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Full text of "Mitteilungen der kaiserlich-königlichen geographischen Gesellschaft"

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MITTHlti"''''^ 




DER KArS, KÖNJGIi. 



GEOGRAPHISCHEN GESELLSCHAR 

IN WIEN. 

1889- 

Herausgeß^eben vom Hedactions* und Vortrags-Comite. 
Id Vertretung des beiirlaublen Hedacteurs Dp. ALFRKD RODLER 
Redjgirt von Dr. Otto Stapf. 



XXXIl. Band (der neuen Folge XXII). 



WIEN. 

Verlag von Eduard Hölzel- 



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Von tielsteni Schmerze ergrifTen, gedenken wir an 
dieser Stelle jenes tragischen Ereignisse, das dem aller- 
höclisten Kai.^erhauöe und den Völkern Oesterreich- Ungarns 
den allverehrlen Kronprinzen entrissen. 

Die k. k. Oeü^aphische (lesellschatt in Wien hat 
es ihres höchsten Prciteclors berauht, der stets ihr hehrer 
Beschützer und Förderer gewesen. 

Mit grossem Interesse und werkthätiger Theilnahnie 
verfolgte Kronprinz Rudolf alle geographischen Expedi- 
tionen und niemals versagte er seinen mächtigen Schutz, 
wenn as galt, ein vaterländisches wnssenschattlichcs 
Unternehmen zur Erforschung ferner (lebiete in s Leben 
zu rufen. 

Wie ernst der Kronprinz seine Aufgabe als Pro- 
tector unserer Gesellschatt aiiflasstej das bezeugen jene 
denkwürdigen Worte, welche er unserem hochverdienten 



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verstorbenen Präsidenten Hofrath v. Hochstetter, seinem 
Lehrer, auf dessen Begrüssungs-Ansprache erwiderte, als 
er in der Sitzung vom 24. März 1874 das Protectorat 
über unsere Gesellschaft übernahm: 

-»Mit grosser Freude habe ich der Erlaubnis Sr. Ma- 
jestät meines geliebten Vaters zufolge das Protectorat 
der Geographischen Gesellschaft übernommen. Gerne 
folge ich hierin dem schönen Beispiele weiland Sr. Ma- 
jestät des Kaisers Max, meines lieben Onkels, der mit 
so warmer Liebe und Begeisterung, Wissenschaft und 
Kunst zu fördern bereit war. 

»Auch für mich ist dieser Tag ein erfreulicher, da 
ich zum erstenmale diese Räume betrete, in welchen so 
viele Männer mit aufopfernder Liebe einen so bedeut- 
samen Wissenszweig pflegen. 

»Und ich spreche Ihnen meinen sehnlichen Wunsch 
aus, dass dieser Verein blühe und gedeihe zum Wohle 
unseres schönen Gesammt- Vaterlandes. Seien Sie ver- 
sichert: ich meines Theiles werde nach Kräften dazu 
beitragen«. 

Jene schönen Worte sind verklungen und der sie 
sprach, weilt nicht mehr unter uns, das Andenken aber 
an diesen edlen jungen Fürsten, den Freund und Förderer 
der Wissenschaft, wird in unseren dankbaren Herzen 
fortleben' bis in die fernsten Zeiten. > 



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Trauerkundgebungen der k. k. Geographischen 
Gesellschaft. 

Im Namen der k. k. Geographischen (Jesellschaft 
legten am 8. Februar d. J. in Verhinderung ihres Präsi- 
denten der erste Vicepräsident Excellenz Alexander 
Freiherr von H eifert und Generalsecretär Dr. Franz 
Ritter von LeMonnier einen grossen, aus Lorbeer und 
Palmen gewundenen Kranz, dessen weisse Atlasschleifen 
die Inschrift trugen: 

»Die k. k. Geographische Gesellschaf t Ihrem höchsten 
Protector< am Sarge des durchlauchtigsten Kronprinzen 
Erzherzog Rudolf nieder. 

Ferner veranstaltete die k. k. Geographische Ge- 
sellschaft am 5. Februar 1889 eine ausschliesslich zur 
Kundgebung ihrer Trauer einberufene ausserordentliche 
Versammlung, über die wir Nachstehendes berichten: 

Ausserordentliohe Versammlung der k. k. Qeogra- 
phisohen Qesellsohaft am 5. Februar 1880. 

Dieser ausserordentlichen Sitsmng wohnte fast der 
gesammte Ausschuss so wie zahlreiche Mitglieder und 
Gäste bei. Se. Excellenz der Vicepräsident Freiherr von 
H eifert eröffnete als Vorsitzender die Sitzung mit fol- 
gender Ansprache: 

»Hochansehnliche Versammlung! 

Ein jugendliches Menschenleben ist geknickt ! Un- 
serem Kaiserpaare ist der Sohn, der einzige Sohn, den 
zärtlich liebenden Schwestern der Rruder, der einzige 
Bruder, einer liebenswürdigen Prinzessin der Gemahl 
entrissen! Ein weites Reich hat den erhofften Erben 
seines Thrones verloren! 

So jung! So schön und lebensfroh! So voller 
Ideen, voller Pläne und Entwürfe ! So leutselig, freundlich 



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im Umgang und dabei so ernst und tüchtig im (leschäfte ! 
So geschaffen, um zu gewinnen, um gewinnend zu 
beherrschen ! 

In dem Hause, das am höchsten steht, herrscht 
tiefste Trauer. Durch die Prunksäle zieht der Schmerz, 
unermessbares Leid. In den Räumen, wo noch vor wenig 
Tagen Glück und Freude, goldene Hoffnungen und Aus- 
sichten, hat der Tod seinen Einzug gehalten. 

Und Trauer, Schmerz und Leid lagern über den 
Völkern, beklemmen die Brust, umdüstem das Gemüth 
der Millionen, die in der ritterlich-kräftigen Persönlich- 
keit des Dahingegangenen die Bürgschaft dessen erschaut 
hatten, was sie an ihrem glorreich regierenden Mon- 
archen seit vierzig Jahren zu lieben, zu verehren ge- 
wohnt waren. 

Erzherzog Rudolf ist Allen verloren! Auf uns 
lastet ausser dem allgemeinen noch ein besonderer 
Kummer: diek.k. Geographische Gesellschaft ist verwaist! 
Sie hat ihr Haupt, ihre i^Veude und ihren Stolz, ihren 
erhabenen Protector verloren! 

Es werden nicht Wenige in diesem Kreise sein, 
denen jener feierliche Act in lebendiger Erinnerung 
haftet, als am 22. December 1881 unsere Gesellschaft 
im grossen Festsaale der kais. Akademie der Wissen- 
schaften die Feier ihres fiinfundzwanzigjährigen Bestandes 
und Wirkens beging. Der durchlauchtigste Kronprinz 
präsidirte jener Versammlung in jugendlicher Frische und 
sprach in Seiner Begrüssungsrede Worte, die bei Seinem 
regen Sinne für die Natur, für die weite Ferne, für das 
umfassende Gebiet menschlichen Wissens keine blosse 
Phrase waren: 

»»Jener Zweig des Wissens, den wir heute hier in 
festlicher Versammlung ehren, ist es, der den Wander- 
trieb zu vereinigen weiss mit wissenschaftlicher For- 
schung, der die gefahrvollen Beobachtungen in den Eis- 
meeren des hohen Nordens, in den Urwäldern der 



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Tropen, in den glühenden Wüsten und endlosen Steppen 
zu verwerthen versteht für die ernste Arbeit des Studir- 
zimmers. Darum möge unsere geographische Gesellschaft 
blühen und gedeihen, Schüler werben und entsenden 
möge der Wissenschaft zum Nutzen dienen und den 
Namen unseres Gesammtvaterlandes in ferne Lande 
tragen.*« 

Diese Worte, mit klarer, wohllautender Stimme 
gesprochen, sie mögen unserer Gesellschaft für alle Zeiten 
ihres Bestandes zu Mass und Richtschnur dienen: sie 
mögen eingegraben sein gleich einer sinnvollen Inschrift 
in der Erinnerung aller Jener, denen jetzt und in Zukunft 
die Leitung unserer Gesellschaft anvertraut ist und 
sein wird. 

Die feierliche Sitzung am 22. December 1881 war 
nicht das einzige Ereignis, wo Erzherzog RudoH mit 
unserer (iesellschaft in unmittelbare Berührung getreten 
ist. Seit dem 9. Februar 1874, wo der erlauchte Prinz 
das Protectorat derselben übernommen hatte, waren es 
wiederholte Sitzungen, denen höchstderselbe persönlich 
anwohnte, zuletzt die Festsitzung am 19. April 1887 
aus Anlass der Rückkehr der österreichischen Congo- 
Ebcpedition. 

Aber neben diesen Fällen, wo Er die Mitglieder 
unserer Gesellschaft durch Seine persönliche Anwesenheit 
ehrte, erfreute und beglückte, ist Er mit unserer Thätig- 
keit, unseren Bestrebungen und Unternehmungen in un- 
ausgesetzter Berührung geblieben, hat dieselben, wo es 
die Gelegenheit bot, mit reichen Beiträgen gefördert, hat 
mit aufmerksamem Blicke den Fortgang unserer Arbeit 
begleitet, hat Sich auch bei besonderen Anlässen eigens 
darüber informiren lassen, wie unser Generalsecretär 
erst aus der allerletzten Zeit aus Anlass der Afrika-Reise 
des Grafen Teleki, hievon Zeugnis abzulegen vermag. 

Dass unser erlauchter Protector zugleich als thätiger 
Mitarbeiter auf dem Gebiete der Geographie mit un- 



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leugbarem Erfolge aufgetreten, ist bekannt. Ich erwähne 
seine »Fünfzehn Tage auf der Donau«, seine »Orient- 
reise« und vor Allem »Die österreichisch - ungarische 
Monarchie in Wort und Bild«, ein Werk von grossartiger 
Anlage, dessen Fortsetzung, wie uns amtliche Erklärungen 
bedeuten, zum Andenken und dauernden Ruhme seines 
höchsten Begründers in sichere Aussicht gestellt ist. 

Nur Sein Auge, Seine Hand wird dabei fehlen. 

Damit ist es für immer vorbei. 

Hochgeehrte Anwesende ! Es sind kaum zwei Monate 
her, da es mir vergönnt war, wie heute, eine feierliche 
Ansprache an Sie zu halten. Damals war es ein freudiger, 
ein glückverheissender Anlass, und als ich zum Schlüsse 
einen Appell an Sie richtete, da hat der dreimalige 
Zuruf, mit welchem Sie diese Aufforderung erwiderten, 
den Beweis geliefert, dass meine Worte nichts als der 
äussere Anklang waren, dasjenige in Ihnen wachzurufen, 
was in Ihrer aller Innerem gleichstimmig nach einem 
lebhaften Ausdrucke rang. 

Heute erwarten Sie nicht, dass ich einen ähnlichen 
Appell an Sie richte. Der grösste Schmerz ist stumm, 
die tiefste Trauer ist Schweigen, jeder Laut wäre Ent- 
weihung der unsagbar ernsten Stimmung, die uns drückt, 
die uns niederbeugt, die uns überwältigt. Nur durch Er- 
heben von unseren Sitzen wollen wir unseren Gefühlen 
sichtlichen Ausdruck verleihen. (Die ganze Versammlung 
erhebt sich.) 

Doch lassen Sie uns von dem. was in Seinem 
irdischen Dasein gewesen, einen Blick richten auf das. 
was ist! 

In unserer Kaiserburg weilt eine hohe Frau, eine 
Mutter, die zusammenbricht vor Schmerz, wenn Sie Sich 
selbst überlassen ist, Die aber die Kraft über Sich ge- 
winnt, Sich aufrechtzuhalten, selbst gefasst zu scheinen, 
wenn Sie Sich in der Nähe Desjenigen befindet, Der zu 
tragen hat gleich Ihr, Der aber, aufopfernd und pflicht- 



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getreu bis an die äussersten Greiixen. tiberdic^s tax tragen 
hat die Bürde der Krone, jetzt für Ihn doppelt schwer 
und drückend. 

Denn Er ist die Stütze der hohen Frau. Er ist zti- 
gleich die Stütze des Reiches. Darum ^^eht durch alle 
Länder und Völker, durcli alle Cla^sen und Schichten 
der Bevölkerung nur ein Wunsch, ein Gebet (die ganze 
Versammkiug erhebt sich): (Jott erhalte unseren guten, 
unseren armen Kaii?ep! Gott starke Ihn und halte Ihn 
aufrecht in Seiner übergmssen Bedrängnis und B*^- 
trübnis. (iott schenke uns Ihn noch lang, lang! Dentt 
wir schauen auf UiRj wir hoHen und zählen auf Ihn. 
wir bauen auf Ihn, jetzt mehr wie je.« 

Nach diföer ergreifenden Trauerknndgebung, welche 
die V^Ti'Hammlung mit tiefem Schmerze vernommen^ wurde 
die Sitzung gescidossen. 



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üeber Sehwerebestimmungen. 

Ein Vortrag gehalten in der Monats -Versammlung der k. k. geographischen 

Gesellschaft zu Wien, am 18. December 18Ö8, von Major R. ?. Sterneek, Leiter 

der astronom. Abth. und Sternwarte des k. k. Milit.-geogr. Institutes. 

Seit möhr als einem Viertel-Jahrhunderte sind alle Staaten 
Europa's an einem grossen wissenschaftlichen Unternehmen, der 
internationalen Erdmessung betheiliget, deren Ziele und Zwecke 
hinlänglich gekannt sind und auch hier in dieser (Gesellschaft stets 
ein grosses Interesse und Verständnis finden, da ja dieselben innig 
mit dem Wesen der Geographie im Zusammenhange stehen. 

Ein so grössartig angelegtes Unternehmen, das so grosse Ziele 
verfolgt, an welchem so viele Elemente betheiliget sind, schreitet 
naturgemäss nur langsam vorwärts, und den jetzigen Mitarbeitern 
und Zeitgenossen wird es wohl kaum vergönnt sein, die Früchte 
ihrer mühsamen Arbeit zu geniessen, die Ergebnisse kennen zu 
lernen. 

Einen grossen Nutzen haben wir jedoch jetzt schon von 
diesem Unternehmen, nämlich den, dass viele Zweige des Wissens 
namhafte Erweiterungen erfahren haben, zu welchen ohne der 
Ciradmessung jetzt keine Veranlassung gewesen wäre, da bei der 
grossen Vielseitigkeit und weiten Verzweigung der heutigen Wissen- 
schaften kaum genügend viele Kräfte vorhanden sein dürften, um alle 
Zweige der Forschung stets gleichmässig zu cultiviren; es bleiben 
ganze Forschungsgebiete oft lange Zeit hindurch unbetreten. 

So ist denn zunächst aus Anlass der Gradmessung eine 
reiche Literatur auf dem (iebiete der Geodäsie, Astronomie, In- 
strumentenkunde u. s. w. entstanden, es wurden neue Instrumente 
construirt, verbesserte Methoden erdacht, und viele Zweige der 
Wissenschaft in einer neuen Richtung eifrig gefördert 

Ich will mir heute erlauben über einen derselben, nämlich die 
Schwerebestimmungen einige Worte zu sprechen, welche durch die 
Gradmessung zu neuem Leben erweckt wurden, besonders seitdem 
die geometrische Anschauung über die wahre Gestalt der Erde 
durch die- dynamische verdrängt wurde. Ich will Sie hiebei nicht 
ermüden mit der Anführung und Ableitung der Gesetze der Schwere, 
ihres Verhaltens u. s. w. Dieselben sind ja im Allgemeinen bekannt ; 



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wir wollen heute nur die zu den Sehwerebestimmungen verwen- 
deten Instrumente und Beobachtungsmethoden, und einige der er- 
zielten Resultate hier zum Gegenstande unserer Besprechung wählen. 
Bei den letzteren dürfen Sie nicht erwarten über grossartige, auJ- 
lallende Ergebnisse der Forschung Nachricht zu erhalten; unscheinbar 
und klein, wie die Aenderungen der Schwere auf unserer Erde 
selbst, bei welchen das Millionstel ihres Werthes oder der 
tausendste Theil des Millimeters schon eine bedeutende Rolle spielt, 
so sind auch die meisten der bis jetzt mühsam erworbenen, theil- 
weisen Erforschungen über das Wesen und Wirken der Schwere 
unansehnlich, und harren unaufgeklärt noch meistens ihrer Er- 
forschung. 

Was die Schwere ist, woher sie kommt, das wissen wir. 
Alle Körper ziehen einander gegenseitig an, daher ziehen auch alle 
Theilchen, aus welchen die ganze Erde besteht, sämmtliche Körper 
in, auf und über der Erde an, und diese anziehende Kraft heisst 
die Schwere. Sie nimmt bekanntlich mit der Masse zu und mit 
dem Quadrate der Entfernung ab. Wir wissen ferner, dass die 
Schwere an verschiedenen Punkten der Erde verschieden gross ist, 
weil diese Punkte einerseits ungleiche Entfernungen vom Mittel- 
punkte der Erde haben, in welchem wir uns ihre ganze Masse 
vereinigt denken können, und weil anderseits die durch die Erd- 
rotation entstehende Fliehkraft, deren eine Componente der Schwere 
entgegenwirkt, ungleich ist. 

Da uns nun die Ursachen und Gesetze, warum die Schwere 
an verschiedenen Orten verschieden gross ist, bekannt sind, so ist 
es naheliegend, dass wir auch umgekehrt, aus der an zahlreichen 
Orten ermittelten (Grösse der Schwere, die Ursache ihrer Ver- 
schiedenheiten, nämlich die Form der Erde genau ermitteln können. 
Dies ist zunächst die Veranlassung gewesen, dass schon seit sehr 
langer Zeit mit so schönem Erfolge Schwerebestimmungen zur Er- 
mittlung der Erdgestalt ausgeführt und auch jetzt in das Programm 
der internationalen Erdmessung aufgenommen wurden. 

Man verwendet zu diesen Bestunmungen seit jeher und auch 
heute noch das Pendel; dieses besteht im Allgemeinen aus einem 
Stabe, an dessen unterem Ende ein Gewicht befestigt ist und der 
am oberen Ende mittelst keilförmigen Schneiden suspendirt ist. 
Die Schwingungszeit eines Pendels ist im Allgemeinen abhängig 
von der Grösse der Schwere, je grösser dieselbe ist, desto kürzer 
ist die Schwingungszeit desselben Pendels oder desto grösser die 



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Länge eines Pendels von bestimmter Sehwingungsdauer, z. B. eines 
Secundenpendels. 

Wenn auch die Wirkung der Schwereänderung auf eine 
einzelne Pendelschwingung eine minimale ist, so summirt sich 
dieselbe, wenn wir das Pendel längere Zeit hindurch schwingen 
lassen, fortwährend, und wächst schliesslich zu einem so bedeutenden 
Betrage an, dass wir ihn leicht wahrnehmen und messen können. 
Das ist der wesentlichste Vortheil, den uns das Pendel gegenüber 
allen Methoden die Schwere zu bestimmen, bietet. 

Wir wollen nun zunächst die zu den Schwerebestimmungen 
gegenwärtig verwendeten Apparate, deren Princip ja im Allgemeinen 
w^ohl aus der Physik bekannt ist, kurz besprechen, und dann zu 
einigen erzielten Resultaten, die vielleicht weniger bekannt sein 
dürften, übergehen. 

Die Schwerebestimmungen sind zweierlei Art: absolute und 
relative. Wie bei allen absoluten Bestimmungen, stossen auch die 
absoluten Schwerebestimmungen auf grössere Schwierigkeiten als 
die relativen, da bei ersteren die constanten Fehlerquellen der 
Apparate und Beobachtungsmethoden möglichst vermieden, oder in 
genügender Annäherung ermittelt werden müssen, während bei 
relativen Bestimmungen die constanten Fehlerquellen fast ohne 
Nachtheil sind, und nur jene berücksichtiget zu werden brauchen, 
welche die Unterschiede in den Resultaten desselben Apparates 
bedingen. 

Man könnte geneigt sein den absoluten Bestimmungen eine 
grössere Wichtigkeit beizulegen, als den relativen; das verhält sich 
jedoch in Wirklichkeit nicht so, denn da es bei der Lösung der 
Probleme mittelst Pendelbeobachtungen, z. B. bei der Ermittlung 
der Erdgestalt fast nur auf das Verhältniss der Schwere ankommt, 
und dieses durch relative Bestimmungen wesentlich genauer und 
leichter ermittelt werden kann, so verdienen letztere eine besondere 
Beachtung, um so mehr, als es genügt, die Schwere auf nur wenigen 
Punkten durch absolute Messungen zu bestimmen, von welchen 
ausgehend, dieselbe auf beliebig vielen Punkte durch relative Messungen 
ermittelt werden kann. 

Bis zum heutigen Tage dient zu den absoluten Bestimmungen, 
wie schon erwähnt, ausschliesslich das Pendel und es beruhen die- 
selben auf der Verbindung zweier wesentlich verschiedenen Opera- 
tionen: aus der Messung der Schwingungszeit und der Länge des 
Pendels. 



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II 

Es würde uns eine eingehende diesbezügliche Besprechung zu 
weit fuhren, wollten wir auf die näheren Details der Systeme und 
Methoden, sowie deren Fehlerquellen bei den für absolute Schwere- 
bestimmungen dienenden Pendelapparaten eingehen. 

Wir wollen uns b^nügen, zu erwähnen, dass unstreitig das von 
Bohnenbergerim Anfange dieses Jahrhunderts ersonnene und von 
B es sei modificirte Reversions-Pendel vor allen anderen Apparaten 
den Vorzug hat, nachdem, wie aus den eingehenden Untersuchungen 
Oppolzer's hervorgeht, alle Fehler durch einen geeigneten Vorgang 
sich theUs im Schlussresultate eliminiren, theils mit hinreichender 
Genauigkeit bestimmen lassen; so dass bei absoluten Schwere- 
bestimmungen sich mit diesem Instrumente gegenwärtig die Schwere 
bis auf den hunderttausendsten Theil ihrer Grösse bestimmen 
läset, was etwa Vioo Millim. der Secundenpendellänge gleichkommt. 

Den grössten Vorzug, namentlich den Fadenpendeln gegenüber, 
gewährt das Reversions-Pendel in der vollständigen Eliminirung des 
Einflusses des Luftwiderstandes, einer Grösse, der man sonst bei 
allem Aufwände von Scharfsinn mit Hilfe der Theorie nicht recht 
beikommen kann. 

Auf eine grosse Fehlerquelle machte jedoch vor einigen Jahren 
Feier ce aufmerksam, die leider so manche Wiederholungen bereits 
ausgeführter Bestimmungen zur Folge haben wird. Dieselbe besteht 
in dem Mitschwingen der Stative, auf welchen die Pendel suspendirt 
sind. Namentlich bei den von Repsold gebauten Apparaten haben 
die Stative keine genügende Festigkeit, und es überträgt sich ein 
Theil der durch die Pendelschwingung erzeugten Bewegung, wenn 
auch in geringem Maasse auf das Stativ, wodurch die Schwingungs- 
zeiten des Pendels alterirt werden. Man hat auf diesen Umstand 
nicht gehörig geachtet und besitzen daher die Resultate mancher 
Stationen nicht jenen Grad der Genauigkeit welchen zu erreichen 
beabsichtigt war, und der für Gradmessungszwecke nothwendig ist 

Nach dem sehr sinnreichen Vorschlage Gellerier's kann der 
Einfluss dieses Mitschwingens des Statives hinlänglich genau ermittelt 
werden, wenn man zwei Pendel von wesentlich verschiedenem Ge- 
wichte, also ein schweres und ein leichtes, auf demselben Stative 
schwingen lässt. 

Capitän Deforges wendet bei seinen absoluten Schwere- 
bestimmungen mittelst des Reversions-Pendels zu gleichem Zwecke 
zwei schwere Pendel von ungleicher Länge an. Diese Anordnung 
bietet sowohl vom theoretischen als praktischen Standpunkte 



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wesentliche Vortheile, die sich darin zeigen, dass bei der früheren 
Methode mit dem schweren und leichten Pendel die Länge des 
Secundenpendels proportional dem Ausdrucke (2 Aj — - A5) ist, wo 
A, und A3 die Schneidenentfernung beim leichten und schweren 
Pendel bezeichnet, während bei der neuen Methode von Deforges 
diese Proportionalität ausgedrückt ist durch 2 Ql^ — L) wo A| und 
Aj die Schneidenentfernung beim langen und kurzen Pendel sind. 
Aus der Differenz 2 (A, — K) verschwinden aber, wie leicht ersicht- 
lich ist, gewisse constante Fehler der Längenmessung, die in 
(2A, -— AJ nicht verschwinden. Auch ist zweifellos, dass die Be- 
stimmung der Schwingungszeit eines kurzen schweren Pendels 
sicherer bewirkt werden kann als jene eines langen Pendels vom 
halben (Jewichte, weil letzteres viel rascher zur Ruhe gelangt. Es 
ist demnach die von Capitän Deforges angewendete Modification 
jedenfalls wieder als ein Fortschritt zu bezeichnen, und können 
dermalen, wie schon erwähnt, die absoluten Schwerebestimmungen, 
trotz der grossen Schwierigkeit des zu lösenden Problemes einen 
jeder Anforderung genügenden (irad der (Genauigkeit erreichen. 

Wir wollen der sinnreichen Vorschläge von (iovi, der an dem 
Pendel vier verschiebbare Gewichte anbringt, und des Comutations- 
Pendels von Finger, welche jedoch noch der Erprobung bedürfen, 
hier nur erwähnen, und übergehen zu den relativen*Bestim- 
mungen, denen die grössere Rolle bei den zu lösenden schwierigen 
Problemen zufällt. 

Auch bei diesen behauptet heutzutage das Pendel, u. zw. das 
invariable Pendel den ersten Rang unter allen bisher vorgeschlagenen, 
zum Theile auch schon erprobten Apparaten und Methoden, be- 
sonders seit man sich von der wirklichen Invariabilität derselben 
überzeugt hat. 

Nachdem die Schwierigkeit der Längenmessung, die den ab- 
soluten Bestimmungen anhaftet, bei den relativen Messungen entfallt, 
so hat man es nur mit einem Messungsresultate, der Bestimmung 
der Schwingungszeit, zu thun. Dieselbe ist jedoch nicht von der 
Schwerkraft allein abhängig, sondern auch von anderen Einflüssen, 
so z. B. der Temperatur, dem Widerstände der Luft u. s. w. Bei 
dem Umstände, als es auf theoretischem Wege sehr schwer ist, diese 
Einflüsse genügend verlässlich zu ermitteln, war man seit jeher be- 
strebt, dieselben möglichst zu beseitigen und hat auch versucht, 
Apparate zu construiren, die nicht auf dem Principe des Pendels 
beruhen, und demnach von diesen Einflüssen befreit sind; doch 



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sind alle diese Versuche bis jetzt so ziemlich ohne Erfolg geblieben, 
indem die erzielte Genauigkeit weit hinter den geforderten Grenzen 
zurück^steht, dit^ bisher nur einzig und allein mittelst des Pendels 
m erreichen möglich ist. 

Indem wir von den älteren Apparaten absehen, wollen wir 
hier zunächst jenen erwähnen, den sich Hofrath Ritter von Oppolzer 
für relative Bestimmungen hat bauen lassen. Besser als jeder andere 
vertraut mit den theoretischen Schwierigkeiten, die einer vollkommen 
correcten Reduction der Pendelbeobachtungen entgegenstehen, hat 
er sich die Aufgabe gestellt, dieselben dadurch zu beseitigen, dass 
l>ei seinem Apparate das ^Secunden schwingende Pendel im luft- 
leeren Räume bei 0® Temperatur beobachtet werden sollte. Die 
unvermeidlichen Fehler des Uhrganges und der Zeitbestimmung 
wollte er dadurch auf ein Minimum bringen, dass die Beobachtungen 
auf eine längere Zeit, etwa zwei bis drei Tage, ausgedehnt werden 
sollten. 

Nachdem jedoch das Pendel trotz des luftleeren Raumes wegen 
der unvenneidlichen Reibung der Achatschneide auf der Unterlage 
venuulhlich nicht so lange schwingt, so war eine Vorrichtung 
angebracht, mittelst welcher im Vacuum durch einen Elektro- 
Motor zeitweise dem Pendel ein neuer Impuls ertheilt werden 
kann. Auf sehr sinnreiche Art wurde jene Zeit genau ermittelt, 
welche diese Impuls-Ertheilung in Anspruch nahm, und welche daher 
von der gesammten Schwingungsdauer in Abzug gebracht werden 
muss. 

Die grossen Dimensionen und das bedeutende Gewicht des 
Apparates, er wiegt wohl 20 bis 30 Centner, haben Oppolzer ver- 
anlas^i^L die Bestimmung des Apparates, der ursprünglich als Reise- 
apparal hätte dienen sollen, umzuändern, und er wollte mit dem- 
seihen nur auf den Schwerestationen I. Ordnung, etwa Paris, Wien,. 
Berlin etc. Beobachtungen ausführen, um die von der Benützung 
VRrschicdener Apparate allenfalls herrührenden Widersprüche zu 
elimioiren. 

Leider ist durch den Tod Oppolzers die Vollendung dieses 
jrei^iss sehr vollkommenen Apparates unterblieben; nahezu voll- 
endet befindet er sich im Besitze der Erben dieses grossen Mannes 
und harrt dort seiner Verwendung für die Wissenschaft. 

Bei dem neuen Pendelapparate des k. k. Militär- geographi- 
schen Institutes wird der schädliche Einfluss der Unregelmässig- 
keiten des Uhrganges dadurch eliminirt, dass zur Bestimmung des 



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Schwereunterschiedes zweier Stationen, mit Hilfe elektrischer Ueber- 
tragung dieselbe Uhr gleichzeitig an beiden Stationen, deren jede mit 
Einern invariablen Pendel ausgestattet ist, verwendet wird. Hiedurch 
kommen die Unregelmässigkeiten des Uhrganges auf beiden Stationen 
gleich zur Geltung und eliminiren sich im Resultate. Durch Ver- 
tauschung der Pendelapparate auf beiden Stationen und Wieder- 
holung der Beobachtungen, wird das Resultat auch frei von constanten 
Fehlern. 

Es ist sehr nothwendig, auf die möglichste Eliminirung der 
Ungleichheiten des Uhrganges bedacht zu sein, wenn man exacte 
Beobachtungs-Resultate zur Lösung von Problemen benöthiget. 
Selbst eine Gangänderung von 001 See. in einer Stunde, was 
gewiss nicht viel ist, und bei den besten Uhren vorkommt, ist 
schon geeignet, die Resultate so zu entstellen, dass sie unbrauchbar 
werden, und gewiss sind schon oft ganze Versuchsreihen wegen 
dieser Fehlerquelle misslungen. 

Die Pendel dieses Apparates sind sehr kurz, sie schwingen 
nur halbe Secunden. Der ganze Apparat ist sehr compendiös 
und stabil gebaut, er kann überall hin leicht transportirt und 
aufgestellt werden, zu welchem Zwecke ihm zwei zerlegbare Stein- 
pfeiler beigegeben sind, die binnen kürzester Zeit aufgestellt werden 
können und eine grosse Stabilität gewähren. 

Die Bestimmung der Constanten des Apparates geschah em- 
pirisch, gleichfalls auf dem Principe der Gleichzeitigkeit der Beob- 
achtungen beruhend, indem abwechselnd die Pendel verschiedenen 
Zuständen bezüglich der Temperatur und des Luftdruckes mittelst 
hiezu geeigneter Apparate ausgesetzt wurden. Aus den sich er- 
gebenden Unterschieden der Schwingungszeiten konnten die be- 
treffenden Einflüsse sehr genau abgeleitet werden. 

So ergab sich z. B. für den so gefürchteten Einfluss des 
Luftwiderstandes, dem auf theoretischem Wege kaum beizukommen 
ist, für kleine Amplituden mit schöner Uebereinstimmung aus 
mehreren Versuchsreihen, ein sehr einfacher Ausdruck, proportional 
der Dichte der Luft. 

Mit diesem Apparate sind, obwohl er erst vor zwei Jahren 
angefertigt wurde, schon eine grosse Anzahl Beobachtungen aus- 
geführt worden, auf welche wir später zu sprechen kommen. 

In Frankreich hat Capitän Deforges gleichfalls einen neuen 
Apparat mit invariablem Pendel construirt, und demselben die Form 
eines symmetrischen, stabförmigen Reversions-Pendels gegeben, so dass 



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15 

der störende Luftwiderstand auf die Resultate ohne Einfluss ist. 
Behufs Eliminirung der Ungleichförmigkeiten des Uhrganges, wendet 
er nach unserem Verfahren gleichfalls zwei Pendel in den zwei 
Stationen, die telegraphisch verbunden sind, mit Benützung nur 
einer Chr, an; doch benützt Herr Deforges den von der Uhr 
kommenden elektrischen Strom nur dazu, um einem Hilfspendel 
genau den gleichen Gang, wie der Uhr selbst, zu ertheilen, wobei 
er sich des von Cornu angegebenen synchronistischen Verfahrens 
bedient Mit diesem so regulirten Pendel werden die Schwingungen 
des Reversions-Pendel nach der Comcidenz-Methode verglichen, nach 
einem eigenen Verlahren, welches noch für Amplituden von 2 Minuten 
geeignet sein soll. Der Apparat ist neu, und sind noch keine mit 
demselben erzielten Resultate veröffentlicht. 

Wir wollen nun noch mit einigen Worten jene sinnreichen 
Apparate erwähnen, die nicht auf dem Principe des Pendels beruhend, 
zu relativen Schwerebestimmungen dienen sollen, die jedoch, wie 
schon früher erwähnt, dermalen auch nicht annähernd die Genauigkeit 
der Bestimmungen mittelst des Pendels erreichen. 

Zunächst erwähnen wir den Flügel-Regulator von Vilarceau, 
beruhend auf dem Principe des F ouc au It'schen Regulators, dessen 
Theorie lehrt, dass die Schwerkraft proportional sei dem Quadrate 
der Rotationsgeschwindigkeit. Soviel mir aus einer Mittheilung des 
Hofrathes Ritter von Oppolzer, der im Besitze eines derartigen 
Instrumentes war, bekannt ist, dürfte die mit diesem Instrumente 
erreichbare Genauigkeit keine sehr grosse sein, die Schwere dürfte 
kaum bis auf^—^ ihres Betrages ermittelt werden können. Es 
scheiterte bisher die tadellose Herstellung dieses Apparates, der 
sonst sehr viele Vortheile bieten würde, an der Unmöglichkeit der 
genügend exacten mechanischen Ausführung. Auch bei diesem 
Apparate wäre eine genaue Ermittelung der Zeit unerlässlich. 

Von diesem Uebelstande frei sind jene Apparate zu Schwere- 
messungen, die auf der Elasticität der Gase beruhen, imd bei 
welchen die Höhe der Quecksilbersäule gemessen wird, die von 
einer constanten Gasmenge getragen wird. Die Schwierigkeit der 
grauen Messung der Höhe dieser Quecksilbersäule, sowie die 
ausserordentlich grosse Abhängigkeit der Spannkraft der Gase von 
der Temperatur, machen die Anwendung derartiger Apparate sehr 
fraglich; überdies sind die Versuche mit denselben noch nicht ab- 
gföchlossen, und es ist immerhin ein günstiger Erfolg derselben 
nicht unmöglich. 



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16 

Sehr beachtenswerth ist in dieser Hinsicht ein Vorschlag des 
Herrn Inspectors Marek, statt der Gase die Spannkraft von Dämpfen 
der flüssigen schwefeligen Säure zu verwenden. 

Endlich sind noch Apparate construirt worden, die auf der 
Elasticität der Metalle beruhen. Hieher gehört das Bathometer von 
Siemens, bei welchem sich der federnde Boden eines Gefasses 
durch den von der Grösse der Schwere abhängigen Druck des Queck- 
silbers ausbaucht, und die hiedurch entstehende Volum- Veränderung 
des Gefasses zur Messung der Schwere dient. Bei Legung des 
Kabels über den atlantischen Ocean soll dieses Instrument gute 
Dienste zur approximativen Bestimmung der Meerestiefen geleistet 
haben, indem die Schwere desto grösser erscheint, je seichter das 
Meer ist, da in diesem Falle die dichtere Erdmasse des Meeres- 
grundes der Oberfläche näher ist, und daher die Schwere daselbst 
durch ihre Attraction vergrössert. Seither ist über diesen Apparat 
und seine Leistungsfähigkeit nichts Näheres bekannt geworden, 
ebenso wenig über den Apparat von Allan Braun, bei welchem 
zur Schwerebestimmung die Torsion eines Drahtes in Verbindung 
mit der bifilaren Aufliängung eines Gewichtes verwendet wird. 

Thomson will neuester Zeit zur Bestimmung der Schwere die 
Biegung eines horizontal liegenden Metallstreifens verwenden, dessen 
ein Ende fest geklemmt und das andere belastet ist und als Index 
über einer Scala sich bewegt, so dass die durch die verschieden 
grosse Schwere erzeugte Biegung des Metallstreifens gemessen 
werden kann. Ob jedoch die Elasticität der Metalle so vollkommen 
ist, und ob es gelingt den Einfluss der Temperatur zu beseitigen 
ist noch fraglich, es müssen erst diesbezügliche Nachrichten ab- 
gewartet werden. 

Alle diese eben en^ähnten Apparate stehen jedoch bezüglich der 
erreichbaren Genauigkeit weit hinter dem Pendel zurück, weshalb auch 
bisher nur dieses zu den Schwerebestimmungen verwendet wurde. 

Nachdem wir nun die uns dermalen zu Gebote stehenden 
Hilfsmittel in allgemeinen Umrissen kennen gelernt haben, wollen wir 
nun zu den Ergebnissen der Schwerebestimmungen selbst übergehen. 

Zunächst ist es die allgemeine Form der Erde, welche wir 
aus den ausgeführten, über die ganze Erde vertheilten Schwere- 
bestimmungen nach dem Gl air aufsehen Theoreme zu bestimmen 
im Stande sind. Thatsache ist es, dass die so gefundene Form 
der Erde weit mehr Wahrscheinlichkeit für sich hat, als jene aus 
den Gradmessungen hervorgegangene, indem sich die Resultate der 



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17 

letzteren, bei Hinzuziehung immer neuer Gradmessungen stets dem 
aus den Schweremessungen allein abgeleiteten Wertlie nähern. Ja, 
es wurde schon vielfach die Ansicht ausgesprochen, dass, soferne 
es sich blos um die Form der Erde handelt, die Schwerebestim- 
raungen allein massgebend sein sollten, und die Gradmessungen 
nur zur Bestimmung der Grösse der Erde zu verwenden wären. 

Es ist dieses Thema schon vielfach, auch hier in dieser hoch- 
ansehnlichen Gesellschaft besprochen worden, so dass für heute 
blos die gemachte kurze Andeutung genügen dürfte. — 

Schon bei dieser Verwendung der Pendelbeobachtungen zeigte 
sich die Nothwendigkeit des Studiums innig damit verknüpfter Fragen, 
nämlich der Wirkung der Massenattraction auf die erhaltenen Re- 
sultate. Denn um Schwerebestimmungen vergleichbar zu machen, ist 
es noth wendig, die in ungleichen Höhen über dem Meere ausgeführten 
Messungen auf ein Vergleichsniveau zu reduciren, und es zeigen 
sich dabei auffallende Widersprüche zwischen Festland, Küsten 
und Inselstationen, die ihre Erklärung in der Anziehung der con- 
tinentalen Massen finden, w^elche eine Hebung der Meeresfläche an 
den Küsten zur Folge hat. 

Auch dieser Gegenstand wurde schon hier in einem hoch- 
interessanten Vortrage behandelt, und ich will mich demnach heute 
nicht mit der Betrachtung über diese, mit Hilfe der Potentialtheorie 
so schön gelösten Probleme befassen, sondern ich will mir erlauben 
einige andere Resultate, die vielleicht den geehrten Anwesenden 
nicht so allgemein bekannt sein dürften, zu besprechen. 

Bei dem Umstände, als bisher die Ziele und Zwecke der 
Schwerebestimmungen fast ausschliesslich auf die Bestimmung 
der Form der Erde concentrirt waren, ist zur Lösung anderer, 
höchst interessanter Probleme bisher leider nur äusserst w^enig 
geschehen, so dass das ganze Forschungsgebiet der Theorie 
und Speculation überlassen blieb, während gerade auf diesem 
äusserst schwierigen Gebiete die Theorie hätte stets Hand in Hand 
mit den Beobachtungen gehen sollen. Dass die Theorie allein 
da nicht ausreicht, zeigt sich in den herrschenden, manchmal 
geradezu diametral entgegengesetzten Ansichten, Beweisführungen 
und Lehren, denen oft die Thatsachen widersprechen. Ist es 
doch zum Beispiel gar nicht lange her, dass wh* in Lehrbüchern 
gelesen haben, die Schwere nehme unter der Erdoberfläche 
ab — während später Versuche und auch die Theorie eine Zu- 
nahme der Schwere ergeben haben. So manche Lücke besteht 

Mitth. d. k. k. <ieogr. ües. 1889. 1. 2 , ^ T 

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18 



da noch in unserem Wissen, welche auszufüllen fast ausschliesslich 
der Beobachtung überlassen bleibt 

Verweilen wir zunächst, da wir schon das Verhalten der 
Schwere beim Eindringen in die Erde, also die Schwere im Innern 
der Erde erwähnt haben, bei diesem Thema. Betrachten wir die 
in dieser Richtung bisher erzielten Resultate. Dieselben sind für 
uns in mehr als einer Hinsicht interessant, ermöglichen sie ja doch 
nach der Theorie von Airy, die mittlere Dichte, also auch die Masse 
der ganzen Erde zu bestimmen. Es dürften dieselben uns, wenn 
sie zahlreich genug sein werden, Aufschlüsse über das Erdinnere 
geben, über welches wir dermalen sehr wenig Positives wissen. 

Die betreffenden Beobachtungen bestehen in der Ermittlung 
des Unterschiedes der Schwere auf der Erdoberfläche und in ver- 
schiedenen Tiefen unter derselben. Sie müssen demnach in den 
Schachten der Bergwerke ausgeführt werden und sind wegen der 
sehr ungünstigen Umstände meist recht schwierig mit der nöthigen 
Genauigkeit ausführbar. 

Einschlägige Beobachtungen sind bisher nur sehr wenige, im 
Ganzen nur an 8 Orten ausgeführt worden, nämlich : im Jahre 1854 
in England in dem 383 Meter tiefen Schachte Harton des Kohlen- 
revieres Durham, durch den (ireenwicher Astronomen Airy'), inn 
Jahre 1 883 in Böhmen, in dem 1 000 Meter tiefen Adalbert-Schachte 
des Silberbergwerkes zu Pfibram^) und endlich im Jahre 1885 in 
Sachsen, in dem 534 Meter tiefen Abraham-Schachte des Silber- 
bergwerkes Himmelfahrt-Fundgrube bei Freiberg.') 

An allen 3 Orten ergaben die Beobachtungen die Schwere 
unter der Erde grösser als an der Erdoberfläche. Wenn wir die 
Zunahme der Schwere ausdrücken in Millionsteln ihrer Grösse auf 
der Erdoberfläche, so ergeben die Beobachtungen folgende Resultate: 



Harton 


Pfibram 


1! 




Freiberg ] 


Tiefe 
m 


Zmahme i Tem- 
der pentir 
Schwere 1 R». 


Dichte 


Tiefe 
m 


Znoabne 

dt-r 
Schwere 


Tem- 
peratur 
Ro. 


" li 
Dichte Tiefe 
il r»' 


Zonahmel Tem- ' 
der 1 peratir Dichte 

Schwere! R° 1 


383 


52 1 14 


6.57 


516 


41 


14-8 1 5-54 


257 ' 32 1 13 8 


666 








748 


65 


16-7 5-71 


414 ' 57 ! 15-4 


715 








973 


88 


19-9 1 5-80 


531 79 190 ; 7-60 
















Mitteil 
5-68 1 




1 

1 1 


. 



•) Phil. Trans. 1856. 

») Mittheilungen des k. k. milit-geogr. Institutes Band III und IV. 

■) Mittheilungen des k. k. milit-geogr. Institutes Band VI. 



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J 



19 

Wie wir sehen, ist die Zunahme der Schwere an diesen 3 Orten 
eine sehr vert^cfiiedene ; in Harten nimmt dieselbe bei 383 Meter 
Tiefe um eben so viel, nämlich 52 Millionstel zu, wie in Pfibram 
bei 623 Meter, also nahezu der doppelt so grossen Tiefe, und 
auf jene Schwerezunahme; die wir in P/ibram bei 748 Meter Tiefe 
vorfinden, nämlich 65 Millionstel," stossen wir in Freiberg schon 
bei 462 Meter, ajso nahezu um 300 Meter früher. 

Wir sehen daraus, dass die Zunahme der Schwere unter der 
Erde nicht an allen Orten gleich ist; woher dies kommt, ist dermalen 
wohl ebenso unaufgeklärt, wie etwa die bekannte Thatsache, dass 
die Warniezunahnie unter der Erde an verschiedenen Orten eine 
unj^leiche ist, wie sich dies auch in diesen drei Schachten 
deutlich zeigt. 

Betrachten wir die in obiger Tabelle enthaltenen, in verschiedenen 
Tiefen vorgefundenen Temperaturen, so sehen wir, dass auch die 
Tempemturzunahme mit der Tiefe eine verschiedene ist, denn in 
Freiberg finden wir z. B. bei 534 Meter Tiefe eine Temperatur von 
19", also nahe^i ebensoviel wie in Pribram bei 900 Meter, und in 
Harlon wo die Temperatur durch die Tagluft jedenfalls schon etwas 
abgekühll war,' ) daher mindestens 15® betragen haben dürfte, finden 
wir bei 383 Metet^ Tiefe die gleiche Temperatur wie in Pribram 
bei 5B0 Meten 

Auffallend ist hiebei, dass die Schwerezunahme mit der 
Temperaturzunahme in einem gewissen Zusammenhange zu stehen 
selieint^ denn w^ir finden, unabhängig von der Tiefe, an allen 3 Orten 
bei gleicher Temperatur auch die gleiche Schwerezunahme; so 

in Harten bei 15® die Schwerezunahme 52 

> Pfibram > US« » > 41 

> Freiberg » 15-4® » » 57 
femer beispielsweise in Freiberg » 19" » > 79 

> Pfibram > 19-9« » > 88 
also, wenn man interpoliren würde, stets bei gleichen Temperaturen 
auch die gleiche Schwerezunahme. 

Ich bitte mich nicht misszuverstehen, wenn ich dieser Er- 
scheinung hier Erwähnung thue. Ich kann diesen ZusammBuhang 



*) Dass der Einlluss der Tagluft auf die Temperatur in diesem Schachte 
bereits bemerkbar war. zeigt sich an der Abhängigkeit der zu verschiedenen 
Zeiten heobachteteii Temperaturen im Schachte, von den Angaben des Thermo- 
meters ober Tage, 

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20 

zwischen Temperatur und Schwerezunahme durchaus nicht be- 
haupten, vielweniger noch erklären, ich kann nur hier anführen^ 
was diese Beobachtungen ergeben, denn bei einer so geringen 
Anzahl von Resultaten dürfen wir keine weitgehenden Schlüsse 
ziehen. Der Zufall, unvermeidliche Beobächtungsfehler, üngenauig- 
keiten etc. können ja unter Umständen alles erklären. 

Berechnen wir, nach dem von Airy gegebenen Verfahren') 
aus den gefundenen Zunahmen der Schwere mit Berücksichtigung 
der Tiefen und sorgfältig ermittelten Dichten der Gesteine an diesen 
3r Oertlichkeiten, die mittlere Dichte der ganzen Erde, so erhalten 
wir die in der obigen Tabelle als »Dichte« enthaltenen Werthe. 

Bloss die Resultate der Pribramer Beobachtungen, welche im 
Mittel eine Dichte von 5*68 ergeben, nähern sich der wirklichen 
mittleren Dichte der Erde, die wir mit 5"6 annehmen können ; 
sowohl die Hartoner als auch die Freiberger Beobachtungen ergeben 
viel zu grosse Werthe, jene in Freiberg überdies noch mit der 
Tiefe zunehmend. 

Noch eine kleine Betrachtung wollen wir über die in Plibram 
erhaltenen Resultate anstellen. 

Ich habe versucht, aus der gefundenen Schwerezunalune und 
mit Berücksichtigung des Umstandes. dass im Erd-Centrum die 
Schwere gleich sein muss, einen Ausdruck für die Grösse y der 
Schwere im Innern der Erde abzuleiten und fand die Gleichung 

;' = 2-5854 r— 1-5854 r^ 
wo r die Entfernung vom Erd-Centrum in Theilen des Radius aus- 
gedrückt, bedeutet. 

Aus dieser Gleichung erhielt ich für die Dichte ä, der aufeinander 
folgenden Erdschichten den Ausdruck 

d — 14-Ö (i— 0-8176 r) 
eine Gleichung des ersten Grades, welche uns daher eine gleich- 
massige Zunahme der Dichte von der Oberfläche bis zum Cen- 
trum angibt. 

Zu diesen zwei Gleichungen bin ich auf sehr einfachem Wege 
ausschliesslich auf Grund der Beobachtungs-Resultate gelangt, ohne 
eine Annahme über die Abplattung oder die Constitution der Erde 
gemacht zu haben. 

Vergleichen wir den Verlauf der Schwere längs eines Erd- 
halbmessers, wie er sich aus dieser Gleichung ergibt, mit jenem 
wie er aus theoretischen Untersuchungen folgt, so finden wir 

^) Philosoph. Transac. 1856. 

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21 

beide in vollkommener Uebereinstimmung. Die Schwere nimmt mit 
der Tiefe zu und erreicht bei r = 0'815 oder in etwa 1200 km 
Tiefe ihren Maximal werth, nämlich 1'05 ihrer Grösse an der Erd- 
oberfläche. Nach der Gleichung für die Dichte finden wir für diese 
Tiefe die Dichte d=5*7 also etwa die mittlere Dichte der Erde. 

Dann nimmt die Schwere ab, erreicht bei r = 0*631 oder in 
etwa 2400 Ärw Tiefe wieder denselben Werth wie an der Erd- 
oberfläche, wird dann immer kleiner, und endlich im Mittelpunkt = 0. 

Was den Ausdruck für die Dichte d der aufeinander folgenden 
Erdschichten anbelangt, so können wir uns hier nicht in eine nähere 
Untersuchung desselben einlassen; wir wollen nur erwähnen, dass 
wenn wir mit Professor Dr. Birkenmayer denselben in die von 
Laplace aufgestellte Gleichung für das Argument der Präcession 
oder des Verhältnisses der Hauptträgheitsmomente der Erde ein- 
führen, wir für diese Grössen einen Werth erhalten, der vollkommen 
übereinstimmt mit jenem, der sich aus den astronomischen Beob- 
achtungen nach den sorgfältigen Untersuchungen von Leverrier und 
Oppolzer ergibt.') 

Dies gilt wesentlich von dem Factor 08176 von r, was nicht 
ausschüesst, dass die Constante 14*8 oder die Dichte im Erd- 
mittelpunkte etwas zu hoch gegriffen ist, da dieselbe nach den 
theoretischen Untersuchungen von T. J. Stielties*) im Maximum 
nur 12*2 betragen kann. 

üebergehen wir nun zu einem zweiten, sehr wichtigen Pro- 
bleme, das seiner Lösung grösstentheils durch die Beobachtungen 

* ) Laplace gibt hiefQr (Mech. cel. T II pag. 252) den allgemeinen Ausdruck : 

C 3 V 578; J' ,,-,.« rf, 

wo C und A des Trägheitsmoment der Erde um ihre kleinste und grösste Axe, 
«0 die Abplattung und ^j« die Hälfte des Verhältnisses der Fliehkraft zur 
Schwere am Aequator bezeichnet. 

Setzen wir in diese Gleichung für d den gefundenen Werth 
d=a (l-/Jr) = 14-8 a--0'8176 r) 
so erhalten wir nach ausgeführter Integration 

wenn wir für ao = ,Jg und j5=0'8l76 setzen; und dieser Werth stimmt mit 
dem blos aus astronomischen Beobachtungen abgeleiteten vollkommen überein. 
< Siehe Helmert höhere Geodäsie 2. Theil pag. 437) 

•) Arch. Nöerland. des sc. exactes et nat. XIX (1884) 435. 



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22 



harrt, nämlich zu dem Einflüsse der Bodenerhebungen auf die Grösse 
der Schwere. Diese Frage ist schon darum von hoher Bedeutung^ 
da wir ja, wie schon erwähnt, genöthigt sind, die auf der physischen 
Erdoberfläche ausgeführten Beobachtungen auf ein Vergleichsniveau 

zu reduciren, um sie vergleichen und zur Ableitung der allgemeinen 
Form der Erde benützen zu können. 

Im Allgemeinen wird angenommen, dass die Masse einer Bo- 
denerhebung, auf welcher wir die Schwere bestimmen, durch ihre 
Attraction die Schwere vergrössert; reduciren wir demnach eine 
Schwerebestimmung auf das Vergleichsniveau, z. B. auf die Meeres- 
fläche, so müssen wir zweierlei Correctionen anbringen: erstens 
jene wegen der Höhe der Station über den Meeresniveau, also eine 
positive Correction, da die Schwere am Meeresspiegel grösser ist 
als in einer Höhe über demselben; und zweitens eine negative 
Correction, nämlich die Anziehung der zwischen der Station und 

. der Meeresfläche gelegenen Erdmasse, also mehr oder weniger die 
Attraction einer Platte von einer Dicke, welche der Seehöhe der 
Station gleich ist. 

Faye, in Paris, negirt den Einfluss dieser Platte und will 
blos die Höhe der Station allein für die Reduction am Meeres- 
horizont massgebend wissen, gerade so, wie ,wenn sich diese Station 
in freier Luft, auf einer masselosen Säule, oder etwa einem 
Thurme befinden würde. Er betrachtet die Masse der Bodenerhebungen 
compensirt durch Dichtigkeitsdefecte, und denkt sich dieselben durch 
die grössere Wärme unter den Continenten als unter dem Meere 
bei gleicher Tiefe entstanden. 

Bekanntlich besitzt das Meereswasser in den grössten Tiefen eine 
Temperatur nahe dem Gefrierpunkte; es haben demnach die festen 
Erdmassen unter dem Meere bis in sehr grosse Tiefen hinab eine 
niedere Temperatur, während unter dem Festlande in solchen Tiefen 
jedenfalls schon eine hohe Temperatur angetroffen würde. Nach 
dieser Ansicht befindet sich unter einem Festlande, welches über 
das Meer hervorragt, nicht eine grössere Masse, sondern sie erfährt 
durch die Wärme blos eine Volum-Vergrösserung, und wir dürfen 
daher nach Faye dieselbe bei der Reduction der Beobachtungen 
nicht speciell in Rechnung nehmen, weshalb blos die Höhe der 
Station über dem M^ere massgebend ist. 

Und in der That trifft diese Voraussetzung nach den ein- 
gehenden Untersuchungen des Professor Helmer t zu, es hat die 
Methode von Faye viel mehr Wahrscheinlichkeit für sich als die 

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23 

übrigen Annahmen, indem die meisten der nach Faye's Methode 
reducirten Pendelstationen sehr überemstimmende Resultate gaben, 
was bei Berücksichtigung der unterhalb der Stationen gelegenen 
Erdmasse nicht der Fall ist ') 

Indes kommen jedoch auch Fälle vor, bei welchen durch alle 
angewandten Reductionen keine Uebereinstimmung erzielt werden 
kann ; denn es erscheint die Schwere an manchen Orten nicht un- 
erheblich vergrössert oder verkleinert. Solche Störungen finden wir 
z. B. m Duschet, im Kaukasus und in Baku am Kaspischen 
Meere, wo die gefundene Schwere um mehr als den zehntausendsten 
Theil ihrer Grösse von dem normalen Werthe abweicht. 

Man ist geneigt unterirdischen Massenverdichtungen oder Hohl- 
räumen, beziehungsweise grösseren Gebieten, die mit specifisch 
schwereren oder leichteren Stoffen angefüllt sind, diese störenden 
Wirkungen zuzuschreiben, eine Annahme, deren Richtigkeit 
noch nicht als allgemein bewiesen zu betrachten ist. Denn 
nicht immer trifft diese Erklärungsart zu, da auch manchmal gerade 
in der Nähe von sichtbaren Massendefecten, z. B. am Rande aus- 
gedehnter Plateaux, deren Fortsetzung wir uns durch Luft ersetzt 
vorstellen können, wo wir uns also zweifellos in der Nähe eines 
Massendefectes befinden, und daher eme kleinere Schwere antreffen 
soUten, Widersprüche vorhanden sind. 

So wurde z. B. in Ungarn auf dem isolirt stehenden Berge 
Saghegy, der die Form eines abgestutzten Kegels hat und oben 
ein kreisrundes Plateau bildet, die Schwere am Plateaurande 
grösser gefunden als in der Mitte, obwohl sie doch am Rand hätte 
kleiner sein sollen. Und die gefundene Schwerezunahme ist auch 
bei weitem nicht durch die grössere Dichte der Trachytsäulen, welche 
den Plateaurand bilden, zu erklären.^) 

Man fühlt sich in solchen Fällen leicht geneigt anzunehmen 
dass nicht die Dichte der Massen allein auf die Anziehung derselben 
massgebend ist, sondern dass vielleicht einigen Körpern, sagen wir 
z. B. den Eruptivgesteinen, in dieser Hinsicht ganz specielle Eigen- 
schalten eigenthümlich sind, durch welche dieselben eine noch unge- 
kannte Anziehung auf andere Körper ausüben. 

Gerade auf dem Saghegy würde diese Annahme umsomelir 
eine Bestätigung finden, da auch am Fusse des Berges, unter- 



') Verhandlungen der permanenten Commission der internationalen Erd- 
messung zu Nizza 1887. Annex N. II. a, pag. 5 u. f. 

') MiUheilungen des milit.-geogr. Institutes Band V, XS^h. 



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24 

halb dieser Säulen die Schwere viel zu klem gefunden wurde, 
welcher Umstand sich gleichfalls durch eine von den höher liegenden 
Trachytfiäulen ausgeübte, nach aufwärts gerichtete Anziehung er- 
klären Hesse. 

Doch, wir können dermalen aus dem vorhandenen, so spärUchen 
Beobachtungsmateriale keine verlässlichen Schlüsse ziehen. Wie 
nothwendig erscheint auch in dieser Richtung eine Vervielfältigung 
der einschlägigen Untersuchungen! 

Wir wollen nun noch einer anderen Verwendung der Schwere- 
bestimmungen hier Erwähnung thun, nämlich der Bestimmung des 
Einflusses der Schwere auf die Ergebnisse des Nivellements. Auch 
dieses ist in das Programm der Gradmessung aufgenommen worden ; 
es ist bestimmt uns über verschiedene Erscheinungen bezüglich 
der Form der Erde und ihrer physischen Oberfläche aufzuklären. 
So soll es uns unter Anderem Aufschluss geben über die schon 
oft besprochene Frage der Verschiedenheit der Höhen der Meeres- 
spiegel, und zeitHche Aenderungen der Höhen auf dem Festlande, wie 
solche durch Faltung oder Erdbeben etc. von den Geologen an- 
genommen werden. 

Erstere Frage will man dadurch lösen, dass die Pegel der 
verschiedenen Meere durch sehr genaue Nivellements verbunden 
werden, letztere durch zeitweise Wiederholung der Nivellements 
und neuerliche Bestimmung der Höhen der sehr zahlreichen Fix- 
punkte derselben. 

Auch diese so einfach scheinende Operation des Nivellements 
stösst auf mancherlei theoretische Bedenken, bei denen die Einflüsse 
der Schwere vielfach eine Rolle spielen. Es erscheint auch in diesem 
Falle nothwendig durch die Schwerebeobachtungen der Theorie zu 
Hilfe zu kommen, damit die Grösse der betreffenden Einflüsse 
beurtheilt werden könne. 

Die bisher von den betheiligten Staaten sehr sorgfältig aus- 
geführten und gut controlirten Nivellements ergeben an den An- 
schlüssen verschiedene Höhen der Fixpunkte.*) So resultirt z. B. 
die Höhe des Nivellementsfixpunktes Peter witz in Schlesien an 
der preussischen Grenze nach dem Nivellement der preussischen 
Landesaufnahme mit 350*73 m über der Nordsee; nach dem 
österreichischen Niveflement, abgeleitet von Triest über Graz, Wien, 



*) Mittheilungen des k. k. milit.-geograph. Institutes V. u VI. Band, 
Seite 15 u. 16. 



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25 

Prerau. Oderberg mit 351 '02 tn über dem adriatischen Meere, 
also um 29 cm höher. 

Ein zweiler Kixpunkt, Sn hl an fit an der böhmisch-preiLs-sischen 
Grenze, hat nach dem preiimselien Nivellement die Höhe 351 -93 m 
über der Nordsee, während nach dem österreichii^chen Nivellement 
dessen Höhe, abgeleitet von Trie?i über Wien, Pardnbitz mit 35*2*38«/, 
demnach um 10 rm hoher re^siillirl. 

EndUch ergibt das hayrisc^he Nivellement die Höhe de^ 
Ftxpünktes bei Lindau mit *^991^l Meter über der Nordsee und 
das österreichi^^che Nivellement von Triest über Villach, Lienz, Bozen. 
Naiiders und Bregenz 399^99 m über der Adria, also um tiS rm 
höher. 

Wie wir demnach J^ehen, ergeben die österreichischen Ni- 
vellemeiits durchgehends die Höhen der An^chlusspimkle über der 
Adria grösser, als die deutschen Nivellements über der Nordsee: 
man könnte demnach den Schluss ziehen, dass der Spiegel der 
Nordsee höher hege, als das adriatische Meer, u. zw. nach den 
Angaben der einzelnen Nivellements 

über Schlesien um 29 rm, 
„ Böhmen „ 40 cm und endlich 
Tirol ,. t)8 r-m. 

Nachdem jedoch der unterschied der Höhe dieser beiden 
Meere, wenn er überhaupt besteht, zweifellos nur einen bestimmten 
Werth haben kann, so könnten die hier angeführten drei difterirenden 
Angaben geeignet sein, Zweilei über die Verläi5sUchkeit und Exactheil 
der Nivellements zu erwecken, und doch sind dici^elben so vielfach 
controlirt, dass die Möglichkeit so grosser Fehler fast grtnzjich aus- 
geschlossen ist. 

Diese Dinerenzen werden sich wesentlich vermindern, w^enn 
einmal an die Nivellement^ jene Correctionen angebracht sein 
werden, die nothw endig sind, um ihre Ergebnisse vergleichbar zu 
machen, oder um aus denselben die absoluten Höhen der Fixpunkte 
ableiten zu können. 

Zunächst muss da die sphäroidische Correction berücksichtigt 
werden, welche daher rührt, dass die verschiedenen Nivellements 
nicht durchgetiends in gleicher Höhe über dem Meere ausgeführt 
werden können, sondern sich über Berg und Thal erstrecken müssen. 
Ihre Theile liegen in verschiedenen Höhen über dem Meere, gehören 
daher verschiedenen Sphjü-oidflächen an, die zu einander nicht parallel 
sind, und doch bei der Ableitung der Ztelhöhen-Dinerenzen als 



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26 

parallel angenommen werden. Es erfordert daher ein jedes Ni- 
vellement zmiächst eine von der Höhenlage seiner Theile über 
dem Meere abhängige kleine Correction /\h^ welche die sphäroi- 
disehe genannt wird. Im Allgemeinen ist dieselbe für eine Strecke 
s dargestellt durch den Ausdruck: 

^h = ^i I Sin. 2qn h ds 

in welchem ^i eine Constante, qp und h die Breite und Seehöhe der 
einzelnen Theile des Nivellements, und ds ihre meridionale Er- 
streckung bedeutet, lauter Grössen, die sich theils durch das Ni- 
vellement selbst ergeben, oder einer guten Karte mit hinlänglicher 
Genauigkeit entnommen werden können. 

Da nun die drei hier angeführten Nivellements-Anschlüsse auf 
verschiedenen Linien erreicht wurden, welche grösstentheils in un- 
gleichen Höhen über dem Meere verlaufen, so ist die sphäroidische 
Correction für jede dieser drei Linien verschieden, und es werden 
nach ihrer Anbringung die bezüglichen Diflerenzen wahrscheinlich 
bedeutend herabgemindert erscheinen. 

Allein auf die Ergebnisse des Nivellements wirken auch noch 
andere Umstände ein, nämlich die Attraction der dem Nivellements- 
zuge naheliegenden Bergmassen. Die horizontal wirkende Componente 
dieser Anziehung beeinflusst selbstverständlich in hohem Grade die 
Nivellements, da sie Lothablenkungen bewirkt, die unter Umständen 
im vollen Betrage in das Resultat übergehen. Es dürfte jedoch kaunn 
möglich sein, diesen Einflüssen wegen der manigfachen Verschieden- 
heit der Bodengestaltung calculatorisch beizukommen. Wir können 
nur annehmen, dass dieselben bald positiv, bald negativ einwii'keo, 
sich daher im Grossen und Ganzen im Resultate gegenseitig auf- 
heben, und daher die Nivellements nicht wesentlich beeinflussen. 

Anders verhält es sich mit der Vertical-Componente dieser 
Anziehung, welche der Schwere entgegen wirkt. Wenn dieselbe auch 
meist nur klein ist, so wirkt sie doch stets im gleichen Sinne und 
summirt sich ihre Wirkung längs einer Nivellementslinie fortwährend, 
so dass sie schliesslich zu einem immerhin nennenswerthen Betrage 
anwächst. 

Denn, wenn die Schwere auf einem Orte aus was immer für 
einem Grunde kleiner ist, als sie der Höhenlage desselben zukommt, 
so ist es bezüglich des Nivellements gerade so, als wenn dasselbe 
in einer Höhe ausgeführt worden wäre, welcher unter normalen 
Verhältnissen diese Schwere entsprechen würde; und wir sehen 

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27 

dass wir in der obenstehenden Gleichung für die Höhe h einen an- 
deren Werth einzusetzen haben, wenn die Schwere an einem Orte 
gestört ist. als wenn 5ie normal wäre. 

Hier sind wir auf dem Punkte angelangt, wo wieder nur die 
Schwerebe^tiinmungen ün.s über die Grösse dieser Einflüsse Auf- 
schluss zu geben vermögen. Denn es ist ungemein schwer, sich 
ohne denselben, auch nur annähernd eine Vorstellung über die 
Grösse dieser Vertical-Componente. beziehungsweise über den Ein- 
fluas der höher liegenden tiebirgsmassen auf die Grösse der Schwere 
zu machen. 

Es ist daher nothwendig, dass einmal, wenigstens aui einigen 
Nivellementslinien dieser Einlluss durch Messungen wirklich ermittelt 
werde. Dies ist auch bei uns in Oe^terreich in jüngster Zeit geschehen. 
Es unirde niimlicli zu diesem Zwecke im vei'gangenen Jahre auf der 
Str^ke zwischen Bozen und Innsbruck auf 18 Stationen die Grösse 
der Schwere mittelst des neuen Pendel-Apparates des Militär-geogra- 
phischen Instituts ermittelt,*) 

Die Resultate ergeljen die Schwere auf allen 18 Stationen 
kleiner, al.s sie unter normalen Verhältnissen vorgefunden würde, 
indem sich diese Linie auf der Sohle des Eisak- und Sill-Thales er- 
streckt, und daher die liöher gelegenen, gewaltigen Gebirgsmassen 
durch ihre nach aufwärts gerichlete Anziehung die Schwere ver- 
kleinern. 

Es zeigt sich, dans durch ein von Bozen ausgehendes, fehler- 
freies Nivellement die Höhe von Innsbruck im Ganzen um 98 n.m 
zu gross gefunden wird. Von diesem Betrage entfallen 74 ww auf 
die früher besprochene sphi^nndisehe Correction, und 24 mm rühren 
von den Unregelmässigkeiten der Schwere her. 

Heuer wurde diese Arbeit von Innsbruck über Landek, 
Mal^, Meran bis Bozen mit Einschluss des Stilfserjoches fort- 
getietzt, und es wäre zu wünschen, dass dieselbe auch noch 
auf die Strecken Ala-Bozen und Innsbruck-Kufstein ausgedehnt 
würde. Es wäre dann der ganze durch die Alpen bewirkte störende 
Einfluss auf die Ergebnisse des sie durchquerenden Nivellements 
ermittelt. Derselbe dürfte immerhin 10 bis 15 cm betragen. 

Wenn auch, niöglicher Weise, so Manchem diese gefundenen 
Beträge nur sehr unbedeutend und nicht der aufgewendeten grossen 
Mühe werth erscheinen mögen, so muss berücksichtigt werden, dass es 
sich ja bei den Resultaten doch inuner nur um kleine Beträge von 

') Mittlieilungeri des k. k. miUL-geograph. Instituts, Band VIII, 1888. 

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28 

30 — 40cm handelt, welche wir durch das Nivellement überhaupt 
constatiren wollen, bei welchen also die eben besprochenen Werthe 
einen namhaften Percentsatz ausmachen. 

Es wird wohl auch kaum jemand erwarten, dass die geo- 
logischen Vorgänge innerhalb einzelner Menschenalter so grosse 
Höhen-Veränderungen auf der Erdoberfläche hervorbringen, dass 
10 oder 20 cm hiebei zu vernachlässigende Grössen sind. 

Es würde uns zu weit führen, wollten wir die eben be- 
sprochene Wirkung der Schwerestörungen auch noch in anderer 
Richtung, etwa auf die Nivellementspolygone, Schlussfehler derselben 
etc. erörtern; wir begnügen uns für heute im Allgemeinen auch auf 
diese Verwendungen der Schwerebestimmungen hingewiesen zuhaben. 

Wir haben nun gesehen, welch' ein grosses Gebiet der Er- 
kenntniss unserer Erdoberfläche und auch des Erdinnern uns 
durch die Schwerebestimmungen erschlossen wird, wie nothwendig 
daher ihre Ausführung ist. Anderseits haben wir aber auch ge- 
sehen, wie erstaunlich wenig in dieser, noch immer so zu sagen 
abseits vom gewöhnlichen Wege liegenden Forschungsrichtung ge- 
schehen ist. 

Der Grund dieser bedauerlichen Erscheinung liegt wohl einer- 
seits in der grossen Schwierigkeit der Ausführung einschlägiger 
Beobachtungen mit den complicirten Instrumenten und schwerfälligen 
Beobachtungsmethoden, anderseits wohl hauptsächlich in der sehr 
geringen Verbreitung der Kenntnis und des Interesses an den wenigen 
mühsam errungenen Resultaten, die ein allgemeines Interesse zu 
erregen wohl kaum im Stande sind. 

Nun, die schwerfälligen Apparate sind, wie wir gesehen haben, 
heute durch neue, compendiöse ersetzt ; die Methoden so vereinfacht, 
dass die Beobachtungen auch auf schwer zugänglichen Orten leicht 
und sicher ausgeführt werden können und was die geringe Ver- 
breitung des Interesses betrifft, so bin ich mit grösstem Vergnügen 
der mich so ehrenden Aufforderung nachgekommen, und habe mich 
bemüht, so gut ich es konnte, die Aufmerksamkeit dieser hoch- 
ansehnlichen Gesellschaft auf diesen, wenn auch im Allgemeinen 
recht schwierigen Gegenstand zu lenken, indem ich glaube, hiedurch 
zur Verbreitung des Interesses und zur Anregung zur Forschung 
beigetragen zu haben, denn wo findet eine Anregung zur Forschung, 
sei es in ungekannten Gegenden fremder Welttheile, sei es in wenig 
gekannten Gebieten der einschlägigen Wissenschaften mehr Ver- 
ständniss und Würdigung, als bei dem Geographen, dem ja die 

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29 

Pflege unseres Wissens über die Erde obliegt, und dem nach dem 
Ausspruche gewiegter AiUoritülen das Erfürschen der Wechselwirkung 
zwischeü Erdoberilrtche und Erdinncrn, mit einem Worte »das Studium 
des Erdganzeri* zukommt. 



Reise in Deutseh-Ostafrika. 

Auszug aus dem Vortrage von 0r. Oiieftr Bah mann* 

Die Heise nach Deutsch-Ostafrikaj speeiell nach Usambara, 
von welcher nachfolgend die Rede sein wird, wurde auf Kosten 
und im Auftrage des Herrn Dr. Hans Meyer in Leipzig unter- 
nommen, der auch selbst an der Expedition theilnahm. 

Wir kamen Ende Juii 188S nach Sansibar und rüsteten mit Hilfe 
deä Indiers ^ewa Hadschi eine Karawane von 250 Maim aiH, 
Am 23- August verliessen wir mit derselben Pangani und beiuhreii 
den Panganifluss bis Pombue. Von dort zogen wir durch Campinen- 
laad nacli der deutschen Pllanzung Lewa, wo wir emsige Thfitigkeit 
und schönes (Gedeihen fanden. — Durch hügelige^s, theils offenes, 
Iheiis l>ewaldetes Land, welches die Wabondei bewolmen, gelangten 
wir nach der englischen Mission JVTagila. am Fuisse des Usamhara- 
(;et)irgei5, — Durch eine j^chöne, fruchtbare, dem Gebiete der Sigi- 
zullässe angehörige Mulde erreichten wir Mkalamu. das hoch am 
ßer^ade auf einem steilen Felsen gelegen ist. 

Dann hatten wir die mächtige Wald\vildntss des Koml^ola- 
f)erges zu durchziehen ^ von dessen Höhe man einen priiefitigen 
Blick auf das l^uengera-Thal geniesst, und stiegen steil nacfi Kisara 
afx weiches bereits an einem Zuüusse des Umba gelegen ist. — 
Von Kisara führte unser Weg nach Hundu. das ebenfalls auf einem 
flohen, steilen Felsen liegt und einen weiten Ausblick auf die un- 
geheuere Nyika-8teppe gestattet. Nach üebersteigung des Wald- 
berges von Nielo. gelangt nmn in die Kumbamulde. wo Campinen- 
land mit Baumeuphorbien und grossen Kakteen vorherrscht, welches 
sich auch nordwestlich über die romantischen Gebirge von Gometii 
und Jaschatu eri^treckt. Erst bei fMlalo, das in einem scfiönen 
Bergkessel gelegen ist, in welchem der Umba entspringt, erreichten 
wir wieder fruefitbares, von Bergwald und Hochweiden bedecktes 
Land. Wie überall in Usambara, so fanden wir aucli in dem 
groüsen Dorfe Mlalo freundliche Aufnahme. — Durch die ausge- 
dehnten, unbewohnten Wildnisse des Uateue-Gebietes gelangten wir 

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30 



in 2 Tagen nach Mbaramu, welches auf einer gegen die Nyika 
vorgeschobenen Steükuppe gelegen ist. Dort erreichte unsere Reise 
in Usambara ihr Ende und wir stiegen aus den ktihlen Höhen in 
die heisse, trostlose Steppe hinab, welche wir nach Gon(ya hin durch- 
querten. In diesem Dorfe hofften wir jenen grösseren Theil unserer 
Karawane zu finden, den wir zu Lewa auf der gewöhnlichen Route 
geschickt hatten, um im Gebirge nicht durch zu viele Mannschalten 
gehemmt zu sein. Leider fanden wir aber Niemand in Gondja, 
sondern erfuhren, dass unsere Leute und Lasten in Masinde, 
der Residenz des Häuptlings Sembodja zurückgehalten worden 
seien. Wir waren also gezwungen sofort dahin aufzubrechen. — 
Auf diesem Marsche liefen fast alle unsere Leute fort, und auch die 
Träger der Hauptkarawane waren — wie wir später erfuhren, auf 
Anstiften des Arabers Buschiri-bin-Salim — durch den verrätherischen 
Häuptimg Sembodja zur Flucht bewogen worden. Trotzdem unter- 
nahmen wir noch einen Ausflug ins Usambara-Gebirge, besuchten die 
merkwürdige Hauptstadt Wuga, die alte Residenz des lichtfarbigen 
Wakilindi-Geschlechtes, und den District Kwambugu, der von einem 
merkwürdigen Hirtenstamme bewohnt wird, welcher besonders 
schönes Rindvieh besitzt Dann mussten wir unsere sämmtlichen 
Lasten in Masinde zurücklassen und mit dem Nöthigsten, sowie 
Instrumenten und Sammlungen den Rückmarsch antreten. Auf 
demselben wurden wir kurz vor Pangani aufs verrätherischeste 
überfallen, gefesselt und nur gegen Lösegeld wieder losgelassen. 
Zuletzt konnten wir, völlig ausgeraubt, unser nacktes Leben nach 
Sansibar retten. 

Nach Sansibar zurückgekehrt, fanden wir die Situation in 
Ost-Afrika gänzlich verändert. Während seit Jahren vollständige 
Ruhe geherrscht hatte und Europäer sich unbelästigt an allen 
Küstenplätzen aufhielten, tobte jetzt überall der Aufruhr. Alle 
Stationen der ostafrikanischen Gesellschaft hatten von den Be- 
amten, meist mit Zurücklassung ihrer ganzen Habe, im Stiche ge- 
lassen werden müssen, nur Bagamoyo und Dar-Es-Salaam wurden 
mit Hilfe der Kriegsschiffe noch gehalten. 

Ueber die Ursache dieser Erhebung, welche äusserst plan- 
mässig und völlig überraschend ausbrach, herrschen verschiedene 
Ansichten. Ich glaube, dass das Zusammenwirken mehrerer 
Ursachen dieselbe veranlasste. Nicht zu unterschätzen ist die 
Bedeutung des Regierungswechsels in Sansibar. Unter dem frü- 
heren Sultan Said Bargasch, dessen persönliche Energie und 



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'W^ 



mf*' 



31 

rücksichtslose Strenge bekannt waren, hätte wohl so leicht kein 
Araber gewagt, einen Aufstand zu planen. Als aber die an Stumpf- 
sinn grenzende Schwäche und Indolenz des neuen Sultans Said 
Khalifah bekannt wurde, da konnten rebellische Elemente unter 
den Arabern der Küste es wagen, wieder ihr Haupt zu erheben. 
Gerade Buschiri-bin-Salim war stets dem Sultan feindlich gesinnt, 
er hatte Sansibar seit mehr als 20 Jahren nicht betreten und 
erklärte uns, dass Said Bargasch ihn dortselbst sofort hätte 
köpfen lassen. Ausserdem gibt es in Sansibar wie an allen orien- 
talischen Höfen eine dem Herrscher gegnerische Partei, und diese 
war es wohl, welche im Geheimen von Sansibar aus den Aufstand 
organisirte und die Insurgenten mit Waffen versorgte. Den Sultan 
selbst der Anstiftung zu beschuldigen, wie vielfach geschieht, halte 
ich für unrecht, da die Bewegung ebensowohl gegen ihn wie gegen 
die Deutschen gerichtet ist. Natürlich musste es überall böses 
Blut machen, dass der Sultan ohne seine Unterthanen auch nur zu 
befragen, die ganze höchste Autorität im Küstenlande der deutschen 
ostafrikanischen Gesellschaft, also Europäern, übertrug, da ja jeder 
Fremde dem Araber missliebig ist. Als nun gar die Fremden voll- 
ständig wehrlos und ohne irgend welche Bedeckung 'erschienen, 
dennoch aber sofort alle vertragsmässigen Rechte, also Zoll, Gerichts- 
barkeit etc. beanspruchten, da war die Veranlassung zu einem Auf- 
stande leicht gegeben. 

In neuerer Zeit gefällt man sich darin, die Beamten der 
G^ellschaft, meist deutsche Officiere, als Sündenböcke hinzustellen. 
Diese sollen durch übermässige Schneidigkeit den Aufstand allein 
verbrochen haben. Jedoch konnte das Benehmen der verschie- 
denen Herren während der paar Tage ihres Regiments auf das 
Ausbrechen oder Nichtausbrechen dieses offenbar lange geplanten 
Aufstandes keinen Einfluss haben, üeberdies kann man in dem 
jetzt so strenge getadelten Vorgehen .der Beamten nichts Anderes 
erkennen, als die stricte Befolgung der Befehle, die ihnen von Berlin 
zu Theil wurden. 

Doch mögen nun die Gründe für den Aufstand welche immer 
sein: er ist da und hat schweren Schaden verursacht. Blühende 
Plantagen, an deren Gedeihen zahlreiche Capitalisten Interesse 
tragen, wurden zerstört, unserö Expedition ausgeraubt und ver- 
nichtet und fast alle Deutschen geplündert und verjagt — doch 
alles dies wär^n kleinere Verluste gegen die moralische Einbusse 
welche das deutsche Ansehen in Ostafrika erhtten hat Im An- 



L 



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32 

gesiebte und im Bereiche der Geschütze deutscher Kriegsschiffe 
wurden Deutsche von Banden Arabern und Negern ihrer Habe 
beraubt, gedemüthigt, ja selbst ermordet, fast ohne dass ein Schwert- 
streich gefallen wäre. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, 
dass Buschiri uns gegenüber die Ansicht aussprach, die Deutschen 
seien wohl nur „Wadogo-dogo", ganz klein, und hätten nicht die 
Macht, ihm zu widerstehen. Dabei kennt er den Unterschied 
zwischen „deutschem Reich" und ,,Ostafrikanischer (iesellschaft" 
keineswegs, für ihn sind es eben einfach die Wadaitschi, die 
Deutschen, die er aus dem Lande verjagt hat. Ein solcher Zustand, 
ein solches Verkennen der Macht eines Grosstaates, wie Deutsch- 
land, ist keine nationale Sache mehr, sondern wird zur Angelegenheit 
ganz Europas. Denn unser ganzes Vorgehen in Central -Afrika ist 
ja vorzugsweise auf die Achtung gegründet, welche die Person des 
Weissen, die als unverletzlich und unbesiegbar gilt geniesst und die 
im Westen noch vielfach als eine Art höheren Wesens dasteht. 
Ist dieses Ansehen geschwunden, haben die Schwarzen einmal 
gelernt, dass sie die Macht besitzen, dem Weissen entgegenzutreten, 
dann ist überhaupt die ganze afrikanische Colonial-Folitik in Frage 
gestellt. 

Ich bin auch ganz überzeugt, dass, wenn heute Deutschland 
erklären sollte, auf Ostafrika zu verzichten und eine Action nicht 
vornehmen zu wollen, eine andere Colonialmacht, sei e^ nun 
England oder Frankreich, den Aufstand niederwerfen und die Ein- 
geborenen für ihre Frevelthaten an Leben und Eigenthum yon 
Weissen züchtigen würde. Doch davon ist ja keine Rede. Schon 
rüstet man in Deutschland, und die Besiegung der Insurgenten dürfte 
jetzt noch keine besonderen Schwierigkeiten haben. 

Die Araber selbst, welche in Ostafrika verhältnissmässig nicht 
zahlreich sind, kommen als Anführer in Betracht : die Hauptkämpfer 
sind jedoch ihre Sclaven, die es. wie ich besonders betone, nie mit 
ihren angeblichen Befreiern, den Europäern, sondern mit ihren Herren, 
den Arabern, halten, von welchen sie ernährt werden und für welche 
sie bereit sind, in den Kampf zu gehen. Mit dieser halborganisirten 
und gut bewaffneten Truppe muss vor Allem gerechnet werden. 
Daneben sind die Massen der Eingeborenen, die zwar durch die 
herumschwärmenden Banden selbst schwer leiden, doch bei der 
Charakterlosigkeit der Neger stets den Stärkeren, also gegenwärtig 
den Arabern, zuneigen. Hat doch schon Sembodja 800 Mann an 
Buschiri als Hilfstruppen geschickt! Doch gerade diese Eingeborenen 

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W^p«*"»«^^fff»n° • 



33 

dürften die Ersten sein, welche bei energischer Kraftentfaltung 
Deutsehlands ihre arabischen Verbündeten im Stiche lassen. Schon 
ein Bombardement sämmtlicher arabischen Städte an der Küste 
würde, wie ich glaube, genügen, um sie schwankend zu machen. 
Dock der Aufstand könnte dadurch allein nicht niedergeworfen werden. 

Es müssen unbedingt Land-Expeditionen, wenn auch nur 
von kurzer Ausdehnung, folgen. Darüber ist man sich wohl all- 
gemein klar, nur herrscht noch Zweifel über die Art der Truppen, 
die zu verwenden sind. Nach meiner Ueberzeugung sind Europäer 
nur an der Küste und in Garnisonen daselbst bei vorzüglicher 
Verpflegung verwendbar. Jedes Unternehmen, welches dahin abzielt, 
unerfahrene Europäer, deren man ja besonders in den Grosstädten 
stets genug findet, sei es nun als Arbeiter, Soldaten oder Colonisten, 
ins Innere von Afrika zu locken, wäre nach meiner Ansicht, die 
sieh an die sämmtlicher erfahrener Forscher anschliesst, nicht nur 
aussichtslos, sondern gerade verbrecherisch. Es handelt sich also um 
farbige Soldaten. 

Die Suahili der Sansibar-Küste sind, so gut sie sich auch am 
Congo bewähren, hier natürlich völlig unbrauchbar, da sie bei erster 
Gelegenheit mit den Waffen zum Feinde, zu ihren Landsleuten de- 
sertiren würden. — Was Ausser-Afrikaner, also Chinesen. Indier etc. 
anbelangt, so kann ich betreffs dieser kein Urtheil abgeben: ich 
weiss nur so viel dass ihre Ver\^'endung in Central-Afrika ein 
Experiment wäre. Vielleicht bewähren sie sich sehr gut. vielleicht 
auch gar nicht. — Die Somal die man in Aden und Berbera 
allerdings für unerhört hohe Löhne anwerben kann, sind sicher 
tapfere, zuverlässliche Leute, ertragen aber das Klima nicht und 
leiden mehr am Fieber als Weisse. KafTern, die an der Delagoa- 
Bai stets zu haben sind, zeigten sich am Congo so feige, dass man 
sie kaum bewegen konnte, ein Gewehr anzufassen. Ob es noch 
andere weniger feige Kaffern gibt, wie man annehmen sollte, und 
ob diese als Soldtruppen zu haben sind, weiss ich nicht. Ganz 
vortrefllich bewähren sich am Congo die Haussa, die an der ganzen 
Guinea-Küste, von Accra bis Lagos, also auch im deutschen Togo- 
Land meist zu haben sind. Sie stammen ofl tief aus dem Innern, 
Viele unter ihnen haben in der englischen Armee gedient, und sie 
lassen sich geradezu als Soldaten anwerben. Diese Leute sind von 
wilder Tapferkeit und würden sich an der Ostküste ebenso gut 
schlagen, wie sie sich am oberen Congo gegen die sansibarischen 
Araber geschlagen haben. Dabei sind die Löhne der Haussas und 

Mitth. d. k. k. Geogr. Qt». 1889. 1. 3 

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34 

anderer West-Afrikaner, wie der Wliy-Boys, meist sehr niedrig. 
Mit solchen fremden Truppen wird, wie ich hoffe, der Friede in 
Ost-Afrika bald wiederhergestellt sein. Dieses Aufstandes halber 
gleich die Flinte ins Korn zu werfen und das ganze Colonial-Ünter- 
nehmen für verfehlt zu erklären, wäre sicher unrecht; ähnliche 
Krisen haben fast alle Colonien durchgemacht, die schliesslich doch 
ihrem Mutterlande reiche Früchte brachten. 

Was die Sciaverei anbelangt, so muss daran erinnert werden, 
dass dieselbe keineswegs von Aussen eingeführt wurde, sondern 
wohl schon seit immer bei fast allen Stämmen Central-Afrikas 
bestand und noch besteht. Stets wurden Kriegsgefangene und deren 
Nachkommen als Sclaven gehalten und auch verkauft. Doch stehen 
diese nur in einem Dienstverhältnisse, das höchstens als milde 
Leibeigenschaft bezeichnet werden kann, und unterscheiden sich 
kaum von den Freien. Wohl keine Colonialmacht denkt ernstlich 
daran, dieses tief eingewurzelte Verhältnis plötzlich zerstören zu 
wollen und die Leibeigenen dem Elende preiszugeben. Höchstens 
bestrebt man sich, grausame religiöse Sitten, wie solche noch 
manchmal im Gebrauche sind, einzuschränken. Von den Arabern 
habe ich vor Allem Tippo-Tip näher kennen gelernt Wie alle 
Araber, so behandelt auch er seine Sclaven milde, hat jedoch den 
Sclavenhandel fast aufgegeben und beschränkt sich auf Elfenbein- 
gewinn. Es ist unleugbar, dass er in den von ihm eroberten Gebieten 
Ordnung und eine gewisse Cultur verbreitet und seine eingeborenen 
Soldaten scharf im Zaume hält Allerdings mag ja bei den Er- 
oberungszügen Tippo-Tip's und den Sclaventransporten anderer 
Araber viel Verwerfliches vorkommen, doch wäre ein angriftsweises 
Vorgehen sicher höchst gefährlich. Tippo-Tip hat sich bisher den 
Europäern stets sehr freundlich gezeigt und wäre durch Verhand- 
lungen sicher zu manchem Zugeständnisse zu bewegen. Ein ofTen 
feindliches Vorgehen könnte ihn jedoch in einen neuen Mahdi ver- 
wandeln, dessen ungeheure Macht nicht nur Ost- Afrika, sondern 
auch den jungen Congo-Staat schwer bedrohen würde. 

Für die afrikanischen Sclaven ist Freiheit überhaupt nur 
gleichbedeutend mit Elend oder Verbrechen, und nur durch die 
Zwangsarbeit können die Neger aus ihrer Indolenz aufgerüttelt 
werden. Diese würde aber nicht nur die Neger zu nützlichen Mit- 
gliedern der menschlichen Gesellschaft machen, sondern auch den 
Plantagenbau, in welchem die Zukunft Central-Afrikas zu suchen 
ist, neuen erfolgreichen Bahnen zuführen. 



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Statistisehes aus den italienisehen Colonien in 
Rio Grande do Sul.*) 

Von Paul Laaghans. 

(Mit zwei Kartentafeln I und II.) 

Das Überraschend schnelle Anwachsen der italienischen Ein- 
wanderung in der südlichsten Provinz Brasiliens, Rio Grande do 
Sul, hat bei den Freunden deutscher Ackerbau-Colonisation in 
diesem Lande lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Die grossen 
italienischen Colonie-Centren schieben sich, stets weiter um sich 
greifend, zwischen die älteren deutschen Colonie-Complexe und 
verhindern so die Verbindung derselben zu einem einheitlichen 
<ianzen. Es sind dies nördlich vom Jacuhy an den Abhängen der 
Serra Gerae die Colonien Conde d'Eu, Dona Isabel, Alfredo Chaves. 
Caxias und weiter westlich Silveira Martins. Dieselbe sind : 



Conde d'Eu . . 
Dona Isabel . 
Alfredo Chaves 
Caxins . . . 

Silveira Martins 



Gegründet 

187« 
1876 

1875 
1877 



Emancipirt 



12. April 1884 



12. April 1884 
August 1882 



Diese fünf Colonien sind fast ausschliesslich von Italienern (vor- 
zugsweise von Lombarden und Welschtirolern) bewohnt; nur in 
Conde d'Eu und Caxias bilden Deutsche einen geringen Theil der 
Bevölkerung, üeber die Nationalität der Bewohner gibt folgende 
Tabelle Aufschluss (31. December 1885). 



1 

Colonie 


Italiener 


1 


1 
Brasilier 


Fran- 
zosen 


Portu- 
giesen 


121 


a 1 
. ^ 

SJ g 


Conde d'Eu . . . 


j 4330 


404 


1872 


56 


_ 


6783 , 


i Dona Isabel . . 


, 9252 ' 


. , 


2656 


— 


— 


— 


11908 


Alfredo Chaves 


748 





30 


— 


— 


— 


778 


Caxias .... 


10353 


416 1 


3032 


— 


— 


17 


13818 


1 Silveira Martins . 


! 4823 ; 


33 . 


460 


— 


2 


— 


5318 1 


1 zusammen 


! 29506 1 


853 1 


8050 


56 


2 


138 


38605 



♦) Besonders auf Grundlage des Relatorio sobre o servi^o de immiv:ra(;äo 
« colo.iisacäo na provincia do Rio Grande do Sul, Dem Ackerbau- und Handels - 
Ministerium vorgelegt vom Ingenieur Manoel Maria do Carvalho Rio de 
Janeiro 1886. (Nicht im Buchhandel.) 

3* 
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38 



In der Rubrik »ßrasilier« sind auch die in Brasilien geborenen 
Kinder der Einwanderer begriffen. 

Das Verhältnis der Geschlechter zu einander gibt folgende 
Tabelle an (gleichfalls auf den 31. December 1885 bezogen): 



Colouie 



Bevölkerung 



Verhältniss der Geschlechter 



imännl.l weibl. ^^^Z,^^ JJll^ 
I I I sammen i heirat. 



ledig 



ver- 
wittw. 



zu- j 
sammen 



= 1, 



1 Conde d'Eu 
I Dona Isabel 
I Alfredo Chaves 

Caxias 
I Silveira Martins 

i 



3782' 
65521 

454; 
7396 
3179 



3001 ! 
5356 
324 
6422 I 
2193 



6783 I 4219 
11908 6593 

778 
13818 

5318 



2403 

5015 

463 292 

8620; 4853 

3108 I 2113 



161 

300 

23 

345 



6783 j 

11908 I 

778 I 

13818 



97 5318 



zusammen 
Wie schnell 

rabeUe: 



21363 I 17242 38605 j 23003 ! 14676 | 926 ' 38605*) 

diese Colonien angewachsen, zeigt folgende 



Colonie 



Bevölkerung 



I 



1878 



1884 



1885 



Conde d'Eu . . 
Ilona Isabel 
Alfredo Chaves 
r.axias . 
Silveira Martins 



2500 
2431 

3851 



6306 ; 

9604 I 

10591 j 

2710 (1882)' 



6783 
14300 

13818 
5318 



I überwiegend 
Italiener. 



zusammen 



29211 



I 



40219 



I 



Die geringe Zunahme der Bewohner von Conde d'Eu von 
1884—85 erklärt sich durch den Umstand, dass keine disponiblen 
Lündereien für neue Einwanderer mehr vorhanden waren ; letztere 
vielmehr in Dona Isabel und der neugegründeten Colonie Alfredo 
fihaves angesiedelt wurden, die in Folge dessen eine Zunahme von 
kO Perc. aufweisen. Der Zuwachs im genannten Jahre besteht aus: 
4109 Einwanderern und 
1064 Ueberschuss der Geburten über die Sterbefalle 



5173 

Es wurden nämlich geboren: 
es starben: 



Conde d'Eu 
378 
66_ 
'312 



D. Isabel 

1032 

280 

752 



1064 



') Dazu kommen noch 1614 Einwanderer, welche am Schluss des Jahres 
noch nicht angesiedelt waren und die Alfredo Chaves zugezählt werden müssea. 



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8282 


1878: 3322 


1876 

416 

: 17 


206 
121 


10.591 


1878: 38ol 



37 

In Caxias bestand die Bevölkerung zur Zeit der Emandpa- 
lion 1884 aus tolgenden Nationalitäten: 
Italiener: 
BrasÜier: 
Deutsche : 
Verschiedene : 
1884: 

1885 : 13.H18. Das PlmvonSlil Seelea 

€Jit?tand ans: 2071 Einwanderern 

und 1156 Vermehrung der eingesessenen Bevölkerung 
3227"^ 
Es wurden geboren: 1884: 1885: 

(vom April an] 
382 858 

es starben: 25 59 

1160 

Die Vermehrung der Bevölkerung von Silveira Martins 
Ton der Emancipation 1882 bis zum 31. December 1885 betrug: 
Einwanderer 205 S> 
Production d. Col 553 
2008 
Nämlich es wurden geboren : 685 
es starben: 132 
Ueberschnss: 6öH 

Die Civil Verhältnisse dex italienischen Colonien waren folgende : 
Colonie ' ZeiLrauui GelauR Verheirät Gestorben 



Conde dT.u . . 

Doaa lsabel , 
. €aiias 
' Silveira Martins 



Apr. 1884 ^ Dez. ISaö 



Aug. ] 883^ Dez, 1882 
18a^ L 

1885 



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157 ' 


2m 


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88 


175 


S9 1 


Bd 


284 


41 , 


45 



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Zur Beförderung ihrer Erzeugnisse nach der Hauptstadt Porto 
Aleg^re und an die Küste benutzen die Colonien Conde d'Eu und 
Dona Isabel die Strasse Buarque de Macedo, welche von Säo »^oao 
de Montenegro ausgehend, in 64 Kilometer Ausdehnung den Stadt- 
platz von Conde d'Eu erreicht. Von dort geht sie nordwärts, 



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38 

berührt nach 14: km den Stadtplatz von Dona Isabel, den Rio 
das Antas überseh reitend und durchschneidet alsdann weiter nördlich 
die Colonie Alfredo Chaves. Die Entfernung vom Stadtplatz von 
Dona Isabel bis zum Passo das Antas beträgt 20*114 km von 
letzterem bis zum Stadtplatz von Alfredo Chaves 20*377 km 
Der Weg überschreitet darauf die Serra Gerae und betritt die 
Campos von Vaccaria. Die Beschaffenheit dieser sog. Estrada lässt 
fast Alles zu wünschen, zuweilen ist sie streckenweise unpassirbar. 
Die gegenseitige Entfernung der Stadtplätze von Caxias und Dona 
Isabel beträgt rund 40 hn. Der Verkehr und Transport auf der 
Estrade Buarque de Macedo wird durch Lastthiere und Carreter» 
vermittelt; von S. Joao de Montenegro befördern kleine Dampfer 
auf dem Cahy und Jacuhy abwärts die Waaren nach Porto Al^re, 
von dort grössere nach den Nordhäfen Brasiliens. 

Den Verkehr der Colonie Caxias mit ihrem Hafen Säo 
Sebastiäo am Cahy vermittelt die Estrada de Visconde do Rio 
Branco ; ihre Länge beträgt vom Stadtplatz aus gerechnet 66 km. 
Von Säo Sebastiäo do Cahy bis S. Joa5 de Montenegro sind e» 
89'6 km von letzterem Orte bis Porto Alegre 92*4 km. 

Die Colonie Silveira Martins wird durch einen guten Fahrw^ 
mit der Stadt Santa Maria da Bocca do Monte verbunden; als 
Station an der neuen Nordbahn dient ihr der Haltepunkt Colonia. 
Die Waaren werden bis zur Endstation der Bahn am rechten 
Taquary-Uter mit derselben befördert, von dort zu Wasser; die- 
Entfernungen betragen 15, bezw. 247*72 und 90 ^•m. 

Folgende Tabelle zeigt übersichtlich die Art des Waaren- 
Transportes bis Porto Alegre: 



Colonie 



In Kilometern 
Fahrweg | Eisenbahn 1 Fussweg 1 zusammen 



Conde d'Eu 64 — | 924 j 156 4 

Dona Isabel 78 — 92 4 ' 170 4 



Alfredo Chaves 118491 — 924 

Caxias . . 66 — 132 

Silveira Martins 15 247*172 90 



210-891 

198 

352172 



Die langen Transportwege wirken natürlich erheblich auf die 
Vertheuerung der Colonie-Producte ein, wie die nächste Tabelle 
zeigt : 



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39 



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40 

Am kostspieligsten ist also wie ersichtlich der Landstransport, 
ausser der grösseren Billigkeit hat aber der Wassertransport noch 
den Vorzug der Bequemlichkeit und Sicherheit *) 

In gleichem Masse wie die Einwohnerzahl hat sich die Menge der 
Colon ieei^zeu^nisse vermehrt. Die Gute des Bodens und der Fleiss 
der Ansiedler hat bereits sehr bemerkenswerthe Erträgnisse gebracht 
Von besonderer Bedeutung ist die Production von Weizen und 
Wein, welche bisher in grosser Menge in die Provinz eingeführt 
wurden. Die Producte sind in allen 5 Colonien ziemlich die gleichen, 
auch was die Güte anbelangt. 1878 war die Production in Conde 
d'Eii und Dona Isabel entsprechend der kleinen Einwohnerzahl 
auch nur gering. 1883 und noch mehr 1885 war sie sehr ange- 
wachi>en. wie die nachstehende Tabelle zeigt. In derselben ist 
Aifredo Chaves nicht mitaufgeführt, da dieselbe bisher nur für den 
Bedarl der Bewohner producirte, dagegen noch nichts ausführte. 

^) öeber die BinnenschifffHhrt dieser Provinz s. ^Deutsche Rundschau 
fär Geogiaphio und Statistik," VIII. Sept 1886 pp. 529-540. 



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42 



Die Production von Mais und Bohnen überwiegt also bei 
weitem. Ausserdem wird noch in kleineren Mengen hervorgebracht: 
Flachs, Haifa, Branntwein u. A. In geringen Quantitäten wird auch 
in den ersten beiden Colonien Hafer und Tabak producirt. 

In den ersten 5 Jahren betrug das Fruchtbarkeits-Ver- 
hältniss: 



> 

j Colonie 


d 

1 


Roggen 
Mais 


Bohnen 
Reis 


Hafer 


1 
1 

1 


! 1 : j Durchschnitt 1 


j Conde d'Eu • 1 40 SO 80 

1 Dona Isabel \ *" '^ ^^ 

Caxias .... 35 40 80 

Silveira Martins i 35 - 30 100 


1 
70 ' 100 

60 

60 80 


40 


64 

51 ! 
61 ! 


Durchschnitt 


36-7 


33-3 86-6 


63 3 1 — 


— 


i 



Auf Gaxias waren 1883 vorhanden : 4800 Mault hiere 
5900 Pferde, 3500 Kühe, 8000 Schweine. 1500 Ziegen, 12000 
Schweine, auf Dona Isabel 3700 Maulthiere (Mulas), 4000 Pferde, 
3800 Kühe, 8000 Schweine. 

Die Einwohnerzahl der Stadtplätze betrug: 



Colonie 



1882 1884 ' 1885 



Dona Isabel 
Conde d'Eu 
Caxias (Dante) 
Silveira Martins 



635 
292 



814 

343 

1120 

283 



In den Stadtplätzen von Conde d'Eu und Dona Isabel und befinden 
sich Kirchen; Alfredo Ghaves besass noch kein Gotteshaus. Die 
Bevölkerung ist mit wenigen Ausnahmen katholischer Confession. 
Die Kirche in Conde d'Eu ist aus Ziegeln erbaut, die von Dona 
Isabel war aus Holz und vollständig zerstört. In den Hauptpicaden 
liegen kleine Capellen, von Holz oder Stein erbaut. Die Hauptkirche 
von Caxias ist Santa Theresa geweiht, in den Picaden gibt es 
nicht weniger als 40 Capellen. Die Kirche auf dem Stadtplatz von 
Silveira Martins war nur ein ziemlich zerfallenes Holzgebäude, das 
früher als Aufnahmehaus für neue Einwanderer gedient hatte, eine 
neue war im Bau. Die SchulverhäJtnisse liegen gleichfalls noch 
ziemlich im Argen. Für mehrere ausgedehnte Picaden mit tausenden 
von Kindern existirt häufig nur ein einziger Lehrer. Der eine oder 
andere Colonist gibt wohl auch als Privatlehrer Unterricht im Lesen, 



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43 



Schreiben und Rechnen. Im Stadtplatz von Dona Isabel befindet 
sich eine gemischte, von einem staatlich angestellten Lehrer geleitete 
Schule. Inder Picade Leopoldiüaexistirt gleichfalls eine Schule für beide 
Geschlechter ÄUijsei'dem wird auf dem Stadtplatz von einer italie- 
nischen üeselLschaft {Mutuo Socorso) eine Privatschule iinterha!U^n 
mit einem Lehrer, Die Mitglieder der (iesellschaft bezahlen 500 reis 
Schulgeld per Monat, NichtmitgUeder 1000 reis. Die Schülerzalil und 
der B^uch der beiden Stadtplatz-Schalen stellte sich folgender- 
massen : 



Dona Isabel 



Staatsschiile ^ 
FnvatsclmLe , 



I SchQlerzahl 
'männl.l weibl. I zus 



I Täglicher Besuch 
ImänDl I weibl. 1 zus 



20 I 48 I 
34 ; 13 ' 



68 
47 



16 
26 



28 
9 



44 
Ah 



a 



Auf dem Stadtplatz von Conde d'Eu sind gleichfalls eine Slaats- 
schule mit einer Lehrerin und eine Privatschule. Die Vf^hiillnisse 
derselben lagen folgendermassen : 



Coude d'Eu 



Schülerzahl 1 Täglicher BesiN^h 
'männl.l weibl ' zus männl.i weibl ' zus. 



