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Full text of "Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung"

THE J. PAUL GETTY MUSEUM LIBRARY 



MITTHEILUNGEN 

DES KAISERLICH DEUTSCHEN 

ARCIÜEÖLÖGISCHEI IMTITHS 

ATHENISCHE ABTHEILUNG 



FÜNFZEHNTER BAND 

MIT VIERZEHN TAFELN UND VIELEN ABBILDUNGEN IM TEXT SOWIE 
DEM VERZEICHNIS« DER MITGLIEDER DES INSTITUTS 




ATHEN 

VERLAG VON KARL WILBERG 
1890 



Athen — Druck von GEBRUEDER PERRIS. — Universitaels-Sfrasse, 51. 



im i), PPiUL QLTVi WIUSEUM UBRARY 



INHALT 



Seit« 

E. Bethe, Aktäon (Taf. 8) 240 

» » Zu den Alabastra mit Negerdarstellungen . 243 

A. Brueck\er, Porosskulpturen auf der Akropolis. II. 

Der grössere Tritongiebel (Taf. 2). . 84 
W. Doerpfeld, Metrologische Beiträge V. VI. . . 167.234 
» » Der alte Athena- Tempel auf der Akro- 
polis, IV 420 

B. Graef, Die Gruppe der Tyrannenmörder und stili- 

stisch verwandte Werke in Athen ... 1 
» » Das Kabirenheiligtum bei Theben. V. Ge- 
genstände aus Bronze und Blei (Taf. 14). 365 

R. Heberdey, Zur Statue des Antenor 126 

» » Reliefs aus Thessalien (Taf. 4-7) . . . 199 

W. Judeich, lasos (Taf. 3) 137 

» » Inschriften aus Karlen 252 

» )) Zwei altionische Grabstelen 338 

A. E. KONTOAEQN, 'ETCiypa(p7i xri<; vrjaou Nt»7Upou . . . 134 
» » » 'ETüiypa^ixa 330 

P. J. Meier, Gladiatorenrelief des Museums zu Triest. 162 

J. H. MoRDTMA\i\, Zur Epigraphik von Kleinasien. . 156 

W. R. Paton, Note on vol. XV. p. 335 440 

O. Rossbach, Zur Nemesis des Agorakritos 64 

H. ScHLiEMANN, Inschriftcn von Ilion 133.217 

B. Stahs, '0 Tup^go? £v Boupga(niv. 9-13) 318 

E. SzANTo, Zur Geschichte von Thasos 72 

» » Zur Geschichte des griechischen Alphabets 235 
» » Das Kabirenheiligtum bei Theben. VII. In- 



schriften 378 

A. Thumb, Inschrift aus der Megaris 222 

R. Weisshaeupl , Attische Grablekythos ( Taf. 1 ) . . . 40 



IV INHALT 

A. Wilhelm, Psepliisma für den Komödiendichter 

Amphis 219 

» » Inschriften aus Thessalien 283 

P. Wolters, Kriegerstatue aus Delos 188 

» » Altattischer Grabstein 224 

» » Melische Kultstatuen 246 

» » Das Kabirenheiliortum bei Theben. IV. Die 

Terrakotten. VI. Verschiedenes. . 355.375 

Litteratur 135.225.340.441 

Funde 226.343.444 

Sitzungsprotokolle 136 

Ernennungen 354 

Mitgliederverzeichniss Am Schluss des Bandes 



MITTHEILUNGEN 

DES KAISERLICH DEUTSCHEN 

ARCHAIÖIÖGISCHEI INSTITUTS 

ATHENISCHE ABTHEILUNG 



FÜNFZEHNTER BAND ERSTES HEFT 

MIT ZWEI TAFELN UND MEHREREN 
ABBILDUNGEN IM TEXT 




ATHEN 

VERLAG VON KARL WILBERG 
1890 



1) In BERLIN erscheinen im Verlag Yon Georg Reimer: 

ANTIKE DENKMÄLER. Jährlich ein Heft in Folio mit 
c. 12 Tafeln. Preis des Heftes 40 Mark. 

JAHRBUCH des Kaiserlich Deutschen archäologischen In- 
stituts. Jährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Ban- 
des 16 Mark. 

EPHEMERIS EPIGRAPHICA, edita iussu instituti ar- 
chaeologici Romani. Erscheint in Bänden zu 4 Heften. 
Preis des Bandes 8 Mark. 
'S) In ROM erscheint im Verlag von Loescher u. Comp. : 

MITTHEILUNGEN des Kaiserlich Deutschen archäologi- 
schen Instituts. Römische Abtheiluno-. 

Jährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 12 Mark. 
3) In ATHEN erscheint im Verlag von Karl Wilberg: 

MITTHEILUNGEN des Kaiserlich Deutschen archäologi- 
schen Instituts. Athenische Abtheilung. 

Jährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 12 Mark. 

Verlag von GEORG REIMER in Berlin: 

J . Strzygowski , Die Calenderbilder des Chronographen vom 
Jahre 354. Mit 30 Tafeln. Preis 30 Mark. 

R. BoHN, Altertümer von Aegae. Mit 75 Abbildungen. Preis 
24 Mark. 
Verlag von G. GROTE in Berlin : 

C Robert, Die antiken Sarkophag- Reliefs im Auftrage des 
Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts herausgege- 
ben. Band II (Mythologische Cyklen). Mit 65 Tafeln. Preis 
225 Mark. 
Gommissionsverlag von GEORG REIMER in Berlin: 

FüRTWAENGLER und LoEscHCRE, Mykcnisclie Thongefässe, im 
Auftrage des archäologischen Institutes in Athen herausge- 
geben. 12 Tafeln in Farbendruck mit Text, Querfolio in 
Mappe. Preis 40 Mark. 

FüRTWAENGLER und LoESCHCKE, Mykcnisclie Vasen, vorhelleni- 
sche Thongefässe aus dem Gebiete des Mittelmeeres, im 
Auftrage des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts 
in Athen herausgegeben. Mit einem Altas von 44 Tafeln 
(in Mappe). Preis 115 Mark. 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMÖRDER UND STILISTISCH 
VERWANDTE WERKE IN ATHEN« 

Die Statue des Antenor, welche dank der glücklichen Ent- 
deckung: Stiulniczkas (Jahrbuch II S. 135 IT.) fast in ihrer 
allen Pracht in dem Akropolismuseum zu Athen wieder auf- 
gerichtet werden konnte ^ regt auf's Neue die ake Frage nach 
dem Urheber der uns erhaltenen Tyrannenmörder an und bie- 
tet zugleich zum ersten Male ein urkundliches Mittel zu ihrer 
Lösung. Eine Vergleichung der beiden in Frage kommenden 
Köpfe hat denn auch Studniczka selbst sogleich Yorüenommen 
und ist dabei zu dem Resultat gekommen, dass ihre Aehn- 
lichkeit gross genug wäre, um die Neapeler Gruppe als Nach- 
bildung des Werkes des Antenor zu erweisen. Dieselbe Ver- 
gleichung hat mich zu dem entgegengesetzten Resultate ge- 
führt, das ich im Folgenden zu begründen yersuchen will. 
Zwar hat inzwischen auch Studniczka selbst seine Ansicht 
aufgegeben, wie ich mit seiner Erlaubniss hier mitteilen darf, 
doch wird eine erneute Prüfung der Frage dadurch nicht über- 
flüssig. 

Unter den übereinstimmenden Zügen, welche Studniczka 
(a. a. 0. S. 142) trotz der auch Yon ihm anerkannten Ver- 
schiedenheit in dem Kopfe des Harmodios und dem weiblichen 
Kopfe des Antenor findet, sind doch eigentlich das einzig wirk- 
lich Greifbare die Löckchen des Frauenkopfes, durch welche 
er aus dem Rahmen der übrigen archaischen Frauentypen auf 



^ Vgl. Allien. MiUheilungen XIII S. 444. Inzwischen hat mir zu meiner 
Freude für einige Hauptpunkte Supluilis in der 'E^riaep!; äp-/atoX. 1888 8. 
88 beigestimmt. 

2 Vgl. Wolters Athen. Mitlheil. XIII S. 226, Lechat Bull. Hell. 1889 S. 
150. 

ATHEN MITTHEILUNGEN X\. 1 



2 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

der Burg herausfallen und dem Harinodioskopfe nahe stehen 
soll; das Uebrige sind mehr allgemeine 13eobachtungen, deren 
Beweiskraft starken Unterschieden gegenüber nicht all zu gross 
angeschlagen werden darf. 

Nun ist aber die Anordnung des Haares in kleinen Spiral- 
locken iiber der Stirn eine der archaischen Kunst im allge- 
meinen nicht fremde Tracht — sie findet sich beispielsweise 
bei dem Giganten vom Schatzhause der Megarer (Ausgr. zu 
Olympia IV 18) — wäre sie also auch wirklich dem Typus 
der Akropolisfiguren fremd, so könnte das für unsere Frage 
nichts beweisen ; sie fehlt aber auch hier nicht ganz, wie wir 
unten sehen werden. Vor allem ist aber gerade die Art der 
Lockenbildung bei beiden Köpfen eine wesentlich verschie- 
dene : es sind nämlich bei dem weiblichen Kopfe der übrigen 
Haarbehandlung entsprechend einzelne dicke Bänder von recht- 
eckigem Querschnitt, die sich zu Spiralen zusammenrollen, 
während der Harmodioskopf bereits einzelne der natürlichen 
Form einer Haarsträhne nahe stehende rundliche Löckchen 
zeigt, und es ist nicht wohl zu glauben, dass erst der römische 
Kopist die letztere aus der ersteren Form abgeschwächt habe, 
im Gegenteil sie bedeutet einen starken stilistischen Fortschritt, 
den, wie ich glaube, auch die Metalltechnik allein nicht er- 
klärt. Weiter giebt Studniczka selbst den archaischen Stil des 
weiblichen Kopfes zu; der Künstler mag noch so weit ge- 
kommen sein, er steckt jedenfalls noch tief im Archaismus, 
das lehrt schon die ganze Struktur des Kopfes, der hohe Schä- 
del, die Augenbrauenlinie, welche noch keineswegs der natür- 
lichen Gestaltung des Randes der Augenhöhle entspricht, und 
das unvermittelt aus dem Gesicht herausspringende Kinn. 
Von alle dem zeigt der Harmodioskopf nichts mehr ; man mag 
noch eine gewisse altertümliche Gebundenheit in ihm finden, 
aber man darf ihn doch schon zu den Werken einer entwickel- 
ten Kunst, welche die Natur im wesentlichen richtig sieht und 
richtig nachbildet, rechnen. Die Kopf- und Schädelform ist 
natürlich, dass der obere AugenlKihlenrand richtig betont sei, 
bemerkt Winter (Jahrbuch H S. 226), das grosse runde Rinn 



DlE fiRUPPE DER TYRANNENMOERDER 3 

ist in i'iclitig verstandener organischer Verbindung mit dem 
Unterkiefer gebildet. 

Der Unterschied in den einzelnen Formen ist nicht gerin- 
ger: man vergleiche nur die lidloscn, etwas schräg gestellten 
Augen mit dem fast noch geraden unteren Rande einerseits 
und die normal gestellten und geformten, mit ganz übertrie- 
benen Lidern versehenen Augen des Harmodios, man halte 
die eigentümlichen, harten und tiefen, eckigen Mundwinkel 
des Frauenkopfes gegen die leidlich natürliche Bildung des 
halbgeölYneten Mundes beim Harmodios. Am stärksten aber 
unterscheiden sich die tlachen, ganz roh missverstandenen 
Ohren hier von den entwickelten, gut gebildeten dort. 

Wie ein dem Harmodioskopfe verwandter Frauenkopf etwa 
auszusehen habe, hat Kekule vor Jahren gezeigt {AnnaJi 
1874 S. 39), und in der Tliat ist der Kopf in Villa Ludovisi, 
welcher in den Monumenti X Taf. 1 abgebildet ist, geeignet, die 
Kluft zwischen dem Antenorkopfe und dem Harmodios deut- 
lich zu machen. Der Vergleich der Körper giebt kein günsti- 
geres Resultat : die der beiden Tyrannenmörder sind vortretY- 
lich in Anlage und Durchbilduug , während die Figur des 
Antenor in nichts sich über die Masse der übrigen Akropolis- 
figuren, deren Körperbildung Winter in diesen Mittheilungen 
XIII S. 128 treffend schildert, erhebt. Ich glaube, schon diese 
Vergleichung lässt die Möglichkeit, dass etwa derselbe Kimst- 
1er in seiner Jugend die weibliche Figur, in seinem Alter die 
Tyrannenmördergruppe machte, als eine recht unwahrschein- 
liche erkennen, sie wird es noch mehr, wenn wir jedes Werk 
für sich betrachten, und den kunstgeschichtlichen Zusammen- 
hang zu bestimmen suchen, in den es gehört. 

Die Fiajur des Antenor o;ehört der im wesentlichen ein- 
heitlichen Gruppe von archaischen Frauengestalten an. wie sie 
die Ausgrabungen auf der Akropolis in so überraschend gros- 
ser Zahl beliefert haben ' . 



< Vgl. Studniczka a. a. 0. S. 137 und 147. Auf die Übcrciiislinimunj; dor 
Ornamente hat noch Winter (Athen. Mittheilungen XIII S. 13^ Anin. 3) 
besonders hingewiesen. 



4 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

Dass die durch diese Statuen vertretene Kunstweise eine Yon 
der des Kalbträgers und seiner Sippe wesentlich verschiedene 
sei, das heisst, dass nicht die eine aus der anderen in orga- 
nischer Entwickelung entstanden sein kann , hat Winter in 
seinem Aufsatz über den Kalbträger (Mittheilungen XIII S. 
113 ff.) ausführlich dargelegt. Seitdem hat sich das Material 
stark vermehrt und nur noch deutliclier die Richtigkeit dieser 
Scheidung bewiesen. Wenn er nun die eine dieser Runstwei- 






sen auf die Schule von Ghios zurückführt, so ist das eine Hy- 
pothese, deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit die Wahrheit 
der besprochenen Scheidung in keiner Weise berührt. Auch 
für die vorliegende Frage ist sie belanglos. Ich bediene mich 
also des Ausdruckes 'Chiotische Kunst' nur unter diesem aus- 
drücklichen Vorbehalt, läugne aber nicht, dass die wiederholt 
von Sophulis gegen die Berechtigung dieser Bezeichnung vor- 
gebrachten Gründe (zuletzt 'Ecp-zifAspl; äpj^aioXoytxYi III 1888 S. 
104 ff. und S. 109 ff.) mich nicht überzeugt haben. 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 5 

Das Werk des Antenor lässt sieb nun al)er stilistisch noch 
genauer umsclireihen als es durch die Zuteilung zur Chioti- 
schen Kunst geschieht. Dazu ist ein kleiner Umweg notwen- 
dig. Unter allen Werken auf der ßurg steht der Statue des 
Antenor keines so nahe, wie das auf S. 4 ahgebi kiele Oher- 
stück einer weihlichen Figur. Es ist erwähnt von Wolters, 
(Athen. Mittlieil. XII. S. 264), welcher auch die Beziehun- 
gen zu unserer Statue hervorhebt, während Studniczka in 
den Römischen Mittheilungen (III S. 286 Anm. 30) dasselbe 
eher zu der Aphrodite von Marseille stellen möchte ; beide 
Beobachtungen widerstreiten aber einander durchaus nicht, 
wie wir gleich sehen werden. Zunächst sei hier zur Ergän- 
zung der Abbildung und der von Wolters gemachten Angaben 
bemerkt, dass ein Stück des linken Armes, der wolil das Ge- 
wand fasste, sich inzwischen dazu gefunden hat, und dass am 
Hals gerade im Bruch fünf Löcher zur Befestigung eines Hals- 
schmuckes sich befinden. Die Zwischenräume zwischen den 
Stirnlocken sind mit dem Bohrer gemacht und dann nur we- 
nis; mit dem Meissel nachoearbeitet. Der Marmor ist 'Parisch'. 
Von dem Ornament der Stephane ist beistehend eine Probe 




in 7o der natürlichen Grösse abgebildet, wie sie sich aus den 
zahlreichen Resten mit Sicherheit w ieder herstellen lässt * ; die 
schraffirten Teile sind Rot. Die ganze Stephane ist 0,03'" hoch 
— ohne den rundlichen Wulst — und wiederholt auf einem 
Umfange von 0,56 die nicht sehr gleichmässig gezeichnete 



^ Ein ganz übereinstimmendes Ornament ist mir nicht bekannt, das Mo- 
tiv hat seine nächsten Analogien in der auf den Melischcn Vasen üblichen 
Doppelspirale und dem Spiralenkreuz der Vasen aus Caere (z.B. Monumenti 
VI, 36), über welche jüngst Dümmler in den Römischen Mittheilungen III 
S. 166 gehandelt hat. 



6 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

Doppelspirale achtmal ; zwischen je zwei Spiralen befindet 
sich oben der Rest eines Bronzezierrates, deren es also im Gan- 
gen sechzehn gab. Der Kopf ist oben, im Inneren der Stepha- 
ne, ohne plastische Angabe der Haare, etwas rauh gelassen ; 
in der Mitte befindet sich ein Loch mit Resten des Bleiver- 
gusses für den Meniskos ^ 

Im Vergleich zu den meist ziemlich schmächtigen anderen 
Frauengestalten fällt die Statue des Antenor durch ihren kräf- 
tigen Körperbau, die vollen und breiten Schultern auf; die 
oben abgebildete Büste ist die einzige auf der Burg, welche 
denselben Schulterbau zeigt. Im Verhältniss zu der virtuosen 
Marmorteclmik, die Antenor bei der Behandlung des Gewan- 
des mit seinen vielen und starken Unterschneidungen, seinen 
mannigfach gebildeten Falten, zeigt, und die sich in der reichen 
Bemalung nicht weniger bekundet, ist die ungeschickte und 
steife Behandlung der Haare ganz auffallend : das in einzelnen 
flachen bandförmigen Strähnen gebildete Haar fällt hinter dem 
Ohre in einer dicht geschlossenen Masse herab, die nach vorn 
durch eine ganz gerade Fläche begrenzt wird und seitlich in 
eine scharfe Kante ausläuft ; während alle anderen Figuren 



' Die Masse des Kopfes sind : Kinn — Scheitel 0,225 

Nasenwurzel — Hinlerkopf 0,185 

Haaransatz — Kinn etwa 0,134 

do —Mund 0,104 

do — Unterrand der Nasenflügel 0,089 

do — innerer Augenwinkel 0,0525 

Stirnliöhe 0,028 

Kinn — Mund 0,034 

do — Unterrand der Nasenflügel 0,048 

do — innerer Augenwinkel 0,085 

do — oberer Rand der Augenhöhle 0,112 

Innerer Augenwinkel — Mundwinkel 0,054 

do — Unterrand der Nasenflügel 0,041 

Mundbreile 0,041 

Innere Augenweile 0,034 

Äussere do 0,086 

Augenlänge 0,027 

Augenhöhe 0,014 

Nase — Ohrläppclicn 0,086 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 7 

bereits eine gleichmässig gerundete, dem natürliclien Fall ent- 
sprechend bewegte und mehr oder weniger durchbrocliene 
Haarmasse aufweisen. Nur unsere Büste zeigt genau dieselbe 
Haarbeliandlun"-, und das sjeht nocli weiter : denkt man sich 
die spiralföi'mig gerollten Bandenden , welche bei unserem 
Kopfe in einer Reihe angeordnet sind , in drei Reihen über 
einander, so erhält man genau die Frisur des Antenorkopfes, 
die unter den Ghiotischen Werken ja singulär ist '. Ganz ab- 
weichend sind auch die oben charakterisirten Ohren des An- 
tenorkopfes ; die sämmtlichen übrigen Frauenliguren derAkro- 
polis zeigen bereits den umgebogenen Rand des Ohres vom 
inneren Teil deutlich und bewusst unterschieden und mehr 
oder weniger einen Ansatz zur richtigen Bildung des inneren 
Ohres, ^^'iederum ist es der in Rede stehende Kopf, welcher 
genau dieselben Ohren bat. 

Bei der Bildung des Auges betonen die Chioten stets im in- 
neren Augenwinkel durch den Umriss das Vorhandensein der 
Thränendrüse, wie dies andeutend schon die Nike von De- 
los tliut ; eine plastische Andeutung der Thränendrüse findet 
sich nur bei wenigen ganz fortgeschrittenen Stücken. Bei un- 
seren beiden Köpfen unterscheidet sich der innere Augenwin- 
kel in nichts vom äusseren. Endlich sei auf die eigentümlichen 



< Das Charakteristische dieser Frisur liegt nicht allein darin, dass sie aus 
Locken liesteht, sundern erstens, dass nur diese Lockenlage vorhanden ist, 
während die meisten anderen Köpfe verscliieden gestaltete Ilaarniassen ne- 
hcn oder üher einander zeigen, zweitens dass die zur Ijocke gerollte Haar- 
strähne als tlaches Band gebildet ist. Gezackte Löckchen aus wellig ge- 
rippten Strähnen gedreht, darüber eine Lage ähnlicher aber ungelockler 
Ilaarslrälinen zeigt der manierirteste aller Köpfe {Musres d'AHienesTaf. III). 
Löckchen in der häutigen dreiteiligen Frisur zwischen zwei anders belebten 
Ilaarmassen linden sich bei dem Kopf aus Delos im Natiunalmuseum zu 
Alben (Kavvadias Nr. 23) und bei einem kürzlich auf der Akropolis zusam- 
mengesetzten 16«:'» hohen Köpfchen, welches bei der Nordmauer gefunden 
sein soll. Bei diesem letzteren sind die Haarsträhnen auch als Bänder ge- 
bildet. Im Typus scheint es nicht rein Chiotisch zu sein. Mehrere Reihen 
Locken, ähnlich wie bei der Figur des Antenor geordnet und gebildet, lin- 
den sich bei dem Athen. MiUh. XIII S. 440 erwähnten männlichen Kopfe. 
(Vgl. AeXx'ov 1888 S. 181 y' und S. 201). 



8 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

Mundwinkel hingewiesen, die als scharfe Falte von der Ober- 
lippe senkrecht herabgehen und eigentlich nur die Unterlippe 
seitlich begrenzen, während die Oberlippe glatt in die Wangen 
übergeht, eine Bildung, die auch unsere beiden Köpfe vor den 
übrio'en auszeichnet. 

c 

Nun finden sich aber alle diese Besonderheiten in der von 
Winter (Athen. Mitth. XIII S. 1 13 ff.) um den Kalbträger grup- 
pirten Reihe älterer attischer vorchiotischer Kunstwerke ^ Für 
die robusten Schultern liegt nur ein Bruchstück einer halble- 
bensgrossen Frauenfigur aus Kalkstein (Porös) Yon der Akro- 
polis 2 und ein Torso im Nationalmuseum als Belegmaterial 
Yor, und sie sind beide nicht veröffentlicht. Die Bildung der auf 
die Schulter fallenden Haare findet sich ebenso bei der Sphinx 
von Spata (Athen. Mitth. IV Taf. 5) und einer im National- 
museum befindlichen Sphinx aus Pentelischem Marmor, wel- 
che aus dem Piräus ^ stammt , deren Kopfform der unseres 
Kopfes recht ähnlich ist, und die in Mund-, Augen- und Ohren- 
bildung und in der Art wie die Haare als Perlschnüre aus 
einzelnen aneinander gereihten Gliedern gebildet sind (vgl. 
Winter a. a. 0. S. 118) sich durchaus zu den altattischen 
Werken stellt. Die bei unseren beiden Köpfen vorliegende Bil- 
dung der Haare in Bandform zeigen die drei Köpfe des Typhon 



^ Die Gruppe jener Werke hat sich seitdem, namentlich durch die zahl- 
reichen Kalksteinskulpturen sehr vermehrt und es wird vielleicht nicht un- 
möglich sein, innerhalb der Reihe dieser 'altattischen' Werke noch fernere 
Sünderungen vorzunehmen, ja auch hier fremde von dem Chiotischen ver- 
schiedene Einflüsse nachzuweisen. Für die vorliegende Untersuchung ge- 
nügt es aber, die altatlische Kunst als eine einheitliche aufzufassen. Die Ver- 
wandtschaft, welche Studniczka (Rom. Mitlheil. III S. 286) zwischen un- 
serem Kopfe und der Aphrodite aus Marseille aufgedeckt hat (Gazelle Arcli. 
1876 Taf. 31 und in sehr guter Abbildung: Bazin, L' Aphrodite Marseillaise 
Paris 1886), kann vielleicht für die weitere Zergliederung, jener 'altatti- 
schen' Kunst fruchtbar gemacht werden; freilich darf man dabei die Unter- 
schiede in Tracht, Haar und Augenbildung nicht ausser Acht lassen. 

2 Von Winler a. a. O. S. 118 erwähnt. 

3 Sie trägt die Nummer 3i63 und ist schlecht erhalten, in der Litteratur 
scheint sie nicht erwähnt zu sein, wenigstens fehlt sie noch bei Sybel und 
bei Milchhöfer, Museen Athens. 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER H 

(vgl. oben XIV Taf. 2), bei denen auch die Enden in Spiralen 
ausgehen. Auch an einem Stiei'ko[)t' der alleren, von der Mar- 
morlechnik noch niclit beeinflussten Ivalksteinsivulptur auf der 
Akropolis zeigen sicii iiher dem Auge solche Spirallockcn. 
Endlich kehrt jene eigenUimliclie Bilduug der Olireu nui' ;m 
der 'E(p'/]y.spi; ä^y aioloyr/S/] 1883 Tai'. 1:?, JJ abgebildelen Spiiiiix 
von der Akropolis wieder ' ; auch diese stellt sich im wesent- 
lichen zu den altattischen Werken (vgl. Winter a. a. O. S. 
122). Die Augen sämmtlicher in diese Reilie gehörigen Werke 
verzichten auf Andeutung der Thränendn'ise. Denen unserer 
Köpfe am ähnlichsten sind die des oben XIII S. 120 abge- 
bildeten Frauenkopfes-, der zugleich für die I)ildiing der 
Mundwinkel verglichen werden kann. Letztere tritt beson- 
ders charakteristisch an dem Gazette Arch. 1887 Taf. 11 ab- 
gebildeten Kopfe hervor, mit w^elchem Winter a. a. 0. S. 117 
die Reihe der ahattischen Werke beginnt. Nachdem wir so 
durch verschiedene Eigentümlichkeiten in jene altattische 
Kunstübung gewiesen sind, werden wir uns niclit wundern, 
bei dem oben abgebildeten Kopfe eine der des Kalijträgers 
ausserordentlich ähnliclie Kopfform zu finden ; auch die Schlüs- 
selbeine, welche im Gegensatz zu der ziemlich glatten Ilalsbe- 
handlung der meisten anderen Figuren, sowohl an unserer 
wie an der des Antenor besonders stark markirt sind, haben 
ihr Vorbild am Kalbträger, und endlich gewinnt auch unter 
dieser Beleuchtung die Form des Diadems eine besondere Be- 
deutung. Bei sämmtlichen Chiotischen Köpfen, schon von der 



1 Das Vorbild dieser Ohren liegt allerdings nicht in der allallischen Ivunst, 
vielmehr ist es nur die Atliseh-ilache Nacliahinung einer anderen Bildung. 
Die Ohren der Nike von Delos, namentlich das linke zeigen als miss- 
verständliche Bildung des inneren Ivnorpels zwei gleichmässige dem Ober- 
rand der Muschel parallele Reifen : dieselben sind aber kräftig herausgear- 
beitet uud das ganze Ohr tief ausgehöhlt, denkt man sich dieses Ohr tlach 
und schematiscli nachgeahmt, so erhält man jene wunderliche Unform. 

2 Winters Angaben hinsichtlich des ^tlarmors sind nach einer kürzlich 
durch Herrn Professor R. Lepsius vorgenommenen l'ntersuchung dahin zu 
berichtigen, dass dieser Ivopf noch aus Attischem Marmor isl, merkwürdiger 
Weise aber das oben IV Taf. 6, 1 abgebildete Köpfchen aus Inselmarmor. 



10 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

Delischen Nike an, ist nämlich das Diadem vorne breit und 
wird nach hinten schmal, ferner liegt seine Unterkante nicht 
in einer Ebene sondern schmiegt sich der Kopfform so an, 
dass es vorne ganz hoch über der Stirn sitzt, um der railinir- 
ten Frisur Raum zu ihrer Entfaltung zu geben, dann bei den 
Ohren oft einen «anz starken Knick macht, und hinten in ei- 
nem ganz schmalen Stück sich fortsetzt ; letzteres verschwin- 
det sogar oft unter dem Ilaar. Ein charakteristisches Beispiel 
für die Form ist Musees cVAthenes Taf. IV. In dem Fall, 
wo das Diadem hinten unter dem Haar verschwindet, wird 
man es sich wohl als einen nicht vollen Metallreifen denken, 
dessen beide Enden durch ein Band unterhalb des Haares ver- 
bunden waren. Ein Beispiel für diese Form ist leider nicht 
publicirt, sie findet sich an dem Kopf aus Delos im Atheni- 
schen Nationalmuseum (Kavvadias Nr. 23) und einem aus 
Eleusis ebenda (Nr. 24) und vier Köpfen auf der Akropolis. 
Dem gegenüber ist nun das Attische Diadem ein in gleicher 
Breite rings um den Kopf laufender Aufsatz, der meist fast 
horizontal oben auf dem Kopfe sitzt. Die Beispiele hat Stud- 
niczka Rom. Mittheil. III S. 286 zusammengestellt, sie sind 
noch um die oben erwähnte Sphinx, deren Kopfschmuck mit 
einem Mäander verziert ist, zu vermehren. Man bemerke übri- 
gens, wie bei unserem Kopfe bereits eine kleine Concession an 
die über der Stirn sich entfalten sollende Haarpracht gemacht 
ist, indem dort das Diadem sich ein klein wenig hebt. Nach 
dem Ausgeführten kann es wohl keinem Zweifel mehr unterlie- 
gen, dass der Künstler dieses Werkes noch durchaus in den 
Traditionen der altattischen Kunst lebt '. Und dasselbe müssen 
wir, wenn auch in geringerem Grade , für Antenor aner- 
kennen 2. So ist es wohl nun keine Spitzfindigkeit, wenn 



* Entwickelter und feiner alier doch unserem Kopfe recht nahe stehend 
hinsichtlich der Koptrurni, der Augen nnd des Mundes, erscheint mir der 
Sammlung Sabouroff Taf. III. IV abgebildete bärtige Kopf; auch er ist von 
Furtwängler in der Einleitung S. 5 f. zu der Sippe des Kalblrägers gestellt 
worden. 

2 Eine ähnliche Empfindung hat Sophulis gehabt, wenn er im Texte zu 



DIE r.nUPPE DER TYRANNENMOERDER H 

ich auch das Diadom der Anlenorfij:;ni', das in gh'iclier Broite 
ohne irgend welche Aushiegung um den Kopf läuft und nur, 
um dem Haar vorne Platz zu machen, schräg gestellt ist, für 
einen in dieser Hinsicht bezeichnenden Zug halte. I'rcilicli 
war Antenor in die Geheimnisse der Chiotischen Technik be- 
reits \iel tiefer eingedrungen als der Künstler des anderen Kop- 
fes, aber dass er schon 'die Fesseln des überkommenen Typus 
abzustreifen bemüht ist', wie Studniczka wollte, werden wir 
nicht mehr zugeben können, am wenigsten dafür 'die nur 
mehr weniü; schräi»" stehenden Aui>en ' ins Feld führen, denn 
die altattischen Augen stehen gar nicht schräg, die Cliiotischen 
aber sehr stark ; man könnte also ebenso gut von den ■ noch 
nicht sehr schräg stehenden Augen' sprechen. 

Dass Antenor ein Athener war, hat Studniczka (S. 147 f.) 
wahrscheinlich gemacht ; die Analyse seines Werkes bestätigt 
es. Ist es nun wahrscheinlich, dass ein Attischer Künstler, der 
sich bereits in einen ihm ursprünglich fremden Stil liinein 
gearbeitet hatte, sich später noch einen dritten wieder ganz 
verschiedenen angeeignet habe ? Das müsste er aber gethan 
haben, wenn er der Künstler der uns erhaltenen Tyrannen- 
mörder gewesen wäre, wie im Folgenden ausgeführt werden 
soll. 

Es gilt zu untersuchen, in w^elchen Scbulzusammenhang die 
Gruppe der Tyrannenmörder gehört. 

Auf die grosse Aehnlichkeit des Harmodios mit dem Hera- 
kles der Metope des Selinuntischen Heratempels (BenndorfTaf. 
VH) hatMilchhöfer aufmerksam gemacht (Athen. Mitth. IV S. 
76 Anm.) und zugleich den dem Ilarmodios so verwandten 
Frauenkopf aus Villa Ludovisi mit an den Selinuntischen Stil 
angeschlossen. Wie richtig das ist, lehrt ein Blick auf die weib- 



lichen Köpfe der Selinuntischen Metopen, für welche leider 
die kleinen Abbildungen bei Benndorf nicht ganz genügen. 
Auch die von Lange (oben VII S. 208) zum Vergleich heran- 



Miisees (TAthenes Taf. VI die AnteiiürfiKur iliclil au den Kalbträger lückl. 
nur hat sie ilin zu unwalirsclieiiiliclien Consequenzen geführt. 



12 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

gezogene Münze von Syrakus weht nacli Sicilien (Vgl. Head 
Coinage of Syracuse I; ich habe nur Ilead Historia Nuni- 
monun S. 151, 94 und Gardner Types II 29 einsehen kön- 
nen). Andererseits Avird man eine gewisse allgemeine Ver- 
^vandtschaft mit den Olympischen Skulpturen nicht verkennen^ ; 
sie zeigt sich in der ganzen Anlage des Kopfes und des breiten 
Gesichtes, in der Vorliebe für die niedrige Stirn und in den 
gross geöffneten Augen mit den dicken Lidern. Besonders nahe 
steht der Harmodios in der oberen Gesichtspartie dem gebisse- 
nen Lapithen aus dem Westgiebel (Ausgr. II Taf. 15) und 
eine schon fast persönliche Aehnlichkeit \erbindet ihn mit dem 
Kladeos aus dem Ostgiebel (Ausgr. IV Taf. 6-8), die nament- 
lich in der Seitenansicht ausser in dem Gesammtverhältniss 
der Gesichtsteile im Einzelnen an Kinn Mnnd und Nase stark 
hervortritt. Auch eine kleine Eigentümlichkeit in der Bil- 
dung der Schamhaare, welche die Olympischen Skulpturen 
zeigen, und die sich bereits bei den Aegineten findet, haben 
die Tyrannenmörder. Es sind nämlich hier wie dort die 
Schamhaare in eine obere horizontal sich erstreckende bei- 
derseits in eine Spitze auslaufende Partie zerlegt und eine un- 
tere, welche einen rinoförmioen Wulst bildet, in dessen Mitte 
das Glied sitzt. Genaueres Eingehen auf die Körperbildung, 
die mir grosse Verwandtschaften aufzuweisen scheint, muss ich 
mir bei dem Mangel an Abgüssen und guten Photographien 
versagen. 

o 

Dagegen kommt für das Bewegungsmotiv der Tyrannen- 
mörder noch eine Beobachtung hinzu, welche Herr Profes- 
sor Kekule die Güte hatte, mir mitzuteilen. Stellt man die 
beiden Beilschwinoer des Westgiebels (K' und M' nach der 
neuesten Aufstellung von Treu Jahrbuch III Taf. 5-6) ne- 
beneinander, so ergiebt sich eine in allem wesentlichen mit 
den Tyrannenmördern übereinstimmende Gruppe. Freilich be- 



^ Dicselljc sclieiul auch t^lascli Arcli. Ztg. 1878 S. 121 Amn. 1 zu ein^ 
plinden. 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 13 

rulien die Modelle dieser Fiiiuren zum grössten Teil iiul" Im- 
gänzLing, doch sieht gerade das liaupünotiv lest. 

Die Tyrannenmörder stellen sich also zu den Werken jener 
Kunstübung, deren zwei etwas verschiedene Ausläufer wii- in 
Olympia und Sicilien besitzend Denn dass zwischen diesen 
beiden ein enger stilistischer Zusammenhang besteht, ist eine 
durch Kekule aufgedeckte kunstgeschichtliche Thatsache, und 
Studniczka, der sich, wohl mit Recht, gegen die daraus ge- 
zogenen Folgerungen gewendet hat (Rom. Mitth. II S. 55), 
will nur die Identität, nicht aber die nahe Verwandtschaft der 
in Olympia und Selinunt vertretenen Schulen bestreiten. Für 
die Einordnung des Harmodios in diesen Kreis sind wir nun 
nicht mehr allein auf unser Stilgefühl angewiesen, seitdem 
eine glückliche BeobachtunG; Franz Winter's. die mit seiner 
Erlaubniss hier mitgeteilt wird, uns das Mittel einer exakten 
Untersuchung an die Hand giebt. Eines der augenfälligsten 
Merkmale der in Rede stehenden Kunstweise ist ja die Vor- 
liebe für eine niedrige Stirn und ein im Verhällniss dazu gros- 
ses Untergesicht. Winter hat nun gefunden, dass ebenso wie 
bei Attischen Köpfen dieses Verhältniss dadurch bestimmt ge- 
regelt ist, dass die Entfernung vom Kinn bis in den inneren 
Augenwinkel der vom Haaransatz bis zum unteren Rand der 
Nasenflügel entspricht (vgl. Jahrbuch II S. 226), so bei den 
Olympischen Köpfen der Abstand vom Kinn zum Augenwinkel 
gleich dem vom Haaransatz bis zum Mund ist ; das Verhält- 
niss zwischen Stirn und Untergesicht differirt also um die 
ganze Länge der Oberlippe ^. Man mag sich gegenüber den 



^ Eine Bestätigung dafür, dass es nicht zufällige Ähnlichkeiten sind, die 
diese Einordnung empfehlen, mag man darin sehen, dass auch andere Wer- 
ke, die dem Harmodios verwandt scheinen, dieselben Beziehungen aufweisen, 
wie z. B. die beiden unter einander nahe verwandten Werke, der von Kopp 
Rom. Mitth. I Taf. 4 veröffentlichte Kopf aus Galleria geograßca und Aie von. 
Schreiber Monumenti X Taf. 57 verölTeiitlicIile Herme aus Villa Ludovisi. 
Ersterer ist von Kopp mit dem Kladeos, l(;tzterer von Schreiber {Annali 
1878 S. 220) mit dem Harmodios verglichen ; beide sind auch dem oben er- 
wähnten Frauenkopf aus Villa Ludovisi Monumenti X. 1 verwandt. 

2 Winter's Angabe, dass bei den Olympischen Köpfen bereits die Nase 



ii DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

Resultaten der Messungen an Skulpturen nocli so zweifelnd 
verhalten, dieser Unterschied ist zu gross und zu sehr in die 
Ausen fallend, um nicht als bezeichnendes Merkmal einer be- 
stimmten Schule selten zu miissen. Es hat nun der Harmo- 
dioskopf und alle seine ^'er^vandten dieses 'Olympische' Ver- 
hältniss, wie man ohne Messung aus jeder Publication erken- 
nen, an jeder Abbildung der Seitenansicht leicht messen kann ^ 
Da nun das spätere Attische Mass sich bereits in der älteren 
Attischen noch von der Chiotischen abhängigen Kunst heraus- 
bildete, wie Winter a. a. 0. S. 228 gezeigt hat, so sind wir 



vom Augenhölilenrand j^^einessen der Länge des Unlergesichtes entspricht 
(Jalirhuch II S. 226), beruht auf seiner ersten, nicht ganz genauen Messung, 
vielmehr ist es gerade eine Eigentümlichi<eit dieser Kunst, dass jene genaue 
Entsprechung noch nicht durcligeführt ist. 

^ Die betreffenden Masse des weiblichen Kopfes aus Villa Ludovisi sind 
nach Helbig's Messung Annali 1874 S. 41. 

Haaransatz — Mundwinkel 0,29 

Innerer Augenwinkel — Kinn 0,29 

Die Masse des Harmodios sind nach freundlichen Mitteilungen Kalk- 
mann's und Winter's: 

Kinn — Scheitel etwa 0,22 

Haaransatz — Kinn 0,173 

do —Mund 0,118 

do — unterer Rand der Nasenflügel 0,097 

do — innerer Augenwinkel 0,054 

do — Nasenansatz 0,039 

do — oberer Rand der Augenhöhle 0,024 

Kinn — Mund 0,054 

do — unterer Ran.: .icr Nasenflügel 0,077 

do — innerer Augmiwinkel 0,120 

Oberrand der Augenhöhle — Unterrand der Nasenflügel 0,072 

Innerer Augenwinkel — Mundwinkel 0,066 

Nasenlänge 0,057 

Ohrlänge 0,057 

Mundbreite 0,051 

Nasenflügelbreite 0,034 

Innere Augenweite 0,031 

Äussere do 0,097 

Augenlänge 0,035 

Augenhöhe 0,015 

Nasenansatz bis Ohrläppchen 0,132 



DIE GRUPPE DEn TYRANNENMOERDER 15 

verpflichtet diese Olympische Proportion für das Kennzeichen 
einer sowohl von der arciiaischen in Atlika herrsclienden als 
auch der späteren Attischen Kunst verschiedenen Scliulczu hal- 
ten. Der llarmodios ist also in der Thal aid' dem Boden einer 
Runstühung erwachsen, \velche nichts mit den Schulen ge- 
mein hat. in deren Zusammenliani:; wir Antenor stellen konn- 
ten und sonach muss methodisch j^eschlossen werden, dass er 
nicht von diesem Künstler herrührt , also von Kritios und 
Nesiotes. 

Wir gewinnen somit an der Gruppe der Tyrannenmörder 
erstens ein sicher datirtes Werk aus der Zeit kurz nach dem 
Persereinfall, nämlich Ol. 75 = 477/6 und zweitens die That- 
sache, dass um diese Zeit in Athen ein Werk jenes eigentüm- 
lichen Stiles aufgestellt wurde. 

Ohio;es Resultat ist nicht neu. So lan^e aher die Tyrannen- 
mörder als vereinzeltes unattisches Werk in Attika dastanden, 
musste man sich naturgemäss gegen dessen Anerkennung sträu- 
ben. Das ist aber anders geworden, seitdem die Ausgrabungen 
auf der Burg auch für diese Frage reichliches und neues Mate- 
rial geliefert haben. Die Reihe der Werke Attischer Provenienz, 
welche sich stilistisch in den Kreis der Olympiaskulpturen stel- 
len, soll im Folgenden so vollständig wie möglich aufgezählt 
werden. Ich meine natürlich nun nicht, dass sämmtliche von 
mir aufzuzählende Werke genau der gleichen Schule ange- 
hören, ebenso wenig als Olympia Selinunt und die Tyrannen- 
mörder für stilistisch identisch angenommen werden s(dlen. 
vielmehr ist das Gemeinsame zunächst nur die Verschiedea- 
heit vom Attischen, für die als äusseres Kennzeichen das Vor- 
handensein jener Olympischen Entsprechung dient. Sie ist bei 
sämmtlichen folgenden Köpfen durch Messung festgestellt. 
Auch auf einige andere äusserliche Merkmale soll hingewiesen 
werden, eingehendere stilistische Zergliederung der Werke so- 
wie der Versuch einer genaueren Feststellung einzelner Rich- 
tungen innerhalb des grösseren Zusammenhanges liegen ausser- 
halb des Rahmens dieser Arbeit und sind ohne genügendes 
Vergleichungsmaterial nicht thunlich. 



16 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

Als eines der ältesten Stücke mag voranstehen : 

1. Der Bronzekopf Miise'es d'Athenes Taf. XVP. Seine 
Aelinliclikeit mit dem Apollo aus dem Olympischen Westgie- 
bel, die namentlich in der Seitenansicht hervortritt, ist bereits 
von Sophulis im Text zur Tafel ausgesprochen ; die daraus für 
diesen und den gleich zu nennenden Kopf sich ergebenden 
kunstgeschichtlichen Folgerungen sind in ihrer ganzen Trag- 
weite angedeutet von Studniczka in diesen Mittheilungen XII 
S. 374. ' 

2. Um den Vorrang des Alters streitet mit dem vorigen der 
'E<p-/:;j.epU ap/aiol. 1888 Taf. 2 abgebildete Marmorkopf ~. Seine 



1 Scheitel — Kinn 0,106 

Nasenwurzel — Hinterkopf 0,089 

Haaransatz — Mundwinkel 0,050 

Kinn — Mund 0,018 

do — Unterrand der Nasenflügel 0,0205 

do —innerer Augenwinkel 0,048 

Oberrand der Augenliölile — Unterrand der Nasenflügel. . . . 0,0305 

Innerer Augenwinkel — do 0,019 

Mundbreite. 0,020 

Innere Augenweite 0,014 

Augenlänge 0,0165 

Ohrlänge.' 0,027 

Nase — Ohrläppchen 0,048 

Kinn —Scheitel 0,223 

Nasenwurzel — Hinterkopf 0,18 

Haaransatz — Kinn 0,133 

do —Mund 0,091 

do — Unterrand der Nase . . . . 0,077 

do — innerer Augenwinkel etwa. 0,041 

do — Nasenansatz etwa 0,026 

do — Oherrand d. Augenhöhle etwa 0,014 

Kinn — Mund 0,041 

do — Nase 0,055 

do —innerer Augenwinkel 0,093 (direct gemessen), 0,091 

do — Oherrand der Augenhöhle 0,114 (projicirt) 

Unlerrand der Nase — do 0,059 

Innerer Augenwinkel — Mundwinkel . . . 0,0535 beiderscitsgenau gleich 

Mundbreite 0,047 

Nasenflügelbreilc 0,0305 



DIE rxnUPPE DER TYRANNENMOETlDEn 17 

Aelinliclikeil iiiil dem ()lym|)iscli(Mi Apollo ist ausgesproclien 
von Wolters in diesen MiLllieiluni;;en Xil S. 26G. Wenn Stud- 
niczka (a. a. O.) in ihm 'fast eine nur wenig altertümlichere 
Replik' desselben sieht, so wird man freilich dadurch wieder 
aufgefordert, auch die grossen IJnlerschiede zu beachten, die 
Sophulis 'Erp-/^tx£pi^ of.pyanol. 1888 S. 82 betont. 

Beide Köpfe sind mit Wahrscheinlichkeit als vorpersisch zu 
betrachten, wie aus den oben erwähnten Berichten von Stud- 
niczka und W^olters hervorgeht. 

o 

2 a. Vermutungsweise wenigstens muss hier die trauernde 
PenelopedesMuseoGhiaramonti angereiht werden. Denn es ist 
sehr wahrscheinlich, dass dieses Hochrelief aus Attika stammt, 
wenn nämlich der Marmor, wie Studniczka Ant. Denkmäler I 
S. 19 vermutet, und mir auch wahrscheinlich ist, Ilymetti- 
scher ist. 

Jedenfalls ist die ausserordentliche Verw^andtschaft zwischen 
dem Kopf der Penelope (Ant. Denkmäler I Taf. 32)^ und dem 
eben besprochenen Junglingskopfe dieser Vermutung gün- 
stig. Man beachte auch, wie bei beiden Köpfen in gleicher 
Weise ein dicker Haarwulst sich vor dem Ohre auf die Wange 



Innere Augenwinkelvveite 0,027 

Äussere cIo 0,087 

Innere AugapfelenLferniing 0,0365 

Gcaiize Augenlänge 0,0325 

Augapfellänge 0,0275 

Augenhöhe 0,012 

Augenhöhlenrand — Oberlidrand 0,012 

Ührlängc 0,059 

Nasenflügel — Ohrläppchen 0,090 beiderseits genau gleich. 

* Der Masstabelle in den Antiken Denkmälern fehlt gerade eines der für 
die Olympische Entsprechung wichtigen Masse; ich habe mich überzeugt, 
dass sie auch an diesem Kopfe genau eingehalten isl. Mund — Kinn ist 0,040 
angegeben; genau so gross__ist die Entfernung vün der durchgehenden Haar- 
grenze zum Auge. 

Die Entfernung vom Kinn bis zum Auge beträgt nur 0,100; hier isl in den 
Ant. Denkm. das Kinn zu voll genommen. Ebensoviel beträgt Ilaargrenzc 
bis Mund. Die Verwandtschaft mit dem Jünglingskopf bestätigt noch der Um- 
stand, dass bei beiden, wie die Masslabellen zeigen, das Untergesicht kür- 
zer ist, als die Nase bis zum Augenhöhlenrand. 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XV. 2 



18 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

schiebt. Al)\veicliend ist wesentlich nur die Bildunor im Auae 
und der Mund, und doch wird man gerade unter Hinzuziehung 
des auf derselben Tafel unter E 2 abgebildeten Römischen 
Exemplars des Kopfes einen archaischen dem unseres Jüng- 
lingskopfes ähnlichen Mund als Vorlage erkennen. Freilich 
darf dann der Berliner Kopf auch nicht mehr als eine ' Grie- 
chische Originalarbeit der 2. Hälfte des 5. Jahrb. v. Chr.' gel- 
ten, wie das Verzeichniss der Berliner Antiken unter Nr. 603 
angiebt. Gerade die Arbeit an Mund und Augen widerstreitet 
diesem Urteil, zu dem das sehr sorgfältig gearbeitete Haar 
vielleicht verführen kann. Ebensowenig kann ich den Marmor 
für Parisch halten. Die Beziehung zu den Olympischen Skulp- 
turen hat Studniczka angedeutet, namentlich die Gewandbe- 
handlung stimmt ausserordentlich überein. 

3. Statue eines Jünglings, mit einem nicht zugehörigen Kopf 
abgebildet Athen. Mitth. V Taf. 1 , der richtige Kopf 'E(p-/)a£pt; 
ap/aioX. 1888 Taf. 3. Vgl. dazu den Fundbericht Athen. Mitth. 



< Kinn — Scheitel etwa 0,185 

Nasenwurzel — Hinteikopf etwa 0,15 

Haaransatz — Kinn 0,1235 

do —Mund 0,084 

do —Nase 0,069 

do — innerer Augenwinkel 0,042 

do — Nasenansatz 0,0275 

do — Oberrand der Augenhöhle 020 

Kinn — Mund 0,04 

do —Nase 0,055 

do —Auge 0,0845 

do — Nasenansatz 0,094 

do — Oberrand der Augenhöhle U, 1045 

Unterrand der Nasenflügel — do 049 

Nasenlänge 04 

Augenwinkel — Mundwinkel 044 

Mundbreile 0345 

Innere Augenweite 0v6 

Äussere do 071 

Augenlange 0,024 

Nase bis Ohrläppchen 0775 

Ohrlänge 0^04 

Ohrbreite q q.i^ 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 19 

XIII S. 22G, in ^velclle^n die Tliatsache, dass der Kopf auf den 
Bruch des Halses genau aufpasst mit ausreichender Deutlich- 
keit ausgesprochen ist. Trotzdem liat iiuin versucht mit ästhe- 
tischen Gründen diese Thatsache zu hezweifeln ^ ; es sei darum 
hier noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass, so 
lange der Kopf noch nicht durch einen eisernen Stift mit dem 
Hals verbunden war, es Jedem frei stand, sich ausser durch 
das Auge auch durch das Gefühl davon zu überzeugen, dass 
die Bruchflächen im Inneren ganz genau aufeinander passten ^•, 
wenn man den Kopf auf dem Halse hin und her bewegte, so 
fand man eine Lage und nur diese eine, in welcher [)lötzlicli 
die Möglichkeit der Bewegung aufhörte und der Kopf fest auf 
dem Halse aufsass ; diese Lage ist zugleich diejenige, in der 
sich alle Formen in natürlichem Fluss über den etwas ausge- 
brochenen Rand fortsetzen-^. 

Die Vervv^andtschaft des Körpers mit dem des Harmodios hat 
bereits Furtwängler in eingehender stilistischer Analyse des- 
selben ausgesprochen (Athen. Mitth. V S. 34); um so befrem- 
dender war es, dass er ihm einen im Typus so sehr verschiede- 
nen Kopf aufsetzen konnte. Die kunstgeschichtliche Stellung 
des Kopfes ist angedeutet von Wolters in dem oben erwähnten 
Fundbericht. Beziehungen zum Harmodios, auch im Kopf, 



Brustwarzenabstand 0,155 

Halsgrube — Unterrand der Brust 0,124 

Nabel — do 0,15 

Abstand der Darmbeinstachel 0,15 

Dünnste Taillendicke am Nabel 0,15 

^ Vgl. Lechal Üiill. Hell. 1888 S. 435. Sciilptures du musee de VAcropole 
Nr. 216. 

2 Vgl. auch Journal of Hellenic studies X S. 263. 

3 Wenn Sophulis, der die Thatsache des Aufpassens als solche anerkennt, 
doch für die ip\LowiY.ri Ivotr); jenes früheren Versuches eintritt (a, a. 0. S. 85), 
so sei daran erinnert, dass gerade wegen des starken Missverhältnisses jene 
Zusamraenfügung früher verurteilt wurde (vgl. Athen. Mitth. XI S. 360 ), und 
dies Missverhältniss hat in einer gewissen Entfernung stets gewirkt. Den 
trügerischen Schein der Zusammengehörigkeit ergaben immer nur Einzei- 
beobachtungen, die man in einer Nähe anstellen mussle, in welcher das 
Ganze nicht mehr wirkte. 



2Ö DIE CnUPPE DER TYRANNENMOERDER 

erkennt Sophulis. (a. a. O. S. 85), der zugleich die schon von 
FurtAAÜngler angedeuteten Beziehungen zur sogenannten Pa- 
sitelesschule Avieder aufnimmt. Für die Aehnlichkeit der Haar- 
tracht mit dem Aktäon der Selinuntisclien Metope vgl. ohen 
XUl S. 405; eine gewisse Verwandtschaft liegt auch im Kopf- 
typus vor. 

4 . J ünglingsköpfchen auf der Burg, ahgehildet Athen . Mitth . 
VII Taf. 9. Von Lange (dasell)st S. 204 IT.) zum Ilarmodios 
und zu den Olympiaskulpturen gestellt ^ 

5. Bruchstück eines Kopfes aus Parischem Marmor auf der 
Burg — es ist nur das untere Stück von dem Nasenansatz ab 
erhalten, die Nase selbst ist abgebrochen, ausserdem fehlt die 
Hälfte des linken Auges — muss wegen seiner frappanten Aehn- 
lichkeit mit dem liopf Nr. 3, die besonders in dem so eigen- 
tümlichen Munde hervortritt, hierhergezogen werden-. 



^ Feinkryslalligcr ungcschichleter weisser Marmor. 

An der geringer ausgearbeiteten linken Seite fehlen auch die Löcher für 
die Locken. 

Kinn — Scheitel 0,1265 

Nasenwurzel — Hinterkopf 0,105 

Haaransatz (unterhalb der Löcher angenommen) — Kinn 0,0845 

do —Mund 0,061 

(dabei ist aber der Oberrand der Unterlippe in ilen Zirkel genommen) 

do —Nase 0,051 

do — Nasenansatz 0,0225 

do — Unterrand des Stirnbeins (das hier besonders stark betont 

ist) 0,016 

Kinn — Mund 0,027 

do —Nase 0,0365 

do —Auge 0,058 

do —Unterrand des Stirnbeins 0,0705 

Unterrantl der Nase — do 0,034 

Nase 0,03 

Augenwinkel — Mundwinkel 0,0345 

Halbe Mumibreite 0,014 

Innere Augenweite 0,012 

Augcnlänge 0,021 

Nase — Ührläi.pchen 0,0i5 

Ohrlänge 0,031 

2 Mit Nr. 37 bezeichnet. 

l)er Kopf isi hinten durch eine vertikale Fläche begrenzt, von dieser gc- 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER v! I 

6. Jünglingsköpfellen aus Atlien in Strassburg, Nr. 10"2ü. 
Vgl. A^erzeiehniss der Abgüsse Grieehiscliei' und Römiselier 
Bildwerke im kunslareliäologiselien Institut der Kaiser-^^'il- 
liclinsiiniversitätStrassburg S. 41. Auf dieses KöplVIicii iii;iclile 
mich Studniczka aufmerksam, Herr Professor Michaelis war so 
gütig, mir einen Ahguss davon zu senden. Obgleich die Stirn 
mit dem Schädel fehh, Kinn und Nase stark bestossen sind, 
so ist doch die Zugehörigkeit zu dieser Reihe unverkennbar, und 
zwar steht der Kopf gerade dem Ilarmodios selbst am allei'- 
nächsten. Der eigentümliche Umriss der Wangen, weh-her von 
den schmalen Schläfen fast senkrecht abfällt, die übertriebene 
Ausbilduno- des Unterkiefers, die im Verhältniss dazu kurze 
und schmale Nase, sind beiden Köpfen gemeinsame wesent- 
liche Züiie, die Bildunü; im Einzelnen, namentlich in Mimd 
und Auoen. stimmt ebenso überein, wenn auch das Strassbur- 
ger Köpfchen im Ganzen eine gröbere Arbeit ist, als das für 
den Harmodios vorauszusetzende Original '. 

7. Bruchstück aus Parischem ]Marmor. welches früher am 
Eingang zur Burg beim Wächterhäuschen lag, jetzt sich liin- 



\ioi\ zwei horizontale I']iiiarlioitiHiij;on in viMscIiielouor Tieft; nach vorn in 
den Kopf hinein, eine in Mundhöhe, die andere beim Kinn, der Kopf war 
also entweder als Relief auf einer Hiiiterwand befestigt, oder — was wahr- 
scheinlicher ist — gestückt. Farbsi)uren sind am Mund und in den Augen. 

Kinn — Augenwinkel 0,Oöl 

do — Unterrand der Nase 0,042 

do —Mund 0,029 

Augenwinkel — Mundwinkel 0,0315 

Nase '. 0,029 

Mundbreite 0,025 

1 Höhe des Erhaltenen 0,078 

Schläfenbreite 0,079 

Kinn — Auge etwa 0,068 

Auge — Unterrand der Nase 0,02G 

do —Mund 0,038 

Mundbreite 0,031 

Innere Augenweite 0,017 

Äussere do 0,058 



22 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

ter dem Museum befindet'. Dasselbe ist vielleicht identisch 
mit dem von Ross Arch. Aufsätze IS. 114 tblgendermassen 
beschriebenen : ' Torso eines Knaben oder Jünglings, vom Na- 
bel an abwärts bis auf die Mitte der Schenkel (wenig unter 
natürlicher Grösse), der ein wahrer '/.yXAinuyoq genannt wer- 
den kann'. Die starke Ausbilduno; der schrägen Bauchmuskel 
und die Bildung der Schamhaare (das Glied war besonders 
eingesetzt und mittels eines noch vorhandenen Bronzestiftes 
befestigt) weisen das Stück in diesen Zusammenhang. Dass 
dasselbe vielleicht zu dem unter Nr. 2 erwähnten Jünglings- 
kopf gehöre, ist eine, freilich nicht beweisbare, Vermutung von 
Wolters (Athen. Mitth. XII. S. 266), der die Masse nicht zu 
widersprechen scheinen. 

8 . Statuette einer Athena aus Parischem Marmor, ohne Kopf, 
im Akropolismuseum. Abgebildet 'E^Yijj.spi,; äp/aio)^. 1887 Taf. 
8 und von Studniczka dort S. 148 ff. in eingehender Darle- 
gung zu den Skulpturen von Olympia gestellt, nachdem schon 
Winter auf eine Bemerkung von Wolters hin diese Beziehung 
kurz angedeutet hatte (Jahrbuch II S. 233 Anm. 53). 

9. Das im AsXtiov 1888 S. 123 abgebildete Relief^. Ueber 



^ Guter Parischer Marmor. 

Höhe des Erhaltenen 0,35 

Breite oben 0,29 

Grösste Breite an den Hüften 0,30 

Breite des geraden Bauclimuskels 0,15 

Nabel — Glied 0,455 

Dicke am Nabel 0,183 

Die von Wolters mitgeteilte Fundnotiz beruht auf einer nicht ganz siche- 
ren Mitteilung und würde daher der oben vermuteten Identification nicht 
im Wege stehen. 

2 Haaransatz — Kinn 0,04 

do —Mund 0,0285 

do —Nase 0,0235 

do —Auge 0,012 

do — Nasenansalz 0,01! 

do — Augenhöhlenrand 0,0075 

Kinn — Mund 0,013 

do —Nase 0,018 

do —Auge 0,029 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 23 

seine Auffindung ist berichtet ebenduseljjst S. 103, vp,!. auch 
Journal of Hellenic studies X S. 268. Der Marmor ist un- 
terer weisser Pentelisclier (Lepsius). Die Arl)oit zoiigl von 
höchster Sorgfah und Feinheit, ohne von einer gewissen Ge- 
bundenheil ganz frei zu sein, wie man an Haar und Gewand 
sieht. Mit besonders feinem Empfinden ist aber in allen nack- 
ten Teilen die Oberfläche des Marmois beliandell. ^'on l'^arb- 
spuren fand sich nur etwas Blau auf dem i\eliefgriuide zwi- 
schen dem Ende des Helmbusches nnd dem Nacken der 
Athena und rechts von ihrem Kopfe '. 

Dargestellt ist Athena bekleidet mit dem attischen Peplos, 
der hier zum zweiten Male in der Zeit \ov Phidias auftritt 
(vgl. Studniczka, Beiträge S. 141), und mit dem Korinthi- 
schen Helm, für dessen Vorkommen in Athen dieses eines 
der ältesten Beispiele ist (vgl. Furtwängler in Roscher's Le- 
xikon I S. 700). 

Die Göttin ruht auf dem rechten Bein, während das linke 
leicht zurück gesetzt ist, und den Fuss nur mit der Spitze auf- 
treten lässt ; sie stützt sich mit der rechten Hand auf die Lanze, 
wodurch der ganze Körper eine etwas schräge Lage bekommt; 
die re"bhte Hand ruht auf der Hüfte. Der Kopf ist gesenkt. Ne- 



Kinn — Augoiiliohleiiraud 0,032 

Unterrand der Nase — do • • • 0,017 

Nase 0,0135 

Augenwinlcel — Mundwinkel 0,017 

Nase — Ohrläppchen 0,025 

Ohrlänge 0,0H5 

Halshreile unter dem Kinn 0,031 

Halslänge im Nacken 0,0215 

Fusslänge 0,0715 

Höhe der Schultern üher der Grundlinie 0.38r> 

Dasselbe in der Axe der Figur gemessen 0,40 

Schulter — Scheitel etwa 0,93 

< [Unter dem plastischen Kyraa läuft ein 6 mm l)nMter, jetzt gelblich er- 
scheinender Streifen, der otTenbar in einer vom Blau des Grundes verschie- 
denen Farbe gemalt war. Auf dem Kyma erscheinen flüchu'ge Vorritzungen 
für das Ornament; dasselbe glich etwa dem im Jaiirbuch HI S. 275, l'i. ab- 
gebildeten jedoch ohne die nach oben aufspriessenden l'almelten.] 



24 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

hen der Göttin befindet sich eine Stele von einfacher recht- 
eckiger Form. Es liegt nahe an eine Urkundenstele zu denken 
und das ganze Relief als eine Weihung, Athena als Hüterin 
der Gesetze dargebracht, aufzufassen, eine Auffassung, die sich 
einfach und ungezwungen mit der Vorstellung der Athena xo- 
T^iou/o; verbindet ^ Einer so einfachen Deutung scheint nun 
zweierlei im Wege zu stehen, erstens die "seltsame schmucklose 
Form der Stele und zweitens die allgemein in Ausdruck und 
Stellung der Göttin empfundene Schwermut, welche den In- 
halt unseres Reliefs rätselhaft erscheinen liess (vgl. ^elxiov 
1888 S. 103). Freilich sind wir gewohnt, Stelen irgendwie 
nach oben architektonisch abgeschlossen zu sehen, und eine 
der unsrigen absolut identische Form, von der zugleich sicher 
wäre, dass sie oben keinerlei Aufsatz oetraoen hätte. Iiabe ich 
bei einer, freilich nur flüchtigen, Durchsuchung des hiesigen 
epigraphischen Museums nicht gefunden. Jedoch kommt ge- 
rade ein sehr wichtiges xMonument unserer Stele sehr nahe : 
der Block, auf dessen einer Fläche das Salaminische Dekret 
{C. I. Ä. IV S. 57, Irt) steht, ist an der linken Seite dieser 
Fläche 0,218"^ hoch, während er ganz rechts 0,227™ hoch ist. 
Es wächst also mit der Richtung der Schrift die Hölre der 
Schriftfläche um 0,009'", der Block hat also, wenn man ihn 
so legt, dass die Bucbstaben aufrecht stehen, eine schiefe Ober- 
kante. Man wird ihn daher lieber aufrichten und eine Stele 
erhalten, die sich nach oben leise verjüngt; dass die daraus 
sich ergebende senkrechte Stellung der Zeilen nichts unge- 
wöhnliches war, lehrt ein Blick auf die zahlreichen so be- 
schriebenen Stelen auf der Burg, welche Weilmeschenke truoen. 
Gefordert alier wird diese Stellung ausser durch die Gestalt 
auch noch durch die Bearbeitung der Flächen. Es sind näm- 
lich ebenso glatt wie die Schriftfläche bearbeitet die jetzige 
Oberfläche und Unterfläche, während die jetzige Hinterfläche 



< [Zu vergleichen ist die Darslellimg der vun Benndüif, Vasenbilder Taf. 
3.1,1. Dumoat, Geramiqucs II S. 00 abgebildeten Vase, die Athena ganz 
ähnlich bei. einem Analhem, Säule mit Kinderstatue, zeigt]. 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 25 

und Seitenfläche zwar el)en, aher rauh gepickt sind. Man darf 
also nicht den Blociv mit seiner einen j;lalten Miiclie aidliejicn 
lassen, sondern muss ihn aLdViclUen. dann sind, wie es sich 
gehört, glatt die vordere und die beiden Seitenflüchen, raidi 
die Hinter- und die Ohorfläche. Diese ObtM'fliiclie zeigt luui 
keinerlei Spur von llerrichtung zur ALdhahnie irgend eines 
anderen Gliedes, sondern, wie bemerkt, dieselbe Bearbeitung 
wie die Ilinterfläche. Die Stele hat also nie irgend einen krö- 
nenden Abschluss getragen, glich also bis auf die schwache 
\'eriün2;unü; vollständiu' der auf dem Relief abgebildeten. Bei 
ofenauerer Durcharbeituno- des vorhandenen Materiales werden 
sich vielleicht noch mehr älmliche Beispiele nachweisen lassen. 
Was nun die anuebliche Schwermut anlangt, so ist sie in 
Bezug auf die Stellung eine willkürliche Unterschiebung; 
statt aller Beispiele einer Athena mit gesenktem Kopfe, der 
freilich auf Reliefs des vierten Jahrhunderts sich zweifellos als 
wohlwollend oeneiüt zu erkennen «iiebt. iienüi'e hier der Hin- 
weis auf das bei Schöne Griech. Reliefs Taf. XXVII Nr. 112 
abgebildete Heraklesrelief. Abgesehen davon, dass Herakles 
den linken Arm oesenkt hält, was ja für unsere Fraüe nicht 
in Betracht kommt, stimmt Stellung und Haltung der Glieder, 
Neigung von Körper und Kopf völlig mit unserer Athena über- 
ein. Dem Herakles, welcher sich freundlich zu seinem Ado- 
ranten herabneigt, wird Niemand Schwermut zutrauen. D;'.rs 
das Relief aus Ithome stammt und Kekule {AiinaU 1868 
S. 319) Verwandtschaft mit Polyklet's Kunstweise darin 
findet, ist für die kunstgeschichtliche Würdigung unseres 
Athenareliefs nicht gleichgiltig. Es bleibt die vermeintliche Me- 
lancholie im Gesichtsausdruck zu erklären. Gerade sie ist nun 
ein Hau])tpunkt für das stilistische Verständniss des Kopfes. 
Fast alle Köpfe nämlich, welche sich stilistisch jener Kunst^ 
Übung anreihen, deren Wirkung in Athen zu erweisen Zweck 
dieser Zusammenstellung ist, werden durch ihren ernsten Aus- 
druck erkannt, der Manchem sogar missvergnügt, ja 'gräm- 
lich' erscheint; hat man doch die 'Grämlichkeit' geradezu als 



26 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

das künstlerische Erbteil der Schule hinstellen wollen ^ Jeden- 
falls genügt ein Blick auf die Skulpturen von Olympia, auf 
die Mehrzahl der Werke der sogenannten Pasitelischen Schule, 
auf Köpfe wie beispielsweise der Arch. Ztg. 1877 Taf. 8 ab- 
gebildete, auf die Stützfigurcn der Korinthischen Spiegel, die 
doch gewiss keinen Grund zur Traurigkeit haben, auf den oben 
unter Nr. 1 erwähnten Bronzekopf, um zu erkennen, dass 
man diese Art des ernsten und herben Ausdrucks nicht im 
Einzelfalle zur Deutung gebrauchen darf, und dass ein Werk, 
das ihn. wie unser Relief, zeiaft, stilistiscli in dieselbe Reihe 
gehört. Dass auch dieser Kopf das Olympische Mass hat, 
bestätigt diese Zuteilung, dazu kommt der breite kurze Hals 
der sich hier überall ündet und die eigentümlich ungeschickte 
Art, wie die Hand auf der Hüfte liegt, welche sich in Olympia 
und an der unter der vorigen Nummer beschriebenen Athe- 
nastatuette findet. 

Bei dem ^"ero•leich mit dem Athenatorso der vorigen Num- 
mer erkennen wir sofort den grossen Fortschritt in Bezug auf 
die Stellung; wir hahen hier das erste Werk, in welchem jener 
oft und zuletzt von Studniczka ( 'E<pv)[7.£pl(; äpya'.ol. 1887 S. 151) 
charakterisirte unentschiedene Stand bei vollem Auftreten bei- 
der Sohlen aufoeoeben ist. Ebenso beweist die Art, wie der 
Busen unter dem Gewand angedeutet ist, die verständnissvolle 
Bildung der Arme, die feine Modellirung des Kopfes und die 
naturgemässe Bildung des Auges eine fortgeschrittene Kunst. 
Wir dürfen daher wohl unl)edenklich dieses Relief für das 
jüngste unter den aufgezählten ^^>rken halten und werden es 
nicht mehr sehr weit von der Zeit der Parthenonskulpturen 
abrücken, so dass es geeignet sein dürfte, die von Furtwäng- 
1er beklagte Lücke in der Kunstgeschichte vor Phidias aus- 
zufüllen (vgl. Athen. Mitth. V. S. 40 Anm. 1). 

Aus der obigen Zusammenstellung von Monumenten ' können 



' Lange in diesen Mitliieilungen VII S. 208. 

2 Von den beiden von Furlwängler (Athen. Mitlli. V S. 40) eiwälinten 
Olympischen Köpfen aus Altika kenne ich nur den Brauronischen, welcher 



DIE GRUPPE DER TYRANNEXMOERDER 27 

wir vielleicht nebenbei etwas für die Zeit der Olympischen 
Figuren gewinnen. Der Kopf Nr. 2 gehört zu den entwickelt- 
sten Werken der vorpersisclien Zeit, man wird ihn nicht lange 
vor 480 ansetzen wollen ; zu demselben Ansatz kommt Wol- 
ters (Athen. Mitth. Xll S. 2GG) aus der guten Erhaltung der 
Farbe. Nun wird man gewiss allgemein zügelnen, dass die.'^er 
Kopf etwas altertümlicher sei, als der Apollon des ülympisciien 
Westgiebels. Die durch den Harmodios vertretene Entwicke- 
lungsstufe darf im Kopfe vielleicht, im Körper siclier für jün- 
ger als die Olympischen Skul})turen gelten, und die oben an- 
geführte Beobachtung Kekule's würde das nur bestätigen. So 
würden wir also für die letzteren auf einen Ansatz um 480 
geführt. 

Eine andere Frage knüpft sich für Athen an das Vorhan- 
densein dieser AA^erke. Es haben sich nämlich bisher von je- 
der Phase der Kunstentwickelung die Einwirkungen im Kunst- 
handwerk, speciell der Vasenmalerei gezeigt, von der 'altatti- 
schen' im scliwarzfigurigen Stil, der Chiotischen im strengen 
rotfigurigen , von der des Phidias in den jüngeren rotüguri- 
gen Vasen; w^ir dürfen also auch erwarten, von der in Hede 
stehenden Kunstw^eise einen Reflex zu finden. Und das ist denn 
in der That auch schon oft beobachtet Avorden. zuerst meines 
Wissens von Conze in seinen Beiträgen S. 20. 



in Berlin im Abgüsse vorhanden ist (Friedrichs-Wulters 1304), er gehört 
sicher nicht hierher. Dagegen darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt 
bleiben der obere Teil eines Kopfes mit Doppelzopf, dessen Enden vorn 
über dem Haar liefen, von sorgfältiger archaischer Arbeit, welcher sich im 
Akropolismuseum [»efindet, weil alle mir bekannten Köpfe mit dieser Haar- 
tracht mehr oder weniger sich dem besprochenen Schulzusammenhang an- 
schliessen, der wie es scheint, gerade bei den ältesten am engsten ist. Vgl. 
den im Text unter Nr. 2 aufgeführten Kopf und die Athen. Mitth. VIII Taf. 
12 Nr. 2 abgebildete Münze von Leontinoi = Head Hist. Numm. S. 130,79 = 
Gardner Types Taf. II, 30, Das übrige Material bei Schreiber Athen. Mitth. 
VIII S. 246. IX S.232. Sicherer ist noch hierher zu ziehen ein halber Kopf, 
welcher unter den Bruchstücken aus dem Asklepieion liegt, doch kann ich 
genauere Angaben über denselben nacli nur einmaliger nächtiger Betrach- 
tung nicht machen. 



28 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

Es folgen Furtwängler ', Lange -. Schreiber ^ Klein ^ Köpp^ 
Studniczka^ ^Mnter ^ welche der eine bei diesem der andere 
bei jenem Kopfe aus unserem Kunstkreise \'er\vandtschaften 
mit den rotfigurigen Vasen empfanden, bald ganz allgemeine, 
bald so enge, dass sie geradezu an direkte Nachahmung dach- 
ten. Am meisten ist hier der Jüngling von der Berliner poly- 
chromen Euphroniosschale (Wiener Vorlegeblätter V Taf. 5) 
herangezogen worden; Schreiber und Winter sehen in ihm 
eine direkte Nachbildung des Apollo aus dem Theater. Man 
Avird, nachdem das lAIaterial für die Skulptur sich so vermehrt 
hat, und wenn man bedenkt, dass auch jener Typus des Eu- 
phronios durchaus nicht allein steht, einen derartigen Gedan- 
ken jetzt wohl fallen lassen müssen, um so mehr aber in allen 
Vasen, welche derartige Typen aufweisen, den Einfluss der 
gleichzeitigen Skulptur ganz allgemein anerkennen. Eine sy- 
stematische Zusammenstelluuü; aller hierherijehcirieen Vasen 
wäre daher ein durchaus angemessener Versuch ; er kann hier 
bei dem Mangel an Material und bei den stilistisch meist nicht 
zuverlässigen Abbildungen nicht gemacht werden. Ich niuss 
mich begnügen, einige frappante Beispiele auszuwählen, wel- 
che geeignet sind, den behaupteten Zusammenhang ausser 
Frage zu stellen und zugleich etwas genauer zu umschreiben, 
als es bisher geschehen konnte. Der Jüngling von der Euphro- 
niosschale mag den N'ortritt haben, ich glaube, wenn wir jetzt 
nach dem NA'erk in unserer oben zusammengestellten Liste 
suchen, dem er am nächsten kommt, so wird Niemand zögern, 
den Kopf Nr. 2 als dasselbe zu bezeichnen. Hier ist auch die 
Uebereinstimmung in der Haartracht noch grösser, indem 



^ Athen. Milth. V S. 40. 

2 Athen. Mitth. VII S. 204. 

3 Athen. MiUh. IX S. 243. 
■* Euphronius 2 S. 83. 

s Röin. Mitth. I S. 82. 

ß Rüin. Mitth. II S. 56. 

■^ Jahrbuch II S. 23i; freilich will er den Einlluss auf den Apollo aus dem 
Theater beschränken, und sträubt sich S. 237 gegen die Anerkennung der 
Ahnliclikeil )nit Olympischen Köpfen im Allgemeinen. 



niE TtRuppk der tyrannenmoerder 



29 



beide Male die Enden der 7a)\)\\' \orii iiiilci' dein Ilaar li('j2;en. 
Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, dass der weii)liehc 
Kopf stilistisch durchaus in dieselbe Reihe gehört und dass die 
Köpfe auf dem flüchtiger gemalten Aussenbilde wenigstens 
nicht lierausfallen. Demselben Marmorkopf auf das engste ver- 




wandt sind die beiden Köpfe, besonders aber wieder der rechte, 
auf der vorstehend abofebildeten Scherbe von der Burss:'. 

Ausserordentlich ähnlich, yielleicht von derselben Hand ist 
die im Journal of He//, stuc/ies I Taf. Ill abgebildete Scherbe 
eines Skyphos, auf welcher Iris zwischen Kentauren darge- 
stellt ist. 

Ganz ebenso auffallend ist die Aehnlichkeit des Achill auf 
dem von Conze ( Beiträoe S. 21 ) heranü;ezo£^enen Krater aus Gir- 
genti {Monuinenti I Taf. 52); seine Haartracht stimmt wieder 
genau, auch haben alle übrigen Personen auf der Vase den 
Kopftypus mit der niedrigen Stirn, dem starken Kinn und dem 
ernsten Ausdruck. Die Umschau bei den grossen Sclialenma- 
lern ergiebt, dass Duris im ganzen diesen Typus noch nicht 
zeigt; nur, ähnlich also wie bei Euphronios, in einem einzel- 



^ Die Scherbe stammt aus den älteren Funden. 



30 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

neu gewiss jüngeren ^^^erke (^^'ienel' Vorlegeblätter VI Taf.l) 
tritt er auch bei ihm ganz ausgeprägt auf. Unter den Vasen 
des Hieron zeigt wieder nur die von Makron gemalte (^^'iener 
Vorlegeblätter G Taf. 1 ) jenen Stil, bei Brygos fehlt er ganz. 
Endlich gehört liierher die Orpheusscliale von der Akropolis, 
{Journal of Hellcnic studies 1888 Taf. VI). Alle diese Va- 
sen gehören ungefähr derselben Entwickelungsstufe an, bilden 
also eine zeitlich begrenzte Gruppe. Auch die Vasen, auf denen 
nach Furtwängler's Bemerkung (Roscher's Lexikon I S. 696) 
Athena in der Tracht der Pallas Albani erscheint, gehören, so 
weit die Abbildungen erkennen lassen, stilistisch und zeitlich 
hierher^ (vgl. Gerhard A. V. Taf. 116 und 126). Anderer- 
seits finden sich unter den Vasen des sogenannten strengen 
Stils keine Beispiele des in Rede stehenden Typus, auch un- 
ter den aus dem Perserschutt stammenden Vasenscherben von 
der Akropolis, welche mehrere Monate von mir beobachtet 
worden sind, und welche den strengen rotfisurigen Stil bis 
zu seinem Höhepunkt zeigen, habe ich kein Stück gesehen, 
auf welchem man ihn mit Sicherheit erkennen könnte. Die un- 
tere Grenze sind die Vasen, welche bereits das Auo;e in der 
Seitenansicht richtig gebildet zeigen ; sie weisen unseren Ty- 
pus nicht mehr auf. Bezeichnend ist die im Journal of Hel- 
lenic studies I Taf. 6 abgebildete Vase, auf welcher Achill 
noch genau den Doppelzopf in der Anordnung wde unser 
Jünglingskopf N. 2 zeigt, doch ist der Kopftypus (w^enn die 
Abbildung nicht trügt) verschwunden. 

Der Höhepunkt dieses Geschmackes scheint also in jener 
Entwickelungsstufe zu liegen, welche man als den Uebergang 



^ An dem 'Peloponnesisclien' Charakter der Albaiii'sclien Statue kann 
man nicht zweifeln, wenn man sie mit dem Apollokopf aus dem Olympieion 
oder mit der Hesperide aus der Olympischen Melope (Ausgr. I Tai'. 26) 
vergleicht und dabei das oft besprochene Standmuliv beachtet. Furtwängler 
bestreitet a. a. O. die Bercciitigiiiig, den Typus so zu bezeichnen, scheint 
ihn doch aber Athen. Millh. VI ö. 190 slilislisch ebenso einzuordnen; ver- 
stehe ich seine Bemerkungen recht, so sträubt er sich also nur gegen den 
Namen, weil sich Werke jener Kunstübung eben auch in Attika linden. 



niE GRUPPE DER TVItAXNEN.MOERnER 31 

vom strengen Stil zum freien oder sogenannten 'schönen' zu 
bezeichnen pflegt, und fäüt somit nacli Massgal)e der ohen an- 
gedeuteten Ausgrahungsheobachlungen anch zeithcli mit dem 
Höhepunkt jenes eigentümlichen Stiles in der Plastik zusam- 
men. Dass sieh derselbe Stil auch in den Terracotten nach- 
weisen lässt, kann hier nur einfach ausgespi'ochen werden, 
ohne dass, bei dem gänzlichen Mangel an veröft'entlichtem Ma- 
terial, der Beweis angetreten werden könnte. 

Merkwürdigerweise fehlt es unter den Attischen Grabreliefs 
vollständig an Beispielen für die betrachtete Kunstweise, auch 
Alfred Brückner konnte mir kein solches nachweisen. Diese 
Thatsache verlangt ihre Erklärung in einem anderen Zusam- 
menhange, hier musste sie nur erwähnt werden. 

Unsere bisherige Betrachtung hat gezeigt , dass eine be- 
stimmte Kunstweise, welche sich am einfachsten durch jenes 
Merkmal des Olympischen INIasses zusammenfassen lässt, in 
einem abzu£!;renzenden Zeitraum in Athen in Uebuno; war. 
Daran knüpfen sich zwei Fragen : Erstens, haben wir diese 
Kunst als Attisch, d. h. als in Attika ohne fremden l*]influss 
entstanden zu denken, und, wenn nicht, woher stammt sie? 
Zweitens, welche Rolle in der Entwickelung der Attischen 
Kunst hat sie gespielt? Die Beantwortung der ersten Frage 
würde nicht mehr und nicht weniger als die Untersuchuno; 
über die Herkunft der Sicilischen und Olympischen Skulptu- 
ren, die ganze Pasitelesfrage und noch einiges andere erfordern; 
sie fällt aus dem Rahmen dieser Arbeit heraus, um so mehr, 
als die Hoffnung, dass sie von berufenerer Seite geführt wer- 
den wird, noch nicht aufzuo:eben ist ^ Es sei nur die Fräse 
aufgeworfen, ob die Entstehung in Attika für eine Kunst wahr- 
scheinlich ist. welche daselbst nur eine zeitlich beorenzte und 
nicht allo-emeine Herrschaft ausübt, und deren einzelne Ver- 
treter sich mehr wie die versprengten Glieder mehrerer Fa- 
milien desselben Geschlechtes als wie die Nachkommen dessel- 
ben Stammes ausnehmen, w^ährend dieselbe oder eine ähn- 



< Vgl. Rom. Millh. II S. 53 und Athen. Millli. XII S. 374. 



32 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

liehe Kunst in anderen Gegenden durch grosse monumentale 
Werke vertreten ist. sich nach oben und unten anknüpfen und 
mit Wahrscheinlichkeit auf ein nicht sehr weit umgrenztes 
Lokal zurückführen lässt. Denn es muss hier wenigstens aus- 
gesprochen werden, dass die schon von Lange ^ versuchte, von 
Studniczka mehrfach angedeutete und am ausführlichsten in 
den Römischen Mittheilungen II S. 98 ff. begründete Zurück- 
führung dieser Kunst auf die Sikyonisch-Argivische Schule 
mir wenigstens für einen grossen Teil der \\"erke keinen 
Schwierigkeiten zu unterliegen scheint. Dass dabei auch Aegi- 
netische Einflüsse mitspielen, hat derselbe Gelehrte'ebenda an- 
gedeutet, und hoffe ich bei anderer Gelegenheit näher auszu- 
führen-. Die Ergebnisse der Untersuchungen Robert's (Ar- 
chäolofifische Märchen S. 92 ff.) für die Chronologie der Si- 
kyonisch- Argivischen Schule, vor allem der Nachweis, dass 
Hagelaidas um 500 in Athen gearbeitet haben kann (ebda. S. 
40), können dieser Ansicht nur günstig sein. Jene ' Pelopon- 
nesische' Kunst — um diesen Namen einmal mit allem Vorbe- 
halt zu oebrauchen — wird nicht ohne Einwirkung auf die Atti- 
sehe geblieben sein. Ein Blick auf die ernstfreundlichen Ge- 
stalten des Parthenonfrieses, deren Anmut so eng mit ihrer 
schlichten Natürlichkeit verbunden ist, legt es nahe, dieselbe 
als naturalistische Reaktion gegen das manierirte Chiotentum 
aufzufassen, deren Erfolg es war, dass man im Gegensatz zu 
den lächelnden Karrikaturen die Köpfe mit ernstem Ausdruck 
bildete, wie ihn die Beobachtung des täglichen Lebens lehrte, 
dass man den Körper und seine Bewegungen eingehend stu- 
dirte und sich in seiner möglichst treuen und einfachen Wie- 



< Athen. Mitth. VII. S. 204 IF. 

2 Die Richtung auf die anatomische Durchbildung des Nacklen, die Ver- 
nachlässigung des Kopfes dem gogcniihcr, das 'Ulympisclic' Mass, welches 
sich bereits bei den Aegineten lindct, so wie mehrere Einzelheiten der Haar- 
tracht und Formenbildung lassen sich in diesem Sinne verwerten. Aegine- 
tische Werke in Athen haben die Ausgrabungen auf der Burg geliefert, 
Aeginelischen Einfluss in der Vasenmalerei erkannte schon Friederichs 
(Bausteine S. 63). 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 33 

dergabe versuchte. Nun brauclite in die so befreite, fast zu 
herbe und unfreundliche Natur nur die ganze Cliaris Athens 
gegossen zu werden, und das Wunder der Attischen Kunst 
war da. Und es lassen sich in der That auch positive Anhalts- 
punkte für eine solche Auffassung finden : als solche dürfte 
man wohl Werke, welche sich gleichsam als mitten zwischen 
einer und der anderen Kunstweise stehend herausstellen, auf- 
fassen. Es hat nun Winter im Jahrbuch des Instituts II S. 
216 ff. versucht, auf Grund der Vergleichung der beiden von 
ihm auf 'Paf. 13 und 14 veniffentlichten Köpfe untereinander 
und des letzteren, des Kopfes vom W^eihgeschenk des Euthy- 
dikos ^ mit der Peitho (Winter bezeichnet sie aus Versehen 
als Aphrodite a. a. 0. S. 223) des Ostfrieses vom Parthenon 
eine Entwickelung in gerader Linie aufgestellt, in welcher für 
fremde Einflüsse wenig oder gar kein Platz mehr übrig bleibt. 
Er will aber diese Entwickelung nicht verallgemeinern, im 
Gegenteil, er führt selbst den Apollo aus dem Theater als ein 
Werk an, welches fremde Einflüsse zeige ; und in der That 
scheint mir dieses Werk besonders geeignet, den Uebergang 
aus der ' Peloponnesischen' in die spätere Attische Weise dar- 
zustellen. Ein anderer Vertreter eines solchen Uebergangssti- 
les ist das Athen. Mitth. VI Taf. 7 leider recht unzureichend 
abgebildete Athenaköpfchen. Furtwängler ( S. 187 ff.) rückt es 
nahe an Phidias heran, und das gewiss mit Recht, steht es 
doch im Profil der Peitho vom Parthenonfriese recht nahe, 
aber es bewahrt auch sehr deutliche Erinnerungen des Pelo- 
ponnesischen Stiles ; dahin rechne ich das immerhin noch 
recht kräftig gebildete Kinn, den leise geöffneten durchaus 
nicht freundlichen Mund mit den vortretenden Lippen, na- 



^ Dass jenes Oberteil und das Unterteil, an welchem sich die Basis mit 
der Weihinschrift des Euthydikos befindet, zu derselben Statue gehören, ist 
eine Vermutung Winler's, für deren Richtigkeit es bisher leider an einem 
äusseren Zeugniss feiilte ; als solches lässt sich betrachten, dass jetzt das Ober- 
teil um den im Bruch genau anpassenden linken Arm vervollständigt ist, 
denn diesen Arm habe ich unter den übrigen Fragmenten lediglich durch 
seine Ähnlichkeit mit jenen Füssen herausgefunden. 

ATHEN. JIITTHEILUNQEN XV. 3 



34 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

mentlich der etwas fallen gelassenen Unterlippe, die gross un^d 
ernst geöffneten Augen. Ein Vergleich des Kopfes mit unse- 
rem Athenarelief, den ich bewerkstelligen konnte, bestätigte 
mir diesen Eindruck. Endlich ist es interessant, dass auch die 
Stirn im Verhältniss zum Kinn noch nicht die Attische Höhe 
erreicht hat, sondern die Proportion zwischen der Attischen 
und Olympischen in der Mitte steht '. Ein anderes Beispiel 
aus dem Kreise der Parthenonskulpturen bietet der Kopf im 
Louvre [Journal of Hellemc studiesWX Taf. 23), dessen Zuge- 
hörigkeit zur Metope des Parthenon Waldstein (III S. 228 ff.) 
erkannt hat ; er hat die grösste Aehnlichkeit mit dem jugend- 
lichen Herakleskopf aus der Olympischen Metope mit dem 
Löwen und dem anderen jetzt in dieser Metope befindlichen 
Kopfe (Ausgrabungen IV Taf. H und V Taf. 16), den ich 
auch für einen Jüngiingskopf halte '^. Ich berufe mich für diese 



^ Ganze Höhe 0,091 

Kinn — Scheitel etwa 0,068 

Nasenwurzel — Hinlerkopf etwa 0,073 

Haaransatz — Kinn 0,054 

do —Unterlippe 0,039 

do —Oberlippe 0,038 

du —Nase 0,033 

do —Auge 0,019 

do — Augenhöhleurand 0,013 

Kinn — Mund 0,015 (resp. 0,016) 

do —Nase 0,021 

do —Auge 0,0355 

Mundwinkel — Augenwinkel 0,215 

Unterrand der Nase — do 0,0155 

Mundbreile 0,012 

Nasenflügelbreite 0,0105 

Innere Augenweite 0,0095 

Äussere do 0,0305 

Augenlänge 0,010 

Augenhöhe 0,004 

Halsdicke 0,035 

2 Vgl. Athen. Mitth. XIII S. 407. Dagegen Treu oben XIV S. 299. Doch 
muss icli bemerken, dass meine Behauptung, jener Kopf sei ein Jünglings- 
kopf nur mittelbar mit der von mir im Ostgiebel versuchten Versetzung zu- 
sammenhängt und ihre Richtigkeil nicht lediglich von der Möglichkeil der 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 35 

Aelinlichkeit zunächst auf den allgemeinen Eindruck, den die 
Kopie in der Vorderansiclit machen, von Einzelheiten erwäh- 
ne ich die stark hervortretenden Augenlider, welche dieser 
Kunst eigentumlich sind, den iMund mit der schmalen Über- 
lippe, bei der namentlich der untere Hand ziemlich gerade 
verläuft und nur in der Mitte eine scharfe Ausbiegung nach 
unten macht, während die volle Unterlippe in bekannter Weise 
nach unten klappt. Auch die Modellirung der Wangen, die 
Betonung der Backenknochen und die eine Stirnfalte stimmen 
überein. Nur ist deutlich an dem Attischen Kopfe das Ver- 
hältniss zwischen Stirn und Untergesicht bereits nach dem At- 
tischen Kanon geregelt. Weitere Beispiele wird Jeder durch 
Vergleichung anderer Köpfe der älteren Parthenonskulptu- 
ren auflinden und dadurch die gesuchten Anklänge an die 
' Peloponnesische' Weise in der Kunst, die uns mit Recht als 
erste selbständige Offenbarung Attischen Empfindens gilt, 
nachweisen können. Ist nun diese Betrachtung richtig, so kann 
die von Winter aufgestellte Entwickelung so nicht zu Recht 
bestehen. Sie scheint mir denn auch auf einem Irrtum zu be- 
ruhen, der in der Zusammenstellung des Weihgeschenkes des 
Euthydikos mit dem a. a. O. Taf. 13 abgebildeten Kopfe be- 
steht. Wohl zeigen sie beide das Attische Mass, doch der 
Kopftypus ist im Ganzen wie im Einzelnen sehr verschieden. 
Um das zu beweisen bedürfte es einer ähnlich umständlichen 
Argumentation wie die, mit welcher ich diesen Aufsatz begon- 
nen habe. Sie Hesse sich fuhren, da der Kopf von Tafel 13 
durch die letzten Funde Analogieen gewonnen hat, doch sei 
an ihrer Stelle, um eine allzu grosse Weitschweifigkeit zu ver- 
meiden eine positive Ansicht vorgetragen, welche anf Beobach- 
tungen beruht, die ich zuerst bei Sophulis ( 'E(^r,iJ.zf:c, äp/^aioX. 
1888 S. 84) ausgesprochen finde, freilich in einem unseren 
Betrachtungen entgegengesetzten Sinne verwertet. Es bestehen 
nämlich Beziehungen zwischen dem oben unter N. 2 genann- 



letzteren abhängt; und dem was ich über die Haartracht ausgeführt habe, 
hat Treu nur ohne genauere Begründung widersprochen. 



36 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

ten Jünglingskopf und dem Jalirbuch II Tat'. 14 und Miisees 
d'Athenes Taf. 14 abgebildeten Frauenkopf. Freilich berüh- 
ren sie weder die Proportionen, Avelche ja verschieden sind, 
noch eigentlich den formalen Typus, sondern es handelt sich 
hier um das, was man das Ethos nennen möchte. Der weib- 
liche Kopf hat unter allen Frauenköpfen von der Burg ganz 
allein jenen ernsten herben Ausdruck, den wir an den Pelo- 
ponnesischen Werken fanden und daher zeigt er auch in den 
Gesichtsteilen, die vornehmlich Sitz des Ausdruckes sind, 
Mund und Augen, formale Verwandtschaft mit dem Jünglings- 
kopf und dessen Sippe. Auch mit den Selinuntischen Frauen- 
köpfen ist Verwandtschaft zu bemerken. Das Weihgeschenk 
des Euthydikos gehört zu den jüngsten aus dem Perserschutt 
stammenden ^^^erken; wir dürfen es als das älteste ansehen, in 
welchem der beginnende Einfluss der Peloponnesischen Kunst 
sich zeigt. Ohne dass ich glaube, damit den schwierigen und 
schwer fassbaren stilistischen Charakter dieses Werkes ganz 
aufgehellt zu haben, scheint es mir doch so weniostens erklär- 
lieh, warum von ihm über das Athenarelief und das kleine 
Athenaköpfchen bis zu den Parthenonskulpturen eine conti- 
nuirliche Entwickelung geht, in der bis auf weitere Funde 
das Athenarelief den Höhepunkt der Peloponnesischen Ein- 
wirkung bezeichnet, Beginn und Ende sich in dem Euthydi- 
koskopf und dem kleinen Athenakopf zeigen, während die 
Peitho des Ostfrieses sich als die Blüte dieser Entwicklung 
darstellt. 

Es bleibt noch ein ^^^erk zu besprechen, das sich als Ueber- 
gang aus der Peloponnesischen Kunst in die Attische darstellt 
und das ein besonderes Interesse gewinnt, weil wir im Stande 
sind dieses Mal an Stelle des allgemeinen Begriffes der Pelo- 
ponnesischen Kunst mit einiger W ahrscheinlichkeit bereits 
eine lokale Abzweigung derselben zu setzen, nämlich den Stil, 
den diese Kunst in Böotien angenommen hatte. Dieses Werk 
ist das Eleusinische Relief. Zunächst der Nachweis Pelopon- 
nesischer Anklänge. Winter bemerkt (Jahrbuch II S. 226 
Anm. 32), dass an den Köpfen der Kora und des Triptolemos 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDEn 37 

das Attische Mass nicht stimme, und ghuibt, man liahe ihnen 
um sie jugendlicher ersclieinen zu lassen, das Haar tiefer in 
die Stirn gelegt; aber eben dieses ist ja der Peloponnesische 
Geschmack und die Kopfe haben die lietrefTende Proportion'. 
Beim Triptolemos finden wir jenen unsicheren Stand ; sein 
Körper mit dem hohlen Kreuz wird uns an die Tyrannen- 
mörder wie an den imter Nr. 8 erwähnten Jüngling erinnern, 
ebendahin weist der kurze Hals und der kleine Kopf. Dass an 
allen drei Figuren die Haarsträhnen genau so gebildet sind 
wie in Olympia — die einzelne Strähne besteht aus einem 
rundlichen Hauptteil der beiderseits von einem schmaleren 
kantigen Rande eingefasst ist — wird man vielleicht weniger 
als stilistisches denn als zeitliches Merkmal ansehen Avollen. 
es kommen aber noch einige Eigentümlichkeiten der Tracht 
hinzu. Irre ich nämlich nicht, so ist die Tracht der Demeter 
dieselbe wie die der Sterope des Olympischen Ostgiebels (nach 
der Benennung Studniczka's Arch. Ztg. 1884 S. 282) ebenso 
wie das schlichte Haar, das sonst so viel ich sehe nicht vor- 
kommt, bei beiden Fiouren weniostens unoemein ähnlich ist. 
Die Haartracht der Kora findet sich genau so an den Stützfi- 
guren der Korinthischen Spiegel, verwandt ist aber überhaupt 
die in Peloponnesischen Werken übliche weibliche Haartracht 
als deren Beispiele die Hesperide der Olympischen Metope 
und die Polykletische Amazone genügen mögen. Was aber 
den Triptolemos anlangt, so findet sich die bei ihm angewen- 
dete eigentümliche Art. das Haar zu ordnen, nur am Dornaus- 



' Die blasse bei Winter a a. O. dazu folgende für den Triplolcmos. 
Ivinn — Augenhölilenrand 0,1-5 

do — innerer Augenwinkel 0,109 

du —Mund 0,045 

Beide Masse sind bei Winter etwas grösser weil er das Kinn zu voll gefasst 
hat. 

Haaransatz — Mund 0,109 

do — innerer Augenwinkel 0,045 

Halsgrube — Ivinn 0,745 

Halsdicke 0,57 

Der Kopf der Kora scheint nicht sehr sorgfältig proportionirt zu sein. 



38 DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 

zieher und den stehenden Jünolinoen aus Terracotta. wie sie 
sich zahh'eich in den Tanaoräischen Grähern und in heson- 
ders scharfen Exemplaren im Kabirenheiligtum gefunden ha- 
bend Der einzige Unterschied ist, dass beim Triptolemos das 
auf dem Oberkopfe nach vorn gestricliene Haar niclit in jenen 
ganz spitzen Knoten ausläuft, dieser ist aber vielleicht wegen 
des Kranzes, der den Kopf schmückte 2, fortgelassen. Eine 
gewisse Aehnlichkeit mit dem Kopfe des Dornausziehers wird 
ausserdem Niemand entoehen ^ : ebenso ähnlich erscheint mir 
der Kopf des Petersburger Eros (Gonze Beiträge Tafel IX). Auch 
in seiner verwickeiteren Haartracht kehrt jener wunderliche 
Zug wieder, dass ein Teil der Haare des Oberkopfes nach vorn 
hin zusammengebunden sind. Allen dreien Köpfen namentlich 
aber dem letztgenannten entspricht auch der Typus der er- 
wähnten Terracotten. Eine zweite Spur weist ebenso zwiefach 
in die Peloponnesische Kunstübung und nach Böotien hinein. 
Im Nationalmuseum befmdet sich eine in Thespiai 1884 gefun- 
dene Grabstele : sie ist beschrieben im AsItiov 1888 S. 1 45. Dass 
wir in derselben ein in Römischer Zeit benutztes und mit einer 
Inschrift versehenes altgriechisches Werk besitzen ist daselbst 
ausgeführt. Vielleicht stammen die auffällig starken Unter- 
schneidungen an den Umrissen und das flau und schlecht be- 
handelte Haar auch von einer damals vorgenommenen Ueber- 
arbeituno;. Auffallend ist an dem Jünsliu«- der ernste Ausdruck 
und der Peloponnesische Typus; die Messung ergab, dass er 
auch die betreffende Proportion hat. In seiner Stellung, na- 
mentlich w^as die gesenkte Rechte, die das Gewand hält, be- 
trifft, in seinem ganzen Körperbau, dem hohlen Rücken und 



^ Vgl. hierzu den in diesem Bande erscheinenden vori.iiitigen Bericht 
über die Funde im Kabirion. 

2 Vgl. Friederichs -Wolters S. 392. Es ist auch hinter dem Kopfe noch ein 
kleineres Loch vorhanden. 

3 Über die Beziehungen des Dornausziehers zu den Olympischen Skulp- 
turen vgl. Kekulö Arch. Ztg. 1883 S. 230 und Sludniczka Rom. Mitth. II 
S. 102 Anm. 4. 



DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER 30 

dem etwas vortretenden Bauch, ist er ein Spiegelbild des Tri- 
ptolemos. 

So schliessen sich eine Anzahl von Kunstwerken zusammen, 
zu denen nach Lange's richtiger Beohaclitung (Athen. Mitth. 
VII S. 205) auch die Bronzi di Ercolano II 295 abgebildete 
kleine 'Tänzerin' gehört, Werke geeignet uns eine Vorstel- 
lung von dem guten künstlerischen Geschmack, welcher um 
die Mitte des fünften Jahrhunderts in Böotien herrschte, und 
zugleich die Gewissheit zu geben, dass auch hier die Pelopon- 
nesische Kunst ihre Herrschaft ausübte. Dass aber Eleusis 
sich in seiner Kunstübung zu Böotien stellt, ist eine bereits 
aus den älteren Terracottafunden belegbare Thatsache ^ die 
im Hinblick auf die geographische Lage nichts erstaunliches hat. 

BOTHO GRAEF. 



' Vgl. Sludniczka Jahrbuch I S. 92 Anm. und Philios bei Böhlau Jahr- 
buch III S. 343. 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 
(Hierzu Tafel I) 

Die Lekythos, welche auf Taf. 1 abgeljildet ist. wurde zu- 
sammen mit einem zweiten Gefässe ähnliclier Form und Te- 
chnik (unten S. 51 Nr. 9), einem Glasväschen und zwei Spi- 
ralen aus Silber mit Spuren von Vergoldung in einem Grabe 
des alten Eretria oefunden und nebst den übrigen Gesenstän- 
den in das Museum der archäologischen Gesellschaft in Athen 
gebracht, wo sie die Nummer 3525 trägt ^ Sie misst 0,30'" 
in der Höhe und 0,32'" um die Schulter. Ein grosser Teil der 
letzteren und der Rückseite des Bauches fehlt und ist ergänzt, 
der Henkel angesetzt, Ornament und ügürliche Darstellung 
mehrfach verletzt. In der Form stimmt das Gefäss im Grossen 
und Ganzen mit der Lekythos Brunn -Lau, Griech. Vasen Taf. 
XXHl 2 überein. Der Mund ist mittelhoch und breit, tulpen- 
förmig, der Hals kurz und von der flachen Schulter scharf 
abgesetzt, der Bauch gedrungen und durch ein Mittelglied vom 
Fusse getrennt, letzterer mit einer ziemlich breiten Basisplatte 
versehen. Die dunkelrote Farbe des feinen Thones kommt 
bloss an dem Umfange des Fusses und an der Lippe zum 
Vorschein. Der obere Teil des Bauches und die Schulter sind 
mit gelblichem Pfeifenthon, die übrigen Teile des Gefässes mit 
glänzendschwarzem Firniss bedeckt. Das Schulterornament be- 



^ Über die Ausgrabungen zu Eretria vgl. 'Ecpri[j.£pi? äp-/. 1886 S. 31 IT. 
Das eben erwähnte Glasgefäss (Nr. 276) ist 0,07 ■» hoch und von der Form 
einer zweihenkeligen Spitzaniphora, der Körper ist rolgelb, Lippe und 
Heni<el lichlgelb. Die Spiralen (Nr. 63) sind 0,04'" lang: zur Form vgl. 
Journal of hell. slud. 1884 Taf. XLVII 5 S. 69 ff. ; Slephani C. R.'1876 Taf. 
ni 32 S. 148. 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 41 

Steht aus einer üppigen Ranke mit drei Pahnetten und zwei 
Blüten ^ worüber sich durch eine Firnisslinie getrennt ein 
Eierstab hinzieht, dessen Blattwinlvel durch Punkte gelullt sind. 
Der obere Teil des Bauches ist oben durcli vier Parallelkreise, 
welche über der Bildfläche einen reichen, von Kreuznuistern 
unterbrochenen Mäander einschliessen, unten durch einen ein- 
zigen Kreisring abgegrenzt. 

Das Bauchbild stellt eine Scene gewöluil icher Art vor : eine 
Frau und ein Jün^lino- bringen einem Verstorbenen ihre Ga- 
ben dar. Das Grabmal, der Mittelpunkt der Composilion, be- 
steht aus einem oblongen, oben mit einem umlaufenden Kyma 
geschmückten, altarähnlichen Unterljau. ül)er dem sich auf 
siebenstufioer Basis eine hohe, schmale, auf die Schulter des 

CT 

Gefässes übergreifende und mit Tänien umwundene Giebel- 
Stele erhebt. Die Frau links steht mit etwas vorgesetztem 1. 
Fuss in streuüer Seitenansicht nach rechts. Sie ist bekleidet 
mit weitärmeligem Chiton, Himation und Haarhaube (?) und 
hält in der L. ein langes, schmales Band, in der R. eine Le- 
kytlios zum Grabe hin. Der Jüngling, welcher dieser Frau 
rechts vom Grabmale entspricht, steht in sein Himation ge- 
hüllt in Vorderansicht und wendet den Kopf nach links. In 
der L. hält er einen langen Stab, die R. ist eben im Begriffe, 
auf eine der Stelenstufen einen Kranz niederzulegen. 

Umriss-und Innenzeichnuni»- sind mit Firniss ausgefüiirt. 
Dieser wurde auch verwendet zur Füllung der Ornamente, 
der Haare, der Lekythos, der Mitteltänie der Stele, des Ban- 
des in der Hand der Frau und des Stabes des Jünglings. Das 
Himation des letzteren ist in seinem unteren Teile mit matter 
roter Farbe gemalt ; ebenso war vielleicht auch die Tänie 
gefärbt, deren verblasste Spuren auf der Stele noch zu erken- 
nen sind. Das ganze Grabmal sowie die nackten Teile der 
Frau sind unmittelbar auf den Pfeifenthon mit lichterer gelb- 
lichweisser Farbe aufo;ehöht. die sich teilweise abgeblättert hat. 



^ Dieselben haben sich aus LotusbUileii cuhviekell: vgl. die Reihe 
Brunn- Lau a. a. 0. X 9, 10, XI 3, XIK "2, XXII 2 und Üaumcislcr Denkin. 

S. 1974. 



42 ATTISCHE GRABLEKYTH09 

Für die Technik der Firnisszeichnimo; sind die zahlreichen 
Farbnüancen charakteristisch, die vom tiefsten Schwarz bis 
zum goldigsten Gelb schwanken. Die Umrisse der Jünglings- 
gestalt samt dem llimation, die Schlüsselbeine, die untere 
Begrenzung des Brustkastens und die Innenzeichnung der Bei- 
ne sind mit schwarzen Helieflinien ffet'eben. im Übrigen ist 
die Innenzeichnuno- lichtiielb. üie Umrisse der Frau sind breit 
und verschieden abo;etönt. Man sieht deutlich, wie der Pinsel 
an gewissen Stellen absetzte, manchmal leicht, dann wieder 
schwer geführt wurde. Bei dem Grabmale sind die Umrisse 
dunkler als die Trennunoslinien der Basisstufen. 

o 

Schon darnach wird man kaum behaupten wollen, dass das 
Bild mit allzugrosser Sorgfalt hergestellt wurde. Hierzu kommt 
folgendes. Die Umriss- und teilweise auch die Innenzeichnung 
wurden vor ihrer ende-iltiffen Fivirunfi- mit Firniss in sehr 

Co o 

ausführlicher Weise mit einem ganz schmalen, stumpfen In- 
strumente in den weichen Thon eins-edrückt. Ich kenne aber 
kein Gefäss, wo die Unterschiede zwischen Skizze und Aus- 
führung so auffällig und störend hervorträten als hier. Die 
Firniss-Contouren liegen teils innerhalb, teils ausserhalb je- 
ner ursprünglichen Linien. An dem Himation der Frau ist 
bloss der untere Saum nach^ezosen. In der Skizze ist auch 
der Wurf desselben ziemlich deutlich ausgeprägt. Es geht über 
die 1. Schulter hinter den Rücken, kommt an der r. Seite 
hervor und ist quer über den Körper gezogen. Ausserdem weist 
es, wie der Chiton der Frau und das Himation des Jünglings, 
reiche Falten auf. Letzteres verhüllte zudem den 1. Arm bis 
zur Handwurzel. Eindrücke in dem Giebel der Stele lassen 
schliessen, dass auch hier ein Schmuck (Tänie?) angebracht 
werden sollte. Ich weiss für so weitgehende Abweichungen 
der Ausführung von der Skizze keine andere Erklärung, als 
dass hiebei verschiedene Hände im Spiele sind, eine Arbeits- 
teilung, die ja an und für sich nicht befremdlich sein kann ^ 



^ Vgl. Blümner Technologie II 8G, 1; 79, O. Jahn Münchener Vasenka- 
taloK CXLII 1023. 



ATTISCHE GnABLEKYTHOS 43 

Die Ordnung, in der die einzelnen technischen Prozeduren 
bei Ilerslelkinij; der Vase aufeinander foI;^ten. lässt sich noch 
teilweise erkennen. Nach Aiil'ti'a^ der gelblichen Grundfarbe 
wurde der Bauch durch Parallelkreise gegliedert, sodann das 
Bild skizzirt und gemalt. Nun höhte man die weisse Deckfarl)C 
auf: diese reicht nicht überall bis zu den Firniss- Umrissen, liegt 
aber bei dem oberen Teile der Stele über den Parallelkreisen. 
Schliesslich wurde an dem Grabmale die Stufentrennung vor- 
genommen, Mäander und Schulterornament gemalt, und wohl 
auch jetzt erst über die entsprechenden Teile der Vase die 
schwarze Firnissdecke gepinselt. Durch die Ungeschicklichkeit 
des Arbeiters »eriet hiebei auf die Stele selbst ein kleiner Fir- 
nisstropfen ^ . 

Für die Datirung bietet unsere Vase schon für sich allein 
genügende Anhakspunkte. Der Stil zeigt noch mannigfache 
Anklänge an die archaische Weise. Die Frau ist in übertriebe- 

o 

ner Schlankheit und strenger Seitenansicht gebildet. Man ver- 
misst die deutliche Unterscheidung von Stand- und Spielbein. 
Die Füsse treten mit der oanzen Sohle auf den Boden auf. 
Der Jüngling ist in einem Schema dargestellt, das hauptsäch- 
lich auf rotfiourio-en Vasenbildern des älteren Stils zu treffen 
ist. Der Körper ist von vorn dargestellt, der Kopf aber nach 
links gewandt, der 1. Fuss in Seiten-, der r. wieder in \ov- 
deransicht gezeichnet. Man merkt deutlich, wie der Maler mit 
der alten Profilstellung zu brechen versuchte, ohne dass aber 
sein Können mit seinem Wollen gleichen Schritt gehalten 
hätte. So kam eine Figur zu Stande, die alles eher als natür- 
lich oenannt werden muss. Hiezu stimmt die steife Arm- 
und Handhaltung beider Personen, die strenge Stilisirung der 
Stirnlocken des Jünglings, das starke Hervortreten seiner r. 
Hüfte, die scharfe Trennung der Hauptteile des Rumpfes, über- 



< Wenn auf der Vase Annali 1876 Taf. DE ( S. 20 ff. vgl. Blümner a. a. ü.) 
die Gefässe vor Anbringung des figürlichen Schmuckes ornamenlirl werden, 
so ist dies gewiss das Vernünftigere; vgl. übrigens Pottier Elude sur les le- 
cytlies blaues S. 100. 



44 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

haiipt die ausführliche, aher aufdringliche Innenzeichnung. 
^A'iihrend aber die Gesichtszüiio des Jünglings noch eine ge- 
wisse Strenge zeigen, die freilich durch das Ungeschick des 
Malers fast zur Carricatur geworden ist, ist der Typus der 
Frau schon merklich frei. Und schon sind auch die Augen 
beider Personen ins Profil gestellt und bei dem Jünglinge mit 
dem oberen Augenlidstrich versehen ; bei der Frau fehlt er wohl 
nur in Folge von Nachlässigkeit. Weist das Schema des Jüng- 
lings auf die erste Hälfte des V. Jh. K so werden uns die letzt- 
genannten Eigentümlichkeiten auf das Ende dieser Periode 
führen. Das Gefäss gehört der Übergangszeit aus dem schönen 
in den strengen rotfigurigen Stil an. 

Dieses Resultat wird bestätigt durch die Technik und den 
malerischen Schmuck der Vase. Bekanntlicli stellen die weiss- 
grundigen Lekythen keine gleichförmige Masse dar, sondern 
weisen eine wohl zweihundertjährige Entwicklung auf, wäh- 
rend deren sich eine grosse Menge von Einzelgruppen heraus- 
bildete-. Vor allem haben wir zu scheiden zwischen Lekythen 
des schwarzfinurioen und des rotfio;urii>;en Stiles, oder mit an- 
deren Worten, zwischen Lekythen mit Silhouetten und mit 
Umrisszeichnuno;. Xaturoemäss mussten besonders innerhalb 
der zweiten Klasse die verschiedenartiorsten Richtunoen her- 
vortreten. Im allgemeinen aber sind hiebei zwei Haupttypen 
ins Au<>e zu fassen. Der ältere derselben beoreift meist kleinere 
Gefässe in sich, bei welchen bloss der obere Teil des Bauches 
mit Pfeifenthon und zw ar solchem von weiblicher Farbe über- 
zogen ist. Schulter und Hals sind thonfarbig, der Henkel ist 
bloss aussen gefirnisst. Das Scliulterornament bestellt gewöhn- 
lich aus zwei Reihen von Stäben übereinander, deren unterer 
nur der Rest des früheren Lotosoewindes ist. Nach und nach 
treten an die Stelle dieses Ornamentes Ranken mit vier oder 
fünf Palmetten, wobei sich aber nicht selten die obere Stab- 



^ Vgl. Winter, Jüngere attische Vasen S. 6 ff. 

- Vgl. Arcli. Zeit. 1880 S. 136 f. | Furlwängler) und den Berliner Vaseu- 
kalalüg. 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 45 

i'eilie als Überbleibsel der älteren Verzierung erliält und erst 
vei'liältnisiniissii^' spül diircli einen Eierstal) verdräniit wird. 
i)as Baiiclil)ild stellt gewölinlicli eine Scene des Frauen<i;e- 
maclies, manchmal die Gestalt eines Mannes oder eines Jüng- 
lings, oft mythologische Figuren dar. (Charakteristisch isl.chiss 
diese Bilder in keiner Beziehung zum Grahescultus stellen. 
Sowohl Ornament als Figürliches ist mit Firnissi'arbe gemalt, 
und zwar sind die Umrisse in älterer Zeit mit Belief- in jün- 
gerer mit Ilachen Linien gegeben. Matte Farben kommen \er- 
hältnismässig spärlich zur Anwendung. Dem Stile der Zeich- 
nung nach gehören diese Gefässe in ihrer Mehrzahl etw a den 
ersten zwei Dritteln des V. Jh. an: manche mci^eu auch noch 
in die letzten Jahrzehnte des \'I. Jh. hinaufreichen. Hingeo-en 
werden wir über das Jahr 430 kaum weit herabgehen dürfen. 

Die jüngere Gruppe besteht aus weissgrundigen Lekyllien 
im strengen Sinne des Wortes. Die Gefässe sind orösser ge- 
^\'orden. Der Pfeifenthon hat bereits auf die Schulter überge- 
griffen, der Hals und der ganze Henkel sind mit Firniss über- 
zogen. Das Palmettenornament ist auf der Schulter zu alleini- 
ger oder fast alleiniger Herrschaft gelangt, und zwar ist es 
regelmässig eine Bänke mit drei Palmetten, die sich hier aus- 
breitet. Das Bauchbild bezieht sich auf den Totenkult ; die 
Firnissfarbe ist matten Tönen gewichen. Lekythen dieser Art 
fallen in das Ende des V. und in das IV. Jh. '. 

Unsere Lekythos lässt sich strenge genommen in keine die- 
ser zwei Klassen einreihen : sie stellt uns vielmehr ein Über- 
gangsstadium zwischen beiden dar. Von der älteren Gruppe 
hat sie noch die gelbe Farbe des Pfeifenthones und die ausge- 
dehnte Anwendung der Firnissfarbe beibehalten. Die schwarze 
Decke hat aber bereits vom Hals und von der Innenfläche des 
Henkels Besitz ergriffen, der Pfeifenthon erstreckt sich schon 
auf die Schulter, und zugleich erscheint auf derselben das Or- 



' Nach meiner bisherigen Kenntniss der weissgrundigen LekjUion scheint 
es fast, als hülle dieser Fabricaliunszweig das Ende des IV, Jh, nicht mehr 
erlebt. 



46 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

nament der zweiten Gruppe, die Ranke mit drei Palmetten, 
freilich in ^'erbindung mit zwei Motiven, die gerade gewissen 
Lekytlien der Übergangszeit eigentümlich sind, den beiden 
Blüten und dem Eierstab. Und eine der merkwürdigsten Be- 
sonderheiten : trotz des gelblichen Überzuges stelU das Bauch- 
bild eine Scene am Grabe dar. So stimmt auch die Stellung, 
die unser Gefäss in der Masse der weissgrundigen Lekythen 
einnimmt, zu dem Zeitansatz, welchen ich oben aus stilistischen 
Gründen für dasselbe gefordert habe. 

Es sind aber hauptsächlich zwei Dinge, welche die Lekythos 
einer besonderen Besprechung wert erscheinen Hessen : einer- 
seits die merkwürdige Form des Grabdenkmals, andererseits 
die eiüenlümliche Technik, auf den lichten Grund weisse Farbe 
aufzuhöhen. Bezüglich des ersteren Punktes war ich lange 
im Zweifel, ob in dem Bilde w irklich nur ein einziges Monu- 
ment zu erkennen sei, oder ob nicht vielmehr der Künstler 
eine Zweizahl von Denkmälern im Auge hatte, indem er in 
seiner Unkenntniss der Perspective das Hintereinander eines 
altarähnlichen Baues und einer Stele in ein Übereinander ver- 
wandelte. Ich muss aber nunmehr doch die erste Auffassung 
für die weit wahrscheinlichere halten. Es wäre entschieden 
merkwürdig, wenn ein Maler aus der Mitte des V. Jh. nicht 
den geringsten Versuch gemacht hätte, die Selbständigkeit 
der beiden Denkmäler irgendwie anzudeuten. Er brauchte zu 
diesem Zwecke ja nur, wie ähnliche Beispiele lehren, zwischen 
dem Altare und der untersten Stufe der Stelenbasis einen klei- 
nen Zwischenraum zu lassen. Dies zugegeben gewinnt die Le- 
kythos weittragende Bedeutung. Ungesucht bietet sich näm- 
lich der Vergleich dar zwischen der Grabmalform wie sie hier 
erscheint, und dem MaussoUeum von llalikarnass und seinen 
Verwandten, zumal dem Löwengrab von Knidos und dem 
kleineren Grabmal von Mylasa'. Das Prinzip der Anlage ist 



^ Vgl. die Zusammenstellung bei Newton A history of discoverics al Hali- 
carnassos, Cnidos and Branchidae I Tal'. 31, das Löwengrab von Knidos 
ebenda Taf. OIJ'.; das Grabmal von Mj-lasa neuerdings bei Benudorf, Ly- 
kien I Taf. 49. 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 47 

in allen Fällen das gleiche : auf einem hohen Unterhau erhebt 
sich eine Slut'enpyramide, die ilirerseifs \vieder als Basis für 
ein besonderes l^]pithenia dient'. Ob letzteres in einer Stele, 
einem Viergespanne oder einem Löwen besteht, ist in diesem 
Falle nicht von wesentlicher Bedeutung. Desgleichen wird die 
Erweiterung, die das ursprüngliche Schema durch Finschie- 
bung eines Säidentempels oder einer Säulenstellung erfährt, 
durch die Anschauungen und Bedürfnisse einer späteren praclit- 
liebenden Zeit verständlich. Bei einem griechischen Gi'ah- 
male musste natürlich die überirdiscJie Grahkammer wegfal- 
len, und so fehlt auch jede Andeutung, dass der Unterbau 
etwa hohl zu denken wäre. 

Um die Kunstform des Maussolleums zu erklären, hat man 
mit Recht auf analoge Bauten Aegyptens und besonders Asiens 
hingewiesen". Unsere Lekythos zeigt, dass diese fremdlän- 
dischen Einflüsse schon um die Mitte des V. Jh. im griechi- 
schen Mutterlande wirksam waren, und es muss w-ohl die 
Frage aufgeworfen werden, ob in dem Maussollos-Grabe nicht 
eine Art Rückschlag vorliegt, ob Pythis und Satyros ihrem 
Bauplane nicht griechische Vorbilder zu Grunde legten. 

Was die Technik der Vase anbelangt, so zähle ich im fol- 
genden die gleichartigen Gefässe, die ich kenne, auf, ohne ir- 
gendwie auf Vollständigkeit Anspruch machen zu wollen. Es 
sind mit Ausnahme von Nr. 18 und 19 sämmtlich Lekythen. 
Überall sind Umriss-und Innenzeichnung mit flachen Firniss- 
linien ausgeführt, und die Fleischteile der Frauen auf dem 
gelblichen'^ Untergrund weiss aufgehöht. Ilieher gehören dem- 
nach ausser unserem Gefässe (1): 

2. Athen, Museum der archäologischen Gesellschaft Nr. 3302; 
H. 0,195; Umf. 0,2; Form, Verteilung des Firnisses und des 



' Auch bei dem Grabmal von Mylasa dürfte wohl ein Epilheraa anzuneh- 
men sein. 

2 Vgl. zuletzt Baumeister Denkm. unter 'Maussolleum', v. Sybel Welt- 
gesch. der Kunst S. 232. 

3 Weiss scheint der Grund nach der Beschreibung bei Nr. 18 zu sein, bei 
Nr. 3 ist seine Farbe durch den Eintluss des Feuers verändert. 



48 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

Pfeifenthones Nvie bei Nr. 1. Der Bauch schwillt gegen die 
Mitte zu etwas an, der Pfeifenthon ist teilweise abgescheuert. 

Schuher: Ranke mit drei vierbliittrigen Palmetten, deren 
Zwischenblättchen offenbar mit matter Farbe gemalt waren; 
darüber Eierstab (?) über Kreislinie. Bauch: oben abge- 
setzter Mäander (über Bildfläche ) zwischen vier Parallelkrei- 
sen, unten Kreisring. Darstellung: Scene des Frauengema- 
ches. Eine Frau in doppelt gegürtetem Armelchiton mit dop- 
peltem Überfall (?), das Haar dreiiach von einer Binde durcli- 
schlungen, steht vor einem lehnenlosen Stuhle, den sie zum 
grossen Teile \erdeckt, nach rechts. Die 11. ist unter dem 
oberen Gewand bausche verborgen, die L. zur Faust geballt 
etwas gehoben. Ihr gegenüber steht eine zweite Frau in ärmel- 
losem Chiton mit Überwurf und hält jener mit beiden Hän- 
den ein langes schmales Band (Gürtel?) entgegen. Die Haare, 
der einzige sichtbare Sesselfuss und der Cbiton der Frau rechts 
sind mit Firniss gefüllt. Dieser wurde ungeschickter Weise 
auch über den 1. Arm gepinselt, sow^eit derselbe mit der Fläche 
des Cliitons zusammenfiel. Dessen Umrisse mussten daher 
nachträglich mit mattroter Farbe angegeben werden. Letztere 
wurde auch verwendet für die Chitonfalten derselben Frau, 
das Haarband der Frau links und das Sitzbrett des Stuhles. 
Bei diesem fehlt übrigens die Umrisszeichnung. 

Über den Stil lässt sich in Folge der starken Zerstörung 
der Zeichnung kein sicheres Urteil abgeben, jedoch sind die 
Figuren noch sehr schlank und etwas liölzern. 

3. Berlin 2443 (vgl. Arch. Zeit. 188Ü S. 137) aus Pikro- 
daphni in Attika. H. 0,36. Verteilung des Firnisses und des 
Pfeifenthones und ornamentale Decoration — mit Ausnahme 
der Schulterblüten? — wie bei Nr. 1. Zur Darstellung — eine 
sitzende Frau übernimmt ihr Kind aus den Händen der ste- 
henden Dienerin — vgl. das Grabrelief Journal of hell, stii- 
dies 1884 Taf. 39. Interessant ist das Gefäss durch die In- 
schrift Ap6[j.i7;7:o: v.y.V.c, Apoy.o>'.).siSo (€ und A). 

4. Athen, Museum der arcbäologischen Gesellschaft Nr. 973 
= Collignon 679, beschrieben auch von Heydemann, Griech. 



ATTISCHE fjRABLEKYTHOS 49 

Vasonbilder S. 7,23, abi^eb. bei Diimonl-Cliapbiin Les ce- 
raniifjiics de la Grcce ])roprc Taf. 37. Fundort nacb dem 
Inventar: 'AOr^va', 7:pö: votov 'Ay. Tptä^oc. H. 0,40; Umf. 0,43. 
Der Mund ist tulpenfürmig, der Bauch gedrungen, der Fuss 
gebt nach unten in einen breiten Wulst ül)er. Verteilung des 
Firnisses und des Pfeitentiiones und Schulterornament wie bei 
Nr. 1. Die beiden seitlichen Schulterpalmetten sind sechs-, 
die mittlere ist Aierblättrig. Von den Zwischenblättchen gilt 
dasselbe wie bei Nr. 2. Der Bauch ist oben und unten von 
Mäander mit Kreuzmuster (ungefähr wie bei Brunn -Lau a. 
a. 0. Tal*. XXI r. oben Nr. 2) zwischen drei Parallelkreisen 
abgegrenzt ; ersterer erscheint bloss im Bereiche der Bildfläche. 
Der vierte Parallelkreis des oberen Abschlusses ist, wie sehr 
häufig bei späteren Lekythen, auf die Schulter übergetreten 
und grenzt diese nach unten zu ab. Darstellung: Demeter 
und Köre stehen einander gegenüber ^ Der Chiton der letzte- 
ren ist in der Vorzeiclmung gefältelt. Mit Firniss sind auch 
Fackel sammt Feuer, Äliren, Scepter, Schale und Weinstrahl 
gemalt. Von einer 'Erneuerung' der Farben (Heydemann) 
konnte ich nichts bemerken. Hingegen ist das Rot bei dem 
Himation der Köre stark abgegangen. Die Zeichnung ist keines- 
wegs fein, aber noch ziemlich streng. 

5. Athen, Nationalmuseum, aus Eretria; vgl. Aslriov 1889 
S. 75,3; h. 0,40; Form, Verteilung des Firnisses und des 
Pfeifenthones w ie bei Nr. 1 . Ornament ungefähr wie bei Nr. 
4. Nebst den Palmetten, von deren roten Zwischenblättchen 
hier deutliche Spuren erhalten sind, trägt die Hauptfläche der 
Schulter zerstreute mit Firniss gefüllte Kreise. Der erste Pa- 



' Die hei Dumont-Chaplain gegebene Erklärung der Darstellung, als wä- 
ren Demeter und Köre als Todesgöltinnen zu fassen, trifft kaum das Rich- 
tige. Sie beruht auf der falschen Voraussetzung, dass die weissgrundigen 
Lekylhen in der Zeit, welcher unser Gefäss angehört, bloss für den Zweck 
des Totencultus verfertigt worden seien. Die Darstellung reiht sich vielmehr 
mit Leichtigkeit unter die mythologischen Bilder dieser Vasengattung ein, 
die "wie Eroten, Niken u. ä. wenigstens zum Teile bloss decorative Bedeu- 
tung haben. 

ATHEN. .MITTHEILUNGEN X\. 4 



50 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

rallelkreis des oberen Bauchornamentes hat seinen Platz be- 
hauptet. DarsteUunj;: Vorbereitung zum Grabesgange; vgl. 
Sammlung Sabouroif 1 Tal". 60. Eine Frau in thonfarbenem 
Ärmelchiton und Himation^ das rückwärts geknotete Haar von 
einem Bande umwunden, steht vor einem lehnenlosen Stuhle 
mit geraden gedrechseUen Beinen, dessen r. Hälfte sie \ er- 
deckt, in Seitenansicht nach rechts und trägt in der R. ein 
Alabastron, auf der L. eine Deckelbüchse. Hinter ihr, links 
oben sind eine Oinochoe (schwarz ausgefüllt) und eine rote 
Tänie gemalt. Eine zweite Frau rechts von dieser, welche mit 
rotem ärmellosen Chiton mit Überwurf und mit einer Haar- 
haube bekleidet ist, hält vor der Brust einen breiten Korb mit 
Tänien, Bandwülsten und einem Kranze. Ihr Körper ist in 
Vorderansicht gebildet, der Kopf aber nach 1. zu ihrer Ge- 
nossin gewandt. Zwischen beiden Frauen steht ein Storch auf 
einem Beine. Über den Gelassen läuft die Inschrift: 

A I (J) I A O ^ 

K A A O ^ 

MEAAKOnO 
Haare und Himation sind mit schwarzem Firniss gefüllt, 
letzteres trägt lichtere, rote (?) Falten. Storch, Sesselfuss(?), 
Alabastron und Deckelbüchse, Bandwülste und einige Tänien 
sind weiss aufgehöht, ein paar Tänien scheinen rot gewesen zu 
sein — jetzt sind sie sehr verblasst — . der Korb ist holzbraun 
und mit einem schwarzen Streifen zwischen zwei weissen Zwei- 
gen ornamentirt. Der Stil ist noch etwas gebunden, der obere 
Augenlidstrich fehlt. Bemerkenswerter Weise ist trotz des ver- 
hältnissmässigen Alters das Gefäss unten bereits durchbohrt, 
der Hals somit gewiss ähnlich geschlossen wie bei der von 
Benndorf, Griech. und sizilische Vasenbilder S. 29 erwähnten 
Lekythos ^ Die Lekythen sind bereits zu Prachtstücken ge- 
worden, deren Fassungsraum verkleinert werden musste, wenn 
sie noch ihrem ursprünglichen Zwecke dienen sollten. Als die- 



1 Eine grössere Anzahl derartiger Lekythen, meist dem IV. Jh. angehö- 
rig, findet sich in den athenischen Sammlungen. 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 5i 

sei' in spälci'cM- /eil iihorlinujjt vergossen war, wurde ancli 
jener sclilaiiclilcirmiiie Fortsatz iinncUig; man scliloss den Hals 
sar nicht mehr (xK'r al)ei- unmittelbar unter dei' Mündung. 
Ein Beispiel letzterer Art, eine 0.55'" hohe weissgrundige 
Grablekythos des IV. Jh., sah ich im Museum des Piräus^ 

6. Ebenda, aus demselben Grabe und von derselben Hand; 
vgl. As)^Ttov 1889 S. 76, 4. Abgesehen davon, dass der Bauch 
weniger gewölbt und unten bloss durch einen Kreisring abge- 
schlossen ist, stimmt das Gefäss mit Nr. 5 in Form, Vertei- 
lung des Firnisses und des Pfeifenthones, der ornamentalen 
Decoration und dem Stil der Zeichnung vollkommen iiberein. 
Auch die Durchbohrung des Bauches ist vorhanden. Darstel- 
lung : Vorbereitung zum Grabesgange. Eine schlanke Frau in 
thonfarbenem Ärmelchiton und Himation, welches bloss um 
den Unterkörper geschlungen ist, mit Haarbeutelfrisur ^ und 
Haarband sitzt auf einem Lehnstuhle mit geschweiften Beinen 
nach rechts und hält vor sich in der B. eine Deckelbüchse; 
auch die L. sollte wohl, wie ihre Haltung zeigt — die Innen- 
fläche derselben ist nach oben gekehrt — irgend einen Gegen- 
stand tragen. Ihr gegenüber steht eine zweite Frau in thon- 
farbenem ärmellosem Chiton mit Überwurf, wie die erstere 
frisirt. in Vorderansicht und blickt nach links. Vor sich trägt 
sie auf der L. einen breiten Korb mit Tänien, drei Wülsten 
und zwei Kränzen. Über dem Kopfe der Sitzenden hängt eine 
Oinochoe, links davon ein Spiegel; rechts dieselbe Inschrift 
wie auf Nr. 5. 

Himation und Oinochoe sind mit Firniss gefüllt, die Falten 
des ersteren, die Haarbänder und einige Tänien rot, andere 
Tänien wieder ebenso wie die Wülste und die Deckelbüchse 
weiss, der Sessel holzbraun mit Firnissinnenzeichnung, der 



^ Hier ist nicht nur der Baucli unterlialb des Henkels durclibolirl, son- 
dern aucli im Boden eine grosse runde üfftiung gelassen. 

2 Dieselbe erscheint gerade auf Lekythen aus der ersten Hälfte des V. Jh. 
häufig; vgl. z. B. Gerhard A.V. HI Taf.174 f. IVTaf. 301, Herrinann, Grä- 
berfeld von Marion Abb. 20 und S. 30. 



52 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

Korb wie bei Nr. 5, nur dass der Mittelstreif durch ein Tri- 
glyphenband ersetzt ist. 

7. Ebenda ausEretria; Asatiov 1888 S. 108, 5. JI. 0,30. 
Darstellung: Vorbereitung zum Grabesgange. Links steht eine 
Frau in tlionfarbi^em Chiton und liält ein Kästchen, dessen 
Umrisse mit Firniss gezeichnet sind, während das Innere ah- 
wecljiselnde Streiten von verdünntem Schwarz und Uot zeigt. 
Links oben hinter ihr hänot eine schwarze Oinochoe im Felde. 
Rechts vor ihr steht eine Frau in thonfarbigem Chiton und 
schwarzem Himalion (Falten mit roter Farbe gemalt); die 
vorgestreckte U. hält eine Lampe, rechts oben hinter ihr im 
Felde eine rote Tänie. 

Die Fleischteile sind sämmtlich weiss aufgesetzt, Rot ist 
ausser an den erwähnten Stellen noch an den Haarbinden bei- 
der Frauen verwendet. 

Zwischen den Figuren die Inschrift : 

A I (J) I A O 5 

K A A O ^ O 

M E A AA^ O n 
d. h. Ai<piXo; xocXo? M£>.av6TCo(u), wobei das schliessende O des 
letzten Wortes des Raumes wegen in die zweite Zeile herauf- 
gerückt ist. 

8. Athen, Museum der archäologischen Gesellschaft Nr. 
1075 = Coll. 399; II. 0,2^; Umf. o',^255 ; Bauch etwas trich- 
terförmig, Fussplatte fehlt. Verteilung des Firnisses und des 
Pfeifenthones wie bei Nr. 1 . 

Schulter: Drei Ranken mit 1+3+1 Palmetten, darüber 
Stabreilie zwischen zwei Parallelkreisen. Baucli : Oben ein- 
facher Mäander zwischen vier Parallelen, alles bloss über 
Bildfläche und links senkrecht aboeschlossen, unten Basisli- 
nie. Darstellung: Scene des Frauengemaches. Eine Frau in 
Armelch iton und Ilimation. im rückN\ärts geknoteten Haar 
eine Binde, sitzt auf einem Lehnstuhle nach rechts und blickt 
auf einen wulstartigen Gegenstand mit Endschnüren und drei 
eingeflochtenen Blüten (Kopfschmuck?), den sie mit beiden 
Händen vor sich hält. Rechts Jiängt im Felde eine Tänie, links 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 53 

eine Oinochoe. Die t>anzo Rildfläclie ist links von einer verti- 
kalen Hanke mit ^^'inkoll»lällcllen abgeschlossen. 

Oinoelioe, Stuhl und Haare sind mit Firniss gefüllt, Haar- 
binde, Tänie und 'Kopfschmuck' weiss; bei letzterem ist die 
Innenzeichnung mit Firniss ausgeführt. Das Himation war rot. 
Die Zeichnung ist ziemlich tlott, aber roh, die Augen stehen 
in Seitenansicht, der obere Augenlidstrich fehlt aber noch. 
Der Gesichtstypus ist schon sehr frei. 

9. Ebenda Nr. 3524, aus Eretria und zwar aus demselben 
Grabe wie Nr. 1. H. 0,30; Umf. 0,305; Form wie bei Nr. 1. 
Der Pfeifentlion erstreckt sich bloss über den oberen Teil des 
Gefässbauches, der Firniss über Hals und Aussenseite des 
Henkels; die Schulter ist thonfarbig. Schulterornament wie 
bei Nr. 8, Bauchornament wie bei Nr. 1. Darstellung: Scene 
des Frauengemaches. Links sitzt auf einem Lehnstuhle mit 
geschweiften Beinen eine Frau in weitürmeligem Chiton und 
Himation, das bloss die Beine umgibt, in Seitenansicht nach 
rechts. Das rückwärts geknotete Haar ist von einer Binde 
umschlungen, vor der zahlreiche kleine Löckchen auf die Stir- 
ne herabhängen, die Ohren sind mit Ringen geschmückt. Vor 
sich hält sie mit beiden Händen eine Halsschnur mit Bommeln. 
Zu ihr bewendet steht rechts eine zweite Frau in faltenlosem 
Chiton mit weiten Ärmeln und langem Überwurf, die in jeder 
Hand eine Blume hält. Auch sie trägt Haarband und Ohi*- 
ringe, aber Haarbeutelfrisur. Im Felde hängt links von der 
Sitzenden eine kleine bauchige Oinochoe, zwischen beiden 
Frauen eine Lekythos ^ . 



