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Full text of "Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung"

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EX LIBRIS 
MARTIN R NILSSON 



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MITTHEILUNGEN 

DES KAISERLICH DEUTSCHEN 

ÜCBA10L0GISCBIN INSTITUTS 

ATHENISCHE ABTHEILUNG 



BAND XVIII 
1803 

MIT VIERZEHN TAFELN 




ATHEN 

VERLAG VON KARL WILBBRG 
1893 



Athen.— Druck vuu GHI5HUKDKK PERRIS . — Uni vursitaols - SlrJ 



I N HALT. 



Seite 

A. Brueckner i;m> E. Pernice , Ein attischer Friedhof 

(Tafel VI-IX) 73 

A. Brueckner, Inschrift aus Kephale 209 

» » Ein athenischer Grabfund der geometri- 
schen Periode (Tafel XIV). ... 414 

\\ . Doeri'feld . Die neuen Ausgrabungen in Troja. . 199 

» » Ausgrabungen in Tralles (Tafel XIII) 404 

F. Duemmler , Zwei Felsinschriften von Amorgos. . . 32 

B. Graee, Grabdenkmal aus Bithynien. II 27 

F. Hiller von Gaertringen , Inschriften von Nysa. . . 333 

» » » » Die samothrakischen Göt- 
ter in Bhodos und Karpathos 385.420 

C. H um ann und \V. Doerpfeld, Ausgrabungen in Tral- 

les (Tafel XII. XIII) 395 

0. Kern, Inschriften vom Athos 64 

» » Demeter Chloe 192 

» » Inschriften aus Thasos 257 

» » Inschriflen aus Milet 267 

» » Inschrift vom Athos 334 

» » Aus Samolhrake 337 

A. Koerte, Inschriften aus Marathon und Salamis. . 208 

» » Bezirk eines Heilgotts (Tafel XI) . . . . 231 

E. Maass, Zur Hetäreninschrift von Paros 21 

» » Über das Rheaepigramm aus Phaistos. . . 272 

A. Milcbhoefer, Zur attischen Localverfassung . . . 277 

.1 . II. Mordtmann, I usehrifteu aus Edessa 415 

F. Noack, Zum Friese von Gjölbaschi 305 

ES. Pernice, Inschriften aus Andros und Paros. ... 7 

» » Ein attischer Friedhof s. Bm eckneb 

C. Robert, Sosipolis in Olympia 37 



IV INHALT 

Seite 

B. ITAHS, '0 sv Mapaöüvi tÜu6o<; (Ilivaxe; II-V). . . 46 

F. Stldmczka, Die älteste attische Inschrift (Tafel X). 225 

G. Weber, Inschriften aus Süd-Phrygien 206 

P. Wolters, Sepulkrales Relief aus Athen (Tafel I) . 1 

» » Grabstein mit Lutrophoros 66 

Litteratur 68. 211. 335. 420 

Funde 212 

Sitzungsprotokolle 72 



•=> >i-v-K o 



8EPULKRALES RELIEF AUS ATHEN' 
(Hierzu Tafel I) 

Das auf Taf. 1. abgebildete Melopenrelief ist hier in Athen 
bei dem Hau der neuen Markthalle in der Äolosstrasse, östlich 
von der sogenannten Stoa des Hadrian gefunden und in das 
Nationalm useum gebracht worden '. Die Abbildung hietet das 
Monument nicht in seiner ganzen Ausdehnung, es ist vielmehr 
rechts und links je einer der Stege von den Triglyphen weg- 
gelassen worden um Raum zu gewinnen ; es war dies um so 
eher erlaubt, als links dieser Steg fast ganz zerstört ist. 

Die ganze Länge des aus pentelischem Marmor bestehen- 
den Blockes beträgt l.l?5 m , seine Dicke gegen 0,25 m ; die 
Triglyphen sindjeO,3C m , dieMetope 0,485"' breit und im Gan- 
zen 0,505 m hoch. Hechts und links zeigt i\w Marmor An- 
schlussfläche, und dass sich liier weitere Blöcke anschlössen 
beweist auch je ein halbes Klammerloch (von der Form h) 
obenauf an beiden Enden ; ein gleiches, welches den Block mit 
einem hinter ihm liegenden Stein zu verbinden diente, liegt 
oben etwa dort, wo die Metope an die Triglyphe rechts stösst. 
An der entsprechenden Stelle links zeigt sich ein Stemmloch. 
Die obere und die untere Fläche des Steines sind, wenn auch 
nicht sauber, für den Anschluss anderer Steine hergerichtet. Auf 
der Rückseite zeigt sich die deutliche Spur von der späteren 
Verwendung des Blockes als Thürschwelle, Mörtelreste auf 
(\w Vorderseite beweisen ebenfalls eine zweite Benutzung, und 
wenn man die. auch in der Abbildung sichtbaren eingeritzten 
Quadrate 2 im Bildfelde hinzurechnet. welche wieder ans einer 



< AeXtiov 1892 S. 28, 1. 

2 Es ist eine für «las vod uns Mühle, vod den heul igen Griechen iwteEBa 
genannte 8piel bestimmte Vorritzung, die sich /. B. auf der Akropolis so 
vielfach an den antiken Bauten findet. Vgl. Becq de Fouquieres, / 

des anricit<; - 3. 390. 

ATHEN. MITTHEILUNGEH Will. 1 



P, WOLTERS 

anderen Zeit herrühren müssen als die genannten Benutzungs- 
spuren, aber jedenfalls später siml als die Zerstörung des ur- 
sprünglichen Baues, so erkennen wir. dass unser Metopenre- 
lief schon mannigfache Schicksale erlitten hat, und werden 
nicht erwarten, dass es an seinem ursprünglichen Aufstel- 
lungsort wieder zum Vorschein gekommen ist. In der That 
sind auch weitere Reste des Baues, zu dem es gehört haben 
muss, nicht gefunden worden, dagegen unter einigen unbe- 
deutenden Bruchstücken zugleich auch das eines Totenmahls. 
Die Metope zeigt in nicht sehr hohem Relief und in flotter, 
gewandter aber durchaus nicht etwa unfeiner Arbeit die eng 
zusammengedrängte Gruppe dreier in tiefe Trauer versun- 
kener Frauen. Wie kraftlos unter der Wucht des Schmerzes 
zusammenbrechend sitzt die eine dicht in ihren Mantel ge- 
hüllt links auf einer niedrigen Erhöhung, ganz im Gegensatz 
zu ihrer Genossin rechts, die auf einem würfelförmigen Block 
aufrecht, last steif, grade ausblickend dasitzt, und nur durch 
die an das Kinn gelegte Rechte äusserlich dem Schmerz Aus- 
druck giebt. dem sie in krampfartiger Erstarrung verfallen 
ist. Wieder eine andere Stufe derselben Empfindung finden 
wir in der mittleren Gestalt. Sie hält sich noch aufrecht, aber 
nicht nur das gesenkte Haupt, auch die schlaff herabhän- 
gende Hand zeigen die Gewalt der Empfindung, welche ihre 
Glieder löst und ihre kniee wanken macht : aber trotzdem 
bleibt sie aufrecht stehen, so sehr ist Wille und Energie durch 
die dumpfe Gewalt der Trauer gelähmt. Man muss gestehen, 
dass die verschiedenen Wirkungen tiefen Schmerzes in diesen 
Gestalten uns in überraschender Anschaulichkeit vor Augen 
treten, und ich glaube nicht, dass wir dem Künstler des Reliefs 
zu viel zumuten, wenn wir an seiner Gruppe nicht nur den 
einheitlichen aber jeder strengeren Symmetrie offenbar aus- 
weichenden Aufbau und die Einheitlichkeit der gesamten 
Stimmung bewundern, sondern darüber hinaus in den einzel- 
nen Gestalten feine und bewusste Abwandelungen jener einen 
Empfindung spüren. Und so werden wir nicht zögern hier, 
wo Erfindung und Ausführung sieh so völlig entsprechen, die 



.- i:lM I.KH ALES RELIEF AUS ATUKN 3 

Originalarbeit eines treulichen Künstlers bereitwillig anzuer- 
kennen. 

Die drei trauernden Frauen zeigen nichts, das für eine be- 
stimmte Situation der Sage charakteristisch wäre. Wir haben 
nach keinem Namen für sie zu suchen : es sind Klageweiber. 
Seitdem uns der prächtige Sarkophag von Sidon bekannt ge- 
worden ist. der in Form eines ionischen Tempels gestaltet 
ringsum zwischen je zwei Säulen eine solche trauernde Frau 
zeiut, ist es nicht nötig, das weitläufig zu erhärten. Und grade 
dort finden wir in den Giebelfeldern überraschend ähnliche 
nur lockerer angeordnete Gruppen von je drei Klageweibern, 
die wie die Frauen unserer Melope auf mehr oder weniger 
hohen Erhebungen des Bodens, auf würfelförmigem Stein, 
zum Teil auch auf der flachen Erde sitzen 1 . Der Sarkophag 
ist ein Erzeugniss der ausgebildeten ausgereiften attischen 
sepulkralen Plastik des vierten Jahrhunderts, das lehrt der 
erste Blick, das lehrt jede erneute Vergleichung wieder. Xeu 
aber ist die Erkenntniss, welche erst das Metopenrelief uns 
vermittelt, dass schon in Attika Grabmäler in ausgebildeter 
Tempelform existirt haben, und dass zum architektonischen 
Schmuck solcher Bauten Darstellungen der trauernden Frauen 
verwendet wurden. Denn ich halte es für eine unabweisbare 
Folgerung, dass ein Gebäude, dessen .Meinpen mit Klagewei- 
bern geschmückt waren, ein Grabmal ist. 

Die Masse der Melope und der sie einschliessenden Trigly- 
phen entsprechen fast genau denjenigen ilvs unteren Stock- 
werkes der Attaiosstoa 2 . Ergänzen wir uns darnach das ur- 
sprüngliche Grabmal mit vier Säulen in der Front, so wür- 
den wir einen stattlichen Bau von beinahe N'" hänge und fast 
gleicher Höhe erhalten, den vorne neun Metopen geziert hät- 
ten. Das ist im Vergleich zu den üppigen kleinasiatischen 
Denkmälern vielleicht nicht übermässig gross, würde aber 



1 Vgb 0. Hamdy-Bej and Th. Reinach, Um nicropole royale ä Sidon 
Taf. ts. 

2 R. Botin, Die Stoa König Attalos des Zweiten eo Athen Taf. 2. 



4 P. WOLTERS 

in Attika übertrieben erscheinen ', und so werden wir uns wol 
richtiger einen bescheideneren Bau vorstellen, etwa in der 
Form eines Anten tempels, der dann immerhin eine Breite von 
mehr als 3 ID haben, und an der Vorderseite drei Metopen zäh- 
len müsste Die erhaltene würde dann die mittelste sein, rechts 
und links wurde noch je ein Block mit einer weiteren Metope 
und dem Ecktriglyphen anstossen. In dem offenen Tempel- 
chen, dem man keine grosse Tiefe geben möchte, kann man 
sich statuarische Werke aufgestellt denken. 

Schon eines der ältesten attischen Grabmäler, das in Lam- 
brika wieder aufgefundene, bereits von Fourmont notirte 2 , zeigt 
neben dem Verstorbenen trauernde Gestalten; es sind dies- 
mal die Angehörigen, und ihre Bilder sind auf die Nebensei- 
ten zurückgedrängt. Dieser Fall ist unter den Marmorreliefs 
bisher ganz vereinzelt auf Grabmälern anderer Art kam al- 
lerdings eine ausführlichere Darstellung der trauernden Ver- 
wandten vor 3 . Die Grabmäler des fünften und vierten Jahr- 
hunderts schildern dann zwar zunächst vor allem die Familie 
in ihrem traulichen Beisammensein, aber auch hier zeigt sieh 
ein Ausdruck der Trauer, besonders in den Nebenpersonen, 
den Dienerinnen. Ein Schritt weiter ist es, wenn diese dann 
selbständig dargestellt die Klage um den Verstorbenen veran- 

DO ~ 

schaulichen 4 , und auch die Verwendung solcher trauernder 
Gestalten in mehr dekorativer Art ist nicht ungewöhnlich, es 
genügt hierfür an die Sirenen und Klageweiber in den Ste- 

CO o 

lenbekrönungen zu verweisen. Der Grabesbau, dessen Meto- 
pen mit klagenden Frauen geschmückt ist. erscheint also zwar 
als eine besonders prächtige aber folgerichtige Weiterentwicke- 
lung des gebräuchlichen attischen Grabmals. Statuarischen 



1 Besonders kostspielige Grabmäler nenot W. A. Becker, Cbarikles * III 
8. 108. 

2 Conze, Die attischen Grabreliefs I Nr. 19. 

3 'E?r,;j.EV.; isy aioXoy.z/; 1888 S. 181 IT. 

1 Furtwängler, Sammlung Sabouroff I Taf. 17. Kavvadias, rXunra toü 
'EOvtxou Moucrefow I 3. 396, 325. 



SEPULKRALES RELIEF AUS ATHEN 5 

Schmuck 1 müssen wir, wie gesagt, bei ihm voraussetzen, aber 
über dessen Art und Ausdehnung vermögen wir nichts Siche- 
res zu ermitteln. Dass solche Bauten dann ihrerseits die Anre- 
gung zu der prächtigen, wenn auch vielleicht etwas zu sehr mit 
hergebrachten Motiven wirkenden Schöpfung des sidonischen 
Sarkophags gegeben haben, ist einleuchtend. 

In dieser Urkenntniss liegt zunächst der Wert des neuen 
Monumentes, darüber hinaus geht seine künstlerische Bedeu- 
tung, die ich oben zu umschreiben versucht habe. Dass ich 
es darnach für eine frischere, originalere Schöpfung halte als 
den Sarkophag, ist klar 2 , alter auch älter scheint es zu sein. 
In den scharfgeschnittenen, bestimmten Faltenzüuen fehlt noch 
\üllig jenes Bestreben, weiche, wollige Stoffe durch rauhe 
Oberfläche und viele parallele gebohrte Rillen zu charakleri- 
siren, das wie es scheint unter Praxiteles' Einfluss weit und 
breit Nacheiferune fand, in den Musenreliefs aus Mantinea 
wenigstens schon bewusst und ausgeprägt auftritt. Anderer- 
seits wird man mit der Metope kaum über das vierte Jahr- 
hundertweithinaufgehen können, und nach diesen verschie- 
denen Erwägungen seine Entstehungszeil ansetzen. Den Ver- 
fertiger wüsste ich nicht mit Wahrscheinlichkeit zu erschlies- 
sen. dass es aber ein namhafter Künstler gewesen ist. scheint 
mir sicher. Wir dürfen uns von dieser Auffassung nicht durch 
die Thalsache abschrecken lassen, dass es ein Grabmal ist, 
um dessen Beste es sich handelt. Tansanias I, 2,3 nennt in 
der Nekropole von Athen ein Grab i-'.0r,y.x i'/wv gtixtiuttv 



1 Furlwängler, Sammlung Sabouroff I zu Taf. IT Anm. tu nimmt die 
Leipziger Berichte I8t>1 Taf, ■>/>. 5c abgebildete attische Statue als sepul- 
kral in Anspruch. Die siatue einer siehenden Dienerin mit Kästchen (ganz 
ähnlich wie Conze, Die attischen Grabreliels [ Taf. 36,79. 63.307.67,? 
'!i,ii:i. 100,425) offenbar Teil einer statuarischen Gruppe von der Art der 
Grabreliefs befindet sich in Bei (Athen. Mittheilungen 1887 S. 

- im nur eine Einzelheit hervorzuheben: man vergleiche die mittlere 
Klajrefrau der einen Schmalseite des Sarkophags Taf. 8 mit der stehenden 
der Metope. Die erstere könnte gradezu von dieser abhängig sein, bat aber 
durch die behagliche l tesamlhaltung, besonders die Stellung der Heine, einen 
grossen Teil ihres Ausdrucks verloren, 



6 P. WOLTERS, SEPULKIULE8 RELIEF ALS ATHEN 

'.--ov *xi tov ^TpxT'.toTr.v swoiYjffev ' und sichert uns so die Be- 
rechtigung, unter den erhaltenen Grabmälern Werke wirk- 
licher Künstler vorauszusetzen, welche uns die Vorzüglichkeil 
von Arbeil oder Erfindung auch ohnehin giebt. So geht bei- 
spielsweise die mehrfach erhaltene Composition mit »lein nack- 
ten Jüngling, welcher in nachdenklichem Sinnen dazustehen 
scheint während sein aller Vater ihn trauernd anblickt, sicher 
a li 1 die Schöpfung eines bedeutenden Mannes zurück, deren 
Original uns vielleicht sogar noch erhallen ist 2 Mit Sicher- 
heit lässt sich vor allem das prächtige Grabmal des Aristo- 
nautes 3 . das an Originalität ^\^v Erfindung und an Güte der 
Arbeit weit über dein Durchschnitt der gewöhnlichen Grab- 
mäler steht, als Werk eines namhaften Kunstlers in Anspruch 
nehmen. Bei diesem dürfte man vielleicht sogar an Skopas 
denken. 

Athen. April 1893. 

PAUL WOLTERS. 



' Dasselbe Werk ist geraeint bei l'linius X. II. 30, 20 opera eins sunt 
Athenis m Ceramico Brunn, Geschichte dergriech. Künstler I S. .üi dachte 
daran, diese Erwähnung auf die von Pausanias 1, 2, i genannte Gruppe De- 
meter, Persephone, lakchos zu beziehen, die doch wol nicht so unbestimmt 
angeführt worden wäre; \:- r l dagegen Cicero, De legibus II. 26, 64 amplitu- 
dines sepulcrorum, quas in Ceramico videmus. So gewinnl die Ansicht eine 
neue Stütze, dass Pausanias seine eigentliche Sladlheschreibung beim t>i- 
pylon beginnt. 

- Kavvadias, rXwcTä rou 'EOvixoQ Mouacfou I S. ilti. 869. 

3 Ebenda I 8. 350, 738. 



INSCHRIFTEN Ars ANDROS UND PAROS 

Ein mehrtägiger Aufenthalt in Andres im September 1892 
gab mir Gelegenheit, die seit Weil's Heise (Athen. Mitth. I 
S. 235 ff.) hinzugekommenen neuen Inschriften abzuschrei- 
ben sowie die von Miliarakis ('V-oy.vr.uy.T* töv Kux^&Suv vtj- 
ortov S. 123 ff.) veröffentlichten einer Revision zu unterziehen. 
Da Inschriften in Antlros besonders viel verschleppt werden, 
was ich an längst bekannten Stücken vielfach beobachten 
konnte, werden die folgenden Mitteilungen nicht unwillkom- 
men sein. 

1. Paläopolis, in einem Häuschen am Meere eingemauert. 
Weisser .Marmor, auf der 1. Seite gebrochen. Über der Inschrift 
ist die Profilirung abgeschlagen worden. Von Wolters und 
mir abgeschrieben. II. 19" u , Br. 58 cm . 

TIOYTOY E P M I OY 
KAI HPAKAEI 

I MHN04>IAOY 0EOÄOPOI AIOAOTOY 

ATOI ZAN0OY APIITON AIUHniAAOY 

I AIOAQPOY IHNQN TT A O Y T I A A O Y 

Ol APIITOMAXOY T7AOYTIAAHI nAOYTIAAOY 

I ATTOAAQNIOY A n O A A n N I A H I A TT O A A O N I A C 

Z milBIOY A nO A AON IOI A H M H T P I O Y 

YITONOY IOI in ATPOIM N All TIMOY 
)Z KTHIHNOI 
APIITOÜAEOYI 
fc Q K O Y 

Ei7C( . . . TT'.O'J TO'j 'EofMOU 
l'car, y.y.i 1 1 cx/.Xei 
. . . .; Mrvo-^iXo-j 8söS(üD0? AlO$OTOU 

. . .aTO; jlxvOo'j 'Apicruv ' A^x.Vr.-'.zSo'j 

. . .? AioStopo'j 7,r,vcov IIao'jtizSo'j 



!•. PKK NICK 



.0; 'AptCTOUxyo'j Il^ouT'.ic&r^ II^O'jtix&O'j 

..; 'A-oXXü)vio'j 'AttoXXcovuVo: 'AtcoXXg)vio[ou] 

. .5 Eoxiimou 'AiroXX(imo€ A'o j.'Otoio'j 

. . .['YJ^ivövou — wai-axpo? Mvaaixiao'j 

. . O? KT7)<T(OV0S 

.... 'Ap'.aTOvt'Xso'j; 

.... KÜXO'J 



\\ ie viel an der linken Seite fehlt, ist nicht ganz sicher, wahr- 
scheinlich standen zwei Kolumnen von Namen unter der Über 
schrift ; auf so viel kommen wir, wenn wir als die mit Herakles 
verbundene Gottheit Hermes annehmen. Dass diese Annahme 
wahrscheinlich ist. ergiebt die Vergleichung von Inschriften 
wie C. I. G. 4682, in welcher die namentlich angeführten 
u.fAAa/.s; eine Weihung an Hermes und Herakles machen. Kine 
andere Weihinschrift an diese Götter [Bull, de corr. /icll.N 
S. 482) enthält eine Liste von Kpheben nebst Angabe des 
Übungszweiges, in welchem sie gesiegt haben. Fast alle In- 
Schriften dieser Art (Preller- Robert, Griech. Myth. I S. 415) 
sind auf Gymnasien bezügliche und die Beziehungen von Her- 
mes und Herakles zur Palast ra sind bekannt. So werden die 
Namen unter der Überschrift die der weihenden Epheben sein. 
Die oberste Zeile enthielt dann den Namen des Gymnasiar- 
chen. Die Inschrift gehört wol dem ersten nachchristlichen 
Jahrhundert an. 

2. Paläopolis. bei Leonidas Ylamis. Kleines Altiirchen von 
weissem Marmor, H. 30"", Br. 22"". Oben profilirt, unten ge- 
brochen. 

A I O N Y 1 Q Aiovüacp 

METAAQEYXHN MsyxX(» eupjn 

<t> A A B I A «I'Xa&a 

l~l A I A E P Q. T I riatSepom 

•'!. In Paläopolis in einer Kelter am Meere als Bodenplatte 
benutz! liegt die Inschrift Boss, Inscr. ineditie 81). Zu be- 
merken ist, dass das Cognomen <\w zweiten Inschrift TAAAC 



INSCHRIFTEN AUS ANDROS UND PAROS 9 

d. h. Txllo' gelesen werden muss. Das vorhergehende, sicher 
von Ross als r A E I T I O N gegebene Gentilicium ist aus latei- 
nischen Inschriften als Glitius bekannt (C I L.Y, 6974-6987; 
vgl. fnscr. graec. Sic. et I tat. 2278). Oberhalb dieser In- 
schrift, gleichfalls noch als Bodenplatte dienend, liegt ein Mar- 
morblock von mindestens 1,30'" Länge und 57"" Höhe, der zu 
einem grossen Monument gehörte. Darauf ist mit 10 ,m hohen 
Buchstaben geschrieben 

W N T h 
Iilin weiterer Block desselben Monumentes nur ein C- enthal- 
tend, liegt nicht weit davon. Aus der Bearbeitung des Blockes. 
der über der Inschrift ein Profil hat, wird wahrscheinlich, 
dass beide Steine den Architra\ eines grossen Monumentes 
bildeten. 

4. Paläopolis An dem Wege, welcher am Hause des G. Lu- 
kresis vorüberführt. ist etwa 50 Schritt von eben diesem Hause 
in einer Umfassungsmauer ein grosser unbearbeiteter Block 
aus gewöhnlichem Felsstein verbaut, welcher auf einer Seite 
die Buchstaben 

A I O Z Aiö; 

MEAIXIC u.O,vfyyj 

trägt (Buchstabenhöhe 7 cm ). Da der Stein sehr schwer ist. 
nicht aus Marmor besteht und in einer geringen Mauer ohne 
Rücksicht auf die Buchstaben versteckt ist. ist nicht anzuneh- 
men, dass er wie die meisten Inschriftsteine aus Marmor von 
der unteren Paläopolis hierher verschleppt ist. Wir haben den 
Bezirk des Zvj; u.-v.\iy\oc, zu welchem der Stein als Grenzstein 
gehört, in unmittelbarer Nähe des Steines selbst anzunehmen. 
Zu den Kultstätlen des Meilichios. welche ausser Athen für 
Chalkis, Orchomenos, Sikyon, Argos (Preller-Robert, Griech. 
Myth. I S. 131) bekannt sind, kommt jetzt Andros hinzu ' ; 

1 Ich benutze die Gelegenheit, um eine Notiz bei Miliarakis zu berichti- 
gen. IicimjIIh' spricht s. S3 n.icli Hörensagen \"ii einer Inschrift bei Varidi, 
welche das Wort 'Apxcßtetov enthalte. In V. befindet ^ i »*l i aber nur eine In- 
schrift (Weil, Athen. Mitth. IS. 243 j mil den Namen N'^otc xai 'A6pa- 



10 E. PERNIGE 

iu\iyjo; für u.v.\iyio; ist eine Bildung, für welche es an Analo- 
gien fehlt, wenn es nicht orthographisches Versehen ist. 

5. In Paläopolis, in dem Bauernhause unweit des alten 
Thores über derThür eingemauert; sowol von LeBas II 1812 
als von Miliarakis S. 123 ungenau herausgegeben. Weisser 
Marmor, ohen profilirt. II. 36. Br. 32 ,U1 . 

2 Q T H P I 
I K T I 2 T H TH Z 

OIKOYKENH2 
•YTOKPATOPI 
TPAIANQAAPIANQ 
O a y MT Q 



V, 



!cot95oi Jca[l] xticty) zriQ oixo'jas'vy)? aÜTO/.oaTOp'. Tpaiavw 'A^pta- 

Die Inschrift ist nachlässig einsiehauen. Das O ist bald gross 
bald klein geraten, ebenso das A. Besonders bemerkenswert 
ist die Kühnheit, welche sich der Steinmetz bei den Ligatu- 
ren erlaubt hat ; im Druck lassen sich diese nur unvollkom- 
men wiedergeben, gar nicht die sonst nicht nachweisbare von 
AA (Z. 5), welche als A mit eingezeichnetem gebrochenem 
Querstrich des A erscheint. MT für M TT I erinnert an Buch- 
stabenkomplexe wie C. I. A. III, 1,60. 

6. In demselben Hause wurde mir ein Fragment aus weis- 
sem Marmor (L. 10"". II. 8 cm ) gezeigt mit den späten Buch- 
staben. 









A 


A 






tz 


P 


r 


O 


1 


C 


M 


TT 


P 


o 


c 


TT 


h 


E 



^ÄPOCÄWPI 
Paläopolis. Dicht am Meere als Stufe in einem Saum- 



axeia. Trotz mehrstündigen Aufenthaltes in V. konnte ich von keiner wei- 
teren Inschrift als dieser erfahren. Wahrscheinlich wird es daher eben diese 
sein, von der mau M. berichtet bat; dass die Angabe, es stehe auf dem 
Steine 'ApTepfoiov, nicht der Thatsache entspricht, ist nicht wunderbar. 



INSCHRIFTEN ALS AVDR0S UND PAROS 11 

wege benutzt. Gewöhnlicher Felsstein. Die Buchstaben sind 
stark verwittert. Leider war es nicht möglich, an einem Ab- 
klatsch die unzureichende Abschrift zu kontroliren. Ich gebe 
dennoch, was ich habe lesen können, weil die Gefahr des 
Zerbrechens oder Verschwindens hier besonders gross ist. an- 
dererseits weil der Stein schon in den abgeschriebenen Buch- 
staben manches Bemerkenswerte enthält. 

rOPTYNIOIAATAriAIIO i MEZ . . . IO 

AYTTIOlOinPOIEYEPr I I0YMNAIOT. .HTAEIOI OrOIZM. . . 

0.AAIIIIIQ. . .AAYPIOIOIAIIO TA0IO EPTA A . IKAQMAIE 

AAT.. DEY 

Deutlich ist in der ersten Zeile ropxüvioi, in der zweiten 
Aumoi ol -cö;...; in derselben Zeile ist sodann mit Sicherheit 
'Piöupaiot zu lesen. Fs wird dadurch die Form 'Piöupa wel- 
che Ptoleraaeus und Plinius geben, für die kretische Stadt als 
richtig bestätigt. Das Ethnikon 'Piöuavaioi ist bisher nicht 
nachgewiesen. Stephanos von Byzanz giebt 'PiöupiatTT)? (vgl. 
Lykophr. AI. 76) und 'PiSupio? an. Über die Lage von Ri- 
thymna handelte zuletzt Svoronos, Numismatique de la 
Crcte ancienne I S. 309. In derselben Zeile folgten vielleicht 
die 'It&vio-.. die Bewohner von "Ixxvoi;, wenn das N für E ver- 
lesen ist, vielleicht auch die T<fcviot. Nach Analogie der beiden 
ersten Zeilen werden wir auch in den folgenden nach kreti- 
sehen Städten suchen. Die Buchstaben EPTA können zu 
'Epxouo'. ergänzt werden, ein Ethnikon, das aus einer bei 
Rnosos gefundenen metrischen Inschrift bekannt ist (Svoronos 
a. a. O. S. 138). Ob das erste Wort der Reihe dem zweifel- 
haften Orte Thalassa angehört, oder als Adjectiv die nähere 
Ortsbestimmung einer Stadt giebt, ist nicht zu entscheiden. 
Das Folgende wurde man zu 'EmSaupioi ergänzen, wenn nicht 
nur kretische Städte genannt wären. In der letzten Zeile schei- 
nen die Azt'.oi genannt gewesen zu sein. Um was es sich in 
der ursprünglich sehr grossen Inschrift (die Zeilen halten an 
70 Buchstaben) handelte, ist aus den allzu spärlichen Resten 
schwer zu erkennen. 



1? B. PEHNICE 

8. fn Mesathuri in der Nähe des heutigen Hauptortes von 
Andros bei Demetrios Vardaris am Hause eingemauert (Mi- 
liarakisS 125). Weisser Marmor, II. 1 4", Br. 50 em , links ab- 
gearbeitet. 

\AAS0AIAKOZ 
ÄINIBOYAAIAN 
..ONEIAEßTfiAHMa 

Neben der Inschrift ist ein Teil eines Tischfusses mit leidlich 
gearbeitetem Panterkopf eingemauert (II. 30 cm ). 

9. Über der Eingangsthür von Hag. Eustathios in der Nähe 

CO o 

des heutigen Andros eingemauert (Miliarakis S.126). Leider 
ist die Inschrift so stark mit Kalk überzogen. dass einige Stellen 
nicht mit Sicherheit zu entziffern sind. Sie gehört am ehesten 
dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert an (L.75 cm , H. ^O 01 "). 

.QMIIZHAAS!HZt-lllBASAIAnPA IM ATAnOAA 

KAI riANTQNAEQAQNNEIfcOIENErKAMEN 
ANAPIOIAIANAHITE..nMirAiQAENITYMBn 

CElMAIABAIÜANTOinAlICPATEPnNrONEnN 
OYXmnHAEIAHKMATPOlIAAAniMEIAIAPII 

MOIIIAIOIIAIIII<t>OEIIOYXOIIAIIPOTANAIX 
AAAAnATPOIMENEIIEiOAYPC 

MU-^uonENOAAEHAIZT"" 

'PJüu.yi? "?)&' 'AffiY)? [=tci]qx? ^'.x -pxyt/.XTa -oYk'x 

xat xxv-wv äsOXwv vst>.o; £vsyx.zy.Ev[ocj 
Avopio«; A'lxxior,; refjtvjw »i.iya töo' evi rüabcp 

xeijxat 'Aßxax.avTO? wai? /.paTgpüv yove'wv 
O'j/ cö; rirAsiS-/)? <piXxpoi<; iXV cög |/iya£ "Ap7)[? 

ptoipiöioi? AT/ij/^Oc!; O'j/ öffiai; ßordcvai? 
aXXa 7:0.700; luv gaefo (?; 

y.r,Tr,p 7rsvöa!Xe7] 

Die beiden ersten Distichen bieten inhaltlich keine Schwie- 
rigkeiten; die Ergänzungen sind durch die Buchstabenreste 
sichergestellt. Zu rexv^ [«ya vgl. Kai hei. Epigr. gr. 386, 1. 
Die weiteren Distichen sind dunkel. Die Ergänzung f«ya$ 



INSCHRIFTEN AUS ANDHOS UND PAHOS 13 

"Apn? scheint sicher, hinter dem vi kann nur noch ein Buch- 
stabe gestanden haben. Vielleicht ist xXXüx; zu lesen und das 
ganze auf Unlü^r^ zu beziehen, dann würde oö/ w: II. durch 
ä.\Yx icarpos aufgenommen werden. 

10. Paläopolis. Grabstein in Form eines Xaiskos, in einem 
Hause nicht weit vom Meere, H. 38 cm , Br. 20"". Weisser Mar- 
mor. Darauf in Belief ein stehender Jüngling, der in der Lin- 
ken einen Vogel, in der Beeilten einen undeutlichen Gegen- 
stand (Traube?) halt. Sehr verscheuert. 

ZfillMION Zuffipov 

ONHII<|)OPOf| 'OvY)(r£<popo -: 

XPHSTOIXAlf// £pr,<7fol X ai LP 6T6 ]- 

1 \ . Paläopolis. Grabstein in einem Hause am Wege nach 

M-arai eingemauert. II. 5.Y ,n , Br. 40 cm . Flüchtige späte Buch- 
staben. 

ÄHMHTPIEEPrQNlÄOY \r, ? :},-y.i 'EpYWviSou 

IftZAPIONÄlOÄQ O Zcocrxpiov AioSw[p]o[u] 

TYNHAe El IQ yuvyj 8e 'Epyca(vi&oy) 

EPrQNlÄAÄ 'EpywviSa A(-.oScüpou) 

XPH2TEXAIPE E XP 7 »^« X aI P 6 

In der dritten Zeile wollte der Steinmetz offenbar 'Ecyw- 
viSo'j schreiben, in der vierten AioSwpou. Das zweite E der letz- 
ten Zeile sollte wol ursprünglich das = von x a *P 6T6 werden; 
das ging aber wegen des yzr^ii nicht an; der Stein ist viel- 
leicht nie verwendet gewesen. 

12. Paläopolis. Im Hause des D. Sterianos. II. 18"", L. 35 cm . 
Weisser Marmor. 

a E a <$> i a o ->: 

T H 2 
E Y T Y X O Y 

13. Paläopolis. Im Hause des D. Sterianos. H.35 cm , Br. 40 c "\ 
Weisser Marmor. 



15 fe. PERM CK 

AOPOKAHIOAY AwpoxWfc *0>u[f«cia&ou] 

OAYMniAAHIA 'OX-juxiä^ Ajwpoj&eou?] 

MHTI..H. ATAG Mr,t[poxV)>i[Yj 'Aya6[ojcXe'ouc] 

AAMII.A AT Aap[i]a 'Ay'aQox^'ou;] 

TYNHAE OAYN yuv/] Se 'OXu^hciaSou] 

ATAOOKAH^O 'AyaOo/.Ar,; 'O^up/JciaSou] 
^^AAAKOT 

14. MwaTffi im Hause der A. Kosomiti an der Treppe ein- 
gemauert, von Miliarakis S. 126 ungenau herausgegeben. Ab- 
geschrieben von Wollers. Weisser Marmor. II. 53"". Br. 38 cm . 

o 

["lYPriftNinAlllOY nupyicov üaizioM 

EnOlHIENTO iicoi-ncev to 

MNHMAEAYTQTE p9)[/.a h^w t £ 

K A I r Y N A I K I M O Y 2 A I xat yuvaix' Mouoaf- 

A I K A I T E K N O I 2 K A I T O i S-. Jtai tex.voi; x.ai to£- 

ZErrONOI^AYTfiN ? iyyovot? aürwv. 

ATAGHMEPEXPHZTE 'Aya0yj{Aep6 xpr,<m 
XAIPE X at P 6 - 

15. An dem von Weil, Athen. Mitth. I S.239 herausgege- 
benen dritten Psephisma der Andrier muss nach einer vorge- 
nommenen genauen Revision so viel geändert werden, dass 
eine Wiedergabe des Textes notwendig erscheint. 

1-3 Buchstabenreste nicht zu ergänzen. 

. . . TO'J Lf.eSltlVOU 0~O)? XV O'JV siÖüJT'.V X7CXVTSS OTt 

5 \.-\n--j-'j.<. 6 r^ao; yxz<-y.; y.i ix: äTCo]^t|_Sövat] 

[toi;] £uspy£Tat<; 67t[aiv£ <?ai 

/.•/'. <jTe<pavöaai ypua$ <JTe<pav<p 
[«wo . .1 8payjx,[ü)v] ap stt, ; Üve[xJ6[v] xai £uv[oia;] 
[tyj?] ei; tov Sviiiov tcöv 'Avöpiwv tov oe yp[a|/.[/.XTea] 
10 t-?,; ßov]Xrj$ ä.-ayy£iAai tövSe tov cte ^xvov] 

[Atovuat oi< TpaycüSäiv tu> iyövi, £iva-. J$e aüiü] 
x od x'/ao xva06v iupeo9at ffap« toö ö7)(A0u [outivo?] 
bcv ^o/.ei a;io<; tivai. taaiveaai äi x[a]i [tJo[u$ 



INSCHRIFTEN AUS ANDROS UND PAROS lo 

[cTp]aTid)Ta? oto'. tx; yoiix; 7cape<JYOVT[o tJ£> or,- 
15 [|*ij>] *[ai] <j'jvr J py7)'7av ei? to ffirov eu{xa.pe<m pov 

giffayeiv] tsC tcöaei, tov Ss ypav.aa.TEo. tcjv 7cpura veoov] 
[ivjaypx'^a'. toÖe to ^TioiTy.«. sv <rrr)AY)v Xi9i[vrjv 
itai gt7)<t<X( iv ty] xyopä -zo^iz to0 (jG'jasv Tvjpio'j 
to Se ävÖAcoiAa to vevöfJLEVOv £'!? ttjv iva-j 
20 [yI *?'^ ^°^ vai T o^ Txaiac ä.~o tcüv 7tpo<yd Swv" 

[tÖv] TY)S TCÖASCi)?. 

Die Inschrift gehört wol noch dem vierten Jahrhundert 

an. Von welchem kriegerischen Ereignisse die Rede ist, ist 
um so weniger zu ermitteln, als der Name des Geehrten voll- 
ständig verschwunden ist. Die Formel des Dekretes stellt sich 
nach der neuen Lesung genau den übrigen dieser Art zur Sei- 
te, über welche zulezt Schmitthenner. De coronarum apud 
Athenienses honoribus { Berlin 1891) gehandelt hat (vgl. dort 
S. 19 über das Aller der Formel ä-ö . . 8pa-/p.d>v). Z. 16 ist 
Ypa|/.aaTea töv rtpurave'wv sicher zu ergänzen, und danach auch 
in dem ersten Psephisma der Andrier Z. 9 einzusetzen (Weil 
a. a. 0. S. 236. "237). Z. 17 ist iv (tttjXyjv ein Versehen des 
Steinmetzen. Bemerkenswert ist noch Z. 16 rei -oas-. und Z.13 
o'jtivo; av ooxei für tyj r.okv. und outivo? av Soxvi. Die seltenere 
Form ä-ayy=fAac für ivsiTCEiv oder ivayopeöffai ist vollkommen 
sicher. 

Ich füge dieser Aufzählung zwei Inschriften hinzu, welche 
ich bei einem Aufenthalte in Paros abschrieb. 

\ . In einem Hause d 
der Westküste der Insel 



1. In einem Hause des Liguni genannten Landstriches an 



OJ Z / 
NOYNTAKAITTO ui 

KEIMEOAUUAEkATUUENTUUAI 
WNIMH AENEXONTESHETTANW 
TE2ZAPE2TTAAKE2TTAPAKAAW 
AE2E0YrATHPZUI2IMH 
METATHNEMHNKOIMIZIN 



lli K. PEHNICK 

TOI2MEkATA2TH20Y2IN 
I2TONAIUUNIONOIKONAUU 

2 llEUITüüAIIAPlAOkTUJ 

voövxa xai tco xetij.eOa u>o£ xaxw iv tu aldivt [//rjoev 

£70V7£C ^ £-XVd) TEffffapg? TT^äxSC. TTapaxald) 0£ <7£ 0'jyoCT7)p ZfaXjify.Y) 

u.£tx TTjV £u.r,v 3toi.at<ytv toi? p.£ xaTaGTTjTO'jciv Ic, tov atwviov o'lx>ov 
ScoTt; i/,i.n-(si iffff&pta ö/.-rco. 

Die Inschrift ist etwa dem dritten bis vierten nachchrist- 
lichen Jahrhundert zuzuschreiben. Sic enthält auffallend viele 
Heispiele von lotacismus. Jeder von den Totengräbern soll 
nach der Bestattung acht i<y<i(fcpia für seine Bemühungen haben. 

2. Inhaltlich weitaus wichtiger ist die folgende grössere In- 
schrift, welche sich in dem Hauptort Parikia in einem Pri- 
vathause dicht bei dem des Stavros Minda beiludet (es ist das 
gleiche Haus, in dessen Stalle die archaische Inschrift Bühl 
Imag. S. 50,1 eingemauert ist). Der Stein, weisser Marmor, 
ist in zwei aufeinander passende Stücke zerbrochen. 

_ft ^ 

EllAPXoNTol0Eo(t)PoHolToYAEI . 
. oYHEfikoPoYHTolAkEIIol 
UIIOIITP . vUEPHIEAorEYIE. 
5 ElIEÜlIkE YHHTHHPHHHIUI 
ToYBQMoYKAIToYOAAAMoY 
MYAA IIXAPHTolEÜN .TOEYATr 
I(t)IAAh QEYArorAüTTAZiAXAPH 
EMNHZIoMTIMHSIEZAZTTAZIATEIZHC 

10 nAIAAPXHTIMHrOlA.IIATIMHIIC 
EPA2ITTTTHAPXEA. EMEAINioMMHH2IC 
IMYAAlIKPITn.LTIMAPETHTIMHIIC 
EPAIinnHMHHCMAAOloHEniAHAI 
MAAOloH^IAQENAYTnroProYI 

15 \ Pn A A H TT Po 2 E E TT E k ft T I M AT . . 
,ANoAlkHTTAP._rMAAOloNTTPo20l 



INSCHRIFTEN AUS ANDROS UND PAROS 17 

XT FftTftMNHrTIMAPETHroProY. 
AEIHAIßTTYOinrTIMAPETHKAI. . 

TIMAPETHETTIANAIEPA2ITTHKPA. . 
20 APXlIAPXETIB^PYHIS^r'. * . . . 

.oPrilkAIO/N.ATIMHIAPHT. . . . 

AITTAIIAATTABEIIIOHAEZIO . 

,HAinilMH AATAAII 

. . .ftAAllirAHTAIIAAAEZAAA 
25 . . Y K I . . A . . ATBo<J)l A A I Afll 

. . ITA . IAHiA .f PZßTEIPAAH? 

. . . AA . X . . APXZIinSIMHAIXPIA 

. . I^loh oEoAQB^aTPaAKESIOZA 

oZ~HAAKAEonATPA5 : 

30 . . . . HrTHMHTPoAEYHMEPIArAYI 

.... HMHZnKAAI2MHHAIQ2IMH 

AkAPoATTPftToAiaTIXH 

ATAAI^OEO^OMIAIAKAA 

EIAKAA -EYTENEIA . . 

35 EIA^ATTATHTTPA?— EAi. . 

Z\h loNEYHMEAftPAlA 

'AAKEZIOSA 



'Er' apyovTO«; 0so<ppovo; toO AsTv- 
Kai; O'l^Tp o]ö$(?) Upvj? i^öysuffefv] 

5 Et? £-'.G)tS'jr,V TT]? Kp7)V7)£ 7.7.1 

tou ß<of/.oö Kai toö OaXäao'j 
M'jaai; Xzp-/]T0;e'. riv(\rT(i> E'jayo(pO'j) 
£■'. 'InXa-Aco E'jayö(pou) y'. 'Aa-xsia Xap-/](T0<;) 
e'. Mv^ctov Tif7.rj(j(io'j) is*'. 'AtfTTXGty. iY.G7,(vopo?) f f . 
10 riaioap^ic Tiu.y](sio'j) y'. $i> i]a<ja Tiu,yj<s(iou) tr'. 
'Epactawn 'Ap^g>[4](ou) e'. MsXiviov Mvt)<ti8(Iou) 
^'. MuA>a<; KptTü>(vo?) [tr']- Tij/.apeTV) T'.ar,c(iou) i^'. 
'Epa<jix7w7i Mvr ( (cio'j) c"'- MxaÖiov 'Erciäva^TOs) i'. 
MzaO'.ov «I>i>('o 'Ev^'jtw Topyo'j i.\ 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 2 



18 E. PERN1GE 

15 'ApTTäVf, IIpo<j9£'(vou) 'Ex£/cdi Ttu3ty(öpoo) . . 

[ ( I>javoSiy.7; riäpLü) (vo<;) y'. Mi^Öiov IlpocOe(vou) 

a'. LÜpjcoTO) Mvt)(<jiou) y'. Tiaap£TY) Töpyo'j. . 

Aeivoaa) II'jOi-(TCO'j) y'. Tit/.ap£TY) KXi(v£0u). . 

TtaapsTT) 'E~tiva(>cro?) i'. 'EpaciT^)?] Kpa(xa)voi;). 
20 'Apyi; 'Apysx^ao'j) €'. ( I>puvi<; KXs 

[FJopytGx.a. . . .a Tiu.'/;c(iou) 'Api<7T[oviy.Y)] 

'A<T7wa<Jta 'AxTaSsiatov Ae£iö(you) . . 

7) a'. Z(0<yiu,Y] a'. 'AyXai; 

y'. 'Ac-acia 'A>£^7.[v](Spou) a'. 

25 jTX]u>u[a] a'. TpotpiXa. <I>iX(i>(vo;) i'. 

?. ~cö-r£'.pa. Ar,({/.ou) 9. 

[IIxt]Sx[p]jr».5 'Ap/_£(Tt[xou) i'. Zü)oi{/.y] Alypi(ou) a' 

[Mv7)j(7lOV @£oS(i)(pOu) £'. UtoTpä) 'A*£GlO; a'. 

o£eva a'. KX£o:raTpa £. 

30 ['EpaatwjwTi Mv)Tpo(Swpou) a'. Eur,j/.spia rXu(y.(i>vo;) t 

r,Go> Ka5.i: Mvt^giou) a'. Zcosiuy: 

..... 'A)tapO«(?) IIp(OTo(y£vou<;) a'. Zamyr; 

'AyXa!<; 0so(8cöpo'j) £. c O[xt)aa KaX(Xiou) 

£i<x KacX() k iou) = Euye'veia .... 

35 eia 9 . 'A-xtyi npa(£iou) 9 — 

iviov EuY][/i(pou) a'. 'üpaia. . . 

a 'A>t£ijio? a'. 



Das Alter der Inschrift ist aus den Formen der Buchstaben 
nicht zu ermitteln, doch scheint der Gesamtcharakter mehr 
auf die Zeit vor als nach Chr. hinzuweisen. Das O ist klein, 
das Q. hat einen niedrigen Bogen, das K kurze Hasten. Die 
rechte llasta des N ist kürzer als die linke etwa wie in der In- 
schrift bei Le Bas, Inscr. 11 Nr. 2092. 

In der Überschrift ist die Bede von einer Collecte, welche 
zur Herstellung der Quelle, des Altars und des Thalamos 
durch den Priester (ispr,; wie auf der Inschrift von Palaoepi- 
skopi 6 T . /. G. 1513) angestellt wird. Das weibliche Ge- 
schlecht der in der Liste Zahlenden lassen als Göttin Aphrodite 



INSCHRIFTEN AUS ANDROS UND PAROS 19 

annehmen 1 . Möglich ist sogar, dass sie in der Überschrift ge- 
radezu genannt ist. Von ourrpos, die Bremse, im übertragenen 
Sinne der Liebestrieb (z. B. Eur. Hipp. 1300) kann sehr wo! 
ein Beiname der Aphrodite Oinzzu gebildel sein, der allerdings 
nicht nachweisbar ist. Zudem führt die Form der Frauenna- 
men und einige Namen selbst darauf, dass die Spenderinnen 
wenn nicht alle, so zum grössten Teil Hetären sind. Ist das 
richtig, so gewinnt die Inschrift neben dem rein epigraphi- 
schen grosses sittengeschichtliches Interesse. 

/. 7 beginnt die Aufzählung der Namen. Besonders auffäl- 
lig ist in der Liste die Abkürzung der Vaternamen, welche 
mit der gleichen Freiheit angewendet bisher sich nicht gefun- 
den hat. Fs handelt sich nicht nur um Casusendungen wie in 
den Patronymika der attischen Inschriften, sondern die Ab- 
kürzungen unserer Inschrift entsprechen dem Standpunkte, 
den jene zu den Demotika und Etbnika einnehmen (vgl.C./.-l. 
11,1 ,334). Die Ergänzungen der Vaternamen sind nicht immer 
mit Sicherheit zu geben. So steht z. B. Z. 20 8eoSa>. Z. 33 0so. 
Vielleicht ist im zweiten Falle ein anderer mit 0öo. zusam- 
mengesetzter Name zu ergänzen als ©eo&topou z. B. ©eoyevo'js 
(C. I. G. 2409) oder 0eot=ao^ (C. I. G. 2390). Die gleiche 
Schwierigkeit liegt vor Z. 10, wo TW,, geschrieben steht, wäh- 
rend es sonst TW,<7. heisst. IIcwto. in Z. 32 kann ebenso gut 
zu lIf(i>7oy.-//o'j u. a. ergänzt werden. Einige Namen sind nicht 
abgekürzt, so 'Axetrios Z. 28 und 37, röpyou Z. 1 i und 17, Xz- 
Pyjto? Z. 7 Das kann absichtlich geschehen sein. Akesis we- 
nigstens ist als Neokore Beamter des Tempels . Von den in 
der Liste sich findenden Männernamen sind aus parischen In- 
schriften folgende schon bekannt: 'AXe£avo*po$ ('. I. G. 2390, 
Föpyo; Thierse!). Über Paros und parische Inschriften (Ab- 
handlungen ^v münchener Akademie 1855) S. 601 ; vgl. 
LeBaa, Inscr. II Nr. 2071. 2088, eedoupo* LeBas II 2087. 
2092. KetTtav C. f. G. 2399, NcocOi'vr,; C. I. G. 2385. 2414. 



' Der Aphroditekult für Paros wird erwiesen durch die [nschrifl bei LeBas 
II Nr, 2062. 



20 E. fERNICt, INSCHRIFTEN AUS ANDROS UND PAROS 

LeBa*II2085, Ilapcov LeBas II 2066, $&<av LeBas II 2092, 
Tifiotyopa? LeBas II 2062. 

Als Zahlzeichen treten auf 1) für die Vielfachen der Zahl- 
einheit die Buchstaben, 2) für die Teile der Einheit die Zeichen 
9 = — . Es bedeuten die letzteren ohne Zweifel dieselbe Ein- 
teilung der Einheit, wie wir sie zuletzt für Oropos kennen ge- 
lernt haben (Keil, Hermes XXV S. 610) und wie wir sie für 
Trüzen, Argos, Nemea, Pergamon kennen und es sind somit 
die bezahlten Summen hier gleichfalls in Drachmen zu ver- 
stehen. Der kleinste Betrag sind 2 Obolen, der grösste 16 
Drachmen. 

Greifswald. 

ERICH PERNICE. 



£ >-.< <s~ 



ZUR IIETÄRENINSCHRIFT VON I'AK'os 

Der glückliche Finder der vorstehenden Inschrift (S. 16,2) 
nennt mit Recht das Denkmal Bittengeschichtlich interessant. 
Nicht nur, dass wir hier einen Katalog von Hetärennamen 
vereinigt finden, von denen viele, sicherlich aber nicht alle, 
Spitznamen gewesen sein müssen, es ist auch die Schlussfol- 
gerun»; unabw eislich, dass die aufgezählten Frauenzimmer 
einen Thiasos, eine religiöse Vereinigung, gebildet haben. 

Zunächst die Namen. Die neutralen Formen sind wie be- 
kannt vor allem für Hetären beliebt. Kosenamen auf -iStov oder 
-iov oder ähnlich können freilich an sich auch Wesen bezeich- 
nen, deren Anständigkeit wir anzuzweifeln nicht das Hecht 
haben, Männer wie Frauen. Das klassische Beispiel istAajjwx- 
^iwwtov Aristoph. Acharn. V. 1206. So erledigen sich Ehe- 
frauen wie Möayiov, BoiSiov u. a., die z'. T. auf Inschriften 
zerstreut vorliegen, z. T. von Fick , Personennamen S. 232 
und Grasberger, Stichnamen S. 30 f. zusammengestellt sind 1 . 
An der Auffassung der Inschrift, die nicht allein auf diesen 
Namenformen beruht, wird diese Erscheinung schwerlich et- 
was ändern können. Es finden sich hier sechs Beispiele dieser 
neutralen Bildung: Mvfatov, MeXiviov, M&X8iov (zweimal ; mit 
Vollnamen Ma.Vixy.-r, Athen. XIII 587/') 'Ax raSewiov (?), . .iviov 
Z. 36. Wenn ferner nicht weniger als drei 'A^scnai aufge- 
führt werden, so ist diese Häufung zwar oichl beispiellos, aber 
doch auffällig. Gewiss hat die berühmteste aller griechischen 
Hetären, die milesiselie Freundin des IVriklcs, ihren Namen 
hergegeben. Ist das richtig, BO fuhren die drei Aspasien der 
Inschrift nicht ihre wirklichen, einst bei der Geburt verliehe- 



1 Die sechsjährige Tochter eines dem Marlial gehörigen Sklavenpaares 
hiess Erotion (Martial ed. Friedländer 1 8. II). 



22 E. MAAS8 

nen Namen, sondern Spitznamen. Sodann erscheinen redende 
Namen wie 'Attxty}, 'EvS-jtü ( = £vS'jto©6oo?), 'OiuAia (viel- 
leichl sogar vom geschlechtlichen Verkehr gemeint) und ( I>'.- 
Xaxw, falls dieso Bildung zu iptAaxoAouSos und nicht zu einem 
andern Compositum Roseform ist. Schliesslich sind wir durch 
die litterarische Parallelüberlieferung ganz zufällig in den 
Stand gesetzt, noch \on zwei in diesem Denkmal auftretenden 
Personen nachzuweisen, dass ihre Namen zu anderer Zeit und 
in anderer Gegend Hetären eigentümlich gewesen sind. Athe- 
naeus schliesst XIII 583 d seine Hetärenliste aus Machon mit 
folgenden Worten: f/i^P' \ } - vl T0 '^ TCOV p-vr.aovsöw tüv 6wo toö 
Miywvo? E'!pr,as'v(ov. ai yap xaXai -/;t/.üv 'Aö^vai tosoütov —Ar/Jo? 
yjveyxav gratp&v, Tuspt wv iwe^sAeucofAai ocov ys §uva[/.ai, ocov öy^Aov 
euavopoöca -ÖA'.c oux Injiv. avayeypaas yoöv 'AptGTO'pxvr;; [/.sv 6 
B'j^xvt'.o; exarov xai as', 'A-oAAoScopo; Ss toutwv ttAeiou«;, 6 Top- 
yia? Sc TCAeova?, 7capaA6i<p095vat (päG/.ov-rec 6-6 toG 'Api5TO<pxvou$ 
asTa. ETatpöv 7CA6i6v(j)v xai tztSs . . . ttjv IIzpoivov i-iy.AYiQsIsav 
xai Aajjwcuptoa x.7. ! . Eumpcauv/jv" aur/) §£ r,v yvaoeö)? 6uyaT7)p. aypa.- 
epot S' s-Itlv aÜTÜ (Aristophanes) (xai)> Mgyicnr), 'AyaAAi;, öxu- 
ij-y.p'.ov.Bsöx.Aeta ( aox'/i oi-S/caAsiTO Kop(j>v7)),^l7jya«ro«yoTOc, , '4oT|)a l 
TviOaiva xai Taur/j^ GuyaTpiSv) Fvaöaiviov, x.a>. Siyr] xai Suvwpt; 
(yj AO^vo; 6WtxaAou{jt.ev7j) xai EuxAeia xai rpu(/.ea xai ©pvaAAti;, sti 
Xipaipa xai \y.y-i;. Das Wortungeheuer AvjvaiTOxuoTO? hat 
Meineke (sehr wunderlich!) in ATjvaioxuaöos ändern wollen. 
Die Heilung muss vielmehr mit der Thatsache rechnen, dass 
auch "Aaxpa nicht unversehrt sein kann: es isl kein Name, 
und 'AffTpaia, ein Vorschlag Kaibel's, nicht wahrscheinlich, 
weil diese Bildung meines Wissens nur zur Bezeichnung der 
Dike-Astraia verwendel worden ist, von welcher zu dem Kreise 
der Hetären keine Verbindung überleite! '. Vielmehr muss an- 
ders getrennt und dann leicht einendirl werden. Ich denke, 
aus AnvaiTO KuffTOcaarpa ist Avjvaiw KXeorcarpa ZU machen wie 



1 Nauck, Aristoph. Byz. fragm. S. 278 Anni. 12 will Ai)voit<Jxuot« ändern. 
Übrigens isl dorl von Nauck einiges für das interessante Kapitel der Hetä- 

rennamen zusam agetragen. Ein Gesamtverzeichniss aller Hetärennamen 

wäre eine lohnende Aufgabe, 



ZUR HETAERENINSCHRIFT VON PAROS 23 

auf der Inschrift von Paros : denn in Ah.vx-.w birgt sich Ar- 
vxiu ohne Zweifel. Also waren diese Namen unter don He- 
tären mindestens seit dem dritten Jahrhundert (denn vor Ari- 
stophanes von Byzanz müssen die dem Athenaeus aus der 
Litteratur bekannt gewordenen Trägerinnen der beiden Xamen 
gelebt haben) als Spitznamen ganz gebräuchlich. Es mag 
sein, dass die sagenberühmte Kleopatra, Meleagers schöne 
Gattin, das Namenvorbild geliehen hat. Die Schönheit der 
Gestalt trägt 'AyXai? jedenfalls im Namen (zwei Personen) 1 . 
Wie die f J>p<jvi; unsrer Inschrift sich von der berühmten $puvy), 
so unterscheidet sich auch 'AyXafy von 'AvlyAx, der Charitin, 
nur durch die Endung. IlpwTcö Z. 17 führt sogar einen Xe- 
reidennamen (Ilias XVIII 43). Auch 'E^saü mag hierher ge- 
stellt werden. Als Langform wüsste ich nur 'E-ex.ztty) vorzu- 
schlagen, das sich zu 'Etzv/Aozy, verhalten würde, wie 'Ap/s- 
Aop; zu 'Ap/iAoyo?. Es wäre 'E-v/.i.GT-ri eine umgekehrte Ka- 
<jt£7T£ia, und KaAAt£7T£ta in der Bedeutung gleich. Schliesslich 
wird 'ApxaV/i aus 'Apxy.Vr/.r, gekürzt sein. 

Ausserlich sondern sich die aufgezählten Erauen in solche, 
denen der Vatersname beigegeben ist. und solche, die ihn 
nicht haben. Das ist in dieser Sphäre schwerlich Zufall. Wir 
werden der zweiten Gruppe nicht Unrecht thun, wenn wir an- 
nehmen, dass die in ihr enthaltenen Hetären incerto patre 
geboren waren. Es sind das die folgenden : Z. 23 -y] und Zco- 
ci(A7], Z. 29 -o£eva (unionisch) und IvAco-arpa, diese freilich 
trüge als incerta ihren Namen wie zum Hohn, vorausgesetzt 
dass er nicht nachträglich erst angenommen worden ist. 

Haben wir an einer erheblichen Zahl dieser Frauennamen 
die hetären hafte Eigenheit aufzuzeigen vermocht, so sind wir 
umgekehrt nocli heute in der Lage, an einigen Beispielen das 
Gegenteil erweisen zu können. Es ist eine oft beobachtete Er- 
scheinung, dass Vater- und Sohnes-, bez. Tochtername in ei- 
nem Bedeutungsverhältniss zu einander stehn : 'AwoXXoSwpo? 



1 üb 'AyaXXCf bei Athenaeus aus 'AyXaff verdorben ist, Iftssl sieb nicht 
wissen. 



24 K. MWSS 

IlcAuSupo'j. TiuöSauo; TtaoXxo'j, EuSo^o; K^eaiverou und viele 
andre Combinationen sind in allen Gegenden Griechenlands 
beobachtet. Diesen Brauch auf unsre Inschrift angewendet, 
sehen wir ohne Weiteres, dass IIvutw Euayopou ihren Ursprung* 
liehen Namen nicht aufgegeben hat (denn IIvjto) ist aus IIvu- 
Tayöpa gekürzt), auch nicht 'Apyi? 'ApysTiuou (denn 'Apyt? 
lässt sich auffassen als zur Langform 'ApysTiur, oder, wie Z.27 
in der Verbindung IlouSapyi«; Apveu^ou, zu IlaiSxpyi; gehörig). 
Auch Ti|jt.ap6T7] l\ur,<nou und -strpo) 'Axlaio? sind so zu beur- 
teilen. Wir haben allen Grund, in den Vätern parische Ein- 
gesessene zu seilen. Ildcpwv Z. 16 ist beweisend, und der Her- 
ausgeber hat Parallelen für den parischen Ursprung von Na- 
men wie HpocOevY); u. A. beigebracht. Fraglich ist nur, ob die 
Identität der Vatersnamen, wie in MiAXl$ XdcpviTOs und 'Ac^a- 
gLx Xäp'OTo;, auch die Identität der Personen miteinschliesst 
oder nicht. 

Von etwa der Hälfte aller auf dieser Inschrift vorkommen- 
den Frauen ist es also sicher oder doch wahrscheinlich, dass 
sie Hetären waren. Für die übrigen ist dann das Gleiche ein- 
fach vorauszusetzen. Oder sollen wir glauben, dass ehrbare 
Frauen und Gassendirnen sich an derselben religiösen Stiftung 
gemeinsam beteiligten? Waren aber alle namhaft gemachten 
ihres Zeichens Hetären, so wissen wir auch, dass eine Gruppe 
parischer Hetären einen gemeinsamen Kult mit Priester (UpriO 
und Küster (vswjtöpo?) besass. für den sie in dem vorliegenden 
Falle freiwillig steuerte. Mit einem Wort: diese Hetären bil- 
deten eine organisirte Kultgenossenschaft. 

Auch auf anderem Wege gelangen wir zu demselben Schlüs- 
se. Ehefrauen sind in der Inschrift nicht genannt; diese wür- 
den ohne Begleitung oder Nennung ihrer Männer schwerlich 

DO o 

erscheinen. Es werden aber nur Väter genannt, und bei de- 
nen wohnen allem Anschein nach auch die genannten Ge- 
schwister. Mädchen aber mit z. T. so bedenklichen Namen 
und gruppii't um den noch bedenklicheren Kult der Oirrxpö) 
sind unter den Aufgezählten auch nicht zu erwarten. Ich kenne 
keinen Beleg dafür, auch nicht aus hellenistischer Zeit, dass 



ZUR HETAERENINSCHRIFT VON PAROS ?5 

Mädchon für sich einen Privatverein zu religiösen Zwecken 
liätten bilden dürfen. Und so fasse ich die ipavicrrpiai auf der 
Inschrift bei Foucart, Les associations religieuses S. 22*2 
( Awpi;, 'EXtüi;, <I>iaa(J, Nsasiz?. EO/.oaov, EüxXea, Aeövtiov. NiXYjff«, 
Sooov, MeXiTta, Atv7)<7tov,'Apt<rr<i> usw.) als Hetären auf. Nsaei? 
ist ja nach Athenaeus XIII 587c* bekannter Hetärenname ge- 
wesen : xai Nsu.sio'o; Se tt;; aüVr.Tpio'o; 'Y7cepeiör,; [tv7)|tovEU6i £v 
tw 7cepl Ilarpox.'Xeo'j;, 7cept r ( ; ä£tov 8au|A»,6W tgj; Trepteioov 'AOr,- 
vaioi 0'jtü>; TTOOTaYOps'JOaevr/V tyjv Tuopvviv Trav^yopsco; £voo;oTaTr,<; 
övduaTi x6*/p*o(/.£V7iv' £/.£x.ci)^'jto yap t<x TOiauTa Ttöeadai ovoaaTa 
ou [aovov Tai; Iraipouffais <xk~kx x.ai Tai; aAAai; So'j'Xai;, (i; qpjffi 
IloAEacov ev toi; EUpi 'AjcpowöXeus (Fr. 3 Preller). Auch die 
Priesterin rXaöx.ov, der ihr Verein auf der im Piräus gefunde- 
nen Inschrift bei Foucart S. 195 Ehren bezeigt, scheint He- 
täre gewesen zu sein, desgleichen AiOspiov, die mit zwei an- 
dem Weibern, 'EpuTi; und 'Uvr/ix, an einem sonst nur von 
Männern gebildeten Verein Teil nimmt (Foucart S. 221: Sa- 
lamis). Endlich sei kurz auf ein für die weiblichen Oiasoi be- 
deutsames Epigramm des Kallimachos (XL bei \\ ilamowitz) 
verwiesen. Dort nennt sich eine Priesterin der Demeter (spä- 
ter der Kabiren und dann der Hhea vom Dindymon), übri- 
gens eine verheiratete Frau und Mutter, tcoaaojv wpooTaaw) vswv 
yuvai/cwv. Ich kann darunter nur die Vorsteherin von einem 
(oder mehreren) Frauenvereine verstehen, der religiöse Zwecke 
verfolgte; vgl. die Inschrift bei Conze, Reise auf Lesbos 18, 
Foucart S. 238. 

Die Gottheit, welcher der Hetärenverein von Paros Brun- 
nen Altar und Thalamus neu herrichten Hess, war natürlich 
die des Thiasos. Sie führt den noch unbelegten Namen Oittco), 
war also weiblich. Ohne Weiteres denkt man an Aphrodite 
llopvr, ', und in der Thal ist Otcrpw Koseform zu olaTpocpöpo; 
( oilcr ähnlichen Bildungen), wie anderswo 'A<ppcö zu 'A^poSiTn 
und Hunderte von Beispielen. Da ist es sehr hübsch, dass wir 



1 Es ist die Aphrodite, der /.. B — tuov f ( ^spi^ouo? iix<{v' x&tijj u. A. schenkt 

Kallimachos Epigr. 38). 



26 E. MAASS, ZUR HBTAERENINSGHRTPT VON PAROS 

mit Hülfe unsrer Inschrift wieder einem Litleraturproduct zum 

Verständniss verhelfen und umgekehrt der erst erschlossenen 
religionsgeschichtlichen Thatsache durch jenes Bestätigung ver- 
schaffen können. Paullus Silentiarius, ein später aber gut un- 
terrichteter Dichter, hat A. P. V 234 ein Epigramm hinter- 
lassen, in dem er sich als Anhänger der Aphrodite Porne also 
bekennt : 

6 rpiv ä i ux'X9xy.T0i<Jiv utco cppsclv t^^jv ev rfii\ 

Oc<7xpo<pöpou Hacpi-Ai; Oscraöv aTC£iw4:(/,6vo?, 
yuio^opoi!; ßeXeeuaiv ave'u.€<XTO<; 6 Tirpiv 'EpwTwv, 

aü/sva (70i x.>ivd), Kuwpt, [/.eoattTCÖAio?, 
&g£o ae y.jcyyaAowTa, <70cpriv ort [IaAA&oa vix.a? 
vuv tcXeov 7i tÖ icapo? |X7]Acp £<p' 'EaTtspiScov. 

Ob wir uns die Aphrodite Olirrpü-Otirrporpopo; des parischen 
Hetärenvereines als Bremsenträgerin im eigensten Wortsinne 
vorstellen müssen oder ob der Beiname in übertragener Be- 
deutung zu nehmen sein wird, kann ein Monumentenkundiger 
vielleicht rasch entscheiden. Subjectiv bekenne ich mich zu 
der Ansicht, dass diese Otcxpcö die Bremse, ein passendes 
Symbol, wirklich auch gehalten hat. 



Greifswald, 8 Februar 1893. 



ERNST MAASS. 



—~o*«t£*<o-.- 



GRABDENKMAL AUS BITHYNIEN. II. 

Die Bemerkungen auf S. 80 ff. des vorigen Jahrgangs die- 
ser Zeitschrift waren nicht lange gedruckt, als Herr General- 
direktor von Kühlmann mir gütigst Mitteilung von noch zwei 
ähnlichen Denkmälern machte. Die ohen (S. 85) versuchte 
Beurteilung des Denkmals ist also nicht zutreffend: nicht aus 
der wunderlichen Laune eines Einzelnen sondern aus der 
einer ganzen Landschaft scheint die Form entstanden zu sein. 



^j 



wfci 










Von dem einen jener beiden neuen Denkmäler, welches 
sich in Badji-köi befindet, hat Herr von Kühlmann inzwi- 
schen dem Institut Photographien, Zeichnungen und Ab- 
schriften der Inschriften zu senden die grosse Freundlichkeif 
gehabt, und wir verdanken ihm die .Möglichkeit, dieses inte- 
ressante Denkmal im Folgenden näher bekannt zu machen. 



28 H. GRAEF 

Die vorstehende Abbildung zeigt einen Auf bau, welcher im 
Wesentlichen dorn von Atschik-kaja entspricht. Das Denk- 
mal ist etwas reicher ausgestattet, vor allem zwischen den 
Eckpalmetten des Unterbaues durch die Gruppe eines von ei- 
nem Löwen niedergeworfenen Stieres geziert 1 . Die Haupt- 
masse, welche einer genauen Aufnahme von der Hand des 
Architekten Herrn Milosovic verdankt werden, sind folgende: 
die drei Unterstufen sind je 0,61'" hoch, und an der Vorder- 
seite 4,24 bez. 3,16 und 2,58"' breit, der altarförmige Un- 
terbau ist an seiner schmälsten Stelle 1,64 breit und l,43 ,n 
tief bei einer Gesamthöhe von 3,60'". Der daraufliegende Stein 
ist 1,80 breit, unten 1.8(5 lang. Der Bau steht nicht ganz al- 
lein, sondern ist wie man sieht umgeben von einer grossen 
Masse von Trümmern, aus welchen sich rechts und links an 
das eigentliche Denkmal anschliessend zwei augenscheinlich 
an ihrer ursprünglichen Stelle betindliche Blöcke hervorhe- 
ben. Sie sind beide mit, Inschriften versehen ; der linke ist 
2,90"' lang, 1,51 hoch, der rechte 2,9. ),n lang und 1,33 hoch. 

Auf dem Architrav beginnend steht auf dem Denkmal die 
folgende Inschrift: 

AniATTAniOYNOMIKni 
ZHIANTIETHMATEPYAAANH 
TTTO N -'"MOY" 7 ^ T ^lANAPIKAIEAYTH 
TOMNHKEIONKA-EIKEYAIEN 
KAOnznEPIOIKOAONHTAISYN 
TAIinEPIKEIMENAII 
OIKIAIZ FTA2AIS 

ANEZOAIA2TON 

IllaTTia IIa— io'j No[M%$ C.iQO'avTt tTf\ y.%' rep'A^avy) Il-ro^ei/.aio'j 
^öa[öt] iG> ävop ; . jcai e-/jtyj to ftvyjjxeiox y.y.riny.vjxaEv y.aOü; -scioi- 
y.ooou.YjTa'. 'j'jv xai; Trspix.s'.uivai; 0'!/„iai<; TCocrat; ävs^oSiaTxov. 



1 Vgl, über diese häufige Gruppe Usener, De Iliadis carmine quodam Pho- 
caico 8, !D. 



GRABDENKMAL aus BITHYNIEN. II 29 

Die Buch staben form ist im Wesentlichen der von der Grab- 
schrift des Diliporis gleich, namentlich der Überschrift. Nur 
kommen auf der neuen Inschrift etwas mehr Ligaturen vor. 
Sonst ist zu bemerken, dass A mit nicht durchgehendem Quer- 
strich neben solchem mit durchgehendem vorkommt, ferner 
die Formen des A mit oben abgeschnittener Spitze, Z dessen 
unterer Teil dem Z ähnlich ist, HE mit nicht durchgehendem 
Querstrich, N mit über den schrägen Verbindungsstrich her- 
ausragenden Hasten Für 0, ft, TT, M, 2 findet sich nur eine 
und zwar die einfachere Form, nicht zwei verschiedene neben- 
einander wie in der Inschrift des Diliporis. 

Wir werden also im Grossen und Ganzen das neue Denk- 
mal für dem alten gleichzeitig halten dürfen. 

Der Name VipAlxvr, erscheint soviel ich sehe hier zum er- 
sten Male; FepsUavr, s. Athen. Mitth. 1884 S. 263, FepuXXo? 
Bulletin de corr. hell. 1882 S. 19. 36. 42. 

Die Worte xaöü>; Trspioiy.oSöii.viTat cüv ra.l<; oixiaic Twäaais ent- 
sprechen genau der Angabe uuv ra.X<; oiatiai? kocOw; TceptetXvjTTTai 
auf der Inschrift des Diliporis, in welcher man also das Tweptei- 
X7)7rrai nicht in übertragener Bedeutung aufzufassen hat, wie 
ja an sich möglich war, sondern durchaus in seinem eigent- 
lichen Sinn. Fs ergiebt sich also für beide Fälle das Vorhan- 
densein einer grösseren Anlage und man würde erwarten, dass 
die einzelnen oixtat durch eine gemeinsame Umfassungsmauer 
zu einem Familienbegräbnissplatze vereinigt gewesen wären. 
Darüber könnten nur Grabungen Auskunft "eben. 

Die Möglichkeit des Vorhandenseins einer Umfassungs- 
mauer wird für Badji-köi von den Augenzeugen bestätigt. 
Aber die beiden Blöcke jederseits des Denkmals für Beste der- 
selben zu halten, scheint schon ihre Gestalt, noch mehr die auf 
dem einen angebrachte Inschrift zu verbieten. Fs steht näm- 
lich auf dem einen Stein nach der Zeichnung des Architekten 
Herrn MÜobov ic 

L^KEYOYA2EN2YMTHI2KA(j) 

ANEZOAIAITON 



30 6. GRAEfr 

also: to iavyju6Tov KaTJeoxsuouaaev ' cov t^i cx.x<p[7)i 

ävecoSiacTOv 



Danach muss man annehmen, dass ein Sarkophag auf die- 
sem Block stand. Zulässig wenigstens ist dieselbe Annahme 
auch für den anderen Stein, auf welchem sich nur noch der 
Schluss einer ähnlichen Inschrift befindet: 

ANEZOAIA2TON 

Er könnte sehr wol die Unterlage zu der folgenden Inschrift 
gebildet haben, welche in zwei Stücke gebrochen in der Nähe 
des Grabmals des Papias liegt. Von den beiden Stücken lie- 
gen mir zwei Abschriften vor, eine ziemlich mangelhafte ei- 
nes Ungenannten, eine zweite bessere von Herrn Grafen Mü- 
linen; letzterer hat auch bereits die Zusammengehörigkeit der 
beiden Stücke erkannt, sie ist ohne Weiteres einleuchtend. 
Die Abschrift des Grafen Mülinen giebt: 

TTATTIOYAPXI KTONIZHSAN 

AANHITTTOAE AIOYTOIEAY 

EIONKATEN YOYA2EN 

Die andere Abschrift hat in der dritten Zeile nach der Lücke 
vor dem Y noch ein E, der Buchstabe vor der Lücke ist auch 
dort ein N und in der zweiten Zeile findet sich an vierter 
Stelle ein E, an fünfter dasselbe unbequeme I, wie in der obi- 
gen Abschrift; aber die Formen des H mit nicht durchgehen- 
dem Querstrich erklärt es zur Genüge. Man darf daher wol 
unbedenklich wie folgt ergänzen, wobei der Beginn der drit- 
ten Zeile unter der Annahme einer Ligatur von M N H keine 
Schwierigkeit bereiten würde. 

ftp 8«vi]TTATTIOYAPXI[TE]KTONIZH2:ANT[IETH . . 
rEPYA]AANHnTOAE[M]AIOYTfllEAY[THZYini 
TO MNH M] E I O N K AT E [Z K] E Y O Y AZE N 



1 Zu dieser Schreibung v«l. üben 1892 S. 82. 



GRABDENKMAL AUS BlTHYNIEN. Ü 31 

Die Erbauerin des Grabmals ist dieselbe Geryllane wie in 
der ersten Inschrift, der Verstorbene, wiederum der Sohn ei- 
nes .Papias — und auch für seinen Namen empfiehlt der 
verfugbare Kaum dieselbe Ergänzung — wird ihr Sohn gewe- 
sen sein. Wir besitzen also hier sicher ein zweites Grabmal 
derselben Familie, in dem einen Stein zur Seite des Haupt- 
denkmales ein drittes zugehöriges und wenn der Stein mit 
dem Worte xve^oSiasTov nicht mit dem zerbrochenen zusam- 
mengehört, möglicherweise sogar ein viertes. 

Berlin. 

BOTHO GRAEF. 



ZWEI FBLSINSOHRIFTEN VON AMORGOS 

1 . Nachstehend abgebildete Inschrift wiederholt das F'acsi- 
mile von F. Halbherr aus dem Museo itaiiano di antichitä 
classica I S. 227, von dessen Zuverlässigkeit ich mich im 
Herbst 1885 an Ort und Stelle überzeugt habe 1 . Übrigens 
stimmt die halbherr'sche Copie in allem Wesentlichen mit der 
von Ross. Inselreisen II S. 54 überein, wonach Röhl l.G.A. 
Nr. 390 die Inschrift giebt. Diese belindet sich zu ebner Erde 
auf dem Felsen links von der Strasse, welche von dem heu- 
tigen Hauptort Kastron (oberhalb des antiken Minoa) nach der 



nordöstlichsten Niederlassung Aigiale führt. Bechtel, Die In- 
Schriften des ionischen Dialekts S. 42 teilt diese und die fol- 
gende Inschrift gar nicht mit. weil er sie nicht verstehe, wel- 
cher Umstand sie aber doch nicht eigentlich vom ionischen 
Dialekt ausschliesst. Die Deutungsversuche bei Röhl und 
Comparetti sind ziemlich verzweifelter Natur und sehen einem 
Verzicht auf Verständniss eigentlich ahnlicher. Wo möglich 
noch unmöglicher ist Röhl's in den Addendis zu Nr. 390 
vorgeschlagene Lesung(?), welche Cauer Nr. 512 allerdings 
mit zwei Fragezeichen reproducirt. Einer Kritik überhebt mich 
vvol der Umstand, dass beide nicht unerhebliche und gar nicht 
motivirte Verschreibungen annehmen müssen. Ihre Versuche 



• Vgl. Athen. Mltth. XI S. 100, 2. 



F. DUEMMLER, ZWEI FELSINSCHRIFTEN VON AMORGOS 33 

zeigen, dass die Crux in dem fünftletzten Buchstaben der er- 
sten Zeile steckt, denn an dem vorausgehenden deutlichen E 
mit Comparetti zu rütteln ist gar kein Grund. Aber auch je- 
ner Buchstabe bietet keine ernstliche Schwierigkeit. Man 
muss sich nur erinnern, dass in sehr alten Inschriften die 
Richtung der Zeichen vielfach noch beliebig ist. wie in Zeile 
2 unsrer Inschrift ja auch das P auf dem Kopf steht. Dann 
wird man das Zeichen als Koppa fassen und die Inschrift würde 
lauten : 

Dass gutturale Tennis nicht nur unmittelbar vor 0- und U- 
Lauten, sondern auch vor Silben, die solche enthalten, durch 
o wiedergegeben werden kann, ist ja bekannt. Ich erinnere 
an die Schreibung Aoppo? in dein naupaktischen Epoikiege- 
setz I.G.A. Nr. 321, an die Schreibung H^toc. q/Oto;, Piz\- 
9Xuij.£voi; und Hi-TCaXPuo; auf korinthischen Vasen l . Allerdings 
sind unter den bis jetzt bekannten Beispielen keine Composita 
mit Präpositionen, doch hat die Ausdehnung der graphischen 
Gewohnheit auf diese so wenig etwas Befremdliches, wie etwa 
die Assimilation ihres Auslauts an den Anlaut des Verbums. 
Dass -.. das am Schluss ergänzt werden muss, kann flach ge- 
schrieben gewesen und verscheuert sein. 

Ist die vorgeschlagene Deutung richtig, so würde die In- 
schrift von einem Mädchen herrühren, welches wünscht, dass 
ihr Kopio: Erasis (Kurzform für Erasistratos) sie dem Epamei- 
non vermählen möge. Der Ursprung der Inschrift ist vielleicht 
kein rein lyrischer, vielleicht liegt das ßedürfniss vor, den 
säumigen Freier anzutreiben ; die Schrift ist fest und deutlich 
und der Ort dicht neben der Landstrasse auffällig genug ne- 
wählt. Ob das in der Nähe unsrer Inschrift befindliche Al- 



1 Blass in Collitz' Sammlung Nr. 3130. 3135. 3140. Mii Recht erklärt 
sich an letzterem < >rl Blass wegen des Koppa gegen die Ergänzung — 0X9(1)- 
[toj (Robert, Kretschmer). Die richtige Form Hippalkmos ist erhallen bei 
Plutarch Quaest. Gracm 37 und Schob Eurip. Orest. 5, bei Apollodor 1 9,16 
und sonst in Hippalmos verderbt. — Vgl. auch Gerhard A. \'. 111 Tat. 190. 
191. 237. Athen. Mitth. XV Taf. I: 

ATHEN. MITTHEILUNGEN Will. 3 



34 P. DUEMMLEU 

phabetfragment, das Comparetti anders fasst, eine Vorübung 
der Schreiberin ist, oder mit unsrer Inschrift gar nichts zu 
1 1 1 li ii hat, lässt sich nicht entscheiden. 

2. Die Felsinschrift von Brutzi wird hier gleichfalls nach 
Halbherr's Copie aus dein Museo italiano 1 S. 225 wieder- 
holt. Der Deutungsversuch Gomparetti's a. a. (). hal den dop- 
pelten Übelstand, dass er keinen verständlichen Sinn ergiebt 
und dass er sich weit mehr auf die fehlerhafte Copie von Lo- 






giotatides (Röhl Nr. 391) als auf die halbherr'sche Abschrift, 
deren Genauigkeit ich gleichfalls geprüft habe, zu stützen 
scheint ; auch die beiden Hexameterschlüsse Röhl's in den 
Addendis zu Nr. 391 bleiben wol am besten auf sieh beruhen. 
Wenn ich eine neue Deutung vorschlage, die sich in der Sphä- 
re des für die vorige Inschrift Ermittelten bewegt, so bin ich 
mir ihres problematischen Charakters wol bewusst, glaube 
alter doch sie mitteilen zu sollen, weil sie möglicherweise auf 
andere Graffiti Licht werfen oder von ihnen rectificirt werden 
könnte. Ich möchte vorschlagen zu schreiben : 

2otTpi7)$ ttot' Iparö?' 69&(<jtaY)ve jj.iv Mev [Sjä|xa>.i(?) -ia- 

Als Schreiberin denke ich mir wieder ein Mädchen, viel- 
leicht nicht aus den besten Kreisen. Im ersten Wort suche ich 
einen Namen. 2ut>it] oder -/,; ist nicht griechisch und steht 
sicher nicht da, -xTÄir,«; wurde das Erhaltene lauten, wenn es 



ZWEI FELSINSCHRIFTEN VON AMORGOS 35 

vollständig wäre; da das aber auch nicht griechisch ist, nehme 
ich eine geringe Verscheuerung des £ an. Ich verstehe also: 
'Satries war einst liebenswert; (jetzt aber) hat ihn verzau- 
bert Men . . . [welche Buchstaben zu einem Frauennamen zu 
ergänzen sind. Menippe oder Menaichme oder Menekratis], die 
Sz;;.7A.: des Slapli vles '. Unter dem später poetischen und auch 
hier ursprünglich bildlichen Szy.xA-.: ist nach dem Ursprung 
des Wortes vielleicht eher 'das Liebchen' als die Tochter zu 
verstehen, obwol ich letztere Möglichkeit nicht ganz ausschlies- 
sen möchte. Bedeutet Sa^aAi? die Freundin, so ist der Zusatz 
natürlich vorwurfsvoll, -obwol sie in Staphyles schon einen 
Liebhaber besass'. Bei meiner Lesung des letzten Mannsna- 
mens würde = u neben vierstrich igem £ stehen, wie sonst 
meines Wissens nur noch in der Inschrift von Arkesine 'E<pn- 
aacU y. ?/ . 1884 S. 56 ( Bechtel Nr. 29 S. 41). Man könnte ja 
auch daran denken, die Endung -eou oder -etou zu lesen; vgl. 
indess über den sehwankenden Charakter der amorginischen 
Schrift Kirchhoff, Studien 4 S. 35. Bisher liess ich die drei 
Buchstaben in der obersten Zeile unbeachtet. Ich möchte ver- 
muten, dass die Schreiberin. oder Jemand anders, nachträg- 
lich zu s€i(<7)>tY;ve hinzufügen wollte oy.c(u.x-/.oi:. ohne die In- 
schrift zu vollenden. Jedenfalls kann bei der Anordnuno; der 
zwei Hauptzeilen nur an einen Nachtrag oder an eine zweite 
selbständige Inschrift gedacht werden. Beschädigt ist nach 
meiner Erinnerung nur das rechte Ende der zweiten Zeile 
durch Abspringen der Oberfläche des Steins, die übrige In- 
Bchrift nur massig durch Verwitterung. So wird /.. B. auch das 
/weite H ursprünglich die geschlossene Form gehabt haben. 
Dass meine Deutung dieser Inschrift unsicher ist. gebe ich 
zu. nicht alter. d;iss sie deshalb unsicher ist. weil ich den Be- 
wohnern von Amorgos im \ II. bis VI. Jahrhundert eine zu 
freie Äusserung ihrer Subjectivitäl zutraue. Erzählt uns doch 
der Führer der samischen Epoikie nach Amorgos, der lam- 
biker Semonides gerade von (\i'\' individuellen Mannichfaltig- 
keil der amorginischen Frauen. Dass die attischen Vasenmaler 
des VI. bis Y. Jahrhunderts ihre Gelasse mit allerhand sub- 



36 F. DUEMMLER, ZWEI FELSINSCHRIFTEN VON A.MORGOS 

jectiven Gefühlsergüssen verzierten 1 , ist bekannt genug und 
bereits Gegenstand einer Speciallitteratur ; die Sitte, die W iinde 
zu beschmieren, die uns aus Aristophanes bekannt ist-, tritt 
uns Jahrhunderte später in Pompeji lebendig entgegen 3 , und 
es ist vielleicht kein Zufall, wenn sich für die amorginische 
Inschrift, wie ieli sie deute, die beste Erläuterung nächst 
Theokrits Pharmakeutriai in Lukians Hetärengesprächen 
findet '. 

Ahnliche Ergüsse schon früh auf Felswänden zu linden darf 
nicht befremden ; die I lauswände werden damals für diesen 
Zweck noch unbequemer gewesen sein, als der gewachsene 
Fels. Am wenigsten darf uns diese Erscheinung auf den ioni- 
schen Inseln Wunder nehmen, der Heimat des lambos 5 . Aber 
auch unter den theräischen Felsinschriften gehört das Prä- 
dicat auf Nr. 455 nicht unter die nomina masistratuum und 
bei einer Revision von Nr. 4GG und 467 müsste man die 
Möglichkeit einer ganz persönlichen Gefühlsäusserung ins Auge 
fassen. 

Wenn meine Lesung richtig ist, so wurden beide Inschrif- 
ten in der Bezeichnuni'- der e- Laute sich der von Dillen beruer 
festgestellten Orthographie der Kykladen anschliessen. Ob es 
ratsam ist, auf Grund der unzureichenden Nachrichten über 
die Bevölkerung von Amorgos, die Inschriften der Insel als 
Anhang zu den naxischen und den samischen zu behandeln, 
wie es ßechtel thut, ist mir fraglich. 

Basel 29. Januar 1893. 

FERDINAND DÜMMLER 



1 Das bedenklichste Beispiel der Art isl besprochen Berliner philol. Wo- 
chenschrift 1891 S. 4G9. 

2 0. Jahn, Vasensammlung König Ludwigs 8. CXXII. 
:t 0. Jahn, Leipziger Berichte 1857 S. 191 ff. 

•'■ I ii i die Pharmakeia vgl. Dial. mer. I, für Liebesintriguen durch Wand- 
inscbriften 4 und namentlich 10. Lukians Vorbilder sind dem Herondas 
verwandter gewesen, als Theokril oder du- via Ktimufila. 

: > Auch die Inschrift von Arkesine Bull, de corr. hell. VI S. 189 (Bcchlel 
Nr. 3U 8. 41), die mit K*9wi 4v8pl beginnt, scheint irgend eine persönliche 
VerwünschuiiL' zu einhalten. 



SOSIPOUS IX OLYMPIA 

Die Lage des Eileithyiaheiligtums, in dem ausser dieser 
Göttin auch der Daimon Sosipolis vereint wurde, bezeichnet 
Tansanias VI, 2U,2 folgendermassen : jv 8e toi? Tre'pact tou Kpo- 
vio'j xaxä to ~po; Tr,v apy.Tov egtiv ev i/.sgü) tcöv Or,ca'j:cöv x.xi tou 
öpo'j«; Up6v E'lXstO'jtx:, sv ö£ xi>T(j) — wri— oXt£ 'H).sioi? l-'.^coc.o; Sxi- 
awv £/£-. Ttaz?. Diese Ortsangabe enthält einen inneren Wider- 
spruch ; ev toi? niooLvi to-j Kpovfou kann nur lieissen am Fuss 
des Kronoshügels wie V, "21,2 die Schatzhäuserterrasse als 
y.y.zx to 7T£pa; tou opou? tou Kpoviou gelegen bezeichnet wird; 
die nähere Bestimmung v.t-k to -po: t->,v xpxTov führt uns. falls 
das Kronion selbst als Orientirungspunkt gemeint ist. auf den 
von der Altis abgekehrten Nordabhang des Hügels; allein 
der weitere Zusatz h ^.(aat töjv övjaaupöv y.y.l tou opou? verweist 
uns in schroffem Gegensatz hierzu auf die Südseite. Wie ist 
nun dieser Widerspruch zu lösen ? 

Eis ist nur ein Notbehelf und sicher auch nur als ein solcher 
gemeint, wenn Flasch die Ortsangabe ' unter der Voraus- 
setzung einer Strasse, die in Windungen gegen Norden die Höhe 
hinanzog' verständlich findet. Der Widerspruch bleibt, aber 
es kann vernünftiger Weise darüber kein Zweifel obwalten, 
dass die Ortsbestimmung nach den Schatzhäusern und nicht 
dir Angabe der Himmelsrichtung massgebend ist. 'Am Ab- 
hang des Kronion oberhalb (\cv Schatzhäuser ' so bezeichnet 
Löschcke (( )stliche Giebelgruppe von Olympia S. 9 ) die Lage, 
den Zusatz xxtx to -pö; tyjv xpjcTov mit Hecht ignorirend. Aber 
erklären müssen wir den Zusatz doch, und dafür giebt es ver- 
schiedene Möglichkeiten. Kinmal isl es durchaus nicht ausee- 
schlössen, dass Pausanias in Bezug auf die Himmelsrichtung 

sich getäuscht hat: bezeichnet er doch auch VI, 19,1 die Läge 
der Schatzhäuserterrasse als xpö; äpxTov toö 'Hpxio'j. während 



3S C. ROBERT 

ßie fast direkt östlich liegt. Wahrscheinlicher aber ist es mir, 
dass Textverderbniss vorliegt, sei es. dass hinter -:ö: z-h *:- 
x.tov (\cv Orientirungspunkt ausgefallen ist und toö 'llcxio'j 
oder tt)? 'AXt6ö>? dastand, sei es, dass -:ö; zry xpxrov selbst 
verdorben und 7cpo$ zry ' .Y/-<m zu sein eilten ist. Sei dem, wie 
i 1 1 in wolle, SO viel darf als feststehend betrachtet werden, dass 
das Heiligtum des Sosipolis am Südabhang dos Kronoshügels 
in dev Nähe der Schatzhäuserterrasse zu suchen ist. 

\)rv Espo? Xöyo? des Heiligtums lautet bei Pausanias wie folgt. 
Bei einem Einfall der Arkader in Elis erschien vor den Feld- 
herrn der Eleer eine Frau mit einem Knäblein an der Brust. 
Ein Traumgesicht, so erklärte sie. habe ihr geboten, dieses 
ihr jüngsl geborenes Kind den Eleern zum Verbündeten zu 
geben. Da setzten die eleischen Feldherrn das nackte Knäb- 
lein mitten vor ihre Schlachtreihe; als nun die Arkader her- 
ankamen, verwandelte es sieh plötzlich in eine Schlange. Da 
erschraken die Arkader und ergriffen die Flucht, die Eleer 
aber verfolgten sie und errangen einen glänzenden Sien — un- 
ter Führung der Schlange müssen wir uns denken, obgleich 
es Pausanias nicht ausdrücklich sagt. Nach der Schlacht aber 
kroch tue Schlange in die Erde und verschwand. Die Eleer 
aber nannten den neugeborenen Gott, der sieh ihnen erst als 
Kind und dann als Schlange gezeigl halle. Sosipolis, und an 
der Stelle, wo er ihren Blicken entschwunden war. errichte- 
ten sie ihm ein Heiligtum; aber auch der Geburtsgöttin ge- 
dachten sie. die zu ihrem Heil grade zur rechten Zeit dies 
Götterkind ans Licht gebracht hatte, und darum verehrten sie 
in dem neu gegründeten Heiligtum neben dem Daimon Sosi- 
polis auch die Eileithyia. D;is Massengrab aber der in jener 
Schlachl gefallenen Arkader zeigte man auf einem Hügel west- 
lieh vom Kladeos. ohne Zweifel einem der Ausläufer des Ber- 
ges, auf dem heule Druwa liegt. 

So erzählt Pausanias. Die Modernen identificiren meist das 
historische Ereigniss, an das die Legende anknüpft, mit dem 
Arkaderkrieg von Ol. 104. Schon die hohe Altertümlichkeit 
der Kultgebräuche hätte vor dieser Jdentiiicirung warnen sol- 



SOSIPOLIS IN OLYMPIA 39 

len ; dieshal Löschcke vollkommen richtig empfunden ;i a.O. 
S. 9). Wenn er aber sagt, dass ein früherer Arkaderkrieg nicht 
bezeugt sei. so bat er Paususanias V. 4,7 übersehen. Wie je- 
dem Leser des Tansanias bekannt ist, pflegt dieser Schriftstel- 
ler vor der Besprechung jeder Landschaft ein Kapitel einzu- 
schalten, in dem er die ruhmvollen Kriegsthaten der Bewoh- 
ner in Form eines evxwuiov summarisch aufzählt. Er beginnt 
regelmässig mit der Teilnahme am Zuge gegen Troja und an 
den Perserkriegen, berücksichtigt mit Vorliebe Herodot. Thu- 
kydides und Xenophon und schliesst die Aufzählung der 
Kriegsthaten bald früher, bald später ah. Das eyxwpov töv 
'IlÄacov steht V. 4,7-5,1. Es beginnt, wie üblich, mit dem 
trojanischen Krieg und den Perserkriegen, die schon als Kämpfe 
gegen Barbaren zusammengehören. Dann heisst es weiter: 

Ü-£c€xVTO)V Ö£ Ö-70'. G'^IG'.V £y£V0V70 -/UvS'JVO'. T.zhz [ll<TaiOU£ TS /.%'. 

'Ap/.7.Sa; Gx£p ttj; StaOsGSüx; to'j äycövo; toO sv '0).'jl/.-iz, cjvsts- 
ßxlov u.£v Aa*£Saiuovtot; äx.O'jcicoi; |e tt,v 'AOvivaitov und PS folgen 

weitere Kriegsthaten aus dem peloponnesischen Kriege und 
der Zeit des Agis. Sollte hier wirklich Pausanias an die Käm- 
pfe aus dem vierten Jahrhundert denken und nicht an eine 
weit frühere Zeit? Sollte er nicht in seinen Ouellen die wol 
begründete Vorstellung gefunden haben, dass sich die Conso- 
lidirung der olympischen Festfeier unter beständigen Kämpfen 
nicht nur mit (\vn Pisaten, sondern auch mit den Arkadern 
vollzogen hat? In diese Urzeit gehört auch die ätiologische 
Legende von Sosipolis, die im Lichte des vierten Jahrhun- 
derts ein Unding ist '. 

Als Kind und als Schlange hat sich Sosipolis den Eleern 
offenbart, als Kind und als Schlange wird er auch im Kult 
verehrt. Die alte Wartefrau (?) 7rpec6öTi? ■?, 86pa7C6Üou<ja töv So>- 
ffiwo^iv), die allein den inneren Tempelraum betreten darf, 
bringt dem Kinde Bäder und der Schlange süsse Honigkuchen. 



1 Man bat die Sage von der Epiphanie des Apollon und der weissen 
Jungfrauen beim Keltensturm auf Delphi verglichen; aber der Unterschied 
ist handereiflich, 



40 C. ROBERT 

Dass dem Sosipolis so wonig wie dem attischen Zeus Txxto? 
mit Wein liliii! weiden darf, deutet ebenfalls auf das hohe 
Alter dv> Kultes. 

Am Fuss des Kronoshüsels in unmittelbarer Nähe der ural- 
ten Kultstätte der Meter ein zusammen mit Eileithyia verehr- 
tes göttliches Kind, was kann das anders sein als eine Hypo- 
stase des Zeuskindes oder richtiger das Zeuskind selbst, und 
/war das kretische, das ja auch in der Sehol. Arat. 46 über- 
lieferten kretischen Saue in Schlaneeneestalt erscheint 1 . Das 
bestätigt zunächst der Name. Die Verehrung des Zeus Icot-^o 
ist ausserordentlich verbreitet 2 und wir dürften ihn schon an 
sich dem ^coti-oa-.: unbedenklich gleichsetzen; doch ist über- 
dies ein Zeus Sosipolis durch Strabo XIV 648 ausdrücklich 
bezeugt, worauf mich 0. Kern hingewiesen hat. Kine weitere 
Bestätigung giebt das Gemälde in der Sosipoliskapelle der 
Stadt Elis. Das Bild, dessen Zeit sich allerdings nicht ermit- 
teln lässt, stellte das Kind dar in einer bunten mit Sternen 
geschmückten Chlaniys, das llorn der Amalthca, seiner Amme, 
in der Hand 3 . 

Die göttliche Frau, die einst vor das Heer der Eleer mit 
dem Sosipoliskinde auf dem Arm hingetreten war, ist natür- 
lich die Meter selbst; aber auch der Eileithyia, die bei der 
Gehurt des Heilands hilfreich der Rhea zur Seite umstanden 
hatte, vergass man nicht. War ihr Kult doch auch in Kreta 
früh bekannt, falls er nicht überhaupt dort seine eigentliche 
Heimat hat. Nach diesem allem wa^e ich nicht mehr wie frü- 
her 4 daran zu zw ei lein, dass die kretische Gcburtssage nicht 



1 Vgl. Eratosthenis catasterismorum rel. S. 25. 62. 

- Vgl. die Zusammenstellung in Preller's Griccli. Mythologie * I 8.151,2. 

:t Purgold's Hypothese (Hist. und phil. Aufsätze E. Curtius gewidmet 8. 
227), dass das Knäblein des Boelhos, das im Hcraion vor der Aphrodite 
des Kirim aufgestellt war, gleichfalls den s ( > -> i j > < > l i > dargestellt habe, bat 
durch >> In .'>• Darlegung freilich ihre historische Grundlage verloren. Möglich 
bleibt Nif indessen doch; für die Verbindung mit Aphrodite liesse sich die 
Lage des 3osipolistempels neben dem Heiligtum der Aphrodite Urania gel- 
lend machen. 

* In der vierten Auflage von Preller's Griech. Mythologie 1 .s. 137,3. 



80SIP0LIS IN OLYMPIA 



41 



nur seit uralter Zeit in Olympia bekannt, sondern direkt loca- 
lisirt war. 

2<oT7;p ü'|ivecp£? Zg'j, Kpövtdv t£ vaiwv ),doov 
Tiacöv t' 'AXcpsöv eupü pe'ovT' 'I^xiov ts ffejxvov xvxpov 
betet Pindar Ol. V, 40 zu dem Zeus von Olympia, dem So- 
ter, dem Sosipolis. Dass das 'iSaiov xvTpov wie der Kronos- 
bügel und der Alpheios in Olympia zu suchen ist. lehrt der 
ganze Zusammenhang; trotzdem ist es in alter und neuer Zeit, 
auch früher von mir selbst, bestritten worden. Die Scholien 
haben aber die wichtige, leider fetzenhafte und verderbte No 
tiz bewahrt: Iv "IlAt^i Ar.jjufjTpio; 6 Sxe^/io? veüv öiaxödfiov lepov 
Atö; 1 . Sicherlich in der Nahe des Sosipolisheiligtums wird 
man diese Höhle zu suchen haben, falls sie nicht überhaupt 
mit ihm identisch ist. Und wir dürfen jetzt wol zuversichtlich 
die Behauptung aufstellen, dass dieser Sosipolistempel nicht 
nur das älteste Zeusheiligtum von Olympia, sondern über- 
haupt der Ausgangspunkt des ganzen Kultes ist. 




Am Fusse des Kronoshügels am westlichen Kode der Schatz- 
häuserterrasse, recht eigentlich iv fuotp tcöv (hoaaupöv v.x\ toö 
opo'j?, d.h. dessen südlichem Vorsprung, haben die deutschen 



1 S. lt. Gftde, Demetrii S<iepsii quae supersunI S. i7, Fr. ">i, der Iv vct&v 
8iaxöa ( u.w zu schreiben vorschlägt. 



42 C. ROBERT 

-Ausgrabungen ein sehr altertümliches Heiligtum frei seiest, 
das als 'Gebäude hinter der Exedra ' im II Bande des Werkes 
über Olympia (Baudenkmäler I Taf. 31, I) abgebildet und in 
dem begleitenden Textband S 14 f. von Dörpfeld mitmuster- 
hafter Klarheit besprochen worden ist. Die last quadratische 
Cella lehnt sieh mit ihrer Rückwand dicht an den Kronos- 
bügel an. ' Die Cella wände, schreibt Dörpfeld. sind an ihrer 
Innenseite sorgfältig geschliffen, im Äusseren dagegen noch 
mit ihrem Werkzoll versehen. Dieser ist namentlich an den 
hinteren locken noch so rauh, dass der Bau hier niemals 
sichtbar uewesen sein kann, sondern ähnlich wie ein Grot- 
tenheiligtum in den Bers hinein schaut gewesen sein 
muss". Die sehr schmale aus Holz auf steinernem Fundament 
hergestellte Vorhalle ist ungefähr ebenso tief wie die Cellathür 
breit, und konnte nur einer einzelnen Person als Durchgang 
dienen. In der Cella ist das Allerheilisste nochmals durch 
eine hölzerne Schranke abgeschlossen. In der Mitte dieses letz- 
teren Raumes ist ein verhältnissmässig grosses quadratisches 
Fundament, sei es von einem Altar, sei es. was Dörpfeld für 
wahrscheinlicher hält, von der Basis eines Knltbildes. Vor 
diesem kleinen Tempel befindet sich ein grosser Altar, dessen 
Zugehörigkeit zu dem Heiligtum Dörpfeld hei seiner Stellung 
unmittelbar vor dem Finsans für sehr möglich, man kann 
sogar sagen wahrscheinlich' erklärt. Auf allen vier Seiten des 
Altars, sowol nacli dem kleinen Tempel wie dem Schatzhaus 
der Sikyonier und der Exedra des Herodes hin, bleibt für die 
Opferhandlung und andere Kultbräuche hinlänglich Platz. 

Vergleichen wir mit diesem Pundbestand die Schilderung 
des Pausanias VI, '2(1. 3: h u.h Sri tu elittoocöev toö vaoO (Si- 
itXouc yap ort -i~ r jvr~x<.) zr^xi EtXetöuia? (äcoiio; y.ai ecoöo? i; 
■j.-j-'j S«tiv ivöpcI>7C0i;, iv öe tm evxö; 6 ^oj^i-o)/.: v/t'. -'.'/■'/.; v.y\ 'ino- 
60$ r j'jy. EffTl ~Ar,v xri Osca-S'jO'j^r, tÖv 8e6v ir.i t/,v x.-oa/./.v nai TO 

TT -Ö 'TG.) 770 V £^et)aV7ü.£Vr, O'pO? ^£'J/.Öv, TTapOtVOt §S 6V T& T7){ ElXsiSuia? 

uffOf&evouaat xai Yuvaixs; ufJivov xoouai, KaBayiCouffai [ Kaöctyi^ouat 
codd. oe /.-/'. öujjtiaaaTa rcavTOia xur$ 67ci<jrcevoeiv ou voi/.iC,ou(Jiv 
olvov. .Man wird, denke ich, zugestehen müssen, dass das 



SOSIPOLIS IN OLYMPIA 43 

Heiligtum hinter der Exedra dieser Beschreibung durchaus 
entspricht. Wir haben den äusseren Raum des Heiligtums mit 
dem Altar der Eileithyia Olympia: hier nahmen unter Füh- 
rung der jährlich gewählten Priesterin der Eileithyia ' die 
Frauen und Mädchen Aufstellung, um den heiligen Hymnos 
zu singen ; wir haben den kleinen Tempel des Sosipolis, den 
nur die Wartefrau des göttlichen Kindes mit verhülltem Ant- 
litz durch den schmalen Vorraum betrat, um auf dem Altar 
— denn von einem solchen, und nicht von einem Kultbild, 
würde dann das Fundament herrühren — den Krug mit dem 
Badewasser, die Honigkuchen und die 8u(/.idaaTa -^avToia nie- 
derzulegen, die ihr die draussen verharrenden Frauen und 
Mädchen zur Opferung anvertraut hatten. Man wird auch zu- 
geben müssen, dass der grottenartige Charakter des Tempel- 
chens und seine Lage dicht am Fuss des Kronoshügels ebenso 
vortrefflich zu dem 'iSaiov xvxpov des Pindar, der Geburtsstätte 
des Zeuskindes, wie zu der Stelle passt, wo der schlangenge- 
staltige Sosipolis in die Erde verschwand. 

Hierzu kommt aber noch ein weiteres Indicium. In der 
Nähe des Eileithyiaheiligtums lagen die Trümmer eines Tem- 
pels der Aphrodite Urania; Pausanias VI, 20. 6 nk-wiw Sk -r,; 

ElXe'.O'jtx; spetTia 'AocoSity,; Oüpavia<; ispoO ~ki<-i- r j.'., Ououci hi x.xt 
aÜTÖOt im tcöv ßwacöv. Und in der That liefen westlich neben 
der beschriebenen Örtlichkeit die Beste eines zweiten, etwas 
grösseren Tempelchens, das wir unbedenklich als das der 
Aphrodite Urania ansprechen können. Jetzt sind freilich nur 
noch die Beste der N. (). Ecke sichtbar, das Übrige wird 
durch die Exedra des Hemdes bedeckt. Aber dieser Umstand 
scheint mir eher für als gegen die vorgeschlagene Identifici- 
rung zu sprechen. Ein ohnehin schon zerfallenes Heiligtum, 
an dessen Wiederaufbau Niemand dachte, konnte die Priester- 
schaft von Olympia den Bauplänen des Herodes ruhig preis- 
geben. 



{ Pausanias VI, 20, 2 : i»;v [üv orj E!Xe!0yiav inovo^iX ^'^ 'OXuuitiay, tsp«- 
aoaev7)v aipoyviat iij OuTi xaTÖt ero; ixasTOv. 



M C. ROBERT 

Man hat bisher den von mir der Eileithyia zugewiesenen 
Altar für den dos Herakles oder der Kureten gehalten, der nach 
Tansanias * in der Nähe des Schatzhauses der Sikyonier Lag, 
und ist sogar so weil gegangen, den Tempel seihst dem Hera- 
kles zuzuweisen, obgleich die Existenz eines Heraklestempels 
für Olympia weder, wie Dörpfeld auch mit Recht betont, 
bezeugt, noch, wie ich hinzusetze, wahrscheinlich ist. Aber 
abgesehen davon, dass ja bei weitem nicht alle von Tansanias 
erwähnten Altäre, auch solche, deren Lacre er ziemlich genau 
angiebt, gefunden sind, scheint mir der vor der Westfront, 
also an der Rückseite, des Metroons jjeleo-ene Altar, den man 
meist der Besitzerin dieses Tempels zuteilt, mindestens den 
gleichen Anspruch zu haben, für den Altar der Kureten zu 
gelten 2 . Dass übrigens dieser Kult der Spielkameraden des 
Zeuskindes, mögen sie nun ursprünglich Kureten oder Da- 

O I ~ 

ktylen geheissen haben, aufs engste nicht nur mit der Meter, 
sondern auch mit dem Sosipolis zusammenhängt, will ich na- 
türlich in keiner Weise in Abrede stellen. Erst nach der do- 
rischen Wanderung wurde der eine mit Herakles identilicirt, 
während die übrigen vier andere Individualnamen erhielten. 
Ein Bedenken bleibt allerdings Wenn Pausanias, wie ich 
annehme, wirklich das 'Gebäude hinter der Exedra' nebst 
dem davor liegenden Altar beschreibt, so durfte er, wenn er 
sich ganz correct ausdrücken wollte, das Gesamtheiligtum 
nicht als vao? bezeichnen, wie er VI, 20,3 thut: sv yap tu sa- 
wpoffSsv to'j vaoO, Si— Xoü; yxo $■•/) 7ceTCOiY)Tai -/.xX., denn die Be- 
zeichnung vicö? kommt strenggenommen nur dem Sosipolis- 



' V, li,!l rcXrjafov 6s tou Etxutovfcüv örjaaupoö ^-01 Koup7Jriov r t toj 'AXxtj.rjv7]; 
Iitiv 'IIpax.XEou;, Xc'fETa'. yip xott a\L<f6xepa. 

- Da Pausanias, wie ich Hermes XXIII 8. 430 gezeigt habe, bei der Al- 
Larperiegese zwei verschiedene Quellen mit einander verarbeitet, halle ich 
rs nicht für ausgeschlossen, dass dieser Altar mit dem vorhei erwähnten Y, 
li.T identisch ist: [ieta toutov nercodjTat ji.lv 'IipaxXet ßcoptöj inixX7]<jtv Ilaca- 

z-.xzr t , -ir.'j'.r-.T.: o: xa'l tOÖ 'HpaxXe'oUf TOtj aOcX^poI? 'Knia/jo:; /.at "loa /i: llai'o- 
valuiti /.a ; . 'Iaaoi' rov 8s rou "loa ßtopöv 'AxeaiSa &reö Irlpiov oiSa xaXoutisvov. 
Denn wenn auch Pausanias hiervon fünf Altären zu sprechen scheint, so 
kann dies sehr wol auf Missverständniss seiner Quelle beruhen. 



SOSIPOLIS IN OLYMPIA 46 

tempelchen zu, also dem, was Pausanias tö Ivtg; (tou vaoö) 
nennt. Er hätte also correct Lepoö schreiben müssen, wie vor- 
her VF, 20.2 (=cöv EiA£t9'jia?. Ich habe den Gebrauch von vcto« 
hei den übrigen Schriftstellern der Kaiserzeit nicht untersucht. 
bei Pausanias aber glaube ich wenigstens einen Fall nachwei- 
sen zu können, wo \on einem Tempelgebäude nicht die Rede 
sein kann, vaö? aber seiner ursprünglichen Bedeutung zum 
Trotz völlig synonym mit fepöv sieht; I, 27, 3 schreibt er: tö 
vxu> §£ Tr t c 'AOvivJc; IlavSpöuo-j vaö; <7'jv£/r, ? ia-iv. Sollte wirklich 

im Pandrosion eine kleine Kapelle gestanden haben, was mir 
sehr unwahrscheinlich ist, so kann doch von einem archite- 
ktonischen Zusammenhang (cuvex^s) zwischen ihr und dem 
Poliastempel schlechterdings keine Rede sein. Wir haben also 
hier denselben laxen Gebrauch von vacö;, wie wir ihn bei der 
Beschreibung des Sosipolistempels voraussetzen. Auch Pollux 
1, G y.xl to acv ywpiov iv w Gsca-s'Joy.sv toÖ; Oeovc iscov y. x [ 
v£G)c scheint die Annahme eines synonymen Gebrauchs der 
beiden Worte in der Kaiserzeit zu bestätigen. Andererseits 
lässt sich ein Altar, wie der der Eileithyia nach der Schilde- 
rung des Pausanias gewesen sein muss, kaum anders als ev 
Ö7cai6p<p denken. 

Doch dem sei, wie ihm wolle. Situation, Anlage, Alter und 
Charakter des Bauwerks sprechen nachdrücklich für seine 
Identität mit dem Heiligtum des Sosipolis. Ob diesen Indicien 
gegenüber ein incorrecter und vielleicht missverständlicher 
Ausdruck des Pausanias Gewicht genug hat, um die vorge- 
schlagene Benennung in Frage zu stellen, muss ich dem Er- 
messen des Lesers anheinweben. 

Halle a. S. 

CARL ROBEirr. 



O EN MAPA0QNI TVMBOS 
(IKvaxes II-V) 

'Awo tt;; ev AeXtico (1890 atl. 123) Syiu.ggisuce(i)(; tüv oc-tcote- 
Xeguxtcdv tt;<; TTpürr,? aTTOTTEipaaaTix.r;? äva^x-acp^i; tou ev MapaOcövt 
Toaoou x.octx Mi tov tou etou; 1890, ot; u.ev extote 6 tuu€o? üte- 
ßXvjOr; 6t? ty;v So/up.acriav T7)<; GxaTrxvv); (xaxa Mxiov tou 1891 x.ai 
'O/.Tcoopiov to'j aÜToO etou;) tx ä— 0TsX£(7{/.XTa. öaco? tüv Suo ts- 
Xe'jTatwv toutwv xvx<7x.a<pa>v, Ei xai tx [/.aXx cxouSaia, Sev e^ete- 
Oyigxv xu-.sgüx; ev o7)|/.ociEU(T6i tivi, S7rt tyj TTpocoV/tix tyj; 5Xy)? xvxgkx- 
or,; tou tüuoou. 

'EtceiSt; ouco; e'vex.x 7raps l i/.€aXXo[/.s'v<i)v (WyspEicöv, xai sxv fr/) 
te'Xsov EyjcaTOtXsi^öfj to «jyiStov zr,c, oXixy)? tou tu|/.6ou ävx<7>tx<p7l<;, 
ttxvtcix; gu.u; Öx ßpxouvrj auTY], STüiXxu-.Savoasv tyj? Ex6eae<i>{ xai twv 
TfiXsuTattov ECayo^Evwv. 'Ette'.ötj oe §ix tüv Suo tsXeutxiwv toutwv 
avaTx.acp'.x.dJv ipsuväv, <I>v yj u.sv 4' (i'Ss cyj'Siov <?sX.49) [A?))tou{ Trspt- 

TCO'J U.6T0COV 30 X.X'. TtXxtO'J? 5 [iETpWV' V) Ss 5' [A7))C0U? TTEpi-OU 24 

xx! nrXxTO'JS asviTTO'j 15. emoov e£y)peuvt)0y) to tcXeittov tou tuj/.6ou 
— x.xOotov o'j y.övov ott öüo TrpöÖTXi Ttxp' yju.üW ysvöu.£vai TOaat (tos 
gve'o'.ov ev AsXtiu e. x. ) xXXx xoci ai Otto tou SyXisaav ysvöi/.£vat 
öeov vx Xoytad&atv lv tt, Epsüvr) tou uro to yüjj.x aTOtouaTO; — exe'.Sy) 
XeyoptEV jl/.stx tx? TOpta? Tauta? Ta; VEvojjtEva? ewi tou tüu-.Sou to 
utoXsi^Oev äv£^£p£Üvr ; Tov |/.s'po? tou üto to yüy.x CTpwaaTO; Eivs 
oXtyov '. öuvxu.sOx, opovoGysv, vi 06ü>pr)a<i>u.sv tov TUU.OOV (ö; Ux- 

V(I>; E$Y)p6UVr)U.£VOV 7)07), tva TTeptXxßtofAEV EV TYJ TCOfpöUffVJ I)t0EffEt EV 

GuvTOptia ttxv to ä^optüv ei? to ev§o£ov toüto luvt) jae tov. lipo; touto 



1 Aa(i.6^V0VTE( [xi'/.'.T.iL 6jc' 8<J»lV tö otl oJ/ ; . a~a; ö ru[j.?o; xaXäntEl tö aTOwiia TÖ 
r:v.).a;j.oä/Ov Ta o-Tä, ä/.'/a [ig'po; toifdü, 'o^ ä-£0£:'^a|i£v 3v TT] npoTc'oa })(iöv c'/.Oe'- 
Bci (AeXt^ov £. ä. iteX.130), 8üv^(ie0a «-i [j.e!^ovo; ßs6ai({TT)T0{ vi 6rtootr)p^üj(xgv 
Otl to nXcToTOV TOU Jno tov Tii(i6ov arow[j.aTO; £tve rfit] e;r|p£uvr)|XE'vov 8'.ä t«öv yEvo- 



B. STAH2, EN MAPA6QNI TrMBOE 47 

Ss ivacYxr] elvs ou [aövov v' ävaoV^AOsu'jOf, to ev Asatiw 1890 ~iv. A' 
<rvso\ov to'j ToaSo'j, iaeto. twv £7sev£)(8ei<T<5v <ju|A7c\r;p&><jeci>v (toe sea. 
49), x.ai vi $Y)u.offteu6äatv iv Eoioi? TCivacji ra /.'jpi<ÜTspa tüv Otto to 
yötia eupeSevTWV äyysiwv, aAAa xai vä i-xvxkr^Hüni. t'.vx Iv icspi- 
Xri^si Tcüv sv -rfj i?pOTep$ rju.üv sxOegei Eip7)u.6vcw gj; t:co; ttjv epsuvxv 
to'j t'j'aoo'j xai ev yevei to iGTOptxov auToO. 

'LJ: yvu><770v (Vjo [AÖvov t<I>v äpyaiüjv r7'jyypa<p£ü)v —otO'jVTa'. u.vEiav 
toö tv MapaOüv. « Tzcpou » toüv xara tyjv 7rspiöo:;ov dxsiv^v xaTX 
tüv Ikpsoiv iaz/y;v -ecovtgjv 192 'AOyjvaicov, g ÖO'jX'j<j*i6r,; (1,34) 
xai 6 llaucravia; (1, 29, 4 — 1, 32, 3). 0<J<j*ET£po? öaco? toOtcov 
yvwpi'CE'. rju.iv äxpi^E? xt ~£pi toO 1 Tx<po'j toutou tj to'j Etöou? Tr,<; xa- 
(pvl? tcöv t:e<7gvt(i>v 'AOrivaitov. '0 riautfavia? aovov 7?po<m67)<J( tv,v 
XeiCTOuipsiav oxt « s— i Se aüxcö (tw Tacpw oy)X.) sT/i^at tx ovoaaTa 
tcöv aTroOavövTwv xaxa cp-jAa; ExäsTcov e^o'jtxi » . "Ex tt,? Xe7CT0|M- 
peia? ötAco; Tautr,? Sev Öx rjö'jvaTÖ ti; ßsoaiwi; vx E^xyxyr, KatpaXec 
Tt ouu.7cepaau.a xept tou eI'öous tou f/.vr)u,£iou tojv u-apaOcovoiAz^ojv, 
ou<$£ EirapxT)? ä)//;Ö(ü? Öx yjto r, EtxaffTtXY] XEpi toutou yv<öu.7] toü 
Leake (Deinen von Attika ozl. 83) r\ äpv/iTixö? ic,xyßv.ax s; ete- 
pou ywpiou to'j Ilauaaviou ( 1 , 32), exv u.7) ü^outo [AeyxXo-pezES ov- 

T(0; UVY)U,£10V EV T<ö fAEGCp TV]? TwEpixXsOU? XOlAxSo? TO'J MxpxÖÜVO?, 

6 yvcoctto? tuiaSo? 6 u<j/o<; sywv 9 ptixpa xai o^ätAExpov 7rsp ; . rä wsvtt)- 
xovTa.O'j/' TjTTOv yj eXXsuJhc u.xz-jzix; tivo? äaopaAO'j; 7C6pi tou repay- 
aaxo?, 7cpox6tu,evou rspi u,vyju.siou o~ö LaTOptxrjv s'-oyiv to^oGtov a-ou- 
Sato'j, yjyetpev eixotco? ä^a^'.^OAtai; t'.vx; reapa tici äpy_a'.OA6yoi; x.ai 
l<TTopixoi? (wp.Curtius, Arch. Zeitung 1853 acX.15'i) -a;x xa^ 
(S'.st.ßsSoucbTSic toO Leake v.xl öcXawv yvwffTöv äp/aioloywv (77p. Bur- 
sian, Gcograpliie von Griechenland 1 areX. 338), f, i^axpiSwffi^ 
Se toO TTpy.yiAotTO? iva77£X£iT0 ei? t'/- ; v fiy.xizxsr^ y.xl jaovov ei? TauTTjv. 

ToO £v)T7)UaT0S TOÜTO'J T7)V AUG'.V 67C6X&O6T0 6 [^6Ya? OVTCO; äc- 

yaioSiopy)? 'Epp. 2jyXieu,av xaTa. to 1884, ävopüqa? r&<ppov 2-4 a. 
xaTÖt to ävaTOAtx.ov toö tuu.€ou xai o~r,v xaxa to XEVTpON TirjTy.ccov 
TSTpaytimxöv aexpcov ! A'jct'j^ö»; öu.co; r, ooxiu.a<7TixY) auTv; iic'ÖTClipa 
tou £p£'jvr,T0'j ttj; TpwäSo? ETTETTpoiTO vä va'jayr.or, =vjx.£v ä-:oo-Ta)v 
X(i)Xuu.ätü)v. 'II ävacxaor) Y8V0(/.ev7] u.sra Y6iu.6ptvy)V -oA'joaopiav 
STCviysTO xupioXfi^si £vto? ä^Oova); äva^A'j'Covxo; O^aTO?, ä::£vavTt TOO 
6t:oio'j xai aüxr, r, tögov raYupa i7Cijxov7] tou imy&Xou ipiuvTjTOÖ 



48 n. STAHS 

(o^pgiXs vk ox'.GQoyofYimr) ! ToO cxpwü.aTO^ Ss tgjv ottüv — x.aOk 
eSeivQt, ev Tai; teae'jtxixk; ävaT/.aox^ — eExtcIo'ju.e'vO'j ircl iSifpo-j; 
X6ituvou £•; rpiciv asTpcov ßk8o; axö Tri? aY)U.6piv?}c ETtoavEiac tt}; 
x.o'.axöo?, O'jSev ^'jci/.üjk; tote *))£07) £ <S 9^>? * a '- ° xup.€o? iTcavcopd&dv] 

XX^'JTTTtoV Ü7CO TO ßxpi) y (bll.X TO'J T3C £Aa.Cppk 6<jTX TÜV Y)pc!)(OV T7}? 

xaxa. x(öv üspcäv axyric. 'AW b HyAiEi/.av ö'jct'j/cö; öev v)pxE<r9v] 

ei? to ipvTjTixov ä.7:0T£A£Gaa tüv e'pe'jvgjv tou. AtaS^E-oov Tzxvxxyov, 

G>? £* TY}? ElAffiUTOU (X'JTtO ÖpUttfc TTO OC TTjV TTpO'i'jTOp'.X.^V X.3CAOUJ/.e'vY]V 

vpovix.y;v 7T£ptooov, u.vyi ( u.£ioc tcöv ypövwv ix,£ivwv, txpxeaGsig o£ £i? ö^iva 
Tivk TEaxyta XiÖou Obsidian EÜpsOE'vTa sv tö ywu.axt tou tuu.Sou, 
e^AocSe to tevvyitov ü^cotjt,* o>; x.£voTxrpiov avgygpOsv £:<; ETOyxv dwce- 
youTav t9}? —payi/.aT'.x.r,; x.xtx TEffffapa? £x.xTOVTa.£Tr,piöa; (Zeit- 
schrift für Ethnologie 1884 cea. 85 icai e£.).'H etc« xva<7*a<p'.xwv 
a-OTEAEcaxTcov gt^P'.^ou.£vyi ö'.aS£?aicoTi? <xuty) tou HyAtEaav ets- 
xoxTr/G£v eikotüx; tüv x-Xüv uTCoOeffgwv, oüSeU §s YjSuvaTO vit xvTetWT). 
2o<p6; §£ ygpu.a.vö; ä^ttoaaT'.x.öc, 6 loyxyoc, Eschenburg, 6 xxt" ev- 
to^tjv Tvi; yspaxvix.vi; x.u£Epv7;<7E(i>; r/.-ovr^x; uipo? töv ä::apaaiAA(i)V 
vapröv TTJ; 'Attix.t^, £Wi tcöv ä— oteXstiaztcov t9}? avaGKamuMfa t<xu- 
tt,? spEuvr,: (TTYiptvOei?, iQyjTYicev «.XXavoö tt)? x.otAxoo; tov Txcpov tcöv 
'AÖTQvaicav x.ai guvetcö? xX^a/oö v; £v tyj 7cpoi7)>touffYj 9e<j6i 10g« x.aS 
to xevTpov TT)? ev MapaÖüv. v-iyr^ (wp. Topographische, archäo- 
logische und militärische Betrachtungen auf dem Schlachtfelde 
von Marathon). 

Toöto sv ouvTOfJUp to EffTOptxov rr,c ESspEUVTjffetöC tou £v Mxpa0d>vi 
Top.bou f/.e'/pi tou 1890, 6~6te, EVTOAfi tvis ysvix.v}«; 'Ecpopsix«; TCÜV 
apYaiOTY)T<üv, ävEAxSotAsv tt;v ex. ve'ou Si' ävx<Tx.x(p7K epeuvav tou u*.vy)- 
[AEiou. 'Hp^aueSa Se twv ipyaatwv Sta Taopou Exavö? eupsia?, x.aTa 
to apx.Ttx.öv tou ccopo'j, 0.7:6 ir^ Tcepioepeta? rupö? to >t£VTpov. 

'H TrpwTr, öaco? ocüt7] aicoweipa yijxöv Sev ecvev E'jvo'ix.coTEpa är:o- 
tiAinu.xzx tcjv äTTOTTEtpöJv too 2y>ig(jt.av, x.aOöaov xal 7]aEi<;, {zetoc 
V){i.spöv tivcov avaaxafprjv, cpOz^avTE? si< ßäÖo; Otto ttj? £?: , .cpav£ia<; 
Tp'.cöv TZEpirüO'j [AETptov, Eupou.Ev a^Oovov oooop ävayx.acav V)(A&( Et? 
'J-o/wpY.Tiv. 'Ev toütoi; £Qr,xo)vOü9r i '7aa£v ty;v ^pyaciav ^77tyEtp7)aav- 
te; (Xvt'.Oeto);, ex. too p.Ecr^u-Sp'.vo'j tt ( ; fcepiaepsiac 6pj*7;8eVT65, p.Ei- 
^ova Ta(ppov, 7 ^.E'Tpcov r^aTOu;, ywpoovTE; wpö? to XE'vTpov, tva 

CUVTi>£GOf, O'JTCO; T] T0(X7) TO'J T'JU.^O'J. Zx.7.-T0VT£? §£ ECp' »XavOV JTpÖ- 



EN MAPAeQM TrMBOS 



49 



vov, y.aO'cv ou^ev a&iQV )vöyO'j r, xoaipe<Ti$ too ycöy.y.TO; £•!? *pcö? r'yx- 
yev, io0iia|7.£v teao? i~[ eö3c<po'j? uypou s-!; ßaöo$ 2 a. iico ttj? <r*)- 
u.6ptvYK 67Ci<pav6ia? Jta8' öwcav to Ix 26 [/.. [a-7,/.o: tt,; ra<ppou. Eu- 
t'jvöj; 7] wpa. toC Itouc, — x.y.-rk 'Iouvtov — i~ ETpetpsv r.y.üv ttjv £'!<; 
ftet^ov (iaOo; fpeuvc« roö iodc<poug y.a! oCtw^ 7)ouv7)6t){A6V va. ivaffxa- 




J/tOLlSV TCcClTO'J £V l/.ETpOV EICETI TO Uypöv £07 00: £771 TOV 6~01G'J (XTTE- 

x.a)OoO - o TO tsocooocov TTpwux, to Txpacyöv yjji.iv tt,v ßtoaiO- 
ttjtoc x£p! to'j u.vy)|/.£tou. To TTccöy.a toCto, xpy6(/.evov awo to'j xxpou 

T7JC TOU.f,< ( 07760 Ö ■/.(•>: 06V CUV6TC17CT6 *ai -po: T7.v TC6piö6p6iaV 
TOÖ TUU.ROU, IC'.V.vyj'JVrry 'vi y.s'rpov 7] XXI 7CAE0V ETI TCOAAaYOtJ ä~(0- 
TtpOV TO'j KEVTpOU TOÖ TUJAüOu) 6$6T«IV6TÖ TCO; TO X.iVTCOV 'TOTX- 
ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 4 



t>6 h. STAUE 

yj$ xxi i<jo~'jkvov, (XTTOTS^ou^evov « Ei; ÖTrgpgiGf/.aTo; ex. öaXa<j<na$ 
aaao'j xai [A0t(,Y)$ tivÖ? ÜTroTCpaatvyi; gL/.Trgp'.g^ousr,:; (J/v)Y(xaTa (Jt,apj/.a- 
puyiou »'. 'Etci toö OxspeirraaTo; tootoo, au.* tyj äcpatpg'asi toö a.770- 
[xsivavTo; ettityiSe; Xstttoö axoöiu.xTo; ErtyiosEcoi;. av£<paivovTO bntx 
aTTOTSfppwaeva gxeXetgW aTaxTcos epp'.aae'vwv iizl tt,; 77'jpa;. Ta iyvr, 
Taöra — oioti ocXr/Ja»; l'yvy) u.övov oi6)cptvovTO — t(öv ärcoTScppcoaevcov 
gksXstüW s^7)>,£icpovTO aaa t9) 7vpoc|aü(7£t, S'.' o y.ai £.x.p tOvi avayxaia 
7) £7vl tottou l^g'Taci; toö 7cp&Y(zaTO$ utuö 67ciTpo7cyJ5 <juy)tXv}9ei<iTis i%\ 

TOUTü). 'II £7rtTp07wY) aUTT,, EVCO7710V T7)$ OTTOta? E^YlTaGÖY] ÖCTraTa 7) 

ETricpxvsta TYJ? ävscoyÖEiCY]? tote Tacppou, eSeSxiwjS TY]V Ü7rap^iv TOÖ 

TOtOUTOU <yTpcI)JX3tTO? OtOC TCpcOTOX.ÖXXO'J §Y]U,0'7l£'jO£'vTO; £V 'Ap^. AsXtiCj) 

1890 ceX. 67, Tzot.pz§iyf)y) Se G'jvs7rd><; X3Ü tov iGYuptcu.öv uou ort 
6 tx ogtz Taöxa xpurrTtov uiya$ tuulSo; gv uiaco ttj; xotXäSo; toö 
MapxOcövo; &ev YjSövaTO vi va givg 6 Toccpo? tcuv 19*2 tcscÖvtwv 'A6yi- 
vaiwv xaTa tt]v 7upö; toö; Ilspcra; ic[iO{/.Y7) 4 u,6veuTOv exeiv/jv u.aj(Y]v. 
'EtwI toö outw o ä7üOy.aX'j(pO£VTO? c?Tpcou.aTO; töv ä-OTE<ppci)uivü)v 
OdTcüv sxsivTO EGTrapuE'va u.t/tpa /Yy]x.ö9ia j/.g^avöu.opoa 7rspt Ta Tpia- 
xovTa tÖv aptOtiöv, g!<; rty.xyix toc uXetTTa, e; <I>v suovi'Cop-Ev tce'vte 
EVTaöOa tüv Kupiümpcov, oiSovte; aaa toötcov ßpayjiav Trgpiypacpyjv. 