Staatsschule 
Privatschtile 



? I 
37 ! 



16 



50 
53 



I 



20 



10 



30 

ao 



Die Colonie Alfredo Chaves besass überhaupt nocli keine 
Schale. Gleich Jämmerlich ist es mit dem Schulwesen der anderen 
Colonien bej^tellt. In Caxias unterhält die Provinz 2 Schulen, eine auf dem 
Hauptstadtpiatz (Dante) mit einem Lehrer und einer Lehrerin und 
die andere in der Picade 9. Legua mit einer Lehrerin. Der Bei^uch 
derselben stellte öicli 1885 wie folgt: 



I Schülerzahl 1 Täglicher Besuch 

Caxias I 1— . _ — 

männl. Iweibl. I zus. männl.l weiblJ zus. 



Sladtplatz 
fl* Legua 



68 



44 



112 I 50 

58 I — 



I 40 



90 
48 



In verschiedenen Gegenden der Colonie existirten ausserdem 
üfxih Privatschulen mit zusammen '^40 Schülern und Schülerinnen 
In der Colonie Silveira Martins gibt es zwei Staatsschulen, eine auf 
dem StadtplatZj die andere in der Coloniesection Veneto beide 
von je einer Lehrerin geleitet, üeber die Schule von Veneto liegen 
folgende Daten vor: 



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44 



^., . ,, .. Schülerzahl 


Täglicher Besuch 


1 
! 


1 männlJweibl zus 


männl i weibl. ! zus 




1 1 
Veneto ... 29 l 19 

1 1 


48 


23 


15 38 


AnsHardam 
aina scliwaeli 

besQchta 
Abandschale. 



Die Stadtplätze der Colonien haben sich mit dem Wachsthum 
derselben immer mehr zum Mittelpunkt des Verkehres heraus- 
gebildet. Die Häuserzahl der »sedes« von Gonde d'Eu, D. Isabel, 
Caxias und S. Martins belief sich auf 163 bezw. 70, 402 und 186. 
Alle Gewerke sind zahlreich vertreten, besonders Schmiede, 
Zimmerleute, Schuster u. A. Der bedeutendste Stadtplatz ist ohne 
Zweifel der von Caxias, wo sich Theater, Hotels, Caf^ etc. 
finden. 

Die italienischen Colonien im Süden der Provinz sind erst im 
Entstehen begriffen. Die neu angelegten Maciel und Aßonso Penna 
zählten 1886: 23 Italiener auf 5 Colonieplätzen ; 75 Lose waren 
noch unbesetzt. Im Ganzen sind also überhaupt nur 80 Colonie- 
plätze vorhanden,*) während Conde d'Eu 1135, Dona Isabel 1362, 
und Caxias 3350 zählen. 

Im Grossen und Ganzen lässt sich ein Fortschritt und Gedeihen 
der itaUenischen Colonien, Dank des Fleisses, der Anspruchslosigkeit 
und Nüchternheit ihrer Bewohner nicht leugnen, wenngleich das 
hier Geleistete auch keinen Vergleich aushält mit den Früchten 
deutscher Thatkraft und deutschen Fleisses, wie sie die hiesigen 
deutschen Colonien zeigen. 



Geographischer Monatsbericht. 

Erstattet vom General-Secretär Dr. Franz Ritter v. Le Monnier. 
Allgemeines« 

Der Internationale Geograph ische Cougress in Paris 1889. 

Die Geographische Gesellschaft in Paris hat an unsere Gesellschaft eine 
Einladung zur Theilnahme an dem von ihr veranstalteten internationalen geo- 
graphischen Congresse in Paris gerichtet und theilen wir in folgendem die 
näheren Modalitäten unseren Mitgliedern mit. 

Der Congress wird anlässlich der Weltausstellung in der Zeit vom 5. bis 
11. August 1889 im Palais der Pariser geographischen Gesellschaft, Boulevard 
Saint Germain Nr. 184, tagen. Eine einzige, feierliche Sitzung wird imTrocadero- 
Saale, welcher von der Ausstellungsdirection zu diesem Zwecke den Pariser 



*) Nach anderer zuverlässiger Angab a hatte Maciel 59, Affonso Penna 
46 Lose, beide zusammen also 105. 



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45 

gelehrten Gesellschaften überlassen wurde, alle anderen Sitzungen in dem 
genannten Hause der Gesellschaft stattfinden. 

Es sind bereits Einleitungen getroffen worden, um bei den französischen 
Eisenbahn-Gesellschaften Fahrpreis-Ermässigungen für die Congress-Mitglieder 
zu erwirken. 

Das Programm enthält 6 Gruppen u. zw. 

1. Mathematische Geographie und Geodäsie, Hydrographie, Topographie, 
Kartographie. 

2. Physikalische Geographie, Meteorologie und Klimatologie. Geologie. 
Pflanzen- und Thier-Geographie, Oceanographie. Ethnographie. Medicinische 
Geographie. 

3. Oekonomische Geographie: Handels-Geographie und Statistik. 

4. Historische Geographie : Geschichte der Geographie und Kartographie^ 
his'.orische Geographie. 

5. Schul-Geographie : Unterricht und Verbreitung der Geographie. 

6. Reisen und Erforschungen. 

Das Organisations-Comitö überlässt den Congress-Mitgliedern jede Initiative 
zur Ueberreichung von Fragen oder Mittheilungen in den Sitzungen. Die auf* 
gestellten Fragen müssen jedoch sobald als möglich an dieses Comite einge* 
sandt werden, damit dieselben den betreffenden Comite's zur Feststellung der 
Reihenfolge der Behandlung derselben übergeben werden können. Jedenfalls 
behalten sich die Comitö's der Gruppen vor, ein Programm jener Fragen auf- 
zustellen, welche zu berathen, ihnen nützlich erscheint und bei welchen hiereiuf 
bezügliche Mittheilungen oder Berichte vorgebracht werden können. 

Ausserdem besteht das Project, dass jede geographische Gesellschaft für 
ihr Land einen summarischen Bericht über die Reisen und Publicationen, 
welche am meisten zur Förderung der geographischen Wissenschaften im 
19. Jahrhunderte beigetragen habe, einsende. Dieser Bericht soll in zwei Theile 
zerfallen: 1. eine Aufzählung der Reisen von Forschern der bezüglichen 
Nationalität mit kurzer Angabe der Daten und der erforschten Gebiete, sowie 
des commerciellen Vortheiles dieser Reisen und 2. einen bibliographischen 
Index der wichtigsten einheimischen geographischen Publicationen. Den Aus- 
gangspunkt für diese Belichte kann dos Jahr löOO abgeben. 

Diese Berichte sollen von einer Special-Commission gesammelt werden 
und ein Denkmal der Geschichte der Geographie des 19. Jahrhunderts bilden ^ 
da sich das letzte Decennium später leicht ergänzen lässt. 

Was den eben angeführten Plan anlangt, so fürchten wir. dass die 2eit 
viel zu kurz ist, um ein so ausgedehntes und schwieriges Material in gründ» 
lieber Weise bearbeiten zu können, da für diese historische Arbeit, noch mehr 
aber für die verlangte Bibliographie eingehende Vorarbeiten fehlen und dieselben 
viel mehr Zeit in Anspruch nehmen, als hier geboten wird. Eine solche Auf- 
forderung hätte, wenn sie wirklich Werth volles zu Tage fördern soll, lange 
vorher an die einzelnen geographischen Gesellschaften gerichtet werden müssea 

Wir wollen nicht unterlassen zu bemerken, dass das Organ isations- 
Comil^ besonders h:rvorhebt, dass iede politische Discussion mit besonderer 
Sorgfalt vermieden werden wird, um dem Congresse den internationalen 
Charakter zu wahren. Der Präsident Lesseps habe betont, dass die geographische 



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46 

Gesellschaft von Paris, die älteste von allen, stets das Beispiel der Brüderlichkeit 
gegeben, welche die Gelehrten aller Völker ohne Ausnahme vereinigen solle; 
sie habe daher auch das Recht daran zu erinnern, dass die Wissenschaft den 
politischen Fragen fremd ist, welche die Völker ereifern und trennen. 

Die k. k. geographische Gesellsc!)alt erklärt sich bereit, eventuelle An- 
meldungen als Mitglieder des Congre.ses dem Organi:ations-Comit^ bekannt 
zu geben. 

Europa. 

Die Binnenscliiffalirt in Frankreich. 

Die BinnenscliifTahrts-Congresse, welche bei uns und in Deutschland 
getagt und ein so reiches Material für die Regelung der Flüsse und die interne 
Schiffahrt überhaupt erbracht haben, sowie die bedeutende Regsamkeit auf dem 
Gebiete des Canalbaues in Deutschland, haben in dem classischen Lande der 
Binnenschiffahrt, in Frankreich, besonderes Aufsehen hervorgerufen. 

Zum Beweise hiefür wollen wir nur auf eine sehr gut geschriebene 
interessante Studie des Ingenieurs L^ger hinweisen, welcher in einer Sitzung 
vom 18. März 1888 in der geographischen Gesellschaft von Lyon (Bulletin, 
1. Janv. 1889, tome Vll, 6 livr. p. 557) die Binnenschiffahrt Frankreichs mit 
jener Deutschlands und Oesterreichs vergleicht und zu ungünstigen Ergebnissen 
gelangt. 

Nach ihm stellen sich die Frachtpreise der Seeschiffahrt von 0001 bis 
002 Frank per Tonnenkilometer, jene der Canal- oder Flussschiffahrt auf 001 
bis 002 Fr. oder 10 mal mehr, jene der Eisenbahnen auf 006 Fr. Es ist also 
der grosse Vorzug der Schiffahrt für Massengüter, die eine langsame Beförderung 
vertragen, ganz evident. Diesen Vortheil habe auch Amerika, das ungeheure, 
tief in's Innere schiffbare Ströme besitze, vor Europa voraus. 
Frankreich besass im Jahre 1884: 

4286 Kilometer schiffbare Flüsse, 
3539 „ canalisirte „ 

4713 „ Canäle, 

12.538 ,, Wasserstrassen gegen 

30.975 „ Eisenbahnen. 

Die Wasserstrassen betragen somit */& und die Canäle insbesondere nur 
Ve der Länge der Eisenbahnen. 

Die Menge der transportirten Frachten betrug 1884 

auf den Flüssen 1.126,475.000 Tonnen-Kilometer, 
„ „ Canäl en 1.8 25,018.000 

Zusammen 2.452,093,000 „ 

während auf den Eisenbahnen 

(ohne Localbahnen) 10.268,000.000 ,, 

(und auf der See 16,030.000 Tonnen verschiedener Distanz) verfrachtet wurden 
(also 4 mal so viel als auf den Wasserstrassen). 

Der Vergleich des Transportes ruf Wasserstrassen und Eisenbahnen, 
ergibt noch folgende interessante Daten: 

Auf dem Canal du Midi wurden 75.000 Tonnen, auf der daneben führen- 
den Bahnlinie von Cette nach Toulouse, wurden 1,377.000 Tonnen; auf der 



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47 

Rhone 200,000 Tonnen, auf den sie begleitenden beiden Uferbahnen 3/220.000 
Tonnen verfrachteL 

Hingegen trugen Frachten 

der Scbelde-Canal nach üimbrai 2,319.000 Tonnen, 
die Seine 2,263.000 „ 

die Oise 1,679 000 ,, 

der Canal von Saint Quentin 2,172.000 „ 

der Rhein-M^rne-Canal 631.000 „ 

der Canal von Berry 606.000 „ 

fefenübcr den zunächst gelegenen Eisenbahnen 

Nordt von Paris nach Ergnelines 2,163.000 Tonnen 

V Arras 1,982.000 „ 

¥on Paris nach Lyon 1,746.000 ., 

„ Rouen 1,557000 

, Bordeaux 1,008.000 

., ., ,, Nancy 1,011.000 

Der Seine-Flufishftfim von Paris empfängt jährlich 5,334.on(j Tonnen 
Güter, während Stnrseille nur 4,668.000, Havre 2,604.000 und Bordeaux 
2MBXm Tonnen empfangen. 

Es betragen Die Anlagekosten Der mittlere Anlagekosten f. d, 

auf tien per Kilometer Transport transport. Tonne 

schiffbaren Flüssen 61.500 Fr. 144.000 Tonnen 0*43 Fr. 

Canälen 183.000 ., 2-1.000 ,, 0-65 „ 

Eisenbahnen 425.000 ., 364.000 „ 110 „ 

Leger vergieichi hierauf die hydrographischen Verhältnisse Frankreichs 
mit jenen Deutschlands, welche viel gtinstiger seien, denn die Höhe von 10(^1 m 
begegne man von der Adündung des bezüglichen Flusses: 

auf der Rhone sc hon in 215 Kilom. auf der Weser in 399 Kilom, 
„ „ Garonne „ 360 „ ,, „ Oder ,, 524 .- 

5, „ Loire ,, 398 ,, ,, dem Rhein ., 621 

^. ,. Seine „ 556 „ ,, der Elbe ., 662 „ 

,, ,, Donau ., 1725 ,, 
In Folge ilires steilen Falles haben die französischen Flüsse schon nahe 
der Mündung ein Gefälle von 0*25 bis 0*30 m auf den Kilometer, während in 
Deutschland dies GeMlle sich erst im Oberlaufe der Flüsse einstellt In Folge 
der Hochwasser ist es 9*:hwierig in den französischen Flüssen ein niitllerea 
Falirwrasser von 1*/, bis 2»i zu erhalten, während die deutschen Flüsse auf 
sehr grossen Strecken der Gesammtlänge von 7770 Kilometer Tiefen von 2, 3, 
ja bm besitzen. Per Fraditentransport auf den deutschen Flüssen hebt sich in 
rascher Weise. Während im Jahre 1835 auf dem Rheine nur 350.0« «) Tonnen* 
1B65: 1.450.0CKJ; 1^75 noch 2,327.000 Tonnen transportirt wurden, stieg die 
Frachten menge 1885 bereits auf 4,f»67.000 Tonnen (davon 2,773.0(K> abwärts, 
1.T94.CI00 aufwärts) mit einer jähriichen Zunahme von 7%. Die Fracbtenmenge 
auf der deutschen Elbe betrug 2,641.000 Tonnen mit einer Zunahme von 16%. 
jene auf der Spree 4.071f)00 Tonnen. 

Der Autor schlägt vor die Ausdehnung des jetzt im Bau begriffenen 
Seiteß-Canais der beinahe unschifTbaren Loire von Roanne nach Chatillon von 
Orlfen^ oder Oombleux bis Nantes, ferner die Vereinigung der Loire mit der 



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48 



Garonne durch einen Canal von Libourne über Ribörac, Ruffec, Poitiers, 
Chätellerault bis zum Seiten -Canal der Loire zwischen Tours und Saumur mit 
zwei Abzweigungen zur Charente und zur S6vre Niortaise. Endlich soll ein 
Canal aus den Kohlenfeldern des Nord-Departement direct nach Paris führen. 

Die Diehte 4er Eisenbalinen in Europa« 

Unser so verdienstvolles AusschussmitgUed. Prof. Franz Ritter v. R z i h a, 
eine auf dem Gebiete des Eisenbahnbaues wohl allgemein anerkannte Autorität, 
hat jüngst in einem Essai die Dichte des österreichischen Eisenbahnnetzes 
besprochen und an der allgemeinen Entwickelung des Eisenbahnnetzes gezeigt, 
wie sehr Oesterreich-Ungarn anderen Culturländem gegenüber in dieser Be- 
ziehung noch im Rückstande ist. Er erläutert dies durch folgende Zahlen: 

Im Herbste 1825 wurde die erste prakticable Eisenbahn in England 
errichtet, 1830 bestanden in verschiedenen Ländern erst 322 Kilometer öffent- 
liche Bahnen, aber schon 1840 mass deren Länge bereits 8591 Kilometer; 
dieselbe vergrösserte sich 1850 auf 38,022, 1860 auf 106,886, 1870 auf 221,980, 
1880 auf 357,035 und 1886 bereits auf 512,505 Kilometer. Heute schätzen wir 
die Gesammtlänge der Eisenbalinen der Erde auf 5^0,000 Kilometer, das 
heisst den vierzehnfachen Umfang des Aequators, und das Anlage-CapitaL 
welches die Menschen dieser technischen Institution gewidmet haben, auf 
65,300 Millionen Gulden. Der alljährliche Zuwachs an Bahnlänge ist demnach 
in stetiger Ansteigunjr begriffen und beträgt dieses Mass innerhalb unseres 
Jahrzehents 25,900 Kilometer, also mehr als das gegenwärtig rund 25,000 Kilo- 
meter messende Gesammtnetz von Oesterreich-Ungarn. Von diesem alljährlichen 
Zuwachse in unserem Jahrzehnte entfallen auf Europa 5600, auf Amerika 17.000. 
auf Asien 1600, auf Australien 1200 und auf Afrika 500 Kilometer. Wird aber 
bedacht, dass die Vereinigten Staaten von Nordamerika allein 13,800 Kilometer, 
also 80 Percent, und Britisch-Indien allein 50 Percent des Jahreszuwachses 
von ganz Amerika, beziehentlich Asien aufweisen, so erhellt die merkwürdige 
und vielfach übersehene Thatsache, dass es vorzugsweise die bereits mit 
Eisenbahnen versehenen und wirthschafllich wie civilisatorisch entwickelten 
Staaten sind, welche ihr Schienennetz am eifiigsten und in dem klaren 
Bewusstsein verdichten, dass in unseren Tagen die Locomotive das bedeutendste 
technische Rüstzeug ist im Kampfe der Völker um Vermehrung des Wohl- 
standes, des politischen Ansehens, des Ausgleiches der menschlichen Meinungen 
und der Ausbreitung der Bildung. Die folgenden Tabellen verzeichnen nun 
nach den letzten statistischen Gesammtausweisen den Stand der Dichte des 
Schienennetzes in verschiedenen Staaten. 

Es besteht Bahnlänge in Kilometern: 

per 100 Quadrat- per 10,000 

Kilomater Landfl&che Eiawohner 

1876 18^6 1878 180S 

Sachsen 11-7 15-1 7-0 71 

Elsass-Lothringen 5-9 94 5*6 87 

Baden 73 89 79 8*4 

Württemberg 61 81 67 79 

Baiern 51 6*9 8*2 9-7 

Preussen 45 65 66 80 



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■ BUili!W|.,lJ -u > - 



49 

per 100 Qnadrut- per 10.000 

Kilometer LaodflAcbe EiDwohner 
18T6 18f6 1876 1>86 

Ganz Deutschland . . . 51 71 67 81 

Oeslerreich 30 4*4 r)i> &l 

Ungarn 2-() 28 45 5-7 

Ganz Oesterreich-Ungarn 2*7 36 4*7 58 

England . 83 9'9 78 84 

Frankreich 40 6*3 60 87 

Belgien 11-7 15*4 67 7-7 

Holland 53 80 4*8 6*3 

Dänemark 3*2 51 6-7 91 

Schweden 10 1-6 9-5 15-6 

Norwegen 02 05 30 8*0 

Schweiz 40 68 77 96 

Italien ... «Jo 4*0 28 38 

Spanien M 19 35 5-5 

Portugal 10 17 2 2 33 

Rumänien ... ... lO 1*5 27 3*6 

Europäisches Russland . 04 5 3-5 31 

Vereinigte Staaten von Nordamerika 1*5 2*4 30 1 3^»*0 

Nach dem Vorgange von Dr. Eni:el lassen sich heide statistischen Werthe 

durch die mathematische Bildung ihrer mittleren Proportionale (Quadratwup^eL 

aus dom Producte) zu einem einheitlichen Massstahe gestalten. Hienach entsteht 

für das Jahr 1886 die folgende Reihe der Staaten: 

l8T(i 

Eielgien 88 

Sachsen 90 

Vereinigte Staaten von Nord- 
amerika 67 

England S.O 

Elsass-Lothringen 5 7 

Baden 7*5 

Baiern 65 

Württemberg 64 

Schweiz . . . .61 

Ganz Deutschland ... 6*4 

Preussen 5 4 

Frankreich 49 

Hieraus resultirt die Notl 
österreichischen Eisen hahnnetzes. 

Asien. 

Der Handel Persirns. 

Nach einem Berichte des englischen Consuls in Täbris betrug im Jahfü 
1887,8 die Einfuhr in diese Provinz 910.108 Pf. Sterling gegen 795.31K) Pf. im 
Vorjahre, während die Ausfuhr von 233.023 Pf. auf 575.03") Pf. gestiegen war. Dt^r 
Gesammthandel nahm also um 13t).75t) Pf. oder 12''/o zu. Grossbritannien parLi- 

Mitib. d. k. k. Geogr. Ges. 1889. 1. 4 i<^ j 

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1886 




187« 


\fm 


10-8 Niederlande . . 




. . 50 


70 


10 3 DänemarK- 




4-6 


tV8 


Oesterreich . . 




. 4-0 


bi 


9*6 Schweden . . 




30 


5(1 


9*1 Oesterreich-Ungarn 




3 5 


4-5 


90 Ungarn 




. . 30 


■1*0 


8 6 Italien ... 




. . 1-9 


38 


81 Spanien 




. . 19 


32 


80 Rumänien .... 




1-7 


2-6 


7-9 Portugal .... 




. . 1-5 


0.4 


7 6 Norwegen . . 




. . 1-8 


'l'O 


7*4 Europäisches Russland . 


. . 10 


1'3 


i 4 

iwendigkeit der weiteren 


Ausbreitung 


des 



50 

cipirt mit 80% an der Einfuhr, hauptsächlich Wollen- und Baumwollwaaren. Russi- 
scher Zucker (62.628 Pf. St.) hat den französischen (461 Pf. St.) ganz vom Markte 
verdrängt. Der Hauptexportartikel sind getrocknete Früchte. Der Handel ist 
fast ausschliesslich in den Händen der russischen Armenier, welche ihre Waaren 
aus dem Inneren über Ardebil nach dem Ufer des Kaspi-Sees und per Schiff 
nach Baku senden können, was viel billiger ist, als der Transport zum Schwarzen 
Meere über Erzerum und Khoi. Baumwolle wird ziemlich viel exportirt; deren 
Cultur wurde von Russland aus durch die unentgeltliche Vertheilung von 
Baumwollsamen in dieser Provinz sehr gefördert. Russland ist der grösste 
Abnehmer der Producte dieser Provinz und sucht durch Etablirung eines 
Marktes in Baku den persischen Handel ganz an sich zu ziehen. Der zweit- 
grösste Abnehmer ist England mit 127,, des Exports, dann folgen Frankreich, 
Oesterreich-Ungarn und Deutschland. Das dringendste Bedürfnis dieser Provinz 
wäre die Erbauung neuer Strassen. 

Seitdem die Bahnlinie durch den Kaukasus für den fremden Handel 
geschlossen ist, und da der Karawanenweg über Trapezunt und Erzerum nach 
Nord-Persien zu kostspielig erscheint, ist das Bestreben Englands auf die Er- 
öffnung eines neuen Handelsweges nach Süd-Persien gerichtet und ist es ihm 
auch gelungen, die Freigebung der Schiffahrt auf dem Karunflusse zu erlangen. 
Doch ist damit nur der Anfang einer praktikabeln Handelsstrasse gemacht, da 
entweder von Schuster direct nach Isfahan durch das Gebiet der Bachtiaren 
oder von Disful (N. W. von. Schuster) nach Burudschird durch das Gebirge 
ein praktikabler Karawanenweg hergestellt und vor den Ueberßlllen der Gebirgs- 
bewohner gesichert werden müsste. Auch ist zu erwägen, dass die Distanzen 
von Enseli. dem Haupthafen Persiens am Caspi nach Teheran nur 322 km und 
nach Isfahan 772 km betragen, während von Buschir nach Isfahan 836 km 
und nach Teheran 1287 km sind. 

Rassiscbe For8chaii§ren im Pamir. 

Herr Weniukoff hat an die Londoner geograph. Gesellschaft folgendes 
über die Expedition Grombtschewski's, welche letztes Frühjahr Turkestan 
verliess, um das Pamir zu kreuzen und nach Dardistan und zum oberen Indus 
zu gelangen, berichtet: die letzten bis 2. December 1888 reichenden Mit- 
theilungen über diese Expedition stammen vom russischen Consul in Kaschgar, 
welcher mehrere Briefe von diesem Reisenden erhielt Hienach hat die Ex- 
pedition nach Verlassen des Kara-Kul-Sees das Hochland des Pamir vom N. aus 
erreicht und folgte dem Laufe des Ak-su bis zu seinem Zusammenfluss mit dem 
Istyk. Dort wurde sie von chinesischen Beamten, welche aus Taschkurgan kamen, 
aufgehalten. Durch Geschenke erwarb sich Grombtschweski jedoch die Er- 
laubnis seine Reise fortzusetzen und kreuzte die Wasserscheide zwischen dem 
oberen Ak-su und dem Wakhan-daria. Hier traf ihn ein neues Hindernis. Als 
er Baza-i-Gumbez erreichte, hörte er, dass die Afghanen Truppen ausgesendet 
hätten, um ihn aufzuhalten und nach Sarad am Wakhan-daria zu bringen. Um 
dies zu vermeiden, nahm er eine SO.-Richtung, stieg den Aksai, einen kleinen 
Nebenfluss des buken Ufers des Wakhan-daria, hinauf und hi^lt Abends in 
diesem Thale. Als die Nacht kam, sah man die Feuer im afghanischen Lager 
und beschloss sie selbst anzugreifen. Es regnete stark und die Nacht war so 
finster, dass die Kosaken die Afghanen überfallen und entwaffn« 1 in das 



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51 

russische Lager bringen konnten. Gromhlschewski erhielt von den Afghanen alle 
wünschenswerthen Aufklärungen und nahm sie bei seinem Zuge über den Hindu- 
Kusch mit; hier liess er sie sodann frei. Bei dem Abstiege auf dem Südabhange 
des Hindu-Kusch verlor die Expedition fast die Hälfte ihrer Pferde. Man sandte 
einen Boten zu dem Herrscher von Naga und Hunza um Hilfe, welche auch 
bald kam. Träger brachten das Gepäck auf ihren Rücken herab nach Hunza. 
Hier hielt sich die Expedition einige Zeit auf und kehrte sodann auf einem 
anderen Wege wieder zurück. Sie überschritt den Mustagh und ging, nach 
Zurücklassung eines Theiles des Gepäckes, bei den Quellen des Tunflusses, 
eines Zuflusses des Yarkand. nack Pill, kehrte jedoch von hier wieder zurück 
und verfolgte den Lauf des Tun bis zu seiner Einmündung in den Yarkand. 
Grombtschewski nahm nun eine östliciiere Richtung; als neue Hindernisse 
auftraten, ging er nach Bas-robat und kreuzte sodann die hohe Bergkette 
welche das Pamir begrenzt Er erreichte einen Punkt 27 Meilen NO. vom 
Tagarma-Berg (Mustagh-ala) um 47 Meilen WSW. von Yanghi-hissar. Von 
hier aus sandte er eine Nachricht an den oben erwähnten Consul: „Keine 
Vorräthe, keine Nahrung mehr; bin in der äussersten Gefahr, Hilfe dringend 
nöthig.*' Nachdem die Expedition inzwischen russisches Gebiet erreicht hat, 
so muss Hilfe rechtzeitig eingetroffen sein und werden die Resultate dieser 
interessanten Expedition der Wissenschaft erhalten bleiben. 

Slam. 

Der König von Siam hat in einem Vertrage mit Frankreich den Franzosen 
und Anamiten das Recht des Handels in dem siamesischen Gebiete der Laos und 
den Provinzen am linken Ufer des Mekhong zugestanden. Ein französischer Consul 
wird in Lao<Prabang residieren, dem Hauptmarkte dieser Gregend. Bis dorthin 
wurde der Mekhong trotz der Stromschnellen von Fesigny und Reveill6re be- 
fahren. Zugleich hat die Regierung von Siam den »Messageries Fluviales« von 
Cochinchina, welche bereits in Battambang, auf siamesischem Gebiete, sich 
etablirt haben, die Erlaubnis ertheilt, auf dem Mekhong bis Stung Treng und 
darüber hinaus die SchifTahrt zu organisiren. 

In Stung- Treng haben die Siamesen eine kleine Garnison. 

Die RivaUtät zwischen England und Frankreich macht sich auch in 
Siam geltend. Während ersteres eine Reihe grosser Eisenbahnlinien in Siam 
projectiert und in Ausführung bringen will, sucht Frankreich, wie dies der obige 
Vertrag beweist, Siam commerciell 2u exploitiren und politisch an Einfluss zu 
gewinnen. Um das Land kennen zu lernen, waren im letzten Jahre vielfache 
Reisen von Franzosen in Siam unternommen worden. Wir erwähnen hier unter 
Anderem L. B. Rochedragon, welcher von Bangkok nach Saigon leiste,') ferner 
Camille Gauthier, der den Mekhong von Bangkok bis Luang Prabang und sodann den 
Mekhong bis Saigon befuhr, •) endlich Pavie, der von Luang Prabang, auf dem 
srhwarzen Flusse, dessen Schiffbarkeit er constatirte, nach Hanoi, der Haupt- 
stadt von Tonking vordrang. ') 

') Bulletin de la Soci^t^ de geogr. de Marseille, t. XHI, I trim., p. 5-— 28. 
*) Bulletin de la Society de g^gr. commerciale de Paris, tom. XI, Nr. 1, 
p. 10—72 avec carte. 

») Ebenda, p. 120—123. 

4* 



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^' 



52 



Afrika. 
Die Con^o-Eisenbahu. 

Die Tracirungsarbeiten der Congobahn sind nunmehr beendet Das 
Unternehmen, welches anfangs Vielen unrealisirbar schien, zeigte sich bei dem 
Fortschritte der Tracirungsarbeiten als eine Bahn ohne besondere technische 
Schwierigkeiten, welche hinsichtlich der Kosten innerhalb gewöhnlicher Be- 
träge bleiben wird. Das Mouvement geographique publicirt eine Karte der Bahn- 
Trace von Matadi bis Ntempa. 

Der schwierigste Theil der Trace ist nach dem Berichte des Directors 
der Vermessungsarl)eiten, Cambier, der Ausgangspunkt der Bahn bei Matadi, 
welches Vivi gegenüber, am unteren Congo lio:.t. Die Trace führt hier durch 
eine felsige Gegend von 250 m Höhe, um sodann zum IVlpozoflusse herabzu- 
steigen, welcher auf einer Entternung von 2 km einen Höhenunterschied -von 
200 m verursacht, indem der Punkt, auf welchem der Mpozo überschritten 
werden soll, nur 50 m höher liegt als der Congo bei Matadi. Ausser den 
Terrainsehwierigkeiten mussten die Ingenieure auch noch die Hindernisse 
überwinden, welche im Jahre 1887 die Regengüsse und Tornados verursachten. 
Nicht häufig während des October, nahmen sie im November und December 
an Zahl zu. Gleichzeitig erreichte die Temperatur, welche im August 30 Grad 
Celsius nicht überschritt, im November 37 Grad Celsius. Die Vegetation ent- 
wickelte sich rasch, besonders in den Thalsohlen und bildete bald ein ernstes 
Hindernis für die Fortsetzung der Arbeiten. Der sehr starke Thau verschwand 
nicht vor 10 bis 11 Uhr trotz der glühenden Sonnenstrahlen und die Luft war 
so feucht, dass bei bedecktem Himmel und Regentagen das Planzeichnen 
unmöghch war. 

Von allen Zuflüssen dts linken Congo-Ufers, welche überschritten 
werden müssen, sind nur drei von Bedeutung: Der Mpozo, Lukunga und Inkissi. 
Die meisten Schwierigkeiten verursachte der Mpozo. Um ihn zu passiren, 
wurden mehrere Ti'acen ausgearbeitet. Die beste davon geht vom Landungs- 
platze bei Matadi am Congo aus, folgt dem linken Congo-Ufer eine kleine 
Strecke nach W. bis zur Factorei Fuka-Fuka (siehe zur Orientirung die Tafeln 
in und Vn unserer »Mittheilungen« Jahrgang 188li und Tafel VH 1887), 
erhebt sich dann auf den Hügel, welcher diese Factorei von jener zu Kala- 
Kala trennt, ersteigt dann die Kala-Kala-Schlucht zuerst am linken, dann am 
rechten Ufer, um dann nach 2km südlich von Matadi wieder in das schuchtartige 
Thal »Leopold« durch einen Gebirgspass von 155 m Höhe über dem Ausgangs- 
punkt einzukehren. Die Trace steigt sodan i diese Schlucht an bis zur W^ser- 
scheide zwischen diesem Thale und dem Mpozo in 270 m Hö ^e. Von hier 
geht es, allen Falten des Terrains folgend, um eine entsprechende Entwicklung 
zu erhalten, zum Mpozo herab, der in einer Höhe von 50m übersetzt wird. 

Nächst dem Mpozo ist der Lukunga der bedeutendste Zufluss; das 
Thal welches er bewässert, ist eines der fruchtbarsten und bestbevölkerten. 
Seine Breite schwankt zwischen 8 bis 10km. Im 0. wird sein Lauf von dem 
Felsen Massif von Bangu begrenzt, dessen steil abfallende Abhänge mehr als 
250 m über der Ebene sich erheben Gttnstigerweise biegt das Thal beim Orte 
Kimpesse unter 5* SIV 30" S. Br. nach ab, und gleich darauf nach NO., 
um in dieser Richtung in einer Distanz von 50km Leopoldvil'e am Stanley 
Pool zu erreichen. 



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IWWP^—IP'I I "^ 



53 

In dieser Gegend ist die Wasserscheide zwischen den Flüssen Lukunga 
und Kuilu sehr niedrig. Von seiner Biegung nach NO an, verliert das Thal 
sehr an Breite his zu 2 und 3 km ; die es im Westen begrenzenden Felsen 
gehören der Kalkformation an. 

An den Quellen des Lukunga wird das Terrain wieder schwieriger, doch 
fehlen die früher angetroffenen steilen Hänge. Die Berge haben eine regel- 
mässige Form und erlauben die erforderliche Trace-Entwicklunjj. Vom Thale 
des Lukunga geht die Bahn in jenes des Ngongo, eines Nebenflusses des 
Kuilu über, dann längs des Lunsadi, welcher vom fnkissi durch eine wenig 
merkbare Wasserscheide ' getrennt ist Um zum Inkissi zu gelangen, musste 
ein sehr hügeliges Land durchschnitten werden. Der Inkissi hat bei seiner 
Ueberschreitung 100 m Breite und fhesst in einem engen Thale. Sein Bett 
ist meistens wenig tief und hat viele felsige Inselchen, welche eine gute Grund- 
lage für einen Brückenbau abgeben. Vom Inkissi an nimmt die Dichtigkeit der 
Bevölkerung ab, die Plateaux werden niedriger, der Boden Thonsand, Wälder krönen 
die Höhen und die FIussl>ette sind in lockerem Boden eingeschnilten. Der einzig 
bedeutende rechte NebenOuss des Inkissi ist der Lukussu mit 40 m Breite und 
065 m Tiefe. 

In einer Entfernung von 2.'» km vom Inkissi bei Ntempa beflndet sich 
die Wasserscheide dieses Flusses und der Zuflüsse des Stanley Poo' ; sie ist 
nicht schwierig aber sehr bewaldet. Wenn man sich dem Stanley-Pool nähert, 
slüsst man auf eine Hügelkette von 90 bis 100 km Erhebung über dem Congo. 
Die Thäler sind, hier eng und tief eingeschnitten. Zwischen dieser Kette und 
dem Stanley-Pool dehnt sich eine weite, mit grobem Sand bedeckte Ebene 
aus. Das Congo-Thal wird in einer Entfernung von 3 bis 10 m von einer 
Bergkette begleitet, welche ihre Zweige, 10 bis 12 km breite Bergplateaux 
zum Congo entsenden. Diese Plateaux sind von tief eingeschnittenen Thälern 
gelrennt, in welchen unbedeutende Bäche dem Congo zueilen. 

Die Trace vei folgt von Ntempa aus den l/ucuya bis Kimuiza, wo man 
sich auf der Wasserscheide, einem prächtigen Plateau, befand um von hier 
aus die Ebene von Kinschassa zu erreichen. Die Tracirungsarbeiten sind im 
November v. J. vollendet worden. 

Die wlssensehaftlieheii Ergebnisse Ton Dr. W. Jnnker's Reisen in 

Centralafrika. 

In einem (dem 92.) Ergänzungshefle zu Petermann's Mittheilungen hat 
der ausgezeichnete Afrik» forscher den ersten Tneil der wissenschaftlichen 
Ergebnisse seiner Reisen in Centralafrika in den Jahren 1877/8 und 1880 bis 
1885 niedergelegt. Es ist dies eine Publication von hohem wissenschaftlichen 
Werth und grundlegendem Charakter für die Kenntnis des ganzen Gebietes 
zwischen Congo und Nil. Der vorliegende Theil umfasst die Hydrographie, 
Orographie und Bodengestaltung und Ethnographie des Uelle Makua-Gebietes 
sowie die Höhenbestimmungen und meteorologischen Beobachtungen. 

Dr. Junker begrenzt das Uelle Makua-Gebiet folgendermassen : im Osten 
der obere Lauf des Nil, der Bahr el Gebel und das westliche Ufer des Albert 
Nyanza-See*s, im Westen die unbekannten Länder zwischen dem 22 und 23° 
ö.L v. Gr.; im Norden die Dinka-. Bongo-. Djur- und Kredj-Länder {S^ n. Br.), 
im Süden der Nepokofluss (2" n. Br ) Somit erstreckt sich das Gebiet vom 23" 



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54 

bis 32" ö L. und von *J" bis 8** n. Br. über 9 Längen- und 6 Breitengrade auf 
einen Flächenraum von über G50.(X)0 Quadratkilom., um 100.000 Quadratkilom. 
mehr als Deutschland. Hievon entfallen Vs auf das Gebiet des Nil, */• auf 
jenes des Congo. Die Hauptwassersoheide zwischen Congo und Nil hat nur 
eine geringe Höhe (700— 800 m) nur auf der Strecke von Nando nach Toraajas 
erhebt sie sich auf 1000 w, beziehungsweise bis zum Quellgebiet des Uelle in 
Kallka auf lAOOm. Der Hauplfluss dieses Gebietes ist der »Uelle«, dessen 
Identität mit dem als »Mobangi« bekannten Zuflüsse des Congo nunmehr 
entschieden ist und den im Oberlaufe die A-Bangba »Kibali«, d. i. grossen 
Fluss, die westlichen A-Sandeh »Makua« nennen. Sein Quellgebiet liegt zwischen 
27g bis 3" nörd. Br. und 31" östl. lünge. Der Kibbi, der eigentliche Quellfluss 
hat im Lande der Kalika bereits 10 m Breite und fliesst nach Westen, welche 
Richtung er auch fortwährend behält bis zum 19'/,° östl. Länae. Auf der 
ganzen 1300 Kilometer langen Strecke weicht der Uelle kaum 17«** nach Norden 
ab. Erst an jenem fernen Punkte unter 19** östl. Länge wendet sich der Uelle 
unter scharfem Winkel nach Süden zum Congo. 

Hinsichtlich des Gefälles sind folgende Höhenbestimmungen von grossem 
Interesse: Höhe Annähernde Gefälle 

m . Stromlänge, km . m . 

Quelle des Kibbi über 1300 ^ ^^ 

Zusammenfluss des Sir und Kibbi 1200 

Einmündung des Dongu in den Kibali 710 
,, der Gadda „ „ ,, 680 

,, des Mbruole „ ,, 670 

Jenseits des Uelle-Bogens bei Mambangä 650 

Einmündung des Mbima 540 

Bei Alikobba 440 

Songo Stromschnellen des Mobangi 396 

Mündung des Mobangi in den Congo 283 

Auf der von Junker berührten Stromlänge von 1025 Kilometer bis Ali 
Kobbo ist ein Gefälle von ca. 760 m, auf dem 470 Kilometer langen westlichen 
Theile^des Uelle bis zur Mündung in den Congo nur 44 m Gefälle vorhanden. 
Der^^ganze Uelle Mobangi hat sonach eine Länge von 2100 Kilometer und ein 
Gefälle von 1000 m. 

Die bedeutendsten Zuflüsse des Uelle sind im Norden : der Dongu, Düru, 
Kdpili, Mbrüole, Gürba, Üerre-Oepi und Mbomü; im Süden der Jubba, Gadda. 
Bomokandi und Mbelima. 

Als Grenze dieses Gebietes dient im Süden der Lauf des Nepoko, dessen 
Ursprung im Berglande östlich vom Albert Njansa liegt. Junker erreichte den 
westlich fliessenden Strom unter 20 nördl. Br. und 28 <> östl. Länge, w^o tr 
100m breit und mehrere Meter tief trotz niedrigem Wasserstande war und in 
einem von 5—8 m hohen steilen Uferwänden und von herrlicher Waldvegetation 
umrahmten Bette floss. Dort war der Nepoko dem Bomokandi genähert, später 
trennen sich diese Flusse der eine gegen Süden, der andere nach Norden, der 
Nepoko mündet etwas nördlich von P nördl. Br. als Aruwimi in den Congo. 

In ähnlicher gründlicher Weise behandelt der gelehrte Reisende in den 
folgenden Capiteln Urographie und Ethnographie, auf welche wir besonders 



250 


490 


100 


30 


70 


10 


85 


20 


215 


110 


215 


100 


470 


44 


600 


76 



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55 

verweisen. In trefflicher Weise wurden die Höhenmessungen von Dr. Adolf 
Schmidt in Gotha berechnet. 

Den grössten Werth für den Geographen erhält diese Publication durch 
die von Dr. Bruno Hassenstein in vorzüglicher Weise bearbeiteten Karten. 
Dieselben stellen das ganze oben begrenzte Gebiet in dem Maasstabe von 
1 : 750.000 in 4 grossen Blättern dar, von welchen bisher das SO. und SW. 
Blatt erschienen ist. Für diese Karten wurden die Tagebücher und Karten- 
skizzen Dr. Junker's, sowie alle übrigen Reiserouten benützt und zu einer 
ausserordentlich detaillirten Karte von Central- Afrika ausgearbeitet, welche vom 
Albert Nyansa See bis zum Congostrome reicht. Die Colorirung erfolgte nach 
Völkerstämmen. 

HaopiiiiMiii von Fran^ois' Reise im Uinterlande des dentsclien Scliati- 

gebietes Toi^o« 

Hauptmann von Fran<;ois verliess. seinem Berichte in den »Mittheilungen 
aus den deutschen Schutzgebieten« 4. Heft zufolge, am 4. Februar 1888 mit 
einer Expedition von 31 Mann Bagida, um sich in das Hinterland von Togo 
(Guinea an der SclavenkOste) zu begeben. Der Reisende theilt das bereiste 
Gebiet ein in die ebene und hügelige Küstenlandschaft, das Randgebirge und 
die Hochebene. 

Unmittelbar an der Küste ist das Land flach, sandig und nur für die 
Cocospalmen geeignet, deren Anbau neuestens sehr energisch betrieben wird. 
Dann foleen die Lagunen und sumpfigen Niederungen in einer Breite von 
von l — lOA-m. Die Küstenebene steigt sodann allmählich in langen flachen 
Wellen, deren Richtung durch die von NW nach SO. fliessenden Küstenflüsse 
Sio, Haho und Mono bedingt ist, zum Fuss des Gebirges an. Der Boden be- 
steht aus einer 1 m starken Humusschicht, darunter rother Lehm und Con- 
glomerat. Das Klima ist feuchtheiss. Frangois beobachtete als höchste Tempe- 
ratur am 9. Februar 37*» C. als niedrigste 22° C. im Jänner, 20° im Juli und 
August. Die Luft zeichnet sich durch besondere Feuchtigkeit aus, welche starke 
Schweissbildung. Schlaffwerden des Leders, Rosten aller Eisentheile und Ver- 
schimmeln von Holz und Früchten verursacht. Der tägliche Temperaturwechsel 
steht wie in allen tropischen Küstenländern unter dem Einflüsse des Wechsels 
von Land- (Nacht-) und See- (Tag-) Wind. Die Regenzeiten sind April bis 
Mitte August und Ende September bis Ende November; sonst regnet es nur 
ausnahmsweise. Der Regenzeit geht die 3 — 4 Wochen dauernde Tornadozeit 
voraus, in welcher täghch Abends ein halbstündiger Orcan mit Regengüssen 
auftritt. Da in der trockenen Zeit die Küstenflüsse versiegen sind die Trink- 
wasserverhältnisse sehr ungünstig. Sonst ist aber das Klima in Folge der 
starken Seebrise gesünder als im übrigen Guinea. Es wird sorgfaltig Ackerbau 
getrieben und werden Mais, Maniok, Jams, Bananen, Oelpalmen gepflanzt. Als 
Hausthieie werden Rindvieh, Schafe und S(^hweine, von Europäern auch Pferde 
und Esel gehalten. Die Zahl der Bewohner der Küstenebene wird auf zwei 
Millionen geschätzt oder 4^ auf den Quadratkilometer. Am dichtesten ist die 
Bevölkerung unmittelbar an der Küste und am Gebirgsfusse. Die Hauptortc 
sind: Klein Popo, Porto Seguro, B^, Edo u. s. w Die Bewohner sind meistens 
Ewe; von der Küste aus gerechnet wohnen zuerst Ewe, dann Ze-Towe, 
Möatsche-Ägotine, zuletzt Atakpame Agome. 



liüir 



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56 

Das Raiidgebirge passirle der Reisende an zwei 8 — 15 Meilen aus- 
einanderliegenden Stellen und hat so einen Ueberblick über das Gebirge er- 
halten. Die Gebirgslandschaft erstreckt sich von SW-NO. auf 100^*l?^ von 
SO-NW. auf 90-110 Ä:iw. Das Gebiige ist als ein Theil des erhöhten Süd- 
Randes der Hochebene von W. Sudan zu betrachten, welches durch Thäler 
in zahlreiche einzelne von NO— SW ziehende Ketten zerlegt ist. Der Gesammt- 
name des Gebirges ist Obossum (Fetisch berge), die einzelnen Ketten heissen: 
Agome, Agotime, Aposso, Kebu, Adeli, Dikloto, Gbele und Kunja. Die 
höchsten Erhebungen liegen am S.-Rande des Gebirges. Der Stidrand des 
Gebirges, eine zwischen Jo und Amera laufende Kette, fallt ca. 300— 500 m 
schroff nach S. ab, während der Nordrand, eine Kette zwischen Kpandu und 
Dedeassi, ihren Steil- Abfall 200— 400 w nach N. hat Dazwischen liegt eine 
Hochebene, welche die Wasserscheide zwischen dem Wolta und den Küsten- 
flüssen bildet. Das Gebirge besieht aus Gneis, Granit und Sandstein. Das Klima 
ist günstig, nicht so warm und feucht als die Ebene und besitzt keine so aus- 
gesprochene Trockenzeit, daher auch die Fruchtbarkeit grösser ist Ein Drittel ist 
Wald, ein kleiner Theil cultivirt und der Rest Savanne. Ausser den in der 
Ebene angebauten Culturpflanzen wird noch Indigo und Reis gebaut. Die Be- 
völkerung, ca. 250,000 Menschen, leben nicht so dicht wie in der Ebene (ca. 25 
auf den Quadratkilometer). Das Volk ist nicht so friedlich wie jenes der Ebene. 

Der vom Reisenden beschriebene Theil der Hochebene von West- 
Sudan liegt in der Mitte des grossen, nach S. offenen Nigerbogens gegenüber 
Er charakterisirt sich als eine weile beckenartige Auswaschung, hinter dem 
Randgebirge, welche ihren Abfluss durch das Letztere im Woltathale hat. 
Der Wolta bildet sich aus dem weissen (Jode) und schwarzen Wolta (Ädere) 
Der erstere entspringt unter 12® N.-Br,, und 0^0.4' W. Gr. fliesst nach S. W. 
und S. und ist wegen der vielen Stromschnellen nicht schiffbar Nach Auf- 
nahme des schwarzen Wolta fliesst der Strom bis Akroso nach S W. von da 
bis Kpandu, wo der Durchbruch durch das Randgebirge erfolgt, nach SO. 
Auf dieser Strecke ist er 250 m breit und 1 — '2 m tief. Sein Wasserstand ist 
sehr wechselnd, trotzdem ist er für kleine Schiffe fahrbar. 

Das Klima ist am gesundesten im Norden, Fieber kommt selten vor. 
obwohl die Temperaturen höher sind, als an der Küste ; das Maximum betrug 
37° C, Has Minimum 21**. Dagegen ist der relative Feuchtigkeitsgehalt gering. 
Die Bevölkerung ist verbal tnismä««si 2 dicht, namentlich in Banjane, Dagomba, 
Grussi und Muschi. Den Hauptreichthum der Bevölkerung des Woltagebietes 
bildet die Viehzucht und der Ackerbau Neben Rindern werden viele Pferde, 
Esel und Ziegen gehalten. Auch Hunde sind sehr häufig. Die Bevölkerung, 
aufgehetzt durch die Mohamedaner, benahm sich dem Reisenden gegenüber 
sehr feindselig. Die grösste Stadt im oberen Wolta gebiete ist Jendi, dann 
Salaga, welches 10.000 Einwohner zählt und der Vereinigungspunkt von acht 
Karawanenwegen aus dem weiten Nigei becken. der westsudanischen Hochebene 
und von der Küste ist. Furchtbar ist der Schmutz in jener Stadt, weshalb der 
Sultan von Salaga aus seiner Residenz entfloh und nach Pembi übersiedelte. 
Trotzdem ist Salaga eine gesunde Stadt. Aeusserst interessant ist der rege 
Handels- und Karawanenverkehr an diesem Orte. 



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57 



Die unterirdischen Flussläufe von Innerkrain. — 
Das Flussgebiet der Laibaeh. 

Forschungen zur Kenntnis der hydrographischen Verhältnisse des Karstes, im 
Jahre 1886 Ober Auftrag Sr. Excellenz des Ackerbauministers Grafen Julius 

Falkenhayn 
vorgenommen vom k. k. Forstassistenten Wilhelm Polick» 

III. 

Wie schon aus den früheren Darstellungen der unterirdischen 
Verhältnisse einzelner Höhlen deutlich hervorgeht, ist ein und der- 
selbe Höhlengang nicht durchwegs von solchen Dimensionen, dass 
die darinnen periodisch durch fliessenden Wässer frei und ungehindert 
ihren verborgenen Thalweg finden würden. 

Es sind vielmehr die Verbindungen von ganz enormen Höhlen- 
räumen oftmals kaum auffindbare schmale und niedere Felsenspalten, 
welche durch ihre geringe Ableitungs-Capacität den eindringenden 
Hochfluthen des angrenzenden Thaies bisher unbekannte Wehren 
gebildet haben. 

Die nachtheiligsten dieser Abflusshindernisse sind wohl jene, 
welche die Verbindungen aus dem jeweiligen Kesselthaie nach den 
tief unter seinem Niveau gelegenen Höhlenkammern schutthalden- 
ähnlich überlagern. 

Wenn diese grossartigen natürlichen Filter, welche in aus- 
gedehnten Flächen zu Tage hegen, auch nur die einzigen Hemmnisse 
des Wasserabflusses aus den Kesselthälern vorstellen würden, so 
hätte man entschieden lange schon durch gewisse örtliche Mass- 
nahmen, die jedesmal nach grösseren Hoch wässern getroffen wurden, 
neben einer vortheilhaften Wirkung dieser Arbeiten, gleichzeitig eine 
zutreffende Erklärung der hiesigen Verhältnisse zu Stande gebracht. 

Aber dieses hydrologische Räthsel liegt nicht offen am Thal- 
rande des jeweiligen Kessels, sondern es ist tief im Inneren des 
unterhöhlten Gebirges zu suchen und auch zumeist nur dort selbst 
zu finden. 

Die Schlundhöhlen der Kesselthäler des Karstes, durch welche, 
die Wässer von einer höherliegenden Terrasse zur nächst niederen 
abzufliessen genöthiget sind, bilden nach dem früher Angeführten 
ein ganzes System von Hohlräumen, welches wohl zutreffend als 
ein unterirdisches Reservoir-System bezeichnet und für die unschäd- 

Milth d. ic k, Geogr. Gei. 1888, 2 a. 3. ^ r^ 1 

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liehe Ableitung der Hochwasser aus den Kesselthälern benutzt 
werden kann. 

Die Entstehungs-Ürsache dieses enormen natürlichen Reservoir- 
Bvöifems ist vorwiegend nur auf die verborgenen Erosions- und 
Cf>rtosions-Wirkungen der Meteorwässer zurückzuführen. Dieselben 
liahi^n entschieden alle Höhlungen des Karstes zum Theile un- 
mitleibar durch mechanische, als auch chemische Kräfte und 
YAim Theile mittelbar durch Absitzung und Einstürze hervorgebracht. 

Die im Niveau tiefstgelegenen, die nun eigentlichen Wasser- 
liölilen darf man sich trotz alldem nicht derart vorstellen, als hätten 
sir in ihrem ganzen Vorlaufe von einem Kesselthalo zum anderen 
überall so geräumige Weitungen, wie man dieselben z. B. im 
J4 rossen Dom der Adelsberger-(irotte, oder am Eingange der 
Kleinhäusel-Höhle in Flanina^ sehr bequem in Augenschein nehmen 
kann. Hierzu sei noch bemerkt, dass man an diesen beiden Punkten 
im Herginneren, fast 7 Kilometer in der Luftlinie von einander 
entfernt^ den äussersten Ober- und Unterlauf eines und desselben 
unterirdischen Flusses, nämlich der l*oik. zu sehen in der liage ist. 
Wtihl hat der erwähnte Höhlenfluss vor dem Ausbruche aus der 
Kleinhäuselhöhle bei Planina bereits einen unterirdischen /ufluss vom 
/jirkiiit;5er-See in sich aufgenommen. Daher sein Wasservermögen 
hier ein grösseres ist, als in Adelsberg. 

Verfolgt man diese, oder eine andere Wasserhöhle nur einige 
Hundert Meter in ihrer weiteren Erstreckung, so gelangt man sehr 
i)nld zu der Ueberzeugung, dass man es eigentlic^h mit einem durch 
rnininigfache Hindernisse unterbrochenen System von Höhlenkammern 
zu thun hat. Solche Unterbrechungen bestehen in festen und oftmals 
sHir mächtigen Scheidewänden, welche je nach dem Wasserstande 
mehr oder weniger unheimliche, niedere Passagen für die Kahnfahrt 
ans einer Kammer in die andere gestatten. Nicht jedesmal findet 
man aber die Durchbruchsstelle dieser Scheidewände, ähnlich einem 
Kpbenthore oder einem freien Durchlasse gleich, über dem Wasser- 
spiegel offenstehend, sondern man findet, was eben sehr häufig der 
Fall ist, diese Communication vom Wasser hoch tiberstaut. wie ein 
cnmmunicirendes Rohr, oder wie einen Saugheber wirkend, ohne 
dass mit einfachen Mitteln an die Erweiterung dieser Verbindung 
Sjeschritten werden könnte. 

Hin und wieder lagern colossale Felsabstürze zu förmlichen 
l'rüinmerbergen aufgerichtet, mitten in dem Höhlenbette des unter- 
irdischen Wasserlaufes. Dieselben sind wohl nur entweder als Ein- 



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stürze früher dort bestandener Scheidewände zu betrachten, welche 
nach erfolgter Unterwaschung dem beständigen Anpralle und der 
riesigen Gewalt der Fluthen nicht länger widerstehen konnten. Oder 
sie sind von mächtigen Deckenabstürzen herrührend, wobei in 
solchen Fällen die Wölbung eine bedeutende Höhe einnimmt. 

Selbstredend bringen derartig fortgesetzte Revolutionen in dfr 
Tiefe eine sich bis zur Oberfläche des betreffenden Gebietes hin 
geltend machende Veränderung der Gesteinslagerung hervor, welche 
sich wieder nach der jeweiligen Mächtigkeit und nach der inneren 
Beschaffenheit '^der Deckschichte in den oberirdischen Erscheinungen 
verschieden äussern muss. 

Inferster Reihe entstehen hiedurch Absitzungsspalten, welche 
im Laufe der Jahrhunderte durch die in denselben nach der Tiefe 
abfliessenden Meteorwässer eine immer zunehmende Erweiterung 
und Veränderung erfahren müssen, etwa ähnlich wie die Sohle der 
Wildbäche anderer Gebirgsformationen. 

Das prägnanteste Beispiel einer solchen Höhlenbildung ist am 
dem in Fig. 11 dargestellten Querschnitte eines Abgrundes am 
tirenz-Durchhau zwischen den aufgetheilten Servituts-Waldäqui- 
valenten und den fürstlich Windischgrätz'schen Forsten am Lanskl 
\Th, nördlich von Läse, zu ersehen. Aehnliche Abgründe, welche 
im Volksmunde der dortigen Gegend als >Brezdno« d.h. »Ohne 
Boden«, bezeichnet werden, findet man wohl viele und ebenso 
zahlreich findet man die sogenannten Dolinen, welche gegenwärtig 
entschieden nur als Einstürze solcher Abgründe zu betrachten sind. 
Aber gerade so gefährlich hängend, wie es die naturgetreue Con- 
figuration des in Rede stehenden Abgrundes zeigt, habe ich während 
der ganzen Dauer der Untersuchungs- Arbeiten nur noch zwei andere 
solcher Schachthöhlen vorgefunden. 

Am oberen Rande dieses von Nachteulen bewohnten Abgrundes 
gähnt ein düsterer Schlund von kaum drei Quadrat-Meter Fläche 
entgegen, der sich nach der Tiefe tonnenähnlich erweitert. Das 
Senkblei zeigt 38 Meter Tiefe und rollt noch ungefiihr zwei bis 
drei Meter weiter hinab, ein Zeichen, dass die Sohle des Abgrundes 
steU abfällt. 

Die vorliegenden Verhältnisse gestatteten nur eine Anfahrt 
in die bisher unerforschte Tiefe derart, dass Jedermann während 
dieser Expedition am Seile fest gebunden und hinabgelassen werden 
musste. Unter streng militärischer Ordnung schritten zu diesem 
Behufe die Arbeiter an das vorbereitende Werk. Alsbald lag ei» 

5* 



■Mihi . 



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Baumstamm quer über dem schachtförmigen Hohlraum. Nun ward 
durch einen vollständig schwindelfreien Arbeiter, senkrecht über 
dem Abgrunde, an dem Baumstamme eine eiserne Rolle befestigt 
und das Zugseil eingespannt, während die übrigen Höhlenmänner 
eine primitive Vorrichtung zum Abhaspeln herstellen mussten. 




Fig. U. 

Querschnitt durch die Schachthöhl^ am Grenz- Durchhau bei Läse. 

Nachdem auf diese Weise alle nöthigen Vorbereitungen zur 
Höhlenfahrt getrofTen waren, prüfte ich wie immer, so auch diesmal, 
zur Sicherheit einer glücklichen Seilfahrt die Solidität aller nöthigen 
Einrichtungen. Bald darauf verschwand ich zur Erhaltung des guten 
Muthes, als der Erste stets vor meinen Arbeitern, langsam am 
Seile baumelnd nach der Tiefe. Aber unvermeidlich schnell, je 
weiter hinab, desto schneller rotirend, führte die Seilfahrt unter 
diesen geheimnisvollen Boden. Nur der matte Schein meiner Gruben- 
lampe beleuclitete die schaurige Wildnis der nächsten Umgebung 
dieser bisher von Menschen unbetretenen Räume einer ganz eigen- 
artigen Schachthöhle. 

In kurzer Zeit trafen auch die beiden von mir früher bestimmten 
Arbeiter mit dem erforderlichen Werkzeug in der Tiefe ein und 
nun begann die Untersuchung der im Höhlenthau wunderbar schim- 
mernden Räume, in welchen kaum jemals wieder die gnomenmässigen 
Grubenlichter eines Besuchers ihren matten Schein \ erbreiten 
werden. 



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61 

Eine ^leü aV>laUende Schutthalde überlagert Jiochmachtig den 
zerklüfteten Boden. Die Seitenwioide zeigen, der Scliichtung des 
tlesleini« entsprechend, oftniab weit klauende KUse und Spalten, die 
mm mit grosster Vor^^ichl durcLsdiLiefen inu^p. um nach dcui sich 
weiter anschHe?;senden Tropj^itein- und Kry^^lall-Kmnmeni zu ge- 
langen. Am unteren P^nde der geräiunig ahfalleuden Höhle liegen 
giganlii^che Trümmer von Felsabstür/en, ;?wisrhen deren geüihrlicher 
Aufthürmung es mir noch möglich vv^urde, in eine tiefere Höhien- 
Elage zu gelangen, wo die grossartigi^ten (Gebilde des ewigen Tropfens 
in kaum yorstell barer Menge aufgestapelt sind. Die geisterhaOe 
Ruhe wird nur von dem vereinzeilen Spiele des taktmru'ssig tropfen- 
den Wassers imterbrochen. Das Tropfwasser sickert langsam und 
rastlos hinat», um ein krystaÜreines Bassin, einen sogenannten Tropf- 
hmunen, auf besläntUg gleichem Niveau zu erballen, da ein lleber- 
luUen durch die leinrissigen Seitenwinde ausgeschlossen ist. Die 
Linie der entschieden seit Jahrhunderten gleJeben Stauhöhe die^^es 
Tropfwassers ist auch durch den Ansal^ der zartesten (^alcit-Kry stalle 
deullicti mai*kirt. — 

Ein weiteres Vordringen in die (leheimnisse des Höhlenbaues 
konnte von diesem genihrltch xerklüfletf^n Abgrunde nirgends er- 
reicht werden, obwohl die Unterr^ucluuigen daselbst, mit dem Auf- 
wände der gross ten Aufmerksamkeit vorgenommen^ uns durch einige 
Stunden das Tageslicht vorenthalten haben. 

Einige der prächtigsten Troplsteingebilde wurden mühselig, vor 
jeder Beschädigung ihrer Farbe und ihres tJlanzes l>ewahrt, als 
Trophäen aus dieser wunderbaren Umwandlungs-Werkstittte der 
Natur in dem Untergrunde des Karstkalkes hinauf zur Oberfläche 
bei ordert. — 

Mehrere 'läge später kam die Untersuchung und Aufnahme 
von Dohnen, Abgründen und Schachl höhlen <les nönllichou Tbal- 
raades von Planina gegenüber d^T ürlschaft Jakubovitz an die Bei he J) 

Auch hier wurden bisher unliekannte Höblengänge angefahren. 
Das Recht der Bezeichnung von neuentdeckten unterirdischen Räumen 
konnte ich nun wieder zur Gellung bringen In der Situation >Skolji 

^ Am Wege dahin, gleich unmiUelhar hei der Ortseliaft Läse wurde mir von 
einem der Führer ein triditerffirmiger Kessel vorgewiesen und als das lio^iist- 
gdegene Saugloch für die Ileber&rhwemmungswilsser l^e;^eii'hnet Derselhe fHhrL 
den lokalen Namen »hedenj* d.h. BoUieh und kann nur t!urdi den Umstand 
*JD g^rosseres Interesse erwecken, alij iiadi jeder grosseren Hoehlhith des Pia- 
tiinaUiales zahlreiche Proleen an der schoUcngen Sohle zurück bleiben 



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6i> 



lom« wurde mir von einem Ortskundigen dieOeflhnungJeiner vollständig 
mit Baumstämmen und Felsblöcken verrammelten Schachthöhle 
vorgewiesen. Nach einer umständlichen Abräumung des Deckma- 
teriales, welches zum Theile entfernt und zum Theile hinabgestürzt 
werden musste, zeigte sich hier ein Naturschacht von 21 Meter 
Tiefe. Die Strickleiter, welche mir zu solchen Höhlenfahrten bis 
40 Meter Tiefe stets bei der Hand gewesen ist, wurde nun am 
oberen Höhlenrande an einen nahen Eichenstamm befestigt, nach- 
dem das erforderliche Längenstück derselben hinabgelassen wurde. 
Mit zwei Mann meiner bewährten Höhlenfiguranten stieg ich darauf 
zur Tiefe. Nach einer mehrstündigen Arbeit unter dem Gebirge 
wurde hier eine höchst wichtige Räumlichkeit aufgedeckt, welche mit 
ihrem südlichen Arme nahe unter das Thal führt. Dieser Höhlen- 
gang liegt vortheilhafterweise in der Nähe unter einem Hochwasser- 
arme des Unzflusses, welcher in dieser Situation sackähnlich endiget. 
Eine künstliche Stollenverbindung aus dem Planinathale nach diesem 
unterirdischen Räume wird bei Hochwässern des Unzflusses be- 
deutende Wasserquantitäten in dieses Höhlen-Reservoir hinabführen 
können. Zu Ehren des um die Darstellung und Aufklärung der 
geologischen Verhältnisse von Grund und Boden höchst verdienten 
Naturforschers Herrn Dr. Josef Ritter v. Lorenz-Liburnau, k. k. 
Ministerialrath in Wien, bezeichnete ich diese bedeutsame Entdeckung 
mit dem Namen »die Lorenz-Liburnau- Höhle« im Kessel- 
thale von Planina. 

Auf diese und ähnliche Weise suchte ich während der ganzen 
Höhlencampagne nach unterirdischen Räumen, deren Sohle tiefer 
liegt, als das näher oder weiter angrenzende Thal. Aber ganz eigen- 
thümlicher Art war die Forschungsarbeit in der Situation »pod 
stenami« im äussersten Norden der Thalmulde von Planina. 
Dort wusste die Volkssage von einem verschütteten Eisengitter zu 
erzählen. Dennoch konnten mir selbst die ältesten Gedenkmänner 
der umliegenden Ortschaften als: von Jakobovitz, Läse, Garöerevc 
und Plamina nicht einmal ungefähr angeben, wo das sagenhafte 
Gitter mit der eingestürzten Höhle gelegen wäre. Kein oberirdisches 
Anzeichen konnte trotz eifrigsten Nachforschens hier gefunden 
werden. Das einzige Mittel, um zu einem Resultate zu gelangen, 
war die gehörige Beobachtung der in einer bedeutenden Flächen- 
ausdehnung durch eine Schutthalde nach der Tiefe versitzenden 
Hoch-Wässer. Ohne Zweifel konnten dann nur jene Stellen dieses 
mächtigen Steinfilters, wo die Hoch- Wässer am gierigsten hinab- 



"\^ 



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gurgeln, zur Aufdeckung des mysteriösen Gitters führen, wenn über- 
haupt hier ein solches bestanden haben sollte. Derartige Sagen hatt<* 
ich im Laufe der localen Untersuchungen noch viele vernomnu-n, 
und jene die Thalbewohner immer mehr und mehr interessirenOon 
Forschungsarbeiten Hessen mich eben vielfach divergirenden Sage 
von Höhleneinstürzen begegnen. 

An drei Stellen, wo die Absorption am wirksamsten beobaclitel 
wurde, Hess ich nun hier durch kleine Versuchsschachte nach der 
Tiefe schürfen und an einem dieser Punkte wurde nach mehrtftgi^er 
Arbeit thatsächlich die Ci rundschwelle eines total vermoderten 
Schutzgitters last vier Meter unter dem Schotter aufgefunden. Das- 
selbe musste da vor mehreren hundert Jahren errichtet wortien 
sein und war aus massiven Eichenstämmen gebaut Seine Bestimmung 
war augenscheinlich diejenige, das von den Hochwässern zuj?e- 
schwemmte Holz-Materiale zurückzuhalten, damit die dahinter gele- 
gene schmale Felskluft nicht im Laufe der Zeit vollständig ver- 
barrikadirt werde. Ein Felsabsturz von den nahen Wänden halle 
jedoch die Kluft sannut dem Schutzgitter mit einer mächtigen 
Barrikade von Gesleinstrümmern vor Menschengedenken bis zur 
totalen Unkenntlichkeit überlagert. Sowohl an dieser, als auch im 
einer rechter Hand davon vorgenommenen Schürfung, unmittelliar 
unter den anstehenden Felswänden in der Situation »pod stenami^ 
erzielten die Versuchsgrahungen überraschende Resultate. Nicht sn 
günstig war der Erfolg im dritten Schachte, welcher von diesen 
beiden einige Meter weiter gegen Nordwest gelegen ist. Dort geläutete 
ich in der Tiefe wohl auf schmale Spalten, welche massig abfallei^l 
unter da^ (lebirge streicIicMi. Dagegen wurden in den beiden zuerst 
erwähnten Schachten breitere Klüfte angescliürft, durch die irli 
hierauf nach zwei bedeutenden unterirdischen Räumen gelanKl«. 
Auch bei diesen bisher unbekannten Höhlengängen machte ich mm 
(iebmuch von dem Entdeckungsrechte und benannte dieselben als 
»Baron Winklerhöhlen«, um für alle Zukunft den Nain<rj 
des HeiTu Landespräsidenten von Krain mit dieser, die Landi's- 
Cultur fördernden Arbeit zu verbinden. 

Einer besonderen Erwähnung verdient das Niveau-Verhältnis 
dieser beiden Höhlen. Dieselben liegen 18, beziehungsweise 20Metrr 
unter der Thalsohle in der Situation >pod stenami«. Sie bedeuH^n 
zwei jener zahlreichen Riesen-Capillaren, welche aus dem muldcii- 
förmig geschlossenen Thale von Plaiiina in nördlicher Richtnii;^ 
gegen den Südrand des Laibacher-Morastes iühren. Oder mit änderten 



L. 



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64 






Worten, diese beiden Höhlen bilden für die Hochwässer des Unz- 
flusses eine unterirdische Reservoir- Verbindung zu den wasserreichen 
Quellen der grossen und kleinen Laibach. Die ewig waltende Thätig- 
keit des Wassers hat hier in der Tiefe unter dem sackförmigen 
Ende des Flussbettes der ünz, vorwiegend durch die auflösende 
Kraft des kohlensäurehältigen Wassers, aus den anfänglichen Spalten 
der Gesteinsschichtung des kohlensaueren Kalkes geräumige Höhlen- 
kammern erzeugt. Die chemische Corrosion fand zugleich in den 
Weitungen dieser Räume durch die mechanische Erosion des ab- 
stürzenden Wassers eine unverkennbare Unterstützung. Aber dennoch 
existiren hier bis heute noch keine eigentlichen Katavotrons, 
d. h. Wasserschachte, in welche sich der strömende Flusslauf unge- 
hindert hinabstürzen könnte, wenn auch die unzähligen Spalten und 
Klüfte des Gesteins, sowie die Fugen der ausgedehnten Schutthalde, 
welche die hierortigen Höhlen überlagert, diese Erscheinungen wohl 
nur im kleinen Massstabe vorstellen. ') 

In der Nähe dieser wasserabsorbirenden Schutthalde gegen 
Nord-West liegt am Fusse der prallen Felswände eine künstlich 
erweiterte Höhle, welche jedoch kaum 20 Meter lang, 2 bis 3 Meter 
breit und ebenso hoch ist, mit kaum 10 Grad einwärts fallend. Dieselbe 
wurde im Jahre 1824 von dem Haasberg'schen Beamten Fortunat 
gelegentlich der Reinigung der Saugtrichter des Unzflusses aufge- 
funden und zum Thale hinaus durchgesprengt. Durch einen Höhlen- 
kamin, links 4 Meter über dem jetzigen künstlich erschlossenen 
Eingange, der zum Niveau des nahen Flussbettes hinabreicht, wurde 
seiner Zeit dieser unterirdische Raum betreten, worauf die 3 Meter 
starke Scheidewand durchbrochen worden ist. Zur Erinnerung an 
die schon in jener Zeit versuchten Arbeiten zur Aufdeckung des 
mysteriösen Laufes der Unz zur Laibach, wird diese unterirdische 
Räumlichkeit »Fortunat-Höhle« genannt. Die späteren und 
mehrmals wiederholten Sprengungen im Inneren der Höhle haben 
keinen nennenswerthen Erfolg gehabt. Der Grund davon ist ein sehr 
naheliegender und natürlicher. Unmittelbar hinter den steilen Fels- 
wänden, welche von der Fortunat-Höhle unterfahren sind, befindet 
sich im Walde eine tief eingestürzte Doline. deren Trümmer die weitere 
Communication der Höhle verrammelt haben. Der Abdichtungs- 



') Im letzten Sommer d. J. 1888 wurden, wie uns Herr Putick mitgeheilt 
hat, im Auftrage des k. k. Ackerbau-Ministeriums zwei grössere Wasserschachte 
(als Versuchs-Objecte für die bezüglichen Wirkungen) in dem Flussbette der 
Unz zu den Baron Winklerhöhlen hergestellt. D R. 



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process ist hier in Folge dessen schon so weit gediehen, dflss die 
absorbirende Wirkung dieser Höhle auf ein Minimum zurückge- 
gangen ist, während dieselbe vor ,tahrhunderLen, noch bevor der 
erwalmte DoUnen-Einslurz erfolgt war, ohne Zweifel einen der 
wichtigsten Absorptionsräume für die Hoi^hwässer des Unzflusses 
reprasentirt haben dürlte. ( iegenw iirtig ist diese Höhle miL Astwerk 
und anderen angeschwemnUen Hölzern^ welcfie j^rössieutheils ver- 
modert sind, sowie mit Hchlamm bedeutend angefülil. Die Unter- 
<uehung war daher nichl selir angenehm, da man hei jedem Schritte 
bis ftber die Knik-hel tief einsank und die Möglichkeit nicfjt ans- 
gesehloi^sen war, dass man am Ende in eine inü vermodertem 
Holz werk verbarrikadirle Höhlung hinabstürzen könnte. Neben der 
Fortunathöhle liegen auf beiden Seiten, der (JesLeinsschichtung ent- 
sprechend, mehr oder minder ausgeweitete Spalten und Klüite, 
welche sämmtlich unpassirhar einwärts fallen. Den Hochwässern 
dienen sie aber zum gierigen Abflüsse, nur muss dasselbe bereits 
lange dai> ganze Thal innndirt haben, l>evor das Wasser jene Slan- 
höhe erreich tj um in diese verhältnismässig hochgelegenen Schläuche 
hineinzugelangen. 

Eben so ungünstig liegt die MundötTnimg einer nocli weiter 
gegen Nordwest unter den Felswänden siluirten Höhle, Vom Volke 
wird (Ueselhe »velika jama pod sitcnami* (d, li. die grosse 
Höbie unter den Felswänden) genannt. Sie zeigt anfangs kaum 
4 Meter Breite und etwas über 2 Meter Höhe mit einem an 20 Meter 
Länge fast ebenen Bodtn, der im Niveau um tj Meter höber liegt 
als da^ Flussbetl der Unz. welelie bier sackförmig endet. Weiler 
nehmen diese Räume an Dimensionen zu, nachdem man in der 
Zwischenstrecke eine Passage aut allen Vieren durtthmachen musste.' 
Eine geritumige Höhleidtamnjer mit steil einwärts faiiendeni 
Boden bildet das Knde dieses unterirdischen (ianges. Auch in dieser 
Höhle hat damals Herr Fortunat mehrfach versucht, den Hoch wässern 
dei! Planinathal^ einen rascheren Abfluss zu verschaffen. Wahrend 
der mir aufgetragenen Forschungen habe ich noch deutliche Spuren 
gefunden, wo die Sprengminen jener Versuchsar t»ci Leu angelegt 
«wden. Am äussersten Ende der velika jama, ungeR^lhr 45 Meter 
weit vom Eingange liess ich gleichfalls (irabungen im angeschwemmten 
Holz und Schlamme vornehmen, ohne den Spuren der Felssprengung 
KU folgen. Dabei wurden einige schmale Klütle blossgelegt^ doch ein 
namhafteres Resultat auf der Suche nach dem nntenrdiscfien Laufe 
der ÜnK hier nicht erzielt. Verlockend lauten wobt diesbezüghch 



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66 

nachfolgende Stellen aus dem Werke des Höhlenforschers Dr. Adolf 
Schmidl, welcher auf pag. 156 über diese beiden zuletzt angeführten 
Höhlen schreibt: 

»Bei Ueberschwemmungen des Thaies stürzt sich das Wasser 
mit Macht in diese beiden Höhlen, wie die hineingeschwemmten 
Sägeklötze u. s. w. beweisen. Dann soll man oben im Walde weiter- 
hin an mehreren Orten das unterirdisch strömende Wasser rauschen 
hören«. 

Dennoch konnte ich leider diese Nachrichten nicht voll- 
inhaltlich bestätigt finden, obwohl ich mehrere Hochwässer gerade 
hier am Ausgange des Thaies geflissentlich beobachtete. Derart 
konnten sich aber die Verhältnisse seit Schmidl's Zeiten nicht ver- 
schlimmert haben. Daher ist nur anzunehmen, Schmidl habe die 
Angaben und Erzählungen von Leuten benützt, welche aber kaum 
aus eigener Anschauung die absorbirende Wirkung dieser beiden 
Höhlen geschildert haben. Von mehreren alten Leuten des Thaies 
hörte ich dieselben Fabeln und Volkssagen wieder, welchen man 
im Werke Schmidl's an einigen Stellen begegnet. Doch die Aufgabe 
Schmidrs war eine von der meinigen sehr verschiedene, so dass 
es ihm nicht möglich wurde, den hydrologischen Verhältnissen an 
allen Orten auf die richtige Spur zu kommen. Wenn auch mitunter 
die localen Erzählungen de^ Volkes über die eine oder andere 
unbekannte Höhle dem Forscher wesentliche Anhaltspunkte zu 
bieten geeignet sind, so führen ihn dagegen die ni(nsten Sagen auf 
eine falsche Fährte. 

Unter allen meinen Höhlenentdeckungen gelangte ich auf 
(irund solcir mündlicher Ueberlieferungen nur selten zu einem ge- 
suchten Resultat. Mein Bestreben war beständig solche Tiefen und 
Höhlengänge aufzudecken, welche der unschädlichen Ableitung der 
Hochwässer aus dem Kesselthale von Planina dienstbar gemacht 
werden könnten. Nach der sorgfältigsten Untersuchung und Aufnahme» 
des äussersten Nordendes der Thalinulde imd ihrer Randhöhlen 
wurde zur Durchforschung der nächsten Umgebung dieser Localität 
geschritten. Abgründe, Felsentrichter und Dohnen, diese typischen 
Karsterscheinungen der Oberfläche charakterisiren von hier nördliclu 
den noch gut bewaldeten Boden des Karstkalkes. Ueber ein Chaos 
von Steintrümmern, mit tief klaffenden Spalten und Felsklülten in 
der noch erkennbaren Gesteinsschichtung ruinenähnlich aufgethürmt, 
muss man da häufig auf allen Vieren li in wegsetzen. Wenn Jemand 
einen Zweifel hegen würde, ob die gegenwärtig kahlen Karstfläehen 



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67 

südwärts von Adelsberg jemals einer Waldvegetation zum Standorte 
gedient haben konnten, der sollte nur herüberwandern, um zu sehen, 
welche prächtigen Tannenbestände auf einem absolut gleichen Boden 
hier gedeihen. Im Kronenschutze der mastenhohen Tannen gedeiht 
hier lerner eine üppige Bodenvegetation von Sträuchern und (iräsern 
und dennoch ist die locale Boden- beziehungsweise Gesteins-Be- 
sehaffenheit nach jeder Richtung diaselbe, wie dort, wo seit Jahr- 
hunderten nur mehr einzelne Dorn- und Wachholdersträucher das 
traurige Landschaftsbild der meilenweiten Steinöden punktweise 
beleben. Geradezu imwegsam liegt auch hier eine ausgedehnte 
Terraindepression, nur hindert der schattige Tannenforst einen be- 
quemen Ueberblick zu gewinnen. Mühsam erreicht man endlich 
ungefähr in der Mitte dieser Depression den Rand eines kessei- 
förmigen Einsturzes, dessen tiefen Boden man nur von einer Seite 
betreten kann. 

Anfangs entlang eines schmalen Weges, dann mit aller Vor- 
sicht über Stock und Stein hinabkletternd, gewahrt man unter der 
östlichen Wand des enormen Felseinsturzes einen niederen, aber 
sehr breiten Eingang in die sich weiter anschliessende, sehr 
geräumige Höhle. Dieselbe ist seit urdenklichen Zeiten wegen ihres 
ebenen Bodens vom Volke als die *skednjena jama<^ d. h. 
Dreschbodenhöhle bezeichnet. Dass aber dieselbe auch noch einen 
zweiten Ausgang zur Erdoberflüche aufweiset, wurde erst im Jahre 
1848 von dem damaligen Cooperator von l^lanina, Herrn Anton 
Urbas, dem jetzigen Domherrn von Laibach, entdeckt. In seiner 
Beschreibung der Höhlen-Untersuchungen bei Flanina erwähnt Pater 
Urbas an jener Stelle, wo er die Kenntnis der unterirdischen Ab- 
flussverhältnisse der Unz aus hydrotechnischen (iründen als äusserst 
wichtig bezeichnet, Nachfolgendes: »Ich suchte zu dieser Kenntnis 
zu gelangen, untersuchte einige in der Nähe befindliche Höhlungen, 
die jedoch meinem Zwecke nicht entsprachen. Bei dieser Gelegenheit 
fanden wir bei Jakobovitz einen Tunnel durch einen Berg. Die 
Entdeckung dieses geräumigen Durcligange^ erfreute meinen Führer, 
weil noch kein Jakobovitzer um dieses Geheimnis wusste*^. 

Wie richtig Herr Urbas an die Lösung des hydrologischen 
(iebeimnisses daselbst geschritten, beweiset die weitere Stelle aus 
seiner -Darstellung der localen Verhältnisse: ^ Meine Hoffnung, unter 
den Unzfluss zu kommen, ging verloren, bis mir ein Führer sagte : 
--Hier nahe bei Jakobovitz. am Berge zwischen Felsen, ist auch 
eine Vertiefung, aber man kann nicht hinein, es ist ein Abgrund <^«. 



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68 

»Ich ging hin und fand eine stark abhängige Grotte, die zu einem 
Abgrunde führt, der zwar nicht besonders tief, aber zum Hinein- 
fallen gerade recht gelegen ist. Jenseits des Abgrundes führt die 
Grotte weiter in den Berg. An den Felsenritzen der Seitenwand 
ward es mir möglich, in den Abgrund zu kommen und nach einer 
kurzen Strecke sah ich vor mir eine breite, gegen drei Klafter tiefe, 
weite Höhlung, aus welcher ein starker Luftzug strömte. Mit grossem 
Bedauern, keine Strickleiter bei mir zu haben, schaute ich in diese 
grabartige Vertiefung. Die starke Luftströmung hat es mir deutlich 
gesagt, dass man da weit hinein und vielleicht auch unter den 
naheliegenden Unzfluss gelangen kann. Diese Entdeckung machte 
ich leider erst zwei Tage vor meiner Abreise von Planina, sonst 
würde ich etwas Bestimmteres darüber in Erfahrung gebracht 
haben«. — Auf Grund dieser und einer anderen Nachricht aus dem 
Werke von Dr. Adolf Schmidl forschte ich nach der höchst inter- 
essanten Entdeckung. 

Merkwürdigerweise hatte der Markscheider Budoll aus Idria, 
welcher dem berühmten Höhlenforscher Schmidl für die Vermessungs- 
arbeiten zugetheill war, diese Entdeckung ganz unabhängig von 
derjenigen des Pater Urbas wieder gemacht. Obwohl damals kaum 
zwei Jahre vergangen waren, so gerieth dennoch die erste Entdeckung 
in Vergessenheit. Kein Wunder, dass es mir bei der Suche nach 
diesem Geheimnisse der Unterwelt geradeso ergehen musste, da ich 
erst wieder nach einer 36jährigen Pause den beiden früheren Ent- 
deckern nachfolgte. Niemand in der ganzen Gegend wusste mehr 
nach diesem mysteriösen Höhlengange die erwünschte Führung zu 
übernehmen. 

Erst später kam ich auf Grund einer Jagderzählung auf die 
richtige Fährte, wobei ich zu der Untersuchung der in Vergessenheit 
gerathenen »Mrzla jama« — Frosthöhle — gelangt war, um nach- 
träglich den Schleier dieses Höhlengeheimnisses zu lüften. 

Jeder Führer erzählte mir nur von den majestätischen Räumen 
der sogenannten »Vranja jama« d. i. Rabenhöhle. Thatsächlich 
ist auch diese Höhle eine der grossartigsten am ganzen Karste. 
Dieselbe liegt, ringsum von herrlichen Tannenbäumen beschattet, 
nahe an dem Thalrande bei Jakobovitz. Dicht verwachsen führt 
eine Trümmerhalde des einseitigen Felsensturzes im geschlossenen 
Walde plötzlich hinab zu den imposanten Räumen der scenerievoUen 
Vranja jama. 



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69 




Fig. 1«. 
Der Eingang in die >Vranja j^ma<. 

Wenn man den schmalen Plad zwischen den Trümmern der 
Schutthalde hinabsteigend, aus dem Gestrüppe hinauskommt, findet 
man noch einzelne Farrenkräuter und die Hirschzunge auf dem 
steinigen Trümmer-Boden. Aber auch diese Gewächse verschwinden 
weiter hinab, die niedere Temperatur der unterirdischen Räume 
Iheilt sich hier fühlbar mit und nur noch ein üppiger Moosteppich 
überzieht weiter das wild durcheinander geworfene Gestein. Ueber- 
wältigend ist daselbst der Eindruck der pittoresken Scenerie der 
steilen Felswände, welche sich circusartig zu schliessen scheinen. 
Doch die Schuttbahn führt von hier sehr steil in eine düstere Tiefe 
hinab. In Fig. 12 erscheint die Ansicht des Einganges in die Vranja 
jama überhaupt zum erstenmale abgebildet. Durch ein enormes 
Höhlenthor, unter einer mehr als 50 Meter hohen und fast senk- 
rechten Wand, die bei dem einseitigen Höhleneinsturze stehen ge- 
blieben ist, kann man zur Sohle dieses eisigkalten Abgrundes 
hinuntersteigen. Fast halbkreisförmig erscheint die Wölbung dieses 
Höhlenthores und zeigt einen Durchmasser von mehr als 60 Meter. 
Imposanter als von der Höhe hinab, gestaltet sich in Fig. 13 der 
Prospect des Höhlenthores der Vranja jama aus der Tiefe empor 
zur Erdoberfläche, üeberwältigend wirken hier auf Jedermann die 
enormen Dimensionen der kühnsten natürlichen Wölbungen. 

Die Natur beobachtete hier schon lange Zeit vor aller mensch- 
lichen Kun.st das Gleichgewicht des Bogendruckes und ist da, wie 
überall, mit ihren Monumentalbauten dem lernbegierigen Menschen- 
geschlechte als die beste Lehrmeisterin anzupreisen. 

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^ri!^^^^^ 




Fiff. 18. 

Das Höhlenthor der -Vranja jama« aus der Tiefe empor zur 

Oberfläche. 

Was die (irossarlif^keit der Scenorie und der pittoresken (le- 
steins- und Höhlenfonnation anlx^langt, so findet man in der bereits 
mehrfach erwähnten Vranja jania den lehrreichsten Typus für die 
Erscheinungen an den einstnlig eingc^stürzten unterirdischen Räumen. 
Stufig abgebrochen, schwebt thurmhoch che Höhlendecke über dem 
lehmigen t^oden der riesigen Weitungen im Inneren des dortigen 
Hügelzuges. Die zerklüfteten und vielfach zerborstenen Seitenwände 
drohen unter der Last des massiven Riesengewölbes zusammenzu- 
stürzen. Doch die felsenfesten Widerlager dieser Wölbungen erhalten 
überall das (ileichgewicht. Selbst die überhängende .südliche Seiten- 
wand ist dennoch festgehalten in ihrer anscheinend labilen Position, 
w^elche bei aufmerksamer Betrachtung einen ganz unheimlichen Ein- 
druck zu machen geeignet ist. 

Wie schon früher erwähnt wurde, gewahrt man bei dem 
Ausblicke aus der Tiefe einen regelrechten Halbkreis als Contour für 
das stehengebliebene flöhlengewölbe. Durch dieses hat sich das 
Trümmergestein des vor urdenklichen Zeiten erfolgten theilweisen 
Einsturzes der Höhle hinabgeb(')scht. Eine mehr als 80 Meter hohe 
Tiümmerhalde reicht von unten bis an den oberen Rand dieser 
circusartigen Terraindepression. Felstrümmer bis zur Hausgrösse 
liegen hier in romantischer Unordnung über- und aufeinander, welche 
durch den Schimmer des hereinfallenden Tageslichtes ein Bild von 
märchenhafter Höhlenwildnis darbieten. 



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71 

Andererseils führt ein lehmiger Gang, mit fast 15 Grad einwärts 
fallend, hinab zu den Stauwässern des unterirdisch nahe vorbei- 
strömenden Unzflusses. Ein tiefes Bassin bildet das Ende dieses 
abschüssigen Höhlenganges, welches je nach dem Wasserstande des 
angrenzenden Planina-Thales mit einem höheren, oder niederen 
Wasser angefüllt ist. Ein untrügliches Zeichen, dass man es hier 
mit einem Seitenarme des unterirdisch gegen Ober-Laibach strömen- 
den ünzflusses zu thun habe, bildet auch ferner das häufige Vor- 
kommen von Proteen, welche die Adelsberger und Planinaer unter- 
irdischen Wasserläufe charakterisiren, während sie in den von 
Zirknitz herabströmenden Höhlenflüssen bisher nicht beobachtet 
\vTirden. 

Noch bevor man den Abstieg zum Wasser in der Vranja jama 
unternimmt, gewahrt man linker Hand, gegen Süden hinführend, 
einen finsteren (irottenraum, welcher anfangs steil emporführt, dann 
zwischen einem lockeren Blockmateriale von Deckenabstürzen 
ziemlich rasch einwärts Pällt und mit einer kleinen Kammer endiget. 
Die hier einstens vorhandenen Tropfsteinbildungen dürften, nach 
einzelnen Resten an den Wänden und an der Decke zu schliessen. 
von ausnehmend schöner Form und Farbe gewesen sein. 

Zwischen diesen zwei auffallend geräumigen Höhlengängen 
fuhrt ein dritter, äusserst niederer Felsen.spalt in der Mitte hindurch. 
Anfangs muss man auf allen Vieren und weiter gänzlich ausge- 
streckt unter der niederen Decke, welche durch eine solide Fels- 
platte formirt wird, über einen weichen Lehmboden hinwegkriechen. 
Nach dieser minder angenehmen Passage gelangt man in eine über 
8 Meier hohe Höhlenkammer, die sich anscheinend ringsum schliesst. 
Doch abwärts fuhrt der geneigte Lehmboden zum Stauwasser des 
unterirdischen Flussbettes der Unz. Aufwärts aber in südlicher 
Richtung, zwischen mächti^'on Felscoulissen emporführend, ist es 
möglich, wenn aucli von unten nicht zu bemerken, fast 6 Meter 
in der Höhe über dem lehmbedeckten Höhlenboden, ein fenster- 
fömiiges Loch zu erreichen, durch welches man unmittelbar in die 
bereits früher erwähnte Mrzla jama — Frosthöhle — gelangen 
kann. Dieser letztere Gang ist es eben, welchen Pater ürbas seiner Zeit 
zu allererst entdeckt hatte und ich benannte denselben, dem ersten 
Entdecker zu Ehren, als >Urbasgang«. 

Wohl eigenthümlich und überraschend war für mich der 
Verlauf dieser zum drittenmale gemachten Entdeckung der ge- 
nannten Höhlenconmiunication. 



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72 

Nicht so einfach wollte es mir aber glücken, aus den Räumen 
der Vranja jama zum Thale einen Ausgang zu finden, trotzdem 
nach Schmidl's Angaben ein solcher, wie früher erwähnt, schon 
von ürbas und Rudolf gehinden war. Weder von dem einen noch 
von dem anderen Entdecker wurde jedoch die Mrzla jama namhaft 
gemacht und ebenso ist nirgends deutlich erwähnt, wo dieser myste- 
riöse Höhlengang ausmündet Dies war die Schuld an der um- 
ständlichen Arbeit, welche mich getroflen hatte, um hier zu einem 
positiven Resultat zu gelangen. Beinahe wollte ich es schon auf- 
geben, diesen Gang ausfindig zu machen, als mir ein Förster erzählte, 
dass einmal bei hohem Wasser im Thale ein Fischotter zu der 
Vranja jama hinein- und an der Mrzla jama herausgespürt wurde. 
Bis zu jenem Tage aber wurde mir von Niemand die Mrzla jama 
vorgewiesen. Als ich nun zu der darauffolgenden Untersuchung 
dahingelcitet wurde, begann die Schwierigkeit des AuRindens von 
Neuem. Nach einer zweitägigen Arbeit erreichte ich durch jene kaum 
bemerkbare fensterförmige Oeffnung die Räume der Vranja jama 
mit Hilfe einer 6 Meter hohen Leiter, welche gegenwärtig auch" 
bereits schon vielen fremden Besuchern zum Abstiege an dieser 
einzigen kritischen Stelle in der Frosthöhle gedient hatte. . 

Kaum würde es jemals gelungen sein, diesen Durchgang direct 
aus der Vraiya jama zu finden, weil von unten jene fensterförmige 
und hochgelegene Oeffnung absolut nicht zu bemerken ist Dagegen 
erreicht man gegenwärtig ohne besondere Schwierigkeit nach 
langsamer Passage durch die frostigen Räume und durch einen 
halbverschütteten Abgrund in der Mrzla jama einen Leiter-Abstieg, 
und weiter den nunmehrigen Urbasgang, um nach den grossartigen 
Weitungen der sogen. Rabenhöhle — Vranja jama — zu gelangen. 

Neben dieser hydrologisch höchst wichtigen Communication 
sind jedoch an der Mrzla jama auch andere Verhältnisse von einer 
naturhistorischen Bedeutung. 

Erstens ist daselbst in der Tiefe die äusserst frostige Tem- 
peratur des mit Wasserdampf gesättigten Höhlenwindes von wissen- 
schaftlich hohem Interesse und zweitens ist hier die eigenartige 
Formation des mächtigen Trümmerbarrens, welcher den einstigen 
Höhlenboden überlagert, ein prägnantes Object für die Senkungs- 
und Einsturztheorie am Rarste. 

Auch dürfte ferner meine Behauptung kaum bestritten und 
widerlegt werden können, dass man es in den bis zur Unkennt- 
lichkeit durch Felsstürze verbarrikadirten Räumen der Mrzla jama 



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7J 

mit dem einstigen Höhlenbette des ünzflusses zu thun habe. Die 
Kennzeichen dieser Eigenthümlichkeit des einstigen Abflusses sind 
nicht allein im Berginneren noch heute sehr deutlich zu finden, 
Sündern auch noch vielmehr am Fusse der Trümmerhalde im Thale. 
Dort bemerkt man bei einiger Aufmerksamkeit das verlassene Fluss- 
bett der ünz, welche vor Urzeiten einen Hochwasserarm durch die 
einstigen Wölbungen der Mrzla jama in die Räume der Vranja jama 
hinabströmen liess. Gegenwärtig sind die klüftigen Felsgewölbe an 
dem Ausgange zum Thale zusammengestürzt. Die Trümmer dieses 
partiellen Höhleneinsturzes lagern dammähnlich über dem Boden 
der einstens bestandenen Höhlenweitung. Mit einer Böschung gegen 
das Thal hinausliegend, mit der zweiten in das Innere des noch 
stabilen, und übriggebliebenen Höhlengewölbes hinabführend, ist 
dieser Steindamm mit seiner Krone bis zur Höhlendecke wild aul- 
gethürmt und hat eine Höhe von nahezu 20 Meter über dem an- 
grenzenden Thalboden, 

In welcher Weise die Nachbrüche und Felsstürze hier seit 
Jahrliundertfti ertolgt sein mögen, habe ich auch sehr anschaulich 
becibachlen können, al^^ in Folge eines Blitzschlages von dem an- 
stehenden Gestein oberhalb des Hölüenthores zwei riesige Felsblöcke 
abgesprengt und zum Abstürze gebracht worden sind. 

Hei einem jetzigen Besuche der genannten unterirdischen 
Räume bt man genöthiget, zuerst über die F'elstrümmer der Böschung 
vom Thale aus uwhv als 20 Meter emporzusteigen, um den Eingang 
in die Frosthöhlc zu prr'eichen. Derselbe wird von einem niederen 
und kaum über 5 Meter breiten Höhlenthor gebildet, welches zu 
einem steilen Abstiege über riesige Felstrümmer und Steinplatten 
in das Innere de;^; Berges hinabführt. Nach einer kurzen Kletter- 
parlie in die Tiefe, durch das magisch zerstreute Dämmerlicht des 
hitiableuehtenden Tages der Oberwelt einigermassen unterstützt, 
Mindet man sich btUd mehrere Meter unter dem Niveau des Thaies 
und dann weiter uatl weiter in einer absoluten Nebelfinsternis einer 
begeisternden Unterwi^lt. 

Für den Höhlentouristen unpassirbar, ja selbst für den Höhlen- 
torselier undurchdringlich ist aber der Weg, welchen das Hoch- 
wasser aus dem übeischwTmmten Thale einschlägt, sobald die 
Fluthf^n den ¥um der erwähnten Trümmerhalde bespülen. Zwischen 
den FelsbJöcken dieses von Natur aus errichteten Steindammes, 
durch Hunderte von Fugen und Felsspalten strömt nun hier das 
Wasser bergelnwärts. Sehenswürdig ist speciell hier die zuletzt 

HU^b. d. t k. Ueo^r Qfn^. 1888, 2 u. 3. 6 

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74 

genannte Erscheinung, welche sich wohl in den meisten Kesselthälern 
des Karstes mehr oder minder deutlich wiederholt. 

In den weiter unter dem Gebirge gelegenen Wasserhöhlen 
kann man nur bei einer solchen Gelegenheit der Thalüberschwem- 
mung die Stauwässer dieses eigenthümlichen Abflusses der Hoch- 
fluthen beobachten. Doch die Expeditionen in diese ewig um- 
nachteten Räume der Unterwelt des Karstes sind in den seltensten 
Fällen leicht ausführbar. Zumeist sind vor Allem äusserst be- 
schwerliche und nicht ungefährliche Einfahrten in die bezüglichen 
Naturschachte vorzunehmen, bis man die Tiefe des wild rauschenden 
Höhlenflusses erreicht. Oder man muss als Pionnier der Wissenschaft 
gleich am Einstiege den schwankenden Kahn betreten, um auf 
demselben den Höhlenfluss auf seinem geheimnisvollen unter- 
irdischen Laufe soweit zu verfolgen, bis ein unüberwindliches 
Hindernis dieser wissenschaftlichen Argonautenfahrt plötzlich ein 
Ende setzt. 



Die Kronprinz Rudolf-Grotte im Küstenlande. 

Auch die tiefverborgene und geheimnisvolle Unterwelt des 
Karstes im Süden unserer Monarchie hat Weiland Se. kaiserliche 
Hoheit Kronprinz Rudolf auf seinen aus Liebe und Begeisterung zur 
ewig schönen und göttlich erhabenen Natur unseres grossen Vater- 
landes unternommenen Reisen betreten. 

Der erlauchte Name unseres ehrerbietigst betrauerten Kaiser- 
sohnes wird nicht allein im wildreichen Hochlande der öster- 
reichischen Alpenwälder, nicht allein in den Urwäldern von Galizien, 
Ungarn und Siebenbürgen in aller Zukunft der österr.-ungarischen 
Monarchie mit unvergesslichen (iefühlen genannt; Derselbe bleibt 
nicht nur unvergänglich in den schattigen Forsten von Böhmen, 
Mähren und Schlesien, unvergänglich in den Ebenen der Elbe und 
Moldau, verewigt in den rauschenden Donau-Auen und in der 
erhebenden Walhalla von Buchenforsten des Wiener- Waldes, wo 
einst Kronprinz Rudolf mit grosser Vorliebe Set. Huberte huldigte; 
Sein erlauchter Name wird ebenso in den Karstwildnissen von 
Krain, Istrien und dem Küstenlande, wie von Kroatien und Dalmatien, 
sowie auf den meerumbrausten dalmatinischen und istrischen Inseln 
unserer Adria mit allerhöchster Verehrung jetzt und immerdar ge- 
nannt werden; ja überall in Oesterreich-Ungarns weitgedehnten 



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75 

Gauen und noch weit und breit über diese hinaus wird unser 
allseitig betrauerter Kronprinz Rudolf als Naturfreund verewigt 
bleiben. 

Aber auch die wundervolle Unterwelt des Karstes birgt für 
immer seine hoch fürstliche Gunst und bewahrt die kaiserliche Huld 
seines mit der Leuchte der Wissenschaft ausgerüsteten Besuches in 
diesen naturseltenen und ewig umnachteten unterirdischen Räumen. 
Ihm verdankt die wLssenschaftliche Höhlenforschung unserer Zeit 
die weitgehendste Förderung. Er lenkte durch den wiederholten 
Abstieg in die Grotten und Wasserhöhlen des Karstes die Auhnerk- 
samkeit der Naturforscher auf die überwältigenden Reize und Ge- 
heimnisse der Unterwelt unserer Monarchie. Bald darauf überboten 
sich einzelne Vereine und Gesellschaften von Gelehrten in den 
schwierigsten und gefährlichsten Expeditionen zur Erforschung der 
unterirdischen Wasserläufe und der tief verborgenen Höhlenflüsse 
des Karstes. 

Einerseits wurden hierbei neue, bisher noch unbekannte Grotten- 
räume besser zugänglich gemacht und dadurch dem öffentlichen 
Bruche erschlossen. Andererseits wurde dadurch an den unter- 
irdischen Wasserläufen und Höhlenflüssen eine Specialforschung 
inaugurirt, welche für die wirthschaftliche Zukunft am ganzen ^ 
Rarste eine höchst wichtige Rolle spielen wird. Die Tragweite dieser 
ebenso eigenartigen, als seltenen culturtechnischen Vorarbeiten lässt 
sich g^enwärtig — weil erst im Anfange einer gebrochenen Bahn 
~ kaum hoch genug anschätzen. Thatsache ist jedoch, dass die 
bisherigen Erfolge dieser culturtechnischen Erhebungen, welche in 
erster Linie im Auftrage des k. k. Ackerbau-Ministeriums seit 
längerer 2^it schon vorgenommen werden, als bedeutsam und sehr 
günstig bezeichnet werden müssen. 

Hätten diese Forschungen nicht auch die sicheren Vortheile 
einer ökonomischen Bedeutung im Hintergrunde, so verdienten sie 
schon vom Standpunkte der Geologie und Hydrographie die gleiche 
Würdigung. Denn es handelt sich daselbst um die Constatirung des 
hydrologischen Zusammenhanges der kurzlebigen Karstgewässer. 
Doch in diesem Falle gehen auch vollkommen naturgemäss die 
forschende Wissenschaft und die ökonomische Praxis mit einander 
Hand in Hand. Und zwar sollen auf Grund der genannten For- 
schungsarbeiten nicht nur zum Zwecke der Bereicherung unserer 
Erfahrungswissenschaflen, die geheimnisvollen Verhältnisse der unter- 
irdischen Hydrographie des Karstes klargelegt werden. Vielmehr soll 

6* 

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76 

hiedurch zu gleicher Zeit auf der einen Seite den Nachtheilen der 
oberirdischen Stauwässer durch deren unschädliche Ableitung in 
die unterirdischen Räume der vorgefundenen Höhlen gesteuert und 
auf der anderen Seite dagegen sollen die niemals versiegenden 
Höhlenquellen des Untergrundes zur Karstoberfläche emporgehoben 
werden. 