^ Grosse |Ähnliclikeit zeigt das Vasenbikl Rom. MiUli. II Taf. XI, XII 
5 (S. 262; vgl. Bulletlino 1879 S. 148 f., v. Duhn). Trotz des bedeutend 
freieren Stiles ist es wenig jünger als obige Lekythos. Bemerkenswert ist 
auch die gleiche Farbe des Stuhles; ich habe dieselbe bloss auf üefässen 
der Übergangszeit gefunden. Die Handlung hat v. Duhn kaum richtig ge- 
fasst. An ein Ballspiel ist schon deshalb nicht zu denken, weil die Frauen 
naturgemäss ihre Blicke auf den Ball richten müsslen. Vielmehr wird die 
Sitzende, die in ihrer Haltung der entsprechenden Figur unserer Lekythos 
vollkommen analog ist, auch einen ähnlichen Gegenstand gehalten haben, 



54 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

Haare und Gefasse sind mit Firniss gefüllt, die Haarbänder 
rot, der Sessel holzbraiin mit Firniss- Innenzeichnung. Die 
Verzeichnung ist eingeritzt und nicht so ausführlich wie bei 
Nr. 1. Immerhin erstreckt sie sich auch hier im Gegensatze 
zur Firnisszeichnung auf die Gewandfalten. Der Stil stimmt 
im allgemeinen mit Nr. 1 überein. Auffällig ist aber die man- 
delförmige Form der enggeschlitzten Augen K Auch sind diese 
im Gegensatze zu Nr. 1 halb von vorne dargestellt und entbeh- 
ren bei beiden Personen des oberen Augenlidstriches. 

10. Ebenda Nr. 1998. Mund hoch und etwas kelchiörmig, 
Bauch sehr gedrungen. Fusswulst wie bei Nr. 4. Verteilung 
des Firnisses und des Pfeifentliones und Schulterornament wie 
bei Nr. 9, ßauchornament wie bei Nr. 8, jedoch fehlt die 
Vertikale. 

Darstellung: Scene des Frauengemaches. Eine Frau in 
bräunlich rotem Ärmelchiton und Himation, das die r. Brust, 
den r. Arm und den 1. Vorderarm frei lässt, das Haar rück- 
wärts geknotet, sitzt auf einem Lehnstuhle mit geschweiften 
Beinen nach rechts und blickt auf eine Halsschnur mit Bom- 
meln, die sie mit beiden Händen vor sich hält; rechts von 
ihr ein Ralathos. Ihr gegenüber steht eine zweite Frau, die 
ebenso gekleidet ist wie jene, und in der erhobenen R. eine 
grosse Blume trägt. Haare, Stuhl, Blume und Kalathos sind 



und ebenso dürfte die Handhaltung der stehenden Frau zu erklären sein, 
sei es nun, dass die Farbe abgesprungen ist, oder wahrscheinlicher, dass 
wieder eine Flüchtigkeit der zweiten Hand vorliegt. Die Lieblingsinschrift 
ist wohl zu lesen 'A^ioTzeiOr)? -/.aköi 'AXx[;j.a/o; vgl. Klein, Euphronios 2 203,1. 
^ Ähnlich gebildete Augen zeigen einerseits archaistische Werke römi- 
scher Zeit, wie die kapitolinische Zeus -Ära, Ovcrbeck Atlas der griech. 
Kunstmylh. III 23,24, IV 1, I 49 (Zeus; die ganze vierte Seite Mus. Capit. 
IV 8, Baumeister Denkm. Abb. 2397), der Zeus des neapeler Musensarko- 
phages Overbeck a. a. O. III 17 u. a. (vgl. auch den Apollo aus dem Thea- 
ter und seine Verwandten), andererseits archaische Skulpturen attischer 
Kunst, wie z. B. der Jünglingskopf 'Eyr^ppl? äpy. 1888 Taf. 2 und die Frau- 
enstalue Musfes d'Älhenes Taf. W. Freilich sucht man sowohl bei den Ge- 
stalten der Vase als bei den erslangeführten Werken umsonst die frische 
Natürlichkeil, durch die sich die letztgenannten Skulpturen auszeichnen. 
Sie machen vielmehr den Eindruck des Matten und Schläfrigen. 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 55 

mit Firniss gefüllt, die Ornamente des letzteren — abwech- 
selnd horizontale Striche und Punktreihen — weiss aufgehöht, 
der Chiton rot. Die Zeichnung ist roh, der Gesichtstypus der 
Sitzenden noch etwas streng, die Augen erscheinen Iialb \on 
vorn, der obere Augenlidstrich fehlt. 

11. Ebenda Nr. 851=:Coll. 396, aus Attika; 11. 0,213 
Umf. 0,225. Der obere Teil des Bauches ist rückwärts stark 
abgesplittert und ausgebrochen. Der Bauch ist fast walzenför- 
mig, der Fuss erweitert sich nach unten und ist in seiner un- 
teren Hälfte gefirnisst; sonst ist die Verteilung des Firnisses 
und auch die des Pfeifenthones wie bei Nr. 9. Die Schulter 
trägt ausser dem Ornamente von Nr. 9 elf regelmässig ge- 
stellte ausgefüllte Kreise (vgl. Nr. 5). Der Bauch ist oben 
begrenzt durch einen einfachen Mäander zwischen vier Pa- 
rallelen, von welchen die beiden oberen rings um das Gefäss 
laufen, während sich die zwei unteren ebenso wie der Mäan- 
der bloss über die Bildfläche erstrecken. Seitlich ist das Or- 
nament durch Vertikalen abgeschlossen. Auf dem Firniss des 
unteren Teiles des Gefässbauches unmittelbar unter dem obe- 
ren Rande desselben liegen zwei rote Parallelkreise, in Folge 
dessen auch der schwarze Rreisring, der sich sonst hier her- 
umzieht, entfällt. 

Darstellung : Nike in gegürtetem rotem Ärmelchiton mit 
Überfall eilt nach rechts auf einen Altar mit Opferflamme zu 
und hält mit vorgestreckten Armen über denselben zwei bren- 
nende Fackeln. Das Haar ist auf dem Haupte von einem dop- 
pelten Bande zusammengehalten, fällt im Bücken fast bis zur 
unteren Flügelgrenze herab und bildet an der r. Seite eine 
Schulterlocke von gleicher Länge. Um die Handgelenke hat 
sie je einen, um die Mitte der Vorderarme je zwei Armringe. 
Mit Firniss gefüllt ist bloss das Haar der Nike. Gewand und 
Haarband, der obere Teil der Flügel, ein Wellenband quer 
über die Schwingen, die Flammen der Fackeln und des Al- 
tares sowie die drei Spalten auf der Vorderseite desselben sind 
rot; auf dem Rot der Flügel sind schwarze Punkte aufgehöht. 
Weiss sind die Akroterien des Altares und eine horizontale 



56 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

Punktreihe auf seinem Gesimse. Die Zeichnung ist sehr roh, 
die Auoen sind fast von vorne dar^esteUt ; der ohere Auoen- 
lidstrich fehlt. 

12. Ebenda Nr. 799. H. 0,273. Der Bauch ist etwas trich- 
terförmig gebildet, sonst stimmt die Form mit Nr. 11 überein. 
Das gleiche gilt von der Verteilung des Firnisses und des 
Pfeifenthones . Letzterer fühlt sich rauh an und blättert sich 
teilweise ab. 

Schulter: Drei Ranken mit 1+3+1 Palmetten, darüber 
eine Kreislinie. Oben einfacher Mäander mit Scliachbrettmu- 
ster zwischen vier Parallelen, alles bloss über der Bildfläclie 
und links von einer Vertikalen abgeschlossen ; unten Basisli- 
nie. Auf dem Firniss des unteren zwei rote Parallelkreise. 
Darstellung: Gang zum Grabe. Eine Frau in Ärmelchiton und 
Himation, das den r. Arm und die r. Brust frei lässt, mit 
einer Haarhaube, die vorne durch ein Diadem abgeschlossen 
ist, Arm- und Ohrringen geht weit ausschreitend nach rechts. 
Auf der L. trägt sie einen breiten, tiefen Korb mit blattrip- 
penartig gemusterten Tänien und zwei Kränzen. Der r. Vor- 
derarm ist nach rechts gestreckt und die Innenfläche der Hand 
nach oben gekehrt, als hätte auch sie etwas tragen sollen. 

Als Farbe ist bloss Firniss verwendet ; die Haare, soweit sie 
vor der Haube sichtbar sind und eine der Tänien sind mit 
solchem ausgefüllt. Zeichnung und Stil wie bei Nr. 11. 

13. Lekythos gef. auf Cypern in der Nekropole von Marion, 
abgeb. Jahrbuch 1887 Taf. 11 (S. 168 ff. Dümmler), vgl. 
Herrmann, Gräberfeld von Marion S. 29, 46. H. ungefähr 0,32; 
der Bauch ist trichterförmig, die Fussplatte fehlt. Verteilung 
des Firnisses und des Pfeifenthones und Schulterornament wie 
bei Nr. 12. Bauch: Oben Mäander zwischen vier Parallelen, 
bloss über Bildfläche und seitlicli von Vertikalen abgescldos- 
sen; unten Kreisring. Darstellung: sandalenbindende Ama- 
zone, Stil frei, der obere Augenlidstrich vorhanden. 

14 . Athen, Museum der archäologischen Gesellschaft Nr. 678 
= Coll. 'lOO. Vielfach gebroclien. Schulter teilweise abgesplit- 
tert.. H. und Und'. 0,255. Fussplatte fehlt ; sonst stimmt die 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 57 

Fonii etwa mit Nr. 1 liberein. Der oberste Teil des Bauclies ist 
mit Pfeif'entlion jjedeekt, die übrigen Teile des Gelasses sind 
mit Ausnahme der Lippe, des Fussumfanges und des oberen 
Grenzstreitens der Schulter gefirnisst. Schulter: Üppige i\anke 
mit drei Palmetten und zwei lUiiten und zci'streute Kreise, 
alles rot ausgespart. Darüber schwarz auf rot ein Kiei'stab mit 
Punkten in den Blattwinkeln (vgl. Nr. 1) über einem Kreis- 
ring. Bauch : Oben Mäander zwischen drei Parallelkreisen, 
nnten Kreisrin«-. DarsteHuni»' : Scene des Fraueni>;emaches. 
Rechts sitzt auf einem Lehnstuld mit geschweiften Beinen eine 
Frau nach links, bekleidet mit Armelchiton und Himation, 
das den Unterkörper umschlingt. Das geknotete Haar ist von 
einem breiten Bande zusammengehalten. In den Hunden hält 
sie vor sich einen gestrichelten Bandwulst. Sie blickt auf zu 
einer zweiten Frau, die links von ihr in gegürtetem Armel- 
chiton mit breitem Überwurf, das Haar dreifach von einer 
Binde durchschlungen , mit rückgesetztem r. Spielbeine in 
strenger Seitenansiclit nach rechts steht und in der B. eine mit 
vertikalen Wellenlinien ornamentirte Deckelbüchse, in der 
L. ein Alabastron träot. Hechts von der Sitzenden hängt im 
Felde eine mit zwei Schnüren versehene Frauenhaube ^ 

Haare und Himation sind mit Firniss gefüllt, die Falten des 
letzteren und die Haarbinden rot, der Stuhl holzbraun mit 
schwarzer Innenzeichnung, die beiden Gefässe und der Band- 
wulst weiss. Die Zeichnung ist tlott, aber nicht sorgfältig — 
auf die Deckelbüchse geriet ein kleiner Firnisstropfen — , die 
Profde sind noch streng, der obere Augenlidstrich fehlt. 

15. Athen, Nationalmuseum, aus Eretria ; i^il-viov 1889 S. 



< Vgl. z. B. Sammlung SabuLiroU" I Taf. 40. Arcli. Zeit. IV Taf. VII 2; 
in Elite ciram. IV Tat'. 33 H tragen sowohl die Niken als auch die vorletzte 
Frau rechts derartige Kleidungsstücke in der Hand. Die obige Deutung 
dieses Sackes, der meines Wissens nur in Frauenscenen vorkommt, wird 
durch Haarhauben, wie sie z. B. Wiener Vorlegebjälter Ser. V Taf. VII I, 
Ser. VII Taf. I Mittelbild und sonst häutig erscheinen, nahe gelegt. Davon 
zu scheiden sind Kopftücher, wie sie z. B. die Hetären der lirkaiiiitiMi Fu- 
phronios-Vase tragen. 



58 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

78, 13. II. 0,32. Bauch gedrungen, Fussplalte vorhanden. 
VerteiUmg des Firnisses und des Pfeifenthones und Schulter- 
ornament (mit Ausnahme der Kreise) wie bei Nr. 14. Bauch 
oben und unten durch einen reichen Mäander (im Bereiche 
der Bildfläche) zwischen je drei Parallelkreisen abgeschlossen. 
Darstellung (teilweise beschädigt): Vorbereitung zum Grabes- 
gange. In der Mitte steht auf einem lehnenlosen Stuhle mit 
geraden durch einen Ouerstab verbundenen Beinen ein breiter, 
tiefer Korb mit Tänien. Beiderseits ist eine im Profd gezeich- 
nete Frau damit beschäftigt, noch weitere Gegenstände hinein- 
zuleben. Die Frau links ist bekleidet mit Armelchiton (deut- 
liehe Spuren von Rot vorhanden) und Himation, das den r. 
Arm und die r. Brust freilässt. Sie trägt Ohrringe und um 
den r. Arm ein xVrmband. Vor sich hält sie eine lange Tänie. 
Die entsprechende Figur rechts trägt ärmellosen Chiton mit 
Überwurf, Haarbeutelfrisur und Haarband. Sie beugt sich 
nach links über den Korb nnd hält in der L. eine Lekythos, 
in der U. etwas höher ein Alabastron. Über dem Stuhl läuft 
im Bogen die Inschrift : x. a U O ? H O P A I ^. Haare, Himation, 
Lekythos, eine der im Korbe befindlichen Tänien und der 
Korb selbst sind mit Firniss gefüllt, letzterer ist mit einem 
gelben Mittelstreifen zwischen weissem Mäander und eben- 
solchem Blattkranz verziert. Die übrigen Tänien und das Ala- 
bastron sind weiss, eine Tänie ist ausserdem mit Firniss ge- 
strichelt. Der Stuhl, das Haarband der Frau rechts und die 
quergehenden Teile des Haarbeutelbandes sind rot. Der Stil 
ist streng, der obere Augenlidstrich scheint zu fehlen. 

16 und 17. Lekythosfragmente, welche nebst einer grösse- 
ren Anzahl von Abäsen verschiedener Technik in einem Brun- 
nen bei Tarent gefunden wurden und in das Museum der 
Stadt kamen. Dieselben sind jetzt zu einer Lekythos verbun- 
den, schienen mir aber bei. freilich nur flüchtiger. Besichtigunor 
trotz der gleichen Verhältnisse und der gleichen Technik von 
zwei Gefässen zu stammen. Sicher gehören drei Fragmente 
zusammen , welche folgende Darstellung geben : Eine nach 
links gewendete Frau, bekleidet mit rotem Chiton mit dunkle- 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 59 

ren Falten und weiss aufi>eliöhtem Himalion. das vorne quer 
über den K/irper gehl und über den 1. Arm lierabl'älll , hält 
über einem Altar mit Opterflamme( ?) zwei brennende Fackeln. 
Der r. Vorderarm ist mit einem Armbande gescbmückt. Es 
fehlen Kopf, Hals, ein Stück der Brust, Beine. RUenbogen- 
stück des r. Armes und kleine Teile der Fackeln. Auf das 
Vorhandensein des Altares lässt sich aus einem geringen Reste 
schliessen, der unter der 1. Fackel erhalten ist und höchst 
wahrscheinlich die Spitze der Opferflamme darstellt. 

Hieher mögen wohl auch vier weitere unter einander zu- 
sammengehörige Fragmente zu ziehen sein, welche die 1. Hälfte 
eines r. in Vorderansicht gezeichneten Flügels (weiss aufge- 
höht) und ein Stück des oberen Bildabschlusses bieten. Die- 
ser bestand demnach aus einem ziemlich einfachen Mäander 
mit Rreuzmuster zwischen vier Parallelkreisen. Kleinere von 
der Rückseite stammende Scherben sind für die Darstellung 
ohne Belang. Wir haben also hier Nike zu erkennen, wie sie 
eben das Opferfeuer anzündet; vgl. Nr. 11 und Athen. Mitth. 
1880 S. 136, 5 (Furtwängler). Hievon dürften folgende Frag- 
mente zu trennen sein: 1. Bekleidetes Bein nach rechts, Ge- 
wand weiss aufgehöht; rechts davon ein Rehkalb (rot mit 
weissen Tupfen) nach links mit emporgehobenem Kopf und 
einem Zweig im Maul. 2. Hinterkörper des Rehs. 3. Der zu 
jenem Bein gehörige Fuss. Das Bildfeld war unten durch einen 
Kreisring abgeschlossen, darunter war das Gefäss gefirnisst. 
Zur Darstellung (Artemis) vgl. z. B. Fröhner, Les Mu- 
sees de France Taf. 4. Der Stil beider Bilder ist noch be- 
fangen. 

18. Alabastron Berlin 2257, aus Athen. H. 0,165. Oben 
Mäander mit Schachbrett. Darstellung: Spendescene zw ischen 
Jüngling und Mädchen. ' Sehr merkwürdig ist. dass ihr Fleisch 
sowohl als der ionische Chiton und die Haube alle noch ein- 
mal auf dem w^ Grund mit weisser o-latter Thonschicht be- 
legt wurden, so dass diese Teile ein schwaches Relief haben' 
(Furtwängler). 

19. Krater des Museo Gregor iano aus Vulci, abgeb. Mua. 



60 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

Greg. 1842 II Taf. 31 ; vgl. Flasch, Polychromie der griech. 
Vasenmalerei S. 59. 

Oben Palmettenornament , unten einfacher Mäander mit 
Kreuzmuster und Palmettenornament. Darstelluno;: auf der 
Vorderseite Übergabe des Dionysoskindes an Papposilen, auf 
der Rückseite musizirende Frauen. 

Die Beschreibungen, welche ich hier gege])en habe, lassen 
wohl zur Genüge die enge Verwandtschaft erkennen, die zwi- 
schen diesen Gefässen besteht. Die Lekythen sind sämmtlich 
von beträchtlicher Grösse und weisen auch in der Form nur 
geringe Unterschiede auf. Charakteristisch ist für alle, soweit 
eben ein Urteil möglich ist, die scliarfe Trennung von Hals 
und Schulter und der mehr oder weniger gedrungene Bauch. 
Die Mündung ist fast durchgängig tulpenförmig. die Fuss- 
platte fehlt bloss bei Nr. 8 und 14. Sonst ist sie entweder 
plastisch oder durch Farbe (Nr. 11 und 12) zum Ausdrucke 
gebracht. Die Schulter ist entweder zugleich mit dem oberen 
Teile des Bauches von gelblichem Pfeifenthon bedeckt (Nr.l- 
6, 8), oder gefirnisst (Nr. 14 und 15), oder thonfarbig. In den 
beiden ersten Fällen erstreckt sich der Firniss über den ganzen 
Henkel, im letzten nur über dessen Aussenseite. Der Hals ist 
immer gefirnisst. Während die thonfarbene Schulter als Or- 
nament regelmässig drei Ranken mit 1 + 3+1 Palmetten und 
bei Nr. 9-11 darüber eine Stabreihe trägt, erscheint dort, wo 
sie mit gelblicher oder schwarzer Hülle yersehen ist, eine 
Ranke mit drei Palmetten in Verbindung mit dem Eierstab ; 
dreimal spriessen aus der Palmettenranke zw ei Blüten hervor. 
Eine Ausnahme bildet das Gefäss Nr. 8, dessen Schulter trotz 
der gelben Decke das Ornament der ersten Gruppe aufweist. 
Bei Nr. 5, 6, 11 und 14 sind in das Palmettenornament Kreise 
eingestreut, bei Nr. 2-6 scheinen einzelne Palmettenblättchen 
bereits mit matter Farbe gemalt gewesen zu sein. 

Die ßildiläche ist oben durch einen Mäander begrenzt, der 
bei Nr. 1. 3-6, 9, 16 durch ein Kreuz-, bei Nr. 12^ durch ein 
Schachbrettmuster unterbrochen und immer von Parallelen 
eingeschlossen ist. Bei Nr. 8, 10, (11), 12 und 13 erstrecken 



ATTISCHE GRABLEKYTHOS 61 

sich auch letztere bloss iibei' die Hiklfläche. unter dieser ent- 
spricht bei Nr. 8,10 und 12 eine blosse Basislinie, hei Xi-. 4. 
5 und 15 ein Mäanderornament zwischen Parallelen, sonsl ein 
Kreisrin"-. Fürsich allein stehen Nr. 11 und 1^^ riiif zwei i-olcii 
Parallelkreisen im Firniss. 

Die bildliche Scene spielt bloss bei Nr. 1 am (jrahc. Zum 
Totenkulte hingegen stehen auch Nr. 5, 6 und 15 in Px'ziciumii-. 
da sie die Vorbereitungen zum Grabesnange bieten, Nr. 12, in- 
dem hier der letztere selbst dargestellt ist. Mythologischer Na- 
tur sind die Bilder von Nr. 4, 11, 13, 16, 17 und 19 V'order- 
seite. Im übrigen wahhe man bloss gemütliche Scenen des 
Frauengemaches, wie sie so oft auf rotfigurigen Lekythen un<\ 
den "leichzeitioen Marmor-Grabmälern erscheinen. 

Von Farben sind ausser dem Firniss in seinen verschiede- 
nen Tönen AA^eiss, mehrere Arten von Rot und jenes eigen- 
tümliche Holzbraun verwendet worden. Der Stil zeigt noch 
eini2;e Strenge, wennoleich manche der hiehergehörigen Züoe 

<J C' iT^ 

auf altertümelnde Neisfun^en oder auch auf das Ungeschick und 
die Flüchtigkeit der Maler geschoben werden mögen. 

Eines der jüngsten Gefässe der obigen Reihe ist die kypri- 
sche Amazonenlekythos. Günstige Umstände erlauben uns hier 
eine annähernde Darstellung: die Vase wurde nicht vor dem 
Jahre 449 nach Kypern eingeführt. Dass sie eher einige Zeit 
vor als lange nach diesem Termine verfertigt worden ist, wird 
man aus Gründen der Technik und des Stiles wohl auch dann 
zugeben, wenn man sie nicht mit Dümmler direkt zur poly- 
gnotischen Grossmalerei in Beziehung bringen sollte. Hiedurch 
aber bekommen wir für die übrigen Vasen verwandter Technik 
als Entstehungszeit etwa das zweite Drittel des V. Jh., ein 
Zeitansatz, der zu dem ganzen Charakter der betreffenden Ge- 
fässe gut stimmt (vgl. auch oben S. 45) und der ausserdem 
nicht nur durch den Umstand, dass fünf Lekythen (Nr. 3, 5- 
7, 15) noch Lieblingsinschriften tragen, sondern auch durch 
die Buchstabenformen der letzteren gestützt wird: auf Nr. 3. 
5 und 6 erscheint bereits A und ^, nur Nr. 15 weist U und ^ 
auf. Dass aber eine Technik, wie sie uns hier entgegentritt. 



62 ATTISCHE GRABLEKYTHOS 

auf keinen Fall weit in die zweite Hälfte des V. Jh. herab- 
reichen kann, wird auch durch einen ganz äusserliclien Um- 
stand bedingt. Diesellje halte niimlich nur bei einem verhält- 
nissmüssig dunklen Ton des Überzuges Sinn, von welchem 
sich die weisse Deckfarbe entsprechend abheben konnte. So- 
bald der gelbliche Pfeifenthon durch den weissen verdrängt 
wurde, und dies geschah ungefähr um jene Zeit, musste auch 
die weisse Farbe verschwinden. 

Dass die aufgezählten Vasen attischen Fabriken entstammen, 
bedarf wohl keines weiteren Beweises. So weit ihr Fundort 
bekannt ist, stammen sie zum grössten Teile aus Attika und 
aus Eretria. Nur ein Gefäss kam in Rypros, zwei kamen in 
Italien zum Vorschein. Möglich wäre höchstens noch die An- 
nahme, dass die attische Technik nach Eretria verpflanzt wor- 
den wäre ^ Freilich kann hiefür, wie schon die Fundorte von 
Nr. 13, 16 und 17 darthun, nicht der Umstand ins Treffen 
geführt werden, dass bei einem*w eiteren Transporte die Far- 
ben gelitten hätten. 

In Attika werden wir auch die Vorbilder für die angewandte 
Technik suchen müssen. Ich verweise hier vor allem auf eine 
Gruppe von Gefässen, die erst kürzlich in der Gazette arche'o- 
logiqiie 1888 S. 192 ff. von Six zusammengestellt und be- 
sprochen worden sind. Grösstenteils Lekythen stimmen sie mit 
unseren Vasen auch darin überein, dass der natürliche Tlion 
eine Decke erhalten hat. Es ist hiebei nicht von wesentlicher 
Bedeutung, dass dieselbe das eine Mal schwarzer Firniss. das 
andere Mal gelblicher Pfeifenthon ist. Diese Decke gibt erst den 
Malgrund ab für die polychromen Bilder, die den Bauch der 
Gefässe schmücken. Die Schulter ist bei den Six'schen Vasen, 
dem höheren Alter derselben entsprechend, in der Regel thon- 
grundig. Einmal (Nr. XII) aber greift auch auf sie der Fir- 
niss des Bauches über, wobei dann das Ornament ähnlich wie 
bei Nr. 14 und 15 rot ausgespart ist. Dreimal (Nr. XVII te)\ 
XXI bis, XXVI) ist die Schulter und ebenso oft (Nr. XV bis, 



1 Vj,'l. 'E-yrii^.. ap/. 188G S. 33 f. 



ATTISCHE (;RAnLEKYTIiOS 63 

XVII bis, XXI Ois) ein hrcitcr Kreisstrcircii an i\v\' ohci-cn 
Bauchgrenze mit Aveissem Pfeifentlion hcicj^l. Der zcilliclK! 
Abstand, der zwisclien den beiden Gefässgruppen besteht und 
eine unmittelbare Abliängigkeit der einen von der anderen 
auszuschliessen scheint, verringert sich wohl bedeutend ange- 
sichts der Vasen Six Nr. XXI und XXIII, welche auf jeden 
Fall dem V. Jli. angehören, und unserer Lek^tlios Nr. 15, 
welche durcli die Buchstabentbrmen an die Spitze der ganzen 
Reihe gerückt wird. 

R. WEISSIIÄITPL. 





ZUR NEMESIS DES AGORAKRITOS 

Dass das oben abgebildete Briielislück eines kolossalen Mar- 
morkopfes, Avelclies in dem Tempel der Nemesis zu Rharanus 
gefunden \vurde und 1820 durch den Architekten J. P. Gandy 
in das Britische Museum aelanojte, zu der berühmten Statue 
der Göttin von Agorakritos gelii)rt, hat man gleich nach der 
Auflindung desselben angenommen ^ Es ist zu gross, als dass 



< So IliUorf Anliquilc.s inhliles de l'Allique S. 45 fg., Leake Demen von At- 
lilia S. 119 fg., J. P. Six Aphrodite - Nemesis im Numismalical Chronicle, 
third serie.1 II S. 89 fg. mit uagonügendpr Abbildung S. 100 und 101. Newton 
Sculplures in the Elgin Room II S. 30 l)Oiiihrl die Frage nacli der Zugehö- 
rigkeit zu der Statue nictil. Reste der von Pausanias bescliriebenen Basis 
sati noch Leake (a. a. O.), Slcpbani dagegen (Rhein. Mus. N. F. IV S. 16) 
schon nicht mehr. Dagegen fand letzterer noch 'einige Stücke faltenreichen 
Gewandes von parischem Marmor, welche ofl'cnbar einer Colossalstatue an- 



zun NEMESIS DES A(!OnAKRlTOS G5 

es von den am Tempel ;mi;('l)raclilen deeorativen Figuren oder 
von einem \\ eili<>;eselieni\ iieiTüliren könnte. Fiii- die Annalime 
spricht ausser dem Fundort das Material (parischer Marmor), 
die Masse, welche mit der von Antigonos von Karystos bei Ze- 
nobios V 82 überlieferten llöhenangalie ziemlich iihereinstim- 
men ^ endlich die Einsatzspuren im Haar, die auf einen Kopf- 
schmuck, wie ihn Pausanias 1 33.3 erwähnt, schliessen lassen. 

Ich gebe im folgenden eine Beschreibung des trotz seiner 
schlechten Erhaltung wichtigen Bruchstückes auf Grund einer 
neuerdings mit der freundlichen Beihülfe von A. S. Murray 
vorgenommenen Untersuchung. Demselben Gelehrten verdanke 
ich auch die Vorlage für die beigegebene Abbildung. 

Die Höhe des Fragmentes in der grössten Ausdehnung ge- 
messen ist 0,37 m, die grösste Breite (über der Stirn) 0,32. 
Der Marmor ist sehr stark bestossen und von Feuchtiokeit zer- 
fressen. Seine ursprüngliche Oberfläche ist noch am besten 
erhalten an der flach und schmal gebildeten rechten Wange. 
Stark beschädigt ist dagegen das rechte Auge. Der erhaltene 
untere Teil desselben lässt jedoch erkennen, dass es weit geöff- 
net und der Augapfel ziemlich flach gebildet war, während 
die Lider stark hervortraten. Das dichte Haar fällt in ziemlich 
starken Wellenlinien tief in die niedrige Stirn und bis auf die 
Ohren herab. Noch mehr beschädigt sind der untere und linke 
Teil des Gesichtes: Nase, Mund und Kinn sind völlig zerstört. 
Doch zeigen die erhaltenen Reste — auch vom Hinterkopf ist 
noch viel vorhanden — . dass wir eine Rundsculptur vor uns 
haben. Sie verbieten auch an ein sehr hohes Relief zu den- 



Sehört haben'. Dass die Statue niclit von Pliidias lierrüiirt, liat Wilaniowitz 
(Antigonos von Karystos S. 10 fg.) bewiesen. Die von Lealic S. 118 erwähnte 
im Ivleinen Tempel zu Rhamnus gefundene archaische Gewandstatue ist 
wahrscheinlich der jetzt gleichfalls im Britischen Museum betindliche Torso 
einer den polychromen Statuen von der Akropolis ähnlichen, lebensgrosseii 
weiblichen Marraorfigur. Er steht dort neben dem Gip.sabguss der Nike des 
Päonios und ist mit der Nummer [29] bezeichnet. 

' Die Angabe der llülie auf 10 Ellen ist natürlich nur eine ungefähre. Vgl. 
auch IL Posnansky Nemesis und Adrasteia (Breslauer phihd. Abhandlun- 
gen V 2 S. 93 Anm. 1). 

ATHEN. MITTHEILUNGEN X\. 5 



66 ZUR NEMESIS DES AGORAKRITOS 

kcn, eine Annahme, die schon durch die kolossalen Dimen- 
sionen des Kopfes ausgeschlossen wird. Besser erhalten ist 
^vieder die obere Hälfte. Man erkennt noch, dass hier das oben 
auf dem Scheitel leicht gewellte Haar nie sorgfältig ausgear- 
beitet gewesen ist. Dieser Teil war nämlich ursprünglich ver- 
deckt. Um den ganzen Kopf geht in ziemlicher Höhe über der 
Stirn die oval geformte Einsatzspur eines Stephanos herum. 
Man erkennt völlig deutlich die scharfe Linie, in welcher die- 
ser sicher metallene Kopfschmuck auf dem Marmor aufsass; 
des festeren Haltes wegen lag er auch oberhalb jener an 
dem Kopfe an, wie eine namentlich an der rechten Seite völ- 
lig deutliche Abarbeitung des Marmors (0,2 breit) beweist. In 
ihr befinden sich ungefähr über den Ohren zwei seitlich 
eingebohrte Löcher, in denen offenbar Zapfen zur Befestigung 
des Stephanos angebracht waren. Die Regelmässigkeit die- 
ser Löcher und ihre starke Verwitterung beweist, dass sie 
ebenso wie die anderen bald zu erwähnenden nicht erst spä- 
ter, etwa bei der Zerstörung oder Auffindung des Denkmals, 
angebracht, sondern dass sie ursprünglich sind. Hinter den 
Ansatzspuren des Stephanos sind sieben runde, tiefe Löcher 
in gleichmässigen Abständen in den Stein eingebohrt. Sie bil- 
den ziemlich genau einen Halbkreis, dessen Endpunkte sich 
oberhalb der beiden Ohren befinden. Spuren von Bleiver- 
guss oder Marmorkitt sind in den Löchern nicht zu bemer- 
ken. Ausserdem sind noch elf Vertiefungen teils auf dem 
Scheitel, teils auf dem Hinterkopf angebracht. Sie sind un- 
gieichmässig verteilt und von verschiedener Tiefe. Die zwei 
tiefsten befinden sich über der Mitte der Stirn hinter dem 
Halbkreis und am Hinterkopfe. 

Diese Beobachtungen lassen sicli leicht mit den Worten des 
Pausanias in N'erbindung bringen : ty, §£ /.e<paXfi etzboti tti; 
Oeou (jT£(pavoi; iXä^pou? i/iov xai Nt/.7)<; äyaX^aaTa O'j [xsyocXoc. Da 
diese die Hirsche und die Nikebilder nur in einen äusseren 
Zusammenhang mit dem Stephanos setzen, da ferner die sie- 
ben einen Halbkreis bildenden Löcher sich zu nahe hinter 
den Einsalzspuren des Stephanos befinden, als dass man in 



ZUR NEMESIS DES AriORAKHITOS 67 

ihnen Stiitzen fiii' dioscn annehmen dürfte, so können die Fi- 
guren nicht als Reliefs an dem Stephanos angebracht gewe- 
sen sein (wiez. B. die Palmetten an dem Diadem der .Inno 
Ludovisi und an dem Stephanos derselben Göttin auf elischen 
Münzen bei Friedländer und von Sallet, Das kgl. Münzkabi- 
net 2 Nr. liO Taf. II, ferner der Halbmond an dem Stephanos 
der Isis im Louvre bei Chirac Taf. J087 Fig. 2733 b, vgl. 
Fröhner A o^/r^ Nr. 559). Im anderen Falle würde sich Pau- 
sanias wohl auch eines anderen Ausdruckes bedient haben. Er 
hätte nicht von äyaJ[7.7.Ta gesprochen, sondern würde ein Ver- 
bum (j-spyz'CscfOat oder -oislv ItzI) vorgezogen haben, wie eres 
weiter unten in der Beschreibung der Reliefs an der Basis und 
der Schale, welche die Göttin hielt, gethan hat. Daher bleibt 
nur noch übrig, dass Stephanos und Figuren besonders gear- 
beitet und diese mit Zapfen in den sieben Löchern hinter dem 
Stephanos so eingelassen waren, dass sie auf dem oberen 
Rand desselben aufsassen. Audi darf man trotz der ^^^orte 
des Pausanias sich die Figuren nicht zu klein vorstellen. Da 
sie in einer Höhe von zehn Ellen angebracht waren, mussten 
sie so gross gebildet sein, dass sie der Beschauer deutlich er- 
kennen konnte. Man darf ferner nicht ein\venden, der von 
Hirschen und Niken überragte Stephanos sei zu hoch gewe- 
sen, als dass er günstig hätte wirken können. Viele Erzeug- 
nisse der antiken Kleinkunst, namentlich aber Terracottasta- 
tuetten beweisen, dass ähnliche zum Kopfschmuck bestimmte 
Gegenstände sehr hoch gebildet wurden und dass sie trotzdem 
nur selten einen störenden Eindruck machend Die Verteilung 



< Kekult? TerracoUen von Sicilien Taf. XI; Poltier- Reinach Necrnpole 
de Myrina Taf. 28, 30; Fröhner Colleclion Greau Taf. 22, 117. Ähnlich zeigt 
ein aus dem Peloponnes stammendes weibliches Bronzekopfchen freien Stils 
im Berliner Antiquariura ( Inv. 7493) einen Stephanos mit fünf Palmelten, 
welcher höher ist als der ganze Kopf. Typisch ist ein ähnliches, aullallend 
hohes Diadem in durchbrochener Arbeit für die weiblichtMi sitzenden Glie- 
derpuppen aus Terracotta.die häutig in griechischen, italischen und kleina- 
sialischen Gräbern gefunden werden (Pottier-Pteinach Taf. 2, S. 2G2 fg., 
Fröhner Taf. 22, S. 20 fg.). Da dasselbe bisweilen mit orientalischen Syrn- 
boleu verziert ist, so müssen die Figuren mit einem der in späterer Zeit sich 



68 ZUR NEMESIS DES AGORAKRITOS 

der Fioui'en Avird wohl so zu denken sein, dass die Hirsche, 
welche ihrer Gestalt nach mehr hervortreten als die Niken. die 
beiden äussersten Stellen einnahmen, dass also der Stephanos 
mit vier Hirschen und drei Niken bekrönt war und an vierter 
(mittelster) Stelle eine Nike stand. Die zeitlich nächste Ana- 
loaie für diese Fiaurenreihe bietet der Helm der Athena Par- 
thenos des Phidias. Xach den zuverlässigsten Nachbildungen, 
dem Petersburger Goldmedaillon und der Gemme des Aspa- 
sios, sprangen aus demselben unmittelbar über dem Stirn- 
schirm die Vorderteile von Pferden hervor'. Man wird daher 
auch für Agorakritos anzunehmen haben, dass er die Hirsche 
nur in halber Figur bildete. Hierfür spricht auch der Um- 
stand, dass die ganze Gestalt der Vierfüssler sich viel weniger 
zur ornamentalen Verzierung des Stephanos eignete. An eine 
Verbindung der Tiere mit den Niken in der Weise der 'asia- 
tischen Artemis', wie sie J. P. Si\ (a. e. O. S. 100) annimmt, 
ist nicht zu denken ^. Pausanias würde sich in diesem Falle 
anders ausgedrückt haben, etwa ähnlich wie HI 18. 14 in der 
Beschreibung des amykläischen Thrones, wo er von 6r,pia avw 
Oe'ovTo, spricht^ ; ausserdem sind die Löcher auf dem Kopfe der 
Nemesis viel zu gross als dass sie, wenn auch nur zum Teil, 
von den Befestigungen der Hinterfüsse von Hirschen herrüh- 
ren könnten. 

Die übrigen Löcher auf der oberen Ropffläche und dem Hin- 
terkopf dienten wahrscheinlich teils zur Befestigung des Ste- 



verbreilenden Culte in Verbindimg stohu: Gütlerbilder können es aber nicht 
sein, da die meisten Exemplare iiohe Ivulliurne tragen. 

' Kieseritzky (Athen. Miltheil. VIII S. 294 und 302) erkennt hier auf dem 
Petersburger Medaillon Greifenköpfe, die mit Rehköpfen abwechseln; Furt- 
wängler (Arch. Jahrb. IV S. 47) auf der Aspasiosgemrae Rehe oder Hirsche 
und Pegasoi. Aber die Abwechslung auf beiden Denkmälern ist keine re- 
gelmässige, und die vermeintlichen Unterschiede sind nur durch Zufälle bei 
der in so kleinen Dimensiunen schwierigen Arbeit bedingt. Es sind viel- 
mehr ebenso wie auf den attischen Tetradrachmen nur Pferde zu erkennen 
(Calalogue of Greek cot/is in llie BrUisli Museum, Aliica Taf. 8 fg.). Vgl. Pos- 
nansky a. a. 0. S. 25 Anm. 3. 

- [Anders Studniczka, Kyrene S. iGO]. 

3 S. Arch. Zeil. XLIII (1885) S. 272 fg. (F. Marx). 



zun NEMESIS DES AGORAKRITOS 69 

phanos, welcher naeh den erlialtenen Spuren, wenn aiicli 
sicher hinten niedriger als vorn, um den ganzen Kopf her- 
umging-, teils (namenilieli die starken Vertiefungen auf dem 
Scheitel) zur Aufnaliuu^ \on Stützen. 

Eine ungefähre Vorstellung von dem Kopfseinnuck kann 
man sich nach zwei erhaltenen Denkmälern liilden: einmal 
einer Minize des Königs Nikokles von Kypros, aufweiche .1. 
P. Six hingewiesen hat (a. e. 0. S. 101). Ein archaischer 
Aphroditekopf mit langen, flatternden Haaren trägt einen 
Stephanos. auf welchem ahwechselnd kleine Figuren mit or- 
namental zurückgehogenen Flügeln und Palmetten angehraclit 
sind. Doch kann man hier die Einzelheiten wegen der Klein- 
heit der Darstellung nur schwer erkennen. Das ist leichter 
möglich an einer 0,33 hohen Thonstatuette der schreitenden 
Artemis (ehemals in der Sammlung AI. Castellani, heschrie- 
ben und abgebildet im Catalogiw des objcts (Vart clepeii- 
dant de In succession AI. Castellani, Paris 1884 Nr. 559), 
welche als Henkel an einem grossen Gefäss angebracht war ^ 
Auch sie trägt einen hohen Stephanos auf dem Kopfe verziert 
mit daraus hervortretenden Palmetten und Protomen von Vier- 
füsslern, die trotz ihrer starken Beschädiaune unzweifelhaft als 
Hirsche oder Rehe zu bezeichnen sind. In den Motiven der 
Gewanduno- und Stelluno; stimmt diese Fi^iir cenau mit der 
bekannten Marmorstatue der Artemis in München überein 
(Nr. 93^ Friederichs -Wolters Nr. 4 50, abgebildet Baumei- 
ster Denkmäler I S. 349 Fig. 371), doch besteht der Kopf- 
schmuck dieser in einem Diadem mit kleinen Rehböcken in 
ganzer Figur, welche paarweise um unbestimmbare Gegen- 
stände (Candelaber?) gruppirt sind^. Trotz dieser auffälligen 



' Der Katalog bezeichnet die Statuette als de la helle ipoque de Varchaisme 
grecque, atjer nacli den Gesichtszügen und der Behandlung der Gcwand- 
falten und des Haares kann sie nicht vor der hellenistischen Zeit entstanden 
sein. 

2 Grade diese Abweichung spricht neben ihrer äusseren Beschallcnheit 
für die Echtheit der Statuette Caslellani. Auf die Verwandtschaft der iMün- 
chener Artemis mit der Nemesis hat bereits Friederichs a. e. 0. hingewie- 
sen. Wolters macht mich darauf aufmerksam, dass die Münchener Statue 



70 ZUR NEMESIS DES AGORAKRITOS 

Übereinstimmungen darf man keinen näheren Zusammen- 
hang der Nemesis von Rhamnus mit den beiden Denkmälern 
annehmen. Die Abweichungen, wenn auch in Einzelheiten, 
sind immer noch l)edeutend senus; und die Ähnlichkeit er- 
klärt sich einfach dadurch, dass die beiden Gottheiten, welche 
ihrem Wesen nach der Nemesis am nächsten stehen, diesen 
Kopfschmuck tragen. Ebensowenig|ist man aber auch berech- 
tigt auf einem von J. P. Six (a. a. O. S. 91 fg. Taf. 5 = 
Gardner Tijpcs of Greek coins Taf. X 27 ) herangezogenen 
Silberstater des kyprischen Dynasten Nikokles eine, Nachbil- 
duno; der berühmten attischen Statue zu erkennen. Die Vor- 
derseite der Münze, welche nur in einem ziemlich stark be- 
schädigten Exemplar des Britischen Museums erhalten ist, 
trägt das nach rechts gewandte Bild des thronenden Zeus. Auf 
der Rückseite sieht man nach links, also dem Zeus zugewandt, 
eine stehende weibliche Figur in ärmellosem y.Twv (7/i(7t6; mit 
Überschlag, in der vorgestreckten Rechten hält sie über ein 
Thymiaterion eine <piaV/i [j.inoiJ/j^cCk'^c, in der herabhängenden 
Linken einen Zweig mit langem Stil. Auf der rechten Schul- 
ter soll das Gewand durch eine Spange zusammengehalten 
sein, welche in einen Greifenkopf ausläuft. Doch scheint diese 
Einzelheit mir keineswegs so sicher wie Six und Furtwängler'. 
Denn Spangen dieser Form sind meines Wissens nicht nach- 
weisbar; auch haben die fraglichen Umrisse zu grosse Dimen- 
sionen. Ausserdem ist zu bedenken, dass der Greif eins der 
spätesten Attribute der Nemesis ist^. Endlich ist der Kopf der 

ganz ähnlich auf Denaren des L. Ilostilius Saserna wiederkehrt (Babelon 
Monnaies de la r^publique rom. I S. 553, Dareraberg-Saglio Dictionnaire 
des anliquitcs II, 1 S. 156). Mit der Rechten hält die Göttin auch hier einen 
aufrecht stehenden Hirsch, in der Linken eine Lanze, die demnach auch 
bei der Münchener Statue zu ergänzen sein wird. Den Kopfschmuck kann 
man auf der Münze nicht deutlich erkennen (eher eine Strahlenkrone als 
Stcphanos mit bildlichem Schmuck); der Faltenwurf des Gewandes zeigt 
wenigstens auf einem Exemplar deutliche Zickzackfalten. 

* Sammlung Sabourolf Excurs zu Taf. 71, 2 S. 16, s. Posnansky a. e. O. 
S. 100 fg. 

2 Posnansky a. e. O. S. 109 fg., dessen Veriiiiitiiiig, dass der Greif der 
Nemesis in alexandrinischer Zeit beigegeben worden sei, ich jedoch nicht 



ZUR NEMESIS DES Ar.ORAKRITOS 71 

Gestalt von einem deutlich ausgeprägten Bliitlerkranz umge- 
ben. Es f'ehll also das iiaiiplsächlic-liste und am meisten in die 
Allgen fallende Attribut dei' rlianmusisehen Statue, der Ste- 
plianos mit den Rundfiguren. Von einem Thymiaterion und 
einem Greifenkopf berichtet aber Pausanias nicht das.geringste. 
Ferner sind der Zweig, welcher siclier kein Aj)felzweig ist, 
und die Schale zu ge\YÖhnliche Attribute von Adoranten und 
von Götterbildern aller Art. als dass man grosses Gewicht auf 
sie legen dürfte. Sie weisen vielmehr darauf hin, dass die Ge- 
stalt der Rückseite dem Zeus der Vorderseite ein Trankopfer 
darbrinat. 

Eine sichere Nachbildung der Nemesis des Agorakritos lässt 
sich also trotz der Berühmtheit derselben namentlich in spä- 
terer Zeit — Plinius n. h. XXXVI 17 erzählt, dass Varro sie 
allen anderen Statuen vorgezogen habe — bis jetzt noch nicht 
nachweisen. Dagegen zeigt das Fragment des Britischen Mu- 
seums trotz seiner schlechten Erhaltung, dass der Stil des 
Werkes anderen Sculpturen aus der Zeit des Phidias vollkom- 
men entsprach. Die Bildung der Augen, Haare und Wangen 
erinnert namentlich an die Mädchen des Cellafrieses des Par- 
thenon. Dagegen sind die Kopfformen der Atbena Parthenos, 
wie sie die erhaltenen Nachbildungen zeigen, breiter und mas- 
siger. Von erhaltenen Rundsculpturen scheinen der Nemesis, 
soweit man nach dem Fragment urteilen kann, einige als Hera 
erklärte Köpfe am nächsten zu stehn, besonders die 'Juno 
Farnese', deren Verwandtschaft mit Artemis, einer der Neme- 
sis nahe stehenden Göttin, man mit Recht hervorgehoben hat. 

Breslau. 

0. ROSSBACH. 



billigen kann. Der erste Schriftsteller, welcher den Greifen als Attribut 
der Nemesis erwähnt, ist Nunnos (XLVIII 382 fg. uikI 4.^1 fg.); Mesoniedes 
dagegen, welcher in seinem Hymnus auf Nemesis sich bemüht ihre Attribute 
möglichst vullsländig aufzuzahlen, kennt ihn noch nicht. 



ZUR GESCHICHTE VON THASUS 

In viel innigerem Zusammenhange als von vornherein zu 
vermuten wäre, steht die äussere Geschichte der griechischen 
Kleinstaaten im 5. und 4. Jahrhundert mit den Verfassungs- 
kämpfen im Innern, welche um oligarchisches und demokra- 
tisches Regiment tohten. Die schönsten Auseinandersetzungen 
über den absoluten Wert der einen oder der anderen Regie- 
rungsform, die uns aus dem Altertum erhalten sind, vermögen 
an der Thatsache nichts zu ändern, dass es sich in allen die- 
sen Streitigkeiten um den Besitz der Macht handelte. Und in 
diesem Kampfe war wie überall jedes Mittel recht. Die geo- 
graphische Lage und historische Entwicklung der griechischen 
Kleinstaaten nötigten nicht zu einer weit ausschauenden äus- 
sern Politik, welche das Selbstbestimmungsrecht derselben 
gegen fremde Herrschaft verbürgt und bis zu einem gewissen 
Grade den Boden hätte abgeben können, auf dem sich beide 
Parteien gefunden hätten. Die Beziehungen zu den anderen 
Staaten waren daher meistens ein Mittel, die Herrschaft der 
Partei zu festigen. Für Athen selbst bezeugt der Verfasser der 
Schrift vom Staate der Athener, dass die Begünstigung der 
Demokratie in den Bundesstaaten lediglich von der Politik der 
attischen Demokraten dictirt war, und zwar nicht aus natür- 
licher Vorliebe für die Segnungen dieser Verfassung, sondern 
zur Behauptung der Macht, und wenn derselbe Autor behaup- 
tet, dass seine oligarchischen Bundesgenossen die Oligarchen 
in den Bundesstaaten geschützt hätten, wenn ihnen das Regi- 
ment anvertraut gewesen wäre, so beweist er damit nur, dass 
die Oligarchen das Reichsinteresse preisgegeben hätten um die 
Herrschaft zu erhalten. 

Ein Beispiel solchen Wandels in den Beziehungen zu Athen 
beim Wechsel der Regierungsibrm bietet dit; Geschichte von 



zun GESCHICHTE VON THASOS 73 

Thasos. Nachdem diese Jnsel endgilt ij^- durcli Rimon dem de- 
liscli-alliselien Ikinde gewonnen woi'den war, blich sie wegen 
ihres Goldreichtums ein werlvolh'r Besitz Athens, ebenso abei' 
seitdem Brasidas den Kriegsschauplatz in die nördlichen Bim- 
desstädte Athens verlegt hatte , ein von den Lakedämoniern 
begehrtes Gut (Thuk. IV 105,1). Als aber im Jahre ^i 11 in 
Athen die Oligarchie der Vierhundert zur Herrschaft gelangte, 
sandte Peisandros den für Thrakien bestimmten Archonten 
Dieitrephes nach Thasos, um aucb dort ein(^ Oligarchie ein- 
zurichten (Thuk. VI 11 64). Natürlich täuschten sich die athe- 
nischen Oligarchen in ihrem Vertrauen auf die Bundestreue 
der thasischen, denen sie zur Herrschaft verholten hatten, denn 
diese knüpften mit Sparta Unterhandlungen an, riefen die oli- 
garchisch und athenerfeindlich gesinnten Verbannten zurück 
und fielen von Athen ab. Nach dem Sturze der Vierhundert 
in Athen entstand auf der Insel ein Aufstand, in dessen Ver- 
lauf der lakedämonische Harmost Eteonikos verjagt wurde 
(Xen. Hell, l 32) und einige Zeit nach einem Kriege, über 
dessen Einzelheiten wir fast gar nicht unterrichtet sind — nur 
die Inschrift C. I. A. IV S. 15 Nr. 51 lässt einiges erraten — 
Hessen die Thasier, die also die Demokratie wieder hergestellt 
hatten, unter dem Befehle des Ekphantos den Thrasybul mit 
seinen Truppen in die Stadt (Dem. Lept. c. 59), welche nun 
wieder athenisch ward. Jener Ekphantos, welcher den Athe- 
nern die Thore geöffnet hatte, wurde, wie wir aus Demosthenes' 
Leptinea erfahren, nebst seinen Genossen von den Athenern 
mit der Atelie beschenkt und es scheint mir kein Zweifel, 
dass jener Volksbeschluss {C. I. A. II 4), in welchem einer 
Anzahl von Personen, die Köhler aus ihren Namen als Tha- 
sier erkannt hat, Privilegien verliehen worden sind, da an 
ausgezeichneter Stelle derselben der Name "E)(^cpavTo? vorkommt, 
eben jener von Demosthenes gemeinte Beschluss ist, wie neuer- 
dings auch Foucart {Bull, de corr. hell. 1888 S. 164) be- 
merkt hat. Die Verleihung jener Privilegien muss zwar unmit- 
telbar nach dem Wiedergewinne der Stadt erfolgt sein und da 
die Inschrift nacheuklidisch ist, muss sie entweder überhaupt 



74 ZUR GESCHICHTE VON THASOS 

erst später aufgeschrieben oder erneuert ^Yorden sein, nachdem 
die ursprüngliche etwa unter den Dreisslg zerstört worden war. 
In dieselbe Zeit des Einverständnisses zwischen Athen und 
Thasos gehört die Wirksamkeit des Hippias von Thasos in 
Athen, der ein Opfer der Dreissig fiel (Lysias, gegen Agorat. c. 
54), während die von Athenaeus (IX 406, E) berichteten 
Anekdoten über den thasischen Schauspieler Hegemon vor die 
Zeit der Vierhundert zu setzen sind. 

Nach der Schlacht bei Ägospotamoi gewann Lysander Tha- 
sos nach grausamer Hinmetzelung aller athenisch Gesinnten 
wieder für Sparta (Corn. Nepos, Lys. 2,2. Polyaen I 45,4). 
Die von diesem eingesetzte Dekadarchie wurde bald aufgelöst. 
Wahrscheinlich seit der Schlacht bei Knidos ward Thasos 
wieder athenisch und trat auch später dem zweiten attischen 
Seebunde bei. Dass Thasos einer der ersten Staaten war, wel- 
cher im ersten Decennium des 4. Jahrhunderts einen näheren 
Anschluss an Athen suchte, ist aus der von Köhler (Athen. 
Mitth. VII S. 317) publicirten sowie aus der von Foucart 
zusammengesetzten [Revue archeol. 1878 XXXV S. 118 f.) 
Inschrift zu ersehen. 

Einige dieser dargestellten Vorgänge auf Thasos in ihren 
Einzelheiten näher zu bestimmen und zwar durch epigraphi- 
sche Quellen aus Thasos selbst, ist der Zweck dieser Zeilen. 
E. Miller hat in einer Reihe von Aufsätzen in der Revue ar- 
che'ologique Inschriftsteine von Thasos veröffentlicht, welche 
Listen von Theoren enthalten. Dieselben sind dann neuerdings 
auf Grund von Abklatschen, die in Paris genommen wurden, 
von r^echtel in den Abhandlungen der Göttinger Gesellschaft 
der Wissenschaften (1885) publicirt worden. Ein Nachtrag ist 
noch in den gleichen Abhandlungen 1887 gegeben. Wir wis- 
sen nicht mit Sicherheit, welche Functionen diese Theoren 
gehabt haben. Ohne Zweifel aber waren sie Beamte und nicht 
ausserordentliche Gesandte, wie aus dem thasischen Volksbe- 
schlusse C. I. G. 2161 hervorgeht, aus welchem wir auch 
ersehen, dass jährlich drei solcher Theoren bestellt wurden 
und ihnen auch das Amt oblag, die von der Volksversammlung 



ZUR GESCHICHTE VON THASOS 75 

gefassten Beschlüsse aut'zuschreiben. I);i nun neuerdings auch 
auf Paros die Theoren als Beamte ' nachgewiesen sind, so ist 
wol kein Zweite!, dass dieses Amt in Tliasos so ah als die 
parische Goionisalion der Insel ist, also von den Einwanderern 
mitgebracht wurde. Schwieriger ist es aber, über das Alter 
der uns erhaltenen Listen zu urteilen. Bechtel bal anl' (Irund 
der Autorität von Sauppe die Meinung ausgesproelien, dass 
der epigrapliische Cliarakter der insciu'it'ten es schlechtiiin 
ausscbliesst, dass die älteste derselben älter als der Ausgang 
des 4. Jahrhunderts sei und als Zeit der sammtlichen Listen 
etwa die Jahre 300-250 v. Chr. angenommen. Bleiben wir 
bei diesem Ansätze, der sich nicht weiter controliren lässt, 
stehen, so ist zunächst klar, dass diese Listen, von welchen 
uns ja bloss ein Teil erhalten ist, unter der aucli durch die 
Inschriften selbst bestätigten Annahme dass jährlich drei Tlieo- 
ren im Amte waren '', die Amter einer weitaus grösseren An- 
zahl von Jahren umfassen müssen. Mögen sie datier auch erst 
gegen 300 aufgeschrieben sein, so können doch sehr wol die 
in ihnen genannten Theoren älter sein. Es sind eben Fasten, 
die, wie wissen nicht aus welchem Grunde, erst später auf 
Stein geschrieben wurden. Das lehren auch die wenigen er- 



' Durch die von Löwy, Arch-epigr. MiltliL'iliuigt'U XI S. 187 [)iibliciile 
Inschrift, die vielleicht so zu ergänzen isl. 

. . rj.r] s^JEtvai 7.6t:~zi'j o'T[av 6 * 
tspEu; et]; tq upöv öp[[j.äTaf 
lav oi xi]i XI xouxtov -ap'.r,['. a7:o- 
cpr)vaT]w ö Oc'Xtov Tupo; 8£ojp[og xai 

(j]/£XW tÖ f,[J.t(JU' XÖV 0£ V . . 

8c]wp6v 1^ opxwv xoiv Octo[pwv 

sjäv xiva Vor] zoTcxovxa tzÖ-q x- 

i £]xytvd[j.cva xax£p£iv tzoo; x- 

ö;] OE'ijpd;. 
Es wird das Verbot ausgesprochen zu ernten, wenn sich der Priester zur 
heiligen Handlung begibt, gegen dessen Übertretung eine <paat? an die Theo- 
ren Statt hatte, bei der im Falle der Verurteilung dem Anzeiger die Hälfte 
der Busse zutiel, wenn er Privatmann war, während dem Theoren, der die 
gesetzwidrige Handlung sah auf Grund des Theoreneides die Anzeige an 
das Collegiuin zu machen ubiag, dem er angehörte. 
- Die Namen sind durch Teilstriche in Triaden geteilt. 



'^^ ZUR TtEschichte von thasos 

haltenen Überschriften einzelner Theorenreihen, welche deut- 
lich auf Verfassungsänderiinoen hinweisen. So steht auf dem 
Steine Nr. 8 i-i twv r^'jcö^j/.a äp/ovTwv oiSs sOsopsov, auf Nr. 9 
(Dechtel = 7 Miller) 0-6 tov ycovov ov ol sH'/ixovTa xat Tpi7]/,6i7tot 
t^p/ov oi'Ss sösopeov. Ebenso weisen auf zeitlich abliegende Epo- 
chen die Überschriften auf Nr. 5 iizi rr^q rp.oTr,? ä-ap/ri? und 
auf Nr. 7 (Beclitel = 6 Miller) ItzI tt,? ^EUTspa; i-y.^yri;. Klar 
ist zunächst, dass die Zeit, in welcher die ' Dreihundertsechzig' 
die Herrschaft führten, eine Oligarchie gewesen sein muss. 
Man kann, wie ich glaube, nicht etwa die 'Dreihundert' in 
Tegea ( LeBas ll 380 c,), welche Gilbert, Handbuch II S. 129 
als eine Art Rat auffasst, oder die Achtzig in Argos (Thuk. 
V 47) als Analogie anführen, um auch für Thasos eine solche 
ßo'j») anzunehmen. Denn wäre dieser Rat von 360 eine stän- 
dige Einrichtung gewesen, so könnte eine bestimmte Zeit nicht 
als die der Herrschaft der 360 bezeichnet werden ; sollte aber 
nur ausgedrückt werden, dass in einer bestimmten Zeit der 
Rat 360 Mitglieder gezähU habe, während er zu anderen Zei- 
ten anders zusammengesetzt war, so durfte gleichwol diese 
Epoche nicht als die der Herrschaft der 360 bezeichnet 
werden. Die Zeit der zwölf Archonten ist ebenfalls die Zeit 
einer bestimmten später aufgegebenen Verfassung, denn das 
Psephisma aus alexandrinischer Zeit (C. /. G. 2161) kennt nur 
drei Archonten. Demnacli müssen die in den Listen erwähn- 
ten Verfassungsänderungen in eine Zeit fallen, deren äus- 
serster Endtermin etwa das Auftreten Alexanders ist, können 
aber sehr wol auch beträclitlich älter sein. Thatsächlich ist 
uns aber von einer Verfassungsänderung auf Thasos im 4. 
Jahrhundert nichts bekannt, während wir wissen, wie oben 
hervorgehoben wurde, dass im Jahr 411 eine Oligarchie ein- 
gesetzt wurde, die sehr wol eine Oligarchie von Dreihundert- 
sechzig gewesen sein kann. Wir wissen nicht mit Sicherheit, wie 
viele Theorennamen unter der Überschrift, welche sich auf die 
Dreihundertsechzig ])ezieht, gestanden haben weil der Stein 
unten abgebrochen ist. Jetzt sind sie])en Namen erhalten; da 
aber in jedem Jahre drei Tlu'oren fungirten, so müssten hier 



ZUR GESCHICHTE VON THASOS 77 

die ersten sechs Namen sich auf die ersten ZAvei Jahre der Oli- 
garchie, der siohente aid' (las dritte Jahr derseUuMi l)ezi('li('ii. 
Es müsste also die Oligarchie mindestens drei Jahre gedauert 
hahen. Die verschiedenen modernen Geschichtsdarstellungen 
gehen teilweise in der Fixirung der Dauer dieser Oligarchie 
aus einander. Der Tliat bestand ist der, dass Thukydides er- 
zählt, dass sich bereits zwei Monate nach Einsetzung der oli- 
garchischen Verfassung durch die athenisclien Gesinnungs- 
genossen die Lakonerfreundlichkeit der thasischen Gewaltha- 
ber ergeben habe, indem diese den Anschluss an Sparta suchten. 
Da aber Thukydides' Werk mit dem Herbst 411 schliesst so 
erzählt er nichts Näheres von den Ereignissen dss Jahres 410, 
zu welchem Xenophon (Hell. I 1, 32) bericlitet, dass in Folge 
eines Aufstantles auf Thasos der spartanische Harmost Eteo- 
nikos sammt den Anhängern der Lakedämonier vertrieben wor- 
den sei. Derselbe Xenophon erzählt (Hell. I 4, 8 j von der Un- 
terwerfung von Thasos durch Thrasybul, dem Ekphantos die 
Thore geöffnet hat. Es ist klar, dass dies zwei verschiedene 
p]reii>;nisse sind, dass mithin die Vertreibuno; des Eteonikos 
im Jahre 410 nicht den Erfolg eines völligen Anschlusses der 
Insel an Athen sowie der Aufhebung der Oligarchie 2;ehabt 

O CO 

hat, sondern beides erst als Folge weiterer Aufstände und 
Kriege, deren einer noch ins Jahr 410 nach Ausweis der In- 
schrift C. I.A. IV 51 fällt, im Jahre 407 eingetreten ist. 
Demosthenes (gegen Leptin. ^ 59) erzählt das Ereigniss von 
407 und behauptet gleichzeitig, es sei dem Thrasybulos auch 
die lakonische Besatzung ausgeliefert worden. Es scheint also, 
dass nach Vertreibung des Eteonikos im Jahr 410 die Oli- 
sarchen wieder die Oberhand bekamen und neuerdinos eine 
lakonische Besatzung zuliessen, wenn nicht rednerische Über- 
treibung angenommen werden soll. Aber auch Diodor, der 
(XIII 72) nur das Ereigniss von 407 meldet, erzählt, dass die 
Thasier gezwungen worden seien, die athenisch (und fügen 
wir hinzu demokratisch) gesinnten Verbannten wieder auf- 
zunehmen. Ekphantos und seine Partei waren also vor Öffnung 
der Thore nud Übergabe der Stadt an Thrasybul thatsäch-» 



78 ZUR GESCHICHTE VON THASOS 

lieh niclit im Besitze der Gewalt, sondern diese lag bis zu je- 
nem Ereigniss in den Händen der Oligarchen, und die Conta- 
mination der für die Jahre 410 und 407 überlieferten Auf- 
stände zu einem einzigen im Jahre 410 scheint unstatthaft zu 
sein. Ist dies aber der Fall, dann konnten die Oligarchen min- 
destens dreimal in die Lage kommen, Theoren zu bestellen. 

Über die Zeit der zwölf Archonten lässt sich allerdings 
nichts sagen. Erwägen wir, dass es später drei Archonten gab, 
wie auch drei Theoren, dass die Anzahl der Oligarchen durch 
zwölf teilbar ist, so kommen wir zu der Vermutung, dass die 
Verfassung von Thasos in irgend einer Weise eine Dreiteilung 
des Volkes, sei es in drei Phylen oder drei Phratrien kannte, 
für deren jede ein Archon bestellt wurde und dass zu irgend 
einer Zeit eine weitere Teilung eines jeden solchen Drittels in 
vier Teile stattfand, aus welchen zwölf Abteilungen dann die 
dreihundertsechzig Oligarchen hervorgingen. 

Schliesslich entstellt die Frage, was mit den beiden ande- 
ren Epochenbezeichnungen 7^püJT-/^ und SsuTspo. (XTuap/Ti anzufan- 
gen sei. Von einer Darbringung an die Götter kann das Wort 
in diesem Zusammenhange wohl nicht gut gebraucht sein, 
auch an eine Verbindung mit etw aigen Absendungen von Theo- 
rien nach Delos kann niclit gedacht werden, sonst könnte die 
Überschrift i-nl Tri? TTpcoxr,? a.T.ix^yr,c, sich nicht auf eine grosse 
Reihe von Namen beziehen. Ich will mich «erne mit der Un- 
lösbarkeit dieses Problemes bescheiden, aber doch nicht unter- 
lassen darauf hinzuweisen, dass unter dem Worte ä^apy-)) wol 
entweder der an Athen entrichtete Tribut selbst oder der ge- 
wöhnlichen Bedeutung des Wortes gemäss die von dem Tribut 
zu entrichtende Abgabe an den Tempel der Athene ( möglicher 
Weise sogar nicht den in Athen, sondern den in Thasos) zu 
verstehen sei. Zur Stütze hiefür sei auf das Psephisma für die 
Thasos gegenüberliegende Stadt Neapolis in Thrakien verwie- 
sen [C. I. Ä. IV S. 16 = Dittenberger, Si/lloge, 42), welches 
aus dem Jahre 4 1 0/9 stammend den Krieg mit Thasos erwähnt. 
Unter den Vorteilen, die den Neapoliten für ihre thatkräftige 
Unterstützunii gewährt wurden, wird auch berichtet dass et- 



ZUR GESCHICHTE VON THASOS 79 

was T.i^i XYiC, aTvocp/y,? t?! llapOsvco ht'sclilosscn worden sei. 
Kii'cliliofT vci'imitcl. dass es sich um den Naeidass vom Triljute 
ü;eliandelL liabe, der unter dcu' liedingunjj;" t>(!\välirL worden sei, 
dass er in die Kasse der Parthenos von Neapolis lliesse. Man 
kann vielleiclit aucli eine andere l^^rkläruno; versuchen, wird 
aber immer wieder von den a7tapya,i der Tril)iile ausjjjelien 
müssen. Wir könnten uns nun unter der l^]pocIienbezeiclinung 
7upü)T'/i und Ssurepa (k-KOL^jr^ auf den Tbeorenlisten etwa solche 
Tributnachlässe, wie sie Kirchhoff für Neapolis annimmt, vor- 
stellen, so dass die fraglichen Worte bedeuteten: -zu der Zeit 
als zum ersten Mal [zum zweiten Mal] der thasischen Athene 
die ^■K(/.^-/jy.l der Tribute gespendet wurden'. Man kann viel- 
leicht aucli die Tribute selbst verstehen und verschiedene 
Schätzungen als -pcö^-o und Ss'jxspa ansehen, wie ja für Thasos 
nach Ausweis der Tributlisten möglich ist. Jedenfalls müsste 
der erste athenische Seebund gemeint sein und sich der be- 
treffende Teil der Listen mithin auf das fünfte Jahrhundert 
beziehen, da weder das nach Thrasybul benannte Zwanzigstel, 
dessen Einführung' bestimmt zu sein schien nach der Schlacht 
von Knidos den alten Bund lierzustellen (vgl. Swoboda, Athen. 
Mitth. VII S. 187 und Köhler ebenda 315 ff.), noch die Bei- 
träge des zweiten Seebundes solchen airap^^ai Raum lassen oder 
selbst so genannt werden konnten. 

Mag man aber immerhin jeden solchen Erklärungsversuch 
der 7:p(0TYi und SsuTs'pa. ä.7:apy'Ji als unsicher ablehnen, die Wahr- 
scheinlichkeit, dass die Oligarchie der 860 die des Jahres 411 
ist, wird sich kaum abstreiten lassen. Dies zugegeben kommen 
wir aber auf eine viel ältere Zeit für den Beginn dieser Theo- 
renfasten, da die Listen sicher nicht mit der Zeit der Oli- 
garchie beginnen. Wenn demnach auf Nr. 6 (Bechtel = 9 
Miller) ein no>.'JYvojTo? 'AylwcpwvToc; als Theore angeführt ist ', 
so stehe ich keinen Augenblick an, in diesem Theoren den 
berühmten Maler selbst zu erkennen ; eine chronologische 



< Vgl. Wilamowitz, Homerische UiUersiichungen S. 323,37: ''Dass Wo- 
Xüyvono; 'AyXio^wvxo; duiL sieht, ist wül noch nicht beherzigt '. 



80 ZUR GESCHICHTE VON THASOS 

Schwieriiikeit bestellt zunächst niclit, da wir über die Cliro- 
nologie der Reisen Polygnots zu wenig unterrichtet sind; eine 
Notwendigkeit besteht freilich auch nicht. Dass der Name 
Kavwgoc, welcher auf demselben Steine, aber nicht derselben 
Columne steht, erst mit alexandrinischer Zeit in Thasos mög- 
lich sein soll, ist eine Behauptung, deren Richtigkeit ich nicht 
zu controliren vermag und die ich daher ausser Betrachtung 
lasse, aber desshalb noch nicht glaube. 

Ich betrachte es daher als eine Thatsache, dass die thasi- 
schen Theorenfasten w^eit ins fünfte Jahrhundert zurückreichen 
und lasse es unentschieden, wie es unentscheidbar ist, wa- 
rum dieselben erst so spät auf Stein geschrieben worden sind. 

Unstreitig fällt in die Zeit jener Verfassungswirren am Aus- 
gange des fünften Jahrhunderts eine Inschrift , welche von 
Hicks nach einem Abklatsche Bent's im Journal of hcllenic 
studies VIll S. 401 ff. publizirt und ebendort besprochen 
worden ist. Nach Hicks ist dieselbe die Urkunde der Ein- 
setzung der Oligarchie auf Thasos unter dem athenischen Ar- 
chonten Rallias I und enthält unter anderem die Bürgerrechts- 
verleihung mit Erlassung der gesetzlichen Voruntersuchung 
an die heimkehrenden Flüchtlinge der oligarchischen Partei. 
Diese Flüchtlinge können keine anderen sein als jene Lako- 
nerfreunde, deren Rückkehr Thukydides als die Folge der 
Einsetzung der thasischen Oligarchie bezeichnet, welche ein 
Zeugniss für die Rurzsichtigkeit der Politik der athenischen 
Oligarchen sein soll. Dieser Fehler müsste aber um so schwe- 
rer wiegen, als nach Hicks' Ergänzungen die athenischen Oli- 
garchen das neue thasische Gesetz mitbeschworen, also die 
Rückberufung der Athenerfeinde niclit nur nicht zu verhindern 
vermochten, sondern direct beförderten. Z. 19-21 ergänzt 
nämlich Hicks: öp/.ov Se o^aocat TravTa; 'A|[Öy)vaiou; tou?] oXiyap- 
yi'/iv xaToccTT/cavTac y.|[al 6[7-6cat tou S]71|ao'j ov ocv t) ßouXy) Guy- 
ypa^|>r,i. Hiebei fällt auf, dass die Verfassung einerseits von den 
Athenern, unter deren Schutz sie eingerichtet wurde, anderer- 
seits aber nicht von den thasischen Beamten, sondern von be- 
lieliig aus dem Volke ausgewäldtcn Männern beschworen wer- 



ZUR GESCHICHTE VON THASOS 81 

den soll. Audi die ßedeulunii. die dem Worte t'jyyp^-'-p^'-v bei- 
gelegt wird, im Sinne von Conscription. ist wol nicht nachzu- 
weisen. Schliesslich erscheint durch nichls angegeben, was für 
einen l^]id die betrerienden Personen zu leist(!n haben. Ich er- 
gänze daher die betreffende Stelle : op/>ov Se 0^.607.1 -xvTa? afp- 
y(^ovTa; TO'j; ttiv] ö'kiycc^y^ir,'^ /.ocxocaTTiGavTai; x[oiV7it svavriov S]7)aou, 
ov av 75 ßo'jX-}) G'jyyp(z^Lr,i. Damit würde freilich die Zeilenliinge 
der <7Toi/7iSöv geschriebenen Inschrift um zwei Spatien erwei- 
tert und es wäre zu versuchen, ob die anderen Zeilen eine 
Herstellung unter dieser Bedingung gestatten. Es wäre also 
von Z. 13 an etwa zu lesen : 

[7//10E7i:OT£ XuTaTO)] TO «j/TlCpiCfy.a TO'JTO ySkV 0T>. O-V £77'.- 

OtjI tk; 71 £-nj;rj^i]Cv)i ri op>tov 6[xvu'*t., Tiavxa äycpa- 
T'^ i'GTW TocuTOt Se] x,al ävaypa.<|/avTS? sii; "kiBov Ös- 
(opot OevTOiv £V Aijovocou, ävTtypixcpic T£ Twv Ypau.a- 
«Tcov sie, GOivio'xq IjEiOTXTai; ävaypa(];avT£(; sAXi- 

(Wie weit diese Herstellung von der Hicks' abweicht, wolle 
man dort nachsehen). 

Es entstellt aber auch die weitere Frage, ob unsere Urkunde 
die Einsetzung der Oligarchie betreffen kann, wenn die Beam- 
ten, welche die Oligarchie eingesetzt haben, verhalten werden 
vor dem Volke einen vom Rat aufzusetzenden Eid zu leisten. 
Freilich, wer Z. 9. ff. mit Hicks liest 0; §' av ö)^iy[ap;^i7:? vöv 



< 'E>vXt|j.lv'. soll der Beschluss auf ■javiSs;, und nicht wie Hicks ergänzt auf 
axf^laf., wozu das Epitheton Xsio-ata; weniger stimmt, aufgeschrieben wer- 
den. Entweder heisst IXXt^xsvt ' im Hafen', d. h. an einem allgemein zugäng- 
lichen Orte, wo namentlich auch die Ankommenden die Beschlüsse lesen 
können oder, wie in der larissäischen Inschrift (Athen. MiUh. VH S. 61 fl". 
in Z. 42) 'auf dem Markte', wie dort mit Beziehung auf Hesych s. v. ayopi 
und X'.[ATjv gewöhnlich angenommen wird. Aber dieser Sprachgebrauch ist 
bloss für Thessalien und Paphos bezeugt, für Thessalien, wenn man von der 
Inschrift absieht, sogar nur die Bezeichnuug äyopi für Xtpirjv. Vgl. übrigens 
auch a. I.A. II 65 Z. 19. 

ATHEN. MITTHEILUNQEN XV. 6 



82 ZUR GESCHICHTE VON THASOS 

T'/i? -/.t);. wird darin nur eine Bestätigung dieser Annahme 
finden. Allein die Wörter vov -/iSti besagen doch eigentlich 
nicht viel und können sicherlich durch ein Wort ersetzt wer- 
den, welches die Auflösung der Oligarchie anzudeuten hätte. 
Beispielsweise sei öXiY[apyt-/i(; äy-opou y]zvri^sinrjQ vorgeschlagen, 
was ich nicht einsetze, weil es mit der von mir angenommenen 
Zeilenlänge nicht stimmt. Ist diese Erwägung richtig, und 
würde die öffentliche Belobung demjenigen der 30 Minen 
nicht nach Begründung sondern nach Auflösung der Oligar- 
chie spendete zu Teil geworden sein, so wäre der Eid. den 
die oli^archischen Beamten vor dem Volke zu schwören hat- 
ten, offenbar im demokratischen Sinne aufzufassen. Zugleich 
aber wäre an eine Art Compromiss zwischen Oligarchen und 
Demokraten zu denken, bei welchem die ersteren sich im Gan- 
zen gegen einzelne Concessionen unterwarfen und zum Ver- 
fassungseide verstanden. Eine solche Situation, die durch die 
Finanznot des thasischen States hervorgerufen erscheint, wel- 
che zu Geldspenden für das Gemeinwol aufzumuntern nötig 
machte, verträgt sich zeitlich aber am allerbesten mit dem Be- 
richte über die Zustände des Jahres 407 (Xen. Hell. I 4, 8 

\Venn nun Hicks Z. 19 ff. ergänzt apj(^(i)v 'AOyi(v-/)(jt) Kccllix]^ 
£v Sk Qxaoii Tlpo^üjv 6pac-ü)vi§Y{w jctX. und unter diesem Ar- 
chontat des Kallias das Archontat des Jahres 412/11 versteht, 
so kann ich bei meiner Annahme einer um zwei Spatien grösse- 
ren Zeilenlänge auch 'AvTty£v-/i](; einsetzen und damit auf 407 
kommen. 

Kaum zweifelhaft kann es freilich sein, dass Z. 5 ff. den ipsu- 
yovTs; ux[ö tou Sr;|;.o'j, also den flüchtigen Oligarchen das Bür- 
gerrecht verliehen wird. Aber eben dieser Umstand lässt auf 
ein, diesbezüglich zwischen Demokraten und Oligarchen ge- 
schlossenes Compromiss schliessen, da bei einem völligen Sieg 
der Oligarchen die von der Demokratie durch die Verbannung 
beschlossene Entbürgerung einfach rückgängig gemacht wor- 
den wäre und eine erneute Bürgerrechtsverleihung unnötig 



ZUR r.ESOHinilTE VON THASOS 83 

geworden wäre. Die Herstellung der ersten Zeilen wäre dann 
ebenfalls abweichend von llicks vorziinelimen. Man könnte 
mit Rücksicht auf ataGov öcpsiXovTOiv (Z. \) an eine \A"iederein- 
füliruiii!; der demokratischen Aintcrht!soldung /,a,TaA'j]Oeic-/]; t£ 
ol\y(x.p[liri<; (Z, 2.) denken und Z. 3 f. lesen: . . /caxsXoO'/i oTTsp 
Ip]p7i0'/] £v öl'.ycf.p'/i-ri'. [TTspl tv-'.ciOocpopia; . . 

Diese Erwäounoen würden also auf die Zeit unmittelbar vor 
oder unmittelbar nach Eröffnung der Thore der Stadt für die 
Athener durch Ekphantos führen und die vorangegangenen 
fortwährenden Verfassungskämpfe illustriren. Ich verkenne das 
Trügerische von Combinationen, die sich auf nicht erhaltene 
Teile der Inschrift stützen, keineswegs. Mag man also auch 
den Ergänzungen von Hicks beistimmen, immer wird unser 
Decret den merkwürdigen Zusammenhang zwischen der athe- 
nischen Politik und den Verfassungskämpfen auf Thasos deut- 
licher machen. 

Wien 1889. 

EMIL SZANTO. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

(Hierzu Tafel H) 

II. Der grössere Tritongiebel. 

Wenn bei der ersten Mitteilung über den Typhongiebel nur 
aus der allgemeinen Abdachung der Gomposition zu schliessen 
war. dass die zugehörenden Bildwerke ein Giebelfeld schmück- 
ten, so besitzen wir hierfür heute einen sichereren Anhalt, 
seitdem durch die geschickte Hand des P. Raludis ein Bruch- 
stück der Echidna an die ihm zukommende Stelle gerückt ist. 
Jenes Bruchstück nämlich, welches in der Beilage zu diesen 
Mittheilungen Xi\ S. 74 unter dem Kopfe der Schlange ein- 
sam auf dem wagerechten Giebelsims aufliegend gezeichnet 
ist, passt links oben, da wo die Windungen des Schlangen- 
leibes übereinander liegen, an der hinteren Windung an. Da- 
mit gerät die stufenförmioe Einarbeitun«' an der Rückiläche 
des Stückes, welche ich früher einem Vorschlage Dörpfeld's 
folü:end in Beziehuno; zu dem Auftritt setzte, der auf der obe- 
ren Fläche vorhandener wagerechter Giebelgeisa sich findet, 
an den oberen Rand des Giebelfeldes und erklärt sich als Auf- 
lager des schrägen Geisons und Ausschnitt für das Kyma des- 
selben. Der nebenstehende Querschnitt durch das Tympanon, 
in welchem im Massstabe \on 1 : 20 alle erhaltenen Längen 
mit Linien, die zu ergänzenden mit Punkten wiedergegeben 
sind, wird den Sachverhalt veranschaulichen. Die Neigung 
der Einarbeitung nun zusammen mit der erhaltenen Unterfläche 
der Sciüan«en\vinduni2;en eriieben den Giebelwinkel. Derselbe 
betrug nach einer von G. Ivawerau freundlichst ausoeführten 
Messung 13°; d. h. er stimmt mit der Genauigkeit, welche diese 
Messungen überhaupt beanspruchen dürfen, mit demjenigen 
Winkel überein, welchen ich früher aus dem Ansteigen des 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 85 

Tritonleibes erscliliessen zu dürt'en meinte und hei der Wie- 
derherstellung des Typhongiebels angewandt habe; denn (Wc. 
ser Winkel liat 13" 2'. 




Stufe unterhalb der 
Skulpturen 



"I Wagerechtes 
-v^'d"* Giebelgeison 



Aus dem so sicher bestimmten Giebelvvinkel ergeben sich 
weitere Bestätigungen. Unmittelbar über dem Kyma, welches 
hier in die Schlangenwindungen einschnitt, pflegen die Geisa 
vorzukragen; so wird es auch bei unserem Tempel gewesen 
sein. Also wenn der oberste Teil der Schlange über dies Pro- 
fd noch hervorragt, so ist der verfügbare Raum bis zum äus- 
sersten Rande des Giebelfeldes ausgenutzt worden. Wenn dem- 
nach auch die Kijpfe des Typhon ziemlich an das Geison an- 
gestossen haben und wir über sie hin die bestätigte Giebellinie 
ziehen, so wird aufs Neue jenes Mass gesichert, welches ich 
für die Fiour des oeoen ihn gekehrten Gottes annehmen zu 
müssen glaubte. Denn der Rest des Armes, der neben dem 
vorwärts gewandten Flügel des Typhon geblieben ist und wel- 
cher durch seine Kleinheit für sich schon die Grösse der Figur 
erweisen würde, giebt den Abstand des Gottes vom Typhon 
an, und da wir die Erhebung der Giebellinie wissen, so bleibt 
der Raum so beschränkt, dass in ihm keine grössere Gestalt 
Platz hat als eben der Zeus, dessen Bruchstücke an jene Stelle 



86 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

gewiesen wurden. Hierbei sei erwähnt, dass sich inzwischen 
zwei weitere Bruchstücke zum Zeus gefunden liaben. Das eine 
ist die Spitze des scharf zugehenden Bartes, das andere die 
linke Hand, welche die Beine eines Adlers umschliesst ' . Der 
Adler befand sich also nicht, wie in der Wiederherstellung 
angenommen, auf dem Arme des Zeus, sondern fest in dessen 
Hand, gegen den Gegner des Herrn gerichtet. Dadurch, dass 
auf der linken Giebelhälfte jenes Bruchstück, welches zur Be- 
stimmung des Giebel winkeis half, seinen Platz gewechselt hat, 
ändert sich nichts wesentliches. Denn, 'wenn ich dasselbe frü- 
her zum Nachweise benutzt habe, dass der Schlangenkörper 
nach den übereinander liegenden Windungen noch einmal 
den Boden berührte, so bedarf es, um das zu wissen, des 
Bruchstückes nicht, da die Richtuni»- des Schlanüenleibes be- 
reits vor der Bruchstelle entschieden nach unten weist, weit 
mehr als in der Beilage angegeben. Wie viel hier weiterhin 
von der Echidna verloren ist, lässt sich nicht bestimmen; in 
der Zeichnung des Giebels ist ihr nur das mindeste Mass ge- 
geben, um zu zeigen, dass zwischen Herakles und Zeus in 
keinem Falle genug Platz für eine dritte Figur bleibt. Es steht 
aber nichts im Wege sie einen grösseren Raum füllen zu las- 
sen, so dass die Lücken um den Herakles zum Vorteil der 
Composition verringert werden. Mit Wahrscheinlichkeit ist 
an der Echidna nur das zu berichtigen, dass sich ihr Kopf et- 
was mehr nach aussen gekehrt haben mag. Denn es fällt an 
ihm und den nächsten Teilen des Leibes auf, dass sie auf der 
Vorder- und auf der Rückseite plastisch ausgearbeitet und 
bemalt sind, während andere ebenfalls vom Grunde weit los- 
gelöste Teile des Giebels z. B. der Kopf des Zeus nur so weit 
ausgeführt sind, als sie gesehen wurden. Schliesslich mag bei 
der erneuten Durchsicht des ganzen Giebels noch hinzugefügt 
werden, dass die bisher leer gelassene rechte Hand des Hera- 
kles eher den Bogen gehalten haben wird. 



^ Die beiden Stücke liegen im Schranke der Porosfragmente in der aV- 
öouaa xaüpou des Akropolismuseums. Die Hand 1. 0,12, br. 0,07, hinten sitzt 
der Reliefgrund an. 



POROSSKULPTÜREN AUF DER AKROPOLIS 87 

Derselbe treppenförmige Einschnitt, welchen das Bruch- 
stück der Echidna zeigt, kommt nun auch an einem Brucli- 
stiicke des Tritongiebels vor, und damit erhalten wir einen 
neuen entscheidenden Beweis für die Zusammenuehöriü-keit 
beider Gie])el zu eiuem Cebäude. Freilich, dass dies Bruch- 
stück, welclies auf unserer Tafel II in der rechten Giebel- 
hälfte an die schräge Grenzlinie anstösst, zum Tritongiebel 
gehört, kann erst nach einer ausfiilirlichen Besprechung der 
Skulpturen dieses Giebels klar werden. 

Wenn wir die ersten sind, welche auch diesen bedeutenden 
Fund tk'r Ausgrabungen der Burg veröffentlichen, so wollen 
w ir nicht \ersäumen . dem Generalephoros* der Altertümer 
Herrn lva\ vadias für die freundlichst erteilte Erlaubniss dazu 
unseren Dank auch öffentlich auszusprechen. 

Die Zeichnung, welche der beifolgenden Lichtdrucktafel zu 
Grunde liegt, rührt von E. Gillieron her. Ihm wird ausser 
dem stilgetreuen Bilde zugleich diejenige Ordnung der zahl- 
reichen Bruchstücke und diejenige Anschauung des ganzen 
Giebels verdankt, welche, wie ich glaube, bei dem Erhaltungs- 
zustand des Bildwerkes aus diesem allein überhaupt sich ge- 
winnen lässt. 

Den Kern des Giebels bildet das grosse Stück, welches den 
Körper des Herakles und dahinter den Triton umfasst. Auch 
dieser Teil ist aus einer Menge von kleinen und grossen Frag- 
menten von Kaludis zusammengesetzt ; für die richtige Aus- 
führuno- dieser Arbeit 2:laube ich mich als Auoenzeuge verbür- 
gen zu können. Die Brüche des Kalksteins waren die zwei 
Jahrtausende unter dem schützenden Erdreich so frisch geblie- 
ben, dass sie sich an einander passen Hessen, als wären die 
Werke erst gestern zertrümmert \\orden. Nur eins der Stücke, 
welche im Museum mit der Gruppe verbunden sind, passt 
nicht unmittelbar an, dasjenige, welches den unteren Teil des 
Tritonhalses mit deu Schlüsselbeinen enthält : deren Verbin- 
dung wird im Verlaufe des Folgenden zu begründen sein. 



88 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

Der Stein ist ein mergeliger Kalkstein von etwas härterer 
Art als der vom Typhongiebel, auch hat er zahlreichere Bla- 
sen, die an der Oberfläche der Kcirper sichtbar \verden und in 
diesem einen Blocke vorwiegend in wagerechten Streifen ver- 
laufen. Es erscheint in ihnen vielfach eine staubartige weisse 
Masse. Da diese nicht nur an der durch den Bildhauer herge- 
stellten Oberfläche, sondern auch an Bruchstellen innerhalb 
des Blockes sich findet, so ist sie natürlich und nicht etwa in 
die Blasen hineingeschmiert um diese zu verdecken. Eine sol- 
che Ausgleichung der Fehler des Porös durch Auftragung 
eines Stucküberzuges, auf den erst die Farbe aufgesetzt wäre, 
hat Purgold angenommen '. Aber unter der jetzt so vergrösser- 
ten Zahl von Pbrosskulpturen auf der Burg ist dafür kein 
sicheres Beispiel namhaft zu machen und die chemische Un- 
tersuchung, welche im Auftrage der Ephorie zur Erhaltung 
der Farben vorgenommen worden ist, hat ergeben, dass die 
Farben unmittelbar auf den Porös aufgetragen wurden-. Der 
Ton des Steines ist hell, gell)licli. Soviel ich sehe, sind alle 
Bruchstücke, welche auf Tafel 11 zum Tritongiebel gezogen 
sind, von derselben völlig muschelfreien Sorte Porös. Aber 
selbst eine verschiedene Härte und Güte des Steines würde 
nicht nötigen, ein im übrigen gesichertes Bruchstück aus dem 
Giebel zu entfernen. Denn wie verschieden die Blöcke ausfie- 
len und vom Bildhauer verwendet wurden, ist schon von Pur- 
gold nnd Studniczka-^ aus Anlass der kleineren Porosgiebel 
bemerkt worden. Nachdem es gelungen ist, von der rechten 
Endplatte des Hydragiebels beträchtliche Stücke zusammen zu 
bringen, welche von der weiteren Entwickelung des Schlan- 
genleibes, von seinen lebhaft auf und abgehenden Windungen 
eine Anschauung gewähren, so zeigt es sich, dass diese Platte 
des Giebels aus einem weit besseren, kaum eine Muschel ent- 



* 'E9T)[jL£p\; äpyaioXoYixr) 1885 S. "249. 

2 Aeätiov 1888 's. 232. 

•* Purgold, 'EtprjjjLsp'is äp/ a'.o/.oyi/.r, 1885 S. 242, Sliidniczka, Athen. ]Slilthel- 
lungen 1886 S. 64. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKItOPOLIS 89 

haltenden Stein besteht, während die übrigen Plallcn aus der 
fehlerhaftesten löcherigsten Porosart, die es i^iehl . iicniaclit 
worden sind. Der Sinn für ein ausgesuchtes Matci'ial scheint 
im Zusammenhang; mit der Verfeinerung' der Tecimik erst seit 
der Zeit des Pisistratus, erst seit der Zeit ausgebildet worden 
zu sein, als man in das marmoi-reiclie Attika den Marmor 
von den Inseln einführte. 

Die Länge des zusammenliängend erhaltenen Teiles der Tri- 
tongruppe beträgt 2,'t4 Meter, die grösste Höhe, über dem 
Rücken des Herakles, ().(S(). ^^'ic weit sich das Relief von der 
Giebelwand entfernte tmd dass überhaupt die fast freigearbei- 
tete Gruppe noch als Relief zu bezeichnen ist, lässt sich nur 
mehr an einer Stelle, die hinter der höchsten Windung des 
Schuppenleibes liegt, feststellen. Dort steht der Grund noch bis 
aul 0,10 an. Von diesem Punkte aus, wo der Tritonleib vom 
Grunde sich loslöst, bis zur erhaltenen höchsten Stelle des Re- 
liefs, zur Hüfte des Herakles, beläuft sich die Erhebung auf 
0,60 m, und die abgestossene rechte Seite des Herakles wird 
noch darüber hinausgeragt haben. Es besteht also ein Unter- 
schied von mindestens 0,20 m zwischen diesem und dem Ty- 
phongiebel, dessen höchste Relieferhebung von 0,42 gewiss da 
war, wo die drei Leiber des Typhon sich voreinander schoben. 
Während dort der vorderste Körper kaum zur Hälfte aus dem 
Reliefgrunde heraustritt, und am Rücken der beiden anderen 
der Rlock, soweit es von unten nicht sichtbar war, stehen ge- 
blieben ist, hat man den Leib des Triton rundum ausgearbei- 
tet und nur an wenigen den Blicken entzogenen Stellen, wie 
an der oben bezeichneten und an der rechten Schulter des Tri- 
ton eine Verbindung gelassen. Die Einzelausfiüirung, die Aus- 
arbeitung der Schuppen und die Bemalung ist an der Rück- 
seite unterblieben, doch aber ist noch am erhaltenen Nacken 
des Triton, wenn auch nur roh, der linke Arm des Herakles, 
der sich hier herüber leote, ano-eoeben worden. 

o ' OD 

Der langhin gedehnte, mächtig si.ch entwickelnde Körper 
des Seedämon ist da, wo über dem Schuppenleibe die mensch- 
liche Brust sitzt, plötzlich im rechten W^inkel nach vorn ge- 



90 POROSSKULPTUnEN AUF DER AKROPOLIS 

dreht, so dass der Beschauer den vollen Anblick der Brust 
erhält. Der menschliche Leih endet sclion unter dem Brust- 
kasten, abweichend vom Triton des kleineren Giebels, an wel- 
chem der tierische Leib erst von der Geo;end der Hüften be- 
ginnt. Die Brust ist stark zerstört: wo die Arme davorlagen, 
fehlt ein grosses Dreieck mit den Schultern. Aber was erhal- 
ten ist, lässt eine harte gewaltige Brust erkennen, die nur un- 
ten an ihrer linken Seite, wo sie zusammengedrückt unter dem 
Ringen des Feindes über den Rand des Schuppenleibes über- 
quillt, an die weiche Bildung der Typhonkörper erinnert. 
Kurze eingeritzte Striche bedecken den unteren Teil und be- 
zeichnen die TTspva ).a,/vz£VTa. : so wird allgemein in der ar- 
chaischen Kunst die Fläche eines Felles oder einer rauhen 
Haut wiedergegeben ^ Vor der Mitte des Leibes ist der Rand 
des Brustkastens durch eine Vertieiuno- schematisch anoedeu- 
tet, ähnlich wie am Panzer des Herakles im llydragiebel. 
Durch die Last der Umklammerung wird die linke Seite be- 
reits etwas nach vorn gedrückt : deutlicher als vorn ist dies 
am Rücken zu erkennen. Wenn auch auf der rechten Seite die 
Rippen über den Schuppenleib gewaltsam vortreten, so braucht 
das nicht eine Folge der Anstrengung zu sein, denn ebenso 
ist auch die linke Seite des ' Blaubartes ' der Typhongruppe 
uebildet. ohne dass dort eine heftige Bewei>'uno' zum Aus- 
drucke gekommen wäre. Von den Armen sitzt vom linken nur 
noch eine geringe Spur am Rande der Brust an ; danach lag 
der Arm nicht am Leibe. Hingegen ist der rechte Arm, vom 
Herakles in seinem oberen Teile verdeckt, zusammenhängend 
bis zur Handwui'zel vorhanden ; der Stellung der Knöchel nach 
ist der Unterarm so gehalten, dass die innere Handfläche nach 
unten gekehrt war. 

Unter dem blassroten menscldichen Körper beginnt der 



' Vgl. die Kentauren auf dem Napf aus Ivurinlli Journal of kelle nie stu- 
dies I Taf. I, die kyrenäisciie Vase Arch. Ztg. 1881 Taf. 12, 1, den Triton auf 
dem Fisch von VeUersfelde ( Furtwängler, Goldfund von Vetlersfekie S. 7), 
die Jagdbeule des Chiron auf der P^riuicoisvase (Wiener Vorlegeblätter 1888 
Taf. II ) und nocli auf der Busirisschaie des Epiklel Micali, Sloria Taf. 90,1. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 91 

bunte fabelhafte Fisclileib. Er ist der Länge nach in zwei Hälf- 
ten zerlegt, welche in einer scharfen Kante auteinanderstossen; 
Yon dieser aus rundet er sich nach oben und unten zu. Nur 
da, wo das Gesäss des Herakles andrückt, verliert sich auf eine 
kurze Strecke die Schärfe der Mittellinie. In die Flächen der 
grossen Rundungen hinein sind die parallelen Streifen der 
Schuppen von der Mittelkante aus, nach oben vier, nacli unten 
drei, eingeschnitten. Streifenweise wechselt die Farbe der Schup- 
pen ab zwischen Rot und Blau, welches letztere auch hierin 
ein dunkles Blaugrün übergegangen ist, \Nährend die Ränder, 
welche wie Stege die vertieften Felder der Schuppen umgeben, 
farblos, also im weissliehen Tone des Porös erscheinen. An 
den jjeiden Rückenflossen ist nur noch obenauf rote Farbe zu 
bemerken. So weit der Herakles davor liegt, verjüngt sich der 
Leib kaum. Die Länge einer Schuppe unter der Brust des Tri- 
ton beträgt 0,06 — 0,075 bei einer Breite von 0,07 ; bis hinter 
die rechte Ferse des Herakles bleibt die Grösse ziemlich die- 
selbe. Aber hinter dem zweiten Kamm nimmt sie beträchtlich 
ab; wo der Schwanz abbricht, beläuft sich die Länge der 
Schuppe nur noch auf 0,047 — 0,05, die Breite auf 0,05. 

Vom Schwanzende sind zwei lose Fraomente erhalten. Das 
eine giebt das Ende des Schuppenleibes und den grösseren Teil 
der Schwanzflosse, in deren Mitte der runde Ausschnitt wie- 
derkehrt, welcher vom Delphin entlehnt auch auf den Vasen- 
bildern stets an dieser Stelle des Tritonkörpers ersclieint. In- 
nerhalb des im ganzen 0,54 langen Stückes, welches frei 
gearbeitet ist und wie das Ende des Echidnaleibes nicht mit 
der Giebelwand zusammenhing, fällt die Länge der Schuppen 
von 0.04 bis zu 0,031, die Breite von 0,038 zu 0,028. Aus 
der verhältnissmässig schnellen Abnahme sowohl innerhalb 
dieses Bruchstückes wie innerhalb des letzten Teiles der gros- 
sen Gruppe ist zu schliessen, dass die Lücke dazwischen nicht 
wesentlich grösser gewesen sein kann, als sie Gillieron ge- 
zeichnet hat. Dazu passt, dass an dem rechten Ende des Frag- 
mentes, dessen Lage auch durch das gleich zu besprechende 
zweite Stück der Schwanzflosse bestimmt wird, der obere Um- 



92 POROSSKULPTUnEN AUF DEB AKROPOLIS 

riss schon wieder aufwärts geht und die Möglichkeit einer 
dritten Erhebung durch die rasche Abnahme der Schuppen 
sehr unNvahrscheinlich wird. 

Das nicht anpassende zweite Bruchstück des Schuppenleibes 
enthält die aufliegende Spitze der Schwanzflosse, deren zusam- 
menfliessende Streifen in seiner rechten Hälfte unverkennbar 
sind. Merkwürdiger Weise hängt aber hier an der Skulptur 
noch ein Stück der Giebelumrahmung (h. 0,22). Dies Stück 
hat eine wagerechte Unterfläche, welche nicht sichtbar war, 
denn es sind an ihr noch die einzelnen groben Schnitte des 
Instrumentes, mit welchem der Stein hergerichtet wurde, steh- 
en gelassen, während seine jedenfalls sichtbare Vorderfläche 
dieselbe saubere Glättung zeigt, welche die sonstigen Archi- 
tekturglieder aus Porös an ihren Aussenseiten haben. Ein Gei- 
son kann das Stück seiner Form nach nicht gewesen sein. 
Seine Erklärung verdanke ich Dörpfeld. Eine Stufe von 0,22 
Höhe war zwischen Geison und Skulpturen eingeschoben, so 
dass das Giebelfeld besser übersehen werden konnte, eine Vor- 
richtuno-. für welche an anderen Bauten Parallelen vorhanden 
sind, deren Erörterung Dörpfeld am besten überlassen bleibt. 
Hier am Ende des Giebels hat man aus demselben Stein diese 
Basis und die Skulpturen selbst gearbeitet. Das gleiche Ver- 
fahren lässt sich auch bei anderen Gebäuden der Burg nach- 
weisen. So umfasst ähnlich das Eckstück eines wagerechten 
Giebelgeisons aus Porös ausser dem schmalen Geison den 
Zw'ickel eines blaubemalten Giebelfeldes und an einem zwei- 
ten Giebelzwickel, der die einfache Endigung eines im blauen 
Grunde ausgesparten Ornamentes enthält, hat wenigstens ur- 
sprünglich oben und unten Architektur angesessen ^ Die her- 
angezogenen Stücke erklären auch den Ansatz, welcher in un- 
serem Giebel links von der Schwanzflosse sich befindet : da 
die Bildhauerarbeit hier zu Ende war, so liess man den Stein 
stehen und richtete ihn nur sauber her, um vermutlich noch 
ein Ornament in die Ecke hineinzumalen. 



* Das erste im Neuen Musfuin uiiici den Aicliilokluirragiueult'ii li. (1,35, 
das zweile im Zimmer fies Typhuii Miifdem Re^al. 



POROSSKUI.PTUREN AUF DER AKROPOLIS 03 

Es erübrigt vom Triton, abgesehen von den Bruchstücken 
iler Arme und Hände, nocli das Sliick von flals und iXackcn, 
Avelchcs. obwohl nirgends lirudi auf Brucli anj)asst, dennoch 
bei seiner augenfälligen Zugehörigkeit auch iui Original mit 
der grossen Gruppe verbunden worden ist. An der Briisl und 
am Bücken lauten die Linien von beiden Teilen zusammen 
und jeden Zweifel beseitigt die Spur des Armes, der sich um 
den Nacken herumgelegt hat, so wie wir ihn der Haltung des 
Herakles nach erwarten müssen. Wie an den übrigen Fiüuren 
dieser Giebel treten auch am Triton die Schlüsselbeine stark 
hervor ^ . 

Um zur Gestalt des Herakles überzugehen, so hatte dieser, 
soweit sich aus dem zusammenhängend erhaltenen Teile der 
Gruppe erkennen lässt, herankriechend sich über den Meer- 
greis geworfen, sein bei der Schulter abgebrochener linker Arm 
umschlang den Nacken des Gegners. Der rechte Arm fehlt 
mit der ganzen rechten Seite der Brust, ebenso der grösste 
Teil des Halses und der Kopf. Während der linke Fuss mit al- 
ler Kraft gegen den Boden gestemmt ist, damit nicht allein 
die Umklammerung der Arme sondern auch die andringende 
Brust immer stärker den Feind presse, ist die Bewegung des 
rechten Beines, dessen Knie und erosse Zehe auflieoen, min- 
der lebendig in die Handlung gezogen. Wenigstens malt es die 
Anstrengung des Kampfes besser, \\ enn das ausgestreckte Bein 
des Ringers nur auf den Zehen ruht, eine Haltung, in welcher 
Herakles mehrfach auf schwarzfigurigen Vasen z. B. gegen 
den nemeischen Löwen dargestellt ist ^. Schon der Fries von 
Assos hat beim Ringen mit dem Triton dieses vollendetere 



' Ausserdem sind vom Schuppenfeibe des Triton noch 5 Spliller von 5-15 
cm Länge erhalten, welche im Neuen Museum aufbewahrt werden ; ein 
sechsler, im Schrank der Porusbruchslücke in der arOojaa Taopoo, passt in 
die Lücke links, von der ersten liückenllosse. 

2 Vgl.Furlwängler in Roscher's Mythologischem Lexikon IS. 2197. Schwarz- 
figurig Musee ßlacas XXVil, Gerhard, Auserlesene Vasenbilder XCII, rotli- 
gurig Momirmenti VI 272 und des Euphronios Herakles gegen Anlaios Mo- 
numeiili, annali e bulletino 1855 S. 38=Cünze, Vorlegebläller V Taf. 4. 



94 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

Motiv '. Der Heros ist nackt, niclit einmal für den Köcher auf 
dem Rücken, wie er ihn in Assos trägt, ist eine Spur zu et- 
waiger Anstückung vorhanden. Der ganze Körper trägt, wie 
auch sonst die Fleischteile, einen hellroten Ton. 

Die Formen seiner Gestalt sind für uns von hesonderer 
Wichtigkeit, da sie nehen den Mischwesen des Typhon und 
Triton die einzige einigermassen erhaltene menschliche Figur 
der beiden grossen Giebel ist. \A^enn dieser eine Körper sehr 
plump erscheint, so sind deshalb noch nicht in jedem Falle so 
schwere Verhältnisse den Werken unseres Künstlers zu eigen 
gewesen. Denn hier soll der gedrungene Bau den Herakles 
kennzeichnen, er ist [xop^xv ßpoc/'j?, wie Pindar sagt- und Wi- 
lamowitz dazu ausgeführt hat, er hat denselben kräftigen Kör- 
per, welchen die attischen schwarzfigurigen Vasen den ge- 
lernten Ringern überhaupt geben '. Das Streben nach Charak- 
teristik ist also schon vorhanden, aber dass sie treffend aus- 
fiele, dazu fehlt noch vöUis die Kenntniss von Muskel- und 
Knochenbau. Der Künstler steigert nur die Masse der ganzen 
Gliedmaassen, nicht die Kraft der einzelnen Muskeln, deren 
Umriss ihm noch unter der Haut verborgen ist. Daher wirkt 
die Gestalt des Herakles — ebenso wie die Pankratiastenfiguren 
der Vasen — fleischig und weichlich, nicht durchgebildet und 
stark ^. Nur ganz im allgemeinen sind die Formen aufgefasst 



^ Texier, Descriplion de iAsie mitieure II Taf. 114 b, Clarac, Mits^e de 
sculpture Taf. 116 A, Monumenii III 34. 

2 Pindar Isthm. III 71, Wilamowitz, Euripides Herakles I 338, II 291. 

3 Vgl. die Drcifussvase aus Tanagra Arch. Ztg. 1881 Taf. 3 I, zwei Am- 
phoren des Nilvoslhenes Mus^e Dlacas Taf. 2 und Museu Gregoriano II 33, 1, 
ferner ebenda II 14, 2. 22, 1. 

''' An der Geslall misst die Entfernung von der Mitle der Schlüsselbeine 

bis zur Milte des Brustkastens 0,285 

von da bis zum Nabel 0,18 

Nabel 0,01 

vom Nabel bis zum Ansatz der Scham 0,11 

vom Ansatz des Oberschenkels bis zum Knie 0,48 

Dicke des Überschenkels 0,23 

vom Knie bis zur Sohle 0,54 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 95 

und, Avie am Umi'iss \()n Gesüss und reclUein Obcrsclionkol, 
in einfaclio scharf wie in der Zeiclinunn- der sehwarzfii'Mi'iücn 
Vasen auf einander slossende Linien gehraclil; nur di(^ gridtslcn 
Einzelheiten sind angedeutet. Von den Schlüsselbeinen geht 
das linke in ül)ertrieljener Bewegung rechtwinkelig zur Unit; 
des rechten in die Höhe, um der llehung der linken Schulter 
zu entsprechen. Der untere i\and des liippenkastens ist als 
eine gleichmässig verlaufende flache Furche wie beim Triton 
angegeben, ebenso die Mittelrinne des Bauches zu deren bei- 
den Seiten aber die Bauchmuskeln ungeteilt bleiben. Der Leib 
ist eingezogen, der iNabel als ein ovaler Knopf gebildet, von 
welchem eingerissene Linien wagerecht abgehen wie bei dem 
Reiter 'ErpYjv.spic y.ayyj.oloyv/.-n 1887 Tafel 2. Die Schamhaare 
bezeichnet nur ein eingerissenes sphärisclies Dreieck. Neben 
dem sonstigen Mangel an Einzelheiten fällt die Angabe der 
Naht zw ischen den Hoden auf. Die Bildung des rechten Bei- 
nes — das linke ist stark zerstört — entspricht der Bildungs- 
stufe der schwarzfigurigen Vasen aus der Zeit des Exekias K 
Das Knie ist spitz, das Schienbein scharf und gerade, die 
Muskeln an der Aussenseite des Unterschenkels eeben drei 

o 

dem Schienbein parallele Wellen an. Der Umriss der Wade 
bleibt noch recht flau. Um die Knöchel herum ist das Bein 
übermässig dünn. Die Ferse ist einwärts angezogen. Der Rü- 
cken ist geteilt und die Stelle der Schulterblätter wenigstens 
angedeutet. 

Dem beschriebenen Kern der Gruppe ist eine Reihe von 
Bruchstücken hinzuzufüo;en, ohne dass eines derselben Bruch 
auf Bruch anpasst. Sie bestehen alle aus der gleichen Sorte 
von hartem muschelfreiem weisslichem Porös, stimmen überein 
in dem Grade altertümlicher Formgebung, wie er eben an den 
einzelnen Formen des Herakleskörpers hervorgehoben worden 



Dicke der Wade 0,185 

Umfang des Obersclienkels 0,78 

Umfang der Wade 0,54 

^ Vgl. Wiener Vorlcgeblälter 1888 Taf. 5—7. 



96 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

ist, und vor allem in den überlebensgrossen Verhältnissen. 
Denn da Bruehstiicke anderer übei-lebensgrosser mensclilicber 
Fimiren aus Porös, als der in den Giebeln enthaltenen auf der 
Burg nicht gefunden worden sind, so kann es von vornherein 
als sicher gelten, dass sie den Giebeln zugehören, und es kommt 
darauf an, ihnen ihren Platz anzuweisen. 

Zunächst ordnet sich das Bruchstück einer Hand ein, wel- 
ches in unserer Wiederherstellung unterhalb der Brust des Tri- 
ton Yor seinem Schuppenleib gezeichnet ist. Es enthält mehr 
oder weniger verstümmelt vier Finger, die der Stellung des 
kleinen Fingers nach zu einer rechten Hand gehören. Die Fin- 
ger sind steif ausgestreckt und drücken auf einen rundlichen 
Gegenstand. Ihre Haltung passt vortrefflich zu dem rechten 
Arm des Triton, an dem durch Knöchel und Rest der Hand 
noch zu sehen ist, dass die äussere Handfläche oben war. 
Streckte sich hier die Rechte aus und suchte etwas, was sich 
aus dem vorhandenen Rest nicht bestimmen lässt, fest zu klem- 
men, so findet auch dahinter ein 0,07 m langer Ansatz vor 
dem Schuppenleibe seine einzig mögliche Erklärung : er gehört 
eben diesem Gegenstande an. 

Ein zweites Bruchstück, das unter dem Bart des Dämon 
vor seiner Brust gezeichnete, enthält eine linke Hand, deren 
Finger sich zusammenkrampfen, und von einer zweiten, welche 
jene beim Handgelenk gepackt hält, die Spitzen der drei mitt- 
leren Finger. Ob die drei Finger einer linken oder rechten 
Hand angehören, lässt sich aus ihnen heraus nicht entschei- 
den. Ein Blick auf Triton und Herakles im Fries von Assos 
und im kleinen Porosgiebel der Burg' lehrt, dass das Bruch- 
stück zu unserer Gruppe zu ziehen ist. Die verschiedenen Sche- 
men des Ringkampfes in diesen beiden Denkmälern bieten die 
Mögliclikeiten, welche für die Ansetzung des Bruchstückes 
zunächst bestehen können, nur ist an dem Fragmente die Aus- 
senseite der linken Hand sichtbar gewesen, denn ihre Innen- 
seite ist in der Bosse gelassen. Entweder also war die durch 



< Allicn. Millhciluiigeu 188G Taf. 2. 



POnOSSKULPTUnKN AUF DER AKROPOLIS 97 

ihre Zerstöriino; tVaglioli bleihciidc Hand eine linke: dann wäre 
unsere Gruppe wie die in Assos zu eriiiinzen, die zerstörte linke 
Hand p;ehörte dem Herakles an, der die aufwärts gestreckte 
linke Hand des Triton nnilassen wiirde. Indessen diese Mög- 
lichkeit ist ausgeschlossen. Denn erstens wäre das Natürliche 
bei solcher Bewegung, dass die innere Hand däche des Triton 
dem Beschauer zngekehrt wäre, so wie es in Assos der Fall 
ist ; aber nicht die innere Handfläche ist an dem Bruchstück 
ausgearbeitet, sondern die äussere. Immerhin Hesse sichjanoch 
denken, dass in altertümlicher Unbeholfenheit der Künstler 
den linken Arm des Triton so verrenkt dargestellt hätte, dass 
die Aussenfiäche der Hand nach vorn stand, wenn nicht ein 
anderer Gesichtspunkt dagegen entschiede. Denn, wenn der 
Herakles mit der Linken so w ie in Assos seinen Gegner an der 
Handwurzel des linken Armes packte, so musste er mit der 
anderen Hand den rechten Arm in seine Gewalt bringen. So- 
viel ist aber vom rechten Arm des Triton einhalten, um das Ge- 
genteil zu sichern. Fällt daher die eine Möglichkeit fort, so 
bleibt nur die andere, das Ringerschema des kleinen Triton- 
siebeis. Danach sind also die beiden Hände des Bruchstückes 
die Hände des Herakles. Seine linke liinter dem Nacken des 
Triton hervorkommende Hand — eine Spiu' an der linken 
Seite des Tritonhalses dürfte eher von dem der Hand entspre- 
chenden Arm als vom Haar des Triton herrühren — ist von 
der rechten Hand gefasst, damit in der Umklammerung der 
Triton erdrückt werde. Die beiden Hände können sich nicht 
weit von der Brust des Dämon befunden haben. 

Die Anordnung wird durch ein drittes Bruchstück bestä- 
tigt, eine mächtige linke Hand, w^elche mit äusserster Anstren- 
gung gegen den Rest eines Armes drückt ; der Arm verjüngt 
sich nach dem Daumen der auf ihm lastenden Hand zu. Hier 
haben wir die linke Hand des Triton, welche er allein zur 
Ab\vehr frei behält, und der Armstumpf kann nur vom rechten 
Unterarm des Herakles sein. 

Schliesslich ordnet sich der Rest eines gewaltigen linken 
Armes von beträchtlich grösseren Verhältnissen als die Arme 

ATHEN. MITTHEILUNGEN X\. 7 



98 POROSSKULPTÜREN AUF DEI\ AKROPOLIS 

des Typlion in das Ringerschema, wie es sich uns ergehen 
hat, ein, als ein Teil vom linken Arm des Triton, zumal da 
auch seine Kückfläche in geringerem Grade ausgeführt ist. 

Ich fasse zusammen, was die Musterung der Bruchstücke 
gelehrt hat. Mit der ganzen Wucht seines Körpers hat sich 
Herakles üher den Meergreis geworfen und presst ihm Hals 
und Brust, indem er den eigenen um den Nacken gelegten lin- 
ken Arm mit dem rechten anzielit. Nur mit seiner Linken 
weiss sich der Triton zu verteidigen, mit ihr sucht er den 
rechten Arm des Gegners loszureissen, mit aller Kraft, so dass 
er die linke Weiche dahei einzieht und die linke Schulter und 
die linke Hälfte des Rückens nach vorn ij;edrückt hat. Dies 
letztere liess sich in der Zeichnung nicht gehen. Die wehrhaf- 
tere Rechte heteiligt sich nicht an der Abwehr, sondern drückt 
auf einen Gegenstand, dessen mangelhafte Erhaltung lebhaft 
zu bedauern ist. 

Aber Avenn wir auch zunächst nicht sehen, was dieser Ge- 
genstand war, so viel ist sicher: das Attribut, welches mit 
solcher Anstrengung in der Not des Kampfes gehütet wird, 
muss ein Ziel des Kampfes selbst sein. Damit geht uns ein 
neues Licht über den Verlauf des Streites von Herakles und 
Triton auf, ein Licht um so wertvoller, als die schriftliche 
Überlieferung von dieser Sage wenigstens unmittelbar nichts 
berichtet'. Wer nach dem neuen Giebel der Akropolis die 
Gruppe vom Friese von Assos ansieht, der kann es nicht mehr 
für eine Zeichen 'naiver Kunst' halten -, wenn auch dort mit- 
ten im Kampfe der Triton sein Trinkhorn behält— denn es ist 
ein Trinkhorn, wie ein Vergleich mit der Figur vor dem Flö- 



' Zum Triton überhaupt vgl. Furlwäiigler, Bronzefuinle von Olympia S. 
96, Goldfuncl von Veltcrsfekle S. 25 und in Rüscher\s Lexikon I S. 2191. 
Petersen in den Annali 1882 S. 73. Studniczka in den Athen. Mittheilun- 
gen 1886 S. 65. Wilaraowitz, Euripidcs Herakles II S. 129. Triton aut Mün- 
zen Imhoof-Blumer und Keller, Tier- und Pflanzenbildor auf Münzen und 
Gemmen S. 78 f. 

2 Friederichs- Wolters, Gipsabgüsse S. 6 f. 



POnOSSKULPTUREN AUF DER AKROPOUS 99 

tenbliisei' auf der Schale des Ergotimos klai- maclil ' — sondern 
dass er es festhält und von Herakles fort zu strecken sucht, 
damit dieser nicht danach greifen soll, lehrt die neue Gruppe 
klar und eindringlich ; erst jetzt werden wir dem Meister des 
Frieses gerecht und müssen bekennen, dass er seinen Vorwurf 
mit grösserer Deutlichkeit ausgefiihi't hat, als man dem un- 
beholfenen Meissel zutraute. Ein Trinkhorn tVeilich wie dort 
und wie es der Dämon auf einer aus Phönikien stammenden 
Gemme hält^, oder einen Becher, welche Form auch das xpa- 
Tzviov gehabt haben mag, welches der xuxapi/^rrivo? Tpixwv trug, 
den die Byzantier in ihr Schatzhaus nach Olympia stifteten ^, 
kann der Triton unseres Giebels nicht gehalten haben. Die 
ausgestreckt auf den fraglichen Gegenstand gepressten Finger 
stimmen nicht zur Rundung des Trinkhornes, fassen nicht den 
Henkel des Bechers. Auch ein anderes Beizeichen, das wir in 
der Hand des Zechers Triton finden, der Kranz, würde so nicht 
gehalten werden und zudem spricht die Höhe von gegen 12 
cm, welche der Gegenstand hatte, dagegen. So bleibt, von dem 
Dreizack abgesehen, den er ganz vereinzelt auf den Münzen 
des von Phönikern auf Kreta gegründeten Städtchens Itanos 
trägt S unter den Attributen des Triton nur das dritte und 
wahrscheinlichste, der Delphin. Den glatten Fisch, welcher 
in der Überraschung und Wut des Kampfes seinem Herrn 
schon aus der Hand entschlüpft ist, so mit einer letzten Be- 
wegung noch zu bewahren, ist die Haltung des Triton wohl 
geeignet : aber diese Bewegung wird die Rettung des so weit 
entronnenen Tieres nicht melir bewirken können; der Fisch ent- 
weicht und damit hat Herakles den Hirten des Poseidon über- 
wunden. 



^ Wiener Vorlegeblälter 1888 Taf. 4, 2 d. Vgl. Sludaiczka Ö. 07. Vor dem 
Original ist H6ron de Villefosse unsicher, ob das AUribiU des Triton ein 
Trinkhorn oder eine Muscheltrompete sei. Die letztere Möglichkeil wird 
man bei einem archaischen Triton als ausgeschlossen betrachten dürfen. 

2 Arch. Anz. 1857, 45. 

•■^ Athenaeus XI S. 480» nach Polemon. 

■* Head, Historia numorum S. 398. 



100 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

Wie Proteus rioGstSzwvt O-rroSjxw? die Robben dem Herrn 
hütet, so ist Triton ein Hirt über das leichtere Volk des Mee- 
res, über die Fische und vor allem über die muntersten und 
stattlichsten unter ihnen, über die Delphine. Das spricht mit 
der Frische und Anschaulichkeit, die in der Odyssee das Aben- 
teuer des Proteus auszeicbnet, die Darstellung des Fisches von 
Vettersfelde aus. Wie dieses Werk aus dem sch^Yer zu um- 
grenzenden 'ionischen' Runstkreise stammt, so aucb nach 
FurtwUngler's Ansicht ^ ein zweites, \ielleicht etwas jüngeres, 
das Vasenbild in Berlin, das bei Gerhard in den Auserlesenen 
Vasenbildern auf Tafel IX aboebildet ist, wo der Dämon von 
seiner beweglichen Herde umspielt wird. Dabei liebt er gleich 
Proteus die Ruhe nach gethaner Arbeit. Wir sehen seine mäch- 
tige Gestalt auf Rissen gelagert, aber noch behält er in jeder 
Hand einen seiner Schützlinge: so stellt den Ssivo; öso«; ein in 
Tarquinii gefundenes Elfenbeinrelief dar, das durch die derbe 
Charakteristik des Kopfes, die Vorliebe für Beflügelung und 
die zahlreichen ägyptisirenden Elemente in den zugehörigen 
Reliefs sich als ein W^erk derselben kleinasiatischen Gegend 
zu erkennen giebt, von welcher nacli Dümmlers schönem 
Nachweise die caeretaner Hydrien stammen^. Nicht also im 
Schlaf verbringt der Triton seine Ruhe wie es Proteus liebt, 
sondern auf Rissen gelagert ist er zum Trünke bereit. In die- 
sem Zustand überrascht Herakles den äXio<; yepwv v/ijxspT')); und 
deshalb geben ihm die Vasenmaler mitten im Kampfe den 
Kranz um das Haupt ^. Auch bei den Tanagräern sollte er der 



^ Goldfund S. 26 Anm. 3 ' wahrscheinlich aus einer chali<idischen Colonie 
in Italien'. Beschreibung der Vasensainnilung Nr. 1670. 

^ Monumenti VI, 46. Dümmler in den Römischen MiUhcilungen III, 160. 
Vgl. zu dem Triton des Elfenbeinreliefs den Kopf des Alkyoneus auf der bei 
Dümmler S. 167 unter Nr. IV aufgeführten Vase, welche in der einen Aus- 
gabe des Museo Gregoriano II Taf. 162 (in der andern fehlt die Tafel) abge- 
bildet und danach bei Jahn, Leipziger Berichte 1853 Taf. 8, 2 wiederholt 
ist. Mit den in den Monumenti abgebildeten Elfenheinreliefs gehören zusam- 
men: Mus. Gregor. I, 8,4, II 99; Micali, Sloria Taf. 41,10.11. 

^ Der Triton epheubekränzt München 391 = Petersen V, lorbeerbekränzt 
Arch. Ztg. 1870 S. 13 Nr. 15 = Petersen w\ Vases de Luden Bunaparte Taf. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 101 

einen Sage nach überwunden sein, nachdem er zu viel des 
süssen Weines genossen hatte ^ Der fröhliclie Zecher aber will 
Gesellschaft haben, darum wird, wer sich überzeugen lässt, 
dass der fischschwänzige Dämon des Frieses von Assos ein 
Trinkhorn in seiner Linken hält, auch mit uns geneigt sein 
anzunehmen, dass die Platte mit den vier im Gelage begriffe- 
nen Männern zu diesem Kampfe des Herakles hinzu zu ziehen 
ist-. Aus den Zügen, welche so die erhaltenen Denkmäler für 
das Wesen, dessen Name bei den Athenern Triton lautet, dar- 
bieten, ergiebt sich für das siebente und sechste Jahrhundert 
das Bild eines Hirten der See, der den Silenen wesensverwandt 
ist. Selbst die Weiber, welche diesen neben dem W^ein ge- 
fallen, fehlen beim Triton auch in den archaisclien Denkmä- 
lern nicht '. Sollte er doch auch nach der anderen Wendung 
der Sage, welche Pausanias mitteilt, den badenden Tanagrä- 
erinnen übel mitgespielt haben, bis Dionysos dem Ärgerniss 
ein Ende bereitete. Die lustigen Eigenschaften des Triton be- 
fähigten in milderen Zeiten, im vierten Jahrhundert und in der 
hellenistischen Periode, sein Geschlecht, die galanten Liebha- 
ber des Meeres zu werden, während sein alter Genosse Proteus 
nach wie vor seine Robben hütete und in der Mittagshitze 
sein Schläfclien hielt. Was den Triton über die Silene in alter 
Zeit erhob, das war die untrügliche Weisheit, die er als Herr 
der Wasser besass; sie zu nützen hat Herakles ihn überwun- 
den, wie Menelaos den Proteus. 



10 = /" bei Gerhard, Auserlesene Vasenbilder IIS. 95; 'bekränzt" Peters- 
burg 25 (e'), 77 ig'), 142 (/i'), München 134 (t'), 181 (A:'|. 

< Pausanias IX 20, 5. 

^ Die architektonischen Erwäguut,M'n, wciclie l'ür diese Annahme sprechen, 
niuss ich zurückhalten, solange sie sich nicht auf ein sichereres Material 
stützen, als die bisherigen Abbildungen gewähren. 

■* Furlwängler, Goldfund S. 26 Anm. 3 beschreibt einen 'wohl chalkidi- 
. sehen' archaisclien Bronzehenkel des Louvre, der aus zwei Tritonen gebil- 
det ist, welche je eine Frau geraubt haben. — Zu der ebendort erwähnten 
Bronzeattache wohl chalkidischen Stils in Dresilen, an welcher der Dämon 
einen kleinen Krieger feindselig gefasst hält, eine noch nicht erklärte Dar- 
stellung, vgl. AnnoAi 1874 Taf. K 2. 



102 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

Wir haben aus nichtattisclien, zumeist, wie es scheint, aus 
ionischen oder dem ' ionischen ' Runstkreis nahestehenden 
Denkmälern ein paar frischere Züge der ahen Sage gewinnen 
können. Aus attischen Werken, so zahh'eich sie sind, Aväre das 
nicht möglich gewesen. So gern auch die Töpfer des sechsten 
Jahrhunderts nach Ausweis der über 70 attischen Vasen, wel- 
che bisher mit dieser Darstellunu bekannt geworden sind ' die 
Kunst ihres Pinsels und Griffels in der Wiedergabe des Rin- 
gerschemas \on Herakles und Triton geüljt haben, so haben 
sie die Anschaulichkeit der alten Sage doch nicht erreicht. Bei 
ihnen verschwindet der für das Wiesen des Dämon so bezeich- 
nende Zug des Zechenden. A\^enn ilim der eine und andere 
noch den Epheukranz um das Haupt giebt, so erscheint die- 
ser Schmuck unbegründet, unvermittelt, wie der Rest einer 
absterbenden Sai2;e, den sie aus den vollständiseren. \ermut- 
lieh ionischen Darstellunoen. welche auch hierin ihr Vorbild 
gewesen sein werden, ohne volles Verständniss bewahrt haben. 
Statt des Gelages der Meerbeherrscher, vor denen der Ring- 
kampf vor sich geht, umgeben die Gruppe Poseidon und Ne- 
reus in ruhiger Haltung, Dreizack oder Scepter in der Hand, 
wie die Aufseher der Palästra sich auf ihren Stab stützen ; da 
und dort eilt auch einer herbei, dem bedrängten Genossen Hilfe 
zu bringen 2. Wie matt erscheint neben der Lebendigkeit der 
Scene von Assos, trotz aller erworbenen Kunstfertigkeit, das 
Werk des letzten Vasenmalers, der, soviel w ir wissen, den Kampf 
mit dem Triton, nicht später als in der Zeit der Perserkriege, 
dargestellt hat, gegenüber den Tychios, Timagoras, Exekias^ 
und wer sonst die hielier üehörioen schwarzfiouriaren Vasen 

OD Do 



•• Zu dem vuii Pelerseii aLifKet'iihilcu Vasen sind liiuzuziifügeu Karlsruhe 
184. 198. Unter den Vasenscherbon von der Akrupolis sind mehrere hier- 
hergehörende Stücke. 

- Siehe die Zusanirnenstelluajj;en von Petersen S. 86 f., dem ich mich aber 
in seiner Auflassung von der Entwickeluiig des Typus nach dem oben Ge- 
sagten nicht anschiiessen kann. 

3 Von Petersburg 142 nimmt Klein, Vasen mit Meistersignaturen^ S.42, 
2, wegen des 'OvTjTopior,; y.aXd; die Autorschaft des Exekias an. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 103 

malte, des einzigen für uns, der die Seene in den Zeiten des 
rotfigurigen Stiles nocli aiil'nimmt : der Ringkampf, welcher 
allein dem W esen des Gegners entsprach, ist aufgegeben, He- 
rakles unterhandelt mit dem Triton und droht ihm mit der liier 
höchst unpassenden Keule ^ 

Wenn die Vorstelliuig vom Gelage des Triton in Attika kei- 
nesfalls eine sehr lebhafte gewesen ist, so gewinnen wir auch 
daraus die Wahrscheinlichkeit, dass das Attribut, welches der 
Dämon in unserem attischen Giebel hielt, nicht ein Trinkge- 
fäss, sondern eher der Delphin war. Und so trägt er auch den 
Delphin noch während des Ringens auf attischen Vasenbil- 
dern, z. B. auf einer Vase in W^ürzburg, auf einer im Lou- 
vre, auf einer dritten in Neapel ~. Von der im Louvre heisst es: 
'der schon überwältigte Triton hat mit dem in der Rechten 
gehaltenen Delphin ausgeholt, um auf den Herakles zu hauen'; 
die in Neapel beschreibt Heydemann : Herakles mit der Lö- 
wenhaut bekleidet hat rittlings sich auf den fischleibigen lang- 
bärtigen Triton gesetzt, den er mit beiden Händen umhalst; 
mit der Linken sucht der Meerdämon diese Umarmung zu lo- 
sen, während er in der Rechten einen Delphin hebt und das 
grosse Gesicht schmerzvoll umwendet'. Schritt für Schritt 
erlauben die Vasen den weiteren Verlauf des Kampfes zu ver- 
folgen. Auch auf den beiden Bildern einer Amphora des Ma- 
sco Gregoriano, einer der ältesten Vasen mit dieser Darstel- 
lung, hält der Triton die eine Hand so hoch wie in der pariser 
und der neapler Vase erhoben, aber eben ist ihr der Fisch, 
der beide Mal darüber gemalt ist, entschlüpfte Dieselbe Be- 



^ Annali 188^2 Taf. A'. 

2 L. Urlictis, Verzeichniss der Aiitikensammlung der Universität Würz- 
burg III Nr. 90; wie mir H. L. Urliclis freuiidlichsl mitteilt, ist es derTri- 
lon, der den Delphin in seiner Liniven hält, nicht Herakles, wie das Ver- 
zeichniss angiebl. Ed. Gerhard hat vor derVase denselben Sehfehler begangen; 
denn die Vasen m und p in dem Verzeichniss Auserlesene Vasenbilder II S. 
95 sind mit der Würzburger Amphora identisch, an der Beschreibung von 
p hat also Petersen S. 83 Anm. 2 mit Recht gezweifelt.— Die Vase des Lou- 
vre Arch. Ztg. 1853 S. 399,3 (//'l, die in Neapel Heydemann 3419 («'). 

^ Mimo Gregoriano II, 43, 2a. 2b [K); vgl. München 161. 



104 POROSSKULPTUREX AUF DER AKROPOLIS 

Aveo-Lino; des Triton, aber ohne BeifLii>uni>- des Fisches, der schon 
verschwunden zu denken ist, zeigt noch die Hydria des Tima- 
goras im Louvre'. So verstehen wir auch die Haltung des 
Triton in dem kleineren Giebel. Denn seiner nach unten aus- 
gestreckten , leeren linken Hand, welche nach Studniczka's 
Veröffentlichung des Giebels angesetzt worden ist, wird der 
Fisch eben entronnen sein, der also in der linken Giebelhälfte 
vorauszusetzen ist. Und zwar liat er vermutlich zur Fülluno; 
des Giebelzwickels a;edient, ähnlich dem Krebs des Hvdrare- 
liefs. Wie dieser von der Mitte der Scene. wo er den Herakles 
l)eissen müsste und es in den für den Giebel vorbildlichen Dar- 
stelluno;en a;ethan hat. in die Ecke a-ewichen ist. so, dürfen wir 
glauben, ist im zugehörenden Giebel der Delphin der Raum- 
füllung zu Liebe Aon seinem 'Herrn ab und in den Zwickel 
gerückt worden. 

Indem die für Athen massgebende Kunst oder Sage, welche 
auch auf den Meister des in Olympia gefundenen argivischen 
Bronzebleches ^ gewirkt zu haben scheint, die Vorstellung vom 
Gelage des Triton aufgab und den Nachdruck einseilig auf das 
Rinsrerkunststück des Herakles le2;te, bedurfte sie der Figur 
eines Richters, der über das Ringen entschied. So stellen die 
Vasen den Nereus und Poseidon neben die Gruppe. Wer er- 
füllte diese Pflicht in unserem Giebel? 

Dass die voll dem Beschauer zu2:ekehrte Brust des Triton 
die Mitte des Giebels einnahm, ist an und für sich wahrschein- 
lich. Wo auch immer jener Kampf dargestellt worden ist. bil- 
det die Gruppe der Ringer die Hauptsache. Von dieser ^^'ahr- 
scheinlichkeit ausgehend haben w ir schon bei der Herstellung 
des Typhongiebels die Höhe der Mitte auf einen Meter be- 
stimmt, und die Masse des Zeus, der dort notwendig die Mitte 
einnahm, haben die Annahme bestätigt. Der Abfall der Wln- 



' Abgebildet bei Cüliifinon, Maiiui'l (rarclu^ulogie grecque S. 287 |(7). Vgl. 
auch München 1"2GI. 

2 Ausgrabungen zu Olympia IV Tal', C5 li Ö. 19, Furlwängler, Bronze- 
funde S. 95. 



POROSSKUI.PTUREN AUF DER AKR0P0LI9 105 

düngen des Schuppenleibes ergab die Neigung des Giebels und 
damit seine Länge: dieser Ansatz ist durch die Beobachtung 
der Giebelschrüge, \velclie am Echidnaleibe angearbeitet ist, 
gesichert worden. Danach beträgt die Länge des Giebels 8,50 
Meter. Für die Zusammengehörigkeit der beiden Giebel sollen 
weiter unten noch Belege erbracht werden. Setzen wir also 
die Tritongruppe in die gegebenen Masse des Giebelleldes so 
eng als es angeht hinein, so greift die Gestalt des Dämon mit 
der linken Seite der Brust um 0,40 m über die Mitte über. 
Somit bleibt noch ein Raum von höchstens 3,85 Metei'u aus- 
zufüllen. 

Das zusammenhängende Stück eines Schlangenleibes, wel- 
ches in der rechten Ecke unseres Giebels gezeichnet ist. Hess 
sich aus einer Anzahl von Brocken, Bruch auf Bruch, bis zu 
einer Länoe von 1.15 zusammenfügen (a). Es bestellt aus zwei 
Blöcken; die senkrechte Fuge liegt in der Senkung vorder 
kräftigen Erhebung des Leibes. Passt man die Blöcke richtig 
an, so greifen dank der sauberen Arbeit die Linien der Schup- 
pen genau vom einen zum andern Block über. In der Nähe 
seines dickeren Endes ist der rechte Block mittelst Bleiver- 
gusses auf der Basis in der Weise befestigt gewesen, dass man 
von oben senkrecht durch den Leib einen Gusskanal gebohrt 
hat, in dem und an dessen unterem Ausgang noch heute das 
Blei erhalten ist. Unmittelbar hinter der Fuge fangen an der 
unteren Seite des anschwellenden Leibes die grossen Bauch- 
schilder an. Die Bemalung ist zumeist noch vortrefflich zu seh- 
en. Die Felder der Schuppen sind blau, die trennenden Stege 
waren, wie das bald nach der Auffindung von Gillieron ange- 
fertigte Aquarell eines Bruchstückes beweist, hellgrün, eine 
Farbe welche jetzt hier und anderwärts bereits bis auf sehr 
geringe Spuren verschwunden ist. Die Bauchschilder blieben 
ohne Farbe, also erschienen sie weiss und hoben sich von dem 
schwarzen Grund innerhalb des breiten Streifens, welchen sie 
einnehmen, scharf ab. ^^'ie am Ende von Triton und Echidna 
ist die Rückseite des Leibes zwar frei und rundum ausgear- 
beitet, aber vernachlässigt. Nur an der Vorderseite sind die 



d06 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

Scliiippen ausgeführl und bemalt. An der oberen Grenze des 
ausgeführten Teiles lässt sich, da die Vorritzung für die Schup- 
pen noch übergreift, deutlich der Gang der Arbeit erkennen. 
Zunächst wurde der Schlangenleib ohne die Schuppen nur als 
ein bewegter runder Körper glatt hergerichtet, dann, wie am 
Chiton der Nike von Delos ', die Kreislinie der einzelnen Schup- 
pen mittelst Zirkels in den weichen Porös eingeritzt. Noch 
vielfach ist der Punkt, wo der Zirkel einsetzte, zu erkennen. 
Von jedem Mittelpunkt aus schlug man zwei concentrische 
Kreise. Der von den beiden Kreisen gebildete Ring ergab den 
schmalen Hand der Schuppe. Der Grund innerhalb der Schuppe 
wurde dann durch Schaben etwas vertieft, so dass die Ränder 
als Stege stehen blieben. Danach erst half die Bemalung den 
Skulpturen zu ihrer lebhaften Wirkung. 

Dass die Teile dieses Schlangenkürpers von einem Hochre- 
lief herrühren, lehrt zunächst die Vernachlässiouno; der Rück- 
Seite. Im besonderen werden sie mit unseren Giebeln verbun- 
den durch ihre mächtigen Verhältnisse und durch ihre stili- 
stische Verwandtschaft. So sehr auch bei diesem, wie bei jedem 
archaischen Bildwerk die Tierkörper uns mehr geglückt er- 
scheinen als die Menschen, so beruht der Eindruck doch nicht 
auf einem tieferen Erfassen des tierischen Organismus, son- 
dern nur darauf, dass das Spiel ornamentaler Linien auf dem 
tierischen Körper leichter anzubringen und zu ertragen ist. So 
darf uns auch hier der Glanz der Farben, die Sorgfalt der Ar- 
beit und die abgewogene Bewegung des Umrisses nicht darü- 
ber täuschen, dass der Meister dieser NA'erke auch vom Orga- 
nischen des tierischen Körpers nur eine sehr oberflächliche 
Kenntniss besass. Dies zeigt sich in der schematischen Weise, 
in welcher er die Leiber in seine Muster kleidet. Weder an 
der Echidna noch am Triton findet die Bewegung des Körpers 
ihren Ausdruck im Geschiebe der Schuppen, vielmehr sind 
dieselben gleichmässig eine neben die andere gelegt, mag sie 
in Wirklichkeit die Dehnuns, des Leibes auseinander ziehen 



^ Siehe Bolho Grael, Athen. ^liUhciliiiigeu 1889 S. 319. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 107 

oder sein Zusammendrücken übereinander schieben. So sind 
auch die Schuppen an dein in Rede stehenden Sclihmgenkör- 
per gearbeitet. 