Ta ayyeia Taöra cpEpouci xoiva? xai ffuv7)0ei$ TcapacTaaei;, eigi ös 
yetpovaxTtXT]; gpyaaia; 7roi7)j/.aTa, £v$ia<pg'povTa [/.ovov ö; 7rpogp^ö- 
p.Eva ex. p,v/)|/.eiou (t>pi<7(/ivY)g jrpovoXoyia«; xai iCTOpwy)? <r/)u.a<j{a;. 

Toötwv to Ott' äpi9. 1 (EöpY)T7)piov Tev. 'Eoopda; 1582), u<j/o; 
i'yov 0,15, 6t)covi£ei tov 'Hpax'Xvi ev j/.e<j(ü Suo i<pt7r7ro>v äu.a£öv<j>v, 
cpepouGcöv u<]/"/)Xa. xpavy], xxTaSäXXovTa Kicxpov. Ilap' aüxa), £xi 
/.>.äS(ov, ^EpövTwv fy-£yÄXo'j; ).£U/C0u<; y.apnoö?, avyjpTy ( {J!.Eva tlal i\).x- 
Ttov >cai (papETpa. Tö po7raXov <paiv£Tai o-icOev toö xa7:pou Xeux.w 
j^p(i)(jt,aTi (ic > ri'kziy.y.iviö) yEypav.t/ivov. '0 'IIpax,Xr ( <; cpepst epuÖpäv 
Tatviav 77Epi ttjv XECpaV^v y.x\ TE^apiöiva Xeuxoö ypwaaTOi; (e^ti- 
XetauEvou). 

Tö U7: 1 äptÖ. 2 (Eöp. 1897), ü^ou<; 0,15, etx.ovt^et ettigyii; Söo 
£Cpi7i~ou; äaaCöva; x.ai ev tw ^-e'^co toÖtwv ttjv 'AÖtiväv etutiOep.e'vyjv 



1 'II iccptf^pita tou uTiEpaaiiaro; zaO(ö; E^ävrj ev rrj toj-uJ i4 ' 8r)Xo'jTai ev tw 
T/yy.i') oii jj.iy.pöiv ypa[i[i(IJv, 6 oi iv. anyiAtov awyy.£i[JL£V05 xüxXo; etv£ tj xax' etxaaiav 
j'jjA^Xrjpwaij aütrjj. 



O EN MAI-A0QM Tl'MnOI 



M 



S'.a Söoaxo; Jcaxa ü-oyoopouvxoi; oxXixou (Tiyavxo;) «pepovro? xpxvo?, 
aair&a xal 8opu. "Iyw, tpuöpoö Jtai XeuxoO ycciV/xT'.Tuou öifltxpivovTat 
KULuopcöc scai ettI xt,: eixövoc xou otVYßiou toutod. 






Tö üx äptO. 3 (Eup. 1894), u-}o: l'yov 0,15, iucov&i 8uo 2a- 
xupou; opyoutxevou? xal sv f/icco auxcäv xöv Aiövuaov xa6y;i/.evov xpa- 
xoüvxa xe'pa<; Sta xr,? yeipöc. ^'/y\ tpuöpoö ypwu.axo;. 

Tö ü-' apiö. 4 (Eup. 1549) ud/o? e'/ov 0,17, xapicxa xE'Optxxov 
ou STCißaivei vuvt) r,vtoy oüaa ' xap' otur^i o iotgivtou oüco e'xepat yu- 
vatxetai {Aopcpai, rpirif] Vi xzOvixai ex! e'Spa; xpö tqö apuaxo;. Iyvvj 
}>euxou xal IpuGpou yptoij.axo;. 

Tö ux' äpiQ. 5 (Eup. 1892) u^o; £yov 0,26, xapi<rxx xEÖpixxov 
äpua, ou ETT'.Saivei ivyjp toö xuxg-j toö A'.ovücou. EIXy)<uov tüjv i'x- 
xcov i'cxaxai yuvyj, [xaxpov cpepouua viTÖva x.a.1 xpxxooca xpöxaXx. 
"Eu-xpocOcv xü>v ixxoov ö 'Epu.r,? xpaxüv xyicuv.eiov . Kai sx! xr,s e'.xo- 
vo; xauxr,; S'.axpivovxai dtu-uöpöc i'yvr, dpuöpoö xai, Xsuxoö ypcouaxi- 
oy.ou. Tä avcoxepü) ayyeia usxa xtvwv xapsü.^spaiv aXXcov xai xxXxt; 
{/.exä Ötxwv O"y)[/.0fft6u9si<TTK £v u. , .xpoypa i pia iv xco rcivaxt xr ( ; xpüxris 
Yjacöv Sr,u.0(7i£UG£(i)? iv AeXxüo 1890 (xiv. A') r,Gav xä acva EÜpr,- 
[/.axa xr^ xpcüxr,; rjaüv Iv xcf) xua€co ipsüvr,;. 

Ai Süd) STSpai ?)[/.(& V epsuvai, x£p ; . wv sxTEvc'cxepov 6a 6a , .'Xr ( <j(ou.£V 
£v xf, öiarpt&fl xaÜTr, ev^pyryO^aav xaxa xö ös'po; xal xö cpÖ'.vcxcocov 



52 n. fiTAtiü 

toO stouc 1891 (wp.As>Tiov 1891 «X. 34.67.97)/H ^püro twv 

Epeuvöv toutcov (c^e'Stov ^7)(p. /l ') syevsTO xpo<; to [/sGrj^pivcavaToXi- 
xöv tou TÜp-Sou, -apa~^£Üpco; tv)? xaTO. to 7rpoviyou[/.£vov eto? ävo- 
puyG£tcrr,(; Txopo'j, §'.' äv.TtvoEiSo'j? TO(JiV)$ [/.iqxou^ 30 ja. xat tcX. 5 p 





Kai xaxa ttjv epyadtav tocutyjv t>5? izywaaTWTgü)? tt,«; veoc«; xaopou 
O'jokv —y.p£Tr;pr,0r, aC'.ov '77,a£tGj'7E60<;. Et; to ocuto ok ßaOos toov rptcüv 

TTEpiTO'J U.ETp<üV ä~Ö TY)^ CTJfJLepiVY)? ETlCpavEta; <XV£'jpOU.£V /„ai uaXiv 

to TTpdiaa tö>v ooröv |/.6Ta tcöv £<j7:ap|/£va>v Xy)xu9i<i)v, äpy6j/,£vov 
xa.6x xat £v Tf, TcpoTEpa raopcj). ouvl «.wo T7J5 TTEptfflipeia? TOÜ TUlt- 
bo'j «XX i; 7.7:o'77 7.'7£oo^ 2-3 txETpuv —AriTiETTspov r:pö; to xeVrpov. 
Ouoev £i/£ Sc r, e^trads toC <TTp<i)fX£TOC toütou to t'vS'.aoEpov p.ey pt 
Tivö^, x.aO' Bffov x.aT' oü^cv 7cap7j'XXa^6 toOto toO c-rpcöi/aTOi; tyj$ rpo- 
T£pa? T«<ppou. 'A^Xic 7rpOYö)poCvTS5 -po; to xevTpov it( aTTÖCTactv 
[)cavr/V i-ö Tr,; iccptaepeia; 7fpoffejtpouGa{A6V et; y.xTaT/.Eoocsiv.x :;>.tv- 



ü EX MAI'AÖÜNI TTMBOS 53 

öivov ewtywixs; x.xt crevov, Xo£oi; ywpoov iico fjteoTf){i6pia; 7rp6; %p- 
x.xov. To x.xxasx.Eux'jp.a xoöxo äpy6[/.£vov ä— o xoO evo; ax.poo xr,; 
Taq>pou yjjaöv eoatvexo ywpovv 6x6 to /_wu.a. toö pj iveoxatiuivou 
ert ävaToXix.o-j T(JW){AaTo; toö tu|a6ou, oY o xat iSenae >a ETCiYeiprj- 
Tcoaev Tpimv ivöpufrv xz/ppou ävaxoX-.x.cöxscov xr,; SeuTepa; (aveSiov 
4r,<p. /?'). S'JVTeXeaBetovj; §£ xat xx'Jxr,; x.axx to oO-.vÖttcooov toö 
1891 y)S'jvy ; 6-/)a£v vx i^eTdcdcapisv öXöxX-yipov to 7rapx$o£ov owto 
x.xxai7x.Eua<Tua to pixo; e^ov 5 u.g'xpwv x.xl -Xxxo: 1 (oveSiov -i/ro. 

/"). 'A-gTEXflXO Sg TOUTO EX. "XÄlvOtoV WU.GJV. UlJ/O; EYOUOÖV 0,37 

xxl ttx/o; 0, 10. xaöerci); TgOgij/ivwv ewt tv;c g-ioxvgta; toö <7xcw- 
(iäto; oütcoc, öjctö v' äwoTeXrjTCti ev op0oy<i>viov wapaXXYjXoypau,- 
[xov. Tive; Toiv wXivöuv xo-jxcov laravTO Iti opöai, 5w&>; 6Te6*|<xav, 
ai x>£t(jxai ou-u? xouxwv siyov xaTaiceaei, k'vsx.x toö ßzoov; toö 
^cÖiaocto?. evösv 75 Ixei06M tyj? auXaxo; ttj; syru-xx^ouEvr,; ix toö 
öix xcüv 7rXtv0ü)v xooxcov xotycotiaxo;. 

H g^g'xaTt; toö g(7Ct)xgpi>coö xrj; a'jXax.o; xxuxr,; x.xxe'Se'.^ev u.iav 
6TI cpopxv ävaa(pi^r ; xyixov tyjv ujrap£iv ßö6po-j r] « <rovoö » cö; x.oi- 
vü; gx.Xr,6r) vj a>jXa<; auTY), vj xotov cr-jyvx eöpioxotteV/] et; toi»; tu«a- 
bou; xcöv eXXrjVixöv ^povav ev 'EXX&oV. "O.xt -xpsTY)pr,Or) gv xw 
Tü(i6cp «BoupS«» (-p. Athen. Mittheilungen 1890 <reX. 320 
*xi e£.) o,ti ev BeXavio*e£« *** äXXa^oö xaöwTaTai fyexix.üxg- 
pov xx vuv Siä xvk a;coxaXu<{/6<i>; ttj; auXaxo; taut*); öwo xöv im- 
yxv Tüfxbov xcüv lAxcxQtovou.xywv. 'II x-jXa£ $s kuty; rcepieiYe, c'-w; 
xat ev Boup6$ xat aXXapö, opxrx i'/v-/) u.eyy.Xr,: wupa; ava<pÖ6ta>j; 
evxö; toö xoiXcöaaxo? äuttIc, errt tyj? Te'^pa; &£ x-?j? gx tyi? Trupa? 
owyjpj^ov a«p6ova Xet^ava g'ogajjtaTWv, olov öaxa "(wcov x.ai tcttjvöv, 
xgXü<p-/] (öcöv /.Xx. To TPapaöo^OTepov öy.co; ttxvxcuv elve, öx r ., öttw^ 
xai gv xat; aüXa^t töv aXXcav 6<p' 7)f/.<5v ävaax.a'pivTwv xüu.Swv, 
oüxoi x.a ; . ev tu xuaSw xo-j Mapaöaivos, 6 ßöOpo; TCepisivsv ei; Tsaa- 
yta £<j-app.£va x.aO' aicav xo ar^o; kvitoö (toö8' OTCßp x-oSe'.x.vüe-. xr,v 
ix 7cpo0eos<i>; ouvTpißriv aOxoiv ) xä ev toi; -ivx;t ll-V ^(loaieuo- 
[^.gva ayygtx, ouyxoXXirjöevTa [aetx Tr)v wspiouXXoy>)M xä>v xgax/icov 
aüxüiv. Ta äyy£tx Se xaöxx, -£pi cov /CXTCurgpa) EvStxxpt'yoagv gv Xe- 
7cxoa£p£tz, tö; x.xt ex xo'j Tyr,axxo; aütüv ipaivsrat, eypv;oiu.07rotY)- 
orjoav xxxx xr,v TeXeww ouptwooiou tivo; 7] a wspiSsiwvou » öxso ttxv- 
xw; x.x ; . gvxxüOx <)x gT6Xe'ö8Y] x.xtx ttjv iicoT6©oa>oriv töv vexpöv 



54 B. ETAHE 

?:p6 Tr,? äveyEpirsüx; tou tuuoou. Ai£7rpxyuxT£<j()7),usv xXXote ekteviIx; 

TX 77£p ; . TCüV ßÖOpWV y.ai TCOV iv <iyir;:< d 70'JTIOV TsXouU.s'vtOV « TTEp'.SEl- 
77VIOV )) 7] <X iv.XUCltOV £-'.<DOpd)V » £V TT, TTEol BoUpßöi BxOs'ffSl y,|J.(öV, 

ty) oTOtf-oateuOsiaY] iv xX),cp -v'r/v. tou icapövTO? 7«piooi)tou ffUYypau,- 
jxxto«; (Mittli. 1890 ffeX. 320 jwti i$.) S-." o )cai %h i-xvxXxa€x- 

VOU.SV ivTxOOx 0<7X i/.£l EliOiGXaEV. 

'AXX' 6-co; x.x ; . e'y.Ei e^etx^ovte; to -pxyux i6£ci)p-/)<7xa£v tö; ßs- 
oxixv, xai Evexa tcöv yevoi/.e'vcov — xcxTTicr.GEcov iv toi: xvxTy.xoEisi 
u<p' 7ji/.cöv tuuSo'.;, xai evsxx tcöv ffYSTHttöv storjciecov -xpx toi; xp- 
y^aioig, Tr,v teXec.v cja-o^icov o'ly.oyEv£'.xx.cöv y.XTX ty;v r,ae'pav tou 
ivTacp'.acfy.oij, outco Jtal ivTXuOx oüSöXco; oy-voiJi/.Ev vx ü::o<7TY]pic;couEV 
Öti xai r, xrroy-xXvoOE^x iv tu T'jaScp toutco x'jXx£, ö ßod^üQ £ivs 
6 y.XTX<jy.Euxc"6£l; y.XTX t'/",v 7)i/.£pxv toO ivTXO'.xo-aoO - tcöv uxyyitcöv, 
xai Iv tö OTTOico zapE^wO'/i'jXv tx Xei^xvx y.EyxXou xai i:uGr;y.O'j cja- 
rroaio'j teXegOe'vto; e!; {avt}u.y)V xÜtcöv, xxtx tx e'O'.tu.e'vx. Tx ävE-jpE- 
Öevtx &£ Ei; Tsaxy.x iv tcö ßöOpjcp tO'jtw xyvEÜx ßE^xico; iypr.aiaE-j- 
cxv cö; crx.S'jY] y.XTX t/jv te'Xeg'.v toO Gja-oatou tO'jto-j. 'Apy.Ei 
ös xttXt} iiövov TrapxSoXy) tcöv xyy£tü)v to'jtcov -po; tx iv tcö ßö6pco 
tou iv Bo'jpSx tuliSo'j xv£'jp£OivTx (Athen. Mitth. 1890 tciv. XI. 
XII xai <teX. 325 xai 326) Öttco; xx-TX^Et^Y; ße€aiov to TrpxytAX. 
Aioti xxi evtx'jOx, ottco; Ixet, 6 ßöOpo;, rcepteive Xco-xSx; xai xucpo- 
psi;, yitoi ffxeuv] t"o; oixiaxr,; vpric£(o? uaXXov y) XarpeuTisca cö; xi 
XrjxuÖoi, tx xXaoaffTpa xtX. ariva eüpi(7)cou.6v,ti>? tx -oaax, ei; tou; 
xo'.vou? rätpo'j:, eupop.ev Se x.xt iv tö ttcwl/.xti twv ÖgtcZjv toö t'jü.oou 
toutou. Kai xat/Jcö; aiv 6 iv tu -iv. II S75u.Offi6u6u.evo? aucpopeu? Sev 
S'jpEÖv) £vto; Tr ( ; a'jXxsto; xXX' e/.to; auTrj? (I'Se aysötov ^9. J') 
ävxa<p'.cor,Tr,TOv oaw; eive oti y.xi tö xyysiov toöto xvr,/.£v ei( tx 
G/teuY] tx ^pyjffiu.o7vOt7i0evTa x.xtx to -ec^ei-vov -cöjtov, S'.öti e6- 
peOvj ätAE'ca)? e^cdOev tt}? x'jXxx.o«; rzXr^iinzxix txutt, , SsuTEpov ö'.oti 
evteXcü; öixoocov Eive tgjv xXXwv -oXXcöv [7.i/tpcöv xyyEicov, tüv Xa- 
TpEUTix.oiv oütoj; E'!-e£v, xtivx 6upe07)ffav ia-xpaiva i-i tou CTpwaa- 

TO? TÖ»V OTTäiv, X.XI TpiTOV, SlOT'. ÖUOIOV £tV£ 7Tp6; TO EÜpeÖEV £VTO<; 

Tr ( ; x'jXx/.o; tou iv BoopSx tuu.6ou. 

'E* T(I)V XVWTEpCi) XO'.TTOV 'yXVECdJ; 7Pp0XUTtT6t OT'. /.X'. 6V MxpxÖd)Vt 
XaTX T7)V TXO/,V r, ÖpOÖTEpOV XXTX Tr ( V IX7COTe<pp<l>fftV T(ÜV 7TT(i)aXT(OV 

tcöv oove'/Je'vtcov x,xtx Tr,v azyr,v ttoXeij.'.'jtcüv Kai Trpo tt,<; avsyep- 



EU KAPAeQHI TTHBOS 



<T2w? toö Ix /cöuaTOS xoaoctcoö Ixeivöu toö öi|»ou(Aevou ev tö Lte'ffcp <rifc 
wgpixXgoös xoiXao*os toö MapaOövo«, ot vixyjTai, iwav«X06vT6$ Ix tijc 
X<XTa&«^«ö« töv E/0:ÖJv ||« T 6 ~e8iov tt) ? y. z/ y;?, irgpKJuvg-Xgfcv tou; 
vexpou« aürcöv v.ai i'Oa^av toutou* SMTOTffpäaavTic rz ccou.aTa ev 
EOpTY) xai (TUfATFOfftcp ei; Tipjv tt5s ävSpsix? auröv. 'AveyepeevTO? Se 
toö («yaXowpgwoös tü>6ou Iwi ttj« Te'<ppx$ ocutüv g&)xoXoüe»<rav <pai- 
vErai teaoövte; o( otxetoi äutöv xxt' SviauTOv tx; Iwtoopa? gWI TOÖ 
ruagou, SlÖTi xaTa to fccpov ty* Tpfa|< topfe, rjv E-EyEip-^ay.Ev xara 
tq yOivöxcopov toö 1891 ivgüpopgv I::! toö x^äto« toö tü|a6ou ei; 
ev pi T pov ßäOov; cysSöv awö ttj* i-ioavsia; ttj; ff7){«piv?K i'/vr, a(J- 
Xaxo? ttXivOiv/); ( i'Ss o^lSiov i|wp. ig") |v { xxl otrrft gäro gfyopev 
xai teuö/ix ayygfcov ÖXiyx. *H aöXa$ ö>co; aur?), kts göpurxopevn 

ETUI TYJ? l£ü>TgpiX>fe £XlQaV£ia; TOÖ ycöuXTO? TOÖ TU>€ou XXI UW0X61- 

f/.£V7i <juv£rdi; ei'; Trpo/jipov avaaxxXsuffiv, ^ro xaTgaTpappe'vT] outg*, 

<0<TT£ Sev TjSuVyj0Y)^6V 0UT6 TO f«}XO« aUTT)« vi E^XXp igcUcüUEV, 0ÖT6 

toö -EciE/oy.svou aÖT-?i; vi 7r£pic-jA)i;couEv ti a;iov Xöyou, o\Öt. xai 
ra göpgGgVra Tsuxyia töv ayygfav (Xowa&cov xuptw? TOiaÖTa) tjoxv 
evt6Ag>; I<p9ap[«'vx. Movov 7] ßggatOTT)? TTpoexu+sv Ix tv;; Sp 6 ü\?, ? 
yjpöv, Sti xai £-i T >5? s$<öT6pix>)$ £-i<pav£ia; toö tu>6ou O-y-pysv au- 
Aa£, ßöOpo; TOUTfiffTC, ev co -xvtco; TcapgyrifaKrav Ta Xgfcj/ava Iviau- 
sicov Ttvöv E7ri ? opc5v, 5tco; aürö toöto xaTeSeixO» xai ev tco T u>6cp 
toö Boupgft, EvOa £x.tÖ; ty5? auXaxo? t*k ö-ö to ycoux xai wpo tou 
Tacpou £ÜpEÖ£iG--o;, a7WxaXü<p6y] xai fa'pa fut£w gfr>T6pixö ? toutou. 



11 



Ta ev toi; 7:iva;iv II -V &»(*omguö>gva dtyygta -poc'pyovTai, ö>; 

EITTOUEV ävCOTE'pcO, TXVTa EX. TOÖ OT^OW, SlOTl XXI 6 EV TCO 7CIV. II 

appopgus, Si' ou? E^OscaaEv X6you 5 , ^'ov va c-jyx.xTaTa/O^ ■[; T a 
toö ßö9pou ayysia, xaiTEp uttoXeioOsi;, ayvcoTTOv Sl« riv'a Xoyov, 
e^coOev tv-; xuXaxo^. Ta iyygia Se txötx s6pi6v)9av e-!; TEax/ia.' cov 
Tiva wapepptjAjxe'va B | s Sii<popa toö ctevoö o.ior>, Si' o xtil «ixikaausv 



56 B. STABS 

iv toi; xvcote'cco Sri r, CTuvrotS"/] xvtöv syevsto Tx.o-iy.co; 1 . 'Aaa'svtxuOx 

-::v -/■ -ooodjy.jv si; ty;v x.xt' ioixv TcepiYpa^Yjv ivö; i/.in-ryj tou- 

tcov, OecocoGv-Ev avavxaiov vä. si'-coa£v OAlYX tivx Y6VtKX — spi toGtcov. 

OGcjivx o'.xAxvOzve-, (jEoxico; Kai z'j.x Tri 7rpOGbA£'.|/et tcöv ti.vxx.cijv 

CT'. UETaCO TCÖV XYY6l(J>V TOOTCOV itTZ XZ/ r j'JG'. OMCDOpai T'.vic. A-.' o ixv 

t,0eaev icETXCE-. t'.c ypovoAoy.x.cö; x.'jpico; tx'jtz, $ev Ox iaxvrE'j'JEv i'<7co; 
6ti ttxvtx tx Iv Toi; Ttiva^t toGto'.; eixoviapiva XYYeix -poipyovTai i; 
ivö; Kai toG xGtoG tz^O'j Kai i-oi/.ivco; ort eivs <j'jyycdvou ypYjesco;, 
ixv iöEix.vuovTO xGtcö, xveu Gto^e'^eco; ty); (j)pi<ru.£VY)? xGtcöv —poE^sG- 
geco;. Kai yvcoGTOv l/.ev iyivETO Kai Stx tcöv iv 'A/.poTTÖXet ävxa/.x- 
ocöv, y.xL~z? xy.yi.G l oY-r l ()iv, oti r, —pd tivo; iTix.pxToGca ypovoloyi*-/] 
KaxxTaC'.: v,to -/.r.y.y.EAr,; Kai XGuy.S'XxGTO; -po; tx icxyöu.Evx tcöv 
ve'cov ipsvvcöv, x.xOögov yjöY] iv tyj 7rEp<7'.x.YJ xaAOuue'vT] i-iycÖGEi TT)? 
AKpoTCÖXsco; xvs'jpi<7x.ovTO xoOovx TEy.xyix ip'jOpoy.jpocov Kai ueAxvo- 
aöpocov äpyx'ix.cöv äyyeicov. xAAx tx ex. toö MxpaQcövo; £Gpr,axTa, 
ävj77o),oyic7TO'j c-O'j^SxLÖTrjTO; ovtx oia to tbpi<T[/.evov Tr,; ypovo^oyix; 
aöxcöv, ou iiövov £-'.?£ox'.oOc7i t<x i^ayöasvx tcöv ev 'Ax.po-ÖAE'. xvx- 

GX.X9CÖV O'.X TT)? £0p£«JeCi>; X.'jpico: TOG SV TCÖ ~ivXX.lV Ü-'äpiÖ. 2 EpuÖpO- 

{jLop^O'j xyysio'j, x^Ax x.xi x.xTx^s'.x.vjO'jai 7C6 , rcXav7)u.evY l v ttjv G-öOegiv 
oti äyysix xpyx't'x.cÖTSpx tcöv |/.SAavO{A6ptp<i)v cö; X. y. tx toG xttix.o- 
/topiv6ixx.oG p'jOaoG ösv r,c7xv iv yzr,nsi G'jyypovco; toi; e p • j p o tx 6 p cp o t. ^ . 

T6 TCO'.X.i^OV TOÖ puÖlAOU TCÖV ix. TOG GTSVOG TOG £V MxpxOcöV'. TGaOOU 

äyysicov, oeixvüei craocö; 6t-. Kai x.7.tx tz; xzy'xc, eti ty|; E' -.X. ix.a- 

TOVTaSTr,piöo; ou ;aövov iv vpyjcyei v.txv o'jyypovco; tx xtj6 toG äpyxi- 
koö p'jOaoG xtt'.x.ox.oc'.vO'.xx.x [A£/pi tcöv ip'jOpoaop<pcov xyyeix, ä^A* 

ÖT'. X.Xl X.XTEaX.c'JX^OVTO ETI TX TTpcÖTX TOOTCüV X.X'. iTTCoXoÖVTO , ÖtOTl 

ßEoaico; ö£v SüvxTxi Tt? EuAÖycoi; vx i^yopicOf, 6ti icp'j^aacTOvTO txotä 
xtto [xaKpoo ycovo'j iv toi; oi'x.ot? tcöv ypr,T'.u.07:otr J '7xvTcov a'jTX x.xtx 
t*/;v T7.07,v rjoyyEvcöv tcöv ttetÖvtcüv i/.xyY,Tcöv ö~co; Sk iv toi; xy- 
ysioi; to'j apyy.'.oTcco'j iv Boupoa TUixbou eüco^ev tov tcocotoxttix.Öv 
poOv.öv (Athen. Mitth. J 8 ( J0 -iv. X) iv G'jyypovto ypr^Ei Tcpo; tov 
aTTix.ox.op'./Oixx.öv (r:iv. XI. XII) oGtco; Kai ivTaOOx £Üpii/toi/.sv 
tov TEAE'jTaiov toötov jastx |/e Aa voy.o pocov x.xi Spu0pO(/.6p©ü>v äy- 
ysiwv. Tx euprjjtaTa outu töv ^Ocü toütwv tuu.6ü)v Se'.x.vGo'jcjiv yjaiv 



1 [Ip. xat Athen. Mitth. 1890 acX. 322. 



EN MAPAeQNI TrMBOS ol 

tt)V aS'.zT7:3c<7T0v äXuaiv t-?,; xvxttt-j^eco; tv;; XYyfiiow^aarixiji et:! 
evx irspurou aiüva. 

'Ev -to'jtoi; a£iov 7rapaTY)pr)<re<i>; eive oti u£tx;'j tou [/.ey&Xou 
apiöu-oö ToJv Tsaayiojv tu>v fieXavoaopowv x.x ; . £pu9pouöp<p(dv xyyeuav, 
xtivx eupeSiocav ev tyj -Eprrix.r, i-'./u>r;v. tv;; 'Axpo7CÖXe<i>€ oXiy<OTepa 
cyeT'.x.üi; uTtap^oufft ziu.7.y<.y. iyyeiwv t?,: xpy/ix.coTepx; täuttj? ~s- 
ptöSo-j. Touto o;a(i>; Se'ov i'o-w; v' ä-oSoOr, o J/i ei; aw&viv T'jyov yj 
eAXei'}iv ayyeicov toioutou p'jOiaoG x.xtx toG; Trpö tt,; etc.^oj'jeco; £po- 
vom;, äXA - ei; to <r/£T'.x.cü; SucypyjUTOV r, uxXXov xx.xtxaav.aov toG 
GYY)(AaTO$ twv to'.O'jtwv ayyeüov, xtivx uxaAov, a>; eI'-ou-ev, £■.; ot- 
xixx.x; yzTiiuc, 7cpoiooi<me'va rjcav >5 ei? XaTpsuTixa^, x.xO x; tcävtio^ 
i-poTty.(üvTO ai xou.(|/ai x.Gaix.e;. ol x.pxTr,Gs; ai (pufcXai x.tt. e^ wv ü>; 
tx ttoAax, x-qteAoGvtxi Tz iv 'AxpowoXet ei; ayyeia 6up7)u.aTa. 

'ApvOfAevoi Se rä vüv t*/)$ 7repiypa^>>]$ tcov ev toi; ttivx^'. r.aüv 
£ix,oviTa£va)v äyyetwv —xpxT'/ipoGaev rcpäTOV, oti ttzvtx tx ayyeia 

TaÖTX eifflV EX. TeiV.XyitoV <7'jyX.ex.0AA7;U.E'vX X.X'. X.XTX TO U.XAAOV 7) T,T- 
TOV SXXlTCT] 61$ T6p.aYta F' 5 6Up60eVTa X.XTX T7JV XVX<7X.XOr,V , TO (X£V 

EVE/CX TT]; TcAeix; X'JTCÖV CUVTptSvj? £'-; EAXyiTTX OpGv.aXTX, TO ÖE 

e'v£x»x tt;; Iauo;, y^tc; £GV7){i.XTi(,eT0 x.xtx t/jv ävacxaafiV ex. tou xvx- 
oXu(,ovto; Göxto;, oioti, <I); eiirouev xvcote'og), r, T£Ae<jTxtx xvty) 
epsuva tou GTevou lyeveTO x.xtx to oQivö~oüpov tou 1891, o~ote bi- 
yov yjoVj apyieret ol üsToi. IIxpxTYico'jasv S' ewi toutoi? oti xai r, 
StXT'/ipr^i; T(öv äyyeiwv to'jtcov eive y;ttov x.xat) r, öcov iv to£; ~i- 
va;i oaivgTai, oioti x.xi 6 ^pü)aaTic{/.ö$ xOtojv eive xaoAoTtpo; xoci 

TCÜV ypxCpCüV X'JTWV 7CX6lffTai £V TTj 6XTC0VYJ<Jel TO'J C7/ £0'.ZGU-XTO; 0710 

toG 7r£~£tpxae'vO'j ^wypAfflou x.. Gilliei'Oii x-cSöO'/icxv cjy.-Ar.pooy.x- 
tix.w; outco; eitceiv ev txi; aoXi; öpxTxi; auTcöv X6TCTOU.ep6tat(. Ku- 
pico; Sk cpOopav G-EdTr^av tx Süo £v toi; ~iv. II y.xi III sixov«i{J.eva 
XTTi/cox.opivOtxx.x ayyeia tx cö; ex. tt,; y,ttovo; xvToyr,; toö yavwji-a- 
to; xGtcöv jcai Tr,; x.aTCJTe'px; toi6t-/)to; u.xaaov £-•/;:£X':0^vT^ , . üTCO 
toG ypövo-j x.xt T'/i; uypaaia;. 

lliv. 11. ayyeiov c/r,aaTo; xaoop£co; (->]/. 0,04) S'.^pr.aEvov x.xtx 
Tr ( v £^d)T£p'.x.riV auTOU st'.oxveixv £-!; £ttx ^cuvx; £t ; . cX.xttt,; tcüv 
07:oia)v £tx.ovi'^ovTxi iv ffULLUSTpiX'fi o'.xtx;£'. oiaa>opoi aopoxi Or,- 
picov, ^fciprjVtov x.xi xvOpw-wv. Ai £ävai, xi ouy L -xgx'. laoüysl; 
ouaai, xX^x SixSo/tx.ä>; aEi^ove; r, iAxo-TOve;, ycopi'^ovTX'. aXX^XuN 



58 B. STAHS 

St'xx)/?;; ypaat/.r,; oC IpuOpoö ypwaaxo; SsS'/i^waevYi«; , ottou xö 
ayr.y.x xoö äyyEtou 8ev a7rr,x£i oiUry xivä &ia>tö<7[/.r,<7iv. Ttjv rcpw- 
xr,v öt/.co; £covr,v xr,v ät/icco; ütcÖ xöv xpayr^ov xoö ayysiou ycopi^si 
y.6<mr,t/.a <po)a§<i>xöv {/.ev avw x.at xaivio£t<$£$ x&xoj. '0 yptof/.axicuö; 
xoö äyyeiou eive ^tAei^w-^o?, Si' o xxi ev x*?i eixovi oöoat/.oö ötte- 
ot;)>ü)Oy;, e£ iyvu>v xivwv öaw<; aüxoö ä^uSpd»? öiay.p'.vo[/.E'v(ov tcoX- 
>ayoö cysSöv ße'ßatov eive ort xö e:uQe{/.a (die Deckfarbe) t;xo 
IpuOpöv. AiaxptvExai ö£ xoöxo xupito? e^ xä? 7tx£puya<; tüv £7u xtj; 
7?püxr,; £üvt)<; v/]<7<7cöv, st? xk <pu>.Xa xwv poSäxcov, äxiva svaX),a£ 
£<p£pov xotoöxov ypü){/.xxiTf/-öv xai ei; (/.e'V/) xiva xwv £ix.ovt<T{/.£vü>v 
ö^ptcov. Tö ayveiov Sev eyet §iay.Expi[/.EV7)v xupixv o^iv, <pe'pei o ka- 
xfi'pwOfiv 6{/.oiav 7r£piTC0u Siaxö <?{///) ctv, Eyoucav oöxa> : 'Etci tyj? ev xco 

TktvaXt a77Et/C0VlG{/.£VY); Ö(j/£(D; ßTixOt/.EV Ext T7J? TCptoXY); £li)V7); T*fc 

ywpt^o'jT'/]«; xä y£iXv] ärcö xoö lait/.oö xoö äyyEiO'j cxoiyov vr)<T<7(I>v 
($ Jtuxvwv ; ) ßatvouGwv <o; ev ööaxi, xo pau/po; :rpö<; xö Eöacpo;. 'H 
£cl)V7] aux'/i 7rspi0e£t a7rav xo yEtXo; <xveu 7rapaXXayo;. AI exl xoö 
^.oaao'j Söo £aivai §iaycopi£ovxai oiä xöv laGüv et? Suo o^ei;* xal 

£7Tl [/.EV TY,$ £V XO) 7VlvaX.'. aX6tX0V'.(7U.eVY)? Opcoi/.£V aVG) {/.6V Ö'Jü) 

dcvxt(/.6Tü)7rou? — e'.pyjva; xai ev xö p.£iu xouxoov >iovxa Jtaörjfxs- 
vov, 67Tt T>fe y.ocxG) o£ Suco exitt,; ävxiu.£xa>TCO'j; ü'piyya;, {/.ixpoxe- 
pa;, Kai £v xoi [/.ecto p.wpav äv6pG)-£v7)v {/.op^yjv ( c Ept/.oö) xpaxoÖGav 
XTjpüxeiov, £x,a7£pü)0£v Ss ava eva Xe'ovxa. 'Etci xvi; ävxiÖEXO'j hk 
0<|/6(0? 6-y.ovi^Exat avco p.Ev 3taöy)j/.evyi Seiotjv aeraQu Suco ßaivovxtov 
),£6vxü)v x.ai xixw x6(Tu.V)ua ötiotov xpö? xö sv x9] xExapxT) ^övy) a7T£i- 
xoviaaevov xat i/caxEpwOsv ävä eI<; 'Xecov Iv xiVYgaEi. 'Ewi tyj? Tupwx*/); 
Cwvr,; xvii; xo'.Xia; xoö dtyyetou etxovi^ovxai £t/.7upoc>0£v {/iv ouco taxä- 
{/.£vo'. ävxiaxspvoi 'Xeovxe?, £yovx£? ev xö u.iacd xö cuvt/Oe; xaiv xoö 
pu8u,oö xouxo'j äyyEiwv K0<7U.7;u.a, ixaxEpcoOEv Se ava {/.ta t(Jxa{/.£V7) 
2Eipr,v, xai OWIO06V ou[/,7C^6Yaa ävSpö? x.ai yuvaixö; [/.Exa^u Suw Sei- 
pr)V(i>v d)v iy.axEpcriOEv ava ei? >£(i>v. 'KtzI xoö Eöi'po'ji; poSax.E? <ru{/.- 

U,ET0lXä{ X£xay[/.£VO'.. 'II E7rO{/.£V7] J/.£i'Co)V ^0)V'/; £yjl ^(/.xpOTOcV t/.£V 

S'jto y.y.hr.u.vrj.z ävx'.i/.ExÖTrouc Smiyya? xal ev xö) [/.e'cw Ttotx.'.XcöxEpov 
xoö ev xyj TCpOYiyou(Jievv] C^vyi xoca^aa xat evxeöÖEv {/.ev <jöv, exeiÖev 
8e 6^ri),6it/.|/.£vr ( v ttop©7)V 0Y)fi(ou, owifföev Se xaxä xö {/.ecov j/.op'prjV 
'Apx£[/.'.oo<; 7CT6puYO<pÖpou {/.£xa;>j o'jCi) ^eovxwv, cüv ö£^'.ä [/iv y.a~poi; 
xai äp-.TXEpa xpio;. 'H exou.evy) C^^i axevoxe'pa oOia, ei^-ovi^Et e'v- 



EX MAPA0QNI TniBOr ö9 

ösv aiv tx ev tö mvxxs opcöy.Eva Oripix, ex.siOev öe oOco x.xtx to |it- 
cov ävTtu-STWTO'j; SstOYJva? xai xvx eva XIovtx ex.xte'pcoOev , ou ete- 
txi ävx gl; x.'J>cvo;. 'H te/Ve'jtxix (covt;, 6(*.oia TYJ wepl to yv.'/.o:. 
xepiOe'st x.'jx.aco to iyvgiov xveu 7capxXX xy?,:. Trjv ßxonv 6e to'j 
<j/(,e'jO'j; auvoesi rcpö; to <7(I>ax xxTivoeioe^ x.ö<7;j.r,y.x i£ixvou|/.evov ae- 
j^pi TT;? ypxuv.r,; t/,; teXsutxix; £a>V7)€. To xyyEiov, cö; 'jteöt^.cocx- 
{/.gv avüjTEpw, Tx^asTa'. ei; tx to'j XTTixoxopivOixxo'j puOjtoii, ttsc! cov 
l'Ss Löschcke sv Arch. Zeitung 1876 ge/\. 108. 

niv. III. To EV TU 771VXXI TO'JTCO E'ix.OV'.^ÖaEVOV (XyyElOV XVXXTEOV 
givE gt£ T7,V XUtJ)V XXTTJYOpiXV TÖV XTTtXOXOptvdlXXbiV. O'J.O'.X'. TTEpl- 
7TOU T7j XOTTXcH TX'JTYj EÖp£ÖY)<TXV (^'jCO XXI EV TCO CTEVCO TO'J EV Bo'jpoZ 

tüjxSou (-:. Athen. Mitth. 1890 <teX. 325 xxi 326) Xewto- 
xspx; öaco; EX.Eiva'. x.xtxov.ej?;;. 'A-s-.x.ovi'rxvTE; cU T7JV yspoviffav 
tx; ypa<px; I^WTepiXYiv ö'y-.v to'j *7x.e'j0'j; -xpxlv.-oy.vj ~.r;i wepi- 
ypx^pviv to'jtwv, — xpaT'opo'jvTE; aovov oti ex.to; toO Xeuxou "/_?w- 
uxTlffuou, 6<jT'.; X7FEo6Qy] rr'.^TOJ; x.x ! . ev tco irivaxt r.v.cöv. O'joevo; 
a)v/\o'j ypcoaxTo; iicideua oparov tuyyxvei. "AaXco; te to xyygiov eivs 
l^yjzb): l©8xp|i.evov xxi £X- TEij.xytcov — OA/\cöv ffuYX£XoXXY)fj.EVOV. AI 
Ypxcpxi to'jtou 6iaiv, cö; £ix.o:, x.a ; . oV Eyyxpx^Eco; 7C£7COtr)fJtivai. Tö 
iatoTEpi/COv tt;; /Xotxoo; x.oay.Ei rj'jyx.svTpcoTuö; ($io"x.o;, Tpoyö; op66— 
T£pov, e-'.u.e'Xcö; x.xtso"X.E'jxo";j-.e'vo; Sia to'j OixotjtOU, i'ycov T'.vx; tüv 
£^/\£t'I/OE!.ö(I)v auToO xx.tivcov Six XgMXOÖ ypcoj-.XTO; £«i ule'Xxvo; göx- 

(pO'j; Ö£ÖY)XcdU.EVa; 'EttI TO'J yilkO'j; TO'J GX.E'JO'j; ÜTTXpy'O'J'j'.V XTEVVOl 

o^co; pöSxx.s; S'.x u.s'Xavoi; £pü)pt,XTt<jp.oö x.xi iyyxzx^Hii: 7C67COiript.evoi. 

AixaETpo; tou äyyEiO'j 0,50 a. 

IltV. IV. TÖ £V TCO TClVaXt TO'JTCp E(XOVl^6u.6VOV äyyElOV EiVE TÖ 

(xHtoXovcoTEoov t-xvtcov O'j aovov öix to GTavicÖTECov a'jTO'j Tyr/J.a 
ä/\/\x x.a.1 oii. tyjv 7rapJcc7TXO"iv, S'.' o xai nxoiyou.v^ aÜToG ev tco wi- 

Va/.l TOUTO) E1X.OVX Y.XI TCÖV Tp'.CÖV a'JTO'J 7r/\£'jpä)V. AeVojASV .t.hvf'0)V, 

Sioti x.atTOi to äyysiov e-.ve GTpoyyjXo'j nyr,'j.x~o;, OixipeiTat v.; -zix 
x.syoopicL/.Evx u.ep7] oü y.ivjv cö; Trpo<; tx? y? a ? a ? xuxoö Ta; 7cXauiiou- 
p-e'va? sv TETpxycovot? ^laycoptcaxciv, aAAx x.ai -Xx'jT'./Ccö; cV.x t?,: =■: 
Tpia T6T(AYi{X6vy)^ TTEpioEO'.x.r,: a'JTO'J ßz'jEco?, ä~OTEXo'j«7Yi; O'jtco TCci; 

0i0V£'. -öSx; TO'J XYYeiO'J, Q~m; TO'JTO G'jvr/j-'TTEpOV X77XVT5C Ei: TX TO'J 

YEcop-ETp'.x.o'j p'jOy.o'j avYeia x.x ; . toiü)? si( tx toO A*.t'jXo'j. To etw- 
TEpixöv toO äyyEiO'j slvs /cC/iXov xax xxi xoxQe:, ot' x.xi TO u.xaXqv 



6ü 1). STABE 

apfxö^ov auTÖ övot/.a eive ~'j^i;. A'j<7£:;7)yY;T0<; oaco; Tuyyavst yjaiv yj 
ü-ac;-.; toioutom gxsüo'-k; evt6; toö ctevov *ai ä/taTavÖY]To; tj ypvi- 
oti/.o— oir^i; (X'jtoO. EupE0Y] ök toöto st? zty.y.y.x in-ccpu.hx, d>v x.ai 
eaaei-o'jtiv.cÖ; o:x ti; sv toi -iva/.'., ouyi ÖAiyx. 'Ex tt,<; cjvapi/.oAo- 
yrjaeto? tgjv T£|zayt(j)v toutcov wpOE*xin|/6 |/.£v ßsßatov to ayv^aa toö 
ayyEiou, ocaa' ouyi xa! vi aAAYjAooy ta tgjv ypa<pd>v. <I)v tive<; iy.avüs 
ö'jcspy.^vE'jTOi TuyyavouGiv oucrat, co? £/. tvk y.aracTpo^; auxcov jcai 
ä::o'7?£'7£(i);. 

Kai i~i ty;; wpwTY)? aev 7Civaxiooc — out<o Öa övouaciouEv Sia to 
EU£&p6{ sx-aTTOv xdiv rpitöv toö äyyEiou StaywptCL/.y.Tcov — Eixovi^ETai 
äp'.iTEpä a£v 6 1 1 o^stSdiv t<7Täu.£voc, yapay.TYipi^öfj.Evo; £uy.pivd)<; oia 
tyI; ev tyj o£Qia auTOÖ y s tp i xpaT0uu.£V7); Tpiaivric, u<|(öv ttjv apiTTE- 
päv £;; evösiCiv Ex-AYiCEco;. Ilap' aürw §e v) 'AGtjvx ev 7:avo7iAia 
erribaivouca TgOpiTCTCO'j ( ; ) aci/.aTOc. "E^xpocflEV twv i7C7T(ov i'yvY) 
{TTauivr,; jy.op<pv)?. 

'E-! ty;; SeuTepa; Ss 7riva/.tSo? 6pö>y.£v apt<7T£pa piv xaxa to 
r,ai<7'j (T6)Qo{i.EVY)V yjvaix»£iav 1 7cävTk)$ [/.oporjv (däv xpiveüjjLSV ex. toö 
ou.oiou iy.aTicuoö tt)S 'AOyjvx; x.ai tüv aoitjgjv xavTü); yuva'.XEtcov 
[jLop'&wv tt,<; TpiTv;; TuvaxaSo;) £~i€aivo'j<7av apaaxoc T£6pi7C7CO'j ( oia- 
xp:vovTai xpei? uövov 17C7COI, u>v 6 xpiTO? AEuxö9pi£, ä/\>ä TcavTax; 

TO ZCp.a. 6k Y]TO TgOpiTTTTOv) Xai 07Ctc6eV [/.EV TWV ITTTTCDV ÖUO) OtVTtUE- 

T(i)— O'j; [/.opcpa? i<7Taf7.£va?, d>v yj tcatjtiov uiv toö apu.axo; avopix.7] 
(paiv£xai oöcra, yj <X7:£vavTi Se Taür/;; yuvaixsia. Au<rEp(/,rjvsuTO? eive 
t] öpacn; t<I>v yc'.pcüv Tdiv Soo tootwv l/.ococöv, EVExa xr t <; cpOopa; r,v 
uwEffTY] yj £'!/.(i)v äxp'.€ä»(; xaTa ttjv a7r£i/.6vi'7iv twv y eiccöv tö»v u.op- 
'yd)v to'jtcov iäv y.Ti a.7:aTü)u.EÖa öaco«;, to Eix.ovt'^ö^.Evov ävTix.£tp.£vov 
6wcp x.paT£i yi ::pö; apiiTEpa [AOpor] ( - ö xaTa Tr ; v Etxaaiav tiü.ojv äv- 

öpi/.7J ) £IV£ A'jpa XOO'JOaEVY) U770 TT); [J.Op<pYJ? Ta'JTr,?, £V (.) T t a^£- 

vavT'. TaÜT - /;? u.oco'/; r) avöo; x.caTEt yj ävuj/oi ä-Acö? tt,v y£ipa. "Ejjl- 

TTCOgOev T(I)V t~7Tü>V S'.a/CpivcTai 7] XE<paAY] XaÖT)U.EVT){ {A0p©7J5. 

'H TpiTT) TCivax.ii; StaTr,p£iTat Gy£T'.'/.ä>; /.aAAtT£pov tcüv Suo aAAcuV 
£7Ti TauTr,<; Etxovi^ovTai tt£vt£ LffTOCuEvat (/.opcpai, a>v o'jo) u.ev evttj- 



1 'Ev Ae/.t'") 1891 3;/. 69 nepiYpa^povtes to a^y^tov toüto s^EAaooaev tt ( v ixoc^fjV 
TaJTr,'/ o>: iv8ptX7jV za ; . Or, A'.o;. MaXXov oiaw; äntaiaiAEvr) ejeTaa;; t7J{ £'/.ovo; KlMl- 



EN MAPA0QM Tr.MÜOI fjt 

ösv v.cu. Sow ix.stOsv tt,; ev t£> |/.e<j<p, r,Tt; xpoöet r, xparei ETri toö 
<jtt)0ou$ [/.eyaXrjv Xupav. AI äva oöa> latapLevat £y.aT£pu>0£v p.opcpai 
auTat, 7cävTü)<; yjvaixeiiai, e i ^ '. ftaaat £<7Tpau.[i.£va'. rrpo; zry vt Ttö 

p.E'Jd), OUTCO; GJGTE al EVTEöOiV TaUTYJS £tV£ KVTlU6Tb>7TOt TCOO^ T3t; 

ixeiÖev" ©e'pouai öe ai f/.op<pai auxai Säcpviov gteoxvov :repi tt,v x.e- 
<paXr,v y.cd xparouot avOvj xai xaivias iitiöeiXTixäg. 'II iv t£> lusto 
aopcpy), t]ti? ayvwTTOv eocv elve avdpiXT] r, yuvaixeta, cpepst 6~i<jy); 
<rreq>avov 77£pi tt,v xeoaX^v, -/) apupieat? öiaw: aÖTr,; oev Siax.piveTX'. 
eäv Sia(p£pv) ou(7'.d)S(i? t*?5; tcöv Xoi~gjv. 

Kai ooTcj [Aev evouaiv al £?: ! . toö äyveiou toöto'j eixove; tyjn Trspt— 
ypa<pv;v, Otfov ö acpopz et? ttjv Epar,veiav to'jtcüv ut:o fu>üoXoyiXT}V 
i'-odnv, ä-s'yo^.ev yjjigij toö va ix^)£pa)(/.6v 6pt<mx7)V yvcäp.7)v, äoivov- 
te; ei; aXXov;, evTpißeffTepou? rjfxöv —Epi tx uuöoXoYtxa, t/jv Xuaw 
toö oucryscoö; TTpoSXr^u.aTOc. Toöto [/.ovov 7wapaT7jpoCit6V, oti, e'äv, 
o;u<o; to TjpcüTov f t [i.6t< ö-eXä6o[/.ev, yj 7cpa>T7] -rij? SeuTe'pa; Twvaxioo? 
[M>pq>7] ä.x£§£'.x.vo£To oti eive ovtco; vj toö Aiö;, tote EÜXdyci); Icco; Oä 
fiöüvaTO ti? vä layopiaOf, oti ai oöci) touXäyigtov TrpdJTa'. etx.övE; 7capi- 
gt(L'7'. axv}va? rtyavToay.yia:. 'AXXä ttxvtco; tote r ( TpiTTfl eixuv da 
£[y.£v£v acyjTo; Trpö; ia; Söco xXXx; xai evTeXoi; äv£Cr,yr,To;. 

'Exi tcöv ecx.övcov öwYjp^sv ETrtOsjxa Xe-r/.oö x.ai spvOpoö yp&MiaTi- 
c[xou, afA<poT£p(ov cyjSöv wavTV] E^/iXe'.i/.i/.eviov tjc vöv. 'EXaYiffra 
oati)? fj^vy) StaTYipoötAEva xoXXayoö ?ti osixvuouaiv Ötc tx 'tgöccotx xai 
ev ye'vsi to. yju.va p.£X'/) tyj? 'AOtovSc; xal tcüv XotröJv yuvatxäv Tjcav 
Xe'j-aoc. Toöto E^tbE^aioi /tai v) xaTacxEuy) toö öcpOaXao'j twv u.opoöiv 
toutwv. To St' £yyapa^£w<; Se yev6[/.evov S-.aypaaaa tcLv uopcpcüv 
<x.TZOTi~kei tyjv ßaciv tyj§ tcy^vix^? auxoö i-i^^yxaia.^, xxxx twv g-j- 
vtiÖy] TpoTCOv tcöv apyal'xwv tootwv ypacpcöv. T^o; £v£i to äyy£iov 
0, 10 \j.. xai Sia^ETpov 0, 17 u.. 

Iliv. V. 'Ewi toö 7rivax.o? touto'j eixovicy.Evy) eive üSiia Sicjto; 
cpe'pouca (xeXavofxöprpo'j? ypacpä; xai 7cepi^epixa Tsaz/ta xuXixo? ep-j- 
Opottopcpou, cw'^ovTa ikx'/j.nzx Xei<|/ava ty)? bv tö x.oiXcp toö ayyetou 
'j-ap/^oöar,; ypacpr,;. 'II öSpia (Gyo'j; Ü, 36 a. ) i'/^i to ffuv»)8l< 
o/riiix Tö>v äyyeiwv toötwv, to r,^'.aTa xoa^ov x»xi Xayapöv, to ya- 

pXXTT/pi^OV T-/]V jrp'/iaiULOT'/lTa TOÖ (7/CSÖO'j; Xfti TO 7ClpUXTlXOV XUTOÖ. 

Ej^ei yacTe'pa Xiav tupeiav xai Xaiaöv ßpavuv iura <7TOw.io'j Su<ja- 
vaXoyou ::po; tov oyxov auTOö, ßaatv Se c/jt'/cüi; uixpav x»ai £xou« 



62 fi. tTAJaS 

^ov. Tö ayysiov y]uwv toöto i'y et £tci ty)$ [jux; j/.6vov xütoö o^ew? 
ypx<py;v T:'Xxi'7tO'ju.£vr ( v £vto<; TETpxycovou 7] j/.x.X.'Xov TpxTCE^OEiSoö«;, cd? 
ex. tt;; »cupTOTYjTO? toö ayysiou, YOJpiffjJLaTO? e~i T'?,: yacrpo; xÖtou. 
E'.x.ovi^cTat o ev xötcö ny.r^r, ti? tou Aiovugixx.oö äuäXou oöy! C7ra- 
vix ty;v iSe'xv, x.'jptto; £7xrt dtyyeiwv [/.sXxvoy.öpcpcov xpya'ix.oö puOtAOö. 
0extxi TOUTficxi x.xtx to [iecov 6 Atovuco?, u.xx.pöv oe'ocov -o^r,: = ; 
iu-zt'.ov =tl tov y.Ttövx, — cöycova y.xx.pöv y.xl x.itraou (J7E[X|/.a £~i TT}? 
x.eox/V?;:, x.pxTcöv ö'.x tt,? ipiCTspS? liev otvj^coaevov xxvOapov x.xt oix 
Tr,; oi^tz; pteyav JtXxoov x.iccoö. "IcTarai o ev tö i/.sc<p eycov ö— i- 
gOev jjLgv ocÜtoö tov 7rpoff<pt)v>5 auTÖ rpseyov, ExaTEptdOev ok xvx e'vx 
YifuoxXx?,ovTa Zxrupov x-xyovrx ava u.iav MaivaSa. 'II eixöv röv 
o'jO tO'jtcov e/.xts'p coOev toö AiovuffO'J G'j|j.TC^£yj.7.Tü)v eyei ev Tai; )v£- 
WTopLepetai? xöt"?,; axpioecTepov outcd' o'i SaTupoi etxovi^ovTat löu- 
«paAXwoi, yuavoi os, ö; G'jvr/Jco:, {/.etx töv t/xx.pöv auTÖv cotcdv x.xi 
tt;; aajcpy.; oöpxc, <p£povT£c i~i toö äpicTEpoö auTÖv uu.ou MaivaSa? 
evöecVjue'vx; icooi!)p7] j^itöv« x.al s/ouca; jiiggou c-c'au.x et! ttj{ x„s- 
cpxV/is. Ol SdtTupoi (paivovrai ei)tovi£6p.£voi x.xtx t/,v (my(/.7)V •x.aO' 
y;v, xvxXxSovte; tx; MxlvxSx; iwi toö cöp.ou, erotu.aCovTat 7] 7rpo- 
gt;x9oögi va xvxgtögi, toöO' ÖTEp piix Sua/Epeia; x.xTopQoöst, St' o 
xx! tx yovara xötöv stci XEX.xp.jj.Evx Iti tcoo? to Eoxcpo;. Tvi; c>ai- 
vv;; txutt,; 7üpoY)yy)0v) £T£px et)covi^o(/.evY] ex! iyyeiou 7cepiypaq>evTO$ 
ut:ö toö Panofka (Parodieen <j. 14) x.xÖ' yjv oi S&Tupoi yovuxXi- 

VEi; IGTaVTOCl TCpö TCüV MxiVxScOV E7CI TÖ GX-OTTOJ VX Ö£C»(j)(jI TXUTa? 

ewl toö (üu.o'j xai xTrxyxycoatv outw. Ilaps[A<psp£t? Se TiapacTicEt? 
7i:pö; T'/)v toö 7 ; f/,£T£po'j äyyEiO'j ö-xpyouaiv ouyj eu<fcpi0{X,6t et:! ay- 
yEiwv, äu.(pop£Ci)v i6t(i>;, 'Izalv/^q xpoEXEOTEü);. 'Ev ttj ec/xtcix; Syj- 
[AOffieuöeioTi 7rpay|xaT£ix toö Heinrich Bulle (Die Silene in der 
archaischen Kunst) eupicjcet xit h ot\. 56. 57 iwipLeXö? cuX^e- 
Xeyfjteva? ttzcx; tx? o-y£Ttx.x; 7capacT&(Tei?. Kai ev 'AjcpoTtoXet Se 
sup£0y)<jav T£i/.x/tx optoiou xyy£iO'j ips'povTO? ay£oov ot/.oixv -xczgtx- 
rjiv -po; Tr.v toö 7)(A6Tepou '. 



1 'Ei'ja/aevd-; 6'jj.o)? r j~'J)i-v. L Hülle (Kv8. äv. aeX. 74) Ott ev 'IraXfa jj.Iv e^t 
otjA^opfiov, Iv "Iv./.av. o; Eni ).r/.J0'nv ij.o'vov etxov^ovTctt ßaxyixal rtÄpaaT^O€i{, Sirfit 
tö vVc, 3i)[Jioaie0d(ievov i/. MapaOcovot ä^ysiov xal xö e? 'AxpondXetüj y.aü'.3:wa'. Tr ( v 
&-cI f j£aiv Kvaxpt6jj. 



Etf MAPA0QNI Tr.MBOi 6$ 

*H ypacpvj, oY 6yyÄpy.;£(ji? iC67F0i7)[££VT), cpepsi IttiOciax XeoxoQ (iwo- 
SoOe'vto; x.od £v tu> ttivxx.'. x.xtx tx yuavx [AeXt] tüv yjvx'.x.aiv) xal 
EpuOpou ^p<0{iaTi(y(/.ou, e£aXet<p6evT0c tou TsXeuraiou toutou c/eSöv 

ivTSXcüi; £X. TGJV £'!x.OV(i>V. 

'Ev tgj xivxx.i toutg> (xpO. 2) X7retxovto*X|Jt.ev x.xl ra eupeGevTa Iv 
Tai crevoi Tsaa^ia Tvi; epuSpofAÖp^po'J x.uX-.x.o;, (aovov oioti i-oSi^oaev 
ypovoAoy.x.Yiv <jy;u.x<7ixv et< to eutcae; eupyjaa. "Ev exi ß^x'.ov u.xp- 
Tupicv t>k -panu.ou äva-T'j^£to; ty;; xyyeioypa<pixs öuvaTOv vx i£a- 
yJ)Y) kx! £x. tou SXaviffTOu toutou Xenj/ivou tou cuvtxoevtos uetx tcLv 
Östoöv tcüv u.apxOwvou.ä^wv. 'Ex. ty;; £tx.övo; tou iyysiou ^co^ETat 

iV TOUTOt«; TOGOV, ÖC70V äp/.eü ITCO; 6-Ci)? ävOC-AYipcö(7Ci)U.SV TO OAOV XUT»]?. 

E'!x,ovi'£etxi ö£, cpxivsTXi, xvr,p [ffTXuievos, <pepa>v [udeTiov x.xl izi:%i- 
(/.6V05 £7ut tt)<; ßax.TTipta; (xÜtou (r,; iyvo; (pxivETX-. rcxpä tou; ~öSx; 
tou xvöpö;) rjv, x»xtx to SwixpaTgffTgpov l6o$, £/£'. EffTVjpiyfieViJiv Otto 
ty)v xpiGTspxv poLn/xkr^ . "Eix-pocÖEv toutou iffTaTai uixpog wai;, 
outivo? 6 tcoüi; u7CsX.£i<j>9r] dv toi<; GuvTpiuuaci tou iyyeiou, tcXyitiov 
tou ajtpou TT]? ßx/tnopix;. Tr,v ö£^ixv xutou y£ipx OT7)pi£ei 6 xvyjo 
Itci TT)? oo"<puo$. A-zjaetcov £y£t 0, 28 [A. to xyy£iov TOÜTO. 

B. ITA IIS 



INSCHRIFTEN VOM ATIIOS 

1. In dem ältesten Kloster des Ilagion Oros, der nach der 
Tradition vom Hagios Athanasios gegründeten Movv) tvjc Me- 
ytcTr,; Aaopr,; finden sich in dem Öl-Magazin mehrere grosse 
Marmorsarkophage ohne Deckel, \on denen der eine die fol- 
gende Inschrift trägt. Der Sarkophag, welcher wie die ande- 
ren heute als Ölbehälter dient, ist 0.90 1 " hoch und 2,30 breit; 
die Schmalseiten sind 1.08 breit. Die Inschriftfläche, welche 
oben zum Teil verschmiert ist, ist durch Händer anc;es;ebcn 
und breit 0,58, hoch etwa 0,47 m . Buchstabenhöhe 0,03. 

CEPBIAlÄlClÄCÄrHKÄI 
TOICTTPOÄnOKIKEN 
O I C M\E I A C X A P I N 
OCA N AeketAtoA 
TTOTE0HNAIETEPO 
NTICTOAMHCHAtt 
OOEETEÄnEIFPO 
CTIMftTHTTOAl 

X B (j) 

SepbiXia 'Iita? "Ay/) x.ai toi; wpoaTCOXtuevot? ty.vetai; yxpiv qc, av 
%i uera to ä::oTeQr,vou exspov ti<; toX|A7)<jy) dtacoöeffTC, $<öci 7upo<7Tiu.ü) 
tt, 7:0X1 (or ( vapia) €cp'. 

Ausserhalb der Klostermauern in der Ölpresse habe ich mir 
noch einen roh ausgeführten Guirlandensarkophag (hoch etwa 
0.82, breit 2,08, Schmalseite breil etwa 1'") notirt. Alles dies 
stützt die auch an Ort und Stelle von den München vertretene 
Ansiebt, dass x\ i r hier eine alle Ansiedelung anzunehmen ha- 
ben. Man sprach auch von allen Mauerresten, die eine halbe 



0. KERN, INSCHRIFTEN VOM ATHOS $5 

Stunde westlich vom Kloster entfernt seien: ich habe diesel- 
ben leider nicht mehr aufsuchen können. 

2. Auch die Bewohner der Movy] töjv Ißrjpoav betonen mit 
Recht, dass sich ihr Kloster, das ebenso wie Vatopedi noch 
heute ein guter Hafen auszeichnet, auf der Stelle einer alten 
Stadt erhebe. An der östlichen Aussenmauer des Klosters ist 
eingemauert ein vor wenig Jahren hier in der Nähe gefunde- 
nes spätrömisches Grabrelief (hoch 0,48. breit 0,60'"). Ein 
Reiter mit flatterndem Mantel sprengt nach rechts. In der 
Hechten schwang er eine Lanze, die man sich gemalt denken 
muss, da kein Loch zum Einsetzen einer Lanze aus Metall 
vorhanden ist, gegen einen Eber, der hinter einem mit einer 
Schlange umwundenen Baume hervorkommt. Unter dem 
Pferde ein nach rechts laufenden Hund. Unter dem Relief 
steht die Inschrift (Buchstabenhöhe 0,02 ,M ): 

ZnilM0IZEinYP0NT02XAIPE 

Zgxjijxoc ZeiTCopovro; yatpe. 

3. In demselben Kloster und ganz in der Nähe von Nr. 2 
eingemauert findet sich folgendes etwa 0.16 hohe, 0,54'" breite 
Fragment; es ist leider zum Teil stark verschmiert. 

PIOCEY0POCY. 
"""TirAlOPoONA 

An allen Seiten gebrochen. Buchstabenhöhe 0,035 (das 
kleine O oder in Zeile 2) bis zu 0,075 (<t>). 

Magnesia am Mäander, 2 Okt. 1892. 

OTTO KERN. 



ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 



GRABSTßlN MIT LUTRÜPIIOROS 

Dass Grabsteine, welche aus Anlass des Todes eines einzel- 
nen Familiengliedes gesetzt waren, später auch die Namen 
anderer Verwandten aufnahmen, ist eine in Athen vielfach 
und leicht zu beobachtende Thatsache; seihst wenn der Grab- 
stein durch die Darstellung einer Lutrophoros als der eines 
Unverheirateten charakterisirt war, hat man sich vor solchen 
Nachträgen nicht gescheut 1 . Dafür ist kürzlich ein besonders 
schlagender Beleg gefunden worden, ich meine das im AeXxiov 
189"2 S. 40 veröffentlichte Grabmal aus Kephisia. Es ist eine 
bis zu 0,'iG"' breite. 1,25"' hohe Stele mit flachem Giebel, 
welche folgende Inschrift trägt : 

API£TOAHMO£ 
AMYNOMENOY 
K H 4> I X I E Y X 

£M Q I K Y Q OH 

£M I K PO Y E A E Y£ I N I OY 
3YTATHPAMYNOMENO 
K H $ I 2 I E.ß 2 TYNH 

Unter der Inschrift ist in flachem Relief eine zweihenkelige 
Lutrophoros gewöhnlicher Form wiedergegeben. Der Um- 
stand, dass dieser Stein auf dem Grabe des Aristodemos und 
seiner Mutter Smikythe stand, könnte gegen unsere Ansicht 
von der Bedeutung jener Vasenform (oben 1891 S. 371 ff.) 
zu sprechen scheinen, wenn nicht der Schriftcharakter und 



' Vgl. oben 1891 8. 392. 394. Ich möchte bei dieser Gelegenheit darauf 
hinweisen, dass durch ein ärgerliches Versehen dort S. 385 die Vase Elite 
IV Tal'. 33 als eine solche genannt ist, auf der die Lutrophoros abgebildet 
ist, während sie selbst ein Gefüss dieser Form ist, und in der Liste S. 378 
nicht fehlen sollte. 



P. WOLTERS, GRABSTEIN MIT LUTROPHOROS 67 

die Verteilung der Buchstaben zwischen den durch die grös- 
seren O-förmigen Zeichen angedeuteten Rosetten es absolut 
sicher machten, dass der Name der Smikythe erst nachträglich 
eingegraben ist. Während man in diesem Falle keinen Anstoss 
an dem einmal vorhandenen Symbol der Lutrophoros nahm, 
scheint man in anderen ähnlichen Fällen eine Umgestaltung 
des ganzen Grabsteines bezweckt zu haben. Auf einen solchen 
Fall hat Kavvadias in seinen TX-j-t«. toö 'EBvixou Mouoeiou S.449, 
930 hingewiesen. Der Grabstein des 'AyaOovwto; zeigte ur- 
sprünglich eine gewöhnliche zweihenkelige Lutrophoros. deren 
einen Henkel man nachträglich abgearbeitet hat. Dasselbe auf- 
fällige Verfahren zeigt eine im verflossenen Jahr gefundene Stele 
(äe^tiov 1891 S. 1 15, 4) von 0,37"' Höhe, die oben von einem 
offenbar nach dem Umriss des gemalten Palmettenschmuckes 
ausgeschnittenen Akroler bekrönt wird. Sie zeigt eine Lutro- 
phoros. auf der in Reliefsich gegenüber stehend und die Hand 
reichend ein Mädchen mit langem Haar und ein Krieger dar- 
gestellt sind. Auch hier ist der eine Henkel der Lutrophoros 
offenbar nachträglich abgearbeitet. Öbwol die Formen dieses 
Gefässes mit einem und mit zwei langen Henkeln offenbar in 
gleicher Bedeutung verwendet worden sind (oben 1 891 S. 391 ,1) 
scheint mir eine solche Abarbeitung doch nur durch die An- 
nähme verständlich, dass man versucht hat. dem dargestell- 
ten Getässe seine charakteristische Form und damit seine 
Bedeutung zu nehmen, indem man es der bedeutungslosen 
Lekythos ähnlicher machte. Ob diese Umgestaltung mit einem 
fertig gekauften Denkmal vorgenommen wurde, oder etwa bei 
weiterer Verwendung desselben auch für verheiratete Ange- 
hörige ist nicht zu entscheiden: dass die bestimmte Geläss- 
form als bedeutungsvoll empfunden wurde wird in jedem Fall 
durch diese nachträglichen Umarbeitungen aufs neue be- 
wiesen. 

Athen. 25 Nov. 189?. 

PAUL WOLTERS. 



LITTE RAT UR 

P. Cwvadias, Fouilles d'Epidaure. I. Von diesem Wecke, 
das bestimmt ist die gesamten Ergebnisse der Ausgrabungen 
im Hieron von Epidauros zusammenfassend vorzulegen, be- 
handelt der vorliegende erste Band die Ausgrabungen der 
Jahre 1881-1887: die späteren Funde sind einem zweiten 
Bande vorbehalten. 

Nach einer Einleitung, in welcher die Gesehichte des Hei- 
ligtums im Altertum und in der Neuzeit skizzirt ist, bespricht 
der Verfasser zunächst den Plan des ganzen Heiligtums, dann 
im Einzelnen das Theater, die Tholos, den Tempel, die zwei- 
stöckige Halle undtlen Artemistempel, sodann in einem zwei- 
ten Abschnitt die wichtigsten Skulpturen. In einem dritten 
Abschnitt sind die Inschriften zusammengefasst, und hier ha- 
ben wir besonders die grosse Zahl von bisher unbekannten 
Texten hervorzuheben, die jetzt bequem zugänglich gemacht 
werden. Der Verfasser hat nicht versäumt, dieses reiche Ma- 
terial zu einer kurzen Geschichte des Heiligtums auszubeuten, 
andererseits aber auch die Benutzung des epigraphischen Tei- 
les durch ein genaues Register so bequem wie möglich ge- 
staltet. 

P. Cavvadivs, Fouilles de Lycosoura. Livraison I. Wir sind 
dem Verfasser zu lebhaftem Dank verpflichtet, dass er sich 
entschlossen hat, von den Resultaten seiner wichtigen Aus- 
grabung in Lykosura vorläufig diesen Teil vorzulegen. Ihre 
vollen Fruchte werden diese Ausgrabungen allerdings ja erst 
tragen, wenn es gelingt den grossen Schwierigkeiten zum Trotz 
auch die Torsen der Kolossalbilder nach Athen zu schaffen, 
und ihre Wiederherstellung mit Hülfe der zahlreichen vor- 
handenen Bruchstücke zu unternehmen. Die Hoffnung, auf 
diese Weise nicht nur Werke eines bedeutenden Künstlers, 



LITTERATUR 69 

sondern vor allem auch eine kolossale Kultgruppe im We- 
sentlichen wiederzugewinnen, und so eine schmerzlich emp- 
fundene Lücke unserer Anschauung mit einem Schlage zu 
lullen, wird einen immer erneuten Antrieb zur Überwindung 
der äusseren Schwierigkeiten bilden. Vorläufig werden alle, 
besonders diejenigen, denen nicht vergönnt ist, die Originale 
zu sehn, mit Dank diese Veröffentlichung begrüssen, welche 
die drei Köpfe der Demeter, der Artemis und des Anytos so- 
wie ein grosses mit Ornamenten geschmücktes Gewandstück 
in Lichtdrucken wiedersieht. Im Text sind nicht nur die 
wichtigsten anderen Fragmente erwähnt, sondern auch der 
Plan des Tempels und eine Inschrift zu Ehren eines Nikasip- 
pos mitgeteilt. Wir wünschen mit dem Verfasser, dass die 
Hindernisse, die sich ihm in den Weg gestellt haben, bald 
hinweg geräumt sein, und es ihm vergönnt sein möge, seine 
schöne Aufgabe zu einem glücklichen Ende zu fuhren. 

A. KAMnorporAor, 'Igto^x tüv 'AÖTjvaicov. II HeftS. Athen 
18y3. 

I. Ko*INlQT112, 'IcTopix toO Apyo'jc per' etxovcoM Heft 13-15 
Athen 1893. 

ÄKPonOAiE 1893 ip. -4035 (29. April j89^). :in der öst- 
lichen Vorstadt von NaupaktOS, westlieh von dem am .Meere 
ü;elei>;enen «»rossen Garten der Familie NöSa ist bei Anlage ei- 
nes Entwässerungsgrabens bereits vor 15 Jahren ein Mosaik- 
boden entdeckt worden ; jetzt bei Erbreiterung des Grabens 
wurden in einer Entfernung von 15- C 20 m vom Meere ein gros- 
ser Mosaikboden, Marmorsäulen und eine Mauer römischer 
Zeit ( Backsteine mit Mörtel) gefunden. Der Bau gleicht den 
'Bädern' welche in Athen beim Olympieion freigelegt wor- 
den sind. Ls wird vorausgesetzt, dass er mit ähnliehen Besten 
bei der etwa 1011 Schritte entfernten Kirche M^xaoc^cü^'.; toö 
-cü-rr.co; zusammenhängt: auch die Vermutung, dass es sich 
um den Tempel des Poseidon oder der Artemis handele, wird 
angedeutet]. 

Estia 1893 Nr. 1-18. Darin u. a. S. 27. 60. 1\ LW/if.x- 
br,;, Ai rcapx tyjv Uvvkx xvxc/tx^xi (mit Plan). — S. 40. Aul 



70 LITTERATUR 

dem SraupoSoövi bei Mantinea sind vom Regen Mauerreste 
biosgespült worden, die als kyklopiscbe bezeichnet werden. — 
Fund eines Teiles der Stadtmauer in Athen und eines Grabes 
(Marmorsarkophages) dicht davor (vgl. oben 1892 S. 450). — 
S. G5. A. Kaj/.7coup6yXo'j, IlöOsv to ovo u.a. toö Aacpviou ; — S.111. 
Fund eines männlichen Marmorkopfes guter römischer Arbeit 
in Gortyn (Kreta), der von dem Museum des Syllogos in 'Hpa- 
xliiov erworben wurde. — S. 158. II Ilaxayswpyiou, MaxeSo- 
v./.a Äp^atoXoytjea. [Relief aus Nevrekop (Nicopolis ad Nestum), 
in der Mitte Pluton mit Nimbus thronend, neben ihm Kerbe- 
ros, rechts von ihm Persephone thronend mit Scepter und 
Spiegel, links von ihm ein unbärtiger Hermes, weiterhin ein 
Mann auf einen Stab gestützt. Über dem Relief befindet sich 
die Inschrift Kopiw IIXoutwvi, neben welcher links die Büste 
einer Frau mit Strahlenkranz, rechts die eines Kindes ange- 
bracht ist. Unter dem Relief steht Aup. Me<mxev6oc x.k Aup. 
rY)7C67Uupi? 'E^e'veo? vuvj] Moux.iocvou to'j; Gso'j; iveSvjstav]. — S. 
256. Bei den Arbeiten zur Erbreiterung des Euripos sind 
Grabsteine mit Inschriften und einige Skulpturen, darunter 
der Torso eines Knaben mit einem Hündchen auf dem Arm, 
gefunden worden. — Abbildung eines schönen Grabreliefs aus 
Velestino (Pherä): stehende Frau nach rechts, vor ihr eine 
Dienerin mit Kästchen, in welches sie zu greifen scheint; Ar- 
beit wie die attischen Grabsteine um 400. Daneben Grabstein 
römischer Zeit, im oberen Teil das Brustbild des Verstorbe- 
nen, unbärtig, von vorn, in einer Art halbrunder Nische, die 
zugleich die obere Endigung des Denkmals bildet, darunter 

O OD ' 

die Inschrift OEOAQPEAPI2 
TOMENOYIXAIPE 
S. 281. Abbildung der kyklopischen Brücke bei Mykene. 

E*HMEPIS APXAIOAOriKH 189*2 Heft 2-4. 

[lAPNASSOE, Ihp'.oo'.x.öv GUYYpaptjJia toO* sv 'AQyjvxk; öt/covui/.ou 
cAlöyo'j XV, 5-7. Darin u. a. S. 368. 445. B. M. A., Kx::- 
7:aSox.'.-/.i, yEGjypxo'./.r, , o-Ta-p.CTr/.r,, ex.Tra'.oe'JTi/cr,, iu.xozv/.r,, ix./.Xr)- 



LlTTERATUR 1i 

ffiaariXTJ xrti M7)tootc6X£w; Kaisapgtac. — S. 461. 'I, 'AoOoviSt;?, 
'Axpißrj? tottoOet'/ig'.; tcoascov tivcüv ttk Maxeoovia? (Mittelalter- 
liches). — S. 463. Derselbe, 'ApyaioAoy./.x Ma/.sSovia;. [An der 
Südseite des Pangaion. beim Üorfe Misthi;inia liegt eine an- 
tike Befestigung, nach dem Verfasser Pergamos. bei welcher 
jetzt beim Weinbau viele antike Gräber mit Thongefässen, 
kupfernen und seltener silbernen Münzen, auch wol Schmuck, 
gefunden werden. Einige Grabschriften werden mitgeteilt, de- 
ren erste lautet : 

ENOATTOAYTAMQNKEIMAINEKY2 

. . A A ATT P I N H A I Kl AIEN AEI AAOAOMOII 

ENNEAKAIAEkAETINATTOTTATPOZ A 

in n 

EN0ATTOAYKAAY2TO2KEIMAAEOYA 

AITTOM KAZITNHTONAETEAAEA 

<J> O N 
AY 0EZITPY. .. 

S. 556. A. Mapo'jXv);, Sopxia (Besprechungsformeln). 



SITZUNGSPROTOKOLLE 

4. Jan. 1893. E. Reisch, Über den Hephaistos dos Alka- 
menes. — F. Hiller von Giertringen, Rhödiscbe Künstlerin- 

sehriften. — W. Doerpfeld . Über die Fortsetzung der Aus- 
grabungen bei der Enneakrünos. 

18. Jan. 1893. W. Reichel, Homerische Waffen. II — 
P. Wolters, Argivische Bronzereliefs von der Akropolis. — 
W. Doerpfeld, Die Ausgrabungen bei der Enneakrünos. 

1. Febr. 1893. F. Winter, Reiterfiguren auf der Akropolis. 
— \Y. Reichel, Homerische Waffen. III. — W. Doerpfeld, 
Die Ausgrabungen hei der Enneakrünos. 

15. Febr. 1893. D. Pimaos, Von den eleusinischen Ausgra- 
bungen. — W. DoEiiPFELn. Die Enneakrünos. 

1. März 1893 musste ausfallen. 

15. März 1893. W. DorRrFEi.n gedenkt des fünfzigjährigen 
Doctorjubiläums, welches II . Brunn in diesen Tagen feiere 
und hebt dessen Verdienste um die Wissenschaft und beson- 
ders das archäologische Institut hervor. — A. Koerte, Die bei 
der Enneakrünos gefundenen Votivreliefs an einen Heilgott. — 
L. Pallat. Die Basisreliefs des Nemesisbildes zu Khamnus. — 
R. Loei'er, Über den Einfluss der Trittyeneinteilung auf die 
Zusammensetzung attischer Beamtencollegien. — W. Doerp- 
feld legt vor Ch. Normand, La Troic d'Homere und spricht 
über das Ziel der demnächst beginnenden Ausin'abumren in 

O CO 

Troja. 



Mai 1893. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 
(Tafel VI-IX) 

Die griechische Generalephorie unter Leitung des Herrn 
Ravvadias verfolg! seit dem Abschluss der Ausgrabungen auf 
der Akropolis den Plan, Gräberstätten in grösserem Umfange 
und unter genauerer Beobachtung als bisher aufzudecken. 

Die Berichte des Herrn Stais im Asatiov und auch in diesen 
Mittheilungen 1 gelten Zeugniss von dem Erfolge, den diese 
Arbeiten in der attischen Landschaft, beim Grabe der Mara- 
thonkämpfer, bei den Grabhügeln in Yelanidesa und Yurva 
und anderwärts gehabt haben. Es musste im Zusammenhang 
dieser Ziele der Generalephorie besonders erwünscht sein, 
dass sie im Frühjahr 1891 ermächtigt wurde in Athen selbst 
auf einem ausgedehnten Grundstück im Nordwesten der Stadt 
Nachforschungen anzustellen. Auch die Ausführung dieser 
Ausgrabung lag in den Händen des Herrn Stais; er hat über 
sie, im besonderen über die Funde, die von dieser Ausgrabung 
her in das Nationalmuseum verbracht worden sind, kurz be- 
richtet 2 . Ihm zur Seite stand bei den Arbeiten als Architekt 
der Generalephorie Herr Georg Rawerau. 

Den Unterzeichneten ist es vergönnt gewesen , mit aller 
Freiheit dem Verlaufe der Ausgrabungen beizuwohnen, und. 
im Begriffe unsere Aufzeichnungen zu veröffentlichen, drängt 
es uns den Dank zu bekennen, den wir Gäste im griechischen 
Lande der griechischen Gastlichkeit und wissenschaftlichen 
Liberalität schulden. Wir hoffen mit dem Folgenden dem 



■ AeXt.'ov 1890 S. 16. 105. 123. 1891 S. 28. Athen. Miltli. XV S. 318. XVIII 
s. ',li. 
2 AeXtJov 1892 S. G. 

ATHEN. M1TTHEILUNGEH XVIII. 6 



7-4 A. imUECKNKU UND E. t'KRNICK 

Plane, welchen die Generalephorie im Auge hat, die Erkennt- 
niss der griechischen Gräbersitte zu erweitern, förderlich zu 
sein. 

Wir sind uns dabei bewusst, wie sehr das. was wir hieten, 
an Anschaulichkeil und Ausführlichkeit in Verzeichnung des 
Inhaltes der einzelnen Gräber zurücksteht hinter anderen Grä- 
berpublicationen z. B. italiänischen. Denn wir haben in der 
Behandlung der ältesten Gräber und derjenigen dw späteren 
Epoche den Unterschied gemacht, dass wir glaubten, die 
Fundberichte über jene mil allen Einzelheiten geben zu müs- 
sen, während wir uns bei diesen auf die Wiedergabe der ty- 
pischen Erscheinungen beschränkt haben. Dass wir unsere 
Notizen durch den Plan auf Tat". 7 und einige Gräberansichten 
anschaulich machen können, verdanken wir Georg Kawerau's 
freundschaftlicher Mitarbeit. Für den Text sei bemerkt, dass 
die Beobachtung der Kunde in den beiden ersten Hechtecken 
(A. B) und in einem Teile des dritten (C) durch Brückner, 
die Beobachtung der später aufgedeckten Gräber durch Per- 
nice geschehen ist. Bei der Ausarbeitung haben wir uns in 
die Arbeit geteilt, so dass Kapitel I und 111 von Brückner, II 
und IV von Pernice niedergeschrieben worden sind. Doch was 
dabei schliesslich auf den einen, was auf den andern zurück- 
geht, ist schwer zu trennen. 

I. Lage und Geschichte des Friedhofes. 

Das Grundstück, in welchem die hier zu beschreibenden 
Gräber aufgefunden sind, liegt an der Südseite der Piräus- 
strasse. ^e^enüber dem Waisenhause llatzikosla und stösst 
zugleich an eine Seitengasse, die 'OSöc ßaciXew? 'HpaxXeiou * . 
Der Besitzer, der die Erlaubnis» zu den Nachforschungen er- 
teilte, ist der Flügeladjutant Sr. Iv. Hoheit des Kronprinzen, 
Herr Oberst Sapuntzäkis; im weiteren Verlaufe griffen die 



{ 8. Taf.6,1, wo das ausgegrabene Grundstück durch Schraffirung und 
dunkelbraune Färbung hervorgehoben ist. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 75 

Ausgrabungen über auf das Grundstück der Wittwe Karatzas. 
Man durfte erwarten, auf diesem Platze sehr alte Gräber auf- 
zulinden. Denn als im Jahre zuvor auf dem Eckgrundstück 
zw ischen den beiden Strassen die Fundamente zu einem W ohn- 
hause gelegt wurden 1 , hatte bereits dieEphorie wichtige Grü- 
ber beobachtet: daher stammt die stattliche hochaltertümliche 
Amphora, welche die älteste Darstellung des Kampfes des 
Herakles mit dem ' Netos' bietet, daher stammt auch der Kra- 
ter, der iiiii der Aufklärung willen, welche er über die Wei- 
terentwickeluug der attisch-geometrischen Malerei liefert, im 
letzten Jahrgange dieser Zeitschrift die Besprechung, die er ver- 
dient, erfahren hat 2 . Östlich vom Grundstücke Sapuntzäkis 
bis hin zur W>.%-üy. 'EXsuSepia? 3 waren vor Aufführung der 
dort belegenen Wohnhäuser muh Jahre 1 87 J an reiche Gräber- 
funde gemacht worden, ebenfalls zurückführend bis in die 
entlegene Periode des geometrischen Stiles und hinabreichend 
sicher bis in das vierte Jahrhundert. An der Ecke des genann- 
ten Platzes steckt noch heute 1 ] / 2 m unter dem jetzigen Fuss- 
boden eine Grabstele mit Helief. die man im Boden belassen 
hat 4 . Auch jenseits der Piräusstrasse sind Gräber aufgedeckt 
worden ; denn hinter dem Waisenhause sind die berliner Thon- 
pinakes gefunden, die figurenreiche Darstellung eines Leichen- 
zuges, der Schmuck eines Grabmals des sechsten Jahrhun- 
derts 5 . 

\\ ie es der Lage dieses ganzen Gebietes nordostlich vom 
Dipylon und dicht vor der Stadtmauer entspricht, hatte sich 
hier ein weites Totenfeld ausgebreitet. Nach dem. was wir 
über die Lage antiker Friedhofe überhaupt wissen, nimmt 
das nicht Wunder für die Zeit, in der die tliemistokleische 



1 Auf Taf. r>, t durch schwarze Färbung hervorgehoben. 
-' Athen. Miltheilungen XVII 8. 205. Die Nelosamphora: Antike Denkmä- 
ler I Tafel 1(5. AiXt'ov 1890 S. 4. 

3 Dieser Platz hiess seil 1834 Ludwigsplatz (IIXaTGta AouSoSixoj) wurde 
alirr nach 1871 umgenannt; seinen ehemaligen Namen trägt jetzt der Platz 
zwischen der Nationalbank und dem Neuen Theater. 

4 Attische Grabreliel's Nr. 419. 

8 Furtwängler, Vasensammlinig Nr. 1811 



76 A. BRUECKNER UND E. PBRNICE 

Stadtmauer bestand und hier den äusseren von dem inneren 
Kerameikos schied. Bemerkenswerter ist es. dass schon 300 
Jahre vorher derselbe Raum einem grossen, sich über ihn noch 
hinaus erstreckenden Friedhofe angehörte. Denn man wird 
doch diejenigen alten Gräber, welche unmittelbar beim Dipy- 
lon und an der themistökleischen Stadtmauer gefunden sind, 
so dicht, dass Slephanos Kumanudis 1 aus ihrer Lage seh liesst, 
zu ihrer Zeit müsse der Peribolos der Stadt ein engerer ge- 
wesen sein — man wird doch wol diese Gräber, die den An- 
lass geboten haben zu der üblichen Bezeichnung von Dipylon- 
gräbern und Dipylongefässen, in Verbindung bringen müssen 
mit den auf dem Grundstück Sapuntzäkis und in seiner Nach- 
barschaft aufgedeckten und wird danach erwarten, in dem an 
300'" grossen Zwischenräume noch mehr Anlagen dieser Epo- 
che zu finden. Ob sich in der Dipylonzeit der als zusammen- 
hängend anzunehmende Friedhof nach Osten und Westen 
noch weiter erstreckt hat, darüber besitzen wir keine Nach- 
richten. Aber sollte das auch nicht der Fall sein, so ist die 
festgestellte Ausdehnung des Friedhofes gross genug, um uns 
zu berechtigen, von ihr aus auf die Entwickelung des Kera- 
meikos Schlüsse zu ziehen. Das Gebiet trennt den äusseren 
von dem inneren Kerameikos. Es zeigt sich, dass nicht erst 
die themistokleische Stadtmauer oder vordem eine etwaige 
pisistratische die beiden Quartiere geschieden hat, sondern 
es geht aus der Lage des Friedhofes als wahrscheinlich her- 
vor, dass in der Dipylonzeit die geschlossene Siedelung im 
Kerameikos bei dem Friedhofe ihre Grenze hatte — da, wo 
heute noch der öpo? Kepa^etxoc; steht. Erst in Folge einer ge- 
steigerten Entwickelung, deren Ursache (]vv kräftige Auf- 
schwung der Töpfergilde, die teilweise Verdrängung ihrer 
Werkstätten durch den pisistratischen Ausbau i\c^ Marktes 
und draussen die Anlage der Akademie gewesen sein werden, 
sind, so scheint es, die Grenzen zu em>- geworden, und es erhob 
sich jenseits des alten Friedhofes ein neues Quartier, der aus- 



i QpecxTwa 1873/74 8. 17 und 18. 1874/75 S. 17. 'AO^vaiov I S. 395. 



EIN ATTISCH KR FRIEDHOF 77 

sere Kerameikos. Noch eins ist für die Bevölkerung des älte- 
sten Kerameikos zu folgern aus den Grabmalern und Gräbern 
ihrer Familien. Auch ein freier attischer oV.y.-.o'jcvö: wird zwar 
im Zeitalter des ffio\)po<pop6tT6au nicht ohne den Waffenschmuck 
erschienen und dem entsprechend nicht ohne ihn begraben sein: 
daher denn die Funde von Waffen nicht gegen die Gräber von 
y.tpxu.clc, sprechen wurden. Aber wenn wir auf den grossen 
Grahmälern, die hier gefunden worden sind, das reiche Ge- 
pränge des Leichenzuges erblicken und die lange Reihe von 
Wagen mit vollgerüsteten Männern überschauen, so werden 
wir zu der Vermutung gedrängt, dass neben den Werkstätten 
der Töpfer ritterliche Landbesitzer ihre Höfe hielten. So alt 
war demnach das freundnachbarliche Verhältniss, welches 
den xepay.eu? mit dem Adligen verband und später in Vasen- 
bild und Inschrift seinen beredten Ausdruck gefunden hat 1 . 

Zur Zeit des Themistokles wird bei der Feststellung der 
Mauerlinie die La<>e dieses ältesten Friedhofes mit bestimmend 
gewesen sein. Man hat die Linie genau so gezogen, dass das 
Gräberfeld ausserhalb der Stadt blieb und die Stelle nahe bei 
dem Thore auch weiterhin als Friedhof benutzt werden konnte. 

Es mag diesen allgemeinen Bemerkungen über die Zeit der 
Benutzung des Friedhofes nordöstlich vom Dipylon noch der 
Vollständigkeit halber eine mündliche Nachricht des Herrn J. 
Paläologos hinzugefügt werden. Seiner deutlichen Beschreibung' 
nach hat er bei den von ihm beobachteten Ausgrabungen nahe 
dem damaligen Ludwigsplatze in grösster Tiefe auch ein Gral) 
gefunden, dessen Bänder von einzelnen Steinplatten eingefasst 



1 Vielleicht bezeugen uns auch die Malereien des oben S. 75 angeführten 
Kraters eine Festsitte des Kerameikos als alt. Wenn nämlich das darauf dar- 
gestellte merkwürdige Gerät, wie wir jeUl bis auf eine zutreffendere Er- 
klärung annehmen möchten, mit seinen aus dem Grunde eines Beckens 
aufstrebenden Linien eine Pfanne mit brennendem Pech wiedergeben soll, 
su würden dort nächtliche Spiele dargestellt sein. Vgl. a. a. 0. ausser Taf. 
K). I auch Abb. 10 S. 226. Das erinnert an den Fackellauf, der in histori- 
schen Zeiten vom Aliare des Prometheus aus durch ^\^i\ Kerameikos sei- 
nen Weg nahm. Vgl. < lurtius, Sladlgeschichte \ od Athen 8. 1 19 und A. Körte, 
Jahrbuch 1892 S. 151. 



78 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

waren und welches eine Bügelkanne enthalten hat. Danach 
würde es scheinen, als habe man an dieser Stelle bereits in 
mykenischer Zeit bestattet. Uns sind hier so alte Gräber nicht 
bekannt geworden. 

Der Übersichtsplan auf Tat*. 6,1 veranschaulicht die Lage 
des Grundstücks, wo im Jahre 1891 die Ausgrabungen stattge- 
funden haben. Aus Rücksicht auf den auszuhebenden und wie- 
der zu bergenden Schutt musste von einer vollständigen Ab- 
räumung des Platzes abgesehen werden, es winden statt des- 
sen einzelne rechteckige Schachte von etwa 8'zu 12'" ausgehoben 
und jedesmal in den ausgegrabenen Schacht der Schutt des 
neubegonnenen geworfen. Solcher Schachte sind acht ausixe- 
hoben worden. Die drei ersten und wichtigsten enthält der 
Plan des Herrn Kawerau auf Tai'. 7. Der achte, der erst im 
Frühjahr 1892 geöffnet worden ist und nur 50'" von der the- 
mistokleischen Stadtmauer entfernt liegt, ist von Pernice auf- 
genommen und auf Taf. 6, 2 wiedergegeben. 

Im Ganzen enthalten unsere Aufzeichnungen Angaben über 
231 Gräber. Doch ist die Zahl der wirklich aufgedeckten Grä- 
ber etwas höher, da wir im Anfang der Arbeiten namentlich 
versäumt haben, manche der Amphoren, in denen Kinder 
beerdigt waren, und auch einige ärmliche Ostotheken zu be- 
ziffern und in den Plan einzutragen. Von den 231 Gräbern 
sind 19 aus der Dipylonzeit.Von etwa 5-10 Gräbern der ober- 
sten Schicht abgesehen, gehört der Hest dem sechsten bis vier- 
em ' o 

ten vorchristlichen Jahrhundert an — denn er enthält die üb- 
lichen bemalten Vasen — zumeist dem fünften und vierten; 
Gräber nämlich mit streng schwarzfigurigen Vasen sind auffal- 
lend wenig gefunden worden, so dass es scheint, als sei nach 
der Dipylonzeit der Friedhof nur wenig, und erst nach der 
Errichtung der themistoklcischen Mauer aufs Neue stärker be- 
nutzt worden. 

Unter 186 der jüngeren Gräber, die in unseren Aufzeichnun- 
gen beschrieben sind, waren 

45 Brandgräber, in welchen an Ort und Stelle der Leich- 
nam verbrannt worden ist 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 79 

8 Ostotheken (es ist bereits bemerkt worden, dass diese Zif- 
fer für das Ganze zu niedrig ist) 

43 Schachte, in denen der Leichnam beerdigt war 

60 aus Ziegeln zusammengesetzte Gräber, mit beerdigter 
Leiche. 

17 Thonkrüge mit beerdigter Kinderleiche (aucb diese Zif- 
fer ist, um das wahre Verhält niss der gesamten Funde zu er- 
halten, etwa auf das Doppelte zu erhöben) 

10 stattliche Gräber aus grossen Steinplatten zusammenge- 
fügt, die Leiche darin beerdigt. 

.'-t grosse Steinsarkophage, die Leiche beerdigt. 

Nach Abräumung moderner Schuttmassen, die auf das 
brach liesende Grundstück bei der Ausschachtung der Nach- 
barhäuser und der Anlage der 'OSö? ßaaiXews 'HpaxXeiou gera- 
ten sein mögen, stiessen die Arbeiter durchgängig zunächst 
auf eine Schicht von lockerem Erdreich und vielem Geröll. 
Unter dieser Schuttschicht liegt der alte Friedhof, der von der 
Dipylonzeit an bis um 300 benutzt worden ist. Er hatte vor 
seiner Verschüt tung naturgemäss eine wellige Oberfläche, ber- 
vorgerufen durch niedrigere oder höhere Grabhügel, die über 
dem gewachsenen Erdboden unter Benutzung des bei Anläse 
des Grabes ausgeschachteten Erdreiches aufgeführt worden 
waren. Je nach der Höhe dieser Erhebungen hatte die Schutt- 
schicht darüber die Stärke von 1,20 und mehr, am südlichen 
Ende sogar bis zu 3 m . Für die Höhen bestimmungen innerhalb 
des Friedhofes sind wir bei dem grossen Plane vom Spiegel 
des Grundwassers ausgegangen. Fs zeigte sich dabei, dass im 
Altertum das Grundwasser einen viel niedrigeren Stand ge- 
habt hat ; denn noch mehr als I '" unter den heutigen Spiegel 
griffen die Gräber hinunter und war an den Schachtender Brand« 
gräber das Erdreich verbrannt. Die Kohlen des Scheiterhau- 
fens lagen mehrfach tief im Wasser. Rund 1 ,90 m über dem 
Spiegel *\v> Grundwassers zur Zeit der Ausgrabung war die 
Fussbodenhöhe des alten Friedhofes gewesen; sie ergab sich 
durch das Vorhandensein einer ausgedehnten Opferstätte des 
ausgehenden VI. Jahrhunderts untei dem später darüber auf- 



80 A. BRUECKNEU UND E. PERNIGE 

geführten Tumulus A, den wir unten ausführlich besprechen 
werden ; denn diese Opfer werden zu ebener Erde dargebracht 
worden sein. Sie ergab sieh auch übereinstimmend aus meh- 
reren kleineren Opferstellen und ferner an dein Tumulus B, 
wo die Sohle der Randmauern und ein Stuckestrich vor ihnen 
in selber Höhe lag. Sie wird schliesslich dadurch bestätigt. 
dass sieh die Gräber durchgängig unter diesem Fussboden 
halten: die ärmlichen Ziegelgräber und die noch dürftigeren 
Amphoren mit Kinderleichen häufig nur wenig darunter. Nur 
an zwei Stellen reicht das Grab so dicht an die Fussboden- 
höhe heran, dass man zu seiner Verdeckuni; eine Aufschüt- 
tung benutzt halten wird. Die Errichtung des Tumulus D und 
die Opfer an der Stelle des Tumulus A sind aber nun durch 
einen Zeitraum von gewiss 150 Jahren von einander geschie- 
den. Das ist wichtig: denn es zeigt, wie gerade in der Zeit 
der lebhaftesten Benutzung des Friedhofes trotz aller Aus- 
schachtungen der Fussboden sich nicht wesentlich erhöht hat, 
eine Thatsache, die gewiss nicht ohne besondere Fürsorge, 
vermutlich doch nur durch die staatliche Überwachung- des 
Gräberfeldes zu Stande gekommen ist. Und da wir dicht un- 
ter den bezeichneten Opferstellen auf den gleicbmässigen ge- 
wachsenen Lehmboden stossen. so kann auch in der Dipylon- 
zeit der Fussboden nicht wesentlich niedriger gewesen sein. 
Mit anderen Worten: da man in der Zeit des V. und IV. 
Jahrhunderts von demselben Fussboden aus fort und fort hier 
begraben hat, so kann die Scheu nur gering gewesen sein, die 
Hube der Toten zu stören ; den Gebeinen und den sonderba- 
ren Waffen und Geschirren der längstvergessenen Dipvlonzeit 
stand man, wenn sie bei der Anlegung einer neuen Grube, wie 
z. B. bei der Anlegung der Gräber Nr. 31 und 41 (Taf. 7, B) 
erschienen, mit demselben neugierigen Gefühl gegenüber, das 
den Modernen bei seinen wissenschaftlichen Nachgrabungen 
ankommt. Alan räumte, was hinderlich war. bei Seite und 
säuberte die Stelle für ihren neuen Besitzer. Bei ><> grossen 
trennenden Zeiträumen ist das schliesslich nicht zu verwun- 
dern, die neue Zeit machte Anspruch auf den Boden, der da- 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 81 

mals kostbar genug gewesen sein wird. Die alten Grabmäler 
waren verfallen, die öde Stätte erschien künftig im Schmucke 
schöner Grabmäler von leuchtendem Marmor. Aber wer auf 
unserem beigegebenen Plan das Kreuz und Quer von Gräbern 
übersieht, die fast insgesamt der Periode der weissen Lekythen 
angehören, der wird doch auch erkennen, dass man gegenü- 
ber den Gebeinen zeitlich näher Stehender unter Umständen 
damals nicht viel rücksichtsvoller verfahren ist. Zwar die 
wolhabende Familie, die ihr .Mitglied in einem steinernen 
Sarge bestattete, wird auch für ein entsprechend gediegenes 
Grabmal gesorgt haben, so dass den Totengräber bereits das 
äussere Zeichen von einer Störung des Toten abhielt. Aber 
bei den Gräbern der minder Bemittelten, die hier seitab von 
den grossen Strassen vorzugsweise ihre Ruhe gefunden haben 
werden, schneiden die Frd-und Ziegelgräber und die Brand- 
schachte willkürlich in einander ein; wenigstens die Schachte 
solcher Gräber hat man kein Bedenken getragen anzuschnei- 
den. Dass man so weit gegangen wäre, das Grab selbst zu 
zerstören, können wir zwar nicht sicher nachweisen ; immer- 
hin zeugt die gedrängte Lage dieser Gräber dafür, wie dürftig 
die Grabmäler gewesen sein müssen, die man bei der Anlage 
eines neuen Grabes an der Stelle eines älteren so leicht besei- 
tigen konnte. Für die Besitzer dieser Gräber scheint das solo- 
nische Gesetz, welches die Grabmäler zu erhalten befahl, kaum 
Geltung gehabt zu haben. 

Um so merkwürdiger ist, wie sich die Folgezeit zu dieser 
Grabstätte verhalten hat. Keins jener marmornen Grabsänl- 
chen, die sonst an. der Oberfläche der attischen Friedhöfe den 
Ausgrabenden durch ihre öde Nüchternheit zu langweilen 
pflegen, ist hier aufgefunden worden, auch keins jener Gräber, 
die in der höheren Schicht an der Hagia Triada so häufig 
sind, aus roh behauenen, ohne Fugenschluss zusammen gesteil- 
len Marmorplatten geringster Sorte. Die alten Gräber sind un- 
angetastet geblieben. In dem Rechteck // (vgl. den Plan 
Tal". 6,2) zeigt sieh, dass naeli ihrer Höhenlage zwei Grup- 
pen von Gräbern ZU scheiden sind. Die Gräber %. 3. 3#. 4, 



8? A. BRUEGKNER UND E. PERN1CE 

8 liegen so beträchtlich über den anderen Gräbern dieses 
Rechtecks, dass sie nicht von demselben Fussboden aus an- 
gelegt sein können. Während sich diese letzteren durch die 
Beigaben als Gräber des VI. bis IV. Jahrhunderts erweisen, 
enthalten die angeführten nichts derartiges. Nur in Grab 4 
fand sich eine Glasperle und eine bis zur Un bestimm bar- 
keit entstellte Thonfigur; es waren bis auf das Brandgrab 8 
ärmliche Ziegelgräber. Eio ebenso hoch über den Gräbern des 
IV. Jahrhunderts angelegtes Brandgrab ist im vierten Recht- 
eck gefunden. Dort auch ein Ziegelgrab, welches eine schmuck- 
lose Lampe als Beigabe enthielt, der späterhin weit verbreite- 
ten Sitte entsprechend. Innerhalb der Schuttschicht kamen 
auch im Rechteck C \ m tief zwei Ziegelgräber ohne jede Bei- 
gaben zum Vorschein; sie sind im Plane nicht angegeben. 
Ebenso fand sich in der Schuttschicht dicht neben dem Tu- 
mulus B ein Grab. Es lagen also nur wenige zerstreute Grä- 
ber in dieser angeschütteten Schicht: ihre Zahl können wir 
nicht genau bestimmen, denn es ist möglich, dass bei den 
schnell vorgenommenen Abräumungsarbeiten einige der je- 
denfalls immer sehr ärmlichen Gräber nicht von uns ange- 
merkt worden sind. Vor allen die Brandgräber beweisen, dass 
die angeschüttete Schicht schon aus dem Altertume herrührt. 
Es war deutlich, dass sie nicht allmählich etwa durch An- 
schwemmung entstanden ist. Ihr grobes Geröll, zumeist wol 
Bauschutt von irgendwo, ist über die alten Grabhügel aufge- 
schüttet, und dadurch ist 2-2 '/V" über der Fussbodenhöhe des 
alten Friedhofes eine neue Oberfläche hergestellt worden. 
Manche Scherbe von spätesten schwarz gefirnissten Gelassen 
wurde in der obersten Schicht gefunden, aber nichts, was auf 
di ■ spät rinn i sc he oder eine noch jüngere Zeil deutete. 

Wir würden uns vielleicht begnügen müssen, auf die Son- 
derbarkeit dieser Schichtenverhältnisse hinzuweisen und auf 
ihre Erklärung zu verzichten, wenn sich dieselben nicht an 
einem anderen Orte in deutlicherer Weise wiederholten. Nä- 
her den: Thore und den giossen Landstrassen gelegen ist der 
Friedlntl bei der Hagia Triada zu allen Zeiten viel benutzt 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 83 

worden. Auch dort zeigt es sich, dass die Gräber des späten 
Altertums so angelegt sind, dass sie die früheren unberührt 
gelassen haben. Die Gräber der römischen Zeit liegen mit den 
Grabmälern des vierten Jahrhunderts etwa auf gleicher flöhe. 
So z. B. stehen neben dem Grabmal der Demetria und Pam- 
phile in gleicher Höhe mit dessen Basis die Marmorplatten 
eines späten Grabes. Auch hier ist also im Altertum eine hohe 
Anschüttung vorgenommen worden. Neuerdings zeigte sich 
das besonders deutlich bei den Ausgrabungen, welche im 
Jahre 1889 Herr Mylonas im Auftrage der archäologischen 
Gesellschaft geleitet hat. Die in römischer Zeit angelegten 

e (DO 

Gräber haben den gewachsenen Boden, in welchen die älteren 
Gräber hineinführten, fast unberührt gelassen. Schon Ath. 
Rusopulos, der die Ausgrabungen des Friedhofes bei Hagia 
Triada begann, hat den Eindruck empfangen, dass die An- 
schüttung nicht allmählich, sondern mit einem Male o;esche- 
hen ist 1 ; das geht aus der Erklärung hervor, die er dafür 
aufgestellt hat. Er glaubt, dass Sulla hier einen Damm ge- 
baut habe, um Belagerungsmaschinen an dieser Stelle an die 
Stadtmauer heranzubringen. Zu dieser Annahme würde zwar 
die Zeit der Grabmäler über und unter der Anschüttung sehr 
wol stimmen, indessen, abgesehen davon, dass damit die 
gleiche Erscheinung bei unserem Ausgrabungsfelde unerklärt 
bliebe, unterliegt auch die Annahme, dass sich Sullas Angriff 
gerade i^e^n diese Stelle gerichtet habe, schwerwiegenden 
Bedenken 2 . Es ist nicht glaublich, dass eine so nah vor dem 
Hauplthore von Athen gelegene Gegend von den Verteidigern 
unbewacht geblieben sein sollte, und zu einem nächtlichen 
Überfall, der nach dem Zeugnis von Sullas Ilypomnemata mit 
dem Erklimmen der .Mauer beginnt, hat man sich schwerlich 
der Belagerungsmaschinen bedient. 

Wahrscheinlicher erklärt sich die Anschüttung bei der 11a- 



' Siehe E. Curlius in den Gomtnentationes in honorem Tli. Mommseni S. 
593 und Sladtgeschichte 8. 250. 
2 8. Lolling in Iwan Müllefs Handbuch III 8. 303, vgl. Plutarch Bulla 14. 



84 A. BHUECKNER UND E. PERNICE 

giaTriada und unserem östlich davon gelegenen Ausgrabungs- 
felde aus der Bestimmung des Platzes als Friedhof selbst. Im 
Verlauf der Jahrhunderte waren die reichen Friedhöfe der at- 
tischen Glanzzeit verwahrlost und verödet, die Truppen Phi- 
lipps Y von Makedonien hallen sie verwüstet, nur wenige 
prächtige Grabmäler erhielten sich noch aufrecht, unnützen 
Händen eine Gelegenheit, den Namen daran zu verewigen. 
Kein Wunder, wenn die Athener etwa des ersten vorchrist- 
lichen Jahrhunderts sich diese Platze dicht beim Thore und 
dicht an der Mauer wieder zu Nutze zu machen suchten. Die 
Gräber der glorreichen Väter aus profanem Anlasse fortzu- 
räumen hinderte eine rückwärts blickende Zeit die gestei- 
gerte Pietät und das Gesetz: dass man an diesem festhielt, 
bezeugt der Widerstand, den S. Sulpicius bei der Bürger- 
schaft fand, als er innerhalb der Stadtmauer den Platz für das 
Grab des M. Marcellus 1 begehrte. So hat man sich geholfen, 
indem man über die övfrai Tcpoyovwv eine schützende Erddecke 
zog, und hat damit einer späten Nachwelt die Möglichkeit 
vererbt, die frische Anschauung altathenischer Bürgersitte zu 
gemessen. Die beträchtliche Aufhöhune des Fussbodens der 
Friedhöfe hatte zur notwendigen Folge eine Schwächung der 
Stadtmauer, daher empfiehlt es sich, die Aufschüttung nach 
der Einnahme durch Sulla anzusetzen, als die Athener inmit- 
ten des befriedeten römischen Reiches aufgehört hatten, auf 
ihre Stadtmauer Sorgfalt zu verwenden, toö Ss tei/o-j? y.r$i>Mx:, 
e£ oxe XvXKonq touto SiscpÖsipev, ä^icoOevro? cppovriooc, wie Zosimos 
1. 29 aus der Zeit des Valerian berichtet. 

Bei solchem Vorgehen konnte nicht ausbleiben, dass, wenn 
auch die Gebeine der Vorfahren unberührt blieben, doch die 
Grabmäler geschädigt wurden. Aber auch da hat man wenig- 
stens stellenweise die Pietät walten lassen. Den Strassenzug, 
der den Friedhof bei der Hagia Triada durchschneidet, konn- 
te man nicht gul erhöhen, er führte also jetzt in dw Tiefe 
zwischen den \ und .V" höher gelegenen Friedhöfen der römi- 



• Oicerg ad ran». IV, 1?. Curtius, Stadtgeschichte 8. 252. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 85 

sehen Zeit hindurch. Aher die Grabmäler, die an dem Rande 
der Strasse la^en, die Reliefs des Dexileos und der Korallion. 
die hohe Stele des Agathon und seiner Familie blieben sicht- 
bar, das sonderbare Charonrelief wurde trotz seiner wenig 
ansprechenden Formen wieder auf eine Basis gesetzt, die ihm 
urspünglich nicht zugehörte, und die Basis wurde zuvor un- 
termauert 1 . Noch in nachchristlicher Zeit ist der anziehendste 
Fund der Ausgrabungen des Herrn Mylonas, der Grabstein 
einer vornehmen Athenerin, die als Hydrophore in feierlicher 
Hallung ein herschreitet, in den Peribolos eines späten Hei- 
ligtums, das hier immitten der Gruber gegründet wurde, zum 
Schmucke eingesetzt worden. 

Radikaler ist man vor der Verdeckung des alten Friedhofes 
auf unserem Ausgrabungsfelde mit den Grabmälern vorge- 
üansren. Denn von einigen ganz geringfügigen Grabsteinen 
abgesehen' 2 , ist von dem steinernen Schmucke der Gräber so 
gut w r ie nichts mehr vorgefunden worden. Und doch ist mit 
Sicherheit anzunehmen, dass über den stattlichen Marmor- und 
Porossärgen sich ähnlich reiche Grabstelen erhoben haben, wie 
an der Hagia Triada. Denn auch eine begüterte athenische 
Familie hat im IV. Jahrhundert ihre Toten nicht reicher aus- 
gestattet, wie das Grab des Dionysios an der heiligen Strasse 
bezeugt, in welchem unter dem prächtigen Naiskos neben den 
Gebeinen nichts weiter als 9X0101 ocOycLv x.oivüv 3 gefunden wor- 



' Diesen Sachverhalt hat, soviel wir wissen, zuerst Furtwängler in der 
Einleitung zu den Skulpturen der Sammlung Sabouroll 8. 28 Anni. 6, an- 
gedeutet. 

- Auf dem Eckgrundslücke wurden zwei Grenzsteine gefunden mit der 
Inschrift 0DF>D*. An Grabsteinen 1) Kleine Siele mit gerundetem Ab- 
schluss für gemaltes Ornament und der Inschrift 'Enalvs-coc | 'Avt-.-j'Xo | Kr ( - 
9iai£ü? | i^juxüOr, | HwTiyivoj;. ;') Kleine viereckige Platte ihr. 0,20) noeh in 
ihrer Basis steckend, in welche sie verbleit ist; Tanie aufgemalt, am oberen 
Rande ( HSfoT7). 3) Kleine Siele (br. 0,29) mit gerundetem Abschluss für ge- 
maltes Ornament (Reste roter Farbe), ebenso in der Basis wie 2; Inschrift 
£d?tov /^priaTdj. 4) Sielenakroler daran in Relief Sirene, der Reliefgrund tragt 
noch blaue färbe. 5) An seiner Stelle gefunden, eingelassen in die Peribo- 
losmauer aus Porös Taf. 6, 2 eine oben abgebrochene Stele. 

3 Rusopulos 'Efijitipi« «PX- I8G:J S. 



86 A. MtUECKNER UND B. PERNlCE 

den sind. Um an dieser Stelle über die an der Oberflache des 
Friedhofes bemerkten Reste von Grabmälern vollständig zu 
sein, haben wir noch die Scherben einer streng rf. Lutropho- 
ros mit Prothesisdarstellung und die Bruchstücke von den 
kelchförmigen Mündungen zweier thönerner Lekythen auf- 
zuführen \ die für sich allein G-10"" hoch sowol nach ihrer 
Grösse als nach der Fundhöhe Grabmälern, nicht Beigaben 
angehört haben werden. Man hat also vor der Verschüttung 
der Stelle alle irgend wiederverwendbaren Steine hinwegge- 
räumt; denn bis auf die festgefügten Reste zweier tief liegen- 
den Peribolosmauern ist auch von Fundamentsteinen und Ba- 
sen nichts entdeckt worden. 

Widerstanden haben der Zerstörung des Friedhofes nur zwei 
Grabmäler um ihres schlichten Materiales willen, zwei Tu- 
muli, die wir genauer beschreiben wollen, um zugleich die 
Art der unter ihnen befindlichen Gräber und ihre Lage zu 
einander an ein paar Beispielen zu veranschaulichen. 

Als im ersten Rechteck die oberen Erdschichten bis etwa 
zur Tiefe der alten Oberfläche des Friedhofs abgehoben wa- 
ren, zeigte sich am Durchschnitt der Schichten in der östlichen 
Schuttwand, dass sich die obere Schuttschicht über einen älte- 
ren Erdhügel hinweg ergossen hatte; vgl. den nebenstehenden 
Durchschnitt von Grab 1 bis III (Fig.1.) und den Plan auf Taf. 
I.A. Ziemlich in der Mitte erhob sich das alte lehmige aufge- 
schüttete Erdreich zu einer Höhe von 1,30"\ nach den Seiten 
hin fiel es ab, so dass dort die späte Geröllschicht um so tiefer 
hinabreichte. Unter den tiefsten Stellen der abfallenden Li- 
nie, welche durch die Verschiedenheit von verdeckendem und 
verdecktem Erdreich deutlich waren, wurden Reste von Lehm- 
ziegelmauern sichtbar, zunächst in dem ausgehobenen ersten 
Rechteck A an zwei Stellen des Schachtes bei a-b. danach, 
als die Arbeiten ins zweite Rechteck (B) übergriffen, auch 
an einer dritten, in der Ost wand bei a. Bei genauerem Nach- 
graben ergab sich dann, dass dies die während der Arbeiten 



> Vgl. Wollers in dieser Zeitschrift XVI S. 391. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 



87 




88 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

erhalten gebliebenen Reste einer Peribolosmauer waren, die 
im Bogen um den Frdhügel herumlief. Wir haben sie in das 
Erdreich hinein namentlich bei A, a verfolgt, hier bis auf eine 
Länge von über 3" 1 , konnten hier für sie eine Höhe von 8 
Lehmziegellagen konstatiren und zugleich an der weiten ßo- 
genlinie.die sie beschrieb, feststellen, dass der Tumulus, den 
sie umsäumte, weit in das Nachbargrundstück hinein gereicht 
haben muss, dessen Hausmauer uns am weiteren Vordringen 
verhinderte. Wenn er, wie es den Anschein hatte, einen un- 
gefähr kreisförmigen Grundriss besass, so musste sein Durch- 
messer etwa 10-1 ■?'" betragen. Analog dem Tumulus des Aly- 
attes oder, um bei kleineren Verhältnissen zu bleiben, dem 
Tumulus des Menekrates in Corfu, hatte sich der sichtbare 
Schuttkegel über einer senkrechten xpr-i: erhoben, die in un- 
serem Falle aus einer .Mauer von Lehmziegeln bestand. 

Unserem Ausgrabungsgebiete fiel von dem Tumulus nur 
ein geringes Segment zu. In diesem liefen als in Beziehung 
zur Anlage des Tumulus zwei Gräber; der Grabschacht von 
Nr. 3 kündigte sich durch eine niedrige Lehmziegeleinfassung 

~ CCD 

an, an drei Seiten lagen sie zu vier übereinandergeschichtet, 
sie konnten nur zu irgend einem Zwecke für die Leichenfeier 
so hingelegt worden sein, nach der vierten Seite hin fehlten 
sie, weil man dorthin die ausgeschachtete Erde geworfen hatte. 
Inmitten der Einfassung ging der senkrechte Schacht etwa 
S/jO" 1 tief, bis unter das Grundwasser hinab, in einer Länge 
von 2,40 und einer Breite von 1.10'". An der einen Langseite 
war ein Absatz, eine Stufe, hergestellt, offenbar, um den Sarg 
bequemer in die Tiefe hinabsenken zu können. Auf dem 
Grunde lag der Leichnam ausgestreckt, der Kopf im N. Die 
Arbeiter fischten aus dem Grundwasser über ein halbes Dut- 
zend sehr flüchtiger sf. Lekvthen heraus: auf einer war ein 
Gespann dargestellt, davor eine Frau sitzend, auf einer ande- 
ren sechs Männer, bis auf einen, der in ihrer Mitte sass, im 
Mantel beieinander stehend, nur eine Lekythos mit feinem gel- 
ben Überzug schien sorgfältigerer Art zu sein. Dazu kam noch 
eine dünne runde Scheibe aus Knochen zum Vorschein, 0,055 



HIN ATTISCHER FHIEDHOF 89 

im Durchmesser, mit einem kleinen Loch in der Mitte, of- 
fenbar ein Spinnwirtel. Es war danach das Grab einer Frau 
gewesen. Bei der Sorgfalt der Grabanlage enttäuschte die 
Ärmlichkeit der Funde. 

Das zweite Grab südlich daneben, Nr. 'i. hatte einen qua- 
dratischen Schacht. Es war nicht ganz so tief, sondern reichte 
etwa bis zum Spiegel des Grundwassers hinab, auf dem Grun- 
de fand sich eine runde Cista aus Porös enthaltend eine bron- 
zene Urne bauchiger Form mit den calcinirten Knochen. Die 
genauere Beschreibung wird nebst Abbildung im IV. Abschnitt 
gegeben werden. 

Aus dem Verlauf der Schichten über den beiden Gräbern 
war ersichtlich, dass diese nicht in den bereits bestehenden 
Tumulus eingesenkt waren, sondern dass dieser und die Peri- 
bolosmauer erst nach Anlage des zweiten Grabes, welches 
ebenfalls aus den oberen Schichtungen als das jüngere zu er- 
kennen war, hergerichtet wurde, ein Vorsang der allmählichen 
Entstehung eines solchen grossen Erdmales, für welchen der 
Grabhügel von Yelanidesa ein weiteres Beispiel liefert. Die 
Zeit der Gräber wird ausser durch den Inhalt bestimmt durch 
eine auf der Sohle des Tumulus und vielleicht noch darüber 
hinaus sich wagerecht hinziehende ältere Opferbrandschicht. 
Ihr schmaler schwärzlicher und dunkelroter Streifen griff so- 
wol unter die Lehmziesel der Peribolosmauer wie unter die 
Bandeinfassung des Grabes Nr. 3. er zog sich über die wei- 
terhin zu erwähnenden Gräber hin. welche um die Gräber 
Nr. 3 und 4 herum aufgedeckt sind 1 . Die Schicht muss da- 
nach junger als diese und älter als jene Gräber sein. In der 
That hatte das zahlreiche Geschirr, welches in dein Streifen 
neben den verkohlten Besten von Körnern und Geflügelknochen 
lag, einen älteren Charakter, als die Lekvlhen des Grabes 
Nr. 3. Es bestand zumeist aus dicken Thontellern, deren Mitte 
eine grosse schwarze Strahlenrosette einnimmt | s. die nachste- 



1 Wenigstens bei Grab Nr. !. 2 und III beruht die Angabe auf Autopsie, 
für Nr. I ist der gleiche Bach verhall mil Notwendigkeit zu erschliessen, 

ATHEN. MITTHEILUNGEN Will. 7 



90 



A. HHUECKNER UND E. l'ERNICE 



henden Abbildungen 2.3). Daneben landen sich Gelasse, deren 
Rand mit Tierstreifen, z. B. Eibern, noch in der an tue korin- 
thischen Vasen erinnernden Art bemalt war. Eine schwarz 
gefirnisste zierliche llydria zeigte an der Schulter in ausge- 
spartem Felde ein kleines Viergespann, dessen strenge Weise 





Fig. 2 



Fig. 3. 



noch an den Stil der Francoisvase ijemahnte. Offen har waren 
alle diese Getasse, nachdem sie beim Opfer gedient hatten, auf 
die Opferstelle geworfen 1 . Welchen Toten oder wem im be- 
sonderen diese Opfer gegolten haben, darüber haben wir 
keine Vermutung. Wir können auch über die Ausdehnung 
der Opferstelle nichts sagen, denn einerseits kann sie weiter 
auf das Nachbargrundstück übergegriffen haben, andererseits 
musste sie. wenn sie über die Grenzen des Tumulus hinaus- 
eriff, in Folye der vielen Grahausschachtun^en des V. und IV. 
Jahrhunderts so gut wie verschwunden sein. Aber die Schicht 
war für die Anschauum» des Friedhofes wichtig, insofern sie 
die Höhe des Fussbodens für das VI. Jahrhundert lehrte, eine 
Höhe, die auch bis in das V. Jahrhundert sich nicht \ erän- 
dert hatte, da unmittelbar auf der Brandschicht der untere 
Rand der vermutlich dein Anfange dc> V. Jahrhunderts ent- 
stammenden Peribolosmauer aufsass. 



1 Derartige* »pfersebichten sind eine typische Erscheinung auf allen Grab- 
stätten. Vgl. Stai's, Athen. Milth. XV 8. 321. XVIII S 53 und 8t. Kumanudia 
Iba/.T'./.a 1884 8. 19, der von einer Ausgrabung im /nur der Piräusstrasse 
nahe bei der Oasanstalt berichtel : tU Sv hl fjipo« tU ßi8os . r > ( a [Afrpuv Kapet«- 

pjj07] iv Ttf&pa OOTtöv ftiiwv /.%: \t£ AUTO nÄilatx OiaJaaa-ra /.oivüjv -T|/.:vwv äYY£:'u)V4 



Bin attischer Friedhof 91 

Derjenige also, der im Anfange des V. Jahrhunderts die- 
sen Platz zur Grabstätte für seine Familie erwarb, fand ihn 
geebnet vor. Lud doch war er bereits durchschnitten wurden 
von verschiedenartigen Gräbern. Grab Nr. I. welches über 
das Gebiet des späteren Tumulus übergreift, war ein f,90 m 
tiefes Brandgrab; in (U^v Mitte seiner Bodenfläche zog sich 
eine Rinne hin, welche sich an den schmalen Seitenwänden 
hinauf fortsetzte : dieselbe vermutlich der besseren Verbren- 
nung dienende Vorrichtung, welche auch in Vurva und Vela- 
nidesa beobachtet worden ist. Entsprechend den Gräbern eben- 
dort enthielt das Grab eine sehr tiefe Schicht von verkohltem 
Holze; von Beigaben wurde darin nur die Mündung einer hoch- 
archaischen Lekythos (Form wie Furtwängler, Beschreibung 
der berliner Vasensammlung Taf VI, 174) bemerkt. 

Grab Nr. 2. auch Brandgrab, war etwas höher angelegt, 
1,40"' unter der Brandschicht und hatte die eine Schmalseite 
von Nr. 1 angeschnitten, war also jünger als dieses. Die Koh- 
lenschicht hatte die in den gewöhnlichen Brandgräbern übliche 
Tiefe von 0,u6 bis 0,10'". Von Beigaben ist nichts bemerkt 
worden. 

Interessanter sind durch die Funde, die in ihnen gemacht 
sind, die beiden Dipylongräber, welche um das Grab Nr. 1 
und Nr. 2 herum liegen 1 . Als Augenzeugen können wir nur 
von der Öffnung von Nr. III berichten, doch setzten unsere 
Beobachtungen unmittelbar nach der voraufgegangenen Auf- 
räumung von I ein. so dass man uns noch genaue Nachricht 
darüber geben konnte. Das Grab reichte bis 1,70'" unter die 
Opferschicht hinab, hatte die stattliche Länge von 3,10 m und 
eine Breite von 1'". Auf seinem Grunde hatte der Leichnam 
ausgestreckt gelegen, der Kopf im Norden; bei ihm lag ein 
schmales goldenes Diadem, zu seinen Füssen eine Reihe von 
Dipvlongelässen. Ein .Meter aber über dein Grunde des Grabes, 
inmitten seines Schachtes fanden sich dicht bei einander die 
Bruchstücke eines gewaltigen Gelasses, das sich später im Mu- 



1 Vgl. die genauen Beschreibungen im 11. Abschnitt. 



9? 



A. BKL'ECKNER UND E. PERNIC.H 



seum bis zu einer Höhe von 1,80'" hat zusammensetzen lassen. 
Desselben Sachverhaltes sollten wir ansichtig werden, als 
man südlich von dein Grabe Nr. 5 unter den wol erhalte- 
nen Teil der Peribolosmauer hinuntergrub. Kaum war un- 
ter ihr die Brandschicht durchbrochen, so stiess man inner- 
halb eines sieh fühlbar machenden Schachtes auf zwei gros- 
se Blöcke, welche mit der Ebnung dv* Platzes, vermutlich hei 
der Herrichtung des Opferraumes hineingeworfen waren. Das 
Material derselben war ein harter Kalkstein; der eine Block 
war eine Platte von 0,80'" Breite und ebenso laiii>- erhalten 







Fig. i. 



jedoch oben und unten gebrochen, der andere Block war ein 
vierkantiger Pfeiler ( 0,28 zu 0.'23'"). an seinem einen glätteren 
Ende etwas zugespitzt. Als diese grossen Blocke fortgeräumt 
waren, wurde eine hohe Vase sichtbar. Sie stand noch auf- 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 93 

recht bis zu einer Höhe von 0.95 m . nur ihren oberen Rand 
hatte man bei der Ebnung des Bodens gekappt. Es ist eine je- 
ner grossen Dipylonvasen, ihren Fuss umgeben Ornament- 
bänder, den Mittelstreifen des weitgeöffneten oberen Teiles 
umzieht eine ausführliche Darstellung des Leichenzuges. Nach- 
dem sie von dem umgebenden Schutte gereinigt war, ist die 
Ansicht aufgenommen worden, welche der Skizze Fig. 5 zu 
Gründe liegt. Der hohle Fuss der Vase war fest mit Erde aus- 
gefüllt. Der Schacht, in dessen Mitte sie stand, hatte eine Breite 
von l,55 m , eine Län<*e von 1.70'". 

Nach Heraushebung der Vase gruben wir in die Tiefe, den 
harten Rändern des Schachtes folgend. Noch eine Schutt- 
schicht von 'i5"" war zu beseitigen, dann verengte sich der 
Schacht an den beiden Langseiten und alsbald stiessen wir 
in Beiner Mitte auf das 0.85 breite, 1.70'" lan^eGrab. ImOsten 
stand eine bronzene Urne, welche wenige calcinirte Knochen, 
wie es schien eines .1 Undings oder Mädchens, enthielt. Die 




Fig. :.. 



