothek der k. k. Gesellschaft 
der Aerzte, der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft, des n. ö. Ge- 
werbevereines, des Alterthumsvereins , des n. ö. Ingenieurvereins, und so 
vieler anderer Neubildungen der letzten Periode ; alle diese Bibliotheken 
nebst den berühmten und werthvollsten Schätzen, die aus ältester Zeit 
bis in unsere Tage fortgeführt werden, sind zu ausgiebigster Benützung 
wohlwollend geöffnet, aber doch lässt ihre Benützung gar vieles zu wün- 
schen übrig. Was unsern österreichischen Antheil an Literatur überhaupt 
betrifft, hatte uns der hochverdiente Director der Bibliothek des k. k. 
Ministeriums des Innern, Herr Ritter Constantin Wurzbach von Tannen- 



46 Versammlung am I. Februar 1859. 

berg, die wichtigste Kenntniss, früher in der Wiener-Zeitung, und da- 
mals und später in eigenen der gesammten Literatur gewidmeten Werken 
vermittelt. Herr von Riedwald's Werk würde mehr dem Gedanken des 
„Cosmos" entsprechen, welchen mein hochverehrter Freund und Gönner 
Herr Abbe Moigno in Paris nun schon seit 1. Mai 1852, also seit fast 
vollen sieben Jahren, auf eine wahrhaft bewundernswerthe und erhebende 
Weise mit gediegenster Kenntniss, und wohlwollendster, innigster gei- 
stiger Weihe durchgeführt hat. Ich freue mich ihm hier für ein so 
schönes Vorbild heute meine Anerkennung darzubringen , wo uns demnächst 
selbst ein gleichem Geiste entspriessendes, aber in vielen Beziehungen 
näher liegendes Blatt erfreuen soll. 

Gerne erkläre ich mich zur Subscription bereit, und lade alle 
hochverehrten Gönner und Freunde und Mitglieder unserer k. k. geo- 
graphischen Gesellschaft zu gleichen Zwecken ein Nur wenn die Theil- 
nahme sich auch in materieller Hilfe zeigt, tritt sie ins Leben ein und 
bringt Erfolg hervor. Der hochverehrte Unternehmer, von dem wir bereits 
als werthvolles Geschenk seine „Allgemeine politische Geographie u. s w." 
besitzen, hat sich durch vieljährige Vorarbeiten in den mannigfaltigen 
wissenschaftlichen Fächern orientirt, und es sind ihm auch die grossen 
Schwierigkeiten nicht fremd, welche namentlich sein erstes Auftreten in 
dem gegenwärtigen Augenblicke umgeben. Aber es lässt sich ja doch 
auch auf günstigere Entwicklung hoffen. Erlauben Sie mir, meine hoch- 
verehrten Herren, als Aufmunterung für das schöne zeitgemässe Unter- 
nehmen des Herrn M. v. Biedwald ein Wort vom 7. November 18o5 
zu wiederholen, das auf der allerersten Seite unserer eigenen Verhandlungen 
steht: „Nur für diejenigen treten niemals die „besseren Zeiten" ein, 
welche nichts thun, als auf solche zu warten, und ihre „Arbeiten bis 
dahin verschieben." Möge der hochverehrte Herausgeber daher getrost allen 
Schwierigkeiten entgegengehen, möge er aber auch jene Theilnahme in einem 
reichen Maasse finden, welche einer k. k. Reichs-Haupt- uud Residenzstadt 
■wie unser Wien, und einem grossen Kaiserstaate wie unser Vaterland ent- 
spricht, um das schöne und gross gedachte Unternehmen würdig zu fördern." 

Herr k. k. Schulrath Dr. M. Becker, zeigte durch Vorlage der 
von dem k. k. Ministerium für Cultns und Unterricht eingeführten Lehr- 
bücher für die vaterländischen Volksschulen , wie in denselben der Stotl* 
für gemeinnützige Kenntnisse und namentlich der erdkundliche Unterrichts- 
stoff in einer auf die Fassungskraft und den zunehmend erweiterten Ge- 
sichtskreis der Schüler berechneten Weise geordnet sei, so dass diese 
mit Abschluss der Volksschule alles noth wendige über die Erde 
und das Vaterland und zugleich eine genügende Vorbereitung für den 
wissenschaftlichen Unterricht in dieser Richtung besitzen können. 

Herr k. k. Bergrath F. Foetterle gab eine Schilderung der von ihm 
in den Monaten April, Mai und Juni des vorigen Jahres ausgeführten Reise 
nach den Küsten von Kleinasien gegen das schwarze Meer, welche als 
Zweck die Kenntniss der geologischen Beschaffenheit der Umgebung von 
Ismid in Nicomedien, der Strecke von Eregli bis Amassera und von 
Unje an der Schwarzen Meeres-Küste hatte. 

Eingegangene Druckschriften. 

Untersuchungen über den Druck der Luft. Ein Beitrag zur Climatologie Oberösterreiclis von 
P. Reslhuber. Linz 1858. Vom Verfasser. 

Austria. Wochenschrift für Volkswirthschaft und Statistik. Wien i8o9. Nr. 2—4. 

Von de r R ed acti o n 



F. Foetterle. Dr. Stäche. 47 

Gospodarski List. Agram 1859. Nr. 2 — 4. Vo n der k. k. Ackerbau-Gesellschaft. 

Pester Lloyd. Pest 1859 Nr. 13— 24. Von der Redac tion. 

Landwirtschaftliche Zeitschrift von und für Oberösterreich. Linz 1859 Nr. 2. 

Von der k. k. L a n d w i r t b s c h a f ts - G e s e 1 1 s c h a f t. 
Centralblatt für die gesamnite Landescultur. Prag 1859 Nr. 1 — 4. 

Von der patr. ök. Gesellschaft. 
Mittheilungen des histor. Vereins für Krain. Laibach 1858, Sept. October. Vom Vereine. 
Jahresbericht der Elbogner Ober-Realschule I — IV für 1853 — 1857. 

Von der Sehul-Direction. 

Jahreshefte des Würtembergischen Alterthinns-Vereins Stuttgardt I — VII.— Schriften des 

Württembergischen Alterthums-Vereins. Stuttgardt I. III. 1850,1854. — Satzungen des 

Württembergischen Alterthums-Vereins. Stuttgardt 1843. Vom Vereine. 

Allgemeine Land und forstwissenschaftliche Zeitung. Wien 1859 Nr. 4, 5. 

Von der k. k. Landwirth. Gesellschaft. 
Rechenschaftsbericht über die dritte Versammlung des internationalen Congresses für Sta- 
tistik, abgehalten zu Wien am 31. August bis 5. September 1857 u. s. w. Wien 1858. 

Vom F r e i h e r r n v. C z ö r n i g. 

Verhandlungen und Mittheilungen des siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften zu 

Hermanstadt 1858 IX Nr. 9. Vom Vereine. 

Verhandlungen und Mittheilungen des n. öst. Gewerbevereins. Wien Jahrgang 1858 Heft 11. 

Vom Vereine. 
Jahresbericht des germanischen National-Museums zu Nürnberg I — IV. 1853 bis 1857. — 
Organismus des germanischen National-Museums in Nürnberg 1855. — Denkschriften 
des germanischen National-Museums 1858 1.1, 2. — Anzeiger für Kunde der 
deutschen Vorzeit. Organ des germanischen Museums. N. F. Jahrgang V. 1858. 
Nr. 1 — 12. — System der deutschen Gesehichts- und Alterthumskunde entworfen 
zum Zwecke der Anordnung der Sammlungen des germanischen Museums. Von Frh. 
H. v. u. zu Aufsess. Nürnberg 1853. — Das germanische National-Museum von Johannes 
Falke. Vom Museum. 

Wochenblatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. GratzNr. 7. Jahrg. 1858—1859. 

Von der Gesellschaft. 
Köngl. Svenska Fregatten Eugenia Resa omkring Jorden under befäl af C. a. Virgin. Aren 
1851 — 1853. Vetenskapiiga Jakttagelser Pa H. Maj. Tkonung Os car den Färstes 
befallining utgifna af k. Svenska vitenskabs Akademien. Heft 1 — 4. 

Von der k. A k. d. W i s s. S t o k h o 1 m. 
Reisen und Entdeckungen in Nord- und Central-Africa in den Jahren 1849 bis 1855 von 
Dr. Heinrich Barth. Tagebuch einer im Auftrag der britischen Regierung unternom- 
menen Reise. Gotha 1857 — 1858 3. Bde. Vom Verfasser. 

Versammlung am 15. Februar 1859. 
Der Herr Präsident, k. k. Sectionschef K. Freiherr von Czoernig, 
führte den Vorsitz. 

Den Statuten gemäss wurden zu ordentlichen Mitgliedern gewählt 
die Herren: Friedrich Miller, Ammanuensis der k. k. Universitäts- 
Bibliothek, Nikolaus Freiherr von Mustatza, Gutsbesitzer zu Toporoutz 
in der Bukowina, Edmund Reitlinger Philos. Doctor und Joseph Se.d- 
laczek, k. k. Bezirksvorsteher zu Szilagyi Cseh in Siebenbürgen. 

Herr k. k. Bergrath F. Foetterle setzte die in der letzten Ver- 
sammlung begonnene Mittheilung über seine im vorigen Jahre ausge- 
führte Reise nach Klein-Asien fort. 

Herr Dr. G. Stäche gab eine Darstellung der geologisch-geogra- 
phischen Beschaffenheit der Tschitscherei in Istrien. 

Er machte zunächst darauf aufmerksam, dass mit der geologischen 
Dreitheilung des Gebietes zwischen dem oberen Laufe der Save und dem 
adriatischen Meere, zugleich eine dreifache Verschiedenheit der geogra- 
phisch-physikalischen, des eultur- ökonomischen, wie zum Theil selbst der 
ethnographischen Verhältnisse gegeben sei. Von Nordost nach Südwest folgt 
in diesem Gebiete, wie geologisch: Kohlen, Trias Formation, Kreidegebirge 
und Tertiärland oder diesen entsprechend: Schiefergruppe, Kalkgruppe und 
Sandsteingruppe, so auch Ackerland, Waldland und Weinland aufeinander. 



48 Versammlung am 15. Februar 1859. 

Zwischen dem Ackerlande und Waldlande tritt eine mittlere Zone von Wie- 
senland, deren Untergrund aus dolomistischen Schichten theils der obe- 
ren Trias, theils der untern Kreide, besteht. Dieselbe liegt zu beiden 
Seiten und innerhalb der Gebirgsbruchlinie, welche durch das Planiner-, Zirk- 
nitzer- und Laaser-Thal gegeben ist. Wie diese Zwischenzone in den ma- 
nigfachsten Beziehungen den Uebergang von dem Hauptverbreitungsbezirk des 
Ackerbaues zu dem der Waldcultur bildet, so gibt es auch eine Zone, welche 
einerseits die Grenze bildet und andererseits den Uebergang vermittelt zwischen 
dem Waldlande mit Kalkboden der Kreidezeit und zwischen dem Weinlande 
mit Sandstein und Mergelboden der Tertiärzeit. Dieses Mittelglied zwischen 
dem W'aldlande, welches vorzugsweise durch das Schneeberger Waldgebirge 
und seine Fortsetzungen repräsentirt wird und dem Weinlande der istrischen 
Küste, ist der abgesonderte zwischen dem Monte Maggiore, dem Lissatz- 
berg bei Vlana, dem Verzellberg bei Cosina und der Kirche St. Servolo 
ober Dollina bei Triest gelegene Gebirgskörper, dessen grösster Theil die 
slovenokroatischen Tschitscher bewohnen. Der Vortragende ging nun näher 
auf die geographische und cultur-ökonomische Darstellung dieses Landstriches 
ein und wies, von der geologischen Basis ausgehend für die verschie- 
densten Verhältnisse die vermittelnde Doppelstellung dieses eigenthümlichen 
Gebirgslandes nach , welches wenigstens der ganzen Naturanlage nach zur 
Hälfte Waldland, zur Hälfte Obst- und Weinland ist. 

Eingegangene Druckschriften. 

Zeitschrift des Vereins zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Alterthümer in 
Mainz. I. Mainz 1845 — 1851. Abbildungen von Mainzer Alterthümern mit Erklä- 
rungen, herausgegeben von dem Vereine zur Erforschung u. s. w. II 1850 IV. 
VI. 1852 — 1855. — Conrad Hen I i f oder He nek i s, Buchdrucker und Buchhändler 
zu Mainz, der Geschäftsgenosse Feter Schöffcr's. Von Johann Wetter. Mainz ]85l. 

Vom Vereine. 

Les voyages de Arneric Vespuce au Compte de l'Espagne et les mesures itiniraires em- 
ployees par les marins espagnols et portugais des XV e et XVI e siecles. etc. Par. M. 
d'Avezac. Paris 1858. Vom Verfasser. 

Journal of the Franklin Institute of the State of Pensylvania a for the promotion of tbe 
mechanic arts. Vol. 36. Nr. 1 —3 In Philadelphia 1858. Vom Franklin Institute. 

Bulletino dell' Istmo di Suez. Torino 1859 IV. Nr. 12. VonderBedaction. 

Pester Lloyd 1859 Nr. 25—34. V on der Bedacti on. 

Landwirthschaftliche Zeitschrift von und für Oberösterreich, Linz 1859 Nr. 3. 

Von derk. k. Landw. Gesellschaft. 

Gospodarski List. Zagrebu. 1859 Nr. 5 — 6. Von derk. k. Acker b. Gesellschaf t. 

Atti dell' Accadeniia fisio medico-statistica di Milano. Vol. III Anno XIII disp. 4. 1858. 

Von der Akademie. 

Nouvelles annales des voyages de la geographie. de l'histoire et de l'archeologie. VI. ser. V. 
an. 1859 Janvier. VonderBedaction. 

VII. Jahresbericht des Marien-Vereines zur Beförderung der kathol. Mission inCentral-Africa. 
1857/58. Wien 1858. 

Entstehung und Bedeutung der normanischen Seefahrten im Mittelalter. Von Ed. Scholz. 
(Im Programme des k. k. kathol. Gymnasiums in Hermannstadt 1858.) 

Von derk. kgeolog. Beichs-Anstalt. 

Centralblatt der gesammten Landescultur. Prag 1859 Nr. 5 — 6. 

Von der k. k. p. oek. Ge sei Ischaft. 

Austria. Wochenschrift für Volkswirtschaft und Statistik. Wien 1859. XI. Jahrg. Hft. V— VI. 

Von der Bedaction. 

Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen. Jahrg. 1850 — 1850. Hannover 1854 — 
1858. 11 Bde. Vom Vereine. 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. Organ des germanischen Museums. Nürnberg. 
1859 VI. Nr. 1. Vom ger man. Museum. 

Statistischer Bericht der Handels- und Gewerbekammer in Prag an das hohe k. k. Ministerium 
für Handel etc. II. Prag 1859. Von der Handelskammer. 



V. Streffleur. 49 

Mittheilungen aus J. Perthe s geographischen Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf 
dem Gesainnitgebiete der Geographie von Dr. A. Peter mann. Gotha 1859 Nr. 1 — 2. 

Von J. Perthes geogr. Anstalt. 

Beitrüge zur vaterländischen Geschichte. Herausgegeben von der historischen Gesellschaft 

zu Basel. II. — VI. 1384/57. Von der Gesellschaft. 

Nieuwe Recks van Werken van deMaatschappij der nederl. Letterkunde te Leiden. IX. X. Deel. 

Leiden 1857. — Handelengen der aarlijksche allgemeene Vergadering van de Maat- 

schappij der nederl. Letterkunde te Leiden gehonden den 17. Mai 1858. 

Von der niederl. Gesellschaft. 
Mittheilungen über Gegenstände der Landwirthschaft und Industrie Kärnthens. Klagenfurt 1859. 

Von d e r k. k. La n d w. Gesellschaft. 
Allgemeine Land- und forstwissenschaftliche Zeitung. Wien 1859 IX. Jahrg. Nr. 6. 

Von der k. k. Landw. Gesellschaft. 
Wochenblatt der k.k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. Graz. VIII. Jahrg. 1858 59Nr. 8. 

Von der k. k. Landw. Gesellschaft. 

Militär-Zeitung Wien 1859 Nr. 11 — 12. Von der Reda ction. 

18. Bericht über das Museum Francisco Carolinum nebst der XIII. Lief, der Beiträge zur 

Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. Linz 1858. Vom Museum. 

Versammlung am 1. März 1859. 

Der Herr Präsident, k. k. Sectionschef K. Freiherr von Czoer- 
nig, führte den Vorsitz. 

Den Statuten gemäss wurde als ordentliches Mitglied gewählt : Herr 
Alois Rosmanit, k. k. Statthaltern Präsidial-Secretär. 

Herr k.k. Sectionsrath V. Streffleur hielt einen Vortrag über 
die Configuration des Terrains innerhalb des Weichbildes von Wien mit 
Vorzeigung eines Niveauplaues und eines Uebersichtsreliefs. Bei allen 
Städten ist der Anwachs stückweise erfolgt. Nicht allgemeine Pläne mit 
der Voraussicht in die Zukunft, sondern nur die Bedürfnisse des Augen- 
bliks waren dabei massgebend. Bei Wien ist aber gegenwärtig ein anderes 
Verhältuiss eingetreten. Die von Sr. k.k. Apostolischen Majestät in Aussicht 
gestellte Stadterweiterung hat die Anregung zu mehrseitigen gründlichen 
Studien über das Gebiet von Wien gegeben. Der k. k. Kataster begann 
eine neue Horizontal-Aufnahme und führte auch das Nivellement vollständig 
durch. Eine eigene Commissiou macht ausführliche Erhebungen über das 
bis jetzt im Gebrauche stehende Trinkwasser und über die Beschaffen- 
heit der Unrathskanäle. Aerzte beschäftigen sich mit der Untersuchung 
der Sanitätsverhältnisse. Geologen erforschen die geognostischen Verhält- 
nisse. Die Handelskammer arbeitet an einen Bericht über den gegenwär- 
tigen Bestand und die mögliche Entwicklung des Handels und der Industrie. 
Die Wasserbau-Direction untersucht die Stromverhältnisse der Donau, um 
darnach Entwürfe für Hafenbauten etc. auszuarbeiten. Ueber die Anlage eines 
Central Eisenbahnnetzes werden umfassende Studien gemacht. Der Magistrat 
lässt an einer Statistik Wiens arbeiten. Historiker sammeln Materialien, 
geschichtlich-topographischer Natur, um den bisherigen Anwachs der Stadt 
nachzuweisen. Architekten und andere Fachmänner arbeiten an dem Zukunfts- 
plane u. s. w. Da nun das Weichbild von Wien auch ein Stück der Mutter Erde 
bildet, für welche sich die k. k. geographische Gesellschaft interessirt, 
machte Herr Sectionsrath Streffleur den Vorschlag, die Resultate aller 
oben angedeuteten Bestrebungen nach und nach auch im Schoosse der 
geographischen Gesellschaft zur Sprache zu bringen. 

Von allen dem ist das Nivellement des Terrains von Wien am 
ersten zum Abschlüsse gelangt. Bei demselben waren die ausgezeich- 
neten Arbeitskräfte des k. k. Katasters in Thätigkeit. Eine neue trigo- 

Mitthcilungen der k. k. geogr Gesellschaft. III. Bd. 2. Heft. 4 



50 Versammlung am I. März 1859. 

nometrische Vermessung mit der Höhenbestimmung der wichtigsten Puncte 
bildete die Grundlage. Darauf folgte das Nivellement der Hauptlinien 
radienförmig vom Stephansthurme aus, und ringförmig um die innere 
Stadt, den Vorstadtrand am Linienwalle und mitten durch die Vorstädte. 
Erst nach der Prüfung und Richtigstellung des Hauptnetzes wurden die 
Detail-Nivellements in den einzelnen Abschnitten vorgenommen. So sind 
nun mehr als 10,000 Höhepuncte innerhalb der Linienwälle Wiens mit 
der grössten Schärfe gemessen. Ein Schichtenplan und ein Uebersichts- 
Relief sind bereits fertig. Ein Detail-Relief ist in Arbeit. 

Herr Sectionsrath Streffleur gab, nach Vorzeigung dieser Arbeiten, 
eine Characteristik des Terrains von Wien, welche von selbst auf die Art 
der allinäligen Entwicklung Wiens hindeutet, und machte ferner auf einige 
Eigenthümlichkeiten der Stadt aufmerksam, namentlich in Bezug des Auf- 
tretens von Epidemien, welche im Widerspruche mit dem Vorkommen in 
andern Städten stehen; in Wien aber einen eigenthümlichen Zusammenhang 
mit der Natur des Terrains zeigen. 

Endlich berührte Hr. Streffl eur die Bevölkerungsverhältnisse Wiens und 
verglich selbe mit jenen des Gesammtstaates. Wien hat nur i / 3 Ein- 
heimische, 2 / 3 Fremde, welche, wie im Staate, den verschiedenen Natio- 
nalitäten angehören. Eben so wenig als sich innerhalb der ewigen 
Naturgrenzen Böhmens politische Grenzen zwischen den Deutschen und 
Czechen, oder in den Ebenen Ungarns zwischen den Magyaren und 
Deutschen, Ruthenen, Rumänen oder Slaven ziehen lassen, eben so wenig 
gibt es in Wien Nationalitäts-Sonderungen. Wir finden da deutsche, 
italienische, czechische, magyarische Comödien, Slavenbälle u. s. w. ohne 
irgend eine Störung im Zusammenleben. Wien gibt also bei seinem 
Emporblühen den Beweis, dass auch das brüderliche Zusammenwirken 
verschiedener Nationalitäten seinen Segen bringt. «Jedenfalls wird dadurch 
den Forderungen der Humanität mehr als durch Trennungen entsprochen. 

Herr Dr. Jos. Z h i s h m a n besprach jene geographischen Puncte, 
welche sich hinsichtlich des Zuges A 1 a r i c h s nach Griechenland, in den 
Peloponnes und den Epirus ermitteln lassen. Da hierbei die historische 
Entwicklung dieser Züge berücksichtigt werden musste, so setzte eine 
solche zunächst die Kritik der darüber vorhandenen Quellen und wissen- 
schaftlicher Arbeiten voraus. Es zeigte sich rücksichtlich der ersteren 
dass sie sich durch mehrere bisher unbeachtete Angaben der bizantini- 
schen Kirchenhistoriker ergänzen lassen, während die in den letzteren, 
benützten Quellenangaben öfters zu einer anderen Interpretation führen. 
Darauf folgte eine Schilderung der geographischen und politischen Ver- 
hältnisse jener Gegenden, welche A 1 a r i c h schon im J. 394 durchzogen 
hatte, als er mit einer Abtheilung römischer Truppen dem Kaiser Theo- 
d o s i u s bis Aquileja, wo die Schlacht mit E u g e n i u s vorfiel, zur Hilfe ge- 
eilt war. Eigene Beobachtung und die Mittheilungen der allenthalben zer- 
streuten Gothen hatten ihm bei dieser Gelegenheit die genaueste Kunde 
der Strassen, Uebergänge an den julisch-karnischen Alpen und der übrigen 
örtlichen Verhältnisse jener Gebiete verschafft, die er später als Führer 
der Gothen durchziehen sollte. Nach der Schlacht bei Aquileja begab sich 
Alarich, wie sich aus den, freilich sparsamen, chronologischen Andeutungen er- 
gibt, unmittelbar vor Constantinopel, wo er sich schon zu Anfang des J. 395 be- 
fand. Seine allgemeine Erhebung zum Könige der Gothen, welche man 
in diese Zeit setzt, muss bezweifelt werden. Die Erzählung über die 



Dr. Joseph Zhishman. 5 1 

kurze Belagerung von Constantinopel, der Anlass zu derselben, das Ver- 
hältniss des Ministers Rufinus zu Stilichon, die Verhandlungen des 
Rufinus mit Alarich im gothischen Lager sowie die Vorbereitungen, welche 
man in Constantinopel traf, um Alarich den Weg nach Griechenland 
und in den Poloponnes zu öffnen, führten zu dem Schlüsse, dass Alarich, 
ohne je früher auf einen solchen Einfall gedacht zu haben, jetzt nur 
den lockenden Anträgen folgte, aber auch gleich Anfangs entschlossen 
war, die immerhin gefährliche Unternehmung in möglich kurzer Zeit zu beenden. 

Sein rascher Zug durch Griechenland in den Peloponnes, welchen Herr 
Dr. Zhishman zunächst auf die geographischen Bestimmungen und dann auch 
hinsichtlich der mitunter übertrieben geschilderten Verheerungen auf das 
richtige Mass zurückzuführen suchte, erlitt einen vorläufigen Stillstand 
durch die vielgenannte von Stilichon ausgeführte Einschliessung des go- 
thischen Heeres in dem waldigen Hochlande der Pholoe. Die guten 
geographischen Hilfsmittel, welche man gegenwärtig besitzt, lassen die 
Lage AI ari ch 's weit weniger bedenklich erscheinen als diess gewöhnlich 
angenommen wird. Diese wurde aber noch mehr erleichtert, weil, wie 
eine genaue Vergleichung der betreffenden Quellenschriftsteller zeigte, 
Stilichon selber sich zu einem Vergleiche mit Alarich anbot, welchen er 
für seine Pläne in Illyricum gewinnen wollte. Dass der Rückzug der 
Gothen durch den Isthmus erfolgt sei, ist gegenwärtig die herrschende 
Meinung. Hr. Dr. Zhi shman suchte dagegen die, übrigens schon von Gibbon 
angedeutete Ansicht bestimmter zu entwickeln, nach welcher sich die 
Gothen von Rhion aus über den korinthischen Meerbusen nach Ätolien und 
in den Epirus zurückgezogen hatten. 

Herr Dionys Stur las einen Nachtrag zu den Mittheilungen 
und Untersuchungen über das Erdbeben zu Sil lein am 15. 
Jänner 1858 von Herrn Joseph Kl e mens, technischen Lehrer an der k. k. 
Unterrealschule in Sil lein: 

Zu den vielen interessanten Mittheilungen über das Erdbeben von 
Silleiu, unter welchen jedenfalls die wichtigere von Herrn J. Schmidt 
in den Druckschriften der k. k. geographischen Gesellschaft enthalten 
ist, freue ich mich, einen nicht weniger wichtigen Nachtrag vorlegen 
zu können. Die Bemühungen, in der Umgebung des Centrums des Erdbebens, 
sichtbare Zeichen und Ueberreste der Erschütterungen auf der Erdober- 
fläche zu finden und nachzuweisen, sind, wenn man von den vielfachen 
Verwüstungen an den Mauern der Gebäude der ganzen Umgebung ab- 
sieht, soweit die Mittheilungen vorliegen, fruchtlos gewesen. 

Die Erdoberfläche stellt auch in der That in dieser Beziehung ein 
zu grobes Mittel dar, welches nur in sehr geringem Grade fähig ist, 
die etwa empfangenen Eindrücke: Risse, Spalten, geringere Hebungen 
oder Senkungen, zu erhalten in einer Weise, die leicht der Beobachtung 
auffällt. Ob eine Felsenspalte im Gebirge um einige Linien oder Zolle 
breiter oder enger geworden, — ob an dem Felstrümmerhaufen am 
Fusse steiler Gebirge während dem Erdbeben einige Blöcke hinzuge- 
fallen sind oder nicht, lässt sich in den meisten Fällen nur mit Un- 
sicherheit nachweisen. 

Unstreitig ist, unter günstigen Umständen die, alle Terrainsformen 
umhüllende, an der Oberfläche hart gefrorne Schneedecke, geeigneter 
nicht nur Eindrücke, die ein Erdbeben verursachen kann, abzuprägen, son- 
dern auch sichtbar zu erhalten, indem die etwa entstandenen Risse. 



52 Versammlung am 1. März 1859. 

Spalten, der älteren gewöhnlich schmutzigeren Schneedecke, frischer 
weisser Schnee ausfüllen, und durch die verschiedene Fiirhung, auflallend ma- 
chen kann. — Diess ist in der That auch bei Sillein geschehen. Die in der 
Schneedecke entstandenen Risse und Spalten wurden noch bis Mitte 
März erhalten, wo sie Herr Klemens beobachtete, und dessen Güte ich 
folgende Mittheilung hierüber verdanke. 

„Den 24. März 1858 ging ich mit meiner Gemahlin an das, Bu- 
datin gegenüber sich ausbreitende, eine Ebene darstellende Waag-Ufer. 
Der schlechte an Nässe aufgeweichte Weg nöthigte uns über den har- 
ten Schnee der Felder auszuhöhlen und ein bequemes Fortkommen zu 
suchen. Doch kaum hatten wir das Schneefeld betreten, so bemerkte 
ich auch schon in der eisigen Decke eine lange furtlaufende Spalte, 
nach einigen Schritten abermals eine zweite mit der früheren parallelle, 
und diess noch eine lange Strecke fort. Diese Spalten konnten nicht 
zufällig sein, auch nicht etwa durch ein ungleiches Abschmelzen und 
Einsinken der Schneedecke entstanden sein, den sie hatten eine unab- 
änderliche Richtung, wichen örtlichen Hindernissen nicht aus, setzten 
quer über Gräben und Einsenkungen und schnitten die Ackerränder ohne 
auch im geringsten von ihrer Regelmässigkeit abzuweichen, lieber das 
ganze an diesem Tage begangene Terrain waren die Spalten und Risse 
allgemein verbreitet, nur an steileren Abhängen wurden sie nicht 
beobachtet." 

Am nächsten Tage besuchte ich die Gegend von Zävodja im Süden 
von Sillein. Am Wege staunte ich nicht wenig auf der Schneedecke 
dieselben Spalten, wie im Norden von Sillein, gefunden zu haben. 
Ueberdiess zeigt sich hier deutlich, dass die vielen parallel! fortlaufenden 
Spalten durch geringere und viel kürzere ebenfalls parallele Risse, unter- 
einander verbunden sind und diese letzteren senkrecht auf die Richtung 
der Spalten stehen. Von Zävodja schlug ich die Richtung gegen Nord- 
west nach Sträzow ein, und nachdem ich dessen Umgebung begangen 
hatte, ging ich eines andern Weges nach Hause und überall begleitete 
mich dieselbe Erscheinung unaufhörlich. Diese meine Beobachtungen 
theilte ich Herrn Director B e n e s und meinem Collegen Herrn Schütz 
mit. Von mir angeführt überzeugten sie sich im Felde draussen, von der 
Richtigkeit der interessanten Erscheinung." 

„Alle die Spalten waren nun in der ältesten Schichte des 
Schnees am 18. und 19. Jänner, in welchen Tagen noch bedeutende 
Erschütterungen, dem Haupterdbeben am 15. Jänner folgten, enthalten. In 
dem später gefallenen Schnee wurde keine Spur davon entdeckt." 

„Die Spalten hatten eine verschiedene R reite, von einigen 
Linien bis zu einigen Zollen. Ihre Tiefe konnte an manchen Stellen bis 
8 Zoll verfolgt werden, je nach der Mächtigkeit des vom Thauwetter 
übrig gebliebenen Schnees." 

„Die Länge der weit fortlaufenden Längsspalten mass 15 — 130 Klaf- 
ter; die Entfernung einer Längsspalte von der nächst folgenden, 
somit die Länge der kürzeren Querrisse, betrug 14 — 60 Klafter." 

„Die Richtung der weit fortlaufenden Längsspalten, die als Haupt- 
spalten bezeichnet werden müssen, ist beinahe von NO. gegen SW., die der Quer- 
spalten, die sich von den Längsspalten gewissermassen abhängig zeigten, verquert 
unter rechtem Winkel die erstere Richtung und läuft von Nordwest nach Südost." 

..Die Querrisse zeigten mehr einen gradlinigen Fortlauf, die Längs- 



Dionys Stur. 



53 



spalten wichen öfters von geraden Linien ab, aber trotzdem, dass sogar 
manche derselben convergirend zusammenstossen, war ihre nordost-süd- 
westliche Richtung dennoch deutlich ausgesprochen.* 

„Herrn Director ßenes gelanges zu bestimmen, dass die Schnee- 
spalten oben gegen Süd und unten gegen Nord unter 28° geneigt seien." 

„Die Fortsetzung der Spalten aus der Schneedecke in das darunter 
liegende Erdreich Hess sich nirgends mit Sicherheit verfolgen, indem 
durch das Aufthauen des Schnees der Boden ganz aufgeweicht und an- 
geschwollen war, und auf diese Weise die ohnehin kaum einige Linien 
breiten Spalten in der Erde ganz verwischt und verschwunden waren." 

„Das am 26. und 27. März eingetretene Thauwetter machte durch 
das Verschwinden des Schnees ein Ende diesen Untersuchungen." 

„Nach dem Erdbeben vom 15. Jänner waren innerhalb der Stadt 
Sillein, unter den Lauben im Waisenhause, in dem harten Trottoir bedeu- 
tende Risse entstanden. Anfangs dachte man, dass diese Risse der Berstung und 
Abstossung der unterirdischen Mauern desselben Hauses zuzuschreiben wären." 

„Nach der Entdeckung der Spalten in der Schneedecke der Umge- 
bung von Sillein trieb es mich unter die Lauben zu untersuchen und zu 
vergleichen. In der That haben sich die Richtungen der Spalten im 
Trottoir und jene der Längsspalten in der Schneedecke als identisch 
erwiesen, indem jene ebenso wie diese von Nordosten nach Südwesten 
gerichtet waren. Fernere Vergleichungen und Nachforschungen haben 
gezeigt, dass selbst die Mauerrisse der Gebäude der ganzen Stadt die- 
selbe Richtung zeigen, wie diess im untenstehenden Plane durch dickere 
Striche ersichtlich gemacht ist." 




i. Franciskaner Kloster. 2. Realschule. 3. Pauluskirche. 4. Waisen Haus. S.Quellen. — Die 
dicken Linien Heuten dieRiehtungen derLä'ngsspalfpn im Gemiiiierder beschädigten Gebäude an. 



J>4 Versammlung am 1. März 1859. 

„Somit stellt sich heraus: dass ebenso wie die Schneedecke nur in 
den Spalten- oder Erschütterungslinien in ihrem Zusammenhange gestört 
ist, auch die Gebäude nur in diesen Linien einer grösseren Zerstörung 
preisgegeben waren und dass die Mauerspalten nur als die Fortsetzung 
der Schneesplatten aufzufassen seien." 

Weitere Erklärung hierüber möge folgende von mir erlebte Bege- 
benheit ertheilen: 

Die Realschule (Siehe den Plan.) in Sillein ist ein langer von 
„West nach Ost gestrecktes Gebäude gegenüber dem Franciscaner-Kloster : 
Am 19. Jänner war ich im westlichen Theile des Gebäudes in einem 
Eckzimmer beschäftigt, den versammelten Schülern die Erscheinungen des 
Erdbebens zu erklären. Plötzlich kam, nach vorhergegangenem unterir- 
dischen Getöse ein Stoss von unten und der Hörsaal sammt uns allen 
schwankte einen Augenblick. Gleichzeitig arbeitete am östlichen Ende 
des Gebäudes Herr Director Benes im Zeichnensaale, wohin nebst den 
gegenwärtigen Schülern auch einige Damen geflüchtet waren, ohne dass 
irgend Jemand von den Anwesenden auch nur die geringste Erschütte- 
rung wahrgenommen hätte. In demselben Augenblicke wurden aber in 
der, 14 Klafter nordöstlich an der Realschule gelegenen Franciscaner- 
Kirehe, die beim Gottesdienst versammelten Andächtigen durch heftige 
Schwankungen des Bodens aufgeschreckt. Vom Altare stürzte eine Statue 
herab. Alles eilte erschrocken auf die Gasse." 

„Verbindet man jenes Eckzimmer der Realschule, wo ich die Schwan- 
kungen fühlte, mit derselben Stelle in der Franciscaner-Kirche durch eine 
Linie, so zeigt sich eben auch jene uordost-südwestliche Richtung der 
Schneespalteu und die Thatsache dass in dem kaum einige Klafter 

östlich von dieser Linie entfernten Zeichnensaale keine Spur dieser 
Erschütterung wahrgenommen wurde, spricht deutlich für die, in nordost- 
südwestlichen Erschütterungslinien dislocirten Kundgebungen des Erdbebens." 

„Der am 24. Jänner Nachmittags erfolgte heftige Stoss wurde in 
den meist beschädigten Gebäuden verspürt, in den angräuzenden und 
inzwischen befindlichen Gebäuden hat man hievon gar nichts wahrge- 
nommen. Di e Ers chütterungslini en scheinen somit stabil zu sein." 

„Dieses letztere wird ferner noch dadurch in erhöhtem Grade 
bestättigt, dass die meisten der am 15. Jänner 1858 beschädigten Ge- 
bäude, ältere von früheren Erdbeben sich datirende Schäden zeigen, die 
mit Holz, Ziegeln und Mörtel ausgefüllt sind. Im Waisenhause hatte 
ich vielfache Gelegenheit, diese Beobachtungen anzustellen, da unter meiner 
Leitung dieses sehr beschädigte Gebäude mit Ankern gebunden wurde." 

„Die Erschütterungslinien und Richtungen der Schnee- und Mauer- 
Spalten sind aber manchen geologischen Linien, die im Gebiete von 
Sillein wahrzunehmen sind, parallell. So namentlich kreuzen sich im 
Kessel von Sillein: Das Waagthal, das Varin- und Rajec-Thal beinahe 
in denselben Richtungen, welche man an den Schnee- und Mauer-Spalten 
beobachtet hat. Ebenso scheint die Grenze zwischen den eocenen und 
Kreide-Karpathensandsteinen und den älteren Gebilden der Thuroczer-Al- 
pen, derselben nordost-südwestlichen Linie zu folgen. Somit sind die 
Erschütterungslinien des neuen Erdbebens in Sillein nichts als Wieder- 
hohlungen älterer Erdbeben und früherer geologischer Revolutionen zu 
betrachten und sind somit von höchster Wichtigkeit." 

„Mögen jene, die Gelegenheit linden werden, von Erdbeben heim- 



Dionys Stur. Dr. J. Lorenz. 55 

gesuchte Gegenden zu begehen und zu untersuchen, nicht versäumen die 
Schneedecke, wenn eine solche Zeuge des Erdbebens war, sorgfältiger Beach- 
tung zu würdigen und den hier angedeuteten Weg weiter zu verfolgen. " 

Ueber die Art und Dauer der Erderschütterungen nebst einigen 
andern Notizen über ältere Erdbeben schreibt Herr Klemens noch folgendes: 

„Das Beben der Erde war schaukelnd, wobei die eine Ecke des 
Zimmers in die Höhe stieg, die zweite sich senkte, mit der Schnellig- 
keit von s / 4 Secunden. Nach unterirdischem Rollen, welches immer voranging 
folgte gewöhnlich ein horizontales von Norden gegen Süden Hin und Her- 
rütteln , das sich 1,2 — mehrmals wiederholte. Oefters bemerkte 
man schwache Vibrationen der Erde. Die Dauer der Erschütterungen 
kann man auf % / 2 — 10 Secunden angeben." 

„Die Wiederholungen des Erdbebens dauerten bis Ende Februars. 
Im Verlaufe des ganzen verflossenen Jänners 1858 war keine Spur von 
Erderschütterungen wahrgenommen worden. Im Herbste am 13. und 
24. October, dann am 16. November, ferner auch noch am 3. und 
10. December wurde abermals ein schwaches Erdbeben wahrnehmbar. 
Im Ganzen erfolgten mehr Erschütterungen bei Nacht." 

„Im Jahre 1813 zur Zeit der grossen Ueberschwemmung wurde im 
Budatiner Schloss, Puchov und bis nach Trentschin herab ein Erdbeben 
bemerkt. Gleichzeitig mit dem Erdbeben in Komorn 1783 war auch in 
Sillein ein leichter Stoss verspürt. — Secretär des Palatinus Georg 
Grafen v. Thurzo, Zävodsky, bemerkt in seinem Tagebuche:" Im Jahre 
1600 den 21. September 8 Uhr Abends, und am 22. um 12 Uhr bei 
Tag war ein heftiges Erdbeben im Rujecer-Thale bis Sillein. Ferner im 
Jahre 1613 den 16. November hat ein nicht heftiges Erdbeben in 
Sillein stattgefunden." 

„Nach dein Chronisten Sigler und „Scriptores rerum Boh. Tom. 111." 
wurden im Jahre 1443 den 5. Juni feste auf Felsen gebaute Schlösser 
Bajmoez und Lipce, wie auch die Privitzer Kirche im angränzenden Neu- 
traer Comitate durch ein Erdbeben zum Schutthaufen verwandelt. Diese 
historischen Daten sind mir durch die Güte des Herrn Director des hie- 
sigen Waisenhauses, Hochw. Herrn Dra ho tusky zugekommen. Sillein den 
17. Jänner 1859." 

Herr Professor Dr. J. Lorenz in Fiume sandte folgende Mittheilung: 
„Herr k. k. Sectionsrath V. Streffleur hatte die Güte, meine 
in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 
(Bd. XXVI. Seite 91 u. s. w.) erschienene Abhandlung „über die Ver- 
sumpfungen in den oberen Flussthälern der Salzach, Enns und Mur," 
einer Besprechung in der Versammlung der k. k. geographischen Gesell- 
schaft am 6. April 1858 (vergl. Mittheilungen der k. k. geographischen 
Gesellschaft II. Jahrgang, Heft 2, Seite 94) zu würdigen. Die Puncte 
dieser Beurtheilung, welche von meiner Auffassung abweichen, sind: 
a) dass ich meinte, zur Entsumpfung des Hauptthaies in Pinzgau wären 
meilenweite Austiefungen in hartem Gesteine des Thalbodens nöthig, wäh- 
rend doch der Thalboden aus Alluvionen bestehe und eine Durchschnei- 
dung der Steinbarre bei Brück genüge, um die erforderliche Abflussge- 
schwindigkeit herzustellen; b) dass die Entsumpfung des Oberpinzgau's 
nicht mehr in Frage stehe, indem ja bereits die sprechendsten Erfolge, 
ziffermässig nachweisbar, vorliegen." — 



56 Versammlung am 1. März 1859. 

„Hingegen habe ich, — natürlich nicht aus Rechthaberei, sundern der 
nicht unwichtigen Sache wegen, und weil ich es dem sich dafür in- 
teressirenden Publicum schuldig zu sein glaube, folgendes zu bemerken: 
Die unter b erwähnten Entsumpfungs-Arbeiten sammt ihren Erfolgen 
waren mir zur Zeit der Verfassung jener meiner Abhandlung im vollen 
Umfange bekannt; und ich hätte es nicht gewagt, eine Arbeit über diesen 
Gegenstand der kaiserlichen Academie vorzulegen, wenn ich mich nicht 
durch wiederholten Augenschein und Verkehr mit ortskundigen Sachver- 
ständigen vom Sachverhalte überzeugt gehabt hätte. Ich erwähnte auch 
Seite 126 (38 des Separat-Abdruckes) jener Regulirungs-Arbeiten mit 
Inbegriff der Sprengungen und Austiefungen bei Brück (Gries) und ihrer 
bisherigen Erfolge, die ich dort nicht näher ausführte, weil ich mich kurz 
auf den im Jahre vorher (1855) erschienenen Bericht der Salzburger 
Handelskammer berufen konnte, worin einer der dabei betheiligten 
Herren Ingenieure denselben Gegenstand besprochen hatte. Ich erwähnte 
überdiess Seite 128 (40) der in früheren Jahrhunderten schon erziel- 
ten Entsumpfungs-Erfolge, und namentlich dessen, dass nach Beendigung 
der 1574 begonnenen Regulirungs-Arbeiten die Salzach mehrere Meilen 
ober- und und unterhalb Mittersill zwischen schön bebauten Gründen 
dahinfloss, — was man gegenwärtig noch lange nicht sagen kann. Allein 
alle diese mir bekannten Erfolge konnten mir nicht als Gründe für die 
Sicherheit der Entsumpfung gelten, nicht nur desshalb weil sie schon 
öfter dagewesen sind und immer wieder vernichtet wurden, sondern 
hauptsächlich darum, weil alle diese Bauten nur den chronischen 
Versumpfungen, nicht aber den vehementen Verschattungen vor- 
beugen können, denen das Pinzgauer-Hauptthal im allergrössten Maasse 
ausgesetzt ist. Es handelt sich hier nicht um Zufälle, welche zu den 
ganz entfernten Möglichkeiten gehören und die am Ende jedes mensch- 
liche Werk gefährden, wenn unberechenbare Naturereignisse den Gang 
der Dinge plötzlich umzukehren scheinen; sondern es handelt sich hier 
um eine unverrückbar feststehende Naturanlage des ganzen Thalsistems, 
aus welcher die Unvermeidlichkeit gewaltiger Katastrophen — wenngleich 
in längeren Zwischenräumen, die sich leider mit der Zeit verkürzen dürf- 
ten — mit Notwendigkeit folgt. Diess habe ich in der in Rede stehen- 
den Abhandlung, und zwar in dem beschreibenden Theile derselben, mit 
welchem sich Herr Ministerialrath Streffleur völlig einverstanden erklärt, 
auseinandergesetzt, wesssalb ich hier nicht nöthig habe, ausführlicher 
darauf zurückzukommen. Unterscheidet sich nun das Pinzgauer-Haupt- 
thal vorzüglich durch die stete Gefahr vehementer Verschuttungen, 
welche nebst den ohnediess immer fortwährenden chronischen Ver- 
sumpfungen drohen (diese Unterscheidung ist schon auf der ersten 
Seite der Abhandlung, dann später Seite 127 (39) und 141 (53) fest- 
gehalten), so können auch die nur auf chronische Versumpfungen be- 
rechneten Regulirungs-Arbeiten nicht, wie anderwärts genügen. Auch 
hierüber brauche ich bloss auf pag. 127 (39) und folgende meiner 
Abhandlung zu verweisen. u 

„Um nun die Schuttmassen bei solchen habituellen Pinzgauer Kata- 
strophen, deren letzte grosse 1798 (vergl. pag. 117 (29) sich ereignete, 
durch das Hauptthal anstandslos zu führen, müsste dieses selbst annä- 
hernd die Gestalt jener Nebenthäler haben, durch welche eben solche 
Schuttmengen unaufgehalten ins Hauptthal herausstürzen; nämlich die Ge- 



Dr. J. Lorenz. 57 

stalt einer steilen geraden engen Rinne mit festen, vom Wasser unan- 
greifbaren Wänden. Nur dann müsste mit Naturnothwendigkeit — wenngleich 
unter riesigen Kämpfen des Wassers mit dem Schutte — die Masse 
des letzteren hindurchgerissen werden. Und desshalb sagte ich, Seite 
128 (40), dass, theoretisch aufgefasst, im Hauptthale durch das volubile 
Ausfüllungs-Materiale hinab, im festen Grundgesteine ein stark geneigtes 
Bett ausgetieft werden müsste, dass aber dieses practisch unausführbar 
wäre, ebenso wie die Anlegung von Auffange-Becken vor den Mündun- 
gen der Nebenthäler; dass daher die Sicherung des Thaies gegen die 
Riesengewalten der vehementen Verschuttungen und Ueberwässerungen 
nicht ausführbar sei, wie günstig auch die Entsumpfungs-Arbeiten gegen 
die chronischen Versumpfungen wirken mögen. Es wäre nur noch 
hinzuzufügen, dass das Guggenber ger 'sehe Regulirungs-System, welches 
theilweise den Mangel fester Ufer durch den Detritus des Flusses selbst 
zu ersetzen im Stande ist, hier in dieser Beziehung nicht anwendbar 
wäre, weil der hier zu Gebothe stehende Detritus fasst ausschliessend 
Lettenschutt ist. Dieser bildet aber, wenn er in grossen Wasser 
ankommt, unbewegliche, dum Wasser unangreifbare Haufen; in kleineren 
Mengen hingegen bleibt er zu leicht suspendirt und fällt nicht, wie 
Gerolle und Trümmerschutt, bei Geschwindigkeitsverminderung des Wassers 
schnell in Massen nieder, worauf es eben bei Regulirung der Ufer 
durch den Fluss selbst, hauptsächlich ankommt; und überhaupt könnten 
Ufer von volubilem Materiale gegen die Gewalten, welche hier bei vehe- 
menten Ueberschwemmungen auftreten, nicht genügen. 

„Möge der thatsächliche Beweis für die Richtigkeit des Gesagten 
noch recht lange ausbleiben!" 

Eingegangene Druckschriften* 
Pester Lloyd. 1859 Nr. 35 — 47 — 60. Von der Redaction. 

Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins für Geschichte und Alterthuinskunde in Frank- 
furt a. M. 1858. — Neujahrsblatt, dargebracht am 1. Jänner 1859 (Dorf und 
Schloss Rödelheim. Beiträge zu der Geschichte desselben von Dr. jur. L. H. Eul er.) 

Vom Vereine. 
Verhandlungen und Mittheilungen des n. ö. Gewerbe-Vereines. Wien 1858. Hft. 12. 

V o in Vereine. 
Zeitschrift des Vereines für hessische Geschichte und Landeskunde Cassel I — VII 1835 — 1858. 
Uebersicht der bisher in Kurhessen beobachteten wildwachsenden und eingebürgerten 
Pflanzen. VonDr. L.Pfeiffer. Cassel 1844. — Beiträge zur Geschichte und Statistik des 
hessischen Schulwesens im 17. Jahrhundert. VonDr. H. Hep pe. Cassel 1850 (4. Supp.Hft. 
der Zeitschrift). — Periodische Blätter der Geschichts- und Alterthums-Vereine zu Cassel, 
Darmstadt, Frankfurt a. M., und Wiesbaden. Nr. 1—8 1857— 1859. — Historisch 
topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen und 
in der grossherz. hessischen Provinz Oberhessen. Von Dr.G. Landbau. Cassel 3 Hft. 
1848/51 dann 1858 (7. suppl. Hft. d. Zeitschr.). — Geschichte der Stadt Wolfhagen 
nach urkundlichen und gedruckten Quellen bearbeitet von Karl Lyn k er. Cassel 1855. 
(6 Suppl. Hft. d. Zeitschrift.) Vom Verein. 

Landwirtschaftliche Zeitung von und für Oberösterreich Linz. 1859. Nr. 4. 

Von der k. k. Landw. Gesellschaft 

Militär-Zeitung. Wien 1859. Nr. 13—14. Vonder Redaction. 

Gospodarski List. Zagrebu. 1859. Nr. 7—8. Vonder k. k. Acker b. Gesellschaf t. 

Atti di uffizio ed annunzi della Camera di Comercio e d'industria in Fiume. Protocollo dto. 

9. Febrajo 1859. Von der Handelskammer. 

Die Ereignisse in Ostasien und die Notwendigkeit deutscher Handelsverträge mit Siam, China 

und Japan. Eine Denkschrift von K. Fr. N eu m an n 1859. — Reisen des Johannes 

Schild berge r aus München in Europa Asien undAfrica von 1794 — 1427. Zum ersten 

Mal nach der gleichzeitigen Heidelberger Handschrift herausgegeben und erläutert von 

Karl Fr. Neumann. Mit Zusätzen von Fallmayer und Hammer-Purgstall. 

München 1859. Vom Verfasse r. 



58 

Geographische Untersuchungen in den mittleren Gouvernements Russlamls, zwischen der 
Düna und Wolga in den Jahren 1850 und 1853 ausgeführt von G. v. Helmers en und 
R. Pacht. Herausgesehen von G. v. He 1 mer se n. St. Petersburg 1858. (21. Band der 
Beitr. zur Kenntniss des russ. Reiches.) Vom Herausgeber. 

Wiener Eisenbahnzeitung. Führer für Reisende auf Eisenbahnen und Dampfschiffen in 
Oesterreich etc. von Leopold Kastner. Wien Jänner und Februar 1859. — Oester- 
reichischer Eisenbahn-Atlas. Herausgegeben von Leop. Kastner. Wien. 

Vom Herausgeber. 
Austria. Wochenschrift für Volksrrirthschaft und Statistik. Wien 1859. Nr. 7—8. 

Von der Redaction. 
Centralblatt der gesammten Landescultur. Prag 1859 Nr. 7. 

Von der k. k. p. oek. Gesellschaft. 
Zeitschrift für allgemeine Erdkunde. Berlin 1859 Bd. V. Hft. 5, 6. 

Von der Ges. f. Erdk. in Berlin. 
Relazione informativa sui progetti intesi a derivare dal fiume Ledra acque irrigue e potabili 
a beneficio d'un vasto territorio inacquoso nella provincia del Friuli, esposta dall* in- 
gegnere G. B u c c h i a. Udinc 1858. — Annuario delf Associazione agraria friulana. 
Anno I. II. Udine 1857, 1858. — Bulletino dell' Associazione agraria friulana. Udine 
1859Nr.l— 3. Von der Gesel lsch aft. 

Beitrüge zur Statistik der inneren Verwaltung des Grossherzogthums Baden. Herausgege- 
ben von dem Ministerium des Innern, Carlsruhe 1858. VII. Hft, (Geologische Beschrei- 
bung der Umgebungen von Badenweiler.). — IX. Hft. (Die Gemeinden des Grossherzog- 
thums Baden, deren Vereinigungsverhältnisse, Einnahmen und Ausgaben I. Seekreis 
und Ohcrrheinkreis.) Vom g r o ss herz ogl. Ministerium. 

A Magyar Termeszettudomanyi Tarsulat Evkönyvei Pesten 1841 — 1857. — Original-Abhand- 
lungen aus dem 3. Bande der Jahrbücher des ungar, naturwiss. Vereins zu Pest 
in deutscher Uebersetzung. Pest 1858. 

Von dem ung. na für wissen seh. Verein. 
Allgemeine Land- und forstwissensehaftliche Zeitung. Wien 1859 Nr. 7. 

Von der k. k. Landw. Gesellschaft. 
Wochenblatt der k. k. steierm. Landwirthschafls-Gesellschaft. Gratz 1859 Nr. 9. 

Von der Gesellschaft. 

Jahresbericht des historischen Vereins in Mittelfranken. 24. für 1855; 25. für 1857; 

26. für 1858. Vom histor. Verein. 



Versammlung am 22. März 1859. 

Der Herr Präsident, k. k. Sectionsrath K. Freiherr von Czoernig, 
führte den Vorsitz. 

Herr Secretär F. Foetterle zeigte den Verlust an, welchen die 
Gesellschaft durch den Tod ihres ausserordentlichen Mitgliedes , Sr. Exe. 
des k. k. Feldzeugmeisters, Vincenz Freiherrn von August in, und ihres 
ordentlichen Mitgliedes, des k. k. Majors im Ingenieur-Geographen-Corps, 
Mathias Seydl, erlitten hatte. Als einer der ältesten und kräftigsten För- 
derer der wissenschaftlichen Bestrebungen in naturwissenschaftlicher Rich- 
tung in Wien, hatte erster er unserer Gesellschaft gleich von dem 
ersten Beginne an die grösste Aufmerksamkeit und ein besonderes In- 
teresse geschenkt, während letzterer schon durch seine amtliche Stellung 
und Beschäftigimg den Interessen der Gesellschaft näher gerückt war. 

Den Statuten entsprechend, wurden Se. Durchlaucht Johann Adolf Fürst 
zu Schwarz enb er g, und Dr. Johann Caspar Ritter von Seil ler, Bür- 
germeister der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, zu ausserordentlichen, 
und die Herren: Dr. Angelo Messedaglia, o. ö. Professor der National- 
Oekonomie und Statistik in Padua, Se. Hochwürden Stephan Muzler, 
Director des k. k. Obergymnasiums in Warasdin, und Se. Hochwürden 
Kaspar Thurin, Professor am k. k. Obergymnasium in Warasdin, zu or- 
dentlichen Mitgliedern gewählt. 

Herr k. k. Schulrath, Dr. M. Becker, sprach über die topogra- 



Dr. M. Becker. Fr. Foetterle. 59 

phischen Verbältnisse im Umkreise des Oetscher, deren Darstellung der 
Gegenstand des unter der Presse befindlichen zweiten Bandes der bereits 
früher besprochenen Monographie bildet. Er zeigte durch einige Beispiele, 
wie zur Herstellung einer historischen Topographie, die von Alters her 
unverändert gebliebenen Flur- und Häusernamen wichtige und bisher noch 
zu wenig beachtete Fingerzeige geben, und schilderte zum Schlüsse die 
Ueberreste der Karthause zu Gaming in Niederösterreich, mit Andeutun- 
gen über deren Gründung, Schicksale und Aufhebung. 

Herr k. k. Bergrath, F. Foetterle, legte die sämmtlichen Ma- 
nuscripte, meist in englischer Sprache geschrieben, vor, welche die 
Gesellschaft der Güte ihres Ehrenmitgliedes, der Frau Gräfin Pauline von 
Nostitz, aus dem Nachlasse ihres früheren Gemahls, Dr. Johann Wil- 
helm Helfer, nebst der deutschen Uebersetzung derselben vor; letztere 
hatte Herr A. F. Graf von Marschall freundlichst besorgt. Ausser einer 
kurzen Skizze des bewegten Lebens Dr. Helfers und seiner zahlreichen 
Beisen in Hinter-Indien, theilte Herr Foetterle in der Kürze den In 
halt der verschiedenen Abhandlungen mit, von denen einige bereits in 
dem „Journal of the Asiat ic Society of Bengal" veröffentlicht, andere blos 
in Manuscript gedruckt, andere noch ungedruckt sind; sie gewähren nicht 
nur eine genaue Einsicht in die verschiedenen Beiserouten, sondern auch 
eine fast vollkommene Uebersicht der durch Dr. Helfer bei diesen Bei- 
sen erzielten ausgezeichneten Erfolge. (Siehe das nächste Heft dieses 
Jahrganges der Mittheilungen). 

Herr F. Foetterle legte den neuesten über das Mittelmeer und 
dessen Gestadeländer erschienenen Atlas vor. Die „Land- und Seekarte 
des Mittelländischen Meeres, nebst den angräuzenden Ländern, nach den 
neuesten Quellen bearbeitet und gezeichnet von Dr. Henry Lange." 
Das Bedürfniss einer guten übersichtlichen und doch hinreichend detail- 
lii-ten Seekarte, welche auch die Küstenländer in entsprechenden Detail 
darstellt, für die sich immer mehrenden Beisenden hatte die literarisch- 
artistische Abtheilung des österreichischen Lloyd in Triest veranlasst, für 
die Ausführung einer solchen Karte Sorge zu tragen. Hr. Dr. H. Lange 
hat sich dieser schwierigen Arbeit unterzogen , und dieselbe wahrhaft 
glänzend gelöst. Die vorgelegte Karte aus 9 Blättern bestehend, ist in 
dem Masstabe von 1 : 295,600 ausgeführt; alle bestehenden, sowohl See- 
wie Landkarten sind bei dieser Ausführung auf das zweckentsprechendste 
benützt. Das Blatt Nr. 9 enthält die See- und Landkarte des schwarzen, 
Azow'schen und Marmora Meeres, nebst den Plänen der Häfen von Algier 
und Tunis nach W. S. Smyth. Die Ausführung in der F. A. Brock- 
haus' sehen geographisch-artistischen Anstalt in Leipzig lässt nichts zu 
wünschen übrig. 

Bei dieser Gelegenheit lenkte Herr Foetterle die Aufmerksamkeit 
der Gesellschaft auf das nun vollendete Werk Dr. Böttger's: „das 
Mittelmeer," das in bisher vollendetster Weise uns das Mittelmeer in 
seiner geographischen, historischen, physikalischen, hydrographischen, me- 
teorologischen Beziehung vorführt. Es muss dieses Werk, was sowohl die 
Auffassung, wie die Durchführung betrifft, als das Gelungenste betrachtet 
werden, was wir über das Mittelmeer besitzen. 

Unter den eingesendeten Druckschriften, welche vorgelegt wurden, 
hob Herr Foetterle einige kleinere Brochüren hervor, welche Herr A. 
Senoner im Institute des Herrn Don Nicola Mazza in Verona für 



60 Versammlung am 22. März Ib59. 

die Gesellschaft erhielt. Es sind meist briefliche Mittheilungen der ehe- 
maligen Zöglinge des Institutes, welche sich gegenwärtig als Missionäre 
bei der katholischen Mission in Chartum befinden. Herr Dr. Don Nicola 
Mazza hatte vor etwa 35 Jahren dieses Institut, das anfangs blos der 
Erziehung von armen elternlosen Kindern gewidmet war, ins Leben ge- 
rufen, und erhält es seit jener Zeit mit bedeutender Ausdehnung der 
Zwecke fast ganz aus eigenen Mitteln. Sein ganzer Besitz von 4 bis 
'6 Häusern und der Ertrag von Grundstücken wird hiezu verwendet; erst 
neuerer Zeit fliessen ihm hin und wieder milde Beiträge und Legate zu. 
Eine der Hauptbestrebungen Don Mazza's war stets, afrikanische Sclaven- 
kinder auskaufen und heranbilden zu lassen. Unter den zahlreichen Zöglingen 
des Institutes finden sich stets talentvolle Jünglinge, welche dann mit 
Unterstützung Mazza's auf einer Universität ihre weitere Bildung er- 
halten, theils im Institute selbst zu Missionären für die Centralafrikanische 
Mission in Chartum herangebildet werden. Alle Kinder erhalten nicht 
blos den gewöhnlichen Schulunterricht, sondern werden auch zu verschie- 
denen Handarbeiten angehalten, namentlich werden die Mädchen in Sticke- 
reien und Bluinenanfertigen unterrichtet, und ihre Arbeiten werden stets 
sehr gesucht. Die Negerkinder werden in der italienischen Sprache un- 
terrichtet, sie lernen lesen, schreiben, rechnen und verschiedene Hand- 
werke, die Mädchen, 14 an der Zahl, müssen überdies alle Hausarbeiten 
verrichten, und einige lernen auch sticken. Von Negerknaben befinden 
sich gegenwärtig 9 in diesem ausgezeichneten Institute, dem nicht nur 
stets der beste Erfolg und eine bleibende Dauer, sondern auch eine 
grösere Theilnahme für die Erreichung seiner edlen Zwecke zu wün- 
schen ist. 

Schliesslich theilte Herr Foetterle mit, dass das hochverehrte Mit- 
glied, Herr Dr. Th. Kotschy, mit Unterstützung des k. k. Oberstkäm- 
mereramtes eine längere wissenschaftliche Beise in den südlichen Theil 
von Klein-Asien angetreten habe, von der er erst im Herbste zurück- 
kehren dürfte. Herr Dr. Kotschy gedenkt sich zuerst einige Zeit auf 
Cypern aufzuhalten, und dann von Tarsus aus in östlicher Bichtung viel- 
leicht bis an dem Wan-See vorzudringen, um hier seine früheren bo- 
tanischen Studien fortzusetzen, und dann über Erzerum und Trebisond 
den Bückweg einzuschlagen. 

Eingegangene Druckschriften : 

Uebersicht der Waaren-Ein- und Ausfuhr des allgemeinen österr. Zollverbandes im 
Verkehr mit dem Auslande etc. Im Sommer-Jahre 1858. Wien 1859. 

Von der Direction der administr. Statistik. 

Memoir to accompany the Map of the Holy Land construeted by C. W. M. Van de 
Velde. Gotha 1858. Sammt Atlas. Von J. Perthes geogr. Anstalt. 

Mittheilungen der Gesellschaft für vaterländische Alterthümer in Basel. I — III. 1843/45. 
VI. 1855. — Kurzer Bericht über die für das Museum in Basel erworbene Schmid'sche 
Sammlung von Alterthümern aus Äugst von Prof. Wilh. V i s e h e r. Basel 1858. 

Von der Gesellschaft. 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. Organ des germanischen Museums. II — IV. 
Nürnberg 1855/57. Vom german. Museum. 

Zeitschrift für populäre Mittheilungen aus dem Gebiete der Astronomie und verwand- 
ten Wissenschaften. Herausgegeben von Dr. C. A. F. Peters. Bd. I. Hft. I. 
Altona 1858. Von der Bedaetinn. 

Verhandlungen des historischen Vereines für Niederbayern. Landshut IV. V. 1855 58. 
— Statuten des historischen Vereines. Landshut 1858. Vom Vereine. 

Bulletin de la Societe de Geographie IV. Serie. T. XVI. Nr. 91 — 96. August bis 
December 1858. Von Sr. Hochw. Domherrn Salzbacher. 



61 

Atti dell' I. R. 'Istituto lonibardo di scienze, lettere ed arti. Vol. I. f. 12. Milano 
1859. — Memorie dell' I. R. Istituto etc. Vol. VII. f. 8. Milano 1859. 

Vom k. k. lomb. Inst, der Wissenschaften. 
Proceedings of the R. Geographica! Society of London. Vol. III. N. I. 1859. 

Von der k. Gesellschaft. 

Austria. Wochenblatt für Volkswirthschaft und Statistik. Wien 1859. N. 19—21. 

Von der Redaction. 
Bullettino della Associazione agraria friulana. Udine. 1859. N. 4. 

Von der landwirtschaftlichen Gesellschaft. 
Allgemeine Erdkunde, oder neuestes Handbuch zur Beförderung und Belebung des 
geographischen Sinnes und Wissens für Schule und Haus. Von Dr. Fr. Locher. 
Regensburg 1859. Vom Verfasser. 

Atti dell' I. R. Istituto veneto di scienze, lettere ed arti. T. IV. S. III. Disp. 1. 2. 3. 
1858—1859. — Memorie dell' I. R. Istituto veneto. Vol. VII. P. II. Venezia 
1858. Vom k. k. Inst. d. Wissensch. Venedig. 

Nouvelles Annales des Voyages de Ia Geographie etc. Fevrier 1859. Von der Redaction. 
Abhandlungen der mathem. physical. Classe der k. bayer. Akademie der Wissenschaften. 
VIII. 2. München 1858. — Ueber Johannes Müller und sein Verhaltniss zum 
jetzigen Standpunct der Physiologie. Festrede von Dr. Th. L. W. Bischoff. 
München 1858. Von der k. Akademie der Wissenschaften. 

Protocoll der dritten ordentlichen Sitzung der Kronstädter Handels- und Gewerbekam- 
mer im Jahre 1859 am 8. März. Von der Handelskammer. 
Ueber die Mineralquellen von Bartfeld im Särosser Comitat Ungarns. Von C. Ritter 
von Hauer. Wien 1859. Vom Verfasser. 
Philologische und historische Abhandlungen der k. Akademie der Wissenschaften in 
Berlin. Aus dem Jahre 1857. Berlin 1858. Von der k. Akademie. 
Rapporto statistico per l'anno 1857 della Camera di Commercio e d'industria in Lodi. 
1858. Von der H and el kämme r. 
Compte-rendu annuel adresse a S. E. M. de Brock Ministre de Finances par le Di- 
recteur de l'Observatoire physique central, A. T. Kupffer. Annee 1856. St. Pe- 
tersburg 1857. Von der Direction. 
Annales de la propagation de la foi. Paris. Mars 1859. N. 177. Von der Redaction. 
Verhandlungen des historischen Vereines von Oberpfalz und Regensburg. N. F. I — X. 
1845 — 1858. Vom Vereine in Regensburg. 
Zeitschrift des historischen Vereines für das würtemberg. Franken. 1. Hft. Trailsheim 
1847. 4. 5. 6. Hft. Aalen und Oehringen 1850/52. III. 1. 2. 3. Aalen und 
öehringen 1853/55. IV. Bd. 1. 2. Stuttgart 1856/57. — Chronik des hi- 
storischen Vereins. Mergentheim 1852/53. — Chronik der vormaligen Deutsch- 
ordens-Stadt Mergentheim, aus urkundlichen Quellen herausgegeben von 0. F. H. 
Schönhut h. Mergentheim 1 857. — Wolfram von Neuenbürg, Meister Deutsch- 
ordens in deutschen und wälschen Landen u. s. w. Von 0. F. H. Schönhuth. 
Mergentheim 1859. Vom histor. Verein in Mergentheim. 
La scienza — l'Istmo di Suez. — II Sommo Pontifice Pio IX. visitando nel 1857 
i suoi dominii. — II nuovo porto di Roma. — Memorandum di E. F. Scarpellini. 
Roma 1858. — La Stato Pontificio e l'Istmo di Suez, Parole di E. F. Scarpellini. 
Roma 1856. Vom Verfasser. 
Jahresbericht des historischen Kreis-Vereins im Regierungs-Bezirke von Schwaben und 
Neuburg für 1837—1841 ; 1844—1856. Augsburg 1838—1856. 

Vom hist. Vereine in Augsburg. 
Lettera dei RR. sacerdoti Missionari nell' Africa centrale dell' Istituto di Don Nie. 
Mazza, diretta ai giovani alunni del medesimo Istituto. Chartum 1858. — Re- 
lazione del viaggio dei Reverendi Missionari da Chartum a S. Croce. Verona 
1858. — L'ultima lettera del Missionario Franc. Oliboni dell' Istituto. Mazza di 
Verona. Verona 1858. — Prospetto dei poveri Istituti di Don Nie. Mazza dato 
da conoscere dal medesimo colla stampa nel niese di Novembre 1854. Verona 1854. 

Von Hrn. S e n o n e r. 
Journal of the Franklin Institute of the State of Pensylvania etc. Vol. 36. N. 4—6 .Phi- 
ladelphia 1858. Vom Institute. 
Zeitschrift für Erdkunde. Berlin 1859. I. 1. Von der Gesell seh. f. Erdk. Berlin. 
Pester-Lloyd 1859. N. 61—66. Von der Redaction. 
Corrispondenza scientifica in Roma N. 33. 36. (Roma e il Bosforo di Suez. Nota dell' In- 
gegnero Vinc. M a n z i n i.) Von der Redaction. 

'6 



62 

Ueber das Eis im Sommer zwischen den Basaltstücken bei Kameik nächst Leitmeritz in 
Böhmen. Von Dr. Ad. PI eis« hl. (Beitr. zur phys. Geogr. Böhmens.) Prag 1838. 

Vom Verfasser. 
Statistique de France XII. Ser. Statistique agricole. I. 6. Paris 18S8. 

Vom kais. franz. Ministerium. 



Versammlung am 5. April 1859. 

Der Herr Präsident, k. k. Sectionsrath K. Freiherr von Czoernig, 
führte den Vorsitz. 

Den Statuten gemäss wurden Se. Excellenz, Herr Johann Freiherr 
Kempen von Fichtenstamm, k. k. Feldmarschalllieutenant, Chef der 
Obersten Polizeibehörde etc., und Frau Leopoldine Kerr in London zu ausser- 
ordentlichen, Herr Gustav Lehne, Oberlieutenant der k. k. Gendarmerie- 
General-Inspection, und Herr Adolf Simiginowicz, Professor am k. k. 
katholischen Gymnasium zu Kronstadt, zu ordentlichen Mitgliedern und 
Herr Dr. Felix Flügel, Consul der Vereinigten Staaten von Nordamerica 
in Leipzig zum correspondirenden Mitgliede gewählt. 

Herr Secretär Foetterle theilte den Inhalt der an Hrn. k. k. 
Sectionsrath W. Haidinger eingelangten Schreiben von unseren Novara- 
Reisenden mit, welche Nachrichten über das Eintreffen derselben zu 
Auckland in Neu-Seeland brachten und bereits früher in der lezten Sit- 
zung der naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften mitgetheilt wurden. Laut den letzten eingelangten Nach- 
richten, hatte Herr Dr. F. Hochs teuer in Folge der zur Besichtigung 
von Kohlenvorkommen in der Gegend von Auckland unternommenen Excursion, 
von dem Gouverneur in Auckland die Einladung erhalten, längere Zeit 
auf Neu-Seeland zu bleiben und eine detaillirtere geologische Untersuchung 
durchzuführen; mit Genehmigung und im Einverständnisse des Hrn. Com- 
modore von Wüllerstorf, hatte Herr Dr. Hochstetter diesen Antrag 
angenommen und sich von der k. k. Fregatte Novara getrennt, um sich 
etwa 6 Monate in Neu-Seeland aufzuhalten, und dann gegen Ende des 
Jahres etwa gleichzeitig mit der k. k. Fregatte in Triest zusammenzutreffen. 

Ueber die von Herrn Dr. Hochstetter in Begleitung von Herrn 
Frauenfeld, Selleny und Jellinek unternommene Excursion, theilt 
vorläußg die in Auckland erscheinende „New Zeeländer" Zeitung einen 
Bericht mit, aus den hier ein Auszug folgt, dessen Uebersetzung wir 
dem Herrn A. Fr. Grafen Marschall verdanken: 

„Besichtigung der Districte Drury und Hunua und Aus- 
flug an den Waikato. Am Dienstag, 28. December 1858 wurde mit 
der Ausführung der Arbeiten der wissenschaftlichen Commission in dieser 
Provinz der Anfang gemacht. An der Begehung nahmen Theil: die Herren 
Dr. Hochstetter, Frauenfeld, Selleny und Jellinek, von der 
kais. österreichischen Expedition; der Provinzial-Landmesser Mr. C. Heaphy, 
Rw. A. G. Purchas und Mr. Ninnis als Abgeordnete der Provinzial- 
Regierung und vom k. k. Marine Officiers-Corps, der Herr Capitän Baron 
Po eck, Commandant der Novara und der Schiffs-Fähnrich, Hr. Kro- 
no wette r. Ferner schlössen sich an: Mr. Haast, eben in dieser Pro- 
vinz anwesend, um über die Hilfsquellen und Vortheile, welche Auckland 
deutschen Einwanderern zu bieten vermag, Notizen einzusammeln, Mr. 
Drummond Hag (der sich als „ Cicerone u höchst nützlich machte) und 



F. Foetterle. 63 

— wenn es den Leser ja interessiren sollte — wir selbst, die wir 
diese Zeilen in Hast niederschrieben. Mr. Heaphy hatte die Besucher 
mit der gewöhnlichen Karte der Provinz, und mit einer andern, die geo- 
logischen Verhältnisse zwischen Auckland und Maungatawhiri angebenden, 
versehen, welche letztere er eigens zu diesem Zweck entworfen hatte. 
Das Wetter zeigte sich besonders günstig; die Fahrt durch das reiche 
vulkanische Gebiet zwischen Auckland und Otahuhu, in solcher Gesellschaft 
und bei wolkenlos sonnigen Himmel, dessen Hitze einer unserer schönen 
Sommerwinde wohlthätig mässigte, wird lang eine freundliche Erinnerung 
bleiben. Wenn sich die einheimischen Theilnehmer sich an den lehrreichen 
Vorträgen Dr. Hochstetter's über vulkanische Gebilde erfreuten, so 
mochten sie sich wohl auch — vielleicht nicht ohne etwas Selbstgefühl 

— an dem Wohlgefallen erfreuen, welches dieser Gelehrte und seine 
Gefährten über die Gegenstände um sie und vor ihnen äusserten und 
den hohen Grad der Kultur des Landes, die Güte der Strassen, das 
weite Feld, welches in jeder Richtung dem fähigen und denkenden Na- 
turforscher offen steht und die glänzenden Aussichten in die Zukunft dieses 
Landes, mit Vergnügen von Allen preisen hören. 

Die erste eigentliche Rast fand bei Mount Richmond (bei den Ein- 
gebornen „ Otahuhu, " welcher Name auf die Ansiedlung übertragen wurde) 
statt. Dort fanden die Herren Hochstetter, Frauenfeld und Jellinek 
reichliche Ausbeute für ihre Sammlungen und Herr Selleny für seine 
fertigen und treuen Pinsel, während M. Heaphy diesen gründlichen 
Forschern sehr viel an historischen und örtlichen Auskünften mitzutheilen 
hatte. — Wir würden viel darum geben, das Panorama vom Gipfel aus 
an einen solchen Tag, wie es Herr Selleny, einer der fertigsten und 
treuesten Aufnehmer, die wir je gekannt, wiedergegeben hat. (Nebenbei 
gesagt, hat Hr. Selleny während der Novara-Expedition bereits über 
1000 vortrefflich ausgeführte Zeichnungen aufgenommen — jene von Java 
und China in sehr grossem Masstab und bis in die kleinsten Einzeln- 
heiten — auch ist seine Behandlung der Farben so frisch und naturge- 
mäss, dass ihr Anschauen das Auge nicht im geringsten ermüdet.) Ein 
zweites Panorama, die Krater von Thoumatou und Manganie, die Manukau- 
Spitzen und das nördliche Ufer des Hafens von Manukau umfassend, hat 
Herr Selleny vom vulcanischen Berg „Te Olmopuni." ganz nahe an 
Mr. R. Robertsons Besitzung aufgenommen. — Bei der Aussicht von 
Mount Richmond fiel unseren österreichischen Gästen die Nähe der Ge- 
wässer von Wachemata und Manukau an dem Tragplatz {„portage") von 
Otahuhu auf und alle sprachen sich über die Verbindung unserer beiden 
Haupthäfen der Ost- und Westküste mittels eines Kanals für Seeschiffe, 
als über etwas sehr Wünschenswerthes aus. Ihrer Ansicht nach, fordert 
die commercielle Gegenwart und Zukunft von Auckland eine solche Un- 
ternehmung, deren Ausführung nicht auf unübersteigbare Hindernisse stossen 
würde. Auf den weitern Weg über Otahuhu hinaus, bemerkten unsere 
Gäste die stetige Reihe grasreicher und sorgfältig eingefriedeter Weide- 
plätze, das wohlgenährte Hörn- und Schaf- Vieh und die behaglichen 
Wohnstätten an beiden Seiten, namentlich Mr. Overton's Wohnhaus, 
welches (mit Recht) als ein Muster echt englischer Ordnungsliebe her- 
vorgehoben wurde. Nicht minder Ehre machten unserem jungen Staate die 
neuesten und noch fortdauernden Verbesserungen der Strasse nach Papa- 
kura und die zeitweisen Stösse auf den neu angelegten Strecken wur- 

5* 



64 Versammlung am 5 April 1859 

den als erträglich in Vergleich zu denen auf den „Corduroy-Strassen" in 
den Hinterwäldern der Vereinigten Staaten, und als ein Beleg, dass es 
der Provinzial-Regierung mit dem Aufschlüsse des Landes Ernst sei, ge- 
lassen hingenommen. — Wie viele geologische, entomologische, bota- 
nische, taxidermische Exemplare längs des Wegs von den Herren Hoch- 
stetter, Frauen feld und Jellinek eingesteckt wurden, lässt sich 
ebensowenig berechnen, als wie viele kleine Skizzen von Herrn Selleny 
daguerrotypirt wurden und wie viele statistische Thatsachen und Ziffern 
sich in Herrn Haast's Gedächtniss anhäuften; so viel ist gewiss, dass 
nach eiliger Durchforschung der Papakura Bucht („reek"J eine grosse 
Kiste von Gegenständen aller Art verpackt und nach Auckland abgesendet 
wurde, bevor die deutschen Naturforscher Mr. Young's Haus erreicht 
hatten, und dass dabei noch genug übrig blieb, um zwei andere Kisten 
zu füllen. — Nach der Ankunft in Mr. W. J. Young's „Drury Hotel" 
(nunmehr ein grosses zweistöckiges Haus, mit vortrefflicher Unterkunft) 
erschienen die essbaren Erzeugnisse des Bezirks von Drury vor einer 
wissenschaftlichen Ratbsversammlung und erhielten die günstigste Anerken- 
nung. Zu Drury war das „Settiers Exploration Comitte'e" in voller Zahl 
versammelt, und hier, wie längs des ganzen Weges ertheilten die Herren 
Cläre, Middlunass, Hay, Runcoman, ('nie, Pollok, S. Hall u. A. 
eine Menge trefflicher Auskünfte. — Vorerst besah man das Kohlenflötz 
auf Mr. Turnbull's Grundstück, dann die Kohlenschürfungen der Herren 
Pollok, Campbell und Folwell's, und wir glauben aussprechen zu 
dürfen, dass Dr. Hochstetter keinen Grund habe, zu bezweifeln, dass 
diese Kohlen alle einen und denselben Character tragen und vielleicht 
einem einzigen, weit ausgebreiteten Flötz angehören. Es genüge hier die 
Thatkraft zu bezeichnen, welche die Ansiedler mit dem kleinsten Geld- 
capital, aber mit der grössten Beharrlichkeit entwickeln; ein Beispiel 
davon sind die von den Herren Peter Smith und W. Cooper eröffneten 
und nunmehr ausgebeuteten Kalkstein-Brüche; beide hatten kein anderes 
Anfangscapital als Arbeitskraft und Thätigkeit, das Beste in einer dicht- 
bewaldeten Gegend, wie die von Hunua (zu welcher jetzt eine Strasse 
augelegt wird, und welche hoffentlich bald eine der ertragreichsten der 
Provinz werden wird). — Im Allgemeinen hat Dr. Hochstetter in un- 
seren Kohlen- und Kalksgebieten Meeres-Fossilien von viel höherem Alter 
gefunden, als man es bisher für die geologischen Gebilde Neu-Seeland's 
angenommen bat; Kohle und Kalkstein sind reichlich und von bester Be- 
schaffenheit vorhanden; die bereits aus dem Kalk bekannten organischen 
Reste werden ihm selbst und spätem Forschern die Mittel bieten, un- 
sere Kohlengebilde mit ähnlichen der alten Welt zu vergleichen oder zu 
identificiren. Bisher hat man — unseres Wissens — in der Kohle von 
Opaheke (Drury) und Hunua keine Pflanzenreste entdeckt. — Wir er- 
wähnten bereits, dass der Commandant und die Officiere der Novara- 
Expedition über die, unter so vielen Schwierigkeiten in so kurzer Zeit 
in Stadt und Land bewirkten Fortschritte ihre Ueberraschung ausgespro- 
chen haben. Wir haben gesehen, dass der Künstler, Herr Selleny, 
reichliche Beschäftigung findet. Wir mögen beisetzen, dass der Botaniker, 
Herr Jellinek, die Neu-Seeländer Wälder in Reichthum des Laubes, 
Verschiedenheit der Färbung und allgemeinen Eindruck denen der Tro- 
penländer gleichstellt, vor denen sie die leichtere Zugänglichkeit voraus 
haben. Was die befiederten Bewohner der Wälder und Farnkraut- 



F. Foetterle. 65 

Striche von Auckland betrifft, erachtet die Expedition, nach ihrer eigenen 
Erfahrung an Ort und Stelle, dass Neu-Seeland dem Ornithologen ein 
weites Feld bietet; ihnen, wie allen andern Beobachtern, ist die Ab- 
wesenheit aller Vierfüsser auf einer so grossen Insel aufgefallen. 

Ausflug nach Mangatawhiri und an den Waikato. 
Dieselben Personen, welche den Ausflug nach den Kalk- und den Koh- 
lengebieten von Hunua und Drury gemacht hatten (mit Ausnahme des 
Capitäns, Baron Pöck, und Herrn Purchas, welche nach Auckland zu- 
rück mussten), brachen in 2 Abtheilungen (die erste: Herren Selleny, 
Kr onowette r, Haast und Drummond Hay, welchen letzteren Se. Exe. 
der Herr Gouverneur der Expedition für die Zeit ihres Verweilens in 
Auckland zugetheilt hatte, am Dinstag 28. December Nachmittags — die 
zweite: Herren Dr. Hochstetter, Frauenfeld, Jellinek, Ninnis, 
Smallfield und Heaphy, am Freitag 31. December Morgens) auf, um 
Mangatawhiri und von dort den Waikato zu besuchen. Beide Abtheilungen 
hatte Mr. Young mit Pferden versehen, welche an die ersten engen 
Pfade der ersten Ansiedler und Beisegesellschaften gewöhnt waren, und 
unsere Gäste zeigten sich überrascht, dass man bei so kurzer Voran- 
meldung und in solcher Entfernung von der Hauptstadt so vorzügliche 
Pferde habe auftreiben können. Dieser Umstand stellte die Thatkraft der 
vorgeschobenen Ansiedler längs des Verlaufs der grossen Südstrasse 
in ihrer Meinung noch viel höher. Ueber R u n c i m a n's Pachthof 
(dessen vorgerückte Cultur dem Eigenthümer grosse Ehre macht), folgte 
die Reisegesellschaft der grossen Südstrasse, häufig Halt machend, um 
ihre Sammlungen zu vermehren oder um die ausgebreiteten Aussich- 
ten zu bewundern, die sich allmälig vor ihr aufthaten, je weiter sie 
gegen den Mittelpunct des Waldes hinaufstiegen, bis endlich ihre Blicke 
die ganze Gegend im Süden dos Manukau Hafens und dies schöne Gestade 
selbst, mit allen seinen zahlreichen Meeresarmen und Buchten, umfassen 
konnten. Chiskolm's Bush gefiel unsern Gästen besonders und gab ihnen 
den besten Begriff von der Wald-Vegetation Neu-Seeland's; Hr. Selleny 
nahm dort zwei schöne Ansichten auf. Indess gaben ihnen die Arbeiten 
der Strassenleute und solcher Ansiedler, wie Mr. Martin, noch bessere 
Gelegenheit, die geologischen und botanischen Eigenthümlichkeiten dieses 
Anfangs der fruchtbarsten Striche im Süden dieser Provinz wahrzunehmen 
und zu prüfen. Weit entfernt, die nächsten Einwanderer darüber zu 
bedauern, dass ihnen nicht mehr Grundstücke in der nächsten Umgebung 
von Auckland und dessen Vorstädten zur Wahl vorliegen, waren unsere 
Gäste vielmehr einstimmig der Ansicht, dass der nunmehr durch die 
grosse Südstrasse über Drury hinaus aufgeschlossene Landstrich in seiner 
Beschaffenheit die meisten Ländereien des Bezirks von Auckland übertreffen, 
und dass, wenn mehr solche Gründe zu haben wären, sie — ungeachtet 
ihrer Entfernung von der Hauptstadt — den Vorzug verdienen würden. 
Diese Meinung theilen wir selbst und jeder verständige Einwanderer, der 
einige Tage auf persönliche Besichtigung dieses und des Waikato-Bezirks 
der Provinz verwenden will, wird sich dazu bekennen. Ein Gleiches gilt 
zum grössten Theil von den Landstrichen längs der grossen Nordstrasse 
und von anderen nördlichen Ländereien, welche, nach den verschiedenen 
gesetzlich bestimmten Weisen, für die Auswahl offen liegen oder doch 
nächstens offen liegen werden. Dies liegt indess für jetzt ausserhalb un- 
serer Aufgabe; wir behalten uns vor, bei nächster Gelegenheit unsere 



66 Versammlung am 5. April 1859. 

Bemerkungen über den stetigen und richtig geleitenden Fortschritt der 
Ansiedlung und der Urbarmachung in diesen fruchtbaren Gegenden mit- 
zutheilen und dabei denen Ehre zu geben, welchen Ehre gebührt. — 
Nicht allein fruchtbares Erdreich liegt längs der Strassenlinie, sondern 
auch überall vertheilt, ergiebige Vorräthe von basaltischem und anderem 
Gestein, als taugliches und leicht zugängliches Material zum Strassenbau ; 
von dieser Seite waltet keine Besorgniss ob. Die Aushauung, der Bau 
und die Ueberbrückung der Strasse schreitet jetzt rasch und in einer, 
die Unternehmer sehr ehrenden Weise fort und unter den Strassenar- 
beitero finden sich verständige und gefällige Leute, bereit, alle ihnen 
zugängliche Auskunft zu geben und Besuchern ein gastliches Obdach zu 
bieten. Der Einschnitt in Rafor-back Hill bietet eine gute Gelegenheit 
zur Untersuchung der tiefern Schichten des ansteigenden Bodens, den 
die Strasse durchzieht. Wir führen nebenbei an, dass bei einem Halt an 
Mr. D a w s o n's „Whare," an der Strasse, "wo die Reisegesellschaft eine 
Tasse Thee nahm, ihnen ein Theil eines Süsswasser-Fisches angeboten 
wurde, der an Grösse und feinem Geschmack den besten Forellen des 
Mutterlandes gleichsteht. Er war in einem der schönen, die Umgegend 
durchfliessenden Wässer gefangen worden und bei fernerer Aufschliessung 
des Binnenlandes dürfte es sich herausteilen, dass unsere fliessenden Süs- 
wässer nicht so arm an essbaren Fischen sind, als man behaupten wollte. 
— Vom gegenwärtigen Grenzpuncte der breiten Rodung für die Südstrasse 
brachte ein von den Eingebornen ausgetretener Pfad nach Mangatawhiri 
auf einen Umweg, der durch die Auffindung vieler schöner Farne und 
merkwürdiger Insekten reichlich aufgewogen wurde, und beim Austritt 
aus dem Dickicht brachte ein rascher Quermarsch über das offene Farn- 
land die Gesellschaft nach Mangatawhiri, gerade oberhalb der schönen 
Getreidemühle mit Wasserkraft, welche Mr. Chandler eben für einge- 
borne Eigenthümer aufbaut. Eine zahlreiche Schaar Maories (einige mit 
ungewöhnlicher Sorgfalt in ihrer eingebornen oder doch am wenigsten 
europäisirter Tracht gekleidet) sammelte sich vor dem ansehnlichsten „Whare" 
des Dorfes, welches Mr. Drummond Hag zur Aufnahme der Gesell- 
schaft in Beschlag genommen hatte und hier arbeitete eben Hr. Selleny 
eifrig an seiner dritten Skizze, deren Naturtreue ihm mehr Vorbilder 
zuführte, als er mit aller seiner künstlerischen Stenographie wiedergeben 
konnte. — Nach einer Rast, die ein förmlicher Sturm aus den Bergen, 
die tropische Hitze des Tages abkühlend, um 2 Stunden über die fest- 
gesetzte Zeit verlängert hatte, bestieg die ganze Gesellschaft (mit Aus- 
nahme der Herren Kronowetter und Haast, welche in einem Kanot 
vorangefahren waren) zwei grosse Boote, jedes mit 10 Eingebornen be- 
mannt, welche sie geschickt über Mangatawhiri Creek hinabführten, In 
der ersten i*/, Meile ist der Strom so eng, dass man nicht begreift, 
wie so grosse Fahrzeuge durch seine Windungen gelangen können, da 
in manchen Fällen kein zollfreier Raum übrig bleibt. Am Ufer finden 
sich Wasservögel in Menge, deren einen ein Eingeborner sehr geschickt 
mit seinem Ruder aufspiesste. Die Gegend wurde hervortretender, je 
näher man dem Höhenzug kam, der das Gebiet des Waikato abgränzt ; 
erst nach einer jähen Wendung und einigen Ruderschlägen gelangten die 
Boote in diesen schönen Fluss, wo dann die Gesellschaft erst einen Be- 
griff von der zu erwartenden prächtigen Gegend erhielt. „Dies ist ja 
der Rhein, wieder unser schöner Rhein und seine Umgebung mit ihren 



F. Foetterle. 67 

dichtbewaldeten Höhenzügen;" „dies kömmt einigen der schönsten Stri- 
chen unseres Rheingaues gleich," riefen die Deutschen unter uns aus, 
und ausser Herrn Selleny holten auf der Strecke bis Tuakau mehrere 
Andere ihre Zeichenbücher hervor. Tuakau ist ein Landungsplatz nahe 
an einer grossen gleichnamigen Ansiedlung der Eingebornen. Das ringsum 
weithin gerodete Land hat trefflichen Boden und ist gut angebaut. Hier 
fand sich unser Vortrab, der stecken geblieben war, da keiner von 
ihnen die Sprache und die Geberden der Maories verstand, wieder beim 
Hauptcorps ein: das neueste „Whare* wurde für die Nacht und den 
nächsten Tag in Beschlag genommen; ein Backofen nach Landesart wurde 
der deutschen Gäste wegen, die nie dergleichen gesehen, aufgeführt 
und diese benutzten die letzte Tageshelle, um die eingesammelten Gegen- 
stände in Ordnung zu bringen und die wunderbaren Naturreize, die sie 
umgaben, zu gemessen. Bald nach acht Uhr meldete Hohepa, einer 
von Mr. Heaphys eingebornen Dienern, der „Soyer" der Expedition, 
dass das Diner („spuds" und Schweinefleisch) fertig und auf frisch ab- 
gepflückten Farnkraut und mit Shawls bedeckt, servirt sei. Die Gesell- 
schaft — um die Worte der Berichterstatter über anspruchsvollere Ga- 
stereien zu gebrauchen — Hess dem reichlichen, wenn auch einfachen 
Mahle das Recht wiederfahren, welches echter Hunger, durch starke und 
andauernde Bewegung im Freien geschärft, nie versagt. Es war der 31. 
December 1858 und die Reise-Gesellschaft, welche (den Maori Diener 
ungerechnet,) Engländer, Schotten, Irländer, Deutsche und Slaven unter 
ihren Genossen zählte, bereitete eine Feier des Jahreswechsels vor, an- 
gemessen den Ereignissen, welche so verschiedenartige Elemente vereinigt 
hatte und geeignet, eine angenehme Erinnerung für spätere Zeiten zu- 
rückzulassen. Charakteristiche Studenten- und andere Volks-Lieder, engliche, 
schottische und irische Gesangsweisen und Liebes-Lieder in der Maori- 
Sprache, vom Diener vorgetragen, bildeten ein echt cosmopolitisches Vo- 
cal-Concert. Die Gesundheit des Kaisers von Oesterreich und der Königin 
Victoria wurden mit Begeisterung ausgebracht und mit Absingung der be- 
treffenden National-Hymnen begleitet, in einer Weise, die, Dank der mu- 
sikalischen Ausbildung der deutschen Sänger, jedem Concertsaale Europa's 
Ehre gemacht hätten. Nachdem 3 bis 4 Stunden in solcher Weise höchst 
angenehm vergangen waren und man das Neujahr in aller Form bewill- 
kommt hatte, ging man neue Kräfte für das nächste Tagwerk zu sam- 
meln. Dieses fing bereits um 6 Uhr Morgens an. Der schöne Strom, 
der das Dorf durchschneidet, bot ein anlockendes Bad und an seinem 
Ufer fanden Geologen, Botaniker, Künstler und Zoologen reichlichen 
Stoff zur Thätigkeit. Die Eingebornen, gelockt durch die Aussicht auf 
die verheissenen Jieka pennies" brachten verschiedene merkwürdige Ge- 
genstände. — Der Rückweg nach Drury ging durch Tuakou und die 
dazwischen liegenden Wälder — deren Thäler mehrere schöne Ströme vortreff- 
lichen Wassers durchlaufen , dann über einen beträchtlichen Theil von 
Mr. Wate r's ausgebreiteten Weidegründen, welche sich eben jetzt reich- 
lich mit europäischen Grase und rothem Klee bedecken. Ein Theil der 
Gesellschaft ging voran den Pferden entgegen, welche man auf einem 
andern Weg zurückgeschickt hatte ; die Uebrigen sollen in 2 bis 3 
Stunden nachfolgen. Als beide den Aushau betraten, den Mr. Waters 
vornehmen lässt, um seinem Viehe den Zugang zu den Weidegründen zu 
eröffnen, sollten sie, bei aller Achtung, die dies Unternehmen verdient, 



68 Versammlung am 5. April 1859. 

aus eigener Erfahrung lernen, welche Schwierigkeit sich in diesem dicht- 
bewaldeten Landstrichen dein einzelnen Ansiedler entgegenstellen, welcher 
nicht die Mittel hat, seine abwesenden oder ungefälligen Nachbarn zu 
zwingen, zu einem Unternehmen beizutragen, das an und für sich ihren 
eigenen Besitztümern zu Guten kommt, und welches sie selbst ohne Be- 
denken benutzen, wo und wann es ihnen beliebt. Die 7 bis acht Meilen 
lange Strasse durch das Dickicht, deren zunächst an Drury gelegener 
Theil — wenn wir nicht irren — durch Mr. Joseph New man aus- 
gehauen worden, war durch den versperrten Zugang von Licht und Sonne 
für die, welche solcher Reisen ungewohnt sind, höchst beschwerlich, und 
beide Abtheilungen, auch nachdem sie ihre Pferde wieder gefunden hat- 
ten, brauchten an 4 Stunden, um diese Strecke zurückzulegen. Der schöne 
Strom am Fusse von Mr. Burt's Pachthof war Allen willkommen. 

Bei der Abendversammlung in Young's Hotel, sprachen die Mit- 
glieder der wissenschaftlichen Commission und die übrigen deutschen 
Gäste den Herren, welche im Auftrag Sr. Exe. des Herrn Gouverneurs 
Gore Brown und des Herrn Vorstehers der Provinz, sie begleitet hatten, 
das ausnehmende Vergnügen aus, welches ihnen bei dem Besuch dieses 
schönen Bezirks der Provinz zu Theil geworden war und ihre Hoffnung, 
dieser Besuch für Auckland und Neu-Seeland in mehr als einer Rich- 
tung nicht ganz fruchtlos bleiben, und jedenfalls ganz gewiss beitragen 
werde, die deutsche Einwanderung dorthin zu lenken. Sie dankten ihren 
Führern für die ihnen während der Reise erzeigte Aufmerksamkeit und 
für die Weise, in der sie die gastfreundlichen Gesinnungen der Provinzial- 
Regierung bethätigt hatten; warmer Dank ward auch Mr. und Mrs. Young 
für ihre eifrigen Bemühungen in ihrem Hotel, der sich bei so trefflicher 
Leitung eines fortdauernden Gedeihens zu erfreuen haben dürfte, den 
fremden Gästen, welche dort unter dem Schatten ihrer eigenen Landes- 
farben aufgenommen worden, einen behaglichen Aufenthalt zu bereiten. 
Die Herren Drummond Hag und Heaphy erwiderten, indem sie den wissen- 
schaftlichen Gästen für den unermüdeten Eifer, mit der sie ihre Aufgabe 
zum Nutzen der Provinz Auckland durchgeführt hatten, und für die werth- 
volle Belehrung, welche die Sprecher selbst und alle Ansiedler, die mit 
ihnen in Berührung gekommen waren, von ihnen empfangen hatten, 
ihren Dank aussprachen. Herrn H a a s t wurde gleichfalls der Dank ge- 
bracht, für das, was er zur Annehmlichkeit des Ausflugs beigetragen 
hatte und für seine bereitwilligen und gewandten Leistungen als Aus- 
leger, wo immer auf einer oder der anderen Seite das Verständniss über 
einen einzelnen Punct Schwierigkeiten hatte oder genaue Auskunft ver- 
langt wurde. Die Rückreise nach Auckland ging ungefähr eben so vor 
sich, wie die von Auckland nach Drury. Nach ihrer Ankunft gingen 
die Mitglieder der wissenschaftlichen Commission an die Aufbewahrung 
des Gesammelten und an die Aufzeichnung ihrer Wahrnehmungen. 

Nunmehr nehmen wir Abschied von diesem Zweige der Expedition 
und führen nur noch an, dass die Herren Dr. Scherzer und Dr. 
Schwarz ihre anthropo-metrischen Messungen an Eingeborenen fortgesetzt 
haben und dass der Herr Commodore v. Wüllerstorf und der Com- 
mandant der Novara in Begleitung der Herrn Dr. Scherz er, Dr. 
Schwarz und Fischereinen Ausflug in die Kauri-Wälder des Maaukau 
vorgenommen, der ihnen sehr wohl gefiel. Die Novara sollte am 



Pr, I. Zhishman. ßü 

gestrigen Abend (2. Jänner 1859) absegeln, ward aber durch das Um- 
springen des Windes nach Nordost zurückgehalten. 

Herr Professor Dr. Fr. Müller gab eine Schilderung seiner im 
Auftrage des hohen k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht zu 
Ende des Jahres 1851 nach Grodno und in dem Bialowescher Wald in 
Russland unternommenen Reise, so wie der in dem letztgenannten 
Walde lebenden Auerochsen. (Siehe Abhandlungen dieses Heftes Nr. XIII.) 

Herr Doctor J. Zhishman brachte seinen in der Versammlung vom 
15. März begonnenen Vortrag über die Züge Alarich's zum Abschlüsse. Er 
ging von der geographischen Bestimmung jener Gebiete aus, welche 
Alarich seit dem Jahre 396 in Besitz genommen hatte und verfolgte 
nach einer eingehenden Darstellung der Ursachen, welche Alarich zum 
Aufbruche nach Italien veranlassten, die Wege, auf welchen er mit sei- 
nen Gothen dahingelangte. Die Ansicht, als sei Alarich durch Dalma- 
tien bis Aquileja vorgedrungen, wurde als unhaltbar erklärt, dagegen 
sprechen entscheidende Gründe dafür, dass Alarich sich anfangs auf der 
via Egnatia bewegte, bei Heraclea einbog, und durch das Thal des 
Margus über Singidunum, Sirmium Sisia und Emona nach Italien kam. 
Der Verlauf des Vortrages zeigte übrigens, dass er weder im Jahre 400 
noch im Jahre 408 als Feind in Italien erschien, sondern diess nur bei 
einem zweiten Einfalle im Jahre 402 der Fall war. Sonach war der 
feindliche Angriff, den er am Timarus erfuhr ein unerwarteter und der 
schleunige Rückzug durch das Isonzothal oder über Forum Julium in das 
Drauthal eine nothwendige Folge. Hier zog A 1 a r i c h Verstärkungen an 
sich, rückte dann durch das obere Drauthal in Rhätien ein und kam 
Ende des Jahres 402 durch das Etsohthal nach Italien. Die darauf fol- 
genden Bewegungen sind leichter nachzuweisen. Alarich kam bis zur 
Condinianischen Brücke, wo der dritte Moilenzeiger von Ravenna stand. 
Da ihm dort der Antrag des H o n o rius zukam, sich entweder in Spa- 
nien oder in Gallien Wohnsitze zu suchet), entschied er sich für das 
letztere, rückte gegen Bononia und schlug bei Placentia, statt den Padus 
zu übersetzen, seine Richtung gegen den Tanarus ein. Bei Polentia kam 
es am 29. März 403 zur Schlacht, über deren Ausgang die Nachrichten 
so verschieden lauten. Es war demnach wichtig, darauf hinzuweisen, 
dass sich Alarich in jedem Falle noch kräftig genug fühlte, um durch 
Ligurien wieder zurückzugehen, wo es zu neuen Verhandlungen kam. 
Sie hatten zur Folge, dass sich Alarich über den Padus zurückzog und 
über Cremona gegen Verona kam. Dass es dort wieder zu einer 
Schlacht kam, liess sich, wenn auch Claudia nus der einzige Gewährs- 
mann ist, aus mehreren seiner Angaben mit einiger Bestimmtheit nach- 
weisen; eben so auch, dass Alarich mit seinem durch Gefechte und 
Krankheiten geschwächtem Heere, nachdem er anfangs nach Rhätien zu 
entkommen gesucht hatte, nur durch einen der ihm schon seit dem 
ersten Zuge bekannten Alpenpässe in das Drauthal zurückkehren konnte, 
wo er stehenblieb. — Dr. Zhishman wies dann auf das Verhältniss hin, welches 
sich seit dem Abzüge Alarich's aus Italien zwischen diesem und dem römi- 
schen Hofe bis zum Jahre 408 immer freundlicher gestaltete. Anfangs han- 
delte es sich um die schon längst beabsichtigte Eroberung von Illyrium, an 
der A I a r i c h mitwirken sollte. Politische Ereignisse im Innern, der Ein- 
fall der Soeven und Alanen, der Tod des Kaisers Arcadius und die 
Empörung des C o n s t a n t i n u s verzögerten jedoch die Ausführung. Da 



70 Versammlung am 5. April 1859. 

Alan* ch darüber unwillig war, so machte man ihm den Antrag, ob er 
sich mit einem aus Pannonien verstärkten Heere in den Arelat zur Be- 
kämpfung des Co nstantinus begeben wolle. Alarich nahm ihn an, drang 
aber vorsichtig mit einer dreifachen Masse vor. Der erste Theil hielt 
aus dem Hauptlager in Emona die julischen Alpenpässe besetzt, mit dem 
zweiten zog er nach Noricum, den dritten Hess er vorläufig im untern 
Drauthale unter der Anführung seines Schwagers A t h o u 1 f zurück. — Für 
diesen Zug war die Stelle bei Zosimus lib. V. c. 29 massgebend, wess- 
halb der Vortragende in eine nähere Erörterung derselben einging. Bevor 
A I a r i c h Noricum verliess. um auf der Strasse, welche von Lauriacum 
nach Aquileja führte, vorzurücken, änderte sich jedoch die Sachlage, 
insbesondere wurden durch die Ermordung Stilieh'on's alle früher mit 
Alarich verabredeten Pläne vereitelt. Jetzt forderte er wenigstens den 
Ersatz für sein so langes Zuwarten und die Entschädigung für seinen 
gegenwärtigen Zug nach Noricum: rückte aber erst dann, als ihm beides 
verweigert wurde, und mitten unter den elenden Kriegsrüstungen des 
Honorius auch eine Verfolgung gegen die in Italien lebenden Gothen 
begann, zum dritten Male (408) über Aquileja, Concordia, Altinum und 
Cremona in das mittlere Italien ein. Da die folgenden Bewegungen 
bei der grösseren Genauigkeit der Quellen keinen Anlass zu einer 
neuen Erörterung biethen, so schloss der Vortrag. 

Eingegangene Oruekschriften. 

Verhandlungen und Mittheilungen des niederöst. Gewerbe Vereines. Wien 1859 Nr. 1 — 2. 

V o in Vereine. 
Pester Lloyd. 1859 Nr. 6? — 74. Von der Redaction. 

Zeitschrift des Vereines für hamburgische Geschichte n.F I 1 — 4 Hamburg i854 — 58. 

Vom Vereine. 
P. Herman Bär, vormals des Klosters Eberbach Priester und Busirer, diplomatische Ge- 
schichte der Abtei Eberbach von Rheingau. Von Dr. K. R os sc 1. Wiesbaden 1851 — 58. 
Vom Vereine f. nass. Alterth. und Geschichte in Wiesbaden. 
Mitteilungen von J. Perthes geographische Anstalt über wichtige Erforschungen auf 
dem Gesammtgebiete der Geographie. Von Dr. A. Petermann. Gotha 1858Nr. 12. 

Von J. Perthes geogr. Anstalt. 
Atti dell' I. R. Istituto veneto di scienze, lettere ad arti Vol. IV. Ser. III. disp. 4. 
Venezia 1858 — 59. Vom k. k. Institut der Wissensch. 

Ausfria. Wochenschrift für Volkswirtschaft und Statistik. Wien 1859. Nr. 12. 

Von der Redaction. 
Proceedings of the R. Geographica! Society of ^London. Vol. III. Nr. 2. 1859. 

Von der k. Gesellschaft. 

Personalstand und Vorlesordnung an den stand, technischen Lehranstalten in Gratz, 

vom Studienjahre 1858 — 59. Von der Direction. 

Bolletino dell' Istmo di Suez. Torino 1859 Nr. 6. Von der Redaction. 

Beitrag zur geographischen Verbreitung der Tingideen. Von Dr. G. L. Mayr. Wien 

1858. — Beitrag zur Ameisenfaunu Busslands. Von Dr. G. L. Mayr. Stettin. 

Vom Verfasser. 
Verzeichniss der Landkarten im Verlage von Artaria et C. Wien 1859. 

Vom Verleger. 

Die oesterreichisehen Höhlen. Line geographische Skizze von Professor Dr. Ad. Sc h mi dl. 

Pest 1858. Vom Verfasser. 



71 

Versammlung am 3. Mai 1859. 

Der Herr Präsident k. k. Sectionschef K. Freiherr von Czoernig 
führte den Vorsitz. 

Den Statuten entsprechend wurde Se. Durchlaucht K. J. Fürst von 
Lobkowitz, k. k. Statthalter von Nieder-Oesterreich, zum ausserordent- 
lichen Mitgliede gewählt. 

Der Secretär machte die Mittheilung von dem Verluste zweier cor- 
respondirender Mitglieder durch den Tod , des k. württembergischen Fi- 
nanzrathes Dr. Paul von Sick, Ritter des kais. österr. Franz Joseph- 
Ordens, in Stuttgart, und des k. bayerischen Professors Dr. Otto Sendt- 
ner in München; ersterer wohl bekannt durch seine statistischen Arbeiten, 
namentlich seit der Zeit des internationalen statistischen Congresses in 
Wien, letzterer rühmlichst bekannt durch seine pflanzen -geographischen 
Werke, und als einer der gründlichsten Forscher und Gelehrten auf diesem 
Felde allgemein geachtet. 

Herr Secretär Foetterle legte eine für die Mittheilungen bestimmte 
Abhandlung „Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn" vom Herrn k. k. 
Bergrathe Franz Ritter von Hauer vor. Letzterer hatte diese Höhen- 
messungen bei Gelegenheit seiner im vorigen Jahre ausgeführten geolo- 
gischen Uebersichtsaufnahme des nordöstlichen Theiles von Ungarn in den 
verschiedensten Richtungen der Comitate Säros, Zemplin, Unghvär, Beregh- 
Ugöcsa und Marmaros vorgenommen; und sich hiezu theils eines Queck- 
silberbarometers, theils eines auf der Sternwarte des Herrn Prälaten E. 
Ritter v. Unkh recht sberg in Olmütz geprüften B o ur don'sehen Metallbaro- 
meters bedient. Mittelst des ersteren wurde insbesondere die Seehöhe einer An- 
zahl von Fixpuncten bestimmt, auf welche dann die bei kleineren Aus- 
flügen gemachten Beobachtungen auf dem Bourdon'schen Metallbarometer 
berechnet wurden. Als Gegenbeobachtungen wurden die Beobachtungen der 
meteorologischen Stationen in Ofen, Kaschau, Wallendorf bei Bistritz in 
Siebenbürgen und Debreczin benützt. Auf diese Art wurde die Bestimmung 
von 587 Höhenpuncten in einer Gegend, aus der bisher eine nur äusserst 
geringe Anzahl von Höhenbestimmungen vorliegt. (Siehe diesen Jahrgang 
2. Heft Abhandlungen Seite 71.) 

Herr Professor Dr. J. R. Lorenz in Fiume sandte eine Mittheilung 
„über die Quellen des liburnischen Karstes und der vorliegenden Inseln," 
welche Herr Secretär Foetterle vorlegte. Wie auf dem ganzen Karst- 
gebirge so sammeln sich auch hier die atmosphärischen Niederschläge 
nirgends zu anhaltenden Bach- oder Fluss-Systemen, sondern versinken 
gleich oder nach ganz kurzem Laufe in die Spalten und Klüfte des Karst- 
kalkes. Man findet daher auf dem Kalkplateau gar keine Quellen, und 
nur die Schneelöcher, welche theilweise auch im Sommer gefüllt bleiben, 
biethen einiges Trinkwasser, sowie in den Gesenken des Plateaus einige 
Quellen zum Vorschein kommen, welche eine constante Temperatur von 
6 bis 7 Grad R. besitzen. Erst dort wo in den tieferen Theilen am 
Rande des Plateaus Sandstein und Schiefergebilde auftreten, treten auch 
zahlreiche Quellen zu Tage. So mit dem langen Sandstein-Streifen im 
Grunde der Thäler Recina, Draga, Vinodol und am unmittelbaren Meeres- 
rande zwischen Kantrida bei Fiume, Buccari und Povilje in der Militär- 
grenze. Alle diese Quellen sind Kalkquellen von grosser Reinheit und 
Frische, und haben eine constante Temperatur von 7 bis 8 Grad R. 

MiitheiluD^en der k k. geographischen Gesellschaft HI. Bd. 3. Heft. 6 



72 Versammlung am 3. Mai 1859. 

Auf den Inseln gibt es überall nur sehr wenige und spärliche Quellen, 
welche ebenfalls nur an der Gränze zwischen Kalk und Sandstein entstehen. 
(Siehe diesen Jahrgang 2. Heft Abhandlungen Seite 103.) 

Herr k. k. Sectionsrath W. Haidinger legte eine eben erhaltene 
gedruckte Abhandlung des englischen Capitäns Spratt vor, „das Delta 
des Nil. Eine Untersuchung über die Wirkung der vorwaltenden Wellen- 
richtung auf die Sedimente des Nil." Es ist diess ein wissenschaftliches 
Bild der Ablagerung jener gewaltigen alljährlich durch den Nilstrom in 
das mittelländische Meer geförderten Massen an Sand und Schlamm, und 
der scharfen Begränzung derselben in ihrer untermeerischen Ausdehnung. 
Die Aufnahmen des Herrn Commandeurs Mansell, Lieutenants Brooker 
und Herrn Fred. Skead gaben die Küsten- und Tiefenlinien. Sorgfältig 
wurden die Boden-Proben aufgenommen und untersucht, und 230 an der 
Zahl in dem „Museum of Practical Geology'' in London unter der Lei- 
tung von Sir B. I. Murchison aufbewahrt. Es ist leicht, die Nilfluthen- 
Absätze von eigentlichen Meeres-Absätzen zu unterscheiden. Erstere sind 
immer stark kieselerdehaltig, wie diess schon Herr Leonard Homer in 
den Philosophical Transactions I. 18öö nachgewiesen hat. Sie enthalten 
nur wenig Kalkerde, während, was vom Meere selbst zugeführt wird, 
stark kalkhaltig ist, sowie auch die Umgegend von Alexandrien. Bis zu dieser 
Stadt, ja so weit nur vom Nil entfernt wie Abukir, kommt auch nicht 
die Spur eines Nil-Absatzes. Aber diess ist das characteristische der 
Erscheinung: die Meeres-Strömung treibt allen Absatz des Nil, Sand und 
Schlamm, in östlicher Bichtung fort, vom Rosette-Arm wohl eine Strecke 
gerade in das Meer hinein, dann aber östlich bis zum Damiette-Arm und 
von dort weiter östlich über den Golf von Pelusium, Ghemil, den pro- 
jectirten Kanalhafen von Said, Mahemdie, Ras el Ghels, so weit die Unter- 
suchung reichte, und nach Capitän Spratt's Ansicht bis el Ariseh und 
an die Küste von Syrien. 

Der Gürtel des Absatzes von kieselerdehältigem Sand und Schlamm 
ist etwa 12 englische Meilen breit. Bei 13 Meilen findet man auf der 
Höhe von Bosette in 31 Faden Tiefe keine Spur von Nil-Absatz, sondern 
reine Meeresproducte, Korallen, Korallensand oder Muschelschalen-Bruch- 
stücke. So wie die Meeres-Strömungen wirken nordwestliche Stürme auf 
die Dünenbildung und Wanderung auf der nördlichen mehr ausgesetzten 
Gegend des eigentlichen Deltas. Die Dünen sind daselbst viel höher als 
östlich von dem Damiette-Arm. Vieler Sand wird von diesem aufgenommen 
und sodann abgesetzt und weiter östlich untermeerisch verbreitet. Oestlich und 
in der Linie der Bohrungen durch die internationale Commission kommt 
man fast überall auf Sandlager, welche wahre Nil-Absätze sind, und die 
durch Graben erreicht eine unerschöpfliche Quelle von Sandquellen liefern. 

W T as einfaches Ergebniss unabhängiger wissenschaftlicher Forschung 
ist, bezieht nun Capitän Spratt auf das vielbesprochene Unternehmen 
der Durchstechung des Isthmus von Suez und namentlich die Aussichten 
der Anlage des beantragten Hafens von Said, welche allerdings wenig 
günstige Erfolge versprechen. Fortwährend wird Sand und Schlamm in 
dieser Bichtung zugeführt, so dass die schwierigsten und kostspieligsten 
Bagger-Arbeiten nie ruhen würden, vorausgesetzt selbst, dass es möglich 
wäre, einen einmal durchgegrabenen Kanal offen zu erhalten. Man hat 
die Schwierigkeiten nur mit den Erfordernissen von Malamocco bei Ve- 
nedig verglichen, aber die Vergleichung ist nicht ausreichend, man müsste 



W. Haidinuer. H. Wolf. A. Steinhauser. 7 3 

die Absätze des Po ins Auge fassen, und diese geschehen mehr in süd- 
licher Verbreitung. Ravenna ist es eher, als Malamocco, das man mit 
dem beantragten Hafen von Said im Golf von Pelusium vergleichen müsste. 
Capitän Spratt ruft die Aufmerksamkeit der internationalen Commission 
auf alle diese Puncte : „es scheint mir, es sind diess Lebensfragen für 
das Unternehmen, und nicht hinlänglich erörtert. In der That konnte diess 
aber auch nicht geschehen, ohne den hier erst eingeschlagenen Weg der 
Untersuchung der Zustände des Mittelmeeres und des Einflusses der 
Meeresströmungen auf die Absätze aus den Nilfluthen jenseits seines Delta." 