Jeden Zweifel an seiner Zugehörigkeit beseitigt schliesslich 
die stufenförmige Einarbeitung an dem Bruchstücke (b), wel- 
ches in derWiederhersteUung links von a an der oberen Grenze 
des Giebelfeldes angegeben ist. Sie ist mit der Einarbeitung 
am Echidnaleibe übereinstimmend liergericbtet als Auflager 
des oberen Giebelgeison imd Aiissclinitt für das Kyma dessel- 
ben. Das Anwachsen von a nach links hin liefert nun in Ver- 
bindung- mit der VernachUissii'uni'' seiner Rückseile den Be- 
weis, dass der Schlangenkörper in eine rechte Giebelhälfte, 
vom Beschauer gerechnet gehört. Im Typhongiebel ist die rechte 
Hälfte vom Typhon selbst eingenommen, es bleibt also nur die 
Möglichkeit, dass die Fragmente in der nocli leeren Hälfte des 
Tritongiebels ihre Stelle hatten. 

Ist das Bruchstück, welches die Einarbeituni» bewahrt bat. 
an ein nach rechts abfallendes Geison zu rücken, so hat es 
dieselbe Schuppenrichtung wie a. Die halbrunde Begrenzung 
der Schuppen ist danach ebenso wie in a dem Ende zuge- 
wandt und also gehören a und b demselben Schlangenkörper 
an, eine Beobachtung, deren Bedeutung weiter unten klar 
werden wird. Genauer wird b durch die Einarbeitung für das 
Geison an den Hintergrund des Giebelfeldes verlegt. Da nun 
bereits am Ende von a zu erkennen ist, dass von da ab der 
Körper sich rückwärts und nach oben zog, so ergiebt sich da- 
raus die Berechtigung a und b so zu einander zu stellen, wie 
es in unserer Tafel geschehen ist. So entspricht sich an bei- 
den Bruchstücken die Angabe der Bauchschilder, in dem da- 
zwischen zu ergänzenden Teile nahmen diese die untere Hälfte 
des Leibes ein. Gei>en die Annahme einer orösseren Lücke 
spricht auch das Anwachsen der Schuppen. In a nimmt der 
Durchmesser der einzelnen Schuppe von 0,017 bis auf 0.031 
zu. In b beträgt« er bereits 0,05, in c, dem gleich zu bespre- 
chenden Bruchstück, welches unteilialb \()n b gezeichnet ist, 



108 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

ist er schon auf 7 cm gestiegen. Also ist b zwischen a und c 
einzuordnen. 

Der Leib aber, zu welchem b gehört und der im Hintergrund 
sich wand, hatte einen zu geringen Durchmesser, als dass er 
allein die Tiefe des Giebelfeldes ausgefüllt hätte. Vielmehr ist 
schon aus a und b zu schliessen. dass gerade wie an der Echid- 
na da, wo zuerst der anschwellende Körper mit seiner hohen 
Windung das Geison berührte, eine zweite Windung vor jener 
lag. Aber wie das Zurücktreten des linken Endes von a be- 
weist, hat der Meister in diesem Giebel umoekehrt wie bei der 
Echidna componirt. Denn dort liegt die erste ^A^indung, zu 
w elcher der lano-oestreckte Leib sich aufrollt . im Vorder- 
gründe, hier tritt der Leib zunächst in den Hintergrund zurück, 
musste, um die Tiefe des Giebels auszufüllen, danach ver- 
schwinden, unten wieder zum Vorschein kommen und dann 
eine abermalige, die vorige teilweise verdeckende Windung 
aufwärts machen. 

Von dieser zweiten W^indung ist das schon erwähnte Bruch- 
stück c ein Teil. Denn an ihm ist der Ansatz eines dahinter 
liegenden parallelen Schlangenleibes erhalten, an seinem un- 
teren Teile erkennt man, wie hier zu erwarten, das Hervor- 
kommen des Leibes von hinten her; seine Schuppen sind ent- 
sprechend wie an a und b mit der Rundung nach rechts hin 
gerichtet und werden in entgegengesetzter Richtung immer 
grösser. Es fügt sich also in jeder Beziehung in diejenige Com- 
position, welche gemäss a und b und den Massen des Giebels 
natürlich und notwendig ist. \\^ der Überbleibsel so wenige 
sind, aus denen wir uns das alle Bild wieder zusammensetzen 
müssen, ist eine ungesuchte Bestätigung doppelt wünschens- 
w^ert. Sie ward durch eine Vervvitterungsfläche geliefert, wel- 
clie so, wie wir c angeordnet haben, nach oben kommt, eine 
Stelluno;, wie sie für die Verwitterunü' von der Natur gefordert 
wird. Der Schluss hieraus ist freilich nur dann zwingend, 
wenn sich nachweisen lässt, dass die Verwitterung; entstan- 
Hen ist, so lange die Giebel noch an ihrer Stelle waren und 
nicht etwa während der Zeit nach der Zerstörung, wo sie als 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 109 

Trümmer auf der Buvj. iimliergelegen haben werden. Dass 
^virkliell das erstere der Fall ist. gelit ans dem anderweilii^en 
Vorkommen gleicher Flüchen innerhalb unserer beiden (liebel 
hervor. Die Pralle der Art, die mir anllielen, sind im Triton- 
giebel am rechten Ende von a obenauf, und am linken Glu- 
taeus des Herakles nahe dem Kreuz, fei'ner im Typhongiebel 
auf dem Scheitel aller drei Typhonköpfe und des Zeus, also 
durchgängig an Stellen, welche, so lange die Skulpturen am 
Tempel waren, sich obenauf befanden. Man stellt sich leicht 
vor, wie, um von anderer Schadhaftigkeit des Baues abzusehen, 
durch die Adern des Porös, aus welchem der Temjiel zweifel- 
los bestand, die Nässe durchsickern konnte. 

Soweit lässt sich zunächst dieser Schlangenkörper verfol- 
gen, der seinem gestreckten Aufbau nach die Giebelecke ein- 
nahm. Nun aber giebt es das Stück einer Scldange mit dem- 
selben Schuppenmuster, so jedoch, dass der runde Abschluss 
der Schuppen nach der entgegensetzten Richtung gewandt ist, 
d. h. nicht nach rechts, wie an dem bisherigen, sondern nach 
links, dasjenige Bruchstück, welches in der Zeichnung unter 
dem linken Ellenbogen des Triton angegeben ist (6'). Es ist 
rundherum ausgearbeitet, aber an seiner Rückseite ist mit der 
Angabe der Bauchschilder nur begonnen und keine Farbe auf- 
getragen. Die Schuppen sind klein, ihr Durchmesser beträgt 
0,023 m. Das Stück gehörte einem frei im Giebelfeld liegen- 
den Blocke an, denn auch hier gehen von oben hindurch, wie 
bei r^ Verbleiungen, diesmal sogar doppelt. Am linken Ende 
scheint ein anderes Stück eingegriffen zu haben. 

Die verschiedene Richtung der Schuppen beweist, dass es 
noch einen zweiten Schlangenleib gab. Dieser kann, da von 
dem anderen der Giebelzwickel vollständio; ausgefüllt wurde, 
nur zwischen jenem und dem Triton angebracht gewesen sein. 

Der zunächst nur durch das eine Bruchstück bezeugte Schup- 
penleib stieg nach rechts an, während er nach der andern Seite 
sich gegen die Basis tot zu laufen scheint. Wenn also von 
rechts und von links die beiden Schlangenkörper zusammen- 
laufen, so können sie zu nichts anderem gehören, als zu einem 



110 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

Wesen, vvelelies in zwei Schlangenbeine ausging. So erhält 
Pureolds Vermutuno-, dass im kleinen Triton"iebel die feh- 
lende Hälfte durch ein solches Wesen ausgefüllt gewesen sei, 
wenigstens in unserem eine monumentale Bestätigung '. 

Glücklicherweise ist von den menschlichen Teilen dieses Ge- 
bildes noch ein Fragment erhalten und das eine ist ein ent- 
sclieidendes. Nachdem die übrioen als Bruchstücke erhaltenen 

D 

Hände dem Triton und Herakles zugewiesen sind, bleibt nocli 
eine, in denselben mächtiü;en Verhältnissen und so überein- 
stimmend gearbeitet, dass die Zuo;eh(">riokeit des Stückes zu 
unseren Giebeln nicht bezweifelt werden kann : eine rechte 
Hand, welche für sich betrachtet in einer rechten Giebelhälfte 
gewesen sein muss; denn nur ihre eine Seite ist ausgeführt. 
Sie könnte danach vom Typhon sein, und zwar die Bechte des 
Mittleren. Denn die Bechte des Vordersten ist auso;etreckt er- 
halten und die nicht nachweisbare Bechte des Letzten hätte, 
W'enn ihre Finger wie am fraglichen Bruchstück einen Vogel 
trugen, die daran nicht ausgeführte Seite des Daumens nach 
aussen kehren müssen. Aber auch der Hechten des Mittleren 
das Stück zuzuteilen, scheint mir unmöo;lich. Denn erstens 
ist der entsprechende Unterarm zu sehr einwärts gedreht, als 
dass die ausoestreckte Hand auf der Handfläche den dem vor- 
handenen Beste nach reclit arrossen Vo<i:el tracren könnte, der 
erhaltene Stumpf des Armes wird am natürlichsten und pas- 
sendsten durch eine Hand ergänzt, welche so ausgestreckt war, 
wie die Bechte des Vorderen. Zweitens hat das Frao;ment hin- 
ten durch eine Bosse festgesessen, von der am erhaltenen Teile 
des Typhonreliefs noch eine Ansatzspur hätte bleiben müssen. 
Und schliesslich, was sollte dieser grosse ruhig seinem Besitzer 
zugekehrte Vogel beim Typhon, zumal da man ihn hätte ver- 
gleichen müssen mit dem viel kleineren Adler des Zeus, der 
ja, wie wir jetzt wissen, sich über der Linken des Gottes be- 
fand? 

So w^eist inhaltlich und technisch alles den fraglichen Best 



'E^rjusp'? äp/aioXoyi/.rj 1885 S. 247« 



POROSSKULPTUREN AUF DEIt AKHOPOLIS III 

\on dtMii Typlion weg und jenem Wesen in der reclitrii ll.iH'te 
des Trilonj^iehels zu, da eine andere Mr)i>lielikeit nielil hlcild. 
Die Hand ist der einzige sichere Rest, \velclier, soweit icli 
sehe, von dem menschlichen Leibe desselben bewahrt worden 
ist. 

Diese bedeutsame Fiour liat den sanzen nocli verfiii>baren 
Raum des Giebels eingenommen. Aus der Dicke des Schlan- 
genbeines und der Mächtigkeit der Schuppen am vordenMi 
Ende von c zu schliessen, ist von da nach links hin nicIil \'\v[ 
von dem Bein verloren gegangen, sondern nach vollzogener 
Windung nach unten hat daran der menschliche Körper an- 
gesetzt. Ergänzt man dazu, wie Gillieron es gethan hat, 
menschliche Brust und Kopf, welche dem Reste der Hand nach 
in demselben Verhältniss wie die Typhonleiber waren, und auch 
ebenso hart wie jene auf dem Schlangenleibe aufgesessen ha- 
ben werden, so bleibt zum Triton hin nur mehr so viel Raum, 
dass sich das andere Schlangenbein entwickeln kann. Eine 
vierte Gestalt in zwerghafter Kleinheit nocli zwischen die ge- 
waltigen K()rper zu schieben, ist schlechterdings unmr»glich. 

Damit sind wir mit der Wiederherstellung der beiden Gie- 
bel am Ende. Unter den Porostrümmern der Burg giebt es 
kein Bruchstück einer überlebensgrossen menschlichen Gestalt, 
welches nicht in diese Giebelfelder aufgegangen wäre. Es erü- 
brigt nur noch zu erwähnen, dass ein Schulterbruchstück, wel- 
ches aus derselben blasenhaltigen harten Sorte Porös wie über- 
haupt der Tritongiebel besteht, zu einer seiner drei Gestalten, 
aber nicht sicher zu einer bestimmten zu ziehen ist, und dass 
eine Zahl von sieben Bruchstücken der Schlanorenbeine noch 
vorhanden sind, denen im genaueren ihre Stelle nicht mehr 
angewiesen werden kann. Das bedeutendste unter ihnen {d) 
hat Gillieron dem vorderen der beiden Beine zugeteilt und 
oberhalb des Handfra^mentes iJjezeiclmet. Das Stück, dessen 
Länge 0,35 beträgt, fällt dadurch auf, dass die Schuppen nach 
ihrer abgerundeten Seite hin zuzunehmen scheinen. Obenauf 
ist die Ansatzspur einer zweiten Windung, welche aber nicht 
parallel zur ersten verlief, Avie man der Zeichung nach glauben 



\\2 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

könnte, sondern diese sclieinbai* überschnitten liat. Ein Split- 
ter iiewen 0,05 lang-, welclier in unmittelbarer Nähe einer der 
beiden Schlangenenden sich befand, mag noch genannt wer- 
den . weil an ihm die Schuppen aufhören und danacii der 
letzte Zipfel des Schwanzes nur blau bemalt ist, ebenso wie bei 
der Echidna am Ende das Muster aufliört und schliesslich der 
Leib nur mehr rot und blau gestreift ist. Endlich will ich auch 
nicht unterlassen auf ein Bruchstück (1. 0,30, dick 0,22) hin- 
zuweisen, an welchem neben einer hell gelassenen rundlichen 
Eläclie, die an einem blauen Grunde ansitzt, eine 2 '/^ Centi- 
meter lange Spur von Blau, welches diircli einen Steg, wie er 
die Schuppen sonstumzieht, geteilt ist, an die Muster der Schlan- 
üenbeine erinnert. Doch ist diese Spur üar zu gering und lässt 
vielleicht auch andere Deutungen zu ; jedenfalls möchte ich 
es nicht wagen, auf Grund dieses Bruchstückes zu behaupten, 
dass der Grund unseres Giebelfeldes blau bemalt gewesen wäre. 
Das Bruchstück wird im Neuen Museum aufbewahrt. 

Wer aber ist das schlangenbeinige Wesen, das den Vogel 
auf seiner Rechten trägt, und nach allem, was wir wissen, so 
unvermutet zum Kampfe des Herakles und Triton sich gesellt, 
in einem Giebel, welcher auf der Burg von Athen einen Tem- 
pel schmückte? Die Antwort ist nicht schwer zu geben. Der 
erosse Yoüel. der auf seiner Rechten sitzt, seinem Herrn zu- 
gewendet, wird der Kiaiig der \'()gel und der Vogel der Kö- 
nige sein. Sonst krönt er das Scepter ', aber das Scepter konnte 
der Künstler im niedrigen Raum des Giebelfeldes nicht dar- 
stellen, also gab er das Zeichen dem. welchem es zukam, in die 
Hand, so wie er auch den Zeus im Typhongiebel den Adler 
halten Hess. Der schlangenbeinige , erdgeborene König des 
Burgfelsens aber ist Kekrops. Wir kennen seine Gestalt, wie 
er der Athena zuschaut, welche von der Ge das Erichthonioss- 
kind empfängt, nicht nur von dem berliner Thonrelief her, 
sondern jetzt auch durch Six' ansprechende Verknüpfung ge- 



' Sieho Silll Der Adler und die Wcllkugp.l als Mliihute des Zeus S. 10 
IJaliiljücIier für classische IMiilülogio Öiippl. XIV). 



POROSSKULPTUriEN AUF DER AKROrOLlS 113 

sichert von den kyzikener Klektroninünzen '. Wie biUliicIie 
und scliriftliclie Überlieferung den ersten König Athens zum 
Richter im Streite der Athena und des Poseidon macht, so 
wird er aucli hier im Rini!;knmpf'e des Herakles und Triton 
den entscheidenden S|)rLicii füllen. So bietet das älteste Vor- 
kommen der Ivekropsgestah zugleich einen Grimd mehr für 
die Ansicht, dass unter den verschiedenen Wendungen der 
Sage jenes Götterstreites diejenige die älteste ist, Avelche den 
Kekrops zwischen Poseidon und Athena richten lässt^. 

Doch auch für die Tritonsaae liefert das Auftreten des Re- 
krops einen neuen wichtigen Zug. Der Kampf, dem Kekrops 
beiwohnt, kann nur auf attischem Boden geschehen sein, auf 
attischem Boden muss Herakles den Triton überwunden ha- 
ben ; nicht allein vor den Gärten der Hesperiden und nicht 
allein da, wo die Einwohner von Assos es glaubten, als sie den 
Tempel auf ihrer Burg mit den Bilde des Kampfes schmück- 
ten. Aus dem Bestehen einer heimischen Sage erklärt sich 
auch die besondere Beliebtheit, welcher sich diese Scene bei 
den athenischen Vasenmalern erfreute , während noch kein 
korinthisches Gefäss mit dem Bilde gefunden ist. Dass also 
der Kampf verschiedenen Orts ausgekämpft sein sollte, muss 
in seiner tieferen Bedeutun*»-, im Wesen sowohl des Triton wie 
des Herakles seinen Grund haben. Ich unterlasse, den Gedan- 
kengängen, welche sich damit eröffnen, hier weiter zu folgen, 
um so eher, als eine ausführliche Erörterung der einschlägigen 
Fragen von anderer Seite in naher Aussicht steht, ich will 
hier nur noch darauf hinweisen, dass die attische Version des 
Kampfes scheinbar die einzige ist, welche bis in die Zeiten 
der freien Kunst sich erhalten hat. Denn mit unserem Giebel 
verbindet sich ein zweites Denkmal, in welchem Kekrops ne- 
ben der Ringergruppe des Triton und Herakles erscheint. Das 
ist die sehr zerstörte Darstellung am oberen Rande der Bron- 



^ Arch. Ztg. 1872 Taf. 63, die Münzen bei Grcenwell, Tlie Eleclrum coi- 
nage of Cyz-ikus Taf. II 8-10 {Numism. Chroiu Ser. III Vol. VII). 
2 Siehe zuletzt Prellei- Rollert, Griechische Mythologie I 203 Anm. 1. 

ATTIKN. MTTTHEILUNGEN X^V. 8 



114 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

zeplatte. die in Carapanos" Dodone et ses ruines auf Tafel 16 
unter Nr. 4 abgebildet ist. Der gelehrte Herausgeber glaubte 
darin Herakles im Kampfe gegen die Hydra erkennen zu sol- 
len, aber das. was er als die Scheere des Krebses ansah, der 
die Hydra unterstützen würde, hat schon Studniczka richtig 
für die Schwanzflosse des Triton erklärt ^ Wie mich nun eine 
Untersuchung des Originals belehrt hat, welche der Besitzer 
mir freundlichst ermöglichte, sind diejenigen beiden Win- 
dungen, die sich zwischen den Füssen des Herakles befinden, 
symmetrisch componirt : auch an der linken findet sich genau 
symmetrisch die durch die Relieferhebung in der Bronze schär- 
fer als in der Abbildung hervortretende Teilung des Leibes, 
welche auf der Tafel nur an der rechten Windung angegeben 
ist. Wegen der symmetrischen Bildung beider Windungen 
möchte ich glauben, dass diese auf die beiden Schlangenbeine 
des Triton zu verteilen sind. Herakles hatte sich über die Beine 
des Triton hinweggestellt, ähnlich wie auf den schwarzfiguri- 
gen Vasen, wo er auf seinem Gegner zu reiten scheint, und 
hatte ihn wie dort von hinten gepackt. Ist diese Auffassung 
richtig, so kann die dritte Windung rechts schon wegen der 
zu der Windung daneben gegensätzlichen Schuppenrichtung 
nicht mehr vom Triton herrühren, auch deshalb nicht, weil 
das vom Beschauer linke Schlangenbein des Triton, wie auch 
die Abbild uni»- anoiebt, auf eine kleine Strecke in seiner oan- 
zen Breite erhalten ist und damit verglichen der Schlangenrest 
rechts eine grössere Breite hat als am Ende des Schlangenbei- 
nes vom Triton zu erwarten wäre. Also scheint auch hier Ke- 
krops in ähnlicher Haltung wie in dem Berliner Thonrelief 
der Gruppe der Ringenden zugefügt gewesen zu sein. 

Unser Giebel teilt nicht den Vorzug, welcher für uns in so 
seltener M^eise den Typhongiebel auszeichnet : von keiner sei- 
ner Figuren ist der Kopf vorhanden. Ja auch die Haltung der 
Köpfe, welche in unserer Tafel angenommen ist, beruht nur 



' AiIkmi. Mitlheiluniieii 188G S. 65. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS H5 

auf Vermutungen . Nur das erlauben die Reste der Hälse zu 
sagen, dass weder der Kopf des Triton noch des Herakles auf 
die Brust gesenkt war. Diese liochaltertümliche Kunst stellt 
den Kopf entweder in dieselbe Ricliliing wie den Rumpf oder 
ins Profil. Deshalb schien es passend sich den Triton in der 
Not des Kampfes nach dem erlösenden Vermittler umschauen 
zu lassen, auch darum, weil bei anderer Ansicht Herakles den 
Kopf des Dämon teilweise verdeckt haben würde. Die Rück- 
sicht hierauf hat auch dazu geführt, den Kopf des Herakles 
etwas erhoben zu ergänzen, während ein Senken die Anstren- 
gung vielleicht besser malen würde. Doch lässt sich für unsere 
Annahme noch die ähnliche Stellung der beiden Köpfe im 
Friese von Assos anführen. 

Vollends für das Aussehen des Kekrops fehlt jeder unmittel- 
bare Anhalt. Da die Ausführung des Vogelleibes genau bis 
zur Mitte gebt, so war die rechte Hand genau von der Seite 
zu sehen und demnach ist es freilich das Natürliche, den Kopf 
in Seitenansicht zu stellen. So wäre der Anteil, den Kekrops 
am Kampfe nahm, am eindringlichsten ausgedrückt gewesen. 
Aber gesetzt, die Windungen seines rechten Schlangenbeines 
gingen sehr hoch und erhoben sich in starkem Relief, so dass 
darüber hin der Blick zur Gruppe der Ringer nicht frei war, 
so liesse sich denken, dass der Kopf mehr nach vorn sich 
wandte, so wie seine rechte Schulter zweifellos etwas vorwärts 
gedreht war. In solchem Falle hätte er ungefähr dieselbe Stel- 
lung gehabt, welche der Blaubart den Grenzen seiner Ausfüh- 
rung nach im anderen Giebel eingenommen hat^ Da nun die- 
ser Kopf, wie bei der Herstellung des Typhongiebels erörtert 
ist, nicht unmittelbar anpasst und jedenfalls von einer ande- 
ren Hand herrührt, so ist von neuem die Frage aufzuwerfen: 
ist es möglich ihn von den beiden sicheren Typhonköpfen zu 
trennen und statt dessen in den uns so heiter scheinenden Zü- 
gen die des ersten attischen Königs wieder zu erkennen ? 

Zur Antwort giebt es zunächst einiges zu berichtigen. Erstens 



\ v«!- Athen. Milllieiliuigen 1889 S. 8i. 



IIG POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

sitzt der Kopf, wie die Gruppe jetzt im Museum hergerichtet 
ist, nicht ganz richtig auf. Die rechte Seite des Halses ist et- 
^vas einwärts zu rücken, die rechte Seite des Kopfes ein wenig 
zu senken, yielleicht auch der ergänzte Hals etwas kürzer zu 
machen: dann lassen sich die erhaltenen Linien am oberen 
und unteren Ende des Halses, so viel ich sehen kann, sehr 
gut miteinander vereinigen. Zweitens ist irrig von mir gesagt 
worden', dass die Endigung des Haares, welche angepasst 
Avurde als die unserem Lichtdruck zu Grunde liegende pho- 
tographische Aufnahme bereits gemacht war, reichere Locken- 
ringel enthalte als an den beiden anderen Köpfen. Der untere 
Rand des Haares ist bei diesen bestossen, und der Eindruck, 
von welchem ich mich damals leiten liess, beruhte auf dem 
heutigen Zustand. In Wirklichkeit haben wir dem Erhalte- 
nen gegenüber kein Hecht anzunehmen , dass die Locken , 
deren Ansätze auch an den beiden vorderen Köpfen zu sehen 
sind, dort in wesentlich verschiedener Weise ausgeführt ge- 
wesen wären. Im Gegenteil beweist die an dem vordersten 
Kopfe in unserer Tafel noch sichtbare Bosse, welche am nicht 
ausgeführten Teile des Haares über dem Nacken stehen geblie- 
ben ist, dass der Block hier unten vor der Einzelausführung 
breiter war, eben um aus der breiteren Masse die etwas vor- 
springenden Locken heraus zu arbeiten. 

Die wirklich bestehenden Verschiedenheiten des Kopfes, 
welche von Kavvadias, Lechat und Wolters hervorgehoben 
wurden^, sind durchgängig der Art, dass sie für den Beschauer, 
welcher vor dem Tempel stand, überhaupt kaum oder jeden- 
falls nicht als unterscheidende Merkmale erkennbar waren : 
so das beim Blaubart aufstrebend gebildete Stirnhaar, welches 
bei den andern in die Stirn hineinfällt, ein Unterschied, der 
nur an den Seiten zur Geltung kommt. Zum Teil aber werden 
die Verschiedenheiten, wenn man nur die Arbeitsweise dieses 



^ A. a. O. S. 85. 

2 AeXtiov 1888 S. 203. Bulletin de correspondance hellönique 1889 S. 138. 
Antike Denkmäler 1888 S. 16. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 117 

Meisters beobachtet, wie sie sich ghiclvlicherweise beobachten 
lässt, nicht allein erklärt, sondern geradezu gelordert. Alle 
empfinden es, dass der vordere und mittlere Kopf Werke einer 
Hand sind, und dennoch ist der Bart des Vordersten als glatte 
Masse behandelt, während der des Mittleren durch Rief'elung 
gewellt erscheint, und sind die Lippen des Erstgenannten nur 
recht roh hergestellt, während sie bei dem Andern glatt, bis 
zur letzten Vollendung gediehen sind. Der Grund dieser Un- 
terschiede liegt auf der Hand : der vordere Kopf war im Hin- 
tergrunde und weniger scharf zu sehen als der mittlere. Wie 
sparsam der Meister dieser Skulpturen mit der feineren vollen- 
denden Arbeit war, darauf habe ich schon früher Gelegenheit 
gehabt hinzuweisen. So hat er sich auch darauf beschränkt, 
bei dem im Hintergrund befindlichen Kopfe das auszuarbei- 
ten, was von unten in der Tiefe des Giebels noch wahrge- 
nommen werden konnte. Umgekehrt müssen wir schliessen, 
dass er was im Vordergrund war in allen Einzelheiten scharf 
hervortreten Hess. Daher müssen die Lippen des Kopfes, wel- 
cher auf dem dritten Körper sass, anders gebildet sein als die 
unvollendeten des ersten. 

Davon abgesehen also, dass der Kopf von einer anderen 
Hand herrührt, ist kein Anlass vorhanden ihn dem Körper 
abzusprechen. Auf der anderen Seite darf man behaupten, 
dass der Meister, welcher die vier sicheren Köpfe des Typhon- 
giebels gearbeitet hat oder unter seiner Aufsicht arbeiten Hess, 
einen Kekrops mit anderen Kennzeichen als den Blaubart aus- 
staffirt hätte. Wie er über die Mittel verfügte, welche die Ty- 
pen der Haartracht zur Charakteristik gewährten, sehen wir 
daran, dass er das Stirnhaar des Zeus und Herakles so wellig 
legte, wie der gebildete Athener, der kein Kahlkopf war, nacb 
Ausweis der zeitlich nahe stehenden Skulpturen und Vasen es 
damals trug, dass er die Köpfe ohne Schnurrbart und dass er 
den Kinnbart des Zeus, wie das neu hinzukommende Bruch- 
stück lehrt, zierlich gesträhnt und spitz zugestutzt sein Hess, 
während des Herakles Bart weich sich an das Kinn anschliesst. 
Dem Zeus giebt er die Strahlenkrone und dem Herakles den 



118 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

fremdartigen Putz des Löwenfolles. So wird jeder scharf sei- 
nem Wesen, seiner Bedeutung entsprechend bezeichnet. Dem 
gegenüber mussten die Typhonköpfe mit ihrem derben Haar, 
in ihrer Schmucklosigkeit, mit ihren wüsten Barten einheit- 
lich als die rohen Gesellen erscheinen, welche aller Kultur der 
Weh feind sind. Der Mann, der im frohen Besitze der einfa- 
chen und doch vielfältigen Kunstmittel seiner Zeit so bedacht 
war auf Abwechselung, dass er selbst die Köpfe eines und des- 
selben Wesens in Einzelheiten wie der Haarfarbe, der Bildung 
der Nase, des Auges, des Mundes bewusst verschieden sein 
Hess, hat den attischen Rönii«- nimmermehr ohne ein Zeichen 
seiner Würde, ohne GTifj^i^r, im Haar, jenen wüsten Genossen 
gleich gebildet, mit demselben grasgrünen Auge, das auch 
der vorderste der Typhonköpfe hat. Und deshalb, und weil 
er zu jenem Kopfe in den Maassen auf das genaueste stimmt, 
halte ich es für unmöglich den Kopf des Blaubart von dem 
ihm angewiesenen Platze fortzunehmen. So grosse derbe Köpfe 
wie den des Blaubart verwendete man auf Schilden als äxo- 
TpoTüaio,, wie aus zwei ausserattischen Vasen zu lernen ist: auf 
der einen von beiden giebt der Maler dem Kopfe, der trotz des 
Fehlens der Schlangen, da wir wissen, dass der Kopf des Ty- 
phon als Schildzeichen diente, eben als solcher zu benennen 
sein wird, die Augenbildung der Typhonköpfe unseres Gie- 
bels, während die Träger der Schilde ein Auge haben, dessen 
Schmalheit nach den Augenwinkeln zu sich mit dem Auge 
des Zeus vergleichen lässt ^ Wohl wird einmal auf einer altat- 
tischen Vase, deren Zeichnung mit der der Typhonköpfe auch 
sonst viel verwandtes hat, der mächtige Kopf des Dionys mit 
ähnlichem Auge und ähnlicher Haartracht dargestellt, aber 



^ Zum Typhon als Öchildzeicliuii siehe Mayer, Giganten und Titanen S. 
275. Athen. Mittheilungeu 1889, S. 73. Gerhard, Auserlesene Vasenbilder 
Taf. 258, 3. 4. Mu.sec Blacas Taf. 5. ß; zu letzterer Vase vgl. Urlichs, Beiträge 
Taf. 7. 8 aus Korinlli, zu ihrer Schalcnform ferner noch Museo Gregcriano II 
72, 1. München 335 und Berlin 1572 nacli Furtwängler chalkidisch. Viel- 
leicht ist auch der 'grosse Silenskopf in Karlsruhe 171 ein Typhon. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 119 

der Bart des Gottes erscheint gestutzt und. vor allem, auf dem 
Haupte tragt er sein Zeichen, den Epheukranz'. 

Dass auch der Triton den Kopf des Blaubartes nicht getra- 
gen haben kann, sei zum Schluss noch einmal gesagt. Schon 
die einfache Erwägung, dass die Tritonbrust beträchtlich 
grössere Verhältnisse hat, als der Typlionkörper, dessen Maas- 
sen der Kopf entspricht, widerlegt diese Annahme. 

Tritongiebel und Typhongiebel gehören zu demselben Ge- 
häude. Das hat jeder empfunden, der dieser Skulpturen an- 
sichtig geworden ist, ja das Gefühl ihrer Übereinstimmung 
^var so gross, dass man anfänglich glaubte, Ty])hon und Tri- 
ton hätten in einem Giebel gestanden. Die Wiederherstellung 
beider Giebelfelder hat üezei^t. dass sie gleiche Abmessuncren 
haben. Mehr mag über die stilistische Gleichheit beider Werke 
gesagt werden, wenn es sich bei anderer Gelegenheit darum 
handeln wird, sie in den Zusammenhang der Geschichte der 
altattischen Kunst einzureihen. Ich möchte hier nur noch auf 
einen Unterschied zwischen den beiden Reliefs hinweisen, 
welcher, in seinem Wesen erkannt, die Übereinstimmung der 
Arbeit von neuem darthut. 

P. J. Meier hat an der verschiedenen Relieferhebung des 
kleineren Triton- imd des Hydragiebels Anstoss genommen 2. 
Auch bei den grossen Giebeln findet sich ein solcher Unter- 
schied: der Typhongiebel hat 42, der Tritongiebel über 60 cm 
Relieferhebung. Wer von diesem Unterschied ausgehend die 
Giebelpaare von einander reissen wollte, würde zu der absur- 
den Annahme geführt, dass von vier Gebäuden je ein Giebel 
gänzlich verschwunden und der andere vortrefflich erhalten 
sei. Vielmehr gewinnen wir aus der zwiefachen Wiederkehr 
ungleichen Reliefs die feste Überzeugung von der paarweisen 
Zusammengehörigkeit der Giebel und zwar um so mehr, als 



' Heyflemann, Vasensammlungen zu Neapel, SIg. Santangelo ITC, ahget). 
Gertiard, Akademische Abhandlungen Taf. 68, 1. 2. 
2 Athen. MiUheilungen 1885 S. 327; vgl. Siudniczka i88r3 S. 61. 



■1-20 POROSSKULPTÜREN AUF DER AKROPOLIS 

sich die Unterschiede in beiden Fällen je aus der Aufgabe 
heraus ergeben. 

Man kann Bedenken tragen, die beiden grossen Giebel noch 
als Reliefs zu bezeichnen, ^^^enio;stens trifft die Definition des 
Reliefs • Darstellung auf der Fläche mittelst Bewegung der 
Fläche' nicht mehr auf dieselben zu. und die Arbeit ist so ge- 
macht, dass der Beschauer den Eindruck statuarischer Werke 
erhalten musste. Im Tritongiebel löst sich der Leib des Meer- 
dämon so weit vom Grunde los, dass seine Verbindung mit 
ihm an keiner Stelle sichtbar war. Und wie der Tritonleib und 
wie der des Herakles, so konnten auch ihre Arme in statua- 
rischer Gruppe nicht runder und freier gebildet werden. Denn 
wenn auch der mangelhafte Erhaltuns-szustand der Brust des 
Triton den Schluss auf eine ehemalige Verbinduno; der rino-en- 

~ OD 

den Arme mit dem Leibe noch erlauben würde, so liefern doch 
die Bruchstücke der Arme und Hände selbst den Beweis, dass 
sie freigearbeitet waren und also die Vorstellung von statua- 
rischen Gruppen noch verstärkten. Vor allem musste jedoch 
dieser Gedanke bei den Giebelzwickeln entstehen. Es ist nicht 
in den bisherigen Abbildungen, wol aber an den Originalen 
deutlich zu erkennen, wie gegen die Enden zu die Schlangen- 
körper immer mehr zum vorderen Rand des Giebelfeldes vor- 
üezooen sind: notwendiüerweise. denn im Hintergründe wä- 
ren sie niemals gesehen worden. Da hat sich denn der Bild- 
hauer um den Reliefgrund nicht mehr gekümmert, sondern 
hat je von der Stelle an, wo die Windungen der Tierleiber 
zum letzten Male über einander liegen, den Leib völlig frei 
und rund ausijearbeitet. Aber veri>eo;enwärtio;t man sich den 
Anblick der vollständigen Giebel, so muss der Umstand der 
völligen Loslösung an den beiden Enden, der weite Raum, 
der hier die Giebelwand von dem Bildwerk trennte, gradezu 
den Sachverhalt verdeckt haben, nach welchem Giebelwand 
und Skulpturen zum allergrössten Teile eins waren. So wirkte 
die Fläche, von welcher sich technisch genommen die Relief- 
figuren erheben, nidil wie die Grundfläche des Reliefs, son- 
dern nur als die \on der Architektur geforderte Giebel wand. 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS V2l 

Also wenn wir diese Bildwerke noch als Reliefs bezeichnen, 
so ist das nicht eigentlich in der Absicht ihres Künstlers be- 
gründet, sondern allein in dem Umstände, dass zu Skulptur 
und Architektur hier noch derselbe Stein verwendet worden 
ist. Es ist nur ein kleiner Schritt, die Skulpturen von der Gie- 
belwand abzulösen und aus kostbarerem Material als Statuen 
davor aufzustellen, so wie es in Athen bereits am Marmor- 
giebel des pisistratischen Athenatempels geschehen ist : wenn 
auch dieses vielleicht nicht das älteste Beispiel für statuari- 
schen Schmuck im Giebel war: denn wenn Purgold 'sVermutung 
über die Giebel des Heräon in Olympia das Richtige träfe ', 
so wäre es möglich, dass bereits dem Meister unserer Giebel 
ein ähnliches Werk vor Augen war. 

Der Absicht scheinbar statuarischer Bildung wurde im Tri- 
tono-iebel ein Relief von unoefähr 60 cm Erhebuni;- gerecht; 
in diese durch Herakles und Triton bedingte Reliefhöhe wird 
sich der Rekrops bequem eingefügt haben. Anders aber lagen 
die Verhältnisse im Typhongiebel. Die drei Körper des Ty- 
phon nebeneinander dem Zeus entgegen zu stellen wäre auch 
in einem grösseren Giebelfelde ohne Verkürzung nicht aus- 
führbar gewesen. Mit einem bei der Altertümlichkeit des Wer- 
kes der Hervorhebung werten Geschick hat der Meister den 
einen Körper abgelöst und mehr von vorn gebildet, wodurch 
er die Reliefhöhe der Gruppe minderte; immerhin bedurfte er 
für die beiden übrig bleibenden Körper einer beträchtlichen 
Verkürzung um sie in den Giebel einzupassen. Indessen bleibt 
diese Verkürzung noch weit von derjenigen entfernt, welche 
wir auf einer Relieffläche zu sehen gewohnt sind, und da die 
zuvorderst liegenden Teile und sämmtliche Arme ganz rund 
gearbeitet sind, so wirkte auch diese Gruppe wie eine freie 
Skulptur. Den Typhon im Giebel darzustellen war eine ganz 
ähnliche Aufgabe wie am Ostgiebel des Zeustempels von Olym- 
pia die Wiedergabe der Viergespanne, auch dort hat der Bild- 
hauer zu dem Mittel ^reifen müssen, die der AVand zunächst 



' ArcliäolüKiscIier Anzeiger 1889 S. 12. 



122 POROSSKULPTUREN' AUF DER AKROPOLIS 

stehenden Pferde reliefarüg zu verkürzen und doch bleibt das 
Ganze eine statuarische Gruppe. Dass nun der Meister des 
Typhongiebels den Typhon trotz seiner drei Leiber nicht so 
hoch ^Yie den Tritongiebel sondern nur bis zu der Höhe von 
42 cm ausarbeitete, liegt an den besonderen Beschränkungen, 
Avelche dem Künstler hier auferlegt ^^aren. Den Tritongiebel 
füllen die beiden Fabelwesen und die liegende Gestalt des He- 
rakles, bei allen drei Figuren vN-ar die Anwendung kolossaler 
Verhältnisse innerhalb des gegebenen Raumes möglich, wäh- 
rend die beiden aufrechten menschlichen Körper des Typhon- 
giebels in ihrer Höhe und damit zugleich in ihrer Breite be- 
schränkt waren. Gesetzt man hätte Typhon und Echidna in 
einem ebenso hohen Relief wie Triton und Herakles gearbei- 
tet, was wäre die Folge für die übrigen Figuren des Giebels 
gewesen ? Da diese in ihrer Höhe beschränkt sich nicht kräfti- 
ger hätten entwickeln können, so wäre der Gegensatz zu der 
Masse ihrer Gegner nur noch schärfer, der Sieg der Götter nur 
noch unwahrscheinlicher geworden. Man hätte die Körper der 
Götter von der \\"and abrücken müssen, mit welcher sie nur 
durch schmale Stege hätten verbunden bleiben können. Viel- 
mehr gab für den Meister, welcher ein Relief schaffen wollte, 
in dem alle Gestalten in voller Körperlichkeit erschienen, die 
Schulterbreite des Zeus das natürlichste und beste Maass für 
die Höhe des Reliefs ab. Denn dass er auch Herakles und Zeus 
in statuarischer Freiheit gebildet hat, lehren die erhaltenen 
Reste ; vor allem dass er bis auf den Grund ohne reliefartige 
Verkürzung gearbeitet hat, beweist der linke Arm und die 
linke Hand des Zeus, welche beide rund und voll an der Gie- 
belwand ansitzen bezüglich ansassen. Durch die freie Bildung 
der Laufenden entstand hier dasselbe Problem wie bei der Nike 
von Delos und man möchte gern wissen, wie unser Meister 
die grossen Schwierigkeiten überwunden hat, welche ihm na- 
mentlich die im Vordergrunde befindliche rechte Seite des 
Zeus bereiten musste. Bei der Lösung der Aufgabe wird das 
ausgebildete Anstückungssystem und der Bleiverguss eine grosse 
Rolle gespielt haben. Der Blitz, an welchem die bearbeitete 



POnOSSKULl'TUREN AUF DER AKROPOLIS 123 

Rückfläche beweist dass er iiiclil an der Giebelwand ansass, 
sondern frei schwebte, inuss am oberen Gcison befestigt ge- 
wesen sein. 

Ahnliche VerhäUnisse zwangen aucli bei den kleinen Gie- 
beln zu verschiedener Relieferhebung. Die breit auf der Grund- 
fläche aufsitzenden K()rper des Triton und Herakles luden zu 
einer rundlichen Bildung ein, und so sind sie bis zu einer 
Höhe von 20 cm ausgearbeitet worden. Aber im Ilydragiebel 
konnte eine gleiche Relieftiefe an den Gliedniaassen des Hera- 
kles, bei den Beinen der Pferde, bei dem Rade des Wagens, 
kurz auf der ganzen linken Seite, ja auch auf der rechten bei 
den Köpfen der Schlange nicht ausgenutzt werden, ohne dass 
plumpe Massen in Verbindung mit dem eben verlaufenden 
Grunde des Giebelfeldes stehen blieben. Da ausserdem die hier 
verwendete Sorte Kalkstein so hicheria; ist, dass die verbin- 
denden Teile keinesfalls als schmale Stege gebildet werden 
konnten, so verstehen wir es vollkommen, weshalb der Bild- 
hauer, der am Tritongiebel eine höhere Reliefbildung bevor- 
zugt hatte, hier die Anwendung des flachesten Reliefs (3- 4cm) 
für gut befand. Die Verschiedenheit des Eindruckes, welche 
entstehen musste, scheint er durch eine um so lebbaftere und 
abwechselungsvollere Färbung des llydragiebels ausgeglichen 
zu haben. 

Der Hydragiebel auf der einen, die beiden grossen Giebel 
auf der andern Seite stellen die beiden Extreme des Reliefs 
überhaupt dar und beide Extreme gehören ausser allem Zwei- 
fel im Wesentlichen einer und derselben Epoche an. Die atti- 
schen Bildhauer vom Anfang des sechsten Jahrhunderts ver- 
fügen also bereits über zwei Reliefarten : über das Flachrelief, 
dessen Vorbild das Gemälde auf der Fläche ist, und über das 
statuarische Relief, bei dessen Arbeit die freie Statue vor- 
schwebt'. Es ist geraten gegenüber der Rohheit und der ober- 
flächlichen Auffassung der meisten F'ormen in diesen Reliefs, 



^ Vgl. Koepp, Der Ursprung dos Hochroliofs beiden Griechen, Jahrbuch 
1887 S. 118. 



124 POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 

sich bewusst zu werden, mit welcher Schärfe und Reinheit 
das Besondere jedes der beiden Reiiefstile bis in alle Einzel- 
heiten hinein beobachtet und durchgeführt ist. Ein Beispiel 
mag hier genügen um zu zeigen, wie sehr nicht allein die Mo- 
dellirung sondern auch die Zeichnung und ganze Composition 
verschieden war für diese Künstler, je nachdem sie im Stile 
des Flachreliefs oder des statuarischen arbeiteten. Am Hera- 
kles, welcher nach der Seite gerichtet die Keule gegen die 
Hydra schwingt, ist die Brust genau von vorn gegeben, so wie 
auf den gleichzeitigen Vasenbildern und noch bis zum Krater 
des Euphronios, an den Typhonkörpern aber erscheint die 
Brust ganz natürlich gestellt, das eine Mal genau von der Seite, 
das andere Mal in Dreiviertelansicht. 

Die grossen Giebel siud nur rund 2 '/o Meter länger als die 
kleinen, und doch welch bedeutender Unterschied in der Höhe 
des Reliefs! Wie anders, wie viel kräftiger müssen im Ein- 
klang mit dem tiefen Giebelfeld die Formen des Gebäudes ge- 
wirkt haben, welches die grossen Giebel an seinen Stirnen 
trug! Wir würden vor einem Rätsel stehen, wenn nicht Dörp- 
feld's Erklärung des linken Endstückes vom Triton zur Lösung 
verhülfe. Wenn das Auflager, welches unter der Schwanz- 
flosse des Triton in einer Höhe von 0,22 angearbeitet ist, die 
Basis der Skulpturen war und innerhalb des Giebelfeldes lag, 
so folgt daraus, dass der Giebel des Gebäudes nicht 1 Meter 
Höhe besass sondern 1,22 und dass seine Länge nicht nur 8,50 
betrug, sondern die Strecke jederseits hinzugerechnet, welche 
der Giebelwinkel von 13" braucht, um sich zur Höhe von 0,22 
zu erheben, rund 10,50 m. Rechnet man hierzu die Ablauf- 
breite des schrägen Geison, welches auf beiden Seiten den Gie- 
bel einrahmte, so wäre ungefähr 12 Yo- 13 Meter die Breite 
des Gebäudes, welches unsere Giebel schmückten. Die allein 
bisher nachgewiesenen Fundamente des ältesten, des von Pisi- 
stratus angelegten Säulenumganges noch entbehrenden Athe- 
natempels besitzen eine Breite von 14 Metern ^ Der Tempel 

^ Siehe Dörpfeld, Athen. Mitlheilungen 1886 6. 344 IT. Anlike Denkmäler 
1886 Taf. 2, 



POROSSKULPTUREN AUF DER AKROPOLIS 125 

selbst musste über dem Stylobat gut einen Meter schmaler 
sein. Typbon- und Tritongiebel haben also zu einem Gebäude 
von derselben Ausdehnung wie der älteste Athenatempel der 
Büro; 2;ehört. Die so entstehende Mönlichkeit Nvill ich nicht 
positiv aussprechen, so lange für die mit ihr entstehenden 
Rätsel noch keine befriedigende Lösung gefunden ist. Diese 
wird vornehmlich von der Sichtung der Architekturfragmente 
auf der Büro- zu erwarten sein. Bis dahin ist es auch üui. die 
Antwort auf die Frage zu verschieben, ob aus den Gegenstän- 
den der Giebel heraus auf einen Tempel des Herakles ge- 
schlossen werden darf. 

Athen, März 1890. 

ALFRED BRUECKNER. 



ZUR STATUE DES ANTENOR 

Als Studniczka ( Jahrbuch II S. 135 ff.) eine der bei den 
Ausgrabungen auf der Akropolis gefundenen archaischen weib- 
iiclien Statuen als zu der ebendaher stammenden Basis mit 
der Künstlerinschrift desAntenor zugehörig bezeichnete, glaub- 
te man damit einen sicheren Ausgangspunkt für die Ge- 
schichte der attischen Plastik in der Zeit vor den Perserkriegen 
gefunden zu haben. Zwar erhob sich bald nachher {Bidlder 
1888 S. 261) von Seiten eines ungenannten Berichterstatters 
Widerspruch ; allein als Wolters durch den Fund eines neuen 
Fragmentes das Fusstück, von dem Studniczka ausgegangen 
war, mit der Statue unmittelbar vereinigt hatte, schien die Frage 
damit endgültig erledigt. (Vgl. Athen. Mittheilungen 1888 
S. 226). 

Kürzlich hat nun E. Gardner {Journal of hell, studies X 
S. 278 ff.) von neuem und mit sehr beachtenswerten Argu- 
menten sich gegen die Zusammengehörigkeit von Basis und 
Statue ausgesprochen : die Wichtigkeit des Gegenstandes war 
Anlass zu einer neuerlichen, gemeinsamen Untersucliung, de- 
ren Resultat ich im Folgenden kurz darlegen will'. 



' Da die Zeichnungen in Studniczka's Aufsalz, weil blos sciiematisch, nicht 
ausreichen, habe ich selbst vor dem Original mit Benutzung eines Gipsab- 
gusses der Plinlhe und der Oberseite der Basisplatle den Aufriss und Quer- 
schnill Fig. I und 2 im Maasslabe 1: 10 angefertigt: doch sind die Angaben 
über die Einzapfung des Schaftes in die Basisplatte von Studniczka über- 
nommen, da am Original eine Untersuchung unmöglich ist, und der Gipsab- 
guss nur die Oberseite wiedergibt. Dabei ist in Fig. 1. Bruch mit unter- 
brochener SchrafTuung, die nicht von Teilen der Figur bedeckte glatte Ober- 
fläche der Plinthe punktirt angegeben; mit punklirten Linien sind die Um- 
risse der Füsse, das Loch in der Plinthe {b) und die beiden Löcher in der 
Basisplatte angedeutet. In Fig. 2. sind durchschnittene Teile einfach, der 
vorauszusetzende Bleiverguss doppelt schraflirt. 



ZUR STATUE DES ANTENOR 



127 



Die Gründe, welche Sliulniczka und Wolters für ihre An- 
nahme vorgebracht hatten sind : Grösse der Basisplatte, Über- 
einstimmuno- derselben mit der Plinthe in Form und Tiefe 




Fig. 1. 

des Ausschnittes, sowie in Grösse nnd Stellung der vertikalen 
Dübellöcher. 

r 




Fig. 2. 



Dagegen führt Gardner Folgendes aus : die ersten drei Ar- 
gumente entbehrten jeder strengen Beweiskraft, da sowohl 
Statuen als Basen der verschiedensten Grösse und Form sich 



■128 ZUR STATUE DES ANTENOR 

»efunden hätten, Übereinstimmuno; in der Dicke der Plintlie 
und Tiefe des Einsatzloches nachweisbar in mehreren Fällen 
nicht vorhanden sei. Auch die "leiche Grösse der vertikalen 
Dübellöcher sei belanglos, da dieselbe überhaupt kaum gros- 
sem Wechsel unterworfen sein könne. Die Stellung der bei- 
den Löcher hingegen spreche geradezu gegen die Zusammen- 
gehörigkeit : stelle man nämlich im Gipsabgüsse das Fusstück 
so in den Basisausschnitt, dass die beiden Löclier [a und Z*) genau 
übereinander zu stellen kämen, und ein Dübel durch beide ge- 
steckt werden könne, so ergebe sich, dass für Füsse von einer 
Länge, wie sie die Dimensionen der Statue verlano;en. kein Raum 
sei. So sei denn auch thatsäclüich bei der Aufstelluns; der Statue 
im Akropolismuseum die Plinthe um 1 ,5 Zoll weiter nach rück- 
wärts geschoben worden, als die beiden Dübellöcher gestatte- 
ten. Demnach könne die Zusammensehöriokeit von Basis und 
Statue nicht länger als sicher hingestellt werden: für geradezu 
unmöglich wolle er sie damit allerdings noch nicht erklären. 

Man sieht, dass das Hauptgewicht auf dem letzten Punkte 
liegt: die ganze Argumentation aber ruht auf einer Voraus- 
setzung , dass nämlich die beiden vertikalen Löcher in der 
That zur Aufnahme eines gemeinsamen, sie untereinander und 
mit dem Schafte verbindenden Dübels bestimmt waren. An 
der Richtigkeit der Beobachtung bezüglich der Füsse kann ein 
Zweifel nicht obwalten : stellt sich auch diese Voraussetzung 
als begründet heraus, so kann fernerhin von Zusammengehö- 
rigkeit der Statue und der Basis nicht die Rede sein. 

Jene Voraussetzung lässt sich aber aus technischen Gründen 
als unzutreffend nachweisen. War ein solcher Dübel vorhan- 
den, so konnte er nur den Zweck haben, eine feste Verbindung 
zwischen Statue, Basisplatte und Schaft herzustellen. Nun ist 
erstens, wie der Längschnitt Fig. 2 zeigt, das Stück desselben, 
welches in der Statue Platz finden könnte, kaum 4 cm lang, 
zudem an der schwächsten Stelle der Plinthe anorebracht; ein 
Stück Eisen oder Bronze von 1,5 cm Dicke und 4 cm Länge 
konnte unmöglich einer Statue von über Lebensgrösse irgend- 



zun STATUE DES ANTENOR 1?9 

welchen Halt gewähren: (laiur war Bleixerguss nötig, den wir 
auch in reichem Maasse angewendet finden. 

Zweitens hleihl hei dieser Annaiinu! Nullsländig unerklärt, 
warum man nicht einlach den Plinthenausschnilt juil dem 
Zapfenloch für den Sciiaft durch das Dühelloch \erhand, son- 
dern noch eine weitere Ausliöhlung auf der Oherseite anhrachle, 
welche die Festigkeit der X'erhindung wesentlich heeinträchti- 
gen musste ^ . 

Drittens endlich, und das entscheidet, hätte ein derartiger 
Dühel das Loch hei a vollständig ausgefüllt, jede Verhindung 
des Zapfloches mit der Oberseite aufgehoben, d. h. den Ver- 
guss des Zapfens, der nur von oben erfolgen konnte, unmög- 
lich gemacht. Aus diesen drei Gründen, glaube ich. muss von 
der Annahme eines gemeinsamen Dübels völlig abgesehen wer- 
den : damit ist Gardner's Hauptargument hinfällig geworden; 
es handelt sich jetzt darum, den Thatbestand zu erklären und 
weiter zu untersuchen, wde sich damit die Annahme der Zu- 
sammengehörigkeit von Statue und Basis verträgt. 

Die Erkläruncr des Sachverhaltes ist eigentlich durch das 
eben Gesagte bereits gegeben : das senkrechte Loch in der Ba- 
sisplatte (rt) kann nur dem Zwecke dienen, den Verguss des 
Zapfens in der Platte von oben zu ermöglichen. 

Dass dem wirklich so ist, dass man thatsächlich den Ver- 
guss des Zapfens in der Basisplatte durch so enge Kanäle her- 
gestellt hat -, das beweisen die noch jetzt an einer Beihe von 
Basen vorhandenen Einarbeitungen: ich will hier nur auf 
zw ei zugleich genau zutreffende und leicht zugängliche Beispiele 



^ Etwa an einen Holzdübel zu denken ist unmöglich : die innere Bear- 
beitung des Loches— es ist unregelmässig, läuft nach unten allmählich zu 
und ist überall rauh bearbeitet — zeigt zur Genüge, dass es zur Aufnahme 
eines Holzdübels nicht bestimmt war. Auch wäre ein solcher ganz über- 
flüssig, ja schädlich gewesen, da durch das unvermeidliche Eintrocknen des 
Holzes die feste Verbindung notwendig im Laufe der Zeit vollständig auf- 
gehoben werden musste. 

2 Dies hat schon Borrmann Jahrbuch III S. 283 angenommen, ohne al)er 
auf die Anlenorbasis speziell Bezug zu nehmen. 

ATHEN, MITTHEILUNQEN X\. 9 



130 ZUR STATUE DES ANTENOR 

verweisen, welche R. Borrmann in Jahrbuch III S. 272 Fig. 
6 und S. 271 Fig. 13 und 13 <7 veröffentlicht hat; lehrreich 
ist auch die Säule mit der Inschrift des Euenor ebenda S. 273 
Fig. 9, an welcher über der Bleihaube noch 7 cm hoch die 
Füllung des Kanals erhalten ist. Durch diese Annahme erklärt 
sich auch die Erweiterung des angeblichen Dübelloches nach 
oben, die offenbar den Verguss erleichtern sollte. In manchen 
Fällen fand nun der Verguss des Schaftes und der Statue auf 
einmal von oben statt : dann finden sich am Grunde des Plin- 
thenausschnittes eine oder mehrere vertiefte Rinnen , durch 
welche das Blei vom Rande der Mitte zugeleitet wurde (so 
beispielsweise a. 0. Fig. G ; vier solche Rinnen besass, wie 
die Erhabenheiten des erhaltenen Vergusses lehren, das Kapi- 
tell zu Fig. 9. a. 0.). In unserem Falle fehlen solche, der Ver- 
guss hat also getrennt Statt gefunden: auch dafür lässt sich, 
so wenig die Thatsache an sich einer Erkläi'ung bedarf, ein 
spezieller Grund angeben. Das 4 cm tiefe Loch in der Plinthe 
setzt ja auf alle Fälle einen in dasselbe eingreifenden Dübel 
voraus, der allerdings niclit zur Befestigung dienen konnte. 
Vielmehr war der Zweck offenbar der, einen festen Punkt in 
der Basis zu haben, auf den die Figur beim Einlassen von oben 
herab hingeleitet, und um den sie erforderlichen Falles ein we- 
nig gedreht werden konnte, um sie genau in Vorderansieht zu 
bringen'. Die Anbringung eines solchen Dübels schloss aber 
den gleichzeitigen Verguss von Schaft und Statue von vornher- 
ein aus. 

Der ganze Hergang stellt sich also ungefähr folgendermassen 
dar. Nach Herstellung der Vertiefungen für Schaft und Plin- 
the, des Gusskanales und seiner Erweiterung nach oben wur- 
den zunächst Schaft und Basisplatte vergossen. Gleichzeitig 
wurde ein vorstehender Stift — dessen Platz durch Zirkelschlag 
genau zu bestimmen war — in der oberen Erweiterung des 



^ Ebeiulemselbeii Zwecke dienten auch die Dübel in den Säulentroninieln 
2. B. des I^arLhenoii, avo eine solche Festlegung des Millel|)unkles heim 
gegenseitigen Abschleifen der Trommeln notwendig war. 



ZUR STATUE DES ANTENOR 131 

Gusskanales mit eingngossen. Auf diesen wurde die Statue ein- 
gelassen, durch kleine Drehungen in die gewünschte Lage ge- 
bracht und schliesslich durch den zweiten Bleiverguss der Auf- 
bau des AnathcTiis \oUendet. 

Betrachten wir von dieser aus rein technischen Erwägungen 
abgeleiteten Anschauung aus noch einmal die Frage der Zu- 
gehörigkeit, so ergibt sich als IIaupti)edingung die Möglich- 
keit, die Statue so aufzustellen, dass der für das Loch in der 
Plinthe bestimmte Dübel innerhalb der oberen Erweiterung 
Platz findet, andererseits der Plinthenausschnitt für die Füsse 
der Statue genügend Raum gewiihrt. Dass und wie dies mög- 
lich ist. zeigen die beigegebenen Abbildungen : man ersieht 
daraus, dass für eine passende Ergänzung der Füsse genügend 
Raum ist, ohne dass man gezwungen wäre den Dübel bis an 
den hintersten Rand des Loches zu rücken : es bleibt auch 
noch die Freiheit, die ganze Figur etwas nach rechts auf der 
Basis zu yerschieben. Allerdings ist das scheinbar schlagendste 
Argument, die Übereinanderstellung beider Dübellöcher da- 
mit in Wegfall gekommen, aber dies hatte sich ja als trüge- 
riscli von vornherein erwiesen : andererseits ist aber auch Gard- 
ner's Schlussfolgerungen in dem Hauptpunkte der Boden ent- 
zogen worden. Es fragt sich also nun, wie viel man den übri- 
gen Gründen Beweiskraft zuerkennen kann. Und hierin scheint 
Gardner doch etwas zu skeptisch zu sein : mögen auch die ein- 
zelnen Thatsachen für sich keine besondere Bedeutung bean- 
spruchen können, in ihrer Vereinigung sprechen sie durchaus 
zu Gunsten von Studniczka's Hypothese. Besonders muss die 
Übereinstimmung in der Form der Plinthe und des Anschnit- 
tes betont werden : eine Durchmusterung des vorhandenen Ma- 
teriales zeigt die grösste Mannigfaltigkeit in diesem Punkte, 
ohne dass es doch gelänge einen der Plinthe entsprechenden 
Ausschnitt in einer Basisplatte ausfindig zu machen, während 
Plinthenumriss und Ausschnitt hier sich in auffälliger M>ise 
zusammenfügen, wie unsere Abbildung zeigt. Und man muss 
eingestehen, dass solch ein Plinthenumriss etwas weit indivi- 
duelleres ist als etwa die Plinthendicke. etwas so individuel- 



132 ZUR STATUE DES ANTENOR 

les, dass die zufällige Übereinstimmung zweier nicht wirklich 
zusammengehöriger Stücke in diesem Punkte zu den unwahr- 
scheinlichen Möglichkeiten gerechnet werden muss. Noch eine 
Einzelheit wird sich vielleicht für die Zusammengehörigkeit 
anführen lassen : während der [untere Teil des Gusskanales 
genau in der Mitte des Basisviereckes steht, ist seine obere 
Erweiterung ursprünglich zwar ebenfalls in der Mitte angelegt, 
später aber, (wie man aus der Zeichnung, besser noch aus der 
Art der Arbeit am Abgüsse sehen kann) um ungefähr 1 cm 
nach rückwärts erweitert worden. Genau in derselben Rich- 
tung aber muss nach unserer Annahme der Aufstellung der 
Dübel über den Mittelpunkt hinausgeschoben werden. 

In Anbetracht aller dieser Argumente wird man, glaube ich, 
mit Recht auch fernerhin, wenn auch nicht mit absoluter Sicher- 
heit, von der Statue des Antenor reden und sie in kunstge- 
schichtlichen Combinationen verwerten dürfen. 

Athen, März 1890. 

R. HEBERDEY. 



MISCELLEN 
Inscliriften von llion. 

In der Ausgrabung auf der Nordwestseite der Pergamos 
wurden in etwa 1 '" Tiefe zwei Bruchstücke von marmornen 
Stelen mit Inschriften gefunden. Das eine derselben ist ü"',10 
lang, 0"\08 breit, 0"',Ü5 dick und hat: 

A A Y T Q 
M Y H O M T A 
£ P I M E A E I A 
^ I M K A I Y n 
TYMKEXnPT}/-.. 
I ^ T H N E 

Das andere Bruchstück ist 0'",14 lang, 0"',13 breit, 0'»,06 
dick und trägt die Inschrift : 

A O Z ü N K A I 
K A I Z T H Z A I 
ATOYAEYKOY 
TAIEMTniSTA 
;NBAZIAE^2 
ßaciAEnZAEITHM 
A M A r r E A 1 

D A 

Rechts ist der alte Rand erhalten. 

Troja, 7 April 1890. 

HEINRICH SCHLIEMANN. 



134 MISCELLEN 

'EtxiyP^-^'^ 'C"?i? v/]a&ij Ntaupo'j. 

'Errt [xap[xapo'J TTpoyY'^^^'J sOpsOivxo? £v T'J^ vy/Tco Nicupco £YX,£yj5c- 
py/z-Tai tö £7ü6[xevov c|/7]ipi<7jj,a (IlpßX. ttjv £(priij-£piSa 'A[X7.X0cia 1887 
ap. 3950, /.ai K(i)v(7TavTivou7CoXt<; 1887 ocp. 19)'. 

rNnMAroPANAnpoeEOY 

NEI2YPION 
ZTPATEYZAMENONENTPIHMIOAIAAO 
NOMAEYANAPIA2EBA2:TAKAI2:TE0ANn 
eENTAYnOTANBOYAANÜAEONAKIZXPY 
ZE0IZ2TE(1)AN0I2KAIIEPATEYZANTAENNI2:Y 
PnTQNSEBAZTQNTAMlOYHrHSANTAKAl 
TYMNAZIAPXHZANTAENNlZYPQKAieEN 
TATOEAAlONÜAZIEAEYeEPOIZKAITOIZKATOI 
KOYZIENNEIZYPnKAITOIsnAPEniAAMEY 
ZINEniMHNEZIKAITENOMENONEYAPE 
ZTONnA2ITOIZKOINEIOIZTOIZENNI2YPn 
KAIZTE(l)ANOeENTAYnOEPMAIZONTnNX 
PY2E015:ZTE(t)ANOIZKAIYnOA(l)PO 
AYZIAZTANZYPnNKAlYÜOAlOSMlAIXIASTAN 
...TlMAeENTAYnOAYTÜNKAI2TE(l)ANneEN 

2IAZTANKY...AinNTnNZYN 

rv(i){7-ay6pav AwpoOsou Nsi^r'jp'.ov, CTpaTSu^Äp-svov iv TpiviaioXia 
a ovo[;.a. «EüavSpix SeSaaTo,)) xat CTScpavwÖevTOt Ü7;ö tXv ßo'jlav 
77X£0va./.t<; yp'j(7£0i(; crTSipxvot? xai lepaTSOTavTa iv Niaupco twv Se- 
€a<7T(I)V, Txjj.ioij '/ly/iTavTa [oder etwa SafA'.o'jpyricravTa?] y-oci yu^.va.- 
<7t!xpj(^7)'7avTX £v NtGopw xxi OsvTX TO 'CkoL'.o^ T^otai. eXsuOspoK; y.ai 
Tot? xaTOUOuci £v NsiTupcp y.oLi TOi; TirapsTüiSau-Euciv sTii [A7iv((x)(; I' 

Xai y£v6[^-£V0V £U5Cp£'7T0V 7:2(71 TO?? /.0'.V£i0'.(; TOl(; £V Nt(7'jpO) /.ai '7T£- 

(pocvoO£VTOc. üttö 'Ep;7-ai"C6vT(i)v yp'j<7£0'.? TTEcpxvoi? xa.1 0770 'A'ppoo(r.)- 
TiacTTÄV S'jpcov x,a'. Otto AiOfTixiliytoccTTzv [/.ai] Tt'j.aOsvTO. ütto aöröv 
x.7.i '7T£'pav(i)G£v[Ta Otüo 'ArppoS'-l'jia'TTÄv K'j[pYiv]at(i)v twv ct'jv... 

AAE3ANAP0S EMM. KONTOAEÜN. 



[Auch im nXaiwv X 1888 S. 361 ist eine Umschrift mitgeteilt.] 



MiSCELLEN 135 

Litte rat u 1'. 

A. I. OlKONOMOnOTAOr, 'A>.£Eav^pivö(; ^r/x.ocjy.oc y^to'. -iva/.s; 
ToJv £v 'AXs^avSpeiz äx.aa'77.vT(jJv 'E)Jr,vcov x,al 'EaAy;V'.'7töjv. I, 2. 
Athen 1889. Gescliiclite und Ikonographie der I^aiiidcn und 
sonstigen Machtliaher. Vgl. oben XIV S. 324. 

np6/£'.co? 6Sr,yöc Stx tov S7:\r:y,i-ZT7]V rr,q AKPOnOAEQS y.xl toi) 
Mo'jTsio'j yJjxr,<;, asTÖ, TO-OYpa(p'./.oC; g/sSiou. Athen, 1889. 

ÜPAKTIKA TT,; iv 'AOr^vai? ' A^yy^olo^vAr,!; 'Era-pioc? too Ito-j? 



'Hj^-spoXoywv x.7.i öSr^yö? TTTi; Smypnhs. 1890. (Darin S. 107 
G. Weber, KoIoggiolIov xyxlu.y. il 'E^eco-j. S. 223 A. E. Kov- 
To).£(ov, Mou'Tsiov x.7.i ß'-^XioGv)/.-/) EuayysX'.//?,!; SyoXv;;). 

Aeation t-?,; iTTop'./,'?,? y.a'. £9vo7.oy'.-/,rj; £Taipi3C<; ty5? 'E>.Xa.So;. 
Heft 9 (:=:III. 1). Xpt(7Ttavi>cai 'Aöyivoc'. utto T. A. NspouT'TO'j. — 
NixoXaou TTaTpiapj^ou K(i)v«7TavTivouT;6>>£(o; ItüicttoV)) xpo? tov 'Aarj- 
pzv T'?,; Kp'/iTr,; Otto I. ZIax/i£Xi(ovo;. — 'H [j.ovy; toO K'jvrr,'0'j tcüv 
(pi^oco'pwv u-0 I. — Tp'jy6(pc;y.Y]. — Eüp'/iTYipiov xoul IlpoXoyoi tt;; Ba- 
■/.T'/ipta«; TüJv oL^yizpioi^ OtwO A. F. Mo(A<pspp3CTO'j. — Ilfipi tivwv M-/]- 
Tpo— o^iTöv 'A7:a.[/.£ia? (BiO'jvta?) ut^o T. E. Eüayy£Xioo'j. 

0. nOATKPATOTS, A{ iv Kwpw-iw äpyxtOT'/^Ts; -/.at r, 6vo{J!.a«jta 
TOO x^pto'j. Athen. 1889. 

n. KapOAIAOT, ÜTpx^wvo; yewypao'.x.wv tx 7:£p'. M'.yipX«; 'Acrta?. 
Meto. '7'/;;j.£'.(i)G£(ov £oy//iv£'jT'.x.ä>v. 

r. n. KPEMOr, 'lEpoT'jXot ToO Ü'jOoi i£pov y,y.l l£poi 7r6),cy.O',. 

A. MhaiapakH , 'NiosXk'ri^iy.Ti y£wypa(pr/.7} (p'.XoT^oyia, -/^toi v.x-x- 
Xoyoi; Töv ÄtüÖ toO 1800-1889 yswypacp'/iOEVTwv u-ö "E^^Vovwv. 



136 MISCELLEN 

Sitzungsprotokolle. 

8. Januar 1890. W. Doi:ki'i i:li) legt vor V. Laloux und P. 
Monceaux, Restauration cVOlympie, A. E. Haigh, The attic 
theatre. — B. Sauer, Zur Nike von Delos [s. unten]. — R. 
Heberdey, Arcliaisclie Reliefs aus TJiessalien [s. unten]. 

22. Januar 1890. P. Wolters, Zur prähistorischen Kul- 
tur der Kykladen [s. unten]. — A. Brueckner , Hauser's neu- 
attische Reliefs. — B. Sauer, Koratypen [s. 'E(pr,|7.£pt? ap/aio- 
XoYi/.-io]. 

5. Februar 1890. H. G. Lolling, Politische Beziehungen 
Athens zu Sicilien vor dem peloponnesischen Kriege [s. AeX- 
Tiov 1890]. — R. Heberdey, Pausanias und der Einfall der 
Kostoboker in Griechenland [s. Archäologisch -epigraphische 
Mittheilungen]. — A. Brueck\er , Der Heros Keramos[s. un- 
ten]. 

19. Februar 1890. I. N. Svoroxos, Numismatische Ana- 
lekten [s. 'E9r,[j.£pi? ap/aioT^oyDi-o 18891. 

5. März 1890. W. Doerpfeld , Architektonisches aus Cy- 
pern. — D. Philios , Ausgrabungen in Megara [s. 'E^r^ij.epi; 
äp/aioXoyt/.v] 18891. 

19. März 1890. A.Wilhelm, Ionische Schrift in attischen 
Staatsurkunden vor Euklid [s. unten]. — B. Sauer, Der Ost- 
fries des Niketempels. 

2. April. 1890. P.Wolters, Melische Kultstatuen [s. un- 
ten]. — B. Sauer. Der Ostgiebel des Parthenon [s. unten]. 



April 1890. 







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-'•TÄ-W if 



VON KARL WILBERG IN ATHEN 

sind zu beziehen : 



Mittheilungen des Deutschen archaeologischen Institutes 
in Athen. Jahrgang I-X. Preis des Jahrganges 15 Mark. 

Das Kuppeigrah hei Menidi, herausgegeben vom Deutschen 
archäologischen Institute in Athen. Atlien 1880. 56 S. 4" 
mit 9 Tafeln in Steindruck. 8 Mark. 

Dressel und Milchhoefer . Die antiken Kunstwerke aus 
Sparta und Umgebung. Athen 1878 (Auszug aus den Mit- 
theilungen II). Mit 6 Tafeln. 8 Mark. 

Koerte, G., Die antiken Sculpturen aus Boeotien. Athen 
1879 (Auszug aus den Mittheilungen III). Mit zwei Tafeln. 
4 Mark. 

ÜPAKTIKA, Jahresbericht der arch. Gesellschaft in Athen. 
Ueber die Jahre 1872 — 1880 je M. 1.25 
» » » 1881 — 1888 je M. 3.— 

Milchhoefer, Die Museen Athens (Katalog) cart. M. 1.60. 

Die Museen Athens in Lichtdrucken v. Gebr. Rhomaidis, 4*, 
je 8 Tafeln m. Text. Heft 1 und 2 enth. die Funde auf der 
Akropolis, je M. 6. 

Bulletin de correspondance helle nique I-XV je M. 20 
netto. 

Ae.ltcor dpi-acoJoyixör (herausgegeben von der Griechischen 
Ephorie) jeder Jahrgang M. 6. 

'Ey7-,i(spi(: dpi-a(o.loyixt) (herausgegeben von der archäologischen 
Gesellschaft) 1883 - 1889 jeder Jahrgang M. 20. 

Fouilles d'Eleusis 1882-1887. Mit einem neuen Plane von 
Eleusis. M. 1. 



INHALT. 



B. Graef, Die Gruppe der Tyrannenmörder und stili- 
stisch verwandte Werke in Athen 

R. Weisshaeüpl, Attische Grablekythos (Taf. i) . . . 

O. Rossbach , Zur Nemesis des Agorakritos 

E. SzANTO. Zur Geschichte von Thasos 

A. Brueckner, PorosskulpturenaufderAkropolis.il. 
Der grössere Tritongiebel (Taf. 2) 84 

R, Heberdey, Zur Statue des Antenor 12& 



MISCELLEN. 

H. ScHLiEMANN , luschrifteu von Ilion 133 

A. E. KONTOAEQN , 'ETTtypa^^-o ttj? vy;(70u Ntcupou ... 134 

Litteratur 135 

Sitzungsprotokolle 136 



Alben — Druck Ton GEBRUEDER PERRIS. — ünWersiUeU-PhU. 



MITTHEILUNGEN 



DES KAISERLICH DEUTSCHEN 



AI{lllIiliÖLÖ(llS(ieEi I1ISTITIIT8 



ATHENISCHE ABTHEILUNG 



FÜNFZEHNTER BAND ZWEITES HEFT 

MIT FÜNF TAFELN UND MEHREREN 
ABBILDUNGEN IM TEXT 




ATHEN 

VERLAG VON KARL WILBBRG 
1890 



1) In BERLIN erscheinen im Verlag von Georg Reimer: 
ANTIKE DE1NK,MÄ1.ER. Jährliqb ein Heft in Folio mit 

c. 12 Tafeln. Preis des Heftes 40 Mark. 

JAHRBUCH des Kaiserlich Deutschen archäologischen In- 
stituts. Jährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Ban- 
des 16 Mark. 

EPHEMERIS EPIGRAPHICA, edita iussu instituti ar- 
chaeologici Romani. Erscheint in Bänden zu 4 Heften. 
Preis des Bandes 8 Mark. 

2) In ROM erscheint im Verlag von Loescheru. Comp.: 
MITTHEILUNGEN des Kaiserlich Deutschen archäologi- 
schen Instituts. Römische Abtheilung. 

Jährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 12 Mark. 

3) In ATHEN erscheint im Verlag von Karl Wilberg: 
MITTHEILUNGEN des Kaiserlich Deutschen archäologi- 
schen Instituts. Athenische Abtheilung. 

Jährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 12 Mark. 

Verlag von GEORG REIMER in Berlin: 

J . Strzygow SKI , Die Calenderbilder des Chronographen vom 
Jahre 354. Mit 30 Tafeln. Preis 30 Mark. 

R. BoH>', Altertümer von Aegae. Mit 75 Abbildungen. Preis 

24 Mark. 
Verlag von G. GROTE in Berlin : 

G. Robert, Die antiken Sarkophag- Reliefs im Auftrage des 
Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts herausgege- 
ben. Band II (Mythologische Cyklen). Mit 65 Tafeln. Preis 
225 Mark. 
Commissionsverlag von GEORG. REIMER in Berlin: 

FüRTWAENGLER uud LoEscHCRE, Mjkcnische Thongefässe, im 
Auftrage des archäologischen Institutes in Athen herausge- 
geben. 12 Tafeln in Farbendruck mit Text, Querfolio in 
Mappe. Preis 40 Mark. 

FüRTWAENGLER uud LoEsciicKE, Mykcnischc Vasen, vorhelleni- 
sche Thongefässe aus dem Gebiete des Mittelmeeres, im 
Auftrage des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts 
in Athen herausgegeben. Mit einem Altas von 44 Tafeln 
(in Mappe). Preis 115 Mark. 



I A S O S 
Hierzu Tafel III.) 



lasos, die alte dorisch -ionische Stadt, welcher der iasische 
Golf — heute Golf von Mendelia — zwischen Milet und Halikar- 
nass seinen Namen verdankt, hat in jüngster Zeit einen Ge- 
schichtschreiber gefunden, der mit Sorgfalt alles zusammen- 
getragen hat, was wir von ihrer Entwickelang und ihren Ein- 
richtungen wissend Eine erneute Beschäftigung mit lasos und 
seinen Schicksalen könnte danach überflüssig scheinen, wenn 
nicht Hicks' eingehende Arbeit nach einer Richtung hin doch 
eine Lücke aufwiese: es ist Hicks nicht vergönnt gewesen, mit 
eigenen Augen den unmittelbaren Eindruck der Lage der Stadt 
und ihrer Trümmer zu empfangen, und wie viel wir aus sol- 
chen Trümmern, auch wenn sie keine Inschriften trafen, 1er- 
nen können, ist vor nicht langer Zeit erst durch die Entdeckun- 
gen in Olympia, Pergamon und auf der athenischen Burg voll 
erkannt worden. 

Die Angaben der Schriftsteller über lasos sind spärlich, 
erst Polybios (XVI 12) erzählt die Gründungsgeschichte und 
giebt nähere Nachrichten über Lage und Ausdehnung der 
Stadt, die natürlich zunächst nur für seine Zeit Geltung ha- 
ben. Die früheren Erwähnungen in den attischen Tributlisten 
(C. /. Ä. I 230. 233-235. 238. 239. 244. 256. 262-26i, vgl. 
Köhler Urkunden und Unters. S 185) und bei Thukydides 
(YHI 28,3. 4. 29,1. 54,3) beweisen nur, dass die Stadt vor- 
handen war, dass sie stark befestigt war und einige Bedeu- 
tung besass: der gegen Persien aufständische Amorges hatte 



< Hicks, Jüunial of HcUenic studies VIII 1887 S. 83-118. 

ATHEN. MITTHEILUiNGEN XV. 10 



138 lASOS 

sich hierher geworfen, und nur durch Ueberfall ward die Stadt 
o'enommen. 

Unter diesen Verliältnissen müssen also die noch erliaUenen 
Reste der alten Stadt i)es()nders wertvoll sein ; sie sind auch 
oft besucht und liesproelien woi'den: 

Spon, Voyas^e dltfilic de Dahnatir de Grece et du Le- 
vcuit 1678 1 300 r. ; W lieeler, .1 journey lato Grcece Lon- 
non 1682 111 273; Cliandler. Ti-dvels in Asia minor Oxford 
1775 481 IT.; Choiseul-Goudier Voi/di^c piflorcsf/ue de la 
Grece 1 163 f. Taf. 102. 103; Texier, Description de l'Asie 
mineure lOL. 18V.) 111 S. 135 ff. Taf. 142-149. 8" 1862 S. 
632 ff. Ross, Kleinasien und Deutschland Halle 1850 S. 120 
IT.; LeBas-Reinach, Voyage nrche'ologique S. 48 f. Itine'raire 
Taf. 66. Seit Texier hat man sich wenig mit lasos ])escliäftigt, 
nur Inschriften sind hie und da zu Tage gekommen'. 

Dann wurde Anfang des Jahres 1887 plötzlich wieder das 
Interesse auf die Ruinen von lasos gelenkt dui'ch die Gerüchte 
von fabelhaften Funden an Inschriften und Skulpturen, die 
ein türkischer Kapitän hei dem Abbruch eines Teiles der Stadt- 
mauer dort gemacht haben sollte. Die Funde rechtfertigten in 
keiner Weise die übertriebenen Nachrichten ^, doch regten sie 
zu neuen Besuchen an. 



1 lUill. de rurr. hell. V 1881 i'.)l-50(i. VIII ISS'i '.'18 11". 'lU'i IV. XIII 1889 
23 IV., uIh'ii XIV S. 1(17 r. ('. /. /.. III. Suppl. S. l-J'.ll, TIM f. 

- Alle FiiiidsliicUo sind iiiiL (Jen Quadorn der flauer nach Koiislaiiiiiiopel 
iiberfiihil. worden, wo sie I"]iide des Jahres 1887 iiocli im Huf vui' dein Telii- 
iiili Kiosk lai^eii. Es sind fast ausnalinislos Insclirifleii und zwar Inscbrlf- 
len, die soweit ich damals feststellen konnte, keinen hervorragenden Wert 
besitzen und aufwärts bis in die hellenistische Zeit, abwärts bis in die Kai- 
serzeit reichen. Die bis jetzt aus der j^n'ossen Masse veröiVentlichten Stücke 
(Ihill. de corr. hell. XI 1887 213 IV. Joiirjiat uf Ucllcnic slud. IX 1888 338 IV. 
Classical Review 1889 333) können nur diese AulVassung bestätigen. Die von 
Ilamdi-Bey beabsichtigte Gesammtausgabe ist meines Wissens noch nicht 
erschienen. 

An Skulpturen scdicn nur einige Slaluen rümisclici' Zeit gefunden wor- 
den sein, wie an (Jrt und Stelle versichert wurde. 

Das abgebrochene Stück dcM' östlichen Mauer von ' Niui- lasos', dem die 
Funde entstammen, wird auf der l'lauskizze (Taf. 3) durch die Worte Beginn 



lASOs 139 

Auch Franz Winter und ich liahen uns im Frühjahr 1887 
einige Tage in lasos aufgehalten und unsere Zeit besonders 
einer genaueren Untersuchung der Trümmer und einer flüchti- 
gen Aufnaliine vorzüglich der Stadtmauern gewidmet ^ 

Die Trümmerslätte Yon Asin Kalessi, welche wir mit Ueclit 
für lasos in Anspruch nelimen. bedeckt eine kleine felsige der 
Rüste südlich vorgelagerte Insel, die sicli bis 70 m ül>er den 
Meeresspiegel erhebt und von dieser Höhe nach \V. scliroff. 
nach den übriiien Seiten sanft abfällt. Jetzt ist die Insel durch 
Anschwemmung an der Landseite zur Halbinsel geworden. Die 
Spitze krinil ein mittelalterliches Kastell, dem ein mittelalter- 
licher Turm an der Hafeneinfahrt entspriclit ; um den Hand 
ziehen sich Tortrefflicli erhalten die alten Stadtmauern, deren 
Umfang jetzt mit Einrechnung aller Turmvorsprünge rund 
2800 m, in der einfachen Umfassungslinie rund 2400 m be- 
trägt. Die Mauer schmiegt sich eng der Form der Insel an, hat 
aber das Bestreben in geraden Linien zu laufen. Zwölf Türme 
mit einem quadratischen Grundriss von 6 bis zu 15 m und vier 
turmartige Vorwerke springen in ungleichen Abständen auf 
der 0. S. und W. Seite — die N. Seite kann nicht in Betracht 
kommen. mA. u. — aus der Umfassuni»; heraus; am stärksten 
ist der Turmschutz an der SO. Ecke vor der Einfahrt in den 
Hafen, wo nur 60 m von einander entfernt zwei mächtige Türme 



des Mauerabhr. und Gräber unigränzt. Die Mauer isL nicht, wie I\aloii Clax- 
sical Rcv. I 1887 17G f. angiebl, miUelalleiücli, süiulerii iiirem Grundstock 
nacli antik, nur hat sie viele Ausbesserungen zu verschiedeneu Zeilen erfah- 
ren (vgl. u.). 

Über die näheren Fundumslände habeich Genaueres nicht erfahren können. 

^ Die beifolgende Planskizze auf Tafel 3 enthält die Resultate dieser Auf- 
nahme. Die Skizze gründet sich im Allgemeinen auf die englische Seekarte 
{\b^9. 1546), welche für die Küslengeslaltung u. s.w. weit genauer und 
zuverlässiger ist, als Texier's grosse Karle (a. O. Taf. 142). Nur bei 'Alt- 
lasos" sind in der Seekarte — bei Texier fehlt dieselbe ganz — in dem Lauf 
der Mauer, wie in dem Gelände starke Fehler vorhanden, die durch unsere 
Aufnahme nach Möglichkeit verbessert worden sind. Bei der Übertragung 
der Aufnahme bin ich besonders durch Herrn R. Millelbach, Topographen 
im K. S. Gcneralstabe, unterstützt worden, dem auch die Zeichnung der 
Karle verdankt wird: nur die Hauptpunkte sind darin eingetragen. 



140 lASOs 

hervorragen (vgl. d. Plan). Die Bauart der Mauer ist äusser- 
lich fast überall gleich : die Mauer ruht durchgängig aut dem 
Felsen oder dem gewachsenen Boden, und ist mit vortrefflich 
gefuo-ten Quadern verschiedener Länoe, aber annähernd alei- 
eher Höhe (0.50 m im Durchschnitt) aus dem grauen Kalkstein 
des Inselfelsens verkleidet. Die Quadern zeigen Bustika und 




an den Ecken Bandvorstoss, doch lässt sich bei ihnen kein re- 
c;elmässio;es Läufer- und Bindersvstem unterscheiden, nur hie 
und da bindet eine Quader in die Fiillschicht, welche der Ver- 
kleidungsschicht folgt, ein (vgl. die Mauerprobe Fig. 1). Die 
Dicke der Mauer beträgt danach zwei Verkleidungsschichten, 



lASOS 141 

nach aussen und innen (zu je 0,25 m Stiirke). iinrl oino Füll- 
schicht (zu 2 m) also 2.50 m, die Hölie an den Ix'slerlial- 
tenen Stellen mit dem Felst'undament 8 m, olm(! Felsfimda- 
ment 6 m. Trotz der äusseren Gleichartigkeit der Bauweise 
lassen sich aber deutlich ältere und jünoere Teile bzw. Aus- 
bessermiiien der Mauer scheiden; bei den ersteren sind die 
Verkleidungsschichten mörtellos gefugt und die Füllschicht 
besteht aus kleinen durch Lehm zusammengehaltenen Kalk- 
steinbrocken, bei den letzteren findet sich in den Quaderf'ugen 
ein feiner Mörtel und die Füllschicht bildet eine Art von Mör- 
telconglomerat, das Avir als opus iiicertum zu bezeichnen pfle- 
gen. Dabei ist von der Nordseite der Stadtmauer noch ganz 
abgesehen worden, denn von den Resten des einzigen grossen 
Thores an der NW. Ecke an' — alle anderen Pforten sind 
jüngeren Ursprungs — beginnt bis an die NO. Ecke fortlaufend 
ein so Avüstes Gewirr von Mauern, die wegen des Gestrüpps 
zum Teil üar nicht zuo;änorlich sind , dass ohne gründliche 
Säuberung oder Ausgrabung hier jedes bestimmte Urteil un- 
möglich ist. Eine Aussenlinie ist wohl vorhanden, aber Qua- 
dermauerwerk wechselt mit Mauern aus Bruchsteinen und 
Mörtel, runde Türme sind angebaut und z.T. aus viereckioren 
umgebaut, u. s. w. Hier im Norden, an der dem Land zuge- 
kehrten Seite ist auch diese Veränderung des Mauerwerks und 
wahrscheinlich sogar der Mauerlinie (vgl. u.) sehr verständ- 
lich, denn hier musste die Anschwemmung, die heute aus der 



< Wie Texier a. O. fol. 8.137.8" S.633 rlazu kommt vuii meliroriMi Tlio- 
ren, die bis auf oiiie kleine Pfoile im Süden der Stadt zerstört seien, zu 
spreclien, verstehe ich nicht. Vielleicht meint Texier die bei LcBas flineraire 
Taf. 66 mit einem Stück der Umfassnnfrsmauer abgebildete Pforic auf der 
^^\^stseite; aber diese ist nicht ursprünglich, sondern, wie schon LeBas' Ab- 
bildung zeigt, später hineingebroehen. Ausserdem gehört grade dieses Mauer- 
stück nicht zu den älteren (vgl.o.). Auch Texier's Auseinan(bMsetzung über 
die Türme (S. 138. 634), die bis zu einem Drittel ihrer Höhe massiv und 
auf Leitern zu ersteigen seien, scheint mir unrichtig, wenigstens nach dem 
jetzigen Zustande der Türme nicht sicher zu begründen. — Texier's Angabe 
(ebd.), dass die Dicke der Mauer zwischen 2 und 4 m schwanke, mag auf 
einer Messung der Mauerstärke im Norden der Stadt beruhen. 



142 



lASOS 



Insel eine Halbinsel üeschaffen hat. sich bald fühlbar machen. 
Ausserdem sind mehrfach in römischer Zeit Gebäude (XO. 
u. NW. Seite) und Gräber (0. Seite) an bzw. in die Stadt- 
mauer gebaut worden (vgl. Texier a. 0. 138. 634 f.). 

Diese selbst ist ihrer Anlage nach natürlich älter : die Bau- 
weise der ältesten Teile (vgl. o.) führt auf die hellenistische 
oder die vorhellenistische Zeit, das IV Jahrhundert. Für die 
massgebende Verkleidungsschicht bieten die wahrscheinlich 
maussollische Befestiüfunij; von Halikarnass (westlich über dem 




.-v\.!..Wv,v- 



FlG. 2. 



Theater, vgl. Fig. 2). die aus der ersten Hälfte des IV Jahr- 
hunderts stammende Stützmauer des Athenatempels von Prie- 
ne ', die messenischen Befestigungen des Epaminondas [Expe- 
dition de More'e I Taf. 42 ff. LeBas - Reinach S. 31) ein 
durchaus übereinstimmendes Bild : auch Befestiorungen Dio- 
nysios I in Syrakus, namentlich am Euryalos kann man ver- 



' Über die Zeit des Tempelbaues vgl. Rayet und Thomas Milei et le golfe 
Lalmique II 1880 Ö. 5 IT. Anlicjuities of lonia IV 1881 S. 23. Die Stützmauer 
ist ganz ähnlich wie die Verkleidungsschicht der Stadtmauer von lasos ge- 
baut; nur ist die Rustika sorgiältiger ausgeführt, dagegen die Schichthöhe 
ziemlich verschieden. 



lASOS {\Z 

gleichen; von anderen Beispielen, die ihrer Entstehung nach jün- 
ger oder nicht datirliar, oder mir nicht aus eigener Anschau- 
unii; hekannt sind, aanz aJ)''esehen. 

Auf die hellenistische oder vorhellenistische Zeil IVilirl auch 
der nächst der Stadtmauer am besten erhaltene und am mei- 
sten liervorragende Bau (vgl. Texier a. 0. 138. 634) das Thea- 
ter, das genau dieselbe Bauart wie die ältesten Teile der Um- 
fassungsmauer zeigt und nur massiv aufgeführt ist: schon Te- 
xier setzte es ohne nähere Begründung in das i V oder V Jahr- 
hundert'. Das Theater ist nicht gross (vgl. den Plan hei Te- 
xier Taf. 143. 144), vollständig dem geringen Umfang der 
Stadt entsprechend, und lässt dadurch auf eine einheitliche 
Neuschöpfung der Stadt schliessen. 

Wir haben hier offenbar die Stadt vor uns, von der Poly- 
bios. Strabon und Stephanos von Byzanz sprechen-. Der von 
Polv])ios auf 10 Stadien (rund J800m) anü;eü;eijene Umfan«'' 
der Stadt stimmt zwar niclit mit der S. 139 an^eßebenen Mes- 
suna; von rund 24 ÜO m., aber daoeoen ist zu erinnern, dass der 
nördliche Lauf der Mauer sich verändert hat. und dass bei 
Polvbios wahrscheinlich eine angenäherte Schätzuni»- vorliegt: 
schliesslich ist auch bei dem Abschreiten eines Mauerrings \on 
2400 m ein Irrtum von 100 m und mehr nicht ausüeschlossen. 

Aber ist diese hellenistische Stadt auch dieselbe, welche als 
dorische Colonie gegründet später unter dem Einlluss ^lilets, 
wo sie Hülfe se^en die Karer suchte, ionisirt wurde und in 
den attischen Tributlisten erscheint (Hicks a. 0. 83)? 



^ Freilicli lassen sich aucli liier wie l)ei der Stadtmauer verscIiiedeiK; Baii- 
periodoii scheiden (vgl. Ross, Kleinasien uml Deutschland S. 120). Die da- 
ran angebrachten Inschriften beginnen erst in der hellenislischen Zeit ( Le- 
Bas-Waddinglon, Asie Mineure 252-^99, bes. 2G7 = 6'. /. G. 2G.SI), was aber 
natürlich gegen eine frühere Entstehung des Baues selbst niclits beweist. 

- Pülyb. XVI 12,1 . . . f, OS xwv 'la^jc'cov -oAi; /.z'.-a.i ijlev £7:1 Tfj; 'Alfa; £v toi 
xo'X-oj TW [A£Ta^ü /.£i[j.£vw ToD' TT,; MtXrj'j'a; IloaH'.oiou xai -fj; M'Jv5;tov "dXew; tz^oi- 
aYopiuoas'vo) . . . jrapa oe toI; -Äsi'jTOt; BapyjA'.rjTty.to a'jvri)vü|xw; Ta;; ~£pl tÖv [au-/^Öv 
auTOu zciXeiiiv £XTiTij.£vai;. 2 . . . . t6 0£ uiyEOo; Trj; -oAsto; laTt 0£/.a aTotSta. 

Strab. XIV 658 . . six' 'lajo; i-\ vrj-jfo KctTai -oocj/.cijjLEvr, t^ t-.z'.om- 'i/z'. ok Ai- 
[j-Eva /.xX. 

Steph. Byz. U. "laTo; . . ev 6[Atovj[j.(j) vrjao) y.c'.ij.Evr,. 



144 lAsos 

Icli heoe daoeoen beoründete Zweifel. Schon die Kleinheit 
der Stadt muss auffallen im Verhältniss zu ihren Leistun- 
gen als Glied des attischen Bundes : die Zahluni2; von einem 
Talent ist keineswegs unbedeutend, sie bezeichnet vielmehr 
eine Stadt, welche in ihrer Machtstelluni»; die Mitte hält zwi- 
schen den ganz grossen wie Ephesos, Teos und den wirklich 
kleinen Bundesstädten ^ Weit bedeutsamer noch ist die voll- 
ständige Neuschöpfung der Stadt frühestens Anfang des IV 
Jahrhunderts, welche die erhaltenen Trümmer uns anzuneh- 
men zwingen. Es findet sich nicht die geringste Spur, weder 
innerhalb des Mauerrings, noch in der Umfassungsmauer selbst, 
die auf eine ältere Zeit deutete. Und doch ist angeblich lasos 
in der in Frage stehenden Zeit nie gründlich zerstört worden^, 
(vgl. Hicks S'S ff.). 

Schliesslich aber sind auf den Höhen unmittelbar westlich 
von lasos die Reste einer gewaltigen Stadtmauer erhalten (vgl. 
den Plan), die einer älteren Zeit angehört und bei der engen 
Nachbarschaft zu dem lasos des IV Jahrhunderts in irgend- 
welcher Beziehung stehen muss. 

Die Mauer folgt genau dem Rande der Höhen, die ziemlich 
gleichförmig nach dem Meere und nach den Landseiten abfal- 
len : sie steht auf der Nordhälfte mit eerinaen Unterbrechun- 
gen noch in einer Ausdehnung von rund 3500 m, etwa zwei 
Fünftel ihres ganzen Umfangs, aufrecht, und ist an einzelnen 
Stellen bis 5.5 m hoch erhalten. Die Stärke beträft im Durch- 



^ Nur die ionisclien und kaiisclien SliülLc lassen sich zu einer engeren 
Vergleichung heranziehen, tia für sie allein dieselben VerhäUnisse gellen wie 
für lasos. Und wenn wir unter diesen wieder nur die uns der Lage und dern 
Umfang nach wohl bekannten auswählen, so stehen Ijebedos, Myrina, Priene, 
Herakleia am Latmos, Mylasa in der Blütezeit des attischen Bundes mit 
lasos auf derselben Tributstufe, obwol sich die kleine Inselstadt räumlich 
mit keiner dieser Städte messen kann. Andererseils zahlt Kaunos die Hälfte, 
Euroinos ein Vierlei, Bargylia ein Sechstel, Myndos ein Zwölftel von dem 
iasischen Tribut. 

2 Die Erstürmung der Stadt i. J. M-> (Thuk. VIII '28 vgl. u.) kann keine 
gründliche Zerstörung nach sich gezogen haben, da Tissaphernes den Platz 
festhält und mit einer Besatzung belegt (Thuk. VIII 28,4. 29,1). 



lASOS 



l'i5 



schnitt 1.75-2 m massiv geschichteter Blöcke aus dem grauen 
spröden Kalkstein, der die Küsten des iasischen Golfes bil- 
det. Der Stein bricht schieterig und diese Kigenschart hat man 
])ei dem Bau der Mauer geschickt benutzt, um eine gewisse 
Fugung herzustellen: man brauchten die Bh'jcke Jiiir an den 
kurzseiten und der Vorderseite etwas abzuarbeiten, an den 
Bruchtlächen nachzuhelfen und füllte dielJicken, welche durch 
die verschiedene Höhe der einzelnen Blöcke enstanden. mit 
kleinen Steinen aus (Fig. 3). Diese Bauweise steht nicht 






Fig. 3. 



vereinzelt da. wir finden sie bei den Mauern des Eryx, dem 
Theater von Segesta und mit einem Rand Verstoss an den Ecken 
weitergel)ildet bei einem ^Vartturm in Thorikos (Fig. 4). 
der wahrscheinlich aus dem Jahre 40Ü stammt (Xen. Hell. I 
2,1): man baute eben so, wo das Material dazu anleitete, und 
zwar in verschiedenen Zeiten, so lange man den Mörtel nocli 
nicht anwendete, wesentlich gleich, nur mehr oder weniger 
vollendet (vgl. die Mauerproben). 

Vollständig abweichend aber von allem, was ^^ir sonst an 
Festungsmauern kennen, ist die Art der Befestigung. i)iesel])e 
ist ebensowenig wie die Mauer selbst roh, im Gegenteil sie 



146 



lASOS 



zeigt eine hohe Vollendung, nur der Grundgedanke ist ein an- 
derer, als wir ihn sonst finden, \vie schon Texier (zu Tat'. 
147-149)'. der sonst gar nichts mit der Mauer anzufangen 
weiss, richtig hemerkt. Mit der im Allgemeinen bei der an- 
tiken Befestigung befolgten Gewohnheit, den Verteidigungs- 
kampf wesentlich hinter, bzw. auf die Mauer zu verlegen und 
die Anzahl der Thore und der Ausfallsj)forten möglichst zu 
beschränken, ist hier gebrochen, der Kampf ist mindestens zu 
gleichen Teilen auf und m)V. bzw. in die Mauer verlebt wor- 




FiG. 4. 



den. Audi diese Stadt besitzt, soweit wir nach den erhaltenen 
Resten urteilen krinnen. nur ein grosses Thor auf der Ostseite 
(vgl. Taf. 3), aber ausserdem ist das erhaltene Mauerstück 
von 3500 m durch 68 Ausftillspforten und 117 Fenster unter- 
brochen, d.h. also auf rund 50 m kommt eine Pforte. 

Diese Durchbrechungen der Mauer verteilen sich auf die 18 
Türme, die durchgängig zwei sich gegenüberliegende Tliüren 
unmittelbar an der Mauer und fünf P'enster besitzen, und 32 
reclitwinkelig aus der Mauer herausspringende Vorwerke mit 



' hl Toxier'sBeschreiljiiiig der Mmiht in <lcr OctavausKabe S. 630 f. schci- 
ueu sich melufach Intiiiner (Ilühe clor Mauer bis 10 in; massiver Bau der 



lASOS 



147 



je einer Tliüre und einem Fenster (vgl. die nach Te.vier's im 
Einzelnen genaueren Messungen Tal". 1 'i7 wiedergegebenen 
Grundrisse Fiij;. 5. 6). 



ISO 





^-fr^' 



XJ 



Fig. 5. 6. 



Dadurcli ist eine in ihrer Art vollkommene und geradezu 
geniale Flankirung der einzelnen Mauertoile erreicht worden. 
Der feindliche Angriff wurde schon durch die Gliederung der 
Mauer gezwungen sich zu zersplittern und in kleine Einzel- 
angriffe aufzulösen, die ohne sich unmittelbar unterstützen 
zu können, doch jeder von mehreren Punkten aus durch die 
Verteidigung bedroht >var. 

Die Vorwerke treten fast durchgängig um 3,80 m aus der 
Mauer heraus — nur eines unmittelbar an dem ersten Knick 
springt um etwa 15 m vor, ein anderes an der NO. Ecke bildel 
eine Art von viereckigem Turm mit dem Seitenverhältniss 14: 
10 m — und sind so gerichtet, dass sie die ungeschützte rechte 
Seite des Angreifers bedrohen, häufig ist aber durch die Aid'- 
einanderfoke von Turm und Vorwerk oder zweier naeli innen 



Tiirnin bis 4 m) einge'ichliclion zu habon : dass der Zuslnnd des einsam lie- 
genden Baues vom Jahre 1835 bis lS87 sich sehr veräiiderl liat, isl nicIiL an- 
zunehmen. 



148 lASOS 

gerichteter Vorwerke eine Art von Falle geschaffen worden, 
welche den angreifenden Feind auf seinen beiden Flanken 
zu lassen gestattete. Für den Abstand der ^'or^verke wie der 
Türme ist nicht eine äussere Gleichmässigkeit sondern ledig- 
lich die Rücksicht auf das anliegende Gelände und die danach 
einzurichtende Verteidioanii; massoebend «ewesen. Vielleicht 
ist man an einzelnen Stellen auch mit einer gewissen Willkür 
verfahren, wenigstens finden sich die im Grossen gleichen 
Abstände des kurzen Stückes, das Texier (a. 0.) aufgemessen 
hat — ich vermute, dass es das Stück östlich vor dem Haupt- 
thor sein soll, wenngleich auch hier etwas nicht zugehöriges 
zugefügt scheint — sonst nicht. So beträgt z. B. der Abstand 
der Vorwerke, der hier sich auf rund 30 m berechnet, an ei- 
ner Stelle der NW. Ecke 10-15 m, und die Vorwerke selbst 
sind bald zu einem, bald zu zweien, bald zu dreien zwischen 
den Türmen verteilt. Auch diese zeigen wie gesagt in ihrer 
Anordnung keine Gleichmässigkeit ; es liefen zwei 200 m, zwei 
andere 120 m, wieder zwei andere 50 m aus einander. Aus- 
serdem ist die Grösse der einzelnen Türme keineswegs die- 
selbe, der Abstand von der Mauer in lichter Weite schwankt 
zwischen 9 und 17 m. Gleichmässigkeit findet sich nur in ihrer 
Bauweise, die Fig. 5 veranschaulicht. Auf der Innenseite der 
Mauer liinter den Türmen führten zur Mauerkrone und zum 
Turm Trepj)en, die an vier Stellen noch ganz gut erhalten 
sind. Der Turm konnte aber auch zur ebenen Erde durch eine 
Thür von innen betreten werden. Den Verkehr nach aussen 
vermittelten dann wie gesagt zwei Thüren r. und 1. und in 
etwas über Mannshöhe in der äusseren Runduni»- oleichmässie; 
verteilt 5 grosse Fenster, die jedenfalls auch unmittelbar der 
Verteidiiiunc!; dienen sollten, während die schmalen Schlitz- 
fenster neben den Thüren der Vorwerke wol vorwiegend für 
die Beobachtung des Feindes berechnet waren (vgl. Texier 
Taf. 147-149). " 

Das von Texier fTaf. 149 Fig. 1) abgebildete Hauptthor 
liat wie die kleinen Pforten zur Recliten (von innen) ein Fen- 
ster, nur ist dieses entsprechend grösser. Die Befestigung ist 



lASOS l'iO 

ziemlich einfach : ein ofiener etwa 5,6 m breiter, 3,2 m ücW'.v 
Yorliof, der von den anliegenden Ahuiern ans heiieiTscIit wird, 
dann das etwa 3 m breite eiiicnlliclie Thor. Wie (ddicii liegt das 
Tiioi' annähernd an der tiel'sten Stelle der Stadtmauer. Ob ne- 
ben ihm nocb ein anderes vorhanden war, liisst sich, weil die 
grössere Hälfte des Stadtrinoes fehlt, nicht mit Sicherheit 
angeben ; der Bildung des Geländes nach ist aber ein /-weites 
Thor unwahrscheinlich, da der ganze sQdliche Teil der alten 
Stadt der felsigen hafenlosen Küste zugewendet ist. Das erhal- 
tene Thor kehrt sich voll dem Hafen zu. den wir uns luii' 
östlich und nördlich der Insel denken k(")nnen. welche die iiel- 
lenistische Stadt trägt. 

Aber in welchem Verhältniss stehen die beiden Städte? Te- 
xier (zu Taf. 147-149) glaubte gar nicht, dass die alte Mauer 
einen Ring gebildet habe und hielt das ganze für ein (■(imp 
rctranche des Lcle2:cs. Das ist es nun oanz sicher nicht, 
denn die Bauart der Mauer, wie die hochentwickelte Bete- 
stisuno'skunst verbieten es in «ileicher ^^'eise an eine so fridie 
Zeit wie das X Jahrhundert v. Chr. etwa zu denken, und mit 
der dorisch-ionischen Einwanderuns; in Rleinasien entstand 
lasos. Oder haben zwei Städte neben einander bestanden, etwa 
wie Salmakis und Halikarnassos ? Da ist doch hier die Berüh- 
rung zu eng: beide mussten denselben Hafen benutzen, und 
ihre Mauern lagen um Steinwurfsweite auseinander, von den 
älteren Mauern der einen, den jüngeren der anderen ganz ab- 
gesehen. 

Nein das natürliche und zweifellos das richtige ist in der 
einen Stadt Alt-Iasos, in der anderen Neu-Iasos zu erkennen. 
in das VT Jahrhundert, in dem die meisten der ionischen 
Städte sich erst planmässig befestigt haben (Nissen Pomp. 
Stud. 583) passt der mächtige kunstvolle Mauerring sehr gut*. 
Ganz ähnliche Bauart wie diese Mauern weisen die von 



* Für die ruiulon Türme, welche man häufig für ilas Kennzeichen einer 
späteren (Iiellenislischen) Bcfesligungsweisc gehallen liat, linden sich duch 
schon rechl frühe Beispiele z. B. in Koluphou, Uerakieia .Miiiuu und sunsl. 



150 



lASOS 



Bargylia auf (Fig. 7), nur bricht der Kalkstein hier nicht so 
schieferio; wie in lasos. Das angenommene Aker der Mauer 
von Alt-Tasos kann dadurcli nur bestätiot werden. Hinter 
dieser Mauer Imrij: sieh der aufständische Anior^es mit seinen 
Getreuen, bis die mit Tissaphernes verbündeten Lakedämonier 
i. .1. Wi den Ort durch Überrumpelung nahmen (Tbuk. VllI 
28, 2-'i). Hierher legte Tissaphernes seine Hesatzung (Thuk. 
\\\\ 29.1). Da die Mauern von Neu - lasos frübestens in 




Fig. 



den Anfang des IV Jahrhunderts weisen und in eben dieser 
Zeit deutliche Zeichen von dem Bestehen einer Gemeinde lasos 
vorhanden sind (Hicks 88), muss also die Zerstörung und Ver- 
legung der Stadt zwischen 412 und 394 etwa oder in die hel- 
lenistische Zeit fallen. Und nun haben wir thatsächlich ein 
Zeugniss von einer Zerstörung von lasos in der fraglichen Zeit: 
Diodor XIII 104,7' aus d. J. 405/404 Ol. 93,4. 



^ A'jaavopo; o; [astcc twv rXs'iaxwv vswv £;i'. "laaov ( Palmei". 0aaov Ildss.) t^s 
Kapiag 7:XcJTa;, zatä zpaio; auTrjv siXsv 'AOr)vaioi; !ju;j.ij.a-/_oijaav, zal toj; ixsv r)6wv- 
Ta; ox.Tay.oai'o'jg ovia; ä-saya^e, raiSa; 5= xai yjvaixac Xa-^'jpoTTtDÄrJaa? y.aic'axa'ls 

Die Lesart "lajov beruht auf Veriiiutimg, und doshalb vielleicht hat Hicks 



lASOS 151 

Damals ist Lysandcr Aw sparlanisclie Naiiaiu-Ii som imi^^c- 
ren Kyros, der zu sciiipin erkrankten \'alrr reist, als SlclKcr- 
treter in der grossen sardisclien Satra})it' ('ini;('si'lzl worden. 
Und mit Keckheit und Gewandtheit nutzt er die jijrosse Maclit, 
die ihm auf einmal zugelalhui ist, um seinen athenischen Gej^;- 
nern zu schaden. Wir hiu-en von Streifzüij;en ^eii;en verschie- 
dene Inseln (Plut. i.ys. 8), von der Erstürmung der Stadt 
Kedreai im keramischen Golf, \vei>en ihrer einstiiien Bun(h's- 
genossenschat't mit Athen (Xen. Hell. II 1,15 vgl. l \.H.JJ/f//. 
de CO//-. JicH. X 1886 423-428), von der Zerstörung von Jasos 
aus dem gleichen Grunde (l)iod. a. 0.), endlieh von einer 
Fahrt nach den attischen Küsten (Diod. a. 0. 8. Plut. a. ().). 
Lysander konnte hier seiner rücksichtslosen, ungehändigten 
Natur freien Lauf lassen : ausser dem Gefühl der Uaclie üegen 
Athen trieb ihn bei lasos' Vernichtung \vol noch der llass 
gegen Tissaphernes, dem er sein schwankendes Jk'nehmen 



a. 0. die Diudorslelle gar niclil orwäliiil, doch liegt die V^üniuUing so nalie, 
sliuiiiit so voizügiicli zu den erlialleiieii l'esleii, und passl so gut in den gc- 
scliiclilliclien Zusaniinenliang (vgl. u.), dass man sicli nur mit Absichllicli- 
keit dagegen sträuljen kann. Für die mehrfach geäusserte Ansicht, dass die 
von Xenophon II 1,15 erzälille Erstürmung von K^edreai durcli Lysander 
und die von Diodor berichtete Zerstörung von lasos ein und dasselbe Ereig- 
niss bezeichnen sollten, mangelt jeder Grund. Der Vorschlag von J. P. Six, 
Numism. Chronicle VIII 1888 S. 107 A. 39 für ©aaov, ©^^(Oapjov zu schreiben 
(HaaOapri; kommen in den attischen Tributlislen 0. 1. A. 1 229. 231. 239 vor) 
ist ausserordentlich scharfsinnig aber nicht nötig. Abgesehen davon, dass 
wir gar nicht wissen wo Thastharos lag und ob es am Meer lag, ob es 405 
nocli auf Athens Seite stand, ist die Lesung "laaov mindestens ebenso ein- 
fach oder einfacher als ©acxOapov. Dass Tissaphernes, nachdem er die Stadt 
i. J. 412 besetzt hatte, in lasos gemünzt hat, verträgt sich mit der Zerstörung 
i. J. 405 ebenso gut, wie die aus der Zeit nacli 394 staniniendc Bundesmünze 
(vgl. 6ix a. O. IOC IL). 

Gerade aus den Kämpfen, welche die Stadt innerhalb der kurzen Zeit von 
kaum 7 Jahren zu bestehen halte, erklärt sich mir die anscheinend geringe 
Zahl (800) der gefangenen Bürger, die Lysander töten lässt. Die bei den 
Erstürmungen i. J. 412 und 405 Gefallenen sind von der Zahl natürlich ab- 
zurechnen, ausserdem sind jedenfalls viele geflohen (vgl. u.). 

Dass sich lasos in der Zeit zwischen 412 und 405 von 'rissapherncs" 
Herrschaft freigemacht hat, ist nicht wahrscheinlich. Lysander's Angiitlgalt 
wul auch mit Tissaphernes (vgl. u.). 



152 lASOS 

nicht veraressen hatte, und nun einen seiner wichtigsten See- 
platze nelimen konnte ' . 

Eine Stadt lasos sab es nicht melir am Ausajans; des V Jahr- 
hunderts. aber Büroer von lasos, ausgewanderte, verbannte 
waren noch vorlianden. und als im Jahre 394 durch die 
Schlacht von Rnidos Sjiarta's Macht in Asien gebrochen war, 
als Athen, zu dem lasos auch im peloponnesischen Kriege 
treu gehalten hatte, wieder emporkam, da trieb die Heimatlo- 
sen das dem antiken Menschen so eigene Heimatsgefühl wie- 
der an die frühere Stätte zurück. Die Zahl der Bürger war 
aber nicht mehr gross genug, um den Raum der alten Stadt 
zu füllen, deshalb baute man diese nicht wieder auf und sie- 
delte sich auf der kleinen Insel, die die Hafeneinfahrt deckte, 
an*^. Die Steine für den Bau der neuen Stadt und ihrer Mauern 
nahm man von den Trümmern der alten ; man brauchte die 
Blöcke der alten Umfassungsmauer nur den Abhang hinunter 
zum Meere zu rollen, und konnte von dort sie leicht nach je- 
dem Punkte der Insel bringen. Aus den grösseren Steinen wur- 
den die schönen Quadern für die Verkleidungsschichten der 
Stadtmauer eearbeitet. während die grösseren Brocken des Ab- 
falls für die Füllschicht benutzt wurden. So erklärt es sich, 
dass gerade die der See zugekehrte grössere Hälfte der alten 
Mauer bis auf jede Spur verschwunden ist. Später mag auch 
noch dann und wann ein Stück abgebrochen worden sein, um 
dem Bau von Grabmälern, die an dem Hügel der alten Stadt 
sich ausbreiten -^ zu dienen. 



* ÜberTissaphemes' Wankelmut vgl. die übersichtliche Zusammenstellung 
bei Krurabholz De Asiae min. salr, Pers. 1883 S. 37 IF. 43; über lasos' wich- 
tige Lage Ath. Miltli. XII 345. Deren Bedeutung bleibt bestehen, auch wenn 
die weiteren von mir daran angeknüpften Vermutungen dadurch, dass das 
von mir als Pedasa bezeichnete Trümmerfeld neuerdings glaubhafter lür 
Theangela in Anspruch genommen wird (vgl. Class. Hev. III 1889 139), fallen. 

2 Ein vollständig übereinstimmendes Beispiel für denselben Vorgang bie- 
tet Klazomenai, das schon im Anfang des V Jahrhunderts vom Festland auf 
die demselben vorgelagerte Insel verlegt wurde (Strabo XIV 645. Paus. VII 
3,9 vgl. Labahn, De rebus Clazuineniunim Diss. Grcifswald 1875 8 11',). 

^ Die von Tt-xier 6. 14U f. für lelegisch erklärten Plallcngräber werden 



lASOs 153 

Neii-Iasos suchte und fand Anlehnung;- bei dem Bunde, den 
eine \nzald der mächtigsten khMnasiatisclien Seestaaten Hlio- 
dos, Knidos, Samos, Ephesos am Anfang des IV Jalirhunderts 
zur Behauptung ihrer Sell)ständigkeit schlössen (Waddington 
Rev. mim. 1863 S. 223-235. ilead Jlistoria num. S. 528. 
Hicks a. 0.). Dann hat die Stadt unter Maussollos' Einfluss 
und Herrschaft gestanden und in der hellenistischen Zeil we- 
gen ihrer günstigen Lage häufig als militärischer Stützpunkt 
gedient und im Handel einen mächtigen Aufschwung ge- 
nommen (Hicks a. O.). In römischer Zeit spätestens wurden 
die Mauern zu eng für das rege Leben und Treiben, man sie- 
delte sich auch auf dem in der Ebene nördlich der Insel gele- 
genen Hinterland an, wie die dort gehaute römische ^^^asser- 
leitung und zahlreiche Spuren anderer römischer Bauten be- 
weisen. Bis in die späteste römische Kaiserzeit reichen die 
Nachrichten von dem Vorhandensein der Stadt hinein (Hicks 
a. 0. 88 IT. bes. 113 f. vgl. o. S. 138). 

Zum Schluss mögen hier noch einige Inschriften folgen, die 
Winter in der Gräberstadt \on Neu-Iasos abgeschrieben hat. 

1) Nekropole. Thürblock eines Grabhauses, Kalkstein 1,12 
1. 0,43 br. B. 0,024 u. 0,015. 

TOYTOTOHPUUONMYPHÜArTI 
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eNOMKHMNeiNOOlOI 

K 

unlesbar 



toOto t6 Tipwov M. (A)üpr^().io'j) Y\%rA 



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[/,v7;[a[io?]v . . 



wohl der allen Stcidt, ausserhalb deren sie liegen, zugcliören. Die Steine der 
allen Mauer scheinen nur bei dem Unlerban der zaiilreichcn überwölbten 
hellenistisch -römischen Graber verwendet zu sein, die alle zusammen nahe 
bei der neuen Stadt sich belinden (vgl. Texier 141 f. u. den Plan). 

ATHEN. .MITTHEILUiNQEN X\. 1 1 



154 



lASOS 






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lASOS 155 

3) Sog. Gymnasium (W. Seite von Neu-Iasos). B. 0,033. 
Z. 0,018. 

2 A M O Y 

lOYÜPnTOYTHSBAPrY/ 

^TT O A Ens: 

. . . . O'j TupwTou rT,c, Ba.pY'j[>.trjTa)v 

C. I. G. 2680 ' in particula basis columnse' : 

ZAMOY OYnPnTOY 

niz..B-Ä-Pi-Y noÄEn2...n. ../... 

Der Name Samos auch C. I. G. 2328^ Add. 

4) Sog. Gymnasium. Vier Architravfragmente B. 0,085. 

TOKPATOPI 
E O Y 

N A n A Y ^ 
A l".l 

Au]TOx.py.Topt — ÖJsoD — [uiwi] — [t7)v a.]va.7:au[c;tv ? — 6 os?va 
xaTscxsoa'Tsv ky. twv tStwv ?] 

Vgl. Lebas-W. Asie min. 300. Die Fragmente gehören 
wahrscheinlich zusammen mit Lebas-W. 302. 



Marburg. 



WALTHER JUDEICII. 



ZUR EPIGRAPHIK VON KLEINASIEN 

1. Inschrift aus Poeinanenum. 

In dem 'Ap)(_aioAOYr/.öv napzpTr,aa des 15. Bandes der Schrif- 
ten des Constantinopler Griechischen Syllogos veröffentlichte 
ich eine Inschrift aus Poenianenum nacli einer \on meinem 
Vater i. .1. 1852 genommenen Ahsclirift. Es war mir entsan- 
gen, dass dieselbe Inschrift in der Revue arche'ologicjue 1877 
XXXIV S. 106 N. 3 Yon A. Sorlin Dorigny publicirt wor- 
den ^Yar; wenn seine Abschrift auch an mehreren Stellen 
vollständiger ist, so ist die Ergänzung doch im ^^"esentlichen 
verfehlt, namentlich ist die Inschrift LeBas 1761'^ übersehen. 

Ich stelle liier beide Copien zusammen : 

Dorigny : 

HIASIAIAHMOI 
KA^Wi:^ANAPAKEKPIMEN0IENTHinP02 
PnMAIOY2(l)IAIAIKAITnNAAAnNOIENÜ 
MENOIM ETEX ONTQNlznTHPr^NKAI /Ml// 
M O / K I E I n N E T I M H 2 A N 

HPOSTPATONAOPKAAlONOZANAPAArAOONTF 
NOMENONKAIAIENENKANTAÜISTEIKAIAPETHI 
KAlAIKAI^2INHIKAIEY2EBEIAIKAinEP/ TOYKO/ 
SYN(l)EPONTaZTHN0AZI||fEIZ 
NONSnOYAHNKAITTOAAAKAIMErAAATTEPinOI 
H2ANTATOI2KO!NOI2TOY2:YNEAPIOYTTPArMA 
ZINT^NÜPOZAGZANK 
ANHKONT^NA 
THZEIZEAYTON- 



ZUR EPIÜRAPHIK VON KLi: INASIEN 157 

A. D. Moi\llmann : 

lAAHMOl AE0N 

.AI0IKA..ANAPAKE.KPE..EN0nEN0 1ENTHinP 
PnMAlOY.-.AAlKAITaNAAAnNOIEN 

MENOIME E N Ta N S QT H P I a N . . K A I 
MOYKIEinN ETIMH2AN 

HPOSTPATONAOPKAAlONOSANAPAArAOON 
NOMENONKAIAIENKANTAniSTE.A 
K A I A . . . A . . Z 
Z I N 

NONZOYAHNKAinOAAAKAIMErAAAÜEPinO 
HZA. .TATOISKOINOIZ 
ZINT^NnPOZ 



avSpoc y.i7.pi[J.ivoi iv tt]'. xpo? [tou;] 'Pto[j-atou(; c^iXiat >tat twv a.X>.(ov 

o'i £v[(j-ovSo'. y£]v6[X6vot ;7,STe[i]yov twv 2l!coT'/ipicov x,]a'. [twv] Mouxieicov 
STi[J-r(r7av 'HpoaTpaxov Aop^aXiovo? avSpa äyaOöv ysvoy.svov /.xl ^is- 
ve'v/.avTO, ttictsi xocl äpsTvit /.ai m>'.a'.0'7[ü]v'/T, x,ai sücrsSsiai xai 'T^spL'-] 

TO'J X,o[lVO'j] (j'JV(pspOVT[oJ(; [XSVOV crZO'JOY/V X,0(,l TToXTvO. /.ai V.£- 

yiXoc Tüsp'.TüOiTj'javTa toüi; -/coivoi; too cr'jveopiou Trpxyt^.a'j'.v twv xpö? 
o6c;a,v x,[a.i ] ävrjX.ovTtov «.[psTvi? avs/tev y.y.1 eOvoia;] Tvi; s!; 

Eine oanz ähnliche Jnschril't LeBas Äsie min. 1761'^ aus 
Pergamon=:Mou(7£Tov xat ßi^Xioö-/)-/.'/) tt]? ev 2Ijj,upvyi EüayyEX. S/oX. 
1876 S. 9 N. TTr' hiutet : 

0-' £V TY| 'A<7ia 07i[j-ot )cal toc eövT) )tal ai 7r6>.£i<; xott ol xax' txvSpy. 
•/.£/tpi[7.£voi £v TY) 7i:[po? TOo? 'Pw;7,aio'j<; ©iXiz] £Tt{;.Yi(Ta.v 'Ay7]vopa tov 

A-/^aYiTpto'j IlspyaaT/VOu uiöv to'j (xycüvoO£Tyi7avTO; to. 

7:£[J.7:Ta EÜ£py£Gtx to. ä/Oe'vTa Sy;[j-o[ci]z £V [ri£py(z][/.(i). 

Der Ausdruck oi xät' älvSpo. x.Ex.piaEvoi dv tti 7:pö;T0'j? 'Pwy.aio'j? 
fpO.ia bezeichnet die in aniicoruni formulam relati. \gl. das 
bekannte S. C. betretTend den Asklepiades aus Khizonienae, 
Polystratos aus Rarystos und Meniskos aus Milet CLL. I 



158 ZUR EPIGRAPHIK VON KLEINASIEN 

203, WOZU Mommsen die Worte iv toi; j'.oct' zvSpy. (pi^o-.? aptO- 
[j.zlG^oii aus losephus Ant. XIV 10,2 anführt. Sonst scheint eine 
Wiedergabe des lateinischen Ausdrucks nicht vorzukommen. 
[Vgl. Viereck, Sermo graicus quo s. p. q. r. usi sunt S. 80]. 

Selbstverständlich fand die Festfeier in Pergamon statt ; die 
Miicia werden von Cicero und seinen Scholiasten, sonst, so- 
viel ich weiss, nirgends weiter erwähnt'. Sie sind zu Ehren 
des Statthalters von Asia, A. Mucius P. f. P. n. Scaevola, 
welcher die Provinz i. J. 655 u. — 98 a. Chr. verwaltete (Wad- 
dington Feistes 667), eingesetzt. Die HwTTipia weisen auf den 
Asklepioskult in Pergamon, vgl. Aristides S. 520 von einem 
Teile der Stadt : to T£);£UTaiov Tjy/r/y.a tt^c izokusi^ o tG> HcoTvipi 
K.xOw'jiwTai. 

Über Manjas-Poemanenum, vgl. ausser Dorigny a. a. 0. 
LoUing in diesen Mittheilungen IX 28 ff. 



2. EtGTopyT] und Verwandtes. 

Eine von Hamilton {Researc/ies, Appendix V N. 374) in 
Sandukli ' on a pedestal in the street ' copirte und danach 
in das C. I. G. IV 9266 aufgenommene phrygische Inschrift 
lautet : 

EipviVTi TOti; Tuapocyoucriv waaiv 1x7:0 toO Oeoö. Aüp('/)lio<;) A);£Qav- 
Spo; Mocpxou 6 Twv Eo(.v[6]ou [die Copie OTUüNZANSOYj ävs- 
ax'riaoL £!,'vi/.a ttjc, EicrTopy/i; 0[Ai[v] TONKAAAOYC y)^uxtjTOCTa. 

[JLOU T£>tV(X, 6£[o]T£iy//lTa £V ipTjVYi ToO OfiOÖ. "Ev[£]j'.£V TOUTOU i'cTYJCa 

[CeTHCA die Copie] r-riv sl[G]T[iil]r,v [eiTIMHN die Copie] 
^apiv [7.vr;{j(.Yi(; Eüy£vi7] x,ai Mocp'/.fiXXy) jcat 'AX£^avSpw y.1 Max,£S6vt 

•/.£ NoVVYi TOlC, y>.UXUTaT0l(; TEXVOI? T0[i]? OtiÖ £ViX X£p6v [Ö]v7l[0]£i(7tV 



^ Vcrr. II 21 § 51 : Mithridates in Asia cum eani provinciam totam occu- 
passet Mucia non sustulit ; Pseudo-Ascoiiius in Verr. II 27: A. Mucius Asiam 
singulariter rexeral arJeo ut dies festiis a Graecis in honorem eius conslituere- 
tur (jui dicerelur Mucia; ilsib. zur Divin. § 57: lue est Mucius in honorem 
cuius Asiani diem festiini Mucia nomdnahant. 



ZUR EPIGRAPHIK VON KLEINASIEN 159 

[©NHC€ICIN die Copie] tö tvi; C"^? {/ipo?. "0? av Se -o<;)t6- 
(|/et li'joc, TW TovSw TO'JTto a[ü)p]a [AM-A die Copie] Tex-va/wci. 
'Oaj another side of ihc same stoiie' 



E 1 CTH N AE 


Sl'ffTTlV (für £'7Tiv) (^£ 


TO H UÜTO 


TO Yl[pö]o 


N KO 1 NO 


V xoivö 


N TUU N A 


V TOiV O, 


A E AI UU 


S6>.[cp]üi 


N 


V. 



Die Ergänzungen und Verbesserungen der Herausgeber des 
Corpus sind nicht glücklich ; mit Ausnahme der Buchstaben- 
gruppe TONKAAAOYC glaube ich den barbarischen Text 
lesbar i>;emacht zu haben. 

Derselbe verdient Beachtung vom sprachlichen, und, was 
ich hier nicht weiter verfolge, vom culturhistorischen Stand- 
punkte; er giebt uns Anlass, eine zweite Inschrift aus demsel- 
ben Gebiete vor Änderungen zu schützen. Ich meine das me- 
trische Epitymbion aus Cotyaeum, C. I. G. III 3857 "', in 
Kaibel's Anthologie N. 367, dessen Anfang so lautet: 
(xevaov toos Griy.v. TiaTvip eiSpucrs öuyaTpt, 
a.Oxva,TY;v [/,v7)[;.viv, [j.vvijj-ocuvov oKJ^puov^" 
[XTiTTip S' 71 ßa.p'j7i:£v9ai; ztzI t£x,vou Tayjj[j.oipou 

a.X])c['j]ovcc [Y]o[£]p[oil(; Sy./tp'jGt »x'jpoaEva. 

Zu Z. 5 bemerkt der Herausgeber ' EINEKONICTOPFHC 
LeBas et Perrot; lapidarii er rarem corrc.vi ex aliis titu- 
lis comment. Bonnens. p. 26. A/iiindc petitam esse vcr- 
siim probat dorica fornid uvoonha '. 

Ich glaube dass der lapidarius, der Vetter des bekannten 



' Z. 2 möchte ich Waddinglons Lesung 8axpu[w]v vorziehen, vixi. C. I. G. 
3815 (nach besserer Copie HapaoT. äo/. zum 15. Bd. des Constanlinopler 
Syllugos S. 66 N. 18) und Z. 3 ßapurrsvOo; Anliiul. Pal. 9,25'i Z. 1 Inschr. aus 
Iconium FlapapT. äp/. zum 17. Bd. des Syllogus S. 17 i N. 31. 



160 ZUR EPIGRAPHIK VON KLEINASIEN 

monachus oscitans, hier mit Unrecht zum Sündenbock ge- 
macht wird ; seine Vorlage trug sicherlich 

ei'vs/.sv laropyr/i; oä/.pijci [j!,'jpo[/.eva, 
£iv£-/.£v [GTopyTi; wie in der eben behandelten Inschrift. 

Diese seltsame Form reiht sich andern Beispielen \ on Wör- 
tern namentlich Eigennamen an, in denen den Doppelkonso- 
nanten Gx., aiz, (7T zur Erleichterung der Aussprache ein unor- 
ganisches '., bez. nach itacistischer Ansprache, £i vorgeschla- 
gen wird. Ich habe mir folgende Formen notirt. 

'Ii7-/.u;xvou für Il/.'j[;.vo'j, Inschrift aus der Nähe von Antiochia 
Pisidiae im Journ. of Hell. Stiidies IV 23 ff. Z. 27 u. 71; 
"I(7/.op,vo<; Arch. Epigr. Mitth. aus Österreich VII 185 N. 55 
(aus Pessinus). 

'I(77raTaX7^;=:[S7iraTa>;Yi(;, Inschrift aus Oturak bei Apollonia 
Journ. of Hell. Stud. a. a. 0. S. 419 N. 33 (vom Heraus- 
geber missverstanden). 

'I<7T£(pavov Perrot Explor. S. 123 III Z. 4; 'iTxscpaviwv Ar- 
chäol. Epigr. Mittheil. VIII S. 194 N. 4 aus Baris Pisidiae 
^EOocyysX. SxoX-^ Ihp. E' 1884/85 S. 24 N. 242. 

'IdTpaTiwTO'j Journ. of Hell. Studies IV 23 ff. Z. 17. 

An Substantiven ist mir ausser tGTopy/i nur noch laTriXt] vor- 
gekommen (Eüayy. '^jpkr, 1. c. S. 51 N. uicG' und vermut- 
lich drj-crXkTt in der zu Anfang behandelten Inschrift^). 

Diese fehlerhafte Aussprache herrschte also in Phrygien imd 
Pisidien und steht vielleicht im Zusammenhange mit den dort 
bis in die späteren Zeiten gesprochenen einheimischen Spra- 
chen ; noch heute sollen die dortigen Dialekte die gleiche Ei- 
gentümlichkeit aufweisen, worauf indess kein grosses Gewicht 
zu legen ist. 

In den semitischen Sprachen wird bekanntlich den mit sk, 
sp, st, X, ps anlautenden Fremdwörtern, wenn sie nicht sonst 
mundgerecht zu machen sind (wie z. B. lat. strata arabisch 



• [Vgl. ausserdem taTrpaj oben XIII S. 258,77, {\n^r}.r^ S. 267, 118 und im 
allgemeinen S. 260]. 



ZUR El'lGUAI'HIK VÜX KM; IXASli: N KU 

sirat wird) ein i vorgeschlagen. Dieselbe Erscheinung lindd 
sicli im Türkischen und in den Romanischen Sprachen. 

-o'7/.6'|£'. zum Schluss von C. I. G. IV 026G liabe ich niclit 
angeridii'l ; in den phrygischen Inschriften ist fast ausnahms- 
los -ocoiTsi für 7üpo(7oia£t geschrieben und die Weglassung des p 
fälU weder dem Steinmetzen noch dem modernen Copisten 
zur Last, wie ich bereits im napapT'/;;^:/. a. a. 0. S. 06 Ix'mcrkt 
habe, tco(7x^£'. = 7:po<;a,^£'. aucli in einer Inschrift bei llirsclifeld 
(Berliner Sitzungsberichte 1888 S. 865 N. 7). 

Abgesehen von einigen Zusätzen und Aljiuulcrunyen sind tlie vorstellen- 
den Bemerkungen im J. 1886 niedergeschrieben. 

J. IL MORDTMANN. 




GLADIATORENRELIEF DES MUSEUMS ZU TRIEST 



Das vorstellend nach einer Photographie wiedergegebene 
Marmorrelief ist als Geschenk des österreichisch - ungarischen 
Lloyd unlängst in das Museum von Triest gelangt, nachdem 
es eine Reihe von Jahren auf der Insel Rhodos in Privatbe- 
sitz gewesen war. Ob es hier oder etwa auf dem kleinasiati- 
schen Festland gefunden wurde, wo eine nicht geringe Zahl 
von Gladiatorenreliefs bekannt geworden ist, lässt sich nicht 
mehr entscheiden. Die Photographie sowie die näheren Mittei- 
lungen über das Relief verdankt das Institut der Freundlich- 
keit des Herrn Pervanoglu. Das Relief, dessen Maasse 0,59 m 
Lg. 0,58 m Rr. 0,12 m D. betragen, ist an den Rändern der 
Vorderseite mehrfach bestossen und an der linken Seite nicht 



CtLADIATORENREUEF DES MUSEUMS ZU TRIEST 163 

mehr vollständig erhalten ; docii ist hier schwerlich mehr dar- 
gestellt gewesen, als die linke Rampe, von der nur noch das 
obere Stück sichtbar ist. Es führen nämlich von rechts und 
links steile Ham])en, die, wie es scheint, von einem Balkcn- 
gefüge gestützt werden, auf ein Podium, welches gleichfalls 
von Balken getragen wird. Oben befindet sich, dem Beschauer 
zugewendet, ein Gladiator in der Rüslunii' der retuirii. In der 
Linken hält er Dreizack und Dolcli, die linke Schulter schützt 
der galerus, um die Hüften ist der von einem Gürtel gehal- 
tene, oben ausgezackte Schurz gelegt, dessen einer Zipfel vorn 
herunterfällt, der Kopf ist nach links gedreht, die Rechte zum 
Zeichen der erbetenen missio erhoben. 

Betreffs des undeutlichen Gegenstandes zwischen den Füssen 
hatte ich vermutet, es könnte darunter vielleicht das Netz, das 
nur selten auf bildlichen Darstellungen erhalten ist, zu er- 
kennen sein. Indessen schreibt mir Herr Pervanoglu, es möch- 
ten vielmehr Blumen und Früchte gemeint sein, deren Bedeu- 
tung an dieser Stelle mir freilich völlig unklar ist. Von rechts 
her sucht der Gegner, dessen Bewaffnung den secutor erken- 
nen lässt, auf das Podium zu steigen. Der linke Arm mit dem 
grossen, gewölbten Schild, von viereckiger Gestalt und mit 
einem Buckel versehen, ist vorgestreckt, die Rechte hält ein 
Schw ert. Den Kopf deckt ein fest anliegender Helm mit Krempe 
und runder cri'sta, das linke Bein die samnitische Schiene, 
die Lenden der Schurz, über welchen hinten, gleichfalls vom 
Gürtel gehalten, ein viereckiges, oft nachgewiesenes, aber noch 
nicht erklärtes Stück herabhängt. Im Eifer des Kampfes sucht 
der Fechter auf seinen Gegner einzudringen, obwohl dieser, 
da er die Entscheidung des Volkes bez. des Spielgebers anruft, 
dem weiteren Kampfe entrückt ist. Über dem secutor steht 
der Name M A P I 2 K o ^ , rechts vom Kopfe des retiarius 
KP I T02. Vermutlich ist Letzteres jedoch nicht für sich zu 
nehmen, sondern mit dem Rest eines A links von der Hand 
der Gladiators zu verbinden und etwa zu 'AyopIx/.piTo; zu er- 
gänzen. Unter dem Boden des Podiums ist die Inschrift ATTE- 
AYeHj — EäßiAOYAOY angebracht. 



■164 C.LADI.VTORENRELIEF DES MUSEUMS ZU TRIEST 

Kleinasiatische, auf Gladiatoren bezügliche Inschriften und 
Darstellungen haben uns schon mancherlei Abweichungen \on 
der "ewöhnliclien Rei-cl iiezeio't, die in den westlichen Provin- 
zen des röniisclien Reiches fast ausnahmslos gewahrt blieb. 
So bietet aucli das triester Relief mit seinem Podium und der 
zuletzt erwähnten Inschrift Neues. Das Erstere könnte vielleicht 
zu gleicher Zeit einem doppelten Zweck gedient haben. Wie 
w ir nämlich auch diesem Relief entnehmen können und wie 
es in der Natur der Sache lag, konnte ein siegreich vordrin- 
gender Gladiator nicht ebenso plötzlich den Kampf abbreclien, 
Avie der unterliegende. Meist sehen w ir daher, wie ein Auf- 
seher den Aniireifer zurückhalten muss, und wo dieser fehlt, 
kann man annehmen, dass die Rufe der Zuschauer dies tha- 
ten. Doch lässt sich auch denken, dass ein erhöhtes Podium, 
auf welches der Scliwächere sich zurückzoo", und welches dem 
Stärkeren immerhin eine bestimmtere Grenze zog, als es der 
gleichmässig ebene Boden der Arena vermochte, diesem Zwecke 
diente. Zugleich aber war es vielleicht erwünscht den Ort zu 
erhöhen, wo der Gladiator, wenn ihm das Volk seine Bitte 
um Entlassung nicht erfüllte, sterben sollte. Auf diese Weise 
konnten die Zuschauer die Mienen des Sterbenden besser 
sehen. Man hätte dann ein ähnliches Verfahren eingeschla- 
gen, wie der Spielgeber bei Petron, dem man es nachrühmte, 
dass er die Todtenkammer, in welche die Fechter oft geschleppt 
wurden, bevor der Tod wirklich eingetreten war, mitten in 
die Arena bringen wollte; vgl. Cap. 45: f'crrum oplimuni 
daturus est^ sine fuga, cdiiuiriuDi in ntcdio, ut (unphi- 
thcatrum vidcnt. 