Bronze war so dünn, dass die ohnehin durch die Last der Erde 
etwas eingedrückte Urne heim Herausnehmen zerbrach. Die 
vorstehende Skizze (5) Hess sich machen, als die Urne noch in 
der Erde stak: es ist eine breite Urne, mit einem gewölbten 
Deckel verschlossen. Nach die Mitte dv^ Grabes zu hui eine 
grosse Amphora— um sie zu stellen, hatte offenbar die Höhe des 
Grabes nicht ausgereicht -daneben zwei Buchsen, ein Sk\|ihns 
und eine Kanne, dicht hei einander und alle wnlerhalten ; 



94 A. BRUECRNER UND E. PERNIGE 

sie sind erst beim letzten Akte des Leichenbegängnisses, bei 
der Beisetzung der Aschen urne, mitgegeben worden und ha- 
ben den Brand des Scheiterhaufens nicht mit durchgemacht. 
Es gehl zunächst, gegenüber Ansichten, welche früher bezüg- 
lich der Verwendung der grossen Dipylongefässe geäussert 
worden sind, aus den dargelegten Pundthatsachen hervor, dass 
die grossen Gefässe mit der reichen Darstellung des Leichen- 
zuges nicht als Aschenhehälter verwendet worden sind, son- 
dern da sie über den zugehörigen Gräbern gefunden wurden, 

d < o 

als Grabmäler gedient haben. Das ist schon bei Gelegenheit 

CT CT 

der Auffindung der Netos-Amphora erkannt worden. Zwei 
weitere Belege hat unsere Ausgrabung bei den Gräbern II und 

CT DD 

IV geliefert. Bei II, einem zum Teil durch ein späteres Brand- 
grab zerstörten Dipylongrabe, sind die Scherben der zugehö- 
rigen Grabvase 1,21)'" über der Sohle des Grabes, bei IV da- 
gegen 0,90 m hoch zu Häupten der Leiche aufgefunden wor- 
den. Dank der frühzeitig darüber ausgebreiteten Opfer schiebt 
können wir aber von Grab III aus noch eine deutlichere An- 
schauung von dem ursprünglichen Zustande eines Dipylon- 
grabes gewinnen. 

Es hatte durchaus den Anschein, als stünde die grosse Vase 
in ihrer ursprünglichen Lage; freilich musste sie, als die 
hölzerne Decke des Grabes, die auf den Stufen des Schachtes 
aufgelegen hatte, verfault war, und in Folge davon das nach- 
stürzende Erdreich das Grab ausfüllte, um etwa 30 cm ein^e- 
sunken sein, und dieses Einsinken musste bereits vor dem Bau 
der Peribolosmauer erlblut sein, da der obere Band der Vase 

CT 

bei ihrer Aufdeckung fast unmittelbar an die Bodenfläche der 
Peribolosmauer anstiess. Sie hätte danach ursprünglich mit 
etwas mehr als ihrem Kusse unter der Kussbodenliöhe inner- 
halb des Grabschachtes gestanden, welcher da der Kuss der 
Vase so reich ornamentirt ist, nur bis zu dessen unterem 
Bande mit Erde angefülll gewesen sein wird, damit jener sicht- 
bar blieb. Vgl. Fig. 4. 

Danach war also der Grabschacht nicht wieder völlig ge- 
füllt oder gar darüber ein Erdhügel aufgeführt worden — bei 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 95 

keinem der von uns beobachteten Dipylongräber sprachen ir- 
gend welche Anzeichen dafür, dass es von einem noch so nie- 
drigen Tumulus überhöht gewesen wäre — sondern das Grab 
war nur bis zu einer massigen Höhe mit Erdreich bedeckt, 
und es blieb im Grabschacht eine Grube, die gemeinsam mit 
dem Grabmal das Grab bezeichnete. Um die Annahme einer 
solchen Grube käme man auch dann nicht herum, wenn man 
dächte, die grosse Vase über Grab III und ebenso die Scherben 
oberhalb von I. II und [V seien erst bei einer Aufräumung des 
Friedhofes in den Grabschacht hineingeraten, die Grabmäler 
hätten dagegen ursprünglich neben den Gräbern gestanden. 
Auch dann müsste noch eine offene Stelle dagewesen sein, um 
die Vase von Grab IM so gut zu bergen, wie sie zum Vorschein 
gekommen ist. Es wäie doch höchst merkwürdig, wenn man 
damals säuberlich in jedes einzelne Grab hineingegraben hätte, 
um hübsch vollständig das Gefäss von III in dem Schachte 
aufzurichten, zumal man doch danach den oberen Rand ge- 
kappt hat. In Wirklichkeit hätte man zweifellos mit einigen 
kräftigen Schlägen Körper und Fuss der Vase in Scherben 
geschlagen und die Scherben irgendwo verscharrt. Gerade 
dem Umstände ihrer tiefen Aufstellung ist es zu danken, dass 
uns von den thönernen Grabmälern der Dipylonzeit verhält- 
nissmässig so viel erhalten ist. im Gegensatz zu den gewiss 
ehemals viel zahlreicheren thönernen Lekythen und Lutropho- 
ren, die als Grabmäler heute so selten und unvollständig auf- 
gefunden werden '. 

\\ ir wenden uns zur Schilderung des /.weilen Frdmales (/?), 
zu dessen Aufdeckung die Arbeiten führten. Südlich zwischen 



' Zu der ehemaligen Umgrenzung des Grabes [diente vielleicht der Kost 
einer eigentümlich gestellten Steinreihe, die sich im Absland von etwa l ,n 
nördlich vom Grabe unter der Brandschicht fand, schmucklose kleine Hal- 
ten, abwechselnd vor und hinter einandergestellt. Wir meinen ans eines 
ähnlichen Restes dicht neben dem Grabe XV zu entsinnen. Die schlichte 
Anordnung erinnert in gewisser Weise an die vortretenden Triglyphen und 
zurückstehenden Zwischenplatten in der Vorhalle des Wegaron von Tiryns. 
Mit allein Vorbehalt erwähnen wir diese ESinzelheil denn vielleicht ergiebt 
sich bei künftigen Ausgrabungen etwas ähnliches, 



96 A. BftUECXNEH UND E. PERN1CE 

dem ersten und zweiten Rechteck stiess man noch beim Ab- 
graben der höheren Schichten auf einen rund verlaufenden 
dünnen Stuckbewurf. Der Kreis, den er einschloss, hatte ei- 
nen Durchmesser von 2,43 m . Wie sich an einer Stelle erken- 
nen liess, wo der Stuck noch bis zu einer Höhe von 0,40™ 
erhalten war, nahm der Durchmesser höher hinauf allmäh- 
lich ab, und es scheint danach, als habe der Aufbau die Ge- 
stalt jener bienenkorbförmigen hohen, stets weiss dargestell- 
ten tuut€oi gehabt, welche so häufig in den Bildern der weissen 
Lekythen mit Tänien geschmückt als Grabmäler erscheinen 1 . 



Fig. 6. 

Der vorliegende Tymbos aber war unter seinen städtischen 
Zeitgenossen gewiss von besonders stattlicher Ausdehnung und 
besonders solider Ausführung gewesen. Er bestand aus einer 
losen Erdschüttung, welcher im äusseren Umkreis eine Um- 
mantelung aus ringförmigen Lehmziegelschichten vorgeblen- 
det ist, die dem Aufbau Halt und Form giebt. Der ursprüng- 
lich etwa 3'" hohe Bienenkorb erhob sich üher einer weit aus- 
greifenden oblongen Basis, welche vier Stützmauern aus Lehm- 
ziegeln umgaben. Nur die eine dieser Mauern (F) tangirte 
den Kreis des Tymbos, die gegen Osten. Sie ruhte auf einem 
nicht sichtbar gebliebenen Fundamente von kleinen Steinen, 
war eine Lehmziegellänge d. i. in diesem Falle 0, i w 2'" dick und 
hatte eine Höhe von ungefähr 1'", bis sie an den unteren 
Stuckrand des Tymbos heranreichte. Ihr Länge betrug wenig 
über 6"'. Die zu dieser Mauer rechtwinklig verlaufenden Sei- 
ten mauern haben wir nur zu einem Teile verfolgen können. 
Von einer entsprechenden vierten Mauer im Westen fand sich 



< V.-l. .hl.rl.ucli 1891 S. 197 fr. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 07 

in nächster Nähe des Stuckrundes nichts, sie muss danach in 
grösserem Abstände wie die Mauer F verlaufen sein, viel- 
leicht in gleichem Abstände wie die beiden Seitenmauern. 
Da weder in diesen noch in F ein Aufgang zum Tumulus 
hergerichtet war, so wird er wol in der anzunehmenden vier- 
ten Mauer gewesen sein, und vielleicht war sie deshalb wei- 
ter vom Tymbosrand entfernt, um für eine Treppe die nötige 
Tiefe von 1-1,5'" zu gewinnen. Wenn nicht örtliche Verhält- 
nisse für die Verlegung des Aufganges an diese Seite mass- 
gebend gewesen sein sollten, so könnte man bei der Orienti- 
rung eines so anspruchsvoll errichteten Grabmals auf die 
Stiftungen des Heroenkultes Rücksicht genommen haben, de- 
ren Aufgang ja vorzugsweise von Westen gewesen zu sein 
scheint. Das ganze Monument strahlte ursprünglich im Glänze 
eines hell schimmernden Stuckes. Nicht allein an den Aussen- 
wänden der Stützmauern, wo wir sie unversehrt fanden, liess 
sich eine dicke gelbe Stucklage feststellen, sondern auch die 
durch die Mauern getragene Platform war damit ebenso wie 
der Tymbos selbst und wie der Erdboden unmittelbar vor 
den Stützmauern überzogen gewesen. Auch von einer zeitwei- 
sen Erneuerung des Stuckes zeigten sich Spuren. 

Man erkennt auf dem Plane, dass nach Osten hin vor der 
Mauer F noch ein schmales Mauerviereck vorliegt. Dies ge- 
hörte indessen nicht der ersten Anlage des Tymbos an. Denn 
der gelbe Verputz der Mauer F geht durch bis zur Ecke g, 
woraus sich ergiebt, dass die .Mauer A A erst etwas später hin- 
zugefügt worden ist. Auf ihre Fortsetzung war man bereits 
bei den Arbeilen im Rechteck I gestossen. bevor in der Tiefe 
darunter das Plattengrab Nr. 26 aufgedeckt wurde. Welchem 
Zwecke die Erweiterung dienen sollte, vermögen wir nicht zu 
sagen. Da die Anlage eines neuen Grabes sie nicht veranlasst 
hat, war vielleicht die ästhetische Rücksieht massgebend, dass 
man den Tymbos nicht so hart an der Kante stellen lassen, 
sondern auch auf dieser Seite die Platform so breit machen 
wollte, wie an den drei andern. 

Mit einiger Spannung sahen wir dem Inhalte des Grabes 



98 A. RRUECKN'ER UND E. PERNIC.E 

(27) entgegen, dessen Schmucke die ausgedehnte Anlage sah. 
Man grub unter das Stuckrund hinunter. Der aufgefüllte Schutt 
im Kerne des Tymbos enthielt einzelne Bruchstücke weis- 
ser Lekythen, insbesondere die Bruchstücke einer hübschen 
strengen Lekythos mit der Inschrift AI -f- A* und mit färben - 

K A AO* 
kräftiger Malerei ; das Bild stellt ein Mädchen dar. das in ein 
schwarzes Himation gehüllt in der einen Hand eine rote Frucht 
und in der andern einen gelben Gegenstand Apfel?) hält. Vor 
dem Mädchen steht in rotem Mantel ein Jüngling, den ein weis- 
ser Hund begleitet Die Lekythos schliesst sich stilistisch an die 
von Weisshäupl in diesen Mittheilungen XV S. 10 ff. behan- 
delte Gattung an. Als man durch die Aufschüttung hindurch- 
gedrungen war, ergab sich, dass in das feste Erdreich un- 
ter der Fundamenthöhe der Lehmziegelmauern der Grab- 
schacht hinabging. Seine Längsaxe lief parallel zu den Seiten- 
mauern des Grabmonumentes. DasGrab 2,3(J lang und 1,1 4™ 
breit, war bestimmend gewesen für die Masse des Tymbos. 
Freilich bemerkten wir alsbald zu unserer Enttäuschung, dass 
die Händer des Schachtes ziemlich bis oben hin Spuren der 
Verbrennung zeigten, also die Aussicht auf einen schönen 
Grabfund schwand. Aber man grub weiter hinab, bis zum 
Spiegel des Grundwassers, und als Tastungen immer noch 
nicht den harten Boden darunter fühlen Hessen, musste 
die athenische Feuerwehr helfen das 'Wasser auszupumpen, 
bis endlich in einer Tiefe von 4"' unter dem unteren Hände 
des Stuckrundes der Grund erreicht wurde. Eine hohe Koh- 
lenschicht lag darüber, in ihr waren die geringfügige Scherbe 
eines feinen schwarzgefirnissten Gefässes und die Bruchstücke 
eines Alabastrons aus feinem Alabaster die einzigen Funde. 
Immerhin liefert die Scherbe im Zusammenhang mit der Be- 
nutzungszeit des Friedhofes überhaupt den Beweis, dass das 
Grab nicht wesentlich später als das Ende des vierten Jahr- 
hunderts sein wird. Einen terminus post quem ergab bereits 
der Fund der beschriebenen Lekythos, die noch aus der ersten 
Hälfte des fünften Jahrhunderts stammen dürfte. Auch die auf 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 99 

dem Gebiete des Grabmonumentes entdeckten Gräber, wel- 
che vor dessen Errichtung angelegt sein müssen, führen auf 
dieselbe obere Zeitgrenze. 

Es sind nämlich an dieser Stelle beim Tiefgraben noch vier 
ältere Gräber aufgefunden worden, von denen jedes einen be- 
sonderen Typus vertritt, zwei Dipylon- und zwei jüngere Grä- 
ber. In dem schmalen viereckigen Räume, welcher durch die 
Erweiterung der Anlage gebildet ist. ging der Schacht eines 
1,30'" langen Grabes (IX) hinab. Auf seinem Grunde. wo sich 
das Grab verengte, etwa 1,80'" unter dem horizontalen Estrich 
des Grabmonumentes lagen ausgestreckt die spärlichen Reste 
eines jugendlichen Leichnams, der Kopf im Norden: die Schä- 
deldecke war nur 2""" dick Ringsherum standen in einander 
und über einander 7 tassenartige einhenklige Skyphoi.6 ein- 
henklige Kännchen einfachster Art und nur teilweise bemalt, 
ein kantharosartiger Becher mit zwei hohen spitzen Henkeln. 
Scherben eines Aryballos mit eingepressten Ornamenten : so 
weit alles in den zierlichen Verhältnissen des Kinderspielzeugs. 
Auch ein Dipylonpferdchen aus Thon war beigegeben, das um 
Kopf und Schwanz schon unter den Händen seines kleinen 
Besitzers gekommen zu sein schien, wenigstens sind die Brü- 
che alt. Von grösseren Verhältnissen ist einer der üblichen 
Dipylonnäpfe und ein roher Kochtopf aus un bemaltem braun- 
rotem Thon, dessen äussere Wände vom Rauche des Heerd- 
feuers geschwärzt waren. 

Auch im zweiten Dipylongrabe (X war eine Kinderleiche 
geborgen. Ein grosser Pithos aus grobem ungeglätteten Thon. 
der unter dem Stuckrunde zwei Schritt von dein ersten Grabe 
entfernt und in wenig grösserer Tiefe als dieses lag, diente ihr 
als Sari; Er war durch eine gegen die Mündung gelehnte 

O PC DG 

grüne Schieferplatte geschlossen. Der Pithos enthielt nur die 
Leiche; neben ihm standen die Beigaben, ein Kochtopf wie 
im anderen Grabe, eine grosse bemalte Amphora und ein 
kleiner einhenkliger Recher, vielleicht auch ein kleines Känn- 
chen, bezuglich dessen wir jedoch nicht ganz sicher sind. 



100 A. BRUEf.KNER UND E. PERNICE 

Abbildung und genauere Beschreibung- des Inhalts dieser bei- 
den Gräber siehe im Abschnitt II. 

Im Erdreich zwischen diesen beiden Gräbern, etwas höher, 
senkrecht unter der Mauer Flageine jener groben Amphoren, 
welche im .Munde der griechischen Ausgräber r t ~y<jyx<. heis- 
sen. Wir landen in Ihr sehr feine Kinderknöchelchen und als 
Beigaben ein kleines einhenkliges Kännchen 0,09 hoch, zwei 
kleine Skyphoi mit wagerechten Henkeln, der eine 0,045 ni 
im Durchmesser haltend mit schwarzen Tupfen, der andere 
wenig grösser, schwarzgefirnisst und mit einem leinen dunkel- 
roten Streifen geziert, und ein 0,09 im Durehmesser messen- 
des Büchschen, dessen Schmuck ebenfalls in schwarzen und 
roten Streifen besteht. 

Schliesslich schneiden die Lehmziegelmauern, welche wie 
erwähnt zu einer Erweiterung des grossen Grabmonumentes 
nach Osten hin gedient haben, rücksichtslos über ein stattliches 
Grab (26) hinüber: es war ein Sarkophag, in der Weise des 
fünften Jahrhunderts nicht aus einem Blocke gehauen, son- 
dern aus dicken Porosplatten in sorgfältiger Arbeit zusammen- 
gestellt, so dass zwei grosse Platten den Boden bilden, zwei 
oder drei darauf aufstehende Platten an jeder Lang- und je 
eine Platte an der Schmalseite den beträchtlich hohen Baum 
umschliessen, und wieder zwei Platten das Ganze bedecken. 
Der obere Band des Grabes lag etwa 1'" unter der Fussboden- 
höhe des Grabmonumentes, das Grab selbst hatte eine Tiefe 
\on fast V n und war vom Grundwasser erfüllt. Wie immer in 
diesen Sarkophagen war der Leichnam beerdigt; der Kopf 
lag im Süden. Die Beigaben bestanden aus etwa zwanzig Le- 
kythen und Alabastren. Der Stil ihrer Malereien war z. T. 
streng, z. T. schon freier, so dass man die Zeil des Grabes 
um 4 50 annehmen wird. Es fiel bei der grossen Zahl der Ge- 
lasse auf. dass ihre Malereien durehweu Frauen und Niken 

» 

darstellten, es ist daher wol erlaubt hier ein Frauengrab zu 
erkennen (vgl. unten Abschnitt IV). Alan musste zuvor das 
darüber vorauszusetzende Grabmal beseitigt haben, ehe das 

grosse Monument hier hinübergriff. 



KI.V ATTISCHER FRIEDHOF 101 



II. Verzeichniss der Dipyloneräber . 

Grab I. Vgl. oben S. 89. 

Die Aufdeckung des Grabes ist vor der Zeit unserer Beo- 
bachtung geschehen. Wir wissen daher nur anzugeben, dass 
der Kopf der beerdigten Leiche am Nordende des Grabes lag 
und dass beim Kopfe ein schmales goldenes Diadem gefunden 
wurde. Dasselbe ist genau wie das Arch. Zeitung 1884 Taf.9,4 
abgebildete Stück, welches gleichfalls aus Athen stammt, mit 
zwei über einander eingepressten Zickzacklinien verziert. Noch 
auf der Netosvase (Antike Denkmäler l Taf. 57) kehrt dieses 
Diadem wieder, Herakles sowie Netos tragen es um den Hin- 
terkopf von Ohr zu Ohr gelegt, und es dient dort dazu, den 
Haarschopf zusammenzuhalten. In unserem Falle gehörte es 
zum Schmucke einer Frau, wie aus dem Bilde der grossen 
Grabvase zu schliessen ist, deren Scherben zwar innerhalb 
des Grabschachtes aber oberhalb des eigentlichen Grabes la- 
gen. Zu den Füssen des Skelettes und auch weiter zum Kopfe 
hin haben mehrere Dipylonvasen gestanden. Dieselben sind 
nicht mehr zu identificiren. Über die Grabvase, die sich in 
allen wesentlichen Teilen wieder hat zusammensetzen lassen, 
sei folgendes bemerkt (vgl. AeXxtov i ( sya-.oAoyr/.öv 1892 S. 6 
Nr. 1). 

Das Geläss hat eine Höhe von 1,80"'. Von diesen kommen 
auf den Hals 60 cm , auf den Rumpf 1,20™ Der Durchmesser 
der Mündung beträgt .Mi*"'. Am Halse folgen 7 Mäanderstreifen 
untereinander, von denen ein jeder durch ein schmales Zick- 
zackband vom anderen getrennt ist. Diese Streifen zeigen den 
Mäander in vier verschiedenen Spielarten. Die reichste Form 
lindet sieh in der Mitte. Auch am Hauche besteht die Deko- 
ration wesentlich aus den gleichen Arten von Maanderban- 
dern. Indessen concentrirl sieh das Hauptinteresse auf den 
breiten Mittelstreifen dw die Darstellung enthält. In der Anord- 
nung der Streiten über dem Bilde zeigt mcü das Bestreben, 



IÖ2 A. URUECKNER UND E. PERNICE 

das Auge des Beschauers auf den Mittelstreifen zu lenken; 
das erreichte der Maler, indem er sie nach der Mitte breiter 
und im Muster reicher werden liess. Dargestellt ist im Mittel- 
streifen der Leichenzug. Ein mil vier Pferden bespannter ko- 
lossaler vierrädriger Wagen traut ein schachbrettförmig ge- 
mustertes Brett, auf welchem die Bahre steht. Auf dieser ruht 
der Leichnam. Dass es der einer Frau ist, geht wol daraus 
hervor, dass die Beine nicht, wie auf der bekannten Vase 
Monumenti IX Taf. 39 von einander getrennt sind, sondern 
mit einem lammen Gewände bekleidet erscheinen; die Arme 
Liegen an den Seiten. Hoch über dem Wagen ist ein grosser 
Baldachin von schon bekannter Art ausgespannt. Die untere 
Linie dieses Baldachins ist nicht gerade gezeichnet, sondern 
den Formen des Leichnams, auf den er herabreicht, entspre- 
chend, hie und da ausgeschnitten (vgl. Gollignon, Sculpture 
grecque I S. 76). Unter der Bahre knieen auf dem Wagen 
drei nach rechts gewendete Figuren, rechts davon sassen eben- 
falls auf dem Wagen, wahrscheinlich (in Übereinstimmung mit 
der weiter unten beschriebenen Grabvase) ebenso viele auf 
Stühlen. Hinter der Bahre stehen auf dem Wagen hinter, das 
soll bedeuten neben einander, zwei grössere und eine kleinere 
Figur, wol die nächsten Angehörigen, zu denen auch die un- 
ter der Bahre zu rechnen sind. Fs folgen zwei grosse männliche 
Figuren. Soviel an der vorderen Seite 

Der Hauptstreif ist nämlich durch die Doppelhenkel in zwei 
Hälften zerlegt, so dass eigentlich zwei Bilder zu scheiden 
sind, welche ihrerseits durch s-nkrechte Streifen rechts und 
links abgeschlossen werden. 

Auf der Buckseite befanden sich mindestens 10 Gestalten, 
in der üblichen klagenden Gebärde die Hände auf das Haupt 
legend. Der Platz unter den einzelnen Bügeln der Doppelhen- 
kel ist durch je drei Frauen eingenommen, welche als solche 
durch lange mit grossen Schleppen versehene Gewänder cha- 
rakterisirt sind. 

Ein kleiner Bildstreifen finde! sich an dem unteren Teile 
des Gefässes. Nur etwa zwei Drittel desselben Bind erhalten. 



EfN AftlSCÖEB FRIEDHOF IÖ3 

Es waren etwa 90 nach rechts schreitende Menschen in der 
Haltung der Klage dargestellt. 

Wie die Vase die grösste aller bisher gefundenen Dipylon- 
vasen ist — vielleicht überhaupt die grösste aller bemalten 
Vasen — . so giebt sie auch das stattlichste Bild von dem Lei- 
chengepränge dieser Zeit. Vor allem ist der Leichenwagen von 
gewaltiger Ausdehnung; man wird dem Maler «Hauben, dass 
auf der Platform des Wagens nicht allein die Bahre, sondern 
rings um sie her die nächsten Angehörigen teils stehend, teils 
sitzend, teils knieend Platz hatten, genau so, wie sie sich im 
Hause bei der Prothesis um den Toten versammelten. Wir 
lernen daraus, dass man damals die häusliche Scene der Pro- 
thesis auch auf der Strasse bis zum Grabe fortgesetzt hat. Um 
alles das glaublich erscheinen zu lassen, wird man sich der 
Pompenwagen und des Thespiskarrens erinnern, deren Zu- 
sammenhang Dummler im Rhein. Museum 1888 S. 355 ff. 
dargelegt hat. Auch der Leichenwagen der Dipylonzeit ist 
eine i/.rx'r. die klagenden Männer und Frauen daneben sind 
die zugehörigen Chöre. 

Für die Trachtgeschichte von Wert sind die Frauen mit 
ihren Schleppkleidern, welche wir auf der Vase finden. 

W ir beschreiben an dieser Stelle kurz eine zweite grosse 
Vase, Nun welcher wir nicht wissen, ob sie zu dem Grabe II 
oder IV gehört. Die Form ist die gleiche. Die Gesamthöhe 
beträgt 1,60'", die des Halses allein 52 CIU . Die Mündung hat 
einen Durchmesser von 48 cm . Den Hals schmücken verschie- 
dene Ornamentstreifen, welche durch Zickzacklinien von ein- 
ander getrennt sind. Von den Streifen zeigen drei Mäander- 
muster, einer weidende, einer liegende Hebe. 

Am Bauche ist dieselbe centrale Anordnung zu bemerken, 
wie bei der vorigen Vase. Der Bildstreifen wird auch hier 
hauptsächlich von Mäanderbändern eingefasst. 

Durch die Doppelhenkel wird der Bildstreifen unterbrochen 
und es entstehen so zwei Bilder. Das vordere ist vor dein hin- 
teren durch grössere Länge ausgezeichnet, in Folge davon 
konnte das Yorderbild rechts und links nur durch je zwei 



10» A. BIUKC.KNER UND E. PERNICE 

senkrecht gestellte Mäanderstreifen abgeschlossen werden, wäh- 
rend hinten Raum bleibt, beiderseits vom Bilde zwischen zwei 
senkrechten Mäanderstreifen einen grossen Stern einzulegen. 
Hier sind acht klagende Figuren dargestellt, wol Frauen zum 
Unterschied von den bewaffneten Männern der Vorderseite. 

Auf dieser sehen wir die Prothesis. In der Mitte steht die 
Bahre mit dem Leichnam. Dass es ein Mann ist, ohwol die 
Beine nicht getrennt gegeben sind, zeigen die kurzen Ilaare, 
die den Kopf wie Stacheln umgehen. Ein Baldachin, in der 
gleichen Weise ausgeschnitten, wie der auf der vorigen Vase, 
ist über der Bahre ausgespannt. Unter der Bahre knieen zwei 
Frauen nach rechts, die Hände auf den Kopf legend. Hechts da- 
von sitzen zwei Männer auf Stühlen nach links gewendet. Der 
eine legt die Hände auf das Haupt, der zweite streckt die eine 
Hand aus. Hechts von der Bahre folgen fünf grosse, eine mit- 
tel^rosse und eine kleine Figur. Alle sind in der Haltung der 
Klagenden dargestellt, nur die kleinste fasst mit einer Hand 
die Bahre an. Auch links von der Bahre stehen fünf Gestal- 
ten, deren vorderste die Bahre berührt. Hinter diesen folgen 
zwei mit Schwert bewaffnete, welche die eine Hand an das 
Haupt legen. 

Grab II. 

Das Grab war von Süden her überschnitten und teilweise zer- 
stört durch ein 20 cm darüberliegendes sehr viel jüngeres Brand- 
grab. In dem unversehrten Teile wurden keine Beigaben 
aufgefunden. Dass der Tote beerdigt war, konnte mit Sicher- 
heit festgestellt werden. Innerhalb des Schachtes, etwa 1™ 
über dem Boden des Grabes lagen die Scherben einer grossen 
Grabvase (vgl. oben S. 103). 

Grab III. ( vgl. oben S. !J2 ff.). 

|),is Grab ist deswegen von besonderem Interesse, weil es 
ein Beispiel von Verbrennung aus der Dipylonzeit ist. Anstatt 
des Skelettes fand sich am oberen Fnde des Grabeseine bron- 
zene Urne mit wenigen calcinirten Knochen (s. die Skizze 
obeo S. 92). 

Der Tote ist nicht im Grabe selbst verbrannt worden, denn 



BIN ATTISCHER FRIEDHOF 405 

in diesem fanden sich keinerlei Brandspuren. Auffällig ist, 
dass das Grab, obwol es doch nur die Urne zu bergen hatte, 
nicht wesentlich kleiner ist. als die Gräber, in welchen der 
unversehrte Leichnam bestattet wurde. Auch die Beigaben sind 
vorhanden, wie man sie in anderen Gräbern findet. Ober das 
Gral» hin zog sich in Höhe der Stufe eine dünne Mörtelschicht. 
Die Beigaben bestehen aus fünf Thonvasen. Die grösste, eine 
Amphora von etwa 5 (V™ grösstem Durchmesser, ist am Bauche 
einfach mit Firnisstreifen verziert und hat nur am Halse das 
Bild eines Vogels, gehört also zu Dipylongefässen . wie sie 
auch von Philios 'Kory.scL: y.zy. 1889 S. 174, 3 für Eleusis 
beobachte! worden sind, und von welchen eine Anzahl das 
.Museum der arch. Gesellschaft in Athen besitzt. Noch ganz 
im hergebrachten Stil sind zwei Büchsen mit Deckeln von der 
Form wie Annali 187-2 Taf. AM I. Die eine hat einen Durch- 
messer von 13'/,. die andere von 18 c "\ Der Band der beiden 
ist mit der Tangentenspirale versehen. An dem Bauch des 
Gefässes finden sich hier in Feldern, deren vertikale Abgren- 
zungen durch gerade und Zickzacklinien hergestellt sind, lie- 
gende Bebe, dort ebenso umgrenzt in der Mitte ein Vogel. 

Von der gleichen Form, aber etwas niedriger und ohne 
Deckel ist die folgende Vase. Die Dekoration ist ähnlich, nur 
hat die Tangentenspirale am Bande eine entwickeltere Form, 
etwa wie Fig. 15 der erwähnteu Tafel. Die Hauptfelder des 
Bauches sind mit vertikal verlaufenden Zickzackmustern aus- 
gelullt. Hinzu kommt endlich eine ?2 cra hohe Kanne mit nahezu 
kugelförmigem Bauch, auf dem ein schlanker, in eine Drei- 
blattmündung ausgehender Hals aufsitzt. Sie erinnert beson- 
ders hierdurch lebhaft an die Phaleronkännchen. Auch ihre 
Dekoration ist jenen ähnlich. Der ganze untere Teil ist mit 
einfachen Firnisslinien bemalt, nur oben am Bauche findet 
sich in der .Mitte ein vertikaler Streifen von übereinander^e- 
Btellten Zickzacklinien: inmitten des Saumes, der um den 
Hals herumgeht, stehen spitzwinklige Dreiecke aneinanderge- 
reiht. Im übrigen sind indessen die Phaleronkännchen klei- 
ner und plumper. Die nächste Apalogie in Grösse sowie Form 

ATHEN. MITTHBILUNGBN XVIII. g 



•iOl'i A. BRÜECKNER I ND K. PERNICE 

ist die Dipylonvase Athen. Mittb. VI Taf. 3, welche schon 
Furtwängler mit Recht, zumal doy darauf eingekratzten In- 
schrill wegen, der jüngeren Periode zuschreibt. 

Wir werden nicbt fehl gehen, wenn wir dieses Grab als 
eines der jüngsten der Dipylonperiode ansehen und somit auch 
die grosse Amphora in diese Zeit verweisen. Die von der üb- 
lichen Beslaltun»sweise abweichende Verbrennung lässl sieh 
mit dieser Annahme gut vereinigen. 

Auf die jüngste Periode der Dipylonzeit führt auch die Be- 
trachtung des Grabmonumentes, welches, wenigstens in seinem 
unteren Teile, noch stehend über dem Grabe gefunden wurde 
(oben Fig. 4 ). Es ist «'in Gefäss in Form eines Reiches, genau \\ ie 
Monument i IX Taf. 40, 1,10"' hoch (vgl. AsXtiov ip^aioXoyisiov 
1892 S. 7. Nr. 4). In der Mitte des Kelches befindet sich der 
Hauptbildstreifen. Davon sind erhallen 10 mit Schwer! be- 
waffnete Männer, welche trauernd die Rechte an das Haupt 
legen. Zwischen den einzelnen als Füllornament die entwickel- 
te Tangentenspirale, wie auf der oben beschriebenen Vase. Es 
folgen fünf Flauen, wie die Männer nach links gewendet, da- 
zwischen dasselbe trennende Ornament. Weiter folgt das Had 
eines nach Rechts fahrenden Wagens. Sodann nach einer »rossen 
Lücke abwechselnd Krieger und einspännige Wagen. Von den 
Kriegern hat einer bereits den kleinen runden Schild , der 
andere noch den »rossen ausgeschnittenen. Der Leichenwagen 
ist in der auf den Wagenzug folgenden Lücke anzunehmen. 

Unter und über dem Hauptbildstreifen ziehen sich mehrere 
einfache Trennungsstreifen hin. Ein breiterer Ornamentstrei- 
fen findet sich noch am oberen Teile des Kelches. Derselbe 
ist durch vertikal stehende Mäanderbänder und Zickzacks} - 
steme in vier einzelne Felder geteilt — ie zwei zwischen den 
Henkeln — welche durch »rosse Blattsterne ausgefülll werden. 
Unter den Doppelhenkeln belinden sich je zwei klagende 
Frauen. 

Grab IV. 

Das Grab ist im rechten Winkel zu I angelegt, seine Länge 
beträgt 2, seine Breite l m . Der Boden des Grabes lag in Grund- 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF iOl 

wasserhöhe, der Kopf der beerdigten Leiche im Westen. Dicht 
an der linken Seite des Körpers fand sieh in Achselhühe die 
eiserne Klinge eines Schwertes: aus seiner Lage ist wol zu 
schliessen, dass es der Leiche mil dem Wehrgehenk angelegt 
war. Die Klinge ist an ihrem gerade abschneidenden Ende 
('>"" breit und verjüngt sieh bei 23"" Länge auf 2,5"". Von an- 
deren Heiiiahen sind aus dem Grabe nur Bruchstücke von 
Thonvasen hervorgezogen worden, von denen einige einem 
kleinen Becher, die übrigen wol einem aryballosförmigen 
ölgefäss angehören, welches auf einem kleinen knopfartigen 
Fusse stand. Ls verdienl bei letzterem Gefäss in Vergleich zu 
den rohen Anbauen der übrigen Gräber hervorgehoben zu 
werden, dass es bemalt war und zwar zum grÖSSten Teil mit 
Schachbrettmuster. 

Nach Aussage des Aufsehers sind an dem Punkte des Gra- 
bes, wo der Kopf des Toten lag, etwa ein Meter über der 
Sohle des Grabes, die Scherben einer grossen Vase gefunden 
worden. Wir vermuten, dass diese identisch ist mit einer im 
Museum his zu mehr als l,20 m Höhe zusammengesetzten, 
welche ganz mit linearen Ornamenten bemalt ist und nur un- 
ter den beiden Henkeln je zwei Vögel traut. Möglicherweise 
indess ist dies die Vase, welche zu Grab II gehört (vgl. As"/.- 
tiov ipYaio^ovHcov 1892 S. 7 Nr 3). 

Grab V und VI (vgl.AeXriov xp^aioXoyixöv 1892 S. lONr. 17). 

Von dem Grabe V, welches von VI geschnitten wird, konn- 
te nur ein Teil aufgedeckt werden. Daher erklärt es sieh, dass 
von den Waffen, welche auf der rechten Seite des Leichnams 
lagen, nur einzelne Fragmente gefunden worden sind. Im- 
merhin genügen diese, um die Bewaffnung der Krieger jener 
Zeiten mit Sicherheit festzustellen und eine Bestätigung für 
die Anschauung zu gewinnen, welche für die Bewaffnung aus 
den Vasenmalereien zu entnehmen ist. Die dort übliche Be- 
waffnung besteht ausser dem Schilde in Schwert, Dolch und 
zwei Lanzen. Dass Lanzen in den Dipylongräbern paarweise 
gefunden wurden, bemerkte bereits Dümmler ( Athen . Mitth. 
XIII S. 291 I. In dem Grabe fanden sich nun zu Füssen des 



108 A. HHUECKNER OND E. PERNICE 

Toten die Reste von sicher zwei Röhren, in welche das Holz 
des Lanzenschaftes gesteckl wurde. Starke Reste der Schäfte 
haben sich noch in den Röhren erhalten. Die Spitzen der Lan- 
zen sind vollständig zu Grunde gegangen oder vielleicht nicht 
aufgedeckt worden. Di» 1 Lanzen lagen, wie die Fundumstände 
beweisen, mit der Spitze nach unten gekehrt. 

Ausser diesen Resten der zwei Lanzen fanden sich Teile 
eines grossen eisernen Schwertes. Der besterhaltene Teil ist 
5 c,n breit, an der Spitze beträgt die Breite 2 cm . Die Gesamtlänge 
stellt sich auf ungefähr 70"". Die Form des Griffes ist nicht 
mit Sicherheil festzustellen, es scheint aber, dass er sich von 
den bei Undset (Zeitschrift für Ethnologie 1890 S. 2 Fig. 1) 
und Dümmler (Athen. Mitth. XUI S. 207) abgebildeten 
Schwertgriffen nicht unterschied. Spuren der früheren Holz- 
bekleidung sind deutlich bemerkbar. Besonders starke Ilolz- 
reste aber finden sich auf den beiden Seilen der Klinge, so 
dass anzunehmen ist, dass sich das Schwert in einer hölzer- 
nen Scheide befand (Undset a. a. 0. S. 3). Hinzu komml der 
Griff eines Dolches und kleine Reste der dazu gehörigen Klin- 
ge. Die Form des Griffes ist der des mykenischen Dolches 
bei Undset a. a. 0. Fig. 13 am ähnlichsten. Seine Holzbe- 
kleidung, von welcher beträchtliche Reste vorhanden sind, 
ist durch vier eiserne Stifte festgehalten. Diese Stifte sind so 
angeordnet, dass zwei sich an der unteren Verbreiterung des 
Griffs befinden, zwei in gleichen Abständen darüber. Das er- 
haltene Griffstück ist ü ; / 4 "" lang. Auch auf den Besten der 
Klinge sind Spuren einer hölzernen Scheide, in welcher der 
Dolch geborgen war. sieht bar. Zugleich mit den eisernen 
Waffen neben dem Schwerte fand sieh eine bronzene Röhre von 
4 , /., cm Länge und 1 'i '/.""" Durchmesser, die sieh unlen plötz- 
lich auf 20""" verbreitert; das Innere i\w Röhre raisst 10""". 
Ihre Bestimmung ist nicht zu erraten. Quer über das Grab 
hin zog sieh ein fadendünner Streif roter Farbe durch das 
Erdreich (vgl. Grab XIV). 

D;is Grab V war. wenn es richtig ausgegraben ist. nur um 
ein weniges länger, als ein Meter, trotzdem war es kein 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 



109 



Rindergrab, denn am Nordende fand sich der Schädel eines 
erwachsenen Menschen, das Gesicht lag zur Seite nach We- 
sten, die Schulterknochen und die oberen Puppen auffallend 
nahe heim Kopte. Wenn wir nicht annehmen wollen, dass 
der Tote verwachsen war. müssen wir an eine Beisetzung in 
hockender Stellung denken, wofür wir als Analogie nur das 
Grah in Form des grossen Pitlios Nr. XIX anfuhren können 
(vgl. hierzu die Ausführungen von Tsundas, 'Eor/y.i:-: ip^xio- 
XoyixTi 1885 S. \ 1 und Philios ebenda 1889 S.174). Ein brei- 
tes goldenes Band lag dicht um das Kinn herum. Merkwür- 
digerweise bildete die hohle Seite, von welcher aus die Ver- 
zierung eingestanzt war. die Aussenseite, doch kann man nicht 
annehmen, dass es wirklich so getragen worden ist. Bin gleich 
breites Diadem ist im Grabe XII gefunden worden, auch 
hier der Tragweise nicht entsprechend. Die hreilen Diademe 
werden, wie die der Elfenbeinfiguren des Grabes XIII ge- 
trauen worden sein, wogegen die schmalen, wie wir sahen 
(Grab I), hinten herum von Ohr zu Ohr gelragen wurden. 



rffinmmniTTnrnjrr- 




Fig. 7. 



Das Mittelstück dieses Diadems, welches manche Eigentüm- 
lichkeiten zeigt, geben wir Fig. 7. Es ist in seiner ganzen 
Länge von 36 '/ "" erhalten, die Breite beträgl :\.t'"'. Das blass- 
gelbe Blech ist sehr dünn und zerbrechlich. Eis ist geschmückt 
mit Hirschen und Raubtieren, üben und unten läuft eine einfache 
Sti ichhorte. Im ganzen sind vier Tiertypen ZU unterscheiden. 
Einmal folg! auf den weidenden Hirsch ein Löwe mit einge- 
zogenem Schweif, das nächste Mal ist i\vr Schweif gehoben. 
Da/u kommt an einer Stelle in der .Mitte ein wie im Sprunge 
befindliches kleineres Tier, welches schräg erstellt ist. Hechts 
unter ihm sieht man die hinlere Hälfte eines Löwen des ersten 



110 A. DUUECKNER UND E. PEHN1CE 

Typus. Die Erklärung dieser auffallenden Dekoration liegt 
auf der Hand. Die Form, mil welcher das Goldband gestanzt 
wurde und die wir uns wo] nach der Art jener allen Form- 
steine zu denken haben, von denen sich Beispiele in Troja, 
Mykenä und in Lydien ( Perrot- Chipiez V Fig. 209. 210) ge- 
funden ha heu (vgl. Furtwängler-Löschcke,Myken.VasenS.34), 
war nicht die eines langen Diadems, sondern eines vierecki- 
gen Beschlages. So erklärt sich das schräggestellte Tier, wel- 

C* ~ DD ' 

ches die Ecke vortrefflich ausfüllte Rechts von der Tierhälfte 
sieht man die abschliessende Borte, welche naturgemäss unter 
dem weiter nach rechts folgenden Tiere fehlt. Es stossen eben 
hier zwei Ecken aufeinander. Von da bis zum rechten Ende 
des Goldbandes ist die Form in ihrer ganzen Länge benutzt 
worden. Denn es wiederholt sieh hier dieselbe Darstellung wie 
auf dem abgebildeten Stück : dasselbe schräg gestellte Tier, 

O DO 

rechts davon die abschliessende Borte und ein Rest vom Hin- 
terteile des Löwen. Demnach halte die ursprungliche Form 
eine Länge von 21 c,n und wies fünf Tiere auf, zwei Hirsche 
und die drei Löwentypen. An den beiden Enden des Bandes 
sind je zwei Löcher, welche zu seiner Befestigung dienten. 
Das Diadem gehört in die Reihe der von Furtwängler in 

~ D 

der Arch. Zeitung 1884 S. 99 besprochenen; bei dem aufTaf. 
10,1 sind ähnlich wie in unserem Falle Stempel zu einem 
Diadem benutzt worden, die nicht eigentlich für solche Ver- 
wendung bestimmt waren. Eine vollständige Goldplatte mit 
Reliefs in unserem Sinne ist in Eleusis gefunden und von 
Philios in der 'Ecpr^.epi; ap^aioXoyix^ 1880 S. 180 Tal'. 9,1 be- 
sprochen worden. Genau mit unserem Diadem stimmt das 
von Curtius (Das arch. Bronzerelief Taf. III S. 17) veröffent- 
lichte, im Museum zu Berlin befindliche Diadem nherein, das 
von der seihen Stelle stammt, an welcher das imsrige gefun- 
den wurde, und diese Übereinstimmung geht in den .Massen. 
der Anordnung und Stilisirung der Tiere so weit, dass es nicht 
abzuläugnen ist. dass zur Herstellung beider Diademe dieselbe 
Form gedienl hat, nur ist bei jenem die Form geschickter 
verwendet worden, indem Störungen, wie sie in der Mitte 



EIN' ATTISCHER FRIEDHOF 



m 



unf] bei dem teilenden Rand vorliegen, hier vermieden sind. 
Die Vermutung bestätigl sich, wenn man Muster wie z. B. die 
des Diadems bei Daremberg-Saglio, Diclionnaire I Fig. 983 
vergleicht, welches aus demselbeu Ausgrabungsfeld stammt 
und bei der gleichen Stilisirung in der Anordnung die gröss- 
ten \'ei'schie(lcuheiten zeigt. 

Ausser dem goldenen Diadem fand sich an der linken Seile 
des Körpers eine Reihe von Vasen. Neben einem sehr grossen 
Amphorenhenkel von etwa 50"" hänge, welcher von einem 
Grabmale herrührend auf irgend eine Weise in das Grab hin- 
eingeraten zu sein scheint, enthielt das Grab eine hübsche bau- 
chige Kanne etwa W)"" hoch mit hohem Halse und reicher geo- 
metrischer Dekoration. Eigentümlich, und in der Dipvlon- 
keramik bisher nicht nachgewiesen waren zwei kleine mo- 
nochrome Gefässe aus sehr zerbrechlichem feinem schwarzem 
Tlion. der an der Oberfläche mit besonderer Sorgfalt ' r e<dättet 
ist. Beide sind nachstehend abgebildet. Ks ist eine kleine 





Fig. 8. 



Fig. 9. 



hauchige Kanne mit Blattausguss von ■*"" Höhe und eine kleine 
zweihenklige Amphora von 7 '/."". Auf den Henkeln der letz- 
teren sind je drei parallele Linien eingeschnitten. Die Kanne 
hat in der blattförmigen Mündung Analogien in ^\vn sog. Pha- 
leronkannen und es ist somit klar, dass beide Gefässe der Di- 
pylonzeil angehören, nichl älter sind ; vgl. Kapitel III. Schliess- 
lich kommen hinzu noch einige Aryballen aus Dipylonthon, 
aher ohne Firniss und Bemalung. Ks ist leicht möglich, dass 
einige dieser Gefässe aus dem Grabe VI stammen. 

Grab VII (vgl. AsVciov i px . 1892 S 10 Nr. 15). 

Das Grab war. wie sich aus der Betrachtung der Knochen 



112 A. BRUECKNER UNI) E. PBRNICE 

ergab. das einer Frau. Der Schacht hatte auf den beiden Lang- 
seiten eine Stufe in Höhe von 75-80 c,n über der Sohle. Der 
Kopf der Toten befand sieh an <\rv nördlichen Seite des Gra- 
bes, die Arme Lagen eng am Körper an. so wie es in den 
Leichenzügen auf den Vasen dargestellt ist. Sämtliche Beiga- 
ben fanden sich zu Füssen der Verstorbenen, bis auf drei 
gleich zu besprechende Gefässe. eine hohe Kanne, eine Schale 
und einen Arvhallos, zu einem Haufen zusammengelebt. Finige 
Vasen aus diesem Haufen sind nicht mehr unter der grossen 
Menge der gefundenen zu erkennen, die ihm sicher angehö- 
renden zeigen indessen, dass das Grab trotz mancher Eigen- 
tümlichkeiten zeitlich nicht zu den jüngsten der Dipylonepoche 
gehört. In der Südwestecke des Grabes stand die scbon er- 
wähnte grosse Hydria von 73 c,n Höhe in nahezu ganz intaktem 
Zustande. Das Gefüss war leer und der fest anscliliessende 
Deckel hatte das Eindringen von Erde verhindert. Der Thon 
und die Bemalung ist von der üblichen Technik. Aber sonst 
besitzt das Gefäss einige Besonderheiten, welcbe eine genauere 
Beschreibung erfordern. Merkwürdig ist besonders die Form 
des Deckels. Auf der Scheibe des Deckels befindet sich näm- 
lich ein Griff in Form des üblichen Trinkbechers mit hohem 
Fuss, geringer Ausbauchung und hohem Bande. Der Band ist 
durch kleine Dreiecke durchbrochen. Die Form der Kanne 
selbst ist genau so innerhalb der Dipylonkeramik noch nicht 
nachzuweisen. Der Hals ist nahezu cylindrisch und misst fast 
die halbe Höhe des ganzen Gelasses, ein eigentlicher Ausguss 
fehlt. Auch der Bauch hat nicht die Kugelform wie eben diese 
Kannen, sondern er verjüngt sich allmählich nach unten wie 
die Amphoren, mit welchen er auch den unteren Ahschluss 
gemein bat. Rechts und links von dem breiten Henkel, auf 
welchem eine Schlange aufgemalt ist. wie sie hei jüngeren 
Exemplaren plastiseh angegeben zu werden pflegt, und welcher 
zur Erhöhung der Haltbarkeit in der Mitte durch einen Steg 
mit dem Geläss verbunden ist (vgl. Conze, Zur Gesch. der 
Anfänge der griech. Kunst Tal'. V t ia) befinde! sich je ein 
kleiner ziemlich hoher Buckel oder Warze. Die Dekoration 



BIN ATTISCHES FUIKDHOF 



113 



ist sorgfältig aufgetragen. Es sind die einfachsten geometri- 
schen Motive: Mäander. Schachbrett, Hakenkreuz und Dreiecke, 
dazu ein Stern, dessen Grundelement die Raute ist und ein 
zweiter aus den länglichen oben und unten spitzen Blättern 
bestellend. Von den drei Hauptstreifen befindet sich einer am 
Halse, zwei am Bauche (\i^ Gelasses; derohere derselben zeigt 
den Mäander. Der untere und der am Halse sind in regelmäs- 
siger Abfolge durch ein Schachbrettornament in einzelne Fei- 
der geteilt, welche von dem Hakenkreuz und dem Rautenstern 
gefüllt werden: hervorgehoben ist das Feld unter dem Henkel 
durch den Blattstern. Zwischen diese Bildstreifen treten ver- 
schiedene Trennungsstreifen einfacherer linearer Motive. 

Dicht neben der Kanne fand sich eine kleine Schale mit 
Süchtiger, aber gleichfalls strenger Dipylonmalerei ; Durch- 
messer 1 -2 V/'". Hohe:» 1 // 1 ". Thondicke.-i-V"'" (Fig. 10). Der 




Fig. in. 



Thon ist feiner als i\i'\- der Kanne. Aussen ist die Schale mit 
Schachbrettmuster bemalt, dagegen zeigl die Innenseite ein 
figurenreiches Bild. Auf eine Göttergestalt, welche auf einem 



114 A. BRUECKNEB UND E. PERNICE 

Thron mit Fusschemel sitzt, zu bewegen sich vier Frauen, im 
Tanzschritt sich die Hände reichend, in denen sie Zweige tra- 
gen. Die vorderste streckt der Göttin einen Kranz entgegen. 

Es folgen sodann zwei nach rechts schreitende Krieger und 
zwischen ihnen eine Figur, welche wie es scheint auf einem 
Schemel knieel In der einen Hand hüll sie einen dreieckigen 
Gegenstand, wo! ein .Musikinstrument i vgl. Heibig. Homer. 
Epos •' S. ,'! i i in der anderen einen Zweig. Eine genauere Er- 
klärung des Vorgangs ist nicht zu geben. WCiter nach rechts 
siehl man zwei geflügelte Fabelwesen, welche einander ge- 
genübergestellt, offenbar als mit einander kämpfend gedachl 
sind. Besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass sie bei- 
de verschieden charakterisirt , und somit als verschiedenar- 
tige Ungeheuer gemeint sind. Die Unterschiede sind beson- 
ders deutlich am Kopf, am Schwanz sowie in dem Gesamt- 
eindruck. Das zur Linken erinnert an eine Sphinx. Mit be- 
sonderer Absicht scheint der kleine Auswuchs an der Stirn 
gegeben zu sein. In dem zur Hechten möchte man am liebsten 
einen geflügelten Kentauren erkennen, obgleich solche bisher 
nicht nachweisbar sind. Die ungeflügelten Kentauren des 
Goldschmucks von Korinth, Arch. Zeitung 188-4 Taf. 8, 1 sind 
bekannt. 

Der Charakter der Schale ist trotz der streng geometrischen 
Stilisirung so singulär, dass man nach fremden Vorbildern 
suchen möchte, die hier zu Grunde liegen. Ks wäre die Schale 
dann ein sehr frühes Beispie] der Beeinflussung der einhei- 
misch attischen Keramik durch fremde orientalische Vorbil- 
der, eine Beeinflussung, welche wir in höchster Blüte auf den 
sog. frühattischen Vasen linden. Denn auf solche Vorbilder 
weisen unmittelbar die beiden Flügelgestalten, die hier zum 
ersten .Male auftreten. Am ehesten ist man schon i\rv Scha- 
lenform wegen geneigl an Vorbilder wie die phönikischen Me- 
tallschalen zu denken. Die Schale \on Kurion bei Perrol-f.lii- 
piez 1 1 1 Fig. 552 zeigt zwei einander gegenübergestellte Sphin- 
gen als Abschluss einer anderen Scene. Die Silberpatera des 
Grabes Regulin i -Galassi verbindel die Anbetung einer Göttin 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF H5 

innen mit einem Kriegerzuge aussen. Knieende Gestalten auf 
Schemeln zeigl auch die Schale bei Heibig, Homer. Epos l 
Tat'. I: auf die Analogie der dort S. 34 wiedergegebenen Pro- 
zession von Frauen ward schon hingewiesen. Zinn Vergleich 
mag man auch die grosse] kypriscb-geometrische Vase von 
Ormidia heranziehen, auf welcher die Göttergestalt zur Un- 
ken mit der auf unserer Schale eine gewisse Ähnlichkeit zeigt. 
Genau entsprechende Analogieen wird man bei der niedrigen 
Kunststufe, auf welcher die Vase des Dipylongrabes steht, 
sowie bei ihrer geometrischen Stilisirung vergebens suchen. 

Zu diesen beiden wichtigsten Stucken des Grabes kommt 
eine Reihe anderer Fundgegenstände. Neben dem rechten Fusse 
lag ein kleiner runder Aryballos \<m 10 cm Höhe aus rötlichem 
Thon mit hellerem Überzuge, eine Ware, die sich häufig 
neben den eigentlichen Dipylonvasen findet. Der zu dem Ary- 
ballos gehörige Propfen steckt noch fest in der Mündung, of- 
fenbar war das Geläss bei der Heisetzung der Leiche mit Ol 
gefülll gewesen. Vor den Füssen fand sich sodann eine \on 
schwarzen Streiten umzogene grosse Schüssel sowie einer der 
üblichen Näpfe, welcher auf seinem hohen Hände den Bild- 
Btreifen trägt. Derselbe besieht ans einzelnen Feldern, welche 
abwechselnd mit Schachbrettmuster, Hakenkreuz und Blatt- 
stern versehen sind. Dazu kommen Bruchstücke eines mono- 
chromen dunkelroten Gefasses von anderer Brenntechnik wie 
die Dipylonware, endlich drei thönerne Spinnwirtel mit ein- 
gepressten Sternchen, bezeichnend für das Geschlecht der Ver- 
storbenen. Leider sind die Wirlei jetzt nicht mehr aufzufinden. 

Grab VIII. 

Die Länge des Grabes betrügt etwa 2,55 m , die Breite l.n.Y". 
Der Schädel lag am Südende des Grabes. Die Abbildung Tal'. 
8, 1 giebt eine Übersieh! drv gefundenen Vasen. Einzelhei- 
ten sind in i\\'[- Zeichnung ergänzt. Obwol im Grabe ein er- 
wachsener .Mensch beigesetzt war. fanden sich ZU seinen FüS- 
sen doch vorwiegend Gelasse \on ganz geringer Grösse. Nur 
zwei Becher auf hohen durchbrochenen Füssen hatten die 
dem wirklichen Gebrauch entsprechende Höhe von 20-25 cm . 



116 V. BRÜECKNEB UND B. PERNICE 

Da sie unter die MeDge der nicht zu bestimmten Gräbern ge- 
hörigen Becher geraten sind, konnte nur noch der eine iden- 
tificirt werden. (Wv andere fehlt deshalb in der Abbildung. 
Unter den übrigen 6 beigegebenen Gefässchen sind zunächst 
die zwei Kratere mit langgezogenem Bauche und durchbro- 
chenem Fuss hervorzuheben. Die Form der Kratere ist nichl 
häufig; ein genau entsprechendes Beispiel ist uns unter den 
grossen Dipylongefässen nichl bekannt geworden. Mit den 
Trinkbechern haben sie den hohen geraden Hand gemein, der 
auch bei tiefen Schüsseln sieb findet. Am ähnlichsten ist noch 
in der Form das grosse Kelebgetiiss Monumenti IX Tat". 40,1. 
Beide kratere haben Deckel. Die Bemalung ist sehr flüchtig. 
Auf dem kleineren Gefäss (hoch IM"", der Deckel 8 l '"'j sind 
ausser dem Pferd nur Zickzack und Hauten-Ornamente ange- 
bracht, auch die mit den Spitzen aneinandergerückten Dreie- 
cke. Auf dem zweiten (hoch lG rn> , der Deckel 9 l ' m ) ist ausser 
diesen linearen Ornamenten zweimal der Reiher gemalt und 
auf dem Deckel weidende Hebe. Zu diesen Rrateren kommt 
hinzu ein Becher mit durchbrochenem Fuss (Höhe 6,5 cm ). Er 
ist linear flüchtig bemalt, zeigt aber als Bildornament vorn 
dreimal, hinten zweimal die stehende S-förmige Spirale 
Weiler fand sich ein Näpfchen (hoch 4"") mit regelmässigen 
dreieckigen Einschnitten und einfacher Strichelornamentik in- 
nen und aussen, sodann eine Schüssel von nur 15"" Durch- 
messer, innen schwarzbraun gefiraisst, aussen mit parallelen 
Streifen und vertikaler Strichelung am Bande, endlich ein 
kleiner bauchiger Napf von .V m Höhe, bemall mil parallelen 
Streifen. Es isl auffallend, in so alter Zeil bereits an Stelle 
von Gelassen in der Grösse, wie sie dem wirklichen Gebrauche 
entsprechen wurden, die kleinen Gefässchen beigegeben zu 
linden, die nur symbolisch den Gedanken ausdrucken, dass 
man den Toten mit einein Hausrat ausstatten will. Alle diese 
Vasen zeigen in Thon und Flüchtigkeit der Zeichnung solche 
Übereinstimmung, dass sie sicherlich \ <>n der Hand desselben 
Töpfers sind. Danach isl wol anzunehmen, dass man die sämt- 
lichen Stucke besonders für die Bestattung ankaufte. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF iil 

Eine stilistisch höchst wichtige bemalte Schüssel mit Dar- 
stellungen von Sphingen, welche über diesem Grabe gefunden 
wurde, aber auch noch über einer späteren Brandschicht, hat 
wol als Grabmal gedient, kann aber nicht zu diesem Grabe 
gehören da sie jünger ist. als die übrigen Beigaben; sie. stellt 
stilistisch zwischen den frühattischen Vasen und der Xetos- 
amphora. Sie wird demnächst eine ausführlichere Bespre- 
chung erfahren. 

Grab IX (zur Lage des Grabes vgl. S. 99). 

Line Abbildung des Gesamtinhaltes, giebt Taf. 8,2, wenige 
unwesentliche Stücke sind fortgelassen worden. Einzelheiten 
sind in der Zeichnung ergänzt. 

Das grösste Stück ist ein Kochtopf aus grobem Thon, braun- 
rot, unten von Bauch i>eschwärzt ; seine Höhe betraut 32"".Fei- 
ner sind die übrigen Beigaben. Es sind dies: I) ein zweihen- 
keliger Napf von 15 CIU Durchmesser mit Zickzack und Dreieck- 
mustern bemalt. 2) Drei sog. Phaleronkannen ; von diesen zeigt 
die eine am Halse drei Pferde, auf der Schulter Dreiecke 
(Höhe ll cm ), die zweite im umgrenzten Felde am Halse ein 
Pferd (Höhe 14 cm ), die dritte hat am Halse nur Zickzackli- 
nien, auf der Schulter Dreiecke (Höhe 1*2""). Unten sind die 
Kännchen mit parallelen Streifen bemalt. Nur mit solchen 
versehen sind 3) zwei weitere Phaleronkännchen. von denen 
das eine einen geraden nicht blattförmigen Ausguss zeigt. Dazu 
kommen 4) 7 einhenkelige Tassen von .'>-.Y'" Höhe. Diese sind 
aussen mit einer Ausnahme schwarz gefirnisst, innen sind sie 
nur unten mit Firniss überzogen, wogegen sich am Rande ei- 
nige Streifen linden. 5) Ein kleiner Becher von i '/./"' Höhe mit 
Zickzacklinien. Die Form ist von den frühattischen Vasen 
bekannt, vgl. ßöhlau, Jahrbuch I887S.50,5. 6) Ein kleiner 
G '/.,"" hoher einfach schwarz gefirnisster unten abgeplatteter 
Ary bailos. 7) Ein Becher mit zwei hohen Henkeln | Intel» ti 
zwischen den Henkeln von Zickzackornamenten umgeben je 
zwei Reiter. Reiter auf Dipylonvasen sind bisher selten: sie 
linden sich häufiger auf Vasen <\^> frühattischen Stiles z. B. 
auf der Amphora vom Hymettoa in Berlin (Jahrbuch 1887 



HS 



A. BRUECKNER UND E. PERMC.K 



Taf. 5). auch auf dem Athen. Mitth. 1895 Tat'. 10 veröffent- 
lichten frühattischen Kessel am Fusse. Eigentümlich ist, dass 
der Reiter nahezu auf dem Hinterteil des Pferdes sitzt. 8) Zwei 
runde Aryballen ans schlecht gebranntem bröcklichen Thon, 
ungefirnisst. \)rv eine derselben isl nicht verschieden von an- 
deren in Dipylongräbern gefundenen kugelförmigen Arybal- 
len, von dem zweiten ist nur noch eine grössere Scherbe vor- 
handen, welche in Originalgrösse Fig. 11 abgebildet ist. Sie 



-•-«^ 









Fig. 11. 

zeigt zwei verschiedenartig hergestellte primitive Ornamente. 
Das eine ist mit einem festen, etwa muschelartigen Stempel 
in den feuchten Thon eingedrückt, das andere, welches im- 
regelmässiger erscheint, wird vermittelst einer Art von Zahn- 
rad hergestellt sein. Schliesslich fand sich 9) ein mit Dipy- 
lonornamenten bemaltes Terra kottapferdchen. Die Brüche am 
Schwanz und Kopf sind all \\ ir haben wol das Spielzeug des 
Verstorbenen darin zu erkennen. Sämtliche Ornamente, wel- 
che in Tangenten kreisen und Zickzacklinien bestehen, sind 
mit dicker weisser Farbe aufgesetzt, eine Technik, welche 
sich an den jüngeren I )i|>\ lonvasen von der Akropolis jetzt viel- 
fach beobachten Iässt (vgl. Athen. Mitth. 1892 S. 21 Anm. 2). 

Grab X | vgl. zur Lage S. 99). 

l);is Grab, in welchem ein Kind bestattet war. bestand aus 
einem grossen Pithos, dessen Öffnung durch eine Platte von 
Glimmerschiefer geschlossen war. An Beigaben enthiell er 
nichts. Dagegen winden dichl neben ihm einige Thongefässe 
gefunden, welche nur als Beigaben erklärt werden können, 



BIN ATTISCHER FRIEDHOF 



119 



Der Pithos(Fig.l2) stand bei seiner Aufdeckung nicht aufrecht, 
sondern lag auf der Seile Die Beobachtung anderer Gräber die- 
ser Art lehrt, dass diese Lage die ursprüngliche ist. Die Höhe 
des Gefässes beträgl 70 cm , seine Thonstärke am Halse ?'//'"; 
es isl ohne jeden Firniss, aussen massig, innen gar nicht ge- 




t,:Jj T\ 





Fig. 12. 



glättet. Wie die Vasenbilder mit dem IMmlosabenteuer oder 
mit dein Eurystheus im Kasse veranschaulichen, pflegte man 
die Pithoi zur Hälfte in die Rrde zu vergraben. Daher sieht 
die untere Hälfte des Pithos meist sehr plump und ungeschickt 
ans. während die Ornamente auf die obere beschränkt sind. 
Der Hals setzt gegen den Bauch allmählich ab; die äusserliche 
Trennung ist gegeben durch drei in Belief gebildete \\ iilste, 
welche in regelmässigen Abständen mit dem .Messer einge- 
kerbl sind. Am Halse und an der Schulter isl genau dasselbe 
Muster eingeritzt. Es isl ein Mäanderstreif der einfachsten Art 
mit schräger Innenritzung, die grossen freibleibenden Felder 
sind mit dem Hakenkreuz ausgefüllt. Diesen Streifen schlies- 
sen nach iinlen drei Kit/.linicn ab. zwischen welchen Innen- 
striehehing sichtbar wird, ein Ornament, das sieh bereits auf 



100 A. HRUECKNER UND E. PERNICK 

den monochromen Pithoi von Troja findet, ohne dass jene mit 
den hier behandelten in engerem Zusammenhang stehen. Genau 
entspricht dieser einlachen Verzierung die 1 der längsten Leiste 
Mm den knöchernen Holzkastenbeschlägen des Grabes XI. 

Neben dem Kindergrabe lag zunächst ein Kochtopf genau 
derselben Form wie der des Grabes IX (hoch 23 cm ), die \ ielen 
Brandspuren an der unteren Seite zeigen seine ehemalige Be- 
nutzung. Weiter ein einhenkliger Becher 8 1 /., r " 1 hoch mit zwei 
übereinander liegenden Streifen einfacher kurzer Zickzackli- 
nien bemalt. Endlich ein kleiner ungefirnisster Aryballos, des- 
sen Zugehörigkeit indessen fraglich ist. ans weichem hellen 
Thon, 7"" hoch. 

Dicht nehen diesen drei Gefässen lag eine grosse Amphora. 
Sie ist H)"" hoch, der Thon l-2 cm dick, inwendig schwarzbraun 
gefirnisst. Der Hauch des Gelasses ist mit parallelen Firniss- 
Streifen überzogen. Am Halse wechseln vorn und hinten in 
Firniss aufgemalt ein mit dem Zirkel geschlagener Kreis mit 
eingesetztem kreuz (ähnlich wie auf der Amphora ans dem 
Grabe mit den Elfenbeinfiguren XIII) und ein Rautenstern. 
Ersterer findet sich viermal, letzterer dreimal. 

Grah XI. 

Das Grah war zum weitaus grössten Teil durch einen jün- 
geren Porossarkophag zerstört worden, so dass die Anordnung 
der Beigaben im Grabe nicht mehr festgestellt werden konnte. 
Von dem Skelett war nehen (hui erwähnten Sarkophage nur 
noch ein Stück des Schädels vorhanden. In der Südostecke 
({(■<. Grabes wurde eine Reihe von Gegenständen aus Kno- 
chen gefunden, von welchen die besterhaltenen nachstehend 
abgebildel sind. Zunächst erkennt man sechs verschiedene Ar- 
ten von Leisten, welche ohne Zweifel dazu bestimmt waren, 



Fig. 13. 

als Verzierung vielleichl auf hölzernen kästen aufgeleimt oder 
durch Stifte befestigt zu werden. An ihrer Oberfläche sind 



EIN' ATTISCHER FRIEDHOF 124 

sie, wie auch die anderen Knochenarbeiten mit besonderer 
Sorgfall geglättet. 

Von diesen Beschlägen ist der besterhaltene derjenige, von 
welchem wir Fig. 13 eine Probe geben. Das Ornament besteht 
in einer schmalen Hohlkehle, von welcher nach oben und un- 
ten zweigartig regelmässige Einschnitte ausgehen (vgl. den 
Pithos Grab X). Die Länge der Leisten, von welchen zwei 
ganz erhalten sind, beträgt 25"". Nach dem einen Ende hin 
verjüngen sich zwei von ihnen um ein geringes. Ausser die- 
sen beiden sind noch zum Teil aneinanderscliliessende Reste 
von zwei andern vorhanden in einer Länge von 16 und 1 'i '"; 
wahrscheinlich waren es nur vier. Da keine Stiftlöcher vor- 
handen sind, waren diese Leisten vermutlich aufgeleimt. Be- 
sonders belehrend für die Anbringung verschieden langer Lei- 
sten sind die Goldplättchen 'Eo-nu^plq apYaioAoytfcTi 1885 Taf. 9 
Nr. 3 und \ . welche in ihren Mustern wie eine Imitation un- 
serer Knochenarbeiten erscheinen. 

Aus den Resten des zweiten Beschlages (Fig. 14) Hessen sich 
zwei Leisten wieder ganz zusammensetzen, breit 15-17""", 
dick 2""". Merkwürdiger Weise ist die eine nur 7. die andere 




Fig. 14. 



dagegen 8 V./'" lang. Und wieder von verschiedener Länge wa- 
vvn die übrigen; denn es ist ein Stück vorhanden, welches 
an der einen Seite unvollständig ist und 9 , /. ) "" beträgt, ein 
anderes war 8, ein drittes 7 '/."" lang. Ausserdem sind kleinere 
Fragmente mit einer Gesamtlänge von "25"" vorhanden. Im 
Ganzen waren es mindestens 5 Leisten, da sich 10 Endstücke 
unter den Fragmenten befinden. Auf dem zugehörigen Kasten 
befestigt waren die Leisten durch /.. T. noch vorhandene 
Stifte, welche in regelmässigen Abständen von ungefähr 6 */«*■ 
angebracht sind. Die grösseren Löcher, welche an der rechten 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 9 



1?2 A. RRUECKttER und e. pernice 

und linken Seite auf der Abbildung sichtbar sind, sind für 
solche Knocbenstifte bestimmt. Dieser Bescblag ist verziert 
mit einer regelmässigen , sehr tief und sauber eingearbeiteten 

Tangentenspirale. Hechts und links von dem Ornament, ein- 
mal oben, einmal unten, sind kleine Löcher gebohrt, welche 
nicht der Befestigung dienten, sondern ornamental erscheinen. 
Bei einem Eckstück hören diese Löcher schon mit dem zwei- 
ten auf, und sind dann nicht weiter fortgeführt; vgl. ganz 
ähnliche Leisten in Menidi (Kuppelgrab Taf. VI, 15) und in 
Spata [Bull, de corr. hell. II Taf. 13, I). 

Die Länge der einzelnen Teile des nächsten Beschlages ( Fig. 
15) ist nicht mehr festzustellen (breit 18-19""", dick 2-3"""). 
Das grösste zusammensetzbare Stück ist 1 '/.,, ein zweites 8 l /S m 
lang. Es waren wol 8 Leisten, da gerade 8 linke Eckstücke 




o c o o o o o| 
Fig. 16. 



erhalten sind; rechte sind nur 3 vorhanden. Stiftlöcher feh- 
len, also waren die Leisten aufgeleimt. Es sind schmale Bän- 
der, an denen regelmässig gesägte dreieckige Zacken hängen; 
ein jeder derselben hat am unteren Ende ein Loch als Ver- 
zierung. Die Zacken sind ein wenig nach innen gebogen. 

Einen weiteren Beschlag (Fig. 16) bildeten mindestens fünf 
besonders kurze Leisten ( breit 7 l /.,, dick 3"""). Von diesen 
sind 4 ganz mit einer durchschnittlichen Länge von i 1 /> cai er- 
halten. Sie waren zum Aufleimen bestimmt. Als Ornament 
zu betrachten sind die 7 in ungefähr gleichen Abständen durch 
die einzelnen Stücke gebohrten Löcher. Zwei von diesen Lei- 
sten verdicken sich bei dem letzten Loch allmählich auf 5 m,n . 
Dieser Umstand lässt vermuten, dass der ganze Beschlag nicht 
wagerecht, sondern senkrecht angebracht war, wenn man in 
dem verdickten Ende den Kuss erkennt. 

Eigentümlich ist ein Stück in Form einer gewellten Kante 



EtN ATTISCHER FRIEDHOF 



123 



oder Schlange, Fig. 17 (Länge 137» cm , Dicke 5-7 mm ): es ist 
an einer Stelle durchbohrt, war also durch einen Knochenstift 



auf der Unterlage befestigt. 



Fig. 17. 



Von dem Beschläge Fig. 18 sind nur sehr geringe und fast 
immer gänzlich zerbrochene Reste vorhanden. Es lässt sich 
aber auch aus der Zeichnung noch deutlich erkennen, dass es 
ein Beschlag gewesen ist mit einzelnen freigearbeiteten Za- 



Fig. 18. 

cken, welche nalurgemäss leicht abbrachen. Die Form dieser 
Zacken war die sog. Hakenspirale. 

Zu diesen Randbeschlägen kommt eine Reihe von ganz 
flachgearbeiteten Ornamenten (vgl. Grab XIII). Auch sie sind 
ausgesägt und waren bestimmt, in die Unterlage mosaikartig 
eingelegt oder auf dieselbe aufgeleimt zu werden. 





Fig. 19. 



Fig. 20. 



Fig. 19 stellt einen Vogel, wol eine Ente oder Gans vor. 
Ausser dem abgebildeten sind noch Reste eines zweiten vor- 
handen. Dicke 3-4 mm . 

In Fig. 20 erkennt man einen ausgeschnittenen Schild. Von 
einem zweiten sind Fragmente erbalten. Dicke 3-4""". 

Den achteckigen Stern zeigt Fig. 21. 

Dass die Stucke unter Fig. 22 zu einem einzigen Ornamente 



124 



A. BRUECKNER UND E. I'KRNIC.K 



gehören, zeigt die vorgenommene Ergänzung. Nur zwei von 
den vier Fragmenten schliessen unmittelbar an einander an, 
aber die Bearbeitung und die Dicke der beiden andern ist 
vollkommen identisch mit diesen. Am Rande bemerkt man 
in regelmässigen Abständen von einander Löcher; an den 





Fig. 21. 



Fig. '22. 



Bruchstellen erkennt man, dass das Ornament innen bogen- 
oder kreisförmige Ausschnitte hatte, dazu passt gut der in die 
Mitte gelegte Teil. 

Die Bedeutung von Fig. 23 bleibt unklar. 




Fig. 23. 



Ausser diesen Stücken sind erhalten Brocken von oben und 
unten glatt gearbeiteten flachen Knoclienstückcben. die weder 
ornamentirt noch sonst in ihrer Form kenntlich sind. End- 
lich kommen hinzu zwei durch einen Fisenstif't verbundene 
Stäbe, ein kleinerer und ein grösserer Pflock, der Länge nach 
von Lisennägeln durchbohrt, und ein Röhrchen von 'M'"'" Länge. 

Wenn die Leisten und die Ornamente in der That, wie oben 
vermutet wurde, zum Schmucke von Holzkästchen dienten, 
so ist anzunehmen, dass das Grab einer Frau angehörte, wel- 
cher man ihre Schmuckkästchen mit in das Grab gab. 

Die Knochenarbeiten sind sicher ein Produkt attischer Kunst- 
übung. Das ergiebt ein Vergleich mit den Ornamentations- 
elementen der Dipylonvasen. Als genauere Zeitbestimmung 



EIN ATTIgCHER FHIEDHOF 125 

gewinnen wir aus dem Vergleich diejenige Periode, in welcher 
sich die Dipylonvasen mit den frühattischen berühren. Die 
Hakenspirale der Leiste Fig. 18 ist das charakteristischeste 
Element dieser Periode. Die plastisch aufgesetzte Schlange 
Fig. 17 finden wir an frühattischen Gefässen und jungen Di- 
pylonvasen (Athen. Mitth. XVI 1 S.206); auf den älteren sind 
sie aufgemalt. Für die übrigen Gegenstände treten die älteren 
Dipylonvasen ein. Der Beschlag Fig. 15 ist eine Übertragung 
des in der Vasenmalerei so überaus häufig angewendeten Or- 
namentes, wo an einen dicken Firnisstreifen entweder nach 
oben oder nach unten Dreiecke angesetzt werden (vgl. auch 
'E<pr,uspi; ipx- 1885 Taf. 9. 3); die kurzen Leisten Fig. 16 ge- 
ben die zwischen zwei Firnisstreifen angebrachten Punkt- 
reihen wieder. Für den ersten Beschlag Fig. 13 haben wir 
bereits oben eine Analogie aus unseren Ausgrabungen heran- 
gezogen, das Motiv ist eines der einfachsten und selbstver- 
ständlichsten. Die Tangentenspirale Fig.l 4 bedarf keiner weite- 
ren Frläuterung. Auch die einzelnen Knochenornamente fin- 
den sich wieder. Die Rnte Fig. 19 ist als besonders beliebtes 
Dekorationselement der Dipylonmalerei in genau der gleichen 
Stilisirung hinlänglich bekannt. Der Schild Fig. 20 kommt 
dekorativ sonst nicht vor; in kampfscenen ist er häufig als 
Füllornament. Vielleicht kann man auch hier an eine grössere 
Darstellung denken, freilich sind Beste menschlicher Figuren 
unter den Knochens! iicken nicht gefunden worden. Doch vgl. 
'E<pr)p.6pi? xpx- 1885 Taf. 0. 3 a. Der achteckige Stern Fig. 21 ist 
ohne wirklich entsprechende Analogie auf den bisher -einigend 
publieirten Vasen, isl aber auch nachweisbar. Fig. 22 endlich 
erinnert an die Bäder der Wagen, wird alter auch selbständig 
als Ornament verwendet, z. B. Annali 1872 Taf. A. 12. 

Grab XII. 

Der Kopf lau am Nordende des Grabes, dessen Sohle gerade 
das Grundwasser berührte, und welches durch zwei jüngere 
Sarkophage aus Porös teilweise zerstört war. Im Kinnbacken 

befanden sich noch 15 vorzügliche Zähne, der 10. fehlte. Nach 
Ausweis derselben hat der Verstorbene kein hohes Alter er- 



126 



a. nnuECKNEn und e. pernice 



reicht. Die Arme waren lang an den Seiten ausgestreckt. Am 
linken Kinnbacken fand sich vollständig zusammengedrückt 
ein Diadem aus blassem ganz dünnen Goldblech geschnitten. 
Seine Länge beträgt 31 C1 ", seine Breite 4 om . Es ist vollständig, 
nur an der linken Seite etwas ausgebrochen ; an dem rechten 
Ende sieht man noch die beiden Löcher für die Befestigung. 
Die Dünne des Goldes hat bewirkt, dass die Verzierungen zum 
Teil bis zur Unkenntlichkeit verdrückt sind. Diese bestehen 
in einem unteren rein ornamentalen und einem oberen Bild- 
streifen; beide werden getrennt durch ein schmales Band klei- 
ner Stäbchen. Das Ornament des unteren Streifens ist eine 
Combination aus Spiralen , wie sie besonders häufig in der 
mykenischen Kunst auftritt und später in melischen und rho- 
dischen Produkten (z. B. Salzmann, Ne'cropole de Camiros 
Taf. 25). Genau dasselbe Ornament ist verwendet auf einem 
Golddiadem des British Museum, auch dort in Verbindung 
mit einer Tierdarstellung (Arcli. Zeitung 188'» S. 103 Anm.). 
Besonders nahe stehen die beiden schon erwähnten Goldplat- 
ten aus Eleusis deswegen, weil sich dort über dem gleichen 
Ornament der gleiche Bildstreifen wiederholt. Ebenso wie je- 
nes ist unser Diadem ein Ausschnitt aus einem grossen Gold- 
blech. Das ergiebt sich daraus, dass die Spiralen an einigen 
Stellen durchgeschnitten sind. Auf dem oberen Streifen wie- 
derholt sich viermal die gleiche Scene ohne trennendes Zwi- 
schenglied, nur nach der zweiten Gruppe zeigt sich eine Linie 
kleiner eingedrückter Punkte, wie sie auch oben das Band 




Fig. 24. 



begrenzen. Dargestellt sind zwei einander gegenüberstehende 
Löwen mit, wie es scheint, erhobenen Vordertatzen ; zwischen 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 127 

ihnen erkennt man Hie Beine, die Brust und die Arme eines 
ins linke Knie gesunkenen Mannes. Wie die Scene im Einzel- 
nen gestaltet war ist zwar aus den Resten nicht mehr festzu- 
stellen, da die Köpfe der Löwen sowie des Mannes vollkom- 
men verdrückt sind, aber die Goldplatte aus Eleusis und das 
Diadem in Kopenhagen (Arch. Zeitung 1884 Tafel 9. 2) ge- 
nügen, um festzustellen, dass das Diadem unseres Grabes die 
gleiche Scene bot, wie jene. Und da die Grösse der Bildstrei- 
fen vollkommen die gleiche zu sein scheint, so ist anzuneh- 
men, dass alle drei Stücke über dieselbe Form geschlagen sind. 
\\ ir haben demnach das Original so zu ergänzen : zwei Löwen 
sich gegenüberstehend, einen Mann verschlingend, die Einzel- 
heiten wie auf dem kopenhagener Diadem ; sodann die gleiche 
Scene, aber zwischen beiden, wie es scheint, ein Mensch flie- 
hend. Die auf der Abbildung des kopenhagener Stückes zwi- 
schen beiden Scenen erscheinenden Schlangenlinien werden 
nicht anders zu erklären sein, als missverstanden aus eben 
jenem Fliehenden ! . 

Zu Füssen des Toten stand aufrecht eine hohe Dipylonkanne 
mit Deckel, welche indessen bei der Anlage eines weiter süd- 
lich gelegenen Grabes so zerstört worden war. dass sie nicht 
wieder hergestellt werden konnte. In der Mitte der Höhe die- 
ser Kanne ausserhalb davon lag ein am einen Ende abgesägter 
Gelenkknochen. zwei andere der gleichen Art fanden sich über 
der Mitte des Grabes etwa 5Ü-ß() cl " über der Leiche, müssen 
also von Opfern, welche nach der Bestattung stattfanden, her- 
rühren. 

Grab XIII. 

Da eine Veröffentlichung des reichen Inhaltes dieses Gra- 
bes von Herrn Homolle in Aussicht gestellt ist. muss an die- 
ser Stelle eine Übersicht genügen. Wir verweisen auf die 
ausführliche Notiz hin. welche im Bull, de corr. hell. 
1891 S. 441 gegeben ist. Die Sohle des Grabes lau 20" im- 



1 Die Platte von Eleusis sowie «las kopenhagener Diadem sind jetzt auch 
abgebildet bei Collignon, Sculpture grecqut I Fjg. i 3. i<. 



128 A. BRüECKNEB UND E. PERNICK 

ter dem Grundwasser, der Kopf im Süden. Zur linken Seite 
des Körpers und nahe dem Kopfe wurden 7 Gelasse gefun- 
den, oberhalb des Schädels 6 Figuren aus Elfenbein, 3 Löwen 
aus ägyptischem Porzellan und einige Gegenstände aus Kno- 
chen. Grössere Schwierigkeiten als die Hebung der wolerhal- 
tenen Thongefässe bereitete das Auffinden der Elfenbeinfi- 
guren. Sie kamen zumeist brockenweise aus dein Schlamm 
unter dem Grundwasser bervor. Mit möglichster Sorgfalt wur- 
de der Schlamm aus dem Grabe herausgehoben und. nachdem 
er getrocknet war. nach weiteren Bruchslücken erfolgreich 
durchsucht. Immerhin können unter solchen Umständen kleine 
Splitter nicht aufgefunden worden sein, zumal da sich das 
Elfenbein bereits in seine Schichten aufgelöst hatte. 
Die Getässe sind : 

1) eine 5Ü cra hohe einhenkelige Kanne mit kreisrunder Mün- 
dung und kunstreichem Deckel, welcher in einen einhenkeli- 
gen Becher auf hohem Fusse ausgeht; oben sitzt inmitten des 
Bechers noch ein Vogel auf (vgl. Grab VI l ). Die Bemalung 
ist durchaus in strengem Dipylonstil gehalten ; es sind Haken- 
kreuze, Dreieckmotive, Zickzacklinien und Ähnliches. Ganz 
übereinstimmend in Thon und Bemalungsweise sind 

2-6) drei grössere und zwei kleinere Näpfe der üblichen 
Form mit hohem Rande und geringer Ausbauchung unter- 
halb desselben. Die grösseren haben einen Durchmesser von 
28 die kleineren einen solchen von 20"". In einem der Näpfe 
fanden sich dünne Knochen, welche vielleicht von einer dem 
Toten mitgegebenen Speise herrührten. Die Bemalung des 
Bandes besteht in einem ringsumlaufenden Streifen, der durch 
einzelne senkrechte Striche in regelmässig sieh wiederholende 
Felder zerlegt ist. Diese sind mit Sternen, Hakenkreuzen 
u. s. w. gefüllt. Unter dem Streifen finden sich Dreiecke, Mäan- 
der U.S. W. Die Ähnlichkeit dieser 6 Gelasse in Thon und 
Bemalung lässt annehmen, dass sie sämtlich von demselben Tö- 
pfer gefertigt und für die Bestattung gekaufl sind. Einfacher 
ornamentirt und nicht in diese Bei he gehörig ist 

7) eine grosse Amphora, welche am Bauche mit einfachen 



EI.V ATTISGHKR FRIEDHOF Jv'O 

Firnisstreifen verziert ist und am Halse ein System von Drei- 
ecken zwischen zwei Kreisen trägt. 

Wichtiger als diese Gelasse und bisher ohne jede genauere 
Analogie sind die 6 zum Teil sehr fragmentirten Frauenfigür- 
chen aus Elfen hein. Eines davon ist schlecht abgebildet mit 
andern Gegenständen des Grabes in der Zeitung "A<77'j vom 
ö. Mai 1891. Sie sind von verschiedener Höhe, von ß-25"". 
Dass es Frauen sind, ist klar durch die Angabe der Brust. 
Nackt, die Heine geschlossen, die Arme lang am Körper her- 
unterhängend, stehen sie auf einem niedrigen Plältchen aus 
dem gleichen Materiale. Die Haare fallen hinten lang auf die 
Schultern herab und sind durch senkrechte Striche in einzelne 
Strähnen geteilt, diese selbst wieder sind sorgfältig quer ge- 
strichelt. Die Arme der grössten Figur sind an dem Körper 
durch eiserne Stifte befestigt. Ebenso sind die Füsse mit der 
Unterlage durch eiserne Xägel verbunden. Auf dem Kopfe tra- 
gen sie ein hohes polosartiges Diadem, welches bei der gröss- 
ten mit einem Mäander geschmückt ist. 

Die Proportionen des Körpers sind sehr schmal, die Taille 
eng und in Folge dessen die Hüften breit ; die Schultern setzen 
im rechten \\ inkel gegen den Hals ab. Der unbeholfene Kopf 
hat im Yerhältniss zum übrigen Körper eine beträchtliche 
Grösse. Der Eindruck des Steifen und Hechtwinkligen in der 
Art wie das Diadem aufsitzt, wie die Schultern gebildet sind, 
wie die Taille eingeschnürt ist, ist genau der. den die mensch- 
lichen Figuren auf den Dipvlonvasen hervorrufen. Unmit- 
telbar aus der im Geometrischen befangenen Art des Dipylon- 
stiles entspringt die Formgebung der menschlichen Figuren 
der Vasen und die unserer Figürchen. Am offenkundigsten 
zeigen sich diese engen Beziehungen beim Kopfputz. Der .Mäan- 
der der attischen Dipvlonvasen hat das Ornament für das Dia- 
dem hergegeben. 

Bei dieser nahen Verwandtschaft , welche die Elfenbcinfigur 
eben mit den Dipvlonvasen zeigen, tragen wir kein Hedenken. 
sie als die ältesten Erzeugnisse der attischen Bildhauerkunst 
hinzustellen, zumal auch die rohe Verwendung von Eisen zur 



130 



A. nnUECKNER UND E. PERNICE 



Verbindung der einzelnen Elfenbeinteile an die der Dipylon- 
k Li 1 1 u r eigene Eisenlechnik gemahnt. 

Ebenso sind ihren Ornamenten nach nicht von den Dipy- 
lonvasen zu trennen die mit eben diesen Figürchen zusammen 
gefundenen Knochenarbeiten. 

1) Fragment einer flachen Scheibe mit eingeritztem Blatt- 




Fig. 25. 

stern (vorstehend Fig. 25 abgebildet). Der Stern giebt pla- 
stisch das wieder, was in der Malerei Ornamente, wie die 
Sterne z. B. auf der grossen Bestattungsvase Moniunenti IX 
Taf. 39 im obersten Streifen bedeuten. Die zwischen die Strah- 
len zur Ausfüllung gesetzten Dreiecke finden sich auf den Va- 
sen noch nicht (Dicke 3-4"""). Die einzelnen Strahlen des Ster- 



FiG. 2G. 



Fig. 2: 



nes,die Blatter, sind gesondert gearbeitet in mehreren Beispie- 
len vorhanden (Fig. 26). Ein besseres Stück der Art, bei wel- 
chem die Mitte ausgesägt ist, zeigt Fig. 27. 

2) Das Stück Fig. 28 stellt wie es scheint einen Delphin dar 
(Dicke 2-3 ram ). Der Schwanz ist weggebrochen. Ornamental 
wird der Fisch sonst selten verwendet, nur zur Andeutung 
des Wassers auf Schiffsdarstellungen findet er sich häufig. 
Die Gestalt des Delphins ist aber dort nicht so glücklich beo- 
bachtet, wenn wirklich die Maler einen solchen darstellen 
wollten. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF \Z\ 

3) Die Raute Fig. 29 mit einem Loch in der Mitte ist in 
zwei Exemplaren vertreten Während die eine 3-4 ,nm stark 
ist. beträgt die Dicke der anderen 5-6""". Zu vergleichen ist 
auf den Vasen die Haute mit dem Punkt in der Mitte. 




<£> 



Fig. 28. Fig. 29. 

Die Knochenornamente sind mit der Sage hergestellt und 
waren bestimmt, in eine Unterlage eingelegt, oder auf eine 
solche aufgeleimt zu werden. Ihre attische Herkunft ist durch 
die angeführten Analogien aus der gleichzeitigen attischen 
Dipylonmalerei sicher gestellt. 

Hinzu kommen zwei wolerhaltene und ein sehr fragmen- 
tirter lagernder Löwe aus bläulichem ägyptischem Porzellan. 
Auch in Eleusis ist in einem Grabe der gleichen Gattung wie 
das unsere ein Porzellanskarabaus gefunden worden (vgl. 
'E^aepi? ip/. 1889 S. 175 Anm. 2\ andere im Kerameikos 
selbst ( vgl. Milcbhöfer, Anfänge der Kunst S.4 5. Heibig, Hom. 
Epos 2 S. 75). An der unteren Seite der Löwen sind, leider 
stark verrieben, Reste von Hieroglyphen erkennbar, deren Le- 
sung, zum Teile gelungen (Bull, de corr. hell. 1893 S. 189) 
auf die Zeit der saitischen Könige hinzuweisen scheint. 

Grab XIV. 

Quer über das Grab hin zog sich ein fadendünner Streif 
blauer Farbe. Das Skelett mit dem Schädel im Osten, lag nicht 
in der Mitte des Grabes, sondern dicht an der Langseite. Man 
gewann so Platz für die beiden grossen Gefüsse, welche man 
neben einander in Kopf höhe aufstellte. Es sind dies 1) eine 
etwa 60 c,n hohe Kanne mit blattförmigem Ausguss und eben 
solchem Deckel, dessen Handhabe durch einen Vogel bekrönt 
ist. Der Hals ist hoch und schlank, der Bauch kugelförmig 
und an der Vorderseite mit zwei Warzen versehen. Die De- 
koration besteht in Mäanderbändern, auf der Mitte des Bau- 



132 A. BRUECKNER UND E. PERN1CE 

dies finden sich weidende Rehe. 2) Eine ebenso grosse Am- 
phora, mit gewaltigen senkrecht stehenden Henkeln, welche 
durch eine Querstange in der Mitte mit dem Geläss verbun- 
den sind. Der breite Hals verjüngt sich nach unten, der Bauch 
ist kugelförmig und zeigt ebenfalls an der einen Seite zwei 
Warzen. Die Dekoration ist dieselbe, wie die der Kanne. Der 
Hauptstreif am Bauche zeigt statt der liehe ein komplicirtes 
Dreiecks) stein. Beide Gelasse sind aus derselben Werkstatt 
hervorgegangen. Sie enthielten keinerlei Knochenreste. Reste 
eines weiteren Gefässes neben dem letztbeschriebenen sind 
nicht sicher als zum Grab gehörig zu betrachten. 

Grab XV. 

Die Sohle des Grabes lau; etwas unter Grundwasserhöhe. 
Neben dem im Süden des Grabes befindlichen Schädel stand 
in der Südwestecke eine hohe Vase mit Deckel, auf dessen 
Mitte mehrere Pferdchen plastisch angebracht waren. Im Halse 
der Vase steckte ein sehr starker Schenkelknochen, der uns 
als Stierknochen bezeichnet wurde. Zu den Seiten der Leiche 
stand je ein niedriger weiter Napf wie in Grab III ; in dem 
einen lagen Reste von Knochen, doch wol von einem beige- 
setzten Speiseopfer herrührend. Am Ende des Grabes kam 
eine Bronzeurne mit verbrannten Knochen zum Vorschein; 
sie gehörte einem anderen Grabe an und schien der in Grab 
III gefundenen ähnlich zu sein. Indessen liess es sich nicht 
mit Sicherheit entscheiden, ob sie aus der Dipylonzeit stammt, 
da man in die darüber befindliche Schuttwand nicht weiter 
hineingraben konnte. 

Grab XVI. 

Der Schädel war nicht mehr aufzufinden , nur Reste der 
unteren Extremitäten wurden aufgedeckt; dass das Grab der 
Dipylonzeit angehörte, bewiesen zwei niedrige Becher dieser 
Periode mit durchbrochenem Fuss. 

Grab XVII. 

Das Grab war wie das vorige zerstört. Dass es ebenfalls der 
Dipylonzeil angehörte, schlössen wir aus kleinen Scher- 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 133 

ben, welche im Grabe lagen, und aus Resten eines eisernen 
Schwertes. 

Ausserhalb des in dem Plan Taf.7 gegebenen Ausgrabungsfel- 
des liegen zwei Dipylongräber. Grab XVI II war deswegen wich- 
tig, weil 75"" über der Sohle rings eine Stufe von 30 CID her- 
umlief, als Auflager für Balken oder Bretter bestimmt. In 
dem oberen Teile des Grabschachtes wurden zahlreiche Scher- 
ben von Dipylontechnik gefunden, ein Fragment eines sehr 
grossen Gefässes auch tiefer unten. Sie werden zum Grabmo- 
numente gehört haben. Der Inhalt des Grabes war gering. 
Der Schädel lag auf der Westseite des Grabes, die Augen wa- 
ren nach oben gerichtet. In Ilandhöhe kamen zwei Trink- 
becher mit durchbrochenem Fuss zum Vorschein, beide l.V" 1 
hoch, von genau identischem Tlion und gleicher Bemalung 
mit Zickzacksystemen und Hakenkreuz. 

Grab XIX ist ein kolossaler Pithos von etwa 1 ,40™ Höhe, 
der grösste Durchmesser betrügt 82 cm , der der Mündung 50 CU1 . 
Für einen ausgewachsenen Menschen war demnach genügend 
Baum vorhanden. Allerdings zwang die unzureichende Höhe 
des Gefässes. den Toten in eine hockende Stellung zu bringen. 
Der Pithos stand nicht aufrecht, sondern war, wie gewöhnlich, 
auf die Seite gelegt worden. Er reichte bis etwas unter die 
Grund wasserhöhe. Zum Verschlusse diente eine Platte von Thon. 
Neben den Knochen des Verstorbenen wurden darin keine Bei- 
gaben an Vasen oder anderem Gerät gefunden. 

Der Pithos ist nachstehend abgebildet (Fig. 30). Die Linie 
vom Halse zum Bauche ist eine ziemlich gleichmäßige. 
Da, wo die Schwellung stärker wird, ist in Belief eine Kante 
aufgesetzt, unter welcher ein Ornamentstreif sehr sorgfältig 
eingepresster Spiralen mykenischer Form sieh zeigt: dasselbe 
Ornament ist um den Hals des Gefässes gelegt wurden. Merk- 
würdiger ist der Streif, der sieh in der Mitte des Gefässbau- 
ches an dessen grössler Schwellung findet. Er ist nicht wie 
die andern Ornamente ganz, sondern nur zum Teil in den 
feuchten Thon gepresst; die geraden Linien sind geritzt. Ge- 
nau dasselbe Ornament in Verbindung mit den Spiralen lin- 



134 



A. BRUECKNER UND E. PERNICE 



det sich auf den Scherben eines ungeiirnissten Gefässes von 
der Akropolis. Auch die Grösse der Ornamente ist dort voll- 
kommen übereinstimmend, so dass man glauben möchte, beide 
Gefässe stammten von der Hand eines Meisters. Die Analyse 
des Ornamentes ergiebt sich unschwer aus der Vergleichung 
anderer Dipylonvasen. welche dieselben Kiemente gemalt ver- 




Fig. 30. 



wenden. Die Kanne bei Conze, Zur Geschichte der Anlange 
der griech. Kunst Taf. VI, 4 zeigt genau das gleiche Orna- 
ment, nur ohne die Kreise. Dasselbe findet sich auf einer gros- 
6en Anzahl, leider nicht abgebildeter Vasen vom Dipylon und 
bekundet somit, dass es durchaus diesem Stile eigentümlich 
ist ; die eingepressten Kreise werden in der Malerei zu Punkten. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 43o 

III. Zur Erläuterung der Gräberfunde 
der geometrischen Epoche. 

Wir wollen im Folgenden zusammenstellen, was sich un- 
mittelbar aus den Funden dieses Friedhofs für die Epoche der 
geometrischen Vasen in Attika ergiebt. 

Es verdient dabei in erster Linie die Wahrnehmung her- 
vorgehoben zu werden, dass die Gefässe, welche in den be- 
schriebenen Grübern zu Tage gekommen sind, insgesamt ein 
einheitliches Gepräge tragen. Denselben Eindruck hat auch 
G. Hirschfeld bei den im Jahre 1871 von ihm beobachteten 
Ausgrabungen empfangen und hat die Vasen in Anlehnung 
an Conze's Untersuchungen als pelasgisch bezeichnet 1 , aber 
namentlich seit man den Zusammenhang mit den späteren 
attischen Vasen erkannt hat, ist vielfach ihr Alter unterschätzt 
worden. Wenn wir nun auch glaubten, bei einigen Gelassen 
einen Fortschritt gegenüber früheren Stadien der geometri- 
schen Vasenmalerei zu erkennen, so ist doch im Ganzen un- 
ter unseren Funden kein Gefäss, welches über die geometri- 
sche Epoche hinausführte; es fehlen in den Gräbern sowol die 
von Böhlau Charakter isirten 'frühattischen' Vasen, als auch 
vollends die späteren seh warzfigur igen mit glänzendem Fir- 
niss. Wir müssten aber erwarten, unter der reichen Ausstat- 
tung von Gräbern wie VII, VIII, IX, XIII bereits die zeitlich 
folgenden Vasengattungen vertreten zu sehen, wenn die am 
entschiedensten — freilich vor längerer Zeit — von Löschcke, 
danach auch von anderen ausgesprochene Ansicht richtig wäre, 
dass 'in Athen während des VII. und wie es scheint sogar 
noch während des VI. Jahrhunderts vor Chr. Thongetässe 
im Gebrauche waren, welche den aus jenen Gräbern entstam- 
menden entsprachen' 2 . Natürlich ist es nicht abzuweisen, dass 

i Annali 1872 8. 136. 176. 

2 Worte vun He) big, Homer. Epos '- s. 75. Losohoke, Annali 1878 >. 
311 f. Lösoboke'a Belege für Bp&te Verwondung von Dipyloogeftaeeo sind 



.36 



A. BRUEC.KNER UND E. PERNICE 



einmal ein geometrisch verziertes Gefäss sich bis ins sechste 
Jahrhundert und noch späterhin erhalten hat. So z. B. hat 
ein grober Topf mit dürftigen Spiralornamenten 1 , der an '200 

Jahre alt sein konnte, erst im Jahr 490 nach der Schlacht bei 
Marathon das Haus seines Besitzers verlassen, um mit schwarz- 
figurigen Lekythen zusammen bei der Bergung der Gebeine 
der gefallenen Freiheitskämpfer zu dienen ; aber charakteri- 
stisch in seiner Form ist dieser alte Krug für die Zeit des Eu- 
phronios und Brygos nicht mehr. Nun aber sind gerade die 
besten und vollkommensten Denkmäler der Dipylonzeit, die 
grossen Grabvasen, und damit auch der Inhalt der Gräber 
unter ihnen, von Kroker und anderen 2 erst der zweiten Hälfte 
des VII. Jahrhunderts zugewiesen worden. Dann müsste also 
die ganze gewaltige Entwickelung von jener Zeit an, wo sich 
das beste Können der Töpfer des Kerameikos nicht über die 
kindlichen Silhouetten der Leichenzüge und Schiffskämpfe 
der Dipylonvasen erhob, bis zu der pisistratischen Epoche, 
in welcher die Maler mit spielender Meisterschaft und in un- 
erschöpfter Mannichfaltigkeit die Vorgänge des Lebens und 
die Sagenphantasien der zeitgenössischen Dichter illustrirten, 
in der kurzen Spanne von kaum über 120 Jahren sich voll- 



schr anfechtbarer Natur. Der Ausgrabungsbericht von Fauvel beweist nichts: 
aus unserem Plane isl zu ersehen, dass Gräber des IV. Jahrhunderts und 
weisse Lekythen gelegentlich liefer liegen als Geometrisches. Wenn sich 
Kreis und Zickzack noch auf der Francois-Vase an der Amphora linden, 
welche Dionysos dem Peleus verehrt, so liegen darin nur vereinzelte orna- 
mentale Überbleibsel vor. die nicht anders wie die Schlange an der Lutro- 
phoros anzusehen sind; vgl. unten. Den Beweis, den Furtwängler für Spil- 
les Fortleben geometrischer Dekoration gefunden zu haben glaubte, erkennt 
er jetzt seihst nicht mehr an; vgl. Olympia IV Text S. 83. Zeitschrift für 
Ethnologie 1889 S. 232 (1 ndset) Über den Schiffsbau in der Dipylonzeit 
vgl. jetzt Pernice, Athen. Millh. XYll S. 28ä ff. Es giebl jetzt auch ausser 
der Kanne Athen. Mitih. VITaf. 3 Dipylonvasen mit Inschriften: B. Graf, 
Arch. Anzeiger 1893 S. IT. 

' AeXxfov 1890 Taf. A. 5. Vgl. auch Athen. Miith. XVIII S. 56. 

- So auch E. Curtius, Sladlgeschicbte von Athen s. 184 Anm. 2: 'Auch 
die Flottenkämpfe auf den Dipylonvasen sind Denkmäler der Geschichte aus 
der Zeil nach dein lelantischen Krieg*. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 137 

zogen haben. Fast Jahr für Jahr lehren uns athenische Funde 
innerhalb dieser Entwickelung neue Stufen kennen und zei- 
gen, wie Schrit! für Schritt die athenische Töpferzunft zu ihrer 
Vollkommenheit sich emporgerungen hat. Der vor kurzem 
veröffentlichte Krater mit seinen Versuchen, unter Beibehal- 
tung der überkommenen Ornamente die alten Schemen zu 
beleben, auf Grund eigener Beobachtung Kampf und Spiel 
naturgetreuer darzustellen 1 , die frühattischen Vasen Böhlau's 
mit ihrem Zwiespalt zwischen den zurückgebliebenen Silhouet- 
ten und dem Wuchern neuer Ornamente, die deutlich auf den 
wachsenden Einfluss einer fremden Formensprache zurückge- 
hen—dann der entscheidendste und folgenreichste Schritt in 
der Geschichte der athenischen Keramik, für den man am 
sehnlichsten wünschen möchte, dasa sich reichere Quellen zu 
seiner genaueren Erkenntniss erschlössen, die Loslö'sung vom 
geometrischen Stil, die Eroberung neuer technischer Mittel 
und vor Allem damit gleichzeitig das scheinbar plötzlich sich 
erhebende Interesse au epischen und mythologischen Bildern, 
wie es die berliner Schüssel aus Aegina'und ein Grabmal wie 
die Xetosamphora bezeugen — von da aus weiter zu den abge- 
messeneren stilsichereren Gestalten der Francoisvase, von ih- 
nen zu der gezierten Anmut (U'v Meister wie Amasis und 
Exekias bis schliesslich zu Epiktel und Euphronios — wahr- 
lich eine lange Kette von technischen und kulturellen Fort- 
schritten, und eine, von der kein Glied zu entbehren und zu 
überspringen ist. Seitdem durch die Akropolisausgrabungen 
sich erwiesen hat. dass die Wirksamkeit der grossen Scha- 
lenmaler bereits in die Tyrannenzeil hineinreicht, und seitdem 
andererseits sich bestätigt, dasa die hier in Frage kommenden 
Gräber der geometrischen Epoche rein sind von keramischen 
Erzeugnissen des orientalischen Stiles, wird man gut thun, 
das Ende der attischen Dipylonkultur höher hinaufzurücken 
und wenigstens das VII. Jahrhundert von ihr frei zu halten. 
Wenn wir die Gefässfunde einheitlich genannt haben, so 

1 Athen. Miith. XVII Taf. 10. 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. JQ 



138 



A. BRUECKNER UND E. PERNlC.fi 



steht damit nicht im Widerspruch, dass sicli unter ihnen ne- 
ben der Klasse der oft besprochenen Vasen mit aulgemalten 
geometrischen Ornamenten eine kleinere Gruppe mit sehr ab- 
weichender Technik findet. Dieser gehören aus dem Grabe VI 
die kleine bauchige Kanne mit drei blattförmiger Mündung 
und die kleine Amphora an, welche auf S. I 14 abgebildet sind, 




Fig. 31. 



sowie aus dem Grabe IX die Scherbe eines Aryballos (S. 1 18 
Fig. 1 1 ). Das beste Beispiel dieser Gattung hat Brückner 1889 
in Küluri auf Salamis im Besitze des Kaufmannes loannis So- 
teriu gesehen, welcher es beim Graben im Keller seines Hau- 
ses mit etwa 10 bemalten Dipylongefässen gefunden hatte. Es 
ist vorstehend Fig. 31 nach einer Skizze abgebildet 1 . 

In seinen zierlichen Verhältnissen — es ist 1 l u " hoch — ^ei- 
nem schwarzgrauen sehr dünnen Thon und in den einge- 
ritzten Linien stimmt der Aryballos vollkommen zu den Ge- 
lassen des Grabes VI. Ihren Formen nach von den Dipylon- 



' Es ist der gegebenen Zeichnung hinzuzufügen, dass die Originalskizze 

unklar lasst, ob das Gefäss zwei oder einen Henkel bat. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 139 

vasen nicht zu trennen, gehört die neue Gruppe von Vasen 
nach Thou und Verzierung der alten monochromen Technik 
an, ja wie es scheint, ist ihr durch und durch schwarzer Thon 
Doch in dem für diese charakteristischen Schmauchfeuer ge- 
brannt worden. Aber es sind nur mehr Rudimente dieser 
Technik, die an ihnen in einer besonders weit ausgebildeten, 
verfeinerten Form auftritt. Ein verwandtes Gefäss ist der kleine 
Aryballos aus Rhodos im berliner Museum, abgeb. Jahrbuch 
I S. 135 Nr. 3049 ! . Ks ist seltsam noch nach dem Verfall 
der mykenischen Kultur Reste der monochromen Technik in 
Attika auftauchen zu sehen, da diese, von der Aeolis und 
Etrurien abgesehen, im Allgemeinen durch die mykenische 
Weise Gelasse von lichtem Thon zu bemalen längst verdrängt 
worden war. So wenig /.ahlreich nun auch bisher die Beispiele 
dieser Art sind, so weisen sie doch hin auf die Technik, wei- 
che einstmals die Vorfahren der Töpfer vom Dipylon geübt 
haben müssen, als sie sich noch nicht den mykenischen Mu- 
stern angenähert hatten '. Wenn man es einmal unternimmt, 
die Gefässformen und Ornamente der Dipylonkeramik über- 
sichtlich und vollständig zusammenzustellen, so wird man 
unter ihnen gewiss auf Reste aus der monochromen Technik 
Btossen.So werden als Rudiment monochromer Verzierungsart 
die Warzen zu erklären sein, die ebenso wie an dem salami- 
nischen Ars hailos auch auf bemalten llydrien (vgl. Grab VII. 
XIV J sich vielfach an der Schulter linden. So scheint auch die 
Vorliebe für plastisch an die Gelasse angesetzte Tiere, Pferde 
Vögel und dgl.., etwas zu sein, was die Dipylonkeramik mit 
der monochromen gemein hat. Sollte etwa die Gradlinigkeit 
der gemalten Dipylonornamente noch ihren Anlass haben in 
i\w vor der Bemalung geübten Ritztechnik .' 

Neben den Thonuel'ässen des ueoinet rischen Stiles haben 
sieh in den Gräbern ein bronzener Kessel, eiserne Wallen. 



1 Parallelen aus Etrurieo: Hirschfeld, iJnnait 1872 B. ITT f. Gsell, Fouülea 
daiu in nicropole dt Vulci S. (iü laf. I), a-g. 
■ Siehe B. Graf, Arcb, Anzeiger 1893 S, 16, 



140 A. BRUECKNER UND E. PERNIGE 

Arbeiten aus Knochen mit eingetieften Mustern, Elfenbein- 
figuren, goldene Diademe und schliesslich einige Porzellanfi- 
gürchen gefunden. Sieber als importirt können wol nur die 
letzten gelten. Wir sehen bisher keinen zwingenden Grund, die 
Verfertigung der andern Gegenstände von der Heimstätte der 
Dipylonvasen zu trennen. Nach dem, was oben ausgeführt ist, 
sind die Ornamente der knöchernen Leisten mit denen der 
Vasen in völliger Übereinstimmung und auch die Elfenbein- 
figuren fügen sieb durch ihre Körperformen, durch das Mäan- 
dermuster der Stephane und ihre barbarische Eisenmontirung 
doch eben in den Kreis der Dipylonkunst ein, so fremdartig 
auch bisher die nackten Frauen, welche sie darstellen, anmu- 
ten. Es scheint uns geraten, weitere Funde abzuwarten vor 
einer Entscheidung, ob der Typus der aufrecht stehenden 
nackten Frauen, die nun die nächsten Parallelen zu den nackten 
Frauen der Vasen abgeben, in Zusammenhang steht mit den 
Kykladen figuren, welche nach Wolters' Untersuchungen ' ja 
auch auf dem Festlande verbreitet waren, und ob wir das 
Recht haben, in der mit der Stephane geschmückten Frauenfi- 
gur eine Aphrodite zu erkennen. An den Golddiademen mit den 
Stempeln von Löwen und Thierkämpfen und Spiralorna- 
menten ist besonders lehrreich, dass sie sich zusammenlinden 
mit streng geometrischen Vasen, eine Tbalsachc, die zuerst 
von Hirschfeld beobachtet und weiter von Furtwängler beson- 
ders besprochen worden ist 2 . Es läge danach nahe, bei der 
Gegensätzlichkeit des Stiles auch die Golddiademe dem Im- 
porte zuzuschreiben, aber es finden sieb auf ihnen auch echte 
Dipylonmuster ; an die Tierstreifen schliessen sich Mäan- 
der an, ein Kopfschmuck, wie der aus Eleusis, 'E<pi)|«pU äp^. 
1885 Taf. 9, 3 ist sicher eine gute Goldarbeit, welche ganz und 
gar ihre Muster mit den Dipylonvasen teilt. So führt die Über- 
einstimmung darauf, dass die Golddiademe attische Arbeiten 



1 Alben. Mit th. 1891 S. 46 IT. Vgl. auch die Bronzen aus Olympia: Olym- 
pia IV Nr. 2b'J ff. und FurlwäQgler, Bronzefunde S. 31. 

2 Annali 1872 S. 104. 1880 S. 130. 



EIX ATTISCHER FRIEDHOF 141 

sind. Wenn wir nun zu den geometrischen Ornamenten auf 
den Diademen bereits die orientalischen Muster hinzugefügt 
finden, so scheint das so zu erklären zu sein, dass die Zunft 
der attischen Goldschmiede, fortgeschrittener als die Vasenma- 
ler, die orientalischen Muster bereits angenommen hatte, als 
die Vasenmaler noch ganz im Geometrischen befangen waren. 
Es wird nicht mehr angemessene Zeit gedauert haben, bis die 
Vasenmaler den Goldschmieden in ihrer neuen Richtung ge- 
folgt sind, und so betrachtet würde der Fund der tierge- 
Bchmückten Diademe den Beweis liefern, dass unsere Dipylon- 
gräber in den jüngsten Abschnitt der geometrischen Epoche 
zu datiren sind. 

Überschaut man die Gesamtheit der mit ungleicher Sorg- 
falt ausgestatteten Gräber, so ist die Mannicbfaltigkeit an 
Geschirr so gross, dass wir aus den Gräbern heraus den Haus- 
ral einer Familie der Dipylonzeit wiederherstellen können. Die 
grossen Vorratsbehälter veranschaulichen die beiden Pitboi, 
die als Särge haben dienen müssen. Bis zum Herdfeuer füh- 
ren uns die von Russ geschwärzten Töpfe, deren je einen wol- 
erballen die beiden nebeneinander liegenden Rindergräber IX 
und X geliefert haben. Sie werden mit der Speise, die in ih- 
nen bereitet war, beigesetzl sein. Ein drittes Gefäss aus dem- 
selben b röcklichen Thon war im Grabe Yll enthalten, es war 
\on weiterer Form als die beiden Töpfe gewesen, liess sich 
indess nicht wieder herstellen. Die Speise zu geniessen dien- 
ten die weiten niedrigen Näpfe, welche fast ständig beigegeben 
sind. In zwei Fällen wurden darin noch Knochen reste. die 
nichts mit dem Skelett zu ihiin hatten, vorgefunden. Auch die 
niedrigen Büchsen, mit Deckeln verschlossen, können zu dem- 
selben Zwecke bestimmt gewesen sein. Als Trinkgeschirr sind 
Schalen und Tassen und Becher der verschiedensten Form 
da. auch hat man die Näpfe ZU mehreren beigegeben, um 
Speise und 'Trank von einander scheiden zu können. Aber was 
nutzte der Becher, wenn nicht Kanne und Krater und Am- 



14? A. BRÜECKNER UND E. PERNTCE 

pliora dabeistünden ? Und auch für die Toilette war gesorgt 
durch die Beigabe der ölfläschchen und Büchsen. 

Hat es uns nun auch geschienen, als seien die gefundenen 
Vasen erst zu dein Zwecke des Begräbnisses beschafft worden, 
so ist daraus doch nicht zu folgern, als habe das Geschirr 
eines Atheners des VIII. Jahrhunderts anders ausgesehen, als 
wie es in den Gräbern erscheint Denn wie es der Wirklich- 
keit entspricht, finden sich je dem gröberen oder feineren Ge- 
brauch entsprecbend die Gelasse aus derberem oder zarte- 
rem Thon, einfacher gehalten oder reicher geschmückt. Gänz- 
lich ohne Zierrat von gröbstem ungereinigtem Thon sind die- 
jenigen, welche dem Gebrauche im Feuer ausgesetzt waren. 
Schwer und nur in grober Weise verziert sind ferner die gros- 
sen Pitboi, die in die Erde eingelassen wurden . aber alles 
was auf den Speisetisch oder in seine Nähe gehört, besteht 
aus dem feinen braunen Dipylonthon und ist über und über 
bemalt. Da die Amphoren (Grab XXIII) als Vorratsgefässe 
den Pithoi am nächsten stehen, sind sie auch am einfachsten 
in der Malerei gebalten: über den Körper hin ziehen sich wa- 
gerechte Streifen, der Raum des Halses ist mit einem schlich- 
ten Ornament, wie z. B. ein paar einfachen Kreisen, geziert. 
Reicher ornamentirt sind die Schalen und Schüsseln, die Be- 
cher und Näpfe, aber dem Trinker bot sieb noch keine Gele- 
genheit, die Kunst der Erklärung an seinem Becher zu üben. 
Denn noch kennt die Malerei das Bild nur bei wenigen, ganz 
bestimmten Anlässen und beschränkt sich im übrigen auf 
stumme Ornamente, unter welche sich nur selten erst ein Fa- 
belwesen verirrt. Eine Schale wie die aus dem Grabe V ist 
einsam unter unseren Funden. Aber ihr Schmuck steht nicht 
im Widerspruch zu dem Erfahrungssatze, dass bei den Dipy- 
lonmeistern die Darstellung von Vorgängen noch auf solche 
beschränkt bleibt, welche mit uvr besonderen Verwendung 
des Gelasses in enger Beziehung slehn. Denn der Umstand, 
dass man mit der Schale den Göttern spendete, mochte den 
Anlass zu der Anbringung des Bildes der Procession geboten 
haben. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 143 

Bei der Musterung des Geschirrs einer Dipylonfamilie und 
ihrer Verstorbenen fallen zwei Gefässgattungen durch beson- 
ders reiche Verzierung, also durch besondere Kostbarkeit auf: 
die grossen Grabraäler, welche über den Bereich des Haus- 
gerätes hinausführen, und die hohen Hydrien im Grabe, die 
wir in dieser Übersicht noch nicht erwähnt haben. Gelegent- 
lich sind in sie hinein verbrannte Knochen gesammelt worden, 
so in Eleusis 1 , aber in unseren Gräbern fanden wir sie leer: 
indessen ein Vergleich mit verwandten Gefässen entwickel- 
terer Form wird uns sowol über ihren ehemaligen Inhalt, wie 
ihre besondere Stelle im Totenkult Auskunft geben. 

Aufrecht stehend in einer Ecke nämlich ist in vier Grä- 
bern (VII. XII. XIII. XIV) je eine Hydria gefunden, deren 
Formen bis in die Besonderheit des kunstvollen Deckels mit 
dem darauf aufgesetzten kleinen Becher übereinstimmen. Der 
runde Körper, der hohe Hals und der Deckel sind dicht mit 
Ornamenten überzogen, die äussere Fläche des Henkels wird 
bei der einen Hydria (VII) mit Windungen, wie von einer 
Schlange, ausgefüllt. Fin ähnlich hohes Gefäss stand auch im 
Grabe XV. Einige Jahrzehnte nach unseren Gräbern ist die 
Hydria zu der Form umgebildet, welche das Gefäss aus Ana- 
latos Jahrbuch II Tai'. 4 hat Der Körper ist schlanker gewor- 
den, an seine beiden Seiten sind noch ein paar Handhaben 
angesetzt, die östlichen Palmettenornamente wuchern auf dem 
Hauptstreifen, die alte Formlosigkeit des Halses ist gewichen 
und dieser ist wie mit einem überkragenden Teller abge- 
schlossen; die Fläche des Halses hat sich der Maler für das 
Bild eines Chores ausersehen. Aber dem alten Schlangenor- 
oament ist er treu geblieben, er setzt es noch kunst-und ein- 
drucks voller auf alle drei Henkel und um die Mündung des 
Gefässes herum in erhabener Arbeit auf. Diesem Gefässe 
nahe verwandt, indessen noch rein geometrisch, ist ein an- 
deres aus Attika. welches vor kurzem für das berliner Mu- 



' 'E^epi; i P -/_. 1889 S. 178 Anm. 2. S. 179 (Philios) 



144 A. BRUECKNER UND E. PERN'ICE 

seum erworben worden ist 1 . Bei ihm ist ein zweiter Henkel 
an den Hals angefügt. Der Bildschmuck steht in enger Be- 
ziehung zum Grabe. Er stellt ähnlieh wie die thönernen Grab- 
mäler die Teile des Leichenzuges dar, klagende Männer und 
Frauen. Wagen und Kriegerzüge, so dass man dasGefäss selbst 
als Grabmal sich denken könnte, wenn nicht in seinem Halse 
noch eine Kanne festsässe und bewiese, dass es zum Gebrauche 
des Toten in das Grab hineingesehen war. 

Aus diesen Gefässen haben sich nun die sogenannten Pro- 
thesisvasen des VI. Jahrhunderts entwickelt. Die alte Grund- 
form hat sich in ihnen erhalten 2 . Der schlanke Körper, die 
beiden Henkel, das Schlangenornament an ihnen und um die 
Mündung herum sind ein Erbteil aus vergangenen Zeiten. Mit 
freierer Zeichnung und besseren Farben malt der Meister noch 
die Klage um den Toten auf Hals und Bauch der Amphora, 
einen unteren Streifen, der ihm unter der Hauptfläche etwa 
bleibt, füllt er immer noch mit Wagen und Heiterscenen aus, 
obwol so glänzendem Leichengepränge inzwischen Solon mit 
seinen beschränkenden Gesetzen sicherlich ein Ende bereitet 
hatte. Gewiss ein eindringliches Zeugniss für die Festigkeit 
des Bannes, in welchem den attischen Töpfer, so unablässig 
er auch in seinem Handwerk fortschritt. dennoch die Tradition 
hielt. Die spätere Entwickelung dieser Gefässform von den 
Prothesisvasen aus ist bekannt. Über sie hinaus führen die 
Amphoren Athen. Mitth. XVI S. 372 und Arch. Zeitung 1882 
S. 131. Aus dem urspünglich plumpen Gefäss ist allmählich 
eines von gefalligem Aufbau und zierlichem Umriss gewor- 
den, zu zart, als dass seine Form dem praktischen Gebrauche 
noch entspräche. Wenn trotzdem noch immer grade in ihm 
das Brautbad von der Quelle Kallirroe geholt wird und das 
Gefäss danach im Gemache der jungen Frau stehen bleibt, so 
ist das nur mehr aus der Treue gegen die alte Sitte und dem 



1 Arch. Anzeiger 1892 8. 100 Nr. 4. 

2 Z. B. Monumenti III Taf. 00. Furtwängler, Sammlung SabourofT zu 
Taf. 58. 



EIN ATTISCHER FHIEDHOF 145 

beherrschenden Einfluss zu erklären, welchen damals die 
schlankeren marmornen Lutrophoren auf die Form der thö- 
nernen ausgeübt haben. 

Denn nach Wolters' Darlegung in diesen Mitteilungen XVI 
S. 371 ff. ist es keinem Zweifel mehr unterworfen, dass wir 
in diesem besonderen Gefässe die Lutrophoros zu erkennen 
haben, in der man das Wasser zum Brautbade zu holen und 
welche man Unverheirateten auf das Grab zu stellen pflegte. 
Den Bestand der Sitte erst von den Prothesisvasen an über- 
schauend hat Wolters sich beschränkt, die Frage offen zu las- 
sen, was die merkwürdige Symbolik der Lutrophoros auf 
dem Grabe und des so dem Verstorbenen dargebrachten Braut- 
bades eigentlich bedeute. Er fügte dem hinzu | S. 399): ' Ich 
glaube, dass wir uns bescheiden müssen, hier keinen einfa- 
chen, klar bis zu Ende gedachten Gedanken zu finden, beson- 
ders so lange die geschichtliche Entstehung des Brauches uns 
unbekannt bleibt'. Dass die Sitte in ältere Zeit zurückreichte, 
ging auch für Wolters daraus hervor, dass ein ebenso ge- 
formtes, allerdings nur mit korinthisirenden Tierornamenten 
bemaltes Gefäss bei den Totenopfern des Grabhügels von 
Vurva gedient hat 1 . Jetzt aber lässt sich die Sitte verfolgen 
bis in die geometrische Periode hinein. Da linden wir. was 
später auf dem Grabe ist, im Grabe: an Stelle eines prak- 
tisch nicht verwendbaren Symbols steht inmitten von Spei- 
senäpfen und ülkrügen die Ilydria. durch den Deckel wol 
geschlossen, im Halse eine Schöpfkanne, die Henkel herge- 
richtet zum bequemeren Tragen. Kein Zweifel, dass diese Ge- 
fässe schwergefüllt zum Grabe geschafft und so hinein ver- 
senkt worden sind. Also das Bad. dessen Darbringung im 
sechsten und fünften Jahrhundert nur mehr angedeutet wird, 
ist zwei Jahrhunderte früher wirklich dem Toten mitgegeben 



1 Dazu vgl. jetzt die von Furtwängler beschriebene Lutrophoros in Ber- 
lin, an welcher die Henkel bezeichnender Weist« von Klageweibern gebil- 
det werden, Arch. Anzeiger 1892 S. 100 Nr. G und die aus Marathon, Athen. 
Miiih. XVIII Tai. 2. 



14K A. BRÜECKNEB UND F. PBRNICE 

worden. Es tritt zu den Spenden und Opfern hinzu und lie- 
fert mit ihnen den deutlichsten Beweis, wie man es sich da- 
mals angelegen sein lirss. für das leibliche Wolbelinden des 
Toten zu sorgen. 

Es drängt sich die Frage auf. ob die Lutrophoros schon in 
der Dipylonzeit auf die Gräber der Unverheirateten beschränkt 
war. Wäre das der Fall, so hätten wir die fünf oben genann- 
ten Gräber als die von Unverheirateten anzusehen. Von den 
Denkmälern aus ist darüber bisher zu keiner Entscheidung 
zu gelangen, wenigstens sind die hier zu besprechenden Grä- 
berfunde nicht geeignet, einen sicheren Auf'schluss zu geben. 
In den Kindergräbern ist die Hydria nicht gefunden. Doch 
spricht das nicht notwendig dagegen, da sich denken lässt, 
dass man die Sitte vorzugsweise bei Verstorbenen heiratsfähi- 
gen Alters innehielt. Für die Beschränkung der Sitte auf die 
Unverheirateten lässt sich anführen einerseits der besonders 
reiche Schmuck, durch welchen man gerade diese Gefässe vor 
Gebrauchsgefässen wie der Amphora ausgezeichnet hat. und 
andererseits das Bild der Hydria von Analatos, das in diesem 
Zusammenhange sich wol als ein Hochzeitschor auffassen lässt: 
wonach denn, wenn wir uns des Leichenzuges auf der berli- 
ner Amphora erinnern, die Lutrophoren des V. und IV. Jahr- 
hunderts nicht nur die Form und das Schlangenornament, 
sondern auch die beiden Hauptthemata ihrer gemalten Bilder 
schon von den Dipylonlutrophoren überkommen hätten, den 
Hochzeitszug und die Leichenfeier. 

Wir hatten gezeigt, wie mannigfaltig die Beigäben in den 
Dipylongräbern sind, und im nächsten Kapitel soll die Ein- 
förmigkeit der Sitte im Y. und IV. Jahrhundert dem gegen- 
übergestellt werden, /war bat man auch in der Dipylonzeit 
nicht in jedem Falle in die Behausung i\v^ Toten eine reiche 
Ausstattung mitgegeben: man erkennt \iclmehr. dass da und 
dort eine gewisse Beschränkung eingehalten wurde, dass ein 
oder zwei Gefässe beizugeben schon für Manchen zur Erfül- 
lung der Sitte genug erschien. Man glaubt auch bereits das 
Walten der attischen Sparsamkeit, die späterhin offenbar da- 



EIV ATTISCHER FRIEDHOF 1 17 

von abgehalten hat, wertvollen Schmuck in die Erde zu ver- 
senken, in der Auswahl der Beigaben zu spüren; denn es fällt 
doch auf, dass abgesehen von den dünner Goldblechen der 
Diademe, deren häufige Beigabe durch den Kitus der Bekrän- 
zung bei der Prothesis im Besonderen veranlasst sein konnte, 
anderer Schmuck nicht eben häufig und nicht über ein paar 
Fibeln hinaus vorkommt, in den beschriebenen Gräbern so- 
gar ganz fehlt, wiilnend in dem allezeit die Toten mit grösse- 
rem Gepränge verherrlichenden Böotien im einzelnen Grabe 
Bronzefibeln in grosser Zahl bei einander und dazu noch rei- 
cherer Bronzeschmuck zusammen mit geometrischen Vasen 
gefunden worden sind '. Indessen wenn wir auch in solchen 
Beschränkungen der Beigaben die Einwirkung einer nüchter- 
neren Auffassung von dem. was dem Toten gebührt, zu spu- 
ren glauben, so lehrt andererseits der Befund unserer Gräber, 
wie lebhaft man noch davon erfüllt war. dass die Ausstattung 
des Grabes dem Abgeschiedenen im Jenseits zu Gute komme. 
Noch wird der Mann mit seinen Waffen beerdigt: wir wüss- 
ten kein späteres attisches Grab, in welchem Waffen gefun- 
den worden wären. Noch steht, wie wir gesehen halten. neben 
dem vielerlei anderen Geschirr die Lutrophoros mit dem Was- 
ser zum Bade und der Topf, der mit Speise angefüllt vom 
Feuer genommen worden ist (IX. X) und noch linden wir die 
Knochen vom Stieropfer 2 (TcpoG^ayua), welches erst Solon 
verboten hat. Das sind Zeugnisse für eine frische Ursprüng- 
lichkeit des Totenkultes, welche an das alte v.-i:ix /.TccsO-v 
erinnern und uns veranschaulichen, was über die vorsoloni- 
Bche Leichenfeier im pseudoplatonischen .Minus überliefert 
wird, wo es heisst 5 : olnhx ~ r sj y.y.l aOrö: i/.o'jtov oioi? vöy.oi? : -y?u- 
ixsOx xpo to'j -hol to'1/C i-oOavovTO.;, [ecsix rs ttcog'Pzttovts; ~zö 



4 Fibeln aus den Gräbern der geometrischen Epoche zusammengestellt 
von Studniczka, Athen. Mitih. XII S. 14. Zu Böotien vgl. Böhlau, Jahrbuch 
III s. im \ivli. Anzeiger 1891 3. 124 Nr. 12. 'Ewiupl« ipx- 1892 S. 219. 