Es ist zu hoffen, dass die klare Darlegung der Thatsachen, wie sie 
der hocherfahrene Verfasser hier gibt, von den Personen beherziget werden 
wird, welche dieser grossen Frage ihre Theilnahme schenken. 

Herr H. Wolf legte eine Zusammenstellung der Strassen-, Fluss- 
und Eisenbahn-Nivellements im Honther und Neograder Comitate in Un- 
garn vor. 

Es sind 12 einzelne Nivellementszüge mit einer Gesammtlänge von 
75 y 4 Meilen, welche auf verschiedene Vergleichungsebenen bezogen waren 
und daher nur relative Höhen gaben, die unter sich im keinem Zusam- 
menhange standen. 

Durch zweckmässige Auswahl von Puncten aus jedem einzelnen Ni- 
vellement gelang es dieselben untereinander zu verbinden, und auf die 
Seehöhe des Eisenbahn-Stationplatzes Szobb zu beziehen. Dieser letztere 
wurde von der des Nordbahnhufes abhängig gemacht, welche bereits bei 
einer anderen Gelegenheit genau bestimmt wurde. Hiedurch ergab sich 
die Seehöhe von Szobb mit 58.139 W. Klafter, von welcher sodann die 
Seehöhen aller übrigen Puncte der 12 Nivellementszüge abgeleitet sind. 

Das vorgelegte Verzeichniss weiset deren mehr als 200 nach, und 
es gibt eine wesentliche Bereicherung des hypsometrischen Materials zum 
Studium der orographischen Verhältnisse des Honther und Neograder 
Comitates, welches innerhalb der letzten 4 Jahren, von den in A. Sen- 
noner's Verzeichnisse im Jahrbuche der k. k. geologischen Reichsanstalt 
1853 gegebenen 29 Nummern mit Zuzählung der von dem k. k. Kataster 
ausgeführten und den in den Comitatskarten und in der neuen Admiuistrations- 
Karte Ungarns angegebenen trigonometrischen Höhenbestimmungen, und 
endlich den von Herrn Wolf in der jüngsten Zeit ausgeführten baro- 
metrischen Messungen rasch auf nahezu 800 Nummern gestiegen ist. (Siehe 
diesen Jahrgang 2. Heft Abhandlungen Seite 120.) 

Der Hr. k. k. Rath A. Steinhauser brachte die ältesten drei Karten 
von Bayern (von Apian, Wein er und Finkh) und eine Auswahl von 
Blättern des topographischen Atlas von Bayern zur Ansicht, als 
den Anfang der Ausführung einer von Sr. Excellenz dem Herrn Feld- 
marschall-Lieutenant und General- Artillerie -Director R. v. Hauslab her- 
rührenden Idee, sämmtliche grosse topographische Arbeiten Europas nach 
und nach den Mitgliedern der k. k. geographischen Gesellschaft zur An- 
schauung zu bringen und nebstbei historische Andeutungen über die Be- 
gründung und Fortbildung der betroffenen topographischen Arbeiten zu 
geben. Herr A. Artaria erbot sich freundlichst dazu mit allen Mitteln 
seines Bereiches mitzuwirken. Der diessfalls dem Ausschuss gemachte An- 
trag wurde bereitwillig genehmigt. 

Ausnahmsweise wurde bei Bayern auch in die alte Zeit eingegangen, 
weil dieses Land das erste in Deutschland war, das sich einer auf ma- 

6* 



74 Versammlung am 3. Mai 1859. 

thematischen Grundlagen ruhenden Karte schon vor nahe 300 Jahren 
rühmen konnte. Apian's Holzschnitt-Karte von 22 Blattern datirt vom 
Jahre 1566. Alle späteren (Weiner's Copie auf Kupfer vom J. 1579, 
und Finkh's verkleinerte und auf 28 Quartblätter ausgedehnte Karte, 
welche noch Moreau im J. 1800 benützte) beruhen auf ihr. Hauptmann 
Aulitschek verdanken wir die ausführlichsten Nachrichten über die Be- 
gründung und Fortschritte der bayerischen Topographie. Er erzählt uns, 
dass Cassinis Längengradmessung, die bis Passau reichte, und zu welchem 
Behufe er eine Basis bei München mass, einen ersten Anstoss gab, der 
jedoch keine thatsächlichen Folgen hatte. Erst um die Zeit vor und nach 
dem Luneviller Frieden vereinigten sich französische und bayerische In- 
genieure unter der Direction Abancourt's (später Bonn es), um eine 
Militärkarte des bayerischen Kreises auszuarbeiten, allein wegen zu grosser 
Eile wurde nicht genau genug gearbeitet, und als später im J. 1807 
auch die Parcellvermessung behufs des Steuerkatasters eingeführt wurde, 
war es nöthig, die von Bonne besorgte zweite Basismessung ausge- 
nommen, die Triangulirung zu wiederholen. Das von Utzschneider, 
der Triebfeder und Seele der Parzellvermessung, gegründete optische 
Institut entwickelte die Talente eines Beichenbach, Frauenhofe r und 
Lieb he er und kam dem grossartigen Unternehmen hilfreichst entgegen. 
Das im J. 1801 gegründete, im J. 1808 definitiv unter der Leitung 
des rühmlich bekannten Oberst von Riedl (f 1809) organisirte topo- 
graphische Bureau in München und die auch im Jahre 1808 ent- 
standene Steuer - Yermessungs - Co mmissi on arbeiteten bis 1816 
unabhängig neben einander, endlich wurde bei der zweiten Organisation 
des ersteren (im Jahre 1816) der Operationsplan ein gemeinsamer, und 
die gegenseitige Unterstützung förderte die beiderseitigen Zwecke. Das 
topographische Bureau theilte sich in eine topographische und litte- 
rarische Abtheilung, und nahm im J. 1817 die Lehmann'sche Zeich- 
nungsart der Unebenheiten als Norm an. Eine nochmalige Organisation 
im Jahre 1822 minderte die Arbeitskräfte durch Hinüberziehung eines 
Theiles derselben in den neuerrichteten General-Quartiermeister-Stab. 

Der aus den Vermessungsarbeiten hervorgegangene Atlas hat drei 
Hauptperioden durchgegangen. Eine ältere reicht vom J. 1812 (wo die 
ersten 2 Blätter erschienen , ein paar Vorläufer ungerechnet) bis etwa 
1819 incl., wo die Resultate der Katasterarbeiten noch nicht benützt 
wurden und die Lehmann'sche Zeichnung noch nicht eingeführt war, 
und wo die Folgen davon selbstverständlich noch in jenen nach 1816 
und 1817 erschienenen Blättern zu vermuthen sind, deren Vollendung 
bereits zu weit vorgerückt war. Die spätere, wo mit aller Kraft gear- 
beitet wurde, umfasst das Jahrzehend von 1820 bis 1829 incl. und eine 
dritte, wo das langsame Erscheinen der Blätter offenbar die reducirten 
Kräfte verkündet, kann man vom Jahre 1830 annehmen. 

Der Maassstab der Karte, ^ der Natur (d. i. 1 Zoll = 696*/ 3 Klft.), 
würde noch mehr Detail in Angaben der Kultur u. a. erlaubt haben, 
auch spricht sich bezüglich der Terrainzeichnung eine competente Stimme 
in dem vom k. preussischen General-Stabe veröffentlichten kritischen Ver- 
zeichnisse der besten Karten von Mittel-Europa nicht ganz günstig aus. 
Noch wurden 2 Uebersichtskarten in 15 Blättern vorgewiesen, eine 
rein topographische und eine Terrainübersichtskarte, die einander ergänzen, 
deren Vereinigung aber doch bequemer sich erproben würde. 



7S 



Eingegangene Druckschriften. 



Austria. Wochenschrift für- Volkswirthschaft und Statistik. Wien 1859. Nr. 14. 

Von der Redaction. 
Nouvelles annales des voyages de la geographie etc. Paris 1859. Mars. 

Von der Redaction. 

Rivista periodica dei lavori della I. R. Accademia di scienze, lettere ed arti in Padova. 

V. VI. Padova 1857, 1858. — Nuovi Saggi della I. R. Accademia etc. Vol. VII. 1. 

Padova 1857. Von der k. k. Akad. d. Wissensch. in Padua. 

Jahresfeier der Eröffnung des Landes-Museums. Laibach 1832. — Leitfaden für die 

d. Landes-Museum in Laibach Besuchenden. Von Fr. I Graf v. Hohenwarth. Laibach 

1836. — Landes-Museum im Herzogthume Krain 1836 — 1838 Laibach 1838. — 

Jahresheft des Vereines des Krainer Landes-Museums. Laibach 1856. Vom Vereine. 

Museo civico di Bassano. Bassano 1857. Von H. Senoner. 

Zeitschrift für allgemeine Erdkunde. VI. 2. Berlin 1859. Von d. Ges. f. Erdkunde in Rer lin. 

Wiener Eisenbahnzeitung. Führer für Reisende auf Eisenbahnen und Dampfschiften etc. 

Von Leop. Kastner. Wien. Januar — April, November und Dezember 1858; 

März, April 1859. — Telegraphen -Tarif von Wien nach allen Stationen Europas etc. 

Von Leop. Kastner. Wien. Nr. 1. April, Nr. 3 November 1858. Vom Verfasser. 

Landwirthschaftliche Zeitschrift von und für Oberösterreich. Linz 1859, Nr. 8. 

Von der k. k. Landw.-Gesel lschaft in Linz. 
Centralblatt für die gesammte Landeskultur. Prag. Jahrg. 1857, 1858, Nr. 14—16 de 1859. 

Von d. k. k. p. ök. Gesell seh. in Prag. 
Mittheilungen aus J. Perthes geographischer Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf 
dem Gesammtgebiete der Geographie. Von Dr. A. Petermann. Gotha 1859. Nr. 3. 

Von J. Perthes geograph. Anstalt. 
Landschaftliche Hand-Zeichnungen (8 Slück) verschiedener Gegenden. 

Von Freiin von Kotz in Prag. 
Catalogue des livres de l'imprimerie armenienne de St. Lazare. Venise 1858. 

Von H. Senoner. 

Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde. Herausgegeben von dem 

Vereine für Geschichte u. Alterthumskunde Westphalens. N. F. IX. Bd. Münster 1858. 

Vom Vereine in Paderborn. 

Ueber das Castell Aliso. Von Dr. W. E. Giefers. — Kurze Geschichte der Hinenburg. 

Von Dr. \V. E. Giefers. — Beiträge zur Geschichte und Geographie des alten 

Germaniens. Von Dr. W. E. Giefers. Münster 1852. Vom Verfasser. 

Das Land Delbrück und seine Bewohner. Von W. Schmidt. Münster 1857. 

Von Herrn Dr. W. E. Giefers in Paderborn. 
Jahrbücher und Jahresberichte des Vereines für mecklenburgische Geschichte und Alter- 
thumskunde. XI11 — XXIII. Schwerin 1848—1858. — Register über die 1— XX Jahrg. 
der ebengenannten Jahrbücher. I — III. Schwerin 1844 — 1856. — Statuten benannten 
Vereines. Schwerin 1852. — Instructionen für Aufhebungen von christlichen Grab- 
denkmälern in Mecklenburg. Schwerin 1837. — Mecklenburgische Urkunden. Gesam- 
melt, bearbeitet nnd herausgegeben von G. C. F. Lisch. I — III. Schwerin 1837 — 1841. 
— Andeutungen über die altgermanischen und slavischen Grabalterthümer Mecklen- 
burgs u. s. w. Von G. C. F. Lisch. Schwerin 1 837. — 1. Bericht über die dem grossh. 
mecklenb. Antiquarium zu Schwerin in dem Zeiträume von 1834 bis 1844 gewordenen 
Vermehrungen. Von G. C. F. Lisch. Schwerin 1844. Vom Vereine in Schwerin. 
Bulletino dell' Istmo di Suez. Torino 1859. Nr. 7. V on d er R ed action. 

Gospodarski List. Zagrebu 1859. Nr. 15 — 17. Von der k. k. Ackerb.-Ges. in Agram. 
Bulletin de la Societe imp. des Naturalistes de Moscou. Nr. 4 de 1858. 

Von der k. Na t. -Gesellschaft. 

Bolletino dell' Associazione agraria friulana. Udine 1859. Nr. 7. Von der Gesellschaft. 

Allgemeine Land- und Forstwirtschaftliche Zeitung. Herausgegeben von der k. k. Land- 

wirthschafts-Gesellschaft in Wien. 1859. Nr. 13. Von der k. k. Landw.-Ges. 

Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. Wien. IX. 1858. Nr. 4. 

Von der k. k. geologischen Reichsanstalt. 
Verzeichniss der Erdbeben und vulkanischen Eruptionen und der dieselben begleitenden Er- 
scheinungen in den Jahren 1855 und 1856. Von Emil Kluge. Dresden 1858. — 
Die Reactionen des Erdinnern gegen die Erdoberfläche in den Jahren 1855 und 1856. 
Von Emil Kluge. Gotha 1858. — Dr. Clement's Theorie der Erdbeben-Bewegung. 
Beleuchtet von Emil Kluge. Gotha 1858. Vom Verfasser. 

Verhandlungen des Vereines für Naturkunde zu Pressburg. III. 1858. Nr. 1, 2. — Populäre 
naturwissenschaftliche Vorträge, gehalten im Vereine für Naturkunde von Prof. Albin 



76 

Fuchs. 1858. — Beitrag zur Kenntniss der klimatischen Verhältnisse Pressburgs. Von 

Professor Dr. G. A. Korn buber. Pressburg 1858. Vom Vereine. 

Notizblatt des Vereines für Erdkunde und verwandte Wissenschaften u. s. w. .Darmstadt 1859. 

Nr. 22 — 28. Janaar, März. Vom Vereine. 

Protokoll der 4. Sitzung der Kronstädter Handels- und Gewerbekammer am 17. März 1859. 

Von der Handelskammer. 
Wochenblatt der k. k. steiermärkischen Landwirthschafts- Gesellschaft. Gratz 1859. Nr. 13. 

Von der Gesellschaf t. 
Iicelmungs-Abschluss der galizischen Sparkassa mit 31. Dezember 1858. Lemberg 1858. 

Von der Sparkassa. 
Triester-Zeitung. Nr. 223 de 1859. (Mit Nachrichten von Sr. Maj. Fregatte „N'ovara") 

Von der Redaction. 
Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg. III. Folge. 8. Heft. Innsbruck 1859. 

Von Ferdinandeum. 
P"L*.S,rf LL'L.fl etc. (Pasmavel oder Polvhistore, Sammlung von wissenschaftlichen Abhand- 
lungen. ) Venedig 1858. Vom Mechi taristen-Co! legium in Venedig. 
Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier. Von 1853 — 1857. Trier 
1854 — 1858. Von der Gesellschaft. 
Berichte der Rhein. Missions-Gesellsehaft Barmen. Nr. 13 — 18 de 1858, Nr. 1 — 6 de 1859. 

Von der Missions-Gesellschaft. 

Der Geschichtsfreund. Mittheilungen des historischen Vereines der 5 Orte Lucern. Uri, Schwyz, 

Unterwaiden und Zug. Lucern XIII. XIV. 1857, 1858. Vom bist. Vereine. 

Atti delP Accademia fisio-medico-statistica di Milano. Anno accad. 1858,59. Vol. IV. An. XIV. 

disp. 1. 1859. Von der f. in. stat. Akademie. 

Atti dell' 1. R. Istituto Veneto di scienze, lettere ed arti. Venezia. T. IV S. III. disp. 5. 1859. 

Vom k. k. Institute. 
Militärzeitung. Wien 1859. Nr. 15 — 20. Von der Redaction. 



Versammlung am 17. Mai 1859. 

Der Herr Präsident k. k. Sectionschef K. Freiherr von Czoernig 
führte den Vorsitz. 

Herr F. Freiherr von Andrian legte mehrere dem englischen 
Parlamente in der Parlamentssession 1857 und 1858 vorgelegte Par- 
liamentary papers vor, welche wegen ihres interessanten geographi- 
schen Inhaltes von dem hohen k. k. Handelsministerium der k. k. geo- 
graphischen Gesellschaft mitgetheilt wurden und zwar weitere Papiere 
über die Kaffernländer, Papiere bezüglich der letzten Expedition zur 
Untersuchung des nördlichen Theiles von Australien unter A. C. Gre- 
gory; ferner die Papiere in Betreff der Trennung des Moreton ßay- 
Districtes von Neu Süd Wales; und endlich die Correspondenz über 
I. M. Schiff „ Resolute* und die Arktische Expedition. Während die erst- 
genannten uns manches Interessante über die Katfernstämme und die Un- 
terhandlungen mit ihnen lehren, enthalten die weiteren den ämtlichen 
Bericht Gregorys über die Resultate seiner Expedition im nördlichen 
Australien vom Juli 1855 bis April 1858 zur Aufsuchung von Dr. L ei- 
ch ar dt; und eine interessante Schilderung des Moreton Bay-Districtes 
im östlichen Australien; endlich gibt die letzt angeführte Correspondenz 
eine genaue Schilderung der Auffindung des brittischen Schiffes „Resolute" 
in der Davis-Strasse durch den nordamerikanischen Wallfischfänger „George 
Henry" unter Capitän Buddington nachdem das Schiff unter Capitän 
Kellett im Jahre 1850 zu einer arktischen Expedition bestimmt, im 
Wellington Kanal unter dem 76° N. Br. und 94° Länge im Jahre 1853 
im Eise festeingefroren verlassen werden musste. Der Strömung folgend, 
wurde es zwei Jahre später mit den Eismassen durch die Barrow-Strasse, 
die Baffin's-Bay bis in die Davis-Strasse geführt, hier im September 
1855 vom Capitän Buddington aufgefunden, nach Neu-London gebracht, 



F. Andrian. F. Foetterle. A. v. Ruthner. 77 

und von den Vereinigten Staaten Ihrer brittischen Majestät feierlich wieder 
zurückgestellt. 

Herr k. k. Bergrath F. Foetterle hielt einen Vortrag über die 
Terraingestaltung des nordwestlichen ungarischen Gebirgslandes. 

Herr Dr. A. von Ruthner las eine Mittheilung über seinen Ueber- 
gang aus dem Oetzthale in das Pitzthal, über den Hochvernagt und 
Sechsegertenferner. (Siehe diesen Jahrgang 2. Heft. Abhandlungen Seite 
130. Nr. XII.) 

Eingegangene Druckschriften. 

Annales de ia propagation de Ia foi. Paris 1859. Mai. Nr. 184. Von der Redaction. 

Mittheilungen der Gesellschaft für vaterländische Alterthümer in Basel. IV — V. VII. Basel 
1852—57. Von der Gesellschaft. 

Austria. Wochenschrift für Volkswirtschaft und Statistik. Wien 1859. Nr. 17 — 18. 

Von der Redaction. 
The Atlantis: a Register of literature and science conducted by membres of the ca- 
tholic University of Ireland. London 1859. January. Nr. 3. Von der Redaction. 
Verhandlungen und Mittheilungen des n. ö. Gewerbe-Vereines. Wien 1859. Nr. 3. 

Vom Vereine. 
Landwirtschaftliche Zeitschrift von und für Oberösterreich, Linz 1859 Nr. 9. 

Von der k. k. Landw. Gesellschaft. 
Centralblatt für die gesammte Landescultur. Prag 1859 Nr. 17 — 18. 

Von der k. k. p. ök. Gesellschaft. 
Allgemeine Land- und Forstwirtschaftliche Zeitung. Wien 1859. Nr. 14 — 15. 

Von der k. k. Landw. Gesellschaft. 
Jahresheft des Württemberg. Alterthums-Vereins. Stuttgart IX. 1859. — Schriften 
des Württemberg. Alterthums-Vereins. Stuttgart 1859. — VIII. Rechenschafts- 
Bericht vom 1. Jänner 1856 bis 31. December 1858. Vom Vereine. 
Verhandlungen der k. k. zoolog. bolan. Gesellschaft. Wien. Jahrgang 1858. 

Von der Gesellschaft. 

Mittheilungen aus J. Perthes geographischer Anstalt über wichtige Erforschungen auf 

dem Gesammtgebiete der Geographie. Von Dr. A. Petermann. Gotha 1859. IV. 

Von J. Perthes geograph. Anstalt. 
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. Organ des germanischen Museums. Nürn- 
berg 1859. April Nr. 4. Vom germ an. Museum. 
Mittheilungen des historischen Vereins für Krain. Laibach. Janner — Februar 1859. 

Vom Vereine. 
Mittheilungen über Gegenstände der Landwirtschaft und Industrie Kärnthens. Klagen- 
furt 1859. Nr. 4. Von der k. k. Landw. Gesellschaft. 
Nouvelles annales des voyages de la geographie etc. Paris 1859. Avril. 

Von der Redaction. 
Statistique de la France. IL Ser. T. III. 2. IV. 1. Strassbourg 1857. 

Vom Kais, franz. Ministerium. 
Bolletino dell 1 Associazione agraria friulana. Udine 1859. Nr. 8. 

Von der Ackerb. Gesellschaft. 
Wochenblatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. Gratz 1859. Nr. 14. 

Von der Gesellschaft. 
Delta of the Nile. An investigation of the effect of the prevaling wave influence on 
the Nile's Deposits by Capitain Spratt. R. N. London 1859. 

Vom k. k. Sectionsrath Herrn Wilh. Haidinger. 
Gospodarski List. Zagrebu. 1859. Nr. 18. 

Von der k. k. kroatisch, slav. Acker bau- Gesellschaft. 
Neue Mittheilungen aus dem Gebiete historischer antiquarischer Forschungen. Heraus- 
gegeben von dem thüring.-sächs. Vereine für Erforschung des vaterländischen 
Alterthums-Vereins. Halle I — IX. 1. 1834/57. Vom Vereine. 

H3c/rfe^0BaHie o ToproBwii Ha yKpanHCKHxi, npMapKa cö.vpr'b, 1851 — 1857. 

Von der Kais. G eo grap h.- Gesellschaft. 
Statitiske Tabeller vedkommende Under vicsnings vas senets Tilstand i Norge ved Udyangen 
af Aaret 1837—1840. Christiania 1840—1843. 

Von der kön. Gesellschaft der Wissen seh. in Drontheim. 
Militär-Zeitung. Wien 1859. Nr. 22. Von der Redaction. 



78 



Versammlung am 7. Juni 1859. 



Der Herr Präsident k. k. Sectionschef K. Freiherr von Czoernig 
führte den Vorsitz. 

Den Statuten entsprechend wurden die Herren, Se. Hochwürden 
Johann Gott schür, k. k. Schulrath in Grosswardein und August Jilek, 
Doktor der Medizin, Linienschiffsarzt und Leibarzt Sr. kais. Hoheit des 
Herrn Erzherzogs Ferdinand Maximilian in Triest, zu ordentlichen 
Mitgliedern gewählt. 

Unter den eingelangten Druckschriften lenkte der Secretär Herr 
Foetterle die Aufmerksamkeit der Versammlung auf die der Gesellschaft 
zugekommenen Publikationen der Mechitaristen-Congregation auf S. Laz- 
zaro bei Venedig, welche fortwährend bemüht sind, durch Veröffentli- 
chung von geographischen Büchern und Karten in armenischer Sprache 
zur Verbreitung dieses Zweiges unter ihren Landsleuten in Klein-Asien 
ungemein viel beizutragen. 

Herr F. Foetterle machte hierauf eine Mittheilung über die hydro- 
graphischen Verhältnisse des wasserreichen Kreises unter dem Wiener Walde. 

Herr Dr. A. von Ruthner las den Schluss seiner Mittheilung über 
seinen Uebergang aus dem üetzthal in das Pitzthal über den Hochver- 
nagt und Sechsegertenferner. (Siehe diesen Jahrg. 2. Heft. Abhandlungen 
S. 130. N. XII.) 

Herr Foetterle las folgende ihm von dem correspondirenden Mit- 
gliede Herrn J. M. Ziegler zugesendete Mittheilung über den Fortgang 
der topographischen Arbeiten in der Schweiz und über W. M unzin ger's 
Aufenthalt in Abyssinien vor: 

Indem ich die Ehre habe Ihnen über den Fortgang der topogra- 
phischen Arbeiten in der Schweiz zu berichten, kann ich mich dieses 
Jahr kurz fassen, dass Herr General Dufour energisch die topographi- 
schen Arbeiten fortsetzen lässt, so weit diese durch eidgenössische In- 
genieure durchzuführen sind (zu 1 : 50,000 Reduct.) d. h. in jenen 
Cantonen, wo die Cantonal- Behörden diess nicht selber angeordnet haben. 
Aber auch wo cantonale Vermessung (1 : 25,000) stattfindet, wie zur 
Zeit noch in den Cantonen Bern und Luzern, geht dieselbe stetig vor- 
wärts und es wäre diese noch mehr vorgeschritten, wenn nicht durch 
Eisenbahnbauten unsere Ingenieure zu sehr in Anspruch genommen wären. 

Der Canton Bern ist — wie mir der Director*) des dortigen topo- 
graphischen Bureau schreibt — so weit vorgeschritten, dass der bernische 
Antheil an den Blättern VIII. und XII. der eidgenössischen Karte ganz 
vermessen ist, und am Blatte XIII 7 Quadrat Stadien ebenfalls aufgenommen 
sind. Es haben sich bei diesen Arbeiten, durch Triangulation des Herrn 
Denzler wichtige Rectißcationen ergeben. Z. B. der topographisch und 
geologisch wichtige Punkt W r immis (^südl. Thurnersee) liegt statt, wie in 
der Hypsometrie der Schweiz 1199 Metr., blos 644 Metr. über Meer. 
In den Resultaten der Eisenbahn-Niveaus findet man auch ein wichtiges 
Correctiv für Hypsometrie. Aus dem Netze der Schweiz. Bahnen zwischen 
dem Jura und den Alpen, das von Genf bis an den Bodensee und bis 
nach Chur sich erstreckt, gelangt man übrigens auf manche Bestätigungen 



*) Herr Ober-Ingenieur I. J. Denzler. 



I. M. Ziegler. 79 

früherer geodätischer Bestimmungen. Behufs einer in Arbeit liegenden 
hypsometrischen Karte der Schweiz habe ich viele neue und ältere Quoten 
zu vergleichen und behalte mir vor, der k. k. geographischen Gesellschaft 
Näheres diessfalls mitzutheilen. Doch um barometrische Angaben, welche 
in die Hypsometrie der Schweiz übergegangen, mit den neuesten geodä- 
tischen Bestimmungen zu vergleichen, sei erlaubt, Folgendes hinzuzufügen : 
Schupbach-Brücke A: 670 m ; Guyot Barom.: 672 m 
Röthenbach A: 820„ ; Studer „ : 843„ 

man darf also in manchen Fällen auch früheren barometrischen Angaben 
jetzt noch Glauben schenken. 

In meinem vorjährigen Berichte erlaubte ich mir Ihre Aufmerksam- 
keit auf den Schweizer-Reisenden in den Abyssinischen Vorbergen Wer- 
ner Munzinger's Aufenthalt bei den Bogos zu lenken. Heute bin ich 
im Stande, Ihnen einlässlicher zu relationiren. Dieser fleissige junge Ge- 
lehrte hat im abgewichenen Jahre zwei Manuscripte zu Ende gebracht 
und an seinen Bruder, den Professor Juris Dr. W. Munzinger in 
Bern eingesendet, durch dessen Freundlichkeit mir die Uebersetzung über- 
tragen worden. Das eine Manuscript heisst: „Essay de Grammaire de 
la langue Belen"; mit Dictionären von über 2000 ächten Belen Wör- 
tern. Das andere: „Versuch über das Recht der Bogos." Der Verfasser 
hat, nach vierjährigem Aufenthalt unter diesem Stamme es dahin gebracht, 
die weder geschriebene noch ihrem Wesen nach im Bewusstsein dieses 
Volkes verstandene Sprache durch die Laute eines europäischen Alpha- 
betes wieder zu geben und kam dazu, durch Beobachten und Vergleichen 
die eigentliche Grammatik der Belen zu construiren. 

Die Bogos haben es mit Aufnahme von Tigre-Wörtern, wie die 
Deutschen, welche französische, oder wie die Perser, welche arabische 
Wörter aufgenommen; doch werden die so eingebürgerten nach der Belen- 
Grammatik abgewandelt. Auch unterschied unser Reisender ein paar 
aus dem Portugiesischen gebliebene Silben, wie das ng, *das h, das aq 
(aqua) und lange (langue) des letzteren. Nach der Aussprache lassen sich 
alle Buchsstaben auf das Deutsche zurückführen; voraus alle Vocale; 
dann unterschied er aber auch die Guttural-Laute der Bergbewohner im 

Allgemeinen, z. B. ch oder ?»• der Araber 
dh „ * 
gh „ £• gi wie im französischen. 

q „ J> °der guttural k. 

Es ist um so verdienstlicher, dass Herr Munzinger mit Ausdauer 
diesen Sprachstudien obgelegen, als nur wenige Menschen, circa 20000 
das fielen sprachen; dessen ungeachtet ist es ein wissenschaftliches Ver- 
dienst, ein neues Idiom mit eigenthüm lieber Alisbildungsfähigkeit nachge- 
wiesen zu haben. 

Wahrscheinlich auf ähnliche Weise, wie die Grammatik des Belen, 
entstand der Versuch des Rechtes der Bogos. Es ist auch hier ein 
sorgsames Vergleichen und Nachstudiren von geschichtlich Ueberliefertem, 
von rechtlichen Satzungen und Gewohnheiten in Einen Zusammenhang gebracht. 

Nach einer Einleitung theilt Munzinger seine Schrift in folgende 
Capitel: 



80 \ersammlung am 7. .luni IHöt>. 

1. Ursprung des Rechtes und Staates: die Familie; Garantie des Rechtes; 
Regriff der Familie; Gerichtsordnung: Bürgschaften; Reweis. 

2. Die engere Familie: Vater und Kinder. 

3. Herr und Leibeigener {Schmagilli und Tigre); Kontrakte. 

4. Verhältniss zwischen Mann und Frau, Eherecht. 

5. Eigenthum; Erbrecht; Verletzung des Eigenthums. 

6. Verletzung der Person; Rlutrecht. 

Nach jedem Capitel folgen erläuternde, meist historische Bemerkungen 
als „Erläuterungen." Der Verfasser setzt demnach in seiner Behandlung 
das Gesetz voran und erklärt es durch Hinweisung auf Gebräuche und 
Geschichte, statt, aus der Sitte des Volkes die Gesetzes-Artikel nachzuweisen. 

Zweifelsohne ist in dem Recht der Rogos sehr viel Ueberkom- 
menes aus demjenigen Abyssiniens. Dennoch ergibt sich aus der Stammes- 
Geschichte und aus der Genealogie, dass jenes Recht auf originellem Roden 
entstanden. Schon der Name weist auf nationalen Ursprung hin: Fetech (jus) 
mogarech d. h. Gesetz von Mogarech: der Stelle, wo die aus den südlichen 
Bergen Eingewanderten sich zuerst in der Nähe von Keren niederliessen. 

Munzinger sagt über seine Arbeit bescheidentlich: „Der Gegenstand 
ist klein und gross: klein, wenn man auf die Bedeutungslosigkeit des 
Volkes, womit er sich beschäftigt, Rücksicht nimmt, gross, wenn man 
bedenkt, dass dieses Recht einst ein starkes blühendes Volk regierte 
und dass die darin liegenden Rechtsgrundsätze zum grössten Theil ganz 
Abyssinien und dessen nördlichen Grenzvölkern gemeinschaftlich sind. Das 
abyssinische Recht, ganz auf der gleichen Rasis liegend, hat sich durch 
die Königsgewalt umgestaltet, der Familienzusammenhang hat sich durch 
die inneren Revolutionen gelockert und seine richtende und gesetzge- 
bende Gewalt an den König abgegeben. In den Ländern, die den Islam 
angenommen, wurden die alten Rechtsbegriffe durch die neue Religion 
in Gährung gebracht. Dennoch lässt sich nicht verkennen, dass die Re- 
wohner der Nordgrenzen Abyssiniens rechtlich sich verstehen, d. h. ihre 
alten vom Habesch mitgebrachten Rechts-Ideen noch immer geistig be- 
wahren. So wird das Recht der Rogos, das bis auf die neuesten Zeiten 
am Leben geblieben ist, eine Urkunde des alten Rechtes der Völker 
Gees, vor dem Eindringen der Amhara. 

Die Bogos nennen sich selber Boas qor: „Boas Söhne." Ueber 
diesen Stammvater weiss man nichts Näheres. Die verschiedenen Zweige 
dieses Volkes führen ihre Descendenz auf den Gehre Terke zurück. 
Ausser dieser Stammesverwandtschaft sind dieselben durch zahlreiche 
Wechselheirathen noch enger verbunden. Ihr Recht ist daher ein patriar- 
chalisches, aristokratisches und seine Garantie ruht im Familienzusammen- 
hange. Es erhält sich nur durch die Familien-Liebe. 

In einer Gegend, wo mehr Hirten als Ackerbauer wohnen und wo 
auf ungeheure Strecken hin brachliegendes Land sich ausdehnt, konnte ein 
anderer gesellschaftlicher Zustand sich nicht entwickeln. Zumal die Leich- 
tigkeit der Auswanderung (manchmal das Werk einer Nacht) keine an- 
dere Anziehungskraft zulässt als das Familienband, zugleich aber ist die 
Leichtigkeit, ungebührlicher Rehandlung zu entfliehen, eine Garantie der 
Rechtspflege, welche noch dadurch erhöht wird, dass alle Rogos grosse 
Furcht hegen vor fremder Einmischung. 

Die Revölkerung theilt sich in die drei folgenden Gruppen, welche, 
wie die zwei ersteren in einzelne Familien zerfallen. 



I. H. Ziegler. 81 

Die Tegor Sogor leben in 1150 Häusern und besitzen 140 Heerden. 
„ SehdnaU „ „8ö0 „ „ „ 75 „ 

Der auf eine Familie beschränkte Stamm der Beit Gabru wohnt in 
einem Mogarech in 100 Häusern, so dass die Gesammt-Bevölkerung zu 
8400 Seelen mit 2100 erwachsenen Männern zu schätzen ist. Die Heerde 
ohne Ziegen und Pflugstiere, wird zu 50 Kühen angenommen und reprä- 
sentirt nach dortigem Werth ein Gesammtvermögen von 33,000 Thalern.*) 
Der Besitz an Kostbarkeiten und Silber kann nicht geschätzt werden. 

In obiger Bevölkerungszahl sind jedoch nicht alle freie Leute. Zu 
diesen — den echten Bogos — oder Schmagilli (Nachkommen Gebre 
Terke's) zählt nur ein Drittheil, während die anderen zwei Drittheile die 
Unterthanen (Tigre'} sind. Das Verhältniss von diesen zu jenen ist nicht 
drückend, die Tigre können eigen Vermögen besitzen und sind theils 
durch das Gesetz, theils durch die Leichtigkeit der Auswanderung geschützt. 
Für gültige gerichtliche Urtheile sind Zeugen und öffentliche Verhandlungen 
(mohäber) erforderlich. Bürgschaft — in dreifacher Form — ist häufig 
der Fall, so wie der Eid, der in vier Stufen bis zum Kirchenschwur, 
stattfindet. Eigenthümlich ist, dass der letztere umgangen werden kann, 
da der Angeklagte das Becht hat, sich demselben zu entziehen, wenn er 
den halben Werth der in Streit liegenden Sache dem Kläger entrichtet, 
worauf die Anschuldigung zu Boden fällt. 

Sehr characteristisch sind die Gebräuche, welche die Bogos bei der 
Geburt, beim Eintritt der Mannbarkeit und bei den Todten beobachten. 
Es lebt viel Ideales in diesen Leuten und wenn die nachfolgenden Belege 
gerade nicht auf hohen Schwung der Phantasie Anspruch machen können, 
so zeigen sie doch etwas sinniges und gemüthliches an: 
Beim Tode eines Kindes singen sie: 

Korit u Serseru Abeika leqabberu. 
„Den vom Winde und Jugend noch nicht matten 
Mag dein Feind bestatten. u 
Für einen jungen Mann: 

Lila geletheka, Abel retheka? 
„Der Adler hat dich fortgenommen, 
Wo hat er dich zu sehn bekommen?" 
Für ein Mädchen : 

Schuken tetewauel, mai la Schemmal tetraue. 
„Die Gazelle erfrischt sich an dem Morgenduft 
Und trinkt sich satt an der Bergesluft. u 
Diese Bruchstücke geben die gewöhnlichen Gesänge bei Anlass der 
angegebenen Todesbestattungen, sie sind im Tigre-Dialekte gedichtet, welcher 
in solcher Stimmung gern gehört wird. Dabei begnügen sich nicht Alle; 
Munzinger belauschte eine klagende vater- und mutterlose Waise, welche 
im Belen folgendermassen sich äusserte: 

Je thim | min beki \ na esem \ eclebulu \ u bak\jet gesse, 

Mona\gid deb\bu min\hu min\te mud\ir messe. 

„Wenn eine Waise weint: komm schweige! sagt ihr Niemand, 

und lass das Weinen, 
Man schliesst die Pforten vor ihr zu, und es nachtet über der 

Alleinen. u 



*) Oesterreichische Thaler. 



82 Versammlung am 7. Juni 1850. 

Bei Menschen von solcher Gemüthsart werden auch Züge im ge- 
wöhnlichen Lehen zu finden sein, welche derartiger elegischer Stimmung 
conform sind. Diese finden sich in dem Verhältniss des Leibeigenen 
(Tigre) zum Herrn (SchmagilU) i B. der Leibeigene, ob Mann oder 
Frau, hat Freiheit zu leben wo er will. Der Herr wird als Vater seines 
Sclaven betrachtet; er hattet für sein Blut und hat das Recht der Blut- 
rache; er ist Schutzherr und Bürge für denselben. 

Das Verhältniss zwischen SchmagilU und Tigre (als Gutfare oder 
Woresa d. h. Dienstmann) ist die erbliche Pflicht rechtlichen Schutzes 
von der einen und der Bothmässigkeit von der andern Seite. 

Die Bogos scheinen sich auf friedliche, gegen die Einwohner scho- 
nende Weise, des Landes bemächtiget zu haben, sie erlaubten sich kei- 
nen Angriff auf das Bodenreeht, so dass die Nachkommen der Urein- 
wohner noch immer im Besitze des meisten Landes sich befinden. 

Hier erwähne ich, was Herr Munzinger über die neuesten Ver- 
hältnisse der Sclaverei erzählt: 

Der Ferman für Abschaffung des Sclavenhandels ist in Massua zwei- 
mal verlassen worden. Dessen ungeachtet ist die Ausfuhr der Sclaven 
nach Arabien so gross wie früher. Aegyptische Häfen sind den Händlern 
verschlossen, aber Sclaven, wenn in Kisten verpackt, nach Munzinger 
als Augenzeuge, kümmert als Ausfuhr-Artikel die ägyptische Polizei wenig. 
Ein Kreuzer-Schiff im südlichen rothen Meere würde binnen Monathsfrist 
dem ganzen Sclavenhandel das Leben abschneiden; da die Muhamedaner 
eine verunglückte Speculation ein zweitesmal nicht gern versuchen. In 
Chartum und dem Sudan hat man die Abschaffung ebenfalls verkündet 
und theilweise durchgeführt; aber in rücksichtsloser Manier, die dem Be- 
freiten wenig Nutzen bringt. In Abyssinien hat sich der Negus Teo- 
doros der Abschaffung der Leibeigenschaft angenommen, doch haben 
ihn die starken Kriege mit den Galla's verhindert, seine Edicte conse- 
quent durchzuführen. Das letzte Jahr (1857) nahm er der grossen Ka- 
rawane von Godscham wohl 3000 Galla-Sclaven ab, welche er getauft 
in ihr Vaterland zurücksendete. Ferner, hat er den alten Soldaten-Ge- 
brauch, die Kriegsgefangenen zu kastriren, streng verpönt und es ist zu 
hoffen, dass diese Unsitte fürderhin von Abyssinien verbannt bleiben wird. 
So kann man immerhin auf Fortschritte Hoffnungen setzen; überdiess ist 
die Abschaffung der Sclaverei in Abyssinien und den nördlichen Nach- 
barländern keine schwierige Sache, da der besitzende Theil dabei wenig 
materiellen Verlust haben wird. 

Das Eherecht möchten wir bis auf einen gewissen Grad ausgebildet 
nennen, dasselbe enthält manche Stufen von Unterscheidung, schon von 
der Heirath (Häday) an: So ist die Ledigungssumme (Zegad d. h. Va- 
terpreis), welche der Bräutigam an den Vater der Braut zu zahlen hat 
ein anderer bei Häday mobel „ Wittwen-Heirath" als bei „Jungfrau-Hei- 
rath" Häday welet. Diese schliesst sich schon während der Kinderjahre 
der Verlobten. Der Mann hat die Freiheit zu heirathen und sich wieder 
zu scheiden, wann und so viel er will. Frauen und Jungfrauen sind 
rechtsunfähig, dazu noch die schlechte Nachrede in folgendem Sprichwort: 
Ogheina woqa gen „die Frau ist eine Hyäne." Durch dreimaliges Ent- 
laufen aus der Hütte des Gatten in die des Vaters kann sich die Frau 
scheiden. Zweimal wird sie dem Manne zurückgebracht, das drittemal ist 
sie von Rechtswegen frei. Die Kinder geschiedener Eltern gehen von 



I. M. Ziegler. 83 

Rechtswegen mit dem Vater, ausser dem Säugling, welchen die Mutter 
beanspruchen kann. 

Die Stellung der Frau bei den Bogos ist ungünstiger als die der 
Abyssinierin, wo die Scheidung erschwert ist. Das nahe Barca ist im 
Gegensatze zum Land der Bogos ein Frauenhimmel. Dort ist der Mann 
durch die Sitte gezwungen, seiner Frau häufige Geschenke zu machen, 
und von solchem Belange, dass er darob manchmal in Armuth geräth. 
Dort kann sie ihn verlassen, wann sie will und Niemand kann ihr Hei- 
rathsgut beanspruchen. 

Betreff der Eigenthums- Verhältnisse bestehen folgende Uebungen: 
Eine Person kann Eigenthümer einer Sache werden: Durch Kauf, durch 
Erbschaft, durch erste Besitznahme, durch Erbeutung im Auslande. Wer 
ein Grundstück verkauft hat, dem bleibt das Recht, bei Lebzeiten des 
Käufers dasselbe um den doppelten Kaufpreis zurückzuerlangen. Wer 
eines Andern Feld bebauen will, verspricht diesem einen kleinen Theil 
des Ertrages und erlangt dadurch dessen Segen, ohne welchen Niemand 
wagt, fremdes Land zu bebauen. — Bei den Takue und Menza zahlt 
der Bebauer dem Grundeigentümer einen Drittheil der Erndte; so sehr 
ist dort der Ackerbau ergiebiger als bei den Bogos, daher auch von 
diesen die Mehrzahl Hirten sind. — Der Boden gehört zum Erbtheil 
des Erstgebornen. 

Gäbet heisst die Verpflichtung, ein geborgtes Capital doppelt zurück- 
zuerstatten ; also mit 100 Percent Zins. Findet sich nach Ablauf von 12 
Monaten der Schuldner ausser Stande zu zahlen, lässt der Gläubiger den 
Zins von 100 Percent für jedes folgende Jahr auflaufen. 

Jeder freie Mann hat das Recht, bei Lebzeiten über sein Eigen- 
thum zu verfügen durch Geschenke. Hat derselbe grossjährige Söhne, 
dürfen sie ihn verhindern, die weissen Kühe wegzuschenken. Das Recht 
des Testamentes, über den Tod hinaus Bestimmungen zu treffen, kennt 
das dortige „ Gesetz" nicht. Das Vermögen geht bei Erbschaft vom Vater 
auf die Söhne über, mit Bevorzugung des Bikr d. h. des erstge- 

bornen Sohnes der erstverlobten Frau. — Zum erblichen Vermögen ge- 
hören: Land und Haus, Geräthe, eiserne Werkzeuge, Getreide und Geld, 
Viehstand, Waffen, Sclaven und die Frau. — 

Die Nachkommen eines Vaters, bis auf sieben Grade, bilden die 
Blutsverwandtschaft. Das Blutrecht bildet und unterscheidet ganzes und 
halbes Blut. 

In dieser Unterscheidung sind die Bogos sehr einlässlich und er- 
innern an die mittelalterlich-europäischen Abstufungen des Blutpreises. 
Auch hier wieder zeigt sich die geringe Achtung, in welcher die Frau 
steht; denn wer die eigene Frau oder die Verlobte tödtet, zahlt nur 
den halben Blutpreis, weil „die andere Hälfte ihn angehe." 

Der ganze Blutpreis eines Schmagilli ist 120 Kühe, der eines Tigre 
93. Dabei finden weitläufige Specificationen statt, sowohl Betreff der Thiere 
als der Empfänger. 

In Verhältnissen, wo alle Beweise durch Zeugen, oft durch Eide 
und Gottesurtheile geleistet werden müssen, kann die Justiz nur eine 
langsame sein. Es entspricht aber ein solcher Rechtsgang den einfachen 
Sitten und den einfachen Verhältnissen dortiger Stämme. Nicht ohne 
Grund nennt Munzinger seine Schrift: „eine These über ein Recht 
ohne Richter und ohne Regierung." 



84 Versammlung am 7. Juni 1859. 

Dass die Bogos früher zur Abyssinisehen Kirche gehörten, zeigen 
noch genug ärmliche Ueberbleibsel von Kirchen in Keren und Mogarech. 
Die Entfernung von Abyssinien machte nach und nach alle religiöse Kennt- 
niss erlöschen. Zwar nennen sich die Bogos noch Christen „Costan." 
Der Beweis davon besteht aber nur darin, dass sie, gleich den Abys- 
siniern, nie von Mohamedanern geschlachtetes Fleisch berühren. Hasen-, 
Elephanten- und Straussen-Fleisch betrachten sie als unerlaubt. Sie sehen 
in diesem Unterschiede des Genusses die Differenz zwischen Christen und 
Moslemin. Den Sonntag nennen sie den „grossen Sabath" (Senbeth abbei). 
Die Sabathruhe fallt jedoch auf den Samstag. In den zwei oben be- 
nannten Kirchen administriren erbliche Priester, denen das Vaterunser 
aber unbekannt ist. Eigenthümlich, dass im Belen die Namen: Gott, 
Jesus, Dreieinigkeit synonime Wörter sind. Von Unsterblichkeit der Seele 
ist ihr Begriff kümmerlich und schon dadurch angedeutet, dass sie nur 
Ein Wort haben für Seele und Athem, nur Eines für: Gott, Himmel, 
Firmament. 

Die moralische Situation jener Völker kennzeichnet sich noch nach 
deren Begriff von Tugend; Achtung erwirbt sich: Der Unerschrockene, 
der Bluträcher, der Räuber, der Herr (Schmagilli), der seinen Schütz- 
ling nie im Stiche lässt, der Unversöhnliche, der Schweigsame, der 
Hötliche, der Stolze, der Beiehe, der Freigebige, der Grossmüthige, der 
Prunkliebende, der kluge Bathgeber. — Dagegen sind die Laster der 
Civilisation dort unbekannt. Obwohl der Bäuber geachtet, ist der Dieb 
selten. Davon hat Munzinger nie gehört, dass Kinder die Eltern, oder 
Eltern die eigenen Kinder getödtet hätten. Selbstmord der Männer ist 
fast unbekannt, dagegen führt die rechtlose Stellung der Frau nicht 
selten zu dieser Verzweiflung. 

Ueber Herrn Munzinger's Erlebnisse in der jüngsten Zeit noch 
folgendes : Er schreibt gewöhnlich an seinen Bruder Herrn Dr. U. J. 
Walter Munzinger, Professor an der Universität Bern; so am 3. No- 
vember 1858: dass er von Anfang desselben Jahres bis 6. Mai auf der 
Reise gewesen und dabei glücklich um einige Tage dem Massacre in 
Djedda entronnen sei. Im Juni war er, wegen Abwesenheit seines Freun- 
des, des Missionärs Herrn Stella in politischen Dingen beschäftiget. 
Im Juli und August schrieb er seine Arbeit über das Belen nach letzter 
Correctur. Im September fing er an sein Manuscript über das Becht 
der Bogos ins Reine zu bringen. Im October, durch Grippe am Arbeiten 
gestört, genas er auf der Jagd; darauf ward der November benützt, die 
letzte Hand an das Manuscript zu legen, worüber oben berichtet ward. 
Durch ökonomische Verhältnisse bedingt, sieht er sich auf zwei 
Richtungen für sein Wirken angewiesen : entweder wird ihm von Europa 
aus der Auftrag zu Theil behufs Vervollständigung und Fortsetzung seiner 
Beobachtungen, welche er bereits über das ganze Ländergebiet, nördlich 
von Abyssinien, ausgedehnt hat, z. B. für eine erweiterte Karte jener 
Gegenden, dann für die Sprachen und Ethnographie der an's Tigre gren- 
zenden Völker; zugleich hat Munzinger die Uebersetzung des abyssi- 
nisehen Bechtes in Arbeit genommen; als Erläuterung derselben, damit 
Vergleichungen über dortige Special -Bechte gesammelt; oder er muss 
sich, in Mangel an einer Commission aus Europa, fast ausschliesslich auf. 
Handelsunternehmungen werfen, aus welchen er bis dato theilweise seine 
Existenz sicherte. Leider ist durch den tragischen Tod des englischen 



[. M. Ziegler 85 

Consul in Djedda, Herrn Page, sein Handelsplan, den er mit diesem 
Freunde entworfen hatte, zu nichte gegangen; aber auch die Blicke nach 
unserem Welttheile sind vor der Hand umdüstert. Die Hoffnung ist geringe, 
dass ihm gelinge, die Müsse zu finden für Fortsetzung des Angefangenen, 
welche für einen wissenschaftlichen Reisenden erforderlich ist. 

Die jüngsten Nachrichten aus Keren d. d. 1. März v. J. kamen 
am 12. April nach Bern. Nebst Bestätigung seines Wohlbefindens ist 
darin folgende Anmerkung enthalten, in Betreff der Kritik seiner Karte; 
soweit selbige in der Petermann'schen Zeitschrift erschienen ist: „Die 
Vergleichung zwischen von Heuglein und mir hat mich befremdet. Herr 
von Heuglein hat den ganzen Strich Landes zwischen Kassala und 
Massua nie gesehen, seine Berichte gründen sich auf eine ziemlich flüch- 
tige Karte Plowden's, die er copirt hat, und auf einige von Herrn 
Stella ihm gegebene Mittheilungen. Was den Zusammenfluss des Anseba 
und des Barca betrifft, hat er es von mir erfahren, da ich ihm voriges 
Jahr in Cairo seine Karte corrigirt habe. Uebrigens weiss ich nicht, 
warum Herr von Heuglein diesen Landstrich Hahab-Länder nennt. Was 
ich sage, habe ich mit eigenen Augen gesehen, was Herr von Heuglein 
sagt, hat er von Andern in Massua gehört. Der Zusammenfluss von Barca 
und Anseba ist meine Entdeckung. Zwar will sich Herr Stella davon 
heute noch nicht überzeugen lassen." — 

Es ist jederzeit vorgekommen, dass die Beisenden mit einer ge- 
wissen Sorglichkeit darauf geachtet haben, dass ihnen das Verdienst eigener 
Entdeckungen bleibe. Es darf daher zu meiner Aufgabe gehören, die von 
Munzinger gemachten Anmerkungen wörtlich wiederzugeben. 

Das „Becht der Bogos" ist bereits im Drucke begriffen und ich 
ersuche, der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien ein Exemplar 
sofort nach Erscheinen überreichen zu dürfen. 

Eingegangene Druckschriften : 

Landwirtschaftliche Zeitschrift von und für Ober-Oesterreich. Linz 1859. Nr. 10—11. 

Von der k. k. Landwirth. Gesellschaft. 
Gospodarski List. Zagrebu. 1859 Nr. 19-22. Von der k. k. Ackerb. Gesellschaft. 
Centralblatt für die gesammte Landeskunde. Prag 1859. Nr. 19 — 22. 

Von der k. k. pat. ök. Gesellschaft. 

Führer für Reisende auf Eisenbahnen und Dampfschiffen in Oesterreich u s. w., bearbeitet 

und herausgegeben von Leop. Kastner. Wien 1859. Mai. Vom Verfasser. 

Journal of the Franklin Institute of the State of Pensylvania for the promotion of the 

mechanic arts. Philadelphia 1859. Vol. XXXVII. Nr. 1—3. Vom Institute. 

Officielle Berichte über die letzten Reisen und den Tod von Adolph Schi agi ntweit 

in Turkistan. Von H. und Rob. S chl a gintweit. Von den Verfassern. 

Allgemeine Land- und Forstwirthschaftliche Zeitung. Wien 1859. Nr. 16 — 17. 

Von der k. k. Landw. Gesellschaft. 
Notizblatt des Vereines für Erdkunde und verwandte Wissenschaften zu Darmstadt und 
des mittelrhein. geologischen Vereines. Darmstadt 1859. Nr. 27 — 31. 

Von der Gesellschaft. 
Bulletino delf Istmo di Suez. Torino 1859 Nr. 8. Von der Redaction. 

Austria. Wochenschrift für Volkswirthschaft und Statistik. Wien 1859. Nr. 19—22. 

Von der Redaction. 
Zeitschrift für allgemeine Erdkunde. Berlin 1859 VI. Bd. 3. Hft. 

Von der Gesellsch. f. Erdkunde. 
Wochenschrift der k. k. steierm. Landvvirthschafts- Gesellschaft. Gratz 1859. Nr. 15—16. 

Von der Gesellschaft. 

Madagascar possession francaise depuis 1642 par V. A. Barbie du Bocage etc. 

Ouvrage accompagne dune grande carte dressee par M. V. A. Malte Brun. Paris. 

Vom Verfasser. 



86 

Lehrbuch der Oceanographie zum Gebrauche der k. k. Marine-Akademie, von Dr. Aug. 
Jilek. Wien 1857. Vom Verfasser. 

Bollettino dell' Associazione agraria friulana. Udine. 1859. N. 9 — 10. 

Von der Ackerbau-Gesellschaft. 

Prospectus of Mss. Schlagintweit's Collection of Ethnographie Seads from India 
and Higli Asia. Leipzig 1859. Joh. Ambr. Barth. Vom Verleger. 

Hauptbericht der Handels- und Gewerbekammer für das Herzogthum Salzburg über den 
Zustand der Landescultur, der Industrie etc. in den Jahren 1854 bis incl. 1858. 
Salzburg 1858, Von der Handelskammer. 

Programm des Kronstädter Bergbau- und Hütten-Aetien-Vereins für die Periode 1859 
—1862. — Gcschäfts-Berieht des Venvaüungsrathes des Kronstädter Bergbau- 
und Hütten-Actien Vereines für das Jahr 1858. 

Vom Verwaltungsrathe Herrn Franz Voss in Kronstadt. 

Atti dell' I. R. Istituto veneto di scienze, lettere ed arti. Venezia. 1859. T. IV. S. III. 
Disp. 6. Vom k. k. Institute. 

Notice sur la Colonie du Senegal et sur le pays qui sont en relation avec eile. Par 
M. L. Faidherbe. Paris 1859. — Rapport fait le 3. Decb. 1858 a la 2. 
assemblee generale annuelle de la societe de Geographie sur ses travaux et 
sur les progres des sciences geographiques pendant l'annee 1858 par F. Alfred 
Maury. Paris 1859. Von Herrn A. V. Malte Brun. 

Karte des Kantons Tessin. — Karte des Rheinthaies, von der österr. Liechtenstein'schen 
Grenze bis zum Bodensee mit dem Nivellement des Bheines von der St. Gal- 
lisch-Bündtnerischen Grenze bis zum Bodensee etc. in 3 Blättern. 

Von Herrn Ziegler in Winterthur. 

Petri Schenkii Atlas saxonicus. 1764. — Atlas geographica major exhibens tellu- 
rem seu globum terraqueum in mappis generalibus et specialibus per Joh. 
Bapt. Homianum ejusque heredes editis etc. Norimburge 1759. 

Von Herrn Heinrich Wolf. 

Annales dAfrique. Paris 1857. Nr. 1. 2. 1858. Nr. 1. 2. Von Herrn Castilli. 

Zemepis vserbecny vedecky svovnävaci. Sepsal Dr. Jan. Palacky. Cast obzolastni I. Svet 
Nevzdelany: Afrika. Australie etc. V. Praze. 1859. — Wissenschaftliche Geo- 
graphie. Von Dr. Joh. Palacky. Besonderer Theil. 1. 2. Prag 1858. 

Vom Verfasser. 

Protocoll der sechsten ordentlichen Sitzung der Kronstädter Handels- und Gewerbekam- 
mer im Jahre 1859 am 3. Mai. Von der Handelskammer. 

Memorie dell' Accadeniia d'agricoltura, commercio ed arti. Verona 1858. Vol. XXXVI. 
XXXVII. Von der Akademie. 

Archiv für historische Geschichte und Alterthumskunde. Herausgegeben aus den Schriften 
des historischen Vereines für das Grossherzogthum Hessen. Darmstadt IX 1. 
1859. Vom Vereine. 

l^SLliU u - s. W 1 . Atlas geographique precede d'une introduction a Ja Geographie 
mathematique, physique et politique. En caracteres armeniens. Paris 10 Bl. 

Vom Mechitaristen-Collegium in Venedig. 

Jahrbücher des Vereines von Alterthumsfreunden im Rheinlande. Mai 1859. 14. Jahrg. 1. 

Vom Vereine. 

Oesterreichische botanische Zeitschrift. Wien 1859. Nr. 1 — 6. Von der Redaction. 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. VI. Jahrg. Nürnberg. 1859. Mai. 

Vom germannisch. Museum. 

Ueber die neuesten Reisen und Entdeckungen in Inner-Afrika von I. M. Ziegler. 
Winterthur 1859. Vom Verfasser. 

Militär-Zeitung. Wien 1859. Nr. 23—24. Von der Redaction. 



Versammlung am 18. Oktober 1859. 

Der Präsident, Se. Excellenz Herr k. k. Sectionschef Freiherr von 
Czoernig führte den Vorsitz. 

Ueber Antrag des Ausschusses genehmigte die Gesellschaft den 
Vorgang bei der Uebergabe der Medaille, die bei der Rückkehr Ihrer 
k. k. Apostolischen Majestät Fregatte „Novara" an die Equipage derselben zur 
Erinnerung der durch sie eben zu Ende geführten ersten Oester- 
reichischen Erdumsegelung im Namen und von Seite der k. k. 



F. Foetterle, D. Livingstone. 87 

geographischen Gesellschaft erfolgt ist. Zugleich wurde der Inhalt des 
Schreibens mitgetheilt, in welchem Se. k. Hoheit der durchlauchtigste 
Herr Erzherzog Ferdinand Maximilian für diesen Act der k. k. geogra- 
phischen Gesellschaft seine vollkommene Erkenntlichkeit ausgesprochen haben. 
Der Secretär legte die von dem Comite der A. von Humboldt- 
Stiftung für Naturforschung und Reisen durch Herrn Hofrath W. Hai- 
dinger an die Gesellschaft eingesandte Einladung zum Beitritte zu dieser 
Stiftung vor und forderte die anwesenden Herren Mitglieder zur Sub- 
scription von Beiträgen auf. 

Zu ordentlichen Mitgliedern wurden gewählt die Herren Franz 
Loeffler, Gutspächter zu Krzeszow in Gallizien; Anton Letocha, k. k. 
Kriegscommissär; Anton von Etzel, königl. preuss. Officier a. D. in 
Berlin, und Alex. Graham Dunlop, Attache der k. Grossbritannischen 
Gesandtschaft in Wien. 

Ausser einer grossen Anzahl von Druckschriften und Karten, welche 
im Laufe des Sommers theils als Geschenke, theils im Tausche der 
Gesellschaft zugekommen sind, legte der Secretär Herr k. k. Bergrath 
Foetterle Wandkarten, die beiden Hemisphären darstellend von Dr. C. 
Vogel in Leipzig zur Ansicht vor. Diese Karten sind mit mehreren 
Farbentönen auf dem Wege des Wachstuchdruckes auf starker Leinwand 
ausgeführt; hierdurch ist auf denselben jede Art von Einzeichnungen 
möglich, welche nach Belieben wieder weggewischt werden kann, wo- 
durch sich diese Karten namentlich für den Unterricht vortrefflich eignen. 

Herr Secretär Foetterle las ein an Herrn Hofrath W. Haidinger 
gerichtetes von Sr. Excellenz dem k. Grossbritannischen ausserordentlichen 
Gesandten in Wien, Lord Augustus Loftus ihm zugesandtes Schreiben 
des bekannten südafrikanischen Reisenden D. Livingstone aus Tette 
am Zambesiflusse vom 21. Februar d. J. vor, das einige interessante Einzeln- 
heiten sowohl über den Zambesi, wie über die Nebenflüsse desselben enthält: 

„Gestatten Sie mir den herzlichsten Dank für die Ehre darzubringen, 
welche mir durch die Wahl zum correspondirenden Mitgliede einer so 
ausgezeichneten Körperschaft, wie die k. k. geographische Gesellschaft 
in Wien geworden ist, und ich werde immer Ihr Diplom als ein werth- 
volles Pfand Ihres Beifalls für meine Arbeiten betrachten. 

Die beste Art zu zeigen, dass ich wirklich dankbar bin, ist viel- 
leicht, sogleich unsere Correspondenz zu beginnen, indem ich Ihnen sage, 
was wir in diesem Theile von Afrika machen, ohne weiteres Vorwort, 
als dass ich sage, dass, obwohl Herrn Foetterle's Schreiben von 14. 
October 1857 datirt ist, ich es erst im September 1858 erhielt. Wir 
besitzen nur wenige Eisenbahnen in diesem Welttheile. 

Wir sind nun mit dem unteren Laufe des Flusses Zambesi be- 
schäftigt. Dieser Fluss ist nicht so gut bekannt, als es seine Wichtig- 
keit verdient, und diess beruht zum Theil darauf, dass er sich, bevor er 
das Meer erreicht, in eine Anzahl von Armen vertheilt, deren keiner 
besondere Reize dem vorüberfahrenden Seemann zeigt, zum Theil wohl 
auch einer Art von Armstuhl — Geographie, welche sich damit begnügt, 
Karten zu zeichnen, ohne sich ausserhalb des Bereiches guter Mittags- 
mahle zu begeben. Eine solche in London herausgekommene Karte weist 
dem Zambesi einen Lauf an, wie vielleicht in den Tagen des Ptolomäus, 
d. h. der Hauptstrom fliesst hinab nach Quelimane und dann wird der 

Mitteilungen der k. k. geographischen Gesellschaft III. Bd. 3. Heft. • 



88 Versammlung am 18. October 1859. 

Traum des unter der Erde fortfliessenden Niger wieder durch den unter 
der Wüste Kalahari fliessenden Zambesi auf den Platz gebracht. 

Wir fanden den Ausfhiss des Zambesi in das Meer etwa einen 
Breitengrad südlicher als Quelimane und mit mehreren, wenn auch kleinen, 
noch guten Hafenplätzen für den Handel. Wir folgten zuerst einem süd- 
lichen Arm des Hauptstromes von Luabo und nachdem wir ihn auf 70 
Meilen Entfernung untersucht, fanden wir, dass er uns nicht gestatten 
würde, in den Hauptstrom einzutreten. Sodann versuchten wir den Luabo 
selbst, ohne dass es uns gelang, obwohl Ihrer Majestät Dampfer „Lynx" 
seitdem eine vortreffliche Durchfahrt durch die Barre entdeckte. Wir ver- 
folgten einen der Arme an der Südseite des Hauptstromes und fanden 
keine Schwierigkeit, hier in das Land einzudringen. Wir segelten seitdem 
beständig auf dem Zambesi in einem kleinen Dampfer, der nur 2y 2 Fuss 
Wasser zieht. Das gegenwärtige Jahr war aussergewöhnlich durch den 
niedrigen Wasserstand des Flusses, aber selbst bei dem kleinsten konnten 
wir mit einiger Aufmerksamkeit bis Tette heraufdringen, und gegenwärtig 
steht das Wasser um 12 Fuss höher als damals. Und nicht nur das, 
sondern auch der Shiri (Sehire der Karten), ein blosser Arm dieses 
edlen Stromes, gewährt eine schöne Wasserstrasse für Dampfschiffahrt 
für wenigstens hundert Meilen aufwärts von seiner Vereinigung. 

Wir verfolgten ihn im verflossenen Monate und wurden nur durch einen 
Wasserfall aufgehalten; aber die Eingebornen theilten mit, dass fünf 
Tagereisen jenseits des von uns erreichten Punctes der Fluss wieder 
glatt ist und dass die Araber in Kähnen vom Nyanja-See herabkommen. 
Unterhalb des Wasserfalles ist das Land gut bevölkert und bear- 
beitet. Aber wir wurden deutlich für sehr verdächtig gehalten, denn wir 
sahen Haufen von Eingebornen uns von den Ufern betrachten, und wir 
bemerkten Wachen gegen uns die ganzen Nächte hindurch. Wahrschein- 
lich hatten sie niemals Besuche erhalten, ausser von Menschendieben ihrer 
eigenen Farbe, Europäer hatten sie gewiss vorher niemals gesehen. Es 
würde nicht gerathen gewesen sein, das Schiff unter ihren Augen zu 
verlassen und eine Reise zu Land zu unternehmen, aber es war keine 
Schande umzukehren, und wir hoffen im Laufe des nächsten Monats wie- 
der aufwärts zu schiffen. Wir kauften Lebensmittel zu wohlfeilen Preisen, 
und zweierlei Gattungen Baumwolle von sehr guter Beschaffenheit. Sie 
haben Zuckerrohr, Bananen, Mais, Holcus, Sorghum, Manioe, süsse Kar- 
toffeln, Bohnen, Erdnuss uud Kürbisse. Sie scheinen den Ackerbau zu 
lieben. Sie waren nicht unartig gegen uns und fielen unseren zum Holz- 
sammeln ausgesandten Leuten nicht beschwerlich, aber sie schienen stets 
mit ihren Bogen und vergifteten Pfeilen bereit, irgend welche Angriffe, 
die auf sie gemacht werden könnten, zurückzuweisen. 

Das einzige, was ihren Anblick hässlich machte, war der Lippen- 
schmuck der Frauen. Er besteht aus Ringen oder Schalen von Elfenbein 
oder Blech, welche in einen Schlitz in die obere Lippe eingeklemmt 
werden. Die Lippe wird durch den Ring allmälig horizontal ausgezogen, 
so dass der Rand weit über die Senkrechte von der Nase hinausreicht. 
Den Kindern wird nur ein Metallring auf, nicht in die Lippen gehangen, 
diess macht nur einen kleinen Eindruck und wird nur immer tiefer nach- 
gedrückt, bis sich ein Loch gebildet hat, welches sich sodann allmälig 
durch Absorption vergrössert, bis endlich die oben erwähnten Ringe Platz 
finden. Ich habe gesucht, die genannten Nachweisungen zu geben, weil 



Dr. Livingstone 89 

unsere eigenen Damen, welche eine solche beharrliche Virtuosität in Bezug 
auf ihre Taille zeigen, vielleicht auch wünschen könnten, einen Versuch 
mit Lippenschmuck zu machen. Uebrigens schienen die Leute ganz ver- 
ständig und ich sah nichts, was die Herren unterstützen könnte, welche 
zu beweisen wünschen, dass wir alle von einer Race abstammen, welche 
einst Schwänze besass! 

Ein Theil des Shire-Thales ist sumpfig und zur Zeit, wo wir den- 
selben durchschifften, weideten viele hundert Elephanten in dem hohen 
Grase. Der Shire theilt sich mehrmals in Arme, welche ihm später wieder 
zufallen und so Inseln bilden. Wir jagten öfters Elephanten mit dem Dampfer. 

Es waren edle Thiere und die Männchen hatten sehr schönes Elfen- 
bein. Um diese Zeit kommen sie von den Bergen herab, um die Früchte 
der wilden Palmyra zu essen. Wir sahen viele Fallen aufgestellt für 
Hippopotamuse, welche in dem Flusse ungemein häufig sind. Auch trafen 
wir viele Leute mit Aufsammlnng der Lotos- Wurzelknollen beschäftigt. 
Sie schmecken den Kastanien sehr ähnlich. Diese sind wohl gewiss eben so 
gute wahre Lotophagen als die von Herodot erwähnten. 

Wir bestiegen den hohen Berg Morambala genannt, und fanden ihn 
4000 Fuss hoch. Er ist auf der Höhe gut cultivirt und hat mehrere 
schöne kleine Quellen von schwachem Stahlwasser. Das Volk ist dort 
unabhängig und sehr gastfrei. Sie haben Citronen- und Orangen-Bäume 
beinahe wild, auch Ananas. Die Vegetation ist verschieden von der in 
der Ebene und das Klima herrlich. Am Fusse des Berges ist eine heisse 
Schwefelquelle von 170 F. (612 B. 76-5 C.) Temperatur. Dennoch 
sind alle diese natürlichen Vortheile zu einer Gesundheits-Station von den 
Portugiesen nicht benützt worden. Die Strömung des Shire ist zu mächtig für 
ihre Kanoes, und da die Eingebornen einen schlechten Credit haben, so scheint 
es, dass sie sich von der Untersuchung des Shire abschrecken Hessen. 

Wir sind nun in der ungesundesten Jahreszeit, aber da wir an der 
Grenze des gesunden Hochlandes uns befinden, so haben die Leute zwar 
Fieber, aber nur wenige sterben daran. Anders ist es nahe der Meeres- 
küste. Dort ist es gegenwärtig tödtlich. Wir haben Chinin als Präser- 
vativ versucht, aber ich zweifle ob mit Erfolg. Das einzige Gute, scheint 
nur -darin zu bestehen, dass, wenn Jemand es regelmässig einnimmt und 
ihn sodann wirklich das Fieber befällt, er durch eine oder zwei Extra- 
dosen in wenigen Stunden den Cinchonismus hervorbringen kann. Wir 
haben es regelmässig genommen, aber keine der Wirkungen gesehen, 
welche unsere homäopathischen Freunde uns erwarten Hessen. Ich glaube, 
wir gewöhnen uns an unsere zwei bis drei Gran regelmässig genommen. 

Es liegt hier ein Wasserfall vor, der bei niedrigem Wasser schwer 
zu überwinden ist. Aber wenn das Wasser steigt, verschwindet die Schwie- 
rigkeit mit Ausnahme der Stärke der Strömung. Wahrscheinlich werden 
wir von jetzt an in einem halben Jahre hinaufschiften können. Indessen 
haben wir erfolgreich bewiesen, dass Europäer gute Gesundheit geniessen 
können, wenn sie nur einigermassen Sorge für sich tragen. Anstatt dass 
Europäer in einem Tropenklima nicht zu arbeiten im Stande wären, ist 
es vielmehr der Mangel an Arbeit und aufregende Speise und Trank, 
welche sie tödten." 

Aus einem Schreiben des Herrn Dr. R. Avd-Lall emant von Ma- 
naor am Rio Negro, vom 9. Juli 1859, an den Herrn k. k. Hofrath 
W. Haidinger theilte Herr Foetterle Folgendes mit: 

7* 



90 Versammlung am 18. October 1859. 

„Es ist etwas Ungeheures um diesen „Amazonenstrom." Ich bin 
jetzt 250 geographische Meilen denselben hinaufgefahren und doch will 
dieses dahinströmende Süsswassermeer nicht abnehmen. In Obidor brachte 
ich aus sehr sicheren Elementen heraus, dass in einer Minute 2.133,333 
Cubicklafter Wasser dort vorbeifliessen. Fast überall sieht man zwischen 
den beiden Ufern, rückwärts und vorwärts, das Wasser den Horizont 
bilden, ja, wenn man der Mündung des Tapajos gegenüber vom linken 
Amazonenufer jenem Strome zufährt, erblickt man drei Süsswasser-Hori- 
zonte, zwei vom Amazonenstrom und einen vom Tapajos. Sogar hier am 
Rio Negro sieht man eine solche Strecke den Strom hinauf, dass sein 
Wasser an einer Stelle den Horizont bildet. 

Welche wundervollen Reiseeindrücke habe ich nicht erlebt! Von 
Parä machte ich einen Ausflug nach Cameto am Tocuntin und brachte 
dort die Pfingsttage zu. Nie habe ich die Tropennatur so in ihrer tiefen 
Poesie erlebt, wie dort. Maurita-Palmen bilden dort ein Meer von Pal- 
men mitten im Süsswassermeer. Euterpen, die schöne Oenocarpus Disticha 
und scharf gestachelte Astrocaryen helfen ihnen dabei. Unter mächtigen 
Bartholletien mitten im Gebüsch dunkler Cacaobäume, schlanker Gummi- 
bäume und kräftiger Platanen leben harmlose Tapuär (Indianerstamm) ihr 
stilles Dasein in Friede und Anspruchlosigkeit. Der Wald, der Fluss er- 
nährt sie, keine Arbeit kümmert sie. Und eben weil Wald und Fluss 
sie ernährt, sind sie Kinder beider und bringen eben so viel Zeit im 
Wasser wie auf dem Lande zu. Alles badet, Männer, Frauen und Kinder. 
Oft sieht man das anmuthigste braune Gewimmel im Wasser. Echte Sy- 
renen, schwimmen junge Mädchen längs des Ufers dahin, nach sich 
schleppend das glänzende schwarze Haar und im lachenden Scherz um 
einander herumgaukelnd. Diese Naivetät ist ein so reiner Naturlaut, zumal 
von Descendenten von Europäern und Indianerinnen. Ich werde es nie 
vergessen, wie ich einmal ein liebes, fröhliches Kindergesicht auf dem 
Körper eines blühenden ausgewachsenen Mädchens fragte: Wie alt bist 
Du? und nach einigem Nachsinnen die Antwort erhielt: 40 Jahre. Ich 
erfuhr wohl, dass das grosse Kind zwar 15 Jahre alt wäre, aber noch 
nicht zählen könne. 

In jenen Winkel am Fluss kommt kein Fremder; dort bleibt dieser 
Naturlaut noch in seiner vollsten Reinheit nnd die Welt befindet sich 
in den anmuthigsten Flegeljahren. — In vieler Hinsicht finde ich diese 
Naturlaute hier in Manaor wieder, aber schon in kräftigerer Weise. 
Cultur und tiefer Indianismus haben sich hier die Hand zur Freundschaft 
und Einigkeit gegeben und letzterer macht ersterer glauben, dass er 
ganz in sie aufgeht. Und doch sieht man an allen Ecken und Enden, 
dass die Leute statt Christen nur getaufte Menschen sind und in den 
cultivirten Beinkleidern und Unterröcken immer noch Indianer bleiben. 
Eine Menge Bemerkungen habe ich darüber aufgezeichnet, ja ich schreibe 
mich ordentlich blind. Ich gehe von hier bis zur Fortification Tabatingo 
in Peru." 

In einem späteren Brief von Pernambuco 11. September 1859 
schreibt Dr. Lallemant: „Immer werden mir diese Waldungen von Le- 
guminosen, Sterculiaceen, Ampideen und Palmen unvergesslich bleiben, diese 
Waldungen, wenn im Abendsonnenstrahle mächtige Aravar und Aravamos 
sich durch die reinen Lüfte zogen und Purpurfunken zu sprechen schie- 
nen. Und doch war es vor Allem ein Moment, was mir das theuerste 



Dr. R. Av^-Lallemant. 91 

bleiben wird. Ich fuhr im Kahn einen kleinen Fluss (bei Cerpa) hinauf; 
er endete in einen zauberhaft schönen Landsee. Hier deckten die Riesen- 
blätter von 10 bis 12 Exemplaren der Uaupe apona (Victoria regia) 
die unbewegte Fluth und zwei Blüthen lagen halb verborgen zwischen 
ihnen, von denen mir die eine — noch eine Knospe — als ich sie 
pflückte, eine tief poetische Geschichte ihres Blumenlebens in der Mond- 
scheinnacht erzählt hat. 

Gleich nach Sonnenuntergang blühte die mächtige Nymphacee auf, 
war um 10 Uhr in voller Pracht offen, beinahe einen Fuss im Durch- 
messer; am Morgen war sie, nachdem sie mit ihrem Magnolienduft die 
ganze Nacht mein Zimmer erfüllt hatte — schon welk. Und in der That 
ist die schneeweisse Blüthe, in der Anfangs nur die 16 innersten Blätter 
geröthet sind, zu zart für den tropischen Sonnenstrahl. Auch wird sie 
seltsamer Weise von einer in ihr und, wie es scheint, fast nur in ihr 
parasitirenden Melolonthenart heimgesucht. In einer Blume traf ich in 
den mächtigen, geharnischten Fruchtkasten 13 Individuen von diesem son- 
derbaren Maikäfer. Uaupe (Vogel) apona (Pfanne) ist ein falscher Name 
für die Pflanze, abgesehen davon, dass er der legitime Urwaldsname ist, 
denn die Blätter sind am Rand eigentümlich aufgeschlagen und wenn so 
eine Pfanne voll Wasser ist, kann sich ein Vogel schon darin baden !" 
Dr. Lallemant ist am 6. October in Hamburg angekommen. 

Herr k. k. Hofrath Haidinger berichtete über die neuesten von 
Auckland und Nelson auf Neuseeland von Herrn Dr. Hochstetter erhal- 
tenen Nachrichten. Zu umfassend um in der ganzen Ausdehnung mitgetheilt 
zu werden, wollte er doch nicht säumen in rascher Uebersicht die Er- 
eignisse, welche die Nachrichten bringen, vorzuführen. Unter dem 28. 
Mai hatte unser hochverehrte Freund, eben von seiner grossen Excursion 
im Innern der Provinz Auckland auf der nördlichen Insel zurückgekehrt, 
einen Zeitungs-Ausschnitt geschickt, erhalten am 17. September, über 
welchen Herr Hofrath Haidinger, während die naturwissenschaftlichen 
Sitzungen unterbrochen waren, unmittelbar einen Auszug in der „Wiener- 
Zeitung" gab. Es war diess der übersichtliche Reisebericht einer Expe- 
dition, bestehend aus den Herren Dr. Hochstetter, 0. F. Haast, Drum- 
mond Hay, Koch und Hamel mit zahlreichen Begleitern. Die Route 
ging über Drury nach Whaingaroa oder jetzt Raglan nach Autea und 
Kawhia; über das Pirongia-Gebirge nach dem Waipa, dann zu den Quel- 
len des Wanganui und zum See Taupo und dann an den Waikato. Hier 
Untersuchungen der merkwürdigen trachytischen und vulkanischen Umge- 
gend mit ihren berühmten heissen intermittirenden Springquellen und Seen 
und endlich wieder den Waikato hinab und schliesslich zurück nach Auck- 
land. Eine gestern mit dem Poststempel von Auckland am 20. Juli, Schlei- 
fensendung enthielt das Blatt der „ Auckland Provinzial Governement Ga- 
zette" vom 8. Juli mit einem Berichte des Dr. Hochstetter, welchen 
er in einer Versammlung der Mitglieder des Auckland Mechanic's Institute 
am 24 Juni gehalten hatte, und welcher nebst einer wissenschaftlichen 
geologischen Einleitung die Einreihung sämmtlicher Hauptbeobachtungen 
nach geologischer Natur und geographischer Nachweisung enthält. 

Er ist nebst der Einbegleitung an den Superintendenten der Provinz 

Herrn John William son, durch den letzteren offiziell zum Druck gelegt. 

Die heutige Post brachte ein Schreiben mit dem Postzeichen Nelson 

vom 5. August. Nicht ohne tiefe Rührung lesen wir die umfassenden 



92 Versammlung am 18. October 1859. 

Berichte, welche spätere Zeitungs-Ausschnitte enthalten. Am Schlüsse der 
Berichterstattung ergreift Herr Heaphy, der Sitzungspräsident, das Wort 
und redet unseren hochverehrten Freund und Arbeitsgenossen früherer 
Zeit in folgender Weise an : 

„Dr. Hochstetter! Ihr vortrefflicher Vortrag — dessen wissen- 
schaftlichen Theil ich übrigens nicht vollständig zu schätzen im Stande 
bin — hat die Theilnahme an Orten und Gegenständen um uns bestätigt, 
welche uns gar geläutig sind, aber deren längst verflossene Geschichte 
von dem Griffel des Geologen gezeichnet werden musste. Wo immer man 
Ihre Beschreibungen liest — und ich hoffe Sie werden gestatten, dass 
dies durch unser Institut geschehe — überall werden sie den tiefsten 
Eindruck auf die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt machen. 
Humboldt's Beschreibungen verliehen Reiz dem Lande und den Bergen 
von Südamerika, Ihr Name, mein Herr, wird unvergänglich vereinigt sein 
mit den wunderbaren vulkanischen Systemen von Neu-Seeland. Man hat 
mit Recht gesagt: „Nie ruht die Geologie als Wissenschaft." Was man 
gestern noch nicht sah, das ist heute ein Zielpunct, und wird morgen 
ein Ausgangspunct werden, eine authentische Basis, die wahre Grundlage 
für Alle sein, welche nun ihre Arbeiten anschliessen, für Mineralogen 
und Bergmänner, welche sie benützen werden. Im Namen des Institutes 
und der Zuhörerschaft empfangen Sie unseren wärmsten Dank." (Enthu- 
siastischer und lang andauernder Beifall.) 

Es waren aber auch eine Anzahl von Laiidkolonisten von dem Man- 
gron District, von Onchunga, von Otahuhu gegenwärtig. Unter dieser ent- 
spann sich eine Besprechung, ein provisorisches Comite wurde rasch 
gebildet, zu dem Zwecke, Herrn Dr. Hochstetter ein Andenken von 
den Vielen zu überreichen, und statt eines öffentlichen Gastmahles, das 
doch nur auf die Männer beschränkt ist, eine jener viel angenehmeren 
Zusammenkünfte, eine Soiree, bei welcher Frauen und Fräulein eben so 
gut theilnehmen als Herren der Schöpfung. Unser Freund Hochstetter 
hatte übrigens billig der wissenschaftlichen Beihilfe der Herren Heaphy 
und Pure ha s gedacht und den hohen Werth ihrer eigenen früheren 
Arbeiten anerkannt. 

Der Bericht über jene Abendgesellschaft zur Ueberreichung des An- 
denkens (TestimonialJ ist nun der Gegenstand eines zweiten Zeitungs- 
Ausschnittes. Ueber 70 Damen und Herren waren am 25. Juli versammelt. 
Zahlreiche Abbildungen aus den bereisten Gegenden und andere Gegen- 
stände waren ausgestellt. Hochstetter wurde unter warmem Beifall von 
den Herren Hochw. A. G. Purchas und Heaphy eingeführt. Auf den 
Antrag des Herrn W. Buckland nahm John Williams on, Esq. Super- 
intendent, den Vorsitz ein. Nun zuerst Herrn Williamson's anregende 
Ansprache voll Anerkennung für die „Novara" und für unseren Freund. 
Sodann stand Oberst Mo uld auf und las die von Herrn Leon De Laville 
kunstreich ausgefertigte Adresse, in welcher Herrn Dr. Hochstetter, 
ebenfalls hoch anerkannt, der W T unsch zu erkennen gegeben wird, er 
wolle eine ihm überreichte Börse freundlich aufnehmen und sich ein Stück 
Silberzeug anschaffen, zu immerwährendem Andenken für seine Familie 
und sein Vaterland, endlich, dass er darauf eine Inschrift graviren lassen 
wolle folgenden Inhalts: „Ueberreicht an Dr. Hochstetter, Geologen 
der kaiserlich königlichen Oesterreichischen wissenschaftlichen Expedition 
in der Fregatte „Novara* von den Bewohnern der Provinz Auckland, 



Dr. Hochstetter. 93 

Neu-Seeland, als Anerkennung der ausgezeichneten Dienste, welche ihnen 
durch seine Untersuchungen in den mineralischen und landwirtschaftlichen 
Hilfsquellen der Provinz geleistet worden sind." 

Die Börse selbst ist von kastanienbraunem Sammt, von Fräulein 
Mould, der Geberin, geschmackvoll in Gold gestickt. Sie enthielt ISO 
Pfd. St. (nach dem Tagskurse 1800 fl. Oe. W.). Nun folgt die Dank- 
rede unseres Freundes Hochstetter, voll der innigsten Gefühle, durch- 
drungen von den schönen Erfolgen, der wohlwollenden Aufnahme, der 
Erinnerung an seine Aufnahme in England vor dem Beginn der Reise, 
und wie ihm ein Philosophical-Clubb Erfolge zugewünscht, der Erinnerung 
an unsere „Novara". Sodann in englischer Uebersetzung die Maori-An- 
sprache des Häuptlings aus dem Ngatiwhatua-Stamme Paora Tuhabre, 
welcher umgeben von mehreren seiner Landsleute vortrat, und an Dr. 
Hochstetter seine Rede hielt. Hochstetter seinerseits beantwortete 
dies« Ansprache gleicherweise in Maori, und zwar in so genauer Aus- 
sprache und Deutlichkeit, dass sie den Eingebornen vollkommen verständ- 
lich war. Sie schloss sich ganz den Ideen der Eingebornen aus diesen 
so sehr bildungsfähigen Stämmen an und führte ihnen ihre Traditionen 
und ihre verschiedenen Häuptlinge und Gegenden, welche Hochstetter 
besucht, das Wohlwollen, welches er in der Aufnahme erfahren, in ein- 
dringlichster characteristischer Weise vQr. 

Am Schlüsse seiner Maori -Rede schüttelten die Eingebornen Dr. 
H ochste tter's Hand und dankten ihm für diese freundlichen Abschiedsworte. 

Der Abend schloss mit Gespräch, Musik und Betrachtung von Zeich- 
nungen und Karten. Um 10 Uhr begann der Tanz und währte noch 
einige Stunden. So, sagt das Blatt, vergnüglich für alle Theile, schloss 
die letzte öffentliche Gelegenheit, in welcher Dr. Hochstetter — wahr- 
scheinlich für mehrere Jahre nicht mehr mit den Bewohnern von Auck- 
land in Gesellschaft sein kann. 

Hochstetters Schreiben selbst enthält mehr den Eindruck der 
nun immer näher an ihn heranrückenden Gerüchte von kriegerischen 
Ereignissen, als Wissenschaftliches. Es war vom 23. Juli datirt, vom 
3. August ein Beiblatt von Nelson auf der südlicheren der beiden grös- 
seren Inseln datirt. Er benützte dazu den Dampfer „Lord Achlay." Er 
besuchte auf dem Wege einen Tag New-Plymouth am Fuss des pracht- 
vollen Vulkankegels Mount Egmont (Taranaki) und brachte eine von Hr. 
Heaphy ausgeführte vortreffliche Zeichnung desselben, auch ein getreues 
photographisches Bild mit. „ Von da weg hatte ich," schreibt Hochstetter, 
„eine sehr stürmische Passage durch die in dieser Beziehung sehr berüch- 
tigte Cooks - Strasse , bis ich in Port Nicholson zwischen hohen Thon- 
schiefergebirgen in der Stadt Wellington zum zweiten Mal an's Land 
kam. Von da fuhren wir gestern Abend ab und kamen heute Früh wohl- 
behalten in Nelson an, dem Garten Neu-Seelands. 

Ich hatte eine dringende Einladung bekommen für Nelson ehe ich 
Neu-Seeland verlasse, um die Gold-, Kupfer- und Kohlenfelder der Pro- 
vinz zu sehen und ich glaubte dieser Einladung, die mir Gelegenheit 
gibt, eine geologisch gänzlich verschiedene Gegend zu sehen, Folge leisten 
zu müssen. Schon der erste Tag lohnte sich durch merkwürdige wahr- 
scheinlich devonische Petrefacten, welche ich nahe bei der Stadt fand. 
Der Platz wird in den nächsten Tagen eine reiche Fundgrube für mich 



94 Versammlung am 18. October 1859. 

werden. Ausserdem prachtvolle Gabbros und Serpentine u. s. w. mit Kupfer- 
erzgängen. Doch darüber später und ausführlicher. 

Ich wurde hier förmlich mit allen Ehren empfangen, in einem beflaggten 
officiellen Boote an Bord des Dampfers abgeholt. Ich fand Alle, den Super- 
intendenten und die ersten Männer von Nelson am Ufer versammelt, im 
Hotel bequemes Logis für mich bereit und wurde alsbald durch die Nach- 
richt überrascht, dass der Dampfer die „Tasmanian Maid" im Hafen ganz 
zu meiner Disposition sei für die nächste Woche, um alle die wichtigen 
Puncte an der Küste besuchen zu können. So ist mir Alles leicht ge- 
macht und ich hoffe in dem Monat, den ich in der Provinz Nelson zuzu- 
bringen gedenke, Gelegenheit zu haben, viel zu sehen und somit mit 
der nächsten Post Ihnen auch viel zu schreiben. Ich fahre mit dem Sep- 
tember-Dampfer (1. oder 2. September) nach Sydney." 

Herr k. k. Hofrath Haidinger macht folgende Mittheilung: 

Durch das freundliche Wohlwollen des Herrn Dr. Franz Liharzik 
Verfassers des so wichtigen Werkes: „Das Gesetz des menschlichen 
Wachsthums u. s. w. a , das wieder in so enger Beziehung steht mit 
dem von den Herren Dr. Scherz er und Dr. Schwarz während unserer 
„Novara" Fahrt aufgestellten Systeme der Körpermessungen u. s. w., ist 
es mir vergönnt, der hochverehrten Gesellschaft aus den letzten Lebens- 
tagen unseres Humboldt noch eine Mittheilung über seine lebhafte Theil- 
nahme an unserer so anregenden Erdumsegelung zu machen, und wie er 
stets mit grosser Aufmerksamkeit die Expedition der „Novara" verfolgte 
und wie er gerne sehr viel davon gesprochen. So schreibt von Berlin 
am 14. October Herr Johann Seifert, der vielverdiente Kammerdiener 
Humboldt's, der ihn seit 33 Jahren umgab. Er äussert noch, dass er 
seinem unvergesslichen Herrn bereits im Jahre 1858 versprach, wenn 
die „Novara" glücklich zurückgekommen sei, er dem Schiffe das Bild 
Alexander v. Humboldt's in seiner Bibliothek verehren werde, und dass 
er, „so wie er mit der Bibliothek, die ihm sein hoher Herr schon im 
Jahre 1858 den 25. November in einer gerichtlichen Urkunde geschenkt 
in Ordnung ist, er nicht säumen werde, dasselbe der „Novara" zu über- 
senden." Mit dankbarer Bührung spricht er von dem grossmüthigen Ge- 
schenke, das von Sr. k. k. Apostolischen Majestät ihm für ein Exemplar 
dieses Bildes zu Theil ward, welches er auf Allerhöchste Anordnung 
übersendet hatte. 

Herr k. k. Custos-Adjunct G. Frauen fei d, den der Herr Präsident 
mit herzlichen Worten sowohl über seine glücklich erfolgte Bückkehr, so 
wie über die mit so vielem Erfolge zurückgelegte Fahrt der k. k. Fre- 
gatte „Novara," der er bei ihrer Erdumsegelung als Zoologe angehörte, 
beglückwünschte, und wozu die ganze Versammlung durch Erheben von 
den Sitzen ihren Beifall zu erkennen gab, theilte einige Notizen zur Kennt- 
niss über die Insel Neu-Amsterdam im Ostindischen Meere mit, die er 
theils durch eigene Erfahrung und Anschauung sammelte, theils aus einer 
in dem „Caleutta Journal of the Asiatic Society" enthaltenen Erzählung 
zweier schiffbrüchiger Matrosen, die 14 Monate auf dieser Insel zu- 
brachten, entlehnte. 

Herr k. k. Hofrath Haidinger legte folgendes Schreiben, datirt 
vom 18. October 1859, von Herrn Dr. Carl Scherzer vor: 

„Im Begriffe nach Triest abzureisen, wo eine grosse und lange 
Arbeit, die Herausgabe des mitgebrachten literarischen Materials, dringend 



W. Haidinger. 95 

meiner harrt, bin ich leider nicht in der Lage, der ersten Sitzung der 
k. k. geographischen Gesellschaft beiwohnen und den hochverehrten Mit- 
gliedern derselben persönlich (wie ich es jetzt schriftlich thue) meinen 
tiefgefühlten Dank für das ehrenvolle, ungeschwächt bewahrte Interesse 
ausdrücken zu können, welches diese hochangesehene Körperschaft meinen 
Bestrebungen während der Reise Sr. Majestät Fregatte „Novara" um die 
Erde schenkte. 

Ich erlaube mir daher Ihnen angeschlossen einige Mittheilungen über 
meine Thätigkeit im letzten „Novara" - Jahre mit der höflichen Bitte zu 
übersenden, dieselben in der nächsten Sitzung der k. k. geographischen 
Gesellschaft in meinem Namen gütigst vorlegen zu wollen. — Unter dem 
Schutze einer gnadenreichen Vorsehung von einer ebenso gefahrvollen 
als beschwerlichen Reise wieder gesund und wohlerhalten zurückgekehrt, 
und durch einen Act kaiserlicher Huld ausgezeichnet, der für mich einen 
doppelt hohen Werth durch die wahrhaft rührende Theilnahme erhält, 
welche derselbe in dem Herzen meiner Mitbürger hervorrief, will ich nun 
mit allem Aufwände meiner Kräfte mich beeifern, die gesammelten Erfah- 
rungen zum Frommen meines Vaterlandes zu benützen, um so jener hohen 
Auszeichnung und jener edlen Sympathien nicht ganz unwürdig zu er- 
scheinen, die mich eher demüthig als stolz machen." 

Herr Secretär Foetterle las hierauf die im Vorhergehenden erwähnten 
Mittheilungen vor, die sich auf die Fahrt Sr. Majestät Fregatte „Novara" 
von Valparaiso bis Triest und auf Herrn Dr. K. Scherzer's Ueberland- 
reise von Valparaiso über Lima, Panama, London, Gibraltar und Triest 
beziehen. 

Schliesslich legte Herr Secretär Foetterle zwei Mittheilungen des 
Herrn Professor L. H. Jeitteles in Kaschau an die Gesellschaft vor. 
Die eine enthält Quellenmessungen in den Sudeten und Karpathen, die 
Herr Professor Jeitteles im Jahre 1858 ausführte, die andere „das 
Erdbeben am 15. Jänner 1858 in seinen Beziehungen zur Atmosphäre" 
behandelt die meteorologischen Erscheinungen vor, während und nach dem 
Erdbeben vom 15. Jänner 1858 in jenen Gegenden, welche von dem 
Erdbeben betroffen wurden. 

Herr Foetterle theilte folgende ihm von dem Mitgliede Hrn. Dr. 
E. H. Costa in Laibach zugesendete Notiz mit: 

„Aus einem mir zugekommenen Schreiben des früher in Adelsberg 
gewesenen, jetzt in Neumarkt bei Salzburg bediensteten Civil-Ingenieurs 
P. Eunike entnehme ich Nachstehendes über die bisher noch wenig un- 
tersuchte Planinaer-Grotte: „Diese Grotte hat mich nicht so sehr 
befriedigt, wie ich es gewunschen hätte, doch ist sie immerhin interes- 
sant genug, und als eine Bereicherung der Kenntniss unseres Grottensystems 
anzusehen. Eine genaue Beschreibung behalte ich mir vor, für jetzt nur 
Einiges in aller Kürze. Sie liegt 10 Minuten oberhalb Laase und hat die 
Richtung NW. — Vom Eingange angefangen, der sehr eng ist, kommt 
man in 70° Entfernung mit 22° Gefäll zu einem ebenen Raum, in den 
2 Gänge einmünden, die sich rückwärts vereinigen, und deren Ende ein 
furchtbarer Einsturz ausmacht. Der tiefste Punct der Grotte liegt 2° tiefer 
als das Flussbett.*) Es finden sich recht hübsche Tropfsteingebilde, 



*) Des Unzbaches. 



96 Versammlung am 18. üctober 1859. 

namentlich das täuschend ähnliche des „ Bischofs. u Die ganze Grotte mit 
allen Verzweigungen hat eine Länge von 160°. Besonders schön ist der 
Eingang in die Grotte gelegen — auf einer Anhöhe, die den schönsten 
L'eberblick über das ganze Planina-Thal gewährt; man sieht Planina, Klein- 
häusel, Mühlthal und Schloss Haasberg." 

Eine andere Notiz des Herrn Dr. E. H. Costa ist folgende: 
„In den letzten Jahren wurde das Bedürfniss eines genauen Orts- 
lexicons über mehr gefühlt, und es wurden auch einige meist ganz verun- 
glückte Versuche gemacht, diesem Bedürfnisse abzuhelfen. (Vgl. die Vor- 
träge des k. k. Ministeriais ecretärs Dr. Bek in der Versammlung vom 
17. Februar 1857 und des Herrn Vizepräsidenten, Freiherrn von H ei- 
fert in der Versammlung vom 23. October 1858). Den neuesten diess- 
fälligen Versuch bildet das bei G. H. Fri edl ei n in Leipzig erscheinende, 
vom Herausgeber des Leipziger Messadressbuchs und des deutschen Handeis- 
Adressbuches H.Rudolph verfasste „vollständige geographisch-topograpisch- 
statistische Ortslexikon von Deutschland," von welchem mir die 
beiden ersten Hefte vorliegen. (Spalte 1 — 192 lex. 8°.) Das Lexikon 
soll enthalten „alle Städte, Flecken, Pfarr-, Kirch- und andere Dörfer, 
Ort- und Bauerschaften, Kirchspiele, Schlösser, Rittergüter, Vorwerke, 
Weiler, Hüttenwerke, Mühlen, Höfe, merkwürdige Ruinen, Krüge, Ein- 
schichten, Einöden (u. z. in alfabetischer Reihenfolge) der gesammten 
deutschen Bundesstaaten, so wie der unter Oesterreichs und Preussens 
Botmässigkeit stehenden nicht deutschen Länder." Die ersten beiden Hefte 
reichen bis Banemin. Jede Spalte enthält mehr als 60 Namen , die 
beiden vorliegenden Hefte somit an 12,000 Ortschaften etc. Das ganze 
Werk aus 20 Lieferungen bestehend soll im Zeiträume von 2 Jahren 
vollendet sein und ISO, 000 Artikel enthalten. Jedem Orte ist mit wenigen 
Schlagworten beigefügt 1. Staat, Provinz, Kreis-Amt oder Gerichtsort, 
wozu er gehört; 2. geograph. Lage und Entfernung vom betreffenden 
Kreis-. Amts-, oder Gerichtsorte gerade durchgemessen; 3. Fluss oder 
See, an welchem der Ort rechts oder links liegt; 4. Einwohnerzahl, Ge- 
werbthätigkeit, industrielle Etablissements; o. Postanstalten, Eisenbahn-, 
Dampfschiff- und Telegraphenstationen. Zum Schlüsse ist für Kauf- und 
Gewerbsleute ein alphabetisches Verzeichniss von Waaren, Fabrikaten, 
Producten u. s. w. mit Angabe der Orte, an welchen dieselben haupt- 
sächlich ihren Markt haben oder erzeugt werden, zugesagt. Dass von ab- 
soluter Vollständigkeit keine Rede sein kann, versteht sich von selbst. 
Ich habe das 1. Heft in Bezug auf Krain's Orte genau geprüft und 
namentlich mit dem officiellen Ortsverzeichniss verglichen, und bin zu 
folgenden Resultaten gekommen. Unter fünfzig krain. Ortschaften des 
1. Heftes (A — Annamühle) fehlen sieben: Afriach (slov. Javorje) mit 
186 Einw. 2 5 / 8 Meilen von Lack, Aichelten mit 08 Einw. im Bezirke 
Kronau; Alben 2 3 / 8 Meilen von Laibach; Altenmarkt mit 9o Einw. 
im Bezirke Weixelburg; St. Ambrosi mit 58 Einw. bei Krainburg; 
St. Andrä bei Lack und Andrecji bei Laas mit 18 Einw. Gefehlt ist es 
ferners, dass eine seit 1850 nicht mehr bestehende Kr eiseint h eilung 
angeführt wird. Dann gehört Aibel zum Bezirke Gotschee und nicht 
Neustadl, Altabor zu Neustadt und nicht zu Gotschee, Andoll zu Gross- 
laschitz und nicht zu Laibach. Ein Dorf mit Namen St. Agatha findet 
sich im officiellen Ortsverzeichniss nicht. Althammer ist im slovenischen 
stara fuscina (anstatt stare fuzine) geschrieben. Sehr bedeutend und 



F. Foetterle 97 

zahlreich sind die Abweichungen in der Einwohnerzahl, wobei ich jedoch 
bemerken muss, dass auch das efficielle Ortsverzeichniss nicht die letzte 
Zählung (sondern die von 1851) zu Grunde gelegt hat, daher auch die 
Angaben dieses letztern keinen Anspruch auf unbedingten Glauben haben. 
In nachfolgender Uebersicht dieser Abweichungen gibt die erste 
Zahl die des Rudolph'schen Ortslexikons, die zweite die des officiellen 
Verzeichnisses an: 

R. Off. R. Off. 

Adleschitz 820 . . 130 Altlak . . . 1120 . . 585 

Aich . . 760 .. 500 Altlinden . . 470 . 158 

Alben 1180 . . 108 Altoberlaibach 455 . . 350 

Altdirnbaeh 515 .. 168 Altosslic . . . 630 . . 530 

Altenlak 1035 . . 539 Altsaag . -. . 750 . . 165 

Altenmarkt bei Pölland . 1000 . . 217 St. Andrii . . 560 . . 47 

Die übrigen Angaben des Lexikons sind genau. Nimmt man an, dass 
die fehlenden Ortschaften durchgehends unbedeutend sind, und mit Aus- 
nahme einer (welche aber vielleicht bei Javorje nachgetragen wird) weniger 
als 100 Einwohner haben; dann dass genaue Angaben in Betreff der 
Einwohnerzahl auch das neueste officielle Ortsverzeichniss nicht biethet, so 
kann der Schluss gerechtfertigt erscheinen, dass das vorliegende Ortsle- 
xikon (trotz des Mangels absoluter, für Privatkräfte aber eigentlich ganz 
unerreichbarer Vollständigkeit) immerhin für practische Zwecke brauch- 
bar gelten kann, durch die grosse Anzahl der Artikel, und eine ziem- 
liche Verlässlichkeit in den wesentlichsten Puncten." 



IHngegangene Druckschriften. 

Nouvelles annales des voyages de la geographie, de l'histoire et de l'areheologie. 
Paris. VI. Ser. V. Ann. 1859, Mai— August. Von der Redaction. 

Pester-Lloyd 1859. Nr. 137 bis zu Nr. 256. Von der Redaction. 

Wochenblatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. Gratz. 1859. Nr. 16 — 26. 

Von der Gesellschaft. 

Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. Wien VII. Hft. 2. 3. 1858. 

Von der k. k. Direction der administrativen Statistik. 

Centralblatt für die gesammte Landescultur. Prag 1859 Nr. 23 — 42. 

Von der k. k. patr. ök. Gesellschaft. 

Mittheilungen über Gegenstände der Landwirthschaft und Industrie Kärnthens. Klagen- 
furt 1859. Nr. 5—8. Von der k. k. Landw. Gesellschaft. 

Gospodarski List. Zagrebu 1859. Nr. 23—42. Von der k. k. kroat. slav. Ackerb.-Ges. 

Austria. Wochenschrift für Volkswirtschaft und Statistik. Wien 1859. Nr. 23—42. 

Von der Redaction. 

Verhandlungen und Mittheilungen des n. ö. Gewerbe -Vereines. Wien. Jahrg. 1859. 
Hft. 4—6. Vom Vereine. 

Aegypten. Reisebilder aus dein Orient. Dem Hochgebornen Herrn Grafen Jos. Breuner 
hochachtungsvoll gewidmet, nach der Natur gezeichnet und herausgegeben von 
L. Libay. Wien 1859. V. Lief. Vom Herrn Grafen Aug. v. Breuner. 

Approdi in Trieste secondo bandiere durante i primi semestri degli anni solari 1859. 
1858. c 1857. — Navigli approdati in Trieste nel solare 1858. 

Von der Handelskammer. 

Bericht II. III. über die allgemeine ordentliche Sitzung der Prager Handels- und Ge- 
werbekammer am 7. März, am 8. April 1859. Von der Handelskammer. 

44. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft in Emden. 1858. — Hannover'sche 
Zeitung 1859. Nr. 77, 79, 175, 177, 203, 261. Von Herrn Dr. Metger. 



98 

Landwirthschaftliche Zeitschrift von und für Ober-Oesterreich. Linz 1859. Nr. 12—20. 

Von der k. k. La nd wir t lisch. -Gesel I schalt. 
Bolletino dell' Associazione agraria friulana. Udine. 1859. Nr. 11 — 15. 

Von der Ackerbau-Gesellschaft. 
Bildliche Darstellung des Ganges der Witterung vom 1. Dez. 1857 bis 30. Nov. 1858. 
im Königreich Hannover. Nach den zu Clausthal und Emden angestellten meteoro- 
logischen Beobachtungen. Von Dr. M. A. J. Prestel. — Wetter-Beobachtungen, 
aufgezeichnet in Emden von Dr. M. A. J. Prestel. Beobachtungs- Jahr vom 
1. Dec. 1857 bis 30. Nov. 1858. Vom Herrn Verfasser. 

Die Privilegien der k. k. landesf. Stadt Fürstenfeld mit einer historisch-topograph. 
Skizze derselben. Gratz 1857. — Hartberg. Histor.-topograph. Skizze der Haupt- 
pfarre, Stadt und Umgebung. Gratz 1859. — Ansichten aus der Steiermark 
u. s. w. IV. Hft. — Die künftigen Grenzen der Sekauer- und Lavanter-Diöcese 
in Steiermark (im kath. Wahrheitsfreund. Gratz 1859. Nr. 14). — Die steier- 
märkischen Schützon-Freiwilligen-Bataillone und ihre Leistungen in den Jahren 
1848 und 1849. Gratz 1857. — Schriften des historischen Vereins für Inner- 
Oesterreich. 1. Hft. Gratz 1858. — Mittheilungen des histor. Vereines für Steier- 
mark. Gratz 1850—1858. I— VIII. Vom histor. Vereine. 

Mittheilungen des ungar. Forst-Vereines. N. F. I. Hft. 1. 2. Presshurg 1859. 

Vom Vereine. 

Journal of the American Geographical and Statistical Society. New-York. I. 1 — 6. 
Jan. -Juni 1859. Von der Gesellschaft. 

Verhandlungen der gelehrten Estnischen-Gesellschaft zu Dorpat I. 1 — 4. II. 1 — 4. III. 
1. 2. IV. 1. 2. 1840—1858. Von der Gesellschaft. 

Importance of the Study of legal Medecine: a lecture introductory to the course on 
medical Jurisprudence at the medical College. By James Wynne M. D. New- 
York 1859. Vom Verfasser. 

Synopsis filicum Africae Australis or an enumeration of the South African ferns hi- 
therto Known. By L. Pappe M. D. and the Hon. Bawson W. Bawson Esq. 
Cape Town. 1858. — Synopsis of the edible Fishes at the Cape of Good 
Hope. By L. Pappe M. D. Cape Town 1853. — Flora capensis medicae Prod- 
romus, or an enumeration of South Africa plants used as remedies by the Colo- 
nists of the Cape of Good Hope. By L. Pappe M. D. 2 d edit. Cape Town. 
1857. Vom Verfasser 

Achter Jahresbericht über die Wirksamkeit des Werner -Vereines zur geologischen 
Durchforschung von Mähren und Schlesien im Vereins-Jahre 1858. Brunn 1859. 

Vom Vereine. 

Militär-Zeitung. Wien 1859. Nr. 25. 56. 58—78. 80—83. Von der Bedaction. 

Auszug aus dem statistischen Berichte der Handels- und Gewerbekammer Ober- 
Oesterreichs für das Jahr 1858. Linz 1859. Von der Handelskammer. 

Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Grossherzogthums Baden. X. Hft. 
Carlsruhe 1859. Vom grossherz. Ministerium. 

Zeitschrift für populäre Mittheilungen aus dem Gebiete der Astronomie und verwandter 
Wissenschaften. Altona 1859. I. 2. Von der Bedaction. 

Jahrbuch der k. k. geologischen Beichsanstalt. Wien 1859. X. 1. — VIII. Jahresbe- 
richt der k. k. Ober-Bealschule in der Vorstadt Landstrasse in Wien für das 
Schuljahr 1858 — 1859. — Programm des k. k. Gymnasiums zu Znaim am Schlüsse 
des Schuljahres 1859. — Programm des k. k. Ober-Gymnasiums zu Troppau 
für das Schuljahr 1859. — VIII. Jahresbericht für die st. st. Ober-fiealschule 
in Gratz für das Studienjahr 1859. — Programm der st. st. vollständigen 
Bealschule zu Gratz und der commerciellen Abtheilung derselben für das Stu- 
dienjahr 1859 — 1860. — Programm des k. k. Staats-Gymnasiums in Pest für 
das Schuljahr 1859. — IX. Programm des k. k. Gymnasiums in Triest zu 
Ende des Schuljahres 1859. — Jahresbericht des k. k. Ober-Gymnasiums zu 
den Schotten in Wien am Schlüsse des Schuljahres 1859. — Jahresbericht 
der k. k. Ober-Bealschule am Schottenfeld in Wien, für das Studienjahr 1858 
— 1859. — VI. Jahresbericht des k. k. kathol. Ober-Gymnasiums zu Schem- 
nitz am Schlüsse des Schuljahres 1859. — Personalstand und Vorlese-Ordnung 
an der ständ.-technischen Lehranstalt in Gratz am Studienjahre 1860. — VIII. 
Jahresbericht über das k k kathol. Gymnasium zu Ofen. 1859. — Tudösit- 



99 

vany a Szegedi Kegyes Tanitorendi Nagy-Gymnasiumrol. 1858 — 1859 iki Tanevre. 
— Uebersicht von der Production der Bergwerke, Hütten nnd Salinen in den 
preussischen Staaten im Jahre 1854 — 1856. 1858. 

Von der k. k. geolog. Reichs-Anstalt. 

Programm des k. k. Gymnasiums in Gratz, veröffentlicht am Schlüsse des Studienjahres 
1859. Von der Gymn. Direction. 

Bulletin de la Societe Imp. des Naturalistes de Moscou 1859. Nr. 1 — 2. — Ein Ge- 
denkblatt für Alex, von Humboldt. Von H. Trautschold. Moscau 1859. 

Von der kais. Gesellschaft. 

Programm des k. k. Gymnasiums zu Kremsmünster für das Schuljahr 1859. 

Von der Gymn. Direction. 

Fest-Programm des k. k. Evangel. Gymnasiums zu Teschen zur Erinnerung an die 
150jährige Jubelfeier dieser Lehranstalt, veröffentlicht von der Direction im 
Jahre 1859. Von der Gymn. Direction. 

Der Geschichtsfreund. Mittheilungen des historischen Vereins der fünf Orte Lucern, 
Uri u. s. w. XV. Einsiedeln. 1859. Vom histor. Vereine in Lucern. 

Berichte der Rheinischen Missions-Gesellschaft. Barmen. Mai — Sept. 1858. 

Von der Gesellschaft. 

Vodnikow Spomenik. Vodnik Album. Herausgegeben von Dr. E. H. v. Costa. Laibach 
1859. Vom Herausgeber. 

Programm des k. k. Gymnasiums zu Agram am Schlüsse des Schuljahres 1859. 

Von der Gymnasial-Direction. 

Atti di uffizio ed annunzi della Camera di Commercio e d'industria in Fiume. Agosto, 
Settembre 1859. Von der Handelskammer. 

Verhandlungen des historischen Vereines für Niederbaiern in Landshut VI. 1. 2. 1858 
— 1859. Vom Vereine. 

C6opHHKi> cTaTHCTHHCKHxt cß'feji'bHiH o Pocciti III., 1858. (Recueil des renseignements 
statistiques etc.) — B'bcTHHKi. rnwnep. Pyccuaro reorpa*. o6m,ecTBa, 1858. Nr. 8 
— 12. 1859 Nr. 1—4. (Bulletin). — H3cvfe,40BaHie o ToproBJii Ha yKpaHHCKHXT» 
apiwapKaxT, H. AucaKOüa, 1858. (Recherches sur le commerce aux faires de 
l'Oucraine par M. Aksakoff.) — Proces-verbal de l'assemble generale du 
1. Avril 1854. Von der k. russ. Geograph. -Gesel lschaft. 

Viaggio in Inghilterra e nella Scozia passando per la Germania, il Belgio e la Francia 
etc. Del Dr. Francesco Lanza Nr. 1. 2. Trieste 1859. Vom Verfasser. 

Jahresbericht der Ober-Bealschule in Ellbogen f. d. Schuljahr 1859. Von der Direction. 

VI. Programm des k. k. Staats-Ober-Gymnasiums zu Vinkovce am Schlüsse des Schul- 
jahres 1858—1859. Von der Direction. 

Arkiv za Povjestnica Iugoslavensku. Knjiga. V. Zagrebu 1859. Von der Gesellschaft. 

A Paper and Resolutions in advocacy of the establishment of a uniform System of 
meteorological observations, throughout the whole american continent etc. By 
Major R. Lachlan. Cincinnati 1859. Vom Verfasser. 

Astronomical Observations made during the years 1847 and 1850 at the U. S. Naval 
Observatory, Washington. By M. F. Maury. Vol. V, Washington 1859. 

Vom V e r f a s s e r. 

Tudösitväny a Dunantuli Ag. Hitv. Ev. Egyhazkerület Soproni Nyilvdnos fötanodajäröl az 
1858—1859 diki tanevben. 

Von der Direction des evang. Gymn. in Oedenburg. 

Jahresbericht über das k. k. Gymnasium zu Czernowitz während des Schuljahres 1858 
— 1859. Vom Gymnasium. 

Memoires de la Societe royale des Antiquaires du Nord 1845—1849. Copenhague 
1852. — Jahres-Versammlung den 31. Januar 1839—1852. — Leitfaden zur 
nordischen Alterthumskunde. Kopenhagen 1837. — Saga Jaatvardar Konüngs Hins 
Helga. Kjobenhavn 1852. — En Vandring gjennem Jägerspriis's Haveog Lund. 
Kjobenhavn 1858. — Cabinet d'antiquites americaines a Copenhague. Rapport 
ethnographique par C. C. Rafn. Copenhague 1858. — Antiquites de l'Orient. 
monuments Runographiques interpretes par C. C. Rafn. Copenhague 1856. — 
Apercu de l'ancienne Geographie des regions arctiques de l'Amerique. Selon 
les rapports contennus dans les Sagas du Nord par C. C. Rafn. Copenhague 
1857. — Nordboernes forbindelser med Osten i det niende og Närmest folgende 
Aarhundreder. Af. C. C. Rafn. Kjobenhavn 1854. — Americas arctiske Lande» 



too 

Gamle geographie efter de Nordiske Oldskrifter ved C. C. Rafn. Kjobenhavn. 
1845. — Verkehr der Normannen mit dem Osten. Notiz von C. C. Rafn. 

Von der k. Gesellsch. f. Alterthümer. 
Proceedings of the American Academy of arts and sciences. Boston 1859. IV. F. 12 — 31. 

Von der Akademie, 
Smithsonian Oontributions to Knowledge. Vol. X. Washington 1858. — Annual Report 
of the Board Regents of the Smithsonian Institution, showing the Operations 
for the year 1857. Washington 1858. Von dem Schmiths. Institute. 

Defence of Dr. Gould by the scientific Council of the Dudley Observatory. 3 edit. 
Albany 1858. — Reply to the statement of the Trustees of the Dudley Ob- 
servatory. By Benj. Apthorp Gould Dr. Albany 1859. Vom Verfasser. 
Reports of Explorations and Surveys to ascertain the most practicable and economical 
Route for a Railroad from the Mississippi River etc. Vol. IX. Washington 1858. 

Vom Kriegs-Dep. Washington. 
Verhandlungen des naturhistorischen Vereines der preuss. Rheinlande und Westphalens. 
XIV. 1—3. XV. 1—4. XVI. 1—2. Bonn 1857—1859. Vom Vereine. 

Württembergische naturwissenschaftliche Jahreshefte XV. 3. Stuttgart 1859. 