Einen annähernden Begriff von dieser Thätigkeit in der Unter- 
weit des Karstes kann sich nur derjenige machen, dem es bereits 
vergönnt war, die pittoresken Formationen der weltberühmten Grotte 
von Adelsberg zu sehen. Dort findet man in schaurig schöner 
Scenerie den Poikfluss durch ein Reich der ewigen Höhlennacht 
dahinrauschen. Weit und tief unter dem Gebirge wühlen sich seine 
Fluthen in einem felsenfesten Bett hindurch, bis sie durch die 
gigantischen Naturgewölbe der Kleinhäuselhöhle von Planina, mit 
einem Höhlenarme der verborgenen Abflüsse vom Zirknitzer-See 
vereint, wieder an den Tag hervortreten. 

Jene höher gelegene Galerie von natürlichen Felsengewölben, 
in welchen gegenwärtig die Besucher der Adelsberger-Grotte mitten 
in den phantasiereichsten Sculpluren und bizarren Gebilden der Plastik 
des rastlosen Troplenspieles der Meteorwässer lustwandeln können, 
ist dennoch nichts anderes als das verlassene Felsenbett des Poikflusses. 
Derselbe hatte sich schon seit Jahrhunderten nach den ewig walten- 
den (xesetzen der Gravitation bereits einen lieferliegenden Höhlengang 
durchbrochen. Nur eine kurze Wegstrecke im grossen Dome ge- 
wahrt man noch von der Höhe der oberen (ialerie die eilenden Fluthen 
in der Tiefe des unteren Höhlenganges dahinstürzen. Dort herrscht 
ein unvergleichliches Brausen und wildes Rauschen der schäumenden 
Wogen des unterirdischen Flusses, der sich im Oberlaufe durch 
eine enge Höhlenklamm in die enormen Weitungen des grossen 
Domes hereinzwängt und sich von da weiter durch ein geräumiges 
Höhlenthor in die ungangbaren Hallen und Klüfte des sogenannten 
Tartarus dröhnend hinabstürzt. Dagegen herrscht in den übrigen 
Partien der Adelsberger-Grotte eine (eierliche Stille, die nur von 
dem taktmässigen Spiele der Wassertropfen einzelner Stalaktiten 
unterbrochen wird. 

Und gerade dieses eigenartige weihevolle Verhältnis der be- 
geisternden Ruhe charakterisirt auch die ma^jestätischen Dom- 
wölbungen der Kronprinz Rudolf-Grotte im Küstenlande. 
Dieselbe beherrscht, wie nun auf Grund \ on Vermessungen sicher- 
gestellt wurde, in ihren gangbar gemachten Weitungen überall ein 



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77 

Niveau, welches wohl ziemlich hoch über dem vermuthüch in der Nähe 
hindurchziehenden Rekafliisse von St. Canzian gelegen ist. Dennoch 
gehört die Kronprinz Rudolf-Grotte mit allen ihren unter- 
irdischen Räumen jenem mäandrisch in einander greifenden Höhlen- 
system an, welches die Reka von St. Canzian und ihre verborgenen, 
meist noch unbekannten Zuflüsse seit Jahrtausenden gebildet haben. 
Dieses unbeschreibliche Labyrinth von Höhlengängen, Grotten und 
Felsennischen ist in seiner Weise ein seltenes und sehenswürdiges 
Seitenstück zu den weltberühmten Naturmerkwürdigkeiten der 
Adelsberger-Grotte in Krain. 

Bekanntlich hält man gegenwärtig wohl allgemein die Reka 
von St Canzian am ktistenländischen Rarste für den Oberlauf des 
von den alten Römern geheiligten Timavus bei Duino, welcher als 
mächtiger Höhlenstrom aus dem Gebirge hervorbricht und sich 
nach sehr kurzem Laufe in das adriatische Meer ergiesst. Derselbe 
ist, wie ferner bekannt sein dürfte, wohl der einzige Strom der 
Welt, welcher von seiner Mündung bis zu seinem Ursprung mit 
grösseren MeeresschifTen befahren werden kann. Aber die Zahl der 
wasserreichen, seinen gewaltigen Höhlenquellen tributpflichtigen 
Zuflüsse aus der Unterwelt des Karstes ist gegenwärtig noch fast 
unbekannt. Die begründete Vermuthung jedoch, dass die Höhlen- 
gewässer aus dem Bereiche des wunderbaren, unterirdischen Gebietes 
von St. Canzian und der Kronprinz Rudolf-( trotte hinüberströmen, 
gewinnt durch die abenteuerlichen Arbeiten der Abtheilung für 
Grottonforschung der Section * Küstenland« des Deutschen und 
Oesterreiehischen Alpenvereins von .lahr zu Jalir mehr an Wahr- 
scheinlichkeit. 

Die sehenswerthe Kronprinz Rudolf-Grotte bei Divacca im 
Küstenlande — fast in der unmittelbaren Nähe der bekannten 
Eisenbahnstation Divacca*) — liegt von dort ungefähr 2 Kilometer 
in südlicher Richtung an der Strasse gegen Corgnale, welche mit 
der Staatsbahnlinie Divacca-Pola in dieser Strecke parallel läuft. 

Auf der fast ebenen Strasse erreicht man nach 20 bis 
25 Minuten Gehens den interessanten Eingang in diese Grotte. 

Ein Felsentrichter, welcher bei der Entdeckung dieser seltsamen 
unterirdischen Räume (am 11. Mai 1884) noch unwegsam gewesen 
ist, führt gegenwärtig an den Wänden einen in Spiralform künstlich 

♦) Am Bahnhofe in Divacca — sloven. Divat-a — erhält man genaue 
Auskunft und Grottenführer. 



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'■'->-"'-/A.-: 



78 



gebahnten Weg zu seinem Boden hinab. In der Tiefe, noch bevor 
man das eigentliche Grottenthor erreicht, klafft in der versinterten 
Wand des Trichters ein riesiges Höhlenfenster entgegen, durch 
welches man den ersten Blick in die finsteren Gewölbe der Grotte 
hinabwerfen kann. Ein kühler Luftstrom wälzt sich hier unablässig 
hervor und kündiget die niedrige Temperatur an, in welcher die 
Gebilde der Unterwelt seit urdenklichen Zeiten starren. Nach wenigen 
Schritten weiter zur Tiefe öffnet sich das Portal zur unterirdischen 
Wanderung. 

üeber Felsenstufen und massig steile Wegrampen steigt man 
langsam hinab in das im Zwielicht dämmernde Reich einer ewigen 
Nacht. Ein Blick nach rückwärts, in der Richtung de^ Einganges 
lässt nochmals durch jenes Höhlenfenster ein bescheidenes Stückchen 
Firmament gewahren, welches seinen milden Schein über die 
bizarren Formationen der Stalagmite des Höhlenbodens magisch 
verbreitet. Der Weg führt weiter hinab und immer fort hinab ent- 
lang eines prächtig gebahnten Steindammes, an dessen beiden 
Seiten die undurchdringliche Finsternis der weiten Bäume das 
lodernde Grubenlicht des Führers nur auf die nahe Umgebung des 
feuchten Pfades zu concentriren scheint. Bald darauf führt der 
massig breite Weg etwas hinan und wieder hinab zwischen einem 
förmHchen Wald von Tropfsteinsäulen und man befindet sich da- 
selbst bereits in der absolut finsteren Kunstwerkstätte der wunder- 
baren Meisterin Natur. Ohne Lärm und doch ohne Rast und ohne 
Ruhe arbeiten hier zahllose Wassertropfen unaufhörlich daran, die 
düsteren Räume dieses märchenhaft drapirten Ateliers immer in 
ihrer Sehenswürdigkeit zu erhalten. 

Die Kronprinz Rudolf-Grotte verdient auch in dieser Beziehung, 
was den Reichthum an grotesken Tropfsteingebilden betrifft, unter 
die ersten Sehenswürdigkeiten des Karstes eingereiht zu werden. 
Denn es sind hier unglaubliche Schätze der rastlosen Thätigkeit 
der Sinterbildung und Krystallisation aufgestapelt. Ueberall, wohin 
sich der weitere Weg in der Grotte auch wendet, gewahrt man 
hier alle erdenklichen Erscheinungen des Jahrhunderte und abermals 
Jahrhunderte alten Naturprocesses der Zerstörung und Reproduction 
der Meteorwässer, welche in den gigantischen Zellen und Adern 
unserer Erdrinde unaufhaltsam circuliren. Da gibt es eine Unzahl 
wunderschöner Stalaktiten, denen am Boden ebensoviel interessante 
Stalagmiten entsprechen. Auch sind einzelne dieser correspondirenden 
Calcitgebilde bereits mit einander zu massiven Säulen von riesen- 



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7B 

halten Dimensionen ven\^achsen. Tausend andere zarte Fonnationen, 
wie transparente Vorhänge, faltenreiche Tropfsb^n-Drapenen, 
korallenartiges Geilste, funkelnde Krystalldrusen von reinem Calci t 
und andere mehr fordern bei ihrer ernsten Natürlichkeit durch die 
Anregung einer lebhaften Phantasie die grösste Bewunderung 
eines jeden Besuchers heraus. Man könnte hier Stunden lanjj herum- 
wandeln und würde immer Neues sehen. Die unzähligen Tn>i>r!^teLn- 
gebilde zeichnen sich daselbst allgemein durch die Jun^frauüehkeil 
ihrer farbenreichen Reize und insbesondere durch ihre Reinheit 
und durch ihren herrlichen Krystallglanz aus. 

Man wandelt mit Entzückung unter diesen feenhalt schim- 
mernden Gebilden bei dem matten Scheine von einii^en Grul)eii- 
lichlern umher, und nur an einzelnen Stellen dies(4' mehr wie 
600 Meter langen Galerie, dort wo die Natur besondere Schätze 
ihrer bildenden Kunst aufgestapelt hat, verleiht der zauherhalte 
Lichteffect einer Magnesiumlampe im Vereine mit einigen Hengal- 
feuern jedem Besucher die Visionen einer bezaubernden Märchenwelt 

Bei allen hier geradezu verschwenderisch aufgehäuften Sehens- 
würdigkeiten von Tropfsteingebilden, repräsentirt jedoch \m genügend 
wirksamen BeleuchtungsefTecten die sogen. »Schatzkammer* die 
»Piece de resistance* in der Kronprinz Rudolf-Grotte. 

Die Gemeinde Divacca (Divaea) ist die Eigenthüinerin dieser 
Grotte und dieselbe hat im Vereine mit dem österreichischen 
Touristen-Club die grossartigen unterirdischen Räume zum grösseren 
Besuche zugänglich gemacht. Dieses Unternehmen war vom hohen 
Glück begünstigt, indem weiland Kronprinz Rudolf gelegentlich 
seines ersten Besuches zu gestatten geruhte, dass die trotte unter 
den Schutz seines erlauchten Namens gestellt werde. Seine kaiser- 
liche Hoheit besuchte nämlich in Begleitung des Prinzen Philipp 
von Coburg, unter der Führung des Präsidenten Herrn A. Sill^erhuber 
des österr. Touristen-Club, am 81. Jänner 1887 als der Erste die 
pittoresken Räume der nach ihm benannten Grott(!, w^elche seit 
jener Zeit dem Besuche des grossen Publikums geöfTiiel ist. 

Wilhelm Putkf^\ 
k. k. Forstinspi^ctioiiH-Adjunctp 



IbüiSi^iM. 



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80 



Das Popovo polje in der Hereegovina. 

Ein Beitrag zur Kenntniss des Karst-Terrains, von Max Groller v. Hildensee, 

k. k. Major. 

Seit einer Reihe von Jahren hat .sieh die allgemeine Aufmerk- 
samkeit in erhöhtem (irade jener eigen thümlichen Terrainformation 
zugewendet, welche einen grossen Theil des Areals unserer südlichen 
Pr(jvinzen bildet, vereinzelt aber auch in den übrigen anzutreffen 
ist: nämlich dem Karstterrain. Nicht allein die geographische 
Wi.^senschaft hat die gründliche Erforschung jener Bodenformation 
in ihr Programm aufgenommen, auch die Staatsverwaltung ist durch 
ihre Versuche, jenem passiven Boden wieder einige Ertragsfähigkeit 
zu verleihen und zugleich dem Weitergreifen der Verkarstung Ein- 
halt zu thun, dem Karstboden näher getreten und hat durch diese 
Vorsuche auch privaten Kreisen in jenen Ländern die Anregimg 
zur Nachahmung ertheilt. Endhch hat sich auch das in steter Aus- 
breitung begriflfene Touristenwesen, angeregt durch die zunehmende 
Kenntnis jener interessanten Gebiete und unterstützt durch das 
Er^scheinen der neuen Specialkarte, die Karstländer zum Ziele 
lohnender AusflCige erkoren. 

Wenn es nun einerseits für Denjenigen, der das Karstland 
mit vorurtheils freiem Blicke zu betrachten und kennen zu lernen in 
der Lage war, zweifellos feststeht, dass sich daselbst auf den ver- 
schiedensten (iebieten der Forschung reiche Fundstätten darbieten, 
so tTgibt es sich andererseits aus der relativen Neuheit der eingangs 
erwähnten Antheilnahme von selbst, dass die Kenntnis des Karst- 
terrains noch beiweitem nicht jene Allgemeinheit und Gründlichkeit 
erlangt hat. mit der die übrigen Hauptterraintypen dem allgemeinen 
Verständnis erschlossen worden sind und dass über jene Boden- 
^aitimgen irrige Ansichten noch ziemlich gang und gäbe sind. 

Unter diesen Verhältnissen dürfte es vielleicht willkommen 
geheissen werden, wenn ich, gestützt auf die Erfahrungen, die ich 
WHhrend eines achtjährigen Aufenthaltes in den Karstländern der 
Monarchie und des Occupationsgebietes gesammelt, dem Leserkreise 
di«^.^er Blätter die eingehende Schilderung einer der interessanteren 
Karstpartien, nämlich jene des Unterlaufes der Trebinjeica in der 
Hercegovina vorlege. 



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81 

Indem zur näheren Erläuterung des Folgenden auf die Spe- 
cial-Karte verwiesen wird, soll noch vorausgeschickt werden, 
dass für die Zahlenangaben der durch den Fluss bewirkten Erd- 
bewegung kein hoher Grad von (lenauigkeit in Anspruch genommen 
werden kann, weil zu ihrer Erhebung an Ort und Stelle nur primi- 
tive Mittel zur Verfügung gestanden haben. Uebrigens bleibt das, 
was wir da in Scene gehen sehen, auch dann noch grossartig 
genug, wenn die angeführten Zahlen etwas zu hoch gegriffen sein 
sollten. 

Bis Trebinje fliesst die Trebinjcica (Trebisnica) in einem 
ziemlich engen Thale, von Trebinje an gewinnt letzteres immer mehr 
Sohle und ist an der Strasse nach Ragusa, nachdem diese auf das 
linke Flussufer übersetzte, schon eine Stunde breit. Diese Thalebene 
begleitet nun den Fluss, bald einer-, bald beiderseits, nur in wech- 
selnder Breite bis zu seinem Schlünde und setzt sich noch etwas 
darüber hinaus fort Abgeschlossen wird die Thalebene durch einen 
20 bis 25 m hohen Querwall ; jenseits desselben liegt, nur um einige 
Meter tiefer, das Hutovo polje, dessen Begleithänge die Fortsetzung 
jener des TrebinjiMcathales bilden. Wenn man die 17 Gehstunden 
lange und ^ 4—** 4 Stunden breite Thalebene in der Richtung des 
Flusslaufes durchwandert, so zeigt sie anfangs ein nur massig ver- 
karstetes Ansehen; der Feldbau ist noch ziemlich ausgebreitet, 
zwischen den Ackerparcellen wächst hohes Buschwerk. Weiterhin 
tritt der Karstcharakter immer mehr in den Vordergrund: von 
Djediei an wird er vorherrschend, um alsbald jeden anderen völlig 
zu verdrängen, bis er wieder bei Paljice plötzlich und völlig 
verschwindet. Das eben begrenzte Stück der Thalsohle trägt eine 
höchst eigenthümliche und charakteristische Physiognomie: es ist 
durchwegs mit mächtigen losen Felsplatten bedeckt, welche ganz 
analog gelagert sind, wie die Steinschichten, deren bei der Be- 
schreibung der Thalhänge Erwähnung gethan werden wird. Die 
Zwischenräume jener Felsplatten sind mit Schutt und Trümmern 
ausgefüllt, zwischen welchen noch ein spärlicher Rest von Erde 
vorhanden ist, der ein armseliges Busch- und Strauchwerk kümmer- 
lich ernährt. In der (iegend von Poljice taucht nun dieses Felsen- 
meer mit einem Sprunge unter eine ziemlich mächtige Humusschichte 
unter und der ganze übrige Theil der Thalebene — das Popovo 
polje (> Pfaffenfeld«) — ist stein- und buschfreies Ackerland. 

Die Trebinjoica durchläuft die Thalsohle in einem nur wenige- 
male in Arme getheilten, son.st geschlossenen, tief eingeschnittenen 



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II ipvijpi 



82 

Bdle^r das am Fusse des Berges Kiek in einem mächtigen, nicht 
besonders benannten Schlünde endet. 

Aus der Thalsohle erheben sich zu beiden Seiten steil geneigte 
HOO— 700 Meter hohe gänzlich verkarstete nackte Felsenhänge^ 
welche in höchst auffallender und markirter Weise die Lamellen- 
structur aufweisen. Streichen und Fallen dieser Platten ist durchaus 
gleichförmig und mag ersteres im Allgemeinen mit dem mittleren 
Flus^laufo parallel Südost— Nordwest gehen, während das Fallen 
nach einer beiläufigen Schätzung 50® Nordost beträgt. Dadurch 
erhalten jene Hänge, deren Streichungslinie mit der Streichungslinie 
der Sleint^chichten parallel läuft das Aussehen einer mächtigen, 
stei! ansteigenden Treppe, deren Stufen jedoch geneigt liegen. Jede 
solche Stufe ist von der nächsten durch eine Trennungskluft ge- 
sondert, welche kleines Geröll und feineren Detritus enthält. Diese 
Klüfte bilden den einzigen Abzugsweg für das Niederschlagswasser, 
welc-lies ilurch die höher liegenden Kanten der Stufe verhindert 
wird, über den allgemeinen Hang abzufliessen und offenbar musste 
aul dt^in selben Wege auch die Erdschichte, welche einst diese Hänge, 
bedeckt liat, hinweggeschwemmt worden sein. 

Die Obertheile der Bergrücken bilden ein Chaos von Wällen, 
Kesseln, Furchen und Kuppen, stellen jedoch, im Ganzen angesehen, 
wenit; o*1er gar nicht geneigte Flateaux vor, weshalb die Klüfte und 
Spalten viel weiter von einander entfernt sind, als an den Hängen 
M'oraus isich naturgemäss ergibt, dass die Verschleppung des Erd- 
reiclies noch nicht so w^eit vorgeschritten ist, als auf den Hängen, 
also nocli immer aus dem Boden einiger Nutzen gezogen werden kann. 

(legenüber dem trostlosen Bilde, welches diese Flateaux und 
noch UK'hr die Hänge darbieten, ist der Anblick des Popovo polje 
in den Sommermonaten ein überraschender und herzerfreuender 
da die ganze Ebene mit prächtig gedeihendem Maisanbau, mehreren 
üppigen Wiesen und am Rande mit einzelnen Weingärten bedeckt 
ist. ÄlU^in dieser Zustand dauert nur 4 Monate an. 

Mit dem Eintritte der Regenperiode — normal in der ersten 
Hallte des Monates September schwillt die Trebinjoica so stark an 
dass ihr Schlund den Zufluss an Wasser nicht mehr genug rasch 
abzulühren vermag; der Fluss tritt aus seinen Ufern und die Ueber- 
schwemmung nimmt bis Ende October zu und bedeckt dann mit 
äusserst geringen Jahresunterschieden die ganze Thalebene bis gegen 
Poljice, also bis an den Rand der früher geschilderten Felsenab- 
lagenmg. Dieser Stand dauert mit geringen Schwankungen bis Ende 



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8^ 

April Um diese Zeit beginni der Rückzug der ÜebersehwemTnung^ 
welche in 7 bi:^ 8 Wochen zur Trockenlegung des Fopo%'o polje 
führt. Jn einzelnen Senkungen bleiben Lachen sdurück, welche die 
Gegend im Hochsommer verpesten. Die Thalebene trocknet ratsch 
ab und be^ginnt dann der (Sommer-) Anbau. 

Den Abtluss des Wassers vermitteln im Popovo polje zwei 
Partien von Sauglftohern; die er^^te liej^t in der Nähe der Ortschaft 
Ravno, nahe an der linken Tiialbegleitung, die zweite ist der 
Hauptschhmd am Fiisse des Berges Kiek nebst einigen in dessen 
unmittelbarer Nähe liegenden Sparen. 

Erstere Partie kommt für die Wasserabhihr wenig in Betracht, 
da sie ziemlich nahe an der oberen Inundationsgrenze und etwas 
ober der Thalsohle liegt, also l>ald nach Beginn dps Zuriicktretens 
der Ueberschwemmung ausser Thätigkeit gelangt, so dass die weit- 
aus überwiegende Menge der Stauwässer vom Hauptschlunde bewjil- 
tiget werden mnss. Nriehst dieses hat sicli das Flusshptt, welches 
bisher iiöclistens 10 Meter Tiefe besa-ss, bis zu 30 Meter eingegraben; 
es endet im Kalkfelsen, in welchem der eigentliche Trichter tiegL 
Dieser bildet eine anfangs weite Höhle mit abiallender Sohle, in 
deren nördlicher Ecke der Ahflusscanal beginnt Seine Dimensionen 
betragen anfangs Tow m der Höhe und lV2m in der Breite und 
sein weiterer Verlauf wendet sich sofort in ziemlich söhliger Lage 
gegen West. Bis auf circa 120 Meter kann man den Canal zuerst 
in gehockter Stellung, dann kriechend und endlieh »schliefend* ver* 
tolgen; weiterhin wird er sehr breit, aber so niedrig» dass ein 
weiteres Vordringen die Vornahme von Sprengungen erfordern 
würde. Nach vorwärts geschleuderte Steine lassen noch auf eine 
gewisse Sti^cke hin ebenen Verlauf erkemien. 

lieber den Ort, an welchem die Gewässer der Trebinjnea zu 
Tage treten, sind zwei Meinungen im Schwünge: die Anwohner 
hallen das Gabela polje Un Metkovit- für diesen Ort während man 
in Daimalien häufig hört, dass das Süsswasser der Omhla jenes der 
Trehinjeica sei. Erstere Meinung hat die weit höhere Wahrschein- 
Uchkpit tür sich. 

Für diese Wa^irsclieinlicbkeit spricht vor allem das Vorhanden- 
sein des Lago de Kuti, eines permanenten See'Sj welcher keinen 
sichtbaren Zufluss hat, dagegen einen bedeutenden Bach entsendet, 
weiters der ausserordentliche Beichtlmm au Quellen, welcher am 
Rande des Gabela polje am Fuss der Berge zu Tage tritt Denkt 



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1 1 



64 

man sich die Kalksteinschichten der Höhenzüge, welche die untere 
Trebinjoica begleiten in analoger Lagerung fortgesetzt, bis sie die 
Höhenlage der Narentaebene erreichen, so drängt sich von selbst 
<iie Ueherzeugung auf, dass sowohl der Lago de Kuti, als auch die 
erwähnten Quellen das Wasser der Trebinjfica ableiten. Der Voll- 
ständigkeit halber soll hier erwähnt werden, dass von den Bewohnern 
des Popovo polje behauptet wird, ein Bauer von Turkovic sei vor 
einigen Jahren in den Schlund der Trebinjßica eingedrungen, nach 
Uingerer Wanderung zu einem unterirdischen jezero gelangt und 
nach niobreren Stunden im Gabela polje an die Oberfläche gelangt: 
€ine Er/jihlung die jedoch sehr wenig Glauben verdient. 

Gegen den Abfluss der Trebinjcica in die Ombla spricht die 
erwähnte Lagerung der Kalksteinschichten, deren Fallen durchwegs 
landeinwärts gerichtet ist, sowie der Umstand, dass die Omblaquelle 
nur sehr geringen Schwankungen unterworfen ist, während diese 
doch anfallend gross sein müssen, sobald der Fluss des Popovo 
polje versiegt ist, beziehungsweise seinen grössten Wasserreichthum 
erlangt hat. — 

Wie es fast selbstverständlich ist, fehlen den Gebirgen, welche 
das Popnvo polje einfassen, die Karsthöhlen nicht. Von den zahl- 
reichen kleineren Höhlen soll nur die Nema Krst jama bei Rovno 
erwähnt werden, in welcher während des ganzen Jahres Eis zu 
fmden ist. 

Eine sehr ausgedehnte und wegen ihrer eigenthümlichen Tropf- 
stein- und Sinterbildungen sehr interessante Höhle ist die Vjetmica 
ziinsichst des uralten Klosters Zavala, sie verdankt ihren Namen 
dem heftigen Luftstrom, welcher zu gewissen Tageszeiten aus dem 
Mundloche hervorstürzt. Der Prior des Kloster gab die Längen- 
ausilf^hnung der Höhle, welche sich zu beiden Seiten d(*s Mundloches 
hinstreckt, mit 7 Stunden an; ich habe dieselbe circa 3 Stunden 
woit nach der linken Seite zu verfolgt, ohne einen voraussichtlich 
nahen Abschluss annehmen zu können. 

Bedeutende Verzweigungen wurden nicht bemerkt, sondern 
seheint die Vjetrnica einen einzigen Hauptgang zu bilden, den man 
durchgehends aufrecht begehen kann und dessen Breite und Höhe 
zwischen 3 bis 50 Metern schwankt. 

Äunallende Stalaktitengebilde kommen nicht vor, dagegen lässt 
sich der Bildungsgang der normalen Zapfen sehr schön verfolgen. 
Die meisten tragen an ihrem untersten — jüngsten — Theile ein 



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SrV 

mehrere Millimeter lange? papierdünnes Röhrchen von der Durch- 
sichtigkeit reinen Glasers, wslhrend die älteren Theile weiss mit 
einem Anfluge von rosaroth nind. Nebst zahlreichen grauen und 
braunen pisolithähnlichen Sinterkrusten, welche in ihrer äusserem 
Erscheinung hie und da an Felagosit erinnern, sind es aber iji^- 
Eond^rs zwei Formen von Tropfsleinen, welche .dieser Höhle ganz 
eigenthümlich sind und besondere Aufmerksamkeit verdienen. 

Eine derselben b^teht ans zahlreichen Scheidewänden, welche 
eine ausgedehnte Lache kryslallklaren Wassers in eine grosse Zalit 
unter sich abgeschlossener Bas^^ins theilt. Diese Scheidewände 
stellen 15 — 20 crn hohe und etwas weniger dicke Wülste vor 
welclie nach einer Seite convex luid glatt, nach der anderen concav 
und mit einem ausi^erordonthch zierlichen Netze vielfach gekrümm tor 
und sich kreuzender Rippen — ithnlich der Oberfläche mancher 
Melonengattungen bedeckt sind Ihre Farbe ist gelblichweiss. 

Die andere Form bildet zierliche, längliche, zackige Kalk- 
slückchen. welche in grosser Anzalil in den kleinen Trichtern liegen, 
die durch Deckentropfen in den lehmigen Boden gehöhlt wurden. 
Durch dm gegenseitige Abreib(^n, welches eine Folge der fort- 
währenden leichten Wai^^^erbewegung ist, sind diese Spielformen 
glatt und glänzend blank. 

Ein Besuch der Vjelrnicahöhle, welcher durchaus mühelos und 
S4*hr lohnend ist, soll an dieser Stelle jedermann, der jene Gegenden 
betritt, wärmstens empfohlen werden. 

In petrographischer Beziehung ist zu erwähnen, dass das 
feinkörnige, hellgraue Kalkgeslein dieser Gebirge zahlreiche weisse 
AdtTn krystallinischen Kalkspathes, sowie vereinzelte Knollen gelblicii- 
grauen Feuersteins einschliesst. Sowohl im derben Kalk, wie im 
Feuerstein kommen ziemlich hilufig Nummuliten verschiedent^r 
Species vor, deren Bestimmung jtxloch meistens schwer fällt, da die 
ein;!elnen Individuen schlecht erhalten sind. Immerhin gestatti^n 
einzelne besser conservirte Stücke den Schluss auf einen innigi'u 
Zusammenhang der hcrzegoviner Nummulitenzone mit der südalpinen 
und istrisch-daimatischen Zona An vielen Stelleu ist endlich der 
Kalkfeb ol^erttachlich mit kryslallinischem Kalksinter überzogc^n, 
welcher durch beigem ischle terra rossa mehr oder weniger rost- 
braun gefärbt ist. — 

Es soll nun noch ein Blick auf jene mechanische Thätigkeit 
geworfen werden, welche das Stauwasser der Trebinjcica in dorn 
Stadium seincii Ablaul'enj^ nach dem Berginneren ausübt, und woraus 



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r»?fr- 



sicU die ausserordentliche Devastation erkennen lässt, die alljährlich 
diesas eine Gewässer an den noch übrigen spärlichen Resten er- 
tragstiihigen Bodens herbeiführt. 

Eine mit thunlichster Genauigkeit angestellte Berechnung hat 
•ergeben, dass die grösste, im Jahre 1883 auf dem Popovo polje 
aiifeestaute Wassermenge 356,445.950 Raummeter betragen habe, 
welche Zahl immerhin mit rund 350 Millionen in Rechnung gestellt 
wird, um dem .(nicht beobachteten) Momente der Verdunstung die 
ihm zukommende Beachtung zu wahren. 

Diese gesammte Wassermasse wurde binnen 55 Tagen abge- 
führt, woraus sich als Abflussmengen durchschnittlich ergeben: 
in 55 Tagen rund 350,000.000 m» 

in einem Tage » 6,360.000 » 

in einer Stunde > 260.000 » 

in einer Minute > 4.300 > 

in einer Secunde » 72 » 

Da dor Schlund an seinem Beginne eine Querschnittsfläche 
Yuu A-X }n^ besitzt, so betrug die Geschwindigkeit des ihn durch- 
strömenden Wassers im Durchschnitte 15 Meter per Secunde, 
was für den Kilometer 1 Minute und 7 Secunden gibt, also bei- 
läufig die grösste (Jesch windigkeit, mit welcher Eisenbahnzüge zu 
verkeil ren' pflegen. 

Obwohl nun über den Weg, den diese Fluten einschlagen, so 
gut wie nichts bekannt ist, man also nicht weiss, wie sich der 
Ablauf im Rerginneren bezüghch der Dimensionen, Theilungen, 
iiefälle und der wahrscheinlich vorhandenen Gegenfälle (Bergauf- 
flie^ssen des Wassers) des Rohres gestaltet, so kann doch kein 
Zweiiel beistehen, dass hier eine sehr bedeutende mechanische Arbeil 
geleistet wird, welche sich in der stetigen Zerstörung der Rohr- 
wände und in der stetigen Annäherung der Rohraxe an die Linie 
des Durch^schnittsgefälles äussert. Beide Umstände wirken nun ver- 
eint dahin, dass sowohl der Abfluss des A\/assers als auch das 
Wegführen fester Bestandtheile fortgesetzt erleichtert wird; das 
belsst : die alljährlichen üeberschwemmungen des Popovo polje sind 
sowohl nach der räumlichen Ausdehnung als auch nach ihrer Dauer 
im AbnehTnen begriffen, aber in gleichem Masse wächst das Ge- 
Mle der Trebinjcica, soweit sie bei Tage fliesst, daher wird auch 
die Zerstörung ihrer Ufer, das ist: der Verlust an fruchtbarem 
Boden immer grösser. 



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Wfpwpv^^^r- 



87 

Die Natur führt also hier in ihrer blinden, ziellosen Thätigkeit 
eine erwünschte Folge nebst einer nicht erwünschten herbei, 
nämlich das Schwinden der üeberschwemmung und das Zunehmen 
des Verlustes an Erdkrume. 

Ein Massstab zur Beurtheilung der Menge von festen Bestand- 
theilen, welche die Trebinjcica alljährlich in das Erdinnere tort- 
sehleppt, wurde mittels nachstehender Beobachtung gewonnen, für 
welchen Massstab ich allerdings wegen des höchst primitiven 
Apparates, der mir zur Verfügung stand, wegen der geringen Aus- 
dehnung des Versuches, endlich weil eine öftere Wiederholung 
desselben an verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten 
nicht möglich war, nur die Bedeutung eines beiläufigen Näherungs- 
werthes in Anspruch nehmen kann. 

Am 17. Mai 1883 wurde in der (legend zwischen Ravno und 
Dvrstnica ein leeres Fässchen, welches auf 20'5 Liter geaicht war, 
in die halbe Tiefe des Wassers, d. i. auf 5 Meter hinabgelassen, 
deselbst der Verschluss geöffnet, und das Fässchen, nachdem das 
Autsteigen der Luftblasen aufgehört hatte, aulgeholt und wieder 
verschlossen. Da ein Abdamptapparat nicht zu haben war, wurde 
das Wasser aus dem Fässchen in einem grossen flachen Blechge- 
fesse der Verdunstung ausgesetzt und der trocken gewordene Rück- 
stand sorgfältig gesammelt und abgewogen; er betrug 27 gr, also 
0*132 gr auf den Liter Wasser. Das specifische Gewicht des Rück- 
stande^s wurde mit 2*5 bestimmt. Zu diesen Gewichtsbestimmungen 
wurde eine gewöhnliche Apotheker-(schalen-)wage benützt. 

Soferne es zulässig ist, das Ergebnis dieses rohen und nicht 
controlirten Versuches als Durchschnittswerth für die gesammte 
Wassermasse der Inundation gelten zu lassen, so waren in derselben 
an gelösten und suspendirten festen Bestandtheilen 46.200.000 Kilo- 
gramm enthalten, welche mit Rücksicht auf das ermittelte specifische 
Gewicht 18.480 m^ repräsentiren, eine Masse, welche sich in eine 
Humuöschichte ausbreiten Hesse, die bei einer Mächtigkeit von 
einem Meter ein Quadrat von 135 Meter Seitenlänge, d. i. 1*85 Hektar 
bedecken würde. 

Es ist ein wahrhaft trauriges Prognostikon, welches sich aus 
solchen Beobachtungen für die Zukunft ähnlicher Landstriche ab- 
leiten lässt. Nicht die Venezianer, nicht die Türken, nicht einzelne 
Walddevastatoren und auch nicht die weidenden Ziegen — nein, 
die Schlimdflüsse im Grossen und die zahllosen sonstigen Wasser- 
abzüge sind die argen Verbrecher im Karstlande, sie rauben 



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88 

was noch spärliche Nahrung zu erzeugen vermag, und in dieser 
Erkenntnis sollte der Fingerzeug gefunden werden, welche Mittel 
in Anwendung kommen müssten, um diese armen Länder vor der 
früher oder später unerbittlich eintretenden gänzlichen und bleiben- 
den Verödung zu behüten. 



Die Nikobareninsel und ihre Bewohner. 

Im Auszuge vorgetragen am 26. Februar 1889 in der k. k. geogr. Geselbchafl. 
Von Dr. Svoboda, k. k. Fregattenarzt. 

(Mit 4 Tafeln). 

Aus dem Chaos von Ländern und Inseln, welches zu jener Zeit 
bevor noch der Seeweg um das Cap der guten Hoffnung bekannt war, 
über den indischen Ocean sich ausbreitete, tauchten von Zeit zu Zeit, 
in Berichten von Reisenden erwähnt, erst unbestimmte nebelhafte, 
später greifbarere, wenn auch noch sagenhaft ausgeschmückte Con- 
touren solcher fremder Gestade auf, deren Identität sich zu vergewissern, 
der forschenden Wissenschaft wol nur in wenigen Fällen gelang. 
"Wenn sich die Berichte mehrten, krystallisirte aus einem solchen 
Nebelgebilde mitunter schon in früher Zeit eine Insel oder Inselgruppe 
heraus. So ungefähr war es mit den Nikobareninseln der Fall, deren 
Besprechung ich zum Inhalte meines heutigen Vortrages gewählt habe. 
Nach diesem Archipel führte der Zufall schon mehrere Seefahrer, bevor 
noch der erwähnte Seeweg nach Ostindien bekannt war und man darf 
nicht übergehen, dass die Araber, welche schon vor dem 9. Jahr- 
hunderte unserer Zeitrechnung bis nach Canton in China gelangt 
waren, daselbst eine Moschee und später auch die sogenannte glatte 
Pagode erbauten, im genannten Jahrhunderte zweimal diese Inseln 
besuchten. 

Marco Polo, der vielgereiste Venetianer, berichtet umfassender 
über dieselben und insbesondere wertvoll erscheint seine Angabe über 
die Insel Nokueran, dass sie ungefähr 150 Meilen von Lambri (auf 
Sumatra) entfernt liege. 

Die Geschichte der Entdeckungen und Seereisen nennt uns viele 
Namen der Reisenden, welche die Eilande besuchten und mit mehr 
minder glaubwürdigen Berichten die Kenntnisse darüber vermehrten. 
Verhältnismässig bald wurde ihre richtige nördliche Breite fest- 
gestellt, denn sie liegen im directen Ourse zwischen Vorder- und 
Hinterindien. 

Jene Berichte erzählen jedoch in ziemlich widersprechender Weise 
fiber die Eingeborenen der Nikobareninseln. 

Unter Andern sind drei Fälle von Cannibalismus bekannt, welche 
in dafä 17. Jahrhundert fallen. Wenn ein Irrthura ausgeschlossen ist 
und nicht vielleicht die Nikobaresen falschlich für die Andamanesen, 



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89 

welche als Menschenfresser verrufen waren, beschuldigt worden sind, 
dann stimmt solcher Umstand nicht ganz mit dem günstigen Urtheile 
überein, welches der erfahrenste unter unsern Berichterstattern Dampier, 
der im selben Jahrhunderte die Inseln besucht hatte, über die Ein- 
geborenen aussprach. 

Er fand sie nämlich harrolos, gutmüthig und sittenrein, welches 
Zeugnis ihnen auch später von einem englischen Capitain Green in 
80 beredter lobender Weise ausgestellt wurde, dass es ihnen zu einer 
Art Popularität verhalf. 

Ich will sofort angeben, wie so ich mir diese Ansicht bilden 
konnte. Im Vorjahre besuchte ich einen Philanthropen, welcher als 
Sammler und Besitzer einer grossen Bibliothek einer ungewöhnlichen 
Belesenheit sich rühmen darf. Als unsere Unterredung bei Besprechung 
der Reise mit S. M. Corvette »Aurora« auch die Nikobaren berührte, 
brachte jener ein Vormerkbuch und anstatt einer statistisch geogra- 
phischen Notiz, welche ich zu hören erwartete, las er mir jene be- 
geisterte Lobhymne vor, welche seinerzeit der poetisch angehauchte 
Capitain dt»n Nikobaresen gewidmet hatte und die einst die Runde' 
durch Zeitungen und Bficher machte. — 

Obwol es noch nicht festgestellt ist, woher die heutigen Be^ 
wohner der Inseln gekommen sind, spricht doch Viel^ ida{ur, '>d«48 
sie vom Festlande stammen und ypr, fiiinli)iß9(;in^|nbar l^^ngeiij^i-i Besitz 
von den Eilanden ergriffen haben. Auch unter ihnen hat sich die 
Tradition von der Sintflut .erhalten, indem . sie eine Sage besitzen, 
der zufolge naqh «einer, grossen Flut nur ein Mann mit einer Hündin 
am Leben geyiejben wären, von welcher die heutige Bevölkerung ab- 
stammeri ,aoll. 

. Noch heute werden durch Oststürme Canoes fremdartiger Con- 
struction. ja mitunter auch Leute von der siamesisch -birmesischen 
Küst^ nach den Nikobaren verschlagen und so können vor Zeiten 
auch die Gestade allmählich bevölkert worden sein. 

Nach Dr. Rink. welcher zuerst die geologischen Verhältnisse der 
Inselgruppe studirte, besteht der Grundstock derselben zumeist aus 
plutonischem Gesteine, auf welchem sich nlteres Meeresalluvium 
angesetzt hatte. So weit waren sie nicht bewohnbar und erst der 
unermüdlich fortschreitenden und schaffenden Thätigkeit der Korallen- 
thierchen verdanken sie einen Sandgürtel, welcher mit dem Kalke der 
abgestorbenen Korallen untermengt, befähigt war, den Samen der 
Coco'spalme, welchen die Strömung herübergebracht und die Flut an 
das Gestade geworfen hatte, aufzunehmen und keimen zu lassen. 
Dieses Moment entschied über das Schicksal der Inseln. Der ver- 
schlagene Schiffbrüchige fand erst jetzt Nahrung, Getränk; wurde 
heimisch und lernte die Producte des Urwaldes kennen, um sie für 
seine Zwecke als Wohnung, Kleidung und Hausgeräthe u. dgl. aus- 
zunützen ; indem er allraählig seine Kenntnisse der Thier- und Pflanzen- 
welt erweiterte, verbesserte er seine Existenz. 

Solch ein Dasein könnte man ein sorgloses ruhiges, ja glückliches 
nennen, denn an diesen Gestaden blieben die Menschen dem Kriegs- 

Mitth. d. k. k. Geogr. ües. 1889. 2 u. 8. 7 



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handwvrke fremd, Leidenschaften und Verbrechen waren so gut wie 
unbekannt. 

Hier schien auch einer der glückliclisti^n Punkte der Erde zu 
Hein; fürwahr die ewig grünen, ausserordentlich fruchtbaren Inseln 
waren im Stande, Colonisten anzulocken, da Alles gepflanzte hier 
Imiulert fältig gedeiht; die Natur liefert die Cocosnösse zu Millionen, 
hkTHiches Bauholz und vielerlei Produkte, welche verschifft werden 
küiinen ; Tabak und die theueren Gewürze, welche mit Gold aufge- 
wogen 30 lange ein Monopol der Moluccen- oder Gewürzinseln ge- 
wesen waren, dürften kaum einen geeigneteren Boden finden als die 
Nikobareninseln. 

Wie kam es also, dass ein jeler Versuch Colonien hier zu 
gründen, so bald abgebrochen wurde, dass so praktische Colonisten, 
wie die Engländer jetzt nach 20jährigem Bestände die Strafcolosde 
auf Kaiüorta, einer der Ir.seln verlassen haben, allerdings mit der 
Angabe, dass die ehemals häufigen Seeräubereien, welche eine Colonie 
ala nothwendig erscheinen Hessen, nun für immer abgestellt seien; 
wie erklären wir das F'actum, dass auf den Eingeborenen ein Alp 
lastet, ein Fluch ruht und diese Naturkinder, welche sorglos lieiter, 
ohne um die Zukunft besorg! zu .'■ein leben könnten — im Gegen- 
t heile TTjisstrauisch, apathisch und hinterlistig geworden sind, sich 
vom (bedanken an die nflchste Zukunft so ausserordentlich beunruhigen, 
ja entmuthigen lassen ? 

hie Antwort auf diese Frage ist schnell gegeben: Es ist die 
Mdlaäia, das sogenannte Junglefieber in seiner bösesten Form, welche 
t^Jdteii oder langwieriges Siechthum mit Erschöpfung der Körper- 
ader Geisteskräfte zu Folge haben kann; jenes Gespenst der Coloni- 
iiatioiL welches überall da wo jungfräulicher Urwald gelichtet werden 
f^oll <eiue Opfer in grösserer oder geringerer Zalil abverlangt. 

Als Oapitain Light vor Pulo Penang seine Schiffsgeschütze mit 
Silbers! ücken laden und solche in den Urwald hinausfeuern Hess, 
i^gie er ein Capital zu vielen hundert Percent an. denn die hab- 
j^ieiipen Malayen räumten ihm den mit Fieberdünsten verpesteten 
Urwald weg, welchen er nur mit grossen Menschenopfern zu lichten 
vermoi lite. Heute ist Pulo Penang das G'egentheil von dem ehemals 
tie bei haften, nach einem Säculum ein klimatischer Ourort geworden 
5!ufolge seiner günstigen geographischen Lage und orographischen 
Beschaffenheit. 

Wenn sich heute Jemand auch fände, dieses ladicale Mittel auf 
ilen Nikobarenjnseln in Anwendung zu biingen, würde er sich ver- 
muthlit'h täuschen, auch wenn er die gfmstigste Localität dafür wüsste. 
Ich glaube, diese Eingeborenen im Allj^emeinen fürchten mehr das 
Fieber und schätzen die Gesundheit höher, als einen derart erwor- 
beneu Reichthum; sie scheuen in ihrem erschlaffenden Klima jede 
übermässige Anstrengung und Capitain Light's Methode würde sie 
auch nicht mehr antreiben. Die bisher gemachten Versuche mit 
<Jhinesen, welche schon an verschiedenen Orten Land urbar gemacht 
läaben z. B. auf der Insel Singapore, wurden freilich in ungenügender 



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91 

Weise unternommen, weil sich die bezopften Söhne dt*s Königreichs 
der Mitte nicht gerne zu unsicherer gefährlicher Arbeit hergeben, 
und lieber sich zu einer geregelten Beschäftigung verstehen wie bei- 
spielsweise in den Tabakplantagen in Deli auf Sumatra. 

Diese Malaiia ist vor Allem die Consequenz grosser Feuchtigkeit 
und Fäulnis vegetabilischer sowie animalischer Stoffe, durch das 
oceanische Klima und zwar namentlich durch die excessiven Nieder- 
schläge und die constante Trribhaustemperatur hervorgerufen. 

So lange es regnet und der Boden selbst mit Wasser bedeckt 
ist, sind die Ausdünstungen bei weitem nicht so gefährlich : ist aber 
die Regenzeit um und die Zeit des Nor.lostmonbun«», des Sommers 
far jene tropischen Gegenden gekommen, dann trocknen diese Pfützen 
allmählich in der Brütehitze ein und wenn der Wind darüber streicht, 
bebt er die Fieberkeime, welche in der Nähe intensiver einwirken 
und erst auf weitere Entfernungen ihre Kraft verlieren. So ist der 
neue Hafen von Batavia. Tandjon^ Priok. mit unermesslichen Kosten 
aufgeführt, ein drastisches Beispiel dafür, wie Malarialuft durch Land- 
brisen zugeführt werden könne. 

Der ganze Boden ist mit dergleichen Zt^rsetzungsproducten er- 
fttllt. recht sehr modrig^), zumal wenn er aufgegraben wird, wobei 
solche Ausdünstung dem Erdarbeiter gefährlich werden kann. Dieser 
Humus aber ist die Quelle eines neuen hundertfaltigen Lebens in der 
tropischen Natur, wenn verglichen mit dem ausgesogenen Boden unseres 
alten Welttheiles. 

Eine andere Gefahr droht von der See, nicht von dem bran- 
denden und tosendem Elemente, auch nicht von der stetig verjüngenden 
befruchtenden Kraft desselben, sondern sie ist da, wo es brach gelegt 
und iu seinen Bewegungen träge geworden ist. 

Ich meine das Manjfrowe oder den Rhizoforengürtel, welcher wie 
ein schön grünendes Erlengebüsch auch einen Theil der Nikobarischen 
Küsten umsäumt. Durch die kleinen Bäumchen, die Stämme, die viel- 
verzweigten nackten Wurzeln desselben wird die Bewegung des Meeres 
gelähmt, allerdings wird dadurch auch seine zerstörende Kraft abge- 
schwächt und die Küste intact erhalten, doch im Innern wo die Wässer 
stocken, fault alles abgestorbene. Thier wie Pflanze im sumpfigen 
Boden und ein übelriechender Pesthauch sammelt sich bei mangelndem 
Luftanstausche an, um durch heftige Windstösse vertragen zu werden 
und als Krankheitsuiheber zu wirken 

Auch wird in der Neuzeit auf die absterbende Meeresfauna als 
Ursache von Malaria, Cholera, vielleicht auch Dysenterie hingewiesen, 
namentlich wenn jene bei Ebbe der tropischen Sonnenglut ausgesetzt 
bleibt Was die Nikobareninseln anbelangt, will man auch in den 
absterbenden Korallen eine weitere Veranlassung von Malaria- Er- 
krankungen, speciell in der Kolonie C aniahe*) auf Kamorta j^efiinden 

*) Solcher Hoden himiiite zumeist die Schritte der Gelehrten, welche 
das Innere der Inseln « rfor.-chen wollten. 

*) Mr. Marc nennt in seinem Nikobarese Vocabulary Part. I. 1888 die- 
selbe Kin-lä ha. 



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92 

haben, nachdem die Umgebung auf einen grössern Umkreis so ziemlich 
sanirt war. — 

Indem die Malaria also auf jeder Seite der Geschichte dieser 
Inseln vielfach genannt wurde, und immer die erbittertste Feindin aller 
Colonisationsbestrebungen war, schliesslich doch die Beherrscherin 
daselbst verblieben ist, unter deren Drucke die Eingeborenen ohnmächtig 
sich winden und wogegen sie sich mit einem sehr schwerfälligen 
Apparate von abergläubischen Mitteln zu erwehren trachten — musste 
ihrer Besprechung etwas mehr Raum gewidmet werden. 

Früher war die Rede davon, dass das scheinbar so ruhige Leben 
der Nikobaresen durch den Gedanken an die nächste Zukunft bedeu- 
tend getrübt sei. Sie furchten nicht das Fieber oder die Krankheiten 
als solche, sondern schreiben deren Ursprung den bösen Geistern zu. 
Schon in älteren Beschreibungen — beispielsweise bei J. G. Haensel, 
dem mährischen Bruder, dessen Letters on the Nicobar islands 18 12 
in London erschienen — ist von dieser Geistesfurcht die Rede. 

Ueberhaupt dürften sich die Eingeborenen, so weit sie nicht von 
Fremden, namentlich Europäern beeinflusst wurden, seit sehr langer 
Zeit in ihren Sitten und Gebräuchen gleich geblieben sein und das 
Einzige, was sich erwiesenermassen bei ihnen beständig ändert, ist 
die Sprache, welche Worte eliminirt und dafür neue aufnimmt. 

Unter den Seefahrern, welche bald auf den Inseln erschienen 
und deren Einfluss wir heute nach mehreren Jahriunderten hier deut- 
lich noch bemerken können, stehen oben an die Portugiesen, welche 
den Archipel häufig besuchten ; ob dies immer Schiffe dieser Nation 
oder nicht auch portugiesisch sprechende Seeleute waren, lässt sich 
nicht mehr entscheiden. 

Aulfällig sind erstens die verhältnismässig zahlreichen portu- 
giesischen Worte, welche sich bis auf den heutigen Tag in den Niko- 
barischen Dialecten erhalten haben, z. B. schapata der Schuh, schal 
das Salz, karäta der Wagen, ingldsi die Engländer, prata das Zinn; 
ferner die geographischen Bezeichnungen, welche diesen Seefahrern 
ihren Ursprung verdanken, z. B. die Insel Cabra (die Ziege), die 
Insel Sombrero ') (der Hut), dann die beiden Orte Malacca, einer auf 
Kar Nikobar, der andere auf Nangeauri, welche nach der ehemals 
portugiesischen Colonie dieses Namens benannt sind. 

Indem diese kühnen Reisenden fast überall, selbst im fernen 
Osten zuerst erschienen waren und Posten fassten, so liegt die Ver- 
muthung ganz nahe, dass sie auf ihren Fahrten zwischen Vorder- und 
Hinterindien insbesondere häufig die nördlichste Insel Kar Nikobar 
berührten, um Wasser, Früchte einzunehmen. In der Folge sprach 
man im Anfange dieses Jahrhunderts, wie Hamilton berichtet, noch 
etwas portugiesisch auf dieser Insel. 

Solchen besuchen, als zu nebensächlich in jener Zeit der grossen 
Entdeckungen und Eroberungen, wurde keinerlei Wichtigkeit beigelegt, 
denn vor Allem hätte man den Heiden Missionäre geschickt, welche 



') Sembrero hiess früher die Insel Bompoka. 

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93 

im 16. Jahrhunderte schon iin fernsten Osten, in Japan erschienen 
und wäre sonst Etwas darüber in die Oefifentlichkeit gelangt. 

Ein anderes Volk, welches man nothwendiger Weise mit den 
Nikobaresen in Zusammenhang bringen muss, sind die Malayen. Von 
den besten Kennern der Nikobaresen wird die Möglichkeit zugegeben, 
dass sie von den Malayen abstammen könnten. Ich glaube, dass solche 
Ansicht heute niclit von allen Anthropologen getheilt wird, denn wer 
einmal Nikobaresen aufmerksam betrachtete, wird nicht so leicht zu- 
stimmen; darum geben jene Autoren auch gerne zu, dass birmesisch- 
siamesisches Blut beigemischt sei, indem Elemente vom Festlande 
Yon Pegu seit jeher auf den Inseln zu finden waren. At^ltere Angaben 
lauten, dass die Sprache der Nikobaresen der von Pegu Ahnlich sein 
solle, auch hat Virchow Analogien in anthropologischer Hinsicht 
zwischen den Eingeborenen und gewissen Hiigelstämmen am Festlande 
angegeben. 

In der Nikobarensprache finden sich nicht viel Anklänge an das 
Malayische, ich versuchte bei sehr bescheidenen Kenntnissen in dieser 
Sprache solche herauszufinden ; es ergab sich, dass man das Auge 
die Lampe, die Arecapalme die Gurke, den Melonenbaum (carica papaya) 
vielleicht auch den Fisch und andere mehr in beiden Sprachen mit 
ähnlichen Namen bezeichnet; da ich nur den Dialect der Centralgruppe 
auf Hauptwörter stiidirte, könnten allerdings auch noch in den anderen 
Dialecten, namentlich in dem von Kar Nikobar, welcher von dem 
früher erwähnten ganz verschieden ist, einige malayische Worte mehr 
gefunden werden. Uebrigens sollen viele Nikobaresen malayisch ver- 
stehen, da dies die lingua franca ist, deren Herrschaft im benachbarten 
Atschin beginnt. 

Malayen besuchen seit urdenklichen Zeiten die Inseln und 
siedelten sich fleissig an, weil man daselbst gerne Fremde unter sich 
aufnahm und noch in der letzten Zeit wurden ansässige Malayen hier 
gesehen; gar nicht zu sprechen von den Fischern, welche die Zeit 
des Nordostmonsuns über beschäftigt sind, die Seegurken oder Holo- 
thurien hier zu fangen und die Ausbeute, Trepang genannt für den 
Transport am Lande herzurichten. Dieselben sind als temporäre An- 
siedler zu betrachten, welche vielleicht alljflhrlich wiederkommen. Sie 
benützen den Nordostmonsun, um von Osten zu kommen und kehren 
mit dem Südwestmonsun wie^der heim. Dieses regelmässige Kommen 
und Gehen mit den herrschenden Hauptluftströmungen macht den 
ganzen Verkehr mit Segelschiffen im indischen Meere, im malayischen 
Archipel und in der Chinasee aus; so werden wir beispielsweise in 
Singapore einen grossen Theil des Hafens zur Zeit des Sfidwest- 
monsuns leer finden, wogegen er in der spätem Zeit des Nordost- 
monsuns mit Junken und Frauen ziemlich überfüllt ist. 

Nicht ganz ohne Einfluss auf die Bewohner des Nikobaren- 
archipels sind die Besuche der Stamm j?äste, welche einzelne Punkte 
alljährlich regelmässig anlaufen, um Cocosnüsse zu holen. Sowohl 
Nangeauri als Kar Nikobar haben seit längerer Zeit ihre Besucher 
aus Ceylon, Indien. Birma, wobei zu erwähnen ist, dass durch Jahre 



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lang keinerlei Zu- oder Abgang l»ei den Schiffen stattfindet, also 
selten ein neuer Name auftaucht. 

Die Eingeborenen, welche zu Zeiten Fontana's (1778) und noch 
im Anfange dieses Jahrhunderts sich noch mit Bast, geklopfter Baura- 
i-inde, Gocosblättern und Cocosfasern bekleideten, keine Baumwoll- 
stoffe, kaum das Eisen kannten, erhielten durch die fremden Schilfe 
für die Cocosnüsse, welclie sie in grossen Mengen hergaben, Stoffe, 
Waffen, Werkzeuge, alte Kleider, Medicamente. Ihre Sucht, solche 
bisher unbekannte und neue Gegenstände zu besitzen, fiel allen 
europäischen Reisenden dieses Jahrhundertes auf; ich glaube, sie 
führte in vielen constatirten und andern nicht bekannt gewordenen 
Fällen zum Seeraube, zu hinterlistigen üebei fallen fremder Schiffe. 
Hier schreitet auch die Habsucht der Civilisation voraus und nachdem 
grosse Mengen Baumwollstoffe für Kleidung und andere Zwecke, Eisen 
für Werkzeuge, Waffen und eine Anzahl anderer Gegenstände fast 
über den ganzen Archipel verbreitet sind, beruhigten sich die Ge- 
müfher: allerdings hat die Gründung der indischen Strafcolonie mit 
einem Schlage den Seeraub aufhören gemacht. Dies war nuch ihr 
Zweck und Mr. Man hat mir brieflich miigetheilt, dass die Auflassung 
der Colonie nun erfolgte, nachdem man sicher sein kann, dass die 
Piraterie ffir immer behoben ist. 

Die Nikobaresen. welche der dänische Admiral Steen Bille und 
unser Ethnograph Carl v. Scherzer beschrieben, waren theilweise schon 
andere Leute, als die Eingeborenen zu Zeiten Fontana's und Hamilton's. 
In jetziger Zeit besitzt die Mehrzahl von ihnen europäische Kleider, 
allerdings nicht um sie immer, während der Arbeit zu tragen und 
Cravatten nebst Dreispilzen kann man noch immer bei ihnen erblicken. 

Sie sind kein edles Volk, welches einer höheren Bildung zuge- 
führt werden könnte ; die Ansicht über ihre Bildungsfahigkeit ist 
besser geworden, man hat Sprachtalente bei ihnen entdeckt; auch 
lernte im Beginn der 80 er Jahre .die Nikobarische Jugend in der 
Colonie Oanlähe bei Madame de Roepstorff erträglich zu singen. 

Die Nähe dieser Colonie hatte einen veredelnden Einfluss auf 
alle Nikobaresen und gebührt solches Verdienst dem frühern Chef 
derselben Heim v. Roepstorff, namentlich aber dem langjährigen Vor- 
stande Mr. Edwaid Horace Man, dessen Bekanntschaft wir 1886 im 
Nangcaurihafen machten. Da dieser nach 6".^ jährigem Aufenthalte 
sämmtliche Dialecte des Archipels beherrscht, ein ausgezeichneter 
Kenner der Eingeborenen ist, gelang es ihm dnrch seine Autorität, 
alle Eingeborenen gefällig und zuvorkommend zu machen, was ihm 
bei seinen Forschungen auf Gross-Nikobar, bei den Studien in ethno- 
graphischer, sowie sprachlicher Hinsicht ansserordentlich zn Statten 
kam. Die Vermessungscoinmission *) der indischen Regierung, welche 
in den Jahren 1886 und 1887 die Inseln vermass und in der Karte 
die Inselcontonren berichtigte, verdankt seinen Eigenschaften -und 
Kenntnissen einen grossen Theil ihres Gelingens. Auch ich bin ihm 



') Survey of India. great trigonometrical branch. 

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vielfach zu Danke verpflichtet, denn er unterstützt meine Studien durch 
mir gesendete Aufklärungen und ich erlaubte mir hier einige seiner 
Photographien in grossem Formate copü*t zu deiuonstriren. 

Uevor ich zur Geographie der Inseln schreite, wäre anzuführen, 
dass bisher deren geographische Länge nicht richtig gestellt war, die- 
selbe erst durch einige sich gegenseitig ergänzende Methoden während 
der Arbeiten der Survey of India bestimmt wurde. Auch hatten sich 
nach der Reise der »Galatiiea« falsche Contouren einzelner Inseln in 
der Karte eingebürgert; dies gilt namentlich von den Inseln Katchdll 
und Gross-Nikobar, deren ümri>se richtig gezeichnet, ich hier auf der 
vorliegenden Karte zu demonstriren, die Ehre habe. Die Arbeiten der 
>Xovara« haben sich, soweit sie Originalität beanspruchen, als correct 
herausorestellt ; die Contouren der Insil Tillangchong stammen aus 
jener Zeit, ebenso die Karte der Insel Condiil. der Sanibucht auf 
Kar Nikobar; ihre Lothungen hat die Survey of India durchwegs 
anerkannt und in ihrer Karte, welche im November 1887 erschien, 
mit Angabe der Quelle eingetragen. 

Geographischer Theil. 

Nachdem ich im Allgemeinen von den Inseln und ihren Be- 
wohnern gesprochen habe, soll im Folgenden den ersteren ein genaueres 
Augenmerk zugewendet werden. 

Es hiess, dass durch die aufbauende Thätigkeit der Korallen- 
thierchen das jüngste Alluvium, ein Sandgürtel an den Peripherien 
der Inseln geschaffen ist, welcher als Cocosland par excellence die 
erste unerlfissliche Bedingung zu Niederlassungen geworden ist, nach- 
dem die Inseln früher unbewohnbar waren. 

Dieser bewohi.bare Theil, welcher stetig sich ausbreitet, soll 
ungefähr 5*^ „ von der Gesammtarea der Eilande betragen; er steht 
im Gegensatze zur übrigen Bodengestaltung derselben und sind daher 
zwei Richtungen der wirkenden Naturkräfte anzunehmen, welche sich 
gegenüber stehen. Um nicht durch eine lange theoretische Auseinander- 
setzung zu ermüden, will ich sofort die beiden Hauptrepräsentanten 
der verschiedenartig schaffenden Naturthätigkeit anführen. 

Die nördlichste Insel des Archipels Kar Nikobar und die süd- 
lichste Gross-Nikobar bieten solche Gegensätze dar, welche darin be- 
stehen, dass bei der ersten jener bewohnbare Kii.-tenstreifen, das 
erträgliche Cocosland die ganze Insel breit umsäumt und die grösste 
Ausdehnung erreicht hat, wogegen im Innern die Natur in stiefmütter- 
licher Weise hügeliges Haideland und modrig sumpfigen Jungle erschuf, 
welche zur Ansiedlung ungeeignet sind. 

Die zweite hingegen. Gross-Nikobar besitzt an ihrer Peripherie 
nur an wenigen Stellen spärliches Cocosland und somit wenige ganz 
schmale bewohnbere Knstenstreifen; das Gebirge im Innern ist braun- 
kohlenführender Sandstein und Thonschi<'fer, welches auch Höhen von 
über 2000 engl. Fuss erreicht — so der Mount Thuillier 2105 Fuss - 
es wird bewohnt, denn an seinen Abhängen wohnt jener Volksstamm, 



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über den seit Pastor Rosen die merkwürdigsten, fabelhaftesten Berichte 
bekannt wurden und welcher zur Zeit der Novara-Expedition nocb voll- 
kommen unbekannt war. Dieser soll im spätt'rn Verlaufe meiner Vor- 
Jesang: eingehender besprochen werden. Wir werden nicht fehlen, die 
Inseln derart zu classificiren. dass wir in geoj^raphischer Hinsicht 
die flachen nördlichen analog Kar Nikobar entstanden denken, die 
gi.'birgigen südlichen ihrem Repräsentanten Gross-Nikobar folgen lassen; 
allerdings muss man kleine Ausnahmen, sowie üebergänge zugestehen. 

Kar Nicobar ist stets die besuchteste Insel gewesen, obwohl sie 
keinen Hafen, sondern nur zwei offene Rheden, die Sauibucht im 
Norden und die von Kemios im Süden besitzt, in welchen beiden die 
fNovara« geankert hatte. Die hier vorkommende starke Brandung 
gestattet nur zu gewissen Zeiten des Jahres gefahrlos zu landen, 
welcher Umstand dem auch heute blühenden Handel mit Cocosnüssen 
sie herlich nachtheilig ist. 

Ihre Bewohner sind die fortp;eschrittendsten des Archipels, fertige 
urnl verlässliche Handelsleute, welche geraume Zeit lang das Hinde- 
glird zwischen den übrigen Inseln und der Welt herstellten, indem 
europäische Waare liier eingetauscht wurde. Die Insel ist sehr stark 
bevölkert, die neupsten Quellen nennen uns 35C0 Bewohner, was mehr 
als die Hä'fte der Gesiammtbevölkerung auf den Nikobaren beträgt. 
Diese Eingeborenen sollen seltener erkranken, mehr lebendige Kinder 
üufzi«hen als andere Nikobaresen ; das Fieber ist hier nicht so ge- 
fürchtet wie auf den centralen Inseln und wurde daher Kar Nikobar 
ein^t als die einzige Insel betrachtet, wo eine Colonie Aussichten auf 
Bestand und Gedeihen erhoffen Hesse. Man kennt hier keinerlei 
Industrie und ist deshalb auf eine der südlicher gelegenen Inseln 
angewiesen, welche den Bedarf deckt. Die Kar Nikobaresen sind reich, 
besits'.en viele Hausthiere; ihre Insel kann als die reichste, glücklichste 
bezeichnet werden. 

Als die industriellste Insel des Archipels führe ich nun Chowra 
an, welche nur an 2 Quadratmeilen Fläche und 700 Bewohner zählt; 
die Letzteren können vom Erträgnisse des Hodens allein nicht ihren 
Lebensunterhalt finden und sind gezwungen, denselben durch Er- 
2eu^üng verschiedener Artikel zu verdienen. Sie sind Schmiede, 
Töpfer, Holzschnitzer, Korbflechter, Hootsraacher und an ihren Arbeiten 
nehmen die Weiber regen Antheil. Es heisst in filteren Quellen, dass 
die Kar Nikobaresen einst die Bewohner von Chowra zu ihren aus- 
schlLfsslichen Unterhändlern bestellt hätten, indem durch die Hände 
der TiCtzteren alle die Gegenstände gingen, welche für die südlichen 
Inseln bestimmt waren und zwar erhielten die Kar Nikobaresen Boote, 
eiserne Gegenstände, Kochtöpfe u. dgl.; die von Chowra nahmen Baum- 
wolbtoffe, Zinnlöffel, Schweine, Hühner, Cocosnüsse ; behielten die zum 
Leben nöthigen Artikel und gaben den Ueberschu^s an fremdländischer 
Waare weiter, wofür sie ebenfalls Lebensmittel eintauschten. 

üeber die auf Chowra erzeugten unglasirten Thontöpfe, welche 
in 6 Grössen hergestellt, für alle Nikobaresen ein Lebensbedürfnis ge- 
worden sind und daher recht theuer bezahlt werden, ist es nicht 



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^fm^mmr^'W'-^^ 



97 



uninteressant za erwähnen, dass man sie auch auf anderen, ich glaube 
vielleicht centralen Inseln, wo das Meeresalluvium dasMaterial dazu bietet, 
fabriciren wollte. Um nicht ihre Hausindustrie zu verlieren, sprengten 
die Leute von Chowra aus, dass solch ein Beginnen dem Unternehmer 
8ehr gefährlich wäre, auch das Leben kosten könnte und von solcher 
abergläubischer Furcht bewogen, Hess man richtig den Töpfern von 
Chowra ihr Monopol, so dass man heute über den ganzen Archipel 
nur Chowratöpfe ändet. sogar die so abgeschlossene Inlandbevölkerung 
von Gross-Nikobar, hatte, sobald sit^ solche kennen gelernt, Gelüste 
darnach geäussert, indem sie die ganze Schwerfälligkeit ihrer eigenen 
hölzernen Kochapparate eingesehen hat — Roepstorff gab an, dass die 
Bewohner von Chowra diesen eben genannten Inlandbewohnern gleichen 
sollen und zählte beide zu der mongolischen Rasse. Mr. Man jedoch 
bestreitet diese Aehtilichkeit. 

Die an Chowra zunächst gelegene Insel ist Teressa. Es liegt 
die Deutung nahe, dass ihr Name nach der Reise der österreichischen 
Fregatte > Josef und Theresia* entstanden sei, wogegen ihr nikoba- 
rischer Name Tehelong ist. Nach anderer Angabe Taih-löng. Es ist 
dies eine reiche, fruchtbare und hübsche Insel, welche sehr stark 
bevölkert sein soll, aber ausserordentlich fieberhaft ist. Ihre Bewohner 
sind als wohlhabend bekannt. Ich kann nicht näher darüber berichten, 
in wiefern sich die Angabe Steen Bille's bestätigt, dass die Leute 
widerwärtige Physiognomien und heimtückische Augen besitzen sollen. 
Bei dem einen Teressamanne, welchen ich im Nangcaurihafen zu sehen 
bekam, waren diese charakteristischen Merkmale allerdings so deutlich 
ausgesprochen, dass er mir in einer grössern Volksmenge darob auffiel. 

Gegenüber Teressa liegt Bompoka, früher Sombrero genannt 
und zwar wegen ihrer Hutform. Sie ist landschaftlich die schönste 
Insel des Archipels, sehr fieberhaft, spärlich bewohnt. Wir verdanken 
dem Geologen Dr. Rink eine sehr uette Skizze derselben. 

Südöstlich davon ist Katehäll gelegen einst von der Fregatte 
>Josef und Theresia« für Oesterreich auch in Besitz genommen. Ihre 
jetzige Contur zeigt uns nun vier Buchten, den vier Weltgegenden 
zugekehrt, wogegen man sonst nur eine Ost- und eine Westbucht 
kannte. Die Gestalt der Insel ist gedrungener geworden, in dem die 
Buchten nicht so tief einschneiden, wie früher angegeben war. Sie 
bildet den üebergang zu den südlichen Inseln durch ihre Berge, 
deren Hauptstock nun als im Südosten liegend eingezeichnet ist, 
ferner auch in geologischer Beziehung und selbst aus der Ferne ge- 
sehen, ähnelt sie dieser wegen der bewaldeten Höhen. 

Im Centrum des Archipels gelegen, ist Nangcauri, von den 
Eingeborenen Lavi genannt, wogegen sie das gegenüberliegende 
Kamorta mit Nankauri (früher Nankaveri) benennen — darum wichtig, 
dass hier vor hundert Jahren die mährischen Brüder unter den 
grössten Drangsalen dem Missionsberufe oblagen. Sie ist im Norden, 
da wo reiche Cocoswaldungen und bedeutende Wälder stehen, sehr 
gut bewohnt; wir zählen da sieben Dörfer, wovon drei innerhalb, 
vier ausserhalb des Nangcaurihafens liegen. 



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Die andere Seite des Hafens begrenzt Kamorta. Wenn man 
einen Vergleich der jetzigen Contouren mit den auf altern Karten 
eingezeichneten Linien dieser Insel zieht, findet man, dass ihr unterer 
Theil zwischen dem Nangcaurihafen und der Ulalabucht (jetzt expe- 
dition harbour genannt) in Folge früherer genauerer Vermessungen 
so ziemlich richtig gezeichnet war. dagepen ihr oberer Theil nun in 
die Länge gezogen, schmäler erscheint. Dieser war in alten Karten 
zu ausgebreitet, zu viel nach Ost und West reichend gezeichnet. 
Karaorta ist das Centrum des Archipels, da hier fast alle Ansiedlungen 
erfolgten, und seit 1861) bis 188S die indische Strafcolonie bestand. 
Die Insel selbst ist grösstentheils unfruchtbar, ihre Ost- und Nord- 
küste sind theilweise kahl und öde, einen grossen Theil der Fläche 
nehmen Grashügel ein. Doch vertheilen sich etwa 20 Dörfer entlang 
ihrer Peripherie, davon nur ein einziges im Nangcaurihafen gelegen. 

Durch den schmalen Beresford-Canal ist Komarta von Trinkat 
getrennt. Letzteres ist eine kleine flache Insel mit spärlicher Be- 
völkerung. Die Bewoliner von Kamorta und Nangcauri besitzen hier 
Cocospflanzungen und pflegen namentlich vor Festen, wo ein grösserer 
Consum stattfindet, um die Nüsse zu kommen. 

Die gesammte Bevölkerung von Nangcauri, Kamorta und Trinkat 
soll nicht viel über 80<) Köpfe betragen. 

Nordöstlich von Kamorta liegt die hohe Felseninsel Tillangchong, 
ganz unbewohnt und ohne- Cocospalmen. Bis zur Novarareise kannte 
man selbst ihre Abgrenzung nicht, damals wurde sie aufgenommen 
und die Karte davon entworfen. Aus dem Urwalde erheben sich die 
kahlen Felsen, wo die Salangane nistet : ihre Nester werden von den 
Eingeborenen der benachbarten Inseln gesammelt. 

Der Sombrero-Canal trennt die bereits erwähnten Inseln von 
der Sambelonggruppe oder den südlichen Inseln. 

Im Süden von Nangcauri liegen Miroe, Trak und Treis. Davon 
ist erstere flach und bewohnt. 
Es folgt: 

Klein Nikobar mit hohen Bergen, seine Peripherie spärlich be- 
wohnt. Montchall ist bewohnt, dagegen Cabra steil waldig unbewohnt. 
Kondul : Hier fanden die Reisenden der Novara drei Dörfer. Die 
grösste und südlichste Insel des Archipels Gross - Nikobar, auch 
Sambelonir genannt (vielleicht aus dem malayischen sambilan = neun 
entstanden. Loang ist der nikobarische Name der Insel, des Fest- 
landes der Nikobar esen), wird auf H60 engl. Quadratmeilen Fläche 
geschätzt. 

Die Küstenbevölkerung ist spfirlich und steht im Vergleiche zu 
den Hewohnern der nördlichen Inseln auf sehr niedriger Stufe. Es 
sind arme Fischer; weder die an Cocospalmen arme Küste, noch das 
steil aufsteigende Hochwaldgebirge bieten ihnen den genügenden 
Lebensunterhalt. Sie erbeuten Schildkröten , Holothurien, sammeln 
Ambra und verhandeln den Erlös an die Händler, welche hieher zu 
kommen pflegen. Auch übernehmen sie Bambus und Rotang von der 
Inlandbevölkerung. Der Tauschhandel scheint für die Kaufleute nicht 



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1)9 

unergiebig zu sein, denn diese hüten sich Berichte darüber in die 
Oefifentlichkeit ^lelangen zu lassen. 

Unser ganz besonderes Interesse beanspracht die Inlandbe- 
völkerung. welche von den Küstenleuten Shom-pen, d. i. Pen-Volk 
genannt Wird. Admiral Steen Bille war der Erste, welcher 1H4G bei 
einer Expedition den Galatheaflu^s aufwärts, eine ihrer Niederlas- 
sungen betreten hatti*. An dieser S>M\e fand man Hütten, Koch- 
apparate/) Nahrungsmittel, Holzlanzen/) Körbchen, woraus sich 
schliessen Hess, dass diese Leuto ein menschenwürdiges Dasein führen, 
sich nicht etwa von Schlangen nähren müssen und auch nicht auf 
Bäumen wohnen Den ersten Mann dieses Stammes bekam im Jahre 187G 
Herr von Roepstorff zu Ge.ncht; nach seiner Ansicht gehörte solcher 
zur mongolischer Race, welche Errungenschaft er bei seinen spätem 
Forschungen 1*^80 und 1^*81 nach den verschiedenen Shobäng- (so 
nannte er sie) Sitzen im Norden der Insel er vollkommen zu bestätigen 
im Stande war. Von diesem Momente an sind die Negritos, welche 
unbegreiflicher Weise noch immer in ethnographischen Werken und 
auf Tafeln die Nikobaren bewohnen «-ollen, vom Schauplatze ver- 
schwunden. Dafür ist aber eine Frage aufgetaucht: Wie kommen 
die Mongolen in das Innere von Gross-Nikobar, wenn die Küstenbe- 
völkerung dieser, wie aller andern Inseln einer andern Race ange- 
hören soll? Daran schliesst sich eine zweite Frage: Warum sind die 
Shom-pen in Gebräuchen und Sprache von der Küstenbovölkerung so 
verschieden ? 

Bevor wir an die Beantwortung solcher und vieler anderer sich 
ergebenden Fragen gehen, ma^^ der Standpunkt festgestellt werden, 
welchen die Wissenschaft in Bezug auf die zwei nebeneinander 
lebenden Völker oder Racen einnahm. Dem zufolge wären die Mon- 
golen unabhängig von der Küstenbevölkeruug. selbstverständlich früher 
eingewandert, letztere nacligefolgt. Eine solche Zweitheilung und 
doppelte Völkerwanderung scheint mir in Anbetracht der geringen 
Flächenausdehnung der Inseln unwahrscheinlich. 

Die Antwort auf obige und andere Fragen wäre zusammenge- 
fasst etwa folgende: Zu derselben Zeit, wo die Völker Asiens ge- 
zwungen waren, sich auszubreiten, eines auf das andere drückte, 
machte sich solcher Druck auch im heutigen Birma fühlbar, das ist 
die Völkerschaften zogen südwärts gegen die Küste zu, Auswanderer 
dürften vom Festlande herüber fjekommen sein und breiteten sich 
über die Inseln aus, insofern sie hier die Gestade gastlich fanden. 

Zu jener Zeit mag Gross-Nikobar noch keinen Cocostragenden 
Küstensaura besessen haben und die Leute, welche vom Zufalle hieher 
verschlagen wurden, drangen vermuthlich entlang der Flüsse in das 
Innere der Insel ein, wo sie ihren Lebensunterhalt fanden und durch 
Jahrhunderte abgeschlossen blieben. 

Erst nachdem die Küste von der vvohlthätigen Natur mit Cocos- 
palmen bedacht W(<rden war, erfolgten daselbst Niederlassungen von 

') Beiderlei im vorjährigen Julihefte der Mittheilungen abgebildet. 

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100 

anikm Inseln aus, deren Bewohner früher mit der Inlandbevölkerung 
ideiitis^ch, nun schon durch Kreuzungen mit Malayen, Indern, Negern 
unäbnlich geworden waren. 

In seiner Sonderstellung blieb der Shom pen reiner als Mongole 
bewahrt, wogegen die Küstenbevölkerung jetziger Zeit eine* undefinir- 
bare räthselhaft^ Race repräsentirt. Wir sahen bei jungen Leuten auf 
Nangcauri, deren Gebiss noch nicht durch den Betel gelitten hatte, 
recht hübsche mongolische Physiognomien, andere erinnerten mich 
beim ersten flüchtigen Ansehen an Kalmücken 

Mr. Man erklärt sich mit der Verwandtschaft zwischen Chowra- 
be wohnern (Shom tatat) und den Shompen nicht einverstanden; dies 
ändert nichts an meiner Ansicht, alle Nikobaresen für Mongolen zu 
halten, deren Vorfahren vielleicht den Irawadi herab zur Küste ge- 
langt*»n und später auch den Weg nach den Inseln einschlugen. 

Die Anzahl der Shompen-Ansiedlungen, welche bis zum April 
18K7 bekannt geworden sind, erreicht nun schon ein Dutzend. Es 
sollen im Folgenden mit Uebergehung der Forsehungsberichte und 
dpif^ti Details nur einzelne merkwürdige Thatsachen angeführt werden, 
welche ich sowohl den Publicationen Mr. Man's, als auch den Admini- 
fltrations-Rapporten der Andamanen- und Nikobnreninseln an die 
indische Regierung vom 1. April 1885 bis 81. März 1887 entnehme. 

Die Küstenbevölkerung hasst und verabscheut die Shompen, 
welche sie von Zeit zu Zeit in räuberischer Absicht überfielen, ihnen 
Schweine raubten und es sollen in solchen Fällen auch Menschenleben 
zum Opfer gefallen sein. Namentlich berüchtigt und gefürchtet ist der 
Volk&stamm im Süden am Galatheaflusse, dessen Wohnsitz Steen Bille 
im Jahre 184H entdeckte. Dieselben Leute befanden sich im Jahre 1885 
an iler Ostseite der Galatheabay, beraubten und verbrannten eine 
*iini-:aine Hütte an der Küste und sollen sich nach 18S6 nach Norden 
an die Quelle genannten Flusses gezogen haben. 

An anderen Stellen ist der Einfluss der Küstenbevölkerung auf 
die culturelle Entwicklung der Shompen unverkennbar. Dies ist auf 
der Westseite der Insel der Fall ; am Däkanaing oder Alexandraflusse 
be.=^teht seit längerer Zeit ein reger Tausch verkehr zwischen den 
beiden Nachbarn. Die Shompen bringen Honig. Bambus, Rotang herab, 
bauen selbst Roote für die Küstenbevölkerung, dagegen erhalten sie 
Messer, Aexte, Baumwollstoffe u. a. m. Ihre Hütten sind vortheilhafter 
gebsuit, als bei den andern Shompen-Stämmen. 

Zuletzt — im Beginne 1887 — entdeckte man drei Gemeinden 
in der Mitte der Ostküste. Diese Leute, weil sie keine Gelegenheit 
haben, an der so spärlich bewohnten Küste mit höher civilisirten 
Nachbarn zu verkehren, stehen auf der tiefsten Stufe und bieten einen 
l*»bhitften Gegensatz zu den früher erwähnten Shompen am Däkanaing- 
Fluj^se. Ueb;u' die Lebensweise der Inlandbevölkerung ist Folgendes 
bftkütint : Sie legen an den Abhängen Lichtungen an, vorzugsweise 
in der Nahe der Flüsse und bebauen den so frei gelegten Grund mit 
AruTi], Yams, Pandang und Brotfrucht. Die Niederungen und Thäler 



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lül 

selbst sind bei den unermesslichen Regengössen, die hier herrschen, 
ungemein sampfig, ungesand und werden von ihnen vermieden. 

Der sonst so fruchtbare Humus der Lichtungen trägt nicht lange 
Früchte, wenn er der Sonnengluth ausgesetzt vollends ausgetrocknet 
wird. Der Shompen ist daher gezwungen, weiter zu ziehen, um neue» 
Terrain anzubauen und er kehrt nur zu den alten Pflanzungen zurück, 
um die reifen Baumfrüchte zu holen. Er besitzt keine Cocospalmen; 
nur wo er unweit der Knste lebt, um temporär auch an derselben 
zu verweilen, hat er spärliche Palmen, welche er sehr hoch schätzt. 
So ist es im üangeshafen an der Nordküste der Fall, woselbst die 
Cocospalmen mit Dornen umgeben werden, um sie gegen Beraubung 
durch Menschen und Thiere zu schützen. 

Die Shompen sind kleinerer Natur als die Küstenleute, welche 
man im Allgemeinen für gross bezeichnen kann, kräftiger Muskulatur 
und von derben Knochen Ihre Hautfarbe lichter als die der Andern, 
dürfte ein helles Gelbbraun ausmachen. 

Beide Geschlechter tragen ihr langes dichtes und schwarzes 
Haar, wie es gewachsen, herab wallend und ungekämmt. 

Ihre Ohren sind wie bei den Küsten-Nikobaresen durchbohrt und 
mit durchgesteckten Bambusröllchen verziert, doch sind mitunter die 
Ohrläppchen lang gezogen, wenn auch nicht in dem Masse, wie bei 
den Dayaks auf Boineo. 

Die Augen sind schief gestellt, die Nase ist sehr platt und breit ; 
doch ist die Physiognomie der Shompen angenehmer, weil bei ihnen 
nicht die widerwärtigen Deformationen des Gebisses vorkommen, wie 
bei den Küstenleuten, obschon sie auch breite wulstige Lippen und 
einen grossen Mund besitzen. 

üeber ihre Sitten und Gebräuche ist noch nicht viel bekannt; 
der Gebrauch, den neugeborenen Kindern allmählich das Hinterhaupt 
mit manuellem Drucke abzuflachen, wie er bei den Küstenleuten ver- 
breitet ist, kommt bei ihnen nicht vor. Ob sie wie diese in so hohem 
Grade dem Geisterglauben ergeben sind, ist noch nicht sichergestellt; 
sie haben ihre Beschwörer und eigen thümlichen Gebräuche mit den 
Todten. Dieselben werden nämlich in sitzender Stellung mit zusammen- 
gebundenen Gliedern begraben : dann verlässt man die Hütte und 
Gegend, wohin man nur zurückkehrt, um die Früchte zu sammeln. 
Dies mag nach ihrem Glauben den Todten oder dessen Geist ver- 
hindern, dass er das Grab verlasse und ihnen folge. 

Ein bemerkenswerther Zug bei den Shompen * ist die grosse 
Anhänglichkeit an den heimischen Boden. Mr. Man war es gelungen, 
zwei Shompenjünglinge aus dem Norden Gross -Nikobars zu bewegen, 
ihn auf der Rückfahrt nach der Colonie auf Kamorta zu begleiten 
und zwar wollte er auf solche Weise ihren Stamm gewinnen, ver- 
trauensvoller machen, dabei seine begonnenen Studien des Shompen - 
dialectes erfolgreich fortsetzen. 

In kürzester Zeit sollten die jungen Leute reich beschenkt, 
wieder von ihm selbst nach ihrer Heimat zurückgebracht werden. 



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102 

Doch waren sie noch gar nicht lange in der Colonie Canlähe, 
als sie verschwanden ; den Weg welchen sie in den Jungle genommen, 
liatten sie auf schlaue Weise unkenntlich .gemacht. Das Heimweh 
trieb sie, ein Canoe zu besteigen, mit dem sie, obzwar des Weges 
und der Schiffahrt unkundig, sich hinauswagten und verunglückten; 
denn Mr. Man suchte vergeblich mit dem Stationsdampfer nach ihnen. 

Auch die Shompen der Westküste waren nicht zu bewegen, ihn 
Dach der Colonie zu begleiten. 

Im vorjährigen Julihefte der Mittheilungen wurde bereits über 
Kleidung, Geräthe und Waffen der Shompen gesprochen, weshalb ich 
darauf zu verweisen glaube. 

Ethnographischer Theil. 

Um den geehrten Lesern die Vorstellung von den seilsamen 
ftebräuchen und Anschauungen der Nikobaresen zu erleichtern, wählte 
ich zwei der interessantesten Capitel aus der Ethnographie dieses 
Volkes, welche uns Manches erklären werden, was in dem früher 
üesagten nur angedeutet worden war. Da sie aber auch die umfas- 
sendsten sind, muss ich mich darauf beschränken, nur kurzgedrängte 
skizzenhafte Bilder zu entwerfen. 

Der Geister- und .Aberglauben der Nikobaresen. 

Es war schon früher erwähnt worden, dass sich diese Einge- 
borenen gegen die bösen Geister oder das Fieber als von ihnen her- 
führend, durch einen sehr schwerfälligen, schwer verständlichen 
Apparat von abergläubischen Vorkehrungen zu schützen trachten. 
Diese Geisterfurcht wurzelt tief in ihnen, beeinflusst ihr ganzes Leben, 
l:Lhmt ihre Lebenslust und beraubt sie jeglichen Selbstvertrauens. Die 
bösen Geister, Iwi genannt, sind die Seelen der Verstorbenen, welche 
herumirrend sich darnach sehnen, wieder ein Heim zu besitzen und 
einen Körper zu bewohnen. Wenn Jemand gestorben ist, bleibt sein 
Seelengeist, bis dahin Iwi hoihe benannt, ohne Heimat. Eigenthum 
und Freuden. Aus Sehnsucht darnach, strebt er sich vom Leichnam 
hiszumachen und um die Freuden dieser Erde zu gemessen, in 
Jemanden einzukehren. Auf diese Weise erklärt sich der Gebrauch 
iler Eingeborenen Alles, was der Verstorbene besass, ihm mit zum 
Grabe zu geben, um den Iwi dort zu erhalten. Doch sie wissen wohl, 
dass dies ein vergebliches Bemühen ist und wenn sie auch freiwillig 
auf Genüsse und Vergnügungen für Jahre lang Verzicht leisten, um 
den Iwi zu versöhnen, kennen sie dabei das Nutzlose ihrer Enthalt- 
samkeit. Die Geister lauern im Jungle, unter grünem Laube versteckt, 
auf Vorübergehende, gelangen in die Hütten und so glaubt sich der 
Nikobarese überall von den Geistern verfolgt. Sein ganzes Denken 
und Trachten geht also dahin, dem Iwi mächtige Zauber entgegen- 
^iastelleu, ihn durch Votivgaben zu fesseln und zu besänftigen, denn 
iWe Iwi's veranlassen alle Krankheiten, alles Unglück und Missgeschick, 
üben überall ihren unheilvollen Einfluss aus. Unter den vielen Gegen- 



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108 



ständen, welche mit dem Geisterglauben in unmittelbaren Zusammen- 
hange stehen, interessiren uns insbesondere die Kareau-Holzfiguren, 
welche die Geister schrecken sollen und die hant4 köi, Votivgaben, 
wodurch beabsichtigt wird, die Aufmerksamkeit derselben zu erwecken. 

Was die Kar6au anbelangt, verweise ich auf die Abbildung des 
Iwi-Scheuchers im vorjährigen Julihefte der Mittheilungen. 

Es sind das Schnitzwerke, welche zumeist menschliche, seltener 
thierische Gestalt haben, in drohender Haltung ausgeführt, bewehrt 
mit Waffen (im ersten Falle) oder auch mit Schweinshauern Wenn 
ihnen das Drohende abgeht, mag in ihrem stieren grellen Blicke die 
wirksame Kraft liegen, die dem Iwi imponiren soll. Sie werden in den 
verschiedensten Grössen mannigfaltig ausgeführt und mit vielfachem 
Schmucke versehen. Ein jeder Erwachsene hat einen solchen Schutz- 
patron, der ihn gegen das Fieber beschützen soll, und welcher nach 
dem Tode des Besitzers überflüssig geworden, zerbrochen und weg- 
geworfen wird. 

Die Votivgaben, deren Sinn zu ergründen, erst der Neuzeit 
gelungen ist, von denen es oine unübersehbare Reihe gibt, fesseln 
desto mehr unsere Aufmerksamkeit, 

Es sind das Darsstellungen von Menschen, Thieren. Gegenständen 
der ganzen sichtbaren, den Nikobaresen bekannten Welt, einzeln oder 
auch in bunter Folge verschieden gruppirt. Bilder oder Figuren auf 
Grund eines Gelübdes verfertigt, die bestimmt sind den Blitk des 
bösen Geistes auf sich zu lenken. 

Früchte, hlumenbüschel, Speisen, hergerichtete Betelbissen können 
ihm ebenfalls votirt werden, um ihn zu besänftigen. 

Wenn ein Nikobarese erkrankt, gelobt er. um den Iwi günstig 
zu stimmen, ein hanta köi, eine Votivgabe, welciie unter gewissen 
Ceremonien in der Hütte angebracht wird; dies könnte beispielsweise 
sein: das geschnitzte Bild eines Thieres, als Adlers, Fisches oder 
Schildkröte; ferner eine bemalte Scheibe (eine solche ist abgebildet 
im genannten Hefte der Mittheilungen), ein Schnitzwerk, auch mehrere 
bemalte Tafeln zu einem zusammenhängenden Bilde vereinigt. Solche 
bildhche Darstellungen, Votivbilder oder -tafeln genannt, von denen 
erst nach dem Jahre 1882 einige Exemplare nach Europa gekommen 
sind, erregten bei ihrem Bekanntwerden das höchste Interesse der 
Ethnographen, weshalb ich mich länger mit ihnen zu beschäftigen 
glaube. 

Ich will Ihnen die Copie der als schönsten bekannten Votivtafel 
aus dem königl Museum filr Völkerkunde in Berlin demonstriren, 
indem ich dafür halte, dass hiemit die Erklärung der Bedeutung eines 
solchen Gegenstandes am schnellsten gegeben ist. 

Sie wurde von Herrn v. RoepstorflP im Jahre 1882 an die 
anthropologische Gesellschaft in Berlin gesendet und stammt auch die 
Erklärung der darauf dargestellten Gegenstände von ihm. 

Als solche Producte nikobarischer Kunstfertigkeit in der gelehrten 
Welt bekannt vmrden, sprach man die Ansicht aus, es wären Ideo- 
graphen oder Bilderschrift. 



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L_ 



104 

Dagegen wurde von sehr competenter Seite erklärt: »Erst wenn 
es sich herausstellen sollte, dass auch die einzelnen Theile des Bildes, 
jedes für sich einen bestimmten Sinn haben, welcher für den Einge- 
weihten lesbar ist, wird der Name einer Schrift berechtigt.« 

Wohl haben die Nikobaresen nicht das Bedürfnis, sich durch 
Schriftzeichen auszudrucken, noch Begebenheiten durch bildliche Dar- 
stellungen, durch Hieroglyphen niederzuschreiben, um der Nachwelt 
etwa eine Erinnerung daran zu hinterlassen. Doch haben sie das 
Bestreben, die Aufmerksamkeit der bösen Geister von sich abzulenken. 
Dies wollen sie durch eine stereotype Wiedergabe von Bildern der 
ihnen geläufigen sichtbaren Welt in gefälliger Form erreichen. 

Genanntes Votivbild (seine Abbildung findet sich in der Berliner 
Zeitschrift für Ethnologie Jahrgang 1882) ist ausserordentlich lehr- 
reich, weil es uns einige Abschnitte aus dem Thun und Treiben der 
Eingeborenen vorführt und sich durch reichhaltigen Inhalt auszeichnet, 
üeber zwei senkrechte Längsleisten liegen fünf Tafeln quer befestigt 
und zwar die oberste dachgiebelartig mit zwei seitlichen schnörkel- 
artigen Verzierungen versehen, wogegen die andern vier rechteckig 
sind. Am höchsten Punkte ist ein scheibenförmiges Bild der Sonne 
angebracht, wie es in grösserer Ausführung auch für sich allein als 
Votivplatte vorkömmt. 

Auf dem Giebelfelde befinden sich folgende Figuren von links 
nach rechts : eine rothe Figur, ein schwarzer Arm, ein Krokodil, ein 
Hahn, zwei Personen, zwei Leitern, Cocosschalen, eine Armbrust, 
GefÄsse, der gute Geist im Monde, eine Schlafmatte, ein Ceremonien- 
speer, eine Speerspitze, eine Säbelklinge, endlich eine Axt. 

Auf dem zweiten Felde sind dargestellt ; Cocospalmen, Cycas- 
Sagopalme, unten Sumpfvögel, oben ein Eisvogel : Männer mit Flaggen, 
Hütten, ein schwarzer Eulabes, ein Papagei, Palmen, ein Pandang- 
baum mit Früchten, ein Grossfusshuhn. 

Auf dem dritten Felde sind zu oberst zwei Personen inmitten 
der Hausthiere als Schweine, Hunde und Hühner. 

Darunter ist ein Tanz dargestellt, wobei links die W^eiber mit 
blauen Lendentüchern , rechts die Männer mit den Lendenbinden 
gruppirt sind. Die seltsame schlafmützenartige Kopfbedeckung, Kerer 
busse geheissen, dürfte einmal ein speculativer Kopf importirt halben, 
sie steht schon nicht mehr im Gebrauche. ., 

Die vierte Platte zeigt links ein Schiff aus Madras, in der Mitte 
ein Canoe mit zwei Segeln, Flaggen und Bugornament, , rechts eine 
Praue aus Pegu. Darüber fliegen drei Adler. , 

Die unterste Platte soll den Reigen der Seethiere vorstellen. 
Darunter sind nennenswerth. von links an gezählt: 

1. eine Riesenmuschel, 2. ein Rochen, 3. ein Hai, 4. — 6. ver- 
schiedene andere Fische, 7. eine Garnele, 8. ein Krokodil, 10. ein 
Pottwal, U. ein Polyp, 12. ein Meermann, halb Fisch halb Mensch, 
eine mythische Person. Soweit bis auf einige Zusätze die Erklärung 
Roepstoi-ffs. Ich versuchte es den Sinn der Tafel zu deuten und 
glaube mich darüber in folgender Weise auszusprechen. 



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105 

Dem Iwi, dem herum irrenden Seelengeiste vermuthlich eines wohl- 
habenden Mannes soll eine Erinnerung an sein Erdendasein geboten 
werden und sind darum nicht Gegenstände oder Thiere überhaupt 
dargestellt, sondern specielle Gegenstände. Thiere» Begriffe aus dem 
Leben, aus der Vergangenheit des Verstorbenen. 

Am Giebelfelde : die rothe Figur stellt das Feuer, den Blitz vor, 
der schwarze Arm ist der Wind, welcher Wolken und Regen bringt 
QQd das Krokodil ist der Donner, welcher entsteht, wenn es über 
die See läuft. Daneben sind zwei Mäner. welche wie der Hahn 
den Anschein bieten, über das Wütlien der Elemente entsetzt davon- 
zulaufen. 

Die Mitte der Tafel nimmt derdewsche oal Kahä, der gute Geist 
im Monde, eine Personification dieses Gestirnes, welches Einfluss auf 
Flut und Ebbe hat, daher auf das Gewerbe der Fischer bezogen, ein 
beschützendes Princip darstellt. Hier kann er allegorisch den Wechsel 
der Mondphasen, der Monate bedeuten. 

Sein Röckchen, willkürlich gewählt, i^t die früher auf den nörd- 
lichen Inseln gebräuchliche Tracht aus Cocosblatt erzeugt. Um ihn 
herum sehen wir das Eigenthum eines reichen Nikobaresen. Die 
Deutung des Giebelfeldes wäre ungekünstelt folgendermassen : 

Die grossen Himmelskörper, die Naturerscheinungen bedeuten 
den Wechsel der Monsune, welcher von den Nikobaresen festlich 
begangen wird, erinnern an gute und schlechte Tage, welche Letzteie 
der Verstorbene in der Hütte verbringen musste, deren Schmuck die 
zahlreichen Geräthe waren, welche hier dargestellt sind. 

Es könnte auch sein, dass durch die Votivplatte ein besonderes 
Fest dargestellt werden soll, vielleicht das Fest beim eintretenden 
Nordost monsun. 

Auf der zweiten Platte ist das Leben im Freien, in der üppigen 
tropi.-chen Natur vorgeführt; bunte Vögel beleben die Umgebung 
des Ortes, dessen Bewohner eben im Hegriffe sind, dasselbe festlich 
zn schmücken: auf dieser wie auf der folgenden Platte werden die 
Feste in der Familie veranschaulicht, ebenso die Genüsse, welche von 
der Natur selbst zur Tafel beigestellt werden. Hier erblickt der Iwi 
seine eigenen Hausthiere, welche seinen Stolz ausmachten, namentlich 
die Schweine, welche er so gross und fett gemästet hatte, um sie 
zu den Festen zu schlachten. 

Die vierte Tafel zeichnet sich durch eine gelungene Ausführung 
ans und beweist, welch* gutes Auge die Eingebornen für Schiffs- 
formen und Takelung besitzen. Hier werden die fremden Fahrzeuge 
dargestellt, welche Reichthumer als Eisen, Baumwollstoffe, dann Tabak 
und andere geschätzte Artikel bringen, dafür Cocosnüsse laden. In 
der Mitte gewahren wir das festlich gesclimückte Boot, die Freude 
des Besitzers, welches mit seinem Schmucke alle anderen Boote über- 
traf und viele Boots wetten gewonnen hatte. Die Seelandschaft ist 
repräsentirt durch die fliegenden Seeadler und durch den Geisterbaum, 
welche hinter dem Canoe stehend gedacht werden muss und eine Art 
Landmarke der nikobari sehen Küste darstellt. 

Uittb. d k. k. Geogr. Ges. 1889. 2. n. 8. B 

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106 



Auf der untersten Tafel ist ein Tanz der Seethiere gezeichnet, 
so erklärt es Roepstorff, und diese Idee mag dem Iwi gar nicht so 
schlecht gefallen. Doch liegt sie etwas ferne und fibereinstimmend 
mit dem Inhalte der andern Platten, welche mir das Kommen des 
Sommers darzustellen scheinen, könnte ihr Sinn ein anderer sein. 
Den Nikobaresen als Fischervolke wird sicherlich die Zeit bekannt 
sein, wenn bei heiterem Wetter die Meeresbewohner näher der Ober- 
fläche kommen, so dass der Fischfang erträglicher wird. Dem Seelen- 
geiste mag hier eine Andeutung an seine Thätigkeit als Fischer 
gemacht werden und an die reiche Beute welche er mit Hefriedigung 
nach Hause brachte. 

Wenn der Sinn der Tafel kurz zusammengefasst wird, finden 
wir dass der Wechsel der Zeiten, das Kommen der Feste mit den 
damit verbundenen Genüssen und Vergnügungen, der Besitz, die Be- 
schäftigung, der Verkehr auf der See, das Thier- und Pflanzenreich 
vertreten sind. 

Aus eben Gesagtem möge hervorgehen, dass den Votivbildern 
ein gewisser Sinn zu Grunde liege, doch lassen diese Naturkinder ihre 
Phantasie nur in engen, ihnen bekannten Grenzen schweifen. 

Wenn wir solche Votivbilder untereinander vergleichen, ergibt 
sich, dass der Besitz, die festlichen Vergnügungen, das häusliche 
Leben, die Natur mit ihren Erscheinungen und Himmelskörpern, das 
Thier- und Pflanzenreich mit mehr weniger stereotypen Figuren dar- 
gestellt sind. Die Personen, welche als Specialkünstler mit der Ver- 
fertigung der V^otivbilder vertraut werden, ahmen die vorhandenen 
Muster nach, verändern höchstens die Farben ; es liegt also im Ganzen 
nicht viel Abwechslung in dieser Bilderschrift eiufachster Art. 

Nach der Ansicht der Nikobaresen ist es eine Sprache, welche 
dem bösen Geiste gefallen soll. Er wird durch die geweckten Erinne- 
rungen für sein freudlosc'S heimatloses Dasein entschädigt und be- 
sänftigt, damit er den Lebenden nicht zu schaden trachte. 

Ganz innig zusammenhängend mit dem Geisterglauben ist die 
Verwendung der Beschwörer oder Zauberer — manlo ene oder man- 
liiena — bei den Nikobaresen. Sie dürften auf allen Inseln ihr Unwesen 
treiben. Es sind das Personen, welche nicht allein den Beruf als 
Aerzte erfüllen, sondern auch einen gewissen leitenden Einfluss bei 
den Festlichkeiten Todteni^ebräuchen ausüben, so dass man sie auch 
als Ceremonienmeister— Beschwörer — bezeichnen muss. Es ist das ein 
Privilegium gewisser Familien Manluenas zu liefern und wählen auch 
Weiber solchen Beruf. Als Aerzte sind sie Masseure, Bauchredner, 
Escanioteure; einen El)erzahn oder Topfscherben aus einem Krauken 
hi'rauszuzaubern, ist ein gewöhnliches Ereignis ; im Allgemeinen sollen 
sie bei Krankheiten durch Zauberei den bösen Geist als Krankheits- 
ursache austreiben. 

Wenn eine Hütte neu errichtet ist, ein Boot fertig gestellt ist, 
ein Votivbild angebracht wird, muss Manluena auch erscheinen. Er 
kömmt dann mit roth angestrichenem Gesichte, mit wallendem Haare 
oft mit einem Speere, um dv-n Iwi zu durchbohren. 



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^isiwp^pr" 



10 r 

Sonst ist er im privaten Leben der Eingeborenen ohne Einfluss. 
Um des Zauberers hervorragende Rolle zu kennzeichen, soll im nächst- 
folgenden des Iwifestes Erwähnung geschehen. 