- Vgl.XII.XIII.XV.Philios, 'Ewfxepl« ip*. 1889 S. IT:! Anm.2: xau öatoCiv 
8e o^t äv0pw7uvov <'»; ao'-. Efivq, sipeü/j u£7a;J to>v Öjtöjv Taaou xivd^. 

3 ö. 310. Etym. Magn. EY/^JTpiaipiai. 



148 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

t^; ix<pop5c; tou vsxpoo xoci dy^vTpiTTpia; asTarsjxTCOjxsvor oi o au 
ex.-ivoov Iti "xpoTspot aOroO xai i'Oa^rov sv rf, oixia xou? azoQavöv- 

tx;- 7//*?c <M TocTior oi>d\r notovper. Zu den Geschäften, welche 
nach dem Gewährsmann des Scholiasten zu Plato und des 
Etymologicum Magnum den zum Leichenbegängnisse ange- 
nommenen iyyuTpi'jTp'.xi zufielen, wird es wol auch gehört ha- 
ben. die schweren Lutrophoren ans Grab zu tragen. 

Unter den neunzehn Dipylongräbern, deren wir ansichtig 
geworden sind, hat unreines (III) eine Urne mit verbrannten 
Knochen enthalten und diesem Verbältniss entsprechen die 
Versicherungen griechischer Lokalantiquare, welche keinen 
wpoüffTopwco? rxyoc, mit verbrannter Leiche gesehen haben wol- 
len '. Dagegen sagt Heibig, und andere sind ihm darin ge- 
folgt, dass in den Dipylongräbern der jüngere Gebrauch der 
Verbrennung vorherrsche, indem er sich dabei auf Gustav 
Hirschfeld's Bericht über die Ausgrabungen auf dem unsern 
Gräbern benachbarten Grundstück beruft 2 . Aber Hirschfeld 
selbst führt nichts für ein Überwiegen der Verbrennung über 
die Beerdigung an. Seine Annahme, dass in der Dipylonzeit 
unterschiedslos beerdigt und verbrannt sei. stützt sich darauf, 
dass er neben einem Grabe mit beerdigtem Leichnam, um 
welchen viele geometrische Vasen herumstanden, ein anderes 
Grab gesehen hat. dessen einziger Inhalt Kohle und Asche war 
ohne Beigaben, die eine Zeitbestimmung ermöglicht hätten. 
Er sagt selbst (S. 167): deve per altro notarsi, che i vasi 
si trovarono solamente presso lo scheletro, mentre la 
tomba (Ifl com hu s/o pare ne Josse del tutto priva. Er 
schliesst also aus der gleichen Tiefe, dass die Gräber auch 
gleich alt seien. Aber wie wenig dieser Sehluss berechtigt ist, 
werden die Höhenzahlen auf unserem Plane lehren. Gräber 
mit weissen Lekylhen als Beigabe reichen noch bis zu den Di- 
pylongräbern und tiefer hinab. Wir kennen von der Piräus- 



1 So auch Herr Paläologos, obwol es nach Rayet-Collignon, Hisloire de 
la nramiijue grecque S. 2'.\ anders scheinen könnte. 

2 Heibig, Homer. Epos 2 S. 70. llirscliield, Annali 1872 Ö. 135. 167. 



filN ATTISCHER FRIEDHOF 149 

Strasse kein Asche enthaltendes Schachtgrab, in dem eine geo- 
metrische Scherbe gefunden wäre, und keine Aschenurne aus 
einem Dipylongrabe ausser jener oben bezeichneten des Gra- 
bes IM. 

Leider der einzige ausführlichere Bericht über Gräber der 
geometrischen Epoche in Anika ist der von Herrn Philios in 
der 'E<pY){jL£pU *px- 1889 S. 171-187 veröffentlichte über Aus- 
grabungen, die in Eleusis Statt gefunden haben. Herr Philios 
fasst das Ergebniss seiner sorgfältigen Beobachtungen über 
Verbrennung und Beerdigung zusammen, indem er schreibt 
(S. IMG): Ta©7] Ss x.a.'. ouvi xaöci? töv vexpäv r,v h s/.eivoi; rot; 
ypövo'.? to IffixpaTEffrepov iOo:. Nur in einem oder zwei Gräbern 
sei die Verbrennung von vorn herein zweifellos, vielfache an- 
dere Feuerspuren ' und Urnen mit verbrannten Knochen im 
Bereiche der Gräber erklärt er als herrührend von Totenopfern 
und von Skeletten. Diese letzteren seien erst bei der \\ leder- 
benutzun^ des Grabes, um dieses für einen neuen Leichnam 
frei zu machen, verbrannt und in einer Urne neben dem neuen 
Leichnam beigesetzt worden ; ähnlich also z. B. wie in dem von 
Stamatakis ausgegrabenen sechsten Schachtgrabe von My- 
kenä.wo die Knochen des einen Toten bei Seite geräumt sind, 
damit der andere inmitten des Grabes gebettet werden konnte. 
Es geht aus dem Berichte des Herrn Philios nicht deutlich 
hervor, in wie weit diese Darstellung auf den Fundthatsacheu 
beruht, und in wie weil sie nur Hypothese ist, aber es wäre 
sehr erfreulich, wenn dafür eine Bestätigung sich gewinnen 
liesse. Denn wäre dem so. so würden wir von da aus aufge- 
klärt weiden, aus welchen Motiven die Griechen zur Leichen- 
verbrennung kamen. In welcher anderen Absicht könnte die 



1 Dipylonvaseo mit verbrannten Gebeinen darin \\ill auch yt. Kumanu- 
dis bei der Ihemistokleiscben Stadtmauer gefunden haben Qpax-rixä 1873 74 

B. I 7 : xa öaxä r,iav el; fi&rptOV ßdt0O{ Ivoj im; ivo; xa ; . f ( jj.ia£o; uixpou r; i-Ad>; ev 
xrj Yfj xtOa;j.|j.£va if t iv äyyjio'.; JirjXivoij x£0ci[j.£'va (j.»xa ti]V /aJaiv, ev [lovov if^ilov 
TxapexriprJOr] ov -£pi-£<ppayiA£vov xüxXto XiOoi; [j-ixpols, xä Si a/./,a inXcö; XSY coauiva 

Sveu xtvo; xaxaoxEüjjj. Auch Philios zweifelt daran, dass die Knochen in den 
Gelassen alle verbrannt gewesen seien (8. 186, Aiun. 4). 



150 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

Verbrennung des Skelettes vorgenommen sein, als um den 
bisherigen Inhaber des Grabes unschädlich zu machen - 1 Funde 
also, die daraufführen würden, wurden eine Bestätigung für 
die Ansicht E. Rohde's erbringen, dass die Zeit Homers den 
Leichenbrand pflegte, weil sie durch die Gewalt des Feuers 
die Geister in die Tiefe bannen wollte, um von ihrem Wirken 
frei zu sein. 

Unsere Funde stimmen darin mit den Beobachtungen des 
Herrn Philios überein, dass die Beerdigung in der geometri- 
schen Epoche weitaus üblicher war. als die Verbrennung der 
Leiche. Die übliche Art der Beerdigung war entweder die 
Bergung in einem einfachen Gelasse, einem Pithos oder einer 
Amphora, die hingelegt und mit einer Steinplatte verschlos- 
sen wird, auch gelegentlich umstellt ist von kleineren Gelas- 
sen (vgl. X) oder geschützt durch eine Steineinlassung, oder 
das Schachtgrab. Die verschiedenen in Eleusis und in Athen 
angestellten Beobachtungen kommen darin überein, dass die 
Graber dieser Zeit nicht sehr tief, kaum über 2 m unter der al- 
ten Erdoberfläche angelegt zu werden pflegten. Wir haben bei 
den einzelnen Gräbern angemerkt, dass der Schacht häufig 
eine Stufe hatte, welche über dem Boden so hoch angelegt 
war, dass Gefässe von der Höhe der Hydrien aufrecht im 
Grabe stehen konnten ; es ist natürlich anzunehmen, dass die 
Stufe als Aullager diente für eine Bretterlage, die den Raum 
des Grabes abdeckte. Dünne Farbstreifen, die über den Leich- 
nam und die Beigaben sich hinzogen (VI. XIV), schienen von 
einem Anstrich der Decke des Grabes herzurühren. Andere 
Anzeichen, die auf eine besondere Herrichtung des Grabraumes 
deuteten, sind von uns in dem feuchten Erdreich nicht be- 
merkt worden: in Eleusis dagegen ist, obwol sonst die Grä- 
ber dort ärmlicher scheinen, der Bauin rings mit rohen Stein- 
platten oder Lehmziegeln umstellt und bedeckt gefunden. Ähn- 
lich also wie m den Schachtgräbern von Mykenä hat man 
den Toten im Baume des Grabes gebettet und um ihn herum 
Nahrung und Beigaben gestellt. Dass man die Leiche in einen 
Sarg eingeschlossen hätte, ist wenig wahrscheinlich, da die 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF lül 

E>opop<fc, wie die Malereien der Grabvasen zeigen, auf der Rline 
geschah; auch sind keine Reste um Särgen, soviel wir wis- 
sen, bisher beobachtet worden. Vor der Beerdigung, so scheint 
es nach den Funden des Herrn Philios, sind an der Grab- 
stätte des öfteren Brandopfer dargebracht worden 1 . 

Was nun das Grabmal angeht, so sind oben die besonders 
günstigen örtlichen Verhältnisse dargelegt, die uns eine An- 
schauung von der Erscheinung eines Grabes dieser Periode 
ermöglicht haben. Nachdem das Grab geschlossen, ward darüber 
nur wenig Erdreich gebreitet, so dass noch eine Grube blieb, 
innerhalb deren die Grabvase aufgestellt wurde. Lin die Ke- 
gelraässigkeit zu betonen, mit der die grossen Vasen über den 
Gräbern gefunden werden, mögen hier die Worte Rayet's nach- 
getragen werden, welche auf die Beobachtungen des Herrn 
Paläologos zurückgehen [Ceramique S. 24): au dessus de 
chaque fosse, entasses en pile , etaient Les debris d'un 
grand vase qui, apres avoir servi aux ce're'monies fune- 
bres, avait cte brise a dcs.scüi, ä coups frappes du cöte In- 
terieur au moyen d'un Instrument contondant, comme 
serait une kacke de pierre. Nur dass unsere Funde und die 
danach gewonnene Ansicht auf S. ( J5 den Irrtum widerle- 
gen, dass diese reichsten und kostbarsten Werke der Töpfer 
gleich bei der Bestattung zertrümmert worden seien-. In 
Wirklichkeit sind es orjpotTa, welche zur Unterscheidung und 
zum Schmuck der Graber und zugleich bei den darzubrin- 
genden Spenden dienten. Zur Unterscheidung und zum Schmu- 
cke genügte es damals noch, wenn nur Ornamente den Körper 
der Vase umzogen, reine Ornamente, oai&aXa rcoXXä, wie Mäan- 
der, Hakenkreuze und was sonst der geometrische Muster- 



1 Vgl. dazu E. Rhode, Psyche 3. 32. 

- b)s scheint, dass wir bisher ausserhalb Anikas nur in Böotieo |'E?i){upl{ 
Äpx- 1 892 Taf. 8-10) und aufUypem ähnlich grosse reich geschmückte G 
in der Verwendung als Grabmäler nachweisen können. So Perrot- Chipiez, 
Histoire de l'art III 8. 711 Nr. 523 = Heibig, Homer. Epos a 8. I2U. Das 
imporlirte Dipylongefäss \<>n Kurion ist nicbl über einer Grube, sondern 
in einer Felskammer gefunden. 



152 A. RRUECKNER UND E. PERNICE 

schätz bietet: ebenso wie auch einige von den mykenischen 
Grabstelen nichts weiter als geometrische Muster ohne bild- 
liehe Darstellung enthalten. Aber den zahlreichen Besten nach 
war es wol häufiger, dass man die 7rpö06<yt{ und die £x«popdc in 
aller Ausführlichkeit malen Hess und dazu sehr oft in einem 
unteren Streifen die Schiffskämpfe. Es ist in den Behandlun- 
gen dieser letzteren Darstellungen bisher der Gesichtspunkt 
nicht hervorgekehrt worden, dass, was wir von solchen Bil- 
dern haben, gerade von Grabmälern herrührt. Wir wissen 
eine Erklärung dafür, weshalb diese Kämpfe zum Schmucke 
des Grabmals ausersehen worden sind, nur durch eine Pa- 
rallele mit den attischen Grabstelen des VI. Jahrhunderts zu 
geben. An diesen weist das typische kleine Feld mit dem Bild 
eines Reiters unter dem Hauptfelde mit der Figur des Ver- 
storbenen zweifellos auf den ritterlichen Stand desselben hin, 
weder, wie man semeint hat. auf Siei^e im Wettrennen — denn 
der Siege würden, wie schon von anderen bemerkt, zu viel, 
auch müsste man für andere Gattungen von Sieben an gleicher 
Stelle andere Bilder erwarten — noch auch auf die Verehrung 
des Toten als Heros. Denn v\äre das die Absicht gewesen, 
so hätte man die Darstellung des Heroen zur Hauptsache ge- 
macht und im Hauptfelde der Erscheinung des Verstorbenen 
in seiner menschlichen Würde die heroischen Beizeichen nicht 
entzogen, auch würde diese Deutung zu der widersinnigen 
Consequenz führen, dass der würdige Priester Lyseas im Ha- 
des als wilder Jäger dahinsprengt. Der Reiter ist ein schmäch- 
tiger Knabe, während die stehende Gestalt die eines Erwach- 
senen ist'. Also nicht der Herr selbst, sondern der Knappe 
erscheint in dem unteren Bilde. Dem entspricht es, dass der 
attische ;.--e'j;, zumal so lange der alte Bürgerbann insgesamt 
zu Fuss ausrückte, nicht so sehr Reiter als vielmehr tic7roTpö- 
O/o ; war. 

Aber die Klasse der Iwwtk leitete erst von Solon ihre staat- 



• Vgl. besonders Conze, Attische Grabreliefs Taf. IX, 2; vgl. zu Taf. I 
Text a. E. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 1 453 

liebe Organisation her. Vordem war die athenische Bürger- 
schaft in Naukrarien geteilt, in ihnen geschah das Aufgebot 
der wehrfähigen Mannschaft. Jede von ihnen hatte ein Schiff 
zu stellen und als etwas besonderes zwei Reiter; dass die Ru- 
derer Freie waren, lehrt das Bild einer unserer Vasen, in 
welchem die Rudernden zugleich mit dem grossen Schild be- 
wehrt erscheinen '. Kriegsvolk und Rudermannschaft sind 
identisch wie bei Homer. Seit nun die Continuität der Ent- 
wicklung der attischen Keramik bis zu den Dipylonvasen 
hinauf erwiesen ist, und diese damit als attisch gesichert sind, 
können wir nicht umhin, in den Schiffskämpfen der Dipy- 
lonvasen eben die Seegefechte der attischen Xaukrarien wie- 
derzuerkennen. Und wie nun das Reiterbild auf den Stelen 
des VI. Jahrhunderts hinweist auf den ritterlichen Stand des 
Verstorbenen, so werden ähnlich die Schiffskümpfe auf den 
zwei Jahrhunderte älteren Grabmälern bezeugen, dass die Bür- 
ger, deren Grab so geziert ist, ihre Wehrpflicht in den Nau- 
krarien erfüllt haben. Rs läge nahe, diesen Schmuck auf die, 
Gräber der vaüxpapo-.. der Schiffsherren, zu beschränken, aber 
es scheint, dass dafür der Bruchstücke von Vasen zu viel 
sind. So geben unsere Denkmäler von dem Wesen der atti- 
schen Bürgergemeinde der homerischen Zeit sicherere und 
deutlichere Kunde, als sie uns die Gelehrten des Altertums 
überliefern. Freilich war es nach dem Umschwung der Zeiten, 
vollends nach der Umbildung der Flotte, auch für einen Athe- 
ner wie Thukydides schwer, sich eine Vorstellung von jenen 
längst geschwundenen Verhältnissen zu bilden. Vielleicht war 
nur noch ein Wahrzeichen erhallen aus jener alten Zeit, in 
der sich die attische Bürgerschaft als eine reisige Flotten- 
mannschaft darstellte: «las Schiff, auf welchem der Göttin 
Athena der Peplos dargebracht wurde. 

Doch zurück zu den Grabmälern unseres Friedhofes. Aus- 
ser der Vase hat gelegentlich auch eine Grabstele an der To- 
tengrube gestanden. Aber die Steine sind noch so roh und 



• Athen. Mitlh. XVII S. 303. 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. . 11 



154 A. BRUECKNEU UND E. PERNH.E 

schlicht, dass sie gewiss zuweilen nicht als Grabmäler beachtet 

worden sind. Mehrere der Art hat Herr Philios gefunden '. in 
einem Falle besonders deutlich, stand der Stein dicht neben 
der Grube, also wie hei dem Grabe des Agamedes nach der 
Beschreibung des Tansanias: =t::v Iv :ü iwa tco iv A-or^nx 

o ... 

isO:o; -■ 'AvaaTjoou? xaXouüfevoc Kai -:■:: aOroj g-t'kt, (Paus. IX, 
37,7 vgl. 39,0). In unserem Friedhof lagen zwei solche Ste- 
len über einander geworfen in der Grube neben dem grossen 
Gefässe über Grab III geborgen. Alle diese Steine sind noch 
ohne jeden Schmuck, sowie sie auch Koldewev in der Nekro- 
pole von Neandria beobachtet hat und wie sie mit sein- alter- 
tümlichen Inschriften von den Kykladen her bekannt gewor- 
den sind 2 . Es sind die rohen Urbilder der späteren kunstvol- 
len Stelen. 

Mit Stele und Tymbos das Grab zu zieren fordert zur Ehre 
des Verstorbenen das Epos. Vom VII. Jahrhundert an haben 
die Athener diese Sitte befolgt, aber für die ältere Zeit ist der 
Tymbos in Alt i ka nicht nachzuweisen. Die Tumuli, welche 
ausgegraben worden sind, haben insgesamt jüngere Begräb- 
nisstätten aus der Zeit häutigerer Verbrennung ergeben. In 
unserem Ausgrabungsfelde sprach über keinem Grabe der 
geometrischen Periode der Verlauf der oberen Schichten für 
ein ehemaliges Brdmal; im Gegenteil zeigt der Verlauf der 
Brandschicht über den Gräbern I. II. III. wie er auf dem 
Durchschnitt S. 87 kenntlich ist. dass der Boden über (\i-n 
Gräbern und um die Gräber herum eben blieb. Man könnte 
zwar versucht sein anzunehmen, der Boden sei hier zur Her- 
richtung der Opferstätte geebnel worden und dabei wären äl- 
tere Grabhügel abgetragen. Aber das ist völlig ausgeschlos- 
sen durch die \on Herrn PaläologOS sonst und im vorliegen- 
den Falle von uns beobachtete Thatsache, dass die Vasen, die 
nun als Grabmäler gesichert sind, regelmässig senkrecht über 



" 'EfijjMpU *px > NS 9 B. 176 A. 8. 179 M. 8. 184 N. 

2 Koldewey, Neandria 8. IT Fig. o\). Aus Amorgos: Athen. Mi Uli . .\I 8. 

99. bitll.de curr. lull. XV S. ! 8. 



EiN ATTISCHER FRIEDHOF 455 

dem Grabe und eben nur etwa l m üher dem Grunde des Gra- 
bes aufgefunden werden. Die Vase blieb zweifellos sichtbar 
und damit ist der Tumulus unmöglich gemacht. 

Zweck der Vase, namentlich in der monumentalen Ausge- 
staltung, in der wir sie auf dieser Stufe des Totenkultes und 
der attischen Keramik finden, ist ja einerseits gewiss, das 
Grab zu schmücken, als ein y.v-?,y.a zu dienen, welches das 
yCkir,- des Verstorbenen und der hinterbliebenen Familie ver- 
künde; diesen Gedanken auszudrücken hatte der Steinmetz 
damals noch nicht die Form gefunden, diese Aufgabe fiel noch 
dem sehr viel mehr beschäftigten Töpfer zu. Aber ursprüng- 
lich wird die Vase nicht um ihrer Bilder, sondern um ihrer 
Form willen auf das Grab gesetzt worden sein, und die wei- 
ten Kratere und Amphoren auf den Gräbern der geometrischen 
Epoche, die tief in die Grube hinabgestellt sind, werden, im 
Anfang gewiss einlacher aussehend, zunächst dazu gedient 
haben, die Spende für den Toten zu fassen. Eben deshalb ist 
der Boden der grossen Gefässe durchbohr! und ihr Fuss hohl, 
wie das von llirschl'eld und St. Kumanudis '. auch von Brück- 
ner beobachtet worden ist; eben deshalb auch entbehrt ge- 
rade wie die in/v.zx der Heroen die Vase einer eigenen Basis, 
damit die Spende ungehindert in das Erdreich und zur Wohn- 
Btätte des Toten hinabrinne 2 . 

So ermöglichen die Funde an der Piräusstrasse noch die 
Grundzüge der äusseren Erscheinung der ältesten, eigentlich 
attischen Grabstätten wiederzugewinnen. Es zeigt sich an dcw 
Gräbern der geometrischen Epoche in einer Landschaft des 
Festlandes von Griechenland der Kult der Toten über die Be- 
Btattung hinaus gepflegt mit dem festen Glauben, dass die 
Unterirdischen durch Speise und Trank fort und fort zu befrie- 
digen sind. Das ist. wie wir sagen dürfen, seit Erwin Rhode 
uns den homerischen Seelenkult und was zeitlich vor ihm 
war. aus dem Epos entwickelt hat. nicht homerische Lehre, 



1 Annali ist: S. 164. \\ ? i>.':<.x 1873 74 S. 18. 
'* Vgl Rhode, Psyche S. ' ;; . 



156 A. BROBCKNBB UND K. PENNICE 

sondern ältere Sitte und Überzeugung. Erst in der Zeit der 
Ablösung der geometrischen Epoche durch diejenige, in wel- 
cher die 'orientalischen' Ornamente und die Darstellung my- 
thologischer und epischer Stoße in der Keramik aufkommen, 
erst in dieser Zeit linden wir in Anika die Totensitte in Gel- 
tung, welche den Schilderungen und Anschauungen des Epos 
entspricht '. 



IV. Spätere Gräber. 

Bei einer Übersicht über die Gräbersitte vornehmlich des 
V. und IV. Jahrhunderts, wie sie sieh nach unseren Funden 
darstellt, müssen wir manches wiederholen, was schon vor 
langen Jahren, vor Allen von L. Boss 2 beobachtet und mitge- 
teilt worden ist. Aber mit Hecht hebt schon Boss hervor 1 , 
dass weitere umfassende Beobachtungen von Nöten seien, um 
das Vorherrschen bestimmter Grabgebräuche in den einzel- 
nen Perioden mit Sicherheit zu erweisen Er ist bis auf die Neu- 
zeit der einzige geblieben, der auf Grund eigener Anschauung 
die griechischen Gräber einer systematischen Behandlung un- 
terzogen hat. Begreiflicherweise leiden seine Arbeiten noch un- 
ter der Unsicherheit chronologischer Bestimmung. Hier haben 
wir inzwischen festen Boden gewonnen und es erwachst uns 
daher die Pflicht, die einzelnen Epochen an dem Befunde der 
griechischen Gräber festzustellen und von einander zu schei- 
den, wo Boss seine Beobachtungen nur zeillos oder als schein- 
bar für den ganzen Verlauf der Antike gültig gab. 

Da an der Stelle unserer Nekropole kein Fels ansteht, sind 
in den Felsen getriebene Schachtgräber, wie sie an anderen 
Stellen Attikas in grosser .Menge gefunden werden, nicht vor- 
handen. Die Art der Gräberanlage im Allgemeinen richtet 



1 Vgl. die Ausführungen in dem Vortrage Arcb. Anzeiger 1892 9. 21 . 

2 Archäologische Aufsatze I S. 1-72, 

3 Ebenda S. CG. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 157 

sich naturgcmäss nach der Bodengestaltung. Die Gräber von 
Myrina sind in den weichen Kalkstein getrieben, aus welchem 
der Boden der Nekropole besteht; in Megara Hyblaea finden 
sich nur da Erdgräber, wo die Erde höher auf dem Felsen 
aufliegt u. s.w. In unserer Gräberstätte sind sämtliche Grä- 
her Erdschachtgräber. 

Wir zählen zunächst die verschiedenen Arten von Graban- 
lagen, welche wir beobachtet haben, auf. 

I. Brandgräber. 

Unter ihnen sind zwei Arten zu scheiden. In dem einen 
Falle ist der Tote im Grabe selbst verbrannt worden, im an- 
deren enthält die Grube nur den Behälter mit den in ihm ge- 
borgenen verbrannten Knochen. 

Für die äussere Herrichtung des Grabes und den Yerbren- 

numjsnrocess im ersten Falle liess sich nun Folgendes feststel- 
lt l o 

len. In die Erde wurde ein Schacht gegraben, welcher bei ei- 
ner durchschnittlichen Länge von 1,90'" und einer Breite von 
80-100 cul eine Tiefe bis über 3 m hat; vgl. bes. Grab 27 des 
Planes auf Tat 7 und die Gräber von Velanidesa und Yurvä '. 
Die Tiefe ist indessen nicht immer genau zu bestimmen, da 
die oberen Bänder des Grabes oft durch spätere Gräber zer- 
stört worden sind. In den Boden ist namentlich bei den ar- 
chaischen Gräbern (vgl. Tat 7, 1.92) eine etwa 10"" breite 
Binne eingeschnitten. Solche Binnen wurden besonders häu- 
fig in Velanidesa und Yurvä beobachte! und dienten dazu, 
wie bereits erkannt worden ist, zur Erleichterung des Ver- 
brennungsprocesses dein im Grabe aufgestapelten Holze Luft 
zuzuführen. Denn dass der Tote wirklich innerhalb des Gra- 
bes verbrannt worden ist. nicht auf einem Brandplatze, be- 
weist vor Allem der Umstand, dass in manchen Fällen die 
noch erkennbaren Knochen in ihrer richtigen Ordnung lagen. 
Ausserdem kann die auf di'\~ Sohle des Grabes befindliche 
tiefe Aschenschicht nur durch einen starken Brand erklärt 



1 Athen. Mitlb. XV 8. 318-329. AsXtfov 1890 8. I0J 11. (YiiiWn. lS'.m s. 
16 ff. (Velauidösa). 



158 A. BRUECKNER UND E. PERXICE 

werden. Sie betrug zuweilen über - 20' m und ist bei den älteren 
Gräbern von Vurvä noch bedeutend tiefer. Auch die Wände 
der Grabscbachte trugen bis oben bin starke Brandspuren. 
Über die Möglichkeit einer totalen Verbrennung der Leiche 
mit einem verhältnissmässig geringen Aufwände von Holz 
verdienen die Ausführungen von Olshausen ' verslichen zu 
werden. Die Einzelheiten des Verbrenn ungsprocesses entzie- 
hen sich der Beobachtung. Nur zeigen die vielfach gefundenen 
Scherben \on verbrannten Tellern, thiss man während der 
Verbrennung spendete und die Teller sodann in das Grab warf. 
Das Verhältniss dieser Grabanlagen zu den übrigen Gräbern 
lässt sich für Athen bei der im Ganzen geringen Anzahl von 
beobachteten Fällen noch nicht feststellen. Es muss indessen 

hervorgehoben werden, dass sie gerade in Attika Verhältniss- 
en ~ 

massig häufig beobachtet wurden 2 . Denn in Tanagra zum Bei- 
spiel erwähnt Eolling 3 unter etwa 60 Gräbern nur ein einziges 
Brandgrab. Auch in Myrina 4 sind keine eigentlichen Brand- 
gräber gefunden worden: die Bestattung durch Verbrennung 
im Grabe ist dort nie üblich gewesen. Ebenso wenig hat diese 
Sitte in Megara Hyblaea 5 bestanden. Eine Ausnahme bildet 
dort zwar das mit Nr. 69 bezeichnete Grab, es gehört aber 
dem IV. -111. Jahrhundert an und hat, charakteristisch genug, 
als Beigaben Gelasse attischer Fabrik. 

Die zweite Art der Leichenverbrennung ging nicht im Grabe 
selbst, sondern auf einem besonderen Brandplatze vor sich. 



< Zeitschrift für Ethnologie 1892 S. 137. 

2 In Eretria, dessen Gräber vielfach genau mit den altischen überein- 
stimmen, sind Brandgräber nicht selten, vgl. Tsundas 'E?7]p.epi« äp/_. 1886 
S. 39. 

3 Es lioui uns der bandschriftliche Bericht vor, aus welchem einige Ab- 
schnitte bei Kekule, Griech. Thonfiguren aus Tanagra 8. 11 ß. abgedruckt 
sind. Kr bildet eine wertvolle Ergänzung zu Haussoullier's Schrift Quomodo 
sepulcra Tanagr.ri decoraver int. Nach Haussoullier ist übrigens die Verbren- 
nung in Tanagra bäuGger. 

* Vgl. Pollier- Reinach, La nioropole de Myrina. 

5 Über diese Gräber geben die reichhaltigen Berichte von Orsi {Monumenti 
dei Lincei 1 6. Gö'J ff.l erwünschte Auskunft. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 159 

Dass solche in der Nähe einer jeden grösseren Begräbnisstelle 
angelegt waren, scheint zwar nirgends in der Überlieferung 
erwähnt, muss aber selbstverständlich angenommen werden. 
Eine Verbrennung an irgend einem beliebigen Platze des 
Friedhofs verhinderte schon die Rücksicht auf die Grabmonu- 
mente. Bei der zuletzt vorgenommenen Ausgrabung waren wir 
in der glücklichen Lage, einen ßrandplatz mit voller Sicherheit 
feststellen zu können (vgl. den Plan Taf. 6,2). Über die sämt- 
lichen Gräber der westlichen Ilälfle des Feldes hinwegzieht 
sich eine mit Holzkohlen vollständig durchsetzte Erdschicht, 
deren wie es scheint kreisrunde Grenzlinie in dem Plane an- 
gegeben ist. Die Höhe der Schicht wechselt. Sie beginnt etwa 
2 y.," 1 unter dem heutigen Boden und hat eine Dicke von 1- 
1 7/," 1 - welche nach dem äusseren Bande zu abnimmt. In der- 
selben fanden sich vorzugsweise Beste von Tellern und Lam- 
pen, unter ihnen Stücke, welche noch in das vierte Jahrhun- 
dert gehören können. Da die Schicht von Gräbern nicht durch- 
stochen zu sein schien, wird man annehmen, dass sie jünger 
ist, als die unter ihr liegenden Gräber, welche somit späte- 
stens in das Ende des IV. Jahrhunderts fallen. 

War der Tote verbrannt, so wurden die Knochen gesam- 
melt und in einem Gefässe beigesetzt. Die äussere Form des 
Schachtes und seine Herrichtung war selten zu ermitteln, denn 
meist sind die Ostotheken von uns nicht eben tief unter der 
antiken Erdoberfläche aufgefunden worden. Nur in einem 
Falle. (Grab \ . s. gleich weiter unten S. 160) ist ein tiefer 

Grabschacht von quadratischer Form gegraben worden. In 

i ~ , 

allen Fällen standen die Urnen aufrecht in der Erde. Die mei- 
sten derselben sind aus gewöhnlichem groben Thon herge- 
stellt. Selten findet sich ein aussen gefirnisstes Stuck darun- 
ter, die grössere Zahl weist nur einen oder zwei Firnisstreifen 
am Bauche auf. Es sind zumeist tiefe, nach unten sich etwas 
verjungende amplnirenart ige Gelasse mit weiter Öffnung, wel- 
che durch einen flachen, zuweilen reicher ornamentirten De- 
ckel geschlossen wird (Höhe 2 0-3 ö*"). Seltener, weil bei dem 
engen Hals weniger geeignet, scheint die Hydriaform für diese 



160 



A. BRUECKNER UND E. PERNICE 



Zwecke benutzt worden zu sein. Einige Formen sind auf Taf. 
9. 2-'. abgebildet. 

Zwei Gräber dieser Art verdienen eine eingehende Bespre- 
chung. Das eine derselben Grab \ Tal'. 7 besieht aus einem cylin- 
derförinigen Behälter aus weissem Kalkstein mit flachem Deckel 
aus ebendemselben Material (s. d. beistehende Abbildung Fig. 
32). In diese hinein ist ein zweihenkeliges Gefäss aus sehr 
dünner, bei der leisesten Berührung brechender Bronze ge- 
setzt; die obere weite Öffnung war nicht besonders geschlos- 




QillJh "■ V- Wr, 1 S I 










Fig. 32 



sen. In dieser Bronzekalpis lagen die verbrannten Knochen. 
An ihnen liess sich eine ehemalige Leinewandumhüllung mit 
voller Sicherheit feststellen. 

Lehrreicher noch ist die Bronzekalpis Nr. 22 Taf. 6,2. Sie 
wurde in der Erde stehend gefunden ohne steinernen Schutz. 
In dem sie umgebenden Erdreich kamen aber alsbald vielfach 
kleine und grössere Holzrestchen zum Vorschein, ausserdem 
fanden sich Nägel und Nagelköpfe an 5-6 Stück. Danach war 
ersichtlich, dass das Gefäss in einen Holzkasten eingelassen 
worden war. Dass derselbe viereckig war, ergab sich aus ei- 
nem kleinen Stückchen eines Falzes von einer Ecke des Ka- 
stens. Dem vergänglichen Materiale der Umhüllung entspre- 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 161 

cliend war die Bronzekalpis oben durch eine aufgelötete Blei- 
platte, die sich nur mit Mühe lösen Hess, fest verschlossen ; 
die vier am oberen Rande sitzenden Henkel waren von ihr 
verdeckt. Die Kalpis hatte eine fast kugelförmige Gestalt; lei- 
der zerbrach sie bei dem Versuche der Hebung. Ihre Tiefe 
betrug etwa 25 cm . Sie enthielt ausser den verbrannten Knochen 
eine kleine Lekythos von 1 i™ Höhe mit schwarzer Epheu- 
ranke auf gelbem Grunde; über der Hanke liegt oben und un- 
ten schwarzes Strichmuster. Lekythen mit dergleichen flüch- 
tigen Zeichnung wurden so durchgehend in Gräbern gefun- 
den, dass man nur im Allgemeinen sie dem V. und IV. Jahr- 
hundert zuteilen konnte. Spuren von Leinewand glaubt man 
auch hier an den Bronzefragmenten zu bemerken ; sicher ist 
das jedoch nicht. 

Gefässe mit verbrannten Knochen sind in den meisten bis- 
her aufgedeckten Nekropolen der antiken Welt gefunden wor- 
den, mit geringen Abweichungen von der Sitte an unserer 
Gräberstätte, wie sie vor Allem schon die geologische Beschaf- 
fenheit des Begräbnissplatzes hervorbringt. So steht in Euböa 
das bronzene Gefäss in einem runden mit Marmordecke] ge- 
schlossenen Loch, welches in den Felsen getrieben ist, und in 
den weichen Tuff sind die zahlreichen viereckigen Löcher ge- 
schnitten, welche die Rnochengefässe in Myrina bergen. 

11. Bestattungsgräber. 

Wir teilen sie ein in einfache Schachtgräber, Särge aus 
Tlion und steinerne Särge. 

Bei der ersten Gattung lagen die Gebeine des Toten dem 
Anscheine nach ungeschützt auf der Sohle eines in die Erde 
gegrabenen Schachtes. Die Länge des Schachtes beträgt bis 
2,20 m ,die Breite bis 1,30'". Die wechselnde Grösse des Schach- 
tes entspricht dem höheren oder niederen Alter des Verstor- 
benen. In allen Fällen war aber die Grube um ein Beträcht- 
liches weiter, als nach Ausweis des Skeletts für den Leich- 
nam selbst erforderlich war. Die Tiefe der Schachte beträgt 
bis über 2 Meter. Grab 3 Tai'. 7 ist 2,10'" tief, Grab b7 
erreicht sogar 2,05"' und Grab 98 2,50'". Dagegen Heut 



162 A. BRUECKNKR UND E. PERNICE 

Grab 49 nur ein Meter unter der antiken Oberfläche und 
ebenso Grab 44. Die Wunde des Grabes fanden wir in einem 
Falle mit einer feinen Stuckschicht bekleidet 1 . In einem an- 
dern Falle war die Grabsohle mit kleinen Steinchen w ie ge- 
pflastert (Grab ?6 Taf. 6, '2). Noch zu erwähnen wegeD einer 
Eigentümlichkeit in der Anlage sind zwei Erdsräber 175 und 
178 (nicht im Plane). In beiden Gräbern fanden sich näm- 
lich viele grössere Steine und es stellte sich allmählich her- 
aus, dass diese Steine ursprünglich als abdeckendes Pflaster 
dicht nebeneinander gelegen hatten Zwischen ihnen und dem 
Skelett folgte zunächst eine etwa 30 cm starke Erdschicht. 
Nachdem man den Schacht mit Erde angefüllt hatte, wurde 
die Oberfläche des Grabes, vielleicht zur weiteren Ausschmü- 
ckung durch nebeneinander gelegte Steine kenntlich gemacht. 
Grab 175 ist auch inhaltlich von Interesse, während 178 nichts 
Bemerkenswertes enthielt. 

Unter den Gräbern der zweiten Art ist zu scheiden zw ischen 
eigentlichen Särgen und Gelassen, in welche die Leiche un- 
verbrannt gelegt wurde. 

Ein Blick auf den Plan lehrt, um wieviel schmaler und 
kürzer die Särge aus Thonziegeln sind als die Erdschachte 
der vorhergehenden Gattung. Diese Bestattungsart erforderte 
eben nicht mehr als eine Grube der Länge und Breite des 
Leichnams entsprechend. In diese wurde er hinabgelassen und 
sodann von oben mit Ziegelplatten bedeckt. Die beiden Haupt- 
typen dieser Gräber veranschaulichen die Abbildungen 2 bei 
Stackeiberg, Gräber der Hellenen Taf. 7. Die Ziegelplat- 
ten sind entweder gerade oder gebogen und dachartig gegen- 
einander gelehnt. Dass sie nicht besonders für den Grabge- 



1 Vgl. Haussoullier, Quomodo sepulcra Tanagrsx decoraverini 8. 64 Anm. 
1, wo für den Kerameikos ähnliche Gräber angeführt werden. 

2 Danach bei Durm, Baukunst der Griechen 's. 243. - S. 353. Die eine 
der Abbildungen i>i insofern unrichtig, als es den Anschein hat, als ob die 
Lage der Ziegel ••ine doppelle sei. Weiden für dir Langseile eines Grabes 
viele Platten verwendet, so schieben sie sich leichl von selbst übereinan- 
der, wie wir vielfach beobachten konnten. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 163 

brauch gefertigt, sondern ursprünglich als Dachziegel ver- 
wendet oder wenigstens zu solcher Verwenduno; bestimmt wa- 
ren, beweist der Umstand, dass auch vorn und hinten der 
Verschluss durch eine grosse Ziegelplatte hergestellt ist, nicht 
durch eine, welche genau in den Ausschnitt der schrägen Zie- 
gel hineinpasst. Eine Unterlage unter dem Leichnam ist in 
der Hegel nicht vorhanden. 

Für Kinderleichen (vgl den Plan Taf. 7 Nr. 15. 32. 33. 60. 
86) hat man. vielleicht da Dachziegel von entsprechender Klein- 
heit nicht üblich waren, längliche Wannen benutzt. In eine 
legte man die Leiche, eine zweite meist etwas niedrigere, aber 
genau auf die untere passende, wurde darauf gestülpt '.Wenn- 
schon wahrscheinlich ist. dass die Wannen auch im tätlichen 
Leben als Waschtröge verwendet wurden, legt andererseits das 
vielfach genaue Aufeinanderschliessen der oberen und unteren 
Wanne die Vermutung nahe, dass wenigstens ein guter Teil 
für das Be^räbniss hergestellt wurde. Gräber, den unsri^en am 
ähnlichsten, sind in Eretria, Sparta und besonders in Tanagra 
zum Vorschein gekommen. Ob die Ziegel der Gräber in den 
beiden erstgenannten Orten ursprünglich einen anderen Zweck 
hatten, als den Toten zu bedecken, wird aus den Fundbe- 
richten nicht klar. In Tanagra aber verwendete man Dachzie- 
gel genau so wie in Athen. Dort wurden die gleichen Wan- 
nen zur Beerdigung von Kindern benutzt, welche wir auch 
gefunden haben. Im Museum der archäologischen Gesellschaft 
zu Athen befinden sich einige oben mit altertümlicher Relief- 
pressung versehene Tröge 2 von Thon aus Tanagra. welche als 
Särge gedient haben, und an der einen Ecke unten ein Ab- 
flussloch haben, nicht wie Ilaussoullier meint, t/no posset 
(ujuti effiliere quae mortuum feedasset (S. 65), sondern man 
bedurfte des Abflusses, solange man sich dvv Tröge im lau- 
liehen Leben bediente. 



1 Ein Beispiel solcher Ziegelwannen bei Stackeiberg, Gräber Tafel 8= 
Durm ' 8. 243. - 8. 353, ein anderes bei Pottier-Reinacb, Afccropotocb Ma- 
rina 8. 70 Fig. 1i. 

- Vgl, dazu Bull, de curr. hell. 1888 8- 508, 



164 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

Die zweite Art der Thonsärge bilden längliche Ampho- 
ren. Diese Bestattungsweise ist in der spateren Epoche nur 
bei Kindern üblich gewesen. Kein einziges Gefäss ist in völlig 
intaktein Zustande zum Vorschein gekommen. Ausserdem 
wurden sie nie stehend gefunden, sondern stets auf der Seite 

liegend, dieselbe Erscheinung, die sich bereits bei den Gefas- 
el ' »- 1 

sen aus der Dipylonzeit zeigte (Grab X. XIX). So berührte die 
Erde den Leichnam nicht unmittelbar und zugleich lag der 
Tote. Zuweilen wurde die Amphora vorn durch eine Platte 
\on Schiefer oder Thon noch besonders verschlossen. Der Hals 
der Gefässe ist eng, enger in den meisten Fällen, als dass man 
die Leiche und die Beigaben durch die obere Öffnung hätte 
hineinbringen können. Diese Schwierigkeit, deren Erklärung 
lange Zeit nicht gelang, löste sich erst bei der Auffindung der 
Amphora 19 des Planes Taf. 6,2. In dieselbe ist nämlich in der 
Mitte des Bauches ein grosses Loch hineingeschlagen wor- 
den, gross genug, um den Leichnam des Kindes hinein zu 
bringen. Dies Loch ist sodann bei der Beerdigung mit einer 
anderen Scherbe bedeckt worden. In zwei Fällen lagen zer- 
brochene Dachziegel über dem Bruch der Amphora. War so 
das Gefäss schon beim Begräbniss zerbrochen, dann gelang es 
der nachdringenden Erde leicht, es vollends zu zerstören. Wir 
erwähnen an dieser Stelle die thönerne Amphora der atheni- 
schen archäologischen Gesellschaft (In v. 1427), welche vor- 
trefflich veranschaulicht, wie man ein solches Gefäss zum 
Zweck der Bestattung herrichtete. Am Bauche ist nämlich ein 
grosses quadratisches Feld tief umritzt; dieses sollte heraus- 
geschnitten werden, und alsdann durch die Öffnung die Lei- 
che gezwängt werden. Die Amphora ist indessen nie hiezu 
benutzt worden. 

Steinerne Sarkophage haben wir besonders zahlreich im 
Hechteck B des Planes Taf. 7 aufgedeckt. Die Tiefe, in welcher 
sie gefunden wurden, ist wie hei den übrigen Schachtgräbern 
verschieden. Grab 21 des Planes Taf. 7 liegt nur 3Ü fm unter der 
antiken Oberfläche (vgl. unten), Grab 36 dagegen 2,30"'. Je- 
denfalls waren alle von uns beobachteten Sarkophage von 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF i 65 

vorn herein bestimmt, in die Erde eingelassen zu werden, nicht 
über der Erde zu stellen. Boss glaubte noch von keiner Lar- 
nax, die er unter der Erde fand, dass sie an ihrem alten Platze 
stände, sondern dass sie erst später unter den Boden gekom- 
men sei. Es war eben das Vorrecht des Wolhabenden, seine 
irdischen Überreste in einer Umhüllung von dauerhaftem, 
aber auch kostspieligerem Materiale bergen zu lassen. Die 
Sarkophage sind entweder aus Marmor-oder Porosplatten her- 
gestellt ; die sehr sorgfältig geschnittenen Platten schliessen 
meist fest aneinander. In einem Falle bestand der Sarkophag 
aus einem einzigen Porosblock. in einem anderen aus einem 
Marmorblock, der innen ausgehöhlt war. Die Länge der Sar- 
kophage ist sehr beträchtlich, ebenso ihre Höhe; die von uns 
beobachteten sind stets über 2" 1 lang, bis 1 , 5 m hoch, den 
Deckel und die Bodenplatte eingerechnet. 

Beschreibung einzelner Gräber. 

Der Inhalt der Brandgräber ist in den meisten Fällen durch 
das Feuer zerstört worden. Indessen liess sich feststellen, dass 
für die Brandgräber der ersten Art die Beigaben dieselben 
waren, wie für Bestattungsgräber. Unkenntliche Reste von 
Metallgegenständen wurden mehrfach aufgefunden. Die Le- 
kythen sind fast alle in Folge der Hitze geplatzt und ihre Be- 
malung nur in seltenen Fällen deutlich. 

Grab 3'» (Taf. 6.2). Zwischen den Kohlen der Brandschicht 
beträchtliche Beste von Weinreben. Ausserdem 1(J sf. Leky- 
then. Von diesen waren 2 ungefähr je 30"" hoch, die übri- 
gen nach der Mündung zu schliessen etwa 1^-20™'. Die schwer 
erkennbaren Darstellungen weisen besonders Scenen mit Krie- 
gern und Wagen auf. die eine der beulen grossen gleichfalls 
eine Kampfscene, dabei Frauen u. s. w Die Figuren sind be- 
sonders gross gezeichnet. 

Grab 12 (Taf. 6,2). Zwischen den Kohlen der ßrandschicht 
viele verbrannte Weinreben. Scherben von etwa 3 \ erbrann- 
ten sf. Lekylhen. 



1Ö6 A. BRUECKNER UND E. PERNICEi 

Grab 8 (Taf. 6, '2). Ein zerbrochener Teller mit s. Kreisen, 
eine Schale, eine Lekythos mit s. Figuren. 

Grab 93 (Taf. 7). Erkennbar war hier, dass der Kopf am 
Nordende des Grabes gelegen halte. Einige Lekythen in Scher- 
ben an diesem Ende, die meisten zu Füssen des Verstorbenen. 

Grab 51 (Taf. 7). Zwei verbrannte Lekythen in Scherben, 
eine verbrannte wurde intakt hervorgezogen. 

Grab 72 (Taf. 7). Enthielt Scherben einer beträchtlichen 
Anzahl von Lekythen. 

Für Grab 159 (nicht im Plane) notirten wir als Inhalt ver- 
brannte Scherben von etwa 20 -25 Lekythen mit s. Figuren, 
Ary ballen, Tellern u. a. 

Die Ostotheken sind gefüllt mit den vom Feuer meist schon 
zur Hälfte verzehrten Knochen; es sind dieser oft so viel, dass 
wahrscheinlich Knochen von Tieren, welche zugleich mit dem 
Toten verbrannt sind, in das Gefäss hineingeraten sind. Bei- 
gaben wurden fast nie gefunden. Das ist selbstverständlich. 
Denn von dem Brandplatze, auf welchem der Tote mit dem 
ganzen Apparate verbrannt wurde, sammelte man eben nur 
die Gebeine des Verstorbenen auf, nicht die Scherben der von 
der Hitze geplatzten Lekythen. Möglich ist jedoch, dass von 
den in nächster Nähe der Aschenurne gefundenen Väschen 
eines oder das andere mit jener zugleich in die Grube gelegt 
wurde. 

In unserem Gräberfelde reichten die Brandgräber bis in 
das VI. Jahrhundert nach Ausweis der darin gefundenen Ge- 
wisse. Sie fanden sich aber auch noch in der Anschüttung des 
IV. Jahrhunderts (vgl. oben Kapitel I). Der Inhalt der Osto- 
theken giebt über ihr Alter leider keinen Aufschluss. Wir 
verweisen daher auf die Bronzeurne mit den verbrannten Kno- 
chen aus der Dipylonzeit Auch die archaische Burgonvase 
(Jahn, Vasensammlung in München S. lxxxv Anni. GUÜ) ist 
als Aschengeläss benutzt gewesen. Die SiLle, die Knochen ver- 
brannter Leichen in Gelassen beizusetzen ist so alt, wie die 
Verbrennung der Leichen in den Gräbern selbst. 

Die Erdschachtgräber sind im Ganzen nicht sehr reich aus- 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 167 

gestattet. Wir beginnen bei unserem Überblick mit einigen 
der besten. 

Grab 87 (Taf. 7). Der Schädel befand sich am östlichen 
linde des Grabes, die Zähne, in sehr gutem Zustande, waren 
fest aufeinander geschlossen, die Augenhöhlen nach oben ge- 
richtet. Noch oberhalb das Kopfes fand sich ein dünner bron- 
zener Spiegel ohne Griff und dicht daneben ein dazugehöriger 
Bronzering. Auf dem Spiegel waren auf beiden Seiten viele 
Reste von Linnenstoff bemerkbar; offenbar hatte man den 
Spiegel so mitgegeben, wie man ihn im Leben nach dem Ge- 
brauch aufzubewahren pflegte. Neben dem Spiegel lag ein 
Stückchen roter Schminkfarbe in Form eines Stiftes, ausser- 
dem eine jetzt verlorene Lekythos mit. einfachem Ornament. 
Der Spiegel sowie die Schminke lehrt, dasa eine Frau in dem 
Grabe bestattet war. Zu Füssen fanden sieh zu nach sl auf der 
rechten Seite zwei Fragmente einer weissgrundigen Lekythos, 
deren Darstellung verschwunden war, sodann eine deckellose, 
mit aufgemaltem Eierstab verzierte Pyxis, zur Hälfte mit ei- 
ner gelblichen ziemlich weichen Substanz gelullt, welche mit 
Sicherheit als Pomade erklärt wurde, daneben ein kleiner 
Napf und eine schwarz gefirnisste Schale Zur Linken lagen 
die Fragmente eines kleinen alabasternen Gefässes (äXzSa- 
oiTpov), zwei in einander gestellte Schalen und eine kleine rot- 
figurige Kanne mit Resten von Vergoldung (Höhe 1 l 1 " 1 ). Auf 
ihr ist ein Eros mit mächtigen Flügeln, im Begriff auf einen 
Wagen zu steigen. In den Ilaaren trägt er einen Kran/.. Der 
Wagen ist mit zwei zierlichen Maultieren bespannt, deren ei- 
nes den Kopf auf den Hals des anderen legt. Vo.r ihnen steht, 
sie anschirrend, ein zweiter kleinerer Eros mit goldener Binde. 
Die Arbeit ist recht sauber und gehört der Wende des fünften 
Jahrhunderts an (vgl. AeVciov xzy . 1892 S. 11 Nr. 32). 

Reicher war das Grab 33 i Taf. 6, 2 i des letzten A.usgra- 
bungsschachtes. Der Schädel, welcher an der Ostseite dei 
Grabes sich befand, lag auf der rechten Seite. Zur Beeilten 
der Toten — denn ein Fraueograb ist auch dieses — lasen auch 
die meisten Beigaben, in die linke Hand hatte man ihr ei* 



168 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

nen Spiegel gegeben von 1 \ , /./ m Durehmesser; auch an ihm 
konnte man im Inneren Reste von der linnenen Umhüllung 
bemerken. Der Griff, welcher unmittelbar an die runde Platte 
ansetzt und in dessen oberen breiteren Teil eine Palmette ein- 
geritzt ist, verläuft nach unten in einen Dorn, der mit Ilolz 
oder Elfenbein bekleidet gewesen sein wird. An der Stelle 
der rechten Hand lagen zwei Pyxides besonders feiner Zeich- 
nung, beide im Stile der ersten Hälfte des V. Jahrhunderts. 
Die eine derselben, deren ganz erhaltener Deckel mit einem 
Ornamenlband von feinen Palmetten bemalt ist, ist leider 
zum grossen Teil gänzlich zersplittert. Sie enthielt, soweit 
sich erkennen lässt, eine mythologische Scene. In einer Land- 
schaft, welche durch einen Baum angedeutet ist, sitzt ein 
Greis mit Scepter, auf welchen mehrere Frauen zueilen ; hin- 
ter ihm steht eine Frau , in höchster Bewegung die Arme 
ausstreckend — offenbar ein Teileines Frauenraubes ( Peleus 
und Thetis?). Die zweite ist etwas kleiner und ohne Deckel. 
Sie zeigt eine durchaus singulare Darstellung des Parisurteils. 
Auf reichem Sessel sitzt Aphrodite, mit hohem Diadem, lang 
bekleidet nach rechts gewendet. In den vorgestreckten Hän- 
den hält sie ein Schmuckband. Das Scepter ist an ihre linke 
Schulter gelehnt. Zu ihren Füssen befindet sich ein Schwan. 
Von rechts fliegt Eros heran mit Kanne und Schale. Rechts da- 
von sitzen einander gegenüber auf einfachen Stühlen Athena, 
langgekleidet mit Helm, Lanze und Agis,und Hera gleichfalls 
langgekleidet und mit kleinem Diadem und Scepter. Beide 
haben Schalen in der einen Hand. Links von Aphrodite sitzt 
eine männliche Figur, Paris, von vorn gesehen, aber jener das 
Gesicht zuwendend. In der Linken hält er die Lyra, die er auf 
das Knie stützt, in der Rechten das Plektron. Diesen beiden 
besten Stucken hat man gew iss nicht ohne Absicht einen her- 
vorragenden Platz gegeben. Die übrigen Stücke sind von ver- 
schiedenem Werte. Wir zählen sie von den Füssen beginnend 
kurz auf. Rechts: 1) Lekythos.hoch 13 [ j™,\or\ schwerer Form, 
ganz schwarz gefirnisst. 2) Lekythos.hoch 16 cni ,vvie 1. 3) Le- 
kythos, hoch 12 1 / 2 cn '. schwarze feine Umrisszeichnung auf weis- 



EIN' ATTISCHER FRIEDHOF 169 

sem Grunde. Athena von vorn, nach rechts blickend, im Haare 
ein Diadem, über dem langen Gewände die Ägis. Mit der 
Linken stützt sie sich auf den Speer. Links an der Erde liegt 
Schild und Helm. 4) Lekythos, 17 ^""hoch, schwarze Palmet- 
ten auf weissem Grunde. 5 Lekythos, hoch 1 1 ] /. cm ,\\\e 1. Ober- 
halb der Hand : 6) Lekythos, 1 b" '/,"■ hoch, schlank mit doppel- 
ter Halsteilung, flüchtige schwarze Zeichnung auf rot. Eine 
Frau steigt auf ein Viergespann ; vor demselben sitzt eine an- 
dere. Eine dritte steht neben dein Wagen. 7) Lekythos, 16 cm hoch, 
mit schwarzen Palmetten flüchtig bemalt. 8) Lekythos, 1 5 cm hoch, 
schwarze Palmetten mit Ritzung auf weissem Grunde. Zwischen 
den Füssen : 9) Lekythos, hoch '20 cra leidlich gute s. Umrisszeich- 
nung auf weissem Grund. Frau mit Haube nach rechts, in 
beiden vorgestreckten Händen einen Schmuck haltend, hinter 
ihr ein Stuhl. Links zu Füssen: 1U) Lekythos wie 6. 1 7 cm hoch, 
flüchtige schwarze Zeichnung, Viergespann, auf welches eine 
Frau steigt; vor und neben dem Wagen drei andere Frauen. 
1 1) Lekythos wie 6. 15 '//'"hoch. Flüchtige Zeichnung Derselbe 
Gegenstand wie 6, nur vor den Pferden ein sich umwenden- 
der Mann. Oberhalb der Hand: 12) Lekythos etwas bauchiger 
Form, ll cm hoch. Rote Zeichnung auf s. Grunde. Sitzende Eule 
zwischen zwei Ölzweigen ; darüber Mäanderornament. Aus- 
ser diesen Lekythen wurde neben der letztgenannten Leky- 
thos ein Alabastron gefunden, welches eine besonders aus Sil- 
ber angesetzte Mündung zeigte, dicht dabei lag ein kleines zier- 
liches ziemlich tiefes Löffelchen aus eben demselben Material, 
mit welchem man dem Alabastron seinen Inhalt entnehmen 
sollte. Unterhalb des Kopfes in Brustgegend kam ein Stück- 
chen roter Farbe heraus, wol Schminke, wie bei dem vorigen 
Grabe. Endlich fanden sich zwei grosse glockenförmige Na- 
gelkuppen aus Bronze von guter Arbeit. Die innen steckenden 
Nägel können wegen ihrer geringen Dicke nicht gedient ha- 
ben, starke Bretter, etwa die des Sarges, zusammenzuhalten. 
Sie rühren von einem Schmuckkasten her, welcher zerfallen 
ist; dazu passt die Form des Kopfes. Der eine dieser Nägel 
lag bei der Brust, der zweite mehr zu Füssen. Die Lek\tht>n 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 12 



l.ii A. Ulil'Ee.KNER UND E. PERNICE 

mit der doppelten Hälsteilung sind einander so ähnlich, dass 
sie offenbar ans derselben VVerkstatl kommen. 

Grab 26 Tal'. 6,2). Der Schädel lag am Ostende. Ihm zur 
Seite 3 Lekythen : h Mit doppeller Halsteilung.hoch l8 cm .Sehr 
Qüchtig schwarz auf rol . \\ agenscene. 2) I loch I 7"". Sehr flüch- 
tig schwarz auf rot. Frau nach rechts laufend, sich umblickend. 
3) Hoch 20 cn \ etwas besser. schwarz auf rol Nike, in den Mün- 
den eine Binde. In (\vv Höhe der Hand: i) Lekvlhos wie 1, 
hoch IS'/, ™. 5) Lekvthos. hoch 1 8 y.™ schwarz auf rot, Frau 
mit Binde in den Händen, dahinter Säule. 6) Lekythos, hoch 
23 CU1 . Flüchtige s. Zeichnung auf weissem Grunde. Aul' einem 
Sessel sitzend spielt eine langbekleidete Frau die Doppelflöte; 
vor ihr tanzen zwei Jünglinge in kurzem Gewand, in den 
Händen tragen sie Krotalen. Hinter ihr tanzt eine langgewan- 
dete Frau; neben ihr ein Schwan. 7) Ar\ hailos. hoch I2 cm , dar- 
auf zierliches Rautenmuster. Auch in diesem Grabe fanden 
sich zwei bronzene Nagelkuppen von Halbkugelform, in de- 
ren) Inneren Reste von Holz erkennbar waren. Das Grab war 
also das einer Frau. In zwei anderen Frauengräbern, die als 
solche sich sicher herausstellten, landen wir einmal (Grab 
18.")) einen Spiegel und eine reich bemalte sf. Pyxis mit De- 
ckel, hoch 8 CI ". Auf dem Deckel bewegen sich von rechts fünf 
tanzende Frauen in langem Gewände auf einen Altar zu. Links 
von diesem sitzt eine Frau, welche die Doppelflöte bläst. Hin- 
ter ihr zwei Gelasse, aus deren grösserem eine Frau soeben mit 
einer Oinocboe geschöpft zu haben scheint. Hinter dieser Frau 
eine Säule. Auf der Büchse sitzt rechts von einer T hör eine Frau 
mit Kästchen in der linken, einem Schmuck in (\^v rechten 
Hand. Vor ihr steht eine andere Frau mit Kästchen, vor die- 
ser ein Sessel, sodann eine dritte Frau. Weiterhin spielt eine 
sitzende Frau Doppelflöte i'uv einen Jüngling, ilrv in kurzem 
Gewände vor ihr tanzt. Endlich links an der Thür eine Frau 
mit Toilellengrläss in der Hechten. An der Wand hängt Frau- 
engeräl I Spiegel, Alabastron u. s. w.). In dem zweiten Frauen - 
grab fand Bich ausser dem Spiegel ein Stift schwarzer Farbe 
/.um Karben der Augenbrauen ?), mehrere Rännchen und 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 474 

Büchschen. endlich eine Bronzenadel mit oberer blattförmiger 

< 

Verbreiterung, wol für die Haare bestimmt. 

Grab 24 (Taf. 6.2). In der Mitte des Grabes neben dem 
Skelett Reste von Holz, sowie mehrere sehr starke Nägel. Auf 
der rechten Seite zwischen Arm und Kopf vier Lekythen. auf 
der linken fünf Lekythen, eine Kanne und ein Napf. Rechts 
und links von den Füssen je eine Lekythos. Sämtliche Ge- 
tässe sind wertlos und gehören dem V.-IV. Jahrhundert an. 

Grab 16 (Taf. 6.2). Der Schädel auffallend nahe hei der 
Brust. Beim Kopf kleine Lekythos mit s. Palmetten. Bei der 
linken Hand grössere Lekythos mit s Palmetten auf vv. Grunde 
(3G cm hoch). Auch hier ein Nagel wie in Grab 24. 

Grab 163 (nicht im Plane). Sämtliche Beigaben lagen beim 
Kopfe. Es sind dies: 1) eine kleine thonfarhene Kanne mit 
schwarzem Firnisstreif ( Höhe 9 cm ). 2) Lekythos (Höhe15 cm ) 
s. Zeichnung auf r. Grunde: drei Reiter neben ihren Pf.rden. 

3) Lekythos (Höhe 15 cm ) s. Zeichnung auf r. Grunde: zwei 
Männer und zwei Frauen in Weinlaube lagernd. 4) Lekythos 
(Höhe 14 , /» cm ) s. Zeichnung auf r. Grunde: in der Mitte ge- 
lagerter Mann und Frau, rechts und links davon Mann auf 
Esel sitzend. 

Grab 98 (nicht im Plane). 1) Kleine rf. Lekythos flüchtiger 
Arbeit. Knabe nach rechts die rechte Hand erhebend ; vor ihm 
an der Erde ein Gegenstand. 2) Pyxis mit Deckel. Auf die- 
sem rf. sechs Frauen in verschiedenen weihlichen Beschäfti- 
gungen. 3) Kleine weissgrundige Lekythos ohne Darstellung. 

4) Schwarz gefirnisster Aryballos. 

Grab 53 (Taf. 7). Zwei Lekythen, weissgrundig. Auf bei- 
den Grabmäler, rechts und links davon stehende Jünglinge. 

Grab 96 (Taf. 7). Beim Kopf drei Lekythen. 1) Schwarz ge- 
firnisst. 2) Um den Bauch s. Ranke auf r. Grunde. 3) Wie 2. 
In Brusthöhe zwei kleine Qinochoen. davon eine b. auf rotem 
Grunde einen männlichen Kopf zeigend, die andere mit s. Fir- 
nisstreifen. 

Für die letzten sechs Gräber sind wir nicht sicher, ob es 
Gräber von Männern oder Frauen sind. Grab 98 wird weijen 



172 A. BRUEGKNER UND E. PERNICE 

der Pyxis einer Frau angehören. Die übrigen grossen Gräber 
dieser Gattung lieferten keine oder so gut wie keine Fundge- 
gen stände. 

Kindergräber. 

Grab 75 (Taf. 7). Der Schädel Lag am nördlichen Fnde des 
Grabes auf der linken Seite. Als Beigaben landen sich meh- 
rere Terrakotten ohne ersichtliche Anordnung, wahrschein- 
lich Spielzeug: ein Vogel, eine Schildkröte, ein Affe nebst 
den Resten eines zweiten, eine kleine sitzende Figur, welche 
die Hände auf die Rniee legt. Hinzu kommt eine kleine Oino- 
choe, 9 cm hoch, mit leidlich feiner rotfiguriger Zeichnung vom 
Ende des V. Jahrhunderts: Knabe mit dem Spielrade, in der 
rechten Hand hält er ein Kännchen. Weiter eine Pyxis mit 
Deckel, 4 cm hoch, einfach schwarz gefirnisst, und eine Kanne von 
10 cm Höhe mit fluchtiger rf. Darstellung: Mädchen mit Gerät 
in den Händen nach rechts laufend. Schliesslich Reste von 
anderen kleinen Gelassen und weissen Lekythen und Stückchen 
eines kleinen Bronzegerätes (vgl. As^rtov äpy. 1892 S. 11 
Nr. 33). 

Grab 183 (nicht im Plane) enthielt als Beigaben ein klei- 
nes Gefäss in Amphoren form aus weissem Glas mit schwarzen 
parallelen Streifen und Zickzack ornamentirt ( Höhe 8 em ), ein 
ebensolches aus Thon, schwarz gefirnisst mit kleinen einge- 
pressten Palmetten und Mäander ( HöheS 01 "), endlich 10 kleine 
wertlose Lekythen, deren Identifikation nicht mehr möglich 
ist. Andere Kindergräher enthielten im Gegensatz zu diesen 
beiden Beispielen überhaupt keine Beigaben. 

Grab 175 (nicht im Plane vgl. oben S. 162). Mitten zwischen 
den Knochen des Skeletts, welches sehr gut erhalten war, lag 
eine gewöhnliche Schale ohne Dekoration, thonfarbig, nur 
aussen mit breitem Firnisstreifen versehen. In die rechte Hand 
hatte man dem Toten zwei Terrakottafigürchen gegeben, Schafe 
mit Resten brauner Farbe an den Köpfen ; daneben fand sich 
noch ein einfach s. gefirnisster Aryballos. Beigaben und Klein- 
heit des Grabes lassen auf ein zartes Aller des Begrabenen 
Hchliessen. Zu dem Grabe gehörte wahrscheinlich auch eine 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 173 

in der oberen Schicht gefundene kleine Figur aus Terrakotta, 
welche ein sitzendes Kind vorstellt. 

Zieselgräber. 

Grab 9 (Taf. 7). Kopf am nördlichen Ende des Grabes, die 
Arme an den Seiten. Zwischen dem linken Unterarm und 
dem Körper lag eine Lekythos mit schwarzen Figuren auf 
weissem Grunde, Satyr mit Manas tanzend. Zwischen den Bei- 
nen ein kleiner Aryballos mit kleinem rotfigurigen Bilde (nicht 
mehr vorhanden). Zwischen den Rippen fand sich eine bron- 
zene Stlengis. 

Grab 172 (nicht im Plane). Als einziger Inhalt kamen zwei 
weissgrundige wolerhaltene Lekythen hervor, welche sicher 
dem IV. Jahrhundert angehören. 1) Höhe 26 cm . In der Mitte 
steht ein Grabmal mit roten und blauen Binden geschmückt 
und von einer Palmette bekrönt, welche in das darüberlie- 
gende Mäanderornament hineinragt. Rechts vom Grabmal 
steht ein Mädchen. Von links kommt ein zweites in eiligem 
Schritt heran. 2) Höhe 28 cm . Dargestellt ist ein grosses Grab- 
mal ohne Palmette, mit vielen roten Binden geschmückt; 
darüber als Ornament Mäander. Auf der Schulter rote und 
schwarze Palmetten (wie auch bei der ersten Lekythos). 
Rechts vom Grabmal steht ein Jüngling in langem Gewände, 
links sitzt ein Mädchen. 

Grab 17 4 (nicht im Plane) enthielt an Beigaben nichts als 
eine kleine Lekythos mit schwarzer Zeichnung auf gelbem 
Grunde: ilhyphallischer Satyr, die Doppelflöte blasend, vor 
ihm ein Hund. Ihm folgt ein zweiter mit Thyrsos. 

Grab 166 (nicht im Plane). Gefunden wurde ein kleines 
Kännchen 1 1"" hoch mit schwarzem Xetzmusler auf rotem 
Grunde und aufgesetzten weissen Pünktchen. Ausserdem eine 
dünne bronzene Platte von 9,5 cni Durchmesser, vielleicht von 
einem Spiegel; wir hallen dann in dem Grabe ein Frauengrab 
zu erkennen. 

Grab 120 (nicht im Plane). Inhalt: eine schwarz gefirnisste 
schmucklose Lampe und eine kleine runde Bronzeplatte mit 
concentrischen Relielkreisen von irgend einem Gerät. 



174 A. BRUECKNER UND E. PERN1CE 

Grab 9 (Tat*. 6,2) enthielt nur ein Stückchen Bronze wol 
\on einer Stlengis. 

Von einem weiteren Grabe notirten wir, dass der Tote eine 
Terrakotta ( Frauenfigur mit spitzer Haube) in der Hand ge- 
halten hatte. Wenigstens lag die Terrakotta auf der Brust. 

Rindergräber. 

Grab 190 (nicht im Plane). Der Schädel und die Knochen 
des Skelettes waren so zerfallen, dass die Kopflage nicht mehr 
festzustellen war. Von dem einen Ende beginnend, fanden wir 
zunächst ein oben mit einem Sieb geschlossenes Tässcben, 
schwarz gefirnisst, welches zum Trinkgebrauch für ein ganz 
kleines Kind mit einer Röhre versehen war (vgl. Berliner 
Vasensammlung Tal'. 7, 249). Höhe 6 cm . Es folgte eine ein- 
henkelige s. gefirnisste Pyxis mit Deckel (Höhe 10 cm ), sodann 
ein kleines 8 cm hohes Gefäss in Amphoraform aus dunkel- 
blauem mit gelben und hellblauen Zickzackmustern verzierten 
Glas, die Henkelchen sind grün. Das beste Stück ist ein gros- 
ses Alahastron von Thon mit sehr feiner schwarzer Zeichnung 
auf weissem Grunde aus der Mitte des V.Jahrhunderts (Höhe 
18 cm ). Dargestellt sind zwei Frauen einander gegenüberstehend. 
Die zur Linken ist lang gekleidet und trägt eine Haube Mit 
der rechten Hand hält sie einen Zweig mit Äpfeln. An einen 
der Apfel fasst die andere. Auch sie ist lang gekleidet und trägt 
ein Diadem im Haar. Zwischen beiden steht ein hoher Korb, 
über welchem eine Binde hängt, dabei sinnlose Buchstaben. 
Das Stück macht einen erheblich älteren Eindruck als das 
nächste. Es ist das eine kleine sehr fein gezeichnete rotfigurige 
Oinochoe (Höhe 9 t/./" 1 ), welche als Bild ein Knähchen zeigt, 
das in beiden Händen ein Geläss trägt; hinter ihm ein Tisch. 
Neben dieser fand sich eine kleine Deckelpyxis ( Höhe 5 cin ), de- 
ren Deckel mit einer sitzenden rf. Eule bemalt ist. Sodann ein 
kleiner Aryballos mit rf. massiger Zeichnung eines in einen 
Mantel gehüllten Jünglings, welcher sich auf einen Stock stützt 
(Höhe 7 cm ). Schliesslich ein kleines Tässcben mit zwei hohen 
senkrecht stehenden Henkeln, ungelirnisst mit mehreren in 
rötlicher Farbe aufgesetzten Streifen (Höhe8 cm ). 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 175 

Grab 189 (nicht im Plane) liegt nicht weit davon. In die 
rechte Hand hatte man dem Leichnam ein kleines Gefäss aus 
blau und gelbem Glase in Amphoraform gegeben (Höhe 9 cai ), 
in der linken hielt er ein kleines Alabastron (Höhe S cm i. Zu 
Füssen lagen vier Süchtig mit schwarzen Palmetten bemalte 
Lekythen und ein kleines 6 '// m hohes schwarzbraun gefir- 
nisstes einfaches Kännchen. 

Grab 168 (nicht im Plane). Der Schädel lag am nördlichen 
Ende des Grabes ; daneben eine kleine zweihenkelige Tasse 
( Höhe ß l / ,m ) m ' 1 m>1 ' flüchtigen schwarzen Zeichnung je ei- 
nes Satyrn zwischen zwei Palmetten auf gelbem Grunde. Zu 
Füssen wieder vier Lekythen 11-13"" hoch, welche samtlich 
schwarze Palmetten auf weissem Grunde zeigen, zwei Tassen 
einlach schwarz gefirnisst, endlich eine tadellos erhaltene 
schwarz gefirnisste Py.vis mit den geringen Resten von klei- 
nen Vogelknochen Man hatte also dem Kinde den Liehlinus- 
vogel mit in das Gral» gegeben. Line ganz analoge Erschei- 
nung bietet das Grab 6 des Planes Taf.6,2. Auch dort wurden 
mit Sicherheit Knöchelchen von Vögeln festgestellt, welche 
hier allerdings nicht in eine Pyxis eingeschlossen waren. Als 
Beigaben fanden sich im Grabe 6 ausserdem : eine kleine 
Oinochoe von (einer Zeichnung ( Höhe >8 l / , cm ) . ein Knabe, 
welcher sich auf einen kleinen Schemel stutzt, um ein vor ihm 
stehendes Gefäss zu erfassen; an (\ev Wand hängt ein Gerät. 
Oben rechts ist mit weisser Farbe flüchtig die Inschrift MIKIQN 
aufgesetzt. Das war wol der Name dvs Verstorbenen. Hinzu 
kommen zwei kleine schw arzgelirnisste Näpfe und eine zer- 
brochene ungefirnisste Tasse 

Gral» I 36 I nicht im Plane) gehörte wahrscheinlich dem An- 
fange des IV. Jahrhunderts an. Es einhielt zunächst einen 
kleinen schwarz gelirnissten Napf ohne Dekoration, sodann 
drei einhenkelige kleine Kännchen, ungefirnisst.mil roten Strei- 
fen bemalt. Fragmente einer kleinen thönernen Tierfigur, 
welche sehr bald ganz zerfielen : eine Pyxis aus hellem Thon, 
eine kleine zweihenkelige Tasse und endlich eine kleine rotli- 



176 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

surige Hydria, etwa 12 cm hoch, darauf in ziemlich flüchtiger 
Zeichnung ein Mädchen nach rechts laufend dargestellt. 

Neben dem Kindergrabe 135 (nicht im Plan) fand sich eine 
Cikade von Thon, wobei zu bemerken ist, dass es nicht si- 
cher ist, ob das Stück wirklich für das Grab berechnet war. 
In dem Grabe selbst lag nur die Mündung einer Lekythos, 
keine weiteren Fragmente derselben. Da die Wanne oben zer- 
brochen war, ist es wol möglich, dass die Lekythosmündung 
in das Grab hineingeraten ist, ohne wirklich dazu zu gehören. 
Ähnliche Fälle sind nicht selten. So wurde beispielsweise 
auch in dem Kindergrab 125 ein einziges Fragment einer 
sehr grossen Lekythos gefunden, welches sicher nicht von 
Anfang an darin gelegen hatte. Die Erde des Gräberfeldes ist 
so stark mit Scherben durchsetzt, dass Schuttmassen, welche 
in ein leeres Grab eindringen, stets solche mit sich führen. 

Das Grab 4 (Taf. 6,2) unterscheidet sich dadurch von den 
bisher besprochenen Gräbern, dass die Wanne oben nicht 
durch eine zweite Wanne bedeckt wird, sondern durch eine 
einfache Thonplatte. ^'ahrscheinlich war es das Grab eines 
Mädchens. Zu Füssen lag eine kleine Terrakotta in Fragmen- 
ten, ein Rind darstellend, das eine Gans in den Händen trägt 
(wertlose Arbeit); es folgte sodann eine flache 3 ,m hohe Büchse 
ohne Schmuck, ein kleines Kännchen von 4 */. 2 cm Höhe. In 
Brustgegend lag eine schöne gelbe Glasperle mit weiss und 
blauen Augen 1 , wahrscheinlich von dem Kinde um den Hals 
getragen, zwei kleine Bronzeringe von einem Geräte herrüh- 
rend und endlich Reste einer kleinen Bronzespange. 

Grab 20 (Taf. 6,2) enthielt an Beigaben eine kleine schwarze 
einhenkelige Deckeltasse sowie eine mit s. Palmetten bemalte 
Lekythos. 

Grab 32 (Taf. 7). An dem unteren Ende des Grabes lagen 
ausser fünf Lekythen mit s. Palmettenornament vier Terra - 



1 Sie entspricht völlig den in so grosser Anzahl im Kabirenheiligtum bei 
Theben gefundenen (Athen. Milth. XV S. 377). 



BIM ATTISCHER FRIEDHOF 171 

kotten des V. Jahrhunderts: 1) stehendes Mädchen im dori- 
schen Chiton, mit der linken Hand das Gewand fassend; die 
Rechte liegt an der Brust und hält einen Gegenstand. 2) Ein 
Huhn. 3) Ein Halm. 4) Sitzende weibliche Figur. 

In einem nicht näher bezeichneten Grabe fanden wir aus- 
ser einigen wertlosen Gefässen eine Seemuschel, wahrschein- 
lich ein Spielzeug des Verstorbenen. 

Von den bisher beschriebenen Formen vollkommen abwei- 
chend sind zwei Kindergräber, deren genauere Besprechung 
hier noch folgen muss. Das eine derselben ist nicht in den 
Plänen verzeichnet. Es fand sich nämlich inmitten von ge- 
wöhnlichen Ziegelgräbern die Bohre einer Wasserleitung mit 
einem Durchmesser von v6 cm und einer Länge von 7*2 CD> . Die 
Röhre war vorn und hinten geschlossen durch je einen Dach- 
ziegel. Aussen war die Röhre mit mehreren schwarzen Fir- 
nisstreifen bemalt, innen schwarzbraun gelirnisst; an beiden 
Enden ist der Anschlussrand für die Nachbarröhre vorhan- 
den. Nach Hinwegnahme der Verschlussplatten erkannte man 
an dem einen Ende die Reste eines kleinen Schädels. Weiter 
innen lagen eine Menge von Thongefässen in der Ordnung, 
wie sie die Zeichnung Gillieron's auf Taf. 9,1 zeigt. Zunächst 
dem Kopf lag eine schwarz gelirnisste Pyxis mit Deckel, 13 CU1 
hoch, ohne Inhalt; neben ihr eine Anzahl kleiner Tässchen. 
Diese sind zum Teil ohne figürlichen Schmuck; zwei zeigen 
zwischen je einer s. Palmette eine flüchtig gezeichnete sitzende 
Frau. Es folgen dann weiter 13-14 Lekythen, welche in der 
gezeichneten Weise auf einandergeschichtet waren. Fast alle 
Lekythen zeigen als einzigen Schmuck eine schwarze Palmette 
mit Ritzung auf rotem Grunde. Auf einer [Höbe l?*") ist mit 
weiss auf den schwarzen Firniss ein nach rechts stürmender 
Krieger aufgesetzt. Vor ihm kniet ein zweiter; \<m anderen 
sind nur noch Spuren vorhanden. Am Pussende lag eine sf 
Lekythos (Höhe I9 cm ) mit gleichfalls flüchtiger Zeichnung auf 
rotem Grunde. Es wiederholt sich zweimal ein Gespräch zwi- 
schen sitzender Frau und Bteherdem Mann. 

Zu bemerken ist ein Loch im Körper der Röhre von i»''" 



178 A. BRUECKNER UND E. PERN1CE 

Durchmesser, welches durch den noch erhaltenen Ausschnitt 
fest verschlossen werden kann. Dasselbe ist eleieh bei Anfer- 
tigung der Röhre angebracht, also nicht etwa bestimmt, um 
die Beigaben besser im Inneren aufzubauen, sondern es diente 
bei der Wasserleitung dazu, um eine bequeme Reinigung zu 
ermöglichen (vgl. Dörpfeld, Athen. Mitth. XVII S. 44 2). 

Wenn man dies Grab nach der Fülle seines Inhaltes nicht ei- 
gentlich ärmlich nennen kann, so ist dies wol der Fall bei einem 
zweiten Beispiele derselben Art (Grab 10 Tat'. 6,2). Die Röhre 
war hier oben mit der oberen Hälfte einer rohen Amphora ge- 
schlossen, unten mit der unteren derselben. Als Beigaben fan- 
den sich beim Kopfe eine kleine Lekythos mit schwarzen Pal- 
metten, eine Pyxis, schwarz gefirnisst mit kleinen Knochen 
(vielleicht Vogelknochen?) angefüllt, bei den Händen ein klei- 
nes ungetirnisstes Kännchen und eine kleine schwarze Tasse. 
Beispiele einer entsprechenden Bestattung sind uns aus keiner 
anderen Nekropole bekannt geworden. 

Für die zerschlagenen Amphoren mit den Leichnamen von 
Kindern führen wir als Typen folgende Beispiele auf: 

1) Amphora 128. Inhalt: eine kleine flache s. gefirnisste 
Schale, ein kleines Kännchen ohne Ornament. 

2) Amphora 124. Inhalt: eine zweihenkelige grosse schwarz 
gefirnisste Tasse. 

3) Amphora 140. Enthielt drei geringe Lekythen , wovon 
eine mit schwarzen Palmetten bemalt, eine Tasse mit Deckel 
und eine kleine zweihenkelise Tasse. 

4) Amphora 141. Zwei kleine Kännchen. eine zweihenke- 
lige Tasse, ein einhenkliger Napf, sämtlich schwarz gefirnisst. 

5) Amphora 158. Fine kleine schwarz gefirnisste Schale 
nebst Deckel, eine werllose sf. Lekylhos mit liegendem Dio- 
nysos und einem Satyr, ein kleines ungefirnisstes Gefäss. 

6) Amphora 15 ( Taf. 6.2). Eine kleine Kanne, eine ein- 
henklige Tasse, eine kleine Pyxis, sämtlich schwarz gefirnisst. 

7) Amphora 17 (Taf. 6,2). Ein Kännchen, eine Tasse, eine 
Pyxis, sämtlich schwarz gefirnisst. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 1*9 

8) Amphora 18 ( Tat'. 6,2). Eine kleine Lekythos mit schwar- 
zen Palmetten (Höhe 18 cm ). 

Der Inhalt ist im Allgemeinen gleichmässig Nr. 6 und 7 
stimmen sogar genau mit einander überein. Viele Amphoren 
enthalten keine Beigaben. 

Zu erwähnen ist noch das Gefäss 14 des Planes Tat'. 6,2. Es 
wurden nämlich die Knochen einer erwachsenen Person darin 
gefunden. Die Amphora ist viel zu klein, um eine solche auf- 
zunehmen. Wir vermuten, dass man bei Anlage eines späte- 
ren Grabes ein Grab anschnitt und die darin liegenden Kno- 
chen nebst Beigaben (eine schwarz gefirnisste Lampe, eine 
Lekythos mit schwarzer Palmette) in dem Gefässe nochmals 
beisetzte. 

Wir beschreiben zum Schluss unserer Übersicht einige Sar- 
kophaggräber. Mehr als Worte lehren die beigegebenen Abbil- 
dungen (Fig. 33-35) des Inhaltes von drei Marmorsarkopha- 
gen, welche nach an Ort und Stelle gemachten Skizzen ge- 
zeichnet worden sind. 

Grab 37 (Taf. 7). Vgl. die Abbildung Fig. 33. Der Sarko- 
phagwar aus sauber gefügten Marmorplatten gearbeitet. Trotz- 
dem war das Grundwasser von unten nachgedrungen und 
füllte ihn etwa zu einem Drittel. Das Wasser hat auch be- 
wirkt, dass einzelne der beigegebenen Gefässe aus ihrer ur- 
sprünglichen Stelle gerollt sind. In dem Sarkophage fanden 
sich viele Restchen von kleinen Zweigen. Wie die Sllengis 
zeigt, war ein Mann in dem Sarkophage beigesetzt Sonst wa- 
ren an Beigaben nur Gelasse vorhanden, aus denen hervorgeht, 
dass das Grab dem Anfange des IV. Jahrhunderts angehört. 
Die sämtlich weissgrundigen Lekythen sind leider so zerstört, 
dass die Abbildung einzelner Stücke überflüssig ist. Es sind 
folgende : 

Links oben: 1) Höhe 25"", mit schwarzem Mäanderstreif, 
ohne Darstellung. Unten 2) Höhe 23 cm , nicht mehr erkennbar. 
Rechts von oben nach unten beschrieben : 3) Höhe 39 cm . ohne 
Darstellung, i) Höhe 98"*, erkennbar eine Stele mit roten Bin- 
den. 5) Höhe27 cm Mädchen nach rechts vor einem Grabmal, auf 



180 



A. BRUECKNER UND E. PERNICE 



welchem eine Kanne steht. 6) Höhe 23 cm , Reste einer mit gel- 
ber Farbe gezeichneten Stele. 7) Höhe 23"°. unkenntlich. 8) Höhe 
i9 cul mit schwarzem Mäanderstreif, ohne Darstellung. 9) Höhe 
21"". Reste einer mit gelber Farbe gezeichneten Stele. 10) Höhe 
23"". Reste eines Grabmals. II) Höhe 27 om , Jüngling mit rotem 
Reisehut nach rechts vor einem Grabmal stehend; sehr gute 








ä 




Fig. 33. 



Fig. 34. 



Zeichnung. Zwischen den Rnieen 12) Höhe 22"", Mädchen 
Dach rechts, in der Rechten ein Gerät; feine Zeichnung. Zu 
Füssen lagen ausserdem zwei s. gefirnisste Aryballen und ein 



drittes ungefirnisstes Gefäss. 



Grab 34 (Taf. 7). Vgl. Fig. 34. Auch in diesem Sarkophag 



KIN ATTISCHER FRIEDHOF ISf 

stand Wasser. Ein Versuch, es auszuschöpfen misslang, da die 
Fugen nicht gut schlössen und fortwährend neues Wasser 
nachdrang. Die Beigaben lagen nur an der oberen Hälfte des 
Körpers, zu Füssen nichts. An der rechten Seite (von unten 
nach oben beschrieben): 1) Lekythos ( Höhe 23 cm ). Auf w. 
Grunde Reste einer nach links schreitenden Frau. Die Fleisch- 
teile weiss aufgetragen (s. Nr. 4). 2) Lekythos (Höhe 23 cm ). 
Auf w. Grunde eine nach rechts schreitende Frau (sf.). 3) Le- 
kythos (Höhe 20 cm ). Schwarze Palmetten auf weissem Grunde. 
4) Lekythos (Höhe 22"). Auf w. Grunde Artemis nach rechts 
schreitend, in der vorgestreckten Linken den Bogen. Gesicht 
und [lande mit aufgesetztem Weiss; vor ihr ein Schwan mit 
aufgesetztem Weiss. Arbeit des V. Jahrhunderts. 5) Lekythos 
(Höhe 20 c " 1 ) rf. Jungling im Mantel nach rechts. Über dem 
Schädel 6) Lekythos (Höhe 16*-) schwarz gelirnisst. An der 
linken Seite (von oben nach unten): 7) Lekythos ( Höhe 23 cm ). 
Um die Mitte des Bauches ist eine schwarze Epheuranke auf 
w. Grunde gelegt. 8) Lekythos (Höhe 23-), Zeichnung ver- 
schwunden. 9) Lekythos (110116 24-) wie 7. 10, Lekythos 
(Höhe 24-) wie 7. 

^ Grab 35 (Taf.7). Vgl. Fig. 35. Im Gegensatz zu dem vorigen 
Grabe fanden sich hier die Lekythen vornehmlich zu Füssen 
des Skeletts. Nach dem Becken zu schliessen ist es das Grab 
einer Frau. Inhalt (von links oben beschrieben) : 1) Weiss- 
grundige Lekythos mit s. Umrisszeichnung (Höhe 17 cm ). Frau 
nach links in langem Gewand«-, hinter ihr hängt eine Binde 
an der Wand. Vor ihr steht ein Altar, aufweichen sie mit ei- 
ner Schale, die sie in der vorgestreckten Rechten hält, spen- 
det. 2) Lekythos rf. (Höhe 19-). Nike, nach rechts fliegend, 
in den Händen eine Binde tragend. 3) Weissgrund ige Lekythos 
mit schwarzer feiner Umrisszeichnung (Höhe 1 9°-). Frau nach 
rechts sitzend. 1) Weissgrundige Lekythos mit Epheuranke 
(Höhe 12"";. 5) Weissgrundige Lekythos, vorn mit Netzmuster 
(Höhe 18-). 6) Weissgrundige Lekythos (Höhe 15-), Zeich- 
nung verschwunden. 7) Weissgrundige Lekythos mit mehre- 
ren schwarzen Ornamentstreifen ( Höhe 15-). 8) \\i'. Lekythos, 



18'2 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

Geflügelte Nike nach rechts schreitend in der Hand eine Binde 
(Höhe 19™). 9) Schwarz gefirnisste Lekythos (Höhe \\ cm ). 

Grab 31 (Tat. 7). Sarkophag aus weichen Porosp!atten ; 
der Deckel war aus drei Stücken hergestellt. Das Grab ge- 
hörte einer Frau an. Die Arme waren ausgestreckt. Beim 
Kopfe lagen zwei Ary ballen, an der linken Seite in Handhöhe 




Fig. 35. 



ein Alabastron, in Hüfthohe ein stark zerfallener Aryballos, zu 
Füssen zwei Aryballen, zwischen den Knieen ein Aryballos, 
in der Höhe des rechten Ellenbogens ein Alabastron, zwi- 
schen den Unterschenkeln Teile einer Bohre von schwarzem 
Hörn, stark verwittert, ebenda drei Bronzeknöpfe und kleine 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 183 

Eisenteilchen. Rechts neben den Füssen lag der Kopf einer 
Bronzenadel. Bestehen von Holz fanden sich bei dem Schädel 
und tinter dem oberen Teile der Wirbelsäule. 

Grab 21 (Taf. 7). Sarkophag aus Porosplatten. Der Inhalt 
bestand aus acht Alabastren von blau und gelbem Glas (Höhe 
l(J-20 cm . AeVriov 1892 S. 1 1 Nr. 30). Von diesen lagen je zwei 
rechts und links vom Schädel, je zwei rechts und links von 
den Füssen. An dem einen Stück war die Mündung beson- 
ders eingesetzt. Dieselbe ist, da sie aus vergänglichem Stoff 
war, verloren <>;e<>;any:en. Zu Füssen fand sich ausserdem ein 
Stückchen Bronze unbekannter Bestimmung. Ganz analog aus- 
gestattet ist 

Grab 1*23 (nicht im Plane). Der Sarkophag war aus einem 
grossen Porosblock herausgearbeitet; den Deckel bildete eine 
Platte. Auch hier lagen rechts und links neben dem Toten je 
zwei Alabastren aus Alabaster; zu Füssen des Toten ausser- 
dem zwei unbedeutende schwarz gefirnisste Gelasse, eine Schale 
und ein Becher. 

Für die Bestattungsgräber lässt sich aus den von uns auf- 
gedeckten Beispielen zwar nicht folgern, dass von den drei 
Gattungen eine jede die andere zeitlich ausschliesst, es erge- 
ben sich aber aus der Betrachtuno; des Inhaltes gewisse An- 
haltspunkte für die Anwendung dieser und jener Art. Erd- 
schacht- und Sarkophaggräber gehen neben einander her. Wir 
haben oben mehrere der ersten Gattung aufgeführt, welche in 
das V. Jahrhundert fallen; auch einige .Marmorsarkophage 
gehörten dieser Zeit an. Wenn die meisten der letzteren hier 
erst aus dem IV. Jahrhundert sind, so wird das ein Zufall 
sein, denn an anderen Stellen vor der Stadtmauer waren die 
Sarkophage wieder älter '. Ziegelgräber von Erwachsenen ha- 
ben wir nur vereinzelt gefunden, welche bis in das fünfte Jahr- 
hundert hinaufreichten. Auch Boss hat sicher keine archai- 
schen Gräber dieser Art gesehen, da er sie alle der römischen 



1 Z. li. an dem Athen. Bfittheilungen läiU 6.371 bezeichneten Punkte. 



184 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

Zeit zuschreibt. Die Hauptmasse der Ziegelgräber gehört ih- 
rem Inhalte nach in das IV. Jahrhundert. Wir schliessen aus 
diesem Verhältniss, dass die Gräber dieser Art im IV. Jahr- 
hundert allgemeiner in Anwendung kamen, während sie in 
älterer Zeit wol nur der ärmeren Bevölkerungsschicht dienten. 
Die Rinderii'i'äber aus Ziegeln in Wannenform dagegen gellen 
häufig, wie die angeführten Beispiele zeigen, in das V. Jahr- 
hundert hinauf. Damit stimmt die wol nicht zufällige That- 
saehe überein, dass die Erdschachtgräber von Kindern wenig 
zahlreich sind. Neben dieser Art von Kindergräbern hergehen 
als ärmlichere Gräber die Amphoren. Für das Alter dieser 
Sitte verweisen wir, da der spärliche Inhalt der Amphoren 
einen Schluss auf ihr Alter nicht verstattet, auf die Ampho- 
rengräber aus der Dipylonzeit. Auch das sy^urpi'Ceiv d. h. neu- 
geborene Rinder in einem Gefäss auszusetzen, von Aristopha- 
nes für das V. Jahrhundert bezeugt, darf als vortreffliche 
Analogie zu den Amphorengräbern zur Zeitbestimmung her- 
angezogen werden. 

Betrachten wir den Inhalt der verschiedenen Arten von 
Gräbern, abgesehen von den eigentlichen Beigaben, so wer- 
den einige vereinzelt gemachte Beobachtungen jetzt als fest- 
stehende Grabgebräuche erwiesen. 

Der sonst vernichtenden Wirkung des Feuers verdanken wir 
die Lrkenntniss, dass man den Toten im Grabe auf ein La- 
ger von Weinreben bettete (s. oben S. 1 65 ). Dass diese Sitte 
nicht nur auf die Brandgräber beschränkt war, sondern 
im Allgemeinen galt, ist selbstverständlich. Aber in den Beer- 
digungsgiäbern sind die Zweige verfault und vergangen. Nur 
in einzelnen gut schliessenden Sarkophagen fanden sich noch 
spärliche Reste von kleinen Zweigen (S. 179). Wir wissen aus 
der Überlieferung, dass es Sitte war, bei der -pööeci; den Toten 
auf ein mit Zweigen geschmücktes Lager zu betten; Origanos 
und Weinlaub werden von Aristopluine* ' für diesen Zweck 



1 Kcclesiaz. V. 1030. 



K1.N ATTISCHER FHIEDHOf 18.*! 

genannt. Schon auf mehreren Dipylonscherben mit der xpö- 
0c(7i; spielen die Zweige eine grosse Rolle und wir müssen da- 
her diesen Gebrauch auch für die ältesten Zeiten in Altika 
annehmen. Ein dichtes Lager von Olivenzweigen, auf welchem 
der Tote ruhte, fand Fauvel in Marmorsarkophagen in Athen 1 . 

Die Knochen der verbrannten Leichen, welche vom Brand- 
platze aufgesammelt winden, hüllte man. bevor man sie in die 
Ostotbeken that, in Leinwand. Wir haben diese namentlich bei 
den bronzenen gut geschlossenen konstatirt. Bei den thönernen 
Aschenbehältern ist ein Einschlagen der Knochen in ein Lein- 
wandtuch nicht beobachtet worden: trotzdem ist das ehemalige 
Vorhandensein eines solchen nicht unmöglich, da bei dem 
schlechten Verschluss das Zerfallen des leichten Gewebes sehr 
befördert wurde. Gropius hat leinene Reste vielfach in Gräbern 
bei Aixone gefunden (Boss a. a. O. S. 24 ). Zu erwähnen sind 
an dieser Stelle noch die beiden Tücher aus Leinewand, wel- 
che sich im Museum der archäologischen Gesellschaft in Athen 
befinden (Inv. Siao. i/Xcöv 301). Sie sind im Jahre 1884 in der 
Piräusstrasse, also bei unserer Nekropole gefunden worden in 
einer vierhenkeligen bronzenen durch einen Deckel geschlos- 
senen Kalpis (Inv. /xX*. 1059). Die Kalpis stand in einer 
Marmortheke, welche aussen unbearbeitet, innen mit roter 
Farbe bestrichen war. Von den beiden Tüchern ist das eine 
sehr feinmaschig, das andere gröber; in letzterem lagen die 
\ erbrannten Beste. Auf den Tüchern lag ein kleiner Myrten- 
kranz. (Inv. Siacp. {A<z>v 303) J . 

Die Beobachtung der Ziegelgräber lehrt, dass man den To- 
ten wenn auch mit noch so spärlicher Hülle gegen die auf 
ihn geworfene Erde schützte. Wir haben weiter gesehen, dass 
alle Schacbtgräber um ein Beträchtliches länger und breiter 
sind als der Tote beansprucht, und nehmen deshalb als sicher 
an, dass sämtliche Toten der Erdschachtgräber in einem Sarge 
lagen, der nach Ausweis der mehrfach von uns gefundenen 



* Nach Ross, Arch. Aufsätze I S 23, 
2 npaxTixa 1884 S. 20. 



ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 13 



186 A. BRUECKNER UND E. PERNIGE 

grossen Nägel sowie der Holzreste aus Holz bestand. Seine 
Form zeigt die schwarzfigurige Lutrophoros in Athen (Mo- 
numenti VIII Tat". 4,5). Es ist ein länglicher mit Füssen 
versehener Kasten, ohne die bei uns gebräuchliche Verjün- 
gung '. Die gleiche Form, aber ohne Füsse hat der vorzüglich 
erhaltene Holzsarg im Museum der archäologischen Gesell- 
schaft (Inv. o\a<p. öXöv ','9(5 ). welcher aus dem Piräus stammt. 
Er hatte nach Aussage des Verkäufers in einem Marmorsar- 
kophag gelegen. Seine Länge beträgt 1,80'", seine Breite 50 cm , 
seine Höhe 45 cm . Um den Rand des brettartigen Deckels ist 
eine sauber prolilirle Leiste gelegt sowie eine fein geschnitzte 
Perlenschnur. Ähnlich wird der Sarg sein, welchen Fauvel 2 
an der eleusinischen Strasse gefunden hatte und der gleich- 
falls in einem Sarkophage geborgen war. Fauvel bezeichnet 
ihn als caisse de'couverte,en bois,ornee du meilleur goüt*. 
Weitere Reste von Holzsärgen fand Stais im Grabe H von Ve- 
lanidesa ' und Gropius hat nach Ross (Arch. Aufsätze I S. 24) 
in den Gräbern bei Aixone hölzerne Sära;e so wol erhalten 
aufgedeckt, dass er aus dem Holze Lineale und Dreiecke für 
Zeichner machen liess. Reicher skulpirte Holzsärge, wie die von 
der Krim 3 sind in Attika bisher nicht zu Tage gekommen. 

In den Sarkophagen findet sich stets eine erdige Masse in 
grösserer oder geringerer Menge, und die Gräber aus Ziegeln 
sind ganz mit dieser angefüllt. Sie ist im Lauf der Zeiten 
durch das Wasser, welches erdige Bestandteile enthält, hin- 



1 Nach der Darstellung der Lulrophoros haben die beiden Männer, wel- 
che iai Grabe stehen und den Sarg herab beben, aeben diesem im Grabe 
Platz. So erklärt sich die übermässige •'■rosse der Gruben. 

a Nach Koss, Audi. Aufsätze 1 S. 28. 

3 Da?> kleine Blück Perlenschnur von einem hölzernen Sarge, welches in 
einem marmornen Sarkophage an der Piräusstrasse, dicht bei unserem 
Friedhufe gefunden wurde (Upa/.t'.xa 1884 S. 20j rührt nach Brückner's Ver- 
mutung von eben diesem Grabe her, das Fauvel ausgenommen und wieder 
zugeschüttet hat. 

< A:'/.t:ov ipx- 1890 S. 23. 

i Antiquitii ''u Bosphore (Jim. Tafel 81-84. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 187 

eingespült worden. Denn es ist doch nicht anzunehmen, dass 
man den Leichnam, bevor man ihn durch den Sarkophag 
oder das Ziegeldach gegen die in den Schacht geworfene Erde 
schützte, schon mit Erde beworfen hätte, wie dies Poltier-Rei- 
nach für Myrina und ihnen folgend Clerc für Aigai annehmen, 
wo sicli dieselhe Erscheinung gefunden hat. Für Eretria hat be- 
reits Tsundas festgestellt. dass die in den Sarkophagen befindli- 
che Erde nicht absichtlich hineingeworfen, sondern durch Zu- 
fall hineingeraten ist, und dass man nur in einigen Fällen unter 
dem Leichnam ein besonderes Stroma aus weisser Thonerde 
herstellte. Ware die Bedeckung der Leichname mit Erde in 
den Sarkophagen Sitte gewesen, so hätten wir dieselbe in al- 
len ungefähr gleichmässig antreffen müssen. Das ist aber nicht 
der Fall. In einigen Sarkophagen liegt die Erdschicht einen 
Finger hoch, in anderen, bei denen der Deckel nicht fest sass, 
ist sie sehr bedeutend und wieder in anderen besonders gut 
scbliessenden ist gar nichts dergleichen vorhanden. Da die Zie- 
gelgräber besonders schlecht geschlossen sind, haben sie sich 
im Lauf der Zeit vollständig mit Erde angefüllt. 

Die grosse Geräumigkeit einiger Sarkophage lässt anneh- 
men, dass die Toten abgesehen von den Hebzweigen noch ein 
weiteres Unterlager gehabt haben. Dass die Kline selbst in 
den Sarkophag gestellt wurde, ist unwahrscheinlich; wir wür- 
den dann sicher Spuren davon gefunden haben Fauvel be- 
schreibt ein Grab, in welchem der Leichnam reposait sur un 
matelas ou coussin, qui avait encore conserve une partie 
de son e'paisseur. Aus welchem Materiale das Kissen war. 
ist nicht angegeben. Möglich ist, dass in unseren Sarkopha- 
gen dem Toten wenigstens unter den Kopf ein Polster gelegt 
wurde. Einen sicheren Beweis hierfür zu geben sind wir 
allerdings nicht im Stande. 

Den berühmten Obolos, welcher dem Charon als Fährgeld 
dienen sollte, haben wir in keinem einzigen Falle gefunden. 
Es ist anzunehmen, dass. wenn es in Attika allgemeine Sitte 
gewesen wäre, einen solchen beizugeben, wir ihn trotz seiner 
Kleinheit einmal wenigstens unter 200 Fallen gefunden haben 



188 A. BRUECKNEB UND R. PEBNIHK 

würden. Fauvel will ihm freilich häufig in attischen Gräbern, 
ja selbst in Ostotheken begegnet sein. Einen sicheren Fall für 
letztere berichten die \\ox/.-v/.i 1884 S. 20. Boss sind Mün- 
zen in Gräbern im Ganzen selten vorgekommen. Verbreitet 
war der Brauch auf jeden Fall nicht. Spätere Funde werden 
über diesen Punkt Gewissheit verschaffen. Bemerkenswert ist 
und der verhältnissmässig jungen Entstehung der Gharonfi- 
gur entsprechend, dass sieh in der alten Nekropole von Me- 
gara Hyblaea die Münze nicht findet, während sie in den Grä- 
bern von Myrina sehr häufig, oft dem Toten zwischen die 
Zähne geschoben, vorkommt. 

Kindergräber in Form von Brandgräbern haben wir nicht 
gefunden. Wäre in unserem Ausgrabungsfelde nur durch Zu- 
fall kein solches gefunden worden und ihre Zahl demnach sta- 
tistisch höher, so wäre das Verhältniss der Kindergräber zu 
den Gräbern Erwachsener ein sehr ungleichmässiges. In Born 
war es Gesetz, dass Kinder ehe sie einen Zahn hatten, nicht 
verbrannt, sondern begraben werden mussten 1 . Wir halten es 
für wahrscheinlich, dass in Athen eine ähnliche Vorschrift 
bestand. 

Für die Beigaben ist im Allgemeinen zu bemerken, dass 
sie mit vereinzelten Ausnahmen unmittelbar neben dem Ske- 
lett gefunden wurden, d. h. in den Sarg hinein und nicht 
auf das Grab gelegt worden sind, nachdem dasselbe bereits 
geschlossen war. Zu diesen Ausnahmen gehört z. B. Grab 8 
(Taf. 7), in welchem die Gelasse so dicht an der Wand des 
Grabschachtes standen, dass sie sicher nicht im Holzsarge 
gelegen haben. Andere Beispiele s. o. in der Gräberliste. Es 
isl bekannt, dass in Tanagra sehr häufig die Beigaben nicht 
allein in. sondern auch ausserhalb drv Gräber zum Vorschein 
kamen. Auch in Mvrina wurden vielfach gute Stucke neben 
und über dem dazu gehörigen Grabe aufgefunden. Bei den 



1 Marquardt, Rom. Privataltertümer 8. 376, vgl. Plinius, Nat. Inst. VII, 
16,72 und Juvenalis Sat. XV, 14U. 



EIN ATTISCHER FRIEDHOF 189 

von Tsundas in Eretria aufgedeckten Gräbern sind nur wenige 
Stücke ausserhalb der Graber aufgelesen worden. Bestimm- 
te Regeln in der Anordnung der Beigaben haben nach unse- 
ren Erfahrungen nicht bestanden. Das zeigen am besten die 
drei Abbildungen der Gräber Fig. 33-35. In einem Falb- liegen 
die Beigaben mehr zu Füssen des Toten, im anderen zu Häup- 
ten und im dritten um die ganze Leiche herum. Vielfach lässt 
sich beobachten, dass einzelne Stücke aus der Zahl der beige- 
gebenen mit besonderer Absicht hier und dorthin gelegt sind. 
So wenn der Spiegel des Grabes 33 (Taf. 6, 2) in Hand- 
höhe, oder wie der des Grabes 87 (Taf. 7), entsprechend 
dem Gebrauche in Mvrina beim Kopfe gefunden wurde. Dem 
Kinde im Grabe 175 hatte man in die Hand kleine Terrakot- 
tatierchen gegeben. Nichl ohne Absicht wählt man vielfach 
auch die Darstellungen auf den Beigaben aus. In Frauengrä- 
bern linden sich Vasen mit Darstellung des Frauengemaches, 
bei Rindern solche mit spielenden Kindern. Xiken und Frauen 
zieren die Lekythen (\(^ Sarkophages 35. 

Brandgräber und Beerdi«junursi>Täber sind, von den Osto- 
theken abgesehen, gleichmässig ausgestattet: es giebt bei al- 
len Typen Gräber, die reichlich mit Beigaben versehen sind 
und andere, die ohne oder last ohne Inhalt sind. Nur die Zie- 
gelgräber von Erwachsenen und die Amphoren mit den Rin- 
derleichen sind ärmlich an Beigaben. 

Am wenigsten reich ausgestattet sind die Gräber von .Man- 
nern. Wallen wurden in unserem Gräberfeld überhaupt nicht 
gefunden. Selbst die Stlengis, die natürlichste Beigabe in (\i'i\ 
Gräbern junger .Männer, haben wir nur in vereinzelten Fällen 
gefunden. Xuv die Lekythos folgt auch dem .Manne in das 

Grab und etwa ;'-.'! werllose Gelasse im höchsten Falle. 

Wie anders die Gräber der Frauen! Hier finden wir selbst 
in den wenigen Fällen, die wir \ er/eieline! haben, von den 

Lekythen ganz abgesehen, den ganzen Apparat des Frauen- 
gemaches wieder, bronzene Spiegel, reich verzierte Schmuck- 
kästchen, Büchsen mit Schminke, Alabastren mitsamt dem 
Löffelchen, Farbenstifte und weiter Schalen und Näpfe und 



190 A. BRUECKNER UND E. PERNICE 

Fläschchen, wie sie bei der Toilette gewiss in grosser Zahl 
gebraucht wurden. Das ist das immer wieder variirte Thema 
der griechischen Grabreliefs, wie die Frau in ihrem Gemache 
von Dienerinnen umgeben sieh mit ihren kleinen Liebhabe- 
reien beschäftigt. Die gleiche Stimmung, welche wir in den 
Darstellungen da- Grabmonumente finden, klingt zurück aus 
dem Innern des Grabes. Von den Dingen, mit denen sie sich 
auf dem Steine beschäftigt und mit denen sie sich im Leben 
beschäftigte, ist sie auch im Tode umgeben, l'nd genau so 
steht es mit den Kindergräbern. Hier ist es das Spielzeug aus 
Terrakotta, der Vogel, die Schildkröte, kleine Glassgcfässe, 
Glasperlen und anderes, alles Dinge die wir von den Reliefs 
kennen. 

Zu alledem kommen überall und ständig immer wieder die 
Lekythen, bald mehr, bald weniger. Wie hat die Lekythos 
aus ihrer ursprünglichen alltäglichen Bestimmung heraus, w ie 
sie noch die Darstellung des Ölverkaufs auf der Vase des Gre- 
gorianum kennt, diese im attischen Totenkult einzig dasteh- 
ende Bedeutung gewonnen ? 

Eine grosse Zahl der Lekvthen. welche wir in Scherben 
ausserhalb der Gräber gefunden haben, war in Schulterhöhe 
geschlossen; ihr enger Hals konnte nur wenige Tropfen fas- 
sen. Sie waren zweifellos dazu bestimmt, kostbares wolrie- 
chendes Öl aufzunehmen, mit welchem man das ganze Geläss 
nicht füllen mochte. Solche Gefässe stellte man bei der Prothe- 
sis um die Bahre herum, und solche werden in den zahlrei- 
chen Darstellungen zu verstehen sein, wo wir auf den Stufen 
des Grabmals Lekythen finden. Auch in das Grab hinein wird 
man zuweilen solche Lekythen gestellt haben. Aber die meisten 
Lekythen in den Gräbern standen nicht aufrecht. Das zeigen 
schon die Abbildungen der Sarkophage Fig. 33-35. in denen 
die Mündungen der Lekythen zumeist nach derselben Seite ge- 
richtet sind. Standen diese ursprünglich, so wäre weder das zu 
erklären, noch ihr meist unversehrter Zustand. Und die Leky- 
then zwischen den Knieen von •'>" und im Arm von 35 haben 
von Anfang an gelegen. Diese Lekythen waren also nicht ge- 



BIM ATTISCHER FRIEDHOF 131 

füllt und ebenso wenig die Alabastren, die neben den Leky- 
then zahlreich in den Gräbern sich finden. Die Erklärung für 
diese Erscheinung liegt nahe. 

Nachdem dem Toten Auge und Mund von der Hand des 
nächsten Verwandten geschlossen waren, wurde er von den 
Frauen der Verwandten und Angehörigen gewaschen und ge- 
salbt. Die Lekythen und Alabastren, mit welchen man dem 
geliebten Toten den letzten Liebesdienst erwiesen hatte, gab 
man ihm mit in das Grab. Es wäre das ein Zug durchaus 
würdig der Liebevollen Empfindung, welche die Grabreliefs 
uns in so reichem Masse an den Tag legen. Und zugleich mit 
der Sitte der Waschung und Salbung des Leichnams ent- 
wickelte sich das Bedürfniss, auch die Bahre selbst und dann 
das Grabmal mit köstlichem Wolgeruche zu erfüllen. 

ALFUEL) BRÜCKNER. ERICH PERNICE. 



■~^P- ■ 



DEM ET KR CHLOE 

Ooibosäohnäioi^Aeä^oy^n^iontää 1 " 

EITINIOinAPÄKPAinoÄEailTÄPÄ' 

OYÄÄOSIYMnÄSKÄHIIEirAAYKf 

ÄHMHTPOZXÄOIHZIEPONKOY ' 

OYnPnTONITÄXYIEYZH 

Ä Z 17 P O T E POITT * ^ 

IAPY^\ 

Die Erlaubniss zu der Veröffentlichung des vorstehenden 
Orakelspruchs verdanke ich der Liebenswürdigkeit II. G. Lol- 
ling's. Das kleine, aus pentelischeni Marmor bestehende, etwa 
0,025 m dicke Fragment 1 befindet sich seit mehreren Jahren in 
der epigraphischen Abteilung des Nationalmuseums zu Athen. 
Es ist im Jahre 1889 südwestlich vom Nikepyrgos gefunden 
und von Lolling; sofort mit dem von ihm im AeX-riov 1889 S. 
113 Nr. 10 publicirten Bruchstück zusammengestellt worden : 

N 

ÄnÄPxAi 

2 Ä r N O Y 
Z X N Ä I 2 I N 
vNIOYZHI 
P E TT T Ä 
N E 2 T a i 

Dass beide Fragmente von derselben Inschrift stammen, 
leuchtet, ganz abgesehen von Metrum und Inhalt, sofort ein : 
aber die beiden Stücke passen nicht zusammen, auch haben 
sich trotz aller von Lolling aufgewandten Mühe keine ande- 
ren hieher gehörigen Fragmente gefunden. Die vorliegenden 
Bruchstücke sind die Reste einer kleinen Marmorplatte, von 



' Von Lolling ;uj> drei Stücken zusammengesetzt. 



0. KERN, DEMETER CHLOE 1 9 I 

welcher in A (grösste Breite 0,305: höchste Höhe 0.15) die 
obere linke Ecke, in #(Höhe 0.08; Breite 0,12) ein Stück 
vom rechten Rande erhalten ist. Bei A findet sich an der 
Ecke eine trapezförmige Einarbeitung von geringer Tiefe, die 
offenbar für die Aufnahme eines Schmucks, etwa eines Me- 
tallplättchens bestimmt war. Lolling fügt bei der Veröffent- 
lichung von B hinzu : r, i-iy;a^ Ssv s'Ive rcpoysvEGTEpx to-j Se-j- 
TEpO'j alüjvo; f/.. X. 

In Umschrift lauten die beiden Bruchstücke so: 

A. 

1. <J>oi€o? 'A6r,va£oi; Aslcpoü; vaioov xiSe [e^tsv]' 

2. "Ettiv CO 1 , rcap' ax.pa<; ::öXe<i); -apx -~ «-*#] 

3. oü Xaö; cu{A7ca? *>.r,i£ei y^a--»/.^^*. 'A0/,vy,v oder /.o'jcyjv 

4. Ay)anTpö; XXoir,? Upöv Kou cvi? te (/.xjtaipa?], 

5. oü tttocötov crxxy'j; 6U?7)[8t] £si(öv Upiojv] 

6. &( 7cpÖT£poi 7ra.T[ep6<; 

7 . iSp'jTLavTO 

8 1 . i-x:/y.; 

9. ; iyvou 

10. Tje^vatfftv 

1 1 . ä]vio'j07i; 

12. S]p£7TTa 

13. t6§£ Xon ov icxa-.. 

Die Ergänzung von Zeile 5 verdanke icli Herrn Professor 
Diels, welcher für die Form vjlr.hr, auf Papyrus Londinensis 
medieiis 138 col. 13,33 (su^sto) verweist. Audi auf einer eleu- 
sinischen Inschrift aus der Zeit Sulla 's ist Eiceu&nj/ivov I C.I.A. 
11 628,30) bereits bezeugt, vgl. Lauten sach, Verbalflexion der 
attischen Inschriften | Programm Gotha 1 887 ) S. 5 und Meister« 
bans Grammatik ■' S. 1 36 Nr. 1 1 96. Die Ergänzungen von ßstam- 
men bis auf die von Z. 13 von Lolling. Erst der Fund von .1 



1 Der Bequemlichkeit halber ist mit der Numeri mag fortgefahren, 



194 o. KERN 

giebt uns die Berechtigung zu der Vermutung töSs Xwrov lorai. 
Z. 15 ziclit» ich Slpswta dem \<m Lolling vorgeschlagenen 8]ps- 
r.-.x vor. 

Lolling schloss aus a]vtou<r/K und ä-a:/x:. dass sich die In- 
schrift vielleicht auf den Kuli i\v\> Demeter und Rora beziehe. 
Das Fragment .1 bestätig! diese Vermutung: im Vers 4 wird 
das Heiligtum der Demeter Chloie und ihrer Tochter erwähnt. 
Ks ist ein böses Spiel des Zufalls, dass gerade die Stelle, in 
welcher eine nähere Angabe über die Lage des Heiligtums zu 
erwarten ist, unheilbar scheint. Ich habe es deshalb vorgezogen 
den Vers 2 unergänzt zu lassen, weil mich hier ein zu wenig 
besser dünkt als ein zu viel. Ilap'a/.pa; Tzö'kzüx; (wie Soph. An- 
tig. 1123 vaisTüiv Trac' üypöv Tcpjvoü pse0pov) lag der Tempel 
der Cbloe. Soweit der Dichter unsres Orakels, und wenig 
weiter führen auch nur die übrigen Zeugnisse, die man am be- 
quemsten in Milcbhöfer's Zusammenstellung (Curtius, Stadtge- 
schichte von Atlien S. XXV) übersieht. Pausanias I 2*2,3 er- 
wähnt das A*/)|/.7)Tpo? ispov XXöns bei der Beschreibung seiner 
Wanderung vom Asklepieion zur Burg hinauf (wpo? tt;v ixpo- 
tcoXiv louciv). Er kommt zunächst bei dem Tempel der Themis 
und dem Grab des Hippolytos vorbei ; dann spricht er von 
dem Heiligtum der Aphrodite Pandemos. Vor diesem steht er 
auf einem höheren aussichtsfreien Punkte: denn Phaidra hat 
den Aphroditetempel gebaut 

an dem Abhang von Athenas Felsen, 
da eben, wo der Blick Trozen erreicht 1 '. 

Noch höher liegen die Heiligtümer der Ge Kurotrophos und 
der Demeter Chloe. Denn bald darauf ist Pausanias oben, da 
er mit den Worten ic, $s vr\s axp67co>.iv Ictw egoSo? pot fortfährl 
und dann die Beschreibung der Propyläen beginnt. Trotzdem 
mehrere Inschriften sowol der Pandemos als auch der Deme- 
ter Chloe vor dem Burgeingang gefunden sind, lässt sich die 
genaue Lage keines dieser Heiligtümer mehr ermitteln. Über 



1 KaTÖ^iov Eur. Hippolytos V. 30. Lolling, Hellenische Landeskunde 8. 
330. Wilamowitz, Hippolytos 8. 32. 



DEMETEH CHLOE I9S 

Leake's Vermutung, dass das Adyton der Demeter und Ge in 
den beiden Nischen des Nikepyrgoszu suclien sei, vgl. A.Momm- 
sen, Heortologie S. 41ö. Bursian (Geographie von Griechen- 
land I S.304) spricht von einem selbständigen Bauwerk über 
oder neben dem Odeion des Ilerodes. Jedesfalls darf man 
nach Lolling's Darlegung über das Neroon des Aigeus (Athen. 
Mitth. XI S. 322) nicht mehr den Felsausschnitt Nr. 5 a auf 
dem kaupertschen Plan in Curtius' Stadtgeschichte Taf. V 
für das Heiligtum der Ge Rurotrophos und Demeter Chloe in 
Anspruch nehmen, und Kock's (Fragm. com. I 309 Fr. 183) 
Bemerkung von dem /antun Cereris nunc ipsum rursus 
inventum ist danach zu corrigiren. Köhler hat Athen. Mitth. 
II S. 177 die auf die Demeter Chloe bezüglichen Inschriften 
gesammelt 1 , und es bedarf heule nur eines besonderen Hin- 
weises auf C. 1. A. III \ I 1 . welche die eiV^c: -reo; gtjxov BXau- 
tyk y-al KoupoTp6<pou iveijxe'vy] tw 07)(/.<p erwähnt. Das AYesen der 
BXauTTi ist uns nicht bekannt ; nach Töpffer, Att. Genealogie 
S. 144 ist sie mit der Nymphe BX&gty) 2 , der Mutter des Epi- 
menides, identisch: wir kämen damit ganz in den Bereich der 
Chloe; denn beider Namen bedeutet dasselbe, das Sprossen 
und Grünen der jungen Saat. Und die Verbindung mit der 
KoupoTföcpos spricht wahrlich nicht dagegen, da Demeter Chloe 
und Ge Rurotrophos nach Pausanias ein Heiligtum besitzen, 
und nach der AsXriov 1889 S. 130, 5 publicirten Inschrift ein 
gewisser Eisidotos der Demeter Chloe und Kora tt,v Kouporpö- 
<pov y.xT övetpov weiht. Ein Traumgesicht befahl dem Eisido- 
tos, der Demeter und Kora die Statue ihrer Kultgenossin Ru- 
rotrophos zu weihen. Das ist nicht merkwürdiger, als wenn 
dein Poseidon eine Kora geweihl wird, die Statue eines Mäd- 
chens, deren jungfräuliches Leben dem Dienste der Athena 
gewidmet war (AeXriov 1890 S. 146 Nr. 5. Th. Sophulis, Tx 
h äx.po:r6>.£i iyx.'Xu.xTX aopoäv, Athen 1892, S. 13). 



' Curtius, Stadtgeschichte von Athen S. XXV. 

a \V;is Töpffer über den Valer des Epimenides, BäXoc, >;ilti , schien gut 
sur BXeJuTT] zu passen. Vber dass die Vermutung unrichtig ist, hat OiHs, 
Sitzungsberichte der berlinei Akade i 1891 8 393 gezeigt, 



196 0. KERN 

Das Orakel erwähnt von diesen vier Gottheiten, die am 
Eingang der Burg ihr Upov und ihren c-r/.öc haben, nur De- 
meter Chloe und Kora. Chloe (outio &s Ti^axott Ix rr,; y.x-ra tüv 
y.r.Trcov yXör,; Schol. Soph. Oed . Col. 1G00) ist die Göttin der 
aufkeimenden Saat, welcher am 6. Thargelion ein Widder 
geopfert wird '. Sie heisst auch EfyXoos {CIA. III 191) und 
hatte unter diesem Namen einen Kult bei dem Kolonos Hip- 
pios: die Töchter des Oidipus gehen auf den gegenüberlie- 
genden Hügel, der sich noch heute im Gegensatz zu dem öden 
Kolonos durch üppige Ölbäume auszeichnet, um Wasser zu 
holen. Von Demeter Chloe also und ihrer Kora spricht unser 
Orakel. Der delphische Apollo erteilt den Athenern ein Ora- 
kel, das mit einem Hinweise auf das Heiligtum dieser beiden 
Göttinnen anhebt.' Du —das ist der Orakelstil, siehe z. B. He- 
rodot Yll 141 — hast bei der Akropolis, wo das ganze Volk 
die Athena preisend anruft, ein Heiligtum der Demeter Chloie 
und ihrer Tochter, wo zuerst die Frucht des heiligen Getrei- 
des gewachsen ist, welches die Väter der Vorzeit fanden und 
wo sie dann ein Heiligtum errichteten ' -'. Das ist der Sinn 
des Bruchstücks A. Apollo erinnert die Athener an ihren Tem- 
pel der Chloe. Und weshalb er dies thut, erfahren wir durch 
das Bruchstück B, welches uns den Zweck des Orakels an- 
giebt. Es handelt sich um dtwap^at (V. 8), um die Erstlinge 
des Feldes, welche die Athener der Chloe schuldig sind. Und 
hierin liegt die Bedeutung des neuen Fundes. 

Apollo wahrt die Interessen der Demeter: er fordert für sie 
die Abgaben, deren Entrichtung wieder einmal vergessen war. 
Das ist öfter geschehen ; denn Isokrates sagt schon im Jahre 
380 ( Panegyrikos $ 31) ai ptiv vap -"XeicTat tgjv ttöXewv ü-öavY)ua 
t/,: 77a).oaz: euscysata; ä—ap/a; toO otitou x.aO i/.y.mov tov £vi%utov 
(i>: r,|7.a.<; ä— 077£a— 0'j<7t. zai(. (T ixJemovcatc. JioA.ldxiQ r\ [Jvßla JtpOQi- 
zaQer äjtoftpetr tu ptpi\ zär xd^.ifoy xai noietv jtooq r/'/r nöMr zr\r 



< Slen^el, Hermes XXII S. 90 f. 

2 'losjsavTo, b. das Orakel bei Kaibel, Epigrammata 1034 lepöv |i'aiu] ip- 

yaltDV iSpuua, 



DEMETER CHLOE [91 

rjiuzi'par za ndtpia , und noch beredter als der grosse Rhetor 
spricht zu uns die berühmte Lamponinschrift ( Dittenberger, 
Sylloge Nr. 13), welche mit den Worten beginnt: x-kzy-rixi 

rofv Oioiv toO x.ap-oO xarä za rrdrpia xat xi\r narzdar ii\r er Ae.t- 

<pa>r. Sowol bei Isokrates als in der Inschrift handelt es sich 
um die eleusinischen Göttinnen, und auch unsre Demeter 
Chloie ist eng mit dem eleusinischen Gottesdienst verknüpft. 
Denn wir besitzen jetzt das Ehrendekret für den eleusini- 
schen Demarchen Pamphilos, den Sohn des Archon {'Eyr- 
(i,epi? ip£. 1890 S. T26 Nr. 60). Dieser wird am Anfang des 
zweiten Jahrhunderts vor Chr. unter dem Archontat des Pe- 
lops wegen der Opfer geehrt, die er an den Haloia, den Chloia 
und den Kalamaia besorgt hat. am Fest der Tenne, am Fest 
der grünenden Saat und am Fest des Kohresd. h. der Blüte 1 . 
Die Ilaloia sind als eleusinisches Fest auch anderwärts be- 
zeugt (0. lUibensohn. Mysterienheiligtümer S. 115), und 
wenn der eleusinische Deinarch belobt wird wegen Opfer, die 
er an diesen drei Festen seinen Göttinnen dargebracht hat, 
so liegt nichts näher als die Vermutung, dass dies in Kleusis 
geschehen ist, dass also auch Chloia und Kalamaia in Eleusis 
gefeiert sind. Rubensohn scheint freilich anderer Meinung zu 
sein, denn er sagt ausdrücklich, dass ausser den grossen My- 
sterienfeiern für Eleusis nur noch die Ilaloia. Proerosia und 
Dionysia bezeugt seien. Die Chloia sind natürlich em Früh- 
lingsfest und dürfen nicht mit dem Opfer am sechsten Thar- 
gelion verwechselt werden: vgl. Cornutus c. 28 p. 55.13 Lang 
TcepL 6k to eap ty] XXör, Ar,u.Y]Tpi Oüo-jgi j/stx -xiÜ'.x; k%\ yx:x;. 
'.^ovt£; yXoä£ovTa. y.xl xy()<jvix^ ai>T0i$ i\-i.?ix 'jtto^ci/.vjvtz und 
Mommsen, lleortologie S. und 116. In der Sammlung der 
sog. orphischen Hymnen, über die vieles Treffliche in A. Die- 
terich's Habilitationsschrift De hymnis Orphicis i Marburg 
1891) gesagt ist, steht ein Kultlied auf die eleusinische De- 
meter-, in welchem dieselbe unter Anderem angerufen wird 
;ils TT? :;;.;••/-,. Twpixi?, a./(0(it>/, pUodxapxe. 



- 



1 Preller, Demeter und Persepbone S 323.Pbilios, 'K^jLEcU-äoy.iSi'iis. 131 
- s. auch 'Efijjispij i:/. 1892 8. 113. 



I9fi 0. KERN. DEMETER CHLOE 

Also im zweiten Jahrhundert n. Chr. — denn in dieser Da- 
tirung der Orakelinschrift wird Niemand Lolling widerspre- 
chen wollen — tritt der delphische Apoll wieder einmal für die 
Demeter und die ihr geschuldeten awap^ai ein. Man denkt 
unwillkürlich an I ladrinn und seine intimen Beziehungen 
zu Delphoi und zum eleusinischen Kult 1 . Doch das ist nur 
ein Gedanke, der sich nicht beweisen lässt. 

Da wo sich später das Heiligtum der Chloe und ihrer Toch- 
ter erhob, haben die Ahnen der Athener, die rcpoTepoi wa-repes, 
die Getreidefruchl gefunden ; von Demeter ist aller Segen des 
Ackerbaues ausgegangen. Aber das ist Priesterglauben und 
eleusinische Tradition. Die älteste athenische Sage schrieb die 
Erfindung des Pfluges dem Epimenides Buzyges zu, und trotz 
allen Glanzes, welcher die eleusinischen Mysterien umgeben 
hat, ist die Erinnerung an Athena Bou^üyn (Töpffer, Attische 
Genealogie S. 137) immer lebendig geblieben. Dafür ist der 
dritte der drei Lepoi xporot ( Plutarch praec. coniug. 42 p. 1 U A) 
ein deutliches Zeugniss. Unser Orakel aber tritt für die Rechte 
der Eleusinierin nachdrücklich ein. 

Weitere Schlüsse wage ich aus den geringen Resten auf B 
nicht zu ziehen. Bei <xyvö<; wird man an Hermes denken und 
könnte mancherlei dafür anführen. Doch ich möchte nicht 
die erste Publikation dieser interessanten Urkunde mit der 
Ausführung einer unsicheren Hypothese schliessen. 

Berlin. Juni 1893. 

OTTO KERN. 



•o- i^r>". •<--■ 



1 Dürr, Reiseo des Kaisers Hadrian 8. 4G. 



DIE NEUEN AUSGRABUNGEN IN TROJA 

Als die Ausgrabungen, welche Heinrich Schliemann unter 
Mitwirkung des Unterzeichneten im Jahre 1890 in Troja vor- 
genommen hatte, wegen der eintretenden Sommerhitze ein- 
gestellt werden mussten, wurde ihre Portsetzung für das näch- 
ste Frühjahr in bestimmte Aussicht genommen. Der im De- 
zember 1890 erfolgte plötzliche Tod des unermüdlichen For- 
schers schien diese Pläne gänzlich vernichtet zu haben. Es ist 
das Verdienst seiner Wittwe und treuen Mitarbeiterin, der 
Frau Sophie Schliemann, dass dies nicht geschehen ist. In 
der Vorrede zu dem Bericht über die Ausgrabungen des Jahres 
1890 erklärte sie, dass sie es für ein heiliges Vermächtniss 
halte, die Ausgrabungen im Sinne des Verstorbenen zum Ab- 
schluss zu bringen. Dieses Versprechen hat sie jetzt eingelöst, 
indem sie dem Unterzeichneten im \ergangenen Frühjahre die 
zur Fortsetzung der Arbeiten erlorderlichen Geldmittel zur 
Verfügung stellte. 