Vom Vereine. 
Oberbaierisches Archiv für vaterländische Geschichte. Herausgegeben von dem histori- 
schen Vereine von und für Ober-Baiern XVIII, 1—3. XIX, 1. XX. 1. XXI. 1. 
München 1857—1858. — Jahresbericht des historischen Vereines. 18—20. für 
1855 — 1857. München 1856 — 1858. — Uebersichtstafel zur Begründung einer Ge- 
schichte der christlichen Kunst in Ober-ßaiern u. s. w. von B. v. Rittberg. 

Vom histor. Vereine. 

Das Astronomische Diagramm, ein Instrument, mittelst dessen der Stand und Gang einer 

Uhr, des Azimut!» terrestrischer Gegenstände u. s. w. Von Dr. M. A. F. Prestel. 

Braunschweig 1859. Vom Verfasser. 

Verhandlungen der kaiserl. Leopold-Carolin. -Akademie der Naturforscher XXVI. 1. 2. 

Breslau 1857—1858. Von der Akademie. 

Jahresbericht der k. k. böhm. Ober-Bealschule zu Prag für das Schuljahr 1859. 

Von der Direction. 
Proceedings of the Royal Geographical Society of London 1859. Vol. III. Nr. 3. 4. 

Von der Gesellschaft. 
Bulletin de la Societe de Geographie. Paris IV. Ser. T. XVII. Nr. 97—102. Januar- 
Juni 1859. — Question scientifique et personelle soulevee au sein de l'Institut au 
sujet des dernieres decouvertes sur la geographie et l'histoire de l'Inde avec 
les explications de M. Beinaud. Paris 1859. 

Von Sr. Hochw. Domherrn Dr. Salzbacher. 
Verhandlungen der Handels- und Gewerbekammer in Prag von ihrer Begründung am 
18. Nov. 1850 bis zum Schlüsse des Jahres 1857. Prag 1859. — Bericht der 
Handels- und Gewerbekammer in Prag über den Zustand der Gewerbe, des Han- 
dels und der Verkehrmittel in den Jahren 1854—1858 Prag 1859. — Bericht 
über den Zustand der Baumwoll-, Schafwoll- und Eisen-Industrie in den Jahren 
1850, 1853 und 1858. Prag 1859. — Bericht über die allgemeine ausseror- 
dentliche Sitzung der Prager Handels- und Gewerbekammer am 25. Febr., 28. 
Mai und 25. Juli 1859. Von der Handelskammer. 

Das Beich des Priesters Johannes. Ein Beitrag zur Geschichte der geographischen 
Entdeckungen. Von P. P. Matkovich. (Im Progr. des Warasdiner k. k. Gymn. 
1859.) Vom Verfasser. 

Mittheilungen des hist.-antiq. Vereins für die Stadt Saarbrücken und St. Johann. Ueber 
die römischen Niederlassungen und die Bömerstrassen in den Saargegenden. 
I. — III. Abtheilung 1846—1859. Vom Vereine. 

The Atlantis: a Begister of Literature and science. Conducted by members of the C;i- 
tholic University of Ireland. Nr. 4. Juli 18.">9. London. Von der Redaction. 
Annales de la propagation de la foi. Septembre 1859. Nr. 186. Lyon. 

Von der Redaction. 
Sulla vita e le opere di Alessandro Humboldt. Discorso di Caterina Scarpellini. 
Roma 1859. Von der Verfasserin. 

Bulletino dell' Istmo di Suez. Torino 1859. Nr. 9. 11—15. 17—19. 

Von der Redaction. 

Berichte über die Verhandlungen der k. sächs. Gesellschaft der Wissenschaften zu 

Leipzig. Philosophisch-historische Classe 1858. Nr. 1. 2. Mathem.-phys. Gasse 

1858. Nr. 1—3. Von der Gesellschaft. 



101 

Verhandlungen des Vereines für Kunst und Alterthum in Ulm. Bericht 1. 2. 4. 6. 7. 
9. 10. 11. 1843 — 1857. — Illustrationen: Erzengel Michael von M. Schön- 
gauer; Barth. Zeitblom's Altargemälde auf dem Heerberge; Marktbrunnen in 
Ulm; Aus dem Münster zu Ulm; Holzschnitzwerke aus Dürsch's Sammlung. 

Vom Vereine. 

Verhandlungen und Mittheilungen des siebenb. Vereins für Naturwissenschaften in Her- 
mannstadt. 18S8. Nr. 7—12. 1859. Nr. 1—6. Vom Vereine. 

Linnaea. Ein Journal für die Botanik in ihrem ganzen Umfange. Herausgegeben von 
Dr. F. L. v. Schlechtendal. Halle XI— XXX. 1. 2. 1837-1859. 

Vom Herausgeber. 

Eine Lithographie (im Schlossgarten zu Vaal). Von Baronin L. von Kotz. 

Address at the Anniversary Meeting of the B. Geographica! Society. 23. Mai 1859. 
Annual Beport of tlie Director general of the geological Survey of the united 
Kingdom, the Museum of practical Geology etc. London 1858. 

Von Sir B. J. Murchison. 

Programm der öffentlichen evang. Schul-Anstalten zu Ober-Schützen für das Schul- 
jahr 1858—1859. Von Herrn Sectionsrath Bitter v. Heufler. 

Nachruf an Dr Franz Leydolt 10. Juni 1859. Von P. P. Urlinger. 

Ueber die Sitten und das Becht der Bogos von Werner Munzinger. Mit einer 
Karte der nördlichen Grenzländer Abyssiniens und einem Vorworte von W. Ziegler. 
Winterthur. 1859. Von Herrn W. Ziegler. 

Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. Berlin I — XI. 1. 1849 — 1858. 

Von der Gesellschaft. 

Erdumsegelung der kön. schwed. Fregatte Eugenie. In den Jahren 1851 — 1853. u. s. w. 
Uebersetzt von Anton von Etzel. Berlin 1856. — Die Ostsee und die Küsten- 
länder geschildert von Anton von Etzel. Leipzig 1854. Vom Verfasser. 

Das Sanitäts-Jahr 1858 in der Stadt Pest. Nach meteorologischen, sanitätischen und 
statistischen Beobachtungen, zusammengestellt von Dr. Karl Torrn ay. 

Vom Verfasser. 

Sechs Holzschnitte zur Characteristik der sechs Erdtheile. Illustrationen zu Dr. C. 
Vogel's Natur- und Landschaftsbildern, so wie zu allen Lehrbüchern der 
Geographie. Leipzig 1859. 

Von Hrn. J. C. Heinrichs, Buchhändler in Leipzig. 

Statistischer Ausweis der Gratzer Handels- und Gewerbekammer für das Jahr 1857. 
Gratz 1858. Von der Handelskammer. 

Bericht der Oberhess. Gesellschaft für Natur und Heilkunde. Giessen VI. VII. 1857. 
1859. Von der Gesellschaft. 

Diagrams showing the mean Direction of Winds from each Quarter in the different 
Oceans. — Winds and Calms in the Pacific and Athintic Ocean. 

Vom national. Observatorium Washington. 

Denkschriften der k. bayer. botanischen Gesellschaft zu Begensburg 1847. III. Bd. — 
Flora oder allgemeine botanische Zeitung. Begensburg. Jahrg. 1858. Nr. 1 — 33 etc. 
1859. Von der k. botan. Gesellschaft. 

Zeitschrift für allgemeine Erdkunde. Berlin. 1859. VI. 4.-7. 

Von der Gesellsch. f. Erdkunde. 

Mittheilungen von J. Perthes geographischer Anstalt über wichtige neue Erfahrungen 
auf dem Gesammtgebiete der Geographie von Dr. A. Petermann. Gotha 1859. 
Hft. 5—9. Von Perthes geogr. Anstalt. 

Ueber die Fische und ihr Leben in den Waldbächen des Centralstockes des Böhmer- 
waldes. Von J. N. Woldfich. Prag 1858. Vom Verfasser. 

Was ich erlebte! Was mir auffiel! Erinnerungen vermischten Inhaltes. Von Baronin 
Louise Kotz. Prag. 1859. I. Von der Verfasserin. 

Allgemeine Land- und Forstwirthschaflliche Zeitung. Wien 1859. Nr. 18 — 31. 

Vom k. k. Landw. Gesellsch. 

Memorie dell' I. fi. lstituto Veneto di scienze, lettere cd arti. Venezia 1859. VII. 3. 
VIII. 1. — Atti deir I. B. lstituto venito T. IV. Ser. III. disp. 7—9. 

Vom k. k. Institute. 

Tabellen zu dem Berichte der Handels- und Gewerbekammer in Kronstadt, über den 
Zustand der Gewerbe in den Jahren 1853 bis 1856. — Protokoll der ordent- 
lichen Sitzungen der Kronstädter Handels- und Gewerbekammer im Jahre 1859 
am 7. Juni und 6. September, Von der Handelskammer, 



102 

Mittheilungen des historischen Vereines für Krain von März bis Juli 1859. Laibach. 

Vom Vereine. 

Einladung zur Besichtigung des neu erfundenen Verbindungs-Apparates der Papierfa- 
brications-Maschine mit der Schnellpresse. Von A. Au er. 

Vom Herrn k. k. Hofrath Hai dinge r. 

Monumenta secularia. Herausgegeben von der kön. bayer. Akademie der Wissenschaften 
zur Feier ihres 100jährigen Bestehens am 28. März 1859. — Almanach der k. 
bayer. Academie der Wissenschaften für das Jahr 1859. I — III. München 1839. 
— Erinnerung an die Mitglieder der math.-phys. Classe der kön. bayer. Akademie 
der Wissenschaften. Eine Bede, vorgetragen in der öffentlichen Sitzung zur Feier 
des akad. Secularfestes am 29. März 1859 von Dr. Carl. Fr. Ph. von Martius. 
München 1859. — Bede bei der 100jährigen Stiftungsfeier der kön. Akademie 
der Wissenschaften am 28. März 1859. Gehalten von G. L. v. Müller. Mün- 
chen 1859. Von der k. bayer. Akad. der Wissenschaften. 



ABHANDLUNGEN 

DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 

GEOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT. 



I. 

Organisation und Fortschritt der militärisch kartographischen 
Arbeiten in Oesterreich. 

Zusammengestellt von Herrn k. k. Rath A. Steinhaus er 
aus den der k. k. geographischen Gesellschaft übergebenen Mittheilungen des Herrn 

August von Fligely 

k. k. Generalmajor, Director des k. k. militär. geographischen Institutes etc. 
Mitgetheilt in der Versammlung: der k. k. geographischen Gesellschaft am 7. December 1858. 

Geschichtliche Notizen. 

Die ältesten Versuche geometrischer Landesaufnahmen in den öster- 
reichischen Erbstaaten fallen in das Ende des 17ten und den Anfang des 
ISten Jahrhunderts. Vischer's Karten von Oesterreich ob und unter der 
Enns (1667, 1672) und Steiermark (1678), Müller's Karten von Böhmen 
(1726) und Ungarn (1718), Visconti' s Kriegs-Karte von Siebenbürgen 
(1699) sind die bekanntesten Resultate der kartographischen Arbeiten die- 
ser ältesten Periode. Die durch die Kriegführungen gewonnene Einsicht 
der Unentbehrlichkeit genauer Karten nöthigte diesem Zweige eine ge- 
steigerte Obsorge zuzuwenden. 

In dem Zeiträume vom Jahre 1764 bis 1787 wurden nach und nach 
alle Länder, aus welchen damals die österreichische Monarchie bestand, 
und später die neu acquirirten Provinzen, im Masse 1 Zoll = 400° auf- 
genommen. Diese sogenannte Theresianische und Jos ephi ni sehe 
Aufnahme befindet sich im k. k. Kriegsarchive. 

Nur wenige gestochene Karten gingen aus den damaligen Materialien 
hervor, jedoch haben einige derselben, z. ß. Anich's Karten von Tirol 
(1774), Liesganig's Karte von Galizien Lipszky's Karte von Ungarn 
und seinen Nebenländern (1806— 1808), Zach's Karte von Venedig (1806) 
u.a.m., beinahe bis in die neueste Zeit sehr gute Dienste geleistet. 
Auch die Karte der Niederlande, aus der Vermessung von 1771 — 1774 
gezogen, galt als ein vorzügliches Product ihrer Zeit. 

Der Mangel einer richtigen und zusammenhängenden trigonometrischen 
Grundlage, die Unvollkounnenheit der älteren Zeichnungsmethode, zumeist 
aber die wesentlichen Veränderungen in der Cultur des Bodens seit einem 
halben Jahrhunderte machten jedoch eine neue berichtigte Aufnahme höchst 
wünschenswerth. Sie wurde durch Weiland Se. Majestät Kaiser Franz I. im 
Jahre 1806 angeordnet, auf Antrag Sr. k. k. Hoheit des Generalissimus 
Erzherzog Karl und im Wege des Hofkriegsrathes dem General-Quar- 
tiermeisterstabe der Armee aufgetragen. Diese neuen Specialaufnahmen, 
welche nach einem allgemeinen, die ganze Monarchie gemeinschaftlich 
umfassenden Plane unternommen wurden, fallen daher sämmtlich in das 
gegenwärtige Jahrhundert. 

1 



2 August von Fligely. 

Die älteren Materialien, von vergleichsweise sehr verschiedenem und 
im allgemeinen untergeordnetem Werthe, konnten bei der neuen Vermes- 
sung nur in so ferne benützt werden, als sie den Triangnlatoren und 
Mappeurs die Recognoscirung der bezüglichen Gegenden erleichterten; die 
Aufnahme selbst aber wurde vollständig neu bewirkt. 

Ueber die Geschichte der Vermessungen besteht keine ausführ- 
liche Darstellung in einem eigenen Werke; ein solches müsste erst aus 
den Archiven des bestandenen Hofkriegsraths, des General-Quartiermeister- 
stabes und einiger Hofstellen zusammengestellt werden. Einen kurzen 
Abriss über die älteren Arbeiten enthält als Einleitung J. Marx Freiherr 
von Lichtenstern's 1821 zu Dresden erschienene Schrift: „Vorschriften zu 
dem praktischen Verfahren bei der trig. geom. Aufnahme eines grossen 
Landes etc." — 

Triangulirung. 

Zur Grundlegung des Dreiecknetzes wurden ausser den Ortsbestim- 
mungen aller, theils auf Staats- theils auf Privatkosten in der Monarchie 
bestehenden Sternwarten von Offizieren des militärisch geographischen Insti- 
tutes noch in nachstehenden Orten Breiten- und Azimulh-Beoba chtu n- 
gen gemacht: 

d) bei St. Anna in der Nähe von Arad in Ungarn, 

b) auf dem Löwenberg bei Lemberg in Galizien, 

c) bei Hermannstadt in Siebenbürgen, 

d) auf der Anhöhe Cworkowobrdo bei Esseg in Slavonien, 

e) in Spalato in Dalmatien, 

f) bei Fiume im Littorale, 

g) bei Kloster Ivanich in Kroatien, 

h) auf dem Berge Dobrozow n. ö. von Nachod in Böhmen, 

i) zu Venedig, 

k) bei Innsbruck und 

/) auf dem Hummerberg in Vorarlberg. 

Mittelst Pul vers ignalen wurden auf dem Parallelkreise unter dem 
48ten Breitengrade die Längen unterschiede zwischen München, Wien 
und Ofen i ), und auf dem mittleren Parallelkreise längs eines Bogens, 
welcher sich von Bordeaux in Frankreich nach Ost bis Fiume ausdehnt, 
die Längenunterschiede zwischen Turin, Mailand, Padua und Fiume be- 
stimmt 2 ~). Aeltere Längen- und Breitenbestimmungen von den Astronomen 
Peter Liesgan ig, Pasquich, Canonicus David, Bürg u. a. stehen mit 
den neueren Arbeiten nicht in Verbindung. 

Ferner dienen zur Grundlage der österreichischen Vermessungsarbei- 
ten folgende Basen: 

a) die Basis bei Wiener-Neustadt, 6410 Klafter lang, gemessen im 
Jahre 1762 von Peter Liesganig; 

6) die Basis auf der Haide von Gallarate, nahe am Ticino in der 
Lombardie, 5272 Klafter lang, gemessen im Jahre 1788 von den Astro- 
nomen der Brera zu Mailand; 

c) die Basis bei Radautz in der Bukowina, 5199 Klafter lang, ge- 
messen vom Oberst Hawliczek im Jahre 1818. 



1 ) Man sehe die im Bande VII Seite 2ä7 der monatlichen Correspondenz zur Beförderung 
der Erd- und Himmelskunde des Freiherrn von Zach pubiicirte Relation. 

2 ) Man sehe die Anhänge zu den Ephemeriden von Mailand vom Jahre 1823 bis 1828 und 
„La Mesure a" un arc du Parallel moyen par le$ Colonel Brousseaud." 



Organisation und Fortschritt der milit. kartogr. Arbeiten in Oesterreich, 3 

Von der Triangulirungs-Direction des milititärisch geographischen 
Instituts wurden dann folgende Basen gemessen : 

d) die Basis von St. Anna bei Arad, 4623 Klafter lang, im Jahre 
1840 durch Offiziere des Generalstabes und der Armee; 

e) die Basis von Partyn bei Tarnow in Galizien (zur Verbindung 
mit der russischen Triangulirung), im Jahre 1849 gemessen von Offizie- 
ren der Armee. 

f) die Basis von Hall bei Innsbruck. 2990 Klafter lang, im Jahre 
1851 gemessen von Offizieren des Ingenieur-Geographen-Corps (diente zur 
Verbindung der österreichischen Triangulirung mit jener von Bayern und 
der Schweiz; 

g) die Basis bei Wiener-Neustadt, 500 1 Klafter lang, im Jahre 1857 von 
Offizieren des Ingenieur-Geographen-Corps zur Verificirung der alten (sub a) 
von Peter Liesganig gemessenen Basis J )- 

lieber das Vorgehen bei den Basismessungen, bei der Bildung des 
Dreiecks-Systems, bei der Revision, bei der Reduction der Puncte auf 
Meridian und Perpendikel , beim Auftragen der Puncte auf die Messtische. 
bei Berechnung der geographischen Längen und Breiten, bei Gradirung der 
Sectionen, bei Berechnung der Höhenunterschiede und bei Bestimmung des Flä- 
cheninhalts der Dreiecke , enthält die schon einmal angeführte Schrift des 
Freiherrn von Licht enstern das Nähere, denn sie besteht fast ganz aus 
der Instruction, welche der damalige Major und nunmehrige Feldzeug- 
meister, Freiherr von Augustin, als Norm für die österreichischen Trian- 
gulirungsarbeiten ausarbeitete. 

Diese Arbeiten, im Laufe der früheren Jahre durch die Kriegsereig- 
nisse oft unterbrochen und wieder aufgenommen, wurden vor dem Jahre 
1850 durch Offiziere aus dem Stande des General-Quartiermeisterstabes 
oder anderer Armeekörper ausgeführt, seit 1850 sind sie ausschliesslich 
den Offizieren des in jenem Jahre errichteten Ingenieur-Geographen-Corps 
anvertraut. 

Als leitende Behörde fungirte anfänglich der Chef des General- 
stabes, später als die Arbeiten an Ausdehnung zunahmen, wurde eine Trian- 
gulirungs-Direction eingesetzt, welche dem Generalstabe unterstand, 
seit 1839 aber einen integrirenden Theil des militärisch geographischen Insti- 
tutes macht. Zu Triangulirungs-Directoren wurden Generäle und Stabsoffiziere 
verwendet. 

Für die Feldarbeiten werden, je nach dem Erfordernisse eine 
Anzahl Triangulirungs-Abtheilungen gebildet, deren jede aus einem leiten- 
den Officier (Triangulator , Instrunientführer oder Trigonometer betitelt) 
und einem Gehilfen (Adjuncten) besteht. Ausser den chargenmässigen 
Gebühren erhält der Instrunientführer eine monatliche Zulage von 60 und 
der Gehilfe von 40 Gulden Conv. Münze. Der Bedarf an Materiale, Handlangern, 
Fuhren und sonstigen Leistungen wird besonders verrechnet. 

Der jährliche Gesammtkosten-Aufwand ist ungleich, weil die Anzahl 
der Abtheilungen wechselt. Jede einzelne derselben kostet jährlich mit 
Inbegriff der Zulagen 3000 bis 4000 Gulden. Bis zur Vollendung des Netzes 
3ter Ordnung des Katasters entlallt auf 1 österreichische Quadrat-Meile ein 



*) Die alte Basis vollständig nachzumessen, war nicht möglich , weil deren Endpuncte 
nicht mit der nöthigen Schärfe aufgefunden wurden. Die sichere Auffindung einiger identi- 
scher Triangulirungspunete zunächst der Basis gestattete jedoch den angestrebten Vergleich 
beider Messungen 

1* 



4 August von Fligely. 

durchschnittlicher Aufwand von 170 Gulden Conv. Münze, was für die ganze 
Monarchie eine Summe von 2 1 / 6 Millionen Gulden gibt. 

Die Triangulirung ist so weit gediehen, dass nach dem bereits geneh- 
migten Projecte zu deren Vollendung nur noch folgende Operationen nöthig sind: 

a) die Messung von zwei Basen, eine bei Pettau in Steiermark, die 
andere bei Königgrätz in Böhmen. 

6) Astronomische Breiten- und Azimuthmessungen bei Linz und Klagen- 
furt im Meridian von Prag. 

c) Die Fortsetzung der astronomischen Messung der Bogen des mitt- 
leren Parallels von Fiuine bis Orsova und des Parallelkreises unter dem 
48sten Breitengrade von Ofen bis Czernowitz in der Bukowina. 

d) Die Verbesserung der Dreiecksnetze längs den oberwähnten Parallelen 
und längs dem Meridian von Prag. 

e) Schlüsslich sind auch noch Längenbestimmungen durch elektrische 
Zeitsignale in Antrag. 

Es bestehen Verbindungen der österreichischen Triangulation ä) 
mit Frankreich '), b) mit der Schweitz 2 ), c) mit der Triangulation des 
Königreichs Neapel und (res Grossherzogthums Toscana 3 ), d) mit der 
russischen Triangulation in Polen 4 ), e) und mit jener von Bayern 5 ). 

In den Jahren 18öö bis 1857 wurde die österreichische Trianguli- 
rung durch Ofiziere des Ingenieur-Geographen-Corps unter der Direction 
des militärisch geographischen Instituts auch über das Fürstenthum Walachei 
und die Dobrudscha bis zum schwarzen Meere ausgedehnt und östlich von 
Bukarest in der Nähe von Slobozia eine Basis zur Controlle der Besultate 
gemessen, so wie auch zur Vervollständigung dieser Arbeit astronomische 
Breiten- und Azimuth-Messungen vorgenommen. 

Es wurden daselbst 

a) ein Polygonal-Dreiecksnetz, von zwei Dreiecksseiten der Triangu- 
lirung der Südostgränze Siebenbürgens ausgehend, in der Richtung über 
Buseo und Slobodzia östlich bis Braila an die Donau, ferner längs dieser 
aufwärts, bis gegen Silistria sich ausdehnend, von da durch die Dobrudscha 
bis Küstendsche am schwarzen Meere gemessen. 

b) Anschliessend an eine Dreieckseite in der Nähe der Basis wurde 
eine Dreieckskette längs der Donau fortgeführt, und an einer Seite der 
österreichischen Triangulirung bei Orsova (im Bomanen-Banater Gränz- 
Begimente) angebunden; 

c) wurde, von einer Seite der Triangulirung Siebenbürgens beim 
Bothenthurm-Passe ausgehend, die österreichische Triangulirung durch eine 



*) Operations geodesiques et astronomiques pour la mesure d' un arc du parallele moyen 
executees en Piemont et en Savoie par une commission d'offieiers de I' etat major General et 
d' astronome piemontais et autriehiens. Milano. L'imprimerie royale 1825. Vol. II, pag. 343. 
Nouvelles deseription geometrique de la Franee par Puissant. Paris 1833. 

2 ) Ergebnisse der trigonometrischen Vermessungen in der Schweiz, von Eschmann. 
Zürch 1840. 

3 ) Trigonometrische Vermessungen im Kirchenstaate und Toscana, ausgeführt von dem 
Ingenieur Joh. Mori eni unter der Direction des milit. geogr. Instituts. In den Annalen der 
k. k. Sternwarte in Wien 1846. 

4 ) Sur la jonction des Operations geodesiques russes et autrichiennes executee par 
Struve. St. Petersburg, Bulletin Phys. math. T. X. V. 8. A. 9. 1853. 

Bericht über die in den Jahren 1847 bis 1851 ausgeführte Verbindung der österrei- 
chischen und russischen Landesvermessung aus dem V. Bande der Druckschriften der math. 
naturwissenschaftlichen Klasse der kais. Akademie der Wissenschaften. Wien 1853. 

5 ) Die Ergebnisse dieser Verbindung sind noch nicht publicirt 



Organisation und Fortschritt der milit. kartograph. Arbeiten in Oesterreich. 5 

Dreiekskette längs desAltfluss es mit der Donaukette bei Nikopoli verbun- 
den, und 

d) eine gleiche Verbindungskette der Triangulirung Siebenbürgens von 
Kronstadt an längs der Dumbovitza über Bukarest zur Donaukette bei 
Giurgevo gezogen. 

6') Die 5505 Klafter lange Basis wurde zweimal gemessen, und die 
astronomischen Beobachtungen zur Bestimmung der Breite und des Azimuths 
auf Movila David mit aller Sorgfalt vorgenommen. Die Breite von Movila 
David, welcher Punct eine halbe Stunde westlich von Slobozia an der 
Jalomitza liegt, ergab sich mit 44° 32" 20 1 / 3 \ 

Im Ganzen wurden in der Walachei 124 Puncte erster Ordnung und 
250 Nebenpuncte trigonometrisch bestimmt. Die Höhenunterschiede 
aller Puncte erster Ordnung wurden durch gegenseitige Zenith-Distanzmes- 
sung sorgfältig bestimmt, und überdiess längs einer Linie von Dreiecks- 
seiten, von der ungarisch -siebenbürgischen Grenze angefangen, durch Sie- 
benbürgen bis gegen Kronstadt und dann durch die Walachei und die 
Dobrudscha bis zum schwarzen Meere gleichzeitig gegenseitige Zenith- 
Distanz-Messungen und Barometer-Beobachtungen, so wie bei Küstendsche 
und Liema-Burun Pegel-Beobachtungen vorgenommen. Bei den meisten der 
Nebenpuncte wurde auch die Höhe bestimmt. 

Ueberhaupt werden bei den österreichischen Vermessungen die abso- 
luten Höhen der trigonometrischen Puncte zum allergrössten Theile aus 
gegenseitig gemessenen Zenith-Distanzen abgeleitet, in Wiener-Klaftern und 
deren Decimalen ausgedrückt, und auf den Spiegel des adriatischen Meeres 
'bezogen. Die Durchschnitts-Zahl der auf eine österreichische Quadrat-Meile 
fallenden, trigonometrisch gemessenen Höhen ist verhältnissmässig ungleich, 
je nachdem eine Provinz bloss militärisch, d. i. im Masse von 1 Zoll =400°, 
oder katastermässig im Masse von 1 Zoll = 40° aufgenommen werden soll. 
Im ersten Falle werden auf einer Militär-Section (von 9600° Breite und 
6400° Höhe = 3.48 österreichische Quadrat-Meilen) im letzteren Falle für 
jede graphische Triangulirungs-Section (von 4000° Breite und 
Höhe = 1 österreichische Quadrat-Meile durchschnittlich 2% Puncte trigono- 
metrisch bestimmt. Das weitere Detailverfahren ist in beiden Fällen graphisch. 

Nur selten werden neben der trigonometrischen Messung auch baro- 
metrische Bestimmungen desselben Punctes durch Militärs gemacht. Die 
k. k. geologische Beichsaustalt macht jedoch letztere in sehr ausgedehntem 
Masse und veröfl'entlicht die Besultate in ihren Jahrbüchern. 

Die Berechnungen der trigonometrisch bestimmten Höhen aller Haupt- 
und vieler Nebenpuncte sind in den Protokollen der Militär-Triangulirung und 
der Katastral-Archive enthalten. Eine vollständige Veröffentlichung derselben 
hat noch nicht statt gefunden. Theilweise wurden die Besultate in nachste- 
henden Werken publicirt: 

a) L. A. Fallon's Höhenmessungen in Oesterreich aus trigonometrischen 
Nivellirungen. Wien 1851. 

b) Zeitschrift für Physik und Mathematik von Baumgar tu er und 
Ettingshausen, 1. und 10. Band. Wien 1832. 

c) Jahrbücher der k. k. geologischen Beichsaustalt, vom Jahre 1850 an. 
Theilweise Angaben und Verzeichnisse der durch die Triangulirung 

erhaltenen Ortspositionen finden sich in verschiedenen Werken zerstreut, 
z. B. in dem 18. Bande der monatlichen Korrespondenz zur Beförderung der 
Erd- und Himmelskunde von Freiherrn von Zach über die im Jahre 1806 
ausgeführten trigonometrischen Messungen. In dem Verzeichnisse geographi- 



(5 \iiiiiist von Fligely. 

scher Ortsbestimmungen nach den neuesten Quellen von C. B. von Littrow 
Leipzig 1844, sind viele geographische Positionen von trigonometrischen 
Puncten der österreichischen Monarchie enthalten, welche aus einem vor- 
läufigen Calcul resultirt sind. In dem Portolano del innre adriatico, pub- 
licirt vom militärisch geographischen Institute in Mailand 1830, sind die geogra- 
phischen Positionen jener Puncte angeführt, welche längs der Küste des adriati- 
schen Meeres bestimmt worden sind. Auch in den Werken über die Messung 
der Parallelkreisbogen und Triangulirungsverbindungen findet man eben- 
falls viele geographische Ortsbestimmungen von trigonometrischen Puncten, 
die der österreichischen Monarchie angehören. Eine vollständige Veröffent- 
lichung der Resultate der astronomisch-trigonometrischen Arbeiten kann erst 
dann erfolgen, wenn Zeit und Mittel es erlauben, die gemachten Beobach- 
tungen einem definitiven Calcul zu unterziehen. 

Mappirung. 
Die Def ail-Aufnahme, auf Grund der neuen Triangulirung, begann im 
Jahre 1806, wurde jedoch vom Jahre 1809 bis 1811, von 1820 bis 1826, 
von 1830 bis 1836 und vorn Jahre 1848 bis 1850 unterbrochen. Sie dehnte 
sich aus auf 

„. . f . . ( 1801 bis 1805, dann 

lirol (ohne Kataster) von j jojg jg^o 

Salzburg „ von 1807 und 1808, 

Oesterreich „ „ 1807 bis 1819, 

Lombardie und Venedig (mit Kataster) abgesehen von den Vorarbeiten 

von 1814 bis 1827, 
Neapel (während der Occupation, ohne Kataster) 

von 1822 bis 1826, 
Illyrien (auf Grund des Katast.),, 1825 „ 1835, 
Steyermark „ „ „ 1826 „ 1836, 

Bukowina „ „ „ 1828 „ 1831 (unvollendet), 

Mähren u. Schlesien „ „ 1838 „ 1842, 

Böhmen „ „1842 „ 1853, 

Dalmatien „ „ 1851 „ 1853, 

1810 „ 1812 \ 
Ungarn (ohne Kataster) von } 1819 „ 1831 f. .. , .,. 

1837 „ 1847 ("»vollendet), 

1850 „ 1858) 
Siebenbürgen „ von 1853 „ 1857 (unvollendet), 

Wallachei „ „ „ 1857, 

Römischen Staat und Toscana „ ) , . 

(auf Grundlage des Katasters) j 1841 und lb_u " 

Ungarn wird jetzt allein bis zur Vollendung, welche in drei Jahren zu 
erwarten ist, fortgesetzt. Der jetzt fertige Theil beträgt ungefähr zwei Drit- 
tel. Die Aufnahme von Siebenbürgen und der Bukowina erstrecket sich noch 
auf einen kleinen Theil dieser Länder. Nach der Vollendung von Ungarn, 
wird die Woywodina, dann Kroatien, Slavonien und die Militär-Gränze, sodann 
Galizien an die Reihe kommen und mit dem Reste von der Bukowina und 
und von Siebenbürgen geschlossen werden. Die Aufnahme der ganzen 
Monarchie kann daher mit Wahrscheinlichkeit (unter Voraussetzung der gegen- 
wärtigen Verhältnisse) im Jahre 1875 angenommen werden. 

Die Mappirung ist auch auf fremde Staaten ausgedehnt worden. Auf 
den Wunsch der Regierungen von Parma und von Mo de na wurden diese 
Länder vom Jahre 1820 bis 1821 durch die k. k. Offiiziere unter Leitung 



Organisation und Fori schritt dermilit. kartograph. Arbeiten in Oesterreich. 7 

des österreichischen Generalstabes im Militärmasse 1 Zoll = 400° aufgenommen, 
und es befindet sich diese Arbeit im hierortigen Besitze. Ein gleiches geschah 
mit Toscana und dem Kirchenstaat e (1841 und 1842 im Masse 1 Zoll = 
1200°). Zufolge einer Convention wurde das Fürstenthum Walachei unter 
Leitung des Directors des militärisch geographischen Institutes General-Major 
von Fl igel y in den Jahren 1856 und 1857 durch österreichische Offiziere 
im halben Militärmasse (1 Zoll — 800°) aufgenommen. Die Uebereinkünfte 
mit den Regierungen vorbenannter Länder beschränken sich wie bei Toscana 
und Rom nur auf die Anordnungen ihrer unterstehenden Organe zur willfäh- 
rigen Unterstützung der Aufnahmsarbeiten während ihrer Dauer. Ausserdem 
hat die Regierung der Wallachei den Betrag von 25000 St. Dukaten zu den 
Kosten der Aufnahme beigetragen und erhält dafür die Mittheilung aller tri- 
gonometrisch gewonnenen Resultate und eine Kopie der Aufnahme. 

Die Mappirung wird von Offizieren des Generalstabes, des Ingenieur- 
Geographen- Corps und Zugetheilten von allen Truppen und Branchen der 
Armee ausgeführt. Die Leitung derselben hat der Director des militärisch 
geographischen Instituts, dem eine Anzahl Mappirungs - Unter-Directio- 
nen in den verschiedenen Ländern unterstehen, jede mit einem Stabsoffizier 
oder Hauptmann des Generalstabes oder Ingenieur - Geographen - Corps als 
Unter-Director und 8 bis 9 Mappeurs. Dem Unter-Director obliegt die Kon- 
trolle der Detail-Arbeiten, die er allmonatlich in seinem Amtsbezirke vor- 
zunehmen hat; dem Director des militärisch geographischen Instituts hingegen 
die Revision der Gesammtarbeiten, die er jährlich in einigen dieser Bezirke 
vorzunehmen hat. 

Die Mappirungs-Unter-Directoren beziehen 60 Gulden Zulage und 53 
Gulden Pauschale, die Mappeure 40 Gulden Zulage und 42 Gulden Pauschale 
monatlich. Von dem Pauschale sind die Auslagen auf Errichtung der Zeichen, 
auf Vorspann bei Uebersiedlungen, Botenlöhne u. s. w. zu bestreiten. 

Gewöhnlich werden acht Mappirungs-Abtheilungen mit 72 bis 80 Offi- 
zieren aufgestellt, und diese letztere Zahl dürfte von nun an, bis zur Been- 
digung der Vermessung der Monarchie alljährlich verwendet werden. Nur in 
den letzten Jahren waren wegen der bewirkten Aufnahme der Wallachei 120 
bis 130 Offiziere in Thätigkeit. 

Eine Mappirungs-Abtheilung kostet durchschnittlich mit Inbegriff der Zu- 
lagen für die sie formirenden Individuen jährlich 9000 Gulden, wornach sich 
der Kostenaufwand in einem Jahre ungefähr auf 72000 Gulden herausstellt. 
Die Militär-Aufnahme einer Quadrat-Meile auf Grundlage der Kataster-Aufnahme 
(diese selbst nicht eingerechnet) lässt sich durchschnittlich auf 120 Gulden 
C. M. veranschlagen, die ohne Kataster auf 250 Gulden C. M. Da beiläufig 
zwei Drittel des Kaiserstaates auf die erste und ein Drittel auf die letzte Art 
theils bereits aufgenommen, theils noch aufzunehmen sind, so ergibt sich für 
eine Quadrat-Meile ungefähr 163 Guldon C. M. im Durchschnitt, so dass die 
ganze Monarchie bis zu ihrer Vollendung auf 1.887,540 Gulden C. M. zu 
stehen käme, ohne die Besoldungen der verwendeten Offiziere einzurechnen. 

Die bei der Detail-Aufnahme beschäftigten Mappeurs erhalten alle für 
den technischen Dienst erforderlichen Instrumente, und zwar jeder einengrossen 
Messtisch und einen kleinen Detaillirtisch auf ärarische Kosten, zudem Averden 
jedem Mappeur drei Militär-Handlanger beigegeben, wovon jeder eine tägliche 
Zulage von 7 Kreuzern erhält. In den Ländern, wo der Kataster besteht, und der 
Mappeur demnach das nach der Katastral-Aufnahme reducirte Gerippe sammt 
Culturen vollständig erhält, wird jeder Offizier nur mit einem kleinen Detail- 
lirtisch ausgerüstet und ihm nur ein Militär-Handlanger beigegeben. 



8 August von Fligely. 

Wenn ohne Kataster -Reduction gearbeitet wird, der Mappeur also nur 
von drei trigonometrisch bestimmten Punkten ausgehend alles neu aufneh inen 
rnuss , sind für den Anfänger 4, für geübte Mappeurs (5 Quadrat-Meilen 
jähr liehe Leistung vorgeschrieben; wo bereits die Geripp-Reduction aus 
dem Kataster vorhanden ist und nur diese reambulirt und das Terrain 
eingetragen wird, gelten 3 Sectionen ä 4 Quadrat-Meilen, also 12 Quadrat- 
Meilen jährlich für eine ausgiebige Leistung. Eine Eintheilung des Terrains 
in Klassen mit Bezug auf die Schwierigkeit der Aufnahme findet strenge ge- 
nommen nicht statt, doch ist es selbstverständlich, dass bei aulfallender Leich- 
tigkeit mehr, bei offenbarer Schwierigkeit verhältnissmässig weniger gefordert 
wird, worüber die Unter-Directionen zu urtheilen haben. 

Die Sommerfeldarbeit dauert in der Regel vom ersten Mai bis Ende 
October, in südlichen Gegenden wird wohl auch April und November verwen- 
det, im Hochgebirge jene Zeit, wo die Witterungsverhältnisse die Arbeit 
überhaupt zulassen. In den Wintermonaten haben die Mappeure keinen 
Truppendienst zu leisten. Sie zeichnen (in den Ländern, wo ohne Kataster- 
Grundlage gearbeitet wird) erstens die Brouillons - Viertel aus, welche dann 
zu einer ganzen Section vereint auf Leinwand aufgespannt und beschrieben 
werden, dann kopiren sie diese Brouillons-Viertel auf das grosse Original- 
blatt, auf welchem sie die Triangulirung der Section bewirkt haben, so dass 
von derlei Sectionen zwei Exemplare in's Kriegsarchiv gelangen. Wo mit vor- 
ausgegangenem Kataster jährlich 12 Quadrat-Meilen von jedem Mappeur 
aufgenommen werden, wäre die doppelte Auszeichnung eine zu grosse Auf- 
gabe. Es besteht daher an diesen Sectionen nur eine Original-Zeichnung, 
doch werden dieselben im Bedarfsfalle im militärisch geographischen Institute 
photographisch kopirt. Alle Original-Aufnahms-Sectionen werden, sobald sie 
das militärisch geographische Institut nicht mehr zur Kartenreduction bedarf, 
im k. k. Kriegsarchiv deponirt. 

Auch die bei Gelegenheit der Landes-Aufnahme von den Mappeurs vor- 
geschriebenermassen verfassten, sowohl topographischen als militärischen Lan- 
desbeschreibungen seines Arbeits-Rayons werden (ohne Bestimmung zur 
Publication) mit den Original-Aufnahms-Sectionen an das k. k. Kriegsarchiv 
zur Sammlung und Aufbewahrung abgeben. 

Die Original-Aufnahme im Inlande hat in der Regel den Massstab von 1 
Zoll =400° oder tttöt der natürlichen Grösse, nur in den römischen und 
toscanischen Staaten wurde dieselbe im Masse von 1 Zoll = 1200° oder 
rehrö der Natur, in der Walachei im Masse von 1 Zoll = 800° oder S7 * M 
der natürlichen Grösse bewirkt. Von den Umgebungen grösserer Städte und 
von Lager- und Manöver-Gegenden bestehen auch Aufnahmen im Masse von 
1 Zoll = 200° oder tt |ot der Natur. Nur diese werden durch Lithographie 
vervielfältigt und herausgegeben, alle übrigen Sectionen werden vermöge aller- 
höchster Anordnung nicht veröffentlicht; jedoch erhalten mit besonderer Bewil- 
ligung des hohen Armee-Ober-Commando's k. k. Anstalten zu gemeinnützigen 
und Diensteszwecken, dann auch Eisenbahngesellschaften photographische 
Kopien bestimmter Zugstrecken, behufs der vorzunehmenden Studien, gegen 
entsprechende Vergütung. 

Die förmliche Aufnahme und Legung äquidistanter Höhen- 
curven ist als viel zu zeitraubend und über das militärische Bedürfniss hin- 
ausreichend nicht vorgeschrieben. Nachdem bei Gelegenheit der geometri- 
schen Detail-Triangulirung der Section, behufs der Bestimmung des Horizontal- 
netzes, gleichzeitig auch mittels des eigens dazu eingerichteten Diopters (der 
Kippregel) mindestens 80 bis 100 Puncte rücksichtlich ihrer verticalen Höhen- 



Organisation und Fortschritt der milit. kartograph. Arbeiten in Oesterreich. 9 

läge bestimmt wurden, liegt es dem Mappeur ob, bei Eintragung des Terrains 
die Curven gl ei c her Höhe zwischen jenen Fixpuncten mit freiem Auge 
zu beurtheilen und einzutragen, um darnach die Bergstriche senkrecht auf 
diese Curven, und in der dem Neigungswinkel der Böschung entsprechenden 
Starke gleich auf dem Felde zu schraffiren. Der grösseren Sicherheit wegen 
werden auch die Böschungswinkel häufig gemessen und die Ziffer au der 
betreffenden Stelle eingetragen. Solcher Messungen sind gleichfalls 80 bis 
100 in einer Section vergeschrieben. 

Als Zeichnungsscala für die Schraffirung gilt das Gesetz, dass 
bei 50 ° Neigung voll schwarz, bei 4o° schwarz zu weiss wie 9:1, bei 40 
wie 8:1 u. s. f. angenommen wird. 

Eine Behörde, deren Aufgabe und Pflicht es wäre, alle, von den ver- 
schiedensten Gesichtspunkten aus auf die specielle Landeskunde be- 
züglichen Materialien zu sammeln und zu concentriren, existirt in Oester- 
reich nicht. Das k. k. Kriegsarchiv und das militärisch geographische Institut 
sind in dieser Beziehung nur die Vertreter des Militär-Gesichtspunktes. Letzteres 
steht bezüglich des Empfanges oder der Mittheilung von Materialien in ver- 
schiedenartigen Beziehungen zu andern Anstalten. Es erhält von Seite des 
k. k. Marine- Ob erkomm ando's die nothwendigen Behelfe, Sordirungen 
etc. zur Berichtigung der Seekarte des adriatischen Meeres und des Pontolano; 
von der Generaldirection des Grundsteuer - Katasters empfängt es die 
Reductionen der Kataster-Aufnahme. Die Directionen der k. k. geologischen 
Reichsanstalt, so wie des statistischen Bureaus im Handelsministe- 
rium und die Eisenbahnd irectionen stehen behufs der Mittheilung von 
Behelfen in gegenseitiger Beziehung zur Direction des militärisch geographi- 
schen Instituts. 

Im Uebrigen haben nur die Landes-Baudirectionen über die in 
ihrem Bereiche stattgehabten Veränderungen vierteljährige Rapporte einzusen- 
den, welche aber bloss für die Evidenzhaltung der schon bewirkten Aufnahme 
(und der schon bestehenden Karten) benützt werden. Zu dieser Evidenz- 
hai t u n g d e r r i g i n a 1 - A u fn a h m e besteht im militärisch geographischen In- 
stitute eine eigene Evidenzhaltungs-Abtheilung, deren Obliegenheit es ist, alle ihr 
pflichtgemäss durch die verschiedenen Landesbaudirectionen vierteljährig durch 
Oleaten und genaue Beschreibung bekannt gegebenen neu gebauten und umge- 
legten Strassen, Eisenbahnen, Flussregulirungen und sonstig vorkommenden 
grösseren Veränderungen in die betreffenden Original- Aufnahms-Sectionen 
(dann in die verschiedenen Karten einzutragen, so wie auch die Nachtragung 
in die Kupferplatten, oder auf den Steinen anzuordnen und zu überwachen. 

Wiewohl die Leistungen seit den letzten drei Decennien für militärische 
Zwecke befriedigend zu erachten sind, so müssen doch die früheren Aufnahmen 
nach Vollendung des noch unbearbeiteten Theiles der Monarchie einer neuen 
Aufnahme oder mindestens einer Reamhulirung um so mehr unterzogen wer- 
den , als der Kataster seither in allen jenen Provinzen bereits durchgeführt ist. 
Bereits wurde im Jahre 1842 eine Reambulirung des Erzherzogthums 
Oesterreich ob und unter der Euns angeordnet, weil sich in dem langen Zeit- 
räume seit der Aufnahme (1810—12 und 1816—18) bedeutende Aenderungen 
in den Culturen, Strassen etc. ergeben hatten. Aus gleicher Ursache ist eine 
Reamhulirung von Salzburg und Tirol nöthig geworden und wird zeitgemäss an 
die Reihe kommen. 

Rcdudion and Publication der Karten. 
Die Original-Seetionen der Aufnahme werden behufs des Stiches der 
Special-Karten aus dem Aufnahmsmasse in das Kartenmass reducirt, und zwar 



10 A. v. Fligely. Organisation und Fortschritt der milit. kartogaph. Arbeiten in Oesterreich. 

linear auf j, so dass auf 1 Zoll =2000° ( rr5 Vinr) entfallen. Nur die Special-Karten 
der italienischen Lander haben das Mass von i Zoll = 1200° (Virfs-ö). Sie um- 
fassen auch eine grössere Fläche, indem sie 25 Zoll Breite und IG Zoll Höhe, 
also 400 Quadrat-Zoll messen, während die Blätter der übrigen Special-Karten 
nur 14.4 Zoll Breite und 9.6 Zoll Höhe, somit 138.24 Quadrat-Zoll messen. 
Die Reductionen geschehen in der topographischen Zeichnungskanzlei des 
militärisch geographischen Instituts unter der Leitung eines Stabsoffiziers als 
Bureau -Chef und werden von der Iustituts-Direction überwacht. Es ist ein- 
geführt, dass jedes Kronland in ein Ganzes zusammengestellt wird. — Dasselbe 
gilt von den General - Karten, zu welchen die Special-Karten linear auf die 
Hälfte reducirt werden. 

Die Gradnetze der Karten werden nach der von Bonne modifizirten 
Flamstead'schen Projection berechnet und verzeichnet , wobei die Erd- 
abplattung zu yfö» der Halbmesser des Aequators zu 3, 36 o o35 Wiener-Klafter 
angenommen ist. 

Bezüglich der Höhenangaben auf den Reductionen, rücksichtlich Karten- 
blättern muss bemerkt werden, dass bisher auf Karten von Ländern, die ohne 
Kataster aufgenommen wurden, wie z. B. das nichtösterrcichische Italien, Tirol, 
Oesterreich, Salzburg, Ungarn, selten mehr als die Höhen der trigonometrischen 
Hauptpunkte bestimmt sind, daher auch nur diese in den Karten angegeben 
wurden, so dass man davon kaum mehr als einen auf 10 Quadrat-Meilen rech- 
nen kann. Allein in Ländern, wo der Kataster vorausging, kommen bis 3 H ö- 
hencoten auf eine Quadratmeile, und da sie sich nicht, wie die vorgenannten, 
ausschliesslich auf ausgezeichnete Hervorragungen , sondern mitunter auch auf 
Joche und Thalpunkte beziehen , und können in derlei (mit der Contour zuvor 
versehenen) Karten bei sorgfältiger Würdigung der Lage und Stärke der 
BergschratTen die Curven gleicher Höhe bei Schichten von 200 bis 300 Fuss 
Höhe mit Annäherung an die Wahrheit gezogen werden, für geringere Höhen 
schichten wären die Anhaltspunkte ungenügend. 

Die Ausführung der Karten auf Kupfer oder Stein geschieht durch 
die im militärisch geographischen Institute bestehenden Kupferstecher- und 
Lithographen-Abtheilungen. Die Leitung und Ueberwachung dieser Arbeit be- 
sorgt der bei jeder dieser Abtheilungen angestellte Vorstand. Die Kontrolle 
wird von dem eigens dafür angestellten Revisor und endlich vom Director des 
Institutes versehen. 

Die Kosten dieser Ausführung werden zum grossen Theile durch den 
Verkauf der Landkarten hereingebracht. Jede Vorauslage und der etwa nö- 
thige Mehraufwand wird vom Militär-Aerar getragen. 

Die Veröffentlichung der Landkarten geschieht durch Verkauf im 
eigenen Verschleissamte und im Wege des Kunsthandels durch Hrn. Artaria et 
Compagnie, erleidet demnach keine Einschränkung. Veröffentlicht sind die Spe- 
cial- und General-Karten von Oesterreich ob und unter der Enns, von Salzburg, 
Tirol, vom Lombardisch-venezianischen Königreiche, von Steiermark, Kärnthen, 
Krain und dem Küstenlande, dann von Mähren und Schlesien. Von der aus 
38 Blättern bestehenden Special-Karte von Böhmen sind bis nun 29 Blätter 
erschienen, der Rest von 10 Blättern wird längstens binnen 2 Jahren nachfolgen. 
Die Aufnahme von Dalmatien befindet sich eben in der Reduction und Zu- 
sammenstellung. Ungarns Comitatskarten ohne Terrain sind vollendet; von 
der Administrativ- und General-Karte sind 8 Blätter bereits herausgegeben und 
2 zur Publication bereit. 

Von der Evidenzhaltung der publicirten Karten gilt dasselbe, was von 
der Evidenzhaltung der Mappen oben bereits erwähnt wurde. 



IL 

Ueber Körpermessungen, 

als Behelf zur Diagnostik der Menschenracen. 
Von Dr. Karl S c h e r z e r und Dr. Eduard S c h w a r z. 

Entwurf eines Systems, welches die Verfasser, den von ihnen, während der 

Reise der k. k. österreichischen Fregatte Novara um die Erde, an Individuen 

verschiedener Racen angestellten Messungen zu Grunde gelegt haben. 

Erste österreichische Erdumsegelungs-Expedition unter den Befehlen des Conimodore 
B. v. Wüllerstorf-Urbair, in See am Bord Sr. Majestät Fregatte Novara, 7. 

October 1858. 

Mitgetheilt in der Versammlung der k. k. geographischen Gesellschaft am 18. Jänner 1859. 

Die vage, unausreichende Eintheilung des Menschengeschlechtes in 
bald vier, bald fünf, bald sieben und bald eilf in Bezug auf Form und 
Structur verschiedene Racen, zeigt wohl am deutlichsten wie mangelhaft 
noch unsere Kenntniss von deren abweichenden Eigenthümlichkeiten ist. 
So theilen L e i b n i t z und Lacepede das Menschengeschlecht in : 
Europäer, Lappländer, Mongolen und Neger; — L i n n e: in weisse, kupfer- 
farb'ne , schwarze und olivenfarbige; Blumenbach in: Kaukasier, 
Aethiopier, Mongolen, Amerikaner und Malayen: ■ — B u f f o n in: nördliche (das 
sind Lappländer), tartarische, südasiatische, schwarze, europäische und 
amerikanische; — Hunter in: schwarze, schwärzliche, rothe, kupferbraune 
schwarzbraune, braune und weisse; — Prichard in: Iranische (auch 
indo-atlantische oder kaukasische) Völker, turanische (mongolische) Völker, 
Amerikaner, Hottentoten und Buschmänner, Neger, Papuas (oder wollhaarige 
Völkerstämme Polynesiens), und Alfurus (oder Australische Bace); — Picke- 
ring in: Weisse, Mongolen, Malayen, Indier, Neger, Aethiopier, Abyssinier, 
Papuas, Negritos, Australier und Hottentoten. *) Gleichzeitig mit dem 
Erkennen dieser Mangelhaftigkeit muss in jedem Forscher der Wunsch 
rege werden, bei anthropologischen Untersuchungen sich über ein Mitte 
zu verständigen, wodurch die Beurtheilung des Menschen als Racen-Reprä- 
sentanten weniger wie bisher der individuellen Auffassung oder der oft 
durch die verschiedenartigsten Vorurtheile getrübten Anschauung überlassen 
bleibt, sondern eine bestimmtere Basis gewinnt. 

Anatomen, Anthropologen und naturwissenschaftliche Reisende haben 
in neuerer Zeit Messungen der verschiedenen Dimensionen des menschli- 



*) Diese Eintheilung nach zumeist unwesentlichen, äussern Unterschieden wie Farbe 
der Haut, Farbe und Form der Haare u. s. w. oder nach ihrem muthmasslichen geographischen 
Ursitze, wie Iranier (von Iran, einem südlich und südöstlich vom kaspischen Meere gelegenen 
Landstriche den Prichard für den Ursitz dieser Völker hält), oder Turanier (von Turan, 
der Name des nördlich und nordöstlich an Iran gränzenden Landes, in dem schon seit der älte- 
sten Zeit der Geschichte ein Tlieil jener Menschenrace wohnt) u. s. w. ist ausserordentlich 
unbestimmt und unsicher, weil aus einem Schwarzen, selbst wenn man seine Hautfarbe und 
seinWollhaar künstlich änderte, dennoch kein Europäer, kein Indianer, kein Malaye u. s. w. 
werden würde, und weil ebenso ein auf den Inseln des Malayischen Archipels, oder in Aethi- 
opien von europäischen Eltern erzeugtes Kind doch kein Malaye oder Aethiopier ist, sondern 
der Race nach Europäer bleibt , wenn schon sich dessen Hautfarbe durch klimatische lokale 
Verhältnisse jener der Eingebornen nähern sollte. (Vergl. Humboldt's Kosmos, vol. I. pag- 
382-383). 



1 2 Dr. K. Scherzer, Dr. E. Schwarz. 

chen Körpers als ein Hauptmittel erkannt, *) um endlich dahin zu gelan- 
gen, den normalen Kaukasier, mit dem normalen Malayen, Mongolen, Papua, 
Neuseeländer, Indianer u. s. w. vergleichen zu können. So sehr aber 
auch die auf diesem Gebiete von verschiedeneu Gelehrten vorliegenden 
Arbeiten das schöne Verdienst der Anregung in Anspruch nehmen, so 
haben doch dieselben ihre Messungen weder hinreichend auf alle Theile 
des menschlichen Körpers ausgedehnt, noch an Individuen verschiedener 
Menschenracen angestellt, um als mehr denn fragmentarische Untersuchun- 
gen angesehen werden zu können, und nicht vielfache Verbesserungen 
zuzulassen, ja sogar wünschenswerth zu machen. 

Solche Messungen nach einem festgestellten Systeme, in einem gross- 
artigeren Maasstabe, wie jemals früher vorzunehmen, schien uns die Erd- 
umsegelung der österreichischen Fregatte Novara, an welcher Theil nehmen 
zu dürfen, wir die Ehre gemessen, eine ganz ungewöhnlich günstige 
Gelegenheit zu bieten. Wir entwarfen und beriethen daher einen Plan, 
nach welchem im Laufe unserer Reise, an jedem Punkte, wo die kai- 
serliche Fregatte lange genug verweilt, eine gewisse Zahl von Messun- 
gen an so vielen Individuen beiderlei Geschlechtes, von mittlerem Alter 
und Körperbau als nur immer thunlich, vorgenommen werden sollten, um 
untrüglichere Anhaltspunkte als die bisherigen zur genaueren Unterschei- 
dung und Charakterisirung der verschiedenen Menschentypen zu erlangen. 

Das Interesse, welches die blosse Mittheilung unserer Absicht, derlei 
Messungen vornehmen zu wollen, in wissenschaftlichen Kreisen erregte, 
die Aufmunterung, welche unserem Streben von Seite der angesehensten 
Fachautoritäten Deutschlands, Frankreichs und Englands zu Theil wurde, 
bestärkte uns nur noch mehr in der Ausführung unseres Vorhabens, und 
so entstand allmählig, nach mehrfachen Abänderungen und Zusätzen ein 
System, dessen Darlegung sowohl, wie die Rechtfertigung von Körpermes- 
sungen überhaupt als Rehelf zur Diagnostik der Menschenracen, die fol- 
genden Rlätter zum Gegenstande haben. 

Positive Wissenschaft und Forschung im Allgemeinen haben die 
Gränze zwischen Mensch und Thier gezogen, — sie haben für die Dif- 
ferential-Diagnostik der Racen manchen schönen Fund gethan, manchen 
frappanten Schluss gezogen: aber gereichen diese iusgesammt, nicht weit 
mehr dem menschlichen Geiste und seinem nimmer müden Streben nach 
Erkenntuiss zur Ehre, als dass sie dem gewöhnlichen Reobachter bestimm- 
tere Anhaltspunkte für diagnostische Zwecke an die Hand geben würden? 

Es unterliegt z. R. keinem Zweifel, dass, nachdem die Stellung des 
grossen Hinterhauptloches das Zusammentreffen des Kopfschwerpunktes mit 
der Körperachse und ihrer Unterstützungsebene (nebst Mithilfe der Nacken- 
musculatur) bedingt, eine Abweichung der Stellung desselben, durch andere 
Umstände compensirt werden muss, wenn der Kopf nicht aus seiner Gleich- 



l ) Wenn gleich nicht in direktem Bezug auf den menschlichen Körper, sondern auf die 
Bedeutung von Messungen naturwissenschaftlicher Objecte im Allgemeinen sagt der grösste 
Naturforscher unserer Zeit: „Bei allem Beweglichen und Veränderlichen im Räume sind 
„mittlere Zahlenwerthe der letzte Zweck, ja der Ausdruck physischer Ge- 
„setze; sie zeigen uns das Stetige in dem Wechsel und in der Flucht der Erscheinungen ; 
„so ist z. B. der Fortschritt der neueren messenden oder wägenden Physik vorzugsweise 
„durch Erlangung und Berichtigung der mittlem Werthe gewisser Grössen bezeichnet, so 
„treten wiederum, wie einst in der italienischen Schule, doch im erweiterten Sinne, die ein- 
zigen, in unserer Schrift übrig gebliebenen und weit verbreiteten hieroglyphischen Zeichen 
„die Zahlen, als Mächte des Kosmos auf."' — 



Ueber Körpermessungen. 13 

gewichtslage nach vorne oder hinten weichen soll. — Während der erste 
Umstand niemals stattfindet, hat die vergleichende Anatomie andererseits 
nachgewiesen, dass mit dem Absteigen von den höheren zu den niederen 
Wirbelthieren das grosse Hinterhauptsloch (welches bei der sogenannten 
kaukasischen Race beinahe die Mitte der Schädelbasis einnimmt), von 
vorn nach hinten rückt, und dass das auf solche Weise gestörte Gleich- 
gewicht, nur durch mächtigere Nackenmusculatur wieder hergestellt wird. *) 
Nach dieser Erfahrung erscheint die Folgerung wohl gerechtfertiget, dass 
Völkerstämme mit übermächtiger Nackenmuskulatur, welche nebenbei mit 
dem übrigen Muskelbau nicht im Einklänge steht, ein mehr nach hinten 
gerücktes Hinterhauptsloch besitzen, und dadurch eine Analogie mit obiger 
Wahrnehmung zeigen. — Demungeachtet würden wir nicht wagen, dieses 
einzelne Merkmal als sicher leitende Differential-Diagnostik für Racenun- 
terschiede aufzustellen. 

Noch erweckt in anderweitiger Beziehung die Musculatur die Auf- 
merksamkeit des Forschers. Kein Thier, selbst das allergrösste nicht, 
besitzt verhältnissmässig so mächtige Gefässmuskeln als der Mensch, weil 
sie seinen Stamm auf den Extremitäten balanciren müssen, und seinen 
aufrechten Gang ermöglichen ; — ein altbekanntes populäres Unterschei- 
dungszeichen, das unser hochverehrter Lehrer und Freund, Professor 
H y r 1 1 so geistreich auf die Anordnung der Musculatur zurückführt, und 
welches eine der zahllosen genialen Bemerkungen ist, die seine Vorträge 
so belehrend und genussreich machen. 

Ferner ist es dem vergleichenden Anatomen gelungen , sowohl am 
Skelete wie an anderen innern Organen charakterisirende Unterscheidungs- 
zeichen der verschiedenen Racen zu finden; er hat weiters dargethan 
dass die vorherrschende Entwickelung der Kauwerkzeuge , das Verhältnis» 
des Antlitzes zum Schädel, die Ausprägung der Jochbrücken, die Mäch- 
tigkeit ihrer Bogensehwingung u. s. w. gleichfalls maassgebende Zeichen 
für die nähere oder entferntere Stellung des Menschen zum Thiere sind. 
Ja ihm dienen innere Organe zur Feststellung der Gränze zwischen 
Familien, Gattungen, sogar zwischen Gruppen und Varietäten von Thieren, 
welche letztere äussere Kennzeichen, wie Gestalt, Farbe, Bedeckung u. s. w. 
völlig neben einander stellen, sogar identificiren, und die sich dennoch 
schon durch ihre Lebensweise und Bestimmung wesentlich von einander 
unterscheiden und desshalb von der Natur in ihrer weisen Anordnung mit 
andern, zweckentsprechenden Organen oder Organsveränderungen ausge- 
stattet wurden. — Ebenso hat die Forschung die Stellung der Augen nach 
vorne in der Gesichtsebene, deren Abstände von einander, ihr Zurück- 
weichen nach der Seite, ihre Schlitzung, die Höhe des Nasenrückens, 
die Länge der Extremitäten, die Vermehrung der Musculatur an denselben 
u. s. w. als berücksichtigungswerthe äussere anthropognostische Zeichen 
erkannt. — 

So schätzenswerth aber auch diese und viele andere beinahe jede 
Region des menschlichen Leibes umfassenden diagnostische Beiträge sind, 
welche die comparative Anatomie in jüngster Zeit geliefert , so fehlen 



') Eine nothwendige Folgeerscheinung hiervon ist, dass solche Menschen, fast immer 
mit überwiegenden Kauapparaten versehen, ihren Kopf mehr nach hinten geworfen tragen, 
und indem sie einen Theil des Gewichtes desselben auf diese Weise hinter die Körperachse 
verlegen, haben sie gleichzeitig ihr Gesicht, dergestalt, dass der untere Stand des Unterkie- 
ferkörpers horizontal getragen wird. 



14 Dr. K. Scherzer, Dr. E. Schwarz. 

nichts desto weniger, wie schon bemerkt, noch gänzlich bestimmtere, 
untrüglichere Unterscheidungsmale für das Erkennen der Verschiedenheiten 
des Menschengeschlechtes. 

Dort, wo der Mensch nur mit einer und derselben Race oder 
Racenvarietät in Berührung kommt, ist ihm der Mensch in Rezug auf 
seine Körperbeschaffenheit das gewöhnlichste Übject der Betrachtung, und 
ohne jemals über die eine oder die andere Unterscheidung nachgedacht 
zu haben, erkennt er in ihm gewissermaassen instin ctmässig seines Gleichen. 
Diess scheint auch Ursache zu sein, warum er bis jetzt verabsäumt, ja, 
wir möchten fast sagen , vernachlässigt hat , für einen ihm instinctiv geläufigen 
Gegenstand, wie die Diagnose des Menschen , absolute, wissenschaftliche 
Formeln zu suchen und aufzustellen. — Der reisende Forscher fühlt dage- 
gen schon weit mehr dieses Bedürfniss, indem er oft Geschöpfen gegen- 
über steht, bei denen es ihm schwer fällt nach allgemeinen populären 
Symptomen, wie: aufrechter Gang, stolze Haltung, offener Blick, ausdrucks- 
volles Gesicht, freier Wille u. s. w. zu unterscheiden, mit wem er es 
zu thun habe. — 

Aber selbst wenn wir die obenerwähnten differential-diagnostischen 
Merkmale als täglich sich vermehrend und klarer herausstellend voraus- 
setzen, und nur die Unterschiede zwischen Menschen und Menschen auf- 
finden wollten, so würde sich ein solcher Ermittlungsversuch bald als noch 
schwieriger erweisen und durch die Fortschritte der Differential-Diagno- 
stik nur wenig Unterstützung finden. — Man glaube ja nicht durch die 
Untersuchung von einer geringen Anzahl von Individuen, z. B. 10, 20, 30. 
mit Sicherheit irgend einen Anhaltspunkt feststellen zu können. Nur zu 
häufig wird sich der Fall ereignen , dass der Beobachter durch den 
Anblick allein nicht im Stande ist, zu bestimmen, ob und wodurch dieses 
oder jenes Individuum sich von demjenigen unterscheidet, welches er zur 
Basis seiner Yergleichung (d. h. zu seinem Normal-Typus) genommen. 
Abgesehen davon z. B. dass es selbst in Europa nicht unschwer wäre, 
aus der grossen Masse Einzelne herauszufinden, welche, wenn man nicht 
unwesentliche Merkmale, wie Farbe der Haut 9» Gattung der Haare u. s. w. 
s c r u p u 1 ö s mit in Betracht zieht, genau mit der einen oder andern 
Persönlichkeit, ja sogar mit einer Mehrzahl von Individuen nicht europäi- 
scher Racen Aehnlichkeit haben, begegnet der reisende Forscher zuweilen 
ganzen Völkerstämmen, welche einen bereits bekannten Eindruck in seinem 
Innern wiederholen. Die Singalesen, die hinduischen Peons, die indischen 
Sepoys a ), sehen genau so aus, wie die meisten unserer Rumänen, derart 
dass sich dem Beschauer diese Aehnlichkeit trotz der Trachtverschieden- 
heit unwillkührlich aufdrängt 3 ). In den holländischen Kolonien auf Java 



*) Dieses Merkmal , welches älteren Forschern bei ihrer Eintheilung des Menschen- 
geschlechtes zur Rasis zu dienen pflegte, nniss schon aus dem Grunde als unwesentlich 
betrachtet werden, weil seine Veränderung nicht einmal eine vorübergehende Täuschung 
herbeizuführen im Stande ist, (ein weissgeschminkter Neger und ein schwarzgefärbter Euro- 
päer werden gewiss nicht verwechselt werden). Uebrigens kommt die natürliche Hautfarbe, 
namentlich bei wilden und halbwilden Völkern dem Beschauer selten zu Gesicht, indem sich 
dieselben unaufhörlich öhlen, färben, schminken, tättowiren u. s. w. und man doch nicht eine 
curcumafarbige, oder eine blau und schwarz-tättowirte Race wird annehmen wollen? 

2 ) Wir heben hauptsächlich diese beiden Stämme hervor, weil dieselben aus dem 
urwüchsigsten Theil des Volkes genommen, meist aus schönen gufgeformten typischen 
Individuen bestehen. 

3 ) Eigentümliche Trachten, Schmuckgegenstände, Waffen u. s. w. , welche uns in 
den, in ethnographischen Werken so stereotyp immer wieder vom Neuen abgedruckten bild- 



Ueuer Körpermessungen. ig 

haben wir unter anderm Gelegenheit gehabt, schöne stämmige Buggis, 
Makassaren, Amboinesen, Sumatraner, Sundanesen zu sehen und zu mes- 
sen, welche, wenn sie uns anstatt in holländischer Uniform in ßatavia, in 
österreichischem Soldatenrock auf dem Wiener Exerzierplatz begegnet wären, 

wir ohne Weiters für Kroaten oder Gränzer gehalten haben würden, 

gleichwie gar mancher Chinese, mit seinen schonen feinen Zügen und 
seinem elegischen Gesichtsausdruck in den Salons unserer Weltstädte 
anstandslos für einen europäischen Elegant genommen werden dürfte. •) 

Als wir in den Gefängnissen von Hongkong die, der Zöpfe beraub- 
ten Chinesen, namentlich vom Stamme der Hakka s, mit ihrem gedrungenen 
kräftigen Körperbau, den schön geformten, gebogenen, (langen, geraden) 
Nasen, und einer fast gar nicht specitisch chinesischen Augenstellung 
betrachteten, mussten wir uns selbst das Geständniss machen, "dass diese 
Hakka's dermaassen gewissen plebejischen Figuren aus unsern untern Ständen 
gleichen, dass sie, europäisch gekleidet, sich mit den meisten Menschen 
in Berührung setzen könnten, ohne jemals für Chinesen erkannt zu wer- 
den, auch wenn der Beobachter das typische Bild eines Chinesen mit 
Haarzopf, Opiumpfeife, Pfauenfedern, Palmenfächer, Theekiste und Pagode, 
wie es unserer Vorstellung von Jugend auf durch die erwähnten stereo- 
typen Abbildungen to tief eingeprägt wird, vor Augen hätte. 

Noch mehr fühlten wir das Trügerische der meisten äusseren Merk- 
male beim Anblick der katholischen und protestantischen Missionäre in 
Hongkong und Shanghai, welche auch hier, wie im weiten Westen als 
die edlen, aufopfernden Träger und Verbreiter christlicher Civilisation und 
Wissenschaft unter dem Volke leben, und durch Wort, That und Beispiel 
wohlthätig auf dasselbe wirken. Von der Ueberzeugung durchdrungen, wie 
sehr des Menschen Auge an Aeusserlichkeiten haftet, haben sich jene 
verehrungswürdigen Männer dazu bequemt, zur sicherern Erreichung ihres 
frommen Zweckes gewisse Sitten und Gebräuche des chinesischen Volkes 
anzunehmen, und namentlich das Kopfhaar in der allgemein üblichen Form, 
vorne geschoren, hinten als langen Zopf zu tragen. 

Durch diese Zugeständnisse im Anzüge und in der Toilette des 
Kopfes kommt nun eine dermaassen vollständige Täuschung zu Stande, dass 
dieselbe nicht nur die Vorstellung der Chinesen vollständig beherrscht, 



liehen Darstellungen der Racentypen, so eonsequent vor Augen geführt und eingeprägt 
werden, haben uns daran gewöhnt, dieses oder jenes Individiuum unverweilt in die Abthei- 
lung einzureihen, wohin es als Racentypus gehört, sobald dasselbe mit gewissen Toiletten 
stücken, Ornamenten, Waffen, Instrumenten und andern Abzeichen erscheint, wie z. B. 
der Eskimo in Seehundsfell, einen Fisch in der Hand; — der Indier auf einem Elephanten 
reitend, der Araber ein Kameel an der Hand führend; — die tropischen Völker, mit der ewi- 
gen Palme im Hintergründe, oder der Malaye mit Kris und Betelbüchse; — der gewisse 
Eingeborne von Nukahiwa mit Keule und Schildkröte u. s. w. Bildet man dagegen z. B. einen 
Chinesen ohne Haarzopf, Opiumpfeife, Palmenfiicher, Pfauenfedern, lakirte Sonnenschirme, 
oder ohne eine Pagode im Hintergrund ab, so wird man für die richtige Beurtheilung des 
dargestellten Racentypus ebenso grosse Schwierigkeiten finden, wie unter ähnlichen Verhält- 
nissen in der Wirklichkeit. Allerdings besitzen Fachmänner andere wissenschaftliche Be- 
helfe zur Erkennung und Unterscheidung der verschiedenen Racentypen, aber diese sind 
weder für alle Fälle ausreichend, noch allgemein genug verbreitete, um als wissenschaftli- 
ches Gemeingut gelten zu können. — 

*) Bei den weit schöner geformten Tataren ist diese Täuschung noch frappanter. 
Leider haben wir von denselben keine hinreichende Anzahl gesehen, um sie zum Gegen- 
stand einer weitläufigeren Erörterung machen zu können. Allein beim Anblick der fünf oder 
sechs Tataren beiderlei Geschlechtes , welche wir zu Gesichte bekommen, kostete es uns 
weit mehr Anstrengung sie von mongolischer, als von europäischer Abstammung zu halten. 



16 Dr. K. Scherzer, Dr. E. Schwarz. 

sondern sogar eine gleiche Wirkling auf das Auge des Europäers übt. 
Wir befanden uns im Jesuiten-Collegium zu Sikkawei bei Shanghai unter 
einer Anzahl katholischer Missionäre in chinesischer Tracht, und mochten 
uns eben so gut in einen Kreis von Gelehrten des Reiches der Mitte 
versetzt glauben. Der hochverdiente englische Missionär Rev. Dr. Medhurst 
sen. reiste im Innern China's in der Tracht der Eingebornen viele Monate 
lang zu einer Zeit, wo ihm eine Entdeckung seiner wirklichen Nationa- 
lität den grössten Gefahren ausgesetzt haben würde , ohne gleichwohl 
trotz der Schlauheit der Chinesen und ihrem Hange zum Verdachte erkannt 
zu werden. 

Noch bei Weitem schwieriger hält es Unterracen zu scheiden, wenn 
auch für diese gewisse prägnante Kennzeichen bestehen müssen. So z. B. 
wird der auf Java, dem Centralpunkte der Sundainseln lebende Anthro- 
polog auf den ersten Blick die meisten der auf grösseren und klei- 
neren Inseln dieses herrlichen Archipels lebenden Malayenstämme zu son- 
dern vermögen, selbst wo äussere Momente, wie Tracht, Kopfputz, Kriegs- 
werkzeuge, Arbeitsgeräthe u. s. w. keinerlei Anhaltspunkt geben. — Fragt 
man aber, welche Merkmale es sind, die seinem Auge z. B. einen Suma- 
tranen oder Javanesen von den Eingebornen von Celebes, Amboina u. s. w. 
unterscheiden lassen, so muss man mit der Auskunft vorlieb nehmen, dass 
er zwar, ohne jemals sich zu trügen, die Diagnose zu stellen im Stande 
sei, über die eigentlichen Erkennungszeichen jedoch , sich selbst nicht 
genau Rechenschaft zu geben vermöge. Wir haben es persönlich und 
wiederholt erlebt, dass selbst Männer der Wissenschaft von hohem Anse- 
hen und Ruf uns eine ähnliche Antwort zu geben, sich gezwungen sahen. 

Sollte aber das höchstorganisirte Wesen dieser Schöpfung, der Mensch, 
plan- und systemlos entstanden sein und entstehen, er, der die Systeme 
nachgewiesen, nach welchen die Sterne kreisen, und der Weltkörper seine 
Bahn geht; — der auch für die geringste Erscheinung im Haushalte der 
Natur Gesetze aufgefunden und festgestellt, und selbst jenem Plane nach- 
zuspüren sich erkühnt hat, welcher dieser hochherrlichen Schöpfung zu 
Grunde liegt? — 

Sollte gerade für den Menschen keine bestimmte Regel existiren, 
nach welcher sicli die verschiedenen Varietäten seines Geschlechtes gestalten 
und erkennen lassen, während es doch seinem rastlos forschenden Geiste 
gelungen die Pflanzenwelt nach einem gewissen Systeme in hunderte von 
Familien, tausende von Geschlechtern und hundertmal tausende von Spezies 
einzutheilen, und jeder einzelnen ihren bestimmten Platz darin anzuwei- 
sen; während er auf gleichem Wege dahin gelangt, die fast zahllosen 
Spezies des Thierreiches, an dessen Spitze er sich selbst gleichsam als 
hors de classe stellte, von der an 18 Fuss hohen Giraffe bis zum mikro- 
skopischen Infusionsthierchen einem einigen, gleichen Gesetze zu unterwer- 
fen, nach welchem der Fachkundige aus den Millionen Geschöpfen der 
Thierwelt jedes einzelne Individuum nach gewissen Unterscheidungen zu 
classifiziren vermag? 

Das kleinste, unscheinbarste Blümchen, das niemals zuvor eines Men- 
schen Auge gesehen, versteht der wissenschaftliche Blick des Botanikers nach 
gewissen systematischen Kennzeichen ohne Schwierigkeit neben jene Pflanze 
einzureihen, zu welcher es in nächster morphologischer Verwandtschaft steht, 
ihm eben so gut Platz und Namen im grossen Systeme nachzuweisen, als 
ob es beim Aufbau desselben zugegen gewesen, und schon damals beide 
Prärogative für sich in Anspruch genommen hätte. — Lud, wir wiederholen 



Heber Körpermessungen. 17 

es, gerade der Mensch sollte von diesen ehernen, ewigen Naturgesetzen 
eine Ausnahme machen, für ihn allein sollte keine Regel bestehen und auf- 
zufinden sein, nach welcher sich seine verschiedenen Typen gestalten und 
erkennen lassen? — 

Obschon nun Jedermann im Vorhinein von dem Bestehen eines solchen 
Planes überzeugt sein dürfte, so müsste es selbst dann, wenn noch irgend 
ein Zweifel darüber walten sollte, jedenfalls als eine würdige Aufgabe des 
Menschen angesehen werden, das gleiche Maass von Studium und Forschung, 
der Systematisirung seines eigenen Geschlechtes zuzuwenden, das er tau- 
senden von Pflanzen und Thiergeschlechtern so lange vorher gewidmet hat! 
Und sehen wir, wie zahlreiche, ähnliche wissenschaftliche Strebungen, welche 
gleichfalls seitab vom Wege der Befriedigung materieller Interessen liegen, 
wie z. B. mikroskopische Untersuchungen der kleinsten Organismen der 
thierischen Schöpfung im Meere und Land und der zartesten Pflanzenkeime, 
sich einer so ermunternden Theilname erfreuen, so wagen wir getrost ein 
gleiches Wohlwollen des Mannes der Wissenschaft wie des gebildeten Laien 
auch für unsere, gewiss nicht weniger wichtige und nützliche Aufgabe zu 
hoffen, welche, indem sie die Kenntniss des Menschengeschlechtes zu för- 
dern sich bemüht, in ihren endlichen Resultaten so mannigfaltige und frap- 
pante Schlüsse in Aussicht stellt! — 

Da es sich beim Menschengeschlechte (dessen generische Charaktere wir 
dermalen nicht in das Bereich unserer Betrachtung ziehen), bloss um die 
Diagnostica der Racen, Unterracen und Raeen-Varietäten handelt, so muss- 
ten wir gleich von vornherein einen mehr ins Detail führenden Weg ein- 
sehlagen. Wir haben indess nicht vernachlässigt, die meisten jener Merk- 
male theils als Rubriken, theils als Anmerkungen in unsern Entwurf mit auf- 
zunehmen, welche frühern Forschern das alleinige Material für die Description 
des Menschen abgegeben haben. 

Unsere, für die Varietäten -Diagnostik mehr spezialisirende Untersu- 
chungsweise führte uns auf die, in andern Zweigen der Naturwissenschaften 
bereits ungemein weit verfolgte Methode der Messungen. Lehrt uns die 
Erfahrung, welche erstaunlichen Resultate Messungen der Körperlänge, der 
Flügelspannung, des Umfanges von Kopf, Brust u. s. w. so wie der auf- 
fallendsten Dimensionen einzelner Organe und Gebilde in der Ornithologie 
zur Folge hatten, wo das Maass und Gewicht eines ausgewachsenen Indi- 
viduums in vielen Fällen als ausschlaggebende Diagnostica sogar für die 
Bestimmung der Species gelten. Ebenso finden Masse und Gewicht, auch 
in der Diagnose der übrigen Thierwelt Beachtung. — 

Der abweichenden Einzelnheiten in unserm Verfahren so wie seiner 
umfassenderen Ausdehnung haben wir bereits Erwähnung gethan. — Die 
Hauptursache wesshalb einzelne unserer Messungen von frühern ähnlichen 
Schematen abweichen, mag in dem Umstände gesucht werden, dass Punkte 
mit Linien verbunden, weit leichter durch Zahlen zu bezeichnen, festzu- 
stellen, und der Controlle zu unterwerfen sind , als gewisse von andern 
Forschern gewählte Flächen und Gegenden, welche, wie Fussohle, "Weiche, 
Backen, Unterleib u. s. w., theils als zu vage Angaben erscheinen, theils 
aber durch Weichtheile gebildet, vielfältigen Veränderungen in Folge 
momentaner Stellung ausgesetzt sind. 

Ja die jüngste Erfahrung hat uns gelehrt, dass sogar Sitten und 
Gebräuche nicht nur an Weichtheilen (wie Ohrläppchen, Brüsten, Genita- 

Mittheilungen der k, k. geographischen Gesellschaft. III. Bd. 1. Heft. 



\ 8 Dr. K. Scherzer, Dr. E. Schwarz. 

lien u. s. w.), sondern selbst an starren Körpertheilen willkührliche Alte- 
rationen gegen den Plan der Natur hervorzubringen vermögen. *) 

Auf diese Weise würden z. B. diejenigen Forscher, welche die 
Stellung der Zähne, und zwar mit Recht, als Differential -Diagnosticum 
annehmen, den urwüchsigen Eingebornen der Nikobarischen Inseln gegen- 
über dieses Merkmal nicht benützen können, indem jener Volksstamm an 
seinen Zahnen sowohl, wie an den Zahnfortsätzen der Kiefer in Folge 
continuirlicher Anwendung scharfer Kausubstanzeu eine pathologische Ver- 
änderung und consecutiv eine ganz widernatürliche Stellung derselben zu 
Stande bringt, so dass die obere und untere Zahnreihe, wenn geschlos- 
sen, in einem spitzigen Winkel aufeinander greifen. 

Dagegen wurde bei der Bestimmung der Messpunkte, dem Knochen- 
systeme und seiner praktischen Wichtigkeit jene Aufmerksamkeit zuge- 
wendet, welche dasselbe, wie Professor Hyrtl bemerkt, „durch seine 
bedingenden Verhältnisse zu den Weichtheilen" gehörig verdient; u. z. sind 
die meisten Ausgangs- und Endpunkte unserer Messungen natürliche Pro- 
tuberanzen von Skeletparthien, die von den Weichtheilen nicht maskirt 
werden. 

Wenngleich einzelne dieser Messpunkte bereits von andern Forschern 
auf diesem Gebiete die verdiente Berücksichtigung erfuhren , und sogar 
schon Anlass zu verschiedenen schönen Detailarbeiten gegeben haben , 2 ) 
so erschienen doch die vorhandenen Messungsschemate für unsere anthro- 
pologischen Zwecke nicht umfassend genug, 3 ) und wir haben daher 
unsern Arbeiten ein neues, vielfach erweitertes Schema zu Grunde 
gelegt, — und die anzustellenden Untersuchungen und Messungen in vier 
verschiedene Abtheilungen gebracht u. z. 

1. In allgemeine Beobachtungen. 

2. In Messungen für den Kopf en face und en profil, 

3. In Messungen am Stamme. 

4. In Messungen der obern und untern Extremitäten. 

Von den 78, an jedem einzelnen Individuum mittelst Bandmaass, Taster- 
zirkel und mehreren andern höchst einfachen Instrumenten vorgenommenen 
Messungen, welche sich am Schlüsse dieser Denkschrift systematisch ver- 
zeichnet finden, beziehen sich 30 auf den Kopf, 19 auf den Stamm, 
21 auf die obern und untern Extremitäten, und es ist bei denselben 
auf einige Maasse Rücksicht genommen worden, welche weniger für den 



1 ) So z. B. scheint das Antlitz aller Betel-kauenden Völker, durch das sehr frühzeitig 
begonnene und das ganze Leben hindurch unaufhörlich fortgesetzte Kauen der Arecanuss, 
Betelblätter mit Kalk und Tabak, nebst der dadurch verursachten Deformität der Zähne und 
ihrer nächsten Umgebung, gleichzeitig auch in seiner knöchernen Grundlage alterirt zu sein. 

2 ) A. Quelet et, sur Vhoinme et le developpement de ses faculte's, ou Essai de phy- 
sique sociale. Paris 1835. 2 vol. — Geologische Bilder zur Geschichte der Erde und 
ihrer Bewohner, von Dr. H. Burmeister. Leipzig 1835. Der schwarze Mensch pag. 95 
u. s. w. Das umfassendste Werk über Messungen, wenngleich in anderer Bichtung hat Dr. 
Zeising in neuester Zeit in seiner Proportionslehre des menschlichen Körpers, Leipzig 1854, 
geliefert. 

3 ) Wir führen hier beispielweise einige Messschemate aus den neuesten und berühm- 
tetsen Beisewerken vor: 

„Narative of the United States Exploring Expedition during the years 1838-1842. 
Vol. V. pag. 539. Appendix: Table of the measurements of the natives of several groups 
of Polynesia: 1. Height; 2. Farial angle; 3. front line ; 4. upper line; o. lower line; 
6. length of arm; 7. length of collar hone; 8. number of teeth; 9. length of hand; 10 
length of foot; 11, circumference of head; 12. number of beais of pulse in a minute," 



Leber Körpermessungen. 19 

Anatomen und Physiologen, als für den Künstler und die graphische Dar- 
stellung Werth besitzen, indem uns die Möglichkeit, auf Grund unseres 
Schemas gleichfalls den Schädel und Kopf, sowie den ganzen Körper 
graphisch darstellen zu können, als ein nicht unwichtiger Nebenvortheil 
desselben erschien. 

I. Allgemeines. 

Die in dieser Abtheilung zusammengefassten Beobachtungen beziehen 
sich nebst der Angabe des Namens, Geschlechtes, Geburtslandes, der 
Beschäftigung, sowie Art und Stärke des Bartes des gemessenen Indivi- 
duums, noch auf die folgenden Bubriken: 

1. Alter, 2. Farbe der Haare, 3. Farbe der Augen, 4. Pulsschläge 
in der Minute, 5. Gewicht, 6. Dynamometer, Druckkraft (force manuelle) 
7. Dynamometer, Hebekraft (force renale) 8. Complette Höhe. 

Die Bedeutung der meisten dieser allgemeinen Beobachtungen ist 
genug einleuchtend, um in diesem Entwürfe keiner ausführlicheren 
Erläuterung zu bedürfen. Nur in Bezug auf die Anwendung der Wage 
und des Begnier'schen Kraftmessers zur Bestimmung der Druck- und 
Hebekraft erlauben wir uns noch einige Bemerkungen beizufügen. — Die 
Ermittlung des Gewichtes ist nicht nur für das Knochensystem und die 
Gesammt-Musculatur von Wichtigkeit, in so ferne eine Kenntniss dessel- 
ben zugleich die proportionalen Annäherungszahlen für diese Systeme 
sowohl als auch für einige andere Organe ergibt, sondern es lässt sich 
auch als interessantes Nebenresultat, (wie schon Qu etelet lehrt), auf Grund 
des bekannten Gewichtes und der Höhe eines Individuums sowohl dessen 
eigenes Alter als auch beziehungsweise das Durchschnittsalter ganzer 
Bevölkerungen bestimmen. Dieser Umstand hat für uns desswegen einen 
gewissen Werth, weil wir dadurch die, auf blosse Schätzung basirte 
Annahme des Alters bei jenen Völkerschaften zu controlliren vermögen, 
welche in ihrem primitiven Zustande entweder noch gar keinen Begriff 
von Zeit besitzen, oder in Folge irriger Vorstellung zuweilen Angaben 
der widersinnigsten Art machen. 

Was ferner die Anwendung des Dynanometers betrifft, so wollen 
wir hier bloss auf die Wichtigkeit' hindeuten, welche die Kenntniss der 
Muskel- und Lendenkraft *) eines Individuums für die richtige Beurtheilung 
der Arbeitskraft ganzer Völkerstämme besitzt. 



„Narrative of the surveying voyages of H. M. Ships „Adventure and Beagle," 
between the years 1826 und 1836. — Appendix to volume II. pag. 142. Bemarks by 
Mr. Wilson Surgeon , On the structure of the Fuegians. Measurements; 1 Thorax; 2 
Abdomen; 3. Pelvis; 4. Thigh; 5. Ca?/ of the leg; 6. arm; 7. fore arm; 8. length of the head 
from the chin tipwar ds; 9. length of the bodyfrom the Symphysis pubis to the top of the sternum; 
10. length of the thigh; 1 1. length of leg; 12. length of arm, 13. length of fore-arm and hand; 
14. length from spina to sternum extemally; 15. same, internally ; 16. breadth of the thorax; 
17. breadth of hypochondrial regions; 18. breadth of pelvis between superior and spinous pro- 
cesses." — 

*) Wir können uns durchaus nicht mit Dr. Prichard einverstanden erklären, denDy- 
namometer durch Gewichte ersetzlich zu halten: allerdings würde man ein gutes Resultat für 
den Ausdruck der Hebekraft eines Individuums erhalten, wenn es das grösste seinen Kräften 
entsprechende Gewicht auf eine gewisse Höhe emporheben möchte; allein, obschon ein intel- 
ligenter Mensch nach gewissen Erfahrungen ungefähr schätzen kann, ein wie schweres Ge- 
wicht er zu heben im Stande ist, so wie er beiläufig ermisst, wie weit er springen und lau- 

b* 



20 Dr. K. Scherzer, Dr. E. Schwarz. 

Der Dynanometer als Messungsapparat der Druckkraft scheint indess 
bei Urvölkern mehr als Maass einer negativen Grösse zu dienen, nämlich 
jenes Resultates, welches bei einer gegebenen Muskelmasse durch Mangel 
an Hebung und Ausbildung, die Früchte der Zivilisation, (vielleicht auch 
an Nerven-Erregbarkeit und Willenseinfluss), unter einer gewissen Norm 
bleibt. Und ziehen wir diejenigen unserer Messungen in Betracht, welche 
die theoretische Ermittlung ») der Kraftäusserungen jeder Muskelgruppen 
erlauben, die bei Anwendung des Dynanometers ins Spiel kommen, sollte 
sich da nicht — wir wagen die Frage — bei Vergleichung dieser mit 
dem praktisch gewonnenen Resultate in dem Plus zugleich ein Maass erge- 
ben für jene geheimnissvollen Motoren der Muskelkraft: den Nervenein- 
fluss und den Willen? — 

Von diesen allgemeinen Betrachtungen und Bemerkungen, erlauben 
wir uns zu den Messungen selbst überzugehen. 

II. Kopf. — a) en profil. 

„Der Kopf Ist, physisch und ideal betrachtet, der erhabenste Theil 
des menschlichen Leibes und als ausschliesslicher Sitz des denkenden und 
empfindenden Princips sein wichtigster Abschnitt," sagt einer der geist- 
reichsten Anatomen unserer Zeit: und in diesem Sinne bestrebten wir uns 
möglichst zahlreiche, theils bereits als wichtig anerkannte, theils viel ver- 
heissende Messungen an demselben vorzunehmen, daraus ein zusammenhän- 
gendes Ganze zu bilden, und dieses, gleichsam ein trigonometrisches Netz 
über den ganzen Kopf zu spannen. 

Vor allem erschien es uns von grosser Bedeutung das vielwichtige 
Gesichtsprofil genau zu fixiren , um mit den gewonnenen Zahlen eine 
getreue Figur darstellen zu können, und wir hielten in dieser Beziehung 
die folgenden vier Punkte, so wie ihre Stellung in der Profdslinie für 
besonders beachtenswerth: 1. Den Haarwuchsbeginn an der Stirne, 2. Die 
Nasenwurzel, 3. Die Nasenbasis, 4. Den Kinnstachel. z ) 

Diese vier Punkte wurden gewonnen, indem wir vorher die absolu- 
ten Längen: Vom Haarwuchsbeginn an der Stirne bis zur Nasenwurzel, 
Vom Haarwuchsbeginn an der Stirne bis zur Nasenbasis. Vom Haar- 
wuchsbeginn an der Stirne bis zum Kinnstachel massen 3 ) und 



fen kann, — so ist dennoch beim angestellten Experimente ein einmaliges Irren und die ver- 
gebliche Anwendung der Kräfte auf ein zu kleines oder zu grosses Gewicht, genügend, um 
das Resultat zu klein zu gestalten; — bei der Anwendung des Dynamometers hingegen, 
muss jeder Versuch, sobald der Hebende versteht, warum es sich handelt, bestens gelingen. — 
Nun versuche man erst durch Gewichte die Hebekraft uneivilisirter Völkerstämme bestimmen 
zu wollen, von welchen man nur sehr schwer erfahren kann, ob es in ihrem Willen und Kraft 
liegt, mehr zu heben, und bei welchen man sehr häufig versuchen müsste, um das für jedes 
Individuum passende Gewicht herauszufinden, das wieder zu einer Zeit controllirt werden 
soll, wo die Kräfte nicht nur durch frühere Experimente angegriffen sind. — Die Erfahrung 
zeigte uns, dass wir mittelst des Dynamometers das beste Resultat bei den wildesten Stäm- 
men auf einmal erzielten, sobald wir ihnen die Manipulation des Kraftmessers zeigten, und 
sie bei der Ausführung derselben animirten ihr Bestes zu thun. 

*) Vergleiche die wundervollen Arbeiten von Weber, Dubois-Rey mo nd, Ludwig 
u. A über die Hebekraft vivifizirter Muskeln von gemessenen Volumen. — 

2 ) Die detaillirte Angabe dieser 4 Punkte findet sich in den Nr. 15, 16, 17, des bei- 
gefügten systematischen Schemas. — Dass alle diese Messungen in der Medianlinie zu ge- 
schehen haben, ist wohl selbstverständlich. — 

3 ) Wodurch sich ganz natürlich jede Zwischendistanz von seihst ergiebt. wie z. B. 
Nasenbasis bis zur Nasenwurzel u. s. w. 



lieber Körpermessungen. 



21 



sodann einen oder zwei beliebige Punkte des Profils , (Nasenspitze, 
hervorragende Ober- oder Unterlippe, oder beide zugleich *) mit einer 
durch den Senkel hergestellte Senkrechten in Berührung brachten. Hierauf 
massen wir die horizontale Entfernung der erwähnten vier Profils-Punkte vom 
Lothe, welche dadurch vollkommen genau bestimmt und in nachfolgender 
Weise dargestellt werden können: 

Aus dem Punkte a der Horizontalen ac (siehe nebenstehende Figur 
I.) zieht man die senkrechte ab, verzeichnet sodann aus a auf die Horizontale : 
fj% ^ Die bei der Messung Nr. 9 (Abstand 

" e des Haarwuchsbeginnes von der Senkrechten) 
und die bei der Messung Nr. 10 (Abstand der 
Nasenwurzel von der Senkrechten) gefundenen 
Distanzen: aaund aß, — zieht dann durch 
ß eine Parallele zu ab, welche man mit der 
Fig. I. durch die Messung Nr. 15. (Haarwuchsbeginn 

an der Stirne bis zur Nasenwurzel) erzielte 
Entfernung von u aus schneidet, und hat 
dadurch den Standpunkt der Nasenwurzel in 
der Profillslinie bestimmt 

Die Stellung der Nasenbasis wird erhal- 
f! ten, indem man den Abstand derselben von 

der Senkrechten, in der Horizontalen auf- 
trägt, y, und die aus diesem Punkte gefällte 
Senkrechte durch die Distanz schneidet, 
welche man bei der Messung Nr. 16 (Haarwuchsbeginn bis zur Nasenbasis) 
gefunden hat. 

Genau auf dieselbe Weise verfährt man, um den Punkt für den Kinnstachel 
in der Profilslinie zu gewinnen 

Sind diese vier Punkte verzeichnet, so 

ff.-. —sf— c lassen sich durch Verbindung von a, x 

und y mit z zwei Winkel construiren. Fig. II, 
welche wir Profilswinkel nennen wollen, (und 
zwar xyx den vordem, cczx den hintern) 
über deren Bedeutung indess jetzt zu spre- 
chen, wir schon aus dem Grunde unterlas- 
sen, weil diess einerseits aus einem uns noch 
zu gering scheinenden Material vorzeitig 
Schlüsse zu ziehen, und andererseits unsern 
spätem Arbeiten auf diesem Gebiete vorgrei- 
fen hiesse. 

Die Messungen Nr. 13, 14 (Von der 
Nasenwurzel bis zur Nasenspitze, — von der 
Nasenspitze bis zur Nasenbasis) ergeben 
zwei Linien, deren längere dem Nasenrücken 
entspricht, und aus welchen man mit der aus 




Fiff. II. 



*) Es ist übrigens durchaus nicht nöthig, irgend welchen Punkt mit der Senkrech- 
ten in Berührung zubringen. Die Nützlichkeit eines solchen Verfahrens ergiebt sich jedoch 
mit der Zeichnung; nur müssen die gewählten Punkte in der Anmerkung notirt werden. 



22 



Dr. K.Scherzer, Dr. E. Schwarz. 



a- « c Messung Nr. 10 (Haarwuchsbeginn bis zur 

Nasenbasis) gefundenen, ein Dreieck zu con- 
struiren vermag, das Nasendreieck, dessen 
Platz schon dadurch genau bestimmt ist, dass 
die Linie: Nasenwurzel bis Nasenbasis bereits 
in der Profilscurve fixirt sich findet, und der 
Winkel, welchen 13 und 14 ergeben, an das 
Loth zu stehen kommt. Dieser Winkel(o Fig. III) 
fällt ausserhalb desLothes, im Falle man das- 
selbe, (wie wir gethan) an der Nasenspitze 
angelegt hat. Der Zeichner findet dadurch 
einen Anhaltspunkt für die Formirung der 
Nasenspitze. 

Um von derProfilslinie die Profilsansicht 
des ganzen Kopfes zu erlangen, wählten wir 
die, zwischen den Punkten Nasenwurzel und 
Kinnstachel gezogene gerade Linie — von 
uns Gesichtslinie genannt, — zur Basis, und 
errichteten auf dieselbe eine Anzahl von 
Dreiecken, deren sämmtliche Winkel in der 
Kopfbegränzungslinie liegen, *) und daher 
eben so viele Anhaltspunkte für diese geben. 
Fig. IV. Durch die Messungen : vom Kinnstachel 
bis zur Scheitelhöhe; — von der Nasenwur- 
zel bis zur Scheitelhöhe: — vom Kinnstachel 
bis zur äussern Hinterhauptsprotuberanz, — 
von der Nasenwurzel bis zur äussern Hinter- 
hauptsprotuberanz, u. s. w. (Messung Nr. 
18 — 21), als Messungen, von den Endpunk- 
ten der Gesichtslinie nach einem dritten 
Punkte, haben wir je drei Linien zur Con- 
struirung von Dreiecken erlangt, welche je 

zahlreicher man sie in den Kopfdurchschnitt legt, um so mehr zur Bestimmung 
desselben beitragen werden. 

Die gezeichnete Figur wird zu einem Ganzen geschlossen, wenn 
man nun mit Hilfe der Messungen : 

Nr. 18 Haarwuchsbeginn bis zur Incisura jugularis sterni. 
„ 40 Vom 7. Halswirbel bis zu demselben Punkte des Profils 
„ 56 Von der äussern Hinterhauptsprotuberanz bis zum 7. Halswir- 
bel, — an den Kopf die Halssäule zeichnet, und mit dem geraden Durch- 
messer der obern Brustapertur abschliesst. — 

Abgesehen davon, dass viele unserer gemesseneu Distanzen bereits 
als werth volle Durchmesser des Kopfes anerkannt sind, erlaubt ferner die 
Verzeichnung derselben in der angegebenen Weise zugleich das Verbinden 
zweier Punkte zu einer neuen, nicht gemessenen, oder am lebenden Men- 
schen nicht zu messenden Linie, deren Werth sich aus der Zeichnung 
berechnen Iasst, — So z.B. ergeben die durch Messung erhaltene Linie: 
von der Nasenwurzel bis zur Nasenbasis, und die durch Zeichnung zu 




1 ) Am fünffach verkleinerten Schädel mag man diese Punkte durch gerade Linien 
verbinden, und verliert nicht viel von der wahren Ivopfperipherie. 



Ueber Korpermessungen. 23 

findende: yon der Nasenbasis bis zum äussern Gehörsorgane, gewisser- 
massen eine Modifikation des Camp er'schen Gesichtswinkels, deren Annahme 
in Betracht seiner doch nur in der Vergleichung liegenden Bedeutung, 
vielleicht nicht ganz unzulässig sein dürfte. 

b) Kopf, {en face.) 

Die grössere Hälfte des Kopfes en face bildet das Gesicht, der 
Sitz der Sinne, überragt und bewahrt durch die Stirne, beim Menschen 
das Symbol des Geistes, das Bollwerk, an welchem die durch die Sinne 
wahrgenommenen Gefahren abprallen, die stärkste Waffe, welche ihm die 
Natur verliehen; — beim Thiere der Sitz wirklicher Angriffs- und Ver- 
theidigungswerkzeuge. 

Wären die Sinne bloss die theilnahmslosen Vermittler empfangener 
Eindrücke, und der, durch diese bewirkten Begungen, — blieben sie unbe- 
rührt von dem Beflex des Geistes, so würde ihr Sitz mit seiner Staffage — 
dem Antlitz — einzig und allein einer animalischen Entwicklung fähig 
sein, und in demselben nur solche Verschiebungen vorkommen, welche 
die animalischen Verrichtungen erheischen. Es würde sich sodann im 
menschlichen Gesichte eine gewisse Stabilität herstellen, welche fixe Punkte 
gewinnen Hesse. Allein diess ist durchaus nicht der Fall '). Vielmehr 
besitzt gerade der edelste Sinn des Menschen, die nächste Verwandte 
der Psyche, der Beherrscher des Ausdrucks im Antlitz, das Auge, die 
meiste Labilität, während die Mittel, welche seinen Ausdruck markiren, das 
Licht und dessen Modifikationen, am schwierigsten mess- und wägbar sind. 

So vielsagend und inhaltsschwer ein Glänzen, ein Schimmern, ein 
Strahlen und Blitzen des Auges für das Individuum auch sein mag, so 
getreu auch gewisse momentane Stellungen des Auges und seiner Neben- 
apparate die Begungen des Geistes abspiegeln und wiederholen mögen, 
— dennoch bietet dasselbe für allgemeine Zwecke der Charakteristik 
nur höchst unwesentliche Anhaltspunkte dar. 

Wohl verdient hier die Wahrnehmung eine Stelle, dass, während 
der edelste Sinn des geistigen Menschen, der allein genügt um das Antlitz 
zu bezeichnen, das Auge, den kleinsten Baum in demselben einnimmt, 
andererseits der höchste Sinn des animalischen Organismus, der Geschmack- 
sinn mit seinen Nebenwerkzeugen, den ausgebreitetsten Theil darin behaup- 
tet. — Und heben wir von diesem wunderbar construirten Apparat, der 
das Material für spätere Functionen vorbereitet , und diese gleichzeitig 
anregt, einen Theil desselben, den Mund hervor, welcher durch seine kleine 
Form, wie durch die grosse Anzahl von Bewegungswerkzeugen, die theils 
unwillkührlich gewissen Seelenregungen folgen, theils willkührlich andere 
wiedergeben, ein sicheres Unterscheidungszeichen von Thieren ist 2 ), so 
sehen wir wie derselbe dermaassen den vorherrschenden Ausdruck dem 
Gesichte verleihen kann, dass schon die Alten zuweilen in bildlicher Bede 



*) Je häufiger und verschiedenartiger Sinneseindrücke und Regungen geschehen, 
desto mehr steigert sich die Labilität, je einförmiger diese sind, desto ruhiger bleibt das 
Antlitz. Desshalb ist eine grosse Ruhe in den Gesichtszügen uncivilisirter Völker zu erken- 
nen, welche einfachere Bedürfnisse und Neigungen haben, als Culturvölker, die im schwie- 
rigen Kampfe mit den socialen Verhältnissen leben. 

2 ) Idealisch sollten Breite des Mundes, Breite der Nase und Abstand der innern 
Augenwinkel die gleiche Zahl ergeben 



24 Dr. K. Scherzer, Dr. E. Schwarz. 

anstatt Antlitz die Bezeichnung „Mund" gebrauchten. Wir haben indess 
den Mund mit ebenso als Merkmal für unsere Zwecke benutzt, wie die 
unveränderlichen Punkte anderer Sinnesorgane, und ihrer Hilfsapparate, 
welche mit Hinzuziehung der Stirne zusammen den Kopf en face ausmachen. 

III. u. IV. Rumpf und Extremitäten. 

Von den Messungen am Kopf gingen wir zu jenen am Rumpfe über, 
und zwar wurde von uns zuerst die Umfangslinie des Halses in der Nähe 
des Adamsapfel gemessen. l ) 

Sodann unternahmen wir am Thorax diejenigen Messungen, welche 
eine Vorstellung von dessen Dimensionen erlauben, und reiheten an diese 
verschiedene Messungen am Unterleib und am Becken an, von denen 
einige gleichzeitig mit Bandmaass und Tasterzirkel gemacht wurden, um 
dadurch gewissermaassen Bogen und Sehne zu gewinnen, und auf diese 
Weise Hervorragungen und Wölbungen berechnen zu können. An den 
Extremitäten maassen wir Umfang und Längendimensionen, welche zwar in 
anthropognostischer Beziehung vor der Hand nur bezwecken sollen, auffal- 
lende Unterschiede vor Augen zu führen, um an solchen Parthien zu 
Detailarbeiten (ähnlich wie z. B. Burmeister's interessante Untersuchun- 
gen des Negerfusses) einzuladen; — die jedoch auch in andern Richtungen 
den Anforderungen wissenschaftlicher Forschung genügen dürften. 

Indem es einer spätem Zeit vorbehalten bleiben inuss, auf jeden 
einzelnen der Messpunkte speciell zurückzukommen , betrachten wir mit 
diesen flüchtigen Umrissen die Darlegung unseres Entwurfes von Körper- 
messungen für beendet, deren systematisch geordnetes Schema wir hier 
folgen lassen: 

Systematisches Schema für Körpermessungen. 

I. Allgemeines. 

1. Alter des gemessenen Individuums. 

2. Farbe der Haare. 

3. Farbe der Augen. 

4. Pulsschläge in der Minute. 

5. Gewicht. 

6. Druckkraft (force manuelle)) mittelst des Regnier'schen 

7. Hebekraft, {force renale) ) Dynamometers 

8. Complete Höhe. 

II. Kopf, a) en profil. 

9. Abstand des Haarwuchses von der Senkrechten. 3 ) 
10. Abstand der Nasenwurzel von der Senkrechten. 



*) Wir können uns nicht erwehren hier die Bemerkung einzusehalten, dass der Hals 
der indischen Frauen (auf Ceylon, in Madras, Singapore, auf Java, in Manila, Hongkong und 
Shanghai) ungemein zart und dünne ist; ein um so auffallenderes Factum, als dieselben 
durchaus nicht der bekannten, bedingenden Ursache der Anschwellung der Verbindungssäule 
zwischen Kopf und Brustkorb bei herannahender Pubertätsperiode entgegentreten, vielmehr 
derselben in den meisten Fällen schon früher zu wirken Anlass gegeben haben. — Oder sollte 
vielleicht gerade dieser Umstand wieder zum Hinderniss der Entfaltung werden? Wir konnten 
diess an anderen, unter denselben Einflüssen stehenden Organen nicht wahrnehmen. 

2 ) Die Messungen Nr. 9, 10, 11, 12 werden mit dem Senkel- und dem Mctrestab 
gemacht, Nr. 13 und 14 dagegen mit Anwendung des Metrestabes allein. 



Ueber Körpermessungen. 9g 

11. Abstand der Basis der Nasenscheidewand von der Senkrechten. 1 ) 
\t. Abstand des Kinnstachels von der Senkrechten. 

13. Von der Nasenwurzel bis zur Nasenspitze. 

14. Von der Nasenspitze bis zur Basis der Nasenscheidewand. 

15. Vom Haarwuchsbeginn bis zur Nasenwurzel. 

16. Vom Haarwuchsbeginn bis zur Nasenscheidewand. 

17. Vom Haarvvuchsbeginn bis zum Kinnstachel. 

18. Vom Haarwuchsbeginn bis zur incisura jugularis sterni. 2 ) 

19. Vom Kinnstachel bis zur Scheitelhöhe. ) 3 -, 

20. Von der Nasenwurzel bis zur Scheitelhöhe. | -' 

21. Vom Kinnstachel bis zum Haarwirbel. ) 4 . 

22. Von der Nasenwurzel bis zum Haarwirbel.) * 

23. Vom Kinnstachel bis zur äussern Hinterhaupts-Protuberanz. 

24. Von der Nasenwurzel bis zur äusseren Hinterhaupts-Protuberanz. 

25. Vom Kinnstachel bis zum äussern Gehörgang. 

2b'. Von der Nasenwurzel bis zum äussern Gehörgang. 

27. Vom Kinnstachel bis zum Unterkiefer-Winkel. 

28. Von der Nasenwurzel bis zum Unterkiefer-Winkel. 

b) en face. 5 ) 

29. Umfang des Kopfes. «) 

30. Von Einem äussern Gehörgang zum Andern. 

31. Distanz der Ansätze der Ohrmuscheln am höchsten Punkte, ungefähr 

im Niveau der Augenbrauen. 

32. Grösste Distanz der Jochbeine oder der Jochbrücken. 7 ) 

33. Distanz der äussern Augenwinkel. 

34. Distanz der innern Augenwinkel. 

35. Distanz der Ohrläppchen-Ansätze. 

36. Breite der Nase. 

37. Breite des Mundes. 

38. Distanz der Unterkiefer- Winkel. 

39. Dicke des Halses. 

III. Stamm. 

40. Vom 7ten Halswirbel zur incisura jugularis sterni. 

41. Vom Tuberculum majus des Einen Oberarmes, horizontal über den 

Brustkorb zum andern. 

42. Von einer Mittellinie der regio axillaris, oberhalb der Brustwarzen, 

zur andern. 

43. Querer Durchmesser von denselben Punkten. (S. Prakt. Schema.) 

1 ) Das ist jener Punkt, wo das Integument, das den freien Stand der knorpeligen 
Nasen-Scheidewand bekleidet, den Winkel mit der Oberlippe bildet; entspricht ungefähr 
der vordem Masenstachel 

2 ) Deren tiefster Punkt in der Medianlinie bei der Messung Nr. 56 (Hinter- 
haupts-Protuberanz bis zum 7. Halswirbel) bleibe der Kopf streng in derselben Stellung wie 
bei Nr. 18, es ist daher gut; diese beiden Messungen unmittelbar nacheinander vorzunehmen. 

3 ) Ungefähr in der Senkrechten mit dem äussern Gehörgange. 

4 ) Ungefähr jener Punkt, wo die hinteren obern Winkel der Seitenwandbeine mit 
der Hinterhaupts-Schuppe zusammentreffen. 

5 ) Hieher gehören natürlicherweise auch die Messungen Nr. 15, 16, 17, welche 
bereits beim Kopf en profil vorgenommen wurden. 

6 ) Das Bandmaass wird um die äussere Hinterhaupts-Protuberanz und über die Augen- 
brauen-Bogen gelegt. 

7 ) Je nachdem die einen oder die andern mehr prominiren, was in der Rubrik: 
Anmerkung zu verzeichnen ist. 



26 Dr. K. Scherzer, Dr. E. Schwarz. 

44. Vom Brustbeine zur Wirbelsäule im nämlichen Horizonte. (Gerader 

Durchmesser). 

45. Gesammt-Umfang des Thorax an derselben Stelle. 

46. Von Einer Brustwarze zur andern. 

47. Um die Taille. 

48. Von Einer gpina ilei ant. sup. zur andern (Bandmaass). 

49. Von Einer gpina ilei ant. sup. zur andern (Tasterzirkel). 

50. Von Einem T roch ant er majus zum andern. 

51. Vom hervorragendsten Punkt der Art iculatio sternoclavicularisbis zur spina 

ilei ant. sup. 

52. Von demselben Punkte bis zum Nabel. 

53. Vom Nabel bis zum obern Band der Schambeinsfuge, in der Medianlinie. 

54. Von der Kreuzbeuge, entlang der Darmbeinskämme, des Leistenkanales, 

bis zur Schambeinsfuge. 

55. Von Einem Summum humeri über den Bücken zum andern. 

56. Von der äusseren Hinterhaupts-Protuberanz bis zum siebenten Halswirbel. 

57. Vom siebenten Halswirbel bis zur Steissbeinsjtitze. 

IV. Extremitäten. 

58. Vom Summum humeri bis zum Condylus e.vternus des Oberarmbeines. 

59. Vom Condylus externa» des Oberarmbeines bis zum Processus stiloideus 

radii über die Streckseite. 

60. Vom Processus styloidcus radii über den Bücken der Hand zur Articulatio 

metacarpo-diyitalis des Mittelfingers. 

61. Von diesem Gelenke bis zur Spitze des Mittelfingers. 

62. Breite der Hand») 

63. Stärkste Stelle um den Biceps. 

64. Stärkste Stelle des Vorderarmes. 

65. Schwächste Stelle desselben. 

üß. Vom Trochanter majus bis zur spina ilei ant. sup. 

67. Vom Trochanter majus bis zum Condylus externus femoris. 

68. Vom Co?idylus externus femoris bis zum malleolus externus. 

69. Vom untern Band der Sehambeinsfuge bis zum Condylus externus femoris. 

70. Vom Condylus internus femoris zum Malleolus internus. 

71. Stärkste Stelle des Oberschenkels. 

72. Schwächste Stelle des Oberschenkels. 

73. Um das Kniegelenk. 

74. Um die stärkste Slelle der Wade. 

75. Schwächste Stelle des Unterschenkels ober den Malleolen. 

76. Länge des Fusses. 2 ) 

77. Umfang des Fusses über den Bist. 

78. Zehenansatz-Breite. 

In den vorhergegangenen Blättern glauben wir dargethan zu haben, dass, 
gleichwie der Anatom die Notwendigkeit einer Abgränzung der verschie- 
denen Menschenracen durch wesentliche Unterscheidungen der innern Or- 
gane nachweist, auch der Anthropolog an den äusseren, der Messung und 
Beschreibung zugänglichen Theilen des menschlichen Körpers Merkmale zu 
tinden im Stande ist, deren gründlichere Erforschung einen gewissen Nor- 

J ) Man legt das Bandmaass um die metacarpo-digital Gelenke des kleinen Fingers 
und des angezogenen Daumens. 

*) Von der Mitte der Ferse, dem Innern Fussrande entlang, bis zu der Spitze der 
grossen Zehe. 



lieber Körpermessungen. 27 

mal-Typus , welcher einer grossen Anzahl von Individuen der nämlichen 
Race zukommt, erkennen lassen dürfte. 

Von dieser Ueberzeugung durchdrungen und geleitet, haben wir durch 
die vorliegenden Messungen die folgenden Zwecke zu erstreben beabsichtigt: 

Erstens: Eine auf Zahlen- und Maass-Verhältnisse beruhende Abgrän- 
zung und Classification der verschiedenen Menschengruppen, ohne schon 
im Voraus so und so viele Racen aufzustellen, und die bestehenden Men- 
schenstämme in diese einzuteilen; — wohl aber durch Fixirung des jetzigen 
(wahrscheinlich vom Urtypus schon vielfach veränderten) Bildes der verschie- 
denen Menschentypen und durch Vergleichung desselben eine natürliche 
Eintheilung zu erzielen. — War aber jemals ein Zeitpunkt dringend, so 
ist es sicher der jetzige, wo durch grossartige Verkehrsmittel der man- 
nigfachsten Art die sogenannte weisse Race, von den verschiedensten Inte- 
ressen getrieben, sich nach allen Theilen der Erde verbreitet, und als 
Ansiedler unter den verschiedenen Völkerstämmen sich festsetzend, die eige- 
nen Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten beibehaltend, durch den mäch- 
tigen Hebel ihrer Geisteskräfte auf die gesammte neue Umgebung jenen 
Einfluss übt, welcher der unzertrennliche Begleiter geistiger Prävalenz zu 
sein scheint. — Wie kräftig wirksam dieser ist, sehen wir z. B. bei den 
Hausthieren, welche schon durch die blossen häuslichen Verhältnisse sich 
auch körperlich bedeutend verändern, und an denen der Mensch überdiess 
Varietäten hervorbringt, welche sich von der Urgestalt wesentlich entfer- 
nen. — Auch beim Menschen wird das geistige Moment allein gewisse 
Veränderungen verursachen, welche gewaltige aber erst der Umstand, dass 
nach körperlicher Vermischung die Prävalenz der weissen Race, in Ver- 
gleich zu fast allen andern der nächsten Generation den Stempel auf- 
prägt. — Gelingt es uns demgemäss nicht bald , das Bild der jetzigen 
Racentypen genau festzuhalten, und werden dieselben den erwähnten Ver- 
änderungen unterworfen, dann dürften selbst die wenigen Anhaltspunkte, 
welche vielleicht gegenwärtig noch die Brücke bilden können, zur Auffin- 
dung der Racenverwandtschaft im Menschengeschlechte, jene Original- 
Schriftzüge der Natur, noch mehr verwischt und bedeckt, dem Forscher 
völlig unleserlich und unentzifferbar werden. — Und es wird uns dann 
mit dem Menschengeschlechte in der weiten Welt so ergehen, wie mit 
einzelnen Stämmen in Europa, welche durch »Sprache und Gebräuche, nicht 
aber durch organische Bildung mit einem fernen Volksstamm verwandt, viel- 
mehr durch die Bande des Blutes mit einem dritten Stamme zusammen- 
zuhängen scheinen, dessen culturhistorische Quellen das Feld für die Er- 
forschung des ursprünglichen Zusammenhanges unfruchtbar lassen. 