Die beiden angegebenen Zwecke würtlen sich nicht allein 
nicht ausschliessen, sondern sich sogar auf das Beste ergänzen. 
Der Besiegte bestieg das Podium, um vom eigentlichen Kampfe 
befreit zu sein imd um . wenn die l']utlassung nicht erteilt 
wurde, dort oben den Todesstoss zu empfangen. 

Was die Inschrift a.7:{k\j^r\ i'^co XouSou betrifft, so könnte es 
auf den ersten Blick scheinen, als ob sich dieselbe auf die Ent- 
lassung des Fechters aus dem Indus, der Gladiatorenschule 



GLADIATOBENRELIEF DES MUSEUMS ZU TRIKST 105 

bezöge. Denn es ist seit Ritsclirs Auseinandersetzung [Tcsse- 
nv gladiatorix S. Gl. 1) bekannt, dass man im Gegensatz zu 
den ludi circcnscs und scarnici sirenp; irenommon nur von 
muncia glddüitorui sprecluMi dai'!', während Indus ^l(idi((- 
loiiiis die Fechterschule bezeichnet. Indessen ist zu beachten, 
dass llitschl diesen Unterschied nur für die Zeit vor den scrip- 
torcs /listoriiv Aif^f(s/;r. in denen sicli die ersle Abweichung 
von der Regel hndet (Spart, lladr. 0), aulslellt. In der Tiiat 
hat denn auch Garrucci, der bereits vor Ritschi in seiner Sclirift 
Sull'e/)oca e sui frammenti delle iscrizioni delldnplcdtro 
Piiteoldiio (Nea[)el 1851) S. 6 IT. auf jenen Sprachgebrauch 
hinwies, mehrere Ausnahmen angciührt, die sich noch \ er- 
mehren lassen. 

Dabei ist zu beachten, dass im Gegensatz zu den Ausdrücken 
ludi circcnscs und scric/u'ci, die auch von einem Scliauspiel 
gebraucht werden, entsprechend dem Singular mu/ius glu- 
diatorium auch nur von einem ludus gladiatorius gespro- 
chen wird; vergl. liieronym. GIn-on. z. .). 752 d. St. und 
Symmachus Epist. II. 16. Der Plural entspricht stets den 
muiicra; vgl. Spartianus Hadr. 9; Servius zu Verg. Aen. 
VIII 636; Lactantius Inst. div. VI. 20. Auch in der von Use- 
ner Rhein. Museum 1882. S. 479 f. behandelten Stelle des 
Dionysius Exiguus z. J. 399 n. Chr. sind doch wohl Gla- 
diatorenspiele, nicht Gladiatorenschulen gemeint. In der 
That lag es ja, je mehr man sich davon entwidmte, in den 
Gladiatorenspielen Opfer für Verstorbene zu sehen und je mehr 
man sie mit andern Schauspielen vereinigte, desto näher, auch 
auf sie den Ausdruck ludi anzuwenden. Dann k(»unlen wir 
auch das i'^w Xo-J^ou {^c ludo) der Inschrift im Sinne \on e niu- 
nere oder viel mehr richtige)' im Sinne von c pugna nehmen. 
Dass es sicli liier al)er in der That nicht um die Entlassung 
aus der Sclude, sondern um die einfaclie missio eines Gladia- 
torenzweikampfes handelt, zeigt der Ausdruck dcTirsXoOr;, der das 
lateinische missus est wiedergiebt , wie ich De gladiatura 
Jionuuia (Bonn 1881) S. 41 a\is der Inschrift C. 1. G. 2164 
bewiesen habe. Ausserdem passt aber auch nur eine Bemer- 



166 GLADIATORENRELIEF DES MUSEUMS ZU TRIEST 

kung, die sich auf einen einzelnen Kampf bezieht, zu der 
bikllichen Darstelhma; des Reliefs. Die Herübernahme des la- 
teinischen ludus ins Griechische begegnet meines Wissens hier 
zum ersten Male. Der Strich vor dem l'Co) ist wohl durch die 
Annahme zu erklären, dass der Steinmetz das e'^ü) zuerst vorn 
anfangen lassen wollte. 



Braunschweig. 



P. J. MEIER. 



METROLOGISCHE BEITRÄGE 



V. Das äginäisch- attische Mass- System. 

In dem ersten Beitrag zur antiken Metrologie (Atli. Mittli. 
VII S. 277 ) habe ich das von Solon in Athen eingeführte Mass- 
System behandelt und nachgewiesen, dass demselben der grie- 
chisch-römische Fuss von 0,296 '" zu Grunde lag. Am Schlüsse 
des Aufsatzes versprach ich, später die Frage zu erörtern, 
welches Mass -System vor Solon in Athen im Gebrauch ge- 
wesen und durch die solonische Reform verdrängt worden sei. 

Dass vor Solon in Athen ein grösseres Gewicht als das at- 
tische Talent von 25, 86 Klg. sowohl im täglichen Leben als 
auch in der Münze üblich war, ist schon längst bekannt und 
namentlich von Böckh (Metrol. Unters. S. 114) und Hultsch 
(Metrol." S. 200) ausführlich dargelegt worden. Auch daran 
hat man niemals gezweifelt, dass dieses ältere Gewicht trotz 
der solonischen Neuordnung im täglichen Gebrauch blieb und 
als Handelsgewicht neben dem solonischen Münzgewichte noch 
bis zum 1. Jahrhundert vor Chr. auf dem athenischen Markte 
amtlich vorgeschrieben war (vergl. C. I. A. 11 476). VVelches 
Längenmass aber diesem älteren Gewichte zu Grunde liegt und 
ob dasselbe auch in Ath^n im Gebrauch gewesen ist, werden 
wir im Nachfolgenden zu bestimmen suchen. 

Zu diesem Zwecke legen wir uns zuerst die Frage vor: nach 
welchem Fusse sind die athenischen Bauten der griechischen 
Zeit gebaut worden ? 

Bekanntlich nahm man früher allgemein an, dass dem Par- 
thenon und den andern gleichzeitigen Bauwerken Athens ein 
Längenfuss von 0,308'" zu Grunde liege (Hultsch, Metrol. '" S. 
66). Ich habe dann später in dem genannten Aufsatze zu be- 



168 MEtROLOGISCRE BEITRAEGE 

^veisen versucht, dass diese Bauten nicht nach einem solchen 
Fusse, sondern nach dem solonischen oder griechisch -römi- 
sehen Fusse von 0,296'" erbaut seien. Die Be>veise für das 
Vorkommen beider Fussmasse an jenen Bauten stützten sich 
zum grossen Teile auf Zusammenstellungen von Abmessungen 
antiker Bauteile und ihre Gleichsetzung mit runden Beträgen 
antiker Fussmasse. Dass ein solches Verfahren leicht zu Irr- 
tümern führen kann, hatte ich schon Ath. Mitth. VII S. 292 
betont. Ich glaubte dieselben aber dadurch möglichst vermie- 
den zu haben, dass ich zunächst von den kleinen Gliederuno;en 
eines Bauwerkes ausging und das bei diesen gefundene Län- 
oenmass an den srösseren Abmessunoen controUirte. Ich bin 
jetzt überzeugt, und es wird sich das im Laufe unserer Unter- 
suchung von selbst ergeben, dass jene Berechnung trotzdem 
zu einem falschen Resultate 2;eführt hat. 

Wie aber soll man das einem Gebäude zu Grunde liegende 
antike Fussmass ermitteln, wenn die Zusammenstellung auch 
noch so vieler Messungen keine Garantie für die Richtigkeit 
des Resultates bietet? Ein vollkommen sicheres Resultat ist 
meines Erachtens nur dann zu erreichen, wenn bei einem 
Bauwerke inschriftlich überlieferte, sichere Massangaben vor- 
liegen, und dieselben mit den wirklichen Abmessungen des- 
selben verglichen werden können. Je grösser die Zahl dieser 
Angaben ist, um so mehr werden die Resultate der Verglei- 
chung sich gegenseitig ergänzen und berichtigen. 

Dieser günstige Fall liegt bei griechischen Bauten fast nie- 
mals vor. Wir besitzen zwar bei einioen derselben "enaue und 
sichere Angaben über ihre Abmessungen, aber die entsprechen- 
den Dimensionen sind gewöhnlich jetzt nicht mehr nachmess- 
bar. Es giebt jedoch ein noch wohl erhaltenes griechisches 
Gebäude, dessen Abmessungen zum Teil mit inschriftlich über- 
lieferten Angaben über ihre Grösse verglichen werden können, 
nämlich das Erechtheion in Athen. Der Commissionsbericht 
aus dem Jahre 408/7 über den Zustand dieses Tempels {C. LA. 
I 322) enthält mehrere Massangaben solcher Steine des Ge- 
bäudes, welche jetzt noch vorhanden sind. z. B. der Wand- 



METROLOGISCHE BEITRAEGE 



169 



quadern, Arcliitrave, Gesimse elc. Wir können diese Steine 
jetzt mit dem Metermass messen, die gewonnenen Zahlen mit 
den Angaben der Inschrift vergleichen und so die Grösse des in 
der Inschrift genannten Fnsses bestimmen. 

Warum hat man diesen Weg, welcher augenscheinlich zu 
einem sichern Resultate führen muss, bisher nicht eingeschla- 
gen? Aus einem doppelten Grunde ist es nicht geschehen. Er- 
stens saote man sich, dass die An2;aben der Inschrift schwer- 
lieh ganz genau sein könnten, weil neben dem Fuss als klein- 
stes Mass nur die Handbreite ( = 74 Fuss) vorkommt. Und 
zweitens ergab eine oberflächliche Vergleichung der Zahlen 
der Inschrift mit den wirklichen Abmessungen einiger Bau- 
glieder für den antiken Fuss Werte von 0,28 bis 0,35™. Dass 
der attische Fuss zwischen diesen Grenzwerten gelegen haben 
müsse, hatte noch niemand bezweifelt, und es schien daher, 
als ob die Zahlen des Commissionsberichtes zur genauen Be- 
stimmuno; des antiken Fusses nicht zu verwenden seien. 

Eine sorgfältige Zusammenstellung und Vergleichung aller 
in der Inschrift aufgeführten ßaustücke mit den noch erhalte- 
nen Steinen, soweit dieselben zu identificiren sind, ergiebt aber 
ein anderes, sehr überraschendes Resultat. Die nachstehende 
Tabelle wird dies veranschaulichen ; 



Bauglied 




De trag 
in Füssen 


\. Wandquader 


L. 


4 




B. 


9 




H. 


i ^'2 


2. Epikranitis, 


L. 


4 


Wandkapilell 


B. 


3 




H. 


1 ^'2 


3. Eckquader 


L. 


7 




B. 


4 




H. 


1 ^2 



De trag 
in Metern 



t,30 -1,31 
0,65 -0,67 
0,488-0,491 

1,30 -1,31 

0,95 

0,492 

2,35 
1,26 
0,49 



Grösse des Fusses 
in Millimetern 



ATHEN. illTTHEILUNGEN X\. 



325 - 328 
325- 335 
325-327 

325 - 328 

317 

328 

336 
315 
327 

12 



170 



METROLOGISCHE BEITRAEGE 







llelrag 


Beil 


^ag 


Grösse des Fasses 


llauijlied 




i)i Fassen 


in M 


'lern 


in Millimelern 


4. Arcliilrav 


L. 


8 


2,60 




325 




B. 


2 '/,! 


0,75 




333 




II. 


9 


0,64 




320 


5. Beckstein 


L. 


13 


c.4,15 




319 


der Kurenliallc 


B. 


5 


1,64 




328 


G. Friesslt'in 


L. 


4 


1,31 


-1,37 


328 - 343 




B. 


i 


0,28 


-0,33 


280 - 330 




II. 





0,62 


-0,68 


310-340 


7. Cxeisa 


L. 


4 


1,30 


-1,31 


325 - 328 




B. 


3 


0,08 




327 




II. 


1 ^/,, 


0,37 




296 


8. Gieljelgeisa 


11. 


1 


0,28 




280 



Unter den Beträgen, welche sich liier für den attischen Fuss 
ergeben, kommen Zahlen unter 300'"'" nur bei der Hübe der 
Geisa und der Breite der Friesplatten vor, also bei Steinen, 
deren Oberseite bez. llinterseite nicht genau bearbeitet ist und 
deren Abmessungen dalier nur ungenau gemessen werden konn- 
ten. Fast alle übrigen ^^^erte schwanken zwischen 0,32 und 
0,34"'. Die Übereinstimmung derselben ist gross genug, um 
ohne Weiteres feststellen zu können, dass die Grösse des atti- 
schen Fusses zwischen diesen Grenzwerten gelegen haben muss. 

Angesicbts dieser Tabelle ist die früher von mir schon wi- 
derlegte Annahme, dass der attische Fuss, welcher an den Bau- 
ten vorkommt, 0,308'" gemessen habe, absolut niclit mehr 
aufrecht zu halten. Noch weniger kann aber an einen Fuss von 
0,296 "' gedacht werden, wie ich ihn glaubte annehmen zu dür- 
fen. Das Erechtheion ist vielmehr nacb einem Fusse 
erbaut, welcher ungefähr 0,33'" betrug. Da dieser 
Fuss in der Inschrift kurzweg 6 -ou; genannt wird, so musg 



METnOLOrrlSnHE BEITRAEGE ili 

er damals der gewi) h nl iclie attische I^ängenfuss ge- 
wesen sein. 

Haben wir aber einmal gefunden, dass der attische Fuss des 
V. Jahrhunderts annähernd 0,33'" betrug, so können wir seine 
genaue Grösse leicht ermitteln, wenn wir diejenigen grösse- 
ren Abmessungen des Erechtlieion und andrer Bauten zum 
Vergleich heranziehen, welche augenscheinlich runden Beträ- 
gen von Füssen entsprechen. 

Die ganze Innenbreite des Erechtheion, welche 7 '/,, Quader- 
längen entspricht, misst 9,83'" in der Höhe der Orthostaten 
und 9,85'" in der Höhe der Wandquadern. Nehmen wir diese 
Masse zu 30 Füssen oder 20 Ellen, so erhalten wir einen Fuss 
von 0,328'" und eine Elle von 0/i92'". Das Mittelschiff des 
Parthenon hat gerade dieselbe Breite von 9,81 bis 9,82'", was 
ebenfalls zu 30 Füssen gerechnet, einen Fuss von 0,327'" er- 
giebt. Der Radius der Orchestra im Theater des Lykurg in 
Athen zeigt wiederum dasselbe Mass von 9,81 '", woraus wir 
ebenso einen Fuss von 0,327'" ableiten. Die Säulenhöhe des 
Parthenon beträgt 10,44'" und liefert zu 32 Fuss genommen 
einen Fuss von 0,826'". Aus der Säulenhöhe der Propyläen, 
welche 8,84'" beträgt, können war, wenn wir dieses Mass 
gleich 27 Fuss setzen, einen Wert von 0,327'" berechnen. 
Die Axweiten der Innensäulen in der Eumenes-Stoa messen 
4,91'", was offenbar 15 Fuss (bez. 10 Ellen) von 0,327'" 
entspricht. 

Diese Beispiele, welche ich noch beliebig vermehren könn- 
te, führen übereinstimmend auf einen Längenfuss von 0,326 
bis 0,328'". Wir lernen daraus, dass der attische Fuss etwas 
kleiner war, als 0,33'" und zwar muss der Normalbetrag zwi- 
schen den genannten Grenzen gelegen haben. 

Wir sind in der glücklichen Lage, diese Berechnung noch 
auf einem andern Wege controlliren zu können. Die Ostcella 
des Parthenon hiess olliziell 6 vsw«; 6 i/caTo^xTrsSo;, weil sie 100 
Fuss lang war. Vor den Perserkriegen führte, wie durch eine 
demnächst von H. G. Lolling zu publicirende Inschrift gesi- 
chert ist, der alte Athenatempel diesen Namen. Beide Bauten 



172 METROLOGISCHE BEITRAEGE 

müssen demnach, wenn unsere Darlegungen richtig sind, etwa 
33™ messen. Die Cella des Parthenon hat einschliesshch der 
beiden Quermauern eine Länge von 32,84™, sie ist also 100 
Fuss von je 0,328 '" lang. Die Länge des alten Athenatempels, 
ohne die später zugefügte Ringhalle, beträgt in den Fundamen- 
ten 34,5'", also wenn man den Überstand des Fundaments und 
eine Stufenbreite zweimal abzieht, etwa 33,5™ in dem Stylobat 
und etwas über 33™ in der Architravlänge. Auch hieraus er- 
giebt sich ein Fuss von etwa 0,33™, nach der Parthenoncella 
genauer zu 0,328 ™. 

Auf Grund dieser verschiedenen Berechnungen dürfen wir 
die Grösse des attischen Fusses in maximo auf 0,328™ festsetzen. 

Jedem wird sich nun wohl die Frage aufdrängen : wie steht 
es denn mit dem solonischen Fuss von 0,296™? Ist derselbe 
überhaupt in Athen nicht im Gebrauch gewesen? Dass dieser 
Fuss dem soloniscli- attischen Mass- System zu Grunde liegt, 
und dass wir daher berechtigt sind, ihn den solonisch- atti- 
schen zu nennen, unterliegt keinem Zweifel. An den atheni- 
schen Bauten der vorrömischen Zeit scheint er aber nicht vor- 
zukommen, und daher ist es sehr fraglicli, ob er überhaupt in 
dieser Zeit auf irgend einem Gebiete des öffentlichen oder pri- 
vaten Lebens in Athen selbst im Gebrauch gewesen ist. In 
den andern Städten, in welchen der attisch -euböische Münz- 
fuss galt, z. B. in Korinth und in mehreren Städten Siziliens, 
kann der Fuss von 0,296™ sehr wohl der gewöhnliche Längen- 
fuss gewesen sein. 

Die zunächst auffallende Erscheinung, dass die Athener den 
solonischen Fuss gar nicht benutzt haben sollten, erklärt sich 
leiclit. wenn wir uns daran erinnern, dass das von Solon ein- 
geführte Gewicht ebenfalls in der vorrömisclien Zeit im täg- 
lichen Leben keine Anwendung gefunden hat. Nur bei Silber, 
d. h. bei der Münze, wurde es gebrauclit, als Handelsgewicht 
bediente man sich des alten vorsolonischen äginäischen Gewich- 
tes. Das wissen wir aufs Genaueste aus der bekannten In- 
schrift aus dem I. oder IL Jahrhundert vor Chr., welche die 



METROLOGISCHE BEITRAEGE 173 

Normirung des Handelsgewichtes nach solonischem Gewichte 
vorschreibt [C. I. A. II 'i76). 

Wie das vorsoloniselie Gewicht trotz der solonisclien Mass- 
reform no(di mehrere Jahrhunderte hindurch als gewöhnliches 
Handelsgewicht im Gebrauch blieb, so ist auch das vorsolo- 
nische Fussmass nicht abgeschafft, sondern noch lange Zeit 
allgemein benutzt worden. Diese Annahme wird bestätigt 
durch die wichtige Thatsache , dass dieser liingenfuss von 
0,328"' zu dem äginäischen Mass-System gehört. Er bildet die 
Grundlage dieses Systems. Denn wie das Wassergewicht eines 
Cubikfusses von 0,296 dem solonischen Talente von 25,9 Klg. 
entspricht, so ist das Wassergewicht eines Gubus von 0,328'" 
gleich dem äginäischen Talent von 35,3 Klg. 

Alles, was wir über das ältere athenische oder äginäische 
Talent wissen, ist von F. Hultsch in seiner Metrologie (S.199) 
in vorzüglicher Weise zusammengestellt. Er kommt dabei zu 
dem Resultate, dass das Normalgewicht etwas höher gewesen, 
als wir annehmen, nämlich 35,7 bis 37,2 Klg. Diese Differenz 
erklärt sich teils daraus, dass er für das attisch -solonische 
Talent einen höhern Betrag annimmt und so auch für das 
daraus berechnete ältere Talent eine grössere Zahl erhält, 
teils aber daraus, dass er auch hier als Normalgew icht nicht 
das Durchschnittsgewicht aller gut erhaltenen Münzen, sondern 
das Maximalgewicht der besten Stücke nimmt. Aber selbst 
wenn wdr das äginäische Talent hiernach neu bestimmten, 
würde immer noch eine kleine Differenz gegen obigen Betrag 
von 35.3 Rlr». übrlu' bleiben. Man könnte s;eneia;t sein die- 
selbe dadurch vollkommen auszugleichen, dass man den Län- 
genfuss von 0,328 ein wenig erhöht, etwa auf 0,330'" (vergl. 
Nissen, Metrol. S. 35); man erhält alsdann als Wassergewicht 
eines solchen Cubikfusses 35,9 Klg. Allein eine solche Erhö- 
hung des Fusses ist wenigstens für Athen nicht zulässig, denn 
nach meinen mehrjährigen Messungen und Beobachtungen ist 
0,328'" sclion ein Maximalwert, über den man keinenfalls hin- 
ausgehen darf. Nach den athenischen Bauten dürfte man eher 
den Fuss um 1 '"'" verringern. 



174 METROLOGISCHE BEITRAEGE 

Meines Erachtens dürfen wir jetzt Yon dem gefundenen Be- 
trage des Fusses von O.S^S"" als von einem vollkommen ge- 
sicherten Fixpunkte ausgehen und nach ihm den Normalbe- 
trag des athenischen Handelstalentes bez. des äginäischen Ta- 
lentes bestimmen. Ich trage sogar kein Bedenken, selbst das 
Normalgewicht des solonisch -attischen Talentes und den Nor- 
malbetrag des solonischen Längenfusses jetzt auf Grund des 
von dem Längenfuss von 0,328'" abgeleiteten Handelstalentes 
von 35,3 Rlg. festzusetzen. Denn nachdem die genaue Bestim- 
mung des solonischen Fusses aus den Bauwerken in Weg- 
fall gekommen ist. steht nichts mehr im Wege diesen Fuss 
um 1-2 """ niedriger als den römischen pes monetalis anzu- 
setzen. 

Nach dem angeführten Volksbeschluss, dessen Zahlenanga- 
ben mit den anderweitig überlieferten im Einklang stehen 
(vergi. Hultsch, Metrol. S. 201), verhält sich das solonische 
Talent zum Handelstalent wie 100 : 138. Ist letzteres 35,3 Rlg., 
so erhält man für das solonische Talent 25,6 Klg., woraus 
sich weiter für die Drachme 4,26 gr. und für den solonischen 
Längenfuss 0,295'" ergiebt. Wir erhalten so für die attische 
Drachme ein Normalge wicht, welches nicht nur zu den erhal- 
tenen Münzen sehr gut passt, sondern uns auch gestattet, das 
Normalgewicht des attischen Didrachmon demjenigen des ko- 
rinthischen Staters und des babylonischen Gold- Shekels voll- 
kommen gleich zu setzen. Wir brauchen dann nicht mehr, um 
die Differenz zwischen diesen Münzen zu erklären, zu der Hy- 
pothese zu greifen , dass Solon bei seiner Münzreform das 
Normale;ewicht der letzteren Staaten willkürlich erh()ht habe. 
Gerade weil die attischen Münzen durchschnittlich das Nor- 
malgewicht erreichten, waren sie im ganzen Altertum berühmt. 

Den Längenfuss von 0,328 haben wir bisher nur für Athen 
nachgewiesen. Ist er die Grundlage des äginäischen Mass -Sy- 
stems, so muss er auch überall im Gebrauch gewesen sein, wo 
die äginäische Münzwährung galt. Lässt sich das nachweisen? 
Ich kann die vielen Messungen und Berechnungen, welche ich 
zu diesem Zwecke angestellt habe, hier nicht mitteilen, weil 



METROLOfilSCHE nEITn.VEGE nJ 

dieselben zu viel Raum beanspruchen würden. Einige Bei- 
spiele mögen genügen. 

Die Stadimauer von Manlinca hat zahlreiche Türme, wel- 
che in "leichen Abständen erbaut sind. Man darf dalier vor- 

o 

aussetzen, dass runde Masse vorliegen. Thalsäcblich sind mm 
aiu'h. wenn ww den Fuss von 0,328'" zu Grunde legen, die 
Türme meist gerade 20 Fuss breit. 80 Fuss von einander ent- 
lernt und springen 12 Fuss vor die Mauerlinie vor. die Ab- 
stände der Türme, von Mitte zu Mitte gerechn<'t. beiragen 
also gerade 100 Fuss. So habe ich z. H. die Abstände von 5 
Türmen an der Südseite im Ganzen zu 163.90'" gemessen, 
ein Mass, das genau 500 Füssen von je 0,328'" entspricht. In 
Phii>;alia siebt es nach der Messuna; A. Blouet's ebenfalls Tür- 
me, die gerade 20 Fuss breit sind : einer derselben springt 
genau 30 Fuss vor die Mauer vor. Auch in Olympia ist der 
Fuss von 0,328'" nachweisbar. Die älteren Bauten sind nicht 
nacdi dem am Stadion daselbst vorhandenen Fusse von 0,3206'" 
sebaul. wie icli früher erlaubte, sondern auch bei ihnen ist der 
äginäische Fuss von 0,328'" angewendet. So messen z. B. am 
Zeustempel: die Säulenhöhe 10,44'" = 32 Fuss (früher 32 7,), 
die Axweite der Säulen 5,23'"^ 16 Fuss (gegen I674), der 
Abakus der Säulen 2.61'" = 8 Fuss (früher S^/^). die Breite 
des Mittelschiffes 6,52 '" = 20 Fuss. Ferner am Heraion da- 
selbst die Säulenhöhe 5,22'"= 16 Fuss, die Axweite der Säu- 
len an den Langseiten 3,27'"= 10 Fuss. Das Prytaneion ist 100 
Fuss im Quadrat, also o-erade ein Pletbron oross. 

Schon aus diesen Beispielen ergiebt sich zur Genüge, dass 
der äginäische Fuss im Betrage von etwa 0.328'" im Pelopon- 
nes sehr verbreitet war. Fr ist oüenbar überall, wo die ägi- 
näivsche Münzwährung herrschte, als Längenfuss im Gebrauch 
gewesen. Da wir aus dem Beispiele Athens sehen, dass er so- 
gar über den Geltungsi)ereich der äginäisciien Währung hin- 
aus, als der Fuss bekannt und benutzt war. so sind wir wei- 
ter berechtigt, ihn nach einem von Ilultsch eingefldu'ten Aus- 
druck den gemeingriechischen Fuss zu nennen. 

Auf Grund unserei- Darleiiuni-en dürfen wir ded Schluss 



176 METROLOGISCHE BEITRAEGE 

ziehen, dass überall, wo in attischen Inschriften oder bei atti- 
schen Schriftstellern der vorrömischen Zeit Grössenansaben 
in Füssen oder Ellen vorliegen, der Fuss von 0,328'° und die 
Elle von 0,492™ gemeint sind. In Bezug auf Herodot kann 
man zunächst zweifeln, ob er auch im Alls-emeinen diesen 
Fuss und diese Elle benutzt. Er kannte mindestens 4 verschie- 
dene Ellen, den [;.£Tpio;, ^acaCk'ri'.oi;, cx^aio«; und aty'jTüTio«; Tzriyyi;. 
Von diesen ist der (j.£Tp'.oc 7^r,yyq offenbar diejenige Elle, nach 
welcher er gewöhnlich zu messen pflegt. Nach dem Scholia- 
sten zu Lucians Kataplus 16 (Hultsch, Metr. S. 46 Anm. 2) 
hiess sie auch die private und gemeine Elle ( iSitoTuö«; /.al /.oivo?). 
Da in Athen der Fuss von 0,328"' und die Elle von 0,492*° 
die im täglichen Leben üblichen Masse Maren, im Gegensatze 
zu dem der staatlichen Münze zu Grunde liegenden Fuss von 
0,295'°, so sind jene Epitheta des Scholiasten gerade für un- 
sere Elle sehr passend. 

Wir können aber auch aus einer Stelle Herodots direkt be- 
weisen, dass er gewöhnlich nach der Elle von 0,492'° rechnet. 
Er beschreibt nämlich (I 60), wie Peisistratos sich durch eine 
als Athena verkleidete grosse F'rau nach Athen zurückbringen 
Hess, und fügt seiner Erzählung, offenbar, um sie glaubhafter 
zu machen, die Bemerkung hinzu, dass jene Frau 4 Ellen 
weniger 3 Daktylen gross, im Übrigen aber wohlgestaltet ge- 
wesen sei. Legen wir hier eine Elle von 0,444'° zu Grunde, 
wie ich sie früher dem Herodot zuschrieb, so erhalten wir als 
Grösse der Frau 1,72'", während sich bei einer Elle von 0,492*° 
eine Grösse von 1,91'" ergiebt. Es ist ohne Weiteres klar, dass 
nur der letztere Wert in Betracht kommen kann ; denn eine 
Frau von 1,72 war durchaus keine auffallende Erscheinung. 

Der [xerpto? Tu-^/^i»? des Herodot ist daher sicher die äginäisch- 
attische Elle von 0,492'". Um 3 Daktylen grösser als diese 
gemeine oder massige Elle war ferner, wie Herodot I 178 an- 
giebt, die königliche Elle, nach welcher die Mauern von Ba- 
bylon erbaut waren. Dieselbe hatte demnach eine Länge von 
0,554"'. Gerade einen solchen Betrag haben aber Oppert und 
Dieulafoy für die orientalische Elle erwiesen , und Nissen 



METROLOGISCHE BEITRAEGE 177 

hat in seiner Metrologie einen solchen Betrag für die grosse 
babylonische Elle angenommen. Neuerdings hat auch C. F. Leh- 
mann (Verh. der Berliner Anlhrop. Gesellschaft 1889, S. 310) 
die babylonische Elle auf 0,550 bis 0,555'" bestimmt und dar- 
aus auch den uAr^ioQ Tzrr/yq des llerodot zu 0,'j9"' l)ercclin('t. 
Dies Zusammentreffen der von verschiedenen Grundlagen aus- 
gehenden Untersuchungen ist eine wertvolle Besliiligung für 
die Richtigkeit unserer Darlegungen. 

Auf das Verhältniss des äginäisch- attischen Fusses zu den 
anderen Fussmassen des Altertums und auf die äginäischen 
Hohlmasse und Gewichte hier näher einzugehen, verbietet der 
mangelnde Raum. Es sei nur noch kurz daraufhingewiesen, 
dass wir in dem auf dem Längenfusse von 0,328'" aufgebau- 
ten Mass- System wohl ohne Zweifel die von Pheidon im VII. 
oder VIII. Jahrhundert eingeführten oder wenigstens geordne- 
ten Masse zu erkennen haben. Die Beträge der einzelnen phei- 
donischen Masse waren folgende: 

Längenmass: Fuss = 0,328'" ; Elle = 0,492'" ; 
Flächenmass: Plethron von 100 Füssen im Quadrat = 32,8'" 

im Quadrat =1076°'". 
Hohlmass: Cubus von 0,328 '" = Metretes von 35,3 Liter. 
Gewicht : VVassergewicht dieses Cubus = Talent von 35,3 

Klg. 



VI. Das griechische Stadion. 

Bekanntlich stimmt die Grösse des Stadion, dessen sich He- 
rodot, Thukydides und andere griechische Schriftsteller bei 
Entfernungsangaben bedienen, durchaus nicht zu demjenigen 
Stadion, welches man als das GOOfache des attischen Fusses 
früher auf 600x0.308'"= 185'" festgesetzt hatte. Die Stadien 
der Schriftsteller sind offenbar kleiner gewesen ; so bestimmt 
F. Hultsch (Metrol. S. 54) auf Grund älterer und eigener ße- 



178 METROLOGISCHE BEITRAEGE 

rechnungen das Stadion Herodots auf etwa 160"". dasjenige 
Xenophons auf etwa 150'" und dasjenige des Eratosthenes auf 
157,5'". Die Differenz mit dem Stadion von 185'" ist überall 
so gross, dass irgendwo in der Rechnung ein Fehler stecken 
muss. Ich glaubte diesen Fehler gefunden zu haben, als ich in 
dem ersten metrologischen Beitrage (Ath. Mitth. VII S. 278) 
darlegte, dass der attisch -solonische Fuss nicht 0,308'", son- 
dern 0,296'" betraoen habe. Die Länoe des oriechischen Sta- 
dion verminderte sich hierdurch auf 178'". Diese Zahl passte 
zw^ar etwas besser, es blieb aber immerhin noch eine Difle- 
renz übrii>-. 

Nachdem wir jetzt erwiesen haben, dass der attische oder 
gemeingriechische Fuss 0,328'" beträgt, wäclist das 600füs- 
sige Stadion auf 197'" und der Unterschied zwischen diesem 
Masse und der nachweisbar viel kleineren Stadionlänge der 
Schriftsteller wird jetzt noch viel bedeutender. Mit einem sol- 
chen Stadion lassen sich die Angaben der griechischen Schrift- 
steller ganz unmöglich vereinigen. 

Wie ist diese Schwieriokeit zu heben? 

Sollen wir mit Hultsch annehmen, dass die Griechen allge- 
mein ein besonderes Schrittstadion oder Itinerarstadion gehabt 
haben, welches zu dem Längenfuss in keinem runden Verhält- 
niss stand und daher mit dem Stadion als Laufbahn nichts zu 
thun hatte? Eine solche Hypothese erscheint mir von vorne 
herein unannehmbar, weil die Griechen gewiss, ebenso wie 
alle Völker des Altertums und der Neuzeit, bestimmte, von 
dem Länijenmass direkt abgeleitete We^emasse »ehabt haben. 

Ich glaube, das Rätsel löst sich in andrer, viel einfacherer 
Weise. Das ältere griechische Stadion liatte nicht 600, son- 
dern 500 Fuss und war daher 500x0,328'"= 164'" lang. Ein 
solches Stadion passt vorzüglich zu allen Wegeangaben der alten 
Schriftsteller, es hat, wie wir sehen werden. der Berechnung des 
Erdumfanges durch Eratosthenes zu Grunde gelegen und es ist 
in sehr rationeller Weise als ein Mass von 100 Doppelschritten 
zu je 5 Fuss von dem griechischen Fiisse abgeleitet. 

Aber ein Stadion von 500 Fuss? Weiss doch jeder Gymna- 



METnOLoaiscHE nEiTn.\Er.E 179 

siast, dass das griechische Stadion stets 600 Fliss gehaltt liat. 
Es steht ja aiK'Ii als Lehrsatz in jedem Handbuch der Metro- 
logie. Sehen wir nach, oh es wirklich ein iiniinistössliclicr 
Lehrsatz ist. 

Zunächst wird von Niemandem bezweifelt, dass es im Al- 
tertum Stadien von verschiedener I^änge gab. Diese Unter- 
schiede waren zum Teil die Folge der verschiedenen Grösse dor 
zu Grunde liegenden Fussmasse. Sie konnten aber auch durch 

D 

die Verschiedenheit in der Anzahl von Füssen, welche man 
aufdas Stadion rechnete, veranlasst sein. Dass letzteres thatsäch- 
lich der Fall war und zwar auch bei den griechischen Stadien, 
sagt Censorin (De die nat. 13) bei Erwähnung der Erdmes- 
sung des Eratosthenes : Stadium autem in hac mundi mensura 
id potissimum intelligendum est, quod italicum vocant, pedum 
sescentorum viginti quinque: nam sunt praeterea et alia longi- 
tudine discrepantia, ut Olympicum, quod est pedum sescen- 
tum, item Pythicum, pedum M (oder besser D). 

Censorin kennt also drei verschiedene Arten von Stadien: 

das italische von 625 Fuss, 

das olympische von 600 Fuss, 

das pythische von 500 Fuss. 
Ob er hierbei absichtlich oder unabsichtlich die verschie- 
dene Grösse der betreffenden Fusse nicht berücksichtigt, ist 
für uns hier gleichgültig. Die Hauptsache ist, dass Censorin 
nicht, wie andere römische Schriftsteller, die Ansicht vertritt, 
dass alle griechischen Stadien OOOfüssig seien, sondern dass 
er nur das olympische als Stadion von 600 Füssen anfübrt. 
Das pythische hatte eine andere Anzahl von Füssen und zwar 
entweder als einfaches Stadion 500 oder als Doppel- Stadion 
1000 Fuss. Alle drei Arten der Stadien, welche Censorin 
kennt, sind uns auch anderweitig; überliefert. Das italische 



^ Die Losart M \vurtle früher allgemein für iiii/.iiliissii; iM'klaii, weil si(> ein 
viel zu grosses Stadion gietit : m.in JiaL daher gewölinlieli D für M gelesen. 
Aber seihst wenn wir die Zahl lOUÜ heihehallen, so würden wir ein Doppel- 
Stadion von je 500 Füssen bekommen. 



180 METROLOGISCHE BEITRAEGE 

oder römische Stadion von 625 Fuss kennen sehr viele römi- 
sche Schriftsteller, es war eingeführt worden, um das Stadion 
als einfache Unterahteiluno; der Meile von 5000 Fuss in das 
römische System der ^^^egemasse einzuordnen. Das Stadion 
ferner von 600 Fuss ist in Olympia ausgegraben worden ; 
ausserdem sind auch die griechischen Stadien der metrologi- 
schen Schriftsteller aus hellenistischer und römischer Zeit stets 
600 Fuss lang. Ein Stadion von 500 Fuss endlich, und das 
interessirt uns am meisten, lernen wir aus Pausanias kennen, 
welcher (V 16,2) berichtet, dass man im Stadion zu Olympia 
für die Wettläufe an den Heraien Yq von der Bahn abgezogen 
habe. Ziehen wir von den 600 Füssen des Stadion Ye ^t)- ^^ 
bleiben 500 Fuss übrig. An dem sehr alten Feste der Heraien 
hatte die Rennbahn also nur eine Länge von 500 Fuss. 

Damit wäre zimächst erwiesen, dass es thatsächlich griechi- 
sche Stadien gegeben hat, welche nicht 600, sondern 500 Fuss 
lang waren. Und zwar haben wir gesehen, dass von den bei- 
den alten Stadien in Delphi und Olympia dasjenige in Delphi 
stets 500 Fuss, dasjenige in Olympia an dem einen Feste 500 
an dem andern 600 Fuss hatte. Worauf gründet sich nun, 
so fragen wir weiter, die bisherige Annahme, dass das ältere 
griechische Stadion ganz allgemein 600 Fuss gehabt habe? 
Sie beruht auf einer einzieren und, wie sich erweisen lässt, 
missverstandenen Nachricht des Herodot. Derselbe giebt näm- 
lich die Höhe der im Möris-See befindlichen Pyramiden in 
Orgyien an und fügt zur Erläuterung des angegebenen Masses 
dieZusammensetzuno; des angewendeten Mass-Svstems mit fol- 
genden Worten hinzu (H 149): a,i [jiv -ufajj.iSe; eid £x.octöv öp- 
Y'j'.swv, ai V ixcCTOV öpyutai Sixaiai sicri crTaSiov £^d(7r>vE0pov, ic,cLT,i- 
So'j viv TV]; öpY'j'.y;; ;x£Tp£0^ac'vr,; y,x\ Tsrpy.7:r,yioc, twv ttoSwv ^.h 
TSTpccT^aXaiGTCOv Iovtojv, tou OS — vjyso? icci.Tzxkoi.wzoij. 

Giebt hier Herodot dasjenige Mass-System an. welches in 
Griechenland allgemein üblich war, oder ein fremdes? Und 
was kann ihn veranlasst haben, hier die Zusammensetzung 
des ganzen Systems anzuführen? Diese Fragen hat man sich 
oft vorgelegt und in verschiedener Weise beantwortet. Dass 



METROLOGISCHE BEITRAEGE 181 

Herodot die Höhe der Pyramiden im Möris-See nicht seihst 
gemessen hat, versteht sich von seihst, denn dieselhen standen 
his zur halhen II()he im Wasser; er hemitzt also eine schrift- 
liche oder mündliche Quelle, ^^^ar es eine griechische Quelle, 
^velche die Höhe in gewöhnlichen griechischen Massen angah, 
so hrauchte er diese Angabe nur zu wiederholen, ohne einen 
Commentar hinzuzufügen. War es dagegen ein fremdes Mass, 
so war ein erklärender Zusatz nicht nur wünschenswert, son- 
dern sogar notwendig. Bei ähnlichen Gelegenheiten pflegt er 
stets solche Zusätze zu machen. Während sie sich gewöhnlich 
auf die Grösse des angewendeten Massstabes beziehen, soll der 
Zusatz hier den Aufbau des angewendeten Mass -Systems er- 
klären. Bei unbefangener Betrachtung der Worte Herodots 
hört man aus denselben sehr wohl heraus, dass er noch ein 
anderes Stadion als das i^axT^eöpov, noch eine andere Orgyia 
als diejenige von 6 Füssen und noch eine andere Elle als die 
von 6 Handbreiten kennt. 

Ist es schon hiernach wahrscheinlich, dass das Mass- Sy- 
stem, dessen Aufbau er hier angiebt, nicht das gewöhnliche 
griechische System ist, und dass also das crTaStov i^axAsOpov 
nicht dasjenige ist, nach welchem er gewöhnlich seine Län- 
genangaben macht, so können wir aber weiter noch einen di- 
rekten Beweis für diese Ansicht beibringen. 

An einem bestimmten Beispiel wurde oben (S.176) gezeigt, 
dass derjenige Fuss, mit welchem Herodot zu messen pflegt, 
der äginäisch- attische von 0,328'" ist. Legen wir diesen Fuss 
dem eben besprochenen Mass -Systeme zu Grunde, so erhal- 
ten wir für das craSiov s^ax^sOpov eine Länge von 197'". Nach 
diesem Stadion müsste also Herodot seine Längenangaben ma- 
chen. Das thut er aber niemals, denn nach dem einstimmi- 
gen Urteil aller Metrologen hat Herodot nach einem Stadion 
gerechnet, welches unbedingt kleiner als 180'" war. Es ist da- 
her das Stadion Herodots keinenfalls das 600fache seines Län- 
gen fusses. 

Wenn wir uns nun erinnern, dass es in Delphi und Olym- 
pia Stadien von 500 Fuss gab, so liegt die Vermutung nahe, 



■18? METROLOGISCHE BEITRAEÖE 

dass auch Herodot nacb einem solchen Stadion gemessen habe. 
500 Fuss von je 0,328'" ergeben ein Stadion von 164'". Ge- 
rade so gross muss aber das Stadion gewesen sein, dessen sich 
Herodot bedient. Hultsch hat es auf Grund zahlreicher Mes- 
sungen und Berechnungen auf 160'" bestimmt. Hatte das Sta- 
dion Herodots aber nur 500 Fuss, so kann die Orgyia. nach 
welcher er gewöhnlich rechnet, auch nur 5 Fuss, nicht 6 Fuss, 
gehabt haben, denn er rechnet stets 100 Orgyien auf das 
Stadion. Die Orgyia von 5 Fuss zu je 0,328 "" war 1,64"' 
lang. 

Es mag wenigstens an einem Beispiel gezeigt werden, dass 
Herodot thatsächlich seine Entfernungs- Angaben nach solchen 
Stadien und Orgyien macht. Die Entfernung vom Roten bis 
zum Mittelländischen Meere giebt er IV 41 zu 100000 Orgyien 
oder 1000 Stadien an. Diese Entfernung, welche der Länge 
des Suez-Canals entspricht, beträgt nach heutigem Mass etwa 
160 Kim. Das Stadion Herodots ist also in diesem Falle etwa 
160'" lang, seine Orgyia etw^a 1,60"'. Ersteres Mass passt so 
gut zu dem 500fiissigem Stadion von 164'", und letzteres so 
gut zu der 5füssigen Orgyia von 1,64'", dass ihre Identität 
hiermit erwiesen ist. 

Das 600füssige Stadion, dessen Herodot sich bei der Hö- 
henangabe der Pyramiden im Möris-See bedient, muss dem- 
nach ein in Ägypten oder in den griechischen Colon ien da- 
selbst übliches Mass gewesen sein. Wie gross dieses Stadion 
war, und welcher Fuss ihm zu Grunde lag, brauchen wir hier 
nicht zu untersuchen. Es genügt uns, constatirt zu haben, dass 
die einzige Angabe, welche hei einem älteren griechischen 
Schriftsteller über ein 000 füssiges Stadion vorkommt, sich 
nicht auf das gewöhnliche griechische Stadion bezieht. 

Endlich kann man noch einen wichtigen allgemeinen Be- 
weis dafür beibringen, dass die Griechen sich ursprünglich 
stets des 500füssigen Stadions bedient haben. Die Orgyia von 
5 Fuss, welche wir bei Herodot fanden und deren 100 auf ein 
Stadion gehen, ist offenbar nicht die Klafter oder die Arm- 
spanne von 6 Fuss, sondern die Fussspanne oder der Doppel- 



METIlOLOr, ISCHE nEITnAET.E 183 

schritt. Schon dei' Umstand, (hiss sie als Unterabteilunji des 
Stadion, also als Wegeniass vorkomnil, beweist, dass sie ein 
Schi'ittniass sein rnnss. Thatsäclilicli kommt nun ancli das 
Wort opyuiä nicht, wie im lüym. magnum angesehen wird, 
von öpsys'-v und yjia, d. li. vom Ausspannen der Arme, son- 
dern nur \on öpsystv (vergl. Ilültsch, Metrol. S. 32 Anm.); es 
bedeutet also etymologisch nur die Spanne und ist vollkom- 
men identisch mit dem lateinischen Worte j)(issus, welches 
von pdiulcrc abgeleitet, die P^ussspanne oder den Doppel- 
schritt bedeutet und eine Länge von 5 Fuss bezeichnet. Da 
nun auf das Stadion, wie Ilultsch und Ideler mit Recht betont 
haben (vergl. Hultsch, Metrol. S. 52), unbedingt eine runde 
Anzahl von Schritten gerechnet werden muss, und da ferner 
der einfache Schritt bei den Griechen, soweit wir wissen, 
stets zu 2Yo Fuss, der Doppelschritt zu 5 Fuss gerechnet 
wurde, so sind w ir ohne Weiteres zu der Annahme berechtigt, 
dass das griechische Stadion lOü Doppelschritt (Orgyien) und 
500 Fuss enthahen hat. Der einfache Schritt hatte mithin eine 
Länge von 0,82 "' ; er war also grösser als der römische Schritt 
von 0,74 '", aber kleiner als der ptolemäische Schritt von 0,87'". 
Er hatte ungefähr dieselbe Länge wie der für die deutsche 
Armee festgesetzte Normalschritt von 0.80'". 

F. Hultsch hatte in der 1 . Auflage seiner Metrologie das Sta- 
dion auch zu 100 Doppelschritten angesetzt, er musste dann 
aber mit Ideler den Doppelschritt zu 6 Fuss annehmen, um 
600 Fuss für das Stadion zu erhalten. Da aber der letztere 
Ansatz allen antiken Angaben über das griechische Schritt- 
mass widerspricht, so hat er in der 2. Auflage das Stadion zu 
240 einfachen oder 120 doppelten Schritten angenommen. Es 
ist offenbar ein wertvoller Beweis für die Richtigkeit unserer 
Darlegungen, dass die Gleichsetzung des Stadions mit 100 
Doppelschritten, welche sich beim OOOfüssigen Stadion nicht 
durchfuhren Hess, sich beim 500füssigen als selbstverständ- 
lich ergiebt. 

Früher leitete man das griechische Stadion direkt von den 
orientalischen Massen ab, indem man es als ein Längenmass 



184 METROLOGISCHE BEITRAEGE 

von 360 Ellen auffasste. Auch wunderte man sich darüber, 
dass die römischen Wegemasse gar keine Ahnliclikeit mit den 
griechischen aufwiesen. War das griechische Stadion dagegen 
ursprünghch ein Mass von 500 Füssen oder 100 Doppelschrit- 
ten, so hat es mit der Elle, mit dem speziell orientalischen 
Masse, nichts mehr zu thun, sondern ist ganz in derselben 
Weise wie die römische Meile decimal von dem Doppelschritt 
und damit von dem Fuss abo;eleitet. In diesem ^räko- italischen 
System bildeten 100 Doppelschritte ein Stadion, 10 Stadien 
oder 1000 Doppelschritte eine Meile. Es mag im Anschluss 
hieran noch besonders darauf hingewiesen werden, dass die 
Elle überhaupt dem griechischen Mass- System ursprünglich 
ebenso fremd ist wie dem römischen. Hohlmass und Gewicht 
sind in Griechenland von dem Fusse abgeleitet und auch das 
griechische Feldmass ist decimal von dem Fusse gebildet. 
Durch die Verbindung mit dem Orient hat sich wahrschein- 
lich zuerst bei den kleinasiatischen Griechen und dann auch 
bei den europäischen die Elle eingebürgert. 

Durch Auftinduno; des SOOfüssigen Stadion von 164™ Länee 
fallen alle die Schwierigkeiten fort, welche bisher bei der Be- 
handlung und Umrechnung der Entfernungsangaben der ver- 
schiedenen antiken Schriftsteller entstanden. Wir brauchen 
jetzt nicht mehr zu dem Auskunftsniittel zu greifen, ein beson- 
deres, von dem Längenfuss unabhängiges und von dem Sta- 
dion als Rennbahn verschiedenes Schrittstadion anzunehmen. 
Überall, wo bei Herodot, Thukydides, Xenophon und andern 
älteren griechischen Schriftstellern von Stadien die Rede ist, 
haben wir an das gewöhnliche Stadion von 500 äginäisch- 
attischen Füssen, also an ein Längenmass von 164'" zu den- 
ken, vorausgesetzt, dass nach dem Zusammenhang oder nach 
ausdrücklicher Angabe nicht ein anderes, weniger gebräuch- 
liches Stadion gemeint ist. 

Ich will wenigstens an einem Beispiel zeigen, wie sehr sich 
die Untersuchung über die von den verschiedenen Schriftstel- 
lern benutzten Stadien jetzt vereinfacht hat. Über das Stadion, 
nach welchem Eratosthenes den Umfang d^r Erde bestimmt 



METROLOGISCHE BEITRAEGE i85 

hat, sind sehr viele Abhandlungen geschrieben worden, ohne 
dass man bislier zu einem allgemein angenommenen Resultate 
gekommen wiire (vergl. Hultsch, Metrol. S. 60 und Canlor, 
Vorles. über Gesch. der Malbem. I S. 581). lüratoslhenes be- 
rechnete den Umlimg der Erde auf 252 000 Stadien. Wäre 
seine Rechnung ganz genau gewesen, so müsste er sich eines 
Stadion von etwa 159'" bedient haben. Ungefähr so gross 
muss nun auch thatsäehlich sein Stadion gewesen sein,da iiber- 
liefert wird, dass dasselbe der vierzigste Teil des ägyptischen 
Schoinos war. Die griecbischen Stadien, welche man bisher 
kannte, waren alle viel zu sross. Um diese Schwierigkeit zu 
heben, stellte man die verschiedensten Hypothesen auf. Hultsch 
z. B. nimmt an, dass Eratosthenes absichtlich vom philetä- 
rischen und attischen Stadion absah und sich selbst ein neues 
Stadion bildete, ' welches dem Durchschnitt der effektiven Sta- 
dionlängen Herodots, Xenophons und Anderer möglichst nahe 
entsprach und überdies leicht in das einheimische Mass- Sy- 
stem Ägyptens sich einfügte'. Also Eratosthenes soll sich ein 
eigenes Stadion geschaffen haben und das Resultat seiner Erd- 
messung soll uns in solchen Stadien überliefert sein ! Die in- 
nere Unwahrscheinlichkeit einer solchen Hypothese ist der 
beste Beweis dafür, dass die bisheri^je Bestimmung des arie- 
chischen Stadion nicht richtig sein kann. Nachdem wir wis- 
sen, dass das gew^öhnliche griechische Stadion nur 161'" lang 
war, versteht es sich von selbst, dass Eratosthenes seine Erd- 
messung auch mit diesem Stadion von je hundert Doppel- 
schritten ausgeführt hat. Das Resultat seiner Rechnung ist 
dem wirklichen Erdumfange sehr nahe gekommen, es war nur 
um etwa 3 Prozent zu gross. 

Wann ist das 500füssige Stadion durch das später allge- 
mein übliche üOOfüssige verdrängt worden? Es dürfte dies 
geschehen sein, als der kleinere Längenfuss von 0,296 an Stelle 
des grösseren Fusses von 0,328'" trat, weil ein Stadion von 500 
Füssen zu je 0,296'" zu klein gewesen wäre. In denjenigen 
Städten, in welchen der kleine Fuss schon früh im Gebrauch 
war, wird man demnach auch schon in früher Zeit 600 Fuss 

ATHKN. MITTUSILUNOEN X\. 13 



Igß METROLOGISCHE BEITRAEGE 

auf das Stadion und 6 Fuss auf die Orgyia gerechnet haben. 
In Athen scheint der Wechsel erst in frührömischer Zeit ein- 
oetreten zu sein, als der alte solonische Fuss als römischer /'<:\s' 
niüiietalis auch in Athen allgemein eingeführt Nvurde, dem 
die Stoa des Eumenes ist noch nach dem alten äginäischen 
Fusse erbaut. Zur Zeit der römischen Kaiser wurde jedenfalls 
überall in Griechenland selbst nach dem Stadion von 600 
Füssen zu je 0,'29ö'", also nach einem Wegemass von 178"' 
gerechnet. In einem Teile Kleinasiens galt dagegen das eben- 
falls 600füssige philetärische Stadion von etwa 200 '" Länge 
und in Ägypten vielleicht das ptolemäische , welches 210"' 
lano- war. 

Das OOOfüssige Stadion von 178"' konnten die Römer trotz 
der Gleichheit des Längenfusses in ihr System der Wegemasse 
nicht einfügen, weil 8 '/g solcher Stadien die Meile von 5000 
Fuss bildeten. Da sie aber doch das griechische Stadion we- 
gen seiner grossen Verbreitung zur Unterabteilung ihrer Meile 
machen wollten, erhöhten sie seinen Betrag um 25 Fuss und 
erhielten so ein Stadion von G25 Fuss oder 185'", welches ge- 
rade der 8. Teil der Meile war. Nach diesem Stadion rechnen 
alle römischen Schriftsteller. 

Zum Schlüsse gebe ich eine Zusammenstellung der wich- 
tigsten Stadien mit Angabe ilu'er Grösse und ihres A^erhält- 
nisses zur römischen Meile : 

1. Das äginäisch -attische oder gemeingriechische Stadion, 
500 Fuss von je 0,328"^= 164"'; es findet sich bei allen 
griechischen Schriftstellern von Herodot bis Eratosthenes; 9 
solcher Stadien gehen auf die römische Meile, doch kommt 
eine solche direkte Vergleichung in der erhaltenen Litteratur 
nicht vor. 

2. Das olympische Stadion, 600 Fuss von 0,320'" = 192'", 
ist in Olympia aufgefunden worden, eine Vergleichung dessel- 
ben mit der römischen Meile kommt nicht vor : es w ird von 
Censorin erwähnt. 

3. Das griechisch-römische Stadion, 600 Fuss von je 0,296™ 
= 178"; 8 Yj derselben bilden eine römische Meile. Eines 



METROLOGISCHE BEITRAEGE 1Ö7 

solchen Stadions bedient sich Polybios, welcher alle Anga- 
ben des Eratosthenes, weil sie sich auf ein kleineres Stadion 
bezogen, etwas vermindern musste. Eine Entfernung z. B., 
welche bei Eratosthenes 100 Stadien lang war, musste er 
demnach zu 92 Stadien angeben (\ergl. HuUscli, Metrol. S. 
56 Anm. 1). 

4. Das römische Stadion, 625 Fuss von 0,296'"= 185 "' ; 
8 Stadien bilden eine römische Meile. Die römisclien Sclirift- 
steller, namentlich die Agrimensoren, kennen nur dieses Sta- 
dion. Strabo unterscheidet es ausdrücklich von dem Stadion 
des Pol}'bios. 

5. Das philetiirische Stadion, 600 Fuss von je 0,333"' = 
200"'; 77. Stadien gehen auf die römische Meile, vgl. Athen. 
Mittli. Yill S. 343; es kommt vor bei den griechischen me- 
trologischen Schriftstellern (Heron), bei Suidas und Hesych. 

6. Das ptolemäische Stadion, 600 Fuss von je 0,35™=: 
210™; 7 derselben bilden eine römische Meile, wird bei Sui- 
das und Hesych erwähnt. 

Troja. Mai 1890. 

WILH. DÖRPFELD. 




KRIEGERSTATUE AUS DELOS 



Wohl der wichtigste Fund, der bei den französischen Aus- 
arrabuniien in Delos gemacht wurde, und eine der bedeutend- 
sten uns erhaUenen Statuen überhaupt ist die vorstehend wie- 
derholte Figur eines niederstürzenden Kriegers, welche jetzt 
eine Zierde des Nationalmuseums in Athen bildet. Der glück- 
liche Entdecker derselben hat auf seine erste Yorläufige Be- 
sprechung kürzlich eine erneute, eingehendere, von einer gu- 
ten Abbildung begleitete folgen lassen (vgl. S. Reinach im 
Bulletin de cor j\ hell. 1884 S. 178. 1889 S. 113), aufwei- 
che vor allem zu verweisen ist. Eine photographische Abbil- 
dung ist auch in Brunn's Denkmälern (Nr. 9) erschienen, 
und es ist um so mehr zu hoffen, dass diese Statue bald die 
gebührende Berücksichtigung ünden wird, als auch die hiesige 
Ephorie für Anfertigung von Abgüssen derselben Sorge getra- 
gen hat. 

Die kunstgeschichtliche Stellung der Figur hat Reinach zu- 
nächst allgemein durch Vergleich mit dem borghesischen Fech- 



KRIEGERSTATUE AUS DELOS 189 

ter zu bestimmen gesucht ; auch Kavvadias, der bei dem Funde 
gegenwärtig wai', hat diese Ähnlichkeit empfunden und aus- 
gesprochen (KaTxXoyo? tou Kevxpi/CoO Mo'j'7£io'j 1 28 ). wobei zu- 
gleich beide, besonders aber Kavvadias, auf die Verwandtschaft 
pergamenischer Kunstwerke liinweisen. Und ich glaube diese 
letztere Ansicht verdient den Vorzug. 

Doch es kann überflüssig erscheinen, durch stilistische Ver- 
gleiche einem Kunstwerk seine Stellung anzuweisen, wenn 
seine Entstehungszeit so gut bekannt ist, wie es bei diesem 
der Fall scheint. Gleichzeitig mit der Statue wurde eine Basis 
gefunden, die man für zugehörig hält, und welche die Künst- 
lerinschrift 'Aya'ria; M7];ooi7,o'j 'E^sg'.o; g-otci trägt. Für die 
Thätiükeit dieses Aoasias ist aber durch die Inschrift Bulletui 
1887 S. 269.33 (die höchst wahrscheinliche Erüänzuno; des 
Namens als richtig angenommen) in Verbindung mit der da- 
selbst 1884 S. l^'e veröffentlichten das Jahr 97" v. Gh. (Ar- 
chon Prokies) gesichert, und auf dieselbe Epoche führen die 
Ehrenstatuen des G. Billienus und des Q. Pompeius Rufus 
(Löwy, Inschriften 287. 289), so dass für Vermutungen wei- 
ter kein Raum zu sein scheint. Aber es bleiben einige Schwie- 
rio;keiten übriü;. die eine erneute Untersuchung; verlanoen. 

Die Inschrift der Basis, welche unsere Statue getragen hätte 
(Löwy 290. C. I. L. 111 Supplemeutum S. 1307, 7241) lau- 
tet .... um Alexaridreae Italicei quci fucre . . . . \}'irtut]is 
beiieficique ergo. Vax demselben Monument zieht Homolle eine 
andere Inschrift . . . t'/iv ol sv 'A>,£;avSpsix . . . ot äpsTr,? -/.cd susp- 
yscta? . . . Aber man muss zugeben, dass es der zweiten In- 
schrift an bezeichnenden Ausdrücken fehlt, welche zu dieser 
Annahme zwingen ; die durchaus nicht allein stehende Erwäh- 
nung Alexandria's genügt dazu nicht. Und äusserlich stim- 
men die Steine nicht oenüoend überein. wie ich auf Grund 
der freundlichen Mitteilungen B. Graef's behaupten kann. Ich 
begnüge mich, darauf hinzuweisen, dass die lateinische In- 
schrift auf einem 0,'"23 hohen, an der ganzen A^orderfläche 
gleichmässii'- ulatten Blocke steht, während der andere unten 
einen besonderen Rand trägt und eine Höhe von 0.'"30 hat. 



190 KRIEGERSTATUE AUS DELOS 

Es ist also unmöglich beide Steine in derselben Schicht des 
Monumentes, etwa auf den beiden gegenüberliegenden Seiten, 
anzuordnen, und da die lateinische Inschrift keinesfalls eine 
andere über sich hatte (die [flocke tragen die Einarbeitung für 
die Statuenplinthe, welche bei dem Stein mit der griechischen 
Inschrift nicht vorhanden ist), und die Künstlerinschrift nicht 
gestattet, eine zweite Inschrift unter ihr anzubringen, so müs- 
sen wir das griechische Fragment ganz aus dem Spiel lassen'. 

Mommsen hat die lateinische Inschrift, mit Einsetzung 
eines beliebigen Namens (exempli causa) so ergänzt: [C. 
Marium C. f. lega]tum Alexaiidreae Italicei quei f'iiere 
[ibi cum eo virtut]is heneficique ergo: sicher ist diese Er- 
gänzung nicht, aber eines steht in jedem Fall fest : die Basis 
trug das Bild des Geehrten. Die erhaltene Statue kann den- 
selben nicht darstellen ; der verwundet niedersinkende Krieger 
ist kein Römer, und obendrein, wer würde einen römischen 
Beamten dadurch zu ehren wagen, dass er ihn im Kampfe 
unterliegend darstellt^? 

Das Denkmal könnte also mit dieser einen Figur nicht ab- 
geschlossen sein. Das geht auch aus der erhaltenen Statue 
selbst mit Sicherheit liervor. Der Krieger, der mit dem linken 
Arm seinen Schild hoch erhoben haben muss und in der Rech- 
ten voraussichtlich sein Schwert hielt ^, verteidigt sich gegen 



' Nach Graef ist der Stein l.-^O? lan«,', 0,™375 dick und ist auf der Olier- 
fläclie abj^earbeilet t)is auf ein rechteckiges Feld, welches sich 13™™ hoch 
über den Grund erhebt. Dieses Feld liegl 0'".06 von dem hinteren Rande, 
0,™47 von dem rechten Ende entfernt und erstreckt sich fast bis zu dem lin- 
ken En;le. — Auch die Dicke des Blockes stimmt also nicht zu der Agasias- 
basis; vgl. u. S. 191. 

2 Mommsen hat in der Ephemeris epigrapinca V S. 602 trotz der Schwie- 
rigkeiten, die ihm nicht entgingen, an dieser Vorstellung festgehalten, die- 
selbe aber jetzt aufgegeben. 

3 Reinach {Ihdlelin 1889 S. 118) nimmt an, dass der schmale Streifen, 
der unmiltelbar unter der Ansalzfläclie der linken Schulter erscheint, Rest 
eines Gewandes ist; dann könnte derKriegcr kaum einen Schild hallen. Aber 
mir scheint es sicher, dass dies das Schwertgehenk ist, und dass das Bohr- 
loch an der linken Flanke des Kriegers vom Ansatz der Schwertscheide 
herrührt. 



XUUiGERSTATUE AUS DELUS 



191 



einen ihn von oben bedrohenden l^^'eind. aller W abi'schein- 
lichkeit nach einen Ueitei-, den wir uns also rechts von der 
erhaltenen Fiiiur auriicslcllt denken nuissen. Und nun hal Ho- 
molle wirklich liruchsUickc eines Plerdes entdeckt, die er zu 
dieser Gruppe zu rechnen geneigt ist. Dieser Heiter müsste der 
von den Italikern Geehrte sein. 

Als Reinaidi zuerst die Zusammengehörigkeit der Statue und 
der Basis des Agasias behauptete [Bulletin 1884 S. 178), be- 
rief er sich ausschliesslieh auf den Umstand, dass die Plinthe 
der Figur genau in die Eintiefung oben auf der Basis passe. 
Andere Gründe werden sich schwerlich geltend machen lassen, 
vor allem nicht der Fundort, da mit der Basis zusammen die 
Reste einer überlebensgrossen, bekleideten, männlichen Figur 
gefunden wurden {Bulletin 1884 S. 178), die Statue selbst 
aber in einiger Entfernuno; davon. Nun träi»t die Basis des 
Agasias in der Tliat, wie die nachstehende Skizze zeigt, eine 
rechteckig begrenzte Eintiefung (88'""' tief), und die Plinthe 




der Kriegerstatue, die ehemals reehteckigwar, mass etwa 1 ,'"45 
zu Ü,'"ö8 bei einer Dicke, die zwischen 32 und 70""" schwankt. 
Die Plinthe passt also sicherlich in die Eintiefung der Basis, 
aber da diese Eintiefung nur an zwei Seiten ihren alten Rand 
hat, wird jede Statue mit rechteckiger Plinthe hineinpassen, 
wenn nicht zufällig die Dicke der Plinthe hindert; und diese 
stimmt in unserem Fall nicht eben genau überein. Ausserdem 
kann die erhaltene Kriegerfigur keinesfalls auf diesem eihal- 



192 KRIEGERSTATUE AUS DELOS 

tenen Teil der Basis gestanden haben. Zunächst ist nämlich 
die Eintiefung auf dem Blocke rechts mindestens 0,'"715 breit, 
die Plinthe des Kriegers aber nur 0,'"68. Sodann sahen wir, 
dass rechts von dem niedersinkenden Krieger der zu Pferd 
ansprengende Gegner sich befinden musste, und vorausgesetzt 
den günstigsten Fall, dass weiter nach rechts nicht noch an- 
dere Figuren folgten, muss also diese Reiterfigur ihren Platz 
auf der allein uns erhaltenen rechten Ecke der Basis finden. 
Wir würden also einen Teil der Basis besitzen, zu dem die 
Statue bis auf Bruchstücke verloren gegangen ist, und eine Fi- 
gur, zu welcher das betreffende Stück der Basis fehlt. Die Über- 
einstimmung zwischen Plinthendicke und Eintiefung zweier 
ursprünglich sicher nicht direkt zusammengehöriger Stücke 
ist aber offenbar nicht als Beweis für die Zugehörigkeit zu 
demselben Denkmal 2;enüoend. 

Die Beziehung von Statue und Basis aufeinander kann sich 
also nicht auf äussere, sondern nur auf innere Gründe stützen. 

Legen Avir uns also die Frage vor : ^^ as w issen wir von dem 
Stil des 'Aya^ioc; Mrjvo'piXo-j aus Ephesos, und wie verhält sich 
dazu die erhaltene Kriegerfigur? Agasias hat im Jahre 97 v. 
Gh. auf Delos gearbeitet, damit ist seine Epoche fixirt ; wenn 
wir nun weiter vermuten, dass er mit dem 'AvaGta; AoaiOeou 
aus Ephesos, dem Künstler des borghesischen Fechters ver- 
wandt, vielleicht sein Vetter gewesen sei (Löwy, Inschriften 
S. 205. Reinach, Bulletin 1889 S. 119,2), so wird damit ein 
Anhaltspunkt für die so bestrittene Datirung dieses letzteren 
gewonnen, für den Stil des ersteren ein solcher nur unter der 
weiteren Voraussetzung, dass die Kunstrichtung und Kunst- 
fertigkeit beider Vettern gleich gewesen ist. Aber auch dies 
wird man geneigt sein zuzugestehen, so vorsichtig man auch 
in der Verwertung dieser erschlossenen Thatsachen wird sein 
müssen. 

Reinach ist von Anfang an lebhaft getroffen gewesen von 
der Ähnlichkeit des Kriegers von Delos mit dem borghesischen 
Fechter, aber er ist doch immer wieder a;eneio;t. Pergameni- 
sches zum Vergleich mit heranzuziehen, und noch mehr scheint 



KRIEGERSTATUE AUS DELOS 193 

nach dieser Seite schliesslich Kavvadias zu neigen, der gradezu 
das Vorbild des Agasias in Pergamon suciit. Ich glaube, dass 
beide Gelelu'le mit dieser Unterstrinnung ibres ]']m[)(indens 
der Wahrheit näher waren. Icli vermag mit dem Krieger von 
Delos stilistisch nichts näher zusammen zu stellen als die nack- 
ten Jünglingsgestalten von dem grossen pei'gamcnischen Altar. 
Leider stehen mir hier nur wenige und unzureichende Abbil- 
düngen des pergamenischen lieliefs zur Verfugung, und ich 
kann deshalb diesen Eindruck nicht im Einzelnen üenauer be- 
legen, den ich auch vor den Originalen in Berlin hatte, als 
ich gute Photographien der delischen Statue mit ihnen ver- 
glich. Der Abguss derselben \vird hoftentlicb bald jeden in den 
Stand setzen, selbst genauer nachzuprüfen, was ich nur ober- 
flächlich andeuten kann. Der Krieger von Delos steht im Ge- 
gensatz zu dem trockenen, mageren, harten Körper des borghe- 
sischen Fechters, bei dem alle Muskeln und jede Einzelheit 
mit der erstaunlichsten Kenntniss wiedert'ei'eben ist und mit 
einer so durchsichtigen Klarlieit, dass dies Werk nicht mit Un- 
recht so gern dem Unterricht über den menschlichen Körper- 
bau zu Grunde gelegt wurde. Aber diese etwas studirte und 
darum leicht lehrbare und fassbare Durchsichtigkeit ist so sehr 
das Ziel des Künstlers, dass er es vermieden hat irgend welche 
Teile des Körpers darzustellen, die nicht geeignet sind, Ener- 
gie und Bewegung auszudrücken, und deren Berücksichtigung 
die Unterdrückung von anatomischen Einzelheiten verlangt 
hätte, auf deren urandiose Beberrschum;- er mit Hecht stolz war. 
Die Haut ist für ihn nur der gleichmässige Überzug, der sich 
iiher das System von Muskeln breitet, eine besondere Berück- 
sichtigung findet sie nicht, nur am Hals schiebt sie sich zu ein 
paar Falten zusammen. Irgend welche weichere Gewebe, be- 
sonders Fett, finden als tote und unbelebte Masse keine Gnade 
Yor den Augen dieses Meisters, der auch die Muskeln nur in 
stärkster Spanhung und ohne jede Schwelhmg darzustellen 
liebt. Man darf nicht einwenden, dass sich dies alles aus dem 
dargestellten Gegenstande oder der gewaltsamen Stellung des 
Fechters ergäbe : der Krieger von Delos, der ihm inhaltlich doch 



494 KRIEGERSTATUE AUS DELOS 

mindestens nahe steht, zeigt in dem ganz ähnlich lang ausge- 
streckten, fast ausgereckten linken Bein ebensowenig diese 
Eigentümlichkeiten, Avie im iil)rigen Körper. Auch hier be- 
wundern wir zunächst die meisterhafte ßeheri'schung und 
Kenntniss des menschlichen Körpers, und diese Übereinstim- 
muna; ist es, die sich den ersten Berichterstattern so stark auf- 
ijedränot hatte. Aber darüber hinaus treten uns ebenso erosse 
Unterschiede entgegen. Der Köi'per des Kriegers von Delos ist 
fleischiger, weicher, man könnte sagen fetter gebildet als der 
des borghesischen Fechters. Die \ielen Einzelheiten der Mus- 
kulatur treten hier nicht so hervor, der Körper ist mit einer 
weichen, schwellenden Haut bedeckt, die ihren eigenen Ge- 
setzen folgt und sich z. B. am Bauch, den Weichen, der rech- 
ten Achsel zu starken Falten zusammenschiebt. Dieser üppig 
entwickelte Körper ist weit entfernt von der sehnigen Trocken- 
heit des boro'hesischen Fechters, und ein ähnlicher Unterschied 
zeii»! sich in der llaarbehandluno;, so oei'ino- auch der Rest ist. 
der sich bei dem Krieger von Delos allein zum Vergleich heran- 
ziehen lässt. Es ist klar, dass der Künstler dem Haar seine 
eigene Entwickeluno; in freien losen Locken liess. Für Agasias. 

DO O ' 

des Dositheos Sohn, war das Haar auch nur eine energielose, 
ausdruckslose Masse, die dargestellt werden muss, weil sie 
nun einmal existirt, die aber auf einen möglichst geringen 
Spielraum beschränkt wird ; eng und dicht, und ohne \iel 
Liebe gearbeitet, schmiegen sich die kurzen Haare beim Fech- 
ter an den Schädel an, und die übrige Behaarung des Körpers 
wird kaum angedeutet. 

Ich glaube also, dass wir verpflichtet sind, die beiden Sta- 
tuen von einander zu trennen, und dass damit der letzte Grund 
hinfällig wird, den man für die Urheberschaft des Agasias, 
des Sohnes des Menophilos, anführen kann. 

Wohin aber nun die delische Statue zu setzen ist, habe ich 
schon aniicdeutet. und alles, was ich anoeführt habe, um ihre 
Verschiedenheit von der Art des borghesischen Fechters zu 
veranschaulichen, kann andererseits dazu dienen, die Ver- 
wandtschaft mit dem Relief des pergamenischen Altares klar 



KRIEGERSTATUE AUS DELOS 195 

ZU machen, so weit dies ohne ein genaueres Eingehen möglich 
ist. Ein Unterschied ist, nach meiner Erinnerung, zwischen 
diesen beiden Kunstwerken nur in so weit vorhanden, als er 
zwischen einem sori>rältii>; ausgeführten Einzelwei'k und einem 
ausgedehnten monumentalen Relief obwalten muss. 

Damit ist die kunstgeschichtliche Stellung des Kriegers aus 
Delos bestimmt. Wenn ich es wage, noch etwas weiter zu ge- 
hen, so bin ich mir wohl bewusst. damit das Gebiet reiner 
Vermutungen zu betreten. Dass die Kriegerstatue, welche uns 
beschäftigt, einen Gallier darstelle, hat Reinach nicht sicher 
behaupten, aber auch nicht in Abrede stellen wollen ' ; der Zu- 
sammenhang mit der pergamenischen Kunst spricht für die 
Auffassung derselben als Gallier; mit Sicherheit lässt es sich 
leider nicht erschliessen. Der Helm hat die \on dem attischen 
und korinthischen verschiedene (H. Droysen in K. F. Her- 
manns Antiquitäten II, 2 S. 11) Form mit der weiten, das 
Gesicht beschattenden und schützenden Krampe, die beson- 
ders seit der Zeit Alexanders beliebt gewesen zu sein scheint- 
und deshalb bei einem gallischen Krieger dieser Zeit nichts 
auffallendes hätte. Rechts und links stehen kleine Stierhör- 
ner von dem Helme ab ; Hörner als Schmuck der gallischen 
Helme sind bekannt, und man könnte geneigt sein also hier- 
auf besonderes Gewicht zu lesjen obwohl sich Hörner auch 
sonst, wenn auch in anderer Weise, an Helmen angebracht 
finden (vgl. Heuzey in Daremberg und SagVio's Dictio/uiatre 
I, 2 S. 975). Aber eine sehr ähnliche Zier hat doch z. B. der 
Helm , den der König Eukratides von Baktrien auf seinen 
Münzen trägt "^. Wir können also nicht zu völliger Sicherheit 
kommen. 



* Vgl. Bullelin 1889 S. 117 und die ausführlichen Erörterungen in der 
Retue arclt(''ologi(jue, Iroisieme serie Xll S. 273. XIII S. lÜ. 187. 317. 

2 Sie zeigt sich z. H. bei dein Genossen Alexanders auf dem grossen Mo- 
saik aus Ponipei, den Üiadociieniiorlräts bei De Petra und Coniparetti Villa 
Erculane.se Taf. 20, 4. 5. 

"* P. Gardner, The coins of tlie Greek and Scylhic kings of ßaclria Taf. b, 
7 tf . S. 14. — Gardner sowohl wie iieuzey a.a.O. bezeichnen diesen Helm 



196 KRIEGE RSTATUK AUS DELOS 

Nun ist auf Delos eine Inschrift gefunden worden, die un- 
ter einem Gailierkampf stand {Monuments grecs 1, 8 S. 44. 
Löwy, Inschriften S. HO): 

*Q [/.axap, (!) <I>'.X£Ta'.pE, cu y,xl Osio'-G'.v äoiSol? 
y.xl Tz'ky.'jTTi'j'y , avot^, vjTzxkxij.oiai ij-eXei;, 

Ol Oe yspcjv xiy iX^ o£i"/.v'jy.sv(j'. <j<p£T£p(i)v, 

w; -CTs S'jTroXsaoi; FalzTat; öoov "Apex [v.si^a? 

rjXaTS? or/.siwv 7:o)>)vöv uTuspOsv opwv. 

*Qv £vs/.sv Tx^z (70 1 Nt/tvipscTO'j eV.xp'.TO. i'pya 
SwGT/.pxTr,? Ayi>.(0 O'^/tsv Iv äjv.cp'.puT'ifi, 
[;.v7}|7-a xxi icaoae'vo'.Tiv äotSiaov oüSs y.sv aÜTO^ 

''H(pa'.CTOi; Tsyvviv rwvys ovocair' eaiowv. 

Homolle hat in dem Philetairos, der durch diese Inschrift 
geehrt wird, zweifellos richtig den jüngeren Bruder Eumenes' 
II Yon Pergamon erkannt, und den von ihm errungenen Sieg 
über die Gallier ins Jahr 171 v. Ch. gesetzt, Thrämer (Per- 
gamos S. 249) hat gegen diese Datirung geltend gemacht, dass 
zu jener Zeit die Gallier Eumenes botmässig gewesen seien, 
und vielmehr 183 als Zeitpunkt dieser kriegerischen Erfolge 
des Philetairos zu erweisen gesucht. Jedenfalls haben wir hier 
ein pergamenisches Siegesdenkmal aus der Regierungszeit Eu- 
menes' 11 vor uns, auf welchem (der Mehrzahl spya wegen) 
eine Gruppe, also doch eine Scene aus dem Gallierkampf dar- 



als Kausia, ich glaube mil Unreclil. Die y.i-j'sla. ist vielmehr die weiche, ei- 
nem Barell oder den heutigen Malroseiinüilzen ähnliche Kopfbedeckung, 
■weiche unten dicht den Kojir umschlichst und sich nach oben erhreiterl. 
Antimachos von Indien (Gardner Taf. 5, 1) z. B. trägt sie zusammen mit 
dem königlichen Diadem, wie dies auch die makedonischen Könige Ihalen; 
vgl. sonst z. B. Ännali 1875 Taf. B. Juurnal of Hellenic sludics IX ö. 66. 
Jahrbuch III S. 190. Unter Wairen>tiicken ist sie, wie auch Bauer (Iwan 
Müller's Handbuch IV, 1 S. 313. Ii bemerkt, dargestellt Altertümer von Per- 
gamon II Taf. 45.1. Man muss sich hüten die Kausia mildem Petasos, dem 
breitkrämpigen Hut, oder gar noch anderen Kopfbedeckungen zu verwech- 
seln, 



KRIEGERSTATUE AUS DELOS 197 

gestellt war. Und wenn wir andererseits den Rest einer Kampf- 
darstellunu; besitzen, den wir stilistisch zu dem grössten Denk- 
mal des Eumenes II, dem Altar, stellen mussten, so ist die 
Vermutung, dass Epigramm und Statue zusammengehören, 
letztere also einen unterliegenden Gallier aus der Gruppe des 
Nikeratos darstelle, zu naheliegend. Die ganze Länge der Basis 
hat Homolle auf 3'", 75 berechnet, sie bietet also reichlich Platz 
für den niederstürzenden Krieger und seinen vorauszusetzen- 
den berittenen Gegner. Die vortrellliche Arbeit der erluiltenen 
Statue macht das Lob des Epigramms (Ni-/.-/)pzTO'j JV./.p-.To, joya) 
wohl begreillich, und ist geeignet uns mit hoher Bewunderung 
für den Künstler Nikerafos zu erfüllen. Einem Einwände ist 
nur noch zu begegnen. Da von der Basis nur zwei der unteren 
Steine, nicht die Deckplatte erhalten ist, lässt sich aus dem 
Zustand des Erhaltenen kein Schluss auf das Material der 
Gruppe ziehen. Homolle hat aus der Nennung des Hephäst zu 
Ende des Epigramms den Schluss gezogen, dass sie aus Erz 
bestanden hätte, und man könnte geneigt sein auch das 7:1%- 
TTTirrtv in Z. 2 im gleichen Sinne zu verwerten, wenn nicht 
die Gegenübersteilung der Dichter und Erzgiesser einen schie- 
fen Gedanken ergäbe, und likinx'/]:; nicht auch ebenso gut den 
eigentlichen Bildhauer bezeichnete (Blümner, Technologie 11 S. 
3). Ebenso wenig scheint mir die Erwähnung des Hephäst in 
dieser Weise für Erzguss zu beweisen. Hephäst ist ja selbst 
gar nicht besonders Erzgiesser sondern Schmied, sowohl des 
Erzes als edlerer Metalle, daneben auch Baumeister: er wird 
hier aber gar nicht für diese technische Seite seines Wesens 
angerufen, nicht als Gott des Feuers, sondern zum Beweis 
der hohen künstlerischen Vollendung des Werkes, und eine 
solche ist vom Material unabhängig. Wenn es in dem be- 
kannten Epigramm (Anthologie XV i 84) heisst 

Ou/t äSav); sypocj/s Kiawv tx^s" tüocvti S' £-' i'pyto 

SO zeigt uns das eypaij/e, dass es sich um ein Gemälde han- 
delt, und niemand wird aus der Erwähnung des Dädalos ein 



^98 KRIEGERSTATUE AUS DELOS 

plastisches Kunstwerk erschliessen. Ebenso liegt die Sache 
in unserem Fall. Weder die Malerei noch die Marmorskidp- 
tLir haben ihre besonderen mythischen Vertreter, auf die man 
sich hätte beziehen können. So mussten die mythischen Ur- 
bilder künstlerischen Schaffens im allgemeinen herhalten. 

Was schliesslich die Basis mit der Inschrift des Agasias 
betrifft, so werden wir auf derselben einfach eine Porträtsta- 
tue des Geehrten und zwar von kolossaler Grösse, vorausset- 
zen ; ob die Reste, die mit ihr zusammen gefunden wurden, 
(oben S. 191) sich mit irgend welcher Wahrscheinlichkeit 
darauf beziehen lassen, vermag ich nicht zu entscheiden. 

Athen, Mai 1890. 

PAUL WOLTERS. 



RELIEFS AUS THESSALIEN 
I Ilicizu Tafel IV- VII.) 

Die Zahl der Monumente, aus welchen wir unsere Rennt- 
niss der Kunstübung in den an der Nordküsle des ägäischen 
Meeres gelegenen Landschaften schöpften, war bisher eine 
recht geringe ' : jede Vermehrung des Materiales, besonders aus 
der archaischen Periode, kann daher nur willkommen sein. 

Im Folgenden sollen eine Reihe von Reliefs einer kurzen 
Besprechung unterzogen werden, die auf einer Reise durcli 
Thessalien, welche Sauer, Wilhelm und ich im November v. 
J. unternahmen, uns bekannt wurden. Die Abbildungen sind 
nach den vor den Originalen hergestellten Photographien und 
Skizzen angefertigt — dieser Umstand mag die Aufnahme zweier 
bereits nach Abklatschen publicirter Stücke (Taf. IV, 1 und 
2) rechtfertigen — , für die Beschreibung im Einzelnen bin ich 
Sauer, der durch anderweitige Arbeiten von der ursprünglich 
geplanten gemeinsamen Publikation abgehalten ist, zu gros- 
sem Danke verpflichtet. 

Mit Ausnahme zweier (Taf. IV, 2 und V, 2), welche im Mu- 
seum in Larissa aufbewahrt werden, befinden sich sämmtliche 
Reliefs in dem etwa drei Stunden nördlich von Larissa an der 
SteJe des alten Phalanna selesjenen Dorfe Tvrnavo, wo sie mit 
mehreren daselbst gefundenen Inschriften zusammen im Hofe 



< Zu den von Brunn Sitzungsber. der phil.-hist, Classe der Akademie 
München 1876 I S. 3l.5 IL und Athen. Millh. Vlil. S. 81 IV. besprochenen 
Stück(!n, sind noch die beiden von Wolters daselbst XII. S. 73 IV. verölVent- 
lichten Stelen, deren eine auch Bull, de corr. hell. XII. Taf. 6 abf^ebildet und 
S. 179 IV. von Fouj,'öres besprochen ist, sowie das von demselben dort XII. 
S. 273 Taf. 16 publicirle Relief einer Spinnerin hinzugekommen. 



500 RELIEFS AUS THESSALIEN 

des Schulgebäudes zu einem kleinen Museum vereinigt sind. 
Genauere Notizen über die Herkunft der einzelnen Stücke 
waren mit einer Ausnahme nicht zu erhalten, doch dürften die 
in Tyrnavo befindliGhen wohl alle aus der näheren Umgebung 
jenes Ortes stammen. Es sind sämmtlich Grabreliefs, auch 
das Cassetten- Relief dürfte nach Lolling's ansprechender Ver- 
mutung (vgl. Athen. Mitth. VJIl S. 96) zu einem Grabmonu- 
mente gehört haben. Das Material ist bei allen dasselbe, aus 
welchem auch die jetzt im Nationalmuseum in Athen befind- 
lichen thessalischen Skulpturen (Polyxena, Vekedamos und 
die beiden Stelen Athen. Mitth. XII. S. 75. 78) hergestellt sind 
(vgl. R. Lepsius, Griechische Marmorstudien S. 38). Ich gebe 
zunächst einige Erläuterungen zu den Abbildungen, indem 
ich die einzelnen Reliefs mö-^lichst in zeitlicher Abfolge an- 
führe : einer ausführliciien Einzelbeschreibuno; daube ich mich 
im Hinblick auf die Tafeln überheben zu können. 

ünslreitia' das älteste und bestoearbeitete Stück der ganzen 
Reihe ist das auf Tafel IV, 1 abgebildete Relief einer Spin- 
nerin aus Tyrnavo. Vgl. Fougeres Bull, de corr. hell. XII. 
S. 273 ff. Taf. 16, zu dessen Reschreibung ich kaum etwas 
hinzuzufüoen habe. Wie die vervoUständiete Abbildun«; klar 
erkennen lässt, ist an eine sitzende Figur nicht zu denken. Die 
krönende Palmette hat man sich im Schema nach dem Muster 
der Jünglingstele Athen. Mitth. XII. S. 75 zu ergänzen, es fehlen 
bloss die kleinen am unteren Rande in der Mitte, rechts und 
links eingesetzten Palmetten, falls dieselben nicht etwa durch 
Malerei angedeutet waren. Farbspuren konnte ich allerdings 
nirgends an dem Relief entdecken, doch war mindestens auch 
noch eine Rinde im Haare gemalt, wie eine leise A'ertiefung 
anzeigt. 

Aus der nun folgenden ziemlich gleichzeitig anzusetzenden 
Hauptmasse der Reliefs schliesse ich hier die Taf. VI, 1 ab- 
gebildete Stele von Tyrnavo an, welche nach einer Mittei- 
lung Lolling's aus dem nahe gelegenen Kasaklar stammt. Sie 
ist gegenwärtig 1,05'" hoch, oben 51,5™, unten 52,5™ breit, 
17,5"" dick, oben von einer schmalen Leiste abgeschlossen 



RELIEFS AUS THESSALIEN 201 

(Spuren einer besonders aufgesetzten Palmette, wie Sammlung 
Sabouroff Taf.VI, fehlen) unten gebrochen, stark abgesplittert, 
teilweise absichtlich zerstört: Reliefliöhe 4,5"". 

Dargestellt ist ein bärtiger Mann, bis etwas unter den Saum 
des kurzen Chiton erhalten', der in der L. zwei Speere, mit 
der R. ein bis zur Unkenntliclikeit verstossenes Attribut (Ge- 
fäss?) vor der Brust hält. Zwischen den herabfallenden Chla- 
myszipfeln kommt hinten die mit einer viereckigen Erweite- 
rung endigende Schwertscheide zun Vorschein. Ob und was 
für Ärmel der Chiton gehabt, ist in Folge der Zerstörung nicht 
zu entscheiden, dagegen ist von der Nestel, mit welcher die 
Chlamys auf der r. Schulter befestigt war, noch ein mächtiger 
Broncestift erhalten. 

Taf. VI, 2, viereckige, nach oben sich verschmälernde 
Stele aus Tyrnavo, obere Hälfte abgebrochen, jetzt 0,86'" 
hoch, unten 49^", oben 47,5'^'" breit, lO'" dick, Relief höhe 
2,5-3^"". 

Ein Mann nach r. hält mit der R. einen Vogel (nach dem 
fächerförmig ausgebreiteten Schwänze wohl Taube), mit der 
L. ziemlich hoch gefasst einen Stab, von dem nur der obere 
Teil plastisch ausgeführt war. Vor ihm steht ein Rind nach 
links und langt mit der R. nach dem Vogel, die L. hängt 
zur Faust geballt herab. Der ganz abgesplitterte Kopf, an 
dem eben noch der Umriss des Gesichtes und Reste des kurz 
geschorenen Haares zu erkennen sind, folgt der Bewegung des 
Armes nicht und blickt ij-rade aus. Beim Manne sind die Soh- 
len der Stiefel plastisch angegeben, das Kind scheint barfuss: 
eine plastische Begrenzung der Ärmel am Hemde desselben 
fehk. 

Am oberen Ende der rechten Schmalseite der Stele läuft 



* In Folge einer Beschädigung, welche die pliolographische Platte auf der 
Reise erlitt, mussle leider in der Abbildung ein schmaler Streif am unteren 
Ende abgeschnitten werden, so dass die untere Begrenzung des Chiton und 
das Ende der Schwertscheide auf derselben fehlen. Dagegen ist der Chlamys- 
zipfel schon im Original nicht mehr vollständig erhalten. 

ATHEN. MITTHEILUNQEN XV. 14 



202' RELIEFS AUS THESSALIEN 

von oben nach unten die in ziemlich unsicheren Zügen ge- 
schriebene Inschrift N E I A '. 

Taf. VII. Stele aus T;yrnavo, 1,23™ hoch, unten TO^-", oben 
66,5"° breit, Ib™' dick. Reliefhöhe 3,r3^"'. 

Eine Frau in einfachem Chiton ( was unterhalb der Kniee 
als Saum eines zweiten Gewandstiickes erscheinen könnte, ist 
nur Bruch) sitzt nach r. auf einem Lehnstuhl mit geschweif- 
ten Beinen, die Füsse auf einen Schemel gestützt. Das Haar 
ist ganz mit einem Tuche (Binden) umhüllt, vom Hinter- 
kopfe fällt ein langer Schleier über den Rücken herab (die 
Enden kommen unter dem Sitzbrett zum Vorschein), über der 
Stirn erhebt sich ein eigentümlicher runder Aufsatz, den ich 
nicht zu erklären, auch nicht mit "leichartioen Monumenten 
zu belegen weiss. Unklar bleibt auch in Folge der Erhaltung 
die Bedeutuno; der länojlichviereckioen senkrechten Vertiefuno; 
zwischen den Stuhlbeinen; vor dem Originale schien sie 
mir ursprünglich, nicht etwa Verletzung zu sein. Auf dem 
Schosse hält die Frau mit beiden Händen ein langbekleidetes 
Rind, das mit der L. sich an iiiren (ganz verzeichneten) 1. Arm 
klammert, mit der R. nacli einem N'ögelchen langt, das ein r. 
vor der Sitzenden stehender Jüngling ihm hinreicht. Dieser ist 
nach links gewendet ziemlich ungeschickt in den Raum com- 
ponirt; er hält mit der R. das Vögelchen vorsichtig an beiden 
Flügeln, die L. scheint in den herabhängenden Chlamyszipfel 
zu fassen. 

Figur 1 giht in Umrisszeichnung ein Relief aus Tyrnavo 



' An dieser Stelle will ich aiicli eines Muniuneiiles Erwälimuig lliun, 
welches sicher in diesen Kreis gehört, aher, ohwohl lange veröireiitlichl, doch 
bisher von keiner Seite Beacluiing gefunden hat. Ich meine das von Heuzey, 
Mission de Macedoine Taf. 2i, 2 ahgehildele und S. 417 hesprochene Relief- 
fragment, welches er in l^harsalus fand ; ich hahe es daselhsl nicht ge- 
sehen. Erhallen sind bloss die Beine einer nach rechts gcwandlen, bis an 
die Knöchel hekleidelen (also von Heuzey wohl richtig als weihlich be- 
zeichnetem Figur, und 1. vor ihr die eines nackten Knaben, doch genügt 
das Vorhandene, um erkennen zu lassen, dass wir genau das Schema des 
oben besprochenen Reliefs, nur im Spiegelhilde, vor uns haben: stilistisch 
ordnet sich dieses Stück vollständig in die Reihe der übrigen ein. 



RELIEFS AUS THESSAUEN 203 

wieder, welches offenbar lanare Zeit als Thürschwelle oder 
Fussbodenplatte gedient hat. Sämmtliche Erhabenheiten des 
Reliefs sind fiist völlig abgetreten und nur die an den tiefsten 
Stellen erhaltene Patina lässt die Darstellung erkennen. Die 
Stele ist SS'"" hoch, oben 46^'". unten 51.5'^'" breit. lO'-" dick, 
die Reliefböhe beträgt 1 bis 1,5"". 




Fio. 1. 

Eine Frau sitzt nach rechts auf einem Stuhle mit gedrechsel- 
ten Beinen und niedriger Rückenlehne ^ die L. hält ein Scep- 
ter, die R. streckt einen runden Gegenstand (Schale ? Frucht?) 
vor. Sie trägt Ober- und Untergewand, ersteres unter der r, 
Achsel über Brust und linken Oberarm 2:ezoo;en, dazu den vor- 
erwähnten Schleier auf dem Kopfe; die auf einem einfachen, 
viereckigen Schemel ruhenden Füsse scheinen unbekleidet; 
vor ihr ein Hund, der sich nach ihr umwendet: plastisch war 



' Zu dem halbkreisrörmig über das Sitzbreit herabfallenden Tuche vgl. 
das Relief von Lebadeia, Berliner Gipsabgüsse 45. 



204 RELIEFS AUS THESSALIEN 

von demselben siclierlicli nur das Vorderteil ausgeführt, ob 
das Hinterteil etwa in Malerei angegeben war, lässt sich nicht 
ausmachen. 

Wenn die bisher aufoezählten Reliefs, von Einzelheiten 
und der mehr oder minder sorgfältigen Ausfiilirung abgesehen, 
so ziemlich als derselben Entw icklungsstufe angehörig betrach- 
tet werden können, so finden sich in den noch zu erwähnenden 
Stücken verschiedentliche, bald mehr, bald minder geglückte 
Versuche, über das Können, das uns die bisher betrachtete 
Runststufe zeigte, hinauszukommen. 

Ziemlich wenig entfernt sich noch von den vorhergehenden 
das Relief aus Larissa auf Taf. V, '2. Es ist das Unterteil einer 
Stele mit Einlasszapfen, 60"" hoch, 64,5'='° breit, nach oben 
ganz wenig verschmälert, 12"" dick, Relieferhebung bis zu 3"". 

Ein Jüngling nach rechts ruhig stehend, bis zur Leibesmitte 
erhalten, hielt mit der L. das Pferd am Zügel, wie der aus der 
gewohnten Lage verschobene Chlamyszipfel zeigt , ziemlich 
hoch, wohl unmittelbar am Kopfe gefasst, mit der R. einen 
etwas dicken Speer, an dessen Ende der Sauroter angegeben. 
Das ziemlich hochbeinige Pferd hebt nur den 1. Vorderfuss 
ein wenig, doch so, dass die Spitze des Hufes noch den Boden 
berührt, der Schwanz ist in parallelen Wellenlinien gezeich- 
net und greift auf die Randleiste über. Das Gewandstück 
hinter dem Jüngling ist dessen Chlamys, nicht etwa als Scha- 
brake aufzufassen : dies zeigt das Fehlen eines entsprechenden 
konturs auf der Vorderhälfte des Pferdes. 

Noch weiter voroeschritten und entschieden das entwickeltste 
Stück der ganzen Reihe ist Taf. V, 1. Unterteil einer Stele, 
sehr stark abgesplittert, jetzt 0,8u^"' hoch. 91"" breit, IS^"" dick, 
höchste erhaltene Relieferhebung 6"". 

Der Gegenstand ist offenbar identisch mit dem des Reliefs 
von Larissa: die Handlung der R. ist zwar nicht sicher zu be- 
stimmen, doch macht eben die Analogie jenes Stückes sowie 
die Umrisse des Bruches in der r. unteren Ecke sehr wahr- 
scheinlich, dass sie einen langen Speer hielt. 

Dagegen ist die Ausführung des Motivs in allen Punkten 



RELIEFS AUS THESSALIEN 205 

eine bei weitem freiere : schon die Stellung der Beine des 
Jünglings und die dadurch mit Notwendigkeit gegebene Wen- 
dung des Oberk()r[)ei's nach \oi'n können dies klar machen. 
Ebenso abweichend, und h()chst eigenlümlich war das Pferd 
gebildet. Wie die Linienführung am Ohci'kiu'per und der ge- 
ringe Abstand der Vorderbeine ^()m llaude zeigen, war der 
Versuch gemacht, das sanze Vorderteil in Vordersiclit zu zei- 
'Jen: allein bereits vom Knieij-elenke ab sind die Heine unter 
dem Einflüsse lanMi-eühler Kunstweise und man^'clnder Natur- 
anschauung wieder in Profilstellung gebildet. Noch seltsamer 
steht die Sache bei den Hinterbeinen, von denen in offenbarer 
Anlehnuno; an die bekanntere Bildimi' dei' uu'nschlichen 
Gestalt, gegen jede Naturwahrheit und Möglichkeit das eine 
(link^") im Profil, das andere wieder Verlauf des Bruches deut- 
lich zei<.'t. in Vorderansicht Gebildet war. Von sonstigen Ein- 
zelheiten hl bei der weitgehenden Zerstörung der Oberfläche 
nichts zu erkennen, der Schwanz des Pferdes scheint in ähn- 
licher Weise, wie bei dem Relief aus Larissa, auf die Rand- 
leiste übergegriffen zu haben. 

Nur einige Worte habe ich schliesslich zum Kopfe des Her- 
mes aus Larissa, welchen schon Brunn Athen. Mitth. Vlli. 
Taf. 7 abü;ebildet hatte, hinzuzufüi'en. Wie die Wiederoabe 

Cl o o 

desselben auf Tafel IV, 2 und die Skizze des Ganzen S. 2Ü6 Fig. 2 
wohl für Jeden überzeugend beweisen wird, hat Wolters oben 
XH. S. 80 mit vollem Rechte die Ausscheidung des Kopfes bei 
einer stilistischen Beurteilung der archaischen thessalischen 
Skulpturen verlangt. In der That zeigt die Bildung des Auges, 
des Ohres und der Haare kaum mehr Spuren des Archaismus, 
nicht weniger gilt dies von dem docli gleichzeitigen Medusen- 
haupte' der anderen Cassette und dem am Rande sich hin- 
ziehenden Ornamente. Ich bemerke nur noch, dass es in Folge 
des grossen Gewichtes des Reliefs unmöglich war. dasselbe 



' Ein sehr ähnliches Meiiuseniuuipl mit iiiilcr dnii Kinne ziisainnienge- 
bundenen Schlangen s. Heuzey MacMoine Taf. 28,2. Dasselbe Schema, sehr 
roh ausgeführt, zeigl ein in der Kirche des Nonnenklosters in Kalabaka ein- 
gemauertes Relief. 



206 



RELIEFS AUS THESSALIEN 



von seinem gegenwärtigen Aufbewahrungsorte im Keller weg 
und in bessere Beleuchtung (es stand auf dem Kopfe und er- 
hielt sein Licht durch eine ziemlich weit entfernte Thür) zu 
schaffen. In Folge dessen ist die Überschneidung des unteren 




Fir,. 



Lides durch das obere und des ganzen Auges durch den Brau- 
enbogen , welche in der Abbildung bei Brunn unnatürlich 
scharf hervortritt, auf unserer Tafel etwas undeutlich geworden^ . 
Wenn wir nun die Reihe der neugefundenen Reliefs mit den 
früher bekannten vergleichen, so scheint mir ihr Hauptwert 
besonders darin zu liegen, dass mit ihrer Hilfe die schon von 
Wolters foben XII. S. 80) erkannte und ausgesprochene Ein- 
heitlichkeit der speziell aus Thessalien stammenden archai- 
schen Kunstwerke sich noch klarer als früher erweisen und 
der Gesammtcharakter der Kunstübung, aus der sie hervorge- 
gangen sind, näher bestimmen lässt. 



' [Zur slilislischen Einreihung des Herraeskopfes möchte ich auf seine 
Verwandlschafl mit dem Apollo aus dem Olympieion (oben I. Taf. 8. 9) 
und die zugehörigen Werke hinweisen. P. W.]. 



RELIEFS AUS THESSALIEN 207 

Die nahe Verwandtschaft sämmtlicher* thessalischen Reliefs 
zeisjt sich vor allem deutlich in der Bilduno; des Gesichtes. 
Besonders charakleristisch ist das stark entwickelte Unierge- 
sicht, die schwellenden Lippen, die starke Einziehung zwischen 
der Unterlippe und dem weit vortretenden, rundlichen Kinn. 
Der Backenkonlur wird his zu dem hochsitzenden Ohre fort- 
gesetzt, die Wangen sind flach. Das Auge ruht in einer flachen 
Vertiefung; hervorzugehen sind hesonders die schmalen, ring- 
artig um den Augapfel sich legenden leider — letzteres eine Ei- 
gentümlichkeit, die selbst bei dem so fortgeschrittenen Hermes- 
köpfe noch Nöllig gewahrt ist. 

Das Maar bildet meist eine platte, selten durch wenige ein- 
geritzte Linien belebte Masse ; plastische Stilisirung desselben 
zeigen nur die beiden Mädchen von Pharsalos. 

Nicht minder typisch ist die Haltung der Figuren, vor allem 
die Art, wie sie stehen. Alle Gestalten treten mit ganzer Sohle 
fest auf den Boden auf, setzen, je nach der Richtung, in der 
sie gewendet sind, das dem Hinlergrunde nähere Bein etwas 
vor, ohne dass jedoch das eine oder andere deutlich als Stand- 
oder Spielbein charakterisirt wäre. Dadurch und durch das 
Einknicken der Kniee erhält der ganze Stand etwas Unsiche- 
res, Schlotteriges, was besonders bei den schlechter ausgeführ- 
ten Exemplaren hervortritt, (vgl. Polyxena, Vekedamos, den 
Reiter aus Larissa Taf. V, 2, den Mann mit dem Vogel Taf. 
\'l, 2) ohne dass jedoch ein wesentlicher Unterschied zwischen 
diesen und den besseren Stelen sich feststellen Hesse. Während 
so die Beine streng in Profil gestellt sind, erscheint der Ober- 
körper stets ein wenig von vorne gebildet : w ieder wird der 
jedesmal dem Reliefgrunde nähere Arm etwas über Schul- 
lerhöhe gehoben, der andere ungefähr in Leibesmitte vorge- 



' Eine AusiiHlimeslelluns in der fulgemleii stilistischen BeurteiluiiK ueii- 
nien natürlich die hereits im Fiiiliercn als einer ruili;eschiilteneien Kunsl- 
slufe an.uehöiig bezeichneten Reliefs auf Taf. V und der llcrnieskopf, denen 
sich auch ^■ekedalous anreiht, ein, insofern sich nicht alle hervorgehobenen 
Monienle, sondern nur einzelne von ihnen voriinden. 



208 RELIEFS AUS THESSALIEN 

streckt. Meist wird diese Haltung durch irgend ein Attribut 
oder durch das vor das Gesicht gezogene Gewand motivirt — 
nicht immer gUicklich, man sehe die Stelen oben XII. S. 75. 
78 und den Jünolino auf Taf. VII. 

Sehr charakteristisch sind die Hände gezeichnet : entweder 
sind sie, mit dem Handteller nach oben, grade vorgestreckt, 
so dass die Finger — in diesem Falle meist nicht alle angege- 
ben — leise gekrümmt, parallel neben einander liegen, oder 
— und das ist der häufigere Fall — sie sind so gedreht, dass 
der Handteller, bez. Handrücken dem Beschauer zugekehrt ist. 
während gleichzeitig in dem Bestreben, alle Finger zu zeigen, 
dieselben in oft ganz unnatürlicher Weise herumgeschlagen 
und nebeneinander angeordnet werden. Bei den sorgfältiger 
gearbeiteten Stelen, z. B. bei den Mädchen von Pharsalos, 
oder der Spinnerin, macht dies einen zierlichen Eindruck, 
der bei den übrigen leicht dem der Manier weicht : ganz ver- 
unglückt und geradezu unschön ist die linke Hand der Frau 
und ebenso des Kindes auf Taf. VI. 

Dieselbe Gleichartigkeit, ja Armut in den Motiven finden 
wir auch in der Gewandbehandlung. Nicht bloss ist die Tracht, 
wenigstens bei den Männern, stets fast vollkommen identisch 
(kurzer, gegürteter Chiton, Chlamys, Petasos, Stiefel), was mit 
den Verhältnissen des wirklichen Lebens zusammenhängen 
mag; auch die Anordnung der einzelnen Gewandstücke ist 
fast Zug um Zug übereinstimmend. Man sehe nur, wie die 
Chlamys, auf der rechten Schulter genestelt, in zwei dreiecki- 
gen Zipfeln über den Chiton herabfällt und zwischen densel- 
ben hinten stets noch einen Teil des Chiton (in einem Falle 
das Wehrgehenk) zum Vorschein kommt. 

Dasselbe gilt von der Faltengebung. Im Allgemeinen sind 
die Künstler sparsam in der Verwendung von Falten, diese 
selbst sind mit sicherer Hand, aber schematisch gezogen, meist 
etwas wulstig, sodass man den gewiss beabsichtigten Eindruck 
des dicken Wollstoffes erhält. Wo dagegen, wie bei der Frau 
auf Taf. VII, ein Versuch gemacht wird, vom alten Schema 
abzuweichen und die künstlich gelegten Falten eines Leinen- 



RELIEFS AUS THESSALIEN ?09 

chitons nachzubilden, kommt derselbe über verunglückte An- 
fänge nicht liinaus. 

Im Einzelnen finden sich viele kleine, stets wiederkehrend«^ 
Motive: ich will blos auf einige hinweisen, liieher gehören 
die schief gezogenen Falten zwischen den Beinen, \Nelche aus- 
ser bei dem Relief der Polyxena und dem von Wolters ])ubli- 
cirten Miidchen auch bei der sitzenden Frau auf Taf. VII und 
dem Manne auf Taf. VF 2 wiederkehren. Mag also immerhin 
mit Wolters anzunehmen sein, dass das Motiv ursprünglich 
für einen speziellen Fall fein erdacht war, so ist es doch spä- 
terhin mechanisch weiter verwendet und schliesslich, wie bei 
der sitzenden Frau und noch mehr dem kurzen Chiton des 
Mannes, auch dort aniiebracht worden, wo es Sinn und Be- 
deutung nicht mehr haben konnte. 

Ebenso finden sich stets dieselben Faltenzüge in der Hais- 
und Brustgegend bei Männern, wie Frauen: stereotyp ist die 
Linienführung an dem gehobenen Arme der Männer, die von 
demselben in zwei parallelen Bogenlinien herabfallenden Chla- 
myszipfel, zwischen denen weiterhin der Chiton zum Vorschein 
kommt. Mit besonderer Vorliebe wird auch das Gewand so 
angeordnet, dass es die aus demselben hervortretenden Kör- 
perteile eine Strecke weit als schmaler Streif begleitet. 

Die bisher aufgezählten Einzelheiten Hessen sich leicht noch 
vermehren, indess werden sie, klaube ich, eenü^en, um die 
oben aufgestellte Behauptung der Einheitlichkeit sämmtlicher 
thessalischen Reliefs als beoründet und richtia; erscheinen zu 
lassen. Bevor ich dazu übergehe, diesen einheitlichen Ge- 
sammtcharakter etwas näher zu bestimmen . und danach 
zu untersuchen, ob unsere Reliefs in dem Rahmen einer uns 
bereits bekannten Kunstentwicklung untergebracht werden 
können oder nicht, muss vor allem ein Punkt betont werden, 
der für die Beurteiluns; derselben von «rrösster Wichtigkeit ist. 
Es ist dies die Thatsache. dass wir in ihnen allen die Erzeug- 
nisse eines eng verbundenen, schulmässig zusammenhängenden 
Kreises vor uns haben. Nur so erklärt sich die weitgehende 
Übereinstimmung auch in Einzelheiten, die fortgesetzte, oft 



210 RELIEFS AUS THESSALIEN 

mechanische Wiederverwendung derselben Motive, das Fest- 
haken an einmal gefundenen Stellungen und Wendungen, 
worauf im Früheren hingewiesen wurde. Freilich ist es 
keine Schule \on grossen Künstlern, der wir diese Werke ver- 
danken, vielmehr haben wir die Leistungen einer Zunft von 
Handwerkern vor uns. die ohne äusserte wohnliche künstle- 
rische Begabung, aber in redlichem Streben die von andern 
überkommene Kunstfertigkeit ausüben. Was an wirklicher 
Künstlerarbeit in diesen Skulpturen steckt, ist zum grössten 
Teil nicht das Verdienst ihrer Verfertiger, das liegt vor den- 
selben, ist der Schatz, den sie in kleine Münze umsetzen. Die- 
sen gilt es zu lieben : nicht um den Stil der thessalischen Re- 
liefs als solcher kann es sich handeln, sondern nur darum, 
die Merkmale und Eigentümlichkeiten der Kunstrichtung aus 
ihnen zu finden, welcher die thessalischen Handwerker die 
Anregung und die Vorbilder verdanken, unter deren Einfluss 
sie arbeiten. Darum wird man von einzelnen Fehlern und 
Schwächen absehen, sie dem geringeren Vermögen des Hand- 
werkers zuschreiben müssen, und sie für die Charakteristik 
der zu Grunde liegenden Kunstrichtung nur dann verwerten, 
wenn sie sich durch oftmalige V^iederkehr in verschiedenen 
Werken als schon den Vorbildern angehörig erweisen lassen ^ 
Zunächst wird man eine gewisse herbe Strenore der Ge- 
sammtau fTassung in diesen Reliefs nicht läugnen können, wel- 
che in ihrem Eindruck durch die Sparsamkeit und Einfachheit 
in den Einzelheiten nur noch verstärkt wird. Besonders deut- 
lich tritt dies in der Gewandbehandluno- hervor, wo eine ge- 
ringe Anzahl entschieden geführter Linien zur Bezeichnung 



' Auf den Charakter liaiKhverksinä.ssiger Erzeuj^nisse, welchen diese Re- 
liefs an sich tragen, hatte schon Brunn Athen. Mitth. V'III. S. 85 IT. hinge- 
wiesen: doch hielt ich es für nicht iiherflüssig, diesen Gesichtspunkt noch 
einmal besonders hervorzuheben, da Brunn selbst den von ihm besproche- 
nen Werken einen höheren Rang zuerkennt und dadurch, sowie durch das 
geringe ihm zur Verfügung stehende Material verleitet, mehrere Male Züge 
und Einzelheiten zur Charakteristik der Kunstübung verwertet, die doch, 
wie der Vergleich mit den übiigen lehrt, nur spezielle Eigentümlichkeiten 
der betreffenden Verfertiger sind. 



RELIEFS AUS THESSALIEN 211 

rlessen genügt, was dargestellt werden soll, nicht minder aber 
in den energischen Umrissen des Gisichtes. Allerdings hat 
Brunn gerade im Gegensatz zu der hier ausgesprochenen An- 
sicht Athen. Mitth. Vm. S. 87 Non Ungleichartigkeit und Un- 
sicherheit, welche in der ganzen Kunstübung hervortrete, ge- 
sprochen ; aber dieser Ausspruch erklärt sich leicht aus der 
Beschaffenheit des Materials, \Nelches ihm \orlag. Er musste 
urteilen nach dem bestgearbeiteten, aber auch ältesten Exem- 
plar, dem Relief von Pharsalos. und zwei Stelen, welche wir 
jetzt sowohl was Alter als was Arbeit anlangt, mit Si- 
cherheit gegen das Ende der Reihe setzen. Es kommt dazu, 
dass wenigstens in dem Relief des Vekedamos ein unvoll- 
kommen geglückter Versuch einer Neuerung vorliegt, der 
naturgemäss eine gewisse Unsicherheit und Undeichmässig- 

... o o 

keit in die ganze Arbeit bringen musste. Ziehen wir diese 
Momente in Betracht, so werden wir sehr leicht begreifen, 
dass diese Ungleichmässigkeit und Unsicherheit, die doch nur 
dem zufällig einmal gegebenen Material anhaftete, auf das We- 
sen der gesammten Runstübung übertragen werden konnte, 
aber wir dürfen uns nun nicht länger der Erkenntniss ver- 
schliessen, dass diese Ansicht durch den nun in reicherer Fülle 
zugewachsenen Stoff eine Bestätigung nicht erfahren hat. 

Neben dieser Strenge haftet unseren Reliefs aber auch eine 
gewisse Derbheit der Formgebung an, die sich sowohl in den 
stark untersetzten Proportionen, wie in den einzelnen Kör- 
perteilen ausspricht. Damit verbindet sich, die Wirkung stei- 
gernd, ein fast vollständiger Verzicht auf plastische Modelli- 
rung. Man vergleiche beispielsweise das Gesicht eines der Mäd- 
eben von Pharsalos oder des Jünglings Athen. Mitth. XII. S. 
75 mit dem doch viel älteren Diskosträger (Conze, Die attischen 
Grabreliefs Taf. 4), oder Arme und Beine dieser Figuren mit 
denen des Aristion, um auf den ersten Blick zu empfinden, 
welche Fülle individuellen Lebens jene Skulpturen vor unse- 
ren Reliefs voraus haben. Selbst an Stellen, wo man, wie bei der 
von vorn dargestellten Brust des Mädchens Athen. Mitth. XII. 
S. 78, plastische Modellirung unbedingt erwartet, ist die Run- 



212 RELIEFS AUS THESSALIEN 

diing nur zum geringsten Teile durch Bewegung der Fläche 
angedeutet, und die Wirkung für das Auge fast ausschliesslich 
durch radial oezoaene Faltenlinien erreicht; in ähnlicher Weise 
ist dasselbe Problem gelöst bei der sitzenden Frau auf Tafel VII, 
und bei dem einen Mädchen auf der Stele von Pharsalos fehlt 
die linke Brust, wie schon Brunn richtig gesehen hat, gänzlich, 
offenbar \veil der Künstler sich ausser Stande sah, durch Lage 
und Richtun" der Gewand falten die darunter befmdliche Brust 
anzudeuten. Gerade dieses auffälliiie Eintreten einer dem Re- 
lief doch eiojentlich ferne lieoenden Darstelluni>sweise durch 
Linien an Stelle der in seinem eigentlichen Wesen liegenden 
durch Flächenbewegung \ erbietet uns einerseits diesen Mangel 
an Modellirung etwa bloss auf Unfähigkeit der Handwerker 
zurückzuführen, bietet uns aber andererseits auch zugleich den 
Schlüssel zur Erklärung der ganzen Erscheinung. Gegenüber 
den eben hervorgehobenen Schwächen der plastischen Aus- 
führung liegt die Stärke dieser Kunst augenscheinlich in der 
feinen Empfindung, welche Haltung und Gruppirung der Fi- 
guren reoelt und in der aesammten Linienführun"' sich aus- 
spricht. Die poetische Stimmung, welche in dem sanften Nei- 
gen des Kopfes, dem lieblichen Spiel der Hände des pharsa- 
lischen Reliefs liegt, kehrt in einzelnen Zügen in allen diesen 
Werken wieder und trägt sicherlich mit am meisten zu dem 
Wohlgefallen bei, mit welchem wir dieselben trotz ihrer Schwä- 
chen stets betrachten. Fast alle Fiouren trafen irgend ein 
Attribut, sei es ein Vogel oder ein Häschen, das sie an die 
Brust drücken, sei es ein Apfel oder eine Blume, die sie sin- 
nend beschauen. Auch die Kinderwelt wird in diesen Kreis 
hineingezogen, und ein Familienbild schönster Art bietet Tafel 
VII , wo der heimkehrende Bruder dem Schwesterchen ein 
Vöglein mitgebracht bat, nach dem es zappelnd langt, ein Bild, 
das seine Wirkung auf unser Gemüt trotz der trockenen Ar- 
beit nicht Yerfehlt. Auf die besondere Zierlichkeit, mit wel- 
cher die Hände gebildet sind, wurde bereits hingewiesen — 
freilich ist hier gerade der Kontrast zwischen Wollen und 
Können am störendsten. 



RELIEFS AUS THESSALIEN 213 

Dieser letzte Punkt scheint mir aber in engem Zusam- 
menhange mit einer für die ganze Gattung ganz besonders 
bezeichnenden l^jgentümlichkeit zu stehen, mit dem Bestreben 
nämlich, von der menschlichen Gestalt möglichst alb; Teile 
zu zeigen, und denselben möglichst auf einer Ebene sozusagen 
auszubreiten. Unter diesem Gesichlspunkte versteht man die 
eigentümlich stereot}'[)e llallimg der Figuren, daraus erklären 
sich auch fast alle die anatomischen Schwierigkeiten und Un- 
möglichkeiten, welche Brunn bereits am Relief \on Pharsalos 
hervorgehoben hat, und welciie sich in verstärktem Masse in 
den weniger sorgfältig gearbeiteten Ueliefs wiederholen. So 
möchte ich es auffassen, dass die Gestalten stets eine leise Wen- 
dung des Oberkörpers nach vorn zeigen, da es nur auf diese 
Weise möglich wird, den vom Beschauer entfernteren Arm 
aucli in seinem oberen Teile sichtbar werden zu lassen : da- 
durch entsteht auch die gezwungene Haltung der Arme, welche 
bei fast allen Reliefs auffällt, und in der Unmöglichkeit zwi- 
schen der fast in Dreiviertelansicht seorebenen Brust und dem 
\öllig in Profil gezeichneten Kopfe zu vermitteln, liegt der 
Hauptgrund für die fehlerhafte Bildung des Halses, von wel- 
cher ein besonders auffälliges Beispiel Taf. Vll bietet. Über- 
haupt zeigt gerade dieses Relief recht deutlich , wie sehr 
dieses Streben die ganze Gomposition beherrscht: nicht bloss 
die überaus gezwungene Haltung des Jünglings, noch viel mehr 
die jedes Verständnisses spottende Art, in welcher der linke 
Oberarm und die linke Hand der Frau mit dem darauf lie- 
genden Händchen des Rindes zum Vorschein kommen, ist bloss 
bei dieser Auffassung zu verstehen. 

Alle diese Eigentümlichkeiten, der Mangel an plastischer Mo- 
dellirung und der Ersatz derselben durch zeichnerische Mittel, 
die abgemessene Linienführung, das Streben, den menschlichen 
Körper möglichst ganz in einer Ebene darzustellen . zeigen ein 
ausgebildetes Bewusstsein der Stilgesetze der Flachreliefs im 
eigentlichsten Sinne und führen mit Notwendigkeit darauf, wie 
schon Brunn gethan, für diese Kunst einen besonders starken 
Einfluss der Malerei, eine besonders starke Abhängigkeit von 



214 RELIEFS AUS THESSALIEN 

derselben anzunehmen. Der enge Zusammenhang mit der Ma- 
lerei zeio;t sich auch in der häufigen Verwendung der Farbe zur 
Ausschmückung und geradezu zum Ersatz der Plastik. So wird 
der plastisch begonnene Lanzenschaft des Vekedamos in Ma- 
lerei weitergeführt, so war auf dem Relief Athen. Mitth. XII. 
S. 78 gegenüber dem plastisch dargestellten Yorderen Stuhl- 
bein das hintere in Farbe angegeben, so waren gewiss auch 
die Falten des Chitons zwischen den Oberschenkeln, die wir 
in allen übrigen Fällen in Relief angedeutet finden, bei dem 
Jüngling Athen. Mitth. XII. S. 75 aufgemalt. 

Es ist ja nun eine bekannte Thatsache, dass Malerei und 
Relief ursprünglich eins waren, und das Relief sich aus erste- 
rer entwickelt hat. Die Spuren dieses Ursprunges hat das 
Relief bis in die spätesten Zeiten bewahrt und es fällt mir 
nicht ein, einen fortdauernden Einfluss der Malerei auf die 
Reliefplastik läugnen zu wollen. Aber doch liegt das Verhält- 
niss zwischen den beiden Schwesterkünsten bei unseren Re- 
liefs ganz anders, als beispielsweise im attischen Relief. Wäh- 
rend in diesem sich von Anfang an das Gefühl für das Plasti- 
sche regt, und schon in der frühesten uns erreichbaren Epoche 
dieser Gesichtspunkt Alles beherrscht, sehen wir hier, auf ei- 
ner doch immerhin nicht mehr zu den ersten Anfängen zäh- 
lenden Kunststufe, von vornherein auf eines der Hauptmittel pla- 
stischer Darstellung, die Modellirung. in weitgehendem Masse 
verzichtet, und dafür das Hauptgewicht auf die Linienführung, 
also das zeichnerische Element gelegt. Es ist klar, dass von 
hier aus die Entwicklung der Reliefkunst sich ganz anders 
gestalten und zu ganz anderen Resultaten führen musste, als 
in Attika oder anderwärts: und in der That lassen sich diese 
Reliefs mit vollster Sicherheit sowohl von den Erzeugnissen 
attischer, wie peloponnesischer Kunst sondern. Zum ersten 
Male hat diese Scheidung von etwas anderen Gesichtspunkten 
ausgehend, mit voller Entschiedenheit Brunn ausgesprochen, 
und ich kann dem, was er über diesen Punkt vorgebracht hat, 
nichts von Bedeutung hinzufügen. Dagegen bin ich allerdings 
ausser Stande, seiner Einreihung der thessalischen Skulpturen 



RELIEFS AUS THESSALIEN 215 

unter die Werke, welche er einer nordgriechischen Kunst zu- 
schreibt, zuzustimmen. 

Den Jüngling von Pella verbindet ja einiges in der Gesichts- 
bildung mit unseren Reliefs: andererseits aber zeigt er eine so 
abweichende Behandkmg des Ilaares, des Gewandes und Nor 
allem so reiche und leine Modellii'ung im Nackten, dass er da- 
durch sich ganz wesentlich von ihnen unterscheidet. Ausser- 
dem aber steht er auf einer so viel fortgeschritteneren Stufe der 
Entwicklung, dass schon aus diesem Grunde ein direkter Ver- 
gleich ausgeschlossen scheint : die Frage nach dem Verhält- 
nisse dieses Skulpturwerkes zu der Kunst, welcher die thessa- 
lischen Reliefs entstammen, kann, wie ich glaube, erst gelöst 
werden, wenn eine Reihe von Vorstufen gefunden sind. Au- 
oenblicklich finde ich die nächsten Verwandten desselben 
unter Bildwerken böotischen Ursprunges , unter denen ich 
besonders auf die jetzt im hiesigen Xationalmuseum aufgestellte 
Grabstele aus Tbespiä mit der später eingegrabenen Inschrift 
' Ayxdoylri y^oil^t (oben S. 38) hinweise, welche in der Behand- 
lung; des Gewandes nach Anordnuno- und Faltenwurf dem- 
selben ganz auffällig nahesteht. Was das Relief von Abdera 
betrifft, so würde dasselbe durch die weiche Behandlung des 
Fleiscbes, die Manier, in der das Haar o;eo;eben ist, und nicht 
minder den gesammten Gesichtstypus unter den thessalischen 
Reliefs völlig vereinzelt stehen. Sehr ähnlich in dem flächen- 
haften Charakter des Reliefs, aber ohne jede Spur jener Strenge 
und Geradlinigkeit des Faltenwurfes, welcher die thessalischen 
Reliefs auszeichnet, ist das Relief der Philis von Tliasos, wäh- 
rend das Nymphenrelief eben daher kaum recht verglichen 
werden kann. 

Dagegen möchte ich auf ein Monument hinweisen, das mii- 
in naher Beziehung zu den besprochenen Stelen zu stehen 
scheint, wenndeicb es einer weiter vorseschrittenen Kunst- 
stufe angehört : ich meine das schöneGrabrelief eines Mädchens 
in Venedig (Palazzo Giustiniani alle Zattere; abgeb. Antike 
Denkmäler I Taf. 33,2). Fast alle Züge, welche wir als cha- 
rakteristisch für die thessalischen Reliefs gefunden haben, 



216 



RELIEFS AUS THESSALIEN 



kehren in ihm, nur verfeinert und vervollkomnet wieder: selbst- 
verständlich soll dasselbe damit nicht etwa als thessalischen 
Ursprunges (der Fundort ist leider unbekannt) in Anspruch 
genommen werden, wohl aber glaube 
ich, dass es uns einen Fingerzeig geben 
kann, in welcher Weise und zu welcher 
Höhe sich die Kunstweise entwickeln 
konnte, der auch die Reihe der bespro- 
chenen Reliefs angehört. 

Zum Schlüsse erwähne ich noch eine 
Grabstele, welche wegen ihrer ausser- 
gewöhnlich frisch und unversehrt er- 
haltenen Bemalung Beachtung verdient. 
Sie befindet sich in Volo in der Kirche 




i n i I K /\ E I A 

f r I zi A V Pia 




Hag. 

FiiJ'. 



Nikolaos eino-emauert und ist in 
3 im Massstabe 1:10 wiedergege- 



FlG. 3. 



ben. Die Inschrift ist bereits von Lol- 
lino- Athen. Mitth. XI. S. 50 N. 15 veröf- 
entlicht. Unterhalb derselben sind in 
Relief zw ei Rosetten angebracht und mit 
roter Farbe (mit welcher auch die Buch- 
staben ausgefüllt sind ) eine Binde auf- 
gemalt : der in der Abbildung schraffirte Teil ist rot ausge- 
füllt und zeifit die anoeoebene Innenzeichnung in derselben 
Farbe, nur etwas dicker aufgetragen : ein schmaler Saum an 
dem einen Rande der Binde ist weiss ausgespart. 



Athen, im Juni 1890. 



R. HEBERDEY 



MISCELLKN 
Inschriftt^n \oii lüon 

In einem tlieaterähnlichen Gebäude am SO -Ende der Per- 
gamos wurden nachstehende Inschriften gefunden: 

I. Anfeinem Marmorl)lock von 0'",8ß Lcänge. O'^.Te Tiefe 
und 0"\:32 Höhe. 

AYTOKPATOPAKAIS/Oipa IsgocTTO'r Y I O N 
2EBA2T0NAPXIEPEAK \l Z:.[r;;7.aplX I K H ^ 

EZOYZIASTOAf. AEK, [aTov] 
MEAANITTTTI AHSEYOYAiKOY liXiscov 7:06] 
ZENONKAIEYEPFET H>j 

5. Auf einem Marmorhiock von 1'".36 Länge. 0"'.33 Höhe 
und 0"\72 Tiefe. 

TIBEPIONKAIZAPA 0EOY2EBAZTOYYION 
SEBASTONAPXIEPEAAHMAPXIKHSEZOYSI 
AZ TO AT YÜATON TO E TON2YN 
rENHKAlZQTHPAKAlEYEPrETHNHBOYAH 

KAIOAHMOZ 

Ich bemerke, dass sich die für den ersten Block gegebene 
Län2;e nur auf das orösste Bruchstück desselben bezieht, und 
dass bei Hinzufügung der drei kleineren Fragmente rechts die 
Läno;e des Ganzen der des zweiten Inschriftblocks crenau ent- 
spricht. Der erstere war jedenfalls ein Teil der Basis der von 
Melanippides zu Ehren des Tiberius errichteten Statue. 

Da nach der zweiten Inschrift der Kaiser sein fünftes Con- 
sulat bekleidet, welches nach CassiusDio (LVIII 4,3) mit dem 
Jahr der Stadt 784, 31 n. Chr. zusammenfällt, gleichzeitig 

ATHEN. MITTHEILUNGEN X\. 15 



218 MISCELLEN 

aber auch die tribimicia potestas zum dreizehnten Mal, wäh- 
rend er diese in der ersten Inschrift zum zwölften Male hatte, 
so ist diese natürlich die ältere. Obgleich in dieser Tiberius 
nicht mit Namen genannt ist, so kann es doch, sowohl den 
Fundumständen nach als auch der sicheren Ergänzung von 
[SsSocGTou] uiöv, auch wegen des zwölften Tribunats keinem 
Zweifel unterliegen, dass dieser Kaiser gemeint ist. 

Melanippides kommt als Hier in Aeschines Briefen (X, 10) 
vor. 

Der zweite Inschriftblock war schon einmal benutzt wor- 
den, denn die Inschrift steht auf Rasur. 

3. Auf dem Fragmente einer Marmorplatte befinden sich 
folgende Zeilen, die der Schrift nach aus hellenistischer Zeit 
stammen 

HNO 
T E A 
K A I 2 
Z I A E n Z 
Y H I 2 M A 

Dies Fragment könnte zu einer der von mir oben S. 133 ver- 
öffentlichten Ilischen Inschriften gehören. 

4. Auf einer ebenfalls auf der Burg von Ilion gefundenen 
runden Basis (Dm. 0"\75. H. 0'",55) aus hellbläulichem Mar- 
mor ist von einer bereits im Altertum ausgemeisselten In- 
schrift noch folgendes übrig geblieben : 

r [uv] A 1 K , X 
Eiiiiiif:^T..N 




Die letzten vier Zeilen werden die Nennung des Künstlers 
enthalten haben. 



MISCELLEN 2l9 

5. Auf einer runden, 0'",76 im Durchmesser habenden und 
0"',72 Jiohen Basis von Marmor. 

\ I 

O YTO Y 

['AvTt] O X O Y [p.v-;)p/i?] E N E K E N 
KAlEYZEBEIASrrr.li^EI^TOIEPON 

kaieyeprezia2:th2eiztonahmon 
hpakaeiah^^atypis:koy 

B Y I A N T IO^EFOH^E 

Nach der Schrift zu urleilen gehcirt diese Insclu'ift ins 
zweite Jahrhundert v. Gh., jedoch fehk uns jeglicher An- 
haltspunkt, zu bestimmen, von welchem Antiochos liier die 
Rede ist. 

6. Ferner kam auf der Burg Ilions eine kleine schwarz ge- 
firnisste Topfscherbe zum Vorschein mit der Inschrift 



fTjlBJ-t 



die jedenfalls nicht jünger ist als das sechste Jahrhundert v 
Chr. Ich schlage vor. das Wort KT'OGi-o)a; zu lesen. 

Trqja, 7 Juni 1890. 

HEINRICH SCHLIEMANN. 



Psephisma für den Romödiendichter Amphis. 

Das im 'AOvivatov IJ S. 131 f. von St. A. Kumanudis ver- 
öffentlichte, jetzt im Nationalmuseum aufbewahrte Bruch- 
stück eines attischen Psephisma aus dem Jahre des Arclion Ni- 



220 MISCELLEN 

ketes 332/1 v. Chr. wird vervollständigt durch ein zur Zeit 
im Varvakion befindliclies Fragment, auf welches ich durch 
eine gelegentliche freundliche Mitteilung Prof. Emaniiel 
Löwy's aufmerksam ge^^orden bin. Die beiden Stücke, deren 
Text ich nachstehend nach deu von mir genommenen Ab- 
schriften mitteile , passen unmittelbar aneinander. Von der 
Darstellung des die Stele krönenden Reliefs ist nur der untere 
Teil zweier einander zugewandten, mit Himation bekleideten 
männlichen Fiouren erhalten. 

IKHT0YAPX0NT05: 
TIO> lAOSOPAOlH 

a2:hiapi5:tonoy 

OYANArYPAS:! OSE 
5 t'ENEAA^HBOAinN 
EPI AEKAEBAOME l~ 
NEIAS:TnNnPOEAP_ 

iiEN ikos:tpato5: 

SEAO £NTaiAHMai 

10 ENOS (l)ISOAOTOY 

^' ZE\ PE H -^EIAHANct) I S A I 

MAPIOS:^IATEAEIE 

NTniAIMniTniAO 

INYNKAIENTnPAP 

15 " IXPONniAEAOXOAl 

EPAi nes:aian0 in 
ANAPIO ikais:te0 

•~TOY (t)ANniAP 

A \ O X Y N 
20 O Z E N O h 

^ H M O Y T 



5 vsija; i^t 'Api<7T6vou[; 'ApKJTOvJou 'Avayupoccio; e[ypap!,|p:,a:Tg]u£v, 



MISCELLEN 221 

7ipO£Sp(i)[v l77£<]/r)'^]'.C£v [N"|t/,6r>rpxT0(; LKo-ps'.o];' £So[c]£v Tio 875- 
10 |7,to'/ [_ • • • I • • • •Js'^0? [K7i]'P'.'joS6tou [ £]'j; Ei-sfv £]- 

Tzs'.^'h "Av(pt? iAi[ "AvjSpto? SixT£);£i Epvoui; wv] <(wv^ 

15 Twi Si^Y]]y-(i)i Tcöi 'AO[rjvai(t)v x,a]i vOv x,y.i £v tw 7üap[£Vr;|X'j06jTi 

yrpovci)'., ScSo/^Oai jTwi S'/)y-(j>ij £7:atv£Gai "Av(ptv [Ai ] 

"Avopiov 7,7.1 cT£(p[avcJcai x,it]tou [(jT£]''pzv(i)i (Xp[£Tr/<; £V£x.a y.xi 

'20 St)t]a,lO'7Uv[71?' £i|vat 0£ aUTOV •;7p]6^£VOV [jtal £Ü£pY£TYjV TO'j] St/- 

Das Psephisma ist bereits von Kumanudis auf Grund der 
von demselben Tage stammenden Psephismen C.I.A. II 173. 
174 Z. 5 f. im Wesentlichen i'ichtio- hergestellt worden. Die 
Vermutung, dass der Beschluss, dessen Motivirung sich von 
der anderer Pro.venieverleihungen in keiner Weise untei- 
scheidet, dem bekannten Romödiendichter Amphis gelte, hat 
Kumanudis nicht versäumt auszusprechen, aber dahingestellt 
sein lassen. Man wird zu Gunsten dieser Beziehuno; nunmehr 
zwei Gründe geltend machen dürfen. Erstens ist das Pse- 
phisma in der ixvSkrifjlv. h Aiovugou zu Stande gekommen, da in 
dem Praescript C.I.A. II 173 Z. 6 mit A. Reusch, De diebus 
contioiium S. 10 statt t/.y.'kriaix iv [n£'-pat£i vielmehr i7.-/.\-nr;ioi. 
£v [A'.ovuGO'j zu ergänzen ist^ Zweitens ist es ein Epheukranz, 
der Kranz des dramatischen Dichters (vgl. u. a. A. Müller, 
Bühnenaltertümer S. 346), mit dem Amphis bekränzt wer- 
densoll; ander riclitigen Lesung der Zeichen ""TOY Z. 18 ist 
kein Zweifel und die Era-änzunii; x.'.tIto'j die einzio; möoliche. 

CO- CD 

Wie es scheint , werden Epheukränze nicht verliehen ohne 
bestimmte Beziehung auf den Gott, dem der Epheu heilig. 
Ohne besonderer Behandlung des Gegenstandes vorgreifen zu 
wollen, gebe ich nachstehend einige Belege aus attischen In- 
schriften. Ein tragischer Dichter wird von den Techniten durch 



' Vgl. Hermes XXIV S. 145 f. Für die Ricliligkeit der von mir vorge- 
selilageneu Ergänzung spiiclit, dass auf dem Steine Z.2 nach AI noch deut- 
lich Resle eines S erhallen sind. 



222 MISGELLEN 

einen Epheukranz geehrt C. I. Ä. II 1351; ein tragischer 
Schauspieler II 1356. Für Besorgung des Dionysosfestes wird 
dem Demarchen und den Choregen von Ikaria ein Epheu- 
kranz verliehen American Journal of Archaeology 1888 S. 
421. Epiieukränze erhalten die Kanephoren der Dionysosfeste 
C.I.A. II 1388 b (vgl. 'E'p. 'Ap^. 1887 S. 47, Sitzungsbe- 
richte der Berliner Akademie 1887 S. 1201 IV 46) und" ihre 
Väter II 420 (beschlossen in der ly.yXrirA'y. h Aiovugou), Bull, 
decorr. hell. III S. 62 ff.=DittenbergerxS////oo-<:' 383 (Skyros), 
ebenso die Knaben des Chores und ihre Lehrer II 420. So 
auch nach einem Opfer für Dionysos und der Weihung einer 
Schale in seinen Tempel die Epheben und ihr Kosmetes II 470 
Z. 63 ff. 73 ff. (beschlossen in einer s/./cV/^aia iv twi Osaxpioi 

£V AlOVUCOu). 

Z. 13 habe ich angenommen, dass der Steinmetz fälschlich 
das Wort tov wiederholt habe, natürlich kann auch ein anderes 
Versehen vorliegen. Z. 14 fehlt in tw das Iota. 



Athen, März 1890. 



ADOLPH WILHELM. 



Inschrift aus der Megaris. 

Bei einem Ausflug nach Megara wurde ich von dem dorti- 
gen Totpa?, Herrn Papaalexandropulos. auf ein Inschriften- 
fragment aufmerksam gemacht, das ihm vor kurzem von ei- 
nem Bauern gebracht wurde und sich jetzt in seinem Hause 
befindet. Dasselbe stammt aus der Gegend des Dorfes Vilia. 