Die neuen Ausgrabungen begannen am 1. Mai und wurden 
am 11. Juli abgeschlossen. Bei der Leitung der Arbeiten und 
beim Studium der verschiedenartigen Funde standen mir meh- 
rere Herren zur Seite, welche von dem preussischen Cultus- 
minister auf meine Bitte nach Troja entsendet waren, nämlich 
A. Brückner als Archäologe, H. Weigei als Prähistoriker und 
\V. VVilberg als Architekt. Als Vertreter der türkischen Re- 
gierung wohnte Herr Prof. Mystakidis den Ausgrabungen bei. 

Die erzielten Resultate sind überaus wichtig und bezeichnen 
einen ganz neuen Abschnitt in dw Geschichte der Aufdeckung 
Trojas. Ein ausführlicher Bericht über die Ausgrabungen soll 
im Laufe Ar* \\ intera veröffentlicht werden, liier mag nur mit 
einigen Sätzen auf die Ergebnisse hingewiesen werden. 

Während der Ausgrabungen des Jahres 1890 waren uner- 



OHO \V. DOEHPFELD 

wartet einige Funde gemacht worden, welche ein neues Licht 
auf die vielbesprochenen Ruinen warfen. Bekanntlich sind in 
dem Burghügel von Ilion zunächst 7 verschiedene übereinan- 
derliegende Schichten oder Ansiedelungen gefunden worden, 
welche in den Büchern -llios' und ' Troja ' einzeln beschrie- 
ben sind. Bei Schliemann's letzten Ausgrabungen hatte sich 
diese Zahl bis auf 9 vermehrt, indem zwischen der 6., der von 
ihm lydisch genannten, und der.7.,der römischen 'Stadt' noch 
zwei weitere Schichten zu Tage traten, welche nach den darin 
gefundenen Gegenständen der altgriechischen und der spät- 
üriechischen Zeit angehörten. Dass Schliemann in der Mitte 
des Burghügels von den Bauwerken der 6.. 7. und 8. Schicht 
nichts gefunden hatte, erklärt sich wahrscheinlich aus der jetzt 
festgestellten Thatsache, dass die Kömer bei Erbauung des 
grossen Heiligtums der ilischen Athena den ursprünglich un- 
ebenen Burghügel durch Abtragung des mittleren höchsten 
Teiles in eine ebene Hochfläche verwandelt und so die oberen 
Schichten in der Mitte der Burg zerstört hatten. 

Neben dieser Vermehrung der Ansiedelungen verdanken 
wir aber den Ausgrabungen von 1890 vor Allem die chrono- 
logische Bestimmung der 6. Schicht und die Auffindung zweier 
stattlichen Bauten in derselben. Ausser den sogenannten ly- 
dischen Topfwaren kamen nämlich in der 6. Schicht eine 
grössere Anzahl von Gefässcherben und einige ganze Vasen 
der mykenischen Art zum Vorschein. Es durfte daher 
als erwiesen betrachtet werden, dass diese vorher kaum be- 
achtete Schicht aus derselben Zeit stammt, wie die Burgen 
Tiryns und Mykenae. Man hätte daran weiter die Folgerung 
knüpfen können, dass in dieser Schicht diejenige Burg gele- 
gen haben müsse, um welche der trojanische Krieg geführt 
wiii den sei. Dem widersprach jedoch vorläufig der Um- 
stand, dass in dieser Schicht nur zwei Gebäude gefunden 
waren und ihr auch keine Burgmauer mit Sicherheil zuge- 
schrieben werden konnte. Solange die 6. Schicht, nicht besser 
bekannl war. und so lange die zweitunterste, also eine viel 
tiefer liegende Schicht die einzige stattliche Burganlage dei 



DIE NEUEN AUSGRABUNGEN IN TROJA 201 

vorgriechischen Zeit an jener Stelle war, musste man Beden- 
ken tragen, die letztere als Pergamos des homerischen Troja 
fallen zu lassen, obwol fast alle Sachverständigen darin über- 
einstimmten, dass der Culturzustand, wie er durch die Bau- 
werke und die Kleinfunde der 2. Schicht dargestellt wird, ein 
älterer und einfacherer ist als der mykenische und der. wel- 
chen die homerischen Gedichte schildern. 

Durch unsere neuen Ausgrabungen ist diese Ungewissheit 
gehoben. Die 6. Schicht, von der wir nunmehr ein grosses 
Stuck freigelegt haben, hat sich als die stattlichste Burganlage 
herausgestellt, welche in vorrömischer Zeit auf dem Burghü- 
gel von Ilion gelegen hat. Die Reste von sieben grossen Ge- 
bäuden sind bereits aufgefunden, sie haben zum Teil den 
Grund riss der altgriechischen Tempel und der Megara von Ti- 
ryns und Mykenae, übertreffen diese aber noch durch ihre 
Abmessungen und die Sorgfalt ihrer Bauweise. Mindestens 
ebenso viele Bauwerke werden noch unter der Erde liegen. 
Das bemerkenswerteste unter den aufgedeckten Gebäuden ist 
ein ziemlich in der Mitte der Burg gelegener Bau, welcher aus 
einem Saale von ( J'" Breite und 1 1 l / 2 m Länge und einer nach 
N. VV. gerichteten Vorhalle besteht. In der Axe des Saales ist 
eine steinerne Säulenbasis erhalten, aus deren Form und Platz 
sich ergiebt, dass der Saal einst durch drei hölzerne Säulen 
in zwei Schiffe geteilt wurde. Der Bau hat also grosse Ähn- 
lichkeit mit dem von B. Koldewey ausgegrabenen Tempel 
von Neandria. Ob wir es auch in Troja mit einem Tempel zu 
thun haben, lässt sicli vorläufig nicht entscheiden. 

Die Bauwerke der 0. Schicht, die jedenfalls meist Wohn- 
häuser sein werden, sind umgeben von einer stattlichen Fe- 
stungsmauer, die wir schon an manchen Stellen aufgedeckt 
haben. Ans grossen Steinen erbaut, ist sie .V" stark und stellt 
noch mehrere Meter aufrecht. An ihrer Aussenseite zeigt sie 
eine regelmässige Böschung Ein gewaltiger Turm von etwa 
18'" Breite ist an der Nordostecke vorgebaut, dev im Innern 
eine Treppe enthält und noch jetzt eine Höhe VOI1 mehr als 8 
hat. In Bezug auf seine Abmessungen, seine Festigkeit und 

ATHEN. MITTHEILUNGEN Will. 14 



202 \V. DOERPFELU 

seine sorgfältige Bauart kann sicli dieser Turm mit jeder 
Turmanlage aus dein griechischen Altertum messen. Die ge- 
naue Füuun<>- der Steine und die saldiere Bearbeitung der Ecken 
könnten zu der Annahme verleiten, dass der mächtige Turm 
aus griechischer Zeit stamme, aber erstens wissen wir, dass 
Troja damals von zu geringer Bedeutung war, als dass es 
eine solche Burgmauer erbauen konnte, und zweitens sieht 
man an Oit und Stelle deutlich, wie der Turm in grie- 
chischer Zeit überbaut, durch Hinzufügung einer äusseren 
Treppe teilweise entfestigt und schliesslich in römischer Zeit 
unter gewaltigen Quaderfundamenten begraben worden ist. 
Endlich kehrt auch die Verwenduni'' rechtwinklig bearbeite- 
ter und wolgeglätteter Steine bei einigen der Häuser der 6. 
Schicht wieder. Der Turm gehört also sicher der 6. Schicht an. 

Da nun in jenen sieben im Inneren der 6. Burg aufgedeck- 
ten Bauwerken wiederum neben der einheimischen oder ' ly- 
dischen ' Topfware sehr viele m\ kenische Gelässcherhen ge- 
funden sind, und da zwischen dieser 6. Schicht und den rö- 
mischen Bauwerken an mehreren Stellen noch deutlich zwei 
Schichten von verschiedenen Gebäuden zu erkennen sind, so 
kann es nicht mehr bezweifelt werden, dass wir in der 6. 
Schicht thatsächlich die Burg aus mykenischer Zeit, also die 
von Homer besungene Pergamos von Troja gefunden haben. 

Die Grösse dieser Pergamos stimmt etwa mit der Grösse 
der Burg Tiryns überein; ihr Flächeninhalt ist mindestens 
doppelt so gross als derjenige der Burg der zweiten Schicht. 
Ihre Höhe über der Ebene betrug etwa 28 m . 

Die Frage, ob neben der bisher nur bekannten Burg in 
mykenischer Zeit auch eine Unterstadt vorhanden war. dür- 
fen wir zwar noch nicht ganz bestimmt bejahen, aber manche 
Thatsachen sind anzuführen, welche für ihr Vorhandensein 
sprechen. Hier mag nur darauf hingewiesen werden, dass 
bei Ausgrabungen, die etwa 1 Kilometer südlich von der Akro- 
polis, ausserhalb der römischen Stadtmauer gemacht wurden, 
mykenische Scherben mit einer grossen Anzahl 'lydischer' 
znsammen gefunden sind, und dass ferner neben zahlreichen 



DIK NEUEN AUSGRABUNGEN IN TROJA 203 

jüngeren Gräbern, welche an derselben Stelle aufgedeckt wur- 
den . aucb eine der Keramik der 6. Schicht entsprechende 
Urne mit Leichenbrand zu Taue gekommen ist. Machen es 
diese Funde einerseits wahrscheinlich, dass die 6. oder myke- 
nische Stadt sich bis zur südlichen Grenze der späteren Stadt 
ausdehnte, so passt andrerseits die durch die Urne mit ver- 
brannten Knochenresten bezeugte Art des Begräbnisses sehr 
gut zu der bei Homer geschilderten Sitte der Leichenverbren- 
nung. 

Diese wichtigen Resultate der letzten Ausgrabungen haben 
unsere Erwartungen, ja unsere Hoffnungen übertroffen. Nicht 
nur ist das letzte Dunkel aufgeklärt, welches noch in Bezuu 
auf das Zeitalter der verschiedenartigen trojanischen Ruinen 
bestand, sondern wir haben auch in der 6. Schicht eine Burg- 
anlage kennen gelernt und werden sie hoffentlich bald noch 
hesser kennen lernen, die sich Tiryns und Mvkenae würdig 
an die Seite stellt und die es wol verdient hat von einem 
Homer besungen zu werden. 

Die Burg der zweiten Schicht, noch durch drei übereinan- 
der liegende Ansiedelungen von der 6. getrennt, muss jetzt in 
eine Zeit hinaufreichen, aus der wir in Europa keine auch 
nur annähernd gleichaltrige Anlage aufweisen können. Sie 
wird bis ins 3. Jahrtausend vor Chr. hinaufzurücken sein. 
Dass die erste, die unterste Schicht, noch ganz bedeutend älter 
sein muss, ist für jeden Kenner der trojanischen Ruinen ein- 
leuchtend. 

Eine erwünschte Bestätigung unseres Resultates, dass die 
6. Schicht dein homerischen Troja entspricht, liegt in dem 
Umstände, dass die berühmten trojanischen Tumuli, welche 
zum grossen Teile im Altertum und auch in neuerer Zeit als 
Heroengräber, d. h. als die Gräber der trojanischen und erie- 
einsehen Hehlen galten, nunmehr auch zeitlich in die m\- 
kenische Zeit gesetzt werden dürfen. Denn Schliemann hatte 
seinem letzten Berichte (S.1S) nach in den ineisten von ihnen 
dieselben einheimischen Gefässcherben gefunden, welche in 
i\w 6. Schichl vorherrschen. 



?0'i \Y. nOERPFF.I.D 

Noch eine zweite Aufgabe hatten wir uns für die diesjähri- 
gen Arbeiten gestellt. Es sollte in einem Teile der Burg, der 
noch unberührt war. ein kleinerer Platz von oben bis un- 
ten hinab abgegraben und dabei nochmals die Bauwerke und 
alle Funde jeder einzelnen Schicht verzeichnet werden. Bei 
dieser Grabung haben wir von oben beginnend eine Schicht 
nach der anderen aufgedeckt, haben alle darin gefundenen Ge- 
genstände gewissenhaft gesammelt und sind dann erst zum 
Abbruch der Gebäude und zur Auldeckung der nächst unteren 
Schicht übergegangen, nachdem die Gebäude genau gemes- 
sen, gezeichnet und photographirt waren. Es sind dabei die- 
selben Schichten festgestellt worden, welche wir im Jahr 1890 
beobachtet hatten. Ihre Zahl beträgt mindestens neun. An ei- 
nigen Stellen lassen sich noch mehr Schichten unterscheiden, 
doch empfiehlt es sich aus manchen Gründen, bei dieser Zahl 
stehen zu bleiben und daneben als Unterabteilungen noch 
verschiedene Perioden einzelner Schichten anzunehmen. Dass 
z. B. die zweitunterste Schiebt noch in drei deutlich getrennte 
Perioden zerfällt, ist schon früher constatirt ; dass auch in der 
untersten Schicht mindestens zwei Perioden zu unterscheiden 
sind, haben die letzten Ausgrabungen gelehrt. 

Eine klare Übersicht über diese neun Schichten gewinnt 
man am besten durch folgende Zusammenstellung: 

I. vormykenische oder prähistorische Schichten: 

a) uralle Ansiedelung = 1 . Schicht. 

b) stattliche Burganlage mit Wohnhäusern, Burgmauer, 

Türmen und Thoren = 2. Schicht. 

c) drei unbedeutendere Ansiedelungen, nach einander 

über den verbrannten Ruinen der 2. Schicht er- 
richtet =3. bis 5. Schicht. 

II. die mykenische Schicht oder die homerische Perga- 

mos = G. Schicht. 

III. die nachm) kenischen Schichten : 

a) archaische Wohnhäuser = 7 . Schicht. 

b) griechisch-hellenistische Wohnhäuser = 8. Schicht. 
e) stattliche römische Bauwerke = 9. Schicht. 



DIE NEUEN AUSGRABUNGEN IN TKO.IA Wn 

Wir haben es lebhaft bedauert, dass H. Schliemann, der 
Entdecker Trojas, die Auffindung der 6. Schicht mit ihren 
grossartigen Bauanlagen nicht mehr erlebt hat. Nur den er- 
sten mykenischen Bau und die ersten Vasenscherben dieser 
Epoche hat er noch gesehen und ihre Bedeutung nicht ver- 
kannt. Unzweifelhaft wurde er sich mit Begeisterung und Ei- 
fer der Untersuchung und möglichst vollständigen Aufdeckung 
der neuen Pergamos gewidmet haben. Hoffentlich werden 
auch jetzt die Mittel nicht fehlen, um dies Werk durchzufüh- 
ren. Die Bauwerke im Inneren müssen alle untersucht und, 
soweit es die darüber liegenden späteren Gebäude gestatten, 
freigelegt werden. Die mächtige Burgmauer darf nicht länger 
unter dem Schutte der Jahrtausende begraben liegen, sondern 
muss, soweit sie erhalten ist, ans Licht geschafft werden. Wir 
hoffen zuversichtlich diese beiden Aufgaben im nächsten Jahre 
erfüllen zu können. 

WILHELM DOKl'FELD. 



INSCHRIFTEN AUS SUBD-PHRYGIEN 

1. Dinair (Apamea). Grabstele, II. 1,07, ß.0,55, 1). 0,41. 

AY. '//TINOCAPICTttNOC AG tivo? 'Aptfftwvos 

6nYHCATOHPQON6MAN i^n^x zo -öpöJov iy.au- 

TQK.TI-rYNAIKIMOYT </§ tä nftü) -ri] yuvaixt pu T[<fc- 

T K.T6KN0ICIC06TeP -r[a]-x(al) texvoi«, i« o l«p[o« 

eiA6MHeCTe ou xfotofaei'] et Ss pi !<m 



AYTftnPOCTONOeON kutö xpöc; röv Geov. 

*2. Zwischen Dinair und Peltai, 20 Minuten nördlich von 

der Station Sundurlü in einen Brunnen verbaut. II. 0,55, 
B. 0,34; Buchstaben sehr geziert. 

. E N O (j) n N Z svocpcöv 

< A I E O P T H y.y.1 'EopTV] 

\ M M I A T H 'AixuAx rvi 

M H T P I M N H [XYjTpt (Jtvri- 

5 MHIXAPIN (xyj? /zo-.v. 

3. Aus Kolossai. Jetzt auf der Station Appa. 

TOMNHM j T6 pYj(A[eiov 

AIONOICIOYA Aiovoigiou 'A[y- 

TEAIKOYKAIT yeXtKOÖ xai t- 

HCrYNAIKOC vit yuvaiao? 

5 AYTOYTATA kutoö T&xaf? 

KAITHCGYff xal T9i; 6u[ya- 

TPOEHMQN rpo; yjjxöv 

IPHNHE.ENQ "IpVivYis- ev cL 

ETEPOCOYK krepo? oü x- 

10 HAEYGEIf ff r,S £ u(a) £t [et 8- 

ETICTINf e xi? riv[a 

KHAEYf/11 x^on, &<ö- 

CEITfl(t)ICKfi Tei tu (picxo 

X A * a 



G. WEBER, INSCHRIFTEN ALS SUED-PHRYGIEN 207 

4. Aus Kolussai. Jetzt an der Station Gondjeli. 

Z ü 2 E I N 'Cuseiv? 

MAPKOZPOY Mxo-z.o? 'Pou- 

nOYKAIAlO tcou kxI Aio- 

NYIEIOIYO vuaeio? uo[? 

5 AYTOYENfi <xutoG- ev d> 

KHAEYOY2I JCY)Seu(8r))a(6)- 

TAi §§i wu.. [aSsxi; 

ETEPONKHAEY2 erepov »cvjSeuo n . 

AfiIEITa<t)IIKn Sücst reo 9^x.w 

5. Aus Anava-Sanaos. Jetzt auf Station Appa. Quader aus 
hartem gelblichen Kalkslein, von einem Maurer, der nach 
Bausteinen grub, in Sari-Kawak, der Stelle des alten Anava, 
gefunden. II. 0,59, B. 1,20, D. 0.35. Buchstabenhöhe 0,05. 

KAAAIITPAT02AI0ADP0YT0N 
TOnONArOPAIAIIlAPEAYTOY 
KAITOBOYAEYTHPIONETTIZKEY 
A2A2METAAIOAftPOYKAI 
5 KAAAl^TPATOYTQNYinN 
2YMrTA2HKATA£KEYHT<7AH 
M Q. I 

KaA^tcTpxTOi; A'.oScopo'j tov 

TÖrov ayopscra; rzoif sxotoü 

/ta ! . xö ßo'jA£'jTv;piov L~ig-/,vj- 

xgx$ 1/.6TX AioStopou xai 

5 l\ XA'XlCTpXTO'J TÖV •j'.GJV 

i'ja T^aTYi xaxa<jy.6'j^ tcö 07)- 

IACO. 

Smyrna. 

<i. WEBER. 



INSCHRIFTEN AUS MARATHON UND SALAMIS 

Auf Ausflügen nach Marathon und Salamis hatte ich Gele- 
genheit, folgende Inschriften zu sehen und von ihnen Abklat- 
sche zu nehmen. 

1. In Bei beiludet sich auf dem Gutshofe des Herrn Skuse 
ein kleiner viereckiger Altar aus pentelischem Marmor, der im 
skuse'schen Acker südöstlich vom Dorfe gefunden wurde. 
H. 0.43. B. 0,20". Auf der Vorderseite in flachem, stark be- 
sessenem Relief zwei stehende Frauen in Chiton und Mantel, 
die rechts stehende hält in der Linken einen undeutlichen Ge- 
genstand. An den andern Seiten Girlanden. Über dem Relief 
der Vorderseite und auf der rechten Nebenseite steht die In- 
schrift : vorn : A H A A TT A P A M O N O s //// 

rechts : 6YXH N M HTPI06UJN 
Die Buchstabenhöhe beträgt 12 mm ; die Schrift ist sorgfältig, 

die inneren Querhasten des A, E und sind nicht ganz bis 

zu den äusseren Strichen durchgeführt. 

Ein 'lar/Skriz Ilapaaövoy MapaOwvto? ist durch eine Kosme- 

teninschrift aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts (C. I. A. 

III 740 Z. 17) bekannt; nach dem Schriftcharakter und dem 

Fundort des Altars könnte dessen Dedikantin wol die Tochter 

desselben Paramonos sein. 

2. Im Hofe des Klosters Phaneromeni auf Salamis trägt ein 
Pflasterstein nahe dem Brunnen die Inschrift: 

vi.vAOBOAO s 
^OYZIOYOYThN 
PE1T I A2 
Der Stein ist rings bestossen, doch scheint die Inschrift mit 
ecrtai; beendet gewesen zu sein. Buchstabenhöhe durchschnitt- 
lich 2*2 ,nm . Das Fragment stammt augenscheinlich von einer 
Basis und ist im Wesentlichen klar: 

Kux.]Xo£cao'j 

M'jpptlvO'Jffio'J (?) 0'JTY)V 

ptüTjöevra ä]<p' e<ma$ 



A. BRUECKNER. INSCHRIFT AUS KEPHALE 2<K) 

3. In Ambelaki bei Konstantinos Sakonos Stele mit profi- 
lirtem oberem Hand, H. 0,65, B. 0,375' n . 

BOIAIONKOIMIAI 

4. Ebenda als Wasserausguss vermauerte Stele, B. 0,35"'. 

(fPYNIXOI 

O I N I A O Y 

KYAA0HNAIEY2 

Sehr schlanke weitgestellte Buchstaben, die der dritten Zeile 
etwas enger. Durchschnittliche Buchstabenhöhe 20""". 

ALFRED KÖRTE. 



INSCHRIFT AUS KEPHALE 

Vor drei Jahren sah ich im südlichen Teile von Keratea in 
das Hofthor des Joannis Sotopulos eingemauert einen Grenz- 
stein aus laurischem Marmor (h. 0,82. br. 0,27), an dessen 
oberem Ende in noch strengen, etwa der Zeil um 400 ange- 
hörenden Zügen die Inschrift steht: 

H O P O £ 
TEMENOY£ 
A<J>POAITH£ 
KE0AAHOEN 

Es isl das wol dieselbe Inschrift, welche Milchhöfer nach 
einer Mitteilung von E. Curtius unter ("beruehunir der zwei- 
ten Zeile in den Untersuchungen über die Demenordnung des 
Kleisthenes S. 25 (Anhang zu Al.hamll. der Beil. Akad.1892) 
erwähnt. Ebendort ist auch darauf hingewiesen, dass die- 
ses Heiligtum der Aphrodite bei l8aeus II. 31 erwähnt ist. 



.'In a. BRÜECKNER, INSCHRIFT AUS KEPHALE 

E. Curtius hatte den Pfeiler 'zwischen Keratea und Kaki Tha- 
Lassa' gesellen: so gelegen ist auch die Gegend Striphi, am 
östlichen Abhänge des Windmühlenberges (vgl. Karlen von 
Attika Blatt XIII und XI l auf dein Wege nach Kaki Thalassa; 
man hat mich dorthin geführt, um mir die Stelle, von der vor 
Längeren Jahren der Stein fortgeschafft worden war, zu zei- 
gen. Der Gegend Striphi benachbart ist die Gegend Rudseri, 
in welcher Milchhöfer einen Epistylblock von 30°° Höhe mit 
dem Inschriftreste iveGr^/.sv gesehen hat (Athen. Mitth. XII 
S. 286 Nr. "201). Die zahlreichen Grabinschriften von Demo- 
ten Kephale's, durch welche die Lage des Demos schon seit 
geraumer Zeit als bestimmt gelten konnte, sind insgesamt im 
Umkreise von kaum über 7 4 Stunde um die Gegend Striphi 
und den Windmühlenhere herum gefunden worden ; siehe 
Milchhöfer a. a. 0. Nr. 510 ff. und neuere Funde im Aeatiov 
äo/x'.o^oy.x&v 18D-2 S. 24 von Leonardos beschrieben. 

In seiner Arbeit über die Trittyen und Deinen Attikas hat 
R. Löper die Vermutung ausgesprochen, der Name Kephale 
sei davon herzuleiten, dass 'dieser Demos an den Quellen des 
Flüsschens lag, welches bei Thorikos in das Meer mündet' 
(Athen. Mitth. XVII S. 398). Ich möchte den Ursprung des 
Namens vielmehr darin sehen, dass Kephale auf dem Sattel 
zwischen den beiden Thälern von Kalyvia-Markopulo einer- 
und dem des Potami andererseits liegt, auf der höchsten 
Stelle, welche die Strasse von der Mesogaia nach Thorikos 
und Laurion zu überwinden hat. Ke<paAy] wäre also hier in 
ähnlichem Sinne gebraucht, wie von Xenophon in der Kyro- 
pädie III, 3,66, wo er von einer y.ioxkr, räcppou spricht. Die 
ungezwungene Erklärung, die der Name des Ortes aus dessen 
Lage findet, hindert natürlich nicht anzunehmen, dass der 
König Kephalos der Heros Eponymos des Ortes war. 

Aihen. 

ALFRED BRÜECKNER. 



L ITT ERAT I" l: 

I. Ko*INIÜTHS, 'IffTOpi* tou "Apvoj: ixet' fitxdvwv. Heft 16. 
Athen 1893. 

L. Mii:mi:u, Das Grab des Sophokles. Athen. 1893. 

E. I..STAMATIAAHS, 'E7C6T7)pi<; tt,: 'Hyeuovia? Siptou 1893. 
Samos 1893. 

Estia 1893 Nr. 19-24. Darin u. a. S. 291 ff. i\ Maupo- 
yidvTjs, Bu^avrtv7] Tr/vr,. — S. 313 Abbildung der Poseidonstatue 
aus Melos (Kavvadias 235). — S. 337. A. BixeXa«;. Ex. Aea- 
cptüv (Allgemeines. Die ersten Funde). 

ÜAPNASSOS , IleptoS'.y.ov ffüyypa|/.ü.a tou ev 'A0rjvai? 6(i(s>vup.ou 
duXXöyou XV, 8. 9. Darin u. a. S. 561. A. Kapaun, Xio? xai 
Xioi. — S. G00. B. M. A. KaTCTira&oxixä — S . 615. V. I. Ka- 
XaidaxT)?, 1 1 s p • Tr,; lv Kpr,TV] Az--x: r, ApyupouTco^eoK. L hine 
etwas allgemein gehaltene Notiz, die von zwei neu gefundenen 
Inschriften ausgeht: 1. Auf einer Basis Xaipe A-.ov.r/W, 2uu.€pi- 
Tis ; Xaipexs -i^zi:. 2. Auf einer Bleitafel, die von demselben 
Grabe stammen soll : IlacxSiSwu.'. to ; .': xaTa^dovioi; 8eoi? toOto 
to Yipwov <p-.Aä<7<7eiv Hao'jtcov. xal Ar, y./TC i /.xi Wizni'y^rr, xai 'Epi- 
vuat xai rcaci toi? /.aTxyfyovio'.; Oeoi;. El t-.: xicoxoo^aet toöto to 
yjpöov r, äva<7TOao)G£i r, Tt xai ETepov us t ?./.'. vr.Tc'. r, oc'Jto; y; ot' xX- 
a.o'j [xr] y/i (aar?) ar; öaXaaaa ttacoty; aXV ixpi^(i)6^(76Ta( 7cayy6vs£. 
rizai toü? x.ax.oi«; — etpav oaxret xai ©pixv) xai rcupETeji rpixaicp /.*■. 
TerapTait.) xai sXecpavTi xal vl^nar, ( : 1 [/.oXuooou ( ; ) wupi xa! otx 
xaxä xal öXs'Optx yivsTai, txütx ysve'aötä tu TOAar ( <jov7'. ix to'jtou 
tou r ( pcao'j pt6Taxiv75oai Tt. Die daraus gezogenen Folgerungen 
mögen auf sich beruhen]. 



F ü N D E 

Attika. Bei der Anlegung einer Wasserleitung von Mos- 
chato nach Piräus ist nahe bei Neu-Phaleron ein 88 m brei- 
tes und mit dem über einem flachen Giebel ziemlich hoch sich 
erhebenden einfachen Mittelakroterion 0.79'" hohes doppelsei- 
tiges Relief aus pentelischem Marmor gefunden. Dem Stile 
nach gehört das Werk in die Zeit kurz nach dem Parlhenon- 
fries ; die Arbeit ist sehr gut, ebenso die Erhaltung. Dargestellt 
ist auf der einen Seite rechts eine Gruppe von drei stehenden 
Mädchen, offenbar Nymphen, vor ihnen, nach links gewendet 
stehen zwei bärtige Männer, von welchen der den Nymphen 
zunächst stehende, welcher sich nach ihnen umblickt, durch 
zwei kurze Stierhörner an den Schläfen als Flussgott chara- 
kterisirt wird (vgl. die auf den Nymphenreliefs übliche Dar- 
stellung des Acheloos). All diesen Figuren gegenüber steht 
am linken Ende der Darstellung eine schlanke jugendliche 
Gestalt in einem feinfaltigen bis auf die Kniee fallenden Chi- 
ton, über welchem sie noch einen nur auf der linken Schulter 
geknüpften und bis auf die Mitte der Schenkel reichenden 
zweiten trägt. Die Haartracht lässt die Figur als weiblich er- 
kennen. 

Über der Darstellung steht die Inschrift: 

EPMHIKAINYM<|>AmNAAEZOI§/li / A § 

Auf der anderen Seite sieht man ein nach links bergan spren- 
gendes Viergespann, vor welchem rückblickend ein nackter, 
nur eine Chlamys tragender Jüngling läuft. Auf dem Wagen 
steht als Lenker ein ganz ähnlicher Jüngling, welcher mit der 
Linken ein neben ihm stehendes Mädchen umfasst; dieses in 
Chiton und Mantel gekleidet hält sich mit der Rechten am 
Wagen rande fest und scheint sich die Entführung nicht un- 



FUNDE £43 

gern gefallen zu lassen. Über dem Paar stehen die Namen 
E X E A O € und I ' ' A € I A H (vielleicht BowiXtj, wie Lolling 
vermutet, und wozu die Spuren passen), über dem Jüngling 

vor den Pferden | JH EP I MH2: - Der Grund zeigt 

deutliche Reste hellblauer Bemalung. Eine kurze Notiz von 
J. Dragatsis stellt z. B. in der Ilpövotx. Piräus 14 Juni 1893, 
mehr darüber von demselben in der 'Emix 1893 Nr. 27, vgl. 
auch Kavvadias in der 'E<pY)p.epi$ äp/. 1893 S. 110. Eine Ver- 
öffentlichung in der 'E-pr.u.splf; steht bevor. 

An derselben Stelle sind nach Dragatsis ein antiker Brun- 
nen mit thönerner Wandverkleidung, Gefässcherben und zwei 
Grabsäulen, auch eine von N. nach S. laufende Mauer ge- 
funden worden. [P. w.] 

Auf den beiden Studienreisen des deutschen Instituts, wel- 
che in den Monaten März und April dieses Jahres unter Be- 
teiligung vieler deutscher und fremder Archäologen und Phi- 
lologen durch den Peloponnes und nach mehreren Inseln des 
ägäischen Meeres unternommen wurden, sind die meisten 
griechischen Buinenplätze. an denen grössere Ausgrabungen 
stattgefunden haben, besucht worden. Da ich so Gelegenheit 
hatte, viele in letzter Zeit ausgegrabene Gebäude nochmals 
zu sehen und die sich daran knüpfenden Fragen mit Fach- 
genossen zu besprechen, kann ich an dieser Stelle, wie schon 
in früheren Jahren, über eine grössere Anzahl von Ausgra- 
bungsplätzen berichten. 

1. Mykenae. Di»' Ausgrabungen der griechischen archäo- 
logischen Gesellschaft sind auch in diesem Winter unter der 
bewährten Leitung des Herrn Tsundas fortgeführt worden und 
haben ein neues grosses Kuppelgrab zu Tagf gefördert, das 
zwischen dem Löwenthor und der von Frau Sehlieinann 
aufgedeckten Tholos liegt. Es unterscheidet sich zu seinem 
Nachteil von den übrigen Kuppelgräbern in Mykenae dadurch, 
dass die runde Umfassungsmauer aus sehr kleinen Steinen 
hergestellt ist. Der obere Teil der Kuppel ist in Folge dessen 



Ol'« FUN DK 

eingestürzt, und eine vollständige Ausgrabung wird sich ohne 

umfangreiche Schutzvorrichtungen nicht ermöglichen lassen. 

Die im Inneren der Burg vorgenommenen Grabungen ha- 

DO O 

ben eine Anzahl aller Mauern freigelegt, welche zum Teil 
aus heroischer Zeit stammen und zu den Nebenbauten des 
K.önigspalastes gerechnet werden dürfen, zum Teil aber jün- 
geren Epochen angehören. Von dem Rönigshause seihst, wel- 
dies die Spitze des Burgberges einnahm, sind keine neuen 
Teile ausgegraben. 

2. Heraion hei Argos. Das amerikanische Institut hat 
seine Ausgrabungen an dem berühmten Tempel der Hera, 
dem Mittelpunkt der argivischen Ebene, in diesem Frühjahre 
wiederaufgenommen. Die Leitung der Arbeiten liegl wieder- 
um in den Händen des Herrn Ch. Waldstein. Bei unserm 
Besuche i\c^ Tempels halten die neuen Grabungen noch nicht 
begonnen. Während in der ersten Campagne hauptsächlich 
der jüngere, aus dem fünften Jahrhundert stammende Tempel 
freigelegt worden ist, soll die neue Arbeitsperiode dem älte- 
ren Tempel gewidmet sein. 

3. E p i dau ros. Herr Generalephoros Rawadias lässt seine 
erfolgreichen Ausgrabungen in dem Hieron des Asklepios bei 
Kpidauros fortsetzen. Nördlich \on dem bisherigen Ausgra- 
bungsfelde ist neuerdings ein grosser tempelartiger Bau ent- 
deckt worden, der \ielleichl das Hauptthor des heiligen Be- 
zirks gebildet hat. Er liegt etwa an der Stelle, wo der von 
der Stadt Epidauros kommende Weg das Hieron erreicht. In 
ionischem und korinthischem Stile erbaut, zeigt er an seiner 
nördlichen wie au seiner sudliehen Giebelseite je eine Rampe, 
wie sie namentlich im Peloponnes \or Tempeln und Thorge- 
bäuden vorzukommen pflegt Nach vollständiger Freilegung 
und genauer Untersuchung wird sich seine Bestimmung ge- 
w iss herausstellen. 

Die wichtige Bauinsehrif'l über die Tholos de- Polyklet, 
welche ich schon im \ origeu Jahre erwähnte, ist jetzt \on dem 
Entdecker Herrn Staus in (\r\- 'Eyr^tols i:y. 189*2 S. 69 und 
von Herrn Kavvadias in seinen Fouilles d'Epidaure S. 93 



FUNDE 215 

herausgegeben. Da in der Inschrift pentelischer Marmor als 
Baumaterial erwähnt wird, während der Marmor aller in 
Athen befindlichen Bauglieder der Tholos grobkörniger, etwas 
bläulicher Marmor voe Tegea (Brüche von Dolianä) ist. ha- 
ben wir bei unserem Besuche von Epidauros die sämtlichen 
marmornen Bauglieder des Bundbaues auf ihr Material un- 
tersucht. Ks stellte sich dabei heraus, dass nur der an den 
Orthostaten und dem oberen Wandgesimse der Cellamauer ver- 
wendete Marmor feinkörnig ist und vom Pentelikon herrührt. 
Alle übrigen Steine zeigen das grobkörnige Material von Do- 
lianä. Diese Thatsache ist für die ßaugeschichte der Tholos 
insofern wichtig, als die durch die Inschrift gewonnene Da- 
tirung des Baues zunächst nur für die Cellawand und die 
Aussensäulen gilt. Die Innensäulen und die Decke, welche in 
der Inschrift nicht erwähnt sind und deren Kunstformen sich 
auch Min denen des Aussenhaues wol unterscheiden lassen. 
können möglicher Weise aus einer jüngeren Zeit stammen. 
Es ist hier jedoch nicht der Ort. auf diese kunstgeschichtlich 
wichtige Frage näher einzugehen; es mu ss genügen, sie be- 
rührt zu haben. 

4. M egal op o l i s. Die Ausgrabungen, welche die engli- 
sche Schule seil mehreren Jahren zur Aufdeckung der Ruinen 
von Megalopolis unternommen hat. sind in diesem Frühjahre 
fortgesetzt worden. Zunächst hat man das neben dem Thea- 
ter liegende Thersileion, den Versammlungsraum der Zehn- 
tausend, ganz aufgedeckt und uns damit einen Hau geschenkt, 
der wegen seines eigentümlichen Grundrisses in der griechi- 
sehen Baugeschichte einzig dasteht. Er gleicht in mancher 
Beziehung, so namentlich in dem Ansteigen des Fussbodens 
den Sitzungssälen der heutigen Parlamente, enthält aber im 
Gegensatz ZU diesen eine grosse Zahl von Innensäulen, die von 
t\rv Mille nach drei Seiten strahlenförmig angeordnet sind. 

Sodann hai man an der Westseite ilrv Agora ein Gebäude 

aufgedeckt, dessen Grundriss sich hei unserer Anwesenheit, 
noch nicht deutlich erkennen liess. 

Genaue Aufnahmen aller bisher m Megalopolis aufgefun- 



216 FUNDE 

denen Bauwerke sind \on dem englischen Architekten Herrn 
Schultz angefertigt worden und werden binnen Kurzem in ei- 
nein besonderen Ergänzungsbande des Journal of Hellenie 
studies erscheinen. Allen Fachgenossen, welche sich mit dem 
griechischen Theater beschäftigen, werden besonders die \ic- 
len und sorgfältigen Pläne und Profilzeichnungen des Theaters 
erwünscht sein, weil sich ja an dieses eine lebhafte Gontro- 
verse darüber geknüpft hat, oh in ihm eine erhöhte griechische 
Buhne, ein aus dem vierten Jahrhundert stammendes Logeion 
erhalten ist oder nicht. An der Hand der Pläne und der ein- 
gehenden Beschreibung kann sich jetzt jeder ein eigenes Ur- 
teil bilden. 

Da Herr E. Gardner in einer öffentlichen Sitzung der eng- 
lischen Schule in Athen die Pläne bereits vorgelegt und seine 
jetzige Ansicht über die Einrichtung und Baugeschichte des 
Theaters vorgetragen hat. halte ich mich für berechtigt und 
verpflichtet, schon jetzt meine abweichende Ansicht mit eini- 
gen Worten darzulegen. Eine eingehendere Behandlung werde 
ich folgen lassen, sobald die englische Publication erschienen 
ist 1 . 

Zunächst kann ich zu meiner Freude constatiren, dass Herr 
Gardner seine frühere Behauptung, dass die deutlichen Beste 
eines sechsstufigen griechischen Logeion gefunden seien [Jour 
nal of Hellenie studies I 890 S. 294) zurücknimmt und da- 
für meiner Ansicht, dass der aufgefundene Stufenbau eine 
etwa 8"' hohe dorische Säulenhalle getragen habe (Athen. 
Mitth. 1891 S. 258 und Athenaeum vom 25. Juli 1891). 
vollkommen beitritt. Der englische Architekt hat, wie zu er- 
warten war, die ehemalige Existenz der Säulenhalle lediglich 
bestätigt. Auch darin stimmt mir Herr Gardner jetzt zu, dass 
diese Halle, welche die Vorhalle des Thersileion war, bei den 
Aufführungen als Hintergrund, als scasnas frons K gedient hat. 

Er glaubt aber jetzt an einer anderen Stelle, nämlich vor 
dieser Säulenhalle, das ehemalige Vorhandensein einer niedri- 



1 [st während des Druckes erschienen. 



FUNDE 217 

gen griechischen Bühne nachweisen zu können. Er stützt sich 
dabei auf einen Höhenunterschied, welcher zwischen der Or- 
chestra und der Unterstufe der als scaense frons dienenden 
Vorhalle des Thersileion bestehen soll. 

Dieser Unterschied hat, wie sich leicht zeigen lässt. in Wirk- 
lichkeit nicbt e.vistirt und demnach hat es auch kein griechi- 
sches Logeion in Megalopolis gegeben. 

Die Vorhalle (\c^ Thersileion bat zwei ältere Oberstufen und 
drei jüngere, unzweifelhaft spater hinzugefügte Unterstufen. 
Die Orchestra liegt nun nicht in der Höhe der alten Stufen, 
sondern ungefähr in dem Niveau der jüngeren Unterstufe. 
Daraus schliessl Herr Cardner. dass in älterer Zeit ein Po- 
dium vor der Vorhalle bestanden haben müsse, welches jenen 
Höhenunterschied zwischen der Orchestra und der alten Un- 
terstufe ausgeglichen habe. 

Der Unterschied der beiden Pussböden ist aber nur dann 
vorhanden, wenn man zwei nicht derselben Periode angehö- 
rige Bauteile mit einander vergleicht. Das Thersileion und 
seine Vorhalle sind älter als das jetzt vorhandene steinerne 
Theater und seine Orchestra. jene stammen aus der Zeit der 
Gründung der Stadt, also etwa aus den sechziger Jahren des 
\. Jahrhunderts, diese dagegen aus jüngerer Zeit, wahr- 
scheinlich aus der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts. 
Die Orchestra des ältesten Theaters, welches noch keine stei- 
nernen Sitzreihen hatte, lag nachweisbar höher als die spä- 
tere Orchestra, nämlich in der Höhe der älteren Unterstufe 
des Thersileion. Als bei Erbauung (\v^ mit steinernen Sitz- 
reihen versehenen Theaters die Orchestra aus technischen 
Gründen tiefer gelegt winde, erhielt die Vorhalle des Thersi- 
leion zu ihren beiden Stufen noch drei neue hinzu, damit wie- 
derum die Orchestra mit der Unterstufe der Halle in einer 
Höhe liege. Dass bei der noch etwas später erfolgten Aufstel- 
lung der unteren Sesselreihe der Boden der Orchestra noch- 
mals um ein kleines Stück tiefer gelegt wurde, wodurch die 
Oberfläche der Orchestra etwas Getälle erhielt, kommt hier 

ATHKN. MIT! Illvll.l NGBN .Will. 15 



•21$ FUNDE 

nicht in Betracht und es herrscht darüber auch keine Mei- 
nungsverschiedenheit. 

Die Gleichzeitigkeit der drei unteren Stufen der Vorhalle 
und des steinernen Theaters läugnet Herr Gardner und beruft 
sich dabei auf eine Verschiedenheit in der Behandlung der 
Oberfläche d^v Steine. Weder ich noch irgend einer unserer 
grossen Reisegesellschaft hat diesen Unterschied entdecken 
können; aber selbst wenn ein geringer Unterschied vorhanden 
wäre, würde er die Gleichzeitigkeit der beiden augenschein- 
lich zusammengehörigen Bauteile nicht widerlegen können. 

Der neue Versuch der Herrn E. Gardner, eine griechische 
Bühne nachzuweisen, ist also ebenso verfehlt wie der frühere. 
Weder in Megalopolis noch in irgend einem anderen Theater 
hat es jemals ein erhöhtes griechisches Logeion vor der Skene 
gegeben. 

Unter den anderen von der englischen Schule aufgedeckten 
Bauwerken ist namentlich der Tempel und Bezirk des Zeus 
Soter desshalb bemerkenswert, weil er sich wider Erwarten 
als ein Bau nicht aus der Gründungszeit von Megalopolis. 
sundern aus späterer Zeit herausstellt. Die einst in dem Tem- 
pel vorhandenen Bildwerke können daher nicht, wie man all- 
gemein annimmt, von dem älteren Kephisodot angefertigt sein, 
sondern müssen dem jüngeren Künstler dieses Namens zuge- 
schrieben werden. Auch der Mitarbeiter des Kephisodot, der 
athenische Bildhauer Xenophon, gehört demnach etwa ans 
Ende des vierten Jahrhunderts. Die Beweisstücke für das ge- 
ringere Alter des Tempels des Zeus Soter sind das Material, 
aus dem er besteht, und die Eisen-Klammern, die bei ihm 
angewendet sind. Während das Thersileion, ein Bau aus der 
Gründungszeit der Stadt, neben dem harten Kalkstein nur 
Porös als Baumaterial aufweist, ist der Zeus- Tempel aus Kalk- 
stein und Breccia erbaut. Das letztere Material ist aber allge- 
mein das jüngere, wie sieh auch für Megalopolis schon daraus 
ersieht, dass es beim Thersileion erst bei späteren Verände- 
rungen oder Zusätzen vorkommt. Ganz entsprechend linden 
wir beim Thersileion die älteren Klammern von der Form H. 



PTJNDE 213 

während die Steine des Zeus-Tempels durch Klammern von 
der Form m und n verbunden waren. Die letzteren treffen 
wir wiederum erst bei den Zusatzbauten des Thersileion. z. B. 
bei den jüngeren Stufen der Vorhalle. Das Heiligtum des 
Zeus Soter und auch der jüngere Theaterbau verdanken daher 
wahrscheinlich ihre Entstehung der Zeit, als Aristodemos die 
Geschicke der Stadt leitete und ihr eine zweite Blütezeit ver- 
schaffte. 

5. Lykosura. Bei unserem Besuche des vor einigen Jah- 
ren ausgegrabenen Tempels der Despoina in Lykosura haben 
wir eine sorgfältige Untersuchung über das Alter des Baues 
angestellt. Bekanntlich sind die in dem Tempel gefundenen 
Bildwerke, welche zum Teil in das Nationalmuseum von Athen 
gebracht worden sind, Originalwerke des Damophon. welcher 
allgemein als Künstler des vierten Jahrhunderts gilt. Über 
das Alter der gefundenen Bildwerke gehen die Ansichten sehr 
auseinander. Während die Rinen sie für Werke des vierten 
Jahrhunderts halten, zögern die Anderen nicht, sie in eine 
viel spätere, vielleicht sogar in römische Zeit zu setzen. Unter 
diesen Umständen muss der Yersucb gemacht werden, die 
Frage durch die Zeitbestimmung des Tempels zu entscheiden. 

Der Bau besieht aus einer Cella. in welcher die Basis der 
grossen Kultbilder noch fast ganz erhalten ist. und i iner nach 
Osten vorgelegten sechssäuligen Vorhalle. Die Cellawände ha- 
ben einen Sockel aus Kalksleinen und bestanden in ibren 
Oberteilen aus gebrannten Ziegeln: die Basis der Kultbilder 
ist aus demselben Kalkstein erbaut. Als Mörtel ist bei den 
Kalksteinen Lehm verwendet, an einigen Stellen sind auch 
Reste eines schlechten Kalkmörtels erhalten. Die Ziegel sollen 
auch mit Kalk verbunden gewesen sein, doeli ist davon nichts 
mehr zu sehen ; jedenfalls kann es nicht der gewöhnliche gute 
römische Kalkmörtel gewesen sein, wie auch die Ziegel ein 
Ungewöhnliches Formal haben Die Säulen und Barastaden 
des Pronaos und das Gebälk und die Sima i\vs ganzen Baues 
bestehen ans weissem grobkörnigem .Maiinor. demselben .Ma- 
teriale. ans dem auch die gefundenen Bildwerke hergestellt 



220 IT NDR 

sind. Der Marmor scheint aus Dolianä bei Tegea zu stammen. 

Die sämtlichen Bauglieder des Tempels, nämlich die Säulen, 
die Gebälke, die Gesimse, die Simen und die Profile der Ba- 
sis sind so schlecht gearbeitet und die Ornamente ' sind so 
unschön gezeichnet, dass Jedermann sie sofort für römische 
Erzeugnisse halten wird. Ich habe daher auch kein Bedenken 
getragen, den Tempel in dieser Zeitschrift (1890 S. 230) für 
einen römischen Bau zu erklären. 

Inzwischen ist aber von andrer Seite darauf hingewiesen 
worden, dass vielleicht zwei Bauperioden vorhanden seien. 
Ein älterer Bau aus Kalksteinen könnte in römischer Zeit in 
Marmor erneuert worden sein. Dass eine solche Möglichkeit 
vorliest, lässt sich zwar nicht vollständig lammen, aber nach 
genauer Untersuchung sind wir bei unserem Besuche von Ly- 
kosura doch zu dem Besultat gekommen, dass der Tempel ein 
einheitlicher Bau aus der späthellenistischen oder frührömi- 
schen Zeit ist. 

Gegen die Annahme, dass der aus Marmor bestehende Teil 
ein späterer Zusatz sei, lassen sich nämlich mehrere Gründe 
anfuhren. Erstens sind am ganzen Bau keine Bausteine ge- 
funden, welche mit Sicherheit einer älteren Zeit zugeschrieben 
werden könnten. Es müsste also der vorausgesetzte ältere Bau 
hölzerne Säulen und ein hölzernes Gebälk gehabt haben. 

o 

Das würde aber wiederum schlecht passen zu der aus Mar- 
mor bestehenden grossen Gruppe der vier Kultbilder. Solche 
Bildwerke verlangen einen stalllicheren Bau und es scheint 
mir entschieden für die Gleichzeitigkeit der Bildwerke des 
Damophon und des Marmortempels zu sprechen, dass ebenso, 
wie an den Kultbildern die Basis aus Kalksteinen, die Skulp- 
turwerke selbst aber aus Marmor bestehen, so auch an dem 
Tempel der ganze Unterbau und die unteren Teile der Cella- 
wände aus demselben Kalkstein und die feineren Bauglieder 
aus demselben Marmor hergestellt sind. 



' Photographien des ganzen Tempels und einzelner Bauglieder sind vom 
athenischen Institut zu beziehen [ Peloponnes Nr. 5. 13. 14. 33). 



Zweitens zeigt die Kalksteinbasis der Kultbilder nicht nur 
an ihren Gliederungen dieselbe schlechte Arbeit wie die mar- 
mornen Bauteile, sondern ihre Steine sind auch mit denselben 
jungen n-förmigen Eisenklammern verbunden. Diese Klam- 
merform kommt zwar bei Bauwerken aus der zweiten Hälfte 
des vierten Jahrhunderts, so z. B. beim Philippeion in Olym- 
pia schon vor. bei älteren Gebäuden ist sie dagegen nicht üb- 
lich. Das aus der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts stam- 
mende Thersileion hat z. B. noch die älteren h -förmigen 
Klammern. 

Endlich haben die Standbilder selbst nicht nur denselben 
Marmor wie die Bauteile und die Oberfläche des .Marmors 
ist nicht nur in derselben Weise verwittert, sondern mehrere 
der noch inLykosura befindlichen Fragmente der Göttergruppe 
sind durchaus nicht so gearbeitet, wie man es im vierten Jahr- 
hundert erwarten muss. 

Ist es hiernach kaum möglich, zuerst einen einfachen älte- 
ren Bau anzunehmen, in welchem die Bildwerke des Damo- 
phon standen, und dann einen jüngeren etwa römischen 
Umbau mit marmornen Säulen und Gesimsen, so kommen 
wir zu dem Schlüsse, dass der Tempel und die Bildwerke 
nicht im vierten Jahrhundert hergestellt sein können und dass 
demnach auch Damophon ein jüngerer Künstler sein muss. 

Bis in welches Jahrhundert man hinabgehen kann, lässt 
sich nicht mit Sicherheit sagen; es wird sich aber vielleicht 
die genaue Erbauungszeit bestimmen lassen aus mehreren 
Dachziegel-Stempeln, welche im Tempel gefunden sind. Ea 
schien uns wahrscheinlich, dass sich dabei das zweite oder 
erste Jahrhundert v. (Mir als Herstellungszeit der Skulpturen 
und des Tempels ergeben wird. 

6. Del os. Die überaus erfolgreichen Ausgrabungen im 
Heiligtum des Apollon auf der Insel Delos hat das französi- 
sche Institut auch in dem verflossenen Jahre fortgesetzt. Es 
wird bei der grossen Zahl der vorhandenen Gebäude noch 
eine Reihe von Jahren mit gleichem Erfolge dort graben kön- 
nen. Wie wir bei unserem Besuche der Insel bemerkten, ist 



"22? FUNDE 

im letzten Jahre namentlich das Skenengebäude des Theaters 
und seine nächste Umgebung aufgedeckt worden. Die Mauern 
und Pfeilerbasen der Skene und des Proskenion sind noch so 
gut erhalten, dass eine bildliche Reconstruction des Baues 
kaum Schwierigkeiten bieten wird. Da kein niedriges römi- 
sches Logeion vorhanden ist. sondern ein hohes, mit Säulen 
geschmücktes Proskenion, so haben wir hier ein neues Bei- 
spiel für die Einrichtung desjenigen Theaters.welches Vitruv 
als das griechische seiner Zeit beschreibt. 

Tritt hierdurch das Theater von Delos in die lange Reihe 
der neuerdings ausgegrabenen Theater mit griechischer Ein- 
richtung, so nimmt es innerhalb dieser Reihe eine ganz her- 
vorragende Stelle dadurch ein, dass sich an ihm nachweisen 
lässt, wie in einem solchen griechischen Theater gespielt wur- 
de. In Delos kann man sehen, dass das Proskenion keine hohe 
Bühne war, auf der die Schauspieler standen, sondern eine 
decorirte Fassade der Skene. also ein Hintergrund, vor dem 
sie zu spielen pflegten. Das aus einer Pfeilerstellung bestehende 
Proskenion geht nämlich in Delos auf allen vier Seilen um 
das Skenengebäude ununterbrochen und in gleicher Höhe her- 
um. An der den Zuschauern zugewendeten Seite sind die 
Pfeiler etwas reicher ausgestattet und ihre Zwischenräume 
mit Tafelgemälden geschlossen gewesen. Auf den drei ande- 
ren Seiten bilden die Pfeilerstellungen offene Säulenhallen, 
die zum Schmuck des einfachen S kenenge bäudes dienten. Folg- 
lieh kann die Pfeilerstellung an der vierten Seite auch nur 
eine architektonische Ausschmückung der Skene gewesen sein. 
Wer hier das Proskenion für eine Bühne hält, muss es für 
möglich halten, dass die Bühne auf allen vier Seiten um die 
Skene herumgeht ! 

7. Samos. Auch der schwer erreichbaren Insel Samos 
haben wir auf der Irselreise einen Besuch abgestattet, um die 
Reste dos berühmten Heratempels und die grossartige Was- 
serleitung des Polykrates zu besichtigen. Von dem Heratem- 
pel, der bekanntlich einer der grössten Tempel des Altertums 
war, stellt nur noch eine jonische Säule aufrecht und auch sie 



PüNDfe 223 

hat schon ihr Kapitell verloren. Einige Säulenfundamente 
sind zuerst durch K. Humann und später von Mitgliedern der 
französischen Schule in Athen ausgegraben worden ' ; der hei 
weitem grösste Teil des Tempels liegt noch unter den Wein- 
gärten verborgen. Die Säule und aucb die Fundamente schei- 
nen erst aus hellenistischer Zeit zu stammen; von dem älteren 
Tempel, der fast ebenso gross gewesen sein muss, sind Stücke 
der Säulenbasen in den jüngeren Fundamenten verbaut. 

Das gewaltige Werk der W asserleitung, welches unter Po- 
lykrates durch Eupalinos von Megara hergestellt worden ist. 
landen wir noch in demselben Zustande, wie es E. Fabricius 
in dieser Zeitschrift (1884 S. 165) beschrieben hat. Die da- 
mals beabsichtigte Wiederherstellung ist nicht erfolgt und 
wird sich auch so bald nicht verwirklichen, da man schon be- 
gonnen hat, das Wasser der alten Duellen mit Umgehung des 
Berges durch eiserne Röhren zur Stadt zu leiten. Obgleich 
man daher den alten Tunnel quer durch den Berg auch jetzt 
noch nicht ganz durchschreiten kann, ist seine Besichtigung; 
lohnend und lehrreich. Seine Anlage entspricht, wie E. Fa- 
bricius im Einzelnen dargelegt hat, genau der Beschreibung, 
welche Ilerodot (III, 60) von diesem Wunderwerk der da- 
maligen Zeit giebt. 

Es mag hier hinzugefügt werden, dass die Thonrohre, wel- 
che bei dieser Leitung verwendet sind (vgl. oben 1892 S. 4 4-2), 
fast ganz übereinstimmen mit den Bohren, welche jetzt bei 
der Enneakrunos in Athen gefunden worden sind. Nicht nur 
die Durchmesser, sondern auch die Längenmasse der einzel- 
nen Bohrstücke stimmen überein: handgrosse elliptische Lö- 
cher sind bei beiden Rohrarien an der Oberfläche vorhanden, 
damit eine Beinigung der Leitung möglich war: auch sind 
beide Rohre im Äusseren mit Streifen \ erziert, nur dadurch 
unterscheiden sie sich, dass diese Streiten in Samos eingeritzt. 
in Athen dagegen aufgemalt sind. |\\. d.] 



' Hall, de corr, hell. 1880 8 383. ins:, s. öüj. 



zH FUNDE 

Auch einige Werke der bildenden Kunst, die in und bei dem 
, Ap^£'.o©'j>axeiov in Yathy auf Samos aufbewahrt sind, wurden 
uns bei dieser Gelegenheit besser oder überhaupt erst bekannt. 
Vor allem isl der Torso einer archaischen Apollofigur zu nen- 
nen, ganz im gewöhnlichen Schema und noch sehr altertüm- 
lieh. Er ist 10'»"" hoch, an den Schultern 48 c,n breit und besteht 
aus weissem Marmor, dessen Kr\ stalle durchaus nicht beson- 
ders gross sind. Auf dem linken Schenkel steht die Inschrift 
/» EVKIOSAA'EeHKEA' 
TftlAPO/^Q/^l 

Erwähnt ist die Figur in der 'E<ma 1890, Beiblatt Nr. 26 
und darnach Athen. Mitth. 1800 S. 413, gefunden ist sie in 
der Nähe der alten Stadt, bei der Glyphada. Eine Photographie 
(Samos Nr. 5) ist leider nicht ganz nach Wunsch ausgefallen. 

Ein Sarkophag, architektonisch ausgestaltet, ringsum mit 
ganz flach gehaltenen ionischen Säulen decorirt, gehört noch 
dem sechsten Jahrhundert an. Hoffentlich wird sich eine ge- 
nauere Bekanntmachung dieses interessanten Stückes ermög- 
lichen lassen (Photographie Samos Nr. 8). 

Dasselbe gilt für das dritte grössere Stück, ein 1 7 5 cm hohes. 
6-4 cm breites, links unvollständiges Relief (Samos Nr. 6) aus 
weissem Marmor. Es ist bei Chora gefunden und von Stamatiadis 
( 'E-i-zr.clc, 1889 S. 157) kurz beschrieben, darnach auch Athen. 
Mitth. 890 S. 526, wo es irrtümlich als Grabrelief bezeichnet 
ist. Man erkennt links die Reste einer sitzenden Gestalt, die 
einen Stab mit herabhängender Tänie, wol einen Thyrsos, 
hält. Ihr gegenüber steht ein nackter Jüngling, in der Linken 
ein viereckiges Kästchen, in der gesenkten Rechten eine wei- 
tere Binde haltend. Die Zeichnung dieser Gestalt ist von be- 
sonders hoher Schönheit: die Arbeit gehört dem Ende des 
fünften Jahrhunderts an. [p. w.j 



— K- w '■*♦• 



31. Juli isya. 



DIE ÄLTE8TE ATTISCHE INSCHRIFT 
( Hierzu Tafel X) 

Die älteste attische Inschrift, welche eine aus den Gräbern 
am üipylon herrührende Oinochoe des jüngeren Dipylonstils 
auf ihrer gefirnissten Schulter eineravirf traut 1 , ist meines 

O DO 

Wissens noch nicht vollständig gelesen. Klar ist nur der von 
dem ersten Herausgeber, S. Kumanudis, erkannte Hexame- 
lii : 8? vöv opYYiCTÖv 7?avT0)v ir«X(i)TaTa t:xCCh. 'Wer nun von 
den Tänzern am zierlichsten tanzt' — ; tzvXCv.v in dieser spe- 
ciellen Bedeutung findet sich bekanntlich schon hei Homer. 
Den zwölf folgenden Buchstaben aber ist noch kein irgend be- 
friedigender Sinn abgewonnen worden. Denn die zögernd vor- 
getragene Lesung von Kumanudis: toutov exaucev, wider- 
spricht nicht nur. wie Kirchhoff dargethan hat, dem Thatbe- 
stande und der Paläographie, sondern ist auch sprachlich be- 
denklich und sachlich kaum zu verstellen. 

Und doch liegen die Bedingungen so «jünstiu wie möglich. 
Das Gefäss ist aus Bruchstücken vollständig zusammengesetzt 
und nichts berechtigl zu der Annahme, dass die Inschrift un- 
vollendet geblieben sein könnte; vielmehr spricht die Art, 
wie der Schreiber, nachdem er sich mit dem Hexameter an 
den unteren Hand des gefirnissten Schulterfeldes gehalten 
hatte, das Ende aufwärts umbog, weil er dem Henkel zu nahe 
zu kommen fürchtete, deutlich für das Gegenteil. Die einzel- 
nen Zeichen sind, trotz einiger Verletzungen und l nsicherhei- 



i 'A8j{vaiov IX 1880 Beilage hinter 8. 50 (S. Kumanudis). Athen. Millh. 
VI 1881 Tal'. 3 8. 106 IV. (Kircbboffund Furlwängler). C.LA. IV, I S. 119 
Nr. 492a. Röbl, fmagines 8. 68 das ganze Qef&ss auch bei Baumeister III 
8. 1945. Zur Inschrifl vgl. Kircbhoff, Studien * 8. 93 -. WilamowiU, Ho- 
mer, l fntersuchungen S. 287 '» 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 16 



226 I'\ STIDNICZK.V 

ten der Linienführung, fast ohne Ausnahme ganz deutlich. 
Endlich ist auch der Sinn, den sie ergeben müssen, im We- 
sentlichen klar voniczeichnet : ich wenigstens habe nie an 
dem gezweifelt, was neulich Heisch ausgesprochen hat, dass 
das Ganze 'doch wo! besagen will: wer von den Tänzern 
seine Kunst am besten versteht, dem soll dieses Gefäss zu Teil 
werden ' \ 

Einen Teil der Schuld an jenem Misserfolge tragen freilich 
die beiden bisherigen Publicationen 2 . Das sonst sehr treue 
Facsimile im 'A07)vatov gibt zwei Zeichen, darunter eines von 
den zwölf letzten, unvollständig, und die Abschrift Lolling's 
oder wenigstens die danach angefertigte, ans den iMittheilun- 
gen in das Corpus und Röhl's Imagines übergegangene Ab- 
bildung, berichtigt zwar diese Versehen, enthalt aber zwei 
andere, deren eines wieder einen der entscheidenden Buch- 
staben betrifft. Deshalb teile ich auf Tat". 10 eine neue Ab- 
bildung der ganzen Inschrift, last in natürlicher Grösse, mit, 
welcher eine Wolters verdankte Durchreibung und, für das 
Ende, von Kaiinka freundlich zur Verfügung gestellte Photo- 
graphien zu Grunde liegen, und die schliesslich nochmals vor 
dem Original nachgeprüft worden ist. Für ihre Genauigkeit 
in allem irgend Wesentlichen bürgen die zu verschiedenen 
Zeiten von mir und neuerdings von Wolters vorgenommenen 
Untersuchungen des Gelasses selbst. In der Mitte der Tafel 
ist sodann der fragliche Schluss der Inschrift nochmals un- 
mittelbar nach einer Photographie wiedergegeben. 

Deutlich sind ohne Weiteres folgende zehn Lettern, die ich 
in gewöhnlichen Inschrifttypen rechtsläulig wiedergebe: TO 
TOAEK. . K£/^. Das durch einen Bruch verletzte A hat 
schon Kirchhoff nach Lolling's Abschrift festgestellt, gegen 
Kumanudis, der hier K ergänzte : ihm war nämlich, ebenso 
wie an dein B, der untere wagerechte Strich entgangen, weil 



1 üriecli. Weibgeschenke (Aldi, des arch.-epigr. Seminars in Wien VIII, 
S. 6U i. 
a 8. üben B. 225 Anm. 1. 



DIE AELTESTE ATTISCHE INSCHRIFT 227 

er, in einem von den fast tonfarbig gebliebenen Kreisen am 
unteren Rande des Schulterfeldes gelegen, für das Auge viel 
schwerer wahrnehmbar ist, als die übrigen, vom schwarzen 
Firnissgrunde deutlich abstechenden Ritzlinien. Kirchhof? hat 
auch in dem S, welches ein durch Ausgleiten des Griffels 
hervorgebrachter langer Haarstrich nicht zweifelhaft machen 
kann, das gewundene Iota erkannt, obwol dieses in wai£ei nur 
zwei Mal gebrochen erscheint, ein Schwanken, für das es 
kaum der Analogien bedarf 1 . Unzweifelhaft ist schliesslich 
das K am Ende, obwol auch hier der von der schwierigen 
Gravirarbeit rings um die Schulter des Gefässes erlahmten 
Hand ein überflüssiges Strichelchen entfahren ist. 

Es bleiben also nur die zwei am stärksten verstümmelten 
Buchstaben zu bestimmen. Der zweite kann nicht mit Kuma- 
nudis zu Y vervollständigt werden, schon weil der schräge 
Strich viel weiter oben angesetzt haben müsste als üblich und 
als das andere Y zu Anfang der Inschrift zeigt 2 , vor Allem 
aber weil Lolling mit Recht in der Form des oberen Endes die- 
ser Haste die Spur eines spitzen \\ inkels erkannt hat, was bei 
der Enge des Raumes nur zwischen N (=X) und K zu schwan- 
ken gestattet. Von dem vorhergehenden Zeichen ist zunächst 
A klar. Da nun die Lautgruppen xyXp oder y.yvt/. undenkbar 
sind, müssten wir mit Kumanudis A lesen, auch wenn An- 
fang und Ende des Ouerstrichs nicht deutlich wären, was nur 
in der Publication Kirchhoff's dadurch verdunkelt ist, dass die 
beiden Reste nicht in einer Geraden liegen und das über den 
linken Schenkel von A hinausragende Ende Ins an den fol- 
genden Ruchstaben durchgezogen ist. während es in Wirk- 
lichkeit ein kleiner Rest des Firnissgrundes davon trennt. Das 
Zeichen kann also nur Alpha sein, und wir brauchen uns 
nicht ein Mal sehr darüber zu verwundern, dass der überhaupt 
nicht allzu consequente Schreiber nur an dieser einen Stelle 



1 Vgl. /.. 1?. ili« 1 korinthischen Pinakes Berlin Nr. -IT.".. 873 Furtwängler. 
- |);iss dieses ungeschwänzl erscheint, ist der zweite Fehler der deutschen 
Publicationen. 



F. STÜDNIC2KA 

die sonst festgehaltene liegende Form des phönikischen Mut- 
teralphabets ' zu Gunsten der in der griechischen Schrift herr- 
schenden Stellung des Alpha aufgegeben hat; denn es ist klar, 
dass er es aus der bereits S. 295 gekennzeichneten Sorge, mit 
dein Räume nicht auszureichen, gethan hat. Ol» dem A ein r 
otler K folgte, das mag auch jetzt noch zweifelhaft bleiben, 
obschon von vornherein die Lautgruppe a^.iv unglaubwür- 
diger klingen dürfte als avpiv. 

Es ergibt sich also folgende, nur in dem einen Punkte nicht 
unbedingt sichere Lesuno;: To-roosx.a V u.iv und daraus vermas 
ich, nach sechs Jahre hindurch immer wiederholten Bemü- 
hungen, nur eine Deutung zu gewinnen. In ihrer Begründung 
hat mich Jakob Wackernagel durch höchst dankenswerte Mit- 
teilungen gütig unterstützt. 

Weil der echte Diphthong im Demonstrativum todto der 
Regel nach mit OY geschrieben wird, glaubten Kirchhoff und 

O O o 

Wilamowitz, im Gegensatze zu Kumanudis. toö tgSs oder tgS 1 
lesen zu müssen. Aber was dann übrig bleibt, (6)xav[«v oder 
(e)*a),aiv gibt keinen Sinn. Zum Glücke ist denn auch jene He- 
gel nicht ohne Ausnahme. ' Meisterhans verzeichnet im Gan- 
zen elf Belege von TOTO gleich touto oder touto-j und von 
TOTON.TOTftN gleich toütcov aus attischen Inschriften 
der Jahre 415, 414 und 377 v. Chr. 2 . Dazu kommt TOTfil, 
TO^OTOI.TOTON auf der Inschrift von Dekelea aus dem 
Jahre 396 3 und TOTO touto auf einem Steine von Thasos 
aus dem Jahre 411 4 . In ähnlicher Häufigkeit zeigt sich O statt 
OY nur noch bei der Negation oux, sonst nur in ganz verein- 
zelten Fällen. Ob die eigentümliche Schreibung mit einer Be- 
sonderheit der Aussprache zusammenhängt, also etwa bei tou- 



i Hervorgehoben durch Wilamowitz a. a. 0. Vgl. ausser dem Mesa-Stein 
namentlich die dem griechischen Alphabet uoch näher stehende Inschrift 
C. f. Sem. I Nr. 5. 

2 Meisterbans. Gramm, der attischen Inschr. a 8. 19 * 38 aus C. f.A. I 
Nr. 128. 133 II Nr. 814. 

■• 'B^fiepi« ip X . Insn S. | ff. X. 76. 109. 

* Journal of Bell, studies VIII S. 401. 



DIE AELTESTE ATTISCHE INSCHRIFT 229 

Ton auf einer Art Assimilation an die zweite Silbe beruht, lässt 
sich vorläufig nicht ausmachen. Die Schreibung selbst steht 
fest, auffällig an unserem Beispiel ist bloss sein hohes Alter'. 
( \\ ackernagel) 

Ich lese also unbedenklich touto und beziehe es natürlich 
auf to ayyetov selbst. Nicht minder einleuchtend scheint mir 
am Schlüsse das Pronomen jaiv, welches passend auf das 85 
des Anfangs zurückweist. Das Ganze lautet demnach: 
0; vuv op/r,(7T(I)v ttzvtcov a.TaXü>7aTa 7cats£t 

TO'JTO OEX.ZV [J.'.V 

und der Adonius besagt das, was der Hexameter erwarten 
liess: 'Wer von den Tänzern am zierlichsten tanzt, der soll 
dieses (Gefäss) empfangen'. Der imperativische Infinitiv Sexav 
gehört zu einem Verbum Sejcaw, welches freilich nicht zu bele- 
gen ist, mir aber ohne Schwierigkeit als Nebenform von §=/=- 
<jOai, Sey.ec70ai, auch neben 8sxa£eiv -nehmen machen, bestechen' 
verständlich schien. Ich freue mich hier wieder das Wort an 
Wackernagel abtreten zu dürfen. ' Bei $6)täv, empfangen, könn- 
te wegen ttoosSoxäv das e der ersten Silbe überraschen. Aber 
■xsSzv, 77SC7.V und das in I'xtqti steckende * sx.zv zeigen bei elei- 
chem Bildungstypus ebenfalls e. Auch sei an &ex<fc£6iv "be- 
stechen' erinnert, das gerade so neben Ssx.xv steht, wie die 
zahlreichen von Curtius, Verbum I ' S. :'..'!.'. verzeichneten 
Verba auf -a'(s-.v neben den mit ihnen stammgleichen auf -äv. 
Die Bedeutungsverschiedenheil zwischen <W.zv und &6X&&CV 
erklärt sich am einfachsten, wenn man das mediopassive Üz- 
x.a'Cojxxi 'ich lasse mich bestechen' (Timaeus, Lexicon Plato- 
nicum S. 75 Ruhnken), eigentlich 'ich nehme (leid für mich 
an', älter sein lässt. als das activische (W.z'Cw, wie denn auch 
bei anderen Verben auf -a£siv die mediopassive Form aller ist 
als die activische, so bei euvi&w und bei öy'.z'Cs'.v 'heilen', das 
zu öy.aivs'.v in ähnlichem Bedeutungsverhältniss steht, wie nach 
unserer Annahme Sexi^eiv zu Ssxäv'. 

Der wiedergewonnene Schlussvers bezeichnet die Vase un- 
zweideutig als Preisgefäss, doch wol von einem öffentlichen 
Agon. dessen Ansehen sie Würdig machte. .Irin Toten als >tol- 



230 F. STUDVICZKA, DIE AELTESTE ATTISCHE INSCHRIFT 

zer Besitz mit ins Grab gegeben zu werden. Aber dem gele- 
gentlich ausgesprochenen Einfall Reisch's, es an die Spitze der 
athenäischen Preisgefässe zu stellen 1 , widerspricht sowol der 
Tänzeragon als auch die Form der Oinochoe, die nicht für 
den von Athena verliehenen öipreis taugt. Beides weist \iel- 
niehr auf ein dionysisches Fest hin, für das ein Weinkrug, 
natürlich kein leerer, als passendstes Athlon erscheinen inusste 
in dieser alten Zeit der Wert- und Naturalpreise. Vielleicht 
darf man hei unserem pö; geradezu an das Kanneniest dw 
Anthesterien denken, für das allerdings nur das bekannte 
Wettrinken mit einem vollen Schlauche jungen Weines als 
Preis überliefert ist 2 . 



Freiburg i. B., Februar 1893. 



FRANZ STUDNICZKA. 



— ~oJ=££«c>~- 



1 Oben B. 226 Anm. 1. 

2 Iw. Müllers Handbuch V 3 8. 164 (Stengel 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 

(Hierzu Tafel XI) 

Bei den vom athenischen Institut unternommenen Ausgra- 
bungen, welche zur Auffindung des Stadtbrunnens von Athen, 
der Enneakrunos. geführt haben, ist am Westabhange der 
Burg ganz unerwartet der Bezirk eines Heilgottes zum Vor- 
schein gekommen, von dem Dörpfeld folgende Beschreibung 
giebt. 

'Auf der östlichen Seite der allen, zur Akropolis fuhren- 
den Fahrstrasse trat zwischen Pnvx, Areopag und Akropo- 
lis der Eingang und die westliche Grenzmauer eines Bezirks 
zu Tage, welcher sich durch die darin gemachten Funde als 
das Heiligtum eines Heilgottes herausstellte'. 

' Durch einen quer durch den Bezirk gezogenen Graben sind 
seine Abmessungen soweit bestimmt, dass sein Umfang we- 
nigstens vermutungsweise in der nachstehenden Zeichnung 
(Fig. 1) angegeben werden konnte. Seine genaue Gestalt wird 
sich erst bei der in Aussicht genommenen Weiterführung der 
Ausgrabungen feststellen lassen'. 

' Im Grundriss scheint der Bezirk ein unregelmässiges Vier- 
eck gebildet zu haben, von etwa 17"' mittlerer Länge und 
etwa 13"' mittlerer Breite. Der Eingang liegt nicht, wie es 
gewöhnlich dw Fall ist. in der Mitte der an die Strasse stos- 
senden Seite des Vierecks, sondern an der nordwestlichen 
Ecke, offenbar weil sich an dieser Stelle ein zweiter direel zur 
Akropolis führender Weg von der grösseren Pahrstrasse ab- 
zweigte. Bei einem Heiligtum, das an zwei sich kreuzenden 
Strassen lag. war die Anordnung des Einganges an dem 
kreiiziingspunkte die zweckmässigste'. 

•Was von der Umfassungsmauer aufgedeckt und wieviel 



232 



A. KOERTE 



von ihr noch erhalten ist. lässt sich aus dem Plan ersehen. 
Die zerstörten Teile sind hell, die erhaltenen dunkler schraffirt; 
die noch nicht ausgegrabenen Stücke sind nur punktirt. Das 
.Material der .Mauer ist der blaue harte Kalkstein, aus dem der 
Akropol isteisen und die benachbarten Hügel bestehen. Die 




FAHRSTRASSE ZUR AKROPOLIS 



J I L_ 



FlG. 1. 



einzelnen Steine sind polygonal geschnitten und sorgtältig 
aneinandergefügt. Der verschiedenen Bedeutung der beiden 
Wege entsprechend ist die an <\>-\- Fahrstrasse gelegene Mauer 
aus grösseren Steinen (bis L ,40™ lang), die an den Fussweg 
anstossende dagegen aus viel kleineren Steinen erbaut'. 

'Das Eingangsthor hat im Altertum seine Gestalt veran- 



BEZIRK EINES HEILHOTTES 233 

dert. Ursprünglich bestand es aus einer doppelten Thür mit 
einem einfachen Vorraum, der wahrscheinlich keinerlei ar- 
chitektonischen Schmuck aufwies. In römischer Zeit, als sich 
der Fussboden der Strasse bedeutend erhöhl hatte ist ein 
höher gelegener besonderer Vorbau aus bläulichem Marmor 
hergestellt und wahrscheinlich mit zwei Pilastern oder Säulen 
ausgestaltet worden. Die Breite des alten Tliores beträgt 1 ,31'", 
entspricht also genau vier altgriechischen Fuss'. 

' Im Inneren des Bezirks sind wichtige Beste der ursprüng- 
lichen Einrichtung gefunden wurden: mehrere Fundamente 
für Weihegaben der verschiedensten Form, mehrere Reliefs, 
welche augenscheinlich Weihgeschenke für einen Heilgott ge- 
bildet haben und von denen eines den Namen des Asklepios 
enthält, die Fundamente einer Kapelle mit dem Unterteile ei- 
nes Opfertisches und schliesslich der grosse Mündungsstein 
eines Brunnens '. 

'Von den Fundamenten, welche ihrer Gestalt nach Weih- 
geschenke getragen haben, sind die meisten (A, B, C. I) und 
E) noch an ihrer Stelle und nur zwei (G und II) vielleicht 
von ihrem ursprünglichen Standorte etwas entfernt. Sie alle 
haben Reliefs, runde Säulen oder Stelen setragen, wie sich 
aus den verschiedenen Einlasslöchern und Befestigungsspuren 
ergiebt'. 

'Die Reliefs selbst, welche gefunden wurden, befanden sieh 
nicht mein- an ihrem ursprünglichen Aufstellungsplatz. Auch 
das grosse Relief mit dem ein grosses Bein trauenden Manne 
welches zwischen dem Thore und der Basis J dicht an dvv 

Umfassungsmauer aufrechl stehend zum Vorschein kam. durfte 
wegen dv^ Fehlens eines besonderen Fundamentes nicht mehr 
seinen ursprünglichen Platz eingenommen haben. Gleichwol 
ist die in Athen ausgesprochene Vermutung, dass die Reliefs 
von dem -rossen, an drv Südseite dv\- Akropolis gelegenen 
Asklepieion hierher verschleppt worden seien, vollkommen 
unzulässig. Da die Reliefs durch den ganzen Bezirk und in 
verschiedenen Hohen gefunden wurden, müsste man anneh- 
men, dass sie m verschiedenen Jahrhunderten hierher gebracht 

■ 



234 A. KOERTE 

worden seien und zwar gerade an einen Platz, wo sich tief in 
der Erde Fundamente für ähnliche Weihesaben befanden 1 . 

• Besonders wertvoll ist das an seinem alten Platze aufge- 
fundene Unterteil eines Marmortisches {F), von welchem aus- 
ser der Pussplatte die Reste von zwei, beiderseits mit Löwen- 
tatzen ausgestatteten Tischbeinen und von der sie verbinden- 
den Platte erhalten sind. Letztere war auf der nach Norden 
gerichteten Seite, wie man aus geringen Resten noch deutlich 
erkennen kann, mit zwei Schlangen geschmückt. Der Tisch 
scheint in einer Kapelle gestanden zu haben ; man sieht näm- 
lich in seiner Nähe mehrere, aus verschiedenen Zeiten stam- 
mende Mauern, die wahrscheinlich ein kleines Tempelchen 
bildeten. Seine Gestalt wird sich aber erst nach Aufdeckung 
des ganzen Baues erkennen lassen 1 . 

'Schliesslich verdient noch der grosse Mund ungsstein eines 
Brunnens erwähnt zu werden, welcher bei Ä' zu Tage ge- 
kommen ist. Zwar scheint er nicht mehr an seiner alten Stelle 
zu liegen, doch dürfte er wegen seiner Grösse auch nicht weit 
von seinem ursprünglichen Platze entfernt worden sein. Das 
Vorhandensein eines Brunnens liess sich für den Bezirk eines 
Heilgottes erwarten, weil ein Brunnen oder eine Quelle stets 
zu den Bestandteilen eines Asklepieion gehört. Dass sieh in 
unserem Bezirk Wasser befand, ist ausserdem durch eine Was- 
serrinne gesichelt . welche schon bei Erbauung des Bezirks in 
der nördlichen Umfassungsmauer ( bei L) angelegt worden ist. 
Mit grosser Wahrscheinlichkeil darf dem Bezirk auch eine 
Wasserleitung zugeteilt werden, welche weiter südlich von der 
grossen pisistratischen Wasserleitung der Enneakrunos ab- 
zweigt und Trinkwasser unter der Fahrstrasse her in die Ge- 
gend unseres Heiligtums leitet. Auch hierüber werden erst die 
weiteren Ausgrabungen Aulklärung Illingen'. 

' Die Entstehungszeit des heiligen Bezirks genau zu bestim- 
men, ist vorläufig nicht möglich. Aus der polygonalen Bau- 
weise und aus dem verwendeten .Material ergiebl sich nur mit 
Sicherheit, dass er aus älterer griechischer Zeit stammt. Da 
aber mehrere an der alten Pahrstrasse liegende Bauwerke und 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 235 

vielleicht auch diese Strasse selbst der Zeit der Pisistratiden 
ihre Entstellung verdanken, so darf auch unser Bezirk mit 
einiger Wahrscheinlichkeit noch dem sechsten Jahrhundert 
zugeteilt werden '. 

Dörpfeld's vorstellender Beschreibung des heiligen Bezirks 
lasse ich eine Besprechung der einzelnen Funde folgen. 

1. Votivrelief. Abgebildet auf Taf. 11, H.0,73 ra , Br.0,35 m . 
Pentelischer Marmor. Der oberste Teil fehlt, ausserdem ist die 
Platte diagonal gebrochen, die Bruchflächen schliessen gut 
an einander. Der untere Rand ist rauh gelassen, er war an- 
scheinend in eine Basis eingelassen, von der Art \n ie die un- 
ter A-F, G und H auf dem Plane verzeichneten. Das Relief 
wurde gleich links neben dem alten Eingang (zwischen die- 
sem und L) aufrecht an die .Mauer gelehnt gefunden, mit der 
skulpirten Seite nach dem Innern des Bezirkes zu. 

Ein nach links stehender bärtiger Mann umfasst, den Ober- 
körper etwas vorgebeugt, mit beiden Händen ein kolossales 
rechtes Bein, das vor ihm auf dem Boden steht und ihm bis 
an die Brust reicht. Seine beiden Füsse stehen mit ganzer 
Sohle auf dem Boden auf, der rechte ist etwas vorgestellt. 
Sein Mantel ist von der linken Schulter aus unter der rechten 
Achsel hindurch um den Leib geschlungen und dann wieder 
überdie linke Schulter geworfen, er lässt somit die rechte Schul- 
ter und Brusthälfte frei. Der Kopf mit ziemlich langem, spit- 
zem Bart ist gut erhalten, nur die Xase etwas bestossen. Das 
volle Haar ist hinten in der besonders für Dionysos charakte- 
ristischen WVise aufgebunden; dieselbe Haartracht findet sich 
auch bei einigen Asklepiosköpfen (Ziehen. Athen. Mitlh. XVII 
S. 243 ff.). Man könnte versucht sein, den Mann wegen die- 
ser Haartracht für den Heilgott selbst zu halten, aber die 
Grösse des vor ihm stehenden Beins verbietel das: unmöglich 
kann der Gott kleiner dargestellt sein als etwa ein Weihge- 
schenk in seinem Heiligtum. An dfem Kolossalbein tritt sehr 
auffallend eine starke Ader hervor, die sich von der linken 
Hand des Mannes bis zum Knöchel erstreckt : ohne Zweifel 
soll sie das Leiden andeuten, von dem der Kranke durch den 



236 a. KOERTE 

Gott befreit wurde — er litt eben an Krampfadern. Dass die 
Scene im Heiligtum selbst gedacht ist. lehren die beiden Füs- 
se, welche vor dem Bein links in einer Nische aufgestellt 
ebenfalls als Weihegaben aufzufassen sind. Durch ähnliche 
Glieder ist das Heiligtum einer Heilgottheil auf einem böoti- 
sehen Kraler der hiesigen arch. Gesellschaft (5840, abgebildet 
'V.or.u.-:'.; y.oy. IS'0 Taf. 7), gekennzeichnet; auf attischen 
Votivreliefs ist mir eine entsprechende Andeutung des Lokals 
nicht bekannt. 

Die Darstellung unseres Heliefs steht unter den Weihge- 
schenken an Heilgötter bisher vollkommen allein da. Ks las- 
sen sieh unter diesen Weihegaben drei Klassen scheiden. 

Die schlichteste Form ist die einfache Nachbildung des ge- 
heilten Gliedes, eine Form des Dankes gegen die Gottheit, die 
sich ja bis in unsere Tage gehalten hat. Solche Glieder aus 
Gold oder Silber zählen die Inventare aller Heiligtümer von 
Heilgöttern in Mengen auf 1 , aus Stein gearbeitet hat man sie 
an den verschiedensten Kultsliitten gefunden, und auch in un- 
serem Heiligtum fehlen sie nicht (s. Nr. 6-8, 11. 1 w 2). 

Eine zweite Form ist, dass der Geheilte sich und die Sei- 
nen darstellt, wie sie dem Gotte ihren Dank durch Opfer und 
Anbetung bezeugen. Dahin gehört die überwiegende Mehrzahl 
der im grossen Asklepieion am Südabhange der Burg gefun- 
denen Reliefs. 

Endlich wird zuweilen die Heilung durch den Gotl selbst 
dargestellt (vgl. Ziehen. Athen. Mitth. XV11 S. 230 ff. 2 ). 

Auf unserem Relief linden wir nun eine neue Form, gleich- 
sam eine Verschmelzung (\<'i ersten und zweiten Art von 
Weihegaben. Das geheilte Glied ist dargestellt, zugleich aber 

C C* CT » 



1 S. die Inventare des Asklepios in Athen G.I.A. 11766 t., des Heros 
[alros ebendorl G. I.A. II 103, des Araphiaraos in Oropos G. I.Grxcix 
Septentr. 1 303 und 3498. 

- Zu den von Ziehen angeführten fünf Stücken tritl als sechstes ein Re- 
lieffragrnenl aus dem Amphiareion in Rhamnus. Neben einem aul der Kline 
liegenden Mann sitzt der Gotl (nur der i aterkörpei erhalten) und berührt 
inscheinend da Kinn des Kranken, 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 

auch dessen DarbriDgung durch den Dedikanten; der Gott frei- 
lich, der auf der Mehrzahl der Reliefs den Mittelpunkt bildet, 
ist hier fortgelassen. 

üngewiss bleibt, ob (U>\- dargestellte Dedikant der Geheilte 
oder der Arzt ist. Kur letztere Annahme könnte man die dem 
Typus des Gottes angenäherte Erscheinung des Mannes anfüh- 
ren. Es ist an sich sehr wo! möglich, dass auch cm Arzt ein- 
mal für eine besonders glückliche Kur seinem göttlichen Her- 
ren eine Weihegabe darbringt. In einem der Reliefs aus dem 
Asklepieion (Nr. '.I Duhn) hat Girard ' mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit das Weihgeschenk eines Ärzte-Collegiums ver- 
mutet, und dass die Ärzte zweimal im Jahre dem Asklepios 
und der Hygieia opferten faep -; x-jtüv *ai töv sup T uv d>v 
EitaffTot iiffavTo ist inschriftlich überliefen (C.l.A. II 
352 b). 

Die Arbeit des Reliefs ist handwerkmässig aber frisch, wie 

hei den meisten Votivreliefs aus dem Asklepieion. Dass wir 
hier einem sonst niehi bekannten Typus begegnen, macht es 
ratsam das Relief verhältnissmässig früh anzusetzen, ehe die 
Typen für diese Weihegaben völlig erstarrt waren, also in die 
erste Hälfte des vierten Jahrhunderts. Dazu passt auch der 
Schriftcharakter der über dem Kopf des Mannes angebrach- 
ten Inschrift, welche leider zu stark verstümmelt Ist, um eine 
Ergänzung zu gestatten Wir lesen: 

I I 
~i ft M T E Y I / 

StN<EMNOTATHN 

AHSAY€IMAXOYAXAPNE 

-cov Tsuca- 

-Cov 56jXV0TCtTY)V 

Ajn'.u.zy. ür,; AufflfXse^ou 'Avapvefü?. 



i Bull, de corr. hell. II S. 89 i)'. Die Bedenken, die Girard selbst später 
( /. \scltpieion d'Athines S. 18) gegen seine frühere Annahme geltend ge- 
macht hat, scheinen mir nicht stichhaltig (vgl. Köhler zu C.l.A. II 1449 
Kern, 'E9»)|i.epU *.-/.• 189*2 S.'H6. Curtius, Stadlgeschichle S. 211 . 



238 



A. KOERTE 



Z. 2 scheinen die beiden ersten Buchstaben op oder 9p (etwa 
ap]8p&)v) gewesen zu sein. Die Form ^uvo-rar*] macht sehr 
wahrscheinlich, dass die Inschrift metrisch abgefassl war. 
Ein Lysimachides Lysimachos' Sohn aus Acliarnae kommt vor 
C. I. A. II 1924. 

2. Votivrelief, nachstehend abgebildet, (Fig. 2) H 32"' 
Br.0,4 P'.Oben und rechts abgebrochen, ein anpassendes Stuck 









Fig. 2. 



des Grundes wurde gesondert gefunden. Links Ante, über 
welche die Darstellung übergreift. Pentelischer Marmor. 

Hechts steht ein runder bekränzler Altar, über demselben 
erkennt man den Rest einer von rechts ausgestreckten Hand, 
die einen Kantharos hält. Der Arm. zu dem diese Hand «je- 
hört, laß nicht auf dem Reliefgrund auf, er war frei eearbei- 

C 1 o o 

tet und vermutlich angestückt. Links neben dem Altar steht 
eine Göttin in Vorderansicht (rechtes Standbein), ihr Kopf 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 239 

und der ehemals besonders angesetzte rechte Unterarm fehlen. 
Sie ist bekleidet mit einem ärmellosen gegürteten Chiton und 
einem Mantel, der über den Hinterkopf gezogen ist und von 
der rechten Hand in der Höhe des Kinns gefasst wird. Der 
Chiton ist an der rechten I lulle etwas aufgenommen und quillt 
in einem kleinen Bausch über den Mantel hervor. Ein etwa 
wagerechter Strich, der den Chiton etwas über den Füssen 
quer durchschneidet und eine Doppelung desselben anzudeu- 
ten scheint, ist, wie ich glaube, ein unbeabsichtigter Säge- 
strich. In der Linken hält die Göttin eine runde Büchse mit 
flach gewölbtem Deckel. 

Auf sie zu schreiten von links fünf Adoranten, zuerst ein 
Mann (Kopl fehlt), dessen Mantel die Arme verhüllt und nur 
die anbetend gehobene rechte Hand und einen Teil der Brust 
frei lässt. sodann ein zweiler. gleichfalls ohne Kopf, dessen 
schlaff herabhängender rechter Arm ebenso wie die Brust nicht 
vom Mantel bedeckt sind. Ls folgen ein ganz in den Mantel 
gehüllter Knabe sowie zwei Frauen (die vordere ohne Kopf) 
mit anbetend erhobenen Händen, beide in Chiton und Man- 
tel, der bei der letzten über den Hinterkopf gezogen ist. 

Spuren von Blau sind auf dem Reliefgrund, von Rot an 
der Basis des Altars, dem Chiton der Göttin, den Schuhen 
des vordersten Mannes, dem Haar und den Schuhen des Kna- 
ben erhalten. 

Das Relief entspricht in Composition und Arbeit durchaus 
der Masse der am Südabhang der Burg gefundenen. \\ ir dür- 
fen in der Göttin mit Sicherheit Hygieia erkennen; bis auf die 
Büchse in ihrer Linken stimmt sie völlig überein mit der Hy- 
gieia des Reliefs Duhn (Arch. Zeitung 1877) Nr. 1 7 = Sybel 
3994; auch Duhn32=Sybel iO 13, Duhn 15=Sybel 4009 und 
Duhn 1 = Sybel 1001 (abgebildet Athen. Mitth. X S. 258) 
sind in der Darstellung der Göttin nahe verwandt. Wir finden 
die Göttin anfallen diesen Reliefs in dem volleren mehr ma- 
tronalen Typus, den Koepp (Athen. Mitth. X S. 251 ff.) mit 
Recht von dem später durchgedrungenen jugendlichen schei- 



240 A. KORRTE 

det 1 . Die Büchse, ein ;m sieh vortrefflich für die Heilgöttin 
passendes Attribut finden wir seilen in ihrer Hand, soviel ich 
sehe, kehrl sie nur auf dem Relief Dühn 29 = Sybel -4032 
wieder 2 . Den Kantharos, der als einziger Resl von der Gott- 
heit rechts erhalten ist. vermag ich nid' den Reliefs dieser Gat- 
tung sonst, nicht nachzuweisen. In (\w Hand des Asklepios 
findet sieh dies stehende Attribut der Heroen, so viel ich sehe, 
niemals 3 . Eine tiefe Kylix hüll Asklepios auf dem leinen 
Fragment (l)nhn 5 = Sybel 4510, abgebildel Athen. Milth 
XVII S. 240), welches Ziehen als Heispiel für die Spendung 
ärztlicher Hülfe durch den Gott anführt. Aber diese Bestim- 
mung kann der Kantharos auf unserem Relief schwerlich ha- 
ben; reichte der Gotl dem Sterblichen dm heilenden Trank, 
so müsste der Adorant dem Altare näherstehen und die Hand 
nach dem Hecher ausstrecken. Hier wie auf den zahlreichen 
Heroen- Reliefs dient der Kantharos nur zur Andeutung der 
Spende, die der Gott oder Heros vom Sterblichen entgegen 
nimmt. 

3. Bruchstück eines Votivreliefs. Oben und links abgebro- 
chen. Hechts eine Ante, über welche die Darstellung über- 
greift. H. 0,185 m , Hr. 0.10"' Pentelischer Marmor. 

Im Vordergrund ein Opferschaf, das von einem in der 
zweiten Reihe stehenden Knaben nach links gerührt wird, 
hinter diesem (in driller Heilte) eine adorirende Frau in Chi- 
ton und Mantel. Ihr folgt rechts ein Mann im Mantel mit halb 
entblösster Brust, seine Linke ruht vor der Hüfte. Die Ar- 
beil des Reliefs ist sehr gering, die Erhaltung schlecht, be- 
sonders sind die Köpfe iU'^ Mannes und des Knaben stark 
zerstört. 



1 Thrämrr (in Roscber's Lexikon I S. 2780 ff.) will in allen malronalen 
Gestalten Epione erkennen, mit Unrecht. Wie sich das Schwankendes 
Hygieia -Tj pus in der attischen Kunsl erklärt, werde ich weiter unten zeigen. 

2 Duhn und Sybel haben sie hier übersehen 

■ A.uf dem von Kern i 'V^t^.-.y.t ■!;./. I f. 7) publicirten böotischen 

Krater hall eine Heilgottbeil den Kantharos; ob aber der gelagerte Man i 
Asklepios oder einen Heilheros darstellt, lässl sich oichl entscheiden. 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 241 

4. Bruchstück eines Votivreliefs, von allen Seiten bestossen. 
II. 0,19, Br. 0,10"'. Pentelischer Marmor. 

Bärtiger Adorant nach rechts. Der Mantel lässt die Brust 
und den rechten Ann unbedeckt. Der aufwärts gerichtete Kopf 
ist stark bestossen. die Unterschenkel fehlen. 

5. Bruchstück eines Totenmahls, H. 0,28, Br. 0.25 m . Der 
alte Band ist nur rechts erhalten, wo er Antenform hat. Pen- 
telischer Marmor. Gefunden etwa 1,50 ,n nördlich vom Bezirk 
auf der Strasse. 

Rechts, zum Teil vor der Ante, steht eine grosse Amphora 
mit Volutenhenkeln, in ihrem unteren Teil sehr zerstört. Es 
folgt links ein Jüngling von vorn. Kopf, rechter Arm und 
Füsse fehlen, auch die Oberfläche des Körpers ist stark be- 
stossen, die Linke hält einen undeutlichen Gegenstand (Trink- 
horn?). Neben ihm sieht man links ein Stück einer über- 
hängten Kline mit einem niedrigen Tisch davor und geringe 
Reste des auf der Kline gelagerten Heros. Wir dürfen als si- 
eher annehmen, dass dies Totenmahl in dem heiligen Bezirk 
aufgestellt war. in dessen unmittelbarer Nähe es gefunden ist. 
Mit Vorliebe schliesst sich ja der Kult der heroisirten Toten 
an die Heiligtümer der Heilgötter und Heroen an. Zu den Fun- 
den im athenischen Asklepieion (vgl. Milchhöfer. Jahrbuch 
II S. '26 ff.) kommen jetzt solche aus den Kultstätten des Am- 
phiaraos in Oropos und Rhamnus (Asatiov 1891 S. 1 17 Nr. 23), 
und es ist gewiss kein Zufall, dass auch in Athen nahe den 
Amphiaraos- Reliefs (AsXriov 1891 S. 89 Nr. 23 f.) ein Toten- 
mahl zu Tage gekommen istfAsVriov 1891 S. 1 15 Nr. 5). 

6. Marmorplatte mit weiblicher Brust in hohem Relief. 
Fig. 3. II. 0.17'". Br. 0.08'". Pentelischer Marmor. 

Unter der Brust steht auf etwas verjüngtem Ansatz die In- 
schrift: 

H A E I A A ?: 
K A H n I 
Q. I 
Die Inschrift ist sehr nachlässig geschrieben und gehört 
wol frühestens in das dritte Jahrhundert. Ein zwischen Brust 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 17 



24"2 



A. KOEhTE 



und Inschrift hindurchgetriebener Nagel, der zur Befestigung 
an der Wand oder einem Pfeiler diente, hat durch sein Ver- 
rosten das Abbrechen des unteren Teils verursacht. 




Fig. 3. 



7. Marmorplatte mit männlichen Genitalien in Relief. Fig. 
4. Das Glied ist abgebrochen. Der Reliefgrund war rot ge- 
färbt. Die Platte war an die Wand genagelt, wie ein rundes 
Loch unterhalb der Hoden zeigt. 11. 0,1 l m , Br. 0,08'". 








jüj 



Fn;. 



8. Marmorplatte mit zwei Ohren in Relief. Fig. 5. II. 0,105'". 
Br. 0,155"'. 

9. Platte aus bläulichem Marmor, unten abgebrochen. II. 
0,23"', Br. 0,24 m . Aufbäumende bärtige Schlange, von der 
ausser dein gehobenen Kopf und Hals noch eine Windung des 
geringelten Leibes erhalten ist. 

10. Rings besessenes Fragment aus weissem Marmor. II. 
0,14 m , Br. 0,08 m . Line Schlange ringelt sich an einem Fel- 
sen in die Höhe, der Kopf fehlt. Vermutlich von einem Vo- 
tivrelief. 

11. Die beiden vorderen Glieder eines Fingers, der einzeln 
geweiht zu sein scheint. Bläulicher Marmor. L. 0,085"'. 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 243 

12. Zwei Glieder eines Fingers, wol auch einzeln ge- 
weiht. Pentelischer Marmor. L. 0,085'". 

13. Statuette einer Göttin. Pentelischer Marmor. H.0,31 ra . 
Kopf. Hals, der r. Oberarm und der ganze 1. Arm waren 
besonders angesetzt und fehlen jetzt, auch der r. Fuss und die 
Hälfte des 1. sind abgebrochen*. Die Göttin ist bekleidet mit 
einem ärmellosen, hochgegürteten Chiton und anscheinend ei- 
nem Mantel. Am 1. Schuh Spuren von Rot. Ganz rohe Arbeit, 
wol aus römischer Zeit. 

1 \. Rechter Fuss einer Statuette aus pentelischem Marmor, 
L. 0,08'". 

15. Unterarm einer Statuette aus pentelischem Marmor, L. 
0,09'". 

16. Elfenbeinstatuette, H. 0,075'". Aus vielen Stücken wie- 
der zusammengeleimt. Die Rückseite ist nicht bearbeitet, die 
Oberschenkel sind stark abgesplittert, die Unterschenkel feh- 
len bis auf ein Stück des linken. 

Stehender, bartloser Mann. Der Kopf ist etwas nach rechts 
vorn geneigt, die Arme sind vor der Brust gekreuzt. Er trägt 
einen Kettenpanzer (vgl. Olympia IV. Die Bronzen Taf. LX, 
N°98 / i. Antiquites du Bosphore Cimme'rien Taf. 27, 4-6. 
Compte-rendu 1876 Taf. 2,19) darüber einen Chiton und ei- 
nen über die linke Schulter geworfenen .Mantel. Sorgfältige 
römische Arbeit. 

17. Folgende Terrakotten wurden im Innern des Bezirks 
sämtlich nahe dein alten Eingang gefunden: 

a) Archaische thronende Göttin im üblichen Typus. Lange 
Locken fallen auf die Schultern, beide Hände ruhen auf den 
Obersehenkeln. IL O.HP. 

b) Sitzende Frau, ganz in den .Mantel gehüllt, die R. vor 
(\i'\- Brust, die L. im Selmss. Kopl fehlt. Reste von Weiss. 
IL 0,055 m . 

c) Sitzende Frau genau desselben Typus, ebenfalls ohne 
Kopf. Reste von Weiss. IL 0,055 m . 

//) Oberkörper einer stehenden Frau mit Kind auf dem 1. 
Ann. Die Köpfe fehlen. Reste von Rosa. H. ll.llti.V". 



244 A. KÖERTE 

e) Torso einer stehenden Frau im Mantel, die L. in die Seite 
gestemmt. Kopf und Unterschenkel fehlen. 11. 0,01)'". 

/') Weibliche nackte Puppe mit besonders angesetzten Ar- 
men. H. 0.10'". 

g) Mädchenkopf zum Einsetzen in eine Figur bestimmt. 
Senkrecht durchbohrt, im Haar Spuren von Gelb. H. 0,U4 m . 

h) Köpfchen desselben Typus, hinten abgesplittert. H.0,04" 1 . 

In Schichten, die tiefer lagen als die alte Thürschwelle, 
wurden endlich eine Anzahl Scherben der Dipylongattung ge- 
funden. 

Die Funde beweisen , dass der bescheidene Bezirk eine 
lange Reihe von Jahren Kultstätte war. Nach den archi- 
tektonischen Merkmalen 1 darf er (nach Dörpfeld) 'mit ei- 
niger Wahrscheinlichkeit noch dem sechsten Jahrhundert zu- 
geteilt werden"; mir scheint diese Wahrscheinlichkeit durch 
die Terrakotten (besonders a) noch erhöht zu werden 2 . Aus 
dem vierten Jahrhundert haben wir sodann die Yotivreliefs 
(1-5, 10), aus jüngerer Zeit die skulpirteu Glieder (6-8, 11, 
12), und dass das Heiligtum auch in römischer Zeit noch 
Verehrung «enoss, lehren der Umbau des Einganges und Funde 
wie die Elfenbeinstatuette (16). 

Wenn ich die Adoranten-Heliefs rund in das vierte Jahr- 
hundert und die skulpirten Glieder jünger ansetze, so glaube 
ich dazu durch die Analogie anderer Heiligtümer von Heilfföt- 
tern berechtigt zu sein. Es ist längst bemerkt worden (Koepp, 
Athen. Mitth. X S. 263), dass die ganze Masse der Yotivre- 
liefs vom Südabhang der Hing, denen sich die aus den Amphia- 
raien in Oropos und Rhamnus, sowie die aus unserm Heiligtum 
stilistisch vollkommen anschliessen, einem \erhältnissmässig 



1 Xu den von Dörpfeld geltend gemachten Gründen möchte ich noch das 
Material der allen Schwelle hinzufügen, es i -.t derselbe weiche, gelbliche 
Porös, aus dem die Wasserleitung und Teile des Brunnenhauses der Ennea- 
krunos erbaut sind (vgl. Athen. Mitth. XVII 8. 442 f.). 

- lj,t-,> die aufgezählten 8 Stücke im Heiligtum geweiht waren, ist bei 
dem geringen Raum, auf den verteil! sie gefunden wurden, nielit zu be- 
zweifeln. 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 245 

kurzen Zeitraum entstammen. Das fast plötzliche Abbrechen 
einer Klasse von Weihgeschenken, die sich eine gewisse Zeit 
hindurch so grosser Beliebtheit erfreute, Lässt sich nun nicht 
etwa aus einem raschen Schwinden der Blüte des Heiligtums 
erklären — dem widersprechen die inschriftlichen Zeugnisse — 
sondern wir müssen die Gründe dafür in andern Verhältnissen 
suchen. Brückners wichtiger Nachweis (Arch. Anzeiger 1892 
S. 23), dass durch Demetrios' des Phalereers Grabgesetz mit 
einem Schlage die blühende Grabreliefplastik Attikas vernichtet 
wurde, erklärt auch das plötzliche Aufhören der Votivreliefs. 
Das Verbot der Grabreliefs unterband eben dem gesamten Be- 
triebe der attischen Reliefhandwerker die Lebensader, diese 
ganze Industrie ging offenbar in kurzer Zeit zu Grunde und mit 
ihr verschwanden die Votivreliefs. Die folgenden Jahrhunderte 
beschränkten sich in ihren skulpirten Weihgeschenken auf 
die mehr oder weniger rohe Wiedergabe des geheilten Glie- 
des, und diese Art Anatheme scheint besonders in römischer 
Zeit sehr beliebt geworden zu sein '. 

Wenn wir uns nun die Frage vorlegen, wem gelten diese 
Weihuneen, wer ist der Herr des heiligen Bezirks, so ist die 
Antwort darauf nicht so leicht zu geben, als es zunächst den 
Anschein hat. Wol besitzen wir eine Weihinschrift an Askle- 
pios, aber sie ist spät und reicht meines Erachtens nicht aus, 
um den Gott als Inhaber des Heiligtums für frühere Jahrhun- 
derte zu erweisen. Wir dürfen weitergehen: Asklepios kann 
nicht der ursprüngliche Herr des Bezirks gewesen sein, 
denn er ist eist in den letzten Jahrzehnten des fünften Jahr- 



' Römisch sind die sämtlichen derartigen Weibungen an Zeus Hypsistos 
von der Pnyz - Terrasse G.I.A. II! 150-456, ferner die aus M elos Rxptdi- 
Hon de Marie 111 Tal. 29,2 vgl. 8. 47,1 G. I. A. 2429. Annali 1829 8. 
(Lenormant), 1843 S.332 (Ross), das in Woburn-Abbej Arch. Anzeiger 1864 
Taf. .1 Fig. l. ein Stück, das ich in Oropos zu sehen Gelegenheit hatte, and 
die meisten aus dem athenischen Asklepieion 0.1. A- III 132 g-h ,p-r, \\ul 
auch Bybel 1058 und i7:io. Älter sind die etwas reicher ausgestalteten Ana- 
Lheme des Bukrates in Eleusis i "E?i||upl« ipx- 1892 Taf. 5 8. M3 ff. Kern) 
und des Praxias in Athen (Curtius, Atlas von Alben Bl XI. C. f. A. 11,4453), 
auch C. I- i. II. 1482. 



246 



A. KOERTE 



liunderts nach Athen gekommen. Die Einführung des Askle- 
pios-Kultes in Athen, die Koepp (Athen. Mitth. X S. 255) 
und neuerdings auch Wilamowitz {Commentariolum gramm. 

IV S. 55. 1) mit überzeugenden Gründen in die Zeil des pe- 
Loponnesischen Krieges setzen (vgl. auch Wolters, Athen. 
Mitth. XVJ S. 164, 2). lässt sich nocli genauer bestimmen als 

bisher geschehen ist. Aristophanes kennt in den Wespen (V. 
122) noch keinen Asklepioskult in Athen, aber Sophokles 
feiert den Gott noch in einem Paian ; die durch diese beiden 
Thatsachen gegebenen Jahre 't2'2 und 406 bildeten bisher die 
Grenzen, innerhalb deren man die Einführung des Gottes an- 
setzen musste 1 . Nun besitzen wir. wie längst bemerkt worden 
ist, einen inschrif'tlichen Bericht über die Gründung des Askle- 
pieion (Köhler zu C. I. A. II, 1649, Wilamowitz a. a. 0.); 
Telemachos von Acharnä war es, der den Asklepios-Kult in 
Athen einführte, und er war nicht wenig stolz auf diese Thal 
(s. C.I.A. II, 1442. 1443. 16-'iV. 1650). Wenn Köhler an 
der Wiederherstellung der wichtigen Urkunde C.I.A. 11.1649 
ganz zu verzweifeln scheint, so hat das seinen Grund in einer 
irrigen Zusammensetzung zweier Fragmente, die den Zustand 
der Inschrift viel hoffnungsloser erscheinen lässt, als er ist. 
Ich wiederhole hier die beiden Fragmente b und r nach Köh- 
ler's Ausgabe, unter Weglassung der für uns unwichtigen Ne- 
benseite (b 6): 



b 
E Y T 
T = $ Y 

lOYTOk 
■"OTOIYAOP 

nIAPOIEPITC 
EYA^OHTAI 



\ i A K A I T 



1 Das in dieser Frage mehrfach benutzte Fragment dos Hermipp (Kuck 
Fr. 73) scheint mir nichts für einen Asklepios-Kult in Athen zu beweisen, 
denn seine Genealogie der Asklepiosfamilie weicht von der athenischen und 
epidaurischeu ab. 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 



247 



AITAAOIPA 
POSIAPY€A 
TOSEPI FOY 
HKAIkATES 

(AHOTEME 
AEITfilE^ 



EPfiN PPOS 
o K P I T O S E i 
C0YTEYSEKAI 
"i H€EkO€MH£AS~ 
-I O ^APANTEAE 
^kAAAIA£< 
'PITOYT 
D / 



Bei einer Revision der Steine ergab sich mir mit Bestimmt- 
heit, dass diese scheinbar so vortrefflich an einander an- 
schliessenden Fragmente nicht zu einander gehören. Weder 
das T in Z. 10 noch das N in Z. 1 1 lässt sich aus den auf bei- 
den Steinen erhaltenen Besten so zusammenfügen wie es im 
Corpus geschehen ist, beide Buchstaben würden um die Hälfte 
zu breit werden. Der eigentümliche Zufall, dass c dem Sinne 
nach so gut an b anpasst, erklärt sich bei genauerem Zusehen 
sehr einfach. In c werden dieselben Dinge fast wörtlich 
wiederholt, die auch in b berichtet worden. Die letzten Buch- 
staben jeder Zeile von c sind identisch mit den ersten Buch- 
staben der folgenden Zeile von b. es kehren wieder: 



f.. 


6- 7 AIT 


» 


7- 8 PO£ 


)) 


8- 9 TO€EI 


» 


9-10 EKAI (HKAI b) 


)) 


10-11 £AS 


» 


11-12 AE 



Streicht man in der köhler'schen Ausgabe diese überein- 
stimmenden Buchstaben in c einmal fort, so schliessen die 
ein/einen Zeilen an einander an, und ihre Länge lässt sich auf 
18 Buchstaben bestimmen. Wir können somit b teilweise aus 
c ergänzen Z. 6 iw«ffx]«u&G8r ~'xi a x|al tx Xoixx [töv(?) 

i]epcöv 7r|po<ji§p'jTa70 . . . öy.prxo; bei to-j \ r\ y.x ! . xxts- 

BTYjai y.oTy.r. ix; to t£u.cvo; xwav ti|Xm Ttö i[Wr]o(?) KxXkix;. 
Die Wiederholung war nicht genau wörtlich, das beweisen 



A. KOERTE 



die Verschiebung der übereinstimmenden Buchstaben von 
Z. 6 und 7 i in c) um zwei Stellen nach reclits und das H am 
Anfang von Z. 10 an Stelle des nach c vorauszusetzenden E. 
Der Grund für die ganze Wiederholung ist mir nicht ersicht- 
lich, an ihrem Vorhandensein jedoch nicht zu zweifeln. 

Wertvoll ist nun, dass wir aus der richtigen Benutzung 
von /; und c auch für das weitaus wichtigste Fragment a eine 
gesicherte Zeilenlänge von 18 Buchstaben erhalten. Dasselbe 
lautet ' : 

i < 
M E A O ü I A E O o 
^ISTOISMET/ 
irETOESTOE/ 
5 MK\IOIKOOEf 
YAMENOSAIA 
\rENAEYPFE<t>'" 
T H A I, M A X O f § A § 
aMAHAOENYT 
10 OYTd^lAPYOH 
HOA c APANEPI 
AOAPXONTOaY 

a p i r a € e n i t o 

H § Y K E £ H M E £ B 

15 ftPIOkAIENIA 

-ANIOH^AIAN 

)YTOEY 
FPIT 



Versuchen wir nun eine Ergänzung der wichtigsten Zeilen 
10 ff. zu 18 Buchstaben, so ergiebt sich ohne weiteres die Le- 
sung outü); iop-jOy) [tÖ Lspö]v röSe arcav ext ao apyovro;. 



1 Z. 4 schreibt Köhler I P. Ich halte den scheinbaren kürzeren Schenkel 
des P für eine zufällige Verletzung des Steins, die wagerechte Linie gebt 
über seinen Ansatz deutlich hinaas, der Buchstabe war also wol r nicht P; 
die senkrechte Haste vor dein r steht nicht über der Mitte sundern über 
dem r. Schenkel des n in Z. 5, ist somit kein I sundern Rest eines N oder H. 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 249 

Wer war der genannte Archon, dessen Name auf-Xo$ endict? 
Im Jahre 442 haben wir den Archon Diphilos, aber dieses Jahr 
ist viel zu früh, auch passt die Buclistabenzahl des Namens 
nicht, 381 linden wir Demophilos als Archon, doch dies Jahr 
ist unbedingt zu spät, in den 60 dazwischen liegenden Jahren 
begegnet uns nur ein Archon auf -Xo:, das ist der von 420, 
Astyphilos. Hier passen Namenlänge und Jahr gleich vor- 
züglich und wir dürfen es daher als eine gesicherte Thatsache 
hinstellen, dass 4 20 unter dem Archon Astyphilos das athe- 
nische Asklepieion gegründet worden ist. 

Ich bedaure lebhaft, die übrigen Zeilen der Inschrift nicht 
mit gleicher Sicherheit herstellen zu können. 

Z. 4-5 ist Girards Vorschlag (L'Asclepieion dAthenes S. 
130) £? tö 'EX[£uutviov wol möglich, 

Z. 5 I. halte ich oi'/.oOs^v (xeT*7cspi,]<j/&pievo5 für sicher, 

Z. 7 ist mit Köhler zu lesen -rjy]ay6v Seöpe, und dann wird 
vielleicht Z. 8 des Telemachos Name im Nominativ als Sub- 
ject zu ergänzen sein. Aber dazwischen klaffen Lücken, de- 
ren Ausfüllung mir bisher nicht geglückt ist. 

Sicher glaube ich dagegen noch Z. 9 ergänzen zu können 
%a yjXößv Tyfieia /.ai . . . Wer anders soll mit dem 'aus seiner 
Heimat geholten' Gotte gleichzeitig gekommen sein als die Göt- 
tin, deren beide ersten Buchstaben ja auf dem Steine stehen? 

Wir haben also als festen Kern der Inschrift den Satz : aua 
tjXOsv Yyisia &ai outoj; iSpuöv} to ispov tö§£ 3t7:av i-\ 'AcrucpiXou 
ap^ovTO? '. 

Hygieia kam gleichzeitig mit Asklepios nach Athen, da- 
rin behält Thrämer (Roscher's Lexikon 1 S. 2773) gegen koepp 
(Athen. Mitth. X S.256IT.), Wilamowitz (Isyllos S. 192 f.) 
und neuerdings Blinkenberg (Asklepios oghans Fraender 
i Hieron ved Epidauros S. 78) Recht, aber sie kam nicht 
aus Epidauros, das lehrt schon unsere Inschrift, wo ihre Ein- 
führung deutlich von der des Asklepios aus Epidauros (oko8«v) 



K In den folgenden /.eilen isl nur verständlich 14 o; x]if[p]uxcc rju»so6fi(-nj- 

aav xJwpiou (s. Wilaiuuwilz >t. a. (.).). 



250 A. KOERTE 

geschieden ist. Überall wo wir die epidaurische Asklepiosfa- 
milie vereinigt finden, fehlt in älterer /eil Hygieia 1 . So er- 
hallen in der Anfangs des vierten Jahrhunderts geschriebenen 
Opfervorschrifl aus dein munichischen Asklepieion C.I.A. II, 
1651 laso, Akeso und Panakeia ihre -ö--/va zugewiesen, Hy- 
gieia dagegen wird nicht genannt 2 . Ebensowenig finden wir 
sie auf dem von Ziehen veröffentlichten Relief des athenischen 
Asklepieion, das die Asklepiosfamilie besonders vollständig 
und mit den Namensbeischriflen Epione, Akeso, laso und 
Panakeia (Athen. Mitth. XVII S. 243 Fig. 7) bietet. Als Hy- 
gieia aus dem Peloponnes. wo z. B. in Titane ihr Kult offen- 
bar alt ist (Paus. II II, (i und VII 23.8), nach Athen kam 
und mit Asklepios gemeinsam das Heiligtum am Südabhang 
der Bure bezos;, da stand sie neben der epidaurischen Fami- 

CO 7 l 

lie des Gottes zunächst als eine Fremde, sie war weder Gattin 
noch Tochter des epidaurischen Asklepios :} . So konnten sie 
Ariphron (Athen. XV p. 702) und Likymnios ( Sextus Emp. 
XI 49) als -czißLizy. [/.ay.äpojv und als 'X'.7rap6;j.a3CT£ aoexio an- 
rufen, so erklärt sich auch das Schwanken der Voti\reliel's 
zwischen dem matronalen und dem jugendlichen Typus Ganz 
allmählich wird ihr Verhältnis zu Asklepios als ein töchter- 
liehes fixirt und noch in dem späten Paian des Makedon ist 
sie nicht völlig mit den andern Asklepiostöchtern verschmolzen 
. {C. 1. A. III 171 b). 



1 Es ist Tbrämer a. a. 0. S. 2774 nicht gelungen, einen Kuli der Hygieia 
in Epidauros für die ältere Zeit nachzuweisen (vgl. Blinkenberg a. a. ' >. 
S. 79 f.). Die älteste Weibung an Hygieia, die wir in Epidauros haben (Cav- 
\;idi;is, Fouilles d'ßpidaure 1 Nr. 250), stammt etwa aus dem Jahr 200 v. Chr. 
die Benennung der Göttin auf den epidaurischen Münzen (s. Im'-. Lambros, 
No;i'^aara -f,; 'Ajj.opyoj Nr. 28) ist ganz willkürlich, ebenso gut kann hier 
Epione dargestellt sein. 

-' Darum nennt sie auch Arisiophanes im Plutos nicht, dessen Heilungs- 
scene 633 IV. eben im munichischen Heiligtum spielt. 

3 Dass sie in Titane und anderen Orten ursprünglich üatti Q des Askle- 
pios war, halte ich nicht für ausgeschlossen (s. z I'.. die schwer verständ- 
liche Stelle Paus. VII 23, 7), auch ihre ältesten Darstellungen / B. im 
Weihgeschenk des Smikytbos zu Olympia (Paus. V26, 2) könnten sehr wo 1 
malronal gewesen > « • i i > . 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 251 

Nach dieser Abschweifung kehre ich zu unserem heili- 
gen Bezirk zurück. Da Asklepios im Jahre 420 nach Athen 
gekommen ist, kann das Heiligtum nicht für ihn zuerst an- 
gelegt sein, denn es ist zweifellos älter. Es fragt sich also 
nur, wann hat Asklepios einen älteren Gott oder Heros hier 
verdrängt, hez. hat er ihn jemals ganz verdrängt 1 ? Die Wahr- 
scheinlichkeit, dass man den epidaurischen Gott bald nach 
Errichtung seines grossen glänzenden Heiligtums am Südab- 
hang der Burg in einen zweiten, jenem so nahe gelegenen 
Bezirk eingesetzt habe, ist nicht sehr "ross. Das £>anze Alter- 
tum hindurch kennen Schriftsteller und Inschriften nur ein 
Asklepieion in Athen (siehe die Zeugnisse bei Curtius, Stadt- 
geschichte S. XVllj, zum Unterschiede von dem munichi- 
schen (s. AiVrtov 1888 S. 132 ff. vgl. Bull, de corr. hell. 
XIV S. 6'i9) tö iv x<jT£i genannt, und wir werden nicht ohne 
unbedingt zwingende Gründe für die klassische Zeit ein zwei- 
tes annehmen. Wir wissen freilich, dass Demon des Demo- 
meles Sohn, der Vetter des Hedners Demosthenes, um die 
Mitte des vierten Jahrhunderts Haus und Garten dem Askle- 
pios weiht und sein Priester wird (C. 1. A. II 1654), aber 
diese Weihung kann — wenn sich aus ihr überhaupt ein be- 
sonderes Heiligtum entwickelt hat — keinesfalls identisch sein 
mit unserem heiligen Bezirk, der eben als Heiligtum be- 
trächtlich älter ist. Neben den bereits erwähnten Terrakotten 
beweist schon das völlige Fehlen alter Innenmauern, dass hier 
nicht etwa ein altes Privathaus später in ein tejxevo? verwan- 
delt ist. 

Nun könnte man glauben, in den Reliefs 1 und 2 einen 
zwingenden Beweis für das Alter des Asklepioskultes in un- 
serem Bezirk zu besitzen. Wir sehen einen Mann mit dem 
Köpft vpus des Asklepios auf dem einen, sehen Hvgieia auf 



1 Die eine Weihung an Asklepios beweist noch nicht eine völlige Ver- 
drängung, auch in das Heiligtum eines verwandten Gottes konnte einmal 
eine Weihegabe für den Heilgott y.o.-. l;o/r^ gestiftet werden, itimal in jün- 
gerer Zeil. 



552 A. KOERTE 

dem andern Relief, da liegt der Schluss sehr nahe, dass diese 
Reliefs Weibgeschenke an Asklepios seihst sind, der Gott also 
schon im vierten Jahrhundert von dem Temenos Besitz erijrif'- 
i'en hat. Der Schluss lieel nahe, aber er ist nicht zulässig, wie 
eine Betrachtuns der bildlichen Tradition lehrt. 

Asklepios war nicht der älteste Heilgott, den die attische 
Kunst darzustellen unternahm. Erheblich älter als alle atti- 
schen Asklepiosbilder und Heiligtümer, von denen wir wis- 
sen ', ist das kleine Amphiareion in Rhamnus, dessen Aus- 
grabung der griechischen archäologischen Gesellschaft ver- 
dankt wird. Hier sind nun zwei kleine Köpfe des Gottes ge- 
funden worden, die Staus (AsXxiov 1891 S. 117 Nr. 19 und 20) 
kurz beschrieben hat. Der eine (Nr. 19) weniger gut erhal- 
tene, ist noch völlig archaisch, wol aus dem Ende des sechs- 
ten Jahrhunderts, er erinnert in der Bildung von Haar und 
Bart an altertümliche Zeusköpfe, der andere (Nr. 20), un- 
gleich schöner und besser erhalten, ist gewiss nicht jünger 
als 430. Das volle Haar füllt lang und schlicht in den Nacken, 
von den Schläfen ist es in zwei mächtigen Wellen nach hin- 
ten zurücko;estrichen. weich bangt der Schnurrhart auf den 
kräftigen, leicht gelockten Vollbart herab, die grossen Augen 
sind noch ein wenig streng gebildet, der ganze Kopf hat trotz 
seiner Kleinheit etwas Majestätisches. Hier ist offenbar ein be- 
sonderer Typus für den Heilgott noch nicht gefunden, der 
Zeustypus ist einfach auf ihn übertragen 2 . Zur Zeit als man 
den epidaurischen Gott in Athen einführte, schufen dann die 
Künstler des phidiasischen Kreises — am liebsten wird man 
an Alkamenes denken :! (vgl. Overbeck, Gesch. der griech. 



• Um vod dem jugendlichen unbär Ligen Asklepios das Kaiamis in Sikyon 
(I'aus II 10, 3) abzusehen, der nicht genau zu daliren isl und aufdieKunsl 
der Folgezeit offenbar uichl eingewirkt hat. 

2 Ich möchte glauben, dass in wenigen erhaltenen. Köpfen so viel von dem 
Zeus des Pbidias steckt, wir in dem kleinen rhamnuntiseben Köpfchen. 

; Ein Asklepios des Alk. nes isl nicht Für Athen, aber Für Mantinea 

bezeugl (Paus. VIII 9,1). Der stehende Asklepios auf späten Münzen von 
Mantinea Is. Catalogue of the Greek coins in the British Museum. Peloponne- 
sus Taf. XXXV, 9) gebt \\ul auf dies Bild zurück. Von Kolotes kennen wi 



BEZIRK EINES HEILGOTTES 253 

Plastik 4 I S. 379 und vor allem Reisch, Eranos Vindobo- 
nensis S. 21 f.) — für ihn jenes Ideal, das ein ins Milde, 
rein Menschliche herabgestimmtes Zeusideal isl ' ( Brunn, Göt- 
terideale S. 96 ff.). In den beiden Typen des thronenden und 
des auf seinen Stab gelehnt stehenden Gottes beherrscht dies 
Ideal die attischen Asklepiosreliefs des vierten Jahrhunderts 
unbedingt, aber es ist nicht für Askiepios allein verwendet 
worden. Ohne die leiseste Veränderung werden die beiden 
Typen des Askiepios auf Amphiaraos übertragen, für den sich 
ein eigener Typus überhaupt nicht entwickelt. Den bald ste- 
henden, bald thronenden Gott auf den Reliefs aus Oropos (vgl. 
Berliner philol. Wochenschrift 1888 S. 259), aus Rhamnus 
(AeVriov 1891 S. 1 17 Nr. 18 und 23), aus Athen (AfVriov 1891 
S. 89 Nr. 23) würde man ohne Renntniss des Fundortes bez. 
der Inschriften unbedingt für Askiepios halten müssen. Ja 
noch mehr, die attischen Handwerker, welche gewohnt waren 
neben dem Askiepios die Hygieia darzustellen, gesellen die 
Göttin auch dem böotischen Heros zu, den sie ihrem Askie- 
pios gleichsetzen, obwol Amphiaraos von Haus aus nicht das 
Geringste mit Hygieia zu thun hat 2 . Kaum würden wir es 
wagen, die Göttin auf den angeführten Reliefs Hygieia zu 
nennen, wäre ihr nicht einmal (AiVriov 1891 S. 89 Nr. 23) 
der Name beigeschrieben. Es ist das ein höchst merkwürdiges 



zwei Darstellungen des Gottes, eine Goldelfenbeinstatue in Kyllene (Strabo 
VIII, 337 ) und ein Relief au der xpineZa in ( »lympia ( Paus V 20, I). 

Amelungs Versuch ein zweites Asklepios-Ideal des ausgebenden 5. 
Jahrhunderts nachzuweisen [Florentiner Antiken S. 39 ff.) scheint mir 
ii iolit geglückt. Der schöne von ihm veröffentlichte Kopf ist wol eher ein 
ideales Dichterporträl als der Heilgolt. 

- Dass sie in Pausanias' Zeil zusammen mit Aphrodite, Panakeia, [aso 
und Atbena Paionia ein Fünftel des grossen Ampbiaraos-Allars in Oropoa 
inne hatte (Paus. I 34, 3i, beweist natürlich nichts für eine alte Verbin- 
dung mit dem Gott. Auf diesem Altar sind alle Gottheiten vereinigt, die 
sich m i i Heilkunst und mit Oropos nur irgend in Beziehung bringen Hes- 
sen. Seine späte Entstehung wird durch die Reste älterer Aliare unter sei- 
nen Fundamenten erwiesen (s. flpaxtutä 1884 S. 92 Tu. B, Dörpfeld). Wo 
Hygieia alten Kult hat, wie in Titane 'Paus. II 11,6. VII 23,8), isl sie 
n u r mit Askiepios verbunden. 



254 A. KOERfE 

Beispiel von dem mächtigen Einfluss, welchen die Kunst mit 
ihren Typen auf die Kulte ausübt. Hygieia kam nach Oropos 
und Bhamnus nur, weil der athenische Steinmetz neben dem 
Heilgott auch die hülfreiche Göttin anbringen wollte, die er 
mit ihm zu verbinden gewohnt war. In Oropos scheint sie in 
der That allmählich ein ähnliches, wenn auch loseres, Ver- 
hältniss zu Amphiaraos eingegangen zu sein, wie sie es in 
Athen zu Asklepios hat. wir sehen wenigstens, dass im ersten 
Jahrhundert v. Chr. der Demos der Oropier Statuen der Me- 
tella, Sullas Gattin, und eines Lentulus 'Aaoiapaw xxl Tyieia 
weiht ( 'E ? Y)«xEpU apx- 1885 S. 102 Nr. 4. S. 106 Nr. 6, vgl. 
1891 S. 137 1 )- 

Es giebt noch ein zweites Beispiel für die Zähigkeit, mit 
der die attischen Steinmetzen an den für Asklepios einmal aus- 
gebildeten Relieft) pen gegenüber verwandten Gottheiten festhal- 
ten, das ist das schöne Relief aus Luku, welches Lüders veröf- 
fentlicht hat {Annali 1873 S.IHff.Taf. M. N. SybelNr. 319). 
Bei dem heutigen Kloster Luku hatte Polemokrates, nach Pau- 
sanias 1138,6 ein Enkel des Asklepios, ein Heiligtum (vgl. 
Lolling in Iwan Müller's Handbuch III S. 166), aus dem das 
erwähnte Belief und noch ein anderes 2 ( Sybel 357,schlecht ab- 
gebildet Expedition de More'e III Taf. 90) offenbar stammen; 
beide sind nach Material und Stil zweifellos attisch. Hier hat 
nun nicht Polemokrates den Typus des Asklepios angenom- 
men, sondern der Bildhauer hat einfach den Asklepios mit 
zahlreicher Familie dargestellt, und es dem Belieben des Be- 
stellers überlassen, welchen von den beiden Jünglingen hinter 
Asklepios er für Polemokrates halten wollte. Der Heros, dem 
die Weihung doch voraussichtlich galt, ist also in seinem ei- 
genen Heiligtum als eine Nebenperson neben dem attischen 
Gott dargestellt. Daneben bietel sieb freilich die Möglichkeit. 
das Belief als eine Weihung an Asklepios selbst aufzufassen; 
dann wurde es in dein Heiligtum des Polemokrates dieselbe 



" Vgl. auch C. I. Grmc. Sept, 412 und Alben. Milth. XII S. 318 Nr. 418 
8 Auf diesem sind nur die Deilikanten erhalten« 



ÖE21RK EINES HEILGOTTES 255 

Stellung einnehmen, wie vielleicht die Weihung der Hedeia 
in unserem athenischen Temenos. 