Zweitens : Der comparativen Anatomie ein reicheres Material für ihre 
schönen, werthvollen Untersuchungen und Vergleiche zu bieten, indem 
wir die verschiedensten Menschenracen in das Bereich ihrer Betrachtung 
bringen. 

Drittens: Dem Künstler solche Zahlen und Maasse an die Hand zu 
geben, nach welchen derselbe den idealen Menschen eines jeden Racen- 
typus darzustellen vermag. — Man glaube nicht , dass naturgetreue Abbildun- 
gen, am allerwenigsten aber Portraits stets eine gute, richtige Vorstellung 
von einer Race gestatten. Individuen , deren Aeusseres jenem Eindrucke 
gleichkommt, welcher sich im menschlichen Geiste allmählig über einen 
Volksstamm bildet, und welcher ohne Einem einzigen Individuum speziell 
zu gleichen, dennoch allen von derselben Race ähnelt, — sind ungemein 



28 Dr. K. Scherzer,. Dr. E. Schwarz. 

selten in der Wirklichkeit, noch viel seltener aber von darstellenden Künst- 
lern des Typus herausgefunden worden. Man muss ebenso aus den ver- 
schiedenen Eindrücken einzelner Theile zahlreicher Individuen und aus dein 
Gesammt-Ein druck vieler Individuen ein Mittel ziehen, wie diess der Me- 
teorolog aus den verschiedenen Temperaturen des Tages, Monates und Jahres 
zu gewinnen sich bemüht , um eine für den grössten Zeitraum passende 
Temperatur zu linden. So glauben wir, dass der Durchschnitt von z. B. 
an 100 Individuen genommenen Messungen, weit mehr eine, für die Mei- 
sten passende Zahl ergeben dürfte, als wenn man ein Einziges Individuum 
mit der grössten Genauigkeit und gleichsam portraitähnlich darstellt. Wir 
finden auf solche Weise ein Ideal, welches sich vielleicht in der Wirk- 
lichkeit kein einziges Mal wiederholt, dem dagegen mit geringen 
Veränderungen die Meisten nahe kommen. 

Viertens: Dem National -Oeconomen Angaben über Körperstärke und 
Muskelkraft der verschiedenen Volksstämme zu verschallen, welche ihn in 
die Lage bringen, sich ein muthmaassliches Urtheil über deren Arbeitskraft 
bilden zu können. — 

So weit es die Umstände zuliessen, haben wir ferner versucht, Notizen 
über Geschichte, Sitten, Gebräuche, sociale und geschlechtliche Verhält- 
nisse der Völkerstämme, mit denen wir in Berührung kamen, aufzuzeichnen, 
Vocabularien der von ihnen gesprochenen Idiome zu verfassen, sowie die 
wichtigsten ihrer Nahrungs- und Heilmittel, Käue- und Färbestoffe zu sammeln. 
Während wir ausserdem von den meisten der gemessenen Individuen eine 
Collection ihres Kopfhaares anlegten, trachteten wir gleichfalls möglichst 
viele Schädel für unsere anthropologischen Zwecke zu erwerben, und durch 
die ehrende Theilnahme von Männern der Wissenschaft in den verschie- 
denen von uns besuchten Ländern, sehen wir unsere craniologische Samm- 
lung bereits durch mehr als hundert, den verschiedensten Racentypen angehö- 
renden Schädel bereichert. 1 ) 

Noch möge uns gestattet sein, eines Einwandes zu gedenken, den 
wir zuweilen gegen die practische Bedeutung unserer Messungen erhoben 
hören, und welcher hauptsächlich darin besteht, dass eine verhältnissmässig 
zu geringe Zahl von gemessenen Individuen der einzelnen Bacen uns nicht 
erlauben werde, ein richtiges Mittel erlangen zu können. 

Dermalen, wo unser Verfahren kaum zu wirken anfängt, besteht dieser 
Uebelstand allerdings: aber in dem Maasse, als dasselbe an Interesse und 
Verbreitung gewinnt, wird auch dieses Missverhältniss wieder augenfällig 
und endlich völlig beseitigt werden. Wir befinden uns in dieser Hinsicht 
in einer ähnlichen Lage wie Lieutn. Maur\ zur Zeit, als derselbe den Plan 
zu seinen grossen Wind- und Strömungskarten entwarf. Auch hier könnte 
nur durch ein wohlwollendes Zusammenwirken dem Mangel an hinreichen- 
den Daten zum Vergleiche abgeholfen , auch hier vermögen gewisse 
Lücken erst nach Jahren unermüdlichen Fleisses und Sammeins ausgefüllt 
werden. 

Wir haben indess darauf Bedacht genommen, diesem Uebelstande nach 
Thunlichkeit zu begegnen. Die zahlreichen, werthvollen Beziehungen , welche 



') Für den Sehadel sind begreiflicher Weise andere Messungen anzustellen, 
als jene, welche wir am lobenden Kopfe vorgenommen, für welchen allein unser Verfah- 
ren berechnet ist. 



lieber Körpermessungen. 29 

wir in den von uns berührten Orten mit Männern der Wissenschaft anknüpf- 
ten, bieten uns hierzu die schönsten ausreichendsten Mittel. Ueberall, wo 
wir Messungen vornahmen, haben wir zugleich Aerzte, Naturforscher und 
Freunde der Wissenschaft für unser Messsystem zu interessiren und zu veran- 
lassen gesucht, in der Folge auf den von ihnen bewohnten Punkten nach 
unserem Schema au möglichst vielen Aboriginern beiderlei Geschlechtes 
Messungen anzustellen und uns die Resultate davon einsenden zu wollen. 

Ueberzeugt, wie es scheint, von der wissenschaftlichen Tragweite und 
der Uneigennützigkeit eines Unternehmens, dem selbst jener Egoismus fremd, 
der wissenschaftliche Arbeiten erregt, welche die Untersuchungen gewisser, 
dem Menschen nützlicher oder schädlicher Pflanzen und Thiere zum Zwecke 
haben, oder durch pathische Erscheinungen im Egoismus veranlasst werden, 
haben die meisten der neuerworbenen, geschätzten Freunde uns die wohl- 
wollendsten, theilnehmendsten Zusicherungen gegeben. — Und so wagen 
wir schliesslich die Hoffnung auszusprechen, dass in dem Augenblicke, wo 
wir dieses Memoir, seiner Mängel nicht unbewusst, der Oeffentlichkeit zu 
überreichen die Ehre haben, an den verschiedensten Theilen der Erde, in 
Brasilien, am Cap der guten Hoffnung, in Ceylon, in Madras, auf Java, 
auf den Philippinen, in China u. s. w. gleichgesinnte Forscher bereits thä- 
tig sind, unser bescheidenes Material durch neue Beiträge zu bereichern. — 

Diese kräftige Unterstützung wird am sichersten dazu fuhren, dem 
gerügten Uebelstande zu begegnen, und das Gedeihen einer wissenschaft- 
lichen Unternehmung zu fördern, welche, was immer auch ihr Endresultat 
sein wird, jedenfalls als der Ausdruck des innigsten Verlangens betrachtet 
werden möge, zur Erreichung der herrlichen Zwecke, welche die kaiser- 
liche Expedition unler der Aegide eines illustren Mäcen nachstrebt auch 
von diesem Standpunkte aus ein Schärflein beigetragen zu haben! 

Anhang*. 

Praktisches Schema für die Körpermessungen. 

Das nachfolgende Schema entstand aus den Erfahrungen, welche wir 
bei der mechanischen Arbeit des Messens machten, und unterscheidet sich 
nur insoferne vom systematischen Schema als die Reihenfolge der Rubri- 
ken hier nicht nach der gewöhnlichen Ordnung der Körpertheile, sondern 
zur grösseren Bequemlichkeit und Zeitersparniss derart eingerichtet wurde, 
dass alle mit einem und demselben Instrumente zu bewerkstelligenden Mes- 
sungen auf Einmal beendet werden, und sodann erst zu denen mit andern 
Instrumenten übergegangen wird. 

Es bedarf wohl nicht erst besonders darauf aufmerksam gemacht zu 
werden, dass sämmtliche Messungen in aufrechter Stellung (des zu Messenden) 
auszuführen sind. Ebenso einleuchtend dürfte es sein, dass, bei allen unpaa- 
rigen aber symetrischen Organen streng in der Medianlinie gemessen, und 
zwischen andern Punkten das Bandmaass stets stramm angezogen werden muss, 
um dadurch gerade Distanzlinien und nicht Curven zu erhalten. Die Einheit 
der Messungen ist der französische Metre, als jenes Maass , welches in 
Avissenschaftlichen Arbeiten die meiste Verbreitung findet und verdient. Die 
Einheit des Gewichtes: das Kilogramm. 

An Instrumenten sind nöthig : 

1.) Eine W'age. 2.) Regnier'sche Dynamometer. 3.) Steifes Metre- 
maass für die Körperhöhe. 4.) Senkloth an seidener Schnur und kleinerer 



30 !' r - K. Scheraer, Dr. E. Schwarz. 

Metrestah (1 Centimetre) zur Messung der Abstände von der Senkrechten 
und den Nasenlinien. 5.) Tasterzirkel. 6.) Bandmaass. 

Auffallende Dimensionen, auch wenn sie nicht im folgenden Schema 

vorkommen, sind zu messen und in der Rubrik Anmerkung besonders zu 
verzeichnen. 

Um aus dem praktischen Schema, die im systematischen erwünschte 
Reihenfolge der Messungen zu erhalten, benütze man die in der Columne, 
rechts des nachfolgenden Schema angeführten Nummern. — 

a) Allgemeines. 
Name, Geschlecht, Geburtsland, Beschäftigung, Art und Stellung des Bartes. 

1. Alter des gemessenen Individuums. 1 

2. Farbe der Haare. 2 

3. Farbe der Augen. 3 

4. Anzahl der Pulsschläge in der Minute. 4 

5. Gewicht. 5 

6. Druckkraft (force manuelle) ) mittelst des Regni er s'chen 6 

7. Hebekraft (force renale) j Dynamometers 7 

8. Complete Höhe. 8 

b) Messungen mit dem Senkel und dem Metrestah. 

9. Abstand des Haarwuchses an der Stirne von der Senkrechten. 9 

10. Abstand der Nasenwurzel von der Senkrechten. 10 

11. Abstand des vordem Kinnstachels von der Senkrechten. 11 

12. Abstand des Kinnstachels von der Senkrechten. 12 

13. Distanz von der Nasenwurzel bis zur Nasenspitze. 13 

14. Distanz von der Nasenspitze bis zum vordem Nasenstachel. 14 

c) Messungen mit dem Taster zi rkel. 

15. Distanz von Kinnstachel bis zum Haarwuchsbeginn. 17 

16. Distanz vom Kinnstachel bis zur Nasenwurzel. 15 

17. Distanz vom Kinnstachel bis zum vorderen Nasenstachel. 16 

18. Distanz vom Kinnstachel bis zur Scheitelhöhe. 19 

19. Distanz vom Kinnstachel bis zum Haarwirbel. 21 

20. Distanz vom Kinnstachel bis zur äussern Hinterhaupts-Protuberanz. 23 

21. Distanz vom Kinnstachel bis zum äussern Gehörgang. 2g 

22. Distanz vom Kinnstachel bis zum Unterkieferwinkel. 27 

23. Von der Nasenwurzel bis zur Scheitelhöhe. 20 

24. Von der Nasenwurzel bis zum Haarwirbel. 22 

25. Von der Nasenwurzel bis zur äusseren Hinterhaups-Protutberanz. 24 

26. Von der Nasenwurzel bis zum äusseren Gehörgang. 26 

27. Von der Nasenwurzel bis zum Unterkieferwinkel. 28 

28. Vom Haarwuchsbeginn bis zur incisura jugularis sterni. 18 

29. Von der äusseren Hinterhaupts-Protuberanz bis zum siebenten Hals- . 

wirbel — 28 und 29 in natürlicher und unveränderter Kopfstel- ( 56 

lung auszuführen. ) 

30. Von einem äussern Gehörgang zum andern. 39 

31. Zwischen den obern Ansätzen der Ohrmuscheln. 31 

32. Grösste Distanz zwischen den Jochbeinen oder den Jochbrücken. 32 

33. Distanz der äussern Augenwinkel. 33 

34. Distanz der innern Augenwinkel. 34 

35. Distanz der Ohrläppchen-Ansätze. 35 

36. Breite der Nase, 36 



Ueber Körpermessungen. 31 

37. Breite des Mundes. 37 

38. Distanz der Unterkieferwinkel. 38 

39. Vom siebenten Halswirbel bis zur incisura jugularis sterni. 40 

40. Querdurchmesser von einer Medianlinie der regio axillaris, oberhalb 

der Brustwarzen zur andern. 43 

41. Vom Brustbein bis zur Wirbelsäule. 44 

42. Von einer spina ilei ant. sup. zur andern. 49 

43. Von einem Trochanter majus zum andern. 50 

d) Messungen mit dem Bandmaasse. 

44. Umfang des Kopfes um die äussere Hinterhaupts-Protuberanz. 29 

45. Dicke des Halses. 39 

46. Vom Tuberculum majus des einen Oberarmes horizontal über den Brust- 

korb zum andern. 41 

47. Von einer Mittellinie der re#i0ß.r«7/tf?7s, oberhalb der Brustwarzen zur andern. 42 

48. Gesammt-Umfang des Thorax an derselben Stelle. 45 

49. Von einer Brustwarze zur andern. 46 

50. Um die Taille. 47 

51. Von Einer spina ilei ant. sup. zur andern. 48 

52. Vom Trochanter majus zur spina ilei ant. sup. (derselben Seite) 66 

53. Vom hervorragendsten Punkte der articulatio sternoclavicidaris bis zur 

spina ilei ant. sup. 51 

54. Vom hervoragendsten Punkte desselben Gelenkes zum Nabel. 52 
55 Vom Nabel bis zum obern Rand der Schambeinsfuge in der Medianlinie. 53 

56. Von der Kreuzbeuge entlang der Darmbeinskämme und des Leisten- 

kanals bis zur Schambeinsfuge. 54 

57. Vom siebenten Halswirbel bis zur Steissbcinsjtitze. 57 

58. Von einem Summum humeri über den Rücken zum Andern. 55 

59. Vom Summum humeri bis zum Condylus externus des Oberarmbeins. 58 

60. Vom Condylus externus des Oberarmbeines zum processus styloideus 

radii über die Streckseite. 59 

61. Vom processus styloideus radii über den Rücken der Hand bis zur 

articulatio metacarpo-digitalis des Mittelfingers. 60 

62. Von der articulatio metacarpo-digitalis des Mittelfingers bis zur Spitze 

desselben. 61 

63. Breite der Hand. 62 

64. Stärkste Stelle um den Biceps. 63 

65. Stärkste Stelle des Vorderarmes. 64 

66. Schwächste Stelle desselben. 65 

67. Vom Trochanter majus zum Condylus externus femoris. 67 

68. Vom Condylus externus femoris zum Malleolus externus. 68 

69. Vom untern Rand der Symphises zum Condylus internus femoris. 69 

70. Vom Condylus internus femoris zum Malleolus internus. 70 

71. Stärkste Stelle des Oberschenkels. 71 

72. Schwächste Stelle des Oberschenkels. 72 

73. Um das Kniegelenk. 73 

74. Um die Stärke der Wade. 74 

75. Schwächste Stelle ober den Malleolen. 75 

76. Länge des Fusses. 76 

77. Umfang des Fusses über den Rist. 77 

78. Zehenansatz-Breite. 78 



III. 

Topographische Karte des Gebietes St. Michel di Lemmo in Istrien. 

Gezeichnet von 
Fra Mauro, dem berühmtesten Cosmographen des XV. Jahrhunderts. 

Von P. Matkovich, 

k. k. Professor. 

(Mit einer Karte Tafel I.) 

Mitjetheilt in der Versammlung der k. k. geographischen Gesellschaft am 9. November 1858. 

Während unseres Aufenthaltes in Venedig in den Ferienmonaten dieses 
Jahres behufs der geographisch -historischen Studien im Central- Archive 
säumten wir nicht in den freien Stunden auch die Marciana, Museo Correr 
und die Klosterbibliotheken zu besuchen, um die Landkarten des Mittel- 
alters und andere Manuscripte, die als gelehrte Kunstwerke daselbst aufbe- 
wahrt werden , für unsere geographischen Studien auszubeuten. Auf der 
St. Markus-Bibliothek werden über zwanzig Codices, die theils Weltkarten 
(mappa mondo) theils Hafenkarten {Portulani) aus dem XIV. bis zum Ausgange 
des XVII. Jahrhunderts enthalten, aufbewahrt. Viele dergleichen werden auch 
im Museo Correr aufbewahrt, unter denen sich ein der ältesten Portulanen 
vom Jahre 1318 vorfindet {Petrus Vesconte de Janua fecit istam tabulam 
in Venecia anno domini MCCCXVIU). Der Vorstand des Museums der gelehrte 
Hr. H. V. Lazari gestattete uns von demselben Portulan ein Facsimile zu 
nehmen, um es mit dem gleichen Portulan, der auf der kaiserlichen Hofbibliothek 
in Wien aufbewahrt wird, zu vergleichen und die vorkommenden geogra- 
phischen Namen aus den gleichzeitigen Urkunden zu commentiren. Die 
dazwischen eingetretenen Umstände nöthigten uns die begonnene Arbeit 
für dieses Jahr aufzugeben, um dieselbe vielleicht im nächsten Jahre zu 
vollenden. 

Auf dem Museo Correr fanden wir unter anderen kartographischen 
Kunstwerken des Mittelalters, die wir hier für diesmal übergehen, die 
topographische Karte eines Theiles der Halbinsel Istrien , wovon unsere 
Karte eine genaue Copie darstellt. 

Die Karte stellt dar einen kleinen Theil von der Halbinsel Istrien, 
namentlich die (hegend an der Westküste der Halbinsel „von Parenzo bis 
Orsero, die nördliche Küste des Meerbusens von Lemmo, und landeinwärts 
die Landschaft bis St. Lorenzo". Es ist die topographische Karte des 
Gebietes , das einst zum Kloster St. Michel di Lemmo gehörte und nachher 
dem Kloster von St. Michel di Murano bei Venedig einverleibt war. Der 
Verfasser der Karte ist der berühmte Camaldulenser- Mönch Fra Mauro 
v. St. Michel di Murano, einer der gelehrtesten Geographen des Mittel- 
alters, von seinen Zeitgenossen Cosmographus ine om par ab i li s genannt. 
Die Karte ist kein Original, sondern eine Copie, stammend aus der Mitte 
des vorigen Jahrhunderts; der Abt Maurus Ortes Hess die Karte in Kupfer 
stechen, denn das Original war sehr abgenützt und die Schrift stellenweise 
unlesbar, wie dies die auf unserer Karte vorkommenden Lücken bezeugen. 
Das Original wird noch in Mi ttarel li's Cataloge (vom Jahre 1717) Bibliotheca 
Codicum manuscriptorum monasterii S. Michaelis Venetiarum prope Murianum 
p. 780 der Handschriften, die auf der Bibliothek des Klosters von St. Michel 



- 



| TABVLAM HANC-T0POGRAPH1C 
- COM1XATVS DIV1 MICHAELIS LEMMI 

IS HISTRH 

SB (AMALDVLENSI ABBAT1AED1VI MATHIAE 

&S PRoPE MVRIANVMVENETlARATIIEfTI 

A HAVRO MOJiACHO ET COSMOGRAPHO 

IXLVSTRI 

MEDIO RECVRR SÜCVLO XV 

KLABORATAM 

\l \ LTER1VS TEMPORIS'lJUVRlAVlTl.iRETVR 

AF.RE IM IUI CVRAV11 

MAVRVS ORTES ARBAS 




Topographische Karte des Gebietes S. Michel di Lemmo in Istrien 33 

di Murano vorkommen, erwähnt; Pag. 780 heisst es: „S. Michaelis di 
Lemmo Abbatiae Camaldulensis in Histria Provinciae Chartae veteres notitiae 
et monumenta cum topographia locorum et bonorum. (In Codice 1080). 
Es gelang uns nicht das Original in Venedig ausfindig zu machen, es 
muss bei der Aufhebung des Klosters S. Michel di Murano im Jahre 1810 
sammt andern geo- und kartographischen Kunstwerken, welche das Kloster 
besass , verschleppt — vielleicht vom gelehrten Cardinal Placido Zurla 
mit nach Rom genommen oder leider verloren gegangen sein. 

Wir haben die Karte mit der Fra Mauro'schen Weltkarte, die zu 
Venedig im Doggenpahiste, in der Sala dello scudo e delle mappe aufbewahrt 
wird, hinsichtlich der Schrift, Sprache und Zeichnung genau verglichen, 
und sie vollkommen übereinstimmend gefunden (daher können wir nicht 
umhin die topographische Karte von Istrien für eine Fra Mau- 
ro'sche Arbeit zu erklären). Auf der Karte von Istrien sind die 
Städte Parenzo und Orsera durch grössere Häuser bezeichnet; ferner kommen 
Brunnen, Mühlen, Fischereien und Salinen vor. Die Strassen von Parenzo 
und Orsera nach S. Michel und S. Lorenzo sind genau bezeichnet, ebenso 
die Grenze zwischen einzelnen Gebieten durch einfache Linien. Es kom- 
men Kirchen mit Grabstätten (Santo Andra dele Calexele, S. Michel), Berge 
mit Local nahmen (monte de Mariana, delo coltermine Saxo, monte Sabionero 
cum eltermino saxo, monte Calus etc.), ganze Reihen von Bäumen, welche 
hier wie auf der Weltkarte die Grenze zwischen Land und Meer wie 
auch die Grenze zwischen einzelnen Gebieten zu bezeichnen scheinen; es 
werden überall wie auf der Weltkarte geographische Namen und Anmer- 
kungen im venetianischen Dialecte beigefügt. 

Die Landkarte hat einen doppelten Werth, einmal ist sie eine der 
ältesten Specialkarten von Istrien, ferner die Arbeit des gelehrtesten Geo- 
graphen des Mittelalters Fra Mauro, der ausser der Weltkarte noch 
andere kartographische Arbeiten geliefert haben muss; denn er sagt in 
einer Anmerkung auf seiner Weltkarte „Jo ho lassato amplissimi desegni di 
tutte queste parte, zoe Armenia, Mesopotamia. Stria, Cappadocia, Cilicia, 
Pamphilia, Licia, Asia propria menor, Bitinia, Galacia c tutte altre, che si sono 
mezo distinte et ordinale." Von allen den Arbeiten ausser der Weltkarte 
ist nichts bekannt. Wir wollen nun die Gelegenheit benützen mittelst der 
Bekanntmachung der Karte von Istrien die Herausgabe der Fra Mauro'schen 
Weltkarte in Anregung zu bringen. 

Einen ganz entstellten Abriss der Fra Mauro'schen Karte sammt 
einem nur zum Theil vollständigen Commentar hat der gelehrte Cardinal 
P. Zurla zu Venedig im Jahre 1806 herausgegeben (Mappa mondo di 
Fra Mauro Camaldolese descritto ed illustrato a D. Placido Zurla monaco 
Camaldolese Venezia 1806). Sir William Fräser hat im Jahre 1804 die 
Weltkarte für die englische Regierung copirt und Viseomte de Santarem 
publicirte sie im Jahre 18o0 in der Grösse des Originals nach der eng- 
lischen Copie. Einer genauen Copie sammt einem kritischen Commentare 
dieses sehr schätzbaren geographischen Denkmals nach dem gegenwärtigen 
Standpunkte der Kunst und geographischer Wissenschaft entbehren wir 
noch immer; es ist dies eine Aufgabe, deren Lösung sich unsere k. k. 
geographische Gesellschaft annehmen möge. 

Fra Mauro der gelehrteste Geograph seiner Zeit lebte um die 
Mitte des XV. Jahrhunderts im Kloster San Michel die Murano bei Venedig 
als Camaldulenser-Mönch. Die Berichte über sein Leben sind sehr dürftig; 

Mitteilungen der k. k. geographischen Gesellschaft. III. Bd. 1. Hel't. C 



34 P. Matkovich. 

in den Klosterbüchern wird dessen nur vorübergehend in den Jahren 
1434 und 1449 erwähnt. Er widmete sich spät dem Klosterleben; sein 
Geburtsjahr wie dessen Lebensumstände sind gar nicht bekannt. In den 
Klosterbüchern aus den Jahren 1457, 1458, 1459 findet man etwas mehr, 
das weniger sein Leben betrifft, als vielmehr die Weltkarte. Was wir von 
dessen Lebensgeschichte und geographisch-kartographischen Arbeiten bei 
gleichzeitigen und späteren Autoren nur haben auffinden können, haben 
wir gesammelt. Wir bekennen es offen, dass wir von Fra Mauro leider 
nichts mehr ausfindig machen konnten, als was in Werken von Mittarelli 
Collina, M. Foscarini, Ramusio, Vit. T e r r a r o s s a , Petrus Delphi- 
nus, Eus. Renadot, Tiraboschi und P. Zurla enthalten ist. Die bei 
Mittarelli (1. c. p. 756) angeführten Codices sub num. 607, 626 und 1112, 
wie der von Gherardus Maphaeus, dem damaligen Abte von St. Michel 
di Murano, sind mit unzähligen andern Manuscripten bei der Aufhebung 
des Klosters entweder verschleppt oder verloren gegangen, in Venedig 
sind sie nicht ausfindig zu machen. Gegenwärtig dient die Insel S. Michel 
zum öffentlichen Begräbnissplatze; das Kloster existirt nur theilweise, es 
ist ganz baufällig, und wird seit dem Jahre 1829 von den Franziskanern bewohnt. 

Fra Mauro war ein ausgezeichneter Kartenzeichner, wie seine Kloster- 
brüder treffliche Codicesschreiber und Mahler, sie verstanden die Perga- 
mente mit Miniaturbildern meisterhaft zu schmücken. 

Venedig war damals der Mittelpunkt des Welthandels, bedeutender 
Reisenden und Schiffernachrichten. Von hier aus gingen die berühmten 
Reisenden des Mittelalters Marco Polo, Nicolo und Antonio Zeni, 
Marin Sanudo Torsello, Nicolo Conti etc., welche durch ihre Reise- 
Berichte Vieles beigetragen haben zur Erweiterung des geographischen 
Ideenkreises. Nach dem adriatischen Cartago flössen geographische Nach- 
richten aus den entfernten Ländern Ostens, Südens und Nordens. 

Venedig war ferner die Schule der Bildhauerei und Mahlerei, wo 
Holzschnitt und Kupferstich neben anderen Wissenschaften blüheten. Die 
Venetianer besassen Land- und Hafenkarten der ihnen durch den Handel 
bekannten Länder von Ostindien, Persien und Arabien, von den Gestade- 
Ländern des schwarzen und des Mittelmeeres. Desshalb zogen Fremde 
aller europäischen Länder nach Venedig, um dort Astronomie, Mathematik, 
Physik und Nautik zu studieren. 

Die Venetianer standen damals als gelehrte Geo- und Kartographen 
im grossen Ansehen. So gab König Alfons IV. von Portugal durch Stefan 
Trevisan einem ihrer Landsleute dem Camaldulenser-Mönche Fra Mauro 
den Auftrag eine Weltkarte für Portugal zu zeichnen. Fra Mauro hat 
zwei Mappa mondo gezeichnet; eine soll schon fertig gewesen sein als 
er für die andern den Auftrag erhielt; portugiesische Handelsleute haben 
wahrscheinlich von jener Karte Nachrichten nach Portugal gebracht. An der 
Karte hat Frater Maurus in seinen zwei letzten Lebensjahren (1457 — 1459) 
gearbeitet. In den Jahrbüchern des Camaldulenser-Ordens sind Schreiber 
und Zeichner, die an der Karte zu arbeiten geholfen haben, genannt, 
ferner sind die Arbeitsdauer und ihr Lohn genau angegeben; es sind Aus- 
lagen für ifDinten) Farben, Lazur und Goldblättchen verzeichnet, dies 
alles auf Rechnung des Königs von Portugal. In dem Jahrbuche, das 
damals von dem Abte des Klosters Gherardi Maphaeus, dem nachherigen 
(vom Jahre 1448) Patriarchen von Venedig, im vulgär venetianischen Dialekte 
geführt wurde, heisst es: „14S7 , 8. Fevrier: Per che io avi contad da 



Topographische Karle des Gebietes St. Michel di Leramo in Istrien. 35 

Don Benedetto Miani per nome del Segnor re de Portugal in summa 
ducati 28. — Adi 8. Ferrer: La majestad del Segnor re de Portugal 
die dar a di sopradicto, per che io ho dado a Sier Lio Roso cotadi in 
horo per suo nome per pagar pentori per lavorar il suo mappa mundi 
et per altre spexe in summa ducati 11. — Adi 21. Octobris: che io 
ho dado contadi a Frar Mauro per pagar un scriptor a lavorado over 
scripto, zorni 17 a raxon de soldi 12 a zorno, monta lire 17 soldi 4 
rala soldi 124 per ducato. Adi 7. Octobris 1458, contadi a don Fran- 
cisco de Cherso per pagar un scriptor, et quäl scripse al dicto mappa, 
mundi zorni 4 a soldi 14 al zorno. Adi 11. Fevrier 1459; A don Francesco 
de Cherso per far comprar azuru per la dicta opera etc. 1459, 17, Marzo 
a la majestad del Segnor re de Portugal die dar a sopradicto per chassa, 
che io ho dado a don Francesco de Cherso, che Fra Mauro mando a 
dimandar per certe opere, lui äice aver fatte per il mappa mondo ducati 
due. 1459, 24. Avril: Don Nicolo nostro mi ha dicto, che essendo io 
a capitolo a camalduli, e sta salda la razon a messer Stephano Trevixan 
per il dicto Segnor, quando per il dicto Messer Stephano li fo mandado 
il suo mappa mundi."- Die Karte ward auf Verlangen des Königs nach 
Portugal geschafft und diente den Portugiesen als Wegweiser auf ihren wei- 
teren Entdeckungsfahrten um Afrika nach Ostindien. Dieselbe soll noch 
im Jahre 1528 vorhanden gewesen sein im Benedictiner-Kloster vonAlcobaza; 
Franz da Sousa Tauvarez habe sie nach der Mittheilung von A. Galvani 
dort gesehen. Franz Alvarez erzählt, dass man den Seekapitänen, welche 
mit zwei Karavellen im Jahre 1487 auf Entdeckungen ausgegangen, eine 
Karte gegeben habe, welche von einer mappa mondo copirt war. 

Die andere (zweite) Karte blieb im Kloster San Michel di Murano, 
sie war zur allgemeinen Betrachtung ausgestellt. Von dieser Karte wird 
behauptet, Fra Mauro habe sie zur Ehre der Republik unternommen, 
weil er in einer Anmerkung sagt: per contemplacion di questa illustrissima 
Signoria, non ha in se qael compimento che la doveria perche certo non 
e possibile al inteleto human verificar in tutto senza qualche superna demon- 
stracion questa cosmographia ove mappa mundi, de la quäl se puo aver 
qualche notitia pice a degustacion che a suplimento del desiderio." Uns 
aber scheint die Behauptung unwahrscheinlich zu sein, denn hätte Fra 
Mauro die Karte zur Ehre der Republik unternommen, so hätte er sich 
gewiss des Ausdruckes serenissima statt illustrissima bedient; so weit uns 
bekannt ist, kommt der Ausdruck illustrissima Signoria in den gleichzeitigen 
öffentlichen auf den Staat sich beziehenden Urkunden nirgends vor. Ferner 
wäre jenes der Fall, so hätte man die Karte im Doggenpalaste oder 
einem andern öffentlichen Gebäude zur allgemeinen Betrachtung ausgelegt; 
die Karte hingegen war im Kloster S. Michel di Murano anfänglich in 
der Kirche bis zum Jahre 1655, dann in einem Bibliothekzimmer aufbe- 
wahrt, nach der Aufhebung des Klosters S. Michel war die Karte im 
Jahre 1811 nach dem Doggenpalast gebracht, wo sie in Sala delo scudo 
im vergoldeten Rahmen eingefasst als ein geographisches Meisterwerk des 
XV. Jahrhunderts gezeigt wird. 

Die Karte hat bei sechs Fuss Höhe, hat die elyptische Form (von 
West nach Ost länger gestreckt, als von Nord nach Süd), und ist auf 
Pergament gezeichnet. Bei Gebirgen, Ländern, Strömen, Ortschaften kommen 
theils weitläufigere, theils kürzere Anmerkungen vor, geschrieben vorherrschend 
mit hellrother Dinte, im venetianischen vulgär Dialekte. Die Karte ist in schönsten 

c» 



36 P. Matkovich. 

und feinsten Farben und mit niedlichen Miniaturbildern ausgestattet, im 
vergoldeten Rahmen eingefasst, in dessen Ecken die Weltsysteme abge- 
bildet sind. Die Mappa mondo enthält drei Erdtheile der alten Welt, ferner 
eine Menge kleiner und grösserer Inseln, die wegen Mangels an Raum 
am Rande zusammengedrängt sind. „In questo oceano so?io motte insulae 
te quäl non ho notado per non haver loco. i( Die Grenzen sind im Osten 
Java major, im Südosten Cataj, im Nord endet sie mit Permia (Samojeden); 
im Nord- West erstreckt sie sich bis Skandinavien und Island; im West: an die 
Westküste von Spanien; im Südwest bis Cap Verde und Senegal; die Entdeckun- 
gen von Alvise da Cadamosto (1454 — 56) sind hier genau bezeichnet, im Süd 
bis Afrika und den Südcap. Die Mitte der Erdkarte ist bezeichnet durch eine 
metallene Platte — gleich einem flachen Knopfe — gestellt zwischen 
Chaldea, Assirien, Mesopotamien, in Armenien am Ararat, von wo nach der 
Sündfluth die neue Bevölkerung ausging. Das Ost-Meer (grosser Ocean) 
ist mit dem Atlantischen verbunden; die Nilquellen sind wunderbar gezeich- 
net, entspringend aus dem Inneren Afrikas. Die damals bekannten Länder 
dreier Erdtheile, welche bei andern Cosmographen zum Theil fehlen, sind 
alle aufgenommen. 

Die Karte stellt die geographischen Kenntnisse des XV. Jahrhun- 
derts dar; der Cosmograph hat die Entdeckungen der berühmten Reisen- 
den des Mittelalters trefflich benützt; er bemerkt in einer Note: „per- 
tando dico nel tempo mio ho solicitado verificar cum la experientia, investi- 
gando per molti anni, e practicando co?i persone degne dl fede, te quäl hano 
veduto ad occhio quelo, che qul suso fedelmente demostri. Er beruft sich bei 
Norwegen auf Petrus Quirinus; für den Osten benützte er Reisebe- 
richte von Marco Polo, Sanudo Torsello, Conti und Barbaro, für den 
Norden Nicolo und Antonio Zeni für den Süden die Entdeckungen der 
Portugiesen, zumal die von Alvise da Cadamosto. 

Fra Mauro soll nach der Angabe von Gherard. Maphaeus vordem 
20. October 1459 mit dem Tode abgegangen sein, denn in dem Codei 
von G. Maphaeus heisst es: „Memoria faco, chome che copie di mappa 
mondi e de desegnl e scripture de /rar Mauro ho depositade al moni- 
stier de misser san Zuane de la Zudecha in man del prior del dicto 
Monastier, zoe don Andrea te quäl scripture e desegni tutti sono posti 
in una chassa over bancho e serradi con un luchetto, la chiave del 
quäl le qui apresso de mi. Ho auto tuto indrieto questo deposito adi 25. 
Oktubrio 1464. Es ward dem berühmten Kartographen von seinen Zeitge- 
nossen eine Denkmünze geschlagen wie sie auf der nächstfolgenden Seite darge- 
stelt ist, mit der Umschrift: Frater Maurus S. Michaelis Moranensis de 
Yenetiis, ordinis Camaldulensis Cosmographus incomparabilis. 

Zum Schlüsse fügen wir noch einige Worte über die Veranlassung der 
Anfertigung der Fra Mauro'schen Karte von Istrien bei. 

An die Karte knüpft sich ein mehrmaliger Streit, der ausgebrochen 
war zwischen dem Bischöfe von Parenzo und dem Abie des Klosters von 
Si. Michel di Lemmo. Die Prozessacten sind enthalten im VI. und VII. Bande 
der Camaldulenser Annalen, welche meist nach den Urkunden, die im Archive 
von S. Michael di Murano bei Venedig sich vorfanden, ausgearbeitet sind. 

Das Kloster S. Michel di Lemmo am Gestade des gleichnamigen 
Busens auf der Westseite der Halbinsel Istrien gelegen, ward um das Jahr 
1003 durch Romuald gegründet und die istrianische Gräfin Wilpurga 
beschenkte es im Jahre 1040 mit reichen Gütern. Die Schenkung der Gräfin 



Topographische Karte des Gebietes St, Michel di Lemmo in Istrien. 



37 




Wilpurga an das Kloster von Lemmo bestätigte nachher in einer andern 
Urkunde ihre Tochter, die Gräfin Azcika. Man liest noch auf der topogra- 
phischen Karte des Gebietes von Lemmo: „sepultura per madona Vilpurga." 
Ferner heisst es in einer Anmerkung an der Grenze von Parenzo und S. 
Michel di Lemmo : area rata e sepultura per madona azcicha contre croxe ; 
dann auf einer andern Stelle unweit der Strasse die von der Ortschaft 
Orsera (an der Westküste der Halbinsel) nach St. Lorenzo (landeinwärts) 
führt, steht geschrieben: „Monte Passini, da qesto monte comenza la terra 
S. Michel che fode Madona Azcika come se contien nel istrumento de lodata 
zon .... (Lücke) la quäl madona. . . . (zweite Lücke) monestier ditto. Diese 
Stelle bezieht sich, da unweit des Berges die Kirche S. Michel steht, wahr- 
scheinlich auf die Güter, welche die Gräfin Azcika der in der Gegend erbau- 
ten Kirche geschenkt hatte. 

In der ersten Hälfte des elften Jahrhunderte« brach der Streit zwi- 
schen dem Bischöfe von Parenzo und dem Abte von S. Michel di Lemmo 
aus wegen des Zehentes, den der Bischof von den Leuten des Klosters for- 
derte. Der Abt protestirte und berief sich an die noch damals lebende 
Gräfin Azcika; diese aber trug den Streit vor den Kaiser Heinrich III. 
mit dem Bemerken, sie habe den Klosterbrüdern die Umgegend von Lemmo 
geschenkt, damit diese leben und Arme aufzunehmen vermögen. Der Kaiser 
entschied den Streit zu Gunsten des Abten und der Bischof musste auf 
den Zehent im klösterlichen Gebiete verzichten. Der Bischof schloss darauf 



38 P. Matkovich. 

den Frieden mit der Gräfin und sie schenkte ihm die Gegend um das Sab- 
Ioner (?) Gebirge. 

Im vierzehnten Jahrhunderte brach abermals der Streit zwischen den 
Herren beider Gebiete, dem Bischof von Parenzo und den Klosterbrüdern 
von Lemmo aus, denn jener nahm den Camaldulenser Mönchen, denen das 
klösterliche Gebiet gehört hatte, bedeutende Besitzungen weg und vergab 
sie an die Tempelherren. Paulus Venerius zur selben Zeit Vorstand des 
Klosters von S. Michel di Murano, auf dessen Zuthun das Kloster von S. 
Michel di Lemmo dem von Murano einverleibt ward, führte Klage bei der 
Begierung in Venedig als die Leute des Kastells von S. Lorenzo die Abtre- 
tung der Landgüter verweigerten. Der Doge Antonio Venerio schrieb in 
der Angelegenheit an den Vorsteher der Gemeinde von S. Lorenzo, er solle 
beide Partheien oder deren Stellvertreter hören, die Schenkungsurkunde 
genau untersuchen, das Land besehen und darnach das Becht sprechen. Als 
Vertreter und Anwalt des Klosters erschien der Mönch Lazar, es mangelte 
ferner nicht an den Vertretern der Bepublik und der Gemeinde von St. 
Lorenzo. 

Das Urtheil war im December des Jahres 1394 gefällt, und der Pro- 
zess endete zu Gunsten des Klosters, alle usurpirten Besitzungen trat die 
Gemeinde von S. Lorenzo an das Kloster von Lemmo ab; sodann ward die 
Grenzregulirung zwischen den Gebieten von Parenzo und S. Lorenzo Orsera 
und S. Michel di Lemmo auf Grund der Schenkungsurkunde vom Jahre 
1040 und den darin bezeichneten Landgütern, Weiden und anderen Besitzun- 
gen vorgenommen. Die Grenze begann mit dem Berge Paxinus. 

Nachher brach der Streit noch ein paarmal zwischen dem Bischöfe 
und dem Abte wegen der Besitzungen aus, bis im Jahre 1456 von dem 
Bathe zu Venedig der Prozess zum Vortheile des Klosters entschieden, und 
somit dem Streite auf immer ein Ende gemacht wurde. Der Doge Foscari 
bestimmte die Grenze zwischen den einzelnen Gebieten wie unsere Karte sie 
darstellt. Gleich darauf ist die Karte von Fra Mauro gezeichnet worden, 
um alle Streitigkeiten fernerhin zu vermeiden und die Bechte des Klosters 
auf den Besitz des Gebietes von Lemmo zu wahren. 



IV. 

Über den Reichenauer-Berg in Mähren. 

Von 

J. F. Julius Schmidt. 

In dem Abschnitte „pseudo-vulkanische Erscheinungen" beschreibt Land- 
grebe in seiner Naturgeschichte der Vulkane, Bd. II. p. 128 — 130 den 
Berg bei Beichenau im westlichen Mähren , und folgt dabei der Schilde- 
rung des Professors Glocker, welche man in P o gg endo rf's Annalen B. 54. 
p. 157 ff. findet. Glocker's Ansicht, nach welcher die Phänomene dieses 
aus Quadersandstein bestehenden Berges an ähnliche bei den Schlamm- 
vulkanen von Modena erinnern, hatte mich schon im Jahre 1855 angeregt, 



Ueber den Reichenauer-Berg in Mähren. 39 

den von Olmütz aus so leicht erreichbaren Berg zu besuchen; doch kam 
ich nicht eher dazu, als am 22. August 1858. Auf dieser kurzen Fahrt 
nahm ich Herrn Tschermack mit, damit, falls sich etwas Remerkenswer- 
thes am Gesteine des Berges finden sollte, dies sicher beschrieben werden 
könnte. Um einigermassen nützlich die Zeit anzuwenden, nahm ich den 
gewöhnlichen Reisebarometer, und den bei anderer Gelegenheit schon mehr- 
fach erwähnten Metallbarometer A' mit, um einige Höhenmessungen aus- 
zuführen. Dieser diente als Basis die früher von mir bestimmte Seehöhe 
der Sternwarte zu Olmütz, woselbst ich am 22. August sehr genaue eorres- 
pondirende Beobachtungen am Normalbarometer anstellen Hess. Die Resultate 
setze ich zuerst übersichtlich her. Obgleich die Entfernung des Reichenauer- 
Berges von Olmütz nur 7 bis 8 Meilen beträgt, habe ich die berechneten 
Höhenunterschiede doch nicht unmittelbar mit der Seehöhe der Sternwarte 
verbunden, sondern durch mehrfache Combinationen lieber an den Bahnhof 
von Landskron angeschlossen, welcher dem Reichenauer-Berge nördlich sehr 
nahe liegt. Durch oftmalige Fahrten auf der Rahnstrecke zwischen Olmütz 
und Prag war ich im Stande, die Höhenunterschiede der einzelnen Stationen 
recht genau zu ermitteln, wozu seit dem Sommer 1856 ausser dem gewöhn- 
lichen Quecksilberbarometer noch 3 Metallbarometer gedient haben. Da 
indessen noch nicht alle Reobachtungen reducirt werden konnten, so beschränke 
ich mich darauf, für diesmal nur die Reobachtungen von 1855, Juni 25., 
Juli 3., August 4., August 14. und August 22. zu benützen, an welchen 
Tagen stets der Normalbarometer in Olmütz abgelesen ward. Für August 
14. habe ich meine Reisebeobachtungen auch aus Wien und Prag verbunden, 
indem ich die autographischen Curven benützte, die ich Seitens Wien der 
Mittheilung des Herrn Dr. Lukas an der k. k. meteorologischen Central-Anstalt, 
Seitens Prag der Mittheilung des Herrn Professors Kofistka und des Herrn 
Astronomen Karlinsky verdanke. Ich fand sonach, indem ich durch 
-j- eine Steigung der Rahn bezeichne, und mich für die Höhenangaben 
stets der Toise bediene (1 Wien. Klft. = 0,97312 Toise): 
Höhenunterschiede der Bahnhöfe 



Olmütz 


t 
— Stephanau = -f 2,465 beob. an 6 


Tagen 


. 9 Combinat. 


Stephanau 


— Littau = + 8,493 „ „6 


» 


. 9 


3» 


Littau 


— Müglitz = -f 9,088 „ „ 6 


a 


. 10 


91 


Müglitz 


— Lukawetz = + 4,073 „ „ 6 


n 


. 9 


9 


Lukawetz 


— Hohenstadt = -j- 7.986 „ „ 6 


» 


. 9 


M 


Hohenstadt 


— Budigsdorf = -f 28,601 „ „ 3 


9t 


. 7 


9 


Budigsdorf 


— Landskron = + 4,921 „ „3 


n 


. 7 


99 


Wird 


die Seehöhe des Olmützer-Bahnhofes = 


109,75 Toisen 


gesetzt, 


so hat man 


für die andern Stationen: 
t 
Stephanau = 112,21 = 673 Par. 
Littau = 120,71 = 724 „ 
Müglitz = 129,80 = 779 , 
Lukawetz = 133,87 = 803 „ 
Hohenstadt = 141,85 = 851 „ 
Budigsdorf = 170,46 = 1023 „ 
Landskron = 175,38 = 1052 „ 


Fuss. 

» 
» 

X 

9 

9 
» 







An dem Reichenauer-Rerge wurden die Höhen mit beiden Instrumenten 
meist gleichzeitig gemessen, wobei ich in Retreff der Sicherheit der Resultate 



40 



J. F. Julius Schmidi 



des Metallbarometers auf meine frühern Untersuchungen verweise. Die Resul- 
tate sind die folgenden: 

Dorf Reichenau, Quellbrunnen h = 175,05 1050 per. Fues. 

„ „ Wirthshaus b. d. Kirche = 179,23 

Hügel N. 0. v. d. Kirche = 205,55 

Fuss der westlichen steilen Bergwand (a) = 228,68 

Gipfel des Reichenauer-Berges (b) Fig. 1. = 273,60 



Der mittlere Teich II. 
Der westliche Teich I. 
Wall zwischen Beiden (g) Fig. 2. 
Wall von II. südlich (i) Fig. 2. 
Wall von II. südwestlich (k) Fig. 2. 
Tunnel westlich von b (d) Fig. 1. 
Steinbruch im N. W. (B) Fig. 1. 
Reichenau, nördlichstes Haus 

Um die Localität etwas näher zu 
flüchtige Skizze des Berges beifügen , 
von Landskron gezeichnet habe : 



= 267,74 
= 266,08 
= 268,62 
= 268,79 
= 270,42 
= 250,33 
= 199,82 
= 174,90 
beschreiben, 
wie ich sie 



= 1050 

= 1076 

= 1233 

= 1372 

= 1642 

= 1606 

= 1596 

= 1612 

= 1613 

= 1622 

= 1502 

= 1199 

= 1094 
werde ich 
auf dem 



eine nur 
Bahnhofe 



Fig. 1. 



I f 1 




Auf dem Bahnhofe zu Landskron sieht man den östlichen und nörd- 
lichen Abhang des langgestreckten, von mittelhoher Waldung zum grossen 
Theile bedeckten Berges. Man bemerkt sogleich den freistehenden hohen 
Baum A, in der Nähe der Kuppe, und, an der Seite, wo das Dorf 
Reichenau beginnt, den Steinbruch B. Jeder Fremde kann, wenn er gleich 
bei B hinaufsteigt, und auf dem Rücken den Pfad im Walde verfolgt, 
leicht ohne Führer zu den Teichen in der Nähe des Gipfels gelangen. 
Etwa bei d zeigt sich eine Lichtung, und es führt dort bei Holzhütten 
ein Pfad rechts , oder südlich an der steilen Wand abwärts gegen den 
südlichen Theil von Reichenau, wo die Kirche steht. Folgt man aber von 
d aus der ursprünglichen Richtung, indem man auf den leicht erkennbaren 
Baum A zugeht, so trifft man bald in b den höchsten Punkt des Pfades, 
der wahrscheinlich mit dem Gipfel des Berges identisch ist. Von b an 
senkt sich der Weg abwärts, und nach einigen Minuten gewahrt man rechts 
oder südlich durch Lichtungen in dem dichten Gebüsche die grüne Wiesen- 
fläche des ersten und grössten oder westlichen Teiches I, von wo aus 
man eben so leicht auch die beiden andern findet. 

Die zweite Figur soll nur ganz beiläufig die Lage der drei Wiesen- 
teiche veranschaulichen. I ist der westliche, gegenwärtig leicht zugäng- 
lich, wenn man den Pfad g h trifft, nicht so verwachsen wie zur Zeit 
Glockers, und in allen Theil en zu betreten, weil das Wasser verschwun- 
den ist, und der mit Gras und vielen Blumen bewachsene Moosboden 
hinlängliche Tragkraft besitzt. Man bemerkt, dass man hier Wiesenland 
hat gewinnen wollen, und findet auch einige schmale Gruben, um den 



Ueber den Reichenauer-Berg in Mähren. 41 



West. 




Pfad im Walde. 
Ost. 



steile südliche Wand. 
Abzug der Wasser zu reguliren. Der Umfang beträgt circa 106 Toisen, 
die grosse Axe etwa 40, die kleine dagegen 13 bis 15 Toisen. Die 
Fläche liegt l 3 / 4 Toisen tiefer als die mittlere II, und diese scheint bis 
auf ein Geringes, mit III dieselbe Höhe zu haben. Die trennenden Wälle 
g und m sind ganz unbedeutend. Den Umfang des Waldsaumes in II 
fand ich zwischen 40 und 50 Toisen, die grosse Axe des feuchten Theiles 
gegen 12, die kleine = 4 bis 5 Toisen; ebenso für III den Umfang 
des innern Waldsaums = 37 Toisen, die grosse Axe etwa 20, die kleine 
7 Toisen lang. Während am 22. August die westliche Wiesenfläche I 
trocken war, fanden wir in II und III den mittleren Theil mit Wasser 
bedeckt, aus welchem fast überall die Grashalme aufragten. Mit Ausnahme 
der Mitte III, wo die Tiefe des Wasserlochs etwa 3 Fuss betrug, hatte 
das Wasser sonst nur 2 bis 15 Zoll Tiefe, und zeigte nirgends die 
Spur von Blasen, oder sonst eine ungewöhnliche Erscheinung. Die hohen 
Temperaturen des Wassers könnten auffallend erscheinen, wenn man nicht 
in Betracht zöge, dass die lange Einwirkung der Sonne in regenlosen 
Tagen wohl im Stande sei, diese durch den Wald ringsum sehr geschütz- 
ten Stellen, bei so geringer Wassertiefe, in beträchtlicher Weise zu 
erwärmen. Ich fand: 
Flächel. WasserimMoosboden, aufgegrab. Stelle = 16,6° Cels. Luft =20,<>5CeIs. 

Freisteh. Wasser in einem kl. Graben =19,1 „ 

Flächeil. Wasser am südlichen Rande, zwischen 24,°6 und 19,°1 Cels. 

„ am nördlichen Rande, „ 26, 5 „ 21, 6 „ 

Bodentemperatur im Wala^, 4 Zoll tief = 13,°4 „ 

Fläch. III. Wasser in der Mitte, wo es 3 Fuss tief = 19,«1 „ 

„ an einer flachen Stelle =24, 4 „ 

Diese Temperaturen in 1600 par. Fuss Meereshöhe sind vielleicht 
einigermassen befremdend, und lassen es wünschenswerth erscheinen, dass 
sie gelegentlich zu verschiedenen Zeiten wieder untersucht werden; doch 
bin ich jetzt der Meinung, dass sie nur von der Sonnenwärme herrühren. 

Stellt man sich ungefähr in die Mitte jeder dieser drei Wiesen, 
so mahnt der Anblick wohl an ähnliches in andern Ländern, und wenn 
man Kleines mit Grossem vergleichen dürfte, an einige, mit Moosboden 
ausgefüllte Moore der Eifel, sowie an den flachen, theilweise mit Cultur- 
land und Wald bedeckten Crater des Monte Cigliano bei Pozzuoli; aber 
man darf über solche beiläufige Analogie im Ernste nicht hinausgehen. 
Wir haben es hier keineswegs mit Cratern zu thun, sondern mit einer, 
auf dem Süden des Berges von 0. — W. ziehenden, flach gebauten Furche, 



42 J- F.Julius Schmidt. 

in deren Grund an tiefen Stellen sich diese drei Wasserlacken gebildet 
haben. Die scheinbare Craterform wird nur zu sehr durch die Lage der 
Waldung, durch die Abdachung der Baumgipfel begünstigt, und nicht weniger 
durch die innere runde Begrenzung des Waldsaumes. Viele holsteinische Seen 
in der Gegend von Eutin und Ploen gewähren, wenn auch in grossem 
Maassstabe, einen ähnlichen Anblick, und zeigen keine Erscheinungen, welche 
an sogenannte pseutlo-vulkanische Bildungen, oder gar an normale Vulkane 
auch nur entfernt erinnern. 

Was aber dem Beichenauer-Berge durch Glocker den Namen eines 
pseudo-vulkanischeu Berges verschafft hat, ist das, allen dortigen Bewohnern 
sehr bekannte Getöse, und diese Erscheinung verdient ohne Zweifel alle 
Aufmerksamkeit, und eine strenge und gründliche Untersuchung. Landgrebe 
erzählt darüber (nach Glocker) Folgendes: „Das Wasser im ersten Bassin 
„(nach meiner Bezeichnung Nr. III) befindet sich meist in einem ruhigen Zu- 
stande, allein im Sommer, hesonders bei trockener Witterung, steigen Luft- 
blasen aus demselben und bedecken seine ganze Oberfläche. Ist dieses 
„Letztere der Fall, so entsteht oft zugleich im Innern des Berges ein dum- 
„pfes, aber weithin hörbares Geräusch, einem fernen Kanonendonner ähnlich, 
„das oft meilenweit gehört wird. Besonders zeigt sich dasselbe vor einem 
„herannahenden Gewitter, und diese Erscheinung gilt bei den Bewohnern 
„der Umgegend als eine ausgemachte Thatsache. Unwillkührlich wird man 
„hier an ähnliche Phänomene bei den modena'scheu Schlamm-Vulkane erin- 
nert; auch dort glaubt man — wie wir gesehen — an eine grössere 

„Thätigheit dieser Salsen, wenn ein Gewitter bevorsteht Glocker 

„hält es für bemerkenswerth, und vielleicht für das bis jetzt einzige Bei- 
spiel dass die Gebirgsart, auf welcher die Erscheinung stattfindet, Quar- 
„dersaudstein, also ein neptunisches Gebilde ist; allein wir haben schon 
„früher gesehen, dass auch die modena'schen Gasvulkane aus einem Sand- 
„steingebirge, und zwar aus Macigno Sandstein hervorbrechen." 

Während unserer Anwesenheit in Beichenau fanden wir diese Aus- 
sage vollkommen bestätigt; jeder kannte das Getöse, und es scheint von 
alter Zeit her bekannt zu sein. Die deutsche Bevölkerung hat daher den Aus- 
druck „der See rumpelt", und nimmt an, dass auf dem Berge ein grosser 
und unergründlicher See vorhanden sei, wozu indessen viel fehlt, denn 
wie wir gesehen haben, gibt es nur 3 kleine, theilweis schwach mit 
Wasser bedeckte Flächen, und was die Unergründlickeit anbelangt, so 
will dies hier, wie in vielen andern Fällen, einfach nur sagen, dass 
man entweder niemals gemessen habe, oder dass im Falle einer Messung 
die 2 oder 3 Klafter lange Sonde zu kurz war. Auf genaues Befragen 
erhielten wir auch die Bestätigung des Umstandes, dass nicht auf meilen- 
weite das Getöse gehört werden könne, sondern dass es meistens in 
grösserer Entfernung besser vernommen werde, als in Beichenau und am 
Berge selbst. Dies wäre nicht ohne Beispiel, wenn man sich dessen 
erinnert, dass das Getöse des Vesuvs zuweilen in sehr grossen Entfer- 
nungen vernommen ward, während man es in Neapel als das gewöhn- 
liche bezeichnete; dass man (nach v. Humboldt) dieBramidos des Cotopaxi 
in 40 bis 50 Meilen Entfernung wahrnahm, ohne dass es in der Nähe 
als unmessbar, als unangebbar mächtig beschrieben wurde. Allein es lässt 
sich wenig daraus schliessen, und es fehlt uns ein gemeinsames Maass, 
um Schallphänomene an verschiedenen Orten miteinander vergleichen zu 
können. 

Seit dem Jahre 1856 wollte man das Getöse des Berges (welches 
niemals mit einer Erschütterung verbunden ist) nicht vernommen haben; aber 



Ueber den Reichenauer-Berg in Mähren. 43 

mehrfache Aussagen geben an, dass es stark am 1. oder 2. August 1858 
gehört wurde, gerade während der aussergewöhnüchen Regenperiode, welche 
damals in Sachsen und Böhmen durch Ueberschwemmungen so viel Un- 
glück angerichtet hat. Als wir am 22. August den Berg besuchten, war 
es still. Nachmittags zog von S. 0. ein Gewitter herauf, und wir ver- 
nahmen den fernen Donner, als wir oben mit den Messungen beschäftigt 
waren. Ein uns begleitender alter Mann unterschied aber den Ton des 
Donners leicht von dem Getöse des Berges, welches er vor Zeiten oft 
gehört hatte. Bestimmte Nachrichten, namentlich Zeitangaben in schrift- 
lichen Notizen konnten wir nicht auftreiben; ich erfuhr nur, dass Niemand 
sich an ein Erdbeben in dieser Gegend erinnert, und dass das beträcht- 
liche Erdbeben in Ungarn (1858 Jan. 15. Abends), welches seine Schwin- 
gungen über Olmütz hinaus bis Mährisch-Tribau ausdehnte, in Reichenau an- 
geblich nicht mehr verspürt wurde. 

Ueber die geognostische Beschaffenheit des Reichenauer-Berges ver- 
danke ich Herrn Gustav Ts chermack folgende Aufschreibung: 

„Den vom Professor Glocker hierüber gemachten Mittheilungen kann 
nur noch Weniges hinzugefügt werden , da der Bau und Bestand des 
Gebirges bei geringer Ausdehnung ein sehr einfacher ist. 

Das Gestein ist ein feinkörniger Kalk- und eisenreicher Plänersand- 
stein, welcher hie und da kleine Mergelparthien einschliesst. Die grün- 
graue Farbe desselben geht an den, der Atmosphäre ausgesetzten Flächen 
in Folge eintretender Oxydation sehr bald in eine braune oder gelbliche 
über, so dass der Sandstein an der Bergoberfläche überall mit diesen 
Farben auftritt. 

Die im Allgemeinen NNW. — SSO. streichenden Schichten stehen mit 
steiler gegen Ost gerichteter Neigung auf den Sandsteinen und Conglo- 
meraten, die von Glocker als dem Rothliegenden zugehörig erkannt, 
namentlich am nordwestlichen Fusse des Berges zu Tage treten. 

In dem Steinbruche, der an dem nördlichen Ausläufer des Berges 
seit nicht langer Zeit eröffnet ist, konnte das Streichen N. 20° mit 
einer Neigung der Schichte von 70 — 80° beobachtet werden. Die Schich- 
tenköpfe stehen sonach an dem ganzen Berge gegen West hinaus, daher 
der Berg bei grösserer Steilheit und einer mehr steinigen Oberfläche auf 
dieser Seite eine dünnere Bewaldung zeigt und der Kamm von West 
gesehen sich wie eine Mauer hinzieht. 

In der Umgebung der Sümpfe auf dem Bergrücken tritt stets das- 
selbe Gestein mit demselben Schichtenbaue auf, so dass es mir merk- 
würdig erscheint, dass unter diesen Umständen auf dem Kamme eine Stag- 
nation der Regenwasser eintreten konnte, wenn gleich der beckenförmige 
Bau des Rückens an der Stelle der zwei südlichen und am nördlichen 
Sumpfe hiefür günstig ist (die westliche Vertiefung wurde in neuerer Zeit 
künstlich zum Theile entwässert). Man wollte nämlich vermuthen, dass bei 
so steiler Schichtenlage und häufiger Klüftung, das Wasser wenigstens den 
Schichtungsflächen nach leicht durchsickern könne. 

Vielleicht steht diese Art des Schichtenbaues und das Vorhandensein 
der Sümpfe mit dem bereits von Glocker und Schmidt besprochenen 
Schallphänomene in einem Zusammenhange, worüber freilich nur genauere 
Beobachtungen während des Auftretens jenes Phänomens, namentlich über 
das Verhalten der oben stagnirenden Wässer, Aufschluss geben könnten. 



44 Dr. Wilhelm Barth. 

Ob jener Zusammenhang besteht, wird sich auch nach gänzlicher Trocken- 
legung jener Sümpfe zeigen. 

An dem ganzen Berge ist von organischen Resten im Sandsteine 
wenig zu sehen. Bios einige Pflanzenspuren konnte ich in dem erwähn- 
ten Steinbruche bemerken. 

Die Flora der zwei westlichen Sümpfe hat nichts charakteristisches. 
Sparsames Schilfrohr, xanec caespitosa, stricta, vulgaris, am Rande die 
gewöhnlichen Arten der Eestuca und Poa. Die Blüthen von Ranuticulas 
Flammida, bringen einige Abwechslung hervor, hie und da umsäumt ein 
Rasen von Nardus stricta die Sümpfe. 

Das grösstenteils ausgetrocknete westliche Becken hat ganz den Cha- 
racter einer nassen Wiese, auf der bei unserem Besuche zwischen den 
Halmen der Seggen der weissen Blüthen der Evphrasia officinalis durch- 
leuchtete. 



V. 

Versuch einer Erklärung der verhältnissmässig höheren 

Temperatur an den Polen der Erde aus dem Verhältnisse 

zwischen Sonne und Erde. 

Nach Angaben von Jakob Barth bearbeitet 

von 

Dr. Med. Wilhelm Barth. 

Mitgflheilt in der Versammlung; der k. k. geographischen Gesellschaft am 4. Jänner 1859. 

Die Ansicht, dass die Pole der Erde zugleich auch die Kältepole 
seien, d. h. dass an diesen Punkten der Erde die niedrigste Jahrestem- 
peratur herrsche, war bis zum Beginne unseres Jahrhunderts die allgemein 
geltende. Die Beobachtung, dass man, je weiter man von dem Aequator 
gegen die beiden Pole vordrang, eine um so niedere Temperatur fand 
und der Umstand, dass die Pole die am weitesten vom Aequator ent- 
fernten Puncte der Erde seien, verliehen dieser Ansicht bei der Unmög- 
lichkeit einer Untersuchung an Ort und Stelle einen solchen Grad von 
Wahrscheinlichkeit , dass man ihre Richtigkeit bezweifeln zu dürfen gar 
keine Ursache zu haben schien. Aber die Schwierigkeiten, welche sich 
der Auffindung der nordwestlichen Durchfahrt im nördlichen Eismeere 
entgegenstellten, veranlassten bald sehr verschiedene Meinungen über die 
Möglichkeit der Lösung dieses Problems; während die Einen dieselbe 
geradezu für unmöglich erklärten, behaupteten andere und zwar gewich- 
tige Autoritäten auf das Bestimmteste das Gegentheil. Diese Controver- 
sen waren die natürliche Veranlassung zur genaueren Erwägung der 
in jenen Gegenden herrschenden Verhältnisse; auch die Ansicht über 
die Temperatur an den Polen der Erde unterzog man einer genauen 
Prüfung, welche anfangs Zweifel gegen die Richtigkeit derselben , in 
der Folge aber Hipothesen und Theorien erzeugte , welche eine der 



Versuch einer Erklärung der veihältnissmässig höheren Temperatur an den Polen etc. 45 

vorigen ganz entgegengesetzte Ansicht über die Temperatur dieser Puncte 
begründen sollten, und deren thatsächliche Bestätigung man in einigen 
Beobachtungen der Nordpolarfahrer gefunden zu haben glaubte. 

Auf Grundlage theoretischer Schlüsse und Combinationen meinte man 
nämlich annehmen zu dürfen, dass jenseits des 80° n. B. eine verhältniss- 
mässig höhere Temperatur herrsche, als in den anliegenden südlicher 
gelegenen Zonen, dass somit der Nordpol nicht von ewigem Schnee und 
undurchdringlichem granitfesten Stockeise starre, sondern dass jenseits die- 
ser unwirthbaren und trostlosen Breitegrade ein höheres animalisches 
und vegetabilisches Leben angetroffen werde und daselbst eine offene See 
ihre eisfreien Fluthen treibe, welche den Schiffen jeden Curs ungehin- 
dert zu steuern gestatte. 

Dieses Paradoxon stützte man auch auf eine Beobachtung des Capitän 
Parry; dieser hatte auf seiner so ruhmreichen Expedition im Jahre 
1819 — 20, auf welcher er durch den Lancastersund und die Barrow- 
strasse bis zur Banksstrasse vordrang, zwischen den Gebieten von North- 
Devon und North -Cornwallis gegen Norden hin einen offenen Meeresarm 
gesehen, den er Wellingtoncanal nannte. Man vermuthete nun, dieser 
offene Meeresarm führe in das eisfreie Polarbassin, so dass man auf die- 
sem Wege den Meridian der Barringsstrasse leichter erreichen dürfte. 

Einen weiteren thatsächlichen Beleg für die Richtigkeit ihrer Ansicht 
sahen die Vertreter eines eisfreien Pularbassin in der Lage des magne- 
tischen Poles, der während der von Capitän John Ross in den Jahren 
1829 bis 1835 angeführten Expedition von dessen Neffen James Ross 
im 73°35' n. B. ausgemittelt worden war, indem man die Vermuthung 
aussprach, es sei nicht wahrscheinlich, dass der magnetische Pol und der 
Pol des Frostes bei ihrer wenn auch noch nicht bewiesenen aber doch 
mutmasslichen verwandtschaftlichen Beziehung zu einander in so grosser 
Entfernung von einander gelegen sein könnten. 

Obschon nun diese Ansicht, schon wegen des scheinbaren Wider- 
spruches mit den natürlichen Verhältnissen der Dinge, Anfangs nur wenige 
Anhänger zählte, so gewann sie doch bald einen ausgebreiteten Kreis 
von Verehrern, indem man keine Gelegenheit, die sich darbot, unbenutzt 
vorüber gehen Uess, um die neue Theorie durch scheinbar unwiderleg- 
liche Thatsachen zu befestigen. 

Besonders verbreitet wurde aber dieselbe zur Zeit, als die engli- 
sche Regierung, abgeschreckt durch die ungünstigen Erfolge in dem 
Bemühen die Nordwest-Passage aufzufinden, nach der Rückkehr des Capi- 
tän John Ross, welcher nach fast vierjährigem Aufenthalte im nördlichen 
Archipelagus keine glücklicheren Resultate als seine Vorfahrer erlangt 
hatte, sich von den so kostspieligen Unternehmungen im Norden gänzlich 
abzuwenden und für die am nördlichen Eismeere gebrachten Opfer Ersatz 
in der südlichen Polarsee zu suchen schien. Da verbreitete sich das 
Gerücht, als wollten die Russen und Amerikaner die von den Engländern 
scheinbar aufgegebenen Entdeckungen im nördlichen Eismeere weiter ver- 
folgen. Da regte sich der Nationalstolz; man war gewohnt, die Aufsu- 
chung der Nordwest-Passage als ein Erbgut der englischen Nation und die 
Lösung dieses Problems als mit der Ehre der englischen Flotte unzer- 
trennbarverbunden zu betrachten. Das Bewusstsein von der Grösse derThat und 
von der Wichtigkeit der Lösung der Frage für die Wissenschaft war in 
die weitesten Kreise gedrungen und man war daher auf allen Seiten auf 



46 Dr. Wilhelm Barth. 

das eifrigste bemüht, um so schnell als möglich eine Expedition auszu- 
rüsten und vor den Amerikanern an Ort und Stelle zu sein. Als einen 
der mächtigsten Hebel zur Förderung des nationalen Unternehmens benützte 
man die wo möglich allgemeinste Verbreitung der Idee eines eisfreien 
Polarbassin. 

Die Folge dieser allseitigen Bemühungen war die Ausrüstung einer 
Nordpolexpedition im Jahre 1845 unter Sir John Franklin. Das geheim- 
nissvolle Schicksal Franklins und seiner tapferen Gefährten erregte die 
lebhafteste Theilnahme und so tief wir auch das beklagenswerte Loos 
dieser Helden betrauern müssen, so müssen wir hinwieder gestehen, dass 
gerade dieses räthselhafte Ende der Expedition die günstigsten Folgen 
für die Wissenschaft und die Schiffahrt nach sich zog. Gegen Norden 
richteten sich die Augen und die Herzen Aller; es wurde Ehrensache, die 
Verschollenen aufzufinden und ihnen Rettung zu bringen. 

Aber auch für die Vertheidiger der Ansicht einer eisfreien Polarsee 
war das räthselhafte Ende dieser Expedition nicht nur kein Gegenbeweis, 
sondern sie fanden gerade hierin einen Beweis für die Richtigkeit ihrer 
Ansicht; sie sagten nämlich: Franklin habe — gemäss seinen Instructionen, 
welche ihn anwiesen, durch die Barowstrasse gegen Westen vorzudrin- 
gen, und wenn die südlich und südwestlich führenden Meeresarme unfahr- 
bar befunden würden, den Wellingtoncanal zu versuchen, Franklin habe 
diesen Weg eingeschlagen, habe so das eisfreie Polarmeer erreicht, daselbst 
eine relativ höhere Temperatur, ein höheres Thier- und Pflanzenleben, 
somit alle Mittel zu seiner Erhaltung angetroffen — nur sei ihm die Rück- 
kehr durch die Eiswüste versperrt. 

Zu solchen fast an das Märchenhafte gränzenden Vorstellungen liess 
man sich hinreissen. 

Hervorgerufen und unterstützt wurde diese Ansicht durch den Wall- 
fischcapitän Penny, welcher der zweiten Expedition zur Rettung Franklin's 
im Jahre 1851 unter Capitän Austir beigegeben war mit der Weisung, 
im Wellingtoncanal zu kundschaften Er kam mit der überraschenden 
Nachricht zurück, dass er im oberen Wellingtoncanal ein milderes Klima 
und Spuren eines höheren Thier- und Pflanzenlebens und einer offenen 
See zu einer Zeit angetroffen habe, zu welcher die Barowstrasse für die 
Schiffahrt noch in tiefem Winter lag. 

So war Penny der erste, welcher die Theorie eines eisfreien Polar- 
meeres durch die That zur Wahrheit zu machen schien. Allein die Freude 
sollte nicht lange dauern. Schon im folgenden Jahre 1852 gelang es 
Capitän Bei eher im Wellingtoncanal weiter nach Norden vorzudringen, 
als Penny je gekommen war. Er hatte jenseits des 76° n. B. die Mün- 
dung des Canals und die offene See gefunden. Aber wie gross war 
seine Enttäuschung! Statt der milderen Temperatur heftige, orkanähnliche 
Stürme; statt der ruhigen See ein von furchtbaren Eismassen durchwog- 
tes tosendes Meer, das jedem Schiffe unabweislichen Untergang drohte ! 
Ueberdiess war der Zugang zur Mündung des Canals durch undurchdring- 
liche Eismassen versperrt. 

Dieser Bericht des Capitän B eich er war nicht sehr erfreulich für 
die Anhänger der neuen Theorie: aber ungeachtet dieser so ungünstig 
lautenden Nachrichten liess man den Muth nicht sinken, ja mit den stei- 
genden Hindernissen steigerten sich sogar die Vorstellungen zu den san- 
guinischesten Träumereien und es hätte nicht viel gefehlt, so hätte man 



Versuch einer Erklärung der verhältnissmässig höheren Temperatur an den Polen etc. 47 

das Arcadien der Dichter an den Nordpol verlegt. Das Glück war ihnen 
auch günstig; sie fanden auch einen zweiten Verfechter an Capitän Ing- 
lefield, welcher ebenfalls im Jahre 1852 im Smithsunde bis zu 78° 42" 
21" vordrang und von da nordwärts, so weit das Auge reichte, eine 
eisfreie See erblickt haben will. Dadurch wurde Belcher's Bericht neu- 
tralisirt. Inglefield sagt, dass nur die vorgerückte Jahreszeit und der 
Mangel an Lebensmitteln ihn abgehalten hätten, der so lockenden Einla- 
dung diese See weiter zu befahren nachzukommen. Aber auch diese 
Entdeckung wurde von dem letzten der nordischen Helden — dem ver- 
ewigten Dr. Kane — in das Bereich der visionären Entdeckungen ver- 
wiesen, während Kane seinerseits berichtet, dass durch seine Expedition 
das eisfreie Polarbassin entdeckt worden sei. So wurde diese Frage von 
den Seefahrern abwechselnd behauptet und widerlegt, und man konnte es 
als ein gutes Omen bezeichnen, dass sie. obwohl widerlegt — schliesslich 
dennoch wieder behauptet wurde. 

Dr. Kane's Entdeckung ist bis jetzt weder bestätiget noch wider- 
legt worden , und wir haben — im Hinblick auf die vorausgegangenen 
Täuschungnn auf diesem Gebiete wohl das Recht, den Bericht Kane's 
näher zu prüfen, bevor wir uns seinem Spruche unbedingt unterwerfen. 

Kane berichtet nur, dass sein Matrose Mort on, begleitet von dem 
Esquimo Hanns Christia n, den Humboldtgletscher umging, dass er, nach- 
dem er sich auch von dem Esquimo getrennt hatte, am westlichen Aus- 
laufe des Gletschers einen offenen Canal fand — den Kennedycanal — 
dessen Breite er auf 32 Meilen schätzt. Je weiter nordwärts er kam, 
um so eisfreier wurde das Wasser, an dessen Rande Seehunde und 
Seevögel immer zahlreicher erschienen: auch grüne Gräser und einzelne 
Arten der arctischen Flora fanden sich vor. Morton verfolgte die 
Küsten immer weiter nordwärts , die Höhe des Washingtonlandes zur 
Rechten, den Canal zur Linken. Am 24. Juni 1854 erreichte er den 
äussersten Punct. Er erklimmt jenseits des 81° n. B. das Cap Consti- 
tution bis zu einer Höhe von 480 Fuss , und pflanzt hier , Angesichts 
einer nach Norden hin unübersehbaren in offenen, eisfreien Fluthen wo- 
genden See, welche gegen Westen hin die kühn emporsteigenden Höhen- 
bildungen des Grinellandes bis über den 82° n. B. sichtbar bespült, in 
begeisterter Stimmung die amerikanische Flagge auf. Morton führte Kom- 
pass, Sextanten und einen künstlichen Horizont mit sich. 

Kane war durch Krankheit gezwungen zurückgeblieben, und er ver- 
fasste diesen Bericht auf die Erzählung seines Matrosen, welcher allein 
— denn selbst von dem Esquimo hatte er sich getrennt — diese Ent- 
deckung machte, preisgegeben allen Eindrücken der erhabenen und gross- 
artigen Natur, in einer durch fabelhafte Luftspiegelungen und andere oft 
stundenlang andauernde Sinnestäuschungen die unbefangene Beobachtung 
gefangen nehmenden Gegend, nach einer die Nerven aufregenden und 
höchst anstrengenden Reise , und nach vierwochentlicher Trennung von 
seinem Herrn und Meister, den er krank und unbefriediget von seinen 
bisherigen Resultaten zurückgelassen hatte. Eine unter solchen ausseror- 
dentlichen Umständen gemachte Entdeckung kann bei aller Ehrfurcht vor 
Kane, bei aller Ehrenhaftigkeit M orton's doch von der Wissenschaft nicht 
als unbedingte Wahrheit angenommen werden, und diess um so weniger, 
je wichtiger und folgenreicher eben diese Entdeckung für die Wissen- 
schaft ist. 

Drei Mal innerhalb eines Jahrzehends sollte die offene See im Nor- 
den gesehen worden sein! Zwei Mal war die Entdeckung gemacht wor- 



48 Dr. Wilhelm Barth. 

den von erfahrenen und gebildeten Seefahrern, umgeben von ihren Mann- 
schaften und Offizieren — und beide Entdeckungen wurden in der Folge 
als irrthümlich zurückgewiesen. Das dritte Mal wurde sie gemacht von 
einem — wenn auch ehrenhaften — doch weniger gebildeten Manne, 
welcher ohne alle Begleitung war. 

Wenn man diesen Verlauf der Geschichte dieser Entdeckung berück- 
sichtiget, so könnte man schliesslich fragen: ob denn nicht Penny sowohl 
als auch Inglefiel d Recht hatten mit ihrer Behauptung und ihre Censoren 
Unrecht? Penny soll die offene See im oberen Wellingtoncanal gesehen 
haben. Ein Jahr darauf findet Belcher, welcher bis zum 76° vordrang, 
wohl die Mündung des Canals und eine offene See, aber von Treibeis 
und Eisbergen durchbraust. Im Jahre 1852 soll Inglefield die offene See 
im 78° im Smithsunde gesehen haben. Zwei Jahre später ist Kane nicht 
im Stande, daselbst eine See zu entdecken; sein Matrose musste bis zum 
81° vordringen, und entdeckt sie daselbst. Wir sehen , dass die Ent- 
deckungen der Vorfahrer von ihrem Nachfolger nur in höheren Breiten 
bestätiget wurden. Ist da der Gedanke nicht nahe liegend, dass bei der 
Aehnlichkeit der Polarwelt mit der Natur der Hochgebirge dort solche 
Vorgänge statt finden, wie hier, dass so wie hier die Gletscher wach- 
sen, auch dort die Region des ewigen Eises immer weiter um sich 
greife? Freilich wird man sagen ist der Zeitraum von ein oder zwei 
Jahren viel zu kurz bemessen , um solche ausgedehnte Veränderungen 
hervorzubringen; aber finden wir nicht auf der südlichen Seite der Polar- 
zone die Thatsache festgestellt, dass auf Puncten, welche gegenwärtig von 
allen menschlichen Ansiedlungen verlassen sind, die Ueberreste von mensch- 
lichen Wohnstätten und die Spuren einer untergegangenen Thier- und 
Pflanzenwelt vorhanden sind, und ist es nicht möglich, dass bei dem vor- 
handenen Wasserreichthume die Eisbildung unter günstigen Umständen 
rasch und im ausgedehntesten Maasse stattfinde? dass also jenseits des 
80° n. B. wirklich die offene See einstens gewesen, welche aber durch 
den stettigen Eisbildungsprocess immer weiter gegen den Nordpol 
zurückgedrängt werde. 

Unter den Theoretikern, welche die Ansicht einer eisfreien Polarsee 
auf das lebhafteste befürworteten, ragen Dr. August Petermann in 
Europa und der Astronom und Geograph Maury in Amerika besonders hervor. 

Petermann hatte schon vorder Entdeckung Inglefield 's in verschie- 
denen Blättern Ansichten und Hypothesen über das Thier- und Pflanzen- 
leben in der hohen Polarzone und über eine offene See in den noch 
nicht erreichten hohen Breitengraden ausgesprochen. Der Bericht Ingle- 
field's bestärkte ihn in seinen Ansichten auf das Lebhafteste. Allein Peter- 
mann war nicht im Stande, die arctischen Autoritäten von der Richtigkeit 
seiner Theorien zu überzeugen; man hielt ihm die Gesammtheit aller bishe- 
rigen Entdeckungen entgegen; man wies daraufhin, dass Capitän Phipps 
im Jahre 1773 bis zum 81», Capitän Parryim Jahre 1827 bis zum 82° 40" 
23" vorgedrungen waren, ohne die offene See zu finden. Petermanns Ansich- 
ten wurden von Scoresby und Beechey im Jahre 1853 in den Times so ent- 
schieden widerlegt, dass sie allen Halt verloren zu haben schienen, und es 
den Anschein hatte, als wäre diese Frage für immer abgethan. Petermann 
selbst zog sich zurück. 

Mit ungleich günstigerem Erfolge schien Maury in Amerika für die 
Sache aufzutreten. Er war auf Grund theoretischer Combinationen zu dem 
Schlüsse gekommen, dass jenseits des 80° n. B. eine eisfreie See und ein 
höheres Thier- und Pflanzenleben herrsche, und wusste seine Theorie, welche 



Versuch einer Erklärung der verhältnissmässig höheren Temperatur an den Polen etc. 49 

ein neues System der phisikalischen Geographie zu gründen geeignet schien, 
auf scheinbar unwiderlegbare Thathsachen und Grundsätze zu stützen , dass 
sie den Anforderungen der Wissenschaft vollkommen gerecht wurde, und als 
Kan e's Bericht bekannt wurde, nahm er keinen Anstand, diese seine mit so 
grosser Zuversichtlichkeit gefasste Voraussetzung als eine vollendete Thatsache 
hinzustellen. Maury sucht die Gründe für seine Behauptung in den Meeresströ- 
mungen und erklärt die verhältnissmässig höhere Temperatur am Nordpol für 
eine Wirkung des submarin in das Polarbassin eintretenden warmen Golfstromes. 

Dr. Brandes, Mitglied der geographischen Gesellschaft zu Berlin, 
hat in einem im zwanzigsten Hefte des Jahrbuches zum Konversationsle- 
xikon abgedruckten Aufsatze, welchen ich zum Entwurf dieser Skizze 
benützte, die Aussprüche Maury's einer eingehenden Kritik unterzogen und 
ist zu dem Schlüsse gekommen, J; dass von dem Richterstuhle der Wis- 
senschaft die ganze, so anziehend ausgemalte Maury'sche Vorstellung von 
dem in der Tiefe des Meeresgrundes zu dem Punkte des Nordpols hin- 
aufgetriebenen Golfstrom, von der Bedeutung desselben im Haushalte der 
Natur, von den eigenthümlichen Umständen, welche seine warme Tempe- 
ratur, durch eine Zone furchtbaren Frostes hindurch bis zum Nordpol 
hinauftreten für nicht viel mehr als ein geistreiches, lebensvolles Traum- 
bild erklärt werden müsse. K 

Dr. Kane, welchem Maury seine Theorie einer submarinen Einströ- 
mung des Golfstromes gerne unterlegen möchte, gibt eine den Verhält- 
nissen bei weitem natürlichere Ursache der beobachteten Meeresströmun- 
gen an. Er sagt nämlich, dass dem Polarmeere die Gewässer dreier 
Continente zugewandt seien, ein Zufluss, welcher noch vermehret werde 
durch die in den hohen Breiten gesteigerte Präcipitation. Im Gegensatze 
solcher Zuflüsse könne in dem überfüllten arctischen Bassin auch ein 
Ausgang nicht fehlen, durch welchen sein Inhalt unter einer von den 
Gesetzen der Strömung unabhängigen Operation gegen den Aequator zu 
hinweggeräumt werde. Diess führt ihn dann sistematisch weiter zur Auf- 
zählung der drei Eismeerstrassen des Polarbassins. 

Es scheint somit den Theoretikern nicht besser zu ergehen , als 
den praktischen Seeleuten — auch sie fanden mit ihren Ansichten nicht 
unbedingten Glauben. 

In neuester Zeit hat Dr. Robert Froriep in seiner Schrift: „das 
Klima am Nordpol" die Aufmerksamkeit auf den Einfluss der Luftströmun- 
gen gelenkt, der sich in der Gegend des Poles in hohem Grade gel- 
tend machen müsste , wo die sämmtlichen Aequatorialströmungen der 
Theorie nach zusammentreffen. Diese müssten nicht nur eine Erhöhung 
der Temperatur bedingen, sondern auch durch ihre Abkühlung am Pol 
mächtige Niederschläge bilden , woraus sich die aus dem Polar-Meer 
beständig hervorkommenden Meeresströmungen erklären und zwar führen 
sie diesem Meere meteorologisches, d. h. salzfreies Wasser zu, was wie- 
derum mit der Beobachtung übereinstimmt, dass der Salzgehalt des Meeres 
gegen die Pole zu abnehme. Vielleicht Hesse sich, meint der Verfasser 
hiemit auch das Phänomen des Nordlichts in Zusammenhang bringen; 
denn es sei wahrscheinlich, dass durch das Zusammentreffen vieler Aequa- 
torialströme in der kalten Polargegend furchtbare Gewitter entständen, 
deren Widerschein eben das Nordlicht sein dürfte. 

So lautet die Inhaltsanzeige dieser Schrift im VI. Hefte des Jahr- 
ganges 1857 von Petermann's Mittheilungendes geographischen Institutes 

Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft III. Bd. 1. Heft. '' 



50 Med. Dr. Wilhelm Barth. 

zu Gotha. Ich war nicht im Stande, diese Schrift selbst zu Gesichte zu 
bekommen und die ausführliche Deduction Froriep's kennen zu lernen, bin 
daher auch nicht im Stande dieselbe zu prüfen; nur so viel sei mir 
gestattet, darüber zu bemerken, dass es mir gewagt erscheine, die Luft- 
strömungen, deren Einfluss auf die Temperatur einer Gegend wohl ohne 
Zweifel ist, als die letzte Ursache dieser Temperatur hinzustellen, indem 
ich glaube, dass die Luftströmungen eher durch die Temperatur, als diese 
durch jene hervorgebracht werden dürften, so dass also Ursache und Wir- 
kung im umgekehrten Verhältnisse aufgefasst seien , abgesehen von der 
Schwierigkeit der Erklärung, wie die Luftströmungen, die am Aequator auf- 
steigen und in Folge ihres geringeren Gewichtes und des Bestrebens sich 
auszudehnen doch immer nur in einer beträchtlichen Höhe der Atmosphäre 
gegen die Pole abfliesen werden, ihre warme Temperatur durch alle Brei- 
tengrade hinauf bis zum Nordpol erhalten? 

Soviel über die Geschichte dieser gewiss nicht uninteressanten und 
unwichtigen Frage. 

Wir wollen nun untersuchen in wie weit es denn überhaupt gerecht- 
fertiget sei, an den Polen eine verhältnissmässig höhere Temperatur anzu- 
nehmen; wir wollen bei dieser Untersuchung absehen von allen Hypothesen 
und Ueberlieferungen, und nur dasjenige Verhältniss ins Auge fassen, wel- 
ches die wirkliche Ursache der Erwärmung unserer Erde ist , nämlich das 
Verhältniss derselben zur Sonne, als seiner Licht- und Wärmequelle. 

Es ist bekannt, dass die Centralwärme der Erde aufgehört hat, Ein- 
fluss auszuüben auf die Temperatur der Oberfläche derselben, und dass diese 
allein abhängt von der Wärme, welche sie von der Sonne erhält. Allein 
es wird nicht die ganze Erde auf einmal von der Sonne erleuchtet und 
erwärmt, sondern nur ein Theil derselben und zwar jener, welcher der 
Sonne zugekehrt ist. 

Der andere Theil der Erde, welcher der Sonne nicht zugekehrt ist, 
wird auch von den Strahlen der Sonne nicht getroffen , somit auch nicht 
erwärmt, und es wird daher seine Temperatur um so viel niedriger sein, als die 
Sonnenwärme beträgt, welche die der Sonne zugekehrte Seite der Erde 
empfängt. Dadurch entstehen zwei, jeder eine Hälfte des Erdsphäroids um- 
schliessende Räume von ungleicher Temperatur, indem der zwischen der 
Erde und Sonne gelegene Raum eine höhere , hingegen der die von der 
Sonne abgewendete Seite der Erde umhüllende Raum eine niedrigere Tempe- 
ratur hat. 

Während der täglichen Umdrehung der Erde um ihre Axe bewegen 
sich alle Theile derselben abwechselnd in diesen beiden Räumen und werden 
daher vermöge des Bestrebens der Wärme, in den Körpern und ihrer 
Umgebung sich in's Gleichgewicht zu setzen, während sie sich in dem 
zwischen der Erde und der Sonne gelegenen, als der mit höherer Tem- 
peratur erfüllten oder dem Tagraume bewegen, Wärme aufnehmen, hin- 
gegen in dem, die von der Sonne abgewendete Seite der Erde um- 
schliessenden von niedriger Temperatur erfüllten oder dem Nacht- oder 
Schattenraume, Wärme abgeben oder ausstrahlen. Auf diese Weise findet 
die Ausgleichung zwischen der Temperatur eines Punctes bei Tage und 
der bei der Nacht statt und es wird somit die mittlere Temperatur 
eines Erdstriches abhängig sein von dem Verhältnisse zwischen der Wärme- 
aufnahme und der Wärmeabgabe oder der Ausstrahlung. Alles daher, 



Versuch einer Erklärung der verhältnissmässig höheren Temperatur an den Polen etc. 51 

was die Ausstrahlung während der Nacht vermehrt oder vermindert, wird 
eben so wie alles, wodurch die während des Tages der Erde zugesendete 
Wärme mehr oder weniger wirksam gemacht wird , eine entsprechende 
Veränderung in der mittleren Temperatur hervorbringen. 

Abgesehen von den Modißcationen, welche durch die grössere und 
geringere Leitungsfälligkeit eines Körpers hervorgebracht werden können, 
ist die Abgabe der Wärme vorzüglich abhängig: 1. von dem Unter- 
schiede zwischen der Temperatur des erwärmten Körpers und der des 
Raumes, in dem er sich befindet; 2. von der Zeit, durch welche er in 
diesem Räume verweilt und 3. von der Grösse des Raumes, in welchem 
die Ausstrahlung statt findet. 

Dieses Verhältniss gilt auch von der Wärmeaufnahme, wenn ein 
Körper in einem Räume von gleichmässiger Temperatur sich befindet. 
Aber das Verhältniss ändert sich sogleich , wenn ein Körper , so wie 
unsere Erde, in eine Wärmeströmung zu liegen kommt. Hier ist die 
Richtung, in welcher die einzelnen Theile von den Wärmestrahlen ge- 
troffen werden, von grossem Einfluss, und je mehr abweichend von der 
Senkrechten, je schiefer die Theile getroffen werden, um so geringer ist 
— bei übrigens gleicher Dauer der Einwirkung — ihre Erwärmung. 

Während der Umdrehung der Erde um die Sonne, d. h. während 
der Dauer eines Jahres haben alle Theile der Erde gleich lange Zeit 
Tag und eben so lange Zeit Nacht. 

Obwohl nun während dieser Zeit alle Theile der Erde gleich lange 
Zeit Tag haben, d. h. Wärme aufnehmen, so ist doch ihre Erwärmung 
nicht gleich gross, indem bei der sphäroidalen Gestalt der Erde die 
Strahlen der Sonne nur an einer Stelle, nämlich am Aequator senkrecht 
auffallen können, und daher nur an dieser Stelle am wirksamsten sein 
werden; je weiter hingegen ein Ort von dieser Stelle gegen die Pole zu 
entfernt liegt, desto schiefer wird derselbe von den Strahlen der Sonne ge- 
troffen, desto weniger wirksam und desto geringer wird die Erwärmung 
desselben sein. 

Aber eben so, wie alle Theile der Erde während der Dauer eines 
Jahres gleich lange Zeit Tag haben, eben so haben sie während dieses 
Zeitraumes gleich lange Zeit Nacht, während welcher sie die bei Tage 
aufgenommene Wärme theilweise wieder abgeben oder ausstrahlen. Die 
Ausstrahlung findet statt gegen den Planetenraum, dessen Temperatur Fou- 
rier auf — SO berechnet hat. Hier findet die Ausstrahlung ihre Grenzen. 
Im Vergleiche zu dieser niederen Temperatur wird selbst das zu Eis 
erstarrte Wasser noch immer eine höhere Temperatur besitzen und Wär- 
mestrahlen abgeben. Es werden daher die in der Nähe der Pole gele- 
genen Orte trotz ihrer geringeren Erwärmung ebenso wie die südlich 
gelegenen Breiten so lange Wärme abgeben, bis das Gleichgewicht in 
der Temperatur hergestellt ist. 

Die Beobachtung Capitän Parry's, welcher auf Melville-Island eine Tem- 
peratur von — 48° und des Capitän Ross, welcher später die Temperatur 
von — • öl , die niedrigste natürliche, bis jetzt beobachtete Temperatur, 
beobachteten, scheint für diesen Vorgang zu sprechen. 

Da wir nun in der südlichen Zone niemals eine so niedrige Tem- 
peratur beobachten , so können wir annehmen , dass die Abgabe der 
Wärme während einer Umdrehung der Erde um die Sonne auf allen 
Punkten derselben gleich gross sei — oder wenn ich mich eines bild- 

d* 



52 Med. Dr. Wilhelm Barth. 

liehen Ausdrucks bedienen darf — ein Thermometer würde, wenn dieser 
Vorgang durch dasselbe messbar wäre , an allen Punkten um eine gleiche 
Anzahl Grade sinken, nur würde in den südlichen Breiten die Scala bei 
einem höheren, in den nördlichen bei einem tieferen Gradpuncte ihren 
Ausgang nehmen. 

Wenn nun während der Dauer eines Jahres oder eines Umganges 
der Erde um die Sonne die Abgabe der Wärme an allen Puncten der 
Erde als gleich gross angenommen werden kann, während die Aufnahme 
der Wärme um so geringer ist, je entfernter ein Ort vom Aequator liegt 
und da die Pole die am weitesten vom Aequator gelegenen Orte sind, 
so würde daselbst auch die niedrigste mittlere Temperatur sein , wenn 
nicht daselbst eigentümliche Verhältnisse obwalten würden , bei de- 
ren Prüfung sich die Gründe einer entgegengesetzten Ansicht heraus- 
stellen. 

In der Bahn, welche die Erde um die Sonne beschreibt, sind be- 
kanntlich die wichtigsten Puncte jene, an welcher das Aequinoctium und 
das Solstitium eintritt. 

Wie verhält sich nun die Erde bezüglich der Wärmeaufnahme und 
Abgabe dieser Zeit? 

Zur Zeit der Aequinoctien werden nicht bloss am Aequator, sondern auch 
an allen übrigen Puncten der Erde Tag und Nacht gleich lang sein, und dieser 
Zeitpunct ist es, an dem die eigenthümlichen Verhältnisse an den 
Polen zur Beurtheilung der vorliegenden Frage besonders ersichtlich 
werden. 

Da zu dieser Zeit die Verhältnisse bezüglich der Aufnahme so wie 
der Abgabe von Wärme während einer Umdrehung der Erde um ihre 
Axe d. i. während eines Tages denselben Verhältnissen während einer 
Umdrehung der Erde um die Sonne, d. i. während eines Jahres in so- 
fern annalog sind , als während des Zeitraumes dieses Tages ebenso, 
wie in dem Zeiträume eines Jahres alle Theile der Erde gleich lange 
Zeit Tag und gleich lange Zeit Nacht haben, d. h. gleich lange Zeit 
Wärme aufnehmen und eben so lange Wärme abgeben, so wird die mitt- 
lere Tagestemperatur zur Zeit der Tag- und Nachtgleichen der mittleren 
Jahrestemperatur der verschiedenen Zonen entsprechen und es dürfte daher 
nicht unstatthaft sein, die Stellung der Erde zur Zeit der Aequinoctien 
als Mittel zur annäherungsweisen Bestimmung der mittleren Temperatur 
an den Polen zu benützen. 

Zur Zeit der Tag und Nachtgleichen bewegen sich alle Theile der 
Erde während einer Umdrehung derselben um ihre Axe 12 Stunden in 
dem Tagraum und eben so lange in dem Nachtraum; sie nehmen daher 
durch 12 Stunden Wärme auf und geben während den andern 12 Stun- 
den von der aufgenommenen Wärme an den von den Sonnenraum ent- 
blössten Schattenraum so viel ab, als nöthig ist, um die bestehende 
Temperatur zu erhalten. 

Während nun alle Theile der Erde 12 Stunden Nacht haben und 
Wärme abgeben, fallen an den Polen die Sonnenstrahlen während des 
ganzen Umschwunges der Erde, also während der vollen 24 Stunden des 
Tages ununterbrochen in die oberhalb den Polen befindliche Atmosphäre, 
Figur 1. und indem sie hiedurch um so mehr in einer gleichmässi- 
gen Temperatur erhalten werden wird, als auch der oberhalb befind- 
liche Baum ganz von Sonnenstrahlen erfüllt ist, und daher kaum eine 



Versuche einer Erklärung der verhiiltnissmässig höheren Temperatur an den Polen etc. 53 



Ausstrahlung nach oben hin statt- 
finden wird, bildet diese Atmos- 
phäre, wie aus der nebenstehenden 
Figur ersichtlich ist, für die Pole 
und deren nächste Umgebung eine 
Decke,wodurch die Ausstrahlung der 
bei Tage aufgenommenen Wärme 
wärend der Nacht wenn auch nicht 
ganz aufgehoben, so doch in un- 
gleich geringerem Masse stattfinden 
wird , als an allen von den Polen 
weiter entfernten Breitegraden, und 
es wird daher in eben demMaasse, 
als die Ausstrahlung vermindert ist, 
die mittlere Tagestemperatur zur 
Zeit der Tag und Nachtgleiche an 
den Polen beziehungsweise hö- 
her sein. 

Dieses Verhältniss be- 
schränkt sich aber nicht bloss 
auf die Pole und deren nächste 
Umgebung , sondern erstreckt 
sich noch über einige anstossende 
Breitegrade hinaus. Denn wir finden , 
dass diejenigen Sonnenstrahlen, welche, 
wenn sie ungebrochen durch die At- 



Fig. 1 




Stellung der Erde zur Zeit der Aequinoctien 
E die Erde. A die Atmosphäre. S Son- 
nenstrahlen. N Nachtraum, a der von 
Sonnenstrahlen erfüllte Theil der Atmo- 
sphäre ober den Polen a' der von Son- 
nenstrahlen erfüllte Planetenraum. 



Erde 
in die 




mosphäre gehen würden , die 
tangiren, beiläufig im 82° d. B. 
Atmosphäre eintreten. 

Es sei Fig. 2. E die Erde, A die 
Atmosphäre , b d die Polarachse der 
Erde = 1715.8 geographische Meilen. 
Da die Atmosphäre wegen der leichten 
Verschiebbarkeit ihrer Theilchen dem Ge- 
setze der Centrifugalkraft in hohem 
Grade folgen und so wie die Erde einen elliptischen Körper bilden 
wird , dessen Höhe zwischen 9 und 24 variiren soll, so werden wir die 
niedrigste Höhe derselben mit 9 Meilen an den Polen ansetzen. 

Es ist somit ab (Fig. 2) = 9 Meilen; die Polarachse des Sphäroides A. 
ist gleich der Polarachse der Erde bd mehr der doppelten Polhöhe der 
Atmosphäre. Ziehen wir nun eine Senkrechte zur a e auf den Punkt b, 
so wird hb eine Tangente zur Ellipse E sein und demnach diejenigen 
Sonnenstrahlen repräsentiren, welche den Nordpol tangiren, wenn sie unge- 
brochen durch die Atmosphäre gehen würden. Aber die Linie hb wird 
in der Ellipse A zugleich eine Halbordinate zu der Polarachse a e sein, 
deren gegenseitige Abscissen ab und be sind. Nun ist das Quadrat der 
Halbordinaten in der Ellipse gleich dem Producte aus den gegenseitigen 
Abscissen; es wird somit 
hb a = ab . be 
ab =9; be = bd + de = 1715. 8 -f- 9 = 1724. e 
hb- = 1724.« x 9 = 15523. 2 



54 



Med. Dr. Wilhelm Barth. 



Nun sind aber hb und ab die Katheten des rechtwinkeligen Drei- 
eckes ahb, folglich ah 2 = ab 2 -f hb 2 

ab 2 = 81 
hb 2 — 15523.. 



15604. 2 . d. i. der Werth für ah 2 

Zieht man aus beiden Theilen die Quadratwurzel aus, so ist 
y'ah* = /l,56,04. s = 124,9 

ah ist also gleich 124. 9 geographische Meilen; und dies in Breitengrade, 
den Grad zu 15 Meilen umgewandelt gibt 8. 3 Grade. 

Es wird somit der Punct h annäherungsweise im 81 ° 7 d. B. liegen; 
nun werden aber die Sonnenstrahlen bei ihrem Durchgange durch die 
Atmosphäre gebrochen und gegen die Erde gelenkt und werden daher die 
Atmosphäre noch unterhalb des angegebenen Breitengrades je nach der 
Dichtigkeit derselben mehr weniger erfüllen. Es wird also vom 81° d. B. 
nordwärts eine verminderte Wärmeausstrahlung, d. i. eine relativ höhere 
Temperatur herrschen zur Zeit der Aequinoctien. 

Da nun in allen bekannten Breitengraden die mittlere Temperatur 
zur Zeit der Tag- und Nachtgleichen mit den mittleren Jahrestempera- 
turen in soweit übereinstimmend ist, um von der einen auf die andere 
annäherungsweise schliessen zu können, so wird eine auf die höhere 
Temperatur zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche gestützte Annahme einer 
beziehungsweise höheren Jahrestemperatur an den Polen nicht ganz unge- 
rechtfertigt erscheinen. 

Der Zeit der Aequinoctien entgegengesetzt ist die Zeit der Solstitien, 
und wenn es möglich ist, die beziehungsweise höhere Temperatur an 
den Polen zur Zeit der Aequinoctien mit einer an Gewissheit grenzenden 
Wahrscheinlichkeit auf eine einfache W^eise darzuthun, so ist dies zur 
Zeit der Solstitien als der grössten Abweichung in der Stellung der Erde 
gegen die Sonne zur Zeit der Aequinoctien wohl nicht eben so der Fall; 
wir müssen uns hier begnügen, die Thatsachen insoweit festzustellen als 
nothwendig ist, die Möglichkeit einer relativ höheren Temperatur auch zu 
dieser Zeit ersichtlich zu machen. 

Zur Zeit des Wintersolstitiums tangieren die Sonnenstrahlen die 
Erde zwischen dem 56° und 67° der Breite und es werden die, die 
Atmosphäre nun berührenden Strahlen etwa 90 Meilen ober den Polen 
vorbei gehen. Fig. 3. Es sei E Fig. 3. 

die Erde, A die Atmosphäre, ac s_ de S 

die halbe Polarachse des at- 
mosphärischen Sphäroids ; zieht 
man zur ac aus dem Puncte c 
unter einem Winkel von 23°5 zur 
Periferie die Linie cd, so wird, 
wenn gc die halbe Polarachse 
der Erde ist, sowohl der Punct f, 
als auch der Punct d 23°5 vom 
Pole entfernt sein, d. h. zwischen 
dem 66° und 67° liegen und eine 




Versuch einer Erklärung der verhiiltnissmiissig höheren Temperatur an den Polen etc. 55 

auf den Punct d der cd gefällte Senkrechte SS wird diejenigen Sonnen- 
strahlen vorstellen, welche zur Zeit der Solstitien die Atmosphäre tangiren. 
Es soll nun der Punct e beiläufig 90 Meilen ober dem Pole gelegen sein. 

Da es sich nicht um einen mathematisch genau zu bestimmenden 
Punct, sondern nur um eine annäherungsweise Berechnung handelt, so 
können wir bei der geringen Entfernung des Punctes d vom Puncto a und bei 
der geringen Abplattung der Erde absehen hievon und cd gleich setzen ac. 

Der Bogen ad verhält sich nun zum Bogen fg, sowie ac zu gc; 
oder Bogen ad = og " f x ac , Bogen fg ist gleich 35° 5 X 15 = 352,5 
geogr. Meilen ac = 866. 9 und bc = 857. 9 geogr. Meilen; wobei bc 
die halbe Polarachse der Erde und ac die halbe Polarachse der Erde 
mehr der Polhöhe der Atmosphäre repräsentirt. Es ist somit Bogen a d 
= 352 - ä 8 ^ ä 866 ' 9 = 356., geogr. Meilen. 

Es sind somit in dem Dreiecke a c d alle 3 Seiten bekannt. Die Linie 
db senkrecht zur ac wird die Höhe des Dreieckes sein = h; setzen wir 
ac = a, de = b, ad = c und ab — x, so wird gc = a — x. 

In dem A adb wird h a = c 2 — x 2 
und in dem A dbc „ h 2 = b 2 — (a — x) 3 



C 2 - 


-X 2 


=3 


b 2 


— 


Ca 


— 


x) 8 






= 


b 2 


— 


a 2 


+ 


2 ax — x» 






— 




+ 






+ 



C 2 — b 2 -f a 2 = 2ax 

x = c 2 — b 8 4- a 2 , 

— ! oder 

2a 

x = 356.,* — 866. 99 + 866-22 



1733,8 
Dieses gibt x = 73., geogr. Meilen. 

Hieraus können wir nun den Punct e berechnen. Zieht man die 
Linie ea, so wird eb die Subtangente zur Tangente de oder ss sein. 
eb besteht aus ea und ab = x. Nun ist nach der Formel 
PT = 2ax — xx 
a — x, 
wobei PT die Subtangente, a die halbe Achse und x die Abscisse ist, 
In dem vorliegenden Falle ist ab die Abscisse = 73., geogr. Meilen 
die halbe Achse a = 866. 9 geogr. Meilen, es somit 

eb _ 1733.8 x 73 t — 73. 2 t =152 geogr< Meilen . 
866. 9 — 73., 
Da aber eb = ea -f- ab, und ab oder x = ag -f gb und ag 
= 9 Meilen, so wird eg = 152. 9 — 73. 9 -f 9 = 88. 8 geogr, Meilen; 
das ist die ungefähre Lage des Punctes e oder die Höhe des Raumes 
zwischen den ungebrochenen Sonnenstrahlen und der Erde. 

Aber diejenigen Sonnenstrahlen, welche durch die Atmosphäre hin- 
durch gehen, werden bei ihrem Uebergange aus dem dünneren in das 
immer dichter werdende und sodann aus dem dichteren in das dünner werdende 
Medium diesem Verhältniss entsprechend gegen die Pole zu gebrochen und 
werden somit nach der jeweiligen Dichtigkeit der Atmosphäre den Raum 
zwischen den ungebrochenen Strahlen und der Erde mehr weniger gegen 
die Pole zu erfüllen. 



üfi 



.Med. Dr. Wilhelm Barth. 



Betrachten wir aber den Durchschnitt des Schattenraumes, wie er 
sich zu dieser Zeit an den Polen darstellt in Figur 4, dessen Höhe aus 
der obigen Berechnung ersichtlich gemacht ist , so sehen wir , dass 
die Höhe des ganz von Sonnenwärme entblössten Baumes gegen den über 
32000 Meilen tiefen Schattenraum der weiter von den Polen entfernten 
Breitegrade so unverhältnissmässig klein ist, dass auch zur Zeit der Winter- 
solstitien ein beziehungsweise ungünstigeres Verhältnis rücksichtlich der 
Wärmeausstrahlung unzweifelhaft stattfindet, was noch dadurch unterstützt 
wird, dass die Sonnenstrahlen oberhalb den Polen eine mit ihrem Ende 
auf der Erde ruhende muldenförmige Decke bilden, welche eine Aus- 
strahlung, wie sie zur Nachtzeit an den dem Aequator näher liegenden 
Breiten statt findet durch einen verhältnissmässig sehr kleinen Durchschnitt 
nur gegen das Innere des Schattenraumes gestattet. 



SS 


r/3 


cr 


GG 


53 


A. 






n 


CD 










c 


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5 




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3* 2 c" ° 
' =3 3" 



►3 




Versuch einer Erklärung der verhältnissmässig höheren Temperatur an den Polen etc. J>7 

Weiters dürfte hiebei in Betracht kommen, dass bei der fast mehr 
als sechs Monate ununterbrochen andauernden Erwärmung der Atmosphäre 
an den Polen diese bei dem vorhandenen Wasserreichthum mehr mit 
Wasserdämpfen geschwängert und daher auch mehr Wärme zu binden 
und in den Nachtraum hinüberzuführen befähiget sein wird, als an jenen 
Orten, wo Tag und Nacht in kürzeren Zwischenräumen auf einander fol- 
gen und somit in der bei Condensirung dieser Dämpfe frei werdenden 
Wärme den Ersatz für die an den Nachtraum abgegebene Wärme in sich 
selber um so längere Zeit finden dürfte, als der ihr gleichsam zur Er- 
wärmung zugewiesene Raum verhältnissmässig klein ist. 

Wir finden somit, ausgehend von dem Satze, dass die mittlere Ta- 
gestemperatur zur Zeit der Tag- und Nachtgleichen annäherungsweise gleich 
sei der mittleren Jahrestemperatur, mit einer an Gewissheit grenzenden Wahr- 
scheinlichkeit, dass zur Zeit der Aequinoctien an den Polen in Folge der ver- 
minderten Wärmeausstrahlung eine verhältnissmässig höhere Temperatur 
herrsche, als in den angrenzenden südlicher gelegenen Zonen; wir finden 
dasselbe Verhältniss auch, aber nur mit einiger Wahrscheinlichkeit zur Zeit 
des Wintersolstitiums eines Poles und können somit schliessen, dass es nicht 
nur wahrscheinlich, sondern auch möglich sei, dass an den Polen eine ver- 
hältnissmässig höhere Temperatur herrsche, als in den südlicher gelegenen 
angrenzenden Zonen, und nach der oben angeführten Berechnung zur Zeit 
der Aequinoctien würde sich diese Erscheinung bis beiläufig zum 82° d. B. 
erstrecken. 

Dieses fände auch seine Bestätigung in der Lage des Kältepoles, wel- 
chen Alexander von Humboldt in seinen Isotherm-Curven auf der asiatischen 
Seite unter dem 79° auf der amerikanischen Seite unter dem 78° d. B. be- 
stimmt und wir könnten somit auch annehmen, dass die Entdeckung Mortons, 
wenn sie gleich unter Umständen gemacht wurde, die bei der Annahme 
derselben zur grösten Vorsicht mahnen, kein leeres Trugbild der Phan- 
tasie, vielleicht gemacht zum Tröste und zur Aufmunterung seines kranken 
und unbefriedigten Herrn, sondern dass sie eine wirkliche Thatsache sei, 
während die angeblichen Entdeckungen Penny's und Inglefield's nach dem 
eben auseinander gesetzten Verhältniss mit Bestimmtheit als unwillkürliche 
oder absichtliche Täuschungen erklärt werden müssen. 

In wie fern nun diese verhältnissmässig höhere Temperatur an den 
Polen geeignet sei, jene glücklichen Verhältnisse im Thier- und Pflanzen- 
leben und den — von den Schiffern so sehnlichst gesuchten — eisfreien 
„Wasserhimmel" hervorzubringen, diess zu bestimmen, halte ich gegenwär- 
tig für noch nicht möglich. Es müssen da noch viele andere Fragen de- 
ren Lösung wir noch entgegen sehen, berücksichtiget werden. 

Schliesslich sei es mir noch gestattet, aus der eben entwickelten 
Theorie eine Ansicht über die mögliche Entstehung des Nordlichtes ablei- 
ten zu dürfen. 

Die Fähigkeit der Atmosphäre unter günstigen Umständen Wasser- 
dämpfe in hohem Grade aufzunehmen und dieselben sainmt der hieran ge- 
bundenen Wärme in den Nachtraum hinüber zu führen, dürfte zur nähe- 
ren Erklärung des Nordlichtes einige Beachtung verdienen, indem es mög- 
lich wäre, dass die durch anfängliche Wärmeentziehung eingeleitete Con- 
densirung dieser Dämpfe so rasch und allgemein fortgesetzt würde, dass 
der Abfluss der dadurch frei gewordenen Wärme, welcher an den Polen 
nur nach innen zu statt finden könnte, unter Lichterscheinungen erfolgen würde. 



58 Karl Sonklar von Innstätten. 



VI. 

Über einige Ilöhenmessungen der Gebrüder A. und II. Schlagintweit. 

Von 

Karl Sonklar von Innstätten, 

k. k. Major. 
Mitgetheilt in der Versammlung: der k. k. geographischen Gesellschaft am 18. Jänner 1859. 

Im zweiten Hefte, zweiten Jahrgangs der Mittheilungen der k. k. geo- 
graphischen Gesellschaft, deren Mitglied zu sein auch ich die Ehre habe, 
findet sich, gleich auf der ersten Seite beginnend, eine Besprechung der 
von den Gebrüdern Schlagintweit im Jahre 1848 ausgeführten barometri- 
schen Höhenbestimmung des Grossglockners, welche bekanntlich die Zahl 
von 12158 P. F. = 12494 W. F. lieferte. Wäre diese Angabe richtig, 
so würde dieser allerdings sehr schöne Alpengipfel den Ortles um nicht 
weniger als 140 Fuss Höhe übertreffen, und demnach der höchste Punct der 
österreichischen Monarchie und Deutschlands sein. Jene Besprechung rührt 
von dem Herrn P. Urlinger, Benefiziat zu Gresten her, und tadelt 
zuerst mit Grund das übermässige Vertrauen, welches die Gebrüder Schlag- 
intweit in ihre barometrisch gewonnenen Höhenzahlen , gegenüber denjeni- 
gen setzen, welche auf trigonometrischem Wege zu Stande gebracht wur- 
den, und weist im Verfolg die mögliche Grösse des Fehlers, und daher 
die Unzuverlässigkeit des erstgenannten hypsometrischen Verfahrens über- 
haupt und besonders für den Fall nach, wenn die correspondirende un- 
tere Station allzuweit von dem zu messenden Höhenpuncte entfernt liegt. 

Hiedurch angeregt erlaube ich mir die Aufmerksamkeit der löblichen 
Gesellschaft auf einige andere Höhenbestimmungen zu lenken, welche von 
den Gebrüdern Schlagintweit in den Werken: „Untersuchungen über die 
physikalische Geographie und Geologie der östlichen Alpen" und „Neue 
Untersuchungen über die physikalische Geographie und Geologie der Alpen" 
veröffentlicht wurden, und die theils dasselbe Uebermass von Vertrauen 
in ihre mit dem Barometer erzielten Resultate, gegenüber den trigono- 
metrischen Ergebnissen, und theils die Anwendung eines hypsometrischen 
Verfahrens zeigen, welches wenig geeignet ist, jenes grosse Selbstver- 
trauen zu rechtfertigen. Man hört zwar von manchen Seiten, und beson- 
ders von Denjenigen, welche unsere Alpen und ihre natürlichen Verhält- 
nisse genauer kennen, über die nicht immer zulängliche Begründung der 
von den Gebrüdern Schlagintweit ausgesprochenen Sätze und Ansichten 
klagen, dennoch aber sind bisher diese Klagen nur selten offen ausgespro- 
chen worden, und auser Herrn Urlinger in Gresten, hat es meines Wis- 
sens nur noch Otto Sendtner in München unternommen, einzelne Ergebnisse 
S c h 1 a g i n t w e i t'scher Naturforschung zu kontestiren *) . Wenn ich nun 



*) Siehe Jahrbuch der k. k. geologischen Reiehsanstalt, 1850 Nr. 2 pag. 301 „Berichti- 
gungeiniger Angaben Schlagintweit's in Betreff der Isogeothermen der Alpen; von Otto 
Sendtner." Abgedruckt aus der Zeitschrift „Flora* Nr. 7, 1850. Dieser Aufsatz bezieht 
sichauf die von den Gebrüdern Schi agintweit. aus 38 Quellenbeobachtungen versuchte 
Construction der Isogeothermen für jeden einzelnen Temperaturgrad, sowohl für die Cen- 
tralalpen vom Ankogel bis Nauders, als auch für die nördlichen Kalkalpen und für die 
südlichen Abfälle." Untersuchungen etc. S. 248. 



t'eber einige Höhenmessungen der Gebrüder Schlagintweit. 59 

im Folgenden diese und jene Höhenbestimmung der Gebrüder Schlagint- 
weit einer etwas strengeren Kritik unterziehe, so will ich damit meine Ach- 
tung vor den Talenten und den wissenschaftichen Verdiensten dieser Herren 
nicht verläugnen; ich möchte damit nur der Wahrheit gerecht werden, und 
es nebenher beklagen, dass hie und da Früchte des Denkens und mühevoller 
Arbeit früher vom Baume der Erkenntniss gepflückt wurden, als sie ihre 
volle Reife erlangten. 