Das Fragment ist ein Dreieck mit den Massen 24""; 18'"': 
26""". Die etwas unregelmässigen Buchstaben sind etwa 6""" 
hoch. Die Oberfläche der rechten oberen Ecke ist abgesprengt. 



MISCELLEN 923 

Der übrige Teil des Steins zeigt die folgende Inschrift, welche 
ich nacli einem Abklatsch copirt liabe. 



2 A Ä I t E / 
nÄNTÄÄÄlfE/ 
lAEKÄlTAZYÄAn 
5 EGHKEÄEKAIEIS" 
'ETOTTONlAlOlsAA/ 
^ A EZAN A P E I A 2 E n T A / 
NTOKaNAElüN^N 

AhAekAtAiAN- 

10 ^0INIA2T0I5:AAL 

AsAAmogoi h 
- k a i t o i z y i 
{ e ^ \ a 

F 

TuavTa aXnj/e . . 
OS xai tÖ, ^uXa x[ocvTa 
5 £'9-)oy.£ Ss xai eiq x . . 

r]s TOTTOv iSiotc Sa, . . 
'AXs^avSpsia? £~Ta 
. . VTOXcov öei— V(j)v 
Sw^S/CX Tatav . . 
10 . Sap-oJOotviai; toIc. oCkz . 

T]a? Sa[j(,oOoiv]ta; 
•/.at TOi? ui[oi<; 

n]ueo[S](o[po . . 

Das zweite A Z. 5. und E Z. 9. sind undeutlich, aber noch 
erkennbar. Die schräge Linie Z. 13. kaum zu erkennen. 
Die Schriftzüge scheinen mir auf die Kaiserzeit hinzuweisen. 

Athen, März 1890. 

A. THUMB. 



224 MISCELLEN 



Altattischer Grabstein. 



c 


E 1 M 1 


hl 


T O ^ 


O 


M A + O 




h 



^ A /^ O A 

° I 5 T C 



Die beiden vorstehenden Inschriften befinden sich auf den 
zwei Seiten einer etwa 0,10 dicken Platte von pentelischem 
Marmor, die vor Kurzem im nordöstlichen Teile der jetzigen 
Stadt Athen zum Vorschein gekommen ist. Das erhaltene Stück, 
das in jeder Richtung etwa 0,23 misst, ist ringsum gebrochen, 
nur an einer Seite, in der vorstehenden Absclirift durch eine 
senkrechte Linie angedeutet, ist der ursprüngliche, völlig glatte 
Rand erhalten; dass aber beide Inschriften oben und unten 
vollständig sind, lehrt der freie Raum der sich darüber und 
darunter befindet. 

Man ist auf den ersten Blick geneigt, beide Inschriften des 
Steines verbindend zu lesen ^z-'0^-r\ {vjX Oscvövto; 'AptGTov.y.yo'j. 
Aber abgesehen davon, dass dann in jeder Zeile wenigstens 
ein Buchstabe irrig doppelt geschrieben sein müsste, und der 
Zusatz des kahlen OavövTo; mindestens seltsam wäre, macht 
diese Annahme der Umstand unmöglich, dass die Schrift bei- 
der Seiten merkliche Unterschiede aufweist. Die von h ist die 
sorgfältigere und elegantere, die Buchstaben sind kleiner(0,03) 
als die von a (0.045). die Zeilen sind von waoerechten Linien 
eingefasst. Wir dürfen also die beiden Inschriften nicht einmal 
für völlig gleichzeitig halten. Aber das wird richtig bleiben, 
dass der Text beider Inschriften ziemlich gleichlautend gewe- 
sen ist. Es scheint mir einleuchtend, dass wir hier einen Grab- 
stein vor uns haben, der für zwei Glieder derselben Familie 
gedient hat; zuerst war nur die sorgfältigere Inschrift b vor- 
handen, nachher wurde dann noch der Name des später ver- 
storbenen, wie so oft, in weniger sorgfältiger Schrift eingetra- 



MI9CELLEN 225 

gen. Unter dieser \'oraussetzung wlvd man dif Inschriften 
etwa zu lesen haben : 

(( —~r,\r, i'MÄ 4> 3CV0 v.xyo'j 'A iptCTOi 'jlxvo'jI. 

ö —-rXri £'•;-«•'' [• • • . 9öi]v-ro; ['Api<JT]oy-iyo'j. 
Dass der Vatersname in beiden Fällen \\z'.c-6>j.xyo: war ist 
wahrscheinlich, aber nicht sicbcM'. da man z. B. in /> auch 
•^xv oaz/o'j lesen konnte, obsclum dieser Name etwas zu kurz 
scheint für den Haum. Der Name <l>avÖ7.a/o; in a scheint mir 
sicher, da der letzte Buchstabe der zweiten Zeile niii' A. A, 
N*. A', ii'ewesen sein kann. Daueren lässt sich der .\ame des 
Verstorbenen in /j nicht mit Sicherheit ermitteln. 

Der Grabstein wird als Stele bezeichnet. Krgänzen wir uns 
die Inschriften, su kommen wir aul'eine Zeilenläni»e \(>n etwa 
0,40, und nu'isslen. wenn dies die Breite des Grabsteines war, 
demselben zur i'h'reicliun<'" der Stelenlbrm mindestens dieselbe 
Höhe i;eben, so dass es nnbciireillieh ist, weshall) man die 
zweite Inschrift nicht iiber oder unter der ersten anbrachte. 
Denn anzunehmen, dass die Stele mit einem Bildwei'k \ei'ziert 
ij:ewesen sei. welches allen xerfüi'baren Raum in Ansiiruch 
genommen hätte, ist kaum möulich. da dann ja die zweite In- 
Schrift auf der Biickseite des Deidvinals iieslanden hätte: bei 
einer schmucklosen Stele konnten beide Seiten eher als gleicli- 
wertiii" i>;elten. l{is ist mir darnach wahrscheinlich, dass die 
jetzt erhaltene Kante die Oberseite des Denkmals war, und die 
Zeilen, wie auf so \ielen archaischen Weihgeschenken, senk- 
i'echt liefen. 

Alhen. März IS'.K). 

l'.VUL \VoLT1::R6. 



L\[[ c 1' a t u i' 



Sculpturcs i\u niusee de lAcuoroLr , avec un plan des fouil- 
les de l'Acropole. Athen. 1890. 

M. H. MaaanaPAKH, 'M Ilx-ry.o;, =/, toO 7.y^fl'.-/.o\J . Mctx 



226 MISCELLEN 

TrpocÖrjxwv x,xi '7vifXEtco(7£o)v. Odessa. 1889. Besprechung der Jn- 
sel und ihrer Beziehungen zur Apokalypse nach einem unge- 
nannten englischen Autor. Im Anhang ^^erden Inschriften 
mitgeteilt, und zwar die von Sakkelion in der 'Er^-ziy-spi? äpyato- 
loyvAri 1862 S. 257 ff. veröffentlichten und das Epigramm 
Kaibel 472. Guerin, I/c de Patmos S. 58, das hier, in einer 
besseren Lesung nach der hiesigen riavSwpa 19 S. 48 erscheint. 

r. S. <I>P.\rKOTAH, KuTüp'.C. 'H K'j-po? T-^; (7r;|X£pov. 'lr>TOp{a 
T'^i; KuTvpo'j (XTiö Twv jx'jQoXoyt/.wv yp6vci)v [-'.£/ pi TTiaspov. To— ovpa- 
ipia K'j-po'j •/] TTsproy/iT'.i; ävk Tr.v v-^tov. Athen. 1890. 

'ETTSTTipi? T'Ti? 'Hys'xovia? Sk[aou Siöc t6 sto; 1889, üttÖ E. Stä- 
|xa.T'.7.So'j. Samos 1889. Darin S. 127 die archäologischen Funde 
dieses Jahres: grosses Grabrelief, aus der Nähe von Chora und 
verschiedene Inschriften. Auch die früheren Jahrgänge dieser 
nützlichen Veröffentlichung geben Kunde von den jedesmali- 
gen Entdeckungen. In dem soeben ausgegebenen Hefte für 
1890 fmdet sich nichts archäoloo-isches. 



Fu n de. 



Troja. Im Monat März 1890 hat Herr Dr. Schliemann 
seine Ausgrabungen in llion unter meiner Mitwirkung wieder 
aufoenommen. Die Aufoaben, welche wir uns für dieses Mal 
gestellt haben, sind hauptsächlich folgende : 1 . die Umfassungs- 
mauern derPergamos für die verschiedenen Epochen möglichst 
genau festzustellen, 2. den Plan der zweiten Stadt, der home- 
rischen Peroamos, zu vervollständioen, 3. an einer Stelle, wo 
dies noch möglich ist, die Grundrisse der oberen Ansiedelun- 
gen und ihre Funde gesondert aufzunehmen, 4. einen Teil der 
Unterstadt aufzudecken und 5. nach den alten Gräbern zu su- 
chen. Einen Teil dieser Aufgaben haben wir bis jetzt (Mitte 
Juni) schon gelöst. Zunächst liaben wir an mehreren Stellen 
die verseil iedenen Burgmauern freigelegt. Da sind Mauern der 
ältesten Arl mit geböschtem Stein - Unterbau und vertikalem 



MISCELLEN 227 

Oberbau aus Luftziegeln, da sind auch jiingere Maiicni. die 
oanz aus mehi' oder minder »rossen Steinen mit J^elimmörtel 
bestehen und da sind endlich riuiiische Mauern aus opus iii- 
certuni und aus regelmässigen Ouadern. Besonders üut erhal- 
ten ist ein Stück der östlichen Burgmauer der zweiten Stadt 
(auf Plan VII in 'rroja" mit roter Farbe bezeichnet). Die fast 
4'" starke Mauer hat ein Fundament und einen niedi'igen 
Sockel aus Bruchsteinen und Lehm. Der obere Teil, aus I^dl- 
zie^eln erbaut, ist 2 bis 3 Meter hocii erhalten und träsft noch 
seinen alten Putz. Im Inneren der Mauer befanden sich starke 
Holzbalken, durch deren Verbrennung bei der Zerstörung der 
Stadt die Ziegel teils durch den Oualm schwarz geworden, 
teils vollkommen Gebrannt sind. An der Aussenseite stehen 
noch jetzt mehrere Türme in regelmässigen Abständen von 
etwa 10 Metern und springen etwa 2'" vor die Mauerlinie vor. 
Es ist beachtenswert, dass in dieser Epoche sich nur auf der- 
jenigen Seite der Burg Türme befinden, wo dieselbe nur durch 
eine niedrige Terrainfalte von dem anstossenden Plateau ge- 
schieden war, und wo demnach der Feind bequem an die 
Mauer selbst herankommen konnte. Auf den übrigen Seiten 
stand die Mauer am oberen Rande des steil abfallenden Hü- 
gels. Die Angreifer konnten hier schwerer an die Ziegelmauer 
herankommen, und Flankirungstürme waren daher weniger 
notwendig. 

Zu den zwei verschiedenen Burgmauern der zw^eiten Stadt, 
welche auf Plan VII in 'Troja' schwarz und rot bezeichnet 
sind, ist noch eine dritte hinzusfekommen, deren Unterbau aus 
Stein mit vorspringenden Türmen an der Südseite der Burg 
noch gut erhalten ist. Man sieht demnach, wie die Pergamos 
zur Zeit der zweiten Ansiedler zweimal nach Süden erweitert 
worden ist. 

Eine grosse Mauer im Nordosten der Burg {BC auf Plan 
VII), in welcher wir früher möglicher Weise eine Mauer der 
Unterstadt glaubten erkennen zu dürfen, hat sich bei weiterer 
Freilegung als Rampe, als Aufgang zur Pergamos, herausge- 
stellt. Die Entdeckung dieser Thatsache wird Herrn Major 



228 MISCELLEN 

Steffen verdankt. Wir suchen jetzt nach dem Thore, welches 
sich am oberen Ende der Rampe befinden muss. 

Im Inneren der zweiten Stadt waren nordöstlich von den 
beiden grossen Gebäuden Ä und B, in welchen man Teile des 
Königspalastes erkennen darf, mehrere Mauern erhalten, deren 
Zusammenhang noch unbekannt war. Durch weitere Grabun- 
gen haben wir jetzt festgestellt, dass auch in diesem Teile der 
Büro- einzelne Bauten la<jen, welche fast dieselben Grundrisse 
hatten wie die Gebäude A und B. 

Ein wichtiger Fund war die Aufdeckung zweier weiterer 
Parastaden- Steine an dem Gebäude C. Während letzteres bis- 
her nur vermutungsweise als Propyläon bezeichnet werden 
konnte, ist diese Benennung jetzt vollkommen gesichert und 
so ein weiterer Beweis für die grosse Verwandtschaft der Bau- 
anlagen von Tiryns und Troja gewonnen. 

Westlich von dem längst bekannten Südwest -Thor wird 
ein grosses Stück der ausserhalb der Akropolis der zweiten 
Stadt liegenden Erdmassen ausgegraben. Dieser Teil gehörte 
später, als die Akropolis sich weiter ausgedehnt hatte, zu ihr 
liinzLi und enthält daher Häuser und andere Bauten der oberen 
Städte. Die einzelnen Schichten werden freioelefjt. vermessen 
und photographirt ; erst nachdem dies geschehen, werden die 
unteren Schichten ausgegraben. Auf diese Weise gewinnen 
wir Grundrisse aller der Gebäude, welche nach der Zerstö- 
rung der zweiten Stadt über den Ruinen und Sclmttmassen 
derselben erbaut worden sind. Bis jetzt haben wir schon sechs 
verschiedene Schichten constatirt. Die Existenz einer grossen 
Anzahl übereinanderliegender Schichten, wie sie Herr Dr. 
Schliemann früher schon beobachtet hatte, wird also auch hier 
vollkommen bestätigt. 

Wenn wir an dieser Stelle l)is zu den untersten Schichten 
vorgedrunoen sind, hoffen wir auch die Frao;e entscheiden zu 
können, ob sich auf dieser Seite eine Unterstadt an die Per- 
gamos des homerischen Troja anschloss. Möglicher W^eise la- 
gen aber auch liier unmittelbar vor dem Thore der Pergamos 
die Königsgräber, 



MISCELLEN 229 

Diese aufzufinden, ist uns bisher ebenso wenig gelungen 
wie in Tii'vns. Die Abhänge der Hui'g. an denen man diese 
Gräber vernuiten Ivann, sind überall so hoch mit ahcm nnd 
neuem Schutle bedeckt, dass die Nachforschungen mit sehr 
grossen Kosten verbunden sind, und desshalb nui' an einzelnen 
Stellen durclmefülirt werden kr)nnen. In ür<)sserem Abstände 
von der Burg ist jetzt und auch schon früher eine grosse An- 
zahl von Gräbern gefunden worden, teils gewöhnliche Platten- 
gräber, teils in den Felsen gehauene Schachte. Sie liegen fast 
alle ausserhalb des sj)äteren Mauerkreises und g(>hören, so weit 
sich dies ermitteln liess, den letzten Jahrhunderten der Exi- 
stenz der Stadt an. Eine Reihe derselben stammt aus byzan- 
tinischer Zeit. Nach den Gräbern aus guter griechischer und 
aus noch älterer Zeit wird noch gesucht. 

Die Ausarabuns eines Teiles der Unterstadt wird wahr- 
scheinlich bis zum nächsten Jahre verschoben werden müssen. 
Nur ein Gebäude derselben, am südöstlichen Abhang des Büro- 
hügels seleoen, ist aufgedeckt worden. Es ist ein theaterähn- 
lieber kleiner Bau. der vielleicht als Odeion gedient hat. Die 
unteren Sitzreihen und die mit Marmor gepllasterte Orchestra 
sind W'ohl erhalten. In der Mitte der letzteren befindet sich der 
reich profilirte Unterstein eines Altars oder einer Statuenba- 
sis. Im Inneren wurden zwei Statuen und auch zwei i^rössere 
Inschriften gefunden, vgl. oben S. 217. Zum Schluss sei 
noch besonders hervorgehoben, dass die türkische Regierung 
jetzt in liberalsterweise die Anfertigung von Plänen gestattet. 
Die Publication über die Resultate der Ausorabunoen wird 
daher dieses Mal mit mehr Plänen ausgestattet werden können, 
als dies beim Buche • Troja' möglich war ' . 



^ Der Leser wird es gewiss billigen, dass icli auf den in den Tageslilättern 
geführlen Streit über die BedeuUing der liuinen von Hissarlik in dieser 
ZeitschriFl niclil eingehe. Die selt^^ame Hypothese des Hauptmanns a. D. E. 
Bölticher, dass diese liuinen, und zwar nicht nur die untersten allen Bau- 
ten, sondern auch die in den oberen Schichten aufgefundenen Tempel und 
Säulenliallen, selbst grosse Leichenverbrennungsöfen gewesen seien oiler 
zu solchen gehört hätten, ist für mich endgültig erledigt, ich werde über- 
haupt kein Wort mehr über dieselbe verlieren. Nachdem in diesem Jahie 



230 MISCELLEN 

Lykosura. Auf einer Reise durch den Peloponnes habe 
ich Gelegenheit cehabt. die meisten Orte, an welchen neuer- 
dings Ausgrabungen Statt gefunden haben, zu besuchen und 
kann ich daher über die architektonischen Resultate dieser 
Grabungen eine kurze Mitteilung machen. In Lykosura, auf 
einem Berge siidöstlich Yom Lykeion, drei Stunden von Me- 
galopolis entfernt, hat Herr Ephoros Leonardos im Auftrage 
der griechischen Regierung gegraben. Über die Resultate ist 
berichtet worden im A£>.Tiov 1889 S. 159. 170. 202. 225. Man 
hat das Heiligtum der Despoina gefunden und hauptsächlich 
den Tempel ausgegraben. Dieser besteht aus der Cella und 
einer Vorhalle mit sechs dorischen Säulen an der Ostfront. Er 
gleicht seinem Grundriss nach sehr dem Tempel des Amphia- 
raos bei Oropos. Der Unterteil der Cellawand ist aus einhei- 
mischen Kalksteinen erbaut, die mit Kalkmörtel verbunden 
sind ; zu dem Oberteil Avaren daoeoen Backsteine verwendet. 

' DO 

welche nicht die gewöhnliche Gestalt der römischen Zies-el 

o o 

haben, sondern auffallend gross sind. Es sind quadratische 
Ziesel von 0.4 0'" Seitenlänoe und 0.10™ Höhe und zuo;eh()- 
rige halbe Steine von 0,40'" Länge und 0,20'" Breite. Die Ost- 
fassade, d. h. die sechs dorischen Säulen mit ihrem Gebälk, 
bestehen aus weissem Marmor. Die Ausführung des ganzen 
Baues, und zwar sowohl die Kunstformen als auch die techni- 
schen Einzelheiten, weisen auf die römische Periode als Ent- 
stehungszeit hin. Vor dem Tempel ist ein Gebäude gefunden, 
welches eine Säulenhalle gewesen zu sein scheint. Unmittelbar 
oberhalb des Tempels sieht man auf dem Bergrücken die Re- 
ste grosser Futtermauern, welche wahrscheinlich dem von 
Pausanias erwähnten Megaron angehören. Die Regierung be- 
absichtigt, die Ausgrabungen fortzusetzen. 

Megalopolis. Obwohl an mehreren Stellen der alten 
Stadt antike Gebäude sichtbar waren, deren Freileguns; loh- 



viele Sachverständige, und unter ihnen Ahgesandte mehrerer Aivademien, 
die Ruinen selbst untersucht und sich einstimmig für die vollständige 
Grundlosigkeit jener Hypothese entschieden haben, dürfte die Frage auch 
für jeden Fachmann erledigt sein. 



MISCELLEN 231 

nend gewesen wäre, sind doch bislitM' nicirials iirösscro Aiis- 
grahungen daselbst vorgenommen worden. I']i'sl in diesem Jahre 
hat die englische Schule in Athen begonnen, die wichtigsten 
Gebäude aufzudecken. Nach kleineren Grabungen auf dem 
n()rdlichen Ufer des Helisson, wo melirere Säulenhallen von 
unbekannter Bestimmung vorläuüg nur angegraben worden 
sind, ist man an die Freilegung des südlich vom Flusse gele- 
genen Theaters geschritten. Wider alles Erwarten sind nicht 
nur die unteren Sitzreihen sondern auch die Untermauern des 
Skenenoebäudes recht "ut erhalten. Früher sah man keinen 
Stein derselben, nur Stücke der grossen Stützmauern des Zu- 
schauerraumes waren über der Erde sichtbar. Dass an dem 
Skenengebäude im Altertum Umbauten vorgenommen worden 
sind, liess sich bei meiner Anwesenheit schon constatiren, im 
Übrigen war der Grundriss desselben noch nicht vollständig 
klar. Was man sah, genügte aber schon, um dem Bau eine 
her\orragende Stelle unter den in Griechenland erhaltenen 
Theatern anzuweisen. Auf die vollständige xAufdeckuno- des 
Grundrisses und seine Veröffentlichung darf man daher ge- 
spannt sein. Hinter dem Skenengebäude ist ein grosser Hof 
mit inneren Säulenhallen aufgedeckt. An der Untersuchung 
eines grossen Tumulus im N. 0. der Stadt wurde noch gear- 
beitet. Eine steinerne Urne mit Knochen und Schmuckgegen- 
ständen, w^elche in geringer Tiefe gefunden \Yurde, ist offenbar 
erst später in den Tumulus eingegraben worden. Das eigent- 
liche Grab, für welches der Tumulus aufgeschüttet sein wird, 
war noch nicht befunden. 

Die Ausgrabungen, welche von der französischen Schule in 
Mantinea unternommen worden sind, waren seit meinem 
letzten Besuch (April 1888) noch weitergeführt w^orden. Einen 
eingehenden Bericht über die vielen aufgedeckten Bauten hat 
der Leiter der Ausgrabungen. Herr Fougeres, kürzlich im Bul- 
letin decorr. hell. 189Ü S. 65. 244 veröffentlicht. Obgleich 
die Bauwerke fast sämmtlich sehr zerstört sind, verdienen sie 
doch besucht und studirt zu werden. Es mag hier nur auf eine 
bemerkenswerte Eigentümlichkeit des Theaters hingewiesen 



232 MISCELLEN 

werden. Dasselbe hat scheinbar eine erhöhte Bühne gehabt, 
welche aber erst später eingerichtet ist, denn man erkennt deut- 
lich die Spuren eines Umbaues. Die unterste Sitzreihe liegt 
nun nicht in der Höhe der halbkreisförmicren Orchestra oder 
konistra, sondern ist durch drei ringsherum laufende Trittstu- 
fen über den Fussboden derselben erhoben. Sie las also mit 
der erhöhten Bühne ungefähr in einer Höhe. Auf die in der 
Orchestra befindlichen Personen sah man also schon von der 
ersten Sitzstufe etwas hinab. Beachtenswert sind auch die 
zahlreichen altertümlichen dorischen Kapitelle, ^^elche in Man- 
tinea gefunden sind und sich jetzt im Museum zu Tripolis be- 
finden. Eines derselben besitzt unter dem Echinus einen Kranz 
kleiner aufrecht stehender Blätter. 

Von der Stadtmauer Tegea's war bisher nichts bekannt; 
man hatte nur eine oberflächliche Kenntniss von der Ausdeh- 
nung der Stadt. Es war daher sehr verdienstlich, dass die 
französische Schule durch Ausgrabungen wenigstens ein Stück 
der Stadtmauer festgestellt hat. Die Mauer bestand aus einem 
Fundament aus Kalksteinen und einem Oberbau aus Luftzie- 
geln. Diese Art der Construction ist offenbar der Grund dafür, 
dass von der Mauer so wenig erhalten ist. In der Nähe der 
jetzt wieder aufgebauten byzantinischen Kirche Paläo-Episkopi 
hat man in einem Garten ein Museum eingerichtet, welches 
manche beachtenswerte Architekturstücke enthält. 

M y k e n a e. Herr Tsundas hat im Auftrage der griechischen 
archäologischen Gesellschaft seine Grabungen auf der Akropo- 
lis forto-esetzt. Die Freile^uno- des südlichsten Winkels der 
Büro; bat an Bauwerken nichts Wichtjoes eroeben. Daoeoen 
ist im Nordosten ein tiefer Felsgang gefunden worden, welcher 
vermutlich mit der Wasserversorgung der Burg im Zusam- 
menhang steht. Auch auf dem Gipfel des Burgberges ist durch 
Abbruch eines Teiles des griechischen Tempelfundamentes der 
noch unbekannte Teil der Vorhalle des Megaron aufgedeckt 
worden. Die Wände des Königshauses sind hier vorzüglich 
erhalten und bestehen aus Bruchsteinmauerwerk mit Lehm 
und einzelnen Schichten hochkantig gestellt?r Steinplatten. In 



MISCELLEN 233 

der einen Ecke der X'orlialle ist der Wandputz mit seiner Be- 
nialung noch erlialteii und zwar erkennt man dieselben Strei- 
fen mit Querlinien von verscliiedener Breite, ^^ie sie in Tiryns 
mehrfach, z. B. aul' dem Stück Waiidpiilz mil dem bekann- 
ten Stier, vorkommen. I \\ dj 

In (hMn J)orl'e KaTTiyx.p'. in l\{'\- Nähe von Xaupii(»M bat 
Herr I. Kophiniotis in dein Ihiuse des dort wohnenden Prie- 
sters Karajanni ein Relief entdeckt, das nach seiner in der 
liiesigen Zeitnnji' Kaipoi (1890 N. 476) veröffentlichten Be- 
schreibung Zeus darstellt, mit der Rechten den Blitz sclileu- 
dei'nd. die Linke ausstreckend; links davon steht die Inschrift 

A I O 2 
K R A T A I 
B A T A 
die nach dem Herausgeber nicht etwa den bekannten Namen 
des Zeus KaTai^y.--/;?, durch Irrtum des Steinmetzen entstellt, 
bietet, sondern ein neues Epitheton KpaTaiS^TTjc, das er durch 
Analogien wie xpocTociSoXoc. -/.paTX'.Y'jaT^o?, -/.paTaiTCouc zu schüt- 
zen sucht, und mit dem von Pausanias 2, 25, 10 erwähnten 
Kult in Beziehung bringt. 

In Patras ist ein Sarkophag mit Darstellung der Melea- 
gerjagd gefunden, und zugleich mit dem dort in der Dimar- 
chie aufbewahrten bekannnten Sarkophag (Kinderdarstellun- 
gen) in das hiesige Nationalmuseum überführt worden. 

Marathon. Im Verfolg ihrer planmässigen Erforschung 
der altattischen Begräbnissstätten hat die griechische Regie- 
rung jetzt auch den bekannten Hügel bei Marathon, den so- 
genannten <7cöp6;, aufs neue untersucht, und dabei eine höchst 
merkwürdige Entdeckung gemacht, die geeignet ist, das grösste 
Interesse zu erwecken. Der Hügel war ursprünglich gegen 12'" 
hoch, jetzt ragt er nur noch 9'" über den Boden empor, der 
sich seit dem Altertum um 3™ erhöht hat. In dieser Tiefe un- 
ter der heutigen Oberfläche zieht sich unter dem Hügel eine 
Art von Estrich, etwa 1"° dick, hin, und darüber eine Asclien- 
schicht von 2-6™ Dicke. In dieser Schicht sind ausser Holz- 

ATHEN. MITTHEILUNGEN X\. 1$ 



234 MISCELLEN 

resten massenhaft verbrannte Knochen zu erkennen und Va- 
sen sclierben. Diese letzteren rühren, abgeselien von einigen 
anderen Gefassen, durchgiingii»- von kleinen Lekythen gewöhn- 
lichster Art, bedeckt mit ganz flüchtigen schwarzfigurigen Ma- 
lereien, her, wie solche bei den Ausgrabungen der Akropolis 
in grosser Menge gefunden sind. Wir haben also in dem Hü- 
gel bei Marathon ein Massengral» vor uns. herrührend von 
der gemeinsamen \>rbrennung und iiestattimg vieler Toten. 
Nach den A'asenfunden geliört dasselbe in den Beginn des 
fünften Jahrhunderts. Es ist also kaum ein Zweifel möglich, 
dass hier die Grabstätte der bei Marathon gefallenen Athener 
aufgefunden ist. 

Die Ausgrabungen haben nur einen verhältnissmässig klei- 
nen Teil des Hügels aufgedeckt, und sind jetzt wegen der un- 
günstigen klimatischen Verhältnisse der Gegend bis zum Herbst 
eingestellt. Die Untersuchung findet mit möglichster Schonung 
dieses wichtigen historischen Denkmals Statt, dessen ursprüng- 
liche Form nach Vollendung derselhen man wiederherzustel- 
len denkt. 

Einen vorläufigen Bericht brinij;t das Asat^ov dieses Jahres S. 
65 ff., zugleich mit einem Protokoll tiber den Befund und den 
Ergebnissen der chemischen und mikroskopischen Untersu- 
chungen, welche Herr MitS(')puIos an den Aschenresten ange- 
stellt hat. I*]ine ausfidirlichere Darstelhinij; ist in nächster Zeit 
zu erwarten. [l>. \v.| 

Nachtrag, 

Die S. 171 erwähnte Inschrift, aus welcher LoUii^g die Be- 
nennung "ExaT6[X7r£Soc für den alten Athenatempel erwiesen 
hat, ist jetzt von ihm mitgeteilt im AsAriov 1890S. 92 ff. : seine 
ausführlichere Darlegung wird in der 'A0y,v5c dieses Jahres er- 
scheinen. 



Juli 1890. 



PhiitiilitJioij 



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Flanskizze 



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VON KARL WILIiERG IN ATHEN 

sind zu beziehen : 



Mittheilunge/i des Deutschen arc/iaeologischen Institutes 
in Athen. Jahrgang I-X. Preis des Jahrganges 15 Mark. 



Das Kuppelgrab bei Menidi, herausgegeben vom Deutschen 
archäologischen Institute in Athen, 
mit 9 Tafeln in Steindruck. 8 Mark 



archäologischen Institute in Athen. Athen 1880. 56 S. 4" 



Dressel und MiLCHHOEFEa , Die antiken Kunstwerke aus 
Sparta und Umgebung. Athen 1878 (Auszug aus den Mit- 
theilungen II). Mit 6 Tafeln. 8 Mark. 

KoEiiTE, G., Die antiken Sculpturen aus Boeotien. Athen 
1879 (Auszug aus den Mittheilungen III). Mit zwei Tafeln. 
4 Mark. 

IlPAKTiKA, Jahresbericht der arch. Gesellschaft in Athen. 
Ueber die Jahre 1872 — 1880 je M. 1.25 
» )) » 1881 — 1888 je M. 3.— 

MiLCHHOEFER, Die Museen Athens (Katalog) cart. M. 1.60. 

Die Museen Athens in Lichtdrucken v. Gebr. Rhomaidis, 4°, 
je 8 Tafeln m. Text. Heft 1 und 2 enth. die Funde auf der 
Akropolis, je M. 6. 

Bulletin de correspondance hellenique I-XV je M. 20 
netto. 

AeltioY dp2-atoJoyixdy (herausgegeben von der Griechischen 
Ephorie ) jeder Jahrgang M . 6 . 

'Eyrij/sptq dpjaioJoytxri (herausgegeben von der archäologischen 
Gesellschaft) 1883 - 1889 jeder Jahrgang M. 20. 

Fouilles d'Eleusis 1882-1887. Mit einem neuen Plane von 
Eleusis. M. 1. 



INHALT 



W. JüDEicH, Iasos(Taf. 3) 137 

J. H. MoRDTMAw, Zur Epigraphik von Kleinasien . . 156 
P. J. Meier, Gladiatorenrelief des Museums zu Triest 162 
W. DoERPFELD, Metrologische Beiträge V. VI . . 167.234 

P. Wolters, Kriegerstatue aus Delos 188 

R. Heberdey, Reliefs aus Thessalien (Taf. 4-7). . . 199 



MISCELLEN. 

H. ScHLiEMAiNN, Inschriften von Ilion 217 

A. Wilhelm, Psephisma für den Komödiendichter Am- 

phis 219 

A. Thümb , Inschrift aus der Megaris 222 

P. Wolters, Altattischer Grabstein 224 

Litteratur 225 

Funde 226 



A t h * » — Druck ton OEDBUEOER PERBIS. — ünWeriilMts-SIriwc. 51 . 



MITTHEILUNGEN 

DES KAISERLICH DEUTSCHEN 

ARCüAIÖLÖlimilEI INSTITIITS 

ATHENISCHE ABTHEILUNG 



FÜNFZEHNTER BAND DRITTES HEFT 

MIT SECHS TAFELN UND MEHIIE«EN . 
.BILDUNGEN IM TEST 




ATHEN 

VERLAG VON KARL WILBERG 
1890 



VERÖFFENTLICHUNGEN 

DES 

KAISERLICH DEUTSCHEN ARCHÄOLOGISCHEN 
INSTITUTS 



1) In BERLIN erscheinen im Verlag von Georg Reimer: 

ANTIKE DENKMÄLER, Jährlich ein Heft in Folio mit c. 12 Tafeln. 
Preis des Heftes 40 Mark. 

JAHRBUCH des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts. Jähr- 
lich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 16 Mark. 

EPHEMERIS EPIGRAPHICA, edita iussu instituti archaeologici Ro- 
mani. Erscheint in Bänden zu 4 Heften. Preis des Bandes 8 Mark. 

2) In ROM erscheint im Verlag von Löscher u. Comp.: 
MITTHEILUNGEN des Kaiserlich Deutschen archäologischen Insti- 
tuts. Römische Abiheilung. 

Jährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 12 Mark. 

3) In ATHEN erscheint im Verlag von Karl Wilberg: 
MITTHEILUNGEN des Kaiserlich Deutschen archäologischen Insti- 
tuts. Athenische Abtheilung. 

.lährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 12 Mark. 



Verlag von GEORG REIMER in Berlin: 

J. Strzygowski, Die Calenderbilder des Chronographen vom Jahre 354. 

Mit 30 Tafeln. Preis 30 Mark. 
R. BOHN, Altertümer von Aegae. Mit 75 Abbildungen. Preis 24 Mark. 

Commissionsverlag von GEORG REIMER in Berlin: 

FuRTWAENGLER Und LOESCHCKE , Mykcnischc Thongefässe. 12 Tafeln in 
Farbendruck mit Text, Querfolio in Mappe. Preis 40 Mark. 

FuRTWAENGLER und LOESCHCKE, Mykenischc Vasen, vorhellenische Thon- 
gefässe aus dem Gebiete des Mitlelmeeres. Mit einem Attas von 44 Ta- 
feln (in Majipe). Preis 115 Mark. 

R. KOLDEWEY, Die antiken Baureste der Insel Lesbos. Mit 29 Tafeln. Preis 
80 Mark. 

G. KOERTE, I rilievi delle urne etriische II, 1. Preis 40 Mark. 

Verlag von G. GROTE in B.erlin: 
C. Robert, Die antiken Sarkophag- Reliefs. Band II (Mythologische 
Cyklen). Mit 65 Tafeln. Preis 225 Mark. 



ZUR GESCIIICIITR DES GRIECIIISCIIRN ALPHABETS 

Die meist umstrittene aber auch bedeutungsvollste Frage 
der Geschichte des griechischen Alphabets ist die nach dem 
Grunde der verschiedenen Wertung von X und Y in der öst- 
lichen und westlichen Gruppe. Während Kirchhoff sich auch 
in der vierten Auflage seiner Studien zur Geschichte des grie- 
chischen Alphabets die Beschränkung auferlegt, bloss die 
Fragstellung zu präcisiren, sind von Schlottmann, Wilamo- 
witz, Taylor, Gardthausen und Clermont-Ganneau Erklärun- 
gen versucht worden, welche nicht bloss Rirchhoff nicht über- 
zeugt haben, sondern auch ihrer Natur nach eines Beweises 
nicht fähio; waren. Es w^aren durchweo;s Einfälle von ""rosse- 
rer oder geringerer Wahrscheinlichkeit, die jedoch nicht von 
der Betrachtung des epigraphischen Materials, sondern vom 
Alphabet als solchem ausgingen und dadurch der an sich zur 
Zeit nicht absolut lösbaren Frage den realen Boden entzogen 
haben . 

Verbreitung hat die hinsichtlich der Erklärung der Buch- 
stabenformen sehr wahrscheinliche Theorie von W'ilamowitz 
(Homerische Untersuchungen S. 289) gefunden, der gemäss 
das Zeichen X oder -\-, welches in der östlichen Gruppe / 
bedeutet, in der westlichen Gruppe als aus Samech differen- 
zirt erschien und daher als l bewertet wurde. Aber offenbar 
musste zu der Zeit, als das Östliche Alphabet der westlichen 
Gruppe bekannt wurde und damit nach \Vilamowitz' Ansicht 
zugleich das Zeichen X, wenn dieses als Samech erscheinen 
sollte, die westliche Gruppe ein Samech und zwar in der W^er- 
tung von l besessen haben, d. h. in diesem Punkte mit der 
östlichen Gruppe gestimmt haben. Denn wie hätte man sonst 
das Zeichen in dieser Weise missverslehen können ? Dass aber 

ATHEN. JilTTUEILUNQEN X\. 17 



236 ZUR GESCHICHTE DES GRIECHISCHEN ALPHABETS 

durch denEinfluss, den das Bekanntwerden mit einem bleich- 
artigen Alphabet ausi'ibt , die ^^'il'kuno■ erzielt werde , dass 
ein ungleichartiges Alphabet entsteht, ist wohl wenig ^vahr- 
scheinlich. Auch Taylor's schöner Versuch, die Identität \on 
X = y und + =^ (Samech) zu läugnen. kann den Thatsachen 
nicht Stand halten und Clermont-Ganneau's ÜNpothese ist von 
Gardthansen widerlegt worden , der aber in dem positiven 
Teile seiner Untersuchung zu künstlichen und vor allem un- 
beweisbaren Annahmen o;elane;t ist. 

Unter solchen Umständen wird ein neuer Versuch der Lö- 
sung wenig willkommen sein. Er sei dennoch gewagt; viel- 
leicht trägt er wenigstens dazu bei, die Methode zu finden, mit 
welcher das Problem gelöst werden kann. 

Man wird zunächst davon ausgehen müssen, dass in der 
Wertung von 9 beiden Gruppen gemeinsam ist und daher zwar 
nicbt gleiches Altor mit den phönikischen Buchstaben bean- 
spruchen darf, aber doch zu einer Zeit erfunden worden sein 
muss, als die Gruppenteilung der Alphabete noch nicht vor- 
handen war. Dennoch ist uns ein Zustand griechischen Alpha- 
betes erhalten, in welchem das 9 noch keinen Platz gefunden 
hat, wenn nämlich das älteste theräische als ein Repräsentant 
einer bestimmten Stufe gemeingriechischen Alpbabetes ange- 
sehen wird. Zu dieser Annahme ist man aber ]>erechtigt, weil 
das theräische Alphabet die für die Gruppenscbeidung charak- 
teristischen Buchstaben überhaupt noch nicht besitzt, das- 
selbe also entweder genau in seinem erhaltenen oder doch in 
einem nur wenig abweichenden älteren Zustande, aus welchem 
sich der erhaltene selbständig entwickelt haben müsste, ein- 
mal gemeingriechisch gewesen sein muss. Dieses Alphabet 
drückt nun, wie bekannt, die Aspiraten durch ®H. KH und 
PH, C und ^ durch KM und PM aus. Die völlige Analogie 
dieser Zeichen wird durch die Verwendung des ®H für TH, 
wie zu erwarten gewesen wäre, gestört, doch bietet diese Ab- 
weichung keine ernstliche Schwierigkeit, da ja sowobl Theta 
als auch Tau aus dem phönikischen Alphabet recipirt sind, 
also von vorneherein vorhanden waren und daher verwendet 



ZUR GESCHICHTE DES GRIECHISCHEN ALPHABETS 237 

werden konnten. W'ie aber ®H statt TH üeselirieben wurde, 
so konnte auch nach Krhndunjj; von <^ und X (j)H und XH 
geschrieben werden, um die Aspiraten o und / auszudrücken, 
sogar ein geschickter Ausdruck, wenn die Laute Affricatae wa- 
ren. Überliefert ist eine solche Bezeichnung nicht, aber eine 
Spur davon scheint in der Inschrift der von Dünimler (Rom. 
Mitth. 11 S. 40 ff.) publicirten pränestinischen Fibula erhalten zu 
sein [Manios med f lief liaked Numasioi). Die Zeichenge- 
bung /A scheint dem vorauszusetzenden (|)H zu entsprechen. 
Ist dies richtig, so hat es einen gemeingriechischen Zustand 
des Alphabetes gegeben, in welchem die Aspiraten durch ® H. 
(j)H und XH ausgedrückt wurden, welcher später überwunden 
wurde, indem man zu der monolitteralen und ausreichenden 
Bezeichnung ®, (b und X wenio;?tens im Osten überarini». 

CT O O C 

Als älteste Bezeichnungen für i und ^|/ haben w ir /.n und ttt 
kennen gelernt. Zw^ischen diesen Zeichen und den jonischen 
stehen die attischen Bezeichnungen (j)S! und XX. Auch diese 
sind als Überreste einer einst alloemein in Geltung gewesenen 
Schreibweise anzusehen, denn man ist nicht berechtigt, das 
attische Alphabet als eine isolirt dastehende Gruppe zu betrach- 
ten, es sei denn vom Standpunkte des Gewordenen. Vom 
Standpunkte des Werdenden ist vielmehr die Conservirung 
einer untergegangenen 'Cultur' auch hier vorauszusetzen. Aus 
der naxischen Schreibvveise B^ können wir überdies schlies- 
sen, dass zu einer Zeit, als das X noch nicht vorhanden und 
daher der Ausdruck /c für H unmöglich war, die Bezeichnung 
hn dem Lautwerte adäquater schien, als die Bezeichnung v.n. 
Damit wäre denn ein gemeingriechisches Alphabet reconstruirl, 
in welchem e = ®H. '3 = ^H., /, = XH, H = X^. i^ = ^i: ist. in 
welchem also die neu erfundenen Zeichen ^ und X entweder 
völlig den Lautwert 9 und / hatten oder einen ihnen sehr nahe 
kommenden, welcher durch einen folgenden Hauch zu dem- 
selben ergänzt wurde. 

Früh mussle nun das H nach Theta als überflüssig schwin- 
den und man hatte nun vier Doppelzeichen für vier Laute, die 
als einfach empfunden wurden. Das natürliche Streben ging 



238 ZUR GESCHICHTE DES GRIECHISCHEN ALPHABETS 

nun dahin, diese Bezeichnungen zu y ereinfachen und einen 
monolitteralen Ausdruck fiir diese Laute zu suchen. Man ver- 
suchte zunächst das z\veite Glied des Doppelzeichens zu strei- 
chen und das ührig geblichene erste Glied so zu werten, wie 
man früher den Coinplex gewertet hatte. Demnach konnte X 
entweder y oder c werden, je nachdem es aus XH oder X^ 
entstanden war. Beides ist versucht worden und dies sclieint 
der Ursprung der verschiedenen Wertung des Zeichens zu sein'. 
Bei der grossen räumlichen Ausdehnung aber, die zu jener 
Zeit das bisher gemeingriechische Alphabet bereits gewonnen 
hatte, bildeten sich geographische Gruppen, von denen die 
eine, die (")stliche, das H strich und so ein y gewann und ein 
^verlor, welciies sie durch Samech wieder ersetzte, während 
die Avestliche das i. strich und so ein ; gewann, aber ein / ver- 
lor. Ahnlich wie bei den Gutturalen verfuhr man in der öst- 
lichen Gruppe nun auch bei den Labialen, indem man von (|)H 
das H strich und dadurch ein tp gewann, aber genötigt ward 
für (|)€ ein wie fast allgemein zugestanden wird aus ^ diffe- 
renzirtes Zeicben Y zu gebrauchen. In der westlichen Gruppe 
hätte man, wenn man bei den Labialen in gleicher Weise wie 
bei den Gutturalen verfahren wäre, das € von (j)€ streichen, 
und ein 'l statt eines 9 gewinnen müssen. 

Aber da man ^ dort nicht als Monophthong empfand, ver- 
zichtete man zunäcbst auf einen monolitteralen Ausdruck für 
diesen Laut, strich gleichfalls das H wie im Osten und ge- 
wann ein 9. Da man aber allmälich ein Zeichen für / ver- 
misste, entlehnte man einfach das im Osten gebräuchliche für 
^ und verwendete es als y. 

Dieser Lösunosversuch setzt also Einheit des oriechischen 
Alphabets bis zur Zeit des Aufgebens der vier Doppelbuch- 
staben und ihrer Ersetzung durch Einzelzeichen voraus, fer- 
ner ebenso einheitliche Adoption des Gedankens, die einfachen 



' Die Entstellung des /.= ? aus XS liat ticreits Clermont-Ganneau unter 
Anzieliung der Sulueibung i2 = i in der üstlicl)en Gruppe als Analogie an- 
genommen, 



ZUR GESCHICHTE DES GRIECHISCHEN ALPHABETS 239 

Zeichen für diese Laute zu verwenden, von da an aber Scliei- 
dung der Wege und schliesslich Entlehnung eines Zeichens 
aus dem Osten für den Westen. 

Die Ordnung der neuen Zeichen — bekanntlich <j)XY für den 
Osten und X(j)Y oder <t)YX für den Westen — kann für die 
Chronologie der Buchstabenentstehung sclion deshalb nicht ver- 
wertet werden, weil sie natürlich später sein rauss als die 
Festsetzunii' des Laul wertes. Sie ist aber unscliwer zu erklii- 
ren. Man konnte näinlicii die vier in Fra^e stehenden Laute 
entweder so ordnen, dass zuerst die beiden Aspiraten (9/) 
kamen, dann die beiden ])op[)elconsonanten (t>y) folgten oder 
so, dass zuers die beiden Gutturalen (/c) kamen, dann die 
beiden Labialen {f\)) folgten oder umgekehrt. In der östlichen 
Gruppe ordnete man nach der erst erwähnten Art, bekam also 
9, •/, <]/, E, und da für c das alte Samech in Anwendung kam, 
das seinen Platz nicht ändern konnte, behielt man schliesslich 
9y'i = (j)XY. A\'arum nicht x.9[E]'| geordnet wurde, entzieht 
sich als subjectiv jeder Vermutung. Ebenso ordnete nuin wie- 
der in jenen westlichen Alphabeten, welche die Reihe co/^ 
aufweisen, in der Art, dass man die Aspiraten den Doppellau- 
ten folgen liess, also: ['\>JiYl, in jenen westlichen Alphabeten 
aber, welche die Reihe cp/c haben entweder nach der zweiten 
Art, dass man Labiale und Gutturale zusammenstellte also 
?L^]yC^ oder wieder, indem man Aspiraten und Doppellaute zu 
einander gab, also oyj6]c,. Immer haben die Labialen den Vor- 
tritt, sei es als Gruppe der gutturalen gegenüber, sei es inner- 
halb der Gruppe dem gutturalen Gliede gegenüber. 

Wien. 1889. 

EMIL SZANTO. 



AKTÄON 
(Hierzu Tafel VIII.) 

Unter N. 3554 befindet sich in der Sammlung der archäo- 
logischen Gesellschaft in Athen eine 0,10'" hohe, runde, auf 
drei breiten niedrigen Fiissen ruhende Büchse aus rotem 
Thon ohne Deckel. Sie stammt aus Böotien und ist von Lam- 
bros für die Gesellschaft angekauft. Der senkrecht aulsteigende 
Bauch ist oben durch vorspringende Ringe, unten durch eine 
Hohlkehle begrenzt, unter der ein eckig ausladender Wulst 
dem Gefässe eine solide Basis giebt. Auf dem oberen Teile 
desselben ist mit schwarzem Firniss, der ungleichmässig auf- 
getragen oft hellbräunlich erscheint, ein flüchtiges Staborna- 
ment aufgemalt. Den Bauch bedeckt eine figürliche Darstel- 
lung. Doch ist diese so ungeschickt componiri. dass die Beine 
sämmtlicher stehenden Gestalten durch die Hohlkehle hindurch 
in das Stabornament hinein gezeichnet sind, eine Nachlässig- 
keit, die auf flüchtigen Zeichnungen \on der Zeit der späten 
schwarzfigurigen Vasen an mitunter beobachtet wird, freilich 
kaum je so stark. Beispiele geben die schwarzfigurige Leky- 
thos Elite ce'rani. II. 1 ^, der Pariser Deinos aus Kyrene Arch. 
Zeitg. 1881 Taf. 12, die schwarzfigurige Kanne attischer Fa- 
brik Arch. Zeitg. 1885 Taf. 7, 2. die Berliner Vase mit der 
Zeichnungeines Reiters nach dem Parthenonfriese Arch. Zeitg. 
1878 Taf. 22, und besonders die späte bunte Vase vom Mi- 
thradatesberg kei Kertsch Campte -rendu 1878/9 Taf. 1,5. 
Dieselbe Sorglosigkeit zeigt auf unserer böotischen ttuEI; die 
Zeichnung der Figuren selbst. Ihre Proportionen sind verfehlt, 
ihre Bewesunoen ungeschickt. Und doch ist das Gemälde 
nicht ohne Fleiss ausgeführt. Nicht nur die nackten Teile der 

o 

Frauen und die Haare der beiden Greise sind mit Weiss auf 
den schwarzen Firniss aufoesetzt. sondern auch einiü;e Einzel- 
heiten sind in derselben Farbe angegeben : so besonders einige 
Haarbinden, das Unteroewand des ersten und der Hut des 
zweiten Mannes von rechts. Diese Teile sind in der Abbildung 
weiss gelassen. Rot sind gemalt der Bogen der Artemis, das 



AKTAEON 241 

UntergewancI und die Binde in den Händen der zweiten Frau 
Yon links, das Gewand, welches die dritte Frau hält, die Wun- 
den, das herahlräiiCelnde IMiit, die Unterfläche des Sehwain- 
mes in (h-r {{ei-lilcn <]ov \ ierlcn JM'aii. der Mantel der foli-en- 
den Fr;ui iiiul die Falten anf dem Untergewand des Greises 
rechts. In Avv Ahhihlunii ist dies Hot durch senkrechte Schraf- 
tirunj;' wiedei'i;ei,'('h('n. Mit einer jetzt \ erloschenen, wohl weis- 
sen Farl)e waren die Falten der Gewänder sorofältip; einge- 
zeichnet; in der Ahhilduni»- sind all diese Linien ebenfalls weiss 
wiedei'gegehen. Die Poren des Sciiwanimes sind diii-ch Na- 
delstiche in den noch i'enchten Thon angegeben. Mit sehr 
verdünntem Firniss ist der Fels zart gemalt, wie auf der Hie- 
ronschale in Berlin N. 2291 der Felssitz des Alexandros, ebenso 
der Gegenstand im Rücken des zweiten Mannes von rechts. 
Trotzdem maclit das Bild den iMudruck. als sei es in einer 
Zeit ausgebildeter Kunst halb nachlässig, halb ungeschickt in 
veralteter Technik gemalt. Es dürfte von einem Böoter des 
vierten Jahrhunderts gefertigt sein. 

Erwähnenswert sind noch zwei Eigentümlichkeiten: der 
leise ^'ersnch landschaftlicher Darstellung in dem Felsen, für 
den doch der eben üenannte Felssitz des Alexandros auf der 
Hieronschale in Berlin -und des Apollon auf der Neapler Vase 
N. 3161 oder CoRcctioii Diituit Taf. 18 keine genügenden 
Parallelen bieten, und ferner die Art, wie die Zweige, die in 
gewohnter Weise stilisirt den Hintergrund füllen, zur Teilung 
der in sich selbst zusammenlaufenden Darstellung verwendet 
sind: es sind nämlich zwei Dop[)elreihen solcher schwarzen 
Punkte zwischen dem Manne rechts und der Artemis links 
senkrecht hinabgezogen. 

Zur Deutun"; verhelfen Artemis, durch Boo;en und Pfeil cha- 
rakterisirt, die Hunde und der mit Wunden bedeckte Tote. 
Es ist die Bestattuns; des Aktäon dargestellt. Artemis wendet 
sich nach Befriedigung ihrer Rache zum Gehen, noch einmal 
zurückblickend. Neben ihr am Felsen hinauf springen die 
Hunde, die Vollstrecker der Strafe. Den jämmerlich zerrisse- 
nen Leichnam des Aktäon haben die Seinen im Walde, der 



■242 AKTAEON 

Stätte seines Todes, aufgefunden, und die Frauen, wohl seine 
Mutter Autonoe und deren Schwestern, sind jetzt um den 
Toten beschäftigt, ihn zu waschen, zu ivleiden und zu schmü- 
cken. Eine ahe Frau, also Avohl Harmonia, den Mantel ül)er 
den Kopf gezogen, tritt von rechts heran, in der Rechten ein 
Ölkrüglein. Hinter ihr schreiten noch zwei Figuren auf die 
ünglUcksstätte zu: die hintere, ein auf einen Stab gestutzter 
Alter, der klagend die Rechte erhebt, ist durch den Schmuck 
seines Gewandes ausgezeichnet und darf also wohl Radmos 
benannt werden. Der andere, gleichfalls ein Greis, mit weis- 
sem Petasos, kurz geschürztem Chiton, über Rücken und linke 
Schulter ein lanohaarisjes Fell geworfen, wendet das Gesicht 
zum Könige zurück und weist mit der Rechten auf die Trauer- 
scene. Er teilt ihm offenbar das Ereigniss mit. Er trägt, was 
Weisshäupl erkannt hat, an einem Tragholze über der Schul- 
ter einen geflochtenen Korb auf dem Rücken, wie so oftLand- 
leute: \gl. Schreiber, Culturhistorisclier Bilderatlas Taf. 63. 
3: 64. 1 . 3: 65. 12. Es ist also ein Bauer, der auf seinem Weoe 
durch den Wald den Leichnam des Aktäon gefunden und die 
Trauernachricht in die Künigsburg gebracht hat. Die ganze 
Situation und besonders diese Figur des Boten könnte wohl 
den Gedanken erwecken, dass dem Maler die Scene einer Tra- 
gödie vorschwebte, eine Annahme, die für einen Böoter des 
vierten Jahrhunderts nur dann nicht ohne Bedenken ist, wenn 
man annimmt, dass er ein attisches Bild copirte. 

Aktäon trägt hier kein Zeichen seiner Verwandlung. Aber 
auch die drei melisclien Thonreliefs bei Schöne, Griech. Re- 
liefs Taf. 31 N. 127 und S. 60, N. 3 und 3^ , die archaische 
\iyj\\\ Elite ceram. II. 103^\ ferner Elite ceram. 11. 102 
und 103ß deuten sie ebenso wenig an. Vergleiche auch Ral- 
limachos L. P. 115. Die einzige bisher bekannte Darstellung 
der Bestattung des Aktäon auf dem Louvresarkophag Clarac 
II. 113 N. 3i5 (69) zeigt die Hörner. 

Rom, Oktober 1889. 

E. BETHB. 



7A] DBX ALABASTKA MIT NEGERI3AR6TKLIirXGI0\ 

Ein weiteres Exemplar ck-r xoii VVinnefeld oben XIV S. k I 
ff. besprochenen Negerdarslellungen ist in Tarent gefunden 
worden und hefindet sicli im dorligen AJuseiiui ; jedoeli ist es 
nicht ein Alaijastron. sondern ein weissgrundirter Teller mil 
dunkel gefirnisstem Rande, der z. T. abgebrochen ist. Die 
Technik ist durchaus dieselbe, wie die der vier Alabastra dei* 
archäologischen Gesellschaft in Athen und der von Heydemann 
Arch. Zeilg. XXX S. 36 mitgeteilten. Der Xeger schreitet 




nach links, der Körper ist von \orn, der Kopf im Profd nach 
links dargestellt; den linken Arm streckt er nach hinten, den 
rechten über ein kesseiförmiges, links und unten zerstörtes 
Gefäss. 

Seine Kleidung gleicht genau der des Berliner Alabastrons 



244 zu DEN ALABASTRA MIT NEGERDARSTELLUNGEN 

2260 ; nur sind zwischen Brust und Ärmeln zwei Schleifen 
angebracht, und die Ärmel haben statt der Punkte einen ge- 
raden Strich in der Mitte. Bemerkenswert ist, dass die Falten 
des unter dem Panzer hervorsehenden Schurzes mit \erdimn- 
tem Firniss zart gemalt sind. Rechts und links von der Fi- 
gur steht in attischem Alpliabet KAVO^. Trotz aller stili- 
stischen Bedenken gehört also dieser Teller dem fünften Jahr- 
hundert und attischer Fabrik an nnd mit ihm wegen ihrer 
auffallenden Übereinstimmung in Stil und Technik alle jene 
Alabastra. Dass dieser Schluss in der That richtig ist, ja 
dass man die Datirung noch weiter hinaufschieben muss, be- 
weist die Scherbe eines volli«; sleicbartioen Alabastrons. die 
im Perserschutte der Akropolis gefunden worden ist. Es ist 
zwar nur ein gewundener Baumstamm, rechts daneben die 
Hälfte eines Altars mit Basis und von einer Volute bekrönt und 
links ein Ilaken, NAohl das iiusserste nach oben gebogene Ende 
eines Bogens, erhalten, aber unzweifelhaft mit Recht hat sie 
P. AA^olters mit den besprochenen Darstellungen identifizirt. 
Der Baumstamm kann nur einer Palme angehören, der Altar 
steht unter ilir wie ein Tisch z. B. auf den bei Fröhner, Deux 
peintures de vases grecs de Kameiros S. 16 und Arch. Zeitg. 
XXX S. 36 D abgebildeten Alabastren und bestätigt so Froh- 
ners Meinung, der in demselben einen Opfertisch erkannte 
(S. 15). Den Bogen links wird ein Neger in der ausgestreckten 
Hand gehalten haben, wie auf dem Exemplar im Louvre (Fröh- 
ner S. 17) und dem von Heydemann Arch. Zeitg. 1869 S. 36 
N. 10 notirten. 

Auch Winnefeld's Vermutung, dass diese Negerdarstellun- 
gen gleichsam als Etiketten auf Alabastra für ägyptische Salb- 
öle gemalt wurden, wird durch die Tellerform des Tarenti- 
ner Exemplares widerlegt. Eine bessere weiss ich leider nicht 
vorzubrinoen. Doch möchte ich bemerken, dass diese Darstel- 
luno'en nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Formoebuna; 
von dem vielfach bezeugten, reoen Verkehr der Athener des 
fünften Jahrhunderts mit Ägypten und iiirem Interesse für 
seine Bewohner Zeugniss geben ; denn es kann nicht wohl auf 



zu DEN ALABASTRA MIT NEGERDARSTELLUNGEN 245 

Zufall beruhen, dass in allen der Oberkörper von vorn. Füsse 
und Gesicht im Profil oezoichnet sind'. 

Wenn auch in Zeichnung und Technik, die Six Gazette 
archeologif/ue 1888, XIII S. 193 ff. besprochen hat, abwei- 
chend ist doch gegenständlich die Lekythos der Raccolta Cu- 
maria bei Heydemann Vasensaninilung in Neapel X. 172 = 
Six N. XXIX S. 208, wie Inschrift und Zeichnung beweisen, 
aus der ersten Hälfte des fünften Jalu'hunderts, zu verwandt, 
als dass sie in dieser Reihe nicht erwähnt werden müsste. Auf 
schwarzem Grunde ist durch eingeritzte Konturen ein behelm- 
ter Nesrer in weissem Panzer gezeichnet, der sich zu seinem 
auf der Erde stehenden weissen Schilde lierunterbeugt. Hechts 
hängt sein Schwert, in dessen Gehänge eine Lanze lehnt. Links 
hängt sein Mantel. Dieser sowohl wie der Helm und das 
Schwertgeiiänge sind mit dunklem Hot, der Chiton unter dem 
Panzer und die Schwerischeide mit Zieüelrot aufgemalt. Auch 
dies Bild hat etwas Komisches in der Art. wie der Neger has- 
tig mit beiden Armen nach seinem Schilde greift, und in dem 
Gegensatz des Lässlichen höchst charakteristischen Gesichtes 
mit der platten Nase, dem weit vorgebauten Untergesichte 
und der dicken Unterlippe zu dem reichgeschmückten, sorgfäl- 
lig auso;eführten. weissen, also silbernen Panzer und Schilde. 
Ernst dagegen sind die Neger auf der Amphora des Amasis 
Gerhard A^ V. III. 207 aufgefasst. 

Rom. 3. Oktober 1889. 

ERICH BETHIv 



' Ein ferneres Alabaslron gleich dem von Ileyileiuann Arcli. Ztg. 1873 
S. 36 D abgeliililelen ist aus Allien in die Anliliensamniluiig zu Kopcnlia^eu 
gelangt: Ussing: .Vi/e Erkocrvelser lil Antikaatidiiujen i Kjöhcnharn \. 6. S. 
162 in Vidensk. Sclsk. Sin', ble Raekke. Hixlorisk og pliilosopliisk Afd. ole flinJ. 
in. — Audi zu der verwandten Darstellung der von Frühner a. a. 0. puhli- 
cirten Amazone hat sich ein zweites Exemplar gefunden, das durch die Bei- 
schrift KAVE dem 5. Jahrhundert zugeteilt wird: Sammlung Branleghera 
n 49 ( Cat. «f nhj. nf Greek reramic arl l^^8 lUirUnqlon ßne aris rluh). — Bei- 
de Noüzen werden einer Mitteilung Ileydeniann's an Winnefeld verdankt- 



MELISOHE KULTSTATUEN 

Im Jahre 1861 wurden auf Melos in der Nähe des Theaters 
Reste eines antiken Gebäudes, besonders ein ausgedehnter 
Mosaikfussboden, und zugleich verschiedene Skulpturen ge- 
funden *. Auf zwei derselben möchte ich von neuem die Auf- 
merksamkeit lenken, die sie trotz ihrer höchst nachlässigen 
und rohen Arbeit verdienen. Es sind zwei Säulentrommeln von 
0,83"' Höhe und nur wenig verschiedener Dicke ~, die offenbar 
als Gegenstücke hergerichtet sind, Avenn auch über ihre ehe- 
malige Aufstellung sich nichts sicheres mehr behaupten lässt. 
Die Reliefdarstellungen sind in die glatte Oberfläche der ur- 
sprünglich sicher anders verwendeten Säulentrommeln roh 
vertieft, z. T. nur in ümrisslinien eingerissen. Die erste der- 
selben (abgebildet auf S. 248) zeigt unter einem von ionischen 
Säulen getragenen Rundbogen die Tyche von Melos. Über die 
Bedeutung der Figur lässt die oberhalb angebrachte Inschrift 
'Ayaövi T'jy-/i MtiXou dlioic, 'A)^3^otvSp(p /.TifTTT] e-spcöv [vj^j-züv kei- 
nen Zweifel. Tyche in langem, hochgegürtetem Chiton und 
Mantel, im Haar wie es scheint einen niedrigen Polos, stützt 



• Nach dem Bericht im a>rA;aiojp II 1862 Ö. 274, der im ÜuUeUinu 1862 S. 
86 und in der Arch. Zeitung 186' S. 234 * wiederholt ist, waren es ausser 
den hier genauer zu besprechenden Reliefs eine Herme mit Inschrift (o( 
x£pt6tij[jLiot T7]V cpt'Xavöpov AüprjXiav EÜTCoaiav Iv xw touo aurrj; e'pyw) Und zwei 
Köpfe. Die Herme ist die von Syhel 692. Heydemann 760 verzeichnete; ob 
der liopf, wie letzterer annimmt, nach Verötl'enllichung des Berichtes ge- 
funden wurde, der die Herme noch als kopflos nennt, oder ob einer der ge- 
nannten Köpfe sich später als zugehörig herausgestellt hat, muss ich unent- 
schieden lassen. 

2 Die erstere hat oben 1,40 ™, unten 1,46 Umfang, die andere oben 1,38, 
unten 1,44. Die beiden Stücke sind von Sybel 586. 587 Kekule 377. 378 
beschrieben. 



MELISCHE KULTSTATÜEN 247 

sich mit dem roolitcMi EIlonl)Oii;en auf eine kleine Siiiile, wäh- 
rend sie in dem liniven Arm ein Kind, oiTenbar Pliilos (s. Koll- 
ier im BuUcltino 1865 S. 135) trägt. 

Das zweite Heliel' ist schon von .laiin, De fiittif/uissimis 
Mincrvac simiildcris (itlivi's Taf. o,7 und darnach in Iloscher's 
Lexikon der Mythologie i S. 690 abgehildet, allerdings in ein- 
zelnem ungenau; unsere Ahhilduni;- auf S. 249 wird eine rich- 
tigere Vorstellung von demselben geben. Athena in allerlüm- 
lich steifer Haltung mit Helm. Schild und Lanze, Eule und 
Schlange zu ihren Füssen, sieht, wie es scheint, auf einer nie- 
drigen Basis. Auf dieser sind die Ruchslaben EIEE WÄAE 
nÄNAPON eingegraben; eine Deutung des ersten Wortes, 
das sich noch einmal auf dem Gewände der Göttin findet, ist 
bisher noch nicht gegeben, und auch ich vermag es niclit zu 
erklären '. Dass es sich um denselben Alexandros handelt, auf 
welchen die erste Inschrift den Segen der Tyche herabfleht, 
ist einleuchtend : ihm zu Ehren sind die beiden Reliefs aufge- 
stellt, und zwar, wie es scheint, von der Gesellschaft von My- 
sten. welche die eine Inschrift nennt. 

Was dazu geführt hat, Tyche und Athena als Gegenstücke 
aufzustellen ist nicht ohne weiteres klar. Es könnte allerdings 
müssig scheinen, darnach zu fragen, zumal wir von vorne- 
herein nicht einmal sicher sein können, dass nicht ausser die- 
sen noch andere Gottheiten in Beziehung zu dem frommen 
Alexandros gebracht waren, aber ein glücklicher Zufall scheint 
uns eine Antwort zu geben. Beide Gottheiten kehren nämlich 
genau entsprechend auf den späteren Münzen von Melos wie- 
der-. Von denjenigen, welche das inschriftlich bezeichnete 
Bild der Tyche wiedergeben, ist mir eine Abbildung nicht be- 



< Ich filauble einmal, darin das Wort sljauo wiederzulindon, in späterer 
Weise (e=ai) gesehrieben; es wäre von Athena iiesprochon (ich erhöre den 
Alexandros) und besagle dann ziemlich dasselbe, wie die erslere Inschrift. 
Ich muss aber gestehen, dass diese Deutung nicht recht belViedigl. 

=* Das hatte schon Cavedoni auf Grund der Beschreibungen richtig be- 
merkt (ßw//e(imo 1666 S. 93). 



248 



MEUSCHE KULTSTATUEN 



kannt', es liegen mir aber diircli Piichstein's Freundlichkeit 
Abdrücke einiger Exemplare der Berliner Sammlung \or. Es 
ist darnach kein Zweifel an der v()lligen Übereinstimmung des 
Münzbildes mit unserem Relief: beide ^verden also auf das- 
selbe statuarische Vorbild zurückgehen, und Cavedoni's Vor- 




stellung, dass die Tyche von Melos so gut wie die von Antio- 
chia in einem T£Tpa/.'.6viov gestanden habe, und der von Säu- 
len getragene Rundbogen des Reliefs diesen Bau andeute, hat 
viel für sich. 

Der Typus der Athena ist viel weniger individuell als der- 



< Vgl. Head, Historia niimorum S. 415. 



MELISCHE KULTSTATUEN 



240 



jenige dei- Tyclie, und seine rhei'einstinimnnfi mit den Mün- 
zen könnte ziilalliii; erscheinen, \\enn nicht die Analogie mit 
dei- Tyclie uns \on vorneherein eine gewisse Sicherheit gähe. 
\'on Abhildunoen der betreffenden Münzen kenne ich \^ rotli, 
Catüloy;uc of thc Grcrk coi'ns of Crctc und ihc Aegcnii 
's/a//(/.sTi\i'. "2i. 13. Jahn, De (intif/uissitnis Miiwn^ac sinni- 








lacrisTtiL 3. 8 '. Besonders auffällig sind bei der letztgenann- 
ten die Schlangen, welche nicht nur den Schild ' sondern vor 



' V^;l. dazu ausser der von Jahn S. 19. 69 angeführten LitleraUu- Gerhard, 
Abhandlungen Taf. 59, 19. Head, Hisloria numorum S. 415. 
^ Vgl, Sludnic/.ka in der 'Ecpr,[j.epij ap/atoXo-yur; li'^Sö S. 121. 



250 MELISCHE KULTSTATUEN 

allem auch den Unterkörper umgeben, und diese Bildung 
kehrt auf dem Relief wieder, das allerdings auf die Umsiiii- 
mung des Schildes verzichtet hat. 

Es ist demnach klar, dass die Mysten, welche die beiden 
Säulenreliefs zu Ehren des Alexandros aufstellten, ihn in Ver- 
bindung l)rachten mit den beiden Ilauptgottlieiten der Insel. 
Die weite Verbreitung der T-jy/i tt;? -olew? oder wie es in der 
Inschrift von Rhodiapolis (Heisen in Lykien II S. 114, XIX 
B vgl. S. 29) heisst T-j/öttoa-.; ist bekannt'. Ihre melische 
Ivultstatiie muss es sein, die auf den Münzen sowohl wie auf 
dem Relief wiederoe^eben ist. Daneben müssen wir dann in 
der Athena eine zweite wichtige Kultstatue voraussetzen, eine 
Vorstellung, die sich durch Vergleich lakedämonischer Münzen 
bestätigen lässt. Dass die altertümliche Athenafio;ur, welclie 
wir dort finden '. die Chalkioikos des Gitiadas wiedergiebt, ist 
eine höchst waiirscheinliclie, auch von Imhoof- Blumer und 
P. Gardner gebilligte Vermutung Koner's ■''. Da Melos von ei- 
ner lakedämonischen Kolonie in Besitz genommen worden war'', 
hat die möglichst genaue Wiederholung der spartanischen 
Statue für Melos nichts auffälliges, und beweist nur das An- 
sehen des spartanischen, erklärt das des melischen Rultbildes 
der Athena. Wir sind also berechtigt, sowohl die melischen 
Münzen zur Herstellung der Statue des Gitiadas^ heranzuzie- 



' \'fll. dazu I^. Gardner im Journal of Ilcllcnic studies IX S. 73 und J. H. 
Mordlniann in der Zeitsclirifl der niorgenländisclien Gesellschaft XXXI Ö. 
99. XXXIX S. 44. Ilumanii und Puchslein, Reisen in Kleinasien und Nord- 
syrien S. 336, 1. 

2 Vgl. Jahn Taf. 3, 5 S. 19. P. Gardner, Calalogue of Greek coins Pelopon- 
nesvs Taf. 26,8. S. 131, 87. Journal of Hellenic siudies VII Taf. 65, .V, 13 S. 
62= Imhoof- Blumer und Gardner, Niimismalic commenlary an Paumnias 
Taf. iV 13. S. 58. Die dort N 14 abfrehildete Münze gehört nach Löhhecke, 
Zeitschrift für Numismatik XVII S. 12 vielmehr nach Amblada in Pisiilien. 

3 Zeitschrift für Münzkunde 1845 S. 2. Mir ist nur der kurze Auszug 
Arch. Zeitung III S. 30 bekannt. 

^ Vgl. Studniczka, Kyrene S. 47. — So kchrl die Hera von Samos auf 
Münzen von Perinlh wieder: Joxirnal of Helle nie siudies IX S. 52,2. Over- 
beck, Kunslmythologic lll S. 15. 

^ Oder, um ganz vorsichtig zu reden, der auf den Münzen von Sparta und 



MELISCHE KULTSTATUEN 251 

hen, wie dies Tmhoof und Gardner tliiin. als auch unser Re- 
lief; diese Aufgabe ist aber ohne reicheres numismatisches 
Material, als es mir hier zu Gebote steht, nicht zu lösen. Nur 
darauf möchte ich hinweisen, dass die slreilenartige Einteilung 
des Unterkörpers, die auf dem melischen Relief und der spar- 
tanischen Münze deutlich ist, die Ansicht Koner's sehr em- 
pfiehlt, dass dieser Teil der Statue mit Reliefstreifen verziert 
gewesen sei. Man schwankt, ob die von Gitiadas verfertigten 
Reliefs an der Figur der Göttin oder dem übrigen Tempel an- 
gebracht waren; die Bildwerke würden für erstere Annahme 
sprechen, aber es steht nichts im Wege, den Reliefschmuck 
auf Statue und Tempel oder besser einen Teil des Tempels 
auszudehnen. Pausanias' unbestimmter Ausdruck ( i-eipya'jTai 
Tö X'^'^''^^) vei'glichen mit der vorhergehenden Nachricht (t6v 
votöv oaoico? Y,xi to ay(x).;7.a. iTZOir^GXVTO 'AOr,va.? yaX/.O'jv) würde 
sogar der Annahme, dass die Reliefs nicht auf die Statue be- 
schränkt waren, günstig sein. 

Athen. April 1890. 

PAUL WOLTERS. 



für die melische Kolonie nacliueahmten altertümlichen Athenastatue, die 
z. B, Gerhard (Arch. Zeitung III S. 31) für älter hallen wollte als Gitiadas. 

ATHEN. MITTHEILUNQEN XV. 18 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

Die hier veröffentlichten Inschriften aus Bargylia, Halikar- 
nassos, Ilerakleia am Latmos, Laodikeia am Lykos, Mylasa, 
Nysa sind \on Franz Winter und mir im Sommer 1887 abge- 
schrieben \vor(]en. Ausserdem hat Ernst Fabricius die von ihm 
im Sommer 1888 gesammelten Inschriften mir freundlich zur 
Veröü'entlichung überwiesen '. 

DargijUa. 

1. Im SO. der Stadt, westlich von der Chaussee. Architrav, 
weisser Marmor, r. u. 1. abgebrochen, 2, 201. 0,33 h. Buchst. 
0,08, 

ZT^ITEiPMA 

Vielleicht gehörig zu LW. 493, 

Halikaniassos ( Budrum). 

2. Im Besitz von Georgios Thembelis, w. Marmor, nur 1. 
vollsländig, 0,105 h. 0,10 b. ßLichsl. 0,012. Z. O,005. 

I . . . KAHSf/ZANi';';^ M-vc>.i-;i: Av . . . 

MEAA2 nOSEI Maa; IIo7-rS'.r-o; ? 

FP02(t)YT02:M/< IlpoTO'jTo; My. . . . 

lEPOKAHS 'Ispo-/.V;i; 
MAYZZHAAC 5 M ^.O^cwnoi;? 

M Y 2 MG? 

X N A P a N "AvSpwv 

X O P H r I i^ Xopr,yia>[v 



^ Wintcr's Copicn sind mit (W.), Fabricius" mit (F.) bezeichnet. 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN £53 

3. CisternenmünclLing hinter dem Maussoleiim. Quadrati- 
sche Basis, 1. abL;ebroclien, 0,75 1. 0,^0 h. Buchst. 0,025- 
0,03. Z. 0,005. Ungenau veröilentlicht C. I. G. 2608. 

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E A X A I P E 

TPATnNOSMHTHPAPXEAAOY 
AHMHTPIOYXAIPETE 

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. . SJrpaTCdvoi; (A7;Tr,p 'Ap^sXJcou 
.... Aviu-yiTpiou j^aipexs. 

Herakleia am Latmos. 

4. Auf der Agora. GraubUiuer Marmor. Säulenartige Basis, 
0. abgebr. 0,86'h.. 0,62 unt. Dm. B. 0,017-0,02. Z. 0,019. 

MEAANIPPON Ms).dcv-:70v 

I K E Z I O Y 'Ix.£cio'j 

AI0A0T02 * AioSoTo; 

0IK0AAMANT02 Oix.oSzy.xvro; 

KAAYNAEY2 5 KxXuviu;. 

5. An einem Brunnen auf dem M^ege von Herakleia nach 
Tagliani, 1 St. v. Herakleia. 1,06 1. 0,37 br. B. 0,045. Z. 0,01 

(VV.). 

EIPHNHXPHZTH EJpr^v-n yp-/;<7T7i 

X E P E y^(ai)p6 

6. Bali (bei Herakleia a. L.) Brunnen im Dorfe (W.). 

TOYTOTOMPriONKATEEKE 
ACANAYPHAIOCTATIANOC 
KAlAYPHAlOCCftEIMOCTO 
AOinNAYTOICKAITEKNOI 



254; INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

.. 5 AYTHNKAIErrONO I C A YTQN 
E I A E T I C T n I M N 1 1 ///i I IJlJi E N 
O I N A I T O Y r E N O Y A n C ITQ 
T AM Iß X A<t> N 

TOUTO TO TjpwOV XaTS(5X-£[u ? 

acav AupTjTito? Tariavcx; 

a[Ö?]twv aÜTOii; xai t£/,voi[c 
5 aü.cöv jix'. lyyovoi; aoröv 

61 SsTt? TÖil (/,v[71JJ',£i(i)t?] SV- 
GJiVÄl TOO Y£VO'j(!) Stöi7l TW 

Ta[;-i(p (Srjvapia) (x_tXia TvevTaxöffta). 

Z. 3. 4. In dem Toaoicov ist vermutlich ein zweiter Bei- 
name des zuletzt genannten Stifters zu suchen. 

Z. 6. 7. Die Ergänzuno; der erhaltenen Buchstabenreste zu 
prjfAstwi ist nicht zwingend, aber leicht. Allerdings fehlt in die- 
sem Falle das Prädikat zu dem ti? und eine Beziehung zu too 
yevou. Man muss doch erwarten, dass hier die Bestattung jedes 
nicht den vorheroenannten Familien Ano;ehörio;en verboten 
wird. Selbst wenn man Z. 6 entgegea den erhaltenen Resten 
t[oa][4"^'7£i Tivoc] ergänzen wollte, würde die Beziehung zu too 
ysvo'j fehlen. Demnach ist am wahrscheinlichsten ein Fehler 
des Steinmetzen anzunehmen, der etwa die Worte toT^jjlticei I'ts- 
pov vor Töt p-/]|j,si(j)i ausliess. 

Im Anschluss an diese Inschriften möchte ich eine andere, 
bereits veröffenllichte. nochmals mitteilen, die mir diesen Neu- 
druck zu verdienen scheint: ich habe dieselbe im Sommer 1885 
in Paris abü;eschrieben. 

7. Gefunden in llerakleia am Latmos, jetzt im Louvre (Saal 
der Altertümer aus Milet). Wandquader von weissem, blau- 
geädertem Marmor, 1. oben ausgebrochen, die Ränder bestossen, 
die linke Hallte durch Wasser beschädigt, 0,83 b. 0,50 h., 
Inschrift 0,36 h. ß. 0,015. Z. 0,010. Verötl'entlicht: C. L G. 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN 



255 



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25'6 INSCHRIFTEN AU3 KARIEN 

IT 3800 LW. 58S Annnli 185-2 S. 138 ff. Ilicks Manual Nr. 
193 Dittenl>erger Sjjllo^e Nr. 201) Viere:k, Sermo Graecus 
S. 3. Die beste Ahsülirift bisher von Falkener (.4/2/ir/// a. 0.), 
do3li ist die älteste von Mustoxydes' Gewährsmann stammende 
(C. /. G. a. 0.) teilweise vollständi'^er. weil der Stein zu ihrer 
Zeit no3h nicht so zerstört war. Soweit die Lesungen des letzte- 
ren in Betracht kommen, sind sie in ( ) beigefügt*. 

FvaTo? Mxv>^',o; Fvaio'J u'6]c, CTparrjyo; ö-xto?, 'Pwy.aiwv [töv 
Se/^ot — plrrSstov —pos^lpo; 'IIpa/.lscoTwv ttj ßouVi^ x.xi tw ör,[j.wt yai- 
psiv.] <^'Ev£)>[Tuyov y-j^viv Ol 7:ap' Oacöjj- -pecSsi^ Ata?, Ai-/;:. A'.ovo- 
[tioc, 'Avaci][j.[av]<^^po;) [M£ve]Sr,;jLOc, Mot/oc, 'ApiTTsi^r,;, M£vr,c, 
avSps? xra);oL /.xyxOoi,] ot t6 {tcN ['|-^'^'l(7y.x dc-s^w/.xy /.ai a-jToi 
oic^eyriTav äx,olo'j9co; TOtJ; £v Toi[t !Lr,]ot77.aT', X3CTa/.£y(i)p'.'7[J.£votr, 
O'jo£v iWii-^-i-zij, cp'.loT'.jjxia;' v;j;-l£i]? §£ ~pö? 7:zvTa<; toö? "E}>)vrjva? 
£uv6(i); öta/.sty.£v[ot T'jyyi^vov.sy /tat 7T£'.pacr6[xs0a -apay£yov6Tü>v 'jaöv 
£'!? Ty;v 7;y,iT£pa^a -iGTiy.] — povoiaa —O'-fii-^Ox'. Tr,v £vScyoa£vr,v äsiTtvo? 
ayaOoG 77apa[tTioi ycv]öa£vo'.. S'jyyo)poO;7--v §£ Oaiv t7,v tj iXvj^t^ixy 
xaOoTi xai T[ai? aT^JXa',; ::öX£(7iv, öcat 7)7.17 t7;v I— irpoTrr.v £8(i)/.av, 
e'y^O'jrriv u['p' aOrot; Trxvjra tx aOroia. TroT^tTeOE^Oai /.XTa touc üv-s- 
T£po'j; v6|J!.0'j?, [x.a-. ev tJoC; aXAOi; 7:iipa'j67.£0x £'jypr,'jToGvT£; oatv 
a£t Tivo; (xyaOo'j [-apairjioi vivic^y.'.. 'A-o^i/oa^Oa Si /.al rä "xp' u- 
{XW7. (pt).xvOp(i)7:a /.al tx; [-icrTetc, y.]xt a'jTol §£ 7:£ipa'767.£0a jxrjS£- 
vö; TwEi-scOai £y ^xpiTO; ä-oo6c£[i. 'A-£'7Ty.|X/.a[J.£V §£ — pö; uy.x? Aeu- 
Kiov "Op^iov tÖv £:7t[7.£Xr,c6[7.£vov xr,? [T:6'kt(jii; /.ai] rr,; ytbpai;, örüWi; 
(;!,yiS£ii; 6;a.x? 7wap£vo/X'^. "Eppo)[c6]£. 

Über Zeit und Inhalt der Urkunde hat Henzen Annali ^. 0. 
ausführlich gehandelt, dem sich Waddington zu Lebas 588 
in der Hauptsache anschliesst. Danach stammt die Inschrift 
aus dem Jahre 189 oder 188 v. Chr. — letzteres ist das wahr- 
scheinlichere vgl. Z. 2 und Henzen a. 0. US — und ist ein 
Brief des Consuls bez. Proconsuls Cn. Manlius Vulso, in dem 



^ Es ist mir eine an.irenehme Pfliciit, hier wieder der Verwaltung des Lou- 
vre meinen Dank auszuspieehen, die mir auf meine BiUe auch von dieser 
Insciirift einen vorzügliclien Abklatsch hat übersenden lassen. 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN 257 

dieser den Ilerakleoten am Latmos. die sich unter die Schutz- 
lierrscliaft Roms l)egeben haben, Freihüit, Selbstverwaltung 
und Schlitz verlieisst. 

Z. 1. Ülier den Titel croaT-rrp: oTa-ro: für Consul bez. Pro- 
consul v<>;l. Mommsen F.pJiem. epl^r. I 2. '3 f['. Geböi't wirk- 
lich, wie dies sehr wabrscbeinllcli ist. die Ui'kiinde in das Jahr 
1^8 V. Chr., so wiire. was Mommsen (a. O. 22.")) nur ver- 
mutet hat, erwiesren, dass niimllch cTpaTr.yo«; C-stToc ebensowol 
Consul als Proconsul bezeichnen kann, so «ut in Rom selbst 
eine Zeit lang der Proconsul und Propraetor Consul und Prae- 
tor genannt ^Yorden sind (Mommsen ebd.). 

Z. 2. Die bisherigen Rrgänzimgen, welche an die unrichtige 
Lesung Falkeners i2 im Beginn der Zeile anknüpfen, sind 
formell nicht möglich, wenn auch inhaltlich richtig. Ma.n 
wird die Cn. Manliiis für die Ordnung der kleinasiatisshen 
Verhältn'sse beigegebene Zehnercomraission, welche L\V. 196 
ausdrücklich für eine \>rfügung des Cn. Manlius mit genannt 
ist. auch hier nicht entbehren können. Da das 02, das sshon 
Mustoxydes" Gewiihrsmann las. oder vielmehr P02 si dier ist, 
wird man wol, wie das oben o;es(diehen ist. am natürlichsten 
ergänzen 'Pco'.'.aiov [tIojv %iv,x -cio^jiwv -posfVpo:. Die \'oranstel- 
luns; des 'Pwy.xiwv ßndet dur^h das folgende 'IhaO.swToJv ttI 
ßo'jV?; ■/,-!. und -ao' O'/Gj'x rrpscScic ausreichende Erklärung. Fiir 
die Bezeichnung 'Pwaatwv töjv SeV.o, TTps'rjSswv '::p6cSpo;..ist mir 
ein analoges Beispiel nicht bekannt, doch entspricht sie dem 
thatsäch liehen Verhältniss. 

Z. 4. Das M am Anfana; der Zeile vor dem durch Musto- 
xydes' Gewährsmann gelesenen AP02 erweist die bisherigen 
Ergänzungen Mivav'^po; und 'AXjc-zv'Spo; als unrichtig. Viel- 
leicht ist einzusetzen ' Avy.^i]'j[y.v'ß zo^. 

Z. 7. 8. Bisher unbefriedigend ergänzt, weil die Anfänge 
beider Zeilen nicht richtig gelesen. Die neuen Lesungen lassen 
über die Wiederherstellung keinen Zweifel. Am Ende von Z. 7 
kann nicht, wie Mustoxydes' Gewährsmann gelesen haben will, 
AIAKEIMENOY2 auf dem Stein gestanden liaben, wenn 
anders man nicht einen Fehler des Steinmetzen annehmen will. 



$5ä INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

Z. 11. 12. Der Sinn der Ergänzung ist durch die erhalte- 
nen Worte eyoudiv — Tot aOröy, zweifellos. Z. 11 zu Ende ist 
neu gelesen Y und vielleicht der Rest eines 0, was auf die vor- 
geschlagene Ausfüllung der Lücke führt. 

Laodikeia am Lykos. 

8. Auf der grossen N. S. Strasse. Ausgerundete Platte, w. 
Marmor 0,38 h. 0,72 br. B. 0,025. Z. 0,01. 

vJElAETINECEIlIINKAINHAOäHTPE^ 
ATOYTOYCUUCXPHnEPlTTPUUTIUUNT 
CEOAIKATAAYETUUIIA NTHNaMcMCBHTHI 
KONTOIIHMArAIA<t)IAONKE(f///HN^J' 

5 A' A «rr HE HiliJiWI:!ililllli''^ll^^^^ 

NlOYTOYiKAinPOKATAPXETUULANI 
lOPMUUMENOYCCEMNOTEPOYCPAPEAYTü. 
AINOYClNTOYCnPOCA^IANTIMHCElMHA 
IH(t)AINONTO 

ei Ss Ttve? statv xatVY) So^v) Tp£[(p6(J!.£vot 

sJcOai zaTa)^u£T(i)<7av Ty;v ä[;.i^ic€y)T'io[<nv 
x.]ovTO; 71 [j!.3tTai[a] (piXov y.£ . . yiv . . . 
5 .... yyTiev /ca.t O'jp/iS 

V [t]oütou[?] xal 7rpo/.aTap)^£TWL(7]av. 

. 6p{/.(OiJ!.£V0U<; (7£[XVOT£pO'Ji; Uap' £a'JT[(öv 

>.tv oÜGiv Tou; 7Tp6? ä^iav Tt[7.yi<;£t [j(,yiS[£i? 

.7) ^aivovTo[i; 

Ein sicherer Zusammenhang ist auch inhaltlich nicht her- 
zustellen. Es scheint sich nach Z. 1-3 um Streitigkeiten zwi- 
schen Christen und Heiden oder zwischen verschiedenen christ- 
lichen Parteien zu handeln, die beigelegt werden sollen. 

9. W. Marmorarchitrav, 1,42 1. 0,89 br. 0.58 h. B. 0,65. 

Äll^nATPIC 



tNSCHRIFTEN AUS KARIEN 259 

Mylasa . 

10. Bei Konstantinos Elia. Graublauer Marmor. Altar 0,129 
h., 0,12 b. B. 0,01 (VV.). 

Doppel- 
A I O Z a\t A A Aio? Aa- 

B P E H A O Y gpsvSo'j 

Die Form Aa^oc'v^o'j l'ür AxSpaöv^o'j erscbeint hier zum ersten 
Male (vgl. Waddington zu LVV. 377-379 S. 112). Ähnliche 
Altäre in Aphrodisias und Ilerakleia am Latmos s. C. I. G. 
2750. 2896. 

11. Chan des Mustafa oben in der Hofmauer. Altar 0,36 
h. 0,19 b. B. 0,013 (W.). 



AHMOCOENHC A7;{xoo[0]£vy)? 

Doppel- 

AABPaxtAYYNA AagpauuvSro) 

\NeOH KSN ä]v£[6]Yi34£v. 



Die Form AaSpa-j-jv^o; erscheint ebenfalls hier zum ersten 
Male, nachdem dieselbe aus LW. 348 durch Hauvette - Bes- 
nault und Dubois Bull, de corr. hell. V 99 f. ausgemerzt 
worden ist. Im Übrigen vgl. Nr. 10. 

12. Haus von Dimitri Athanasiu. Oben eine Zeile abgebr., 
sonst vollst. 0,82 1. 0,23 h. B. 0,025. Z. 0,01. fW.). 

I . •. ^ - j_Aio- 

NY2IOYIEPEYS vuciou Upsu? 

^0POAEITH2 'A9poS£iTy;; 

SYNASTHNHA . Su[pi]a; tt.v ra- 

A 2 T A A A p]a<TTiSa 

^NEOHKEN dcvsÖ-OKev. 



260 INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

13. Grosse cannelirte Säule von w. Marmor. B. 0,02G. Z. 
0,018 [W.). 

2YMMAX02 Sua|xa/o? 

TAlOYTTAnTI F^Arj rhwrt- 

OYZYMMAXOY ou I'j[x;xx/ou 

YI02IEPEY2 ul6?, upsü? 

AI02020rnZH Ar.? 'Oaoyöi Z-/i- 

NOnO^EIAQ vo-ocrc'.S(ö- 
N O Z vo; 

Die Inschrift bezielit sich auf die Weihung der Säule an 
den Zeus Osogos durch den amtirenden Priester. Nach Form 
und Inhalt damit üheivinstimmende sind bekannt (voj. Hau- 
vette-Besnault und Duhois Bull, de corr. hell. V S. 98-101, 
dazu noch L\\'. 3r)9.3G5), eine sogar mit dem gleichen Na- 
men {DiUL a. 0. 98V Der Bau (Stoa. vgl. LW. 408), bei 
dem die Säule verwendet war, hat eben wahrscheinlich zum 
Heiligtum des Zeus Osogos gehört [Bull. a. 0. 98). Die Ur- 
kunde bestätiüjt oe^en Waddington zu LW. 30 1 bei der Pa- 
rallelinschrift die alte Lesung Hu'xu.oi/o:. ohne Vornamen und 
Gentilnamen {Bull. a. 0. 99). Bemerkenswert ist ausserdem 
die Schreibung Atö? 'Oaoycö Zt^vottocsi^cövoc ( vgl. LW. 302) für 
die sonst übliche Aiö? 'Orioyoia Atö; ZyjvoroGstBwvo;. Über den 
Zeus Osoo'os vi>;l. Waddin^ton zu LW. 361. 

14. Bei Theodoros Tsitilis, 2,efunden bei dem Bau des 
Hauses des Besitzers. Kleine Basis aus weissem Marmor, 0,20 
b. 0,19 h. 0,09 tief; hinten Bruch (F.). 

AFAGHTYXH 'Ayaef, tuxv) 

K A 1 e P (Jü CO y.7.0t£CCO- 

C e N T O A r /^ c£v TÖ ay[aX 

M A T H r C {^.a TY] y[£pou- 

C I A qU 

M AP H MJxp[x.o??... 



INSCHRIFTEN AU3 KARIEN 261 

i5. Bazar, verkehrt eingemauert unten in dem Ilaus Mch- 
meJ.; (),4:> 1. 0,3J h. B. ü,Olü. Z. 0,007. (W.). 

OlAEEFHrrEIAANTOKA.. .tAQ 
KANEI2THNKATAZKEYHNTH22TOA2 
KATOMNQ20YAI/6AOY PE 1. ' 

AABPAYNAOYMA^'NNITH5:A Z 
5 h O A I K O Z E I P H N A ! O Yl E P E n Z Ä I O 2 

NEMEIOYTAPKONAAPEYZ / P 
AAYK02YBPE0YIEPEY2AI0 
NY2:OYMAIYNNITHZA F 
AHMHTPIOZIATPOKAEIOY2 
10 TAPKONAAPEY2/F 
ANIAZIATPOKAEIOYS 
TAPKONAAPEY2AF 
OAITHSAHMHTPIOYMEAA 
N0ZTAPK0NAAPEY2:A F 
15 I APO 2 AP I ZTEO YZ A<J)P O A I T H 2 
vTTA-^ TTAPKONA 

Oi'os £7:r,Yys{XavT0 /.a[i g-JaSw/.av si? ttjV y.'XTV.QV-vrriV tt/? gtoä^" 

axc) (S'.x-/.o'7iac), [fI>av6^?]'./.o? Etpr/vaiou Upsw«; Aio? Nejj-siou Tap- 
•/-ovöacps'j? (f^pa/jx^c) (ÖYSor,/.ovTa), [rjXaö/.o? Tßpsou Isps'j; A'.ov'J(70u 
Ma'i'jvviTv;; (öpa/jj-a«;) (ÖYSo7i/.ovTa), A7)i7//iTp'.o; laTpoxAsiou«; Tocp- 
vcovSxpe'j; (öpoc^'jj.y.i;) (oYSov!x.ovTa), [<i>]xvix; 'laxpo/Aeio-j; Tapx-ovSa- 
pe'j^ (SpXy(^[/,3t;) (ÖY^o'!'i>'-ovTa), [njoXiTTi; A'/iv/oTpiou MeXavoi; Tapxov- 
Sapcü; i^zxyj^j.kz) (ÖY^07i/.ovTa), [<I>a.]i;Spo? 'Ap'-CTSOu (Upso;) 'AcppoSi- 

TT/? [E]'j->,o[ia]; T|_alpy.ov6[ap£'J5 

Verzeicliniss der Beiträge und der ßeitraggeber für den Bau 
einer Stoa. Da der Priester des Zeus von Labranda mit dem 
grössten Beitrage obenan steht, ist wol zu vermuten, dass der 
Hallenl)au im Heiligtum dieses Gottes errichtet werden sollte, 
wie einer in dem des ZeusOsogos anzunehmen ist (vgl. Nr. 1 3 u. 
LW. 408). Interessant ist die Inschrift dadurch, dass sie sich 
annähernd daliren lässt und eine 2;enauere Zeitbeslimmunsf 
anderer schon \orhundener Urkunden ermöglicht. Von den Bei- 



562 INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

traggebern sind uns nämlich zwei auch sonst bekannt : Heka- 
tomnos des üliades Sohn aus dem Demos Maynnia (Z 3. 4. 
Athen. Mitth. XIV 394, wo Nr. 3,5 statt Nr. 3,3 zu lesen 
ist) und Phaidros des Aristeas Sohn aus dem Demos Tarkon- 
dara (Z. 15. 16), der beider Abfassung der grossen Kauf- und 
Erbpachturkunde des Thraseas [Bull, de corr. hell. V 107 
ff. XII 25 ff. vgl. Athen. Mitth. XIV 373 A.) Stephanepho- 
ros war. Eine dritte Persönlichkeit kann man mit Wahrschein- 
lichkeit bestimmen : Demetrios des latrokles Sohn aus dem 
Demos Tarkondara.Wol unzweifelhaft ist dieser der Vater oder 
der Sohn des bei LW. 409 geehrten latrokles des Demetrios 
Sohn aus dem Demos Tarkondara. Die eine oder die andere 
Möglichkeit ist leider nicht mit Sicherheit auszuschliessen,aber 
da nach Waddington's Ausführungen (z. d. St.) die Ehrenin- 
schrift wahrscheinlich nach dem Jahre 76 v. Chr. abgefasst 
ist, so gehört mit Wahrscheinlichkeit auch die vorliegende In- 
schrift in das 1. Jahrhundert v. Chr. Zugleich bestätigt sich 
derselbe Ansatz für die Urkunden aus Olymos (vgl. Athen. 
Mitth. XIV 395). 

Z. 6. Der Cult des Zeus Nemeios in Mylasa wird hier zum 
ersten Male erwähnt, was nicht uninteressant ist. 

Z. 8. Mit der Schreibung Mai'jvviTV]; ist zu vergleichen die 
Schreibung AagpatuvSou LW. 338,17 vgl. 399,20. 

16. Haus von Rara Georgis. Grauer Marmor, unten u. 1. 
abgebrochen, 0.34 b. 0.26^i. 0,27 d.: \S. 0,015. Z. 0,01. 
Kleine Apices. 

XIAK^IN OES 

ÜYNOMIASA , A I O M E 
IfiTOMPOAEMON 
MS:Tf2B^AO M M E 
5 vlAMENKAIKN^SIOI 

ITHPIONTE^TANOMI 
NAEPIMEAEIANPOI 
OSPANSIKPHTAIEYSI 
ENnNKAlOYXE"^ 
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mSCHRIFTEN AUS KARTEN 263 



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Bruchstück einer Vertrages zwischen Mylasa und Knosos 
auf Kreta. Offenbar gehörig zu den Fragmenten Lebas-Wadd: 
Asie min. 380-384 Bull, de corr. hell. XII 8 ff. Baunack, 
Studien I, 1 S. 7, welche sich auf Bündnisse von Mylasa 
mit kretischen Städten beziehen. Auch die Buchstabenformen, 
soweit dieselben nach dem Druck sich beurteilen lassen, stim- 
men überein (vgl. Lebas zu 382) Eine Verbindung dieses 
Bruchstückes mit einem der anderen oder Ergänzung auch nur 
in geringem Umfange ist nicht möglich. 

Dass es sich bei diesen Inschriften wie bei den bekannten 
Urkunden von Teos (LVV. 60-85 ) um die Asylie des Gebietes 
von Mylasa handelt (VVaddington zu 383 Cousin und Diehl 
Bull, de corr. hell. XII 10), scheint mir nach dem Inhalt der 
Fragmente — man vergleiche die wiederholte Erwähnung des 
-6>.£ao; u. a. — wenio; glaublich ; das einzige Wort acruXov LW. 
384 giebt dafür keinen Anhalt, vielmehr werden wir in den 
Urkunden wieder ein Zeichen des neu erwachenden selbstän- 
tigen politischen Lebens der kleinasiatischen Städte in der hel- 
lenistischen Zeit zu erblicken haben. 

Alle Urkunden scheinen, wie das in Mylasa üblich war, 
auf der Wand eines Gebäudes zusammen eingegraben gewesen 
zu sein (vgl. LW. 383. 384 Cousin u. Diehl a. 0.). 

Z. 6. T'opiovTj;: Vgl. Foi/.iov([Tav; LVV. 383 a. 5. 

1 7 , Haus von Deli Omar oben an der Treppe, w. Marmor an 



264 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN 



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INSCHRIFTEN AUS KABIEN 265 

veHorenen bez. unlösbaren Teiles wiedergeben. Von den an- 
deren beiden Urkunden, welche zum Teil noch auf diesem 
Steine standen, liissl sich kein Stück zusammenhängend ergän- 
zen. Wahrscheinlich waren dieselben auch Verleihungen des 
Bürgerrechts und der Stein wird als Quader oder Verklei- 
dungsplatte für ein Gebäude gedient hahen, auf dessen Wand 
man eine bestimmte Klasse von Inschriften, also in diesem Fall 
wol eben Bürgerr^chtdekrete einzutragen pilcgte; vgl. Athen. 
Mitth. XJV 3G8. 

18. Haus von Christos, unten in der Mauer. Blaugrauer 
Stein, ringsherum ahgebrochen und stark verwittert, ü,34 1. 
0,37. h. B. 0,ül->. Z. Ü,0U7 (W.). 



PAAPOL ET O I 
\PAZA M E N O Y K A I 
AZAMENOYKAIAAct)AEXOMEN 
OYKAIAA<t)AAAAONExOMENONTOY t 
5 YKAIAA(t)AETIEXOMENONTO YTO 
>IOYKAIAA0AAAAONEXOMENONTO 
1ENOYKAIAA(|)AKAIAFOTO^f//TOYQZ 
IKAIAFAYTOYaZOYAIFEPI0EPEIE 
OYAIATOYXOPTl EFITHNAEa,§ 

10 FEYOYEFITO N/A ONFP02TC 

AETQNKATQ TAMOZKYBE. 

INTAENTHIOPEII OPOIAFOMENTH 
OPIZTONTESTONFPaTONKAHPO NE^Q 
ilNEFI T H ZT A X E nZF ET P "^ XONXAT 
15E2:EFITONFETPONTONO//jYNE(1)OYEX 
O Y N T O K A T A //// E P O N F A P A T A F P O f // E 
NKATnMEPQNFOTAMOZKYBEPZOZ 
^X 

y^a]pa£a[j.£vo'j •/.a[l 

j^ap]a^aj/,£vou y.xl "AXcpa ^;(^6j;.sv[ov toutou 



266 INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

ou xai "AXcpa aX>.ov lj(_6aevov tou[tou 
5 u zo.! "AX'^a £Ti iyoasvov to'jto[u 

pL£vou y.al "AX<pa x-at (XttÖ tooto'j (o? 
Kcci (Xtc' auTOu cb? [Ö]ua[v]? Treptoepei ^ 

OU 010. TOU JO^Tolu Y,xl] STtI TYIV ^.EWrcpopOV 

lU iJTr' euOu ettI t6 v[i]ov Trpoi; to [. . . . ä^o 

Ss Tüv x.aT(i) [jaspcöv TToJraaö; Ku€£[p(Joc 

.Vra £V TTll Op£l[v'^l] 6p Ol dcTüO [J-EV T7^[(; 

öpiGT0VT£(; tÖv xpoJTOv xVopov Icp'w 

cov Itti t^; Ta[^?]£(i)(; 7U£Tp[ov .]j(Ov )ra[pa 

15 tC, £-1 TOV TTEXpOV TOV 6[£]uV Icp' oO /Jei ? 

, , . ouv t6 /.aTa[(p]£pov Trapk toc 7üpo[Y]£[ypa[7-;x£vot ? 
Ss Toijv xxTü) {X£püiv [^JoTauLÖi; KuSspco; 



Bruchstück eines Vermessungsprotokolls, von dem uns an- 
dere Bruchstücke in LW. 423. 4 24 erhalten sind: die Buch- 
stabenhöhe (0,012) und soweit sich erkennen lässt auch die 
Buchstabenform stimmen überein. Zur Vergleichung verweist 
Waddington mit Recht auf LW. 197 und 207 (Newton, Greek 
inscriptions III S. 12, 403 ff.), doch liisst sich für die Ergän- 
zung im Einzelnen daraus nichts gewinnen. 

Im Allgemeinen ist nach diesem Bruchstück die Art der 
Vermessung so zu denken, dass eine Seite des Areals mit"Al9a 
bezeichnet und durch eine fortlaufende Reihe mit diesem Buch- 
staben versehener Steine umgrenzt wurde. 

Z. 8 Mitte ist wol jedenfalls ein Ortsname vorauszusetzen, 
Qua? 

Z. 11 vgl. 17. Der 7L0Ta[j-ö; KuSepao; erscheint hier zum er- 
sten Male. Über die in Rarien häufige Wurzel Ku€ vgl. G. 
Meyer in Bezzenberger's Beiträgen X 195, 

Z. 13. Ob wir wirklich eine Forin opi'TTovTE; anzunehmen 
haben, oder ob wir die Form 6picaovT£; = opi^ovTE? vorausset- 
zen müssen, lasse ich dahin gestellt. 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN 267 

19. Haus von Janis Kritikos. Oben u. r. vollst., 0,345 1. 
0,58 b. H. 0,02. /. O.Ol. (W.). 



OZXPYZniSTE 
- T H Z B O Y A H 2 ' ' K A 
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TOYFYA APXOY 

5 SYZTHMATO^TQN 

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NOAOYTaNr ^ 
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(pavü) Jt^i; ßou>.^<; x[al 

TOij ^TjaO'J ]ti)V x.at 'j[7ü£p t]^? yi 

Tou yu[[j!,va(7i]apj^ou 

5 (JU(JTYl{/.aTO? TÖV 

Xpudocopewv ? . . . t]ou yuty.vaTiapyou . . 

STüaPjvoSo'j Töv y . . . . 

Toö 7:a[Tpöi; ? . . 

Ehrendekret. Zeilenlänge unbestimmbar. Z. 5. 6 vgl, Wad- 
dington zu LW. 399. 

20. Im Weinberg von Hadschi Mehmed-Aga, eine Viertel- 
stunde südlich von der Stadt. Wandquader von bläulichem 
Marmor (ringsum Stoss-und Lagerfugen); Stein 1,10 b, 
0,55 h, 0,35 d. Inschrift 0,75 b. B, 0,ol4, Z, 0,024. Schrift 
sehr verwittert und schwer lesbar (F,). 

ATHEN. MITTHETLUNOEN XV. 19 



268 INSCHRIFTEN AUS KARIEN 



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INSCHRIFTEN AUS KAIUEN ^^^ 



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270 INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

Die Inschrift enthält einen Beschluss der Phyle der 'YapSs- 
cuTQci aus Mylasa, dass künftig jeder von der Phyle Geehrte 
dem Phylengotte Zeus (Stratios?) innerhalh von sechs Monaten 
einen silbernen Becher oder eine silberne Schale, wenn er der 
Phyle selbst angehört, drei Becher oder Schalen, wenn er 
einer anderen Phyle angehört, darbringen soll. 

Interessant ist die Urkunde zunächst dadurch, dass sie uns 
den Namen einer der drei Phylen \on Mylasa bietet, von de- 
nen wir bis dahin aus zahlreichen Inschriften nur die der 
'OTojp/.ovSsi? kannten (LW. 403-418 Bull, de corr. hell. V 
S. 107 ff. VII S. 16 ff.). Die Ausführungen Waddington's zu 
LW. 377-379 gegen die Ansicht Böckh's z. C. I. G. -^Ogi wer- 
den durch diese neubeglaubigte Phyle der TapSsQjTat durchaus 
bestätigt : wir haben in den tosi? o^Acd der berühmten Maus- 
solosinschriften aus Mylasa (LW. a. 0.) nicht ländliche Tri- 
bus neben der einen Stadttribus von Mylasa zu sehen, son- 
dern drei alte städtische Tribus, Geschlechts- bez. Gaugenos- 
senschaften, die zusammen wie Waddington sehr glücklich 
bemerkt eine Art von comitia curiata bildeten. Dieselbe Drei- 
zahl bevorrechteter und religiös geeinter Phylen kehrt auch in 
Olymos wieder (vgl. Athen. Mitth. XIV 391 f.), wir werden 
deshalb dieselbe auf eine alte karische Einrichtung zurückzu- 
führen haben. Die eigenartigen, mit diesen Thatsachen über- 
einstimmenden Verhältnisse der städtischen Verwaltung von 
Mylasa zeigen sich auch äusserlich darin, dass die Stadt im 
IV. Jahrhundert noch keine Mauer besitzt (Ps. Aristot. Oecon. 
II 2,13). 

Der Name der neuen Phyle der TapSecuTal deutet auf ka- 
rischen Ursprung. Es ist offenbar ein ^on einer Örtlichkeit 
abgeleitete Name wie der der 'OT(opy.ovS£i<;, Mwcasl;, Kav^viSet;, 
KuSijAei; : der Ort KuSiy.a kommt wiederholt in den Urkunden 
von Olymos (LW. 3-23/24. 331. 404? vgl. Athen. Mitth. XIV 
375. 381) vor, ausserdem erinnert Waddington (LW. S. 99) 
an die lykische Stadt KävSugoc. Vgl. G. Meyer in Bezzenber- 
ger's Beiträgen X 186. 188. 193. 

Die Verfassung der Phyle stimmt mit der der Otorkonden- 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN 



271 



phyle durchaus überein. Die Phyle besitzt einen eigenen Gott, 
den ZsO? 'Vap^sTUTöiv ( Z. f. 13. ??). wie die Otorkoiulcnpliylo 
den Zsü; '()T(i)px.ovS£wv oder 7Xjz 'Ocoyaj; (Wadd. z. L\\ . 361 
vgl. 403. 413. 415 Buü. de corr. hell. \\\ S. 53. 17). Die- 
sen V.vjc, 'Vap^srr'jTcöv haben wir wol mil dem Zsü; -rparto; 
(Z. 5 f.) gleichzusetzen. (K'nn es ist wahrscheinlich, dass als 
Antragsfellor fCir die dem Zeus der 'Vap€c'7'jTal zu gute kom- 
menden (laben gerade dessen Priester auitritt. Zeus Stratios ist 
uns als der in Labranda bei Mylasa verehrte Gott aucb sonst 
bekannt vgl. VVaddington zu LW . 3'i2. 

Ferner finden sieh Tay.iai und o'!x.ov6|j-o'. (Z. 18 i'.), wahr- 
scheinlich auch je zwei (vgl. LW. 404 Bull, de corr. hell. 
VII S. 25) als Phylenbeamte, ausserdem die ^'./.aTTa'. und der 
vou.oo'j>.ac als überwachende Staatsbeamte (vgl. LW . 414 Bull, 
de corr. hell. V S. 107. 1 12 ; für Olymos LW. 327. 336. 338 
Athen. Mitth. XIV 370). Der ap/wv (Z. 2) erseheint in der Pliy- 
Ienversammluni>; hier zum ersten Male: es ist der Vorsitzende 
(vgl. LW. 394) und zwar offenbar derselbe, welcher, wie 
Waddinofon z. d. St. scharfsinnig; vermutet hat. in der Volks- 
Versammlung die Phyle vertritt und abwechselnd mit seinen 
beiden Collegen von der Otorkonden- und der dritten Phyle 
den Vorsitz führt. 

Endlich aber haben die einzelnen Phylen unter Umständen 
zu denselben Zeiten getagt und zwar regelmässig Tai: äp/ai- 
psTix^ d. h. also nicht sowol an den Wahlen der Phylenbeam- 
ten als an denen der Staatsbeamten, die immer in der Mitte 
des Monats Xandikos stattgefunden zu haben scheinen (vgl. 
W'addington zu LW. 403). Der Stephanephoros. unter den 
die Phylen\ersammlung noch fällt, ist wahrscheinlicli der ab- 
gehende ; im neuen Amtsjahr sollen die beschlossenen A^erfü- 
gungen in Kraft treten. Den Beweis für dieses gleichzeitige 
Tagen der Phylen liefert die Inschrift LW . 408, ein Beschluss 
der Otorkondenphyle, welcher von demselben Tage, dem 18. 
Xandikos, stammt, wie die vorliegende Urkunde. 

Danach lässt sich der Name des Stephanephoros 'AvTixaTpoc 
'AxoXAcoviou mit Sicherheit ergänzen, und mit diesem Namen 



272 INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

erhalten wir wieder die Möglichkeit, die beiden Phylenbe- 
schlüsse zu datiren. Derselbe Mann Antipatros des Apollonios 
Sohn kommt nämlich in den Urkunden von Olymos mehrfach 
vor (vgl. Athen. Mitth. XIV 393), und da diese aller Wahr- 
scheinlichkeit nach in das erste Jahrlnindert v. Chr. gehören 
(Athen. Mitth. XIV 395 vgl. o. S. 262) so sind die beiden 
Phylenbeschlüsse in dieselbe Zeit zu setzen. Schriftcharakter 
und Inhalt der Urkunden passen sehr gut dazu : in dem De- 
kret der 'ra,p€sf7UTxi zeigen sich dieselben Verhältnisse, die 
ich als charakteristisch für die Abfassungszeit der olymäer 
Inschriften darzustellen versucht habe (Athen. Mitth. XIV 
395 f.). Im JMnzelnen ist wenig anzumerken. 

Z. 2 f. \gl. LW. 403. 405. 408. 409. 

Z. 10 f. vgl. 16 f. Die Rechnung nach Spa/fy.a.-. 'AXsEavSpsTai 
ist zu beachten, da wir sonst die Rechnung nach äpyupiou 'Po- 
Siou >.s7üTou Spa/[xai finden (LW. 415 Bull, de corr. hell. V 
108 ff. vgl. W'addington zu LW. 416), die auch wol in den 
Urkunden von Olymos vorauszusetzen ist. 

Z. 16 glaubte F'abricius die Reste eines Y zu erkennen, da 
aber die Lesung nicht sicher ist, ziehe ich vor statt das durch- 
aus ungewöhnlichen Oxo Spa/;j.wv. das regelmässige axö Spaj(^- 
[7,(äv einzusetzen. 

Z. 18 ff. Die hier gegebenen Bestimmungen erweisen, wie 
die Staatsbeamten nur überwachend thätia; sind, sobald die 
Phyle ihr Gebiet überschreitet, sie erweisen andererseits, eine 
wie grosse Gewalt die Phyle innerhalb ihres Gebietes ausübt, 
da dieselbe eine Geldstrafe von 3000 Drachmen über ihre 
Mitglieder verhängen darf. 

Z. 22 f. Die Ergänzung ist unsicher. 

21. Laden des Theodoros G. Tsitilis an einem Fenster ver- 
mauert. Wandplinthe, bläulicher Marmor, L gebrochen, oben 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN 273 






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INSCHRIFTEN AUS KARIEN 275 

Die zwei Urkunden stehen in einem gewissen Zusammen- 
iiano': |)(M(1(' hcfindon sich teilweise auf deinselhen Stein, in 
beiden erscheint lason des Dionysios Sohn, heidc iiehören 
zu Kauf- oder Pachtcontracten von Tempelgut, wie sie in My- 
lasa und Umgehung häufig vorkommen, vgl. (\ I . (i. 26'J'i 
L\V. \\'i-\\%\ 425. 42ß. 483 Bull, de corr. hell. V 107 ff. 
Athen. Mitth. XIV 367 ff. Es ist deshalb sehr möglich, dass 
wir in der ersten die öjvti, den Kaufcontract für die in der 
zweiten Z. 1 ff. erwähnten, von lason an den Tempel des Zeus 
Osoü;os verkauften liindereien von uns haben, in der zweiten 
die atTOwG'.?, den Pachtcontract über diese Ländereien zwischen 
den Vertretern des Zeus Osogos der Otorkondenphyle und ei- 
ner Frau Alastaf?) 

Die Tempelwand hat wie in Olymos (Athen. Mitth. XIV 
368) zur Aufzeichnung gedient; auch zeitlich stehen die Ur- 
kunden soweit wir nach dem Schriftcharakter urteilen können, 
denen von Olymos nahe. 

Soweit Ers;änzuni>en möglich sind, sind dieselben nach den 
oben angeführten inhaltlich gleichen Inschriften aus Mylasa 
und Umi>;ebunü; iJeoeben ^^orden. 

A Z. 7. Der Demos Ogonda gehört eigentlich zu Olymos, 
kommt aber auch sonst in Mylasa vor (Athen. Mitth. XIV 396). 

Z. 12. Über das 'O[y.€tavov xsSiov vgl. Bull, de corr. hell. 
XII 24 Athen. Mitth. XIV 114. 

BL.\. ff. Verschiedene der genannten landwirtschaftlichen 
Dinge erscheinen hier zum ersten Male in Mylasa und Umge- 
gend (vgl. C. I. G. 2694 Athen. Mitth. XIV 397). Auch die 
Örtlichkeit Kostobalon oder Kostobalos ist neu; Namen auf 
xkoc, s. bei G. Meyer, Bezzenberger's Beiträge X 184. 

Z. ß. Geoen Ende lese ich auf dem Abklatsch O & ; I T A; 

o 

der Steinmetz hat sich also hier wie in der vorausgehenden 
Zeile verschrieben und aus O 6 zu machen versucht. 

Z. 10. Der Frauenname Alasta(?) ist neu. Am Ende der 
Zeile hat Fabricius M zu erkennen geglaubt, giebt aber selbst 
die Lesung als sehr unsicher an, ich ziehe deshalb vor, den iri 
Mylasa sehr häufigen Namen Proteus hier einzuführen. 



276 INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

22. In der Wand eines Hauses; der untere Teil des Steines 
steckt in der Mauer. Marmor. B. 0,01 (W.). 

KAITONEKTOZTOY tePY 
OMENONErrAlONFAH N 
KAITOYYFAIOPOYSYK 
ATAXYZIOI2TOI2TEOEPIN 
5 ^ A N A YTO I Mf T AZnz I N F 

NAPEIONYI PONAZIONI 

O r^ § I A T O Y N E O K O P O Y 
EOnZANAEKAITHZEFI 
ONEZAIPOYMENOIAFOFA 
10 FENTHKONTAA(J)nNO 



xat Tov iy,TO(; to'j 7:epu 
6p!,£vov i'yyatov x7.7)v 
xai TO'J ÜTTraiOpou cu[v 

y.x?]rciLyyGio'.q xolq TS Gepiv[oi; 

av aÜToi [^[gjTaHwcriv x 

avöpstov ü[y]pöv a^iov, 

6w[v]ta. Too veoxopo'j 

cOwfjaV §£ Xat TT}? STTl 

av Icaipo'jty.svoi ä-TTO 7:ä[vT(i)v 
TüSVTrjX.ovTa, occp' töv ö 



10 



Bruchstück eines Pachtvertrages? Ergänzungen im Einzel- 
nen sind unm()glich. 

23. Westlich vom 'Mausoleum' im Felde hinter einer Mauer, 
Säule, w. Marmor 0,875 h. oberer Durchm. 0,62. B. 0,025. 

AAlMONfiNATAenN Axi.aovwv äyaOüv. 
E I 2 I A O T O Y EiTiSoTou 

EIPH N AI O Y Elor^vxwj. 

Z H ' *(-?] 

24. in einem türkischen Grab östlich vom Mausoleum ver- 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN 277 

mauert. Marmorsäule (der obere Teil steckt im Erdboden), 
bis zum Anfang d. Inschr. 0.335 li. B. 0,05, Z. 0,01 (VV.). 

AAlMONONAPAOnN Aaijy.ovwv äyaOöiv 

ANTEPnTOZTOYAlO 'AvTepwTo; toO dio- 

N YZIOYKA I T H 2 r Y N A I v-jcio-j x.xi t-^? yuva-.- 

K02 AYT O Y A E O N T I O Y x.o? aüxou Asovxiou 

KAITOYYIOYAYTQN 5 jcai toö uiou aOröv 
ANTEPnTOZKAIIZOXPYZOY 'AvTepw-o? xai 'I-ro/poTO-j 

25. Abgesebrieben vom Arcbimandriten Pbilarolos auf einer 
kleinen Säule im Cafe des loannes Kritikos im Bazar. 0,65 b. 

A A I M O N n N Aaifxovwv 

ArAGQN äyaOwv. 

lATPOKAEOYZ 'laTPo/.Xs'ou? 

TOYIEPOKAEOY toö 'IspoxT^eou 

TOYOEOAQPOY 5 toG esoScöpou 

KAI A 1 N E A -/.al Alvea (!) 

A N T I X O Y 'AvTij^o'j 

26. Im 'j-oys'.ov des Hauses des Sehneiders MiyxrikUiTjo^ly.. 
Marmor. Inschriftfläcbe 0,325 1. 0,125 b. B. 0,025 (W.). 

ETIBACMeCH StiSä? ^Äan 

MAPKOYAYPHAIOY Mxpxou AüpYi>.to'j 

AIONYZIOYAIC Aiovufriou Sl; 

T O Y /A e N A N A P O Y tou Msvzv^po-. 

27. Haus von Hassan Ali. Grauer Marmor; 0,36 h. 0,215 
b.; unregelmässige Buchst. 0,008-0.015. 

A A I '^ O N n N Aaiaovwv 

A r A O n N I e o-yaöüv. 'h- 

PokAEATHCMH po>tX£a(;?) t^? Myi- 

N O A O T O Y voSoTou. 

Z H 5 (:7i 



$78 INSCHRIFTEN AUS KARTEN 

28. Im Weinberg des Moliah Achmed Sochta-oglu südlich 
von der Stadt. Bläulicher Marmor 0,83 1. 0,44 h. 0,28 d. Die 
Schriftfläche ist in der Mitte vertieft, die Schrift geht über 
den Rand und die vertiefte Mitte hinweg; sehr schlechte 
Schrift, verrieben und bestossen. Von Z. 8 Mitte an Rasur. 
Ausser der Abschrift von Fabricius la»' mir ein von Herrn A. 
Kondoleon dem Institut eino;esandter Abklatsch vor : aber auch 
so ist es mir nicht i'elunoen, überall einen vernünftigen Sinn 
herzustellen. Dass im Anfane; Verse beabsichtigt sind, ist klar 
(dieselben scheinen durch Punkte getrennt gewesen zu sein), 
dass sie voller Fehler stecken ebenso. 

TOH^lAlONEXinEl^lKAH NYOM 
KAEOYCATTOMIMONON^WMH-PACIAIAI 
EEXENTEXNHTEMEriCTH-MYt'lHNAN 
nwNnENnTONEYNTEAEEANTANAf//N 
5 H AEnAT^IErNOYCATONA4)H t^ AK AEO Y 
n^O(l)ANENTA-TEIM I E E N T E I M H H A ZI O E I N 
AlAnANTOEAt^XITEKTOEYNHA^ETHZI EAN 
TAMEriETH ff Ol A A I E M E F H M A 1^ A Y / 

ÜEl^lKAEOYEÄYOYnEt^lKAEOYEK 
10 THEOYTATl^OEMOYAYl^EYnoiAC 
ETIBAEAEZIAAY^Et^MlOYTOY 
nE^IKAEOYE 

tÖ T^pwov £/t(!) n£pty.X[7i]v Oöv [nep',"l|/.X£0'j<; ä-oa'.jxov, 

OV 'Pcöj7.Y] ^a(T'.Xia(l) ? I EG^^SV T£yv/] TS [J-SyiTTT) 

[7.'jpiwv iv[0pw]J7ö(i)v TTs'v-TOv »j'jvTcXscravTa va[6.']v.j 
5 '/) ök —axpic yvoOcro. tov äcp' 'Hpax,AJO'j[?l| Tzpofj^xvivcy. 
Tsiu-Y/Tsv TSiixfi, Y,(!) aC'.o; [tiv], | Stö, xavxoc 
äpy^iTS/.TOC'jvY) otpsT"^ (^[ri]<7av|Ta u.syiGT'/). 

[n]oi'y.'kl^ lJ.i[a]'ri Mäp(x.O'j) Aü[p](-/)Xio'j) 
llepr/tXso'j; (oi?) ooO Ylspv/Skio'j^ x[at 
10 TT,^ O'jyaTpo; [J.O'j Aüp('/)Xiag) K\jT:oix(;, 
CTiSa? Se^io. Aüp(7i>.io'j) 'Eptj.io'j toO 
n£pr/-X£Ou<;. 



INSCHRIFTEN AUS KARIEN ^79 

29. Am Weinbei'g des Uadsclii Melimod Aga südlich von 
der Stadt. Kleiner Grabstein aus blUulicliem Marmor, fast un- 
bearbeitet (F.). 



K A P n D E 


KapTuo? 


Z UU E 1 M D / 


Z(i)(7tp!.o[u 


M N E 1 A C 


[xveia? 


X A P 1 N 


ydcpiv. 



30. Ulu Djami, südl. Umfassungsmauer. Bläul. Marmor, 
0. u. r. Randbeschlag, 1. u. u. abgebr.; sonst bestossen; 0,545 
li. 0,355 b. B. sehr unregelmässig und schlecht, ca. 0,03. 



NIOY.YOKAIOI 

• r 

o K T (ju e A r 
\A5uucnopioYr 

5 KONTAPCNie 

e 
N O Y /A e Y N O T 
e 

M e n o r I u. 

GNCI eANOMIOY 
leNNeANOMH 
10 KONTAeNNGA 



Nur einzelne Worte erkennbar, meist Zahlen: Z. 3 ojctw 
Z. 8. 9. Ivvs'a. Z. 10. /.ovra Ivvsa. 



^80 INSCHRIFTEN AUS KARlEN 

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&iS '''1 r~— ' B Gö-^Ttcß 



Ort —13 ^-^ r^rt C^> 'k--^ 

rt _--; Z) — rt . S S^ 

K g O O Qß S 






S LU 7 ^^ op 



INSCHRIFTEN AUS KARlEN 28l 

Zum Schliiss noch einige Naclitriige zu bereits veröffenl- 
licliten Insclirii'ten. 

Haus von Melimed Tartar-ogiu. Kundbasis ü,825 h. unt. 
Dm. 0,750. B. 0,015, /. 0,010. VerötTentliclil Athen. Mitth. 
XIV 111. Die dort benutzte Abschrift ist in der Anordnung 
der Inschrift ungenau: Z. 1-4 stehen in der Mitte über den 
Namen (v. Z. 5 an). Z. 3 feiüt der Z. 1 entsprechende Mit- 
telstrich am Anfang der Zeile : beide Striche sind vvol als An- 
führungszeichen aufzufassen . 

Z. 9 hat Fabricius gelesen BAZIAEIAHZ, was auch 
der Abklatsch deutlich aufweist. 

LW. 400. Haus von Ali Kamilaris 1. u. unt. abgebr. 0,635 
1. 0,52 br. B. 0,017, Z. 0,017. Die Inschrift gehört übrigens 
schwerlich, wie Waddington meint, zu einem Beschluss zur 
iMnrichtung eines Festes für den Zeus Osogos, sondern zu ei- 
nem gewöhnlichen Ehrendekret. 

LW. 404. Jetzt in einem Haus gegenüber dem Chan des 
Mustafa in zwei Stücke zerbrochen vermauert. 

LW. 442. Jetzt Ulu Djami. 

LW. 443. Jetzt Chan des Mustafa. 



Nysa (Sultanhissar). 

32, Neben der Säulenhalle. Graublauer Marmor 0,40 h. 
0,39 b. 0,20 d. B. 0,012. Die letzten vier Zeilen am Anfang 
vollständig (W.). 

N E 
X E P 
I T H Z E 
O N E I 2 Z 
5 lEMMAFNH aiat 

.NENTi^lTOY 
AEHEPITOYTaN 
>JZTP AT H rO N K A I N 
A2INAArOAEIZif2Z 
ETAIHZTHAI Ulä 



28? INSCHRIFTEN AUS KARIEN 

BAZIAEYZAN rioyoc, Nuaatcov rot? 
APXOY2IKA' Twi ^Tiacp /aipetv 

H z r E r P A I 
K H T H N 

Bruchstücke von politischen Urkunden : die zweite scheint 
ein Brief des Königs Antiochos 11 an die Nysaier gewesen 
zu sein. 

33. Im Garten des Hauses Yon Okulas Saraz Haiila ; genuesi- 
scher Turm. W. Marmor 0,40 h. 0,60 b. 0,30 d. B. 0,035 ( W.). 

N {'s O Y A § O //// N K A I 
XONTATTwTONThC 1 ' O A E N 
DIKATOIKOYNTEETANMAKAPAI 
ENTOIEIAlOIEEi^OIE 
5 ONANEePEYAllTO 

TONAZIOAOrNTATON 
ArwNOGET 

5c]py^ovTa 7i:[p](ÖT0v rriq 776>.£ü)[? 
Ol x.aTOi/-oövT£? TO. .y-axapa 
ev xolt; l^ioi^ ev TOt(; 
ov äv£0p£<l/arv]TO 
Tov äaoXoywTaTov 

äYCOVoG£T['/}V . 

Die Inschrift scheint soweit sie erhalten ist vollständig; frei- 
lich muss unter dieser Voraussetzung das zweimalige ev to^ als 
Dittographie angesehen werden. Z. 2 ist irgend ein Name ein- 
zusetzen. 

Marburg. 

WALTHER JUDEICH. 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

Die Inscliriften, deren Mitteilung nachstehend erfolgt, sind 
mir teils im November 1889 bei Gelegenheit einer mit Sauer 
und Heberdey unternommenen Reise', teils bei einem neuer- 
lichen Besuche Thessaliens im Juni dieses Jahres bekanntge- 
worden. Ich beginne mit den Inschriften, welche ich in Volo 
abgeschrieben habe; die Steine sind, sofern nicht andere Her- 
kunft angegeben wird, sämmtlich beim Abbruche der türki- 
schen Mauern des Kastro zum Vorscheine gekommen. 

1. Bruchstück einer auf der Stirn- und den beiden Schmal- 
seiten beschriebenen Stele w. M., oben, unten und seitlich 
verstümmelt. Jetzt im Hofe des Dimarchion. 

Auf der Stirnseite (Schriftfläche 0,65 br. , 0,36 h., rechts 
und links Rand, B. 0,015, Z. 0,088): 
(s. die Abschrift auf der folgenden Seite) 

'AJcppoSiGidivo? IV)'. (j[TpaT-^Y- ? jj^n- 

v6<; 'A'^poötGicövo; ^r/.y.zy]i' 'AXy. 

'AvTiTrocTpoi; Eü9uö7i{;.ou 'AptcTap^o; 2(oiSou 'ApicrTO- 
5 /.pKTTj; Apt<7Tdcpj(_ou ©eocptXoi; ©socptXoi» MsvscTpaxoi; 
MevecTpaTOu AYi{;.yiTpi£T? st-av Ixsl AvijxTiTpioi; Al- 
TwXiwvoi; Ar;jz7iTpi£u; ysvojy-svo; xoivö? CTpaTV)y6? 
l]^yiTVic7£V i'v TS TOI? a.XX[o'.]q Tr^v apiGTriv xaTOCCTauiv 

Tü]i £9v£t TZi^iTCOiriGXt. £ a? ro[\j]c, £XlTr,S£U0[[y.£- 

10 vo'j]? Tcc y^£tpicTa xai Sia^o[pa? oij]cri<; TCpo? aÜTOu? Mk- 
yvTiTiv £y, 7r).£iovo(; j_p6vou tttocvtcov ävayjtaiOTaTOv •/][y'/]- 

(7a[;-£vo? £ivai to a? ayaysiv Ta'jT[7iv dvsy- 

)CKu.£vo; ^j/7i(pt(7[y-a xapaiTto«; £y£V£TO too >[aS£iv >^u- 

cjiv ty)v macpopav xai £(<; 6p.6votav y.aTa(7T['^va'. Tag tto^^ek; 

15 Tvil T£ loiTTT^l ava<7TpO<p9il X.a[t £ajUT[0U a^lO; £y£V£TO Xvat Toiv 

lvj(^£ipi'77.vTwv auToJi T7]V ap[j^r;V S£S6j(^9at toi; GuvfSpoi; 
£77a.tv£Gai t[£ A7i[i.7)Tpiov AiTwAitüvo? Ar,{;.7;Tp'.yi £7:1 ty}c 

£]uVOiai T^Tlt . . 

^ über die archäologischen Ergebnisse derselben hat Heberdey oben S. 
199 ff. berichtet. 

ATHEN. MITTHEILUNGEN X\. 20 



284 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 



IM vJ 

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OiAi|AiL_Oi2:_H-2^^^z< 

^Oz<Sgh~^5^^ztX<? 

Z^LUGH -Z<<^±XztL> 

< ^ 2 ^ > W it l'l h- ÜJ LÜ 

io o xn 



7 



INSCHRIFTEN' AUS THESSALIEN 285 

Die Lesung der Inschrift ist stellenweise durch die schlechte 
Erhaltung der Oberfläche des Steines sehr erschwert. Die 
Schrift ist im Ganzen genommen der der Stele zu Ehren 
des Hermogenes Athen. Mitth. XIV S. 51 IT. ähnlich: 1. hat 
häufig noch etwas divergirende Schenkel, Q (mit sehr aus- 
gebildeten Eüsschen) steht etwas über der IJnie. doch zeiot 
O ausnalimslos noch nicht den Strich an Stelle des Mittel- 
punktes. Die Worte, die Z. 9 und 12 fehlen, habe ich nicht 
ausündig zu machen Yermocht ; vielleicht ist an ersterer Stelle 
E[[;.7ToSi(7]a? zu lesen. Z. 9 ist dem Räume nach zu urteilen 
T O Y 2 wahrscheinlicher als T O I 2. 

Das vorliegende Psephisma vermehrt in erwünschter Weise 
die Zahl der bisher bekannt gewordenen Inschriften des y,oi- 
vov der Magneten (s. Athen. Mitth. VII S. 69 ff. 335 ff., XIV 
S. 51 E.=BulL de corr. kell. XllI S. 271 ff'., AsXriov 1889 
S. 40 f., Athen. Mitth. XIV S. 195 ff., E. Sonne, De arbi- 
trls externis S. 94 ff.). Leider ist der Anfang der Inschrift 
nicht erhalten, ein Verlust, welcher schwerer wiegt, als der 
des zweiten Teiles des Beschlusses, von dem es fraglich ist ob 
er uns sonderlich viel Neues gelehrt haben würde. Die Buch- 
staben IH Z. 2, von dem vorangehenden und dem folgenden 
Worte durch freien Raum gesondert, können nur als Zahl- 
zeichen, in Verbindung mit dem voraufgehenden Monatsnamen 
also nur als Tf;gesangabe gelten, wie sie sich ausgeschrieben 
Inder folgenden Zeile findet. Ich beziehe — eine andere Er- 
klärung ist m. E. nicht möglich — die zwei Daten auf die bei- 
den Stadien des verfassungsmässigen Zustandekommens unseres 
Beschlusses, das erste, 18. Aphrodision, auf die Genehmigung 
des Antrages durch die sz-nV/iGia. der Magneten, das zweite, 10. 
Aphrodision, auf dessen Einbringung in der vorberatenden 
Sitzung der GovcSpo-.. Der zehnte als Versammlungstag auch in 
den Beschlüssen über das Orakel des Apollon Roropaios Athen. 
Mitth. VII S. 71 I Z. 1 (Monat "Aps-.o?) 11 Z. 21 (Monat Ap- 
T£[j.t(7iwv ) ; Versammlungen im Monate 'AcppoStciwv II Z. 2. Der 
zehnte Aphrodision endlich auch in der von Lolling Athen. 



?86 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

Mitth, VII S. 75 Yeröffentlichten Inschrift, denn auf dem 
Steine steht Z. 5 deutlich 

ITPATHrOYNTOIKPITnNOIMHNOIAOPOAlILlNOIlKPITnN xtX. 
STpaTTiyoijVTO; KpiTwvo? [Ay]vö? 'Afppooiciüvo; ov/XTriC Kpixwv xt^.; 

das I hinter dem Monatsnamen ist vom Herausgeber über- 
sehen worden'. Eine iy-z-lrtoiT. swoy.o; nach dem 16. Artemi- 
sion ersieht sich aus Athen. Mitth. VII S. 72 la Z. 4 ff. Z. 
16 gestattet der Raum nur die Ergänzung ^ieSo/Oat toi? cuve- 
Spoi; (nicht etwa SsSo/Oai Tv^t ßooV/ii y.ai rüi ^tijjlcoi), eine For- 
mel , der am Schlüsse der Inschrift sSoEsv eSo^sv xat toi? 
suvsSpoi? entsprochen haben wird. Der Bes^hluss hat sonach 
als Beschluss des Bundes zu gelten 2. Die Art der endgiltigen 
Aufzeichnung des Beschlusses, bei welcher dem Probuleuma 



^ Richtig verzeichnet in der Abschrift, die Ntxo'Xao; 1. Ma^vr); in seinem 
Schliflchen IIsptrJYriat? t] tOTcoypatpfa •:% OsaaaXia; /.ai ©STTaXt/.fj; Mayvriai'a; 
1860 S. 38 gegeben hat. 

2 Die Formel ocod/Oai toi; auvs'opot; im Antrage ihk' die Sanctionirungs- 
formel eSoJev (nämlich xoTs ajveopo-.s nach Ausweis der Inschrift Athen. Mitth. 
VII S. 338)" EOo?£v xat TTji £/.xXriatai charakterisiren die Bundesbeschlüsse. 
Als solche sind erweislich der Beschluss Athen. Mitth. VII S. 338, der Be- 
schluss für Uermogenes XIV S. 51 ff., der Beschluss zu Ehren der Richter 
aus Kleitor bei Sonne, De arbilris exlernis S. 94, A Z.l ff. (zu Ende musste 
Sonne statt sSo^sv x^i ßouX^i zal t^'i ly.itXTjafai vielmehr soo^sv loo^ev xat nf^i sxxXr]- 
ai'ai ergänzen), der Beschluss zu Ehren des Demetrios und der unten mitge- 
teilte Beschluss zu Ehren des Diogenes. Dagegen steht in dem Beschlüsse 
der Stadt Demelrias bei Sonne S. 96, B Z. 1 ff. im Antrage SeodyOat t^i 
ßouXf)t xat Twt 8iff[j.ajt und entsprechend lautet die Sanclionirungsformel am 
Schlüsse £oo?£v Tfjt ßouXfit xat ifjt IxxXrjatat. Dieselben Formeln kehren wieder 
in den Beschlüssen über das Orakel des Apollon Koropaios ( I Z. 17. II Z. 28, 
44 f.), Beschlüssen, die unter der Mitwirkung von Bundesbeamten zustande 
gekommen sind, sich aber doch als Beschlüsse einer Stadt (I Z. 8, 16, 19. 
29. II Z. 34) geben. Ähnlich scheint es mit dem Beschlüsse Athen. Mitth. 
VII S. 339 f. (s. Z. 15 und unten S. 287 Anm. 2) zu stehen. Ein Beschluss 
einer Stadt, wohl Demelrias, S. 295 f. Abseits stehen der Beschluss der ur.örsxo- 
Xot Athen. Millh. VI i S. 335 f. (s. Wolters Athen. Mitth. XIV S. 55) und des 
8r)[Ao? von Spalaulhia Athen. Mitth. XIV S. 196 ff. Für die Beurteilung der 
Verfassung des Bundes ist diese Sonderung von Belang; doch bin ich zur 
Zeit nicht in der Lage auf eine Erörterung der fraglichen Verhältnisse, die 
zudem hotrenllich durch künftige Inschriftenfunde weitere Aufklärung er- 
fahren werden, einzugehen. 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 287 

nur einige protokollarische Vermerke, auf seine Genehmi- 
gung erst durch die TuveSpoi, dann durch die iy,y,\rMy. hoziig- 
lich, beigefügt ^vurden, erklärt die Aufeinanderfolge in der 
die beiden Daten Z. 2 und 3 erscheinen zur Genüge. Eine 
völlig gesicherte Herstellung der zweiten Zeile weiss ich nicht 
zu geben, wenn auch die am Schlüsse erhaltenen Buchsta- 
benreste, soferne auf sie überhaupt Verlass ist, nur eine Deu- 
tung zuzulassen scheinen und der eben erörterte Sachver- 
halt die Bedeutung der verlorenen Bestimmung ahnen lässt. 
Die sechs Männer aus Demetrias, die als Antragsteller auftre- 
ten, ist man berechtio;t nach Analogie der übrinren Beschlüsse 
für Bundesbeamte zu halten. Von den in der Inschrift genann- 
ten Personen ist nur der als gewesener Bundesfeldherr Geehrte, 
Demetrios Aitolions Sohn aus Demetrias, anderweitig; bekannt; 
doch ist in den betreffenden Inschriften der übrigens auch 
sonst nachweisliche Name AJtwXiwv ^ der nunmehr sicher 
steht, nicht erkannt worden. Demetrios ist ohne Zweifel iden- 
tisch mit dem in der Inschrift VII S. 339 f. Z. 9. in der cuv- 
apyia erscheinenden AviixTiTpio; At ~ (fehlen mehrere Buchsta- 
ben )(ovoc, da man den Namen zuversichtlich statt mit Lol- 
ling zu Ai,'[(7j(^p]wvc; zu A![t(oXi]wvo<; wird ergänzen dürfen-. De- 
metrios kehrt feiner mit vollem Namen wieder in einem Be- 
schlüsse, der bisher unbeachtet geblieben, freilich aber auch 
fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist; ich komme auf den- 
selben noch zurück. Demetrios' Vater ist der Stratege Aitw- 
Xiwv ^ A-io[j.r,Tpioo Uxya.GiTri(; der Inschrift über das Orakel des 

' S. die Inschriften Wescher, Memoire sur le monument bilingue de Del- 
phes S. 54 fl'. Z. 20 nxd 'E^ri-jiepi; äp/^. 1883 S. 164 Z. 4. Man vergleiche die 
Namen *Ax.at(wv Bull, de corr. hell. VI! S. 421 Z. 5 und ©ccraaXiojv Le Bas- 
Foucarl II n. 157 a ( O'auer 2 62) Z. 35. 