Sobald die bösen Geister in die Hütte gelangen, sucht man sich 
ihrer durch verschiedene schon näher bezeichnete Vorkehrungen zu 
erwehren. Kommen aber sehr viele Krankheiten vor. oder wenn der 
Fischfang unergiebig ist, auch in anderen speciellen Fällen wird das 
Iwifest gefeiert, wobei man sich seiner radical entledigt 

Man macht dazu die Vorbereitungen wie zu anderen Festlich- 
keiten, ladet die Freunde ein. Wnhrend gegessen, getrunken und 
geraucht wird, stimmen die Weiber ein Klagegeheul an und grrathen 
ausser sich, denn sie opfern ihre Gefässe» Lebensmittel, indem sie 
Alles zerstören und vor die Hütte in das Flutbereich werfen. All- 
mälich geraten auch die Manluenas durch den reichlich genossenen 
Palm wein in Aufregung und rüsten sich zur Beschwörung. 

Ihr Gesicht ist mit Schweineblut angestrichen und ihr Körper 
mit Oel eingerieben. Mit tiefer Stimme heben sie ein Klagelied an, 
rennen wild hin und her, denn sie wollen den Iwi fangen, um ihn 
fortzuschaffen. Erst schmeicheln sie ihm. und wollen ihn erbitten, 
dann aber schelten und beschimpfen sie ihn und während die Weiber 
immer stärker heulen, entwickelt sich ein fingirter Kampf Sie ringen 
mit ihm, bis sie ihn erwischt, gebändigt und gebunden haben. 

Nur die Manluenas im Zustande des Rausches können die Iwi 
sehen und sind geisterfest. 

Wenn sie ihn haben, bringen sie ihn in einen Korb und diesen 
dann auf das G»»ister9chiff. Einige junge Leute bemannen ein Canoe 
nehmen das Geisterschiff in Schlepp und rudern weit hinaus im 
Triumphe ; wenn sie anzunehmen glauben, dass Wind und Strömung es 
nicht mehr zuräckbrin>?en können, überlassen sie es seinem Schick- 
sale, auf dass der Iwi baldigst umkomme. 

Es gibt verschiedene Arten von Geisterschiffen. Das in der 
Neuzeit gebräuchliche, welches Roepstorff beschreibt, stellt ein etwa 
36 Fuss langes FIoss dar, worauf ein fast mannshohes Gerüste er- 
richtet ist. Cocosblattwedel stellen den Mast in der Mitte und ein 
Bugspriet vor. In mehreren Körbchen wird dem Iwi Nahrung mit- 
gegeben, welche für drei Tage ausreichen soll, später muss er um- 
kommen. 

Auf Kar Nikobar, Nangcauri und Pulo Milu kommen die soge- 
nannten Händsclmop vor, das sind lange Bambuse, welche scheinbar 
die seichten Stellen des Gestades markiren sollen. Es ist die P'rage, 
ob man solche mit dem Iwiglauben in Zusammenhano: bringen soll. 
Allerdings sind sie auf weite Distanzen sichtbar und können Land- 
marken vorstellen, um den landenden Booten den Curs anzugeben. 
Im Journale eines Novarareisenden lese ich darüber, dass Letztere 
mitunter auch daran gebunden werden. 

Es ist möglich, dass man sich die seichten Stellen für böse 
(ieister zugänglicher denkt, welche von der See aus, von anderen 
Orten auf diesem Wege in die Ortschaft gelangen könnten und so 

8* 



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108 

mag sich allmählich der Gedanke an die bösen Geister hiemit ver- 
bunden haben, so dass ans den Landmarken Geisterbäame entstanden 
BJod, Nachdem sie häufig mit bunten Lappen verziert sind, welche in 
dt m Aberglauben der Eingeborenen eine so grosse Rolle spielen, indem 
ihnen Zauberkraft beigelegt wird, kann die geisterscheucliende Be- 
sümmung der händschnop in den meisten FAllen anuenommen werden. 

Die Tod t e nfestli chkeit en der Nikobaresen. 

In der Beschreibung der eigenthöm liehen Gebräuche folge ich 
im Allgemeinen einer sehr genauen Bearbeitung dieses StofTe? durch 
Herrn v. Roepstoi*fP. 

Nichts kann uns einen solchen Einblick in das innere Leben der 
Eingeborenen in die Denkweise derselben gewähren, als die Schilderung 
dieser Feste, wobei wir ihre Hütten betreten, vielfach durch die Ort- 
gchaften geführt werden. 

Wo Todtenfeste gefeiert werden, treten alle andern Festlichkeiten 
in den Hintergrund; denn jene mit einem grossen Aufwände und zur 
Schautragung allen Besitzes zu begehen, ist der Stolz der reichen 
Leute und führwahr es wird da nicht gespart, nur um das Ansehen 
der Familie zu erhöhen, um lange von sich reden zu machen. Sie 
werden nicht aus Pietät für den Todten, sondern nur um seinen 
Iwi zu besänftigen, gefeiert. 

Wenn ein Nikobarese gestorben ist. darf sein Name nicht mehr 
genannt werden, als ob er nie bestanden hätte. Man bringt alles 
Eigenthum des Verstorbenen in Eile zusammen als: Körbe, Ruder, 
Cocoswassei schalen, Büchsen. Tröge, Feclitstecken, Fechtmützen, Cere- 
monif'nspeere, Jagdspeere . Harpunen, Thontöpfe, Lunten . Gefässe, 
Kessel, Rindenschachteln, Feuerhölzer, Fackeln, Säbelklingen, Heile, 
Messer, Brennholzbündel. Bootsornamente, Kisten, Tuch u. a. m. 
Alles das wird beim Grabe angehäuft, vernichtet, zerstört, zerschlagen, 
zerrissen, verbogen; denn nichts, was ihm gehörte, darf hier bleiben, 
jedwede Erinnerung an ihn jede Verbindung hat mit dem Tode auf- 
gehört 

Da, wo tue Verwandten begraben liegen, wird ein Grab gemacht 
und ein langer Pfahl eingeschlagen, um die Kopfseite desselben anzu- 
s£eig<Mi. In der Hütte ertönt lautes Klagen; man wäscht den Leichnam 
iünfmal, legt ihn auf die Leichenplanke, umwickelt ihn mit einem 
Stucke der holzigen Blütenscheide der wilden Arecapalme, darüber 
kommen dann verschiedene Tücher mit Rotangstricken festgebunden. 
Die äussere Hülle bilden dann eigene, kunstfertig zusammengenähte 
Kleider, Gaben der Freunde, welche schliesslich mit langen Lenden- 
binden umwickelt werden. Auf diese Art ist der Leichnam mumien- 
artig hergerichtet. 

Seinen werthvolleren Besitz als Schmuck. Silbergeld, Löffel legte 
lunn der Leiche auf die Brust : denn was der Verstorbene insbesondere 
liebte, folgt ihm ins Grab, um den Seelengeist bevor er noch Iwi 
geworden, daran zu fesseln. Die Habsucht muss vor der Gespenster- 
furcht zurücktreten. In der Hütte wird das letzte Mal für den Todten 



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'.^^r*p^ 



109 

bereitet, bevor er seine Behausung verlässt. Es werden aufgetragen: 
Reis mit dem Zubehör als Fische, Cocoskern, Pandangmus. Ananas, 
Bananen, Hühnerfleisch, dann Getränke als Palm wein und Rum. 
Dem Todten wird ein Betelbi»sen angetragen und sogar die brennende 
Cigarette in den Mund gesteckt. 

Die Angehörigen sitzen wehklagend um die Leiche und lehnen 
zum Z*^ichen der Trauer mit ihren Ellbogen darauf, welchen Gebrauch 
schon unser Fontana erwähnt. In seinem Artikel ..On the Nicobars 
and the fruit of th« Melori- in den Asiatic Researches vol. III. 17>52. 
Nun wird die . Leiche beei digt ; man steckt kurze Stöcke kreuzweise 
über dieselbe im Boden fest, damit sie den Lebenden nicht mehr 
erscheine und dieselben nicht über ihren Anblick krank werden. 

Sodann wird mit kurz abgeschnittenen Rudern das Grab zn- 
geschaufelt. Heimgekehrt, trauert die Verwandtschaft, und röhrt durch 
24 Stunden weder Speise noch Trank an Die Trauerperiode beginnt 
indem ein grosses Mahl bereitet und auf dem frischen Grabe verzehrt 
wird. In diesem Momente tritt ein Jeder der Anwesenden, je nach 
dem Grade der Verwandtschaft mit dem Verstorbenen, je nach der 
Betrübnis zum Grabe und thnt das Gelöbnis, dass er sich in Folge 
von gewissen Speisen enthalten werde. Dieses freiwillige Verbot er- 
streckt sich aber auch auf Getränke, Tabak, Betel, alle Vergnügungen 
als Tanzen, Singen, auf Schmuck und Schminken. Man nnterscheidet 
zweierlei Grade der Trauer und zwar: 

X. Das leichtere Trauern bindet alle Verwandte und Freunde 
durch drei Monate bis zum sogenannten Fackelfeste. Dabei enthält 
man sich vom Gesänge, Spiel und Tanze, vom Schmuck und issl im 
Trauerhause gewisse Speisen nicht. 

2. Das tiefere Trauern der nächsten Verwandten betrifft und ent- 
zieht alle jetzt genannten Genüsse, gewisse Speisen, das Rauchen und 
Iktelkauen durch lange Zeif und wird immer von den verwittweten 
Gatten befolgt; es endet erst mit dem grossen Todtenfeste. 

Die nächsten Tage vergehen, indem der Grundbesitz des Ver- 
storbenen, sofern ein solcher vorhanden ist, begangen und festgestellt 
wird. Man opfert am Grabe ein Huhn und eine Menge Speisen, welche 
darauf geworfen, sodann von den Hunden und Schweinen gefressen 
werden. 

üeber den Friedhof wäre zu sagen, dass dazu ein ebenes Stück 
Land ganz nahe an den Hütten, am Rande des Jungle gewählt wird. 
Stangen und Pfähle bezeichnen die Kopfseiten der Graber. Ich sah auf 
Nangcauri eine Grabstätte, wo drei Bambusstangen furca- oder galgeii- 
artig vereint, mit allerhand farbigen Lappen verziert, mit Cocosnnssen 
behangen waren. Ein anderes Grabmonument war durch eine lange 
Stange dargestellt, von der eine Menge rothnr Cottonstreifen herunter- 
bingen. 

Das Fackel fest. 

Drei Monate nach dem Begräbnisse feiert man das Fackelfest, 
so genannt, weil es angeblich früher bei Fackellicht abgehalten wurde. 



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110 

Es Wfrden Schweineställe aus Bambus gemacht, dann streicht man 
die Schweine mit rothen und weissen Streichen lustig an, steckt in 
Ihre durchbohrten Ohren Gabel und Löffel als Amuletts gegen den 
bösen Geist zu schützen ') und bringt sie in die Ställe. Im Inneren 
der Hütte wird reichlich grünes Laub als Zauberblätter befestigt und 
die TniiierJeute versammeln sich zu einem Festmale. Die Wehklage 
beginnt von Neuem und der g(Mios>eiie Palmwein scheint sie noch 
mehr anzuregen. Es verlohnt der Mühe, die folgende Scene eingehender 
äu at'hildern. Um Mitternacht hat die leichtere Trauer ein Ende ge- 
funden und die des Gelftbdes entbundenen Verwandten glauben sich 
durch Zügellosigkeit für die drei verflossenen Monate schadlos halten 
zu können. Während dem Palmweine heftig zugesprochen wird, rennen 
die Munlnena's dureh die Weingeistdämpfe wild geworden, wie toll 
in der Hütte auf und ab. um die bösen Geister zu haschen und in 
die Zauberblätter zu jagen, Sie heulen einen wilden Chorus, das W^eh- 
klagen der Weibor scheint auch auf die Männer ansteckend zu wirken 
und hiild hört man nichts als das hysterisch schluchzende Weinen 
und <ia3 unmelodische Singen, welches sich zu einem seltj^amen be- 
fremdenden, aber nicht ganz uninteiessanten Gesammtbilde vereinigt. 
EijcUicli müssen aber doch die Kräfte erlahmen und gegen Morgen 
kplu't endlich Ruhe in diese so abj^espannte und vielfach ermüdete 
Gesellschaft, welche sich auch den ganzen andern Tag der Erholung 
hingibt. 

Nachdem man das Grab besucht und das Monument mit frischen 
Bändern geschmückt hat, erfolgt ein neues Bacchanale. 

Fünf Tage später wird das Haus zum Schutze gegen böse 
Geister mit Hlut bestrichen und das Fest hat ein Ende. Nur noch 
die allernächsten Verwandten des Verstorbenen sind der tiefen Trauer 
unterworfen, diejenigen Freunde aber die am Begiäbnisse nicht theil- 
nihun'ji konnten, dürfen die drei Monate hindurch nicht in der 
Hütte t^rscheinen und werden für unrein gehalt<n. Heim Fackelfeste 
jedoch können sie wieder kommen und kaufen sich durch verschiedene 
Gaben los. 

Auf einigen Inseln werden bei diesem Feste die Leichen, welche 
man vor drei Monaten in zugeschnittenen Booten begraben ^atte, schon 
ausgegraben und mit diesen zwischen Bäumen aufgehängt, wo sie 
bis mm grossen Todtenfeste verbleiben. Sodann werden sie in die 
See geworfen. 

Das grosse Todtenfest. 

Die Nikobaresen zählen die Zeit nach Monsunen, Epochen von 
Pechs Monaten. Drei oder vier Epochen nach dem Fackelfeste, zur 
Zeit tles Nordostmonsuns rüstet man sich zum grossen Feste. 

Es werden Flaggen genäht, kunstreiche Lendenbinden für Männer, 
Lenden tücher fflr Frauen. Den Eingeladenen wird eine Rotangschnur 
zugeschickt, worin 15 Knoten gemacht sind, damit sie täglich einen 

^} Auch Schweine und Hunde erkr^ken an Malaria; die Amuletten 
floHen dies verhüten. 



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111 



solchen eröffnen und am 15. Tage, wenn der letzte gelöst ist. beim 
Feste erscheinen. Dasselbe beginnt mit einem Gastmahle. 

Taps darauf wird nach alter üeberlieferung ein seltsamer Ruf 
ausgestossen, nämlich die Leute rufen in den Wind, gegen die See 
zu, einijie seltsame Worte, das ist des Fremden Ruf, als ob sie die 
fremde Welt von ihrem Feste benachrichtigen wollten. Des Fremden 
Ruf, dessen Sinn jetzt unverständlich geworden ist. wiederholt sich 
einigemah' während des Festes. 

Die Hütte wird mit Flaggen und Tüchern geschmückt, es wird 
dabei grosser Aufwand entwickelt, denn durch dieses Fest gewinnt 
die Familie an Ansehen 

Es ertönen die Gongs und die Theilnehmer versammeln sich 
zum Feste; die Geister fürchten den Gong, die Flaggen und das 
Wehklagen. Heim Feste geht es so zu, wie beim Fackelfeste be- 
schrieben: diesmal wird ein feierlicher Gesang vorgetragen und der 
sogenannte Tabakhut. aus Cigaretten gemacht, dabei aufgesetzt. Es 
geht immer toller und lärmender zu, schliesslich erreicht die Erregung 
einen derartigen Grad, dass die Wüthenden, Gläser, Teller, Wasser- 
schalen zerschlagen, die Gigarrettenhüte, Betelrinde und Tabak ver- 
nichten. Hernach folgt Abspannung und Ruhe. 

Am nächsten Tage ist ein Gastmahl und darauf wird der soge- 
nannte Tanz der Alten getanzt. Dafür werden die Tänzer mit Stücken 
Tuch beschenkt, der Vortänzer erh.'^lt eine Lendenbinde, die Vortänzerin 
ein Lendentucli überdies. 

Auch am nächstfolgenden Tage wird wieder getanzt; diesmal 
ist der Tanz etwas heiterer und wird nicht gezahlt. Er heisst der 
neue Tanz oder T.mz der Jungen. 

Der Tanz ist der Nikobaresen höchste Lust, sehr feierlich, ernst 
langsam und darin gipfelt ein jedes Fest. Etwas ganz Anderes, als 
was wir unter Tanz verstehen. 

Man macht dazu in der Mitte der Hütte Platz. Der Vortänzer 
tritt vor und alsbald bildet sich ein grosser Kreis, indem ein Jeder 
seine Hände auf des Nachbarn gleichnamige Schulter legt. Der Chef 
hebt den Gesang an, macht bald einen Schritt nach Links, bald nach 
Rechts, indem er das bewegte Bein schwingt, was Alle nachahmen, 
da sie ihn genau im Auge behalten. Zeitweise sinken sie in die 
Knie, hocken auf den Fersen, es folgt ein grotesker Sprung; auch 
treten sie einen Sehritt nach vorwärts oder rückwärts. So wiederholt 
sich dasselbe ohne Anmuth, steif, mechanisch, ohne Begeisterungt. 
beständig von ihrem näselnden Gesänge begleitet, dauert es bis spät 
in die Nacht hinein. Ein neuer Abschnitt des Festes beginnt mit dem 
ersten Viertel des nächsten Mondes. Es werden Cocosnüsse gesammelt 
und viele grosse Canoes gehen selbe von den cocosreichen Küsten 
abzuholen : so fahren beispielsweise die Leute von Nangcauri nach 
Trinkat oder die Westküsten von Kamorta und Nangcauri. Diese 
Fahrt dient zur Erholung nach vielen durchschwärmten Nächten und 
bietet den Eingeborenen grosses Vergnügen. 



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1 



112 

Auch <lie folgenden Tage vergehen bei Gastmälern, Orgien, wie 
sie kurz bevor beschrieben wurden, auch darf der Tanz nicht fehlen. 
An einem Morgen findet ein Wettfahren der Canoes statt, wobei es 
viel Kurzweil gibt. Selbe sind reic'i geschmückt mit Bugornamenten, 
Phantasiemasten und Flaggen. Zur Erfrischung der jungen Leute, 
welche rudern, werden junge Cocosnüse mitgenommen. 

Der dritte und wichtigste Abschnitt des grossen Todtenfestes 
beginnt mit dem nächsten Vollmonde. Viele Freunde werden erwartet 
und die Hütte wird zum Feste vorbereitet, man decorirt sie mit Pisang- 
blättern und den grossen Blättern des Calladium nymphaefolium (einer 
Arumart) mit Zuckerrohr und Arecapalmwedeln. 

Der Todte soll wiederum für kurze Zeit in die Hütte einzielien 
und ihres Glückes Zeuge sein, nach langer Trauer und Enthaltsamkeit. 
In der Hütte werden an zwei Stellen Plattformen errichtet, darauf 
kommen l'uch, Lendenbinden, Uum, Palmwein, dann die Todtenhftte 
für Frau und Manu, denn daselbst werden die Schädel Platz nehmen. 
Es entwickelt sich ein ungewöhnliches Treiben. Von allen Seiten 
kommen die Verwandten und Freunde mit ihren Canoes herangefahren. 
Die Angehörigen baden und schmücken si«'h. rasireu sich das Haar 
ab und reiben sich mit Curcuma ein Zum Grabe welches eröffnet 
werden soll, wird eine Votivplatte getragen; es pflegen gewöhnlich 
mehrere Gräber einer Familie eröffnet und die Schädel gleichzeitig 
herausgenommen zu worden. 

Es erfolgt der feierliche Zug zum Grabe. Heulend lassen sich 
die Weiber an den Grabpfosten nieder. Später folgen die Milnner, 
voran der nächste männliche Verwandte des Verstorbenen als Haupt- 
Leidtragender. Dieser sammelt vorerst den Rest jener Gegenstände, 
welche als Eigenthum des Verstorbenen hier niedergelegt worden 
waren. Davon werden die Eisentheile später mit dem Schädel ins 
Grab zurückgelegt. Der Genannte beginnt die Erde beim Denkmale 
zu entfernen, mit einem Stücke Holz, dann mit einer Cocos-schale, 
«chliesslich mit der Hand. Je näher er dem Schädel kommt, desto 
vorsichtiger geht or vor. Heim Anblicke desselben erhebt die ganze 
Verwandtschaft ein lautes Klagegeschrei. Er aber hebt ihn zärtlich 
heraus, reinigt ihn von der Erde und übergibt ihn der nächsten 
weiblichen Vt rwandten. Hernach sucht er alle Werthsachen zusammen, 
welche mit dem Leichnam in der Erde gelegen waren. 

Zwei junge Leute, angethan mit Fechtmützen, beginnen zu 
fechten. Der Nikobaresen .\rt zu fechten, ist sehr einfach. Sie be- 
dienen sich dazu langer dünner Stecken von der garcinia speciosa 
oder wilden Mangostane, womit si«^ sich über Kopf, Schultern und 
Hände zu schlagen trachten. Das in beiden Händen gehaltene untere 
Ende des Stefk» ns ist mit einem Stück Cotton umwunden. woc:egen 
das dünne obere Ende früher in Schweineblut getaucht, d.inn in Sand 
oder für den Ernstfall auch in Glassplittern gerollt wird. 

Hier beim geöffneten Grabe bedeutet der Zweikampf, dass die 
Angehörigen keinen Schmerz scheuen, um den Seelengeist des Ver- 
storbenen zu versöhnen. Während das Volk dem Kampfe zusieht 



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113 

wird der SchAdel mit dem Wasser einer sehr unreifen Cocosnuss 
gereinigt, sodann mit Carcuma bestrieben. Dann errichtet man das 
Kopfimonument wieder, und decorirt es mit neuen Tucbstreifen. Ein 
Stück Tucb wird zwischen Scbädel und Unterkiefer gelegt, das Ganze 
mit einem rotben Tuche umwunden, ferner mehrere Tücher abwechselnd 
weiss und roth darüber gewickelt. 

Währeod jetzt die Procession mit dem Schädel sich der Hütte 
nähert, kommen diejenigen Angehörigen, welche seit dem Begräbnisse 
in Acht erklärt waren, weil sie weder damals noch beim Fackelfeste 
erscheinen konnten. 

Sie kaufen sich von der Trauer und der freiwilligen Entsagung 
8« vieler Genüsse mit vielen Geschenken los, denn sie bringen Cocos- 
nüsse, Schweine, Zuckerrohr, Yamswurzel, Arum, Tuch, eine Vötivplatte. 
Flaggen. Cigaretten und sehlagen einen Gong. Nachdem man in der 
Hatte angekommen ist, werden fünf bis sechs Lampen angezündet. 
Die Schädel werden auf die Plattformen gelegt und ihnen die Todten- 
hüte aufgesetzt Man trägt für sie ein Festmal, ßetel als auch Tabak 
auf. Die Anwesenden liebkosen die Schädel. In dieser Nacht hat 
die lange Ti-auer und die Abstinenz ein Ende, Leute welche bis '2 Jahre 
nicht Betel gekant, nicht geraucht hatten, thun es jetzt mit be- 
greiflichem Vergnügen. Angesichts des Todten übergeht also Entsagung 
in den höchsten Genuss 

Am nächsten Morgen tragen die Weiber den Sciiädel wieder zum 
Grabe, während die Männer am Wege fechten. Nachdem das Grab 
wieder zugeworfen ist, werden darauf Gartenfruchte geopfert. 

.Man kehrt heim und schlachtet alle Schweine, welche seit Monaten 
för das Fest dick semästet wurden. Dieselben sind die Lieblinge der 
Weiber, welche nun um die armen Opfer viele Thränen vergiessen. 
Ungeheuere Mengen Schweinefleisch werden zum Kochen hingestellt, 
grosse Chowratöpfe stehen in langer Reihe über kleinen Feuern, denn 
es soll von Sonnenuntergang bis zum nächsten Mittag kochen. 

Die Rückentheile sind für die Geister bestimmt und werden 
niclit gekocht. In jedes bekannte Haus wird gekochtes Fleisch geschickt 
und jedes Canoe das abgeht, bekömmt Fleisch mit. 

Das Feuerfest, der Abschluss der Todtenfeste. 

Die trockenen Blätter von der Decoration der Hütte, welche einen 
Monat verblieben waren, werden nun herabgenommen und ein langer 
Haufen, etwa 40 Fuss lang und 4 breit, wird daraus gemacht ; dann 
schneidet man die Stengeln junger (^cosnüsse ab und bildet einen 
zweiten kleinern Haufen. Sodann nimmt man Matten aus alten und 
frisch^^n Cooosblattern und von Arecablatt, bindet sie um einen dicken 
Pfosten zusammen, gibt eine Lunte und zwei Cocosnüsse dazu. 

Die bösen Geister, weiche aus der Hütte getrieben werden sollen, 
müssen sich auf die Matten setzen. Mit Feuerhölzern wird Feuer 
gemacht, eine Fackel in Brand gesetzt. Es formirt sich folgender Zug : 

Voian schreitet ein Manu mit der brennenden Fackel, mit welcher 
er an den Hauspfosten auf und ab ßlhrt; dann ein Mann, welcher 



Hfej^ju.^. 



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1 



m 

den Gong sdilitgt; ein Mann welcher mit zwei Stöcken an die Haas- 
pfostoi schlingt. Dies soll bezwecken, die bösen Geister zu erschrecken 
und Kiim ViTtasgen des Hausos zu zwingen. Nun kommen zwei Mann, 
welclie (las Müttenbündel schleppen; zuletzt aber kömmt Manluena, 
tlpr Zauberei ganz seltsam anzusehen. Der Herr Doctor hat einen 
ruasigi'ji To|if am Kopfe, zerrt einen Trog; hinU-r sich und ohne das 
Gesicht '£VL vetxiihen ruft er beständig Katschok-tschok-tschok. Er 
IfK'kl die Seelf ngeister der beim Feste geschlachteten Schweine, damit 
&i<' nifbt als Iwts den noch lebenden Schweinen nachstellen. 

Ureimril ^eht die Procession um die Hütte, auch darunter weg 
und y^langt schliesslich an den Strand, wo das Mattenbündel mit 
den glücklich eingefangenen Iwi's in den Bereich der Flut niederge- 
legt wird Die Fackel geht einmal um das Bündel herum und die 
(icitti^v dürff^n nunmehr dasselbe nicht verlassen. 

Jetzt gehen alle männliche Verwandte und Zuschauer zum 
üffeneii Platze, wo die trockenen Blätter liegen Mit der Fackel wird 
der Blf^Ui^rhatife.n zuerst entzündet, so dass ein gr)sses Feuer ent- 
steht. Die Mäiirier rennen nun kühn durch die ganze Länge desselben. 
Wir kftniien uns das Uild etwas ausmalen. Unterdessen war es dunkel 
geworden und rla« hell lodernde Feuer beleuchtet die wilden, schwarzen 
Gestalten w<filehe tollkühn in den Brand eindringen, ihn mit grossen 
Sprüngen du ir heilen und höchstens mit versengten Haaren heraus- 
kommen Eh inuöis dies in Berücksichtigung der seltsamen Umjrebung 
auf feinen frennleu Beobachter einen eigenthümlichen Eindruck machen. 

Nun wird auch der kleine Haufen angezündet und es wieder- 
liolt sich dieselbe Scene. Die Leute glauben damit, das in ihnen 
befindliche kalte Fieber zu heilen. 

Ein Festmal mit Tanz beschliessl die ganze lange Reihe der 
Todrenfestlichkeiten, welche sich lange Zeit in der Erinnerung der 
Urtssbewulmur erhalten werden. Zum bleibenden Angedenken jedoch 
wird eiü Votivbild gemalt und in der Hütte angebracht. Der Todte 
ist nun ganz viTgessen, man glaubt auch seines Seelengeistes glücklich 
los gt? wohin n /u sein und es beginnt ein neuer Zeitabschnitt für die 
Fnnrjlie, deren Umgebung und für die ganze Ortschaft. 



Zwei Höhensehiehtenkarten von Frankreich. 

\i»Ti Anion Steinhäuser, k. k. Regierungsrath. 

Fr^fikn^rli ist im Ganzen ein ziemlich flaches Land, denn 
ülmr die Ihdtte seiner Oberfläche liej/t tiefer als 380 Meter. Eine 
Hcliicldfuikaiie dieses Staates hat daher die Aufgabe zu lösen, vor- 
sju^sweise die Stufen des Tieflandes und Hügellandes ersichtlich zu 
machon. luni damit diese deutlich und in genügender Weise zum. 
Voi'richoino klimmen, je nach dem Massstal)e der Zeichnung die 
Hühf der SUilni zu bestimmen. Selbstverständlich gibt es eine (irenze 
dier^or Scalü . ^Vw dort liegt, wo die Niveaulinien durch zu grosse 



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«t: 



115 

Menge das Abzählen erschweren oder gar unmöglich machen. Es 
empfiehlt sich demnach, bei einem Lande wie Frankreich keine gleich- 
förmige Scala zu Grunde zu legen, sondern das Flachland mit 
niedrigen das Hochland mit hohen Schichten auszuführen, vielleicht 
noch eine dritte Scala einzuschieben, die dem Mittelgebirge ent- 
spricht Um eine Schichtenkarte gewiss(*nhaft auszuführen, ist ein 
möglichst reichhaltiges hy{)sometrischos Materiale erforderlich, vor- 
zugsweise topographische Karten, die eine gute Terrainzeichnung 
haben und möglichst zahlreiche Goten enthalten, und zwar, wenn 
man die Forderungen höher stellt, Goten, die (wie es bei den Höhen- 
zahlen der öst(*rreichisch -ungarischen Gradkarte d(*r Fall ist) durch 
die Signatur erkennen lassen, ob sie mit einem hohen Grade der 
Genauigkeit gemessene Triangulirungspunkte erster und zweiter Ord- 
nung oder weniger verlässlich bestinmite Punkte dritter Ordnung 
sind. Besonders wichtig sind Thalpunkte für das Einzeichnen der 
Endpunkte der Schichten, weil diese selbst aus der besten Schraffirung 
nur unsicher abgeschätzt werden können, Frankreich hat in karto- 
graphischen Erzeugnissen von jeher eine Hauptrolle gespielt; jeder- 
zeit sehen wir es voran in allen Theilen der V(Tmessung und 
Kartographie. Auch die erste Idee der Schichtenkarten entstand auf 
seinem Boden, schon in der Hälfte des vorigen Jahrhunderts 
(Buache. 1752 — 1770) und auf Landkarten am Schlüsse desselben 
(du Gaara und Dupain-Triel, 1791 — 1802), zu einer Zeit, wo noch 
die Höhenmessungen selten waren (Montblanc, Ganigou, M. Dore). 
Napoleon's 1. Kriege verhinderten das im Jahre 1802 geplante Nivelle- 
ment von Frankreich, und die Furcht vor der zu langen Verzögerung 
der 1816 von La IMace vorgeschlagenen, 1818 begonnenen Special- 
karte von Frankreich verursachte, dass Schichtenlinien von 10 Metern 
Abstand auf die Aufnahmsmappen beschränkt blieben, nur auf den 
vier zuerst erschienenen Blättern eingestochen, auf den restlichen 
260 Blättern aber nur die Goten beif)ehalten wurden. Und so ist 
es gekommen, dass während dem Fortschreiten der grossen topo- 
graphischen Karte Frankreich von anderen Staaten, selbst von der 
kleinen Schweiz^ überflügelt wurde und in hypsometrischen Detail- 
karten nicht mehr den obersten Rang einnimmt. Auch olficielle 
Höhen Verzeichnisse mangeln, durch die man unterrichtet w^rd, 
welcher Grad von Genauigkeit den Goten zukömmt, ob die ge- 
messenen Höhen (z. B. Thurmkreuze) auf dem Boden der Signale 
reducirt wurden etc. Auch fiUlt bei genauer Durchsicht der Blätter 
auf. dass in den grossen Wäldern selten Goten erscheinen, obgleich 
man bei bewaldeten Kuppen grössere Höhen voraussetzen kann, 
aLs im umgebenden Gulturlande. Aus dem Gesagten geht hervor, 
dass .eine entsprechend verlässliche hypsometrische 
Karte von Frankreich ohne Einsicht und Benützung der Auf- 
nahmsmappen nicht wohl möglich ist, und dass auch eine Ueber- 
sichtskarte stellenweise Schwierigkeiten bietet, die ohne das Zurück- 
gehen auf die Originalquellen kaum beglichen werden können. Es 
bestehen zwei grössere hypsometrische Karten von Frankreich, 



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116 

beide in demselben Massstabe 1 zu 800.000 der Natur, aber gänz- 
lich verschieden in der Anlage und Ausführung, die im Folgenden 
einer eingehenden Besprechung unterzogen werden sollen. 

I. Carte du nivellement g^neral de Ja France. Figur^ 
par des courbes d'altitude ä Pöchelle de 1 ä 800.000. 6 Blätter 
Gross-Folio. 

Diese Karte, offenbar officiellen Ursprungs, weil sie sich als Reduction 
des Nivellements der grossen topographischen Aufnahme ankündigt, dürfte um 
das Jahr 187-2 entstanden sein , denn sie erschien 1873 in der Wiener Welt- 
ausstellung. Sie besteht blos aus dem blau gedruckten Flussnetze, den 
Nivoaucurven und ziemlich vielen Höhenzahlen in Schwarz; kein Gradnetz, 
k«in Ort; kurz, ausser den Krümmungen der Flüsse nicht der geringste Behelf 
zur Orientirung. Eine »Legende« unter dem Titel gibt Nachiicht von der Licenz 
bei Ziehung der Curven in Gegenden, wo die volle Ausführung nur Verwirrung 
veranlasst haben würde. Die Stufen haben 100 Meter Höhe; jede vierte Stufe 
hebt ein dicker Strich hervor. Wo die Schichten zu enge werden, sind nicht 
alle vier Zwischenstufen ausgeführt. Weil die Schichten nicht nach einer Scala 
von Farben nuancen abgetönt erscheinen, erhalten sie eine deutliche Uebersicht 
erst durch nachträgliche Colorirung. Weil in Frankreich, wie schon früher 
bemerkt wurde, das niedere Land vorherrscht, so zeigen sich die unteren vier 
Schichten im West und Nord als weit ausgedehnte Räume, so dass man 
wünschen möchte, die Undulation des Bodens durch Einschiebung von Zwischen- 
schichten verfolgen zu können. Wenn man jedoch einen Blick auf die Provence 
wirft, wo die Vorberge der See-Alpen schnell zu bedeutender Höhe aufstreben, 
so begreift man, dass eine gleichmässige Einführung von Zwischen- 
schichten in dieser Region eine stellenweise Ueberladung mit Curven nach 
sich ziehen würde, abgesehen davon, dass die Anwendung einer harmonisch ab- 
getönten Scala bei der Häufung von Schichten zunehmend schwieriger wird. 
Die Generalisirung der Höhenzüge durch Zusammenfassen einer Reihe von 
Gipfeln ist von geringer Hedeutung, wenn die Höhen so nahe einander folgen, 
wie die Perlen eines Rosenkranzes, und wenn die dazwischen fallenden Senken 
in die nächst untere Schichte wenig eintauchen; sie erhält aber Gewicht, 
wenn man die Curvenzeichnung zur Construction von Profilen verwenden 
will. Dann macht sich der Wegfall von Mittelschichten und die Generalisirung 
d» r Kämme und Massen empfindlich und dadurch erhält die Ansicht Begrün- 
dung, eine Schichtenkarte mit einer, wenn auch nicht in voller Schärfe und 
Kraft ausgeführten Terrainzeichnung zu verbinden, um auf diese Weise 
die volle Bewegung der Oberfläche zum Ausdrucke zu bringen, die absolute 
und relative Höhe durch die Curven, und die Unebenheiten zwischen den 
Schichten durch die Schraffen. Insbesondere ist die Mithilfe der Terrain- 
zeichnung dann angezeigt, wenn die Anzahl der Schichten geringer und ihr 
Abstand höher ist. Diesen Grundsatz sehen wir mit Vortheil angewendet in 
dem Cyclus von Wandkarlen der europäischen Staaten von Richard Kiepert, 
und er eignet sich für alle Karten, die ein deutliches, übersichtliches und 
dem Massstabe entsprechendes Bild eines Landes geben sollen. Kömmt die 
Terrainzeichnung aus irgend einem Grunde zur Ergänzung des Terrainbildes 
niclit in Anwendung, so sjltte doch die Anzahl der Goten desto reichlicher 



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117 

sein, je grösser die Flächenräume der Schichten sich ergehen. In dieser Be- 
ziehung ist die obige Schichtenkarte mit verständiger Auswahl ziemlich reich 
dotirt; auch in den Thälern p^ewahrt man Höhencoten Man sieht klar, wie 
in einem breiten Rücken die Gipfel bald wenig über die untere Schichte sich 
erheben, bald sich der oberen Schichtengrenze nähern, bald in der Mitte, bald 
auf einer Seitenwiderlage aufragen u. s. f. Das ersetzt einigermassen den 
Mangel der Terrainzeichnung, die in diesem Massstabe ebenfalls der Generali- 
sirung unterliegen müsste. Man braucht sich nur vorzustellen, wie viel bei 
einer zwanzigfachen Verjüngung am Detail verloren gehen muss, und 
wird sich gerne zufriedenstellen mit dem, was geboten wird, wenn man sich 
die Ueberzeugung verschaffen kann, dass die Generalisirung nicht bis zum 
Extrem getrieben wurde. 

2. Carte hypsometrique de la France ä Tabelle de 
1 ä 800.000 par H. Pigeonneau et F. Drivet. (Profondeurs des mers 
dapres M. Delesse.) Libraire classique d'Eug^ne Bei in. 9 Blätter 
in Farbendruck. ( 18 . . ?) 

Die Autoren geben im Titel die Quellen an. aus denen sie geschöpft 
haben, vor allen die topographischen Karten des französischen Generalstabes^ 
dann Tür die angrenzenden Länder die Arbeiten von Papen. Ziegler. Stieler etc. 
In Bezug auf die Schichtenzeichnung haben sie die Classen l'»<», 20(). *^(X), 
m 601). 800—1200. IKOO u. s. f. um 400 Meter waclisend bis 4800 Meter 
aufgestellt und eine Farbenscala angenommen, die zwischen 240i) und 280;) 
ihren dunkelsten Ton hat, und von da nach oben und unten abnimmt. Die 
obersten vier Schichten bleiben weiss. Die Höhenstufe von 8fM»— 1200 macht 
sich durch Hellgelb auffälliger als die übrigen. Im Gesammtbilde treten durch 
die Anordnung der Farben wohl die Hochgebirge und das Hochland, auch 
das Tiefland durch seine grosse Ausdehnung klar hervor, aber das niedere 
Bergland (zwischen 400 und 8 K) Metern) trennt sich fast gar nicht in seine 
Abstufungen, weil die ihm zugewiesenen verwandten Farbentöne so zart und 
dünn gehalten sind, dass sie selbst in der Nähe mit Mühe unterschieden 
werden und daher im Gesammtbilde in eine Masse zusammenschmelzen, die, 
zwischen den lichten Tönen eingelagert, eher den Eindruck tiefeier Erdstellen 
macht. Die Niveaulinien sind gleichfalls die feinsten Linien und treten gegen 
die Signatur der Strassen weit zurück. Wo die überkräftige Signatur der grossen 
Waldcomplexe erscheint, verschwinden die Curven sowie die Farbentöne voll- 
ständig, und jede Höheninsel an solchen Stellen (wenn sie dort überhaupt 
vorkommen?) würde unsichtbar bleiben. 

V^ergleicht man diese Karte mit der früher erwähnten in Beziehung auf 
die Contouren der Schichten, so zeigen sich stellenweise Abweichungen, die 
vielleicht daher rühren, dass die Autoren von der Generalisirung einen weniger 
ausgedehnten Gebrauch gemacht haben. Die Vernachlässigung mancher Höhen- 
insel, die auf der anderen Karte zu sehen ist, dürfte vielleicht in dem Um- 
stände zu suchen sein, dass bei der principiellen Nichtaufnahme von Höhen- 
zahlen solche isolirte Erhebungen leicht übersehen werden konnten. Das Grad- 
netz der Karte ist nach Centigraden ausgezogen, was auch auf der grossen 
topographischen Karte der Fall ist. Um auch der Nonage^imaltheilung zu 
genügen, ist die Karte von einem zweiten Gradrande umgeben Wenn man die 



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118 

Karte nach ihrem ausgesprochenen Hauptzwecke betrachtet, so drängt sicli der 
<5edanke auf, dass das hypsometrische Element weniger begünstigt wurde, 
als man zu erwarten hoflfte. und dass diese Karte mit der vorerwähnten einen 
•diametralen Gegensatz bildet. Was diese durch den strengen Ausschluss fast 
aller übrigen Elemente an Brauchbarkeit einbüsst, das büsst auch diese in 
anderer Weise ein durch die nicht genügend ausgebildete Behandlung des 
vorzugsweise zu cultivirenden Inhalts. Sie ist zweifellos eine durch 
<lie sonstige Ausführung schöne und lobenswerthe Karte , aber als 
hypsometrische Karte lässt sie sowie ihre Rivalin gar Manches zu 
Avünschen übrig und füllt für Frankreich das Repertoire dieser Gattung nicht 
in dem Masse aus, dass sie als Schlussstein betrachtet werden kann. 

Es fehlt in Frankreich nicht an vortrefflichen hysometrischen Karten 
grossen Massstabes, die aber nur einzelne Theile betreffen, z. B die Alpen, 
die Umgegend von Paris und andere, auch nicht an Beliefs, die als aus 
hypsometrischem Materiale entstandene Verkörperungen der Höhe den hypso- 
metrischen Flachkarten nahe verwandt sind. 

Es ist zu hoffen, dass die grosse topographische Karte von Frankreich, 
die dem unabwendbaren Veralten, wie alle Detailkarten, nicht entgehen 
wird mit der Zeit einer neuen weichen wird, bei der die Aufnahme der so 
wichtigen Niveaucurven , nicht, wie es im Jahre 1834 geschah, eingestellt, 
sondern als unentbehrliches Erfordernis angesehen werden wird. So grossartig 
ein solches Unternehmen ist, so ist durch die Fortschritte der Technik Arbeit 
und Zeit gespart, und eine Reihe friedlicher Jahre genügt zur Ausführung. 
Was Oesterreich - Ungarn in 14 Jahren zu vollenden vermochte — die aus 
749 Sectionen bestehende Gradkarte, das wird wohl Frankreich, dem die 
brauchbarsten und geschicktesten Kräfte in Fülle zu Gebote stehen, in gleicher 
Weise zu leisten möglich sein. 



Geographische Literatur. 

Europa. 

Generalkarte von Mittel-Europa im Masse von 1:200.000. 
Herausgegeben vom k. k. Militär-Geographischen Institute in Wien. 
260 Blätter ä 60 kr. (auf Leinen gespannt 1 fl.) Wien, R. Lechner, 
General Depot des Militär-Cieographischen Institutes. 

In ausserordentlich thätiger Weise sorgt das berühmte k. k. Militär- 
Geographische Institut in Wien, dessen Leistungen auf dem Gebiete der Karto- 
graphie sich mit Recht eines Weltrufes erfreuen, für die Herausgabe von topo- 
graphischen Karten in den verschiedensten Massstäben. Dabei ist besonders 
anerkennenswert!!, dass sich das Institut hiebei nicht auf Oesterreich-üngarn 
beschränkt, sondern in ziemlich weit ausgreifenden Rahmen ganz Central- 
Europa stets in Betracht zieht. So erstreckt sich auch die vorliegende Karte 
von Odessa und dem Dnjeper bis nach Nizza und an den Rhein in 0. W. 
Richtung und von Stettin bis Rom und Konstantinopel in N. S. Richtung. 
Nachdem bereits früher das Militär-Geographische Institut eine General-Karte 
von Central-Europa in 1 : 300.000 sowie eine Uebersiciitskarte von Central- 



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119 



Europa in 1 : 75O.000 herausgegeben hat. stellte sich die Nothwendigkeit einer 
noch detailirteren Generalkarte von Central-Europa heraus, welche die Mitte 
zwischen der Specialkarte in 1 : 7;».000 und der Generalkarte von Central- 
Europa in 1 : 300.0U0 halten sollte. Es wurde hiefür der für Generalkarten 
häufig adoptirte Massstah von l : 200.0()0, welchen auch die ehemals Rey- 
mann'sche Karte von Central-Europa besitzt, gewählt. 

Bei der Herausgabe dieser Karte war das Institut von folgenden Gesichts- 
punkten geleitet! 

Die Karte von Mitteleuropa soll in der beiläufigen Ausdehnung der bis- 
herigen Generalkarte und /war als Farbenkarte im Masse 1:200.(X)0 der 
somit 1 cm der Karte gleich 2 km erscheinen. Sie reicht von 58° 30' bis 4()° 
SCK nördlicher Breite und vom 24° 30' bis 48" 30' östlicher Länge. Die. Längen- 
grade sind analog wie in der Special- und in der Ueliersichtskarte von Ferro 
gerechnet. Im ganzen besteht die Karte aus 260 Blättern, ihrer Protection nach 
Gradkarten, von 1 Grad Höhe und Breite, mit den ganzen Graden in der Mitte 
des Blattes. Jedes Blatt wird nach seinem mittleren Längen- und Breitenmeridian, 
unter Beifügung des wichtigsten Ortsnamens benannt; z. B.: 34°. 4b°. Wien. 

Je acht Blätter der Specialkarte im Masse 1 :75.<MiO umfassen denselben 
Raum wie ein Blatt der Generalkarte 1:200.000, was sowohl bei der Herstel- 
lung der neuen Karte als auch bei der graphischen Darstellung vieler tech- 
nischer Entwürfe und Projecte. die in beiden Massstäben ausgeführt werden 
müssen, von besonderem Vortheile ist. Die durchschnittliche Breite eines 
Blattes in der Zone des 48 Breitegrades ist 37-31 cm bei einer Höhe von 
5559 cw» und bringt eine Fläche von 8 2 956 z**^ der Natur zur Darstellung. 
Die schmale Seite des Blattes entspricht einer Luftlinie von 74-5 A*»i 

Bei den Eisenbahnen wird bezeichnet ob normal und ein- oder mehr- 
geleisig. ob schmalspurig; die für den gros-^en Verkehr minder wichtigen 
Tramways, Zahnrad-, Drahtseil-, die elektrischen und Industriebahnen werden 
mit einem eigenen summarischen Zeichen markirt; ebenso wird die Lage der 
Amtsgfhäude, ob rechts oder links vom Geleise angebracht. Von den Weg- 
communicationen werden alle Strassengatttungen. die besseren Verhaltenen) Fahr- 
wege, sowie die in den Aufnahms-Sectionen schon markirten Verbindungswege 
der Ortschaften, endlich die wichtigsten Jochübergänge unbedingt, die seitlich, 
oder auf Umwegen führenden, oder minder practiciiblen Wege nach Zulässig- 
keit möglichst vollständig aufgenommen, um den Inhalt der Karte sowohl für 
Militär als auch Civil so erschöpfend als thunlich zu gestalten. Das Strassen- 
netz ist in Chausseen und Landstrassen geschieden; die übrigen Weggattungen 
entsprechen in Bedeutung und Signatur der Specialkarten. Die Brücken unter- 
scheiden sich nach ihrem Materiale in hölzerne und steinerne. 

Die Zeichnuni: der Ischaft ist, soweit es der Masstab der Karle erlaubt, 
die planmässige, und werden nur jene geschlossenen Orte, welche zu unbe- 
deutende räumliche Ausdehnung haben, mit dem Ortsringel gegeben. Von den 
Wohnungen werden alle Städte. Märkte und Dörfer, sofern sie Gemeindeortc 
sind, unbedingt. We ler, Gehöfte und markirte Objecte. z. B. Wirthshäuser, Fa- 
briken nach Zulässigkeit^des Raumes möglichst vollständig aufgenommen. Kleine 
Weiler, Gehöfte, einzelne Häuser werden besonders längs der Communicationen, 
abseits derselben d e wichtigeren oder der Orientierung dienlichen Objecte wie : 
Schlösser, Klöster, Kirchen. Ruinen und grosse Gehöfte markirt. 



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120 

Analog der Generalislrung des topographischen Details ist jene des 
Terrains, und gilt dabei als allgemeine Regel, das jedes Objcct richtig situ rt 
sei und durch eine en'sprechende Vertheilung der Goten auf Kuppen, Ein- 
sattlungen, Gebirgsübergänge und wichtige Thalpunkte die Ueberhöhungen 
markirt werden. 

Für die Beschreibung in der Karte sind die Scbriftgattungen, der so 
nothwendigen Einheitlichkeit wegen- analog mit der Special- und der Ueber- 
sichtskarte gehalten, so z. B. die römische Rotidschrift für Städte und Märkte, 
Batardschrift für Terraintheile, Blockschrift für Gebiete und Culturen. endlich 
Cursiv für Gewässer, Dörfer und alle übrigen Objecte. Uebereinstimmend ferner 
sind die Abkürzungen und die national-sprachlich richtige Schreibart der No- 
menclatur; letztere im Fnlande nach der Specialkarte, im Auslande nach den 
verwertheten officiellen Kartenwerken. 

Bei der Ausführung dieses Werkes wurden die neuesten officiellen 
Kartenwerke berücksichtigt, und bezügl ch des Erscheinens der Blätter auf die 
officielle Kartographie angrenzender Staaten, welche theilwese in vollständiger 
Umarbeitung, the Iweise erst im Entstehen begr ffen ist, Rücksicht genommen. 

Die uns vor.iegende erste Lieferung dieses Werkes umfasst folgende 
Blätter: 44^ 50*» Ostrog. 43° 49^ Kolema, 4i<' -IQ^' Stanislau, 40° 49" Ungvär 
38^ 49° Leutschau, 37° 49° Neusolil. 36° 48'"' Komorn, 35^ 48^ Pressburg, d.e 
Zeichenerklärung und Skelett. Es ist somit e n grosser The 1 von (Ost) Galizien 
und von Nord-Ungarn publiciert und der Rest soll bald nachfolgen. 

Was die Ausführung der Karten anbelangt, so müssen sie als mustergiltig 
betrachtet werden. Insbesondere zeigt sich die hohe technische Vollendung des 
Farbendrucks im Institute, indem die verschiedenen Töne, blau: Gewässer, 
braun : Terrain in Schraflfen und grün Wald, schwarz : Situation auf das 
genaueste passen. Die Karte ist nicht überladen, die Schrift ist gross und 
leserlich. Störend wirkt etwas, das ungewohnte Format der Gradkartenblätter, 
indem die Höhe nahezu die '/«fache Breite des Blattes beträgt. Auch können wir 
hier den Wunsch nicht unterdrücken, dass die wissenschaftliche Verwerthung 
der Karte durch die Einführung der Isohypsen, soweit dies thunl.ch gewesen 
wäre, sehr gewonnen hätte. 

Die Karte, deren Terrainzeichnung äusserst plastisch und gelungen ist, 
und die auf dem neuesten Stande auch hinsichtlich der Communicationen ge- 
halten wird, sollte in Jedermanns Hand gelangen der sich für die Topographie 
seiner Heimat und deren kartographische Darstellung interessirt. Sie wird dem 
Militär-geographischen Institut neue Ehre heimbringen, davon hat uns schon 
die erste Lieferung überzeugt, und werden wir das Fortschreiten dieses gross- 
angelegten Werkes mit besonderem Interesse verfolgen. Le Monnicr 

Gimino. Lettere Istriane. L'Istria. Parenzo Jahrg. VIII. 
Nr. 371. 3, 5. 

Der Verfasser gibt eine Beschreibung des Ortes Gimino in Istrien, wobei 
wir erfahren, dass G. einst befestigt war und das einzelne Befestigungs werke 
u. zw. speciell drei Thürme des Umfassungsgürtel noch erhalten sind. Gimino 
bildet eine der Gemeinden Istriens, wo sich die Slaven in grosser Majorität 
befinden und geniesst einen gewissen Ruf durch seine fünf Jahrmärkte, bei 
welchen der Ethnograph reichliche Gelegenheit findet, die verschiedenen, Istrien 



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121 

bewohnenden Stämme, versammelt zu sehen. Diese Märkte sind in der Provinz 
deshalb sehr bekannt, weil drei davon eigentliche Thiermärkte sind und weil 
bei denselben die Bauern der Umgebungen ihre Feldgeräthe ankaufen. Man 
kann sich somit während eines solchen Marktes einen guten Begriff von der 
diesbezügUchen gewerblichen Thätigkeit der Einwohner machen. 

Bei dieser Gelegenheit sind wir in der angenehmen Lage mittheilen zu 
können, dass Herr Tamaro. der Verfasser der »Lettere Istriane« die Absicht 
hat. nachdem er die Beschreibung von ganz Istrien in dieser brieflichen Form 
vollendet haben wird, diese ganze interessante Sammlung gesammelt und mit 
Plänen und Zeichnungen vei*sehen in einem eigenen Bande herauszugeben. 

E. G. 

»Bosnien und die Herzegovina,« Reisebilder und Studien 
von Johann v. Asböth (Sect.-R. a. D. im Ministerium des Aeussern* 
Mitglied des ungarischen Reichstages). Mit 87 ganzseitigen und 
175 Text-Illustrationen nach Aufnahmen des k. k. Oberlieutenants 
C. Mienzil Originalphotographien der Kunsthandlung Königsberger 
in Sarajevo u. A., sowie 1 hislor. und 3 statistischen Karten 
und Tabellen. Wien 1888 bei Alfr. Holder. 

Dieses Werk, das Bedeutendste, welches bisher über das Occupations- 
Gebiet geschrieben wurde, ist zuerst, u. zw. im Jahre 1887. in ungarischer, 
und gegen Ende 1888 auch in deutscher Sprache erschienen. Gegenwärtig wird 
es in's Englische übersetzt. Die deutsche Ausgabe vereinigt die 2 Bände der 
ungarischen Ausgabe in einem starken Bande (Quartformat) von 480 Seiten. 

Der Verfasser hat in den Jahren 1882 bis 1886 Bosnien und die Herze- 
govina fünfmal besucht, und indem er den Reichs-Finanz-Minister B. von 
Källay auf seinen Reisen in diesen Ländern begleitete, hatte er Grelegenheit* 
dieselben nach allen Richtungen kennen zu lernen und auch aus allen der 
Regierung zu Grebote stehenden Quellen zu schöpfen. Job. v. Asböth bietet 
uns nun auf Grund seiner Wahrnehmungen und Studien in der Form einer 
Sammlung von Fragmenten das Interessanteste, was sich über dieses so viel- 
fach merkwürdige Ländergebiet sagen lässt, und gibt uns eine vielseitig p 
Schildprung von wissenschaftlicher Gründlichkeit, während er zugleich durch 
die lebendige Darstellung unser Interesse fesselt. 

Der Inhalt des Buches ist nicht eigentlich systematisch geordnet, sondern 
halt, wie es scheint, dieselbe Reihenfolge ein, in welcher der Verfasser seine 
Studien und Beobachtungen gemacht hat. Der Umstand, dass die von ihm altj 
miterlebt geschilderten Ereignisse sich theilweise auf frühere Jahre beziehen, 
darf nicht übersehen werden, denn es haben sich auch schon in den letzten 
3. 4 Jahren wieder viele Dinare in Bosnien geändert und weiter gebessert. 

Das Werk beginnt mit der Reise aus Ungarn nach Serajevo. An die 
kurze Beschreibung dieser Hauptstadt schliesst sich ein Capitel über römische 
Alterthümer, dann unter der bescheidenen Aufschrift »die Bopumilenc eine 
ganz ausführliche Geschichte Bosniens und der Herzegovina während des Mittel- 
alters und eine Beschreibung der merkwürdigen Bogumilen- Gräber, hierauf 
unter dem Titel »Denkmäler der Türkenzeit« ein Abriss der Geschichte dieser 
Länder unter der Türkenherrschaft Die zwei nächsten Abschnitte behandeln 

Hitth. d. k. k. Ueogr. Ges. 188». 2 u. 3. 9 



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122 

Cnltus und Unterricht sowie die eigenthümlichen Besitzverhältnisse und ökono- 
mi^cliea Zustände; dann folgt eine ausführlichere Schilderung des Lebens und 
Treibf^tis in Serajevo und eine Reihe von Reisebildern, welche in 19 Abschnitten 
fast die Hälfte des Buches einnehmen; endlich ein Abschnitt über die bosnische 
Wapprufrage und zum Schluss eine Besprechung über die bosnische Literatur, 
insbesoudere auch über die Volkspoesie. von welcher übrigens auch in den 
andern Abschnitten viele anziehende Proben enthalten sind. Die Tabellen 13 
an dor Zahl, enthalten theils die Haupt- Ergebnisse der Volkszählung vom 
Jahre ISS") und der Evidenzhaltung der Geburts- und Sterbefälle während der 
ila rauf folgenden l4Monate, tlieils eine übersichtliche Darstellung der Leistungen 
auf dem Gebiete des Volksschulwesens und des Bauwesens und endlich eine 
ljehf*rsi«ht der meteorologischen Stationen und Pegel beobachtungen. Von den 
Kfirteri ist die erste eine historische, die zweite stellt die Bevölkerungsdichte, 
the ilnUe die Vertheilung der Confessionen. die vierte die Freibauern und 
(iruiui holden (richtiger Colonen-Kmeten) dar. Die drei letzteren Kärtchen sind 
ih\i \m[ der bosnischen Ortschafts- und Bevölkerungs-Statistik vom Jahre 1885 
syrnMVvdlichten Karten nachgebildet. Die im Buche enthaltenen zahlreiclien 
Alibi 1(1 inigen sind als sehr gelungen zu bezeichnen. Es ist nur Schade, dass 
jiuf ilom Bilde von Serajevo die neuen monumentalen Bauten. — wie die 
katholische Kathedrale, die mohamedanische Scheriatrichterschule u. s. w. noch 
Tiicht zu sehen sind. 

I las ganze Werk zeugt von ernsten Studien und genauen Beobachtungen. 
J)it Landesgeschichte ist nach den neuesten Quellen kritisch bearbeitet und 
zeigt uns in klarer Beleuchtung die mannigfachen, mit der abendländischen 
(Jesi^hirhte und Politik enge verwobenen tragischen Schicksale des bosnischen 
Volkes. Sehr eingehend sind auch die auf mohamedanischer Rechts-Basis 
beruhenden Besitzverhältnisse dargestellt. Es ist nur zu bedauern, dass die 
onen laiischen Namen und Worte oft sehr verstümmelt wiedergegeben sind, 
was Wohl auf Druckfehler zurückzuführen ist. die meistens gleichgiltig sind. 
jniUK'bioal aber störend werden. Dies ist z. B. der Fall, wenn wiederholt von 
fler srhifütischen Grundlage des türkischen Lehen wesens gesprochen wird, 
denn wir kennen kein schifiitisches, wol aber ein schafiitisches und ein von 
dif^em sehr verschiedenes schiitisches Recht, und das eine wie das andere 
konnli* hier gemeint sein, aber als Grundlage des türkischen Lehensrechtes 
t^estritr«■n werden Ferner ist auch das türkische Bodengesetz nicht vom 
Mivv 17.18, sondern vom J. 1858. Auch ist Dobor. die historische Ruine, 
nii'bt mit der Burg Doboj zu ve. wechseln. Dagegen können wir die Schreibart 
Sera^ievij — statt Sarajewo, wie es im Kroatischen und jetzt auch officiell ge- 
JAi:briebf*n wird —vom linguistischen Standpunkte als die r chtigere begrüssen. 
IJas Ptincip, welches Asboth bei der Schreibweise der slavischen Namen 
auweJnk*U ist ein sehr wohlthuendes. Er behält nämlich die beim Gebrauche 
der t?ilc>ijiischen Schrift im Bosnischen übliche, selir eigenthümliche kroatische 
Onboj^raphie insoferne bei. als dieselbe besonders unterschiedene Lautzeichen 
bat i/„ H. c, z). hält sich aber im Uebrigen an die deutsche Rechtsehreibung 
und schreibt daher z. B. nicht, wie sonst übÜch, »Fojnica«, was in einem 
di^^ulfcscb geschriebenen Werke (ebenso wie in romanischen Sprachen) unwill- 
kührbrb »Fojnika« gelesen würde, sondern »Fojnitza«, wie wir es auszu- 
äfsrcehen haben. 



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■ I i^mpiiBi. I "'^ 



12r? 

Die Reisebilder umfassen fast das ganze Land; die in denselben enl- 
haltenen Schilderungen sind meisterhaft und zeigen uns die geschilderten 
Gegenden und Städte vom landschaftlichen, vom historischen, vom culturellen 
und ethnographischen Standpunkte, kurz nach jeder Richtung, welche den 
Leser interessiren kann. 

Für Geschiclits forscher sehr interessant ist das Capitel über die bosnisch© 
Wappenfrage, wenn auch f'as Resultat, zu welchem der Verfasser darin ge- 
langte, keine Aussicht hat, durchzudringen. Endli«h bietet der Abschnitt 
^Literarische Bewegungen und Volksdichtung« eine sorgfältig durchgearbeitete 
Darstellui>g der charakteristischen Leistungen auf diesem Gebiete. 

Pas besprochene Buch wird also dem Gelehrten ebenso nützen wie dem 
ReiseQ len und wie Jedem, der sich über dieses uns früher so fremdartig 
gegenüber gestandene, jetzt aber mit uns in so nahe Beziehung getretene und 
dabei noch immer so eiaenthümliche Land, welches seit den Ltzten Jahren 
ni't sicherer Hand und dabei in so schonender Weise rasch in der Cultur 
Torwarts geführt wird, in anregender Weise näher unterrichten möchte; und 
es wird nicht minder auch Denjenigen befriedigen, der Bosnien selbst kennen 
gelernt hat und das Gesehene in seiner Erinnerung angenehm wieder geniessen 
und die »gewonnenen Eindrücke Idären und ergänzen will. — x. 

Die Länder Oesterreich-Ungarns in Wort und Bild, 
Herausgegeben von Prof. Dr. Friedr. Umlauft. 15. Band: Bosnien 
und die Herzegovina. Dargestellt von Dr. Moritz Ho ern es. 

In dem oben benannten Werke hat hiemit auch unser Occupations- 
Gebiet Aufnahme gefunden. Der Herausgeber hat für die Bearbeitung dieses 
Thema's jedenfalls einen competenten Verfasser gewonnen. Dr. Moritz Hoerneg, 
dessen >dinarische Wanderungen« — richtiger bosnisch-hei zegovinische Wan- 
derungen — im vorigen Jahre in den Mittheilungen der k. k. geographischen 
Gesellschaft (XXX L Band, 9. Heft) besprochen wurden, gibt hier in dem be- 
schränkten Räume von 120 Seiten eine durch zahlreiche Abbildungen illustrirte, 
.sehr interessante wenn auch dieses Thema nicht ganz erschöpfende Schilderung 
Bosniens und der Herzegovina. 

Der Inhalt dieses Bändchens umfasst: 1. einen »Ueberblick d^r Landes- 
geschichte«. 2. eine statistisch-ökonomische Skizze der Gegenwart«, 3. »Land- 
schafls- und Städtebilder«, 4. eine Abhandlung »Volktypen und Volkscharakter« . 

Die Landesgeschichte ist nach den neueren Quellen bearbeitet und bietet 
besonders in dem Theile, welcher die ältere, die vortürkische Periode enthält, 
eine präcise Darstellung der historischen Ereignisse. Etwas ungleichmässiger 
ist die neuere Geschichte behandelt; denn die für die innere Entwicklunt^ 
mehrfach wichtige Zeit von 1850 bis zu den Siebziger Jahren ist mit vier 
Zeilen abgethan, welche die irrige Angabe enthalten, dass der berühmte Omer 
Pascha (welcher nach Niederwerfung der bosnischen Insurrection im J. 1851 
kaum zwei Jahre als allmächtii-er militärischer Machthaber in Bosnien waltete) 
bis 1868 als Gouverneur im Lande geblieben sei, und die diplomatischen 
Verhandlungen, w«^lche zwischen den europäischen Mächten speciell über 
Bfjsnien und die Herzegovina in den Jahren 1875 und ld76 stattfanden, siml 
gar nicht erwähnt. 

9* 



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ls?4 

Die statistische Skizze stützt sich hauptsächlich auf die Ergebnisse der 
j)f>sn. herz. Ortschafts- und Bevölkerungs-Statistik v(im J. 1885 und auf die 
offizielle Publication »das Bauwesen Bosniens und der Herzegovina vom Beginn 
der Ocf'upation bis J887«, wobei jedoch — offenbar in Folge eines Additions- 
fehlers — die LÄnge der von der Landesregierung erbauten Hauptstrassen von 
Ho*;rnes um 100 Kilometer zu gering angegeben ist. 

Die »Landschafts- und Städtebilder« sitid eigentlich ein Auszug aus des 
Verfassers Dinarischen Wanderungen. Bei der anziehenden Art und Weise, 
in welcher Hoernes zu schildern versteht, ist es doppelt zu bedauern, dass er 
fiier seine Schilderung auf so wenige Orte beschränkt, und selbst Jaice, diese 
Perle Bosniens, nur in der Geschichte erwähnt und in einer Abbildung vor- 
führt, aber in den Landschafts- und Städte-Schilderungen ganz mit Still- 
schweigen übergeht, obwohl er in jenem andern Werke über diese und manche 
andere hier nicht erwähnte Localität so viel Interessantes zu erzählen wusste. 
Dajjpegen erstrecken sich die »Städtebilder« auch über Plevlje, das zwar auch 
zu unserm Occupatio ns-Gebiete im weitern Sinne gehört, aber nicht unter 
öslerreirh-ungarischer Verwaltung steht Die Abbildungen, — so das Titelbild 
^-Sarajevo« — sind leider zum Theil etwas veraltet. 

In dem Abschnitte > Volkstypen und Volkscharakter« entwirft uns der 
V'erf isser in kurzen Zügen ein treffendes Bild der interessanten Landesbewohner. 

Jedem der sich üb»»r Bosnien und die Herzegovina eine allgemeine 
Vorstellung verschaffen und auch das Wichtigste, — aber eben nur das 
Wii^hliüste daraus — näher kennen lernen will, wird das besprochene Bändehen 
seur willkommen sein. — x. 

Asien. 

Bornfso. Entdeckung.sreisen und Untersuchungen, 
tlo^^enwärtiger Stand der geologischen Kenntnisse, 
Verbreitung der nutzbaren Mineralien. Von Dr- 
Tht^i^dor Posewitz Mit 4 Karten und 29 Profilen und Ab- 
[kI Illingen im Text. Berlin, R. Friedländer und Sohn, 1881^). 

Das vorliesende Buch stellt in dem vom Verfasser sich gesteckten Rahmen 
eine trf miche Monographie der grössten Insel der Erde dar. Der Autor, welcher 
sjfh duTvh einige Zeit in Borneo und zwar in Bandjermassin, Barabei, Teweh 
und iVnijaron, also im Süd-Theil aufgehalten hat, setzt, gestützt auf eine sehr 
reirhhaltige Literatur, die Geschichte der Erforschung der einzelnen Gebiete, 
deren C)ro- und Hydrographie, ihren geologisclien Bau und die mineralischen 
Vorkonunen auseinander. Der Verfasser beherrscht die Literatur über diese 
]n^e\. irrsbesondere auch die in holländischer Sprache geschriebene, vollständig 
und hal durch die Verarbeitung dieser zumeist schwer zugänglichen Werke 
XU eini?r Gesammt-Uebersicht des Baues und der physischen Beschaffenheit 
Borneo'a der Erdkunde einen wichtigen Dienst geleistet. Insbesondere behandelt 
der Autor^ welcher selbst Geologe und Montanist von Fach ist, den geologischen 
Theil am ausführlichsten Sehr werthvoll sind die Angaben über das Vor- 
kornmeit und die Gewinnung von Gold. Kohle i, Diamanten, Platin, Quecksilber, 
EfWen, Kupfer, Blei, Salz und Petroleum. Borneo stand von jeher in dem Rufe 



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m 

des Reichlhums an Gold und besitzt man genauere Berichte über die Gold 
gewinnung durch die Eingeborenen schon seit dem Jahre 977 n. Chr.. in 
welchem Jahre der Herrscher jenes Theiles von W-Borneo zwischen den 
Flüssen Sambas und I^andak, welcher jetzt die »chinesische Districte 'beisst^ 
eine Gesandtschaft an den Kaiser von China mit Geschenken an Gold satidte. 
Seither war die Goldt:ewinnung durch die Chinesen stets eine re^e un(i be- 
fanden sich um 18'0 in dieser Gegend an 30.000 Chinesen, während im 
ganzen westlichen Theile der Insel ca. 50.0(X) wohnen sollten. Die langwierigen 
Kriege, welche die Holländer zur Unterwerfung der eigene Republiken bildenden 
chinesischen Mmenarbeiter in den 50er Jahren führte, verursachte den Verfall 
des früher lebhaft betriebenen Goldbergbaues, von dem dieser sich auch jetzt nur 
zum Theil erholt hat. Europäer haben sich erst seit 1880 dem Goldhergbau 
zugewendet; es besteht eine Gesellschaft in Stid-Bomeo. sowie eine Borueo 
Montangesellschaft, welche das Recht erhielt nach Gold, Diamanten, Pblin 
und Kohlen zu schürfen. 

Das Gold kommt als Waschgold fast in den meisten Flüssen Horneoa, 
namentlich in ihrem Oberlaufe, dann in diluvialen Lagerstätten als Goldseifen 
nnd auf ursprünglicher Lagerstätte, im Muttergestein vor. Die beiden ersten 
Arten des Vorkommens sind in Borneo ziemlich allgemein verbreitet, die letztere 
ist bisher am besten in W.-Bomeo bekannt, kommt aber auch in Süd-Borneo 
(Tanah-Laut) und in Sarawak vor. 

Dem schön ausgestatteten Werke sind 4 Karten von Borneo (in 1 :3,<HX>.0(>0) 
heigegeben, nämlich eine Karte der Entdeckungsreisen, eine Uebersichis karte 
der geographisch-geologischen Untersuchungen sowie der politische Eintheilung, 
eine geologische Karten-Skizze, endlich einer Karte der nutzbaren Mineralien 
in Borneo. Le Monnier. 

Afrika. 

Capitaine Thys, Au Congo et au Kassai, avec trois 
carles, Bruxelles 1888. 60 pp. 

Der Verfasser bereiste im Auftrage der Compagnie du Congo pour le 
commerce et Tindustrie den Congo bis Bangala und den Kassai und Lulua bis 
Luäbo und theilt in der vorliegenden Schrift seine Erfahrungen mit. Er weiss 
jedoch nichts zu berichten, was nicht durch andere Publicationen schon längst 
bekannt wäre. Eigenthümlich berührt seine Behauptung auf p. 13, dass man 
>allgemein glaube, die Ebene des oberen Congo beginne schon am Stanley- 
Pool«, während doch Jedermann weiss, dass das Schiefergebirge erst oberhalb 
Tschumbiri endet. — Die natürlichen Vortheile des Congo, derenVorhaiulensein 
Schreiber dieser Zeilen sicher nicht bestreitet, werden in einem übertrifshen 
rosigen Lichte darg^-stellt; so spricht Verfasser von ganzen Wäldern, die nur 
aus Nutzhölzern bestehen, führt sogar den Cannibalismus als Beweis gegnn die 
Bedürfnislosigkeit der Neger an, u. s. w. — Auffallend wenig ist in dem Hüehlein 
von dem holländischen Handelshause die Rede, obwohl dasselbe immer nach 
die erste Rolle am Congo spielt und alle belgischen Unternehmungen weit 
hinter sich lässt. - F. 54 ist von den Arbeiten der brigade topographique die 
Rede. Von diesem bereits halb mythischen Institute wird schon seit Jahren 
behauptet, dass es eine vorzügliche Karte des Mündungsgebietes des Congo 



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1^ 

aufgenommen habe. Das endliche Erscheinen derselben würde immer nodi 
eine empfindliche Lücke ausfüllen. Von den drei beigegebenen Karten ist die 
eine ein Ausschnitt der Aufnahme für die Congo-Eisenbahn, leider ohne Zeichen- 
erklärung und daher fast unverständlich. Die Zweite ist eine recht interes- 
sante Kurie des Congo zwischen Boma und Matadi mit Tiefenzahlen in Faden, 
nach welchen allerdings mit guten Lootsen die Strecke bis gegenüber Fuka 
Fuka auch von grösseren Dampfern befahren werden könnte. Leider fehlen 
dieser Karte der Masstab, das Gradnetz, das Terrain und der Name des Autors, 
als welt^hen man aus dem Texte Cpt. Boyö vermuthen kann. Die dritte Karte 
ist ein Lebersichtsblatt des Congo mit Routen des Cpt. Thys. Die Proben- 
karteii p Matadi et ses environs« und »De Matadi k Leopoldville« sind bis auf 
die Druckfehler genaue Reductionen der Karten der österreichischen Congo- 
Expedition, natürlich ohne Angabe der Quelle. l)r. Oscar Bauniunn. 

Lfe Kassai et la Louloua, par le Cpt. Thys, Bruxelles 1888, 
Karte in 1:200.000. 

Diese Karte ist die erste in grösserem Massstabe, die vom Congostaate 
in üfficieller Weise aufgenommen und veröffentlicht wurde. Als Grundlage der 
Constnjrlion diente die Aufnahme des schwedischen Capitains des »le Stanley« 
J^fhageström. welche durch Cpt. Thys erweitert und ergänzt wurde. Wieweit 
am b die sorgfältigen Aufnahmen des llptm. von Fran^ois (in 400.000) Be- 
arhluni!: landen, ist in den Begleitworten nicht angegeben. Die Karte, die beim 
*lnstjhit National de Geographie« erschienen, zeichnet sich von sonstigen 
VeröITeatlichungen dieser Anstalt durch klare und gefällige Ausführung ver- 
bunden mit handlicher Form aus. Bedauerlich ist, dass das Terrain keine 
BprQcksiclttigung fand. Auch fehlt ein Gradnetz. Die Positionen sind die von 
Fran^^ois bestimmten, die noch nicht ergänzt sind. Ueberhaupt ist mit dieser 
Karte, vvean sie auch einen bedeutenden Fortschritt, bezeichnet die Aufnahme 
des Kasssai noch lange nicht abgeschlossen. Meist konnte nie ein Ufer aufge- 
nommen werden, auch fühlt die Nomenclatur der Dörfer und die Verzeichnung 
der für die Schiffahrt so wichtigen Landmarken fast vollständig. Eine genaue 
Aufnrvhmo des schiffbaren Congo und seiner Nebenflüsse, die bei der Ent- 
wicklung des Dampferverkehrs immer mehr zur dringenden Nothwendigkeit 
wird* wäre überhaupt nur im Boote oder Ganoe durch einen Fachtopographen 
ausführbar. Dr. Oscar Bauwann. 

Australien. 

Samoaf ahrten von Dr. 0. F i n s c h. Ethnologischer 
Atlas. Typen aus der Steinzeit Neu-Guinea's. hi 
154 Abbildungen auf 24 lithogr. Tafeln, nach Originalen gezeichnet 
von 0, und E. Fi n seh. Mit erklärendem Text Leipzig, Hirt und 
Sohn. 1888. 4. 

Dieser Atlas, dessen Text in 3 Sprachen (deutsch, englisch und fran- 
zösisch) li erausgegeben wurde, bildet die illustrative Ergänzung zu dem oben 
besprochenen Reisewerke. Er führt uns auf 24 Tafeln, in 154 Figuren, die 
wicJiligslea Stein-eräthe vor; insbesondere Aexte, dann Hausgeräthe (^kunstvoll 



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127 

aus Holz geschnitzte Kopfstütze, Schüssel und Haken), Töpfe, Canoes, Fis< lierei- 
geräthe, Strickereien. Waffen, Musikinstrumente, Masken, Tabu, Bekleidung, 
Schmuck und Grundrisse der Häuser. Die Abbildungen sind vortrenii<'h ge- 
zeichnet und geben ein vollständiges Bild der Cultur eines noch in der Steinzeit 
lebenden Volkes. 

Allgemeines. 

Die Reise S. M. Schiffes »Frundsberg« imRothen Meer 
und an den Küsten von Vorderindien und Ceylon 
in den Jahren 1H85 — 1886. Auf Befehl des k. k. Reichi^kriegs- 
ministeriums, Marine-Section unter Zugrundelegung der Berichte 
des k. k. SchilTs-Commandos verfasst von Jerolim Freihprrn V- 
Benko, k. k. Corvetten-Capitän. Mit 1 Karte und 9 Planskizzen 
Pola, 1888. 
Reise S. M. Schiff es »Albatros» nach Süd- Amerika, dem 
dem Caplande und West-Af ricii 1885—1886. Auf firund 
der Berichte des SchifTs-Commandos verfasst von Jerolim Frei- 
herrn V. Benko. Mit einer Reise-Skizze. Pola 1^89. 

Es muss als eine trefTliche Anordnung der Marine-Section des Reichs- 
kriegs-Minist^riums bezeichnet werden, dass sie die Reiseberichte der östc*r- 
reichischen Kriegsschiffe, welche die Handelshtäfen fremder Erdtheile bfrühren, 
zu einem grösseren zusammenhängenden Berichte ausarbeiten lässt. l'nseve 
ruhmvolle Kriegsmarine, welche auf ihrem eigentlichen Gebifete die Anerkennung 
aller seefahrenden Nationen sich zu erwerben wusste, erfüllt damit aü(h eine 
wichtige handelspolitische Mission, indem sie die Absatz Verhältnisse der be- 
suchten Länder studirt und die Anknüpfung neuer commercieller Beziehungen 
unserem Handel und Industrie ermöglicht. 

Diese Reisel)erichte sind von einem ebenso begabten als fleissigen See- 
ofTicier, dem Corvetten-Capitän Jerolim Freiherrn v Benko bearbeitel. Der 
Verfasser begnügt sich nicht die Reiseberichte zu reproduciren, sondern ist 
bemüht durch die sorgfaltigste und eingehendste Benützung der Literatur, ein 
vollständiges Bild der besuchten Häfen und. ihrer commerciellen Bedeutung äu 
geben. Diese Berichte werden daher nicht blos dem Kaufmanne und Expiirt- 
Industriellen, sondern auch dem Geographen von besonderem Nutzen sein und 
freut es uns constatiren zu können, dass dieselben bereits die Beachtung des 
Auslandes gefunden haben. 

Die in den Jahren 188') — 1886 ausgeführte Reise der Corvette >Frunda- 
berg« berührte folgende Häfen, deren ausführliche Beschreibung das Buch 
enthält: Port Said, Suez (nebst der Durchfahrt durch den Suez-Canal), Massauah, 
Aden, Calcutta, Madras, Pondichcry, Ceylon, Bombay, Assab, Suakin, Djeddüh. 
Die Reise des Kanonenbotes Albatros ging über Gravosa und Malta nach 
Tanger und Mogador in Marokko, berührte sodann Sta. Cruz de Teneritfa und 
Madeira, ferner Pernambuco, Bahia, Rio de Janeiro, Paranagua und Antonina^ 
sowie Desterro auf Sta Catarina in Brasilien, Montevideo und Buenos Ayres, 
von hier wurde die Ueberfahrt nach Afrika u, zw, zunächst nach dem Cip- 



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128 

lande bewerkstelligt und sodann Angola, Benguela, Banana und Porto de Leuha 
iJHi Congo, Siera Leone und Dakkar besucht und die Heimreise über Funchal, 
Tanger, Gibraltar und Palermo nach Pola angetreten. Zahlreiche, bis in die 
neueste Zeit reichende statistische Daten erhöhen die Brauchbarkeit dieser 
trefflich zusammengestellten Reiseberichte. Le Monnier. 



Monats- Versammlung dor k. k. Geographischen Gesellschaft 
am 29. Jänner 1889. 

Vorsitzender: Vicepräsident Excellenz Alexander Fieiherr v. Helfert. 
Der General-Secretar Dr. v. Le Monnier gibt die Einladung der 
Geographischen Gesellschaft in Paris zur Theilnahme an dem internationalen 
Geographischen Conj^resse in Paris am 5. bis 11. August d. J. bekannt. 

Hieraufhält Dr. Rodler einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen 
Vortragüber seine Reise in Luristan und durch das Gebiet der Baktiaren. 
Als neue ordentliche Mitglieder sind im Jänner 1889 eingetreten: 
Herr Karl Göttmann, Scriptor der k. k. Hofbibliothek in Wien. 
Löbl. Direction der Landes-Oberrealschule in Tele. 



Monats- Versammlung am 26. Februar 1889. 

Vorsitzender: Vicepräsident Ministerialrath Dr. J. Lorenz, Ritter von 
Liburnau. 

Nach Eröffnung der Versammlung verliest das Mitglied Oberlieutenant 
im militär-geographischen Institute, Otto Ki^ifka seinen Antrag auf Ab- 
schaffung der Zahlung von Honoraren für Aufsätze in den »Mittheilungen« der 
Gesellschaft. Nachdem dieser Autrag genügend unterstützt wurde, wird er auf 
Grund der Geschäftsordnung der Berathung des Ausschusses zugeführt. 

Hierauf begrüsst der Vorsitzende den Vortragenden Fregattenarzt Dr. 
Swoboda, welcher speciell für diesen Vortrag aus Pola hieherkam, als Ver- 
treter unserer ruhmvollen Marine. Der Vortrag der »Nicobaren-Archipel 
und seine Bewohner«, welcher durch Ausstellung zahlreicher Photographien, 
Karten und ethnographischer Objecte sehr interessant illustrirt war, erregte 
den lebhaftesten Beifall der zahlreichen Versammlung, in welcher sich viele 
Officiere unserer Marine, an ihrer Spitze der Marine-Commandant Admiral Frei- 
herr V. Sterneck und dessen Vertreter Viceadmiral Freiherr v. E heran 
befanden. 



1 



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VERZEICHNIS 



der 



lit^eder der l. k. Geographischen Gesellschaft in Wien, 

Nach dem Stande vom 15. März 1889. 



Leitung: 

Präsident: 

Haas Graf W i J c z e k, k. k. wirklicher Geheimralh, Kämmerer, Herreu- 
baitimitgUed. 

Vice-Präsidenten : 

Dr, Jos. Alexander Freiherr von H eifert, k. k. wirklicher Geheim- 
müi, Herrenhausmitglied und Präsident der k. k. Central-Commission für Kiinsl- 
und historische Denkmale. 

Dr. Jos. Romsn Lorenz Ritter von Liburnau, k. k. Ministerialralli. 

Dr Franz Ritler von Hauer, k. k. Hofrath und Indendant des k. k. 
Naturhistorischen Hofmuseums. 

Generalsecretär : 

Dr. Franz Ritter von Le Monnier, Secretär der k. k. Ccntral- 
Diredion der Schul buch erverläge. 

Allsschussmitglieder : 

Ärthaber, Rudolf Edler v,. kais. Rath u. Kaufmann (Cassier), 
Busrhmann, Ferdinand Freiherr von, Doctor der gesammten Heilkunde* 
Cicalek* Dr. Theodor. Professor a. d. Handelsakademie. 
Daublehsky Kdler von Sterneck, k. k. Major im militär-geographischen Institute 

(Rechnungsfahrer), 
Httradauer Eiller von Heldendauer Carl k. k. Oberstlieutenant und Vor* 

stand der Karten- Ahtheilung des k. k. Kriegsarchives (Bibliothekar), 
Hctger Franz. Gustos am k. k. Naturhistorischen Hofmuseum, 
Jettel. Dr, EmiJ. k. und k. Spctionsrath im Ministerium des Aeussern, 
Kalmar. Alexander Ritter von, k. k. Linienschiffs-Capitän u. Triangulirungs- 

Director des k k. militär-geographischen Institutes, 
Ranitz F., 



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130 

Le Monnier, Dr. Franz Ritter von, Secretär der k. k. Centraldirection der 

Schulbücherverläge (General-Secretär), 
Paulitschke, Dr. Philipp, k. k. Gymnasial-Professor und Universitäts-Docent, 
Rziha, Franz Ritter von, Professor a. d. k. k. technischen Hochschule, 
Seh weg el, Josef Freiherr von, k. k. wirkl. Geheimrath und k. u. k. Sections- 

chef a. D. 
JSimony, Dr. Friedrich, k. k. Hofrath u. emerit. k. k. Universitäts-Professor, 
Tietze, Dr. Emil, k. k. Chef-Geologe der geologischen Reichsanstalt, 
Umlauft, Dr. Friedrich, Gymnasialprofessor, 
Zehden, Dr. Carl, Professor a. d. Handelsakademie. 
(Vier Stellen unbesetzt ) 

Ersatzmänner für den Ausschuss: 
Hartl Heinrich, k. k. Major im militär-geographischen Institute, 
Jüttner, Dr. Josef, Gymnasialprofessor, 

Koch, Dr. Gustav Adolf, k. k. Gymnasialprofessor und Docent a. d. k. k. 
Hochschule für Bodencultur. 

Redactions- uod Vortrags-Comit^: 
Lorenz Ritter von Liburnau, Dr. Josef R., Obmann, 
Haradauer Edler von Heldendauer, Carl, 
Le Monnier, Dr. Franz Ritter von, 
Tietze, Dr. Emil, 

Re visions-Comit^ : 
Jettel. Dr. Emil, Obmann. 
Haradauer Edler von Heldendauer, Carl. 
Kalmar, Alexander Ritter von. 



Bisherige Präsidenten: 

Jahr der Wahl 

1857 Haidinger Wilhelm. Phil. Dr., k. k. Hofrath, Gründer der Gesellschaft. 

1858 Salm-Reifferscheid-Krautheim Hugo Carl, Fürst und Altgraf zu, 

k. k. wirkl. geheimer Rath und Kämmerer. 

1859 Czörnig, Dr. Carl Freiherr von, k. k. wirkl. geheimer Rath. 

1860 Hietzinger, Carl Freiherr von, k. k. wirkl. geheimer Rath. 

1861 Thun-Hohenstein, Leo Graf von, k. k. wirkl. geheimer Rath und 

Kämmerer. 

1862 Wüllerstorf-Urbair, Bernhard Freiherr von, k. k. wirkl. geheimer 

Rath und Contre-Admiral. 

1863 Pech mann Eduard, k. k. Oberst. 

1864 Kotschy, Dr. Theodor, Custos am k. k. botanischen Hof-Cabinete. 
IR65 Hauslab, Franz Ritter von, k. k. wirkl. geheimer Rath und Feldzeug- 
meister. 

L866 Steinhauser Anton, kais. Rath. 

1867 Ilochstetter, Dr. Ferdinand von, k. k. Professor, 

» 



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##) Ehrenmitglieder: 

Jahr der Wahl 

1858 Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Carl Ludwig:. 
1858 Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Albrecbt. 
1858 Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Jo8ef. 
1860 Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Wilbeliii. 
1860 Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Rainer. 

1869 Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Leopold. 

1870 Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Ludwig SnlTator. 
1883 Seine k. u k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Johann. 
1858 Seine Majestät der Kaiser von Brasilien Dom Pedro 11. 

1876 Seine Majestät der König der Belgier Leopold II. 

1885 Seine Durchlaucht der souv. Fürst und Hegierer des Hauses von und zu 

Liechtenstein, Johann 11. 
1858 Seine kais. Hoheit der Grossfürst Constantin von Russland. 
1876 Alcoek, Sir Rutberford, K. C. B.. in London. 

1882 Artaria August, kais. Rath und Kunsthändler in Wien. 

1878 Bastian, Dr. Adolf, Professor und Director der technologischen Abtheilung 

des k. Museums in Berlin. 
1878 Bom Retlro, Visconde de, Präsident des Histor.-Geogr. Institutes von 

Brasilien in Rio de Janeiro. 

1875 Boutbilller de Beauniont, Henri, Präsident der Geograph. Gesellschaft 

in Genf 

1876 Burton Richard, königl. grossbrit. Consul in Triest. 
1881 Cambior Charles, k. Lieutenant in Brüssel. 

1876 Camerou Verney Lovett, Commander of Royal Navy in London. 
1881 Coello. Don Francisco, Excellenz königl. spanischer Oberst und Ehren- 
präsident der Geographischen Gesellschaft in Madrid. 

1876 Correnti Cesare, Commendatore in Rom. 

1881 Czdmlgf Dr. Carl Freiherr von, k. k. wirkl. Geheimrath in Görz. 
1881 D'Albertis Maria, Mitglied der italienischen geographischen Gesellschaft 
in Rom. 

1883 Daublebskj Ton Sterneck u. Ehrenstein, Maximilian Freiherr, k. k. 

Vice-Admiral und Marine-Commandant in Wien. 
1857 De Candolle Alfons in Genf. 
1857 Daubr^e Gabriel August, Mitglied des Instituts von Frankreich, Directeur 

d'6cole des mines in Paris. 
1857 Bannias Melchior. General-Lieutenant in Bordeaux. 

1857 Bupln Carl, Baron v., Mitglied d. Instituts von Frankreich in Paris. 
1881 DuTeyrier Henri in Paris. 

1880 Forrest Alexander in Melbourne. 

1877 Forrest John in Perth ( Western- Australia). 

1876 Fr^re, Sir H. Bartle, K. C, B. in London. 

1877 Glles Ernest in Melbourne. 

1858 €Jrey, Sir George in Kawau (Neu-Seeland). 

1876 Haydeu J. V-, Director des U.-St. Geological Survey of the Territories 
in Washington. 



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132 

J&lir der Wahl 

1874 He^eiiiann P. F. A., Capitän in Varel. 

1857 Hermann, Dr. Fried. Bened. Wilhelm v., in München. 

1S7y Holnb, Dr. Emil, in Prag. 

1881 Hooker, Sir Josef, Director of the Royal Gardens Kew, in London. 

1885 Hniiiier, Alexander Freih. v., k. k. wirkl Geheimrath, k. u. k. Botschafter 

a. D., Mitglied des Herrenhauses des österr. Reichsrathes. in Wien 
1887 Jntiker, Dr. Wilhelm, Afrikareisender, d. z. in Wien. 

1882 Kaulbars, Baron Alex., kais. russ. Generalmajor in St. Petersburg 
1881 Kftnlbars. Baron Nicolai, kais. russ. Oberst und Mihtar- Bevollmächtigter 

in Wien 

1857 K..y^^>'ling Alex, Andreowitsch, Graf von, in Reval. 

18H1 Kif'pert, Dr. Heinrich, Professor in Berlin. 

1S74 KitMewey Carl, Capitän in Hamburg 

1887 Kreitner, Gustav Ritter von, k. u. k. österr .-ungar. Cx)nsul in Yokohama. 

136t* Kulm, Franz Freih v., k. k. wirkl. geh. Rath u. Comrnandirender in Graz. 

1H76 Lanibermont, Auguste Baron, bevollmächtigter Minister, Generalspcretar 
im Ministerium des Aeussern in Brüssel. 

1887 Liiuekoronski-BrKezIe, Carl Graf, k. k. Kämm«^rer, .Mitglied des Herren- 
hauses des österr. Reichsrathes etc. in Wien. 

1886 Lan^re, Dr. Henry, in Berhn. 

1881 Lenz, Dr. Oscar, Adjunkt der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien 

1B57 Left^eps Ferdinand von, in Paris. 

1H57 Liic-a, Cardinal-Erzbischof von Tarsus, in Rom. 

1881 Maiitegazza Paolo, Professor in Florenz. 

1881 Meyer, Dr. A. B., Hofrath und Director des zoologischen u. ethnographi- 
schen Museums in Dresden. 

1857 Mlildendorf, Ad. Theod. von, in Dorpat 

1881 Mttlin Heinrich, Professor, Director des meteorologischen Institutes in 
Christiania. 

1857 Moreau de Jonnt'S Alex, in Paris. 

t87ß Kares G. S., königl grossbrit. Schiffs-Capitän und Comraandant der briti- 
schen Nordpol-Expedition 1875/76, in London. 

1880 >'eumayor, Dr. Georg, Admiralitätsrath u. Direktor der deutschen Ser warte 
m Hamburg. 

1880 Xordenskiöld, Adolf E. Freiherr von, Professor in Stockholm 

1874 Payor, Julius Ritter von, in München. 
18^2 Polak, Med. und Chir. Dr. J. E , in Wien. 

]88tJ Pouell J. W., Directoi der geolog. Aufnahmen in Washington. 
1857 Knwlinson, Sir Henry, in London. 

1881 lEetlus Elis^e in Genf. 

1875 R**ille, Baron de, in Paris. 

1873 Hii^hthofcn. Dr. Ferdinand Freih. von, Univers iläts-Professor in Leipzig 
1881 Riuk, Dr. Heinrich, königl. Justizrath in Kopenhagen. 
1868 Rohlfe, Dr. Gerhard, Hofrath in Weimar. 
18rj7 Hftppi'll, Dr. Eduard, in Frankfurt a. M. 

1876 ^vlilelnitz, A. Freiherr v., Capitän zur See und Vorstand des hydro- 

graphischen Amtes der kais. deutschen Marine in Berlin. 




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. m 

167:^ Si'hWäirz Seubani, Wilhelm Freiherr von. k. L wirkl, geheimer Ralh in 
W 1 e II. 

1874 hi'bwef üfurth, Dr Georg, in Cairo 

1875 Seme II ow P. de. Vicepräsident der kais. rüsaischeti geographischen Ge- 

sells^ehafl in St, Petersburg. 
I8S1 f^erpft Pinto, königl. portugiesischer Major in Lissabon. 
1881 Sewertzoff Nicolaus. Mitghed der bais. geographi sehen Gesellschaft in 

St. Pelersh u rg. 
1S74 Sldoroff Mi:h,. Kaufherr in St. Petersburg, 
ISfÖ ^i in Hilf, Dr. Friedrich, k, L T/niversität3-Prof«^sor in Wien, 
1S76 Stanley. Henry M., m New-Vo T k, 
J8BB SteEuhaoser Anton, k. k. Regierungsrath in Wie n. 

1876 Stpiiheniioiii k, grosbrit. SnliifTsrapitiln und Commandant der * Discovery» 

bei der brit. Nordpol-Expedition 187;V76* in London, 
!381 Stader, Dr. Bernhard, Profefssor in Bern. 
3881 iijzeehtitiyl Graf Bela, iii Zinkendorf. 
18Sl Teaiio, Fürst, Präsident der italienischen geographischen Gesellschaft m 

Rom, 
It^l TliDHiBOii, Sir Wvwdle T. K. C, M, G. in London. 
1881 Ton H Otlo, Director der geologischen Aufnahmen in Schweden, zu 

Stockholm. 
18;"j7 TehLhHtcker^ Peter von, in Florenz 
I87*j Ujfalr)- von Mez^-KÜTeBd} Carl Emil Professor in Paris. 
1881 YÄDiher^^- Hermann. Professor in Budapest, 
1881 Velh P- J.. Professor in Leyden. 
1875 Wftleh^r von Moltliehii, Leopold, k. k. Ministerialralh u. Commerzkanzlei- 

Director bei der k. und k östcrr-ungan Bolschafl in Paris. 

1880 Watanati^ Hiromoto. Vice-F*räsident der geo;iiraphischen Gesellschaft in 

Tokio. 
1837 Wheeler G. M,. Capitäa Chef der topographischen Aufnahmen der 

Territorien, in W a s h i u g t o n. 
1S72 WLlüzek, Hans Graf von, k. k. wirkL Geheim rath in Wien. 
1883 \\ otiUeiiiutb, Emil von k. k. LiniensthifTslieutenant in Wien. 
iHHl Yole^ Sir Henry, Colonel, C. B. in London. 
iS^7 Z&rro de VaHe y Huet in Madrid. 

ißj Correspondireiide Mitglieder. 

1870 Adler Nathaniel in P o r t E 1 i s a h e t h. 

1871 Ag-aard Andreas, k. k. österr.-ungar. Conaul in Tromsoe. 
1^58 Aiidenou Gh. J. in Stockholm. 

I87a Aiidree^ Dr. Richard, in L e i p z i g, 

1857 Angelroth E. J., k. und k, österr-ungar, Vioe-Consul in St Loui» 

(Missouris 
\B8d Arthaber, Rudolf Edler von, in Wien. 
18^7 d Ärezac M. in Paris. 

1881 Barozzi Nicolo, Director des Museo civico in Venedig. 



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134 . 

Jubr der Wahl 

]Hb3 Basso Richard, k. k. Linienschiffslieutenant in Wien. 

1859 Bastian, Dr Adolf, Professor in Berlin (zugleich Ehrenmitiilied). 

1887 Bauniann, Dr. Oskar, k k. Lieutenant i. d. Reserve in Wien. 

1Ö74 BaTier Ernst von, Kaufmann in Yokohama. 

ItSBl Berchety Commendatore in Venediif. 

1885 Bergliaus, Dr. Hermann, Karthograph a. d. geographischen Anstalt J. Perthes 

in Gotha. 
ia58 Biekerstitb Dr., in Capstadt. 

18:13 Bobrik von Boldya Adolf, k. k. Linienschiffslieutenant in Wien. 
1878 Boguslawski, Dr. v., Sections- Vorstand im hydrographischen Bureau der 

k. Admiralität in Berlin. 
I87B Botbby Josiah, Under-Secretary and Governm. Statist, in Adelaide 

(Süd-Australien). 
J871 Bretlscbneider Med. Dr. Emil, in Pecking 
18^)7 Carrasco, Don Eduardo, in Lima. 

IÖ73 Cartwrigbt William, Commissioner of Customs in Takau (Formosa). 
11^81 Cattaiiel, Baron in Venedig. 
lHb.J ChaTanne, Dr. Josef, in Wien. 
IS73 Correnti Cesare in Rom (zugleich Ehrenmitglied). 
18S1 Dalla Yedora in Rom. 

1857 Dana Dr. James, in New-Haven (Connecticut). 
1877 De Sainte Marie E. französischer Vice-Consul in Gravosa. 
187:t Detring Gustav, kaiserl. chinesischer Zoll-Commisär In Canton (China). 
lH(j'> Deviiie Thomas in Qu ehe c. 
18^3!) DragTAnchich Stanislaus, Edler von Drachen f eis, k. k. Oberst-Lieutenant 

in Gr oss-Becskerek. 
j873 Drew Edw. B., Commissioner of Customs in Kin-Kiang. 
1B77 Du Fief J., Professor am königl. Athenäum und General-Secretär der 

Belgischen geographischen Gesellschaft in Brüssel. 
Ib7l) EdiIii Bey, Dr., Mudir der egyptischen Aequatorial-Länder. 
IbM Eniory W. E., in Washington. 

1857 Ewald Ludwig in Darmstadt. 

1858 Ferreira Lagos, Dr. Manoclo in Rio de Janeiro. 
1877 Fischer, Med. Dr. Carl, in Sydney. 

1883 Fischer, Dr. Ferdinand, k. k. Corvettenarzt in Wien. 

1859 Flilgrel, Dr. Felix Philipp, in Leipzig. 
1874 Freedeii, W. von, in Hamburg. 

1874 Fried er icbseii Ludwig, Secretär der Geographischen Gesellschaft in 
Hamburg, 

1857 Galtoii Francis in London. 

1858 Gibbon, N. Mac Juppes, in Capstadt. 

1874 bloodenongh W^illiam, grossbritannischer Oberst in Dover. 
Iw83 Gratzl August, k. k. Linienschiffsfähnrich in Wien. 
1876 (üreifratb Henry in Jena. 

ISbl ttrigoriew, Alexander von, Professor und Mitglied der kais. geographi- 
schen Gesellschaft in St. Petersburg, 
18U8 Guarmanl Carl in Jerusalem. 



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135 

J»lir tjpr Wühl 

1857 Hainpe Emst in Blankfinburg. 

1873 Uaatten Charles, Cgminias ioner of Cusloms^ in Tienlsin. 

1878 Maradftuer Edler von HeliteiidAuer, Carl, k. k. Major und Vorstand des 

Krie^skarten-Archives in Wien. 
1878 Hartmanih Dr. Hobertn Professor an der Cniversiläl in Berlin. 
1885 Hasse II st« in Bruno, Karthograph a, d. geographischen Anstalt J. Perthes 

in G o t h a. 
187li ll€etor M. D, James, ^>ire^'tQr des Geological Survey von Neu-Seeland, 

in Wellington. 
1857 Herr, Dr OswLild. Professor in Zürich. 
1871 Heller v. HeHwald. Friedrich, in Stuttgart. 

1857 UeliiierMen, Gregor von. Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften 

in St. P eters bürg. 

1876 Hess*s-Wart«g-iEr, Erntit von, in BrilsseL 

1858 Hai ding, Dr. J. C. in Capstadt. 

1857 Hoober Josef, Director d. kon. Garten in Kew, London {zugl. Ehrenmitgl.) 

1869 Jakächit^ch Wladimir in Belgrad. 

18*j8 Juxu-Iloiiibkhi Julius in Liwno. 

1885 KaDim«], Edler von Harde?^«r. Dr. Dominik, Gutsbesitzer in Gruss- 

baf^b. 
18Ö7 KarjttetiT J)r. Hermann, in Berlin. 

1857 Kiepen, Dr. Heinrich, Professor in Berlin (zugleich Ehrenmitglied). 

1877 Kirclit&er William, Corisul in Wiesbaden. 

1874 KnUht Bobert in Calcutta. 

ISött Kotbitijir, Dr. J. in Gnaden thal (Capland). 

187** Kaneis Professor Dr, Wilhelm, kön. Bibliotbekftr in Berlin. 

1873 Kopseh Henry, Coin missioner of Cusloms in Kin-Kiang. 

1858 K reiner, Alfred Freiberr von, k. L Minister a. D. in Döbling. 

1857 KDtelnsr, Dr. Traugotl Friedrich, in N'ordhausen. 

1858 Laehlfiir, Mr. Mac, zu Btellenboosch im C.apland, 
1858 Latiif, Dr. T., in Caps ta dl. 

I8ö8 Laiiinnskj, Eugen von. in St Petersburg. 

18*i-2 Lansre, Dr. Henry, in Berlin (zugleich Ehrenmitglied) 

1874 Latkiae Nikolaus in St. Petersburg, 

1858 Lajorü M. L. in Caps ladt. 
1657 Leifojft Augns^t in Paris. 

1877 l>i&gre J. Generalmajor, C^mmandant der Militär-Schule, beständiger 

Secretär der königlichen Akademie in Brüssel. 
1887 Lux Anton, k. k. Arlillerie-Hauptmann u. Uhrer a. d. Militär-Realschule 

in Eisens tadl. 
imj Mac' MlHaii J., m Melbourne. 

1859 Malte Bniii V. A in Paris. 

J872 Markbam Clements R. in London, 

187B Martha. Dr F, Lehrer an der k. Kriegs- Akademie in Berlin. 

1871 Mauiiolr C, üeneral-Secrelür der Geographischen Gesellschaft in Paris. 

1858 jHanrx Alfred in Paris. 

1887 Mujer, Dr. Hanns, in Leipzig. 



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Ibti 

Julir der Wahl 

187f> Mealemaiis Auguste, Genera 1-Consul von Nicaragua, in Brüssel. 
ISG*2 U Aller, Dr. Ferdinand Freiher von. in Melbourne. 

1857 Mtlller, Dr. Carl, in Halle. 
1859 Muiilch J. in B ata via. 

1Ö6H Ä>grri Cristoforo, k. ital. bevollmächtigter Minister in Turin. 
185^1 Netscher M. E. in B ata via. 

187ü N'eumajer, Dr. Georg, Admiralitätsrath und Director der deutschen See- 
warte in Hamburg (zugleich Ehrenmitglied). 
1H7J Oüsterreicher, Tobias Freiherr von, k. k. Contre-Admiral in Tri est. 
1869 Ojiichlkus Nicolaus in Bröka, Bosnien. 

1858 Flippe, Dr. L, in Capstadt. 
1869 Pascoli Antonio iö Veracruz. 

1885 Faulitschke, Dr. Philipp, k. k. Gymnasialprofessor und Docent an der 

Wiener Universität, in Hern als. 
J869 Pi-rogHo Celestino in Turin. 

1875 Feters, Dr. Wilhelm, in Berlin. 

1H71 Petersen Peter, k. und k österr.-ungar. Consul in Christiania. 