Wie es nun die Gebrüder Schlagintweit mit ihrer Höhenbestimmung 
des Grossglockners gethan, so thaten sie es auch mit der des Sinnlaun in 
Tirol und des Monte Rosa in den penninischen Alpen. Auch hier stellten sie 
die von ihnen barometrisch gefundenen Höhenzahlen entweder über dieje- 
nigen, die sich aus verlässlichen trigonometrischen Operationen ergaben, oder 
sie vermengten beide Ergebnisse miteinander, und zogen, ohne Rücksicht auf 
den ungleich höheren Verlässlichkeitsgrad des trigonometrischen Verfahrens, 
das arithmetische Mittel aus beiden. Ja in der auf Seite 196 der „Untersu- 
chungen über die physikalische Geographie und Geologie der östlichen Alpen" 
wird, in einer Zusammenstellung der wichtigsten Erhebungen der Alpen, bei 
dem Grossglockner des Ergebnisses der trigonometrischen Messung nicht ein- 
mal gedacht. *) Nun, es ist freilich nicht Jedermanns Sache genau zu wissen, 
in welcher Art die grossen geodätischen Operationen, wie z. B. die Triangu- 
lirung eines Landes, ausgeführt werden; mit welcher extremen Genauigkeit, 
Umständlichkeit und Gewissenhaftigkeit dabei zu Werke gegangen wird, und 
wie verlässlich ihre Resultate sind. Werden bei solchen Gelegenheiten doch 
einzelne Winkel, namentlich wenn sie dem Hauptdreiecknetze angehören, 
60 — 100 Mal, und selbst noch öfter, beobachtet, u. z. mit Instrumenten, die 
an Güte und Schärfe nichts zu wünschen übrig lassen. Auch hat es hier die 
Höhenrechnung nicht mit so unsicheren Elementen zu thun, als es einige der- 
jenigen sind, deren Anwendung die Barometerformel erheischt. Nur bei die- 
ser grossen relativen Sicherheit von umsichtig ausgeführten trigonometrischen 
Höhenmessungen konnte es z. B. kommen, dass bei der vor einigen Jahren, 
gelegenheitlich der Triangulirung von Tirol durch das k. k. Milit. Ingenieur-Geo- 
graphenkorps, geschehenen Höhenbestimmung des Ortlesgipfels, der Unter- 
schied zwischen dem Maximum und Minimum der, durch Kollenation aus 
zwölf verschiedenen Standpunkten hervorgegangenen Höhenwerthe, nur etwas 
über 3 W. Fuss beträgt. Für den Grossglockner ergab sich dieser Unterschied, 
nach den Rechnungsergebnissen aus 7 verschiedenen Zenitdistanzen mit 
6 W. Fuss**) — Wer nun dies Alles kennt und erwogen hat, der wird dort, 
wo eine nach ihrer Quelle verlässliche trigonometrische Höhenbestimmung 
vorhanden ist, eine barometrische nur allenfalls desshalb anstellen, um an 
jener den Grad ihrer Verlässlichkeit zu erproben, nie aber wird er sie bei 



*) An einem anderen Orte aber (S. 167) wird das trigonometrische Resultat ver- 
dächtigt und die Möglichkeit ausgesprochen, dass die Toisenzahl der vom Professor 
Schi egg barometrisch aufgefundenen Höhe des Grossglockners, auf eine nicht näher er- 
läuterte Weise, für Wiener Klafter genommen und als Ergebniss der trigonometrischen 
Vermessung ausgegeben wurde ; — alles dies bloss auf die Annäherung (nicht Gleich- 
heit) beider Zahlen geschlossen; ihr Unterschied beträgt noch immer 1, 42. 

**) Einen nicht minderen oder vielmehr noch glänzenderen Beweis über die Schärfe 
der trigonometrischen Operationen liefern die von Weiden in dem Werke „der Monte 
Rosa" S. 25 — 26 mitgetheilten Ergebnisse der durch Carl ini, dann durch die französischen 
und österreichischen Triangulatoren ausgeführten Höhenbestimmungen des Montblanc, de- 
ren Mittel nur um 1, 3 Fuss von einander abweichen. Die respektiven Höhenzahlen sind näm- 
lich 2460,0, 2460,1 und 2461,3 Toisen. 



60 Karl Sonklar von Innstätten. 

Mittelziehungen mit der trigonometrischen vermengen oder sie gar üher 
diese stellen. 

Ein solches willkührliches und unkritisches Vermengen trigonometrisch 
und barometrisch gewonnener Höhenzahlen haben die Gebrüder Schlag- 
intweit bei der Höhenbestimmung des Monte Rosa, Seite 65 — 69 der 
„Neuen Untersuchungen" für zulässig erachtet. Ihre eigene Höhenberech- 
nung bezieht sich auf die Ablesung von nur zwei Barometerstanden, 
welche mit den korrespondirenden Barometerständen von Bern, Genf, dem 
St. Bernhard, Aosta, Mailand und Turin verglichen wurden, und zur Auf- 
findung von 12 Höhenwerthen führten, von denen der grösste und kleinste 
eine Differenz von 184 P. Fuss zeigen. Dieser grosse Unterschied kann 
niemand Wunder nehmen, wenn man bedenkt, dass die geradlinige Ent- 
fernung des Monte Rosagipfels von Aosta 6*/ lP vom gr. St. Bernhard 
8 1 /,, von Turin 13 1 /,, von Mailand 15%, von Genf 18*/« und von Bern 
19 2 / 3 geographische Meilen beträgt. Die meisten dieser Stationen sind für 
einen Vergleich der Barometerstände viel zu weit von dem Monte Rosa 
entfernt und stehen ausserdem, da sie theils auf der nördlichen, theils 
auf der südlichen Seite der centralen Alpen-Kette liegen, unter verschie- 
denen klimatischen Bedingungen. Die Vervielfältigung eines unrichtigen 
Verfahrens bringt jedoch offenbar das Ergebniss der Wahrheit nicht näher, 
und so war es auch hier unnütz, die Höhenrechnung unter dem gewiss 
nur schädlichen Einftuss so vieler weit entfernter Stationen zu stellen, 
da doch der Vergleich des Barometers mit Aosta und dem gr. St. Bern- 
hard einen ohne Zweifel verlässlicheren Höhenwerth zum Vorschein ge- 
bracht hätte. 

Nichts destoweniger stellen die Gebrüder Schlagintweit ihre auf diese 
Weise, und aus nur zwei Ablesungen des Barometers erhaltene Höhen- 
zahl für den höchsten Gipfel des Monte Rosa, denjenigen ebenbürtig 
zur Seite, welche sich aus trigonometrischen Messungen ergeben haben. 
Ja noch mehr, sie betrachten ihre Zahl als das wahre Mittel aus den 
vorhandenen trigonometrisch erhaltenen Werthen, und erklären sie dem- 
nach als allein richtiges Ergebniss. An trigonometrischen Höhenbestimmun- 
gen dieses Berggipfels sind aber nicht weniger als 13 vorhanden, deren 
Resultate aber freilich etwas weit von einander abweichen. Sie sind je- 
doch unter sich offenbar von sehr ungleichem Werthe, und wurden grös- 
tentheils aus Zenitdistanzen berechnet, welche im lombardischen Tieflande 
also aus grosser Entfernung und unter starker Lichtrefraktion gemessen 
wurden. Aus diesem Grunde können auch diejenigen absoluten Höhen des 
Monte Rosa, die aus den, auf den Observatorien zu Mailand und Turin, 
zu Novara, Vigevano, Madonna di Crea, Mondovi S. Colombano und auf 
der Superga bei Turin, beobachteten Zenitdistanzen abgeleitet worden 
sind, weder als gleichwerthig unter sich und noch weniger als gleich- 
wertig mit jenen betrachtet werden, welche von Weiden und Berchtold 
durch Winkelmessungen aus grosser Nähe erhalten wurden. Der damalige 
Oberst im k. k. Generalstabe Freiherr von Weiden machte seine Beob- 
achtungen auf dem Monte Camera, etwa anderthalb geographische Meilen 
östlich des Monte Rosa, mit der Verlässlichkeit eines gewandten Triangu- 
lators und gestützt auf die Kenntniss einiger, durch die grosse Triangu- 
lirung der Sesia in den Jahren 1803 — 6 genau bekannt gewordener 
Puncte. Canonikus Berthold von Sitten in Wallis aber operirte auf der 
nördlichen Seite des Gebirges. 



l'eber einige Höhenmcssungen der Gebrüder Schlagintweit. 



61 



Wenn wir es nun versuchen, die wahrscheinliche Höhe der höch- 
sten Spitze des Monte Rosa aus den vorhandenen trigonometrischen Er- 
gebnissen abzuleiten, so werden wir hiebei die von Oriani gefundenen 
drei Höhenzahlen aus dem Grunde nicht berücksichtigen, weil er bei 
ihrer Berechnung den Refraktionscoeffizienten = y 4 , also viel zu hoch 
annahm, und desshalb auch allzu grosse Zahlen erhalten musste. Die Ver- 
besserung seiner Rechnung aber ist unthunlich, weil die von ihm beobach- 
teten Zenitabstände unbekannt sind. Ich glaube nun nicht zu fehlen, wenn 
ich bei den übrigen 10 trigonometrischen Höhenbestimmungen den rela- 
tiven Werth jeder einzelnen, dadurch bestimme, dass ich die gefundenen 
Höhen zur relativen Entfernung der Puncte, auf welchen die Zenitdistan- 
zen beobachtet wurden, von dem Monte Rosa — in verkehrter Ord- 
nung proportional setze. Hiedurch wird bei der Mittelziehung aus der 
Summe der auf diese Weise erhaltenen Höhenwerthe, das einem nähe- 
ren Standpuncte entsprechende Resultat die ihm gebührende höhere Gel- 
tung erhalten. Die nachfolgende Tabelle zeigt Detail und Ergebniss dieser 
Rechnung. 



Nr. 


Beobachter 


Beoabchtungsstation 




Relative Entfer- 
nungen d. Beob- 
achtung-sstatio- 
nen v. Sit. Rosa 


Diese Entfer- 
nungen um- 
gekehrt 


Gefundene 
absolute Hö- 
hen des Mt. 
Rosa (höch- 
ster Gipfel) 


Relative 
Werthe die- 
ser Höhen- 
zahlen 


1 
2 

3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 


Freih. v. Weiden 


Monte Carnero 


1 


1,000 


2370t 


2370t 


Carliniu. Plana*) 


Observatorium zu Mai- 
land 


9 


0,111 


2374t 


263t, 8 


Neues Observatorium 
zu Turin 


8 


0,125 


2343t 


292% 


Kuppel der Superga 
bei Turin 


8 


0,125 


2357t 


294t, 6 


Thurm zu Mondovi 


13% 


0,074 


2319t 


*71t, 6 


Oberst 
Corabocuf 


Mad. di Crea 


6 


0,166 


2378», 7 


306t. 4 


Novara 


6 


0,166 


2376t, 7 


396t, i 


Vigevano 


8 
12 


0,125 


2383t, 9S 


298% 


S. Colombano 


0.083 


2383t, 95 


187t, 9 


Berchtold 


» » 


1 

i 


1,000 


2377t, 95 


2377t, 95 


Sn im 


ne . . 


2,957 | 


» » 


7049% 5 



Durch Mittelziehung ergibt sich somit die wahrscheinliche Höhe des 
höchsten Monte-Rosa-Gipfels mit 

2a69, 5 Toisen = 14217,«, P. Fuss 

Ich habe es nicht für nöthig erachtet, die von Weiden und Carlini 
erhaltenen Höhenzahlen, nach Delcros' Vorschlag um -f- 8 M. zu korri- 



*) Die Gebrüder Schlagintweit setzen das Mittel aus den Messungen von C arl ini 
und Plana mit 4619. 6 M. = 2370, 8 t an; dasselbe beträgt jedoch nur 4576, 3 M, = 2348, 8 t 



62 Karl Sonklar von Innstütten. 

giren, da es bekannt ist, dass bei der Verbindung der österreichischen 
Triangulirung mit der französischen durch die Schweiz, dann mit der 
gleichfalls von österreichischen Offizieren im Kirchenstaate und in Toskana 
ausgeführten sich in den vom adriatischen, mittelländischen und atlantischen 
Meere abgeleiteten Höhenmassen eine so kleine Differenz ergab, dass sie 
Bruchtheile eines Meters nicht überstieg. *) 

Zum Grossglockner zurückkehrend will ich nur noch erwähnen, dass 
bei der Triangulirung Tirols in den Jahren 1851 — 1852 seine absolute 
Höhe mit 12011, 3i W. Fuss aufgefunden worden ist; hält man dieser Zahl 
das Ergebniss der früheren Triangulirung mit 11991 j06 W. F. entgegen 
so ergibt sich ein Unterschied von 20, 28 W. F. und ein Mittel von 
12001,o W. F. Die von den Gebrüdern Schlagintweit barometrisch ge- 
fundene Höhe ist sonach um nicht weniger als 493 W. F. zu gross. 
Der Grossglockner ist daher nicht nur nicht der höchste, sondern 
sogar erst der dritte Gipfelpunct Oesterreichs und Deutschlands, denn 
es beträgt die Seehöhe 

1. des Ortles j™* d " »T ^^fSf lää' '{»litt. 12354, 9 WF. 

Inachder Triangulirung v. J. 1852 12358, ,) 

2. der Königs-jnaeh der älteren Triangulirung 12198, 38 ] 

wand oderdes nach der Triangulirung vom Mitt. 12189, 8 WF. 

M. Zebrü /Jahre 1852 1218i, 17 ] 

3. des Grossglockners, siehe oben 12001« WF, 

Eine andere absonderliche Höhenbestimmuug ist durch die Gebrüder 
Schlagintweit an dem östlichen Gipfel der Wild spitze im Oetzthale 
im September 1847 ausgeführt worden. Sie bedienten sich hiezu nicht 
einmal eines Barometers, sondern des Hypsometers, und beobachteten ver- 
mittelst desselben den Siedepunct des Wassers nicht auf dem erwähnten 
Gipfel selbst, sondern an einem windstillen, um etliche Hundert Fuss tie- 
fer liegenden Orte, wobei sie sofort den horizontalen Abstand und die 
relative Höhe des eigentlichen Gipfels über ihrem Standpuncte mit Hilfe 
des Porrhometers trigonometrisch ausmittelten.**) 

Nun, wer immer mit physikalischen Dingen nur etwas inniger ver- 
traut ist, der kennt auch gewiss die theoretische Trefflichkeit und prak- 
tische Unverlässigkeit des Hypsometers. Diess ist die Ursache, welche die 
häufigere Anwendung dieses sonst leicht handlichen, compendiösen und 
gut transportablen Instrumentes bisher verhindert hat. Man weiss, welche 
unüberwindlichen Schwierigkeiten die correkte und zweifelfreie Ausmitt- 
lung des Siedepunctes für den normalen Barometerstand darbietet, wel- 
chen beträchtlichen und jedem Kalkül sich entziehenden Kapazitätsverände- 
rungen das Thermometergefäss unterworfen ist, wie leicht sich desshalb 
von einem Tag zum anderen der Siedepunct bei demselben Luftdruck 
verschiebt, und wie es desshalb unmöglich ist, eine Kongruenz des fak- 
tischen Siedepunctes, mit demjenigen, den bei einem bestimmten Barome- 
terstande die Bechnung ergibt zu erzielen. Dass dadurch die richtige 
Auffindung des Luftdruckes aus dem beobachteten Siedepuncte des Was- 



*) Siehe den „Bericht über die in den Jahren 1847 — 18ol ausgeführte Verbin- 
dung der österreichischen und russischen Landesvermessung-' von Karl von Littrow, im 
o. Bande der Denkschriften, math. naturw. Klasse, der k. k. Akademie der Wissenschaften. 

**) Siehe „Untersuchungen über die physikalische Geographie und Geologie der 
östlichen Alpen" S. 187. 



l'eber einige Höhenmessungen der Gebrüder Schlagintweit. 63 

sers höchst problematisch sein muss, versteht sich wohl von selbst. Und 
dennoch berufen sich die Gebrüder £chlagintweit, um ihre Verwendung 
des Hypsometers zu rechtfertigen, auf die Autorität des englischen Phy- 
sikers Chri stie,*) Hören wir jedoch welches Urtheil dieser über das Hyp- 
someter fällt. Chri stie unternahm eigens eine Reise in die Alpen, u. z. 
in die Umgebungen des Montblanc, um die Anwendbarkeit des erwähnten 
Instrumentes zu erproben. Vorher aber trug er Sorge, die Richtigkeit des 
Siedepunctes seines Instrumentes in Genf nach einem Normalbarometer zu 
prüfen, wodurch er die Correction gewann, die die Angaben des Hypso- 
meters zu jener Zeit erheischten. Er mass nun eine Anzahl Höhen, und 
fand manche um 400 — 500 Fuss höher als sie andere auf anderem Wege 
gefunden hatten. Bei seiner Heimkehr untersuchte er abermals den Siede- 
punkt seines Instrumentes, und war nun erstaunt, als sich jetzt die Cor- 
rection ganz anders herausstellte als zu Genf vor dem Antritte seiner 
Reise, ohne dass er sich jedoch eine genaue Rechenschaft über die Ur- 
sache dieser Veränderung zu geben wusste. Alle diese Umstände nöthig- 
ten Christi e endlich zu folgendem Ausspruche über das Hypsometer: 
„Since however perfect it may be theoretically, when stationary, it can 
never be of practica!, benefit, unless it be of such a construction as to 
bear the concussions and shaking, it must be necessarily exposed to, 
when conveyed in the manner in which it can alone arrive at the 
point , where its agency is reqnired." **) Wie kommt es nun, dass die 
Gebrüder Schlagi ntweit die Anwendung des Hypsometers auf diesen Auf- 
satz von Christie stützen, der vollkommen geeignet ist, von dem Gebrauche 
jenes Instrumentes abzuschrecken? 

Sei dem jedoch wie ihm wolle; die Gebrüder Schlagi ntweit massen 
mittelst des Hypsometers die Höhe ihres Standortes auf dem Abhänge des 
östlichen Gipfels der Wildspitze zu 11057,! P. F. — Wie aber waren 
sie sofort im Stande die Ueberhöhung des Gipfels um 432 Fuss mit Hilfe des 
Porrhometers trigonometrisch auszumitteln. Das Porrhometer ist ein 
kleines, in seiner Leistungsfähigkeit sehr beschränktes Winkelmass-Instru- 
mentchen , das nicht einmal genau nivellirt werden kann, und das, wenn 
es viel leistet, etwa noch '/ l0 Grade angibt. Wird nun auch angenommen, 
dass es möglich war, den Vertikahvinkel zum Gipfel bis auf 1 Minute 
genau anzugeben, wie aber fanden die Messenden den horizontalen Abstand 
des Gipfelpunctes, ohne dessen Kenntniss die Höhenrechnung trigonome- 
trisch gar nicht geführt werden kann? 

Welchen Zweck hat es wohl mit Höhenbestimmungen, die auf die 
eben beschriebene Weise erlangt werden? 

Ohne Zweifel war es dasselbe oder ein an Verlässlichkeit ähnliches 
Verfahren, durch welches die Gebrüder Schlagintweit theils auf der Vin- 
centpyramide theils auf den Firnmeeren des Gorner- und des Lysglet- 
schers, einige Winkel massen, und sich dadurch berechtigt glaubten, die 
von Weiden, mit der Gediegenheit und Schärfe der trigonometrischen 
Methode, für die verschiedenen Gipfel des Monte Rosa-Stockes aufgefun- 
denen Höhenzahlen zu corrigiren. So lesen wir z. B. Seite 73 der 
„Neuen Untersuchungen" in dem mit „4. Signalkuppe" überschriebenen 



*) „Untersuchungen etc." S. 38ö. 

**) J. Christie: v On the use of the barometric thermometer for the determination 
of relative heights" in den Philosophical Transactions, 1846, II, S. 132. 



64 Karl Sonklar von Innstätten. 

Absätze: „v. Weiden gibt als Resultat seiner trigonometrischen Bestim- 
mungen 2336.J T. = 14016': allein er hebt zugleich (S. 37) den ge- 
ringen Höhenunterschied hervor, welcher zwischen der Zumsteinspitze und 
der Signalkuppe besteht. Er fand ihn nur 1, 75 Toisen. Einige Winkel, 
die wir bestimmten, zeigten uns, dass diese Differenz wohl etwas grösser 
angenommen werden müsste, nämlich zu 6, 5 M. oder 20 Fuss etc." Ange- 
sichts der verhältnissmässigen Schärfe der trigonometrischen Höhenbestimmung 
wäre es wohl am Platze gewesen, die Correction der Welden'schen Höhen- 
zahl etwas strenger zu motiviren, wenn sie — die Correction nämlich — 
als wirklich statthaft erachtet werden soll. Im übrigen findet sich bei der 
Besprechung der Höhen der 9 Gipfel des Monte Rosa in dem genannten 
Werke mehrfach eine Mittelziehung aus trigonometrischen Ergebnissen mit 
anderen, die theils mit dem Barometer, theils auf noch weniger verlässliche 
Weise erzielt wurden. 

Zum Schlüsse will ich nebenher nur noch der von den Gebrüdern 
Schlagint weit um circa 1000' zu tief gefundenen Ausgangshöhe des Roth- 
moosgletschers im Gurglerthale *) der aus einer einzigen Bestimmung ab- 
geleiteten mittleren Höhe der unteren Schneegrenze für die westtirolischen 
Centralalpen per 8300 Fuss**), und endlich der ganz willkührlichen Annahme der 
Ausgangshöhe des Langtauferer-, Petzthaler(?)- und Gepaatschgletschers ***) 
Erwähnung thun. 



*) „Untersuchungen" S. 188. 

**) Ibidem. S. 187 und Tabelle S. 498 und Neue Untersuchungen S. 306. — Dies 
lehrt nicht bloss die wirkliche Messung, sondern auch der Augenschein. 
***) Neue Untersuchungen etc. S. 504. 



VII. 

Die geographische Breite von Innsbruck. 

Von 
Eduard Pechmann, 

Major im k. k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Mitgetheilt in der Versammlung der k. k. geographischen Gesellschaft am 1. Februar 1859. 

Bekanntlich wird bei einer geodätischen Vermessung zur Orientirung 
des trigonometrischen Netzes auch die geographische Breite und das Azimuth 
auf einer Station astronomisch bestimmt, und durch Rechnung mittelst 
sehr genauer Formeln auf die anderen Puncte übertragen. 

Bei einer grossen Ausdehnung des trigonometrischen Netzes werden 
diese astronomischen Beobachtungen gewöhnlich an mehreren Puncten eini- 
ger Meridiane und Parallele gemacht, um ihre Uebereinstimmung mit den 
durch die Rechnung auf geodätischem Wege erhaltenen Resultaten zu 
prüfen. 

So wie nun eine Uebereinstimmung dieser auf zweifachem Wege 
erlangten Resultate in den allgemein geduldeten engen Fehlergrenzen auf 
die Güte und Gelungenheit beider, nämlich der astronomischen und terres- 
trischen Operationen schliessen lässt; ebenso gut muss eine Abweichung 
in den beiden Resultaten zur Erkenntniss führen, dass bei einer oder 
der andern dieser Operationen Fehler oder Störungen zu Grunde liegen, 
welche diese Abweichung verursachen, und man wird durch die Anwen- 
dung der geeigneten Prüfungsmittel bald zur richtigen Beurtheilung kom- 
men, worin diese Fehler oder Störungen bestehen. 

Im Allgemeinen zeigte sich bei den bisher bekannten Vermessungen 
der verschiedenen Länder in den meisten Fällen eine erfreuliche Ueber- 
einstimmung in diesen Resultaten; jedoch gibt es auch Unterschiede, unter 
denen sogar bedeutende aufgezählt werden können. 

Wir wollen hier einige nennen. So ist z. B. die Breite des Obser- 
vatoriums von Calton Hill in Schottland durch astronomische Beobachtungen 
bestimmt 55.° 57.' 23, "20, hingegen von den bestbestimmten Puncten 
Grossbrittaniens auf geodätischem Wege abgeleitet nur 55.° 57.' 17,"57, 
daher erstere um 5, "63 zu gross. In Indien ergaben die astronomischen 
Beobachtungen zwischen den äussersten Stationen des nördlichen Bogen- 
theiles, südlich vom Himalaya-Gebirge, nämlich zwischen Kalianpur und 
Kaliana einen Bogen von 5.° 23.' 37,"058; dagegen die Triangulirung 
o.o 23.' 42,"294, daher um 5,"236 mehr als die erstere. 

So besteht der Unterschied zwischen der beobachteten und berech- 
neten Breite zwischen Born und Bologna in 6, "84; zwischen Rom und 
Florenz in 14, "04; zwischen Venedig und Florenz in 20, "22 Sekun- 
den u. s. w. 

Natürlich fehlt es dann auch in der Uebereinstimmung der Azimuthe 
und zwar immer noch bedeutender, weil die vielen zwischen solchen Ver- 
gleichsstationen gemessenen Winkel in der Summe ihrer wenn noch so 
geringen Fehler im geodätischen Resultate weit mehr auf das Azimuth, 
als auf die berechnete Breite einfliessen. 

Mittheilungen der k. k. geogr. Gesellschaft. III. Bd. II. Heft. e 



66 Eduard Pechmann. 

Bei der grossen Verlässlichkeit, womit die meisten der neueren 
geodätischen Vermessungen ausgeführt sind und ihre Controllen in der 
Uebereinstimmung zwischen den gemessenen Basen erhalten, sind die Stö- 
rungen, welche diese Abweichungen in den Resultaten verursachen, nur 
in den astronomischen Beobachtungsstationen vorhanden, und in einer von 
Gebirgsmassen, oder überhaupt von Unregelmässigkeiten in der Gestalt 
und Dichtigkeit der Erdoberfläche verursachten Lokal-Attraction, oder An- 
ziehung begründet, die eine Abweichung der Lothlinie, daher unrichtige 
oder von der Attraction beeinflusste Beobachtungsresultate kundgeben. 

Die erste Constatirung der Anziehung von Gebirgsmassen bei astro- 
nomischen Beobachtungen machte Dr. Maskelyne im Jahre 1774 bei 
dem Berge Schehallien in Schottland; wenigstens war sie bis dahin die 
einzige mit Erfolg ausgeführte. Er beobachtete mit einem Sector die 
Zenithdistanzen einer bedeutenden Anzahl Sterne am Fusse des Berges, 
und zwar im Süd und Nord desselben, und fand daraus den astronomi- 
schen Meridianbogen zwischen seiner südlichen und nördlichen Beobach- 
tungsstation mit 54,60 Sekunden. Auf geodätischem Wege wurden für 
denselben Bogen nur 42,94 Sekunden gefunden. Es betrug also die 
Summe der beiden Attractionen des Berges im entgegengesetzten Sinne 
11, "66, daher der Einfluss auf die Lothlinie des Sectors 5,83 Sekunden, 
wenn die Wirkung beiderseits eine gleiche war. 

Baron Zach") constatirt die Abweichung der astronomischen und 
geodätischen Beobachtungen bei Marseille auf folgende Art: Er benützte 
die trigonometrische Messung zur Berechnung des Meridianbogens zwi- 
schen Tour de l'Isle de Planier und Clocher de X. D. des Anges nord- 
östlich von Marseille, und fand den durch astronomische Breitenbestim- 
mung auf beiden Puncten, erhaltenen Bogen um 2 Sekunden kleiner. Cm 
nun zu beweisen, dass diess vom Einflüsse des nördlich N. D. des Anges 
gelegenen Berges Mimet herrühre, beobachtete er astronomisch die Breite 
an 3 Puncten, nämlich auf dem Observatorium zu Marseille, dann östlich 
von Marseille auf den Puncten S. Peyre und ä la Capelette, übertrug 
die auf Tour de Planier gemessene Breite durch den Breitenunterschied 
auf diese 3 Puncto, und fand überall nahezu dasselbe Besultat. das er 
auf astronomischem Wege erhalten hatte, schloss also daraus, dass kei- 
ner dieser 4 Puncte einer Anziehung unterworfen war. Dann übertrug 
er die astronomisch bestimmte Breite von N. D. des Anges auf diese 
Puncte, und fand durchgehends nahe 2 Sekunden Unterschied, mithin er 
diese Abweichung bloss dem Einflüsse des Berges Mimet nördlich von 
N. D. des Anges zuschreiben musste. 

Für die früher angegebene Abweichung in Indien suchte Herr 
J. H. Pratt die Anziehung der Gebirgsmasse des Himalaya durch ein 
eigenes neues Verfahren zu berechnen,**) welches näher anzugeben, hier 
viel zu weit führen würde; jedoch erhält er nach seiner Berechnung 
einen bedeutend grösseren Unterschied, als den zwischen den astronomi- 
schen und trigonometrischen Operationen abgeleiteten. Er bespricht daher 
auch die verschiedenen Hypothesen, mit deren Hilfe man sie reduziren 
könnte, nämlich Höhen, Dichtigkeit, u. s. w., gelaugt aber zu dem Schlüsse 



*) Siehe dessen Werk „L'attraction des montagnes" etc. 2 Bände. Paris 1814. 
**) Siehe „U Institut anne'e 23* Nr. 117. Sitzung der königl. Akademie der Wis- 
senschaften in London im Deeember 1854. 



Die geographisch« Breite von Innsbruck. 07 

dass er dadurch die berechnete Abweichung durchaus nicht auf das Re- 
sultat zurückführen könne, welches durch den Vergleich der astronomi- 
schen und geodätischen Operationen erzielt wurde. 

Es kann dies zugleich als Beweis dienen, wie schwierig derlei Be- 
rechnungen bei ausgedehnten zusammengesetzten Gebirgsmassen mit eini- 
ger Wahrscheinlichkeit durchzuführen sind, und der hier eingetretene Fall, 
dass die berechnete Attraction grösser, als die wirklich erwiesene ist, 
kommt bei ähnlichen Berechnungen fast allgemein vor, so dass man sich 
zur Annahme neigt, die Erdkruste habe in Folge der Schwere der Ge- 
birgsmasse auf ihrer Überfläche, innerhalb an solchen Stellen Einbüge 
oder Senkungen in das heissflüssige Innere, welche dadurch die Attrac- 
tion der Masse auf ihrer Oberfläche vermindern, und kleiner als die be- 
rechnete ergeben, wo diese Einwirkung bisher wenigstens nicht berück- 
sichtiget wurde. 

Unter allen bis nun bekannten Attractions-Berechnungen sind die 
vom Hügel Arthurs-Seat in Schottland^) für die nördlich, südlich und 
auf dem Gipfel desselben vorgenommenen astronomischen Beobachtungen 
die gelungensten, wozu auch der weitere Versuch zur Erklärung der all- 
gemein beobachteten Abweichung von nahe . f > Sekunden, wegen Mangel 
an Materie nördlich, und ihrer Anhäufung im Süden von Edinburg, gehört. 

Immer werden sich aber derlei Abweichungen nur bei einzeln ste- 
henden Bergen mit hinlänglicher Genauigkeit berechnen lassen, während 
diese Berechnung um so schwieriger und unsicherer wird, je ausgebrei- 
teter und verschiedenartiger die Gebirgsmassen sind, wobei die Höhe, 
Dichtigkeit u. s. w. dieser zusammenhängenden Massen einen so grossen 
aber ebenso schwer zu ermittelnden Einfluss auf das zu berechnende Re- 
sultat der Anziehung in ihrer Gesammtwirkung nehmen. 

Das bisher Erwähnte gleichsam als Einleitung betrachtend, überge- 
hen wir nun zu dem eigentlichen Gegenstande dieser Besprechung, näm- 
lich zur Bestimmung der geographischen Breite von Innsbruck. 

Bei der neuen trigonometrischen Vermessung Tirols im Jahre 18UI 
wurde der Punct Lanserkopf, südlich von Innsbruck zur astronomischen 
ßeobachtungsstation gewählt, und die daselbst mit aller Sorgfalt und 
Schärfe mit verschiedenen Instrumenten bestimmte Breite ergab auf die 
Kuppel der Jesuitenkirche zu Innsbruck mittelst des berechneten Breiten- 
nnterschiedes übertragen für letztere 47.° 16.' 20, "85. 

Baron Zach macht in den astronomischen Nachrichten**) die brief- 
lich erhaltene Mittheilung des Herrn Generalen Fallon bekannt, wornach 
die Beobachtungen des Peter Zellinger mit einem Zenith-Sector, für 
die Breite der Jesuitenkuppel 47.° IG.' 12, '60, und Fallon's eigene 
Beobachtungen vom Jahre 1805 auf die Jesuitenkuppel reducirt 47.° 16.' 
7,"77 ergeben; so dass also Fallon im Mittel 47.° 16.' 10,"20 für 
die Breite angenommen hat. Nach der älteren trigonometrischen Vermes- 
sung Tirols wurde die Breite der Jesuitenkuppel mit 47.° 16.' 11, "Ol 
von Wien abgeleitet. 

Bei der Vergleichung der österreichisch-bayerischen Verbindungsresul- 
tate an der Nordgrenze Tirols, zeigte sich in der einerseits vom Lanser- 



*) Siehe „Philosophieal Transactions of (he Society of London." Für das Jahr 
1856, 2. Theil, Seite 140. 
**) Band 5, pag. 39. 



gg Eduard Pechmann. 

köpfe und anderseits von München abgeleiteten Breite dei gemeinschaft- 
lichen Verbindungspuncte durchschnittlich ein Unterschied von 14,"25 Se- 
kunden, um welche alle österreichischen Breiten grösser waren, woraus 
folgt, dass die früher erwähnte Breite der Jesuitenkuppe] zu Innsbruck 
nach der Ableitung derselben von München bloss 47.° 16.' 6, "60 betra- 
gen würde. 

Berechnete • man endlich diese Breite durch Hilfe der österreichisch- 
schweizerischen Verbindungsdreiecke vom Jahre 1852 in Vorarlberg mit 
der für Bern im Einklänge mit den französischen Dreiecken angenomme- 
nen Breite*) , so erhielt man für die Jesuitenkuppe] zu Innsbruck 
47.° 16.' 8,"50. 

Die auf dem Lanserkopfe gemessene Breite war also offenbar zu 
gross, und konnte nur dem Einflüsse der näheren südlichen Gebirgsmas- 
sen auf die Abweichung der Lothlinie an dieser Beobachtungsstation zu- 
geschrieben werden. 

Auf den Antrag des Herrn Obersten Marieni fand sich daher die 
Direction des militärisch-geographischen Institutes bewogen, eine neue Brei- 
tenbestimmung in der Ebene von Innsbruck zur Constatirung dieser That- 
sache hohen Ortes zu erwirken., mit deren Ausführung ich im Sommer 
1857 beauftragt wurde. 

Ich wählte zur astronomischen Beobachtungsstation einen Punct öst- 
lich von Innsbruck und dem Dorfe Pradl, fast mitten in der ziemlich si- 
metrisch vom Gebirgsrande umgrenzten Thalebene, und in nahezu gleicher 
Breite mit der Jesuitenkuppel in Innsbruck. 

Im Umkreise von ungefähr 6000 Wiener Klafter liegen südlich der 
Lanserkopf mit 490, der Glungezer mit 1411, der Patscherkofel mit 1184 
und der Säuleberg mit 1267 Klafter Höhe über dem Meere; dann nörd- 
lich der Solstein mit 1339, das Rumerjoch mit 1190, der Zunderkopf 
mit 1031 und der Gleiersch mit 1312 Klafter, während die absolute 
Höhe des Punctes bei Pradl 303 Klafter beträgt. Im Meridian dieses 
Punctes bei Pradl gerechnet, ist die Entfernung des nächsten Hochgebirgs- 
rückens südlich ungefähr 3600, und nördlich 2000 Klafter, und die Thal- 
ebene hat in dieser Richtung eine Ausdehnung von ungefähr 1460 Klaf- 
ter, wovon 790 südlich und 670 nördlich, die gewählte Beobachtungssta- 
tion vom Gebirgsrande trennen. 

Die Beobachtungen wurden mit denselben Instrumenten und nach 
denselben Methoden gemacht, wie auf dem Lanserkopfe im Jahre 1851, 
auch wurden fast alle dieselben Sterne benützt, und die beobachtete 
Breite mit dem geodätischen Breitenunterschiede auf die Jesuitenkuppel 
von Innsbruck übertragen, ergab für diese 47.° 16.' 10, "95 also um 
9,90 Sekunden weniger, als die im Jahre 1851 vom Lanserkopfe dahin 
reducirte, und es war dadurch offenbar der Einfluss der Attraction auf 
dem Lanserkopfe constatirt. 

Um aber noch mit weit grösserer Sicherheit zu erfahren, welchen Ein- 
fluss die einmal erkannte Attraction ausübe, wenn man sich von der fast 
mitten im Thale gewählten Station Pradl dem Gebirge zu beiden Seiten 
nähert, so wurde im Meridian von Pradl nördlich auf 530 und südlich 
auf 625 Klafter Entfernung je ein Beobachtungsstand errichtet. Diese 



*) Siehe Eschraann ..Ergebnisse der trigonometrischen Vermessungen in der 

Schweiz," pag. 205. 



Die geographische Breite von Innsbruck. <>9 

Stande waren mit dein trigonometrischen Netze verbunden, und es wur- 
den auf beiden direkte astronomische Beobachtungen für die Breite der- 
selben vorgenommen. 

Das hiezu benutzte Instrument war ein vorzüglicher Multiplications- 
kreis Beichenbach's von 16 Zoll Durchmesser, mit dem auch auf der 
Station Pradl gemessen wurde, und die hier in Vergleich gezogenen Be- 
sultate der 3 Stationen basiren nur auf den mit diesem Instrumente 
und nach demselben Systeme gemachten Beobachtungen des Polarsternes 
und anderer ebenso weit südlich vom Zenith entfernter Sterne, und zwar: 

Stand Beobachtungen Breite Mittlere Fehler 

N. Nördlicher . . . , 170 . . . . 47.« 16.' 35,"99 . . . . ± 0,"16 

P. Pradl 320 ... . 47.° 16.' 9,"24 ..... + 0,"10 

S. Südlicher 180 .... 47.° 15.' 36,"60 .-.-.. + 0,"03 

Daraus folgen die astronomischen Breitenunterschiede: 

N— P = 26,"75; P— S = 32,"64; N— S = 59,"39. 

Die berechneten geodätischen Breitenunterschiede aber geben: 
N— P = 32, '55; P—S = 38, "41; N— S = 70,"96. 

Werden also die geodätischen Breitenunterschiede mit den astrono- 
mischen verglichen, so zeigen sich nachstehende Abweichungen der Loth- 
linie in Bezug auf Pradl, und zwar: auf dem nördlichen Stande 5, "80 
nach Nord auf 530 Klafter; auf dem südlichen Stande 5,"77 nach Süd 
auf 625 Klafter, und in Summa 11, "57 nach Nord und Süd oder zwi- 
schen dem nördlichen und südlichen Standpuncte auf 1155 Klafter Ent- 
fernung. 

Es ist dies eine überraschend merkwürdige Erscheinung bei so 
kurzen Entfernungen, welche mehr als zur Genüge darthut, wie schwierig 
es sei, bei solchen Terrainverhältnissen eine sichere astronomische Brei- 
tenbestimmung vorzunehmen. 

Nehmen wir hier noch das Eine im Jahre 1851 mit demselben In- 
strumente auf dem Lanserkopfe gewonnene Resultat in Betrachtung mit 
47.° 14.' 56,"90; so zeigen die geodätischen und astronomischen Un- 
terschiede auf dem Lanserkopfe in Bezug auf Pradl eine Abweichung der 
Lothlinie von 9,58 Sekunden nach Süd auf 1333 Klafter Entfernung, daher 
zwischen dem südlichen Standpuncte in der Thalebene und dem Lanser- 
kopfe bloss 3,"81 auf 708 Klafter Entfernung. Da aber durch diese 
Vorrückung des Standes gegen Süden bis auf den Lanserkopf, der ver- 
minderte Attractions-Eintluss der nördlichen Gebirgsmassen durch das um 
543 Klafter in dieser Nordrichtung zurückbleibende Lanserkopf-Gebirge 
selbst, nicht nur ausgeglichen, sondern übertroffen werden muss, so ist 
diese geringere Abweichung zwischen dem südlichen Stande im Thale und 
dem Lanserkopfe leicht erklärlich. 

Um aber auf die Attractionsresultate im Thale zurückzukommen, so 
kennen wir zwar die Abweichungen der Lothlinie auf dem Nord- und 
Südstande in Bezug auf Pradl, aber nicht ihren absoluten Werth. Nennen 
wir diesen nördlich x und südlich y, so wären nach den Beobachtungen 
auf der Nordstation mit Zuzählung des geodätischen Breitenunterschiedes 
die Breite von Pradl 47.° 16.' 3,"44 -f x und nach den Beobachtungen 

auf der Südstation 47.» 16.' 15,"10 — y, oder im Mittel 47.« 16.' 9,"23+ ^~ 

das heisst: die Breite von Pradl wäre nur dann 47.° 16.' 9,"23, 



70 Eduard Pechmann. 

wenn die beiden Attractionen x und y auf den Aussenstationen, von welchen 
die Breite auf Pradl übertragen wurde, wirklich einander gleich sind, und 
sich dadurch heben. 

Unsere directe Messung ergab zwar genau für Pradl als Resultat 
47.° 16.' 9,' '24; allein wir dürfen desshalb nicht zurückschliessen, dass die 
beiden Attractionen x und y einander gleich waren; sondern können aus den 
zu beiden Seiten und in Bezug Pradl's constatirten entgegengesetzten Abwei- 
chungen nur den sicheren Schluss ziehen, dass die Attraction an irgend 
einem Puncte zwischen dem nördlichen und südlichen Stande Null werden 
müsse, und dass dieser Punct, wenn die ermittelten entgegengesetzten Attrac- 
tionen in Summa 11,57 Sekunden, von beiden Ständen gegen Pradl hin, 
nach irgend einem aber jedenfalls zu ihrer Entfernung im Verhältnisse ste- 
henden Local-Gesetze abnehmen, nicht weit von Pradl fallen dürfte. 

Eine Untertheilung dieser Strecke mit noch einigen Ständen, auf wel- 
chen gleichfalls astronomische Beobachtungen gemacht worden wären, hätte 
uns hierüber natürlich weit mehr aufgeklärt, und den Nullpunct für die At- 
traction in weit engeren Grenzen zu bestimmen möglich gemacht; allein hiezu 
mangelte es leider an Zeit, da die Witterungsverhältnisse dieses Sommers 
äusserst ungünstig waren. 

Wir haben bereits angedeutet, dass die Attractionsberechnungen bei 
ausgedehnten zusammenhängenden Gebirgsmassen immer nur Resultate liefern, 
deren Uebereinstimmung mit den aus directen Messungen hervorgehenden, 
noch bei Weitem nicht in den erforderlichen Grenzen stattfindet, und so 
würde uns auch in diesem Falle, wo es zudem äusserst schwierig, ja fast 
unmöglich ist, die Ausdehnung der anziehenden Massen im Norden und Sü 
den mit einiger Wahrscheinlichkeit zu bestimmen), eine Attractionsberechnung 
für die verschiedenen Stände im Thale keine Bürgschaft für das Bestehen 
oder Nichtbestehen irgend eines Attractions Einflusses bei der beobachteten 
Breite von Pradl leisten. 

Vergleicht man aber die von Pradl abgeleitete Breite der Jesuitenkuppel 
zu Innsbruck 47.° 16.' 10,^95 mit der vom Herrn Generalen Fallon fest- 
gestellten 47.° 16.' 10, "20 und mit der aus der älteren trigonometrischen 
Vermessung Tirols hergeleiteten mit 47." 16.' 11, "Ol; so stimmt sie mit 
diesen Resultaten sehr nahe zusammen. — Nimmt man hingegen die von 
München und von Bern abgeleiteten Resultate von 47.° 16.' 6, "60 und 
47.° 16.' 8,"50, so weicht sie von ersterer noch um 4,"35 und von letz- 
terer um 2, "45 ab, oder sie ist um so viel grösser. 

Ist einmal die neue trigonometrische Vermessung zwischen der neu 
gemessenen Basis von Wiener Neustadt und jener bei Innsbruck definitiv be- 
rechnet, und andererseits der ebenfalls demnächst zu erwartende Vergleich der 
zur Basismessung am Ticino verwendeten Toise mit der Wiener Klafter her- 
gestellt, wodurch auch die definitive Verbindung der neuen Vermessung Ti- 
rols mit jener des loinbardisch-venetianischen Königreiches geordnet werden 
kann ; so ergeben sich durch die Uebertragung des Breitenunterschiedes von 
Wien und Padua für Innsbruck wieder zwei Werthe, welche uns dann ver- 
eint mit den übrigen beurtheilen lassen, ob das letzterhaltene astronomische 
Resultat noch irgend einem Einflüsse der Attraction unterworfen war. Natür- 
lich aber ist diese Beurtheilung immer Mieder von den mehr oder weniger 
fehlerfreien Resultaten bezüglich der Attraction auf den Ausgangspuncten 
selbst abhängig, und es würde sich zur Erzielung einiger Sicherheit darum 
handeln, diese Ausgangspuncte wieder einer näheren Prüfung zu unterziehen. 



Die geographische Breite von Innsbruck- 71 

Uebrigens dürfte es in dieser Hinsieht von grossem Interesse sein, an 
irgend einem zweckentsprechend gelegenen Puncte der Monarchie (etwa in 
der Ebene Ungarns) und in dessen Meridiane und Parallele so viele astrono- 
mische Beobachtungsstationen zu beiden Seiten dieser Linien zu machen, bis 
sich bei der Näherung an das Gebirge irgend ein Attractions-Einfluss äussert, 
um durch die Uebertragung aller von der Attraction noch nicht beeinflussten 
Breiten- und Azimuthresultate desselben Beobachters, Instrumentes und der- 
selben benützten Sterne, auf den Mittelpunct oder die Ilauptstation, bei dem 
Zusammentrerten aller Besultate in äusserst engen Grenzen, gleichsam einen 
Fundamentalpunct für alle auf geodätischem Wege abzuleitenden Breiten fest- 
zustellen, und sich desselben bei Vergleichen mit astronomischen Beobach- 
tungen an andern Puncten mit Sicherheit bedienen zu können. 



VIII. 

Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 

\ (Hl 

Franz Ritter von Hauer , 

k k. Bergrath. 

Im Auftrage der k. k. geologischen Beichsaustalt hatte ich im Sommer 
des verflossenen Jahres die geologische Uebersichtsaufnahme im nordöstlichen 
Ungarn zu leiten. Meine Beiseu, bei welchen ich mich der steten Begleitung 
des k. k. Bergratb.es Herrn Otto Freiherrn von Hingenau zu erfreuen 
hatte, führten mich von Pest über Miskolcz nach Kaschau, dann in den ver- 
schiedensten Bichtungen durch die Comitate Saros, Zemplin, Unghvar, Be- 
regh-Ugocsa, und Marmaros und von Szigeth über Debreczin wieder zurück. 

Die geringe Anzahl von Höhenmessungen, welche aus allen von uns 
durchstreiften Gegenden bisher vorliegen, machte es wünschenswerth, mög- 
lichst viele neue Höhenbestimmungen vorzunehmen. Sehr willkommen war 
mir daher der freundliche Antrag des Prälaten in Olmütz Herrn E. Bitter 
v. Unkhrechtsberg mir das von ihm selbst auf seiner Sternwarte so wie bei einer 
Beise auf den Schneeberg in Nieder-Oesterreich mit grosser Umsicht geprüfte 
Bourdon'sche Metallbarometer (A 3 ) für die Dauer meiner Beise zu leihen.*) 
Dieses Instrument, von dessen Empfindlichkeit und Genauigkeit ich nun 
selbst vielfältig mich zu überzeugen Gelegenheit fand, zeigte nach den 
neuen sorgfältigen Untersuchungen, die Herr Dr. Julius Schmidt mit 
demselben vornahm, vor und nach der ungarischen Beise keine wesent- 
liche Aenderung; derselbe entwarf aber für dasselbe nach zahlreichen verglei- 
chenden Ablesungen im Zimmer sowohl als bei einer zweiten Beise auf 
den Schneeberg, die er im October 1858 in Gesellschaft des Herrn 
G. Tschermak ausführte, die dieser Abhandlung angeschlossene neue 
Correctionstabelle, nach welcher meine Ablesungen corrigirt wurden, um 



*) Vergleiche J. F. Julius Schmidt, Untersuchungen über die Leistungen der 
Bourdon*schen Metallbaromeler, Wien u. Olmütz 18a8. p. 20. 



72 I |i,||Z Ritter ron Hauer. 

sie auf wahre Barometerstände zu reduziren. Zur Correctiou wegen der 
Wärme wurde die schon in dem oben citirten Werke mitgetheilte Ta- 
belle benutzt, die ich ebenfalls am Schlüsse beigefügt habe. 

Herr Dr. J. Schmidt hatte sich freundlichst angeboten, die Be- 
rechnung meiner sämmtlichen Aufzeichnungen vorzunehmen, und führte 
dieselbe auch, ungeachtet seiner inzwischen erfolgten Berufung zum l)i- 
rector der k. Sternwarte zu Athen, so weit durch, dass er für jede 
einzelne meiner Ablesungen die Differenz gegen einen oder den andern 
Fixpunct bestimmte und es nur mir überliess, die wirkliche Seehöhe die- 
ser Fixpuncte mit Zuhilfenahme aller Anhaltspuncte, die sich auffinden 
Hessen, zu bestimmen. 

Um solche Fixpuncte zu gewinnen, hatte ich auch ein Kap e 11 er'sches 
Quecksilber-Barometer mitgenommen, und gewiss sind alle während der 
Zeit, als dieses Instrument noch im guten Stande war, vorgenommenen 
Messungen weit genauer. Leider wurde es am 6. Juli auf der furchtbar 
schlechten Strasse vor Homonna gebrochen, und die späteren Ablesungen 
mussten meisst direct auf solche der weit entfernten meteorologischen 
Stationen berechnet werden. 

Herr Dr. Schmidt hatte zur Vergleichung nur die Beobachtungen 
der meteorologischen Station in Kaschau für die Monate Juni, Juli und 
August, die ich von dem Beobachter, Herrn Dr. Widermann selbst er- 
halten hatte, nach Athen mitgenommen ; Später erhielt ich durch die Güte 
des Directors der k. k. meteorologischen Central-Anstalt Herr K. Kr eil 
auch die Beobachtungen der Stationen Ofen (Beobachter Herr Dr. Frenreiss) 
Wallendorf bei Bisztricz in Siebenbürgen (Herr Pfarrer Klopp s) und 
Debrezin (Herr Tamässy), nach welchen ich einige meiner Ablesungen 
die gegen diese Orte günstiger gelegen sind, als Kaschau, neu berech- 
nete. Ich bediente mich hierzu der so bequemen von Herrn Professor 
K. Kofistka veröffentlichten Tafeln*), wesshalb auch bei den von Hin- 
ausgeführten Hechnungen die Differenzen in Wiener Klafter angegeben 
sind; während jene des Herrn Dr. Schmidt nach Toisen berechnet sind. 

Sämmtliche meteorologische Beobachtungen, welche zu Vergleichungen 
benutzt wurden, sind unter Nr. 11 nach den Höhen-Tabellen abgedruckt, 
und eben so sind auch meine Ablesungen selbst, dann die Höhen-Diffe- 
renzen, als unmittelbares Besultat der Bechnungen, den gefundenen See- 
höhen beigefügt. 

Die Anordnung habe ich so getroffen, dass in besonderen Abschnitten 
meist die an einer bestimmten Strasse, oder in einem Thal gelegenen 
einzelnen Puncte der Beihe nach aufgezählt sind, so dass ihre Aufsuchung 
auf den vom k. k. Generalquartiermeisterstabe herausgegebenen Comitats- 
Karten, deren Orthographie ich auch durchaus beibehalten habe, keiner 
Schwierigkeit unterliegen kann. 

Zur Erläuterung und Begründung der Angaben in der Tabelle Nr. I. 
füge ich noch folgende Bemerkungen hinzu: 

In der Rubrik Barometer ist stets der auf die Temperatur von 0° 
reduzirte Stand des Instrumentes in Millimetern angegeben. Ein der Ziffer 
vorgesetztes B. bezeichnet eine Ablesung des Quecksilber-Barometers; alle 
übrigen Zahlen sind Ablesungen des Metallbarometers. Die Temperatur der Luft 
ist mit Thermometern mit Beaumur'scher Scala bestimmt. 



") Jahrbuch der k k. geologischen Reichsnnstait 18öö. S. 840. 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 73 

Zu Nr. 1). Für die Seehöhe meines Stationsplatzes in Pest 
liegen drei Messungen mit dein Quecksilber-Barometer vor, welche mit den 
Beobachtungen des meteorologischen Observatoriums in Ofen verglichen 
die mittlere Differenz von -J- 1'9 Klafter ergeben. Die Höhe des genannten 
Observatoriums wird in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie 
Bd. XXXIII. Nr. 29 mit 54 Toisen angegeben, so dass die Höhe meines 
Stationsplatzes 55*9 Toisen = 574 Wiener Klafter beträgt. Gegen die 
Ablesung in Pest vom 2. Morgens, sind dann die anderen Ablesungen von 
Nr. 1 berechnet. 

Zu Nr. 2 und 3). Seehöhe von Mezö-Kövezd. Die Messungei. 
mit dem Quecksilber-Barometer wurden sowohl gegen die Beobachtungen 
der meteorologischen Station in Ofen, als gegen jene in Kaschau berech- 
net und aus den vier auf diese Weise erhaltenen Höhen das Mittel ge- 
nommen, welches die Seehöhe mit 6045 Toisen oder 62-12 Wiener 
Klafter ergibt. 

Für die Beobachtungen am 3. Juni habe ich die Differenzen gegen 
Pest und Mezö-Kövezd berechnet, mit Bücksieht darauf, dass der Baro- 
meterstand in Ofen an diesem Tage von 6 Uhr Morgens bis 2 Uhr Mit- 
tags um 044 und von 2 Uhr bis 10 Uhr Abends um weitere 018 Pa- 
riser Linien stieg. Die Berechnung, die Herr Dr. Schmidt mit Zu- 
grundelegung des Barometerganges zu Kaschau ausgeführt hatte, gab we- 
niger gut stimmende Besultate. 

Zu Nr. 4 und 5). Seehöhe von Kaschau. Zur Ermittlung der 
Höhe des Standbarometers der meteorologischen Station in Kaschau be- 
nutzte ich die in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften mitgetheilten Monatsmittel der Beobachtungen für April bis 
Dezember 1857 und Jänner und Februar 1855. Diese gegen die Beobach- 
tungen an der meteorologischen Central-Anstalt in Wien und gegen jene 
in Krakau berechnet, ergeben die Seehöhe von 11102 Toisen = 114*09 
Wiener Klafter. — In dem Verzeichniss der meteorologischen Stationen, 
welches in den gedachten Sitzungsberichten Bd. XXXIII Nr. 29 mitgetheilt 
ist, findet sich für die Station in Kaschau die Seehöhe von 109 Toisen 
angegeben, welche aber nach freundlicher Mittheilung des Herrn Director 
Kr eil nur einen genäherten Werth ausdrückte, dem die durch die Be- 
rechnung der Monatsmittel gefundene Grösse vorzuziehen ist. 

In meiner Wohnung in Kaschau wurden nur wenige Beobachtungen 
mit dem Quecksilber-Barometer angestellt, da das Instrument während mei- 
nes Aufenthaltes mit dem Standbarometer der meteorologischen Station ver- 
glichen werden musste. Die Seehöhe dieser Wohnung, die als Ausgangs- 
punct für mehrere Beihen von Messungen dient, ergibt sich aber doch 
wohl mit hinreichender Sicherheit zu 100 6 Toisen oder 103 '4 Wiener Klafter. 
Die Seehöhe der in der Umgebung von Kaschau, bei den Excursionen 
nach Galsecs und Bank berührten Orte konnte auf wiederholte Messungen 
an verschiedenen Tagen basirt werden und wurde noch durch Conibination 
aller dieser Messungen unter einander corrigirt. 

Zu Nr. 6). Die Seehöhe von Eperies ergibt sich als unmittel- 
bares Besultat von 12 verschiedenen Barometer-Ablesungen, welche auf 
das Standbarometer in Kaschau berechnet wurden mit 12498 Toisen oder 
128-42 Wiener Klaftern. 

Zu Nr. 8). Seehöhe von Hertnek. Der Anschluss an Eperies 
durch die Ablesung am 15. Juni gibt die Seehöhe mit 23318 Toisen; 



74 



Iran/. Ritter von Hauer. 



die Berechnung der Ablesung vom 16. Juni auf das Stationsbarometer in 
Kaschau gibt die Seehöhe 220-12 Toisen. Das Mittel aus beiden 226 6 
Toisen = 2329 Wiener Klafter nähert sich schon gut der Wahrheit, da 
sie der Berechnung zu Grunde gelegt für die Höhen des am 16. Juni 
gemessenen Csergö- und Mincsol-Berges für den esteren 550 7 und für 
den letzteren 6087 Wiener Klafter ergeben, während die trigonometrische 
Messung auf der Comitatskarte verzeichnet für ersteren 550*51, für Letz- 
teren 60455 Wiener Klafter ergab. Diese trigonometrischen Messungen 
selbst aber Hessen sich mit Vortheil anwenden, um für Hertnek einen noch 
mehr genäherten Mittehverth zu erhalten. Die Lesungen am 16ten geben 
für Hertnek Differenz gegen Csergö - - 3093 Toisen = 317.84 W. K. 
für Hertnek Differenz gegen Miucsol — 365-7 Toisen = 375.80 W. K. 
Also erstere die Seehöhe für Hertnek 23267 und letztere mit 228-75 
Wiener Klafter. Aus diesen beiden Grössen das Mittel ist 2307 Wiener 
Klafter, und das Mittel aus diesem und dem obigen gibt die angenom- 
mene Seehöhe für Hertnek = 231-8 Wiener Klafter oder 225*6 Toisen. 

Zu Nr. 10). Seehöhe von Csircs, Bad Lublau und Tarcza. 
Für Csircs liegt nur eine Ablesung vom 17. Juni vor, welche auf das 
Standbarometer in Kaschau berechnet 247.6 Toisen = 254 Klafter ergibt. 
Für Bad Lublau haben wir zwei Ablesungen vom 17ten und 18ten Beide 
auf Kaschau berechnet ergeben als mittlere Seehöhe 281*8 Toisen 
= 289-6 Klafter und eben so die beiden Ablesungen für Tarcza am 18ten 
und 19ten für diesen Ort 203-1 Toisen = 208"7 Klafter. 

Diese Orte lassen sich aber überdiess auch durch Ablesungen, welche 
an ein und demselben Tage an je zw r eien derselben vorgenommen wurden, 
in Verbindung bringen, und ebenso Tarcza mit der Ebene von Gross-Saros. 
welche ihrerseits wieder durch die Ablesung am 22ten mit Ejteries ver- 
bunden ist. Die oben angeführten Werthe als erste Näherungen zu Grunde 
gelegt, erhält man auf diese Weise die folgenden Seehöhen : 

Berechnet nach 





Kaschau 


Bad Lublau 1 


Tarcza 


Gr.-Saros 


Mittel 




Toisen 


W. Klft. 


Csircs . 


247-0 


2290 


— 


— 


238-3 


244-8 


Bad Lublau 


2818 


1 — 


282-4 


— 


282- 1 


289-9 


Tarcza . 


203 1 


202-4 


— 


1988 


201-4 


206-9 



Die grosse Differenz dir Höhe von Csircs ist der schönen Ueberein- 
stimmung der übrigen Puncte gegenüber sehr auffallend ; sie ist übrigens 
von geringerer Bedeutung, da nur 1 Punct auf diesen Ort berechnet 
werden musste. 

Zu Nr. 11). See höhe von Also-Sebes. Die Ablesung vom 15. Juni 
auf Eperies berechnet gibt 122-2 Toisen, jene vom 25ten auf das Stand- 
barometer in Kaschau berechnet 122 5 das Mittel davon ist 122-4 Toisen 
= 125-8 Wiener Klafter. 

Zu Nr. 24). Seehöhe von Szigeth. Um dieselbe nach Möglichkeit 
genau zu ermitteln, habe ich die fünf vorliegenden Ablesungen, von denen Herr 
Schmidt nur die ersten drei auf Kaschau hatte berechnen können, da 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 70 

er die meteorologischen Aufzeichnungen von dort nur bis Ende August 
zur Verfügung hatte, auf Debrezin und Wallendorf in Siebenbürgen be- 
rechnet, und aus allen so erhaltenen Differenzen das Mittel gezogen. 

Die Seehöhe der meteorologischen Station in Debrezin ist in dem 
Verzeichnisse der Stationen für 1858*) zu 65-2 Toisen, jene von Wallen- 
dorf zu 188-6 Toisen angegeben. Die Differenzen gegen den einen wie 
gegen den anderen der genannten Orte stimmen unter sich, wie meine Ta- 
belle zeigt, gut überein. Dagegen erscheint eine grosse Differenz in dem 
Gesammtergebnisse, wenn man obige Höhenangaben zu Grunde legt. Auf De- 
brezin berechnet, ergibt sich nämlich für Szigeth die Seehöhe mit 1 1 32 
auf Wallendorf aber mit 1257 Toisen; die letztere stimmt nähe mit der, 
welche durch die Reduction auf Kaschau gefunden wird, indem diese 1240 
Toisen beträgt. 

Zu Nr. 28) Höhe von Körösmezö. Die vier Ablesungen von Hrn. 
Schmidt auf Kaschau berechnet geben die Seehöhe im Mittel mit 301-2 
Toisen, auf Wallendorf berechnet sich dieselbe zu 304*6 Toisen, das Mittel 
aus beiden wurde angenommen. 

Zu Nr. 30). Eine Flossfahrt auf der in ihrem oberen Laufe sehr 
wilden und reissenden Theiss, bot mir Gelegenheit, ein genaueres barome- 
trisches Nivellement derselben mit dem Metallbarometer vorzunehmen. Das 
Instrument wurde frei aufgehängt, und zeigte während der ganzen Fahrt 
von Körösmezö bis etwas unterhalb der Mündung des Vissöbaches einen 
überaus regelmässigen Gang, so dass man von Minute zu Minute die Aen- 
derungen des Zeigers ganz gut beobachten konnte. An letzterer Stelle 
wurde die Fahrt leider durch Schiffbruch unterbrochen, indem wir mit 
einer Anzahl anderer Flösse zusammenfuhren. 

Die während der Fahrt notirteu Puncte habe ich gegen die Ablesung 
desselben Tages in Körösmezö berechnet, mit Zugrundelegung des Baro- 
meterganges von Wallendorf. Die so erhaltenen Höhen sollten immer um 
2—5 Klafter tiefer sein, als die durch die Ablesungen am 18. und 19. August 
an der Strasse erhaltenen Höhen, die ich gegen das Standbarometer in 
Wallendorf erhalten habe; doch differiren die meisten um eine etwas grös- 
sere Zahl. 

Zu Nr. 32). Seehöhe von Huszth. Vier Ablesungen an verschie- 
denen Tagen liegen von diesem Orte vor. Die zwei ersteren berechnete 
Herr Schmidt auf das Stationsbarometer in Kaschau und fand die Diffe- 
renzen — 307 und — 37*8 Toisen, also im Mittel — 34-2; gegen 
Wallendorf berechnet fand ich die Differenzen — 121 1; — 119-7; — 
120-5 und — 125-5 Klaftern, oder im Mittel 121 7 Klaftern; gegen 

Debrezin die Differenzen -f 9-2; — 14 0; — 63 und — 114 oder 
im Mittel — 5 8 Klafter. Endlich berechnete Herr Schmidt auch für 
die Ablesung am 3. September die Differenz gegen Szigeth mit — 57-9 
Toisen. Es Mürde sich demnach ergeben die Seehöhe durch die Ver- 
gleichung mit 





Toisen 


Klaftern 


Kaschau (2) = 


76-8 


789 


Wallendorf (4) = 


70-2 


72 1 


Debreczin (4) = 


59-5 


61-2 


Szigeth (1) = 


626 


64- 1 



*) Sitzungsbericht der k. Akademie der Wissenschaften. Bd. XXXIII. Nr. 29. 



76 



Franz Ritter von Hauer. 



und unter Berücksichtigung der Zahl der Vergleiehungen im Mittel mit 
66-8 Toisen oder 68-6 Klaftern. 

Für die Ablesungen am 5. September wurden die Differenzen gegen 
die Ablesung dieses Abends in Debrezin berechnet, für die Seehöhe aber 
die der meteorologischen Station in Debreczin mit jener meines Beobach- 
tungsortes in Debreczin gleichgestellt. Diese Abend-Ablesung auf die der 
meteorologischen Station in Debreczin berechnet führt zu einem unmögli- 
chem Resultat, vielleicht die Folge einer zeitweiligen Störung meines In- 
strumentes. Die Angaben für diesen Tag sind daher jedenfalls sehr unsicher. 

Im Ganzen sind durch meine Ablesung 588 Puncte bestimmt, von 
denen ich mir erlaube, noch einige speziell hervorzuheben. 

1. Frühere Messungen. Trigonometrische Messungen, die vorzüg- 
lich sichere Anbaltspuncte zur Controlle geben, liegen nur für sehr we- 
nige der von mir gemessenen Puncte vor. Es gehören dahin der Csergö 
und der Mincsol-Berg im Saroser-Comitat, für welche meine Messung mit 
der trigonometrischen, wie schon früher bemerkt beinahe vollständig über- 
einstimmt; ferner der Magura-Berg bei Bad Bantfeld, Nr. 211 meiner 
Tabelle, für welchen ich die Höhe von 461 Klaftern fand, während die 
trigonometrische Messung 471 Klafter ergab. Noch grösser ist die Diffe- 
renz für den Sarosvar-Berg bei Gross-Saros Nr. 163, für welchen ich 
nur 2889 Klafter fand, während er trigonometrisch zu 303.5 Klft. bestimmt ist. 

Von früheren barometrischen Messungen stelle ich im Folgenden die 
von Kreil, Alth u. s. w. ausgeführten, die sich in Herrn Senoner's Ver- 
zeichniss*) befinden, mit den meinigen in Paralleln, bei den meisten ist die 
Uebereinstimmung ziemlich befriedigend zu nennen, und wo diess nicht 
der Fall ist, gibt wohl die Verschiedenheit des Slandpunctes eine genü- 
gende Erklärung der Differenz, so namentlich bei Cnghvar wo Herrn 
Director Kreil in dem höher gelegenen Seminar-Garten, ich aber in dem 
nahe an dem Unghflusse gelegenen Gasthause die Messung vornahm. Ein 
Gleiches kann bei den zwei aufgeführten von Herrn Alth gemessenen 
Puncten der Fall sein, an welchen ich übrigens auch meine Ablesungen 
bei sehr ungünstigem unbeständigem Wetter vornahm. 



Nr. 


Ort 


Frühere Messung. 


.Heine Messung 




von 


Seehülie Klt'tr. 


Klftr. 


12 


Kerepes 


Kreil 


11 61 


98-3 


17 


Kis Bagh 


detto 


55.5 


62 5 


51 


Miskolcz 


detto 


65 9 


62.8 


67 


Hernad bei Kaschau 


Wahlenberg 


943 


96.8 


92 


Eperies 


Kreil 


1346 


128-4 


306 


Nagy Mihaly 


detto 


570 


52-2 


318 


Unghvar 


detto 


70-1 


51 


365 


Munkacs 


detto 


601 


54.4 


371 


Bereghszasz 


detto 


58-3 


48-0 


387 


Holubina 


detto 


111 4 


102.3 


396 


A. Vereczke 


detto 


235 7 


2244 


399 


Galiz. Grenze 


detto 


421-6 


4228 


532 


Borsabanya 


Alth 


389-8 


362 4 


543 


Sattel am Kornedij 


detto 


936 6 


902 9 



*) Jahrbuch der k. k. geologischen Reiebsanstalf IV S. 534. 



Höhenmt'ssungen im nordöstlichen Ungarn. 



77 



2. Gipfel und Sattel puncte der Wasserscheide der Kar- 
pathen. Es ist wohl von einigem Interesse, dieselben hier abgesondert in 
der Ordnung von West nach Ost zusammenzustellen. 

Die Gipfelpuncte sind den trigonometrischen Messungen, wie sie 
auf den neuen Comitatskarten für Ungarn verzeichnet sind, entnommen. 
Nr. meiner n Seehöhe 

Tabelle Urt Klftr. 

145 N. W. v. Hethars 3028 

A Mincsol 604-5 

134 Bei Obrucsno . 3408 

A Wisoki Berest 4690 

A Latskowa 523-0 

A Wysowa 41024 

A Jaworina (bei Begeto) 46015 

A Dubci 3450 

A Studeny 366-7 

236 1/ 8 Bei Komarnik 247-2 

A Paszik B. (Zempl. Com.) . . 441-0 
A Halicz B. (Galizien) 700 

341 Pass bei Uszok 4236 

A Buszky-Put 6870 

399 Pass bei Verbias 422-8 

A Javornik 4910 

A Corna Beppa (Marmaros) . . . 6730 
A Popadie detto . . .915-0 
A Welika Keputa detto . . . 8480 
A Bisztraberg detto . . 9550 
A Ploszka-Berg detto . . . 71 10 
A Kukul detto . . .810-0 
A Rusky detto .< . 1082-0 
A Czerna Hora detto . . 10580 
A Stoy 868-0 

543 Kornedij Pass 902-9 

537 Sattel N. v. Stiol 811.4 

Der tiefste aller Uebergangspuncte würde demnach weitaus jener von 
Komarnik sein. 

3. Gefälle der Flüsse. Auch dieses glaube ich für einige der 
wichtigeren abgesondert zusammenstellen zu sollen. 

Tarcza-Fluss. W 7 . Klafter. 

Von Tarcza bis Eperies 785 

Von Eperies bis Olczvar (Kaschau 0.) 36-1 

Zusammen 1146 

S z i k c s o - F I u s s. 

Von Bartosfalu bis zur Mündung bei Eperies 118-8 

Topla-Fluss. 

Von Kruslyo bis Giralt 88"0 

Von Giralt bis Bisztra bei Hanusfalva 18-9 

Zusammen 106 9 
On d a va-Fl uss. 

Von Unter-Mirosso bis Tavarna 90-0 



78 



Franz Ritter von Hauer. 



Labor ecz-FI uss. W. Klafter 

Von Habura bis Homonna 123*8 

Von Homonna bis Nagy-Mihaly 188 

Zusammen 142 6 

Ungh-FIuss. 

Von Volozanka bis Unghvar 69-1 

Lyutta. 

Von der Säge südlich bei Lyutta bis zur Mündung 

bei Dubrinics * 2027 

Theiss-Fluss. 

Von Körösmezö bis Szigeth 17(5*9 

Von Szigeth bis Huszth 61-2 

Von Huszth bis Tisza-Ujlak 238 

Zusammen 261-9 

Nagyag-Fluss. 

Von Ökörmezö bis Huszth 137*6 

Talabor. 

Von Szinever bis zur Mündung bei ßeneczö 131*0 

Taraczko. 

Von Kiraly-mezö bis zur Mündung bei Remete .... 149*0 
Bor sa. 

Von Sztrimtura bis Felsö-Vissö 1400 

Vissö-Fluss. 

Von Felsö-Visso bis zur Mündung i d. Theiss .... 8o*2 
Iza-Fluss. 

Von Szaesal bis zur Mündung unterhalb Szigeth . . . . 13v4 



1. Gemessene Höhen. 

I ) l' in geh ii n g v o n Pes t. 
Differenz Nr. 1 gegen Ofen, die Uebrigen gegen Pest. 



Ort 



5 £ 






Pesl, Gasth. z. König, v. England 3. Stck, 

detto 

detto 

detto 
Sachsenfeld (Strasse) 

detto 
Teteny Schloss (i. Stock) 

detto 
Brunnen im Nussgraben N. bei Teteny . 

Plateau N. von Teteny 

Mühle an der Strasse n. Puszta Bata . . 
Puszla Bata 

detto 



1. Juni 

2. Juni 
detto 

3. Juni 
2. Juni 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 



440 A 

6 h 15 F. 
detto 

5 1 F. 

9 h F. 

7 h 30 A. 
iO 1 ' F. 
1210M. 
li h F. 
II 1 15 F. 

3 h A. 

3 h 22 A. 

5' 15 A. 



754-9 
755 7 
76224 
752 98 
764-57 
758-71 
763 37 
762.7 ' 
75734 
755-30 
76141 
757-20 



2-4 
2 



18.6 
12.0 
do. 

12-4+ 13 
16 5—14 2 
i60- r 0-2 
15-4—10-8 
173— 1 11 

16-0-7-23-2 
19 0— 9-3 
17-2+ 9 9 



756-37 16-5;+125[ 



Mittel 
55-9 574 

Mitte] 
491 50-4 

Mittel 
45 2' 46 5 
70-2 72 2 
78-4 80-6 
46-8| 48-i 

Mittel 
66 8 68 6 



Höhenmessungen im nordöstlichen Pngarn. 



79 



2) Strasse von Pest nach Mezö-Kövesd. 
Differenz gegen Pest und gegen Mezö-Kövesd. 



Ort 



33 



c « £ 

o Oh '— 






60:5 23 

c i . 

:_ :© ä 

Q g 



'S H 



1 Pest wie oben 

8 Rakos 

9 Höhe hinter Rakos .... 

10 Thal bei Czinkota 

U Höhe nach demselben . . . 

12 Thal bei Kerepes 

13 Höhe zw. Kerepes und Gödöllö 

14 «lödöllö (Platz) 

13 Thal bei Besnyö 

16 Thal hinter Besnyö (am Bach) 

17 Kis Bagh 

18 Höhe vor Aszöd 

19 Aszöd Gasthaus 

r detto 

20 Höhe zw. Aszöd und Kartal 

21 Kartal 

22 Hatvan 

23 Höhe zw. Hatvan und Hort 

24 Hort 

23 Höhe hinter Hort 

26 Thal 

27 Höhe vor Gyöngyös .... 

28 Gyöngyös (Gasthaus, eb. Erde 
„ detto 

29;Höhe zw. Gyöng und Haimai 

30 

31 

32 

33 

» 

34 
35 
36 
37 

38 



Thal bei Halmaj 

Thal von Pal Püspöky . . . 

Höhe darnach 

Kapolna 

detto 
Höhe zw. Kapolna u. Kereesem 

Kerecsend 

Szikszö 

Szihalom (Erlaufluss) . . . 
Mezö-Kövesd 



3. Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 



5 h F. 

6 h F. 

6'7 F. 

6 h 15 F. 

6'35 F. 

6 K 55 F. 

7 h 17 F. 

7 h 48 F. 

8" 5 F. 

8"37 F. 

9 h F. 

9 h 13 F. 

9 h 45 F. 
detto 
lO'lO F. 
10'20 F. 
tl h 13 F. 
ll h 45 F. 
12 h M. 
12 h 25 A 
12 b 45 A 
12\50 A. 

l h 15 A. 
detto 

2 h 15 A. 

2 h 45 A 

3 h 13 A. 

3 b 20 A. 

4 h A. 

detto 

4'45 A. 

4 l '50A. 

5 h 15 A. 

5'35 A 

6 h 33 A. 



B. 



757-38 

75761 

75514 

75652 

74799 

75083 

73563 

749 11 

751-26 

754-61 

757-22 

75560 

758-47 

75175 

75323 

755-40 

759-40 

75641 

758-31 

751 92 

75943 

75593 

753-22 

748-97 

843-62 

757-40 

756-69 

75219 

755-80 

751 58 

751 9t 

755-70 

7574 

7572 

758-35 



12.4 
13-2 
13 2 
13-5 
13 8 
130 
13 
13-3 
13.5 
140 
14-5 
14-5 
142 
do. 
142 
170 
18-5 
18-5 
18-3 
18-7 
18-8 
18-8 
17-5 
do. 
19 3 
19 8 
197 
197 
18-8 
18.8 
20-5 
195 
185 
180 
16 2 



. 


— 11 


59-4 


61 


— 13 


- 27 


563 


57-8 


+ 14-9 


f-12.0 


71 3 


732 


-f- 5-4 


r 4 1 


62-8 


64-5 


4-570 


h 55-6 


112 9 


1160 


t-40-0 


+ 38-8 


95-6 


983 


r 132-9 


^131-7 


187 


1921 


r 51-2 


+ 499 


107-4 


110-3 


r 37-9 


r 36-6 


94-4 


970 


4-179 


+ 16-6 


750 


770 


4- 3 9 


4- 16 


60-8 


62-5 


T 12-4 


+ 112 


706 71-5 


— 1-6 


— 2-9 


560 57 5 


ull 9*) 


— 


656 


67-4 


r 27-7 


+ 26-6 


84-6 


86-9 


4 14 7 


i 13-4 


71-8 


73-8 


— 9-3 


—10-6 


48-5 


49-8 


4- 93 


4- 7-7 


664 


68-2 


— 16 


3 1 


35-8 


574 


33 1 


33-2 


91 3 


93-8 


- 78 


— 9-4 


48-8 


51-2 


13-4 


r ll-8 


70-4 


723 


r 301 


r 28 6 


86 6 


890 


+ 45-7*| 


— 


95-9 98-5 


4-907 


r 89-3 


145-7 


149 7 


+ 5-7 


4- 4-3 


630 


64-7 


^-10 5 


| 9 


677 


69-5 


^37 9 


,36-4 


94-3 


969 


t 160 


1-1 4-6 


730 


750 


r 19 3*) 


— 


72-8 


74-8 


r 39 6 


4-38-4 


95-7 


98-7 


| 10 6 


4-15-6 


73 8 


758 


+ 6-4 


4- 4 6 


624 


641 


+ 7-8 


4- 6-5 


65-1 


669 


4- 11 


— 


570 


58.5 



3) Strasse von Mezö-Kövesd nach Ka schau. 
Differenz gegen Mezö-Kövesd. 













,_ 


















u 


49 




a 


s 












<x> 








•— t. 




Ort 




SS 




99 


g 

O 


0) CS 


:0 — . 


6 -~ 








H 


33 


o 

s- 
« 

33 


CO 


i* 






38 


Mezö-Kövesd (Gasthaus 1 


. Stock 


3. Juni 


6'33 A. 


B 733 32 


162 


4- 6 6*) 
—5115 *) 






« 


detto 




4. Juni 


5'i0 F. 


B. 754 44 


107 


r 9 8 *) 
-52-6 2 ) 


60.45j62T2 


» 


detto 




detto 


detto 


75968 


10-7 


— 


— 


— 



*) Differenz gegen das Standbarometer in Ofen. 
3 ) Differenz gegen das Standbarometer in Kaschau. 



80 



Franz Ritter von Hauer. 



Ort 



— CA 

P 



■o :r 



39 

40 
41 
42 
43 
44 
4;. 
46 
¥1 
48 
49 
50 

:;i 



Mezö-Nyarad 

Abrany (Ort) 

Thal von Abrany 

Höhe hinter Abrany 

Thal nach demselben 

Höhe vor dem Thal von Vatha . 

Thal von Vatha 

Harsany 

Höhe hinter Harsäny .... 

Thal nach derselben 

Höhe vor Csaba 

Csaba 

Miskolcz (Gasth. eb. Erde) . . 

detto 

detto 
Sajo Brücke bei Miskolcz . . . 

Zsoleza 

Höhe zwischen Zsoleza u. Szikszo 

Szikszo 

Csobad 

Forro (Gasth. eb. Erde) . . . 

detto 

detto 

Novaj 

Hidas Nemethi 



detto 



Kenyhecz 
Enviezke 



4. Juni 
detto 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 

detto 
detto 



6' 10 F. 

625 F. 

6 h 30 F. 

6 h 40 F. 

6 h 45 F. 

6 b 48 F. 

TB F. 

745 F. 

7''30 F. 

7 h 38 F. 

8 L 8 F. 

8'30 F. 

9'5 F. 

detto 

detto 
10 h 15 F. 
10i25 F. 
1 1 20 F. 
11 L 55 F. 

l h 15 A 

2 b 10 A. 

detto 

detto 

47 A. 

5 h 15A. 

detto 

645 A. 

TA. 



76041 
758*91 

75961 
758-51 
759-71 

758 01 
75877 
758-19 
75316 
758-56 
746-97 
760-70 

759 19 
B. 753.67 
B. detto 

76022 
76067 
75492 
759-53 
75791 
75603 
B. 751*76 
B. detto 
75503 
753-92 

B. 74979 

75112 

74934 



13-2 
13.4 
13-5 
136 
13 7 
137 

13 9 
14-0 
14-4 

14 6 
14 8 
155 
164 
do. 
do. 
17-6 
17-8 
190 
193 
19 
184 

do. 
do. 
196 
175 

do. 

17 8 

17 



17 
39 
10 
59 

07 
84 
11 



+-29 -5 
-r 56 
r 572 

- 3 5 
+- 31 

r 9-7 *) 
—52 1 2 ) 

- 1-7 

- 3 1 
^21-0 
+ 0-2 
+ 6 5 
-14-3 

f 151 *) 
—41-6 2 ) 
^14 5 
J-19-8 
+ 26-8*j 
-25 a ) 
+ 29-3 
-390 



58-8 

644 

61-5 

66-4 

61-2 

68 9 

61 5 

65-7 

900 

661 

117-7 

570 

63-6 



604 
662 
63-2 
68-2 
62-9 
70-8 
63-2 
67-5 
92-5 
68-0 
120-9 
58-6 
654 



Mittel 



611 
58-8 
57 4 
81-5 
60 7 
67-0 
74-8 



62-8 
60-4 
590 
83-8 
624 
68-9 
76-9 



Mittel 
69-3 I 71 2 
75-0 77-1 
80-3 I 825 

Mittel 
83-4 



89-8 
99-5 



92-3 
102-2 



4) Kaschau. 

















r = ■ 


c 


_ 
















-s c 












o 


u 


o 


<s 


= Cr* 


c c 


r E 




Ort 


iJD 


15 


= g 


c 


aj «3 _ 


— SC 


— ■*• 






c- 


,£ 


■Zz P 


— 




—■ ~ 


- 








«3 


eo S 






- [H 


9 > 








rl M 




J5 05 i3 


an 


X 


62 


Löderer Gasth. i. 1. Stock i. Kaschau 


5. Juni 


2 h A. 


B. 


747-48 


16-8 


— 9 7 






„ 


detto 


6. Juni 


7' 30 F 


B. 


747-31 


14-6 


— 110 






„ 


detto 


do. 


do. 


A. 


7500 


do. 








55 


detto 


7. Juni 7 45 F. 


A. 


74523 


140 


— 84 






„ 


detto 


9. Juni 5'45 F. 


A. 


745-57 


15 3 


—10-5 


Mittel 


5) 


detto 


ll.Jun. 


i'37 A. 


A. 


749-46 


18-6 


—125 


1006 


1034 



*) Differenz gegen das Standbarometer in Ofen. 
2 ) Differenz gegen das Standbarometer in Kaschau. 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 



81 



5.) Umgebung von Käse hau mit Excursionen nach Galsecs 

und Rank. 

Differenz wo es nicht besonders bemerkt ist gegen Kasehau. 



Ort 






«2 



63 
64 
65 

66 
67 



68 
69 
70 
71 

72 

73 

74 
741 

75 
76 

77 

78 
79 
80 
81 

82 



Victoria-Berg. Kasehau S. W. . ■ . 

Apäthi Szilvas (Opaczka) 

Rücken zwischen d. HtM-nad u. Tarcza 

nördlich bei Szcpla'k . . . . 
Wehre üb. d. Hernad oberh. Szepläk 
Hernad-Brücke bei Kasehau . . . 

detto 

detto 
Höchster Punct d. Strasse N. b. Ujfalu 

detto 

detto 

detto 
Brücke über d. Tarcza bei Olcsvar . 

detto 

detto 

detto 
Hchst.Pct. d. Strasse zw.OIcsva'ru.Böod 

detto 

detto 

detto 
Osva-Thal bei Böod 

detto 

detto 

detto 

Kirche in Böod 

Höhe W. v. Also Kemencze .... 
Letzte Höhe vor Bad Rank .... 
Bad Rank (Herlein) 

detto 
Fuss der Trachytfelsen NNO. v. Rank 
TrachyttuffNNO. v. Rank .... 
F. Szinye (a. d. Strasse v Gälsecs) . 

detto 
Kelecseny 

detto 
Dargö-Bg. (höchst. Punct d. Strasse) 

detto 
Dargö Ort 

detto 
Gälsecs (Scbloss des Bar. Fischer) . 

detto 

detto 
Thal bei Tarnoka 



6. Juni 

detto 

detto 
detto 

8. Jim 

9. Jim 
10.Jun 

7. Jim 
S. .lun 
9. Jun 
lO.Jun 

7. Jim 

8. Jun 

9. Jun 

10. Jun 

7. Jun 

8. Jun 

9. Jun 

10. Jun 

7. Jun 

8. Jun 

9. Jun 
lO.Jun 
8. Jun 
7. Jun 
7. Jim 

7. Jun 

8. Jun 
7. Jun 
7. Jun 

9. Jim 
lO.Jun 
9. Jun 
lO.Jun 
9. Jun 
lO.Jun 
9. Jun 
lO.Jun 
9. Jim 

detto 
lO.Jun 
9. Jim 



6' 5 A. 
2'55 A. 

3' 37 A. 

4-30 A. 
10 h F. 

6 h 22 F. 

0''20 

342 

9'50 

6'45 
10 h F 

3'37 

9'20 

7' 12 F. 

9 h 35 F. 

4 h A. 

9 h F. 

7 h 45 F. 

942 F. 

4 1 15 A 

8''37 F. 

S h 8 F. 

8>'45 F. 

8 h 30 F. 

4 h 45 A 

545 A. 

5'30 A. 

7 h F. 

7''22 A. 

7 h 45 A. 

8 h 30 F. 

8'23 F. 
10 h F. 

8 h F. 
10'30 F. 

7 h 40 F. 
11" 7 F. 

6 b 45 F. 
12 h 30M. 

3 h 35 A 

6 h F. 

5 h A. 



741-57 

748-28 



17-8 
191 



737-49 19-8 
747-60 19-2 



748-59 

74719 

747-49 

733-28 

734-89 

734-01 

734 09 

74786 

750-10 

74838 

748-70 

73326 

736 15 

734-27 

734-20 

743.8 

74631 

744-55 

74422 

744 66 

73347 

725 18 

728-23 

729-38 

708-56 

714-41 

741.3 

741-35 

734-20 

734.4 

719-59 

719-54 

719-59 

74121 

75293 

75219 

754-42 

74832 



163 
160 
200 
15-9 
15-8 
17-3 
194 
170 
15-4 
17 6 
19-8 
17 4 
150 
178 
194 
17-6 
14 6 
190 
198 
14-5 
16-5 
16 2 
160 
140 
14-5 
140 
191 
19-7 
20 
19-5 
196 
16-9 
20-2 
18-9 
21'5 
19-9 
170 
2 10 



t-20-4 


1220 


— 5-8 


94-8 


+ 43-3 


143-9 


— 5.7 


94 2 


-942") 




— 7 1 




+ 32-2 2 ) 


94-2 


j-58 5 




-28-1 *) 




+ 55 -5 




r 93-7^) 


158-9 


—10-2 




—99-8*) 




— 12.3 




^26.7 2 ) 


89-8 


1 58 9 




—33-4*) 




,55 2 




+ 95.1 2 ) 


156-9 


+ 9.0 




— 81 T*) 




+ 6-7 




+ 47.8 2 ) 


108-8 


—68.7*) 


120-8 


+ 68-3 


165-9 


T 109-4 


2090 


t 93.7 






190-8 


r 195-9 


295-5 


-161-1 


260-5 


T 22-4 




t-60.9 2 ) 


123-4 


-56 5 




r 947 2 ) 


157-4 


t 132-4 




r 170-72) 


2333 


+ 24-2 




-r60-4 2 ) 


123.7 


—339 




-354 






65-3 


—19.7 


83-5 



1253 
974 

146-9 
976 



96- 



163-3 



923 



161 2 



111-8 
1251 
170-5 
214.8 

196-1 

3037 
267-7 

126-9 

161-8 

239-8 

1272 



671 
85-9 



*) Gegen Bad Rank. 
3 ) Gegen Galsecs. 

Mittheilungen der k. k. geogr. Gesellschaft. III. Bd. II. Heft. 



82 



Franz Ritter von Hauer. 



6.) Strasse von Kaschau nach Eperies. 
Differenz gegen Kasehau. 





Ort 


g 

n 

a 


3 


Ca 

0) 

4> 
© 

CS 

CO 


5 

1 

E- 




Seehöhe in 
Toisen 


Seehöhe in 
Klftr. 


83 


Höchster Punct der Strasse zwischen 






















1 l.Juni 


2''40 A. 




73519 


20-2 


67 5 


1681 


172-8 


84 


Tarcza-Thal bei Vajköcz .... 


detto 


3 b A. 




749-59 


20-5 


— 2 3 


98-3 


100 8 


S'i 




detto 
detto 
detto 


3'14 A. 
3 h 45 A. 
4*' 10 A. 




748 66 

749 55 
74916 


20-6 
208 
210 


r 2 5 

— 1-9 

00 


1031 

987 

1006 


106 


8fi 




101-5 


87 




103-4 


SS 




detto 
detto 
detto 


4'30 A. 
5 h SA. 
5'23 A 




748-07 
747 07 
74357 


20 5 
190 
189 


+ 50 
^10-2 

- r 27-2 


1056 
110-8 
127-8 


1085 


S'I 


Sz Peter 


113 9 


«III 


Höhe an der Strasse N. von Sz. Peter 


131-4 


1)1 


Brücke über d. Szikcso vor Eperies 


detto 


5 h 45 A. 




748-48 


185 


+ 4-8 


1054 


108-3 


92 


Eperies (Gasth. z. Krone, 1. Stock) 


12.1 uni 


7''45 F. 


\i. 


74455 


18-2 


-r-14-i\ 


U 1 


c 




detto 


detto 


3 h 30 A. 




745 07 


222 


-15-3) 


6 


o 




detto 


13. Juni 


6 b F. 


B. 


744 19 


135 


+ 60 


C T2 


2. 




detto 


14.Juni 


7 h F. 


15. 


741-31 


15-4 


+ 12 6/ 


tc a 


C« 3 




detto 


detto 


7 h A. 


ti. 


74031 


171 


+ 113 


So &c 


& — 




detto 


15. Juni 


7 h 30 F. 


B. 


740 89 


17-0 


+ ll-7\ 


— 3 


cj 2 




detto 


20.Juni 


8*30 F. 




73691 


15-8 


4-14-5/ 






detto 


21.Juni 


9 h 15 F. 




73771 


18-2 


+ 16-2 


2 -° 


"c 




detto 


detto 


12*30 M. 




737 57 


19 9 


r l63\ 


u c 

Ol QJ 


c 




detto 


22 Juni 


6 h F. 




738-24 


140 


+ 15-0 


co m 


+• 




detto 


23Juni 


12''30M. 


i; 


73954 


180 


+ 23-2 ' 


Mittel 


n 


detto 


24..1uni 


7 h F. 


B 


73976 


15-6 


+ 11-2/ 


124.98 


128 42 


93 


Kalvarienberg SW. von Eperies . . 


li.Juni 


8 1 ' 5 A. 




741 35 


16-2 


+ 40-3 


140-9 


144-8 



7.) Umgegend von Eperies. 
Differenz gegen Eperies. 



Ort 



5* 



4) C_ 






114 
95 
96 



Soovar Ferdinandi Sudhütte .... 
detto Schachtkranz d. Leop. -Schachtes 
Steinbruch hinter dem Kalvarienberge 



97 Bad Villetz 

98Borkut (Kapel) 

99 Kleiner Borkut 

100 Höhe zwischen Borkut und Badacs 

101 Dorf Badacs 

102 Szvinka-Fluss bei Berzenke . . . 

103 Bad Czemete (Gasthaus) .... 
104| detto Brunnenspiegel . . 
105iHöchster Punct der Strasse zwischen 

Czemete und Eperies 



12.Juni 
detto 

13. Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 



7 h A. 

7' 10 A. 

8'30 F. 

9'55 F. 
10' 30 F. 
ll b F. 
1 P30 F. 
12'30M. 

3'45 A. 

5" 5 A. 

7' 10 A. 

8>'50 A. 



74510 
743 10 
740-76 
74248 
746- 11 
744-39 
731 79 
740-70 
739-25 
732-17 
732-80 

728-17 



19-8 
19-8 
18-2 
20-3 
18-3 
20- 1 
18-9 
20-4 
17-9 
172 
15-8 

150 



— 2 
-rll-9 
t-33-3 
T 241 
+ 5-7 
-r 130 

r 72-7 
+ 27 3 

r 26-3 
T 59-0 
+ 53-2 

+ 73-8 



124-8 
136-9 
158-3 
148-1 
130-7 
1380 
197-7 
152-3 
151-3 
184-0 
178-2 

198-8 



126-3 
140-8 
162-6 
152-2 
134-3 
141-8 
203-2 
1565 
1555 
187-1 
183-2 

204-3 



Hüheniiiessungen im nordöstlichen Ungarn. 



83 



.) Strasse von Eperies nach Hertnek. 
Differenz gegen Eperies. 



Ort 



5 H 



-r « 



106 

107 
108 
109 

HO 
111 
112 

!I3 
114 
115 

116 



Also Sebes 

detto 

Isehl N. von Sebes 

Szikcso bei Pinta (Sebes N.) . . 
Kapi (Alluvial-Ebene) 

detto 
Töltsek (Brücke bei der Kirche) . 

Demethe (Brücke) 

Slov. Raszlavitz 

Berczallya (Janöcz) 

Bartosfalu 

Hertnek Schloss 1. Stock . . . 

detto 
Schwefelquelle NO. von Hertnek 



15. Juni 
25. Juni 

15. Juni 
detto 
detto 
25. Juni 
15. Juni 
detto 
detto 
detto 

15. Juni 
detto 

16. Juni 
15. Juni 



8' 15 F. 


6 h 50 F. 


8' 30 F. 


8 h 50 F. 


10' 45 F. 


8*30 F. 


II ! 1 5 F. 


U'35 F. 


12 15 M 


12 45 M 


5 ll 50 A. 


3' 45 A. 


430 F. 


440 A.i 

I 



743-26 
734 51 
742 38 
743-68 
743-09 
73181 
741 29 
73989 
737-79 
731 4!) 
723 20 
721-45 
722 82 
728-85 



18-2 

13 8 

16-6 

170- 

18-4 — 

17-2 + 

ls - 

19 2 

195 

195 

160 

ISS 

14-3 

170 



2-8 

11-5' 

14 

15 

09 

5-6" 

7-7 

142 

238 

55-3 

96-3 

+ 108-2 

+ 1091' 

+ 66-9 



Mittel 



+ 



)) 122 4 
1126 4 
|l23 5 

125-9 



131 7 

139-2 
148-8 



125-8 
1299 
126 9 

129-4 

135-4 
143 1 
152 9 
179-3J184-3 
221 227 1 

225 6 231-8 
191-61 196 9 



9.) Csergo -Mincsol-Gebi rge 

Differenz gegen Hertnek. 



Ort 



P 




16. Jun 


7''30 F. 


detto 


8*'30 F. 


detto 


9 h F. 


detto 


9'15F. 


detto 


9 h 45 F. 


detto 


10" F. 


detto 


1 1' F 


detto 


11*20 F. 


detto 


T50A. 


detto 


2M5 A. 


detto 


2 b 30A. 


detto 


3 h A. 


detto 


3 h 35 A. 


detto 


4 h A. 


detto 


4"45 A. 


detto 


5 h 0A. 


detto 


5 h 15 A. 


detto 


740 A. 


detto 


8 h 15 A. 



5c '3 



S £ 



117 
118 
119 
120 
121 
122 
123 
124 
125 
126 
127 
128 
129 
130 
131 
132 
133 
134 

135 



Prehiba (SW. v. Hertnek) ... 

Csergo-Spitze 

Sattel zwischen Csergo u. Szoliszko . 
Szoliszko Berg (20 Fuss unt. d. Spitze 
Sattel zwischen Szoliszko u. Javorina 
Javorina Berg (40 F. unt. d. Spitze) 
Sattel bei der Kapelle (S. v. Livö) . . 

Quelle w. v. diesem Sattel 

Nächster Sattel westl. davon .... 

Nächste Spitze West 

Sattel S. von Livö Hutta 

Letzter Sattel SO. v. d. Mincsol . . . 

Mincsol Westl. Spitze 

Mincsol Oestl. Spitze 

Sattel W. v. Livö Hutta 

Höhe nördlich davon 

Letzte Spitze N. am Mincsol-Geb. . . 
Tiefst. Punct der Wasserscheide zw. der 

Topla und Poprad bei Obrucsno 
Volya Orosz 



682-79 14 7 
672-31 15 5 
673 17 15 
668-2S I4S 
676 86 13-7 
672-45 13 
692 53 160 
687-55 14 -8 
680-9(1 150 
675-20146 
678 59 146 
673 78 14-5 
6641 9 140 
661 -SO 14 
678-92 13 8 
671-22 14 O 
671T7 14-3 



703-75 
717-55 



14-8 
140 



1 244 
- 309 
+ 304' 
+ 333 
+ 281 
+ 307 
r 180 
+ 216 
+ 255 
+ 289 
+ 268 
+296 
+ 352 
+ 365 
+ 260 
+ 306 
+ 307 



4 470 
3 534 
530 
561 
506 
539 
412 
441 
481 
515 
494 
9.9, 



+ 1061 
+ 22-3 



02 

578 
591 
485 
532 
532 



331-7 
247-9 



482-9 
549-6 
544-7 
577-4 
520-7 
554-2 
4235 
4541 
494-4 
5295 
5079 
5365 
5942 
607 6 
499-3 
546-8 
547-4 

340-8 
2547 



*) Differenz gegen Kaschau. 
**) Differenz gegen Sebes. 



84 



Kranz Ritter von Hauer. 



10.) Umgebung von Palocsa, Hethars und Zeben bis 

E p e r i e s. 

Differenz am I7ten gegen Csircs, am 18ten gegen Bad Lublau, am 19ten gegen Tarcza 

am 22ten gegen Eperies, 



Ort 



5^ 



r. 



u — 



136 Csircs (Haus des Popen) 
137Lubotin a. Bach 

detto 

138 Palocsa Gasthans 
detto 

139 Plavnicza 
detto 

140 Höh. a. d. Strs. zw. Plavnicza u. Lublau 

141 Bad Lublau 

detto 

142 Höhe zw. Bad Lublau und Feketeküt 

143 Feketeküt (Schönbrunn) Mitted. Ort. 

144 Thal v. Kijo (an der Strasse) . . 
14ö]Wasscrsch. zw. Poprad u. Tarcza . 
146 Hethars (Siebenlinden) 

detto 
|47Kriväny 

detto 
148 Tarcza 

detto 

149JDarocz 

130 
151 
152 



153 

154 

155 
156 

157 
158 
159 
160 
161 
162 

163 



Vörös-alma 

Pechujfalu 

Zeben Com. -Haus (2 l /2 T. ii.d.Bod.) 

detto am Boden 

Orkutu ......... 

detto 
St. Mihälv 

detto 

Gergellaka (Kirche) 

Ternye 

Adamfölde (Schloss) 

Balpataka 

Bodonlaka (Oberes Ende des Ortes) 

P. Tölcsemes 

Jakabfalu 

Ebene von Gross-Saros .... 

detto 
Sarosvar-Bg. Sptz. d.mittl. Thurmes 



17. Juni 
detto 

18. Juni 

17. Juni 

18. Juni 

17. Juni 

18. Juni 
17. Juni 

17. Juni 

18. Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

19. Juni 

18. Juni 

19. Juni 

18. Juni 

19. Juni 
19. Juni 
19. Juni 

detto 

detto 

22. Juni 

19. Juni 

22. Juni 

19. Juni 

22. Juni 

22. Juni 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

19. Juni 

22. Juni 

detto 



6''30 F. 
10' 30 F. 

1'45A. 
1 1'30 F. 
II 1 ' F. 

5' 45 A. 

9'30 F. 

6'10 A. 

7 h A. 

6 h 15F. 

7 L 35 F. 

8'30 F. 

441 A. 

44 7 A. 

6" A. 

4'50A. 

6"30 A. 

4\30 A. 

6 h S0A. 

44 5 A. 

845 F. 

525 A. 

5'50 A. 

6'A. 

6'' 6A. 

6 h 30 A. 

6"55 A. 

6 h 45 A. 

740 A. 

8 h F, 
10 h 5 F. 
10' 45 F. 

245 A. 

415 A. 

4 h 45 A. 

540 A. 

745 A. 

7'30 F. 

8' 25 A. 



716-46 
717-30 
720-79 
717-92 
720-72 
714-29 
717-44 
707-09 
708-70 
71193 
703 13 
705-63 
712-20 
710-72 
728-8* 
725-60 
726-46 
722-56 
726 60 
722-86 
72014 
728-30 
729-09 
731-39 
733-23 
732-09 
733-78 
733-40 
73617 
73170 
72671 
724-91 
722.66 
719-20 
722-74 
724-62 
736-31 
73828 
709-74 



140-3 * 

- 44 

— 43-3 

— 8-4 

— 43-3 
+ 14-6 

— 26 7 
, 601 

+ 52-8 
+ 169-8° 
4- 54 4 
4- 410 
+ 3-9 
-f 126 

- 90-9) 

- 16-Oj 

- 78-6( 

r 1-M 
_ 79-4 
+ 93-8 
+ 294 
_ 31-8 
_ 354 
_ 471) 
-f 25-5f 
_ 51 
+ 243 
_ 576 
13-3 
33-9 
j- 59-2 
r 690 
-j- 180-6 
+ 03 1 
r 75-8 
+ 68-5 
198 — 71-6 
14-6- 15 
— 1 + 1562 



11 6 
19-4 
165 
19-4 
15-6 
200 
130 
200 
170 

9-9 
11 
11-2 
15-5 
15-4 
16-8 
208 
16-5 
200 
161 
19-5 
129 
199 
19 4 
190 

? 2 ) 
19-2 

194 

14-8 



238-3 

238-8 

238-8 

255-4 
261-5 



282-1 289-9 
336-5 345-8 



323 1 
2860 
294-7 



) 



r 



244 8 

2454 

2454 

262- 4o 
268-7 



3321 

293 6 
3028 



Mittel 
1910 L963 

Mittel 
20311208-7 

201-4,206 9 
230-8 2371 

169-6 174:; 
i 66 0| 170-7 

Mittel 
152 4 156-7 

Mittel 
14981539 

Mittel 



1410 
158 9 
184-2 
1940 
205-6 
228- 1 
200-8 
193-5 



1448 

163-3 
189-3 
199-4 
211-3 

2344 
206-4 
198-9 



Mittel 



1281 
281-2 



131 7 
2889 



*) Differenz gegen Kaschau. 
8 ) Luftthermometer gebrochen. 



Höhcnmessungen im nordöstlichen Ungarn 



85 



11.) Strasse von K u p i 11 a c h H a n u s f'a 1 v a und Umgebung des 

letzteren Ortes 

Differenz gegen Also Sebes (Nr. 106). 



164 
165 
166 
i67 
168 
169 
170 
171 
172 
173 



Ort 



Lada 25. Jun 

Palvagas Kapi (S. v. d. Strasse) ... detto 

Yagas-Lipnik detto 

Höhe zw. Vagas-Lipnik und Pod-Lipnikj detto 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 



Pod-Lipnik 

Kalksteinfelsen S. v. Palvugas-Keczer 

Hanusfalva (Sehloss) 

Bisztra 

Sauerqnelle an der Topla bei Bisztra 
Mogyoröska 



9 1 ' F. 

9' 15 

10' 15 

tO'25 

11" F. 

12' 30 

2' 15 

4' 15 

4'25 

5''40 



— 



732 
725 

730 
726 
735 
70s 
738 
743 
744 
743 



17-5 
17-8 
185 
19-0 
200 
22 
21-5 
215 
21*5 
214 



c = 
Ol v 

&4 <*> 



+ 2' 
+ 36 
+ 12' 
+ 29 

— 17 
+ 135 

— 36 
- 58 

- 63 

- 55 



125 

158' 

135 

152 

104 

257 

85' 

64 

58 

tili 



5J jz 

s = 

SO 



2128-7 
7J1631 
0|1837 
156-3 
7107-6 
8 2649 
7 880 

4 662 

5 601 

6 68-4 



12.) Umgebung von G i r a 1 1 , dann Strasse von 
S chavnyik u n d nach B a r t f e 1 d. 

Differenz sresren Girult. 



dort nach 



Ort 



174 Giralt. Wohn. d. Stuhlrieht. e.Erd. 
detto 
detto 
detto 

175 Ebene bei Giralt 

176 Szobos 

177 Kerekret (Sehloss) 

178 Radoma (Wirthshaus) .... 

179Sehavnyik (Badhaus) 

180 Brücke über die Topla bei Giralt' 

2-/2 Toisen üb. d. Wasserspiegel 



181 Kardesony-mezö 

182 Kükemezö . . . 

183Nyirjes 

184Laszcz6 

185 Margonya (Sehloss) .... 

186 Herhej 

187jKohany (westl. von der Strasse) . 
188IPorubka .... 

Nemetfalu 

Spiegel der Topla in Nemetfalu . 

Kurima 

Dubine 



189 
190 
191 
192 

193|Polvak6ez 



194 
195 
196 



Hraböcz 

Komaröcz (Spiegel der Topla) 
Bärtfaujfalu 



26. Juni 
detto 

27. Juni 
detto 

26. Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 
detto 
detto 

27. Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 



7 h 20 F. 
detto 
9*10 F. 
detto 
9'' 6 F. 

10'tO F. 

1 l h 5 F. 

I2 h 5M. 

12''45 A. 

6*15 A. 

6'45 A. 

730 A. 

11' 15 F- 

1T'30 F- 
12" M. 

4' 25 A 

4'45 A. 

645 A. 

6' 25 A. 

6 h 30 A. 

6''40 A. 

6'53 A. 

7M5A. 

7 h 30 A. 

7' 50 A. 

8*'15A. 



744 57 
742-90 
744 38 
742-61 
747-34 
74583 
743 67 
743 88 
742-74 

74770 
74693 
744-70 
747-33 
746 36 
74494 
74269 
739 50 

742 49 

743 09 
743.39 
742-70 
742.10 
741-69 
74060 
739-42 
732 96 



5 H 



12-6 — 
do. -170* 
17-0 — 
do. —16 0' 
150— 91 
16 2— 7 
15-8 i-r- 10-3 
16-9 -r 15 1 
17-8 r 15 

162'—i5.2 
160 12-4 
15 8 — 2-3 
17-6—177 



17-8 
180 
196 
200 
18-8 
18-6 
18-4 
18 2 
18-0 
16-0 
15-5 
150 
13-9 



-13-7 

- 8.5 

- 4-8 
-f 98 

- 3-3 

- 5-9 

- 70 

- 3 6 

- 0-2 
+ 2-2 
+ 7-4 
■f 13-4 
+ 44-4 



-H 



■5W 



Mittel 



94-5 


971 


854 


87-7 


938 


964 


104-8 


107-7 


109-6 


1126 


109-5 


112-5 



79 3 

821 

92-2 

76 8 

808 

8fi-0 

89-7 

104-3 

91 2 

887 

875 

90-9 

94-3 

96-7 

1019 

107-9 

138-9 



815 

84-3 

94-7 

789 

83-0 

88-4 

92-2 

107-2 

937 

91-2 

89 9 

93-4 

899 

994 

104-7 

110-9 

142-7 



') Differenz gegen Kaschau, Standbarometer. 



86 



Franz Ritter von Hauer. 



13.) Bartfeld und Umgebung dieses Ortes. 
Für Bartfeld die Differenz gegen das Standbarometer in Kaschau. 





Ort 


g 

s 

a 


Zeit 


S 

3) 

O 


= 

o 

E 
c 


9 
s: "T 

z % 

'r >> 

— tf. 


Differenz 

gegen Bartfeld 


5 5 

~ '- 
VI 


8.2 


19? Bad Bartfeld .... 


28. Juni 


745 F. 


B.730-66 


13-5 


4S-? 










detto 


detto 


detto 


731-00 


do. 


— 


— 








detto 


detto 


4'' A. 


B. 73090 


17.1 


+ 50-3 











detto 


detto 


detto 


730-40 


do. 


— 


— 








detto 


detto 


7 b 50 A. 


B.7330 


14 2 


+ 42-0 


— 








detto 


detto 


detto 


73244 


do. 


— 











detto 


29. Juni 


7"30 F. 


B. 733-84 


111 


f- 45 1 











detto 


detto 


detto 


733-68 


do. 


— 


— 








detto 


detto 


ll h F. 


B. 73412 


107 


+ 45-2 











detto 


detto 


detto 


734-19 


du. 


— 










detto 


detto 


4 h A. 


B. 734-58 


125 


| 43-7 


— 








detto 


detto 


detto 


733-56 


do. 


— 


— 








detto 


30. Juni 


6 b 15 F. 


B. 73391 


88 


-f 462 











detto 


detto 


detto 


732-88 


do. 


— 










detto 


detto 


715 A. 


B. 733-60 


12-8 


+ 48-5 










detto 


detto 


detto 


732-40 


do. 


. — 










detto 


1. Juli 


645 F. 


B. 733 92 


100 


+ 47-1 










detto 


detto 


detto 


73308 


do. 


— 










detto 


3. Juli 


7'25 F. 


B. 733-88 


14 2 


+ 47-7 










detto 


detto 


detto 


732-81 


— 


— 










detto 


detto 


10*30 F. 


73371 


18-4 


+ 48-6 










detto 


detto 


detto 


732-88 


do. 


— 










detto 


4. Juli 


745 F. 


735-36 


143 


+ 52-7 




Mittel 




detto 


5. Juli 


6'30 F. 


733-69 


12-5 


-f 49-3 




158-3 


162-7 


198 


Stadt Bartfeld (Stuhlr.- 




















Amt 1. Stock . . - 


28. Juni 


4 b 45 A. 


73443 


179 


— 


— 28-0 


1303 


1339 


199 




29. Juni 


4 b 45 A. 


738- IS 130 


— 


— 21-8 






JJ 


detto 


5. Juli 


8 b 15 F. 


73864 L5-3 


25a 


— 


136-5 


140-3 


200 


Ruine Makovicz . . . 


1. Juli 


6'30 A. 


717-29 160 


125-4 


— 


2364 


242-9 


201 






540 A. 
7 h 30 A. 


734-71 12-7 
733 39 Uli 


— 


— 50 
+ 21 






)! 


detto 


detto 




» 


detto 


2. Juli 


5 h A. 


732 36 11-3 


+ 400 




M 


ttel 


» 


detto 


5. Juli 


8 h 40 F. 


733-91 13-4 


-f 48-1 




155-7 


1600 


202 


Höhe zwischen Hoszuret 




















und Andrejowa . . . 


2. Juli 


8 h 5 F. 


724-74 


138 


+ 77-8 


— 


1888 


1940 


203 




2. Juli 


8 b 40 F. 


73404 130 


+ 32-6 


— 


143-6 


1476 


204 


Meierhof N. v. Andrejova 


detto 


9 b 30 F. 


72612 130 


-H 70-7 


— 


1817 


186-7 


205 


Höhe W. v. Czigla . . 


detto 


1045 F. 


715-70 13-2 


i 129-8 


— 


140 8 


144-7 


206 




detto 


il h 30F. 


73170 12 8 


■f 44-1 


— 


1551 


159-4 


207 




detto 


1245 M. 


732 96 11-5 


+ 376 


— 


1486 


152-7 


208 


Höhe zwischen Dubova 


















und Niklova .... 


detto 


3 b 55 A. 


725 61 114 


f 75.8 


— 


1868 


1919 


209 




detto 


440 A. 


730-38 11-5 


+ 520 


— 


1630 


1675 


210 


Räuberbrunnen (NW. v. 


















Bad Bartfeld .... 


30. Juni 


9 b F. 


700- 15 10 8 


— 


T 189-5 


347 8 


3574 


211 


Magura (Kamenahora) . 


detto 


9'45 F. 


683 15 10 6 


— 


r 290 3 


448-6 


461-0*) 


212 


Aranypataka .... 


detto 


1240 M. 


72641 ITii 


— 


+ 30.9 


1892 


194-4 


213 


Höhe zw. Aranypataka 


















und Bad Bartfeld . . 


detto 


2 h 45 A. 


715'54 


13-2 


— 


+ 86-8 


243-1 


251 9 



*) Nach trigonometrischer Messung 471 08. 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 



87 



Ort 






te e 
Q S, 



4) fH 



2 Uä 



»2-< 



214 Brücke zw. Stadt ßartf. 

und Särpataka . . . 

215 Sarpataka 

216Bokitö 

217Tarn6 

218 Kruslyo (Marienthal) . 
219Szverzsö 

220 Unter-Tvaroscza . . . 

221 Sattel zw. U. Tvaroscza 

und Stebnik .... 
222Stebnik 



1. Juli 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 
detto 



8'' F. 
8'20 F, 
8>'35 F, 
8'45 F. 
9'40 F. 

10'15 F. 

11* 0F 

12''45M 
4'50 A 



739-31 
735-48 
734-78 
733-62 
732.29 
731-26 
723-91 

700-39 

72648 



12 9 

132 

13 4 
13 5 

142 
152 
165 

150 

180 



17-7 
37-0 
40-0 
45-7 
51-5 
57-0 
94-8 



+ 233 6 
+ 711 



128-7 
148-0 
1510 
156-7 
1625 
168-0 
205-8 

344.6 
182-1 



132-3 
1521 
155-2 
1610 
1670 
172 6 
211-5 

3541 
187-1 



14.) Strasse von Zboro nach Szvidnik und Komarnik an der 
gali zischen G ranze. 

Differenz gegen das Kaschauer Stand baroineter. 



Ort 



pq 



CG 



223 

224 
225 
226 
227 

228 
229 
230 
231 



232 
233 
234 
235 
236 
236V S 



Smilno 

detto 

Thal bei Jedlinka 

Unt. Polyanka 

Hutka (Brücke) 

Ob. Miroso 

Unt. Miroso 

Ob. Orlich 

Unt. Orlich 

Szvidnik (Schloss) 

detto 

detto 
Thal von Kapisov ...... 

Ladomir 

Hunköcz 

Polana-Krajna 

Unt. Komarnik (Posthaus) . . . 
Sattel zwischen Komarnik und 
Barwinek 



29.Juni 

5. Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

6. Juli 
5 Juli 
detto 
detto 
d etto 
detto 

detto 



6 h 30 A 

9 b 10 F. 

9*25 F. 

9'40 F. 

9 h 55 F. 

1045 F. 

10''35 F. 

ll h 0F. 

1T15 F. 

12 h 30 M. 

detto 
7 h F 

3 b 55 A. 
4 h 10 A. 
4 h 45 A. 
5 h 15 A. 
6 h 8 A 

7 h 5 A. 