2 In der Uberschrilt wird zu Anfang fj r.ok'.i f^ Ari^ArirpUtov zu schreiben sein; 
wenigstens führen darauf die Reste _il_HMHi, welche ich in der ersten 
Zeile der schwer zugänglichen Inschrift gesehen zu haben meine. Eine an- 
dere Besserung S. 28) Anm. 1. 

3 Wie der Abklalsoh zeigt, den die Güte des Finders mir einzusehen ge- 
stattet hat. steht auf dem Steine AITOAION nicht AinAinN. Beiläufig, 
die letzten Zeilen des zweiten Beschlusses sind vielleicht folgcndermassen zu 
ergänzen Z. 41 IT. o;i'o; 7:a[pa]y,[oXo'j0oja'.v . . i';c]avTe; xa 0£00Y[J.£va- ota;capa5t- 



288 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

Apollon Roropaios Z. 4 ; Aitolion oder erst sein Sohn wird, 
wie der Stratege Menandros Nikias' Sohn aus Korope (s. Wol- 
ters Athen. Mitth. XIV S. 54), das Bürgerrecht dei" Bundeshaupt- 
stadt erlangt haben. Aus diesem Sachverhalt geht hervor, dass 
die drei Inschriften, in welchen Demetrios Aitolions Sohn aus 
Demetrias erscheint, jünger sind als der Beschluss über das 
Orakel des Apollon Roropaios. Sonstige persönliche Beziehun- 
gen fehlen bis auf eine : der Z. 4 f. genannte ApiTTO/.pccTr,? 
'Apirj-zc/o'j und der 'Apt'jTap/o; 'Apt'7To-/.p7.Tov der Inschrift 
Athen. Mitth. VIII S. 339 Z. 8 werden im Verhältnisse von 
Vater und Sohn stehen, ohne dass sich, soviel wenigstens ich 
zu sehen vermag, entscheiden Hesse, welcher von beiden der 
Vater ist ; die Inschriften können zeitlich keinesfalls weit von 
einander entfernt sein, da, wie schon erwähnt, in beiden De- 
metrios in Amt und Würden erscheint. Der Versuch, aus der- 
artigen Beziehungen weitere Schlüsse auf die z(^.itliche Abfolge 
der Magneteninschriften zu ziehen, scheint mir vorläufig zu 
keinerlei gesicherten Ergebnissen zu führen : als ohne weite- 
res kenntlich steht die Thatsache fest, dass die Inschriften der- 
selben Epoche, nämlicli den letzten Jahrzehnten der Freiheit 
Griechenlands angehören. Hat sich ermitteln lassen, dass die 
Psephismen, in denen Demetrios Aitolions Sohn erscheint und 
das Psephisma für Hermogenes die jüngeren Stücke der gan- 
zen Gruppe sind, so ist damit sehr wohl die einzige Beziehung 
zu vereinigen, welche zur Zeit die Magneteninschriften und 
auswärtige Urkunden verbindet ^ . Der in dem Psephisma für 

od[a]6w [ÖS t6 4'45pta[Aa toT? äet] a'.p£Orjao[j.E'vo'.; [xixk Taöia a-:paTr,yoTs [xal voixoyüj- 
Xa^tv vo[jio9£ai'a; Ta(?)iv (TAH N der Stein) Ipv ; vgl. Z. 15 If. desselben Be- 
schlusses und die Schlussbestiinmung der Inschrift vonBudrun Le Bas, Asie 
mineure 90 (C. I. G. 3062) : Ir/ßpa/ßri'ja.i ol xo'Se tö t{/7]cpiap.a sv tw Öeatpio tou Ato- 
vuaou vd[jLou ta^iv 'i/ov. Das Vcrbuin TiaoaxoXouöciv wird man auch in der In- 
schrifl C. f. A. II 464 Z. 13 (vgl. II 551 Z. 92, 552 aZ. 6) herzustellen haben. 
Von dem Meziöres' sehen Bruchstück der Orakelinschrift (I» bei Lolling) 
giebt N'.xdXao; 'I. MayvT); indem S.286 Anm. 1 angeführten Schriftchen eine 
bisher nicht berücksichtigte, vullsländigere, freilich auch nicht genügende 
Abschrift. 

' Lollings Vermutung AeXriov 1889 S. 4H, dass C I. A. II 551 Z. 63 der 
Name des aus zwei Magaeteninschriften bekannten rr)pdc;TpaTo? 'IaTt]a(oy zu 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 58^ 

ttermogenesZ. 6 als Nauarcli des Magnetenbimdos und in dem 
Psephisma Athen. Mitth. VII S. 339 Z. 7 als Mitglied der 
(7'jvap/ja genannte ^ ©soSoto; Aioysvo-j erscheint, wie F'ougeres 
Bull, de corr. hell. XIII S. 279 bemerkt hat, als Ilieromne- 
mon der delphischen Amphiklionie in einem Amphiktionenho- 
schlusse C. I. A. II 551 Z. 63 aus dem Jahre des Archon 
'AptGTtwv 'Avx^otv^fiSa, als welches nach den Untersuchungen, 
die H. Pomtow über Aristions Lebensverhältnisse angestellt 
und mir auf meine Bitte freundlichst mitgeteilt hat. mit ziem- 
licher Sicherheit das Jahr 130 oder 126 v. Chr. anzunehmen 
ist-. Leider entbehren die bis jetzt vorliegenden Inschriften 
einer Beziehung auf bekannte geschichtliche Ereignisse jener 
Zeit. In den schweren Verwicklungen, welche damals den 
Friedender ohnehin zeriitteten griechischen Kleinstaaten stör- 
ten, wird man vermutlich auch den letzten Grund der Zwistig- 
keiten zu suchen haben, welche, wie die neue Inschrift und 
nicht sie zuerst lehrt, im Schosse das Magnetenbundes längere 
Zeit hindurch bestanden haben -^ Unerfreuliche Verhältnisse 
dieser Art sind uns bereits durch die Inschriften kund gewor- 
den, welche Milchhöfer in Jahre 1880 in Kleitor von einem 
leider entsetzlich beschädigten Steine abgeschrieben hat (Athen. 
Mitth. VI S. 304) und die erst neuerdings durch die erfolg- 
reichen Bemühungen U. v. Wilamowitz' und Sonnes {De 
arbitris extemis S. 94 ff.) verständlich geworden sind. Auf 
jenem Steine stehen, versehen mit je einem Begleitschreiben, 
ein Beschluss des )coiv6v der Maoneten und ein Beschluss der 
Stadt Demetrias. Nach den freilich grossenteils nur dem Sinne, 
nicht dem Wortlaute nach gesicherten Ergänzungen bildet den 
Gegenstand der Beschlüsse die Belobung von Richtern, welche 
den Magneten, beziehungsweise den Bürgern von Demetrias 



ergänzen sei, ist nicht gesichert, einigerraassen wahrscheinlich höchstens 
die Ergänzung des Vatersnamens 'IaTi]aiou; vgl. Athen. Mitth. XII S. 342. 
' Denn hier ist nunmehr oline Zweifel slatt mit Lolling ©srwv ©sjoysvo-j 
vielmehr 0£[oooto; A'Joyevoj zu ergänzen. 

2 Durch diese Datirung werden die früheren schwankenden Ansätze [Bull, 
de corr. hell. VII S. 439. XIV S. 28) erledigt. 

3 Vgl. Livius XXXV 31, 4 fl'. 34, 5 IT. 



290 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

fiLif ihr Ansuchen aus Kleitor gesendet \vorden waren und 
durch ihren Schiedsspruch die glückliche Beilegung der unter 
den Bundesstädten herrschenden Streitigkeiten bewirkt hatten. 
Als Zeit dieser Inschrift haben y. Wilamowitz und Sonne 
richtig die Jahre zwischen 194 und 1 i6v. Chr., also die Epoche 
bestimmt, in welche, wie sich später herausstellte, auch die übri- 
o;en Maorneteninschriften und mit ihnen der Beschluss zu Ehren 
des Demetrios gehört. Ist es somit gesichert dass die Beschlüsse 
der Magneten und der Bürger von Demetrias zu Ehren der 
Richter aus Kleitor und der Beschluss zu Ehren des Deme- 
trios ungefähr gleichzeitig sind, so ist es nicht zu gewagt an- 
zunehmen , dass in denselben von der nämlichen Angele- 
genheit die Rede ist. Wird Demetrios das Verdienst durch 
Einbringung eines Psephisma die Beendigung der langwie- 
rigen Streitigkeiten und die Wiederherstellung der Ordnung 
und Eintracht herbeigeführt zu haben zugeschrieben, so mag 
er entweder sonst irgendwie geschickt in den ganzen Han- 
del eingegriffen oder aber geradezu dessen Verweisung an 
Richter aus der Fremde veranlasst haben, die sich wie wir 
wissen ihrer Aufgabe sodann mit Erfolg und zur Zufrie- 
denheit der Beteiligten entledi2:ten. Sei dem wie immer, 
zu bedauern ist, dass der die Datirun»; enthaltende Teil der 
Demetriosinschrift nicht auf uns gekommen und auf dem 
Milchhöfer'schen Steine von den Namen der Bundesbeamten 
und einiger Bürger aus Demetrias so wenig erhalten ist, dass 
von dieser Seite her ein Anhalt für die genauere zeitliche Be- 
stimmung der Beschlüsse nicht gewonnen werden kann. Ihre 
nahe Beziehung zu einander wird gleichwohl nicht in Zwei- 
fel zu ziehen sein. 

Die Inschriften der linken und rechten Schmalseite des 
Steines gelangen unten mit den übrigen Freilassungsurkunden 
vereint zur Mitteilung. 

2. An zweiter Stelle mag das oben erwähnte, bisher über- 
sehene Psephisma Platz finden. Es ist dies die von Ussing ( Grie- 
chische Reisen und Studien S. 95) im Jahre 1846 auf dem 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 291 

türkischen Friedhofe der Stadt Velestino (Pherai) gefundene 
'grosse sehr abgenutzte Inschrift, welche ein Ehrendekret für 
einen gewissen Demetrios zu sein scheint', herausgegeben In- 
scriptiones Graecae ineditae S. 31 N. 19 (darnach abge- 
druckt bei Le Bas II S. 291 N. 1216). Ich habe in Velestino 
vergeblich nach dem Steine gesucht; wie man mir sagte, soll 
derselbe nebst anderen vor Jahren ins Ausland geschleppt wor- 
den sein. 

HMHTPI 
EKIAIKA 



OIK NOIAPXON 

ENOYAHMHTPIOSAITß 0[N0 
5 OZEYANAPOY[AHMHTP ZE NE 

AHMHTPIEYZANHPKAAO[KA 

NEMO 

PETHZKAIOZHZKAI INT A 

QNAITHZnOAE 
10 ZÜAriONA^APXA STEISEMÜAZ 

lENOZAYTONANEI . AIÜ NM NKEM NH" 

AlANYnAYTOYAnOAEEIN E Yü 

AAABnNTHNAP> HNKAIBOYAOMENOZA 

H]nPOTEPONYI]AYTOYANOZnPO(I)HTATEKA 
15 OXEN EiaZKAI NAHMOZ 

AAYZITEAHZ PlfTEnoiHKEN 

AFKAIOTATON MATNHZ 

' Lapis tarn male habitus est ut vel ex paucis quas no- 
tavinius litteris non paucae incertae sint'. In den Buchsta- 
ben der beiden ersten Zeilen wird man die Reste einer Über- 
schrift gleich der der Psephismen Athen. Mitth. VII S. 339. 
XIV S. 51, 196 erkennen dürfen, etwa: MÄyvr.Ts; oder y] tto- 
Xi; •/) AY)u,r,Tpi£(i>v tÖv Ssiva toO ^eiva ^jiri|7.7]Tpt[7i — äpsTr^? £v]6X,(ev 



29? inschrifTex aus Thessalien 

x.a[t euvoio.«; rvi? gi? eauTOu?. Sodann Z. 3 ff. ot )t[o'.]voi apyov[TS? 
(vgl. Athen. Mitth. VI! S. 338 Z. 4 f.) 6 S. toO S., 6 S.-jevou, 
Ar,[j//;Tpio? AtT(i)[Xi]((o)vo[(;, 6 S. toO S.,-]o<; Eüav^po'j Ar;U.yiTp[tet](; 
e[i7ra]v £[7r£io7) 6 S. toö S.] A-/i'j,r;Tpt£'j; äv/ip x.x>iö(?) x.al ocYaOo?. 
Aus Z. 5 lässt sich die Länge der Zeilen des Psephisma auf 
etwa 50 Buchstaben berechnen. Ich hebe nachstehend einige 
Stellen heraus, selbstverständliche Lesungen wie nicht hinläno;- 
lieh gesicherte Vermutungen bei Seite gelassen. Z. 8 äJpsTTi? 
•/.at (S)6^y;?; Z. 10 sl]? x(>,£)iova(; äp/^a; — (6)£i; lij. TrocdLOt'.? oder ly. 
7:älG[iv; Z. 11 zum Schlüsse M[ay]vr,- ; Z. 12 dc7u6S£(iE)iv; Z. 13 f. 
xapaXaSwv t7;v ap/^TiV /tal ßo'j);6[7-£VO; a[/-oXouÖr/Gai tt) y£y£vr([;,£v]r( ttoo- 
T£pov uTT aüroCi äv(a)c>(T)po'pfi toc t£ xa- ; Z. 15 f. (xava Ttv]a. X'jdi- 
T£X^<<;> [7ü£"Jpi7;£7:oirr/.£v ? vgl. Athen. Mitth. XIV S. 196 Z. 12 f.. 

3. Bruchstück einer Stele w. M. , links Rand, 0,42 ( Schrift- 
feld 0.36) br.,0,28 h.,0,13 d.; B. 0.015, Z. 0,01. Im Hause 
des 'Iw3:vvv]<; I. Boyf'C-^c im ehemaligen Kastro zu Volo. Her- 
kunft unbekannt. 

\ I H N F O I O f' N "I 
\n2ANA2TPE0Oi 
OPMQZ I N EFI T O B E A T . ^ 
TOI2KOINOI2FPArMAZINZ. 

APOIZEFAINESAITEEFITo 
•KOAAOYAHMHTPIHTONTAMlAi 
^YTONTnlE KTOYNOMOY2~ 
FTHIEINAIAEAYTfilKAlF^ 
10 HZIANFOAE2INTOA 

MAIEIS2THAHN 
'• -1 K A I T O N 2 T F 
^ ^ " <^ I P H " 

•/.CLji YlV 7rOtOUVT[ai £5'.T£'v£iaV ilc TOÜ? 

xaXjw? ava(7Tp£cpo[[j.£vou; £v Tai; oL^jodc, 
6p[/.ö(Jtv IttI tÖ ß£XTi(r[TOv jcat to a^ju.oico^ 
5 TOi; >iotvoi; Trpayfxaaiv SffiSoyöot'. toI; t'jv- 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 293 

ejöpot«; £7raiv£''7oc'. ts Itti to[utoi; AioY£vr,v 
Nij/.oXaou Ana-^TpiTi tÖv Ta[/.ta[v /lai dTecpavöi- 

vt ypajTCTrji" stvai Ss aÜToi'. x-ocl TrposSpiav sv Toctc 
10 /COCTO, Mayvjodtav ttoXsct'V to [Ss <|/7)<pi(7;7-a to'jto 
ä,vaypacp'?i]voti ei? <7T7]V/iv [X-.Oivtiv, jcoXafpO'^vya 
Se si; a'jTTjjv y^yX tov (7T£['^7.vov /,oci xvaTcOvi- 
voci £v cot av a'jToJi; ocipr,[Ta.t totcwi. 
Z. 8 ist ohne ersichtlichen Grund zwischen E und K eine 
Stelle frei Geblieben. 

D 

Die Eruänzuno; der verstümmelten Zeilen ist auf Grund des 
Psephisma für den Bundesschreiber Hermogenes mit leichter 
Mühe zu vollziehen. Derselben Urkunde ist auch der Name 
des Geehrten entnommen. Da nämlich unter den Antragstel- 
lern jenes Psephisma ein AioysvTi? Ni/.oXr.ou aus Demetrias als 
derzeitiger Bundesschatzmeister erscheint, in dem vorliegen- 
den Beschlüsse aber der Sohn eines Nrx,6Xao? aus Demetrias 
in gleicher Eigenschaft belobt und geehrt wird, zudem beide 
Beschlüsse, wie die Übereinstimmung des Conceptes und die 
Ähnlichkeit der Schrift beweisen, einander zeitlich jedenfalls 
sehr nahe stehen, so ist die Annahme gestattet, dass das neue 
Psephisma, wenn auch unter den Beamten jener Zeit ein ande- 
rer Sohn eines Ntx.6>.ao? bekannt ist \ doch eben jenem AioysV/i? 
Niy.o>.ao'j gelte, der unter dem Bundesstrategen Menandros als 
Schatzmeister fungirte. Der weitere Schluss, dass das vorste- 
hend mitgeteilte Psephisma, nach dem Ablauf von Diogenes 
Amtsjahr zu Stande gekommen, etwa ein Jahr jünger sei als 
das Psephisma für Hermogenes, ist aus dem Grunde nicht 
zwingend, weil Diogenes sehr wohl mehrmals zum Schatz- 
meisteramte berufen worden sein kann. 

Ich kann nicht umhin bei dieser Geleo;enheit den Schluss- 
satz der Motive des Hermogenespsephisma einer kurzen Be- 
sprechung zu unterziehen, da, wie sich bei erneuter Vergiei- 
chung der Inschrift herausgestellt hat, einige der bisher ver- 



' ATi[;.r;Tp'.o5 NcxoXaou Athen. MiUh. VII S. 339 Z. 4, 12. 



294 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

suchten Ergänzungen mit den Bedingungen des Raumes und 
einigen noch sichtbaren Buchstabenresten nicht zu vereinigen 
sind und ausserdem nunmehr, wie mir scheint, für die Her- 
stellung auch das Psephisma für Diogenes mit verwertet wer- 
den darf. Nachstehend meine Abschrift der in Frage kommen- 
den Zeilen ; dieselbe bestätigt, einige Kleinigkeiten ausgenom- 
men, durchaus die von Wolters in dieser Zeitschrift XIV S. 
51 f. mitgeteilten Lesungen. Durch Punkte habe ich die Zahl 
der Buchstaben bezeichnet, die am Ende der Zeilen äussersten 
Falls ergänzt werden können; es ist zu beachten, dass der 
Steinmetz den Raum erwiesener Massen nicht immer bis zur 
Grenze der Möglichkeit ausgenützt hat. 

XHNTO _TEXPEIANEXOYIlN KAIEN TVrXANOY 

15 FAPEXOM NOIFAIINAIATETEAEKENOrO^O^ 

METATAYTAFPO AlPOYMENOITAPAriNE I0AI ET Fl 

1 -HNGEOPOYNTEITHNTnNZYNEAPnNKAIT 

rfiNEFirNOIlNYnEPTnNKAAnNKAIAr . . . . A 

KAI' NFOlOYNTAiMErA AOMEPEIANKAIEKTENT ZI 

20 KAAniANAZTPE<l>OMENOYIENTAISAPXAlI/ 

^TIITAKAIIYM<DEPONTATOIZKOINOI IFPAPM AI I NA 

-'NEAPOIZ 

Z. 14 schreibe ich statt mit Wolters Bu-i^riarov des Raumes 
halber Uov vgl. Athen. Mitth. XIV S. 197 f. Z. 14; Fougeres' 
Ergänzung aÜToii] Tuapsyoasvo? ist unverständlich. Z. 15 schlage 
ich statt des Verbums ^iT^oSoEwgiv, das Wolters und LoUing 
hier einsetzen, a^avTs? oi oder xocl ol aXkoi ol vor. Die Z. 17 zu 
Anfang erhaltenen Reste ergeben die Ergänzung l[7i:i ty)v äp)^7)v]| 
T[auT]Y)v. Z. 19 zu Anfang habe ich, übereinstimmend mit den 
Resten, die Z. 2 des vorstehend besprochenen Psephisma er- 
halten sind, " A I' N gelesen ( nT N W^olters); darnach ist die 
Ergänzung xoXXviv und vollends Fougeres' o? unmöglich. Zu 
Ende derselben Zeile habe ich wie Wolters nach dem Worte 
£/-T£V£'.av die Reste Z I erkannt ; nach denselben ist höchstens für 
sechs Buchstaben Raum, an die Er^änzuna; IxTsvreiotv, nawae- 
vou; Sk Tou?] Y.oLk(ii(; XT>. ebenso wie an Fougeres' 'Cv^XwvTat tou?] 
(xva<jTp6(po{ji.£vou; ist also nicht zu denken. Ich sehe keine andere 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 295 

Möglichkeit als zu schreiben : /.xl [y)]v ttoioovtxi [j.£ya>.o[j.£petav 
•/,ai lxT£v[£i3cv] £i[<; TO'j?] -/.aXü; ivocT-rpEcpoy.Evo'ji; £v Tai; y.zyxlc,, ob- 
gleich mir die ganze Fügung nicht ohne Bedenken ist. Z. 20 
muss das Hauptverbum des ganzen Satzes gestanden haben, 
entsprechend dem opv.watv des Psephisma für Diogenes ; ich er- 
gänze beispielsweise [y.£T£p-/(.)VTai tx ßEjXxicrTa. Der ganze Satz 
würde somit lauten : to[i?1 te /^pstav lyouai xal £VT'JYyy.vo'j[(7tv iaov 
aÜTOv] 7^ap£y6[x[£]vo(; 7:aciv SiaT£T£')^£/'.£V ötüw? oü[v öc-ocvte? oi] (;.eTa 
TaoTOC 7rpoxtpou[i.£voi TwapayivEijOai £[7üi tv)v äp^r/v] T[atjT]Yiv öewpoov- 

T£? TY)V T(JÜ>V (jUV£Op(i)V Xat t[(ÖV (xXXoiV MxyV7]]T(0V £7;iYv(o)(7tV U7U£p 

Tcöv x.a>.wv xat äyLaOcöv] ä[vSpä)Vj y.a'. [vijv TCOiO'jvxat p-£ya>vO|/,£p£iav 
x.ai £/'.T£v[£iav] £'![(; toÜi;] /.yXGic, äva'7Tp£<p0[J.£V0'j(; £v txi<; OL^ycäq [a£T£p- 
ydivzxi TX ßEXJT'.TTX Axl T'jtj/^f'povTX ToT? -/.oivoii; 7:pxy[i.a(7iv, or£o6- 
j^Oxi TOi; cr}jV£^poi<; y.T>>. 

4. Block vv.M., der wie die Bearbeitung zeigt als Bauglied 
gedient hat, links Verstössen, an den übrigen Seiten vollstän- 
dig, 0,60 br., 0,225 h.,0,27 d. ; in der Mitte der Schriftseite 
oben ein Stück ausgebrochen. B. bis zu 0,015, Z. 0,001. 
.AlATAGn \iii/ 

XAPIZTOZKAITI/ ONZTÜN 

.EÜlTOIznPOEIPHMt i^nPONAlON 

Z(t)ANniEINAIAEKAIAYTv^i^KAIEKrONOIznPOZ 
5 IKAlEYEPrETAIZTHZnOAEÜSH MnNYTTAPX 
2TIMASrPAYAITOY2ZTPATHrOYZKAINOM "^ 
EYH(t)lZMATOZTOANTirPA0ONnEMYAI]T 

Es ist zu viel verloren gegangen als dass sich eine im Wort- 
laute gesicherte Herstellung des vorliegenden Psephisma ver- 
suchen Hesse; da zudem der Zusammenhang in dem die er- 
haltenen Satzstücke stehen im wesentlichen klar ist, verzichte 
ich darauf für die einzelnen Zeilen mehr oder weniger pro- 
blematische Ergänzungen vorzutragen. 

Z. 1 xt äyxOöi, Z. 2 £ÜyJxpi(7T0? xxi Tt[[j'.-, Z. 3 £7:atv£(7X'.] i7:l 

TOt; 7rpo£tp7iiji[vo'.(; Swpov Aiovug[- /.cal — ; denn auTOi; 

Z. 4 setzt eine Mehrzahl von Geehrten voraus. Sodann axI (7T£ 



296 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

^avücai a'JTOu? ctJsokvwi" üvoli Ss ocutoi? koci Ixyo'voic Trpo- 

^[eviav 5cat suspyeciav u. s. w. wie den übrigen Trpo^evoi und süsp- 
ysTai der Stadt : Z. 5 xpo^lvoi]? xal suspysTaK; t^? TioXeco; yiy.wv 
{/-3tpj^[-; Z. 6 -<; Tt^aa? ypa^j/at to-j? GTpotTTiyo'j; /.at vo[j.o[(p6>.a/.a;, 
Beamte, die auch aus anderen Beschlüssen von Demetrias — 
denn für einen Beschhiss von Demetrias hat das vorliegende 
Psephisma aller Wahrscheinlichkeit nach zu gelten — bekannt 
sind. Z. 7 . .s ^L'/i'^igjaocto; xo ävxiypacpov TC£[/<|/at tu . . . 

5. Bings gebrochenes Fragment 0,37 br.. O.^O h., 0,11 d. 
Im c^xpixy.7.z'xizopzXov V. Bspyo'j in der Hauptstrasse des ehe- 
maligen Kastro. Ein angeblich zugehöriges Stück ist in Ver- 
lust geraten. 

b I 
' N /^ I A K L I . 
"^ NEPAZAFOAEI_- 
-ONAi'^^^PXElKAIXPHZI 
I TO'/iT o TQNEFIAIAOYZE 

N O Z E F I 

.^htqnE'^^^ ' NflNTAI- 
AXAPITOZAr^ 
- c: r- 

Zwei Einträge in sehr ähnlicher aber wenig sorgfältiger und 
z. T. zerstörter Schrift. Beclits (B. bis 0,018) Bruchstückei- 
nes Psephisma der -ei;? Z. 7. Man erkennt aus dem Moti- 
venbericht Z. 3 (J^fxjvi^xc, ä7üoSsi[csiv ? ; Z. 4 h-KX^-fZi v.cd /pv^Gt- 
[u.o; ; Z. 5 -T(i)v £7rio!,So'j? £[a'JT6v ? ; Z. 6 ev] ■TravTi "/.atpoii äst t; 
Z. 7 etwa otüw«; a,v oöv -/.ai . . . -JeT; (pa.ivtovT7.i — x.ai [j.y] )>£i7i:6[X6- 
vot £v] yapiTo; «.[xoooTei * . 

In der links stehenden, in kleinerer Schrift (B. bis 0,014) 
eingetragenen Urkunde ist Z. 8 das Wort MayJvviTtov kenntlich. 

6. Bruchstück einer mit bekrönender Leiste versehenen Stele 



' 0. I.A. II 464 Z. 8 f. ist statt xal 6 o^[jlo; !paiv[7)xat ti[j.wv toÜ; eÜEpye'Taj 
[yapiTO? ä;:o8d<jEi wohl zu ergänzen <paiv[Tj-rai |jit) Xeireo'[JLSvo5 ev -/^ajptxo? aTCoSdaei. 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 297 



A IM 



O 



I<Z ,W-zio^'~f-. 
<>^ "fxo-ton:o^<L 

ZG '^,<^^<]WGz<o'^l- 

^--r:Gi-ziMHx<j< 






Wqz o°:><-zzo-'~-^'^2;zZ<w 
o><zS^«Oa^5Lü>u05o^^zi 

-g<t:W^2^z<C<^°HH5HZ 

^NH <^^^zNzO^^^So 

o>-Lu -^Hr:o<f-e-iu 

0llJ|- LUZZ_Q.Q-^Z 

>-<<^ t=GO|='jj|-uJ> 

-^^ LLlh-OLiJ-e-W' w 

lO O iO o 

"TH ^-1 5^ 



298 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

w. M., auf der Stirn- und der linken Schmalseite beschrieben. 
Im Hofe des Dimarchion. 

Auf der Stirnseite (Schriftfläche 0,55 br., 0,37 h., rechts, 
links und oben Rand, unten unvollständig. B. 0,011, Z. 0.006): 

(s. die Abschrift auf S. 297). 

njuGööOTO? ripa^tou 6 (7TpaTr;yo? twv MayvriTWv xal Eu^ouXo; 
EübooXou 6 yoa[/.|7.aT£'j(; töv cuvEoptov xai T£i[jL6/.piTO?Ka<i(7avSpou 6 
TafAioc? Ttöv Mayv7)Twv siTrav iTueiSv] SwTuaTpoi; EuSooXou 6 ysyovo; 
orTpocTTiyo; töjv Mayvy)T(ov dv tu rapsXrA'jOoTi exsi ax-oXouOov tö 
TupoSsßiwjj.EVcp j^povw xa-. Tat; apyai? al? ItlKjts'jOt) xai Tra(7tv oi; Itto- 
Xe'.TSo(7aT0 stti cuvi^spovTt Toiv MayvTiTwv -nrapaTrXiQciw? xai tÖv tt^; 
(JTpaTViyia; STeXecev eviauTOv ;j.r;T£ SaTCXVTiv {7//][t]£ /.ivSuvov Tirspi 7:>>£to- 
vo; xotou[/.£vO(; toQ xoiv^ cuvospovTOi; (X>.};a crEtToSria? svectwg'/); xpoi- 
To[v . . .] s77£S(i)y.£V Tcap' ea'JTOü st? to c£iTcovr/-öv aTOx[a tov Tvi]; 
äpy^^; ^povov S£t,vapia T£Tpay.i^£iXta /tai to[o asJ TüapJovTO? xpaTtcTTOu 
x,al (juvfpopwTaTO'j Tvaci [xoXXt^v Trpovoiav s]— oiTjcaTO xoci Sto. tootwv 

tÖ t-^; ^£i[t ]£7ri>.a€6vTOi; t£ ^u(java'7j^£[T0u . . . .]ovto; y.tvSu- 

vo'j 0T£ tö. X. ov xai £vop(i)[X£vou Tov (XvOu7raTo[v. . . 

]r,axTO 

Der vorliegende Beschluss, aller Wahrscheinlichkeit nach 
Bundesbeschluss, gehört in spätere Zeit als sämmtliche bisher 
bekannte Urkunden der Magnetenbundes. Dass dem so ist er- 
weisen, freilich ohne ein bestimmtes Datum zu ergeben, der 
Charakter der Schrift (A, B innen meist nicht geschlossen, H 
meist l-l, 0, TT, Z), Einzelheiten der Schreibung (ständiges 
Fehlen des (öiTa xpo?y£ypa[/;j.£vov ; (7£tToS7)a(; Z. 12 u. s.w.) und 
die Rechnung nach Denaren Z. 14. Bedauerlicherweise ist 
gerade jener Teil der Beschlusses verloren, welcher vermut- 
lich, wie die Erwähnung eines ävOoTraTo? Z. 20 zeigt, die ge- 
nauere zeitliche Bestimmuns; des Inschrift ermöglicht hätte. 
Wie die Dinge liegen, scheint es mir aussichtslos über die 
Zeit der grossen Teuerung und der grossen Gefahr, von denen 
in dem Psephisma die Rede ist, Vermutungen aufzustellen. 
Was die Organisation des Bundes in dieser späteren Epoche 
seines Bestehens anlangt, so ergiebt das Wenige, das sich 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 299 

hierfür der Inschrift entnehmen lässt, keine Nötigung eine 
AnderLing der früheren Verfassung anzun(!hmen. Im Ührigen 
nur zwei Bemerkungen. Nach meiner Ergänzung Z. li f. liat 
Sopatros nur für die Dauer seines Amtes auf die Zinsen der 
von ihm vorgestreckten Summe verzichtet; sollte sich eine an- 
dere, den Bedingungen des Raumes ehenso entsprechende Er- 
gänzung finden lassen, so will icli gerne hekennen, Sopatros' 
patriotische Opferwilligkeit unterschätzt zu haben. Die J^esung 
xiTpccxv/dlioL Z. 14 isl gesichert; s. Joh. Baunack in Kuhns 
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung XXV S. 239 ff. 

7. Die linke Schmalseite des Steines (zur Linken, oben und 
unten unvollständig, 0,49 li.. 0.135 br.) trägt folgende In- 
schriften : 

. . ^ IIA 
O N I O N A Y 
1 HZZENH2TTE 
INEÜAYTONKA 
5 I^POAOKHTONE 

ATAKOINONAIA 
^JOMENnNTOlZ 
nNEIZ0EPEIN 
IZZYNEAPOli: 
10 QN^nnATPON 

SlOTHTIKAIEnEI 
TAIAIAT^NnPO 
TEOH NAIAYTO^ 
NEN^ANAYTO^ 
15 TTirPA(l)HNA|- 

EYBOYAOYT 

■>) K O I N T O > 
O Y Z ^ Z A ^ 
A O Y 

20 E O A 

El I I H 

ATHEN. MITTHEILUNGEN X\. 21 



300 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

II TOY K A 
I M O Y 



Die Haupturkunde ist bis Z. 7 in Zügen, welche der Schrift 
der Stirnseite sehr ähnlicli sind (B. 0,009). von Z. 8 an in 
gezierter Schrift mit hohen schmalen Buchstaben (B. bis 
0.014) eingetragen. Man erkennt: Z. 3 t'o; csvt;? tue-, Z. 4 wv 

£7ü' Ä'JTOV /Ca-, Z. 5 OsjWpoSo/.vi TOV £-, Z. 6 /.JaToc /.oivov Sta-, Z. 

7 -voy-£vci)v Toic, Z. 8 -(i)v EiGcpspsiv, Z. 9 i'SoQsv oder ^z^o'/pcai? 
xojlc, GuveSpoK;, Z. 10 -wv Swirarpov, Z. 11 öjciox-zirt /-ctt et^siot), Z. 
12 Tai S'.x Twv 7kpo[Y6vcov ?, Z. 13 (Xva]T£9y}vai auToCi [six.6va, Z. 14 
-V £v (I) av aüxö? [aiprixa', totvo), Z. 15 ETiriypacpTivat, Z. 16 Eüoou- 
Xo'j T-. Wie Z. 9 lehrt ein ßeschluss der cuvE^po-, , ebenfalls 
Sopatros, und zwar wie es scheint in seiner Eigenschaft als 
priesterlicher Beamter oder vielleicht 6£a>poS6y.o? geltend. Zum 
Schlüsse vermutlich eine Bestimmung iiber den Wortlaut der 
Inschrift auf der Basis des Sopatros zu errichtenden Standbildes 
(vgl. Athen. Mitth. VII S. 335 f. Z. 25 ff., XIV S. 51 f. Z. 
28 ff. S. 190 f. Z. 21 ff.), also etwa So-axpov] EügooXou t[ov- 
zu ergänzen. 

Auf diese Urkunde folgen in etwas verwilderten z. T. nur 
mit Mühe zu entziffernden Schriftzügen dreierlei Einträge spä- 
ter Zeit; Z. 17 der Name K6iv-o?. Die \ ermutung ist gestattet, 
dass dieselben Reste von Freilassungsurkunden sind, die einer 
häufig zu beobachtenden Unsitte nach auf den freien Raum 
eines im Heiligtum (in diesem Falle vermutlich dem des Sa- 
rapis) befindliclien Denkmals eingezeichnet wurden ^ 



^ Gegen Muriltmaiins Vermutung Athen. Mitth. XIV S. i9S, dass in der 
von Lolling Athen. Mitth. VII S. 338 mitgeteilten luschrilt Z.l £v iwt Upwi 
Tf> 'ApTc'[;iiSo; zu schreiben sei, bemerke ich dass die ander fraglichen Stelle 
vorhandenen, freilich bisher nicht treu genug verzeichneten Buchstabenresle 
an der Richtigkeit der Ergänzung ev tw- UpCn -coü Sc'.f/a::i8o; keinen Zweifel 
lassen. Für die \\'orle ou av aüiwi ooxfji fehlt es au Raum. 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 301 

8. An dein nördlichen Aufgange des Kastro fand \c\\ in ziom- 
licher Entfernung \on einander getrennt liegend zwei lirucli- 
stücke eines grossen, mit Prolil und Ornament versehenen 
Marinorblocks von 0,24 Höhe, 0,75 Dicke und (an der inne- 
ren Periplierie gemessen) ursprünglicli über 0.90 Breite, wel- 
cher, wie seine einem Kreisringaussclinitte älinliclie Gestalt 
zeigt, einem grösseren Ehrendenkmale, wie sie namentlich 
aus Olympia, Epidauros und dem Amphiaraeion zu Oropos 
bekannt sind, und zwar nach Ausweis des Ornaments als 
Abschluss zur Rechten angehört hat. Die beiden Fragmente, 
von welchen das eine, links anpassende, bei einem neuerlichen 
Besuche des Kastro verschwunden und trotz aller Nachfrage 
nicht auszuforschen war, tragen folgende Inschrift (B. 0,018). 

rOKOINONTnNMArNh 
KPIT^NAKPlTHNOSAHMl- 
rTPATHTH^ANTATüNMArNI 
PPTH^FNEKFNKAlEYNOIAZTHZFi-s^ 

T6 /.o'.vov Twv Mayv7i[To>v 
KpiTtova KpiTWvo? /^riij.ri[T^ir, 
«JTpaT'/iyyiTocvTa töv MaYv[-/;Tcov 

O.jpST'^? £V£X£V y.ixl S'JVOia? TT]? £'.? [sauTOuc. 

9. Ein anderer Marmorblock, oben mit Standspuren, den ich 
unweit von jenen Stücken gleichfalls am Nordaufgange des 
Kastro in einem Steinhaufen «efunden habe, erweist sich durch 

o 

die Übereinstimmung; in Form Bearbeituni»- und Massen (Brei- 
te des erhaltenen Stückes an der inneren Peripherie 0,52), 
überdies durch die Inschrift als zu demselben architektoni- 
schen Ganzen eehörii»-. Es ist mir nicht unwahrscheinlich dass 
weitere zugehörige Blöcke entweder noch zuniA orscheine kom- 
men werden oder in den mächtigen Haufen — an Zahl gegen hun- 
dert — , in denen man die abgetragenen Steine aufgeschichtet 
hat, verborgen liegen oder aber bereits wieder verschleppt und 



302 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

uns entrissen sind. Die Inschrift dieses zweiten Basisblockee 
lautet (B. 0.018 bis 0,02): 

HTTOAlZHAHMHTPIEfiNKP 
^PITfiNO^IEPHTEYZANTAZAP 
THZENEKENKAI 
HZEI^EA YT 

KJpiTCövoi; iEpv)T£6«7a,vTa Sap[Ä7iriSo; 

t]-?^«; £'!; £auT[o'ji;. 

Rriton Kritons Sohn aus Demetrias, dem das Denkmal ge- 
golten hat, ist uns in seiner Eigenschaft als Stratege des Ma- 
gnetenbundes bereits durch die Athen. Mitth. VII S. 75 mit- 
geteilte Inschrift und als von der Stadt Demetrias bestellter 
Sarapispriester durch den Beschluss der uTroffToXot Athen. Mitth. 
VII S. 335 ff. bekannt. Die Inschriften gehören somit der- 
selben Zeit an wie die bisher veröffentlichten Inschriften des 
Magnetenbundes. 

Von einem gleichartigen Denkmal und dem Charakter der 
Schrift nach ungefähr aus derselben Epoche stammen die bei- 
den folgenden Inschriftbruchstücke. 

10. Marmorner Basisblock von der Gestalt eines Kreisrine:- 
ausschnittes, 0,27 h., 0,77 d., 0,57 (auf der inneren) und 0,91 
( auf der äusseren Peripherie) br., beiderseits Anschlussfläche. 
Mit der Unterseite nach oben in einem Steinhaufen im Gra- 
ben auf der Westseite des Rastro (B. bis 0,02). 

A I O r E N H 2 zXioysV/-;? .... 

THNEAYTOVr t7)v dauTOu y[uvocr/'.a .... 

MENANAPOYIE MevavSpou i£[pY]T£oc;a(ja.v 

A P T E M I A I 1 'ApTE^aiSi 'I[<oX)tiat 

1 1 . Marmorner Basisblock gleicher Gestalt, 0,27h..0,77d.. 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 303 

0,52 br. (auf der inneren Peripherie), roehts und links An- 
schlussfläehe, im selben Steinliaufen mitten zwischen mächti- 
gen Steinen (u. a. liegt dort ein Block, der vermutlich einer 
Exedra angehört hat) eingebettet. Ich gebe Aon der Inschrift 
soviel ich durch die schmale Fuge, die den Stein von den 
nächstliegenden trennt, erkennen konnte. B. bis 0,025. 

Ell I 2 N Etwa : Aioyjijv/]]!; N . . 

N E A Y T O Y T7]]v iauTO'j [y'jvai/.a oder O'jyaTspy. 

H 2 A N A P A 1§ . . vKyavSpa[v. 

12. Viereckiger Pfeiler w. M. , 1 ,24 h. . 0,38 br. 0,17 d. , jetzt 
in die im Bau befindliche neue Kirche des Kastro eingemauert 
und zwar so, dass die Inschrift, die ich im November v. J. ab- 
geschrieben habe, unsichtbar bleibt. B. durchschnittlich 0.035. 

ANTI<t)ANTA 'AvTt9avTa 

F O A K O Y noXxou 

'EPHTEYZASa ispnrvjfJCLiiy. 

\ P O A I T H I 'Acppo^iTT;-. 

N H A E I A I NrililoLi 

NriXiioL wird als Kome von Demetrias genannt von Strabon 
S. 436. 

1 3 . Oberer Teil eines Naiskos , 8 3 br . , . 5 2 h . . . 1 2 d . . i m 
Hofe des Dimarchion. Auf dem Epistyl die Inschrift (B. bis 
0,019). 

AYNATIZMEAANOlOYAPTEMIAinArASITIAINEBEYS/ ... 

A'jvaTt? MsXavOio'j 'ApTsj^.iSt Ilaya.(7tTiSi v£^£ijr7[a 

Der Sinn des letzten Wortes — nach S können dem Raum 
nach nicht mehr als vier, alleräussersten Falls fünf Buchsta- 
ben gestanden haben — ist mir rätselhaft. Die Lesung ist völ- 
lig gesichert. 



304 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

14. Block w. M., im Dimarchion, 0,40 h., 0,15 (oben) bis 
0,19 (unten) br., 0.32 d.: B. 0,03. 

Ä C K A 'A(7/.X['/i7ri(i>i 

^ Ä I Y r x]ai 'TY[i£iai 

I A O /^ <l>ao[[7. . . 

C e B Ä C S£ga(7[T(ov 

O I K O I oixo[v6- 

M C [xo[? . 

Ob die naheliegende Ergänzung das Richtige trifft, ist sehr 
zweifelhaft, da der erste Buchstabe der zweiten Zeile eher Y 
oder Y als K gewesen zu sein scheint. 

15. Zu den von mir im Herbste v. J. gesehenen, jetzt ver- 
schollenen Inschriftsteinen gehört eine 0.58 h. ,0.46 br. , 0.51 d. 
Ära, oben mit rundem Einsatzloche von 0,''5 Durchmesser. 
Die Ecke links oben fehlt. 

xBOYAlOCnAülANOC 

. 'AJ^io'jöto? llaTny-vo;. 

Unweit von diesem Steine fand sich im Graben auf der 
Westseite des Kastro das Postament w. M. mit der achtzeiligen 
metrischen Inschrift, die Lollino- Athen. Mitt. VI! S. 234 
Aeröffentlicht hat. Leider ist auch dieser Stein mittlerweile 
verschleppt worden oder zu Grunde gegangen ; ich habe im 
Juni d. J. vergeblich nach ihm gesucht. 

16. Nicht festzustellen ist die Bedeutung der nachstehenden 
Inschriftreste (B. bis 0,04 ; Z. 1 T und E in Ligatur). 

I HP A^ I T E A l-N 

Dieselben finden sich auf einem in der Nähe der neuen Kir- 
che im Kastro liegenden, links unvollständigen 0,50 h., 0,27 
br., 0,19 d. Bruchstücke eines Steines, dessen obere die In- 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN .Iflfl 

Schrift tragende Fläche als Kreis und dessen untere Fläche als 
vermutlich sechsseitiges Polygon gearheitet ist. 

Freilassungsurkunden. 

17. Auf der linken Schmalseite (0,30 h. , 0, 11 5 hr.) des Stei- 
nes, dessen Stirnseite das Psephisma für Üemetrios ohen S. 
283 trägt, finden sich — \on den wenigenBuchstahen,dieZ. 1 . 2, 
wohl einer gleichartigen Inschrift angehörend, erhalten sind, 
aboesehen — Reste zweier Freilassunosurkunden der Kaiserzeit 
B. bis 0,15 in der ersten, bis 0,01 in der zweiten Jnsclirift. 
In der letzteren einige Ligaturen (w und N in A'/iy/oTpiövo? Z. 

H 

9 und MayJvTiTcov Z. 11) und die Abkürzung M = [v.7;vö? Z. 9. 

N h I 
iN 

TOYAPICTANZ. 
-NeiKOAHMO 
5 THCHAeYOePWr. 

NAIAAAHMHTPI 
MHAeNin POCH 
N A TP O n O N 

H 

yU-A HMHTPlNNOC 
10 AlOCAlTHAeYOe 

^JHTwNNO>UOYC 
AYTOYAYTPONTH 

\H0eNenizHTHr 

Die vorliegenden Inschriften sind die ersten Freilassungsur- 
kunden aus üemetrias, die mehr als eine blosse knappe Beur- 
kundung der Freilassung geben (Athen. Mitth. VII S. 335 f. 
a). Man erkennt: 

'Etti oder aTpa.TYiYoGvTO<; foO Sstva] xoO 'Api(7T3cv[Spo'j avivöi; - ] 
Nerz-ö^YlIxoc i - etwa IIava'7i]TYic 'Ji>.£'jO£'pa)[xsv ] Noct^a Aviar,- 



306 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

Tpi[Ou — j [X7]3evl 7Trpo?7i[xou<7av x.aTO, [j.Ti^slva rpoTrov, 'EtitI oder 
(TTpaTViyoOvTO? toö Ssivot y-T/'vci?) Ar;[j//iTp'.wvo? [- — ]aio; (XTrioXeu- 
9£[p(oGrj - Karo, tou? May]v7]T(i)v vojj-oui; [- - ÜTirep] auToO 'Xurpov ty) 
[7v6>.£i ? - - [jJrjOsv l7ri'C''0TYl[- 

Die Form der beiden Urkunden scheint nicht dieselbe ge- 
wesen zu sein. Ich habe einij^e wenige Ergänzungen versucht 
ohne ihre Unsicherheit zu verkennen. Die Länge der Zeilen 
lässt sich auf gegen 30 Buchstaben veranschlagen ; für cTpa- 
TYiyoövTo? würde abgekürzte Schreibung anzunehmen sein. Der 
Monatsname A-oar^Tpitov tritt als neu zu den Nier bisher aus dem 
Gebiete der Magneten bekannten hinzu ; abgesehen davon, dass 
die Athener dem Könige Demetrios zu Ehren den Monat Mu- 
nichion Demetrion umgenannt baben sollen, ist der Name nur 
durch die Inschrift von Kassandreia Dittenberger Sylloge 142 
bezeugt, in welcher seine Geltung als Monatsname nie hätte 
bezweifelt werden sollen. Auf die Möglichkeit, dass der Monat 
A-/i;j.yiTptwv unserer Inschrift seinen Namen nicht von Demeter, 
sondern von Demetrios dem Gründer von Demetrias hat, wird 
man hinweisen dürfen auch ohne für sie als gesichert eintre- 
ten zu AvoUen. Die Bestimmung /-ara tou? Mayv/iTcov vopu; Z. 
11 erweist das Fortbestehen des Bundes bis in die späte Zeit, 
welcher die beiden Inschriften angehören. 

18. Auf der rechten Schmalseite desselben Steines (Höhe 
des erhaltenen Stückchens 0,19, Breite 0,095) sind die nachste- 
hend verzeichneten Reste erhalten, die ebenfalls einer Freilas- 
sungsurkunde angehören. Eine Herstellung derselben ist un- 
thunlich. B. 0,015. 

6 TT I A n 
A I A T O / 
\ Y T O N 
06 PO N ' 

r e N e T h' 

GAG Y0-e I 
frei 



INSCHRIFTEN AUS THESSALFKN 307 

19. Block l)läLilichon Steins (vgl. LoUing Athen. Mittli XI S. 
47) im Hofe des Diniarcliion, oben und links vollständig, 0,425 
h., 43 hv. (SchrilUeld 0,3-2), 0,20 d. Melireir Kinlräge 
verschiedener Hände. 



C ' C T E 
CTP NEIKOAAAFHAEYGE 
TPY(t)ENAYnoXAPIT 
ÄNIKHTOY UUPEAEMh 
ÄPHOYIKAAI -^ 

5 ETP MHTPÄTOYEYT 

CTP M H T P A T O Y e Y n O P O Y P O Y 4) O C M O ( 
PUUCeNGAAAONTONOIKeTHNAYTPO 
PAYTOY-AT 

CTP KÄicÄPoceniMeÄH " 

H 

lOMeCTIUUOlMÄPK lAr 
e P UU C Ä M ePUUTATON 

l!To(aT'/i^'oOvTO?) Nsr/wÖAo, a.~r,'ki'jHs\ pcoO-/; 

Tp'jfpsvo, 0— 6 XaptT . . 

'Av'.x,Y]TOu . (opsac v,r/[vöc 

'ApTiou ty,aSi 
5 STp(aTriYOuvTO<;) Mvirpa toO Eij[x6pou 

2^Tp(aTr,yoijVTOc) MviTpa toO EÜTüopou 'PoOooc Mo[_... r^VjHi- 
oMnsv SxYkov tÖv ol7.izriV 'Kurooly 7.y/6(x)v — a- 
p'auToO AT 

^rp(aT'OYOövTOf) Kai^apo? £tcius>.'/][_t . . 
10 |7.r,(v6?) 'Egtico 0'] Map^tiaL? tzoli^h; riXvj- 
Oipwcav "EpwTO. tÖv [or/^exriv, 

Z. 1,5, 6, 9 CTP in Ligatur, ebenso in den folgenden Ur- 
kunden. Z. 3 weiss ich .wpsa; nicht zu erklären. Z. 9 der Kai- 
ser als Stratege, daneben ein s^ip-eXyiTTü; ? Der Monatsname Z. 
10 ist neu. Der Genetiv auf w wie in der Inschrift des Zeus- 
priesters, die ich unten S. 314.39 mitteile. 



.'?nS INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

20. Runder Block w. M. im Dimarchion, einst einem grös- 
seren architektonischen Ganzen angehörig, innen 1,03, aussen 
1,15 hr., 0,53 h., 0.34 d. Auf der Innenseite dreierlei Einträge. 

Links oben (B. 0,035). 

CTP O Y hP O TT O B 
ZUUClMOYTOYnÄN 
GhPÄHÄEYOEPOJ 
CeN(J)lAlCTON 
X c ^ 

STp(aT7)yo'jvTO<;) O'jrjpo(u t)6 ß' 
Z(i)(7ifj-0'j Too Hav- 
Ovjpa YjAsuOspco- 

^Tivapia ü 

Z. 1 in O'jTipou und Z. 3 in ITavO-opa H und P in Ligatur. Z. 1 
habe ich OTTOB. wie deutlich auf dem Steine steht, für OYTOB 
genommen. 

Die Fassung der Urkunde ist seltsam verunglückt. Z. 2 
muss der Freilasser genannt sein. Man könnte vermuten, dass 
der Schreiber erst die passive Form des Satzes wählen wollte — 
freilich hätte er dann auch die unumgänglich nötige Präpo- 
sition vergessen — , nachher aber dieselbe zu Gunsten der acti- 
ven aufsiab. Einem Versuche, das be^anoene Versehen zu 
bessern, könnte man die Buchstaben TTO zuschreiben wollen, 
die sich links zwischen der ersten und zweiten Zeile neben 
der Urkunde eingekritzelt finden ; indess ist diese Beziehung, 
da von einem A oder Y nichts zu sehen ist, keineswegs sicher. 
Etwas tiefer, zwischen Z. 2 und 3 ist die Sigle CTP wieder- 
holt; dieselbe kehrt vor Z. 5 wieder und davor noch das un- 
verständliche Zeichen b. 

Unter dieser Urkunde stehen mühsam zu entziffern mit ganz 
oborfJächlich eingekritzelten kleinen Buchstaben die drei Zeilen: 



INSCHRIFTEN AUS THESSAMKN 309 

ETP lOVAlOVeiMEIOY 
TTANTAVXOEKAITHPHCDICTAXVDC 
HAEVBEPUUCANAVKON5ENIKH^a 

l!Tp(aT71Y0UVT0?) 'iou'kiO'J 'E[p][J.£tO'J 

rHvTOC'jyo? /tat Ty;pr,? o( Stz/uo; 
•/iTveuOsptoTav A'r/.ov ^svi/.-/] ör,va.pia t. 

Über Hsvcxfi vgl. üuri'bacli JJitii. de corr. ludl. X S. 'i^5 
f. und Athen! Mitth. XIV S. 158 f. 

Zur Rechten in «anz feinen nur mit äusserster Anstrengung 
zu lesenden Schrit'tzügen (B. 0,01 l)is 0.015). 

A I 
HEAUUIIAC ArniDY 

ATTHAEYBEPUUCEN 
TPD(t)IMONMHAENI 
5 nPaCHKONTAAYTPDN 

AABOYCAnAlAYTOY 
X C N 

Eine betriediöende Lesunu der zweiten Zeile ist mir ebenso 
wenig gelungen als die Entzifferung der paar Striche, die in 
der ersten Zeile neben den etwas grösseren Zeichen A I vor- 
handen scheinen. Z. 3 ff". kr^-cXv^^comni^ Tpö'^-.aov ;xr,^jvi xpo;r,- 
/.ovra AÖTpov Xoßjr/jdx 7:a}_p"j' ocÜtoO ör,vxp'.a cv. 

Grabi n Schriften. 

21. Oberer Teil einer Stele weissen Marmors mit Akrote- 
rion. 0,U br.. 0,14 h.. 0,1'2 d. Im Dimarchion. 

A E Z a N 

EPMOKPATOY 
Ol a T ! o -^ 

Ascwv 'Epao/tpzTOu ^BJoitoTio; 
Mittellinie des A leise geschwungen. 



3in INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

22. Bruchstück des oberen Teils einer Stele weissen Marmors 
mit Palmettenakroterion. rechts und links unvollständig, 0.82 
br.. 0,32 h. Von R. Ileberdcy und mir im November letzten 
Jahres in der Hauptstrasse südlich vom Rastro gesehen, jetzt 
verschollen . 

l0TH-<t)IA0MBP0 BltoT'/i <I)ao;j(.€p6[TO'j 

XI AH M O Y 'Ap]7tS7i;j.0'j [yuvr, 

M O S: H P AK 'Apyß}rilt-oc 'Hpax . . 

23. Bruchstück des oberen Teils eines Naiskos weissen Mar- 
mors mit Bekrönung, rechts unvollständig, 0,40 br. 0,24 h.; 
die ursprüngliche Breite des Steins hat, wie die an der Bekrö- 
nung angebrachten Stirnziegel zeigen, nahezu das Doppelte 
betragen. Im Hause des 'Iwy.w/i? 'I. Boys'Cr,; im ehemaligen 
Rastro. Auf dem Epistyl zwei Namen: 

' A ' H H A H ' 'I>atvvoc H . . 

24. Oberer Teil einer Stele weissen Marmors mit Akrote- 
rion, 0,36 br. 0,39 h. Bei einem Häuschen südlich vom Ra- 
stro. 

~ n. T H P \ 1 :2o)T7)pU 

Y 2 I O [Atov]uc<to['j 

25. Bruchstück einer Stele weissen Marmors, allseits unvoll- 
ständig, 0,20 br.. 0.28 h. Ist mir im ehemaligen Rastro gezeigt 
worden. 

P A T H T 

26. Von den in der Rirche Hagios Nikolaos in Volo einge- 
mauerten Inschriften sei ein Stück wiederholt, das zwiw mehr- 
fach, aber fast stets fehlerhaft ^eröffentlicht worden ist. Stele 
weissen Marmors mit Bekrihiung 0.32 br., 0,63 h., unter 
der Schrift zwei Rosetten. 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN M^ 

ANAPOKAAH^ 'AvSpoxa^r,; 

XAIPaNlAoY Xar.p(oviSo'j 

KPHS: AYTTlOS Kp-};? Aott-.o? 

Vgl. Heuzey Alaccdoinc S. 'i23, G. Perrot Revue arc/i. 
31 S. 286 (nach Clioisy), Mordtmann SuXXoyo; 15 TCapÄpxr^f^.x 
S. 8 mit der Berichtigung S. 80 — Delaconlanche Memoire 
sur le berceau de (a piiissance macedoiüeiiiie 1858 (mir 
nicht zugänglich). 

27. Stele weissen Marmors 0,30 hr. 0,53 li. 0,07 d., im 
Dimarchion. 

4ilA0ZE/^0^ <I>a6^svo: 

XA PIAHMOY Xap'.Sr^u.O'. 

A A E Y € 'A}.£u;. 

28. Naiskos weissen Marmors, vollständig sammt Einsatz- 
zaplen erhalten, 0,28 bis 0.32 br. 0,35 h.;\uf dem Epistyl 
die Inschrift. Im Hause des 'I(oxvvyi<; 'I. Boys^r,; im Kastro. 

ZTPATONEIKHETTArAOOY 

STpocTOveix.'/i 'ETiOcyacOo'j 

29. Naiskos weissen Marmors mit der Inschrift, angeblich 
im Felde: 

'ApTsj^iöüpa 

Ayi[;.-yiTpiou. 

(A). Kenne ich nur durch eine Mitteilung zweiter Hand; der 
Stein soll aus einem südlich von Pagasai gelegenen Gräber- 
felde stammen. 

30. Stele 0,55 h., 0,43 br., 0,11 d. mit Reliefdarstellung; 
die Verstorbene, aufrecht stehend in der Mitte, hält mit der 
Rechten eine Schale einer Schlange hin, die sich über einem 
Altar hinter einem Baume hervorringelt. Zu ihrer Linken 



312 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

eine zweite stehende weihliche Figur, mit der linken Hand trau- 
ernd ans Haupt greifend. Unten die Inschrift: 

<j)IAOZENANIKANOPOZ «htXo^eva Niy.zvopo? 

X A I P E /aipe 

Befindet sich im Dimarchion. 

31. Bruchstück einer Stele weissen Marmors mit Akro- 
terion 1,27 h., 0,60 br.. 0.14 d. Im Dimarchion. 

ZnSTPATE APIS:TE0Y S(Ö7TpaT£ 'Api^TEou 

/AH T P O TT OAEITA X A I P*^ Mr^xpOTüoT^siTa /aips. 

32. herer Teil einer Stele w. M., 0,53 br. 0,57 h. bis 
0.14 d. Von mir in einem Steinhaufen westlich vom Kastro ge- 
funden. Von der Reliefdarstellung ist nur der jugendlich un- 
bärtige Kopf des Toten erhalten, über dem bogentörmigen 
Abschlüsse die sehr zerstörte Inschrift: 

4)ÄÄB.OEzAlOI <i>X(x^io; Aio . . 
. . A I /A E N I O Y Aij7.eviou 

■^ r. H P Q E X P H T E ripco? /pr,('j)Ts 
XAIPE /aips. 

33. In der Kirche Hagios loannis in Ano-Volo fand ich im 
Fussboden an der wpaia Tzul-n eingemauert eine sehr abgetretene 
Stele w. M. (0.53 h. , 0,42 br. soweit sichtbar) mit der In- 
schrift : 

i. I I M O 2 O F l\ Ajrif^.oTOsTvo'j; 

offenbar identisch mit der von Leake Travels in iwrtlieni 
Greece IV Taf. XL 201 mitgeteilten: 

Z UU C I M H 
OAHMOi: E OY 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 313 

34. An der Südseite der Kirelie ist aussen links von der Tliür 
ein Naiskos \v. M. 0,40 br. 0,52 li. einjjjemauert, deraLil'dem 
Felde eine moderne Inschrift (Datum 15 Juni 1832), darunter 
die altgriechische Zeile 

SlTPATQNAOHNOAnPOYMAKEAQN 

trägt. Das erste A zeigt geraden, die (ihrigen gehogenen (^)ium'- 
strich. 

35. Das Oberteil eines zweiten Naiskos, das ich auf dem 
Kirchhofe liegen fand (0,51 br., 0,39 h.), hat im Felde das- 
selbe Datum eingetragen, auf dem Epistyl die alte Inschrift: 

OPOONOAZENOKPATOY 'OpOcvOa Zsvo/,py.TO'j 

Die Lesung des ersten Namens ist durch den Abklatsch ver- 
bürgt. 

Bisher entgangen sind den Epigraphikern eine Reihe von 
Inschriftsteinen, welche sich zusammen mit einigen Palmet- 
tenakroteren (darunter eines ob der trefflich erhaltenen leuch- 
tend roten Färbung des Grundes bemerkenswert) im Glocken- 
turme der grossen Kirche Panagia in Ano-Volo eingemauert 
finden (36-42). 

36. Auf der Nordseite, rechts unten: Stele mit Akroterion 
und Rosetten unter der Inschrift, 0,30 br., über 0,60 h. 

AYTOKPATA AüroxpdcToc 

EPIKP ATOYS: 'E-'./.paTou; 
A A P I S: A I A Aapi(7aia 

37. In der Mitte: Stele mit Akroterion 0,44 br., 0,16 hoch. 



314 INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 

AAMOTIMAPAMMENOY AaprifJLa Uxit.^.ho'j 

AAMOAYTA^niAOY AapWTX ScoiSo-j 

FANTAPAT05: IlavTapaTO? 

FANTAPATOY DavTapaTO-j 

38. Links unten: Stele mit Akroterion und zwei Rosetten 
unter tlei' Inschrift, ungefähr 0.32 br. , über 0,55 h. 

ANAPONIKOS: 'AvSpovijco; 

M O I P I X O Y Motptxo'j 

39. In der Mitte, in unzugänglicher Höhe, viereckiges Stück 
Marmor oben und unten durch Leisten begrenzt ; ich habe die 
Inschrift mit Hilfe eines Fernglases, aber leider bei denkbar 
ungünstigster Beleuchtung copirt. 

AYP TElMACieEOE A^^{rMo;) Teip-aaiÖso; 

KENTAYPiOCOlEP KevTocupo? 6 i£p[£- 

{' C TUUA K P A I UU AI ü? tw 'Axpaico Ai[6?. 

Für die nach P Z. 2 verzeichnete Linie erkläre ich nicht 
einstehen zu können. 

40. An der Südseite, rechts: Stele w. M. mit Giebel. 

EYKPATIAHS: EO/.paTiSyi; 

A r A 5: I O Y 'Avaciou 

SnSirENHS: 2o)(7iy£vr,; 

EYKPATIA OY EÜ-z.paTiSou 

H I K O P O A 1 ? Nij'.oxo'Xi? 

APIS:s:TAPXoY 'ApicaTap/ou. 

41. Links: Stele w. M. mit Giebel. 0,36 br. 0,34 h. 

H I K A P E T A NDcapera 

MEHAMAPOY MsvavSpou 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 31B 

42. In der Mitte: Stele w. M. mit Giebel. 

APTEMIAÜPO^ 'ApTEfyiSwpo? 

N I K I O Y Ni/,{ou 

X A I P E 



Xaip 



aips. 



Unter der Inschrift zwei Rosetten. 



43. An der Südseite der Kirche Hagios Nikolaos in Portaria 
sind in schwer zugänglicher Höhe drei Ileliefsteine mit In- 
schrift eingemauert. Ich teile hier nur die Insclirift des am wei- 
testen rechts befindlichen Steines mit, die mir allein leidlich 
zu lesen gelungen ist; von den zudem sehr verschmierten In- 
schriften der beiden anderen Steine habe ich schlechter Be- 
leuchtung wegen nur wenige Buchstaben zu entziffern vermocht. 

Rechte Hälfte des oberen Teils einer Stele, 0,20 br., etwa 
0,30 h.; rohe Darstellung eines stehenden bartlosen Mannes, 
der mit dem ausgestreckten linken Arme einen undeutlichen 
Gegenstand hält ; darüber 

AOYHPUUCXPHCTE 
XAIPe 

Im Dimarchion zu Velestino fand ich die beiden fokenden 
bisher meines Wissens nicht bekannt gewordenen Inschrift- 
steine. 

44. Oberer Teil einer Stele mit Bekrönung und Giebel, 0,42 
br., 0,34 h., 0,10 d. B. 0,03. 

s:amis:aipoaioy Sa^a? aitzoIio^- 

MEIA vsia 

45. Stele w^ M., mit Bekrönung 1,00 h., 0,45 br., 0,13 d. 
Eine befriedigende Lesung der dreizeiligen, links fast ganz zer- 

ATHEN. MITTHEILUNOEN X\. 22 



316 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 



störten Inschrift , die ich nur bei ungünstiger Beleuchtung 
gesehen habe, ist mir nicht gelungen. 



A n I T A T . A E n I M A T O V 
" PIMETAAAlTniE 
A C A frei. 



46. In einer der Strassen \on Larisa fand B. Sauer die Ba- 
sis bläulichen Marmors wieder, die Lolling Yor Jahren auf 
einem Friedhofe im NO der Stadt in ein Turbe vermauert 
gesehen hatte. Der Block 0,70 br., 0,37 h., 0,41 d., (oben 
zwei Fussspuren) trägt auf der Langseite die bereits von Lol- 



ling Athen. Mitth. VII S. 



238 mitgeteilte Inschrift 



TOAE/AAIO€ To);£[7.aio<; 

A N E O H K E dlveO'/D'.e 

auf der früher unsichtbaren rechten Schmalseite : 

TOAEMAIO^ To).£[7,aio<; 

AEONT EIO^ AsovTsio; 

O N E O E I K E iveGsixg 

Beide Inschriften sind gtoi/ti^ov geordnet; dem T des Na.- 
mensToXsaaiof; ist kein anderer Buchstabe vorhergegangen. Zur 
Erklärung wird man auf TTo>.iapyot, äpytTToT^tapyevToi; der In- 
schrift aus Phalanna Athen. Mitth. VllI S. 110, Sammlung 
der griech. Dialektinschriften 1330 verweisen dürfen. 

47. Im Museum zu Tyrnavo, Stele w. M., oben unvollstän- 
dig, 0,73 h., 0,34 br., 0,10 d. B. bis 0,015. 



Ai O P A : A 
A M O H I K A : A.- 
JPKAAIS::OE/ 
IKPAAAMOS: 



INSCHRIFTEN AUS THESSALIEN 317 

5 AYMPI A 2: : I ^O A 

A E I T A . K I H E 
KPATEI2:i^:(t)EPE 
N E O A A ;, T I M O Y N 
TIMOKPAT EIA:ArAOOK/' 
10 SATYPAEASAHAI lA 
I A I P n A : PY H I /;|< E 
S:i/AAnETOAAEI A 
\ A M A fii ETAIKYNIPPEIA 
ZAIOAKPATEPAEIA 
frei. 

Z. 8 und 11 Rasuren. 

A]opx.aXi;* 0S[jl 

M]t>cp(y. Aa[A0c[9£V£ia 
5 '0]Xu;j.7i:tai; : 'Ico[S 

KJXsixa : KivsLaia 

Kpy.TSKji; : 'I^sps 

NsoXa . . Tt|i,ouv£ia 

Tt{AO/.paT£ta : 'Aya96xX[£ia 
10 Sarupa Fa(7avS[p]iS[at3c 

$iX{-7:a : <l>p'jv{^£[f.a 

2It[j.a. n£T6KX£ia 

Aocy.a[p]£TOt : KuvixTTfita 

. ^atOa KpaT£psi:£ia. 



Athen, August 1890. 



A. WILHELM. 



O TTMBOS EN BOYPBA 

iniva«; IX -XIII). 



'H TrapouCTOc StocTpiSy) Ssov va ^swpx/O"/] co; cu[X7r};7ipwp,a f/.6vov tt^i; 
Iv apj^. A£>.Ticp TO'j p-TiVo; Aüyo'jCTOu 1890 (<7eA. 105 y.al s^.) ex-Ge- 
C£W(; Tiij-oiv TTspi Tou iv Bo'jpSa t'jjj.Sou, iv Y) XsTTTOjAspoii; IxTtGsvTa'. toc 
d^ayofj'-Eva t-^; ivac/ta(p'/i; tou TwapaSo^oxspou xdiv ävaGx.X'psvTwv t'jjj.- 
€cov. 'OtpsiXü) ^' euOu<; iv äpy/<i vo, 6[y.o);oyyi<jW ^^äptra; tw x. Ba^Tsp? 
Sia T7;v TTpoOup-ov auToO apwyviv Trpoi; S'/i^aocisuaiv twv äyyeicov y.u- 
piodc, x.ai TTii; etx-ovo; roii tu[x€ou, wv avsu •/] te iv t(o AeXtici) i'^öecic 

'Q<; £v t£> cysSio) (■ttiv. XIII, 3), tö ü-o toj x. KaSspaou tovt)- 
OsvTi opÄ Ti;, 6 TÖaSo; c BoupSä » 77£pi£>.i[j.Sav£v e-TO. xaoou?, (ov 
6 el;, £~l ToO ^oby.aTO; toO Toy-bou "/.Eiy.Evo^, /.aTEpptcpOr] /.aTO. T7;v 
a,vacx.a(py;v (öi'o "/.al c7)[j,£io'jTai iv tw c/E^tw o.k CTiya<öv) ö H. 

ToOtcov Ol Tp£i; E Z II TTavTO); ävoipoyO'/iGav pLEra t7;v avi- 
y£pciv TOU Toa^o'j (toO y^waaTo;), SiOTi Txcpoi tocoutov aSaOci; 
71 ü-£px.£ia£voi Tr,; £-i(pav£ia(; too ic^ä-ipou? (o«; 6 /.aTapt^ÖEig) ßs- 
ßaico; Siv vooovTai , av£'j 7^poö7:xpH£Ci); TV/vriToO tivo? u^J/cüjzocto?' 
(XA)^' Ol Ticcapfi; Tacpoi A B F A T.p'-jü-r,pyov tou tu[j.Sou. Oi Tic(poi 
A B r 71<jXv aÜTOTfiXr/ [j-vv^y-Eix, i—iazirxG'jAvx x.ai ttiOxvcö; u//) 7:pow- 
pi'7[X£va £i; £~i/.a.Xu(J/'.v biit y^waaTO?. tu;x€o? y.aO'yjazi; iy,vr,yipf)-/] 
yy-^^v TOU TX'^ou A, Ögti; w; i/- tou p.syiOou? auTOü x,ai tou ßxOou; 
(jx. 2,20) ivi/cpuij/sv, (paiv£Tai, £-iG'/]y-ov v£y.p6v. EüpiOv; i'jj.T^XEOi; äv- 
Öpz/.wv iy. 7:upz^ [y.Eyy.V/;? yEvoaiv/i; iv tG) toc^o), (Ö; oy.Xoutxi x.oci ix. 
Ttöv aÜAy.x.o)v, aiTiv£; Six'^yii^ouGi x.aTk [J.vi/.o; tov tx^ov, öix ttjv y.u/.).o- 
©opiav TOU (xipo?. 'Ev t(o Txcpw toütw oüSev £upc'0'/i/O[j,oio<; tx'^o? iv 
TW Tutj-Sw TV]? BsXxviSe^^ai; (ib. äp^. AeXtiov y//;vö; 'Ixvouxpiou 1890 



TrMBOE EN BOrPDA 



319 



Tciv. A TÄCp. H) ^TOOUXÄXgTS, TTtOxVWTaTX, TT/V äveyfpTtV TOO T'J|x€o'J. 

'Ev neToi(,y. S's (?) -xspi toO t'jja^ou toOtou s/.OcT'.; jv ttoots/ei 'zvr/v. 
TOu As>.Tio'j)7] ävi'JjsTi; £vö; aovo'j ric'po'j, oy.oiou TOt; SOo) to'jtoi?, 
ßeSx'.oi T7;v ottoOstiv oti xicpoc jy.eyx'Xcov StaTTZcscov (oio; 6 II iv Bs- 
T.avi^e'C?'-, 6 A £v Boupox v,yX 6 iv IIsTOs'^r.) xvs-j i-'.TTcyzriay.TÖ; t*.- 
vo; 71 [;.v7]|/sio'j /.tigtoG O-sp/Csiy.svou t-?;? i-tcpavsta; tv}; y?;;, el/s 
TCavTOiC eTTa/.oXo'jOioj-'-a t'})v y.wiy;prnv Toy.Sou Tracf/.aX'j— tovto? g'jv/;- 
6ü); TTÄvTa tÖc 7;£pt/.£i[j.sva, Tuyov [j.vr,a£ta (ikv ij.-/) Ti'iav ett' aÜTWv 
£7riTÜy.€ioi (7Tr,Xai 'o äyä).aaTa, axiva £y,cvov, O'JGt/.oJ:, ooaTÖ.) "/.xt 
'rcepixX£iovTO? iy.avöv 7:£pt^ yöjpov rpö? xacpr^v [X£>.>.6vt(i)v, tvvov, v£- 
54po)V TT/? auTT^? oi/'.oy£V£ia?. AtOT'. 0'jS£|xia ä[i.^',So)aa, cti oi izXzio'j^, 
Twv £V 'Att'./.'^ TOuAayicTTOv, Tu;j.€wv, £t'7i v£xpoTa'p£ia. /tai Sr, 0'i/,o- 

y£V£l(I)V. TÖ 7:o7v'J5Cp'.'jjXOV Töiv £V 'AzTr/.ri TU[7,€wv /.7.1 tÖ ÖXr'XpiO'V.OV 

Twv £v aÜTol; Tä(pcj)^' (k-o'/Skilo^jOi TYiv uTüoOfTiv 7:£pt v£x.poTao£i(i)v oa- 

TptWV 71 <P'jXü)V lo'j'ky.JiaTOV k-i TTOXuV ypOVOV. M£T0Cy£V£C7T£O(i); l'aci); 

£y£V£TO iviayoo /cotv"] aüxcSiv yj^riniq. 

'AXX' iT:cL^i'yfyi3i[J.t'i £i; to'j? racpou?. 'EXfiyo'j.sv öxt 6 ricoo? A £gysv 
W(; (X(;,£<70v i7T;a/.o>.oo37];j.a t'ov dcvf'yEpTtv toö tuj/.€o'j ItüI ytöpou i'vOoc 
TupoÜTJTipj^ov Ol Toccpo. ABF. Kat äX-/;6cL>; outoi r,SuvavTO va a£vci)- 
Ttv (xv£'j -/(öy.XTO?, V, [xX>.Xov öi(p£i>ov vä p,y) ■/.aX'j(p6wGt, S'.oti a>.Xcoc 

TCpÖ? Tl tÖ XTIGtÖv C'.UTÖV £TClCT£y(X(7[J',a ; 'O TOCOO? A (tüiv. IX. XIII, 

1. 2. l'Ss >tai (^iyyoypa<piav ) (p£p£i uTTfip auTov 6>.6)tX7]pov /CtictÖv ot- 




)tOö6[J-71(X0C S'.ä xXtvOwv, SV £l'S£l «7y)X,0U, (7T£yY;V 8k £JC TTTlXou /Ca'. TuXtv- 

G(ov, cT£p£av x,at äp^iT£y,TOvt/,cli; 8ta/.£/<,0(7[A7ia£V7iv Sio. Opiyxo'j xai 
/CujxaTiO'j. 'ETviTueoov oe TEj^vixoii; xa; £7viX£j^piGjjL£vov x'/i'Xoi tÖ r£pi^ 



320 irMBOS EN BOrPBA 

i'^xcpo;, i'va to ^avrijxsiov (^xi^r,zxi (öpaiOTspov xoci [/.syaXoffpeTrecTe- 
cov. '0 Ticpo: B e'y^si x.al outo<; 6[xoiov i-iTraya^aa, a)^Xa l'.ÖoxTt- 
I7T0V x.ai Ta-eivov, oi'ov oi rx^oi E Z ev BeAaviSei^z. '0 xicpo; F Se 
— £pi(p£piy,öv Ol' öyy.o'XiGwv TTspi'^payy.x ä— oxsXoov eiSo; [j'.i/.poO TuaSou 

vcov 0£ y.oil TvEpißXs-TOJv, o£v r/^£upo[j.£v xiva Xoyov Öä. £t/£V V) £7ri/t3t- 
X'j'l'.? auToiv Stot ywjj.axo;, £i [7-7] £y£V£TO aürv] yipiv to'j Ty.^ou A, 
TO'j av£u Ttvoi; av/jy-Eiou Övto<; xai äoavoi); iv tyi y*^. "Ottü)? ttot' av 
r,, ypoviy.T] ti; i-OTTaGi?, ßapovo'jcia ovtw?, j;.£Tacü t^? a.vopu^S(i)? 

TOiV Tpidiv TOUTWV TSC'pCOV /.Xl TT;? TOO A, <7UV£7rO); §£ y.al TV); ä.V£- 

y£p(j£(i); TOÜ T'j[j.So'j, 0— oOeto'XcV S£v i)~x^yv.' o'.a'^opk I'gw; ö£/,a.o(i)v 

TtVWV £TWV. 

'Ev 0''jS£vI TÖJV TX'|)(j)V TO'JTCüV tupi^T, ävTl"/.£ia£VÖv Tl £/. T(iv (7'J- 

vy;6(j)(; x,XTa.T'.0£y.£V(i)v Tzapx tolc v£-/.poi?" ä/A' oüSfi ogtx x.xv, t'^; 
!X770T£9pü)(7£(i); y£voy-£vr,; £vt£>.oG; £V£y-x p-£yx).7); Trupsc?;. "AvOpxx.£? 
{/.ovov £^ öy/.wöoiv x.op'xoiv oEvopwv '/jv TO Tü£p'.£y67-£vov Toiv ooo /.upico; 
(y.EyxXwv TX(pcov A A. Oi B F r,nxv x^x^iic (jy£Tty.(I)?, 7:£pi£i/ov ok 
y-xl y.'./.pxv TüOTOTYiTO. ( TTTXVTOTE ayj-'.'/.C);) xv6px/C(ov, ikx-/j.n'c-r\^ ö£ 
(TTiroSo'j. 'E-£iS7) 0[X(o; 7;gxv, w<; £'t,'-ojA£v, (XG'x.e— eii;, x(pxtp£Ö£VT(j)v Xi- 
6(j)v £/. Too £-i(7T£yx(7;/,XT0<; auToöv, £'./'.xCo;x£v OTi TTiOxvöv v' ä(prip£- 

9v)<TaV /-Xl TX ÖgTX £^ X'JTOiV (TTXpS. '0;7//]p. 'IX. VII, 333) TüpÖ 

t95<; y,XTXc»/.£ij-^? too t6[j.€ou^. 

'Ev w §£ £v TOi<; TX(poi? TOUTOi; oijSev süpfiOv), TTxpxSo^üx; i'^wOfiv 
tou TX'pO'j A x,xi XXTX [j//)y,o? TT)? [X£G-/ijj'.€pivy); xuToG TrX£'jpx;, X7T:£- 

y.xXo'pOr, TXTTelvÖv GTEVtOy-X (tVIV. XIII, 3,0) £X7i:XivOwV /,x9£T(0V d/CTt- 
(jiX£VOV -/.Xl Sl7iprj;7.£V0V SlX TTXpxXXriXou xXlvOivO'J [/,£(JOTOiyOU £i; OU(j) 
i'ciX [J-£pri. TÖ (7T£VCi)aX TOOtO £p£UV'/lO£V £C>(i)T£pt)tdi; £Up£9yi TTSpiEJ^OV 
XetCtÖv <7Tp(I);XX (J-oSoO p.£T' XvOpXX.COV [Xl/.pWV XXI Xetcto'P'jwv octtwv, 

TCTYiVüJv TCXVTcoi;, £7i:i(j7i(; §£ /,x'. T£p!,ay'.x xyy£i(i>v £C7T;xp[;.£vx xxtx ty.-?)- 



* S7i[J.£tojT£ov OTi ot aTzoxsXouvTS? TTjV aT£yr]v xal xopu'^fjv TiJiv Süw TO'JTOiV Taipwv 
oyKOAiOoi äTrtanäaOTjcjav xal xatspfi^Oi^Tav zlc, xö sSa^o; (w; ßXex:£t Ti; Iv xt) eIxo'v' 
::iv. IX) ayvojjxov 7:ox£ xal otaxt. n:cvxw; o[i.a); Tcpö xrjs ävEyEpaews xou xüjjiGou, 
xaOdaov xa ■/_tiS;xaxa T^aav aötxxa (r5£ 7:£pl xouxou £v AeXxi ;) £v9. ävwx.). 

2 Fvwaxöv aXXojj xö « oaxoXoyitv » xal ot « öaxoXdyoi » , w; xal fj 5uvrj9£ia xou £;:i- 
/££tv o'vov r)xi; xal ;:ap' fj[jLTv xä vuv Iv x_pi^a£i xaxä xrjv ävaxo[jno7]v xGiv ouxwv. 



XrMBOI EN BOrPBA 321 

xo? Tou <TTgV(i){/.aTO(;, (XTiva (Tuvaptz-OdOevTa OLTZtxiktfsxv rx Su<o sv deX. 
325 SriU-OTiSDOpiEva ayysia, tv;v >.07ri:Sy. A' y.ocl ttjv olyoyor.v B'. 

y.po(pa (Xvx'7/,X77T0'j(7t Tu;/.€wp'j"/0'.;, o~£p O'jöiV a'XXo eiveti 6 « ßoOpo? »' 
Sioc Tot « svayiTu.aTa » to TrpwTOv tx vov ßsSx'.ooTxi, sv 'EXXxoi 
xoli'ky.i'.fjTo^ , SioTt 6 Stephan! iv Compte-rendu 1864 atl. VIII. 
1865 Gik. 6 avacpspei Trapsjx'psps; ti '/.xzccn-AVjX'jij.oL i/. TrXtvOwv 
TCgpiej^ov Xeiij/acva iSs'rascTwv xai Ögtojv ^wcov, a-o/.xX'j^Bsv iv Toi y-s- 
yaXo) TU[/.Sco tti«; BXiTviT^ai; Iv t'?) yspTOvvifTw Taman. 

"OtI dv TW (7TSVÜ TO'JTOi £VaZ£T£6YlCXV TX X£i'ixvX TO'J (( TTEpiOcl- 
TTVO'J » VI TWV (( £VXyiG;j-XT(OV )) T'/i TpiTY) ('ApiTTO^. A'J'7t'7Tp. 612 XxL 

6 H-j^ol.) 75 T'i^ svvxT*/) ('Icraio; VIII, 39, ceX. 73), ouSsy-ix a;j!.cpi- 
So^ia. Kat y} )^p'/;'7t[x6T7;? ocX).«; twv o'Jo) tO'jtojv Iv t<5 <7T£vo) £'jp£- 
Öevtwv (xyyEicov tti; t£ Xo— xoo? y.x'. Olvoy6'/^; [/.xpT'jpouTi Tpxvw; oTt 
IvxTTETlOrjCav iv auTü X£t'j/avx •/.TEpiTv.xTwv y.ai yowv. FvcottÖv xX- 

>.(i)i; £1V£ OTl 7:pOC£(p£pOVTO TOT? V£/.poT? /.Xl 7wT7]VX ü)? XTEpiGaXTX" O'J- 

Tto? i-l ayy£io'j T'.vö; ( Beiindorf Griech. und Sicil. Vasenbilder 

Taf. 16, 2) 7üpO(7(p£p£TXl TW V£X.pa) yTjV £IC 9'JcixV. OEptEpyO; £tV£ 

ojAö)? Y) (j'jVTpiSy) Twv j^pyictjAOTCOiTiOevTcov xyysiwv y,xi v; IvxtcoÖegi? 
Twv T£[;-xyt(i>v ivTOc to5 ctevoO, •/) y£vo[/.£'vY; [astx Tz^orjO'/TtC •/,xi TX- 

^£(i>i;" y.x66(70V 0'J^£V a-/^i^OV TOJV T£[J.Xy'i(i)V £X£tX£V EOpiO/iiTaV Se (XTtXVTX 

{/,6t' l7ri[A£X£ia; lcTp(i)[j!.£va "/CXTa y-vi/'.o; tou orerov >cxi IttI toö £T£pou 
jxovov Twv oiaycopiTf/.xTcov xutou. Tö a.XXo Six^üpiGU-x, 7rpoü)pi(T{/.£VOv 
i(j(i)? oia TX? ivix'jrjio'j? iTTicpopx; £[j.£iv£ >t£v6v, Ti? otO£ mx TtVX ^6- 
yov [AT) T£X£G0£i<7xg. riiBxvov vx iy£V£TO iv TW jxsTa^O 7] ävlyepGt; 

TOU TU[;.Sou. "OtüCO; OY]7TOT£ )txl TOUTO J(^pY:Gl[X£U£l fa)? <X~6o£l^l? TOU 

6t'. 6 Txcpo; A Skv YiTO 7i:po(i)pic[y-£vo? tvx /ixXu^O'?) U7U0 TU[y.Sou a(p' ou 
TO mx TX? Ivixuciou? iz'.cpopx? Trpowp'.Ty.ivov azeror tito oi? [;.£i^ov 

TOU ävxyxxiouvTO? icp' xttx^. 

MfiTX TVjV /.XTX<7/C£U7;V TOU TUfV-Sou TO CZerOV TOU 7rX'.v9o)CTi<JTOU 

Tocfpou Siv iypYi(7i[A£u£v, (pu(jr/.ö?, TrXiov. T6 )roi[7-x r/.x>.u(|/6 icxi touc 
XoiTuou? TfJccpou? TOU? TupoüTcxpj^ovTa?, £y£V£TO §£ t6t£ v£Ov ozeror mx 



< np6X. nau3. V, 13, 2. IX, 39, 6. X, 4, 10 xal 'Opa. 'Aoy. 954 svOa tö « ßd- 
6pov Tptaxot)(^ov opu^a» Suvaxöv vi ayenaörj :kpös xö ota xpiwv axoiy^wv TrsJCOtTjjXEvov 
<rr«r(Jr xou f)iji£X£'pou xÜ[x6oü. 



322 p-irMBOL EN BOrPBA 

tÖc? £vta'j(7tou? STwtoopic?, [;.£i(^ov toGto, xaro. to ßop£toöuTf/.ov (tz^^X. 
TCtv. XIII, 3, I) Toö t6[j.Sou, wiät eüOstx e'paTrrojvivvi stti tou •/.o/.Xou* 

TOO T'jaSou. 'EvTOi; TOO TTeVOli TOOTOU iit^i^TiOXV TO, 6V TOI? TTlvaCl 

X-XII SrjaoGiS'joasvy. äyysix xal t) Iv tco /csiasvto csX. 326 Or:ö to 
']^'/]'|)iov r' 'Xo773C? [^.stÖ. g-oSoo x.ai );£-twv äv6pa-/.(ov.Toc äYY£ix tkutä 
£Ü0£9rjCav £•; Tty.y.yix £ppt;7,»j-£va T'/io£ x,a/,£ic7£ Itti tt,? a'j};a/.0(; tou 
arerov. 2lIr,y.£'.(i)T£OV ö£ oti toOto Sev siyE 0'.77>,v]v öiatp£<7'.v cöi; t6 tou 
x'Xiv0o/.Tir7TO'j, y.lV oL-o tou ivo? £1? to oiXko ax.pov rj-io. oi7ix.£ auXa^ 
aSocOu?. To üzerbr touto Skv £-/.p'J7:T£T0 i^yv/.G)^ üxö to yJii\J-y. tou 

TU[/€ou' 7) £-i/0)C'.; auTOU £y£V£TO ßaO[J//lSöv GUV TÖ ypOVW. AlOTl aX- 

Xco; Sb Öö. TiSuvaTO voc j(^p7}'7iy.£uc'/i 7] a-aH, £VÖ xai 1/. tou a7}y.oui; 
aÜTOu y.ai £x. t^? TrocoTr.TOi; töv äyY£i(i)v~, £r/.7.^oa£v OTt l^pTjCjijv-sufiv 
«I; Tac enavmovq sTJKpopoci; Tot; T£>.ou[7.£va? Itci tou tu;j-€ou. 

To, T£[/.ayia Twv iv tö azerco toutw £up£0£VT(ov äyyEiwv, xatTC£p 
(j(.£Tix TZDoaoyrii; TC£pi(7ulX£y£VTa, ö£v a.-£T£)v£cav TzliiO-ri toc ayysia, w? 
ooa Tt? iv Tai; £u6criv auTWv, iv to iC a^^ou to, iv tö [Aixpö) orero) 

TOU Tir^lvGoXTlTTOU TZ^OU T£[/.dt/ia TWV Sü(0 XOtTCOTipCt) iv TÖ X£t[J-£V(i) 

Sy)u,OGi£uoy.£V(ov äyy£i(ov ax£T£X£f7av apTicc cy£oov <T/C£uyi, £X>.£itc6v- 
Tü)v £>.ayiGT(i)v aixpwv T£[xocyic!)v, aTtva aTTwXovTO l'(7(t); /.aTot t7;v G>ta.- 
oriv. 'H a7rcöl£ia öi^.w? twv T£;j.a/icov twv äyy£icov tou fJL£y3c'Xou are- 
rov, TjTt; xvipy izcLi 7üxvto)(; £i; tou? y^povou; tcöv Ouciüv toutcov, 
«.TToSoTiot TüiOavwi; ouj(_l eE; äaiXEiav 77£pi tt/V cuXXoyriv -/.al ivTacpia- 
criv, ouT(o; eitjsiv, toutcov, of.Xk' zlc, to äSaOif; /.ai oLG'Äi-izlq xric, au- 
laxog, iE 71? £Ü)^£p(ä? Ti^uvavTO v' äTiOfjTüaTGcLXjiv. "Ottw? Stotcots dc^ia 

ipEUV/)? £tV£ 7] OLTzdikuOL TWV T£[/.a^l(i)V TOUTWV , (X(p' OU £— E/CpXTTiaS TO 

xaoaSo^ov i'Oifxov tou xapaxpuTüTEiv to. TV^-xyicc twv /.aTO. toc? iTui- 
©opa? yprjGt[J.O7roir/0£VTWv ocyyEiwv a£Ta t'/iv »rxoTriy.ov auTcöv <7uv- 
TpiSr/V. 

Ta iv TOü? Suci) GTEvolii y-at I EÜpEÖivTa (xyy£ia G'jy'/.oXk'n^ivTX 
xat Gua-TrXr/OwOiv-a ^7]i;,og'1£Üo'7.£v iv £r/c6civ Stä, t7;v <77rouoat6T7;Ta aü- 
Twv i^atO£C£t Suo> (t7}? Ott' äpiG. 31 tou AeXtiou [J'.7)vÖ? 'locvouapiou 



' TÖ xc'vxpov TO'j y.'jy.Xou a7)[j.£iO'jTai 8tä xou t[r)«pto'j K Iv ::iv. XIII, 3. 

^ 2j»)[X£itox£ov oTt £v TW oTeröi toÜto) Ejpc'Oriaav riXetaxa aXXa [Aixpi x£[Aa)(^ia iy- 
ysttov xou auxoü sl'Sou;, axtva w? [xr] TcpoiapjjLo'l^ovxa aTisppi'yOrjaav. Kai ex xo'Jxou 8^ 
ouii7ü£pa(vo[i.£v oxi xou atsrov eyev£xo 7:X£ovaxi? yp^at; ätpatpouas'v.DV £xaaxox£ xwv 
Ttpoyeveaxepwv X£t'|ävtov, 



TrMBOS EN BOrPBA 323 

1890 a. 10 Axl Tr,i £T£pa; rvi; Ott' äp'.O. 32 aüroO'. al. 11) d)v vi 
SriaoGtsuTt? ddscopr/Ov] TTsptTT'/i £V£-/.a TV}i; o'xoiot'/ito; aÜTWv t'/jv ts 
/.axaT/.s'j'/iv -/.ai TTxpa.TTOCj'.v "pot; tt.; Sriy-OTU-joy-Eva; £v tcTj /.e'.y.Evoi 

Töc äyyfifoc Ta'jxa, w? i/. too G/vjv.aTO; a'JTWv x.al tt;; £'.; T£aa/i3t 
7capsppiy.|7,£va. £>;'X6yo'j T'jVTpiSr,; a'jTcöv.^sov vx ävayOwGiv £1; tTiV tx- 
^iv Töiv (j/csucöv £x.£{v(i>v aTiva iyp'/iTiaE'jov et? tov xaO' 'nyA^xv ßiov. 
Alv 7üp6x.£tTat Tüepl Xarpeia? ri ä.vaOr,azTcov. A( >>'/ix.'j6ot /.otl xa aXXa 
[/.'jpofpopo. ayyEto. to. (7'jvrj7(i)<; £v toi; T^ccpoii; eupi'j/'.ojxeva ouo£;j.ia.v 
Vfjrjüvi g'/Igv^ ■^pö; TO. £"/- Toiv GTEvür äyy£ia. TX'jTa, a.-£p £/prjGi- 
[/,£'jov wi; ot/.ioc/,k c/.suv) jcat twv 6— otwv /.oct t) TeXsuraio. auTY) yp^j-rti; 
(jtaOoTi GuveTpiSricav, i'vo. ^u//) j^p'/itrij/.o-O'.riOoJ'j'. v.rtX "Kxkv^) Trpoöioet 

TYIV /_p'^ClV aÜTWV. 

Ta ayyeta TO-Oxa S'/)aoG'.£ooa£v <j; ovto. TroXoriao. i).r,6cL); £0p'/)- 
(jt-axa Ol) [j.6vov (ö; £-/. tvi; 6-Y)p£Gta<; tjv r3cp£youc7'.v 7)|jiv i'vot jrpovoXo- 
yyjcrwjxEV /.axo. xö [;.zX>.ov t] -^xxov ä'JcpaXw? xöv xuaSov /.a.i xou<; utu' 
aüxov xacpou?, aXXo. /.ai Siä, x'/jv xe/voXoyt^'.Yiv auxoiv aEiav, rape- 
^ovxa i-/.av7]v cuaSoXyiv gi? x'/^v icrxopiav xv^i; (xyysioypa<pia;. "Aj^avxo. 
xo. dtyyeta xaöxa slirl 77po<pa.voJ? cuyygvoo; y^poviy.ri<; rEptoSou jcal xouxo 
iTTi^E^ocioi y-al Y) £v xü a'jxü £'jp£(ji? aüxöiv, ouj^ tixxov ötaipopai xiv£(; 
pu8y.t/.ai (;-£xa^{j xo'jxoiv ä.vayy.x^ouGiv 71[/.ki; vo, Siaip£«7(j)a£V xaöxa £t? 
TUEpiöoou; ypo^vAXi; ouyl jj.h tzoVj äXV/iXwv ä.(p6(7X7i/jjia<;, aX>.' otüö)«; 
Sv)-ox£ £77tGXY]aov'.y.ÖL); x£)(^ü)ptc[/.£va?. Ouxci) Sta.'.poija£v xaöxoc £'!; 
:n:p(ozo-aTzixä — y] Xl^ii; £iv£ y.axo^riAo?, ä>.>.' £G^-/);7-axi(70'O 5cax' äva- 
Xoyiav x'o? utto xou Furtwängler 7roc7i8£i'7r,? «protokorinthisch )i 
(Arch. Zeit. 1883 d. 153), aXXo)? xs äSuv(xxoii;y,£v vx £/'.''|)pxG(i);j!.£v 
aXXw; x6v opov frühattisch xöv Otto xoO Böhlau iv Jahrbuch II. 
(Sil. 33 a.vaypa(p£vxa — £1; äxxi/.o-'/topivöia/cä xxt £1«; axxf/ta fX£Xy.- 
v6p!,opcpa. 

El«; xTiV TCpcox'Ov xÄ^iv (xvxy£xxr. xö £v xö Trivaxi X §yiao(7i£'j6[/,£- 
vov G-/.u(po;. 'O Böhlau Iv xri äv(ox£pw avoaov£u6£ic-^ i^atpexw oia- 
xpiSvi auxoö 7rp0(j£7cx9-/]a£ Si' liTixu^oO? £/.Xoy^; äyyEiwv xai opOoiv 
TuapocxTipriGECjOV vo. TrXYipwGYi xö £v x-^ iaro^ix xvi; äyyEioxXadxt/tvi? 
)t£v6v, xö [/.£X(X^u xöiv ä.yy£i(i)v xwv x.a.Xou|j.£vwv xoO AituüXou xat xwv 
a£Xa.vo;j'.6p(p(i)v äpyaiy,(öv äxxixwv, iv ol? xö äyy£iov xö iiTzo xö övofxa 
Francoisvase yvwcxov. Tö y5a£X£pov äyy£iov, (ppovou[i.£v, ävÄyexai 



324 TrMBOI EN BOrPBA 

£t? T75V süpstav Ta'jTr,v tx^'.v, xaG'vjv Tot e^ avaToXwv ü:roSsiY[/.aTa 
[LiyxkT,w viT/CYiijav s7rtppor)v |-t t-^<; axTf/crj? ziyvn^. T6 ayyeiov eiv6 
{/,6y3c>.ou G/r/'J-axo; ( Siay-STpou -/.XTa tx ysi^Y) 0,37 xal 'j(]/. 0,29), 

StWTOV y.al T£0>.3t7'X£VOV T7)V ßxTlV. '0 TT-^XÖ«; aUTO'J SIVE ep'jGpWTTO? 

/,al rjai'j/YicTOi; i^.zr' l-iypwcsw? utüoXsujcou, al ypa(pxi os [xs^atvat 
•/cal Si' £yyapy4£(i>(; toO 7C£piypaaaaT0? twv xtvivojv. 'Ev tö Trivaxi 
£r/,ovii^ovTXi x,at ai Suco o'^£i? tou äyy£tou, xai TOiouTOxpoxw? a.-o- 
(pEoyoaEV TTiv TCEpiypacpTiv toO (77i:£ipo£iSo'j; y.O(j[j.Y;aaTO<; tou /.araXajji.- 
Sävovtoi; T71V ottigOsv o(|/iv TOö ayy£iou ÜTCEpxvw t'^; CiotoeiSou; txi- 
vlxc, TT); TCEpiOfiouTYit; T7)v xo'Aiav avwOsv tcüv dc/txivwv t'^? ßacEcoi;. 
T6 xJtTot TpoTcov uL'j/,y)vatov /.6<7[j.Y);xa * toöto a.7i:avTa xätoc ■jroixi^.a; 
TuxpocXXayä? xai £7:1 vyiaiwrixciv äyy£iwv. Kaxa xai; Xa€a; 0-i:p)^£i 
7rXoxocy.O£iS£? y.6r:it.r,[J.x öaotov •7:£pi-ou tw i-t xr,? >.a.Sr/;(;) i^ 'A/.po- 
TToXgwi; TT/? ^niJ.OGizu^dc'riq 6x0 Bölllau i'vO. ävcor. il/.. 23^. Kai 75 
CviTO£iS')l<; hi zonvioL v) 7T£pl T-^v JcoiXiav £yr£i y.x9' öu.oiov xpÖTwOV £771 
TT/C äv(i)T£p(o XaS'/;;. 27:avtwT£pov £iv£ tÖ OtitÖ xa? >.a€ä; xocavijv-a. 
O'jxivoi; ävxXoya xotxo. TrapaXXscyä; £'jpt(7-/.ovxa'. £ä:'. xoJv xou Aitt'jXou 
a.yy£t(i>v. 'EttI xt^; x'jpiai; o'^ew; xoo <xyy£io'j £r/.ovrCovxai x£C(jap£? 
>cuy.vot^ ßaivovx£; £v G'jp.a£xpia Xiocv (XigOtix-/]. Toc )4£va, (7-£Ta^u xou- 
xcov TrXvipoövxat ix.avd); Sto. xpoyoEiowv y.ocavijxaxcov, <I)v o{j(.ota — 
ä>.>.' aiJ-EXlaxfipov y£yp(Xij.[j.£va — b~xpyo'j<ji [J!.£xa^u xöv TTTEipöv xoö 
ÖTCtcGioi) xoT^arji^otxo?. 

Ta £v xoi; TuivaHt XI xal XII, 1 £r/C0vi^6;x£va (xyy£tx ö; xal ai Suö) 
)caxwx£p<ü £v xö •/.£ia£V(|) XoTTxSfi? avyiy.ou(iiv £1? xy]v 7T£pioSov xwv 
äxTixo/.opiv6ta/.oiv v^ xocivBta-^oaxxtxöv y.aXou[X£V(j)v. 

Kat £1? xa x£<7Gapa xaoxa (xyy£ia 7} aüxv^ [7.ov6xo;j.o? Tuapäcxacri;. 
6 auxö; p'jO[a6(;, t) auxT) £7:avaXYn|/ti; xwv xaxo, ^wva? äxivvixouvxwv 
Yi ßaivovxwv r;p£[jt.a Oiopiwv xa! ^avxa<7xixdiv 77X'/]vtöv. OüSa^aoO C<^v)' 
xai o(j!,(i); at £!x6v£c xwv ^cöcov I'j^outi ttoXu xö cpuc'.xöv £v <joyxpi(j£i 



' np6X. Bölllau IvO. ävwT. cteX. 51 eix. H. — Kd<j[jLTi[jLa ::ap£[x-^£p£? iSs Furt- 
wängler-Löschcke Myk. Vas. 24, 175. 

2 TotouTO •/.oa(X7)p.a a::avTa ayvTjOearspov Ijti vrjdtwTtxwv ayYS^'wv i5;w; £;:i twv ap- 
•/atxwv T^s Tdoou ;:p6X. Jahrbuch I asX. 138, 139. 

^ Ot xu/.voi xal Iv yEVEt tÖ stöo; xwv ä[j.cpi6(a)v TJirjVöiv sivs äpsjTrj TiapauTaai? t^j 
nsptoSou TauTTjs 7tp6X. Böhlau Ivö. ävwT. £ix. 12, 13. 



TrMBor EN norPBA 325 

Tpö; Tot? eUövx; twv Xsovtwv l. y. i::l T(iv ;r/)wro-rtrnAr(ir. Ta xyyuoi 

Ka! ou.(o; -;; l-iSpxrr'.; toO -^opivOia/.O'j t'J-o-j elve roaov (c/;jpx, 

ptv9ia/.oO puOaoO -;, £;a7;cr,6£i7x iv 'Axxv/.ri y.xx'x Tr,v -spioSov ra-j- 
TTOV T-r,; Tiyyr,;; Ox r,S'jvxT6 x'.? vx ä|7/j'.pp£7vr;. 




.4 
ysiou B'Jv TCO ai/.pw arsvö toü ttX'.vOo/.ticttou tx'^O'j sOpsOsiaa. Tr,v 




B 



326 ü TrMBor en BorpBx 




6st. 'H xaTacy.suY) öaco; twv äyyeiwv stvs Siy.ipopoc. 'O tty^Xo? ty;<; 
A' £iv£ [y.eT^avwTspo; y.al cTspsaixepo?, t6 £7rxl£t[j-[j-a GTiXT:vwT£pov, t) 
ßapoTY); SiTC^acta cry£oov /.at a.i XaSal X£— TOXEpat. 'H XoTra? A' 
7]SuvaT0 va vive x,optv6ta>coQ ipyaTTYipiou, cOCk'x oev u— xpy£i STüap/CV)? 
Xoyo? ö-^rw; i(Tj^upi(79w[J!.£v Öti £v 'Axxr/.Yi Slv xaT£cr/.£ua'Cov xai TOiotuTa 
äyyEio.. 

'EawTEpt/.öx; ai Xotüo-oe? auTai ijouai x.ox.Xov, £v tö £i-/.ov{{^£Tai £7:1 

TT,? A'[/,£V TüpOTOy-Tj ITT— Ou' £—1 TT^C F ' Sk 2!£ip7]V, (XX>>a, TOCOÖTOV £(pOap- 

a£vri, w(7T£ [;.6)^i; Sia/.piveTai. 'H ypa^pT) 7.7.1 twv öoü) toütcov «.vti- 
x£i[Jt.£V(ov £y£V£TO Si' ly^aoÄ^Eco? Toiv x.a.Oex.aTxa, otöw? jtai ettI ttii; 
e^töTEpiXTi; £7:t(pav£ia<;. öi; opX Tt? Iv rat? £r/-6'7iv aÜTwv. 

MfiTCova Tupo; ciXkriXci. ö[j.ot6TrjTa iyo^jai tÖc Stä^opa [7,£v to rsyri^.<x., 
6[A0ia 0(7,(i><; t7)v XETTTOT'/iTa xal XayapÖTViTa. äyy£ia £v Tiriv. XI xoci 
XII, 1. 



* "law; sivc to'jto evSei^i; tt]? aTiixi]; auT^s xpoeXeuaew;. rTporojj.r) ircTiou ejc 
äyyeiwv «ttixwv l'oe Jahrbuch II asX. ^76 xai AsXtiov [j.t]vö? <t>£5pouapiou 1890 
aeX. 31, 2. 



TrMBOE EN BOrPBA 327 

To aTTt)C0i»py6(; auröv eivs xaracpavecTaTOv. Ai TrapacTOCTei? au- 
Töiv SuvaTOv vo. rivs öocvsiai,-/) Xstttotvi; ou-ö)? auTÖv '/tai v) /api? tüv 
ajri^i.y.roi'J [y.apT'jpouTiv äTTrx,-/iv spyaTiav. 'O a,{;,^op£'j; (xiv. XI) 
ej^et u(|/o; 0,60. Eivs ^s ix -y)>.ou JtaTecf/CS'jacfxsvoi; Ip'jOpcoTroo avsu 
£7ra>.£ip!.[J!.aT0?. Ai ypa^pal otTrci toO Xai[j-ou [^-s'/P'- töv äjCTtvwv ty^c 
ßx(7£(j>; StatpouvTai st? xsvts Cwva? TrepiOeo'jcoc? x.'j/-X(p [v-ev ttjV xoi- 
Xiav, xaxo. tov Xat^aov Se Siay.o-TO[a,£va(; ü~ö twv XaSwv. 'A'7T£po£i- 
§£? §£ x6a^.r,u.x 7:epl Ta j^£i>.io,Tv;v ßo(:<7iv,y.a.Ta. tÖc? XaSa? /.ocl Tot •/.£va. 
Twv C^voiv, Si' iyj^api^ew; twv x.'jx.T.wv xoti twv i/CTtvoiv a'JTOo —£- 

XOnO[/.£VOV,{/,apTUp£l TTIV TC£pi0O0V i'xi TOÖ CpoSo'J XpO? to J<,£vÖv /.OCi T71V 

Taciv Tupo? TO y.ocf/.vijxa.Tix.öv twv t£J(^vit(öv twv äyy£iwv tou A'.~u1ou. 
"A^iov 7:po'jOy'7)(; £iv£ oti Itti toO äacpopswi; y;[j-öjv Ti /C'jpio. 7:ap7.- 
r)TaGt; £tv£ 'ö £-[ ToO Xaty-ou. Auw C^^vat süpuTspai twv i-i tT/? x.oi- 
Xia? y(i)pi!^ouc7c tootov £i? Suo> Irja y-£p'/]. Kai £-1 tt,; [j-13C(; o^j/fico«; toö 
a.Yy£iou £(/COvi'!^ovTai i-l t'?,; avco [j.£v i^cövr,? ouw ävTta£TOJ— oi Sei- 
p7iv£(;(;) {;.£i"Covo; y.fys'Oo'j? twv Tvii; xoiXta?, £-1 tt^? /.zTOi §£ ouco 
avTiCTEpvot "kio^Tii; tou; y,£(paXa; ä-o(7Tp£(povT£;, — TavTicxpo^ov äy.pi- 
Sö? £ypa']/£v 6 T£j(^viTry? £7:i Tr,? £T£pai; töv rj^j;£(ov* avco yiv oi X£0v- 
Ts? y,aL Guv£7rc5; [XEii^ovoi; (;.£y£6ou;, xaTW o£ a( S£tprjV£?. 'Etti twv 

[/.£XaV0[/.6p^(i)V 'ATTiy.(öV ä;7/p0p£(i>V TYi; <XJJ!,£CC0; £-£p)(_0JJ-£Vy)i; TTepiOÖOU 

7] i-l TOU >.ai;jLoO 7:apxGTX(7i<; §'.£T-/ipviOvi p-£V, äXX' ox; y.o<7;7.y;jy,aTt'/Cy) 
TwXeov, 6-w; y,at ai xxxo) (worpopot (^öivat (7:p€X. Gerhard Ausei'l. 
Vasenb. 223). 'H y,upia TrapxGTaGt; riTO V) £771 TY)? xoiXta;, 

T6 £v Toi TTtv. XII, 1 £ty.ovi'(^6;j-£vov (Xyy£iov, ay^y;</.aTO? y.paT^- 
pO(;, £iv£ TTc-oiviyivov iy. — 7i).0'j (paioO. E'lv£ i^£ >.£77tÖv y.ai £^ utteo- 
boXr^v dXacppov. 'li 'TTapa'TTaTt? ett' a'jTOÖ oiaipjüTa'. £i? SOco ^üva; 
j^(opt,,o;7.£va^ S'.k o'jö) ypaa|7,ä)V ävTa— oy.pivo;7-£V(ov £:; 7:Aai7Tiy.v)v £—1 

TO'J TZTiAO'J biatpcGlV. 'i^; Öpz Tt; £V T*?i £ty.Övl, 7) y.XTCO "Co)Vrj JJ.cTa TT]!; 

ßa(7c(o; i'^ou-jt t6 cyr.y.x y.öX'.y.o?, äi^' vj; iy.'^'jexai, outo); £i-£i:v, t6 
avci) [J'ip'j; TO'J äyy£tO'j. 'II 77)vaGrt///i auTTi ^iatp£'7tc cuvT£X£i ■;roXu 
£i; tÖ vjGyr,'j.rjv toO äyy£io'j. 'Et:i Tr^i; avw, tti; [j-ei^ovos;, ^wvt;; £iy.o- 
vi^£Ta'. Scpiy^ ' y.at £y,aT£po)9iv ävä £l; Xewv a-£crpaji,[7.£vr(V i'j^wv Tr,v 



^ Si);A£ta)T£Ov oTi Scp'Yya; s'zovü^ovTai [jio'vov srl t^; Xo~a5o; A' — irzt. Tiüv XotTidV 
aYY^-wv £171 ücipfjvEc. i^u/va otxw? aj^aviwaiv a[j.-^öT£pa la Xc'paTa xa'Jia ItzI tt); au- 
•CTj; :iapa<JTäa£oj; (;:p6X. (JerharJ hd. ävwx.). 



328 TICMBOS EN BOrPBA 

xe<pa^v5v (7u[/.{;.£Tptxöi(;. "Exerai SsipTjv y.ai [/.ex' auTv^v ävo. [y.ia. av- 
Sp'.x.T) (;) {/.opcpv) £X.aT£p(i)0£v avOoui; XwtoiJ. To. TcpoGco— a töv [j',op''|*(ov 
TOUTWv tlal •ycaT£'7Tpa[;.[j.£Vix. 'H x.aTWTspci) "C(i>'''/1, ö-do; y.al ai tou 
ä{A(pop£(i)i;, eiJtovi^Ei ctoTj^ov (^wcov -/.ai 2£tpY;vwv. 'H ypa^p-/) lyEVSTO 
Sia |jl6vo'j toö (aeXävo; )^pw;j.aTO? Si' £y)^apa^£(o? tojv };£7:T0[;.£p£ioiv. 

'Eui TOG OLyyzio^j toutou £'^0[/.£V tv]v T^pwTTjv ävOp(i)xiv/]v [;,opcpviv 
pt.6Ta^u Tou xara 'C<»>va; aToiyyj tcöv (wwv y.at TEparoEiSöJv jj-op^oiv 
xar' ap.£<jOV iTüiSpaaiv tüv x.opivBiay.div ttcotuttcov. Aio, toG äyyEtO'j 
xtv. XII, 2 £ia£py^6[X£0a £t<; t'//V TpiT'/)v tx^iv : £'!(; toc iXTTi/.ot {X£Xa- 
v6j7.op(pa.. 

Tö äyy£iov touto, T^r/jj-aTO? <7-/.6<po'j<;, Sicotov, Soa<p£p£i tcöv "koi- 
TCwv 7ravT(i)v. "E^o[;.£v ivToc'jOa TrapscGTaciv (7u|/.7;oGiou — cy»v)V75v toö 
y,aG' 7)f/,£pav ßtou, ivTsT^oi; ävOp(o-tvr,v a.v£u TfpocTCOv r; fj'/ipiwv xaTO. 
CTOijrov ßaivövTcov. Tö äyy£iov iyji Suw o'|£t?. 'E-l t"^; y-upia? öt|;£Cö(; 
£i/tovrC£Tai y.)^ivvi £—1 ttii; ö-rAoa; t^xtzz'Col' i~\ t7)<; /.Xiv/ii; dcvrip l^v)- 
TC).(jij/.£vo; ü(];(I)v T"/;V äpiGTEpötv y.al T^ap' aüxw yuvr; (ti; to TrpocwTwOv 
>,£'jxöv) £-ic7); x£ip,£v'/i. 'ApiTTepoc TTj«; ■^Xiv'/); av7;p icTip.£vo; wpo? 
Tou; £v TYJ xAivv) ß>.£7r(i)v y.pa,Tcöv y.jcvOapov o-'.cOsV tooto'j «.vtivcoto? 
avTip Twai'^wv öiy.'Aov. A£^ia, 0£ Tr^; yJav/]? yuvTi t7]V <7Tiy.'7iv £j^ou(7a 
)ca6vi{j(.£vv);, äXX' av£u k'Spa;, xpaToOca Trpo toö CToaaTO; >c'J-£Xlov tci- 
öxvoi?. ripöi; tÖ äpiGTEpöv (xy.pov Tvii; ff.\jTr,^ o'|£w; y) auT'/i :rap3i:<7Tact; 
(xvopcx; y.3cl yuvaiy.ö; £-t yAivv];, too ävSpö? y.paTOuvTO(; y.spa?. Ttco 
TYiV Tpa:-£'Cav ivTauOot £r/COv{';^£Tat Cöiov, y.uwv I'gü);, "ksiydiv to ex tv)? 
TpaTUE^^vi; y.ocTapplov p£UGTÖv (£'.y-ovr(6;j.£vov S-.o. ypaaj^.cöv iyy.sy v-^ocy- 
(jt,£V(i>v). ripö; Ss^ioc o£ Tv;; yJdvTiC TXOT'o; y.'.y.pk [^-Opo-/] y,y.f)ri<j.ivn IttI 
<>/ti{;.^oSo; xpaTOu^a äYy£tov. T-ö tviv iri^cv tcöv >.a^cöv toö äyy£iou 
6i3tovi(^6Ta'. cy.£öo; TüTjXivov, ä-ö T'/iv aXkr,v §£ yuvv] xo-TOuca 7:pö; TOt 

/.KTCi), T'/JV }(^£ipa, (pspOUfTO. £771 TCÖV yXoUTCÖV . 'Exl T'?,? £T£pa<: TCÖV 

o^[/£cov TOÖ äyy£iou £iy.ovrCovTai TSGcaps; j^-opcpai Tayjax; ßaivou(jat, 

CÖ(7£i TwTjScöCai, ä>.X' V) O^J/k; aOT'/l £LV£ TOGOÖTOV £(p9ap|X£V7; ÜCTi Ott 

fjLop^al (Jt,6Xi; Siay.pivovTat. 

'H TrapacTadt; l-l toö ayyEiou touto'j sive ohyl a.G'j'^riHrii;. Kai Iv 
'Atti/Cyi y.a.t iv 'Ep£Tp{a xoci £V KopivOcp £up£OyiGav äyyEioc dxi twv 
öxotcov £iy.ovi^£Tai cö; xuoia, TrapxGTaGi? xXivy) , dcp' vi; y.£/t)^i[Jt,£vov 
(,£ÖyO(; Tüpö Tpa7r£*(v]? y.ai Trap' auTOi? auX-iQTY;i; xal otvoj^oo? x. t. 1. 

Mv'o{xov6ÜO(x£v i7r>wü><; t95(; ßa<7£a); toö TptTcoSo; ( Furtwängler 



TrMnOE EN BOrPÖA 3?(^ 

Vasen samm Inno; 1727) r,v 6 Löschcke h Arch. Zeit. 1881 ael. 
29 /caL £C. (ö? äTTt/',-^(; xaTac/ceuvi;, ravu eüXoyö)?, TuapxSs/STai. 

cSv^TTjO'/], iTtl^z^OLlOl, <ppOVO0{J!.£V, TT^V VV(öar,V TO'J LÖScllcke, 3CT£ TTO).- 

>.y]v £^ouGYi? T-^; 7:apoc'7Txr7£o'); TO'J (jyjciv TTpo; Ty;v rapäcxa^iv £>t£i- 
vYiv ty;; I/. Bo'.oxia?, ox; X£yo'jci, ßi'7£(o?. Kai Slv apvoo^-fiOot uiv oxi 
ol t'jxo'. twv 0£^ix Tr,? xXtv'/]; [/.op^pwv ttoT^u ijo^-ini t6 y,opiv0'.a/t6v, 

(XTfi [XETE/O'JCOC'. TO'J X.WJX'.KO'J (burleSqUC) £l? £V*/;(J[Jt.£vi^6T0 •/) äp- 

j^aUT] xopivö'.a/tv; te/vv] (xpSX. tv:v ^^iä>//;v Dumont-Chaplain «reX. 

339) OnW Ol SxV£'.0'. O'JTOt T'J— Ol SfiV 'IcyJO'JTt VX ■/,aTaS£i^ü>'7l (ifi'jS'O 

TT/V w? £X ty;? oXr,; TTapaaTocjEw; xa.t ty;«; •/.otTa'7y,£'jr,i; a-'jxo'j T^pocpavoi? 
(XTTiytO'jpyY; a'jTO'j o<j/(.v, TOoO" ÖTTEp £7:i)t'jpoÖTX'. x.ai S'.x T'^<; ixva;x- 

CpiG^YlTY/TO'J 7Up0£).£'J(7£(i)? X'JTOU £^ XTTl/.O'J T'JV-So'J {AsTOt TCÜV aXXcOV 

£7:i<7r,; aTTixoupywv ayyfiiwv. Toc ävwTEpw SYi[7.0'j'.£'j6;j.£va äyy£ia cjv- 
teXo'j^'.v, co; £r-0[/.£v, £'!; Tr,v äccpaV^ ypovo).oyiav tou t'j[J'.Sou xal 
Tcöv U-' a'jTOv Txcptov. A£v 7:Xavü)[j-iOa ttiOxvcü? avxyovTfi? tx'jtä et; 

r/lV 7 TT. X. 3/'.XT0VTa£TYipiSa [J!.£yp', TTO'J TOiV yOOVWV TO'J 5^6).(ovo<;. 

'Ettou-evcoc x,ai 6 t'jjaSo? o£0v v' avxyOfj £;? ty^v xÜty^v ypovtxrjV TTspio- 
oov,j^ci)pi; lvvo£iTai,vxO£Tü>[j!,£v £i; xacp'.SoXixv t-);V [ji.£Tay£v£(jT£p(i); ty^;; 
xspiobou TauTY]; j^p'/iciao-oirjciv auTOo co; v£/.poTXO£'!o'j, äcpo'j y.x'kiGxx 
ej^ojJ!.£v Axl £v£-iypacpov ßxOpov äyx).[i.XTO; (T^spi O'j l'^s iv A£>.Tiw y.r,- 
vo? AüyoucTO'j i'vO. ävwT.) xvay6[JL£vov £'!; tov G^'' -. X. xlöivx. 



B. STAH2. 



EnirPA^iKA 

1. 'E7tiypa(f)T} Mayri^uiaq rijc; ijtt Maidrdpo). 'H £7rtYpa<pY) «.Ott; 
elvat y.s;(apay[;.£V7i st:! {/.apaapivv]; xXax-ö; 1,10 [jirpcov u'^ou?, 0,57 
ttT-octou? xai 0,20 xayou;. T6 '^'/J\[JV- tyi; xXaxö; sivat TSTpaxleupov 
öpOoycöviov, xicTwöi toö Ötcoiou xj-xpyji i^oyri, oi' v)«; £<7T'/ipi^£T0 auTV] 
£Xi £T£pa? [j.ap|y.apivYi; ixiTTn; xai iyo'jGV); cr/'^jJ-a ßwjj-oO. 'H teXeu- 
Taiot auTT] xlkE £Öp£0'O iTTiisv]? icy^dCTox;, -Ärapo, ttjv xpÜTTiv, to. §£ 
£7üt Ta-jT'/i; /.E^apayy.evx ypjcaaaxa ävacpspovrai i-icrj? xartoTEpco. 
(DpgX. N£a 2[;.opv^ 1890 äp. 4152. 4155). 

TI £7rtypoc(p'/i ocGt'/i £up£67i üttÖ toO cpiXapyaio'j /.. K. Bjctougv) iv 
MayvYicix y.yJ. p.£T£cp£pO-/i uxö too iSiou £1«; to iv 'Aioiviü) /.aToccTTi- 
{/.dt Tou, £v6a £Tt 71 ttXoc^ ävaxEiTai. 

ATAOHTYXH 

ETTinPYTANE^SAKPOAHMOYTOYAl 
OTEIMOYOAhMOSOMArKHTff^NETTEPff^ 
TATONGEONnEPITOYSHMElOYTOY 
5 rEr0N0T020TlTTAATAN0YKATATHN 
TTOAlKKAASOEIZHZYnOANEMOYEY 
PEOHENAYTHA^EIAPYMAAIONYZOY 
TlAYTff^ZHMAINEIHTIANTTOIHZAS 
AAEc^ZAIATEAOlHAlONGEOnPOTTOI 

10 EnEM00H2:ANIZAEA<l)OY2"EPM^NAZ 
ETTIKPATOYZ-APISTAPXOZAlOAe^POY 

0EOZEXPH2EN 
MAIANAPOIOAAXONTEZE0YAA2IN 
lEPONAZTY-MATKHTEZKTEANOlZ 

15 EnAMYNTOPEZHMETEPOIZlN 

HA0ETEnEYZOKENOi:ETOMATc3NArE 
KEIOTIZYMEIN-MYOOZEnEIBAK 



EnirpA<j>iKA :i3i 

xo5:0AMN^enikein'enoi:q(1)0h 

E5E0ANHAEETIKOYPO2EnEinTOA 

20 ai0pati0entez- kh0y20ykqki2 
2:ateytmhtoyaionyzq - aaaa 

KAI^ZQAHMEMErA20ENEZlA PYE 
NHOY2:-0YP2OXAPOY2IEPHATI0EI 
AEEYAPTIONATNON - EA0ETEAE 

25 ES0HEHZIEPONTEAONO(t)PAAABH'E 
MAIN/^AAZAirEKEHSEINOYSAlTOKA 
AKHEIHZ-AIAYMEINAQZOY2IKAI 

OPriAKAINOMIM A-KAI0IA 

SOY23AKXOIOKA0EIAPY2OY2I N 

30 ENASFEI-KATATONXPHXMONAIA 
T^N0[:onPOnQNEAO0H5:AKEK0HBc5N 
MAINAAESTPEIZ - K02KQ - BAYB^ 

0ettaaH"KAIhkenko2k^2:y N-r a r e n 

0IAZONTONTTAATANI2THN^N 
35 HAEBAYB^TONTTPOTTOAE^ZHAE 
0ETTAAHTONTff5NKATABATc2 N 
0ANOY2AIAEAYTAIETA<t)HZAN 
YTTGMArKHTQNKAIHMENKOZKQ 

KEITAIENKOZKQBOYNoHAEBAY 
35 BQENTABAPNEIHAE0ETTAAH 
nPO2T^0EATP^ 

'Ayaö'?) T'j^T). 'Etti xpuTÄvswc 'Ax.poS7]u.ou tou Atorst'xou. 'O 
5 övif/.Oi; 6 MayvioTCov exspwTa tov Ösöv 'Ttspl tou a7)(;-£tou too | Vs- 
yovoTO?, öt'. TüTvaTocvou y.a.'zcx. ttiv xoTttv xXacÖ£t(j7i<; utüo oLvijj.ou 
S'jpsG'/] Iv auTY) ä^siSp'j[j.a Aiovugou , Ti auTÖ c^y.atvs'. t] ti xv 
10 TTOiTi^ac äo£w? SiaTsXoi -/iSiov. ÖsoxpoTTOi I eTTs'jx'pOYica.v li; iXsXcpO'j; 
'Ep[j.(öva(E) 'ETTi/cpÄTOu; 'Aptaxapj^o? AioSüpou. 0e6^ i'j^pvicreV 
MaiotvSpO'.o Xaj^ovTs; scp' uSxciv lepöv acTu, 
15 MocyvT/TS? XTsavot? | STraaovTope? riy-STspourtv, 

20 l^ecpav'/) Ss £Ti ;coupo;" st^eI 7irToX[i]|ixiOpa tiOevte; 

ATHEN. UITTHEILUNOEN X\. 23 



332 EnirpA*iKA 

v'/QOu; Qii'/. oy/daaccr £Ü(o)ij.rjTOu(i;) Aiovötw' 

6'jp<70/apoo;, upria xiOsi Ss eOzpTtov äyvov, 
25 i'XOsTe §£ I s? Ö'/iS'/^; ispöv ttsSov, o<ppa XscSriXS 
MatviSa? ai ysvcvi? EJvoij(; ä^ö KaS[7//)£roc" 
a'i! ulJ.siv owGouGi x.a'. opvtoc xal v6(7.i|j.[a scOXo. 
30 y.al Öisccou; Ba/.^oto xa6£iSpiJ(70U(jiv j sv Ägtei. 

KaTX tÖv yp7](7|j.6v Sik roJv Oso-poxwv iSoOviaav £;t ©7)€oiv 

Ma'.viö£(; Tp£i?, Kocr/.io, BauSw, 0£TTaXY5' xai 'Pj [j(.£v Kogxo) 

35 GuTr,y7.yev tov Öiacov tov ID.a.TaviGTrjVöJv | r, o£ BauSö) tov ttoo 

~6>.£Ct)?' -/] 0£ 0£T~aX7i TOV T(öv KaTOtSxTWv . ©avoucai Se auTai 

40 STK'pr/Gocv uTüö Mayv7]Twv xai "ö [J£v Kogxw /.eixai iv KotxwSouvG). 

r, Se B3C'j|Sw Iv TaSxpvEi, v) 6k 0£TTaA7] xpoi; tw ÖEXTpw. 

El; Tr,v iy O'jGOi^ ajriiJ.cf. ßo)[7.oO ßxciv, dcp' t]? GT7ipi^£Tai r, (^i- 
pouca Tr,v cö; ävwTEpco £77'.ypa(p7)v, xal Opa'j'70£!!'7av oucxu^cöc utco twv 
£cya.TÖiv, £iGtv iyy.Byoi^ixyj.ivixi ai e^-^? Xe^Etc, 1^ (I)v (paivETai ti; 6 
ypatl/ag xal äva6£'.c tw 9£ö to. ävcoTEpw : 



GEHAIO N Y2n 
ATT0AAnNEI02M0K0AAHS 
APXAIOSMY2TH2 
APX AIONXPH2MON 

AH SANTA 
rPAYASZYNTnenM^ 
ANE0HKEN 

0eö Aiovu<7(p 

'Atco>vXo)v£io; Mox,6XX'(^? 
ip^aCo; yAnzriq 

X-fißy.vx'x 

ypa']/a; »t'jv tö ßojjj.iji 
avsÖTiXEv 



EnirPA*iKA 333 

2. 'EjT(ypa(f)7) ^iladsMff.taq. 

OKT^KAIAEKETHZ 
KEIMAI(j)IAETc5AE 
NITYMBff^-Ac^POZ 
2APAIAN02AAKTY 
5 A0K0IA0rAY(t)02 

MAPIQNOZAYAOI 
OTTATPOZMHTPOZ 
TEAAKAINHZ 
ZEMNONATEP 
10 KYTTPIAOSZHSAZ 

lONAAAAME 

"AIAKC YPON 

TA' ^ r O N 

'Ox,T(i)xa'.S£X£Trj; | 5t£it/.ai, cpils. twö i|vi t'j[/.€ci). 

Mapiwvo; A'j^oijo TrotTpo?, -[jt-TiTpoi; | ts Aaxaivvi;, | 
xoupov I ;'7:ja[pO£vt]x-6v . . . 

'H avw STüiypoc^T) lyxsj^apixxTat stcE »ttyi^'O? u<]/0'j? 0,74, 7T:).aT0'j; 
0,30, izxyo'-ic, 0,06, xai p-STSipspOTi l/C *I>tXaS£X^£ia; Saxavat; tou 
cp'Aap^aiou tarpoG /.. Mtj^a7;X Kocraovy; sli; Tyjv Iv S^aupv^ otitiav tou. 

To irpwTOv (];r/piov too 8°" axiyo'j iviyy.o6:jßri xpöTOv [^-£v cöi; A, 

SlWpOwG*^ ^£ £1? T. 




r7rouöaiOT(XT7) £tv£ y^ T^spi "iG? ö Xoyo? STCiypatp-y], Sioti iv T'i^ Kopw- 
viöi £iv£ a)tpi€(ö; Icx.aXicrjJ.evov t6 (j/fi'/^xvr,[j.<x. tou Sa/.Tu>.oxoi>.oy>.u^ou, 
Ol' ou l/CO'.>.oyX'j'^£i tou; Sa/.TuXioui; Xiöou;" ■TrapaöeTop-Ev evTauOa et- 



384 EnirPA^iKA 

v-ova ToO spyaXsio'j tO'jto'j, outivo?, ötov rjttei? yvcopi^oy-sv oüSsj/io. 
äTsr/.ovtC)'.; 0-zp/ji (-TTp^X. Blüraner, Technologie III Gil. 289). 
'ES*/;[7,oatsuO'o y) S7:iypa^'/i ev tu ' Mo'j<7£tov xat ßiß);'.oGY]/t'/i tt^; 
EuaYy£>^tx.Yi; ^yolrtq\ Ilep. 5 (1884-85) (7e>-. G4 x.ai iv tw Bul- 
letin de corr. helleniqiie VII ml. 503. 'Ev tö xeXsi 6 x. 'Api- 
CTTOTaVr,; M. (I>ovTpi£p a^j^xizlripol' ' ä}.>,y. ae ['/-]'xl | «-/-[XYiJpov ', tou- 
T£CTi Öavövxa avsu tüxiSwv, x,ai tt/V (7u[J.-X'/;p(i)'jiv TauTr^v Ssyerai 
xxl 6 x. Cougny Iv tu TpiTw tojx« t-^? 'Av0o7;OYta? ( Antliologia 
Palatina III eil. 596), =va> o'jts xfi tou £-iYpxy.y-aTo? swoia G\j[j.- 
(p{o\£!;, O'JTS TU) ;j.£Tpw. IliOavwTepa 6a, T'jvsTrV/ipojcrs ti; ' ax.[a'.]pov ' 
(■TrpSx. TTyv £cpr,[;.£pi§a ' Nsa Zila'jpvYi ' 1889 äp. 3895 y,ixl Gourrier 
de Sinyrne, 7 sept. 1889), oallk la.'oov-sc, u-:' o^-iv toc iv toi? t£- 
>.£UT3cioi? ctIjok; TwspiccoOevTa lyv-/) ypaajj.aTwv, iyä^xEOa elq ttjv avo) 
'7'ja-'X'/;pa)'7iv. 

3. ' Emypafal Kec^peuir. h Mo'jyloi?oiaa£V(ov eyx.piTO? 7ZoliTr,(; 
■/.. :\. — /Jva^'.XfV/)? ä.-£'7T£'.)v£v '/ijxiv y.v'ziypyji^y. STT'.ypaooiv tivcov, atTt- 

V£? sOpi'j/.OVTa'. £V T'.V. TGJV V'/]COJV, TWV liyO'J.ivCßV U~Ö [7-£V TCOV To'jp- 

■/.ojv Zllsyipoy^.O'j, Otto o£ twv vOv'EXV^vwv v-^to'. t'^; Ilavayiai;, /.al 
•/.£!.a£V(j3v £v TW aETW ayj^o^ toO Kspaar/.o'j •/.o'XttO'j. 'H TrpwTT) twv 
ETU'.ypa^cöv £^£§60-/] ü-ö Twv ■/,/,. Dielil x.ai Cousin £v tö Bulletin 
de corr. hellenique X Gtl. 426 outw; : 
'0 Sxjx]o? 6 KfiSpEaTav £Ti[j.aa£ 
Tov Ssiva] . . (pi>.iSa xa.0' üoOsaiav §£ Nixocyopa 
ixaivtoi, ypuG£Coi ajTS^pxvwi, £r/-6v'. yoLl'/JoLi 
TüpoE^piat £v] TOI? ayöct ol? tiOsvti KjSp£a,Tai 
äpsTöc? £V£/,a.] y,xl suvoia? av e^cov Sia"£);£t: 
£'!?] tÖ xo'.vÖv tÖ K£op£aTav. 
— 'ja7:).r(poOTat '/) £-'.ypa(p'/i vOv oi' cLllrrj T£[J-c.yiou to 6— oiov xaTO. 
TOV •/.. I]x,Xaß'.ä.Sr,v cpspE-. TaijTa to. ^j^7]<pty/ 

O A 
NIKAFOPXNr 
EPNINOI XPY 
PPOEAOIXE . 
A P . . A I N I E 
E 1 Z 



EnirPA<i>iKA 335 

'EvwöevTo; TO'JtO'j TO'j TSaotyio'j u.st'x Tri? ävcorspo) ETTtypa^pyi^ xat 
mopSwOsvTWV Toiv T'paXaxTwv TT,; xvriypy.or,q Trpox.'jrTS'. toOto to 

'0 S[a;7Jo? 6 KeSpsxTav izi[XiXG'c Nix.y.y6pav (0)£['j](ptXiS3c x.aO' Oo- 
Osaiav o£ Nty^ayopa i-xivco, y^pu^TEco G]TS!pzv(o, si/töv. ■fxXy.iv., rpos- 
Spia e[v] TOi; äycoGi ol; tiOsvti KsöpsaTa'. äp[£T]a<; sv£[/'.ot] /.at süvoiac 
av ej^wv maTeXst st? t6 •/.otvöv to KsopsaTT-v. 

'H Ss'jTs'pa s-iyp /.cp'/] ävTsypal'|;•/^ etüit'/ic -/-Syi ütto twv ry.>.'Xojv ip- 
/a'.o).6ycL)v O'JTW? (s ä. tsI. 424). 

HMAAAKAITAYTANoKAEinniAAEISAToNIKnN 
EIKoNATEIAEK.AYToMMNAMAKAloYirONOIS 
AAPoNonnsiGYoENTIOEoYrEPASiArENINAfll 
HMENAArrEAAolAQPAOYAnoAlA:^ 

MeT£ypa^|/av y.ai to TrpaJTOV Sittc/ov op^ÖT^TX o'jxoi?' 
^H [j-ÄXa /.ai, TauTav 6 KT^sixTiriSa daxTo Ni/.wv 

TTspi Se T*7i; d^'/iy-^jasw? too os'JTspo'j ärryX— laocv, x,ai77£p {ie'oy.'.o~y.~x 
/.at -/.ocOapoTaTo. ävTiypz'i/avTs? tx GTOv/elci. (la lecture du secund 
est certaine, mais le sens nous ecliappe). KaO' vi[7,a<; outw 77p£- 
TTei vo. ävayvcocÖ'^ to ScUTspov SicTi^oV 

Aapöv Ö7:ci)c 0'j6£vti ()£oii y£px; ä y' £vi vaco 
7;[X£va äyy£AAO'. ooipa H'jy.Tzo'kiy.q. 

'H TpiTV) £7iivpa0''l £/£l OUTCOC" 

api5:teiaana. . . 

...APISiTEIA.... 

..:s:kaiah.o^tp. 
..o.oe.aotos. 

...A...:STEIA. 

. C) . O 

. O 

. T O 



öSacY). 