Für unser Heiligtum ist die Analogie der Amphiaraos-Re- 
lief's besonders wichtig. Dem Amphiaraos wird in Rhamnus 
im dritten Jahrhundert der Heros Aristomachos gleich gesetzt; 
'IepoxV?i? 'h'ctovo; 'Ao^tou-z/w 'Ap^upacp lautet die Inschrift an 
der Basis seines Kulthildes (AsXtiov 1891 S. 110 Nr. 14. Lol- 
ling, 'AÖTjva III S. 597,1). Aristomachos ^ird wieder in Ma- 
rathon mit dem Heros latros identificirt ' ( Bekker. Anecdota 
I S. 262,16), und für letzteren hat neuerdings Kern ( 'Eor,- 
aepi«; äp/. 1892 S. 115 ff. ) eleusinischen Ursprung wahrschein- 
lich gemacht. Man sieht also, die attischen Heilheroen haben 
eine sehr enge Verwandtschaft untereinander trotz ihrer ver- 
schiedenen Herkunft, und es können die Typen der Askle- 
pios-Keliefs ebenso gut wie auf Amphiaraos auch auf jeden 
andern Heilheros übertragen worden sein 2 . Somit lässt sich 
aus unsern Reliefs Nr. ! und 2 schlechterdings nicht erken- 
nen, welchem Gott oder Heros sie geweiht sind. Vielleicht 
spricht aber der Kantharos des Reliefs Nr. 2 dafür, dass in 
der That ein Heros, nicht Asklepios dargestellt war. 

Von den uns bekannten athenischen Heilheroen können zwei 
für unsern Bezirk nicht in Frage kommen, weil ihre Hei- 
ligtümer an andern Stellen der Stadt fi.virt sind. Für den He- 
ros latros, an den man hier, in der Nachbarschaft des Eleu- 
sinion, wegen seiner Beziehungen zu Eleusis | 'E<p7i(xepi? xpy. 
1890 S. 117 f. 1892 S. 115) besonders gern denken würde, 
ist die Lage im Norden der Stadt gesichert, da wo jetzt die 
Boreasstrasse mit der Athenaslrasse zusammentrifft. Dort sind 
zwei grosse aufsein Heiligtum bezügliche Inschriftblöcke ge- 
funden worden (6'. /. A. II 41)3 und i04), und auch die lit- 
terarischen Zeugnisse [s. Curtius, Stadtgeschichte S. L) wei- 
sen dorthin. Amphiaraos ferner, dessen Kult in Athen durch 



1 Irrtümlich giebt Lolling a. a. Ö. au, ilas* auch der rhamnuntische Am- 
phiaraos den Beinamen Heros latros führe. 

-' Für Trophonios ist durch Pausanias (IX ;>'.». o uml i) ausdrücklich be- 
zeugt, dass Praxiteles ihn im-Asklepiostypus bildete. 



256 A. KOERTE, BEZIRK EINES HEILGOTTES 

die eben erwähnten Reliefs und die Sakralgesetze des Lykurg 
(C. I. A. II 162 Z. 21. Add. S.411) bezeugt ist 4 , hatte nach 
Pausanias 18,2 nahe bei den Eponymen eine Statue. Dass 
er in derselben Gegend einen von Pausanias nicht erwähnten 
Bezirk besass, lehren die Reliefs, welche bei der Verlänge- 
rung der Piräusbahn in der Nähe des Theseion gefunden 
w urden. 

Sonst kennen wir von athenischen lleilheroen noch Alkon 2 , 
dessen Priestertum Sophokles bekleidete, dessen Kult also 
älter war als der des Asklepios. Es ist sehr wol möglich, dass 
gerade er der alte Inhaber unseres Bezirks gewesen ist :! . 

Wir müssen es also, meiner Ansicht nach, vorläufig unent- 
schieden lassen, ob hier im Westen der Burg unter Benutzung 
eines älteren Bezirks ein zweites Asklepieion entstand, oder ob 
dies Heiligtum noch im vierten Jahrhundert einem andern 
Heros gehörte, neben dem in späterer Zeit auch Asklepios 
verehrt wurde. Es ist wol zu hoffen, dass neue Ausgrabungen 
diese Frage entscheiden werden. 

Athen. 

ALFRED KÖRTE. 



1 Wann sein Kuli in Athen eingeführt ist, lässt sich nicht genau ermit- 
teln. Das genannte Sakralgesetz nennt ihn vor Asklepios — y.a.\ x& 'A^iapaoj 
xai t<;> 'Azy.lr^.M — woraus man auf höheres Aller seines Kultes schliessen 
möchte. Dagegen spricht aber wol der I instand, dass Aristopbanes in dein 
415 aufgeführten Ampbiaraos seinen Kianken noch nach Oropos zuschicken 
scheint. Ich möchte das besonders aus dem äxpaicpv^ uBcup (Fr. 32 Kock) fol- 
gern, denn die <iüte und Kalte der Quelle in Oropos, die ja noch jetzt je- 
den Besucher des schonen Waldthals erquickt, wird im Altertum gerade 
mehrfach gerühmt iXenophon Mem. III 13,3, Athen. II p. 46c). 

- I in von Toxaris abzusehen; s. Sybel Hermes XX iS. 41 ff. 

:; Sybel's Versuch, Alkon an dem Südabhang der Burg als Vorgänger des 
Asklepios anzusetzen (Athen. Millh. X 6. 117), ist durch Wilamowitz, 
[syllos S. 189 ff. widerlegt. 



INSCHRIFTEN AUS THASOS 



Die folgenden Inschriften bilden die kleine epigraphische 
Ausbeute einer Heise, die ich im August vorigen Jahres nach 
Thasos unternommen habe. Sie stammen sämtlich aus Lime- 
nas, dem Haupthafen der Insel. Hier habe ich auch im Wein- 
garten des Arztes Dimitriadis nördlich von dem \on Bent auf- 
gedeckten Theater die im Journal of Hellenla studies VI II 
(1887) S. 417 Nr. 19 publicirte Weihinschrift für Nemesis 
wiederaufgefunden. Im Journal steht : Front Thasos: but the 
locality is not specified. Perhaps from the temple at 
Aliki? Herr Dimitriadis bemerkte ausdrücklich, dass sie in 
seinem Weingarten gefunden sei. Über die Lage von Haliki. 
das ich auch besucht habe, leider ohne einen genügenden 
Eindruck über den von Bent ausgegrabenen Tempel gewin- 
nen zu können, vgl. Conze, Heise auf den Inseln des thraki- 
schcn Meeres S. 30. Die späte Weihinschrift des Euhemeros 
steht auf einer 1,90 hohen, 0/28 breiten. 0.30 tiefen Votiv- 
stele unter einer 0,45 hohen Nische, in der das Weihgeschenk 
für Nemesis einstmals stand '. Nirgends wird jetzt wol weni- 
ger für die Erhaltung der antiken Denkmäler gethan als auf 
Thasos. Herr Christidis in Panagia, ^v schon Conze und Mil- 
ler auf ihren Fahrten begleitet hat. und dem so mancher schöne 
Fund verdankt wird, ist alt geworden und kann nicht mehr 

mit derselben Sorgfall über die im Liinenas fast täglich zu 

Tage kommenden Antiken wachen wie in jungen Tagen. Zwei 
schöne Totenmahlreliefs des vierten Jahrhunderts, viele Mar- 
morköpfe und viele antike Werkstücke und sonstige Frag- 
mente sah ich in den Häusern des Limenas verbaut, aber 



1 Eine e weile Weibung an Nemesis Journal a. a. < ». Nr. 1^ from weslern 
galt "l Thasos. 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 18 



•258 0. KiMiN 

meist so verschmiert, dass sie kaum mehr kenntlich sind. Wie 
anders auf der Nachbarinsel Samotbrake, wo Herr Phardys 
mit unermüdlichem Eifer und Geschick für die Erhaltung der 
Altertümer Sorge trägt! Vielleicht erstellt in meinem freund- 
lichen Führer Herrn Apotheker Pnlidis ein neuer Conservator 
der thasischen Altertümer. 

1 . In der Treppe der Apotheke (nicht weit vom Konak) als 
Stufe vermauert ein 0,62 hoher, 0.78 breiter, 0,27 dicker Mar- 
morblock. Die Vorderseite und die linke Schmalseite tragen 
Inschriften. Reinach giebt beide Inschriften nach Abschriften 
des Herrn Ghristidis Revue archeologique XV (1890) S. 282 
Nr. I und IV, die aber in wesentlichen Punkten zu berichti- 
gen sind. 

A. Vorderseite. 



HPAlf/lj 2Ml1I 

MO YÄÜIOIM'IIAAA^ 
TT Y O I n N 
frei 

Xbetoyiiäio^attoäAinapioz 

r- T I T I N N ' r y M I K K O Z 

XAPHIAI % F M I A O P O Y 
ZftZIMOZrriONlAOY 
AI02K0P02Za2 I K 
'PÜAhCZAMOY 
frei 
ISIMOSSEPATTIftNO 
M A H"AONI*0*ApT 

Die Buchstaben der drei oberen und der beiden letzten Rei- 
hen sind kleiner (0,025 hoch) als die der mittleren (0,04). 
Die Schrift ist spät und unregelmässig. Das E zeigt neben der 
gewöhnlichen Form wie auch sonst auf Thasos die Form 2-, 
das 2! ist regelmässig gebildet 1 . 



1 Vgl. Conze, Reise auf den Inseln des tlirakischen Meeres S. 18. Auf der 
von Cunze mitgeteilten Inschrift hat das X die Form i. 



INSCHRIFTEN AUS THASOS 259 

Der Stein tragt zwei Namenslisten : 

Ä. 

1 . 'HpdbtX[ei*ro]s M£«j[tou] 

2. M. Ouawio« Me<y<x4tAa< 

3. HoOiwv 

frei 

4. 'ASeTO'jvSio? 'ATroAXivip'.o; 

5. F. Titivvios Müxoc 

6. Xapns 'Ap^Tjeu.i&copo'j 

7. ZtoTiixo? repovtSou 

8. AtÖTx.opoi; Zojiiu[ou] 

9. "IIpo>Svj? 2ct|A0u 

frei 

10. ZwctpLo; Sepaictwvo^] 

11. MaKeSoviKO; 'ApxfepuSüpou ?] 

Zeile 1. fehlt auf Christidis' Abschrift. Der Name MeVro; 
ist bezeugt z. B. C. LG. III 5638. 

Zeile 4. 'A^etoovSio? glaube ich zu lesen. Reinach hat 'A£e- 

TOUYJotO(. 

Zeile 5. Reinach: ETTITINNI02. Mixo«: Bechtel, Ab- 
handlungen der göttingischen Gesellschaft der Wissenschaften 
XXXII (1885) S. 14 Nr. 8. 

Zeile 6. Reinach : TspoviSou. 

Zeile 9. Reinach giebt hinter Sdjiou noch die Buchstaben 
OMO, die ich auf dem Stein nicht gelesen habe. Er fügt hin- 
zu : les lettres, que je ne comprends pas, sont plus pelites 
que les autres. 

Zeile 10. Reinach: ZEPATTIOY. 

Zeile 11. fehlt bei Reinach. 

B. Linke Schmalseite 1 . 

1. H P O A O 

2. H P O A O T O 



i Reinach giebt dies Namensverzeichniss a. a. <>. 8. 283 Nr. IV als »elh- 
rtändige Inschrift. 



•260 0. KERN 



3. 


)> 1 Ä O <t> P ft N 




4. 


<j)iAinnoY 




5. 


E Y P 1 / A O 


1 


6. 


TT A N K P A T 




7. 


A O Y O K / 1 




8. 


O Z- O A r 
frei 




9. 


TAAIOI 




lü. 


BPONTOff 




11. 


§ N T 1 Q N 




19 


O A 2 O Y 

1. 'HpoSofxo;] 

2. 'HpoSöTo[u 

3. «In^öcppwv 

4 . «JH^tTTTCO'J 

5. Eucppt^ofc] 

6. n<xv)tpaT[t] 

7. Sou 6 xat 

8. 0eoSd)[po<;] 

9. . toco\o; 
10. Bp6vro[u] 

1 1 . ['AJvTlCpCÖV 

12. Bxcou 





Zeile 4. 4>i>.i7rTCou felilt in Christidis 1 Abschrift. 

Zeile 5. Der Name EfypiXkot; begegnet uns öfter in thasi- 
sclien Urkunden: C. I. G. II 2161,2; Ariniiaire de l'asso- 
ciation pour Vencour agement des etudes grecque-s. 1872 
S. 1 S 1 (Miller); Becbtel a. a. 0. S. i:> Nr. 10. S. 26 Nr. 18; 
Conze, Reise auf den Inseln des tbraki sehen Meeres S. 13 1 . 



' Conze giebl freilich EY4>PIAA; der ^rhrochenc Querstrich in A ist 
Fehlei des Steinmetzen oder zufällige Verletzung. Übrigens ist diese In- 
Bchrift auch inhaltlich interessant, wenn man sie nach G. /. G. II 21G4 er. 



INSCHRIFTEN AUS THASOS 261 

2. Die unterste Stufe derselben Treppe besteht aus einem 
ähnlichen .Marmorblock (0,64 hoch, 0,77 breit, 0,26 dick), 
dessen linke Schmalseite ebenfalls ein Namensverzeichniss 
trägt. Die Vorderseite ist nicht sichtbar. 

Beide Steine sind nach der Angabe des Herrn Apothekers 
Pulidis in einem Garten dicht bei der Apotheke vor einigen 
Jahren gefunden worden. In demselben Garten sollen noch 
mehrere Blöcke derselben Art sein. Mir fehlte leider die Zeit, 
der Sache weiter nachzugehen. 

Von dem Namensverzeichnisse auf der linken Schmalseite 
konnte ich das Folgende entziffern. 



1. 




N Y M 4 1 | U 


2. 


KT H Z 1 <t> 


3. 


Z6Y0O / 


4. 


/ 


O Y K 1 O 1 


5. 


A 1 


6. 




O Y 




1. 


Nüp.<pi[o<;] 




2. 


KT7)Tl<p[(öv] 




3. 


Seu9o[u] 




4. 


Aoujtio[c] 




5. 


Aiovu[ci] 




6. 


00 



Der ersten Zeile muss noch mindestens eine vorangegangen 

OD C 

sein, welche den Namen des Sohnes des Nymphis galt. 



gänzt. Sic giebt «las zweite Zeugniss für die poppllXorec auf Tbasos (vgl 
Böokh zu 2164); OH muss zu ijceXil](b) vervol Island igl werden. — Aucbdie 
Inschriften begeben sich ufi auf Wanderung. Denn diese Inschrift, die Cpnze 
1858 auf Thasos sah und abschrieb, ist offenbar identisch mit der in den 
Untersuchungen auf Sarnot hrake 11 8.101 Nr 14 publicirlen. Benndorf be- 
merkt dazu 'angeblich aus Mavronia stammend, die in einem aus Dedea- 
gatsch landenden Kaik vom Festlande herübergebracht worden war'. Nicht 
aus Maroneia stammt dies Fragment also, sondern aus Thasos. Conze's Ab- 
schrift isi vullsländiger; Benndorf bezeichnet die Inschrift auch als 'riera- 
lich verscheuert'. Statt eyopiaa riebt er r y<i>pia/ . 



262 0. KERN 

3. Grosse Marmorplatte (hoch 0,50; breit etwa 1,40) als 
Schwelle verwandt in dem Gehöft des türkischen Unteroffi- 
ziers Chamsa Chilmi, der sie vor einem Jahre in seinem Ta- 
baksfelde gefunden hat. Nur auf der rechten Hälfte Inschrift; 
die linke (etwa 0,85'") ist leer. Buchstabenhöhe 0,06. 

Z A M O Z H 
Z A M O Y T C 

EKTflNIAinf 
HPftAHZKAlZ 
^tiipiakAITO 

Sä(Ao? 'H[pwSou toö] (Vgl. die Inschrift oben Nr. 1,9). 
— i[i.ou to[ö .... 

'HpcöSri? Kai ^[äjxo; : } xa XP^"] 
CTTipia x.al xo [ 

Vgl. die Inschrift aus Delos in Comptes rendus de Vaca- 
de'mie des inscriptions 4 8 se'rie 1 (1873) S. 256, nach wel- 
cher ein gewisser Poseidonios Sohn des Poseidonios aus dem 
Demos Skambonidai dem Zeus Ivynthios und der Athena 
Kynthia xr,v xpy.7:e*(av xat xa? ffxiß&Sa; * x.al xa yp^cxripta weiht; 
auch s.mst sind xa ^pyjcxrjpia aus Delos bekannt: Bull. <le 
corr. hell. VI S. 323,12 (zusammen mit xo Traaxocpöptov) und 
S. 489,1. Vgl. auch die Inschrift aus Nysa, welche Hiller 
weiter unten mitteilen wird. 

4. a) Marmorblock (hoch 0,26, breit 0,78, dick 0,10); 
dient als Thürschwelle im Hause des Georgios Athanasudi. 
Buchstabenhöhe 0,075, Zeilenabstand 0,035. b) Eingemauert 
im Schornstein desselben Hauses; nicht messbar. 

d) -^YNTHTYNA 

DICHACI E KAITHT 



< Über axiCai? und 9tt6&«ov vgl. Wilhelm, Athen. Milth. XVII S. 191. 



INSCHRIFTEN AUS THASOS 263 

b) MZilZIMHI 

OAEI6 EKTo 

Beide Stucke sind zusammen in einem benachbarten Felde 
gefunden und ergeben die Inschrift: 



g <jüv T75 Y uva L']|' t ' Zcögi [/.■/) 

. . . [Oe]ot£ 7TÄ(7l '/.Cd TT) TT j 6X6t 6/C T<ö[v lölü)V 

5. Eingemauert im Balkon des Herrn Pestella. Ganz ver- 
schmiert. Soweit sichtbar, lang 0,52. hoch 0,28; Buchsta- 
benhöhe 0,025. O und Q. sind viel kleiner als die übrigen 
Buchstaben; <J> 0,04. Oben und unten profilirter Rand. 

H I Kfi Ntxw 

AIONYSI(|)A/^oY Aiovj<ji<pavou[s] 

O A Y M I H 'OXuvO^ 



Eine sichere Datirung dieser Grabschrift wird sich nicht 
geben lassen. Die Knöpfe, in welche die Buchstaben auslau- 
fen, sind keine selbständigen Verzierungen. Vgl. darüber E. .la- 
cobs, Thasiaca (Berlin 1893) S. 27. Jedesfalls wird sie aber 
noch vor das Ende des fünften Jahrhunderts gehören. 

Zeile 3 steht deutlich A statt A. 

6. Marmorfragment; eingemauert in der Hütte des Theo- 
doro neben der Thür. Breit 0,28, hoch 0.18; Buchstaben- 
höhe 0,03. 

- i U < A 

ITAI*PPO*4>l 

. . E'.O? \\ . . 

7. Säule (weisser Marmor ; Höhe 0,74; Durchmesser 0,37) 



204 0. tERN 

vor dem Hause des Georgios Skaiamanga. Oben tragt die 
Säule in ganz später, gezierter Schrift zwei Namen 

a) TTAKKAPTTO^ 

b) 4> I A A 

a. hat die Buchstabenhöhe von 0,05, b. von 0.03-0,05. 
Beide Namen sind offenbar von derselben Hand eingetragen. 
Das erste A in a siebt inmitten der beiden parallelen Hasten 
des TT. 

8. Magazin des Nikolas Skaramanga. Rechteckige Marmor- 
platte; Höhe 0,76, Breite 0,32, Buchstabenhöhe 0,02-0,025. 

0APNAKH2TIMOKAEI 
AOYEPMAI20APNAKOY 
(t)lAOTPOCj)EXAIPE 
EAENHTIMOKAEIAOY 

Sou 'Ep[i.ai? ^apvay.o'j 
cpiXörpcxpe yaips 
'EXevv) Ttp.ottXeiSou 

9. Im Magazin des Soliris Rastrinos. Ganz versebmiert 
und schwer lesbar. Hoch etwa 0,36, breit etwa 0,56. 

I A 1 

















A / 














A 


1 2 T 
X 


N 


H ■ 


E 


TT 


1 1 


' 11 


O N 


O Y E 


N 


O 


- 


E 


TT 


1 


r o 


N o : 




X 


A 


1 


P 


E 







Auf diesem Stein standen mehrere Grabschriften, aber nur 
die drei letzten Zeilen lassen sich in Umschrift geben : 



INSCHRIFTEN ALS THASOS 265 

yu]vr] 'Eiciyövou 'E[«ij- 

[yovo<; 'E^iyovo[ul 

10. Haus des Kepfaalo Theodore. Kest eines spätrömischen 

Grabsteins. Oben und unten gebrochen ; Höhe 0,37, Breite 
0,41. Über dem rohen Bildniss eines Mannes stellen die In- 
Bchriftreste : 

O T O C M 

M o y n P o c 
h c x e p e 

oto; M . . . 

Herr A. de Ridder, der wenige Wochen vor mir Thasos 
besucht hat, publicirt soeben {Bull, de corr. hell. XVII S. 
125) unter Anderem auch eine Inschrift aus Limenas, welche 
Ostern 1892 zusammen mit einem schönen Totenmahlrelief 
auf einem Felde in der Nähe des Hauses des Strungos gefun- 
den ist. Die Inschrift gehört wol sicher noch dem Ende des 
fünften Jahrhundert an (für die Datirung der thasischen In- 
schriften vgl. die oben genannte Schrift von E. .Jacobs. Tha- 
siaca S. 25-33). Ich bemerke zu /eile 4, dass hinter 2a>- 
<7Tpaxo? noch ein E kenntlich und dass Z. 8 am Anfang das N 
auf meinem Abklatsch deutlich ist. Unten ist der Stein von 
moderner Hand abgemeisselt : man sagte mir auch, dass der 
andere Teil dr^ Steins in demselben Hause verbaut sei. 

Herr de Ridder veröffentlich! an derselben Stelle auch In- 
schriften aus Lemnos. Mit einem kleinen Beitrag ans Barusi, 
einem Stadtteil von Kastro (Conze. Reise S. 101) |, seien diese 
Zeilen geschlossen. Ich sah dort im Haus»- dos Herrn Johan- 
nes Kepuridis ein 0,13 hohes, 0,12 breites. U,05 dickes Frag- 
ment aus weissem Marmor, dessen Hand rechts erhalten ist. 



"26fi 0. KERN, INSCHRIFTEN AUS THASOS 

l\ & t 

M O Y P P o 

i I M E A E I A r- 

T O I £ E Y H 

1 T Y X E I A 

I E n A I N E £ 

Rest eines Psephisma. 

2 ](i,OU 7C00- 

t3 ilwial^eiav 

4 toi; i<b'f)- 

5. aiTuevotg i]uT'jyeta- 

6. v /cocjt iwaivea- 

7. ai 

Z. 5. euT'jy£iav = sjTu^iav war bisher, soviel ich weiss, nur 
aus christlichen Inschriften bezeugt. An das Fest ra Euxu^eia, 
(Bull, de corr. hell. VI S. 143) wird schwerlich zu den- 
ken sein. 

Berlin, Juli 1893. 

OTTO KERN. 



-<" s^S^H*" 



INSCHRIFTEN AUS MILET 

Von den hier mitgeteilten Inschriften stammen die drei er- 
sten Nummern aus Palatia, dem elenden Türkendorfe, das 
heute auf den Trümmern Milets steht. Die anderen sind von 
F. Winter und mir im Dezember 1892 in Ak-kiöi abgeschrie- 
ben, einem 4 km südlich von Palatia gelegenen Griechendorf. 
Unser Aufenthalt war leider von sehr ungünstigen Umständen 
begleitet, so dass wir nicht allem nachgehen konnten. Ak-kiöi 
wird auf dem Wege nach Didymoi von den archäologischen 
Reisenden meist schnell durchritten: eine genaue Durchfor- 
schung des freundlichen Dorfs — wir sahen auch eingemauerte 
Skulpturfragmente — würde sicher noch zu manchem Resul- 
tat führen. Die Inschriften scheinen zumeist aus der Nekro- 
polis von Milet zu stammen. Das von Le Bas, Inscriptions 
Nr. '219 aus Ak-kiöi mitgeteilte Fragment einer runden Ba- 
sis fanden wir an einem Brunnen ausserhalb des Dorfes wie- 
der, da wo die Strasse nach Hieronda (Didymoi) abgeht. 

1. Palatia, östlich nahe bei der grossen Moschee; Säule 
aus weissem Marmor, hoch 1,00, Durchmesser 0,58. Abschrift 
von Karl Humann (Juni 1891). 

A I O 1. Aio; 

Yf IZTOY T+wtou. 

2. Im WesteD des Dorfes Palatia. Säule aus grauem Mar- 
mor. 1,10 hoch; 0,56 oberer, 0.58 unterer Durchmesser. 
Buchstabenhöhe 0,028-0,03; grösste Länge der Schriftfläche 
etwa 0.50. Oben in der Mitte unregelmässiges Dübelloch mit 
Gusskanal, unten runde Aushöhlung Mm 0,20 Durchmesser 
und 0,07 Tiefe. In der fünften Zeile ein Loch, das offenbar 



268 0. KERN 

älter als die Inschrift ist. Abschrift von F. Hiller von Gär 
tringen (Juni 1891). 

imZONAAHMHTPIOY 

TYMNAZIAPXH2ANTA 

TH^rEPOYSIASKAITQN 

NEfiNkAITTATPOSKAI 

TTPOrONftN TENO 

MENONAEITOYPTftN 

KAIAIAANAOHMATftN 

KOZMH2ANTQNTHNTE 

nOAlNKAITOIEPONTOY 

OEOYATTOAAflNOZAl AY 

MEftZETTITETOYTOISTI 

MHOENTAYTTOTHZBO"* 

AHZKAITOYAHMOYAN 

APIAZIKAIEIKOZIXPYZAIZ 

Tff^AINASQTAAOY 

TONEAYTHZYION 

'Iacova A7)[X7)Tpio'j 
yuij.va<7iap^Y]<7xvTa 
tyis yepouata? y.ai tgjv 
v£G)v, x.ai 7raTpö(; xai 
5. Trpoyövtov yevö- 
jj.£vov XeiTOupyaiv 
Kai S'.i avaOr,[j.aTtov 

K0aU.Y)9aVT(0V TT/V T£ 

7rö^tv xai to tepöv tou 
10. OeoO 'A7c6»,ü)vo? A-.S-j- 

UEü>C £Xt T£ TOUTOl? Tl- 
p.Y]0£VTa Ü7TÖ T7^ ßO'J- 

~kv\c, xai toO ÖTjaou äv- 
opix<7'. xai E'ix.O'ji yp'j^aü 
15 T[p'j]<patva Xojtzoo'j 
tÖv £aur>K ulöv. 



Inschriften aus milet 269 

3. Palatia in der Gegend der westlichen Nekropolis. Rechts 
gebrochen, hoch 0,24, lang0,40, tief 0,21 . Schlechte Schrift. 
Buchstabenhöhe 0,02-0,03. Abschrift von F. Hiller von Gar- 
tringen (Juni 1891). 

EKXUÜPHII2A 
XEIÜUN • A Y P 
B' T o Y A H N 
TPITON0ESE 

Exy&pYicric § [*P~^ 

yeicov AupnrjAio?. . . . 

(tou Aüpr,Aiou) to0 Avjv[aiou 

TplTOV' 6£C6[l Ö£ toO öeivo^ 

Vgl. hierzu die Grabinschrift aus Smyrna C. I. G. II 3394 
ax-ra ty)v yEyovmxv lx./&pn<nv. Der Name Ay ( vxio? ist auch für 
Milet durch eine Münze bezeugt. 

4. Ak-kiöi, im Haus des Konstantinos Hadji Panagioti. 
Ein 1,32 langer, 0,17 hoher Block aus bläulichem Marmor, 
der jetzt als Thürschwelle dient. Hellenistische Schrift. 

THIAE<t>IAAIAAOHkENEO*PO*l*AM4>IAETYMBON 
TO*EnArEOTEPASAEIMATOKAAONOAOY 
OAAAAOrESTENAXftNOAOHIMErAME O ,0 

1. Tr,'.ö£ $tA9Uoa Or./.s vs'o; 7rdai{, xu.y. hi T'JaSov 

2. KXsi to; 67r' «YpOTepaj; ociixaTQ xaXöv öSoö, 

3. 7t]oaax o öye crevaytov gaot.i [aeyoc pte* u.<(ixto Moipy) 

Zeile 2 lasen wir ATEOTE.PAC; die einleuchtende Ver-r 
besser ung In aypoTepa« (68oö) bat F. \. Hillergefunden Die 

Ergänzung Zeile 3 verdanke ich 1*. Wolters; vgl. Antholo- 



210 0. KERN 

gie VII 561: e! os veo? teOvyi/Cev CcrepTepa vrip-axa Moipv]? [AttAOlO 
und Kaibel, Epigrammata 574. 

5. Ak-kiöi, auf der Treppe eines Hauses, dessen Besitzer 
ich mir leider nicht notirt habe. Weisser Marmor, hoch 0,22, 
breit etwa 0,27. Buchstabenhöhe 0,017, Zeilenabstand 0,Ol. 
Der Stein ist stark verrieben und auf der Treppe des Hauses 
einem baldigen Untergang geweiht. Hellenistische Schrift. 

OYNOMEXO N 
NAKATAXOO 
K E I M A I 

MIAH2IHHIEni> 
MOZEXEITEKN II 

n y 

A K O I O 

O Y N N 

Rest eines Grabepigramms für eine Frau. 

ouvofjt.' s^o[uca 

va y.xTX ^0ovo<; 

xetuai 

M'.AYjsiY) r\c, iic\ a\y\u.x ? 

po« exet Te(/>vi[; 

5. Ak-kiöi, Haus des Michali Sokianis. Weisser Marmor. 
Hoch 0,45, breit mindestens 0,22, dick 0,08. Oben frei 0,36, 
unten frei 0.05. Buchstabenhöhe 0,013-0,017. Hellenistische 
Schrift. 

E I T I ft N I A i [KX]«t{uv *ft(ü[vos] 

Der Name KXsitiuv scheint bisher nur unsicher bezeugt zu 
sein in einer 1709 von Sherard in Hieronda (Üidymoi) gefun- 
denen Inschrift (C. I. G. II 2857), in der ■•EiriftNOZ von 
Böckh zu KXeiticüvo; ergänzt ist. 

7. Ak-kiöi, im Hause des Dimitri Aslis; Höhe 0,16, Breite 



INSCHRIFTEN AUS UlLEf 2*1 

1,14, Buchstaben höhe bis zu 0.03. Oben eiofacbes Profil; 
Dicke nicht messbar. 

TOMNHMAAYAOY To u.vr,jj.x AuXo-j 

AIMIAIOYA AI AIO Y AijmXiou AxCkio-j 

Z H ft 

F. Hiller von Gärtringen, welcher im Juni 1891 zusammen 
mit Hu mann Palatia besucht hat, fand dort ' in der westlichen 
Nekropolis in einem römischen Gebäude, dessen Dach ein 
Tonnengewölbe ist und in dessen verputztem Inneren sich auf 
beiden Seiten Nischen befinden, etwas grösser als sonst in 
Kolumbarien, an die man hier zuerst denken würde, einen 
1,07 breiten, 0,115 hohen, 0,21 dicken Marmorblock mit der 
Inschrift ( Buchstabenhöhe 0,05) Tö pvTipa AuXou | AipuXiou Aai- 

AlOU '. 

8. Ak-kiöi, Haus des Stelios Sokianis. Grabstein in der 
Form eines Naiskos; bläulicher Marmor. Hoch 0,33. breit 
0,24. 



Z T P A T O 


Zxpaxo- 


N 1 K H 


VOM] 


X P H 2 T H 


JCpncxr, 


X A 1 P E 


X oup £ . 


Juni 1893. 






OTTO KERN 



o >-:< o 



ÜBER DAS RHEAEPIGRAMM AUS PHAISTOS 

In dem Museo italicuio III S. 736 hat Halbherr eine aus 
der hellenistischen Zeit stammende metrische Inschrift aus 
Phaistos herausgegeben, welche der Interpretation und Aus- 
nutzuni; erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Blass, der einzige 
meines Wissens, der sich mit diesem dialektisch wie religions- 
geschichtlich höchst merkwürdigen Denkmal abgegeben, ist 
auffallend unglücklich gewesen. Sein Erklärungsversuch hat 
der Sache mehr geschadet als genützt (Fleckeisen's Jahrbücher 
1891 S. 1 ff.). Die Verse lauten: 

0<xüu.a [/iy 1 ävOpcoTtoi? 7rxvTü)v MocTvip tcioixvuti' 

toi? 6<7ioi? x,iv^py)Ti y,cl\ o'i yovsav vTziyovza.'., 
toi? os 7capecoatvov(7t Gtüv ys'vo? ävTia TfpaTei. 
~ävT6? o euceßie? xe x.ai euyXcöOoi TiapiÖ' äyvoi 
i'vÖeov £? Mey&Xa? MaTpo? vaov, i'vOsa $' e'pyx 
yvcoG7)(T äOav&Tac, a£ia tö»Ss vxcä. 

Es ist eine als Instruction für die Besucher an dem Rhea- 
tempel angebrachte Inschrift. Bluss übersetzt: 'Die Mutter 
aller Wesen zeigt den Menschen ein grosses Wunder: den 
Frommen leiht sie dar und denen, welche Zinsen verspre- 
chen ; denen aber, welche das Geschlecht der Götter frevent- 
lich verletzen, wirkt sie entgegen. Alle fromm gesinnten und 
fromm redenden (oder schweigenden ) aber, naht euch rein 
herzu in den gottvollen Tempel der Grossen Mutter; gottvolle 
Werke der unsterblichen Göttin, würdig dieses Tempels, wer- 
det ihr sehn'. So viel ich weiss, ist dieser Auffassung der In- 
schrift öffentlich nicht widersprochen worden, aber das nehme 
ich allerdings an, dass kein Kenner griechischer Art, vol- 
lends der griechischen Religion, ein solches Sacrilegium, wie 
Blass herausinterpretirl hat, für möglich halten kann. Dass 
die Verwaltung griechischer Tempelgüter nutzbringend, also 



K. MAASS, L'EBER DAS RHBAEPlGRAMM ADS PHAISTOS 273 

auf Zinsen, ausgeliehen hat, war eine bekannte und verstän- 
dige Einrichtung. Wenn aber an der Stelle, wo der Leser eine 
Orientirung über das Heiligtum als solches erwartet, von Geld- 
ausleihen und Zinsen die Rede sein soll, dazu in einem markt- 
schreierischen Tone, wie — nach BläSS — in unserem Gedicht. 
so ist das einfach unerhört. Fs nützt nichts, wenn Blass so 
fortfahrt : ' War nun etwa dieser Tempel der Göttermutter ein 
Bankinstitut? Fs könnte dies als nicht unmöglich erscheinen; 
aber inwiefern dies ein grosses Wunder sein soll, dass nur 
gegen Versprechen (sie) von Zinsen dargeliehen werde, das 
ist nicht abzusehen, auch nicht, wie man es machte, nur 
Frommen zu leihen, Frevlern aber, wenn dieselben Geld 
wünschten, nicht zu leihen. Also wird man wol bildlieh ver- 
stehen müssen: den Frommen erfüllt die Göttin ihre Gebete, 
falls sie Zins, d. h. Dank und den Ausdruck desselben (yjx- 
pwTifjia, auf andern Inschriften yjxpttfTYif'.a i. dabei versprechen'. 
Auch so bleibt die Ungeheuerlichkeit, dass eine Tempel- 
aufschrift statt ihrem Zwecke entsprechend aufzuklären den 
Leser durch zweideutiges Gerede verwirrt. Was eine solche 
Aufschrift leisten soll, mag das folgende Heispiel lehren. Die 
Inschrift vom Arsinoetempel auf dem Cap Zephyrion Ihm Ale- 
xandria, welche der alexandrinische Dichter Posidipp gedich- 
tet hatte, lautete so • 



Metoov eyü 'Papir,? ix-Tvic otojaätÖs ts Kavuirou 

Ew 7r6picpa'.vou.£vto xuaaxi ycöpov v/u 

T'/^OS 7:0Aupp7)V0'J AtOUT)? ävStAcöSsa YTjATJV 

T7)v ivaTSivoi/ivYiv 6t£ 'IxaAov Zeffiupov. 
fvöa y.e KaAA'./tpzTr,; lopucotTO x.ai ßa<r.AiG$YK 
Upov 'Apcivdr,; Kuicpioo; wvofxaoev. 

(XAA 677'. TY)V Ze<pupÜ7lV äx.G'JGOUEvr.V 'A©pOOlT7)V 

'Eaa^vwv äyvai ßxivers Suyaxep«? 
oi 6' a.AÖ<; epyäTai avf5p£;' 6 yap vauapyof trsu^ev 
toö8' ispöv 7cavrö: »cuaaTO? suaiiacvov '. 



1 Erhalten auf dem von H.Weil in den .!/■•■ gw publits pur lus- 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 19 



074 E. MAASS 

Sodann hat Blass das Adjeclivum ev9so<; in evöso. epya und 
evOjov vaöv nicht senü^end heuchlet; wenigstens lässt seine 
Übertragung 'gottvoll' nicht erkennen, oh er ; des Gottes 
voll ' versteht oder, wie wir heutzutage wol allgemein 'gott- 
voll' fassen, einfach =' göttlich'. Natürlich ist iv6eo; durchaus 
prägnant des Gottes voll', besonders gern daher vom Dichter 
und Seher gebraucht. Was ist denn aber nun 'der der Göttin 
volle Tempel', was sind 'die der Göttin vollen Thaten'? Das 
konnte Y. 2 ohne Weiteres lehren: to^ ocioi? x.iyyp-oTt. Dies 
Verbum bedeutet nicht bloss -leihen' sondern (genau wie das 
unreduplicirte Simplex) auch ' weissagen '. Weissagungen also 
sind die evöea Ipya, die man nicht 'sieht' (so wieder irrig 
Blass), sondern 'hört' ; vernimmt ' ( yvGNjvyre ). 'Avria izpöcxu 
heisst ferner nicht 'sie wirkt entgegen' ganz allgemein, son- 
dem es bezeichnet Nichts als den Gegensatz zu jciy^p-nri, also 



socialion pour l'encouragement des Hudes grecs 1879 S. 3(1 veröffentlichten Pa- 
pyrus Iwiederholt von Blass im Rheinischen Museum INSU S. '.Mi. N'euer- 
diogs isl die Hypothese aufgestellt, noch ein zweites Gedichl des Posidipp, 
welches uns Alhenaeus VII 3IS D erhallen hat, sei auf demselben Arsinoe- 
lerapel aufgeschrieben gewesen. Es lautet: 

Touxo xat iv ROVTtü y.J.'. int /Oov. -f^ <f>tXa8eXfOU 

KujtpiSo; tXaaxsaO 1 Eepöv Apaivd7)s, 
i^v draxoipaveouaav ir.\ Ze^upiTiSo? ixiijs 

np&iGC 6 vaJao/o; OrJxaTO KaXXixpärr)?. 
r, oi y.a ; . EÜrcXotrjv Scoast x.a ; . /e!|j.aTi ;x£-ra ;i 

to jcXeriü Xiaaopivoi? ExXinavet -£/.ayo:. 

Der Tempel der Arsinoe- Aphrodite spricht jedenfalls nicht: da wurden 
wir (wie in dem ersten Gedichl) nicht die drille Person (touto) sondern 
die erste lesen. Wer also? Ich denke, der Dichler; nur sind die verfehl- 
ten blassischen Conjecluren zu entfernen (wie ich gethan) und vielmehr 
einzusetzen: V. 3 fjv, i'v«, xoipavs'oiKjav und V. \ Upu/ceO für icp&To; Es ist 
kein Zufall, dass Posidipps Gedichl auf den Pharostburm (welches Weil 
und Blass a. a. () veröffentlicht haben) so beginnt: 'EXXifvwv acü-cijpa, $apou 

n/.'-.i'yi. cü ä/a QpuTEü, EcoaTpaTOi EOT7j«v A:;''.' r a/oj Kviötoj /.:/.. Der plian-rhc 

Proleus isl Nachbar des Caps Zephyrion. Damit ist Alles erklärt. Das Epi- 

gn n war also keine Tempelaufschrift. Wozu auch zwei, wo eine genügt? 

Es gehört vielmehr, wie das auf den Pharos, zu der auf Initiative der Pto- 
lemäei besonders gepflegten Gattung von Epigrammen auf Paradoxa (Anti« 
gonos im ' Wunderbach ' L'.l'j p. 6 Kellen. 



ÜEBER DAS RHEAEPIGRAMM AUS PHAISTOS 275 

soviel als 'sie weissagl Dicht', contra facit, nicht contraria 
facit-. ivxia ist hier wie oft lediglich als Adverbium empfun- 
den. Alles ist jetzt verstanden, nur nicht 01 yoveav 'j-iy^-y.. 
Wer sind diese, da es Zinsen versprechende' nun einmal 
nicht sein können ? rWri für yeve-Ji steht auch im Sinne des 
concreten Kind'. Das mag die folgende auf einen Dichter zu- 
rückgehende Partheniosstelle beweisen. Cap. 3 heisst es am 
Schlüsse dort von Odysseus: wpo? ttk xutö^ dlutoC yeveäs — also 
Telegonos — rp<i>9ei$ ixäv6^i hy.'/.y.aiy.: ::/'ovo; st6A6ütyi<J6V. So- 
dann uTC6£6c0ai yoveyjv -sich das Rind unterhalten 1 (unter die 
Brusl i: was ist daran auffällig? Ich denke. Nichts. 'Nähren- 
den .Muttern" meint das Epigramm 'weissagl die Göttermut- 
ter'. Es ist ja eine logische Härte, eine besondere Species v. 
yoveav uwl^ovrai) so neben dem Genus (toi? ocioi?) zu linden; 
aber diese lläi'te bleibt, wie immer man die Worte auffasse. 
Im Volksmunde ist sie auch sonst zu treffen. Auf einer kreti- 
schen Inschrift (Hierapytna: Museo italiano IM S. 617 l wer- 
den aufgezählt 'A-öVaüjv. AexaTaoopcp y.y.l toi^ ö&oexa SeoT? icac 
'A0avai« rioAiiSt: es ist doch wol nicht anzunehmen, dass 
Athena und Apollo nicht in dem dortigen Zwölfverein waren. 
So such Kallimachos in der neugefundenen Hekale, nur dass 
er durch den Zusatz xaa<ov die von ihm empfundene Härte et- 
was abmildert. S. 10 Gomperz : to'jtx/.i <T r t (x.ev (Athena). Vfft 
epuaa yOovö; oopa. fix^Giro, Tyjv ca. viov yr.ocp ~z A-.o: öuoxaioexd 
t' xaaoov 'AOavxxcov "Ocpio? te (Kekrops) y.xTE^AaSs (/.apTupiTjciv 
y.TA. Auch hier gehören Athena und Zeus zu den Zwölfgöttern 
selber mit, Kekrops allerdings nicht. 

Endlich die masculine Form - r A: octoi? ■/.<.-:■/ :r-: v.y.\ ot yoveav 
üxeyovTai. wo at zu erwarten war. Wir haben es mit einer 
Art Attraction — an das allgemein gefasste toi$ öt^.'.c — zu 
tluin. Ein Irrtum war ja auch völlig ausgeschlossen, da es 
sieh hier nur um nährende '.Mutter handeln kann. 

'Es ist ein gewaltiges Wunder. d;i>s llhea den Frommen, 

zumal den .Muttern, weissaut'. Nachdem oben S. ;^7 IV. über- 
zeugend nachgewiesen ist. dass die Cultgruppe von Olympia 

Eilcilhs la-Sosipolis Niemanden anderes als die Geburtsgöt- 



276 E. MAASS, UEBER DAS RHEAEPIORAMM AUS PHA1ST0S 

tin Rhea mit dem Zeusknaben darstellt, scheint mir Rheas 
Proplietenamt, das unsre Inschrift voraussetzt, leicht zu ver- 
stehen. Gern werden — begreiflicherweise — die mit prophe- 
tischer Kraft beiiahten Schicksalsgöttinnen mit der Geburts- 
göttin gepaart : Plato Syrfvp. 206 1) Moipx xal EiXstGuia r, x.aX- 
>ovy) 6C7T-. ty, ysvscrs'. ( Hug z. d. St.. Kai bei Epigr. 238, W ila- 
mowitz, Isyllos S. 13), Pindar Olymp. VI 41 (von Euadne) 
tz uev 6 XfjGox.ou.as 7tpaü[/.r)Tiv t EilsiOuiav —apscraGsv ts Motpa«;, 
u. A. Die Weissagungen verheisst in dem kretischen Epi- 
gramm nur nicht Moira, sondern Rhea-Eileithyia selbst, und 
dies ist meines Wissens neu, aber nicht befremdlich. Die 
herodotische Geschichte von dem Wunder der Helena in The- 
rapne (VI 61) mag als Parallele dienen. Demaratos' Mutter 
war als kleines Rind sehr hässlich. Da trügt die Amme sie 
Tag für Tag in den Tempel der Helena Ko-jpoTpöcpo?. Einmal 
erscheint die Göttin, streichelt das Kindchen und prophezeit cü; 
•/.vXkKn-rvjov. 7ra<7£cov tgjv h Ew&pr/) yjvaix.d>v. \] n( \ s0 geschieht 
es. Jamblichos erzählt ein ähnliches Wunder von Aphrodite 
[Erotici ed. Hercher \ p. 224). Übrigens war, nach dem Ton 
des Gedichtes zu urteilen, zur Zeit, da es entstand, das Rhea- 
orakel, für Phaistos wenigstens, noch etwas Neues. Auch das 
ist eine nicht zu unterschätzende Bereicherung unseres Wissens. 

Greifswald. 7. August 1893. 

ERNST MAASS. 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 

Schneller als ich hoffen durfte, beginnt der zum Schluss 
meiner ' Untersuchungen über die Demenordnung des Klei- 
sthenes' (Anhang zu den Abhandlungen der preussischen Aka- 
demie der Wissenschaften 1895) an die Mitwirkung der Fach- 
genossen gerichtete Appell in Erfüllung zu gehen. Eis traf sich 
gut, dass R. Lüper dem gleichen Gegenstande bereits einge- 
hende Studien gewidmet hatte. Als direkte Aufnahme und 
Fortführung des \on mir Begonnenen bewegen sich jetzt seine 
Darlegungen über • die Trittyen und Deinen Anikas (Athen. 
Mitth. XVII S. 319 ff.) zugleich in engem Anschlussan meine 
Schrift, womit bei der Fidle des Stoffes und der Finzelfragen 
auch dem vergleichenden Leser gewiss am besten gedient 
ist. Allerdings empfängt letzterer gerade deshalb, weil nun 
mehr die abweichenden Meinungen zur Sprache kommen 
mussten, vielleicht nicht gleich ein ganz richtiges Bild von 
der Zahl und namentlich der Bedeutung der controversen 
Punkte im Verhältniss zu dem durch Übereinstimmung ge- 
sicherten Ertrage. 

Ich habe hieran grösseres Interesse und glaube schon aus 
diesem Grunde, zugleich einem Wunsche des Verfassers ent- 
sprechend, das Worl ergreifen zu sollen, noch che andere 
Forscher in die Untersuchung eintreten. Mine gedeihliche Wei- 
terarbeil wird ja zweiffellos um so besser vorbereitet, je brei- 
ler vorher die Basis unserer gemeinsamen Verständigung 
sein konnte. Nur inuss ich es mir. namentlich im zweiten 'Tei- 
le, oller gestalten dürfen, mich einfach auf Zustimmung oder 
Widerspruch zu beschränken. Denn dem Verfasser, dessen 
Arbeit die meinige an Umfang bereits um weil mehr als das 
hoppelle übertrifft, in alle Einzelheilen zu folgen, in solche 



278 A. MILC.UHOEFER 

zumal, die doch nicht zur Entscheidung gebracht werden kirn- 
oen, hiesse die Discussion ins Endlose (lehnen. 

Scheiden wir alles dasjenige als neutrale Zone aus. worü- 
ber es erlaubt bleibt, verschiedener Meinung zu sein, oder 
worüber man sieh vorläufig nicht einmal eine subjeetive Mei- 
nung verstatten dar!', so linde ich, dass Löper die 30 kleisthe- 
nischen Bezirke mit einer Ausnahme (s. unten: Leontis) um 
die gleichen loealen Centren wie ich gruppirt und dass er im 
Zusammenhange damit (s. unten : Akamaulis ) örtlich ziemlich 
übereinstimmend gruppirte Deinen anders auf die Tritlyen 
vertheilt. Ich will «leieli hier bemerken, dass ich diese beiden 
Abweichungen Cur sehr beachtenswert halte. 

Was die Lage des wichtigsten binnen ländischen Demos der 
Antiochis, Pallene, und somit die Hauptregion der entspre- 
chenden Tritt) s anlangt, so habe ich in der That, wie schon 
bei Löper S. \'2oA angedeutet ist, meine frühere, auch von 
ihm adoptirte Ansicht nicht aufgegeben; die abweichende 
Darstellung der Karte beruht auf einem Experiment, das nicht 
von mir ausuino-. 

Endlich ist mir Löper bei fast allen in meinen letzten Ar- 
beiten topographisch begründeten Neubestimmungen wichti- 
gerer Deinen gefolgt; ich nenne Sphettos, Angele. Phrear- 
rioi, Prospalta. kykala, (Marathon), lkaria, Phlya, Sypalet- 
tos, Cholargos, Erchia, Euonymon u. s. w. Die loealen Ver- 
schiebungen der beiden letztgenannten werden sich nur als 
nicht ganz glückliche Consequenzen seines Systems heraus- 
stellen. 

Und so scheint es fast, als ob der von Löper aufgewandte 
Apparat eingehendster Erörterungen mehr dazu angethan sei, 
gewisse Unterschiede des Standpunktes und der Methode ins 
Licht zu setzen, als in den letzten Resultaten aar weit ausein- 
anderzuführen. Der Verfasser char akter isirl sein Vorgehen 
selber als • unabhängiger von den bisherigen Ergebnissen der 
Dementopographie' (S. 323), während ich, wie es ihm schei- 
ne, •doch mehr als nötig war. an den früheren Annahmen 
und Vermutungen, eigenen und denen Anderer, hinge' (S. 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 279 

322). Vielleicht erklärt sich meine Abhängigkeil eben durch 
den Umstand, dass ich mich schon seil Jahren mit attischer 
Topographie beschäftigt habe, in welche Löper völlig unbe- 
fangen eintritt: vielleicht würde ich an seiner Stelle den Ge- 
genstand gleichfalls ' unabhängiger ' angegriffen haben, aber 
sehr wahrscheinlich ist mir das nicht. Denn auch in diesem 
Falle hätte ich mir als Erster, der die noch zweifelhafte Au- 
torität der neuentdeckten aristotelischen Schrift an einem even- 
tuell weittragenden Passus zu prüfen unternahm, wol gesaut, 
dass ich jene Angaben nicht von vorn herein als bewiesen be- 
trachten und darnach die Dementopographie construiren 
dürfe, sondern dass ich zuzusehen hätte, wie weit wir mit un- 
serem bisher gewonnenen, wirklichen oder vermeintlichen 
Wissen kämen. 

Trotz des Ballastes aller 'Vorurteile' hat sich die erste Orien- 
tirungsfahrt doch als gelungen herausgestellt: die Hauptzüge 
der kleisthenischen Organisation Hessen sich unverkennbar 
nachweisen. Dass dieselbe aber ohne jede Veränderung 200 
Jahre 1 lan» - Bestand gehabt habe, wäre wiederum eine Voraus- 
Setzung gewesen, zu der uns von vorn herein nichts berech- 
tigte '. 

Wenn also von dem regionalen Einteilungsprincip für un- 
ser Auge Abweichungen hervortreten, so schien kein princi- 
pieller Grund vorzuliegen, sie dennoch wegzuleugnen und 
mit allen Mitteln zu beseitigen. Ich würde eher einem Er- 
gebniss misstraut haben, bei dem Alles ohne Ausnahme 
• klappte'. 

Bei Löper bildet der Gedanke, dass die kleislhenische Eintei- 
lung auch im vierten Jahrhundert noch ausnahmslos fortbe- 
stand, nicht so sehr (las Ergebniss seiner Untersuchungen, wie 
die Richtschnur für dieselben Desgleichen die Überzeugung, 
dass in den Prytanen in Schriften und anderen Katalogen, die er 
mit besonderer Sorgfalt untersucht hat, die Denien einer Phyle 



1 Köhlers Erwägungen, Athen, Miiih. X s ms |f. erachte ich doch nicht 
gls umsonst ljcncIii jehen. 



280 A. MILCHHOEFER 

öfter, als ich es annahm, mit strenger Berücksichtigung der 
Trittyenteilung aufgeführt seien. Nach diesen Gesichtspunkten 
wird das Material disponirt, allen Enclaven und sonstigen 
Unregelmässigkeiten der Krieg erklärt, die entgegenstehende 
Überlieferung mehrmals unbedenklich geändert oder umin- 
terpretirt, mit früheren Meinungen natürlich erst recht auf- 
geräumt. 

Dass auch eine solche, mehr dogmatische und systemati- 
sirende Methode, unter Umständen zu beachtenswerten Re- 
sultaten fuhren kann, soll nicht geleugnet werden. Nur be- 
steht ihre Schwäche gar zu häufig darin, dass die leitenden 
Principien sich nicht beweisen lassen und gleich von Grund 
aus verdächtig werden, sobald sie auch nur in einem einzigen 
Falle ihre Wirksamkeit versagen. 

Es hält nun nicht schwer, solche Fälle bei Löper nachzu- 
weisen. Ein besonders schlagendes Beispiel für seine Art zu 
construiren und sich auf seiner Jagd gegen die Enclaven gründ- 
lich zu verirren, bietet die Behandlung von Probalinthos (S. 
334, 367 ff.) dar. 

Probalinthos gehört zum Verbände der marathonisclien Te- 
trapolis, die bisher noch jeder Forscher als locale Einheit be- 
trachtet hat. Alte Reste am südlichen Zugange zu der be- 
rühmten Ebene und Grabinschriften auf Probalisier, nament- 
lich ein Familiendenkmal ebendort noch an Ort und Stelle, 
durften als Bestätigung und für die genauere Lage als befrie- 
digendes Indicium angesehen werden (s. Karten von Attika, 
Textheft [II— VJ S. 40; andre suchen Probalinthos bekannt- 
lich noch näher an Marathon bei Vranä). Jedenfalls nur 
sehr unfreiwillig hat nun Löper diese Ortschaft etwa andert- 
halb Wegesmeilen südlicher, auf der anderen Seite des Pen- 
telikon und von Maralhon durch eine Reihe fremder Ort- 
schaften getrennt angeselzl . bloss um sie der Küstentrittys 
der Phyle Pandionis zu nähern, welcher sie angehört. Aber 
auch so bleiben die sicheren Orte dieser Küstentrittys ( Stei- 
ria, Prasiai, Angele, Myrrinus) noch fern genug, während 
die Paralia gerade hier durch Demen der Aigeis besetzt ist. So 



ZUR ATTISCHEN L0CALVERFA88UNG 2«! 

ist Löper genötigt, den Anschluss an sein Probalinthos durch 
einen vom Meere abgetrennten Streiten zu erreichen und da- 
mit der Paraliatrittys der dritten Phyle eine Gestalt zu geben. 
die nicht weniger künstlich ist. wie die südliche Verlegung 
von Probalinthos. 

Von weiteren verliängnissvollen Consequenzen dieser Anord- 
nung will ich nur die schon oben erwähnte (nordwestliche) 
Verschiebung von Erchia nennen (S. 353 ff.), dessen Lage 
bei Spata schon durch die Inschriftfunde völlig gesichert ist. 
Spata nämlich musste trotz seiner dominirenden Lage an den 
unbedeutenden Demos Kytheros ausgeteilt werden, weil sonst 
auch auf der westlichen Seite absolut kein Platz und kein 
Zwischenglied blieb, um den supponirten nördlichen Ausläufer 
des Küstenbezirkes der Pandionis hindurchzuschieben. 

Zurückgewiesen wird natürlich auch die (zuerst wol von 
Bursian, Geographie von Griechenland I S. 347,1 ausgespro- 
chene) Vermutung, dass im Texte des Strabo (p. 399) bei der 
Aufzählung der Paraliademen : Prasiai, Steiria, Brauron, Ha- 
lai Araphenides, Myrrinus, Probalinthos. .Marathon u.s. w. 
der bekanntere Xamen Myrrinus irrig für Myrrinutte ein- 
getreten sei; denn auch dadurch würde Probalinthos an sei- 
nen alten, nördlicheren Posten zurückgeschoben. Aber jene 
Annahme hat an Überzeugungskraft noch ausserordentlich ge- 
wonnen, da wir jetzt Myrrinutte als nichtstädtischen Demos 
der Aigeis auf jeden Fall in dieser Gegend suchen müssen. 
Mit Myrrinus dagegen, dessen Lage bei Merenda feststeht, 
würde Strabo die topographische Aufzählung seiner Paralia- 
orte unterbrochen und auf einen weiter südlich, dazu von der 
Küste mehr entfernten zurückgegriffen haben. 

Allerdings sucht nun Löper solches 'Nachholen 1 bei Strabo 
geradezu als Regel darzuthun und mit Hülle dieser Beweis- 
führung noch andere, von mir, wie er meint, nicht genügend 
überwundene Schwierigkeiten zu lösen 

Mehr um der letzteren willen, als wegen der Präge M\i- 
rinus-Myrrinutte, die für unseren .Nachweis von Probalin- 
thos als Enclave der Pandionis nur noch accessoriseben Werl 



282 A. MILCHHOEFER 

hatte, ist es geboten, auf Löper's Erörterung der betreffenden 
Strabostelle (S. 326 ff.) näher einzugehen. 

Der Verfasser erinnert daran, dass ich, soviel er wisse, der 
erste gewesen sei. 'welcher (Sitzungsberichte der berliner 
Akademie 1887 S. 42) die Frage aufgeworfen hat. wie man 
die von Strabo verzeichneten Deinen anzusehen habe, ohne 
sie damals zu beantworten'. Aber meine Meinung darüber, 
die ich auch heute noch hege, ging schon aus dem Zusam- 
menhang jener Stelle ganz deutlich hervor: seine Paraliade- 
men brauchen keineswegs unmittelbare Hafenorte zu sein, 
aber sie mussten wenigstens vom Meere her gesehen werden 
können ; denn die ganze Aufzählung scheint in erster Linie 
von dem Augenpunkte des Küstenfahrers aus genommen, wenn 
sie nicht geradezu aus einem für die Interessen desselben zu- 
sammengestellten -soit'Xo'jc stammt. Dieser Norm fügen sich 
alle Deinen, deren Lage und Namen unzweifelhaft feststeht. 
Der Unterschied zwischen Paralia und Mesogaia wäre also rein 
praktisch zu verstehen; Deinen wie Myrrinus oder das ma- 
rathonische Oinoe hätten, wiewol politisch zur Paralia gehö- 
rig, keinen Anspruch auf Erwähnung. Dass auch die Liste 
der ' Küstendemen ' keine absolut vollständige war. habe ich 
anderwärts (Demenordnung S. 1 w 2 ) betont: ebenso, dass in 
einem nachweisbaren Falle eine Vertauschung eingetreten, 
nämlich Lamptrai hinter Thorai statt vorher genannt ist (S. 
38). Mit der Annahme solcher gelegentlichen, vielleicht auch 
bloss handschriftlichen Irrtümer glaube ich besser auszukom- 
men, als mitdercomplicirt.cn. den Leser geradezu irreführen- 
den Abfolge vorderer und zurückliegender Reihen, welche 
Löper bei Strabo "vermutet. Der Vergleich mit Böotien spricht 
keineswegs dafür, sondern dagegen. Denn wenn Strabo hier 
eine Anzahl Ortschaften ans dem Hinterlande nachträgt, so 
unterbricht er ja seine Küsten besebreibung ausdrücklich und 
orientirt genau von den schon genannten Punkten ans land- 
einwärts, ein Verfahren, dem bei Anika das nachträgliche 
Aufzählen der vorliegenden Halbinseln und Inseln entspricht. 

Löper's ganze Erörterung über den Strabotext zielt, abge- 



ZUR ATTISCHEN L0CALVERFAS8UNG 283 

sehen von Myrrinus, namentlich darauf hin. den Demos Po- 
tamos von seiner unbequemen Stelle an der Küste zwischen 
Thorikos und Prasiai zu entfernen, damit Thorikos auf der 
Karte nicht als Enclave erscheine, sondern mit anderen De- 
men der Akamantis in Verbindung treten könne. 

Aber gerade hier, hei den Demen nordwärts Sunion. betont 
Straho die locale Aufeinanderfolge so nachdrücklich wie mög- 
lich : ä;'.ÖAoyo: §r,y.o: Soüviov, sitol ööpe/.oc, eiTa II o Tau. o: 
oyiij.o; O'jtu jta'Xo o [7.6 v o c, i\ ou ol a.vSps: FI o t ä y. to i. bTtoc 
Ilpaaia ÜTsip'.a Bpxupüv u. s. w. Und doch soll nach Löper 
Potamos weder das Gebiet zwischen Thorikos und Prasiai 
einnehmen, noch überhaupt der Demos der Potamier /.xt' l£o- 
^y)v sein, sondern nur identisch mit den unbedeutenden IloTa- 
(jt-tot AeipaSicörat, die schon U. Köhler (Athen. Mitth. X S. 107) 
in richtigem sprachlichen Gefühl, unter Ablehnung der jetzt 
von Löper vorgetragenen Ansicht als eine Verschmelzung je 
eines Teils von Deiradioten und Potamiern erklärt hat. Diese 
Potamier aber wären nach Löper gar nicht hier sondern in der 
städtischen Trittys der Leontis nicht weit von Athen zu su- 
chen. Der letztere Schluss beruht einzig und allein auf der 
Vorstellung, welche der Verfasser sich von der topographi- 
schen Beweiskraft einer Prytanenurkunde sowie einer Demen- 
liste gebildet hat und wird daher in anderem Zusammenhange 
zu besprechen sein. Hier soll nur bemerkt werden, dass uns 
'die Potamier' in der alten Überlieferung hinreichend oft be- 
gegnen und zwar immer schlechtweg so genannt, ohne An- 
deutung, dass solche an zwei Orten existirt hätten. IIoT<fc|Moi 
hiess ein Stück des Strattis; insbesondere wurden sie von 
den Komikern wegen ihrer Bereitwilligkeit mitgenommen, das 
Bürgerrecht an Fremde zu erteilen: bei Pausanias lag das 
Grab des Ion iv QoTau,oi$ ~r,t yuoy.c (I, 31, 3). Auch die Le- 
\iea kennen nur einen Demos; der Scholiast zu w 545 weiss 
von seiner Zweiteilung in xtx0u7:6pOev und &7cev6p0ev, während 
die Abzweigung der IIotxu.-.o'. AetpaSitöTOtt nirgends erwähnt 
wird. Dass es aber bloss eine, und zwar im Osten gelegene 
Potamiergegend gab, folgt nicht bloss e silentio, nicht bloss 



"?84 A. MJLCHHOEFER 

aus der so umständlichen Anführung der av&ps; IIoTätxiot bei 
Strabo, sondern ohne weiteres auch aus Pausanias, der an 
jener Stelle von den entlegneren Demen Attikas spricht, und 
endlich auch aus den komikercitaten, da die Verlockung zu 
einträglicher Bürgeraufnahme sich gewiss am besten aus 
dem Zustrom der Fremden in die Bergwerksdistricte erklärt. 

Für die genauere topographische Einordnung der Potamier 
zwischen Thorikos und Prasiai eilt mir nach dem oben Ge- 
sagten der Wortlaut des Strabo allein als vollkommen ent- 
scheidend. Weshalb sollte Strabo auch gerade die ganz unbe- 
deutenden deiradiotischen Potamier mit Unterbrechung der 
Localfolge einer nachträglichen Erwähnung gewürdigt haben, 
nicht aber die Deiradioten selber, die Phrearrier, Kephaleer 
und andere grössere Ortschaften der angrenzenden Paralia. 
Mit Strabo stimmt aber auch die Aufzählung hei Plinius (IV, 
7, 24) überein: Sanium Promontorium , Thoricos Promon- 
torium, Potamos, Sterin, Brauron, wo der Name unseres 
Demos freilich arg verderbt war, aber längst richtig eingesetzt 
ist. Löper hat es unterlassen, sich mit der Stelle auseinander- 
zusetzen. 

Dass das von Keratea und Kuvara ausgehende bei Thorikos 
mündende psü^ua wirklich Wasser führt und noch heute den 
auszeichnenden Namen ' Potaini ' trägt, ist zumal für diese 
Gegend keineswegs belanglos; eben nur in seinem Gebiet ver- 
teilt sowie an der benachbarten Rüste können die Potamier 
gesessen haben, am nördlichsten wol die deiradiotischen, da 
sich die Lage des Demos Deirades gerade in der Nähe von 
Keratea durch einige (nschriftfunde ankündigt (s. Anlikenbe- 
rieht Nr. 207. 212). Auch verlangt der Hafenplatz von Daska- 
lio eine Besetzung mit einem bedeutenderen Namen, als ihn 
die allenfalls noch disponibel!) KupreiSai darbieten. Die neuer- 
dings aufgedeckten Spuren einer grosseren Ansiedlung. wel- 
che Löper im südlichen Lauriondislriele erwähnt (S. 382). 
könnten den Phrearrier]] angehören. Die Potamier und Dei- 
radioten vermöchte ich schon räumlich hier so wenig unter- 



ZUR ATTISCHEN" LOCALVERFASSUNG 585 

zubringen, wie in einem der Rinnsale den 'Potamos" zu er- 
kennen. 

Will man also nicht etwa Thorikos durch einen schmalen 
Küstenstreiten mit dem nächsten Demos gleicher Phyle (also 
mit Rephale, Akamantis) in Verbindung bringen, was ich 
stillschweigend abgelehnt habe, so sehe ich auch heute noch 
keine Möglichkeit, hier die Annahme einer zweiten Enclave 
zu vermeiden. Da das Hecht zu principieller Negirung solcher 
Falle bereits durch das Beispiel von Probalinthos beseitigt 
worden ist. so muss ich annehmen, dass sich die Zahl der- 
selben bei näherer kenntniss sämtlicher Demenlagen für ein 
Kartenbild des vierten Jahrhunderts eher vergrössern als ver- 
mindern würde. 

Ein anderer Punkt allgemeinerer Art, den Löper (S. 323 ff.) 
eifrig discutirt. knüpft sich an meine Stellung zu einigen 
gleichnamigen Demen. die verschiedenen Phylen ange- 
hörten. Es ist zunächst nicht genau, wenn der Verfasser sagt. 
ich halte dieselben (mit Ausnahme von Oinoe, Oion. Halai) 
jedesmal für Teile eines und desselben Demos. Ich habe stets 
nur mit der bislang herrschenden Ansicht gerechnet und le- 
diglich nachzuweisen versucht (S. 43): wie die Annahme 
(dass Phylengrenzen mitten durch Gemeindefluren liefen) z. B. 
sogar für den dreigeteilten Kolunos zutreffen kann'. Auf S. 
14 sagte ich nur 'die (drei) Kolonosdemen behandele ich als 
locale Einheit'. Für eine principielle Erörterung der Frage 
schien mir schon deshalb kein Anlass vorzuliegen, weil die- 
selbe zu sicherer Entscheidung vorläufig doch nicht gebracht 
werden kann und weil sie mir für meine Zwecke keineswegs 
die Bedeutung zu haben schien, die ihr Löper jetzt beilegen 
möchte. Gesetzt, die Annahme eines localen Zusammenhan- 
ges der gleichnamigen Demen Kolonos, Eitea, Phegaia. Eroia- 
dai Hesse sich in jedem Falle sicher widerlegen, worin wäre 
jene irrige Voraussetzung meinen Trittyendispositionen denn 
so verhängnissvoll geworden ? Die Stadttrittys der Antiochis 
rückte auch ohne Vermittelung der Eiteaioi nordwestlich an 
die Demen der Akamantis, und ohne die dv> Kolonos im \\ e- 



286 A. MILCHHOEFEft 

sten an die Aigeis heran (S. das Nähere unten bei den be- 
treffenden Phylen). Andrerseits war doch für die Ansetzung 
der städtischen Leontisdemen nicht die Lage des Kolonos 
sondern die desKerameikos massgebend, nach welcher ich 
Oion Kerameikon glaubte bestimmen zu müssen. Statt des 
einen Phegaia, mit welchem icli an der östlichen Rüste aus- 
komme, muss Löper ebendort zwei nicht weit getrennte De- 
inen deichen Namens schaffen. Eroiadai endlich bot mir 

i 

durchaus nicht die entscheidende Veranlassung, neben Pal- 
lene noch eine binnenländische Enclave der Antiochis anzu- 
nehmen, sondern meine (S. 37 vorgetragene) Ansicht über 
die Lage von Semachidai. Ich verzichtete damit ja ausdrück- 
lich auf den Nachweis eines ganz einheitlichen Territoriums 
für den Landbezirk dieser Phyle, aber ich sehe die Lösung 
dieses Problems auch heute noch nicht gefördert. 

Die Eroiadai sind schon vorhältnissmässig früh für zwei 
Phylen bezeugt. Aber gerade hier ist es doch wenig wahr- 
scheinlich, dass die eine unbekannte Familie ihren Namen an 
zwei ganz verschiedene Gemeinden vererbt habe. Ein ver- 
gleichender Blick auf die 'attische Genealogie 1 und die De- 
menlisten lehrt uns ja ungefähr das Verhältniss kennen, in 
welchem Kleislhenes den Adels<>eschlechtem Einfluss auf seine 
Onomatoloüie der Deinen einräumte. 

Viel annehmbarer schon ist die Voraussetzuno;, es hätten 
verschiedene Ortschaften ihren Namen von dem ' Hügel', den 
'Weiden', den 'Eichen' hergeleitet. Aber wir dürfen auch 
nicht vergessen, dass uns wenigstens Phegaia in der Pandio- 
nis und Eitea in der Akamantis urkundlich erst seit der Ein- 
richtung neuer Phylen und zwar recht schwach bezeugt sind, 
also aus einer Zeit, in der auch sonst dauernde oder vorüber- 
gehende Teilungen und Umstellungen stattgefunden haben 
(eine Heihe von Beispielen zuletzt bei .1. E. Kirchner, liliein. 
Mus. XLV11 S. .Vif) ff.). Ich balle es somit immer noch für 
geratener, mit (\w localen Einheil von Eroiadai. Phegaia. Ei- 
tea zu rechnen, während bezüglich der Kolonoi nur der Alan- 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 287 

gel an Unterscheidungsnamen gegen die Annahme getrennter 
Locale spricht. 

Zum Schluss der allgemeinen Erörterungen berühre ich die 
Frage nach der topographischen Verwertbarkeit der inschrift- 
lichen, demenweise geordneten Kataloge. Löper erkennt 
an (S. 336), dass icli zuerst die Aufmerksamkeit auf dieses 
Material gelenkt habe, glaubt aber, durch genauere Prüfung 
desselben noch bessere Resultate erzielen zu können. Er geht 
dabei aus von der ' Bedeutung, welche die Trittyen gerade 
auch bei der Wahl einer grossen Zahl der Phylenrepräsentan- 
ten gehabt haben müssen', und erwartet deshalb, dass man 
diese Unterabteilungen in den Verzeichnissen berücksichtigte; 

C D ' 

eine Spur davon glaubt er auch noch in der regelmässigen 

I < DD 

Dreizahl der Columnen zu erkennen. 

Aber diese Vertreter wurden ja in weitaus den meisten Fäl- 
len durchaus nicht nach Trillyen, sondern nach Deinen und 
nach Massgabe ihrer Stärke gewählt : die Fünfzigzahl der Pry- 
tanen zumal ist von vorn herein nicht auf ein Hervorgehen aus 
drei gleichen Abteilungen angelegt und die genügend erhalte- 
nen Listen des vierten Jahrhunderts gar [»liegen einen höchst 
ungleichmässigen Anteil der drei Localbezirke an der Herstel- 
lung jener Gesamtsumme zu erweisen. Die einzige ausdrück- 
lich nach Trittyen geordnete Inschrift C. I. A. 11.87 1 cha- 
rakterisirt sich schon durch das Ungewöhnliche ihrer Über- 
schriften als Ausnahme, für die ich mit Köhler (Athen. Mitth. 
Vll S. 110) eine ganz besondere Veranlassung suche, lud 
welche Art von Trittyen war denn die hier verzeichnete? 
Erinnert man sich der Rolle, welche Demosthenes (XIV, 22 IV.) 
den Trittyen zudachte und welche die gleiche Leistungsfähig- 
keit derselben voraussetzte | Vgl. auch die Tritt varchen bei 
(dunes IM. 30 und als Finanzbehörde C. I. A. II. 297 IV.), 
so kommt man notwendig auf den Gedanken, dass damals die 
Localeinlieii der Trittyen wegen der unumgänglich geworde- 
nen Ausgleiche im Princip bereits aufgegeben war. Einen 
sehr lehrreichen Wink in dieser Hinsicht scheinen zunächst 
wieder für die Pandionis noch einige andere Listen zu ge- 



3$ö A. M1LGHH0EFEH 

währen (C. I.A.W. 865 AsVriov ip X . 1889 S. 18), deren An- 
ordnung nach Trittyen ich bereits früher vermutete (Demen- 
ordnung S. 17) und die auch Löper (S. 337) annimmt. Dar- 
nach wäre Probalinthos im Laufe der Zeit ausgleichsweise zur 
städtischen Trittys | k \ dal hen) gezogen worden, etwa gar aus 
Phyle II oder IX. wodurch die 'Enclave' nun ihre natür- 
lichste Erklärung fände. Auch darauf habe ich a. a. 0. be- 
reits hingewiesen, ohne damals die ziemlich weittragenden 
Consequenzen zu ziehen: denn die Verfolgung dieses Gesichts- 
punktes hätte in ein Capitel von den Schicksalen der Trittyen 
und Deinen während der zwei Jahrhunderte seit Kleisthenes 
und namentlich während der ersten Hälfte des V. Jahrhun- 
derts gehört, für welches mir die Zeit noch nicht gekommen 
scheint. 

Für Löper kommt ein solches überhaupt nicht in Frage und 
doch ist es klar, dass unter unserer Voraussetzung den Kata- 
logen ausnahmslose topographische Beweiskraft gerade dann 
erst recht abgehen muss, wenn sie wirklich ' nach Trittyen 
geordnet waren '. 

Soll nun damit die eingehendere Beschäftigung mit den Li- 
sten etwa herabgesetzt werden? Gewiss nicht und ich erkenne 
gerne an. dass Löper den localen Zusammenhängen innerhalb 
derselben consequenter als ich und nicht ergebnisslos nach- 
gespürt hat. Nur bestreite ich, dass der Fortschritt auf prin- 
cipiell verschiedenem Wege erzielt worden ist, und dass er 
nicht schliesslich auf demselben Eklekticismus beruht, wel- 
chen der Verfasser gelegentlich mir zum Vorwurfe macht. 
Denn in einzelnen, durch offenkundige Localzusammenhänge 
vertrauenswürdigeren Urkunden eine dazu noch durchgehende 
'Berücksichtigung der (kleisthenischen) Trittyen ' herausfin- 
den zu wollen, muss ich schon nach dem Gesagten für unzu- 
lässig halten. Man wird sich lediglich so ausdrücken dürfen, 
dass in gar nicht wenigen Fällen beim Aufstellen der Listen 
die örtliche Gruppirung der Deinen zum Ausdruck gekom- 
men ist. aus der dann für uns noch die Grundzüge des klei- 
Bthenischen Systems hindurchblicken. Diese Locale Disposition 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 289 

bildete aber weder die Regel nocb herrschte sie du. wo sie 
zur Geltung gelangte, unumschränkt. Der Vorrang solcher De- 
inen, welche die Pbylenbeamten, wie den Tamias und Gram- 
mateus stellten, manche Rücksicht auf symmetrische Anord- 
nung der Columnen, wobei wiederum die durch zahlreichere 
Vertreter ausgezeichneten Demeo gern an die Spitze gestellt 
winden, die Schaar der kleinsten den Beschluss bildete, und 
gewiss noch andre Gesichtspunkte, die sich bis jetzt unserer 
Beobachtung entziehen, scheinen daneben massgebend gewe- 
sen zu sein und die landschaftliche Anordnung durchkreuzt 
zu haben. 

Erwägungen dieser Art sind es, welche mir vor allzu aus- 
schliesslichem Vertrauen auch auf solche Urkunden zu warnen 
scheinen, denen wir zufällig keinen Verstoss gegen das Lo- 
calprincip nachweisen können, während sich andrerseits bei 
vorsichtig angestellten Vergleichen die bedingte Brauchbarkeit 
sovvol der unregelmässiger aufgestellten Listen wie auch der 
des dritten Jahrhunderts und der Folgezeit immer noch moti- 
virt. In der That verzichtet auch Löper keinesweges auf die- 
ses 'eklektische Verfahren'. 

Praktisch wird die Frage, wieweit wir gewissen Inschrif- 
ten entscheidende Autorität beimessen sollen, meistens nur 
für Demen niederen Ranges von Bedeutung. Wir verlegen 
diese Fälle ebenso wie die wichtigeren, in denen jenes Hülfs- 
mittel seine eigentliche Probe zu bestehen haben wird, bes- 
ser in die Einzelbesprechung. 

I. Erecktheis. 

Von meiner Verteilung der Demen dieser Phyle weicht Lö- 
per nur insofern ab, als er Pergase bei der Landtritt \s Kephi- 
sia anstatt bei Agryle sucht. Er hat dies (S. 343 | wo! richtig 
aus Aristophanes Hitlern V. 3"21 ff. erschlossen, wenn hier 
Demosthenes aus Aphidna redete, während ich mit Elmsley, 
Dindorff u. A. geglaubt hatte, dass vielmehr Nikias zu Worte 
kam. Auf eine genauere Ansetzung von Sybridai glaubte ich 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 20 



•290 A. MILCHHOEFER 

verzichten zu sollen. Löper teilt auch diese Ortschaft dem in- 
neren Bezirke zu, indem er den von Norden herabkommen- 
den Hauptfluss des Kephisos, welcher doch seine ganze Rich- 
tung bestimmt, für den Syverus flumen (Plin. 37. 35) er- 
klärt und sogar den Ortsnamen Fasidero mit Sybridai zusam- 
menbringen möchte! Im Zusammenhange damit steht denn 
die ganz unmögliche Ansetzum» von Trinemeia (s. unten : Ke- 
kropis). Freilich sollen jene bedenklichen Argumente auch 
nur die aus den Listen gewonnene Überzeugung von der Nach- 
barschaft der Sybriden mit Kephisia stützen ; doch wider- 
sprechen sich hier die beiden einzigen Inschriften, welche 
sonst Spuren localer Anordnung aufweisen könnten, indem 
CIA. 111, 1019 Sybridai hinter Paraliademen steht und nur 
in der Demenliste C.I.A. 11, 991 zwischen Pergase und Phe- 
gus. Löper giebt letzterer wie immer den Vorzug. Wir wer- 
den ihren Wert bei der Leontis näher zu prüfen haben ; hier 
sei nur bemerkt, dass die Auswahl von Demen, welche wir 
darin für die ersten fünf Phylen ganz oder bruchstückweise 
besitzen, zwar regelmässig mit städtischen anhebt, in Bezug 
auf die der Paralia und Mesogaia aber entweder keine con- 
stante Reihenfolge wahrt oder bisweilen eine dieser Land- 
schaften überhaupt vernachlässigt. Endlich scheinen hier wie 
in manchen Prytanenurkunden bisweilen kleinere Demen ohne 
Rücksicht auf ihre Lage den Beschluss der Reihe zu bilden. 
Noch ein Punkt der speciellcren Ortskunde muss berührt 
werden. Löper ist zwar ebenfalls überzeugt, dass Euonymon 
schon um der Grabschriftfunde willen in die Paraliagegend 
gehört; er weist diesem bedeutenden Demos aber eine Lage 
an, wo nie eine Ansiedlung existirl haben kann. Überhaupt 
ist östlich vom Hymettos kein Platz dafür vorhanden. Die Ge- 
gend am südlichen vYestabhange des Gebirges in Anspruch 
zu nehmen hinderten ihn seine Ansichten über die 'natür- 
lichen Grenzen' der Triltyen, sowie über die Lage von Aixone 
und Halai (s. unten: Leontis und Kckropis). Meiner Meinung 
nach collidiren die Ruinenstätten, welche ich für Euonymon 
ins Auge gefasst habe (a. a. O. S. 12; Löper S. 410 scheint 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 291 

mich misszuverstehen), keineswegs mit Halai. dem ganz gut 
noch der Küstenstreif bis Kap Zoster vorbehalten sein konnte. 
Erwägt man übrigens, dass sich die Fundzone der meisten 
Euonymeergrabsteine zwischen Trachones und Pirnari er- 
streckt und dass schliesslich für jene Stätten am Hymettos 
andre Üemen aus Phyle I oder VII (Löper denkt an Epieiki- 
dai) verfügbar waren, so muss ich die Möglichkeit offen las- 
sen, dass Euonymon nördlich von Aixone lag, also mit 
Agryle zur Stadttrittys gehörte. Erscheint doch Agryle (mit 
dem kleinen Themakos) allein als Trittys in noch ungünsti- 
gerem Grössen verhältniss zu den beiden andern der gleichen 
Phyle, wie die meisten übrigen Stadtbezirke. Selbst die älte- 
ren Kataloge (C. I. A. 1, 338 und Athen. Mitth. IV S. 330, 
vgl. Löper S. 348 ff.) liessen sich mit dieser Annahme recht 
wol vereinigen und so fragt es sich von neuem, wie viel Au- 
torität wir der entgegenstehenden Anordnung der Demenliste 
C. I.A. II. 991 beizumessen haben. 



II. Aigeis. 



Der Umstand, dass wir von den 20 Deinen der Aigeis (na- 
mentlich nach Ermittelung von Ikaria, Erchia, Plotheia) alle 
wichtigeren hinreichend genau bestimmen können, baut je- 
der einseitigen Speculation auf Grund der Inschriften vor. 
Von nicht weniger als drei, zum guten Teil erhaltenen Pry- 
tanenurkunden will nun in der That keine zustimmen: viel- 
mehr ist hier das massgebende Princip ihrer Anordnung leicht 
ersichtlich : abgesehen von den vorangehenden Deinen, welche 
die Beamten stellten, ordnen sich die übrigen nach der Zahl 
ihrer Vertreter, wobei die kleinen und kleinsten teils am Ende 
der Columnen zur Ausfüllung verwandt, teils in der letzten 
Columne mehr summarisch vereinigt werden. Die Demenliste 
C. I. A. II, 991 beginnt wieder mit städtischen und bricht 
leider ab mit Gargettos; dazwischen Erikcia und Otryne. Sol- 
len diese unbedeutendsten Ortschaften wirklich die Paralia 



291 A. MILCHHOEFER 

repräsentiren ? Otryne lag freilich am Meer, aber das ' Haide- 
dorf ' passt meiner Erfahrung nach doch nicht wol zur atti- 
schen Rüstenlandschat't sondern gehört in das Innere. 

Da Löper (S. 350) übrigens anerkennt, dass meine Trit- 
tyen der Aigeis mit den seinigen in der Hauptsache überein- 
stimmen und dass es auch in der Verteilung der Deinen unter 
die Trittyen keine wesentliche Meinungsverschiedenheit zwi- 
schen uns giebt, so will ich in Bezug auf topographische Ein- 
zelfragen nur bemerken, dass ich Myrrinutte und Lrchia schon 
oben behandelt habe, an den Teithrasioi festhalte, die lonidai 
(a. a. 0. S.10) ja ungefähr ebenda gesucht habe, wo Löper 
sie ansetzen möchte (S. 354). Da die Gleichsetzung von Bäte 
und Patisia durchaus nicht stichhaltig ist. füllt jeder Anlass 
fort, die ohnehin schon grosse Stadttrittys so übermässig nach 
Norden auszudehnen. Dagegen muss die Umsetzung von An- 
kyle aus der südlichen Richtung auf die nördliche Seite von 
Agryle als statthaft bezeichnet werden; ebenso (S. 36*2) die 
Verlegung von Araphen nach der Demenstätte Velanidesa,wo 
ich mit Anderen bisher Phegaia annahm. Dann gehört der 
letztere Demos aber seinerseits nach Raphina, womit sich nun 
noch besser die Angabe desStephanos von Byzanz 'Aaoci. (xera^ü 
<£>Y,y£Ci): toö wpo? MapaOam jcoti Bpaupä>vo<; verbindet 1 . Zu S. 
3ö0 ff. bei Löper sei noch betont, dass ich an dem Centrum 
von Brauron (um die von mir nachgewiesene Akropolis, über 
dem Heiligtum) natürlich auch heute noch festhalte; da das 
ganze Flussthal des Erasinos mit seinem linken Nebenthal be- 
siedelt war, und der Hafen seine Bedeutung verloren hatte, 
nehme ich Philaidai etwa so an, wie die Schrift auf meiner 
Karte sich erstreckt ; das Ortszeichen hat allerdings an seiner 
Stelle keine besondere Berechtigung. 



1 Ich halte die Stelle keineswegs ausser Acht gelassen und dachte mir 
auch bei der früheren Ansetzung das Küstengebiet von Halai südlich Phe- 
gaia Ih> nach Brauron ausgedehnt, was auf der Karte nicht gut angedeutet 

werden konnte. 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 293 

III. Pandionis. 

Nach Zurückweisung der von Löper angenommenen Lage von 
Probalinthos (s. obenS. '280fr.) und im Zusammenhange damit 
der unmöglichen nördlichen Gestalt seiner Küstentrittys bleibt 
mir hier nur noch wenig zu bemerken. Auf ein zweites Phe- 
gaia glaube ich, wie schon ausgeführt, verzichten zu können; 
die eben citirte Wendung bei Stephanos : («Ta£u $7)ye<ö$ tov 
Trpo? MapaOtövi kann, wenn damit überhaupt ein Unterschied 
gemacht sein soll, sehr wol auf das fast identisch benannte 
Phegus (Erechtheis) abzielen. Kytheros muss irgendwo zwi- 
schen Paiania, Erchia (Spata) und Gargettos gelegen haben, 
wie ja der jüngste (bei Löper S. 370 ff. nach Brückner ange- 
führte) Grabschriftenfund von Papangelaki mit den Namen 
zweier Personen aus Oa für die nähere Bestimmung dieses 
Demos in ebenderselben Gebend sehr verwertbar erscheint. 
Die KccltreiXi; hat Löper wol endgültig beseitigt (S. 371). Statt 
der ganz deutlichen Fpar,? der Demenliste (C. I. A. 11, 991) 
aber die npacrujc einzusetzen ist doch allzu kühn. Ich habe 
(Demenordnung S. 18) angedeutet, wie diese Gemeinde zu 
beurteilen sein wird, und wenn ich dort die Laiie derselben 
bei Oropos auch nicht für sicher gegeben erachtete, so möchte 
ich hier hinzufügen, dass mir andrerseits aus ihrer Stellung 
in der Demenliste, wo Phegaia, Graes, Oa den vielleicht ganz 
lockeren Beschluss machen, car nichts zu folgen scheint. 

IV. Leontis. 

• Hinsichtlich der Trittyen i\vv Leontis haben wir mit Milch- 
höfer wol die grösste Meinungsverschiedenheit sagt Löper 
I S. 376). Den Grund dafür darf ich namentlich darin erken- 
nen, dass sieh von den /.ablreielien Demen dieser Ph\le nnl 
den sonstigen topographischen Hülfsraitteln ohne weiteres nur 
recht wenige festlegen lassen und dass somit den \on Löper 

bevorzugten inschriftlichen Combinationen diesmal | sehr im 



:94 A. MILCHHOEFER 

Gegensätze zur Aigeis, s. oben) ein verUältnissmässig weiter 
Spielraum offen steht. Insbesondere hat hier jenes öfter er- 
wähnte Demenverzeichniss C.I.A. 11,991) die stärkste Pro- 
be auf seine Brauchbarkeit auszuhalten, und in der That schei- 
nen ihm die vollständige Prytanenliste C. I.A. II, 864, sowie 
auch das Fragment Athen. Mitth. X S. 106 zu Hülfe zu kom- 
men. In den beiden ersten Urkunden finden wir nämlich über- 
einstimmend die städtischen Skamboniden und die an den 
noch städtischen Phaleron grenzenden Halimusier mit Kettos 
Potamos und Leukonoe vereinigt, dazu kommen in der zwei- 
ten Inschrift noch die Cholleidai, welche aber auch in ande- 
ren Katalogen mit einzelnen dieser Demen vereint auftreten. 
Auf dein Fragmente kehren in derselben Columne (II) und 
fast in gleicher Reihenfolge wie C.I.A. II, 864 wol auch mit 
genau derselben Demotenzahl vier Demen ( Phrearrioi, Su- 
nion, Deiradiotai und Potamioi Deiradiotai) wieder, von denen 
drei sicher und die Phrearrier aller Wahrscheinlichkeit nach 
der Paralia angehören. In der dritten Columne enthält die Pry- 
tanenliste 9 kleinere Demen, von denen sich am Ende der 
Demenliste wenigstens 7 wiederholten. Das kann nicht Zu- 
fall sein und es ist Löper's entschiedenes Verdienst, auf diese 
constante Folge nachdrücklicher hingewiesen zu haben, wäh- 
rend ich nur die Zusammenhänge der zweiten Columnen to- 
pographisch verwertete. 

Da letztere Columne Demen der Paralia aufführt, die dritte 
mindestens 6 sicher ins Binnenland gehörige, die erste aber 
den städtischen Demos Skambonidai, dazu das von Athen nicht 
ferne Halimus aufweist, so gelangt Löper zu dem Schluss, 
dass in unserer Inschrift jede Columne je eine Trittys reprä- 
sentire und somit die darin aufgeführten Demen jedesmal ört- 
lich zusammenhingen. 

Uns interessiren vor allem die von Löper als 'städtisch' in 
Anspruch genommenen Ortschaften Für seine Verlegung der 
ganzen Gruppe nach Süden bietet sich der sehr vorteilhafte 
Ausgangspunkt, dass wir dann das sonst isolirte Halimus mit 
einbeziehen können und dass auch für die Skamboniden, zu- 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 295 

mal nach Verlegung 'von Ankyle (s. Aigeis), in dieser Rich- 
tung hinreichender Platz vorhanden und schon von Lolling in 
Anspruch genommen worden ist. Ich will zu Gunsten dieser 
Annahme von den Gründen ansehen, welche mir früher (De- 
menordnung S. 19) für nordwestliche Lage der Skamhoniden 
zu sprechen schienen und mich namentlich auch über die ra- 
dicale Methode hinwegsetzen, mit welcher Löper die überlie- 
ferte, für ihn aber hinderliche Zugehörigkeit von Oion hera- 
meikon zur Leontis (durch Textänderung, vgl. Hippothoontis) 
beseitigt. Dann also kann man Skambonidai und Halimus im- 
merhin vereinigen und noch einen oder den anderen Demos 
derselben Rubrik zu dieser Gruppe heranziehen; gegen die 
Kettioi z. B. spricht nichts, und vielleicht ist sogar, wie ich 
hinzufügen will, die in Chasani befindliche Grabschrift Anti- 
kenbericht Nr. 740: KJyjttio« zu ergänzen. 

Indess wenn die Autorität der Inschriften allein entschei- 
den soll, so müsste hier eine noch grössere Zahl von Demen 
beisammen gelegen haben: die Cholleidai, die Leukonoeis, 
beide volkreicher als Skambonidai nnd endlich die doppelt 
geteilten Potamier. 

liier bieten sich zunächst rein topographische Schwierig- 
keiten, auch wenn wir Ankyle. Aixone. Euonymon in weiter 
Ferne hallen. Ein Blick auf Löper's Karte zeigt, wie er genö- 
tigt ist. für diese Trittys ein unverhältnissmässig weites Ge- 
biet in Anspruch zu nehmen, neben welchem die benachbar- 
ten städtischen Bezirke, namentlich derjenige der Erechtheis 
(mit Agryle) stark verkürzt erscheinen. Ms stunde ferner zu 
erwarten, dass so bedeutende Deinen wie Cholleidai und Leu- 
konoe bei dieser nahen Verbindung mil der Hauptstadt durch 
die Überlieferung wie durch die Inschriften besser bekannt 
geworden wären. Alle diejenigen, welche wir auf jener Strecke 
andersher mit Sicherheit kennen wie Halimus, Aivone. Halai. 
Kiionwnon. dann Anagyrus u. s. w. haben sich auch durch 
sepulcrale Funde, /.. T. reichlich, belegen lassen, aber kein 
Leukonoeus. kein Cholleide ist bisher aufgetaucht. Vielmehr 
schienen uns (a. a. 0. S. VI I die Grabsteine und anderes Ma- 



296 A. MILCHHOEFER 

terial für Leukonoe in ganz andre Richtung zu weisen; noch 
weniger dürfen wir nach Aristophanes' Acharnern (V.33 ff.) 
geneigt sein, die Heimat des Cholleiden Dikaiopolis in der 
Umgebung Athens zu vermuten; man vergleiche nur die Ver- 
se, in denen er sieh als Feind der Stadt hinstellt und nach sei- 
nem ruhigen Dorfe sehnt, welches seiher seine Kohlen brennt 
und alle Nahrungsmittel seiher hervorbringt. 

Endlich entscheiden gegen den strengen Lokalzusammen- 
hang jener inschriftlichen Demengruppe Ww sich allein schon 
die Potain ier. Es ist bereits oben S. 283 ff. ausgeführt worden, 
dass mit den avSpss Uotxuaoi in allen unseren Nachrichten stets 
dieselben und zwar die östlich beim Meere wohnenden gemeint 
sind, dass aber diese unmöglich bloss mit den secundären 
IIoTxa'.o'. AsipxS'.wTou identisch sein können, während im Be- 
reiche der Stadt selber ein gleichnamiger Doppeldemos gele- 
gen hätte. 

Aber kommen nicht in der Prytanenurkunde C. I. A. II, 
864 Potamier an zwei verschiedenen Stellen, nämlich Columne 
I Z. 17-*2 \ und Columne 11 Z. 38 ff. vor? Sehen wir uns die- 
selbe noch einmal auf ihre Composition an. Der äusserliclien 
Längensymmetrie der drei Columnen, welche nach Löper 
streng s;eschieden Deinen des Stadtgebietes der Paralia und 
der Mesogaia enthalten sollen, entspricht auch ein nahezu voll- 
ständiges Gleichgewicht der Vertreterzahl jeder Abteilung 
(nämlich 17+1 7 + 1 6 = 50 Buleuten). Wahrlich ein Verhäll- 
niss wie es im vierten Jahrhundert sonst keine der übrigen 
Phylen mehr darbietet '. Ich glaube nun in der Thal, dass die 
Rechnung hier allzu glatt aufgeht und dass die Annahme 
eines so exceptionellen Falles vielmehr durch eine andere Er- 
klärung zu beseitigen ist. Die Lösung scheint mir durch die 



• Ich babe wol nicht ru'iii^, ausfuhrliche Belege beizubringen. Für jede 

Phyle liegt in Bei sn-(und Bphehen-) listen oder doch in Fragmenten 

von solchen, auch in unserer sonstigen Kenntniss von den Deroen hin- 
reichendes Material vor, um wenigstens an je einer sicheren Localtrittya 
festzustellen, wie weil ihre Grösse sich bereits von dem durcbschnittlicben 
Drittel nacli ölten oder nach unten zu entfernt bat. 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNTr 297 

Analogie der oben besprochenen Pandionislisten gegeben, wel- 
che auch in der formalen Anordnung durch Verbindung von 
Kydathen mit Probalinthos, also mit Durchbrechung des Lo- 
calprincips einen Ausgleich der alten Trittyen darstellen, 
so dass jede einzelne derselben nun wiederum die annähernd 
gleiche Zahl von Repräsentanten stellen und auch sonst die 
gleichen Functionen wie Lasten übernehmen konnte. 

In demselben Sinne stellen die 3 Columnen unserer Leon- 
tis-Inschrift allerdings die 3 Trittyen dar, aber in einem Sta- 
dium der Reorganisation, welche den Zweck hatte, sie ver- 
mittelst gewisser Umordnungen wieder auf ein gleichmässi- 
geres Stärkeverhältniss zu bringen. Die Übereinstimmungen 
der Demenliste und einiger Fragmente (s. Löpcr S. 390 ff.) 
wird ebenfalls aus der Renutzung gleichartiger, auf der revi- 
dirten Trittyenordnung der Leontis beruhender Vorlagen zu 
erklären sein. 

Wir sind also nicht genötigt, in den nach Columnen geord- 
neten Demengruppen ausnahmslos locale Einheiten anzuer- 
kennen, aber ebenso wenig, das Trittyenprincip aufzugeben, 
wenn einzelne Gemeinden aus dem Local verbände heraustreten. 

Die Demenstatistik lehrt, dass gerade die Paraliademen im 
Laufe der Zeit sehr stark gewachsen, die städtischen (ausser 
Peiraieus) am meisten zurückgeblieben sind (vgl. Demenord- 
nung S. 44 ff.). \\ ie Probalinthos ursprünglich vielleicht der 
Aigeis oder Aiantis angehörte, so könnten die Potamier und 
Deiradioten aus der Akamantis stammen, womit auch die Nö- 
tigung wegfiele, Thorikos als kleisthenische Enclave zu be- 
trachten. 

Ich verzichte darauf, nun noch die zahlreichen kleinen De- 
inen der dritten, überwiegend binnenländischen Abteilung 
unter demselben Gesichtspunkt einzeln zu verfolgen. Die Län- 
genausdehnung meiner Tritts s hat Löper zwar etwas einzu- 
schränken versucht; aber wenn er an dem einen Ende Hekale 
um ein so Beträchtliches nach Westen ruckt, giebl er einfach 
den einzigen topographischen Anhalt auf, dass dieser kleine 
Demos am Wege von Athen Dach Marathon lau 1 . Andrerseits 



298 A. MILOHHOEFER 

verlegt er in das Gebiet des Aigaleos, wo ich Manches für Leu* 
konoe anführen konnte, sicher unrichtig Oie (vgl. unten Oi- 
neis). Meine unverächtlichen Gründe für Aithalidai (bei Chas- 
sia, in der Parnesschlucht) verwirft er bloss zu Gunsten der 
kohlen brennenden Acharner 2 , während er diesen wieder alle 
ihre reichen Weingelände nimmt (vgl. Oineis), nur um un- 
sere Triltys an der südlichen und östlichen Seite dieses gröss- 
ten Demos hindurchführen zu können. 

Ich wiederhole zum Schluss, dass ich (trotz Oion Keramei- 
kon und der Gründe, welche auch für Skambonidai westliche 
Lage zu empfehlen scheinen) Löper's Vorschlag einer Verle- 
gung der Stadttrittys nach Süden unter den oben bezeichneten 
Einschränkungen zuzustimmen geneigt bin und darin einen 
Fortschritt in der Beurteilung dieser besonders schwierigen 
Phyle gern begrüssen möchte. 

V. Akamantis. 

In Bezug auf die Dementopographie herrscht, abgesehen 
von 'Verschiebungen innerhalb enger Grenzen '. Einverständ- 
niss auch da, wo ich erst neuerdings zu festeren Ansätzen ge- 
langt bin (s. namentlich Sphettos, Agnus, Prospalta, Kephale, 
Cholargos). Die wenigen unsicheren Ortschaften spielen keine 
erhebliche Rolle und könnten dahingestellt bleiben. Doch ist 
auch Löper bereit, die Porioi und Eiteaioi an den kephisos 
zu verlegen; die Kyrteidai suchi er wol besser an der Östlichen 
Küste. Dagegen gehört Kikynna dein Stadtgebiet ganz gewiss 
nicht an: ich bleibe im Wesentlichen bei meinen AusIVihrun- 



* Die Lage von Hekale an einer 'besuchten Fahrstrasse ' i>t jetzl (gegen 
Löper 8. ■ 64 I bezeugl (s. Maass, Deutsche Litleraturzeitung 1893 S. 1036); 
leider sind die beabsichtigten Ausgrabungen der Amerikaner in Kukunarti 
!vl'I. • Demenordnung ' 8. 1\ ff.) oicbl zu Stande gekommen. 

2 Mussio flenn die Nutzniessung des Gebirgswaldes demenweise abge- 
grenzt gewesen sein ' 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 299 

gen (S. 26) und ergänze auch in der Demenliste C. I.A. II. 
991 c Z. 18 K[ijtuwa], da Sphettos vorhergeht. 

Als wesentliche Änderung stellt sich jetzt nur die Vertei- 
lung der Üemen auf die drei Trittyen dar. Wenn man den 
Stadtbezirk der Leontis aus der Gegend des kerameikos hin- 
weg nach Süden verlegt, so ist es nur folgerichtig, diesem 
Demos mit Löper die nordwestlich benachbarten aus der glei- 
chen Phyle anzuschliessen und somit die ganze Gruppe zum 
Astygebiet zu rechnen. Denn auch die entfernteren Gemein- 
den dieser Phyle, die sich jenseits des Hymettos von Sphettos 
bis Thorikos hinziehen, vertragen sehr wol eine Zweiteilung 
in Mesogeia- und Paraliademen, zumal wenn einst noch die 
Potamier und Deiradioten dazugehörten (s. oben S. 297 ) 1 . 

VI. Oineis. 

Hier ist an Stoff zu neuen Erwägungen noch weniger hin- 
zugekommen. Gegen die ganz unzulässige Cernirung der Achar- 
ner habe ich schon oben (s. S 298) Einspruch erhoben. Lö- 
per's Versuch, Oie in das Gebiet von Dafni, d. h. des Pythion 
zu verlegen, scheitert zweifellos bereits an der citirten Sopho- 
klessteile (Oed. Col. V. 1045 ff.). Die IhJO'.at ixrai im Berei- 
che des Apolloheiligtums und die westlich gelegenen Weide- 
plätze von Oie, Stätten die der Chor in wechselnden Phanta- 
siebildern nach einander nennt, können eben nicht identisch 
sein. Wir haben zudem dringende Veranlassung, die weiten. 
wolliabenden Gebiete westlich vom Aigaleos mit verfügbaren 
Deinen zu bevölkern. Auch auf den Zusammenhang der Orts- 
naincn Oia. Melainai und Eleusis | Demenordnung S. 28) sei 
nochmals hinge wiesen. 



1 Auffallend bleibt immer die so häufige Nachbarschaft mehrerer Trittyen 
derselben Phyle; angesichts der aristotelischen Überlieferung, dass Klei- 
sthenes IxXifptoacv tpstj (tpi-rcSc) d; Tf,v puXJjv 'mii-r;, wird man trotzdem an 
Zufall denken müssen, bs sei denn, dass die Zuloosung sich nur auf Namen 

und iteihenfolL'i' der schon gebildeten Phylen bezogen hätte. 



300 A. MILGHHOEFER 

VII. Kekropis. 

Da Löper meine Bestimmung von Sypalettos und Phlya an- 
nimmt und auch bezüglich Pithos und Daidalidai hinreichen- 
de Übereinstimmung herrscht, bleibt allenfalls noch von Tri- 
nemeia zu reden, welches der Verfasser bei näherer Local- 
kenntniss gewiss nicht zwischen Kephisia und deu Pentelikon 
einzuzwängen versucht haben würde. Weder ist hier, in der 
Schlucht von Kokkinarä, Platz für einen weiteren Demos vor- 
handen, noch kann mit den äp/ai des Kephisos bei Strabo 
(p. 400) der östliche Nebenarm bezeichnet sein, welcher sich 
seitlich mit dem bereits tief eingerissenen Hauptbette verbin- 
det. Es wird dabei bleiben müssen, dass Trinemeia an dem 
Yercinigungspunkte. oder wol noch höher hinauf (Monomati, 
Fasidero) gelegen hat. Löper muss demnach seine binnen- 
ländische Gruppe der Erecbtheis (vgl. oben S. 290) beträcht- 
lich einschränken. 

Gar zu weit nach Süden ist Aixone gerückt, was sich aus 
Löper's Bestreben erklärt, möglichst viel Raum für seine Leon- 
tis- Deinen zu gewinnen. 

Zu S. 4 10 a. E. ('von den Ruinen des Theaters [der Ai- 
xoneer 1 beim Einlange in die Schlucht von Pirnari konnte 
ich ebensowenig Reste finden, wie Lolling und Milchhöfer'), 
sei noch berichtigend bemerkt, dass gerade Lolling der Urhe- 
ber dieser Angabe ist (Athen. Mitth. IV S. 193 ff.). 

VIII . Hippoth oon tis . 

Nach den Beamten- und Ephebenlisten, namentlich auch 
den späteren, ist Azenia neben dem Peiraieus in dieser Phyle 
ganz besonders stark und regelmässig vertreten. Um so schwe- 
rer wird man sich entschliessen können, diesen Demos durch 
eine Correctur des Strabotextes (Löper S. 3* J 5 'Azryeic, statt 
des überlieferten ' X'^ryv.c, ) ' von -seinem lange behaupteten 



1 Zu demselben Vorschlag ist auch, wie ich eben sehe, V. vod Schöffe 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 301 

Platz' an der südöstlichen Küste Attikas (und gar von der 
Paralia überhaupt, vgl. S. 418) zu beseitigen und völlig ins 
Dunkel zurücktreten zu lassen. Wenigstens kann nach unse- 
ren Erfahrungen mit Probalinthos und Thorikos der Umstand, 
dass Azenia auf unserer Trittyenkarte als Enclave erscheint, 
nicht mehr als zureichender Grund für eine solche Änderum^ 
geltend gemacht werden. Atene glaube ich zudem in der rui- 
nenreichen Gegend von Olympos neben Aigilia nicht entbeh- 
ren zu können. 

Auch Kopros, als vrjco* rö; 'Attixtj? (daher t] Köwpo«) ver- 
mag ich nur auf der vorliegenden Insel unterzubringen; an 
Lero zu denken ist ebensowenig möglich wie etwa an Salamis. 

Bestimmterer Widerspruch erhebt sich ferner gegen Löper's 
Behauptung, dass Oion nicht eben das Dekeleia benachbarte 
Oion Dekeleikon der gleichen Phyle sei, wie Harpokration 
und Suidas angeben und bisher doch auch aus der Diäteten- 
urkunde C.l.A. II, 944 allgemein geschlossen wurde (wo 
Chandler Col. II Z. 17 . .jIOINOY las). Die Phralrien- 
urkunde C. I. A. II, 841 b mit AeXtiov £p X . 1888 S. 161 ff. 
lehrt uns zudem nicht bloss das intime Privatverhältniss der 
beiden Deinen kennen, sondern auch die gemeinsame Benut- 
zung des ' Versammlungshäuses der Dekeleer' in Athen, wo 
doch gewiss auch öffentliche Angelegenheiten (der Trittys?) 
beraten wurden. Indem Löper diesen natürlichen Zusammen- 
hang und zwar wiederum durch Textänderungen zerreisst, ist 
er überdies genötigt, die binnenländische Trittys unserer Phyle 
um Dekeleia herum auf das üusserste einzuschränken, so dass 
in dem Winkel des Gebirgslandes ausser dem ganz unbedeu- 
tenden Sphendale für weitere Demen, die hier sicher noch 
vorhanden waren, gar kein Platz mehr übrig bleibt. Ich wur- 
de daher, um bezüglich der Leontis entgegenzukommen, lie- 
gekommen (s. Bursian'8 Jahresbericht 1893, III 6. 19 u.. sein dort oitir- 
tes Werk 'Bürgerschaft und Volksversammlung von Athen ' ist mir noch 
nichtzu Gesicht gekommen. Beide berufen sich darauf, dass auch ich Atene 
ganz in der Nähe angesetzt habe, und Löper wundert sieb deshalb, nicht 
auch bei mir schon jene Conjectur zu linden, 



302 A. MILCHHOEFER 

ber noch Oion Kerameikon östlich vom Demos Rerameikos 
abtrennen — ein ' Töpfervorwerk ' könnte auch anderswo gele- 
sen haben ; für die Thonlasjer von Kolias und somit die Nach- 
barschaft von Halimus sprächen allerdings die Kataloge nicht — 
als an der bisherigen Zuteilung von Oion Dekeleikon ändern. 
Für eine Reihe kleinerer Deinen ( Hamaxanteia, Anakaia, 
Auridai, Acherdus, Elaius, Eroiadai) liisst uns die Überlie- 
ferung völlig im Stiche; wir können hier und da höchstens 
zu Vermutungen kommen, über deren Wert sich natürlich 
streiten lässt. Ich finde die meinigen, denen auch die Listen 
zustimmen würden, nirgends verbessert. Die Verbindung von 
Anakaia mit den "Ava>ce? und ihrer Tradition um Dekeleia 
hatte auch ich erwogen, aber als sprachlich unzulässig ver- 
worfen. Die Ölbaumkultur von 'Elaius' entscheidet nichts 
gegen die Thäler der Parnesregion ; dagegen wird man ein 
4 Artischokenfeld' wie es für Anakaia (C. I. A. 111, 61 A III, 
31) bezeugt ist, eher in der Ebene von Eleusis vermuten. 



IX. Aiantis. 

Eine Meinungsverschiedenheit bezüglich dieser Phyle liegt 
nicht vor. Auch meiner Ansetzung des kleinen Demos Ky- 
kala stimmt Löper vollkommen zu. 

X. Antioc his. 

Die Küstentrittys von Thorai bis Besä ist hinreichend scharf 
umgrenzt; auch über die zugehörigen Demen bleibt nichts 
mehr zu bemerken, es sei denn, dass Löper (S. 422) die ' Er- 
gadeis' recht ansprechend im Bergwerksbezirke vermutet (vgl. 
das heutige Ergastiria). während die Gleichsetzung der 4>up- 
vrjdtot mit Pherisa doch äusserst gewagt ist. 

Von dem städtischen Bezirke steht die Lage des Hauptde- 
mos Alopeke unbestritten fest. Löper ist, namentlich auf seine 
Interpretation der Listen hin, geneigt, dieser Trittys überhaupt 
keine Demen mehr zuzuweisen. Aber ich muss darauf beste- 



ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUNG 303 

hen, dass dann das übrige Gebiet zu beiden Seiten des Turko- 
vuni ungenügend besetzt bleibt: im Westen, wohin von Am- 
belokipi ein direkter Weg zwischen dem Hauptstock dieser 
Bergreihe und dem Lykabettos hindurchführt, können De- 
inen der ohnehin weitgedehnten und ortreichen Aigeistrittys 
nicht auch nocli alles Gebiet von Kypseli und dem kolonos 
bis nach Patisia und darüber hinaus occupirt haben; aber 
auch im Osten, zwischen Turkovuni und Hymettos sind De- 
menstatten zu benennen, die am natürlichsten mit Alopeke in 
Verbindung gesetzt werden. 

Diese letzteren Gebiete hatte freilich auch ich, wie jetzt 
Löper, in meinem ursprünglichen Entwürfe mit Pallene und 
der Landtriltys unserer Phyle in Verbindung gebracht. Aber 
nach Allem, was ich über den letzteren Demos bis jetzt glaube 
ausmachen zu können, blickte er nach Westen und Gargettos 
war es, welches das Zwischengebiet zwischen dem Pentelikon 
und der Nordspitze des Hy mettos (dem i>tpü)TY)C'.ov zu Garget- 
tos, Schol. Aristoph. Thesm. 898 ; vgl. das äpav/joiov am Wen- 
depunkt, wo Theseus die Stadt zum letzten Male sah, Plut. 
Thes. 35) beherrschte. So vermag ich mit Pallene selbst den 
Demos Pentele (welcher von den alten Marmorbrüchen auf 
keine Weise zu trennen ist und oberhalb des heutigen Klo- 
sters lag) nicht zu verbinden, noch weniger für das von Dio- 
nysos begnadete, also hervorragend mit Weinkultur gesegnete 
Semachidai in der nächsten Umgebung, welche zudem der 
Epakria angehören soll, einen irgendwie geeigneten Platz aus- 
findig zu machen. Löper's Versuch in den dürren und dürfti- 
gen Strichen östlich und nördlich von dem oäsenartigen .le- 
raka fünf und mehr Deinen unterzubringen, muss ich \om 
topographischen Standpunkte aus für verfehlt halten. 

Diesen Bedenken gegenüber glaubte ich den Wunsch, auch 
für die Landtriltys der Antiochis einen möglichst abgerunde- 
ten Bezirk herauszuschälen, zurücktreten lassen zu müssen. 
Hier mögen Verschiebungen eingetreten sein, die wir nicht 
controliren können. Und gehörte nicht nach der Angabe des 
Stephanos, die wir ohne weiteres zu verwerfen doch kein Recht 



304 A. MILCHHOEFER, ZUR ATTISCHEN LOCALVERFASSUN G 

haben, auch das weit entfernte Melainai einst dem Verbände 
der Antiochis an ? 

Ohnedies haben sich die Grundzüge der kleisthenischen De- 
men Verfassung, wie Aristoteles sie angiebt, auch für unser 
Auge noch auf das Unverkennbarste bestätigt. Wir stehen vor 
der methodischen Frage, wie auf dem Boden des Erkannten 
und Gewonnenen weiter zu schreiten sei. 

Die sorgfältige, meine ' Demenordnung ' bis in alle Einzel- 
heiten hinein verfolgende Arbeit Löper's bietet nun wol die 
objeetive Gewähr, und dies ist nicht ihr geringstes Verdienst, 
dass alle bis jetzt zur Erreichung unseres Zieles verfügbaren 
Mittel angewandt und keine irgendwie fruchtbaren Gesichts- 
punkte unerörtert gelassen sind. Ich weiss daher nicht, ob die 
naheliegende Versuchung, nach der Art eines bekannten Ge- 
duldspiels durch fortgesetztes Proben mit diesem selben Ma- 
terial jeden Demos in seiner Trittvs unterzubringen, Aussicht 
auf weitere Erfolge haben würde. Entscheidende Fortschritte 
müssen wir vielmehr in Zukunft von der praktischen Local- 
forschung erwarten. Aufklärung über einen einzigen Punkt ist 
jetzt leicht im Stande, ganze Striche unseres Gebietes zu er- 
hellen und jedenfalls ist die Zeit vorüber, in der man von 
eignen Fachgenossen noch wol das Urteil zu hören bekam, 
dass der Wissenschaft im Grunde genommen an ein paar neu- 
entdeckten Demen wenig gelegen sein könne. 

Münster i. W. 

A. MILCHHÜFER. 



r 



ZUM FRIESE VON GJÖLBASCHI 

In dem umfassenden Kommentare, den Renndorf' seiner 
Veröffentlichung der Friese angeschlossen hat, welche die 
grosse Graljanlage beim lykischen Trysa schmückten, sind 
diese sowol ihrer grossen kunstgeschichtlichen als auch ihrer 
inhaltlichen Bedeutung entsprechend und erschöpfend behan- 
delt worden 1 . Mir scheint, abgesehen von den Schlüssen, die 
Benndorf aus der Anordnung der Reliefs auf den Charakter 
der polygnotischen Gemälde gezogen hat, nur ein Teil seiner 
Darlesungen zweifelhaft, die Deutung der beiden Friesstreifen 
der Westwand. 

Die vollkommene Abhängigkeit der Kunstler aller dieser 
Friese von der attischen Kunst, die dem Beschauer sofort ent- 
gegentritt, ist von Henndorf gebührend hervorgehoben wor- 
den. Die Art und Weise, grosse, figurenreiche Bilder zu com- 
poniren, zeigten ihnen die attischen Friese und vor allem die 
monumentale Malerei Polygnots und seiner Schule. Nur die 
Anordnung in zwei Streifen übereinander fanden sie dorl 
nicht, da, wie wir von Robert gelernt haben, jene Künstler 
anders malten. Vielmehr trat aus technischen Gründen die 
Friescomposition an Stelle der Gruppirung auf mehreren Bo- 
denlinien in dem Momente, wo der Vorwurf des Gemäldes In 
Relief auf Stein übertragen wurde-'. Hierin also erlauben die 



1 Aussei' in dem 'Vorläufigen Bericht', Arcbäologisch-epigraphische Mit- 
theilungen aus ( islerreich 1882 (VI) 8.151 lt.. im Jahrbuch der kunsthistori- 
schen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiser-Hauses 1889 l>.i-> Neroon von 
Gjöl hasch i -Trysa', von <». Benndorf und G. Niemann. 

2 Vgh Robert, Die Nekyia'des Polygnot (10. Hallisches Winkelmanns- 
programm 1892) 8, 36 11'. und 8 42 Anm. 16 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 21 



306 k. Ni>.\c.k 

Friese von Gjölbaschi keinen Schluss auf die Kunst des Po- 
lygnot, denn grade hier hört sein Einfruss auf und beginnt 
derjenige der grossen attischen Friese. In dw Wiedergabe von 
Typen und Einzelgruppen dagegen haben jene Meister eben- 
sosehr unler dein Kinl'lnsse des grossen Thasiers gestanden wie 
die attische Kunst überhaupt. Die Werke attischer Plastik und 
Malerei, von Polygnot bis zum Phigaleiafriese, haben Inhalt 
und Charakter der Reliefs von Gjölbaschi bestimmt 1 . 



1 Eine vollständige Vergleichung aller einzelnen Typen dieser Friese mit 
attischen Kunstwerken des fünften Jahrhunderts würde noch deutlicher, als 
es bei Benndorf geschehen, zeigen, dass die Skulpturen von Gjölbaschi Mo- 
tive der verschiedensten Art und der verschiedensten Epochen vereinigten, 
dass ihre Meister gewissermassen die Summe jener künstlerischen Ent- 
wickelung gezogen haben, dass daher diese Friese ersl an das Ende der 
ganzen Reihe zu stehen kommen und nicht früher al> am Ausgänge des 
fünften Jahrhunderts entstanden sein können. 

Die tanzenden Mädchen unterhalb des Gelages ( Benndorf a. a. 0. Tal'. XX ) 
und noch mehr die beiden Kalathiskoslänzer am Eingang (Taf.V) erinnern 
an die beiden berliner Reliefs, Arch. Anzeiger 1893 S.76 77. und an andere 
tanzende Figuren, vgl. F.Winter im Fünfzigsten berliner Winkelmannspro- 
gramm Taf. 1 f., rutligurige Vasen bei Miliin 1 52. 53 und in der Sammlung der 
archäologischen Gesellschaft zu Athen Nr. 1314 und 3442. Für den unmittel- 
baren Einfluss der grossen Malerei ist der Freiermord des Odysseus im Athe- 
natempcl zu Plataiai das grundlegende Beispiel. Aber Polygnot hatte auch 
den Raub der Leukippiden (Anakeion in Athen), Onasias als Gegenstück 
zum Freierraord die Sieben gegen Theben, Mikon Amazonen und Kentau- 
renkämpfe (Sloa Poikile, Theseion] und mit Panainosdie Marathonschlacht 
gemalt. Auf dem Fries mit dem Freiermord linden wir auch die Gruppe, die 
in der /.weiten Hälfte des fünften Jahrhunderts sich besonderer Beliebtheit 
erfreute, hier für die drei Mägde verwendet: Nikefries (Overbeck, Plastik 4 I 
Fig. 124 e). Erechtheionfries (Schöne, Griech. Reliefs Taf. 1 16.22) und das 
am 15. Febr. d. J. von Philios in der Sitzung des alhcn. Institutes besprochene 
Urkundenrelief aus Eleusis. Für die Gestall der Penelope darf ausser der 
Eurydike des < »rpheusreliefs in Villa Albani | Benndorf S. 100 ) noch an die 
Athena und einige andere Frau engestallen vom Nikefries (a. a. I >. a-d) und 
an Nr. 21 \'>iii Erechtheionfries (a.a.O.) erinnerl werden. Der Partheno'n- 
fries bietet natürlich eine reiche Auslese; ich nenne nur blas und Lyn- 
keus im Leukippidenraub Taf. XVI A 3. U 3, vgl. Michaelis, Parthenon 
Taf. 9 Hatte IX. Selbst für die Amazonenschlachl sind Motive von dorther 
genommen: Taf. .XIV .1 14 und XV I 15 hal der Bildbauer das Motu Par- 
thenon Taf. 13, XXXVIII besser und getreuer verwertel aU der Vasenmaler 



ZUM FRIESE VON GJOELBASCHI 307 

Der grössere Teil der Reliefs setzt dank eini-en sehr be- 
stimmt und charakteristisch wiedergegebenen Einzelzügen der 
Erklärung keinen Augenblick Schwierigkeiten entgegen an- 
dere Teile des Frieses enthalten Scenen von allgemeinerem 
Charakter, der die Deutung auf einen besonderen Sagenzue 
™ n vornherein ausschliesst. Mil Scenen dieser beiden Gat- 
tungen sind d,e S..d-. Ost- „nd Nordwand bedeckl ' Die Süd- 
wand zeig! aussen (1) links vom Eingang Amazonen (a) und 
Kentaurenkampfe (Ä), rechts eine Landungsschlacht [b) und 
darüber die Sieben Nor Theben(«) ; auf der Innenseite ( II ) 

(Winter, Die jüngeren altischen Vasen S. 34 35) Die I)Msi,ii„n 

^fansich,, di e am Parthe tat oicht, .«^1«^^^ 

11 --«„.,„, sog. Theseion schon öfter begegnen, kom n in i ■ ü , 

ehrhäuügvor. Auch der Phigaleiafries kommt nicht nur wegen le über 
--«.nun,,,,,,,, Molive (V g.. Vorläufige, Bericht S.^.GjölSi S H4^n 
^ cht - s ondern auch wegen der ähnlich wie in den Skilptown wd ffii" 
^f» u » r ;';'f» "nd übertriebenen Gewandbehandlung: z. P B.Ta,VHfl 
;, A ' 2 ; /nou ^ust. Vgl. aber auch das Relief der Grabfassade 

"'"">;■■■'■' :;'-'". Lykien H Taf. 15. Schliesslich möchte ich nocl Jen 
wX n , FUI K Slen ' nder Landu ^chlacbt (Taf. XXIV. ü 1 m 7 nei n 
Werke vergleichen, das gleichfalls dem attischen Kuns.kreise -,,.,'h , 
««.lieh b.I dem thronenden Greise auf dem sog. flCriÄ 

' I efs dieses Sarkophages noch den Stil reifer strenger Kunst. Sie sind noch 

S". *.'? den B»»nkrei ^esPheidias und der Par.henonskulp.uren geLt en 

Ähnlich .bei -.wie bei dem lykischen Sarkophage (s. S. 330 Anm 3) wdsi 

uch hier schon eine Figur aus de ignen Kreisedi rRelfeJs he ius und 

ZT S: /V° mel ' rBhl ^ ln "«eken.nrfcl.lgeblldeie«nrita-^ 

st. tvord cmV -ergespann; der Versuch ist, das , man «ros.chen Tesfer 

k '' ' Üage - e " inochle "»" «ich bei der Darslellung des bewegten Ge 

Ä^rr"" '— M -voderT«n,ri Ä 

, ' f ° h t b f ei< ; hnc u n^ Benndorf's Vorgang die obere Reihe mit e die un- 

e ; e . ra,t * und ^ h| e ^e einzelnen Gegenstande von links nach rech s auf 

l,s,, ( "'" «ich. herstellen kann. Auch glaubte ich. da diese Pub^c.ln 

i n? ; Chl ? r2ich ' en '" ,,Ürfen " Ml1 der ^önen Darstellung 
1>,,lll,M !; UI " s .' ß « b er in. keiner Weise verglichen werden • sie .St 
n«r das Notwendigste. Vgl.! h Friederichs-Wollers 993- ' 



30S V- noac.k 

den Freiermord des Odysseus (a) und die kalydonische .lagd(Z>) 
einerseits, eine Quadriga («), Bellerophon (//) und Gelage [a 0) 
andrerseits. Gelagescenen [a l>). eine Kentauromachie (/>) und 
Theseusthaten («) füllen die Friese der Ostwand (III ). Wie- 
der eine Kentauromachie (/>) und Jagdscenen (ä) teilen sich 
mit dem Raub der Leukippiden [ab) in die Nordwand (IV). 

In den Scenen der Westwand(V)hat Benndorf »'ine grosse 
Illustration zu Aithiopis und lliupersis erkennen zu sollen ge- 
glaubt und hat, dem Vorgange Schönborn's ' folgend, den ent- 
sprechenden Teil seines Kommentares überschrieben : der 
troianische Krieg (S.115). Das wäre also, neben dem Freier- 
mord des Odysseus und der Landungsschlacht (s. o. I ) die 
einzige umfangreiche künstlerische Behandlung der homeri- 
sehen Sagen, die uns aus dem Altertum erhalten geblieben 
und die sich ebenbürtig neben die Beschreibung der polygno- 
tischen lliupersis in Delphi, die uns bei Pausanias überliefert 
ist 2 , stellen würde. Auch für die Heconstruction der alten 
Epen wurden wir manche Bereicherung erfahren. Allein ge- 
rade hier glaube ich an der von Benndorf mit allen Mitteln 
feiner und gelehrter Exegese vorgetragenen Deutung zweifeln 
zu müssen. 

Die beiden, je 23,50 ra langen Friesstreifen zerfallen in drei 
deutlich geschiedene Gruppen. 

Die linke Gruppe ( Benndorf Taf. IX-XI ) beginnt mit vier 
hintereinander auf den Strand ^ezosenen Schiffen. Auf dem 
vordersten sitzt ein Mann, der den auf die Hand gestützten 
Kopf rückwärts nach der Schlacht zu wendet, welche die Strand- 
ebene erfüllt. Diese dehnt sich über 7 bez. 8 Platten bis zu 
den Mauern einer Stadt aus. In lebhaft bewegten Gruppen 



1 Vgl. Benndorf S. 8 f. 

'-' Dass Pausanias eine ältere gelehrte Beschreibung und Erklärung der 
delphischen I lemälde benutzte, hal jetzt wieder Robert a. a. < >. S. 31 f. nach- 
drücklich betont, .Mich dass ihn bei seiner Darstellung viel mehr rhetorische 
als antiquarische Rucksichten leiteten. Beide Gesichtspunkte waren mir 
hei der Untersuchung der Quellen der polygnotiseben lliupersis [lliupersis, 

( Hosen |^:»n S. i T» - 7 .~i iiu-mjcIiciiI. 



ZUM FRIESE VON CJOELBASCHI 309 

entwickeil sich der Kampf; ein bestimmter Erfolg ist noch 
nicht errungen, doch hat man aus dem auf der unteren Reihe 
der Siadl zueilenden und mit erhobener Hand wie zum Rück- 
zug winkenden Krieger (Taf. XI, B 6) sowie aus dem der 
Siadl zugekehrten Tropaion im oberen Streifen (Taf. X, A 4.5) 
auf einen Sieg der gelandeten Feinde geschlossen. Die untere 
Reihe beginnt unmittelbar nach den Schiffen mit einer beson- 
ders auffallenden Gruppe: ein kahlköpfiger bärtiger .Mann 
stellt gebückt und wie wenn er sich verstecken wollte hin- 
ter einem jugendlichen, nach rechts eilenden Krieger, den er 
am Gewand oder am Gürtel festhält. Ein Unterschied der 
Gegner in der Bewaffnung ist nicht zu erkennen; die einzige 
abweichende Waffe zeigt auf Seiten der Städter ein Bogen- 
schütze (Taf. XI, B 8). 