72222 

722-38 
727-67 
728-36 
72635 
73025 
73575 
739-33 
740-78 
741 05 
B. 740 33 
742-06 
739 41 
73731 
733 85 
731-77 
72677 

715-76 



11-0 

14 6 

14-7 

148 

149 

150 

152 

154 

15-5 

160 

do. 

11-3 

14-8 

14-8 

146 

14 4 

120 

95 



+ 58-0*) 
+ 105-7 

+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 



76-7 
72 
81-2 
631 
328 
13-2 
70 

2-4 
28 
6-9 
166 
337 
441 
690 



Mi 
216-5 
187-7 
1830 
192-2 
1741 
1438 
124-2 
1180 



ttel 
222-5 
192-9 
188-1 
1971 
178-9 
147-8 
127-6 
121-4 



Mittel 



+ 129-6 



113-6 
1179 
127-6 
144-7 
1551 
1800 

2406 



1167 
121-2 
131-3 

148.7 
159-4 
1850 

247-2 



*) Differenz gegen Bad Bartfeld. 



88 



Franz Ritter von Hauer. 



15.) Strasse von Szvidnik über Sztropko nach Homouna. 
Differenz gegen Kaschau. 





Ort 


ez 


ts: 


3 
o 

© 

=5 


43 

O 

3 


.0) 

er 

s 


OB = 


— 3 

- = 


?,37 




6. Juli 


S Y.i F. 

945 F. 

9'30 F. 
10' 40 F. 

detto 
12*05 A. 

rio a. 

I'40 A. 
2 1 ' A. 
2 23 A. 
3' 5 A. 

detto 
4 30 A. 
5'25 A. 

t; :; \. 

6' 15 A. 
6'25 A. 
6'45 A. 

? :; \. 

7 b 45 A- 


745-86 
747-21 
747-59 
746-59 

V, 744 -75 
748-68 
74S-?) 
7411-38 
751 1 5 
75113 
750-83 

B. 747-67 
752-05 
75205 
744.2 
753-0 
751-9 
751-7 
751-2 
750.4 


141 
148 

15-2 

170 

do. 

193 

19-4 

19-6 

200 

20-2 

21.6 

do. 

20-5 

19-5 

190 

18 8 

18-5 

180 

175 

170 


— 155 
—21-9 

—241 

—20-5 
—32-3 
—327 
—362 
—44 9 
—452 

—44-2 
—410 
—507 
—13.3 

—548 
—50-0 


95 5 

89-1 
86-9 

90-5 

78-7 
7S-3 
74-8 
661 
658 

66-8 
700 
60-3 
977 
56-2 
61 


98-1 


238 




detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 

detto 


91-6 


*>39 




89-3 


240 
240 
?,41 


Jetto 


930 

809 


242 




80-5 


*>43 




76-9 


?,44 




679 


245 
246 
24? 
248 
249 


detto 


676 

68-6 
719 
620 


250 
251 


Ruine Csicsva-Alja 

Bett der Ondava bei Tavarua . . . 


100-4 
57-8 
627 


?53 




—49 3 61-7 


634 


254 

255 


Zavadka 


—46-7 
—44-6 


64-3 
66-4 


65 1 
682 



16.) Homo n na, Szinna und Umgebung. 

Differenz gegen Kasehau. 



Ort 


_3 


'3 


o 

0) 

o 

J5 


s 


3 
5 


B 

3 3 

— v> 

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S 

«3 


e 
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JE ^> 

» c 
c» •- 


256 


Homonna (Haus d. Graf Vetter) . . . 


7- Juli 


5'30 A. 


741-61 


220 


— 38-7 








detto 


8. Juli 


710 F. 


747-91 


17-0 


— 45-3 








detto 


14. Juli 


1T45F. 


748-3? 


14-7 


— 42-5 


Mittel 




detto 


17. Juli 


12''50A. 


747-18 


19-5 


— 40-6 


69-4| 71-3 


257 


Hazsina 


8. Juli 
17. Juli 


3' A. 

9 h 45 F. 


74871 
74676 


220 
171 


— 40-2 

— 40-4 


.Mittel 




detto 


707 72-7 


?58 




8. Juli 
17. Juli 


3 l 15A. 
9'25 F. 


74670 
744-38 


221 
16-8 


— 31-2 

— 29-2 


Mittel 




detto 


80-8, 830 


259 




8. Juli 


3 15 A. 


747 19 


220 


— 32 1 


Mittel 




detto 


17. Juli 


8'40 F. 


743-71 


16-2 


— 27-8 


811 83-3 


9 60 




8. Juli 
17. Juli 


V 1 5 A. 
8 L 25 F. 


743-59 
74073 


21-8 

160 


— 125 

— 12 9 


Mittel 




detto 


98-31010 


261 




9. Juli 


5 h F. 


743-0? 


136 


— 66 






detto 


15. Juli 


8' F- 


73961 


130 


— 8-1 


Mittel 




detto 


17. Juli 


?'F. 


739-64 


14-8 


— 89 


1031 105-9 


262 Hochofen im Josephsthal S. v. Szinna . 


9. Juli 


7*40 F. 729-16 


160 


-j- 60 1 


171 1 175-8 


263 Eisensteingrube unter dem Szinnastein 


detto 


8>45 F. 


70617 


216 


-1941 


'205- 1 210-8 


264 


Szinnastein Felsplatte 2 Klft. unt. d. Spitze 


detto 


1140 F. 


674-54 


180 


r 387-6 


498-6 
1 


512-4 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 



89 



17.) Gegend nördlich von Szinna, dann Lab orecz - Thal von 

H a b u r a bis Homonna. 

Differenz gegen Kaschau. 



* 


Ort 


=■ 


"3 


3 

3 


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3 


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7| 3 

i ^ 

OD ^ 


265 


Pesolina 


9. Juli 
10. Juli 


710 A. 

1040 F. 


734-51 
72893 


173 

18 4 


H- 25-0 
t 43-7 


136 
154-7 


139-7 


266 


Sauerbrunnen bei Pesolina . 


159 


267 


Höhe zwischen Pesolina und 




















detto 


1148 F. 


704-91 


18-6 


r 183-3 


2943 


302-4 


268 


Höhe zwischen Pesolina und 




















9. Juli 


8'IOA. 


721-21 


16-5 


+ 123 3 


2343 


240-8 


269 




10. Juli 


8'45 F. 


725- 11 


17 2 


+ 622 






»> 


detto 


detto 


7'4S A. 


724 63 


15 8 


-f- 652 


Mittel 


n 


detto 


11. Juli 


9' 15 F. 


725 03 


16 9 


+ 654 


1751 


179-9 


270 




10. Juli 


12'50 A. 


722 10 


195 


f 87-7 


198-7 


204-2 


271 


Sattel zwischen Osztroznyicza 




















detto 


l b 20 A. 


711 66 


199 


T 140.4 


251 4 


258-3 


272 




detto 


l h 45A. 


718-35 


20-2 


+ 99-9 


210-9 


216.7 


273 


Sattel zwischen Parihuzocz u. 




















detto 


155 A. 


71236 


20 1 


T 136-1 


247 1 


253-9 


274 


Mühle WNW. von Hosztovicza 


11. Juli 


9''50 F. 


728-50 


171 


4- 42-7 


1537 


1579 


273 


Unt. Jablonka 


detto 


104S F. 


73061 


17 4 


■f 33-2 


1442 


1482 


276 


Sattel zw. Jablonka u. Viläg 


detto 


10 h S0 F. 


719-21 


172 


+ 923 


203-3 


2089 


277 


Vilag (Thal bei der Kirche) . 


detto 


U4S F 


72820 


17-4 


+ 41-8 


152-8 


1570 


278 


Virava (Haus des Notars) . . 


detto 


12 h SM. 


724-60 


17-5 


+ 57-7 


168-7 


1734 


279 


Höhe zwischen Virava und 




















detto 


3 h 35 A. 


71484 


170 


r 119-2 


1302 


133-8 


280 


Szterkocz 


detto 


3'50 A. 


719-37 


17-2 


+ 92 9 


203-9 


209-5 


281 




detto 


4 1 ' 0A. 


721 07 


17-4 


4- 829 


1939 


1992 


282 




11. Juli 

detto 


4''45 A. 
7 h A. 


72629 
72119 


17-6 
162 


+ 54 2 
+ 835 


1652 


169 8 


283 




Mittel 


r> 


detto 


12. Juli 


8' 15 F. 


720-61 


14-8 


l 74-3 


189-9| 195 1 


284 


Borro . . . . 


11. Juli 

12. Juli 


645 A. 
930 F. 


724 69 
72461 


17'0 
14-9 


+ 63-7 
+ 52-2 


Mittel 


» 


detto 


1689 


1736 


288 


Kamiana, Berg, westlich von 


















Borro , 


12. Juli 


7 h 30 F. 


69531 


136 


-224-9 


335-9 


345 2 


286 




11. Juli 


5'30 A. 


726-49 


17-8 


+ 53-7 


Mittel 


» 


detto 


12. Juli 


10 1 ' 5 F. 


727 23 


151 


■f 375 


156-6 


160-9 


287 


Krasznibrod ...... 


detto 


10' 48 F. 


730 71 


149 


+ 201 


131 


134-6 


288 




detto 


li h 0F. 


732-99 


150 


-f 8-7 


119 7 


1230 


289 


Ob. Csebinye 


detto 


11' 20 F. 


733 60 


14-9 


4- 5-5 


1165 


119-7 


290 




detto 


U'45 F. 


734-28 


14-8 


4- 21 


113 1 


116-2 


291 


Horbok Hadväny 


detto 


12'30M. 


736-18 


170 


- 7-2 


1038 


1067 


292 




detto 


448 A. 


73582 


16-8 


— 51 


105 9 


108-8 


293 




detto 


4'40 A. 


737 14 


16-7 


— 125 


98-5 


101-2 


294 


Mündung des Baches von 




















detto 


4'50 A. 


738-23 


166 


— 17 7 


933 


95-9 


295 




detto 
detto 
detto 


540 A. 
5'30 A. 
5'45 A. 


739-43 
738-93 
74115 


16-5 
15-8 
157 


— 22-7 

— 21 8 

— 30-1 


88-3 
89-5 
80 9 


90-7 


296 




920 


297 




831 


298 




detto 


7''A. 


744-76 


15<5 


— 45-6 


65-4 


672 



90 



Franz Ritter von Hauer. 



18.) Strasse von Homonna nach Unghvar, 
Differenz gegen Kaschau. 




u 














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03 




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O f-r 








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• 







«SM 



299 

300 

301 
3U2 
303 
304 
305 
306 
30? 
308 
309 
310 
311 

312 
313 
314 
315 
316 
317 
318 



Barkö 

detto 

Altes Schloss bei Barko 

Wirthshau* S. von Barko 

Oermezö 

Volya Laborcz 

Natafalva 

Topolyan . . 

Nagy-Mihäly 

Ivis Zalaeska 

Lueska (Kirche) 

Zaradka 

P. Bibniez 

Bad Szobrancz 

detto 

Ort Szobrancz 

Tiba . 

Orechova 

Karcava 

Feisö-Nemeti 

Höhe zw. F. Nemeti und Unghvar . . 
Unghvar (Gasth. zur Krone 1. Stock) . 



8. Juli 

17. Juli 

8 Juli 

detto 

17. Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

18. Juli 
detto 
detto 
detto 
delto 
detto 
detto 
detto 

19. Juli 



7'45 F 
3 A. 
8'35 F. 
9' 20 F. 
3"15A. 
3'40 A. 
3''50 A. 
4'30 A. 
6 U OA 
7 h 7A. 
7 1 35 A. 
7"45 A. 
8 b 45 A. 
7 h F. 
10 h 45 F. 
3 L 15 A. 
3 b 30 A. 
3 h 50 A. 
4H5A. 
4 fc 30 A. 
4 h 37 A. 
? h 50F 



750 77 
75015 
735-30 
74980 
75110 
751-27 
74976 
751-87 
75259 
752-51 

751 24 
53.45 

75322 
753-47 
75501 
758-34 
75708 
75762 
75769 
757-68 
75338 
75859 



17-3 
20 
181 
184 
20-2 
20-4 
20-5 
20-3 
19 2 
180 
17-8 
17? 
170 
160 
168 
183 
18-4 
182 
186 
18-5 
182 
17-3 



-58 I Mittel 



53 2| 554 
16 9 127-9 
60 2 



-51 8 

-577 
-580 
-507 
-59-9 
-599 
-59-9 
-54-1 
-634 
-61-2 
-46-5 
-44-6 
-62-6 
-570 
-593 
-593 
-591 
-400 
-613 



53-3 
53 
60 3 
511 
51-1 
5M 
56-9 
47-6 
49-8 
64-5 
66-4 
48-4 
54-0 
51'7 
517 
519 
71 
49-7 



569 
131-4 
61 9 
54-8 
54 5 
620 

52 5 
52-5 
525 
58-5 
48 9 
51 2 
66-3 
682 
497 
555 

53 1 
531 
533 
730 
51 2 



19.) Strasse am Ungh-Flusse von Unghvar bis zur galizi- 

schen Grenz e. 

Differenz gegen Kaschau. 




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a> 






V 


N 


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Q 


«5 


H 







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W — 



319 
320 
321 
322 
323 
324 
325 

326 



327 



AI. Donionya • 

F. Domonva 

Xevicke 

Kemencze 

Voroco (Wirthshaus a. d. Strasse; 

Perecen 

Zarisko (Häuser a. rechten Ufer) . 

detto 
Dubrinic 

detto 

detto 
Uj Kemencze (W. von Dubrinicz) 

detto 



19. Juli 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

22. Juli 

19. Juli 

22. Juli 

detto 

detto 

detto 



U30 A 
U40 A 
2 h 8A. 
2'20 A. 
3 f 40 A. 
445 A. 
615 A. 
5 fc 45 A 
6 h S0 A. 
9 b 15 F. 
5 h A. 
12H5M 
3 h 45 A 



758-54180 
758 22 17-9 
757-69 17 2 
75627170 
754-75 180 
75361 190 
753 111171 
746 96121-4 



I 
64-01 470 48-3 
63 480 49-3 
60 8 50-2 1 51 6 
58-l| 59-7 
63-U 64-8 
67 7| 69-6 

Mittel 
73 7! 75-7 



75282 
748-58 
74555 
724-94 
724 26 



166 
184 
220 
230 1 
213 



— 529 

— 47-9 

— 43 3 

— 40 4 

— 342 
391 
359 
269 
962 



Mittel 
79-4 81-6 
Mittel 
100-9|209 5 215-3 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 



91 



Ort 



328 
329 
330 

99 

331 
332 
333 
334 
333 

336 
337 
338 

339 

340 
341 



Miree 

Kis-Berezna 

Nagy-Berezna 

detto 

Zabrugy (Höhe) 

Brücke üb. d. Ulicska-Bach .... 

Solja 

Kostrina 

Brücke, eine Stunde nordöstlich \ 

Kostrina 

Sztavna 

Luch 

Voloszanka 

detto 
Uzsok (Ehemaliges Dreissigst Haus) 

detto 

Uzsok Mineralquelle 

Pass nach Galizien, NO. von Uzsok . 



19. Juli 
detto 
detto 

20. Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 
detto 
detto 

21. Juli 

20. Juli 
detto 

21. Juli 
20. Juli 

detto 



7''20 A. 
7 h 50 A. 
9'15 A. 
6 h F. 
8"45 F. 
8*'52 F. 
9'40 F. 
10' 31 F. 

ll''35 F. 
1250 A. 

2'55 A. 

735 F. 

335 A. 

4' 50 A. 

635 F 

6 b 30 A. 



75133 
75036 
748-50 
747-46 
745 61 
747-16 
74189 
73816 

734 16 
727 15 

72260 
71948 
719 19 
709 11 
709-46 
709 93 
688-87 



16 2 

157 
14-8 
12-7 
17-6 
17-7 
18 5 
20-5 

206 

208 
20'0 
162 
195 
18-3 
14(1 
18 3 
160 



- 32 6 

- 27-9 

- 18-6 

- 17 6 

- 105 

- 17 7 

6-S 
23 

55-8 

76-2 
108-6 
1156 
118-5 
1771 
174 7 
173-C 
3012 



78-4 
831 
92-4 
93-4 
100 5 
933 



80-6 
85-4 
94-9 
960 
103-3 
95-9 



117-3 120 6 
1340 137-7 

166-8 171-4 

1872 192-4 
119 6 122-9 

Mittel 
117 1) 120-3 

Mittel 
287 3,295 2 
2840-291-8 
412-2423 6 



20.) Von Uzsok in das Lyutta-Thal und dieses entlang 

abwärts. 

Differenz gegen Kascbau. 



Ort 



342 Tieha (Thalboden beim Pfarrhaus) . . 

343 Pass zwischen Tieha und Lyutta . . . 

344 Sagemühle >^0 von Lyutta 

345 Lyutta (Haus des Waldbereiters) . . . 
„ I detto 

346 Brücke in der südlichen Thalecke nörd- 

lich vom Bohatec-Gebirge 

347Staniska 

348 Csornoholov a (Förster Haus) . . . . 
„ | detto 

349 Csornoholova (Thalebene) 



5 


N 


Ol 

g 

C 

s- 

C5 

PQ 


21. Juli 


9''25 F. 


712-37 


detto 


10'15 F. 


698-16 


detto 


12 b 30 A. 


710-68 


detto 


12 h M 


714 60 


detto 


4 1 ' 5A. 


71405 


detto 


3'43 A. 


72117 


detto 


7 h 15A. 


73042 


detto 


9'A. 


73804 


22. Juli 


6'30 F. 


73811 


detto 


7 b 15 F. 


740-20 



H 



18-5 
17-6 
19-8 
196 
220 

18 5 

160 
15 1 
145 
15-8 



156-9 
244 
165 7 
141 8 
143 1 

98-5 

47 9 

05 

10-5 



_2 c 



2679 
3550 
276 7 



~ •— 

2=5 

«: — 



27532 
3639 
2843 



Mittel 
2535,2605 

2095 215-3 
158 9|l63-3 

Mittel 



116 5 



81111-8 



119-7 
114-9 



92 



Franz Ritter von Hauer. 



21.) V o n P e r e c e ii i\ h er Turia-Remete n a c h IVI u n k a c s. 

Differenz gegen Kasehau. 



Ort 



s- -r 



Z o 
Ö.2 



■o z: 



350 
351 



352 
353 
354 
355 
356 

357 

358 
359 
36Ü 
361 
362 
363 



364 

365 



Ö Szemere 

Turia Remete 

detto 

detto 
Rakö (Wirthsh. 3 Tois. üb. d. Thalsohle 

Pasika (Pfarrhaus) 

Pass zwischen Pasika u. Trosztyanicza 

Trosztyanicza 

Pusznyakfalva 

detto 
Einmündung der Strasse i. d. Thal \V. 

von Szidorfalva 

Mühle und Pottaschen-Hütte .... 

Strasse bei Liszarnya 

Thal bei Also-Viznicze 

Uj Klenocz 

Friedrishsd'irf , . 

Hochofen . 

detto 

detto 

detto 
Brücke hei Podherring 

detto 

Munkacs (Gasth, z. Stern 1. Stock) . . 
detto (Strasse) 

detto 



22. Juli 
detto 

23. Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

24. Juli 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
dett > 
detto 

25. Juli 

26. Juli 
29. Juli 
24. Juli 
29. Juli 
24. Juli 

26. Juli 

27. Juli 



6 h 43 
9'30 
7'35 

4'' A. 
5 \ 
5 h 30 

?':;o 

8 L 40 

\)"M) 
5' 10 



8'' 5 F. 
8''35 F. 
9"20 F. 

10 h 45 F. 
II' 10 F. 
11' 30 F. 
I22HA. 

9'40 F. 

6 h 15 F. 

6'F. 

4 1 ' 5 A. 

7'20 F. 

5'30 A. 

4 h 5 A. 

7'40 A. 



747-55 
74595 
748- 11 
746 24 
744- 16 
742- 16 
710 69 
71590 
712-35 
711-64 

728-22 
731-41 
73806 
746-74 
748-63 
749-53 
751-55 
74925 
75038 

742 43 
750-73 

743 10 
750-88 
755-50 
75517 



19-6 
14-2 
16 
205 
20-3 
202 
15 2 
14-4 
13 9 
12-7 

205 
206 
208 
214 
220 
21 7 
21 S 
19-8 
150 
169 
220 
17-5 
22-5 

9 



- 370 

- 29-5 

— 32 6 

- 18-5 

— 7-6 

+ 21 
j 170 7 
i 139 2 
+ 1614 
! 1617 



740 



760 



Mittel 



+ 



680 
51 6 
171 

- 24-8 

- 344 

- 38-7 

- 48-7 

- 50 5 

- 50-5 

- 49 4 

- 47-4 

- 53 

- 48-8 
-57-3 
-58-8 



84-2 
103-4 
1131 
281-7 
250-2 



80-5 
1 06.3 
116 2 
289-5 
257- 1 



Mittel 
272-5 1280-0 

1790 183-9 
162-6 167 I 



1281 
86-2 
76 6 
72 3 



131 6 

88-6 
78-7 
743 



Mittel 
61-21 629 

Mittel 
6091 62-6 

Mittel 
53 Ol 54-5 



22). Gegend südlich von Munkacs bis B e r e g h s z a s x. 

Differenz gegen Kasehau. 



Ort 



B - 
« c 

— 05 

'■- "Z 



■•o z: 

CTj — 



366 
367 
36S 
369 
370 
371 
372 
373 
374 



P. Kerepecz 

Vörös W. H 

Gath 

Janosi 

Bereghszasz-Veg-Ardö 

Bereghsza'sz 

Muzsaly (Haus d. H. v. Dercsenyi 1. Stocl 

Alaunbruch (Derekaszeg) 

Kigyös 



26. Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

27. Juli 
detto 
detto 



5' A. 
5'15A. 
5' 30 A. 
6 l 5A. 
6'30 A. 
7 h 30 A. 
5'45 F. 
9'20 F. 
12'40A. 



756-49 


B 


756-70 


« 


756-90 


C 


757-11 


a 


756-92 




75711 


E 


757-65 


5 


739-60 


Z 


757-36 


h 



—62-4 
—63-0 
—63-6 
—63-9 
—62-5 
—64-3 
—50-4 
+ 24-7 
—61-2 



48-6 
48-0 
47-4 
471 
48-5 
46-7 
606 
135-7 
49-8 



49-9 
49-3 
48-7 
48-4 
49-8 
48-0 
62-3 
139-5 
51-2 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 



93 













O 


3 


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— 


Q 




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375 






27. Juli 


l h 5A. 


757-76 


■£ c 


—631 


47-9 


49-2 


376 


Bereg-Ujfalu . 




detto 


l h 45 A. 


75546 




—53-3 


57-7 


59-3 


377 


Sägemühle NO. 


von Bereg-Ujfalu . . 


detto 


4 h 6A. 


757-20 


S P 


—635 


475 


48-8 


378 






detto 
detto 


6 h A. 
6 b 10A. 


755 16 
75615 


- a> 


—567 
—61-4 


54-3 
496 


55-8 


370 




51 











23.) Von Munkacs über Szolyva und A. Vereczke an die 

galizische Grenze. 

Differenz gegen Kaschau. 



Ort 



2 o 



!§5 



380 
381 
382 
383 

384 
385 

386 

387 

388 

389 

390 

39 

392 

393 

394 

39 

396 

397 

398 

399 



St Miklös . . • 

Unt. Hrabonicza 

Brücke W. v. Pasika 

Kalksteinbruch zwischen Pasika u. 

Bisztra 

N. Bisztra 

Szolyva (Forst-Haus) . ... 

detto 
Plateau ob. d. Bad Szolyva . . 

Holubina (Kirche) 

Polena (Posthaus) 

Uklina (Wirthshaus) 

Voloszata (detto) 

Sattel genannt Rosgylla .... 
Felsö-Hrabonicza (Meierhof) . . 
Pudpolocz- (Strassenkreuz) . . 

detto 
Wirthshaus beim Ausgange des 

Jalovathales 

Vereinigung des Latorcza und 

Slavka Baches 

Also Vereczke 

detto 
Zavadka (Kirche) 

detto 
Hlubokpatak 

detto 
Pass an die galizische Gränze . 



29. Juli 
detto 
detto 

detto 
detto 
detto 

3. Aug. 

29. Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

i Aug. 

detto 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 



7''50 F. 
8 1, 5 F. 
8'40 F. 



10 1 ' F. 
1 130 F. 
1 2' M. 

6'40 F. 

3''55 A. 

4 h 5A. 

4 h 45 A. 

5 h 35A. 

6 h 15A. 

6 l 45A. 

7 h A. 

7*30 A. 

9 h 30 F. 

10H5 F. 

10' 45 F. 
ll h 10 F. 

5'55 A. 
11 ''40 F. 

3' 6A. 
II 1 40 F. 

3 h A. 
12 h 50 M. 



742.17 
739.21 

738.92 

719.21 
727.51 
734.49 
742.74 
731.42 
732.20 
727.67 
719.68 
707.71 
700.82 
711.54 
716.45 
722.53 

719.27 

717.80 
715.20 
715.87 
712.08 
712 68 
710.87 
710.00 
682.85 



17.7 
17.8 
18.2 

19.0 
19.2 
19.0 
12.6 
19.4 
19.5 
16.8 
17.6 
16.4 
15.0 
14.9 
14.7 
13.0 

13.2 

13.2 
13.7 
14.2 
13.6 
14.2 
13.8 
14.2 
10.7 



— 49 3 

— 37.3 

- 36.2 

+ 63.7 
| 16.5 

- 185 

— 19.4 

— 7.5 

— 11.2 
i 16.9 
| 54.0 

+ 1246 
+ 1661 
+ 100-6 
f 71-4 
4 651 

+ 83-6 

+ 916 
+ 107-1 
+ 107-7 
+ 1259 
+ 1231 
+ 133-2 
+ 139-2 
^301-4 



61-7 63-4 
73-7 757 
748 76-9 

174 7 179 5 

127-5 130 9 

Mittel 



92 1 
103-5 

99-8 
127-9 
1650 
2356 
277-1 
2116 



94-6 
106-4 
1026 
131-4 
1696 
242-1 
284-7 
217-4 



Mittel 
179-2 1841 



194-6 



200-0 



2026208-2 

Mittel 
218-4J2244 

Mittel 
2355^420 

Mittel 
247-2 253-7 
41 1-41422-8 



94 



Franz Ritter von Hauer. 



24.) Umgegend von Zsdenyova. 
Differenz gegen Kaschau. 



Ort 



PQ 



400 

401 
402 
403 
404 
405 
406 
407 
408 
409 

410 



Zsdenyova (Forsthaus 1. Stock) . . 30. Juli 
detto 31. Jnli 

Zbun 30. Juli 

Riesige Tanne genannt Königinn . . detto 
« — ' £ Sattel S. d. Ostra-Hura . . detto 

" t}. ö Zweiter Satte] detto 

% Sc 7 Gipfel W. von Zbun . . . detto 

= S J Zweiter Gipfel | detto 

= -.i goCaviaHura | detto 

■2 5 ö Jägerhäuschen (Cavna) . | detto 

Grunze der Buchen und Tannen am 

Gehänge gegen Zbun j detto 

Klause SW. von Zbun ' detto 



8 h F. 

8 k 30 F. 
10' 15 F 
i 135 F. 

T30 A. 

2 h 30 A. 

2 J 30 A. 

3* 5 V. 

3' 17 A. 

3+0 A. 

+15 A. 
+35 A. 



711-59 
71058 
711-68 

685-82 
67401 



1^ 



_g j- 



5 Z 

«3: = 



682 
670 
663 
658 
665 



15 
115 
143 
132 
120 
12 
11 7 
115 
113 
110 



690-88 
70310 



- 95 4 
-r 86-7 
■+■ 94-8 
+ 251-4 
+ 3222 
-r274-0 
-^3412 
+ 386-4 
+416 6 
+ 3741 



Mittel 
202 0| 226-1 
205 8 211-5 
362 4j 373 4 
433-2' 445 2 



3850 

4522 
407 4 
527-6 
485-1 



do. +2200 331-0 
11-8 +146 3, 257-3 



3956 
464-7 
511-3 
542-2 
498.5 

340 1 
264 4 



25.) Von Also-Vereczke in das Vitsa-Thal und dieses abwärts 

nach Szolyva. 
Differenz eesjen Kaschau. 



Ort 



I I 



411 
412 
413 
414 

r> 

415 
416 
417 
418 
419 
420 
421 



Felsö Vereczke 1. Aug. 

Drahusöcz detto 

Höhe Mencsel zw. Drahusöcz und Volocz detto 

Volocz (Meierhof) detto 

detto 2. Aug. 

Almamezö detto 

Zanyka detto 

Mineralquelle bei Zanyka detto 

Osza (Sagemühle) . '. detto 

Votsi detto 

Szaszoka detto 

Harsfalva (Mineralquelle) detto 



635 A. 

6 h 52 A. 

7'25 A. 

8 1 ' A. 

615 F. 

7+5 F. 

8 l 35 F. 

9" F. 
10 h F. 
1130 F. 
1245 Bi 
12+0 A. 



71531 
71271 

702-45 
712 58 
712-48 
716-67 
71947 
716 31 
723-85 
731 94 
73611 
739-41 



138 
13 6 
133 
130 

12 3 

13 2 
13 6 
13-8 
120 
135 
14-8 
150 



J- 107-8 
+ 124-1 
f 184-8 
+ 1240 
+ 129 9 
+ 105T 
+ 89-2 
-t 107 4 
+ 669 
+ 24 

-r 4-4 

- 11-7 



218-8J224-8 
235 I 241 6 
205 8 3040 

Mittel 
237-91244-5 
216-1 2221 
20022057 
2184224-4 
177-9 1828 
135;! 138 7 
115 4 1186 
99 3 102-0 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 



95 



26.) Strasse von Szolyva nach Dolha und Huszth i. d. Marmaros. 

Differenz gegen Kaschau. 



Ort 





■— 




<o 






a> 


s 


a> 


£ 


s 

o 


o 
£ 


i. 




CS 


o 


PQ 


p£j 








r- 1 



Ol •- 

V3 ^ 



422 
423 

424 
425 

426 
427 

428 



429 
430 
431 

432 

433 
434 
435 

436 
437 

438 
439 
440 



Strojna (Kirche) 

Kalkbrueh S. von Strojna . . . 

Duszina 

Roszos 

Pass 0. von Roszos 

Kereczke 

P. Csonok (Diluv. Plateau) . . . 

detto 

detto 

Ebene bei Czonok 

Bereznik 

Zusammenfluss d. Risztra und d. 

ehowi Zwor SW. von Kereczke 

Eisenstein Schürf Rosusnuj SW. 

Kereczke 

Kusnyicza "... 

Szuha Rronka 

Dolha 

detto 
Borsova-Thal bei Zädnya .... 
Höhe zwischen Dolha und Lipcse Polyana 

Lipcse Polyana 

Lipcze 

Iza 



Lu- 



3. Aug 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

4 Aug 

3. Aug 

3. Aug 



4. Aug. 

detto 

4. Aug. 
detto 
detto 

5. Aug. 
detto 

6. Aug, 
detto 
detto 

9. Aug. 



8 h F. 

9''30 F. 
tl'3() F 
12 h M. 
12'35 A. 

l h 4S A. 

3>'35 A 

6'35 A. 

6 h 45 F. 

6 h 40 F. 

4'45 A 

12 h 20 A. 



l b 25 
5 h 15 
545 

7 h A. 
8 h 25 
12 h 45 
5'35 
5 h 45 
7 l 45 
7 h 20 



741-68 

7210 

7365 

732-30 

726-30 

736-89 

731-81 

73240 

73510 

734 10 

731 48 

73053 



711 
743 
746 
749 
752 
753 
733 
737 
744 
751 



12-8 
130 
150 
155 
160 
16 8 
172 
15-3 
123 
15 3 
172 

160 

152 
17-2 
16-3 
150 
170 
22 5 
17-8 
17-6 
170 
160 



+ 



162 

88-7 
11-8 
32-8 
63 2 
124 
38-7 
37 1 
32-8 
290 
40 1 

562 



94-8 
199 7 
122 8 
143-8 
174 2 
123-4 



97-4 
205-2 
126-2 

147-8 
1790 
126 8 



Mittel 



147-2 
1400 
151 1 

1672 



1813 


2923 


36 


107-4 


176 


934 


30-6 


80-4 


31 6 


79-4 


384 


726 


37-8 


148-8 


191 


1301 


152 


958 


31-0 


800 



151-3 
143-9 
1553 

171-8 

3004 

110 4 

960 

82-6 

81-6 

746 

152-9 

1337 

98-4 

82-2 



Strasse von Huszth nach ÖkörmezÖ. 



Ort 



d aj 



M 



441 
442 
443 
444 
445 
446 
447 



Herincse 

Bisztra 

Anfang des Hotters von Vucskomezö . 

Vucskomezö 

Ditkovecz 

Höhe N. von Ditkovecz 

Okörmezö (Wohnung d. Stuhl richters) 

detto 

detto 



9. Aug. 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

10. Aug. 
detto 

11. Aug. 



8'45 F. 
12 h M. 
F50 A 
5" A. 
6 h 35 A 
7' 15 A. 
845 F. 
8 h A. 
5 h 30 F 



746-75 

73996 

735-28 

73094 

73003 

7130 

7240 

724-6 

727-57 



171 
220 
21 2 
181 j 
•3-0' 
12-2, 
12 
138 
9-2! 



- 85102-5 
4- 23-7 134 7 
+ 46 6 1576 
4- 67 3 178-3 
-j- 708 181-8 
+ 1635 274-5 

+ 964 

| 82-7, Mittel 
+ 91-4201 11206-7 



105-3 

1384 
1620 
183-2 
186-8 
281-1 



9ß 



Franz Ritter von Hauer, 



27.) Von Ökörmezö in das Talaborthai, dann in das 

Taraczkothal und dieses abwärts. 

Differenz gegen Kaschau. 





Ort 


Q 


N 


s 


es 


3 
es 

E 

c 




2 Z 

Vj 




448 
449 


Höhe zwischen 


Prislop und Szinever . 


11. Aug. 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

12. Aug. 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

13. Aug. 

12. Aug. 
detto 
detto 

13. \ug. 


9 h 45 F. 
1045 F. 
ll h F. 
11' 15 F. 

l h Ä. 

2"20 A. 

3'50 A. 

4' 30 A. 

5'45 A. 

6''30 A. 

8 h 45 A. 

5' 45 F. 

9 h 25 F. 
II) 1 IS F. 
LI' l) F. 


694-30 
709-33 
713-52 
71511 
716-56 
71539 
704 40 
686-70 
710-94 
716-34 
721 01 
721-94 
72971 
73326 
734 43 


170 
17-6 
18-4 

iso 

21-11 
20-6 
18-3 
150 
14-6 
13 4 
11-6 
90 
164 
19-2 
22-8 


| 2913 
,1997 
f 175 6 
165-4 
157-9 
r 165-4 


302-3 
210-7 
286-6 
2764 
268-9 
276-4 


310-7 
216-5 


450 
451 


Kalocsa Imsad 


294 5 

2840 


452 


Horb Kalocsa 




276 3 


453 




284-0 


454 


Gebirgs-See 
Pass am Topas- 
Deutsch-Mokra 




231 61342-6 
r 340-1 451-1 
t 1911 2021 
■r 158-4 269 4 


3521 


455 
456 
457 


Berg 


4636 
207-7 
270 8 


458 




-f- 1313 Mittel 


459 

460 
461 
462 


Brücke bei Don 


detto 


-t- 136-1 244-7 
; 95 1 1061 
r 77-5 188-5 
; 69-3 180-3 


251-4 
109 
193-7 
185-3 


463 


Kälinfalu 


12' M. 736-97 22-9 
12''50 A. 73814 22-6 


: 59-2j 170-2 


174-9 


464 




,- 5261636 

42-3 Mil 

+ 43-3 153-8 

i- 76 7 187 7 

-1-100-2 201-2 

j- 43 9 154-9 

16-2 L27-2 

r 7-3 118 3 

— 2-2!l08-8 

65404-5 


1681 


465 

466 
467 
468 
469 


Also Nerecznicze(Försterh. a. d. Strasse) 
detto 

Königsthal (Pinge) 

Sattel zwischen Königsthal u. Pudplesa 


3' 45 A. 1740- 16 
6 h 5 F. 74013 

T A. 732 '60 
7' 15 A. 727-84 
7'40 A. 1739-38 
7 1 ' F. 1745 54 


21-0 
120 
15-2 
151 
14-8 
14-2 


tel 

1580 
1 92 9 
200 7 
159-2 
130 7 


470 
471 
472 


N. Kirva (Diluv. Plateau) 


detto 
detto 
detto 


8' 20 F. 747 22 15-4 
8'30 F. 74920 15 5 
8' 50 F. 750 09 15* 


121-6 

111-8 

1(17-4 





28.) S z i ge t ii 


U D (1 


einig 


e V n 


!l C 


t e de 


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geh 11 n g. 






(tri 


Datum 



^ 


s 

PQ 


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C 
4> 

H 


Differenz gegen 








ö sd 

ffl — 

— ~~ 


Cm ._ 


2 Z 
X 


"" Z 

■■o — 

~Z ~~ 
- ■ • 
«3 ^ 


473 


Sziffeth (Gasthaus am 15. Aug. 
Platz 1. Stock) . . 


84 5 F. 


746 66 


14-2 


r 16 3 


+ 50-4 


—64-2 






» 


detto 


16. Aug. 


645 F. 


746-27 


11.6 


f 13-3 


-f-50-7 


—63-2 








detto 


24. Aug. 


6 h F. 


743 11 


ii-:; 


90 


^45-3 


—66-0 






?) 


detto 


2. Sept. 


640 F. 


73956 


9 


— 


-51 2 


—68-5 


Mitte] 


W 


detto 


3. Sept. 


8 L 50 F. 


744-29 


13-8 


— 


^49-2 


—654 


120-5 


123 8 


474 


Szlatina (Ort) . . 


16. Aug. 


745 F. 


745-96 


14-6 


— 


— 0-2*) 


— 


1203 




475 


detto (Scbachtkranz, 


detto 


8'30 F. 744-20 


160 


— 


-f 6-4*) 


— 


126-9 




476 


Kobolopolvana Hütt.A. 


17. Aug. 


1045 F. 


728-49 


17-1 


+ 87-6 


— 


+ 5-2 196.1 




477 


detto (Badhaus) 


detto 


2 h A. 


725-20 


18-8 


+ 102 2 


— 


+ 17-7 209.5 




478 


Rönaszek (Amtshaus) 


2. Sept. 


1045 F. 


726-94 


? 






— 4-3 


184-4 





*) Differenz gegen Szigeth in Toisen. 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 97 

29.) Strasse von Szigeth nach Körösmezö. 





Ort 


d 


'S 




3 
•- 

CS 

QQ 


£ 
-_ 

H 


Differenz gegen 


e 

-c o 






l Z 

<f> 

Ä — 


J 

CS 


T5 .' 
'S 2 

H 


479 


Salzkammer 




17. Au°\ 


6'30 F. 
6'45 F. 


744-77 
73977 


13-0 


-f- 12-4 


— 64 2 


1 
Mit fo ' 


» 


detto 


2. Sept. 


124-7 


128-2 


480 


Yeresmarth 




17. Aug. 


655 F. 


741 81 


13-6 


h 25-6 


— 


136 6| 140-4 


4SI 






detto 


7 1 ' 1 F. 


740 47 


1 i-0 


4- 31-6 




142 6 146 5 
Mittel 


482 


Deutsch Bocsko (Theissbrücke) 


detto 


7' 25 F. 


740 39 


14-2 


+- 31-8 


— 49-2 


,, 




detto 


18. Aug. 


8 h 30 F. 


737-24 


t :; :; 


t- 33-5 


— 498 


142 


1 45-9 


483 






detto 


11» F. 


735 80 


23-2 





- 45 2 


144-6 


148 6 


484 


Trebusa 




detto 


133A. 


729-22 


19-3 


— 


— 13-0 


175-9 


180-8 


485 






detto 


6 h A. 


726-44 


15-2 


— 


4- 10 


189-6 


194-8 


486 






detto 


6 b S0A. 


724-34 


14-4 


— 


12-4 


200-7 


2062 


487 


Raho . . . 




detto 


S ! SA. 


723-34 


13-6 


-j- 92.7 


r 17-2 


Mittel 


M 




detto 


19. Aug. 


5 I, 55 F. 


723-33 


10-9 


+ 88-6 


\- 17-8 


2037 


2093 


488 


Vereinigung 


der schwarzen und 






















detto 


6 b 35 F. 


72203 


11-6 


— 


34-5 


222- 1 


228-3 


489 


P. Volesi . 




detto 


7'30 F. 


717-14 12-5 


— 


-r 54-6 241-7 


248.4 


490 






detto 


8 1 ' F. 


714-83 12 9 


— 


t 6522520 


259 


491 


Eingang in ( 


as Radonlirthal 


detto 


8'50 F. 


7U7-45 14.5 


— 


J-109-9 29S5 


303-7 


492 


Bilin . . . 




detto 


4' 30 A. 


717-20 


16-2 





-r- 45-3 232 7 
f 60-2 247 2 


2391 


493 


Borkut . . 




detto 


5^20 A. 


714-61 


15-3 


— 


254.0 


494 


detto (Mineralquelle) . . 


detto 


5 45 A 


712-23 


150 


— 


1- 74-32609 


268. 1 


49 5 


Mündung des 


Kebele-Baches . 


detto 


6 h 30 A. 


709-27 14.0 


f 92-6278 7 


286-4 


496 


Szvidovecz 




detto 


7'IOA 


706-23 1 V3 


— 


r 109-3 


294 9 


303- 1 


497 


Körösmezö 


(Haus des Wald- 




















meisters 1 


Stock) .... 


detto 


9 1 ' A. 


704-27 


13-3 


+ 186-3 


4- 1210 






W 




detto 


20. Aus. 


7 h F. 


7(12-57 10-8 


4-184-2 


r 119-2 






» 




detto 


detto 


l"2S A 


701.18 14-0 


r 192-0 


r 1192 


Mi 


tel 


w 




detto 


21. Au</. 


6''40 F. 


698-67 


11.8 


r 198-2 


h 117-5 


302-9 


311-3 



30.) Spiegel der Theiss (Nr. 498 b i s 51 2 durch Ablesung 
bei der Fahrt im F 1 s s. 















Differenz gegen 




l 










s- 


■*^ 








.Sä 




Ort 


3 


"S 



g 







3 _ 
«3 ^ 


ST 


2 5 
g.S 








— 




SB 


<t> 


05 


:0 O 




s 








ca 


-G 


W 1 ^ 


:0 




«5.2 












H 




M£ 




£ 


498 


Körösmezö 


21. Aug. 


7 b 50 F. 


69923 


132 




— 4-1 


298-9 


3072 


499 




detto 


8 h 40 F. 


700-81 


15 6 




— 16 1 


287-3 


2952 


500 


Mündung d. Thaies Kossoucze 


detto 


9'45 F. 


701-87 


16-8 




— 22 5 


2790 


288-8 


501 


detto detto Kebele 


detto 


10'' F. 


703-88 


169 




— 350 


268-9 276 3 


502 


detto detto Vaszkul . 


detto 


10 b 20 F. 


707-21 


16-8 




— 564 


248-1 


234-9 



Mittheilungen der k. k- geogr. Gesellschaft. III. Bd. II. Heft. 



98 



Franz Ritter von Hauer. 



Ort 



Differenz gegen 



:© O 



:- I 



503 
504 
508 

:;<><; 

507 
508 
509 
510 
511 
512 
513 
514 
515 
516 



ßorkut 

.Mündung des Szitnibachcs . 

Bilin 

Mündung dos Terentenbaches 

detto der weissen Tlieiss 

Raho 

Vercho\ati 

Berlebas 

Trebusa .... ... 

Mündung des Vissö .... 

Zwiscben Szigeth u. S/.hitina 
detto Taraczközu.Szaploncza 

bei Tecsö 

Einmündung il. Nagv.i^flusscs 

12 Fuss über dem Spiegel 
Tisza Ijlak 



21. Aug. 
detto 

detto 
detto 
detto 
detto 

detto 

detto 
detto 
detto 

16. Aug. 

13. Aug. 
3. Sept. 

■t.Sept 
detto 



10*30 F. 

Ki :;u F. 
iri5 p. 

12" M. 

12' 30 A. 
12''50A. 

2 h 15A. 

3' A. 

4' 10 A. 

5' 5 A. 

7'35 F. 

9" 5 F. 

1 L 5A. 

6'30 F. 
11 '' F. 



708-28 
708-97 

710-20 
710-59 
712-30 
713-39 
714-89 
718-01 
721 -84 
724-07 
747-35 
751 08 
75110 

759-80 
765-21 



16-9 
170 
17-6 

170 
180 
17-4 
17-4 
15-8 
15-1 
14-4 
14-4 
16-3 
14-0 

7-0 
ISO 



— 63- 1 

- 68-0 

- 75 9 

- 78-6 

— 89 8 
970 

— 106-5 

— 122-6 

— 146-5 
-153-8 
+ 6-5 ' 



241' 
236 
229 
226 
215 
208 
199 
183 
160 
153 
126 
99 
- 30-9 ») 90 



IM 



+ 



0-5*) 
22-7*) 



24S- 

243 

235 
232- 

5 22 1 • 
3 2 14' 

3 204' 

6 1 88 

4 1 64 
3 157 

8 130 

9 102 
92 



67-3 
441 



69! 
45-3 



31.) Von S z i g e t h durch das Iza-Thal nach B o r s a b a n y a 
nach K i r 1 i b a I» a und z u rück d u r eh da s Vissö- T h a 1. 

Differenz den 24. gegen Szisretb, die folgenden Tage "egen Wallendorf. 



Ort 



•5 «3 L 

'= = 2 



03 i, 
X - 



^3 r 



518 
519 
520 
521 
522 
523 
524 
525 
526 



Brücke über d. Ronisora . 
Farkasrev ...... 

Väncsfalva 

Nanfalva 

Barczanfalva 

Szurdok 

Bozavlia (Spiegel der Iza) 
Mündung des Sajo . . . 
Konyha 



24. Aug. 
detto' 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 



6 h 15 

635 

7' 30 

7'55 

8' 25 

9 h 40 
10' 30 F. 
10 h 45 F. 
11' 15 F. 



742-03 
741-86 
740-86 
737-84 
738-34 
735-68 
73311 
732-21 
729-11 



1 1-8 

121 
13-2 
13-8 
14-4 
15-8 
16-7 
16-9 
17-4 



-f 4 
4 
- 8 
r-21 
^19 
+ 31 
43 
^-47 
r 63 



124.8 
125.2 
128-8 
9,141-6 
9,139-8 
3150-9 
5162-8; 
2I166-4J 
11181-9: 



128-3 
128-6 
1324 
145-5 

143 7 
1551 
167-3 

I7F0 
186-9 



:|: ) Differenz gegen Huszt in Toisen. 

') Differenz gegen Szigcth in Wiener-Klafter, 



Ilühenmessunüen im nordiisllk'hen Ungarn. 



99 



Ort 



Dragomer 

Szclistye 

Szacsal . . 

Wasserscheide zwichen Sz;\cs:il 

und Mojszin 

Mojszin 

detto 

Borsabänya . 

detto 
Sattel westlich vom Megura- 

Berg 

Mündung des Nyegusza- 

Thales ........ 

Strimtura 

Sägemühle im Thal südlich 

von Strimtura 

Sattel nördlich vom Stiol . . 
Thal il. gold. Biszhicz bei der 

Einmünd. d. Weges v.Prislop 
Ausmündung des Szeszul- 

Thales 

detto 
Ausmündung des Boszavlia- 

Baches 

Ausmündung des Zibo-Baches 
detto 

Kirlibaba 

detto 
Kornidic-Pass am Wege von 

der gold. Bisztricz in den 

Hintergrund des Cislathales 

Borsa 

Felsö Visso 

Közep-Visso 

Alsö-Visso 

Brücke vor Leordina .... 

Leordina 

Petrova 

Höhe zwischen Petrova und 

F. Bona 

Felsö Bona 

Also Bona 

Höhe zwischen Also Bona und 

Karacsonfalu 



24. Aug. 
di tto 
detto 

detto 
detto 

28. Aug. 

23. Aug. 

26. Äug. 

detto 

di il i 
detto 

detto 
detto 

detto 

detto 

27. Aug. 

26. Aug. 

1 1 e 1 1 > i 

27. Aug. 

26. Aliw. 

27. Aus-. 



27. Aug. 

28. Aug. 

29. Aug. 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 
detto 

detto 

detto 



1 2' M. 
4*20 A. 
5* OA. 

6*25 A. 
7'' A. 
5*30 A. 
8 h 40 F. 
6*30 F. 

7' 35 F. 

8*48 F. 
9 h 15F. 

9*40 r. 

12 M 

1*18 A. 

2*48 A. 
11*18 F. 

4*15 A. 
4*80 A. 
9*10 F. 

6 50 A. 

7 28 F. 



4* SA. 
4*18 A. 
7' V. 
7*33 F. 
7*30 F. 
9*10 F. 
9' 30 F. 
10* F. 

1*A. 
3* A. 
3*25 A. 

4*35 A. 



-1t 



724-81 


18-6 


721-14 


17-2 


717-22 


17-0 


703-52 


18-2 


712-78 


15-3 


704-16 


9 


696-83 


II -i 


687-58 


! 0-3 


688-11 


12-4 


688-44 


14-7 


684-25 


15-8 


680-33 


[7-2 


621-31 


1 6-6 


64734 


160 


657-84 


15-3 


(552-8 ! 


? 


664-94 


14-5 


66681 


14-4 


662-65 


122 


667-28 


1 3-3 


664-71 


111 


606-85 


•> 


698-01 


•> 


713 27 


9 


715-10 


9 


716-53 


9 


720-41 


9 


72187 


r 


723 03 






c 






700-80 


•% 


729-76 


fcc 


730-88 


i 




0) 


72607 


f" 1 



'- a 

~ - 



- a 

33 sj 

X. ;- 



85 3*) 2038 
104-1*) 221-8 
128-7*) 242-8 



209-1 
227-9 

249-5 



i 209-8*) 324-3 333-3 
f-181-5*) Mittel 
88-0 27181278-3 
Mittel 
352-7 362-4 



h 166-8 

-j- 170-4 

■| 348-9 

f 162-8 
j- 188-9 

,212-7 
617-6 

-j- 428-6 

r 341-0 

i- 347-8 

i 293-9 
283-1 

-288-3 
f 274-9 
+ 274-7 



-t 709 1 

124-4 

r- 489 

392 

31-3 

HO 

3-8 

5-2 



+ 



t- 



r 1 32- i 

— 300 

— 39-2 

— 140 



528- 1 

347-0 
372-4 



542-7 

3866 

382-7 



395-6 406-3 
789.6 8114 



605-7 



022- 4 



Mittel 
523.7538-2 

474-5 1 487-7 

Mittel 
466-6 479-5 

Mittel 
435-9 468-6 



878-6 
309-6 

2361 
226-7 

218-9 
199-4 
192-3 
183 

315-2 

158 

150-4 

174-4 



902 9 
318-2 

242 7 
233-0 
2251 

204-8 
197-6 

188-6 

323-9 
163 8 
154-6 

1 79.2 



*) Differenz gegen Szigeth. 



100 



Franz Ritter von Hauer, 



32.) Strasse von S z i g e t h über H u s z t h nach Delireczin. 





Ort 


Q 






s 

o 

s 

o 
c 

Ol 


Diflf. g. 


;gen 


2 § 

75 = 






'S 
s: 


o 

g 

23 


— ii 

M SC 

« .— 

s o 
SC Eh 


ei 

u = 


— i 

® r 


555 


Brücke über die Iza bei P. 


3. Sept- 


10'15 F. 


745.34 


14.5 


4-6*) 




1159 


1191 


556 




detto 
detto 


10' 40 F. 
1145 F. 


745 90 
747.36 


15.5 
15-5 


- 6-7*) 
-13-6*) 




113-8 
106-9 


1169 


557 




109-8 


558 




detto 


11' 45 F- 


745.30 


15.0 


— 3-8*) 




1 1 67 


119 9 


550 




detto 
detto 
detto 


12"30A. 
l"30A. 

4" A. 


746.99 
749.81 
752.5 1 


14.5 
14.3 
14.0 


-12-4*) 

—255 *) 

-37-3*) 




1081 
950 
83-2 


Uli 


560 




97 6 


561 


Benecsö (Talabor Mündung) . 


85 5 


562 




detto 


4' 15 A. 


752 50 


140 


375*) 




830 


85-3 


563 




detto 


4 :;o \ 


754.30 


139 


—45-2*) 




75'3 


77 4 


564 




detto 


5 1 6A. 


754.91 


13-7 


-47-8*) 




72 7 


74-7 


565 


Huszth (Gasth. des Maszlv) . . 


7. Aug. 


1 ' 50 A . 


745.71 


215 


— 








detto 


9. Aug. 


6'30 F. 


75320 


150 


— . 








detto 


3. Sept. 


035 A. 


757.3ü 


135 


— 




Mittel 




detto 


4. Sept. 


6 h F. 


759.71 


161 


— 




668 


68-6 


566 


Altes Sebloss Husztb .... 


7. Aug. 


7" A. 


728. 1 1 


it; ii 


r 78.5 




1453 


149-3 


567 


Velika koprina (Veresmarth) 


4 Sept. 


7'45 F. 


757.68 


95 


r 6-8 




73'6 


756 


568 


Nagy Szöllös . . ■ ... 


detto 


9" 15. F. 


762.70 


I2il 


-136 




532 


54-7 


560 




detto 
detto 


950 F. 
10'25 F. 


763.74 
765 27 


130 
14-0 


-19-2 
-240 




47 6 
42-8 


48-9 


570 




44-0 


571 




detto 


3'iOA. 


763.40 


195 


-15-6 




51 2 


526 


57*> 




detto 
detto 

detto 


3' 25 A. 

3 55 A. 
4' 40 A. 


763.29 
762.89 
763.70 


19 5 

18-8 
186 


— 169 

— 131 

—172 




49-9 
53-7 
496 


51-3 


573 




55-2 


574 




510 


575 




detto 


S 1 10 A. 


763.42 


18-0 


—158 




510 


52'4 


576 


Feher Gyarmath 


detto 


6"A. 


763,13 


17 2 


—14-6 




52 2 


53-7 


577 


Spiegel des Szamos hei Matolcs 


detto 


7" A. 


763.45 


16 5 


-18-7 




481 


494 


H78 




detto 
5. Sept. 


7 h 5 A. 
5 h 45 F. 


762.76 
761.79 


165 
115 


—16-3 


— 5 3 


505 
599 


51-9 


579 


Kocsord 


61-6 


580 




detto 


7 fc 25 F. 


758.66 


13-2 




95 


74-7 


76-8 


581 




detto 
detto 


8 fc 4ü F. 
945 F. 


758.24 
757.94 


14 6 
15-0 




-106 
4-11-6 


758 

76-8 


779 


582 




78 9 


:;s:: 


Bogath 


detto 
detto 
detto 
detto 


10''50 F. 
12*30 A. 

2 b 20 A. 

3' 25 A. 


756.39 
756.32 
755.20 
755.11 


17-2 
20-0 
18-2 
178 




+ 124 
-rl3-6 
4 18 1 
4-185 


776 

78-8 
83-3 
83-7 


797 


584 




81-0 




Mihiilvdi 


85-6 


5S6 




860 


587 




detto 
detto 


6' A. 

8' 1 A. 


756.73 
758.33 


162 
15 9 




-rlO-6 


75-8 


77-9 


588 













*) DitVerenz gegen Szigeth in Toisen 



Höhenmessungen im nordöstlichen Ungarn. 



ioi 



II. Meteorologische Beobachtungen au den als Yergleichspuncte 

benutzten Stationen. 



Luftdruck bei 0° 
Pariser-Linien 



tu 1 



Temperatur 

Reaumur 
6" ! 2 1 ' ; 10 1 ' 



Datum 



Juli 



Luftdruck hei 0° in 
Pariser-Linien 



Temperatur 
Reaumur 



6' 



10'' 



6 h i 2 h : 10 h 



Ofe n. 



335-52 

35 18 
33-92 
35-13 



33337 


333-34 


140 


15-8 


34-34 


33-69 


12'6 


18 5 


34 36 


34-54 


13-0 


200 


34 39 


3430 


150 


17-5 



K a s c h a u. 



30-99 


330-99 


330 49 


112 


13 5 


| 


30-36 


30- 14 


28-43 


10 1 


152 




28-49 


29-62 


30 26 


98 


15 4 


1 


3022 


30 15 


2i)-54 


1 1 


15 7 




30-28 


30.78 


3116 


13.2 


17 5 




30-63 


29-64 


28-70 


13.3 


18-2 


] 


28-87 


2923 


2959 


140 


168 




29-86 


29-34 


29 02 


17-3 


200 




2903 


28-90 


28 65 


169 


201 




29 18 


29 30 


29-61 


13 2 


17 5 




3017 


30'29 


30-66 


174 


22 2 




31-32 


31 Ol 


30-73 


171 


230 




30-98 


30-27 


29 81 


16-5 


22 6 




29 61 


29-50 


29 52 


161 


173 




29 00 


29-67 


29-74 


175 


21-4 


1 


29-87 


29-68 


29-23 


166 


211 




29-26 


28-67 


27-84 


263 


22-3 




2970 


30 15 


3012 


139 


17-3 




29-98 


28-70 


28 32 


12-9 


20 6 




27-84 


27-99 


28-57 


14-6 


165 




28-45 


28-22 


28 22 


130 


18-8 




28-44 


28-35 


2905 


14.5 


18-2 




2005 


29-63 


29 15 


13.2 


18-8 




20-00 


28 33 


27-86 


15-2 


19-8 




26-88 


26 42 


27 04 


14-2 


173 




27-84 


28-67 


2819 


13-0 


16-8 




28-28 


27-52 


27-74 


15 7 


20 b 




27-64 


2736 


28-63 


156 


21 7 




28-68 


28-88 


29-06 


10.5 


12 3 




28-88 


28-86 


28-80 


12.5 


14.6 




2894 


28-81 


2813 


144 


20 5 




28-16 


28-24 


28-70 


133 


18-3 




28-89 


28-80 


28 99 


13 8 


194 




2995 


29-58 


29-49 


138 


196 




2934 


28-24 


28 52 


15 5 


19 1 




28-78 


28-46 


28- 2 


134 


192 


1 


28-11 


25-61 


23-88 


139 


22 1 


| 


27 13 


2798 


28-29 


168 


20 7 




28-46 


28-08 


2761 


15-9 


226 




27-36 


2691 


27-25 


168 


22 '4 




27-38 


26-24 


2633 


16-4 


214 




26- 15 


25-93 


26-42 


138 


19-7 





130 
145 
15 5 
168 



iOl 
II 

[0-2 
27 

[53 

161 

2 

[8-2 
7-0 
5-2 
[68 
[7-2 
•4 
155 
[6 
.5 

5 
5-2 
7(i 
[3-7 
[2-8 
[36 
L4-" 
[4.7 
12 
L2-< 
66 
4-9 
1-5 
3-2 

3-9 
[3-8 
[4-8 

4-9 
15 

167 
16 

5-9 

7-4 

161 

1 

4 3 



13. 
14. 
13. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
39. 
31. 
Aug 

I. 

2. 

3' 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 

10. 

11 
12. 

13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
23. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 



26 92 
27-71 
2716 
2720 

27 05 
2897 
29 60 
2916 

28 76 
28-03 
28-48 
28-80 
2783 
27 71 
29-81 
27-58 
25 04 
2392 
25 28 

2614 

2587 
2710 
28-63 
29-80 
29-71 
281 8 
28-20 
2964 

29 39 
3034 
31-44 
3104 
30-85 
31-38 
31 07 
30-48 
29 53 
28-88 
27-08 
26-45 
27 89 
29-20 
29-87 
28-29 
2539 
2301 
25 57 
26-72 
27-84 
27 31 



27- i!» 
27-59 
27-61 
27-02 
27-45 
29-44 
29-37 
28-74 
28-23 
27-97 
28-63 
28-24 
26-80 

28 64 
29-26 
26- 13 
24-44 
24-81 
2573 

26-41 
26-89 
27-72 
28-72 
29-61 
28-54 
27-01 
28-33 
29-36 
29-32 
3039 
31-70 
30-69 
30-68 
31 00 
30-90 
2999 

29 23 
2820 
26-87 
26-36 
27-83 
29 21 
294i 
2735 
23-48 
23-66 
25-49 
26-66 
27-80 
26-84 



27-57 
27-43 
27-23 
20-94 
27-90 
29-83 
29 54 
28-65 
27-85 
27-75 
29-02 
2816 
26 69 
28-42 
26-34 
24-20 
2488 
2612 
26.52 

27-05 
27- 10 

29 23 
29-23 
29-80 
28-18 
2808 
2904 
29-66 
29-54 
30-71 
30-92 

30 51 
30-76 
30-92 
3081 
29-47 
29-19 
27-75 
26 33 
26-81 
28-34 

29 30 

30 10 
2621 
2304 
24-81 
23-95 
27-32 
27-73 
27-08 



8 18-0 
18-4 
19-4 
20.2 
19-1 
20-2 
17-4 
20-2 
13-3 
24-2 
23-7 
21-5 
22-0 
212 
22-4 
20-0 
18-0 
18-3 
19-4 



I 

7 

2 
ll 
II 

6-4 

1i.11 

5 

ti 





:; 



6 

7 

6 



6 

5 

7 

ti 

X 

X 

3 

4 

3 



92 

9-5 



13 7 

14-8 
loa 
15*5 
14-9 
159 
16-4 
181 
18-8 
18-8 
18.6 
18-4 
171 
170 
17-2 
170 
151 
14-8 
15-7 



141 
14-9 

12 6 

13 6 

136 
14(5 
7 147 

149 

0,146 

7 14 8 

9 14 6 

9 17 6 

S 17-8 

0J17-0 

165 

117-5 

5160 

9 16-7 

5180 

160 

16-6 

161 

14-8 

t 14-7 

7J143 

15 6 

14-5 

122 

11-3 

10-8 

HS 



102 



Franz Ritter von Hauer. 





Luftdruck be 


0° in 


Temperatur J 




Luftdruek be 


0° in 


Temperatur 


Datum 


Pariser-Linien 


Reaumur 


Da (um 


Pai 


iser-Linien 


Reaumur 




6" 


2 L 


Kl' 1 | 6' | 2'' | 10 1 ' | 




6" i 


.> 


10" | 1 ' 2" KT 






Wa 


1 e n (1 o r f. 




J) e I> r 


e c z i n. 


Aug. 








Aug. 








7. 


321-96 


321-41 


11-50 


L3-5 


167 


13 8 1 


7' 


331 54 


330 52 


329-97 


13-8 


19-8 


! 5 8 


9. 


23-35 


2336 


23-55 


L5-6 


191 


12-8 


9. 


31-32 


3197 


31-83 


15-6 


1 8-8 


1 6-8 


LS. 


25-57 


2513 


25-29 


12-9 


206 


12 9 


15. 


33-82 


3380 


33-75 


15-2 


24-6 


IS-2 


1(5. 


25-45 


24- TT 


24 65 


13 


21 


132; 


1 6- 


33-82 


3380 


33-43 


14-S 


23 -S 


18-4 


17. 


'24-00 


23-80 


23-77 


12-6 


21 '2 


1 40 


17. 


33 08 


32-88 


3'202 


15.6 


22-0 


18-0 


IS. 


23-46 


23-16 


2307 


13-8 


18-7 


88-4 


iS. 


3214 


3157 


31-5^- 


14-4 


22-4 


17-0 


19. 


2311 


22-54 


22-42 


130 


20-7 


12 7 


19. 


3141 


30-94 


30-33 


15-4 


20 


17-4 


20. 


2164 


20-81 


20-64 


11-9 


20 1 


1 33 


20. 


29-73 


29-91 


29 52 


14-6 


17-8 


10-S 


21. 


19-60 


19-26 


20-27 


141 


14.6 


12-71 


21. 


28-78 


28-33 


28-04 


14-2 


17-4 


160 


22 


21-36 


21-80 


22-92 


14-0 


18-6 


14-0 


22. 


29 91 


3052 


31-08 


150 


19 


16-4 


23. 


23-49 


23-38 


23-92 


12 6 


1 90 


1 2-8 


23. 


31-65 


31 87 


32- 14 


14.4 


19-0 


15-2 


24. 


24- 13 


23-51 


23-41 


11-5 


18 4 


127 


24. 


32-31 


3218 


3214 


13-6 


18-8 


16-0 


23. 


22-82 


2141 


2013 


13-1 


1 96 


12 S 


25. 


31-65 


30-74 


30-33 


14-8 


18-6 


15 2 


26. 


18-65 


17-41 


16-80 


130 


IS -2 


12-5 


'26 


28-21 


2699 


26-70 


120 


17-0 


15-4 


27. 


1616 


15-84 


17-21 


11-5 


173 


10-7 


27. 


26-20 


20 61 


27-48 


14-2 


16-8 


14-0 


28. 


18-61 


19-60 


20-39 


10-5 


14 2 


108 


28 


28-21 


28-65 


29-52 


12-4 


1 6-2 


10 


29. 


81-16 


21-76 


22-16 


9-4 


105 


07 


29. 


30 03 


3013 


30-33 


10-6 


15-4 


12-2 


30. 


22-51 


22-07 


22-07 


8-1 


160 


7-2 


30. 


3095 


30-04 


30-68 


13-4 


17-6 


12-6 


31. 


22-18 


21-55 


21-36 


7-7 


155 


8-8 


31. 


30-40 


30-14 


30-24 


40-2 


19-0 


12-4 


Sept. 


T 


2" 


9 1 ' 


7 1 ' 


2 1 ' 


9" 


Sept. 














1. 


2154 


21-77 


22-05 


8-6 


14 6 


92 


1. 


3003 


3013 


30-95 


10-6 


18-6 


12-8 


2. 


22 70 


23-08 


23-72 


93 


164 


9 3 


2. 


31-65 


32-03 


32-38 


'ILO 


17-8 


13-4 


3. 


24-57 


24-53 


24-89 


95 


14-4 


7-1 


3^ 


3305 


33-29 


33-46 


10-4 


19-0 


13-6 


4. 


25-30 


24-87 


24-75 


7-3 


14-S 


8-2 


4. 


33-46 


33-29 


33-27 


9-8 


18-4 


14-8 


5. 


24-62 


24-03 


23-76 


85 


1 6-8 


1 0-0 


5. 


32-7 


32-62 


32-31 


1 4-2 


17-6 


14-0 



III. Corrections-Tafelo für das ßourdoii sehe Metallbaronieter. 

1 .) W ärme-Correctio n. 



Temp. 


Correctur I 


Temp. 


Correctur 


Temp. 


Correctur 


Temp. 


Correctur 


Cels. 


Millimet. 


Cels. 


Millimet. 


Cels. 


Millimet. 


Cels. 


Millimet. 


—9° 


-6-20 


+-4° 


+ 2-80 


+ 170 


+ 0-60 


1-30° 


Ol 3 


—8° 


+ 5-85 


4-5° 


+ 2-60 


+ 18o 


+ 0-48 


+ 310 


— 0T4 




+ 5-57 


f6° 


+2-40 


+ 19o 


+ 0-37 


r 32o 


—015 


—6" 


+ 5-27 


4-7° 


+ 2-20 


l-20o 


-j 0-28 


330 


—016 


—5° 


| 4-97 


+ 8° 


+ 2-00 


+ 2lo 


+ 0-20 


-340 


—0-16 


—4° 


r 4-71 


f 9° 


4-1-81 


+ 220 


+ 0-14 


r35o 


—0-17 


—3° 


- ^4-45 


+ 10" 


+ 1-63 


r-23o 


+ 0-08 


|-36o 


—0-17 


—2° 


+ 4-20 


+ 11° 


+ 146 


+ 240 


+ 003 


r 37o 


—018 


—1° 


+ 3-95 


+ 12° 


+ 1-30 


+ 25o 


—0-02 


r 38o 


—0-18 


0° 


-j-3-70 


+ 13° 


+ 1-15 


+ 26o 


—0-06 


i-39o 


—0-19 


+ 1° 


r 3-45 


+ 140 


+ 100 


+27o 


—009 


>-bQ» 


—019 


+2° 


+ 3-22 


+ 15" 


+ 0-86 


+ 28o 


—0-10 


|-4lo 


—0-20 


+ 3° 


+ 300 


+ 16° 


+ 0-73 


+ 29o 


—0-11 


r41o 


—0-20 



Iloheniiiessungen im nordöstlichen Ungarn. 



103 



2.) Correctionstafel für den Barometerstand. Mit dem 
Zeichen der Ablesung hinzuzufügen. 



Barometerstand 


Correctur 


Barometerstand 


Correctur 


Barometerstand 


Correctur 


Pariser-Maass 


Par.-Lin. 


Pariser Maass 


Par.-Lin. 


Pariser 


-Maass | 


Par.-Lin. 


Zoll , Linien 




Zoll Linien 




Zoll 


Linien 




28 





—2-03 


25 


11 


^1-61 


23 


10 


4 3-39 


27 


11 


-1-79 




10 


+ 163 




9 


-t-3-44 




10 


—1-50 




9 


+ 1-65 




8 


4-348 




9 


—1-22 




8 


+ 1-68 




7 


+ 3-51 




8 


— 1-00 




7 


4-1-72 




6 


4-3 52 




7 


—0-80 




6 


+ 1-76 




5 


4-3-53 




6 


—0-60 




5 


+ 1-80 




4 


+ 3 53 




5 


—0-38 




4 


hl 85 




3 


4-3 52 




4 


—0-14 




3 


~rl 91 




2 


+ 349 




3 


+ 0-10 




2 


+ 1-96 




1 


+ 3 47 




2 


+ 0-26 




1 


4-2-02 


23 





4- 3-42 




1 


j-0-43 


25 





4-2-10 


22 


11 


+ 335 


27 





+ 0-71 


24 


11 


4-2-17 




10 


4-3-25 


26 


11 


+ 0-85 




10 


4-2-25 




9 


4-309 




10 


+ 1-02 




9 


4-2-34 




8 


4-2-93 




9 


-r-113 




8 


4-243 




7 


4-2-70 




8 


+ 1-24 




7 


4-2-52 




6 


4-2-36 




7 


+1-32 




6 


4-2-62 




5 


+ 214 




6 


+ 1-38 




5 


4-2-73 




4 


4-1-94 




5 


+ 1-44 




4 


f-2-84 




3 


+ 181 




4 


+ 1-48 




3 


4-2-95 




2 


+ 1-68 




3 


+ 1-50 




2 


4-306 




1 


+ 1-58 




2 


^1 53 




1 


t-3-16 


22 





+ 1-46 




1 


+ 1-56 


24 





4-3-26 


21 


11 


+ 1-30 


26 





+ l-58 


23 


11 


+ 3-33 


| 







IX. 

Die Quellen des liburnischen Karstes und der vorliegenden Inseln. 

Von 

Dr. Josef Rom. Lorenz, 

k. k. Professor in Fiume. 
Milgetheilt in der Versammlung: der k. k. geographischen Gesellschaft am 3. Mai 1859. 

Von den hydrographischen Verhältnissen der Karstgebirge ist im 
Allgemeinen hinlänglich bekannt, dass dort die atmosphärischen Nieder- 
schläge sich nirgends zu aushaltenden Bach- oder Fluss-Systemen sam- 
meln können, sondern theils sogleich, theils nach kurzem oberirdischen 
Laufe in die Spalten und Klüfte des Karstkalkes versinken, sich unter- 
irdisch in Höhlen ansammeln, deren viele untereinander zusammenhängen; 
dass sie durch das Ueberfliessen der höher gelegenen Höhlenbecken in 
tiefer gelegene abrinnen; dass sie in der Regel nur dort als Quellen 
austreten, wo unter den Kalkschichten der undurchlassende pelogene 
Sandstein oder schieferige Thon ausbeisst, welcher dem Weitersinken des 



104 Dr. .!. P. Lorenz. 

Wassers wehrt und es zugleich an seiner eigenen Oberfläche zu Tage 
hinaus leitet. 

Das Riesenwerk der Wasserleitung von Nabresina bei Triest ist eine 
grossartige practische Anwendung dieser Verhältnisse im Triester-Karste. 
Die gleichen Verhältnisse finden auch im liburnischen Karste statt; es 
treten aber dabei einige nicht uninteressante Details auf, welche der nä- 
heren Betrachtung werth sind. 

Von der orographischen Gliederung des liburnischen Karstes deute 
ich hier nur ganz kurz Dasjenige an, was zur Anknüpfung der folgen- 
den hydrographischen Skizze unerlässlich ist. 

Der vom Snjsnik an nach OSO. streichende Karstzug bildet zuoberst 
ein etwas gewölbtes Plateau in durchschnittlicher Höhe von 2000 — 3000 
Fuss, über welches sich zahlreiche ßergreihen und Berggruppen bis nahe 
an 4000 Fuss erheben. 

Die Senkungen des Terrains sind auch hier nirgends aushaltende 
Längsthäler, sondern nur Mulden oder Kessel, lassen daher keine ober- 
irdischen Bach- oder Flusssysteme zu. Vom südlichen Rande dieses Pla- 
teaus (von welchem meine Begehungen nach abwärts fortgesetzt wurden, 
ohne die Mitte und den nördlichen Rand des Plateau mit einzubeziehen) 
steigt das Karstgehänge in drei Stufen zum Meere hinab. Die oberste 
und steilste Stufe besteht, so wie der Rand des Plateaus, aus älterem 
Karstkalke (wahrscheinlich Trias); die beiden unteren Absätze hingegen 
gehören fast ganz dem Nummulitenkalke an, welchem in der Tiefe von einigen 
hundert Fuss ein ziemlich mächtiger aushaltender Schichtencomplex von 
Nummulitensandstein (Tassello) eingelagert ist. 

Dieser tritt daher am Grunde der tieferen Spalten und Einrisse des 
Kalkes zu Tage. Am Festlande ist diess nur in der 6 Meilen langen 
Thalspalte der Fall, welche nach der ganzen Länge unseres Karstes und 
mit dessen Streichen parallel, die zweite Gehänge-Stufe von der dritten 
(untersten) trennt, und durch Querriegel in die langen Mulden Becina, 
Draga, Vinodol, abgetheilt wird. Auf den Inseln biethet nur Veglia im 
Thale von Besca und bei Dobrigno ähnliche Verhältnisse, — während 
sonst überall der blosse Nummuliteukalk herrscht. Diesem sind übrigens 
sowohl auf dem Festlande als auf den Inseln ausser der erwähnten 
mächtigeren Sandsteinlage noch mehrere zerstreute Blätter und Schmitzen 
von Sandstein in höheren Horizonten eingefügt. Erst die drei südlichsten 
Inseln Unie, Canidole und Sansego bieten andere Verhältnisse dar, indem 
auf Sansego ganz, auf Unie und Canidole zum Theile, Hippuritenkalk die 
Grundlage bildet, worauf dann tertiärer Sand liegt. Diluvium ist überall 
nur sehr vereinzeint und ganz lokal abgegrenzt in Mulden eingelagert. 
— Diess ist das Skelett des Terrains, dessen Quellenverhältnisse nun zu 
schildern sind. 

Auf dem Plateau (wir sprechen immer nur von der südlichen 
Längs-Hälfte desselben) gibt es in den beiden Flanken gar keine Quellen 
und Bäche; Berg und Thal schlucken die beträchtlichen Niederschläge, 
zu denen die mächtige Schneedecke eines siebenmonatlichen subalpinen 
Winters einen reichlichen Beitrag liefert, ganz und gar ein. Im Bittoraj 
(östliche Flanke) ist auf 9000 Joch kein lebendes Wässerlein zu finden; 
Schneelöcher, welche auch im Sommer gefüllt bleiben, bieten die 



Die Uuellen des liburnischen Karstes und der vorliegenden Inseln. JOS 

einzigen Vorräthe von Trinkwasser. Die Gesenke im Centrum des Pla- 
teau liefern einige wenige Quellen, mit einer Temperatur, welche der 
hohen Lage ihres Sammelgebietes entspricht — nämlich nur -j- 6° bis 
7° R. konstant.*) Solche Homothermen sind jene von Mrzla vodica 
(-}■ 6° R.) nahe an der Louisenstrasse, — dann der Ursprung des 
Brelo-ßaches (-j- 6'4°), welcher die Diluvial -Ebene von Fuzine und 
Lic durchfliesst, sich unterwegs im Sommer bis auf -j- 16° R. erwärmt 
und bei Lic in den Felsenboden versinkt; endlich die Quelle im Revier 
Spicunak (4 7° R.) nordwestlich von Fuzine. Durch oberflächliche Lage 
der Ausfluss-Region erhalten einige andere Quellen dieser Gegend eine 
variable Temperatur zwischen 13" R. und 0° R. je nach den Jah- 

reszeiten. — Die Trinkquelle vor dem Försterhause in Fuzine hatte im 
September -j~ 8° R. Keine der in konstanter Bodentemperatur liegenden 
Höhlenquellen aber überschreitet in ihrem geschützten natürlichen Reser- 
voir die Temperatur von -|~ 6*5° R. 

Das ganze ausgedehnte Karstgehänge bis zur langen Thalspalte her- 
unter entsendet gar keine beständige Quelle; Regenpfützen und Cisternen 
decken sehr kärglich den Wasserbedarf der Bewohner. Nur an jenen 
wenigen Stellen, wo irgend eines der im Kalk zerstreuten Sandstein- 
Blätter zu Tage ausgeht, fliessen — aber dann auch unfehlbar — 
spärliche intermittirende Quellen hervor, welche offenbar ihr Sammelgebiet 
nur in der unmittelbarsten Nähe haben, und sämmtlich Heterothermen 
sind. Einige Wichtigkeit hat jene von Kamenjak (im Juni -j~ 9*o R.) 
an der Louisenstrasse, weil sie in ein Reservoir (mit -f- 12° R.) ge- 
sammelt wird, wodurch allein die Tränkung des Zugviehes auf der lan- 
gen beschwerlichen Strecke zwischen Fiume und Poststation Jelenje mög- 
lich wird. 

Mit dem langen Sandstein-Streifen im Grunde der Thäler Recina, 
Draga, Vinodol tritt plötzlich ein äusserst quellenreiches Gebiet auf. Dort 
entspringt zunächst in der westlichsten Ecke, in absoluter Höhe von bei- 
läufig 900 Fuss, als Ueberwasser eines grossen unterirdischen Höhlen- 
beckens des Fluss Recina mit einer konstanten Temperatur von -J- 6-1 ° R. 
Diese Ziffer genügt zu dem Schlüsse, dass das Sammelgebiet dieser 
Quelle im Plateau oben liege, und dass sie ungemein rasch, und nirgends 
der Erdoberfläche nahe, durch ein steiles Spaltensystem in das Höhlen- 
becken herabstürze; denn die mittlere Lufttemperatur der Ausfluss-Gegeml 
beträgt mindestens -(- 95° R. 

Unter der Menge der nun nach Osten sich aneinander reihenden 
Quellen im Sandsteingebiete der Thalspalte muss man einen Unterschied 
machen zwischen jenen, welche so wie die Reeina-Quelle ihr Sammel- 
gebiet in den oberen Kalkgehängen haben und dem Sandsteine nur 
ihren Austritt verdanken (Kalkquellen), — und zwischen jenen, 
welche nur den Niederschlag des Sandsteingebietes selbst abführen (S a n d- 
steinqu eilen). Die ersteren zeichnen sich durch ihr helles, aber Moose 
inkrustirendes (kalkhaltiges) Wasser mit stetem Flusse und nur wenig ver- 
änderlicher Temperatur, zwischen -f 8° R. und -|- 11° R., aus. Die letz- 



*) Alle hier vorkommenden Temperatur-Messungen sind von mir selbst mit vergliche- 
nen und korrigirten Instrumenten wiederholt ausgeführt worden, anderwärts finden sich bisher 
keine Angaben darüber. 



-) 06 D f J« K- Lorenz. 

teren führen trübliches, oft von Infusorien bläulich oder gelblich gefärb- 
tes Wasser von sehr variabler Temperatur, -j- U« bis -f- 16° R. je 
nach den Jahreszeiten. 

Zu den ersteren gehören die Quellen, welche die Ortschaften Kri- 
sisce, Grizanj und Bribir im Vinodol mit gesundem Wasser versorgen und 
dadurch den Segen dieses köstlichen Thaies inmitten der dürren Karst- 
wüste bedeutend vergrössern. Sandsteinquellen in grösserer Zahl und 
mit beständigem Flusse kommen nur im Recina-Thale vor, indem nur 
dort der Sandstein eine bedeutendere Fläche in mehreren Abstufungen 
und Hügelreihen einnimmt; in beiden anderen Thälern sind dergleichen 
Quellen spärlich und versiegen oft ganz. 

Die unterste Gehänge-Stufe des liburnischen Karstes entbehrt gänz- 
lich der Quellen, bis unmittelbar zum Meeres-Saume. Gerade hier aber 
tritt, durch ein seltsames Zusammentreffen, wieder Sandstein unter dem 
Kalke hervor, und obgleich nur in schmalen Ausbissen und fast überall 
von Kalkgetrümmer maskirt, genügt diess dennoch, um auf eine Länge 
von über sechs Meilen am Meeresufer hin zahlreiche Quellen herauszu- 
leiten. Die reichsten derselben — ohne Zweifel nur desshalb, weil ihnen 
der Ausfluss künstlich erleichtert wurde sind in den Städten Fiume 

und Buccari. Es sind sämmtlich Kalkquellen von grosseF Reinheit und 
überraschender Frische; man staunt mit Recht, in den schwülsten August- 
tagen bei 28 -- 30° R. Hitze, in einer Gegend, deren mittlere Jahres- 
temperatur mindestens -j- 12-2° R. beträgt, aus jeder der zahlreichen 
mächtigen Trinkquellen Wasser mit circa -\- 7'2° R. zu erhalten. Diess 
ist die durchschnittliche constante Temperatur aller der vielen Uferquellen 
zwischen Kautrida an der Grenze gegen Istrien und Povilje in der Mili- 
tärgrenze. Es erhellt daraus ohne Weiteres, dass auch diese Gewässer 
ihr Sammelgebieth schon auf dem Plateau in 3000 — 4000 Fuss abso- 
luter Höhe haben, da sie mit einem Unterschiede von nur wenigen Zehn- 
teln noch die gleiche Temperatur besitzen, welche ihnen auf dem Plateau eigen 
ist. Dafür spricht auch die von mir oft gemachte Beobachtung, dass diese 
Quellen nur dann anschwellen, wenn länger dauernde Regengüsse sich 
über dem Karstplateau entleeren, während die längs des Ufers hin- 
ziehenden Sommerregen, wenn sie auch noch so ausgiebig sind, gar keinen 
Einfluss auf die Anreicherung der Quellen äussern. Eine solche tritt aber, in 
Verbindung mit leichter weisser Trübung des Quellwassers stets erst 2 — 3 
Tage nach dem Beginne der auf dem Plateau herrschenden heftigen Nie- 
derschläge ein, was darauf hindeutet, dass unsere Quellen ebenfalls nur 
die Ueberwässer eines Systems von unter einander gelegenen Höhlen- 
beckeu sind. Es folgen in Kürze einige Details über diese in ihrer Art 
einzige Kette von eiskalten Uferquellen an den glühenden Gestaden der 
Adria. Beginnen wir von Westen, so treten zuerst in der Gegend von 
Kantrida. zwischen Fiume und Volosca, und so fort nach Osten bis Fiume 
unzählige, kleine Strandquellen auf, welche zwischen den Klippen und dem 
Roll kiese, bisweilen schon unter der Fluthgrenze, hervorrieseln. Sie ver- 
siegen nie, haben alle constante Temperatur, und keine überschreitet 
-f- 7'8° R. Ausser diesen wenig beachteten Wässerlein entspringen inner- 
halb der genannten Strecke einige hundert Schritte landeinwärts mehrere 
wasserreiche Bächlein, welche raschen Gefälles dein Meere zueilen (bei 
der chemischen Fabrik; „sotto pioppi;" bei „Pignol;" im Thälchen von 
Skurinje, mündend am porto del Lazzaretto in Fiume); ihre Temperatur 



Die Quellen des liburnisehen Karstes und der vorliegenden Inseln. 107 

varirt nur zwischen -f 7"5 R. und -f~ 8-o° R., da sie während ihres 
schnellen kurzen Laufes nur sehr unbedeutend von der äussern Tempe- 
ratur affizirt werden. Fiume selbst besitzt nebst vielen nicht allgemein 
bekannten Quellen in Gärten und Kellern auch vier öffentliche ge'fasste ; 
die westlichste (in Braida) tritt mit + 7-5° R., die mittlere (am Corso) 
n ,it _|_ 72° R., die beiden östlichsten (im Gymnasium und am porto di 
caboiaggio) mit -f 7-1° R. aus. ) 

Etwa 400 Klafter landeinwärts von Fiume im Recina-Thale, und 
beiläufig 00 — 70 Fuss über dem Meere entspringt ein stetiger Zufluss 
der Recina, welche von dort an „Fiumera" heisst, in solcher Mächtigkeit, 
dass er sogleich eine Mühle treibt; seine Temperatur varirt zwischen 
-f 7-5° R. und -f 8° R. 

Im Hafen von Martiuseica kann man nach Belieben mit der Hand kalte 
Quellen hervorrufen, indem man den Kalkgrus des Strandes ein wenig aufwühlt ; 
sie zeigen constant -f- 7"2° R. Die Stadt Buccari hat drei bedeutende öffentliche 
Quellen, von -f- 7o°R., -J- 7 , 7ö° R. und -j- 8° R. constant. Die ganze grosse 
Bucht von Buccari ist an ihrem nordöstlichen Ufer bis Buccarizza reich an Quel- 
len yon -|- 7'2° R. bis -j- 7*5° R. Die Gestade des Canale di Maltempo liefern 
ebenfalls einige solche, und die letzte Quelle mit so geringer Temperatur strömt 
vor Povilje unmittelbar aus einer Felsenspalte ins Meer. 

Alle Quellen, welche weiter westlich gegen Istrien, oder weiter östlich 
gegen die Militärgrenze am Meeres-Ufer austreten, haben die weit höheren und 
variablen Temperaturen von -(- 9° bis -f- 13° R. je nach den Jahreszeiten. Unsere 
Reihe von kalten Quellen muss also von den Ueberwässern eines zusammen- 
hängenden Systems von Spalten und Becken herrühren, welches sich durch seine 
tiefe, vor dem Einflüsse der Lufttemperaturen abgeschlossene Lage und seinen 
steilen Fall vor allen andern im Karstgebirge vorkommenden auszeichnet und 
seine Gewässer direct vom hohen Plateau empfängt, ohne dass sie mit den 
auf die tieferen Gehänge fallenden Niederschlägen gemischt werden. 

Diese kalten Süsswässer sprudeln übrigens auch noch entfernt vom 
Lande am Grunde des Golfes von Fiume hervor und modifiziren die Tem- 
peratur und den Salzgehalt des Meerwassers, - wovon an einem andern 
Orte ausführlicher gehandelt werden soll. 

Auf den Inseln gibt es überall nur sehr wenige und spärliche 
Quellen, deren jede ihr Sammelgebiet in der nächsten Nähe des Aus- 
flusses hat und ziemlich grossen Temperatur -Schwankungen unterliegt. 
Nie habe ich sie aber anderswo gefunden, als an der Grenze zwischen 
Kalk und den ihm eingeschalteten Sandstein-Lagen oder Schmitzen — 
ganz so wie die Quellen der liburnisehen Karst Gehänge (z. ß. die 
erwähnte bei Pamenjak); Sandstein und Quellen verrathen unfehlbar eins 
das andere. Die beiden flachen Seen auf Veglia (Jesero gagen Norden 
und Panighe ziemlich in der Mitte der Insel) entstehen aus dem sehr 
unstäten Zusammenflüsse solcher Quellen und überdies einiger convergi- 
render Regenbäche auf Sandsteiubodeu. Beide See n liegen in flachen 
rings geschlossenen Becken, haben keinen Abfluss, verlieren ihr Wasser 
nur durch Verdampfung, erleiden daher bedeutende Veränderungen ihres 
Niveaus. Diese und mehrere andere Quellen auf Veglia (hei Dobrigno 



*) Diese Zahlen sind aus sehr vielen durch drei Jahre fortgesetzten Beobachtungen 
gewonnen, bei denen sich herausstellte, dass jede Quelle im Verlaufe eines ganzen Jahres 
höchstens um 0-2° R. varirt. 



(08 Anton Steinhäuser. 

dann im Thale von Besca) zeigten an ihren Ursprungs-Stellen im Monate 
October zwischen + J I ° und -f- 12" R. 

Auf Cherso sind Quellen noch weit seltener als auf Veglia. Im 
Hintergründe von Valle Pischio (Hafen von Cherso), — dann in Pistiak, 
westlich von der nach Osero und Lussin führenden grossen Strasse (strada 
regia), — und an der Punta Pernafa habe ich die Temperaturen der 
Quellen im April 106« R. , + 10'3° R.. und 4- 10'2° R. gefunden. 

Ueber den kalten Wana-See (im April nur - 7" R. ) mit unsichtbarem 
Zu- und Abflüsse habe ich in Perthes geographischen Mitteilungen, 
1859, berichtet. Auf den andern Inseln sind die Qiiellenverhältnisse stets 
ganz analog den schon geschilderten; Temperaturmessungen habe ich ander- 
wärts nicht angestellt. Nur Sansego macht auch hierin eine Ausnahme; 
— das ganze Sammelgebiet besteht aus den bekannten bis '200 Fuss 
mächtigen Sandmassen, durch welche die Niederschläge bis zum darunter 
liegenden Hippuritenkalke liltriren; dieser ist aber nicht so zerklüftet wie 
der Numulitenkalk und besitzt wahrscheinlich an seiner oberen, dein Sande 
zugekehrten Fläche mehrere flache Vertiefungen, in denen das Wasser 
stehen bleibt. So wenigstens fand ich es bei den zwei Quellen der Ort- 
schaft Sansego, welche Anfangs September 14° R. hatten. 



X. 

Die älteste und neueste topographische Karte von Bayern. 

V o n 

Anton Steinhäuser, 

k. k. Rath, 

Mitgetheilt in der Versammlung der k. k. geographischen Gesellschaft am 3. Mai 1859. 

Als im verflossenen Jahre in den geographischen Mittheilungen von 
A. Petermann die interessanten Aufsätze von Emil von Sydow über 
den kartographischen Standpunct Europas erschienen waren, sprach unser 
verehrtes Ehrenmitglied Se. Excelienz der Herr Feldmarschall-Lieutenant 
und General- Artillerie -Director Ritter von Hauslab die Idee aus, die 
k. k. geographische Gesellschaft würde zur Verbreitung geographischer 
Kenntnisse wesentlich beitragen, wenn nach und nach die besten topo- 
graphischen Arbeiten Europas in den Versammlungen zur Anschauung und 
Kenntnissnahme gelangen würden und nebstbei über ihre Entstehung, An- 
ordnung und successive Vervollkommnung die nöthigen Notizen beigefügt 
werden könnten; zugleich bot Se. Excellenz bereitwilligst dazu die thä- 
tigste Mitwirkung an. Herr Artaria erklärte sieh ebenfalls gerne bereit 
zur Herbeischaffung aller in seinem Bereiche gelegenen Materialien und 
überreichte in Gemeinschaft mit mir dem Ausschusse einen schriftlichen 
Vorschlag über die Tendenz und Ausführung, der auch anstandslos geneh- 
migt wurde. 

Allein manche Hindernisse, zumeist in dem nothgedrungenen Ab- 
warten der langsam und stückweise zugehenden Quellenwerke. Erläute- 
rungen und Notizen gelegen, verursachten, dass ich erst heute mich im 
Stande sehe, mit der ersten derartigen Vorlage zu beginnen und Ihnen 
über die 1812 begonnene und noch nicht ganz vollendete topographische 
Karte von Bayern in 112 Blättern das Notlüge mitzutheilen. 



Die älteste und neueste topographische Karte von Bayern, 1 09 

Es wurde diese zuerst gewählt, weil sie zu deu österreichischen 
Arbeiten in vielen Hinsichten eine Parallele bildet und nahe dieselben 
Perioden stutenweiser Ausbildung ziemlich gleichzeitig durchgemacht hat. 

Wenn ich dabei ausnahmsweise weiter aushole, als zur Erfüllung 
der Aufgabe unmittelbar erforderlich wäre, und für diessmal in die älteste 
Zeit der Kartographie zurückgreife, so geschieht es aus dem Grunde, 
weil von allen deutschen Ländern Bayern das erste war, welches sich 
schon vor nahe 300 Jahren einer auf mathematischen Grundlagen ent- 
worfenen Karte erfreuen konnte, die bis zum Anfange dieses Jahrhun- 
derts allen späteren Karten zur Grundlage diente. 

Eine solche Erscheinung mag nicht wohl übergangen worden, gestat- 
ten Sie mir daher, zu den heute nebstbei zur Schau gebrachten alten 
Karten von Bayern einige historische Notizen als Commentar anzufügen.*) 

Die älteste, auf astronomischen Beobachtungen und zeitgemässer geo- 
metrischer Grundlage beruhende Karte von Ober- und Nieder-Bayern**) 
ist die von Philipp Apian, Professor der Mathematik und Physik zu 
Ingolstadt, welcher in der Mitte des 16. Jahrhunderts auf Befehl des 
Herzogs Alb recht in wenigen Jahren eine Mappirung des Landes unter- 
nahm, so dass schon im Jahre 1566 die aus deu Originalaufnahmsblättern 
gezogene, in Holzschnitt von Amman ausgeführte, Karte von „Ober- und 
Niedern-Bayern" zu München erscheinen konnte. 

Philipp Apian war der Sohn des seiner Zeit berühmten Peter Apian 
oder Apianus (eigentlich Bienewitz), welcher I495 zu Leistnik in 
Meissen geboren, Professor der Mathematik an der Universität zu Ingol- 
stadt wurde, nachdem er den Ruf nach Padua, Ferrara, Leipzig, Tübin- 
gen und Wien ausgeschlagen hatte. Er war Lehrer der Mathematik Kaiser 
Karl V., dem er auch sein Astronomicum Caesareum widmete, wofür er 
mit 3000 Goldgulden beschenkt wurde. Von ihm existirt auch eine Welt- 
karte vom Jahre 1520.***) Folium populi 1533. Er starb im Jahre 1552****). 
Eines so verdienten Gelehrten Sohn war Philipp Apian, geboren zu 
Ingolstadt am 14. September 1531. Er war schon 1551 zum Lehrer 
an der Universität seiner Vaterstadt ernannt, trat aber sein Amt erst im 
folgenden Jahre an, nachdem er von Reisen zurückgekehrt war. Für seine 
Karte von Bayern erhielt er vom Herzog Alb recht 2500 Dukaten und 
eine lebenslängliche Zulage von jährlichen 150 Gulden. Wegen Uebertritt 
zum Lutherthum musste er Ingolstadt verlassen und begab sich nach Wien 
zum Kaiser Maximilian II., der ihm 100 Joachimsthaler behändigte und 
wo er drei Monate blieb. Im Jahre 1569 erhielt er die Professur der 



*) Ausführliche, aus rlen Quellen des Staatsarchives und der Münchener Hofbibliothek 
gezogene Nachrichten über Entstehung und Beschaffenheit der älteren Landkarten von Bayern 
bis zum Jahre 1810, nebst kritischen Vergleichen ihres Inhalts, findet man in der Einleitung 
zu den Geschichtsquellen der bayerischen Topographie, im I. Theile des literarischen Hand- 
buches von Freihern von A retin, königl. bayer. Hofbibliothekar. 

**) Der bayerische Historiker Aventin (Johann Thurmaier von Abensburg) lieferte 
zwar 43 Jahre vor Apian (im Jahre 1523) eine Karte von Bayern, in Holzschnitt und einem 
Blatte ( g - o'ooo )' da s ' e a ' jer me h r zu historischen Zwecken gemacht wurde {Vindelicia) und 
sehr wenig topographisches Detail enthält, so kann sie füglich übergangen werden. 

***) Tipus orbis universalis juxta Ptolomaei cosmographi traditionem et Americi Yespucn 
aliorumque lustrationes a Petro Apiano Leysnico elucubratus. An. dorn. MDXX. 

****) Näheres über diesen ausgezeichneten Mann und seinen Sohn findet man in 1) 
A.M. K o b o 1 1 bayrisches Gelehrtenlexikon, Landshut 1795 2) L i p o w s k y bayrisches Künstler- 
lexikon München 1810 3) Melch. Adam Vit. Philos. Germ. u. a. Seine und seines Sohnes 
sonstige Werke sind verzeichnet in Graesse, Tresor des livres rares et precieux. Dresden 1858 
pag. 159 und 160. 



110 



Anion Steinhäuser. 



der Mathematik in Tübingen, wo er am 14. November 1 589 am Schlag- 
flusse starb. 

Die Originalzeichnung, ans 40 oblongen Blättern im Maasse von 5 -^j- 
ausgefuhrf, ist auf dem topographischen Bureau in München noch vorhanden 
und schriftliche Andeutungen und Spuren auf derselben lassen errathen, dass die 
Mappirung, über deren Ausfuhrungsweise und Hilfsmittel nichts auf die Nach- 
welt gekommen ist, nach einem das Ganze umfassenden Plane eingeleitet 
wurde, dass astronomische Meridian- und Orts-Bestimmungen, selbst Basen- 
messungen in verschiedenen Gegenden des Landes vorgenommen wurden 
und weitere geometrische Ortsbestimmungen darauf gegründet worden sind. 
Es scheint, sagt J. N. Anlitschek in seinen „geschichtlichen Nachrichten 
über die ältere Topographie und die neueren Institute für Landesvermessung 
in Bayern"*) dass Api an von den Flüssen ausgegangen ist, weil im Gerippe 
der Gewässer die meiste Bichtigkeit zu finden ist. Die Handzeichnung zeigt 
vielen Kunstaufwand in der Zeichnung der Berge (nach horizontaler Ansicht), 
Wälder, Ortschaften, Schlösser und Klöster etc., die durch irgend ausgezeich- 
nete Merkmale kenntlich gemacht sind. Schlachtfelder, römische Ueberreste, 
Bäder, Bergwerke, Brücken, kurz alles, was wissenswerth erschien, ist 
berücksichtigt, nur das nicht, worauf wir heut zu Tage besondern Werth 
legen — Strassen und Grenzen.**) Die Beduction im Holzstiche ist auf 
verkleinert und fasst 22 Blätter nebst Frontispice und Uebersicht. 



14 4 



Die Karte ist nach Nord orientirt, die Abweichung der Magnetnadel ist mit 
12° östlich angegeben und die Längengrade sind um 3 Grade zu weit gegen 
Ost geschoben.***) 



A la 


lb 


2a Lat. 


2b n 


Nürnberg 


Pfreimbt 


Schönsee • 


Praefatio 


3 


4 


5 


6 D 


Grading 


Regcnsb ii iu 


Cham 


Dein 
Titel 
Regen F. 


7 


8 


9 


10 E 


| Ingolstadt 


Neustadt 


Straubing 


Granenau 


F 11 


12 


i3 


14 


\Gr Augsburg 


Freysing Egsrenfeldf-n 


Passau 


15 


16 17 


18 


Landsberg 


Mönchen ! Burshansen 


Hausruek 


19 


20 | 21 


22 


1-EtH. Schwangan 


Tegernsee / Ä"Beiche;ihall 


Salzburg L\ 


Sk< 


?lett der Api 


an'schen Kai 


te. 



A Deilication und Jalirzalil. 

7? Apiani praefatio. 

I > a s bayerische Wappen. 

DDer deutsche Titel. 

Z?Observationes rerum Bavarife 
insignium. 

F Grad-Meilenmaass. 

G Zeichenerklärung. 

//Privilegium. 

/ Maasstäbe. 

/^Anleitung zur Orientirnng. 

L Wappen Apian's und Apo- 

logie von Hver. Wolf. 



*) Der bezogene Aufsatz, eine Hauptfundgrube zum Bilde der chronologischen Ent- 
wicklung, ist in der Zeitschrift „Militärische .Mittheilungen" enthalten, welche die damaligen 
Haüptfeute J. von Xvlander und L. Kretschmer im Jahre 1829 zu München herausgaben, 
und findet sich im II. Band, 3. Heft. Seite 260—295. 

**) Nur die eine Grenze zwischen Ober- und Nieder-Bayern ist durch Schraffirung 
kenntlich gemacht. 

***) Der Auflage von lo66 (München) folgten die" späteren von den Jahren 1568 (Ingol- 
stadt), 1651 (München) und 1802. Letztere ist ein Wiederabdruck von den ausgebesserten 
Originalholzplatten. 



Die älteste und neueste topographische Karte von Bayern. 111 

Die Apian'sche Karte diente als Grundlage für alle späteren Ar- 
beiten, die nur wenig bedeutende Veränderungen aufweisen. Eine getreue 
Copie ist die Karte von Peter Weiner*) vom Jahre 1579, auf Befehl 
desselben Herzogs veranstaltet, deren Vorzug nur darin besteht, dass sie 
in Kupfer gestochen ist.**) Eine Verkleinerung auf j^öVöü zugleich mit 
Erweiterung im Norden unternahm der fürstlich Freysing'sche Rath Gg. 
Phil. Fink h im Jahre 1635. Die Karte (1663 vollendet und von Fi nkh Sohn 1674 
revidirt) besteht aus 28 kleinen (4°) Kupferblättchen. Diese soll noch 
der französische General Moreau bei seinem Feldzuge in Süddeutschland 
im Jahre 1800 benützt haben.***) Ich übergehe noch spätere Arbeiten,****) 
um mich zu den Arbeiten der Neuzeit zu wenden, deren Wurzeln jedoch 
noch im vorigen Jahrhundert aufgesucht werden müssen. 

Im Jahre 1762 wurde von dem berühmten Geometer Cassini de 
Thury auf Veranlassung der Pariser Akademie eine Längengradmessung 
veranstaltet, welche sich über Frankreich hinaus nach Schwaben und 
Bayern erstrecken sollte. Die Münchener Akademie schloss sich unter- 
stützend an. Cassini mass eine Basis zwischen München und Dachau 
(7269 T. lang) zur Controlle seiner Dreieckskette, die bis Passau und 
Schärding reichte. Auf Grundlage dieser Vermessung beschloss die Mün- 
chener Akademie das Dreiecksnetz über das ganze Land auszudehnen, denn 
es fehlte, so drückt sich Anlitschek bei dieser Gelegenheit aus, — 
an einem zweiten Apian! Es wurde zwar der französische Ingenieur 
S. Michel zur Fortsetzung der Arbeit berufen, -{•) allein seine Leistungen 
waren ungenügend. Die zwei halb gestochenen Blätter einer in yt^sö 
entworfenen Karte haben keinen andern Werth, als dass sie auf die Art 
der charte de chasses durch elegante Zeichnung und Ausführung das 
Auge blenden. 

Ein Anschluss an die österreichischen Arbeiten, welche seit 
dem Jahre 1796 eine Revision der Karten Baierns und Militär-Aufnahmen 
in Schwaben und am Rhein umfassten, kam ebenfalls nicht zu Stande. 
Von diesen Arbeiten ist überhaupt wenig bekannt geworden, denn wenn 



*) Humi llimus W ura d in us (Münz- Wardein) Pe t ru s Weinerus nennt er sich 
in der Vorrede auf der Karte. 

**) Die augenfälligsten Aendcrungen bestehen darin, dass die Apian'schen Obser- 
vationes (E) die Naturprodukte unifassen, auf der W ei ner'schen Karte mit anderem, 
mehr statistischem Inhalte (Unirersitas, monasteria, fluvii, metropolis etc.) vertauscht 
worden sind, und dass statt dem Wappen von Apian und den Versen von Wolf eine 
Allegorie erscheint, (Minerva krönt den bayerischen Löwen). 

Ein dreifaches deutsches Meilenmaass (Milliaria communia, majusciäa und 
magna) ist beiden Karten gemeinschaftlieh. 

'**) Kohl er, Landesvermessung des Königreiches Württemberg. Stuttgart 1858 
pag. 370. 

'**) Die Karte von Buna zu Freiburg (ohne Jahrzahl) in 9 Blättern erschie- 
nen, zeigt bereits Strassen und ist an geschichtlichen Notizen reicher als ihre Vorgänger. 
Als eine Verkleinerung derselben auf 4 Bl. ist die von der Berliner Akademie im Jahre 1766 
herausgegebene Karte von Bayern. Die astronomischen Verbesserungen, deren sie sich 
rühmt, sollen von Cassini herrühren. 

-j") Es ist zu beachten, schreibt Kohl er, dass die französischen Ingenieurs da- 
mals fast im Alleinbesitz solcher Instruinente gewesen sind, womit man grosse Dreiecke 
genau bestimmen konnte, und dass sie für Aufnahme und Mappirung bessere Metho- 
den und vorzügliche praktische Geschicklichkeit besassen, wozu sie ihr Operiren auf 
feindlichem unbekannten Boden wohl von selbst führte. 



1 1 2 Anton Steinhauser. 

auch einige derselben durch den Stich vervielfältigt wurden, so gelangten 
sie doch nicht zur Oefientlichkeit. *) 

Als die Franzosen im Jahre 1800 Bayern besetzt hatten, ordnete 
General Moreau die Aufnahme von zwei Militär-Karten an, eine von 
Schwaben, eine von Bayern, beide (wie die Cassini sehe von Frankreich) 
im Masse von -g^xö-g. Die Direction der bayerischen Karte wurde dem 
Director des topographischen Armee- Bureaus und commandirenden Adju- 
tanten Abancourt übertragen. Mit den Ingenieur-Geographen Bonne 
und Henry vereinigte sich bayerischer Seits der damalige Director der 
Strassen- und Wasser-Bauten (nachmalige Oberst im Generalstab) Adrian 
von Biedel, der Schöpfer der neueren bayerischen Topographie, wie ihn 
Anlitschek nennt, *) nebst einer Abtheilung bayerischer Geometer. Es 
wurde rasch begonnen; die Sectionen wurden nach der F i nkh'schen 
Karte ausgeschieden und an die Geometer vertheilt, die provisorische 
Grundlinien in ihren Rayons messen sollten. Das trigonometrische Netz 
zur allgemeinen Verbindung sollte nachfolgen. Zur Benützung sollten nebst- 
bei die seit dem Churförst Theodor behufs einer Karte gesammelten 
Materiallien dienen. Nach dem Tode Abancourt's übernahm Oberst 
Bonne die Leitung. 

Bei der ersten Zusammensetzung einiger Parthien soll sich (wie An- 
litschek gewissenhaft anführt) die anfängliche Uebereilung der Detail- 
messung- gezeigt haben und die Notwendigkeit eines gemessenen Vor- 
sehreitens und geregelten Ganges der geodätischen Arbeiten mit einer 
Auswahl der Individuen. 

Nacli dem Lüneviller-Frieden (9. Februar 1801) entstand ein eigenes 
topographisches Bureau in München, welches anfänglich von einer 
Commission von höheren Militär- und Civil-Beamten geleitet wurde.***) 

Gerne wurde das Anerbieten französischer Beihilfe zur Fortsetzung 
der Arbeiten angenommen. Die Hauptarbeiten vertheilten sich folgender- 
massen : Oberst Bonne entwarf die Projection und die Schemen der tri- 
gonometrischen Berechnung, Henry übernahm die astronomische Beob- 
achtungen der Polhöhe von München, des mittleren Meridians durch den 
nördlichen Frauenthurm, und des Azimuths von Aufkirchen. Es wurde eine 
neue Grundlinie zwischen München und Erding sorgfältig gemessen, 21653 8 
Metres ( = 9764 baierische Ruthen) lang (die auch den neuesten Vermes- 
sungen zu Grunde liegt), nachdem sich zeigte, dass die Endpuncte der 
Cassi ni'schen Basis verschwunden waren. Auf diese Daten wurde die Tri- 
angulirung gegründet. Die trigonometrischen Arbeiten besorgten französische 
und bayerische Ingenieure, nach dem Austritte der Franzosen Hofrath 
S eiff er,****) die Detailaufnahmen bayerische Feldmesser allein. 

Oberst Adrian von Riedel, welcher anfänglich nur die letzteren 
Arbeiten geleitet hatte, wurde später Director des topographischen Bureaus. 
Es erfolgte die Resolution der Landesregierung, dass die Resultate dieser 



*) Eine solche Arbeit, die Gegend zwischen Regensburg und Landshut, liegt 
zur Ansicht vor. 

**) Riedel hatte sich bereits 1796 durch seinen S t rassen- Atla s von Bayern 
(6 Bände in gr. 4° mit Strassenkärtehen im Maasse -poöVinr) rühmlich bekannt gemacht. 
Später (1806) lieferte er seinen Stromatlas über Bayerns Flüsse und Seen ( ; 8 ö i> ) 
nebst Profilen und Plänen von Brücken. 

***) S. Kohl er, Vermessungen Württembergs pag. 371. 

* s **) Hofrath Seiffer war früher Astronom zu Göttingen. 



Die älteste und neueste topographische Karte von Bayern. 113 

Mappirung auf Kupfer gestochen und als Topographischer Atlas 
von Bayern zu Jedermanns Gebrauch herausgegeben werden sollten. 
Man hatte bereits die Aufgabe aus einem höheren Gesichtspuncte betrach- 
tet und setzte zum Ziele nicht eine blosse militärische, sondern eine 
genaue topographische Karte, die, auf die besten mathematischen Grund- 
lagen gestützt, für alle verschiedenen Zweige der Staatsverwaltung brauch- 
bar sein sollte. 

Die Arbeiten des topographischen Bureaus wurden durch das Zu- 
sammentreffen mehrerer günstiger Verhältnisse wesentlich unterstützt, denn 
in dieselbe Zeit fielen die Erfindungen in Vervollkommnung der mecha- 
nischen und optischen Instrumente von dem genialen Reiche nbach, 
dessen europäischen Ruf seine Kreistheilungsmaschinen allein schon begrün- 
deten, von Frauenhof er, dem Erfinder des Flintglases und Hersteller 
der ersten Riesenrefractoren, und von Liebherr, dem bekannten Mecha- 
niker, der Uhren, Distanzmesser und andere mathematische Instrumente 
ganz vortrefflich ausführte. Aus solchen Kräften gründete der geheime Rath 
von Utzschneider, ein Mann, dem Bayern sehr viel zu danken hat, 
das berühmte optische Institut in München, das bald für ganz Eu- 
ropa arbeitete. 

Auch war es dieser Mann, der die Idee einer Parcellar- Ver- 
messung zum Behuf eines Steuer kat asters, kurz nachdem eine solche 
im Jahre 1807 in Frankreich begonnen hatte, für Baiern lebhaft anregte, 
zum reifen Plane brachte, und denselben nach der von der Regierung 
ertheilten Genehmigung energisch ausführte.*) 

Es wurde zu diesem Zwecke eine eigene Commission zur Vorbe- 
rathung eingesetzt, welche sich dahin vereinigte, dass die Detailvermes- 
sung mit geometrischer Schärfe und in einem entsprechenden Maasse 
(wozu T ötö später ^y^ bei sehr zerstückelter Parcellirung und für Städte 
und Märkte, gewählt wurde) durchgeführt werden müsse, weil sonst 
keine Grundlage erzielt würde, welche den gemachten Aufwand recht- 
fertigen würde. Den wissenschaftlichen Vermessungs-Plan entwarf der 
Astronom und Steuerrath Soldner. 

Es wurde die frühere Triangulirung von Bonne geprüft und es 
ergab sich leider, dass sie nicht genau genug war, um als Basis für 
die Specialvermessung zu dienen. Es musste also eine neue Triangu- 
lirung auf der Münchener Grundlinie vorgenommen werden und Soldner 
mass nochmals das Azimuth von Aufkirchen zur genauen Bestimmung 
der Lage des Münchener Meridians, worüber er später auf Befehl der 
Commission im Jahre 1813 eine Broschüre veröffentlichte.**) 

Ferner wurden zur Verificirung noch zwei Grundlinien gemessen, 
und zwar im Jahre 1807 die eine zwischen Nürnberg und Brück, 
(4727 13 b. R.) mit Reichenbach'schen Apparaten durch den Professor 
der Mathematik und Steuerrath Schiegg, und viel später, im Jahre 1819, 
die zweite zwischen Speier und Oggersheim (6782 " 35 b. R.) unter der 
Leitung des Steuerrathes und Trigonometers Lämmle. 

Im Jahre 1808 wurde einerseits das topographische Bureau 
definitiv organisirt und dem Ministerium des Aeussern zugetheilt, 



*) Auch S ennefe] der kann hier noch genannt werden, der Erfinder der Lithogra- 
phie, die seither so ungemeine Fortschritte gemacht hat. 

**) Kohler, Vermessung Württembergs pag 372. 

Mittheilungen der k. k. geogr. Gesellschaft. III. Bd. II. Heft. " 



1 | 4 Anlon Steinhauser. 

und erhielt 2 Directoren, 1 Astronom, 5 Ingenieur-Geographen, 2 Con- 
servatoren, 5 Dessinateurs, 1 Actuar, 1 Inspector der Kupferstecher (die 
übrigen Individuen und die Kupferstecher wurden nur provisorisch angestellt); 
andererseits wurde die Steuer - Vermessungs - Commission definitiv 
begründet, ihr ein von den übrigen Behörden unabhängiger Wirkungs- 
kreis gesichert und eine Dotation jährlicher 300000 fl. zugewiesen. Ihr 
Personale bestand aus dem geh. Rath von Utz Schneider als Vorstand, 

1 Director, 5 Räthen, 1 Ober-Revisor, 1 Archivar, 1 Eleven-Professor, 

2 Dessinateurs, 1 Secretär, 1 Lithographie-Inspector. Das Vermessungs- 
Personale bestand aus nahe 300 Köpfen. Die Trigonometer waren in zwei 
Klassen getheilt. Die eine war theilweise definitiv angestellt und erhielt 
Diäten, die übrigen Arbeiten waren im Accord vertheilt, und man hoffte 
durch Aussicht auf Beförderung und auf das Definitivum genaue, und 
durch die Accordirung schnelle Arbeiten zu erzielen. 

Die Arbeiten der Commission wurden durch genane Instructionen 
geregelt, sowohl für die Triangulirung, so wie für die geodätischen Ar- 
beiten, welche letzteren in Druck gelegt wurden.*) Die Geschäfte wurden 
geregelt und auf Sommer und Winter entsprechend vertheilt. 

Es bestanden nun zwei Vermessungs -Institute neben einander und 
unabhängig von einander, überdiess, nach Anlitscheks Andeutungen, 
nicht im besten Einverständnisse, wozu theils der Vergleich der beider- 
seitigen Arbeiten, theils Missverständnisse Anlässe boten. Dazu kam noch, 
dass Oberst von Riedel im Jahre 1809 starb und Seiffer seinen Platz 
einnahm, dass der Mathematiker Schiegg im Jahre 1810 mit Tod abging, 
der Leiter des Central-Bureaus (und der Winter-Arbeiten) und Steuer- 
rath Bertrand im Jahre 1813, endlich dass der geh. Rath Utzschneider 
im Jahre 1814 aus dem Staatsdienste trat. So verloren beide Anstalten 
ausgezeichnete Kräfte, obendrein gaben sie noch tüchtige Arbeiter ab an 
jenes Ingenieur-Bureau, welches bei dem Obercommando der 
Reserve - Armee zur Vorbereitung topographischer und statistischer Ma- 



*) Die Instruction für die Triangulirung nennt Anlitschek ein würdiges Dokument 
der Geodäsie unserer Zeit und gibt über ihren Inhalt folgende Aufschlüsse: 

Die Einleitung rechtfertigt nach kritischer Würdigung der trigonometrischen Bech- 
nungsmethoden die Wahl der sphärischen Methode. Es wird sodann der analytische Weg 
ausgemittelt, um das Längenmass der Bögen aus den Functionen der Winkel abzuleiten und 
die sphärischen Excesse der Dreieckswinkel zu berechnen. Es wird der Einfluss der 
Erdabplattung auf die sphärischen Dreiecke untersucht, wobei hervorgeht, dass für die 
Ausdehnung Bayerns die Annahme eines mittleren Halbmesser genüge. Dann folgen : 
Anweisungen zur Berechnung der sphärischen Abscissen und Ordinaten nach La Place, zur 
Eintheilung und Projection der Aufnahmsblätter, endlich ein Schema zur Berechnung 
eines sphärischen Dreieckes und der Coordinaten und eine Tabelle zur Verwandlung 
der sphärischen Functionen in das Längenmaass. 