1873 Kttdde, Dr. Gustav, Director des kaukasischen Museums in Tiflis. 
1858 Kftwsoii J. in Capstadt. 

1874 Ueiiihold Henry in Calcutta. 
1878 Beiss, Dr., in Berlin. 

1B70 Reuardy A. von, in Moskau. 

1874 RlTet-Carnac Harry in Calcutta. 

1858 Hoser, Dr. E.. in Gnadenthal (Capland). 

lÖÖit Rosklewlcz Jos., k. k. Generalmajor in Wien. 

1Ö7B Euthiier, Dr. Anton Edler von, k. k. Notar in Salzburg. 

1878 ?^ackeii. Adolf Freiherr von, k. k. Generalmajor und Director des k. k. 

Kriegsarchives in Wien. 
1869 Sax Carl, k. k. Sectionsrath in Wien. 
I87ii Schoinburgk, Dr. R.. Director des botanischen Gartens in Adelaide 

(Süd-Australien). 
1858 Seliilch de Capaiieuia, Dr. Wilhelm, in Rio de Janeiro. 
IHIO Schalz, Adolf Ritter von, k. und k. österr.-ungar. Consul in Widdin- 
187Ü Sohwejfel, Josef Freiherr v., k. k. wirklicher Geheimrath und k. und k. 

Sectionschef in Wien. 
1877 Scott A. W., Trustee des Sydney-Museums in Sydney. 
iHlH Selwyii Alfred C, Director des Greological Survey von Canada, in 

Montreal. 
1857 Sbaw, D. Norton, in St. Cr o ix. (West-Indien?. 
1883 Sebieczkj Adolf, k. k. LinienschifTsföhnrich in Wien. 

1876 Spitzer Friedrich, Privatier in Paris. 
ISTw ^pi^niiiier^ Carl von, in München. 

1S86 S^toiie, General, Chef de TEtat Majeur General, Ministere de la Guerre, in 
Cairo. 

1S5'2 ^trazuicky Eduard in New-York. 

1B72 Stttbendorir, Otto von, kais. russischer Generalmajor und Chef der karto- 
graphischen Abtheilung des Generalstabes in St. Petersburg. 



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137 

Mr ü^t Wahl 

]8:>i StDbel Älfons in Dresden. 

1874 Tilntor E. C. in Shanghai. 

mi TbÖrner. Dr. Theodor, in St. Petersburg. 

\m Vilentö, Dr. F.. in Belgrad. 

\m Terstee^ VV. F., in Amsterdam. 

1883 Vlneeill Frank in New-York. 

1869 TlTleii de St Mnrtln in Paris. 

Iöh5 Vo^el Carl Karlügraph a. d. geographischen Anstalt J. Perthes in Gotha. 

1873 Wagener Dr G.. Professor in Tokio (Japan). 

187? Wßtauatie Hiromoto in Tokio [Japan], (zugl. Ehrenmitglied). 

1357 WNdel, Hugo A.. in Paris. 

186^« Weitzel, A W P., iu Batavia. 

1 %lh W** nti5 p 1 Em i l f n ge lüeur und Parlamentsmitglied in Süd-Australien, 

1877 Wiener Ca-tl französischer Consul in Guayaquil. 

1HT3 Wiaoer t, Morfen§terii Franz, Oberst in Assuncion (Paraguay). 

1S6S Wylpy, Mr. G, in Capstadt. 

1886 Wyuiiialeii. Dr. Theodoor Charles Lion, Bibliothekar a. d. kön. Bibliothek 

und Sekretär der k. ethnographischen Anstalt f. Indien in S' G raven- 

h a ge. 
1^76 Yoniiir Allen. Capitän der k. grossbrit. Marine in London. 

v} Lebenslängliche imd gründende Mitglieder. 

186Ö Anter^hof«^». TJieaphil Freiherr von, in Klagen fürt. 
iSB5 Barbofeii von Etlit Adolf, Brauereibesitzer in Nussdorf bei Wien. 
ISSaCofaH Sab, Banquier in Wien (I., Schottenring 32). 
1S79 De^en^r Emanuel in San Francisco. 

Iö56 Uufg- V. (lUg^entbal, Victor, k. k. Oberstlieutenant i. P., Schloss Ponigl. 
lS7:i (-jmnasiiiiii, k. k. Franz Josefs-, in Wien (I., Fichtegasse). 
I8ö(* Iterr Louise in London. 

188:i Paliiia Johann, Adjimct an der k. k. Sternwarte in Wä bring. 
18*il SehaunibuTg- Lippe. Prinz von. in Ratibofitz bei Nachod. 
188.1 Stur Dionys, Dtreclor der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien 
(ItL, Rasumofskygasse 25). 

rf> Ausserordentliche Mitglieder. 

f^ilrt rillt- Jiihr 

1080 indei Johann. Droguist in Prag, 226/1 fl. lO — 

lÖ5fi Artart A August, kfiis Rath und Kunsthändler in Wien, L, Kohl- 

m^rkt M (zugleicli Ehrenmitglied) »15-— 

1^1 Arthab^r Rudolf Edler v., kais. Rath u. Kaufmann in Wien 

(L, Kohlmarkt 16) > 20 — 

Vm Anersperg-Kiiisky^ Wilhelmine Fürstin, in Wien (VIII., Auers- 

pergslrasse 1^ » lO* — 

1857 Bach, Dr. Alexander Freiherr von, k. k. wirkl. geheimer Rath, 

in Unter- Walte rsdorf (Nied.-Oesterr.) » 10* — 

UiUK d, k, k. GrogT. G«« 1889. 3. n. S. lO 



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138 

KintrittsJiihr 

1883 Cumberland, Ernst August, Herzog von, kgl. Hoheit, k. k. Oberst, 

in Penzing (Hanptstrasse 9) ... . fl. 26*— 

1856 Czörnig, Dr. Carl Freih. v., k. k. wirkl. geheimer Rath in Görz 

(zugleich Ehrenmitglied) » 1050 

1874 Doblhoif, Josef Freiherr von, in Salzburg > 10 — 

1870 Drasehe, Dr. Richard, Freiherr von Wartimberg, Grossgrund- u. 

Bergbau-Besitzer in Wien (I., Künstlergasse 4) . . » 25 — 

1880 FIcdor Gustav, Grosshändler in Wien (U., Kaiser Josef-Strasse 38) » 10.- 
1886 Fischer, Edler v. Zickwolff, A., in Mercedes (Südamerika) (seit 

1886 a. o. Mitglied) » 10. - 

1873 Fleischiiiaiiu, geb. Meurs von Pruissenaar, Alide, Med. Doctors- 

witwe in Wien (I., Bauernmarkt 13) . . . . > 55 — 
1886 Fritsche Julius, Director des Assecuranzvereines von Zucker- 
fabrikanten in der österr.-ung. Monarchie, in Prag (Herren- 
gasse 10 neu) > 10 — 

1886 Haane Alois in Traut enau ... » 10*— 

1884 Haiidelsakadeniie inWien. ... ..> 25 — 

1886 Handels- uud €iewerbekamuier inBozen .... > 10 — 

1886 Handels- und Oewerbekamnier in Eger . » 10 — 

1886 Handels- and (jlewerbekanimer in Laibach > 10 — 

1886 Handels- und Gtwerbekaninier in Tri est > 10 — 

1885 Hansel Stefan, Fabrikant in Bärn (Mähren) (seit 1887 a. o. Mit- 

glied) ...» 10 — 

1886 Hielle Eduard in Schönlinde a. d. böhm. N.-B > 10 — 

1886 Hielle-Dlttrich Elisabeth in Schönlinde a. d. böhm. N.-B > 10 — 
1885 Hohenlohe-SchiilingsrUrst. Constantin Prinz zu, k. k. wirkl. 

Geheimrath, Kämmerer, Erster Obersthofmeister Sr. Majestät 

d. Kaisers etc. in Wien (U., Augartenstrasse, k k. Augarten) > 10* — 

1885 Kalmacki, Michael Ritter von,k. k Rittmeister i. R. u Stations- 

vorstand der k. k. priv. Lemberg-Czernowitz Jassy Eisen- 
bahn in Suczawa-Itzkani (seit 1888 ausserordentl. Mitghed) » 10* — 

1886 Kornfeld Sigmund, Director der Ungar. AUgem. Creditbank in 

Budapest » 10- — 

1886 Lanibl, Dr. J. B , k. k. Professor in Prag (1/374) » 10- - 

1886 liauna, Adalbertvon, in Prag > 50-— 

1886 Leykam-Josefsthal, Actiengesellschaft f. Papier- und Druck-In- 
dustrie, in Wien (f., Maximilianstrasse 12) »10* — 

1883 LVweutbal, Johann Freiherr von. k. k. Feldmarschall-Lieutenant 

in Wien (F., Weihhurggasse 16) » 10 — 

1883 MoutennoYO, Alfred Fürst von, in Wien (I., Löweistrasse 6) > 50 — 
1886 Mfiller Karl Victor, Fabriks- und Realitätenbesitzer in Prag 

(Carolinenthal) .... » 10* — 

1883 NfcoHcs de Rndna, Michael Freilierr von, Gutsbesitzer in Wien 

(I., Wallfischgasse 11) . . . . > 10'— 

1885 Nopsea von Felsö-Szilyas, Franz Freiherr, k k wirkl. Geheim- 
rath, Kämmerer, Obersthofmeister I. M. der Kaiserin etc., 

in Wien (I, Hofburg 1) » 10.— 



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l 



139 

1885 Oe»t«iTeichiscli«rToiiristen'Ctiiban Wien ([., Herrengasse 23) fl. lO*-- 
1676 Perulra, Adolf Freiherr von, k, u, k. österr -ungar. Honorar- 

Vice-Constil in Älexandri.en »20 — 

1883 Sacbsen-Cobur^'-ilttthA, Prinz Philipp von, Herzog zu Sachsen. 

k k. Fei dmarw^halU Lieutenant, in Wien (L, Seilerstätte 3) »20 — 

1886 !)ebo1ilo€h A., Cbef der Firma Joh. David Starek, Schloss 

Tschemin (Böhmen) ... > 10* — 

1886 Scb<iblöeb Dr philos. A-. in Unterreichenau (Böhmen) . . »10 — 

1888 i^fbrol], Josef Edler von, in Brau na u (Böhmen) »10 — 

1885 ScbwarifMibvri-. Adolf Josef, FQrat zu, geforsteter Landgraf zu 

Rluggau. Graf zu Sulz, Herzag zu Krumau, k. k. wir kl. 

Geheimrath, Major a. P in Wien (!.. Neuer Markt 8) » 15- — 

1880 Strem^jr, Dr. Carl von. k= k, wirkl. geheimer Rath und zweiter 

Präsident des k. k. ül>ersten Gerichts- und Cassationshofes 

in Wien . . , » 10 — 

mn Vmrath Karl in Buhna bei Prag » 10 — 

1886 WedHch Heinrich in Böhm.-Leipa »10- 

1857 WUczek. Hans Graf, k. k. wirkl geheimer Rath und Kämmerer 

zugleich Ehrenmitglied) in Wien (I., Herrengasse 5) . . . »50:— 
]86(J Wflrtlenkberg, Wilhelm Herzog von, k. k. Feldzeugmeister und 

commandif ender General in Lemherg » 20 — 

1885 Zelenf Johann Max., StaÜons-Chef der Südbahn, in Wien (Hl, 

Uugargaase 27) . » 10*- 

f\f Ordentliche Mitglieder. 

Einljitt« Julir 

1Ö85 Abaflf Sandor, in Mokrägy ^Ungarn). 

1885 AbenflperiT'Trauii, Hugo Graf von, k. k. wirkl. Geheimrath, Kämmerer, 

Oheriiljägermeister Sr. MajesUlt des Kaisers etc. in Wien (L, Wall- 

üsohgasse 9 a>. 

1885 Admm, Dr, Josef, in Wien (IX., Liechtensteinstrasse 56). 

1886 AdAOir Arnold, in Wien (VIL, Lindengasse 9). 

1879 Ad da. Thedor von. k. k. Oberst lieutenant und Commandant des 23. Feld- 
jitger-BalaiUons in Maros-Vasarhely. 

1885 Adrowt^tt Heinrich, k. k. Generalmajor und Commandant der 47. Inf.- 
Brigade m Przemysl. 

1876 Albacfa. Juliuis Ritter von, k. k- Oberstlieutenant und Genie-Director in 
Olmütz. 

1885 Aleileh Karl k. k Hauptmann des Armee-Standes in Wien ( Kriegs- 
archiv j 

1885 Alpine UesellHCh&rt ,1» Alten ber^rer" in Wien. 

1858 Alidrlan«^^<frhi]rg, Ferdinand Freiherr v., k. k. Ministerialrath in Wien 

(VI,, HreihufeisengasKe H). 
188S An^er Adalberi. k und k. österr -ungar. Ck)nsul und Justiz Director in 

Sarajewo, 
1B85 Angerer. Dr. F^uard. k, k. wirkl. Geheimrath, Weihbischof und General- 

vicar m Wien (1, Stefan^platz 5). 

10* 



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140 

Bintritts-Jftbr 

1885 Aiigrerer Victor, Photograph in Wien (IV., Theresianumgasse 4). 

1885 Angerer €. & Gösclil, k. k. Hof-Photographen in Ottakring (Haupt- 
strasse 33). 

1885 Anthoiiie. Carl Edl. v.. k. k. General-Major in Wien 'JH.. Ohere Weiss- 
gärberstrasse 14). 

1885 Appel Josef, k. k. Oberstlieutenant i. P., in Wien (VfH., Josefstädter- 
strasse 89). 

1883 Arclileb Josef, in Dobruschka. 

1856 AieDstein. Dr. Josef. Gutsbesitzer in Stuppach. 

1885 Arnethy Dr. Alfred Ritter von, k k. wirkl. Geheimrath, k. k Hof- und 
Ministerialrath, Präsident der kaiserl, Akademie der Wissenschaften, 
Director des k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien (I., Hof- 
burg 1). 

1885 Arneth, Med. Dr. Franz Hector Ritter v., in Wien (1.. Kolowratring 14). 

1863 Amsbiirg Louis Friedrich, k. k. Hof-Schauspieler in Wien (I., Wipp- 
lingerstrasse 2). 

1874 Artarin Carl August, Kunsthändler in Wien (L, Giselastrasse 9). 

1883 Artaria Dominik, Kunsthändler in Wien <!., Kohlmarkt 9). 

1869 Aseher Adolf Ritter von, k. k. Hofrath in Wien ([., Michaelerplatz 6). 

1885 Aue Josef, Forstingenieur in Bis tri tz (Siebenbürgen). 

1885 Augmann Wenzel, k. k. Hofsecretär a. D , in Wien (HL, Reisner- 
strasse 14). 

1885 Allgastill Carl. k. k. Hofsecretär in Sr. Majestät Cabinetskanzlei in Wien 
(L, Hofburg 1). 

1881 Augastin, Dr. Franz, Privatdocent a. d k, k. böhm. Universität und 
Gymn;isial-Professor in Prag (I., Kettengasse 5). 

1888 Anrbacb, Adolf Ritter von, k. k. Aich-Oberinspector in Prag. 

1881 Austin Charles Perry in New- York. 

1885 ,,AuBtrla", Section, des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereines 
in Wien. 

1885 ßacli von Klarenbacli Georg, k. k. Oberst i. P. in Klosterne üb irg. 

1885 Bader, Gebrüder, Seidenwaaren-Fabrikanten in Wien (VIl., Westbahn- 
strasse 32). 

1873 Bader Moriz, Ingenieur in Wien (11 , Herminengasse 12). 

1878 Bficher Wilhelm, Fabrikant und Gemeinderath in Wien (IV., Gusshaus- 
gasse 8). 

1887 Balko, Dr Ladislaus, Advocat in Lemberg. 

1885 Balthazar, Hugo de, k. k. Generalstabs-Hauptmann bei der 24. Infant 
Truppen- Division in Przemysl. 

1885 Bamberger Anton in Prag. 

1885 llamiwarth Theodor, Besitzer einer lithographisch-artistischen Anstalt in 
Wien (VIL, Schotten feldgasse 78). 

1880 Baranowsk! Boleslaus, Seminar- Professor u. k. k. Bezirks-Schul-Inspector 
in Lemberg. 

1885 Bartl Johann, k. k. Postrath in Gross-UUersdorf (Mähren). 

1880 Basso von G5del-Laiiiioy, Richard Freiherr, k. k. Linienschiflfslieutenant 
in Wien IX., Währingerstrasse 6 u. 8). 



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141 



BiatritU-Jahr 

1856 Baner, Dr. Alexander, k. k. Regierungsrath und Professor an der k. k. 

technischen Hochschule in Wien. 
885 Bauer Rudolf, Beamter der I. österr. Sparcasse in Wien(I„ Qraben 29). 

S Baadlseb, Dr. Adolf, Landesadvocat in Trautenau. 
881 Baniuaiiii, Dr. Oscar, in Wien (f., Elisabeihstrasse 9), (zugleich corre- 
spondirendes Mitglied). 
) Baumaim Heinrich, Controlor der ö.-u. Banka D., in Wien (I.. £lisabeth- 
strasse 9). 

885 Baanifeld, Dr. Isidor, in Wien (1., Nibelungen^asse 1). 
l BauBgarten, Max von, k. k. Feldmarschall - Lieutenant in Wien (IV., 

Waaggasse 5). 
5 Bayer, Dr. Carl, Privat-Docent für Chirurgie des k. k allgem. Kranken- 
hauses in Prag. 
.886 Beektolsheim, Anton Freiherr von, k. k. Feldmarschall-Lieutenant und 

Ck>mmandant der 5. Infanterie-Truppen- Division in Ol mutz. 
885 Beck Julius, k. k. Linienschilfe-Lieutenant auf S. M. Schiff »Nautilus« 

in Triest. 

867 Becker. Ak)is Ritter von, k. k. Fregatten-Capitan in Pola. 
877 Beker-Benkenberr, Carl von, k. und k Hof- und Ministerialrath in 

Mauer. 

.885 Beekier Casimir, Droguist und Apotheker in Baku. 
856 Beer, Dr. Adolf, k. k. Ministerialrath und Professor an der k. k techn. 

Hochschule in Wien (lU., Lagergasse 1). 
1885 Bellegarde, Marquis de, Schloss Klingenstein bei Graz. 
888 Beneseh Anna, General directors- Witwe in Wien (I., W ipplingerstrasse 7). 
885 Benkiser, Heinrich Ritter von, k. k. Oberst und Commandant des 
56. Inf.-Reg. in Kr a kau. . 

884 Benko von Boiuik, Jarolim Freiherr, k. k. Corvetten-Capitän in Pola. 
877 Benonl, Dr. Carl, k. k. Oberrealschul-Professor in Lemberg. 

876 Benzion Eugen, Journalist in Wien (I., Bäckerstrasse 18). 

885 Berger Franz, Stadtbaudirector in Wien (Rathhaus). 
885 Berkefeld Hermann in Wien (IV., Goldegggasse 32). 

877 Berlepseh, Heinrich Freiherr von, in Mratin (Böhmen). 
» Berliner Max in Odessa 

867 Beyer, F. Ritter v., k. k. Major- Auditor in Wien (VII., Kircheng. 38). 

887 Beaeeu;^, Dr. Anton, k. k. Regierungsrath und General - Secretar der 
Nordbahn in Wien (I., Schell ing;ia88e 7). 

885 Biaiichi, Duca di Casalanza, Leonbard Baron, in Rubbia bei Görz. 

885 Bieder maun Emil, Hof- Juwelier in Wien (I.. Graben 13). 

885 Biedermantt Josef, Eisenbahn-Oberingenieur i. P. in Graz{ 

885 Blelka, Dr. August Ritter von, k k. Leibarzt in Wien (f., Reitschul- 
gasse 2). 

885 Bikkessy^ jun.. Guido von, in Ung. -Altenburg. 

885 Binder Andreas, Bau - Inspector der Kaiser Ferdinands - Nordbahn in 

Wien (lll , Marokkaner irasse 1). 
1885 Blazineie Josef, k k. Commercialrath u. Hof-Posamentirwaaren- Fabrikant 
in Wien (ML, Stiftgasse 31). 



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142 

EiairitU-Jahr 

1878 Blnnaner Edler von MontenaYe, Alois, k. k. Oberstlieutenant i. P. in 

"Wien (VII., Bnrggasse 22). 
1885 Blamentrilt, Dr. Ferdinand, Professor an der Gommnnal-Oberrealschnle 

in Leitmeritz. 
1885 Böhm Anton, Magistratsrath i. P in Wien (VII., Neubaogasse 54) 
1885 Böbiu, Dr. August, Docent an der k. k. teciin. Hochschule in Wien 

(iX., Aiserstrasse 4). 
1887 Böhm Julias, commercieller Beamter des k. k. österreichischen Handels- 

moseums in Wien (II., Aloisgasse 5). 
1885 Böhmerle Carl, Ingenieur und Adjunct der k. k. forstL Versuchsleitung 

in MariabrunD. 
1885 BoUartb Franz, Kaufmann und k. k. Hoflieferant in \\ ien (I , Graben 29). 
1885 Boltek Josef, k. k. Artillerie- Hauptmann in Wien (Kriegsarchiv). 
1885 Bombelies, Carl, A. Graf, k. k. wirkl. Geheimrath, k. k. Vice-Admiral i. P. 

in Wien 
1871 Bracbelli, Dr Hugo Franz Ritter y, k k. Hofrath u Professor in W i e n 

(IV.. Wohllebengasse 14). 
1887 Braune Albin, Buchhändler In Ol mutz. 
1881 Hreitenlohner, Dr. Jacob, Professor an der k. k. Hochschule für Boden - 

Cultur in Wien (VIII., Reiterpisse 17). 
1885 Breltenstelii, Dr. H., k. holländ Regimentsarzt in Wien (IX , Porzellan- 

gasse 16). 
1885 Brecker Carlos in Mexiko. 

1884 Brenner Ton Felsaeh, Joachim Mar. H* inrich Freiherr yon , Herr auf 

Grossau und Merkenstein, k. k. Lieutenant i. d. Res. in Gainfahrn. 
1889 Brestowski A., Magister der Pharmacie,Mit-Redacteurder »Ph.-irmacerit. 
Post« in Wien (1., Kolowratrin^ 9). 

1883 Broob liforiz in Soerabaya (Java), derzet in Wien (III., linke Bahn- 

gasse 3). 

1885 Brücke. Med. Dr. Ernst Ritter v.. k k Hofrath u. Universitäts-Professor 

in Wien (IX. Währingerstrasse 11). 

1885 BrIIll Richard. Inspector der Lemberg-Czernowitz-Jassy-Eisenbahn in 
Czernowitz (Bukowina). 

1885 Brflnner Alexander in Wien (VI., Magdalenenstrasse 10). 

1858 Bmnner von Watlenwyl Carl, k. k. Ministerialrath in Wien (VUI., Traut- 
sohngasse 6). 

1870 Brasikaj Anton, k. k. Bezirksrichter in Waidhofen a. d. Thaya. 

1885 Bryner Alfred, Goldarbeiter in Wien (VI, Comehusgasse .3). 

1886 Bnorad, Dr. Wilhelm, Advocat in Budweis. 
1863 Bnbles Sigmund, Bischof, in K aschau. 

1885 Back Albert, Gold-, Silber- und Tula - Bijouteriewaaren - Fabrikant in 

Wien (VI., Hofmühlgasse 7). 
1874 Blldinger Dr. Max, k. k. Universit&ts-Professor in Wien. 

1884 BObler, Dr. Georg, k. k. Hofrath und Üniversitäts-Professor in WÄhring 

(Cottage 13). 

1885 Bnrgess Carl, k. k. Regierungfirath in \Vien (I, Bräunerstrasse 5). 
1874 Bngehmann. Med. Dr. Ferd. Freih. v., in Wien ('., Bauernmarkt 13). 



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143 

BiDtriUn-Jxhr 

1885 Buttler, Otto Graf, in Graz. 

1876 Call von HoKenbnrg:, Guido Freiherr, k. und k. österr.-ungar. Vice- 
Consnl in Constantinopel. "^ 

1873 Caliee, Heinrich Freiherr von, k. k wirkl. geheimer Bath und k. und k. 

österr.-ungar. Bot-ichafter in Constantinopel. 

1886 Carusso Constantin in Tri est. 

1885 Cassinn, M. Ritter von, Generaldirector der Ersten k. k. priv. Donau- 

Dampfschifi^ahrts-Gesellschafr in Wien. 
1^6 Castle de Molineax I^eo in Libschitz a. d. Moldau 
1879 Chavanne, Johann von, k. k Hauptmann des 68. Inf -Reg. inTuzla. 

1875 Chavanne, Dr. Josef (zugl. correspondirendes Mitglied). 

1887 Cliazel Casimir, Privatbeamter in Neu 1er chenfeld (Hauptstr. 12). 
1885 Cborinsky, Ignaz Graf, Guts- und Dampfzioge' ei -Besitzer in Skaliczka 

(Mähren). 

1884 Chwalla Fritz, Seidenwaaren-Appreteur in Wien (VII.. Apollogasse 4). 

1874 Ciealek, Dr. Theodor, Professor an der Handelsakademie, in Wien. 
188^ Cieszkowski August Graf, Doctor der Philosophie und Ehren-Doctor der 

Rechte etc. in Wierzenica bei Posen. 

1885 Cihlarz, Franz Ritter v., k. k. Hofrath a D., in Baden (N.-Oe«^t.). 
1882 ColditJ, Carl Ritter von, Generaldirector der Versicherungs- Gesellschaft 

„Donau" in Wien (I., Schottenring 13). 
1867 ColloredoBfannsfeld, Josef Fürst von, k. k. wirkb'cher geheimer Rath 

in Wien (I.. Parkring 6). 
18^ Conrad von Ejbesfeld, Dr. Sigmund Freiherr, k. k. wirkl. geheimer 

Rath, k. k. Minister a. D. u. Hei renhau ''-Mitglied, in Lebring 

(Steiermark). 
1885 Coalon Ludwig in Wien (I., Seilerstatte 11) 
1885 Cramer, Dr. Leopold Ritter v., General - Procurator des k. k. Obersten 

Gerichtshofes in Wien (I., Lichtenfelsgasse 1). 

1888 Curti, Dr Alex. A., Industrieller in Ober-Piesting (N -Oest). 
1870 Czeleehowsky Rudolf, k. k. Major des 21. Inf -Reg. in Öaslau. 
1874 Czerny, Dr. Franz von. k. k. Üniversitats-Professor in Krakau. 

1885 Czerny, Franz Hitter von, k. k. Oberstlieutenant des Genera Istabs-Corps 

in Wien (III., Hauptstrasse, „Hotel zum rothen Hahn"). 
1888 Cziharz Edler von Lauerer, Alois, k. k Feldmaischall - Lieutenant in 
Kaschau. 

1876 Czdrnig, Carl Freih v., k. k. Hofrath u Finanzdiiectorin Klagen fürt. 

1886 Dadok N., prakt. Arzt in Napagedl (A'ähren). 

1885 Damian. Dr. Josef, k k. Notar in Fünf haus (Schönbrunnerstrasse 42; 
1885 Dankl Simon, Professor an der Handels-Akademie in Fiume. 

1884 Danblebsky v. Sterneck zu Ehrengtein, Maximilian Freiherr, k k. 

wirkl. Geheimrath, k. k. Admiral und M.irine-Commandant in Wien 
(IX., Währingerstrasse 6,) (zugl. Ehrenmitglied). 
1872 Danblebsky Edler von Sterneck Robert, k. k. Major im k. k. militär- 
geographischen Institute in Wien. 

1887 D^dlc Johann, evang. Pfarrer und Consen or in Ol mutz. 

1885 Dehne Richard, Kaufmann in Wien J.. Schwarzenbcrggasse 3) 



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144 

Eiptritia-Jahr 

1885 Deiner J. L. in Wien (II., Untere Donaustrasse 17). 

1885 Dt*ltl Gerhard Hans, k. k. Polizei Commissär in Wien (IX, Lichten- 

thalergasse 6). 
1877 Dembintiki Stefan, Gymnasiallehrer in Jaslo. 
1883 Beointh Theodor, Buchhändler in Wien U , Stephansplatz 8). 
1870 Descoyich, Dr, Josef, prakt. Arzt in Wien (VI.. Mariahilferstiasse 19). 
1977 DeTid6 Thad., Privat in Wien (I., Schottenring 4^. 
1883 Dewidels Simon in Prag. 

1883 Diener, Dr. Carl, in Wien (III., Marxergasse 24). 
1872 Dinstl Wilhelm, Kaufmann in Wien (I.; Johannesgasse 27). 
1861 Ditmar Rudolf, Fabriksbesitzer in Wien ( II f .Erdberiier Strasse 23 u. 25). 

1886 Dittely Med. Dr. Leopold Ritter v., k. k. üniversitäts Professor in Wien 

(IX., Aiserstrasse 4). 
1885 Dittricli Josef, k. k. Generalmajor und Vorstand der 10. Abtheilung im 
Reichs-Kriegsministerium in Wien. 

1885 Dobriloyiö Augustin, k. k. Gymnasial-Director in Cattaro. 
1864 Doli Eduard, Realschul-Director in Wien (I., Ballgasse 6). 

1875 Dohiiel Franz, k. k. Oberrech nungs-ath in Döbling (Hauptstrasse 5). 

1887 DOlezel Carl, k. k. Major im Ühlanen-Reg. Nr. 2 in Wien (III., Barich- 

gasse 6). 

1886 Dostal, Dr. Heinrich, prakt. Arzt in Wien (I., Wollzeile 7). 

1876 Dräsche^ Dr. Anton, k. k. üniversitäts - Professor und k. k. Priu.ararzt 

in Wien (I., Wollzeile 4). 

1888 DuDsrel Adalbert, Abt des Stiftes Göttweig. 

1886 Darst D , General-Secretar der Wiener Versicherungs-itesellschaft, in 

Prag (Hibemergasse 7). 
1883 Datschka Vincenz v., in Wien (I., Mölkerbastei 5). 
1872 DzledDSZjeki, Graf Wladimir, in Lemberg. 
1880 Dziedzieki Ludwig, Director der k. k. Lehrerinnen-Bildungsanstalt in 

Lemberg. 
1886 £bernianu, Med. & Chir. Dr. Franz, prakt Zaharzt iu Praj:. 
1886 Eckhardt^ Gustav v., k. k, Oberst i. P., in Prag (477/111). 

1870 Eekhoff Christian, k. k. Lieutenant a. D , in Wien (IX, Uuiversitäts- 

strasse 8). 

1877 Ediinger, Josef Fr., Eisenbahn-Buchhalter in Hacking 

1885 Effenberger Eduard, k. k. Postrath in Wien (Vll., Bandgasse 18). 

1871 Egger Alois, Ritter v. Möllwald, k. k. Hegierungsrah und Director 

des k. k. Theresianischen Gymnasiums in Wien (IV, Favoriten- 
strasse lij). 
1885 Ehlers, Dr. Anton, k. k. Notar in Wien dl., Obere Donaustrasse 6). 

1885 Ehnhardt Carl, Beamter der Creditanstalt in Wien (VI., Gumpendorfer- 

strasse 14). 

1886 Eichmaiin & Comp., k. k priv. Maschinen -Papier- Fabrikanten in Arn au 
1883 Eissler Josias & Söhne in Wien (I., Elisabeihstrass 22). 

1885 Engel, Dr. J., Professor in Währing (Krankgasse 7i. 

1887 Engel Rudolf, k. k. Reserve- Lieutenant und Beamter der ünionbank in 

Wien (I., Renngasse \). 



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145 

Eintritts Ji hr 

1863 Engels Franz, Privat in Wien (IV., Heugasße 8). 

1885 Engerth Karl, Freiherr v , Oberinspector der k k. priv. österr -ungar^, 
Staats-Eüsenbahn^Gesellschaft in Wien (T , Rathhansstrasse 13). 

1885 Entlkher Rudolf, Gymnasial -Professor in Prag 

1885 d'Entremoiit Angnst, Buchhalter und Correspondent der Firma Mathiaa^ 
Zucker & Comp., in Strakonitz. 

1888 Eschmanii Carl, Betriebsleiter-Stellvertreter und Verkehrs-Chef der rumä- 
nischen Linien der k. k. priv. Lemberg-Czernowitz-Jassy Eisenbahn 
in Jassy Gara. 

1^64 Faber Carl Maria, Med. & Phil. Doctor, in Wien (1., Bauernmarkt 3). 

1887 Faber Theodor, k. k. Oberlieutenant a. D. in Meran. 

1885 Faerber Louis« Kaufmann u Handelsagent in Wien (I., Fichtegasse 2), 

1885 Faltis Carl in Trautenau. 

1886 Falxari Felix, k. k. Linienschiüsfahnrich in Pola. 
1876 Febringer Michael, k. k. Hofrath i. R, in Hallein. 

1869 Feifalik. Hugo Ritter v., k. k. Regierungsrath in Wien (I. Hobfburg 1) 
1872 Fekete, P. Fidelisv., Kapuziner-Ordens-Priester in Wien (I., Tegetthoff- 

Strasse 2). 
1885 FelbingiT Ubald M. R, Chorherr in Klosterneuburg. 
Ib56 Felder, Dr. Cajetan Freiherr v, k. k. wirkl. Geheimrath, Mitglied den 

Herrenhauses des österreichischen Reiehsrathes in Wien (I. Schotten- 

gasse 1). 
1885 Felsenstein Wilhelm, Ober-Inspector der Nordwestbahn in W i en(IIf., Hetz- 

gasse 20). 
1885 Fenz, Dr. Rudolf, Hof- und Gerichts- Advocat in Wien (IV.. Plössel- 

gasse 10). 
1885 Fetter Geza, Bureauchef der ersten ung-gal. Eisenbahn in Przemysl 
1885 Fiedler Johann, k. k. Telegraphen-Assistent in Wien (f , Börsenplatz 

Centrale). 
1885 Figdor Ferdinand in Wien (I., Löweistrasse 8). 
1885 Finger, Dr. Josef, o. ö. Professor an der k. k. technischen Hochschule 

in Wien (IV., Alleegasse 35). 

1887 Finsterbeck Hermann, k. k. Postamts- Praktikant in Sechs haus (Mülil- 

bachgasse 5). 
1885 Fiscber Friedrich in Prag. 

1885 Fiseher Ötefan, Ingenieur der ^.Azienda Gallare** in Ostellato (Italien) 

1886 Fiseher. Rilter v. Ankern, Anton, Realitätenbesitzer in W ien (I., Elisabeth 

Strasse 12). 
1871 Fischer von Tiefeiisee C. k k Hauptmann des 74. Infanterie-Regiments, 

Lehrer an der Cadetenschule in Lobzow bei lirakau. 
1883 Fiandorfer Ignaz, in e d e n bu r g. 
1885 Flata Rudolf Egon, Ingenieur und k. k. Lieutenant i. d. Reserve des 

8. Dragoner-Reg., in Ijüttich (Belgien) 
1885 Fieseh Hermann in Wien (I., Schwarzenbergstras.-e .S). 
1874 Fleseh-Fes tau, Dr. Ludwig Riiter von, in Wien (l„ Schwarzen borg* 

platz 6). 
1868 Floch-Beyhersbergr, Dr. J. H. Ritter von, k. Finanzrath in Budapest. 



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146 

tintiitis-Jabr 

1874 Förster, Hugo Edler von, k. k Oberst des 2. Dragoner- Regiments ic 
Wiener-Neustadt. 

1885 Fohleatuer Josef, Unionbank-Beamter in Wien (I., RenngasFe 1). 
1880 FolUot de CremieTille, Heinrich Graf, k. k. Linienschiffslieutenant ia 

Triest. 
1889 Porster, Adolf E., in Wien (IX, Wasagasse 25). 

1886 Foallon->iorbeeck, Karl Reichsfreiherr ven, k. k. Rittmeister in Wien 

(III., Neues Postgebfiude). 
1886 Franok Carl in Linz. 
1885 Frank C. M., k. k. Hofscbneider und Currentwaarenhändler in Wien 

(I., Graben 12). 

1885 Frasch, Dr. Friedrich, in Wien (IX, Aiserstrasse 36). 

1886 Freund Ludwig, Inspector der österr. Local- Eisenbahn-Gesellschaft in 

Olmütz. 
1888 Frey, C. August von, Generaldirector der österr. Alpin-Montangesell- 

Schaft in Wien (I., Kärtnerstrasse 55). 
1878 Freytag Gustav, Kartograph in Wien (VII., Schottenfeldgasse 64). 
1885 Friedländer PSdagogriseher Verein in F r i e d I a n d 
1885 Fries, Dr. Emil, Director der Heilanstalt in In/^er^dorf am Wienerberg), 

1856 Friesach, Dr. Carl, Professor in Graz. 

1883 Friese Otto, Buchhändler in Wien (I., HauernmarKt 3). 
1885 Frimuiel Kranz, k. k. Landesgi'richtsrath und Be/irksrichter in Neun- 
kirchen (N-Oe.). 

1857 Fritsch Josef in Teplitz. 

1885 Froebe Robert, Stud. philos. in Wien (I., Nihelungengasse 11). 

1885 Frydrich Franz Josef in Eger. 

1874 Fuchs, Dr. Adalbert von, k. und k. Seciionsrath in Wien (Ministerium 

des Aussem). 
1873 Fachs Rudolf, k. k. Rittmeister und k. u. k. Honorar - Con^ul in 

Zanzibar. 

1886 Fttlek von Szatmärvär, Heinrich, kön. ungar. HonvedOberst a D., in 

Wien (Hauptstrasse 83). 

1886 Fdrstenberg, Emil Piiuz, in Wien (llf., Jacquingasse 17). 

1885 üabely, Dr. Emerich, Professor am k. k. Schottengymnasium in Wien 
(I., Freiung 6). 

1885 Gabriel Carl, k. k. Oberrech nungsrath in Wien (VIII , Skodaga«se 9). 

1880 Gallina, J.ü. Dr. Ernst, Secretär und Abtheilu-.gs- Vorstand Sr. Majestät 
Privat- und Familienfonds- Güter- Direction in Wien (I, Fleisch- 
markt 3). 

1885 Ganahi, Adolf Ritter von, Beamter der k. k. Eisenbahnbetriebs-Direciion 
in Hischofshufen. 

1880 tiarger, Eduard von, k. k. Major im 88. Infanterie-Pegimente in Fi ag 

1885 Oasselsf^der Ferdinand, Fabrik-Director in Wien (I.. Reichsrathsstrasse 7) 

1885 Gassenhelmer Carl, Associ^ der Firma Julius Juhcs x- (Domp. in Wien 
(I., Wollzeile 40). 

1885 Gattinger Fi an/, Vorstand des Telegraphenwesens der österr. Staats- 
bahnen, in Fünfhaus (Stadiongasso 1) 



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147 

EintritU-Jahr 

1887 GayiUEzi Arthur Franovi6, Lehrer a. d. Oborrealschule in Agram. 
1885 Gebhart Johann, Professor in Wien (IX., Porzellanifasse 43). 

1888 GeJ^Dien Vincenz in Prag-Bnbna. 

1885 Gedllezk« WenzelJobann. Fabiik- u. Hausbesitzer in Penzing (Haupt- 

stiasse 17}. 

1886 Geissei J. F., Inspector i. P. der I. k. k priv. Donau- Dampfschifffahr: s- 

Gesellschaft, in Unter- St. Veit. 
1875 Generalstab des k. lussischen Kriegs Ministeriums in St. Petersb^r^^ 
1875 Grnotte, Wilhelm Freiherr von, k. und k Legationsrath in Wien 

(f.. Kiugerstrasse 10). 

1887 Geographinohe Snmmlniig der k. )<. Universität Graz. 
1885 GeorgieTics Johann, Kaufmann in Neusiitz. 

188Ö Gerber Sigmund, Assecuninz-Director in Wien (I, Kathhaussirasse 4). 
1883 Gerhardns Hermann in Wien (IL, Stephaniesirasse 9) 
1863 Geringer, Carl Freiherr von, k. k. wiikl. Geheimer Rath in Wien 
(I., Börsegasse 12). 

1887 Gerold Friedrich, Verlagsbuchhändler u Buchdruckereibesitzer in W ien 

(I., Postgasse 6). 

1888 Gerstbaner Carl, in Wien (I, Goldschmitdgasse 2). 

1874 Gerstel, Med. Dr. Adolf, in Wien (I, Judenplatz 2). 
1888 Gessele Franz, Falrikbesitzer in Salzburg. 

1885 Geyi»r Gustav A., Eis- nbahnbanleiter in Lemberg. 

1888 GeyniOller, Jacob Rudolf Freih. v., Gutsbesitzer in Wien (1., Wallnerstr. 8). 

1869 Gintl, Dr. Heinrich, k. k, Regieriingsratii und Eisenbalmdirector a. D. 

in Wien (I., Ebendorferstrasse 4). 
1888 Glantschnigg, Dr. Eduard. Advocat in Cilli. 
1885 Glanz, Dr. Anton Ritter von, Advokat in Linz. 

1875 Glanz- Aieha, Hugo Freiherr von, k. und k. Hof- und Ministerialrath im 

Ministerium des Aeussern in Wien (1.. Lothringerstrasse 5). 
1885 Glasser Franz. k. k. Professor in Wien (L, Saivatorgasse 10). 
1877 Glossner Gustav, Studirender in Wien dlL. Custozzagasse 12). 
1856 Gmelin, Dr. Otto, in Budapest. 

i883 Göpfert Eduard in Wien (IX., Liechtensteinstrasse 22). 
1885 Gdpfert Johann, Glasfabrik-Director in Jaronowitz (Mähren). 
i889 Gdttmaun Karl, Scriptor der k. k. Hofbibliothek in Wien (IV , Favoriten- 

strasse 25). 

1885 Goldschmidt Anita in Wien (I., Rathhausstra<'se 13). 

1887 Goldsehniidt, Hermann Ritter von, in Wien (I., Schellinggassel'i). 
1883 Goldsebmidt, Theodor Ritter von. Baurath, autor. Civil- Ingenieur und 

Qemeinrderath der Stadt Wien (1., > ibelungengasse 7). 

1888 GouipiTZ, Julius Ritter von in Wien (I., Maximiliansti-asse 3). 

1886 Gomperz, Mox Ritter von, in Wien (I., Maximilianstrasse 3). 

1886 Gomperz, Dr. Philipp Ritter von, in Wien (I., Maximilianstrasse 3). 

1880 Gomperz, Dr. Theodor, k. k. Uni^ ersiiätsprofessor in U ien (Ilf, Reisner- 
strasse 9A). 

1871 Goodenongh William, k. grossbrit. Major-General C. B. Blomfield-House 
Shooters Hille, in Kent (zugleich correspondirendes Mitglied). 



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148 

Cintrittii-Jahr 

1872 Öop(^evi6 Spiridion in Wien (IX., Spittelauerlände 3A). 

Ib88 OradTohl,. Julias Freiherr von, k. k. Feldmarschall-Lieutenant in Fünf- 
kirchen. 

1883 Graeser (arl, Verlagsbuchhändler in Wien (1., Akademiestrasse 2). 

1885 Omf Theodor in Wien (l, Spiegel gasse 3). 

1885 Grassaaer, Dr. Ferdinand, Vorstand der k. k. Uni versitats- Bibliothek in 
Wien (I., Neues üniversitätsgebäude). 

1880 (üratza, Dr. Anton, in Wien (III , Hörnesgasse 2). 

1885 Graye Heinrich, k. k. autor. CiTÜ-Ingenieur und Architekt in Fünf haus 
(Kirchenplatz 7). 

1885 Gregor Franz, k. k. Regierungsrath in Wien (I., Annagasse 5) 

1885 Grieiiiii^er Heinrich, Privatier in Wien (I., Hothenthurmstrasse 14). 

1868 Griesbach Carl Ludolf, Assistent-Geologe der Geological Survey in 
Calcutta. 

1885 Grimm, Dr. AI. in Marienbad. 

188:> GrimaSy Ritter von Grimmbiirg, Karl, Privatier in St. Polten. 

1889 Grissingery Drnd. phil. Karl, in Wien (VIII, Josefstädterstrasse 13). 

1885 Gröger Theodor, Buchdruckereibesitzer in W i e n (VI., Magdalenenstr. 26). 

1860 Grohmaun Paul in Wien (IlL, Obere Weisggärberstrasse 15). 

1873 Gross, Dr. Otto, in Klagenfurt. 

1885 Grosser, Leopold Ritter von, k. k. Ministerialrath in Wien (1 , Schelling- 

gasse 6). 
1883 Gross-Zinkendorfer Zackerfabriks- Actieiigesellschaft inOedenburg. 

1874 Grttn, Dr. Dionys Ritter von, k. k. Regierungsrath u. einer, üniversitäts- 

Professor in Prag. 
1885 Grttnebaum Franz, k. k. Hauptmann in Wien (f., Schottenring 4). 
1885 Grttnebaum, Gustav Ritter von, k. k. Regierungsrath in Wien (IX. 

Peregringasse 2). 
1888 Grttnne, Philipp, Graf, k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Commandant 

des 9. Corps, in Josefs tadt. 
1885 Gniiidmann Heinrich in Herzogenburg. (N.-Oe.). 
1885 Gslettner Laurenz, General -Director der Actiengellschafl der k. k. priv. 

Teppich- u. Möbelstoff-Fabriken von Philipp Haas & Söhne in Wien 

(I., Stock im Eisen 6). 
1885 GngST, Franz Ritter von, k. k. Generalmajor i. P., in Ober-Döbling 

(Hauptstrasse 8). 
1878 Gustawlcz Bronislaus, k. k. Professor a. d. Staatsgewerbeschule in 

Krakau. 
1866 Gntmauu, David Ritter von, Grosshändler in Wien (I, Kantgasse 6). 
1878 Gntmauu, Wilhelm Ritter von, Grosshändler in Wien(l., Kantgasse 6). 
1856 Gutmauusthal, Ludwig Ritter von, in Wien (I., Wollzeile 13). 
1869 Gymnasiuiu k. k., in Bochnia. 
1885 Gymnasium k. k. (Direction des), in Brixen. 
1869 Gymnasium k. k. deutsches, in ß r ü n n. 
1885 Gymnasium Communal-Ober-, in Brüx. 
1877 Gymnasium k. k. deutsches Staats-, in Budweis. 
1869 Gymnasium k. k. in Gilli. 



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k 



149 

Eintritt«- J ab r 

877 GyniiiasiuDi k. k. in Czernowitz. 
869 Gymnasium k. k., in Drohobycz. 

868 Gymiiasinm k. k. in Görz 

869 Gymnasium k. k. in Graz. 

885 Gymna<inm k. k. Staats- (Direction des) in Hern als. 
869 Gymnasium k. k. in Innsbruck. 
885 Gymnasium k. k. Staats-Ober-, in Jungbunzlau. 
869 Gymnasium k. k., in Klagen fürt 
869 Gymna<iiuni k. k., in Klattau. 
869 Gymnasium k. k., in Königgrätz. 
869 Gymnasium k. k., in Krems 
885 Gymnasium k. k. I.öhmisches, in Kremsier. 
869 Gymnasium in Kremsm ünster. 
873 Gymnasium k. k. in Lands krön. 
885 Gymnasium k. k. Staats-, in Leitmeritz. 
869 Gymnasium k. k. Ober-, in Böhmisch-Leipa. 
) Gymnasium k. k. akademisches, in Lern b erg. 
869 Gymnasium k. k. Franz Josefs-, in Lemberg. 
869 Gymnasium k. k., in Marburg. 

885 Gymnasium k. k. (Direction des), in Melk. 

886 Gymnasium k. k. in Neuhaus (Böhmen). 
869 Gymnasium k. k. slavisches, in Ol mutz. 
869 Gymnasium k. k. in Pisek. 

869 Gymnasium k. k., auf der Kleinseite in Prag. 

885 Gymnasium k. k., in Rudolfs wert. 

885 Gymnasium k. k. Staats-, in Saaz. 

869 Gymnasium k. k. in Salzburg. 

885 Gymnasium f. e. Privat-, im Collegium Borromäum (Direction des), in 
Salzburg. 

885 Gymnasium k. k. in Sanok. 

869 Gymnasium in Seitenstetten. 

869 Gymnasium k. k. vereinigtes Staats-, in Teschen. 

885 Gymnasium k. k. Staats-Ober- (Direction des), in Trient. 

885 Gymnasium Communal-Ober-, in Triest. 

885 Gymnasium öffentliches Communal-, in Unter-Meidling 

869 Gymnasium k. k. Staats-, in Vi 11 ach. 

888 Gymnasium (k. k. Ober-) in Wadowice. 

885 Gymnasium k. k. (Bilbiothek des), in Wallachisch-Meseritsch. 

885 Gymnasium k. k. Staats-Ober-, in Weidenau. 

885 Gymnasium k. k. Staats-, im III. Bezirke (Direction des), in Wien. 

869 Gymnasium k. k. in der Josefstadt, in Wien. 

869 Gymnasium zu den Schotten in Wien. 

869 Gymnasium k. k. theresianisches, in Wien. 

878 Haan. Carl Freiherr von. k. k. Rittmeister, in Wörasöd (N. Oe.) 

860 Haan Friedrich, k. k. Ministerialrath i. P., in Wien (L, Freiung 6). 

885 Haan, Friedrich Freiherr von, k. k. Hofrath i. P., in Wien (l., Blumen- 
stockgasse 5). 



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L. 



150 

EintrittR'Jahr 

1876 Haan, Wilhelm Freiherr von. k. k. Ministerial-Secretär in Wien (I. 

Rothenthurmstrasse 14). 

1877 Haardt von Hartenthiirii Vincenz, Leiter des geographischen Institutes 

an der Ed. Hölzel'schen Kunstanstalt, in Wien (IV, Luisengasse 5). 
1885 Haider Josef, Kaufmann in Wen I., Bauernmarkt 7). 
1883 Htiiiiiseli M. in Wien (I.. Bauernmarkt 7). 
1885 flallensteiii Conrad, k. k. Hofschauspieler, in Wien (VIIL Landes- 

gerichtsstrasse 18). 
1885 Halmschlilgri'r Franz in Wien (IL, Castellezgas se 17). 
1885 Hamoier Anton, Expeditor der Anton Dreher'schen Brauerei in Klein- 

Schwechat. 
1885 Hammerschlafir Adolf, Inspector der österr. Nordwestbahn in Wien 

(Bahnhof:. 
1885 Hammersehiuidt, Med. Dr. Anton, in Wien (1., Babenbergerstrasse 9). 
1885 Handel, Friedrich Freiherr von, k. k. Oberst und Commandant des 70. 

Inf.-Rgts. in Peterwardein. 
1885 Handelsakademie, öffentliche, in Linz 

1885 Handels- und nantisoho Akademie in Triest 

1886 Hanlscli Ernest, Herrschafts- Inspector in Trebitsch 

1871 Hann, Dr. Julius, k k. Hofrath, Universitäts-Professor und Director der 

k. k. Central-Anstalt für Meteorolog e und Erdmagnetismus Hohe 
Warte bei Döbling. 
1885 Hansnl, P. Martin, Pfarrer in Leesdorf (N. Oe.) 
1885 Hansel Emil. Comptoirist in Wien (I., Lothringerstrasse 15). 
1885 Hantken, Eugen von, k. k. Hofrath u. Kanzlei-Director des k. k. Oberst- 
Kämmereramtes in Wien (I., Hofburg 1). 

1878 Uaradaner Edler v Holdendauer Carl, k. k. OberstlieutHnant u. Vorstand 

des Karten- Archives im k. und k. Reichs-Kriegs-Ministerium in Wien 
(zughich correspondirendes MitgHed). 
1874 Hardty Dr. Emil, k. k. Sectionsrath im Handels-Ministerium In Wien. 

1887 Harlacher A. R., k. k. o. ö. Professor in Prag (Palackygasse 5)- 

1872 Hartl Heinrich, k. k. Major in Wien (Neubaugürtel 641). 
1885 Härtungen, Med. Dr. Christoph von, in Riva. 

1883 HasenöbrI, Dr. Richard, k. k. Ministerial-Secretär in Wien (I, Post- 

gasse 8). 

1885 Hassfurtlier Martin, Metallwaaren-Fabrikant in Wien (VIII, Piaristen- 

gasse 15 ) 
1856 Haner, Dr. Franz Ritter v , k. k. Hofrath u Intendant des Naturhistorischen 

Hofmuseums in Wien. 
1856 Hauer, Julius Ritter von, k. k. Ober-Bergrath und Professor inLeoben. 

1886 Hanscliild, Dr. Carl, Landes-Advokat in Prag 

1885 Hanser Alois, k. k. Haurath u. Professor in Wien (I , Teifaltstrasse 5). 
1876 Hausner Josef, k. k. Oberstlieutenant und Commandant des Monttir- 

Depot Nr. 1 in Brunn. 
1885 Hauswirth, Dr. Ernest, Abt des Stiftes Schotten in Wien. 

1879 de HaviUandy Robert Langstaff, in Wien. 

1884 Hawerland Josef Franz. Kaufmann in Wien (IV., Schleifmühlgasse 20). 



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161 

KiatritU Jahr 

1886 Haydnk Johann, k. k. Gymnasial-Professor a. D., in Prag 111/328). 

1882 Bebra, Med. A Chir. Dr. Hans Ritter von, Privat-Docent an der k. k. 

Universität in Wien (IX., Mariannengasse 10) 

1878 Heger Franz, Gustos am k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien 
(HI , Rasumofskygasse 1). 

1885 Heiek Heinrich, Buchhändler in Wien (1 , Kolowratring 4) 

1889 Heiderieh Franz, cand. philos. in Wien (IV., Lambrechtsgasse 8). 

1874 Hein. Eduard von, Realitätenbesitzer in Wien (L, Lothringerstrasse 5). 

1885 Heissig Ferdinand Alexander, k. k. Professor a. D. in Wien (III , Renn- 
weg 18), 

1888 Hele^ Dr. Ferdinand, Advokat in Ried (Oberösterreich). 

1857 Belfert, Dr. Josef Alexander Freiherr von, k. k. wirkl. geh. Bath, Mitglied 
des Herrenhauses des österr. Reichsrathes und Präsident der(2entral- 
Commision für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen 
Denkmale in Wien (III., Rennweg 3). 

1885 Heller Karl, technischer Assistent am herzogl zoologischen Museum in 

Braunschweig 
1867 Heller von Hellwald Friedrich in Tölz, Bayern, (zugleich correspon- 
direndes Mitglied ) 

1886 Hellleh V., Betriebsverwalter der ehem. Fabriken der Montan- u Industrial- 

werke in Kasnau. 
1881 Beim, Franz Ritt, v , k. k. Hauptmann dis 1. Feld-Jägerbataillons, in 
Kaaden. 

1883 Berbert Franz Paul in Klagenfurt. 

1887 Bertan Richard in Brunn. 

1883 Berte Otto in Wien (I., lichtenfelsgasse 5). 

1885 Ben Julius, technischer Beirath der österr. Creditanstalt für Handel und 

Gewerbe in Wien (1., Stadiongasse 4). 
1885 Bessl Adolf, Fabrikbeamter in Rohrbach (Mähren). 
1885 BeMsettstamiu, Theodor Graf von, in Wien (lU-, Salesianergasse B3) 
1885 Bille Johann k. k. Bezirks-Schulinspector in Luditz (Böhmen). 
1885 Biliettbrand, Alexander von, k. k. Regierungsrath und Greffier des Ordens 

der eisemeo Krone, in Wien (I, Schillerplatz 4 ) 

1887 Biller, Dr. Albrecht, Hof- und Gerichtsadvokat in W ien (I , Herrengasse 14. 

1883 BiiHmel Heinrich, k k. Major des 6. Inf-Regts in Budapest. 

1885 BlwE Georg, gräfl. Franz von Thun-scher Secretär in Prag 

1886 Birseli Sigmund, Kaufmann in Wien (I., Schottenbastei 1). 

1888 Birsehfeld A. in Tri est 

1885 Birsebfeld, Ludwig Ritter v., k. k. Regierungsrath in Wien (I., Börse- 
platz 1). 

1885 Bladigch Clemens J., Baumeister und Bauwerkstätten-Besitzer in Mäh r- 

Ostraa 

1886 Ulavaiek Anton, akademischer Landschaftsmaler in Wien (VI , Eszter- 

hazygasse 27). 

1884 BoehBtetter, Georgiana von, k. k. Hofraths-Witwe in Döbling (Haupt- 

strasse 60). 
1886 B5fken, Rudolf Ritter von, in Währing (C:arl Ludwigstrasse 39. 



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L^ 



1Ö2 

Eintrittf-Jahr 

1886 Höhnely Ludwig Rittter von, k. k. LinienschifTslieutenant 
1881 Holder, Alfred Ritter v, k. k. Hof- und Universitätsbuchhändler in Wien 
(1 , Rothenthurmstrasse 15). 

1878 Holze] Hugo, Buchhändler, Inhaber eines geographischen Instituts in 

Wien (IV., Luisengasse 5). 
1886 H9]zl Josef, k k Steuereinnehmer in Ge witsch (Mähren) 

1885 Uönigr Rudolf, k. k. Regierungsrath in Wien (IV., Hechtengasse 5). 

1886 Hofbaner Adolf, Stadtbaumeister in Wien (I, Lichtenfelsgasse 5). 
1856. Hofer Josef, Beamter der Donau - Dampfschifffahrts-Gesellschafl in 

Hietzing (Neugasse 23). 
1873 Hoffer Max, Ritter von Hoffenfels. a. o. Gesandter und bevollmächtigter 

Minister in Wien (1., Hiemerstrasse 16). 
1885 Hoffinger, Rudolf Ritter von, k. k Feldmarschall-Lieutenant in Wien 

(I , Nibelungengasse 4.) 
1885 Hoffmann Jgnaz in Tiflis. 
1885 Hoftnanu Edmund in Wien (I , Kohhnarkt 11). 
1885 Hofmaun Ferdinand, Privatier in Wien (I., Petersplatz) 
1885 Hofmann, Georg Ritter von, k. k. Berghauptmann in Wien (HJ., Marok- 

kanergassj 9). 
1873 Hofmann Raphael, Bergwerk s-Director in Wien (VII., Kirchengasse 26) 

1887 HofstStter Ludwig, k. k. Lieutenant a. D, in Wien (1 Wolhseile 9). 
1885 Hold Alexander in Puntigam bei Graz. 

1885 Holdorff Anna in Wien (I., Johannesgasse 12) 

1885 Hoor, Dr. Wenzel, k. k. Generalstabsarzt. Chef des k. k. Militär-Aerztlichen 
Officiercorps, in Wien (IX, Josephinum). 

1885 Hopfen, Franz Freiherr von, in Wien (I, Teinfaltstrasse 6). 

1886 Horä6ek. Dr. Franz, Advokat in Nechanic. 

1885 Hornbostl, Dr. Erich von, Hof- und Gerichts- Advokat in Wien (I., 
Nibelungengasse 1). 

1888 Horoszkiew icz Carl, Vorstand der Commerciellen Abtheilung der rumän. 

Linien der Lemberg-Czernowitz Jassy-Eisenbahn in Jassy-GSrgt. 

1873 Hori»t. Julius Freiherr von, k. k. wirkl. Geheimrath, Generalmajor und 
Minister a. D, in Graz. 

1885 Hostinek. Paul Ritter von, k. k. Generalmajor in Graz 

1873 Ho JOS. Ludwig Graf, k. k. Rittmeister. 

1885 Hoyos-SprinzAnstein jun., Ernst Graf, k. k. wirkl. Kämmerer in Wien 
(l.. Kärntnerring 5). 

1885 Hoyos Georg Graf, Freiherr zu Stflclisenstefn, k. k. Linienschiffs-Lieu- 
tenant a. D., in Fiume. 

1888 Hnbatsehek Johann, Architekt u. Stadtbaumeister inWi en (I., Nil)elungen- 
gasse 15). 

1885 Haber Otto, k. Rath, fürstl. Montenuovo'scher Secretär und Mitglied des 
Staats-Eisenbahnrathes in Wien (I., Löweistrasse 6). 

1885 Hneber, Dr. Richard, Hof- u. Gerichts- Advokat in W i e n (I . Sc h ottengasse 12) 

1888 lllmer Charles, Publicist. 

1879 Inkey und Pallin, Ferdinand Freiherr von, k. k. wirkl. Geheimrath u. 

Kämmerer, Ritter des k. ungar. St. Stefansordens, in Rasina 



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153 

Eintritts Jxhr 

1885 Isbarj Rudolf senior in Wien (VI., Liniengasse II). 

1886 Jaekl Johann, f. e. Ober-Forstmeister in Kremsie r. 
1875 Jaeger Heinrich, Privatier in Wien (1 , Schottenring 19). 
1885 Jaiiatka Ludwig, k. k. Major i. P., in Pettau. 

1885 Janick Ludwig, Kaufmann in Wien (l , Spiegelgasse 3). 
1885 JanovskI Heinrich, k. k. Major des 35. Inf-Regts. in Pilsen. 
1877 Jarz, Dr. Conrad, k. k. Gymnasial-Dirertor in Znaim. 
1885 Jelinek Josef G in ßrünn. 

1880 Jenik Victor, Ritter von, k. k. Linienschiffs-Lieutenant in Pola. 

«885 Jenny Carl, o. ö. Professor an der k k. techn. Hochschule in Wien 

187'*» Jettel, Dr. Emil, k. u. k. Sectionsrath im Ministerium des Aeussern in 
Wien (I , Tauchlauben 6). 

1888 Jireoek Constantin, Professor der Geschichte a. d. k. k. böhm. Univer- 
sität in Prag. 

I^ Jirsik Hans, Braumeister in Eggenberg bei Lambach (O.-Oest.). 

1>85 Joelson, Moriz Kitter von, k. k. Oberst in Wien (l.. Grillparzerstr. 14). 

1877 Jon^he d'Ardoye, Graf Louis von, Gr.-Officier des heg, Leopold-Ordens, 
a. o. Gesandter und bevollmächtigter Minister für Belgien, in Wien 
(I., Himmelpfortgasse 13). 

1885 Joscht Carl, Kaufmann und k k. Rese.ve-Lieutenant inJoslowitz 
( Mähren V 

1885 Jfligr Bernhard, k. k. Seeofficier in Pola 'Sr Maj SchitT »Novara*). 
1879 Jttttner. Dr. Josef. Gymnasial-Professor in Wien (VIL, Stiftgasse 5) 

1886 Jaiig: Josef jun. in Hochwald (Mähren). 

1885 Joritsch, Dr. phil. Georg, k.k Gymnasial-Professor in Wien (IV., Schaum- 
burgergasse 6). 

1887 Kaan, Dr. Norbert von, in Graz. 

1888 Kafka A., Weingutspächter und Hausbesitzer in Prag. 

1887 Kaiser Ludwig jun., in Wien (HL, untere Weiss 2är her Strasse 22). 

1885 Kalehber^. Adolf Freiherr von, k. k. Landwehr-Rittmeister in Penzing 

(Bahngasse 55). 
1887 Kailab Anton, in Brunn. 
lB8<j Kallab Emil, in Gross-M<'seritsch. 

1881 Kalmar, Alexander Ritter von, k. k. Linienschiffs-Capitän u. Triangulirungs- 

Director dt»s k. k. militär. -geographischen Institutes, in Hietzing 

(Lainzerstrasse 68). 
I8>5 Kälnuky, de Köröspatak Hugo Gr;*f. k k. Oberstlieutenant im II. Uhlanen- 

Reg., in Krakau. 
1^5 Kauibersky Otto, Supplent am Francisco-Josephinum in Mödling. 

1884 Kaiuiuel Edler v. Hardeirjror, Dr. Dominik, Gutsbesitzer in Grussbach 

(zugl. correspondirendes Mitglied). 

1886 Kandier. Dr. Carl, Notariats- Candidat in Wien (HI., Sechskrügelgasse 10). 
1868 Kanitz F. in Wien d., Eschen bachgasse 9). 

1885 Kaposi, Med. Dr. Moriz, k. k. Universitäts-Professor in Wien (IX. Alstr- 

strasse 28). 
•878 Karabaczek Gustav, Ingenieur der Südbahn in Wien. 
1875 Karrer Fehx, Geologe in Ober-Döbling (Hauptstrasse 80). 

Uitth. d k k. Geogr. Q^«. 1889. 8 u. 8. 11 



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154 

Kiiitritto-Jahr 

1885 Kaalbars, Baron Nicolai, kais. russ. General in Petersburg (zugleich 
Ehrenmitglied). 

1S85 Kell Victor, k. k. Lieutenant im Drag.-Reg. Kaiser Franz Josef Nr. l, in 
Theresienstadt 

1858 K^ler, Sigmund von, k. k. Feldmarschall-Lieutenant i. P. in Graz. 

1856 Kerner, Dr. Anton, Ritt, von Marilanii, k. k. Hofrath, Universitäts- 
Professor und Director des botanischen Gartens in Wien (III , Renn- 
weg 14). 

1888 Kielhaaser H., Parfümerie-Waaren-FabriKant in Graz 

1885 Kieuer M. in Wien (IL, Obere Donaustrasse 29). 

1885 Kieslicli Julius, k. k. Oberlieutenant a. D., in WegstädtL 

1887 Kiiiskj, Graf Christian, k. k. wirkl. Geheimrath und Landmarschall von 

Nieder-Oesterreich in Wien (VIII , Lenaugasse 10). 
l'S85 Kirclileebiier Rudolf, Communal- Verwalter in Schwaz (Tirol), 
1<S5 Klangt Dr. James, Director der »Azienda«, Österr.-französ. Lebens- und 

Rentenversicherungs-Gesellschaft in Wien (I., Wipplingerstrasse 43). 

1888 Klnr Maximilian, Ober-Realschulprofessor in Sternberg. 
1883 Klaubert J. C. & Söhne in Wien (I., Gonzagagasse 22). 

1886 Klein Johann, in Öhlhütten. 

18S5 Klein Friedrich, Freiherr von Wisenbergr, in Wien (IL, Praterstrasse 42). 
1885 Klein Wilhelm, Freiherr von Wlsenberg, in Wien (IL, Praterstrasse 42). 
1885 Klein rath Carl, k. k. Ministerialrath im Finanz-Mininisterium in Wien 

(1., Grünangergasse 10). 
1885 Klenipa, Dr. Stefan, prakt. Arzt in Budapest. 
1883 Klinger Heinrich in Wien (L, Rudolfsplatz 13). 
1885 Klobus, Adolf von, k. k. Major i. P.. in Wien (IV, Margarethen- 

strasse 25). 
1885 Klodic Ritter von Sabladoski, Anton, k. k. Landes-Schulinspector in 

Triest. 
1881 Knapp Josef Armin, emer. Assistent der Klausenburger Universität und 

Demonstrator am botan. Museum der k. k. Univt»rsität, in Wien 

(IX, Säulengasse 11). 
1885 Knaar Carl. Lehrer in Schwaz (Böhmen). 

1885 Kneif^l Josef, commerc. Fabrik-Director und k. k. Reserve-Lieutenant in 

Innsbruck. 
1883 Kuoll S., Kaufmann in Wien (I., Wipplingerstrasse 30). 
18S8 Kob Georg, Kaufmann in Prag. 
1877 Kobek) Dr. Friedrich, Landes- und Gerichts-Advocat in Graz. 

1886 Kober Rudolf, Volksschullehrer in Freudenthal. 

1886 Koch, Prof. Dr. Gustav, Docent a. d. Hochschule für Bodencultur in 

Wien (I., Johannesgasse 18). 
1883 Kodolitscb, Alphons von, k. k. Generalmajor in Wien (IlLi Salesianer- 

gasse 10). 
1886 Köhler Oswald, Fabrik-Director in Wiesenberg (Mähren). 
1885 KOnig Wenzel, Apotheker in Marburg (Steiermark). 

1885 Koliu Josef M. in Wien (L, Babenbergerstrasse 1). 

1886 Koliout Anton, k. k. Staatsanwalts-Substitut in Prag (11/667). 



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155 

BiBtriitMjfthr 

1885 Kohiit Josef, Ingenieur in Teschen. 

1885 Koller, Albert von, k. k. Oberstlieutenant des Generalstabs-Corps, in der 

Militär-Kanzlei Sr. Maj. des Kaisers, in Wien (1, Hofburg 1). 
|i^85 Kommeiida, P. Ignaz, Pfarrer in Kirchbüchl- Rottengrub (Nied.- 

Oesterr.). 
1885 Kopetiky von Reehtberg Emanuel, k. k. Hauptmann i. F. in W i e n 

(IV., Maierhofgasse 5) 
1885 Kerab von Jf lllilström, Dr. Camillo Ritter, Hof- und Gerichts- Advocat in 

Wien (I., Schottenring 32). 
I8J7 Koristka, Dr Carl Ritter v., k. k. Hofrath u Professor an der königl. 

technischen Hochschule in Prag. 
1857 Kernhnber, Dr. Andreas, Professor an der k. k. technischen Hochschule 

in Wien (V, Kettenbrückensasse 3). 
1S85 Kortz Paul, Ingenieur in Wien (II , Fruchtgasse 3) 
1885 Kosak Josef, Beamter der k k. pr. ö. Creditanstalt in Wien (I., Am Hof 6). 
1885 Ko8eh6al Emil, Procurist der Firma Fr.inz Jaburek in Wien (VI, 

Gumpendorferstrasse 41). 
1883 Kosmack Emil, Verlagsbuchhändler in Wien (IV., Luisengasse 5). 
J8S5 Kostersitz Ubald, Propst des Chorherrenstiftes Klosterneuburg 
1885 Kotniek, Dr. jur. lg, in Laib ach. 

1874 KoTatschoff N. S., Kaufmann aus Sistov, in Wien (I., Laurenziberg 3). 
1885 KowalsKi, Stanislaus Ritter von, k. k Oberst im «. Uhlanen- Regiment 

und Präses der Remonten-Assentcommission Nr. 3 in Lemberg. 
1885 Krahmer, Dr. phil. Carl, in München 
1885 KrAlj Ottokar, Ingenieur in A g r a m. 
188» Kramerlns Jaroslav, k. k. Professor a. d. Staats-Gewerbeschule in Czer- 

nowitz. 
1885 Krasmeki Nikolaus, Gutsbesitzer und Gemeinderath in Lemberg. 

1875 Kraus Franz, Privatier in Wien (IX., Kolingasse 5). 

1885 Kr6ma Franz F. k. k. Postmeister in Grussbach (Mähren). 
1885 Kreipner Friedrich, k. k Hauptmann des 19. Inf.-Reg. in Komorn. 
1885 Kreisel Franz, Ruchdruckerei- Besitzer in Wien (VI., Magdalenen- 
fttrasse 26). 

1876 Kreitner, Gustav Ritter v., k. u k. österr.-ungar Consul in Yokohama. 
1874 Kremer, Alfred Freih. von, k. k. Minister a. D,in Döbling (Hirschen- 
gasse 41) [zugleich correspondirendes Mitglied]. 

1885 Krenn, Dr. Roderich, Institutsarzt der k. k. Sicherheitswache in Währ in g 

(Schulgasse 2). 
1885 Kretsehmeyer, Dr. Franz J., k k. Schulrath und Landesschulinspector, 

in Linz. 

1885 Kretzselimar P. in Wien (VI, Mariahilferstrasse Ib). 

1886 Kfifka Otto, k. k. Oberheutenant im militär-geograph. Institute m Wien. 

1885 Krisch Andreas, k. k. Hauptmann i. P., in Neu haus (Böhmen). • 

1886 Krixa Akos, k. u. Finanzwach- Commissär in Promontor. . 
1885 Kronegger Max, Privatbeamter in Wien (IL, Vereinsgasse r5) 

1885 Kronenfels. Arthur Ritter v., k. k. Ministerial-Concipist im Handels- 
ministerium in W i e n 

11* 



L 



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Kintriits-Juhr 

l>^i>6 Kropp, Wilhelm Ritter von. k. k Fregatten-Capitän in Graz. 

1HH7 Krunimhaar Josef. Ritter von. k. k. Ministerialrath in Wien (IX, 

Hörigasse 3). 
IR-^ö Krsyzanowski. Dr. Stanislaus, in Lemberg. 
IBttT Kn6iiii£ Franz. Vertreter der »Franco-Hongroise« in Fiume 
1874 KObeck, Max Freiherr von. k. k Legationsrath in Wien (IV., Wien- 
strasse 27). 

1887 Kuller Josef, Ingenieur-Adjunct der k. k priv Kaiser-Ferdinands- Nord- 

bahn in Rohrbach (Mähren ). 
1H85 KukalJ, Ritter von Limobran, Peter, k. k. Feidma rschallLieuternnt in 

Lemberg. 
1857 Knne§. Dr Adalbert Ritter von, Prorector i P. der k k. Marine-Akademie 

in T r i e s t. 
1885 Kurctschka Friedrich, k. k. Hauptmann des 88. Inf.-Eleg. in Castel- 

nouvo. 
1?H89 Knrowski Ludwig in Wien (1., Wipplint^erstrasse 26). 
1H85 Kary, Dr. Julins. k. k. Hegimentsarzt in Wien (IL. Praterstiasse 22). 
1883 Katschera Hugo. Fieihert* von. k und k. Honoi-ar Legationsrath and 

Administraiiv-Director in 8 a r aj e w o 
1880 Katscfhera Max. k. k. Linienschiffs-Lieutenant i. d. R « Scbiffahrts- 

Director für Bosnien und die .Herzegowina, in Wien (L, Seiler- 

siätte 21). 
1885 Laclinianii Friedrich in Bukarest. 

1888 Liigo Eduard, Baron von. k. k. Kämmerer und Ministerresident a. D. 

in Wien (I., Mölkerbastei 8). 

1885 Lambl Adolt'. Faluik- Kassier in Chropin. 

]S8o Laoipel Leopold. Professor am k k. akadem. Gymnasium in Wien. 

1^^ Landwirtschaftlich«^ Landein 'ehraiistalt, höhere. TetschenLiebwerd in 
Liebwerd. 

H86 Landwirthschaftliche Lnndejt-Mittelschule in Neutitschein. 

1^85 Lang Eduard in Sechs haus (Hauptstrasse 21). 

]HH5 Lnii(^er. Dr. Peter, in Wien (III., Beatrixga'^se 11). 

3H85 Lauher Carl, k. k. Feldmarschall Lieutenant in Szered a. d Waag. 

1M85 Lanciizky Franz Wilhelm in Theusing (Böhmen). 

tsH5 Laurin Ph'Iipp in Klosterncuburg. 

1«85 Lnzzer Carl, k. k. Polizeirath i. P., in Wien (IIL, Beatrixgasse 20). 

1885 Lebzelter Ferdinand, k. k. Polizei -Commissär in Wien (IIL, üngar- 
gasse l(i). 

1860 Lederer. Carl Freiherr von, k. und k. öster.-ung. Gesandter a. D., in Wien 
(l., Habsburgergasse 9). 

1885 Lehfeld Adalbert, Direct«»r iler n.-ö. Landes-Taubstummenschule in Ober- 
Döbling (Herrengasse 17;. 

1885 Lehniaiiii Franz, k. k. Oberst und Commaiidant des 65. Inf.-Reg. in Wien. 

1885 Lehiierl, Josef Ritter von, k. k. Fregatten-Cai itän in Wien (III, Ungar- 
gasse 26). 

1871 Lehrl Franz. k. k. Hauptmann im 85. Inf -Reg. in Pilsen. 

1885 Lehrner Alfred, Kaufmann in Wien (IV.. Margarethenstrasse 43). 



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wgtmm^mim 



157 

Eiatriils Jahr 

885 Leianer Georg in Wien (III. Wassergasse 23). 

876 LelBChingr E, Kaufmann in Wien (I., Dominikanerplatz 3). 
870 Le Monnier, Dr. Franz Ritter von, Secretär der k. k. Centraldirection 
der Schulbücherverläge in Wien (I, Tachlaaben 24). 

884 Lenesowski Anton. 

872 Len«, Dr. Oscar, k. k. o. ö. Üniversitäts-Professor in Prag (zugleich 
Ehrenmitglied). 

881 Letosehek Emil, k. k. Artillerie-Hauptmann und Lehrer an der Artillerie- 
Cadetenschnle in Wien (X., Arsenal) 

888 Lefitter von Thannenbergr, Ludwig, in Wien (VIL. Kirchenga?8e 10). 

886 Leuthner, Dr. Kranz in Pankow (bei Berlin). 
l Leyrer, Dr. K , Hof- und Gerichts-Advocat in NVien (I., Bäckerstrasse 6). 

870 Lieben, Leopold von, Grosshändler in Wien (I, Oppolzergas^-e 4). 
8fö Liebenberg: de Zsitin, Emil Ritter, k. k Major a D , in Wien (I., Singer- 
strasse 2j. 
875 Liebieh Kmil, Ingenieur in Wien (IIL, Traungasse 4). 

885 Liebieg Otto, Baron, in Wien (I., VVipplingerstrasse 2). 
S Libowitsky Franz, Ingenieur in Ol mutz. 

885 Lipp Franz W.. Ober-Inspector und Abiheilungs- Vorstand der österr* i- 
chischen Linien der Lemberg-Czemowitz-Jassy-Eisenbahn inLemberg. 

887 Lippmann, Dr. Eduard, k. k. Üniversitäts-Professor in Wien (IV., Karls- 

gasse 9). 
885 List Carl & Sohn in Wien (IL, Taborstrasse 17). 
885 Lit^nski Johann, k k HoArath i. P., in Lemberg 

885 Loeffelholz, Carl Freiherr von, k. k. Hauptmann i. P . in München. 
885 Loehr, Adolf Ritter von, k. k. Sectionschef in Wien (L. Schottengasse 3)^ 
885 L5w, Dr. Josef, k. k. Notar in Wien (I„ Seilergasse 15). 
880 L9wl, Dr. Ferdinand, k. k. Tlniversitäts-Professor in Czernowitz 

888 Loidl Otto, Buchhalter und Cassier in Ebensee. 

858 Lorenz, Dr. Josef Roman, Ritter von Libnrnan, k. k. Ministerialrath in 

Wien (HL, Beatrixgasse 25). 
885 Loretto Carl, k. k Oberstlieutenant des 22. Tnf.-l^eg. und Commandant 

der Inf.-Cadetenschule in Prag. 
885 Lozinsky Wilhelm, k. k. Landwehr-Riitmester in Pin kafeld (Ungarn). 
885 Laber Carl jun., in Fünfhaus (ßeingasse lB-20). 
885 Litzow, Professor Dr. Carl von, in W ien (IV., Theresianumgasse 25). 
' Llltxow, Franz Graf. k. k. wirklicher Geheimrat h u. Kämmerer, in Wien 

(VI., Dreihufeisengasse 1). 

882 Lnkseh Josef, k. k. Marine- Akademie-Professor in Fiume. 
885 Lntteri Josef in Wien (VL. Windmühlg.isse 24). 

88^1 Lnt« Ignaz in Wien (L, Rothenthurmstrasse 29). 

873 Lax Anton, k k. Artillerie Hauptm mn und Lehrer an der k. k. Militär- 
Kealschule in Eisenstadt (zugleich correspondirendes Mitglied). 

885 Haass Otto, Editor of the illnstrated German Journal „Amerika', in Wien 

(I., WallÜBchgasse 10). 
885 Hader Adolf, k. k Regierungsrath und Director des Haupt- Punzirungs- 

amtes, in Wien (VI., Gumpendorfer Strasse 77). 



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158 

ELbtritts-Jalir 

1874 Malcher Franz, Archivar unri Bibliothekar Sr. k uud k. Hoheit Erzh. 

Albrecht, in Wien (I., Erzherzog Albrecht- Palais). 
1885 Mallmaniit Ernst von, k. k. Lieutenant im Drag -Heg. Kaiser Franz Josef 

Nr. 1, in Wien (L, Wipplingerstrasse 2). 

1574 M&lnay, Julius von, Cnpitän, Inspect'-r und Central Inspectorats-Adjunct 

der k. k. priv. Donau- Dampfschiftfalirts Gesellschaft in Wien (III, 

Rasumofßskygasse 4). 
ISSo Mälzer Gustav, k. k. Oberlieutenanl des 27. Inf.- Reg. und Lehrer an der 

k. k. Cadet^nscbule in Prag. 
1885 Mandl. Dr Karl, in Wien (L. Herrengasse 5). 
3H8^ MTandL Dr. Lr.dwis:. Secundararzt im k. k. allgemeinen Kratikenhause in 

Wi »n MX.. AlserstrassA 4). 
IHR'S >ratm Dr C^nphas, in Tries + 
l8Ji^ JHaiig Ktirmann in Wi An «i . Prediijergasse 2) 
IrtHH Marniis^ Max. T^rbniker in ^/emn Ostrow (Ru.ssliindL 

1874 Marno Otto, Comptorist in Wien (1,, Wipplingerstrasse 31). 

1888 Miiroi6i6, Dr. Ambros Freiherr von. k. k ßezirkshauptmann in Cattaro. 
188S Martinek Carl jun., in Bär n (Mähren). 

1885 Marx Anton, Sodawasser- und Essig-Fabrikant in Simmering 
1878 Marx Eugen, öffentl. Gesellschafter der Buchhandlungsfirma A. Hartleben 
in Wien (I., Maximilianstrasse 8). 

1875 MaMchek Rudolf, Abtheilungsvorstand im militär-geograph. Institute in 

Wien 
1857 Matzeiianer Josef, Piaristen-Ordenspriester in Wien (VIIL, Piaristen- 
gasse 43). 

1885 Matzhiger Theodor, Doctor der gesammten Heilkunde, in Aschach 

(Ober-Oesterreich). 

1886 Manbacb Otto, Forstdirector in Döbling (Hirschengasse 30). 
1885 Mautuer Adalbert in Wien (VL, Mariahilferstrasse 111). 
1885 Mautner Jacob in Wien (II Nordbahnstrasse 26). 

1873 Mautner von Markhof, Ignaz, Fabriksbesitzer in W ien (I, Franziskaner- 

platz 1). 
1885 Mautner von Markhor, Dr. Ludwig, in Wien (l., Fichtegasse 2). 
1885 May Baron L., in Tarvis. 

1575 Mayer Arthur, Banquier in Wien (L, Gauermanngasse 4). 
1885 Majer, Gebrüder, in Wien (I.. Maximilianstrasse 13). 

1885 Mayer Josef, k. k. Hof- u. Kammer-Juwelier in Wie n (I., Stock im Eisen 7). 

1874 Mayer, Dr Josef jun., Advocat in Wien (VIIL, Wickenburggasse 4). 
188y Mayer Karl, Fabrikant in Guntramsdorf 'Nied.-Oesterr.) 

1883 May^r Ludwig, Buchhändler in Wien (I.. Singerstrasse 7). 

Ifi85 Mayer, Dr. Richard, Professor an der Handels-Akademie in Wien (V., 

Hundsthurmerstrasse 4). 
1885 Mayer Theodor in Ramplach (Nieder-Oesterreich. 
1885 Mayerhofcr Hanns, k. k. Beamter in Wien (IX., Waisenhausgasse 20 a). 

1876 Mayr Dr. Gustav, Professor in Wien ( II 1, Hauptstrasse 75). 

1877 Mayr-Melnhof, Franz Freiherr v., Mitglied des Herrenhauses des österr. 

Reichsrathes, Bergwerksbesitzer, in Wien (I, Operngasse 4.) 



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P«7Hi 



159 

CiBtriiis-Jahr 

1883 Medin^er J & Söhne in Wien dV., Gusshausgasse i. 
1886 Mediej, August von, Ingenieur in Wien (IV., Ziegelofengasse 6). 
1872 Meinl Anton, Käufmann in Wien (L, Johannesgasse 27). 
1885 Meinl Carl, Associe der Firma A. Meines Erben in Wien (I., Rudolfs- 
platz 8). 
1885 Meinl, J. Wilhelm, in Wien (L, Franzensring 18.) 

1885 Meixner Franz, Oberrealschul-Director in Wien (VIII., Buchfeldgasse 4) 

1886 Mensel K. C, Papier- und Dachpappen-Fabrikant in Weisswasser 

(Böhmen). 
1885 Herkl, Rudolf Ritter von, k. k. Feldmarschall-Lieutenannt und Sections- 

chef im k. k. Reichskriegs-Ministerium in Wien (T.. Nibelungen - 

gasse 3). 
1878 Messej de Bielle, Graf Carl, k. k. Ministerial-Vice-Secretär im Ministerium 

für Landesvertheidigung in Wien. 
1885 MehSej de Bielle, Graf F. k. k. LinienschifTs-Lieutenant in Pola. 

1887 Metzl Adolf, Comptoirist in Wien (VII., Neubaugasse 14). 

1887 Meyer Hermann, kath. Pfarrer in Gosau (Ober-Oesterreich). 
1885 Miehel Emanuel, k. k. Bezirksrichter in Laun. 

1885 Michel- Wcstland, Vincenz Alfred Ritter v., k. k. Regierungsrath in Wien 

(YIL, Mariahilferstrasse 18). 

1886 MIchl Josef, Waldbereiter in Ko jetein (Mähren). 

1883 MIetlike ü 0.. Verlags-Kunsthändler in Wien fl., Neuer Markt 13). 

1885 Mckl Alex. Wilhelm, in Wien (T., Wipplingerstrasse 6). 

1885 Mil^essieb, Gustav Edler von, k. k. Oberst i. P. in Wien (l, Schul- 
hof 2). 

1885 Mlllanlehy Dr. Alois, Hof- und Gerichts-Advocat in Wien (I., Schuler- 
strasse 17) 

1856 Miller August, von und zu Aichholf, Grosshändler in Wien (HI, Heu- 

markt 11). 

1888 Miller Heinrich, Rentier in Wien (VIII. • Schlöselgasse 3). 

1857 Miller Vincenz, von und zu Aiehhols, Grosshändler in Wien (III., Heu- 

markt 11). 
1874 Millesies, Georg Freiherr von, k. k. Vice-Admiral in Wien (VII., Breite- 
gasse 4). 

1885 Minister Josef, k. k. Ingenieur und Inspector des Reichsrathsgebäudes, in 

Wien (I., Franzensring 1). 
18fö Mittler Leopold in Wien (I., Bäckerstrasse 6). 

1887 Moezydlowsl^i, Anton Ritter von, Stationschef der Carl-Ludwig-Bahn in 

Barszczowice. 
1883 Mörk von Mdrkeiistein Wenzel, k. k. Hauptmann in Krems. 
1870 MoJsIsotIcs Edler von .noJsYfir, Edmund, Dr. der Rechte, k. k. Ober- 

bei^rath und Chef-Geologe der k. k. geologischen Reichsanstalt m 

Wien (IIL, Reisnerstrasse 51). 

1886 Monaseh Max, Silberwaarenfabrikant in Wien(lV., Favoritenstrasse 2ü). 
1885 Montaudin Chenet de, in Wien (VI., Dreihufeisengasse 

1885 Montenaeh, Johann von, k. k. Major in Gm un den. 

1885 Meati, Dr. Alois, k k. Universitäts-Professor in Wien (I., Rosengasse 8). 



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160 

E' (itritts-.Tahr 

1683 Morisou, Dr. Robert B., in Baltimore. 

IR75 Morpargo, Carlo Marco, Ritter von Nilnin, in Tri est 

]H85 Mraöek, Dr Franz, k. k. Primararzt und Universitäts-Docent in Wien 

(I., Freiung 7). 
m^b Mucha Adolf, k. Ic. Oberamts-Official in Triest 
1KH5 Mttller, Dr. Adolf, Zahnarzt in Wien (I, Neuer Markt 1). 
)^H^ Mttllor Robert, Director des k. k. hydrographischen Amtes in Pola, 

1885 Mnnor Vincenz, k. k. Feldmarschall-Lieutenant i. P, in Wien (VlII., 

Schmiedgasse 2). 
1887 Möller Wilhelm, k. k. Hofbuchhändler in Wien (I.. Graben 31) 
1H76 Mttnch-Beiliugrhanseii. Felix Freiherr von, k. k. Statthalterei-Rath a D., 

in Wien (I., Graben 29). 
1H79 Maronitzoff Peter, Petroleumgruben-Besitzer in Ba'vu (Russland). 
1883 Mnrray, Dr. Francis W., in New- York 
1H86 Nadheriiy, Julius Freiherr v., k. k. Hof- und Ministerialrath a. D. in 

Wien (L, Freiung 6\ 

1886 Nagy Franz, Zuckerfabriksbuchhalter in Drahanowitz (Mähren), 
1885 Najmäjer, Marie von, in Wien (III., Ungargasse 3). 

1885 Nantiselie Schule, k k., in Lussin. 

1886 Nejedly, Dr. Julius, Advokat in Prag (Poric, 38 neu). 

1887 Neviuiiy, Dr. Josef, in Wien {I , Rathhausstrasse 11). 

IHSo Nenmann Leopoldine, Private in Wien (VI!.. Mariahilferstrasse 34). 
1886 Nenuianii. Dr Wilhelm, k. k. Universitätsprofessor f e. geistl. Rath etc. 

in Wien (IX., Garnisonsgasse 4). 
1875 Nenniayer, Dr. Melchior, k. k. Universitäts-Professor in Wie n. 
1883 Nicolics de Riidna. Feodor Freiherr von, k. k. wirkl. Geheimrath in 

Budapest 
1883 Nicolics de Rndna, Feodor Freiherr von, jun., in Budapest. 
1885 Niggl Heinrich, Photograph in Görz 

1885 l^irensteio, Dr. Jakob, Hof- u. Gerichts Advokat in Wien (I., Börse- 

gasse 1 a). 

1886 Noeth Rudolf, k. k. Major im 93. Infanterie-Regiment in Mährisch- 

Schönberg 

1885 NoTak, Dr. Hugo, k. k. Notar in Hern als. 

1886 Novotny J , F. E. Forstbeamter in Mürau (Mähren). 
1885 ObdrSalek Isidor in Wien (IX., Liechtensteinstrasse 74) 

1885 Oberst« hier, Med. Dr. Heinrich, sen., in Wien (I., Hohenstaufengasse 9). 
1885 Obersteiner, Dr. Heinrich, k. k. Universitäts-Professor in Döbling 

(Hirschengasse 71). 
1885 Odelga J., Fabrikant in Wien (Vf., Schmalzhofgasse 18). 

1885 Oeppeu Wilh., Realita tenbesitzer in Wien (VII., Mariahilferstrasse 28). 
1882 Oertel H., Director der Versicherungs-Gesellschaft »Donau« in Wien 

(I., Schottenring 13). 

1886 Oesterreicher Carl. Central- inspector und Betriebsleiter der k. k. priv. 

Lemberg - Czernowitz - Jassy - Eisenbahn - Gesellschaft in L e m b e r g- 
1886 Oesterreiehisch-an^arisclies Casiiio in Bukarest. 
1885 Ofenheim Wilh., Ritt. v. Pontenxiu, in Wien (I., Schwarzenbergplatz 4). 



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161 

Eintritts- Jah- 

1886 Opitz, Dr. med. Eduard, prakt. Arzt in Marienbad. 

1872 Orel Moriz, Commercial-Director der österr. Alpinen-Montan-GeselSschaft 

in Wä bring (Cottagegasse 28). 
1872 Orttner Friedrieb, Procurist in Wien (f., Parkring 4). 
1885 Osnaglii Ferdinand, Professor. Director der k k. Handels- u. nauÜschen 

Akademie in Tri est 
1885 Ostbeiiu, Dr. Albert Ritter von, k. k. Regierungsrath u Administralioris- 

Director der galiz. Carl Ludwig-Bahn in Wien (I , (iaüermann- 

gasse 4). 

1868 Oyerbeck, Gustav Freiberr von, k. u. k. österr.-ungar. General-Consu) in 

Hongkong. 
1857 Oze^OTiö, Ludwig, Freiberr von Barlab ascYec, k. k. Kammerer in 
Guficerovec 

1885 Palacky, Dr. Johann, in Prag. 

1879 Papi-Balogb, Peter von, Postbeamter in Haraszti (Ungarn). 

1876 Panlitsebke, Dr. Philipp, k. k. Gymnasial Professor und Docenl an der 
Wiener Universität, in Hern als. (Zugleich correspond, Mitglied) 

1869 Payer, Julius Ritter von, in München. 

1874 Pazem Jobann, Spediteur in Wien (I., Postgasse 6) 

1881 Peitzker Otto, k k. Hauptmann des 74. Inf.-Regts. und Lehrer an der 

Cadetenschule in P r a g. 

1869 PeJaeseTicb, Graf Nicolaus, k. k. General der Cavallerie und Commari- 

dant des 4. Corps in Budapest. 
1883 Pelz Anton, Ingenieur in Wien (III , Löwengasse 25). 
1K86 P*-lz Eduard, k. k. Oberlieutenant im 93 luf-Reg. in Olnniu. 

1886 Pelzer, Dr. Josef. Advocat in Hohenelbe. 

1885 Pencky Dr. Albrecht, k. k. Universitäts-Professor in Wien (\U . Haupi- 
strasse 84). 

1885 Perl von Hildriehsbiirg, Ferdinand Ritter, k. k. Hofrath- und General- 

Inspector der k. k. General-Inspection der österr. Eisenbahnen, in Wien 
(L, Operngasse 6). 
1883 Perlmooser Actiengesellscbaft der k. k. pr. hydr. Kalk- u. E'oHland- 
Cement-Fabrik, Direction der, in Wien (IV., Wienstrasse 3). 

1882 Peroz Etienne, Capitän der Marine-Infanterie in Paiis. 

1886 Petermano, Hugo E., in Wien, H., Jägerstrasse 23. 

1885 Pfair Carl in Brunn. 

1870 Pfeiffer Rudolf, k. k Bergrath in Brunn. 

1886 Pflaam Moriz, Associe der Firma Dutschka & Comp. \n Wien (IX,, 

Maximihanplatz 16). 
1885 Pfongen. Otto Freiherr von, in Wien (I., Grünangergasse 'J) 
1876 PIcba Gottlieb, k. k. Major des 37. Inf.-Regts. in Graz. 

1880 Piefrnski, Miecislaus Ritter von, k. k. Linienschiffs Lieutenant in Gaste 1- 

nuovo. 

1885 PJetgebiiiaiiii Anton, Kaufmann in Wien (I, Kohlmarkt 2Ü). 

1886 Pinkas Julius, Ingenieurin Sucre (Bolivia) 

1856 Pfno, Felix Freiherr von Friedeiitbal, k. k. wirklicher Geheimralh und 
k. k. Landes-Präsident in Czernowitz. 



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162 

1963 Plentzner, Franz Ritter von Scliarnek, k. k. Hauptman * des 1\ Fe'd- 
jäger-Bataillons, in Wien. 

1887 FIlHchke, Dr Karl, in Wien (VIII. Langegasse 32). 

1885 PlÖch Hannibal, Mechaniker in Fiume. 

1878 Ploliu, Dr. S., in Wien (IX., Maximilianplatz 4). 

1865 P Jutzar, Dr. Ernst, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien (I., Habsburger- 
gasse 9). 

]8<51 Poi.he, A. Freiherr von, k. k. wirkl. geheimer Rath in Wien (IIL, 
Oelzeltgasse 3;. 

1Ö64 Poche, Eugen Freiherr von, in Wien (L, Bäckerstrasse 1). 

1385 Poche, Richard Freiherr von, in Wien (I., Führichgasse 4). 

1885 Padrazkjy Prof., Med. Dr. Josef, k. k. Oberstabsarzt in Wien (Reichs- 
Kriegs- Ministerium). 

1883 Pöhljg Hermann, k. k. Haiptmann des 50. Inf.-R^gts. in Wien. 

1870 Po^atsehnigg Hugo, k. k. Linienschiff -Lieutenant in Triest. 

1856 PoM, Dr. Josef, Professor an der k. k. technischen Hochschule in Wien 

flV., Hauptstrasse 42). 
1885 PehJ. Otto Ritter von, k. k. Generalmajor und Commandant der k. k, 

t>. Inf.-Brigade in Salzburg. 
1B61 Poliik, Dr. J. E., in Wien (L, Adlergasse 14) [zugleich Ehrenmitglied]. 
IBbö Polak Ph., in Tiflis. 

1872 Pülek, Dr. Johann, Gustos an der k. k. Universitäts-Bibliothek in Czer- 

nowitz. 

1885 Pollak Alois, Fabrikbesilzer in Wien (VII., Myrthengasse 13). 

1885 Folluk D. H. General-Consul der Vereinigten Staaten von Columbien ir. 
Wien (I., Nibelungengasse 13). 

1885 Pelz«r Carl, Gassen-Fabrikant in Wien (V, Luflgasse 3). 

1885 de Pout-Wallyaiiioz, Alfons Freiherr, k. k. wirkl. geheimer Rath in 
Ober-Döbling. 

1885 Po|ip, Leonidas Freiherr von, k. k. wirkl. Geheimrath, k. k. Feldmarschall- 
Lieutenant und General- Adjutant Sr. Majestät des Kaisers, in Wien 

1676 Foruba Hans, Bürgerschul lehrer in Wien (l., Zedlitzgasse 9). 

1876 Poäepny F., k. k. Bergrath und Professor in Währinj: (Parkstrasse 23). 

1887 Prausek Vincenz, k. k. Landesschulinspector in Wien (IX., Währinger- 
Strasse 74). 

1876 Prairdik Franz, k. k. Major in Wien (VII., Lerchenfelderstrasse 29). 

1881 Pra^ak, Dr. Alois Freiherr von, k. k. wirkl Geheimrath und k. k. 
Minister in Wien (III., Beatrixgasse 25). 

1874 4e Pretls-Cagnodo Antonio, k. k. Hofrath in Wien (VIII., Lenaug. 7). 

1873 dfl Pretis-Cagiiodo Sisinio, Freiherr, k. k. wirkl. geheimer Rath u. 

k. k. Statthalter in Triest. 

1871 Preu, Dr. Josef von, prakt. Arzt in Eppan bei Bozen. 
1885 Pi'ibyl, Dr. Victor, k. k. Bezirk s-Commissär in Krems 

188Ö Proakowelz-Marstorff. Max Ritter von, k. k. Trucl.seps, Doktor der 

Rechte, in Kwassitz (Mähren). 
1885 Ptiehberger Gustav, Ober-Ingenieur der priv. östung. Staats-Eisenbahn- 

Gresellschaft, in Wien (II L, Beatrixgasse 4a). 



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163 

1885 FuBtocbArt Ed, George, cand. jur. in Ober-Döbling (Hauptslrasse 8). 

1874 B aalte Bruno^ Kaufmaiin in Wien (I., Bäckerstrasse 1). 
1885 Kaoiaehab Ludwig. Kedactenr nnd Heransgeber der ^Oest. Zeitschrift 

für HyppoSo^ie und Pferdezncht", in Wien (T., Kärntnerring '2). 
1876 Randliart[iig:er Rudolf, k. k. Hauptmann im k. k. militar-geographischen 

Institute in Wi«n. 
1873 Raiigoitiiet«yM1^E, Tari Freiherr von, k. k. wirklicher Geheimer Rath in 

Wien (L, Keuer Bdarkt 9). 
1873 EanRonnet-TIllei, Engen Freiherr von. k. und k. Legations-Secrelär in 

Wien iUL, üji^argasse 12). 
1885 Ratli AugQstj kars. Rath, Generalruth der österr.-ungar. Bank, in Wien 

(J.^ Wallfischgasse 14). 
1869 Realfjiunasiuiii i Staats-) in Chrudim. 
1885 Keal- und OUer^yMinasiam (k. k.) böhm , in Kolin. 
1BS9 Real- niid Obergyinnasiam (k. k.,) in Kolomea. 

1875 Real- und Ober^jimiasinm (k. k. ) in Ober- Ho Ilabrunn. 
1869 Keal^yiimat^lDiii (laLTides-), in Stockerau. 
18<i9 Reali^yniimslnm (Laodes-), in Waidhofen a. d. Thaya. 

1868 Realfyiiinas^inni (Communal-), in der Lepoldstadt in Wien. 
18BH Heal^fknle (griechisch-orientalische), in Czernowitz. 

1869 RealüEehnlB (Landes ], in Graz. 
1861» Realseh nie (Mäh-, t.andes-), in Iglau. 

' 1885 Realschule (k k. Über-), in Innsbruck. 
1885 Realschule (k. k. Ober-), Direction der, in Klagen fürt 
1B88 RealscIiQle (k. k. Ober-), in Kraka.u. 
1869 ReaUchule (LaniFes). in Krems. 
1885 Realgrhale fLandes-Ober-), in Kremsier. 
1869 RealschQl6F (k. k. Ober-), in Kuttenberg. 
1869 RealKchule ik. k. Ober-), in Laibach. 
1869 Keali^chule (Communal-), in Böhmisch-Leipa. 
1869 RcaUehnle (k. k.), in Linz. 
1869 ReaUehule (k k), in Ol mutz. 
1869 Heali^ohule (k. k, böhmische), in Prag. 
1869 Realschule (k. k erste deutsche), in Prag. 
1869 Realschule (k k Elisabeth), in Roveredo 
1869 Realjtehule (k. k.) in Salzburg. 
1«69 ReilitbQl« (k. k) in Steyr. 

1889 Realsehule, (Landps-Ober-), Direction der, in Telö. 
1885 Realftchule (k. k. Staats-), in Te sehen. 
1885 Realicbule (k. k. deutsche Staats Ober-), in Triest. 
1869 Real^cbnlf^ (k. k.), in Troppau. 

1885 RealMehnl« (CommuDa'-Ober-), im I. Bezirke in Wien (1 , Schottenbastei- 
gaste 7), 
L1869 Realsclitile (rommunal-), auf der Wieden in Wien. 
1885 Real »*cb Die (k. k. J^tats-Ober-), im HL Bezirke in Wien (111., Radetzky- 
strasse 2). 
1876 Rdalsf^hale {k. k. Staats-Unter)-, im V. Bezirke in Wien. 



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164 

Bin tri tfes- Jahr 

1869 R^alschale (Landes-), in Wiener-Neustadt. 

1866 Rechberg', Graf von, k. k. wirkl. geheimer Hatli in Ketten hof. 

1885 Reder, Edler von Reden an, Wilhelm, k. k.Sectionsratli in Wien (VELI., 
Tulpengasse 2). 

1887 Re^enliart von Zaporj, Franz Ritter, Fabrikbesitzer in Wien (IX, 
Maximilianplatz 12). 

ISBry Regeiisdorff F. in Triest. 

1871 Rehm Edgar, k. k. Hauptman.i i d. Armeestande, in Wien(k. k. militär- 
geographisches Institut). 

188'i Rehuiann, Dr Anton, k. k. üniversitäts- Professor in Lomberg 

iaB3 Reich S & Comp, in Wien (11., Ozerningasse 3, 5 u. 7). 

1869 Reicher Josef, k. k. Feldmarschall -Lieutenant und CJommandant der 
?3. Inf. -Truppen Division in Komorn. 

1BÖ5 Reif, Dr. E, Hof- und Gerichts- Advocat in Wien (f.. Börsegasse 6). 

186^J Reiiiisch, Dr. Leo, k. k. Professor, in Reinischhof (Steiermark). 

1885 Reisch, Dr. Theodor, Advocat in Ober Döbling 

IHl^ Reislin, Freiherr von Sonthausen, Carl, k k wirklicher Geheimrath und 
Sectionschef i. P., in Wien (III., Salesianergasse 12) 

1885 Reissberger Ferd., Kaufmann und Hausbesitzer in Wien (III, üngar- 
gasse 50). 

!^8i> Relssert C, Privatbeamter in Wien (I., Wollzeile 29). 

1887 Reitlinger Albert, Rentier in Wien (I, Rndolfspiatz 11). 

1875 Reitziier Victor von, k. k. Hauptmann und Lehrer an der Cadetenschule 
in Wien (VL, Windmühlgasse 38). 

1878 Renas, Prinz Heinrich VII., kaiserl. deutscher Botschafter am k und k. 
österr.-ungar. Hofe, in Wien (HI., Metternichgasse 3). 