Unmittelbar auf die Feldschlacht folgt auf der 7. (a) bez. 
9. (b) Platte der erste Eckturm der bestürmten Stadt. Fünf 
zinnenbekrönte Türme schützen auf der Frontseite, je einer auf 
beiden Nebenseiten die Stadtmauer, und über diese blicken wir 
in die innere Stadt, von der der Künstler jedoch nur die Gie- 
bel- und Dachlinien eines hochgelegenen Tempels angedeutet 
hat (Taf. XII, A 8). Die untere Reihe zeigt die Angreifer. 
Zwischen Turm I und II und zwischen IM und IV rücken je 
drei Krieger, die Schilde wie zu einem Sehnt/dache \ereini- 
gend, über ein 'wallartiges Vorwerk' 1 , gegen die .Mauer vor. 
Die erste Gruppe wird von den Verteidigern auf Turm I. II. 
der dazwischenliegenden .Mauer und dem linken Seitenturme 
mit Speer- und Steinwürfen abzuwehren gesucht. Der zwei- 
ten Gruppe sind keine unmittelbaren Verteidiger entgegenge- 
stellt. \\ ie diese beiden Gruppen nach links zu gegen die 
Mauern anrucken, so sind die beiden Rotten zwischen Turin 
II und III und zwischen IV und V nach rechts gerichtet. Von 
zwei Kriegern gefolgt und einem Nebenmann unterstütz! ist 
der vorderste Angreifer bemüht, das neben Turm III sicht- 



1 Ben nd ort S. 1 25. 



310 F. NOACK 

bare Thor 1 gewaltsam zu erbrechen. Es scheint unbemerkt 
zu geschehen, kein Verteidiger hindert sie daran. Den Erfolg 
des gleichen Versuches zeigl uns die Gruppe /.wischen Turm 
IV und V: das Thor ist bereits erbrochen und von dvn fünf 
Angreifern dringen die beiden ersten vorsichtig gebückt mil 
vorgehaltenem Schild ein (Taf. XIII, B \'l ). Gegen die hier- 
durch geschaffene Gefahr wendet sich die Hauptmasse der 
Verteidiger. Noch ist der Erfolg der Feinde nicht vollkom- 

i O 

men, denn, wie Benndorf erkannt hat, steht ihnen einstweilen 
nur der Zugang zu dem hinter dem ersten Thore Liegenden 
Vorhof offen. Die beiden en<>«>eschlussenen Reihen der Ver- 

I o 

teidiger. die über der Alaner sichtbar sind und sich von links 
und rechts zu dem erbrochenen Thore hinbeugen, verschwin- 
den — einem Versuche perspectiv ischer Zeichnung entspre- 
chend — mil ihren Flügelmannschaften so sehr hinter den 
Mauerzinnen, dass eine Verteidigung dieser sicher nicht dar- 
gestellt werden sollte. Man innss sich vielmehr vorstellen, 
dass die Städter auf den Mauern, die jenen Thorhof umschlies- 
sen, die eindringenden Feinde erwarten, um sie von dort 
herab von allen Seiten angreifen und bewältigen zu können. 
Vom Ausgange dieses Kampfes 2 hängt es ab, ob die Feinde 
auch Herrn des inneren zur Stadt selbst führenden Thores 
werden oder nicht, und darum sehen wir von der linken Seite 
her noch weitere Abteilungen schwerbewaffneter Krieger zur 
Verteidigung herbeieilen. Sie kommen von dem Mittelpunkt 
des ganzen Stadtbildes her. 

liier herrscht, im Gegensatze zu (U'\- Aufregung und dem 

~ Do 

heftig lobenden Kampfe ringsum, völlige Knhe An die beim 
rechten Thore drohende Gefahr erinnert nur links auf der 



1 Kann man bei diesen spilzbogig abgeschlossenen Thoren anstatt an 'las 
■ in der Milte des Turmes' befindliche Thor oichl vielmehr an kleinere Aus- 
fallpforten denken, wie sie gleichfalls spitzbogig neben dem Turm /.. B. in 
Messene, bei Eleutherae und schon in den Mauern von Mykenae (s. Stef- 
fen, Karten von Mykenai 8. 26) ->irli linden? 

- Der in andrer Weise freilich schon angedeutet ist, s. u. 8. 320. 



ZUM PRIESE VON* GJOELBASCHI ?,\ | 

Mauer die hohe Gestalt des Feldherrn, der mit erhobener Hand 
zur Schutzgottheil der Stach betet, während der Diener neben 
ihm einen Widder /.um Opfer schlachtet. Aber rechts von 
ihm, etwas mehr im Hintergründe sitzt zunächsl auf hohem 
Sessel der greise König; mit der erhobenen Rechten hüll er 
dns Scepter, die linke macht eine Bewegung nach den ent- 
eilenden Verteidigern zu. Ihm zur Seite steht ein Trabant; 
hinler dem Thronsessel, unter dem ein Panther oder ein Löwe 
ruht, kauert ein Jüngling. Weiterhin und wol in der Absicht 
perspectiv ischer Zeichnung etwas höher gerückt, sitzt auf einem 
Sessel mit Armlehnen und hoher Fussbank eine hoheitsvolle 
Frauengestalt. Eine Dienerin hält den Sonnenschirm über sie. 
Während diese Personen inmitten des Kampfes ruhig ver- 
weilen, verlassen auf der rechten Seile des Mittelbildes die 
Bewohner die gefährdeten Mauern und entfliehen dem Kampf- 
gewühl. Ausserhalb der heim fünften Turme umbiegenden 
Mauer zieht ein älterer .Mann mit einer Frau in die Fremde. 
Ihre Habseligkeiten werden von einem Esel getragen. Auf 
dem Friesstreifen darunter reitet, von einem Manne »eleitet, 
auf einem Maultier mit Sattel und Trittbrett eine Frau in der- 
selben Richtung von (U^v Stadt hinweg Die unmittelbar über 
und neben dem Kopfe des Maultiers angedeuteten Felsen sind 
wo! für beide Gruppen giltig: sieht man bei der oberen Gruppe 
deutlich, wie sie aufwärts zum Gebirge flieht, so hat es auch 
bei der Heilerin darunter, die sich, wie jene, von den Fein- 
den und (\w Seeseite hinwegbewegt, vollkommen den An- 
schein, dass sie in eine Thalschluchl Arv Berge einlenkt. 

Noch auf derselben Platte, unmittelbar rechts von dieser 
Gestall erscheint bereits di'v erste Krieger der dritten grossen 
Abteilung der Westwand, liier erstreckt sich eine lebhaft be- 
wegte Amazonenschlachl überjesechs Platten Tai' XIV, XV). 
Benndorf hält d\i' Schlachtebene zwischen Schiffen und 
Stadt für die des Skainander Auf Grund di'[- ersten Gruppe 
der unteren Reihe, die er S:14if.) 'Thersites hinter Djo- 
medes benennt, isl es eine *\v\- Amazonenepisode der Aithio- 
pis vorausgehende Schlacht. Diese Episode mit Achill und 



310 F. NOACK 

Penthesileia haben wir dann auf der rechten Seite der West- 
wand zu sehen. In der Mitte aber beweisen 'Priamos' und 
vor allem die thronende Frau "als glaubwürdige Ursache des 
ganzen Krieges' (S. 146), dass wir das bestürmte Troia vor 
Augen haben. 

Besitzen die Gründe, die für diese Deutung vorgebracht 
weiden, die volle Kraft zu überzeugen? 

Wir müssen zunächst die übrigen Darstellungen kurz be- 
trachten, um über die Arbeitsweise der Künstler ein Urteil zu 
gewinnen. Die Frage ist: Was haben die Künstler darstellen 
wollen und wie weit sind sie diesem Bestreben gerecht ge- 
worden ? 

Die äussere Seite der Südwand zeigt neben Kentauren-und 
Amazonenkämpfen links vom Eingang auf der rechten Seite 
eine leidenschaftlich bewegte Schlacht. Von der an die Stadt- 
mauer angelegten Leiter stürzt ein Krieger kopfüber herab ; 
unweit davon versinkt ein andrer mit seinem Viergespann in 
die Erde. In der ganzen griechischen Saue kommen beide 
Scenen, zumal in dieser Verbindung, nur einmal vor: im 
Kampfe der Sieben gegen Theben. Den also wollten die Künst- 
ler darstellen, und sie haben die richtigen Momente dafür ge- 
wählt. Oder man wird vvol eher sagen müssen, dass schon 
ihre Vorlage diesen Gegenstand mit der gleichen Deutlichkeit 
dargestellt habe. 

Darunter, also auch auf der Aussenseite, sehen wir um ei- 
nen greisen Herrscher auf hohem Sessel sich wappnende Krie- 
ger, dann einige lebhafte Kampfscenen, zwei zu Boden sin- 
kende Verwundete, einen auf grossem Schild aus der Schlacht 
getragenen Toten und schliesslich zwei hervorragende Krie- 
ger, welche von den noch nicht an den Strand gezogenen ' Schif- 
fen herabgesprungen sind und in die Schlacht eilen, die sich 
schon zu Ungunsten der Landenden zu wenden droht. Benn- 



1 Benndori 8. 204; die Steuerruder gehen nach link^ herab, 'sie sind also 
noch nicht emporgezogen und aufgesteckt, \\ir bei der Flotte der West- 
wand, die Landung hl eben noch nicht erfolgt'. 



ZUM FRIESE VON GJOELBASCHI 313 

dorfs von diesem Friese gegebere Deutung findet eine schöne 
Bestätigung durch die neuen Excerpte aus der pseudoapollo- 
dorischen Bibliothek (Rhein. Museum 1891 S. 108.31 ff.). 

Die Griechen nahen der troi sehen Küste : 'A/O.lil & i-:n-i'/j.-<. 
Wert; upÜTOj u/r, xizo^r^x: töv veöv tov yap K-jroSecvTOt 7cptöTOv j.i'/.- 
Xeiv y,xi TeXeuTav. 7Cu6öu.Evoi &s o'. ßyp^apo'. tov gtÖXov -/.=iv eu* 
07w>.oi? 677t rijv 9xXa<J<yav wpixr,(Tav x.a; ßaXXovxe? -ä-rca'.: ot7coor/vat 
BKÜXuov. Töiv os 'EXXrjvwN -ptiJTOi; a.—i%y) zr.c, vyjos IIcgjtiC'./.v.o; scai 
x,T£tva<; oü'/. öXiyo'j; u©' E/.toco; 9vy)<jx,ei .... FIpcdTectXaou os ts- 
XsuT^TavTCt; ixßaivei y-exä Mupiuöovtov 'A/iAAem; x.oa Xiöov ßa^üv 
st; rrjv xe©aXyjv Kuxvoo jcxcivet . . . Erst als die Troer zur Stadt 
geflohen sind, aveXxooGt Sk tsc; vaö; '. Die Absicht, die hier ge- 
schilderte Landungsschlacht des troianischen Krieges auf dem 
Friese darzustellen, ist unverkennbar, und zugleich liefert die- 
ser die erfreuliche Bestätigung dafür, dass in den Excerpten 
des rnythographischen Handbuches doch noch manches gute 
Stück alter epischer Poesie enthalten sein mag'. 

Wir treten in das Heroon ein. Rechts die Quadriga des 
Stifters. Bellerophon auf dem Flügelpferd mit der Chimaira. 
dann ein Gelage; links wieder zwei auf den ersten Blick er- 
kennbare Scenen. Denn die Sage kennt nur ein grosses Jagd- 
unternehmen gegen einen mächtigen Eber, bei dem sich eine 
Jägerin beteiligt (Taf. VII, B 2), die kalydonische Jagd mit 
Meleager und Atalante. Und die Sage kennt auch nur eine 
einzige Scene, in der ein sonst waffenloser Held, von einem 
jüngeren unterstützt, gegen eine Reihe \<>n alleren und junge- 



1 Die Excerpta Valicana der apollodorischen Bibliothek (herausgegeben 
von R. Wagner S. 65, ln-18) geben nur ein Bruchstück dieser Erzählung. 

- 1 las habe ich auch i löll ingische gelehrte Anzeigeu 1 893 S. T69 F. an meh- 
reren Stellen darzuthun gesucht. Ebenda aber habe ich auch gewarnl voi 
einer Überschätzung dieser rnythographischen Handbücher in dem Sinne, 
dass sie nun auf einmal für alle mögliche spätere Litleralm / B. Vergil, 
< »\id, Quintus u. a. hauptsächliche Quelle gewesen seien. Zu meinei Freude 
äussert sich jetzl auch Robert a. a. 0. S. 31 in ähnlichem sinne, indem er, 
wie ich für Quintus, so für Pausanias in vielen Fällen anstatt des 'ima 
nären rnythographischen Handbuchs' Ausgabeu mit Scholien anzunehmen 
geneigt isl. 



31 i !'. NOACK 

pen bei einem Gelage vereinigten Männern von clor Schwelle 
des Saales her seine vernichtenden Pfeile richtet, gegen die 
sieb jene mit vorgehaltenen Tischen umsonst zu schützen su- 
chen, während die treue Gattin in edler Haltung im Frauen- 
gemach des Ausganges harrt 1 . — die Sage kennt nur den Freier- 
mord des Odysseus, und die Künstler halten nicht einmal die 
Schale vergessen, die den Händen des sterbenden Antinoos 
entfiel. Wie trefflich der Raub der Leukippiden (Taf. XVI) 
charakterisirf ist. hat Benndorf S. -65 t'. gezeigt; ebensowe- 
nig sind die auf einigen Bruchstücken der Ostwand darge* 

~ O CT 

stellten Theseus- und Perseusthaten (Taf. XIX) zu verkennen. 
Dagegen fordern die allgemein gehaltenen Jagdscenen und 
Kentauren kämpfe der Nordseite (Taf. XVII) und die übrigen 
Reliefs der Ostseile (Taf. XVIII) so wenig zu einer speciel- 
leren Deutung auf, wie die entsprechenden Scenen und die 
Amazonenschlacht* der Südmauer (Taf. XX. XXI. XXI II). 
\\ ir erwarten bei einer Kunst, die so vollständig; mit attischen 
Typen arbeitel, dass in der Kenlaurenschlacht auch die Kai- 
neusgruppe nicht fehle (Taf. XXIII, B 3). 

Diese kurze Musterung ergiebt, wie ich denke, dass die 
Künstler der Friese von Gjöibaschi da, wo sie bestimmte Ge- 
genstände aus der Heroensage darstellen wollten, sich nicht 
mit kleinen, unklaren nAvv allgemeinen Andeutungen be- 
gnügten, sondern möglichst die charakteristischen Züge wie- 
dergaben, die nur diesen Scenen zukamen und das Wichtigste 
ihres Inhaltes erschöpften. Auch haben sie nicht selbst entle- 
gene Züge und Versionen der einzelnen Sauen aufgesucht, 
sondern sie haben mit den reichen .Mitteln sieh begnügt, die 
damals, in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts, sowol 
für die monumentale Kunst wie für das Kunsthandwerk den 
festen Bestand an Darstellungen gebildet haben, den wir noch 
heute controlliren können. 



1 Für die Erklärung diesei Gruppe vgl Denen Benndorf S. 101 f. die be- 
rechtigten Einwände von Roheit, Hermes XXV S. i22f. Die Abweichung 
von der < idyssee kommt lur uns nicht in Betracht, da sie schon in der Voi 
läge I Polygnol l voi banden wai , 



ZI M FRIESE VON GJOELBASCHI H5 

Hiernach kann man nicht erwarten, dass diese Künstler, 
wenn sie an der Westwand gleichfalls einen mythologischen 
Stoff behandeln wollten, dein soeben festgestellten Grundsalze 
in diesem einen Falle untreu geworden seien. Es giebl also 
m. E. nur zwei Möglichkeiten. Sind wirklich jene Scenen 
der troianiseben Heldensage dargestellt, so müssen sie, so gut 
wie die anderen mythologischen Bilder, die sicheren Merk- 
male aufweisen, die eine solche Deutung /.weifellos machen. 
Oder aber — und das ist die einzig übrige Möglichkeit — es 
finden sich derartige bezeichnende Merkmale uieht, es linden 
sich vielmehr Züge, die dem widersprechen, was man in ei- 
ner troi sehen Darstellung dieser Künstler nach dem Gesagten 
ZU erwarten hätte — dann hahen wir das Recht, an der vor- 
getragenen Deutung zu zweifeln. 

Es muss hierbei noch dem Vorwurfe vorgebeugt werden, 
dass mit so scharf formulirten Forderungen dem künstleri- 
schen Schallen Gewalt angethan werde. Ich denke, hiei liegt 
die Sache anders. Wir hahen es wo! mil gutgeschulten .Mei- 
stern zu tlinn. nicht aber mit schöpferisch wirkenden Künst- 
lern. Benndorf seihst hat ihre Abhängigkeit und Unselbstän- 
digkeit in dieser Umsicht überall hervorgehoben und nachge- 
wiesen, und ein Blick auf die übrigen Bilder lehrt uns. dass 
überall da. wo ihnen künstlerische Tradition zu Gebote stand, 
sie sich an diese gehalten und nichts Neues geschaffen hahen. 
Die troischen Sagen alter gehörten zu den Gegenständen, die 
sieh schon die darstellende Kunst zur /eil des Euphronios 
ebenso wie der ganz unter epischem Einflüsse stehende poly- 
gnotische Kreis oh genug gewählt hat. Vorbilder bot als.» die 
attische Kunst auch hier zur Genüge. 

Nach diesen Erwägungen gilt es nun die Reliefs der West- 
wand zu prüfen. 

I. Dem Eindruck, dass man hier auf der linken Seite he- 
roische Kample \orsidi habe, wird man sich zunächst nicht 
leicht entziehen können. Was sprich) aber t'ui- die troische 
Sage.* Den auf dem vordersten Schiffe sitzenden .Mann als 

grollenden Achill und demnach die Schlacht als eine der llias 



316 I". NOACK 

aufzufassen, wie es Schön born gethan hatte (Benndorf S. 8), 

hat Benndorf mit Hinweis auf das gleiche Motiv in der Land- 
ungsschlacht aufgegeben. Entscheidend aber dafür, hier eine 
Episode der Aithiopis zu erkennen, ist für ihn, wie erwähnt, 
die Gruppe ' Thersites hinler Diomedes'. Da wir freilich keine 
sonstige Darstellung des Thersites besitzen, die herangezogen 
werden könnte. so rauss er auf eine verlorene Erzählung schlies- 
sen, die sich glaubhaft in den Gang der Ereignisse einfügen 
liesse. Jedoch halte ich die Motivirung Benndorf s nicht für 
überzeugend. Er glaubt, dass die Tötung des Thersites durch 
Achilleus doch als eine zu ungerechte und übertriebene Strafe 
erscheinen musste, so dass, wenn die Sympathie für Achill 
bestehen bleiben und nicht zu Gunsten des Gelitteten umschla- 
gen sollte, Thersites sich schon vorher in einer Weise habe 
benehmen müssen, die seinen Tod gerechtfertigter erscheinen 
lasse. Daher sei er vorher schon in der Aithiopis eingeführt 
worden, wie er sich feige hinter seinem Verwandten Diomedes 
verberge. Meiner Empfindung nach bedurfte es dieses vorbe- 
reitenden Zuges nicht, um das gemeine und gehässige Vorge- 
hen des hässlichen Mannes gegen die schöne sterbende Ama- 
zone zu einem todeswürdigen zu machen. Die Feigheit des Ther- 
sites würde im Getümmel der Schlacht schwerlich den nöti- 
gen Eindruck gemacht halten: wenn aber Dichter oder Hörer 
noch etwas zur Begründung dieses Totschlages brauchten, so 
war in der jedem im Geiste vorschwebenden lliasscene schon 
ein genügend unsympathisches Thersitesbild geschaffen. Und 
erwägt man schliesslich die Stärke \on Ursache und Wir- 
kung in beiden Episoden, so entspricht den Prügeln, die 
Thersites für seinen feigen Rat von Odysseus empfängt, \oll- 
auf, wenn nach der Schändung der Amazone Ai'v in Liebe zu 
ihr entbrannte Held ihn niederschlägt 1 . 

Das Ausschlaggebende für die Deutung auf eine solche der 



1 Auch Hirschfeld, Berliner phil. Wochenschrift 1889 8. li.'l zweifeil 
an der Ueulunc aul Thersi es. 



ZUM FRIESE VON ilJOELHASCHI 



317 



troischen Amazonenepisode vorausgehende und mit ihr eng 
verbundene Scene ist die Amazonenschlacht auf der gegen- 
überstehenden Seite unsres Frieses. Mit dieser steht und fällt 
die von mir bezweifelte Erkläruno;. 

Bevor ich mich zu dieser rechten Seite der Westwand wen- 
de, möchte ich noch eine Frage aufwerfen. Wenn man in der 
Zeit, wo Polygnots Malerei vorbildlich war, den Kampf der 
Griechen und Troer in der Ebene zwischen der Stadt und 
dem ' Schiffslager ' (Benndorf S. 115) darstellen wollte, wür- 
de man sich da mit der knappen Angabe der Schiffshin- 
terteile begnügt haben, wie es bei der ersten Landungsschlacht 
allerdings das allein Richtige war? Polygnot selbst hat sogar 
auf seinem Bilde der Iliupersis neben den Schiffen das Zelt 
des Menelaos und ein anderes gemalt 1 , an recht verkehrter 
Stelle, da die Griechen vor ihrer Scheinabfahrt nach Tenedos 
bereits das Zeltlager niedergebrannt hatten 2 : so unbedingt 
gehörten in seiner Vorstellung zu den Schiffen am troi sehen 
Strand die Zelte der Achäer. Dürfte man nicht auch am Fries 
von Gjölbaschi ausser den aufwärts gerichteten Rudern eine 
wenn auch noch so knappe Andeutung des zehnjährigen Schiffs- 
lagers erwarten ? 

2. ' Der troianische Krieg folgt schon aus der Amazonen- 
schlacht' (Benndorf S. 138). Die mannigfaltigen Motive, wie 
wir sie ans dvn Vasenbildern und den attischen Friesen ken- 
nen, sind hier in reicher Fülle aneinander gereiht. Aber ge- 
rade bei den Aniazononiachien hat es an individualisirenden 
Momenten gefehlt, und mit Recht hebt Benndorf hervor, dass 
hier das einzige Moment, an das sich die Deutung halten 
könne 'die beiderseitigen Führer und Vorkämpfer bilden 
(S. 140). Nun sehen wir auf der dritten Platte des unteren 
Streifens einen durch seine Helmzier auffallenden Krieger 



1 Pausanias X. 25, 3. 

- Vgl. Prokloä, Argument der kleinen Ilias. Epilome Vaticana S. 68 
cerpta Sabbailica Rhein. Museum 1891 3. 172. 500 501. und meine Wuperrit 

s. 54. 



348 P. NOACK 

sein Schwert gegen eine Amazone 1 ziehen. Diese ist nach 
Benndorfs schönem Nachweis 2 , in dein Augenblicke darge- 
stellt, wie sie. den linken Ann mit der IVlta Hellend ausge- 
streckt, die Streitaxt in der herabgesenkten Rechten, von dem 
Pferde, das zu diesem Zwecke niederknien wird, herabsprin- 
gen will. Ich innss bekennen, dass ich den Beweis nicht er- 
bracht sehe, dass hier notwendig Achill und Penthesileia dar- 
gestellt seien. Ich will davon absehen, dass diese Gruppe we- 
der eine beherrschende Stelle im Gesamtbilde einnimmt noch 
sich sj sehr \<ui dem Übrigen abbebt; aber wenn der Krieger 
wegen seines Bartes nicht Theseus sein kann (S. 140), muss 
es dann Achillens sein, weil diesen die attische Kunst zuwei- 
len bärtig gebildet bat? Kerner giebt es in dieser älteren Zeil 
meines \\ issens nur zwei Formen für diese Begegnung. Die 
eine zeigt Achill und Penthesileia im Elandgemenge. entweder 
beide zu Pferd 3 , oder beide zu Fuss, ohne Pferde 4 , oder end- 
lich die Amazone ist vom Pferde gesprungen und kämpft mit 
dem IVliden '. Die andere Form, die vielleicht auf Panainos 
zurückgeht, zeigt Achill, wie er die sterbende Feindin in sei- 
nen Armen auffängt 6 . Dass Penthesileia sich ergiebt, so lange 
sie und ihr Pferd unverwundet sind, scheint mir ein dieser 



1 Diese noch auf der vorhergehenden Platte, der /.weilen von den je sechs 
dieser Ableitung. 

- Zu den Beispielen für das Abspringen von dem niederknieenden Pferde 
füge ich noch hinzu den Sarkophag bei Robert, Die antiken Sarkophagreliefs 
II. Taf. 28,69 = Baumeister, Denkmäler I S. 63, Abb. 66=0 verbeck, Her. 
Galt. 2t,8 = Clarac II 117 = Roseber, Lexikon I S. 279, ferner Roberia. a.o. 
II Taf. 31,75 und S. 83, und vor allein die vorzügliche Gruppe des Alexan- 
dei 5ai kophages in ( lonstantinopel. 

Overbeck, Her. < '.all Taf. XXI, 5a=Gerhard A. V. III 205. 

• Gerbard A. V. III 207. Her. Call. XXI, ä und Text S. 500 Nr, 10. Zu 
Boden gesunken erscheint Penthesileia bei Gerhard A. V. III 2Ö6 = Her. 
(lall. XXI, 6. A. V. ill 165,1. Monumenli 11. U,2: Her. Gäll. XXI, 7. 

:i Monumenti X, 9, - 2 Benndorf s. 142 Abb. I3j. 

c Bild des Panainos an den Schranken im olympischen Zeustempel, Paus. 
V. 11,2. Dann eine rf. Vase Her. Gall. XXI, 15 Benndorf 8. 1 12 Abb. 
136, sowie spätere Sarkophage Her. Gall. XXI, 8. XXI, 14 und Texl 8. b07 
Nr. 18 iL 



ZUM FRIESE VON GJOELBASCIII 319 

Sage fremder Zu^ zu sein '. Endlich vermag ich auch desshalb 

nicht diese Gruppe aul'den letzten Kampf der Amazonen königin 
zu deuten, weiJ mit einer ganz gerinu-en Abänderung das 
Pferd ist verwundet; dasselbe Motiv der ihrem Gegnersich 
ergebenden und sich zum Abspringen anschickenden Ama- 
zone auch auf der äusseren Sudwand Verwendung gefun- 
den hat (Taf. 23, A 2), hier aber sicher nicht als Penthe- 
sileia vor Achilleus. So gul Benndorf also den grollenden 
Achill auf dem Schüfe ablehnt, weil derselbe Typus in der 
Landungsschlacht als Wächter der Flotte erscheine, darf man 
auch jene Deutung bestreiten. Wie wir diese Kunstler erkannt 
haben, würden sie für die Gruppe, die gevs issermassen die 
Überschrift des ganzen Hildes darstellte, nicht einen Typus 
gewähll haben, der auch an bedeutungsloser Stelle stehen 
kann '. 

3. Wie die Deutung der Feldschlacht mit Thersites ihre 
Stütze in der Amazonenschlacht fand, so war es zweifellos das 
Bild der bestürmten Stadt, das die Erklärung jener zweiten 
Episode beeinflusste. Nach seiner S. 158 gegebenen Erklä- 
rung der Gemälde der Sloa Poikile konnte sich Benndorf so- 
gar auf diese berufen, obwol hier neben dem eroberten Tröia 
die attische Amazonomachie zu sehen war. Aber dieses Bei- 
spiel beweist, dass selbst da. wo jeder Zweifel an i\vv lienen- 
nung des Stadtbildes ausgeschlossen ist, doch kein Schluss 
von ihm auf die Nebendarstellung gezogen werden darf: wie 
viel schwieriger und unsicherer rnuss ein solcher da sein, wo 
sich die bestürmte Stadt nicht mit Sicherheit benennen lässt ! 
Dieser Fall aber liegt hier vor. 

Wir sehen eine von den Feinden bestürmte Stadt. Durch 



1 Wenn sie Arliill um Gnade anflehte, so geschah e^ in einem späteren 
Momente, s Wcleker. Kp Oyklus 11 S. IT!. I>as spätere Vasenbild Benn- 
dorf fc>. 143 wiederhol! \\ul einen der Gjölhaschigruppe ähnlichen Typus, 
kann aber für die Deutung dort nicht beweisend sein; ebensowenig das Va- 
senbild Munumenti X 28. 

a Hirschfeld a a. 0. hall auch Penthesileia nicht 'auf die ihi zukom- 
mende Ali bezeichnet uml dillerenzirt'« 



120 '•'• NOACK 

(las erbrochene Thor dringen sie in den inneren Thorhof ein. 
Hier begegnen ihnen in Heilien geordnete Schaaren schwer- 
bewaffneter Verteidiger. Dass deren Anstrengungen schliess- 
lich doch vergeblich sein werden, dass auf den Sturm die 
Einnahme folgen werde, wird durch die Gruppe der Flücht- 
linge bewiesen 1 . Die Prüfung der Momente, die aus der ho- 
merischen Sage etwa in Betracht kommen könnten, hat schon 
Benndorf zu dem Resultat, geführt, dass weder die kyprien 
noch die llias das Vorbild abgegeben haben 2 . Dagegen würde 
er es an sicli für möglich halten, dass die Scene der Aithiopis 
nachgebildet sei, in der Achill der Weissagung Hektors ent- 
sprechend evi X/.a'.Y,^. nuAYiit fallt, so dass wir hier ' gewisser- 
massen das Ende des Achill hinter der Scene" zu sehen hät- 
ten. Aber auch das müsste man sich wol ganz anders vorstel- 
len. Halten wir uns an dvn Wortlaut des Proklos, so ist Achill 
s!<; t>,v -öa'.v vni'.n-inw getötet worden : das freilich könnte, 
für den Beschauer nicht sichtbar, im Innern des Thorhofes 
von Gjölbaschi sieh abgespielt haben. Aber man vergesse 
nicht, dass Achill, die Troer verfolgend, zusammen mit den 
flüchtigen Schaaren eindringt und dann sicherlich keine geord- 
neten Reihen von Verteidigern gefunden hat, sondern nur Pa- 
ris und Apollon. Und wenn auch nicht der Gott, so müsste 
wenigstens der auf Paris zu deutende Bogenschütze in diesem 
Momente unbedingt zuließen sein. Die beiden neuen Apollo- 
dorexcerpte vollends berichten nur, dass Achill xcö; tou$ 
Sxaiat? -'Aol'.c, fiel, was im Hinblick auf den Kampf, der sich 



1 Benndorf S. 150. Daher kann auch nicht einleuchten, was neuerdings 
geltend gemacht wurde (Litt. Central blatt 1890 S. 154 tl'.i, dass durch die 
Reihe dei gewaffneten Verleidiger die Einnahme der Stadt fraglich gemacht 
werde. 

- Aus den Kyprien weiss Proklos von einem tst^o(iax_etv,die Excerpta Sab' 
baitica Rhein. Museum 1891 8. 169 vom noXiopxetv zu berichten. Auf einen 
Stürmenden Angriff oder einen Hinterhalt etwa wie ihn (»dvsseiis ; 'iliS IV. 
schildert, mögen auch die mit Unrecht von Arislnrch athelirlen Verse Z 
133-438 gehen. Allem die Flüchtlinge weisen eben auf das Ende des Krie- 
ges, das Gelingen dei Bestürmung hin. 



ZUM FRIESE VON GJOBLBASCH1 351 

um die Leiche des Peliden entspinnt, wahrscheinlicher ist. 
Wir können uns diese Scene im Epos nicht viel anders den- 
ken ;ils 515 I'. und 5,44 f.: Priamos lässl den (liehenden 
Troern die mächtigen Thorflügel öffnen, sie stürzen hinein. 
und wie Apollon in der llias Achill durch Agenor ablenkt, 
so lenkl er hier im letzten Momente den tötlichen Pfeil des 
Paris auf ihn. 

Alter auch für Benndorf rückt ja durch einen anderen Um- 
stand die Scene des Frieses von Gjölbaschi erst in die letzte 
Zeit des Krieges. Wie schon erwähnt, gehen die stürmenden 
Feinde in vier streng geschiedenen Gruppen vor und vereini- 
gen gegen die Geschosse und Steinwürfe der Verteidiger ihre 
Schilde wie zu einem Schutzdache. I >;i nun in ganz ähnlicher 
Weise Quintus Smyrnaeus im XI. Buche seiner Posthomerika 
V. 338 IT. einen Sturm auf die Stadt ausgeführl hat, so glaub- 
te Benndorf hierin 'den echten Zug einer allen lliupersis' se- 
hen zu dürfen, der seinerseits durch den Fries eine Bestäti- 
gung erhalte. Die Gefahr, dass aus diesem zwar späten, aber 
allein erhalleneu epischen Gedieht über die nachhomerischen 
Sagen zu viel Kapital für das alle Epos selbst geschlagen wer- 
de, war nur durch eine genaue Untersuchung der Quellen und 
der Arbeitsweise des Quintus zu beseitigen. Diese ist inzwi- 
schen erfolgt, und es hat sieh u. a. auch ergeben, dass gerade 
aus dieser Scene hei Quintus keine Schlüsse auf das Epos zu 
ziehen sind. Der Dichter besass ans dem Epos nur eine knappe 
Angabe, etwa ot Tcgje<; woXiopxouvTat, die ihm seine mytho- 
graphischen Excerpte an die Hand gaben, und hat sie nach 
Euripides' Phönissen 1104 IV. ausgeführt; die testudo dage- 
gen erinnert an eine Stelle <\rv gleichfalls von ihm benutzten 
Aeneis 1 . Also auch dieser Beweisgrund ist nicht stichhaltig. 
und es bleibt schliesslich als einziges Moment, welche.- Ende 
und Ausgang des Kampfes unzweideutig bezeichnet, die Fluchl 
der Bewohner aus der Stadt übrig. 



1 S. meine Ausführungen zur Dissertation von Kebmptzo« Göltingische 
gelehrte Anzeigen 1892 3. 784, 798, 806 

ATHEN. MITTHEILUNGEN Will. 22 



322 F. NOACK 

So fasst Benndorf wenigstens die obere Gruppe der rechten 
Bildseite auf (S. 150). Dagegen vermag ich mich nicht davon 
zu überzeugen, dass die darunter auf dem Maultier fortreitende 
Frau mit ihrem Begleiter für 'die schöne Herrin, die in der 
Mitte der Stadt wie eine Göttin thronte und nun unter rit- 
terlichem Schutze abzieht und auf einem Maultier in die Weite 
reitet', für Helena mit Menelaos zu halten sei. Wäre die dar- 
gestellte Stadt wirklich Troia, so müsste man natürlich in 
der über ihren Mauern thronenden Frau Helena erkennen. 
In diesem Falle würde das die ganze ältere Kunst durchzie- 
hende Gesetz verbieten, auf einem Bilde dieselbe Person zwei- 
mal dargestellt zu sehen 1 . Ausserdem wäre, vorausgesetzt 
dass die Sage einen derartigen Abzug der Helena kannte, die 
Stellung, die ihr in diesem Falle der Künstler gegeben hätte, 
neben den Flüchtlingen, dem Gebirge zu anstatt nach den Schif- 
fen, sehr unglücklich gewählt, wenig entsprechend der sonst 
beeetmenden Fähigkeit der Künstler, charakteristische Züge 
auch cbarakleristisch wiederzugeben. 

Eher könnten zwei andere Scenen in Frage kommen. Aber 
dass der Abzug der Antenoriden, wie ihn Polygnot nach der 
kleinen llias in der Lesche zu Delphi malte 2 , nicht gemeint 
sein kann, lehrt ein Blick auf die Beschreibung des Pausa- 
nias X 27, 3. 4. Von dem der Uiupersis vorausgehenden Ab- 
zug des Aineias und der Seinen nach dem Gebirge erzählte 
die zur Aithiopis gehörige Uiupersis. Obwol man an einer 
derartigen Prolepsis von künstlerischem Standpunkte aus kei- 
nen Anstoss nehmen würde, so passt doch auch hierzu die 
Gruppe unsres Frieses schlecht und lässt vor allem Ancliises 
auf den Sebuilern des Sohnes vermissen. Was aber das Ent- 



i Robert, Bild und Lied 8. ti f. 18 Anm. 13. Hermes XXV S. 423. 

- Während nämlich Polygnot bei dem Gegenbilde, der Nekyia, für die 
Posthomerika lediglich die Aithiopis heranzog | Robert, Nekyia S. 77), 
legte er seinem Gemälde der Uiupersis die kleine llias als Hauptquelle zu 
Grunde i s. meine Uiupersis 8. lö II'.). Quintus Smyrnaeus XIII 290 IV. lehnt 
sich an T -203 und die Scholien an ( Göttingische gelehrte Anzeigen 18 ( J2 
38). 



ZUM FRIESE VON GJOELBASCHI 323 

scheidende ist — die hier dargestellte Stadt ist nicht Troia. 

Der erste Schritt zu ihrer Einnahme ist gethan. Aher Troia 
ist nun einmal nicht auf diese Weise, durch Sturm, genommen 
worden. In mitternächtlicher Stunde, die bestürzten Bewoh- 
ner mit wildem Kriegsrufe aus dem Schlafe und dem Rau- 
sche aufrüttelnd sind die Griechen durch das offene bez. ih- 
nen von den Genossen geöffnete Thor verräterisch in die Stadt 
gedrungen, die im offenen ehrlichen Kampfe unüberwindlich 
gewesen. Das ist eine unerschütterliche, schon der ältesten 
Sage eignende Thatsache, keinem Epos, keiner Version fremd 
und jedem Hellenen gegenwärtig schon allein durch den Ge- 
sang des Demodokos in der Odyssee. Der Sturm gegen die 
Thore mit Schutzdach und Brecheisen, die sorgfältige Be- 
waffnung der strenggeordneten Reihen der Verteidiger auf den 
Mauern sind mit der lliupersis und der Nyktomachie ebenso 
völlig unvereinbar, wie die beiden auf den Zinnen thronen- 
den Gestalten. Darum also, mag man noch so viel künstleri- 
sche Freiheit gelten lassen, hier darf man Benndorf seine eig- 
nen Worte entgegenhalten : es sei undenkbar, dass der erfin- 
dende Künstler auf der Westwand eine Scene der Ilias im 
Auge haben konnte, 'wenn anders er als Grieche im dichte- 
rischen Stoffe lebte und mit dem geschichtlichen Organismus 
der troischen Sage vertraut war' (S 147). Aus demselben 
Grunde ist es undenkbar, dass er hier die Einnahme von Troia 
im Auge gehabt habe. Und aus demselben Grunde ist es nicht 
möglich, an eine Bestürmung der in der Stadt befindlichen 
Königsburg zu denken '. 

Aus der vorsiehenden Untersuchung hat sich ergeben, dass 
keine der drei Abteilungen der Westwand, wenn wir sie auf 



4 Die Stelle Aeneis II 136 ff. i>i kenn' Erfindung Vergils, shiiI.mii al- 
tes Gut. Die testudo Aeneis il i'r.u'., der Angriff und das Sprengen des 
Thores 468 f., die vom den Verteidigeru herabgeschleuderten Bausteine 
(447.461) würden wol passen. Dennoch ist kein Zweifel, dass in Gjölba- 
Bcbi die ganze Stadt dargestellt sein sollte, und überdies wäre sowol Pria- 
mos, als auch vor allem Helena in diesem Augenblick an dieser Stelle noch 
unerträglicher. 



124 F. NOACK 

ihren Inhalt und auf diejenigen Einzelzüge hin prüfen, die für 
jenen beweisend sein sollen, auf Bilder der troischen Helden- 
sage gedeutel werden können, dass also auch nichl die Den- 
tung einer einzelnen Abteilung die der anderen bekräftigen 
<H\r\' auch nur ermöglichen könne. Es muss nun noch auf die 
Präge eingegangen werden, oh die Composition als einheit- 
liches Ganzes betrachtet zu jener Auffassung zwingl und ob 
sich dadurch die Notwendigkeil ergiebt, auch die einzelnen 
Teile unbedingt für troische Scenen zu Indien und darnach 
ihre Einzelgruppen zu erklären. 

Benndorf hat Überreste grosser archaischer Compositionen 
und die polygnotischen Werke hierfür angeführt. Der Bilder- 
kreis (\i'\- Stoa Poikile und t\w Westfries \<>n Gjölbaschi sol- 
len auf eine allere gemeinsame Vorlage zurückweisen. Aber 
ich glaube nicht, dass man bei näherer Betrachtung und sorg- 
fältiger Prüfung den bestechenden Darlegungen beipflichten 
kann. 

So zeigen zunächst die aus archaischer Zeit herangezoge- 
nen (S. 154. f.) Darstellungen litterarischer 1 und bildlicher 2 
Tradition eine ganz andere Einheitlichkeit, mit der ich die- 
jenige *\^\- Westwand von Gjölbaschi nicht gleichzusetzen 
wage. Wir linden dort nirgends verschiedene Schlachten und 
überhaupl zeitlich so wie hier von einander zu scheidende 
Ereignisse nebeneinander gereiht. Um eine Schlacht, um eine 
zu bestürmende Stadt, um ein centrales Ereigniss (Troilos', 
Achills Ende) dreht sich alles, auch die Thätigkeit der als 
Nebenfiguren auf oder bei der Stadtmauer behandelten Perso- 



• 2 509 IV. Hes. Aspis 237 IV. (Sturm auf die Stadt). 

' a) Arcb. Zeitung 1885 Taf. 8 (Landungsscblachl im Dipylonstil); b) ln- 
. Im .um Pilture di vasi ßtlili IV 304 ( Feldschlachl zwischen zwei befestigten 
Plätzen); c) Kypseloslade Paus. V 18,6 (Grosses Schlachtbild); d) Babe- 
lon, Le cabinet des anliques Taf. 50 Benndorf S. 152 Abb. 180 (Schlacht, 
Stadt, Auswandernde); e) Monumenti I 34 = Benndorf Abb. 141 ( Knde des 
Troilos; Priamos sieb! vom ßrineos. die andern von der Stadtmauer zu); 
i) Gerbard, A. V. lll 203 = Benndorf Abb. 1 12 i Hektor von Achill um die 
Stadl geja) 



ZUM FR1ESK VON GJOELBASCH1 325 

nen. Bei den Bilderstreifen der berliner Amphiaraosvase Ber- 
lin Nr. 1655), bei dem Troi losstreifen der Francoisvase, hei 
den lliupersisscenen, wie sie noch im Kreise des Euphronios 
entstanden 1 , denken wir an grössere archaische Compositio- 
nen, die ihnen zum Vorbilde dienten — so wissen wir z B 
von der 'iXtou xXwci? des Kleanthes von Korinth, von der Epi- 
nausimachie des Kalliphon von Samos — . und wir dürfen uns 
diese so vorstellen, dass wol einzelne Gruppen und Typen 
daraus entnommen und zu neuen Bildern verbunden werden 
konnten, dass das Ganze jedoch eine fortschreitende Handlung 
darstellte, ohne Scenentrennung, welche die archaische Kunst 
nicht kennt. Da gab es also wol eine Keldschlacht von den 
Schiffen bis zur Stadt, eine lliupersis, wie sie auch Polygnol 
gekannt haben mau. eine Amazonomachie, deren einzelne 
Gruppen uns die attischen schwarzfigurigen Vasen zeigen und 
die auch Mikon beeinflusst halten kann Eine solche monu- 
mentale Darstellung der archaischen Kunst setzl nun aber 
Benndorf auch als Muster für den gesamten Westfries in Gjöl- 
baschi voraus. Getreuer, d. h. mit Wahrung der inneren Ein- 
heit (nur troische Scenen) sollen ihr die Künstler dieses Frie- 
ses, freier, zum Zwecke (\rv historischen Darstellung sie um- 
bildend, sollen ihr Polygnot, Mikon und Panainos gefolgt sein. 
Ist aber jener Fries in Wahrheit so viel einheitlicher. ist seine 
' Continuität ' so viel grösser, da» erst und nur durch ihn 
Licht auf die Entstehung des grossen Bilderkreises der Stoa 
Poikile Gele? lud ist, vor allem dieser seihst nicht der Art, dass 
eine andere Enlstehungsweise natürlicher und einfacher er- 
schiene .' 

Beginnen wir mit der zweiten Frage. Die lange Wand der 
Peisianax halle sollte mit Gemälden geschmückt werden ; die 
Länge der Bildfläche empfahl eine Dreiteilung; die drei Mei- 

< I c 



1 Ich halte noch an der Bedeutung dei lliupersis des Euphronios iüi die 
folgenden Vasenmaler fest, möchte abei um das, was ich ' Ausder Anomia' 
- 175 gegen eine vor Euplifonios existirende grössere Composilion 
habe, streichen. 



326 F. NOACK 

ster, Polygnot, Mikon und Panainos bekamen den Auftrag. 
Der erstere, der berufene Maler der Heldensage und des Epos, 
wählte das Bild des eingenommenen Troia; nach der kurzen 
Angabe das Pausanias muss das Gemälde wenigstens z. T. 
der bald nachher in Delphi gemalten lliupersis sehr ähnlich 
gewesen sein 1 . Mikon fiel vor allem die seinem Talente be- 
sonders naheliegende Amazonenschlacht des Theseus zu und 
ausserdem übernahm er mit Panainos zusammen das dritte 
Gemälde, tue Marathonschlacht, in ihr Athen und den gros- 
sen Verwandten des Bauherrn zugleich verherrlichend. Inhalt 
und Symmetrie führten ungezwungen dazu, das überdies von 
dem grössten der drei Meister und dem Haupt der Schule ge- 
malte Bild der Stadt zwischen die beiden Schlachten zu set- 
zen, die sich in der Ebene entwickeln. Denn es ist gewiss 
richtig, dass die drei Gemälde die eine Langseite der Halle 
eingenommen haben 2 . Nach dem oben Gesagten muss zugege- 
ben werden, dass jedem der drei Maler irgend eine grössere 
archaische Composition vor Augen geschwebt haben kann, die 
er aber mil seinem Geiste erfüllte, mit seinen Formen gänz- 



1 Taus. I 15,2 srci ös xaT; 'AiAa£d<nv "EXXrjve? siaiv r ( pr)xdi£s "IXiov, xcu oi ßa- 
aideiQ r/Jsota[j.£vo'. Siä zö Alarzoc f'c Kaooäröpar zöAfii] t ua' xat aüxov f] Ypa<p*i tov 
AVavTa i/v. /.a ; . fuvaixas röiv ai/aaXoiTwv i'XXac T£ xat KaTiävopav. Auf der llill- 
persis in Delphi sah man (Paus. X 26,2 f.) Polypoites, Akamas, Odysseus, 
dann AlaQ oi 'O'i'Xs'fo; j'yov äirAoa. ßto|j.tT) -po^c'atrjxEv, ojjlvJjaevo; \>rAp rov £q Kaa- 
oärdfiar zo.luriuazoq' r t oi xaOr^ai te f] Kaasavopa /atj.ai . . . y£ypa[X[j.£vot h~k xai 
oi -auUc iioir oi 'Azptuc: xtX. Etwas von dieser, einen Mittelpunkt des Ge- 
mäldes bildenden Gruppe entfernt, zur Linken sah mau die gefangenen 
Troerinnen (X 25,9), deren Gruppe alsu auch in der Stoa Poikile nicht 
fehlte. Aber auch Laodike muss hier eine ähnlich hervorragende stelle wie 
in Delphi (X 26,7) eingenommen haben, da gerade sie Polygnol durch die 
Portraitzüge Elpinikes, der Tochter des Milliades. ausgezeichnet hat (Plut. 

K'in 'i ). Auch war Laodike die einzige tiichl gefangene Troerin, und 

wenn ich lliupersis 8. *iii richtig geschlossen habe, so folgte Polygnot schon 
in Athen derselben Quelle, wie später in Delphi, nämlich der kleinen llias. 
Es liegen um wenige Jahre /.wischen beiden Werken. Die Stoa Poikile 
wurde gegen SljlJ ausgemalt, die delphische Lösche bald nach 458 (s Ro- 
bert, Hermes XXV 8. 121. Nekyia 8. 76). 

- Klügmann, Die Amazonen S. 44. 



ZUM FRIESE VON GJOELBASCHI 327 

lieh neu und epochemachend wandelte und belebte. Mir will 
das viel natürlicher erscheinen, als die Annahme eines einzi- 
gen dreiteiligen Gemäldes archaischer Zeit, das die drei Meister 
unter sich verteilt und ihren Zwecken angepassl hätten. Auf 
keinen Fall kann Gjölbaschi hierfür angeführt werden. Wie man 
bei jedem neuen Blick auf diese langen Reliefreihen den immer 
stärkeren Eindruck von drei auseinanderfallenden Bildern be- 
kommt, so wird dieser Eindruck zur festen Überzeugung, 
wenn man die Wand der Stoa Poikile damit vergleicht. Hier 



die Flotte die Schlacht in der das eingenom- die AmazoneD seh lacht 

Marathunehene mene Troia des Theseus, 

dort in Gjölbaschi 

die Flutte die Schlacht in der die Erstürmung die Amazonenschlacht. 

Ebene der Stadt 



Die äusserliche Übereinstimmung ist vollkommen. Die Einheit 
wäre in dem zweiten Werke nur dann weniger gering, wenn 
die doch nur hineingelegte Deutung von vorne herein Be- 
weiskraft hätte Wie wir sahen, ist das nicht der Fall. Ohne 
diese Deutung ist die Einheit hier nicht grösser als bei der 
attischen Composition, und damit lallt die Behauptung ihrer 
Priorität in sieh zusammen. \\ o diese zu suchen ist. kann 
keinem Zweifel unterliegen. Die Künstler, die in ihren uhri- 
gen Werken so sehr im Banne PolygnotS und seines Kreises 
stehen, können die Grundgedanken zu ihrer dreigeteilten und 
äusserlich entsprechenden Darstellung des Westfrieses nur aus 
dieser seihen Quelle geschöpfl hahen. Die grosse Ähnlich- 
keit, die im Amazonenbilde geherrscht habe, hat Benndorf 
seihst hervorgehoben und hat ans Arv Feldschlacht Rückschlüs- 
se auf die Marathonschlacht gemacht S. 156. 157) .Man wird 
diese für berechtigt halten dürfen, auch wenn der Kampf um 
die Schiffe, den die Marathonschlacht zeigte, hier nicht zu 



3-28 F. NOACB 

finden ist '.Gehl man von Benndorf s Standpunkl aus, so würde 
sich dieser Kampf erklären als ein Zusatz, den Panainos auf 
Grund der historischen Thatsachen zu seiner archaischen \ or- 
lage machte, <lt'i- also für die Künstler vod Gjölbaschi gar 
nicht in Betracht kommen konnte. Und wenn man sich, wie 
ich, zu der semeinsamen archaischen Vorlage beider Werke 
nicht bekennen kann, so ergiebl sich die Erklärung jenes Un- 
terschiedes ans der Auffassung von der Abhängigkeit der ly- 
kischen Meister. Sie wollten nicht die marathonische Schlacht 
darstellen, sondern sie nur für ihren Zweck verwerten. Die- 
ser alter war offenbar, eine Schlacht zu zeichnen, in der die 
Landenden gegen die Stadt vorrücken, und in der ein der JYla- 
rathonschlacht gerade entgegengesetzter Erfolg erreicht wird. 
Dadurch alter war ein Kampf um die Schiffe ausgeschlossen 
und musste, wenn er in der Vorlage stand, hier weggelassen 

O CO 

werden. Und ohwol jener Zug des Schiffskampfes in Gjölba- 
schi fehlt . so will es mir dennoch scheinen, dass die am Stran- 
de liegenden Schiffe ohne jede Andeutung der Zelte viel eher 
zur Perserflotte als zu dem homerischen Schiffslager passen. 
Vielleicht hat auch das Tropaion (nur in umgekehrter Rich- 
tung) auf dem Marathonbilde nicht gefehlt 2 . Ich /.wedle da- 
her nicht daran, dass die Künstler in Gjölbaschi diese Bilder, 
wenn auch nicht ihren Gegenstand, mehr oder minder genau 
nachbilden wollten. 

Es bleibt das Mittelbild, das eingenommene Troia Poly- 
gnots. Das aber haben jene Künstler nicht nachgebildet! Zwei- 
mal hatte Polygnot Troia gemalt, wie es eingenommen wird 
und wie es eingenommen ist, hier und in Delphi. Von letzte- 
rem Hilde können wir soweit auf das erstere schliessen, um 
zu erkennen, dass sich Polygnot, von wenigen Zügen abge- 
sehen, stets an die Heldensage gehalten hat, und dass das 
Mittelbild des Frieses von Gjölbaschi auch nicht ein einziges 



1 Robert, Hermes XXV S. in. Anno. I. 

-' Kritias: vo /.%/■>•/ Mapa6ü>vi cponaiov. Paus, I 32,5 



ZF\I PRIESE VON r,.IOELBASCHI 329 

Moment enthält, das jenem Vorbilde entnommen sein könnte 1 . 
Wir kennen durch < ! i « • Beschreibung bei Pausanias, durch die 
sonstige, wenn auch noch so spärliche litterarische Überlie- 
ferung der Epen und durch die Vasenbilder eine lange Reihe 
von Motiven, die in keiner Darstellung von der Einnahme 
und dem Ende Troias gefehlt halten können, vom Palladionraub 
und Bau des hölzernen Pferdes an bis zum Opfer der Poly- 
\ena auf dem Grabhügel Achills. Jedes von ihnen ist so cha- 
rakteristisch, dass es allein schon irgend eine Darstellung als 
die der lliupersis kenntlich machen müsste. Wir suchen auf 
dem Friese von Gjölbaschi vergeblich nach einem solchen. 1 >;» s 
passt schlecht zu der Charakteristik, die oben aus den ande- 
ren Werken dieser Kunstler erschlossen werden konnte, und 
es passt schlecht, wenn man Folgendes erwägt: diese Meislei' 
bilden, so niminl man an, eine troische Feldschlacht und 
die I ro ische Aniazonoinachie so getreu nach Mikon und Pa- 
nainos, dass man von den Werken ihrer Hand auf diese ver- 
lorenen Gemälde zurückzuschliessen vermag; sie wollen, so 
nimmt man weiter an, in der Mitte ihrer Composition dar- 
stellen, wie Troia erobert wird: da aber weichen sie von ih- 
rem Vorbilde vollständig ab, obwol gerade dieses einzig und 
allein an dieser Stelle gleichfalls troische Sage nicht nur, 
nein, auch genau denselben Gegenstand, Troias Eroberung, 
enthielt. Ein solches Verfahren halte ich für unmöglich, und 
ich halte diesen letzten Beweis für um so stärker, als er auch 
dann gelten wurde, wenn nicht die Stoa Poikile, sondern jene 

angebliche archaische Composition das Vorbild abgegeben 
hätte. 

Damit verneint sieh auch die Frage, auf die sieh schliesslich 
die ganze Untersuchung zuspitzt, ob man doch darum in die- 



1 Es ist schon vor Benndorl zugegeben worden, <l.is-< 'sich das ganze Bild 
viin den speciellen Darstellungen des Kampfes um llion aus polygnolischer 
Schule im Grossen und Ganzen entferne (Petersen, Reisen In Lykien, Mi- 
l>;i^ und Kibyratis II S, 15). Ich sehe nachträglich, dass auch Robert (Her- 
mes a. a, 0.) siel» in demselben Sinne ausgesprochen hat. 



330 F. NOACK 

sem Städtebild Troia erkennen müsse, weil auf den Mauer- 
zinnen ein greiser König und namentlich eine hoheitsvolle Frau 
von ihren Thronsesseln ruhig dem Kampfe zuschauen. Die 
Künstler, die sonst so richtig verstanden haben, die Sage, die 
sie darstellen wollten, durch solche Züge zu kennzeichnen, die 
zur dargestellten Situation gehörten, nicht aber diese störten 
oder sich gar in Widerspruch zu ihr stellten, können so wi- 
dersinnig nicht verfahren sein, dass sie mit einem Male Pria- 
mos und Helena 1 , so wie sie in heitrer Ruhe vereint einem 
jeden aus der Teichoskopie unvergesslich waren, in ein Bild 
von Troias Bestürmung und Einnahme setzten. 

So bleibt meiner Überzeugung nach nur die zweite der oben 
angeführten Möglichkeiten. Da sich weder, wie bei den ande- 
ren Friesen, auch nur ein entscheidendes Merkmal in der gan- 
zen Composition der Westwand feststellen lässt, noch diese in 
ihrer Gesamtheit die Deutung auf troische Scenen befürwor- 
tet, so haben die Künstler nicht diese, sondern einen anderen 
Stoff darstellen wollen. 

Was sie nun aber darstellen wollten, dafür kann ich nur 
eine nicht einmal neue Vermutung vorbringen. Ich möchte 
darauf hinweisen, dass sich «eradc auf dem Westfriese orien- 
talische Züge, lyki sehe Waffen u. a. nachweisen lassen 2 . Fin 
lykischcr Herrscher bestellt sich ein Grabmal zu seiner und 
seines Geschlechtes Verherrlichung. Sollte er nur mit griechi- 
schen Sagen gefeiert werden ? Sollte nicht wie auf dem Ne- 
reidenmonument von Xanthos an irgend einer hervortretenden 
Stelle ein geschichtliches Freigniss seiner Zeit verewigt wor- 
den sein? Wir kennen es nicht, weil wir die Geschichte Ly- 
kiensam Ende des fünften Jahrhunderts zu wenig kennen. Sonst 
würden wir wol Feldschlacht und Erstürmung der Stadt iden- 
tificiren können. Nach welchem Vorbilde die äussere Anord- 



' Hierfür werden sie ausser von Benndorf auch von Munt zenberg (Aren, 
epigr. Mittbeilungen ans Österreich XIII 8. 84) and Robert ( Hermes XXV 
S. 431 ) gehalten. 

- Vorlaufiger Bericht 8. 48. Giötbaschi 8. 138. 146. 



ZUM FRIESE VON GJOELBASCHI 331 

nung erfolgte und die Amazonenschlacht der Feldschlacht ge- 
genübergestellt wurde, wissen wir nun. Üass historische Bil- 
der der Zeit leicht eine mythologische Färbung bekommen 
und eine gleiche Deutung erfahren konnten, erklärt sich in 
zwiefacher Weise. Die Künstler, weniger originell und selbst- 
schöpferisch, als vielmehr trefflich geschult', verwerten den 
reichen Schatz von Motiven der Schule, aus der sie stammen, 
unumschränkt. So bringen sie Vorlagen für mythologische 
und historische Stoffe mit und bilden sie nach. Andrerseits 
wird eine Marathonschlacht von Mikon und Panainos sich 
damals, wo die Heldensage für die Griechen noch Geschichte 
war, in ihrem Aussehen wenig oder gar nicht von dem Bild 
einer Heroenschlacht unterschieden und der Überschrift so gut 
bedurft haben wie die Leschebilder Polygnots. Schwerer war 
es für die Künstler in Gjölbaschi das der Iliupersis entspre- 
chende Mittelbild herzustellen. Denn das Vorbild trug zu deut- 
lich die speeifisch troischen Züge, als dass man es einfach auf 
einen anderen Stoff hätte übertragen und umdeuten können. 
Daher müssen wir annehmen, dass sie das Bild der Stadt mit 
ihren Mauern, Türmen und Zinnen als Schauplatz für das 
sich daselbst abspielende Ereigniss, das ihnen als Thema ge- 
geben worden war. sich nach lykischen Vorbildern selbst ge- 
schaffen haben. Ein Blick auf das Nereidenmonument und 



' Es ist das Dämliche Urteil, unter das auch der sog. lykische Sarkophag 
in Constantinopel fällt. Hier ist die Kunst der Parthenonskulpturen völlig 
erreicht, wenn nicht übertroffen; üher sie hinaus weist der jugendliche 
Reiter der einen Langseile. Im Gegensatz zur Profilstell ung des Pferdes bat 
der Künstler den üher- und auch Unterkörper des Reiters möglichst nach 
vorn zu drehen gesucht. Im Übrigen sind bekannte Motive, an der ande- 
ren Langseite sogar dasselhe Motiv in einförmiger Wiederholung, mit 
ganz vollendeter Technik, die. man nur am Originale voll windigen kann, 
zur Darstellung gebracht. In der virtuosen Verwendung des Angelernten, 
Überkommenen liegt hier die Kunst ; Versuche zu neuem gelingen nicht: 
denn im Grunde und im Hinblick auf das Ganze ist jene Gestall des Reiters 
ebenso verzeichnet, wieder gewaltsam unter das eine Viergespann gezwangt 6 
Löwe. 



I". NOACK, ZUM FRIESE VON GJOELBASCH1 

Doch mehr auf die Reliefs eines Grabes von Pinara ' dürfte 
diese Auffassung bestätigen. 

Ich bedaure, dass ich mich in dieser Darleunnu im \\ esent- 
liehen auf die Ablehnung einer so beredt und mit solch rei- 
chem Materiaie vorgetragenen Deutung beschränken muss. Die 

DO o 

\\ ichtigkeil aber, die ein so grosses Denkmal, wäre seine Deu- 
tung unantastbar, für die troische Sagengeschichte baben 
wurde, trieb mich, meine Bedenken auszusprechen, wenn 
auch di'v Ersatz nicht so voll befriedigt, wie ich es wol seihst 
gewünscht hätte. Wir müssen uns an dn Freude genügen 
hissen, wieder ein schönes bedeutendes Werk des atiischen 
Dunstkreises gewonnen zu haben, alter wir nuissen darauf 
verzichten, es für die Erkenntniss des Epos zu verwerten. 

Athen. 

FERDINAND NOACK. 



<S> >r:-* •<*•' 



• \fonumenti X Taf, 16. Benndorf, Reisen in Lykien und Karien l B. 54, 
Abb. 36. i 



INSCHRIFTEN VON NYSA 

Die beiden folgenden Inschriften sind von O. Kein um 
mir im November 1890 abgeschrieben (vgl. in dieser Zeit- 
schrift XVI, 1891 S. 95). 



Sultan-Hissar. Hof des Koupci Xar&i oyXoC 'A/asr iyot. 
Grosser Block, rechts oben beschädigt, 1,05 lang, 0,57 hoch, 
0,49 tief. Späte Schrift, nicht vor dem III Jahrhunderl n.Chr. 
(0,03-0,04 hoch). 

AlAlOIMOYAlONnpO 
EYBOYAIA NON Y n A T 
< A I C Y N K A H T I K W vC Y f 
AIAIA-(|)AABIAE T N A 1 
5 KAnETHAEINA 

HA5IOAOT W TATh 
TONEAYTHCCYNBIC 

AfXio[v] 'IoüXiov [Ip6[-6ov? -x^ov? | EuSouXtocvov öwarftxöv ; 
[x]al t'jv^ti^wv «xuyfyevyj] | AiXia $Xa6ia 'Eyvarfta] | Kawerw- 
Xsiva | vi xC'OXoyöT&Tfy)] | tov ea-j-r/js auvß« ov . 



Beim türkischen Kastro auf der Höhe von Nysa. Archi- 
travblock aus Kalkstein, pagl 2,18 aus der Erde hervor; Höhe 
etwa 0,45, Tiefe v.:>x Daneben, wir es scheint, »'in gleichsros~ 
scr Block. Rings herum verbaute Werkstücke, Säulentrom- 



ö34 0. KERN, INSCHRIFT VOM ATHOS 

mein u. s. w. Buchstabenhöhe 0,13. Das rechte Ende der 
Inschrift steckt noch in der Erde. 



YNHAYTOYTOXPI 
[6 Ssivx xa! r, yjuvy) aoTOö to j£p[v)<JTY)ptov xaT£<xxe<ja<javl 
oder etwas Derartiges. Zu £pn<mr)piov vgl. oben S. 262. 

F. HILLER von GAERTRINGEN. 



INSCHRIFT VOM ATHOS 

Marmorfragment im Weinberge des Klosters Hagios Pavlos 
auf dem Athos (vgl. oben XVIII S. 64). Höhe 0\30, Breite 
0,30, Buchstabenhöhe 0,023-0,04. Hellenistische Schrift. 

A H M o 2 

HoAaPoY 

Als Fragment eines antiken Grabsteins ist das Stück zuerst 
von dem UpoSiz-covo; Kony.xc, erkannt worden, der es in der Zei- 
tung Kü>vi7TavTivo<jzo)a<; v. 14 Febr. 1892 von neuem publicirt 
hat, nachdem es früher als mittelalterlich angesehen und zu 
' Sy5J7.o; 'A0r,voSü)po-j ' ergänzt worden war. Kocy.x.<; vermutet 
richtig ['ApiuTÖ- oder Xap {]<$•/) f;.o; [ 'AOnjvoSopou und fügt hinzu: 
ix TOOTwv TwItteoco ort oi [/.saa'.tovoXöyot Oa r,Guyjx<7coaiv ävri vi 
^töt'. Sr^aov 'AOrjVoScipo'j et; t<x<; ürcupeia; xoö "A6d>. 

0. KERN. 



•(szmst?- 



LITTERATUR 

C ÜPEIüTOr, 'Apyaiou iiciypa(pat Aiyivv];. IlpGypai/.i/.a. toö ev 
Aiyivy) 'EXXtqvdcou cyoXsiou etuI tu xeXet toO TyoX'.y.o'j Ito-j; lö92- 
93. Athen 1893. [Es werden zunächst drei Grenzsteine mit 
ler Inschrift "Opo; tejwvou? 'AxöMcovos rioGet&övo*; veröffentlicht 
(vgl. LeBas, Inscriptions II 1680. 1861) sodann drei mit 
"Opo? repivou? 'AÖ-^vaiac (vgl. oben 1888 S. 1 13), es folgen kurze 
Notizen über Grüber und Inschriften an und in denselben 
( TiXintz — A D I ^ — \<xy.o/.~k L ri]q — 'ApiGTO^etOr,? | E'jrfiibx £-pioc- 
to | Tröcp Mva<jiTeXeo[?] — 'A<ppoSi<rio? — AIE. . E02J + IAONIA . 
mit roter Farbe geschrieben, darüber später mit schwarzer 

['I]tctcovuyi und an anderen Stellen desselben Grabes A 

nEAAAIOZ|AMVNTO, 'Epaoyiv/i; und 'AwoXTuJmo? — 
IliTÜa; — — co^pco L vj | Mup-ri; — Aau.o«JTpicT7i;) schliesslich die In- 
schrift LeBas, Inscriptions II 1 705 und '0 Sr,p.oc | Taüo Nwp- 
€a.va> | 'hXäx.x.to j to> eauTO'j TwXTpoJvt | xai süspysTy)]. 

IlPAKTJKA tt;<; ev 'Aö/ivan; äp^aioXoyix.vi; exatpta; xoü etO'ji; 
1890. Athen 1893. 

XP. TsOTNTAi: , M'jJivivat kxL M'jx.-^vaio; 7toXi7i<T[/.ö<;. Athen 
1893. 

AwiiNA , <jGyypay.(/.a 7T£ptoSix.6v ty;<; £v 'A0T)vai$ £r;i'777)u.oviy.r / <; 
6Taip£ia«; V, 2. 3. Darin u. a. S. Ml V. N. XaT^ioa, Ilspt 
toG yXoxjcriKoü ^t7j(x3cto<; ev 'EXXxSi. — S. 231. Derselbe, Ilepl 
tti; dx'jjv-OAoyiai; TT); Xe'qeüx; Mops'a^-Mopjx;. — S. 345. A. --. 
SxaupoxouXou, 'Ep£xp'.*ai ETrtypacpat äv£x.SoTOi. — S. 371. T. A. 
Ila7i;a€a<Ti}.£iO'j , KpiT'.Kx y.x! 'Epa7)v£UTi>ca e!$ to'j; 'HpwvSa u.<.- 
f/.ixp.6ou<;. — S.3.7. I. 'Apyupiaöou, AiopÖaxrEi; £•!$ tx 'Ac'.stote'Xo'j; 
HoXitucx. — S. 425. T. M. -xxoppxcpo-j, Tr,<; Eüpt:;iSou 'AvtiÖ- 
itri$ xa v£a ä.r;o(T7:äcaaTa. 

Aeatiün Ai'XAiüAoriivüN 1892, September- Dezember. 



336 LITTEIIATUR 

Al'ATlnX -■},: lijTQpiXY)? XCCt iQvOAOY»«!? sxaipia«; tt)<; 'Eaazöoc 

IV, 2. 

Estia 1893 Nr. 25-40. Darin u.a. II S. 14. I. X. Apa- 

y/Tir,:. Sty)A7] avaQ^uaTiKY] 5t; 'Eppjv *ai. Nup<pa<; [vgl. (ihm S. 
2121. — S. 17. A. SxiÖfc?, 'II ytVVS'JK; TYK V606AA7)VIX7K yAcixrcY)?. — 

S. 33. --. A/fAxpo^, 'II öp'jyo Tou KopivÖtaxoC 'IcO|xoö ev to ua- 
pe^öövTi. — S. 64. Fund eines Votivreliefs bei der Kallirroe. — 
S 218. II. N. IIa-ay£<üpyiOM. Ttj? äyia? 2o<pta? t?,<; ev ©ßcaotAO- 
vi/.Y] Tost? ivexSoTOt ^7)<piS(i>Tat iiciypx<pai. — S. ?22. Funde m\- 
kenischer Epoche in Thorikos. 

Eshmgpis APXAiOAoriKH. 1893 Nr. 1. 2. 

[IAPNASEOE . IhpiocU/.öv rrjyypau.i/.a tou sv 'A0yjvai$ ojj.crivup.O'j 
suAAÖyo-j XV, 10-12. Darin u. a. S. 72I. 801. M. Xpoaoxöo«, 
'II IIcaT'.a: Xi{Avn ('inil einer Karte und einer Ansicht).— S. 841 . 
A. 'HAiaxoTCOUAO?, Ns>tpt)tai TSAs-rsi zapa toi? acyjxioi; Jtai toi? 
v£fa)T£poii; "Eaayigi. 






20 oktulH-r 1893 



AUS 8AM0THRAKE 

Der Wunsch, die grossen Cultstütten der Hellenen selbst zu 
schauen, die örtlichen Bedingungen kennen zu lernen, wel- 
chen die Mysterienculte ihren Ursprung verdanken, hat mich 
im Juli 1892 auch nach Samothrake geführt. Was sich mir 
dort für die Entstehung und Geschichte des Kabirencults er- 
geben hat, soll in grösserem Zusammenhange an anderer 
Stelle erörtert werden *. In diesen ' Mittheilungen' erstatte ich 
von den neuen Einzelfunden Bericht, indem ich an die 'Un- 
tersuchungen auf Samothrake' anknüpfe. In den beiden von 
Gonze, Niemann, Hauser und Benndorf herausgegebenen Bän- 
den, welche über die Ergebnisse der österreichischen Cam- 
pagnen der Jahre 1873 und 1875 in Bild und Wort Kun- 
de geben, liegt ein Werk vor uns, welches zusammen mit 
Gonze's 'Reise auf den Inseln des thrakischen Meeres' (Han- 
nover 1860) Alles in sich begreift, was von den Altertümern 
in Samothrake bis zum Jahre 1875 wieder ans Tageslicht ee- 
treten ist. Seitdem sind beinahe zwanzig Jahre vergangen, 
und in dieser Zeit hat, soviel ich weiss, kein Archäologe die 
Insel betreten. Aber in Samothrake selber ist das Interesse 
für die Altertümer erwacht, und es wäre zu wünschen, dass 
dem schönen Beispiele des Herrn N. B. Phardys auch die 
Bewohner der anderen Inseln folgten. In Thasos, namentlich 
im Limenas, wo mit der Baulust auch die Zerstörungswut 
gleichen Schritt hält, wäre ein so wachsames Auge wie das 
von Phardys besonders willkommen. Herr Phardys ist auf der 
Insel geboren, hat in Griechenland und Prankreich Medizin 



1 Es bleibt dies für das Schlusskapitel der vom Institut vorbereiteten Pu- 

blicatioD über das Kabirenheiligl bei Theben vorbehalten; einen Teil 

meiner Untersuchungen habe ich in der Maisüzung der hiesigen archäolo- 
gischen Gesellschaft vorgetragen , vgl. Arch. Anseiger 1893 S. 129. 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 23 



338 0. KERN 

studirt und ist nun der einzige Arzt auf seiner Heimatinsel. 
Noch immer erfreuen sicli die Samothrakier frischer Gesund- 
heit (Plinius. Nat. hist. XI 167. Gonze, Reise S. 78), und 
der Arzt braucht nicht oft seine Kunst auszuüben. Deshalb ist 
Herrn Phardys manche Mussestunde gewährt, die er gerne 
der Erforschung der Altertümer widmet, und mit Vergnügen 
gedenke ich seiner liebenswürdigen und sachkundigen Füh- 
rung. Auch nacli meiner Abreise hat er nicht gerastet, son- 
dem Conze und mir über jeden neuen Inschriftfund brieflich 
berichtet. So darf dieser Bericht den Anspruch auf eine ge- 
wisse Vollständigkeit machen, und es soll hier Alles zusam- 
mengefasst werden, was seit dem Jahre 1875 bekannt ge- 
worden ist, auch was Champoiseau bei seinen Grabungen im 
Jahre 1891 gefunden hat 1 . Ich glaube damit auch in dem 
Sinne Conze's zu handeln, durch den Samothrake aus jahr- 
hundertlangem Dunkel wiederentdeckt ist, und dem ich für 
mannichfache Förderung sowol bei den Vorbereitungen zur 
Reise als auch später bei der Bearbeitung ihrer Ergebnisse zu 
Dank verpflichtet bin. 

Als die Ergebnisse der zweiten österreichischen Gampagne 
verarbeitet wurden, ist es den Leitern der Ausgrabungen nicht 
entgangen, dass ihr grosses Werk noch nicht völlig abge- 
schlossen sei, und Conze selber hat diesem Gefühl Ausdruck 
gegeben. Er bezeichnet als Aufgaben, die noch ihrer Lösung 
harren, vor allem dreierlei: Aufräumung am Nikehügel und 
auf dem Abhang vor der Ostfront der Stoa (Untersuchungen 
II S. 8), völlige Freilegung eines grossen der Westseite des 
neuen Tempels parallelen Fundaments (II S. 10, Tafel I, D) 



1 Leider ist Champoiseau's Bericht, den Urion de Villefosse in Aussicht 
gestellt hat, bisher noch nicht erschienen, und so wird vielleicht bald man- 
ches nachzuholen sein. Über Champoiseau's vorzeitig abgebrochene Gra- 
bungen hat Phardys in der in Smyrna erscheinenden Zeitung 'A^aXOaa 
August 1891 berichtet. Vgl. Gomptes-rendus de Vacadimie des inscriptions 
1801 S. 269 (He*ron de Villefosse). Die von Champoiseau gefundenen In- 
sebrifteo sind bereits mit dankenswerter Schneiligkeil veröffentlicht; s. 
unten. 



AUS SAMOTHRAKE 339 

und Aufsuchung von Spuren der allerältesten Gestalt des Ka- 
birentempels (II S. 16). Die zweite und die dritte Aufgabe 
sind noch ungelöst, und es bedarf hier nur eines neuen Hin- 
weises auf die Notwendigkeit ihrer Erledigung. Die Lösung 
der ersten Aufgabe aber, wenigstens die ihres ersten Teils, 
ist bereits von Ghampoiseau versucht worden. 

Charles Ghampoiseau, der glückliche Entdecker der Nike 
hat nach dem Jahre 1803, in welchem er dies Meisterwerk 
griechischer Plastik gefunden hat, nocli zwei .Male den Spa- 
ten in Samothrake angesetzt, das erste Mal im Jahre 1879 mit 
der Absicht de retrouver, d'enlcver et d'embarquer, pour 
la France, tous les marbres composant le pie'destal de la 
Victoirc^. das zweite Mal genau ein Jahr vor meiner Fahrt 
nach Samothrake, im Sommer 1891, um den Abhang des 
Nikehügels nach Resten der Statue, vor allem nach dein Kopf 
abzusuchen. Das Finderglück ist ihm nicht treu geblieben : 
denn den gesuchten Nikekopf hat er wenigstens nach den mir 
von Phardys gemachten Mitteilungen leider nicht gefunden. 
Aber für die Anlage des Platzes, auf welchem sich das Schilt 
der Siegesgöttin erhob, bat sich schon im Jahre 1879 Wich- 
tiges ergeben, und zur Ergänzung des hauser'schen Grundris- 
ses vom Unterbau des Schiffes (II Taf. LX,1) sei hier S. 3i0 
eine Skizze mitgeteilt, die auf meinen Messungen beruht. Sie 
stellt den gegenwärtigen Zustand der Niketerrasse dar. 

Im Jahre 1866 haben bei ihrem Besuche von Samothrake 
im Auftrage der französischen Regierung 1*]. Coquart und G. 
Devillc auch den Fundplatz der Nike genauer untersucht, und 
Coquart hat in den Archives des missions scientifiques , 
Deu.rieme serie IV (1867) S. 277 gelegentlich der Erklä- 
rung des von ihm gezeichneten Plans darüber, wie folgt. \<r- 
riehtet: En II, monument excave oü fut trouvee la \ r ictaire 
du houvre^ figure decorative </'////>■ e'poque assez basst 
Nous avons voulu dSterminer ä quel edip.ee eile appaf^ 



1 Brief Cbampoiseau's aus Adrianopel 25 September 1879 (Untersucnun- 
-.Mi II s. 55). 



340 



0. KERN 



tenait. Quatrc murs, iilspöse'S eh earre\ formaient une 
c/iumbre divise'e en deu.r pttr uri cinquieme /nur. II ne te- 
ste plus (jue /es deu.v murs appuye's ä la eollinc et la 
base des untres . Cotistruits en appare.il regulier de petite 
dimension . ils sont e'videmment plus modernes que les 
autres constructions du sanctuairc. Plusieurs grands 




blocs de marbre, orne's de moulures d'un goüt brutal, avcc 
de grands amortisscmcnts qui se rattachaient au couron- 
nement de iedijice öü figurait la Victoire. de petits drbris 
de stuc rouge et bleu, quelques petits fragments insigni- 
fiants en terre cuite, sont tous les renseignements que 
nous avons pu obtenir sur ce monument. (Tailleurs Sans 
intc'ret. Die Untersuchungen der österreichischen Expedition 
haben auch hier Vieles aufgeklärt. Hauser hat II S. 53 ausge- 



AUS SAMOTHRAKE 341 

sprochen, dass die in der Mitte in schiefem Winkel abgehende 
Mauer der Unterbau eines SchifTsvorderteils ist, auf welchem 
die Nike aufgestellt war. Aber leider reichte die der Expedi- 
tion verfügbare Zeit nicht zu einer genauen Erforschung der 
Niketerrasse aus. Und so ist (Untersuchungen II S. 52) der 
von den beiden französischen Gelehrten aufgestellte Befund 
mit Unrecht als ' irre leitend und fast aus der Luft ge- 
griffen ' bezeichnet worden. Von einem Mauerviereck, das 
nach der Angabe Coquarts durch eine fünfte Mauer in zwei 
Teile geteilt wäre, soll nichts vorhanden sein. Wer einen Blick 
auf die obige Skizze wirft, wird hier Coquart in einem Haupt- 
punkte zustimmen müssen. Das Anathem des Demetrios, die 
auf einer Prora stehende Nike, war auf einer Terrasse errich- 
tet, welche künstlich hergestellt und an drei Seiten durch ' 
'Zyklopische' Stützmauern abgeschlossen war. Durch die 
nicht unbedeutende Höhe dieser Mauern — ich habe bis zur 
Höhe von 1,80'" gemessen — ist erreicht, dass der Platz, auf 
dem sich dies Weihgeschenk erhob, isolirt ist, und Benndorf's 
Ansicht, dass die Nike nach der grossen Stoa orientirt sei, 
dünkt mich unwahrscheinlich. Die Nike ist von der Säulen- 
halle her durchaus nicht in ihrer ganzen irnponirenden Er- 
scheinung sichtbar gewesen Berechnet ist der gewaltige Ein- 
druck des Kunstwerks, den uns gerade Benndorf's unver- 
gleichliche Analyse so nahe gebracht hat, auf die Menseben, 
welche unten bei den Tempeln der Grossen Götter standen 
und hinaufschauten zu der Siegesgottheit, deren Majestät von 
dem grossen Seesiei»e bei Salamis verkündigte. Wenn Benn- 
dort' II S. 68 hervorhebt, dass die Nike von drei Seiten voll- 
kommen sichtbar gewesen sei. so gilt das nur von der näch- 
sten Nähe, welche aber einen vollen Genuas des Monuments 
nicht erlaubt. Die Stützmauern waren offenbar mit Stuck 
verkleidet. Coquart spricht von stuc rouge et {»Ich, und ich 
selber habe mir einige Fragmente von schönem weissen Stuck 



' 'L'in 1 chambre ä trois c6l6s,sorU de grande niche,oü <t<ui platte la Niki'. 
Qomples-rendus de Vacadimie des inscripliuns 1891 S. 270. 



3i? 0. KERN 

gesammelt. Parallel mit diesen Mauern und zwar dicht vor 
ihnen ziehen sich Fundamente aus weichen Steinen hin: von 
der Siidmauer ist ein Stück bereits von Hauser (Tal*. LX, 1) 
gezeichnet, das sieh direkt an die ' kyklopische ' Mauer an- 
schliesst 1 . Parallel der Südmauer liegt auch im Norden ein 
Fundament, das ebenfalls schon von Hauser in seinen Plan 
eingetragen ist. Grosse Felsblöcke, die zu einem mächtigen 
Haufen aufgeschichtet in der Mitte dieses durch die angege- 
benen Fundamente gebildeten Vierecks liegen, stammen wol 
von der ' kyklopischen ' Mauer im Westen. 

Jedem, der von der Niketerrasse auf das Temenos der Ka- 
biren hinabsieht, lallt die Frage ein: wo führten die Stufen 
von den Kabiren zur Nike des Demetrios hinauf? Phardys, 
welcher die französischen Ausera bunten im Jahre 1891 rast- 
los mit seinem Interesse verfolgt hat, ist mir die Quelle für 
die folgende wichtige Mitteilung. Ghampoiseau hat seine 
Grabungen unten am Hüeel besonnen, da wo die miiehtiuren 
Platanen stehen, über welche heute der Blick nach dem Meer 
und den thrakisehen Berten schweift. Er ist von unten nach 
oben vorgedrungen und hat bei dem Fortgang seiner Arbeiten 
leider allen Schutt nach unten geworfen, so dass er jede so- 
eben aus"-e"Tabene Stelle sofort wieder verschüttete. So habe 
ich von dem Oearpov, das Ghampoiseau am Abhang dieses 
Hügels aufgedeckt hat, nur noch die Reste von vier Sitzreihen 



' Nach Dörpfeld, der im Juli dieses Jahres mit Brückner, Rubensohhi 
Burescb und anderen zu kurzem Besuch in Samothrake war, gehören die 
inneren Mauern möglicherweise einem Gebäude an, wahrend die äusse- 
ren Mauern nur Stützmauern sind. Dann hätten die äusseren Mauern kei- 
nen Putz gehabt, sondern die gefundenen Stuck fragmente gehörten zu den 
inneren. Irgend welche Architekturstücke haben weder Dörpfeld noch ich 
am Orte bemerkt. Ist Dörpfeld's Ansieid richtig, dass die inneren Mauern 
die Reste eines Gebäudes sind, kann die Nike natürlich nicht auf der im 
schiefen Winkel abgehenden Mauer gestanden haben. Bei einem so her- 
vorragenden Monument, wie es die Nike ist, niiiss man wünschen, dass der 
Thatbestand bald restgestellt wird. Durch eine Reinigung des inneren 
M rvierecks, *l.^ ganz erhalten zu sein scheint, wäre das leicht zu er- 
reichen. 



AUS SAMOTHRAKE 343 

gesehen, etwa auf halber Höhe des Hügels im Nordwesten. 
Phardys hat im Ganzen 17 Sitzreihen gezählt. Das Material 
derselben ist ein brauner Stein ; |7.<x'jpo7usTpoc sagen die Insu- 
laner. Eine 0,58 tiefe, 0,73 ,n breite Marmorbasis mit Stand- 
spuren sah ich aus dem Schutt hervorragen. Von einer ver- 
schütteten lateinischen Inschrift sprach Herr Phardys, der mit 
mir bedauerte, dass eine so einschneidende Entdeckung wie 
die dieses xotXov so wenig ausgenutzt worden ist, dass der 
Spaten gleich wieder mit Erde bedeckte, was er der Wis- 
senschaft eben geschenkt hatte. In Samothrake ist noch manch 
Stück Arbeit zu erledigen. Keine ladet aber mehr zu ihrem 
Angriff ein als eine erneute Untersuchung am Abhang des 
Nikehügels. Dass sie von Erfolg begleitet sein wird, zu dieser 
Hoffnung berechtigen uns die Resultate der Grabungen von 
Champoiseau. Und da der Spaten bald sichere Aufklärung 
geben kann, soll jede Vermutung über das von der Nike gleich- 
sam gekrönte 'Theater' unterbleiben. 

Der von der türkischen Regierung Champoiseau erteilte 
Ferman hat Herrn Phardys Gelegenheit gegeben auch noch 
an anderen Stellen in der Paläupolis Versuchsgrabungen an- 
zustellen. So ist von ihm der 'Weihbau der Milesierin' (Un- 
tersuchungen II S. 7. 16. 102. 106) in seinen Fundamenten 
näher untersucht worden 1 . Die Stelle dieses Baues ist auf 
Beckers Plan mit E bezeichnet; leider ist die Untersuchung 
und Aufdeckung der hier zu Tage getretenen Fundamente eine 
sehr unvollständige gewesen. Der gegenwärtige Befund lehrt 
aber wenigstens mit Sicherheit das Eine, dass auf dem Platz 
E nicht nur der Weihbau der Milesierin, sondern mehrere Bau- 
ten gestanden haben, alles wo! Analheme für die Grossen 
Götter. Alle hier vorhandenen Mauere bestehen zunächst aus 
einem Fundament von sehr porösem Kalkstein, darüber liegt 
nieist eine Schicht aus graublauen Steinen. Ich notirte mir 



1 Conze hat (Untersuchungen II S. 16) auch die Aufdeckung der Reste des 
Weihbaus der Milesierin bereits als 'wünschenswert' bezeichnet. 



31'» 0. KERN 

zwei ionische Säulentrommeln als hier in der Nähe liegend 1 . 
Soweit die Grabungen im Temenos der Kabiren. Phardys 
hat aber auch noch an zwei anderen Punkten gegraben. Den 
Spuren der von Coquart und Deville aufgefundenen Nekro- 
polis ist er weiter nachgegangen. Die französischen Forscher 
haben darüber a. a. 0. S. 264 (vgl. auch 277) berichtet: 
Quelques se'pultures que nous avons de'couvertes nous fönt 
penser que la voie fune'raire e'tait situe'e ä Vouest de la 
eilte, le long du grand mur cyclope'en, et prenait nais- 
sance au bord de la mer, oü s'eleve aujourd'hui une cha- 
/)<•//<■ d'Haghia Paraskevi. Ce sont, du teste, de simples 
fosses creuse'es dans le /laue de la colline. Nous // avons 
trouve des osse/nents, des fioles de verre, des parcelles 
d'or provenant du bandeau que Von placait sur le front 
du mort. Da reste ni inscriptions , ni me'dailtes, ni signes 
d'aucune sorte. Nous pensons que ces se'pultures (latent 
des plus bas temps du paganisme: Die Lage der Kirche 
Hagia Paraskevi ist aus dem Plan Riha's (Untersuchungen 
I Taf. 1) zu ersehen. Die von Phardys gefundenen Gräber lie- 
gen südlich vom Ptolemaion in der Nähe der auf Becker's 
Plan mit .r bezeichneten iMarmorstücke. Hier scheint der ganze 
Hügel voll von Gräbern zu stecken. Ich sah überall viel Zie- 
gelfragmente , Stücke von Sarkophagen aus [/.aopöxsTpo. (s. 
S. 343) und viele Löcher, die von Phardys' Tastungen her- 
rührten. Phardys hat mir aus seinen Aufzeichnungen Fol- 
gendes mitgeteilt. Sämtliche von ihm aufgedeckte Gräber 
waren von Norden nach Süden orientirt; den Schädel des To- 
ten fand er immer im nördlichen Teile des Grabes. In den 
meisten Gräbern fand sich auf dem Boden ein Lager von Kie- 
seisteinen, auf dem der Tote gebettet lag. Phardys unterschied 
vier Klassen von Gräbern. 1. Ziegelgräber, lang 0,00, breit 
0,40"', also offenbar Kindergräber. Neben den meist vollstän- 
dig gefundenen Skeletten konstatirte Phardys auch Asche und 



1 Das siinl die Reste von Coquart's ' U mple ioniqw •■' . Archive* des mis- 
sions scientifiques lsiJT •- ; . 274. 



AUS 8AM0THRAKE 345 

Kohlenreste. Viele Fragmente von Terrakotten und Vasen hat 
er aufgelesen. In einem unversehrten Grahe standen die Ge- 
lasse alle um den Kopf des Toten herum. In einem anderen 
fand Phardys eine Elfenbein buch se mit wolriechendem Stoff 
und viele blaue Glasgefüsse in tausend Scherben. Audi Fin- 
ger- und Arm-Ringe aus Bronze hebt er als Fundstücke aus 
diesen Gräbern auf. II. Zwei grosse Pithoi, welche als Sar- 
kophage dienten, und viele Fragmente von anderen. III. Mar- 
morsarkophag ohne Schmuck, lang 0,60, hoch etwa 0,30"'. 
IV. Sarkophage aus uaupd-expa. 

Palaopolis nennen die Bewohner von Samothrake sowol die 
Uuinenstätte im Temenos der Kabiren als auch die gewaltigen 
' kyklopischen' Mauern, welche ehemals die eigentliche Stadt 
von, Samothrake umschlossen. Innerhalb dieser Mauern linden 
sich wenige antike Reste. Unter dem üppig wuchernden Ge- 
strüpp dieser romantischen Finüde sah ich hie und da nur 
spätes mit Mörtel hergestelltes Mauerwerk, wie es schien, 
meist die Reste verfallener Kapellen und Kirchlein 1 . Phardys 
hat auch diesem überall verstreuten Mauerwerk eine genauere 
Untersuchung gewidmet und dabei manche der Inschriften 
herausgezogen, die im Folgenden als 'gefunden in der Stadt 
Palaopolis' bezeichnet sind. 

Eine Versuchsirrabunü hat im Jahre 1891 schliesslich noch 
Statt gefunden auf dem Hügel unmittelbar nördlich vor den 
die Stadt nach Osten abschliessenden Felsklippen. Die Spitze 
des Hügels zeigt eine künstliche Aufschüttung, welche im 
Norden durch eine Futtermauer gestutzt ist. Phardys \ ermu- 
tet hier ohne zwingenden Grund die Akropolis. Er stiess bei 
vielfachen Tastungen meist auf einen starken Estrichboden. 
Überall liegen hier Ziegel umher, und ich las Stucke von 
weissem und rotem Stuck auf. Auch Marmorfragmente lagen 
da, und im Norden konnte ich noch eine aus porösem Kalk- 
stein bestehende Mauer auf die Länge von V" 80 verfolgen. 



1 Vgl. das unten S. 373 Nr. it. 375 Nr. ;"i über die Isidoros-Kirche '"• 
s.iu'tc — Dörpfeld teilt mir mit, dass er im luncm der Stadl auch mehrere 
griechische Stützmauern gesehen bat. 



346 



0. KERN 





























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348 O. KERN 

Das wichtigste Resultat meiner Reise nach Samothrake sind 
die Inschriften, und unter diesen hei weitem das hervorra- 
gendste Stück ein Psephisma aus der Mitte des dritten vor- 
christlichen Jahrhunderts, mit dessen \\ iedergabe die Zusam- 
menstellung sämtlicher seil der letzten österreichischen Expe- 
dition gefundenen Inschriften eröffnet sei. 

1 . Ghora, Sammlung der Schule ; der Stein stammt aus der 
grossen Kirche des Dorfs, bei deren Umbau 1 er gefunden 
wurde. Es ist eine 0,47 hohe, 0,51 breite und , 09 m dicke 
Marmorplatte; auf beiden Seiten Schrift, s. S. 3 ^ 6 f. Buchsta- 
benhöhe 0,006-0.013. Zeilenabstand etwa 0,005"'. Die Schrift 
ist nicht sehr sorgfältig, ähnelt aber im Allgemeinen den 
Buchstaben der monumentalen Arsinoeinschrift (Untersuchun- 
gen I Tai". LVIII; II S. 111). Or\Q sind kleiner als die übri- 
gen Buchstaben. Mit s\ wechselt die Form -o ; vgl. darüber 
Literarisches Central blatt 1893 S. 1433. 



1 t IIyJy](Tt'JTpaTO? [ ' £7Uei§Y] ] 

2. ['ItttuoiasScdv] 'AyntfiXxou Aax£&ou[[/.övio; 6 xaraerra-] 

3. [Geis U7c6 t]oö ßacrtXe'ü)? IlToXsaatou a[Tp]xT[Y)y6<;] 

4. [toö 'EX]X'/)ax6vTOu xai tcöv iizl ©pouxY)? totucov e[u<j£-] 

5. fßö]? Siaxeiu-svos ~po? tou? Oeou? ti|aö£i to xi\ [/.e^oc] 

6. 0u<7iai<; xai avaO^aaTtv kolI Iffwsuaev 7rapa[yevö-] 

7. [A6VOC v.c, tt)v v^tov [xerarr^siv t<ö|/. j/. , j'JT[Y)pi(ov,] 

8. TT}? T6 xotTa to ycopiov a.<KpaX6ta? Tzxnx^ xpövoia[v 7cotei-] 

9. Tai oLizonTiXktov tou? ma(pu>.aQ0VTa(; i7V7uei? [ts xai] 

10. 77£C,0'ji; CTpaTitOTa; xai ße^T) xat x,a.TaTCxXTa[; xatj 

11. [t]ou<; ypYiGOfxevou; toutoi?, e'i'<; te tou$ (/itOou? [toi?] 

12. ßpa($£<7'.v dc^[t]coÖ£l<; Ttpo^avEiTai yp7)|./.a.Ta. eoo)[x6V,J 

13. ßouX6u.6VO? UTcaxoüeiv T^ävTO. to. ä.£io'Jiy.£va [u7co] 



1 Die stattliche Kirche ist in den siebziger Jahren umgebaut worden, wie 
die von Pbardys verfasste Inschrift über der Kirchenthür besagt: 6 vaöj o5- 
-<j: tr,: xoiuifacwg KVEfipOr] ex. ßctöpcov Bowcavin iTj{ EvtauOa y.o'.voTTjXoc ev k'xei 1871 . 



AUS SAMOTHRAKK 349 

14. xvii TCOAei, Siaxeitievo? Ss xai rcpö? tov §r}[/.ov [euvo-] 

15. <o? Tzv.nv.-4 1—tiuAEtav woiSiTat xai xotvv)t ttj[? wo-] 

16. aeo)? xai tStai tgjl«. 7upö? ocutov äcpixvouuivcdfv, axo-] 

17. AouQa rrpaTTiov tth tou ßar7iAEü)$ aip£T6i, "/) [ßou-] 

18. AT) tupgSeSquaeuxev auTuu 7C£pt ircaivou xai )ca06x[tj 

19. yj re TtoXiTEta xai xa AO'.xa xk S^opiva rcapa t[öv] 

20. [txoaitJoöv <piXa[vÖ]pci)7ra. avaypa^7,<j6Tai ei? <7T7)ArjV [xai] 

21. [avaTeö]yj(;e[Tai] iv töi i£pän tt)? 'A ayaOr/. r[uY7)i] 

B. 

1 . av xai 

2. atpE<r] £t tou ßa'j'.AEco? xai tt1[? ßa-] 

3. [<yiXi(j<JYi? ] xai <t[itou e£]ay(i)yrj[v] xai <XT£A£tav Sou[vat...] 

4. [rot? £x] Xeppov/i'jO'j xat ocaaoÖev 69ev auxak suxaipov <p[aivy)-] 

5. xai e[i]vat, otaAEyeaOat §£ auTioi tou? [7rps]<76suTa? x<y[i XEpi] 

6. tou oyjjpcöi/.aTO? xai 7capaxaAeTv ocutov <rut/.7:pä£at tt)Y. . 

7. [. . . . ]tto tuvteasgQe'vto? auTo[u] xaTa<y[T]a[6YJ]voti tÖli w[öXg-] 

8. [|/.o]v tou? xA7)pouvjr,iTovTa? xai Y6a>pYT)GOVTa? tt)v yüp[av. . . .] 

9. [. . £Jx lTöJla. TCpo<yöS[<i)]v Öuciai t£ <7uvT6A[<ö]vTai xai ä7capy[ai..l 
10. [...]vo(i)VTa[t] toi? Oeoi? uräp tou ßa<JiAe[ü>]? xai Tri? ßa<7i[Ai<j<jr,?] 

A. 

1 . Hegesistratos ist der damalige oberste Beamte von Sa- 
mothrake, der ßaaiXsu?. Vgl. z. B. den Anfang des Psephisma 
bei Conze, Beise S. 66 : "E&o£«v tyj ßouAY). Boutiasu? A.6o0ap<rc>? 
[Iu6oxa6iöou elwsv. 'EtceiSy) IlTOA6t/.a[io?] 'A(i6tvioü u.s.w. Als An- 
tragsteller kommt freilich auch der Twpds&po? vor ( Untersuchun- 
gen I S. 40 Nr. 6). Vgl. Swoboda, Die griechischen Volks- 
beschlüsse S. 00. 93. 118. 

5. tö te'[;a£vo?]. wie in der Lysimachosinschrift aus Samo- 
thrake, Dittenberger, Sylloge Nr. 138 Zeile 8 i £u-p r,?*-. tö 

T£[A£VO? TCüV 0£CüV. 

12. ßpaSecrtv = uaTepoöoriv. Die Lesung ist zunächst eine Con- 
jectur von U. von Wjlamowitz - Möllendorff, drin ich auch 
hier wieder für manchen \\ ink uml Ratschlag Dank schulde. 



350 0. KERN 

Erneutes Studium des Abklatsches hat die Vermutung be- 
stätigt. 

13. ßou\6t/.svo; u7;ax.ou£iv -avTa toc ä^iouaeva [utc6] tt,i tcoXsi. 
Ähnlich lieisst es auf einem bisher noch unedirten arkadischen 
Psephisma aus Magnesia am Maiandros: (ö. tvöXk;) toc O-ö toi? 

G'j y yiv£Gt *<x». <piXoi<; x.a[i eu]vo[i]o».<; ä£tü)[/.£va uxaKOusi. 

17. 7) [ ßou] | X-yj 7üpo€£SouX£u/.6v E. Pernice nach dem Ab- 
klatsch. 

21 . iv Teil Upui tt,s 'A Man könnte wegen der unten 

S. 376 Nr. 27 mitgeteilten Weihinschrift x an Artemis denken, 
aber auch der Cult der Aphrodite ist für Samothrake bezeugt, 
einmal durch die Inschrift bei Conze, Reise S. 69 Taf. XVI 
Nr. 10 ( 'A<ppo&tTY)i KaTaaSi) und dann durch die Nachricht des 
Plinius, Nat. bist. XXXVI 25, nach welcher Skopas die Bil- 
der der Aphrodite und des Pothos für Samothrake (qui Sa- 
mothraciae sanetissimis caerimoniis coluntur) gearbeitet 
hat 2 . Aber der Raum scheint für 'ApT^-iSos wie 'AtppoSiTvi; et- 
was knapp, und so ist vielleicht die Ergänzung 'AQyivoU vor- 
zuziehen, zumal das Psephisma für den Tragöden Dymas aus 
Iasos in Samothrake im Heiligtum der Athena aufgestellt wer- 
den soll: Greek inscriptions in the British Museum III 
Nr. 444. — Die geringen Reste von u.y<x.&r\i t[u£7)i hat F. von 
Hiller erkannt und gedeutet. 

B. 

Auf dem Stein selbst habe ich nur wenig entziffern können; 
das hier Gegebene beruht meistens auf dem Studium des Ab- 



4 Artemis und die Kabiren auf einer durch Cyriakus überlieferten Inschrift 
Aas Milet: Bulletin de corr. hclUnique I S. 288. 

- Benndorf meint (Untersuchungen 118. 101), dass man in diesen Wer- 
ken 'die Cultbilder des Neubaus ' vermuten könne. Ich sehe keinen Grund, 
der im- zwänge in <Ier Aphrodite des Skopas die angebliche Hauptgottbeit 
des Kabiren kreises, Kybele zu erkennen. Unbegreiflich ist mir aber gera- 
dezu, wieO. Rubensolin ( Myslerieuheiliglümei S. I 'rJ ) schreiben kann, dass 
wir für die Gruppe des Skopas 'in der That keinen anderen Aufstellungsort 
als iiiimiii Tempel namhaft machen können'. Glaub 4 . Rubensohn wirklich, 
dass es ausser den aufgedeckten Tempeln in Samothrake keine anderen gab/ 



AUS SAMOTHRAKE 351 

klatsches, wobei mich Erich Pernice in wirksamer Weise un- 
terstützt hat. 

4. [toi? ex] Xeppovrjffou Pernice. 

7. K«.roL<s[r]a 9r von ist sicher; von dem kann man auf dem 
Abklatsch noch leise Spuren erkennen, tou. wfoXe] | u.ov] Per- 
nice. 

9. L]k [tw]u. TCpo?oS[(o]v Pernice. 

Die Inschrift ist die urkundliche Bestätigung einer That- 
sache, über welche wir bisher nur durch eine Bemerkung des 
Teles in seiner Schrift wepi cpuy-?5<; unterriclitet waren. Ich habe 
Zeile 2 den Namen Ilippomedon ergänzt und glaube, dass 
diese Ergänzung den Anspruch auf völlige Sicherheit machen 
kann. Denn Ilippomedon ist der Sohn des Lakedaimoniers 
Agesilaos, des Oheims König Agis des Dritten. Vater und 
Sohn waren Hauptteilnehmer an den revolutionären Plänen 
des Agis : 'AynffiAOtov §£ 6e£ov ovtoc tou ßaciAeco; xai SuvaTÖv ei- 
tteiv, öcaaüx; oe aa.Xax.ov x.ai cpiAoypr,u.aTOv, £uoxvd>$ akv 6 vnö; 'Itc- 
TToaeSov £*tv£i x.at wapeö&ppuvev, euSoxtjxo? ev ttoaaoi; ivrjp - /.xi uiya 
St' ßuvoiav töv v£ü)v S'jvaa£vo? ( Plutarch Agis 6). Beide entka- 
men dem Geschick, welches die anderen Revolutionäre traf, 
Hippomedon rettete seinen Vater Agesilaos (Plutarch 16), und 
wir wissen aus Teles, dass Hippomedon an den Hof des Kö- 
nigs Ptolemaios III Hob und von diesem bald zum Statthalter 
der Provinz Thrakien ernannt wurde. Nach Droysen's ein- 
schneidender Untersuchung hat Wilamowitz (Antigonos S. 
300 ff.) dargethan, dass der Traktat icspt v->yr,; eine in Megara 
um 240 gehaltene Bede ist, und in dieser Bede linden sich 
(Hense, Teletis reliquiae S. 16,2) die Worte: 'I—ou^cov 6 
AaxESaiaövto; 6 vüv iizi 0päx.r,; KaOfiffT&uevoc u~ö riTOAEuxiou, Xps- 
awviS 1 /]? x.xi PAa'r/.wv ot 'AO'/ivalot, ou xa^Spoi Kai aoußouXoi : iva 
u.7) TflC ::aXaiä coi A£yo>, aAXa xa y.x^r/j.y.;. Teles stellt unter dein 
Eindruck dieser eben eingetretenen Ereignisse. Der 241 aus 
Sparta verbannte Hippomedon ist von Euergetes schnell auf 
einen hervorragenden Platz gestellt, und das neue samolhra- 
kische Psephisma berichte! uns nun über seine Statthalter- 
schaft von Thrakien (6 /.aca<7TaÜ£i; öwo t]oö ßaoiXtuc Utoa*- 



;.,;• O. KERN 

uatoo «j[Tp]aT[Y)y6? toü 'EXJXyictcÖvtou Kai tüv erci 0paixv5? tottcov). 

Es ist schwerlich vor 239 verfasst; denn in ein früheres Jahr 
kann man Hippomedons Erhebung zum Statthalter nicht an- 
setzen. Das ist der ter minus po st quem. Als äussersten tcr- 
minus ante quem kann ich nur das Todesjahr des Ptolemaios 
(223) angehen. 

Sehr bedauerlich ist es, dass nur die eine Seite des Steins 
völlig zu entziffern ist. Eine starke Sinterschicht, die ich nur 
mit grosser Mühe entfernen konnte, hat die Urkunde vor wei- 
terer Zerstörung geschützt. Die andere Seite ist stark abge- 
treten, und allein der Schluss ist hier einigermassen erhalten. 
Obwohl B offenbar die Vorderseite war, gehe ich bei der In- 
terpretation der Inschrift von A aus. Denn sie giebt die Da- 
ten, welche uns zu einem Verständniss der Reste von B ver- 
bellen. 

Die Samothrakier ehren durch das vorstehende Psephisma 
den Lakedaimonier Hippomedon, den Sohn des Agesüaos, 
den Feldherrn des Königs Ptolemaios am Hellespont und in 
Thrakien. Denn Hippomedon hat seinen frommen Sinn gegen 
die Götter bewiesen, im heiligen Ilaine geopfert und Weihge- 
schenke aufgestellt und hat sich beeilt an der Mysterienfeier 
selbst teilzunehmen. Aus den Worten ec7ceu<j6v Tüapafyevöjfuvos 
«5tJjv VTjffov [ASTacyeiv twu, auar^picov] darf man schliessen, dass 
Hippomedons Anwesenheit in Samothrake bald nach der 
Übernahme der thrakischen Statthalterschaft stattfand. Hip- 
pomedon hat für die Sicherheit des Orts (-/wptov) 1 gesorgt, er 
hat Heiter, Fussoldaten und Waffen geschickt und den Säu- 
migen (ßpaSedtv) Gelder geliehen, kurz er hat Alles erfüllt, 
was das Volk von ihm erwartet hat, und all sein Handeln 
war ganz im Sinne seines Königs. Deshalb wird ihm die -o- 
XtTEta verliehen, und die Stele, welche davon Kunde giebt, soll 
im Tempel der Artemis oder Aphrodite aufgestellt werden. 

Hippomedon schickt toü; S-.xo'Ai;ovTa; toewei; [ts xai] tte^oo«; 



< Noch heule heissl die einzige Ortschaft <l<;r Insel, wie so oft, Ohora 
(Xc5po i : < Sonze, Reise B. 02. 



AUS BAMOTHRAKE 353 

n-zy.-</,)-y^ y.yj. ß| AY] - M \ itaTCMF&*Ta[« jtai t]o6? ypr.coy.sVyj; TO u- 

rotc. Wir (Vagen: wer ist es. der den Frieden des samotbra- 
kischen Heiligtums damals störte? Die Lysimachosinschrifi 
(Dittenberger, Sylloge Nr. 138) weist uns auf die Einfälle von 
Seeräubern, von welchen Samotbrake schon früh heimgesuchl 
worden ist (Untersuchungen II S. 115. Rubensohn, Myste- 
rien helligtümer S. 220). Aber wol darf auch auf die Gefahr 
hingewiesen werden, welche den von Ptolemaios III annektir- 
ten thrakischen Ländern fortwährend von Makedonien drohte, 
wo der greise Antigonos Gonatas Alles aufbot um den Ruin 
seines Reiches aufzuhallen. Und Samotbrake lag jedem make- 
donischen Herrscher besondersam Herzen; eine « alte Tradi- 
tion' wies die Mitglieder des Könighauses nach der Upr x uov 
(Orph. Hymn. XXXVIII, i), deren Weihen gerade in dieser 
Zeit an Ansehen und Bedeutung gewonnen und. die helleni- 
stische Welt erobert hatten 1 . Mögen es Piraten oder Make- 
donen gewesen sein, zu deren Abwehr Hippomedon die Trup- 
pen entsendet, das beweist unsre Inschrift jedesfalls, dass der 
Frieden des Mysterienheiligtums um 240 kein ungestörter 
war, und dass der neue Statthalter auf der Hut sein musste. 
Zunächst war es wol nur ein Akt politischer Klugheit, wenn 
er vor Allem das Heiligste der nördlichen Hellenen, die sa- 
mothrakischen Mysterien zu hüten suchte. In wie weit Ptole- 
maios Euergetcs bei diesem Thun seines Strategen persönlich 
beteiligt war, wissen wir nicht. Aber von dem Interesse, wel- 
ches das Haus der Lagidefl den Mysterien i\w Grossen Götter 
von Samotbrake zuwandle, zeugen noch beute die Reste der 
Tholos (Irr Arsinoe und des Ptolemaion ebenso wie der Altar 
von Sestos (Athen. Mitth. VI S. 209). 

Wenn diese Darlegungen im Wesentlichen richtig sind. 
wird man aus den geringen Resten der Inschrift />' Bcbliesseii 
können, dass zwischen ihr und A ein innerer Zusammenhang 
besteht. Denn das iyy:ow.x '. über welches die Gesandten ?er- 



1 Untersuchungen II S. 85. Rubensohn 8. 1 1 i. 150. 

'' Das Worl o/.öpuji« widerleg! die von Conwj, Reise S.6I ausgesprochene 

ATHEN. MITTHEILUNGBN Will. -> ' 



354 u. KKItN 

handeln sollen, Weist uns zurück auf die Schutzmassregelo, 
welche Hippomedon nach der [nschrift .1 in Samothrake ge- 
troffen hat. Ist .1 als ein Ehrendekret der Samothrakier für 
den Statthalter dv* Ptolemaios Euergetes, den Lakedaimonier 
Hippomedon, erkannt, so ergiebl sich für l>. dass es der Be- 
schlüss der Bou^yi ist in Betreff der Entsendung der Gesandten 
an Hippomedon- B steht auf der Vorderseite des Steins; es 
stellt in indirekter Rede die lütten dar, welche die Samo- 
thrakier an den neuen Statthalter richten. Leider bietet (Irr 
Text noch manche Schwierigkeit, deren Lösung ich einem 
Kundigeren überlassen muss. Aber einige Punkte sind klar. 
Z. 2 die Berufung auf den König und seine Gemalip (ähn- 
lich A Z. 17); Z. 3-1 wird der Statthalter gebeten, e£xycoy/; 
und y-ili'.x den aus der Cherrones (xat «XkoQiv öOsv auxöi eö- 
y.xicov 'jzvrr-xi. elvai) Kommenden zu erteilen, und Z. 5 wird 
den Gesandten eine Unterredung mit Hippomedon (auTüi) 
über die Befestigung der in ihrem Frieden bedrohten Insel 
aufgetragen. Besonders interessant ist der Beschluss eines Dan- 
kesopfers für das Königspaar, interessant deshalb, weil auch 
Lysimachos für seine Bemühungen um den Schutz der Insel 
vor Seeräuberbanden ein jährliches Opfer von den Samothra- 
kiern erhalten hat. Zu der Lysimachosinschrift lässt sich über- 
haupt kein besseres Gegenstück denken als der neugefundene 
Inschriftstein für Hippomedon, den Feldherrn des Euergetes. 

2. Stele an beiden Seiten gebrochen. Gefunden Sommer 
1891 von Champoiseau und publicirt Revue des e'tudes gree- 
ques V S. 197. Jetzt in Constantinopel ? Die Stele trug eine 
Reihe von Proxeniedekreten ; die Reste von dreien sind erhal- 
ten, das erste galt einem gewissen Numenios, das zweite dem 
Aitoler Seirakos, dem Sohne des Ischomachos und das dritte 
allen Oitaiern. Siehe Umschrift und Commentar bei Tli. Rei- 
nach a. a. 0. 

3. Chora, verbaut im Hause des 'Iwocvvyi? 'PejMCOUT^ia. Alar- 



Ansichl, dass sich die Insel nicht durch Blauern, sondern durch den Ruf 
ihrer I tcilizkeil zu schützen suchte. 



AUS SA MO-TM HARK 3-5 

mop; Höhe 0,30, Breite 0,39. Buchstäbenhöhe etwa 0,02"' 
Nach Abschrift und Abklatsch von Phardys. Stark verrieben 
Deutlich nur die beiden letzten Zeilen : 

|M] vo; IIo7ct<$£Ö>[vo<;] 

Scheint der Rest eines Psephisma zu sein. 

I O 

P O Z 
E I 2 
I A O A H 
H MIOY 

KYllKHNftN 
NOIFOIEIA^ Oi 

4. Haus des Nikola Syka. Stark abgeriebener Marmor- 
Höhe 0,18, Breite 0,44, Dicke 0,24'". Eine Lesung am Stein 
selber war nicht möglich; was ich hier gebe, habe ich mil 
vieler Mühe auf dem Abklatsch entziffert. 

1 • Unsichere Reste 

2 - BA^IAEfl) 

3. TOYEPIXAPO 

^EBE 



4. 

5 - APfiNMH 

6. 

7. 



E A H O Y £ E Y £ I bi . 
EPA<t>PA£EYrOPI INPPnTO? 
T O £ <|) I A O Y 

2. [1*1] ßafftXeo? 

3. Toö 'E-iyapo[u] 

5. 

"• su«€ 

7. 'Ezscppä; 6U7COp[8i?]v -ccüJro: 

8. to; 'I".>. (>)t ou 



356 



O. KERN 



5. Chora; Sammlung Phardys. Vgl. Rubensohn, Myste- 
rienheiligtümer S. 227. Ich veröffentliche auf S. 357 zwei 
aach meinen Abklatschen und Skizzen gemachte Zeichnungen 
des Steins. .1 giebl die wichtige Vorderseite und B die Hinter- 
seile. Auf der rechten Schmalseite steht in 0,04 hohen Buch- 
staben der Name : 



GCEST 




Nach meinen Abschriften hat Mommsen den Stein in dem 
binnen Kurzem erscheinenden Supplement zum C. I. L. IM 
unter Nr. 12322 (S. 2083) herausgegeben. 

Als bedeutendere Differenzen mit den Lesungen von Phar- 
dys und Bubensohn notirc ich zu B Folgendes: 

1. Ich lese BPIMOY, also 'OJßpijMu. Auf dem Giebel und 
Hauptinschrift trennenden Streif standen auch Buchstaben, die 
später durch Rasur entfernt sind. 

6. Die Lesung ist sicher; also [/erä ffTpaTjYjyou avO-j-ixo-j. 

8. 6'jffe6«t<;, Bubensohn: 6i><yeß7fc ; danach Rasur. 

15. Der Vater des ßa<riXeu$ 'ApiürMz heisst nicht Ti/wEzvo$, 
sondern $U6faoQ. 

Über den auf A dargestellten Bau bat Bubensohn S. 158 ff. 
ausführlich gebandelt; denn es ist keine Frage und auch gleich 
von Phardys und Rubensohn erkannt worden, dass dies von 
Rubensohn im Anhang S. 227 besprochene Monument in die 
von ihm behandelte Reihe samothrakischer Reliefs gehört, auf 
denen ein tholosartiger Bau dargestellt ist. Seine irrige ße- 
schreibung, welche auf einer mangelhaften Skizze von Phar- 
dys beruht, wird durch die obige Abbildung corrigirt, und 
klarer als alle Worte, meine ich, spricht die Gegenüberstel- 
lung von A mit der | nach einem mionnet'schen Schwefelab- 
druck der pariser Sammlung; s. Rubensohn S. 169) hier an 
erster Sielle abgebildeten kvzikenischen Münze. 



AI - BAMOTHRAKE 






Sicher ist,dass auf der Münze ein Rundbau dargestellt ist; 
das gilt auch von dem Demokiesstein (unten Nr. 6), wobei 




^Y ^ 





IniBA^IAEnEAEENIA 
ß NolltPATZYFAMENol 
HToYAMGYnATOY 
lAPXONTo^ANAPiAKAlTPl 
lEYXEBEH :■-,■ • 
1 1 ^At^AroPAI H AI 2 Y OY 
rot\proiAtoi<AHiErANAPoy 

y*Mk% MEAANinros 

t^ENT-nP EHIBAII 

1& AXOX TOY+IAO 

AX EYZEBHI 



TTYeAro 



/y. 



ich mich noch auf das Zeugniss Dörpfeld's berufen darf, wel- 
cher den Stein bei Phardys gesehen und photographirl hat. 





Für die von Rubensohn. aufgeworfene Frage, ob der Bau ei- 
nen Altar oder eine Tholos darstellt, kann ich nichts Knt- 



358 0. KERN 

scheidendes beibringen. Denn einerseits kann man sich lieute 
auf die grosse epidaurische Urkunde berufen, welche für Po- 
lyklets Tholos die Bezeichnung (hj.ilr, bezeugt, andererseits 
bleiben aber bei der Annahme, es sei ein Altar dargestellt, die 
drei Figuren oben auf dem Hau rätselhaft. Jedesfalls wird Nie- 
mand leugnen, dass man angesichts der vorstehend abgebilde- 
tm /.weiten kyzikenischen .Münze (Rubensohn S.175), auf der 
unser Rundbau neben einem Tempel erscheint, eher an einen 
Tempel als an einen Altar denken muss. 

Schwerlich ist er aber für einen samothrakischen Bau, etwa 
das Arsinoeion zu halten. Ich meine, nur das ist völlig klar, 
dass die Kyzikener eine Zeit lang diesen Bau in ihrem Wap- 
pen führten. Anders kann ich die Darstellung auf Reliefs und 
Münzen nicht deuten und muss jeden Versuch aus dem bis- 
herigen Material Weiteres zu folgern, ablehnen. Wie die 
Magneten am Maiandros den Reiter, die Athener die Eule, 
die Tenedier Weintraube und Doppelaxt, Pantikapaion den 
Kopf des Pan als Wappen über ihre Yolksbeschlüsse setzten, 
so auch die Kyzikener über ihre Listen von Mystcn und Epo- 
pten den merkwürdigen Bau ihrer Münzbilder 1 . Ist der Rund- 
bau auf unserem Stein als Stadtwappen aufzufassen, so halten 
wir nicht den allermindeslen Grund anzunehmen, 'dass in 
diesem Bau der Cultus (der Kybele) gepflegt worden sei, der 
mit dvn samothrakischen Mysterien so nahe verwandt war, 
und dass deshalb die in Samothrake eingeweihten Kyzikener 
eine Darstellung dieses Baus auf die; dort aufzustellenden Ur- 
kunden gesetzt hätten'. Auch ich glaube, dass sich der kyzi- 
kenische Bau auf den Dienst der Kybele bezieht, aber für Sa- 



1 Über den Brauch, das Stadtwappen auf den Urkunden in Relief anzu- 
bringen vgl. Newton, Ancient Greeh inscriptions in Hu British Museum II 
11883) S. 30 und Lechat, Bull, dt corr. hell. XIII (1889) S. 516. Hinzu 
kommen jetzt noch zwei unpublicirle Urkunden aus Magnesia am Maian- 
dros mii dem Reiter in Relief, der als Stadtwappen von Magnesia auch auf 
Münzen und Ziegelslerapeln erscheint. Dieser Brauch ist für die Proxenie- 
dekrete auch literarisch bezeugt: Anligonos von Karystos, llisiur. Mir ab. 
Q. XV (xaOarcep lerclv jfOifxov reaoi rcpojJtapatiO^vai). 



AUS SAMOTHRAKE 3ö9 

mothrake ist nichts damit gewonnen. Es ist auch nocli nie- 
mals der Nachweis geführt worden, dass Kyhele in irgend ei- 
ner Cultgemeinschaft mii den Grossen Göttern steht, und dase 
sie im Temenos von Samothrake einen Tempelsitz gehabt hat. 
Die y.r-r.z öpeia gehörl nicht in das Waldllial in der Nähe des 
.Meeres; die Spitze des samothrakischen Gebirges, die hohe 
Warte, von der Poseidon in der Ilias auf die Kämpfe der 
Achäer und Troer herabsieht, war die Stätte ihres Cults. 

In die Reihe der Rundbaureliefs gehört auch die folgende 
Nummer, der von Rubensohn S. 160 ff. behandelte Demo- 
klesstein. Hier ist die Beziehung zu Kyzikos nicht bezeugt, ja 
wir nuissten den Bau nach der Inschrift für Tralles in An- 
spruch nehmen. Aber der Stein ist ölten und unten gebrochen, 
und der innere Zusammenhans des Reliefs auf der Vorderseite 
und der Mystenlisten auf den beiden Nebenseiten ist genau so 
unwahrscheinlich, wie hei unserm Relief der innere Zusam- 
menhang der Darstellung auf der Vorderseite und der Inschrift 
auf der Hinterseite. Die Mystenlisten wurden ebenso wie die 
Theorenverzeichnisse von Fall zu Fall eingemeisselt, und oft 
ist derselbe Stein zu verschiedenen Zeiten dazu benutzt wor- 
den. Deshalb war die Demoklesinschrifl hei der engeren Fra- 
ge, ob der 'Rundbau' in Samothrake öder Kyzikos gestanden 
hat, von vorneherein auszuschliessen ; sie beweis! weder fin- 
den einen noch \'uv den andern Teil 1 . Aber dass *\vv Stein 
höchst wahrscheinlich in die Reihe der kyzikenischen Rund- 
baureliefs gehört, wii'd \on Niemandem mit ausreichenden 
Gründen bestritten werden können. 

ti. Ghora; Sammlung Phardys. \)r\- Demokiesstein Vgl. 
Gonze, Sitzungsberichte der berliner Akademie 1892 S. 213. 
Rubensohn S. 160 ff. Th. Reinach, Revue des e'tudes grec- 
ques V S. 199 Nr. 3. C. I. L. III SuppL S. Vis:: \ r 12323. 

\)cv Stein, von dessen mit dem Rundbaurelief geschmückter 
Vorderseite ich umstehend eine nach meinem Abklatsche ge- 
machte neue Abbildung mitteile, ist im Jahre 1891 aus der 



1 Rubensohn — ^ . 1 T I micili andei s. 



;,,,) 0. KERN 

kleinen Kirche des Hagios Stephanos in die Sammlung Phar- 
dys gelangt. 

Die Kirche,ein sehr primitiver, bypäthraler Bau hal schwer- 
lich ein hohes Alter. Cyriakus, welcher die Insel 1444 besucht 
hat, kann das Relief an dieser Stelle keinesfalls gesehen ha- 
ben 1 . Phardys hat mir den Platz gezeigt, an welchem eres 
aufgefunden und den er jetzt durch einen andern Stein hat 




ausfüllen lassen. Nach ihm lag das Relief mil drv Vorderseite 
nach unten, und nur durch wiederholte Tastungen kam er 

auf den Gedanken, dass der Marmorblock auf dem Allarlisehe 
ein Rest des Altertums sei. Danach ist Rubensohn's Ansicht 
S. 1G8 zu corrigiren. 



' CoDze hal nach einer Abschrift A. Maus die Beschreibung Samo- 
Ihrake's mitgeteilt, welche sich in der Handschrift Cod. Vatic. 6250 fol. 
I:! 1 lindel. Spiro hal den Codes auf meine Bitte noch riuni.il durchgesehen 



AUS SAMOTHRAKE 361 

Der Mann. »rblock ist 0,51'" hoch. 0,43 breit und 0,12 dick. 
Auf der Vorderseite befinde! sich das Relief. Auf deo beiden 
Schmalseiten stehen Inschriften, .I auf der rechten (vom Be- 
schauer), B auf der linken. Zu dem Rundbaurelief habe ich 
nur das zu bemerken, dass ich die von Phardys gezeichneten 
Reste einer menschlichen Figur in dem rechten unteren In- 
nenfeld der Thüre auf dem Original nicht bemerken konnte. 
Auch Dörpfeld kann nach einer genauen Untersuchung des 
Steins nichts weiter als vorhanden angeben, als den schon bei 
Rubensohn gezeichneten ThürgriiY. 



4 


A. Rechte 


Schmalseite. 


J . 

2. 


i 

A 1 V 1 V 




3. 


A M P L V c 




4. 


B A B V E 1 \ 




5. 


MPHILV 


[ Pa] mphilu [s] 


6. 


ST VM El 




7. 


IIBÄ^IAET 


['E]7Tt ßa<7l>.£(i)[c] 


8. 


M O K A E 1 O Y 


[AY)]i./.oy.>.sto<j(Y! 


( J. 


YP YOOT E 


[tojü Il'jOoyi[vou:] 



und damit Rubensohn's Wuasch S. 218 erfüllt. Auf die von Conze (Unler- 
suchuagen I S. 1 Aam. I) citirtea Worte folgt aoeh der Passus (f. II*): 

Epigrammata ad triangulärem basim ornalam, marmoreaq* : 

Ad Capsulum nouum ex palamede oppidum. MHTP04» ANOY . X A I PE. 

Ad arcem antiquae Samoiliraciae urbis, quam hodie cf. 

Quem iussu regio nouam iniin arcem condidisse comperimus, ubi primum 
praetorianam ad aulam bona pm nostri iueundissimi itineris aue exsaream 
lianc inscriptionem martnoreo in lapide conspexi. Vale, ei me ad cras Sainon 
tlireiciam antiquam nepluni sedem nauigaturum scito. Tu inlerim uir bone 
legalum Optimum nostrum praedigne facito memorem: ei sanetam illam par- 
thicam expeditionem, quam apudeum, ei alios iam diu tarn solertissime fa- 
uiiarr atijur iuuare coepisti, ad exoptatum perducere finem die noctuque cura- 
Ins. III. Kai. OCtob. l'i't'i. 

Spiro schreibt, das-, dies Alles sei, was der Vaticanus auf seinen ersten 
l ? - 2 Blättern über Samothrake enthält; aufBlatl 23 erzähle Oyriakus schon 
von Piacenza. 'Nachher werden nur noch einmal in einer thrakischen ln- 
schrifl zwei samolbrakiscbcMäuner unter anderen verschiedener Herkunft 

aul-.'/.alilt '. 



362 


0. 


KERN 


10. 


YÄAOZ 




11. 


A N H 2 1 O Y 




12. 


2 T H 2 E Y 


^|/.u]<7T7]? 6U- 


13. 


BHI 


[cre]€-/i<; 


14. 


TTINAI 




15. 


\ 1 o r E N O Y 


[AJioyevoufc] 


16. 


\ 1 M Y 2 T h 


[y.]ai [AUffT/)[?] 


17. 


1 A P O M A 


['Av]Sp6{Aflt[xo«] 


18. 


AT EPO Y 


[Kpjaxe'pou 


19. 


POAA«N 


['A]xoHa)v[\ocl 


20. 


A H N 0<|>ÄN 


Mr ( vocpav[ou?] 


21. 


Y2TH2EY 


[{x]uGTYJ? 6u[ff6-] 


22. 


H 


[ß]*H 


23. 


YITHIEY 


[u.]u<TT715 6u[g£Stj;] 


24 


T O 
frei 




25. 


Eni B AI 1 A 


'Etci fiaGtXfews] 


26. 


M OK A E O Y 


[A7)][J!.0X>.£0'j[?] 


27. 


OYnYOr 


[t]o>j IIuOo[y£vou;] 


28. 


A 1 






/>. Linke 


Schmalseite. 


7. 


"1 1 B A 2 1 A E 


['EJtcI ßaci)v£- 


8. 


7IAHMO 


COg Ay]|7.0- 


9. 


K A E 1 O Y 2 


)tXeiou? 


10. 


OYPYOO 


[t]o0 II'jOo- 


11. 


TENOYI 


yevou? 


12. 


P A A A 1 A N O 


[T]paX).iavo[i] 


13. 


Y 2 T H 2 


[(X]U(TTY1? 


14. 


IEBHI 


[eüjceoTQ? 


15. 


B A 1 A 1 




16 


Y2TOY 


[>]uGT0U [{]- 


17. 


EP O Y K A 1 


Epou y.y.1 [<JT6-] 


18. 


\> A N E 1 T 


<pav6ir[ou 


19 


\rfiNOi 


äycövo; 


20. 


Q N TT Y O 


IT CÖV II.jO[l-'l 



AUS 8AM0THRAKE 363 

21. 1 N K A I uv y.xl 

22. ATOPOY 

23. M A P O K O 

24. H M H T p 

25. A 

Ls leuchtet beim Anblick des Steins sofort ein, dass diese 
Inschriften von verschiedenen Händen eingetragen sind ; das 
hat Phardys (bei Rubensohn S. 1G2) auch gleich hervorge- 
hoben. Während die Seile A vor der Zeile 7. welche mit : -~: 
ßaffiA6(i>s Av;f/.oKAetou; anhebt, noch einige Reihen mit lateini- 
scher Schrift bietet, sind auf Seite B etwa 0,10'" frei gelassen. 
Die lateinische Inschrift ist offenbar später eingetragen wor- 
den ; aber auch bei A und B, den Listen aus der Amtspe- 
riode des Königs Demokies, ist der Unterschied der Hände klar. 
Meine nach den Abklatschen revidirte Lesung weicht in 
wesentlichen Punkten von der bei Rubensohn S. 1 6 1 mitge- 
teilten ab. Ich notire hier Folgendes: 

A. Z. 20 Rubensohn: <J)AA. Ich lese deutlich: 

AHNO0AN. also M>)vo<pdcvous. Z. 21 und 23 ist nach den 

ganz unzweideutigen Resten beide .Male pero? eu<t66tk zu le- 
sen. Z. 26 [A7j](jt,o>tA60u[<;], nicht AT,;y.ox.Aciv,;. 

B. Z.12 Rubensohn: BAAAHN. Z.15 ist B sehr proble- 
matisch; es könnte auch K sein. Z. 18 Rubensohn: B A NEI. 
Z. 19. Rubensohn: KTTONOZ. Z. 22. Rubensohn: ..EOPO. 

7. Chora; Sammlung Phardys. Aus der Kirche des Hagios 
Dimitrios. Fragment aus weissem, blaugeädertem Marmor. 
Höhe etwa 0,20. Breite 0,21 , Dicke n.M. Buchstabenhöhe 
0,02, der untersten Reihe 0,015'". Die Hauptinschrifl steht 
;ml ' einer etwa 1"" vod der Fläche sich erhebenden Platte. 
oberhalb derselben die angegebenen ganz geringfügigen Ruch- 
staben reste. 



i M Y 2 T A I 
r E N O Y 
1 F A P X E n 

* P'AHAO s 



164 



0. KKHN 



Mit Hilfe der Inschrift C.l. G. II Nr. "2157 (vgl. auch 
Rubensohn S. 172) kann man d'.vsv Reste leichl ergänzen. 
Die Inschrift im Corpus lautet : 

£tci AvTyEvoui; toü 'Epu.ayopo'j 

IZTTXpySO). 

toü - - t^o; Ilap^.eviT/'.o; 'ApiGTew 

[ ( Iu>.d];£vo<; «lu^o^evou 
[(xuirjrai eüasSei; 'Aa>t>.7i7rtäS-/i? 

'AfxjxaXou 0£p<jiwv 'Hpoy£iT[ovo]<; 

K'J^EpVTJTIOi; M^VOCplXO'J. 

Danach lautet die neue Inschrift: 

[Ku£»tY)V<3v UpoTTOioi >ta]i pjcrrat 

[etu 'AvTl]y£VOU 

[toö 'Epj/.ayopou i]x7rap^£co, 
[w; $e ^aty.oOpz>c£? iwi ßx<jiXe'<i>$] 'ApiSvjXo'j 

8. Sammlung der Schule ; Fundort unbekannt. Fragment 

aus weissem Marmor. Höhe 0,20, Breite 0,20, Dicke 0,95'". 
Allseitig gebrochen. 




Ku C'./.r,voi] 



AUS SAMOTHRAKI- 36S 

9. Sammlung Phardys. Marmorplatte, hoch 0,26, breil 
0.22, dick 0,055 m . Oben bestossen und unten gebrochen. Aus 
der Stadt Paläopolis. Nach einer Abschrift \<>n Phardys |>u- 
biicirl bei Rubensohn S. 233. 