Der Meridian von München ist (vom nördlichen Frauenthurm aus) in Abscissen 
von 800 b. Buthen getheilt, durch die Theilungspuncte gehen Ordinaten, welche Schich- 
ton von Kugelausschnitten begränzen. Diese Schichten werden durch Parallelkreise zu 
den Abscissen östlich und westlich von 800 zu 800 Buthen in Trapeze getheilt, welche 
die Aufnahmssectionen bilden. Der Meridian der Karte, die Ordinaten und Abscissen 
stehen daher in einem analogen Verhältnisse, wie Aequator, Meridiane und Parallel- 
kreise auf einem Globus.) 

Die Ausbreitung dieses Netzes auf einer Ebene, die desshalb notwendigen Mo- 
difikationen und Vorsichten beim Auftragen auf die Messtischblätter sind die Aufgabe 
der Projection und der Gegenstand des 7. und 8. Abschnittes. 



Die älteste und neueste topographische Karte von Bayern. HS 

terialien behufs der Lanöesvertheidigung und zur Zustandebringung einer 
Militärkarte von Süddeutschland gebildet wurde*) 

Bevor ich die Producte der get heilten Kräfte erwähne (mit 
deren Veröffentlichung schon im Jahre 1806 , dann seit d. d. 1812 begonnen 
wurde), halte ich es für angezeigt, jener wichtigen Veränderungen zu 
gedenken, welche in der Leitung der topographischen Arbeiten in Laufe 
der Zeit eintraten. 

Im Jahre 1816 wurde das topographische Bureau mit dem 
Ingenieur-Bureau der Reserve- Armee vereinigt und dem Kriegs- 
ministerium untergeordnet. Vorstand wurde General-Lieutenant Raglovich. 

„Die neue Pflanze," drückt sich Anlitschek aus, „war dem mili- 
tärischen Boden fremd," doch der Vorstand wusste sie zu pflegen, und 
gab ihr die gehörige Richtung. Das Institut war nun eine Mischung von 
Officieren und Civilbeamten und theilte sich in zwei Haupt-Geschäfts- 
Abtheilungen : 

A. Topographische Abtheilung, bestehend aus Ingenieur -Geographen, 

Dessinateurs und Officieren unter Raglovich's unmittelbarer Lei- 
tung. Gegenstand : Triangulirung, Mappirung, Zeichnung und Stich. 

B. Litterarische Abtheilung, bestehend aus Officieren der Linie unter 

Leitung des Majors von Bauer. Gegenstand: Sammlung und Be- 
arbeitung aller descriptiven Materialien. 

Mit den Practicanten und Kupferstechern bestand das Personale aus 
SO Köpfen, wozu noch 42 zugetheilte Officiere kamen, von welchen 10 
in der litterarischen Abtheilung verwendet wurden. 

Die Hauptaufgabe der topographischen Abtheilung war die 
Fortsetzung des Atlas, und die Hauptbeförderung desselben war die 
von nun an ausgesprochene Benützung des Katastermateriales. 
Der grosse Schritt der Vereinigung homogener Arbeiten, zur aus- 
reichendsten gegenseitigen Unterstützung war geschehen, ein gemein- 
schaftlicher jährlicher Operationsplan wurde festgestellt,**) die 
topographische Aufnahme erfolgte in vrhro statt rrrö-ö» a ' s0 m einem 
comensurablen Verhältnisse zur Detailvermessung, und somit beginnt vom 
Jahre 1817 eine neue Epoche für den Atlas. Allein, was bereits veröf- 
fentlicht war, konnte von dieser erspriesslichen Neuerung nichts mehr 
gewinnen, es konnten nur jene Blätter einer sorgfältigen Revision und 
gedeihlichen Verbesserungen unterzogen werden, welche in der Zeichnung 
oder im Stiche nicht vollendet waren. 

In dasselbe Jahr fällt auch die decretirte Einführung der Leh- 
mann'schen Schraffirmethode zur Darstellung der Unebenheiten, zu welchem 
Zwecke eine ganze Abtheilung von Officieren des topographischen Bureaus 
bei der Aufnahme und Reduction verwendet wurde. Nur erlaubte man 
sich, wegen Steilheit der Alpengebirge die Scala , statt, wie Lehman- 
mit 45°, erst bei 60° Neigung mit vollkommenem Schwarz enden zu 



*) Diese Karte aus den vorhandenen Materialien auf 
1816 vollendet und vom Hauptmann und Ingenieur-Geographen von Coulon in 20 
Sectionen herausgegeben. Anlitschek gibt ihr kein besonderes Lob und tadelt so- 
wohl die unvermeidliche Ungleichförmigkeit, die aus der Mangelhaftigkeit der verschie- 
denen Materialien, als aus dem forcirten Stiche entstand und die Magerkeit an Orts- 
angaben. 

**) Die primäre Triangulirung geschah durch den Kataster, die seeundäre in 
Gemeinschaft. 

h* 



| IG Anton Steinhäuser. 

lassen.*) Damit war nun allen schwankenden Methoden, allem Künstler- 
eigensinn und den eingewurzelten Gewohnheiten (Anl itsehek's eigene 
Worte) ein Ende gemacht, 

Zum Wirkungskreise der litter arisch en Abtheilung gehörte die 
Re kognos cirung und Beschreibung des Landes in militärischer Bezie- 
ung auf Topographie, Statistik, Geognosie und Geschichte, die Bearbeitung 
eines Bepertoriums für die Atlasblätter und die Sammlung und Wür- 
digung aller Erscheinungen in der Militär-Litteratur. Für die Becognos- 
cirungen wurde eine eigene Instruction entworfen, eine dazu gehörige 
Terminologie für Terrain- Be schreib ung lithographirt und unter 
die Officiere vertheilt. Ein Versuch damit in einer südlichen Gebirgs- 
Gegend gelang so sehr, dass Oberst Anlitschek sehr bedauert, dass 
die Mittel des Instituts es nicht erlaubten, diese lehrreiche Schule für 
Generalstabsofficiere gehörig auszubeuten und diese Beschreibungen über 
das ganze Land auszudehnen. Der Austritt des Majors von Bauer im 
Jahre 1818 wird als ein herber Verlust bedauert. 

Mit der litterarischen Abtheilung war auch das Conser vato rium 
vereinigt, nämlich die Sammlung der vorzüglichsten litterarischen Werke 
und Zeitschriften im Militärfache, der besten Landkarten (einschliesslich 
der aus der vormaligen Plankammer übergegangenen), Instrumente und 
anderer Gegenstände. Auch die Sammlungen des Kriegsministeriums waren 
damit vereinigt worden. 

Im Jahre 1822 erfolgte eine neue Organisation des General- 
stabes und die Creirung eines General-Quartiermeister-Stabes 
aus dem bisherigen Generalstabe, und den älteren Officieren des topo- 
graphischen Bureaus. Chef blieb der General der Infanterie Baglovich. 
Das topographische Bureau wurde dadurch ein Attribut und Depot des 
General-Qnartiermeister-Stabes, wozu noch das ältere Civil-Personale und 
eine Abtheilung Ingenieur-Geographen mit besonderer Uniform kam. Durch 
den erweiterten Geschäftskreis des General-Quartiermeister-Stabes im Jahre 
1826 für den organischen Dienst der Armee wurde das Officier-Corps 
des General- Quartiermeister-Stabes vermehrt, dagegen das des topogra- 
phischen Bureaus vermindert. Das Personale desselben bestand im Jahre 
1829 noch aus 40 Civil -Personen, einschliesslich der Ingenieure und 
Kupferstecher (mit allen commandirten Officieren und den übrigen Ange- 
stellten waren es 70 bis 80 Personen) und der jährliche Aufwand auf 
Triangulirungs- und Mappirungskosten, Ankäufe für das Conservatorium 
und die Zeichnungsmaterialien wurde mit 50000 fl. präliminirt. 



*) Ueber das „Warum" der Einführung lässt sich Anlitschek wörtlich ver- 
nehmen, wie folgt: 

„Wenn auch die Ausführung der Lehma nn'schen Zeichnungsmanier hinter dem 
Buchstaben der Theorie zurückbleibt, so kann man sich doch auf diesem constructiven 
Wege der Wahrheit in dem Grade nähern, als der Maasstab die Zergliederung der Berg- 
oherfläche gestattet und die Bezeichnung der Flächen-Neigung in grösseren kenntlichen 
Vorhältnissen entsteht. In jedem F<*Ile ist damit gewonnen, dass dieser Gegenstand auf 
bestimmte Grundsätze zurückgeführt, Gleichförmigkeit der Arbeit erzweckt und die 
dem Maasstabe angemessene Forderung befriedigt werden kann." 

Die Einführung war jedoch vor der Hand nur auf das topographische Bureau 
beschränkt und noeh im Jahre 1829 schwebte nach Anlitschek's Angabe die (mitt- 
lerweile gewiss bejahend erledigte) Verhandlung wegen Einführung dieser Zeichnungs- 
art in allen Militärschulen Bayerns. 



(Seite II?) 



Skelett zum topographischen Atlas von Bayern - Stand im Jahre 1859. 

















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Die älteste und neueste topographische Karte von Bayern. 117 

Eine nochmalige Veränderung in der Organisation ist mir nicht 
bekannt geworden, und aus dem Fortschreiten der Arbeiten selbst ergibt 
sich kein Anhaltspunct, eine solche annehmen zu müssen. Auch über 
Evidenzhaltung spricht sich weder Anlitschek noch irgend ein an- 
derer Quellenschriftsteller aus. Eine ausführliche Schilderung aller Arbeiten 
des topographischen Bureaus, welche dasselbe dem niederländischen General- 
stabe, für die Herausgabe des (kritischen) Repertoire de Cartes, durch 
den Verein niederländischer Ingenieure zugesendet hat, ist bis jetzt noch 
nicht durch den Druck veröffentlicht worden. 

Ich wende mich nun zu dem topographischen Atlas selbst. 

(Siehe angeschlossene Tabelle.) 

Er umfasst, Rheinbayern eingeschlossen, 112 oblonge Blätter grössten 
Formats, von welchen bis nun 104 erschienen sind, und ist im Maass- 
stabe von vffföö ausgeführt. Zu jedem Blatte gehört ein Repertoriurn, 
d. i. ein Register-Heft aller auf dem Blatte vorkommenden topogra- 
phischen Details. Als Vorarbeiten und Vorboten kann man den Plan von 
München (1806 in T gVs {n einem Blatte) und die nächste Umgebung 
von München (ein Blatt in ^rö) ansehen. 

Eine kritische Durchsicht der Blätter lässt unschwer die älteste Pe- 
riode herausfinden. Sie macht sich kenntlich durch die ältere Manier der 
Bergzeichnung nach schiefer Beleuchtung, und erinnert an die mehrjäh- 
rigen französischen Einflüsse,*) ferner durch die Unbestimmtheit der Cul- 
turgrenzen und manche Wahrnehmungen geringerer Art. Die späteren 
Blätter zeichnen sich durch Vermeidung dieser Nachtheile vortheilhaft aus. 
Ein Vergleich der Zeiten des Erscheinens lässt deutlich die Folgen 
der Personal-Verminderung wahrnehmen, wodurch wieder zwei Perioden 
entstehen. Die erste Periode kann man beiläufig von 1812 bis Ende 1819 
annehmen, bis wohin die schon im Stiche vorgerückten Blätter auch nach 
dem Aufschwänge des Jahres 1817 noch gereicht haben werden. Die 
zweite Periode (mit voller Kraft) kann man vom Jahre 1820 bis 1829 
setzen, und die letzte, wo die Reduction des Jahres 1826 schon wirk- 
sam sich zeigt, von 1830 bis zur Gegenwart. 

In die erste Periode A fallen die Blätter: 

77. 83. 

55. 62. 

48. 54. 62. 

70. 

ü. 47. 61. 

31. 36. 37. 43. 69. 76. 

41. 



Die mit fetten Lettern bezeichneten Blätter enthalten sehr wenig 
ausgeführten Raum. 

Im Jahre 1813 erschien kein Blatt. 



1812 


2 Blätter 


1814 


2 » 


1815 


3 , 


1816 


1 „ 


1817 


3 „ 


1818 


6 „ 


1819 


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18 Blätter 



*) In einigen früheren Abdrücken erseheinen die Berge mit der Nadel gravirt 
in anderen mit chemischer Tinte gezeichnet. 

Es scheint schreibt 0. Anlitschek, dass man gleich Anfangs die Lehm a nn'sche 
Manier gewählt haben würde, allein die ungleiche Qualification der Geodäten in der 
Gebirgszeichnung mag das vorzüglichste Hinderniss gewesen sein, auch war diese Me- 
thode damals noch von der Kritik stark angefochten und wenig im Gebrauche. 



118 



Anton Steinhauser. 

Der zweiten Periode B gehören die Blätter an: 

30. 35. 42. 49. 50. 56. 1820 6 Blätter 

38. 1821 1 „ 

34. 39. 40. 45. 52. 84. 1822 6 , 

46. 53. 1823 2 „ 

71. 92. 1824 2 „ 

23. 64. 78. 82. 91. 98. 1825 6 „ 

22. 51. 86. 87. 94. 99. lOO. 1826 7 „ 

3. 8. 59. 74. 75. 85. 1828 6 „ 

6. 15. 29. 1829 3 „ 









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Im Jahre 1827 erschien kein Blatt. 








Die dritte Periode C nmfasst d 


ie Blätter: 






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1830 


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1831 


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1832 


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1833 


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1834 


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1835 


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1836 


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1837 


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1838 


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93. 


1839 


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1841 


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1842 


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1843 


2 


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4. 


33. 


1844 


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28. 


1846 


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1848 


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1850 


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1851 


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1852 


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1853 


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1854 


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27. 


1855 


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105. 


1856 


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19. 


1857 


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17. 


1859 


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47 Blätter 

In den Jahren 1840, 1845, 1847, 1849 und 1858 erschien kein Blatt. 

Noch fehlen acht Blätter (10. 13. 14. 103. 106. 107. 108 und 109.) 
Nach dem bisherigen Gange der Arbeit dürfte noch eine Anzahl Jahre 
vergehen, bis der Atlas ganz vollständig vorliegen wird. Der Preis ist 
für eine Section mit 1 5 / 12 Beichslhaler bemessen, und beträgt sonach für 
die erschienenen 104 Blätter 147*4 Reichsthaler = 221 fl. österreichischer 
Währung. 

Die schätzenswerthen Eigenschaften der Atlasblätter sind vor allem 
in dem Beruhen auf einer wohl angelegten und durchgeführten Vermes- 
sung zu suchen, besonders aus der Zeit, wo bereits die genaueren 



Die älteste und neueste topographische Karte von Bayern. 1 i 9 

Katastral -Vermessungen dein Gerippe zu Grunde gelegt wurden, die 
weniger günstigen Parthien bestehen nach dem Ausspruche einer unver- 
werflichen aber strengen Autorität, nämlich des preussischen Generalstabes*) 
in der Ungleichheit an Gehalt, in theilweise nachlässiger Arbeit (wobei 
auf eines der ältesten Blätter [Section Regensburg] namentlich hinge- 
wiesen wird) und dem im allgemeinen wenig kräftigen Terrain, ohne 
dabei der älteren noch nicht nach Lehmann'« Normen gezeichneten 
Blätter besonders zu erwähnen. 

Der grosse Maasstab (fast das dreifache der österreichischen General- 
Quartiermeister-Stabs-Specialkartenj Hesse auch bezüglich der Cultursan- 
gaben mehr Detail erwarten, als wirklich gegeben wird. Wie viel mehr 
Detail gewähren z. B. die drei Blätter der Umgebungskarte von Wien, die 
im Maasse von 1 Zoll zu 600° gezeichnet sind, also wenig grösser, als die 
baierischen Blätter, auf welchen 1 Wiener- Zoll = 096 3 / 3 °! 

Es wurde vom topographischen Bureau auch eine Uebersichts- 
karle von Bayern im Masse von tw Vöö m 1$ Blättern in doppelter 
Ausgabe geliefert, 

1. als Terrainübersichtskarte, mit den wichtigsten Strassen und 

Orten, meist ohne Namen, daher ein Heft mit Verzeichnissen in 
gedruckten Bogen für jedes Blatt beigegeben wird, und 

2. als rein topographische Karte mit allen Orten, den Berggipfeln 

und deren Namen, und den Waldstrecken. 

Jedes Blatt umfasst 9 Blätter der grossen topographischen Karte 
und verhält sich im linearen Verhältnisse zu diesen wie 3 zu 5. 

Beide Karten ergänzen einander, obwohl die Nöthigung dazu nichts 
zur Bequemlichkeit beiträgt. Bezüglich des Terrains tritt das Naturbild 
im Hochgebirge angemessen hervor, im Mittelgebirge und in den flacheren 
Gegenden scheint das Bestreben, den Charakter zu generalisiren, die Wahr- 
heit des Urbildes nicht überall zum klaren Durchbruche kommen zu 
lassen. 

Ein solcher Tadel mag jedoch immerhin mit einiger Zurückhaltung 
ausgesprochen werden, denn jeder sachverständige topographische Zeichner 
weiss die Schwierigkeiten zu ermessen, mit welchen ein Reducent, zu- 
weilen fast hoffnungslos zu kämpfen hat. wenn eine, in winzige Indivi- 
dualitäten sich auflösende Undulation des Bodens, in einem Masse, wo 
die Details verschwindend klein werden, mit wenigen Strichen verständ- 
lich charakterisirt werden soll. Und manchmal dürfte man geneigt sein, 
den gestrengen Tadlern über solche weniger gelungene Leistungen eines 
Zeichners zuzurufen: „W r er unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten 
Stein auf ihn!" 



*) Siehe die von der topographischen Abtheilung desselben in Berlin im Jahre 
i849 herausgegebene „Beurtheilend e Uebersicht derjenigen durch den Druck 
vervielfältigten Karten, Situations- uud Festungspläne von Europa, welche für deutsche 
Militärs von practischem Interesse sind." pag. 104. 



120 



XL 

Strassen- , Fluss- und Eisenbahn - Nivellements im Honther- 
und Neograder-Comitate Ungarns. 

Von 

Heinrich Wolf. 

(Mit einer Uebersichtskarte. Taf. II.) 

Bei den geologischen Uebersichtsaufnahmen im nördlichen und nord- 
östlichen Ungarn, im verflossenen Jahre (1858), in Verwendung, hatte 
ich Gelegenheit, mit den Comitatsbauämtern zu verkehren. 

Nebenbei forschte ich nach Strassen- und Fluss-Nivellements, da 
mir bekannt war, dass hohen Orts eine allmalige Profilirung aller unter 
Staatsaufsicht stehenden Strassen und Flüsse angeordnet war.*) Meine 
Bemühungen waren wirklich nicht ohne Besultat geblieben, denn im Co- 
mitatsbauamte zu Ipoly Sägh fand ich Nivellements-Längenprofile von sechs 
Strassenzügen nämlich I. von Szob nach Ipoly Sägh, II. von lpoly Sägh nach 
Leventz, III. von Ipoly Sägh gegen Schemnitz, IV. von Schemnitz nach Le- 
ventz , V. von Schemnitz nach Kozelnik an der Grenze des Sohler-Comi- 
tates und endlich VI. von Ipoly Sägh gegen Betsägh im Neograder-Comitat, 
ferner das Nivellement des Eipelflusses, X. von seiner Mündung in die 
Donau bei Szob, bis an die Grenze des Neograder-Comitates bei Kovär, 
westlich bei Ballassa-Gyarmath. 

Sämmtliche Nivellements bezogen sich auf den Nullpunct der Donau, 
an der Mündung des Eipelflusses. 

Im Comitatsbauamt des Neograder-Comitates in Balassa-Gyarmath fand ich 
das Nivellement VIII. von B. Gyarmath nach Betsägh und weiter bis 
zur Eisenbahnstation Veröcze, bezogen auf die Bahnnivellete daselbst; dann 
das Strassen-Nivellernent IX. vom Sattel des Krivän, an der Grenze des 
Sohler-Comitates, NW. von Losoncz, bis nach Videfalva, nächst Losoncz. 

Dieses Nivellement bezog sich auf einen Horizont, welcher 50 Fuss 
über dem Krivänsattel angenommen war. Ferner war noch das Nivellement 
des Eipelflusses, XI. bei Garöb, NNO. von Losoncz begonnen, und bis an 
die Grenze des Honther-Comitates bei Kovär nächst B. Gyarmath, aus- 
geführt. 

Für dieses Nivellement war eine Vergleichungsebene bei Pincz, NO. 
von Losoncz angenommen. 

Sämmtliche 11 Nivellements waren unter sich nicht vergleichbar, 
denn sie gaben nur relative Höhenunterschiede gegen die eben genannten 
angenommenen Vergleichungsebenen, die aber sonst weiter in keiner Ver- 
bindung mit einander standen. 

Wäre die Seehöhe des Nullpunctes der Donau an der Eipelmündung 
bekannt, so könnte wenigstens das Fluss- und die Strassen-Nivellements 
des Honther-Comitates auf die Seehöhe gestellt werden, und im Anschluss 



*) Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik, o. Jahrgang, 1. Heft, Seite o. 

















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Strassen- Fluss- u. Eisenbahn-Nivellements im Hont her- u. Neograder-Comitate Ungarns. 121 



des Nivellements der Eipel im Neograder-Comitate folgen. Es blieben 
dann nur mehr die beiden Strassennivellements von B. Gyarmath nach 
Veröcze und vom Krivansattel gegen Losoncz ausser Verbindung. Als 
Hilfsmittel zur Lösung dieser beiden Fragen konnten die Eisenbahnnivelle- 
ments benützt werden, und zwar für die erstere zur Bestimmung der 
Seehöhe des Donau-Nullpunctes bei Szob, das Nivellement der k. k. 
österreichischen Staatseisenbahn zwischen Wien und Pest, und für die 
beiden oben erwähnten Strassenstrecken, konnten die Nivellettecoten aus 
der Projectsverfassung der ober-ungarischen Eisenbahn (Eipel-Sajothaler- 
Bahn) der Stationen Losoncz und Balassa-Gyarmath benützt werden. 

Die Nivellettecote für den Bahnhof in Szob ist mit 58-897 Wie- 
ner-Klafter, aus dem Eisenbahnnivellement, zwischen dem Wiener-Nord- 
bahnhof (84-°677) und dem Pester-Bahnhof (56-°437) gegeben. 

Diese Angaben aber nach meiner trigonometrischen Bestimmung der 
Seehöhe des Nordbahnhofes von Wien,*} reduciren sich respective um 
0-758 Wiener-Klafter, wodurch sie aber unmittelbar von der Seehöhe 
der Uhrzeiger-Achse am St. Stephansthurme in Wien, welcher uns als 
Normalpunct für alle Höhenmessungen in Oesterreich gilt, abgeleitet sind. 

Demzufolge ist die Seehöhe der Schienen des Bahnhofes in Szob 
= 58*139 Wiener-Klafter. Diese Cote ist allen folgenden Bestimmungen 
zur Basis gegeben, und ich werde daher jetzt die Bestimmung der See- 
höhe der Puncte in den oben angebenen Nivellementszügen einzeln be- 
sprechen. 

Die Nivellements der Strassenzüge im Honther-Comitat schliessen 
sich aneinander wie die Glieder einer Kette, es genügt also, die Be- 
stimmung der Seehöhe eines Punctes aus dieser Kette, und man wird 
alle bestimmt haben. 

Der Nivellementszug Nr. 
Localkenntniss weiss ich, dass 
mit dem Niveau der Schienen 
kann also die Niveaucote des 
zuges substituirt werden. 

Es ergeben sich also für die Anfangs 
7 Strassenzüge folgende Seehöhen: 



I. beginnt in Szob; aus meiner eigenen 
der Strassenzug: Szob-Ipoly Sägh, in Szob 
des Bahnhofes daselbst zusammenfällt. Es 
Bahnhofes für das erste Glied des Strassen- 



und Endpuncte der ersten 



Strassenzug 
Nr. 



Anfangspunct 



Seehöhe 
W.Klftr 



Endpunct 



Seehöhe 
W.Kltfr. 



I. 

II. 
III. 
IV. 

V. 

VI. 

VII. 



Szob 

Ipoly Sägh 

Danunstrasse bei Tompa 
Piaristenklost. Schemnitz 
Schemnitz, Piaristen 

Ipoly Sägh 

Ipoly Sägh 



58193 
67193 
67093 
245093 
245093 
67193 
67193 



Ipoly Sägh 

Barsergrenze b. Levencz 
Piaristenklost. Schemnitz 
Barsergr. gegen Levencz 
Kozelnik a. d. Sohler-Gr. 

bei Betsägh 

a. d. Neog.-Gr. b. Kovär 



67193 
117 593 
245093 
176-260 
181 593 
91-427 
77-760 



*) Hypsometrische Arbeiten von Heinrieh Wolf von Juni 1856 bis Mai 1857. Jahrbuch 
der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1857. Heft 2. Seite 234. 



122 Heinrich Wolf. 

Für die Strassenzüge VIII. und IX. muss das Nivellement der pro- 
jectirten Eipel-Sajothaler-Bahn henützt werden, welches in Szob in dem- 
selben Niveau des Bahnhofes, an die südöstliche Eisenbahn an- 
knüpft. 

Der Anknüpfungspunct ist in diesem Projecte mit 55*650 Wiener- 
Klafter gegeben, er kann aber nach dem vorhergehenden nicht unter 
85-139 angenommen werden; es sind daher alle Niveaucoten dieser Pro- 
jeetverfassung, um die Differenz von 2*489 Wiener-Klafter zu erhüben. 

Man erhält also für die Station B. Gyarmath die Seehöhe von 
78-989 Wiener-Klafter, welche uns als Fundamentalpunct für die Bestim- 
mung der Seehöhe des Strassenzuges Nr. VIII. von B. Gyarmath nach 
Veröcze dient. 

Dieser Strassenzug beginnt bei dem Comitatshaus in B. Gyarmath, 
dasselbe liegt, nach der Situation des projeetirten Bahnhofes, welcher 
weiter von dem Eipelflusse entfernt ist, um ein geringes, nicht um mehr 
als 1° tiefer als dieser, man begeht daher keinen grossen Fehler, wenn 
man das Comitatshaus in gleicher Höhe mit dem Bahnhof annimmt, d. h. 
dass es eine Seehöhe von 78989 besitzt. Der Endpunct dieser Strasse 
ist der Stationsplatz Veröcze, er ergiebt sich aus dieser Vergleichungs- 
ebene mit 56-544*) Wiener-Klafter. 

Für den Strassenzug Nr. IX. von der Brücke nächst Videfalva bei 
Losonez bis auf den Krivansattel, konnte der Stationsplatz Losoncz ge- 
wählt werden, dessen Seehöhe aus der Projectsverfassung der Eipelbahn 
und nach der erfolgten Correction mit 98*698 Wiener - Klafter sich 
ergiebt. 

Die beiden Puncte: Brücke in Videfalva und Station Losoncz liegen 
ungefähr 1000 Klafter von einander entfernt, in derselben Thalsohle und 
das Gefäll des Krivanyerbacb.es kann in dieser Strecke kaum 2 Klafter 
betragen, und diess scheint durch die höhere Anlage des Losonczer-Bahn- 
hofes aufgewogen, man kann also ebenfalls keinen grösseren Fehler als 
von 2 Klaftern begehen, wenn man die Brücke in Videfalva gleich setzt 
dem Bahnhof in Losoncz. Demzufolge besitzt die Brücke in Videfalva 
eine Seehöhe von 98*698 Wiener-Klafter und der Endpunct des Nivelle- 
mentzuges am Krivansattel die Seehöhe von 227899 Wiener-Klafter. 

Für die Stellung des Nivellements des Eipelflusses auf die Seehöhe 
muss ebenfalls die Eisenhahnstation Szob mit der Cote 58*°139 als Aus- 
gangspunet dienen. Als Anhaltspuncte dient die Angabe : dass sich alle 
Coten der Eipelnivellirung im Honther-Comitat auf den mittleren Wasser- 
stand der Donau, welcher an der Mündung des Eipelflusses bei Szobb 
8 Fuss über den kleinsten Wasserstand, welcher als Nullpunct angenom- 
men ist, beziehen, und dass ferner der grösste Wasserstand, welcher am 
13. März 1838 beobachtet wurde, 29' 6" über diesen Nullpunct sich 
befand. 

Zwischen diesen Angaben und der Seehöhe des Stationsplatzes Szobb 
scheint kein unmittelbarer Zusammenhang zu bestehen, aber man weiss, 
dass jede neue Strassen- oder Eisenbahnanlage längs eines Flusses, stets 
über seinen höchsten bekannten Wasserstand beantragt werden muss. Ich 



*) Dieses Nivellement von B. Gyarmath nach Veröcze, wurde ursprünglich an den Sta- 
tionsplatz in Veröcze angebunden; da aber die Seehöhe dieses Stationsplatzes, selbst nicht 
bei der österreichischen Staatseisenbahngesellsehaft aufgefunden werden konnte, so musste die 
Frage unigekehrt werden: wie tief liegt Veröcze unter B. Gyarmath? 



Strassen- Fluss- u. Eisenbahn-Nivellements im Honther- u. Neograder-Comitate Ungarns. 123 



Wasser 



Eipel bei mittlerem 

Wiener-Klafter. 

Honther-Comitats-Bauamtes 



werde mich daher begnügen, da mir von Seite der Direction der öster- 
reichischen Staatseisenbahn-Gesellschaft keine näheren Daten gegeben werden 
konnten, den Bahnhof 1° über den höchsten Wasserstand zu setzen, also den 
Nullpunct der Donau an der Eipelmündung mit 35' 6" unter dem Bahn- 
hof in Szob annehmen. 

Diess gibt also für die Mündung der 
stand der Donau die Seehöhe von 53593 

Da dieses Nivellement von Seite des Honther-Comitats-Bauamtes bis 
B. Gyarmath ausgeführt wurde, so ist die Eipel bei B. Gyarmath in 
einer Seehöhe von 72 •857. 

Das Nivellement Nr. XI. der Eipel bezieht sich auf eine andere 
Yergleichungsebene bei Pincz, dessen Seehöhe unbekannt ist, da aber in 
diesem Nivellementszuge ein Punct der Eipel bei B. Gyarmath mit einbe- 
zogen ist, so kann er ebenfalls = 72-857 Wiener-Klafter gesetzt wer- 
den, und somit wäre auch die Seehöhe dieses Nivellements bestimmt. 

Nivellements: 

I. 

Strassenzug von Szob nach Ipoly Sägh im Honther-Comitate (18.500 KIftr. lang). 



Nr. 



Bezeichnung der nivellirlcu Puncte 



Seehöhe 

in 
vY.-RINr. 



Bezeichnung der nivellirten Puncti 



Seehöhe 

in 
W.-Rlflr. 



Szob 

Miihlbach von Szob 
Höhe von Ipoly Damasd 
Leleder Wirthshaus . 

Letkes 

Tölgyes 

Puszta Ganad . . . 
Vamos Mikola . . . 



58193 
57-893 
61093 
58-093 
58-760 
59-427 
61-760 
62-760 



Börzsenyer Bach bei Mikola 
Puszta Haraszty .... 
Strassenweiser Nr. 2 bei 

Peröszeny 

Höchster Punct der Strasse 

NO. bei Peröcseny . . . 

Kemencze 

Ipoly Sägh, Comitatshaus . 



60-700 
73093 

76760 

86-593 
76527 
67- 193 



IL 

Strassenzug von Ipoly Sägh gegen Leventz bis an die Barser-Grenze 
(15.500 Klafter lang). 



Nr, 



Bezeichnung der nivellirten Puncte 



Seeüöhc 

in 
W.-Rlftr. 



Nr. 



Bezeichnung der nivellirten Puncte 



Seehöhe 

in 
W.-Rlftr. 



Ipoly Sägh 

Strassenhöhe bei Ipoly Sägh 
gegen Thür 

Strassenhöhe beim Karpfen- 
bach 

Zwischen dem Karpfenbach 
und Gyerk 

Gyerk 



67-193 

71-593 

67-760 

71-593 
66-426 



6 Tompa 

6 Dammstrasse über d. Schem- 

nitzerbach bei Tompa . 
6 Höchster Punct der Strasse 

nördlich von Szemered . 
Tiefster Punct der Strasse 

nördlich von Szemered . 



68-426 
67093 
92-260 
83-427 



124 



Heinrich Wolf. 



Nr 



Bezeichnung der nivellirlen Puncte 



Seehöhe 

in 
W.-Klftr, 



Nr 



Bezeichnung der uivellirten Puncte 



See höhe 

in 
W.- Rlftr. 



9 

10 
II 
12 
13 



Höchster Puiict der Strasse 
NW. von Szemered . . 

Tiefster Punct der Strasse 
NW. von Szemered 

Am Demenderberg . . 

Demend 

Magyaräderberg . . . 

Szantö (Heilquelle) . . 



91093 

93 427 
111-593 
74-673 
90427 
84260 



14 Szäntöer-Berg . . . 
15Bozierthal, W. v. Bozi . 
16|Csank 
17 



104-760 
90-427 
92-260 

Varsanyerberg 1 120427 

Varsany, S. 0. von Leventz 97-260 
An der Barser Gränze zw. 

Leventz und Varsanv . 117593 



III. 

Strassenzug von der Dammstrasse bei Tompa gegen Schemnitz 

(22.500 Klafter lang). 



Nr. 



Bezeichnung der uivellirten Puncte 



Seehöbe 

in 
W.-Klftr 



Seehöhe 
Bezeichnung der nivellirten Puncte in 

W.-Klftr. 



Dammstrasse bei Tompa 

Egegb 

Gyfigy (Heilquelle) . 

Tereny 

Teszer 

Sipeker Bach . . 
Domanyik 



67093 
70-593 
73-593 
75-926 
81-260 
81-926 
99-926 



Nemethi 

9 Strassenhöhe vor Tepliczka 

lOTepliczka 

11 Prinzdorf 

12iSzt. Antäl . 

13 Stadt Schemnitz beim Piari- 
sten Kloster 



114-760 
135-260 
128-593 
157-260 
199160 

245093 



IV. 

Strassenzug von Schemnitz gegen Leventz bis an die Barser Grenze 

(17.000 Klafter lang). 



Nr. 



Bezeichnung der uivellirten Puncte 



Schemnitzer Pflaster bei der 
Piaristenkirche .... 

Windschacht 

Windschachter-Berg . . 
Steinbach-Puszta .... 

Bagonya 

Almaser-Bach 



Seeböue 

in 
W.-Klfrr. 



245093 
287-760 
325-927 
210-760 
180-427 
175-593 



Nr. Bezeichnung der uivellirten Puncte 



Seehöhe 

in 
W.-Klftr. 



Almaser Weingarten . . 

Bäth 

Dioznoserthal .... 

Höchster Punct v. d. Barser 

Grenze bei Puszta Csuda 
An der Barser Grenze im 

Levenzter Hotter . . . 



183-927 
174-927 
160093 

192-927 

176260 



Strassen- Fluss- u. Eisenbahn-Nivellements im Honther- u. Neograder-Comitate Ungarns. 1 25 

V. 

Strasse von Schemnitz NO. gegen Kozelnik an der Sohler-Grenze 
(4500 Klafter lang). 



Nr. 



Bezeichnung der nivellirten Punrte 



Seehöhe 

in 
W.-Rlftr. 



Stadt Schemnitz , Piaristen-I 

Kloster |245093 

Schemnitzer Berg . . . |293 593 



Vi. 



Bezeichnung der nivellirten Puiicte 



Dilln 

Kozelnikerbaeh a. d. Sohler 
Comitats-Grenze . . . 



Seehöhe 

in 
W.-Rlftr. 



206-593 
181593 



VI. 

Strassenzug von Ipoly Sägh gegen Rtesägh (12.000 Klafter lang). 



Nr. 



Bezeichnung der nivellirten Puncte 



Seehöhe 

in 
W.-Klftr. 



Nr. 



Bezeichnung der nivellirten Puncte 



Seehöhe 

in 
W.-Rlftr. 



Ipoly Sägh, Comitats-Haus . 

Honth 

Zweigpunct der Strasse ge- 
gen Gyarmath . . 

Palänk 

Palänker Berg 

Tiefster Punet zwischen 
dem Palänker Berg und 
dem Oroszyer Wein- 
garten 



67 193 
70-593 

70-427 

72-260 

106-593 



94093 



Höchster Punct in den Oro- 
szier Weingärten . . . 

Nagy Oroszy 

Höchst. Punct gegen Berinko 

Berinke 

Berinker Brücke .... 

Jaszteleker Berg .... 

Im Jaszteleker Hoter bei Pu- 
szta Jasztelek a.d. Strasse 
v. Retsägh nach Waitzen 



109093 
88-927 

108-927 
82-593 
76-927 

103-260 



91-427 



VII. 

Strassenzug von Ipoly Sägh nach Balassa- Gyarmath (15.000 Klafter lang). 



Nr. 



Bezeichnung der nivellirten Puncte 



Seeböhc 

in 
W.-Rlftr. 



Nr. 



Bezeichnung der nivellirten Puncte 



Seehöhe 

in 
W.-Rlftr. 



Ipoly Sägh 

Honth . 

Zweigpunct gegen R^tsägh 

Hidveg 

Nagyfalu 



CT 
70 
70 
70 
73 



193 
•593 
•427 
593 
093 



Ipoly Balogh 

Höchster Punct hinter Balogh 

(Trigonom. Zeichen) 
An der Neograder-Comitats- 

Grenze bei Kovär 



71-760 
77927 
77760 



126 



Heinrich Wolf. 



VIII. 

Strasse von Balassa-Gyarmath «regen Waitzen und Veröcze 
(20.000 Klafter lang). 





Seehöhe 






Seehöhe 


Nr. 


Bezeichnung der nivellirten Puncte 


in 
W.-Klftr. 


Nr. 


Bezeichnung der nivellirten Puncte 


in 
W.-Klftr. 


1 


Comitatshaus in Balassa- 




12 Höchster Punct der Strasse 






Gyarmath ..... 


78989 


vor Retsagh .... 


118114 


2 


Brücke über d. Wiese am Fuss 




13 Retsagh vordem Wirthshaus 


96-967 




des Lözinczer Berges . 


97282 


14 


Höchster Punct der Strasse 




3 


Beim Schäferhaus am Lözin- 






in den Retsagher Aeckern 








121836 




gegen d. Lokoser Wirths- 




4 


Höehster Punct der Strasse 








143-781 




am Luzinczer Berg. 


144656 


15 


Brücke über den Graben beim 




5 


Brücke über den Graben bei 






Lokoser Wirthshaus . . 


102-892 




PusztaLözincz 


75-976 


16 


Höchster Punct der Strasse 




6 


Kapelle an der Strasse gegen 






im Szenderhelyerwald . 


152<466 




Vädkert 


106-276 


17 


Brücke über den Graben von 




7 


In Vadkert der tiefste Punct 


94099 




Szenderhely .... 


108-311 


8 


Beim Wirthshaus auf der 




18 


Höchster Punct der Strasse 






Puszta Kormös 


102467 




in Szenderhely . 


80-197 


9 


Höchster Punct in den Te- 




19 


Tiefster Pct. d. Strasse b. d. 






reskeer Aeckern. 


134806 




Wirthsh. d. Puszta Kalatin 


118-851 


10 


An der Brücke über d. Wiese 




20 


Bei der Brücke über den 






unter d. Tereskeer Wein- 






Graben von Yeröcze. 


59-897 






112-502 


21 


Höchster Punct d. Strasse in 




11 


An der Strassentheilung 






Veröcze (Station Veröcze) 


60664 




gegen Nagy Oroszy . 


102474 


22 


Station Veröcze .... 


56544 



IX. 

Nivellement der Strasse von Losoncz bis an die Sohler Grenze im Sattel 
des Krivan (13.500 Klafter lang). 







Seehöhe 






Seehöhe 


Nr. 


Bezeichnung der nivellirten Puncte 


in 

W.-Klftr. 


Nr. 


Bezeichnung der nivellirten Puncte 


in 
W.-Klftr. 


1 


Sattel am Krivan an der 




5 


Brückenobj. ainWeg n.Bzowa 


183009 




Sohler Grenze . 


227899 


6 


Brückenobj. ober der Mühle 




2 


Brückenobject bei d. Krüm- 






in der Wiese des Kriva- 






mung d. Strasse u. Ueber- 






nyer-Thales .... 


157-870 




setzg. d. Krivanyerbaclies 




7 


Brückenobj. über den Bach 






NO. v. Diven Oroszy 


211175 




aus dem Füresz-Thal 


151 177 


3 


Brückenobj. oberh.d.Wirthsh. 


200982 


8 


Beim Felsen an d. Grenze d. 




4 


Brückenobj. des Krivanyer- 






Krivanyerwaldes gegen d. 






baches 0. v. Diven Oroszy 


188-675 




Vämosfalvaer Aecker 


144-804 



Strassen- Fluss- u. Eisenbahn-Nivellements im Honther- u. Neograder-Comitate Ungarns, i 27 



Nr. 



Bezeichnung der iiivellirtcn Puncte 



Seehöhe 

in 
W.-Klftr. 



9 Vämosfalva, an der Überbrückimg des Krivanya- Baches . . 133-120 

10 Beim Querprofil Nr. 35 unterhalb Vämosfalva ....... 126-549 

11 „ „ 39 zwischen Vämosfalva und Lonyabänya . 124630 
l' 41 198 925 

13 „ „46 bei Lonyabänya 117995 

14 „ „ 60 bei Udornya 127632 

15 „ 67 bei Podrecsany . 132829 

16 „ „ 75 unter dem Haller Wirthshaus .... 119234 

17 „ „83 Haller- Wirthshaus 134142 

18 „ .„ 86 zwischen dem Haller- Wirthshaus . . . 124532 

19 „ „ 94 und Videfalva NNW 111745 

20 „ „99 Videfalva 107-412 

21 An der Uebersetzung des Krivanyerbaches zwischen Videfalva 
und Losoncz ......... 98698 



X. 

Nivellement der Eipel im Honther Comitate. Von der Mündung in die 

Donau bei Szob bis an die Grenze des Neograder-Comitats 

(52.000 Klafter lang). 







Seehöhe 




Seehohe 


Nr. 


Bezeichnung der nircllirten Puncte 


in 
W.-Rlftr. 


Nr. Bezeichnung der iilvellirten Puncte 


in 
W.-Rlftr. 


1 


Eipel and. Mündg. in d. Donau 


53593 


9 


Eipel bei Visk . . . , 


61 705 


2 


„ bei Damäsd . 


53677 


10 


n Ipoly Sagh . . 


64067 


3 


„ „ Szalka 


54-830 


11 


„ „ Honth 


64.760 


4 


„ „ Tolgyes . . . 


56-483 


12 


„ „ Palank . 


66020 


5 


„ „ Ipoly-Paszto . 


57898 


13 


„ „ Ipoly Balogh. . 


68952 


6 


„ „ Vämos Mikola 


58610 


14 


„ „ Nagy Csalomya . 


70-288 


7 


„ „ Ipoly-Szakalos 


59-620 


15 


„ „ Kovär. . . . 


72026 


8 


v » Szete . . . 


60-733 









XL 

Nivellement der Eipel im Neograder Comitate von der Grenze des Hon- 
ther-Comitates bis Garob (40.500 Klafter lang). 



Nr. 



Bezeichnung der nivellirten Puncte 



Seehöhe 

in 
W.-Klftr. 



Nr. 



Bezeicliniiiis; der nivellirten Puncte 



Seehöhe 

in 
W.-Rlftr. 



Bei Malomhely (Mühl) . . 
In Balassa-Gyarmath W. von 
B. Gyarmath .... 



72-236 

72857 



Am obern Endev. Szelesteny 

Vor Varbo . 

Bei Hugyak ..... 



74302 
74-747 
75577 



128 



Heinrich Wolf. 



Nr. 



Bezeichnung der nlvellirlcn Puncte 



Seeliöhc 

in 
W.-Klftr. 



Nr. 



Seehöhe 
Bezeichnung der nivelllrlen Puncte In 

W.-Klflr. 



7 

8 

9 
10 
11 

12 
13 
14 
15 

16 



An derCsarda bei der Brücke 
zwischen Hugyak und 
Szelesteny-Kovaczi . 
An d. Mühle vor Pethd . 
„ „ zwischen Po- 
styen u. Pethd 
An der Puszta Kürth 
An d. Mühle von Csalär 
„ „ zw. Csalär und 

Bussa . . . 
„ „ in Bussa . 

„ „ Szakäll. . 
„ vor Törines . 
„ „ „ Tarnocz . 
_ _ in Puszta Dalvo 



76107 
76636 

77 386 



78 
79 

70 
80 
81 
83 
84 



569 
019 

902 
669 
502 
569 
297 
576 



An d. Mühle vor Kalonda . 
„ „ bei Banyit-Da- 

rocz . 
„ „ bei der Brücke 

von Bapp . 
„ .. bei Terbeled . 

„ „ Puszta Lazi 
„ „ in Galta . 
„ „ „ Ipoly-Nyitra 
„ „ „ Ipoly - Bolyk 
„ „ oberh. Pincz . 

Zweite Mühle oberh. Pincz 

In Vizosztö ..... 

An der Brücke beim Stein- 
bruch von Garöb . 



85 971 

87547 

88-252 
89-844 
91036 
92036 
94137 
95 732 
99.436 
101886 
104469 

104-969 



XII. 

Aus dem Längenprofil der projectirten oberungarischen Eisenbahn von 
der Donau bei Szob bis Miskolcz und Kaschau. Bahnlänge von Szob 
bis an die Grenze des Gömörer Comitates bei Söreg = 70'060 Klafter 

oder 17. Meilen 2060<>. 



Nr. 



Ort 



9 
10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 



1 Mündung in die Szob 

2iTölgyes .... 

3 Szakallas 

4 

5 

6 

7 



Tesa ..... 

Visk . 

Pereszleny 

Ipoly Sägh. 

Szurdok 

Honth , . . . . 

Palank . . . . 

Vecze ..... 

Beczinkebach 

Dejtär .... 

Lokosbach 

Biba . . . . . 

P. Szobok . . 

Bai. Gyarmath . 

Fekete Visz. Csarda 



Buhe in 
W.-Klftr. 



Nr. 



58 
58 
62 
68 
6S 
7(1 
07 
67 
71 
68 
69 
69 
72 
72 
75 
76 



7 

76 



139 
139 
639 
•639 
•539 
•389 
•489 
•489 
•489 
•489 
•989 
•989 
•489 
•489 
•489 
989 
■989 
•489 



Ort 



Böhe in 
W.-Klftr. 



19Trazs 

20 Hugyak 

21 Szeczeny 

22 Putri Csard 

23 Lud an v 
24ISzakal . 
25|P. Bazos . 
|26|Törincs . . 

27 P. Xagy Dalyo 

28 Vilke , . . 
29jLosoncz Tuyar 
30|Tuvarbach S.O. beiLosoncz 

3l|Galta 

[32 Kovacsi .... 

33IPerse 

34Szuhabach NW. von Fülek 



Fülekerbach 
Fülek . . 



78-989 
80489 
78-489 
81-989 
87-489 
84-592 
85-489 
85.511 
86-689 
88-689 
98-689 
94689 
93-689 
94189 
97189 
97189 
98-189 
1 03-589 



Strassen-, Fluss- u. Eisenbahn-Nivellements im Honther- u. Neograder-Coraitate Ungarns. 129 



>r 



Ort 



Hübe in 
W.-Rlftr. 



Nr, 



Ort 



Hübe in 
W.-Rlftr. 



37 
38 
39 



40 
41 

42 
43 
44 
45 
46 



Scoma 

Söreg 

Wasserscheide und Grenze 
des Neograder- u. Gömö- 
rer-Comitates NO. von 
Söreg . . . . i, . 

Bojtafalu Puszta .... 

Einmündung der Strasse v. 
Rima-Szombath . 

Dubocza 

Martonfalva 

Rima Szecs 

Lenärtfalu 

Theilung der Bahn nach 
Miskolcz und Rosenau . 



97-589 
117-589 



117589 
107989 

96489 
95630 
92-989 
85989 
85-989 

82-389 



Sojna Puszta 
Putnok 
Döbucsäny 
Käza . 
Vädna . . 
Czicza, Csard 
Kasinez . 
Szt. Peter 
Babonybach 
Keresztür . 
Kelecseny 
Bahnhof Miskolcz 



82-389 
77-989 
73 989 
73989 
70-989 
70989 
69989 
65-989 
67-989 
65-989 
65489 
61-489 



Zweigbahn von Lenärtfalu nach Kaschau. 



Nr. 



Ort 



Hübe in 
W.-Rlftr, 



\r 



Ort 



Hübe in 
W.-Rlftr. 



1 

2 

3 
4 
5 

6 
7 
8 
9 

10 
11 
12 



Verzweigung bei Lenarfalu 
am Sajo ..... 

Recske 

Kövecse 

Tornalya 

Ueberbrückung des Sajo bei 
Lekenje 

Pelsöcz 

Vegtelke 

Berzete 

Jölesz . 

Hosszuret 

Wasserscheide beim Tunnel 

Ende des Tunnels . . . 



81 
81 
86 
86 

99 
105 
118 
120 
120 
159 
159 
162 



•889 
739 
239 
239 

239 
239 
239 
239 
239 
239 
239 
739 



13 
14 
IS 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 



Bei Görgö 

Zwischen Görgö u. Melseke 

Melseke . 

Tornabach 

Torna . 

Bodolo 

Makräncz 

Komaroczbaeh 

Bei Szeszta . 

Varoshegyerbach 

Nagy Ida . 

Mokoerbach . 

Bahnhof Kaschau 



112-739 

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MittheiJungen der k. k geogr. Gesellschaft. III. Bd. Z. Heft. 



130 



XII. 

Uebcrgang aus dem Ötzthale in das Pitzthal über den 
Hochvernagt- und Sechsegertenferner. 

Von 

Dr. Anton v. Ruthner. 

Als ich den Entschluss fasste, im Jahre 1858 die Ersteigung der 
Ortlesspitze zu wiederholen, machte ich die Ausführung dieses Planes von 
der Bedingung abhängig, dass ich einen vollkommen schönen Tag dazu 
antreffe. Mit halbgünstigem Wetter hätte ich im besten Falle den Erfolg 
der ersten Ersteigung noch einmal erlangen, das heisst den Ortler wieder 
ersteigen können. Allein da ich jetzt den Berg selbst schon kannte, wäre 
damit kein Zweck erreicht gewesen, und zu einem so zwecklosen Unter- 
nehmen hatte ich durchaus keine Lust. 

Einen Tag, wie ich ihn für den Ortles brauchte, fand ich aber im 
Jahre 1858 während meines Aufenthaltes am Fusse des Berges nicht. 
Ich war am 6. August in Mals, am 7. in Trafo i angelangt. An diesen 
beiden und auch an den nächstfolgenden Tagen lösten sich Regen und 
Sonnenschein häufig ab bis endlich der Regen die Oberhand behielt und 
die Nebel, welche bisher abwechselnd um die Otzthalergruppe, um das 
Suldner-, Vintschgauer- und das Grenzgebirge gegen die Schweiz, zumeist 
aber um die Ortlesgruppe ihr Spiel getrieben hatten, desselben müde 
sich auf allen diesen Bergen in schweren Massen niederliessen. 

Dennoch wollte ich so lange zuwarten, als es mir nur irgend wie 
möglich wäre. So hielt ich mich eine volle Woche in Mals und Trafo i 
auf und es bedurfte wahrlich des Prachtbildes von Trafo i , des Eingehens 
in die Einzelnschönheiten der Landschaften, sowie der freundlichen Theil- 
nahme, welche ich nicht bloss von meinen achtbaren Hauswirthen, der 
Postmeisterin in Trafoi und dem Postmeister in Mals, sondern auch von 
manch anderer Seite für die vergangenen und noch vorhabenden Ortles- 
leistungen erfuhr, dass mir ein achttägiger Aufenthalt in diesem Winkel 
der Erde bei in der Hauptsache schlechtem Wetter doch so angenehm 
verfloss. 

Als sich aber am 12. August noch keine Aussicht auf besseres 
Wetter zeigte, meinte ich meine Pflichten gegenüber der Ortlesgruppe 
redlich erfüllt zu haben , ja ohne Beeinträchtigung meiner übrigen Pläne 
für den Herbst 1858 nicht weiter Zeit auf sie verwenden zu dürfen. 
Ich nahm also von Trafoi ernstlich Abschied und fuhr nach Mals, am 13. 
dagegen wanderte ich aus dem Posthause zu Mals nach dem Thale Lang- 
läufers, um von ihm aus den Uebergang über den Langtauferer- und 
Hintereisferner*) nach Fend**) im Ötzthale zu machen. 



*) „Ferner" ist bekanntlich der in Tirol anstatt des Wortes Gletscher gebräuchliche 
Ausdruck. 

**) Die Schreibart wechselt zwischen Fend und Vent. Erstere erscheint in den 
Generalstabs-Karfen, letztere im Diöcesan-Schematisinus für Tirol, 



l'ebergang aus d. üetzthale in d. PiUthal über d. Hochvernagt- u. Sechsegertenferner. 1 3 J 

Doch war die Ortlesangelegenheit damit noch nicht so vollständig 
erledigt, wie ich wähnte. Denn in Langläufers schlugen mir die Männer, 
welche allein den von mir zu nehmen beabsichtigten Weg nach Fend 
gemacht und auf demselben auch wiederholt Fremden als Führer gedient 
hatten, wegen der jetzt höchst gefährlichen Beschaffenheit des Lang- 
taufererferners rundweg die Begleitung ab; andere Führer waren im Thale 
nicht zu finden, und so entschloss ich mich, um in das Otzthal zu ge- 
langen, vorerst nach Mals zurückzukehren, dann am nächsten Tage durch 
Vintschgau abwärts nach Stäben zu fahren, und hier den Weg nach Fend 
durch das Schnalserthal und über den Niederjochferner einzuschlagen. 

So schritt ich am 14. August an einem der reizendsten Früh- 
morgen des Jahres 1858, bei mir selbst allerlei nicht eben schmeichel- 
hafte Betrachtungen über den Muth und die Thatkraft der Langtauferer 
Bergsöhne anstellend, durch das baumarme, aber mattenreiche Langtaufers 
wieder hinaus auf die Malserhaide. Auf ihr angelangt, erblickte ich denn 
die Ortlesspitze in einer Beinheit, wie ich sie heuer noch niemals ge- 
sehen, und aller Aerger über sie war vergessen und sogleich der Vor- 
satz gefasst, Abends in Trafoi und nach Mitternacht auf dem Wege zur 
Spitze zu sein. 

Es war ein wahres Glück, dass eine Stunde darauf der Ortles sich 
wieder ganz in Nebel gehüllt hatte und es für's Erste blieb. 

So schied ich am IS. unabänderlich von Mals, Abends sass ich in 
Unser Frau in Schnals, am 16. um 2 Uhr Mittags aber langte ich über das 
Niederjoch glücklich im Pfarrhause, oder nach dem Tiroler Ausdrucke 
Widum von Fend im Otzthal e an. 

Das Otzthal ist das grösste aus allen sich vom Hauptkamme der 
Centralalpen in Tirol nach Norden herabziehenden Thälern. Seine Länge 
vom Uebergangspuncte am grossen Otzthaler-, am Hochjoch- und Nieder- 
jochferner bis zu seiner Mündung in das Innthal beträgt in der Luft- 
linie 6 — 7 österreichische Meilen und wird gewöhnlich mit 12 bis 16 
Stunden angenommen. 

Geographisch ist es dadurch ausgezeichnet , dass es einem bedeu- 
tenden Gebirgsstocke der rhätischen Alpen, in welchem sich das grösste 
Gletschersystem Oesterreichs befindet, den Namen gibt. 

Doch die also entstandene Bezeichnung der Ötzthalergruppe wird 
wieder im weitern und engem Sinne genommen. 

Im ersteren wird ihre Grenze im Westen durch den Lauf der 
Etsch von ihrem Ursprünge bis zur Einmündung des Suldnerbaches in 
sie, dann über der Wasserscheide auf der Malserhaide durch den Lauf 
des Stillebaches und jenen des Inns von seinem Eintritte in Tirol bis 
Landeck, im Norden durch den Inn von Landeck bis Innsbruck, im Osten 
durch die Sil! und jenseits des Brenners durch den Eisack bis Sterzing 
und von hier an durch eine über den Jaufen und durch das Passeyer- 
thal gezogene Linie bis Meran gebildet, südlich endlich durch die Etsch 
von der Mündung der Passer bis wieder zu jener des Suldnerbaches. 

Wird dagegen der Begriff dadurch verengt, dass man die Stubayer- 
Fernergruppe als ein abgesondertes Gletschergebiet betrachtet, so läuft 
bei der gleichen südlichen und westlichen Abgrenzung die östliche Grenze 
des Otzthalergebietes von Meran dem Laufe der Passer entgegen auf 
die Höhe des Timbelsjoches und jenseits desselben längs des Timbels- 



132 Dr. Anton v. Ruthner. 

baches bis zu seiner Einmündung in die Ötzthalerache bei Zwiselstein 
und von hier bis zur Mündung dieser Ache in den Inn und dann in 
Norden dein Laufe des luns entgegen bis Landeck. 

Aber auch mit dieser Begrenzung nimmt das Eisgebiet des Ötzthales 
einen vorzüglichen Rang unter den europäischen Gletscherstöcken ein. Als 
Beweis davon möge dienen, dass nach den ausgezeichneten Forschungen des 
Herrn k. k. Majors von Sonklar, welchen die Originalaufnahmen des k. k. 
General-Quartiermeisterstabes, die sogenannten Originalsectionen von Tirol zu 
Grunde gelegt wurden, und die im l. Hefte des 1. Jahrg. der Mittheilungen 
der k. k. geographischen Gesellschaft zu Wien in der Abhandlung „das 
Otzthaler Eisgebiet" zusammengestellt sind, sich in der Ützthalergruppe, 
vertheilt auf ihre 7 Hauptthäler: das Ötzthal, Pitzthal, Kaunerthal, Thal 
Langtaufers, das Matscherthal, das Schnalserthal, und das Thal von Passeyer 
und eine Anzahl von Nebenthälern, 229 Gletscher, darunter 14 erster Ordnung 
befinden, dann 15 Bergspitzen, worunter 5 gemessene von der Höhe zwischen 
11 und 12000 Wiener-Fuss, 65 bis 70 Berge, darunter 25 gemessene 
mit der Höhe zwischen 10 und 11000 Fuss und beiläufig 150, darunter 
50 gemessene von einer Höhe von 9 — 10000 Fuss. Nach älterer Annahme 
aber sind in der Ützthalergruppe mindestens 6% Quadrat-Meilen mit Eis 
bedeckt. 

Das Ötzthal im eigentlichen Sinne blieb viel weniger als die meisten 
anderen Thäler der Centralalpen eine unbekannte Welt, vielmehr ist es seit 
längerer Zeit in die Reisepläne ausländischer, besonders englischer und 
norddeutscher Alpenwanderer aufgenommen. Sie kommen in der Regel aus 
dem Innthale in das Ötzthal, um über das Timbelsjoch nach Meran oder 
noch häufiger über das Hoch- und Niederjoch nach Schnals und Vintschgau 
zu reisen. Allein nur das Ötzthal und die Thäler jenseits der eben 
genannten Jochübergänge erfreuen sich solcher Berühmtheit, die prachtvollen 
Thäler Kauns, Pitz, Langtaufers und Matsch besucht kein oder fast kein 
Fremder. 

Ein so grossartiger Stoff wie das Ötzthal lässt sich ohne gewaltige 
Oberflächlichkeit nicht mit wenig Blättern und ohne vorhergehende genaue 
Studien behandeln. Ich beabsichtige daher nur eine Characteristik des 
Ötzthales selbst soweit vorauszuschicken, als sie zum Verständnisse des Folgenden 
nöthig ist, und dann zur eigentlichen Aufgabe, zur Schilderung einer 
Unternehmung überzugehen, welche noch niemals früher von einem Fremden 
gemacht eine Veröffentlichung zu verdienen scheint. 

Seiner Hauptbeschaffenheit nach besteht das Ötzthal von seiner Aus- 
mündung in das obere Innthal bis nach Zwiselstein aus fünf Thalböden, 
welche terassenförmig über einander liegend unter sich durch Thalengen 
ansteigen. Geben in den ersten Stunden der Wanderung in das Thal 
hinein bloss die wilden Felstrümmer auf dem Thalboden, und im Bette 
der Wildwässer, die den Gletscherbächen eigene schmutzig graue Farbe 
der Ache, dann ein hie und und da hoch oben auf den Seitenbergen 
zum Vorschein kommender, und bald wieder verschwindender Gletscher 
Zeugniss davon, dass wir uns mitten im echten Hochgebirge befinden, 
so erhält diess tiefer Innen im Thale in dem südwestlich von Zwiselstein 
aufsteigenden Nöderkogel mit dem Stockferner einen bleibenden Ausdruck. 
Hinter Sohlen erreichen wir eine Schlucht, welche die grossartig wildeste 
im wilden Ötzfhale selten auch Auswärts ihres Gleichen hat. Nicht Fels- 
stiicke, mächtige Felsen selbst im Bette der Ache hemmen den Lauf des 



Uebergang aus d. Oetzthale in d. Pitzthal über d. Hochvernagt- u. Sochsogertenferner. 133 

Wildbaches and tosend und schäumend verfolgt er um und über sie seine 
Bahn. Auf beiden Ufern reicht ein Nadelwald bis hinab zum Flussbette, 
im Hintergrunde thront der begletscherte Nöderkogel darüber. Diess hoch- 
interessante Bild zu beschauen, bietet die Strasse dort einen sehr gün- 
stigen Standpunct dar, wo sie am rechten Bachufer hoch emporgestiegen, 
sich um eine Felsenecke biegt. Allein nicht auf Alle soll der Eindruck 
der gleiche sein, und man erzählte mir, dass ein Fremder, als er auf 
dieser Stelle angelangt in die Schlucht hinabblickte erklärt hat, um keinen 
Schritt weiter in das Ötzthal eindringen zu wollen, das, wenn hier schon 
so wild, tiefer drinnen ganz entsetzlich sein müsse. Unbegreiflich ist ein 
derlei Eindruck nicht, besonders, nachdem man sich unter der Strasse nichts 
anders als einen Bergweg zu denken hat, der sich uneben und schmal 
und nur durch ein schwaches Geländer gegen die entsetzliche Tiefe geschützt 
ganz schüchtern unter der vorspringenden Felsenecke durchschleicht. 

Bei Zwiselstein ist die grosse Spaltung des Thaies in das Gurg- 
lerthal, und in das Fenderthal. Ersteres läuft ganz südlich zum grossen 
Ötzthalerferner, und endet auf seiner Höhe auf dein Hauptrücken der Cen- 
tralalpen. In diesem Thalaste liegt das Pfarrdorf Gurgl, in einer Meereshöhe 
von 5504 P. F. nach Schlagintweit. Der zweite Ast zieht südwestlich. 
Um in ihm nach Fend zu kommen, müssen wir von Zwiselstein zuerst 
über eine schwankende Holzbrücke auf das linke Ufer des hier schon 
zur Ötzthalerache vereinigten Fender- und Gurglerwassers gehen. Der 
Weg, nur mehr ein Fusspfad, der namentlich im Anfange bald ausser 
Zwiselstein , hart am Bande des tobenden Gletscherbaches steil auf und 
ab steigt, bietet wenigstens Waldesschatten und läuft nur ausnahmsweise 
über Wiesen hin. 

Die Berge zu beiden Seiten bauen sich wahrhaft mauerartig auf, 
und vorzüglich auf jenen am rechten Ufer, welche durchaus dem Gurgler- 
Fender Scheiderücken angehören , werden die Ferner häufiger und zusam- 
menhängend. Schon ragt der Fender Thaleitsspitz als eine schöne Pyra- 
mide im Hintergrunde gerade vor uns auf. Jetzt erblickeu wir höchst 
pittoresk gelegen, am Fusse eines Hügels einige Bauernhäuser, auf der 
Spitze desselben aber ein Kirchlein, und hoch darüber wieder den fernen 
Thaleitsspitz. Wir haben Heiligenkreuz oder Kurzlehen erreicht, beiläufig 
in 2 Stunden von Zwiselstein. 

Etwas länger als von Zwiselstein bis Heiligenkreuz ist der Weg 
von Heiligenkreuz nach Fend. Aber welcher Weg ist diess! Mag die hohe 
Brücke zwischen Heiligenkreuz und Winterstall und die dunkle Häuser- 
gruppe von Winterstall an sich mahlerisch sein, die Landschaft im Ganzen 
wird besonders von Winterstall an furchtbar. Das Ötzthal hat hier seine ärgste 
Wildheit erreicht, allein nicht eine grossartige, wie sie die Enge zwischen Sölden 
und Zwiselstein zeigt, sondern eine schauerliche. Bald findet man sich 
zwischen steilen Bergwänden eingezwängt, überall sind in sie kleine Schluchten 
eingeschnitten, in denen die Beste alter Lawinen: Schnee, Holzstämme, 
Steinblöcke in arger Verwirrung über einander liegen. Daneben stürzt ein 
Bach lärmend von der Höhe in die zu unserer Linken donnernde bleigraue Ache. 
Abenteuerlich gestaltete Felstrümmer liegen rings am Wege, aber noch 
grösser ist die Zahl der Riesenblöcke im Flussbette der Ache, und sicher für 
immer ungelöst wird die Frage bleiben, welche von ihnen von den Bergwänden 
herabgerollt, und welche bei den Ausbrüchen des berühmten Hochvernagt- 



134 Dr. Anton v. Ruthner. 

Ferners durch die Gewalt der Fluthen aus dem Hintergründe des Rofner- 
thales bis hieher mitgerissen, und hier abgelagert worden sind. 

In solchen Zeiten ungewöhnlicher Grösse hat die Ache, wo nur immer 
eine Thalsohle vorhanden ist, sie vollständig ausgefüllt, und so befinden 
wir uns, so oft sich der Weg auf kleine Flächen am Ufer der Ache 
hinabgesenkt hat, auf Schotterboden und zwischen Steinblöcken. Den Weg 
von Fend nach Heiligenkreuz characterisirt ganz gut das in Fend gangbare 
Sprichwort, dass auf ihm nur 3 Stellen sind, auf denen ein Träger im 
Frühjahr geschützt vor Lawinensturz stehen bleiben kann. 

Kurz vor Fend steigt und fällt der Pfad noch ein paar mal stärker 
und auf einem Höhenpuncte angelangt, erblicken wir zuerst Fend, nach der 
durchwanderten Wildniss ein wahrer Augentrost. 

Denn trotz seiner hohen Lage, nach Schlag int weit ist es 5791 P F., 
nach Trinker und Klinger 604o , nach Walker 6048 W. F. hoch gelegen, 
lacht es uns recht freundlich entgegen. Besonders erfreuen das Auge 
die schönen saftgrünen Wiesen, auf deren einer am linken Ufer der 
Ache voran das Kirchlein mit der runden in eine lange Spitze auslau- 
fenden Thurmkuppel und hinter ihm der Widum und die wenigen höl- 
zernen Häuser lagern. 

Auch das rechte Bachufer begrenzt eine Matte, die sich allmählich 
zu einem Hain von Zirbelnusskiefern hinanzieht. Die Pyramide des Tha- 
leitsspitzes beherrscht weitaus das Bild von Fend. Seine breite Masse 
erscheint vom spärlichen mit Moosen gemischten Graswuchse bis hoch 
hinauf bräunlich gefärbt. Nur lichte Wasserrinnen unterbrechen hie und da 
die eintönige Grundfarbe, bis höher oben die Felsen vorherrschen und 
aus ihren Einbuchtungen zuoberst das Gletschereis hervorleuchtet. Links 
und rechts vom Thaleitsspitz machen sich die Einschnitte der zwei Thä- 
ler, in welche das Fenderthal bei Fend gabelt, und zwar links jener 
des, Anfangs südlich dann südsüdwestlich zum Niederjoch ansteigenden, 
Spiegier- oder Niederthaies, rechts dagegen derjenige des, erst westlich 
dann südwestlich zum Hochjoch streichenden, Rofnerthales bemerkbar. 

Aus ihnen blicken nach der Höhe des Standpunctes, den man ein- 
nimmt, verschiedene Gletscherspitzen hervor, und zwar über dem Spieg- 
lerthale der Diemkogl, Röthenspitz, die Firmisanschneide, der Schalfkogl, 
Mutmat und Similaun: über dem Rofnerthale vornehmlich der Platteykogl 
und Guslar. 

Die Höhe dieser Berge ist durchgehends zwischen 10 und 11000 
ja über 11000 W. F., so dass nach dem Maasstabe für die Fenderge- 
gend eine Bergspitze unter 10000 F. kaum beachtet wird. 

Wendet man sich endlich um, und blickt das Thal hinauswärts, so 
ragen in der Ferne über der Schlucht der Ache einige der bedeutend- 
sten Ferner aus der Stubayergruppe: die Schaufelspitze, der Daunkogl, 
wilde Pfaff etc. auf und geben, besonders, wenn man die, wenig Minuten 
vor Fend auf dem Wege von Heiligenkreuz romantisch liegende, Sage- 
mühle als Vordergrund benützt, ein anderes, doch gleichfalls schönes Bild. 

Nach meiner Ankunft in Fend, war meine erste Aufgabe mich mit 
Nicodemus Klotz, dem berühmtesten Führer des Ötzthales in Verbindung 
zu setzen. Denn die Unternehmungen, welche ich vorhatte, die Ersteigung 
des höchsten Berges in der Ötzthalergruppe, der 11911 W. F. hohen 
Wildspitze, und die Gletscherfahrt von Höfen über den Gepatschferner 
nach dem Kaunerthale, waren ohne seine Mitwirkung fast unausführbar. 



Uebergang aus d. Oelzthale in d. Pil/.thal über d. Hochveinagt- u. Sechsegertenf'erner. 135 

Nicodemus Klotz ist den Bergfreunden kein neuer Name, und wir 
wollen den Träger desselben nun näher kennen lernen. 

Zu dem Ende suchen wir ihn in seinen Wohnung auf, wie ich es 
am 17. August gethan. Nach einer starken halben Stunde von Fend 
immer an den Abhängen am linken Ufer der Hofnerache fort gelangt man 
im Rofnerthale zu den zwei Rofnerhöfen. Noch 200 Fuss höher als Fend 
und nach Schlagintweit 6155 W. F. hoch gelegen, sollen sie die 
höchste Wohnung Europas sein, sind aber sicher eine der höshsten be- 
ständig bewohnten Orte unseres Erdtheiles. Auch ihr Anblick hat nichts 
von der Wildheit manch anderer Puncte im Otzthale. Die beiden nicht 
unbeträchtlichen Höfe, nebeneinander auf dem ßergesabhange hart an der 
Schlucht der Ache erbaut, mit ihrer Kapelle, die ausgedehnte ebene Matte, 
die sich rückwärts von ihnen das Thal hineinzieht, das Hochgebirge, auf 
dem rechten Ufer des Baches schroff und felsig, diesseits dagegen sanf- 
ter und mit grünen Abhängen aufsteigend, bis es sich in Felsen und 
Gletschereis gehüllt, besonders der Abgang jedes Baumwuchses tragen mehr 
einen ernsten und durch die Ruhe der Abgeschiedenheit selbst beruhi- 
genden Character. 

Auch in diesem Gehöfte hat Herzog Friedrich mit der leeren 
Tasche nach seiner Flucht aus Konstanz ein Asyl gefunden, und zum 
Danke dafür dem Besitzer die Privilegien, deren sich der damals beste- 
hende einzige Rofnerhof seit den Zeiten Ludwig des Brandenburgers 
erfreute, erneuert und erweitert. 

Ein Wappenbrief für den Besitzer mit einem Gstrein, Hammel, im 
Wappen soll von jener Zeit herstammen, und der heutige Besitzer des 
liufnerhofes, Gstrein, ein directer Abkömmling, und damit ein Ahnen- 
reicher im Bauerngewande, sein. 

Der andere Hof ist später aus dem ersteren abgetheilt worden, 
und der Besitzer desselben ist gegenwärtig Nicodem Klotz, oder wie 
ihn gewöhnlich Fremde und Einheimische nennen, „der Nicodemus. u 

Nicodemus' Vater genoss den Ruf, der ausgezeichnetste Bergstei- 
ger und ein vorzüglicher Kenner der Eigenthümlichkeiten der Ferner zu 
sein. Wenn irgendwo, so ist im Otzthale. der Bauer angewiesen, den 
Gletschern eine nähere Aufmerksamkeit zu schenken. Gibt ihm ja doch 
der Hochvernagtferner durch die von der Wissenschaft noch nicht genug- 
sam aufgeklärte Erscheinung seines in ungleichen Zeiträumen erfolgenden 
raschen Anwachsens und die darauffolgenden das Ötzthal weithin verwü- 
stenden Ausbrüche der dadurch lange gestauten Gletscherwässer Veran- 
lassung genug, öfter als es anderwärts geschieht, über die Ferner nach- 
zudenken. 

Auch Nicodem, als der echte Sohn seines Vaters, hatte sich bald 
den Ruf erworben, die Gletscher zu kennen wie Niemand sonst im Thale. 
Er leistete insbesunders in der letzten Bewegungsperiode des Hochver- 
nagtferners in den Jahren 1840 — 1848 die besten Dienste als Beobachter 
der Fortschritte des Ferners. Auch als Führer überragte sein Name bald 
alle übrigen. Dadurch ist Nicodem im Auslande vielbekanut geworden, 
und wir finden seiner in manchen Reisewerken, besonders bei Steub, 
erwähnt. 

Alle Reisenden aber haben in ihm den Bergsteiger allererster Art 
erkannt. Und ein solcher Erfolg ist bei Nicodem eben nur seinen 
Leistungen zuzuschreiben, da er nicht, wie manch anderer Gebirgler die 



136 n <"- Anton v. Ruthner. 

Fremden durch seine Persönlichkeit besticht. Er ist neinlich, ohne schwäch- 
lich gebaut zu sein, eher klein als mittelgross und von etwas gebeugter 
Haltung. Auch ist sein Gesichtsausdruck vielmehr scheu und zurückhal- 
tend als kühn, obgleich der aufmerksame Beurtheiler aus seinen Zügen 
grosse Energie entnehmen wird, die denn Nie ödem auch in hohem Maasse 
besitzt. 

Allein unser Held aus Rofen ist kein Führer der gewöhlichen Art, 
den man beliebig zu jedwedem Unternehmen aufdingen kann. 

Als Besitzer eines ausgedehnten Anwesens versäumt er an manchen 
Tagen mehr an der Arbeit, als er an Führerlohn verdient. Auch ist ihm 
vielfach durch die Fremden selbst das Führen in mehr als 30 Jahren 
verleidet worden. Er schickt daher, handelt es sich um kleine Parthien, 
den Uebergang über das Timbels-, das Hoch- oder Niederjoch, einen 
seiner zahlreichen Brüder, von denen, wenn ich nicht irre, noch jetzt 
sieben am Leben sind, und den Fremden ist damit stets gedient; denn 
alle Brüder: der Leander, der Benedict, der Hannes etc. sind 
treffliche Führer. Dafür bleiben grosse gefährliche Unternehmungen Nico- 
demus' Reservatrecht. Aber, wenn sie auch den alten Reiz auf Nico- 
dem üben, so ist, bis er sich zur Führung bereit erklärt, noch man- 
ches Hinderniss zu besiegen. 

Vor Allem muss er seinen Mann kennen, um zu bestimmen, ob 
er ihn da- oder dorthin führen könne, und auf wahrhaft originelle Weise 
wird der Reisende, ohne dass er es ahnt, vorerst einer Prüfung unter- 
zogen. 

Nico dem findet das Wetter zu einem grossen Unternehmen nicht 
günstig, oder er ist verhindert, räth aber dafür diesen oder jenen Glet- 
scher allenfalls mit Leander zu besuchen. 

Ohne es zu ahnen, unterwirft sich der Fremde der Prüfung, und 
erst wenn Nico dem, oder in seiner Verhinderung Leander oder Han- 
nes als Prüfungs-Commissäre sich günstig über den Erfolg aussprechen, 
erfolgt die Zulassung zu einer gefährlichen Expedition. Selbst mit den 
ihm als solche bekannten tüchtigen Bergsteigern unternimmt Nico dem 
nur ungerne einen gewagten Zug. weil ihm die Möglichkeit eines Unfalles 
stets drohend vor Augen steht, seit er einen Fremden auf einem ver- 
hä.ltnissmässig ungefährlichen Wege verunglücken sah.*) 

Hat endlich die Liebe zu den Gletschern über alle diese Bedenken 
gesiegt, und ist auch das Wetter recht, denn auch in dieser Richtung 
wird sehr wählig vorgegangen, dann müssen noch die Sorgen von Nico- 
demus' braver Bäuerin beschwichtigt werden, welche jedesmal in Angst 
ist, ihr Mann könne doch noch einmal auf den Fernern „unglücklich 
werden. u 

Nicodemus kannte mich schon vom Jahre 1857 her, weil wir über 
das Ramoljoch auf dein Gurgler-Fender Scheiderücken von Fend auf den 
grossen Ötzthalerfenier und nach Gurgl mit einander gegangen waren. 

Ich hoffte ihn daher geneigt zur Erfüllung meines Wunsches zu 
finden, dass wir schon am nächsten Morgen eines der beiden Unterneh- 
men beginnen sollten. Allein darin irrte ich sehr. 



*) Im Jahre 1845 stürzte Dr. Brastenbinder aus Berlin auf dem grossen Ötz- 
thalerferner, wohl aus Mangel an Vorsicht, in eine Gletscherspalte und wurde als Leiche 
aus derselben gezogen 



Uebergang aus d. Oetzthale in d. Pitzlhal über d. Hnohvernagt- und Sechsegeitenfeinei. 137 

Nico dem erklärte sich bereit, mit mir die Wildspitze zu erstei- 
gen. Da jedoch der Weg auf der Südseite, auf welchem sie bisher allein, 
und zwar im Jahre 1857 erstiegen worden war*), heuer nicht leicht 
zu benutzen sei, weil sich die Eiswände ungünstiger als im vorigen Jahre 
gestaltet hätten, so wolle er vorerst die Westseite recognosciren, um zu 
sehen , ob nicht die Besteigung von dieser Seite besser versucht werde, 
daher könnten wir am folgenden Tage noch nicht die Besteigung selbst 
unternehmen. 

Ueber den Gepatschferner noch in diesem Jahre mit mir zu gehen 
lehnte er dagegen bestimmt ab. Denn er habe bei seiner letzten Wan- 
derung darüber vor 12 Tagen schon viele schmale Eisbrücken zwischen 
den riesigen Eisspalten angetroffen, über welche der einzige mögliche 
Weg nur mit der grössten Gefahr ihres Einsturzes hinweggeführt habe. 
Seitdem müsse die Sonne und der warme Regen die Mehrzahl derselben 
vernichtet haben, und so würde es durchaus verlorene Mühe sein, die 
Expedition zu machen. Ich möge in einem anderen Jahre früher kommen 
und er gehe gerne mit mir über den Gepatsch, heuer aber werde 
er es nicht thun. 

Zur Erklärung möge hier bemerkt werden, dass der Gepatschferner 
bei Weitem der ausgedehnteste österreichische Gletscher ist. Nach Hr. 
von Sonklar hat er eine Längenachse von 35748 W. F., während der 
nächst grosse Tiroler Gletscher, der Gurglerferner, nur 31608 W. F., 
der längste Gletscher in der Tauernkette, die Pasterze, schon nur 28937 P. F. 
lang ist. Der Uebergang vom Rofnerthale in das Kaunerthal, dessen Ge- 
biete der Gepatsch angehört, war zwar in früherer Zeit allgemein im 
Gebrauch, worauf ich noch später zu sprechen kommen werde, ist jedoch 
seit uralter Zeit derart in Vergessenheit gerathen, dass von den Anwoh- 
nern nur Nicodem allein den Gletscher zu überschreiten versteht, wo- 
gegen ein mir bekannt gewordener Versuch, von der Gepatschalpe in 
Kauns über ihn nach Rofen zu gelangen, misslungen ist. 

Aber bisher hatte noch kein Fremder mit Nicodem den Gepatsch 
überschritten, bis eben am 5. August 1858 Herr Albert W. aus Botzen 
auf diesem Wege von Nieodem glücklich von Rofen nach dem Kauner- 
thale geführt wurde. 

Ich sah bald, dass alles Zureden vergebens sei, insoweit es sich 
um den Gepatschferner handelte, und da ich das in diesem Jahre so 
seltene schöne Wetter jedenfalls schon am nächsten Morgen benutzen 
wollte, so trat ich zu Nicodem us' ungeheuerstem Erstaunen mit einem 
dritten Plane hervor, von dem ich selbst noch vor 14 Tagen keine 
Ahnung gehabt hatte. 

Nicodem hatte nemlich Herrn Albert W. während dessen mehr- 
tägigen Aufenthaltes in Rofen vor der Gepatschpartie als die schönste 
Erinnerung aus seinem Gletscherleben erzählt, dass er vor 29 Jahren 
beiläufig 20jährig einmal mit seinem Vater über den Hochvernagtferner 
in das Pitzthal gestiegen sei , dass dann die Bewohner von Planggeros, 
als ihnen sein Vater über ihr Befragen, woher sie denn kämen, gesagt, 
dass sie über den Pitzthaler Urkund gekommen wären, ihm diess mit 



*) Von Nicodem, Leander und Hanns Klotz geführt, bestieg ein Kaufmann aus 
Wien, Herr I. A. Sp. die Wildspitze, welche bis dahin trotz aller entgegengesetzten 
Angaben seit Menschengedenken niemals vollständig erstiegen worden war. 



138 Dr. Anton v. Ruthner. 

den Worten: „da könnt ihr nicht hergekommen sein, da kann ja kein 
Mensch durch," in Abrede gestellt, und als er die Wahrheit der Angabe 
versichert und den Weg beschrieben hatte, zur Antwort bloss die Worte 
gegeben haben; „ja da seid ihr ja wahre Teufel und Jochleut." Herr 
Albert W. hat mir diese Nie ödem characterisirende Geschichte mit- 
getheilt, als wir am 6. und 7. August in Trafoi zu gemeinschaftlicher 
Ortlesbesteigung beisammen waren, und weil ich von ihm auch erfahren 
habe, dass Nico dem wenigstens heuer nicht mehr über den Gepatsch 
gehen wolle, habe ich schon damals bemerkt: „Gut, so muss Nie ödem 
mit mir über den Hochvernagtferner in das Pitzthal." 

Als ich nun gegen Nico dem mit dem Vorschlage herausrückte, 
dass wir, wenn durchaus nicht über den Gepatsch zu kommen sei, über 
den Hochvernagt in das Pitzthal gehen sollten, so war der also Ge- 
drängte höchlich überrascht, meinte dann, nachdem ich ihm meine Kennt- 
niss von seiner Jugenderinnerung aufgeklärt hatte, Anfangs, das gehe 
nicht, denn das wäre noch schlechter als über den Gepatsch zu steigen. 
Allein jetzt liess ich Nico dem keine Hube mehr, entweder Gepatsch 
oder Pitzthal. und zuletzt war die Pitzthalerparthie, von der die Unmög- 
lichkeit des Gelingens nicht behauptet werden konnte, wenigstens nicht 
unbedingt verworfen. Aber obgleich bestimmt wurde, dass wir am fol- 
genden Morgen zu einer Gletscherfahrt aufbrechen sollten, und dass ich 
hiezu vollkommen gerüstet schon diesen Abend nach Rofen kommen werde. 
so hatte doch Nico dem mit seiner Zähigkeit so sehr immer wieder für 
morgen die Ersteigung des Pröchkogels und die Besichtigung des West- 
abfalles der Wildspitze von ihm in Vorschlag gebracht, dass ich, als ich 
endlich Rofen verlies* um nach Fend zurückzugehen, noch nicht sicher 
wusste, wohin eigentlich am 18. Früh werde gegangen werden. 

In Fend hatte ich vor Allem Leander Klotz nach der mit Ni Co- 
de m getroffenen Verabredung als zweiten Führer zu gewinnen, was, nach- 
dem er gehört, dass sein Bruder mitgehe, unschwer gelang. Ich kam mit 
ihm überein, dass er mich Abends im Pfarrhofe abzuholen habe, und 
verbrachte den Rest des Tages in Gesellschaft des geistlichen Hausherrn 
und einiger Fremden, an welch letzteren es im Monate August im Pfarr- 
hofe zu Fend niemals fehlt. 

In den höchstgelegeuen Gebirgsdörfern in Tirol haben nämlich die 
Geistlichen das Recht und die Güte, Fremde im Pfarrhofe zu beher- 
bergen, und ist dadurch schon überhaupt bei der bisweilen nicht primi- 
tiven sondern hottentotischen Beschaffenheit der Wirthshäuser im Hoch- 
gebirge dem Reisenden eine Wohlthat erwiesen, so ist diess in Fend 
doppelt der Fall, wo dem Fremden nicht bloss alles das, was nur irgend 
in einem 6000 Fuss hoch und mindestens 12 Stunden von den Heer- 
strassen gelegenen Dorfe vernünftigerweise gefordert werden kann, durch 
die Güte des Herrn Curaten geboten wird, sondern ihm auch freundlich 
und mit aufmerksamer Sorgfalt geboten wird. 

Es dämmerte bereits, als ich mit Leander, ich heute zum dritten 
Male, nach Rofen ging. Nico dem war bei unserer Ankunft schon zu 
Bett gegangen, ich sprach ihn daher nicht mehr, und so war mir, als 
ich meiner Seits mein Nachtlager in Nicodemus' Scheuer aufsuchte, das 
Ziel des in wenig Stunden zu beginnenden Zuges noch um nichts be- 
kannter geworden. 



Üebergang aus d. Oetzthale in d. Pilzthal über d. Hochvernagt- u. Seohsegertenfemer. 139 

Am 18. August begab ich mich sehr früh nach Nicodems Behau- 
sung. Ausser wenigen leichten Nebeln, welche über den Spitzen des 
Bergzuges zwischen Fend und Gurgl schwebten, spannte sich ein durch- 
aus reiner Himmel über die Landschaft. 

Nie ödem war heute wortkarger als je und rückte bald mit der 
Besteigung des Pröchkogels wieder hervor. Die Unlust zu dem Ueber- 
gange in das Pitzthal begründete er damit, dass der Schnee auf den 
Fernern nicht fest genug sei, uns zu tragen, dass wir daher bei stetem 
tiefen Einsinken darein mit zu grossen Beschwerden zu kämpfen haben 
würden. Allein ich beharrte auf der Pitzthalerparthie und meinte nur. 
wir sollten vorerst auf den Hochvernagtferner gehen, und trage der Schnee 
nicht, dann sei ich bereit, sogleich zur Pröchkoglersteigung umzukehren. 

Eine vollständige Vereinigung war vorläufig nicht zu erzwecken. 
Die Worte Nicodems „der Herr ist so viel eigensinnig" erfuhren die 
Erwiederung „ganz wie der Nicodemus" und thatsächlich brachen wir 
um halb 5 Uhr von Bofen auf, ja waren wir schon eine Stunde lang 
auf den Bofnermähdern (Bergwiesen) und dem Platteyberg auf der Süd- 
seite unterhalb des Platteykogels aufwärts gestiegen, ohne dass Nicodem 
ein Zeichen gegeben hätte, dass es ihm mit der Pitzthalerpartie Ernst sei. 

Aber jetzt waren wir an einer Ecke angelangt, wo sich bereits 
tief unter uns zur Linken der Hochvernagtferner ausdehnte, und unsere 
Richtung wurde nun eine solche, dass es sich nur mehr um das Pitz- 
tlnil handeln konnte. Der Üebergang in das Pitzthal hatte nämlich über 
eine Scharte in der NO. Ecke des Hochvernagtferners zu geschehen, und 
gegen diese drangen wir jetzt vor. 

Der Hochvernagt gibt, wie erwähnt, der Wissenschaft in seinem 
zeitweiligen raschen Anwachsen noch eine interessante Aufgabe zu lösen. 

Bis jetzt kennt man fünf Perioden derlei ungewöhnlichen Wachs- 
thums des Ferners, wovon nach Dr. Stotters trefflicher Schrift „die 
Gletscher des Vernagtthales in Tirol und ihre Geschichte" die erste in 
die Jahre 1599 — 1601, die zweite auf 1677— 1678, die dritte auf 
1770 — 1772, die vierte von 18'>0 — 1822 und die letzte auf die Zeit 
von 1840 — 1848 fällt. 

In diesen Jahren legten sich die Eismassen des Ferners jedesmahl 
über die ganze Breite des Bofnerthales bis an die gegenüber aufsteigende 
Zwerchwand, stauten dadurch die im Laufe gehemmten Abflüsse der rück- 
wärts im Thale gegen das Hochjoch gelegenen Ferner, vorzüglich des 
Hintereis- und Hochjochferners zum Rofnereissee, dessen gewaltsamer 
Durchbruch endlich das Oetzthal weithinaus mit seinen wüthenden Flu- 
then. seinen Eis- und Felsmassen verwüstete. 

Die schrecklichsten Katastrofen solcher Seeausbrüche sind in den 
Jahren 1600, 1677 und 1680, dann wiederholt in den Vierziger-Jahren 
unseres Jahrhunderts vorgekommen. 

Wir haben es jetzt mit dem gerade ganz zahmen Ferner zu thun. Fassen 
wir seine Physiognomie näher in das Auge, so sehen wir zuerst den 
23928 W. F. langen Ferner im unteren Theile zwischen den felsigen 
Abhängen des Platteyberges und Platteykogels einerseits, und des Guslar- 
berges andererseits mit nicht starkem Gefälle in südlicher Bichtung dem 
Rofenthale zufliessen. Dort wo er eine steilere Steigung annimmt, ist auch die 
Vereinigung seiner 2 Hauptäste nahe. Der Gletscher entsteht nämlich aus 2 Zu- 
flüssen, dem eigentlichen Hochvernagt- und dem Rofenthalferner. 



140 Dr. Anton v. Ruthner 

Letzterer zieht ziemlich sleil zwischen dein Guslar und der vor- 
liegenden Schwarzen Wand von den ungleich bedeutenderen Spitzen, 
deren ganze Gruppe Im hintern Graslen genannt wird, auf der linken 
westlichen Seite zum eigentlichen Hochvernagtferner herab. Dieser nimmt 
dagegen den Hintergrund vor uns von dem hintern Graslen in einem 
nordwärts gezogenen Halbkreise bis zum Platteykogl ein. Sein Firnmeer 
ist von verschiedener Gestaltung, und zwar fliesst der westlichere Theil 
von dem Hintergraslen ruhiger zur Tiefe, während der östliche unterhalb 
des Platteykogels besonders zu dem tief unten mit seinem Fusse wur- 
zelnden Felsenrevier bei den schwarzen Kegeln mit Gletscherabstürzen 
hinabeilt. 

Alle Höhen aus dem Bergcircus um ihn gehören jenem Zuge an, 
der von der zwischen Langtaufers, Matsch und Schnals gelegenen 11805 
W. F. hohen Weisskugel oder hinteren Wildeisspitze bis zu der 11911 
W. F. hohen Wildspitze zwischen Ötzthal und Pitzthal reicht, und mit 
Recht als der Hauptstock des Ötzthalereisgebietes angesehen wird, weil 
von ihm die grössten Ferner in das Pitz-, Ötz-. Kauner-, Langtauferer-, 
Matscher- und Schnalserthal hinabströmen. 

Von den Spitzen aus dem höchsten Rande des Hochvernagtferners 
ist nur der Platteykogel mit Sicherheit zu bezeichnen, in der Benennung 
aller übrigen herrscht eine grosse Unsicherheit. 

So hat mir Nico dem in der nördlichen Umwallung eine Schwarze 
Wand genau bezeichnet. Nach den Sectionen der k. k. Generalstabs- 
karte würde jedoch die Schwarze Wand nicht auf dem Grate über dem 
Hochvernagt-, sondern schon jenseits auf dem Gepatschferner stehen. Ein 
Fluchtkogl erscheint in der Anich'schen Karte in der Nähe dieser Schwarzen 
Wand, ohne dass ihn Nico dem kennt, oder eine mir bekannte neuere 
Karte diesen Namen enthält. Selbst den Pröchkogl finden wir in manchen 
Karten an dem östlichen Rande des Hochvernagts, allein er stand nicht 
auf der für uns sichtbaren Uinwallung. welche wir für die höchste halten 
mussten, wobei freilich nicht unbemerkt bleiben darf, dass sich nur aus 
einem Alles ringsum beherrschenden Standpuncte beurtheilen lässt, durch 
welche Linie ein Gebiet zu oberst begränzt ist, weil oft Höhen aus 
tieferen Puncten betrachtet die Gestaltung eines selbständigen höchsten 
Kammes annehmen, die sich doch in der That nur als Abhänge einer 
anderen grösseren Erhebung classificiren lassen. 

Nico dem wies mir drei Einsattlungen im nördlichen Kamme über 
dem Firnmeere unseres Gletschers, über welche auf die beiden jenseits 
des Kammes in die Thäler Kauns und Pitz sich senkenden Ferner Ge- 
patsch und Sechsegerten *) zu kommen möglich ist, und zwar über die 
östliche davon auf den Pitzthaler Sechsegertenferner, über die beiden west- 
lichen dagegen auf den Kaunser Gepatschferner, und aus den letzteren 
ist wieder die westliche, jene an der Schwarzen Wand, von Nico dem 
bisher stets bei seinen Wanderungen über den Gepatschferner benutzt 
worden. 

Unser Ziel war daher die östliche Scharte. 

Um uns ihr zu nähern, schritten wir zuerst eine geraume Zeit 
lang über die steilen Grasabhänge, Erdbrüche und Schuttfelder, mit welchen 
der Platteykogl auf seiner West- und Nordwestseite auf den Hochvernagt- 



*)Egerten ist gleichbedeutend mit Tagewerk. 



Uebergang aus d. Oetzthale iü d. Pitzlhal über d. Hochvemagt- u. Sechsegeiteiiferner. 141 

ferner herabreicht, schräge aufwärts, dann hatten wir grösseres Steinge- 
rölle und zuletzt Felsenpartien zu überklettern. Als wir schon in die 
Nähe des Firnmeeres und zwar bereits der höchsten, unmittelbar zur 
Scharte aufwärts steigenden, Mulde desselben gekommen waren, bot die 
Ueberschreitung eines Firnfeldes, das vom Platteykogl bis tief hinab in 
die Felsschluchten an den schwarzen Kegeln mit sehr steiler Neigung 
hängt, vorzüglich wegen des festen Gefüges seiner Oberfläche einige 
Schwierigkeit dar. Als jedoch diese Wand überwunden war, und wir die 
oberste Fläche des Firnmeeres damit gewonnen hatten, waren zwar stel- 
lenweise, besonders an den tieferen Stellen des Firnfeldes, die Klüfte 
zahlreich, allein die Härte des Schnees liess uns bequem fortschreiten. 
Nico dem war jetzt schon wieder ganz Führer auf einer grossen Ex- 
pedition geworden, so dass er meinen Zuruf „der Schnee trägt nicht" 
lachend mit den Worten erwiderte „der tragt ja gut." 

Wir kamen unserer Scharte immer näher. Sie scheint an der 
äussersten nordöstlichen Ecke des Firnmeeres zu sein, obgleich, wie 
erwähnt, die uns zur Rechten noch hundert Klafter das Firnfeld über- 
ragenden Spitzen auf dem Kamme möglicherweise noch nicht die höchste 
östliche Begrenzung desselben darstellen , in welchem Falle dann die Scharte 
nicht vollständig an die nordöstliche Ecke zu setzen ist. 

Erst das Hinaufsteigen über die letzte sehr steile und aus festem 
Firnschnee bestehende Erhebung zur Scharte war bedenklich, doch halfen 
einige mit der Spitze des Bergstockes an den gefährlichsten Stellen in 
das Eis eingestossene Fusstapfen darüber hinweg, und um 8 Uhr standen 
wir glücklich auf der Kammhöhe. 

Das schöne Wetter hatte sich vollständig erhalten. Die Sonne schien 
warm aus. Doch strich hier mitten zwischen den Fernern eine so kühle 
Luft, dass wir uns gerne in den Schutz der Sonnenstrahlen und der 
nächsten Felsen stellten. Unser Erstes war, den Weg in das Pitzthal in 
Augenschein zu nehmen. Da öffnete sich denn folgendes Bild: Die Scharte 
senkte sich allmählich auf eine wellenförmige Eisfläche, welche nach Links 
und vorne zu langsam anstieg. Darüber ragte zur Linken, von der 
Scharte weg in nördlichem Laufe, ein Eisrücken steil auf. Rechts dagegen 
setzte das Eisfeld fort, bis es gegen unsern Standpunct zu von den 
Vorsprüngen des Kammes, worauf wir selbst uns befanden , begrenzt wurde 
Gerade vor uns aber erhob sich mitten aus der Eisfläche unter uns ein 
breiter Felsrücken. Hart an ihm liefen beiderseits offenbar Schluchten in 
die Tiefe des Pitzthales, das in seinem Zuge durch die mit unserm 
Hochkamm parallele Kette der jenseits des Thalbodens liegenden Berge 
gezeichnet war. Diese Berge waren grossentheils mit Gletschern bedeckt 
und bildeten in der Richtung gegen Südwesten, also für uns gegen Links 
unverkennbar als Thalschluss eine bis zum obersten, gegen die nordöst- 
licheren Höhen etwas herabgedrückten, Bergrande mit Gletschern ausgefüllte 
Bucht, welche bis dahin sichtbar war, wo sie der erwähnte Eisrücken 
links von unserer Scharte und darunter das Schneefeld zu unsern Füssen 
abschloss. 

Ein grosses aber wahrhaft frostiges Hochalpenbild lag so vor uns ! 
Nico dem nannte den Felsrücken vor uns mitten zwischen den Fernern 
den Pitzthaler Urkund. In der Section des k. k. Generalquartiermeister- 
stabes erscheint allerdings eine Urkundpitze in dieser Gegend, aber sie 
würde sich näher unserer Scharte, links schon in der Abdachung des 



142 Dr. Antun v. Kuthner. 

Gepatschferners als höhere Stufe und oberste Kuppe des Eisröckens 

befinden, der links von der Seharte weg nach Norden zieht. Der in 
Rede stehende Felsnicken dagegen ist in derselben Karte Umrichkogl 
benannt. 

Nicodemus' Angabe hat die Loealgültigkeit für sich, denn im 
Pitzthale wird dieser Rücken in seiner ganzen bedeutenden nordöstlichen 
Breite der Urkund genannt, und mag der Umrichkogl die Bezeichnung 
einer einzelnen Spitze desselben sein. 

Die Berge jenseits des Thalbodens von Pitz sind der im südwest- 
lichen Hintergrunde des Thaies gelegene Blickspitz und vordere Öhl- 
grubenspitz. Letzterer ist für uns der äusserste sichtbare Berg nach 
Links zu, weil der noch südwestlichere hintere Öhlgrubenspitz durch den 
nahen linken Eisnicken gedeckt ist. Am vordem Öhlgrubenspitz links 
zeigt der Kamm gegen Kauns die grösste Senkung, und über sie führt 
zwischen den beiden Ohlgrubenspitzen der Öhlgrubenweg aus dem 
hintersten Pitzthale zur Gepatschalpe im Kaunerthale, nachdem er vorher 
lange am Rande des den uns bekannten Thalschluss einnehmenden Sechse- 
gertenfemers aufwärts gestiegen ist. 

Wie die Schlucht links hart am Urkund durch einen Zufluss des 
Sechsegertenferners, der diesem Gletscher aus dem Eisgebiete um uns, 
dem Eisrücken links von der Scharte und den Firnfeldern in der Höhe 
zwischen diesem Rücken, unserer Scharte und den höheren Felsparthien 
des Urkunds zukömmt, so ist jene rechts vom Urkund von einem Zu- 
flüsse und dann weiter nach rechts vom Hauptstrome des grossen Tasch- 
achferners ausgefüllt und zu ihm senkt sich auch die Eisfläche unter der 
Scharte auf ihrer rechten Seite hinab. 

Auffallend war die ganz verschiedene Farbe des Urkunds gegenüber 
jener der übrigen Pitzthalerberge. Während sie alle rothbraun sind, ist 
er vollständig graugrün, und das veranlasste Nicodem zu der Bemer- 
kung „der Urkund müsse ein gar Alter sein." 

Doch hat sich später herausgestellt, dass alle diese Berge aus Glim- 
merschiefer bestehen, an dessen verschiedener Färbung grössere Eisenhäl- 
tigkeit und verschiedenes, aber dann jüngeres, Alter des Urkunds die Schuld trägt. 

Unser Blick konnte jedoch über die hohe Umgebung weg theil- 
weise auch in die Ferne schweifen, und Kompass, Landkarte und Fern- 
rohr Hessen mich in den verschiedenen entfernten Höhen gegen Nord- 
westen einen Theil der Bergkette auf der Westseite des Kaunerthales 
und darüber die Bergreihe zwischen dem Inn und dem Thale Paznaum 
im Zuge über das Spianjoch zum Gribetle und bis zum Jamthalerferner, 
wieder überragt von westlicheren Fernern über dem vorarlbergischen 
Thale Montafun erkennen. Gegen Nordosten lagen einige Höhen zwischen 
Pitzthal und Ötzthal vor uns, darunter die durch ihre ausgezeichnete 
Form leicht erkennbare hohe Geige, ja im Norden blickten aus weiter 
Ferne und aus der Kette der nördlichen Kalkalpen der Muttekopf und die 
Heiterwand bei 1ms zu uns herüber. 

Die grösste Zahl von Hochspitzen aber führte uns der Süden vor. 
Hier ragte im strengen Süden der Similaun, neben ihm der Mutmat- und 
Röthenspitz aus dem Spieglerthale auf, dann uns näher herwärts über 
dem Hochvernagt die Wildspitze, der Pröch- und Platteykogl, endlich gleich- 
falls in nicht grosser Entfernung südwestlich eine mächtige Spitze aus 
der Ötzthaler Eiswelt. 



Uebergang aus d. Oetzthale in d. Pitzthal ober d. Hochvernagt- und Sechsegeitenferner. 1 43 

Wir hielten sie Anfangs für die Weisskugel, gingen jedoch nach 
genauerer Orientirung von dieser Meinung dahin ab, dass wir es mit der 
Hochvemagtwand am Hintereisferner zu thun hätten. Allein auch am fer- 
nen Horizont fehlte es in südlicher Richtung nicht an sichtbaren Spitzen, 
indem dort die Ferner aus Ulten und Martell bis zum Monte Cevedale 
in ihrem weiten Schneemantel rechts vom Similaun erglänzten. 

Der Platteykogl diente mir dazu, die Höhe unserer Scharte zu be- 
stimmen, und ich glaube dieselbe um ein paar Hundert Fuss niedriger 
als die mit 10240 P. F. gemessene Spitze des Platteykogls, daher mit 
10000 — 10200 W. F. annehmen zu sollen. Ungefähr die gleiche Höhe 
hätte nach Nicodemus' Behauptung und meiner eigenen Beurtheilung 
der höchste Uebergangspunct auf den Gepatschferner bei der schwarzen 
Wand. 

Nach einer Stunde, die mir mit der Diagnose der einzelnen Berg- 
spitzen schnell verflossen war. machten wir uns auf den Weg abwärts 
nach dem Pitzthale. 

Nie ödem erklärte nun, wir müssten auf der linken westlichen 
Seite des Urkunds auf den Thalboden zu kommen suchen, denn vor 29 
Jahren hätten er und sein Vater auf der rechten Seite des Berges, und 
zwar weil über den Taschachferner wegen dessen Zerrissenheit sich kein 
Ausweg dargebothen hätte, über die Wände hinabkletternd nur mit der 
grössten Gefahr das Thal erreicht. 

Wir schritten daher von der Scharte auf das Schneefeld und über 
dasselbe dem Urkund zu. Die eisige Erhebung zur Linken zeigte sich 
mit jedem Schritte gegen vorne und das Pitzthal zu von immer staunens- 
wertherer Wildheit. Das Eis fällt in den grossartigsten Abstürzen gegen 
unsern Weg von Terrasse zu Terrasse herab. Diese Eismassen gehören 
unzweifelhaft dem Eiskolosse Gepatsch an; ob sie aber von der obersten 
Höhe seines östlichen Grenzrückens und der Urkundspitze der General- 
stabskarte unmittelbar herabfliessen , oder dazwischen noch grössere Eis- 
mulden liegen, lässt sich aus den Karten nicht mit Sicherheit ersehen. 

Ich hatte wiederholt den Wunsch ausgesprochen, eine Höhe auf 
der linken Seite von unserem Wege zu erreichen, von welcher sich der 
Gepatschferner überblicken lasse. Jetzt aber zweifelte ich nicht mehr 
daran, dass Nicodem Recht habe und man dazu in das Pitzthal hinab-, 
und auf dem Oehlgrubenwege wieder hinansteigen müsse. Denn, war von 
einer Ueberschreitung der nahen linkseitigen Abstürze selbstverständlich 
keine Rede, so Hess sich auch, jemehr man den halbrunden Schluss des 
Pitzthales mit dem Sechsegertenferner überblickte, kein Weg denken, auf 
welchem unmittelbar von unserem Standpuncte auf dem Firnfelde an dem 
obern Felsgebiet des Urkunds aus auf die Schneide zwischen Pitz und 
Kauns zu kommen wäre. 

Wir waren inzwischen hart am Urkund angelaugt. Schon jetzt zeigte 
es sich, dass der Ferner auf der Westseite an den Felsenmassen des 
Berges sich sehr steil zur Tiefe senkt. Ich stimmte zwar dafür, so lange 
als möglich auf dem Eise zu bleiben, denn die Klippen des Urkunds 
waren durchgehends senkrecht und verwittert anzusehen. Allein Nicodem 
versicherte, das gehe nicht an, wir kämen in zu wilde Eisabstürze und 
müssten jedenfalls einen Weg über den Urkund suchen. 

So betraten wir denn die Felsen dieses Berges. Nicodem löste 
sich vom Seile los, durch welches wir über die Schneefelder von der 



144 Dr. Anton v. Ruthnet. 

Scharte wog verbunden waren, und schritt voraus, um den Weg auszu- 
kundschaften. Leander und ich behielten das Seil um den Leib, Hessen 
jedoch zwischen uns einen Zwischenraum an demselben von mindestens 5 Klafter, 
damit wir uns bei einem Sprunge oder einem rascheren Hinabsteigen an den 
steilsten Stellen der Wände nicht wechselseitig gefährdeten. 

Ich schritt voran, Leander hinterdrein. Und nun ging es eine 
Stunde lang im Felsenlabyrinth des Urkunds zuerst hoch hinauf, dann 
hinab auf den Sechsegertenfernor unter Gefahren, welche erlebt, nicht 
beschrieben werden wollen. 

Die Steine kollerten und sprangen bei jedem Tritte über die Fels- 
wände und Klippen unter uns und über die Eislappen zwischen ihnen 
hinab. Wir selbst hatten nicht selten die Aufgabe, ihrer Bahn zu folgen, 
nur dass wir die Art ihres Hinabkommens nicht zu der unsrigen machen 
durften. Es erheischste alle Gewandtheit und Kraft des Körpers, um sich 
in schmalen Felsenritzen über den Abgründen zu erhalten, oder auf dem 
oft bloss handbreiten Rande mit den Zacken der Steigeisen Fuss zu fas- 
sen, nachdem wir uns nur mittelst des trotz seiner Länge von 6 Schuh 
bisweilen zu kurzen Bergstockes auf ihn durch eine Felsenklamm hatten 
hinabgleiten lassen. Fast noch schwieriger aber w r ar es, die steilen Eis- 
rinnen zwischen den Felsen ohne Ausgleiten zu überschreiten. Nie ödem 
ging schweigend voran, von Schritt zu Schritt nach einem Auswege aus 
dem Wirrwarr der wilden Klippen spähend, und wenn er auch ein paar 
Mal Abänderungen an der von ihm genommenen Richtung, welche ich ihm 
vorgeschlagen, nachdem ich von einem Vorsprunge die nächsten Partien 
überschaut hatte, annahm, in der Regel traf er mit dem glücklichsten 
Bergtakte die beste oft einzige mögliche Stelle, um abwärts zu klettern. 

Manchmal gab nur der Lärm der in die Tiefe stürzenden Steine 
die Richtung an, in welcher ich dem durch eine Felsenecke mir unsicht- 
bar gemachten Führer zu folgen hatte. Leander dagegen, selbst ein 
vortrefflicher Bergsteiger, war Anfangs so aufmerksam, wenn er sah, dass 
ich auf einer bedenklichen Stelle angelangt sei, das Seil besonders in 
Acht zu nehmen, bis ich, überzeugt davon, dass hier Jeder für sich 
selbst am besten sorge, und das Seil zwar eine moralische Unterstützung 
sei, jedoch bei einem Sturze des Einen an einer gefährlichen Stelle den 
Andern bloss auch gefährde, ohne bei der Länge, in der es zwischen 
uns lose hinabhängen musste. den Ersten vor Zerschmettern zu schützen, 
ihn auf sich selbst bedacht zu sein hiess und wir nun ganz unbeirrt 
durch einander unsern Weg verfolgten. 

Als wir aber endlich die letzte Schneefläche des furchtbaren Ur- 
kunds glücklich hinabgestiegen, und seine letzte Wand hinabgeklettert 
waren, und am Rande der Seitenmoräne des Sechsegertenferners Halt 
machten, blickten wir uns alle drei mit einer Miene an, welche die 
grösste Befriedigung darüber ausdrückte, dass dieser Weg ganz ohne 
Unfall zurückgelegt worden sei. Am frohesten war sicher Nie ödem, der 
mir lachend die Versicherung gab, wenn er in seinein Leben noch ein- 
mal über den Pitzthaler Urkund gehen müsse, so würde er doch w r ieder 
wie vor 29 Jahren auf der rechten Seite hinabsteigen, da der neue Weg 
noch viel schlechter als der alte wäre. 

W T ir lagerten an einem flachen Moränenblocke, hielten uns jedoch 
an dieser Stelle nur kurze Zeit auf, weil Nico dem meinte, er kenne 
einen viel schöneren Platz zu längerer Rast. Nicodem machte mich noch 



Uebergang aus d. Üetzthale in d. Pitzthal über d, Hochveinagt- und Sechsegerlenferner. 14ü 

insbesonders auf ein wahres Chaos wirre über einander gehäufter Eis- 
blöeke in geringer Entfernung von uns aufmerksam und meinte, da diess 
das unterste Ende des Absturzes jenes Seitengietsehers an der West- 
seite des Urkuud sei, über welchen ich habe auf den Sechsegertenferner 
herabsteigen wollen, so wäre es doch gut gewesen, dass wir lieber die 
Felsen des Urkund nicht gescheut hätten. Dagegen liess sich nichts ein- 
wenden, denn, weil dieser Zufluss des Sechsegertenferners mit dem 
Ferner selbst fast unter einem rechten Winkel zusammentrifft, so sind 
die Eismassen hier so verworren über einander gethiirmt, dass ein Herab- 
kommen über sie fast eine Unmöglichkeit sein dürfte. 

Wir warfen noch einen langen Blick auf unsern, freilich hier nur 
in seinen untersten zahmeren Klippen sichtbaren, Freund Urkund zurück 
und machten uns an unsere nächste Aufgabe, auf die Fläche des Sech- 
segertenferners emporzusteigen. 

Nach einem allerdings nicht beschwerdelosen Ueberklettern der ge- 
waltigen östlichen Seitenmoräne des Ferners waren wir damit zu Stande 
gekommen, und da der Ferner schneefrei war, daher alle Klüfte olfen 
lagen, wanderte es sich gut und sicher auf ihm thalabwärts, ja nach 
dem Wege über den Urkund schien es mir wahrhaftig, als ginge ich 
auf einem Asphalttrottoir. 

Die Gestalt des Sechsegertenferners, eines der drei primären Glet- 
scher des Pitzthales, dessen Länge Major von So n klar mit 13032 W. F. 
angibt, hat nichts Ausgezeichnetes. Doch nimmt der Ferner von dem 
Kamme zwischen den zwei Öhigrubenspitzen herab, unterhalb dieser bei- 
den Berge den halbrunden Thalschluss in bedeutender Breite und auch 
noch eine Strecke nach Aussen hinab die ganze Thalsohle ein. Zwei 
grosse Mittelmoränen, welche wir antrafen, beweisen, dass bis hier herab 
noch drei Zuflüsse des Gletschers ihre Selbständigkeit bewahrt haben. 

Ohne ihn bis an sein Ende zu verfolgen, verliessen wir den Fer- 
ner und erstiegen einen an seinem rechten östlichen Bande sich erhe- 
benden Hügel. Auf der Höhe desselben befand sich der Punct, welchen 
Nicodem zum Buheplatze bestimmt hatte, und die Wahl machte seinem 
Geschmacke alle Ehre. Der üppige Basen bot einen angenehmen Sitz, 
der Anblick von hier aber kann an Grossartigkeit nur mit wenigen in 
den Alpen verglichen werden. 

Die Wände der Urkundspitze, bis hieher die rechtseitige Begrän- 
zung des Sechsegertenferners, haben an einer Ecke ihr Ende erreicht, 
und zwischen dieser und den jenseits in der gleichen Richtung nord- 
ostwärts streichenden Hohlwänden mit dem Brunnko<xel öffnet sich die 
Thalschlucht, aus welcher sich der Taschachferner, ein breiter glitzender 
Eisstrom, in das Pitzthal mit einer Krümmung gegen dessen linke Seite 
herauswälzt. Die Massen füllen noch weit hinaus den Thalgrund aus, und 
ungeheure Eismauern vermitteln von der Stelle an, wo der Gletscher aus 
dem Seitenthale austritt, bis dorthin, wo er die westliche Thallehne 
erreicht und unter seinen Gewölben den starken Bach des Sechsegerten- 
ferners aufnimmt, die Verbindung der Oberfläche des Gletschers mit der 
Thalsohle. 

Aber ungleich überraschender noch ist der Anblick seines oberen, 
in jenem Seitenthale gelegenen Theiles. 

Hier fällt er in grosser Breite und mit ungezähmter Wildheit seiner 
Gebilde von dem hoch in den Lüften flimmernden Gipfel der Wildspitze 

Mittheilungen der k. k. geogr. Gesellschaft. III. Bd. 2. Heft. * 



140 Di'. Anton v. Ruthner. 

und des Prochkogels bis in die Thaltiefe, also mehrere tausend Fu9s tief 
in einem einzigen ununterbrochenen Abstürze herab. Mögen sich Glet- 
scherthäler dazwischen befinden, vom Thale aus sind sie nicht sichtbar. 
Ich habe niemals einen imposanteren Gletscher-Absturz gesehen, als den 
Iliesenkatarakt des Taschachferners, und war wirklich in Anschauung des 
unvergleichlichen Anblicks versunken, als Nicodem diess bemerkte und 
mir die Versicherung gab. so etwas hätte ich auf dem Gepatschferner 
nicht gesehen. Ich bezweifle die Wahrheit dieser Worte nicht, denn 
wenn auch der Gepatschferner durch seine Grösse imponiren mnss, so 
erreicht er nach den Gecoralstabssectionen nirgends eine solche Gross- 
artigkeit der Abstürze, wie der Taschachferner. 

Uebrigens gehört letzterer nicht nur zu den primären Gletschern des 
Ötzthales, sondern auch seiner Ausdehnung nach zu den grössten Fernern 
desselben, da er eine Länge von 20232 W. F. hat. 

Es dauerte noch eine geraume Zeit, bis ich an den Aufbruch dachte. 
Wir genossen auf dem weichen Rasen hingestreckt von unserem Mund- 
vorrathe, und freuten uns des warmen Sonnenscheins und der lieblichen 
Alpenblumen, welche uns jetzt, wie früher Felstrümmer und Gletschereis, 
rings umgaben. Mich aber entzückte stets von Neuem der Wunderbau 
von Eis, den die Natur im Taschachferner in Riesendimensionen geschaf- 
fen hat, ohne dabei das Gesetz der Schönheit zu verletzen. 