1889 Reyer, Dr. Eduard, k. k. üniversitätsprofessor in Wien, (VIII. Josef- 
städterstrasse 44). 

1888 Reyes y Florentino, Don Isabelo de los, in Manila. 

1885 Ricci Michael, Baron, k. k. Mariue-Comissariats-Adjunct i. P., in Fiume. 

1885 Richter Ludwig, k. k. Baurath in Wien (IX, Mariannengasse 18). 

1885 Rieger Gustav in Wien (I., Maria Theresien Strasse 22). 

1885 Rilke Ritter von Rttliken, Dr. Joroslav, Advocat in Prag 

ISm Rittershofer Anna in Durlach (GH. Baden). 

I88fi Rittmeier Kduard, k. k. Oberlieutenant d. R. und Beamter der I. österr. 

Sparcasse in Wien (L, Graben 21). 
1885 RitzofTy Coloman, königl. Ingenieur in Ruiiia. 
18711 Robert Fritz, Südbahn-Beamter in Wien (IV, Alleegasse 43). 
1*^7^ Rodler. Dr. Alfred, üniversitäs- Assistent, in Wien. 
i^^m Roder Elissen & Comp), in Wien (F., Schillerplatz). 
1 R^fi Roedl Josef, Verwalter d. Mattonischen Etablissements in Franzensbad. 
1K**ri Böpfl .lulius Mngazins Vorstand der öslerr. Nordwestbahn in Wien 
T87?v Reese ^Vilhelm Professor in Rerlin. 

IFR.-^ Roesgen ^'arl von. k k Feldmnrschall Li'^urenant i P. in Gmunden. 
1885 Roesler, Professor Dr. Leonhard, Vorstand der k. k- Versuchsstation in 

Klosterneuburg. 
1885 Rohrmaan Moriz in Blndowitz (Schlesien) 



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Ui5 

Einiritto-Jahr 

1885 UonianskI, Heinrich Ritter von, in Lemberg. 

1885 Koinaiiski, Kasimir Ritter von, in Zloczow. 

1874 Rolhaug: J. G. Bürgerschullehrer in Wien (VI., A'ollardgasse 11), 

1885 Rothsehild, Nathaniel Freiherr v., in Wien (IV., Theresianumgaase 14). 

1886 Rotter Jos. Em., in Hohenelbe. 

1876 ROeker Anton, Central-Director des Kohlen-Industrie- Vereines in Wien 

(VI., Dreihufeisengasse 3). 
1888 Rakawina Rudolf, k. k Hauptmann im Geniestabe, in Währing (^Gürtel- 

Strasse 33). 
1883 Rasso Alfred in Wien (I., Rudolfsplatz 2), 
1885 Rntar Simon, k. k. Ober-Realschul-Professor in Laibach. 

1887 Rnrarae Vasa, Stud. philos. in Wien (IX., Schlagergasse 6) 

1^ R*tzi£i6 Nicolaus von, k. k. Generalmajor und Commandant der 6. Ge- 

. irgsbrigarde in Bilek. 
1874 Rj^iha, Fr. Ritter von, Professor an der k. k. technischen Hochsehule, in 

Währing (Carl Ludwigsgasse 45). 

1885 Sacher Eduard, Hotelier in Wien (1 , Aujiustinerstrasse) 

1886 Sachsen- (ob nrgr-Gotha. Prinz Ferdinand von, in W ien (f., Seilersiiitle 3). 
1^3 Sachsen- Weimar, Gustav Prinz zu, königl. Hoheit, k. k. Generalm ajor 

in Wien (L, Doblhoffgasse 5). 
1879 Sacken, Adolf Freiherr von. k k. Feldmarschall-Lieutenant, in W i en, 

(1., Krugerstrass f 15). (zugl. correspondirendes Mitglied). 
1858 Saffran, Emanuel Freiherr v , k. k Generalmajor in Wien (IX., Kinder* 

spitalgasse 5). 
1881 Salxmann Franz. k. k. Postbeamter in Döbliag (Hirschengasse 18). 
1885 Samesch. Dr. Anton, k. k. Stabsarzt und Sanitätschef in Czernnwilz. 
1883 Samson. Dr. James Camille, k u. k. Hof- und Ministerial-Concipist in 

Wien (l.. Ballplatz 2). 
1885 Saracini, Graf Valerian, k. k. wirkl. Geheimrath in Prag. 
1879 Sargteiner Hans, Hotelier in Ischl. 

1877 Satz^er Christian. Privatier in Wien (II., Praterstrasse 14). 
1162 SauerlSnder Johann Jakob, in Wien (L. Kärnthnerring 13 1. 

1885 Sawczynski, Dr. Jakob, Director der Rustikal-Pfandleihanstalt in [^em- 

berg. 
1868 Sax, Carl Ritter von, k. k. General- Consul und Professor an' der k. k. 

Orient. Akademie in Wien (1., Johannesgasse 5). 
1885 Sihanrek Franz. k k. Notar in Hernais. 
1885 Schauta Carl. Pfarrer in Payerbach (N.-Oest.). 
1877 Scheid Georg Adam, Fabrikant in Wien (VI., Gumpendorferstrasse Kä), 

1883 Schellbach Julius. Buchhändler in Wien ((., Kärnthner Strasse 30;, 
1885 Scheuiber Carl A., Maschinen- und Brückenwaagen-Fabrikant in Wien 

(III., Untere Weissgärberstrasse 8 und 10). 
1885 Scherber Jakob, k. k Regierungsrath in Wien (VI., Kaserngasse 20). 

1884 Scherer Rudolf, Kaufmann in Wien (III, Thongasse b) 
1881 Srherzer Johann. Ingenieur in Wien (II f., Heumarkt 23). 

1883 Schiff Paul. Realitätenbesitzer in Wien (IV., Favoritenstrasse 2J 

1885 Schild David in Wien (IX., Hörigasse 10). 



L.. 



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166 

Einiriits-Jahr ] 

16B5 Schilhauimer Ferdinand, Magistratsbeamter in Dornbach (Heuberg- j 

Strasse 54). j 

1887 Sehiller von Schilden feld Hironymus, k. k. Oherlieutenant im 10 Inf.- | 

Reg und Lehrer an der Infanterie-Cadetenschule in Wien. 
1865 Schindler Carl, k. k. Landesgerichtsrath in Brunn. j 

1886 Schindler, Dr. Josef, k. k. Regierungsraih u. o. Ö. Professor a, d. theol. | 

Facultät der k. k. Universität in Prag. i 

1^S5 Sehitteiihelm Josef, k k. Hof-Taschner in Wien (I., Kärnthnerstrasse 28). 

1875 Schlacher Josef, k. k. Oberstlieutenant im 32. Inf.-Reg. in Budapest 

1883 Schl5gl von Elirenkreni Josef, k. k. Major des 3. Dragoner-Regiments 
in Wels. 

1885 Schlnderer £dler von Trannbrnk, Conrad, k. k. General-Major i. P. 

in Wien (HI., Hauptstrasse 21). | 

1S8<^ Schmarda. Carl Johann Ritter von, k. k. Feldmarschall-Lieutenant in \ 

Wien (I., Elisabethstrasse 12). ! 

1885 Schmelxcrn von Wildmaiinseirg, Chris'ian, Freiherr, k. k. Major i. P. in 
Wien (IX., Schlagergasse 7). 

1862 Schmerling, Dr. Anton Ritter von, k. k. wirkl geh. Rath und Präsident 
des Obersten Gerichtshofes in Wien (I, Freiung 6). 

1883 Sehmidbiir^, Josef Freiherr von, k. k. Hauptmann des 19. Feldjäger- 
Bataillons und Lehrer an der Infanterie-Cadetenschule in Triest \ 

1874 Schmidbiirg, Rudolf Freiherr von, k. k. General- Major in Graz. 

1S75 Schmidel Edmund, k- k. Landesgerichtsrath in Wien (VIII, Laudon- 
gasse 16). 

1885 Schmidhamiiier Josef, k. k. Oberbergrath a D. und Werk-Director der 
Ost. alp. Montan-Gesellschaft in Neuberg (Steiermark'. 

1885 Schmidt, Dr. Ed., k. k. Commercialrath in Wien (IV. .Wiedner Haupt- ' 

Strasse 59). 

1885 Schmidt, Ignaz von, k. k. Oberlieutenant des 10. Feldjäger-Bataillons, zu- 
getheilt dem Generalstabe, in Zar a. 

188') Schmidt, Dr. Josef, Central-Secretär i. P.. in Znaim 

1885 Schmidt Moritz, Bäckermeister in Wien (VII.. Stuckgasse 6) 

1S75 Schmidt, Dr. Wilhelm, k. k. Gymnasial-Protessr in Wien (IV. Klag- 
baumgasse 9). 

1888 Schmitt F. in Wien (L, Rudolisplatz 14). 

löSo Schmoll V. Eisenwerth, Adolf, Ingenieur und Bonnrt'^rnehoier in 

St. -Wendel (Rheinpreussen). 
IKS» Scbiiabl, Dr. Carl, k k Hofkaplan in Wim (\ Hofhur.» r. 
1664 Schöffel Josef, Realitätenbesitzer und n. ö. Landesausschuss, in Mödlin ,. 
1885 Schoeller Philipp, Grosshändler in Wien (1., Bauernmarkt 13). 
188.5 Schönborn-Buchh^im, Erwin Graf, k k. wir.d. Geheimrath, Schloss 

Schönborn (Nied -Oesterr. ). 

1887 Sclioller Carl, Buchhalter der Firma C. Wolfrum in Wien (l., Gonzaga- 

gassse 11). 
1885 Schollmayer E. Heinrich, fürstl. Schönburg- Waldenburg'scher Oberförster 

in Masun (Krain). 
1858 Scholz, Dr. Anton, Professor an der Handels- Akademie in Prag. 



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I'u7 

Eiatritto-Jahr 

1885 Schols Rudolf, Gutspächter in Kamionka woloska (Galiziem. 

1884 8ehram, Dr. Robert, Universitäts-Docent u. prov Leiter des k. k. österr. 

Gradmessungsbureaus in Währing (Johannesgasse 1). 

1885 8ehnbert Anton, Hof-Zahlmeister Sr. k. und k. Hoheit des Herrn FM. 

Erzherzog Albrecht in Wien (I., Hofgartenstrasse 3). 

1856 Sehaberth W., k. k. Schuhrath und Gyranasial-Director in Bielitz. 

1886 Sehllller, Dr. Job. Nep., Hof- und Gericlitsadvocat in Wien (IL, Prater- 

strasse 17). 
1885 Selmrich Victor, Verlagsbuchhändler in Wien (L, Kumpfgasse 7). 
1885 Sclmster Job. Friedrich in Prag 

1885 Sehnster Julius, Betriebs-Director der Lemberger Tramway, inLemberg. 
1885 Schwab Josef, k. k. Artillerie-Oberst i. P., in Wien, (IX., Hörlga«se 4). 
1866 Sehwu-ts Gustav, Edl. v. Mohrenstern, in Wien (IL, Praterstrasse 23). 

1885 Sehwarz Albert, k. k. Oberst a. D., rn Wien (IV., Klagbaumgasse 17). 
1858 Schwan Carl, kais. Rath und Ober-Inspector der. Kaiser Ferdinands- 

Nordbahn in Wien (IL, Nordbahnhof). 

1886 Schwan, Carl Freiherr von, k. k. Baurath in Wien (IV., Plössl- 

gasse 5). 
1874 Schwegel, Josef Freiherr von, k. k. wirkl. Geheimrath, k. u. k. Sections- 

Chef in Wien (IX., Thurngasse 3) [zugleich correspondirendes 

Mitglied]. 
1885 Schwelflrbofer Julius, k. k. Finanzrath in Wien (l, Universitätsplatz 2). 
1885 Schwelg] Eugen, Architekt in Wien (Vll., Mariahilferstrasse 22 und 24). 
1885 Schwelg! Odilo, Inspector und Bureau- Vorstand der Lemberg-Czemowitz- 

Jassy-Eisenbahn in Lern her g. 
1885 Schwickert Auguste, k. k. Post-Officialswitwe in Marienbad. 
1880 Scadier, Anton Freih. von, k. k. wirkl. Geheimrath und Feldzeugmeister 

in Wien (l., Friedrichsstrasse 2). 
1866 Sedlacek Ernst, k. k. Oberst in Wien (V.U., Buchfeldgasse 2). 

1887 Secbehdrde, königl -ungar., in Fiume. 

1857 SeMcl L. W., k. k. Hof-Buchhändler in Wien (Vlll., Landesgerichtestrasse 9). 
1885 Sciti G. in Czerniwitz (Bukowina). 

1883 Se«ttcr, Carl von, in Wien (1., Domgasse 4). 

1888 Sieger, Dr. Robert, in Wien (111., Marxergasse 19). 
1888 SiegTDiandy Franz Edler von, in Rei eben her g. 
1885 Silas Ferdinand in Wien (VI., Dreihufeisengasse 1). 

1856 Simeny, Dr. Friedrich, k. k. Hofrath und Uni versitats- Professor a. D . in 

Wien (111.. Salesianergasse 13) [zugl. Ehrenmitglied]. 
1885 SiUler Oscar, Kanzlei-Chef der L k. k. priv. Donau-Dampfscljilllahrls- 

Gesellschaft in Wien. 
1861 Skeae Alfred jun., in Prerau. 

1885 Shop Carl, k. k. Staatsanwalts-Substitut in Budweis. 
1878 SlaÜB Bey, R. C. in C bar tum. 
1885 Saielana Johann, Fürst Windischgrätz'scher Wirthschaftsrath und k. k. 

Commercialrath in Wien (III., Strohgasse 11). 
1885 8ochor, Freiherr von Friedrichsthal, Dr. E., Hofrath, General-Director der 

galiz. Carl Ludwig- 1 ahn, in Wien. 



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168 

EiatTittM'ltAiT 

1878 öolla, Dr. Rüdiger Felix, Professor am R. Istituto forestale k Vallom- 

brosa in Ponte a Steve (Toscana). 
1886 BoIUk Hans, k. k. Hauptmann im 58. Infanterie-Regte. in Czernowitz. 
1864 HomEiianiga, Dr. Guido Freiherr von. in Wien (III.. Heumarkt 11). 
1856 8oiiüerleittner Georg, k. k. Ministerialrath in Wien (I, Ballgasse 6). 

1885 SonkUr von Innstädteu Victor, k. k. Hauptmann des Tiroler Kaiser- 

j%er-Regiments in Wien (VIII.. Langegasse 64). 

1886 Sonueiisuteiii, Julius Ritter von, k. k Oberstlieutenant a. D, in Prag. 
1875 ^oniilellhner, Hippolyt Freilierr von. in Wien (1.. Stadiongasse 6 -8i 
1885 t^iilohuHiiii, Dr. Emanuel, gräfl. Ser(§nyi'soher Brunnen-Arzt in Luhat- 

scliowitz, in Wien (II, Negerlegasse 1). 

1883 Spitzer Josef in Wien (IX., Maria Theresienstrasse 5). 

1885 S^piü^k von Elbstetten, Adolf Ritter, k. k. Statthalterei-Rath in Saaz. 

1885 ^taats^ewerbescliale, k. k., in Wien. 

1885 Sim-Ii, Friedrich Ritter v., k. k. Baurathin Wien (I , Reichsrathsstr. 19 . 

1858 Btache, Dr. Guido, k. k. Ober-Bergrath und Vice-Director der k. k. geo- 
logischen Reichs-Anstalt in Wien (III. Rasumofskygasse 25). 

1880 Stniuiiifest, Dr. W., Hof- u. Gerichts-Advocat in Wien (I,. Kohlmarkt 11). 

1885 Stnrhoniberg, Camillo Fürst von, k. k. Kämmerer, erbl. Reichsrath. in 
H 5 h a t e n d o r f (Nied.-Oesterr.). 

1874 8t«faiioil6 Ritter von Vllovo, Johann, k. k. Major in Wien (111., Hintere 

Zollamtsstrasse 3). 

1885 Sieger L, k. k. Major i. P., in Hernais (Ottakringerstrasse 27). 

1885 Steiger, Dr. Victorin, Hof- u. Gerichts-Advocat in Wien il., Kärntner- 
ring 10). 

1885 Stein Ifrnaz J., Fabrikant in Strakonitz. 

1887 Sleliiböt.'^k Johann, Hausbesitzer in Währing (Feld^asse 42). 

1875 Stf^ludai-hner, Dr. Franz, Mitglied der kaiserl Akademie der Wissen- 

schaften, k. k. Regierun gsrath und Director des k. k. zoologischen 

Hof-Cabinets in Wien (Naturhistorisches Hofmuseum). 
ISM Sti" lull unser Anton, k. k. Regier ungsrath in Wien (I. Am Gestade 4). 
lS8ö ^Stella MatntiiiA^, Privat Lehr- und Erziehungs- Anstalt (Direction der), 

in Feldkirch. 
1885 Stelzer Franz, Kaufmann in Pilsen. 

IS86 8tepi<kl Friedrich, Ritter von, in Heinrichsthal (Mähren). 
188^ Kteni 1. in Wien (I., Sonnenfelsga?se 1). 
t^8ü Ött^ni Wilhelm, k. k.'Hauptmann und Director des St^n 'graphen-Bureans 

beider Häuser des Reichsrath es, in Kloster neuburg. 
IS79 Btenieek, Dr. Richard Freiherr von, in Wien (IV, Wienstrasse 21). 
186Ö Stettiiier Julius, Capitän, Schiflfswerfte- Verwalter D. D. S. G. i. P , in 

Wien (V., Margarethenhof 2). 
Ib85 fe^tJAssnj' Wilhelm, Architekt und k. k. Baurath in Wien (I., Rathhaas- 

strasüe 13). 
1885 Stieber, Dr. A., Apotheker in Wien (IL, Kaiser Josefstrasse 37). 
1887 Stiller Anton, fürsterzblsch. Wii-thsehafts - Adjnnct in Hochwald 

(Mähren). 
18SB HMl, Professor Dr. Rudolf, in Kl ost er neu bürg. 



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369 

1S61 Sto^'kert« FranE Ritter von, k. k. Regierun^srath und Central -Inspector 
der Kaiser Ferdinands Nordbahn in Wien (IV., Hengasse 18). 

tmi Stockert Cat!, in Graz. 

1S85 StrjinBk\- EmauneU k. k. Seetionsrath in der Militär-Kanzlei Sr. Majestät 
des Kaisera, in Wien (L, Hofburg 1). 

1885 StrAiigkjr Phil. Dr. Heinhold, Gymnasial-Director in Öaslau. 
1883 8tro1iikiajer, Dr, Angnsi M., in Stuttgart. 

1Ö60 8tndDii}ka, Dr. Fthuz, Professor an der k. k. Universität in Prag. 

1886 SDdfeld H. in Wi^in (IV., Lambrechtsgasse 16). 

1657 Sness Eduard, Phil. Dr., k. k. Universitäts- Professor in Wien (H. 

NoTaragafise 49). 
1889 Swaroi|-»k}' Anton, Sind juc. in Wien (IX. Wasagasse 19). 
1885 Swohoda Adalbert Constantin, Architekt in Wien (V., Hundsthurmer- 

fitrasae 83). 
IBdT Sxilnoeha^ Dt. Ladislaus von, Professor an der k. k. Universität in 

K T a k a u. 
1885 8xftrTasy Friedrich, Privatior in Wien (I., Canovagasse 7). 
ISS& ^zftTitfl. Georg von, Sections -Ingenieur der köoigl. ung. Staatsbahnen in 

Zab ok (Kroatien). 
1878 SjBeiit-Ujorgj de Nag^r-Kipolt Julius, Sections-Chef im k. u. k. gemein- 

eameii Reübnangshofe in Wien (I., Herrengasse 14). 
1885 ^zuiubatbj Joeef, AssisLeiit am k. k. naturhistor. Hof-Museum in Wien, 

1887 TaUora, J, U. Dr. Alois Ritter von, in Gzernowitz. 

1888 Tarbaner, Dr. Joßef, in CiHi. 

1885 Tansaig^ Theodor, Ritter von, Director der österr. Boden -Credit- Anstalt 

IQ Wien {L, Tetnfalts^rasse 6). 
1885 Töffer Hugo Jotef, Architekt in Wien (III., Hainburgerstrasse 30). 
iS88 Te|)B«r, Dr, Adolf Edler von, Rathssecretär beim k. k. Landesgerichte 

in \V ien (VlI)., Li*ngegasse 42). 
1885 Tenfl Josef, k. k. Li niensehiffs -Lieutenant in Wien (IX., Währinger- 

straüse 6. — Marine-Section). 
1885 Thehz Hans, ord. Professor a. d. städt. Ober-Realschule in Pressburg. 
1885 Thiele Friedrich, k. k. Major in Wien (IV„ Heugasse 74). 
1386 Thlfiidel Fran^, GMördirector in Holleschau (Mähren). 
1^6 Thomas Franz in Stetteldorf am Wagram (N.-Oe.). 
188ti fJeftrnnk, J. l.Dr. Franz. Advocat in Melnik. 
1ST3 TLetie, Dr. Emil, Chef^Geologe an der k. k. geologischen Reichsanstalt 

in Wien. 
1^ Tliefaler Moriz, Inspector der Gen.-Direction der österr. Staatsbahnen, 

in Taus, 
lfl85 Todeseo, Sophie Freiin von, in Wien (I., Oppolzergasse 4). 
läB& Töehtersclmle, städtische höhere (Mestska vy§§i divci Skola) in Prag. 
1685 Toldt. Dr, Carl, k, k. Universitäts-Professor in Wien (IX., Petrarcagasse 6). 
1819 Tomafeliek, Dr. Wühelm, k. k. Universitäts-Professor in Wien (IX., 

NuKsdorf er Strasse 18). 
18TÜ Toola^ Dr. Franz. Professor a. d. k. k. technischen Hochschule in Wien 

(Vn., Kirc hengasse \\)}. 
mnik. 4. k. k. a#i»ar. a«fl, i«»9. t a. 5. 12 



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170 

Eintritts- Jahr 

1885 Traiiger Alois, k. uftd k. Sectionsrath in Wien (IV., Thei^esianum- 
gasse 13). 

1885 Traab Aladär in Wien (I., Nibelungengasse 5). 

1886 Trlca Georg, k. k. Hauptmann i. l\, in Wien, (Vin., k. k. militär. 

geographisches Institut). 

Trappenkörper, k. k.: 
1883 K. k. 4. Corps-Comraando in Budapest. 
1883 K. k. 6. Corps-Commando in K aschau. 
1883 K. k. 12. Corps-Commando in Hermanstadt. 

1883 K. k. 15. Corps-Commando in Sarajevo. 

1884 K. k. General stabs-Corps in Wien. 

1883 Genei-alstabs- Abtheilung des k. k. 2. Corps-Commando in Wien. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 1 in Troppau. 

1883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 2 in Kronstadt. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 3 in Klosterbruck. 

1883 Officierscorps des Int.-Reg. Nr. 4 in Wien. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 6 in Budapest. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 7 in Klagenfurt. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 8 in Brunn. 

1885 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. in Lemberg. 
1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 10 in Przemysl. 
1H83 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 11 in Prag. 
1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 12 in Komorn. 
1883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 14 in Linz. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 18 in Königgrätz. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 19 in Komorn. 

1S69 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 22 in Cattaro. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 24 in Tu 1 In. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 26 in Gran. 

1883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 28 in Prag. 

JS83 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 30 in Plevjle (Limgebiet). 

^883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 31 in Hermannstadt. 

1869 Officierscorps des Inf. -Reg. Nr. 32 in Budapest. 

1883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 33. ungarisch- Weisskircli en. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 36 in Jungbunzlau. 

1883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 38 in Budapest. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 40 in Jaroslau. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 51 in Klausen bürg. 

1 883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 52 in F ü n f k i r c h e n. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 54 in Ol mutz. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg Nr. 55 in Brzezan. 

1883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 56 in Krakau. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 57 in Krakau. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 58 in Kolomea. 

1869 Officier8coi»ps des Inf.-Reg. Nr. 63 in Bistritz. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 67 in Eperies. 

1869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 74 in Königgrätz. 



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171 

EiatritU-Jthr 

) Officierscorps des Inf.-Reg Nr. 75 in N e u h a u !?. 
869 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 78 in Esseg.. 
883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 81 in Ig lau, 
883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 86 in Budapest. 

I Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 89 in Jaroslau. 

885 Officiers-Bibliolhek des Inf.-Reg. Nr. 94 in Josefstadt, 
883 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 95 in Lemberg. 

886 Officierscorps des Inf.-Reg. Nr. 99 in Mostar. 

883 Officierscorps des 10. Feldjäger-Bataillons in Hainljürg. 
885 K. k. IIL Batai Ion des Tiroler Jäger-Regime nU Kaiser Frani Jüsel in 
Brixen 

Officierscorps des Corps-Artillerie-Reg. Nr- 10 in Ülmülz- 

Officierscorps des Corps- Artillierie-Reg. Nr. 5 in Koraorn, 

Officierscorps des Corps-Artillerie-Reg. Nr. 9 ia .Tosefstadi 
883 Officierscorps des Corps-Artillerie-Reg. Nr. 4 in BudupesL 

Officierscorps des Corps-Artillerie-Reg. Nr. 1 in Ki iikau. 
883 Officierscorps des Corps-Artillerie-Reg. Nr. 12 jn Hermanns tadt. 

Officierscorps des Corps-Artillerie-Reg. Nr. 11 \u Lern he rg. 

Officierscorps des Corps-Artillerie-Reg. Nr. 2 in Wjcmi, 
872 Officierscorps des Corps-Artillerie-Reg. Nr. 7 in 1> i» u » v a r. 
869 Officierscorps des Fest.-Artillerie-Bat. Nr. 9 in Irionl 
8ti9 Officierscorps des Genie-Reg. Nr. 1 in Olmulz 
883 Officierscorps des Genie-Reg. Nr. 2 in Krems, 
869 Officierscorps des Drag.-Reg. Nr. 7 in Wien. 
883 Officierscorps des Hussaren-Reg. Nr. 3 in Hernutnn *ita«i L 
883 Officierscorps des Hussaren-Reg. Nr. 8 in Rumii. 

869 Officiers-Biblioth.-Voi-waltung des Pionnier - Reg, i 1 1 K l u s, I i.t rn t* ti I mi r j.'. 
885 Gfficiers-Bibliothek des Uhlanen-Reg. Nr. 4 in Hr/MV.an 
883 Genie-Direction in Wien. 

883 Lehrkörper der Militär -Akademie in Wiener-N<'UijiJul L 
883 Lehrkörper der k. k. technischen Militär-Akad<^init^ in Wiß«. ' 
883 Artillerie-Cadetenschule in Wien (X., Arsenali. 

Pionier-Cadeten-Schule in Hainburg a. d. Dutmu 
883 Infanterie-Cadeten-Schule in Budapest. 

Infanterie-Cadeten-Schule (Commando der), in H er jiuMnisladl* 
881 Infanterie-Cadeten-Schule in Karlstadt. 
883 Infanterie-Cadeten-Schule in Temesvar. 
883 Infanterie-Cadetenschule in Innsbruck. 
883 Infanterie-Cadeten-Schule in Lobzow. 

Cavallerie-Cadeten-Schule in Mähr.-WeisskiiM'liftU, 
883 Militär-Unterrealschule in St. Polten. 
883 Militär- Waisenhaus in Fi seh au. 

878 Militärwissenschaftlicher Verein in Agrain. 

879 Militärwissenschaftlicher Verein in Budapest* 
^5 Militarwissenschaftlicher Verein in Esseg. 
879 Militärwissenschaftlicher Verein in Komorn. 
883 Militarwissenschaftlicher Verein in Laib ach. 



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1'" 



172 

Eintritts- Jahr 

1876 Militärwissenschafllicher Verein in Lemberg. 

1883 Militärwissenschafllicher Verein in Pilsen. 

1878 Militärwissenschafllicher Verein in Prag. 

1880 Militärwissenschaftlicher Verein in Pressburg. 

1869 Militärwissenschaftlicherund Casinoverein in Temesvar. 

1875 Militärwissenschaftlicher und Casinoverein in Wien (Strauchgasse 4). 

1887 Militärwissenschaftlicher und Casinoverein in Zara. 
1885 Kriegsarchiv k. k. in Wien. 

1888 Technisch-administratives Militär-Gomit^ in Wien. 

1884 Troxa, Dr. Hanns Maria, Secretär der Jf. k. priv. Ferdinands-Nordbahn in 

Wien (IL, Waschbausgasse la). 

1885 Tschochuer Josef, k. k. Hauptmann des 88. Inf.-Reg. in Beraun 

(Böhmen.) 
1885 Tfirckheim, Rudolf Baron, k. k. General-Major in Wien (V., Hunds- 

thurmerstrasse 22.) 
1883 Tornoi/rgky X&Comp. in Wien (I., Marc Aureistrasse 10 und 12;. 
18^1 VmlaDfl, Dr. Friedrich, Professor am Comunal-Real- u. Obergymnasium 

im VI. Bezirke in Wien (Hietzing, Lainzerstrasse 61.) 
1885 Enger Antonia, Unter- Vorsteherin im k. k. Ofticierstöchter-Erziehungs 

Institute in Hernais. 
1885 Unger, Med. Dr. Ludwig, in Wien. (I. Renngasse 4). . * 
1877 rniTersItäts-BibHothek, k. k., in Innsbruck. 
1877 Unlrersitäts- (kaiserl.) und Landes Bibliothek in Strassburg. 
1856^rrlinger Paul, Propst von Zwettl, bischöfl. Contistorialrath, Dechant und 

Pfarrer in Scheibbs. 
1885 IJznai^ski, Adam Ritter von, Gutsbesitzer und k. k. Oberlieulenant i. P 

in Poronin (Galizien). 
1883 Yalduga Gement, Procurist der Firma F. Schmitt in Wien (I., Gronzaga- 

gasse 11). 
1879 Yahlkampf, Bernhard v., k. k. Oberst des 11. ühl.Reg. in Villa eh. 
1885 Valmor, Vicomte de, königl. portug Gesandter in Wien (1., Hotel Erz 

herzog Carl). 
1885 de Vaux, Carl Baron, k. k. Oberst im Genie-Stabe in W i e n (III., Lagergasse 6). 

1874 Yesqne-Pnttllngen, Carl Freiherr von, Gutsinspector i. R., in Hetzen- 

dorf bei Wien. 

1877.Volkmer Ottomar, k. k. Regierungsrath und Vice-Director der k. k. Bef- 
und Staatsdruckerei in Wien. 

1885 Yoltelini, Dr. Lorenz von, k. k. Hofrath des Obersten Gerichtshofes in 
Wien (IX., Maximilianplatz 14). 

1883^Yonwiller Heinrich in Wien (I., Zedlitzgasse 11). 

1871 Yräuyczäny-DobrinoTie, Anton von, k. u. k. Hof- und Ministerialrath 
a. D., in Meran. 

1885 Yrlnts bu Falkenstein, Max Graf, k. k. wirkl. Geheimrath, Kämmerer 
etc., in Wien (L, Wollzeile 9). 

1878 Waagen, Dr. Wilhelm, Professor am deutschen Polytechnikum in Prag- 

1875 Walelier von Moltheini, Leopold, k. k. Ministerialrath i P., in Wien 

(l, Bankgasse 9) [zugl Ehrenmitglied]. 



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Eifttritts-Jahr 

1885 Waldheim, R. von, Verlagsbuchhändler und Besitzer einer artist. Anstatt 

und Buchdruckerei, in Wien (IL, Taborstrasse 52). 

1886 WaldstAtten, Georg Freiherr von, k. k. wirkl. Geheimrath, k. k. Feld- 

marschall-Lieutenant und Commandant des 7. Corps in Temesva^, 
1885 Wallner Edmund, Cbef der Central* Buchhaltung der Wr. Versicherunga- 

Gesellschaft in Wien (L, Hinunelpfortgasse 6). 
1885 Walter Alois, Beamter in Wien (1., Singerstrasse 16). 
1885 Wanetiek Franz, Studierender in Wien (X., Eugengasse 19) 
1885 Wannieck Friedrich, Maschinenfabrikant in BrUnn. 
1880 Wanka, Freiherr von Lemeiilieini, Josef, k. k. Feldmarschall-LieuieMant 

und Director des k. k. milit-geogr. Institutes in Wien. 
1885 Wasserbnrger Paul, k k. Baurath in Wien (IV.. Schwindgasse 8). 
1879 Wassitsch Conrad, k. k. Ministerialrath und k. u. k. öst.-ung. General- 

Consul i. P., in Lahnhof bei CiUi. 
1885 Welgel, Med. Dr. Michael, in Hern als (Kirchengasse 27). 

1887 Welgl Augustin, Fabrik-Director in Stein a. D. 

1870 Weikard Franz, k. k. Feldmarschall-Lieutenant in Prag. 

1885 Weilen, Josef Ritter von, k. k. Hofrath in Wien (Vll., Burggasse 22), 

1884 Weimar Franz X., k. k. Professor in Wien (111., Untere Weissgärber- 

Strasse 6). 

1886 Weinar Carl, f. e. Forstmeister in Ostrawitz. 

1878 Welnberir^r Isidor, Central-Director der böhm. Montan-Gesellschaft in 
Wien MV. Schwindgasse 9). 

1874 Welnesierl, Dr. J. von, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien (I. Woll- 
zeile 23). 

1885 Wrinek, Dr. Ladislaus, o. ö. Universitätsprofessor, Director der Stern- 

warte in Prag. 
1868 Weiser, Dr. Moriz E., städtischer Bezirksarzt in Wien (lll, Haupl- 

strasse 59) 
1856 Weiss, Dr. Adolf, k. k. Universiläts-Professor in Prag. 
1862 Weiss, Dr. Edmund, Professor u. Director der k. k. Sternwarte in W ä h- 

ring (Türkenschanze). 
1885 Weisseuberg Heinrich in Czernowitz (Bukowina). 
1885 Weissensteiii Emanuel in Wien (1., Maria Thercsienstrasse 221 
1885 Weitoiann Vincenz E., in Baden (Schloss Gutenbrunn). 
1885 Weiler Johann, k. k. Regierungsrath in der Militär-Kanzlei Sr. Maj. des 

Kaisers in Wien (1., Hofburg 1). 
1885 WertheimsteiD, Joseline von, in Ober-Döbling (Hauptstrass« 9H). 
1885 Weilaeh A., Repräsentant der Firma Clayton & Shuttleworth, in Lem- 

berg. 
1885 Whiteheade, John von, Besitzer der Torpedofabrik, Consul der Argent, 

Republik, in Fiume. 
1885 Wiekede Julius, Fabriksbesitzer in Wien (IL, Asperngasse 3). 
1885 Wien Heinrich, k. k. Regierungsrath in Wien (1., Stadiongasse 4i. 
1885 Wiener VolksbibliothekSTereiu, in Wien (Vll., Neubaugasse 25J. 
1876 Wieukowski, Georg von, k. k. Hauptmann des 77, Infanterie-Rtgimeriijjj 

in Lemberg (piaskowa 12 »Kaiserwald«) 



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174 

1875 Wiener . Dr. Fr. R. v., Professor ander k. k. Universität in Innsbruck. 
1885 Wieser, Dr. Friedrich von, k. k. Universitäts-Professorin Prag-Bubna357. 
1685 Wlllielm Eduard, Kaufmann in Wien (1., Dorotheergasse 10). 
188:^ Wniielm Franz. Präsident des Export- Vereines, in Wien (1., Dorotheer- 

l^asse 10). 
1887 Wilhelm Franz jun. in Wien (IV., Margarethenstrasse 30). 
1885 Wllbelm Franz, Apotheker in Neunkirchen (N.-Oe.) 
1867 WiUielm. Dr. Julius, in Wien (1., Dorotheergasse 10). 
1858 Wilhens F. C, Privat in Graz. 

1889 WUUn^er Carl, Privatbeamter in Wien (11, Pillersdorfgasse 8). 
1885 Wlndlsch-GrfttSy Ludwig, Prinz von, k. k. wirklicher Geheimrath, k. k 

Geneial der Cavallerie und Commandirender des I. Corps in 

K rakau. 
1885 Winkelraann Rudolf, Volksschullehrer in Wagstadt. 
1885 Wiuki^r Gottlieb in Salzburg. 
1885 Winter Emil, Vorstand der commerciellen Abtheilung der rumänischen 

Linien der k. k. priv. Lemberg Czemowitz-Jassy-Eisenbahn in Jassj. 
188i^ Winter^ Johann Edler von, k. k. Oberstlieutenant i. P. in Wien (IX, 

Wälu-ingerstrasse 57). 
1885 Wlnteriiltz Max in Bak>. 
1885 Wisehnowiti Josef, Beamter der Lemberg- Cz^ernowitz-Jassy-Eisenbahn 

in Lemberg. 
1885 Wlaer Friedrich, Ritter von, k. k. Generalmajor in Wien (1., Hegel- 
gas sse 8). 
1885 Wlttek Gustav, Musiklehrer in Penzing (Poststiasse 28). 
1W>6 Wö|r«rrer H., k. k. Hofrath in Wien (1., Wollzeile 32). 

1884 WalU^emnthy Emil von, k. k. Fregatten-Capitän in Wien (zugl. Ehren- 

mitglied). 
1882 Walf Juliue» Manne- Akademie- Professor in Fiume. 
18H5 Wolf-E|>p!iiger, Dr. Sigismund, Hof- und Gerichts-Advocat in Wien 

(I . Wipplingerstrasse 12). 
1882 WKii^eh Josef, Professor an der böhmischen Staatsgewerbeschule in 

PiUen. 
1887 WOil^cllv Josef. Censor der österr.-ung.-Bank und Director der I. österr. 

Spaj'casse. in Wien (I., Neuthorgasse 9). 
1881 Woits .lulius, Beamter der k. k. Central- Anstalt für Meteorologie und 

Erdmagnetismus in Wien (I., üniversitäts platz 2). 
1870 Wuintbrnodt, Graf Gundacker, k. k. wirkl. Geheimrath und Lande.s- 

hauptmann von Steiermark, in Graz. 
1887 Wurst Ferdinand, Fabrikant in Freudenthal. 

1879 7iBU&y nlkoYlc Alexander, Ritter von, k. k. Oberlieutenant des 12. ühlanen- 
Regimenta in Klagen fürt. 

1885 SCd^kuuer, Carl Ritter von, in Prag. 

]^H() Zd^kauer, Conrad Ritter von, k. u. k. Hof- und Ministerial-Concipi^t im 
Minifiterium des Aeussem, in Wien (L, Herrengasse 7). 

18Hi Zdenf-k Jaroslav, Professor an der k. k. böhmischen Tjchrerbildungsan stall 
in Prag. 



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ITß 

EiBiritts-Jahr 

1885 Zechany, Simon Ritter Yon, in Hietzing (Glorietiegasse IT». 

1874 Zehden, Dr. Carl, Professor a. d. Handelsakademie in W i e n (IL. Prsiter- 
Strasse 14). 

1886 Zenger Carl Wenzel, Professor der Physik am k. k. böhm. Polyt^chnicum 

in Prag (Hradsehin, Lorettogasse 177). 
1857 ZezsehwitZy Friedrich Oscar Freiherr von, k. k. Generalmajor i. [\. in 

Wien (IX., Alserbachstrasse 8). 
1856 Zhishmami, Dr. Josef Ritter von, k. k. Hofrath und emerit. UniTersitäta- 

Professor, Director der k. k. Familieu-Fideicommissbibliothek in Wien 

(IV., Hechtengasse 11). 
1877 Ziehy, Graf Anton, in Budapest. 

1874 Ziehy von Vasonykeö, Edmund Graf, k. k. wirkl. geheimer Kath und 

Kämmerer in Wien (I., Weihburggasse 32). 
1888 Zollschan Heinrich, in Fün|fhaus (Blüthengasse IB). 
1867 Zsehokke, Dr. Hermann, k. k. Hofrath und Universitats-Professot in 

Wien (I., Plankengasse 6). 
1885 Zucker Josef in Strakonitz. 

1885 Zacker Mathias & Comp, in Wieu (iL, Grosse Schiffgasse 4k 
1885 Zurna, Carl Edler von, k. k. Oberst-Lieutenant und Commcindant dea 

11. Feidjägerbataillons, in Raab. 

1875 Zwiedinek von 8fidenhor.st, Julius Freiherr, k. u. k. a. o. Gesandter u. 

bevollm. Minister in Constantinopel 



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An die Mitglieder der k. k. geographischen 
Gesellschaft.*) 

Bei der letzten Versammlung der k. k. geographischen Gesell- 
schaft galt es, die statutenmässige Neuwahl des Präsidiums und des 
Ausschusses der k. k. geographischen Gesellschaft vorzunehmen. 
Infolge der grossen Zahl der abgegebenen Stimmen nahm das 
Scrutinium eine längere Zeit in Anspruch, und so ist die Leitung 
der Gesellschaft erst heute in der Lage, Ihnen das Ergebnis der 
Wahl, von welchem übrigens jene Mitglieder, die an der General- 
versammlung theilgenommen hatten, s. z. mittelst Circulare benach- 
richtigt wurden, von diesem Platze aus mitzutheilen. 

Es wurden nachbenannte Herren mit absoluter Stimmen- 
mehrheit auf die statutenmässige Functionsdauer von drei Jahren 
gewählt und zwar: 

Als Präsident: Dr. Eduard Suess, k. k. Universitüts- 
Professor, mit 179 von 185 Stimmen. 

Als erster Vice-Präsident: Dr. Franz Ritter von 
Hauer, k. k. Hofrath und Intendant des naturhistorischen Hof- 
museums, mit 181 von 184 Stimmen. 

Als zweiter Vice-Präsident: Dr. Josef Roman 
Lorenz, Ritter von Liburnau, k. k. Ministerialrath, mit 180 
von 184 Stimmen. 

Als dritter Vice-Präsident: Joset Freiherr von 
Schwegel, k. k. wirkl. Geheimrath und k. u. k. Sectionschef a. D., 
mit 97 von 184 Stimmen. 

Femer als Mitglieder des Ausschusses: 
Alexander Ritter von Kalmar, k. k. LinienschifTs-Capitän 
und Triangulirungs-Director des milit.-geograph. Institutes, mit 17H; 



*) Ansprache des Vice- Präsidenten Hofrath Ritler von Hauer an die 
Yer:-ammluiig in der Monatssitzung vom 23. Ai ril 1889. 

Mitth. d. k k. Geogr Gei. 1889, 4. 13 



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CarlHaradauer Edler von Heldendauer, k.k. Oberst- 
Lieutenant und Vorstand der Karten -Abtheilung des k. k. Kriegs- 
Archives, mit 176; 

Robert Daublebsky Edler von Sterneck, k. k. Major 
im nüUtllr-geographischen Institute, mit 176; 

F. Kanitz, mit 174; 

Dr. Karl Zehden, Professor an der Handels - Akademie, 
mit 174; 

Dr Friedrich Umlauft, Gymnasial-Professor, mit 172; 

Dr. Emil Jettel, k. u. k. Sectionsrath im Ministerium des 
Aeupsern, mit 170; 

Dr. Ferdinand Freiherr von Buschmann, mit 166; 

Dr Emil Tietze, k. k. Oberbergrath und Chefgeologe an 
der geologischen Reichs-Anstalt, mit 111; 

Dr. Friedrich Simony, k. k. Hofrath und emer. k. k. Uni- 
versiläts-Professor, mit 106; 

Emil von Wolilgemuth, k. k. Fregatten-Capitän, mit 102; 

Josef Freiherr Wanka von Lenzenheim, k. k. Feld- 
marschall - Lieutenant und Director des militär - geographischen 
histitutes, mit 101; 

Dr. Gustav Adolf Koch, kais. Rath, k. k. Gymnasial-Pro- 
feösor und Docent an der Hochschule für Bodencultur, mit 97; 

Franz Heger, Gustos am naturhistor. Hofmuseum, mit 96; 

Carl August Artaria, Kunsthändler, mit 95; 

Di\ jur. Ernst Gallina, Secretär und Abtheilungs- Vorstand 
Sr. Majrstät Privat- und Familienfonds-Güter-Direction, mit 95: 

Rudolf Edler von Arthaber, kais. Rath und Kaufmann, 
mit 94; 

Franz Ritter von R^iha, Professor an der k. k. technischen 
Hochschule, mit 94; 

Dr. Philipp Paulitschke, k. k. Gymnasial-Professor und 
Üniversttäls- Docent der Geographie, mit 93 und 

Dr. Alb recht Penck, k. k. üniversitäts- Professor der Geo- 
gi^aphie, mit 92 von 181 Stimmen. 



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17v) 

Endlich als Ersatzmänner für den Ausschuss: 

Dr. Jos ei Jüttner, Gymnasial-Professor, mit 177; 

Otto Kfifka. k. k. Oberlieutenant im militär-geographischen 
Institute, mit 174; 

Dr. K a r 1 D i e n e r, Universitäts-Docent der Geographie, mit 172 ; 

Dr. Johann Palisa, Adjunct an der k. k. Sternwarte, 
mit 105 ; 

Friedrich Ritter von Wiser, k. k. Generalmajor i. R., 
mit 100; 

Josef Ritter von Lehnert, k. k. Fregatten - Capitän. 
mit 100 und 

Dr. Alfred Rodler mit 100 von 179 Stimmen. 

Ein Mandat für den Ausschuss ist also noch zu besetzen, da 
keiner der anderen Candidaten mehr die absolute Majorität der 
Stimmen erhielt 

Sowohl der gewählte Präsident, als die drei Vice -Präsidenten 
und 19 Ausschussmitglieder nahmen die auf sie gefallene Wahl 
an, dagegen lehnte E^of. Simony dieselbe aus Gesundheitsrück- 
sichten ab. 

Der neugewählte Ausschuss versammelte sich am 16. d. Mts. 
last vollzählig zu seiner ersten Sitzung. 

Der Präsident Professor Suess, welcher den Vorsitz führte, 
•eröffnete dieselbe mit einer kurzen Ansprache. Er drückte zunächst 
seinen Dank für die auf ihn gefallene Wahl aus und hob dann, 
auf die Ziele übergehend, welche sich die Gesellschaft betreffs ihrer 
wdteren Wirksamkeit vor Augen zu halten hätte, hervor, dass 
seiner Ansicht nach, neben der kosmopolitischen Richtung, ein be- 
sonderes Augenmerk auf den Orient zu richten wäre. 

Zu einer hingebenden und einheitlichen Behandlung der Ge- 
schäfte in diesem Sinne sei es aber unerlässlich, dass dieselben in 
<ier Hand einer einzigen, den wissenschaftlichen Kreisen angehörigen 
Krafl vereinigt werden, welche sich gegen eine angemessene Ent- 
lohnung denselben ausschliesslich zu widmen hätte, und ausser der 

13* 

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Redaction der Zeitschrilt auch die administrativen Agenden be- 
sorgen würde. 

Sobald eine solche Persönlichkeit gefunden sei, werde es an der 
Zeit sein, sich mit der Wahl eines, dem Ausschusse angehörigen 
und zunächst eine überwachende Thätigkeit ausübenden General- 
secretärs zu beschäftigen. Vorläufig möge man aber, so schloss der 
Priiäident, aus mancherlei Gründen, über welche er sich nicht näher 
aussprach, von dieser Wahl absehen. 

Die Anregung des Präsidenten wegen Bestellung eines be- 
soldeten Redacteurs und Secretärs begegnete im Allgemeinen eine 
zustimmenden Aufnahme; es wurde nur geltend gemacht, dass die 
angestrebte Neuorganisation zunächst den Gegenstand emgehender 
Erwägungen bilden müsse und dass es nothwendig sei, bis dieser 
Gedanke zur Ausführung gelangt, durch die Wahl der in den 
Statuten vorgesehenen Functionäre des Ausschusses für den r^el- 
mässigen Fortgang der Geschäfte auf Grundlage der bisherigen 
Organisation Sorge zu tragen. Von dieser Erwägung geleitet, be- 
scl^loss die überwiegende Mehrheit des Ausschusses (14 Stimmen 
gegen 4), sofort zur Wahl eines Generalsecretärs zu schreiten. 

Ungeachtet hiemit der Beschlussfassung über den Antrag des 
Präsidenten auf Gewinnung einer besoldeten Kraft für die Redaclions- 
und Administrationsgeschäfte in keiner Weise präjudicirt war, fand 
sich Professor Suess infolge dieses Ergebnisses der Abstimmung 
dennoch veranlasst, am Schlüsse der Sitzung seine Stelle als Präsi- 
dent niederzulegen. 

Der Ausschuss, welcher bei seinem Beschlüsse lediglich das 
iinal)weisbare praktische Bedürfnis des ungestörten Fortganges der 
Geschäfte, die Vorschriften der behördlich genehmigten Statuten 
und die seit dem Bestände der Gesellschaft stets eingehaltene 
Übung vor Augen hatte, und welchem es selbstverständlich ferne 
lag, durch sein Votum irgend einen Mangel an Entgegenkommen 
an den Tag zu legen, kann diesen Entschluss nur aufrichtig be- 
dauern, sowohl wegen des grossen Verlustes, welchen der Rücktritt 
einer Persönlichkeit von so hervorragendem wissenschaftlichem 



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181 



'm$^ 



Range für die Gesellschaft bedeutet, als wegen der Nothwendigkeit, 
an eine Neuwahl schreiten zu müssen, wodurch die Consolidirung 
der Gesellschaft leider verzögert wird. 

Der Ausschuss wird sich übrigens angelegen sein lassen, den 
Anregungen des geschiedenen Präsidenten, insoweit sie darauf ge- 
richtet waren, der Erforschung des Orientes ein grösseres Augenmerk 
zuzuwenden und die Besorgung der Geschäfte, insbesondere die 
Redaction der Zeitschrift, in die Hände eines besoldeten Functionärs 
zu legen, nach Kräften Rechnung zu tragen, u. z. umsomehr als 
dieselben ja nur mit seinen eigenen Wünschen und der früheren 
Übung im Einklänge stehen. 

Die Neuwahl des Präsidenten, sowie die Nachwahl eines Aus- 
schussmitgliedes wird in einer zu diesem Zwecke einzuberufenden 
ausserordentlichen Generalversammlung vorgenommen werden. 

Bis dahin werden die Geschäfte von den in der letzten 
Generalversammlung gewählten drei Vice - Präsidenten, welche ihre 
Mandate beibehalten haben, statutenmässig weitergeführt werden. 

An Stelle des Herrn Hofrathes Simony, sowie der Herren 
Penck und Artaria, welche ihre Mandate in der Ausschusssitzung 
vom 16. April niederlegten, wurden vom Ausschusse die in der 
Generalversammlung mit den meisten Stimmen gewählten Ersatz- 
männer Professor Dr. Jüttner, Oberlieutenant KHfka und 
Dr. Diener einberufen. 

Ich habe Ihnen schliesslich davon Mittheilung zu machen, dass 
im Sinne des früher erwähnten Ausschussbeschlusses in der Sitzung 
vom 1 6. April sofort an die Wahl eines Generalsecretärs geschritten 
wurde, und dass hiebei von 19 abgegebenen Stimmen 15 auf Herrn 
Dr. Ferdinand Freiherrn von Buschmann entfielen, welcher somit 
gewählt erscheint. 

Baron Buschmann hat die auf ihn gefallene Wahl an- 
genommen; da er jedoch aus Familienrücksichten in den nächsten 
Monaten verhindert ist, die Geschäfte zu führen, wird während 
dieser Zeit über Ersuchen des Ausschusses Sectionsrath Dr. Jettel 
provisorisch als Generalsecretär fungiren. 






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188 

Zum Bibliothekar wurde Oberstlieutenant von Haradauery 
zum Cassier von Arthaber und zum Rechnungsführer C. A. Ar- 
laria einstimmig gewählt. 

Nachdem der Letztere inzwischen sein Ausschussmandat zu- 
rückgelegt hat, wurde an seiner Stelle Hof secretär Dr. jur. G all in a 
zum Rechnungsführer gewählt. 

Der ^nsschnss der k. k. geographischen Gesellschaft 



Ueter die Entwieklung und Topographie der Nil- 
Mündung von Rosette. 

Von Joliaiin Jaukö jun. 
(Mit 1 Karte, Tafel VII*) 

Die Literatur über der Mündung von Rosette weist von den 
ältesten Zeiten an meist nur kurze Aufzeichnungen auf. Nach Herodot 
wurde das Nilbett von Rosette durch Menschenhand gegraben und 
wir inüssten daher — insofern wir des Forschers Worten Glauben 
beimessen dürfen — in demselben einen Canal erblicken. Die lange 
Reilifi von Jahrhunderten, die seither verstrichen, hat aber dies Werk 
menschlicher Hände ganz umgestaltet und die Spuren menschlichen 
Sfhaffens entweder ganz verwischt oder begraben und den Canal 
in einen Fluss umgewandelt, der heute die Hauptmasse der Wasser- 
menge des Nil dem Meere zuführt. Der labile Schlamm der Wogen 
sinkt zu Boden, gewinnt unter dem Zusammenwirken der Meeres- 
i5trömungen, der Windeinwirkungen und der Kraft des Flusses Formen 
und baut Sandbänke, die später in Gestalt von Inseln zu Tage treten 
und zur Entwicklung des Ufers mit beitragen. Die bisher erschie- 
nenen Karten stellen zum Theil diese Umwälzungen dar. 

Die älteste dieser Karten ist die von Razaud aus dem Jahre 
16>^7 ; wir finden auf derselben nur eine Insel von dreieckiger Form^ 
glf^ieher Länge und Breite, die durch einen breiten Canal vom 
Feölland getrennt ist. Späteren Ursprungs ist die Karte von Savary 
(17V>8), die übrigens in den Hauptzügen und ihrer ursprünglichen 
Oberflächlichkeit mit der ersteren übereinstimmt und allem Anscheine 
nacli nur eine Gopie derselben ist. In den Aufnahmen der franzö- 
sischen Expedition v. .). 1800 finden wir die Razaud- und Savary'sche 

♦) Die Karle wird im nächsten Hefte ausgegeben werden. Die Red. 

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183 

Insel gleichfalls vor, doch hat sie dort eine grössere Länge und 
ist vom Festlande durch einen viel schmäleren Canal getrennt; 
die Darstellung des rechten Ufers ist genauer, allein die Ober- 
flächlichkeit der Aufnahmen ist nicht zu verkennen. 

Viel präciser und detailirter sind die Aufnahmen aus dem 
laufenden Jahrhundert. Aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts 
stammt die Aufnahme Linant de Bellefond's, welche eine ganze 
Menge von Inseln und Canälen darstellt und die, welche auch ich 
für die früheren Verhältnisse als Grundlage benützte. Larousse's Karte 
von 1860 weist deren weniger auf, stimmt in Manchem mit ßelle- 
fond's Karte überein, weicht aber in vieler Hinsicht von ihr ab; 
es felilen darin Inseln und Canäle, an deren Stelle einige Buchten 
getreten sind — nicht das Resultat unrichtiger Aufnahmen, sondern 
der Umgestaltungen im Deltabereich. Noch vorgeschrittener stellt 
diese Umgestaltungen Ravenstein's Karte aus dem Jahre 1885 dar, 
auf der wur an Stelle der Inseln ein zusammenliängendes Festland- 
stück finden, auf dem nur 2 — 3 kleine, halbtrockene Seen sich finden 
und das als Halbinsel in's Meer hinausragt. Da aber der Maasstab 
der Karte ein verhältnismässig kleiner ist, können wir die Dar- 
stellung der Karte nur als schematisch, skizzenmässig betrachten. 

Wollen wir diese Karten als Vergegenwärtigung je einer Phase 
der Entwicklung des Nildeltas betrachten (was wir ohne Berück- 
sichtigung einzelner Details gewiss thun dürfen), so finden wir eine 
ungeheure Umgestaltung derselben dargestellt, und doch haben wir 
es hier nicht einmal mit dem Werk eines ganzen Jahrhunderts zu 
thun. Wer die Nilmündung heute betrachtet, kann die Spuren der 
Veränderungen, ihre Richtungen noch beobachten, aber schon in 
1—2 Jahrzehnten wird die Natur die Ufer so sehr ausgebaut haben, 
die Sonnenglut die Seen des Ufers so sehr austrocknen oder der 
Sand der Wüste sie in solchem Grade bedecken, dass die Beob- 
achtung dieser Umwälzungen nicht mehr zu machen sein wird. 

Eines wird uns aber aus dem Studium der angeführten Karten 
sogleich klar. Die Entwicklung der Rosette-Mündung wird Alluvial- 
ablagerungen zugeschrieben. Larousse glaubt deren jährliche Zu- 
nahme mit 40 w bestimmen zu können. In dieser Angabe ist nicht 
die 2^hl unrichtig, denn diese kann nur approximativ und durch- 
schnittlich sein, sondern die Annahme, dass die Entwicklung der 
Mündung durch solche alluviale Ausläufer geschehe, denn es bilden 
sich hier ursprünglich Sandbänke, die sich später* als Inseln über 
den Wasserspiegel erheben, durch neuere Sandbänke miteinander 



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1S4 

zusammenwachsen und, indem der Nilschlamm die Zwischenräume 
verstopft, sich dem Ufer anschliessen und auf diese Weise den Con- 
linent vergrössern. 

Selbstverständlich finden wir sowohl bei der Bildung von 
Inseln, wie beim Entstehen von Sandbänken und Halbinseln der 
Ct^^ntinente alluviale Ablagerung, das charakteristische Merkmal der 
Entwicklung der Rosette - Mündung liegt jedoch nicht in diesen, 
sondern in der Entstehung von Inseln und deren Anschluss an den 
Continent. 

Als ich im Mai und Juni des Jahres 1888 Gelegenheit hatte, 
die Nilmündungen zu besuchen und deren Entwicklung zu studiren, 
benützte ich als Grundlage meiner Studien die hydrographische 
Karte des Niiarmes von Rosette der englischen Admiralitäts- Auf- 
nahmen. Diese Karte leistete mir beim Studium der Entwicklung 
der Sandbänke gute Dienste, allein für die topographischen Details 
des Festlandes war sie unzureichend. Ich bereiste die Gegend bei 
dem geringsten Wasserstand, als eben grosse Flächen über Wasser 
waren ; da ich aber wissen wollte, welche Flächen bei hohem Wasser 
zti Sümpfen werden, nahm ich einen alten arabischen Fischer aus 
Roii(Hte mit mir, der diese Gegend genau kannte und mir gegen- 
über oft betonte, dass in früheren Zeiten die Sümpfe eine viel 
grö:^sere Ausdehnung besassen, die Buchten tiefer in's Ufer ein- 
drangen, dass viele Sandbänke, Inseln und Landzungen, so weit er 
selbst sich hieran erinnere, entstanden. Er klagte oft, dass der 
t^L lilamm des Nil die Annäherung an Rosette von der Seeseite sehr 
ersteh were, dass der Weg der Sandbänke, der früher gegen Osten 
aus der Mündung hinausführte, jetzt wegen seiner geringen Tiefe 
von 1^2 — ^^ unbenutzbar sei und man im westlichen Ausgang 
nicht nur gegen die Macht des Windes, sondern auch gegen die 
von Westen kommende Meeresströmung zu kämpfen habe. Das 
Fi^^cliervolk, dessen Existenz von diesen Erscheinungen abhängt 
verlolgt diese Veränderungen mit steter Aufmerksamkeit. 

Die Nilmündung \on Rosette beginnt eigentlich schon bei 
Büsette; von hier ist der Nil weder Fluss, noch Meer oder beides; 
sein Wasser ist wohl T\och süss, doch macht sich schon die Nähe 
des Meeres sehr bemerkbar und wenn die Winde von Norden 
helliger wehen, wird das Wasser salzig und die Bevölkerung von 
Rosette bezieht das Trinkwasser entweder aiis Cisternen oder aus 
den nur wenige Kilometer entfernten geheiligten Brunnen von Abu 
Mandur. 



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185 

Noch sind es nicht tausend Jahre, dass die Stadt Rosette am 
Meeresufer stand; heute liegt sie 12— 13A:m davon entfernt am 
linken Ufer des Nilarmes. Heute geleiten den Nil auf diesem 12 km 
langen Wege die dem Flusse zugewandten inneren Ränder zweier 
in NW-Richtung bis zum Meere reichender Halbinseln. Diese Halb- 
inseln sind vollständig als Schlammablagerungen des Nil zu betrachten ; 
die Basis der östlichen Insel beträgt zwischen Rosette und dem 
Meere 6 An», welche Breite auf der Strecke von 12 km bis auf Shn 
herabsinkt; die Halbinsel hat die Form eines langgestreckten Vier- 
ecks. Die westliche Halbinsel hat die Form eines Dreieckes von be- 
deutender Höhe, ist zwischen Rosette und dem Meer gleichfalls 
^km breit, verengt sich aber bis l — V^Arm an ihren Nordtheilen, 
wodurch ihr Flächeninhalt ein bedeutend geringerer ist als jener der 
östlichen Halbinsel. 

Um diesen Unterschied zu begreifen, müssen wir jene Kräfte 
kennen, welche bei dem Aufbau dieser Halbinseln eine Rolle spielten. 
Es sind deren drei: der Nil, die Meeresströmung und die Macht 
der Winde. Die Gesammtwirkung dieser Factoren baut die Inseln 
und bestimmt die Richtung ihrer Entwicklung. 

Wo der NU sich in's Meer ergiesst, theilt sich seine 
ganze Wassermasse in drei grosse Strömungen, in eine mittlere, 
und zwei Seitenströmungen. Die mittlere dringt vom tiefsten Theil 
des Strombettes in das Meer und bildet die Hauptströmung, die 
aber von seitwärts, d. i. von W. durch die Meeresströmung gegen 
0. gedrängt wird, so dass diese vereinigte Strömung eine Zeitlang 
nach NO fliesst. In dieser Richtung finden wir auch die Inseln 
von Rosette, welche natürUch auch aus dem Schlamm des Nil auf- 
gebaut sind. 

Die Geschwindigkeit der vereinten Strömungen ist an dieser 
Stelle geringer als die der einzelnen Strömungen vor ihrer Ver- 
einigung es war, denn die Macht des Windes drängt beide in 
entgegengesetzter Richtung zurück; der Abfluss des Wassers ist 
daher hier ein äusserst langsamer und war dort, wo die kleinen 
Insebi von Rosette entstanden, jedenfalls der langsamste. Als nun 
das Fundament dieser Inseln, wenngleich auch nur in einer Scholle 
des Meeresgrundes vorhanden war, lagerte sich darauf sofort 
Schlamm und es wurde aus der Scholle eine Sandbank, aus der 
Sandbank eine Insel. Die Insel steht aber gerade der vereinigten 
Meeres- und Flussströmung im Wege und deshalb theilte sie sich 
wieder in zwei Theile, in einen östlichen und in einen westlichen 



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186 

Zweig. Die gegen Westen gehende Strömung ist sehr schwach, 
da sie (ihres grösseren specifischen Gewichtes wegen) unter der von 
Westen kommenden Meeresströmung hinweggleitet und ihre Mächtigkeit 
zumeist dem Umstände zu verdanken hat, dass die nordwestliche 
Richtung des Stromes von der Insel an stärker wird, als die öst- 
liche Richtung der Meeresströmung, die sich fast senkrecht an den 
Ufern der Insel bricht. Diese Strömung baute jene Reihe von 
Sandbänken auf, welche sich westlich von der Rosette-Insel in 
einer Länge von nahezu 2 km hinziehen und über welcher die Tiefe 
des Wassers nicht mehr als 0*2— 0*8 m beträgt. Der östliche Arm 
der vereinigten Meeres- und Flussströmung baut zuerst die sich an 
die Inseln von Rosette anschliessende Reihe von Sandbänken auf, 
über welcher das Wasser nicht höher als 0*5 m steht, während 
später, wenn die Strömung die Richtung des Nil verlässt und 
namentlich die östliche Richtung der Meeresströmung zur Geltung 
kommt, die ganze Strömung durch die Nord- Winde nach Süden 
zurückgedrängt wird und dort zum Aufbau des 2km langen Nord- 
ufers der östlichen Insel dient, wo das Wasser selbst in einer Ent- 
fernung von einem Kilometer vom Lande kaum 0*4 m Tiefe 
überschreitet. Wo aber dies Ufer an der östlichen Seite endigt, 
dort ändert sich auch die bisherige, zur Uferlinie parallele Richtung 
der Strömung, der Einfluss der Nordwinde kommt in vollem Masse 
zur Geltung, die Strömung nimmt dem Ufer folgend eine südöstliche 
Richtung an und das Wasser lagert seinen Schlamm auch in dieser 
Richtung am ersten, vom Ufer vorragenden Vorgebirg ab. Dem 
entsprechend finden wir am östlichen Ufer der östlichen Halbinsel 
jene zwei Landzungen, welche heute die inneren Flächen der Halb- 
insel gegen das Meer schützen. Ris aber die Strömung hieher ge- 
langt, hat sie ihren Schlamm schon zum guten Theil abgelagert, 
theils an den Inseln von Rosette, theils an deren Sandbänken und 
an den nördlichen Ufern der östlichen Halbinsel, weshalb die Tiefe 
des Wassers nur bis zu einer Entfernung von einigen hundert 
Metern vom Lande unter 07m bleibt und dann plötzlich grosse 
Tiefe annimmt, während an den nördlichen Ufern das Meer mehrere 
Kilometer weit eine ganz geringe Tiefe behält. 

Die zweite Strömung, auf welche sich das ganze Wasser bei 
der Mündung vertheilt, ist die rechtseitige Meeresströmung. Diese 
wird theils durch die von West kommende Meeresströmung zurück- 
gedrängt und da ihr Lauf ein sehr langsamer ist, baut sie längs 
des ganzen rechten Ufers von Rary mezareh an, d. h. in einer 



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187 

Länge von circa 6 km eine Sandbank auf, über welcher das Wasser 
kaum ^/affi tief ist und deren innere Grenze äusserst scharf durch 
eine Sandbank getrennt ist, von welcher rechts das Wasser 
0-3— 07 m, links 3 — 8iw Tiefe erreicht. Diese 6 km lange Sandbank 
zeigt am besten den grossen Einfluss der Winde und Meeres- 
strömungen auf die Entwicklung dieser Mündungen. Welch grosse 
Rolle namentlich der westlichen Strömung zugefallen ist, ist am 
besten an der linksseitigen Strömung des Flusses ersichtlich, auf 
welche direct nur der Nordwind einwirkt, da sie gegen den directen 
Einfluss der westlichen Strömung durch die westliche Halbinsel selbst 
geschätzt wird; auch diese zurückgedrängte Strömung hat am 
linken Ufer eine Sandbank gebaut, über der die Tiefe des Wassers 
0'6m nicht übersteigt, die jedoch im Flusse kaum bis zum neuen Fort, 
also nur2— 8Ä:w aufwärts reicht. Ein Theil der linksseitigen Strömung 
ist aber dennoch fähig über die Nordspitze der westlichen Halbinsel, 
vorzudringen. Sowie er aber diese erreicht, wird er durch den 
Wind zurückgedrängt, nicht in das Bett des Flusses, sondern 
auf die westlichen Ufer der westlichen Halbinsel, welche er unter 
dem Einflüsse der Meeresströmung weiter aufbaut. Der Schlamm der 
Strömung ist jedoch sehr gering, und dies ist die Ursache, dass die 
Sandbank des westlichen Ufers der westlichen Halbinsel so wenig 
entwickelt ist, dass 1 — TöA-w davon entfernt schon die Grenze des 
Wassers von 5 m Tiefe zu erreichen ist. 

Soviel über jene Luft- und Meeresströmungen, welche die Ent- 
wicklung der Mündung reguliren. Wenn wir die Verhältnisse der 
den Strom begrenzenden zwei Halbinseln näher untersuchen und 
die Veränderungen der einstigen Inseln in die heutigen, schon ziem- 
lich einheitlichen Halbinseln studiren, überzeugen wir uns noch mehr 
von der Rolle dieser Strömungen. Zu diesem Zwecke kann die 
Mündung von Rosette in drei Theile getheilt werden, in die Inseln 
von Rosette und das rechte und linke Ufer des Nil. 

Die Inseln von Rosette liegen knapp vor der Mündung des 
Stromes, etwa l km davon entfernt ; ihre Fläche bildet ein Dreieck, 
welches seine Spitze der Mündung zukehrt. Dieses besteht aus drei 
taseln, einer südlichen und zwei nördlichen. 

Die Ausdehnung der südlichen dreieckigen Insel beträgt von 
Osten nach Westen 700 w, von Norden nach Süden 500 w, sie hat 
ein nördliches, ein westliches und ein südöstliches Ufer; letzteres 
hat eine Länge von einem Kilometer. Am nördlichen Ufer der Insel 
befindet sich eine kleine Bucht, die mit dem Meere durch einen 



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188 

<». 100 m breiten Canal in Verbindung steht, in diesem Canal Ist aber 
nur in den Wintermonaten Wasser, und auch da nur in geringer Tiefe, 
im Sommer trocknet er gänzlich aus, so dass das nördliche Ufer 
keinerlei Unterbrechung erleidet und nur ein kleiner Teich von der 
Existenz der Bucht zeugt, der circa 350 — 300 m lang und 100 — 
200 m breit ist, stark vertrocknet und nach Angabe meines Führers 
im Sommer zu einem unbedeutenden Sumpf zusammenschmilzt Ein 
seichter Canal von nur 0*3 — 0*5' Tiefe trennt diese südliche Insel von 
den zwei nördlichen, die sich in einer Linie von West nach Ost 
an einander reihen. Zwischen beiden Inseln bleibt nur ein seichter 
Canal von 50— 80 m Breite, der zur Trockenzeit gänzlich versiegt, 
wodurch die zwei Inseln einen Complex bilden. Die östliche Insel 
ist sehr klein, ihre Länge beträgt 150, die Breite 40 — 50 m; die 
v^estliche ist bedeutend länger und wendet sich gegen Süden, ist 
insgesammt 1 km lang und 1 — 300 m breit. Ihr südwärts gewendeter 
Theil endet in ein kleines Kap, an dem die von Süden kommende 
Nilströmung den Schlamm ablagert und hiedurch das Kap gegen 
Süden immer weiter ausbaut Dies ist auch daraus ersichtlich, dass 
dies Kap bei trockenem Wetter länger ist als zur Regenzeit. Diesem 
Kap gegenüber befindet sich die westlichste Spitze der grossen Süd- 
insel und die Breite beträgt hier kaum 50 m, die Tiefe des Wassers 
nur einen Fuss. Es ist wahrscheinlich, dass der Nil auch diesen 
kleinen Canal verschlämmt und die drei Inseln zu einer vereinigt, 
deren Mitte (an Stelle des Meeres theilsvon heute) ein kleiner See 
einnehmen wird. Die Tiefe des Meeres in der Nähe der Inseln ist nicht 
gleich, im Westen ist sie geringer als im Osten; die Entwicklung 
der Sandbänke gravitirt daher gegen Westen, wo die Tiefe des 
Wassers in einem Umkreis von Ikm 0*3 m beträgt während wir 
in den östlichen Theilen schon in einer Entfernung von \^^km 
ltn—4in Tiefe finden. 

(Schluss folgt.) 



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18» 



Berieht über die Graf Samuel Teleki'sohe Expedition 
nach Central-Afrika.*) 

(Mit 1 Karte, Tafel VIU). 

Aden, am 19. Jänner 1889. 

Nachdem das (lir die Reise nothwendige Materiale in Oester- 
reich sowie in England angeschafft worden war, langten die beiden 
Theilnehmer an der Expedition Ende October respective Ende 
November 1886 in Zanzibar an. 

Dem Linien-Schiffslieutenant Höhnel war von der Direction 
des österreichischen Lloyd in munificenter Weise die freie lieber- 
fahrt sammt den 5 Tonnen schweren Reisegütem bis Aden bewilligt 
worden. Die weiteren Vorbereitungen in Zanzibar nahmen die Zeit 
bis Ende Jänner 1887 in Anspruch und ging unter der A^yde de» 
Oberbefehlshaber der regulären Truppen S. H. des Sultans von 
Zanzibar, General Matthews, der in seltener Aufopferungs- 
(ähi^eit sich der Sache annahm, vor sich. Contreadmiral Knorr 
der kais. deutschen Escadre, that andererseits nicht nur alles Mög- 
liche um den Expeditionsmitgliedem den Aufenthalt in Zanzibar so 
angenehm als möglich zu gestalten, sondern stellte auch etwa nöthiges 
Materiale der ihm unterstehenden Schiffie, sowie deren Werkleute 
zu vielen sonst an diesem Orte unmöglich auszuführenden Arbeiten 
in liebenswürdigster Weise ziu* Verfügung. 

So konnte sich die Expedition Ende Jänner 1887 als reiseklar 
betrachten und Zanzibar mit dem von S. H. dem Sultan Said 
Bargasch zur Verfügung gestellten Dampfer »Star« verlassen, und 
Pj^ani, den Ausgangspunkt der Reise, erreichen. Nach verschiedenen 
die Reise verzögernden, hauptsächlich grösseren Desertionen der 
Mannschaften entspringenden unangenehmen Erfahrungen traf die 
Expedition schliesslich am 30. März am Fusse des Kilimandjaro in 
Taveta ein. Von hier aus waren in Patigani zurückgebliebene, sowie 
nach Mombas gesandte Waaren abholen zu lassen, viele zeitraubende^ 
hauptsächlich im Aufreihen colossaler Mengen von Perlen bestehende 



*) Dieser Bericht wurde von dem k. k. Fregatten-Capitän Emil von 
Wohlgemut h, Commandanten S. M. Schiff »Fasana« dem k. u. k. Reichs-^ 
kriegs-Ministerium (Marine-Section) erstattet und von der genannten kohen 
Behörde der k. k. geographischen Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Ein aus- 
führlicher Bericht über den letzten Theil der Graf Teleki'schen Forschungsreise 
(VgL Mittheilungen 1888 Nr. 7 — 9) ist von dem Leitern derselben der k. k. 
geographischen Gesellschaft in Aussicht gestellt worden. Die Redaclion. 



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Arbeilen vorzunehmen, daher ein längerer Aufenthalt voraus- 
t^iehtlich. Dieser wurde zuerst zu einer einen Monat in An- 
spruch nehmenden Tour zu dem circa 15.000' hohen westlich vom 
K il i uiancijapo gelegenenMerü berge, der inzwischen trotz der eingetretenen 
21 Tage dauernden Regenzeit unternommen wurde, sowie zu dem 
Veraidie den circa 18.500' hohen Kilimandjaro-Krater zu besteigen, 
ausgebetilct. In letzterem Vorhaben war die Expedition jedoch 
wenig erfolgreich; es gelang derselben nur die ungefähre Höhe von 
10 4(Hr 2u erreichen. Die Luftdünne, andererseits die Folge des 
bestellenden Winters, der die Expedition beim üebernachten auf dem 
l:i.ont*' liolien Sattel einer Minimaltemperatur von — 11" C. aussetzte, 
warten wohl die Ursachen hiervon. Erst am 15. Juni 1887 konnte die 
FiXpedition Taveta verlassen; sie bestand damals aus ca. 260 wohlbe- 
wairnfton Mann. Es ging um den Ostfuss des Kilimandjaro herum 
nach Ntjrden durch's Masailand nach dem an der Südgrenze des 
Kiknjulandes liegenden Mgongo Bagäss. Das nächste Ziel, der Kenia, 
solllt^ nicht auf dem sonst üblichen Umwege, sondern in gerader 
Nordrieh lung durch das im übelsten Rufe stehende Kikuju-Land er- 
retclil werden. Diese Absicht durchzuführen gelang wohl nur vermöge 
(orlwlUirender Tag und Nacht aufrechterhaltener Gefechtsbereit- 
8chafK iinil war die Expedition während dieser vom 7. September 
bis II r^ctober währenden Zeit daher wenig beneidenswerth, doch 
kam m nur bei drei (ielegenheiten zu Actionen, da vom dritten Cie- 
fechtf [iü bis zum Erreichen der Grenze jeder sich zeigende Kikuju 
ah Feitid betrachtet und auch als solcher behandelt wurde. Die am 
FusHC des Kenia liegende Landschaft Ndoro, von wo aus der Aufstieg 
aut diesen Berg projectirt ward, wurde am 8. October erreicht und 
nnlernalim Graf Teleki den Aufstieg allein, da LienienschifTslieutenant 
Höhfiel, der schon seit einem Monate leidend, zu herabgekominen 
war. um daran theilnehmen zu können. Dem Graten Teleki gelang es 
bis zu ungerähr 16.000' aufzusteigen; die 2000—2500' höhere 
Spitze i-st wohl schwer, wenn nicht unersteigbar. Am 1. November 
wurde Ndoro verlassen und nach dem gegen Nord-Nordwest gelegenen 
Lore In! Morijo marschirt; der Plan, den unbekannten Lauf des 
Gua^i^su Njiro-Flusses eine Strecke weit zu verfolgen, der nun in 
Frage kam, konnte der Knappheit der Lebensmittelvorräthe wegen 
nur mit mner kleinen Karavane ausgeführt werden, das Gros 
der Karrivane musste möglichst rasch Njemss am Baringo-See zu er- 
roidien I rächten. Graf Teleki traf am 19. November und Linienschiffs- 
lieuLcnanl Höhnet am 6. December bei der Karavane wieder ein. 



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191 

Anstatt erwarteten Lebensmittel-Üeberflusses traf die Expedi- 
'tion Hungersnoth allüberall im Umkreise von 12 Tagen. Ueber 
3 Wochen gingen mit nutzlosem Suchen nach Korn verloren und 
musste schliesslich eine grössere Karavane nach Mgongo Bagass 
zurückgesandt werden, um die grossen Vorräthe, die für die 
Reise nach den unbekannten und fast unbewohnten Regionen im 
Norden des Baringo-Sees nothwendig waren, zu beschaffen. Die lücken- 
haften und unverlässlichen, von den Eingebomen erhaltenen Aus- 
künfte sprachen von zwei nördlich gelegenen Seen, einem sehr 
grossen, dem Basso narök (schwarzer See) und einem kleineren 
dem Basso naebor (weisser See). Von deren Grösse, Richtung, den 
umwohnenden Völkern konnten jedoch nur sehr unklare Vorstel- 
lungen gewonnen werden. 

Beiliegende Skizze (siehe Tafel VIll) veranschaulicht diese bis- 
her unbekannten Gegenden, welche zu durchziehen 5*^. Monate Zeit 
in Anspruch nahmen. Erst am 24. Jänner 1888 waren die erwar- 
teten Vorräthe eingetroffen und war die Expedition bis dahin ganz 
auf das angewiesen, was die Jagd lieferte. Doch gab es glücklicher- 
weise Wild jeder Art in nie geträumter Menge. So konnte die Ex- 
pedition, jetzt nur mehr 210 Mann stark, am 10. Februar wieder die 
Wanderung, diesmal mit jedem Schritte die Wissenschaft mit der 
Kunde von neuen Bergen und neuen Ländern bereichernd, antreten. 

Nach vielen, hauptsächlich durch Wassernoth verursachten 
Beschwerden und Sorgen, sah die Expedition sich am 5. März 
durch den Anblick der blauen Wässer des Basso narök beglückt, 
zu dessen Ufern am folgenden Tage hinabgestiegen wurde. Graf 
Teleki gab demselben den Namen »Rudolf-See«. Dem Entzücken, 
das der erste Anblick hervorgerufen, machten die wüste Umgebung, 
die gras-, bäum- und schattenlosen Ufer, der starke und unausstehlich 
heisse. sanderfüllte, vom Lande zum See wehende Wind, der die 
Zelte umblies, gar bald ein Ende und so war der Marsch ein durch 
den Gedanken- an das nicht in allzuferner Aussicht stehende Ausgehen 
der Nahrungsmittelvorräthe ein sehr trauriger, den die Expedition 
längs des Seeufers nach Norden unternahm. Hier gab es weder 
Menschen noch Wild. 

Immer kleiner wurden die Rationen, die der Mannschaft aus- 
getheilt wurden, bis der 19. März, als Elefanten erlegt und die 
Aussicht auf deren grössere Zahl vorhanden war, wieder mehr 
Zuversicht eintreten liess. 54 Tage waren verstrichen, wo die Ex- 
pedition auf eigenen Füssen gestanden, bis sie endlich das bewohnte 



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192 

Nordufer des ungefähr 160 A:m langen Sees erreichte und damit zu 
einem Orte gekommen war, der Durrha (wenn auch nichts anderes) 
in reicher Menge bot. 

Das Volk daselbst nennt sich Reschiat imd gehört dem Galla- 
stamme an. Noch nie waren von irgend einer Seite Händler in diese 
Gegend gekommen und die Einwohner daher mit den Segnungen 
und air den schönen Dingen der Civilisation gänzlich unbekannt. Es 
hatte die Jungfräulichkeit dieses Volkes für die Expedition jedoch die 
unangenehme Seite, dass der grösste Theil der mitgebrachten Tausch- 
Güter werthlos war. 

Von hier aus wurde der zweite See, der bedeutend kleiner 
ist, stark bittersalziges Wasser hält, besucht. Er erhielt den Namen 
»Stefanie-See«. 

An der besuchten Seite war er vollständig unbewohnt, 
andererseits konnte er nicht umkreist werden, da unter den an 
seinem Nordufer wohnenden Marle's die Blattern grassirten. So 
waren 3 Wochen vergangen, ohne dass man irgend einen Eingeborenen 
sah. Den Rückweg von den Reschiat war die Expedition gezwungen 
auf derselben Route zu nehmen, weil die Regenzeit indessen ein- 
getreten war, der See ausgetreten war und die Niederung im Nor- 
den desselben wenigstens theilweise unter Wasser stand. 

Ausserdem waren die grossen zwei Zuflüsse zum See für die 
Expedition, deren Berthonboot der Wuth eines Elefanten zum Opfer 
gefallen war, unübersetzbar. In Doppelmärschen wurden daher die 
trostlosen Seeufer zum zweiten Male abgelaufen, scharf um dessen 
Südrand nach Westen gebogen und in das Land der Turkana 
(oder Elgume) eingefallen, innerhalb deren Grenzen sich die Ex- 
pedition am 3. Juni befand, zum grossen Entsetzen der überraschten 
Bevölkerung. 

Die Eingeborenen fanden sich gar bald in die Situation. Leider 
konnte sich die Expedition auch hier keiner Abnatoie der mitge- 
brachten Waaren erfreuen, denn Tabak und immer wieder Tabak 
war's, für den sich die Eingeborenen jeglichen Besitzes entäussert 
hatten. So befand sich die Expedition am 20. Juni an der West- 
grenze dieses Landes, neuerdings in unbewohnter Wildnis, ohne 
j^liche Lebensmittelvorräthe. Wild gab es keines und es wairen 
daher Kräuter und Beeren, mit denen sich die Karavane nothdürftig 
am Leben erhielt; die Hoffnung auf kommende bewohnte, weiter 
im Süden gelegene Gegenden erhielt sie jedoch aufrecht und guter 
Dinge. Als die Expedition im Süden jedoch auch nichts wie Hungers- 



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wf^'^m^^mm 



noth. grüne und unreife Durrhafelder vorfand, wurde die Sache 
ernster. 

Einen vollen Monat wehrte sich die Expedition gegen den 
(iedanken, sich mit Gewalt in den Besitz einer Viehherde (die 
wohl vorhanden, aber unverkäuflich war) zu setzen, bis die Kara- 
vane schliesslich derart entkräftet und herabgekommen war, dass 
es dennoch dazukommen musste. Dann waren auch die Sorgen -m 
Ende. Njemss am Baringo-See wurde am 29. Juli wieder erreiclit 
und der Heimweg über den Naiwascha-See, Ukambani und Taveta 
angetreten. 

Am 25. October 1888 wurde die Küste bei Mombas errcncht 
und damit hatte die Expedition ein glückliches Ende geluruleri. 
Verschiedene Umsti'mde erforderten in Zanzibar einen zweimonat- 
lichen Aufenthalt, der den beiden Expeditionsmitgliedern, flie in 
vollster Gesundheit dahin gekommen waren, in Folge wiederholter 
Fieber, recht nachtheilig ward. Seit 8. Jänner 1889 befanden sich 
dieselben in Aden, mit den Vorbereitungen zu einer einen Mtmat 
in Anspruch nehmenden Reise nach Harar beschäftigt. 



Bemerkungen sur Karte, Tafel VIII. 

Die dem Berichte Capitän v. Wohlgemuth's beigegebene KartenakiE^e 
ist von Lieutenant v. Höhners Hand gezeichnet und weicht in einigen. tiau[it* 
sachlich das Terrain und die Nomenclatur betreffenden Punkten von den 
Kartenbildem ab, welche über die Teleki'schen und Höhnerschen Entdeckungen 
bereits publicirt worden sind. Es ist dies vor Allem die Karte, welche anicr 
dem Titel: «Schizzo del lago Rodolfo o Narok esplorato dal Conte Teleki 
secondo i rilievi del Sign, di Höhnel» Bolletino della Societä geografica Itaiiana, 
1889. Febbrajo. veröffentlicht worden ist. und welche nach einem ManujstTipieH 
das Lieutenant v. Höhnel dem italienischen Consul von Aden Capit. Atilonio 
CeCchi während oder nach einer Fahrt von Zanzibar nach Aden einpehfindi::! 
hat. hergestellt worden ist. Sie enthält eine reichere Nomenclatur, die Zeiuhnung 
zweier Ströme, welche an dem Südwest -Ufer des Rudolf -See's münden und 
auch eine od.-r die andere Note über die Anwohner der neuentdeck ten Seen, 
es fehlt ihr dagegen das Terrain am West-Ufer des Basso Narok, W(*k:hes die 
vorliegende Kartenskizze von Höhnel's Hand sorgfältig eingezeichnet enthält. 
Die Discrepanzen sind nach meiner Meinung darauf zurückzuführen, dasa 
Capit. Cecchi wahrscheinlich aus Erläuterungen oder im Zwiegespräche mit 
v. Höhnel erhaltene Daten auf die Karte gesetzt hat. obgleich hiervon in di'm 
Begleiteworte Cecchi's zu der Kartenskizze, die dieser an Prof. Dalla VediJ^^a in 
Rom jieschickt hat. keine Erwähnung geschieht. 

Dass Ritter v. Höhnel aul seiner hier zur Publication gebrach len Karte 
mit Namenangaben sparsam umgeht, rechtfertigt die Aeusserung des Gmfün 
Teleki in seinem Briefe an die Londoner Times (20 December 1S^S^. wt*lch*i 

Mittb. d. k. k. Gtog.. Ues. 1889. 4. )4 



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194 

in's Scolish Geographica! Magazin (Nro. 2 ex 1889) und in das Mouve- 
ment geographique (24. Jänner 1889) übergegangen ist und wo von einer 
unvollkommenen Aufnahme des Rudolf-Sees die Rede ist. Gleichwohl erhält 
Hie im Bolletino della Societä geografia Italiana publicirte Karte ebenfalls die 
zsvei Flüsse an dem Südwest-Ufer des Sees, die hier im Originale fehlen. Die 
übrigen PifTerenzen zwischen den Angaben in dem Briefe des Grafen Teleki 
an die Times und jenen in dem Briefe Capit. Cecchi's an den Generalsecretär 
der italien. geograph Gesellschaft Prof. Della Vedova (de dato Aden 30. Januar 
lft89) belrelTen nur untergeordnete Details. 

Die in den Földrajzi Közlemenyek der ungarischen geographischen 
Gesellsciiaft (XVII., 4) herausgegebene Karte der Entdeckungen der Teleki- 
Höhnersfhen Expedition ist ledigHch eine Reduction der im Bolletino della 
Rocietfi geografica Italiana herausgegebenen Karte der Expeditions-Touren. 

Lüngenangaben fehlen auf v. Höhners hier publicierter Kartenskizze 
wohl ans dem Grunde, weil die betreffenden Beobachtungen noch nicht berechnet 
werden konnten. Es ist mir nicht bekannt geworden, ob die voa Höhnel an 
C-ipitän t'ecchi abgegebene Skizze Längenangaben enthielt. Das Elaborat im 
* Bolletino della SocietA geografica Italiana« enthält solche. 

Ph. PauliUchle. 



Die klimatisehen Verhältnisse des Herzogthums 

Schlesien, 

Ton Karl Kolbenheyer, Professor am k. k. Staatsgymnasium in Bielitz, 
Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone. 

Zweiter Tiieil. 

Der Luftdruck.*) 

Luftdruckbeobachtungen lieferten in dem von mir in Betracht 
gezogenen Zeitraum die Stationen zweiter Ordnung: Bielitz, Saybusch, 
Teschen, Kotzobendz, Mähr. Ostrau, Poln. Ostrau,Ostrawitz, Neutitschein, 
Troppau I., Jägerndorf, Olbersdorf, Reschen, Mähr. Schönberg, Barz- 
dorf. grosser Schneeberg, Ebersdorf, ferner Beuthen, Ratibor, Oppeln 
lind Breslau. Bei der Bearbeitung dieses Materiales stellte sich aber 
die Noth wendigkeit heraus, die Grenzen im Süden noch etwas weiter 
ausKudehnen, und wurden daher noch die Stationen Prerau, Kloster 
Hradisch, Mähr. Weisskirchen und Mähr. Neustadt einbezogen. 

Zunächst lasse ich über die genannten Stationen einige Be- 
Tnerkun|TBn folgen. 

Beelitz. Die Beobachtungen wurden anfangs mit einem 
Tonnelotschen Barometer Fortinscher Einrichtung gemacht (Nr. 826), 
an desütm Stelle am 16. Februar 1876 ein Kappellersches Stations- 
baronieter Nr. 1301 trat, das noch heute in Verwendung ist. Die 

♦j Die zugehörigen Isobaren^Karten folgen im nächsten Hefte nach. 

Die Redaction. 



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Correction desselben auf das Normalbarometer der k. k. meffiOf« 
Centralanstalt in Wien ist — 0* 1 mm, das Verhältnis der beiden 
Barometer unter einander aber war Kapp. 1301 — Tonn. 826 =^ 0'4 tufti. 
Die Seeliöhe des Barometers ist durch ein Nivellement im Anschlüsse 
an das Präcisionsnivellement zu 343'5m bestimmt worden. 

S ay b u s c h. Die Beobachtungen sind den Sprawozda, datii^ komlsyi 
fizyjograficznej akademyi umiejt^tnosci in Krnkau entnommen: ^ie sind 
aber sehr lückenhaft, theilweise ganz unbrauchbar. Die Barometer- 
Correction fand ich durch Vergleichung mit dem Bielitzer Barometer 
zu — 0*23 wm. Das Jahresmittel wurde au» den drei sirharsten 
Jahrgängen 1877. 1878 uud 1886, die Monatsmittel aber aus allen 
jenen brauchbaren Monaten berechnet, welche keine grössere Lüfken 
als solche von vier Tagen aufweisen. Seehöhe barometrisch dtnvh 
Bielitz zu 346*9»» berechnet. (346 Wz/). 

Teschen. Die Beobachtungen beginnen erst mit 1886. Die 
Barometer-Correc.tion war (in Wien) + 0'33 mm, Seehöhe durch 
Bielitz barometrisch zu 303*7 m berechnet. Reducirt durcli Bielitz- 

Kotzobendz. Die Barometer-Correction betrug -|- 022 mw/. 
Jahresmittel nach den drei Jahren 1880—1882 berechnet. Rt^duciert 
durch Bielitz, durch welches auch die Seehöhe barometrisch zu dbö'^m 
berechnet worden ist. 

M. Ostrau. Die Beobachtungen umfassen die Jahre 18^2, 1H8B 
und 1885, weisen aber in den Sommermonaten mehrere Lücken auf, 
80 dass das Jahresnnittel nur aus dem einen Jahre 1882 ge^^n (iielitz 
bestimmt werden konnte. Barometer-Correction — 0'08 mm, Seeiiöhe 
barometrisch durch Bielitz zu 221'3w berechnet. Reducirt durch 
Bielitz. 

P. Ostrau. Die Beobachtungen umfassen nur die Zeit vom Mai 
1881 bis Ende December 1882. Die Barometer-Correction ist unbe- 
kannt, die Seehöhe zu 277 nt angegeben. Reducirt durch Bielitz. 

Ostrawitz. Barometer-Correction unbekannt, scheint aber 
gleich Null zu sein. Seehöhe seit 1876 zu 429 tit angegeinm, wa^ 
mit der barometrisch durch Bielitz berechneten vollkommen überein- 
stimmt. 

Neutitschein. Die mit Januar 1877 beginnenden Beübach- 
tungen wurden durch Bielitz reducirt, Barometer-Correction — U 2Uwm. 
Seehöhe im Mittel durch Prerau und Bielitz barometrisch zti 292'Dm 
berechnet. 

Troppau I. Die Seehöhe der Höhenmarke am k. k. rrU[ipGn- 
spital beträgt 265*65 w, und befindet sich der Nullpunkt <]t*!^ ßai'f*- 
meters 0'S2m unter derselben, hat also eine Seehöhe von 'J{^b:^tfi, 
Die Barometer-Correction beträgt — O'IO mm. Die mit Januar IK7fi 
beginnende Beobachtungsreihe ist jedoch nicht homogen, wie nach- 
stehende Differenzen der Jahresmittel gegen Bielilz zeigen : 
1876 1877 1878 1879 1880 1881 1882 1>*83 1884 is^.^ 
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Die Berechnung des Jahresmittels wurde daher nur ani' Am 
fünf Jahre 1879 — 1883 gegründet, die Monatsmittel aber wurileri 



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196 

aus allen Jahren (mit den erforderlichen Correctionen) berechnet. 
Reducirt durch Bielitz. 

Jägerndorf. Barometer-Correction + O'll mm Seehölie zu 
'630 m angegeben, was mit der durch Bielitz barometrisch berechneten 
stimmt. Das Jahresmittel nach den zwei Jahren 1878 und 1885 be- 
rechnet. Reducirt durch Bielitz. 

Olbersdorf. Die Beobachtungen beginnen mit dem 1. Februar 
1881, die Karometer- Correction beträgt — O'llwm. Die Seehöhe im 
Mittel durch Prerau und Bielitz barometrisch zu 640*7 m berechnet. 
Das Jahresmittel wurde nach den vier vollständigen Jahrgängen be- 
rechnet. Reducirt durch Bielitz. 

Besehen. Die Beobachtungen umfassen die Zeit vom Juli 1881 
bis Ende 1884 Barometer-Correction + 0*51 mw. Seehöhe barometrisch 
durch Prerau zu 554 w berechnet. Jahresmittel aus den zwei voll- 
ständigen Jahrgängen bestimmt. Reduciert durch Prerau 

M. Schönberg. Barometer-Correction -{- 0*41 mm Die Seehöhe 
barometrisch durch Prerau zu 334 6 m berechnet, was sicherer als 
die Berechnung durch Josefstadt erscheint; weil die Specialkarte des 
k. k. militär.-geogr. Institutes in Wien die Seehöhe von M. Schönberg 
zu 331m angibt. 

Gr. Schneeberg. Barometer-Correction unbekannt. Seehöhe 
zu 1215m angegeben was zu wenig erscheint, die barometrische 
Rechnung durch Barzdorf gibt 1218 5 m, (bei der Schneekoppe gibt 
die österr. Messung um 4'3m mehr als die preussische.) Reducirt 
durch M. Schönberg. 

Harzdorf. Barometer-Correction -(- 0*27 mm. Seeliöhe baro- 
metrisch durch Josefstadt und Bielitz übereinstimmend zu 252'c^ m 
berechnet. 

Ebersdorf. Barometer - Correction unbekannt. Seehöhe zu 
424 m angegeben. Die Beobachtungen umfassen die Zeit vom April 
18b 1 bis December 1884. Reducirt durch Barzdorf. 

B e u t h e n. Barometer-Correction — 04 mm ; Seehöhe zu 290 m 
angegeben. Reducirt nach den fünf Jahren 1881 — 1885 durch Bielitz. 

Ratibor. Barometer-Correction unbekannt. Nur die vier Jahre 
1882 — 1885 konnten benutzt werden, welche auf die für die 2^it 
vom l. October 1883 bis 1. Februar 1885 angegebene iSeehöhe von 
1 96 8 m reducirt worden sind. Reducirt durch Bielitz. 

Oppeln Seehöhe zu 175*1 m angegeben. Barometer-Correction 
unbekannt, scheint aber gleich Null zu sein. Reducirt nach den 
fünf Jahren 1881—1885 durch Breslau. 

Breslau. Barometer-Correction nach Hann mit — 0*51 mm 
angenommen Seehöhe zu 147*4m angegeben. 

Prerau. Barometer-Correction — 0*13 mm. Seehöhe im An- 
schlüsse an das Präcisionsnivellement zu 2 14*9 m bestimmt. 

M. Wei.«skirchen. Barometer-Correction -|- 008mw. Die 
Beobachtungen beginnen mit Mai 1881, doch sind sie nur bis Ende 



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197 



1884 brauclbar, von Januar 1885 an scheint Luft im Barometer zo 
sein. Das Jahresmittel zeigt gegen Prerau folgende Differenzen : 
1882 84 85 86 
4-4 4-4 8-6 9 mm. 

Die Berechnung desselben wurde daher nur auf die beiden ersten 
Jahre gegründet. Reducirt durch Prerau. Die Seehöhe durch Prerau 
barometiisch zu 257*4 m berechnet. (Die Specialkarte gibt für die 
k. k. Militar-Oberrealschule 255 m an.) 

Kloster Hradisch (bei Olmütz). Die Beobachtungen um- 
fassen die Jahre l878 — 1885 mit einer Lücke von einem Monate. 
Jahresmittel auf die Mittel der Jahre 1878, 1880, 1881 und 1883 
gegründet. Reducirt durch Bielitz. Seehöbe barometrisch durch Prerau 
zu 2l8'5m berechnet. 

M. Neustadt. 9Y2 J^^re (von 1880 fehlen die Monate Juni 
bis November). Barometer- Correction — 008 ww. Seehöhe zn 'J40'2m 
angegeben. Reduciert durch M. Schönberg. 

In den Berichten der meteor. Commission des naturforschenden 
Vereines in Brunn sind zwar auch die Luftdruck- Beobachtungen von 
Eulenberg angegeben, die die Zeit vom Juli 1881 bis Ende 1885 
umfassen und in unser Gebiet fallen. Da jedoch weder die Seehöhe 
genau ermittelt, noch die Harometer-Correction bekannt ist, so habe 
ich dieselben unberücksichtigt gelassen. 

In den nachfolgenden Tabellen gebe ich die Monats- und Jahres- 
mittel nach den einzelnen Jahrgängen für jene Stationen, welche ich 
als Normalstationen benutzte, sowie für einige andere, welche zur Be- 
rechnung der mittleren Veränderlichkeit der Differenzen und ihres 
wahrscheinlichen Fehlers verwendet wurden. Bei diesen Mitteln sind 
jedoch keinerlei Correctionen angebracht, sondern sind dieselben so 
miigetheilt, wie sie den Quellen entnommen sind. Nur bei Breslau 
wurden die Mittel der drei Jahre 1876 — 1879. wf*lche in der Preuss. 
Statistik noch in Par. Linien angegeben sind, in Millimeter ver- 
wandelt. Behufs Benützungen all* dieser Mittel muss daher überall 
die vorhin angegebene Barometer- Correction, sowie die später (bei 
den 10jährigen Mitteln) anzugebende Schwere- Correction angebracht 
werden. 



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205 



Zehnjährige Laftdruckmittel. 



Schon in den Vorbemerkungen ist gesagt worden, durch welche 
Normalstation die Reduction der Beobachtungen jener Stationen, welche 
nicht den ganzen Zeitraum ausfällen, erfolgt ist. Die nachfolgenden 
zehnjährigen Mittel für die Periode 1876 — 85 geben den wahren 
Luftdruck an. d. h. es ist nicht nur überall die Barometer-Correction, 
sondern auch die Schwere- Correction angebracht worden, letztere nach 
den beiden Tabellen, die Hann in «Jelinek's Anleitung zur Aus- 
führung meteorologischer Beobachtungen», Wien 1884. pag. 120, mit- 
theilt. Letztere Ck)rrection ist im Kopfe jeder Station angegeben. 

Ausgeführt worden ist die Reduction der Luftdruckbeobachtungei» 
auf dieselbe Weise wie bei der Temperatur, nämlich durch Difirerenzes. 
Zu bemerken ist nur. dass das Jahresmittel immer nur aus den 
sichersten Jahrgängen berechnet wurde, während für die Monatmittel 
alle mir zu Gebote stehenden Jahrgänge, natürlich mit den erforder- 
lichen Correctionen benützt worden sind. 



Zehnjährige Luftdruckmittel für die Periode 1876— 8ä- 







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Februar 

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31-83 
29-39 


734-44 
31-48 
29-03 


38.19 
36-19 
32-83 


33-38 
30-72 
28-51 


45-93 
43-22 
40-76 


40-0 
37-9 
36-1 


April 

Mai , . . 

Juni . . 


28-43 
30-54 
30-66 


27-84 
30-23 
30-50 


31-93 
34-29 
34-46 


27-05 
29-39 
29-71 


39-40 
41-61 
41-47 


34-2 
39-2 

38-2 


Juli . . 

August 

September 


31-01 
30-92 
31-80 


31-02 
30-75 
31-53 


34-39 
34-34 
35-40 


30-00 
29-87 
30-62 


41-15 
40-81 
42-47 


38-6 
38-2 
38-3 


October . 
Norember 
December . 


31-60 
31-74 
31-11 


31-35 
31-22 
30-96 


35-19 
3519 
34-66 


30-49 
30-83 
30-10 


42-71 
43-08 
42-42 


37-2 
37-5 
36-1 



Jahr 



31-17 



30-94 



34-67 



30-09 



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Oetober . 24^09 
November 24 "04 
December . 23:^2 



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35-45 

35-38 
3li-14 

36-11 
36-37 
35-92 



41-84 
38-65 
3618 

35-06 
37-15 
37-10 

37-57 
37-05 
38-22 

38-44 
38-64 
3810 



35-75 
32-70 
30-70 

29-30 
31-75 
31-90 

32-47 
3203 
32-93 

33-23 
32-77 
31-90 



07-71 
05-11 
03-03 

02-27 
05-00 
05-52 

05-97 
05-90 
06-34 

05-56 
05-30 
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+0-25 +0-30 +0-30 +0-29 +0-22 +025 



15-99 
12-83 
10-813 

09-78 
12-41 
12-65 

13-16 
12-68 
13-58 

13-02 
12-95 
12-32 



Jahr . . . 23-60 



35-77 



37-88 



32-29 



05-11 



12-70 









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35 64 


668-94 


743 11 


27-71 


39-62 


48-20 


Pebruar . 


32-90 


55-30 


39-95 


24-41 


36-62 


45-40 


März 


3031 


5311 


37-63 


21-96 


34-28 


4275 


April . 


29 16 


53-93 


36-91 


21-17 


33-40 


41-45 


Mai 


31-55 


56 95 


3907 


23 83 


35-30 


43-63 


Juni = , 


31GÖ 


58-29 


3901 


24-04 


34 86 


43-40 


Jali . 


3216 


59-23 


39-17 


24-70 


35-62 


43-35 


Augnat . 


31-84 


58-64 


38-99 


24-22 


35-50 


43-83 


September 


32-44 


58 07 


39-80 


24-83 


36-42 


44-65 


October 


3220 


57-30 


39-67 


24-47 


36 24 


44-60 


November 


32-51 


55-91 


39-73 


24-36 


36-44 


4530 


Deoember 


31-99 


54-59 


39 24 


2380 


36-73 


44-63 



Jahr . . 32 Ü3 



56-73 39-36 



24-12 



35-92 



44-26 



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20-; 





3 

.2 


s 
O 




Mähr. 
Weiss- 
kirchen *] 


■S.2 

il 

X 


li 


g-Corr. 