2. YOlfiNolToYAPiÄII/ oY 

3. PoAlttNIEPoPolol 

4. MYITAIUI POPTAI 

5. E Y 2 E B E I 2 

6. q2ikahzeykpatey2 

7. fe'iupathitimäpätoy 

8. äämätpio:zäm<j>otepoy 

9. zynetäamoi 

10. käääikpathsaamAtpioy 

11. anä5ikpathzanä~ikpa' 

12. 0EYA(lPOIHPA ri 

13. IIIÄOTOI 
1 \ . A A M A ~ 

15. A r A ^ 

1 . [ Et:! ßaffiAEöx;] 

2. [nj'jOtUVO? TO'J 'ApiSyjAO'J 

3. Poot(ov (sporrotoi 

4. LtüffTat >cai [e]7cÖTCT<xt 

5. 6U<56b6i$ 

0. 2 (011XA7)? E'JXOiTEUr; 

7. rietaixpaTY}«; Ttpiap&TOu 

8. Aau.zrpio; ?A|A©OT6pou 

9. — WEySapioi 

10. KaAAixpaT7)<; Aay.xTpio'j 

1 1 . 'Ava<;txp&TY)< 'Ava£ixpdc tsu<; 

12. 06uö(»)po<; 'Hpay[6pou 

13. 'Iciöoto«; .... 

I i. Aauafrpio; .... 
15. 'Ay 

Bei Hultcnsolin l'clili /. 2 der Vatername des Pythion 



366 0. KERN 

7. fi steht bei ihm SoxtiäSto; ; meine Lesung ist sicher. X. 12 
hat er nur Seu&wpo? und Z. 15 fehlt 'Ay und die darauffol- 
genden unsicheren Reste. 

Nach meiner Abreise aus Samothrake ist es <1<mi Bemühun- 
gen des Herrn Phardvs auch gelungen, die Rückseite dieser 
Inschrift von der starken Sinterschicht zu reinigen und zu 
entziffern. Aach seiner Abschrift und seinem Abklatsch lau- 
tet die Inschrift so: 

1. EPIB 

2. Q2AEENPOZ KOY 

3. T O Y A A I O Y 

i. p o a i n N 

5. IEPOPOIOIMYI YIEBI 

6. AAAIAAAZANTIPATPO 

7. A P I 2 TO r E N H Z N I K O M A X O 

8. N A Y T A I 

9. AIONY2IOIE(|)EI . . . 

10. OHPON.I..NOIOZ 

11. EY2YHIE<1)EII. . 

12. \OANTEAOI 

13. IOIENPOA11. 

14. O Y N T O 2 

1. 'Etü ^[y.nCkidiq 

2. w; 6i ev 'PoS[iot<; ewt ... ,]xou 

3. TOU AXlOU, 

\ . 'l'ooiwv 

5. iepo7POtot (AU<j[Tat £ ] u<re€ [etc] 

6. AaX'.ä.^a? 'AvTi7ry.Tpo[u] 

7. 'ApKJToyeV/K Nucoj/.k£o['j] 

8. Naurai 

9. Atovuaios 'E<pecio? 
10. Srjpwv ;II e[pi]v9to? 

1 1 . EuGUYIS 'E^efflfo;] 

12. A N r F \ C Z 



AUS SAMOTHHAKE 

13. 10? iv 'Pol* 

14. OÖVTO? 

Die Ergänzungen rühren sämtlich von Phardys her. Nur 
Zeile 12 habe ich in der Umschrift sogegeben, wie sie mir auf 
dem Abklatsch erscheint. Phardys schreibt 'A-; x 0? '-/.(y)ys/'-,;. 

Über die eultlichen Beziehungen zwischen Rhodos und Sa- 
mothrake vgl. Kubensohn S. 23 i, dessen Ausführungen aber 
nach dem zu ergänzen sind, was F. Hiller von Gärtringen auf 
meine Bitte in dem folgenden Aufsätze (S. 385) zusammen- 
gestellt hat. Auch die Theoren von Kaunos, welche zweimal 
auf den samothrakischen Listen * erseheinen, dürfen hier nicht 
unerwähnt bleiben; denn vgl. über das Verhältniss von Kau- 
nos zu Rhodos Uolleauv, Bull, de corr. hell. XVII S. Bl ff. 

10. Sammlung Phardys. Marmorplatte mit Giebel, hoch 
0,2(3, breit 0,23, dick 0,05 m . Publicirt von Rubensohn S. 232. 
iMan kann sich hier mit der Umschrift begnügen. 

1 . 'Et: ; . ßa<jtXI<i>§ 'AicoXXo^avouf?] 

2. TO'J AlOOGJpO'J 

3. IflQOTCTai eucsoei^ 

4. Aeuxio? Sixivto? MaäpKO'j 

5. 'Pcoaaio? 

6. Kai äv.öXouOo; — i\vr/, r j^ 

7. auGTat S'JTeSeif; 

8. A'jXo; 2ixivto$ Aeuxiou 

9. I 'wy.y.io; 'A0r ( vi(ov 
10. -pio; Flepiio; KoiVTOU 
1 1 . -X'.o; AsümSr,; 

ö-r,ctT'./.oO 



12 
13 



T'. 



Die Neuvergleichung hat nichts Wesentliches ergeben. /. i 
Maäpx.ou; wegen Rubensohn's Anmerkung zu der Stelle niuss 



1 Conze, Reise S. 09. Untersuchungen II 8 



368 0. KERN 

ich auf LeBas-Waddington, Asie Mineure, Explication Nr. 
1572 verweisen. Danach gehörl die Inschrift noch in die re- 
publikanische Zeil Roms. 

/. 9 stehl das auffällige 'Pcajixios 'AOvjvitox in der Thal auf 

dem Stein. X. I I lese ich T AIOIAEfiN I AHI und 
/. 12 und 13 / FHPETIKO x/ 



I I . Nach dorn im Februar dieses Jahres erfolgten grossen 
Erdbeben ist folgende Inschrift zum Vorschein gekommen, von 
der mir Herr Phardys Abschrift und Abklatsch zugesandt hat. 
Marmor, hoch 0,15, breit 0,? 3'", allseitig gebrochen. Phardys 

schreibt: co y.yoy.acov touto eOpiotSTai l%\ rr,: sEtoTepiK - /}; eTirpavsiai; 
TT,? NA ywvta;, ~r,: h tu> -/(iipiw oi>ua<; too 'IwivvY) 'PefxxouT^ia., a*pi- 
£u>: £-•. to'j kutoO toi/ou, etti to'j c-oio'j eOpeüv} y.ai Y] E-typa<pY) tou 
x.Moio-j A Conze ( Reise S. 67. Inschrift aus dem Hause 'eines 
gewissen 'A/ayvöxjTTis Boupyapvic'). Nach Schriftcharakter und 
Anordnung beider Inschriften ist die Annahme gerechtfertigt, 
dass beide Fragmente von demselben Block stammen, und 
deshalb druckt' ich hier unter A auch die conze'sche Inschrift 1 
nach einer von mir an Stein und Abklatsch vorgenommenen 
Re\ ision wieder ab. 

A. Noch 0,17, breit 0,2V". 

1. A 

2 NHOENTEZA 

IE Ä 2 T Y F A K 

\. NOKPATH2FOÄYKÄI 

5. BÄ T / Ä NO 

6. ATAOOKÄHZ 

7. K Q I O I 

8. POY ÄPI2TÄPXOIA 
!). a i 



' Die Inschrifl hatten bereits Blau und Scbloltmann gefunden; s. Mo- 
natsberichte der berliner Akademie 1855 S. 622 Nr. 16. 



aus SAMOtimAKi: 369 

Z. 3 bemerkt schon Conze, <l;iss zwischen ZE und A2TY- 
FAÄ nichts stand, man also nicht mit Blau und Schlott- 
mann Ss[vay6p]a? Tupafvviwvo?] oder Ähnliches ergänzen darf. 
Conze hat 'A<?TU7ca>aiEi^ erschlossen; das ZE erklär! er nicht. 
Man imiss offenbar Z. 3 und 5 verbinden und Sevoxp<fcT»j? 
lesen; die Trennung dieses Namens ist aus Raummangel er- 
folgt, der bei dem Charakter einer iv<xypa<py] nicht verwunder- 
lich seheint. Z 5BaxaX[o?]; Z. 6 'AyaBo /.).•?, :. Conze BAT. .A 
und ATA. Z. S scheint mir 'Api?Tapyo; siclier; Conze las 
AIIZTOI und bemerkte dazu: 'Der letzte Name ein [ "A plt- 
utg[vixo?] oder ähnlich ? ' 

Danach lautet die Umschrift so: 

A. 

1 . . .a. . . [oiog -pÖQevoi syg'vovTO t*7,<; xoAewc] 

2. ' [Oswpoi .... 7iapay£Jv/)0£VTec A 

3. 2s- 'AffZVJtaMa teit;] 

4. VOXpZTYK I IoA'jy.AEO'j; 

5. I>xTa[_Ao?] - - vo - • 
ti. 'AyaGoxXr,? 

7. Ktütot 

8. -pou 'ApiTTap/o: A 

/y. Hoch 0,15, breit 0,23'". 

2. HMOYFAPATI 

3. KÄAIOMENIOI 

4 . ÄPOAfiNlÄHIÄHMHTPIO 
:». FYOlQNÄEPMOrENO 
G. 

7. AAAbänAeiz 

8. PATINOIAPTEMlÄfi 

Z 5 Il'/Jiwva steht deutlich auf dem Abklatsch. Man muss 
ein Versehen des Steinmetzen annehmen, der statt Av^ Nomi- 

ATHEN. MITTHEILUNGEN Will. 25 



370 0. KERN 

nativs den Aceusati\ gesetzt hat. Phardys bemerkt: To sc-jpiov 
ovoita II'jOicüv siva- ßeoaiOTaTOv. Mstx to N o;j.w; Ewerat ex vpÄitaa 
cyr,u.y.- r jc TCspiTCOii toio'jtcj : A. to 6—oiov ($kv oOva[/.xt va [/.avTeüaa). 
Der Steinmetz hat /. 1 auch ein Versehen gemacht, Atoaw- 

vi?>7)$ Statt 'At:oAAwviSy,c. 

Öewpoi toÖ o |7j{i, O'j 7capaye[v7}8£VT6?] 
Ä .Idfjiin 'not 

'A-o'XcoviS'ii; AY!y.T/Tp£o[ul 
Il'jOttüva 'Epu.0Y£vo[u;] 

1 A.la6ctYb*sZQ 
[Kl paxivo? 'Aot6(aio(»)| pou 

Diese Inschrift gehört in die Reihe der Untersuchungen II 
S. 97 behandelten Theo ren Verzeichnisse (zu Nr. V), welche 
' successive von Fall zu Fall eingetragen wurden'. Da die 
Breite der hieher gehörigen Blöcke stets I'" übersteigt, ist 
nichts der Annahmt' hinderlich, dass beide Verzeichnisse auf 
demselhen Block standen; vgl. z. B. Nr. VI (Conze, Reise S. 
6~). Ja man wird sogar behaupten können, dass wahrschein- 
lich folgende, mir während des Druckes von I*. Wolters vor- 
geschlagene Herstellung richtig ist: 

o i Co 

13 A 

['Eiri ßaffiXeo>5 tou Säva] | a [otSe 7:pÖQevo'. evevovTO t-7,: -6'heioc) 
[Oewpot to'j yj(/.ou 7capaye|v73Ö6VTe? A 

weil sich dann, wie zur Bestätigung Z. 8 aus B und .1 'Ap- 
T6atSw|po'j richtig zusam mensch liesst. 

12. Chora: Sammlung der Schule. Block aus weissem .Mar- 
mor. Höhe 0,135, Breite 0,56, Dicke 0,26 m . Auf der Ober- 
fläche links Dübelloch mit Gusskanal. Aach Phardys isl diese 
Inschrift identisch mil dem Untersuchungen II S. ( .)1 kurz 
erwähnten ' Namen verzeichniss'. 



.\i .- SAMOTHRA&E 



1 



I A P A I E I Z •\<v : y:iii ? 

ZÖFYP0JF0NA0Y Züicupo(§) Stcov&oö 

EYAAlMANOPAtnNo^ EuSaiawN 0px<?6>vo? 

13. Sammlung Phardys; aus der Kirche des Hagios Dimi- 
trios. Links und unten gebrochen, oben und rechts bestossen. 
Höhe 0,13, Breite 0.:m. Dicke 0.09'". In der Mitte ist in Re- 
liefgearbeitet eine 0,16 breite Ciste. auf welcher die Haupt- 
inschrift (B) stellt; rechts und links Reste von anderen: A und 
C. Es sind drei wol zu verschiedenen Zeiten eingetragene 
Mysten\ erzeieli n isse. 

TIMA roPAI 

EBEI 0EOKAEIÄOY 

I o I 
ABPO KAINIKHZ'AE 

H 2 
\ I E ft 2 



O I M 



O t 


A P I 2 


TT A N T F 


IYNMYI 


<1>A N EA Z 


E TT I 



^fiTEAoYI 



Tiaayopai; 


<->e>coi :>. . 


BeoKAEiobu 


'Api5[. .. . 


v.'j.\ \'./.r,r;iki- 


IlavT[£d); 


w? 


SuvfJLUC xai 


^cotsao'j: 


'I'y.vc'a; 



ja'jGTai surr] e€et[(;] 



Em[... 

14. Chora : eingemauert über der Hausthüre des Kosta Le- 
monuda. Weisser Marmor. Höhe i>..'!'i. Breite 0,24, I >i ul i si a- 
benhöhe o,()1.7". Unten Stack verrieben. 

1 . AIONY2IOY Aiovuriö'j 

5. 2APIZT^N02 . .; 'ApwTwvo« 

3. NAK/xNTOS ..v "Axwvtoc 



3T2 0. fcERtf 

4. ENANAPOY [M]ev<*vSpou 

5. nOAYMniOAAPOY . .o? *< >Xup;io&G>pou 

6. I O N Y 2 I O Y [A]iovo«rfou 

7. HPAKAEIAA 'UpajäsiSa 

8. SAllOAArv ..c 'A-oX^wUio'j 

10. 2 

11. O 

15. Liste athenischer Mysten. 1801 von Champoiseau ge- 
funden und nach einer Photographie publicirt von Th. Rei- 
nach, Revue des e'ludes grecques V S. -201. Bulletin des 
musees \\\ ( 1 80*2 ) S. 05. ' Uinscription parait etre de La 
deuxieme moltie du II siecle apres J-C\ Interessant ist 
die Urkunde vor allem wegen des <xk acrews cTpotT'/iyoö "AOr,- 
voucov t(üv 6v "Ip-^pw. Siehe Keinach's Commentar S. 203. Die 
Inschrift stammt aus dem Jahre des Sahinus (JJaciXeuovros 
Saoeivou). 

16. Chora ; Sammlung Phardys. Platte aus weissem Mar- 
mor, oben ein Giebel mit Akroterienschmuck. Höhe 0,23, 
Breite 0,25, Dicke 0,05, Buchstabenhöhe der lateinischen 
Schrift 0,05'". Nach Abschrift und Abklatsch von Phardys 
publicirt C. I. L. III Suppl. S. 2083 Nr. 19.320. 

AIIAEÜINOYMHNIOY 
Y M H . . O Y 

O C M A - 1 C F 

'l']-i ßjadiXeo)? Nouay,vtou 
toö No]uayj[vi]ou 
. . . . OC Ma r ce- 
llo] 

Mommsen bemerkt zu /. 3: videtur fuisse au/ L. Paullo 
C. Marcello cos,, id est a. 704, mit C. Leu tu/o ('. Mar- 
cello cos. . id est a. 705. 



AUS SAMOTHRAKE 373 

17. Mystenliste : Revue des e'tudes grecques V S. 203 Nr. 
6. C. 1. L. III Supjd. S. 2083 Nr. 12319.Welcber Stadl die 
erste Reihe der Mysten angehört, ist nicht zu wissen, da die 
Platte oben gebrochen ist. Di«' untere Reihe enthäll Mysten 
aus Chios. Nach einer Mitteilung von Phardys ist die Inschrift 
in der Sladt Paläopolis bei der verfalleneu Kirche (\v^ Isido- 
ros gefunden. Diese Kirchenruine trägt erst seit 1891 ihren 
Namen, weil man dort eine Inschrift mit dem Namen Isi- 
doros (unten S. 375 Nr. 24 ) gefunden hat. Sie liegl etwa 
fünf Minuten südwestlich von dem grossen Turm, gerade in 
der Mille /.wischen dem Bach, der auf Riha's Karte verzeichnet 
ist, und dem mittelalterlichen Kastell. Champoiseau undPhar- 
dvs haben hier Versuchsgrabungen angestellt. Soviel ich se- 
hen konnte, steht die Ruine auf den Resten eines antiken 
Baues dorischer Ordnung. Viele alte Werkstücke lagen um- 
her, dabei auch ein byzantinisches Pfeilerkapitell und ein 
Marmorkreuz. 

18. Mystenliste der Kaunier. Von Champoiseau 1891 ge- 
funden und publicirt Revue des e'tudes grecques IV S. 21)9 
Nr. 4 (Kondoleon) und V S. 203 Nr. 5 (Th. Reinach). Nach 
Kondoleon ' caracteres de hasse e/joque, II i siede apres 
J.-C.\ nach Reinach ; gros caracteres irre'guliers*. 

1!). Stadt Paläopolis am Bache unter den hohen Platanen. 
Block aus grobkrystallinischem Marmor, hoch 1'". breit 0.96, 
dick 0,22 m . Die Inschrift sLeht auf der linken Schmalseite, die 
rechte Schmalseile ist nicht sichtbar. Von der stark verriebe- 
nen und sehr schwer lesbaren Inschrift habe ich nur den An- 
fang entziffern können. 



1. 


rniBACiAEw 


\l—\ fiy.c;:'ki(x)[c] 


o 


1 H T P O A N I 


Mr,TCo8töp[o'j] 


3. 


T O Y M H T P 


TOV Mv)Tp[o]- 


'.. 


A W P O Y M 


OÜDO'J U 'jT - 


5 


TAIEYCEB 


Tai i'jii'j ;■.; 


6. 


TI-WAAEIC 


Tpcoaoeic 


< . 


I O Y A E C 


[qua 


8. 


I 


. . . 



374 0. KERN 

20. Ans der Kirche des Hagios Dimitrios im Dorfe Chora, 
jetzt in der Sammlung der Schule. Block aus grauem Mar- 
mor; hoch 0.5 W 2, breit 0,18, dick 0,27 ,n . An allen Seilen be- 
stossen. 

O A A 



riOYÄIO^ T. 'IoOXio; 

A Y I Ä i A AiKptSta- 

\| O I ■ T vo?. 

A Ä E - 

A T A O I-! T 'AyaO-o t[u-] 

PIBA2I A [yy eJTui ßaaiX- 

° 1. <t> P C N [e]w? «I>pöv- 

^ N O W<övo[s] 
7 K <D 

21. Schule (aus der grossen Dorfkirche). Marmorplatte 
oben mit einem giebelartigen Abschlüsse; hoch 0,49. breit 
0,36, dick 0,1 6'". Nach meiner Abschrift publicirt C. f. L. III 
Suppl. S. 2083 Nr. 12321. A.Vitellius L. f. und L.Vistanua 
sind die Consuln des Jahres 48 n. Chr. Z. 2 steht Viteilio 
für Viteilio. 

S A C R 
V I T E I L I O 1> F 
VISTANOCOS 
I I I I D V S I V N 
CITERMYS1 
H I L I P P 

22. Chora; Sammlung *\rv Schule (aus einer kleinen Kir- 
che bei Potamia im Nordwesten (\r\- Insel). Marmorplatte, 
hoch 0,25, breit 0,25, du-k ü,08 m ; Buchstabenhöhe 0,02- 
0,03. Rechts und unten gebrochen. 



AUS SAMOTHRAKE 375 

MVSTAEPIEIS 
E P O P T A E 
L-FOVRIVS-L-F O 

CPASSVPES 
PTEIDIVSPF-POM 



Mustae pieis 

epoptae 

L. Fourius L. f. 0[uf.] 

Crassupes 
P. Teidius. P. I'. Pom. 
li i 



Nach meiner Abschrift publicirt C.J. L. IM Suppl. S.2083 
Nr. 12318. Z. 3 steht »las V von Öuj\entind) klein in dem O. 

Mommsen bemerkt dazu : Furii Crassipedes ut rtoti sunt, 
ita huius Hominis vir praeterea non nominatur. Sex. Ti- 
tln senatoris meminit Asconius ad Milonianam p. 33 in 
narratione de caede Clodii; Sex. Teidius Catullinus con- 
sui \ fuit a. 33; Teidii et Tedii aetate imperatoria non rari 
sunt . 

23. Basis mit lateinischer Weihinschrift: CIL IM Suppl. 
S. 11528 Nr. 7367 (Abschrift des Cyriakus Cod. Ashburnha- 
niian.) l . 

2't. Reste einer Mysten liste. Nach einer Kopie von Phardys 
publicirt Revue des e'tudes grecques IV S.300 Nr. 5 (Kon- 
doleon). Die Inschrift ist die von mir S. 373 Nr. 17 erwähnte 
Isidorosinschrift, welche einer Kirchenruine schnell den Na- 
men gegeben hat. Le /not 'IciSüpo-j u e'te grave posterieu- 
rement u la place d'une ligne grattee. Peut-etre faut-il 
retablir Uy.lr^i.y. xyiou 'i^iS^pou. Sonst, ist das Inschriftfrag- 
nieni ohne Interesse. X 2 werden flspivSioi erwähnt. Dieselbe 



1 1 > 1 1 ■ anili ii'ii im ('ni|iiis unlei Nr. 7308 7377 stehen len Inschriften sind 
aus den 'Untersuchungen auf Samolhrake 1 hrk.iuni. 



376 0. KERN 

Inschrift ist noch einmal Revue V S. 204 Nr. 1 publicirl nach 
einer Abschrift von Ghampoiseau. Aber mich dünkt die von 
Phardys genauer zu sein. 

25. Im Norden bei der Kirchenruine des Mag. Isidoros 
(s. S. 373 Ar. 17) ein o.i i m hohes, 0,1«) breites Inschriftfrag- 
ment. .Nach Abschrift \<>n Phardys, der es 1891 gefunden hat. 

K O A O <)> KoXo<pü[vioi] 

E N E £V£ 

Rest einer Theoren- oder My sten- Liste. Vgl. Th. Reinach, 
Revue des e'tudes grecques V S. 204 Nr. 3. 

26. Chora; Sammlung der Schule. Basis ans grauem Mar- 
mor. Höhe 0,15, Breite 0,46, Dicke 0,26, Buchstaben höhe 
etwa 0.02, Zeilenabstand etwa 0,01'". Auf der Oberfläche eine 
0,30 lange, 0,09 breite und 0,02 tiefe Einarbeitung für das 
Weihgeschenk. Die Inschrift ist kurz erwähnt Untersuchun- 
gen II S. 91. 

o 

I 

IMoYAlüHHToY ... Aio<p&VTou 
IAOKAEI0Y2 L N ; *oxX§ i(o)u« 

AII^AHFIQI 'AffCJtXYjwiö! 

Zeile 2 NaoxXeious? O für O; der Punkt in der Mitte ist 
durch den einen Fuss des Zirkels entstanden, vgl. U. von VVi- 
lamowitz, Homerische Untersuchungen S. 289. 

27. Chora; nach meiner Anwesenheit im August 1892 bei 
der 'Ayia Käpa gefunden ; jetzt ei? tx aXüv.a -k^oc, votov toö /w- 
piou, h T/i o'./.ix ^<t>pixou tivo:, Abschrift von Phardys. Basis aus 
weissem Marmor, hoch 0,41, breit 0,25 (oben) bis 0,^6 (un- 
ten), tief 0,20, Buchstabenhöhe 0,02, in der letzten Zeile 
0.025"'. Oben und unten stark beslossene Profile; Die Schrift 

trägt deutlich den Charakter der späteren Römerzeit. 

1 . ATAOHITYX 'Ayafojt Tü^fw] 

2. KACEIOSEY Kzw.o; Eu[tu-1 



AUS 8AM0THRAKE 377 

3. OZ K A I A A T I foilo« xat 'Aa Yt> i * 

4. \EIWTICAPTE . .XeiWTt? 'Apre- 

5. MIAirnilKO f«8i EWYjxofcoi] 

6. A W P O N Scöpov 

Das O in /. 1 isL rautenförmig, Ol in Z. 2. 3 Bind ligirt. 

Der Cult der Artemis war bisher für Samothrake aichl be- 
zeugt, wenn ich von der zerynthischen Hekate absehe. Ihre 
Verehrung im Kreis der samotbrakischen Seegötter — denn 

das sind die Kabiren und zwar in erster Linie — ist etwas 
Selbstverständliches; vgl. über Artemis als Retterin zur See 
Preller-Robert, Griech. Mythologie I S. 301. 317 und Wi- 

lamowitz, Euripides' Hippolytos S. 33. Hierzu stii I auch 

der Fundort der Basis ; denn Herr Phardys schreib! mir: 
|j.£T£Sr ( v gtg tov totcgv otcou euoeSy] to utaauapov toöto, touteotiv 
fä; r//>- äylar Kdpar xai wapeT/jOTjca ort ÜTzpyo'jT'.v ix-sü i^vr, xti- 
pio'j Ypai/topp(j)i7.ai/t-?j; e-oyvis, toO öicotou to üXix.ov eivai Xiöot tceXe- 
3CY)TOt, aaSsGTo; xai Ttva ^.äpaapa äxe'yvdx; s^eipya(T(/.6va. 1 o'.avrr, 
wapiffTarat |/.oi r, iwioaveia aüxoü, titi? elvai swpo; aiOwv, to ßiöo? 
öaw? aot eivai äyvögtov. 'II T07co8ecia o£ tou XTtpiou toutovi bivom 
Xtav x.aTxAAYiXo; Stä. vaöv rite 'ApTEuuSo?, Siqti EupicxsTat £v xvoi- 
jctyj xxi lxT6Taaevv) 7T£oiäoi, ou ~oau aax.päv toü 'Axpömrjpiou, ~xpx 
töj OTTOtc;), /.arä Ttva; töv ffuvypaoetöv, ü-t,z/vj o Xi{/.tjv, ogti{ ex«- 

A£tTO ATO^Tp'.OV. 

Zeile 5 "ApTsat? i—^x-oo; 'die leicht und gern Erhörende 
s. Preller-Robert, Griech. Mythologie I S. .'{-.Ml. 

28. Im Hause des 'AÖxvztio; M«vi<öt7)$ lindet sieh als Trep- 
penstufe verwandt ein 0,65™ breiter und 0, 16 hober Marmor- 
block, ilvn bereits Conze (Untersuchungen I S. 12 Nr. 18) 
gesehen hat 1 . Die Oberfläche ist raub, die Unlerfläche glatt; 
die Dicke der Quader beträgt 0.37" 1 . Auf der rechten Schmal- 



1 Das \tni Conze in derselben Haustreppe aufgefundene Namen verzeicli 
niss (Nr. 17) habe ich vergebens gesucht. I>.i- Tbeorenverzeichniss Unter- 
suchungen II 8. '.'7 Nr. III JConze, Reise S 68 j belindcl sich Ii heule 

an der Stelle, wu es Conze sab, in der Kirche des Hagio-s Nikolaos. Meine 



378 O. KERN 

seite steht der von Conze notirte Inschriftresl : nur las ich 
statt [AEvaXoig 

m e i a a q k 

Auch die linke Schmalseite trägt eine Inschrift, nämlich: 

2 N A - uva 

i PQNATHZFOÄEft [wa^pova tt}? *6Xeca[Y] 

'2'.). Weihinschrift für L. Julius Caesar als cTpaTYiyo? ävO-J- 
7c«to?" Revue des e'tudes grecqucs V S. 204 Nr. 7. Die In- 
schrift lüsst keine genaue Zeitbestimmung zu. s. Th. Reinacb 
a. a. 0. Ein ffTpaTYiyö? xv0y7raTos = praetor pro consule be- 
gegnet auch auf dem Mystenverzeichniss der Kyzikener oben 
S. 356 Nr. 5. 

30. Sammlung der Schule. Aus der grossen Dorfkirche; 
erwähnt von Conze, Untersuchungen II S. 16. 91. Marmor- 
basis, Höhe 0,17, Breite 0,31. Dicke 0,28 ,n . Auf der Ober- 
fläche ein 0,15 langes, 0,12 breites und 0,09 tiefes Loch. Oben 
stark bestossen ; die rechte Ecke abgebrochen. 

1. HP - - • 7)p - - ■ - 

2. ~¥H<J>ENO¥2, [EluTxpsvou« i 

3. "0¥r¥MNAIIAP/ [t]o'j yupa«ap[xou] 

4. xEftMEAONTO^ AewpSovTO? 

5. O Y A P ' * t O N 1 V [t]oö 'ApiffTOvixou 

Z. 2 Eü-oo£vo'jc ergänzt von Wilamowitz. der auf Bechtel, 



Lesung (vom stein und Abklatsch) weich I in folgenden Punkten von der 

Conze's ab. Zeile \ steht nach Conze El... A_ Danach vermutete et 

richtig Im. ßaoiX^ws; denn ich lese ganz deutlich: E l ' i e> a_ 

Zeile i stehl Mevexpet-cijs Mevexpgctou rov MrjTpo3 und Zeile 9 laulel der 

Name ilc> /weilen kolophonischen Theoren BioOstfo«. Conze las Ktoratoj, 
Blau und Schlottmann MuOato;. — Es sei bei dieser Gelegenheil auch noch 
einmal darauf hingewiesen, dass.die I ntersuchungen II ö im Nr. 14 pu- 
blicirte Inschrifl aus Thasos stammt, vgl. Athen Millhcilungen 1893 S 
261 An in. 



AUS SAMOTHRAKE 379 

Abhandlungen der göttingiscben Gesellschafl der Wissen- 
schaften XXXII (1885) S. 5 Nr. 2,13 verweist. 

31. ' Petit fragment de marbre, trouve aux environs 
imme'diats de la Victoire'. 

- - - 5 'PöSlO? 

Nach einem Abklatsch publicirt von Th. Reinach, Revue des 
e'tudes grecques V S. 197. Champoiseau hielt dies Frag- 
ment, das er im Sommer 1891 gefunden hat, für ein Stück 
der Künstlerinschrift der Nike. Aber Reinach bemerkt dazu 
mit Hecht: toutefois iL //est pas impossible que le frag- 
ment appartietine simplement ä un decret de proxe'nie. 
Bei den Untersuchungen über Stil und Datirung der Nike ist 
von dieser Inschrift also vorläufig gänzlich abzusehen. Vgl. 
auch Revue archeologique Ilt se'rie, XXI S. 85. Bull, de 
corr. hell. XV S. 660. Comptes-rendus de Vacademie des 
inscriptions 1891 S. 969. 

32. Gefunden 1893 in der Nähe einer kleinen Kirche am 
Kusse des II. Ilias (vgl. S. 381). Nach Abklatsch und Abschrift 
von Phardys. Statuettenbasis aus weissem Marmor; Höhe 
0,055, Länge 0,1 i, Breite 0,06 m . Oben eine 0,02 tiefe Stand- 
spur. Buchstabenhühe etwa 0,01. Unregelmässige Schrift. 



1. K A 6 I T O P I o KXiiTÖpto[< Ö-] 

2. fl6 PToYYlo wep toö uio[ö 

3. 

4. o A I - - - - öS - - 



Z. \ oAI Phardys; Rubensohn und Buresch lasen, wie 
mir Brückner mitteilt, iAi: vgl. unten S. 381. 

33. In der Sladl Paläopolis. Weisser Marmor. Oben stark 

bestossen, unten gebrochen, sehr verrieben. Hoch 0,19, breij 
0,22, dick ii. i>:>.V" : Buchstabenhöhe 0,01. 



O. KERN 

A A A 
I 6THANTIOXOY 
I h 

A 
PO/ AI 

A TT O 
n O Y 

\r,'j.yp } izr, 'AvtiÖyou 

34. Gefunden in Potamia in einer kleinen Kirche; jetzt in 

der Schule zu Chora. I loch 0,57, breit 0,26, dick 0,0!)"'. W «»I 
Min einem Grabstein herrührend. 



Z. I $ A h 
I ' M O ^ 



[ IIa | <ji<pxirj 
| XapiS ?]7jj/,ou 



Über das Vorkommen von Grabmälern in Samothrake vgl. 
Untersuchungen I S. 43. II S. 12. 94. 102. 

35. Marmorbiock (Höhe 0,14, Breite 0,44, Dicke 0,39 m ), 
auf der Oberfläche mit einer 0,31 langen, 0.11 breiten und 
0,05™ tiefen Einarbeitung; aus der Kirche des Hag. Dimitrios, 
jetzt in der Schule. 



A A M I O Z 
A O Y 



Au.u.10? 

. . . Xou 



Wol die Basis einer Grabstele wie das Untersuchungen II 
S. 10-2 abgebildete Stuck. 

36. GEOAfiPO [?]. ( )hne nähere Angabe von Th. Rei- 
n.ich nach einer Abschrift \<>n Champoiseau Revue des e'tudes 
grecques X S. 20'j Nr. 2 publicirl ; dasselbe i^ilt \<>n Nr. 37-39. 

37. Wnv. A H TT I A A H : . Revue des e'tudes grecques 
X S. 204 Nr. '.. 

38. lYMAXO|..J'A TI o A A O A Q [po? ? Revue des 
e'tudes grecques X S 204 Nr 5. 



AUS SAMOTHRAKE 3^1 

39. 'Ay/Or/. T Y X H I Revue des etudes grecques V S. 
204 Nr. 6. 

Am Fusse des Hagios lüas ist in der Nähe einer klei- 
nen Panagiakirche eine Anzahl von Marmorsculpturen und 
Terrakotten gefunden worden, welche die Vermutung nahe- 
legen, dass dort ein kleines Heiligtum zum Teil aufgedeckt 
sei'. Herr Phardys hat mir die 1892 vorhandenen Funde ge- 
zeigt und mir Einblick in seine Aufzeichnungen gewährt. Ich 

O CT i 

konnte zuletzl auch noch Aufnahmen und Notizen von Alfred 
Brückner benutzen. Darnach sei hier das Folgende mitgeteilt. 
Jedem archäologischen Beschauer leuchtet bei der Durch- 
sieht der Fundgegenstände ein. dass wir hier nicht Gräber- 
funde, wie Phardys zunächst meinte, sondern die Weihge- 
schenke eines llieron vor uns haben. Die wenigen Knochen- 
reste, welche von Phardys constatirt worden sind, kommen 
nicht in Betracht, zumal sie vielleicht von 'Pieren herrühren. 
Ausschlaggebend ist die hier gefundene, unter Nr. 32 pu- 
blicirte Weihinschrift des Kleitorios. Rüben söhn und Buresch 
lesen i A I statt O AI, und so liegt die Ergänzung 'Apreui&t 
nahe. Oh man aber deshalb mit Rüben söhn annehmen muss, 
dass Phardys die Grotte der zerynthischen llekate wiederge- 
funden hat, ist eine Frage, die vorläufig nicht entschieden 
werden kann. Nach Phardys sind zwei kyklopische Stütz- 
mauern aufgedeckt worden und die Reste einer Hütte aus 
schlecht hehaiienen Steinen. 

Die Mehrzahl der Fundstücke besteht ans Terrakotten. Es 
sind meist Darstellungen von Frauen in bekannten Typen und 
von gewöhnlicher Arbeit. Als bemerkenswert habe ich mir 
notirt die archaische Figur einer Göttin mit Polos. Kopftuch 
und Halskette, welche in der rechten Hand einen Vogel hüll. 
Brückner hat noch ein zweites Exemplar dieses Typus bei 
Phardys gesehen und bemerkt, dass sich derselbe Typus auch 
in der Sammlung des Herrn Calxcrl | Dardanellen) vertreten 



1 Leider haben weder Brückner Doch ich diesen Orl besuchen k< i. 



382 0. KEtlN 

findet Nach Brückner gehört er in das sechste Jahrhundert; 
aus derselben Zeit stammen auch einige schlecht erhaltene 
korinthische Aryballoi und einige Fibeln aus Bronze. Weil 
zahlreicher als die Funde der archaischen Zeit sind die der 
hellenistischen Epoche, so einige gute stehende Gewandfigu- 
ren im Stile der tanagräischen und etwa 50 Terrakottaköpf- 
chen. Ausser der Figur eines jungen Kriegers, welcher mit 
der Rechten ein Schwert über seinem Kopfe schwingt, sind 
keine männlichen Figuren vorhanden. Von Tiergestalten ver- 
zeichnete ich den Rest eines Fisches, einen kleinen Vogel und 
den Kopf eines Ochsen. Zu erwähnen ist auch ein kleines 
Terrakottarelief, das eine Frau (Artemis?) darstellt, die auf 
einem Reh zu reiten scheint. 

Als das Besondere der Funde in dem Heiligtum ist aber 
die Menge kleiner Marmorfiguren zu betrachten, auf die Phar- 
dys gestossen ist. Brückner hat richtig bemerkt, dass in dem 
Heiligtum die Sitte bestanden hat, wie anderwärts Terrakot- 
laligürchen, so hier auch Figurchen aus Marmor zu weihen. 
Ich notirte mir zehn Marmorstatuetlen (Höhe 0,12-0,20); ob 
männlich oder weiblich, war in den meisten Fällen nicht zu 
entscheiden: so flüchtig ist die Arbeit und so schlecht die Er- 
haltung. Eine solche Figur stand vermutlich auf der Kleitorios- 
basis (S. 379 Nr. 32). Wichtiger sind die Reliefs, vor allem ein 
oben, rechts und links gebrochenes mit der Darstellung dreier 
Figuren. Links stehen zwei Frauen, die beide Hände vor dem 
Schooss halten, rechts ein Mann mit erhobenem, im Ellenge- 
lenk gebogenem Arm. Die Arbeit ist roh, das Relief 0,20 breit 
und ebenso hoch, 0,055 ra dick. Auch mehrere Fragmente von 
ähnlichen Reliefs sind vorhanden. Brückner notirte noch eins 
mit beiderseits erhaltenem Rand, hoch 1,18, breit 0,135 m . 
'Dargestelll sind zwei von vorn gesehene stehende Figuren. 
Die Figur rechts ist ganz verrieben, die links stellt eine Frau 
dar, die den rechten Ann erhoben, den linken gesenkt hat, 
in langem Chiton mit Überschlag'. Sehr nahe liegt der Ge- 
danke an Axieros, Axiokersa und Axiokersos. Aber ich trage 
ihn nur mit aller Reserve vor. Brückner Bah auch noch ein 



SAMUTHHAKl. 383 

Stück \<»n einem sitzenden Tier (Löwe?), daneben ein nackter 

Fl ISS. 

Sicher scheint mir <lie Deutung eines Votivreliefs zu sein. 
das einen Fisch darstellte. Erbalten ist leider nur der linke 
Teil mit Kopf und Vorderteil des Fisches. Weihreliefs mit der 
Darstellung von Fischen sind mir sonst nicht bekannt und 
ein Hinweis auf den in Samothrake heiligen Fisch Pompilos 
wird nicht zu kühn sein. In einem auf Erinna zurückgeführ- 
ten Fragment wird zum Geleit einer scheidenden Freundin der 
-oa-iXo: angerufen mit den Worten : 

7vO ( a7rsucai; Tüfju.vaOsv eixav ä&süav äxaipav, 
und unter den im Temcnos der Grossen Götter aufgehängten 
Weihgeschenken ( Heisch S.12) wird sicli gewiss noch manch 
solches Votivrelief gefunden haben '. 

An Hermes schliesst der kabirenkult in Samothrake an wie 
in Theben an Dionysos. Ich halte dies trotz Rubensohn's Ver- 
wahrung gegen diese Ansicht für eine der wenigen auf diesem 
Gebiete der Religionsgeschichte völlig feststehenden Thatsa- 
ehen. So sei auch dieser Bericht mit der Erwähnung zweier 
auf Hermes bezüglichen Monumente beschlossen. Das eine hat 
Champoiscau in einer Sitzung der Acade'mie des inscriptions 
vorgelegt [Bulletin des muse'es 1802 S. 65) und es gedeutet 
als divinite domestique sans doute destine'e ä prote'ger 
quelque dem eure particuliere et qui represente soit im 
Hermes, soll mir Image de Cabire t cur eile offre plus d'un 
point </<' ressemblance avec la ügure <lu dieu cabire 'A;iö- 
x.c:to; faisant partie du fameux groupe ä triple face du 
Vatican, connu sous le nom de marbre de Zu duchesse de 
Chablais. Ich kenne dies Monument nicht, auch seinen Fun- 
dort nicht. Aber sicher aus dein oben erwähnten Hieron Stammt 

eine in der Sammlung Phar.dys befindliche 0,29 hohe ithy- 
phallische Hernie ohne Kopf'. Jedem wird dabei die berühmte 



1 Atlica. p. 282e-284o. Lobeck, Aglaopbamas II 8. 1219. 

2 Brückner nennt zwei kleine Hennen, eine tili in' Kopf, die aielie bis zur 

Schani crballen, tnil Mantel über der linken Schulter. Höhe 0,'5 0,25 m . 



AS] 0. KERN, AUS SAMOTHUAKK 

Herodotstelle II 51 in den Sinn kommen: 'AönvaioM« yap *i&fl 
TTjvuaura sc "EMvjva? ts^eougi IIsAXGyoi cuvoutot eyevovTO ev tyj 

yiozr,, r J)vi resp x.ai "Elativs*; vjp^avro vouu»sÖY}vat. gctic <U xä Kxbst- 
pwv opyia ;x£aOr ( Tai, tx £au.o6pr,iXEg iwiTeXeouct TrxpxAxßövTEc. rcxpx 
neXorcvtSv, outo? üvrip oios to Xey<i>' tvjv yäp — auoOpr,r/.r < v oi'/.sov 
TCpoTeoov rie^acyol outoi ot Tisp 'AOr.vaiotTi cuvowtot iyevovro, xat 
-xpx toütcov Sap.o6pr ( iX6^ toc opyix 7cxpaAX[x€ävo'j'7i. öpQx töv e/eiv 
tx xiftoüx TxyxAuxTX tou 'Ecu.e'g) 'AQvjvaioi rpoÜTOi 'Eaat^vcov jax- 
8ovT6? «apa IlEAaayöv E-oir^xvTG" oi oe IIsAacyoi ipov t'.vx AÖyov 
-Epi a'jxo'j eas;xv, tx ev toiii ev Sa[£O0pr)»CY) p.u<JTr ( piotfft &eoV,ai«>- 
tx-.. Vgl. Hippolylos Refut. omn. haeres. S. 15*2,82. Her- 
mes XXV S. U 1 . 

Berlin . August 1893. 

OTTO KEItN. 



-<t> >;->: <i> 



1 Rubensohn's Wunsch, die von ihm 8. 235 (vgl. jelzl auch Arch. An- 
zeiger 1892 8. 120) besprochene Basis mit der Darstellung eines Schilfes zu 
revidiren habe ich leider nicht erfüllen können, da mir dies Monumcnl nicht 
zugänglich gemacht werden konnte. 80 sei seiner aber wenigstens in dieser 
Anmerkung gedacht. 



DIE 8AM0THRAKISCHEN GOTTER IN RHODOS l\h 
KARPATHOS 

Im Folgenden vereinige ich, anschliessend an Rcrn's vor- 
stehenden Aufsatz (S. 36ß) die mir bekannten Inschriften aus 
Rhodos und Karpathos, welche Rezug auf die Götter von 
Samothrake haben. 

1. Stadt Rhodos, aus den Trümmern der .Johanneskirche, 
jetzt im Konak des Vau Foucart. Revue arc/i. XI, 1865 S. 
218 fY. \ = Inscri/)tions ine'dites 1 , darnach Philologus XXIII 
1866 S. 686,1. Hirschfeld, Tituli statuariorum 71a: vel. 
Rubensohn, Mysterienheiligtümer, 1892 S. 234 f. Löwy, In- 
sel) riften griech. Bildhauer, 1885 Nr. 192. 

[tov o£iva toO osivo;] | <T7paT£'j<ja[/.£vov y.arä 7r6[^£y.ov] | i'v t£ toXc, 
x.aTacppäx.TOi; va'-xri | x„ai ev Tpir,aio'Xiaic x.ai Tiu.aÖ£VTa | xjtzo aAi)u- 
(OTscv to'j /.oivoij OxaXo'j I 5 <jT£rpy.vci)i Kai yp'jTEcot äcsTä; | £V£x»a x.ai 
süvoia; t&? Et; auTOÖ?' | — x.ai aTpaTE'j<ja(v.Evov ö^ö apyovTa | 'Av- 
xioyov xai TttxaÖEVTa 6tc6 | Xxu.oOca'.x.'.a'jTav Me'jOve'gjv tou | '"koivoO 
v/pu<TE(i)i GT£<pzva>i, äp£TO.; | £vex.x jeat £'jvo£x<; x.ai ©iAOöo£ia? | av eygjv 
V.aiEAst V.C, to Sxao0pai%tja<7Tav Meaovecäv x»o'.vöv x.3ci. ! toi t'jv- 
TTpa.x£'j':xa£vo'. 6Ti(/.acav | ,0 2xu.o9p<xiicia«7Tav x.a-. AyuviacTav I to 
y.oivov 67iatvwt yp'jiEan ^TECpivon | äpexz; k'v£x.a x.ai E'jvofae x.ai oO r ,- 
oocjia? av £/o>v biaxsAEi! e!c to SapLo9pa(i)i«a(JTav j x.x!. Ay)u.viaGTav 
Tcüv <7'jvcTpaT£ , j'ja i a£'v(i)v | zo xoiv6v, x.ai TrptopaTEucavxa TpiTipewv I 
x,at ap^avTa äcppx/txojv | x.ai s'-'.ttx-. av y£vöy.£vov tüjv ttxiSwv | *at 
ispoöuTYjaavTa | x.a ; . wpuravsü'javT« Qeoi$. j -' ' 'Eici^ap(jt.Q{ SoXsuc, <*» 
ä £7C'.^xij.ia öeöOTXi | x.ai 'K~iyap;xo; 'Emvipaou PoSlO; iTroiraav. 

Die beiden Künstler waren Zeitgenossen des Plutarchos. 
dessen Werk aus den Jahren 82-74 v. Chr wir kennen (vgl. 
Holleaux, Hevue de philologie XVII, 1893 S. 176 f. und 
meine Bemerkungen im Jahrbuch des Instituts IX, 1 89 i i ; da- 
mit ist die Zeil genügend bestimmt. 

Der Geehrte hat einen goldenen Kran/, bekommen uwo -a- 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 26 



M86 V. HILLKIl VON ÖAERTftlNÖEN 

(Ao0f3UX.'.X<7TXV MiTOVECOV TOU XOtVOÜ. Dieses MsGOVSCOV bedeutet 

nicht, wie Foucart früher erklärt hat (Inscriptions ine'dites 
de Rhodes S. 5), qui sont au milleu du vaisseau, sondern 
eine Abteilung des rhodischeu Volkes, entsprechend den 'Au- 
(piveisCA^ivewv) von Kamiros in den Inscriptions in the Bri- 
tish Museum II Nr. 353 (Rubensohn, Myslerienheiligtümer 
S. 23 'i f.). In einer unveröffentlichten Inschrift der Stadt Rho- 
dos wird ein Phaselite geehrt Circo 'IIpax.\£(oxa[v Msajoveiuv »toi- 
[v]o0. Das ist dasselbe Lokal. Es kann sich nicht um eine 
Landsmannschaft ans einem der vielen Herakleia handeln, son- 
dern es mnss ein xouov mit dem Kulte des Herakles sein, den 
die Mecövsiot verehrten. Zweitens erhält der Geehrte einen gol- 
denen Kranz von den <j'jvaTpaTeu<ji|/.evoi, dem 2ap.o0pa(i)>ua<jTav 
y.ai, Ar,y.vi<x<7Txv to »coivöv. Rubensohn erklärt die Üap.o0par/.ta- 
«jTa! Meiovicov für 'eine lokale oder vielleicht auch gentilicische 
Gruppe innerhalb der Gesamtgenossenschaft der Eap.o8pat>ua- 
n-y.i in Rhodos'. Fs ist mir aber fraglich, ob eine solche Ge- 
samtgenossenschaft überhaupt existirt hat. Wir werden in dem 
Saf«>8paiitia<jTav /.od A-zjaviacxav jcotvöv einfach eine aus Anlass 
der Seefahrt und für dieselbe geschaffene religiöse Genossen- 
schaft erblicken, die sich in den Schutz der Seegötter von 
Samothrake und Lemnos gestellt hat. 

2. Stadt Rhodos, in einer Mauer. Fragment aus rötlichem 
Stein mit stark beschädigter Oberfläche, mindestens 0,35 lang 
und 0.17 hoch, Schrift 1 l /^ m hoch mit starken Apices ver- 
ziert, welche im Verein mit den Formen (z. B. fl) eine An- 
setzung nicht früher als ins I. Jahrhundert v. Chr. wahrschein- 
lich machen. Nach Abklatsch des Nixo^ao; Kaotp&TTic. 

vf-llOZiTPA . . Hfl 32A2 

A 

AAOAOTOZBIZTHPAKAEY 
A © ' • AAKt)PoNolAPIIToM' 
IBTO" MOIQNIA 
ITAZKOPYP^'TO 
A M [ © P A K ° 



DTE SAMOTHRAKISCHEN COETTER IX RHODOS UND KARPATHOS 

[lepeis UapcPmoc- SrpcfcfTt ' --%z 'Ac . . .Vater, Demos" 

| [Gott. 'Atco Xao^oto; [i ' 'Ljtx(vio£). 'H['iK.hr< o Seiva to»j 

Ssivos, x]xOu(oOeciav SU) Axippovo^ 'Api<7TO{/, TjSeu? ? Demos GoW. 6 
Setva] . . .; ß' to[ö] MotomS £'j; j [NeawoA - oder HaXaioiroX- i~y.z 
Kopv[6dr]i[a>r' 6 oeiva | toö $etvo€, Demos, //«ir 2Vi]//[ß]fy/7*L&)v' 
6 Seiva, Vater, Demos . 

Wahrscheinlich haben wir liier einen Teil der Donatoren 
einer Statue, und zwar eine Folge von Priestern, welche ei- 
nen anderen Priester oder Beamten desselben Jahres eeebrl 
halten mögen, wie dies auch für die Inschrift von Ramiros 
Cauer, Delectus z Nr. 187 anzunehmen ist. wo am Anfange 
der Name des Geehrten fehlt, und wofiir wir aus Lindos zahl- 
reiche Beispiele halten. Das Demotikon 'I<xTx(vto?) weist in das 
Gebiet von Kamiros; daher halte ich auch in '/.. 5 einen De- 
mos derselben Stadt angenommen (vgl. Ross, Inscriptiones 
ineditae III Nr. 277. [Sottermund, De republica Rhodiorum, 
Halle 18^2 s. 1 \ ). Für die Abkürzung der Demennamen — in 
'I«jT<fc(viG$) — -bietet das Namenverzeichniss aus früher Bavi- 
scher Zeil bei Newton, Inscriptions in the British Museum 
II Nr. 34 \ reichliche Belege. Die anderen Abkürzungen un- 
serer Inschrift sind bekannt. Von den Göttern haben wir Sa- 
rapis vertreten in den religiösen Genossenschaften der Akxtgg)- 
TYip'.'/TTy.v Eapotwta<7T&v und der ExpanacTav auf der Inschrift 
\on Sü m hüll ii bei Rhodos (Selivanov, Topographie von Rho- 
dos. Kasan 1892 S. 131 und epigraphische Tafel Nr 13); 

SepowctaiTav -<by iv Kaaiptot, wo vielleicht Aioggüjti)- 

piaffTÄv oder bloss 2<i>rr)pia<7T«v zu ergänzen, in der Insdirift VOD 
Kamiros Inscriptions in the British Museum II Nr. 353; 
seinen Priester in Lindos nannte die Basis des PythokritOS, 
Löwy, Inschriften griech. Bildhauer Nr. 174a; ebenfalls in 
Lindos linden wir einen [iepso? Sxp&mo; v.y.\ Ikrs-.Sy.vo; 'Itctcigu 
Kai Aiovuco'j bei Ross. Arch. Aufsätze II S. 603,12 und nicht 
weit von ^vv Stadt einen Felsaltar mit der Aufschrift -y.:x-'. r ,; 

Sö-riipos (unveröffentlicht), ferner aus Kastellos südlich von 
Kamiros ein ^aptanr,ptov an llekala und Sarapis Löwy, Aivh.- 
epigraphische Mittheilungen aus Österreich VII, 1883 S 134, 



388 [.•. nii.i.i'.i! \i>n öaertrIngeN 

67). An die vielfachen Beziehungen zwischen Rhodos und 
den Ptolemäern, an den Isiskull der Stadl Rhodos (Sei iva- 
n<>\ a. a. (). S. 131 f.) braucht hier nur erinnert zu werden. 
Herakles hatte in Kamiros einen Priester (Cauera. a. ().): der 
sonderbare Kultus des Herakles ßouGoiva; in Lindos isi l»e- 
kannt, zudem versteh! er sieii auf der dorischen Insel von 
seihst. Vergleiche auch das "Hpajc^ewTÄv Micovsiwv jtoivöv (oben 
S. 380). Die Korybanten wurden anscheinend im lindischen 
Demos der Brasier verehrt, und zwar als Söhne der Alliena 
und des Helios, eine Vorstellung, die in die spätere griechi- 
sche Religion gar nicht hineinpasst und bei der man daran 
erinnern kann, dass Becker, De Rhodiorum primordäs, 
Jena 1882 S. 117 und Dittenberger, De sacris Rhodiorum 
II S. 6 ans der Athena Lindia eine ursprünglich vorgriechi- 
sche Gottheit machen wollten. Der Beleg sieht bei Strabo X. 

CT 

3, 19 S. 4 7 2 aus Demetrios von Skepsis, wo ja freilich Ko- 
rybanten Kurelen Kabiren Teichinen in der gräulichsten Weise 
durcheinander gemengt werden Derselbe Lautwechsel, den 

CT CT 

Selivano\ in dieser Zeitschrift XVI, 1^91 S. 24*2 erkannt 
hat. IbzT'.o-. bei Strabo = rhodisch Bpicioi, hat sich in neuerer 
Zeil wieder rückwärts vollzögen : das Südende von Rhodos, 
eine felsige Erhebung, die durch einen mitunter vom Meere 

CT CT' 

unterbrochenen schmalen Sandisthmus von <\cv übrigen Insel 
getrennt ist, heissl heutzutage npaccwjfft, und es ist, doch sehr 
zu erwägen, oh darin nicht, wie in so vielen anderen Fällen 
auf Rhodos (vgl. in dieser Zeitschrift XVI I S. 307). einfach 
der antike Name sich erhalten hat. 

Auf die Frage nach dem Orte, an dem die genannten Kulte 
beimisch waren, ist es nicht leicht eine ausreichende Antwort 
zu geben. Soweit die Demotika von Kamiros zeugen, dürfen 
v\ ir jedenfalls nur an Priestertümer dieses Ortes oder auch der 
grossen Stadt Rhodos denken, die religiös und politisch die 

drei allen Gemeinwesen verband, schwerlich an Lindos: denn 

dort war es wenigstens noch im III. Jahrhunderl eine Haupt- 
sorge der Wahlleitung, darüber zu wachen, dass sieh nicht 
homines novi, o! \lt\ kx\ wpÖTepov [/.exei^ov, zur Teilnahme an 



DIE 8AM0THRAK18CHEN GOETTEB IN RHODOS UND KARPATHOS 189 

• Ich Opfern und Priestertümern drängten, d. h. alle Nichtlin- 
dier auszuschliessen ( fnscriptions in ehe British Museum 
II Nr. 357, II ff.). Sarapis. Korybanten und die samothra- 
kischen Götter können dagegen sehr wol von Li n dos sein. 

3. Gefunden in Sümbüllü ('PoSivtj) bei Rhodos jetzt im 
Hause (\vs Dr. jur. MaXXiapxxux; zu "Aytoi 'Avxpyjpoi, der mir 
freundlichsl die Abschrift gestattete. Platte von gewöhnlichem 
Kalkstein mit erhöhtem Rahmen, ehemals durch einen Zapfen 
in einer Basis befestigt, wol zu einem Grabmonumenl gehö- 
rig. Oben gebrochen, 0,40 (mit Zapfen 0,43) hoch, 0,285 
breit, 0,05 (mit Hand 0,06) dick. Kleine gedrängte ungleich 
hohe (0,012-0,008, das o oft 0,006) Schrift Die länglichen, 
hohen aber schmalen Kränze von Olivenblättern sind nichl 
übel gearbeitet. 

(Resteines (Kranz) (Kranz, darin:) 

Kranzes) 

NON 

IAMO0PAIKIAZTANIOTHPIAITAN 
APIZTOBOYAIAZTAN 

(Kranz) (Kranz) (Kranz) (Kranz) 

AnoAAQNIAZTANOEAlAIAHTElQN 
AZTYMHAEIftN 
( Kranz). 

Im oberen Kranze: [to | xoi]|vöv. Sodann: SxjwQpxixixiTÄv 

Sü)TY)pia<TTÄV 'AptOTToSoKAiaffTÄV 'Atto A A(ov. XffTÄV 06011 X« &7)T6tWV 

'AcrTuaYioeiuv. 

In der Inschrift bei Paton, Bull, de corr. hell. XIV, 1890 

S. 276 B '/.. 7 lese ich Statt xxt rfijxaOsvT x dm töv] A[tvSt]wv 
mit einer wenn auch nichl sicheren Ergänzung xai nu xÖe'Im toi 
utco 0eaiö7) reiwv | [<j]ox Txivtüv welche genannt sind nach dem 
Geehrten, der sie gestiftet haben wird. h £ , ft ,- ov AÜToxpaxeu?. 
\ ielleichl hat diese Genossenschaft eine Umgestaltung oder 
eine besondere Wollha] erfahr n durch einen gewissen "A<ttu- 
['■■r,<U:. der zugleich Apollo /.um ^chutzgotl erhob. Es kann 



390 F. HILLER VON GAERTRINGEX 

sicli aber bei den Seai^reioi der beiden Inschriften um zwei 
verschiedene, von demselben Ssa&yjTo^ oder von zwei Trägern 
desselben Namens gestiftete 8ta<roi handeln. Denn man kann 
sieh die Leichtigkeit der Vereinsbildung und der Umformung 
bestehender Vereine auf Rhodos gar nicht gross genug den- 
ken. Paläographisch steht nichts im Wege, die vorliegende 
Inschrift für etwas später als die von Paton herausgegebene 
zu halten, welche ihrerseits nach i\vn Schriftformen schwer- 
lich älter ist als das I. Jahrhundert v. (Ihr. Die EapoOpaiKia- 
nzcni ^cdTYjciacTai 'ApiCToßo'Aiaffrai sind VOU einem 'Ac'.T-tooo-j^o? 
gestiftet. Es kann sein, dass der Begrabene, dessen Namen 
wol auf der steinernen l>asis dieser Tafel stand, eben dieser 
'Ac'.ttoovj'Xo; oder dv\' oben genannte 'A-7vj;v.r ( <Vr,; war. 
Wichtig ist die Verbindung der ösoi l'aaoOpaix.s; mit den 

— bi-r^a;, die sich in den — a;/.o0car/.ta<7Tai — wTYipiaGTat 'ApiiTO- 

SouXiaffTat ausspricht. Es ist dies eine Bestätigung der An- 
sicht, die Foucart (Associations re'ligieuses S. 102 IT.) aus- 
gesprochen hat. dass wir in den -wTTJpe; eigentlich die Kabi- 
ren zu erkennen haben. Dazu tritt mm auch die schon heran- 
gezogene Inschrift von Sümbüllü (Selivanov a. a. ().) »tal uwo 
XcoT-^ptaTTzv 'EpaairTTÄv Marpo? 9ecov koivoö, von denen wenig- 
stens llermesi-kasmilos) sicher nach Samolhrake gehört. In 
derselben Inschrift begegnel : uwo A'.o^cott.oixtt'/.v -apax'.x<7Tav 
»cotvoQ (ober Zeus l'coT^p vgl. Foucart a. a. ().): ausserdem 
kennen wir ans Rhodos (0*6) l\<>Tr,p'.a<7Tzv AiG^sviafiTy-v [llav]a- 
0T]va'i(TTav Aivoiacrav twv [t]-jv raiFtA xotvoö ( Ivoss, Inscripti- 
< m es ineditae III Nr. 282 = \\ escher, Revue arch. X, 1864 
S. 470 = Foucart, Associations re'ligieuses S. 230,48) und 
S&>T7jptaffTav 'ITp[(oiTTäv schwerlich -oittxv] (Wescher. Hcvuc 
arch. X, 186« S. 469, Foucart a. a. 0. S. 230,49). 

•'i . Lindos, in ^\vv Rüche des llx--z 0eo&<i>pir). Löwy, Arch.- 
epigraphiscbe Mittheilungen ans Österreich VII, 1883 S. 136, 
72 nach Abschrift von Xuy.cov re<i>pvi;fc$r,c. Viereckiger Altar. 

r r i C 

oben gebrochen, 0,36 lang, 0,34 hoch, 0,3h m tief, schöne 
Schlaft (0,01 hoch). Fs wird genügen hier eleu Text in Mi- 
nuskeln zu w iederholen. 



DIE SAMOTHRAKISCHEN GOETTER IN RHODOS UND KARPATHOS 391 

[Upg'j; toO Seivo; ßeoo | 6 öeiva] , lTCTCO*p&Te[u<;. | 'i4ar]o./.&y>'oc /7t>- 
^afTwc]' | 'Ap'.'jTOu.ayo; 'AXe£a[vöpou]. | äp-^iepoffvzat;' | 'AptTTOx-piTr,? 
IIoXu£evov. | iepevc SapdntOQ' \ Aaj/.wpeXf//]? IIsituXou j &o?c tt>*< *V 
SafioBpdixäi | yaptTTvjptov. 

5. Kamiros, jetzt im Britischen Museum {Inscriptions II 

Nr. 353). Schild von weissem Marmor mit Weihinschrift ei- 
nes 'AptTT^oxpzTE'j; IIo(vT(i)p£w?) [toö 'ApiorJouveTOU ? SiXupiou. 
Von demselben lieisst es unter anderem : i6po7roir)[(ravTO? x]al 
e^isptffTEOGavTO? .... xoü (j-rscpavcoOevTOc ypuffsfwt <7TS<pocvüu xal uwo 
(folgen mehrere >cotv&, von denen einige oben erwähnt sind) xai 
a7C0TTaXe'vT0; (spoxoioO 6ig [— ap.oOci'.y.Yiv xai e]i; Ar^avov y.ai AiS'j- 
y.iiov y.x£. Die Ergänzung elc [Saf/.oOp&HCTQv], die Hubensohn a. a. 
O. S. 235 vorgeschlagen, ist sehr ansprechend; dass es 11 
Buchstaben sind statt der von Newton angegebenen 9, ver- 
schlägt nicht viel. Dieser rhodische iepo-oiö? ist ein Seiten- 
stück zu den von Kern oben S. 365 f. angeführten. Die Zeit 
der Inschrift wird nach der Schrift und der Orthographie 
(Kau.f/pwi, stellenweise Ausfall des i adscr. in t5 vk<7<tcoi) eher 
dem Ende als dem Anfange des I. Jahrhunderts v. Chr. nahe 
stehen. 

6. Tristomo auf Karpathos, in den Ruinen einer Kirche am 
Ostende der Bucht, nahe der Ehreninschrift für Nikagoras, 
die aus dem Heiligtum des Iloxet^kv IIöpQuio; stammt | Arch.- 
epigraphische Mittheilungen aus Österreich XVI, 1892 S. 
102 ff. Arch. Anzeiger 1893 S. 129). Platte aus einem iäsri- 
gen Stein, den man als a|AuySaX6w6Tp« bezeichnet, 0,51 lang, 
0,67 hoch, 0,20'" dick, Schrift sehr unregelmässig. Es ist ein 
Verzeichniss von Priestern, die wahrscheinlich jährlich neu 
gewählt und jährlich aufgeschrieben wurden: vgl. das Ver- 
zeichniss der Prieslei des Apollon 'EpeÜiy.'.o: in Rhodos: Ros8, 
Inscriptiones ineditae III Nr. 275. Teilweise schwer lesbar: 
Zeit wol II. Jahrhundert V. (Ihr. X und Z kommen neben 
einander vor ; im Ganzen findet gegen Ende hinein Übergang 
von S! zu 2 Statt. 

Die Inschrift ist in zwei Columnen angeordnet, die nicht 
scharf \<>n einander gesondert in einander übergreifen, hier 



.vj-: 



F. MILLER VON GAERTBINGEN 



aber dos Raumes wegen getrennt sind. Über beide bin zieht 
sieb in einer Zeile die Überschrift: 

i.vLQNSAMOOPAIKQNIEPEI^ 

Erste Golumne : 

. W/Ilf, 






i 
!AKTOI 

n? T OAA 

Ai XIAAH££IMIAAA 

% T PATIQNEYMAXOY 

K P E il N AAMOkPEftNOS 

lENEKPATH^TE A E 2 ft N O 2 

APKE£iAA£APXIM8POTOY 



f AT ,/IMB§TOY 



^lATATIflNArH^ANAPOY 

MO£XO£MO£XlftNO 

I 



DAYMNASTO^POAYrNQTOY 



<|> i a 1 2 k o s kaeinoy 

I l ZTOAAIAA£PPATArOPA 
AlOrENHSAlorNHTOY 
I, K A P X O £ f /);; y IA A MOY 
\MAXO€MAXAONOZ 
AIXEMAXO£APXEKPATEY£ 
MAI^KOITIMAt IAIKOY 

OAAISNEYPOAIOZ 
0IAHPATOSKAEINIA 
r A H AHJPOAY|Al 

AAMOXAP f £ ff I A § \ K A E Y S! 
DEP^II O Z O E P £ a r '!///§ 

I E N O i E I T ft I I A I O K / 
ANTIOXIAA£ 



|fl N H 

Y k A 

EPIPA 

n o a 



s c 



h A £ 



') 



DIE 8AM0THRAKI8CHEN GOETTER IN KHODOS UND KARPATHOS 393 

Zweite Columne : 

NIKHPATOZAIZXYAOY 
XAPMAAAZEPIKAE Y 
KAAAIKPATHSANAZIKAEITOY 
APIZTOMENHZANTIZIMOY 
AZKAAPIAAAZKAEYKPATEYZ 
4>E YPOlfO^ ANTAKAEYZ 

NUANfiPPOAYMNAITOY 
APIITOkPATHITAXlIT/ 
XOPONIKOSPPAZI 

POYKAOYOOESIANAE 
AEZANAPIAA 

[&]sa>r HHctfioffpdtxcor ispelQ. 

32. Nix.yjpaTo; Aia^uXou. 

• • -™ a **tos. 33. Xxppzbxt 'E-iy/AE-:'?'. 

,:5 - * A Y A KpariffToXa. 34. KaXXixp&Tr.« 'ÄvafrxXsiTOu. 

4. 'A'fpJxiaSyj? SiptaSa. 35. 'Apraropfarc 'AvTiofpou! 

5. SxpaTiuv E' J[ j.y. / ry J 36. 'AaxXaTCizSa? £Xsuxp*rtuc. 

6. Kpeuv Axy.ox.pswvoc. 37. <0>EOr.o[p]o; [II kvt«A«S;. 

7. [M]eviJtpÄ«i« TgXeacüvo;. 38. Nix&vwp IloXufAv<x<rrou. 

8. 'ApxecrtXa; 'Ap^e^poxou. 39. 'ApiaToxp&mc TajrwTfa. 
9 p*T.ip6[pö}rou. 40. Xopovixo? llpa?i[w- 

10. 'MxaTuov 'ApidivSpou. tcou, xa6' OoOsciav c)s 

11. Mooxo« Moayjwvo?. Asfcv&pi&x. 

12. [IIo]X'juva<7To; [IoXuyvütou. 

13. $iXt<7xos KXetvou. 

14. [ 'Ap]ic?xoXatSa; HpaTayöpa. 

15. AtoyevYic Aiovvtqtou. 

16. [Ni]jtap^05 [XapJtSdtpou. 

17. [Aa?]jxa^o? Mayiovo;. 

18. 'A[p]^e'(Aa^o? 'Ap^gxpdeTeu?, 

19. $tX«T)coc TipaffiXixou. 

20. [n?]ÖXXi« NbutcöXio«. 

21. ^iXyjpaio; KXeiviac. 



394 F. HILLER VON GAERTRINGEN, DIE SAMOTHRAKISCHEN GOETTER 

22 .Ins rio>'j[x]X[6Ö?]. 

23. Aaaöyap^]? . . . . tx>.su<;. 

24. 06poi[7C7c]o$ Wspcayfopa]. 

25. Sevolyjeircov Aiox. . . . 

26. 'AvTtoyiSa: 

27. . . cov 'IIt. . .xaa(?) 

28. [EJux>[ifc 

29. 'Ewwc 

30. Hol 

31. .o 

Man kann zweifelhaft sein, ob dies Heiligtum der 9soi üa^.ö- 
öpaixe? eine Zweiganstalt des rhodisehen (Nr. 2) oder des lin- 
dischen (Nr. 4) ist, die sieh naturgemäss an den angesehenen 
Tempel des Iloxsu^äv IlöpOjj.to«; anseliloss. oder ob es direkt von 
Samothrake aus gegründet ist. Wahrscheinlicher ist wol, bei 
i\cv politischen Abhängigkeit der Insel Karpathos von Rho- 
dos, der erstere Fall. Dann haben wir hierein Seitenstück zu 
der Übertragung der 'AOiv* Atv&ia von Lindos nach dem kar- 
pathischen Orte Potidaion (Beaudouin, Bull, de corr. hell. 
IV, 1880 S. 278,10. VIII, 1884 S. 355 IT.). 

Berlin . August 1893. 

F. HILLER von GAERTRINGEN. 



<> >#♦: o 



AUSGRABUNGEN IN TKALLK- 
(Hierzu Tafel XII. XIII) 

I. 

Als der Präsident des Orient-Comites zu Berlin, Herr Pro- 
fessor von Kaufmann im September 1888 in Konstantinopel 
verweilte, kam zwischen ihm, Hamdy-Bey, dem Direktor des 
Kaiserlich ottomanischen Museums und dem Unterzeichneten 
wiederholt der schon mehrfach angeregte Plan zur Sprache, 
in Tralles eine Versuchs- Grabung zu machen, um zu ermit- 
teln, oh die Ruinen dieser berühmten Stadt ergiebig an guten 
Fundstücken seien und oh man die Ausgrabung eines der 
grösseren Bauwerke dort mit Hoffnung auf Erfolg unterneh- 
men könne. 

Was man bisher aus Tralles kannte war zum Teil viel- 
versprechend: ich erwähne nur den Kolossalkopf eines Dio- 
nysos im konstantinopeler Museum ', den im Besitz des Herrn 
von Kaufmann befindlichen Aphroditekopf 2 und eine etwas 
mehr a>s lebensgrosse Gewandstatue in der Evangelischen 
Schule in Smyrna, drei Werke ersten Ranges. 

Der türkischen Museums Verwaltung lau zunächst daran, zu 
dem genannten Dionysoskopf den Leih zu linden, der hei sei- 
ner Grösse nicht ganz verschwunden sein konnte. Um nun 
zeilrauhende Formalitäten zu vermeiden, schlug ich vor, dass 
das ottomanische .Museum als Ausgräber tigurire. während 
das Orient-Comite die nötigen Mittel gewähre, was vom tür- 
kischen Unterrichtsministerium genehmigt wurde. Auch wur- 
de ausgemacht, dass von den Funden ein angemessener Teil 
dem Orient-Comite abgetreten werden solle. 



i Revue archiolugiqm 1888 XI Tal', li 8 
- Antike Denkmäler 1 Taf. il >. 3p 



396 C. HUMANN UND W. DOEHPFELD 

Am 24. September kamen wir in Smyrna an, versahen uns 
mit dem nötigen Werkzeug und Aufsehern und fuhren am 27. 
mit der Bahn nach Aid in, der Hauptstadt des gleichnamigen 
Regierungsbezirkes, die hart unterhalb des alten Tralles liegt; 
am 1. Oktober begann die Arbeit. 

Bekanntlich ziehen zwei grosse Gebirgstränge im initiie- 
ren Vorder-Kleinasien von Osten nach Westen Ins zur Küste, 
mit den Sammelnamen Tinolos und Messogis bezeichne! ; zwi- 
sehen ihnen liegt die Ebene des kaystros, nördlich vom Tino- 
los die des llermos, südlich von der Messogis die des Mäan- 
der. Die beiden Gebirge haben im Ganzen die Eigentümlich- 

CT CT 

keit, dass ihre Abhänge nach der Kaystrosebene zu felsig, die 

Aussenseiten, um mich so auszudrücken, also Tmolos nach 
Norden, Messogis nach Süden, teils erdig sind, teils aus ei- 

CT CT 

nem Conglomerat von Kieseln, Feldsteinen und Erde beste- 
hen. Wer je von Smyrna mit der Bahn nach Sardes fuhr, war 
überrascht von der wunderbaren Bildung der Tmolosabhänge, 
die durch Tausende von Hügeln mit so steilen Wänden gebil- 
det sind, dass sie last Türmen gleichen. Sonne, Wind, Regen 
und Frost setzen dem Conglomerat arg zu, jedoch bleibt es 
bei der Verwitterung in steilen Wänden stehen. Dieser For- 
mation verdankte die Burg von Sardes. von der heute nur 

CT 

noch ein schmaler Grat steht, ihre Uneinnehmbarkeit. Ähn- 
lich und doch abweichend zeigen sich die Südabhänge der 
Messogis. Breite Erdmassen schieben sich mehr oder minder 
abgerundet von der Höhe des Gebirges gegen die Ebene vor, 

e CT ~ ~ 

durchschnitten von Schluchten mit steilen Wunden. Nahe t\i-\- 
Ebene bilden sieh breite Hochebenen, die dann fast senkrecht 
zu ersterer abfallen. Eine solche Hochebene, aus welcher im 
Norden sich ein UM) 1 " hoher Hügel heraushebt, diente zur 
Anlage di-v Stadl Tralles; der genannte Hügel ist als ihre 
Akropolis zu bezeichnen. Die beifolgende Karte (Taf. 12) ver- 
anschaulicht die Laue. 

Im Norde id Osten lallt die Hochebene schroff und steil 

in den Fluss, den allen Eudon, im Westen weniger tief und 
steil in mehrere kleine Bäche, im Süden in die Mäanderebene; 



AUsr.iunrNr.EN in tiiali.es 



: j ,'i7 



im Nordosten hängt sie durch einen schmalen Sattel mit dem 
Hochgebirge zusammen. Das Stadtgebiet bildet eine unregel- 
mässige Ellipse von 18011'" Länge und I000 ra Breite. Das 
ganze Mittelalter hindurch scheint diese Stätte bewohnt gewe- 
sen zu sein und nur ganz allmählich die Wohnungen sich von 
der Stelle i\cv allen Stadt hinab in die Ebene gezogen zu ha- 
ben, wo sie die heutige von 35000 Einwohnern bevölkerte 
Siadt Aidin bilden. Wo alter Menschen wohnen braucht man 
Baumaterial und da auf Meilen Entfernung kein Steinbruch 
vorhanden ist, so hat man die Steine der antiken Bauten be- 
nutzt. Eine ganze Zunft von Steinmetzen arbeitete bis zu un- 
serer Ankunft in den verschiedenen Trümmerhaufen um nach 
Hausteinen zu suchen für die Bauten oder nach Marmor für 
die Grabsteine aller Confessionen. 

So erklärt es sich, dass man auf dem Gebiete der alten Stadt 
last keinen alten Mauern mehr begegnet. Die Stadtmauer ist 
bis auf wenige Reste im Westen, Süden und Norden verschwun- 
den, zum Teil auch wol mit der Verwitterung des Bandes 
hinab gestürzt, nur hoch im Norden, im entferntesten Teile, 
stehen noch einzelne wenig hohe Reste derselben, deren schlech- 
te Ausführung und geringes Material nicht darauf schliessen 
lassen, dass sie der Blütezeit der Stadt angehören. Von allen 
Überbleibseln des Altertums treten am meisten noch drei mäch- 
tige Bogen hervor, von den Einwohnern Ütsch-gös, die drei 
Augen, genannt im Südwesten der Stadt gelegen mit folgen- 
dem Grundrisse : 



<H*lu> 3»'A «2.to> i.u© »■ L.*l . 



III] 



Es ist eine spät- römische, schlechte Arbeit, schon sind In- 
schriften ' und fremde Marmorslucke hinein verbaut ; ein Stuck 



« Vgl. Alhen. Mitlhcilungen VIII S- 316 ff j Popen o) l/u imerican 

sckool l S. 94 ff.) I. 3. k. 5 8. 9. 



:;'K r. humann und \v. dorüpFeld 

überzog das Ganze, auf dem man an geschützten Stellen noch 
die ziemlieh rohe Bemalung sieht. Nach <!< i r Menge des Sehut- 
Les zu urteilen stand hier ein grosser Bau, wahrscheinlich ein 
Gymnasium, welches im Ganzen ein Viereck von etwa 130 zu 
I20 1 ™ rollte. Das hauptsächlichste Baumaterial sind gebrannte 
Ziegel ans wehdien riesige Bögen und Gewölbe bestehen, die 
zum Teil trotz ihres Sturzes noch zusammenhängend aus der 
Schuttmasse hervorragen. Ostlich ist der Fuss einet' Säu- 
lenstellung teilweise sichtbar, von nachstehender Form und 
Grösse : 



•0,7«» 3,»o "OT* 



c 

■0,7t» 



Das Innere dieses Raumes muss einst reich geschmückt ge- 
wesen sein, denn hier wurde ausser mehreren römischen Kö- 
pfen auch die schon genannte Aphrodite gefunden. 

Ein anderes grösseres Ruinenfeld, auf dem noch allerlei in 
ihrem Zusammenhang nicht erkennbare niedrige Mauern aus 
Feldsteinen stehen, findet sich in der nördlichen Stadthälfte, 
30U ,n westlich vom Stadion. Ausserdem liegen eine Anzahl 
von Schuttbügeln, die grössere Bauten decken, auf dem Gebiet 
der Sladt zerstreut, wie die Karte sie anzeigt ( II /?).Wenn hier 
und da ein Bauglied sichtbar ist. so gehört es der römischen 
Zeit an. Der grösste dieser Trümmerhügel liegl etwas nörd- 
lich vom israelitischen Friedhofe. Die Griechen haben dort 
eine byzantinische Kirche freigelegt, deren Fussboden zwei 
Meter unter der heutigen Oberfläche liegt; nach Osten hin hat 
sie drei Rundnischen. Da die ersten Christen mit Vorliebe 
ihre Kirchen auf den Trümmern aller Tempel bauten, so dür- 
fen wir hier in der Nähe einen solchen vermuten, der nach 
der grossen Ausdehnung des Schutthügels nicht unbedeutend 
gewesen sein kann, liier soll die weibliche Gewandstatue ge- 
funden sein, die sieh jetzt in der Evangelischen Schule zu 
Smyrna befindet. Der in Aid in ansässige griechische Lokal- 
antiquar Herr Michael Pappa-Konstantinu verlegt nach einer 



AUSGRABUNGEN IN TRALLES 

früher gefundenen Inschrift die Agora dorthin. Dieselbe wür- 
de dann ungefähr im Mittelpunkt der Stadt gelegen haben. 

Gehen wir von hier nach Norden zu, so gelangen wir bald 
an den Fuss der Akropolis. Schon von ferne sieht mau die in 
die Hügel wand eingeschnittene Theater-Mulde. Noch ragen 
hoch in Gussmauerwerk, längst ihrer Quadern entkleidet, die 
Mauerflügel, die vorgeschoben waren, um auch für die oberen 
Sitzreihen das Halbrund herzustellen. Hart vor dem Theater 
und parallel mit seiner Skene, liegt das Stadion ; für die Sitz- 
reihen der einen Langseite war die Berglehne benutzt, für 
diejenigen der anderen Langseite und des Kopfes hat man 
einen Frdwall als Unterlager aufgeworfen. In Ephesos und 
Pergamon, wo die Stadion-Anlagen analog sind, ruhten die 
Sitze der äusseren Langseite auf Gewölben ; hier verbot das 
der Mangel an Steinen. Sechzig Meter westlich vom Stadion 
ist der kolossale Kopf des Dionysos gefunden; auch eine In- 
schrift, die einem Dionysosheiligtum zu entstammen scheint, 
ist hier später zu Tage gekommen '. 

Die Akropolis steigt in zwei Terrassen an. die von einer 
langen, schmalen Kuppe überragt sind. Die untere Terrasse 
zieht sich, 50-8ü m breit, in der Höhe der obersten Thealer- 
stufe nach Nordwesten fast horizontal durch; 50"' höher liegt 
eine zweite, durchaus schmale Terrasse, die kaum Raum für 
Gebäude liess, ebensowenig wie die letzte Burgspitze, die sieh 
darüber erhebt. Nach Norden und Osten lallt hier der Hoden 
mehr als 100 Fuss senkrecht in die Tiefe ab. jeden Zugang 
unmöglich machend. Überhaupt ist der Abfall an der ganzen 
Ostseite der Burg bis zur türkischen Schule, vom Plateau ab 
zunächst auf eine gewisse Höhe senkrecht. Man erkennt in 
dieser Wand viele viereckige Löcher von einigen Fuss Höhe 
und Breite und geringer Tiefe; es waren Gräber, einst in der 
Bergwand angelegt und dann verschlossen. Die Verwitterung 
der Bergwand hat den Verschluss und den vorderen Teil der 
Grabhöhlung hinab stürzen lassen. Ahnliche Löcher liegen 



i Bull, de eorr. kell, Xlll 3 280. 



400 C. HDIfANN UND W. DOERPFELD 

auch in der Bergwand auf dem linken Hier des Eludon. Die 
Hochebene, «1 it» sich hier erstreckt, hat gleiche Höhe mit der 
von Tralles, als hätten sie einsl zusammen gehangen und der 
Fluss habe sieh hindurch gewühlt. Zwei nichl sehr ansehn- 
liche Tumuli stehen auf der Höhe östlich des Eludon. 

Das ganze Gebiet des allen Tralles ist heule, wie die Karte 
zeigt, mit geringen Ausnahmen ein prächtiger Olivenwald, 
der den Bewohnern von Aidin als Lustort dient, wobei die 
grösstenteils offene Röhren Wasserleitung gutes Trinkwasser 
liefert. Die Besitzer von Ölbäumen machten uns bei den Gra- 
bungen keine Schwierigkeiten ; sie sehen es im Gegenteil gern, 
wenn das Erdreich gewendet und gelockert wird oder wenn 
Gräben <j;ezo<>en werden, in denen sich das Regenwasser sam- 
mein kann. 

Wir begannen am 1 . Oktober mit 90 Arbeitern die Ausgra- 
bungen an drei Stellen, am Fundort des Dionysos- Kopfes 
(vgl. Bali, de cor/-, hell. XIII S. 280.), im römischen Gym- 
nasium nnd in der Orchestra des Theaters. Hier halten wir 
eine sicher griechische Anlage vor uns, die bei der Steilheit 
der Böschungen wahrscheinlich sehr früh zugeschlemmt war, 
mithin manches Interessante bieten konnte. 

Die ganze Woche vom 1 — 6. Oktober halten wir bis zu 100 
Arbeitern. Im römischen Gymnasium wurden die Leute schon 
am dritten Tage auf 17 reduzirt, da die Absicht bestand, nur 
einen 10-12™ langen Graben bis auf den alten Pussboden zu 
ziehen. In der ganzen Woche fand sich hier nichts als Zie- 
gelschutt und in 4"' Tiefe auch der Fussboden aus Ziegelplat- 
ten. Am Ende der Woche wurde die Arbeit hier ganz aufge- 
geben. 

Ebensowenig erschien irgend etwas Nennenswertes am Fund- 
orte des Dionysos-Kopfes, nichts als Humus und dann Kalk- 
schutt bis in 2™ Tiefe. 

Im Theater hatten wir damit begonnen, dass ein o™ breiler 
Graben vom oberen Rande des Stadions gegen die .Mille der 

Orchestra vorgetrieben wurde. Bald landen wir verschiedene 
Bruchstücke griechischer Architektur, ferner einen halben 



AUSGRABUNGEN IN THALt.ES 40! 

Frauenkopf, kleine Gliedmassen, eine Hand, die eine Pans- 
flöte hielt, einen halben Stierkopf, Ziegenbeine u.s.w. Am 5. 
Oktober fanden wir ein grösseres Fragment, einen Knaben 
(Eros?) au feinem Tiger reitend und waren nun ziemlich sicher, 
dass der Fries, der einsl die Skene schmückte, einen diony- 
sischen Festzug darstellte '. 

Die Leute, die ans dem Gymnasium fortgenommen worden 
waren, wurden nebsteinigen anderen zu Tastungen verwandt. 
Zunächst liessen wir oberhalb des Theaters auf der grösseren 
Terrasse des Burgberges einen (nahen ziehen, wie die Karte 
zeigt, landen indess in 1-1 '/.,'" Tiefe nur einige mittelalter- 
liche Gräber und dann den gewachsenen Boden. Östlich vom 
Theater, wo sich einiges Gemäuer zeigte, wurde ebenfalls auf- 
geräumt und einige kleine Zimmer mit Fussböden von Zie- 
geln oder rohem .Mosaik gereinigt, ohne dass wir darin einen 
Fund gemacht hätten. 

Sonntag, 7. Oktober, hallen wir nur 24 türkische Arbeiter, 
die sämtlich im Theater beschäftigl w urden. Die zweite \\ oche 
arbeiteten wir mit 100-110 Mann, von denen 7(1-70 im Theater 
verwand! wurden Gefunden wurden wieder viele kleine Mar- 
morfragmente ; der Plattenbelag der Orchestra zeigte sich 
ziemlich intakt, aber mehrere verschüttete Kalköfen, die bis 
auf den Fussböden hinabreichten, belehrten uns über den Ver- 
bleib der Marmore. Am Freitag, 12. Oktober, wurden die un- 
tersten Stufen des Theaters in der Mitte des Halbrunds er- 
reicht. Sie waren von Marmor. Der Schutt lag l-l 1 /.,'" hoch 
auf der Orchestra. 

Die Grabung am Fundort des Dionysoskopfes wurde mit 
8-10 Mann fruchtlos fortgesetzt; kleines Mauerwerk von Woh- 
nungen mit einer marmornen Thürschwelle kam zu Taue, ein 
Säulenstumpf und in :V" Tiefe der gewachsene Boden. Auf 

1 1 1 ).in Bruchstück könnte zu einer" Darstellung des Autumnus gebö\ i haben, 
wie sie F. Marx, Rom. M in heilungen 1892 S. 26 nachweist; drei weitere 
Kxemplare: Revue arclUologique 1692, XX Taf. 23,1 8. 290, Rangabe*, La 
partie miridionale de l'ile d'Eubte [Mimoives de VacacUmie des inscriptions 
1852) Taf. 2 8. 13 und wol auch Compte-rendu 1867 8. 161 181 beweisen 
die grosse Beliebtheit des Gegenstandes.] 

ATHEN. M1TTHEIL1 NGBN XVIII. 27 



402 C. Hl' MANN UND W. DOEHPFELD 

der Burgterrasse wurden nun noch weitere Gräben gezogen, 
die nur unansehnliche Fundamente kleiner Wohnungen erga- 
ben, so dass man fast sicher sagen kann, dass auf der eigent- 
lichen Akropolis ein grösserer Prachtbau nicht gestanden hat, 
zumal auch nirgends ein Trümmerhaufe darauf hinweist. So 
wurden denn verschiedene Tastungen auf dem Stadtgebiet 
gemacht, besonders an dem Ruinenfeld westlich vom Stadion, 
wo ein Knabenkopf gefunden wurde, ferner in der Gegend der 
Agora und sonst. Fast überall bedeckten 2-3'" Schutt und 
Humus den Boden. 

Die dritte Woche vom 15-19. Oktober (der 20. verregnete) 
hatte ich nur 4 5 Arbeiter, die im Theater, an dem Fundort 
des Dionysos, und an verschiedenen Stellen der Burgterrasse 
und der übrigen Stadt Taslungen ausführten. Zugleich be- 
gann ich den beifolgenden Stadtplan aufzunehmen. Am 16. 
fand sich bei einer Tastung nur wenig südlich vom israeli- 
tischen Friedhof, in eine Mauer verbaut, eine römische Kai- 
serstatue ohne Kopf, am 17. ein schöner, etwas beschädigter 
Frauenkopf bei den Ruinen westlich vom Stadion. 

Wir arbeiteten jetzt noch eine vierte Woche mit 'i5 Mann, 
wobei wieder die Hauptkraft auf das Theater verwendet wur- 
de. Dabei wurde die östliche Hälfte der Skene gereinigt und 
die westliche Ecke der Theaterstufen freigelegt, sowie in der 
Mitte eine Rinne nach rechts und links verfolgt. Über die ar- 
chitektonischen Ergebnisse dieser Untersuchungen ist der Ibl- 
gende Abschnitt zu vergleichen. Wir landen im Theater noch 
zwei Relief bruchstücke, das eine das Vorderteil eines Pferdes 

darstellend, eben darum wichtig, weil an demselben die ganze 

Höhe des Frieses. I .().">"', erhallen war. das andere der Torso 
e'iner geflügelten Gestalt. 

Bei den Tastungen wurde nichts mehr gefunden. Es gelang 
mir in flieser letzten Woche den Plan von Tralles fertig zu 
»teilen. Die Fundstücke liess ich gut verpacken und nach 
Smyrna schaffen, von wo sie dann nach Konstantinopel gin- 
gen. Später erhielten wir \on dort einen befriedigenden An- 
teil zurück. 



AÜSGItABL'NlJEN IN TliALLES 403 

Einige Monate später erfuhr ich, dass der Dionysostorso 
von Arbeitern im Jahre 1887 mit dem Kopfe zugleich gefun- 
den, verschleppt und versleckt worden war. Es gelang ihn zu 
erwerben und ihn gegen die Siele des Assarhadon aus Sind- 
jirli einzutauschen, wodurch die Ausgrabungen noch einen 
besonders günstigen Abschluss erhielten. 

Die Funde, die in Tralles gemacht sind, ausgenommen die 
Theaterreliefs, sind rein dem Zufalle zu danken, können also 
keine Aufmunterung bieten, in dieser Weise fortzufahren, 
wenngleich sie den Beweis liefern, dass der Boden der einst 
so reichen Stadt noch manchen Schatz birgt. An der eigent- 
lichen Akropolis, beim Theater und Stadion, beim Fundort 
des Dionysos, wo man. auch schon wegen der grossen Ent- 
fernung von der heutigen Stadt, am ehesten hätte darauf rech- 
nen dürfen, auf reichere Reste hellenistischer Anlagen zu stos- 
sen, wurde diese Hoffnung getäuscht. Ein grösseres Ruinen- 
feld, zumal in der Nähe der vermuteten Agora, besonders das 
neben der altchristlichen Kirche, genügend in Angriff zu neh- 
men. um wenigstens zu ermitteln, welche Art Gebäude hier 
verschüttet sind, war es dann zu spät. 

Es scheint nach dem. was w ir bis jetzt wahrgenommen, dass 
das ganze Gebiet des alten Tralles mit einer über 1'" dicken 
Schicht von Humus und Schult bedeckt ist und dass die ein- 
zelnen Ruinenhügel 2-5™ hoch auf dem einstigen Estrich la- 
gern. Sollte jemals wieder ein Versuch in Tralles gemacht 
werden, so würde er in der Gegend der Agora zu empfehlen 
sein und durfte, zumal wenn die Gebäude durch Erdbeben 
zerstört sind, manches schöne Resultat zu erzielen sein, wenn 
auch, wie es nach dem äusseren Aussehn scheint, römische 
Reparaturen, Zuthaten oder Neubauten die hellenistischen An- 
lagen zum Teil verdecken. 

Sm\ rna. 

CARL HUMANN. 



(',. III 'MANN UND \V. DOKlU'KKI.ll 



II 



Der jetzige Zustand des Theaters von Tralles, seine Lage 
innerhalb der allen Stadt und seine im Jahre 1888 erfolgte 
Aufdeckung sind oben von G. Humann geschildert. Wie die 
Ausgrabungen in Tralles nur ein Versuch waren, so ist auch 
die Untersuchung der Theaterreste keine abschliessende Ar- 
beil gewesen. F,s kann desshalb auch weder eine \olle Be- 
Schreibung noch eine Geschichte des Baues gegeben werden. 
Wenn ich trotzdem die Resultate der Ausgrabungen im Thea- 
ter hier in Wort und Bild veröffentliche, geschieht dies haupt- 
sächlich, weil der Bau in seiner Gestalt und seinen Einrich- 
tungen einige Eigentümlichkeiten besitzt, welche ihn ans der 
Reihe der übrigen Theater herausheben und ihm in der Frage 
nach der Form der griechischen Theater einige Wichtigkeit 
verleihen. 

Weicht! Teile des Baues freigelegt sind, ist einigermassen 
aus dem Grundrisse (Tat*. 13) zu ersehen. Im Zuschauer- 
räume wurden nur vier Stellen aufgedeckt, nämlich die Mitte 
(D) und die beiden Enden (A und F) der untersten Sitzrei- 
hen und eine Stelle am obersten Hände des Theaterrundes. 
Von der Orehcslra wurde ein grösseres Stück, namentlich 
das südliche Drittel ausgegraben. Obwol der freigelegte Teil 
des Sken en gebäu des nur seine östliche vordere Hälfte um- 
fasst, liess sich sein Grundriss so wiederherstellen, wie es im 
Plane mit punktirten Linien geschehen ist. 

1. Der Zuschauerraum. Wie last alle griechischen 
Theater, so ist auch dasjenige von Tralles an einem nalür- 
lichen Bergabhange in der Weise angelegt, dass für den mitt- 
leren Teil des Zuschauerraumes der Teste Boden oder Felsen 
als Unterlage t\rv steinernen Sitze benutzt werden konnte. Nur 
für die beiden äusseren Flügel sind Stützmauern und Erd- 
anschüttungen erforderlich gewesen. Diese mussten besonders 
Btark und umfangreich sein, weil der Grundriss des Zuschauer- 
raumes dem griechischen Gebrauche entsprechend grosser 



AUSGRABUNGEN IN TRALLES 



105 



als ein Halbkreis ist. Die Vergrösserung ist so angelegt, dass 
die beiden Enden l 
Halbkreises bilden 



die beiden Enden geradlinige tangentiale Verlängerungen des 




Fig. i. 



Zwei runde Mittelgänge (Diazomata) scheinen vorhan- 
den gewesen zu sein, durch welche der ganze Sitzraum in drei 
über einander liegende Ränge geteilt wurde (vgl. die vor- 
stehende Skizze Fig. 1). Zu dem oberen Mittelgange gelangte 
man durch zwei bedeckte Zugänge, deren Gewölbe noch jetzl 
erhallen sind. Auf welchem Wem' man dagegen Am unteren 
Mitlelgang erreichte. lässi sich nur vermuten; vielleicht wa- 
ren an beiden Flügeln Deben dem Skenengebäude treppenför- 
mige Zugänge vorhanden, welche \on aussen an die Stütz- 
mauern angebaut waren. 

Die Zahl Av[' Keile, in welche die ein/einen Ränge geteill 
waren, isi nur für den untersten Rang mit einiger Sicherheil 
festzustellen'; es gab dort wahrscheinlich 9 radiale Treppen 
und demnach 8 Keile. 

Die wenigen Sil /.sin Ten. welche erhallen sind, bestehen 
aus weissem Marmor, aber uichl aus je einem einzigen Stein, 






C. HUMANN UND W- DOEHPFELD 



wie os in Griechenland meist der Fall ist, sondern sind aus 
je zwei Steinen der ApI zusammengesetzt, dass die eigentliche 
Sitzbank von dem einen, die für die Füsse bestimmte Platte 
von dein zweiten Steine gebildet wird. Ob alle Sitzreihen bis 
obenhin in gleicher Weise hergestelll waren, konnte beider 
gänzlichen Zerstörung des oberen Sitzraumes nicht ermittelt 
werden. Hinter der obersten Sitzreihe lag ein Umgang, der 
vielleicht als Säulenhalle ausgestattet war, denn so erklären 
sieh am besten die beiden Mauern von verschiedener Stärke, 
welche an einer Stelle der nördlichen Peripherie gefunden 
und in Fig. 1 rings um das Theater herum gezeichnet sind. 



URSTE SITZREIHE 
t^:" . -P SESSELREIHE 



X" 7 

- I. I I I I i i ' - * 




Fig 2. 



Die unterste Sitzreihe war mit Rücklehne und an den Trep- 
pen mit Seitenlehnen versehen und bot bevorzugte Plätze für 
die mit dem Recht (\rr Proedrie geehrten Zuschauer. Sie liegt 
auf einer Unterstufe, welche als gemeinsame Fussbank ge- 
staltel isl | vgl. den Durchschnitt Fig. 2). In der Mitte dieser 
Sesselreihe, wo im athenischen Theater ein besonderer 
Thron für den Dionysos -Priester steht, scheint in Tralles eine 
grössere Loge m\r\- eine altarförmige Basis vorhanden gewesen 
zu sein. Man sieht dort jetzl (bei D auf Taf. 13) den Kern 
und zum Teil auch noch die Verkleidung eines Mauerkörpers, 
welcher offenbar erst in späterer Zeil eingebaul ist. Seim; 



AUSGRABUNGEN IN TRALLtS 407 

ganze Form kann nur durch weitere Ausgrabung festgestellt 
werden. 

2. Die relies t ra. Von der untersten Sitzreihe durch 
einen etwa 1"' breiten Umgang getrennt, liegl in der .Mitte des 
Zuschauerraumes die Orchestra. Sic war mit Marmorplat- 
ten gepflastert, von denen bei G noch einzelne an ihrem alten 
Platze liegen ; an den übrigen freigelegten Stellen sieht man 
nur das Mörtelbett, welches den Platten als Unterlage diente. 
Dieses Marmorpflaster gebort nicht zu dem ursprünglichen 
Bau, sondern ist hei einem nachträglichen Umbau angelegt 
worden. In früherer Zeit scheint die Orchestra einen einfa- 
chen Erdfusshoden gehabt zu haben, der mit einem offenen 
Wassercanal umgehen war. Letzterer ist an zwei Stellen (hei 
B und C) unterhalb des Mörtelbettes gefunden worden. 

Der Grundriss der Orchestra bildete nach dem Umbau 
einen überhöhten Ilaihkreis oder richtiger einen Halbkreis mit 
anstossendem Hechteck. Wie er früher gestaltet war, ist nicht 
mit Bestimmtheit nachzuweisen; wahrscheinlich bildete er 
einen vollen Kreis, wie es hei fast allen griechischen Thea- 
tern der Lall war. Der Durchmesser betrug zu der Zeit, als 
der offene Canal noch vorhanden war. 25™ ( gegenüber 19, 60™ 
im Dionysos-Theater von Athen). Später, als der Canal zur 
Orchestra hinzugezogen war. wuchs dieses .Mass auf 26 ,40™. 

Eine besondere Eigentümlichkeit unserer Orchestra ist der 
unterirdische begehbare Canal, von dem im Centrum 
des Kreises | hei // ) ein T-förmiges Stuck aufgedeckt worden 
ist. Er hat eine Breite von 0,58-0,60 ,n und liegl '2.1(1'" unter 
dem Fussboden ^v Orchestra. Die Bedeutung dieses Gangi 3 

haben wir während (Jer Ausgrabung nicht erkannt Wir hiel- 
ten ihn für einen grossen Wassercanal und verzichteten auf 
seine vollständige Ausräumung. Nachdem aber von dem ame- 
rikanischen archäologischen Institut in dem Theater von Ere- 
tria und \on E. Hiller von Gärtringen hei seiner Ausgrabung 
des Theaters \on Magnesia ähnliche unterirdische (länge ge- 
funden sind, deren Form und Lage jeden Gedanken an Ab- 
flusscanäle aussen! iessen, kann es nicht mehr zweifelhaft sein. 



f.. HUMANN ÖND W DOERPFELD 

dass auch der ("anal unseres Theaters nichts mit Wasser zu 
ilnm hat, sondern zum Verkehr von Personen bei irgend wel- 
chen Aufführungen gedienl haben nuiss. 

Die wichtige Frage, welcherlei Aufführungen dies gewesen 
sein mögen und welchen Zweck der unterirdische Gang dabei 
erfüllte, muss hier unerörtert bleiben, zumal wir nicht einmal 
wissen, wo und wie i\vv Gang beiderseits endete und WO die 
zu ihm führende Treppe lag. Hier mag nur daraufhingewie- 
sen werden, dass in dem Theater von Magnesia Reste von 
zwei verschiedenen Gängen, einem griechischen mit Quadern 
erbauten und einem römischen mit Kalk gemauerten, erhalten 
sind. Dem letzteren gleicht unser Gang in Tralles in Bauarl 
und Grundriss und muss demnach (\w römischen Zeit zuge- 
schrieben werden: der erslere dagegen ist, soweit seine Reste 
ein Urteil gestatten, dem griechischen Gange von Eretria ähn- 
lich. Wenn unser Gang hiernach römisch ist. darf er nicht 
ohne Weiteres zur Erklärung von Erscheinungen und anderen 
scenischen Vorgängen der altgriechischen Dramen benutzt, 
sondern muss mit Aufführungen oder Schaukämpfen der rö- 
mischen Zeit in Verbindung gebracht werden. 

3. Das Skenengebäude. Obwol die Ausgrabung (\^^ 
neben der Orchestra gelegenen Skenengebäudes keine \ oll- 
ständige gewesen ist, lässt sich aus dem aufgedeckten Teile 
schon erkennen, dass seine Form zu den gewöhnlichen grie- 
chischen und römischen Skenen gar nicht passt. \)r\- Grund- 
riss zeigl nämlich eine aus drei parallelen Säulenreihen ge- 
bildete Halle, welche nach der Orchestra zu mit einer mas- 
si\en Wand abgeschlossen war und auf der anderen Seile an 
die eigentliche Skene anstiess, von der alter bis jetzt nichts 
anderes als geringe Mauerspuren gefunden sind. 

In dem freigelegten Teile (\{>v Halle l vgl. Tal'. 13) sind die 
viereckigen Fundamentsteine, auf denen die Säulen standen, 
noch last sämtlich vorhanden; auf ihrer Oberfläche erkennt 
iii;iii die Lücher für die zur Befestigung der Stützen dienen- 
den Dübel und die zugehörigen Gusscanäle ; auf einigen sind 
auch die Standspuren dn- Säulen selbst noch deutlich zu Be- 



AUSGRABUNGEN IN TR ALLE 8 400 

hcn und auf einer einzigen (Q) stellt so^ar noch eine Säulen- 
trommel aufrecht. Ans diesen verschiedenartigen Resten er- 
giebt sich, dass jede der drei Säulenreihen 16 Stutzen ent- 
hielt, und dass die beiden äusseren Reihen aus einfachen run- 
den, die mittlere aber ans gekuppelten Säulen oder sogenann- 
ten Zwillingssäulen bestand. 

Wenn man nach dem Grunde dieser Verschiedenheil der 
Stiit/.en forscht, möchte man in erster Linie glauben, dass die 
kräftigeren Zwillingssäulen desshalb für die mittlere Reihe 
genommen sind, weil sie dort mehr zu tragen hallen als die 
äusseren Säulen, welche sieh unmittelbar an je eine geschlos- 
sene Wand anlehnten. Aber es kann nicht bestritten werden. 
d;ss bei der geringen Spannweite von nicht ganz 2 ,n auch für 
die mittlere Keihe einfache Säulen vollkommen ausgereicht 
hätten, um eine steinerne oder hölzerne Decke zu trauen. 
Überdies ist es unverständlich, wozu die äusseren Saiden vor- 
handen sind, weil die neben ihnen liegenden Wände auch 
ohne die Saiden eine genügende Tragfähigkeil besassen. Diese 
Schwierigkeit legt uns die Vermutung nahe, dass die vordere 
zur Orchestra gerichtete Wand ursprünglich nicht vorhanden, 
und also die vordere Säulenreihe damals von dem Zuschauer- 
raum aus sichtbar war. Bei i\w grossen Zerstörung der Vor- 
derwand lässt sieb diese Vermutung aber nicht erweisen. In 
/.weiter Linie könnte man sich drv gekuppelten Pfeiler der 
meisten griechischen Proskenien (/.. B. in ßpidauros und 
Oropos) erinnern und darnach die Vermutung aussprechen, 
dass die Zwillingssäulen ursprünglich die Passade des Ske- 
nengebäudes gebildet hätten, und die Vorderwand einschliess- 
lich der vorderen Säulenreihe eine spätere Zuthal wäre. Al- 
lein auch für diese Annahme vermag ich keinen durchschla- 
genden Beweis beizubringen. Die grössere Wahrscheinlichkeit 
spricht im Gegenteil entschieden dafür, dass die drei Säulen- 
reihen gleichzeitig mit der Vorderwand errichtet worden sind. 

Welchen Zweck halle der mit den drei Säulenreihen aus- 
gestaltete Vorbau? War er drv l nlerhan eines Logeion einer 

erhöhten Bühne, auf welcher die Schauspieler aufzutreten 



410 C. HUMANN UND W. DOERPFELD 

pflegten, oder müssen wir in ihm ein Proskenion sehen, 
welches den Hintergrund für die in der Orchestra stattfinden- 
den Aufführungen bildete ? 

Zunächst wird wol jeder an die erstere Möglichkeit den- 
ken, weil (]w Vorbau im Verbältniss zum Zuschauerraum last 
genau an derselben Stelle liest, wie das Logeion des Phaidros 
im athenischen Dionysos-Theater. Dazu passt es sehr gut, 
dass vor der Mitte der Vorderwand zwei Mauerklötze erhalten 
sind (bei AT auf dem Plane), welche kaum etwas Anderes sein 
können als die Reste einer doppelarmigen Treppe, auf wel- 
cher man von der Orchestra hinaufsteigen konnte zu dem 
Podium über der Säulenhalle. 

Aber die Höhe und Breite des Podiums, soweit sie sich er- 
mitteln lassen, gestatten meines Erachtens nicht, es als Lo- 
geion in Anspruch zu nehmen. 

Was zunächst die Höhe anbetrifft, so müssen die Säulen. 
da ihr Durchmesser 0,4 8'" beträgt und sie architektonisch 
ausgebildet sind, mindestens 2,50'" hoch gewesen sein. Das- 
selbe Minimalmass ergiebt sich auch aus der später zu be- 
sprechenden Thatsache, dass die Zugänge zur Orchestra bei- 
derseits zwischen den Saiden hindurch gingen. Rechnen wir 
noch für Gebälk und Decke etwa 0,50 m hinzu, so erhalten wir 
als Höhe des imnzen Vorbaues 3'". Bei einer solchen Höhe 
inuss die doppelarmige Treppt» im Grundriss eine T-lörmige 
Gestalt gehabt haben. Ihre beiden von rechts und links kom- 
menden Arme müssen sich zu einem einzigen rechtwinklig 
zu ihnen gerichteten Laufe vereinig! haben; das mittlere Po- 
dest las dabei in einer solchen Höhe über dem Orchestrabo- 
den. dass gerade eine Thür unter ihm angebracht werden konn- 
te. Im Gegensätze zu dem nur annähernd bestimmbaren Hö- 
hen masse kann die Breite des Podiums aus den erhaltenen 

Bauresten ohne Weiteres festgestellt werden, sie betrug 6 ra . 

Auf einer Bühne von 3™ Höhe und 6 ra Breite können aber 
keine Aufführungen stattfinden, wenn die auf i\<'v unteren 
Sesselreihe sitzenden Zuschauer und namentlich dir an den 
beiden Flügeln Sitzenden etwas von il^i Darstellung sehen 



AUSGRABUNGEN IN TRALLES 4M 

sollen. Diejenigen Archäologen, welche noch jetzt die Ansicht 
vertreten, dass die 10-12 Fuss hohen Proskenien der griechi- 
schen Theater die gewöhnlichen Standplätze der Schauspieler 
waren, betonen stets, dass die auffallend geringe Breite A^v 
Proskenien durch die Möglichkeit i\r* Sehens bedingt sei So- 
bald der Fussboden einer Bühne höher liegt als das Auge der 
Zuschauer, werden letztere um so weniger von den Schauspie- 
lern sehen, je breiter die Bühne ist Wird (\rv Höhenunter- 
schied so gross wie in unserem Falle (nämlich etwa 1 .30'"). so 
werden sowol die Schauspieler als auch die hinter ihnen be- 
findlichen Decorationen bei grosser Buhnenbreite fast ganz 
unsichtbar. 

Da sich nun meines Wissens kein Grund finden lässt. wel- 
cher den Erbauer unseres Theaters veranlasst haben könnte, 
trotz der damit verbundenen Mängel eine so hohe Bühne zu 
errichten, so halte ich es für sicher, dass der von den Saiden 
getragene Bau kein Logeion . sondern ein Proskenion ist. 

Die Vorderwand d^s Vorbaues bildete also den Hintergrund 
des in der Orchestra stattfindenden Spiels. Sie enthielt ver- 
mutlich drei Thüren, weil in dein ähnlich gestalteten Theater 
von Magnesia noch die Schwellen von drei Thüren erhallen 
sind. Sicher nachgewiesen ist in unserem Bau allerdings bis- 
her nur das Vorhandensein der mittelsten Thür. Zum Schmuck 
der Proskenion-Wand waren jedenfalls die über 1'" hohen 
sculptirten Friesplatten aus Marmor verwendet, welche C. Hu- 
man n oben S. 401 erwähnt. 

Wenn der Vorbau hiernach ein Proskenion und kein Lo- 
geion war. so erhebt sich die weitere Frage: Warum hat das 
Proskenion eine so auffallende Breite oder Tiefe, dass es Ins 
an die Ecken des Zuschauerraumes heranreicht? 

Der Zweck dieser Anordnung kann meines Frachten* nur 
die Herstellung einer möglichst abgeschlossenen Arena und 
die damit verbundene Erzielung einer guten Akustik für die 
in der Orchestra stattfindenden Aufführungen gewesen sein, 
luden meisten griechischen Theatern konnte die Orchestra 
an den Seilen nicht ganz abgeschlossen werden, hier dagegen 



U2 C. HUMANN UND W. DOURPFELD 

waren die seitlichen Zugänge in Fortfall gekommen und so 
die Orchestra von allen Seilen eingeschlossen. 

Dass die Orchestra trotz dieser Vorschiebung der Proske- 
uionwand gross genug war für Aufführungen aller Art, zeigen 
ihre Abmessungen; bei einer Tiefe von 18,25"' hatte sie eine 
Breite von 26, 10™. 

Ein Nachteil war freilieb mit dieser Anordnung verbunden: 
die beiden seitlichen Zugänge der Orchestra, durch wel- 
che gewiss ein grosser Teil der Zuschauer das Theater betrat, 
waren versperrl worden. I^s hätten daher gewölbte Zugänge, 
wie siez. I>. in Magnesia und Ephesos vorkommen, einge- 
richtet werden müssen. Statt dessen hat man an den beiden 
Ecken des Zuschauerraumes, nämlich bei F und A im Plane, 
Stücke (\r\- linieren Sitzstufen abgeschnitten und so neue Zu- 
gänge zur Orchestra geschaffen. Von der Thür der östlichen 
Parodos, zu welcher der auf dein Plane gezeichnete Pfeiler T 
gehört zu haben scheint, trat man zunächst in das Innere des 
Proskenion, also in den von den drei Stützreihen gebildeten 
Saal, und konnte dann, nach rechts umbiegend, durch die 
beiden äusseren Intercoluinnien und durch den neuen Zugang 
F in die Orchestra gelangen. Ks versteht sich von selbst, dass 
diese Intercolumnien und demnach auch das ganze Proske- 
nion so hoch sein inussten, dass der Eintretende bequem hin- 
durchgehen konnte. 

Wie i\r\- hinter dem Säulen bau gelegene hintere Teil des 
Skenenge b ä u d es gestaltet war. ist, vollkommen unbe- 
kannt, weil die Ausgrabung nichl bis dorthin ausgedehnt wer- 
den konnte. In drv Axe des Theaters, wo eine Versuchsgra- 
bung gemachl wurde, zeigten sich keine Mauern, sondern nur 
geringe Fundamentreste; es schien dort das Skenengebäude 
ganz zerstör! zu sein. Nur durch umfangreiche Ausgrabungen 
könnte daher sein Grundriss noch bestimmt werden. 

Unterliegl es nach dem oben Gesagten auch keinem Zwei- 
fel, dass am Skenengebäude und namentlich am Proskenion 
ähnliche l mbauten vorgekommen sind, wie sie bei i\i'v Or- 
chestra festgestelll werden konnten, so isl es doch nicht mög- 



AüSÖRAÖUNÖEN IN TRALLES 413 

lieh, die einzelnen Bauperioden genau zu sondern und zeit- 
lich zu bestimmen. Ersl wenn es gelingt, noch andere hes- 
8er erhaltene Theater von ähnlicher Gestalt auszugraben — ich 
nenne hier als Beispiel nur das Theater in Ephesos — .wei- 
den sich mich in unserem Bau die noch dunklen Punkte auf- 
klären und seine besonderen Einrichtungen ganz verstehen 
lassen. 

WILHELM DÖRPFELD. 



g 1 < - 



EIN ATHENISCHER GRABFUND DER GEOMETRISCHEN 
PERIODE 

(Hierzu Tafel XIV) 

Zur Ergänzung der oben S. 101 ff. besprochenen Gräber- 
funde aus der geometrischen Periode dient ein Fund, von wel- 
chem ich aus dem Inventar der Sammlung der Archäologischen 
Gesellschaft Kenntniss erlangt habe. Der mit gütigst erteilter 
Erlaubniss der Gesellschaft auf Tat'. I \ abgebildete Dreifuss 
ist von ihr im Jahre 1 8 M 3 erworben und war bei dem athe- 
nischen Schlachthause in der Ebene südwestlich des äussersten 
Ausläufers des Pnyxsebirses gefunden worden ( Inventar XoCktä 
1010). Er ist 0,45'" hoch. Das Erz, aus welchem er besteht, 
ist von einer schönen blau-grünen Palina überzogen. Jedes 
der drei Beine hat in der Mitte das Fischgrätenornament, 
wie es ähnlich an der knöchernen Leiste oben S. 120 wieder- 
kehrt. Über dem oberen Ende eines jeden Beines liegt eine 
dem Muster des ionischen Kapitells entsprechend aufgerollte 
Doppelspirale. Der Reifen, welchen die drei Beine tragen, ist 
durchbrochen gearbeitet und enthält in seiner Mitte S-för- 
mige Spiralen an einander gereiht. Der Dreifuss diente dazu 
eine bronzene Urne zu tragen, in ihr dünnes Erz hat sich der 
feste Rand des Dreifusses eingedrückt: ihr grösster Durch- 
messer misst 0,53'". Sie hatte keine Standfläche, sondern ging 
wie die oben S. 93 abgebildete rund zu, oben war sie durch 
einen Deckel geschlossen. Die zweite Abbildung auf Taf. I ! 
zeigl den Dreifuss mit der Urne in der ursprünglichen Anord- 
nung. Im den Dreifuss herum standen acht Thonvasen be- 
malt mil den üblichen Mustern der Dipvdonzeit ; eine davon 
('Ayyeio. 2876) ist eine Amphora, hoch 0,47"', ähnlich der bei 
Conze, Zur Geschichte der Anlange griechischer Kunst Taf. 
III, 4; drei (28S1-2883) sind bauchige Ilydrien mit Drei- 



.1. H. MOHDTMA.NN, INSCHRIFTEN AUS EDESSA 415 

blattmündung, 0,21-23 hoch (vgl. oben Taf. 8, 5 und 8); und 
vier (2877-2880) haben die Form der breiten Skyphoi wie 
ebenda Nr. 2 und einen Durchmesser von 0,1 'i-16 m . 

Es ist mir nicht bekannt, dass unserem üreifuss entspre- 
chende Geräte sonst in Gräbern bemerkt worden seien. Die 
ganze Aufstellung setzt voraus, dass das Grab der Dipylonzeit 
ein abgedeckter Hohlraum war, wofür oben Belege angeführt 
wurden sind. Die Form des Behälters lässt ohne weiteres 
schliessen, dass die darin ehemals enthaltenen Knochen nach 
einer Verbrennung in ihn gesammelt waren. 

Berlin. 

ALFRED BRÜCKNE . 



INSCHRIFTEN AUS EDESSA 

Bei einem Ausflüge nach Vodena, wie das makedonische 
Edessa seit dem Mittelalter heisst 1 , kamen mir folgende In- 
schriften zu Gesicht: 

1. Auf einer Siiide im Vorhofe der Kirche zur 'Ay.-/ Tpik? 
in Vodena. 

a) auf dem oberen vorspringenden Bande : 

CrMCCe LACTO OYKAiGNTMHN 

* ;OYK ANAOY n <s C i'A ' 



1 Tafel, DeTliessalon iS. JOS f.; \ -I die Beschreibung bei l irisebach, Reise 
durch Kumelien I! 8.82 ff.— Inschriften aus Vodena bei LcBas II S 315Nr. 
1345 IV.. Griscbach s. 91, Halm. Reise von Uclgrad nach Salonik S. 2 I 2 
(vgl. Reise du ich die Gebiete des Drin und Wardar S. I69), v Ex8eoi« ri|« '*-x 
~\'' &**px/" v BoSevöv 8tavoT)Ttxf){ xvaicrJÜEtoc [6^6 A. II. i 'Ev KwvatavTtvouj; 
1874 (daraus Bayel-Duchesne Nr. 135-1481, Ilapaptjjji« zum 17. Bande der 
Schrillen des konslanlinopeler Syllogos S. 156 ir. Das Reisewerk des rus- 
Bisohen Archimandrilen Antonio ist mir unzugänglich. 



.1. II. MORDTMANN 

h) auf der Hohlkehle : 

YnenOIKeAKAITACCTOACTHOeUÜ 
EtO'j ; yy.; ^j^xttvj ro[ö v.\t\ Ovr ;^'/]v|ö; 

/ ;'. : TOt] UTC6TCOllt£a (So! | X.y. : . 77.: TTOX; T"?i •(;'>. 

Das Jahr 3:)!) =243 Aug. entsprich! dem Jahre 1 T> Okto- 
ber 1/212 11. Chr. (Kubitschek, Arch -Epigraphische Mitth. 
aus Österreich XIII S. 120 IT.). — \)cn Monatsnamen zu Anfang 
der 2. /eile vermag ich nicht zu entziffern; jedenfalls scheint 
\\-0j.y.'//j oder Awou ausgeschlossen. 

c) auf der Säule darunter : 

AYTP^NIATAIAEXAPI AuTp&ma Faia e/xpt- 

EATOMHTPI0EQN goito Mr.rpi Oeüv 

IEPATEYOY2HZAYPH LepaTeuoucYi? AupYj- 

AIAIAOYKIANHIKOPA Xia<; Ao'jy.iavr ( ; *opa- 

CIONONOMATINEIKHN s-.ov ovöpxTi Neixnv 

EZlAIAZTTAIAIZKHZIAl e; iSia? tcociSickvk töi- 

ONOIKOTENEIETOYZ ov oiscoysve?. "Etoo; 
E TT T stct'. 

Das makedonische Jahr 385 entspricht 237/'?38 n. Chr. 
Neben Z ist die Form E zu bemerken. 

2. Bbendaselbst. Kalkschieferplatte. 

Taube *b Tau he 

M H M O P I O N Mr^.öpiov 

6YTYXIAOY Eutux^ou 

KAITHCCYN xal tt,c ^v- 

BIOYAYTOY ßiou äutoü 
Y N I K H C ',- Nix*)? 

3. Ebendaselbst. 

Taube * Taube 

T 
M H M O P I O N Mr)(xöpiOv 

A r A W K A I 'AyaOoJiXi- 



INSCHRIFTEN AUS EDESSA 41T 

ACFfAP06N a? wapöefv) 

N O Y vo-j 

KAIAIAkUUNNS *al 8taxo(v)vou 

4. Ebendaselbst. 

Kreuz 

M-M O P I C N I- O P My^öpiov Top- 

AAN8ITTTTOIATP8 8*vou l-rcoiaTpou 

K A I T HC C Y M 3 I 8 A Y v.xi TT,; cuugio'j au- 

T 8 A HVH T M A C j toö Ar^rpia; 

Vgl. Lebas 1321 (Dium) zweimal bcwoiaxpo?. 

5. Ebendaselbst. 

M H M O P I MTjjAÖpt- 

O N T UU N ov TÄv 

A r I UU N iyio>M 

n e t p o y nixpou 

K A I TT A Y itai Ilau- 

A O Y Xou 

6. Ebendaselbst. 

Kreuz. 
Taube Taube 

M H M O P I O N M-flfWpiov 

AlOrGNOYC Aioylvou« 

K A I T H C T O Y kx\ -rij? tou- 

T O Y A A G A H C tou i^or,; 

TTPOKOTTIAC TTpoxo^ia? 
Kreuz zwiscben zwei Blättern. 

Ähnliche Inschriften (als pjuöpiov bezeichnet) aus Yodena bei 
Curtis im angeführten Ilapipxr^aa und Hahn S. 242 Nr. XXI. 
Das hybride Wort piaöpiov (aus u.vr.y.-iov und memoria) findet 

sich sonst nicht in Makedonien; vgl. indess Lebas 1 124. 

ATHEN. MITTHEILUNGEN XVIII. 28 



418 .1. H. MOHDTMANN 

7. In den Ruinen der jetzt als 'Ay. NucöXao? bezeichneten 
Kirche. Kalkstein 

-;-KY( 3 l6nANTOKl'ATUUl 3 CABAUUeCTH( 5 IZ6TONOIKONT 
K'jp-.s navTOx.pxTwp ^xoaüO ffT7)pi£s xöv oixov t[oütov usw. 

S. Am See von Ostrovo, in der Nähe der Ruinen der Ada- 
Djamissi genannten Moschee 1 , etwa 20 Minuten von dem 
Dorfe Ostrovo, befindet sich eine grosse Stele aus Kalkslein. 
Ich nahm von der Inschrift eine mangelhafte Abschrift; Herr 
Ingenieur Meissner in Vodena liess später den Stein ausgra- 
ben und umwenden und fertigte einen vollständigen Abklatsch 
an, nach welchem der Text lautet: 



APKEAIANHAN> EIAE 

£AAE2ANAP£T£ \¥K¥ 

T£ANAPIEKT£NE A I £ N 

NHMHEXAPINOC ^ A E 

OYTONB^MONAO A 
NHA^CIT^dpICK^ 
X \ d) 

MJxpaeAiavrj 'Avyeia 'E[Xij(p 'AXe^avSpcp tö [y]Xu>tu[Tä]Tü) avSpt 
ix T(üv e[i]ottt>v [{XJV7JJAY1? X^P lv o? [<*] v öl [tJoütov ßioaöv Ao[iazijvy) 
Scoc. tu) cpiax.ct) X 9'. 

Herr Meissner schreibt mir ferner: 'Am meisten bedauere 
ich eine Ruine nicht besucht zu haben, etwa 1 Stunde von 
Patclic, deren Inschriftensteine verschiedentlich verschleppt 
worden sind. Einen derselben fand ich in Patelic; derselbe 
enthält zu oberst neben einer Fra uengestall einen Opferaltar; 
darunter eine griechische Inschrift, unter dieser drei stark 
verstümmelte Köpfe; von denen 3er mittlere der einer Frau 



1 Vgl. Hahn n. a. 0. 8. 122, Barth, Heise durch die Eur. Türkei S. 157. 



INSCHRIFTEN AUS EDESSA 419 

ist'. Die Inschrift lautet nach dem von H. Meissner einge- 
sandten Abdruck : 

ABloYAMMlAnAPAMONoYÄYCI 

PATOYC 

$Xjx6to*i" 'Aaata IIsepaiMvou' Ai>«i[aTp<fct7] 2lü>/. paTOug. 

In Ekscliisu befindet sich eine Inschrift, von welcher ich 
durch die Güte des Herrn Meissner folgende Abschrift des 
H. Meyer erhielt 

ET-BoKEPIA* 
* T A A I O I E 
K A T O N 

'Ey Boxepiag ar&Oiot ä/carcv. 
Offenbar ein makedonischer Meilenstein. Die Masse sind : 9 i ri " 
lioch. 40 Hn breit, 1 6 C,U stark. Gefunden ist das Denkmal, wie 
auf der Abschrift bemerkt wird, ' im Einschnitte bei Kil. 170, 
450 auf 2 m Tiefe; Landstrasse auf Zicka 20 m entfernt Wohn- 
stätten in der Nähe keine'. 

Die Stadt Bokeria wird von keinem alten Schriftsteller er- 
wähnt; es liegt aber nahe, an den lacus Degorrites bei Livius 
42 c. 53 zu denken. Perseus marschirt von Citium toto exer- 
citu (d. i. nach c. 51 § 11: 39000 Mann Infanterie und 1000 
Reiter) nach der Landschaft Eordaea, lagert beim See Begor- 
rites und kommt am nächsten Tage an den Haliacmon (jetzt 
Kara-indjesu). Da die Lage von Citium unbekannt ist. so ist 
es auch schwer Avn See zu identificiren. Früher hielt man 
ihn für den Sarigöl bei Kailari; Barth a. a. 0. S. 157 ent- 
scheidet sich für den See von Ostrovo, weil der 802. Saricöl 
eigentlich gar kein See ist (vgl. S. 161) und es dürfte ihm 



hierin zu folgen sein '. 



J. II. MORDTMANN. 



1 Die Topographie dieser Gegenden studiri man jetxl am besten ao der 
Hand der österreichischen Generalstabskarte. 



LITTERATUR 

ÜPAKTlKA T'o; ev 'AOyivxk; ipy atoXoyt>tY)c STaipia; tou etou? 
1891. 

Estia 1893 Nr. 41-46. Darin u. a. II S. 239. Sw. A<fywcpoc, 
Xcovo^oytxov i-avöpOcoaa [zu der von Papageorgiu S. 218 mit- 
geteilten Inschrift]. — S.285. A. MriXtapscjcvi:, Xytvvou<7s<x [Kurze 
Beschreibung des Inselchens; auf dein höchsten Punkte sind 
antike Reste erhalten, auch Gräber finden sich]. — S. 288 
Fund einer Inschrift in Delphi, die einen Ilymnos auf Apol- 
lon mit Noten enthält [also eine Parallele zu Philologus 18 '3 
S. 160]. — S. 289. I. ^Fu/ipr,;, Tö <piM [Der Kuss, haupt- 
sächlich in der antiken Litteratur und im neugriechischen 
Volkslied, aber auch mit einiger Berücksichtigung antiker 
Denkmäler, historisch betrachtet]. — S. 316. A. M., XapTYi? 
Tr,vo-j [Anzeige der neuen Karte von Tinos von T. I. E'jysvtou 
u. a.]. — S. 3 1 7 . 0. N. Ilx-ayecopyioo. — 'ji/.7rl7)pci>aaTiKÖ. ei? xa? 
ETuypaoa«; Tv^'Aytai; Sotpia? tt,; sv ©eccaXovt/.-/) [vgl. oben S. 336]. 

E$ilmepie APXAiOAoriKH 1893 Nr. 3. 

IlAPNAiSOE, rispioSi/CÖv Guyypa^aa toö ev 'AO^va'.g 6tjuovu i ao<j 
GuXXoyou. XVI, 1. Darin u. a. S. 5. N. Ylolir^, 'ApKJToxeXou; 



NACHTRAG ZU S. 389 

Zu der Inschrift 3 ist zu vergleichen Rhein. Museum IV, 
1845 S. 194 = Ross, Arch. Aufsätze II S. 613, 14 
OIETIMAIAN 
HAHOEAIAHTOY 
[AivS'.]oi eTiu-ocTav ['AffTUM.]y)07i Ösaio^TOu usw. 
Das xoivov hat sich also nach Vater und Sohn benamst, 
nachdem es zunächst vom Vater allein aus Anlass des Feld- 
zuges (0£a^r,T£iwv T'jvc/.ävwv ) ins Leben gerufen war. 

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5. Dezember 1893. 





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Braittlgraber 
Ziegel gröber 

I Schathtgnäber 

('(fasse 

O Kopflage 



j Lehm zicgel 
Porös 

(irer/zc ,les Brandphrtzcs 

Tiefen angäbe der Grab sohle w 
der modernen Erdeber fl . 
Abstand der Süa : .?s Rechtecks von 
der r 06dg ßaöiAiuc HpauÄäov 12 T, 
von der OSoc. ^apofvnWffOV 1 ™ 

Maasstab 1 1 
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Modernes Haus 

Die Ostecke desselben liegt 
15,is ~ von der 'OS. /Tcipaiür 
lO,io n von der öS Baeikiuc 
Hpaufatov entfernt 



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Ilipyltiiujrithrr 


] Brandqrnbrr 


~\ Ziegeigräbtr 


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Sarkophage 


~J Scharhtqralicr 


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Gefdsst 





Kn/iflage 


Lehmziegel 



Tt/fenantjfaie der (irabsonle * 



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.Maasstab 1:109 



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LICHTDRUCK v RHOMAIOES 




I.üh. K Grundmann 



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TRALLES 

aufgenommen gelegentlich der daselbst 
7i Auftrage des Orient - Comites 
emachten Ausgrabungen im Oktober 1888. 




Die Zahlen bezeichnen die Höhe über dem Meere 

Masstab 1 : 10,000 

• | i Oelbaum Pflanzungen. 
^ Ausgrabungen 



Christi Kirrhe . ^ < ; . - ' i , , ' .\ ' ' ' 

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