Aber auch von dieser Stelle musste zuletzt geschieden werden. 
Unser Hügel senkte sich gegen Norden sehr steil und hie und da in 
Felsdurchbrüchen bis auf den Thalboden hinab, und so wurde manche 
Stelle auf den Felsen überschritten, welche uns zu anderer Zeit nicht 
ungefährlich erschienen wäre, heute jedoch nach de'm Wege über den 
Irkund höchstens einige Vorsicht hervorrief. 

Den Thalgrund selbst verliessen wir bald wieder, um die Oberfläche 
des Taschachferners zu gewinnen, auf welche wir jedenfalls mussten, weil 
ein Ueberschreiten des Gletscherbaches des Sechsegertenferners die beim 
Abgang einer Brücke unerfüllbare Redingung war, unter welcher wir allein 
schon jetzt die linke Thallehne hätten erreichen können. Aber die viel- 
fach geborstenen Eiswände, längs denen wir zwischen Moränenblöcken 
oft von gewaltiger Grösse fortwanderten, hatten eine solche Höhe, dass 
als ich sie mit 40 Klafter schätzte , beide Führer diese Schätzung als 
zu niedrig verwarfen. So hatten wir lange zu suchen, bis wir eine Stelle 
fanden, an welcher wir über den Schutt und bei minderer Steilheit der 
Eismassen die Fläche des Gletschers erklimmen konnten. Einmal oben 
fanden wir, da auch dieser Gletscher schneefrei war, das Gehen darauf 
so angenehm, dass wir es vorzogen, auf ihm fortzuwandern, obwohl uns 
jetzt der Uebergang vom Eisfelde auf die westliche Thallehne möglich 
gewesen wäre. 

Wir schritten in bedeutender Entfernung von einander vor und 
bereits winkte die grüne Matte am Ende des Gletschers nicht weit vor 
uns, als sich uns ein unerwartetes Hinderniss entgegenstellte. 

Die Gletscherzunge war schon in einiger Entfernung vor ihrem 
Ende gegen dieses zu steil geneigt geworden und es bedurfte aller 
Hülfe des Rergstockes und eines festen Trittes, um ohne auf dem Eise 
auszugleiten, abwärts zu gelangen. 

Da sah ich plötzlich Nicodem, welcher voraus war, unterhalb 
meiner stehen bleiben, dann höchst vorsichtig mit einer Ausbiegung nach 



Uebergang aus d. Oetzthale in d. Pitzthal über d. Hochveinagt- und Sechsegertenferner. 147 

rechts weiter hinabsteigen. Ich folgte und gewahrte unten eine grosse 
Eisspalte, die sich weithin von links nach rechts quer über den Glet- 
scher zog und der nur unvollkommen auszuweichen war, weil sogleich 
an ihrem Ende rechts der Abfall zu steil war, um weiter rechts hinab 
zu können. Ich folgte auf dem Wege, den Nie ödem eingeschlagen 
und gelangte glücklich zu demselben jenseits der Kluft, von wo aus er 
seinen Bergstock zum Schutze für mich an der Stelle eingesetzt hatte, an 
welcher ich mit dem letzten Tritte den Rand der Kluft erreichen musste. 

Als Leander über uns sichtbar wurde, riefen wir ihm zu, sich 
wegen der Kluft in Acht zu nehmen, und er that es zwar, indem er 
sich gleichfalls nach rechts wandte. 

Weil er aber die letzte Strecke über der Kluft nicht vorsichtig 
herabstieg, sondern am Bergstocke abfuhr, kam er doch um ein paar 
Fuss zu weit links und in den, wenn auch nur mehr schmalen Ausgang 
der Spalte und dadurch soweit zum Falle, dass er sich die flache Hand, 
ähnlich wie ich mir die meinige beim Uebergange über das Firnfeld 
unterhalb des Platteykogels, an den Eiskrystallen tüchtig zerschnitt. Allein 
das war kein Gegenstand weiterer Beachtung. Das übrige Stück des 
Eisabhanges zeigte keine Spalten und endete auf kleinerem Gestein und 
wir fuhren daher lustig am Bergstocke über das Eis hinab und waren 
damit mit der Gletscherwanderung für heute vollständig zu Ende. 

Nach einigem Klettern über die Stirnmoräne des Ferners trafen 
wir auf ganz guten Weg, denn bis zum Ferner gehen hier die Kühe 
und ein sichereres Zeichen eines guten Weges gibt es im Gebirge nicht. 

Die Berge über Mittelberg und Planggeros, aus letzteren besonders 
der Puikogl hoch aufragend, traten uns bpreits immer näher, schon lang- 
ten wir bei der Stelle an, wo eine Brücke über den Bach und zu den 
an dessen linkem Ufer gelegenen Hütten führt, und sich zugleich der 
Weg zuerst durch dünnen Wald zu dem Weiler Mittelberg senkt und 
— abermal lag ein Prachtgemälde, der Mittelbergferner vor uns. Nico- 
demus hatte Recht, wieder zu mir zu sagen: „Das hätten Sie auf dem 
Gepatsch nicht gesehen." 

Dort wo das Pitzthal, nachdem es lange Zeit von Norden nach Sü- 
den gelaufen, eine südwestliche Richtung annimmt, öffnet sich an der 
südlichen Ecke zwischen den Pfeilern Puikogl und Mittagskogl ein Seiten- 
thal, mehr wie eine breite Ausbiegung des Hauptthaies. 

Auf grünem Anger liegt darin der aus zwei Heusern, die jedoch 
ein einziges Dach unter sich verbindet, und ihren Nebengebäuden beste- 
hende Weiler Mittelberg. 

Einige hundert Schritte davon entfernt endet der Mittelbergferner, 
der würdige Nebenbuhler des Taschachferners. 

. Er besteht aus drei grossen Stufen. Ueber die oberste ziehen ihm 
die Eismassen von rechts und links in starker Neigung, doch rioch als 
glatte Strome zu. An der mittleren angelangt, stürzen sich die vereinten 
Gle'tscherströme in breiter Cascade hochaufschäun^nd in den abenteuer- 
lichsten Formen auf die dritte herab, auf welcher sie sich dann als ver- 
einter Eiskörper in der Richtung vornehmlich gegen die östliche Thal- 
lehne ausdehnen, bis sie allmählich in muschelförmiger Neigung und mit 
stattlicher Terminalhöhle auf dem Mittelberger Grasboden enden. 



148 Pr. Anton v. Ruthner. 

Die grünen Abhänge einerseits auf dem Wege zum Söldnerjöchl 
andererseits des Mittagskogels bilden den Rahmen des Bildes, in dessen 
Hintergrunde zwei mächtige Kuppen des Felsgebirges zwischen dem Mittel- 
berger- und Rettenbach-Thale mit kahlen Wänden und Eisrändern daran 
aufragen. 

Wenn Herr Major von Sonklar in seiner erwähnten Abhandlung 
die Tiefe des Absturzes mit 1000 Fuss annimmt, und bemerkt, dass mit 
dessen Wildheit und grauenvoller Grossartigkeit sich kaum eine andere 
Erscheinnug in der ganzen Eiswelt unserer Alpen vergleichen lässt, und 
die Eisnadeln der Pasterze am hohen Sattel gegen diesen Eiskatarakt nur 
ein zahmes Schauspiel der Natur nennt, so scheint mir dem Taschach- 
ferner nicht sein volles Recht geworden zu sein. Denn bei weit 
grösserer Höhe und Breite ist der Absturz dieses prachtvollen Ferners 
noch überraschender und wilder, als jener des Mittelbergferners. Was 
dagegen Herr von Sonklar über die Pasterze im Zusammenhalte mit 
dem Mittelbergferner erinnert, ist so buchstäblich wahr, als nichts desto 
weniger der Pasterzengletscher sich noch immer ebenbürtig neben dem 
Mittelbergferner behaupten wird. Die Pasterze, der Taschachferner und 
Mittelbergferner vertreten so ziemlich, jeder der drei Gletscher in seiner 
Art, das Vollkommenste, was die Alpen an Gletscherherrlichkeit aufweisen, 
und soll ihr Character mit einem Worte bezeichnet werden, so möchte 
ich als das hervorragende Element der Pasterze die Schönheit, als jenes 
des Mittelbergferners die Erhabenheit und als das des Taschachferners 
die grossartige Wildheit nennen, ohne dass einem aus ihnen die vor- 
herrschenden Eigenschaften der beiden andern Gletscher gänzlich fehlen 
würden. 

Auch der Mittelbergferner entströmt dem mehrerwähnten Gletscherkerne 
zwischen der VVeisskugel und der Wildspitze und zählt, da er von der 
Wildspitze bis in das Thal von Mittelberg eine Längenachse von 24744 W. F. 
hat, zu den längsten Gletschern des ützthales, sowie er der dritte und 
bedeutendste primäre Pitzthalerferner ist. 

Nicht minder ist die Tiefe von o500 W. F., in welcher er endet, 
eine seltene in unsern Alpen, obgleich keine unerreichte, indem z. B. 
der Trafoi- oder untere Ortlesferner, dann das Waxeggerkees im Zemm- 
grunde, letzteres nur in geringer Entfernung von der Waxeggerhütte, 
in gleich grosser oder noch grösserer Tiefe ihr Ende erreichen. 

Wir waren in Mittelberg 10 Stunden nach unserem Aufbruche von 
Rofen angelangt, und zwei Stunden davon waren auf den Ruheplätzen, auf 
dem Kamme über dem Hochvernagtferner und auf dem Hügel zwischen dem 
Sechsegerten- und Taschachferner, zugebracht worden. 

Die Sonne brannte jetzt in den Mittagsstunden tüchtig, und es 
wäre uns desshalb erwünscht gewesen, Milch zu erhalten. 

Allein unser Pochen und Schreien vor dem Mittelberger Doppelhause 
blieb erfolglos. Nico dem machte sich also auf, um Jemanden auf den nahen 
Wiesen zu finden, und es dauerte nicht lange, so kam er wirklich mit 
einer Pitzthalerin, oder nach seiner Redeweise Pitzenthalerin zurück. 

Das Mädchen war von auffallend hübschen Gesichtszügen, aber klein 
und so zart gebaut, dass ich glaubte, sie sei etwa 16 oder 17 Jahre 
alt, wogegen Nicodem versicherte, sie werde auch nicht noch einmal 



Uebergang aus d. Uetzthale in <1. Pitzthal über d. Hochvernagt- und Sechsegertcnferner. 149 

20 Jahre alt werden. Nun bekamen wir Milch im Ueberflusse. Wir 
hatten die „Jochleute" schon vollständig abgestreift, und lagen in rein mensch- 
licher Stimmung, behaglich unsere Cigarren rauchend, vor dem Hause im 
Schatten eines Nebengebäudes und im weichen Grase. 

Die Nähe des Gletschers liess ihn an dieser Stelle mit Müsse in 
allen Einzelnheiten betrachten, und bald drängte sich dem Freunde des 
Gletscherwassers die Betrachtung auf, dass es hier so recht eigentlich 
von erster Hand getrunken ganz vorzüglich sein müsse. Ich eilte also 
zum nahen Bache, um mich an dem köstlichen Nass zu erquicken, und 
hatte eine wirklich kindische Freude daran, als, während ich eben mit 
dem Becher Wasser schöpfte, ein grosses Stück Eis mir so nahe ge- 
schwommen kam, dass ich es auffischen und das e/götzliche Spielwerk 
den Brüdern Klotz bringen konnte. 

Nach etwa einer Stunde Bleibens machten wir uns auf den Weg 
nach Planggeros, das auf dem ebenen Thalboden in der Entfernung von 
kaum einer Stunde vor uns lag. 

Das Pitzthal, 11 Stunden lang und somit eines der grössten Seiten- 
thäler Tirols , wird im Ganzen als an Naturschöuheiten dem Ötzthale 
zurückstehend bezeichnet. Ich kenne das übrige Pitzthal nicht. Hier am 
Schlüsse des Hauptstammes hat es jedoch, ohne gerade unschön zu sein, 
wirklich keinen besonders mahlerischen Beiz. Der Thalboden ist allerdings 
breit, woher auch der Name Planggeros, planum grossum, abgeleitet 
wird, und mit Wiesen und nur stellenweise mit Sand vom Bache bedeckt. 
Allein eben der Abgang jeder Unebenheit in der Thalsohle macht, im 
Gegensatze mit den fast wie riesige Mauern und gleichfalls ohne aus- 
gezeichnete Formen aufsteigenden Bergen, worunter im Osten die hohe 
Geige und der Puikogl, im Westen der Hochkogl und Grubkogl die be- 
deutendsten sind, keinen schönen Eindruck. 

In Planggeros, einem nach Trinker 5264 W. F. hoch gelegenen 
Dorfe, aus wenig Häusern, dem Widum und der Kirche bestehend, empfing 
mich der Herr Curat mit der liebenswürdigsten Zuvorkommenheit, und 
im Gespräche mit ihm verfloss mir der Nachmittag auf die angenehmste 
Weise. 

Ich erfuhr von ihm, dass jährlich doch ein oder ein paar Mal 
Fremde durch das Thal kommen , gewöhnlich um über den Öhlgruben- 
weg nach der Gepatschalpe oder über das Jöchl nach Sölden zu gehen. 
Ueber meinen Weg aber theilte er mir mit, dass einer alten Erzählung 
nach nur einmal vor 40 oder mehr Jahren zwei Pitzthaler von Mittel- 
berg aus noch Fend gestiegen sind, und zwar ohne dabei Bofen berührt 
zu haben, so dass zu vermuthen steht, dass sie den Weg an der Ost- 
seite des Urkunds am oder über den Taschachferner genommen, dann 
den höchsten Kamm zwischen der Wildspitze und dem Pröchkogel über- 
schritten haben und über den Mitterkarferner nach Fend hinabgelangt sind. 

Gern hätte ich ein paar Tage im Pitzthale zugebracht, allein die 
nächste Aufgabe , die Ersteigung der Wildspitze , rief mich nach Fend 
zurück. Ich brach daher am 19. August Früh wieder von Planggeros auf. 
Der treffliche Curat des Ortes begleitete mich bis an eine Stelle vor 
Mittelberg, wo man den Urkund und die Öhlgrubenspitzen sieht und liess 
sich hier zur Mittheilung für jene Pitzthaler, welche sich darum interessiren 



1Ö0 Dr. Anton v. Ruthner. 

sollten, die beiläufige Richtung zeigen, die wir verfolgt hatten. Nach 
herzlichem Abschiede vom Gastfreunde ging es dann dein Suldnerjöchl zu. 

In Mittelberg nahm Niko dem von unserer Pitzenthalerin die Seile und 
Steigeisen, welche er gestern zurückgelassen, wieder in Empfang, allein 
heute konnten wir uns hier nicht länger aufhalten, denn wie gestern am 
Ende, standen wir heute erst am Anfange unseres Tagewerkes. Wir 
mussten zuerst den Mittelbergferner quer überschreiten, weil der Weg 
von dem linken, oder nach wissenchaftlicher Sprache, in welcher das Ufer 
eines Gletschers wie jenes eines Flusses nach dem Laufe bezeichnet 
wird, vom rechten Rande des Ferners aufsteigt. 

Unschwer kamen wir auf die Höhe des Ferners, und auf ihm fort, 
trotz seiner nicht geringen Steigung in der ganzen Linie, in welcher wir 
ihn überschritten. Dagegen machte es viele Schwierigkeit auf den 
felsigen Wiesengrund an seinem rechten Ufer zu gelangen, da er gegen 
die Randfelsen zu in eine Menge untereinander durch oft 20 Klafter tiefe 
Schluchten getrennter Eisrücken zerrissen ist. 

Es musste auf den durch Steine und Schutt am leichtesten gang- 
baren Stellen einige derlei unfreundliche Wellenberge und Thäler hinauf- 
und hinabgeklettert werden, bis wir nach Ueberwindung des letzten davon 
wieder festes Gestein unter unsern Füssen fühlten. 

Die nächste Aufgabe kostete mehr Mühe und Selnveiss als ich ge- 
dacht hatte. Trotz seines gemüthlichen Namens Jöchle erreicht dieser 
Uebergangspunet zwischen dem Pitz- und Ötzthale nach Trink er's Höhen- 
messungen die ganz ansehnliche Höhe von 9453 W. F. 

Das Aufwärtssteigen über die mit kurzem Grase bewachsene erste 
Erhebung war wegen ihrer grossen Steilheit besonders heute bei hell 
ausscheinender Sonne höchst mühsam, und es daher nicht zu wundern, 
dass die Hände , bei der Nähe , in der sie dem scharf ansteigenden 
Boden beständig kamen, zum besseren Hinaufkommen fleissig mitbenutzt wurden. 

Nicht minder beschwerlich gestaltete sich der Weg über die Schutt- 
halden in den höheren Theilen, wenn man bei jedem Schritte nach auf- 
wärts mit den losen Steintrümmern wieder etwas zurücki'ütscht. Nach 
diesen Partien wird der Gang in der obersten Strecke über die zahllosen 
Steinplatten und grossen Felsstücke, womit der Kamm des Rückens gegen 
die Geschrabkögel zu regellos gepflastert erscheint fast zur willkommenen 
Aufgabe. 

Endlich ist die Jochhöhe an einem Felsen gewonnen, auf welchem 
als Kennzeichen einige Steine zu einem Signale aufgeschichtet sind. Doch 
ist damit noch nicht der höchste Uebergangspunet am Jöchle erreicht, 
allein es erscheint angedeutet, hier etwas Umschau zu halten, denn einen 
Schritt weiter, und die bisherige Fernsicht hat sich uns entzogen. 

Blicken wir also noch einmal und zwar jetzt von Nordosten gegen 
Südwesten auf das grosse Hochplateau , die Geburtsstätte der riesigen 
Gletscherdecke zwischen Pitz - und Ützthal. Die Wildspitze ragt mit 
feinem Hörne in Mitte der Eismassen alles rings beherrschend, in die 
Lüfte. Der Prochkogel, der Mittagskogel, Brunnkogel und die Hohlwände 
entsteigen ihnen rechts und links von der Wildspitze. Darüber zurück 
aber sehen wir in der Richtung über dem Hochvernagtferner jene mäch- 
tige Höhe wieder , welche wir von gestern her als die Hochvernagt- 



Uebergang aus d, ÜeUthale in d. Pitzthal überd. Hochvernagt- und Sechsegertenferner. 181 

wand kennen , und weiter nach rechts die Berge des Pitzthales bei 
Planggeros und im Gebiete des Taschachferners . dann die östliche Be- 
grenzung des Kaunerthales und auch ein Gebirgssee fehlt nicht , da ein 
Stück des Riffelsees zu uns heraufleuchtet. 

Aber auf der Wildspitze, die wir von halber Höhe noch nebelfrei 
erblickt , hat sich nun bereits eine Nebelkappe gebildet und im Verein 
mit der drückenden Hitze lässt dies einen baldigen Witterungswechsel 
besorgen. 

Halten wir uns daher nicht zu lange hier auf und eilen wir der 
zweiten höheren Scharte zu. Von der ersten Scharte weg wandern wir 
etwa 10 Minuten lang über den Pollesferner und beschreiten damit die 
Grundlinie eines Dreieckes, dessen Schenkel und Spitze durch die Ver- 
längerung und das Zusammentreffen der Felsen gebildet werden, in denen 
die beiden Scharten eingeschnitten sind. 

So wird man nur mit der höchstgelegenen südwestlichen Ecke des 
Pollesferners bekannt , und lernt den Hauptkörper des Ferners nicht 
kennen, welcher 8640 W. F. lang , so tief in das bei Hüben in das 
eigentliche Ützthal mündende Pollesthal hinabsteigt, dass Herr Major von 
Sonklar meint, mit einiger Erweiterung des Begriffes primärer Gletscher 
könnte man ihn ohne weiters unter die primären Ferner rechnen. 

Wir hatten uns auf der Höhe bald abgekühlt und Hessen uns auf 
der zweiten Scharte, dem eigentlichen Jöchle, das zwischen dem Polles- 
uud Kettenbachferner gelegen ist, nieder. 

Hier bot sich uns die weiteste Fernsicht auf unserem ganzen 
Ausflüge dar. 

Ausser den Bergen, zwischen denen das Pollesthal eingeschnitten 
ist, und unter welchen die hohe Geige mit ihrem herzförmigen Ferner 
unter der Spitze und mittelst des Fernrohres ganz gut zu erkennenden 
trigonometrischen Signale den ersten Platz einnimmt, erheben sich in der 
Nähe die Gletscherspitzen über der Firnmulde des in bedeutender, fast senk- 
rechter Tiefe unter dem Jöchle ostwärts Messenden Rettenbachferners, 
vornehmlich die Schwarze Schneide zu ansehnlicher Höhe. 

Ausserdem liegen in langer Pieihe die sämmtlichen Höhen auf der 
Ostseite des eigentlichen Ötzthales vor uns, Da bauen sich die Gebirge 
des Grieser- und Stuiben-, des Melach- und Sulzthales und sofort bis 
zu den Spitzen des Winacherthales neben einander auf. Die hervor- 
ragendste Stelle behauptet der prächtige Lisenzerferner-Kogel und nächst 
ihm der Bockkogel und die schneelose Pyramide des Schrankogels. Aus 
weiter Ferne dämmern in ihren lichten Umrissen die Kalkmassen der 
hohen Mundi und des Karwendelgebirges. 

Ich bedauerte sehr, dass über dem Kerne der Stubayergruppe, den 
Gletschern zwischen dem obersten Suizthale, dem Stubayer Mutteberg und 
dem Winacherthale dichte Nebel lagerten. Diese Nebel sahen sogar der- 
art wie wirklicher Regen aus , dass ich bei der geringen Entfernung 
des Winacherthales von uns früher, als ich es sonst gethan hätte, zum 
Aufbruche mahnte. 

Wir mussten jetzt zuerst auf den tiefen Rettenbachferner hinab- 
klettern. Unmittelbar Yon der Scharte weg isi der Abfall des Rückens 
ein ausserordentlich steiler ; doch schützt seine Steinart , ein sehr fein 



i 52 Ar- Anton v. Ruthner. 

geplatteter Schiefer, vor einem Abstürze in die Tiefe , weil sich unter 
den Füssen des Abwärtssteigenden oder mit dem Bergstocke Abrutschenden 
stets eine ganze Schuttmasse zusammenballt. 

Ueber den Rettenbaehferner hat Herr von Sonklar dieselbe Be- 
merkung gemacht , wie beim Pollesferner , der zu Folge auch er bei 
seinem weiten Vordringen in das Rettenbachthal ein primärer Ferner, 
das Wort im weiteren Sinne genommen, genannt werden könnte. Nur 
steht dem entgegen, dass das Rettenbachthal weit weniger als das Polles- 
thal , als eigentliches Thal , sondern vielmehr nur als eine hochgelegene 
Thalmulde betrachtet werden kann. Dafür übertrifft der Rettenbachgletscher 
den Pollesferner an Länge, indem er 11,880 VV. F. lang ist. 

Von dem Puncte, auf welchen wir ihn unterhalb des Joches endlieh 
erreichten, fliesst er noch weit hinaus durch das Thal in der Richtung 
gegen Sölden und füllt in diesem Laufe die ganze Thalsohle aus. Wir 
gingen dort, wo es thunlich war, auf ihm abwärts ; allein gerade auf ihn 
war sich weniger zu verlassen, als auf die Pitzthalerferner, weil er im Ganzen 
einen stärkeren Neigungswinkel hat, und sich stellenweise sogar plötzlich 
so steil senkt, das ein weiteres Hinabsteigen gar nicht möglich ist. Dann 
wandten wir uns jedesmal der linkseitigen Moräne und Seitenwand zu, 
kehrten aber sobald es thunlich des minder beschwerlichen Gehens wegen 
auf das Eis zurück. 

Dort wo der Gletscher endet, ist das Rettenbachthal schon ziemlich 
wirthlich, und bald darauf kommt man auch zu den ersten Asten oder 
Heuhütten. 

Heute trafen wir alles voll Menschen , die eben mit der Heuernte 
beschäftigt waren. Ich aber trennte mich hier von Nie ödem und 
Leander nach getroffener Verabredung, dass sie mich in Heiligenkreuz 
erwarten sollten. 

Sie hatten nämlich vorgeschlagen , anstatt aus dem Rettenbachthale 
nach Sölden hinab-, und dann auf dem Hauptthalwege nach Zwiselstein 
und Heiligenkreuz wieder hinanzusteigen, auf der Höhe fort von Retten- 
bach über Galslach unmittelbar nach Heiligenkreuz zu gehen. 

Nach den Leistungen in den bellen letzten Tagen wollte ich nun 
von ihnen gar nicht fordern, dass sie heute noch überflüssige anderthalb 
Stunden Weges machen sollten; allein ich für meinen Theil war darauf 
angewiesen, nur mehr den, wenigstens relativ, besten, wenn auch weitern 
Weg aufzusuchen. Denn meine Beschuhung war schon gestern haupt- 
sächlich durch die schneefreien Pitzthalerferner in einen schauerlichen 
Zustand gekommen, in Planggeros zwar zur Noth für heute ausgebessert 
worden, jedoch in Folge der neuerlichen Berührung mit den Eiskrystallen 
des Mittelberg- und Rettenbachferners und mit dem Schutte des Jöchle 
in eine so heftige Recidive verfallen, dass die Schäden der Sohlen bereits 
das Oberleder ringsum in das Mitleiden gezogen hatten. 

Ich liess also den Führern die Tasche und schritt blos mit Berg- 
stock und Plaid ausgerüstet Sölden zu. Das Winacherthal von seinen 
Fernern, vielleicht vom Hohenferner oder Wozer am Schneeberg, an lag 
zwar im Nebel doch in seinen Umrissen bis zur nahen Mündung jenseits 
des Thalbodens von Sölden gegenüber, schon öffnete sich ein Hineinblick 
in die Gurgler Thalschlucht und auf die Berge über ihr südlich vom Timbels- 
joch, den Paukerkogl und das Plattenjoch , und auch der alte Freund 
Nöderkogel zeigte sich wieder. 



Uebergang aus d. Oetzthale in d. Pitzthal über d. Hochvernagt- und Sechsegertenfemer. 153 

Jetzt ragte über der steilen Waldschlucht , durch welche der Ret- 
tenbach zur Tiefe schäumt, sogar bereits der Kirchthurm von Sölden vor 
mir auf, aber auch der Regen hatte schon den Weg über das Ötzthal 
gefunden, und es fielen schwere Tropfen, als ich gegen 1 Uhr in das 
Wirthshaus zu Sölden eintrat. 

Wir waren von Planggeros um halb 5 Uhr aufgebrochen , mögen 
eine starke Stunde auf dem Jöchle verweilt haben , und hatten daher 7 
bis 8 Stunden zum Uebergange von Planggeros aus benöthigt. 

Als ich mit meinem bescheidenen Mahle zu Ende war , regnete es 
noch immer; da es aber auch nicht das Ansehen hatte , als würde es 
bald besser werden, so machte ich mich etwas nach halb 2 Uhr wieder 
auf den Weg und langte um 4*/ 4 Uhr im Widum in Heiligenkreuz an. 
Leander und Nie ödem waren kurz vor mir eingetroffen und Hessen 
es sich schon sehr gütlich geschehen. Ich aber war durch das rasche 
Gehen bei Benützung des Plaids zwar nicht vom Regen , aber vom 
Schweiss so durchnässt, dass ich mich bald in dem kühlen Zimmer nicht recht 
behaglich fühlte und weiter zu gehen beschloss. 

Als ich meine Führer fragte, ob sie fortzugehen bereit seien, be- 
jahten sie es, und baten mich b\os, sie noch austrinken zu lassen. Allein 
es lag eine unendliche Resignation in ihrer Bereitwilligkeit. Ich fühlte, 
dass es hart sei, sie aus ihrem Wohlbehagen zu stören und Hess ihnen, 
da ich ihrer durchaus nicht bedurfte , vollkommen freie Hand zu bleiben, 
wenn sie mir nur bis Abends die Tasche in das Fender Pfarrhaus 
brächten. 

So ging ich in noch immer strömendem Regen weiter und kam um 
7 Uhr Abends in Fend an, das Brüderpaar Klotz dagegen mindestens 
um zwei Stunden später. 

In diesen Stunden des Verweilens in Heiligenkreuz geschah es, 
dass Nico dem voll des Hochgefühles der grossartig vollführten kühneu 
That jedoch auch mit frischer Erinnerung an ihre Gefahren, folgende 
Notiz in das dortige Fremdenbuch schrieb: „Nie ödem Klotz und Le- 
ander Klotz, Fremdenführer über den Gepatschferner und über den 
Pitzthaler Urkund. Aber diese wollen nicht mehr Fremdenführer sein über 
diese Oerter und man kann ihnen dieses glauben. Bestätiget Nico dem 
Klotz, Leander Klotz." 

Nie ödem versicherte mich später wiederholt nie mehr über den 
Urkund steigen zu wollen; allein es machte ihm doch Freude, immer 
wieder davon zu erzählen. 

Auch mir ist die angenehmste Erinnerung an diesen Gletscheraus- 
flug geblieben. Dennoch schied ich zuletzt nur halb befriedigt aus dem 
Ötzthale. 

Denn am 20. und 21. August war in Fend so schlechtes Wetter, 
dass von der Ersteigung der Wildspitze, ja selbst nur von einer Recognosci- 
rung derselben keine Rede sein konnte. Am 21. fiel sogar der Neuschnee herab bis 
etwa eine halbe Stunde über dem Dorfe. Ich ging noch einmal zu Nicodem 
nach Rofen, sah ihn dann am 22. noch in Fend, aber auf einen Ferner sind 
wir nicht weiter mitsammen gekommen, und dies that mir Leid, weil es mir 
jedesmal ein wahres Vergnügen macht, einen Gletscher mit Nicodem zu 
besuchen, welchen als den kühnsten und erfahrensten Bergsteiger, der mir 
jemals vorgekommen ist, zu bezeichnen, ich keinen Anstand trage. 



t S4 Dr. Anton v. Ruthner. 

Am 22. Nachmittags verliess ich endlich das Pfarrhaus zu Fend, nach- 
dem ich beim Abschiede von dem gastlichen Hausherrn und der unermüd- 
lichen Pflegerin der Fremden, der Hauserin Lise, meine Wiederkehr ver- 
sprochen hatte. Ob und wann sich dies Versprechen wird erfüllen lassen? 

Zum Schlüsse sei noch einer in mancher Rücksicht interessanten That- 
sache Erwähnung gethan. 

Auf der Anich'schen Karte findet sich ein Weg von Rofen nach der 
Gepatschalpe mit zwei Abzweigungen nach dem Pitzthale gezeichnet und dabei 
die Benennung Öhlgruben Thalweg und Sechsten Weg. Wegen, der mangel- 
haften Terrainzeichnung und da insbesonders die Begrenzung des Hochver- 
nagtferners ganz unkenntlich ist, lässt sich die Richtung nicht genau ent- 
nehmen , in welcher diese Wege gelaufen sind , es erheben sich vielmehr 
bezüglich aller drei Wege, die gewichtigsten Fragen. So fragt es sich, wo der 
W'eg von Kauns nach Rofen den Kamm über demHochvernagt überschritten haben 
kann und wo insbesondere jene Stück dieses Weges durchgegangen sein mag, bei 
welchem das Wort Sechsten Weg steht? Und was die Abzweigungen nach 
dem Pitzthale betrifft, so kann die westlichere doch nicht den heutigen Öhl- 
grubenweg bezeichnen, da dieser letztere aus dem Taschach fast ganz west- 
lich geht, ohne den Gepatschferner zu berühren, während jene Abzweigung, 
nachdem sie von der Gepatschalpe weg erst lange Zeit in südöstlicher Rich- 
tung auf dem Gepatsch fortläuft, auf der Pitzthaler Seite über den Sechs- 
egerten Ferner in nordöstlicher Richtung führen müsste , bis sie am Ende 
dieses Ferners mit dem heutigen Wege zusammentreffen würde. In welcher 
Partie des Sechsegertenferners wäre aber eine solche weite Ausbiegung vom 
Pitzthal aus in südwestlicher Richtung über ihn gangbar, und wo käme man 
dann auf den Grat über dem Gepatschferner? Wo hat vollends die östliche 
Abzweigung von Anich's Kauner-Rofnerwege ihren Lauf gehabt? Ging dieser 
Weg wirklich westlich am Urkund, doch etwas weiter von seinen Wänden 
weg und bestand damals noch nicht wie jetzt der grossartige Absturz des 
Eisrückens , den wir auf der Seharte über dem Hochvernagt links von ihr 
nach Norden ziehend, kennen gelernt haben? 

Nach Anich's sonstiger Richtigkeit scheint jedoch trotz aller dieser 
Zweifel Eines klar aus der erwähnten Zeichnung hervorzugehen : dass 
über die Ferner Wege von Kauns unmittelbar nach Rofen und von 
Rofen unmittelbar nach dem Pitzthale geführt haben. 

Bei dieser Thatsache, hält man sie damit zusammen, dass, wie 
schon besprochen wurde, heute Nicodem allein das Geheimniss besitzt, 
über den Gepatschferner zu gehen und auch er den Weg in das Pitzthal 
allein, und zwar bis jetzt erst zweimal gemacht hat, taucht aber wieder 
die interessante Frage auf, woher kömmt es, dass diese früher all- 
gemeinen Wege jetzt ganz in Vergessenheit gerathen sind? Dr. Stotter 
hält dafür, dass die Veränderungen der Gletscher daran Schuld tragen. 
Diese Ursache mag mitwirken; die Gestaltung der Eisflächen wechselt 
jedoch von Jahr zu Jahr. Wird ein bisheriger Weg über einen Ferner 
nicht gangbar, so kann der Ferner in anderer Richtung zugleich über- 
schreitbar werden , ja im folgenden Jahre kann der alte Weg wieder 
zu benützen sein. Und doch blieben die fraglichen Wege unbenutzt. 
Es dürften daher noch andere Ursachen vorhanden sein. Mag man 
auch nicht annehmen , dass unsere Vorfahren mehr Muth als unser 
Epigonengeschlecht hatten, so scheint doch eine wesentliche Veranlas- 
sung des gänzlichen Verlassens so mancher und auch unserer Glet- 



Uebergangaus d. Oetzthale in d. Pitzthal über den Hochvernagt- und Sechsegeitenferner 155 

schersteige in der Verbesserung der übrigen Thalwege zu liegen, in Folge 
deren die Bewohner lieber auf gutem Wege und gefahrlos ein erkleck- 
liches Stück Weges weiter gehen, als auf dem kurzen W T ege sich Ge- 
fahren auszusetzen , wogegen die alte Zeit bei durchgehends schlechten 
Wegen den, wenn auch um etwas gefährlicheren , doch kürzesten Weg 
gewählt hat. 

Sollte aber ausser dieser mehr culturhistorischen Frage die rein 
geographische über die Richtung der alten Gletscherwege von Rofen nach 
dem Kauner- und Pitzthale , dann von der Gepatschalpe nach dem Pitz- 
thaler Taschach mit einiger Hoffnung auf Erfolg in Angriff genommen 
werden wollen, so wäre nach meiner Ansicht vor Allem in den Archiven 
vorzüglich jener Bezirke in Vintschgau, zu denen Fend früher gehörte, 
nach alten Grenzbeschreibungen und ähnlichen Documenten zu forschen, 
um auf Grundlage positiver Daten das festgstellt zu erhalten, was durch die 
scharfsinnigsten Combinationen kaum je verlässlich wird sichergestellt 
werden können. 



XIII. 

Mittheilungen über eine Reise nach Grodno in den Bialowescher- 
VVald und über die Auerochsen. 

Von 

Dr. Franz Müller, 

Professor der Zootomie, Zoophysiologie und des Exterieurs am k. k. Thierarznei- 

Institute in Wien. 

Milgetheilt nach einem amtlichen Berichte in der Versammlung: der k. k. geographischen Geiellschaft 

am 5. April 1859. 

Im October 1851 wurde mir von dein hohen k. k. Ministerium 
für Cultus und Unterricht der schmeichelhafte Auftrag zu Theil, eine 
Reise nach dem Bialowescher-Walde im Pruschanschen Kreise des Grod- 
noer Governements zu unternehmen, um an Ort und Stelle die Präpa- 
rirung eines durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers von Russland 
dem hiesigen k. k. Thierarznei-Institute zur Verfügung gestellten Auer- 
ochsen vorzunehmen, und die Transportirung desselben einzuleiten. 

Ich trat meine Reise am 15. November 1851 an, nahm den Weg 
von hier über Krakau an die russisch -polnische Grenze nach Maczky, 
und fuhr von dort mittelst Eisenbahn bis Warschau. Das Land von der 
österreichischen Grenze angefangen bis Warschau ist meist ganz eben, 
nur geringe Anhöhen durchschneidet die Eisenbahn, und an manchen 
Stellen findet man ausgedehnte Waldungen mit Sümpfen und Moorgrund 
abwechselnd. 

Da ich sowohl auf der Hin- als Rückreise mehrere Tage in War- 
schau verweilen musste, hauptsächlich des Passes wegen, der gegen einen 
russischen umgetauscht werden muss , so hatte ich in der Zwischenzeit 
Müsse genug, die Warschauer Spitäler und Sammlungen kennen zu ler- 
nen, die mir auch auf die zuvorkommendste Weise zugängig gemacht 
wurden. 



i 56 Dr. Franz Müller. 

Von Spitälern sah ich: Das Spital zum Kindlein Jesu, das grösste 
von allen mit etwa 500 Betten, das Syphilis-Spital mit 400 Betten, das 
Spital von St. Rochus mit beiläufig 60 Betten, und das israelitische mit 
360 Betten. 

Vor Allem erlaube ich mir die Bemerkung, dass die Warschauer 
Spitäler nicht jene Bewunderung bei mir erregten, von der manche Aerzte 
ergriffen sind. Es besticht bei einigen die äussere Erscheinung viel zu 
sehr, während das Wesen eines Spitals: Wäsche, Kost, Reinlichkeit, 
Wartung etc. gegen die hiesigen und deutschen Krankenanstalten zurück- 
steht. Die Gebäude sind meist sehr schön und neu aufgeführt, die Fuss- 
böden durchaus mit Wachs eingelassen , und durch alle Säle Teppiche 
ausgebreitet; allein die Bettwäsche ist mittelmässig, Matrazen sah ich 
in keinem der Spitäler, die Kost ist, sowie überhaupt in ganz Polen, 
trotz der üblichen Dampfkochapparate unserer Spitalskost nicht gleichkommend. 

Mit dem Spitale zum Kindlein Jesu ist noch ein kleines Gebär-, 
Findel- und Irrenhaus verbunden; ich sah die chirurgische Abtheilung 
des Herrn Dr. le Brun, der mir mit seltener Zuvorkommenheit die 
nöthigen Aufklärungen gab, und mich in die andern Abtheilungen beglei- 
tete. In dem ganzen Krankenhause sind 5 Primarien angestellt, deren je- 
der 80 bis 100 Betten unter sich hat, und zwar sind 2 Primariate für 
interne Kranke, 2 für externe, 1 für das Gebär- und Findelhaus bestellt, 
das Irrenhaus ist getheilt. 

Im Spital herrschte bei meiner Anwesenheit keine besondere Krank- 
heitsform, doch sah ich verhältnissmässig wenig Tuberculöse, desto mehr 
Hydropische und an Intermittenz Leidende, wie überhaupt in ganz Russ- 
land letztere Krankheitsformen vorherrschen, so weit sich meine Reise 
erstreckte. Auf den chirurgischen Abtheilungen herrschten die chronischen 
Fussgeschwüre vor, die jedoch nicht sehr rein gehalten waren, und ohne 
besondere Methode behandelt wurden. Die Krankensäle sind gross, mit 
40 und mehr Betten, letztere stehen enge beisammen, in der Mitte sind 
2 Reihen eingestellt, die Bettstätten sind, wie in allen übrigen War- 
schauer und Lithauer Spitälern, die ich besuchte, durchaus von Eisen, 
die Wäsche mittelmässig, ohne Matrazen mit einer Baumwolldecke und 
einem Kopfpolster von Haaren. 

Die Aufnahmskanzlei ist ebenerdig, Juden und syphilitische Kranke 
sind ausgeschlossen, den Wärterdienst besorgen die grauen Schwestern. 
Extrazimmer sah ich in diesem Spitale wenige, weil überhaupt von den 
vermöglicheren Polen das Spital nicht so gesucht wird, wie bei uns. 

Das syphilitische Spital zu St. Lazarus liegt am Ende der Krakauer- 
Vorstadt gegen die Weichsel zu auf einer Anhöhe, ist einen Stock hoch 
und umgeben von einem bedeutend grossen, freien Platze, der von einer 
ziemlich hohen Mauer umfasst wird, und besteht aus mehreren Gebäuden, 
wovon das grösste für kranke Weiber, das kleinere für Männer, ein 
eigenes Gebäude zur Wohnung für den Primarius Dr. Porowski und 
iüi' die Kanzleien etc. bestimmt ist. 

Alle Spitalsgebäude sind neu, und wahrhaft luxuriös, wie überhaupt 
alle neuen öffentlichen Gebäude in Warschau, mit ungemeiner Raumver- 
schwendung aufgeführt. Gänge, Stiegen und Zimmerböden sind gewichst, 
und mit Teppichen belegt, die Säle sind schön, hoch und freundlich, 
die Küche ist prachtvoll eingerichtet, mit Aufzugsmaschinen für die Spei- 
sen in die oberen Zimmer, allein auch hier sind die Betten ohne Ma- 



Mitteilungen über eine Reise nach Grodno in d. Bialowescber-Wald u. über d. Auerochsen. \ 5~ 

trazen. und namentlich fand ich alle Zimmer zu kalt, was ich für eine 
Behandlung syphilitischer Kranker nach meiner Erfahrung nicht passend 
iinde. Das Spital war ganz helegt, die Kranken meist mit primären Formen 
der Syphilis behaftet, doch traf ich auch viele secundäre und tertiäre 
Formen mit solchen Zerstörungen der Knochen, wie ich sie ähnlich nur 
von Prag her kenne. Die Behandlung ist durchaus mit Mercur und Jod. 

In beiden Spitälern sah ich ziemlich zahlreiche Fälle von plica 
■polonica, und zu dieser Krankheit anderweitig gezählte Complicationen. 

Das Spital von St. Rochus, dessen Vorstand Dr. Malez ist, 
liegt gleichfalls in der Krakauer-Vorstadt, hat aber nur 60 Betten. Es 
werden bloss interne Kranke, Männer und Weiber aufgenommen, den 
Wartdienst versehen auch hier die grauen Schwestern. 

Das israelitische Spital mit 360 Betten liegt am nördlichen 
Ende der Stadt in der Nähe der Festung, es ist ein weitläufiges Ge- 
bäude mit eigener Verwaltung, und einigen Nebengebäuden, in welchen 
die Geisteskranken untergebracht sind. Letztere sind am besten unter allen 
übrigen Kranken dieses Krankenhauses versorgt. 

Das ganze Spital zerfällt in 2 Abtheilungen, in die medizinische 
und chirurgische, mit eigenen Vorständen (Dr. Löwenthal und Dr. Groh). 
Die chirurgische Abtheilung war mit syphilitischen, scrofulösen, mit Ge- 
schwüren aller Art behafteten Kranken überfüllt, doch war die Reinlich- 
keit auf eine Art vernachlässigt, dass man manchen Kranken nur ungern 
untersuchen konnte. 

Ausser den Spitälern sah ich in Warschau die Bibliothek, reich an 
polnischen Werken aus allen Zweigen der Wissenschaft, ferners : 

Das Naturalien -Cabinet, dessen Vorstand Herr Director Ja- 
rocki, ehemaliger Professor der Naturgeschichte an der Warschauer 
Universität , auch in der litterarischen Welt namentlich als slavischer, 
naturhistorischer Schriftsteller einige Bedeutung hat. — Er besitzt eine 
ungemeine Sprachkenntniss von den meisten europäischen Zungen, und 
lernte sehr viele Länder Europa's, und namentlich ganz Oesterreich auf 
zahlreichen Fussreisen kennen. 

Ich sah daselbst von Säugethieren : 3 ausgestopfte Auer (2 Kühe 
und 1 Stier), eine sehr bedeutende Vögel- und namentlich eine ungemein 
reichhaltige Conchilien-Sammlung, sowohl Schnecken als Muscheln, sehr 
hübsche Korallenbildungen und eine vollständige Collection aller Meer- 
schwämme von den verschiedensten Formen. Ausserdem findet sich eine 
in vielen Sälen aufgestellte Mineralien-Sammlung, in welcher die Minera- 
lien nach den verschiedenen Ländern ihres Vorkommens gereiht sind. 
Von österreichischen Provinzen sah ich dort Galizien und Ungarn voll- 
ständig vertreten, in geognostischer Beziehung ist jedoch die Sammlung 
arm, und nur Polen sammt Volhynien und Podolien hinlänglich reprä- 
sentirt. Am interessantesten sind die Klumpen jener Mineralien des Urals 
und Caucasus, die als Geschenke aus St. Petersburg hieher kamen. Ich 
sah hier ein sehr grosses Stück gediegen Goldes, ein Stück Platin von 
der Grösse einer Kastanie u. s. av. 

Ausserdem findet sich in den ehemaligen Universitätsgebäuden eine 
Modellen-Sammlung aus Gyps, die ziemlich reichhaltig ist. 

Von wissenschaftlichen Anstalten trifft man in Warschau ein Gym- 
nasium von 6 Classen, eine Schola reale und ein pharmaceutisches In- 
stitut, eine Kadettenschule und eine Thierarznei-Schule. 



158 Dr. Franz Müller. 

Letztere soll früher nach der Aussage des Professors Eichler, 
eines in Dresden gebildeten Thierarztes, ziemlieh bedeutend gewesen und 
darin jährlich bei 2000 Pferde behandelt worden sein, allein seit etwa 
sechs Jahren ist sie auf . eine Stunde Entfernung von der Stadt verlegt, 
in einem älteren Gebäude untergebracht, wohin jährlich kaum über 400 
Pferde vom Lande gebracht werden. 

Es sind am Thierarznei-Institute drei Professoren angestellt, von 
welchen Ostrowski Anatomie lehrt. Der Cursus dauert 3 Jahre. Die 
jetzige Organisation des Veterinärwesens in Russland besteht seit etwa 
7 Jahren. Die ganze Auseinandersetzung enthält die Zeitschrift für die 
gesammte Thierheilkunde von Dieterichs, Nebel und Vix, 1847, 
Band XIV., Seite 308. 

Im übrigen Russland sind nur wenig Thierärzte zu finden, die sich 
namentlich mit Operationen befassen möchten, daher ziehen auch zur Ver- 
richtung der Castration bei Pferden österreichische Unterthanen, meist 
aus Mähren und dem nördlichen Ungarn, gruppenweise herum. Ich traf 
deren mehrere in Grodno, die von dort noch weiter zogen. Sie pflegen 
das zu castrirende Pferd um einen bestimmten Preis anzunehmen, und 
müssen es castrirt und ganz gesund zurückstellen, haften daher mit ihrem 
Vermögen für jeden Unfall, was ihnen dann auch gut bezahlt werden muss. 

Der Rindviehschlag ist im Königreiche Polen klein und schwach, 
nur Gutsbesitzer haben schöneres und häufig Schweizervieh; auch scheint 
trotz der dünnen Bevölkerung der Fleischbedarf durch die Landeszucht, 
wenigstens in Warschau nicht gedeckt werden zu können, denn ich sah 
dort die grauen volhynischen und podolischen Rinder ebenso wie in Wien, 
und auch dort wird die Rinderpest mit diesen Thieren aus jenen Ge- 
genden eingeschleppt, und herrscht jetzt noch in manchen Gegenden seit 
dem Jahre 1844. 

Merkwürdig ist der Umstand , dass man unter den Auerochsen im 
Walde zu Bialowesch nie ein seuchenartiges Erkranken, weder an der 
Rinderpest noch an irgend einer andern Krankheit, beobachtete, trotzdem 
die Kühe der Schützen frei in den Wald getrieben werden, und vor 
einigen Jahren massenhaft an der Rinderpest zu Grunde gingen. 

In wie weit die veterinär-polizeilichen Massregeln in jenen Gegen- 
den gehandhabt werden, konnte ich nicht ermitteln, nur so viel wurde 
mir mitgetheilt, dass bei jeder bedeutenden Vieherkrankung auch an die 
Regierung die Anzeige erstattet werden muss, und dass das General- 
Governement des Königreiches Polen vier Thierärzte an der Gränze 
von Volhynien und Lithauen anstellen will, welche jedes aus diesen 
Ländern eingetriebene Rind bezugs der Gesundheit, und namentlich der 
Rinderpest wegen, zu untersuchen' hätten. 

Von Warschau setzte ich meine Reise nach Augustowo in einer 
Strecke von 34 Meilen ganz ebenen Landes fort, das zuweilen mit 4 
bis 5 Meilen im Durehmesser haltenden Wäldern bedeckt ist, von grös- 
seren Flüssen, Narew und Bug, und kleineren durchströmt, bei der ge- 
nannten Stadt jedoch von weit ausgebreiteten Sümpfen und Seen mit 
dazwischen liegenden Wäldern fast ganz eingenommen wird. Ich sah dort einen 
sehr gut angelegten Canal, der sich bis in den Niemen erstreckt, und hauptsäch- 
lich zur Verschiffung von Schiffbauholz in die Ostsee dient. 

Von dort setzte ich meine Reise auf einem Seitenwege fast ganz 
durch Wald nach Lipsko und weiter nach Grodno fort. 



Mittheilungen über eine Reise nach Grodno in d. Bialowescher-Wald u. über d. Auerochsen. 1 59 

Grodno ist am Niemen auf einer Anhöhe gelegen, ist die Haupt- 
stadt des gleichnamigen Governements mit etwa 25000 Einwohner, von 
denen hei zwei Drittheile .luden sind; es ist der Sitz des Governeurs, 
der Staatsdomänen-Verwaltung, des Adels-Marschallamtes, eines Gerichts- 
hofes, General-Commandos. und von Bildungsanstalten findet sich daselbst 
ein Gymnasium von 7 Klassen, wobei Fachlehrer mit Gehalten von 300 
— 400 Silberrubeln angestellt sind, unter denen sich ein eigener Lehrer 
für die deutsche, und einer für die französische Sprache befinden. Grie- 
chisch wird nicht gelehrt, auch das Latein jetzt wenig mehr betrieben, 
die Unterrichtssprache ist die russische. 

Die Anzahl der Studirenden mag 400 betragen, es sind meist Söhne 
des Adels und der Beamten und tragen eine bestimmte Kleidung (schwarz- 
graue Böcke mit rothen Aufschlägen, Mütze und Mäntel). — Ausserdem 
findet sich in Grodno ein neu erbautes und sehr schön eingerichtetes 
Civilspital mit 62 Betten, und ein weitläufiges Militär-Hospital, bei welchem 
5 Aerzte meist deutscher Abkunft aus Livland angestellt sind. Im Civil- 
spital ist der Boden gewichst, mit Teppichen belegt, die Zimmer gemalt, 
die Wäsche rein, die Bettstellen von Eisen, mit Matrazen u. s. w. 

Alles ist ausnehmend rein und sauber gehalten. Das Spital dient 
bloss zur Aufnahme von Kranken christlicher Confessionen, die Juden 
haben eigene Krankenanstalten. 

Da bei meiner Ankunft ein Befehl zur Tödtung eines Auer- 
ochsen noch nicht eingelangt war, so habe ich darüber an Ein hohes 
k. k. Ministerium meinen Bericht von dorther eingesendet, und um die 
weiteren Verhaltungsregeln gehethen. Etwa 8 Tage nach meiner Ankunft 
traf zwar der allerhöchste Befehl ein, allein da das Grodnoer Governe- 
ment unter dem hohen General -Governement von Wilna steht, und Se. 
Excellenz der Herr General -Governeur von Bibikoff eigens bestimmte, 
es möchte ihm, wenn der Abgesendete von Wien ankäme, darüber Be- 
richt erstattet worden, so verzog sieh mein Aufenthalt in Grodno über 
3 Wochen, während welcher Zeit ich mir hauptsächlich Notizen über 
das Land, den Wald, wo die Auerochsen leben , über die Viehzucht in 
der Umgebung, über Krankheiten der Menschen etc. zu sammeln trachtete. 

Ich wurde sowohl von dem Herrn Governeur General Baron von 
Uoven, als dem Herrn Präsidenten der Domänen- Verwaltung in Lithauen 
Sr. Excellenz von Koshewnikow, dem Obersten der Schützen Herrn D a n i 1 o f f 
auf die zuvorkommendste Weise aufgenommen, und so weit es möglich 
war, auf das Beste unterstützt, wofür ich meinen Dank ausspreche. 

Ich sah im Vorhause des Herrn Governeurs einen ausgestopften 
Auerochsen, der die Länge von 235 Centimeter, und die höchste Höhe 
von 177 Centimeter hatte, besuchte von Grodno aus den Grafen Valicki 
in der Nähe von Icziora, auf seinem Gute Villanowa, sah dort ungarische 
Zackelschafe — eines mit 4 Hörnern — eine ausgezeichnete Zucht von 
Schweizerkühen, endlich einen lebenden männlichen Auer sammt einem 
Bastarde von demselben mit einer Schweizerkuh, worüber ich mir, 
da ich später noch mehrere Auer zu Gesichte bekam, das Wesentlichste 
anzugeben erlaube: 

Die Auerochsen leben im Walde von Bialowesch wild und frei, 
ihre Zahl beträgt nach der letzten Zählung vor 3 Jahren über 1200, 
gegenwärtig dürften wohl bei 1400 vorhanden sein. Ihre Höhe ist die 
eines sehr grossen, erwachsenen Ochsen, ihre Farbe in der Jugend silber- 



ll'»0 Dr Franz Müller. 

grau, ganz gleichförmig, ohne irgend ein Abzeichen, später mit 4 bis G 
Jahren werden sie mehr schwärzlich — ihre Hautfarbe ist dann die 
schönste, die Haare lang, glänzend, später fangen sie an, am Kopf und 
Hals schmutzig-fuchsig, kaffeebraun zu werden, und nach und nach nimmt 
das ganze Thier diese gleichmässige Färbung an. 

Das mag wohl der Grund sein, dass selbst in Bialowesch von Ei- 
nigen geglaubt wird, es gebe im Walde zwei Species der Auer, eine 
kleinere schwärzliche, und eine braune grössere, was aber mit Sicherheit 
als ein Irrthum zu erklären ist. 

Die Winterhaare, welche diese Thiere im October bekommen, sind 
so dicht, wie ein Filz, am ganzen Vordertheil bis über die Schulter viel 
länger als am Hintertheile: ebenso besitzen diese Thiere eine 5 bis 6 
Zoll lange Mähne, und statt des Triels des gewöhnlichen Rindes, der 
ihnen ganz fehlt, eine Reihe Langhaare, in der Mittellinie bis zur Brust, 
die am Kinn als ein Büschel, Bart, angehäuft sind. 

Der Vordertheil des Thieres ist ungemein stark entwickelt, der 
Kopf sehr breit und kurz, der Hals kurz, ungemein dick und mit der 
Schulter zusammenfliessend, der Widerrist sehr hoch in Folge der über 
1 Fuss hohen Stachelfortsätze der ersten Rückenwirbel, scharf vorsprin- 
gend, während das Becken schmal und enge, und das Kreuz viel nie- 
driger erscheint. Da nebstdem die Augen ganz seitlich gestellt sind, 
so bekommen diese Thiere ein wildes, löwenähnliches Aussehen, beson- 
ders in ihren jüngeren Jahren. 

Die weiblichen Thiere unterscheiden sich von den männlichen durch 
ihre kleinere Gestalt, etwas längeren Hörner und ihren schlankeren Hals, 
sonst kommen sie jedoch vollkommen mit den männlichen überein. 

Die Thiere leben, wie schon bemerkt, ganz wild, ohne Unterstände 
für den Winter, sie sind furchtsam, fliehen, namentlich so lange sie jung 
sind, die Menschen in weiter Ferne auf das geringste Geräusch; nur 
alte Männchen bleiben bei Annäherung von Menschen stehen, vertreten 
auch wohl den Weg, so dass man sie umgehen muss, doch greifen sie 
ungereitzt Niemanden an. 

Sie nähren sich von den Gräsern des Waldes, im Winter auch 
von Baumzweigen, Moos, obwohl ihnen auch Heu für den Winter vor- 
bereitet wird, das man bei tieferem Schnee auswirft. Häufig werden je- 
doch auch im Winter bei eintretendem Mangel des Nachts benachbarte 
Bauerhöfe besucht, und die nicht sehr festen hölzernen Scheuern von 
den alten Auern eingerannt, um Nahrung zu bekommen. 

In der Jugend können sie auf leichte Weise gefangen und gezähmt 
werden. Man umstellt mit einigen Hundert Treibern eine Heerde Kühe 
mit ihren Kälbern, lässt nach und nach die Kühe und älteren Stiere aus 
dem Kreise, weil sie sehr scheu sind, während die jüngeren Stücke 
bald ermüden und gefangen werden können. 

So sah ich beim Forstofficier Ernst von Nolde in Lipiny vier 
eingefangene Stücke, von welchen zwei etwa ein halbes, die beiden 
anderen ein Jahr alt sein mochten. 

In der Gefangenschaft nährt man die Thiere mit Heu und Hafer, 
Kälbern gibt man auch Kuhmilch, und rechnet, dass ganz junge Auer- 
kälber die Milch von zwei Hauskühen täglich brauchen. 

Wenn sie eingefangen sind, und stets einen besonderen Wärter haben, 
der sie füttert, so werden sie bald zahm, derart, dass sie an andere Orte trans- 



Mittheilungen über eine Reise nach Grodno in d. Bialowescher-Wald u. über d. Auerochsen. 161 

portirt werden können. So wurden vor mehreren Jahren zwei lebende Stücke 
(Stier und Kalb), je etwa ein Jahr alt, nach London geschickt; zu verschiedenen 
Zeiten gingen lebende Stücke nach Set. Petersburg für das 30 Werste 
davon entfernte kaiserliche Sommerpalais Zarskoje-Selo, und gerade im 
jetzigen Februar soll von den gefangenen Stücken wieder Eines mittelst 
Schlitten dorthin befördert werden. 

Vor etwa 4 Jahren wurden durch allerhöchste Gnade einigen be- 
nachbarten Gutsbesitzern lebende Auerochsen im jungen Zustande verab- 
folgt, um vielleicht durch Paarung mit dem gewöhnlichen Rinde eine neue 
Race zu erzielen, die grösser, stärker, und auf diese Art brauchbarer 
wäre, denn das in jenen Gegenden heimische Rind ist gleich wie das 
Pferd klein und schwach. 

Früher hatte man die Meinung, dass sich die Auer mit dem ge- 
ineinen Rind nicht paaren, was auch noch Eichwald in seiner Beschrei- 
bung von Lithauen im Jahre 1830 aussprach. Graf Leopold Valicki, 
Besitzer von Jeziora, war der erste, der die Paarung eines Auers mit 
seinen vorzüglichen Schweizerkühen einleitete, und dadurch Kälber bekam, 
von denen leider! Alle in Folge einer Seuche bis auf Ein Stück ein- 
gingen, das ich denn auch zu sehen bekam. 

Dieser männliche Bastard im Alter von 2 J / 2 Jahren ist in vie- 
ler Beziehung bemerkenswerth. Derselbe ist etwas über 15 Faust hoch, 
das Yordertheil nur wenig höher als das Hintertheil, so dass das Thier 
in seinem Baue ebenmässiger erscheint. Sein Bart ist kleiner, die Hör- 
ner mehr gerade gebogen, sehr spitzig endend, das Kreuz viel höher 
und stärker, fast gerade verlaufend, der Schweif sehr stark; das Yorder- 
theil ist im Ganzen zarter, feiner und ähnelt mehr der Mutter, während 
die Farbe vom Vater stammt. Es ist dieses Thier übrigens nicht wild, 
hängt an einer Kette, und lässt sich betasten, doch ist es sehr muthig, 
kraftvoll, und wühlte, von der Kette gelöst und frei im Hofraume be- 
lassen, hier mit den Hörnern den Boden auf, warf die Erde in die 
Höhe: was überhaupt auch eine Lieblingsbeschäftigung der alten Auer 
zu sein scheint. 

Auch in Zarskoje-Selo sollen sich nicht nur diese Thiere unter- 
einder in der Gefangenschaft fortgepflanzt, sondern auch Bastarde erzeugt 
haben. Die Trächtigkeit der Auer- sowohl, als auch jener Schweizer- 
Kühe, die mit einem Auerochsen gepaart wurden, dauerte in allen Fällen, 
die man genau beobachtet hatte, ebenso wie beim einheimischen Rinde, 
neun Monate. Mit dem Bastarde zu Jeziora sind seiner Jugend wegen noch 
keine weiteren Kreuzungsversuche angestellt worden; der Herr Graf äusserte 
jedoch, jedenfalls die betreffenden Versuche anstellen und die Resultate 
bekannt geben zu wollen. 

^ach den Beobachtungen, die ich zu machen die Gelegenheit hatte, 
lässt sich der Auer wohl nie so zähmen, wenn er auch als Kalb ein- 
gefangen wird , dass er zum Zuge oder zu einem anderen Gebrauche 
verwendet werden könnte, und auch der Bastard des Grafen Valicki 
ist so muthig, und hat eine solche Stärke, dass an eine Verwendung 
nicht zu denken ist. Jedenfalls dürften die Versuche der fortgesetzten Paarung 
sehr interessante Ergebnisse liefern. 

Auch Herr von Zavacki in der Nähe von Bialystok, hält zwei ganz ge- 
zähmte Auer verschiedenen Geschlechtes, die jedoch noch zu jung sind, um 
zur Zucht verwendet zu werden. 

Mittheilungen der k. k. geogr Gesellschaft. III. Bd. 2. Heft. * 



162 



Dr. Franz Müller. 



Nach von Wilna eingelangter Bewilligung zur Tödtung zweier älterer 
Auerstiere, von welchen der Eine für Wien, der zweite für Stuttgart bestimmt 
ist, verfügte ich mich am 19. December über Byalistolc in den Bialowescher-Wald. 

Die Entfernung von Grodno bis Lipiny am Saume des Waldes, wohin ich 
angewiesen war, beträgt etwa 20 Meilen, 



* } :* 




Plan des Waldes von Bialowesrha im Pniscbanschen Kreise des Grodnoer Governeiuents. 



(1) Gnilez. (2) Narewka. (3) Gustchewo. (4) Massewo. (5) Kol. Tscholo. (0) Zichawola. 
(7) Browsk. (8) Borzi. (9) Nowosadi. (10) Dubini. (11) Lipiny. (12) Iiainoiska. (13) Stotschok. 
(14) Pristawka. (15) Podolani. (10) Oreschkow. (17) Stolpowisz. (18) Roschkowka. (19) Königs- 
brücke. (20) Kiwatschin. (21) Bialowesch. 



Mitteilungen über eine Reise nach Grodoo in d. Bialowescher-Wald u. über d. Auerochsen. 163 

Der Bialowescher-Wald, von dem ich, als einzigem Orte in Europa, 
wo diese Thiere noch vorkommen, nebenstehende Zeichnung beifüge, liegt 
im Pruschan'sehen Kreise des Grodno'schen Governements auf einer Ebene. 
Er besteht grösstentheils aus Kiefern, wenigen Fichten, zuweilen mit Eichen 
und Birken untermischt. Erstere haben eine bewunderungswürdige Höhe 
und Schlankheit, und sind diejenige Holzgattung, die im Walde ausge- 
hauen, von dort im Frühjahre auf dem Niemet) als Schiffsbauholz, nament- 
lich für Mastbäume bis nach England versendet und theuer bezahlt wird. 
Es grenzt dieser Wald an den Wolkowyskischen, Belskischen und Brests'- 
schen Kreis, hat die Grösse von 112079 Dissitin, von welchen 106568 
Dissitin Wald, und das übrige mitten im Walde Feld ist. Eine Dissitin 
hat etwa 2400 Quadrat-Faden, ein Faden 7 Fuss, und davon einer 12 
englische Zoll. Nach anderen Angaben hat er 1050 Quadrat- Werste, von 
welchen 7 eine Kurrent- und 49 eine Quadrat-Meile ausmachen. 

In früheren Zeiten war die eigentliche Pusszta (Wald) viel grösser; 
sie hiess Pole sie, und bildete eine unermessliche Waldkette, welche 
sich von den Pinskischen Sümpfen durch das Minskische, Grodno'sche 
und Wilnaer Governement bis zum rechten Ufer der Düna und dem 
See Peipus ausdehnte. 

Woher der Name Bialowesch stamme, ist nicht ausgemacht; vielleicht 
stand hier einmal ein weisser Thurm, worauf der Name deutet. Denn 
in den früheren Zeiten unter den polnischen Königen war es gebräuchlich, 
zur Erinnerung an ausserordentliche Begebenheiten, Jagden etc. Denkmale 
zu errichten; so findet sich mitten in Bialowesch ein Denkmal von König 
August III. vom Jahre 1752, eine steinerne, ziemlieh hohe Pyramide zur 
Erinnerung an eine grosse Jagd, darauf an zwei Seiten deutsche, 
an den anderen zwei polnische Aufschriften angebracht sind. 

Theils durch Aushauen der Wälder, theils durch Schenkungen wurde 
die Pusszta verkleinert; so wurden unter der letzten polnischen Begierung 
dem Grafen Tieschkie witsch 25000 Dissitin, und von der Kaiserin 
Katharina II. dem Grafen Bomanzow 20000 Dissitin Waldes geschenkt. 

In früheren Zeiten bei grösserem Holzreichthum gab es daselbst 
Eisenhütten, Glassfabriken, Pottaschesiedereien, Sägemühlen, und die Bienen- 
zucht wurde stark betrieben ; an vielen Stellen waren Theersiedereien 
und Kohlenbrennereien. Im Jahre 1530 wurden die ersten Förster und 
Schützen angestellt, deren Hauptaugenmerk die Hegung des Wildes war. 
Im Jahre 1710 geriethen alle Fabriken in Verfall, nur die Bienenzucht 
wurde noch stark betrieben, 1767 verboth Graf Tiessen hausen die 
freie Holzung, und theilte den Wald ein; unter der Kaiserin Katharina II. 
kam er an Bussland, und es wurden grosse Stücke desselben abgetrennt. 
Kaiser Alexander I. verboth 1803 zur Schonung des Wildes die grossen 
Jagden. Unter dem jetztregierenden Kaiser, Sr. Majestät Nicolai I. 
Pawlo witsch, wurde der ganze Wald vermessen, taxirt und in fünf 
Forsteien getheilt. Die jährlichen Einkünfte können jetzt bei 121000 B. 
Silber betragen. 

Die fünf Forsteien sind: Die Bialowesclfsche, Browskysche, Hoy- 
nowskysche, Stolpowyskische und Korolew-Mostowskysche. Jede derselben 
zerfällt in zwei Unterforsteien, und in jeder finden sich eine Anzahl 
Schützen, im Ganzen 79 Familien. 

Das Verhältniss Letzterer ist etwa derartig, wie es bei uns in der 
Militärgrenze zu treffen. Jede Familie muss wenigstens 3 männliche Glie- 

1* 



164 Dr. Franz Müller. 

der haben, von welchen der Eine der eigentliche Schütze, der zweite 
Gehilfe und der dritte Reserve-Schütze ist. Der ganze Wald ist in 79 
Obhody getheilt, über deren jede ein Schütze unabhängig von dem andern 
die Aufsicht führt; die Grenzen der einzelnen Obhody sind durch aus- 
gehauene Bäume rechtwinklich bezeichnet. Jeder Förster hat eine bestimmte 
Anzahl Schützen zugetheilt, und von ersteren ist wieder jeder einzelne 
dem Anderem gleichgestellt, über alle ist ein Forstrevident gestellt, und 
sämmtliche unterstehen dem Obersten Daniloff in Grodno. 

Die Schützen haben keine Besoldung, sondern jede Familie hat 40 
Dissitin Land von der Krone zur Bebauung; ein Krons- und Nebenge- 
bäude, jeder dienende Schütze hat ausserdem von der Krone Flinte, 
Munition und die Löhnung eines gemeinen Soldaten. 

So ist die Eintheilung in allen Kronforsteien des gesammten rus- 
sischen Reiches, und man sagte mir, dass bei 96000 Schützen auf 
diese Weise im Reiche zerstreut seien, die gelegentlich auch im 
Felde verwendet werden, die Förster sind ihre Offiziere. Die Uni- 
form ist schwarzgrau, grüne Aufschläge, silberne Epauletts und weisse 
Knöpfe mit dem russischen Adler. 

Der Schütze hat keine Abgaben, stellt keine Rekruten, seine Kinder 
bleiben in der Forstwache. Sie sind rings um den Saum des Waldes 
angesiedelt, nur in der Mitte ist für sie auch ein Quadrat zu Feld aus- 
gehauen, und ihre vorzüglichste Aufmerksamkeit haben sie auf das Holz, 
weniger auf das Wild, zu richten, sie allein haben das Recht, im 
Walde zu sehiessen. 

Ausser diesen Schlitzen sind rings um den Wald noch 103 Fami- 
lien zum Heumachen für die Auer angesiedelt, welche. Osotschniki heissen. 
Es sind hiefür etwa 500 Dissitin Wiesen bestimmt. 

Von Wild findet man im Walde hauptsächlich die Auerochsen, dann 
auch Elenthiere in den Sümpfen, Rehe, Füchse, Wölfe und einige Bären. 
Hirsche sind im ganzen Governement keine vorfindig, sie sind seit etwa 
60 Jahren ausgestorben. Die Auerochsen sind seit den ältesten Zeiten Bewohner 
dieses Waldes, sie finden sich gegen das Minskische Governement hin 
auch in den ehemals Tieschkiewitsch 'sehen Wäldern, die jetzt gleich- 
falls Staatseigenthum sind. Die Zahl der Auer wurde in Folge der gros- 
sen Jagden allmählig sehr gering, so dass man im Jahre 1822 nur mehr 
350 zählte, später jedoch vermehrten sie sich nach und nach, und zwar 
waren ihrer im Jahre 1830 700 Stücke, jetzt wird die Gesammtzahl auf 
etwa 1400 angegeben, denn bei der letzten Zählung im Jahre 1846 
wurden 1018 alte, 77 junge, dann 3 vor Alter gefallene, 5 von Wölfen 
und 5 von Bären zerrissene aufgeführt. 

Schon unter den polnischen Königen waren sehr strenge Strafen 
auf das Tödten eines Auers gesetzt, auch durfte Niemand in der Nähe 
des Waldes ein rothes Kleid tragen, weil dadurch die Männchen in eine 
Art Wuth versetzt werden; selbst vor etwa 30 Jahren wurde das Tödten 
eines Auers noch schwer geahndet; jetzt, wo ihre Zahl so bedeutend 
ist, und man selbst daran denkt, die ganz alten Auermännchen abzuschiessen, 
weil sie die jüngeren nicht zum Sprunge lassen, sind auch die Strafen geringer, 
und dieselbe ist auf 150 S. R. gesetzt. Die Auer leben im Walde heerdenweise 
zerstreut, zu 30 — 40 Stück und haben ihre bestimmten Standorte, von denen 
sie sich nur selten entfernen. Daher ist auch das Zählen derselben leicht möglich. 



.Mittheilungen über eine Reise nach Grodno in d. Bialoweschei-W.iM u. über d. Auerochsen. 165 

Zu einer vorher bestimmten Stunde zählt jeder Schütze in seinem 
Reviere die Spuren im frischgefallenen Schnee, die dann addirt werden. 
Jeder Schütze kennt genau die Spur des alten von der eines jungen, 
und kann ebenso die eines weiblichen vom männlichen Thier unterscheiden, 
auf diese Weise erhält man ein ziemlich genaues Resultat. 

Nur alte Männchen trennen sich ausser der Brunstzeit von der 
Heerde und leben gesondert, selten auch junge; die Brunst tritt im 
August ein, und dauert 2 — 3 Wochen. Die Kühe tragen bis März oder 
April, also durch 9 Monate. Während der Brunstzeit finden oft heftige 
Kämpfe Statt, wobei häufig ein schwächeres Männchen unterliegt. Die 
Anzahl der von einer Mutter auf einmal geworfenen Jungen ist 1, selten 
2, welche bis nach der nächsten Brunst, also 4 — 5 Monate saugen. 

Die Auer fressen, wie schon erwähnt, die gewöhnlichen Gräser des 
Waldes, aber auch Moos, sollen besonders scharfe Gewächse (Banunkeln, 
Anemonen), junge Blätter von Linden, Pappeln, Ulmen etc., minder jene 
von Birken und Fichten lieben. Meist trinken sie Pfützen wasser und 
schwimmen sehr gut. Im heissen Sommer lieben sie das Wälzen im 
Sande, wozu sie eigene Sandhügel ausgewühlt haben. 

Das dichteste und schönste Haar besitzen die Auer im November; 
im Februar geschieht wieder der Haarwechsel , im Sommer erscheinen 
sie im Allgemeinen lichter. in der Jugend und im Alter grau. 
Das Auerkalb läuft gleich nach der Geburt, die im März oder April erfolgt, 
der Wachsthum geht bis zum 8. Jahre , und es erreichen diese Thiere 
ein Alter von 40 Jahren. Die Auerkühe sollen nur jedes dritte Jahr 
ein Junges haben, wesswegen sich diese Thiere auch so langsam ver- 
mehren. Ihr Gang ist langsam, doch können sie auch sehr schnell laufen, 
wobei sie den Kopf senken, und den Schweif in die Höhe gebogen 
tragen, allein sie ermüden alsbald und werden auf diese Weise beson- 
ders als Kälber leicht gefangen. Ganz jung cingefangene Auerkälber neh- 
men sehr gerne die Euter der Hauskühe an, und können so aufgezogen 
werden. Schon in früheren Jahren reisten besonders aus Bussland Männer 
der Wissenschaft nach Bialowesch, um diese Thiere genauer kennen zu 
lernen. Die erste genaue Beschreibung besonders in osteologischer Be- 
ziehung lieferte Professor Bojanns aus Wilna. 

Er gibt die Zahl der Bippen auf 14 an (1 mehr als heim gewöhn- 
lichen Bind) und behauptet (irriger Weise), dass im Gegensatze zu den 
Männchen die Weibchen bloss 13 Bippenpaare haben; wahrscheinlich mochte 
ihn ein dergleichen Exemplar verführt haben. — Eichwald. Mitglied der 
Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, Staatsrath etc., früher 
Professor in Wilna, berichtet in seiner ausgezeichneten „Naturhistorischen 
Skizze von Lithauen, Volhynien und Podolien in geognostischer, minera- 
logischer, botanischer und zoologischer Hinsicht — Wilna 1830" jenen 
Irrthum. Später hielt sich ein Professor aus Kiew längere Zeit in Bia- 
lowesch auf, ebenso Director Ja rocki aus Warschau, und im Jahre 1847 
brachte das Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg 
— Middendorf — längere Zeit daselbst zu, die Auerochsen zu studiren. 

Ich fand in der III. Forstei beim Forstofficier, Herrn Ernst von 
Nolde, sowie beim Herrn Forstrevidenten Adolf Eichwald, die zuvor- 
kommendste und gastfreundlichste Aufnahme, namentlich war es von Nolde, 
der sich sowohl um das schnelle Zustandekommen der Jagd die grösste 
Mühe gab, als auch zur Tödtung des für Wien bestimmten grösseren Auers 



166 Dr. Fr. Müller. Mittheilangen über eine Reise nach Grodno in (LBialowescherwaldu. über d. Auerochsen. 

das Meiste beitrug, da letzterer erst Dach mehr als 12 beigebrachten 
Kugeln stürzte, nachdem er zuvor durch übel angebrachte Schüsse in 
Wuth versetzt, einen Schützen niederrannte, und einen bei der Jagd an- 
wesenden Professor des Gymnasiums aus Grodno (Sengbusch) mit den 
Hörnern einige Ellen hoch in die Luft schleuderte. Doch war der Fall 
zur Erde so glücklich, dass derselbe mit einigen Contusionen und Haut- 
abschürfungen davon kam. 

Am 23. December wurde der für Württemberg bestimmte, und am 
25. der für Wien geschossen. Ich war bei beiden Jagden anwesend, 
ohne jedoch selbst auf die Thiere anzulegen. Die Länge des Erster- 
legten betrug 7 Fuss 2 Zoll oder 257 Cent., die höchste Höhe in der 
Gegend des Widerristes 4 Fuss 8 Zoll oder 167 Cent., die höchste 
Höhe in der Mitte der Croupe 4 Fuss. 

Der für Wien Erlegte hatte die Länge von 8 Fuss, die Höhe 
von 4 Fuss 11 Zoll in der Gegend des Widerristes, und die höchste 
Höhe in der Mitte der Croupe von 4 Fuss 8 Zoll. 

In Bezug des Gewichtes konnte der für Wien bestimmte grössere 
Auer auf 14 — 15 Zentner geschätzt werden. L'nter König Stanislaus 
August von Polen soll im Jahre 1754 am 27. September ein Auerochs 
mit dem Gewicht vor 45 Pud (1 Pud = 40 Pfund) und von König 
Sigismund früher einer mit 19 Centner erlegt worden sein. 

Ich führte schon an, dass das Haupt-Erträgniss des Waldes im 
Holzverkaufe bestehe, Aeste jedoch und vom Winde umgeworfene Baum- 
stämme in mächtiger Dicke, und zuweilen klafterhoch übereinander gela- 
gert, andere durch Auer entwurzelt, verfaulen, besonders gegen die Mitte 
des doch ebenen Waldes, noch heut zu Tage, und bilden Tortlaser für 
künftige Zeiten. 

Da die grusse Eisenbahn von Warschau nach Set Petersburg in 
der Nähe verlaufen wird, und schon im jetzigen Frühjahr der Bau über 
Bialystok, Grodno, Wilna etc. auf Allerhöchsten Befehl beginnen soll, so 
dürfte dieser herrliche Wald auch jene Wichtigkeit erlangen, die er seines 
ausgezeichneten Bauholzes wegen verdient. Es ist derselbe ein grosses 
Kapital, dessen Zinsen sich jährlich steigern werden, sobald Bahnen sich 
in seine Mitte abzweigen, und das Holz herausbefördern, das jetzt trotz 
des ebenen Bodens wegen der Fuhren zu theuer zu stehen kommt, selbst 
wenn es im Innern des Waldes umsonst zu haben ist. 

Nachdem ich die erlegten Auer abgehäutet, abgefleischt, und Häute 
und Knochen gehörig eingesalzen verpackt hatte, trat ich meine Rückreise 
über Bialystok nach Warschau an, von wo ich am 11. Jänner 1852 nach 
58tägiger Abwesenheit glücklich in Wien ankam. 

Ich erlaube mir am Schlüsse noch einmal allen jenen Herren, mit 
denen ich in Grodno und Lipiny in Berührung kam, meinen verbindlich- 
sten Dank für jene liebevolle, gastfreie und zuvorkommende Aufnahme 
auszudrücken, die mir zu Theil wurde, namentlich dem Herrn Präsidenten 
der Domänen- Verwaltung Sr. Excellenz von Koshewnikow und dem 
Obersten Daniloff in Grodno, dann dem Forstrevidenten Eichwald und 
dem Forstoffizier Ernst von Nolde in Lipiny; ferners bringe ich dem 
k. k. österreichischen G eneral - Consulate in Warschau für die 
bereitwillige Unterstützung während meines Aufenthaltes daselbst meinen 
schuldigsten Dank dar. 



XIT. 

Dr. Johann Wilhelm Helfer's gedruckte und ungedruckte Schriften 
über die Tenasserini Provinzen, den Mergui Archipel und die 

Andamanen- Inseln. 

(Mitgetheilt in der Versammlung der k. k. geogiaph. Gesellsch.ft am 22. März 185#.) 

Vorwort. 

In der Versammlung der k. k. geographischen Gesellschaft vom 3. Februar 
1857 theilte Herr Dr. K. Scherz er mit, dass ihm während seiner letzten 
Anwesenheit in Berlin, wo er sich Behufs Einholung von Instructionen 
und allgemeiner Orientirung für die eben anzutretende Erdumsegelungs- 
Expedition durch die k. k. Fregatte „Novara" vor Kurzem aufhielt, Pro- 
fessor K. Ritter bemerkte, dass der Nachlass des auf den Andamanen- 
Inseln ermordeten Dr. W. Helfer aus Prag, welcher längere Zeit für 
das naturhistorische Museum in Calcutta thätig war, zahlreiches interessantes 
Material über die Nicobarischen Inseln, deren Besuch von der „Novara" 
beabsichtigt wurde, enthalten solle. In Folge dessen wendete sich Herr 
k. k. Schulrath Dr. M. Becker sogleich an die Witwe Dr. Helfer's, 
gegenwärtige Frau Gräfin Pauline Nostitz mit der Bitte um einige nähere 
Angaben über diesen Gegenstand: letztere hatte nicht nur die Güte in 
einer sehr freundlichen Antwort mitzutheilen, dass über Dr. Helfer's letzte 
und interessanteste Reise nur sein Tagebuch existire, und sie bereit sei, 
Hrn. Dr. Scherzer alle darauf bezüglichen Papiere übermitteln zu lassen, 
und selbst manche Fragen zu beantworten, sondern es konnte Herr Dr. 
Scherz er noch vor seiner Abreise mit der „Novara" in der Versamm- 
lung am 3. März 1857 die erfreuliche Nachricht mittheilen, dass die 
Frau Gräfin P. Nostitz in einem an ihn gerichteten Schreiben sich freund- 
lichst bereit erklärt habe, die hinterlassenen wissenschaftlichen Beobach- 
tungen Dr. Helfer's der k. k. geographischen Gesellschaft zur Verfü- 
gung zu stellen, und dass sie eben im Begriffe sei, diese Papiere von 
ihrem in Ungarn befindlichen Gute nach Wien zu senden. 

Nur mit. dem grössten Danke konnte die k. k. geographische Ge- 
sellschaft ein solches wohlwollende Anerbiethen annehmen, durch das es 
ihr möglich werden sollte, über die vielfältigen und ausgedehnten Reisen 
eines österreichischen Naturforschers in Asien detaillirtere Kenntniss zu 
erlangen, als diess aus den äusserst wenigen, meist unzusammenhängenden 
Daten, welche in verschiedenen europäischen Druckschriften über Dr. W. 
Helfer's Reisen und deren Ergebnisse in die Oeffentlichkeit gelangten, 
möglich ist. 

Bald darauf erhielt auch Herr Hofrath Hai ding er, damals Präsident 
der Gesellschaft, der sich nun selbst mit der Frau Gräfin in Verbindung 
setzte, die in Aussicht gestellten Schriften, theils schon gedruckte Be- 
richte, theils noch ungedruckte Tagebücher, zum kleinsten Theile in 
deutscher, meist in englischer Sprache geschrieben; und durchaus nur 
auf Dr. Helfer's Aufenthalt und wissenschaftliche Thätigkeit in Hinter- 
Indien bezüglich. Herr A. F. Graf von Marschall hatte die Gefälligkeit, 

Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft III. Band 3. Heft. ^U 



168 Dr. Johann Wilhelm Helfer's 

sogleich die Uebersetzung dieser Materialien ins Deutsche zu übernehmen 
und auszuführen. Nachdem mir alle diese von der Frau Gräfin Nostitz 
übersendeten und von Herrn Grafen Marschall bereits übersetzten Schriften 
zum weiteren Gebrauche für die k. k. geographische Gesellschaft über- 
geben wurden, hatte ich dieselben in der Versammlung am 22. März 
1. J. vorgelegt, und eine kurze Uebersicht des Inhaltes gegeben. Bei 
dem grossen Interesse, das dieselben hervorriefen, und bei dem Umstände, 
dass nur ein kleiner Theil in ostindischen Journalen veröffentlicht, eilt 
anderer nur als Manuscript gedruckt, und ein Theil, namentlich die Ta- 
gebücher, gar nicht gedruckt ist, wurde beschlossen, diese sämmtlichen 
Schriften in den Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft zu 
veröffentlichen, und hiedurch nicht nur einen ziemlich vollständigen Ueber- 
blick der Thätigkeit Dr. Helfer's in jenen Ländern zu geben, sondern 
auch Manches selbst jetzt noch für jene Gegenden Neue und Interes- 
sante der Oeffentlichkeit zu übergeben. 

Bevor ich jedoch diese Mittheilungen näher berühre, erheischt es 
nicht nur die Pflicht, sondern auch das allgemeine Interesse an dem 
thatenreichen Leben Helfer's, als eines unserer eifrigsten gelehrten Lands- 
leute im fernen Osten, seiner selbst und seiner ausgeführten Reisen wenig- 
stens im Allgemeinen zu gedenken. 

Johann Wilhelm Helfer war in Prag unter Verhältnissen geboren, 
welche eine freundliche Aussicht auf dessen Leben gestatteten; er studirte 
in seiner Vaterstadt die Medizin, und wie diess so oft geschieht, hatte 
sich bei ihm während dieser Studienzeit die Vorliebe für Naturwissen- 
schaften im hohen Grade ausgebildet. Seine Neigung zum Reisen veran- 
lasste ihn nach zurückgelegten Studien eine Reise nach dem Süden 
Europa's, nach Italien zu unternehmen, auf dieser Reise lernte er Pauline 
Baronin Des Granges von Berlin kennen, welche er auch zwei Jahre 
später heirathete. Diese Heirath war jedoch nicht im Stande, seinen Hang 
zu Reisen zu unterdrücken; im Gegentheil wurde derselbe bald so heftig, 
dass er ihm nicht widerstehen konnte, nnd sich entschloss, auf längere 
Zeit entfernte Länder zu besuchen, wobei namentlich Asien sein Zielpunct 
war. Nicht nur ohne Widerstreben , sondern mit der grössten Freude 
entschloss sich seine junge Gattin ihm überall hinzufolgen. Als erstes Reise- 
ziel wurde Smyrna gewählt. Durch naturwissenschaftliche Kenntniss trefflich 
vorbereitet, mit einer reichen Sprachkenntniss ausgestattet, und mit einem 
ungemein grossen Sprachentalente begabt, war Dr. Helfer für ausser- 
europäische Reisen wie geschaffen. Er wollte nicht nur reisen, sondern 
er wollte Länder und Völker kennen lernen, und die Thätigkeit der Natur 
in den verschiedenen Zonen belauschen. In Smyrna gedachte Helfer sich 
gleichsam für seine weitern Reisen vorzubereiten. Desshalb liess er sich 
hier als practischer Arzt nieder. Doch die Bekanntschaft mit zwei afgha- 
nischen Prinzen bewog ihn sehr bald, Smyrna zu verlassen und in Be- 
gleitung seiner Gemahlin mit einer Karawane nach Bagdad zu ziehen. 
Auf dem Wege dahin hatte er jedoch grosses Unglück. Die Karawane 
wurde überfallen und Dr. Helfer aller seiner Habe beraubt, so dass er 
mit seiner Gattin ganz mittellos in Bagdad ankam. Es war diess im 
Jahre 1835, um welche Zeit sich die englische Euphrat-Expedition unter 
Colonel Chesney in Port William unterhalb Bir am Euphrat befand, 
und mit der Zusammensetzung ihrer beiden Dampfschiffe „Tigris" und 
„Euphrat" beschäftiget war. Durch Vermittlung des englischen Consuls in 



gedruckte und ungedruckte Schriften über die Tenasseiim Provinzen etc. jßg 

Bagdad gelang es £>r. Helfer, als Arzt und Naturforscher zur Theil- 
nahme an dieser Expedition beigezogen zu werden. Während der ganzen 
Zeit, als sich unser Reisender bei der Expedition befand, war er unge- 
mein thätig in der Aufsammlung naturhistorischer Notizen und Sammlungen, 
wie diess einige in jener Zeit von ihm nach Europa gelangten Briefe, 
so wie die zahlreichen Daten, welche K. Ritter in seiner Erdkunde 
über West-Asien (X. und XI. Band) von ihm benützten konnte, beweisen. 
So lange man mit der Ausrüstung der beiden Dampfboote in Port William 
beschäftiget war, machte er in Begleitung von Colonel Chesney und 
Ainsworth, dem Naturforscher der Expedition, weite Excursionen nach 
den nördlichen Syrien und in die oberen Euphratländer, welche von den 
günstigsten Erfolgen gekrönt waren ; eben so thätig war er dann wäh- 
rend der Thalfahrt, welche erst in der Mitte des Monats Mai 1836 in 
Gang gebracht werden konnte, und welche mit dem Untergänge des 
„Tigris" am 21. Mai 1836 gleichsam begann. Schon am 19. Juni 1836 
kam der „Euphrat" in Busra an, und kurze Zeit darauf warf er vor Buschir 
an der Ostküste des Persischen Meerbusens die Anker. Dr. Helfer ver- 
liess mit seiner Gattin sogleich das Schiff, um nach ganz kurzem Aufent- 
halte in Buschir quer durch Persien so rasch wie möglich gegen Indien 
vorzudringen; denn schon am 24. August desselben Jahres finden wir 
ihn an den Hoogly-Mündungen, wo er zwei flüchtige Excursionen, die 
eine bei Kedgeree, die andere bei Diamond Harbour machte. In Calcutta 
angelangt, verweilte er daselbst nur einige Tage, und begab sich dann 
in das nahe Cossipoor, wo er sich die Monate September und October 
aufhielt, und hierauf wieder nach Calcutta zurückkehrte. Durch einige 
lehrreiche und anziehende Vorträge in der „Asiatic Society of Bengal" 
machte sich Helfer auf eine äusserst vortheilhafte Weise bemerkbar, 
indem er zeigte, wie wenig noch in dem naturhistorischen Fache in Indien 
geschehen, und wie reichhaltig doch das Feld sei. Dem damaligen Gou- 
verneur Lord Auckland vorgestellt, gab dieser ihm bald Gelegenheit, 
Proben seiner Fähigkeiten abzulegen, deren Folge war, dass Helfer eine 
Anstellung als Naturforscher bei der ostindischen Compagnie unter sehr 
vortheilhaften Bedingungen erhielt. 

Seine erste Aufgabe, die ihm die Regierung gab, war die Durch- 
forschung der Tenasserim-Provinzen; an deren Lösung er sich ohne Auf- 
enthalt machte, denn schon am 21. Jänner 1837 schiffte er sich mit 
seiner Gattin, die ihn stets, auch auf den folgenden Reisen, begleitete, 
nach Hinter-Indien ein. Dr. H. M. Schmidt-Goeb el führt in dem Vor- 
berichte seiner „Faanula Coleopterorum Birmaniae" etc. dem ich meh- 
rere der hier angeführten Daten über Dr. Helfer entlehne, an, dass er 
am 9. Februar 1837 in Mergui ankam und dort bis zum 3. März blieb; 
am 4. März schon seine erste Reise in die nördlich und nordöstlich 
gelegenen Landstriche antrat. Es scheint hier ein Irrthum obzuwalten; 
wahrscheinlicher ist, dass Helfer sich von Calcutta unmittelbar nach Maul- 
main einschiffte, wie I. G. Sommer in seinem Taschenbuch zur Ver- 
breitung geographischer Kenntnisse für 1839 Seite CXLVIII. angibt, und 
von hier seine erste Reise am 4. März 1837 in der Provinz Amherst 
nach dem nördlich und nordöstlich gelegenen Landstriche antrat. Er 
fuhr den Salween-Fluss hinauf, bis zum 21. März 1837, wo ihn die 
unüberwindliche Strömung umzukehren nöthigte, und er den Yengbaing- 
Fluss, der in den ersteren mündet, aufwärts fuhr; auf dem er am 5. April 

m* 



170 Dr. Johann Wilhelm Helfer's 

das Kalkgebirge „die Büffelberge u und am 7. April' das höhere Elephant- 
tail-Gebirge durchschnitt. Am 11. April schiffte er sich, nachdem er den 
Yengbaing verlassen hatte, auf dem kleinen Dachiny-Flusse (Dagyaing?) ein, 
und kam am 19. April 1837 wieder in Maulmain (wohl richtiger als Mergui 
nach Dr. H. M. Schmidt-Goebel) an. Vom November 1837 bis Mai 1838 
führte er eine grössere beschwerliche mit vielen Strapazen und Entbeh- 
rungen verbundene Landreise von Maulmain über Ye und Tavoy nach 
Mergui aus. Er fuhr im November von Maulmain den Attaran-Fluss auf- 
wärts, zog dann mit Pferden und Elephanten in den Junglen und Wäl- 
dern des Flachlandes zu Lande weiter, bis er am 29. am Gebirge an- 
langte, welches er bis zum 7. December 1837 durchwanderte. Am 8. kam 
er bei den drei Pagoden an, welche die Gränze zwischen der brittisch- 
birmesischen Provinz Tenasserim und Siam bezeichnen. Am 10. trat ei- 
serne Rückreise an, verfolgte bis zum 13. den alten Weg, und wollte 
dann nach Ye, allein er verfehlte die Richtung, und irrte in den unbe- 
wohnten Urwäldern herum, bis er endlich am 20. December zwei Tage- 
reisen nördlich von Ye, aus der Einöde herauskam, und am 22. Dec. 

1837 Ye selbst erreichte. Von hier brach er am 2. Jänner 1838 auf, 
und nahm seinen Weg anfänglich durch Niederungen, dann durch das 
Bergland, so wie später durch die Lagunen des Hinzu-Flusses, und längs 
des Meeresufers gegen Tavoy, das er am 18. Jänner 1838 erreichte, 
und von hier vom 1. bis 9. Februar einen in östlicher Richtung nach 
Metamio, so wie nach den dort befindlichen Zinngruben unternahm. Am 
17. Februar 1838 verliess Helfer wieder Tavoy, und reiste bis zum 
19. durch die kultivirtesten Gegenden dieser Provinz nach Towugbiaun, 
wo er sich bis zum 23. aufhielt. Am 24. verliess er wieder letztge- 
nannten Ort und gelangte theils zu Land, theils in Booten nach Palou, 
am 1. März 1838, wo er bis zum 6. März verweilte; von hier gelangte 
er in östlicher Richtung an den Tenasserim-Fluss und fuhr diesen strom- 
abwärts nach Mergui. Von hier fuhr er nochmals den Tenasserim auf- 
wärts, neun Tagreisen von Mergui, und auf einer dritten Tour längs 
dem Tenasserim gelangte er bis zu dem hohen Tafellande, welches den 
oberen Theil des Istmus von Kraw von der Bucht von Siam scheidet, 
so wie bis in die kohlenführenden Gegenden, und kehrte sodann nach 
Mergui zurück, wo er etwa zu Anfang Mai 1838 eintraf. Diese ganze 
Reise von Maulmain nach Mergui war vielleicht die wichtigste, die Helfer 
in Hinter-Indien ausführte; denn ein grosser Theil der von ihm durch- 
reisten Gegenden war vor ihm noch von keinem Europäer betreten. 

Dr. Helfer Hess sich nun in Mergui förmlich nieder, und setzte 
hier seine Thätigkeit ungeschwächt fort. Er erstattete an die ostindische 
Regierung mehrere Berichte über die Resultate seiner Reisen, sämmtlich 
in englischer Sprache geschrieben. Der erste Bericht „Amherst Toivn 
in the Tenasserim provinces" wurde von ihm noch in Maulmain am 
15. September 1837 geschlossen, und wahrscheinlich von dort auch nach 
Calcutta abgeschickt. Der zweite Bericht, über seine Reise von Maulmain 
nach Mergui: „The provinces of Ye, Tavoy and Mergue on the Tenas- 
serim coast; visited and examined by order of governement with the 
vieiv to develop their natural resources," wurde von ihm am 23. Juli 

1838 in Mergui abgeschlossen. Später verfasste er noch einen dritten 
und vierten Bericht: „Third Report on Tenasserim — the surrounding 
nations, — Inhabitants, natives and Foreigners — Char acter, Morals 



gedruckte und ungedruckte Schriften über die Tenasserim Provinzen etc. 171 

Religion," und „Fourth Report on the Tenasserim Provinces considered 
as a resort for Europeans." Die beiden ersten Berichte wurden von 
der ostindischen Regierung nur in der gewöhnlichen offiziellen Weise in 
Folio-Format veröffentlicht*) während die beiden letzteren sich auch in 
dem „Journal of the Asiatic Society of Bengal" unter denselben Titeln 
befinden.**) Ebenfalls in Folge seiner Reisen erstattete Dr. Helfer noch 
folgende Berichte an die Ostindische Compagnie: „Report of the Cool 
discovered in the Tenasserim Provinces, — Papers relative to the New 
Goal Field of Tenasserim" und „Note on the Animal productions of the 
Tenasserim Provinces/' welche alle drei ebenfalls in der oben erwähnten 
Zeitschrift veröffentlicht wurden.***) 

Nach den Angaben Dr. H. M. Schmidt-Göbel in dem bereits 
erwähnten Vorberichte seiner „Faunula Coleopterorum Birmaniae" soll 
Dr. Helfer von Mergui im Monat October 1838 eine Reise nach Cal- 
cutta unternommen haben, von der er im Monate November desselben 
Jahres zurückgekehrt sei. Während dieses Aufenthaltes in Calcutta scheint 
Dr. Helfer den Auftrag erhalten zu haben, den Mergui Archipel an der 
Westküste von Tenasserim zu untersuchen. Er machte sich auch sogleich 
ans Werk, denn schon am 28. Nov. 1838 sehen wir ihn zu diesem Zwecke 
Mergui verlassen, und seine Aufgabe in der Zeit vom 28. Nov. 1838 bis 
21. April 1839 vollständig lösen. Er führte innerhalb dieser Zeit von Mergui 
aus, wohin er immer wieder zurückkehrte, um sich mit Lebensmitteln zu ver- 
sehen, sechs verschiedene Fahrten nach den verschiedenen Inseln des Archi- 
pels aus, welche er beinahe alle besucht, und die meisten der grösseren 
wenigstens untersucht hatte. Die äusserst interessanten Resultate dieser 
Fahrten, auf welchen er ebenfalls von seiner muthigen und wahrhaft auf- 
opfernden Gattin begleitet wurde, sind in einem Tagebuche niedergelegt, 
welches gleichsam als Bericht für die Ostindische Compagnie geschrieben zu 
sein scheint, das jedoch bisher nirgends veröffentlicht wurde, und dessen Mit- 
theilung die k. k. geographische Gesellschaft der Frau Gräfin Nostitz verdankt. 

Kurze Zeit nach Beendigung der Untersuchungen des Mergui Archi- 
pels hatte Dr. Helfer im selben Jahre noch vor Beginn des Monsoons 
einen Ausflug nach dem neu entdeckten Kohlenfelde am Tenasserim aus- 
geführt. Mit diesem Ausflüge scheinen seine Reisen für das Jahr 1839 
abgeschlossen gewesen zu sein, da sich nirgends irgend welche Andeu- 
tungen vorfinden. Erst zu Anfang des Monates Jänner 1840 finden wir 
den rastlosen Reisenden wieder auf einer Seefahrt, welche für ihn leider 
zugleich die letzte Lebensfahrt werden, und von der er in die Arme 
seiner Gattin, welche diessmal in Mergui zurückgeblieben war, nicht 
wieder zurückkehren sollte. Er verliess am 13. Jänner 1840 in Reglei- 
tung seines jungen Schwagers Otto Freiherrn Des Granges auf dem 
Schooner „Catarina" Mergui, um sich auf die Andamanen-Inseln zu begeben, 
und diese Inselgruppe, deren Rewohner durch ihre Wildheit berüchtigt 
waren, zu untersuchen; er hatte dieselben auch glücklich erreicht, und 
einige der Inseln auch besucht ohne auf Einwohner zu stossen. Erst 
am 29. Jänner hatten sich auf einer der nördlichen Inseln Wilde gezeigt; 
einer derselben wagte sich auch vor, und wurde von Helfer noch mit 



*) Calcutta: G. H. Huttmann, Bengal Military Orphan Press. 1839. 
**) Volume VIII. pag. 973. und Vol. IX. pag. 155. 
***) Volume VII. pag. 701. — Vol. VIII. pag. 385 und Vol. VII. pag. 855. 



172 Dr. Johann Wilhelm Helfer's 

Cocosnüssen beschenkt; als jedoch eine Schüssel, welche ihnen zum 
Wasserholen übergeben wurde, in ihren Händen zerbrach, zogen sie sich 
zurück, und waren zur Annäherung nicht mehr zu bewegen: und als 
am 30. Jänner Helfer abermals ans Land stieg, in der Absicht, doch 
noch einen Versuch sich ihnen zu nähern, zu machen, wurde er mit 
seinen Begleitern plötzlich von ihnen überfallen; Dr. Helfer und seine 
Leute suchten nun in aller Eile schwimmend das Schilf zu erreichen, 
was auch allen gelang, bis auf Dr. Helfer selbst, der im Schwimmen 
von einem der vergifteten Pfeile, die ihnen die Wilden nachgesendet 
hatten, am Kopfe der Art verwundet wurde, dass er sogleich untersank, 
um nie wieder aufgefunden zu werden. Auf eine so elende Weise musste 
ein Mann zu Grunde gehen, der nur dem natürlichen Drange nach Er- 
weiterung seines Gesichtskreises und seiner Kenntnisse folgend, den heimat- 
lichen Herd verliess, um einen Theil der Erde zu durchwandern, allen 
Strapazen und Gefahren Trotz zu biethen, und nur das eine Ziel der 
Förderung der wissenschaftlichen Kenntnisse der Erde im Auge zu be- 
halten. Das Tagebuch über diese letzte so unheilvolle Reise, von seiner 
Hand in deutscher Sprache geschrieben, bewahrt noch die Frau Grätin 
Nostitz, und sie hatte ebenfalls die Güte, dasselbe der Gesellschaft zur 
Benützung zu überlassen, zugleich aber auch durch die Darstellung der 
Ereignisse am 30. Jänner 1840 zu ergänzen. 

Der Aufenthalt Dr. Helfer's in Mergui selbst muss demselben nach 
den Mittheilungen seiner Gemahlin viele Annehmlichkeiten gebothen haben. 
Ausser seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte er sich mit der 
Anlage eines Gartens und von Plantagen von Areccapalmen, von Cocos-, 
Muskatnuss- und Kaffeebäumen, welche vortrefflich gediehen. Leider gingen 
diese Plantagen, welche nach seinem Tode durch eine Donation an die 
Witwe von 4000 engl. Acres vermehrt wurden, trotz aller Anstrengungen 
zu Grunde. Die Frau Gräfin P. Nostitz hatte die besondere Gefälligkeit, 
über Dr. Helfer's Plantagen und ihre weiteren Schicksale einige Auf- 
schreibungen zu machen, die ich hier zur Ergänzung der vorhergehenden 
Darstellung wörtlich folgen lasse : 

„Angezogen von der Mannigfaltigkeit und Ueppigkeit der herrlichsten 
Tropenvegetation, wurde es bald eine Lieblingsbeschäftigung Dr. Helfer's, 
in Mergui einen Garten anzulegen, indem er nicht nur alle dort schon 
einheimischen Gewächse kultivirte, sondern auch die aus analogen Kli- 
maten, aber in Mergui noch nicht vorkommenden, dort hin verpflanzte. 
Unter diese gehörte vorzugsweise der Kaffee- und der Muskatuussbaum, 
bei welchem letztern er mit Glück den Versuch machte, einen Theil der 
männlichen Bäume durch das Oculiren mit weiblichen, fruchttragend zu 
machen, welches bis dahin, wenigstens dort, noch nicht bekannt war, 
und wodurch den Muskatnussplantagen ein Drittheil der Bäume, die dort 
im Alter von 5 bis 6 Jahren als unbrauchbar abgehauen werden mussten, 
gerettet wurde. Als mit der Ausdehnung dieser Anlagen die Unkosten 
derselhen sich im Verhältniss steigerten, mussten sie entweder nutzbringend 
oder damit inne gehalten werden. Dr. Helfer beschloss das Erstere. Er 
begann im Jahre 1838 in der Nähe seiner Wohnung, die auf einem 
Hügel unweit der Stadt Mergui lag, dessen sanfte Abhänge sich bis zum 
Meere erstreckten, und dort von undurchdringlichen Mangrovegebüschen 
begrenzt wurden, eine nutzbringende Plantage von Cocos-, Areccapalmen 
und Caffeebäumen anzulegen. Der in der Nähe gelegene herrenlose Wald 



gedruckte und ungedruckte Schriften über die Tenasserim Provinzen etc. 173 

wurde zu Anfang der trockenen Jahreszeit, Mitte September, niedergefällt. 
Burmesische woodcutters (Holzarbeiter), die fast ausschliesslich sich mit 
dieser Arbeit beschäftigen, unternehmen solche in Accord und fällen mit 
ihren Thas, einem langen, breiten Messer, das nach vorn zu breiter wird, 
nicht unähnlich einem gekrümmten Rasirmesser, die stärksten Stämme in 
unglaublicher Geschwindigkeit. Die niedergefällten Bäume, grösstentheils 
der Gattung der Zimmt und anderen Gewürzarten angehörend, verbreiten, 
indem sie zu trocknen beginnen, einen so starken und balsamischen Ge- 
ruch, so dass die ganze Atmosphäre eine Stunde im Umkreis davon erfüllt 
ist. Zu Ende der trockenen Jahreszeit, Anfangs April, wird der so nieder- 
gefällte und durch die Gluth der Sonnenstrahlen getrocknete Wald in 
Brand gesteckt. Eine solche Feuersbrunst ist zumal in der Nacht ein 
grossartiges Schauspiel, das man aber nur in weiter Entfernung betrachten 
kann, da die Glut jede Annäherung unmöglich macht. Anfangs Mai, mit dem 
Eintritt des Monsoons werden die jungen Bäume in die fusshohe Asche des 
niedergebrannten Waldes zwischen halbverkohlten Baumstämmen eingepflanzt. 
Die so von Dr. Helfer angelegte Plantage wuchs schnell zu grosser 
Ausdehnung an. Schon im Jahre 1839 waren über 50,000 Areccapalmen, 
6000 Cocos-, eine Menge Kaffee- und Muskatnussbäume gepflanzt. Jedoch 
drohte der jungen ' Pflanzung ein schneller Untergang durch den am 
30. Januar 1840 erfolgten gewaltsamen Tod Dr. Helfer's, da mit seinem 
Ableben der hohe Gehalt, den er bezog und der grösstentheils zur Cul- 
tivirung der Pflanzung verwendet wurde, authörte. Zu bedeutende Summen 
waren schon in das Unternehmen verwendet worden, als dass es für die 
Witwe Dr. Helfer's und ihren Bruder, Otto Des G rang es, welcher 
eigens nach Indien gekommen war, die Pflanzung zu leiten, nicht höchst 
wünschenswerth gewesen wäre, dieselbe fortzusetzen. Mad. Helfer ging 
im Sommer 1840 nach Calcutta und schloss dort mit einem der ersten 
Banquierhäuser einen Compagnievertrag zum Weiterbetrieb der Pflanzung 
ab. Sie wurde aus Rücksicht der Verdienste Dr. Helfer's um die Fort- 
schritte der Agricultur in den Tenasserim-Provinzen von Seiten der ostin- 
dischen Compagnie mit einer Donation von 4000 englischen Acres theils 
in der Nähe der Stadt Mergui, theils auf der nahen Königsinsel, die zu 
Zuckerplantagen noch mehr geeignet ist, belehnt. Diese Belehnung bot, 
da sie auf 30 Jahre steuerfrei gegeben war, so ausserordentliche Vor- 
theile, dass jenes Haus von da an bedeutende Summen vorschoss, die 
Plantage zu erweitern. Im Jahre 1842 jedoch fallirte dasselbe durch 
missglückte Indigospeculationen, wie es in diesem Handelszweige nur zu 
häufig geschieht. Mad. Helfer, in der Zwischenzeit nach Europa zurück- 
gekehrt, war bemüht, das fehlgeschlagene Unternehmen zu Stande zu 
bringen. Ein von ihr gemachter Versuch, der sich zwei Jahre hinauszog, 
missglückte jedoch ebenfalls, und es konnte während dieser Zeit keine 
Verfügung getroffen werden, wodurch die Pflanzung mit der Zeit in einem 
solchen Grade verwildern musste, dass ihre Reinigung kostspieliger als 
ihre erste Anlegung gewesen wäre. Denn solcher Art ist die Vegetation 
dort, dass die Schwierigkeit, die Urwälder jener Gegenden zu durch- 
wandern, gering erscheint zu der, einmal cultivirte und dann wieder ver- 
lassene Orte zu durchdringen. Bedeutende Capitalien, viel und mühevolle 
Arbeit, die in das Unternehmen verwendet worden waren, und die sichere 
Aussicht auf reichen Gewinn, die eine derartige Plantage geben musste, 
gingen damit verloren. u 



174 Dr. Johann Wilhelm Helfer's 

Die von der Frau Gräfin P. Nostitz der k. k. geographischen 
Gesellschaft zur Benützung überlassenen, und von dieser zur Veröffentlichung 
bestimmten Aufsätze Dr. J. W. Helfe r'a sind folgende: 

1. Erster Bericht: Leber Amherst Town in der Tenasserim-Provinz. 

2. Zweiter Bericht: Die Provinzen Ye, Tavoy und Mergui an der 
Tenasserim-Küste. 

3. Dritter Bericht über Tenasserim — die angrenzenden Völkerschaften 
die eingebornen und fremden Bewohner und deren Character, sitt- 
licher Zustand und Beligion. 

4. Vierter Bericht über die Tenasserim-Provinzen mit Bücksicht auf 
die Aussichten, welche sie europäischen Einwanderern darbiethen. 

5. Tagebuch der Beisen zur Untersuchung des Mergui Archipels. 

6. Tagebuch der Beise nach den Andamanen- Inseln am Bord des 
Schooner „Catarine." 

Die ersten fünf Aufsätze sind im Originale in englischer Sprache 
geschrieben, und wie bereits erwähnt, von Herrn Grafen A. F. von 
Marschall freundlichst übersetzt; nur das unter 6. angeführte Tagebuch 
ist auch im Originale deutsch geschrieben. 

Wie bereits erwähnt, sind die zwei ersten Berichte in der Form 
der Parlamentsacte separat, der dritte und vierte in dem „Journal of the 
Asiutic Society of Bengal" und Nr. o und 6 noch gar nicht gedruckt. 

F. Foetterle. 



1. Erster Bericht. Amherst Town in den Tenasserim-Provinzen. 

I. Physischer und geologischer Bau des Landes. 

Allgemeines Ansehen. Ebene. Das allgemeine Ansehen der britischen 
Provinz Amherst ist das einer von zahlreichen Flüssen und kleinen Buchten 
(„creeks") durchschnittenen alluvialen Ebene, welche von Norden gegen 
Osten zu von einem Halbkreis von Urgebirgen umschlossen, im Westen 
durch den Salween-Fluss vom Burmesischen Gebiete getrennt und theilweise 
vom Meer umgränzt wird. — Diese grosse Fläche wird indess durch ein 
zweifaches Höhensystem unterbrochen. 

Blauer Bergkalk. Das eine dieser Systeme besteht aus blauem, sich 
plötzlich über die Ebene erhebendem Bergkalk, an vielen Stellen als schmale 
zerstückelte Kelte, an anderen als vereinzelte niedere Hügel und Berge 
von geringem Umfang. 

Sandstein. Das zweite System besteht aus Sandstein-Hügeln von 200 
bis 800 Fuss Höhe mit dem Hauptstreichen von NNW. nach SSO. Die 
nächste Umgebung dieser Hügelketten steigt etwas an und bildet enge Thäler 
und Schluchten. 

Gestalt. Höhe. Diese Hügel erscheinen durchgängig eher vereinzelt als 
zusammenhängend und in häufiger regelmässiger Wechsellagerung mit dem 
blauen Sandstein; in den Zwischenräumen liegen weite Strecken aufge- 
schwemmten Landes. Ihre grösste Höhe erreichen sie gegen NO. zu in 
den Büffel-Bergen („Buffaloe mountaim"), etwa 70 (Engl.) Meilen von 
Maulmain; der höchste Punct einer Kette erreicht 1543 (Engl.) Fuss. 

Dürre der Sandstein - Berge. Ein grosser Theil dieses Sandstein- 
Gebietes zeichnet sich durch die Dürre und Unfruchtbarkeit seiner Um- 
gebung aus; die dürftige Vegetation dieser Striche beschränkt sich auf 



gedruckte und ungedruckte Schriften über die Tenasserim-Provinzen etc. 175 

einige verkümmerte Bäume eigener Art und auf eine zwerghafte Species 
von Bambusrohr. 

Thonschiefer. Fast überall ist der Sandstein dem Thonschiefer auf- 
gelagert und mehr oder weniger mit Eisenerzen durchdrungen, hie und da 
auch von Quarzgängen durchsetzt, die mitunter einen Theil der Fel- 
sen bilden. 

Kalkgebirge. Die geognostische Beschaffenheit verändert sich in der 
Nähe, der grossen Grenzgebirgskette. 

Crebirgsarten. Diese Gebirge bestehen fast ausschliesslich aus Urge- 
steinen, unter denen 1) Glimmerschiefer, am häufigsten vorkommt; — 2) Gneiss, 
seltener und nur in höheren Horizonten; — 3) Granit, den ich nur an 
einer Stelle des ganzen von mir durchreisten Gebietes in einer sehr grob- 
körnigen, feldspathreichen Varietät antraf. 

Höhe. Die grösste Höhe dieses Urgebirgs beträgt etwa 5300 Fuss; 
es bildet eine fast ununterbrochene, eintönig wellenförmige Beihe mit wenigen 
Einschnitten und einigen vorragenden stumpf kegelförmigen Spitzen und 
Kämmen, welche vulkanischen Kratern gleichen, in der That aber mit 
solchen gar nichts gemein haben. 

Verbindung mit der grossen Himalaya-Rette. Dieses Gebirge kann mit 
Becht als eine Fortsetzung des grossen Himalaya-Systems angesehen werden, 
welches sich am östlichen Ende der Provinz Bhootan in 2 Aeste trennt, 
deren einer nach NO. gegen die Chinesische Provinz Yunn streicht, der 
andere nach SO. die Schau-Länder durchzieht und theilt. 

Zweitheilung. Unter 101° 0. L. und 17° N. B. wendet sich letzterer 
Zweig plötzlich gerade nach Süden, trennt Siam von den britischen Te- 
nasserim-Provinzen, schneidet unter 10° N. B. die Halbinsel Malacca in 
zwei fast gleiche Theile und verliert sich nahe am Aequator auf der Insel 
Singapore. 

Ebenen, vom Meere bedeckt. Es kann kaum bezweifelt werden, dass 
zu einer nicht sehr weit entfernten Zeit die fruchtbaren Ebenen der Pro- 
vinz Amherst vom Meere bedeckt waren, welches wahrscheinlich erst in 
Folge der allerletzten Erdumwälzungen zurückwich. Beweise dafür bieten 
die zackigen zertrümmerten Kalkfelsen mit ihren mannigfachen Höhlen (welche 
gegenwärtig dem Buddha-Dienst gewidmet sind), die Beste von Geschieben 
am Fusse dieser Berge, vorzüglich aber die Menge salziger Stoffe, mit 
denen noch jetzt der Boden geschwängert ist. 

Gegenwärtige Veränderungen. Die aufgeschwemmten Ebenen erfahren 
fortwährende Veränderungen, vorzüglich durch Bildung neuer Nullahs 
(natürlicher Kanäle). — Das Wasser, welches diese Ebenen während des 
Monsoon's überdeckt, sammelt sich in Landseen, sobald sich die Flüsse 
wieder in ihre gewöhnlichen Bette zurückziehen. Von da aus bricht es 
oft durch den weichen Boden und öffnet sich neue Wege nach den Flüssen 
zu. Diese Veränderung kommt alle Jahre vor und zerstört eine Menge 
guten Boden, um so mehr, als die Menschen zur Begelung und Erleich- 
terung des natürlichen Wasserabflusses so gut als gar nichts thun. 

Folge der jährlichen leberschwemmung. Fruchtbarkeit des Bodens. Indess 
bleibt eine Menge ausgetretenen Wassers in den Landseen zurück; theils 
verdunstet es allmählig während der trockenen Jahreszeit, theils gibt es 
an vielen Stellen Anlass zur Bildung von Morästen, mithin auch von Ma