+0-40 


+0-37 


+0-27 


+0-29 


+0-28 


+0-2T 


i 

Jänner 


52-31 


50-18 


46 98 


42-67 


746-65 


44-73 


Fehraar 


48-97 


47-00 


43-98 


39-97 


43-59 


41-77 


März . . 


46-90 


44-55 


41-21 


37-53 


40-81 


38-94 


April . 


4616 


4347 


39-50 


35-99 


39-11 


37-44 


Mai . . . 


4812 


45-Ö7 


41-76 


38-48 


41-37 


39-74 


Jnni . . . 


47-77 


45-38 


41-77 


38-34 


41-40 


39-73 


Juli . . . 


47-69 


45-36 


42-18 


38-52 


41-83 


40-08 


Angttst . 


47-67 


45-52 


42-03 


38-58 


41-71 


39-9N 


September 


48-65 


46-38 


42-93 


39-35 


12-66 


40-87 


ftetober 


48-48 


46-33 


43-15 


39-27 


42 61 


40-7(i 


Xovemb(*r 


48-60 


46-51 


43-79 


39-66 


43-54 


41-34 


Dec einher 


47-99 


45-82 


43-31 


3910 


4318 


41-04 



Jahr 



48:^0 



1603 



42-69 38-71 



42-44 



40-54 



Mittlere Abweichungen oder Veränderlichkeit. 

Was von der mittleren Abweichung oder Veränderlichkeit im 
ftligf^meiueTi bei den Temperaturverhältnissen gesagt worden ist, gilt 
auch für den Luftdruck. 

Für fünf, die ganze Periode erfüllende Stationen stelle ich die 
mittlere Abweichung für die einzelnen Monate und das Jabr za- 
eammeii in ufich stehen der 



Tabelle über die mittlere Abweichung. 



Bielitz . . 
Oatrawitz , 
Mähr. Schönberg 29 
Barzdorf 

ßieslaii . 



Jänner 


Februar 


März 


April 


Mai 


Juni 


2-886 


3-715 


•2-912 


1-825 


1-426 


1.17fi 


3-86 


3-73 


2-93 


1-78 


1-27 


1-11 


297 


3-89 


2-92 


1-71 


1-42 


1-07 


3-03 


3-97 


3-05 


1-86 


1-55 


1-01 


315 


3.88 


2-73 


1-89 


1-57 


108 



') 490 28' nf^rdl. Breite, 35o 7' östl. Länge von Ferro. 

>; 49** an' nördK Rreite, 35« 25' östl. Länge von Ferro. 

*) 4£F 36' nördL Breite, 34« 565' östl. Länge von Ferro. 

*) 49^ 4ti' nönäl. Breite, 34« 37-5' östl. Länge von Ferro. 



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298 



Juli August Sept. Octob. Nov. Decemb. Jahr 

ßielita - . 1-268 1-178 1-370 1.582 2*270 3-399 0-643 

Ostrawitz . • • 1-45 I'IS 1-43 1*74 2-10 3-37 0-650 

Mähr.-Schönberg 1-35 1*19 117 1-65 214 3*44 072 

ßarzderf . . 1 51 M9 1-48 1-65 2 20 3-62 66 

Bmlau . . . 1-30 1*30 1-50 1-85 2*40 3*48 0*55 

Die mittlere Abweichung zeigt in ihrem Gange auch beimLaft- 
dmck eine jährliche Periode mit zwei Maximis, im Februar und im 
December, von denen das erstere das bedeutendere ist, und zwei 
Minimis, im Juni und August. Nur in M. Schönberg umfasst das 
zweite Minimum auch noch den September, in Breslau aber entföllt 
es gUnzlich. 

Aus der mittleren Abweichung lässt sich nun einerseits der 
wahrscheinliche Fehler des 10 jährigen Mittels berechnen, anderseits 
die Zahl der Jahre, welche nöthig sind, um denselben auf ±_ 0*1 mm 
herabzumindern. Den wahrscheinlichen Fehler der Monats- und Jahrtjs- 
mittel für obige fünf Stationen enthält folgende 



Tabell« 


s fiber d< 


in wahrscheinli 


cien F 


"ehler. 






Jänner 


Februar 


März 


April 


Mai 


Juni 


Bielitz . . . 


+ 0-790 


1-018 


0-798 


0-403 


0-390 


0-321 


Ostrawitz . . . 


0-789 


1-022 


0-803 


0-489 


0-348 


0-H04 


Mit hr.- Schönberg 


0-814 


1-060 


0-800 


0'469 


0'389 


0-293 


Barzdorf 


0-830 


1-088 


0-836 


0-509 


0-426 


0-277 


Rrealau 


0-873 


1-063 


0-658 


0-517 


0-4o0 


0-296 




Juli August Sept. 


Octob. 


Nov. 


Decemb. 


Jahr 


Bielitz . . . 


0-347 0-322 0375 


. 0-433 


0-622 


0930 


0176 


Ostrawitz . . 


0-398 0-309 0-392 


• 0-477 


0-575 


0-923 


178 


Mahr.-Schönberg 0'370 325 0320 


0-452 


0-586 


0-943 


0-197 


Barzdorf . . 


0-414 0-325 0-406 


0-452 


0-603 


0-991 


0-180 


Breslau . . 


0-356 0-356 0411 


0-507 


0-658 


0-954 


0-151 



Der wahrscheinliche Fehler des lOjAhrigen Mittels ist also im 
Februar am grössten, wo er einen 1 mm überschreitet, am kleinsten 
im Juni, wo er nicht ganz Vg mm beträgt. Wollte man ihn auf ± 0*1 wm 
herabmindern, so wären nach dem Durchschnitte der mittleren Ab 
weichung obiger Stationen für den Februar 1057, für den Juni 85 
Jahre erforderlich ; um das Jahresmittel mit derselben Genauigkeit zu 
finden, reichen 29 — 30 Jahre hin. 

Im Anschlüsse an die mittlere Abweichung der Mittel wollen 
wir gleich auch die mittlere Abweichung der Differenzen der Stationen 
mit kurzen ßeobachtungsreiben gegen die Normalstationen betrachten 
und den Grad der durch dieselben erreichten Genauigkeit unter- 
suchen. Zu diesem Zwecke stelle ich die Differenzen von acht Stations- 
paareji in nachfolgender Tabelle zusammen, in welcher dieselben naeli 
der Entfernung geordnet sind. 



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209 
Tabelle über die mittlere Abweichung derDifferenzen.' 





II 

KD Ö 


il 

.2o 


1 e 

H 




1-5 


35 
II 


^1 

.2 2 


1 o 
il 




T4!J2 


03 u: 


CUCC 


d-O 


ns 


CQO 


03H 


So 


Entfernung 
in km 


29 


34 


50 


51 


78 


82 


83 


124 


Jahr . . , 


0-53 


024 


20 


026 


0-28 


018" 


0-24 


o;{4 


Jänner 


0-67 


014 


0;}7 


20 


0-34 


040 


0-20 


0-22 


Februar 


0-33 


0-24 


017 


0-18 


Ü3ß 


o-6i 


0-40 


016 


März 


0-47 


013 


017 


0-20 


022 


o:50 


30 


0-24 


April . . 


0-58 


0'07'< 


oor 


0-32 


016 


0-24 


012 


0-20 


Mai . . 


020 


0-31 


0-23 


022 


OW 


0-30 


010" 


010 


Juni . 


029 


011 


0-33 


020 


018 


020 


014 


0-30 


Juli 


013 


009 


0-13 


018 


017 


16" 


014 


010 


August . 


0-47 


042 


017 


0-20 


0-29 


022 


020 


008" 


September 


oir 


0-20 


17 


012" 


018 


0-24 


0-20 


016 


October 


0-40 


012 


020 


24 


017 


022 


0-20 


010 


November 


0-57 


0-18 


013 


0-32 


032 


0-28 


0-32 


34 


Winter . 


0-51 


0-21 


0-25 


0-21 


0-33 


0-29 


0-28 


0-24 


Frühling 


0-42 


017 


016 


0-25 


0-17 


028 


0-17 


018 


Sommer 


0-30 


0-21 


21 


019 


21 


019 


016 


0-16 


Herbst . 


.0-36 


017 


017 


023 


0-22 


25 


0-24 


0-20 


Mittel . 


.0-40 


019 


020 


0-22 


0-23 


25 


0-21 


0-20 


Jahr . . 


013 


0-07 


013 


014 


013 


016 


0-08 


013 



Vergleichen wir die mittlere Abweichung der Differenzen mit 
derjenigen der Mittel selbst, so zeigt sich uns sofort, dass erstere be- 
deutend kleiner ist, für die Monate 10 — 14 mal, für das Jahr 5 bis 
6 mal, so dass also für die ersteren eine 100 — 190mal, für das letztere 
eine 25 — 36 mal kürzere Zeit hinreicht, um sie auf denselben Grad 
der Genauigkeit zu bringen, den 10 jährige Mittel besitzen. 

Bei dieser Vergleichung sehen wir auch, dass die horizontale 
Entfernung — wenigstens so weit sie in unserem Gebiete in Betracht 
kommt, — auf die Grösse der mittleren Abweichung der Differenzen 
w€Jiiger Einflusa ausübt, als der Höhenunterschied. Dies zeigt sich 
bei den Stations paaren M. Schönberg — Gr. Schneeberg und Prerau — 
Olbersdorf (verglichen mit Bielitz— Olbersdorfj sehr deutlich. 

Bezeichnen wir die mittlere Abweichung der Differenzen mit F, 
90 finden wir nach der Fechnerschen Formel aus 71*5 F- die Zahl 
der Jahre, die erforderlich sind, um den wahrscheinlichen Fehler der 

ttiUk. il- k. k (ir-P^r. ÜM, 1889. 4. 15 



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■na 



Differenzen auf + Ol mm herabzumindern, und zwar ergibt sich 
folgendes Resultat: 

Winter Sommer Mittel Jahr 

7 3 4 1 Jahre. 

Für das Jalir^mittel genügt also ein einziges Jahr, um die rela- 
tive Genauigkeit desselben von +.01 mm zu erreichen und selbst 
fiir den Winter reicht dazu die kleine Zahl von sieben Jahren voll- 
kommen hin. 



Abaointe Yerßnderlichkeit der Monats- und Jahres- 
Mittel dea Luftdruckes in der Periode 1876 — 85. 





Bielitz 


Ostrawitz 


Troppau 


Schönberg 


Barzdoi 


Jänner . . 
Februar. . 
März . . 


12-3 

15-5 
11-8 


12-3 

15-3 

9-1 


21-1 
16-3 
11-8 


12-5 
15-4 
12-3 


122 
15-4 
130 


April ... 
Mai ... 
Jnni .... 


7-5 
4-7 

5-8 


70 
4-0 
5-7 


7-6 
4-6 
5-1 


8-2 
51 
5-0 


8-2 
4-8 
5-3 


Juli . . 
August , . 
September . . 


3-8 

3-4 
6-3 


3-8 
3-4 
6-3 


4-4 
4-3 
6-0 


4-8 
4-7 
5-8 


4-6 
4-2 
6-5 


October . 
November 
December . 


4'8 
10-0 
12-8 


5-9 

9-0 

13-1 


6-9 
10-5 
13-7 


6-2 
10-2 
13-5 


6-5 

9-6 

14-1 


Jahr .... 


21 


20 


21 


2-3 


2-3 


Monats-Maxim. 


7-6 


7-4 


7-3 


7-5 


7-2 



l, 1882 I, 1882 I., 1882 I., 1882 I., 1882 

Minima ... - 9-6 —9-4 -9-5 —8-9 -9*6 

IL. 1879 II., 1879 IL, 1879 IL, 1879 IL, 1879 



Jahrea^Maxima 


09 
1884 


10 

1884 


0-6 
1884 


11 10 

1884 1884 


Minima . . 


-1-2 
1878 


-1-0 

1878 


— 1-5 

1878 


—1-2 —1-2 

1878 1878 

DigitizedbyGoOQle 



21t 



Absolute Extreme in der Periode li<16 — 85. 

a) Maxima. 

Ostrawitz Troppau Schönberg Barzdorr 

45-5.82,16 62-2,82.16 54-0,82,15 62-9,82,15 

43-9,82,1 59-7,82,1 52-3,82,1 61-2,82,1 

41-2,80,9 57-2,80,9 49-7,80,13 59-1,80,13 

32-8,76,5 48-2,76,5 41-2,83,7 501,76,5 

35-4,81,6 50-4,81,7 438,84,23 51-7,84,22 

31-8,77,30 45 9,82,3 89-7,77,30 47-2,82,3 

32-4.81,29 47-0,81,29 404,81,29 47-8,81.29 

31-5,77,25 46-0,81,4 399,81,4 46-8,81,3 

35-6,84,12 49-7,79,2 428,79,2 51-1,84,12 

38-2,84,31 52-1,77,6 45-0,47,6 54-7,77,6 

38-0,84,1 53-5,79,9 464,80,28 54-4.80,28 

42-5.79,23 580,79,23 501,79,23 582,79,23 

45-5 62-2 54-0 62-9 . 





Bielitz 


Jänner . . 


754-6,82,15 


Februar 


52-4,82,1 


März. . 


50-2,80,9 


April . . 


40-8,82,6 


Mai . . 


44-1,81,6 


Jnni . . . 


41-4,85,31 


Jnli , . . 


40-4,81,29 


August . 


39-8,81,4 


September . 


42-9,79.2 


October . 


45-8,84,31 


November . 


46-2,80,28 


December 


50-5,79,23 


Jahr . . 


54-6 



Jänner . . 


712 0,8120 


Februar 


09-1,79,18 


März. . 


09-2,78,8 


April . . 


13-5.78.1 


Mai . . . 


13-3,85.15 


Juni 


15-5,81.8 


Juli . 


20-0,82,9 


Aagust . . 


19-1,81.17 


September, 


10-7,84,5 


October 


1.3-5,85,11 


November , 


13-9,80,18 


December . 


06-4.83.5 


Jahr . . 


06-4 



b) Minima. 

04-6,81,20 18-9,81,20 13-6,81,20 18-8,81,20 

01-0,79,17 14-8,79,18 08-8,79,18 149,79,18 

03-2,76,9 14-8,78,8 101.83,12 15-1,76.12 

05-4,79,17 20-3,79,17 137,79.17 20-7.78,1 

09-6,85,15 19-1,85,15 160,85,15 25-2,85,15 

08-8.81,8 21-8.84,4 16-4,81,8 24-5,81.8 

12-7,82.9 25-7,78,3 22-5.81,26 24-5,81,9 

12-5,80,4 23-8,76,31 19-6,81,17 26-2,81,17 

10-6,82,21 20-9,84.5 16-3,84.5 233,84,5 

05-8,85,11 18-0,85,11 127,85,11 19-8,85,11 

04-1,77,25 16-9,77,25 11-9,77,25 19-8,77,25 

000,83,4 12-7,83,4 067,83,4 13-2,83,4 

00-0 12-7 06-7 13-2 



48-2 



Momentane Differenz. 

45-5 49-5 47-3 



49-7 
15* 

Digitized by 



Google 



M$ 



Absolute Veränderlichkeit. 



Um di«i absolute Veränderlichkeit, d. i. den Spielraum, inner- 
lialb dessen aich die Mittel in der Periode 1876 — 1885 bewegten, 
zur Anscbauung zu bringen, stelle ich in der nächsten Tabelle die 
Differenzen der höchsten und tiefsten Mittel für die Monate und das 
Jabr von fÜDf Stationen zusammen, und gebe auch noch die extremsten 
Abweichungen nach beiden Richtungen hin an. 

Rednction des Luftdrucks auf ein gemeinsames Niveau. 

Uro die von den verschiedenen Stationen gelieferten Luftdruck- 
beobiichtungen mit ein ander vergleichbar zu machen, müssen dieselben 
auf ein gemeinsames Niveau reduciert werden. Als solches pflegt man 
das Meeresniveau anzunehmen, in neuester Zeit aber reducirt man 
den Luftdruck häufig auf das Niveau von 300 oder 500 w. jo nach 
dem das eine oder das andere dem Durchschnittsniveau das zu be- 
handelnden Gebietes besser entspricht. Ich habe um in den nach 
folgendf'n Tabelle q die Luftdruokmittel sowohl auf das Meeresniveau, 
als auch auf das Niveau von 500 ^n reduciert. 

[n Bezug auf die Reduction auf das Meeresniveau sei Folgendes 
bemerkt. Das Jahresmittel reducierte ich nach der von Hann in 
^Jftlinek's Anleitung zur Ausführung meteorologischer Beobachtunjren'* 
(Neue Auflage, Wien, \HH4) p. 144 und 145 gegebenen Tafel, da 
die nac^h derselben berechneten Resultate sehr gut mit denen stimmten, 
die ich bei der Re(:hnung mit Hilfe einer hypsometrischen Tafel und 
mit Hilfe einer Ijogaritbmentafel erhalten hatte. Die Monatsmittel aber 
redufirte ich nach der von Hann in seinem Buche .Die Vertheiluni; 
des Luftdruckes über Mittel- und Süd-Europa" (Wien, E Hölzel, 
18k7) pag. KX) gegebenen kleinen Tafel, weil zahlreiche Proben zeigten, 
daes die mit Hilfe dieser Tafel erhaltenen Werte hinlänglich mit den 
direct berechneten stimmten (meist zeigte sich erst in der zweiten Decimale 
eine Differenz}. In Betreif des Grades der durch diese Art der Re- 
duction erhielten Genningkeit genügt es, auf das erwähnte Buch von 
Hann zu verweisen. 

Die Reduktion auf das Niveau von 500 w erfolgte nach der 

Formel 

, , 1 D 500 — h 
log b ^= log B — — 

Cons taute etc. 

wo B der Karometerstand in der Höhe h ist. Bei der Reduction be- 
diente ich mich der Gaussischen Tafel (Jelinek's Anleitung, pag. 137 
und \dH). nur habe ich zu dem Tafel-Argument A die Constante 
00112 addirt um die 1 Luftfeuchtigkeit mit zu berücksichtigen. 

Der Reductiou sowohl auf das Meeresniveau, als auch auf das 
Niveau von ;"MiOw^ sind libersill die für die Schwerabnahme mit der 
Höhe corrigirten Barometerstände, also der wahre Luftdruck zu Grunde 
iielegt. 



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Währer Lizftdrack im 



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Februar 
März 



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Mefir^eniveau für die l*eriode 

1876-85. 





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59*2 59-2 

61-0 60-9 

60"7 60-4 

60-9 60^8 

60 '9 60-4 

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October 

November 

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63*6 6:V3 

63-2 63*1 



62*5 62*6 
63*3 63-2 
6:j*2 63-0 



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April 
Mai 

Juni 


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Juli 

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Mai . 


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61-6 


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Juni . . , 


60-7 


60-7 


60-8 


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60-5 


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60-9 


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60-8 


610 


September 


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01-7 


61-9 


620 


62-3 


62-0 


62-2 


October 


62-5 


61-9 


62-3 


62-6 


62-7 


62-4 


62-6 


November 


62-8 


62-3 


62-7 


63-7 


63-5 


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Wahre Lnftd rti ek-Mittel im Niveau von 500m für die 
Periode 1876—85. 





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15-2 


20-2 
17-7 
15-6 


20-3 
17-8 
15-5 


20-2 

17-8 
15-3 


20-5 

17-8 
15-4 


20-3 
17-3 
15-0 


April 

Mai 

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14-5 
16-7 

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14-5 
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14-3 
16-7 
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14-5 
16-8 
16-9 


14-3 
16-8 
17-2 


14-2 
16-6 
16-9 


14-1 
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16-5 


August . . 
September 


17-3 
17-2 

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17-6 

17-3 
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17-2 
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18-0 


17-4 
16-9 
17-9 


16-7 
16-3 
17-7 


17-8 
17-5 
18-0 


17-3 
17-2 

17-8 


17-0 
16-8 
17-5 


October 

NoTember 

December 


17-7 
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16-9 


17-7 
17-4 
17-1 


17-7 
175 
16-8 


17-6 
17-9 
17-0 


17-7 

17-8 
17-0 


17-7 
17-6 
16-9 


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17-6 
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Februar 


17-5 


17-7 


17-7 


18-0 


175 


17-5 


17-5 


17-7 


März . 


15-6 


15-5 


15-5 


15-4 


15-3 


151 


15-3 


15-3 


April 


14-4 


14-6 


14-5 


14-4 


14-8 


14-4 


14-7 


14 '3 


Mai . . . 


16-9 


17-3 


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16-9 


171 


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16-7 


Jani . 


17-2 


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17-3 


17-2 


17-2 


17-4 


16-4 


16-7 


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17-8 


18-2 


17-8 


17-7 


17-5 


18-1 


17-2 


16-7 


August . . 


17-3 


18-1 


17-3 


17-3 


17-4 


17-6 


17-1 


17-1 


September 


181 


18-6 


18-3 


17-8 


17-9 


18-2 


17-9 


17-7 


October 


18-3 


17-8 


17-8 


17-5 


17-6 


17-7 


17-5 


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November 


17-7 


18-1 


17-8 


17-5 


17-4 


17-5 


17-5 


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December . 


16-7 


16-9 


17-2 


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16-7 


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16-6 


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16-6 
16-7 


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16-4 
16-7 


14-5 
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16-4 
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August . . 
September 


16-6 
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16-9 
17-5 


17-1 
16-9 
17-7 


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18-1 


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16-9 
17-7 


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October 

November 

December 


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Jahr . 1659 1685 17-13 1716 17-18 17-2Ü 

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2115 

Bemerkungen zu den Isobarenkarten. 

Für die graphische Darstellung der oben aufgeführten wahren 
Luftdruck Mittel sowohl im Meeresniveau als auch im Niveau von 
500 w in der Form von Isobaren wähle ich das Jahresmittel, dann 
die Monate Januar und Juli aus. 

Das Jahresmittel zeigt in der Reduction auf das Meeresniveau 
seinen tiefsten Stand im Oderthale und nimmt gegen Osten und 
Westen hin etwas zu. Das ganze Gebiet fallt zwischen die Isobaren 
762*0 und 762*5 mm, weshalb ich das Intervall von 0*2 mm für die 
Darstellung gewählt habe. Die Isobare 762*2 mm nun zieht sich als 
vielfach gewundene Linie vom äussersten Nordwesten unseres Gebietes 
über den Ramsauer Sattel, an den Südabhängen des Altvaters, des 
Gesenkes und Oder-Gebirges bis zu dem tiefsten Punkte der grossen 
Wasserscheide zwischen der Donau und Oder hin, wo sie sich dann 
gegen NE wendet. Bei Troppau ist eine Theildepression sichtbar, 
an deren Existenz nicht zu zweifeln ist, weil die Seehöhe dieser 
Station durch das Präcisionsnivellement festgestellt und die Haro- 
meter-Correction bekannt ist. Im Niveau von 500 m föllt die Isolare 
7170mm nur theilweise in unser Gebiet; die von 717*2 mm durch- 
zieht dasselbe in ähnlicher Weise wie die von 762*2 mm im Meeres- 
niveau, nur hält sie sich nördlich von den Sudeten und wendet sich 
erst bei Jägerndorf gegen das Gesenke zu. Die Theildepression bei 
Troppau tritt auch hier hervor, westlich von der Isobare 717*2 mm 
aber zeigt sich ein secundäres Maximum. 

Während das Jahresmittel der 10jährigen Periode 1876 — 1885 
von dem der 30jährigen (1851 — 1880) nur wenig abweicht, ist das 
Januar-Mittel der ersteren infolge des hohen Luftdruckes dieses 
Monates in den Jahren 1876 und 1881 bedeutend höher als das der 
letzteren, so dass in unser Gebiet die Isobaren von 7670 respective 
7205 mm (oder bei Anwendung des Intervalles von 0*2 mm die von 
120' 4 mm) fällt. Beide gingen auf den Karten fast denselben Gang. 
Bemerkenswerth ist die am Nordfusse der ßeskiden liegende Theil- 
depression, welche, im Niveau von 500 m etwas weiter nach Osten 
geschoben erscheint als im Meeresniveau. 

Nicht so einfach wie die früheren Isobarenkarten gestaltet sich 
die für den Juli, namentlich im Niveau von oCOm. Das Oderthal 
zeigt eine ziemlich ausgedehnte Theildepression, welche südlich von 
M. Ostrau beginnt und nördlich bis über Ratibor hinausreicht. Die 
Isobare 760*8 mm umfasst das Vorland der Westbeskiden, ferner das 
ganze Gesenke, jenes Gebiet, in welchem wir bei den Temperatur- 
verhältnissen die hoben Juli - Temperaturen kennen gelernt haben, 
welche also dem relativ niedrigen Luftdruck corre&pondiren, oder 
richtiger gesagt denselben erklären. Zu beiden Seiten der Isobare 
760*8 mm steigt der Luftdruck, und zwar viel bedeutender im Westen, 
wo sich um den Gr. Schneeberg und Ebersdorf ein Maximum bildet. 
Im Niveau von 500 m dagegen reicht die Isobare 7l7'Omw ziemlich 
weit in unser Gebiet hinein und umsrhliesst die Theildepression im 



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217 

Oderthale, die hier aber räumlich beschränkter erscheint. Gegen Süd- 
osten, namentlich aber gegen Nordwesten steigt der Luftdruck rasch 
an, and zieht sich zwischen den beiden Maximalgebieten, von denen 
das westliche das bedeutendere und ausgedehntere ist, eine Zone 
niedrigen Luftdruckes hin, da erst bei Brönn die Isobare 717'2 mm 
erreicht wird. 

(Schluss folgt) 



Jahres-Berieht 
des Präsidenten der k. k. Geographischen Gesellschaft für das Jahr 1888. 

Erstattet vom Vice-Präsidenten Excellenz Dr. Alexander Freiherrn v. Helfert 
in der Jahres- Versammlung vom 26. März 1889. 

Hochgeehrte Versammlung! 

Die k. k. geographische Gesellschaft, welche noch unter dem 
liefen Eindrucke des schweren Verlustes steht, den sie durch den 
Tod ihres höchsten Protectors Kronprinz Erzherzog Rudolf erlitten, 
hat in dem Jahre 1888 ihre financiellen Mittel, welche durch die 
bedeutende Beisteuer zur österreichischen Congo-Expedition im Vor- 
jahre in Anspruch genommen worden sind, durch ein Jahr nor- 
maler Thätigkeit aufs Neue gekräftigt, so dass die Leitung der Ge- 
sellschaft, am Abschluss ihrer 8jährigen Functionsperiode mit voller 
Befriedigung auf den dermaligen günstigen Stand unserer CJesellschaft, 
welche sich im In- und Auslande gleichen Ansehens erfreut, 
bKeken darf. 

Einer alten Gepflogenheit folgend, sei es mir gestattet, auf die 
wichtigsten Ergebnisse österreichischer Forschungen im Vorjahre hin- 
zuweisen. Den bedeutendsten Erfolg erzielte die Expedition des 
Grafen Teleki und LinienschifTslieutenant von Höhnel in Ost- 
africa, welchen es gelang die beiden Bergriesen Kilimandscharo und 
Kenia zu besuchen, das feindliche Kikujuland auf einer ganz neuen 
Route zu durchziehen, die Ufer des wenig bekannten Baringosees 
betreten und endlich in gänzlich unerforschtem Gebiete zwei grosse 
Seen zu entdecken. Wir dürfen wohl hoffen die beiden erfolg- 
gekrönten Forscher noch in diesem Jahre in Wien begrüssen zu 
können. 

Dr. Oscar Baum an n, unser muthiger junger Forscher, hatte 
sich an der von Dr. Hans Meyer veranstalteten Expedition zur 
Besteigung des Kilimandscharo betheiligt. Leider wurde diese Expe- 



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218 

dilion durch den inzwischen ausgebrochenen Aufstand vereitelt. 
Ueber den Verlauf dieser Unternehmung hat uns der Reisende zu 
Anfang des Jahres selbst berichtet. Wir können hiebe! die Be- 
fürchtung nicht unterdrücken, dass durch die ungünstige Entwick- 
lung der politischen Verhältnisse in Ostafrica Forschungsreisen in 
diesem Gebiete für längere Zeit unmöglich oder doch erschwert 
sein werden. 

Kin anderes ebenso verdienstvolles Mitglied der Gesellschaft, 
Dr. Rodler, welcher auf Kosten unseres opferwilligen Ehrenmit- 
gliedes Dr. Polak, eine Forschungstour in Persien unternahm, ist, 
wie Ihnen aus seinem in unserer Gesellschaft kürzlich gehaltenen 
Vortrage bekannt sein wird, mit bedeutenden wissenschaftlichen 
Ergebnissen zurückgekehrt. 

Auch unsere ruhmvolle Marine, welche die Einrichtung getroflTen 
hat, dasB allj^ihrlich ein oder mehrere Kriegsschiffe grosse interocea- 
niftche Reisen unternehmen, hat uns durch Vermittlung des Fre- 
gattenarztes Dr. Svoboda, welcher in lichtvoller Weise die Niko- 
bareninseln schilderte, einen werthvollen wissenschaftlichen Beitrag 
geleistet. 

In Südamerika ist unser Landsmann Carl Payer, welcher 
im Sommer vorigen Jahres nach seinem ursprünglichen Forschungs- 
gebiete, dem Oberlauf des Orinocco zurückgekehrt ist, thätig. 

Ueber den Fortschritt der geographischen Forschung haben Sie 
unsere * Mitheilungen > im Laufenden erhalten und erlaube ich mir 
hinsichtlich der Leistungen unserer einheimischen wissenschaftlichen 
Institute und Vereine auf dem Gebiete der Erdkunde und der ihr 
verwandten Wissenschaften auf den bezüglichen Bericht, welcher 
weiter unten folgt, hinzuweisen. 



Berieht über die inneren Angelegenheiten der 
k, k, Geograph. Gesellschaft im Jahre 1888. 

Erstattet vom General-Secretär der k. k. Geographischen Gesellschaft Dr. Franz 
Ritter von Le Monnier. 

Am Si^lilusse des Gesellschaftsjahres betrug die Zahl der ordentlichen 
Mitglieder I30+>. die der ausserordentlichen 46, die der lebenslängUchen und 
gründenden 12. die der Ehrenmitglieder 102, und die der correspondirenden 
Mitglieder I4n 

Im Laufe dps Jahres 1888 traten der Gesellschaft zwei ausserordentliche 
und 47 ordenUictie Mitglieder bei. 



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219 

Hingegen hat die Gesellschaft im Laufe des Jahres 1888 die Ehren- 
mitglieder Nicolaus M. V. Przewalski, kais. russ. General und Ehrenmitglied 
der kais. geograph. Gesellschaft in St. Petersburg und Dr. G. Hunfalvy, 
Präsident der ungarisch, geograph. Gesellschaft in Budapest und die lebens- 
länglichen Mitglieder Hugo Fürst und Altgraf Salm-Reif ferscheid-Kraut- 
heim in Wien und den ehemaligen Gesellschafts-Präsidenten Leo Grafen 
Tbun-Hohenstein, k. k. wirkl. Geheimrath und Minister a. D. in Wien, 
femer das ausserordentliche Mitglied Fürst Johann Adolf zu Schwarze n- 
berg, Herzog zu Krumau in Wien, endlich sechzehn ordentliche Mitglieder 
durch den Tod verloren, deren Namen ich nach der chronologischen Folge 
ihres Dahinscheidens Ihnen ins Gedächtniss rufe, u. zw. die Herren: 

Johann Gigl, Südbahn-Inspector i. P. in Wien, Greorg Pavellich, k. k. 
FeWroarschall-Lieutenant i. P. in Wien, Ed. Neumann, Secretär in Wien, 
Adolf Ritter von Wolffersdorff, k. k. Oberst i. P. in Fünfhaus, August 
Koch me ister, k. k. Feldmarschall-Lieutenant i. P. in Wien, Johann Ha- 
rassin, k. k. Generahnajor i. P. in Prag, Julius Ritter v. Gold Schmidt 
in Wien, Dr. Franz Josef Pisko. k. k. Regierungsrath in Wien, Josef Herr- 
mann, Beamter in Wien, Friedrich Kleisser, k. k. Major in Kronstadt, 
Moriz Ritter v. Goldschmidt in Wien, Med.-Dr. Heinrich v. Bamberger, 
Hofrath und Üniversitäts-Professor in Wien, Matthäus E. Fertig, Stadt- und 
Herrschafls-Arzt in Jamnitz, Josef Gebier in Wien, Dr. Leopold Freih. v. 
Neu mann. k. k. Hofrath und Üniversitäts-Professor i. P. in Wien und Franz 
Leschtina, k. k. Katastral-Director i. P. in Cilli. 

Ich fordere Sie auf, das Andenken unserer dahingeschiedenen Freunde 
durch Erheben von den Sitzen zu ehren. Ausserdem haben ein ausserordent- 
liches Mitglied und 74 ordentliche Mitglieder ihren Austritt aus der Gesellschaft 
angemeldet und sind ein ausserordentliches und acht ordentliche Mitglieder 
u. zw. das ausserordentliche Mitglied George Guillaume Kiendorff (unbe- 
kannten Aufenthaltes), und die ordentlichen Mitglieder: Carl Büchelen, In- 
genieur (unbekannten Aufenthaltes), Carl Graf Chotek, k. k. Botschafts- 
Attach^ in Rom, S. Czeikel, Ingenieur in Czernowitz, Dr. Eduard Mab 1er, 
Mathematiker in Wien, Samuel Piniles. Kaufmann in Galatz, Leopold P raus 
in Bukarest, Job. Pilarz, Lehrer in Hotzenplotz, und Stoyan Prantschoff 
(unbekannten Aufenthaltes) wegen Nichtzahlung des Jahresbeitrages seit mehr 
als drei Jahren, im Sinne des §. 10 der Gesellschafts-Statuten aus der Liste 
der Mitglieder gestrichen worden. 

Wenn nun der Verlust an Mitgliedern während des abgelaufenen Jahres 
von deren Gesammtsumme in Abzug gebracht wird, so ergibt sich der Stand 
der Mitglieder mit Schluss des Gesellschafts-Jahres 1888, wie folgt: 

Ehrenmitglieder 100 

Correspondirende Mitglieder 145 

Lebenslängliche und gründende Mitglieder 10 

Ausserordentliche Mitglieder 45 

Ordentliche Mitglieder . 1255 1310 

Es hat sich daher im abgelaufenen Jahre die Zahl der lebenslänglichen 
und gründenden Mitglieder um zwei, die der ausserordentlichen Mitglieder um 
eines und die der ordentlichen .Mitglieder um 51 vermindert. 



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220 

In der Ijeitunf der Gesellschaft haben sich dadurch Vecänfieruiigeii 
ergeben, dass die Herren Carl A. Artaria und H\i*io llölzel. dann die llefPen 
Professoren Jakob Breitenlohner, Hofrath Dr. Julius Mann. Dr A. Penck. 
Dr. W. Tomascbek und Dr. Fr. Toula aus dem Aussclnisse ausgeschieden, 
dagegen die Herren Ferdin. Freih. v. Buschmann, Major Robert Dauhlebsky 
V. Sternet^k und Custos Franz Heger, als von der Jahres- Versammlung am 
2'6. März 188(> gewfiblte Ersatzmänner, in den Auschuss einberufen worden sind. 

Die k. k* Geographische Gesellschaft hat auch im vf^rllossenen Jahre die 
besten Bezieh uni^en zu den gelehrten Schwester-Anstalten des In- und Aus- 
landes gepflej^ und erweitert, indem sie mit zehn neuen InstituLcn in SdiriflcEi- 
austausph trat. 

Diese sind: 

MecbitaristeivCongregation in Wien; 

Geograpbiscbes Institut der k. k. Universität in Wien- 
• Museum in Tromsoe; 

llni^arisfber Karp:ithen- Verein in Leutschau; 

Redadion des internationalen Archives für Ethnographie in Leiden; 

Redaction der „Geographischen Nachrichten" in Basel 

Atiademy of Natural Sciences in Philadelphia; 

InsÜLul melerolo^icul Romaniu in Bukarest ; 

Redaktion der ,. Revue de Geographie" in Paris; 

Geological and Natural History Survey in Ottawa; 

Die Gesellseliafl unterhält den Schriftenaustausch nach dem Stande vom 
3L December \mS: 

Im Inlande mit Ö3 

tt Auslände mit . . • 302 

somit im Ganzen mit 355 wissenschaft- 
lichen VereiDen und Instituten. 



Berieht über den Stand der Bibliothek im Jahre 1888. 

erstattet vom Bibliothekar Oberstlieutenant tou Uaradaner, 

In der Bibhothek der k. k. geographischen Gesellschaft sind im Jahre 1886 
zugewachsen : 

An Büchern 113 Werke mit 123 Bänden, wovon die periodisch er- 
scheinenden Schriften nicht in Rechnung gezogen wurden. 

An Karten :!*7 Werke mit 286 Blättern. 

Vorwiegend sind es Recensions - Exemplare, die der Gesellsdiaft gratis 
zukamen. 

Die hervor ragend sten der erworbenen Werke waren bereits bei den 
Gesammt- Versammlungen ausgestellt. 

Ein nach Autoren alphabetisch geordnetes Verzeichnis des Zuwachses 
an Büehern erscheint im nächsten Hefte der »Mittheilungen«. 



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mv* 



221 



Reohnnngs- A bsohluss 

der k. k. Geographisohen aesellsohaft in Wien pro 1888. 



Rubrik 



I A 

B 

' C 

I D 

F 



I. 

II. 
I IIL 
, IV. 
' V. 
I VI. 
'VII. 
VIII. 

Iix. 

X. 
' XL 



Einnahmen. 

Subvention 

Ausserordentliche Beiträge 

Beiträge ausserordentlicher Mitglieder 

Beiträge ordentlicher Mitglieder 

Erlös aus dem Vertriebe der »Mittheilungen« . . 

Zinsen der Baarbeträge __ 

Summa 



Ausgaben. 

Druck der »Mittheilungen« 

Kartenbeilagen . . 

Honorare für Aufsätze und Vorträge . . 

Ankauf von Büchern und Karten für die Bibliothek 

Besoldungen . . . ... 

Kanzleipauschale (incl. Kosten für erneute Agitation) 

Beheizung 

Beleuchtung^ Wasserbezug, Reinigung und Instand- 
haltung der Lokalien 

Einbinden der Bibliotheksbücher 

Remuneration und Neujahrsgelder . . 

Steuern, Versicherung und unvorhergesehene Auslagen 
(incl. 450 fl. Zahlung an den Congo-Fond) 

Cassa-Rest, dem Reservefonde zugeschlagen . 



Summa 



Wien, den 26. März 1889. 



800 
655 
671 
6143 
427 
102 



)15 

1120 

951 

113 

153 

v(»8 
524 

878 
368 



8799 



kr. 



»79» 50 



2241 Ol 
835 
1290 I 30 



25 
82 

43 



76 

12 
05 

58 
50 



34 

84 



50 



Sterneck m. p. 

d. Z. Rechnungsführer. 



Dieser Rechnungs-Abschluss wurde von den Censoren, Herren k. k. 
Militär- Ober -Rechnungsrath Franz Dotinel und k k. Finanzrath Julius 
Schwaighof er, geprüft und richtig befunden und von der Jahresversammlung 
am 26. März d. J. genehmigt. 



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222 

Bericht des Cassiers pro 1888. 

Ä. Beservefond pro 1888. 

Laut Ausweis betrug der Cassa-Saldo am 31. December 1887 . . fl. 543.38 
ferner an Effei'Len vorhanden il ISfK) — 1860er Lose. 

Hie2u kommen ; 
Zahlung von der k. k. Geograph. Gesellschafts-Cassa laut Auftrag 

vom 17. Januar ISHH ... . . . fl. 450.— 

Incasso der Zinsen von Werthpapieren und Einlagen bei der Neuen 

Wiener Sparcasse . . .... fl. 68.18 

Uebertrag des CassA-Saldo vom 31 December 1 S88 der Gesellschafls- 

Cassa , fl. 368.84 

fl. 1430.40 
Ab Ausgaben: 
Zahlung an den Congo-Fond laut Anweisung vom 17. Januar 1888 

fl. 501.70 
Zahlung fdt das Cassa-Bücliel der Neuen Wiener 
Sparcasse ... ... . . . fl — .10 

Zahlung hei Ankauf von fl. üOO— Österreich. -ungar. 

Papierrente incl Zinsen fl. 476.85 fl. 978.65 

Bleiben als Saldo baar fl 451.75 
Das Vermögen stellt sich am SL December 1888 demnach auf: 
11. 451.75 baar. 

Ah 1300. — ISÖOer Lose, Mai- und November-Coupons, 
fl. 600.— östern-ungar Papierrente, Mai- und November-Coupons. 

B, BCajor Iiamquet-Stiftung pro 1888. 

Das Vermögen betrug laut Ausweis bis 24. März 1888 baar . . fl. 37.57 
An EtTeeten: 

11. 250(1,— 1800er Lose, 

iL 2800 " österr.-ungar. Papierrente, Mai- und November- 
Zinsen, 
(L. 2U00,— österr- Ungar. Papierrente, Februar- und August- 
Zinsen. 
Hiezu kommen: 

Incasso fälliger Zinsen fl. 1122.70 

fl. 1160.27 
Ab A usgaben; 
Ankauf von (1. 13Ü<X— osterr.- ungar. Papierrente, 

Februar- und August-Zinsen iuel Zinsen . . fl. 1074.82 
Gebühren an das Central-Taxamt . . fl. 27.95 fl. 1102.77 

Bleiben als Saldo baar fl. 57.50 
Das Vermögen beträgt also am '21. März 1889: 
11 57. 5U baar, 

tl. LiölXJ. - IBüOer Lose, Mai- und No /ember-Zinsen, 
fl. 2800.^ ÖS terr -Ungar. Papii?rrente, Mai- und November-Zinsen, 
fl. 22400. - öaterr -ungar Papierrente. Februar- und August-Zinsen. 

Rudolf T. Arthaber, 

d. Z. Cassier. 



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223 



Bericht 

über die 

leistaogen der österreichischen Staats-Institote uDd Vereine anf dem Gebiete 
der geographischen und verwandten Wissenschaften (fir das Jahr 1888. 

I. K. k. militftr-geographisohes Institut. 

Dem im December 18d8 erschienenen VIII. Bande der „Miltheilungen 
des k. k. milität-geograi^hischen Institutes" entnehmen wir die nachstehenden 
^^ Daten über die I^eistungen der eben genannten Heeresanstalt in der Zeit vom 
1. Mai 1887 bis Ende April 1888. 

Astronomische Beobachtungen und Schwere-Bestim- 
) mungen. 

a) Bestimmung des Längenunterschiedes Ragusa— Sarajevo mittelst des 
elektrischen Telegraphen nach der Signalmethode. 

b) Bestimmung von Polhöhe und Azimuth auf den Stationen Lienz und 
Siegmundskron in Tirol. 

c) Untersuchungen über die Ablenkung der Lothlinie in der Umgebung 
von Lienz. 

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden von Major v. Sterneck in 
einem besonderen Aufsatze (S. 67—68) initgetheilt, unter dem Titel: ,, Bestim- 
mung des Einflusses localer Massenattractionen auf die Resultate astronomischer 
i Ortsbestimmungen''. 

d) Schwerebestimmungen auf den astronomischen Stationen Ragusa. 
Sarajevo, Lienz und Siegmundskron, dann längs der Nivellementslinie Bozen - 
Innsbruck. Ueber die letztere Arbeit findet man einen ausführlichen Bericht 
(S. 69—143) unter dem Titel : „Untersuchungen über den Einfluss der Schwere- 
stöningen auf die Ergebnisse des Nivellements** von Major R. v. Sterneck*'. 

Die Triangulirungs-Arbeiten wurden im ehemaligen Grossfürsten- 
thume Siebenbürgen durch drei Abtheilungen fortgesetzt und daselbst auf 
160 Stationen 1., 2. und 3. Ordnung beobachtet, wodurch im Ganzen 426 Punkte 
neu bestimmt sind. 

Im Monate Juli 1887 wurde eine vierte Triangulirungs- Abtheilung auf- 
gestellt, welche die Aufgabe hatte, das bereits bestehende Dreiecksnetz in der 
Umgebung von Pola zu ergänzen. 

Im Occupationsgebiete wurde durch zwei Officiere die Stabilisirung der 
doitigen Triangulirungspunkte fortgesetzt und im Ganzen 481 Punkte dauernd 
markiil Das Präcisions -Nivellement, dessen (theils doppelt, theils ein- 
fach nivellirte) Linien mit Ende 1887 eine Länge von 16.030 Kilom. erreicht 
hatten, wurde fortgesetzt doppelt auf den Linien: Jakobe ni—Chmeli, Kolomea— 
Lemberg, Czemowitz— Nowosielica, als zweite Messung auf den Linien : Gyorok — 
Afad. Alvince— Piski. Värbely— Karansebes, Czemowitz— Jakobeni, Mikuliczyn— 



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224 

Von diesen Urmarken, welche grundsätzlich in Urgestein gesetzt werden, 
befindet sich die eine bei Märmaros-Sziget, die andere südlich von Hermann- 
stadt im Rothenthurmpasse. 

Die Militär-Mappirung wurde durch eine Abtheilung im Occupations- 
gebiete beendet und durch vier Abtheilungen die Reambulirung in Tirol und 
Vorarlberg fortgesetzt. Ueberdies war eine Üebungs-Abtheilung, bestehend aus den 
6 Officieren der „Vorbereitungsschule für Mappeure'* durch 3 Monate aufgestellt. 

Es wurden ferner vier Blätter des neuen officiellen Zeichenschlüssels 
angefertigt, dann der 3. Theil der „Instruction für die militärische Landesauf- 
nahme*', sowie die „Vorschrift über die in den Kartenwerken des militär- 
geographischen Institutes anzuwendenden Abkürzungen" endgiltig redigirt. 

Von den Topographischen Arbeiten sind hervorzuheben: 

a) die Specialkarte der österr.-ung. Monarchie und des Occupatio us- 
Gebietes im Masse 1 : 75.000. Der Stand der Arbeiten an diesen 752 Blätter 
umfassenden Kartenwerke wird in einem Uebersichtsblatte graphisch ersichtlich 
gemacht. In dem Berichtjahre wurde die Reinzeichnung von 20 Blättern voll- 
endet, in 16 Blättern wurde die Terrainzeichnung, in vier Blättern Schrift und 
Gerippzeichnung begonnen. Zur gänzlichen Vollendung dieses grossen Karten- 
werkes (welche im Laufe des Jahres 1889 erfolgen wird) fehlten am Schlüsse 
des Berichtjahres (April 1888) nur noch 28 Blätter. 

b).Von der Generalkarte von Mittel-Europa (260 Blätter im Masse 
1 : 200.000) sind das Uebersichtsblatt, die Zeichenerklärung und 8 Blätter in 
der Zeichnung vollendet, während sich andere 13 Blätter in den verschiedenen 
Stadien der Bearbeitung befinden (lieber die Art der Ausführung dieser Karte 
vergl. den vorjährigen Bericht: „Mittheilungen der k. k. geogr. Gesellschaft. 
Band XXXI, S. 302.) 

Die Karten-Evidenthaltungs-Abtheilung hat zahlreiche Berichtigungen und 
Nachträge zur Durchführung in den verschiedenen Kartenwerken vorgeschrieben^ 
darunter 2536 Kilom. neugebaute Eisenbahnen und 1764 Kilom. Strassen. 

Die Lithographie- und die Kupferstich-Abtheilung, sowie die Abth ::ilungen 
der Technischen Gruppe besorgten nebst zahlreichen anderweitigen Arbeiten die 
Ausfertigung und den Druck der in der Topographie- Abtheilung entworfenen 
und anderer Kartenwerke. 

Besonders bemerkenswert sind die Schulkarten, welche der k. k. Landes- 
Schulinspector Dr. Schober bearbeitet hat und die vom k. k. Ministerium für 
Cultus und Unterricht für den Gebrauch an den österreichischen Lehranstalten 
approbirt wurden. 

Bis jetzt sind vollendet eine Wandkarte von Niederösterreich (1 : 150.000)^ 
eine Wandkarte von Böhmen (1 : 200.000), ferner Handkarten und zwar von 
Niederösterreich (1 : 750.000) und Böhmen (1 : 1,000.000). Der billige Preis dieser 
Handkarten (10 kr. per Blatt) macht dieselben auch minder bemittelten Schülern 
zugänglich. 

Wand- und Handkarlen von Mähren und Schlesien, dann von Ober- 
österreich und Salzburg sind in der Ausführung begriffen. 

Ueberdies wurden zwei Nivellement-Hauptfixpunkte (Urmarken) errichtet 
und deren Höhe durch doppelt ausgeführte Anschlüsse an die nächsten Höhen- 
marken ermittelt. 



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225 



Auf den Pressen des Institutes wurden angefertigt: 

105.505 Abdrücke auf den Kupferpressen, 
56.410 „ „ „ lithograph. Handpressen, 

1,977.993 , Schnellpressen, 

50.221 „ ., der Paragonpresse. 

im Ganzen 2J90.129 Abdrücke. 

Der Verwaitungs-Commission waren an Dotation pro 1887 zu- 
[ gewiesen 471.285 fl. und zur Durchführung der Stabilisirungs-Arbeiten im 
{ Occupationsgebiete aus den Einnahmen dieser Länder 8467 fl.; die Cassa- 
gebahrung umfasste eine Geldbewegung von 1,985.218 fl. 38 kr. 

Von den grösseren Kartenwerken an Mititär -Behörden. Truppen etc., an 
; die Buchhandlung Lechner in Wien, dann als Dienst-. Pflicht- und Freiexemplare 

abgegeben : 
] Blätter 

{ Von der Specialkarle der österr.-ung. Monarchie 1 : 75.000 141.419 

; Generalkarte von Central Europa 1 : 300.000 16.01h 

l Umgebungskarten 18.282 

Ilm Archive wurde die Katalogisirung der Karten und Bücher fortgesetzt. 
Der ..Nichtofficielle Theil" des VIII. Bandes der „Mittheilungen des k. k. 
militär-geographischen Institutes'' enthält ausser den bereits citirten zwei Auf- 
f Sätzen des Herrn Majors v. Stemeck noch die Fortsetzung einer im VIl. Bande 
^ begonnenen geodätisch-historischen Arbeit von Herrn Major Hartl. unter dem 
Titel: ..Materiali«*n 2ur Geschichte der astronom.-trigonom. Vermessung der 
Öäterr.- ung. Mona rc 1 lie ■ ■ . 



II. E, k. Central- Anstalt fttr Meteorologie und ErdmagnetiBmus. 

Der zu Ende des Jahres 1888 zur Ausgabe gelangte XXIV. Band (Jahr- 
gang 1887) der Jahrlfiioher der k. k. Central -Anstalt für Meteorologie und 
Erdma§fnetismus eiiihatt die Beobachtungsresultate von 39-5 Stationen Davon 
enlfüllen auf die emzeliien Kronländer: Böhmen 47. Mähien und Schlesien 55, 
GalJxien und Bukowiim 60, Niederösterreich 52, Oberösterreich mit Salzburg 34, 
Tirol und Vorarlberg üS. Steiermark 25, Kärnten 36, Krain, Küstenland, Dal- 
malien 26, Uccupationsgebiet 15, Orient 10. In Schlesien, Vorarlberg und 
läniton kornmeo rund auf je 5 geograph. Quadratmeilen eine met. Station, 
in der Bukowina abffV *^rst auf je 38 Quadratmeilen. 

Uer JnJirgan^ l^^^T der Jahrbücher enthält überdies die Resultate der Regen- 
mes4*utjn;en an r>St tiorii'n längs der Istrianer Staatsbahn in den Jahren 1874 -77, 
dann die Resultate der meteorol Beobachtungen an (3 Stationen auf Cypern 
tt'ähr^nd der Jahre 1883-86 (Famagusta. Kyrenäa, Larnara, Limasol. Nicosia 
umi Paphoi 

Mit Beginn des Jahres 1888 hat die k. k. Meteorol. Central- Anstalt eine 
Station n. Ordnung in Scutari errichtet und zu Ende dieses Jahres auch in 
Celiinje. Ausserdem übt-rsendote Hr. P. J. Scherer zu Port au Prince auf Haiti 
regelmässig ^eine nach dtjn Instructionen der k. k. Central-Anstalt für Meteorologie 

- angesletlt^n yorgfäUigeti meteorol. Aufzei<;hnungen, welche in dem Jahrbuche 

I prt) 1888 iu exteniäo Kum Abdrucke gelangen werden. 



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226 

Die Beobaclitungen an der höchsten meteorologischen Station in Europa, 
auf dem hohen Sonnblick in den Tauern (3095 Met), sind während des ab- 
gelaufenen Jahres ununterbrochen fortgesetzt worden. Die Resultate des ersten 
Jafirgan^es dieser Beobachtungen finden sich in den Sitzungsberichten der 
kaiserl. Akademie (Januarheft 1888, Math. - naturw. Classe) zusammengestellt 
und diseutirt. 

Im Mai und im August 1888 wurde eine Reihe von Stationen in Kärnten 
und Osl-Tirol. dann in Oberösterreich, Steiermiirk und Nord-Tirol einer Inspection 
unterzogen. 

Der telegraphische Witterungsdienst und die Ausgabe von Wetterprognosen 
für Zwecke der Landwirthschaft wurde wie in den früheren Jahren besorgt. 

Von den Resultaten der Reductionen der photographischen Aufzeichnungen 
der Magnetographen am meteorologischen Institute auf der hohen Warte bei 
Wien mögen folgende Jahresmittel pro 1888 hier Platz finden. (Sie entsprechen 
der Mute des Jahres 1888.) 

Declination . . .0» 15'2' West 

Inclination 63" 18-7' Nord 

Horizontale Omp. . 0-2061 cm. gr. sec 
Verticale ., 04099 

Totalkraft „ 0-4588 

Die Declination hat seit dem Vorjahre um 5-.3'. die Inclination um 24' 
ahgenommen. 

Das Jahres-Mittel der Temperatur zu Wien blieb mit 8 4® Geis, um 0*H® 
untpr lEem Normale, die Regeiisumme des Jahres, 73 Cent., überstieg den 
normalen Betrag um 12 Cent., die Dauer des Sonnenscheins im ganzen Jahre 
war ITilB Stunden, d. i. nur 37 Proc. der möglichen Dauer. Das Jahr 1888 war 
derarl kalt, nass und trüb. 



m. K. k. geologische Reichs-Anstalt. 

Üpm in den Verhandlungen der k. k. geolog. Reichs -Anstalt (Nr. 1 ex 
1IHB9) enthaltenen Jahresberichte pro 1898 des Direclors der Anstalt. Hofrathes 
Dionys Stur, ist zu entnehmen, dass der von Seite der Direction eingereichte 
Plan für die geologischen Aufnahmen im Sommer 1888 (Zahl 192 vom '29. März) 
im hohen Erlasse des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 9. Mai 
1888, Z. »>781, die hohe Genehmigung fand. Diesem Plane zufolge waren die 
Detailauf nahmen in Steiermark und Mähren in gewohnter Weise fortzufuhren. 

hie Aufnahmen in Steiermark und in den angrenzenden Gegenden 
Niederösterreichs in der Section I hatten die Herren : Chefgeologe Oberbergrath 
Dr. E. V. Mojsisovics und die Section sgeologen M. Vacek, Dr. Alex. Bittner, 
Friedr, Teller und Georg Geyer zu besorgen. 

Die Durchführung der Aufnahme in Mähren wurde der Section II an- 
vertraut und hatten unter der Leitung des Chefgeologen Herrn Bergrath 
C. M. Paul die Herren Seclionsgeologen Dr. V. ühlig, Dr. L. v. Tausch 
und Carl Bar. v. Camerlander die angestrebten Arbeiten durchzuführen. 



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227 

Herr Chefgeologe k. k. Ober-Bergrath Dr. E. Tietze hatte die im Inter- 
esse der Zusammeustellung der Obersichtskarte von Galizien noch nöthigen 
Revisionsarbeiten im Felde zu unternehmen. 

Die wichtigsten Resultate, die bei diesen Aufnahmsarbeiten des 
Sommers 1H88 erzielt wurden, enthält nach eigener Mittheilnng der betreffenden 
Herren Geologen der folgende Bericht 

Der Chefgeologe der I. Section. Herr k. k. Oberbergrath Dr. Edm. von 
Mojsisovics unternahm zunächst einige Excursionen im Gebiete des Sem- 
mering, wobei das Studium der daselbst auftretenden Triasbildungen in erster 
Lioie stand. 

Hierauf begab sich derselbe in das auf den Blättern der Specialkarte, 
Zone 15, Col. XHI, Zone 15, Col. XIV, Zone 14, Col. Xlll, dargestellte Gebiet 
der Raxalpe, Schneealpe und des Schneeberg, in welchen er theils die Begleitung 
des Herrn G e y er, theils allein die wichtigsten Aufschlüsse untersuchte, während 
die detailirte Kartirung dieser Gegend Herrn Geyer, welcher sich während der 
beiden letzten Jahre die ausreichendste Kenntnis und Erfahrung angeeignet 
hatte, anvertraut werden konnte. 

Die I iebei erzielten theoretischen Resultate stehen im vollsten Einklänge 
mit den in den Mürz» haier Alpen gewonnenen Ergebnissen und liefern neue 
umfassende Beweise für die Richtigkeit derselben. 

So konnte neuerdings der allmälige regionale Überjrang des Cephalopoden 
und Monotis führenden Hallstätter Kalkes in den Diploporen oder Wetterstein- 
kalk nachgewiesen werden. Aus letzterem und nicht, wie früher angenommen 
worden war, aus dem soger-annten Hochgebirgskalk (o<ler Korallenriffkalk» 
bauen sich die Plateaumassen der Raxalpe und des Schneeberges auf. Der vom 
Weitersteinkalke leicht zu unterscheidende Korallenriffkalk kommt in den im 
Vorjahre und heuer unlersucliten Gebieten blos an einer Stelle und zwar im 
Oebirgsstocke der Tonion vor, wo die Korallenrifffacies bereits im Niveau der 
unteren Hallstätter Kalke zu beginnen und bis zur rhätischen Stufe empor- 
zureichen scheint. 

Die bereits aus der Mürzschlucht nächst Frein bekannten schwarzen 
oberen Hallstätter Kalke in Reiflinger Facies wurden auch weiter östlich bis 
über die niederösterreichische Grenze mehrfach nachgewiesen. Die in diesen 
Kalken entdeckten C^phMopoden sprechen für karnisches Alter, und zwar 
speciell für die Gleichstellung mit den karnischen Hallstätter Kalken der Aonoides- 
Zone. Die mehrfach beobachtete Wechsellagerung der schwarzen Kalkbänke mit 
Reingrabener Schiefern steht mit dieser paläontologischen Parallelisirung im 
besten Einklänge. 

Ein ganz besonderes Interesse knüpft sich an einen kleinen Denudations- 
rest von Hauptdolomit, welcher in der Gegend von Neuberg bei fast söhliger 
Lagerung als Kappe eines aus Hallstätter Kalken bestehenden Hügels gefunden 
wurde. Die den Hauptdolomit unmittelbar unterlagernden Schichten bestehen 
aus schwarzen Kalken und Reingrabener Schiefern, während tiefer norische 
Hallstätter Kalke mit Cephalopoden und Monotis folgen. Es beweist diese kleine, 
mitten in die Region der Hallstätter Kalke eingesenkte Scholle, dass sich einst 
«ifie continuirliche Decke von Hauptdolomit über dieses Gebiet ausdehnte, 
welche gegenwärtig bis auf jenen kleinen Rest bei Neuberg denudirt ist. 

10* 



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228 

Geologe M. Vacek verwendete die erste Hälfte des Aufnahmssommers 
zu einer Revision der wichtigeren Eisensteinbezirke der Nordsteiermark, ins- 
besondere jenes von Eisenerz. Neu aufgenommen wurde von demselben, im 
Anschlüsse an das im Vorjahre kartirte Semmeringgebiet, der grössere 
sQdöstliche Theil des Blattes Neunkirche n-Aspang (Zone 15, Col XtV)^ 
umfassend die Wechselgruppe mit ihren Vorlagen in Nord und Ost oder 
der sogenannten Bucklichten Welt bis an die Ebene des Steinfeldes 
und die Wasserscheide des Rosalien gebirges, sowie die Umgebung von 
Aspang. Auf diese Art wurde auf niederösterreichischem Gebiete der natür- 
liche Abschluss fQr die Studien in der Grauwackenzone Nordsteiermarks 
erlangt. 

Dr. A. Bittner setzte die Aufnahme auf dem Blatte, Zone 15, Col. XII 
(Eisenerz-Wildalpen— Hochschwabgebiet) fort Es wurde vor Allem die Gegend . 
von Aflenz, welche durch eine ganz eigenthümliciie Entwicklung und Gliederung 
der Triasbildungen ausgezeichnet ist, eingehender studirt, um die bei der ersten 
Begehung derselben noch irebliebenen Zweifel (vergl. Verhandl. 1887, pag. 92) zu 
lösen. Ein vorläufiger Bericht über diese Untersuchung ist in den Verhandl. 
1888, pag. '24^, zum Abdrucke gelangt. 

Die weitere Fortsetzung der Aufnahmsarbeiten wurde durch eine schwere 
Erkrankung des Aufnahmsgeologen, welche Mitte August eintrat, verhindert 
Die demselben gestellte Aufgabe — Fertigstellung des Blattes, Zone 15, Coli. XIl. 
und Ausdehnung der Untersuchungen auf das nördliche angrenzende Blatl 
behufs Richtigstellung des Anschlusses an den Grenzen beider Blätter — konnte- 
somit in diesem Jahre nicht mehr durchgeführt werden. 

Sectionsgeöloge F. Teller hat seine vorjährigen Aufnahmen in den 
östlichen Ausläufern der Karawanken von Schwarzenbach und Miess in Kärnten 
nach Ost bis in die Senkung von Windischgratz in Südsteiermark fortgesetzt. 
Die Arbeiten, an welchen zeitweilig a's Volontäre die Herren E. Jüssen und 
A. Ruvarac theilgenommen haben, bewegten sich auf den Blättern Unter- 
burg (Zone 19, Col. XII) und Prassberg (Zone 20, Col. XII). 

Von dem erstgenannten Blatte sollte dem diesjährigen Aufnahmsplane- 
zufolge nur der südlich von der Linie Bleiburg- Prä vali-Guttenstein-Unterdrau- 
bürg liegende Terrainabschnitt zur Untersuchung gelangen, und es konnte der- 
selbe auch thatsächlich zum Abschlüsse gebracht werden. Von dem gleichzeitige 
*n Angriff gt^nommenen Blatte Prassberg wurde die nordwestliche Section 
untersucht und bis an die Wasserscheide zwischen Miess und Sann vollendet. 

Die Haupterhebung dieses Gebietes — das im Ursula berge culmi- 
nirende Kalkgebirge — bildet, wie in orographischer so auch in geologischer 
Beziehung die unmittelbare Fortsetzung der Petzen. Wie dort liegen auch hier 
die ältesten Glieder der mesozoischen Schichtenreihe, welche diesen ostwestlich 
streichenden Gebirgsstreifen zusammensetzen : Werfener Schichten und Muschel- 
kalk, im Süden, die jüngsten: Kössener Schichten, Lias und Jura, im Norden 
Doch sind die Lagerungsverhältnisse gerade im Bereiche des Ursulaberges ganz^ 
andere, als man nach dieser allgemeinen Anordnung des Schichtenmateriales 
und nach den übereinstimmenden Darstellungen Lipoides und Rolle's erwarten 
sollte. Für ihre richtige Deutung boten erst die in grosser Ausdehnung un*d 
mehrfacher Wiederholung auftretenden Züge von Carditaschichten, welche i» 



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Verlaufe dieser neuen Begehungen im Gebiete des Ursulaberges constatirt 
werden konnten, eine sichere Handhabe. Das Alter der Gipfelkalke des ürsula- 
berges, in welchen schon Lipoid kleine Megalodonten auffand, erscheint nun 
durch den Nachweis der fossilreichen dunklen Kalksteine der Kössener Schichten 
an der Nordseite dieses Gebirgsstockes völlig sicher gestellt. Die ehedem als 
Klauskalk zusammengefassten Juragebilde in der nördlichen Umrandung dieses 
Oebirgsabschnittes bilden keine zusammenhängende Gesteinszone, sondern er- 
wiesen sich als isolirte Schollen von sehr verschiedenem stratigraphischen 
Werthe; räumlich die grösste Bedeutung besitzen hier unzweifelhaft die ober- 
jurassischen Aptychensthichten. 

Im Norden und Süden treten unter diesen mesozoischen Gebilden in 
breiten Zonen altkrystallinische Schicht- und Massensesteine zu Tage. In der 
südlichen Zone finden wir die granitisch -dioritischen Massengesteine und die 
bankförmig gegliederten Tonalit-Gneisse von Eisenkappel wieder; beide setzen 
über die Landesgrenze nach Södsteiermark fort. Die nördliche Randzone, ein 
westlicher Ausläufer der alten Schieferumrandung des Bacher, besteht aus einem 
einförmigen Complex von Phylliten und PhylUtgneissen mit Lagern von Pegmatit 
und Bänderkalken, der an zahlreichen Stellen von jüngeren, bis in die Gesteine 
der mittleren Trias — den sogenannten erzführenden Kalk — hinaufreichenden 
Intrusionen jenes Eruptivgesteines durchbrochen wird, welches v. Rosthorn 
als «grauen Porphyr» in die Literatur eingeführt hat. Dasselbe bildet geologisch 
wie petrographisch ein genaues Analogon zu den vor Kurzem aus Tirol be- 
schriebenen porphyritischen Eruptivgebilden, speciell zu den durch ihre reiche 
accessorische Granatenführung auffallenden Quarzglimmerporphyriten des Isel- 
thales und benachbarter Gebiete. 

Sectionsgeologe Georg Geyer setzte nach Beendigung einiger Revisions- 
touren in der Gegend von Gusswerk die im Vorjahre bis an den Meridian von 
Neuberg gediehenen Aufnahmsarbeiten unter I^itung des Herrn Oberbergrathes 
V. Mojsisovics Ober die steirische Landesgrenze und die grossen Kalkmassen 
der Schneealpe, Rax und des Schneelierges östlich fort, bis zum Durchbruch 
der Sieming bei Sieding. War auch in diesem Jahre die Grenze der Werfener 
Schiefer gegen das Paläozoische als südliche Aufnahmsgrenze gegeben, so 
musslen die Arbeiten, um einen natürlichen Abschluss zu gewinnen, nach 
Norden bis zu jener longitudinalen Depression ausgedehnt werden, welche im 
Hallthale, am Lahnsattel, am Gscheidl, im Preinthale und im Voisthale mit 
der Linie Mariazell- Buchberg zusammenfälU, Sowohl in stratigraphischer als 
auch in tektonischer Hinsicht erwies sich das so umgrenzte Terrain als un- 
mittelbare Fortsetzung des Gebietes von Mürzsteg, indem ni(dit nur dieselbe 
Anzahl und Aufeinanderfolge von Schichtgliedern, sowie auch dieselbe regionale 
Anordnung gewisser Facies beobachtet, sondern auch nachgewiesen werden 
konnte, dass alle Hauptstörungslinien aus der Gegend von Dobrein. Frein und 
HaUlhal in das östliche Gebiet hinüberreichen. 

Nachdem der Genannte einen detaiUirten Bericht über seine zweijährigen 
Aufnahmen in der nordöstlichen Steiermark vorbereitet, mög» hier nur darauf 
hingewiesen werden, dass auch die Untersuchungen des verflossenen Sommers 
vielfach Gelegenheit gaben, sich mit den interessanten, auf die Stellung der 
grossen südlichen Kalkmassen dieses Gebietes und auf das Verhältiiis der Hall- 
stätter Kalke zu den Raibler Schichten bezüglichen Fragen zu beschäftigen. 



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Der Chefgeologe, Bergrath C. Paul, hat im letztvergangenen Sommer 
die nördlichen Hälften der Specialkarten hlätter, Zone 9, Col. XVII und Zone 9, 
f'ol. XVIII aufgenqmmen. 

Dieses Terrain umfasste das nordöstliche Ende des Marsgebirges, das 
Marchlhal zwischen L'ng. - Hradisch und Tlumalschau, die Umgebungen von 
Napajedl. Zlin, Wisowitz. Klobouk und die nördliche Umgebung des Curortes 
Luhalschowitz. Pas Terrain schliesst gegen Nordost an das im vorigen Sommer 
aufgenommene Karlenblatt der Gegend von Wallachisch - Meseritsch^ Roinau 
und Wsetin, gegen Nordwest an das in diesem J[ihre von Dr. Uhlig cartirle 
Blatt der Umgebungen von Kremsier und Prerau an. Südwärts erreicht es nicht 
die ungarische Grenze und stellt somit noch kein geologisch und topographisch 
abgeschlossenes Ganzes dar, daher auch nähere Mittheilungen über die geolo- 
gischen Verhältnisse desselben vorläufig besser aufgeschoben werden. 

Nur soviel kann heute schon mit Sicherheit c^onstatirt werden, dass mit 
Ausnahme des bei Wisowitz sein westHches Ende erreichenden Höhenzuges des 
Javornikgebirges. dessen Sandsteinmassen anticlinales Fallen zeigen, und daher 
wohl einem älteren Niveau angehören, alle übrigen Karpathensandsteine des 
Terrains sicher alttertiären Alters sind, und dass innerhalb dieser Gruppe die 
Sandsteine den schieferigen Bildungen gegenüber nicht em bestimmtes Niveau 
bezeichnen, sondern als heteropische Einschaltungen erscheinen. Dies wurde 
namentlich auch mit Bezug auf den, für die dortigen Quellen Verhältnisse 
wichtigen Sandstein von Luhalschowitz constatirt. 

Herr Dr. Victor Uhlig hatte die Aufnahme in der Umgebung von 
Teschen abzuschliessen und das Blatt Kremsier-Prerau (Zone 8, Col. XVII) zu 
kartiren. Das letztere Blatt gehört in seinem mittleren, östlichen und südlichen 
Theile der Karpathensandsleinzone an und ist grösstenlheils aus Altlerliär- 
bildungen zusammengesetzt. Diese letzteren bestehen hier aus grauen Schiefern. 
Sauden und plaltigen Sandsteinen, Menilitschiefern, bunten Schiefern, massig- 
mürben Sandsleinen und Schiefern, welche die massigen Sandsteine begleiten. 
An mehreren Punkten wurden in diesen Schichten Nummuliten aufgefunden 
and besondere Aufmerksamkeit wurde den Conglomeraten zugewendet, die an 
vielen Stellen, namentlich im massigen Sandstein eingeschaltet sind. Unter den 
Bestandtheilen der Conglomerate seien als besonders auffallend ein weisser 
Kalk mit zahllosen grossen Nummuliten und Alveolinen und ein rother Granit 
hervorgehoben, welcher mächtige Lagen in kleineren und grösseren Blöcken 
^elbstständig zusammensetzen kann. Die bekannte Kalkinsel von Kurowitz, 
welche längere Zeit als neocom angesehen wurde, muss nach ihrer Fossil- 
führung zum oberen Jura gestellt werden Eine zweite kleinere Klippe \'om 
oberen Jura wurde bei Freistadtl eingezeichnet. 

Der nördliche Theil des Blattes fällt der karpathisch - sudelLschen Grenz- 
region zu. Der sudetische Randstreifen besteht hier aus Devonkalk und Culm- 
öchichten, deren Lagerung hochgradige Störungen aufweist. Trotz im Allgemeinen 
mangelhafter Aufschlüsse konnten doch manche Beobachtungen angestellt 
werden, welche für das Verhältnis der Karpathen zu den Sudeten von Be- 
deutung sind. 

Die Aliocänablagerungen bestehen aus versteinerungsarmen Thonen. 
Sauden und verschiedenartigen Conglomeraten. Sie bedecken in weiter Aus- 
dehnung und flacher Lagerung sowohl sudetische, wie karpathische Schiebten. 



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Da, wo sie auf dem Devonkalk aufliegen, füllen sie auch die Höhlungen, 
Taschen und Trichter desselben aus. Von grosser Wichtigkeit sind namentlich 
jene durch eine individuenreiche Pectenfauna ausgezeichneten Miocänsande, 
welche in unmittelbarer Nähe der gefalteten OligocÄnbildungen horizontal auf 
Cuhnschichten aufruhen. 

Im Bereiche des Diluviums wurden Schotter, Löss und Lehm und Kalk- 
tuflf unterschieden. KalktufT wurde an fünf Punkten nachgewiesen, welche un- 
geföhr in der Richtung von WNW. nach OSO. aufeinanderfolgen. In der Loca- 
lität Tutschin enthält dieser KalktufT eine ziemlich reiche Conchylienfauna. 

Dr. V. Uhlig unternahm ferner einige Revisionstouren in die pennini- 
sche Klippenzone und besichtigte einige wichtige Localitäten im Waagthale. 

Sectionsgeologe Dr. L. v. Tausch cartirte den ihm zugefallenen Theil 
des Blattes Mährisch-Weisskirchen. Abgesehen von den älteren Bildungen, wie 
Devon, Culm und Alttertiär, boten die jüngeren Ablagerungen des Miocans, 
insbesondere die Strandbildungen an der Devonkalkklippe von Czernotin manch' 
ßeachtenswerthes. 

Ferner wurde die geologische Aufnahme des Blattes Neutitschein voll- 
endet Speciell die Umgebung der Stadt Neu titschein, die durch überraschende 
Wechsel der Facies auf räumlich sehr beschränkten Gebieten ausgezeichnet ist, 
wurde einer genauen Untersuchung unterzogen. 

Nicht minder interessant sind die zahlreichen Vorkommnisse der makro- 
skopisch ofl so verschiedenen Eruptivgesteine Eine besondere Aufmerksamk«it 
erfordert die Untersuchung der Kalkconglomerate (die einzelnen Blöcke be- 
stehen fast ausschliesslich aus Stramberger Kalk), aus welchen fast alle- 
höheren Berge und Kuppen in der Umgebung von Neutitschein zusammen- 
gesetzt sind. 

Grösstentheils dürften diese Conglomerate dem Alter nach gleich sein 
jenen, welche bei Chlebowitz, Richaltitz etc. an der Basis der typischen Godula- 
sandsteine liegen. 

Schliesslich sei noch erwähnt, dass auch auf die Kohlenvorkommnisse 
in den jüngeren Formationen ein besonderes Augenmerk gelenkt wurde. 

Baron v. Camerlander hatte den Haupttheil des Blattes Z. 7, C. XVJI 
(M.-Weisskirchen), d. i. den nördlich der Betschwa gelegenen sudetischen An- 
theil zu kartiren. In einem Reiseberichte hat derselbe über einen Theil seiner 
Arbeitsergebnisse bereits berichtet und hat überdies in einer der letzten Sitzun- 
gen das fertig gestellte Kartenblatt vorgelegt und erläutert. Indem diese Karten- 
erläuterung in Form eines längeren Jahrbuchaufsatzes bereits druckreif vorliegt 
darf im Allgemeinen auf diesen verwiesen werden und ist hier nur zu bemerken, 
dass das Gebiet, welches zum grössten Theile der Culmformation zufällt, doch 
eine Reihe von nicht uninteressanten Beobachtungen anstellen Hess. Auch 
dieses sonst so eintönige Culmgebiet selbst berühren dieselben, besonders die 
Beobachtungen, die sich auf die Tektonik, zumal anf die besonders gestörten 
Lagerungsverhältnisse im äussersten Süden der Sudetenausläufer, in der Rich- 
tung gegen Prerau, beziehen, auf die bisher so gut wie unbekannte Erzführung 
des Culm, die in früheren Zeiten jedenfalls an einer ganzen Reihe von Punk- 
ten Gegenstand bergbaulicher Arbeit war, und die jetzt auch an ein paar 
Punkten wieder neu erschlossen wird, die Conglomeratführung des Culm und 
die stratigraphische Stellung dieser Schichten, die so eigenthümliche Anwesen- 



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heil kindskopfgrosser Geschiebe von krystallinischen Gresteinen in der Gang- 
ausfüllung eines der neu in Angriff genommenen Bleiglanzbaue mitten im 
Culmgebiete u. s. f. Auch für die lange bekannten, aber bisher niemals ein- 
gehender studirten Kalkinseln in der March- und Betschwatiefenlinie, jene von 
Grügau-Krtschmann, Sobischek und Radwanitz konnte durch den Nachweis 
der Quarzitft, wie sie das Unterdevon bei Brunn bezeichnen, im Liegenden der 
Kalke von Grügau, deren Alter bestimmter gedeutet werden, indem sie selbst 
sich so gut wie fossilleer erwiesen. Ebenso wurde durch den Nachweis mürber 
grauer Schiefer wahrscheinlich im Hangenden der Mitteldevonkalke ein n€uer 
Beitrag zur Kenntnis dieser Inseln geliefert, gleichwie durch das Studium der 
Granite und Glimmerschiefer der Insel Krtschmann deren eigenthümliche Bil- 
dungen näher beleuchtet werden konnten. Es sind pegmatilische Bildungen, 
schöne Schriftgranite, wie sie in dieser Form dem krystallinischen Gebiete der 
mnhrisch-schlesischen Sudeten fremd sind. Neu war ferner der Nachweis von 
Miocänbildungen, und zwar zu Sand verfallender Conalomei-atsch lebten, die in 
horizontalen Bänken in Thaleinschnitten des Culms hier ebenso lagern wie im 
nordwestlichen Tbeile des Blattes Neutitschein, in dem Camerlander neuer- 
liche Begehungen unternahm. In diesem Oebietstheile zumal spielt das Mioean 
eine bisher unbekannt gewesene Rolle, Tegel mit einer ziemlich reichen Fauna 
begleiten den LAuf der Oder im Kuhländchen und erscheinen auch sogar in 
Gebirgsthälern bei Fulnek und Wolfsdorf, und eine Reihe verschiedenartiger, 
zum T heile fester Sandsteine und Mergel (mit Amphistegina Haueri etc.) ver- 
tritt da< Miocän auf der Höhe und der Ostflanke der europäischen Wasser- 
scheide von Bölten-Weisskirchen-Deutsch-Jassnik, wo der niedrigste Sattelpunkl 
dieser Wasserscheide die in einer Streichrichtung gelegenen Thäler der Betschwa, 
in der Richtung Weisskirchen-Prerau, und der Oder, in der Richtung Manken- 
dorf -Oderberg, heute von einander trennt. Der Nachweis einer langen Reihe \ 
typischer Lössvorkommen in der Gegend südöstlich von Olmütz. bei Trschitz, j 
Kokor etc., zum Theil mit Knochenfunden und stets mit Lössschnecken, ge- j 
staltete auch im Diluvium die Kartirung etwas abwechselnder, welche sonst, ( 
z. B. in dem breiten, nicht lössartigen Lehm der Betschwatiefenhnie so un- 
dankbar war. ! 
Der Chefgeologe k k. Ober-Bergrath Dr. E. Tietze setzte die von ihm j 
im vorigen Jahre unternommene Revision der galizischen Aufnahmsl»lätter \ 
fort. Er besichtigte bei dieser Gelegenheit das Tatragebirge und einige Theile { 
des karpathischen Hauptkhppenzuges, insbesondere am Dunajec, um für den \ 
geplanten Bericht zu einer ganz Gahzien zusammenfassenden Uebersichtskarte » 
zu einer selbständigeren Auffassung der betreffenden wichtigen Gebiete zu ge 
langen. Ausserdem unternahm er Excursionen in den Umgebungen von San- 
dec, Gryböw, Gorlice, Jaslo, Krosno, Zmigröd, Dukla, Iwonicz, Frysztak, Brzö- \ 
zöw, Rymanöw und Sanok. Es wurden dabei Beobachtungen gemacht, welche | 
es gestatten werden, stellenweise nicht unwesentliche Veränderungen der Karte ; 
vorzunehmen. Insbesondere ist es die Stellung gewisser^ bisher den oberen | 
Hieroglyphen schichten irrthUmlich mit zugerechneter Sandsteine, welche anders ■' 
präcisirt werden muss, als bisher geschehen war. In dieser Hinsicht werden " 
die Aenderungen der Karte sich nicht blos auf einzelne Rectificationen der . 
Grenzen beschränken, sondern sie werden auch principieller Natur sein. Be- ; 
züglich der nicht principiellen, sondern nur gleichsam additionellen Karten- \ 



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233 

correcturen, welche vorgenommen werden müssen, ist in erster Linie die Auf- 
findung eines bisher nicht verzeichneten Menihtschieferzuges südlich von Iwo- 
nicz zu erwähnen. 

Gelegen thch seines Aufenthaltes in jener Gegend wurde übrigens Dr. E. 
Tielze, wie noch gesast werden kann, im Vereine mit Professor v. D u n i- 
k w s k i aus Lemberg auch einer amtlichen Commission beigezogen, welche 
sich mit dem Schutzrayon der Heilquellen von Iwonicz zu beschäftigen hatte, 
worüber der Erstgenannte in einer unserer letzten Sitzungen bereits einen \or- 
lauügen Bericht erstattet hat. 

Während der Zeit vom 20. Juli bis zum 4. September setzte Herr Vice- 
director k. k. Oberbergrath Stäche seine Studien in den paläozoischen Schichten 
Kärntens im Gebiete des Gailthales und Canalthales fort. Dabei gelang es dem- 
selben wiederum einige neue und wichtige Resultate zu erzielen. Unter diesen 
ist die Entdeckung des südtiiolischen, oberpermischen Bellerophonkalkhorizon- 
tes auf der Südseite des Canalthales und die Auffindung eines neuen ober- 
carbonischen Bellerophonhorizontes in Sandstein unter dem Fusulinenkalk des 
Carbongebietes der Krön- und Zirkelalpe im Gebirge der Nordseite dieses Thaies 
hervorzuheben. 

Die scharfe Grenze, welche hier der schwarze Beilerophonkalk (im 
Schwefelgraben bei Lusnitz ausgezeichnet durch das Auftreten der charakteristi- 
schen Spiriferiden- Fauna mit Spirif. vultur und megalotis St. und Spirigera 
Jankeps St.) gegen eine sehr mächtige Schiclitenmasse von Buntsandstein 
(sammt Roth) — gelbe Mergel- und Kalkschiefer mit Monotis {Posodonomya) 
aurüa Hau., Avicula striata Haner etc.. gefolgt von zum Theil sehr dick- 
bankigen rothen, grünlichen und grauen Sandstein- und Schiefervarietäten — 
macht und die engere Verbindung, in welchem derselbe mit seiner aus Rauch- 
wacken, Mergeln, Asche, Gyps und Dolomit (mit Natica äff. minima Brown.) 
bestehenden Unterlage besteht, setzt die Vertretung des Oberperm in einer 
Zechstein facies verbunden mit jener specifisch alpinen Regional fauna, welche 
Er. Stäche bereits fiir Südtirol nachwies, noch mehr ausser Zweifel. 

Die weiteren Folgerungen, die sich bei diesen Untersuchungen bezüglich 
der Position der im Canalthal fehlenden GrÖdener Sandstein-Facies und der 
Gliederung der alpinen Perm-Entwicklungen überhaupt ergeben, sind natürlich 
ausführlichen Miitheilungen vorbehalten. Ebenso kann die Erörterung der 
specielleren Bedeutung des erwähnten Fundes im Obercarbon sowie der weile 
ren Aufsammlungen im Unter- und Obersilur (D. und E). sowie im devoni- 
schen Korallenkalk des Osternig Gebietes an dieser Stelle nicht Platz finden. 
Es mag nur bemerkt werden, dass das für eine Publication über die Local- 
(aunen des alpinen typischen Unter- und Obersilur iD. und E.) bereits vor- 
bereitete Material etwa IG Tafeln Grossquart Formates in Anspruch nehmen 
dürfte, von welchen bereits 4 in Lithographie vorliegen. 

Im Spätherbst endlich unternahm Herr Oberbergrath Stäche noch eine 
dreiwöchentliche Reisetour nach Triest und Istrien. Während derselben wurden 
einige Punkte in der Nähe von Triest behufs Eintragung in die geologische 
Karte des Stadtgebietes besucht. 

Schliesslich nahm derselbe, da er des Eintrittes zu ungünstiger VVitte- 
rungsverhältnisse wegen die beabsichtii-te Fortsetzung seiner Reise bis nach 
Lesina (Dalmatien) aufzugeben vorzog, die Gelegenheit wahr, die Sammlung 



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334 

des Herrn Dr. Antonio Scampicliio in Albona, sowie diejenige des Stadt- 
in useums von Triest mit Rücksicht auf seine Arbeiten über das Küstenland 
Daher zu durchmustern. 

Der ungünstige Verlauf der Witterung des Jahres 1888 hess es nicht zu, 
dass llofrath Stur ausser einer Reihe von Excursionen, so nach Böhmen und 
^tpiemmrk, im Laufe des Sommers mehr unternehmen konnte, als an dem 
int<*rnrLlionalen Geologen-Congresse in London theilzunehmen, dessen Verlauf 
Uiid Kr^ebnisse er in dem angezogenen Jahresberichte schildert. 



IV. K. k. statistische Central-Commission. 

Das Bestreben der k. k. statistischen Central-Commission war auch in 
dem verflossenem Jahre darauf gerichtet, das Gebiet ihrer Thätigkeit neben 
der Forlführung von früher in's Leben gerufenen Arbeiten zu erweitern und 
immer neue Erscheinungen des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens in 
die slaLlstische Darstellung ei nzu beziehen. 

Auf dem Gebiete der Bevölkerungs-Statistik wurde die Be- 
wegung der Bevölkerung im Jahre 1886 im L Hefte des XVIIL Bandes der 
tOeüttr reich ischen Statistik« in ausführlicher Weise, dann eine Besprechung 
der wesentlichsten Ergebnisse der Bevölkerungs-Bewegung im Jahre 1887 im 
JuliheRo der statistischen Monatschrift publicirt. 

Die leider noch sehr unvollkommenen Daten über die überseeische Aus- 
wanderung aus Oesterreich im Jahre 1886 wurden durch eine Mittheilung im 
Jftnnerhefte der statistischen Monatschrift verwerthet. 

Die Arbeilen zum Zwecke der Inventarisirung und Specificirung der vor- 
h:indejjen Matrikenbücher wurden fortnesetzl und gestatten die Aussicht auf 
eine wesentliche Förderung der Bevölkerungsstatistik, wenn einmal die 
Schwierigkeiten, die sich einer raschen Benützung entgegenstellen, überwunden 
sem wf^rden. 

Die Sanitäts-Statistik wurde sowohl durch die Veröffentlichung 
der L^anitäls-Wochenberichte der grösseren Orte Oesterreichs, als durch Heraus- 
gabe der Sanitäts-Statistik des Jahres 1885 im 4. Hefte des XVII I. Bandes der 
>Of*sterreichischen Statistik« allgemein nulzbar gemacht. 

Die so überaus wichtige Frage der Verbreitung des Branntwein- j 
genusses wurde durch eine Ausführung über die Zahl und Verbreilung j 
der Dranntweinschänken in Oesterreich (im Februarhefte der Monatschrift) i 
nöhor beleuchtet. ] 

Das Unterrichtswesen im Schuljahre 1885 - 8*i wurde in der ] 
Statistik der Unterrichtsanstalten, und ihre Ergebnisse im 2. Hefte des XVIH. ] 
Bandes der »Oesterreichischen Stastitik« einer eingehend<'n Bearbeitung unter- j 
Züge Rh j 

Auf dem Gebiete der Finanz-Statistik wurde der österreichische 
Btaats haushält in den Jahren l>*^^3 und 1884 im 3. Hefte des XVI Bandes der 
*Oeslerreichischen Statistik« ausführlich dargestellt, und der Haushall der Be- 
stirke und der Landgemeinden in Oesterreich im FebruarheflSi beziehungsweise 



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235 

im August-, September- und Octoberhefte der statistischen Monatscbrift zum 
erstenmale bearbeitet. 

Die Darstellung der Ergebnisse des auswärtigen Handels im Jahre 
1886 wurde im 1. Hefte des XVII. Bandes der »Oesterreichischen Statistik« 
vollendet und im 3. Hefte des XX. Bandes die Ausfuhr im Jahre 1887 ver- 
öffentlicht. 

Die Hauptergebnisse des österreichisch-ungarischen Aussenhandels im 
Jahre 1887 wurden im Vergleiche mit jenen in den Jahren 1?^86 und 1877 im 
Aprilhefte der statistischen Monatschrift besprochen. — Ein Versuch, die Ur- 
sprungs- und Bestimmungsländer des österreichisch ungariscben Handels auf 
Grund der auswärtigen statistischen Publicationen feslzuslellen, findet sich im 
August— Septemberhefte der Monatschrift. 

Die Verhältnisse der Flussschiffahrt in den Jahren 1883 bis 1887 waren 
Gegenstand einer Abhandlung im Julihefte der Monatschrift, welche auch 
dem 3. internationalen SchilTahrlscongresse in Frankfurt am Main vorgelegt 
wurde. 

Im Bereiche der Statistik des Geld- und Creditwesens wurde die 
Statistik der Sparcassen in den Jahren 1885 und 1886 im 4. Hefte des XVI. 
Bandes, beziehungsweise im 3 Hefte des XVIII. Bandes der »Oesterreichischen 
Statistik« mit wesentlicher Bereicherung des Inhaltes veröffentlicht. 

Die Statistik der Erwerbs- und Wirthschafts-Genossenschaflen mehrerer 
Länder wurde für das letzte Decennium in den beztiglichen Landesblättein, die 
der Versicher ungs- Gesellschaften in der statistischen Monatschrift mitgelheilt. 

Die Preis-Statistik fand durch Vergleich ung der Reahtätenwerthe in 
Oesterreich für die Jahre 1866 und 1886 eine wesentliche Förderung in einer 
der wichtigsten Beziehungen. (Juniheft der Monatschrift.) 

Auf dem Gebiete der Justiz-Statistik w^urden die Ergebnisse des 
(loncursverfahrens in den Jahren 1884 und 1885 (im 2 Hefte des XV., bezie- 
hungsweise des XIX. Bandes der »Oesterreichischen Statistik«), sowie jene der 
Strafrechtspflege und die Verhältnisse der Strafanstalten und der Gefangen- 
häuser im Jahre 18S4 (im 3. und 4. Hefte des XV. Bandes der »Oesterrei- 
chischen Statistik«) veröffentlicht. Ausserdem wurden die Ergebnisse des 
Concursverfahrens der Jahre 1876 bis 188»3 im Junihefte der statistischen 
Monatschrift vergleichend dargestellt. Eigens eingeleitete statistische Studien 
über die Entwicklung der österreichischen Gew^erbegerichte wurden im 
Maihefte der Monatschrift verwerthet. 

Einen Rückblick auf die gesammte Wirksamkeit der slatstischen Central- 
Commission in den ersten 1^5 Jahren ihres Bestandes (seit 1^63) enthält das 
Februarheft der statistischen Monatsschrift. 

Die hauptsächlichsten Ergebnisse auf allen Gebieten der österreichischen 
Statistik wurden nach dem neuesten Stande im VI. Jahrgange des statistischen 
Handbuches veröffentlicht. 

Die Herausgabe des gemeinsamen österreichisch-ungarischen statistischtn 
Handbuches ist nach unvorhergesehenen Verzögerungen nunmehr in nahe Aus- 
sicht gestellt. 

Die Bibliothek der statistischen Centra 1-Commission hat 
durch den Zuwachs von zahlreichen \Aerken aus dem Gebiete der Statistik 
und andeien Wissenszweigen, insbesondere aber durch die Uebernahme der 



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236 

gesammten officiellen Publicationen der Regierung der Vereinigten Staaten von 
Nordamerika seit 1868, wieder eine bedeutende Bereicherung erfahren, und 
durch Creirung eines Bibliothekarpostens für fachmännische Leitung und er- 
leirliterte Benützbarkeit viel gewonnen. Andererseits ist der Bibliothek durch 
die Uebernahme der Vermittlung der sämmllichen officiellen Publicationen der 
k. k. und k. u. k. obersten Centralstellen an die Congress-Bibliothek der Ver- 
einigten Staaten von Nordamerika eine grosse Aufgabe zugewachsen. 

Die nunmehr gänzlich von der statistischen Central-Commission über- 
ffiommene Pubücation des »Oesterrei einsehen Städtebuchest erhielt durch die 
Ausgabe des 2. Bandes ihre erste Fori Setzung. 

An der vom niederösterreichischen Gewerbevereine veranstalteten gross- 
arligen Jubiläums-Ausstellung betheiligte sich die statistische Central-Commis- 
sion mit einer stattlichen Reihe von Kartogrammen und Diagrammen zur Be- 
völkerungs-, Social- und Sanitäts -Statistik. Insbesondere sind die zu dem 
bezeichneten Zwecke eigens gearbeiteten Kartogramme über die Berufs Verhält- 
nisse der Bevölkerung hervorzuheben. 

Die Vorbereitungen für die nächste Volkszählung (1890) haben die 
stfi Listische Central-Commission schon stark in Anspruch genommen Es ist 
jtu nächst ein vorläufiges Programm hiefür ausgearbeitet und dem k. k. Mini- 
fttc^rium des Innern vorgelegt w »rden, in welchem besonders die Nothwendig- 
keit einer weiteren Ausbildung der Berufsstatistik betont, die genauere Er- 
hebung der Wohn- und der rechtlichen Bevölkerung, die Conslatirung der 
Haushaltungen und Familien sowie die Aufarbeitung des Zählungsmaterials 
iiaih dem System der Zählkarten und eine Reihe von Vorbereitungsarbeiten 
iüi die Zählung empfohlen worden. 



V. Verein ftlr Landeskunde von Niederösterreich. 

Die voi diesem Vereine herausgegebenen „Blätter für Landeskunde von 
Niederösterreich'' haben im Jahre 1888 den XXII. Jahrgang der neuen Folge 
crn^icht. Von den in dieser Pubücation entlialtenen Aufsätzen und Ab- 
hjindlungen sind besonders hervorzuheben: 

„Vorarbeiten zur aUösterreicbischen Ortsnamen \unde'' von Dr. Richard 
Müller; ..Niederösterreich zur Zeit des dreissigjährigcn Krieges" von Dr. Carl 
llnselbach; ..Zur Geschichte von Ilainbrrg und Rottenstein** III.; „lieber die 
M;*rk Putten" von Dr. Josef Lampel; „Schicksale und Zukunft der Vegetation 
Niederösterreichs'- von Dr. Günther R. v. Beck; „Neuere Forschungsergebnisse 
mr Baugeschichte von Wr Neustadt'* von Custos Wendelin Boeheim; ..Die 
wfclitigsten Beziehungen zwischen dem österreichischen und dem czechischen 
Dialect" von Dr Willibald Nagl und „Bibliogiaphie zur Landeskunde von 
NiPilerösterreich im Jahre 18S8" von Dr. Wilhelm Haas. 

Von dem, vom Vereine für Landeskunde von Niederöslerreich heraus- 
gegebenen Urkundenbuche des Chorherrnstifte-« St. Polten, sind Bogen 18—30 
firs« hienen. Die von diesem Vereine gleichfalls herausgegebene grosse Admini- 
utrativkarte von Niederösterreich in 111 Sectionen ist nach dem neuesten 
SUinde der Aufnahmen rectificirt worden und sind von derselben im Jahre 



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v&r^^ ' 



237 

1887 bereits 66 Sect onen und im Jahre ISS-i die übrigen 45 Sectionen neu 
gedruckt worden. Zugleich wurde im Laufe des Jahres 1888 eine neue Zeichnung 
Fowie der Stich der Section Wien der Administrativkarte in Angriff genommen 
und dürften Stich und Neu-Druck dieser Karten-Section im Mai oder Juni 188^ 
vollendet sein. 

Was endlich die vom Vereine für Landeskunde von Niederösterreich 
herausgegebene Topographie dieses Kronlandes anbelangt, so ist in Folge der 
durch das Ableben des Hofrathes v. Becker eingetretenen Veränderung in der 
Redaclion dieses Werkes und da das vorhandene Materiale für die Fortsetzung 
desselben vorerst gesichtet und grösstentheils ergänzt werden musste, allerdings 
eine wesentliche Verzögerung in dem Erscheinen der Fortsetzungshefte zu ver- 
zeichnen; allein die Vorarbeiten für das nächste (4.) Heft des lll Bandes, 
enthaltend die Fortsetzung und den Schluss des Buchstaben T der Schilderungen 
der Ortschaften in alphabetischer Reihenfolge sind bereits so weit gediehen, dass 
auf das Erscheinen dieses Heftes bis Anfangs Mai 1889 bestimmt gerechnet 
werden kann. 



VI. K. k. ÖBterreiohisches Handels- Museum. 

Der im Frühling des abgelaufenen Jahres erfolgte Ausbau der Orient- 
bahnanschlOsse hat es dem Curatorium des Museums wünschenswerth erschei- 
nen lassen, dass ein Functionär des Institutes an den wichtigsten der von 
diesen Bahnverbindungen tangirten Handelsplätze der Balkanländer Studien 
über die durch die Eröffnung dieser Verkehrsadern inaugurirte Neugestaltung 
des Aussenhandels dieser Gebiete anstelle. 

üeber Auftrag des Curatoriums besuchte sonach im Frühjahre 1888 der 
Director des Museums in Begleitung eines mit den orientalischen Handelsver- 
haltnissen völlig vertrauten Kaufmannes der Reihe nach Belgrad, Salon ich» 
üesküb, Nisch, Sofia, Adrianopel und Constantinopel. 

Die Wahrnehmungen, welche die Abgesandten des Museums an den ge- 
nannten Plätzen machten, standen mit der damals in österreichischen Geschäfts- 
kreisen zu Tage tretenden optimistischen Auffassung über die aus dem Bahn- 
ausbau für den austro-orientalischen Handel sofort zu gewärtigen dea Vortheile 
in grellem Widerspruche. Der Director brachte seine Anschauung über den 
wahrscheinlichen Einfluss der neuen Schienenslrasse auf den österr.-ungar, 
Mandel in einem den obgenannten Corpora tionen zur Verfügung gestellten und 
theilweise im Organe des Museums veröffentlichten Memoriale zum Ausdruck. 

Nach demselben wären rapid eintretende bedeutende Veränderungen im 
Handel der Balkanländer für die allernächste Zeit nicht zu gewärtigen, da die 
Productions- und Aufnahmsfahigkeit der von den Bahnen durchquerten Ge- 
biete, etwa einen Theil Bulgariens ausgenommen, wahrscheinlich nur eine sehr 
langsam vorschreitende Steigerung erfahren werde, andererseits aber eine Ab- 
lenkung des Seeverkehrs der asiatischen .Mittelmeerhäfen auf die neuen Bahn- 
strecken in Folge der ungünstigen Frachtdifferenzen und mangelhafter Einrich- 
tung des Hafens von Salonich vorderhand nicht zu erwarten sei. Dem öster- 
reichischen Handel werde namentlich in Südserbien und Makedonien in Hin- 
kunft eine schärfere Concurrenz durch den erleichterten Zutritt der Erzeugnisse 



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238 

4^r übrigen europäischen Industriestaaten erwaclisen, wie denn auch eine Aen- 
tterung in der Richtung des Kxporthandels dieser Gebiete nicht ausgeschlossen 
sei. Der österreichische Handelsstand liabe sonach immerhin alle Ursache, 
<len Ralkanländern doppelte Aufmerksamkeit zuzuwenden, um seine bisher 
innegehabte Position festzuhalten. 

Ausser dem bezeichneten Berichte wurde aus Anlass dieser Reise eine 
Anzahl von Specialberichten über einzelne Handelsgebiete und Verkehrszweige 
tljeils von dem kaufmännischen Begleiter des Directors, theils von anderen 
für das Museum gewonnenen Persönlichkeiten verfasst und einige derselben 
im »Handels-Museum« publicirt. 

Die Delegirten des Museums benützten die Gelegenheit des Besuches der 
früher benannten Plätze zur Anknüpfung und Erneuerung von Verbindungen 
iDit dortigen Geschäftshäusern und wurde eine grössere Anzahl von hiesigen 
E Importfirmen, die sich nach Heimkehr des Directors an das Institut wandten, 
mit solchen Häusern in Beziehungen gebracht während dem Informations- 
hureau der Anstalt ein reiches Material an Daten über die Art und Ausdeh- 
nung des Geschäftes einzelner Firmen der besuchten Handelsstädte, über ihre 
Correspondenten, ihre Bonitiit etc. zufloss. 

Als ein ferneres Ergebnis dieser Reise mag endlich die ansehnliche Be- 
Teicherung bezeichnet werden, welche die Sammlungen der Anstalt aus diesem 
Anlasse erfahren haben. 

Die commerciellen Sammlungen des Museums wurden durch nach- 
stehende Erwerbungen erweitert: 

1. Eine Collection der wichtigsten Importartikel von Melbourne (ver- 
mittelt durch das k. und k. Consulat daselbst). 

2. Eine Collection der wichtigsten Importartikel von Adelaide (vermittelt 
durch das k. und k. Consulat daselbst). 

3. Eine Collection von Importartikeln für Bangkok. 

4. Eine Collection von Importartikeln für Manila. 
5 Eine Collection von Importartikeln für Batavia 

6. Eine Collection von Importartikeln für Saigon. 

7. Diverse Muster von Waaren aus dem Handelsverkehre des Persischen 
Golfes. 

Die Reise des Directors nach den Balkangebieten und Constantinopel 
hat den Anlass zu einer sehr erwünschten Vermehrung der kunstgewerblichen 
Sammlungen des Institutes gegeben und waren es insbesondere Objecte der 
Textilindustrie, Keramik und Metallindustrie, welche bei dieser Gelegenheit er- 
Wi)rben wurden. 

Ausserdem wurden theils in Hamburg und Berlin, theils auch in Wien 
eine Reihe von Objecten der japanischen Kleinkunst, sowie japanische Korb- 
flechtereien, endlich, durch die gütige Vermittlung der indischen Regierung, 
€liie Anzahl indischer Metallarbeiten acquirirt. 

Auch im abgelaufenen Jahre war das Museum bemüht, durch die Ver- 
anstaltung von Special-Ausstellungen auch das Publicum und die Fachkreise 
dl r Provinz mit den in seinen Sammlungen vorhandenen Vorbildern des orien- 
talischen Kunstgewerbes vertraut zu machen. Ausserdem wurden einzelne neu 
eingelangte commercielle Mustercollectionen in Provinzialstädten ausgestellt 



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239 

Erstgenannte Expositionen fanden in Troppau, Pilsen und Linz, letztere in 
Steyr, Prag, Budweis, Sobieslau, Neuhaus und Oberplan statt 

Mit Befriedigung darf verzeichnet werden, dass auch den obbezeichneten 
Ausstellungen ein voller Erfolg nicht gefehlt hat 

Das Informalions- und Zoll-Informations-Bureau hat im abgelaufenen 
Jahre eine rührige Thätigkeit entfaltet Das Correspondentennetz des Museums 
hat sich gleichfalls wesentlich vervollständigt und war dasselbe stets in der 
angenehmen Lage, sich desselben mit Erfolg zu bedienen. Die Natur der er- 
theillen Informationen ist eine derartige, dass eine Controle des materiellen 
Resultates nicht möglich ist, doch ist dem Museum mehrfach mitgetheilt wor- 
den, dass dessen Auskünfte, Nachweisungen und Anregungen wiederholt greif- 
bare Resultate für die betreffenden Anfragenden zur Folge hatten. 

Die vom Museum veröffentlichte volkswirthschaftliche Wochenschrift: 
»Das Handels-Museum«, hat auch im abgelaufenen Jahre den Kreis ihrer Leser 
und Mitarbeiter erweitert und war die Anstalt in Folge dessen in der Lage, 
dem genannten Blatte einen grösseren Umfang und reicheren Inhalt zu sichern. 