K O A O 




H N UU N 



336 EnirPA*iKA 

iiy)[[J!,]6(7Tp[aTo;], 0e[6]SoTO;, tÖ öXov /.siy.svov 6[7-co: vx (7u[a,xV/jpw- 
<7{oasv sivs äS'jvaxov. Kai aXXviv [xiav s-^ypacpviv ävTsypa'lsv 6 x.. 
2;/t>;aS'.a.S-(^c , oiXkic oXtya (jlovov cw^ovrai ypafAjxaioc I-ä:' auTvi?. 

4. 'Exiypafplj KiMinrov .Tf()/ot'. 'EttI [/,o>.uSmvr;(; rrla/tö«; CTpoyyu- 
>.y)(; eupeOsi^Tvi? ütco tou a. A'/ijxocOsvo'jf; Bev] BaXTx'Cvi, SuuGuvtou 
Töv ocpyatOTTiTWv Twv vo[7.(jiv 'Aioiviou xai Alyaio'- sv tö K£)^£?- 



KoXo- 
rvcüv. 



"H £v Xoyci) TuXa^ eive aTüouSa'-OTaTOv £ijp-/i[j.a, '^'.6ti ö'.öc xa-üx'/)^ 
ä.7i;oS£ix,vu£Tai, öxt tÖ KeXe;- öSacr-o £tv6 v) äpyai«, KoTvO'/). IlpSX. 
T7]v £7riypaip"y)v, viv Tiva lS-/iu.oai£uaa Iv tootw tä 7:£pioSuC) XIV 'sz'k. 
98 äp. 32. 

5. ' Ejziypaf)} 'OjJoupJov. 'Etci öpsi^^aX^ivv); TüT^ax.ö; ( [^--^/.o? 0,075, 

tcXkTO? 0,025) EUpfiÖEtTT)? £V 'Opt-OUpXoU, TTpWTW (T-raöf^-W [AETÄ tÖv 

cTTaOiJ.ov ToO 'AiSiviou (TpocXXswv) T'^? (7i^7ipoSpo[xr/.7it, ypa{;-[xr;; 2[y-up- 
vYi^-'A'iStvio'j, £'jptC/to[;-£V7i; §£ vuv £V T"^ <j\jXkoyr\ tou x. A. van 
Lennep. 'Ext tt^; CTpoyyuXr,«; X(xSr,(; ty^; Itci toö otvicÖiou [Afipoi»; 
ävaytv(d(r>c£Taf 

A N F F 
£7ci bk Tvii; xXajco? aüxr,? 

CCCOR NELIORVM 
FVPORIETPHAR 
NACIS-DC-PLO 

<t>aivsTai oti rä Iv t'^ Xa€'^ ^{^Y)^ta TrapiCTocvouct t/]v yvwijTTiv (ppoc- 
<jiv Annum Novum Faustum Felicem oi Suo ixvYipvguojAsvot C. 
Cornelius Euporus axI Pharnaces Igw? -^Totv Decuriones Colo- 
niae. T6 PLO iv toj T£X£t xi <77i[/,a.iv£i §£v yvü)pt^o[j,£v. 

6. Opot ir T& opei Hikv.Iov. 'Ev tootw tw Tuepioduö XIV 



EnirpA*iKA 



3.'^7 



opsi StTTu^^ou. ToÜtwv Toiv op(i>v o.vaSr/i/.OTtsow EvraClOx tÖv TrpoTS- 
Xeuxaiov (äp. 18), IttsiSti tÖ xpÖTOV ävTiypa^pov r,TO /Cätz Tiva 

O 

P o c 

C Y K A 
U I N O Y 

TOuredTi" 6po? ^u/^xaivo'j, x-ai oü^ri Öt^w; eypä^-/) Su/.0'j'.vo'j. 

7. 'E^Ttypucf/j Tj'ciLleon-. 'Etti aocpv.aptv-/]i; 7:Xaxö; söpjOetcrr,; ev 

«ptXapyaiou x,. KwvaxavTivou Barooc»'/;. 




IJSssT^SJ^vt «SJJ^W!«^ 



ÜA 






9 



/ 4^ 



X'/iv^Ti? iTCtypatp'^?, e^Tüt^cov Öt', K,a.'. auT'/i vi Scply^ Ox supvi tov Otoi- 

AAEEANAPOS EMM. KONTOAEÜN. 



MISCELLEN 



Zwei altionische Grabstelen. 



1. Erythrai (Kitri) 120 Schritt von dem Eintritt des 
von NO. nach Ritri führenden Weges in die Stidtmauer gleich 
weit von dieser und von dem Wege entferi t (östlich der 
Windmühle). Stele aus dem roten Trachyt des Biirgfelsens, 
\ierkantig 0,975 h. 0,43 br. 0,215 h. sorgfältig gearbeitet, 
wenia; bestossen. An dem oberen Rande der einen Breitseite 
die Inschrift B. 0,02-0,04, Z. 0,01, in der gegenüberliegen- 
den Kurzseite altes Dübelloch. Ausserdem r. von der Inschrift 
Loch einer U-lörmigen Klammer von späterer Verwendung 
des Steins herrührend. Veröffentlicht in Minuskeln Moucgtov 
ÄCtE ßiSXioÖr,/-'/) T'ö? eüavYeXtÄ^; cy^oAriZ III 1880 S. 148 und da- 
nach in Röhl's /. G. A. N. 494. 




( 1 T O 

r V/^A I K 

T O T H AE 
£ K A-rAi 



<AEd: 




'AptffTOxXeo? yuvaixo; tö T7]>.e(p5cvso; 'ExaraiTi; ro? AsovuSo;. 



2. Klazomenai (Vurla) ungefähr 1,5 Km. westlich der 
von der Skala nach Vurla führenden Strasse halbwegs zwi- 
schen Vurla und Vurla-Skala jetzt in Berlin ( Königliche Mu« 



MISCELLEX 339 

Seen). Stele aus weichem, weissen Kalkstein, oben abgerun- 
det, die linke Hälfte der Hundiing und unten gebrochen 0, i35 
h. 0,42 br. 0,165 d; 1. verrieben. Am Beginn der Rundung 
die Inschrift B. 0,02 — 0,03, Z. 0,02. Verötientlicht in Minus- 
keln Arch. Anzeiger 1889 S. 86 (Puchstein). 



I 



yx I H C T H£ 
rv^A I K 0{. 



Z. 2 ist, wenn wir für dieses Stück den sonst in der In- 
schrift waltenden Buchstabenabstand gelten lassen, Raum für 
höchstens zwei Buchstaben. Mir scheint deshalb der meines 
Wissens sonst nicht überlieferte aber durchaus möij;liclie Frauen- 
name T^r/l-ri vorzuziehen dem anderen EuT'jyi-/], den man zu- 
nächst erwartet. 

Für die Erwähnung der ar-hl'n vgl. C. I. Ä. l ^Ql . I. G. A. 
503 (?) und oben S. 224. In der Datirung weiche ich von 
Puchstein (a. 0. ' frühhellenistisch ') ab. Wenn auch einzelne 
Buchstaben A, ^, Y eine gewisse Lässigkeit und Flüchtigkeit 
in der Ausführung zeigen, so weist doch die Inschrift im All- 
gemeinen sehr gute alte Formen auf (vgl. E N V f2) : sie wird 
deshalb jedenfalls noch in das V. Jahrhundert v. Chr. gehö- 
ren, ja selbst der erythraier Inschrift zeitlich nicht zu fern 
stehen. 

Der Stein ist gefunden zusammen mit den von F. Winter 
(Denkmäler I Taf. 44-46) veröffentlichten Sarkophagen aus 
Klazomenai, die mit einer Deckplatte aus dem gleichen oder 
ähnlichem Material geschlossen waren, er gehört deshalb wie 
die Sarkophage vermutlich zu der Gräberstätle von Alt - Ria- 



340 MISCELLEN 

zomenai, der auf dem Festlande gelegenen Stadt (Strabo XIV 
645. Paus. VII 3, 8. 9; vgl. Labahn, De rebus Clazomenio' 
nun. Diss. Greifswald 1875 S. 21 ff.): von der Inselstadt 
liegt das Gräberfeld zu weit ab, und die Benutzung desselben 
durch die Inselbewohner ist wenig glaublich, wenn auch nicht 
gerade ausgeschlossen. 

Die Verlegung der Stadt vom Festland auf die Insel ' aus 
Furcht vor den Persern ' wird mit grosser Wahrscheinlichkeit 
in das erste Drittel des V. Jahrhunderts gesetzt (Labahn S. 
8 f.), es ist demnach wahrscheinlich, dass auch die Inschrift 
in bez. vor diese Zeit gehört. Mit Sicherheit lässt sich das al- 
lerdings aus den Fundumständen nicht erschliessen, zumal an 
derselben Stelle eine TerrakoUafigur gefunden sein soll, die 
jüngeren Ursprungs ist (Arch. Anzeiger 1889 S. 89. 2). 

Marburg. 

WALTHER JUDEICH. 



Litteratur. 



R. Koi.DEWEY , Die antiken Baureste der Insel Lesbos, im 
Auftrage des Kais, deutschen archäolog. Instituts untersucht 
und aufgenommen. — Nicht nur als Frucht einer zum Teil von 
unserer Zweiganstalt ausgegangenen Unternehmung, sondern 
vor allem als bedeutende Förderun«- unserer Kenntniss eines 
wenn auch beschränkten Gebietes der griechischen Welt darf 

c 

dies Werk hier nicht unerwähnt bleiben. Für die topographi- 
schen Fragen hat H. G. Lolling seine wertvolle Hülfe geliehen, 
für die geographischen H. Kiepert. Nach einer Besprechung 
der einzelnen Städte und ihrer Reste, von denen Antissa hier 
zuerst richtig angesetzt wird, sind die Einzel monumente be- 
handelt, am ausführlichsten auf Grund einer Ausgrabung der 
wichtige ionische Tempel von Messa, demnächst die Reste 



MISCELLEN 341 

eines sehr altertümlichem Tempels bei Kolumdado (Xape), 
dessen Steinsäulen mit sehr un^ewiilinliehem Vokitenkapitell 
(ähnlich dem von Noandria) II()lzj^('l);ilk lietraiieii haben. 29 
Tafeln und \iele Abbildungen im Te\t veranschaulichen die 
besprochenen Denkmäler ; eine besonders wertvolle Beigabe 
sind die von H. Kiepert entworfenen Karten. 

E. I. Apakos, A'.y.xocrao;. 'Ev Kwv<7T3Cvtivou7:6>v2'., £-/. too t'j- 
TToypacpsiou NeoT^oyou 1890. 

Abdruck mehrerer Aufsätze, welche der Verfasser im Kon- 
stantinopeler NsoT^oyo; 1888 und 1889 veröffentlicht hat. S. 
1-20. Sitten der klcinasiatischen Griechen. S. 21-29 Schil- 
derung und Statistik der Dardanellen. S. 30-44 Sammlung der 
Aufschriften moderner griechischer Anstalten in Smyrna. S. 
45-55 kritische Bemerkungen zu modernen und antiken Schrift- 
stellern, welche die MoT/wr^aiy. besprochen haben. Man wird 
den Schlusssätzen, in denen der Verfasser ein stärkeres Ein- 
treten der Griechen selbst für die geographische Erforschung 
des Landes befürwortet, und besonders den Syllogos in Kon- 
stantinopel und die Evangelische Schule in Smyrna zu thäti- 
ger Beteiligung aufruft, nur freudig zustimmen können. 

AöHNA , GuyYpa;x|xa xspioSi/cöv tt^i; £V 'AOrivat; e7ri'jTr;|xov'/',r,? 
ETocipsia?. I. II, 1. 2. Enthält ausser vielem Philologischen u. a. 
I S. 289. B. STar;, 'ETriypacpal Ü 'ETri^aupo-j. — S. 311. V. A. 
n(X7tra€(XGi>,Eiou, Über die Inschrift aus Chalkis Athen. Mitth. 
1881 S. 167.— S. 317. Derselbe, Henkelinschrift aus Chal- 
kis. — S. 318. IL G. Lolling, Inschriften von der Akropolis. 
— S. 337. I. A. T'jTTxXSo'j, Ilspt Tou v6;j.0'j tou Zoacovo;. — S. 621 . 
r. A. rix— aSxciXsiou. ^YriOiQY'^ 'EpsTpi/COv. 

II S. 62. I. A. TuTÜOClSou. 'EtCI tou TTSpi äTüOX.XTaTTdcTcCiX; TWV 

iTip-wv voaoi» TOU SoXwvo?. — S. 149. r. IlaTra^xcr'.lsio'j, Inschrif- 
ten aus Chalkis. — S. 236. A. H. Oiy.ovoixiSou, rXcorrTixo. Ix, toO 

IIOVTOU. 

EbaomaS, sTü'.OewpviGi? x.O'.vcovix.y; y.y.i ^'.XoAoytx.r, . VII 1890 Nr. 
1-38. Darin u. a. Nr. 1 . 2. Grabschriften, in Athen beim neuen 
Theater gefunden (Ausser den meisten der As).Tiov 1890 S. 81 
ff. veröffentlichten : ©soxXsia 'AOvjvicovo; Aay.'.a/.r, — Kttigwv y^p-/]- 



34"? MISCELLtN 

<7t6?). — Nr. 6. Bemerkungen von T. E. Evangelidis über die 
Etymologie und Verbreitung des Namens Aa'7/-a).£i6, welche 
die alleinioe Gültisjkeitdervon A. Miliarakis aufoestelltenDeu- 

DO O 

tung {da scoglio) beschränken. Vgl. G. Ilirschfeld im Geogr. 
Jahrbuch XIV S. 158. — Nr. 7. Nachtrag dazu von E. Georgia- 
dis. — Nr. 1 1 . Fund von sechs marmornen Sarkophagen bei Volo. 
— Nr. i2. Grabsäule aus Athen (Äolosstrasse)mit der Inschrift: 
T£i<7ta?$(i)-/,iaSo(u)? 'El£UGiv(i)o;. — Nr. 17. U. a. Funde im Piräus 
(Späte marmorne Grabstele mit einem Jüngling und der Inschrift 
Tpu(pcov Xp-/iTi;j.o'j Miikrimoq. — Oberteil eines Grabsteines mit 
der Inschrift ^tXouy.svn -Lla'jpvaia IloT^sfv-wvo? ScpviTTiou yuvT]. — 
Grabsäule mit der nachlässigen Inschrift bYTYXR|YCTH| 
X A I P E. — Grabstein mit einer sitzenden Frau und stehendem 
Mädchen mit Büchse und Fächer, darüber die Inschrift : Ss- 
>t6vSa Sspo'jiXia IIot^Xiou OHyacxTip EiTiScöpou toö EiGiScöpou Ks^pa- 
XviOsv yuv-/)). — Nr. 20. T. E. Evangelidis, Inschriften aus Ka- 
rystos (Le Bas 1607. Dulletui de corr. hell. II S. 275. — 
Am Hause Chatzikonstandi am Hofthor: Relief mit Inschrift 
ArAOlONEINrENOYAOYZ = 'AyiOiov 'Exiyevou Aoucrieco? ?). 

— N. 21. Inschriften aus dem thrakischen Apollonia (Sozopo- 
lis) (Mittheilungen aus Österreich X S. 164, 6. 163,1 . 3. aus- 
serdem TiSsto? 'Ay};zp^O'j. — KcCk\iy.c, Kpari-TCO-j. — I A P M I Z- 
..0|MHTPOAQP..— AAA...|H(t)AIZT..|rYNH.) 

— Nr. 23. T. E. Evangelidis Inschriften aus Tpiy^eia (Bryl- 
lion an der Propontis?). 1. An der Hauptquelle des Ortes: 
Focio? MayaXto; *I^po'JT(i)[v] OuXouciai KXapa v/j yjvar/.L y.vY};/,-/)? yx- 
ptv. 2. An derselben Stelle: Grabrelief. T£iaox,l£a AioxIeo'j? 
yuv)) 8s M£v(c/.ou yaip£. 3. Relief. A-öCka. Ntx.ia, 'Atco'XXwviö'. tti 
ia'jTvi; Op£t]>E'7Yi TÖ ari[j.7.. 4. An der Metropolis, Totenmahl mit 
der Inschrift ANTIOXOC APICTEIAEI 

rnTTATPOC AAEA0n 
MNHMHC XAPIN 

5. An derselben Stelle : Relief. Ka>^Xo'j€ia (SjaToupvsiva Koivtw 
AaivKT« xa.1 Auatjj-Äyw tö oicp a.[v]Spi jy.vTijJ.io? £V£X£V. — Nr. 28. K. N. 
Kanelakis, T«. /caTo, ÖÄvaxov i'Ottj.a (Bruchstück aus dem unter 
dem Titel Xtaxä (xvaX£)CToc veröffentlichten Werke desselben Ver- 



MISGELLEN 343 

fassers). — Nr. 59. K. S. Livanos. Ai ßopetoi STropt^Se?. Im Ge- 
gensatz zu OWsjvoij.vj solzt der Verfasser Peparellios niclit bei der 
heiiligen Stadl son(]ern bei ^l^Tarpulo? an, ^vo zahlreiche l^este. 
Fundamente grosser Cebiiude, eiue Wasserlciltiiii;- ii. a. vor- 
handen sind. Di(! Stelle, die S/caSevx'Co? dafür in Ausprneb 
nehme, wo auch l^elestigungen erhalten seien, müsse eine 
kleine befestigte Hafenstadt ( llzvopy.oi;) getragen haben. Eine 
dritte Ansiedelung, Seiinus, ist beim Dorf WkxTXJcc anzuneh- 
men (Bursian II S. 388). Auch dort seien viele Reste erhal- 
ten, dort sei aucli die Athenastatuette Sybel 397 gefunden. 
Halonesos lindet der Verfasser in der jetzt Svipov genannten 
Insel wieder, die einen vortrefflichen Hafen und dabei Reste 
einer antiken Befestigung aufweise. — Nr. 30. Schluss dieses 
Aufsatzes. Geschichtliches und Statistisches von Skopelos und 
den benachbarten Inseln. — Nr. 3'i. P. Kastromenos. 'II 'Oy//^- 
pv/Sf] "llioq, bespricht die neuesten Ausgrabungen aufHissarlik 
mit steter Rücksichtnahme auf Homer. — Nr. 38. '0 voy.oi; rr,? 
Tpa-i'CoOvTo; Otto tti; /.. Lydie Paschkof MsTsccppaai? 'A. A[j-- 
7:aTYi. — Nr. 39. Knrze Notiz über Andravida (wo die Gräber 
der fi'änkischen Herzöge aufgedeckt sein sollen). Ausgrabun- 
gen in Mykene (Fund von Schwertern und andern Waffen 
und Geräten der nachmykeni sehen Epoche). 



Fun de. 



Athen. Die griechische archäologische Gesellschaft hat 
im Laufe des Sommers an zwei Orten innerhalb Athens ge- 
graben, erstens im Mittelpunkt der alten Stadt in der Nähe 
des Turmes der Winde und zweitens westlich vom Dipylon 
bei der Kirche Hagia Triada. 

Zwischen dem Turm der Winde und dem römischen Markt- 
thore hatte die Regierung schon vor mehreren Jahren ein gros- 
ses Privathaus angekauft, damit ein antikes Gebäude ausge- 



344 MISCELLEN 

graben werden könne, dessen noch aufrecht stehende Säulen 
in jenem Hause und in der Nähe desselben sichtbar waren ^ 
Die archäologische Gesellschaft hatte auch schon vor einiger 
Zeit mit den Grabungen begonnen und einige Säulen freige- 
legt. Diese Arbeit ist jetzt wieder aufgenommen worden und 
soll nunmehr der ganze antike Bau soweit als möglich aufge- 
deckt werden. 

Man hat bis jetzt ein grosses Stück eines auffallend gut er- 
haltenen römischen Gebäudes freigelegt, welches nach seiner 
Lage, nach seiner Gestalt und nach einigen aufgefundenen In- 
schriften offenbar einen Teil des römischen Marktes gebildet 
hat Wir erkennen einen mit Marmorplatten gepflasterten Platz, 
welcher von Säulenhallen umgeben ist. Auf zwei Seiten, im 
Osten und Süden sind die Hallen schon aufgefunden. Von den 
marmornen Säulen jonischen Stiles stehen die meisten noch 
aufrecht, nur wenige fehlen ganz. An die Säulenhallen schliesst 
sich nach aussen eine Reihe von Gemächern an, welche ver- 
mutlich als Kaufläden gedient haben. Auf der Südseite schei- 
nen schon im Altertum einige jener Zimmer abgebrochen und 
durch eine zweite Säulenhalle ersetzt worden zu sein. Welche 
Ausdehnung der Markt nach Westen und Norden gehabt hat, 
ist noch nicht festgestellt. Bisher sind von der östlichen Halle 
8, von der südlichen 13 Säulen gefunden, ohne dass man auf 
eine Ecke gestossen wäre. Nach Westen kann sich der Markt 
sehr wohl bis zu dem schon erwähnten , längst bekannten 
Marktthore ausdehnen, welches auf Kosten von Julius Caesar 
und Augustus vom Demos errichtet und der Athena Archege- 
tis geweiht war. Dass dieser Zusammenhang bestehe, ist schon 
früher mehrfach vermutet worden ; Gewissheit darüber ist 
aber auch jetzt noch nicht erzielt. 

Eine andere, zuweilen ausgesprochene Vermutung dagegen, 
dass der römische Markt, von welchem jetzt ein Teil aufge- 
deckt ist, auch den Turm der Winde eingeschlossen habe, hat 



' Die genaueste Beschreibung der früher schon sichtbaren Reste hat B, 
Schmidt verötientlichl im llhein. Mus. XX S. 161. 



MISCELLEN 345 

sich nicht bewahrheitet. Denn der letztere Bau liegt, wie sich 
jetzt zeigt ausserhalb des nimiselien Marktes und ausserdem 
auf einem höheren Niveau. Allerdings bestand eine direkte 
Verbindung zwischen dem Markt und dem Platz um den 
Windeturm, denn in der östlichen Ihdle des Marktes ist ein 
sehr gut erhaltenes dreithoriges Propylaion aufgefunden Mor- 
den. Dasselbe liegt nicht genau in der Axe des grossen Tho- 
res der Athena Archegetis. \\ enn dalier dieses letztere Tlior 
den Haupteingang zu dem Markte im NVesten bildete, so lag 
der östliche Eingang nicht in der Mitte der Oslwand ; er war 
entweder unsymmetrisch angeordnet oder wir dürfen weiter 
nördlich noch ein zweites Thor von denselben Dimensionen 
erwarten. 

Die sichere Bestimmung der Lage des römischen Marktes 
ist für die Topographie und Stadtgeschichte Athens von gros- 
ser Bedeutung. Der alte griechische Markt Athens, die von 
den Pisistratiden hergerichtete Agora, lag vermutlich unmit- 
telbar am östlichen Fusse des Theseionhügels, des Kolonos. 
Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieser Markt immer mehr 
nach derjenigen Seite, nach welcher allein eine Vergrösserung 
möglich war, erweitert. Zunächst wurde in hellenistischer 
Zeit durch Attalos II etwas östlich von der alten Asjora ein 
neuer Platz mit einer grossen Säulenhalle angelegt. Zur Zeit 
des Kaisers Auo;ustus wurde dann der grosse nimische Markt 
mit dem Thore der Athena Archegetis erbaut. Und noch spä- 
ter baute Hadrian etw as weiter nordöstlich das grosse Gebäude, 
welches vor einigen Jahren ausgegraben worden ist und den 
Abschluss der zum Markt gehörigen Bauten und Plätze bildete. 
Vor dem Haupthore der alten Stadt, dem Dipylon, hat 
die archäologische Gesellschaft an mehreren Stellen Ausgra- 
bungen veranstaltet. Die schon früher freigelegten Festungs- 
mauern und Gebäude hat man weiter gereinigt und dabei die 
aus später Zeit stammenden Ufermauern des Eridanos wegge- 
brochen (s. oben XIV S. 414). Die Befestigungsanlagen, wel- 
che den Ausfluss des Eridanos aus der Stadt schützten, sind 
dadurch zwar übersichtlicher geworden, die Gestalt desFluss- 



34ü MISCELLEN 

bettes kann man aber jetzt nicht mehr so gut erkennen wie 
früher. Sodann hat man zwischen der Kirche Haoia Triada 
und dem Dipylon gegraben und in sehr grosser Tiefe meh- 
rere Mauern von verschiedener Construction und verschiede- 
nem Alter gefunden. Was diese Mauern bedeuten, lässt sich 
noch nicht sagen. Ihr Zusammenhang und ihre Bestimmung 
wird sich erst zeioen. wenn der aanze PLatz auso;eo;raben ist. 
Schliesslich wird westlich von der Kirche llagia Triada ein 
weiteres Stück des grossen Begräbnissplatzes ausgegraben, 
welcher schon so manche schöne Grabmäler geliefert hat. Un- 
ter der speziellen Leitung des Herrn Mylonas gräbt man west- 
lich von der breiten Gräberstrasse und hat an dem etwas an- 
steigenden Terrain eine grosse Anzahl alter Gräber gefunden. 
Dieselben sind auf einzelnen Terrassen angeordnet und stam- 
men aus verschiedenen Zeiten. Sie sind teils aus Bruchsteinen 
mit Lehm, teils aus unregelmässigen Marmorplatten, teils aus 
Dachzieoehi hergestellt und scheinen zum erössten Teile der 
ärmeren Bevölkerung anzugehören. Unter den Funden sind 
topographiscli wertvoll zwei Inschriften, welche die Artemis 
Soteira erwähnen, die eine ein Dekret, die andere eine Weih- 
ung. Die Lischriften waren offenbar verschleppt, doch wird 
das Heiligtum der Göttin vermutlich nicht sehr weit von dem 
Fundorte gelegen haben. Herr Mylonas hat mit Recht daran 
erinnert, dass nicht weit vom Dipylon an dem Wege nach der 
Akademie nach Pausanias I 29,2 ein Heiligtum der Artemis 

lag. [W. D.] 

Unter den gefundenen Grabmalern ist besonders eines her- 
vorzuheben, das dem vierten Jahrhundert angehört. Es zeigt 
in hohem Relief ein nach rechts schreitendes Mädchen, das die 
Linke anbetend erhebt und in der gesenkten Rechten eine 
Kanne trägt. Merkwürdig ist auch eine schlanke, dreiseitige 
Basis auf der ein Granatapfel liegt. Beide Denkmäler sind noch 
aufrecht stehend gefunden worden. 

Bei Ausschachtungen, welche Herr Schliemann zum Zwe- 
cke von Neubauten auf dem Grundstück südwestlich vom 
jetzigen deutschen archäologischen Institut , an der Ecke 



MISCELLEN 3/t7 

der oSö; navsx'GTvi[-/.io'j (auf dem Plan Karten von Attika I 
Boulevard gcDannt) und der qVqc, riiva-/.coTöiv, also fast südlich 
von der Kirclie ZwoSoyo? n-rrfh, vornelinien liisst, sind eine 
ganze Zahl von Gräbern verschiedener Art gefunden, z. T. die 
bekannten, nur aus grossen flachen Ziegeln zusammengesetz- 
ten, z. T. sorgfältig aus grossen Marmorplatten hergestellte, 
auch einzelne schmucklose Steinkisten. Die Gräber lagen re- 
gellos in den verschiedensten Uiciitungen. Von den Funden 
nenne ich zunächst zwei Inschriften 

E Y P O P 1 A und öp] O 2: 
O A A A O Y 0-/)] K n N 

r Y N H 

erstere steht auf einer kleinen Marmorstele (13"" breit, 54,5"" 
hoch, 8™ dick, unten roh gelassen), letztere auf einer kleinen 
Platte von blauem Marmor (44 "° hoch, unten 23, oben 18"" 
breit, 8,5'™ dick, unten roh). 

Eines der iMarmorgräber enthielt etwa 20 kleine Lekythen, 
von denen eine, 23"" hoch, auf gelblichem Grund mit Fir- 
nisslinien gemalt, leider sehr beschädigt einen orientalisch 
gekleideten Mann zeigt, der auf einem Kamel reitet: die Dar- 
stellung entspricht ganz der mittelsten Figur des Vasenbildes 
Müller -Wieseler II Taf. 38, 447, ist nur nach links gewen- 
det. Eine stark beschädigte Inschrift links vom Kopf des Rei- 
ters scheint Ky.Ao«; Mi/.wv zu lauten. Ich hoffe hierauf noch 
zurück zu kommen. Darstellungen tragen von den Lekythen 
dieses Grabes noch einige : eine in gleicher Technik eine lau- 
fende Frau, eine dritte, flüchtig rotfigurige desgleichen, eine 
weitere rotfigurige einen laufenden Jüngling. Die anderen Le- 
kythen zeigen auf weisslichem Grund nur die häufigen Deko- 
rationen von Epheuranken oder Palmetten. Eine kleine kugel- 
förmige Lekythos zeigt in flüchtigstem rotfigurigen Stil eine 
sitzende Frau mit Spiegel. Bei denselben Arbeiten wurde ein 
kleines, in den Felsen vertieftes Grab gefunden (nach Aussage 
der Leute war es etwa i '" tief, 0,75 zu 1 "' gross), in dem auf 
einem Haufen liegend Terrakotten und Lekythen gefunden 

ATHEN, MITTHEILUNGEM XV. 24 



348 MISCELLEN 



wurden ; das Grab war mit Erde gefüllt und zeigte keine Spur 
einer Bedeckung. Vom Inhalt war folgendes noch einiger- 



mtn 



massen erhalten: Eine archaische weibliche Sitzfigur, 220 
hoch, die rechte Hand vor der Brust, zwei gleiche, 150""" 
hoch, von denen die eine ohne Kopf; alle drei zeigten weissen 
Überzug und Beste von Bot an Sessel und Gewand; sie glei- 
chen völlig den besonders auf der Akropolis so zahlreichen 
Fio;ürchen. Zwei stehende steife Frauenoestalten mit Hauben 
auf dem Kopf, einem Chiton mit kurzem Überschlag und tie- 
fem Bausch, in der gesenkten Einigen einen Vogel haltend, in 
der erhobenen Bechten einen undeutlichen Gegenstand. Von 
den 15 kleinen Lekythen zeigt keine rotfigurige Malerei, es 
sind tliichtigste schwarzßgurige mit rotem, desgleichen solche 
mit o-elblichem Grunde vorhanden, sodann ornamental ver- 
zierte, mit den bekannten plumpen aufwärts gerichteten Pal- 
metten auf rotem und solche mit entwickelterem Palmetten- 
muster auf weiblichem Grund. Der Fund ist für das Institut 

o 

photographirt worden {A. V. 94,95). 

In einem der Ziegelgräber fand sich eine weissgrundige Le- 
kythos, 29,5"° hoch; von der Zeichnung ist nichts erhalten 
als die stumpf braunrot gemalten Haare einer Person. 

Ein Grab enthielt zwei ;^Salbgefässe aus Alabaster (äXocSa- 
(jTpa) von guter Arbeit. 17.5'™ lang, und die Beste einer bron- 
zenen Stlengis. 

Von anderen Funden ist etwa noch zu nennen eine rotfioru- 
rige Pyxis (aus einem Ziegelgrabe) flüchtigsten Stiles und vor 
allem die Beste einer schönen rotfigurigen Lutrophoros. Die 
Bruchstücke, die in der Erde zerstreut gefunden wurden (vgl. 
iVIilchhöfer in diesen Mittheilungen V S. 177) erlauben die 
eine Seite annähernd herzustellen. Neben dem vveiss"emalten 
Grabmal hält auf weissgemaltem Pferde, das auf gleichfarbi- 
ger niedriger Plinthe steht, ein Jüngling in reichgesticktem 
Chiton, hinter ihm stehen andere Jünolin<>e. Im Beiter wer- 
den wir den Verstorbenen zu erkennen haben ; so viel mir be- 
kannt steht diese Vase unter den rotfigurigen Lutrophoren 
durch ihre Darstellung einzig da. 



MISCELLEN 349 

In Rhamnus hat die archäologische Gesellschafl durch 
Herrn StaTs bei t en Tempehi Crabiinijpn veranstahet. die durcli 
eine imerwartetf Menge von Skulpturen heh)hnt worden sind. 
Das wichtigste sind Reliefreste, die wii' mit Zuversicht der 
Basis des Nemesisbildes von Agorakritos zuschreiben dürfen. 
Es sind mehrere männliche und weibliche Tor-^^en und Köpf- 
chen eriialten, auch der Kopf des von dem 'Itttts'j; gcfülir- 
ten Pferdes. Die Composition stellt sich als eine sehr weit 
aiiseinandergezosene Reihe mässio; bewegter Gestalten heraus: 
im Stil ist vor allem der Fries des Parthenon zu vergleichen, 
doch scheinen die Werke des Agorakrilos schon etwas weiter 
entwickelt. 

Wichtig; sind sodann drei statuarische Werke, die mit den 
zugehörigen Basen und Inschriften neben einander gefunden 
wurden. Die erste ist eine überlebensgrosse weibliche Ideal- 
figur von reifen, etwas matronalen Formen. Sie ist mit einem 
hochgegürteten feinen Chiton und Himation bekleidet; letzte- 
res zeigt unten deutliche Spuren ehemaligen Farbenschmuckes. 
Die einst bemalten Stellen sind deutlich heller als der übrige 
Grund; das Muster, welches sich erkennen lässt. ist das häufig 
vorkommende aus schmalen, langen Zacken gebildete. Dass 
diese Fi^ur eine Themis darstellt, üeht aus der^^^eihinsch^ift 
hervor; sie ist ein Werk des Xocipe^TfaTo? Xy.ios'^r,<j.o'j 'Pajj.voü 
Tioc. Nach der Inschrift wird man das Werk nicht vor 300 v. 
Ch. ansetzen dürfen. 

Die zweite Fisur. von üerinnerer Grösse und Güte stellt 
Aristonoe, Priesterin der Nemesis, gew^eiht von ihrem Sohne 
Hierokles dar. Eine dritte Statue \on etwa halber Lebensgrösse 
ist die eines Jünglings, der sein Himation um den Unterkör- 
per geschlagen hat und den rechten Arm (anbetend?) erhebt; 
sie ist eine Weihung des Lysikleides und muss aus dem Ende 
des fünften Jahrhunderts stammen. 

Unter den wenigen archaischen Resten ist eine 45'^'° hohe 
weibliche Sitzfigur, den gleichen Figuren von der Akropolis 
im Stil verwandt, zu nennen. Bis auf Kopf und Arme ist 
sie wohl erhalten. 



3"5Ö MISCELLEN 

Von einer sehr schön gearbeiteten Gruppe ist leider nur der 
untere Teil, Unterschenkel und Fiisse in starkf^r Bewegung, 
erhalten. Ausserdem mögen genannt sein vers'hiedene Her- 
men, eine kleine 42"" hohe langbekleidete Gestalt strengen 
Stiles und ein Relief bruchstück, das unter anderen Figuren 
(Adoranten?) einen nackten Jüngling mit hohem korbähn- 
lichem Kopfschmuck zeigt. 

Über die Ausgrabungen, welche Herr Tsundas im Namen 
der arcbäologischen Gesellschaft im Heiligtum des Amy- 
kläischen Apollo unternommen hat, ist kurz in der 'Ecpr,- 
y.spl; 1890 S. 103 berichtet. Die Ausgrabungen fanden Statt 
auf dem Hügel 'Ay. Kupio.///), eine Stunde südlich von Sparta, 
wo man seit Leake das Heiligtum anzusetzen pflegt. Dass es 
hier in der Tliat lag, ist durch die gefundenen Ziegelstempel 
ij;esichert. Architekturreste wurden nur weniof !2;efunden ; kein 
Fundament eines Tempels ist aufgedeckt, daoe^en ein halb- 
kreisförmiö'es Fundament von 4'", 90 Radius, nach Tsundas' 
Ansicht zum Thron des Apollo gehörig, zu dem er auch vier 
Marmorblöcke von kreisförmigem Grundriss zu rechnen ge- 
neigt ist. Die Einzelfunde, welche z. T. nach Athen ge- 
bracht sind, waren nicht sehr zahlreich. Von Bronce sind 
mancherlei Tierfiguren gefunden, Pferde in 'geometrischem' 
Stil, auch ein Hirsch. Eine weibliche Gestalt mit Krotalen in 
den Händen scheint eine Spiegelstütze zu sein ; einige stehende 
Jünglinge fallen durch ihren Kopfputz, der einem Kalathos 
ähnlich sieht, auf (vgl. oben ). Hervorzuheben sind auch Re- 
ste von grossen Dreifüssen, einige Broncebleche mit geo- 
metrischen Verzierungen und zahlreiche, meist kleine Doppel- 
beile. Aus Blei bestehen verschiedene Figürchen, ganz denen 
vom Menelaion entsprechend. Von Gefässen hebe ich hervor 
eine Scherbe mykenischen Stiles (wie Furtwängler-Löschcke 
Taf. 38) und eine geometrische mit Darstellung eines Reigen- 
tanzes von Männern, zwischen denen am Boden u. a. eine 
viersaitige Kithara dargesteUt ist. Idole mykenischer Art sind 
mehrfach vorhanden, auch Tierköpfe; sodann einige grössere 
Menschenköpfe sehr altertümlicher Arbeit. Auch Reste myke- 



MISCELLEN 351" 

nischen Schmuckes (u. a. ein sog. Inselstein) und einige auf 
Scherben eingeritzte Inschriften sind gefunden. [i'. \v.] 

Troja. Nach meinem letzten kui'zen Berichte üher die Aus- 
grabungen in Hissarlik-Ti'oja (s. oben S. 2^26) sind die Ar- 
beiten noch 1 '/? Monate fortgesetzt und am 1. August ein- 
gestellt worden. Im nächsten l^'rühjahre so11(mi sie wieder auf- 
genommen und zu VAide i>elVihrt werden. Über die in diesem 
Jahre erzielten Resultate werden Herr Dr. Schliemann und idi 
binnen Kurzem einen vorläufigen Bericht und Plan verötYent- 
lichen. Die senaue Beschreibun«- tind Erklärunui; der aufge- 
deckten Ruinen und der gemachten Funde kann erst im näch- 
sten Jahre nach Vollenduno- der Grabungen segeben werden. 
Ich beschränke mich daher hier darauf, nur eine kurze Ergän- 
zuno- meines früheren Berichtes zu sehen. 

Die wichtiiJfste Arbeit der letzten Wochen war die vollstän- 

c 

dise Freilesuno; der südwestlichen Burgmauer der zweiten 
'Stadt' und die Entdeckung einer Ausfallspforte in derselben. 
Diese Pforte liegt am Fusse der jetzt noch etwa 8 '" hoch er- 
haltenen Mauer und ist c. 1,20'" breit und c. 2,4U"' hoch. Sie 
ist in dem einspringenden Winkel zwischen der Burgmauer 
und dem als Thurm vorspringenden Westthore angeordnet, 
hat also eine Lage, wie sie solche Pforten auch in späterer Zeit 
zu haben pflegen. 

In dem letzten Berichte hatte ich gesagt, dass bei den Gra- 
bungen vor dem grossen S. W. Thore, aber noch innerhalb 
der späteren Burg, sechs wohl zu unterscheidende übereinan- 
der lieo-ende Scliichten gefunden seien. Nachträglich ist bei 
weiterer Tiefgrabuno noch eine siebente Schicht hinzugekom- 
men und erst unterhalb dieser erreichten wir das Niveau der 
zweiten 'Stadt'. Jede einzelne dieser 7 Schichten enthält 
Mauern, Fussböden und Funde der mannigfaltigsten Art. Bei 
einigen der Häuser erkennt man deutlich, dass sie durch Feuer 
untergegangen sind, während in anderen Schichten nur geringe 
Brandspuren vorkommen. Die Bauten fast aller Schichten 
waren einfaclie Wohnhäuser von mehr oder minder regelmäs- 



35? MISCELLEN 

siger Form ; erhalten sind von ihnen die Fundamente und ge- 
wöhnlich auch grössere Stücke der oberen Wände. 

Stattliche Bauwerke kommen an der Stelle, wo jetzt gegra- 
ben wurde, nur in der 1. und 4. Schicht von oben vor, oder 
wenn wir die frühere Zählung Schliemann's beibehalten, in 
der 6. und 9. Stadt. Die Bauten der letzteren, der obersten 
Stadt bieten als römische kein besonderes Interesse, dacregen 
verdienen die Bauwerke der 6. Stadt wohl unsere Beachtung. 
Denn erstens sind sie mit grösseren Steinen und überhaupt 
mit mehr Sorgfalt gebaut, als die Gebäude der anderen Schich- 
ten, und zweitens wurden in ihnen eine Anzahl mykeni- 
scher Vasenscherben (z. B. Stücke von Bügelkannen) gefun- 
den, so dass für diese Ansiedelung wenigstens eine angenäherte 
Datirunc; gewonnen ist. Der am besten erhaltene Bau besteht 
aus einem rechtwinkligen Saale mit offener ^ orhalle. er hat 
also denselben Grundriss wie das grosse Megaron der zweiten 
Stadt (A auf Plan VII in Troja) und wie der einfache grie- 
chische Anten-Tempel. Da uns bestimmte Anhaltspunkte feh- 
len, lässt sich nicht entscheiden, ob wir es mit einem Mega- 
ron oder einem Tempel zu thun haben. 

Die beabsichtigte Ausgrabung eines Teiles der Unterstadt 
hat in diesem Jahre nicht mehr ausgeführt werden können. 
Sie musste bis zum nächsten Frühjahre verschoben werden 
und soll die Hauptaufgabe der neuen Campagne bilden. Aus- 
serdem soll noch besonders nach den älteren Gräbern gesucht 
werden. I W. D.] 

In der Smyrnäer Zeitung 'A{AzA(j£ia 1890 N. 4570 und in 
der Ne'a ^aopvr, 1890 N. 4125 wird der Fund eines Grabre- 
liefs bei Smyrna (/.arx tt/V BIgw Aspi^iv Tc-k -kItMo^ ':ri^ Me- 
ly.vricL<;) gemeldet; es stellt eine sitzende Frau mit zwei ste- 
henden Dienerinnen dar, von denen die eine ein geöffnetes 
Schmuckkästchen hält. Das Relief, welches als vortrefflich er- 
halten bezeichnet wird, soll nach Konstantinopel gebracht 
werden. 

In Tralles soll nach der Naa Sf^.opvr, 1890 X. 41-24. 4125 
das eine Bein der in Konstantinopel befmdlichen Jüngiingsfi- 



MISCELLEN 353 

gur {Revue arch. 1888 I Taf. 1 'i) gefunden sein. Ausserdem 
ist ein Sarkophag von dort nach Konstantinopel gebracht wor- 
den ; von anderen Bereicherungen dieses Museums wird ein 
Relief mit Gladialorenkampf genannt. Ein Frauenkopf mit ge- 
malten Augen, eine nackte Slatue in Dreiviertel Lebensgrösse, 
welcher Kopf und Arme i'ehlen , und mehrere Fragmente 
stammen aus dem Theater in M a g n e s i a a m M ä a n d e r . 

In der Neoc ^a^pv/i 1890 äp. U)95 wird über den Fund von 
Skulpturen inKyme berichtet, welche nach Smyrna gebracht 
wurden und fiir das Museum in Konstantinopel bestimmt sind. 
Es seien dies vor allem zwei Repliken des Apoxyomenos, lei- 
der ohne Kopf, aber besonders interessant dadurch, dass sie 
nicht ganz fertig gearbeitet sind, so dass sich die Arbeitsweise 
der antiken Bildhauer gut beobachten lasse. 

Ausserdem wird ein bemalter Grabstein genannt und so 
beschrieben : s-iTop-Sio; cttjXv) e/. >.eu/'.oo p-api^-apou, u^J/ou; 0,62. 
■7*r>^xT0u; 0,30, 'iyouGCL Tupöc rot avö) (X£Tcof^,a y.ai ÜT^ö^aGpov, ßeSaa- 
{xeva 61' spuOpoö ypü)jj(.a.TOc. Ttüo t6 ä£T(oy,oc \i—k^yt\ y.£yapaYf;,£vr) 
STTiypatp'^, YiTii; i/. tou Gjr,u.(x.TOC, twv ypa(y.|xaTcov <paiv£Tat ixvy)x.ouca 
ei? Tov Tpirov x. X. aicöva. 'H i-iypa'^'/l ä.va(p£p£t icm; lic.iic: Mi- 
vavopo; A~o>>X(ovibou. KoctcoOsv xr,? £-iypa(pr^; u-7.pj(_ouGiv I— I tou 
[/app-äpou Ei/.ovoypacptai , TCapiGTcöca.i avSpa 7i|j-{yu[j!.vov, ejAxpocöev 
Toö 6-otou u-apjf£i Tpi~0'j; x.at äv-t/.£ifj.£vov Su(jöi5'//.piT0v. Tä ypco- 
tdOLTa £iGi T^oix.tXa x.al ot y^ptojy.XTiGjxoi Is— ToraTOi. 

Nach anderer Mitteilung soll vor einer Reinigung der Stele 
von den Malereien nichts zu erkennen sein, als, dass ein Mann 
dargestellt ist. 

In derselben Zeitung ap. 4096 wird gemeldet, dass die An- 
tiken aus dem Besitz des verstorbenen Gouverneurs von Mity- 
lini, Fachri-Bey an das Konstantinopeler Museum gelangt 
seien. Die Sammlung bestehe aus Vasen, Terrakotten, zwei 
Grabstelen mit Relief, Inschriften, einem kleinen marmornen 
Frauenkopf, einem Männerkopf von natürlicher Grösse, ferner 
einem Mass für Flüssigkeiten von vorzüglicher Arbeit, einer 
'Metope' aus Marmor die einen Rindskopf mit Tänie zeigt, 
und die Hälfte eines Erostorso aus Marmor. 



354 MISCELLEN 

In derselben Zeitung äp. 40 'i3 beschreibt AI. E. Kondoleon 
ein im lydischen Tripolis (2 7,> Stunden von Saraköi) 
gefundenes Relief folgendermassen : 

Auf einer 0,90 hohen, 0,75 breiten Marinorplatte ist ein 
auf den Hinterbeinen sitzendes Tier weiblichen Geschlechts 
dargestellt, auf welchem ein Mädchen reitet; der Kopf des Tie- 
res ist zerstört. Das Mädchen fasst mit der linken Hand den 
Hals des Tieres und hält zugleich in dieser Hanfl einen Zweig, 
in der rechten einen Stab mit herabhängenden Bändern. Der 
lockige Kopf des Mädchens ist von vorne dargestellt. 

Das Relief ist nach Smyrna gebracht worden. 



Ernennungen. 

Am 21 April 1890 sind ernannt worden zu ordentlichen 
Mitgliedern des Kaiserlich Deutschen archäologischen Insti- 
tuts die Herren R. Gagnat in Paris, P. Orsi in Syrakus, R. 
Scholl in München, Th. Schreiber in Leipzig, Gliarles Eliot 
Norton in Gambridge U. S. A., K. Wacbsmuth in Leipzig. 
A. VVilmanns in Berlin und zu Gorrespondenten die Herren 
A. Bertrand in Moulins, Sp. Bolano und Gins. Gaminiti in 
Beggio, A. Brückner in Athen, Gbillä in Squillace, Gamille 
de la Groix in Poitiers. Donati in Siena, A. Elias de Möllns 
in Barcelona, A. Borgas de Figueiredo in Lissabon, R. Fröh- 
lich in Budapest, A. Kalkmann in Berlin, W. Rubitschek in 
Wien, J. A. Londos in Athen, M. Pappa-Konstantinu in Ai- 
din, S. Pascale in Gurti, .1. Strzygowski. E. Szanto und F. 
Zamboni in Wien. 



Oktober l«yO. 



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Lichtdruck von Paul Schahl, Berlin S.O. 



XI 




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VON KARL WILBER& IN ATHEN 

sind zu beziehen : 



Mütheilungen des Deutschen archäologischen Institutes in Athen. — Jahrgang 
I-X. Preis je 15 Mark, XI (f. Preis je 12 Mark, 



Das Kuppelgrab bei Menidi, herausgegeben vom Deutschen archäologischen 
Institute in Athen. Athen 1880. .56 S. 4° mit 9 Tafeln in Steindruck. 
8 Mark. 



Dressel und Milchhoef^r, Die antiken Kunstwerke aus Sparta und Um- 
gebung. Athen 1878 (Auszug aus den Millheilungen II). Mit 6 Tafeln. 
8 Mark. 



KOERTE, G., Die antiken Sculpturen aus Böotien. Athen 1879 (Auszug aus 
den Mittheilungen III). Mit zwei Tafeln. 4 Mark. 



R. KOLDEWEY • 

DIE ANTIKEN BAURESTE DER INSEL LESBOS 

IM AUFTRAGE 

DES K. DEUTSCHEN ARCHAEOLOGISCHEN INSTITUTS 
UNTERSUCHT UND AUFGENOMMEN 

Mit 29 Tafeln und Textabbildungen, zwei Karten von H. Kiepert und 
Beiträgen von H. G. Lolling, 90 S. Text. Folio. 80 M^ 



INHALT- 



Seite 



E. SzANTo , Zur Geschichte des griechischen Alphabets 235 

E. Bethe, Aktäon (Taf. 8) 240 

» » Zu den Älabastra mit Negerdarstellungen . 243 

P. Wolters , Melische Kultstatuen 246 

W. Judeich , Inschriften aus Karlen 252 

A. Wilhelm , Inschriften aus Thessalien 283 

B. Stahs, '0 TU{7.€o? Iv Boupga (Div. 9-13) 318 

A. E. KONTOAEQN, 'ETCiypacpiJca 330 



MISCELLEN. 

W. Judeich, Zwei altionische Grabstelen 338 

Litteratur 340 

Funde . 343 

Ernennungen 354 



A tbts — Drncli Ton OEBRUEDER PERRIS. — ViuTersiUets-Striue, bl. 



MITTHEILUNGEN 

DES KAISERLICH DEUTSCHEN 

ÄßCHilÖLOmSCHM INSTITUTS 

ATHENISCHE ABTHEILUNG 



FÜNFZEHNTER BAND VIERTES HEFT 

MIT EINER TAFEL UND VIELEN 
ABBILDUNGEN IM TEXT 




ATHEN 

VERLAG VON KARL WILBERG 
1890 



VERÖFFENTLICHUNGEN 

DES 

KAISERLICH DEUTSCHEN ARCHÄOLOGISCHEN 
INSTITUTS 



1) In BERLIN erscheinen im Verlag von Georg Reimer: 

ANTIKE DENKMÄLER, Jährlich ein Heft in Folio mite 12 Tafeln. 
Preis des Heftes 40 Mark. 

JAHRBUCH des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts. Jähr- 
lich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 16 Mark. 

EPHEMERIS EPIGRAPHICA, edita iussu instituti archaeologici Ro- 
mani. Erscheint in Bänden zu 4 Heften. Preis des Bandes 8 Mark. 

2) In ROM erscheint im Verlag von Löscher u. Comp.: 
MITTHEILUNGEN des Kaiserlich Deutschen archäologischen Insti- 
tuts. Römische Abtheilung. 

Jährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 12 Mark. 

3) In ATHEN erscheint im Verlag von Karl Wilberg: 
MITTHEILUNGEN des Kaiserlich Deutschen archäologischen Insti- 
tuts. Athenische Abtheilung. 

Jährlich ein Band zu 4 Heften. Preis des Bandes 12 Mark. 



Verlag von GEORG REIMER in Berlin : 

J. Strzygowski, Die Calenderbilder des Chronographen vom Jahre 354. 

Mit 30 Tafeln. Preis 30 Mark. 
R. BOHN, Altertümer von Aegae. Mit 75 Abbildungen. Preis 24 Mark. 

Commissionsverlag von GEORG REIMER in Berlin: 

FuRTWAENGLER Und LoESCHCKE , 'Mykenische Thongefässe. 12 Tafeln in 
Farbendruck mit Text, Querfolio in Mappe. Preis 40 Mark. 

FuRTWAENGLER und LOESCHCKE, Mykenischc Vasen, vorhellenische Thon- 
gefässe aus dem Gebiete des Mittelmeeres. Mit einem Atlas von 44 Ta- 
feln (in Mappe). Preis 115 Mark. 

R. KOLDEWEY, Die antiken Baureste der Insel Lesbos. Mit 29 Tafeln. Preis 
80 Mark. 

G. KOERTE, I rilievi delle urne etrusche II, 1. Preis 40 Mark. 

Verlag von G. GROTE in Berlin: 
C. Robert, Die antiken Sarkophag- Reliefs. Band II (Mythologische 
Cyklen). Mit 65 Tafeln. Preis 225 Mark. 



DAS KABIRENIIEILIGTUM BEI THEBEN 

Später als wir geliofft und gewünsclil. noliiiicn wir diesen 
vorläufigen Bericht idjer die Aufdeckung des Kahirion (vgl. 
oben XIll S. 8i. 412) wieder auf: Umstände, deren Besei- 
tigung nicht in unserer Macht lag, haben sein Erscheinen lei- 
der bis jetzt verzögert. Doch haben wir geglaubt, auch jetzt 
noch nicht auf ihn verzichten zu sollen, wenn sich auch mehr 
und mehr die Unmöglichkeit herausgestellt hat. in dem Rah- 
men dieser Zeitschrift die Funde in ihrer Gesammtheit genü- 
gend wieder zu geben. Dies muss vielmehr einer eigenen 
Veröffentlichung vorbehalten bleiben, mit deren Vorbereitung 
wir beschäftigt sind, wenn auch ihr Erscheinen sich naturge- 
mäss noch einige Zeit hinausschieben wird. 



IV. Die Terrakotten. 

Im Gegensatz zu den Vasen bieten die zu Tausenden gefun- 
denen Terrakottafiguren des Kabirenheiligtums nichts von 
eigentümlichem, lokalem Charakter, sie lassen sich vielmehr 
fast ausnahmslos den schon aus Böotien und Lokris bekann- 
ten Terrakotten anreihen und zwar den allo-emeiner verbrei- 
teten, älteren und weniger feinen, während die ausgeprägte 
tanao;räische Sorte nur in eini2;en vereinzelten Stücken ver- 
treten ist. 

In besonders grosser Anzahl sind Tierfiguren vorhanden ; 
unter diesen heben sich vor allem die Stiere hervor, und zwar 
sind nur wenige sorgfältige Exemplare vorhanden: je mehr 
dagegen die Sorgfalt abnimmt, desto mehr nimmt die Zahl 
zu. Nur zwei Exemplare sind ganz in der Form hergestellt, 
einschliesslich der im Inneren verbundenen, also so zu sagen 
nur in Relief ausgeführten Beine. Es sind dies ruhig stehende, 
noch ziemlich streng stilisirte Figuren, deren Typus auf den 

ATHEN. UITTHEILUNOEN X\. 25 



356 DAS KABIRENHEILIGTUiM BEI THEBEN 

Anfang des fünften Jalirhunderts weist. Die ganze übrige Masse 
zeigt Beine, die nicht mit der Form hergestellt, sondern roh 
mit der Hand «eknetet sind, und sich als länoere oder kürzere 
ganz schematische Kegel darstellen, die auf jede Wiedergabe 
der natürlichen Form verzichten. Bei einigen dieser Fie-uren. 
etwa 30, ist der Leib des Stieres wenigstens noch mit einer 
gewissen Sorgfalt in einer zweileiligen Form hergestellt, bei 
allen übrigen umfasst die verwendete Form nur die Oberseite 
von Kopf und Leib; indem nun Bauch und Hals unten ein- 
fach flach zugestrichen wurden, wobei dann jede Andeutung 
der für den Stier so charakteristischen Wamme \veo;fiel. ent- 
standen Figuren, an Grösse und Güte verschieden, aber alle 
von fabrikmässigem , unerfreidichem Charakter, bei denen 
schliesslich der dargestellte Gegenstand kaum mehr zu erraten 
ist. Es gib dies besonders von der kleinsten (etwa 70"™ lan- 
gen) Sorte, von der etwa 600 Stück zu Tage gekommen sind. 
Die Beine sind bei denselben zu kleinen, warzenförmigen An- 
sätzen verkümmert, die Färbung besteht in einem die ganze 
Figur gleichmässig überziehenden Braunrot. 

Dass die Rohheit dieser Figürchen keine primitive, son- 
dern eine durch massenhafte billige Production verursachte ist, 
leuchtet ohne Weiteres ein. Die besseren Exemplare erlauben, 
die Entstehung des Typus etwa um 500 anzusetzen; wie lange 
die Fabrikation gedauert hat, lässt sich nicht erschliessen. Die 
Masse der uns erhaltenen Exemplare gehört natürlich vor die 
Zerstörunii des Heiliotums. 

Es sind nun auch noch wenige Exemplare vorhanden, die 
ganz ohne Form, nur mit der Hand geknetet sind : da diesel- 
ben in ihrem oesammten Aussehn sich offenbar nach dem zu- 
letzt beschriebenen billigen Fabrikat richten, so sind auch sie 
nicht für primitiv anzusehn. Nur ganz vereinzelte Exemplare, 
die sich durch schlanken Körperbau und trotz der primitiven 
Herstellung durch sorgfältige Arbeit auszeichnen, darf man für 
wirklich archaisch halten. Es ist aber zu bemerken, dass sich 
keine Spur der bekannten ältesten, mit einfachen Firnissstreifen 
geometrisch verzierten Figuren gefunden liat. 



DAS KABinENHEILir.TUM KKI THEBEN 357 

Bei den übrigen Tierfiguren herrsclit dasselbe VerhUlt- 
niss. Die zuletzt erwähnte älteste Sorte fehlt durchaus, echt 
archaische Exemplare sind selten, die Masse entstammt einer 
von Typen des fünften Jahrhunderts abhängigen billigen 
Fabrikation. Ganz vereinzell koininon dann wieder jüngere 
Exemplare vor. l)oi denen man bisweilen eine Entstehung 
nach der Zerstörung des Heiligtums durch die Makedonier 
annehmen möchte. Eine kurze Aufzählung der \orkommen- 
den Typen wird genügen. 

Schafe sind etwa 250 gefunden, davon etwa ein Fünftel 
rohe, nur mit der Hand geknetete Exemplare, wenige sorgfäl- 
tig geformte, auch einzelne altertümliche. Von den etwa 50 
Ziegenböcken ist die Hälfte aus freier Hand geformt. Sehr 
zahlreich sind Schweine zu Tage gekommen ; ihre Zahl be- 
läuft sich auf id)er 200, ihr Aussehn entspricht den allenthal- 
ben vorkommenden. Sie sind durchweg in der Form herge- 
stellt, während andererseits die 20 vorhandenen Figuren von 
Hunden alle ohne Form geknetet sind. Ausserdem sind 6 Ha- 
sen oder Kaninchen gefunden, die Hälfte frei geknetete, die 
Hälfte — und dies sind auf der Erde kauernde Tiere — mit 
der Form heroestellte. Liegende Löwen, alle in der Form ge- 
presst, sind etwa 25 da, furchtbar stumpf und verschwom- 
men: von grösseren, freier und besser gearbeiteten Exem- 
plaren sind nur kümmerliche Reste vorhanden. Verein- 
zelt ist das Vorderteil eines frei und geschickt gearbeiteten 
Bären . 

Von Vögeln sind vor allem Hähne zahlreicher vertreten, 
und zwar zunächst Kampf bahne (4 Stück), sodann gewöhn- 
liche, ruhig sitzende Hähne (über 30 Stück) von dem in ganz 
Böotien verbreiteten Typus, endlich sind zwei sehr fein und 
sorgfältig gearbeitete Hähne in flachem Relief vorhanden. So- 
dann sind noch etwa 25 sitzende Vögel, wohl Tauben, ge- 
funden worden, die fast alle aus der Form stammen, doch 
fehlen auch die mit der Hand gekneteten kleinen Vögel, wie 
sie in Tanagra so häufig sind, nicht ganz. Allein steht der 
Kopf einer Ente oder Gans. 



358 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

Wozu der ziemlich grosse Rest einer Schlange gehört hat, 
ist nicht zu erkennen. 

Einige vereinzelte Tierdarstellungen sind nicht als selb- 
ständige Figuren aufzufassen, sondern scheinen Reste von 
Gruppen zu sein, wie sie besonders aus Tanagra bekannt sind. 
Der Art sind zwei kleine Sehweine, ein Fuchs, ein Hund, ein 
Fisch, alle nur roh zurecht geknetet ; Ansätze fremder Körper 
weisen auf den ehemaligen Zusammenhang hin. 

Zu diesen Gruppen, die meist Gegenstände des gewöhnlichen 
Lebens darstellen, ist auch ein roli geformtes Pferd zu rech- 
nen, das einen Korb mit runden Broten oder Früchten auf 
dem Rücken träo;t. 

Die roh und schlecht gekneteten Reiterliguren bekannter 
Art sind durch etwa 50 Exemplare vertreten ; alle gehören zu 
der jüngeren, mit hellen, stumpfen Deckfarben bemalten Art; 
von der mit Firnisslinien dekorirten älteren Sorte ist auch in 
diesem Fall keine Spur gefunden. 

Der bekannte und verbreitete Typus des zum Mahle gelager- 
ten Mannes ist etwa in 50 Exemplaren erhalten, im Typus 
meist altertümlich, nur einmal etwas entwickelter und sorg- 
fältig. Einzelne Exemplare zeigen Trinkgefässe, Rantharos 
oder Schale in der Hand des Gelagerten, andere einen Kranz, 
das genannte sorgfältigere Exemplar eine Leier. Fast stets ist 
der Gelagerte bärtig, nur in einzelnen Exemplaren ist er ju- 
gendlich. Man wird geneigt sein, in dieser Gestalt den Kabi- 
ren zu erkennen, obwohl der Typus natürlich nicht ursprüng- 
licii dafür bestimmt war: in den jugendlichen Exemplaren 
aber nun etwa den Ilai; KaStpo-j zu sehen wird durch den 
Umstand nicht empfolilen, dass grade die jugendlichen Exem- 
plare einer besonderen Fabrik zu entstammen scheinen, so 
dass das Vorkommen beider Typen neben einander reiner Zu- 
fall sein kann. 

V^ereinzelt steht ein Figürchen, 100""" lioch, das den ju- 
gendlichen Herakles mit geschulterter Keule darstellt ; von ei- 
ner zweiten Heraklesdarstellung fand sich nur ein, übrigens 
unbedeutendes Bruchstück von dem Löwenfell. 



DAS KABIRENHEILirrTUM BEI THEÜEX 359 

Ein in der ganzen antiken Welt verbreiteter Typus ist auch 
der hockende Silen, l)ahl mit Doppelflök', hahl ohne diese, 
derselbe ist in 40 bez. 70 l!;\eni[)laren Noi-baiidcn, die nichts 
Ausseroewöhnliches bieten . 

o 

Pan mit Bocksbeinen ist in drei nahe \cr\\aii(hcii 'r\p('ii 
vorhanden (etwa 'i?."") Evemplare); t'i- ist nach rechts schrei- 
tend daroestellt. in der einen Mand hält er ein iforn, in der 
andern bisweilen die Syrinx. In et\Na 20 Rxemplai'cn ist die 
bekannte bärtige ithyphallischc Hernie xorhandcn. die man 
nach Analogie der im Areh. Anzeiger 1880 S. 80 abgebilde- 
ten Hermes nennen diirtte. 

Nur einmal \ ertreten ist Hermes in dem bekannten Typus 
des Rriophoros. der uns auch für das Werk des Kaiamis in 
Tanagra überliefert ist ; auch in diesem Fall ist die Unbär- 
tigkeit sicher (vgl. Berliner (lipsabgüsse N. 418). Ebenfalls 
als Hermes dürfen wir ein stark verletztes Fioürchen, einen 
nackten stehenden Jüngling mit einem Lamm unter dem Arm, 
bezeichnen wegen seiner Ähnlichkeit mit dem bekannten schö- 
nen Hermestypus, den Conze Annali 1858 Taf. zuerst be- 
kannt gemacht hat. Von diesem sind mehrere Exemplare von 
bedeutender Grösse und besonderer Schönheit gefunden wor- 
den ; namentlich einige Köpfe zeichnen sich durch feine, strenge 
Arbeit und gute Erhaltung aus. Dieselben gestatten mit grös- 
serer Sicherheit, als dies bisher möglich war, die Datirung des 
Typus in die erste Hälfte des fünften Jahrhunderts. Davon wird 
später noch kurz zu reden sein, hier möchte ich nur hervor- 
heben, dass ich weder bei diesen noch bei den länger bekann- 
ten Exemplaren eine Stlengis erkennen kann, vielmehr glau- 
be, dass die gesenkte Rechte einen Zipfel der Chlamys fasst. 
Eine besondere Beziehung zu dem Hermes Promachos \on 
Tanagra ist also nicht vorhanden, und die Übereinstimmung 
mit dem von Onatas für seine Statue verwendeten Typus ist 
eine fast vollständige, allerdings ohne dass damit auch die 
Sicherheit einer stilistischen Verwandtschaft beider Werke 
erreicht wäre. 

Von den, namentlich aus Böotien bekannten Typen ruhig 



360 DAS KABIRENHEILIGTUiM BEI THEBEN 

stehender, nur mit einem Mäntelchen bekleideter oder auch 
ganz nackter Jünglinge sind Reste von mehr als 700 gefunden 
worden, von denen jedoch etwa 200 eine genauere Bestim- 
mung nicht mehr zuliessen. Die grössten Exemplare, von de- 
nen Bruchstücke gefunden sind, lassen sich auf etwas mehr 
als '/o Meter Höhe berechnen. 

Weitaus die meisten Exemplare (200) zeigen den Jüngling 
mit rechtem Standbein ruhig stehend, in der Linken vor der 
Brust einen Hahn haltend. Die Grösse der erhaltenen Exem- 
plare schwankt zwischen 280 und 180"""; die Bemalung ist 
durchaus die auch sonst gewöhnliche : iiellrote Fleischfarbe, 
rotbraunes Haar, am Rand der \\eissen Ghlamys ein hell- 
blauer Streifen, unten um die Basis ein j'otbrauner Strich auf* 
weissem Grund. Unter den zugehörigen Köpfen heben sich 
wiederum einige durch besonders sorgfaltige Arbeit und glück- 
liche Erhaltung heraus; sie sind besonders geeignet, die strenge 
Schönheit des zu Grunde liegenden Typus zu veranschau- 
lichen, der auf's nächste zu dem eben besprochenen Hermes- 
typus gehört, und gleich ihm in die erste Hälfte des fünften 
Jahrhunderts gesetzt werden muss. 

Viel weniger zahlreich (50 Exemplare) sind die jüngeren, 
vielleicht schon dem vierten Jahrhundert angehörigen Umbil- 
dungen dieses älteren Typus, die sich durch die elegantere, 
auf bewusstem Hervorheben des Unterschiedes von Spiel- und 
Standbein beruhende Stellung, vollere Körperformen, rundes, 
volles Gesicht und üppig entwickeltes, nicht mehr altertümlich 
frisirtes Haar kennzeichnen. Die wunderlichen breiten Frisu- 
ren, welche bei diesen Figuren nicht selten sind, Hessen sich 
auch unter unseren Funden, wenn auch spärlich, nachweisen. 

Zu dem Attribut des Hahnes tritt in einer Anzahl von Fi- 
guren noch ein anderes Attribut hinzu, eine Schale oder die 
Schöpfkanne; die verschiedenen Varietäten hier aufzuzählen, 
würde zu weit führen. Nur in zwei sehr stumpfen Exemplaren 
zeigt der Jüngling die naturgemässe Verbindung von Schale 
und Kanne. 

Eine geringe Zahl von ähnlichen Jünglingsfiguren, die alle 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEX 361 

derselben gewöhnlichen bootischen Art angehören, bietet noch 
andere Attribute, so Hase und Schale, Leier und Schnle, letz- 
tere in der gesenkten Hechten, im übrigen mit mancherlei 
Abweichungen im {'Einzelnen. Von dem letztgenannten Typus 
ist ein Bruchstück von sehr scliöner Arbeit Noi-haudcn : leider 
fehlt der ganze Oberkörj)er. Andere Figürclien zeigen den 
Jüngling mit ÖlHäschchen und Stlengis, wiederum mit ver- 
schiedenen Abweichungen. Ungemein zahlreich (500 Exem- 
plare) ist schliesslich eine auch sonst bekannte Sorte \(ui klei- 
nen, rohen Jünglingshguren \orhanden, die ganz jiackt auf- 
recht da stehen: oft glaubt man in der Rechten eine Seliale 
zu erkennen, oft ist diese Hand sicher leer. 

Andere vereinzelte Reste können hier übergangen werden. 
nur einige Köpfe, die sich leider nicht mit Sicherheit bestimm- 
ten Typen zuteilen Hessen, obwohl ihre Zugehörigkeit zu der 
besprochenen strengeren Klasse böotischer Terrakotten zwei- 
fellos ist, müssen hier noch ihrer ausgezeichneten Schönheit 
wegen erwähnt werden. Es sind dies Jünglingsköpfe, die sti- 
listisch durchaus zu den schönsten Exemplaren des lammtra- 
genden Hermes (oben S. 359) und des Jünglings mit dem 
Hahn (S. 360) gehören, und nur in der Haartracht ein wenig 
abweichen, indem einige lang bis in den Nacken herabfal- 
lende Locken zeigen, andere das Haar wenigstens halblang 
herabhängen lassen. Die eioentümliche Manier, das lan^e Haar 
des Oberkopfes zu einem Knoten zusammenzufassen, der über 
der Stirne sichtbar wird, während das übrige Haar frei herab- 
hängt, welche allen bootischen Terrakotten dieser Zeit ge- 
meinsam ist (auch den Hermes müssen wir uns so frisirt den- 
ken), zeigt sich auch hier. Die schlagende Übereinstimmung 
in diesem Punkt verbunden mit der stilistischen Gleichartig- 
keit scheint zu dem Schluss zu zwingen, dass der capito- 
linische Dornauszieher in derselben Zeit und Gegend entstan- 
den ist, wie diese Terrakotten; vgl. oben S. 38. Derselben 
Schule werden wir dann den so verwandten Petersburger Eros 
zurechnen, der seinerseits wieder in der Stellung Berührungs- 
punkte mit einzelnen unserer Terrakotten zeigt. Ich kann es 



362 DAS KABIRENHEILICtTUM bei THEBEN 

hier ebenfalls nur kurz erwähnen, dass icli auf Grund der 
frappanten Übereinstimmung mit dem oben besprochenen 
Hermes mit dem Lamm auch die Hermesstalue, welche zu 
dem sogenannten Phokion entstellt ist^ für ein Werk dieser 
Kunst halte. 

Während alle diese Jünglingsfiguren eine geschlossene Mas- 
se bilden, sind wenige Figuren von abweichendem Charakter 
vorhanden, so vier Exemplare eines stehenden .limglings, der 
in der herabhängenden Rechten einen Vogel hält; in Stellung 
und Gewandanordnung stimmt er völlig mit dem Hermes 
praxitelischer Kunst überein, der in dem sogenannten Anti- 
nous vom Belvedere und seinen Repliken vorliegt. Von den 
schönen tanagräischen Jünglingsfiguren ist kaum eine Spur 
vorhanden ; wahrscheinlich gehört dorthin ein verhältnissmäs- 
sig grosser, sehr schöner Jünglingskopf von sorgfältiger Ar- 
beit, sicher ein Fragment, das zu einer Figur wie Martha 
Taf. 1 2;ehöft haben muss. Einige andere Fragmente sind 
nach dem festen, roten Thon kaum als böotisches, eher als 
attisches Fabrikat anzusehen. 

Wenn man die ungemein grosse Anzahl dieser Junglings- 
figuren in Betracht zieht und besonders mit der im Verhält- 
niss verschwindend kleinen Zahl der gleichartigen und sonst 
in Böotien gleich häufigen Frauenfiguren vergleicht, so kann 
man sich dem Schluss nicht entziehen, dass diese Jünglings- 
gestalten für den Kult eine besondere Bedeutung gehabt haben, 



' Den Nacliweis, dass diese Ölalue Hermes sei, habe ich (Berliner Gips- 
abgüsse 479) durch Vergleich der bekannten Gemme des Dioskurides ge- 
geben. Furtwängler , der mir darin gefolgt ist (Jahrbuch III S. 219), 
verweist auf eine Bemerkung Brunn's über die Ähnlichkeit der beiden 
Werke, die mir weiter nicht bekannt ist. Übrigens liegt eine zweite 
statuarische Replik in der Statuette der Galleria dei caiulelabri 269 D ( Pi- 
stolesi VI Taf. 59,1) Vür, die aber olt'enbar nach dem ergänzten 'Phokion' 
ergänzt ist. Ich habe mir als neu notirt: Kopf und Hals, rechte Hand mit 
einem Teil des Unterarms, den ganzen linken Arm mit dem ihn bedecken- 
den Gewand, die Beine von den Knien abwärts und viele Teile der Chla- 
rays. Eine dritte Kopie ist eine kleine Bronzestatuette im Göthehaus (bez. 
23) zu Weimar; der rechte Arm und die linke Hand fehlen, der jugendliche 
Kopf mit Petasüs ist erhalten. Vgl. auch Roschei's Lexikon I, 2 S. 2408. 



DAS KABIRENHEILirrTUM REI THEBEN 363 

wenn die Typen auch, wie schon bemerkt, sicher nicht t'ur 
dies Heiligtum geschatTen sind. Man könnte sie für Darstel- 
lungen des Uxl; Kyfjioo'j hallen, obwohl dann merk würdig 
bleibt, dass dem gegenüber auch Dai-slcllungen des Kabiren 
selbst verhältnissmässig so selten sind. Zu erwägen ist dabei 
in jedem Fall, dass — worauf mich Kern aufmerksam macht 
— die Frauen mit ihren W^eihgeschenken vielfach das Heilig- 
tum der Kabirischen Demeter bevorzugt haben werden. 

Die vorhandenen Kinderdarstelluni>;en bieten zunächst eben- 
falls bekannte Typen. Knaben im spitzen Pilos, dicht in den 
Mantel gewickelt auf der Erde hockend, sind in etwa 100 
Exemplaren gefunden : nackte, auf der Erde sitzende Kna- 
ben, in Einzelheiten wechselnd, mitunter ebenfalls mit Pilos, 
etwa 150. Ausserdem kommen einige vereinzelte Darstellun- 
gen vor. Alles genannte ist gewöhnliche böotische Ware, spe- 
cifisch tanagräisch ist nur ein kleines Kinderköpfchen und 
ein Knabe im kurzen Gewand, auf einem Altar sitzend, viel- 
leicht auch ein stehender Knabe. Jüngerer Zeit werden zwei 
Darstellungen eines Knaben auf einem Ziegen wagen angehören. 

Darstellungen von Frauen treten, wie schon bemerkt ist, 
an Zahl auffällig zurück. Von den gewöhnlichen, altertum- 
lichen sitzenden und stehenden Figürchen sind im Ganzen die 
Reste von etwa 30 Exemplaren gefunden, die nichts Besonde- 
res bieten. Bemerkenswert ist ein altertümlicher Kopf. HO""" 
hoch, mit hohem Polos und grossen runden Ohroehänsen. 

Schliesslich sind noch eine Zahl von Karikaturen zu nen- 
nen, wobei nur zu bemerken ist. dass einerseits manche der 
oben erwähnten Figürchen (z. B. die hockenden Silene) auch 
hierher gezogen werden könnten, andererseits manche der 
unten aufzuführenden vielleicht nur uns den Eindruck der 
Karikatur machen. 

An erster Stelle sind hier zu nennen die Karikaturen ste- 
hender nackter, dickköpfiger Leierspieler, die auch von an- 
deren Fundorten bekannt sind (z. B. in der Sammlung der 
arch. Gesellschaft Tür,},, J207. J413 aus Lokris bez. Böotien), 
sodann ähnliche Figuren, die ganz in den Mantel gehüllt da- 



364 DAS KABIRENHETLIGTUM BEI THEBEN 

stehen, auch diese von bekannter Art, endlich Reste von Schau- 
spielern. 

Kaum als Karikatur im eigentlichen Sinn zu bezeichnen ist 
die Figur eines stehenden Pan mit Tierfüssen und Bockskopf, 
in der Hand Syrinx und Hörn haltend ; ein zweites, kleineres 
Exemplar ist zu sehr zerstört. Zu vergleichen ist vor allem 
die im Jahrbuch I S. 155 aboebildete Terrakotte aus Rhodos. 
Eine sonst nicht seltene Karikatur, hockende bekleidete Ge- 
stalt mit Tierkopf, ist nur einmal vertreten ; eine hockende 
männliche Figur in kurzem Mantel mit grämlichem Gesicht 
zweimal. Einige Male ist vertreten die gelagerte, silenhafte 
Gestalt. Sechs Exemplare sind vorhanden von den in Tanagra 
häufigen Silenfiguren, die bis auf den Kopf nur roh geknetet 
sind, und ohne Basis auf den Beinen und dem langen SchxNeif 
stehen. 

Hier lassen sich einige Silenköpfe entwickelten Stiles anrei- 
hen, von denen wenigstens einer von trefflicher Arbeit mir 
dem Thone nach eher attisch als böotisch scheint. 

Einzeln gearbeitete Masken sind nur wenige gefunden, eine 
von sehr feiner Arbeit (bärtig) leider unvollständig erhalten. 
Singular ist ein etwa 110'"™ langes, ovales Thonrelief, das 
oben durchbohrt ist, also zum Aufhängen bestimmt war. Es 
zeigt in ausgezeichnet schöner Arbeit des vierten Jahrhunderts 
den ganz menschlich gebildeten, gehörnten und bärtigen Pan 
auf den Zehen sich erhebend und die Augen mit der Hand 
beschattend. 

Schliesslich mögen genannt sein die Reste einiger gewöhn- 
lichen Gliederpuppen und einige Früchte aus Thon (Feige, 
Apfel). 

PAUL WOLTERS. 



V. Gegenstände aas Bronze und BIpI. 
(Hierzu 'rafel XIV.) 

Den grössten künstlerischen Werl dürfen die Metallfunde 
für sich heanspruchen : voran steht die 0.19'" hohe Statuette 
eines Diskoswerfers in Bronze. Der Jüngling hat das rechte 
Bein etwas vorgesetzt und schwingt mit beiden Händen den 
Diskos über seinem Kopfe. Auf dem linken Oberschenkel liest 
man in regelmässigen archaischen Buchstaben die Inschrift 

K R E: I f; O 

Das Werk ist mit grosser Fein heil und Sorgfah ausgeführt, 
leider durch eine dicke Bostschicht entstellt. Stilistisch steht 
es, sowohl in der ganzen Anlage des Körpers als auch in den 
Einzelheiten der Bildung des Kopfes, der äginetischen Kunst 
so nahe, dass man es wohl für ein Werk derselben halten 
darf, das hierher eingeführt worden ist. 

Die übrigen Funde sind ihrer grossen Masse nach Tiere in 
Bronze und Blei. Dazu kommen noch einige kleinere Geräte. 

Es sind im Ganzen Tiere in Bronze "201 und in Blei 331 
gefunden ' : von den letzteren sind gegen hundert mehr oder 
weniger, oft bis zur Unkenntlichkeit, verbrannt. So wf^it das 
Geschlecht überhaupt angegeben oder noch kenntlich ist, sind 
sämmtliche Tiere männlich, die älteren sogar ithyphallisch. 
Die überwiegende Mehrzahl der Metalltiere besteht aus Stie- 



' Bekanntlich war die ychutlschicht schon, ehe die Ausgrabüngealje- 
gannen, stark geplündert worden; dadurch ist eine Anzahl Tiere in den 
Kuns'.handel gekommen und jetzt zum Teil in den Besitz der archäologischen 
Gesellschaft übergegangen. 



366 DAS KABIRENHEILICtTUM bei THEBEN 

ren, es sind nur drei Ziegenböcke in Bronze, sieben Ziegen- 
böcke und acht Widder in Blei vorhanden. Dies giebt uns das 
Recht, uns auch bei Bildungen, die ihrer grossen Altertüm- 
lichkeit wegen nicht ohne weiteres als ein bestimmtes Tier er- 
kennbar sind, für Stiere zu entscheiden '. 

Unter den Tieren von Bronze und Blei sondert sich eine 
kleine Gruppe altertümlicher Geschöpfe aus, deren Form nicht 
wie die der übrigen im wesentlichen durch den Guss herge- 
stellt ist, sondern durch Hämmern des festen — in Blei wohl 
auch des kalten — Metalles. Diese Technik lässt sich mit Si- 
cherheit bei elf Exemplaren in Bronze nachweisen, bei ein bis 
zwei anderen mit Wahrscheinlichkeit; von den Bleitieren zei- 
gen nur sieben deutliche Hammerspuren, einige andere stehen 
diesen so nahe, dass man auf ähnliche Herstellung schliessen 
muss. Die Zerstörung durch Feuer, unter der das Blei natür- 
lich viel mehr gelitten hat, als die Bronze, macht technische 
Beobachtungen hier besonders schwer. Ein gehämmerter Stier 
in Bronze, an dem die scharfen Kanten besonders auffällig sind. 




ist beistehend abgebildet (0,07 5 lang 0,05 hoch); es ist ein sorg- 
fältig geformtes Tier, das in seiner Schlankheit an die Pferde 
der Dipylonvasen. wie sie ja ganz übereinstimmend in Bronze 
vorkommen, erinnert. Das andere hier S. 367 abgebildete Tier 
ist aus Blei (0,13 lang 0,06 hoch) ; man sieht deutlich die Rän- 



* Audi die Tiere in Terrakotta sind, soweit das Geschlecht ausgedrückt 
isl, männlich. Hier sind Widder, Ziegenböcke, Schweine zusammen etwa 
ebenso zahlreich vorhanden wie Stiere. 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 



367 



der der Hammerspuren und erkennt zugleich, dass um solche 
Formen im Guss herzustellen eine Entwickelung der Technik 
notwendig sein ^Yilrde, zu welcher die Altertümlichkeit der 
Formengebuno in keinem Wrhältniss steht. 




Mit diesen beiden Stücken sind zugleich die altertümlich- 
sten Formen gegeben. welche sich finden. Die primitiven Tiere, 
wie sie in Olympia ' \orkommen, einfach aus Blech ausge- 
schnitten, oder aus geschnittenem Blech zusammengebogen, 
finden sich im Kabirenheiligtum nicht. 

An die gehämmerten Tiere schliesst sich eine Anzahl \on 
Bildungen an, die mir, obschon gegossen, doch im Stil von 
jenen abhängig zu sein und zugleich der grossen Masse der 
nicht mehr altertümlichen olympischen Tiere verwandt zu 
sein scheinen, wenn auch Übereinstimmuno-en im Einzelnen 
sich nicht zeigen. 

Die Hauptmasse der Funde aus dem Kabirion zeigt aber 
überhaupt einen viel entwickelteren Stil als die olympischen 
Funde, und daher kommt es, dass die Anknüpfungspunkte an 
Olympia, den einzigen Ort, wo in so grosser Anzahl Tiere 



' Durch die Fieundlichkeit von Herrn Professor Fnrlw.'ingler konnle ich 
die für das Olympiawerk beslimmlen Originalzeichnungen der Bronzen 
benutzen, welche der geschickten Hand des Herrn Siegert verdankt werden. 



368 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

aus Bronze zu Tage gekommen sind, recht spärlich sind. Las- 
sen sich doch selbst in jener Gruppe archaischer Tiere, ^\ie 
sie für Olympia den entwickelteren, für unsere Funde den 
älteren Stil repräsentiren, Übereinstimmungen, wie sie irgend 
für kunsthistorische Folgerungen verwertbar sein könnten, 
nicht nachweisend Es müssen also zunächst die Tiere aus 
dem Kabirentempel als eine besondere Gattung angesehen 
werden, und es ist zum mindesten sehr wahrscheinlich, dass 
sie einer lokalen Fabrik entstammen, >Yie sich aus der Betrach- 
tung derjenigen Tiere ergiebt, welche nach Absonderung der 
eben besprochenen Gruppen als grosse Masse übrig bleiben. 
Es sind durchwe"' ueo-ossene Tiere, die eine ziemlich einheit- 
liehe Entwickelung zeigen, von den roliesten und primitivsten 
Anfängen der Gusstechnik an bis zu ganz entwickelter und 
freier Bildung, in den jüngsten und besten Exemplaren zum 
Teil wahre Kabinetstücke an Feinheit und zierlicher Sorgfalt 
aufweisend, wie ^\ir sie ähnlich nur auf einem anderen Ge- 
biete böotischer Kleinkunst finden, bei den Terrakotten von 
Tanaarra. Und wenn ich aucli schon in den ältesten unserer 
Bronzen denselben Sinn für massvolle und gefällige Gestal- 
tung in höherem Grade zu erkennen glaube, als bei gleichent- 
wickelten anderer Fundorte — der S. 366 abgebildete Bronze- 
stier ist noch keineswegs der sorgfältigste seiner Gattung — 
so stimmen auch hierzu die Erzeugnisse älterer böotischer 
Töpferei, wie die Vasen aus Pyri, und neuere Funde aus ta- 
naoräischen Gräbern bestätigen diese Auffassung in aanz über- 
raschender Weise. 

Die Entwickelunö des Stiles "eht in Bronze und Blei durch- 
aus parallel, ja es finden sich Stücke von so übereinstimmen- 
der Bildung, dass man an identische Modelle oder doch sicher 
an dieselbe VVerkstätte zu denken haben wird. Die auf S. 369 f. 
abgebildeten Stücke mögen die Entwickelung von dem rohe- 
sten gegossenen Tier einige Stufen aufwärts veranschaulichen. 



* Auch die Bronzen aus Dodona liaben niil den unsrigen iiiclils gemein. 
Über einen den unseren verwandten Stier von der Akropolis siehe unten. 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 369 

a) Bronze 0,04 lang, 0,023 hoch. Das Tier ist deutlich ithy- 
phallisch. 




b) Blei. 0.04 2 lang. 0,1)22 hoch 




c) Blei, 0,056 lang, 0,032 hoch: auch dieses Tier scheii.l 
ithyphallisch zu sein. 




d) Ziegenbock aus Blei. 0,06 lang, 0.05 hoch, 




Das Tier scheint nach dem Guss zum Teil mit dem Ham- 
mer bearbeitet zu sein; dies gilt jedenfalls von dem dünnen 
bandförmigen Schwanz , welcher ursprünglich ganz in die 
Höhe gebogen war. Über den Kopf und scheinbar auch über 
den Körper gehen gravirte Linien. 



370 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

e) Ziegenbock aus Blei, 0.066 lang, 0,055 hoch. 




Die Oberfläche ist. stellenweise sehr zerstört. Dieses Stück 
könnte man als reif archaisch bezeichnen : die Beine sind 
nicht mehr gespreizt und nähern sich bereits der natürlichen 
F'orm. Gravirung ist reichlich verwendet. 

f) Widder aus Blei, 0.065 lang, 0.06 lioch. der Ivopf ist 




etwas nach links gewendet. Es findet sich keinerlei Nacbar- 
beitung. Dieses Stück, welches man nicht anstehen wird, für 
das entwickeltste der hier abo;ebildeten Reihe zu halten, kann 
sich trotzdem an Sorgfalt der Ausführnns mit den zwei vor- 
angehenden nicht messen; es ist geeignet, die in allen Ent- 
wickelnngsstufen neben den sorgfältig und gut gearbeiteten 
Stücken hergehende geringere Sorte zn veranschaulichen. Sol-. 
che nachlässiger gearbeitete Tiere linden sich begreiflicher 
Weise unter den Erzeugnissen freierer Technik in verhältniss- 
massig grösserer Zahl, als unter den Stücken strengen Stils, 
sie zeichnen sich allerdings meist auch noch durch die Plump- 



DAS KABIRENHEILir.TUM REI THEBEN 371 

heit ihrer Form aus, wie der auf Tai'. W.l] al)i!re|jiklete Bron- 

o 

zestier. 

Die jjeiden Ijessereii auf dieser Tal'el abi;,('l)iltlel('u Tiere 
würden nämlicli etwa die aul' den oben unter e abgebildeten 
Ziegenbock folgende Ii]ntvvickelungsstufe bezeichnen : 

Nr. 1, im Kunsthandel erworben (es ist eines jener Stücke, 
welche zur Entdeckung des Kabirenlieiligtums iuhrten), jetzt 
in der Sammlung der archäologischen Gesellschalt, Inv. 1198; 
0,07 lang, 0,05 hoch. Scliöne hellgrüne Patina. Bis auf eine 
kleine abgesprungene Stelle an der linken Hüfte vorzüglich 
erhalten. Die Basis ist mitgegossen, gravirt scheint nur der 
Hufspalt zu sein. Der grosse Kopf mit den eigentümlichen Au- 
gen erinnert mehr an den eines Esels als an einen Stierkopf. 

Über die Seitenflächen der Basis läuft die Inschrift : 



DfilTotvDf\^F^tv£©^lrE t^^KF^^ilXo 



auf drei Seiten so verteilt, dass toi KaS auf einer kurzen Seite 
steht. 

Entwickelter und zugleich sorgfältiger ist der unter Nr. 2 
abgebildete Stier, lang 0,068, hoch (einschliesslich Basis)0,056. 
Schöne lebhaft grüne Patina; der Schwanz ist abgebrochen. 
Die Basis ist mitgegossen. Gravirt sind die Falten um den 
Nacken und auf der Wamme, auf dem Kopf zwischen den 
Hörnern Rauten, ausserdem die Andeutung des Felles über 
den Hufen. 

Auf den Seitenflächen der Basis ist eingravirt: 



DF^ITO N\)f\\ hNg.® K ^ 



auf drei Seiten so verteilt, wie die beiden Striche angeben; der 
Ausfall des zweiten E von ävsOsjcj ist also durch den Übergang; 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XV. 26 



372 DAS KABIRENHEILICtTUM bei THEBEN 

auf die dritte Seite veranlasst. Diesem strengen und sorgfäl- 
tigen Typus sind mehrere andere Stiere, immer mit derselben 
Rautengravirung versehen, recht verwandt ; die Weihinschrift 
liess diesen besonders zur Veröffentlichung geeignet scheinen, 
denn die Vermutung, dass beide Stiere von derselben Person 
geweiht seien, liegt nahe, und der Stil widerspricht dem nicht. 

Doch auch der unter Nr. 3 abo;eI)ildete Stier träet den 
gleichen Namen. Er ist 0,075 lang, 0,045 hoch, von schön- 
ster grüner Patina, an der rechten Hüfte verletzt. Er scheint, 
nach der Unterfläche der Füsse zu urteilen, auf eine Basis 
aufgelötet gewesen zu sein, wie die meisten anderen Bron- 
zestiere. 

Auf dem Tier selbst befindet sich die Inschrift : 



f)f^lT^t^(>f^<l^f^ 



m 
i? 



Der Annahme, dass wir auch hier denselben Weihenden zu 
erkennen haben, scheint der Stil der Bronze zu widersprechen, 
doch wenn man sich der oben gemachten Bemerkung erinnert, 
und den ausgeprägten Kopf betrachtet, wie er doch nicht mehr 
hochaltertümlich ist, sondern nur einem bereits entwickelten 
Archaismus angehören kann, so wird man nicht geneigt sein, 
dieses Tier zeitlich von den anderen beiden weit zu trennen 
und seine Plumpheit eben auf die geringere Qualität oder eine 
schlechte Fabrik zurückführen. Die Inschriften wenigstens 
scheinen durchaus keine Verschiedenheiten zu enthalten, wel- 
che auf verschiedene Zeit deuten. Freilich ist Nr. 2, welche 
auf dem feinsten Stiere steht, auch die sorgfältigste und zeigt 
das grosse O, während auf Nr. 1 das o klein und unregelmäs- 
sig gestellt ist, aber der Buchstabencharakter ist derselbe wie 



DAS KARIRENHEILIfiTUM BEI THEBEN 373 

bei den anderen, z. B. kelirt die sonderbare Form des ^ in 
Nr. 2 wieder. D und E selien wir innerbalb derselben In- 
scbriften scliwanken. Nun empfieblt aber eine andere Er- 
wägung, nur einen Träger des Namens Üaitondas anzuneh- 
men, das ist die gewälilte Form der Weihung. 'Ave07]>te ist bei 
den Verehrern des Kabiren ein nicht beliebtes Wort, meist 
«•enüi't der blosse Name; unter rund 500 Vaseninschriften fin- 
det sich nur 42 Mal oc^iOnKs. verwendet, unter 18 Stieren mit 
Inschriften aus unserer Ausgrabung, zu denen noch vier aus 
dem Kunsthandel kommen, findet sich ävsörxs nur diese drei 
Male mit dem Namen des Daitondas; es wäre also ein sonder- 
barer Zufall, wenn es nicht dieselbe Person wäre^ 

Die übrigen Tiere entwickelten Stiles mögen zunächst un- 
erwähnt bleiben, da keines derselben abgebildet wird. Ganz 
heraus fällt aus der Masse ein gelagerter Ziegenbock, welcher, 
einem Stier in Olympia ähnlich, hohl gegossen ist, und mit 
der abgeschnittenen Unterfläche seines Körpers auf eine Basis 
befestigt war, worauf noch ein Loch im Rücken deutet, üies 
ist das einzige Stück, welches Spuren von Vergoldung trägt; 
die Arbeit ist nicht besonders fein. Für das Alter der ver- 
schiedenen Klassen von Tieren fehlt es an " Anhaltspunkten ; 
die Inschriften geben nicht viel aus. Mehr könnte die Ver- 
gleichung mit einem auf der Akropolis gefundenen Bronzestier 
hergeben, da derselbe dem grössten Stücke unserer Funde, 
welches noch etwas vorgeschrittener ist als der beste Daiton- 
das -Stier, ausserordentlich ähnlich ist. Doch ist der Stier von 
der Burg unter dem Romatempel gefunden, so dass aus sei- 
nem Fundort nichts für sein Alter hervorgeht^. Ein kleinerer 
Stier ähnlichen Stiles ist auf der Burij; über dem Perserschutt, 



' Der Name Daitondas ist, so viel ich sehe, bis jetzt nur aus Pausan. VI 
17,5 bekannt. Inschriftlich erscheint er wahrscheinlich noch auf einer Va- 
senscherbc des Kabircnheiliglunis, auf welcher aiiov eingeritzt ist; freilich 
kommt auch dicNamensform Aaitcov als böolisch vor: Diltenberger Sylloge 
Nr. 404 Z. 21. 

2 Über die Fundschichten unter dem Romalempel vgl. Kawerau, Antike 
Denkmäler I t^. 13. 



374 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

aber unter dem Bauschutt des perikleischen Parthenon ge- 
funden, doch ist das überdies stark versinterte Stück zu we- 
nio; charakteristisch, um weitgehende Schlüsse zu erlauben. 
Die Masse der Bronzen des sechsten Jahrhunderts, wie sie sich 
im Perserschutte finden, sind so anders geartet, dass sie den 
unsrigen schlechterdings unvergleichbar sind. 

Von den übrigen Bronzefunden seien erwähnt : 18 Krei- 
sel in verschiedenen Grössen von der oben (XIII S. 427) 
nachgewiesenen Form^ 2 Kuhglocken, Stlengisbruchstücke, 
Schreibgriffel, ein Messer, Kettchen, Ringe, allerlei Spielwerk 
und Zierrat. 

BOTHO GRAEF. 



^ Ein Kreisel dieser Form ist auch dargestellt auf einer rotfigurigen Schale 
strengen Stiles in Berlin (Inv. 3168). 



VI. Verscliiedenes. 

Kurz sollen im Folgenden noch die wichtigsten EinzeU'unde 
erwähnt werden, die bisher keine Stelle gefunden haben. 

Von Eisen wurde eine beträchtliche Anzahl mässisj o;rosser 
Messerklingen gefunden, ausserdem grosse Nägel, verschiedene 
Reste Yon Beschlag und dergleichen, eine Pfeilspitze, ein 
grosser Fingerring, ein Schlüssel. Ein eiserner Haken, offen- 
bar die ßekrönung eines Hirtenstabes, passt gut zu dem bäu- 
erlichen Charakter des Heiligtums. Eine kleine Doppelaxt von 
Eisen (mit Stiel 250""" lang) wird man für inhaltlich bedeut- 
sam halten dürfen und mit dem bekannten Symbol des Ka- 
biren in Thessalonike und sonst zusammenstellen. 

Die Funde von Stein sind geringfügig. Die gefundenen Re- 
ste von Marmorskulpturen sind unbedeutend und spät ; eine 
römische Gewandfigur ohne Kopf ist das einzige grössere 
Stück. Zu erwähnen sind eine Zahl von Keseln aus Marmor 

o 

oder aus hartem, schwarzem Stein, von 60-18™™ Höhe, offen- 
bar typische Nachahmungen der in Thon und Bronce bekann- 
ten Kreisel (oben XIH S. 427. XV S. 374). Zu nennen sind 
auch einige Astragalen,von denen einer aus Bernstein, die an- 
deren aus undurchsichtigem hellgrünem oder schwarzem Stein 
bestehen . 

Natürliche Astragalen (Knöchel) wurden im sehr grosser 
Anzahl gefunden; viele derselben sind einfach durchbohrt. 
Auffällig ist, dass eine Zahl derselben durch Abschneiden der 
kleinen Erhöhungen abgeplattet, und dadurch zum üblichen 
Knöchelspiel untauglich gemacht ist. Bei einem Exemplar 
tritt dazu Aushöhlung des Inneren und Ausfüllung desselben 
mit Blei. An die zu betrügerischem Zweck mit Blei be- 
schwerten Astragalen (Blümner, Privaltaltertümer S. 511, 5) 



376 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

darf man nicht denken, da nicht eine Seite beschwert, son- 
dern das ganze Innere ausgegossen ist, auch das Blei \'öllig 
sichtbar war ; denn die abgeschnittenen Teile sind nicht wie- 
der an ihrer ursprünglichen Stelle befestigt gewesen. Es sind 
Knöchel vorhanden, die bei einer Breite bez. Länge von 40 
und 60'"'" nur 8'"'" Dicke haben, die also zum Spiel gar nicht 
mehr dienen konnten. Vielleicht rühren diese von den bekann- 
ten, mit Astragalen versehenen Peitschen her. Wenn in der 
Inschrift, welche die jährlichen Weihgeschenke verzeichnet 
(s. u.), neben anderem auch eine Geissei aus Silber vorkommt, 
so wage ich doch nicht, ohne weiteres hier einen besonderen 
Zusammenhang anzunehmen. Aus Knochen bestehen auch ei- 
nige Schreibgriffel, von denen einer oben mit einer kleinen 
ithyphallischen Herme geschmückt ist. 

Eigenartig und beachtenswert sind die Glassachen, die, wde 
die .Masse der anderen Funde, mit Ausnahme weniger leicht 
abzusondernder Stücke durchweg der älteren Zeit des Heilig- 
tums angehören müssen. Es sind vor allem Glasperlen, von 
denen an 1500 Stück gefunden sind. Eine geringe Zahl dersel- 
ben sind bis zu 35'"'" grosse, plumpe, meist mit drei Vorsprün- 
gen gebildete Perlen aus braunschwarzem, blasigem Glase; 
verziert sind dieselben mit weissen oder gelben Spiralen, wel- 
che meist in der Zahl von drei die genannten Vorsprünge be- 
decken. Diese Spiralen sind aus Glasfäden hergestellt, wel- 
che man in eine vorher für sie angebrachte vertiefte Binne 
presste. 

Während dies Glas einen untergeordneten, technisch un- 
vollkommenen Eindruck macht, zeigt die Masse der anderen 
Perlen ein sicheres Können. Es sind kleinere, meist kugeltör- 
mii;' oder rini»iörmio; gestaltete Perlen aus lebhaft o-efärbtem 
Glase, z. T. einfarbig blau, meergrün, hellgrün, gelb, braun- 
gelb, weiss, zum weitaus grösseren Teil aber durch einge- 
fügte, aus einem grösseren runden Fleck und umgebende an- 
ders gefärbte Kreise gebildete 'Augen' verziert. Diese Augen 
sind nicht aus eingelegten Glasfäden hergestellt, sondern aus 
ganzen Lagen des verschieden gefärbten Glases, so dass im 



DAS KADIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 377 

Bruch ein solclies Aime übereinander dieselben Farbenstreifen 
zeigt, wie in der Oberfläche. Die meisten dieser Perlen ])este- 
hen aus undurclisiclitii^cm gelbem Glase mit blau und weis- 
sen Augen, darnach sind sehr beliebt meergrüne Perlen mit 
dunkelblau und weissen Augen, selten ist der Grund dun- 
kelblau. 

Nach Technik und Aussehn gehören zu diesen Perlen kleine 
Köpfe aus buntem Glas, mit Ösen zum Aufbängen versehen. 
Das beste Exemplar, 45""" hoch, besteht aus dunkelblauem 
Glas, Gesicht, Ohren und Lippen sind aus opakem weissem 
Glas aufgesetzt, wälirend Haar, Bart und Augensterne blau 
sind. Die anderen, kleineren Köpfe sind viel weniger sorgfäl- 
tig geformt. Einer ist meergrün gefärbt mit gelben Augen- 
brauen und Bart, mit dunkelblau und weissen Augen ; ein an- 
derer ist dunkelblau und zeigt bei gleicher Färbung der Augen 
rote Augenbrauen und Bart. Ein Hahn ähnlicher Technik ist 
aus dem Kunsthandel in den Besitz der archäologischen Ge- 
sellschaft gelangt. Sodann sind Reste grosser walzenförmiger 
Perlen mit aufgesetzten bunten Knöpfen und eingesetzten Au- 
gen da. Ähnliche Glas waren sind an yerschiedenen Orten 
Griechenlands gefunden worden ; zur Veranschaulichung ver- 
weise ich vor allem auf den von Perrot, Histoire de l'art lll 
Taf. 10 abgebildeten Schmuck aus Tharros, der mit den be- 
sprochenen böotischen Glassachen wesensgleich scheint. Für 
die Ansicht (Perrot S. 825), dass wir hierin ägyptische oder 
phönikische, von der ägyptischen abhängige Manufiiktur zu 
erkennen haben, lässt sich noch der Fund eines kleinen 23""" 
hohen Figürchens aus sog. ägyptischem Porzellan anführen, 
das ebenfalls zum Aufhäncen eingerichtet ist. Auch von den 
bekannten kleinen Glasgefässchen sind Reste gefunden. 

PAUL WOLTERS. 



VII. Inschriften. 



1. Inschriften auf Stein. Die im folgenden besprochenen 
Inschriften anf Stein entstammen den Ausgrabungen des Ka- 
birenheiliiJtums selbst , nur N° 1 war schon bei den ersten 
heimlichen Wühlereien an's Licht gebracht und wurde noch 
vor Beginn der regelmässigen Ausgrabungen gefunden und 
in's Museum in Theben gebracht. Ebenso war das Fragment 
N" 5 schon früher entdeckt, wurde aber erst später von Herrn 
E. Kallopäs erworben. 

1. 

KABiPl APXH 



nYPPIAA:2:AOAHIHOS: 
APISiTOriTaNNIKOAAMa 
OIOTIMO^nOAYSTPOTn 
KAAAI^TONIKO^MEAI:S:5:a 

PAPArarEiEs 

EPOYZIAAOSiAlOAnPn 

is:memia:^4^iaome!aiaao 
aytonoos:eyoym ixn 

nYPPOS:MNA:^TIXIAAO 



NlKAPXO:SOiaNOS: 
APISiTIAS: N IKIPP O^ 
AlfiN YS I X05:ZEN0KPITn 
OIOKPITOSIKOYAnNOS: 
4-IAaNAMINlXIOS 

A A M As:iAs:nTQinNos: 

B0YKnNFA:STIH05: 
NYMEINI02:A:r^nOAnPß 



ELuppiSixi; 'A9avr/}0(; Nuapj(^0(; ©idivo? 

'ApiTToyiTwv Nr/.oSxfxw 

riapa,Y(i)y£i£?" 

'Epo'j^iXao? AioScbpo) 

AÜtovoo? EüOij(7,ij(^ü) 



'AptGTix? Nt/4i-:T7v[t]o; 
AiovuGtyoi; Sevo/.pixo) 
6i6/.ptT0(; KooXwvoi; 
•htlcov 'Ai7,'.vtyto; 
Aa,[/.a(7t(X(; IItwlcovo? 
Bouxwv FaTTiT^o«; 
Nd[A£vlo; 'AawTCoScöpco. 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 379 

Die Inschrift (h. 0,37, br. 0,71, d. 0,47) ist in Minuskeln 
im AsT^Tiov äp/aioXoyaöv 1888 S. 16 und darnach Berliner 
phil. Wochenschrift 1888 S. 570 puhlicirt, wo Meister aus 
dialektologischen Gründen geschlossen liat, dass sie ins Ende 
des 4. oder den Anfang des 3. Jahrhunderts falle, womit der 
Schriftcharakter stimmt. 

Trotzdem die Überschrift KaSipixp/v} auch über den Anfang 
der zweiten Columne sich erstreckt, ist doch anzunehmen, 
dass dieselbe sich nur auf die vier ersten Namen der ersten 
Columne beziehen soll und sämmtliche übrigen Namen zur 
Überschrift TTapaycoysie«; (Z. 6) gehören, denn die Scliatzlisten 
(N" 2), welche wir für drei Jahre erhalten haben, nennen für 
zwei derselben je drei, für das dritte nur zwei Kabiriarchen. 

Dass die xapxyoiysTst; die in die Mysterien einführenden Per- 
sonen gewesen sind, die anderswo ^aucjTaywyoi heissen, ist klar. 
In der Mysterieninschrift von Andania (§ 25) wird unter den 
Functionen der 'Zehn' angeführt, dass sie aus den Priestern 
die geeigneten Personen zu Rhabdophoren und ebenso die 
Mystagogen auszuwählen haben K Es unterliegt keinem Zwei- 
fel, dass auch in Theben alljäh rlicb vor den Mysterien sei es 
durch Wahl sei es durch Loos die -apaycoysis; bestimmt und 
ihre Namen eingegraben wurden. Ihre Zahl ist zwölf. 

2. 

MNASIAAQAPXONTOZIAPEIAAAO N 
T^NSAMIAOIZMEINIK E TAO0OZINa 
AOANOAaPQ K A B I P I A PX I O N T n N 
EPMAiaAPOAAOAQ PQ^IA oMElAß 
5 EPIXAPMnKAPinNOSKOZMinnn 
rPAMMATIAA0NT02 KA 01 Z OAQ PO. 
AKAZTIAAO EP AN OETAAYTAPZIA 
AAMr2N020EI2PIKA P OPPANXPOYZI 
ANOAKAAYOBOAOITPI X AAK I O 1 



{j.uaTaYWYoüs. 



380 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

10 EPMAiaAPXONTO^lAPElAAAON 
TfiNSAMIAO IS:ME1N1KETA0 (|)OZlNa 
AOANOAnP^ KABIPIAPXIO NT Q. H 
A5:nnOKAIA A O ZEN0KPATI02:AI0K A l A AO 

AM0iAOAs:n PIX Q. K A(t>is:oAapnTn 

15 NIP.TEPn rPAM M ATIAAONTO 2 
APOAAOAnPn N YM E IN \Q. 
EPANOETA A A M A T P I A K H ^ A T Y 
PA POPPANXPOYSl ANOAKAXPOY 
S:iOS:SKOPA^ lASiPl N EX QZA NXP O Y 

20 2:1 AloNAIAMETT fioAKANoBO AoN K H 
AAY5:iNXAAKA N QKYOOAA X TPAFA 
AQ.X PETTAPA:^^ TPoBlAoNMASTlPA 
A A I A AAProYPI AOAK AAPAXMHPEN TE 
E N n M AA A I AA APFO YP lANoAKAAPA 

25 XMATPls:oBoAol EPATQcMA AlONAPPoY 
PION oAKATPISiOBOAOM IMAN O^ K H M E 
NAN APOS XEI PI PE aas: K H PEAISKAS: 

r OYP ia:coakatpis:ap axmh 

T I M O A A 10 ^AP XONTO^IAPEIAAAO NTQN 
30 s:AM 1 AOI^MEIN I K ETAOcJ) O Z I N Q A OANO 
AQPlfi KABIPIAPXIONTftNP 1 ^lA A A IKPATI 
OSAIOA^P n E P M a N OS:rPA MM AT I A AONT O 
EYPEAPEIAEMAXa EPANOETA NIKO 
AAM05:TPEPEAAI TA:^ TANPA PKATAO E I 

35 kananeaabe PAPPOYoin nos: poyoih q 

oEPPAZEAAM^NAPAXMAi^FI K A T I PETTA 
PA :SP E N T OBns: ENNIAXAAKIHSIE NOYTO 
X POY X lO^E NKO N I Z TA:^ O AKAXPOY2:iO:SKH 
T P I /v BOAONATTI K o N 

Mva<Jt>.3C(i) apj(^ovTO<;, iapeiaSSovTcov 2!a[xiao 'l(j[JA\viy.iTixo, <I^o;{v(i) 

5 [uiloi I 'ETTiyapiAW, KaTüiwvoi; KoTjj-iTirTCW, Ypo^[^-[J-o^fiSöovTO? Koc- 



DAS KAniRENHEiLiGTUM i!i:r tiii:i!i:m 3S1 

(piTOf^cöpco 'A/.X'izi^XQ- iTüzvGsTOC* A'jTap^ia Azacovo; Ö-'.t-'./.x 

10 'Ep|7.'/ico xpyovTO:, iapc'.aSt^ovTwv -a|;i(y.o 'I(7[A£'.v'//.3rao, «rocivw 
'AOavo^wpco, -/.a^'-ptapyiovTcov 'AitOTüoxXioao S£vo-/.pä.TiO(;, Aio- 

15 -/iXu^xo 'Aapixo, 'Arjoj-iya) Kxrp'.ToSwp« xöi | v-toTspco, yp^-f^-- 
[xaTiS^ovTO? 'ATuoX'Xof^cöpa) Nuy.siviw s-xvOsto.' Ayy.axpix •/.•/; 

Sax'jpa x6p-ocv ypouciav 6X-/ca y^po'jatoi;, ^Cy^OTroc? l'a'j-iv £'/_w- 
20 (jav ypoul^jiSiov Siot [xsttw, ok'/Jvi öSolov, -/,r, y.l'jT'.v yaT.x.zv* 

'Q/.u06a dcTTpayxXcot; TTSTTapag, GxpöS'Aov, ty.scTTiyx, ^xt^a, äp- 

yo'jpix. öX^x Spa^[X'/] ttevts" 'Evcoy.a c^xi^x äpyo'jpixv, 6ax.x (Spa|- 
25 j^ij-x Tpi? öSo)^oi* 'EpxTW (pixAiov äpyouptov öX/^x xpi? öbo'Xoi' 

I I [7.XV0; ■/.-}) MsvxvSpo; ^(sip'.Tirir^Xi; ///) 7r£SiG/.a? äpjyo-jpia?, oX/.x 

Tpi? Spx;(u//). 

30 TijxoXX'.o; xp/ovTo;, ixpetxSSovTtov j Hxij-ixo 'iTy.sivix.sTXO, 'I>o- 
£{v(i) 'AOxvoSä)p(^t)>a), x,a€'.p'.xpyi6vTtov IIigix Ax'i/.pzTio;, A'.o- 
ocopw ''Epacovo;, ypx[7-ij.XTiSSovTo[c] E'jpsx IleiXsiy-x/W sttxvOs- 

35 TX" NixoSxp-o? Tp£-E^[S]iTa? Txv Twxp/.XTxOsil/.av XV ä'Xxßs TüXp 
Ilo'jOicovof; nouO'.'/}Ci) o i'Trpx^s Azawv, Spa/aX(; Fi/.XT'. TTSTTxpx;; 
7:£VToS(oX)ü);, evvix ^xX/aci)?, sv oOto y^^ou(ji.oq hy.o^iaTC/.i; öly-v. 
^poo^toi; j^-J] TptwSoXov 'Attwov. 

Die 1,30 lange, 0,435 breite, 0,20 dicke Stele aus hartem 
Kalkstein wurde im Inneren des Tempels gefunden ; sie ent- 
hält die Verzeichnisse der jährlich zu dem Tempelschatze hin- 
zugekommenen Weihungen für drei, vermutlich auf einander 
folgende Jahre. Ähnlich wird in der Mysterieninschrift von 
Andania Z. 90 ff. angeordnet, dass die Scliatzkammer all- 
jährlich an den Mysterien geöffnet und ihr Inhalt aufgezeichnet 
werden solle. Das Schatzverzeichniss des Kabirions stammt 
wohl dem Schriftcharakter nach aus dem dritten Jahrhundert. 
Es ist nach dem thebanischen Archonten, zwei Priestern und 
drei (bez. zwei) Kabiriarchen und einem Schreiber datirt. 
Während in den drei Jahren, für welche die Verzeichnisse er- 
halten sind. Archon, Kabiriarchen und Schreiber wechseln, 



382 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

bleiben die Priester dieselben. Einer derselben, der Thebaner 
Safy-ia? 'I(7(A£tvt>t£Tao ist aber auch sonst und zwar in der or- 
chomeniscben Inschrift (Larfeld 15) als Böotarch und in der 
platäischen Inschrift (eb. 273) erwähnt. Die erstgenannte In- 
schrift muss älter als 171 v. Chr. sein, die zweite wird um 
200 gesetzt. Hiermit ist auch die Zeit unserer Inschrift ge- 
geben. 

Sprachlich ist die Form SuoSo'Xot (Z. 9) auffallend, welche 
indessen ihr genaues Analogon an Tzs^-uo^oVjdic, (Z. 37), wie 
wohl zu lesen sein wird, iindet. Die Weihungen sind im Gan- 
zen äusserst bescheiden und gehen der Mehrzahl nach von 
Frauen aus. Bloss bei einer einzigen Weihenden der Aü-rapHioc 
Aijxwvoi; (Z. 7 f.) ist das Etlmikon @s'.g7zv/.x genannt. Die an- 
deren sind daher wohl alle Thebaner. Dass nur Weihungen 
aus Theben und dem dem Kabirenheiligtume gleichfalls nahe 
gelegenen Thespiae vorkommen, spricht wieder für den auch 
aus anderen Gründen erschliessbaren lokalen Charakter dieses 
Heiligtumes. 

Als Überschrift zu den jährlich neu hinzugekommenen 
Weihungen steht sTravOsTa, dem attischen iiziznc/. entsprechend. 
Hier ist also nicht, wie Suidas sagt, ävxOeivai und i-iavaGsivat 
TÖ a'jTo. Schwierigkeiten macht nur das Verzeichniss des drit- 
ten Jahres. Zunächst ist unklar, was die Trapaz-araOT)/.-/} ist, die 
der Wechsler Nikodamos geweiht hat. In den attischen Schatz- 
listen findet man C. I. A. II 660 Z. 50 eine ';Tapay.aTa.9-/i/'.vi 
AOv)vaia,?, ebd. 661 Z. 18 eine TTJapay-araOrixT], deren Gewicht 
auf 404 Dr. 3 Obolen angegeben wird, 667 Z. 42 wieder die 
xapaxaTa67ix[7iJ 'AGvivata? und endlich 672 ix tjoo [;.Y)Tpa>ou xa- 
pa/ta-aOry/CT), was sich wahrscheinlich auf die unmittelbar vor- 
her aufgeführten metallenen Gegenstände im Gewichte von 
1650 Dr., die mit dem Staatssiegel gesiegelt waren, bezieht. 
Man sieht leicht, dass alle diese 77apa-/caTa07])cai eine andere 
Deutung zulassen, als die in den vorliegenden Listen erwähnte 
nahelegt, welche man zunächst als ein Depositum, das beim 
Wechsler Nikodamos von Puthion erlegt war, oder als ein 
Pfand, das der Wechsler von diesem genommen hatte, erklären 



DAS KABIRENHEILIPtTUM liEI THEBEN 383 

wird. Ist nun aber die Z. 36 f. genannte Summe, welclie Dä- 
mon eingetrieben liat, nicbts anderes als die im 'J'em[)el liin- 
terlegte ';Ta.pa-/.aTa07)x//i, so kann sie nur eben jenes Depositum 
sein — und dann begriffe man nicht, wie der Wechsler es Nvei- 
hen, noch wie ein Dritter es eintreiben konnte — oder aber 
ein dem Kabiren geli()riges Depositum, welches bei Nikodamos 
stand, von Puthion als l^]igentum beansprucht und von Dä- 
mon für den Gott gepfändet worden war. Diese Annahme 
würde auf keine Schwierigkeiten stossen, wenn auch der 
Rechtsstreit zwischen Puthion und dem Gotte sowie seine 
Gründe dunkel bleiben. 

Die Summe von 24 Dr. 5 Obolen 9 Chalkus bestätigt, dass 
der böotische Obolos nicht in 8 Chalkus wie der attische zer- 
fiel, was schon durch die orchomenische Inschrift Bull, de 
corr. hell. IV S. 89 f. (Larfeld 23) festgestellt war, in wel- 
cher sich sogar 11 Chalkus finden. Foucart nahm in Folge 
dessen den Obolos zu 12 Chalkus an (vgl. übrigens C. I. G. 
1690 und Böckh in der Erklärung zu dieser Inschrift gegen 
Ende). 

Z. 36. £v o'jTo = in diesem (darunter). Zur Construction 
vgl. Larfeld 16 Z. 49. Ist diese Auffassung richtig, so muss 
sich in der aufgeführten Summe ein goldener ev^ovictoc; im 
Gewichte eines Staters und dreier attischer Obolen befinden, 
und es müsste dann das rätselhafte Wort eine bestimmte 
Münze nicht attischen Fusses bezeichnen, welcher nach ihrer 
Prägung oder aus anderen Gründen dieser Name zukam, oder 
einen goldenen Gegenstand, welcher sich nebst dem Gelde in 
der xapa/cocTocOyixYi befand. 

Die Gewichtangabe in Z. 9 ist mit unsicherer, ungeübter 
Hand zugefügt. 



N T O 2 OYE^ 

PAIOYIEPEYONT Q. N 
2AMIOY IZMHNI KETOY 
T I MOKP ITOYAP I ZTIQNO^ 



384 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

OHB AIOIAFOTHNFPO 
ZOAn N TOYOEoYTH N 
AYTHN K ABEIPni 
K A IFA I A I 

[ToO SsTvo; apyovTO?, /.aSeiptocpyo'jVTcov täv Ssivojv, ypatj-aaTS'j- 

o]vTO? O'j E'j[(p]paiou, ispsuövToov Saty.io'j 'ln<^j:ryr/.i- 

Tou, Tijj.oxpiTO'j 'AptcTioüvoi;, 07i€aiot 1X7:6 tcöv xpocroSwv toO Osou 
T7]v ouTTjv Ka^eipcoi x,a.i Tcaiot. 

Diese Inschrift steht auf einer 0,26 hohen, 0,34 breiten 
0,09 dicken Marmorplatte, deren oberer Teil abgebrochen ist. 
Sie ist nicht in böotischem Dialekt geschrieben und weicht 
auch in der Anordnung der Präscripte insoferne von der vo- 
rigen ab, als die Priester an letzter Stelle genannt sind. Den- 
noch finden wir hier denselben Priester üocaix? T(7[7.riVix.£T0'j ; 
sein College heisst hier allerdings nicht <l>6;ivo; 'AOa.vaSwpou 
sondern Ti[;.6/.p'.T0(; 'ApiaTiwvo?. Das Verzeichniss der eingegan- 
genen Gaben dieses Jahres enthält nichts als die Weihung der 
Thebaner, welche aus den Einkünften des Gottes dem Kabi- 
ren und dessen Sohne die Sur-/) dargebracht haben. Was dies 
bedeutet, bleibt unklar; die Erklärung darf nicht vom böoti- 
sclien Dialekte ausgehen. 

Bemerkenswert ist, dass diese Inschrift den Namen des Ka- 
biren mit El schreibt (KocSsipo;), während die gleichzeitige, in 
böotischem Dialekt abgefasste nur I verwendet (KaStpo?). Letz- 
tere Form, die auf den archaischen Weihungen durchaus 
herrscht, wird dadurch als die dialektische Nebenform des ge- 
meingriechischen Kißsipoc bewiesen. 



K A I O 2 xai öa[ix. 

I A A I A A H X (^ixkn /Jp'jtti 
_ O I 2 A rO Y äYO'j[ca . . TraOp-Ov 

NYMaI (t)IAAAIK (^lüloLi X.' . . . . 





DAS KABIRENHEILIGTUM REI THEBEN 




)NTAZ 


AFOY 


5 


aYOu[cai . . 


GryJ)[JSj^j 


YM4) 1 


(J)! A A A 




(pia>^a[i . . 






A r O Y 




aY0'j['7ai . . 


C)TaOaöv 


^AEY 


01 AAA 
TPO¥A' 




(ptoc>,a[i . . . 
Tpou>.i[ov 






-KO¥ 


10 


.)COU 





385 



Fragment von weissem Marmor, b. 0,22, b. 0,15, d. 0,064 
Vül. die folgende Nummer. 



>> Ai 

() ^ 2 H T O 2. 9U(7nToc 

i P E 0OY2 l-C T]p£(po6G'/i<; 

A A O NA MnE A O Y (pu]Uov a[j.7:aou 

2 Z ¥ KC EB l-P W . . .; Guv ^e^'/ipo) 

-C2¥M(t)OPOY . .v)c Su[j.(p6pou. 

Das Y in Z. 3 und 4 stebt innerbalb des vorhergehenden O, 
Z. 4 ist MnE ligirt. 

Ganz ähnliches Bruchstück (h. 0,24, b. 0,145, d. 0,62), 
offenbar zu derselben Inschrift i>ehörii>-. Der Schriftcharakter 
lässt es kaum denkbar erscheinen, dass die Insclirift älter als 
das zweite Jahrhundert n. Chr. ist. 

Ein (puT-ziTov (Fächer) kommt auch im Schatzverzeichniss 
CIA. II 652 Z. 27 vor. Hier ist vielleicht ein geblasener, 
also gläserner Gegenstand gemeint. Weinlaubkränze C. I. A. 
II 819 und 820." 

6. 

<t)P0YNIS:K02:PYrX^N02: ^pouvi^xo? Tuyywvo? 

K ABIPOlK HPAIAI Kagipot y.}) ttociSu 

Vorstehende Inschrift (Buchstabenhöhe 0,03) befindet sich 
an der Vorderfläche eines 0,80 hohen, 0,75 breiten Marmor- 



386 DAS KABIRENHEILICtTUM bei THEBEN 

Sessels, der sütl(")stlicli \om Tempel gefunden wurde. Der 
Schriftcharakter weist auf das \ierte Jahrhundert. Jedenfalls 
ist dies die älteste Inschrift, welche eine Weihung an den Ka- 
biren und dessen Sohn zugleich enthält, eine CoUectivabferti- 
gung, welche der älteren Zeit fremd ist. N" 7, welche das Glei- 
che hat, ist spät, ebenso die aus der römischen Raiserzeit stam- 
mende Inschrift aus Olynth (Duchesne und Bayet, Mission au 
mont Atlios S. 75 N° 117) welche lautet: KotSsipw xai TiaiSi 
KaSetpo'j M. 'Epe[vvtOi;] 'OpsiTSivo? 'Op£'7TSt[vo'j] ispocpivTO'j 'jio?. 
Von den Bronceinschriften hat die Doppelweihung nur die 
erweislich junge N° 23, von den Vaseninschriften keine ein- 
zige. Dagegen kommen Einzelweihungen an den Tcai; öfter vor. 



Q B I O s: I a B I Z]o)gio; Zo)gi[ou 

P" I P fil K AI n A Kagjsipcoi xai 77a[iSt. 

Basis von Kalkstein, 0,61 1. 0,38 b. 0,1G d. Diese In- 
schrift, die einzige ausser N" 3, welche die Namensform Koc- 
Sstpo; bietet, ist wie jene nicht in böotischem Dialekt abgefasst. 



TT AmOU.IEAI 

A I A 1 K A\ B I P O Y ujaiSl Kagipou 

XMBPAKiaTHSEPOHSE . . . 'A.7.gpaxi(ÖT7i; l7r6-/]7£. 

Inschrift auf blaugrauem Marmor, 0,168 h. 0,40 b. 0,24 d. 
In der ersten Zeile ist aTTo^atXi zu k-K^uxCki corrigirt (das zu- 
erst geschriebene I ist von dem E überdeckt); ein Wort schei- 
nen diese Zeichen nicht zu ergeben, und wir dürfen wohl an- 
nehmen, dass der Schreiber äTCO[7.£iXt[xT7)ptov oder etwas ähn- 
liches zu geben beabsichtigte. 

9. 
0AHM02MEMN0NAAI0Z0T0Y 
APETHZENEKENKAIEY NO I A 2 
TH2EIZEAYT0NIEPAPX0YNTAT0AEKAT0N 



DAS KABinENHEILir.TUM HEI THEBEN 387 

'0 öTiu-o? Mepovot Ato^OTO'j äpsT^c; evs/tsv >tai euvoia? ir7i(; et? eau- 

TOV ISpapy^OUVTOC tÖ S£>CaTOV. 

Bckrönunii; einer Marmorbasis, obenauf Aiisscbnilt für eine 
Marmorstaliie. Vermutlicb gebiirt eine nabebei (südbcli vom 
Tempel) gefundene männlicbe Figur (vgl oben S. 375) dazu. 
Die Inscbrift misst etwa 0,74 zu 0,12. Vgl. Ae>.Tiov äpj^aioXo- 
yDcöv 1888 S. 63. Über die Namensform Aiö^oto? vgl. Larfeld 
S. XXVIII. Meister I S. 264. 



10. 



kTf\m 



'A]pTo:(j(.iSo[? 



Die Inscbrift befindet sieb auf einer 1,29 boben, 0,215 
breiten, 0,22 dicken Stele von Porös, welcbe oben ein rundes 
Dübelloch zeigt. 

11. 

K A I O N ! 

Auf einem Porosarcbitrav dorischen Stiles von 0,69 Länge, 
0,25 Höbe. Vor dem K ist leerer Raum. 

12. 

O E N O P A I O nap]e£vo7;aiou 

Auf einem dorischen Geison. Die Inschrift ist rechts voll- 
ständig. 

2. Bronzeinschriften. Die 23 auf bronzenen Weibgeschen- 
ken eingravirten Inschriften, welcbe dem Kabirenheiligtume 
entstammen, befinden sich zum grössten Teil auf kleinen Stie- 
ren (vgl. oben S. 365). Die Ausgrabungen haben 18 solcher 
Stiere zu Tage gefördert, während drei andere (2. 6. 20) aus 

ATHEN. .MITTHEILUNGEN X\. 27 



388 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

dem Kunsthandel in den Besitz der archäologischen Gesell- 
schaft gelangt sind. Eine Inschrift (14) befindet sich auf der 
Statuette eines Diskobolen, eine (22) auf einer kleinen Pansta- 
tuette, welche die Bekrönung eines Griffels bildet, und eben- 
falls in den Besitz der archäologischen Gesellschaft übergegan- 
gen ist. 

1. 
2. 



H / A /^ O 5' '''r- 



Ka^tpo. 



3. 



H I pN^ü<f<M^/ |>o ''^^'^'■ 






AaiTovSa; äveOs/.e. Vgl. oben S. 372. 



Kagi 



po. 



DAS KAUIIIENHEILIGTUM I5EI THEBEN 



5. 



389 



DPiITO NDRI) 



RN^® 



K ^ 



AaiTOvSa? av£Ö(E)xe. Vgl. oben S. 371. 
6. 

AaiTOvSa; avsOsjcs rot KocSipoi. Vgl. oben S. 371. 

7. 

Ilaov KaSipou 
8. 

SevüXi? TOI IlatSi. 
9. 



o 



^ 



n T o \ V V ^ 



^ 



^ 



^\ nTOiXXe Ka€tpot. 



390 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

10. 

o 

/s ^äoöov KaStpoi 



11. 





Ka(€ipoi) 


12. 




' / r , T O 


AiOYiTo[v] 


-e /\ Bi po \ 


KaSipoi 


13. 




'^A ^i fcO 


KaSipo 



14. 

^ pi fe 1 & O Kagipo. Vgl. oben S. 365. 

15. 
|-f ( <apo?) 

16. 

Ka(€ipo) 



kl^ 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 391 

17. 



Hll^ 




'I(apö(;) KaStpo 



18. 






19. 



•**. /'.: ••• ; «»^ V Kabif 



20, 
•'•• • •*• •'*♦.•. t • •• 'lapö; 

• ••. V.** . i 



21 



Eucppc 



r Y»P^^ 



Tr rf^ 1^*^ 



22. 

A/^OEMATOI "AvO£[;.a -rot 

p A I T/vKABlP nai[Si] tw Kagip(ü)). 



392 DAS KABIRENHEILIGTUxM BEI THEBEN 

23. 






• • 



• •I V" 



Zur Technik ist zu bemerken, dass die Inschriften 18, 19, 
20, 23 so eingeritzt sind, dass die Hasten der einzelnen Buch- 
staben durch an einander gereihte Punkte gebildet erschei- 
nen. Der grösste Teil dieser Inschriften ist im epichorischen 
böotischen Alphabet geschrieben, welches die E -und 0- Laute 
noch nicht differenzirt, H als rauhen Hauch verwendet, ^ als 
y wertet, ^ durch ^^ ausdrückt, wie dies auch sonst im böo- 
tischen Alphabet statt X vorkommt. Endlich wird das Sigma 
dreistrichig gebildet. Diesem Zustande des Alphabets ent- 
spricht der Zustand des Dialektes, über welchen bei der Kürze 
der Weihinschriften nicht viel zu sagen ist ; der Dativ Sing, 
der - Stämme geht noch auf ot aus, was wohl als kurzes o zu 
lesen ist (Locativbildung). Dem entgegen zeigt die Inschrift 23 
den ausgebildeten böotischen Dialekt, in welchem der Dat. 
Sing, der 0- Stämme bereits auf u endisit und für <xi auch schon 
in der Schrift v] eintritt. Ausserdem ist die Inschrift im joni- 
schen Alphabet geschrieben, wie ausser dem Eta auch noch 
das Vorhandensein von Omega beweist. Daneben fällt auch 
noch die Form der übrigen Buchstaben ins Gewicht, indem 
das Sigma vierstrichig, u. z. in jener breiten als jonisch zu 
bezeichnenden Form gebildet wird, welche sich von der ur- 
alten epichorischen schmalen Form wesentlich unterscheidet. 
Für Delta ist statt der böotischen Form D das A einoetreten, 
P steht statt des auf den anderen Inschriften üblichen R, Y 
statt V. Das jonische Alphabet ist nun in Böotien wahrschein- 
lich nicht vor Beginn des zweiten Drittels des 4. Jahrhunderts 
recipirt worden (Vergl. Kirchhoff, Alphabet^ S. 143); der 



DAS KABIRENHEILIGrUM HEI THEDEN 393 

Zustand des Dialektes nötigt aber in der Datirunp; nocli wei- 
ter herabzugelien und dieselbe etwa dem 3. Jahrhundert zuzu- 
weisen, wogegen die Form der Buclistabon nicht spricht, so- 
weit sie bei der angewendeten Punktirungstechnik erivcnnbar 
ist. Im jonischen Alphabet ist ferner die Inschrift der Pan- 
statuette (N° 22) geschrieben, in welcher bereits ü vorkommt. 
Dialekt und Buchstabenform weisen auf das vierte Jalirhun- 
dert, nicht weit ab von der Zeit der Reception des jonischen 
Alphabets. 

Eine besondere Erwähnung verdient ferner die Inschrift 
21, welche ein sicheres Urteil durch die Lässigkeit, mit der 
sie hingeworfen ist, erschwert. Sie verrät ausserordentlich 
junge Züge in den Buchstabenformen (z. B. (j) Y und andere) und 
könnte erheblich später angesetzt werden, wenn die vorläufig 
einzig möglich scheinende Lesung nicht in der ersten Zeile ov 
in der Wertung von wv anzusetzen nötigte. So muss sie denn 
in die letzte Zeit des vorjonischen Alphabets gesetzt werden. 
N° 20 scheint ebenfalls etwas jünger (obgleich vorjonisch) zu 
sein. 

Die Masse der Inschriften ist aber in allem Wesentlichen 
gleichartig geschrieben und weist das in Böotien vom Ende des 
sechsten bis über den Anfan«; des vierten Jahrhunderts übli- 
che Alphabet auf. Eine höhere Datirung wird durch die durcli- 
w'egs rechtsläufige ^ Schrift verboten. Auch findet sich fast 
immer die offene Form des H, nur N" 1 hat die geschlossene, 
dürfte also nach den bisherigen epigraphischen Erfahrungen 
die älteste sein. 

Ferner wird für drei Inschriften (4, 5, 6) ein erheblich jün- 
geres Datum als die Mitte des fünften Jahrhundert durch die 
alte Form des Theta mit dem Kreuze in der Mitte ausgeschlos- 



' N° 2 hal allerdings K v B I b O. Allein der Umstand dass sich diese In- 
H I A RO^ 
Schrift auf dem Rücken des Stieres betindet und ihre Anordnung Schwie- 
rigkeiten machte, lässt die Annahme zulassig erscheinen, dass die Schrei- 
bung Ka6Epo in iinksläuliger Schrift entweder nicht beabsichtigt war oder 
doch nichts zu sagen hat. 



394 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

sen. Da dies jedoch die einzigen vorjonischen Inschriften sind, 
welche überhaupt ein Theta haben, so könnte man geneigt 
sein, die ganze Masse der vorjonischen Inschriften so hoch 
hinaufzarücken. Doch sind die Inschriften 18 und 19 in der 
oben angegebenen Weise punktirt eingegraben, eine Technik 
die sonst nur noch der späten Inschrift 23 und der wegen 
ihres zwar nicht an sich jungen, aber von den anderen ab- 
weichenden Rho herabzurückenden Inschrift 20 eigen ist. Die 
Annahme, dass diese Punktirungstechnik der ältesten Gruppe 
der Kabireninschriften fremd ist, gewinnt aber dadurch an 
Wahrscheinlichkeit, dass die Inschriften 18 und 19 ein oben 
zugespitztes Alpha mit dem wagerechten Querstrich (A) haben, 
während sonst das alte böotische vierstrichige oder gekrümmte 
oder das oben spitze Alpha mit dem schiefen Querbalken (A) 
üblich ist. Nur N° 17 besitzt noch die junge Form, lässt sich 
aber wegen der abgekürzten Schreibung H I K A B I R O mögli- 
cher Weise der jüngeren Gruppe zuweisen. 

Wir kommen somit, wenn wir von den wenigen als jünger 
erkannten absehen, für die Mehrzahl der Inschriften auf die 
erste Hälfte des fünften Jahrhunderts als Datum, über wel- 
ches sie nicht herabgerückt, auf das Ende des sechsten Jahr- 
hunderts als Datum, über das sie nicht hinaufgerückt werden 
dürfen. Im Einzelnen eine genauere Zeitbestimmung zu treffen, 
ist vom epigraphischen Standpunkt unmöglich. 

Was den Inhalt der Inschriften anbelangt, so sind sie aus- 
schliesslich Weihungen an den Kabiren oder dessen Sohn. 
Die jüngste Inschrift (23) enthält eine Weihung an beide, die 
der Panstatuette (22) die Weihung an den Knaben allein. Die 
Mehrzahl der archaischen Weih"eschenke aber richtet sich an 

o 

den Kabiren, nur in einem einzigen Falle (8) an den Knaben. 
Die verwendeten Formeln sind a) KotSipw 13, 16 (abge- 
kürzt) 14, 18, 19, b) 6 Ssiva Kagipoi 7, 9, 10, 11 (abgekürzt) 
12, 21 , f) locpo? 15 (abgekürzt) 20, d) tapo? KaSipw 2, 3, 17 (ab- 
gekürzt), während N" 1 lapo? tw KaStpw hat, eine Inschrift 
die auch wegen der geschlossenen Gestalt des Heta eine Son- 
derstellung einnimmt, 6') 6 Selvo, ävsOs/ce mit oder ohne rot 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 395 

KaStpoi 4, 5, 6 /") 6 Ssiva toi TüaiSt 8 und 6 Setva Ka^ipu x-); 7:xi- 
Si23. 

Die Hegel ist also, den Genitiv ohne Artikel zu gebrauchen, 
ebenso den Namen des Weihenden mit dem Dativ des Kabi- 
rennamens ohne Artikel, dagegen mit dem Dativ von 7:0.1; un- 
ter Beisetzung des Artikels. 

Die drei Inschriften, welche die Formel mit äveOs/wS anwen- 
den, ridiren sämmtlich von einem Daitondas als Weihendem 
her, und es ist daher wahrscheinlich, dass dies jedesmal der- 
selbe Dedicant ist. Freilich wendet die eine dieser Inschriften 
(6) das kleine Omikron an, welches seiner Längenausdehnung 
nach die Hälfte der gewöhnlichen Buchstabenlänge einnimmt 
und in der Mitte der Zeile steht, während bei den anderen 
dieser Buchstabe die normale Grösse hat, ein Umstand der 
um so bedenklicher erscheinen könnte, als die aus anderen 
Gründen als jünger erkannten Inschriften 17, 18, 19, 21, 22, 
ebenfalls das kleine O schreiben. Immerhin wäre möglich, 
dass diese Veränderung in der Schreibung des Omikron in die 
Lebenszeit des Daitondas fällt. Ausser diesem Namen bee;ee;- 
nen noch folgende Männernamen: Aioyirwv, Ildcwv (zweimal) 
nT(i)i)^>.£i((;) «J>ap(p(i)v, E'jcppcov und Hx'jpcov, ferner der Frauen- 
name ZbvuIk;. 

Das Schwinden des schliessenden Sigma im Namen rirwa- 
lii ist eine auch sonst beleste Eigentümlichkeit des böotischen 
Dialektes, über welche Meister Griech. Dialekte I S. 272 und 
Röhl zu /. G. A. 157 gehandelt haben. Die gleiche Form des 
gleichen Namens begegnet I. G. A. 300, welche Inschrift 
gleichfalls aus Theben stammt. Ob mit Röhl IlTwiXXyi zu ac- 
centuiren ist, mögen andere entscheiden. 

Die einzige ältere (vorjonische) Inschrift, welche eine W^ei- 
hung an den Knaben enthält, ist zugleich die einzige, welche 
einen weiblichen Namen als den der Dedicantin aufweist. 

3. Vaseninschriften. In der grossen Aufschüttung, über 
welche oben XIII S. 96 das Nötige angegeben ist, befand sich 
eine Unzahl von Vasenscherben, von welchen über fünfhun- 



396 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

dert mit Inschriften versehen sind. Der Mehrzahl nach gehör- 
ten diese Scherhen zu Gefässen, welche die Form von Kan- 
tharoi hatten und dem Rabiren oder dem Knaben seweiht 
waren. Die meisten Inschriften sind in den, in der Regel 
schwarzen, selten roten Firniss eingeritzt; aufgemalt und zwar 
mit weisser Farbe auf den schwarzen Firniss oder mit schwar- 
zer Farbe auf den Thongrund, sind nur verhältnissmässig we- 
nige. Einzelne der eingeritzten Inschriften sind mit weisser 
Farbe ausgefüllt gewesen (vgl. die Beobachtungen Benndorf's 
in der Archäologischen Zeitung 1881 S. 1). 

Was den Inhalt dieser Inschriften anbelangt, so sind die 
meisten einfache Weihungen. So enthalten z. B. vierzig Scher- 
hen nur das Wort KocSipo. Die Formel to Kaßipo haben, ohne 
dass Sicherheit besteht, ob irgend ein Wort vor oder nach 
derselben noch vorhanden war, elf bis zwölf Gefässe getragen. 
In 21 Inschriften finden wir die Formel 6 ^slva KaSipoi, in 20 
anderen 6 Ssiva toi KaSipoi , endlich auf 1 8 toi KaSipoi oder 
KaSipoi 6 oeiva. 

Zwei Aufschriften enthalten Reste des Wortes KdcSipo; und 
haben sicher, wie aus der Interpunktion vor dem K hervor- 
geht, vorher noch ein Wort gehabt. Reste des Wortes KaSi- 
po? enthalten, ohne dass feststeht in welcher Form, und ob 
sonst noch ein Wort vorhanden war, 86 Inschriften, Reste des 
Dativs KaStpoi, zum Teil in Verbindung mit dem Artikel, 48 
Inschriften. 

Die Formel mit avsOviJcs, sei es 6 Seivoc ävsOviKs oder Tot KaSi- 
poi ocvsOtixs 6 Ssiva oder ähnliches tragen 42 Vasenscherben. 
Endlich enthalten bloss Namen oder Reste von solchen 89 In- 
schriften ; dieselben werden meist zu einer der genannten For- 
meln zu ergänzen sein. Sodann finden sich Formeln wie la- 
pö? TO KaSipo (8), tapo; KaStpo (4) und ähnliches, 10 bis 11 
Scherben bieten nur das Wort iapo?, doch ist nur in wenigen 
Fällen sicher, dass dasselbe allein gestanden hat. Dies Wort 
ist oft (12) zu Hl abgekürzt, zweimal zu Hiot; einmal findet 
sich HE, wohl H£(apö;); daneben kommen HIKA und ähnli- 
che Abkürzungen des Namens KaSipo? vor. Verhältnissmäs- 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBliN 397 

sig selten ist KaStpo i'f/.i und ähnliches (viermal) ; vielleicht ge- 
hört hierhin auch . . oiv i'fj.t, welches, wenn es zu KaSipoiv '([u 
zu ergänzen ist, der einzige Fall wäre, wo der Name der Göt- 
ter im Dual vorkäme. 

Weihungen an den Knaben enthalten mit der Formel Ilat- 
Sö? oder Tö IlaiSö? sieben Inschriften, mit IlatSi oder töi IlaiSl 
ebensoviele, mit IlatSl KaSipo (das zweite Wort oft abgekürzt) 
acht Inschriften. 'O Ssiva. xot UaiSt findet -sich viermal. Ob die 
Inschrift Ku^iXkei A hieher zu ziehen, der letzte Buchstabe als 
II zu fassen und das Wort zu IlotiSi zu ergänzen ist, mag zwei- 
felhaft erscheinen. 

Es bleibt nur übrig, eine Auswahl dieser formelhaften In- 
schriften mitzuteilen. Ich beschränke mich in dieser vorläufi- 
gen Übersicht auf das. was inhaltlich wichtig werden kann. 



/ ^. 



l 



/ 



'Apysiot KaSipot. 

2. 

'Apy]sia Ka^ipoi. 




AioT'.p.oi; KaSipot. 



398 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

4. 




AiÖt]i(xoi; [Ka€]ipoi 



5. 



Aiovufno; KaSipo (so). 



)< ^\ \iMj^ l k Q / KoÖivoc Kagipo (so). 



^^•<:-^ %} P O /./ M£?]Xa : Kagcpot. 



/luKT. Jrus.iy' KJoperi? Kag<p>ip[oi. 



9. 



Ko]p£Tt? K[a€tpoi. 
10. 



ou 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 
11. 

!< ^ fj) 1 W I> "^-Kj^^^^V I<^?'va;: Kaetp[ou 



399 



12. 



y^'^j<'v\>i^^%^h^iko^ 



'OXu5oet8a? ! Ka€tpo[t 



13. 



T 



lyK ö H'OiKM 



Tt(x6X>.o 1 Ka[€ipoi. 



14. 



/fkei P^t 



) jC l 2«6ivo? K[a€ipoi 



15. 



\-I^Tot»W^ OpaTO^^api; toi [KaSipoi 



16. 



X^ ^ ^ t ^If^'T 0\. nüpyov : To[t Kaßipoi. 



400 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

17. 

MPJs'Xa: t[oi KaStpoi, 
18. 

19. 

K^O l^ ''^ "^y Tq^oXko To[i Kagipou 

20. 

XotpoTTii; To[t KaStpoi. 

21. 





^^ Hi^ ktfr I 



K]s(paXs Tot Ka€[ipoi. 

22. 

NöTIO^; f/ ... Tivo? TOI [Kagtpoi. 

23. 
üaov TOI K[a€ipoi. 

24. 

To]i KaSipoi "AY)^a[o;? 

25. 
^>^ '•/ . / ^-' lot Kabipoi . . ysT 



DAS KABIRENHEILIGTüM BEI THEBEN 
26. 

JUn__^^ ^v Tot KaSipoJi 'A/.p(c^iov. 

27. 
Tot Ka]Sipoi ^aiviTTTuo?. 

28. 

To]i KaStpot : [Il]6cyxkt.voq. 

29. 

t> ( 1^ r ^ t^ ;j / Toi Kagipoij;: AtovuGoSopo?. 

30. 

//• II O l f^ f\ Toi Ka]€ipoi ■'A(a[£X7jto? ? 

31. 

Toi KaSip]oi Ka(pi[coS . . 

32. 



401 



33. 




t'/T N rv / Ol Toi Kajgipoi 'OXuvTriopopo?. 



34. 




•I>ap(pov I . . 



402 



DAS KABIRENHEILI6TUM BEI THEBEN 



Man könnte vermuten, die Hasta sei der Teil eines Tau _l, 
wenn die Inschrift ßouGTpocpviSöv geschrieben war und in der 
zweiten Zeile demnach linksläufig' St KaSipot stand ; dagegen 
spricht nur, dass unter den Buchstaben 0AR sicher keine 
zweite Zeile stand, und der übrige Raum rechts zu klein 
scheint. 

35. 

^ NN ^ *- OT IV* <^/ '^ r* jA 'Ap-sX^Ti^o; av£[9e)cs. 

36. 

Aep-^o? «[vsOsxs. 



37, 



Np♦•P«:^/^R»RO^ . . äJvsOexE KaStpos. 



38. 



\ — ^-\-^x^(i »k^ ^ ^ r o\ ^^9°^ ^^^'^^ ^^' 



[KaSipot 



39. 



|j )| ^ ®r^ ^ ^ • avv[£]9£)t6 (so) . 



40. 




Satxpo; (XVeOexs Kabipoi. 
V^l. oben XIII S. 417. 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 
41. 



403 



\ 



i^ N\ 




Kouv/.'Xb MCka.. 



42. 



/ 



,p/^ 



np6[j.a/o[c;. 



43. 

. (popo . . oder . . 9opo . . 



44. 



^e ^ ^/ßt>ö-TOj 'AGocvoSoTo;. 



45, 
® ft'VO i)o\ 'A9av6So[TO?. 



46. 



^ 




'A9]av6S[oTo<;. 



ATHEN. MITTHEILUNGEN XV. 



28 



404 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 
47. 
\ 



\/\^OA\PORo/ •A.ov.ov,. 



48. 

'EpOTio[v. 

49. 



luA ripaTOj^Japt?. 



50. 
EuFa. 




51. 



52. 



"A[ASX7rT[0C. 



53. 



[> VlNf^M) ^ J KaXmpSa?. 



\ 



54. 




P^^P / 



KacpJKJoSopo?. 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 
56. 

Kivu[({) . . 
57. 



405 



58, 



npo96vT[iO(;. 



59. 

MiTo[? . . 

60. 

'OXu](j'.7:i6S[opO(; . 

61. 
'IwTruXXa. 

62. 
MeXa. 

63. 

T]i[;.apx;[o<;. 

64. 



^^/ 



9og9 



65. 



O'^Q Q) o\ .I>d^p^o[v 



406 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 
66. 



\ 



67. 

M]upTi[>.o;. 

68. 



^^(C\\^V''lf^ Mi9uXa. 



69. 

nToü[s. 

70. 

AJaiTOvpa?. 

71. 



72. 



^^^y^^ 



BaSu?. 



73. 






'A)cpiS[ 



lOV. 





'locpo; TO Ka€tpo Eu 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 407 

75. 

^Il^OTMAMÖlpA 

76. 

77. 
/) ^ ^ T I DA ^ TO I P A I I>j . . oa/jTtSa? TOI naiS[t. 

78. 
^ I Or \T Nh A I p ) K A ^ \ ^ C5 AioyiT« RaiSi KocSipo. 

Wir lassen nun eine Zahl von Inschriften folgen, die, we- 
niger formelhaft abgefasst, besonders zu besprechen sind. 

79. 



'okMlMJ 







) 

Zu lesen etwa: Sol cpspjo) KdcSips t[6vS£ töv . 
. . 6 Seiva,. Trpö?] vaöv xaXov. 



408 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

80. 




'Epp,aio[;] Ka<7[jMv . . 

Wäre das zweite Wort ein Personenname, so hätten wir 
den seltenen Fall der Nennung des Vaters vor uns, wie in N". 
41, und wie dort würde jeder weitere Ausdruck der Weihung 
fehlen ; vielleicht haben wir aber darin eine Nebenform des 
Kabirennamens KxgijaIoc, zu erkennen. 



11 



Ol^. Vielleicht toT? KaSipJot?. 



82. 




/ \ 



KaSipov lapov. 



Rest einer Formel, welche dem Sinne nach N". 70 entspricht. 



DAS KABIRENHEILIGTÜM BEI THEBEN 409 

83. 

\ r 

Wie die Deutung dieser Inschrift immer ausfallen mag (das 
Wahrscheinlichste ist noch, dass im ersten Wort der Name 
Koup^Tt? steckt), der Name KdcSipoi; im Nominativ bleibt auf- 
fallend. 

84. 

Vielleicht zu lesen : 
'lapo; To KajSipo. 

6 Ö£lVa ffOl £7U6(7>C£UO:(j]aTO 

d) KocSiJpg. 

85. 
a5ca TO nai[S6(;, \Yomit zu vergleichen ist 

86. 

. . a]/ta Ka[€tpo und 

87. 
. . axja KaS[ipo. 




\E O A/ H O H)/ '^'°' ° '^t^P"^^- 



89. 



\ a 'M^tl\y 'lapsü?, worauf wohl noch etwas folgte. 



90. 



\«i LQ -t o fcoj p I ft\^ *l>tX6/opo: ia^ps'j«;. 



410 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

Keine Weihinschriften sind: 



91 






92. 

Wie aus dieser Darlegung hervorgeht, waren mehrere Kan- 
tharoi von namensgleichen Personen geweiht, woraus zunächst 
die Frage entsteht, oh sich nicht auch die Personenidentität 
hei einzelnen derselben nachweisen lässt. Diese Frage lässt 
sich nun hinsichtlich einiger Fälle bejahen, in denen offen- 
bar dieselbe Hand die Dedicationsformel aufgeschrieben hat. 
So haben 30 und 52 absolut identische Schrift sowohl was 
Grösse und Distanz als auch was die Form der Buchstaben 
anbelangt. Vermutlich sind auch beide von demselben Dedi- 
canten geweiht (30 : ßtpotafx, 52: (ky^zkizz). Ebenso sind dem 
Schriftcharakter nach identisch 44, 45, 46, welche sämt- 
lich von einem 'AÖavoSoTo? geweiht sind. N^ 13 und 19, wel- 
che beide den Namen Tt^aoXXo tragen, ähneln einander in der 
eleganten Form des My und im Ductus. 

N". 8 und 83 haben beide kleine gedrungene Schrift und 
beide das Sigma eigenartig gebildet, indem sich ein Ansatz 
zur vierstrichigen Form vorfindet. Beide tragen den Namen 
KopsTii;. 

N**. 9, bei welcher der gleiche Name ergänzt wurde, weicht 
ab. 34 und 65, beide mit dem Namen <I>Äp(p(i)v, weichen zwar 
insofern von einander ab, als die eine Scherbe nachlässig, die 
andere sorgfältig geschrieben ist ; doch ist auch hier die Iden- 
tität der Hand kaum verkennbar. N". 26 und 73 mit dem Na. 



DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 411 

men 'AxpiStov zeichnen sich beide durch kleine dünne wie von 
fetter Hand geschriebene Schrift aus. 

Ist diese Beobaciitung richtig, so rühren die genannten 
von namensgleichen Personen geschriebenen Aufschriften auch 
von identischen Personen her. Die Aufschriften sind dann 
auch wahrscheinlich von den Dedikanten selbst geschrieben. 

Müssio- wäre es, Schriftidentitäten zwischen solchen Auf- 
Schriften zu suchen, welche keine erkennbaren Namen tragen. 
Bei solchen, welche bloss Formeln wie KaSipco oder H I haben, 
mag die etwa vorkommende Schriftidentität davon herrühren, 
dass diese Vasen vom Tempelbeamten beschrieben worden 
sein können. 

Was das Alphabet und den Schriftcharakter dieser Inschrif- 
ten anbelangt, so bilden sie auch in dieser Hinsicht eine im 
Ganzen homogene Masse. Eine verschwindend kleine Anzahl 
ist im jonischen Alphabet abgefasst. Dies ist der Fall bei N". 
80, einer Inschrift, die sich auf einem grossen schwarz ge- 
firnissten Gefäss befindet, das oben eine kleine Spur rot ge- 
lassenen Grundes trägt und 'Ep;j.aio? Kaat/.iv . . lautet. Obgleich 
kein charakteristischer Buchstabe des jonischen Alphabets vor- 
kommt, lehrt doch die entwickelte Form der Buchstaben EP 
^ M sowie der allerdings nur mit Wahrscheinlichkeit anzu- 
nehmende Umstand, dass das Zeichen für den rauhen Hauch 
fehlte, dass die Inschrift der Zeit der Herrschaft des jonischen 
Alphabets zuzuweisen ist. Zu vermuten ist ein Gleiches bei 
drei unbedeutenden hier nicht aufgezählten Scherben, wo E 
und P in eleo;anter Ausführuno; beo;e2;nen. 

Sicher steht es bei einer hier gleichfalls nicht aufgezählten 
Inschrift, welche auf einem Bruchstück vom Rande eines Ge- 
fässes steht, auf dem ein kleines aufsitzt. Dieselbe lautet xoi 
KaSipoi] 'A(7wx[6SwpO(;, hat also das Q., ebenso wie eine andere 
weiss aufgemalte . . Sjupo? Ka[€ipoi, und eine dritte, die Bei- 
schrift KYQN neben einem bärtigen Kopfe. 

Alle anderen Inschriften gehören entweder sicher dem böo- 
tischen Alphabet an oder es lässt sich wenigstens kein irgend 
sicheres Merkmal für die Anwendung des jonischen finden. 



412 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

Versucht man innerhalb dieser Inschriften böotischen Al- 
phabets eine chronologische Scheidung vorzunehmen, so wird 
zunächst diejenige Gruppe als jünger auszuscheiden sein, 
welche das Theta mit dem Punkte statt mit dem Kreuze in 
der Mitte bildet. Denn wenn auch beide Formen eine Zeit 
lang neben einander gegangen sein mögen, so dürfte doch das 
O nicht vor der Mitte des fünften Jahrhunderts aufgekommen 
sein. Es begegnet auf der gemalten Inschrift 40 (Athen. Mitth. 
XIII S. 417) neben den jungen Formen ^EMAN, auf einer 
anderen neben E, ferner einmal neben N, und auf einer vier- 
ten neben älteren Formen. Die letztere sei hier mitgeteilt: 



93. 






Die drei erstgenannten Inschriften mit O gehören wohl der 
Zeit unmittelbar vor Reception des jonischen Alphabetes an. 
Ein weiteres Zeichen für die relative Jugend der Inschriften 
ist die jonische Form des Pi (P) gegenüber den böotischen 
Formen n h , welch letztere in der Ritztechnik nicht selten 
die Form A annimmt, ferner das breit gebildete vierstrichige 
i. im Gegensatze zum alten böotischen Sigma. Das breite 
vierstrichige d. h. jonische Sigma findet sich ebenso wie das 
dreistrichige ^ neben P. Die junge Form des P findet sich auf 
neun Inschriften, von welchen oben N^ 61, 75, 77 und 85 
mitgeteilt sind, ebenso steht es auf der Kabirenvase (Athen. 
Mitth. XIII, Taf. X) neben X. Diese Vase ist von Winnefeld 
(ebenda S. 424) aus stilistischen Gründen dem vierten Jahr- 
hundert zugewiesen worden. Aus epigraphischen Gründen 
w^ird man daran festhalten müssen, dass diese Vase, da ihr 
Lambda und Rho der Zeit des böotischen Alphabets angehört, 
nicht wohl jünger als das erste Drittel des vierten Jahrhun- 
derts sein kann, dass sie aber mit Rücksicht auf ihr P und ^ 
und wohl auch A der spätesten Zeit des böotischen Alphabets 



DAS KABIRENHEILIGrUM BEI THEBEN 413 

angehören muss, obgleich einmal noch A vorkommt und das 
My nicht die jüngste Form hat, die auf b()otisclien Vasen vor- 
kommt. Derselben Zeit sind vereinzelte andere Scherben zu- 
zuweisen. 

Für die grosse Masse der anderen Inschriften bleibt der 
Zeitraum vom Ende des sechsten Jahrhunderts bis zum ersten 
Viertel des vierten Jahrhunderts. Nach dem Ductus der Schrift 
hier Scheidungen zu machen wäre um so gewagter, als die Art 
der Einritzung dieser Inschriften mit dem Messer vielfach cha- 
rakteristische Eigentümlichkeiten zu verwischen pflegt und 
der verschiedene Grad der Geschicklichkeit, mit der von den 
einzelnen Dedicanten das Messer geführt wurde, augenfällig 
ist. Sämmtliche gemalten Inschriften haben jüngere Formen, 
zum Teil sogar jonisches Alphabet. Von diesen haben N". 77 
und 88 sowie eine dritte, welche 7i;at]Si to Ka[€ipo bietet, ele- 
gante Formen mit geschwungenen Linien und rühren offen- 
bar von derselben Hand her. Dagegen gehören diejenigen In- 
schriften, welche zwar eingeritzt, aber mit weisser Farbe aus- 
gefüllt sind, zum Teil der ältesten hier vertretenen Zeit an. Das 
Aufmalen der Inschriften ohne Einritzung scheint also auch 
der ältesten Zeit fremd gewesen zu sein. 

Auf hohes Alter weisen die sechs linksläufigen Inschriften, 
von denen eine (N°. 22) oben veröffentlicht ist, zwei andere 
hier noch Platz finden mögen : 





Ebenso gehören einer sehr alten Zeit die beiden Bustrophe- 
doninschriften N°. 25 und 39 an. 

Aus Gründen epigraphischen Taktes wird man ferner noch 
eine Reihe von Inschriften dem sechsten Jahrhundert zuwei- 
sen. Vor Allem diejenigen, welche noch das Qoppa haben, 



414 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

ein Buchstabe, welcher auf den Bronceinschriften möglicher 
Weise nur zufällig fehlt. Auf den Vaseninschriften kommt er 
viermal vor (N°. 32, 58, 64, 68). Sonst verraten jedoch diese 
Inschriften in ihren Buchstabenformen nichts Altertümliche- 
res als die anderen. Ebenso weisen auf das sechste Jahrhun- 
dert diejenigen Inschriften, deren Heta in der geschlossenen 
Form gebildet ist (B). Diese begegnet im Ganzen 10 oder 11 
Mal, während die offene Form (H) 29 oder 30 Mal vorkommt. 
Sechsmal finden wir auch D, wobei einmal die beiden verti- 
kalen Schenkel über die Horizontallinie hinausragen |=1 (N". 
90). Da nun das Phönikische die beiden Zeichen B und |=| 
hat, so dürfen wir annehmen, dass im Böotischen beide For- 
men erhalten sind, und die zweite allmählich zu D vereinfacht 
wurde, bis, wie überall auf griechischem Boden, die offene 
Form, die irgendwoher entlehnt wurde, durchschlug. 

Dass einmal auch bei der mit drei Horizontalstrichen ver- 
sehenen Form die Verticallinien vorragten (|=I), mag Zufall 
sein. 

Die Form D ist aber keineswegs ausschliesslich böotisch, 
sondern findet sich beispielsweise auch auf Naxos, auch dort 
als sehr altertümlich. 

Im Allgemeinen wird man die Inschriften mit B und D 
dem sechsten, die mit H dem fünften Jahrhundert zuweisen. 
Als paläographische Typen für das Heta seien noch einige 
Inschriften angeführt. 

96. 97. 




^\ 



98. 99. 



V\ 



k^/ 



«^ 



DAS KAI5IRENHEILIGTUM HEI THEBEN 415 

100. 



H» ^frofro 



hy^ 



Die Inschrift N°. 90, welche 1=| hat, ist auch dadurch cha- 
rakteristisch, dass sie das vierstrichigc Sigma in der alten 
schmalen Form hat, wie es auch auf den Inscliriften des Ptoion 
begegnet. Dieselije iindet sich, teilweise mit der Modilication, 
dass die Schenkel nicht in scharfen Winkeln an einander 
stossen, sondern — etwa in der Weise der Inschrift 101 — 
in einander übergehen, noch viermal (beispielsweise N". (S und 
15). 

101. 



Hl/f^^ 






^ 



Ferner findet sich das vierstrichige Sigma einmal in links- 
läufiger Stellung (5) in folgender Inschrift: 

102. 



h ftiuV 



Die gewöhnliche Form des Sigma auf unseren Inschriften 
ist die dreistrichige, welche ich den kürzlich bekannt gewor- 
denen Thatsachen gegenüber auch mit Rücksicht auf das böo- 
tische Alphabet nicht anstehen möchte, für jünger als die 
vierstrichige zu halten, welche als die phönikische Urform 
notwendig die ursprüngliche in allen griechischen Alphabeten 
gewesen sein muss. Die dreistrichige Form kann aber durch 
Kürzung aus der vierstricliigen ebenso gut entstanden sein, als, 
wie kürzlicli G. Hirschfeld behauptet hat, aus der Form für 
Zade M, und da kein griechisches Alphabet den S-Laut, 
wenn nur einer vorhanden ist, in der Reihenfolge des Zade 



416 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

ordnet, so halte ich auch weiter an der Entstehung des S aus 
^ fest. 

Das dreistricliii>e Siüma be^eofnei auf unseren Inschriften 
in der Regel in der rechtsläufigen Form, in N°. 11 auch in 
der linksläufigen (^), in N". 83 finden sich beide Formen ne- 
ben einander. Interessant ist es hier die Fülle der Übergänge 
Yom dreistrichigen Sigma zum 'lateinischen' S zu verfolgen. 
Die erste Form ist die des dreistrichigen Sigma, dessen erster 
und dritter Schenkel nicht parallel sind (<;). Diese Form fin- 
det sich sechsmal (s. N°. 5.29. 35. 64). Hieran schliessen sich 
diejenigen Formen, welche den oberen oder den unteren 
Teil eckig, den anderen rund bilden ; für die letztere Form 
vgl. N°. 12 und 49, für die erstere sei hier die folgende In- 
schrift angeführt. 

103. 




Ahnlich ist auch 



104, 



N^O-itA, 



Auch Formen wie S finden sich im Ganzen neunmal 
^Vgl. N°. 9, 47, 53). Als Singularität sei noch das Gamma 
< auf der Vase Athen. Mitth. XIII S. 422 erwähnt. 

Was die Interpunktion betrifft, solässt sich der Thatbestand 
sehr wohl mit den in jüngster Zeit allgemein angenommenen 
Lehrsätzen, wie sie namentlich R. Kaiser in einer berliner 
Dissertation [De inscr. Graec. tiiterpunctioiie) ausgespro- 
chen hat, vereinbaren. Die Masse der Inschriften hat keine 
Interpunktion. Wo diese vorkommt, ist entweder der Doppel- 
punkt oder der dreifache Punkt und zwar zeitlich unter- 
schiedslos gebraucht. Nur ist zu erwähnen, dass wohl im Zu- 



DAS KAHIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 417 

sammenhange mit der Ritztechnik der Punkt sich häufig zu 
einem Vertikalstrich verbreitert, so dass ein Zeichen wie auf 
dem äXTYip Yon Eleusis [C. I. A. IV, 1, 422 '•) entsteht, von 
der Form E; diese Striche an Stelle der Punkte finden sich 
gewöhnlich in der Dreizahl, in der Zweizahl nur einmal und 
da in ganz geringer Breite (N". 29). 

Den Doppelpunkt haben sieben Inschriften, den dreifachen 
sechs, N". 12 hat statt der drei Punkte drei Hinge. Drei Stri- 
che haben sieben Inschriften. 

Zur lUustrirung setze ich noch folgende Inschriften bei : 



Tt> I 



105. 

1^ I V 




\K^\1P^ 



107. 



„HU— 



h^lN^^^--kX 



In dialektischer Beziehung ist nur Weniges zu bemerken, 
da wortreichere Aufschriften fehlen und der gesammte Wort- 
schatz sich nur auf wenige Ausdrücke beschränkt. Von Wich- 
tigkeit ist der Dativ Sing, auf oe statt oi, der dreimal vor- 
kommt. 

Bisher war diese Form nur auf Inschriften aus Tanagra 
und Platseae zu belegen; nun begegnet sie auch in Theben, 
wenn auch vereinzelt, so dass die Möglichkeit offen steht, lo- 
kalen Einfluss anzunehmen. N*^. 37 lautet: . . aJveOsKs KaGipos, 
eine andere Inschrift hat 



H8 DAS KABIRENHEILIGTUM BEI THEBEN 

108. 



-( »KKf^^lV^i Toe Kagi 



poi 



Hier hat also der Artikel in der Proklise bereits die rela- 
tiv jüngere Form angenommen, während das Substantivum 
noch die ältere hat. 

Eine andere Inschrift hat endlich als Rest die Buchstaben 
O m erhalten, welche zu KaSipJos zu ergänzen sind. Hierbei 
ist die Stellung des Epsilon zu bemerken, die auch auf den 
Vaseninschriften von Naukratis vorkommt. Da dieselbe wohl 
hieroglyphisch, aber nicht mehr phönikisch ist, so hat Gar- 
dner {Journal of Hell, studies 1886 S. 220) angenommen, 
dass hier eine ältere, vorphönikische Form der Buchstaben im 
Griechischen conservirt sei, wenn nicht direkter ägyptischer 
Einfluss vorliege. Es scheint jedoch unwidersprechlich, dass 
diese Stellung nur aus der Bustrophedonschrift übrig geblie- 
ben ist, wo sie beim Übergang aus einer Zeile in die andere 
die natürliche war. 

Übrigens ist zu beachten, dass dieses Epsilon hier wie in 
Naukratis nur auf Vasen, also auf einem Schreibmaterial 
begegnet, welches beim Einritzen der Buchstaben beliebig ge- 
dreht und gestellt werden konnte. Ein Argument aus der blos- 
sen Stellung der Buchstaben ohne Rücksicht auf seine Form 
ist daher unzulässig. 

Zum Dialekte sei noch die Form TrasiSi bemerkt: 

109. 



/a ft ^ r^\ 



Hiermit stimmt die lesbische Inschrift Tvsca«; (Collitz N°. 
299) und die Zweisilbigkeit des Wortes in beiden Diale- 
kten ist festgestellt. Ferner ist die wiederholt vorkommende 
Form der 1. Pers. Sing. Masc. i^X gegenüber der Schreibung 



DAS KAniRENHEILIGTUM BEI THEBEN 419 

stjj-i, \vol('lio oinmal vorkommt, zu erwähnen. Der Unterschied 
ist nur lirapliiscli, und da (li(^ hMz(ij;('iiannto Insclirift aiicli dem 
Buclis(al)encharaktcr nach jünger ersclieint, so dürfen wir 
annelimen, dass hier schon die neue Orthograpliie eingedrim- 
gen war. Epsilon hedeulct im Böotischen ausschliesslich e 
oder £1, niemals -n, dessen Laut erst in Folge der Reception 
des jonischen Alphabets durch H, früher ausschliesslich durch 
at ausgedrückt wurde (Vergl. Meister, Griech. Dialekte I S. 
276). Röhl thut daher Unrecht r,(7.i zu transscribiren. Die jün- 
gere Schreibung zeigt vielleicht auch eine Inschrift, die den 
Namen Kupt)^Xsi(<;) aufweist. 

Die Sigmagemination IhrrrrfAsvia? hat nichts Auffallendes. 
Fraglich konnte sein, ob das wiederholt vorkommende Ti^.oXko 
als Männername mit Schwund des Siefma, oder als Frauen- 
name auf w zu verstehen sei. Als Beispiel schleuderischer 
und fehlerhafter Schrift sei schliesslich noch folgende Inschrift 
angeführt : 

110. 




Ein überschüssiges Rho findet sich noch in N°. 8, welche 
von demselben Dedikanten wie die vermutlich gleichfalls feh- 
lerhafte Aufschrift N°. 83 herrührt. 

Was die Anzahl der Dedikationen an den Knaben im Ge- 
gensatz zu denen an den Kabiren betrifft, so stehen 26 Weihun- 
gen an ersteren der grossen Masse der anderen gegenüber, ein 
Verhältniss, welches auch dem bei den Bronzeinschriften fest- 
gestellten Procentsatz entspricht. Von den Dedikanten sind 
zwei als Männer, zwei als Frauen erkennbar. 

E. SZANTO. 



ATHEN. IIITTHEILUNGEN XV. 



29 



DER ALTE ATHENA- TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

IV. 

In dem Atlxio^ (1890 S. 92) und in der Zeitschrift 'AO-ova 
(1890 S. 627) hat H. G. Lolling eine auf der Akropolis in 
vielen Fragmenten gefundene und von ihm zusammengesetzte 
Inschrift veröffentlicht, welche sich auf den alten Athena- 
Tempel bezieht und für dieses Gebäude von grosser Bedeu- 
tung ist. Aus dem Inhalt der Inschrift ergiebt sich vor Allem 
die wichtige Thatsache, dass der von den Persern verbrannte 
Atliena- Tempel im 6. Jahrhundert t6 ly.axojATireSov hiess. Der 
Herausgeber begnügt sich aber nicht mit diesem sicheren Re- 
sultat, sondern knüpft an die Besprechung der Inschrift in 
der 'A6r,va. eine längere Abhandlung über das Schicksal der 
drei verschiedenen Tempel der Athena auf der Burg und über 
die Benennung ihrer einzelnen Abteilungen. Er kommt dabei 
zu Resultaten, welche in manchen Punkten übereinstimmen 
mit demjenigen, was ich in dieser Zeitschrift (XII S, 25 ff. 
und S. 190 ff.) über die drei Tempel auseinander gesetzt 
habe. So hält er es z. B. für erwiesen, dass der alte Atliena- 
Tempel nicht nur nach den Perserkriegen, sondern auch im 
4. Jahrhundert noch bestanden habe, und dass er mit dem 
ap/aio; v£ü)? einiger Inschriften und dem TraXaio? vsw; des Xe- 
nophon (Hell. I 6) identisch sei. In anderen Punkten stellt er 
dagegen ganz neue Hypothesen auf, so z. B. diejenige, dass 
bis jetzt alle Forscher die einzelnen Teile des grossen Athena- 
Tempels (des Parthenon) irrtümlich benannt hätten. 

Um auf den Inhalt der Inschrift und auf die Folgerungen, 
welche Lolling an dieselbe knüpft, näher eingehen zu können, 
ist es nötig, wenigstens denjenigen Teil derselben, welcher im 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 421 

Zusammenhang einigermassen verständlioli ist , hier noch- 
mals, fast genau nach der Abschrift des Herausgebers, abzu- 
drucken ^ : 

i]u. 7:6\bi ■ H6(70'.; ypovxai : ~^\]h Honx 

a<7(y-£voc; • rj[yJu.[y.G'. : i]y-'J- "^^cp i/.zGT- 

xaJTa TSV T^öliv : ypz[ip'7al'70ai 1 rö; Tajxi- 

ac ](7i : Toc Hispx i Hoi l[x. to]v H'-s[p]opY6vT- 

5 ov ]avai ! yurpav [;.£ Si[ ]av ^u-sSs 

][j.£os tÖ TTup : ä.v[i7.7üT]£V [• lav 8]£ TC; T- 

O'JTOv Ti SpX'. sijSo? : kjolvcLi 9[oöc]v pt.£)([pi Tp]iov [6- 
SeXov TOi'71 Tla^atocTi ii: t6: !s[popy]6vi:a[;] : \iJ\. . . . 

u.i[ TO vjso : y,oil to izpolvüo • xai t]o ß[o]^ao : 

10 Toösv : t[o vjeo : Ivto? to /,[ H]x7:av • to He- 

xaT6[;-77[£Sjov • [;.£§' ov6o[v] : £y>.[ • lavj Ss ti? : touto- 

V Ti Spa[i] £[iS6(; £]y_^a[£]vai i GoXv [(^ijj^pi Tp'.ov : öSs).?- 

V : TOiG-i i:cc^.[lxai i i i Tot?] Hi£p£a[;] tx; I|J!. 7r6X£t : xxl t- 
a? ^^axopo; [[A£ oi']x£[;-a [T]a[/.i£iov • Ij/. 7:6X£i : [;-- 

15 £^1 H'.T:v£[u£c9at i locv §£ ti? tjO'jtov t'. opxt : suOu- 
vi[(jBxi Hs/iotTOv] i öpayj7.l[Gi : x.ai] to? Toc^aia? : lav lo- 
(7[i : euöuvsGÖai] Hs/Coctöv Spay'p[ci I • •] Tot OiyA^.xzx 
TÄ £v TOI Hex.XTjOfxxlSot : avoiyev : [to?] Toc^aia? : i/,£ 6- 
OfASvo. GsxcGoci : Ta[, . . .]a? ! I^y-spoc? 

Die Inschrift scheint im Anfange des abgedruckten Teiles 
zu bestimmen, dass die Tamiai ein Verzeichniss aller auf der 
Burg befindlichen Geräte (?) anfertigen sollen ; ausgenommen 
sollen nur diejenigen Gerätschaften (?) ^Yerden, ^velche sich in 
gewissen Räumen befinden. Darauf werden einzelne Vor- 
schriften für einige der Opferdiener gegeben, sie dürfen z. B. 



* Die wesenlliclien Veränderungen gegen den Text Lolling"s, welche ich 
meist Herrn Dr. Wilhelm verdanke, sind folgende: Z. 2 l]aa für e]a;j.; Z. 
5 . . av [x£0£ .... für .ejiv [-is Oc'[ovTai ; Z. 9 xal x]o li[o][JLO • für tzIv/] öp[i](j.o • (von 
dem F» ist nur der obere Teil erhallen, so dass man ebenso gut B lesen darf); 
Z. II [As5'ov0o[v] für |j.£3dv0o[v] ; Z. 13 ia[A[ia(jt : • • rä;] für TaijL[iacJiv : xü^] ; Z. 17 
8pa/_(x$[ai : : i j Ta für opa-/_[Ji£[(jtv i ] -i. 



422 DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

kein Feuer anzünden. Übertreten sie diese Bestimmungen, so 
können sie \on den Tamiai bis zu 3 Obolen bestraft werden. 
Für die Opferdiener im Allgemeinen werden weitere Vorschrif- 
ten erlassen, von denen sich die eine auf die Cella des Tem- 
pels, seine Vorhalle und den Altar, eine andere auf das ganze 
Heiligtum, tö IxaTo^aTrsSov genannt, bezieht. Was sie in diesen 
Räumen nicht thun dürfen, ist nicht zu erkennen. Im Über- 
tretungsfalle werden sie mit 3 Obolen bestraft. Die Prieste- 
rinnen und Tempeldienerinnen dürfen den zur Schatzver- 
waltung dienenden Raum des Tempels nicht betreten (?), auch 
beim Tempel nicht kochen (?). Sie werden eventuell mit 100 
Drachmen bestraft. Die Tamiai selbst sollen die Thüren der 
im Heiligtum befindlichen Schatzkammern öffnen. Alle wei- 
teren Anordnungen sind nicht zu erkennen. 

So lückenhaft auch die Inschrift ist, es lassen sich doch aus 
den erhaltenen Worten mehrere Thatsachen feststellen. Das 
Heiligtum, für welches hier Vorschriften gegeben werden, be- 
stand aus mehreren Teilen. Das Ganze hiess t6 £)ca.T6(j(.TC£Sov 
(sc. tspöv); unter seinen einzelnen Teilen werden das xpovstov, 
der vsö?, das ^Iy.z[j.(/. Tocjj.ieiov und to. ous[j.a,Ta einzeln genannt. 

Da alle diese Räume in dem südlich vom Erechtheion auf- 
gefundenen Athena- Tempel wiederkehren, und da derselbe 
ohne seine äussere Säulenhalle ungefähr lOOattisch-äginäische 
Fuss lang war^ so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass 



' Lolling stellt es S. 641 als möglich hin, dass der ganze Tempel 100 
samisch-jonische Fuss lang sei. Aber seine Voraussetzung (S. 639), dass 
der Oberbau eventuell etwas länger gewesen sein könne als die Fundamente, 
ist unhaltbar, denn bei allen Tempeln ohne Ausnahme ist das Umgekehrte 
der Fall. Ausserdem ist die Annahme eines Fusses von 0,35"" für Athen 
eine durch nichts begründete Hypothese. Was Lolling ferner (S.639 Anm. 
2) im Allgemeinen über meinen Nachweis des attiscli-äginäischen Fusses 
von 0,328™ sagt beruht auf einer Verkennung meiner Schlussfolgerungen. 
Das Vorhandensein eines solchen Fusses habe ich am Erechtheion durch 
einen Vergleich seiner Abmessungen mit den Zahlenangaben einer In- 
schrift nachgewiesen und erst dann habe ich untersucht, ob der Fuss auch 
bei andern Bauten passe. Die Zahlen, welche Lolling zusammenstellt, sind 
demnach wertlos und beweisen nichts. Überdies ist das einzige Beispiel 
(Umfang der Orcheslra des Dionysos-Theaters), welches er selbst beibringt, 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 423 

die Inschrift sich auf diesen Tempel bezieht, und dass sein 
amtlicher Name damals tö iy.v.ro^.'KB^ov war. Die (istliclie Vor- 
halle desselben liiess also t6 xpovstov, die Cella selbst 6 veö?, die 
grosse Hintercella to ousy-o. rapstov und die beiden anstossen- 
den Zimmer tö, oUiiz-oLzoL. Ob für das ganze Hinterhaus schon 
damals der Name Opisthodom üblich war, ist unbekannt. Die 
gesicherten Benennungen gelten selbstverständlich zunäclist nur 
für die Zeit, aus welcher die Inschrift stammt, also für das 
6. Jahrhundert. Als nach den Perserkriegen der Parthenon 
gebaut wurde, hätten für den alten Tempel, nachdem er wie- 
der hergestellt war, die alten Bezeichnungen beibelialten wer- 
den können. Wenn man aber erwägt, dass der grosse neue 
Tempel auch einen Proneos, einen Neos und einen grossen 
llinterraum hatte, und dass ferner dieser neue Neos (die Cella) 
allein auch 2;erade 100 Fuss lanc; war, so wird man die Mög- 
lichkeit zugeben müssen, dass die früheren Namen des alten 
Tempels und seiner Räume sich etwas verändern konnten. 

Dass dies auch thatsächlich der Fall gewesen ist, werden 
wir später sehen. Vorläufig genügt es, ausdrücklich festzustel- 
len, dass der Name t6 £/.a.T6[j-sSov durch die Inschrift selbst 
nur für die Zeit vor den Perserkriegen für den alten Athena- 
Tempel gesichert ist. 

Nach den Perserkriegen wurde der alte Athena- Tempel 
wiederhergestellt. Das hält auch der Herausgeber der Inschrift 
für ganz selbstverständlich, weil er sich nicht vorstellen kann, 
dass die Athener bis zur Fertigstellung des Parthenon für ih- 
ren verbrannten Tempel der Athena auf der Burg keinen Er- 
satz geschaffen haben sollten. Wie viel von dem Tempel aber 
in der Mitte des 5. Jahrhunderts noch bestand, darüber spricht 
er sich nicht deutlich aus. Er sagt zwar (S. 655), dass soviel 



um eine runde Zahl von 100 solonischcn Füssen zu erhalten, so schlecht 
wie möglich gewählt; deiin erstens hat er dann zwei Keclienfehler gemacht 
(man erhält in Wirklichkeit 208 statt 100 Fuss), und zweitens wird nicht 
der Umfang, sondern höchstens der Durchmesser eines Kreises eine runde 
Zahl sein. Ich halte es daher für überllüssig, auf jene Zusammenstellung nä- 
her einzugehen. 



424 DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

wiederhergestellt wurde , als zur provisorischen Ausübung 
des Gottesdienstes und zur Aufbewahrung der heiligen Schät- 
ze notwendig war, und man könnte daraus schliessen, dass 
er der Ansicht sei, nicht nur die Ostcella, sondern auch der 
Opisthodom (das Tamieion mit den beiden Schatzkammern) 
sei wieder in Stand gesetzt worden. An einer andern Stelle 
(ebenfalls S. 655) sagt er jedoch, dass die nördliche Wand 
der Cella wahrscheinlich nicht mehr existirt habe, als die 
Korenhalle gebaut worden sei. Er scheint also anzunehmen, 
dass man den Tempel nicht wiederhergestellt, sondern eine 
kleinere Cella, vielleicht sogar ohne Opisthodom, etwas mehr 
vom Erechtheion entfernt erbaut habe. 

Diese Annahme ist aber den noch jetzt erhaltenen Resten 
des Baues gegenüber unhaltbar. Die Perser zerstörten keines- 
wegs den ganzen Tempel von Grund aus, sondern sie ver- 
brannten nur alles, was brennbar war, und zerschlugen, was 
sie zerstören konnten, aber die Tempel wände selbst und die 
äussere Säulenhalle liessen sie stehen. Das geht mit Sicherheit 
hervor aus dem jetzigen Zustande der Architrave, Triglyphen 
und Geisa, welche in der Burgmauer verbaut sind. Diese Bau- 
giieder sind nicht aus den Trümmern eines zusammengestürz- 
ten Tempels genommen worden, sondern ihr Erhaltungszu- 
stand zeigt deutlich, dass sie dem noch aufrecht stehenden Bau 
entnommen und sorgfältig in die nördliche Burgmauer ver- 
baut worden sind. Und in der That einen Tempel von den 
Massen des Ilekatompedon konnten die persischen Soldaten 
nicht zerstören, sie konnten ihn nur in Brand stecken und be- 
schädigen. So lange man noch kein Pulver kannte, sind über- 
haupt die Zerstörungen der Bauwerke durch Feindeshand 
nur dann totale gewesen, wenn es sich um hölzerne oder an- 
dere unsolide Gebäude handelte. Wie wäre es sonst möglich, 
dass noch jetzt so viele antike Bauwerke aufrecht stehen, 
und wie wäre es sonst z. B. zu erklären, dass von dem alten 
Tempel in Rorinth trotz der mehrmaligen Zerstörung der 
Stadt noch jetzt ein Teil erhalten ist ? Die Wiederherstellung 
des Athena- Tempels nach den Perserkriegen bestand meines 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 425 

Erachtens nur darin, dass man ein neues Dach auf den Tem- 
pel setzte, neueTliiiren anfertigte, die bescliädigten Stellen der 
Wände und Säulen reparirto und vielleicht den ganzen Bau 
von Neuem verputzte oder auch nur bemalte. Es wäre zu 
mühsam gewesen, erst die Quadermauern abzubrechen und 
dann neben denselben neue Mauern zu errichten. Wenn letz- 
teres trotzdem geschehen wäre, so hätten überdies bei den 
jetzigen Ausgrabungen die Fundamente der neuen Mauern zum 
Vorschein kommen müssen, was nicht geschehen ist. 

Wurde der Tempel nach den Perserkriegen wiederherge- 
stellt, so behielt er auch seinen alten Grundplan bei. Nur die 
äussere Säulenhalle scheint damals mit Rücksicht auf den ge- 
planten grossen Tempel als überflüssig fortgefallen zu sein ; 
jedoch ist es nicht unmöglich, dass sie zunächst wiederher- 
gestellt wurde und erst bei Erbauung des Erechtheion in Weg- 
fall kam. 

Welchen Namen führte der wiederhergestellte Tempel im 
5. Jahrhundert? In längerer Ausführung (oben XII S. 42 und 
194) hatte ich zu beweisen gesucht, dass er im Gegensatze zu 
dem grossen neuen Bau ' alter Athena- Tempel' genannt wor- 
den sei, und zwar amtlich 6 äp/aioc vsw;, im Volksmunde 6 
xa.)^atö; vscöc. Während E. Petersen (oben XII S. 65) diesem 
Resultate widersprach, nimmt jetzt Lolling (S. 643) meine 
Auffassuns; mit dem einzigen Unterschiede an. dass erzwar den 
in den Inschriften C. I. A. I 93 und II 464 vorkommenden 
oi^jaXoc, v6w; mit unserem Tempel identificirt, unter dem in den 
Übergabe -Urkunden {C. I. A. II 733 und 758) genannten 
oL^yoLloQ vsw; aber den alten Tempel der Artemis in Brauron 
versteht. Obwohl ich die letztere Ansicht nicht teile, verzichte 
ich darauf, diese Frage hier zu behandeln, weil ihre Entschei- 
dung für unsere Untersuchung gleichgültig ist. Ich begnüge 
mich zu constatiren, dass Lolling für das 5. und 4. Jahrhun- 
dert die Namen äpyaio; vswt; und -kolIolioc, vew; für den alten 
Tempel billigt. 

Neben diesen Benennungen soll der Tempel aber seinen 
früheren Namen Hekatompedon noch beibehalten haben ; es 



426 DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

soll dies sogar sein amtlicher Name gewesen sein. Hier liegt 
der Kernpunkt der Lolling'schen Abhandlung, denn alle seine 
anderen Resultate sind die Folge dieses Grundsatzes. Überall, 
wo er in Inschriften oder bei Schriftstellern ein Hekatompedon 
oder einen Hekatompedos findet, versteht er darunter ohne 
Weiteres den alten Athena- Tempel. Diesen Grundsatz haben 
wir demnach näher zu untersuchen. Erweist er sich als rich- 
tig, so müssen die bisherigen Anschauungen über die Tempel 
auf der Burg in manchem Punkte abgeändert werden ; erweist 
er sich aber als unrichtig, so ist dem ganzen Aufsatze Lolling's 
die Grundlage entzogen, die meisten seiner Folgerungen fallen 
dann von selbst zu Boden. 

Die Übergabe -Urkunden der heiligen Schätze der Athena 
wurden im 5. Jahrhundert auf drei nach den Aufbewahrungs- 
orten der Schätze gesonderte Inschriftsteine geschrieben. In 
jeder Verwaltungsperiode wurden drei Inventare angefertigt, 
von denen das eine die h tu ^poveo), das andere die dv tG> veü 
Tü £-,ia.T0(;.7:£S(p und das dritte die iv tw TüapGsvoivi aufbewahr- 
ten Gegenstände enthielt. Man nahm bisher allgemein an, 
dass mit diesen Namen drei Bäume des grossen Tempels (des 
Parthenon) gemeint seien. 

In welcher Weise die drei Namen auf die einzelnen Teile 
des Tempels zu verteilen seien, darüber gingen allerdings die 
Ansichten auseinander. Die Einen (z. B. Michaelis) glaubten, 
dass der Proneos der östlichen Vorhalle, der Neos Hekatom- 
pedos der hundertfüssigen Ostcella und der Parthenon dem 
Mittelschiff dieser Ostcella entspreche. Andere (z. B. Ussing) 
waren dagegen der Ansicht, dass mit dem Proneos die östliche 
Vorhalle, mit dem Neos Hekatompedos die östliche hundert- 
füssige Cella und mit dem Parthenon die grosse Westcella 
gemeint sei. Lolling stellt nun die neue Hypothese auf, dass 
der Proneos die östliche Vorhalle des grossen Tempels, der 
Neos Hekatompedos der gesammte alte Tempel und der Par- 
thenon die Ostcella des grossen Tempels sei. Das Hinterhaus 
des letzteren soll in den älteren Inventaren nicht vorkommen. 
Bestimmte Beweise für diese Sätze giebt Lolling nicht. Er be- 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 427 

trachtet es als einen Grundsatz, der nicht bewiesen zu werden 
braucht, dass der Bau, welcher im G. Jahrhundert to ejtaxoy.- 
TCsSov hicss, idontiscli sein müsse mit dem vcw; 6 ex.y.ToaTrsSo«; 
der Schatzurkundcn des 5. Jaliriiunderls. I)i(; übrigen Benen- 
nungen ergeben sich ihm dann mit Notwendigkeit aus diesem 
Grundsatze. Dass derselbe aber falsch ist, dass das Ilekatom- 
pedon des 6. Jahrhunderts und der Neos Hokalompedos des 
5. zwei verschiedene Bauwerke sind, können wir durch eine 
Reihe zwingender Gründe beweisen, 

1) Das Wort Proneos bezeichnet seiner Zusammensetzung 
nach den Vorraum oder die Vorhalle vor einem Neos, d. h. 
vor einer Cella. Wenn nun unter den drei Namen der Schatz- 
Urkunden ein Proneos und ein Neos vorkommen, so versteht 
es sich doch wohl von selbst, dass dieser Proneos und dieser 
Neos zusammengehören. Der dritte, ganz ungewöhnliche Name 
Parthenon passt dann sehr gut für den grossen llinterraum 
dieses Tempels. Hätte man, wie Lolling will, unter dem Pro- 
neos die Vorhalle des grossen Tempels, unter dem Neos aber 
den alten Tempel verstanden, so wäre das eine sehr ungenaue 
und irreführende Benennung sewesen, die für ein Inventar 
besonders wenig passte. 

2) Nach dem oben über den Wiederaufbau des alten Tem- 
pels Gesagten dürfen wir es als sicher ansehen, dass die Cella 
dieses Tempels noch ihre östliche Vorhalle, ihren Proneos 
hatte. Tempel ohne Vorhallen giebt es auch meines Wissens 
überhaupt nicht. Beziehen sich nun die Inventare des 5. Jahr- 
hunderts, wie Lolling behauptet, auf zwei Tempel, so wäre es 
ganz unerklärlich, dass nur von dem Proneos die Rede ist, 
während doch zwei Vorhallen vorhanden gewesen wären. Es 
führt uns also auch dieser Umstand zu dem Resultat, dass die 
Inventare nur zu einem Tempel gehören, dass mithin der 
Neos Hekatompedos ein Teil des grossem Tempels sein muss. 

3) Der Herausgeber der Inschrift sclieint mir auf die That- 
sache nicht genügend Gewicht zu legen, dass in derselben t6 
£>ca,T6[7,7i:£Sov steht, während in den Schatzurkunden stets 6 vew? 
6 Uy.z6iJ.T:s^Qc, gesagt wird. Beide Ausdrücke können zwar 



458 DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

dasselbe bedeuten, müssen es aber durchaus nicht. Tö Ixa- 
Top.reSov (sc. (epov) bezeichnet in der alten Inschrift augen- 
scheinlich das ganze Heiligtum und umfasst nicht nur die 
Cella, sondern auch die Vorhalle und das Hinterhaus mit sei- 
nen Schatzkammern. '0 vsw? 6 dx.aTOfAT^eSo; dagegen bezeichnet 
in den Schatz-Urkunden nur die Cella, deren Vorhalle der 
Trpovsco? ist. Es wird gewiss auch ein Grund dafür vorhanden 
gewesen sein, dass man den früheren amtlichen Namen t6 sjta- 
t6;7-£Sov in 6 vsto; 6 iy.oizoiJ.Tzs'^oc, umänderte. Wenn Lolling, 
um einer solchen Auffassung entgegenzutreten, die Ansicht 
ausspricht, dass 6 vsw? nicht die Cella allein bedeute, und so- 
gar sagt (S. 644 unten), dass schon allein das Vorkommen 
des vsw«; neben dem xpovewg und dem TrapGsvwv beweise, dass 
es sich um zwei Tempel handele, so braucht man nur auf die 
vorliegende Inschrift zu verweisen, wo nach seiner eigenen 
Ergänzung der Neos neben dem Proneos als Cella vorkommt 
und nur einen Teil des ganzen Hekatompedon bildet. Andere 
Beispiele, in denen ö vsw? die Cella bedeutet, Hessen sich leicht 
in grosser Menge beibringen. Es ist also der Name Heka- 
tompedon nicht von dem alten Tempel willkürlich auf den 
neuen übertrafen worden, sondern im 6. Jahrhundert hatte 
man ein hundertfüssioes Heiligtum, im 5. aber eine hundert- 
füssige Cella. 

4) Dieser Satz erhält eine schlagende Bestätigung durch die 
Thatsache, dass die Cella des grossen Tempels gerade 100 
Fuss lang ist (vergl. oben S. 171 ). Dieser wichtigen Thatsa- 
che legt Lolling kein Gewicht bei, er erklärt sie sogar für Zu- 
fall und nennt diesen Fall ein sehr lehrreiches Beispiel dafür, 
dass man sich in metrologischen Fragen leicht irren könne. 
Mir scheint diese Thatsache der beste Gegengrund gegen seine 
neue Theorie zu sein. Der Name t6 exaT6(j.7rsSov des 6. Jahr- 
hunderts bezog sich auf den ganzen lOOfüssigen Bau, dessen 
Cella nur etwa 40 Fuss lang war; im grossen neuen Tempel 
hatte die Cella allein schon eine Länge von 100 Fuss. Die 
Athener sprachen daher nicht mehr von dem lOOfüssigen al- 
ten Tempel, sondern mit berechtigtem Stolze von der lOOfüs- 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 429 

sigen Cella des neuen Tempels. Der vsw; 6 i/.xz6[>.r:e^o; der 
Schatz -Urkunden ist also nicht der alte Athenatempel, son- 
dern die Ost -Cella des grossen Tempels. 

5) lliei'iur liefert uns einen weiteren Beweis der Inhalt der 
Inventare selbst. In dem Neos Hekatompedos wurden nament- 
lich kostbare Weihgeschenke, wie goldene Kränze und Scha- 
len aufbewahrt, während in dem 'Parthenon' neben einzel- 
nen Weihgeschenken allerlei Pompengerät (viele Klinen, Ses- 
sel, Rüstungen, Schilde u. s. w.) und mehrere zerbrochene 
Gegenstände aufgespeichert waren (vergl. Athen. Mitth. VI S. 
297). Diese Tliatsache passt zu der neuen Theorie gar nicht, 
denn die kostbaren Weihgeschenke der Athena wären dann 
nicht in dem neuen, sondern in dem alten Tempel niederge- 
legt worden, während die Cella des neuen Tempels als Ma- 
gazin für das Pompengerät und für allerlei beschädigte Ge- 
genstände benutzt worden wäre. War dagegen, wie man bisher 
annahm, der Neos Hekatompedos die Cella des neuen Tem- 
pels und der Parthenon die Ilintercella desselben, so ist jene 
Verteilung der Gegenstände die naturgemässe. Am wenigsten 
passen die Inventare aus dem Anfange des 4. Jahrhunderts 
zu der neuen Annahme. Sämmtliche Gegenstände wurden 
nämlich damals im Hekatompedos aufbewahrt. Es würden 
also, wenn Lolling Recht hat, im Anfang des 4 . Jahrhunderts 
alle Weihofeschenke und Schätze der Athena in dem alten Tem- 
pel aufgehäuft, im neuen grossen Tempel dagegen kein einzi- 
ges Stück verblieben sein. Um diese seltsame Erscheinung zu 
erklären, führt Lolling aus, dass der alte Tempel damals an 
Bedeutung für den Cult hinter dem neuen Tempel und dem 
Erechtheion sehr zurück gestanden habe und lediglich als 
Magazin benutzt worden sei. Mir scheint es jedoch fast un- 
denkbar, dass man eine lange Reihe von Jahren hindurch kein 
einziges Weihgeschenk in der Cella des grossen Tempels auf- 
bewahrt oder neu aufi-estcllt. sondern die sämmtlichen Schätze 
in den alten Tempel geschafft haben soll. Die Räumung des 
Parthenon, des Hinterhauses des neuen Tempels, und die Über- 
führung aller Schätze in den Neos Hekatompedos, also in die 



430 DER ALTE ATHENA -TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

Ostcella, erklärt sich dagegen vollkommen durch den Brand 
des alten Tempels und seines Opisthodom und die dadurch be- 
dingte provisorische Verwendung des ' Parthenon ' zur Ver- 
waltung und Aufbewahrung des Staats- Schatzes (vergl. oben 

XII s/203). 

6) Muss die sogenannte Parthenos, das Goldelfenbein-Bild 
des Phidias, in dem als Parthenon bezeichneten Räume ste- 
hen? Lolling bejaht diese Frage unbedingt, indem er die schon 
von Andern aufgestellte Ansicht wiederholt, dass Parthenon 
nur derjenige Raum genannt werden konnte, welcher das Cult- 
bild des Phidias enthielt. Im ersten Augenblick kann eine sol- 
che Ansicht wohl richtig erscheinen, weil man ohne Weite- 
res anzunehmen pflegt, dass der Name Parthenon gerade we- 
gen der Parthenos -Statue gewählt worden sei. Aber ist denn 
das sicher ? Lolling und diejenigen, welche früher dieses Thema 
behandelt haben, scheinen mir nicht genügend zu beachten, 
dass zu der Zeit, als der Name Parthenon für einen der Räume 
des Tempels amtlich gewählt wurde, also etwa im Jahre 438, 
das Standbild des Phidias noch gar nicht den Namen Parthe- 
nos führte (vergl. Michaelis, Parthenon, Anm. 75). Dieser 
Name ist vielmehr erst üblich geworden, als der Name Par- 
thenon schon von dem einen Gemach auf den ganzen Tempel 
übergegangen war. Allerdings konnte die auf der Burg verehrte 
Athena Polias stets auch Parthenos genannt werden , aber 
es war dies im 5. Jahrhundert noch kein Spezialname des 
Goldelfenbein- Bildes, wie es in späterer Zeit, z. B. zur Zeit 
des Pausanias, der Fall war. Der amtliche Name des Cultbil- 
des ist er, soviel wir wissen, überhaupt niemals gewesen. 
Man darf daher nicht voraussetzen, dass der Name Parthenon 
speziell nach dem Cultbilde des Phidias gebildet sei. Gerade 
das Umgekehrte dürfte richtiger sein. Nachdem der ganze Tem- 
pel im Volksmunde Parthenon hiess, wird man das darin 
befindliche Bild kurzweg Parthenos cjenannt haben. Ist diese 
Auffassung richtig, so ist der Name ' Parthenon' von dem 
allgemeinen Beinamen Parthenos der Athena Polias , nicht 
von dem Cultbilde des Phidias abgeleitet worden, und es fehlt 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 431 

nun jede Berechtigung zu tlei' Behauptung, dass das Cultbild 
gerade im 'Parthenon' gestanden haben müsse. Wie man zu 
dem Worte 'Parthenon' gekommen ist, brauchen wir hier niclit 
zu untersuchen, das hat für unsere Frage keine Bedeutung. 
Dass man aber überhaupt einen ganz neuen Namen für die 
Hintercella des grossen Tempels bildete und dieselbe nicht 
einfach Opisthodom nannte, erklärt sicli am einfachsten aus 
der Yon uns früher erwiesenen Thatsache, dass das Hinter- 
haus des alten Tempels noch bestand und den Namen Opi- 
sthodom führte. 

7) Haben wir so theoretisch bewiesen, dass die sog. Par- 
tlienos nicht in dem Baume Parthenon zu stehen brauchte, so 
lässt sich weiter feststellen, dass sie auch thatsächlich nicht 
dort, sondern in dem Hekatompedos gestanden hat. Es ist das 
Verdienst U. Röhler's, diese Thatsache erkannt und eingehend 
dargelegt zu haben (Athen. Mitth.V. S. 89). Auch an dieser 
allgemein anerkannten Thatsache muss Lolling rütteln, um 
seine Theorie durchführen zu können. 

Die Inschriften, welche von dem Agalma im Hekatompedos 
und seiner Bevision reden, verdienen es, hier aufgezählt zu 
werden ; es sind folgende : 

1) C. I. A. H 667. — /»aro. ttiv Qxrikri^ tyiv] •^a.'ky.riv tv)v Iv 

Tö HapOsvcavt [6w,]oXoyouu.£vov (grosse Lücke) — sXscpavToc 

77ap£oo(/.sv Tvpoi; apyuptov Ta ctoc (?) — . 

2) C. I. A. \\ 670. — £v Tqi exaTOjJLTCJeScp ivTtklc, [>ca.]Ta, t7;v 
(7Ty))^yiv --( grosse Lücke) --crscpocvo; [j^^pucou; ov r\ Nixt) l'^si (?)--. 

3) C. I. A. n 719. cLyoCkiJ.ix t6 £v tu £/.](XT0[/.7r£S(i) xat t) a[c7i:i; 
xai tÖ ßocöpov] hzs'kri xaxa t'/]v ct[7iV/iv ax^cpavo? ov t] Nixt] £'^£'. . . . 

4) C. I. A. \\ 727. a.^^CL>?]J.OL TT]? 'AOtIVLCC«; t6 £V TW £x.aTjo[[;-- 

7r]£§(!)[t ] tÖ ßaOpov [ ] <7T£cpxvo; )(_pu(7[o'j; o]v [y)] NixY) 

h^' 

Aus diesen allerdings sehr verstümmelten, aber immerhin 
noch lesbaren Inschriften hat Köhler gefolgert, dass sie sich 
auf die Goldelfenbein - Statue des Phidias beziehen, dass dieses 
Bild demnach im Hekatompedos stand, und dass seine ein- 
zelnen Teile nach dem Inhalt einer Stele controlirt wurden, 



432 DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

welche im Parthenon aufbewahrt war. ' Die Bezeichnung und 
Beschreibung lassen keine andere Beziehung zu' ( Köhler a. a. 
O. S. 92). 

Da LoUing den Hekatompedos im alten Tempel erkennt, 
so ist er zu der Hypothese genötigt, dass es sich hier um ein 
zweites Agalma und zwar ebenfalls um ein Goldelfenbeinbild * 
handele, welches im alten Athena-Tempel gestanden habe. Wie 
bedenklich eine solche Annahme ist, wird der Leser am be- 
sten ersehen, wenn wir einiges Yon dem, was aus den von Lol- 
lins selbst anoeführten Inschriften über dieses angebliche zweite 
Bild der Athena bekannt ist, zusammenstellen und mit dem 
Bilde des Phidias vergleichen. 

Zu dieser Statue im alten Tempel muss in ähnlicher Weise 
wie zu dem Bilde des Phidias eine Nike gehört haben, wel- 
che einen goldenen Kranz trug. An der Statue muss ein 
Schild angebracht gewesen sein, der mit einem vergoldeten 
Gorgoneion verziert war. Ihre einzelnen, aus kostbaren Mate- 
rialien bestehenden Teile müssen abnehmbar und auf dersel- 
ben Stele verzeichnet gewesen sein, auf welcher auch die Teile 
der sog. Parthenos aufgeschrieben waren. Ihr Bathron war 
ebenfalls mit Reliefs geschmückt, an denen auch Gold und 
Elfenbein verwendet war. Für die Grösse desselben ist es be- 
zeichnend, dass ein kleiner Helm mit goldenen Klappen und 
elfenbeinernem Busch von einer der Relief- Figuren in den 
Schatzverzeichnissen als von dem Bathron stammend beson- 
ders angeführt wird (C /. ^. II 676). Es handeU sich also 
um eine grosse Basis und folglieh auch um eine grosse Sta- 
tue. Hierfür spricht auch der Umstand, dass eines der zum 
Bathron gehörigen und von demselben abgenommenen Stücke 
Goldes über 100 Drachmen wog ( C. I. A. II 652 B). 

Alles also,was wir von dem angeblichen Bilde im alten Tem- 



^ Die Bezeichnung Goldelfenheinbild gebraucht LoUing allerdings nicht, 
sondern spricht nur von einem Bilde, w'clcl)es zum Teil aus kostbarem Ma- 
teriale bestanden habe. Nach den Inschriften ist dieses kostbare Material 
aber Gold, Elfenbein und Silber gewesen. 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 433 

pel erfahren, spricht für eine grosse Goldelfenbeinstatue und 
passt Torziiglich zu dem grossen Tempelbilde des Pliidias. 
Wenn wir nun erwägen, dass in der ganzen antiken Lilteratur 
keine Spur von einem zweiten Goldelfenbcinbilde der Athena 
auf der Burg zu finden ist, und wenn wir ferner in Betracht 
ziehen, dass in den Schatzverzeichnissen mehrmals kurzweg 
Yon To v.yy.ly.x, xb eSoi;, z6 [iaOpov die Rede ist, SO sind ^vir zu 
der Schlussfolgerung berechtigt, dass es in den Bäumen, de- 
ren Inventare wir in den Schatzverzeichnissen besitzen, auch 
nur ein einziges grosses, aus kostbarem Material hergestelltes 
Athenabild gab, nämlich die sog. Parthenos des Pliidias. 

Lolling führt allerdings noch zwei Gründe dafür an, dass 
sich die oben angeführten Inschriften auf ein zweites Athena- 
bild beziehen (S. 658). Erstens weist er darauf hin, dass die 
Statue des Phidias in den amtlichen Urkunden und auch bei 
einigen Schriftstellern gewöhnlich tö /p-jcoov ayaAjxx heisse 
und fährt dann fort: 'Das ayaX|j.(x tö ev tö ix-ocTo^a-sSw, welches 
in gleichzeitigen Inschriften erwähnt wird, muss also von dem 
Werke des Phidias verschieden sein'. Diesen Schluss zu zie- 
hen, scheint mir nicht statthaft. Obwohl das Werk des Phidias 
wegen seiner Grösse und seines materiellen und künstlerischen 
Wertes kurzweg das aya>.|7-ot genannt werden durfte, gab man 
ihm gewöhnlich zur Unterscheidung von dem alten hölzernen 
Cultbilde und von der ehernen Athena Promachos ein Epithe- 
ton, welches nach dem Material oder nach einem anderen Ge- 
sichtspunkte gewählt war. Das beste Beispiel für eine solche 
verschiedene Benennung derselben Statue bieten uns die 
Schatzverzeichnisse der Artemis Brauronia, in denen von dem 
ayaAiJ.a (oder ito^) schlechthin und daneben von dem XiOivov, 
ap/ociov, öpOöv und iaxrcAhq h(cCk[j.oL gesprochen wird, während 
es sich doch nur um zwei verschiedene Standbilder handelt. 
Zweitens beruft sich Lolling auf die Inschriften C. I. A. II 
645, 646, 656 und 675, in welchen unter den früher im Par- 
thenon, jetzt aber im Hekatompedos aufbewahrten Gegen- 
ständen genannt werden : IlETaXa. /pucX TSTTapa «xtüö tou a-zic^x- 
vou ov 7) Nü'/) l/i\ */) im Tvi; ;^£ip6? tou ayaAi/aTO? CTaO[y.6v to'jtco 



434 DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

Phil. Er vergleicht diese mit andern Inschriften, wie z. B. C. 
I. A. II 649, 652, 654, 657 und 660, in welchen angeführt 
wird GT£(pa.vo? ypuToG;, ov v) Nr/.T] e'^si iizl ty}; /.scpocV?;? -f] stüi t'^; 
ysipo? ToQ ä.y(zl[xocTo; toO x.p'-''^^'^ ^nd scliliesst daraus, dass jene 
einzelnen Blätter von dem Kranze des Goldelfenbeinbildes des 
Phidias herrührten. Er fährt dann fort: 'Wenn nun das im 
llekatompedon beßndliche Agalma nicht verschieden wäre 
von dem goldenen Agalma, so würden wir gezwungen sein 
anzunehmen, dass dieselbe Behörde für dasselbe Bild einmal 
den amtlichen und ein anderes Mal den nicht amtlichen Na- 
men gebraucht hätte'. Wie das aus den angeführten Inschrif- 
ten folgen soll, verstehe ich nicht; mir scheint aus denselben 
vielmehr das Gegenteil hervorzugehen. Denn wenn die Schatz- 
verwalter bei der Aufzählung der im Hekatompedos befind- 
lichen Gegenstände von einem Agalma schlechthin sprechen 
und wir auf anderem Wege bestimmen können, dass sie das 
goldene Bild des Phidias meinen, so folgt doch daraus, dass 
im Hekatompedos kein anderes Bild als eben jenes des Phidias 
gestanden hat. 

Den beiden Gegengründen Lolling's können wir also keine 
Beweiskraft zugestehen. Das im Hekatompedos befindliche 
Agalma ist thatsächlich mit dem Goldelfenbeinbilde des Phi- 
dias identisch ; der Neos Hekatompedos ist also die Cella des 
grossen Tempels und nicht der alte Tempel. 

8) Zu demselben Resultat führen uns auch die bestimmten 
Angaben der Schriftsteller, besonders der Lexikographen. Sie 
berichten übereinstimmend, dass der Parthenon auch Hekatom- 
pedos oder Hekatompedon genannt worden sei (vergl. Michae- 
lis, Parthenon, Anm. 68 u.i{(\. Paus, ilescr. arcis. Athenarum 
S. 13). Lolling nimmt an, dass alle diese Schriftsteller und 
ihre Gewährsmänner sich seirrt haben, während sie nach un- 
serer Ansicht im Wesentlichen Richtioes melden. Wie man 
den Namen Parthenon von der Hintercella später auf den gan- 
zen Tempel übertrug, so wurde auch der Name der Ostcella, 
Hekatompedos, später für den ganzen Tempel benutzt. 

Wenn z. B. Plutarch den Tempel des Perikles an verschie- 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 435 

denen Stellen Ilekatompedos Neos oder Hekatompedos nennt, 
so hält das LoUing für einen Irrtum, der dadurch einigermas- 
sen zu erklären sei, dass zur Zeil des Plutareh der alte Tem- 
pel nicht mehr bestanden habe. Er benutzt sogar diesen \er- 
meintlichen Irrtum des Plutareh, um einen termimis ante 
quem für das Verschwinden des alten Tempels zu gewinnen. 
Dass es aber unzulässig ist, den Plutareh hier eines Irrtums 
zu zeihen, ergiebt sich aus einer älteren Nachricht, aufweiche 
mich Wolters aufmerksam gemacht hat. Schon der Redner 
Lykurg hat den Tempel des Perikles Hekatompedon genannt, 
wie aus den im Bulletin de corr. Iiell. \ veröffentlichten pat- 
mischen AsHst? »xsO' iTTopiüv s. v. j/.aToty.TrE^ov hervorgeht ^ Die 
Stelle (a. a. O. S. 150) lautet: A'j/toOpyo; dv tw /taTÖ. Kr/pi'ro- 
SoTOu 'jxsp T(I)V A'/;|j,aSo'j ti[^.cöv' « FlspixV/i«; os ö ^ä.[j.ov /.xl EoSo'.av 
•/tai Al'ytvav iXcov, xat tx npoTroXatcc /cai t6 'ü'.beiov x.ai to 'E/.a- 
TOfATTsSov oTyCoSoaryTO.?, xal [X'jpia Ta.Aa.VTa äpYupiou S'!; t'/;v 'A/.po- 
7ro)>iv avEvey/.töv, ByXkoü GT$<py.v(i> sGTs^pavtoO'/) ». Also zu einer Zeit, 
als in den amtlichen Urkunden der Neos Ilekatompedos noch 
vorkommt, wird der Perikleische Tempel von dem Hedner 
Lykurg Hekatompedon genannt ! Dieser sicheren Thatsache 
gegenüber ist Lollings These ganz unhaltbar. Die neutrale 
Form des Namens passt dabei vorzüglich zu dem Umstände, 
dass Lykurg nicht mehr die Cella, sondern wieder den gan- 
zen Bau bezeichnen will. 

Eine besondere Erwähnung bedarf von den Nachrichten der 
Lexikographen noch die Angabe Hesychs, welche LoilingS. 637 
ausführlich bespricht: 'ExaTOfy-TüsSo?- vew«; Iv ttj ol-a^otzoIv. Tf^ Ilotp- 
Oevw x.aTOcay.S'ja'jOs'.; itizo 'A0r,v7,ia)v, p.st^cov toO S[7.7i:p7](70£VTOi; u— 6 twv 
UscnGii T.'jfjl TTsvTrr/.ovTa. Dass in dieser Nachricht der alte Tempel 
mit dem Parthenon verglichen wird, liegt auf der Hand ; nicht 
aber, dass in derselben der alte Tempel Hekatompedos genannt 
werde. Wie der Text jetzt abgefasst ist, lautet die Nachricht 
dahin, dass der Parthenon auch Hekatompedos hiess und dass 
er um 50 Fuss länger war als der von den Persern verbrannte 



< Vgl. I. Sakkelion, naTu.ta/.fj f.'fA<.o^y:^, S. 129. 

ATHEN. MITTUEir.UNOK») X'V. 30 



436 DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

Tempel, vvelcli letzterer mitbin nach llesycli nur elAva 50 
Fuss lang war. Verändert man dagegen den Text und rech- 
net, wie E. Petersen (Athen. Mitth. Xll. S. 67) vorgeschlagen 
hat, vsw? zum Lemma, so würde Ilesych sagen, dass es zwei 
Tempel auf der Burg gegeben habe, die beide den Namen He- 
katompedos geführt hätten, \on denen aber der neuere um 50 
Fuss länojer licwesen sei als der ältere. Welche dieser Auffas- 
sungen man auch annimmt, daran lässt sich nichts ändern, 
dass Ilesych den Parthenon Hekatompedos genannt hat. 

9) Ich glaubte in meinen früheren Aufsätzen über den alten 
Tempel bewiesen zu haben, dass der als Schatzhaus Athens 
dienende Opisthodom, welcher in den Inschriften und bei 
den alten Schriftstellern oft erwähnt ward, zu allen Zeiten nicht 
das Hinterhaus des grossen, sondern dasjenige des alten Tem- 
pels gewesen ist. Nachdem jetzt durch die neue, von Lolling 
veröiTentlichte Inschrift urkundlich erwiesen ist, dass der Opi- 
sthodom des alten Tempels im 6. Jahrhundert als Tamieion 
gedient hat, wird wohl kaum noch jemand daran zweifeln, 
dass er auch im 5. Jahrhundert bis zur Fertigstellung des 
Parthenon das Schatzhaus Athens blieb. Denn man darf doch 
nicht annehmen, dass die Athener während des vollen Men- 
schenalters von den Perserkrie^en l)is zur Vollenduno; des 
neuen Tempels ihr Schatzhaus, den verbrannten Opisthodom, 
nicht reparirt haben sollten. Fällt doch gerade in diese Zeit 
die Verleouns des Bundesschatzes von Delos nach Athen. 

Man hat aber bezweifelt, ob der Schatz auch nach der Vol- 
lendung des grossen Tempels in dem alten Opisthodom ge- 
blieben sei, und Lolling hat diese Frage jetzt sogar entschieden 
verneint. Er glaubt den Namen Parthenon der Ostcella des 
grossen Tempels zuschreiben zu dürfen un<i hat so für das 
Hinterhaus desselben den Namen Opisthodom zur Verfügung. 
Nach unseren obigen Darlegungen hiess aber die Gella des 
grossen Tempels Hekatompedos und sein Hinterhaus Parthe- 
non. Für den Namen Opisthodom bleibt also nur das Hin- 
terhaus des alten Tempels übrig. Die Beweise, welche ich 
früher dafür beigebracht habe, dass dieses Hinterhaus auch 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 437 

thatsiiclilicli Opistliodom liiess, ^vill icli liier niclit wiederho- 
len, man findet sie oben XII S. 36 fl". und 203 ff. Ich m(")chte 
nur ausdrücklieh betonen, dass ich den Inhalt der Inschrift 
C. LA I 32, in welcher nach meiner Annahme angeordnet 
wird, dass die Gelder der Athena in der rechten Schatzkam- 
mer des Opisthodoms, diejenigen der andern Götter aber in der 
linken aufbewahrt werden sollen, nach wie vor für ein durch- 
schlagendes Zeugniss der Richtigkeit meiner Ansicht halte. 
Dass man den Wert dieses Zeus-nisses verschieden beurteilen 
kann, verstehe ich; dass man aber sagen kann (S. 351 Anm. 
4), es gehe offenbar (äpiSr;'X(i)<;) aus dieser Inschrift hervor, 
dass die Gelder in der rechten und linken Hälfte desselben 
Raumes aulbewahrt werden sollen, verstehe ich nicht. 

Wer annimmt, dass die Athener den alten Tempel nicht 
nur nach den Perserkriegen wiederhergestellt, sondern ihn 
auch nach dem Brande vom Jahre 406 wieder reparirt haben', 
der muss auch den Fortbestand des Opistliodom zugeben, denn 
nichts berechtigt zu der Annahme, dass allein der Opistho- 
dom des alten Tempels im Jahre 438 abgebrochen worden sei. 
Überdies wird durch die Inschrift, welche aucli Lolling auf 
die Wiederherstellung des Tempels nach dem Brande von 406 
bezieht, bewiesen, dass die Reparatur sich auch auf den west- 
lichen, neben dem Pandroseion liegenden Teil, also gerade auf 
den Opisthodom erstreckt hat. 

10) Wann ist der alte Tempel zerstört worden? Lolling 
nimmt an, dass er im 4. Jahrhundert noch bestand, aber bald 
nachher abgebrochen wurde. Zur Zeit des Plutarch soll er 
nicht mehr existirt haben, 'weil sich dann der Irrtum dieses 
Schriftstellers (in Bezug auf den Namen llekatompedos) leich- 
ter erklärt'. Pausanias soll den Tempel keinenfalls mehr ge- 
sehen haben. Diese Annahme eines Abbruches des Tempels 
etwa im 3. Jahrhundert \or Chr. schwebt vollkommen in der 



' Vgl. jetzt ausser C. I. Ä. II 829 auch liull. de curr. hell. XII S. 158; zu 
der Bezeichnung 'AOrjva 'AOrjvöjv [j-eoeoü^t) vgl. Kirchner, Allica et Pelupon- 
nesiaca S. 24, 1. 68. 



438 DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 

Luft. Keine Nachricht berichtet von einer solchen Zerstörung, 
viehuehr sprechen mehrere Gründe entschieden dagegen. Es 
wäre verständhch gewesen, wenn der aUe Tempel nach Vol- 
lendung des grossen Tempels oder des Erechtheion abgebro- 
chen worden wäre. Da er aber nicht nur erhalten bleibt, son- 
dern sogar nach dem Brande von Jahre 406 wiederhergestellt 
wird, so werden gewiss religiöse oder praktische Gründe die 
Erhaltung des alten Baues verlangt haben. 'Zur Erhaltung 
des alten Tempels wirkte unzweifelhaft auch der religiöse 
Grund mit, aus welchem auch jetzt noch die Griechen die 
vollständige Aufgabe geweihter Orte und Sachen oder ihrer 
Umänderung zu nicht religiösem Gebrauche vermeiden', sagt 
Lolling selbst S. 655, um das Bestehen des Tempels im 5. 
und 4, Jahrhundert zu erklären. Gleichwohl stellt er die Hy- 
pothese auf, dass der ganze Tempel, trotz des darin befind- 
lichen Altars und Cultbildes, etwa im 3. Jahrhundert voll- 
kommen abgebrochen worden sei, ohne auch nur irgend einen 
Grund für ein solches Vorgehen der Athener anführen zu 
können. 

Meines Erachtens darf derjenige, welcher das Fortbestehen 
des Tempels bis zum Ende des 4. Jahrhunderts zugiebt, den 
Tempel nicht später ohne Weiteres verschwinden lassen, son- 
dern er ist verpflichtet zu untersuchen, ob nicht Pausanias 
bei seiner Beschreibung der Burg den Tempel erwähnt. Nun 
ist seit Urlichs wohl Jedermann überzeugt gewesen, dass Pau- 
sanias (1 24, 3), bevor er den Parthenon beschreibt, und kurz 
bevor er die ebenfalls ihrem Aufstellune;sort nach bekannte 
Statue der Ge erwähnt, von einem Tempel der Atliena und 
zwar der Ergane spricht. Und man glaubte sich berechtigt, 
auf dem Plane der Akropolis einen solchen Tempel, obwohl 
keinerlei Reste desselben gefunden waren, einzuzeichnen. Jetzt 
jedoch, w^o in der Nähe des Standortes der Ge wirklich ein 
Tempel gefunden ist, von welchem wir wissen, dass er nicht 
nur im 6, sondern auch im 5. und 4. Jahrhundert noch be- 
stand, und welcher der Athena Polias, die zugleich auch die 
Ergane war, geweiht war, leugnet man kurzweg, dass Pau- 



DER ALTE ATHENA - TEMPEL AUF DER AKROPOLIS 439 

sanias voa einem Tempel auf der IJurg redet und behauptet 
weiter, jener Tempel wäre inzwischen abj^ehrochen worden. Für 
mich ist es über jeden Zweifel erhaben, dass Pausanias den 
allen Tempel noch i^esehen hat, dass er ihn namentlich I 24, 3 
erwähnt, dass uns aber die weitere Beschreibung in der dort 
allgemein an(;rkannten Lücke verloren gegangen ist. 

Die Zerstiu'ung des alten Tem|)eLs wird erst erfolgt sein, 
als auch die übrigen zahlreichen Bauwerke auf der Buri>- ab- 
getragen worden sind. Dass der Tempel nicht im Altertum 
vollständii" abü;ebrochen, und seine Baustelle nicht zum Bezirk 
des Erechtheion hinzui-ezoi^en wurde, wird schon durch die 
bisher nicht genügend beachtete Thalsache bewiesen, dass 
nicht nur die Unterstufe des Tempels, sondern auch ein Stein 
des Stylobates sich noch jetzt an ihrer alten Stelle befinden, 
und mehrere Stylobatsteine nocli jetzt auf dem Tempel her- 
umliefen. Hat aber ein Teil des Stufen Unterbaues noch bis 
zum Mittelalter bestanden, so muss in römischer Zeit noch 
der ganze Stylobat des Tempels, mit Ausnahme natürlich des 
vom Erechtheion weggeschnittenen Teiles, über dem antiken 
Fussboden vorhanden gewesen sein. Der Tempel ist also in 
antiker Zeit nicht vollständii»' abgebrochen worden. 

Die von Lolling veröffentlichte Inschrift erweitert demnach 
unsere Renntniss des alten Athenatempels in erfreulicher Wei- 
se. Sie lehrt uns z. B., dass der ganze Bau im 6. Jahrhundert 
Hekatompedon hiess, dass sein Hinterhaus als Tamieion diente 
und dass dasselbe mehrere Kammern enthielt. Dass aber die 
Veränderuni>- in der Benennung der verschiedenen Athena- 
Tempel und ihrer einzelnen Teile, welche Lolling für das 5. 
und 4. Jahrhundert vorgeschlagen hat, undurchführbar ist, 
glaube ich erwiesen zu haben. 

WILHELM DÖRPFELD. 



MISCELLEN 
Note on vol. XV. p. 335. 

Mr. Kontoleon communicates, among other things more 
worthy of note, an imperfect copy of a marble from Kedreai. 
I made a fuller copy of it in 1889 ; it is unnecessary to repro- 
diice tlie uncials : tlie form of tlie sigma is Z. I read as follows 

'AptGTSiSav 'AptaxstSot 
ToG 'ApicTTsiSa 'ApiTTsio- 
a<; Y.aX ATip-oaTpocT'/i tÖ[v 
ulov, ©soSoTO? v.od Tpu- 
cpaava 'ApiTTsiSa tov a- 

öoTOu TOV Ta? ä.o£>.^a5 
uLov, Av)[;.ocrTpa.T7i MsT^av- 
ra tÖv Osiov. s'jvota? k'- 
v£y.a 0£oi(;. 

Near the above, among otlier marbles, is a dedication in 
honour of Vespasian 

YnE P 
AYT0KPAT0P02 
KAIZAPOZOYEZnAZIANOY 
ZEBASTOYOAAMOS 
OKEAPEATANTOYAYTÜN 
EYEPFETA 

E O I Z 

My copy of the ßrst two lines of an inscription published by 
MessrsDiehl and Cousin [Bullctin^^. 424. N° 2) isas follows: 



MISCELLEN 441 

0K0IN0NT0AI02K0YPIASTAN...A0TEI 
Er AZEXPY2EOI22:TE0ANOIZAY2I 

,eT[£t{/.]a.<j£ yp'j'Tsoii; ciTcipzvoi; öuci [-/.oni 

The form of pi in tlie artists Signatare is P. On tlie tomb- 
stone {iöid. p. 430. N" 7) 1 read: 

nANITn._0KPATEY2 



riaviTO) [AsJwx.piTe'j;. 



W. R. PATON. 



L i 1 1 e r a t u r. 



M. ö. XpTSOXOOS , 'H QiGr;ySko'ii-/.'ri [y,£TOC TCÖv TCEpoycöpwv. 

Karte im Verhältniss 1: 100 000. 

K. N. KaNEAAAIvH, Xtax.x OL^xktY.TCC, r,TO'. a'jXkoyr] rjOcov, iöt- 
p.cov, 7üapo'.;xt,(öv, ö'/][j.a)o(ov ä,(7[7.zT(i)v, aivtyy.zTCOv, ).£^iXoYio'j, liTTop'.- 
•/.wv y.al cLlloiv ^£ipoYpxo(i)v, yp'jco^O'jXXcov, n^rfWlcd^ j^Xt:. Athen. 
1890. 

Beigegeben ist dem Buche, dessen reichen Inhalt der Titel 
andeutet, eine aus dem Italienischen übersetzte, 1810, wie es 
scheint für C. Vidua, verfasste Beschreibung von Chios und 
ein Beitrag zur neueren Geschichte der Insel von R. Sguros. 

I. SakKEAIQN , Y[oi.T[J.i(X.Yjrj ßi€>^io67)y,r, r/xot ävaypacpr, töv ev tt) 
ßiS7aoOT;X,ri tti? /.octo. t'/iv vv^gov riäTj^.ov y£papa? /coci ßaT'.>.ix.'o; [j.ovvi; 
Tou (xyiou 'A7to(7t6)^ou /.al EüayyE'Xtcrxou 'Iwavvou tO'j ©£oX6yo'j t£- 
ÖTicaupiTasvwv y£tpoyp5i:cp(i)v T£'jycL)v. Athen 1890. 

A. MhataPAKII , r£(i)ypa'pta xoXiTtx/o v£oc y.xl y.pyxlon toö vo^aoo 
K£(pa)^);7iviac. K^ooiXk'rivl'x. 'lBxy.r,. "Ato/,o?. 'ApxoOSi. KaXa^-o?. 



442 MISCELLEN 

AöHNA , oüyypaf;-|j(.a. T^epioStxöv tt,? Iv 'AO-yiVÄt; sTtiaTrjaovr/.v;; 
i-raipsia? II, 3. 4 enthält u. a. S. 627 : H. G. LoUing. 'E/.a- 
TOfATceSov, c7uaSo);ai £'!<; t'/^v icrropiav Toiv ett'. xr,c, (X/.poxoXeo); vawv 
T"^; 'AOr;va.<;. Veröffentlichung . und Besprechung der Reste 
zweier, von der Akropolis stammender vorpersischen Inschrif- 
ten, die sich auf den RuUus heziehen und besonderes Interesse 
durch die Erwähnuno; des 'E/.aT6,u-cSov liahen. LoUino; erkennt 
dasselbe in dem alten Athenatempel \vieder und folgert, 
dass der Name des Hekatompedos aucli in nachperiklei scher 
Zeit demselben verblieben sei, die Zelle des perikleischen Tem- 
pels habe Parthenon, dessen Hinterraum ö-'.gHo^ou.oc geheissen. 
Vgl. oben S. 420. — S. 668: I. Kocp'.viwT-/); über seine Ausgra- 
bung des Artemisheiligtums auf dem Berg Lykone bei Argos ; 
vgl. AsXtiov 1888 S. 205. — S. 672: F. Ila^-aga^asiou, Inschrif- 
ten aus Chalkis. — S. 694: I. Ko9ivul)Tr,g, über das lernäische 
Thor von Argos. Relief des Zeus /.paTaiSaTw? (oben S. 233). 

Ebaomas, 1890 Nr. 40-46. — Nr. 44. Funde von Grab- 
steinen im Piräus. — Nr. 45. Desgleichen. — Nr. 46. Bei der 
neuen Markthalle in Athen ist eine Grabsäule mit der In- 
schrift: 'ApTsy.iSwpa Aiojvo; lls^yv.ij.rrn, gefunden. 

'Egtioc. 1890, I, Nr. 1-26. Darin u" a. S. 43: A. Mhaia- 
PAKHS, Fswypacp'./.ö. Trepispya (Entstehung des häufigen Namens 
Aac7/taX£t6, s. oben S. 342). — S. 65: T. N. Nepottsos, '0 Aewv 
ToO risipaiöx;. — S. 75: A. Mhaiapakhs , Fe(i)ypa<pi>cx 7:epiEpyix 
(Der Demos hr,G% wird bei 'Ava€r,co? angesetzt). — S. 191: 
Fund des grossen Gefässes mit Herakles und Netos (Asatiov 
1890 S. 5). — S. 231: N. I. KexaFIAS, BuCavTiv/} i-typacp-)) 
ÖcTcocAovur,? (Inschrift über den Mauerbau unter Leo dem 
Weisen und Alexandros). — S. 305: 2::ii. Aamopos, 'II c;'j(;.€a- 
cCkiia. AeovTo? xsci AXe^avSpou (bespricht die gemeinsame Re- 
trierunit der beiden Kaiser aus Anlass der vorher angeführten 
Inschrift aus Salonik). 

Beiblatt. Nr. 2. Aullindung eines Grabes in Kyme (Länge 
2'" Breite 0,70'"j; dasselbe besteht aus Ziegeln und enthielt 
zwei Lekythen. — Nr. 11. Fund von Sarkophagen bei Volo 
(s. oben S. 342). — Nr. 10 Ausgrabungen in Megalopolis. — 



MISCELLEN 443 

Nr. 18. 19. Fund von Grabsteinen nördlich vomPiräus (:=oben 
S. 342, 17).— Nr. 19. Funde bei Olympia, Chalkis, Kara- 
tzoli (Thessalien), — Nr. 21. Ausgrabungen in Megalopolis. 

— In Limboni bei Paramythia ist eine lateinische Inschrift 
gefunden, auf Grund derer Herr D. Panajotidis den Bischof- 
sitz Photike in dieser Gegend ansetzt. — In 11. Georgios bei 
Aulon (Euböa) sind mehrere Gräber mit Gefiissen und Ter- 
rakotten gefunden; die Funde hat das dortige Dimarchion 
übernommen. Nr. 24. 25. Mimzfund in Gardiki (Messenien). 

— Nr. 20. In Samos (Glyphada) ist eine Statue gefunden, die 
zu den archaischen Apollofiguren gehören soll. Auf dem lin- 
ken Schenkel befinde sich die Inschrift Aeos^lo«; ävsOriXsv tö 
'AtvoXXwvi. 

1890, II. Nr. 27-46. S. 32: Abbildung eines bärtigen Kop- 
fes (Dionysos), der in Griechenland gefunden und nach Paris 
verkauft ist. — S. 49.ff. : K. F. K. Msxa^u 'OXu[y.xou »tai "0<7G7i? 
(Reiseerinnerungen aus Thessalien). — S. 221 ff. : H. Tsitse- 
AHS, "EÖt[;.oc svKe^paXXrjVix. — S. 225ft'.: A. Kapkabitsas , Kpoc- 
€apa (Reiseerinnerungen aus der Gegend von Naupaktos). 

Beiblatt. Nr. 27. In Smyrna ist beim Konak ein Mosaikbo- 
den und zwei Statuen sowie Säulen entdeckt. — In Pontohe- 
rakleia ist u. a. die Bronzestatue eines Mädchens gefunden, 
welche nach Ronstantinopel gebracht wird. — Nr. 30. In Sa- 
mos (Pündes) ist ein 2'° langer Sarkophag mit fein ausgear- 
beiteten Säulen und wohl erhaltenem Deckel gefunden und in's 
Museum geschafft worden. — Nr. 31. K. Mylonas über seine 
Ausgrabungen bei der II. Triada. — Nr. 33. Bruchstück eines 
Grabsteins im Piräus mit der Inschrift: A7iiXoj(_6(; [xe iTe'jtvoxrs, 
$iXoup.sv7i E^av£^r;ve, @^i'\/z npojc6vvY]co<; TOuvo(;-a MyiTpöSioi;, und 
andere Grabmäler. — Nr. 36. Im Demos Krannon (Thessa- 
lien) sind viele Silbermünzen gefunden. — Nr. 41. N. F. Ilo- 
AITHS, Zeug AüavTvip. In Thorikos ist die Inschrift HO POS 
lEPOYAlOZAYANTHPOZ gefunden d. h. öpo; ispoQ Ai6; 
AOavT-öpo?; der neue Name wird erläutert. — Nr. 42. Ausgra- 
bungen in Rhamnus. — Nr. 44. OiSittou toc^o;. Wiederlegung 
des Einfalles des D. Andonakopulos, der das Grab des üdipus 

ATHEN. MITTHEILUNOEN XV- 31 



444 MlSCELLEN 

nach 'Thörikos verlegen will, durch P. Kastromenos und N. 
Politis. — Nr. 45. 46. Im Piräus sind bei dem Bau der Laris- 
sabahn viele, aber ärmliche Gräber sowie zahlreiche Grabsteine 
gefunden. 



Funde. 



Athen. Die Ausgrabungen an der r 13 mischen Agora, 
über welche oben S. 344 berichtet wurde, sind ununterbro- 
chen weitergeführt worden. Man hat den modernen Weg, web 
eher zwischen der Ausgrabungsstätte und dem Turm der 
Winde lag, jetzt ganz abgegraben. Nur die Stützmauer die- 
ses Weoes trennt noch die beiden Bauwerke. Das im vori- 
gen Bericht erwähnte Propyläon, das östliche Eingangsthor 
der Agora, ist vollkommen freigelegt, nachdem auch östlich 
von den drei Thoren vier mächtige Säulen gefunden sind, de- 
ren Basen und unterste Trommeln noch an ihren alten Stellen 
stehen. Zwischen diese Säulen sind in spätrömischer Zeit 
mehrere Stufen eingebaut worden, auf welchen man zu dem 
südlich vom Windeturm gelegenen Gebäude hinaufsteigen 
konnte. 

Bekanntlich ist von der alten griechischen Agora, an 
welcher die Königshalle, das Buleuterion, das Metroon, der 
Tempel des Apollo Patroos und andere wichtige Gebäude 
standen, bisher noch kein einziges Bauwerk gefunden worden. 
Man weiss daher noch nicht einmal genau, an welcher Stelle 
der modernen Stadt der alte Markt gelegen hat. Diese Unge- 
wissheit ist auch der Grund dafür, dass bisher noch keine 
grösseren Grabungen zur Aufiindung desselben gemacht wor- 
den sind. Es ist jetzt Aussicht vorhanden, dass diese, man 
darf wohl sagen wichtigste Frage der athenischen Topogra- 
phie definitiv gelöst wird. 

Die Eisenbahn, welche Athen mit dem Piräus verbindet 
und jetzt bei dem Bahnhofe nördlich vom Theseion endigt, 



MISCELLEN 445 

soll quer durch die Sladl bis zum Eintrachts- Plalz weiterge- 
führt werden. In einem offenen Einschnitt, dessen Sohle tief 
unter dem jetzigen FJodcn liegt, wird sie vom alten Bahnhof 
zum Nordende der Attalos -Stoa und zum Kloster der Pana^ia 
und weiter in einem Tunnel unter der Athena- Strasse bis zum 
Dimarchion führen. Die in der Linie der Eisenbahn stehenden 
modernen Häuser sind schon abgebrochen, mit der Ausschach- 
tung soll jetzt begonnen werden. 

Da hierbei der zwischen dem Theseion und der Attalos - 
Stoa liegende Stadtteil etwa 4'" tief durchschnitten wird, so 
darf man auf zahlreiche Funde von antiken Bauwerken und 
anderen Altertümern rechnen. Auch die antike Strasse, welche 
Yom Dipylon zum alten Markte führte und auf beiden Seiten 
mit Säulenhallen eingefasst war, muss von dem Eisenbahn- 
graben geschnitten werden. Wenn nun von dieser Strasse 
noch etwas erhalten ist, so wird es in dem Graben zu Tage 
treten. Aus der Lage und Richtung der Strasse wird man 
dann mit Sicherheit auf die Lao;e des alten Marktes schliessen 
dürfen. Es ist nicht unmöglich, dass die Eisenbahn sogar 
selbst schon den nördlichsten Teil des Marktes schneidet. Ist 
aber einmal ein Teil des alten Marktes oder auch nur der 
Hauptweg zu ihm gefunden, so wird auch die Freilegung die- 
ses wichtigsten Teiles der alten Stadt nicht mehr lange auf 
sich warten lassen. [W. D.] 



Dezember 1890. 



Athen.— Druck von GKBUUEDER PERRIS . — UniversiJaels- Strasse, 51. 



VERZEICHNISS 
DER J^I IT GLIEDER 

DES 

KAISERLICH DEUTSCHEN 
ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS 



1890 



CENTRALDIREKTION 



I 



ORDENTLICHE MITGLIEDER 



Herr A. Conze, General-Sekretär 

„ E. Curtius 

„ 0. Hirschfeld 

„ R. Kekule 

„ H. Kiepert 

„ A. Kirclilioff 

„ F. Krüger 

„ R. Schöne 

„ H. von Brunn in München. 

„ A. Michaelis in Strassbiirg ijE. 

„ J. verbeck in Leipzig. 



in Berlin. 



II 
EHREN-MITGLIEDER 



Herr G. Fiorelli, Ro77i. 
„ A. F. Guerra y Orbe, Madrid. 
, C. Leemans, Leiden. 



Herr G. Minervini, Neapel. 
„ C. Newton, London. 
„ G. B. de Rossi, Rom. 



SEKRETARIAT 



IN ROM 

Herr E. Petersen, erster Sekretär. 
„ Ch. Hülsen, zweiter Sekretär. 



IN ATHEN 

Herr W. Dörpfeld, erster Sekretär. 
„ P. Wolters, zweiter Sekretär. 



MITGLIEDER DES INSTITUTS 



EHREN-MITGLIEDER 

Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Rainer, Wien. 
Seine Durchlaucht der regierende Fürst Johann von und zu Liechtenstein, Wien. 
Herr G. d'Agostino, Campolattaro. 

„ Colucci Pascha, Rom. 

„ F. S. Cremonese, Agnone. 

„ March. Durazzo, Genua. 

„ R. von Keudell, Berlin. 

„ F. Krüger, Berlin. 
Donna Ersilia Caetani, contessa Lovatelli, Rom. 
Herr Graf H. von Moltke, Berlin. 

„ Freiherr M. von Morpurgo, Triest. 

„ Baron F. von Platner, Rom. 

„ J. von Radowitz, Constantinopel. 



II 



ORDENTLICHE MITGLIEDER 



Herr F. Adler, Berlin. 

„ A. AUmer, Lyon. 

„ conte A. Antonelli, Terracina. 

„ F. Barnabei, Rom. 

„ barone G. Baracco, Rom.. 

„ A. de Barthelemy, Paris. 

„ 0. Benndorf, Wien. 

„ J. Blackie, Edinburgh. 

„ E. Le Blaut, Paris. 



Herr H. Blümner, Zürich. 

„ R. Bohn, Nienburg. 

„ E. Bormann, Wie7i. 

„ R. Borrmann, Berlin. 

„ P. Bortolotti, Modena. 

„ M. Botkin, St. Petersburg. 

„ E. Brizio, Bologna. 

„ H. Brugsch, Charlottenburg. 

H. von Brunn, München. 



— 5 — 



Herr F. Buecheler, Bon7i. 
F. Bulic, Sjjalafo. 
R. Cagnat, Paris. 

F. Calvert, l)ardaneUen. 
A. Castellani, Ro7n. 
S. Cavallari, Sijrakus. 
M. Chabouillct, 7^am. 
marcli. B. Cliigi, Süma. 
S. Colvin, London. 
A. Conze, Berlin. 
E. Ciirtius, Berlin. 

G. Dennis, London. 
H. Dessau, Berlin. 
C. Dilthey, Göttingen. 
W. Dittenberger, i/aZ/ö a. Ä. 
W. Dörpfeld, Athen. 
A. von Domaszewski, Heidelberg 
0. Donner-von Ricliter, Frank- 
furt a. Main. 
St. Dragumis. Atlmi. 
H. Dresse], Berlin. 
F. von Dulin, Heidelberg. 
N. Dumba, PF^/V/z. 

F. Dümmler, Basel. 

G. Ebers, Münclien. 
R. Engelmann, Berlin. 

E. Fabricius, Freiburg i. B. 
G. Fiorelli, i?o?«. 
A. Flasch, Erlangen. 
P. W. Forchhammer, Ä^VZ. 
R. Förster, Breslau. 
P. Foucart, Athen. 
A. W. Franks, London. 
M. Fränkel, Berlin. 
L. Friedlaender, Königsberg i.Pr. 
W. Fröhner, Paris. 
A. Furtwängler, Berlin. 
R. Gaedechens, Jena. 

F. Gamurrini, i7onfe /S. Savino. 
E. Gardner, Athen. 



Herr P. Gardner, Oxford. 
„ G. Gatti, /2ow. 
„ G. Ghirardini, 7-*^■sa. 
„ M. Glavinic, Zara. 
„ W. W. Goodwin, Cambridge. 
„ U. Grimm, Berlin. 

„ A. F. Giierra y Orbe, Madrid. 

„ W. Gurlitt, (?,■«-. 

„ W. Hartel, W^t^;^. 

„ W. Heibig, Born. 

„ Th. von Heldreich, Athen. 

„ F. Hettner, Trier. 

„ L. Heuzey, Paris. 

„ G. Hirschfeld, Königsberg i. Pr. 

„ 0. Hirschfeld, Berlin. 

„ A. Holm, Neapel. 

„ A. Holwerda, Leiden. 

„ Th. Homolle, Paris. 

„ E. Hübner, Berlin. 
•„ Ch. Hülsen, Rom. 

„ C. Humann, Smgnia. 

„ G. Jatta, Ruvo. 

„ F. Imhoof-Blumer, Winterthur. 

„ A. Kaupert, Berlin. 

„ P. Kavvadias, Athen. 

„ R. Kekule, Berlin. 

„ F. Kenner, W?m. 

„ H. Kiepert, Berlin. 

„ G. Kieseritzky, St. Petersburg. 

„ A. Kirchhoff, Berlin. 

„ W. Klein, Prag. 

„ U. Köhler, Berlin. 

„ F. Koepp, Berlin. 

„ G. Körte, Rostock. 

„ R. Koldewey, Hamburg. 

„ A. Kondostavlos, Athen. 

„ St. Kumanudis, Athen. 

„ Sp. Lambros, Athen. 

„ R. A. Lanciani, i2om. 

„ Graf C. Lanckoronski, Wien. 



— 6 — 



Herr B. Latyschew, Kasan. 

„ A. H. Layard, London. 

„ C. Leemans, Leiden. 

„ L. Lindeiischmit, Mainz. 

„ G. Loeschcke, Bonn. 

„ E. Loewy, Rom. 

„ H. G. Lolling, Athen. 

„ 0. Lüders, Athen. 

„ Giac, Liimbroso, Rom. 

,, G. Maspero, Paris. 

„ A. Mau, Rom. 

„ A. Michaelis, Strasshurg i. E. 

„ L. A. Milani, Florenz. 

„ A. Milclihöfer, Mimster. 

„ G. Minervini, Neapel. 

„ A. Momnisen, Hamburg. 

„ Th. Mommsen, Berlin. 

„ J. H. Mordtmann, Salonicki. 

„ R. Mowat, Paris. 

„ L, Müller, Kopenhagen. 

„ E. Müntz, Paris. 

„ A. S. Murray, Loridon. 

„ K. Mylonas, Athen. 

„ P. Narducci, i?owi. 

„ C. Negri, Turin. 

„ C. Newton, London. 

„ G. Niemann, Wien. 

„ H. Nissen, Bonn. 

„ Ch . E . Norton , Cambridge (Mass.) 

„ J. Oppert, Paris. 

„ P. Orsi, Syrakus. 

„ J. Overbeck, Leipzig. 

„ J. Pandasidis, Athen. 

„ A. Pellegrini, i?om- 

„ G. Perrot, Paris. 

„ P, Pervanoglu, Triest. 

„ E. Petersen, 7?owi. 
„ G. de Petra, Neapel. 
„ D. PhiUos, Eleusis. 
„ S, Phindiklis, Athen. 



Herr L. Pigorini, /?07/i. 

R. St. Poole, London. 
A. Postolakas, Athen. 
A. Pracliov, j^ieiv. 
0. Puchsteiii, Berlin. 

F. von Pulszky, P^s^. 
"W. M. Ramsay, Aberdeen. 
A. Rangavis, Athen. 
E. Renan, Paris. 
A. Russopulos, Athen. 
0. Richter, Berlin, 

C. Robert, i/a/Ze a. /S. 
H. von Rohden, Hagenau. 
J. Romanos, Korfu. 
P. Rosa, i?om. 

G. B. de Rossi, i?ow. 
M. St. de Rossi, Rom. 

E. de Ruggiero, Rom. 
M. Ruggiero, Neapel. 
A. Salinas, Palermo. 
A. von Sallet, Berlin. 
G. Scharf, Londo?i. 
H. Schliemann, Athen. 
J. Schmidt, Giessen. 
L. Schmidt, Marburg. 
R. von Schneider, VF^V^i. 
R. Scholl, München. 
R. Schöne, Berlin. 
Th. Schreiber, Leipzig. 
J, Schubring, Lübeck. 
K. Schuchhardt, Ilarinover. 

D. Semitelos, Athen. 
J. P. Six, Amsterdam. 
A. Sogliano, Neapel. 
H. Stevenson, i?ow. 

F. Studniczka, Freiburg i. B. 
A. Trendelenburg, Berlin. 

G. Treu, Dresden. 
H. Usener, Bonn. 
L. Ussing, KopenhageJi. 



— 7 — 



Herr i\. Ileron do N'illcfossc, Paris. 

„ V. L. Visconti, RoDi. 

„ CJraf M. de Vogiie, Paris. 

„ C. Waclismuth, Leipzig. 

,, W. H. Waddington, London. 

„ E. Wagner, Karlsruhe. 

„ Ch. Waldstein, ('an/ltridge. 

„ R. Weil, Berli?i. 

„ C. Wescher, Paris. 

„ F. Wieseler, Göttingen. 



Herr A. Wilniaiiiis. Hfrliii. 
„ F. Winter, lierlin 
„ P. Wolters, Athen. 
„ Zacliariae von Fiingentlial, Gross- 

Kmelden bei Orfnoul, Provinz 

Sachsen. 
„ C. Zangemeister, Heidelberg. 
„ Graf K. Zichy von Vasonykeö, 

Wien. 
„ J. Zobel de Zangroniz, Manila. 



III 



CORRESPONDIRENDE MITGLIEDER 



1 


. Belgien. 


Deutz: 


Herr F. Wolf. 


Brüssel: 


Herr J. 


Vollgraff. 


Dresde?i : 


„ F. Hultsch. 


Geilt: 


5) 


A. 


Wagener. 




„ L. Otto. 


Lüttich: 


55 


H. 


Schuermans. 


Düsseldorf: 


„ C. Woermann. 
„ J. Schneider. 


2. 


Dänemark. 


Frankfurt a 


M.,, A. Hammeran. 


Kopenhagen : 


Herr C. 


Hansen. 


Gehiveiler: 


„ J. Schlumberger. 




55 


S. 


Müller. 


Gi essen: 
Glückstadt: 


„ A. Philippi. 
„ D. Detlefsen. 


3. 


Deutschland. 


Gotha : 


„ C. Purgold. 


Berlin: 


Herr G. 


von Alten. 


Göttiiigen: 


„ G. Lange. 




55 


c. 


Bardt. 




„ W. Meyer. 




55 


J. 


Boehlau. 




„ U. V. Wilamowitz 




55 


B. 


Graef. 




Moellendorff. 




55 


A. 


Kalkmann. 


Greif sioald : 


„ E. Maass. 




55 


F. 


von Luschan. 




„ F. Marx. 




55 


N. 


Müller. 




„ A. Preuner. 




55 


L. 


Stern. 


Halle a. S: 


„ J. Ficker. 




55 


H. 


Winnefeld. 




„ 0. Frick. 




55 


A. 


Wolff. 




„ H. Keil. 


Bonn: 


55 


C. 


Justi. 


Hannover : 


„ von Werlhoff. 


Braimschweig 


• 55 


P. 


J. Meier. 


Jena : 


„ H. Geizer. 


Breslau : 


55 


M. 


Hertz. 


Karlsruhe: 


„ 11. Luckenbacb, 




55 


A. 


Rossbach. 




„ W. Lübke. 



8 — 



Kiel: 


Herr 0. Rossbach. 




Herr L. Duchesne. 


Königsberg i.P 


55 


A. Schöne. 




55 


E. Guillaume. 


Leipzig : 


5) 


E. Kroker, 




55 


B. Ilaussoullier. 




55 


A. Schneider. 




55 


Morey. 




55 


M. Zurstrassen. 




55 


E. Pottier. 


Ludwigsburg : 


51 


J. Merz. 




55 


F.Ravaisson-MoUien 


Lübeck: 


55 


C. Curtius. 




55 


S. Reinach. 


Mainz : 


55 


J. Keller. 




55 


Graf Tyszkiewicz. 




55 


F. Schneider. 


Agen : 


55 


I. F. Blade. 


Marburg: 


55 


W. Judeich. 


Arles: 


55 


H. Clair. 




53 


L. von Sybel. 




55 


Desplaces de Mar- 




55 


G. Wissowa. 






tigny. 


München : 


55 


B. Arnold. 


Consta7itine : 


55 


A. Poulle. 




55 


W. von Christ. 


Embrun 








55 


F. von R^ber. 


(Hautes Alpes) „ 


J. Roman. 




55 


F. von Thiersch. 


St. Germain 


55 


Cl. Rossignol. 


Naumburga.S. 


• 55 


II. Röhl. 


Herment (Puy 




Oldenburg: 


55 


H. Stein. 


de Dome) : 


55 


A. Tardieu. 


Potsdam : 


55 


R. Schillbach. 


Moulins : 


55 


A. Bertrand. 




55 


L. Wiese. 


Nancy : 


55 


P. Decharme. 


Rostock : 


55 


E. Schwartz. 


Narbonne: 


55 


L. Berthomieu. 


Schwerin: 


55 


F. Schlie. 


Nizza : 


55 


F. Brun. 


Speyer : 


55 


F. Ohlenschlager. 




55 


M. A. Carlone. 


Strassburgi.E 


55 
55 
55 


•J, Dümichen. 
G. Kaibel. 
A. Kiessling. 


Poitiers : 


55 


C, de la Croix. 


Stuttgart: 


55 
55 


P. Hartwig. 
E. Paulus. 


5. 


Griechenland. 


Tübingen : 


W 


E. Herzog. 


Athen : 


Herr A. Brückner. 




55 


L. Schwabe. 




55 


M. Deffner, 


Werdau : 


55 


E. Eichler. 




55 


M. Dimitsas. 


Wertheim: 


55 


F. Baumgarten. 




55 


PL Gillieron. 


Wiesbaden: 


55 


F. von Cohausen. 




55 
55 


K. Kai-apanos. 
G. Kawerau. 


4. 


Frankreich. 




55 
55 


D. Kokidis. 
Jph. Kokidis. 


Paris: 


Herr E. Babelon. 




55 


A. Kumanudis. 




55 


de Bacq. 




55 


J. A. Londos. 




55 
55 


Carpentin. 
H. Daumet. 




55 
51 


A. Nikitsky. 
V. Stai's. 



— 9 — 





Her 


• Ch. Tsiiiidas. 




n 


K. Zillcr. 


Chalkis : 


V 


A. Matsas. 


Olymiriu : 


V 


V. Leonardos. 


Fi raus: 


ij 


J. Dragatsis. 


Si/ra : 


V 


J. Clialzidakis. 




15 


P. Serlendis. 




55 


A. Vlastos. 


Tripoli.s: 


55 


N. Stephanopulo,'' 


Volo: 


55 


N. Georgiadis. 



6. Grossbritanien. 

London: Herr J. Tliacher Clarke. 

1. Evans. 

ß. V. Head. 

W. Watkiss Lloyd. 

P. Le Page Renouf, 

F. C. Penrose. 

H. Rawlinson. 

L. Schmitz. 

C. Smith. 

C, Roach Smith. 
Cambridge: „ R. C. Jebb. 

S. S. Lewis. 

J. Clayton. 

Fr. V. I. Arundell. 



Chesters : 
Landulph : 
Lawford (bei 

Mannington 

Essex) : 
Manchester : 

Neii'castle- 
upon-Tyne: 



Salisbury : 
ßoutli-Sliields : 
Stanmore Hill: 



F. M. Nichols. 
T. P. Lee. 
E. L. Hicks. 

J. Collingwood- 

Bruce. 

T. Hodgkin. 

J. Wordsworth. 

R. Blair. 

C. D. E. Fortnum. 



Swa'HrScoiube:\\Qw G. C. Renoiiard, 
Wrington Rec- 

tory, Weih: „ II. M. Scarlli. 
York: „ J. Raine. 



7. Italien. 

Ro)n: Herr R. Anibrosi. 

„• G. Bartoli-A vvcdiiü. 

„ conte A. Bouillon di 
Monale. 

„ L. Borsari. 

„ Cerruti. 

„ C. Descemet. 

„ J. Falchi. 

„ D. Farabulini. 

„ P. des Oranges. 

„ A. Guglielmotti. 

„ F. Halbherr. 

„ G. Lignana. 

„ F. Martinetti. 

„ van Marter. 

„ 0. Marucchi. 

„ L. Nardoni. 

„ E. Piccolomini. 

„ S. Pieralisi. 

„ C. Simelli 

„ P. Stettiner. 

„ C. Stornaiuolo 

„ G. Tomassetti 

„ C. Tommasi-Crndeli. 

-, F. Tongiorgi. 

„ P. di Tucci. 

„ V. de Vit. 

„ N. Wendt. 

Alatri: „ de Persiis._ 

Albissola- 

superiore: „ St. Grosso. 



— 10 



Allumiere Cbei 








Cividale: II en 


De 


Orlandis. 


Civit(ivecchia): 


Her 


r barone A. Klitsche 


Civitacastel- 












de 


la Grange. 


lana : 


55 


St 


Fedeli. 


Amalß: 


r> 


M. 


Camera. 


Collclongo : 


55 


c. 


Mancini. 


Anagni: 


?? 


E. 


Martinelli. 


i 07710 : 


55 


c. 


Vignati. 


Ancona : 


n 


C. 


Ciavarini. 


Crc7no7ia: 


55 


st 


Bissolati. 


Appignano 










55 


F. 


Robolotti. 


(bei Muceruta): 


55 


conte E. Tambroni- 


Curti: 


55 


s. 


Pascale. 






Armaroli. 


Eboli: 


55 


G. 


Augelluzzi. 


Aquila: 


55 


G. 


Eicci. 


Este: 


55 


Gasparini. 


Arce: 

Arezzo: 


55 
7) 


F. 
A. 


Grossi. 
Fabbroni. 




55 

55 


G 
A. 


Pietrogrande. 
Prosdocimi. 


Ascoli Piceno : 


55 


G. 


Gabrielli. 


Fermo : 


55 


march. F. Raffaelli. 




55 


G. 


Paci. 


Florenz: 


55 


0. 


Bonci-Casuccini. 


Ascoli Sa- 










55 


D. 


Comparetti. 


triano : 


55 


P. 


Conte. 




55 


F. 


Corazzini. 


Bagnacavallo . 


55 


Balduzzi. 




55 


N. 


Ferri. 


Bari: 


55 


A. 


Loehrl. 




55 


A. 


Gennarelli. 




V 


G. 


Milella. 




55 


march. C. Strozzi. 


Benevento: 


55 


A. 


Mancini. 


Fondi: 


55 


G. 


Sotis. 




53 


S. 


Sorda. 


Fonta7iarosa : 


55 


P. 


Bianchi. 




55 


V. 


Colle de Vita. 


Forli: 


55 


G. 


Mazzatinti. 


Bergamo: 


55 


G. 


Mantovani. 




55 


A. 


Santarelli. 


Bettona : 


55 


Bianconi. 


Formia : 


55 


A. 


Rubini, 


Bojano: 


55 


B. 


Chiovitti. 


Fosso7nbro7ie: 


55 


A. 


Vernarecci. 


Bologna : 


55 


L. 


Frati. 


Gallipoli : 


55 


E. 


Barba. 




55 


A. 


Zannoni. 


Ge7iua: 


55 


V. 


Poggi. 


Brescia : 


55 


P. 


da Ponte. 




55 


A. 


Sanguineti. 


Bucino : 


55 


P. 


Bosco. 


Ge7izano : 


55 


F. 


Jacobini. 


Cagliari: 


55 


V. 


Crespi. 


Gesualdo : 


55 


F. 


Catone. 


Caiazzo : 
Caltanisetta: 
Capua: 
Cassino: 
Catania : 


55 
55 
55 
55 
55 
55 


F. 

G. 
L. 
G. 
F. 
C. 


Nissardi. 

Faraone. 

Mauceri. 

Jannelli. 

Ponari. 

Sciuto-Patti. 


S. Giocaimi 

hicarico: „ 
Girge7iti : „ 
ß. Giuliano del 
Sannio : „ 


D. 
G. 

P. 


Santoro, 
Picone. 

d'Abbate. 


Catanzaro: 


55 


Grimaldi. 


Gorza7io, Ma- 








Chiusi: 


55 


G. 


Brogi. 


ranello : 


55 


F. 


Coppi. 




55 


P. 


Bonci-Casuccini. 


Grosseto : 


55 


A. 


Barbini. 




55 


Nardi-Dei. 


Isola del Liri: 


55 


G. 


Nicolucci. 



11 — 



Lecce (Cabal- 






Orvieto : 1 


crr 


conte A. Cozza. 


linoj : l 


crr 


duca S. Castro- 




V) 


conte E. Faina. 






mediano. 




55 


F. Lazzarini. 


Macer ata: 


n 


conte A. Silvcri- 




55 


R. Maiicini. 






Gentiloni. 


O.simo : 


55 


G. Cccconi. 


Macer ata 






Padua : 




F. Cordenons. 


Feltria : 


5? 


march. G. Antiuii- 
Clari. 


Palazzuolo : 


55 


E. Ferrai. 

G. Italia Is'icastro, 


Mantua : 




A. Portioli. 




55 






?5 




Palestrina : 




V. Cicerchia. 


S. Marcellino: 




L. de Paola. 




55 




Marsala : 


5? 


S. Struppo. 


Palma: 
Parma : 


55 


Lombardi. 
(i. Mariotti. 


Marsiconuovo: 




E. Rossi. 




55 




Marzahotto: 


?1 


conte Aria. 


Pavia: 


55 


G. Canna. 


Mailand: 


?? 


A. Ancona. 


Penne: 


55 


Felzani. 






A. Brambilla. 


Perugia : 


55 


G. Bellucci. 






Seveso. 




55 


G. Calderoni. 


Mileto: 




A. de Lorenzo. 




55 


L. Carattoli. 


Mirabella 








55 


A, Lupatelli. 


Eclano: 




V. Ferri. 




55 


A. Rossi. 


Modena: 


?) 


A. Crespellani. 




55 


conte G. B. Rossi- 


Monteleone 










Scotti. 


(Calahria) : 


5? 


march. Sitizzano. 


Pesaro : 


55 


march. C. Antaldi. 


Montenero cli 






Pescolamazza 






Bisaccia : 


?5 


G. Caraba. 


(hei BeneventoJ 


• 55 


G. D. Orlando. 


Monteroduni 






Piansano: 


55 


G. Bracchctti. 


bei Isernia: 


55 


F. Scioli. 


Piedimonte 






Monte S. Giu- 






d^Alife: 


55 


G. Egg. 


liano: 


55 


G. Castronovo. 




J5 


M. Visco. 


Muro : 


55 


L. Maggiulli. 


Pisa : 




E. Pais. 


Neapel: 


55 


A. Bourguignon. 


Portici : 


55 


F. Salvatore Dino. 




55 


principe F. Colonna- 
Stigliano. 


Portogruaro: 


55 
55 


D. Bertolini. 






Ravenna : 




S. Biismanti. 






barone P. Mattei. 




55 






55 


R. Smith. 


Recanati: 


55 


conte A. Mazzagalli 




55 
55 


M. Spinelli, princ. 


Reggio (Cala- 










di Scalea. 


bria) : 


55 


G. Caminiti. 


Narni: 


55 


march. G. Eroli. 




55 


D. Vitrioli. 


Nidastore: 


55 


A. Monti. 


Salerno: 


55 


G. Pecori. 


Nocera Umbra 


' 55 


R. Carnevali. 


S. Costantino 






Oneglia : 


55 


D. Pareto. 


Calabro: 


55 


R.Lombardo-Comit( 



12 — 



S. Rocco di Ca 


- 






Ventimiglia: 


Her 


r G. 


Rossi. 


podimonte 








Viterho: 


55 


G. 


Bazzichelli. 


(Neapel) : ] 


Herr D. 


de Guido baldi. 




55 


B. 


Falcioni. 


S. Salvatore 








Volterra : 


55 


Maffei. 


bei Telese: 


n 


Pacelli. 










Sangiorgio a 
















Liri: 


» 


G. 


Liicciola. 


8. 


Niederlande. 


Sanseverino 
















MarcJie: 




conte S. Servanzi- 


Haag: 


Herr J. 


Rutgers. 






Collio. 


Amsterdam: 


55 


J. 


Six. 


Sarzana: 


55 


marcli. A. llemedi. 


Groningen: 


55 


U. 


Boissevain. 


Sepino: 


55 


G. 


Mucci. 










Sestino: 




L. 


Rivi. 










Sezze : 


55 
55 


F. 


Lombardini. 


9. Oesterreich-TJngarn. 




55 


G. 


Porri. 


Wien: 


Heri 


A. 


Hauser. 


Siena : 


55 


F. 


Donati. 




55 


W 


. Kubitschek 




55 


L. 


Zdekauer. 




55 


C. 


von Liitzow 


Spoleto : 


55 


G. 


Sordini. 




55 


E. 


Reinisch. 


Squillace: 


55 


S. 


Chillä. 




55 


J. 


Strzygowski 


Sulmona: 


55 


A. 


de Nino. 




55 


E. 


Szanto. 


Sgrahis: 


55 


S. 


Politi. 




55 


F. 


Zamboni. 


Tarent: 


55 


L. 


Viola. 


Agram : 


55 


S. 


Ljubic. 


Teramo : 


55 


R. 


Cavarochi. 




55 


P. 


Matkovic. 


Terni: 


55 


U. 


Baldelli. 




55 


F. 


Raeki. 


Terranova Fuu- 








55 


Sablyar. 


saniafSard.J: 


55 


P. 


Tamponi. 


Budapest: 


55 


R. 


Fröhlich. 


Todi: 


55 


G. 


Pierozzi. 




55 


J. 


Hanipel. 


Tolfa: 


55 


Valeriani. 




55 


C. 


von Torma. 


Turin: 


55 


A. 


Fabretti. 


Carlstadt: 


55 


G. 


Reiter. 




55 


E. 


Ferrero. 


Görz : 


55 


H. 


Majonica. 




55 


G. 


Müller, 


Graz: 


55 


F. 


Pichler. 




55 


0. 


Silvestri. 


Innsbruck : 


55 


E. 


Reisch. 


Trapani: 


55 


conte F. Hernandez. 


Klausenburg 


55 


H. 


Finaly. 


Trevico : 


55 


A. 


Calabrese. 


Mitrovic: 


55 


Z. 


I. Gruic. 


Treviso: 


55 


F. 


Lanza. 


Prag: 


55 


H. 


Swoboda. 


Urhisaglia : 


55 


F. 


S. Palazzetti. 


Ragtisa : 


55 


G. 


Gelcich. 


Venafro : 


55 


F. 


Lucenteforte. 


Spalato: 


55 


G. 


Alacevic. 




55 


S. 


Vitali. 


Trient: 


55 


C. 


Gregorutti. 


Venedig: 


55 


A. 


Bertoldi. 


Triest: 


55 


A. 


Puschi. 




55 


T. 


Luciani. 


Zara: 


55 


G. 


Boglie. 



i: 



10. Portugal. 
Ldssabon: Herr A. Borgas de Figuei- 
redo. 
„ A. Coellio. 
„ S. P. M. Estacio da 
Veiga. 
Braga: „ J. J. de Silva Pc- 

reira Caldas. 
Guimaraen: „ E. Martins Samiento. 
Oporto: „ J. de Vasconcellos. 

11. Rumänien. 

Bukarest: Herr 1. A. Odobescii. 
„ Gr. G. Tocilescu. 

12. Russland. 

Pefershurg : Herr J. Jernstedt, 

„ N. Kondakoff. 

„ Pomialowsky. 

' „ A. Stschukareff. 

„ T. Zielinsky. 

Helsingfors: „ B. Graser. 

„ Gylden. 

Moskau: „ Biislaieff. 

Orel: „ D. Korolkoff. 

Warschau: „ N. Novossadsky. 

13. Schweden und Norwegen. 

Stockholm: Herr 0. Montelius. 
Christiania: „ J. Undset. 
Söderhamn : „ J. Ceiiterwall. 

14. Schweiz. 

Basel : Herr .J. J. Bernoulli. 

15. Serbien. 

Nisch: Herr E. Oberg. 



16. 



Madrid: 



AI ic ante: 
Barcelona: 



Cadiz : 
Gerona : 
Leon : 
Malaga : 

MedinaSidonia 

Palma 

(Malorea) : 

Tarragona : 



Spanien. 
err R. P. Fidel Fita. 
„ P. de Gayangos. 
„ J. R. Melida. 
„ M. Oliver Hurtado. 
„ C. Pujol y Camps. 
„ I. F, Riano. 
„ E. Saavedra. 
„ A . Ibarra y Manzoni. 
„ A. Elias de Molins. 
„ Manuel de Bofarul y 

Sartorio. 
„ M. Ruiz Lhill. 
„ C. Girbal. 
„ D. de los Rios. 
„ M. R. de Berlanga. 
„ G. Loring. 
„ M. Pardo de Fi- 
gueroa. 

„ Alvaro Campaner y 

Fuertes. 
„ B. Hernandez y Sa- 

nabuya. 



17. Türkei. 

Co7istantinopel:B.eYr A. Mordtmann. 

„ A. Papadopulos Ke- 
ramevs. 
Aidin: „ M. Pappa-Konstan- 

tinu. 
Artake: „ N. Limnios. 

Beirut: „ P. Schröder. 

Cairo: „ M. Kabis. 

Chios: „ G. J. Zolotas. 

„ A. Papadopulos. 
Nicosia 
(Gypern) : 



M. Ohnefalsch- 
Ricbter. 



14 — 



Kalloni 

(Leshos) : 
Samos : 

Smyrna : 



Herr Nikiphoros Glykas. 

„ G. Sotiriu. 

„ E. Stamatiadis. 

„ A. Fontrier. 

„ A, Kondoleoii. 

„ J. Misthos. 

„ G. Weber. 



Cartago : 
Tunis : 



18. Tunis. 

Herr A. L. Delattre. 
„ R. de la Blanchere. 



19. Vereinigte Staaten von Amerika. 

Meadcille: Herr G. F. Comfort. 
New- York: „ R. K. Haight. 
ilrford: „ J. R. Sterrett. 



15 — 



Publikationen 
des Kaiserlicli Deutschen Archäologisclien Instituts. 

A. Periodische Publikationen. 

1. Monumeuti iuediti. 12 Bünde. Rom 1829 — 1885. Supplemento Berliu 1891. 

Gr. Folio. Berlin, Georg Reimer. -^ Jeder Jahrgang bis 1860 M. 12, von 
1861—1885 M. 20. Das Supplementheft M. 40. Die ganze Serie M. 924. 

2. Auuali. 57 Bände. Rom 1829—1885. 8". Berlin, Georg Reimer. — Jeder 

Jahrgang bis 1860 M. 8, von 1861 ab M. 15. Die ganze Serie M. 631. 

3. Bullettino. 57 Bände. Rom 1829 — 1885. 8'\ Berlin, Georg Reimer. — 

Jeder Jahrgang bis 1860 M. 4, von 1861 ab M. 5. Die ganze Serie M. 253. 

4. Repertorio universale (Inhaltsverzeichniss zu 1, 2, 3). 6 Bände. Rom 

1834—1885. 8». Berlin, Georg Reimer. — Band I, 1834 — 1843 M. 8. 
Band II, 1844—1853 M. 8. Band III, 1854—1856 M. 2,40. Band IV, 1857 
bis 1863 M. 4,80. Band V, 1864—1873 M. 5,60. Band VI, 1874 — 1885 
M. 4,60. 

5. Memorie. Rom 1832. 8'^. Berlin, Georg Reimer. — M. 12. 

6. Nuove Memorie. Leipzig 1865—68. 8". Berlin, Georg Reimer. — M. 18. 

7. Archäologische Zeitung. Berlin, Georg Reimer. 1843 — 1885. 43 Bände. 

4*'. — Jeder Jahrgang M. 12. Die ganze Serie M. 516. Register dazu 1886 
M. 12. 

8. Antike Denkmäler. Berlin, Georg" Reimer. 1886 ff. Imp. -Folio. — Jeder 

Jahrgang M. 40. 

9. Jahrbuch. Berlin, Georg Reimer. 1886 ff. 8*^. — Jeder Jahrgang M. 16. 

10. Jahrbuch, Ergänzungshefte. Berlin, Georg Reimer, 

I, J. Strzygowski, Die Caleuderbilder des Chronographen vom Jahre 354. 

1888. 80. — M. 30. 
II, R. Bohn, Alterthümer von Aegae. 1889. 8'-» — M. 24. 

11. Mittheilungen. Römische Abtheilung (Bullettino, Sezione Romaua). Rom, 

Loescher & Comp. 1886 ff. S". — Jeder Jahrgang M. 12. 

12. Mittheilungen. Athenische Abtheilung. Athen, Karl Wilberg. 1876ir. 8'^. 

— Jahrgang I— X M. 15. Jahrgang XI ff. M. 12. 

13. Ephemeris epigraphica, Corporis Inscriptionura Latinarum Supplementum, 

edita iussu Instituti Archaeologici Romani. 7 Bände. Berlin, Georg Reimer. 
1872 ff. — Band I, M. 6. Band 11, M. 8. Band III, M. 10. Band IV, M. 16. 
Band V, M. 20,20. Band VI, M. 8. Band VII, No. 1—3, M. 13. 

B. Serien-Publikationen. 

14. I Rilievi delle Urne Etrusche. Band I von H. Brunn. Rum 1870. 4". 

Berlin, Georg Reimer. — M. 60. — Band II, 1 von G. Körte. Berlin 1890, 
Georg Reimer. 4". — M. 40. 



- 16 - 

15. E. Gerhard, Etruskisohe Spiegel. Band V, bearbeitet von G. Körte 

und A. Klügmann. Heft 1 — 10. Berlin, Georg Reimer. 1884fr. 4«. — 

Jedes Heft M. 9. 
IG. ß. Kekule, Die antiken Terrakotten. Berlin und Stuttgart, W. Spemann. 

Fol. Band I, Die Terrakotten von Pompeji, bearbeitet von H. von Robden. 

1880. — M. 60. — Band 11, Die Terrakotten von Sicilien, bearbeitet von 

R. Kekule. 1884. — M. 75. 

17. C. Robert, Die antiken Sarkophagreliefs. ' Band II, Mythologische 

Cyklen. Berlin, Grote. 1890. Fol. — M. 225. 

18. A. Furtwängler und G. Loeschcke, Mykenische Thongefässe. Berlin, 

1879. Georg Reimer. Fol. — M. 40. 

19. A. Furtwängler und G. Loeschcke, Mykenische Vasen, vorhellenische 

Thongefässe aus dem Gebiete des Mittelmeeres. Berlin, 1886. Georg Reimer. 
Fol. — M. 115. 
1^0. E. Curtius und J. A. Kaupert, Karten von Attika. Berlin, Dietrich 
Reimer. Gr. Fol. 1881—1889. — Heft L M. 12. Heft II, mit Text von 
A. Milchhöfer, M. 16. Heft III. M. 12. Heft IV. M. 10. Heft V, M. 8. 
Heft VI. mit Text zu Heft III— VI von A. Milch hüfer. M. 7. 

C. Einzelwerke. 

21. Steffen, Karten von Mykenai. Berlin, Dietrich Reimer. 1SS4. 4'-. Text von 

Steffen und Lolling. — M. 12. 

22. R. Koldewey, Antike Baureste der Insel Lesbos. Mit 29 Tafeln und Text- 

abbildungen, 2 Karten von H. Kiepert. Berlin, Georg Reimer. Fol. — 
M. 80. 

23. Das Kuppelgrab von Menidi. Athen, Wilberg. 1880. 4». — M. 8. 

24. G. B. de Rossi, Piante Iconografiche e Prospettiche di Roma anteriori al 

Secolo XVI. Roma 1879. 4". Berlin, Georg Reimer. — M. 32. 

25. R. Schöne, Le Antichitä del Museo Bocchi di Adria. Roma 1878. Berlin, 

Georg Reimer. 4». — M. 24. 

26. Kellermann, Vigilum Romanorum latercula duo Caelimontana. Roma 1835. 

4'\ Berlin, Georg Reimer. — M. 6,40. 

27. W. Henzen» Scavi nel bosco sacro dei Fratelii Arvali. Roma 1868. Fol. 

Berlin, Georg Reimer. — M. 16. 
2S. H. Jordan, De formae Urbis Romae fragmento novo. Roma 1883. 4". Berlin, 
Georg Reimer. — M. 1,60. 

29. A. Michaelis, Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts 1829 bis 

1879. Berlin 1879, Georg Reimer. 8". — M. 6. — Italienische Ausgabe 
M. 4,80. 

30. Alexander Iwan off, Darstellungen aus der heiligen Geschichte. 14 Liefe- 

rungen ä 15 Blatt. Berlin, Georg Reimer. Fol. — Jede Lieferung M. 80. 

31. M. Botkin, Biographie A. Iwanoffs. Berlin, Georg Reimer. 1880. 4". — 

M. 10, 



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3. 



ictaJr'Kk -r P. SchaH, Berlin . 



VON KARL WILBERG IN ATHEN 

sind zu beziehen : 



Mütheüungen des Deutschen archäologischen Institutes in Athen. — Jahrgang 
I-X, Preis je 15 Mark, XI ff. Preis je 12 Mark. 

Das Kuppelgrab bei Menidi, herausgegeben vom Deutschen archäologischen 
Institute in Athen. Athen 1880. 56 S. 4° mit 9 Tafeln in Steindruck. 
8 Mark. 

Dressel und Milghhoefer, Die antiken Kunstwerke aus Sparta und Um- 
gebung. Athen 1878 (Auszug aus den Mittheilungen II). Mit 6 Tafeln. 
8 Mark. 

Koerte, G., Die antiken Sculpturen aus Böotien. Athen 1879 (Auszug aus 
den MiUheilungen III). Mit zwei Tafeln. 4 Mark. 

IIpaktika, Jahresbericht der arch. Gesellschaft in Athen. 
Über die Jahre 1872 — 1880 je M. 1.25 
» » » 1881 — 1888 je M. 3— 

Milghhoefer, Die Museen Athens (Katalog) cart. M. 1.60. 

Die Museen Athens in Lichtdrucken v. Gebr. RhomaYdis, 4°, je 8 Tafeln m. 
Text. Heft 1 und 2 enth. die Funde auf der Akropolis, je M. 6. 

Bulletin de correspondance hellenique I-XV je M. 20 netto. 

Ae^xiov dpxaxo^yxKÖv (herausgegeben von der Griechischen Ephorie) 
jeder Jahrgang >I. 6. 

'E^Tfjxeplg ägxaioloyxKh (herausgegeben von der archäologischen Gesell- 
schaft) 1883-1889 jider Jahrgang M. 20. 

Fouilles d'Eleusis 1882-1187. Mit einem neuen Plane von Eleusis. M. 1. 



INHALT- 

Seite 

P. Wolters , Das Kabirenheiligtum bei Theben. IV. 
Die Terrakotten 355 

B. Graef, Das Kabirenheiligtum bei Theben. V. Ge- 
genstände aus Bronze und Blei (Taf. 14) 365 

P. Wolters, Das Kabirenheiligtum bei Theben. VI. 
Verschiedenes 375 

E. SzANTo, Das Kabirenheiligtum bei Theben. VII. In- 
schriften 378 

W. Doerpfeld, Der alte Athena- Tempel auf der Akro- 
polis. IV 420 



MISCELLEN. ; ^ / f 

W. R. Paton, Note on vol. XV p. 335 440 

Litteratur 44 1 

Funde 444 



Zu diesem Heft gehört das Verzeichniss der MitgUedei Ides Instituts und 
das Register über Band XI -XV; ersteres liegt bei, letzteres wird später aus« 
gegeben. j 

Es wird gebeten, etwaige Fehler des Mitgliederverzeichiissps gütigst dem 
Sekretariat mitteilen zu wollen. 



Athen — Dri'.ck Ton GEBRUEDER PERRIS. — üniTer.la«l«-Str»Me, 51. 



37 73692 



GETTY CENTER LIBRARY ' 



3 3125 00596 0972