Auch hier sei mit Befriedigung der Thätigkeit unserer Consulate ge- 
dacht die in ihrer überwiegenden Majorität, durch ihre rasche und sachgemässe 
Berichterstattung dem Handel und der Industrie wesentliche Dienste leisteten. 
Es liegt gewiss eine Anerkennung des Werthes dieser im »Handels-Museum« 
regelmässig veröffentlichten Consularberichte in der Thatsache, dass dieselben 
nicht nur in der heimischen, sondern auch in der auswärtigen u. zw. nament- 
lich in der deutschen und englischen Fachpresse in sehr ausgedehntem Masse 
reproducirt wurden. Eine Reihe von für unseren Handels stand interessanten 
Berichten dankt auch heuer unser Blatt den Commandanten Seiner Majestät 
Kriegsschiffe. 

Der Charakter, welcher auch dieses Jahr den im Museum abgehaltenen 
comraerciellen Cursen gewahrt blieb, erhellt aus dem nachstehenden Programme 
dieser Curse: 

»lieber das Verschiffungsgeschäfl«, von Herrn Julius Böhm (vormals am 
Persischen Golf etablirt), »über Handels- und Productionsverhältnisse in den 
Vereinigten Staaten« von Prof. Zehden, »über den Handel in Britisch-Indien« 
von Herrn Ch. Kögler (vormals in Calcutta etablirt), »über Handels- und Zoll- 
vertrage« von Dr. M. Roessler. 

Die einzelnen Curse umfassten zwischen fünf und zwölf Vorlesungen 
und wurden unentgeltlich gegeben. 

Die Frequenz dieser Curse war gegenüber dem Vorjalire eine wesentlich 
gesteigerte und erreichten die Einschreibungen für einzelne Vortrags-Cyklen die 
Ziffer 230. Die Mehrzahl der Hörer gehörte dem bereits in der Praxis wirken- 
den Kaufmannsstande an. 

Von einer Erweiterung des Proarammes musste bisher aus finanziellen 
Rücksichten abgesehen werden. 

Das Programm der im Museum abgehaltenen Vorlesungen war folgendes : 
F. V. Hellwald: Werden und Vergehen des Buddhismus. 
F. r. Hellwald: Russland in Mittelasien. 
Juhus Böhm: Moderne Pilgerfahrten nach Mekka. 
Dr I, Singer: Orient und Occident auf dem Arbeitsmarkle. 
Alfred v. Lindheim: Spanien und seine erste Weltaus>tellung. 



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JHrector C. Sitte: Die Ornamentik der Orientalen. 
I)r K. V. Stein: Das Heim des Japaners. 

J'i-of. Dr. Ph. Paulitschke: Zur Bekämpfung des Sclavenhandels im äquato- 
rialen Afrika. 
Dr. M. Haberlandt. Ueber orientalische Dichtung. 
r r. Vincenti: Die Sonnentempelstädte Syriens. 

Die Einstellung eines höheren Betrages für Anschaffungen unter diesem 
Titel liat die Leitung der Anstalt in die Lage gesetzt, eine grössere Zahl von 
Volks wirthschafllichen Publicationen und solchen über das orientalische Kunst- 
gewerbe der Bibliothek zuzuführen. Allerdings war auch in der abgelaufenen 
Periode die Benützung der Bibliothek, für die es der Anstalt an einem 
passenden Räume mangelt, sowie jene des Lesezimmers, in welchem 193 Fach- 
st :itschriften darunter 89 deutsche, 57 englische. 30 französische, 7 hollän- 
disrhe, 6 italienische, 2 ungarische, l russische, l spanische) aufliegen, eine 
ziemlich beschränk t'-\ 

Vorzeichuis 

der vom statistischen Departement im k. k. Handels-Ministerium im 

Laufe des Jahres 1888 fertiggestellten Publicationen. 

I. Ja bresber ichte der k. u. k. österr.-ungar. Consulats-Behörden 

Kj. Jahrgang. (XXXVI. Band der »Nachrichten über Industrie, Handel und 
Verkehr«.) 

II. Nachrichten über Industrie, Handel und Verkehr. XXXIII. Bd. 

1 Heft: »Werthe für die iMengeneinheiten der im Jahre 1887 im österr- 
ungar. Zollgebiete ein- und ausgeführten Waaren<. H. und HI. Heft: 
> Statistik des österreichischen Telegrafenwesens im Jahre 1887«. IV. Heft» 
»Hauptergebnisse der österreichischen Eisenbahn-Statistik im Jahre 1887«. 

III Statistische Nachrichten über die Eisenbahnen der öster- 
rfüchisch-ungarischen .Monarchie für das Betriebsjahr 1886. 
((Gemeinsam mit dem königlich ungarischen statistischen Landesbureau 
iii Budapest bearbeitet und herausgegeben) 

IV Monat Schrift »Austria«. Archiv für Gesetzgebung und Statistik auf 

den Gebieten der Gewerbe, des Handels und der Schifffahrt. 40. Jahrgang. 



TU Comite für die naturwisaenschaftliche Landesdurch- 
forschung von Böhmen. 

Das Comite für die naturwissenschaftliche Durchforschung von Böhmen 
hat seine Arbeiten auch im Jahre lh88 fortgesetzt. In topographischer 
Beiiirliung wurde von Professor Dr, K. Koiistka das Terrain westlich von 
PilsoiK welches sich auf beiden Seit'irn des MiesHusses ausbreitet, bearbeitet 
Das hiebei gesammelte Material soll als Grundlage der Terrainbeschreibung 
und der Schichtenkarte der IV. Seclion der Karte von Böhmen dienen. In 
geologisch-poläontologischer Beziehung untersuchte Prof. Dr. Fric, 
behufs specieller Studien, einige Punkte der permischen und der Kreidefor- 
malion, nahm zur Sicherstellung der Lagerungsverhältnisse der fischfuhrenden 



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241 

Brandschiefer von KoStialov genaue Profile auf^ acquirirte ein ganzes Exemplar 
des Lurchiisches Ctenodus und veröffentlichte das 7. Heft von dem Werke 
Fauna der Gasikohle. Auf den Excursionen wurde ein Vorkommen von Söss- 
wasserkalk hoch oben am Erzgebirge bei StolzenhaB nachgewiesen, in Tfemosna 
bei Pilsen wurde ein kostbares Material von Haifischen der Permformation 
gesammelt. Dr. J. Velenuvsky arbeitete an den Pflanzen der Kreideformation. 
Prof. Dr. Laube hat das Rehhorngebirge zwischen Schatzlar und Freiheit be- 
gansen, sowie einige zoologische Untersuchungen sibirischen der Elbe und Aupa 
gemacht. Botanische Untersuchungen mac!:ten mit Unterstützung der Landes- 
durchforschung die Herren Prof. Dr. Hansgirg, der sich mit algologischen 
Studien befasste und Lad. Celakovsky Sohn, welcher melirere Gegenden des 
westlichen und südwestlichen Böhmen auf Phanerogamen untersuchte. Ausser- 
dem wurden von vielen Mitarbeitern aus den verschiedensten Iheilen Böhmens 
neue Beiträge in Pflanzen und schriftlichen Mittheilungen geliefert. Als Resultate 
der botanischen Durchforschung sind mehrere interessante Funde für Böhmen 
neuer Arten, Rassen und Bastarde zu bezeichnen. Die zoologische Abtheilung 
befasste sich mit dem Studium der Thierwelt der Teiche Böhmens. Prof. Fric 
und Assistent Vävra machten in der am Teiche bei Poi'ernic installirlen trans- 
portablen zoologischen Station mehrere Untersuchungen, ebenso Assistent Kafka 
auf einigen Teichen bei Frauenberg. Die Beobachtungen an den zahlreichen 
ombrometrischen Stationen von Böhmen wurden, sowie in den früheren Jahren 
von Prof. Dr. Studniöka gesammelt, zusammengestellt und publicirt. Im Archiv 
für die Landesdurchforschung erschien eine Reihe grösserer Publicationen über 
einige der vorgenannten Arbeiten. 



Notizen. 

H. Stanley's Zug vom Congo zum Albert Njansa. 

(Mit 1 Kartenskizze Tafel IX. j 

Durch die Tagespresse ist die gebildete Welt rasch über die Einzeluheiten 
und Episoden des phänomenalen Zuges Henry Stanley's vom Congo zum Mwulan 
unterrichtet worden. Allgemein bewundert man aufs Neue die erprobte Ge- 
schicklichkeit und Ausdauer des kühnen Reisenden in der Bewältigung schein- 
bar unüberwindlicher Hindernisse, die Natur und Menschheit dem Fionnier auf 
afrikanischem Boden entgegenstellen. Es verlohnt aber auch die Mrihe, auf die 
geographischen Ergebnisse der grossartigen Tour einen Blick zu werfen. Stanley 
selbst hat in den Briefen die wichtigsten geographischen Resultate seiner Reise 
berührt, so dass es nicht schwer wird, rasch ein Gesammtbild derselben zu 
entwerfen. 

Der Forscher hatte im Ganzen auf den Märschen von Jambuja zum 
Albert Njansa, vom See nach Ibuiri und auf der Rückkehr bis nach Bonalia. 
3iX)0Arw, auf unerforschtem Gebiete zurückgelegt. Die Entfernung von Jambuja 
bis zum Albert-See beträgt 1031 /rm. Stanley legte täglich nicht mehr als 8 bis 
9 im auf dem Hinmarsche zurück und der Weg durch den Urwald dauerte 16<) 
Tage. Die Reiseroute läuft abwechselnd an den beiden Ufern dos an Strom- 
schnellen überaus reichen Aruwhimiflusses. dessen Lauf und verschiedene Bo- 

Milth. d. k. k. Üeogr. üe*. 1889. 4. ]7 



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242 

nennungen Stanley feststellen beziehungsweise ermitteln konnte. Auch die Zu- 
flüsse des bedeutenden Gewässers konnten in ihren Hauptrichtungen fixirt 
werden. Besonders interessant ist hiebei der Umstand, dass Stanley's Angaben 
über den Lauf und die Mündung des Nepoko, bis auf eine verschwindend 
kleine Differenz, mit den Angaben Dr. Junker's, die dieser ausgezeichnete For- 
scher von seinem südlichsten Punkte im Jahre 1882 über den Stromlauf ge- 
macht hat, übereinstimmen. (Vgl. auch Junkers Nawa mit Stanley's Nevoa.) 
Die Quelle des Aruwhimi verlegt Stanley an den Nordwestrand, des Albert- 
Njansa, nach den »Blauen Bergen«, deren höchste die Namen Schweinfurth's, 
Junker's und Speke's (richtiger ChippendalFs) erhalten haben und an deren 
Nordwestabhang der Kibbi (Oberlauf des Kibali und damit des Welle Makua) 
entspringt — einer Landschaft, die an ihrer nördlichen Peripherie 1878 von 
Dr. Junker, und wahrscheinlich auch von Casati, erforscht worden ist. 

Bei vordringendem Marsche durch dichten Urwald, den das Sonnenhcht 
nicht zu durchdringen vermochte, konnte naturgemäss eine genaue Sichtung 
des Terrains zu beiden Seiten des Aruwhimi nicht geschehen. Stanley sagt 
nur, dasfs das Flussthal des Aruwhimi inmitten einer von Hügeln im N undS. 
eingefassten Landschaft sich breite. Erst als die Expedition das Waldesdickichi 
verliess und das Gebiet des Häuptlings Mozambui betrat, konnte die Ausdeh- 
nung des circa 1584 w über dem Meere gelegenen Plateaus im Westen des 
Mwufan und dessen Uebergang in ausgebreitete Hochebenen im Süden constatirt 
werden. Dass der Mwutan mit dem von Stanley 1876 entdeckten Gewässer, 
dessen Contouren der Forscher auf seinen Karten verschieden beschreibt (Vgl. 
die Karte in dem Werke »Trough the dark continent« und die »Map of the 
Congo basin«) nicht communiciren, konnte Stanley gleichfalls bestätigen, ja er 
hat den Rückgang der Wasserfläche des Mwutan im Süden durch Autopsie 
und das Zeugnis der Uferbewphner neuerdings bestätigen können. 

Dem neu entdeckten Riesenberge Ruvenzori im Süden des Albert- Njansa 
nach der Beschreibung Stanley's einen ganz bestimmten Platz anzuweisen, wird 
dem Kartographen vorderhand darum schwer, weil der Entdecker selbst nur in 
groben Umrissen dessen Lage beschreibt. Vergegenwärtigt man sich dazu, was 
Stanley im ersten Bande seines Werkes »Durch den dunklen Welttheil« sagt 
(pag. 469 f.), nämlich, dass er den seinerzeit auf die Karte gesetzten »grossen 
Berg« (Gordon-Bennett) nur in »weiter nebliger Ferne gesehen«, ferner (p, 471 f.) 
dass er auf dem Zuge durch das Land Nzimba (Häuptling Ruigi) Bergspitzen, 
Bergkegel und Berghöcker, sowie kuppelähnliche Hügel nach allen Riciitungen 
hin habe emporsteigen sehen, so wird es doppelt schwer, den Berg zu locali- 
siren und man wird vorläufig den Trost hinnehmen müssen, den Stanley selbst 
auf die alleroriginellste Art bietet, indem er sagt, es sei Raum genug für den 
Ruvenzori sowohl als für den Gordon-Bcnnett in dem breiten Landestriche, 
der sich zwischen dem Bearix-Golf und dem Albert-Njansa hinziehe. 

Unser volles Interesse nehmen Stanley's Angaben über das ungeheuere 
Waldgebiet in Anspruch, dass der Reisende mit seiner wackeren Schaar unter 
namenlosen Schwierigkeiten durchmessen hat. Der Forscher selbst berichtet, 
im N. u. S. erstrecke sich das Waldland von Njangwe bis zur Südgrenze des 
Monbuttulandes. im 0. und W. umfasse es die ganze Gegend vom Congo \m 
der Mündung des Aruwhimi bis ungefähr zum 40" östl Länge v. Greenw. Wie 
weit sich der Wald im W. des Congo erstreckt, weiss man nicht. Die Grösse 



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•J43 

der Waldfläche schätzt Stanley auf 246.<'00 Quadratmeilen. Im Norden des 
Congo zwischen Upoto und dem Aruwhimi erstreckt sich der Wald noch über 
20.000 Quadratmeilen, Offenbar ist dies, wie schon von anderer Seite gc-muth- 
masst wurde, dasselbe Waldgebiet, das David Livingstone in den ersten Tagen 
des November 18*^9 im Manjuema-Lande zwischen 4^ und 5" südlicher Breite 
durchzog und von dessen Schönheit er entzückt ist. Nach seiner Schilderung 
scheinen darin die Dörfer der Eingeborenen in den Schatten des Waldes ge- 
bettet zu sein, der von unbeschreiblicher Schönheit sein soll. »Zwischen den 
gigantischen Bäument. bemerkt Livingstone. »ranken sich Schlinggewächse von 
Kabelstärke; wilde Früchte sind im Ueberflusse vorhanden, manche von der 
Grösse eines Kinderkopfes; wohin das Auge blickt, erscheinen fremde Vögel, 
fremde Affen. Der Boden (Lehmboden) ist unermesslich reich und wird von 
den Bewohnern gut angebaut, trotzdem sie durch alte Fehden, die nie zum 
Aüstrag gelangen, isolirt sind. Vorzüglich bauen sie eine Maisart. welche ihre 
Fruchtstiele hakenförmig krümmt. Durch das Einschlagen von Pfählen bilden 
sie Hecken, die eine Höhe von etwa 18' erreichen, gleich Robinson's Hecke 
erspriessen und nie verwelken, in denen die Leute Reihen von Schlingpflanzen 
dergestalt anpflanzen, dass sich diese von Pfahl zu Pfahl ranken. Darin werden 
die Maiskolben an ihre eigenen gebogenen Fruchtstempel gestützt. Durch das 
Bilden des Kornkolbens wird der Haken umgebogen, so dass die Fruchtblätter 
herunterhängen und so ein Dach für das Korn darunter bilden. Dieses natür^ 
liehe Kornmagazin bildet eine recht solid aussehende Mauer um das ganze 
Dorf.« Die beschriebenen Urwälder gehören zu dem mächtigen Pflanzengürtel, 
den in der Aequator- Hegion der reiche Regenfall im Vereine mit der kräftigsten 
Insolation hervorbringen. 

Wenn Stanley berichtet, dass zwischen Jambuja und dem Njansa die 
Eingeborenen fünf von einander verschiedene Sprachen sprechen, so darf uns 
dies nicht Wunder nehmen, denn die Expedition bewegte sich in jenem Theile 
Central-Afrikas, wo gerade das Sprachgebiet der Bantu mit dem der eigent- 
lichen Neger und der Afrikaner , die zur Nuba-Fulla-Gruppe gehörige Sprachen 
sprechen, eventueller Idiome der pygmäenhaften Wambuti gar nicht zu ge- 
denken. Die Constatirung des Umstandes, dass auf der 1041 km betragenden 
Strasse von Jambuja nach Kavalli so viele von einander isolirte Idiome ge- 
sprochen werden, möchte ich als ein sehr wichtiges geographisches und ethno- 
logisches Ergebnis von Stanley's Zuge hinstellen. Merkwürdig ist, dass damit 
E. G. Ravenstein^s Annahme über die Aasdehnung der vorbezeichneten Sprach- 
gebiete vollkommen bestätigt wird (Vgl. Ravenstein's »Laiiguage map of Africa« 
in Gust's bekanntem Werke). 

Die Wambuti-Zwerge, die Stinley's Leuten so viel Bitternis erzeugten, 
sind, wie schon bei der Expedition selbst erkannt worden war, den Akkä oder 
Tikki-Tikki Central-Afrikas beizuzählen. Dr. Junker berichtet, diese pygmäen- 
haften Nomaden würden hei den Mabode »W^ötschua* genannt, während sie 
selbst Junker gegenüber ihren Namen wie »Atschüa* aussprachen. Die Wötschua 
Junkefs sindofifenbar Dr. Wolfs »Batua«. Das Volk wird TschnaoderTua heissen ; 
die Silbe ba oder wo ist nur das Plural-Präfix der Bantu-Sprachen. Dr. Junker 
berichtet von dem »Zwerg«-Volke in vollkommener Uebereinstimmung mit 
St^ley, dass dessen Angehörige vorzügli -he Bogenschützen, gewandte und 
listige Krieger seien. 

17* 

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244 

Bei Stanley lernen wir ferner in Ugarua's Station ein wichtiges Glied der 
Kette arabischer Niederlassungen kennen, welche sich von den Aequatorial- 
Seen nach dem Congo erstreckt, und zum Unterschiede von der vom Tanga- 
njika gegen Niangwe gerichteten Reihe von Niederlassungen die nördliche 
Kette genannt zu werden verdiente. Die südlichste Station arabischer Händler 
aus Uniamwesi dürfte nach Arnot unter den Garenganze in Katanga (Reich 
AU Msidi's) zu suchen sein. 

Zum Schlüsse möge bemerkt werden, dass Stanley von dem Negervolke 
der Maböde Junker's, welche die Flussufer des Nepoko und das Land südlich 
von diesem Strome bewohnen sollen und von denen Junker vermuthet dass 
sie hier in Kleinstaaterei zerfallen seien und in Fehde und Krieg mit einander 
lit'gen, nur nebenbei nennt, ferner, dass sich der von Stanley am l.December 
ISÖT erblickte Gebirgszug, den er Pisgah benannte, und ebenso das Inselchen 
Bungangeta im Aruwhimi, von wo aus er den Brief vom 28. August 1888 nach 
Europa schrieb, nach den vorhandenen Angaben schwerlich localisiren lassen. 
rHj der Muta Nzige dem Congo-Systeme angehöre oder ein isolirtes Wasserbecken 
bilde — mit dem Wassernetz des Nil hängt er scheinbar nicht zusammen — 
bleibt gleichfalls noch eine offene Frage. Der unermüdliche Stanley hat sich der 
Erforschung des letzgenannten Sees, den er 1876 entdeckte, zugewendet. Möge 
er das vorgesteckte Ziel erreichen und wohlbehalten nach der Heimat zurück- 
kehren! Ph. Paulüschke 

Internationaler geographischer Congress zu Paris. 

Zu Präsidenten der 7 Gruppen dieses Congresses sind folgende Persön- 
lichkeiten ernannt, resp. gewählt worden: 

1. Mathemat. Geographie: Bouquet de la Grye, Mitghed des Institutes 
von Frankreich. 

2. Physische Geographie : D a u b r e e , Mitglied des Institutes von 
Frankreich. 

3. Handels-Geographie und Statistik: Levasseur, Mitglied des Institutes 
Von Frankreich. 

4. Historische Geographie und Geschichte der Geographie : Ehrenpräsident: 
Vivien de St. Martin, Mitglied des Institutes von Frankreich; Präsident: 
Hai'bie du Bocage. 

5. Schulgeographie und Verbreitung der Geographie: Vi dal de la 
n lache, Unterdirector der Ecole normale sup^rieure. 

6 Reisen und geograph. Forschungen: Antoine d'Abbadie, Mitglied 
des Institutes von Frankreich. 

7. Anthropologie. Ethnographie und Linguistik: Marquis deNadaillac. 

Im Ganzen werden dem Congresse in 6 Sectionen 92 wissenschaftliche 
Fragen aus allen Gebieten des geographischen Wissens zur Erörterung, Discussion 
und zu eventueller Beschlussfassung vorgelegt werden. Die Section : „Reisen und 
ecographische Forschungen" hat keine speciellen Fragen formulirt. Es soll 
nämlich der freien Initiative der Mitglieder dieser Section überlassen bleiben, 
dem Congresse Fragen vorzulegen und dieselben in den Versammlungen zu 
vpntiliren. 



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245 



Geographische Literatur. 

Europa. 

Chronik der Stadt Stuttgart Sechshundert Jahre nach der 
ersten denkwürdigen Nennung der Stadt (1286), zusammen- 
gestellt von Dr. Julius Hartmann, Professor am königlichen 
\ statistischen Landesamt in Stuttgart. Mit zahlreichen Abbil- 

dungen. Stuttgart. Druck und Verlag von Greiner & Pfeiffer. 
i 1886. 1. Band. 8. IV und 332 Seiten. Preis brosch. M. 3.50. 

I El^ant gebunden M. 5» 

\ Wie alle Chroniken, so bietet auch diese ein vielseitiges Interesse. 

{ Die fQr den Zeitraum 1229 bis 1886 in knapper Form gebrachten Daten 

! bilden in ihrer Aneinanderreihung ein treues Spiegelbild aller Vorkommnisse 
I und Wandlungen, welche die Stadt betroffen. 

Sie sind nicht nur für die allgemeine Geschichte, sondern auch für die 
der einzelnen Wissenszweige von hohem Werthe. 

Ein reiches Quellenverzeichnis beweist dass der Autor gewissenhaft alle 
vorhandenen einschlägigen Werke und archivalischen Handschriften benützte. 
Zahlreiche Illustrationen und ein alphabetisches Sachregister erhöhen 
noch den Werth dieser verdienstvollen Arbeit C. v. H. 

Las Baleares. Obra escrita y publicada en alemän con el titulo 
de: »Die Balearen in Wort und Bild geschildert.« Version 
Castellana de D. Santiago Palacio, corregida y considera- 
blemente aumentada con anuencia y conforme ä las indicacio- 
nes del autor, par D. Francisco Manuel de los Herreros y 
Schwager. Toms I. Las antiquas Pityusas. Palma de 
Mallorca, 1886. Imprenta de la biblioteca populär. 4^. pag. 478. 
Diese spanische Uebersetzuni? des längst als Standardwerk über die 
Balearen geltenden Werkes Sr. k. u. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn 
Erzherzogs Ludwig Salvator von Oesterreich, das im Jahre 1868 erschien, 
ist keine Traduction im gewöhnUchen Sinne, wie schon der Titel sagt, son- 
dern eine nach Angaben des erlauchten Autors vermehrte Ausgabe des 
deutschen Werkes in spanischer Sprache. Autoptische Studien, die der Erzher- 
zog durch 22 Jahre gemacht hat, um sein Werk zu einem gründlichen zu ge- 
stalten, und die Mithilfe des Directors des Instituto Balear de los Herreros 
machen das Werk zu einer Publication, wie sie an Vielseitigkeit des Gebotenen, 
an Schärfe der Beobachtung des Materials, an gereiftem Urtheile über die Natur- 
verhaltnisse und das Volksthum der Inseln kaum übertroffen werden dürfte. Blättert 
man in dem herrlichen Bande, so wird dem Kenner bald klar, dass er es hier mit 
einer Arbeit zu thun habe, die ganz im Sinne der von Alfred Kirchhoff aufgestell" 
ten Principien für Publicationen auf dem Gebiete der Heimatskunde verfasBt 
worden ist Gelehrte Vorarbeiten wurden gewissenhaft benützt und werden häufig 
herangezogen. In physikalischer Beziehung gibt ein Capitel: Naturaleza y for- 



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tm 



nmciiVn grolögica del terreno mit einer von den Berg-Injrenieuren Vidal und 
Molina entworfenen geologischen Karte von Ibiza und Formentera genügenden 
Aufai4iluss Meeres- und Landfauna sind gleichfalls berücksichligt. Geradezu 
eratauülult und erdrückend ist das reichhaltige und sorgfältig geordnete stati- 
aliache Material, wo solches aufzuwenden die Natur oder Oekonomie des Wer- 
lies verlan^^le. Von der künstlerischen Ausstattung des Werkes mit Illustratio- 
nen mit'h I landzeichnungen Seiner kais. Hoheit braucht hier gar nicht gespro- 
chen zu worden ; Jedermann weiss, wie meisterhaft der Erzherzog den Griffel 
ftlhrt, Es erübrigt zum Schlüsse zu betonen, dass mit dieser spanischen Aus- 
gabe dt*** tf rossen Werkes der erlauchte Verfasser ein ebenso wahres Volksbuch 
ab ein gelehrtes Compendium für seine neuen Landsleute auf den Balearen, 
wie für liie Jünger der Wissenschaft geschaffen hat, dessen alle Seiten warme 
LielK> für die prachtvollen Eilande und deren Bewohner, aber auch für die 
Wissonsrhaft von der Erde athmen, und das ohne Zweifel den hohen Verfasser 
den insulunern, wie diese und deren schöne Heimat ihm näher bringen und 
iht'urer machen wird. Ph, Paulitschke. 

AsieD. 

K(M.^e[i in Lykien und Karien. Ausgeführt im Auftrage des 
k. k, Ministeriums für Cultus und Unterricht. Unter dienstli- 
L'hev Förderung durch Sr. Maj. Raddampfer »Taurus«, Comraan- 
«JaiU Fürst Wrede. Beschrieben von Otto Benndorf und 
Ueorge Niemann. Mit einer Karte von Heinrich Kiepert^ 
V.\ Tafehi und zahlreichen Illustrationen im Text. Wien. Druck 
u. Verlag von Carl Gerold's Sohn, 18«4. Gr. Folio, pag. löi. 
RtMt^pri in Lykien, Milyas und Kibyratis. Ausgeführt auf 
Veranlassung der österreichischen Gesellschaft für archäologi- 
sche Erforschung Kleinasiens. Unter dienstlicher Förderung 
Sr Majestät Raddampfer »Taurus«, Commandant Baritz v. 
I kal^alva. Beschrieben und im Auftrage des k. k. Ministeriums 
für Cultus und Unterricht herausgegeben von Eugen Peter- 
^rn und FeHx v. Luschan. Mit 40 Tafeln und zahlreichen 
llUistrati'jnen im Text. Wien, Druck und Verlag von Carl 
G*-r-)hrs Sohn, 1889. Gr. Folio, pag. 248. 

Mit dem Erscheinen des II. Bandes dieses grossartig angelegten Werkes, 
tlriti «^iijJirt- besondere Puhlicationen vorausgingen, lassen sich nunmehr die 
archüüinffiscjien. ethnographischen und geographischen Ergehnisse vollständiger 
überseht*! I welche die vom k. k. Ilnterrichts-Ministerium und süäter von der 
im ritel genannten Gesellschaft in den Jahren 1881 und 1882 nach Kleinasien 
eiiliti*niit(.' ßjcpedition — seit Jahren wohl die umfassendste österreichische zu 
si>ldn'ii( /wecke — für die Wissenschaft errang. Das Terrain, auf dem sich 
die in Aussieht genommene Forschung bewegte, erstreckte sich vom 25®bis30', 
45' i\ T. V, Gr. Es umfasste die nach den Golfen von Kos und Adalia abfial- 
kndf'n, im Kartal-dagh f2600w0. Ak-dagh (SOlUw) und Tachtali-dagh (241-0 m) 



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247 

culmlnirenden Ausläufer des Taurus-Gebirges, in dessen Hochthälern zuerst 
Fellows vor einem halben Jahrhundert jene merkwürdigen tempelartigen Fels- 
gräber, Sculpturen und Ueberreste griechischer Colonien signalisirt hatte, welche 
den Kunstgeschichtsforschern den klärenden Schlüssel für die Entwicklung der 
architektonischen Musterschöpfungen in Hellas und für dessen unerreichte 
Sculpturwerke lieferten. 

Entsprechend dem Hauptzwecke der Expedition steht in erster Linie 
unter ihren erreichten Resultaten die gewonnene, geradezu epochale archäolo- 
gisch-epigraphische Ausbeute. Es kann nicht Aufgabe an dieser Stelle sein, sie 
hier auch nur annäherungsweise im Detail zu würdigen. Wir wollen hier aus 
dem erzielten Gewinne auf diesem Gebiete nur gedenken, der von den Herren 
Benndorf und Niemann glücklich für das k. k Hofmuseum errungenen Sculptu- 
ren aus dem Heroon von Gjölbaschi, der von ihnen selbst und ihrem ausge- 
zeichneten wissenschaftlichen Stabe gefertigten Copien und Papierabdrücke 
zahlloser werth voller Inschriften, darunter die durch höchst instructive Illustra- 
tionen erläuterte, neue grosse Inschrift vom Opromaosbau zu Schecliköi, süd- 
lich von dem durch den Engländer Spratt und seinen Genossen wieder ent- 
deckten Rhodiapolis; femer der interessanten Namenslisten von Sedyma. An 
diese Denkmäler reihen sich die malerischen und constructiven Darstellungen 
der diesem Theile Kleinasiens eigenthümlichen B'els-Nekropolen. aus welchen 
wir den durch seine Embleme fesselnden Sarkophag und das figuralische Relief 
von Trysa, die lehrreichen Ansichten befestigter Städte auf Tafeln in der Vor- 
halle des Hauptgrabes von Pinara (I, 54). dann das für die asiatischen Ele- 
mente im griechischen Ornamente ungemein charakteristische Motiv von einer 
Todtenbank zu Myra hervorheben. 

Hand in Hand mit der archäologischen Durchforschung Lykiens sollte 
die Lösung der Frage nach der Angehörigkeit seiner ältesten Bewohner ver- 
sucht werden. Zu diesem Zwecke sammelte Dr. Luschan ein reiches Material 
zweckdienlicher photographischer Aufnahmen und Messungen der heutigen Be- 
wohner, femer 177 Schädel aus alten und neuen Gräbern. Nach den gewonne- 
nen Erfahrungen erklärt Herr L. jedoch, dass die Lösung dieser schwierigen 
Aufgabe der durch anthropologische Forschungsergebnisse unterstützten Philo- 
logie zufalle. Er beschränkte Mch im XIH. Cap. des II. Bandes auf^^inige Studien 
über die nomadisirenden Tachtadschy und andere Ueberreste der älteren Be- 
völkerung. Namentlich finden die »Jürüken«. ein Hirtenvolk, dessen Stammes- 
brüder Referent auf dem Balkan begegnete, gleich den lykischen Zigeunern, 
aosfuhrlichere Würdigung. Der Text wird durch sehr instructive Illustrationen, 
femer durch Tabellen vorgenommener Personen- und Schädelmessungen l>e- 
gleitet. 

Auch das durch diese vaterländische Expedition für die bessere geogra- 
phische Kenntnis Lykiens Geleistete darf als werthvoll bezeichnet werden. Das 
seit Schönbom unberührt gebliebene Karten wurde von den Herren Benndorf 
und Niemann durchquert. Die bezügliche ungemein plastische Schilderung, 
unterstützt durch treflfliche Vegetationsbilder von Niemann's Me sterstift, be- 
ruht auf einem Routier. das am Oberlaufe des Dalman Tschai über den 1360 m 
hohen Eskere-Boghaz in das Quellgebiet des Akh- und Möndene Tschai, weiter 
über das 1870 von Kiepert berührte Mughla bis Eski Hissar (Stratonikeia) und 
zum- griechischen Lagina ging, dessen Hekathetempel eine reiche epigraphische 



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248 

Ausbeute gewährte. Selbst auf dem mehr gekannten, streng lykischen Gebiete 
hat die Kartographie mannigfache Bereicherung erfahren. Seit Ludwig Ross* 
aus dem J. 1844 stammenden anschaulichen Reiseberichten, welchen Tschiha- 
tschefTs in »Petermann's Mittheilungen« ■ erschienene Reisen von 1847— 63^ 
dann die grundlegende Karte von Spratt, die Heiträge von Falkener, Heinrich 
Barth u. a. folgten, war seit Kiepert (1870) nur wenig Originales für Lykiens 
Topographie geleistet worden. Die auf der Karte in Schichtenlinien mit 
Schummerung ausgeführten Territorien basiren im inneren Hochlande auf von 
dem Expeditionsmitgliede Petersen, in den Ufergebieten aber meist auf von 
Kiemann und den anderen Theilnehmern {gemachten genauen Routenauf- 
nahmen. Ausserdem enthält das Werk zahlreiche Detailpläne von antiken 
Niederlassungen, den Plan der Jalihai, des Hafens von Loryma, Trysa, die 
Profilzeichnung des Dembre-Plateau u. s. w. Einen interessanten physikalisch- 
geographischen Beitrag bildet die eingehende Schilderung des heftigen Erd- 
bebens vom H. April 1881 auf der Insel Scio. 

Für den Entwurf der dem I. Bande beigegebenen Karte (l : 300.000) 
konnte nicht leicht ein zuverlässigerer Bearbeiter als der Herausgeber der 
Tschihatscheffschen Studien in Lykien und Armenien gewonnen werden, als 
der treffliche Kiepert, der mit der jjenauesten Kenntnis des einschlägigen 
Quellmaterials die eigene Anschauung des Terrains verbindet. 

Gleiches Lob verdienen die beigefügten Tafeln. Seit der Colnaghi be- 
gleitende Maler Albert Berg 1854 die ersten photographischen Aufnahmen in 
der Chimaera gemacht, ist die Technik auf diesem reproducirenden Gebiete 
sehr fortgeschritten. Zeugnis hiefür geben die prachtvollen Heliogravüren, welche 
das Werk zieren. Der illustrative Theil im Texte rührt grossentheils von Herrn 
George Niemann her und dies sagt Alles. Als Landschaft wie als Kadirung 
gleich vorzüglich gelungen ist beispielsweise die Ansicht von Makri. Als Holz- 
schnitte sind die Ansicht und das Amphitheater von Pinara, ebenso sorgil,ltig 
ausgeführt, wie das Schema der Holzbai ken-Construction im l. Bande (S. 97) 
lehrreich ist. 

Zum Schlüsse darf auch die äusserst schwierige Durchführung des 
typographischen Inschriftensatzes, gleich der gesammten technischen Herstellung 
dieses mustergiltigen Prachtwerkes als eine der österreichischen Kunst zu hoher 
Ehre gereichende bezeichnet werden. F. Kanitz. 

Afrika. 

Von der Capstadt in das Land der Maschukulumbe. 
Reisen im südlichen Afrika in den Jahren 1883 — 1887. Von 
Dr. Emil Holub. Lieferungswerk (30. — 35. Lieferungen) mit 
circa 180 Original-Holzschnitten und 2 Karten. Wien, 1889, 
Alfred Holder. 8". 

Unter dem angeführten Schlagworte verarbeitet Dr. Holub die Resultate 
seiner letzten südafrikanischen Reise. Allgemein ist bekannt, dass das von der- 
selben heimgebrachte exact-wissenschaftliche Materiale ein sehr bedeutendes 
ist, wenngleich Ergebnisse an strahlenden geographischen Entdeckungen nicht 
zu verzeichnen waren. Holub ist ein fesselnder Erzähler, dem bei aller Feuer- 



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f=t\^.^ 



249 

gluth der Phantasie die Wahrhaftigkeit als ethische und wissenschaftliche 
Tugend aber Alles gilt. So auch in diesem Werke. In wissenschaftUcher Dar- 
stellung hat er gelernt, was Jedermann zu seinem Eigen macht, dem es ge- 
gönnt ist, die einmal schon bereiste Gegend mit tieferem, geschulterem Blicke 
zu besehen. In Hingabe für die Sache und Liebe für die grossartige Natur, die 
er durchwandert, ist der bescheidene Mann ein Muster, das werden ihm hoffent- 
lich auch seine Feinde zugestehen. Uns freut es besonders, dass ihm und 
seiner wissenschaftlichen Arbeit, z. B. den astronomischen Bestimmungen im 
Zambesi-Thal. deren Resultate, wie wir vernehmen, die Landkarte beträcht- 
lich verändern werden, selbst strenge und anspruchsvolle Fachmänner warmes 

l Lob ertheilen. Dies möge ihn und seine wackere Lebensgefährtin vollauf ent- 

' schädigen für' all die Mühsal und den Schweiss, die sie auf afrikanischem 

l Boden aufgewendet haben. 

i Wir hoffen, auf das Werk nach dessen Vollendung nochmals zurückzu- 

kommen. P. 

Amerika. 

I Discovery of America by Northmen. Address at the un- 

1 veiling of the statue of Leif Eriksen, deliverd in Faneuil Hall 

? Oct 29, 1887. By Eben Norton Horsford. Boston and 

ji New-York 1888. Haughton, Mifflin and C^ Gr. 8^ pag. 113. 

f Eine prachtvoll illustrirte. mit Copien von Karten des Stephamus (1570), 

! Ruysch (1507), Girol. Verrazano (1529), Lok (1582), Behaimb (14iJ2), Montanus 
f (1671), Nolin, Leuthner, Hendersson und Anderer gezierte Gelegenheitsschrift, 
? welche gelegenthch der Enthüllung des Leif Eriksen-Denkmals in Boston erschien. 
I Der Verfasser gibt auch die Runen- und Steininschriften von der Insel Kingiktorsoak 
I und die Ruinenbilder der Kirchen von Gardar wieder, ferner die Bilder auf 
I dem Dighton- und iMillsboro- Inseln u. s. w. Interessant ist die Beleuchtung der 
verschiedenen Sagas über Leif und die Untersuchung über die Breite von 
Weinland. Der Verfasser führt sie, wie nicht anders zu erwarten, an der Hand 
der Sagen und alten Karten mit Gewissenhaftigkeit und Umsicht. »Vinland is 
preserved in the two designations of >Vineyard Sound« and »Marthas Vineyard« 
(p. 54). Ein Appendix mit Textbelegen und ein Facsimile einer Copie der Sage 
von Erich dem Rothen beschliessen das splendid ausgestattete Werk. R 

Allgemeines. 

Materialien zur Geschichte der astronomisch-trigo- 
nometrischen Vermessung der österreichisch- 
ungarischen Monarchie, gesammelt und bearbeitet von 
Heinrich Hartl, k. k. Major im militär -geographischen Insti- 
tute. 1. u. 2. Heft. (Separat- Abdrücke aus den »Mittheilungen 
des k. k. milit.-geogr. Instituts«, VII. u. VIII. Band.) Wien, 1887 
u. 1888. pag. 280. 



L 



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f 



250 



Eine Geschichte des ausgezeichneten heimatlichen Instituts kommt allen 
Patrioten und Interessenten an der topographischen Aufnahme des Vaterlandes 
zu einer Zeit eben recht, wo eine grossartige topographische Arbeit in dem- 
selben vollendet worden ist und eine zweite nicht minder bedeutende in Angriff 
} genommen ward. Jedes Erzeugnis dieses Institutes wird uns doppelt werth, 

wenn wir erfahren, welche Mühe es gekostet hat, die Anstalt dahin zu brin- 
p gen, die Welt mit demselben zu erfreuen. 

f Hartl hat als Historiograph seine Arbeit sehr ernst gefasst. Er verlegt 

? mit richtigem Griffe dep Schwerpunkt in die Beschreibungen der Entwicklung 

1" der wissenschaftlichen und praktischen Methoden, die im Institute von seinem 

:v Anbeginne gehandhabt wurden. Auf diese Art erhalten wir nicht einseitigen 

^ Aufschluss über chronologische AeusserHchkeiten, Befehle und Ordonnanzen, 

I sondern über eine reiche Fülle rüstigen Treibens und Thuns, aber auch müh- 

samer und erfolgreicher Arh>eit. So wird die Geschichte und Kritik aller ßasis- 
messungen entwickelt, die Methoden und der Vorgang, wie auch die Instru- 
mente zur Messung und deren Verbesserungen kritisch dargestellt und auf diese Weise 
gleichsam die Bausteine der schönen kartographischen Blätter der Monarchie 
behauen, zusammengefügt und aufgeschlichtet Alle zugänglichen Quellen, 
namentlich die vielen Triangulirungs-Protokolle sind bei der Arbnit verwerthet 
worden, die, einmal vollendet (der Verfasser ist eben bei der Beschreibung der 
Basismessungen der 60er Jahre angelangt), ein schönes und wichtiges Denkmal 
einer der wichtigsten und mühevollsten wissenschaftlich-geographischen Arbei- 
ten in unserem Vaterlande bleiben wird. 

Wir glauben zu dem Ausspruche bei*echtigt zu sein, dass gewissenhafte, 
kritisch beleuchtete Landesaufnahme unsere Wehrkraft stärkt und verbessert. 
In diesem Sinne begrüssen wir Hartl's historische Arbeit auf das Sympathi-r 
scheste und wünschen derselben alle Würdigung und Anerkennung. 

A. E. I. 0. U. Die Bedeutung dieser Zeichen wird wahr, wofern mit 
gleichem Eifer und Verständnis an der mühevollen Arbeit der Landesaufnahme 
aber auch mit derselben Kritik, wie sie Hartl entwickelt, an der Geschicht- 
schreibung derselben in Zukunft gearbeitet werden wird. 

Fh. Paulitschke. 

Kleine Handausgabe von HölzeTs Geographischen 
Charakterbildern. HO chromolithographische Tafeln mit 
beschreibendem Texte von Prot. Dr. Umlauft und Vincenz 
V. Haar dt. Quer-Gr. H« (19 cm hoch, 28^^^ cm breit). Preis 
in elegantem Leinwandband fl. ö.50 = M. 9, elegant carton. 
(1. 4.50 = M. 7.50. (Die Bilder sind auch einzeln zum Preise 
von 15 kr. = 25 Pfg. käuflich.) Wien. Eduard Hölzel. 1888. 

Bei dem Umstände, als die Wandausgabe der Hölzerschen geographi- 
schen Charakterbilder, welche von der gesammten Fachpresse als in ihrer Art 
einzig dastehend, von ähnlichen Publicationen unerreicht, besprochen worden 
ist, heute an fast sämmtlichen höheren Lehranstalten Deutschlands und Oester- 
reichs, an vielen Mittelschulen Frankreichs. Englands, Russlands, Schwedens, 
der Niederlande, Belgiens und der Schweiz, ja selbst Amerikas und AustraUens, 
beim Unterrichte mit vielem Erfolge verwendet wird, ist nicht daran zu zwei- 



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251 

feto, dass die sludirende Jugend kleine Reproductionen der Bilder freudigst be- 
grOssen wird und dies umsomehr, als die kleine Ausgabe sehr billig abgegeben 
wird und es selbst dem unbemittelten Schüler möglich ist, durch Ankauf der 
einzelnen Bilder mit Text nach und nach die ganze Collection zu erwerben. 
Ein wesentlicher Vorzug des Werkes besteht darin, dass es der Jugend eine 
Reihe von naturwahren Bildern in gefälliger färbiger Ausführung und nicht, 
wie dies gewöhnlich der Fall zu sein pflegt, in eintönigen Holzschnitten 
vorführt. 

Mit Recht können alle Fachmänner auf dieses eminente Lehrmittel auf- 
merksam gemacht werden. Die Meinungen darüber, ob es pädagogisch richtig 
sei, wenn die Schüler während der Demonstrationen an den grossen Wand- 
bildern in der Schule, die verkleinerten Bilder vor sich liegen haben, mögen 
g^theilt sein. Doch gibt es gewiss Fachmänner, welche dies befürworten. Nie- 
mand wird sich aber der Einsicht verschliessen, dass ein Hinweis des Lehrers ■ 
auf die Existenz dieser Bilder und auf das Wünschenswerthe der Anschaffung 
derselben durch die Schüler bei dem häuslichen Studium eine Erhöhung der 
Lernfreudigkeit und eine Vertiefung des Wissens herbeizuführen vermag. In 
diesem Sinne seien also die Tafeln Lehrern und Schülern angelegentlichst em- 
pfohlen, rh. PaulitHchke. 

Acten zu Columbus Geschichte von 147:5 bis 1492. Eine 
kritische Studie von Max Büdinger. (Separatabzug aus dem 
CXH. Bande der Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschatten in Wien. Jahrgang I88n.) Octav. 54 Seiten 

Wenn wir die Besprechung dieser für die Geschichte der Geographie 

äusserst wichtigen Druckschrift mit Verspätung bringen, so liegt die Ursache 

) davon theils in dem Umstände, dass wir selbst mit derselben erst vor Kurzem 

bekannt wurden, theils aber auch daran, dass nicht jedem Menschenkinde 

. beschieden ist, von den Veröffentlichungen der Akademie rasche Kunde zu 

i erhalten. 

I Wer sich einigermasseu für die specielle Entdeckungsgeschichte des 

neuen Continentes interessirt, der wird von der heftigen Polemik Kenntnis 
f genommen haben, die in den letzten fünfzehn Jahren, um die Authenticität der 

f »Historie« geführt wurde. Auf den nun, dem die heissen Kämpfe von Perajalto, 

j Harrisse und D'Avezac noch im Gedächtnis sind, wirkt die gegenwärtige 

i Druckschrift des ausgezeichneten Wiener Gelehrten wie ein angenehmes auf- 

; frischendes Bad nach überstandener südlicher Gluth. Der Fachhistoriker hat 

\ es unternommen, glücklich zwischen den Streitenden, theils mit neuem Materiale 

hervorzutreten, theils eine Ausgleichung der vorhandenen divergirenden Auf- 
fassungen auf Grund neuer Gesichtspunkte zu bewerkstelligen und das Resultat 
davon war ein kurzes aber inhaltsschweres Werk, welches der Geschichte der 
Geographie ungemeinen Nutzen bringt. 
I Im ersten Theile seiner Abhandlung beschäftigt sich der geehrte Verfasser 

mit der viel angefochtenen Historie, über deren Entstehung er uns manche 
werthvolle Aufklärung gibt. Es sind zunächst zwei Punkte, die unser Interesse 
fesseln, nämlich die noch nicht gestellt gewesene Frage, warum das Manuscript, 
da es zuerst in Genua war nicht auch daselbst gedruckt wurde und wie Las 



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252 

ä 

^ Casas die Historie benutzen konnte; letzteres Argument ist zwar schon ver- 

schiedentlich berührt, aber noch nicht überzeugend beantwortet worden. In 
ersterer Angelegenheit zeigt uns nun Büdinger wie die politische Abhängigkeit 
Oenua's von dem spanisch-habsburgischen Interesse die Drucklegung eines der 
spanischen Regierung unangenehmen Buches in genannter Stadt unmöglich 
machte, in letzterer erinnert er daran, dass während Las Casas in Valladolid 
an seiner »Geschichte« arbeitete, Don Luis Colon sich als Gefangener in 
; Simancas aufhielt. Der Enkel war also während dieser Zeit gerade an der 

Stätte des Staatsarchivs, wohin Las Casas wahrscheinlich oft wandern musste. 
»Wie hätte der greise, allgemein verehrte Dominikaner und der . . . Enkel des 
von ihm persönlich gekannten und so hoch gewürdigten Entdeckers einander 
nicht in Simancas sehen und von Columbus sprechen sollen!« Ob er dem Erben 
C; Don Femando's, dessen Geschichtsbuch benätzen zu können, verdankte, oder 

umgekehrt dem D. Luis erst Kenntnis von demselben gab. lässt auch Büdinger 
? unentschieden. 

2 Bemerkenswerth sind die Ausführungen des Verfassers über die durch 

i: Harrisse bemängelten Stellen der Historie, welche sich auf die Herkunft des 

^ Entdeckers beziehen, deshalb sehr bemerkenswerth, weil es interessant ist, die 

{ Ansichten eines Gelehrten von dem Schlage Büdingers über eine sehr modern 

;, gewordene Frage, über den Charakter des Columbus zu hören. Liest man nun 

' die bezügüchen Urtheile Büdinger's so muss man sich wohl eingestehen, dass 

Columbus bisweilen jierne übertrieben hat. 

Wir kommen zum zweiten Theil der Abhandlung, »Dienst beim König 
Ren^.« Darüber hat Harrisse ungeheuer viel geschrieben, sein ganzes Grebäude 
aber auf veraltetes Material gestützt und es ist ein wesentliches Verdienst der 
hier besprochenen Druckschrift, dass die Frage, ob Ren^ in der fraglichen 
Zeit Krieg führte odör nicht, doch endgiltig entschieden wird. Es wird nicht 
nur festgestellt, dass Rene sich mit verschiedenen Könieren in Kriegszustand 
befand, aber der Verfasser gibt uns auch ganz bestimm' an, mit welchen 
Königen und in welcher Zeit er Krieg führte. Dass sich bei dieser Untersuchung 
herausstellt, Columbus habe dem König Renö als Kaper uedient, dies zu 
hören, erwarteten unsere Leser wahrscheinlich kaum. Diesen Eindruck bekommt 
Büdinger aus der Schilderung der Unternehmung gegen die FerJinandina, Von 
seinen damaligen Genossen spricht nämlich der Entdecker als von Leuten, die 
seinem Befehle untergeben, aber doch in der Lage waren, einen Beschluss zu 
fassen. Es lässt sich daraus schliessen, dass es sich mehr um die Vereinigung 
mehrerer Personen handelte, die zu dem Zwecke vereinigt waren, um ganz 
Gateazze Ferdinandina zu nehmen, um ein Kaperschiff also, das Columbus 
momentan commandirte. Verschiedene Züge aus dem späteren Leben des Ent- 
deckers scheinen dem Verfasser in dieser Annahme zu bestärken. 

Für die Biographie des Columbus und speciell für die Bestimmung der 
Zeit seiner Ankunft in Portugal, wäre die Jahreszahl des zuletzt angeführten 
Unternehmens wichtig zu wissen. Nun erläutert Büdinger. dass dieselbe nicht 
wohl vor den 7. August 1473 gesetzt werden kann, an welchem Tage Columbus 
noch als Zeuge in Savona erscheint, aber auch nicht viel später als gegen Ende 
desselben Jahres. 

Endlich untersucht Büdinger die Art und Weise, sowie die 2^it der 
Ankunft Columbus' in Portugal. Was nun die abenteuerliche, darauf bezügliche 



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üffWP!" 



253 

Geschichte der Historie anbelangt, so ist der Verfasser geneigt, ihr eine wahre 
Begebenheit zu Grunde zu legen mit der Variante, dass es sich wahrscheinlich 
um einen Piratenzug handelte; die Zeit dieses Ereignisses bleibt aber noch 
immer in Dunkel gehüllt üeber die üebersiedlung des Columbus aus Portugal 
nach Spanien macht der geehrte Verfasser darauf aufuierksam, dass auch der 
Seeweg in Erwägung zu ziehen wäre. 

Wir haben hier nur einige Punkte dieser interessanten Druckschrift an- 
gezogen, der Leser wird aber noch manches Wissenswerthe finden. Büdinger 
schliesst seine Abhandlung mit folgenden Worten : 

»Sein Leben (des Columbus) auf portuviesischem wie auf spanischem 
Boden bis zu dem entscheidenden Vertrage mit der spanischen Krone vom 
17. April 1492, bietet auch sonst noch manche Schwierigkeiten, welche bei 
weiterem Eindringen in das erhaltene Material sich doch als lösbar erweisen 
dürfte « Man kann nur wärmstens wünschen, dass diese Ansicht des Verfassers 
bald in Erfüllung gehe. Thatsächlich haben uns nebst Harrisse auch spanische 
Autoren (Duro. Ximenez de la Espada, Fabi^ u. s. w.) gezeigt, dass aus der 
Entdeckungsperiode noch massenhaftes, unbenutztes und ungesichtetes Material 
vorliegt. Früher oder später könnten vielleicht noch wichtige Acten zum Vor- 
schein kommen. 

Indem wir unsere Besprechung schliessen, sprechen wir die Hoffnung 
aus, dass Büdinger dieser Partie aus der Geschichte der Geographie noch 
weiters seine Aufmerksamkeit schenken wird. Seine gegenwärtige Publication 
setzt uns in die Lage, schwebende Kragen nunmehr von einem anderen ganz 
neuen Gesichtspunkte aufzufassen und eröffnet über die Person des Columbus 
neue Horizonte. — Büdinger könnte wahrscheinlich noch manchen Punkt 
aufklären. 

JS. Gelcich. 

Vermisdhte Schriften des k. k. Vice-Admirals Bern- 
hard Freiherr V. WüUerstorf-tlrbair. Herausgegeben 
von seiner Witwe. Graz 1889. 

Der Pietät der Witwe dieses grossen Staatsmannes und Admirals, welchem 
als Commandant der Novara-Expedition stets ein ruhmvolles Andenken in den 
Annalen der Geographie gesichert sein wird, verdanken wir dieses Buch, das 
im Selbstverlage der Herausgeberin erschienen, und einigen mit dem Ver- 
storbenen in Berührung gestandenen Corporationen und Freunden zugekom men 
ist. Es enthält eine Reihe theils uogedruckter. theils in Zeitschriften zerstreu- 
ter Abhandlungen Wüllerstorfs, welche zumeist die Handelspolitik, die Aus- 
breitung des österreichischen Handels in fernen Gebieten, sowie die Entwick- 
lung des österrexhischen Verkehrs (insbesondere Eisenbahnnetzes) zum Gegen- 
stande haben. In diesen Aufsätzen zeigt sich der weite, weltumfassende Blick 
dieses grossen Staatsmannes, dessen Einfluss auf die Ausbildung unseres heu- 
tigen Verkehrs noch zu wenig gewürdigt ist. Es folgen sodann allgemeine und 
beschreibende Aufsätze, Anekdoten von der Novara- Keise, eine Charakteristik 
TegetthoflPs, endlich der Briefwechsel Wüllerstorfs. Voraus geht eine von Hof- 
rath Scherzer, dem langjährigen Freunde des Admiral«, trefflich geschriebene 
Biographie Wüllerstorfs. Le Monnier. 



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254 

Jahres-VersammluDg der k. k. geographisoben Gesellschaft 

am 26. M&rz 1889. 

Vorsitzender: Se. Excellenz Dr. Josef Alexander Freiherr v. Helfert, 
erster Vice-Präsident der Gesellschaft. 

Zahl der anwesenden stimmberechtigten Gesellschafls-Mitglieder : 194. 

Der Vorsitzende begrüsst die Anwesenden, eröffnet die 33. Jahresversamm- 
lung und constatirt die Beschlussfähigkeit der Versammlung. 

Bevor zur Tagesordnung geschritten wird, macht der Vorsitzende die 
Anwesenden darauf aufmerksam, dass fQr die anberaumten staluten- 
mässigen Wahlen des Präsidenten, der drei Vice-Präsidenten, der '21 Ausschuss- 
Mitglieder und 7 Ersatzmänner für den Ausschuss die vom Ausschusse der 
Gesellschaft bestimmten, resp. ausgegebenen Wahlzettel einzig und allein be- 
nützt werden können. 

Professor Toula spricht gegen diese Bestimmung und betont, dass es 
jedem Mitgliede selbstverständlich freistehe, die Namen der Candidaten auf einen 
ihm beliebigen Zettel zu schreiben und stellt einen diesbezüglichen Antrag. 

Da bei der hierauf erfolgten kurzen Discussion der Antrag Prof. Toula's 
nicht genügend unterstützt wurde, wird beschlossen, dass es bei den vom 
Ausschusse ausgegebenen Stimmzetteln zu verbleiben habe, welche allein als 
für die Wahlen gültig zu betrachten sind. 

Der Vorsitzende schreitet hierauf zur Tagesordnung: 

Die vom Ausschusse als neue ordentliche Mitglieder vorgeschlagenen 
Herren Constantin Freiherr v. Popp und Max Kraemer, k. k. Lieutenant 
i. d. Reserve des Dragoner-Regiments Nr. 8 in Wien, werden aufgenommen. 

Der Antrag des k. k. Oberlieutenants Otto Kfifka wegen Auflassung der 
Autoren-Honorare für Beiträge in den ..Mittheilungen** kommt nicht zur Ver- 
lesung, indem beschlossen wird, dass derselbe in einer künftigen Versammlung 
der Gesellschaft zur Berathung kommen solle. 

Sr. kais. und königl. Hoheit Herrn Erzherzog Ludwig Sal- 
vator wird für das der Gesellschaft zum Geschenk gemachte Werk: ,.Die 
Balearen" (spanische Öebersetzung des Original- Werkes) der Dank ausgesprochen. 

Der Vorsitzende erstattet den wissenschaftlichen Jahresbericht des 
Präsidenten. 

Der Generalsecretär Dr. R. v. Le Monnier berichtet über die inneren 
Angelegenheiten der geographischen Gesellschaft im Jahre 1888 

Der Bibliothekar von Haradauer berichtet ül^er den Stand der Gesellschafls- 
Bibliothek resp. über den Zuwachs für dieselbe im Jahre 1888. 

Rechnungsführer Robert Daublebsky v. Sterneck referirt über die 
finanzielle Gebahrung der geographischen Gesellschaft im Jahre 1888. 

Rechnungs-Censor. k. k. Oberrechnungsrath Franz Dohnel, erstattet 
Bericht über die am 21. März 1889 vorgenommenen Revision der Cassa und 
Rechnungen der geographischen Gesellschaft, wonach Cassa und Rechnungen 
in vollkommener Ordnung befunden worden sind. 

Cassier v. Arthaber berichtet über den Stand des Reservefondes der 
Gesellschaft im Jahre 1888 und über den Vermögens-Stand der Major Heinrich 
Lamquet'schen Stiftung. 



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255 

Hierauf werden als Rerhnungs-Censoren für das Jahr 1889 vorgeschlagen 
und wieder gewählt die Herren: Oberrechnungsrath Franz Dohnel und Julius 
Schwaighofer, k. k. Finanzrath. Als Ersatzmann für dieselben wird Herr Carl 
Schwarz, kais. Rath und Ober-Inspector der Nordbahn neu gewählt. 

Der Vorschlag des Ausschusses: Se. Excellenz Herrn Grafen Hans 
Wilczek in Würdigung der grossen Verdienste, die sich derselbe um die För- 
derung der geographischen Wissenschaft erworben hat, zum Ehrenpräsidenten 
der k. k. geographischen Gesellschaft zu ernennen, wird mit Stimmen-Eiii^ 
belligkeit zum Beschlüsse erhoben. 

Als Wahl-Scrutatoren für die anberaumten Wahlen werden die Herren 
Hofrath Brunner v. Wattenwyl, Prof. Dr. Neumayer und Baron Eugen Poche 
nominirt und gewählt. 

Hierauf (8 Uhr) wird die Sitzung behufs Abgabe der Stimmzettel auf 
20 Minuten unterbrochen und sodann das Ergebnis des Scrutiniums abgewartet 

Nachdem um 10 Uhr abends das Scrutinium über die Wahlen noch nitbt 
beendet war. wurde vom Vorsitzenden die Versammlung mit dem Bemerken 
geschlossen, dass die Theilnehmer an der Versammlung von dem Resultate 
der Wahlen brieflich werden verständigt werden. 



Monats- Versammlung der k. k. geographischen Gesellschaft am 

23. April 1889. 

Vorsitzender: Vice-Präsident Hofrath Dr. Franz Ritter v. Hauer. 

Der Vorsitzende begrüsst die Versammlung und hält an dieselbe die iui 
der Spitze der vorliegenden Nr. 4 der ., Mittheilungen*' abgedruckte Ansprachr«. 

Prof. Dr. Melchior Neumayer ergriff hierauf im Namen des von Wien 
abwesenden Herrn Prof. Dr. E. Suess das Wort und wies darauf hin. dass das 
wesentliche Motiv, welches Prof. Suess zum Rücktritte bewogen habe, in der 
üeberzeugung wurzelte, dass er in systematischer Opposition zu einem Theile 
des Ausschusses stehe und demgemäss ein erspriessliches Zusammenwirken 
nicht leicht möglich sei. Prof. Suess habe deshalb schon vor der Generalver- 
sammlung erklärt, er könne, weil er derartige Schwierigkeiten vorhersehe, eine 
Wahl auf Grund der von dem Ausschusse ausgegebenen WahUiste nicht an- 
nehmen. Der Redner theilte schliesslich mit, dass eine Anzahl von Mitgliedern 
beabsichtige bei Vornahme der Neuwahl des Präsidenten abermals für Prnf^ 
Suess zu stimmen. Diese Erklärungen wurden von der Versammlung zur Kennt- 
nis genonunen. 

Hierauf wird Dr. Franz Ritter von Le Monnier mit Rücksicht auf 
seine mehrjährige verdienstvolle Thätigkeit als General-Secretär der Gesellschitfl 
zum correspondirenden Mitgliede ernannt. 

Der Vorsitzende theilt sodann mit. dass der Ausschuss zur Aufnahin** 
als ordentliche Mitgheder der Gesellschaft nachfolgende Herren vorschlage: 

1. Herrn Robert Lerco, Privatier aus Gressoney, derzeit zu W^ien; 

2. Herrn Carl Kand elsdorfer. k. k. Hauptmann, zugetheilt dem k k, 
Generalstabe in Wien; 

3. Herrn Dr. Vatroslav Jagic. k. k. Hofrath und Univ.-Prof. in Wien. 



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256 

Die Veraainrnlung alimmt einhellig der Aufnahme der vorgenannten 
Herren als Mitglieder der k. k. geographischen Greselischaft zu. 

Hierauf hält Herr Hauptmann C. Kandelsdorfer den angekündigten 
Vortrag über Montenegro und unterstützt seine mit Beifall aufgenommenen 
Ausführungen durch ein sehr reichhaltiges im Saale exponirtes Kartenmater iale. 

Dem interessanten Vortrage wohnte eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft 
bei, darunter der Chef des Generalstabes, Excellenz FZM. Freiherr v. Beck, 
der Director des k. k militär-geographischen Instituts FML. Freiherr Wanka 
von Lenzenheim und viele höhere Officiere. 



Druckfehler im letzten Heft. 

Seite 126, Zeile lÜ und 11 von oben: statt >Probenkarten< lies »Nebenkarten« 
1'26, ,, 28 Ton oben: statt »nie« lies »nur«. 
„ 126, „ 29 „ ., statt »fühlt« lies »fehlt«. 



]>r«c]t von Kreisel u. GrÖger, Wien. 



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257 



Die Gebirgs-Systeme der Balkan-Halbinsel. 

(Hiezu Tafel X.) 
Von €liri»tiaii Ritter Ton Steeb, k. k. Oberst des Generalstahscorps. 

Für die orographische Eintheilung der Balkan-Halb- 
insel sind unsere Kenntnisse von derselben noch recht lückenhaft 
und enthält auch die Literatur nur sehr spärliche Andeutungen 
darüber. Immerhin ist es aber bereits jetzt möglich, wenn man vom 
südlichsten Theile der Halbinsel, dem Königreiche (Griechenland, 
absieht, folgende vier Abschnitte zu unterscheiden: das illyrische 
! (lebirgsland, das Gebirgs- System des Balkan, die macedonischen 
(lebirge mit dem albanesischen Küstengebirge, endlich das Gebirgs- 
System der Rhodope. 

1. Das illyrische Gebirgsland steht zwischen Fiume 
und der oberen Kulpa mit den Alpen in Verbindung und breitet 
sich von der Nordgrenze der Balkan-Halbinsel •) gegen Süden bis 
zu einer Linie aus, welche am adriatischen Meere mit dem ver- 
einigten und Beli Drim beginnt, nördlich des Sar und Karadag 
zieht und ihre Fortsetzung in der südlichen (bulgarischen) Morava 
findet. Im Westen ans adriatische Meer reichend, dehnt sich das 
illyrische Gebirgsland im Osten bis zur Furche aus. welche bei 
Pirot (an der Ni^ava) anfängt und sich längs des Timok bis zur 
Donau fortsetzt. Die Nisava, von Pirot bis zur Mündung in die südliche 
Morava, vollendet den Abschluss des illyrischen (iebirgslandes. 

Dieses grosse Gebiet wird von der Tiefenlinie Bojana, Scutari- 
8ee. Moraea, Cjevna, Predelec-Sattel, Um, Drina in einen »west- 
lichen«^ und einen »östlichen« Theil zerlegt. Im ersteren Theile 
herrscht die Streichrichtung von Nordwest nach Südost vor, die 
Erhebungen sind sehr bedeutend, die Thäler meist eng. Im östlichen 
Theile des illyrischen Gebirglandes kommen die verschiedensten 
Streichrichtungen vor. die Gebirge ragen durchschnittlich nicht 
sehr hoch hinauf, die Thäler sind häufig breit und flach. 

2. Das Gebirgs-Sy stem des Balkan erstreckt sich von 
der Donau bis zur durchlaufenden Tiefenlinie Nisava (.lezevica, 



*) Die Nordgrenze der Balkan-Halbinsel durchzieht von Fiume his Brod, 
an der Vereinigung der Kulpica und Kulpa, jene IüAtw breite Depression, 
welche die Louisenstraße benützt. Von der Kulpica-Mündung gegen Osten 
bildet die Kulpa, dann die Save und endlich die Donau die Scheidung. 
Mitth. d k k. Geogr. Ges. 1889. 5. ^^ 

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258 

Dragoman-Pass, Becken von Sofia, Isker (stromauf von Sofia bis 
Samokov), Uebergang von Sipoean nach Dolnja Banja, Marica. Es 
beginnt im Westen an der Timok-Furche und endet im Osten am 
I; schwarzen Meere. Der Balkan enthält hauptsächlich Kettengebirge 

f, ' mit der Streichrichtung West-Ost. 

Der Hauptzug beginnt mit dem isolirten Gipfel Vrska Cuka. 
|L Er zieht von da bis zum Berge Demirkapu ') als schmaler, meist 

I wenig gegliederter Mittelgebirgs-Rücken. Theile desselben ragen in 

f^; die Hochgebirgsregion. 

I Der Isker durchbricht diesen Gebirgswall. Der Theil westlich 

I des Durchbruches heißt >West-Balkan*, jener östlich desselben 

I bis zum Demirkapu »Central- oder Großer - Balkan<. 

I Letzterer erreicht eine mittlere Höhe von 2000 m und enthält die 

^ höchsten Spitzen des Balkan. Der Rest des Balkan-Hauptzuges — 

|; östlich des Demirkapu bis zum schwarzen Meere — heisst Ost- 

■p oder Kleiner-Balkan. Derselbe sinkt größtentheils unter 1000 w. 

Er spaltet sich in drei Zweige, welche abermals in einzelne Theile 
^ zerfallen und am schwarzen Meere oder in dessen Nähe enden. Den 

^ Hauptzug des Balkan begleiten, durch eine Reihe von Senkungen 

getrennt, beiderseits Vorlagen. 

Die nördlichen Vorlagen bestehen aus einzelnen, ganz 
isolirten, scharf geformten Berglands-Gruppen, mit absoluten Höhen 
V bis 1000 w. Die Tiefenlinie, welche den Balkan-Hauptzug von diesen 

Vorlagen scheidet, hat eine absolute Höhe von 400— 500 m und wird 
beiläufig durch die Orte : Salas, Berkovica, Vraca, Orhanje, Gabrova, 
Osmanbazar und Sumla markirt. Die Zone der nördlichen Vorlagen 
hat durchschnittlich eine Breite von 15 Am. An einzelnen Stellen — 
wie östlich des Ogost und westlich des schwarzen Meeres — fehlt 
sie ganz. 

Die südlichen Vorlagen sind vom Hauptzuge des Balkan 
getrennt durch das Thal des' Iskrec, die Becken von Sofia und Zlatica, 
ferner durch den Oberlaut der Striema und Tundza, endlich durch 
den Azmak und Aitos dere. Diese Tiefenlinie hat 400 — 700 m absolute 
Höhe. Westlich des Isker bestehen diese Vorlagen aus der Gulema 
gora und deren Ausläufern; jene östlich des Isker nennt man das 
Rumelische-Mittelgebirge. Letzteres wird von der Topoljnica, Striema 
und Tund2a durchbrochen und zerfällt dadurch in das Ichtimaner- 

') Demirkapu heisst »eisernes Thorc ; im vorliegenden Falle scheint 
jedoch der Berg so benannt zu sein. 



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259 

Mittelgebirge, die Srednja gora '), den Karadza- und den Strandfa- 
dag. Südlich des Ergene breitet sich endlich das Bergland des 
Tekfur dag aus. 

Von den nördlichen Vorlagen, beziehungsweise wo diese fehlen, 
vom Balkan-Hauptzuge bis zmc Donau, breitet sich das nord- 
bulgarische Flachland aus. Dasselbeträgt größtentheils Hoch- 
lands-Charakter. An der Donau und am Unterlaufe ihrer Neben- 
flüsse finden sich stellenweise nasse Niederungen. Der nordöst- 
lichste Theil des nordbulgarischen Flachlandes — die Dobrudia — 
ist durch eine breite Depression abgetrennt. Die Südgrenze des 
nordbulgarischen Flachlandes markiren beiläufig die Punkte: VrSka 
Cuka, Vraca, LovSa, Sumla, Mündung des Büjük Kamcik. 

In der Reihenfolge von Nord nach Süd ergeben sich im 
Gebirgs-System des Balkans daher folgende Hauptabschnitte: 

1. Das nordbulgarische Flachland; 

2. die nördlichen Balkan-Vorlagen; 

3. der Balkan-Hauptzug und 

4. die südlichen Balkan- Vorlagen. 

3. Die macedonischen Gebirge und das albane- 
sische Küstengebirge breiten sich südlich des illyrischen Ge- 
birgslandes bis zum ägäischen Meere, beziehungsweise bis zur 
Salamvria und Arta (Mecovon-Bach) aus. Im Westen werden sie 
vom adriatischen, respective jonischen Meere, im Osten von einer 
Tiefenlinie begrenzt, welche vom Becken von Sofia den Isker und 
dann die Polagaria aufwärts bis zum Klisura-Pass zieht, hierauf 
längs des Diermen die Struma erreicht und diesem Flusse bis zur 
Mündung folgt. Die durchlaufende Senke: Thal des. Crni Drim. 
Ohrida-See, Becken von Korica, Arta sondert das albanesische 
vom macedonischen Gebirge. 

In den macedonischen Gebirgen herrscht westlich des 
Vardar die Streichrichtung Nord-Süd vor, während östlich dieses 
Flusses die Höhen häufig von West gegen Ost ziehen. 

Im ersteren Räume erhebt sich längs des Crni Drim ein 
gewaltiger Rücken, welcher beinahe fortwährend Alpengebirgshöhe 
erreicht Er beginnt in der Sar planina und gabelt nördlich vom 
Presba-See. Der westliche Ast endet am Devol ; der östliche enthält 

') Wörtlich das »miUlere Gebirge<. Srednja gora wird manchmal auch 
das gesammte Rumelische Mittelgebirge genannt — weil es in der Mitte zwi- 
schen Balkan und Rhodope liegt. 

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! 



260 

den Viöi vrh und reicht bis zur VLstrica. Man kann diesen ganzen 
Gebirgszug das System des Skardus nennen. 

Die zwei'Aeste des Skardus finden beiderseits des Devol- 
Oberlaufes eine Fortsetzung. Diese Höhenzüge sind aber niedriger. 
Sie vereinigen sieh am Berge Grammos. Von hier gegen Süd steigt 
der Rücken bis über 2500 m und endet an den Quellen der Salam- 
vria im Zygos-Gebirge (1433 m). Diese Erhebungen südlich des 
Presba-See und westlich der Vistrica bezeichnet man gewöhnlich 
als das System des Pindos oder auch des Grammos. 

Oestlich und parallel zu den Erhebungen des Skardus und 
Pindos streicht rechts des Vardar ein Höhenzug, wacher östlich 
Kalkandele beginnt und mit dem Olympos am ägäischen Meere 
endet* Er wird von der Crna, sowie von der Vistrica durchbrochen 
und durch diese Flüsse, dann durch den tiefen Sattel von Pletvar 
in die Systeme derBabuna. Selca, Nidie und des Olympos 
getheilt. 

Diese beiden parallelen, meridional streichenden Höhenzüge 
westlich des Vardar stehen an mehreren Stellen in Verbindung, 
wodurch 3, beziehungsweise 4 große Becken entstehen, und zwar 
das Becken von Kalkandele oder das Tetovo. jenes von Monastir 
oder die Pelagonia, und endlich das südlichste, welches durch 
das Snicnik-Gebirge in die Becken von Kastoria und Kailar ge- 
trennt ist. 

Oestlich des Vardar, beziehungsweise Lepenac bis zur 
Struma und Konjska, u. zw. nördlich der Pcinja und des Egrisu 
(Kriva r.), erhebt sich westlich der tiefen Einsattlung von Kuraanova 
derKaradag, während östlich davon, längs der bulgarischen 
Morava bis zur NiSava das serbisch-macedonisch-bul- 
garische Grenzgebirge streicht. 

Südlich der Pcinja und des Egrisu bis zur Bregalnica und 
Suna erhebt sich die Osigova plan in a bis über 2300 ;w. Gegen 
West liegt ihr eine weite Hochlandsfläche — das Ovce polje 
— vor. 

Zwischen der Bregalnica und Suna einestheils und der tiefen 
Senke von Dojran andern theils, breitet sich die Pla§kavica und 
BeleS planina aus. Dieselben tragen Mittelgebirgs-, in den Aus- 
läufern auch nur Berglands-Charakter. 

Südlich der Senke von Dojran bis zu jener des Langaza und 
Hesik göl findet sich derKursa Balkan undBesik dag, welche 
größtentheils nur Berg- und Hügellands-Charakter zeigen. 



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I 261 

' Die chalkidische Halbinsel ist in ihrem Haupttheile vom 

niederen Mittelgebirge des Kortaö und seiner südöstlichen Fort- 

i Setzung bedeckt. Gegen Süd schliesst Berg- und Hügelland an. Nur 

[ in der östlichsten der drei großen Landzungen reicht der Berg 

: Athos wieder bis in die Mittelgebirgsregion. 

Oestlich der Struma, Konjska, Jablonica, Sukovska 
erhebt sich endlich der gewaltige Gebirgsstock der Vitos planina 
(22911»). 

Das albanesische Küstengebirge wird durch den 
Devol in zwei Abschnitte zerlegt, von denen der nördliche das 
»Ghegen-«, der südliche das »Tosken-Gebirge« genannt werden kann. 
Das Ghegen-Gebirge, obzwar von dem Fandi vogelj und 
dem Skumbi durchbrochen und somit in 3 Abschnitte gegliedert, 
stellt sich doch als eine zusammenhängende Erhebung dar. Gegen 
k West liegt dem mittleren Abschnitte eine niedere Vorlage, allen 
I Theilen aber die große albanesische Küstenebene vor. 
'•: Das Tosken- Gebirge ist durch mehrere tiefe, miteinander 

i beinahe in Verbindung tretende Flussthäler in 4 Gebirgs-Systeme 
zerlegt, welche im allgemeinen die Streichrichtung Südost — Nord- 
west zeigen: 

a) zwischen Devol und Ljumi Beratit die Gruppe des Tomor; 
: b) zwischen Ljumi Beratit und Vojuca das Malakastra- 

Gebirge : 

c) westlich der Flüsse Vojuca, Drynos und Kalamas das 
acroceraunische System, und endlich 

d) zwischen den Flüssen Drynos und Kalamas einerseits 
Voidomatis und Arta anderseits das System des Micikeli. 

4. Das Gebirgs- System der Rhodope dehnt sich 
südlich vom Balkan und östlich vom macedonischen Gebirge bis 
zum ägäischen Meere aus. Es liegt also im allgemeinen zwischen 
der Struma und der Marica. Dieses (iebirgs-Dreieck weist in der 
nordwestlichen Ecke die bedeutendsten Erhebungen (bis 3000 m) 
mit vollem Hochgebirgs-Charakter auf. Es wird hier durch den Rilo- 
Bach und den Ljub-lsker getheilt. 

Nordwestlich dieser Linie liegt die compacte Hochgebirgs- 
masse des Rilo dag. 

Südost] ich dieser Flüsse und nördlich der Bistrica (linker 
Nfbenflu:>s der Struma), streicht von der Struma bis zu den Quellen 
der Marica ein milchüger, weit über 2000 w ragender Hochgebirgs- 



k 



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262 

zug, welchen man als die »Central - Rhodope« bezeichnen 
kann. Sie enthält die bedeutendsten Erhebungen des vorliegenden 
Raumes (Muss Alla 2917 m'). 

Gegen Nord entsendet die Central- Rhodope, zwischen Bieli 
Isker und Marica, ein rasch flacher werdendes Mittelgebirge, welches 
mit dem Ichtimaner Mittelgebirge am Sattel von Sipo^an in Verbindung 
tritt und dadurch die Brücke zwischen dem Gebirgs-Systeme der 
Rhodope und jenem des Balkan herstellt. 

Gegen Süd zweigt von der Central-Rhodope — westlich der 
Mesta — der Hochgebirgszug des Per im dag ab. Seine südliche 
Fortsetzung bildet einestheils der Bunar dag an der Struma- 
Mündung und anderntheils der Boz dag am Unterlaufe der Mesta. 

Oestlich der Mesta, beziehungsweise der Marica-Quellen, setzt 
sich die Central-Rhodope als Rhodope planina oder Dospat- 
(Despoto-) dag fort Es ist dies ein allmählich niederer werden- 
des, breites Mittelgebirge, dessen Hauptrücken den Kaincal-Berg 
enthält. Von diesem gegen Nordost, bis zum Kokez tepe, zieht das 
Mittelgebirge Kara Balkan. 

Dasselbe setzt sich gegen Ost als ein Berg- und Flachland 
lort, welches den Raum zwischen der Marica und Arda erfüllt. 



Uebep die Entwicklung und Topographie der Nil- 
Mündung von Rosette. 

Von Johann Jaiikö jun. 

Hiezu Tafel VII. 

(Fortsetzung und Schluss.) 

Welcher der von Linant de Bellefond dargestellten Inseln diese 
Inselgruppe eigentlich entspricht, müssen wir einstweilen unent- 
schieden lassen. Wir finden auf seiner Karte an diesem Ort eine 
Insel eingezeichnet, die jedoch viel grösser als unsere Inselgruppe 
und mit folgender Note versehen ist: tlc formie depuis 1841] 
mit einer anderen Insel können wir unsere Gruppe nicht identifi- 
ciren, und wenn es auch auffallend ist, dass wir an Stelle der 
heutigen drei Inseln dort nur eine finden, kann dieser Unterschied 
nicht recht in Betracht kommen, denn wir finden in der genannten 
Karte mehrere ähnliche Fehler, welche auch in den späteren Aus- 

») Der Ljubotrnim Sar ist zwar nach der General-Karte 1 : 300.000 3050« 
hoch, neuere Messungen ergaben aber nur eine absolute Höhe von 2500»». 



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263 

gaben vorhanden sind, da diese Inseln nur skizzirt sind. Auf 
Larousse's Karte finden wir an Stelle dieser Inseln eine Sandbank von 
3 bis Wn Länge, welche bei Ebbe über Wasser tritt und gleich- 
falls nur nach flüchtiger Aufnahme dargestellt sein kann. 

Die westliche Halbinsel beginnt gegenüber Borg merazeh und 
ist mehr als 7 km lang ; von Rosette kommend, erreichen wir das 
Ende ihres ersten Theiles bei der Quarantaine, dieser ist 8 km lang, 
gegenüber Borg merazeh 1* g, bei der Quarantaine ^\km breit und 
bildet eine einheitliche Fläche, die heute vor Ueberschwemmungen 
gänzlich geschützt ist und vor deren westlichem Ufer vier lange 
schmale Inselchen vorgelagert sind, das Wasser ist 0*3— 2 m tief. 

Diese Fläche bildete früher eine 'Insel und ist mit jener Insel 
identisch, die Razaud 1687. die französische Expedition 1800 auf- 
genommen hat: im Süden trennte sie vom Continent ein Kanal, 
der seit Razaud immer enger wurde. Dieser Kanal ist auch auf 
Bellefond's Karte vorhanden und seine Spur finden wir noch in 
Form eines Bächleins und eines kleinen Binnensees asch bei La- 
rousse, heute ist die Entwicklung bereits vollendet und die frühere 
Insel ganz dem Continent einverleibt Linant's Insel weicht in ihrer 
Lage wieder von den übrigen Karten ab, ja er verlegt sogar das 
Fort auf diese Insel. 

Der zweite Theil der westlichen Halbinsel erstreckt sich von 
der Quarantaine bis zur Mündung und ist 4 Am lang. Er besteht 
aus 2 Theilen: aus einer Halbinsel, welche mit ihrem westlichen 
Rand das Ufer des Flusses bildet und aus einer, die Halbinsel in 
ihrer ganzen Länge gegen Westen schützenden Landzunge. Die 
Halbinsel, auf der auch das Fort steht, ist nur 'S km lang und 
endigt in einer durchschnittlich Ikm breiten, scharfen Spitze; sie 
hat ein westliches und ein östliches Ufer; am Ostrande ist in 
einer Entfernung von * ', km von der Quarantaine das linksseitige 
Fort, hievon Vf2^^ ^^'^ die eine, 2km weit die zweite Bucht, 
welche in die Halbinsel eindringen und vorher auch das Innere 
der Halbinsel einnahmen, heute aber ist jene Fläche ausgetrocknet 
und wird nur bei Ueberschwemmungen sumpfig. Die Landzunge ist 
ikm lang, aber kaum über \^^km breit. Zwischen der Landzunge 
und der Halbinsel erstreckt sich eine tiefe Bucht, doch auch diese 
ist nicht über \\km breit und nur 0'8— l-3w tief 

Die ersten Spuren dieser linksseitigen Halbinsel finden 
wir auf Linant's Karte; wir finden dort eine nach Lage, (iestalt 
und Grösse mit der Halbinsel übereinstimmende Insel, freilich mit 



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204 

weniger genauen Conturen; diese wird von der südlichen Insel 
des linken Ufers, auf welche Linant auch das B'ort verlegt, durch 
einen Canal getrennt, dessen Spuren zwischen der Quarantaine, 
dem linkseitigen Fort und dem Ausgangspunkt der langen Erd- 
zunge, wo zugleich die ganze linke Halbinsel am schwächsten 
ist, noch heute aufzufinden sind. Weder bei Linant, noch bei La- 
rousse finden wir Spuren der Landzunge, diese wurde entweder von 
ihnen nicht gesehen oder entstand erst später. Larousse zeichnet 
die durch die Landzunge begrenzte Halbinsel ganz genau ein und 
der Vergleich lehrt uns, dass die Umwandlung sich hauptsächUch 
auf das Innere der Halbinsel erstreckte, dessen ehemalige Bucht 
nun wasserlos ist. -- 

Die linke Halbinsel enstand daher ursprünglich aus zwei Inseln, 
der Gang der Entwicklung ist sehr einfach: die beiden Inseln bildeten 
sich aus einem gewissen Kern und das Wasser häufte auf denselben 
seinen Schlamm, im südlichen Canal führte das von den Strömungen 
zurückgedrängte Wasser seinen Schlamm hinüber und lagerte ihn 
an der westlichen Spitze des Festlandes ab, hiemit den Grund zur 
Landzunge legend. Sowie aber das Wasser des Nil in's Meer 
geräth, neigt sich eine Strömung nach rückwärts, welche das Ufer 
der früheren Inseln bespülte und seinen Schlamm an der oben 
genannten Ecke des Festlandes ablagerte, hiedurch entstand die 
westliche Landzunge. Der Aufbau derselben vermittelte in grossem 
Masse das Zustandekommen der Inseln, denn nun waren diese den 
westlichen Meeresströmungen nicht mehr ausgesetzt, die Canäle der 
beiden Inseln wurden durch den Schlamm der in ihrem Wege 
gehemmten Strömungen zugestopft und auf diese Art verschmolzen 
die beiden Inseln mit dem Festlande. Das Werk der Entwicklung 
schritt dann in zwei Richtungen vorwärts, einerseits diente der 
Schlamm zur ferneren Verstopfung der Canäle, anderntheils min- 
derte er die Tiefe der langen schmalen Bucht zwischen den Inseln 
und der Landzunge so sehr, dass darin das Wasser heutzutage 
schon kaum mehr als O'S—lSm Tiefe besitzt. Der weitere Verlauf 
der Entwicklung ist vorauszusehen, die Oeflnung dieses langen Meer- 
busens ist heute 0dm tief, im Innern l"3m; infolge der ferneren 
Verschlammung der Oeffnung werden über kurz oder lang Flächen 
entstehen, welche nur zur Zeit der Ueberschwemmung unter Wasser 
kommen, schUesst sich später die Oeffnung ganz, so wird der Busen 
zum Binnensee, der von keiner Seite Nahrung bekommend, gar 
bald trocken liegen wird, wodurch der Continent, die zwei früheren 



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265 

Inseln und die sie westlich begleitende Landzunge zu einer 
zusammenhängenden, einheitliehen Landmasse vereinigt sein werden. 

Die rechte Halbinsel ist von Borg-merazeh ausgehend 7 km 
lang, durchschnittlich 3Ä;m breit und hat drei Küsten, eine west- 
liche Fluss und eine nördliche und östliche aul der See. Die west- 
liche Küste hat drei l>emerkenswerthe Punkte, der erste ist 1 hn 
nördlich von Borg, eine ausgetrocknete Mündung, welche zur Zeit 
der Fluth zum Canal wird und den Fluss mit dem in Innern der 
Halbinsel befindlichen, von Osten nach Westen ziehenden Merazeh- 
Canal verbindet. 2'/, Arm hievon nördlich bildet das Ufer einen 
kleinen Busen und hier ist der Continent zwischen dem im Innern 
der Halbinsel liegenden Mudawer See und dem Nil kaum 500 m 
breit und wird bei Hochwasser zum grossen Theil überfluthet. 
l\km von hier liegt an einer kleinen Bucht das rechtsseitige 
Fort: in die Buch! ergiesst sich der seichte üruk. der aus dem 
Innern der Halbinsel von Nordost kommend, aus einem nördlichen 
und südlichen Arm besteht, allein den grössten Theil des Jahres 
ausgetrocknet ist. Das nördliche Ufer ist 2 '/g km lang und einfach. 
Dem ganzen östlichen Ufer ist ein Molo vorgelagert, der aus einer 
3*m langen, kaum lOOwi breiten Landzunge und einer Insel von 
^ 2 km Länge besteht, welche als Fortsetzung der Landzunge zu 
betrachten ist. Innerhalb dieser Landzunge erstrecken sich von 
Norden sowohl als von Süden je eine grössere Halbinsel gegen 
einander, so dass dazwischen nur eine V20m breite Durchfahrt er- 
übrigt. Innerhalb dieser Halbinseln dehnt sich von Nordwest gegen 
Sudost die Tabil-Bai aus, die im Norden in zwei kleineren Buch- 
ten endigt, in ihrer Südspitze aber den nach Osten mündenden 
Merazeh-Canal in sich aufnimmt, der sich wieder nach Westen 
fast bis zum Merazeh-Busen erstreckt. Der Merazeh-Canal nimmt 
von Norden zwei Canäle in sich auf, den rechten und linken Ann 
des Bustan, welche die Gewässer des im Innern der westlichen 
Halbinsel befindlichen Mudawer-Sees abführen und somit eigentlich 
eine Insel (Ad au) bilden. Der Tabil-Busen ist 4\'.2^'^ lang und 
durchschnittlich \Ukm breit; der Merazeh-Canal ist 2ktn lang und 
von sehr wechselnder Breite, die Bustan-Canäle sind V^ m breit, 
das Binnengewässer des Mudawer 600 m lang und 400 m breit. — 

An Stelle der jelzt beschriebenen Fläche der rechten Halb- 
insel finden wir bei Linant sieben Inseln und eine ^osse Halbinsel, 
mein Führer wusste noch die Namen dieser Inseln, denn diese 
werden auf einzelne Theile des heutigen Festlandes übertragen. Die 



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Halbinsel ist im Osten und heisst Tabelisan, westlieh davon ist die 
Kebir-Insel, nordwestlich davon Etnen, südwestlich Adau, von beiden 
westlich die Fort-Insel, ganz in Norden die Rakik-Insel. Vom hydro- 
graphischen Standpunkt betrachtet waren alle Inseln vom Continent 
durch den Merazeh-Canal getrennt, der gegen Südosten einen 
grossen Busen bildete, welcher nur durch den Tabelisan vom Meer 
getrennt war. Heute existirt keine dieser sieben Inseln, doch ist es 
ausser Zweifel, dass diese Inseln existirten, ihre Lage kann heute 
noch nachgewiesen werden und die Feststellung derselben ist umso 
wichtiger, als die Umwälzungen in diesem (lebiet sich innerhalb 
eines Menschenalters vollzogen, die sieben Inseln schon heute einen 
zusammenhängenden Complex bilden und ihre ehemalige La^e nur 
bei genauer Kenntnis der topographischen Verhältnisse, wenngleich 
nicht mit genügender Genauigkeit, bestimmt werden kann. 

Ich nahm zum Ausgangspunkt das Fort am rechten Ufer; 
nach Linant's Karte liegt dies Fort auf einer Insel, welche im Norden, 
Osten und Süden durch Canäle von den übrigen Inseln getrennt 
ist und deren Westküste dem Fluss zugekehrt ist. Ich suchte zuerst 
die nördliche und südliche Canalöffnung zu bestimmen. Bei der 
südlichen Mündung ergiesst sich — nach Linant's Karte — das 
Wasser aus dem Fluss in zwei Canäle, deren einer auch die Insel 
. umfliesst, der andere gegen Osten fliesst und den südlichen Theil 
der Veränderungen durchfliessend dem Meer zueilt. — Heute finden 
wir 1 km nördlich von Burg Meghesil eine kleine Bucht, kaum 
2— 300 m östlich hievon beginnt auf der rechten Halbinsel der 
Merazeh-Canal, gegen Osten; zwischen dem Beginn des Canals und 
d^r erv\ ahnten kleinen Bucht ist eine Wasserscheide kaum zu 
finden, und dieser Flächenraum geräth bei Ueberschwemmungen 
unter Wasser, so dass aus der Bucht das Wasser in den Canal 
fliesst. E^ steht daher ausser Zweifel, dass der Ausgangspunkt des 
Linant'schen Canals, d. i. der Südpunkt der Fortinsel beim 
Meghesil-Busen ist. — Die nördliche Mündung des Canals oder 
die Nordspitze der Insel ist aul Linant's Karte nördlich vom Fort; 
auch hier vereinigen sich zwei Canäle, einer umfasst die Insel, der 
andere zieht gegen Nordost zwischen zwei Inseln. Heute ist nörd- 
lich vom Fort eine kleine Bucht, in die sich der Uruk ergiesst, der 
von Nordost kommend, die Stelle des früher erwähnten nordöst- 
lichen Canals einnimmt, dieser nimmt von Süden einen kleinen 
Bach auf, der eine südliche Krümmung macht ; die Fläche zwischen 
dieser Krümmung und dem nördlichsten Punkt des heutigen west- 



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liehen Armes des Canals ist zur Zeit des Hochwassers überfluthet 
und kann sonait die nördlich vom heutigen Fort liegende Üruk-Bucht 
als Nordpunkt der Insel betrachtet werden. 

Auf Linant's Karte ist die Fort-Insel nicht so lange als 
unter heutigen Verhältnissen ; dies beruht seinerseits auf einem ein- 
fachen Irrthum, oder vielmehr auf flüchtiger Aufnahme. Die ehe- 
malige Fortinsel bestand aus zwei Theilen und mein alter Fischer 
kannte noch die Kleine und Grosse Fortinsel. Die zwei Inseln 
trennte einst wahrscheinlich ein Canal, dessen Spuren noch heute 
1^ südlich vom Fort zu sehen sind, wo das von Inundationen 
verschonte Gebiet zwischen dem Flusse und dem westlichen Canal- 
arme kaum 100 m beträgt 

Nördlich von der Fort-Insel lag nach Linant's Karte die 
Rakik-lnsel, wie sie mein Fischer nannte. Diese bestand aus zwei 
Theilen, aus einem westlichen umfangreicheren Theil und einer gegen 
Südost ziehenden Landzunge. Sie war im Westen vom Flusse, im 
Osten und Norden vom Meer, im Süden von einem Canal begrenzt 
Heute ist mit Ausnahme der südlichen Grenze Alles geblieben, der 
südliche Canal verschlämmte sich jedoch an seinem nördlichen Punkte» 
wo das Wasser seine Richtung änderte, und die hier entstandene 
Sandbank theilte die Bai in einen östlichen und westlichen ITheit 
Der westliche Theil ist stark ausgetrocknet, besitzt nur am Grunde 
seichtes Wasser und fliesst in Gestalt eines Baches nach Südwesten; 
der östliche Theil ist geblieben und erstreckt sich als Bucht zwischen 
dem Continent und der Landzunge. Die Landzunge hat heute noch 
jene charakteristische Form, die schon Linant dargestellt hat. An 
der Nordostspitze der Rakik-Insel ragt heute eine kleine Halbinsel 
in's Meer, diese ist auf Linant's Karte noch als Insel dargestellt 
und führt nach Angabe meines Fischers kurzweg den Namen 
Ras (Kap). 

Zwischen dem östlichen Ufer der Fort-Insel und der Land- 
zunge Rakik-Insel erstreckt sich die Insel Etnen, welche aus zwei 
durch eine Landzunge verbundenen Theilen, einer östlichen und 
einer westlichen Halbinsel besteht, deren Länge Pj ^w beträgt. 
Zwischen beiden Theilen ist eine Bucht. Dieser Bucht entspricht der 
südliche Nebenarm des heutigen Uruk, die westliche Halbinsel 
ü^t daher zwischen den zwei Wasseradern. Schwerer ist es, die 
Grenzen der östlichen Halbinsel festzustellen; im Süden erstreckt 
sie sich bis zOm Mudawer, von dessen rechtem Ufer gegen Norden 
in einer Ausdehnung von einem Kilometer ein den Inundationen 



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268 

ausgesetztes Terrain ist; eine ähnliche Fläche finden wir 200w von 
der Nordspitze des ersteren, am linken Ufer des Tabil-Busens, 
beide vereint geben die östlichen Uferlinien der Insel Etnen. 

Südlich von Etnen liegt die Insel Kebir, nach Ausdehnung 
und Einheitlichkeit die grösste aller Inseln. Ihre Lage ist heute sehr 
leicht zu bestimmen, nach Linant's Karte lag sie zwischen dem 
Mudawer- und Tabil-Canal und diese Lage hat die entsprechende 
Fläche noch heute, die nördliche Grenze (die sie von Etnen trennt), 
wurde bereits oben beschrieben. 

Zwischen der Fort-, Etnen- und Kebir-Insel liegt nach Linant's 
Karte die Adau-Insel. Ihre heutige Lage zu bestimmen ist sehr 
schwer und wir müssen, wollen wir nur einige Andeutungen 
gewinnen, annehmen, dass die Insel ursprünglich aus mehreren 
Theilen bestand, wie dies auch Linant behauptete, und dass diese 
Theile durch Canäle, die bei Ebbe vielleicht ganz austrockneten, von 
einander getrennt waren. Linant hat diese aber nicht beobachtet, 
denn es ist nicht wahrscheinlich, dass die Insel in unseren Zeiten 
durch heftige Strömungen in Stücke zerrissen worden wäre, weil 
gerade hier die Strömungen, deren Macht weder das Meer, noch 
andere Factoren — ihrer geschützten Lage zufolge — steigern können, 
am ruhigsten sind. Auch die südlichen Grenzen der Insel lassen 
sich nur approximativ bestimmen, denn ein grosser Theil des Mera- 
zeh-Canals liegt trocken und nur zwei kleine den Inundationen ausge- 
setzte Plätze lassen uns ihren ehemaligen Zusammenhang ahnen; 
hier ist das Studium schon zu spät, denn in der Umgebung des 
Merazeh-Kanals und seiner Bucht sind die Umwälzungen bereits 
in's letzte Stadium getreten, nachdem hier kein ständiges Wasser 
mehr ist und somit keine Anhaltspunkte zu finden sind. 

Die Halbinsel Tabelisan existirt auch heute, ist aber bedeutend 
kürzer, nachdem ihr südlicher Theil schon mit dem Continent ver- 
schmolzen ist, ihre Länge betrug zu Linant's Zeiten 4A;m, ist aber 
heute nicht mehr als zwei. Die Halbinsel Tabelisan und die Land- 
zunge der Insel Rakik sind heute einander sehr nahe und der da- 
zwischen liegende Canal ist kaum 60 m breit und 1 m tief. Schliesst 
sich dieser Canal, was in kurzer Zeit geschehen wird, dann wird 
aus dem Canalsystem der Halbinsel ein Teichsystem, das in Kürze 
ganz austrocknen und die Kennzeichen der früheren Inseln ganz 
verlöschen wird. 

Jene lange Landzunge endlich, die diesen Flächenraum im 
Osten begrenzt, ist ganz neuer Provenienz und selbst auf Linant's 



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269 

Karte nicht angegeben, diese rechtfertigt ganz die Annahme, dass 
die Winde die Strömung des Flusses, welche die westliche Meeres- 
strömung gegen Osten wendet, nach Südosten treiben, denn die Land- 
zunge bezeichnet genau die Richtung des Resultates der Kräfte. 

Die Karte von Larousse stellt ein mehr vorgeschrittenes 
Stadium der Entwicklung dar, obwohl in den Details nicht mil df^r 
genügenden Genauigkeit. Die Insel Rakik ist vorhanden, aber im 
Südwesten schon mit der Fort-Insel, und diese mit dem Contitif^nl 
verschmolzen, an Stelle des Uruk aber ist noch Wasser. Das (iros^ 
der Rakik und ihre Halbinsel sind durch einen kleinen See gesell ie- 
den und es scheint, dass die Insel ehedem aus zwei Theilen be- 
standen. Der Ausgang des Tabil-Busens ist noch viel breiter, im 
Südosten hat er noch seine Bucht, die von Tabelisan beschützt 
wird, ja dieser steht noch mit einem bedeutend grösseren See in 
Verbindung, der heute den Namen Sümpfe von Kudreh führt. Auch | 

die Spuren des Merazeh-Canals sind vorhanden, doch bietet fia^ \ 

Innere der Halbinsel keinerlei Aufschluss betreffs der damaligen i 

Verhältnisse. 

Die ersten Veränderungen im Laufe der Entwicklung geschahen 
im Merazeh- und Üruk-Busen, das Wasser des Nil strömte in 
diesen zwischen die Insel und häufte, bei langsamem Laufe, den 
Sehlamm in die OefFnungen derselben und verstopfte dieselben der- 
art. Auf diese Weise wurden aus den Canälen Meerbusen, die nur 
von der Seeseite Wasser und schlammigen Meersand erhielten; das 
Eindringen des Schlammes hob den Boden der Busen und nach- 
dem der üebergang zwischen Tabelisan und Rakik eng und seicht 
ist, speist durchschnittlich nur wenig Wasser die Canäle, weiiii^^er 
als zum Ersatz der Verdunstungsmenge nöthig wäre. Dies erklürt 
das Abnehmen der Tiefe in den Wässern der Canäle und die Ent- 
stehung solcher Flächen, die nur bei hohem Wasserstand über- 
schwemmt werden können, und demzufolge die Verkettung der 
Inseln, ihre Vereinigung in eine Masse. 

Aus solchen Elementen, unter derartigem Zusammenwirken 
der Kräfte entwickelte sich und entwickelt sich noch heute die 
Mündung des Nil von Rosette. 



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270 



Die klimatisohen Verhältnisse des Herzogthums 

Schlesien, 

Von Kur] Koihaiiheyery Professor am k. k. Staatsgymnasium in Bielitz. 

Öesilzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone. 

(Schluss.) 

(Hiezu Tafel XI— XIX.) 

Dritter Theil. 

Niederschlagsverh&ltnisse. 

Bei der Untersuchung der Niederschlagsverhältnisse wurden im 
mllgeraeineii dieselben Stationen berücksichtigt, wie bei den Tempe- 
ratur verhältnistsen, nur entfielen die preussischen mit Ausnahme von 
R atibor Landet-k und Ebersdorf. Ich führe daher, trotz der so ent- 
standenen Lücken behufs leichterer Auffindung der einzelnen Stationen 
diis bt^rücksiclitifFten in derselben Reihenfolge und unter denselben 
Nummern auf, wie im ersten Theile. Einige Stationen, von denen nur 
^In- bis zweijährige oder allzulückenhafte Beobachtungen vorliegen, 
ward^u durch Klammern kenntlich gemacht. 

Zunäcbst lasse ich die Monats- und Jahressummen der einzelnen 
Jahrgänge für jene Stationen folgen, welche bei der Reduction der 
übrigen, tlie nur kürzere Reihen aufweisen, als Normalstationen ge- 
dient haben, ferner für einige andere Stationen, welche zur Berechnung 
der mittleren Abweichung und des wahrscheinlichen Fehlers benützt 
wurden. Bei allen diesen Stationen sind, so weit es möglich war, 
Äueh Lustrenmittt^l angegeben. 




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Von den übrigen Stationen lasse ich nun die rohen Monatü^- 
and Jahressummen des Niederschlages folgen, mit Angabe der Jahr- 
gänge, auf welchen sie beruhen. In zahlreichen F&llen ist auch das 
Jahr 1886 berücksichtigt worden. 



I. Rohe Monats- 



L 



und Jahressummen 
in Millimetern. 
4 5 



des Niederschlages 





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1 






J2 


11 




1 


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6 





Jahrgänge : 


1884 -fe6 


1877-83,85 


1877—85 


1883,85 U.86 


1883-i5« 


December . 


48 


33 


29 


41 


86 


Jänner 


48 


30 


22 


30 


63 


Februar 


19 


35 


22 


22 


33 


Mfirz . . 


40 


41 


37 


34 


56 


April 


34 


30 


33 


19 


41 


Mai . . 


63 


86 


80 


93 


125 


Juni . 


114 


95 


94 


112 


223 


Juli . 


157 


118 


89 


139 


207 


August . . 


63 


123 


98 


106 


113 


September 


46 


66 


63 


73 


111 


October 


72 


42 


50 


66 


119 


November 


52 


47 


36 


53 


74 


Jahr. . . 


761 


747 


654 


787 


1251 




10 


12 


13 


14 


15 




Vi 


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1 


CO 

1 


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1 


Jahrgange: 


1881-85 


1878-83 


1879—82 


1885-87 


1878, 81-a 


December . 


25 


64 


30 


49 


46 


Jänner . . 


15 


38 


32 


35 


38 


Februar . 


14 


34 


31 


31 


26 


März . 


36 


45 


45 


47 


59 


April 


28 


46 


58 


40 


26 


Mai . . 


54 


84 


120 


117 


64 


Juni . 


91 


107 


135 


79 


94 


Juli . . . 


104 


113 


106 


123 


120 


August . . 


77 


129 


200 


113 


75 


September 


68 


87 


74 


80 


73 


October 


40 


56 


62 


75 


57 


November 


48 


57 


55 


42 


53 


Jahr . . 


599 


861 


948 


831 


731 

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282 



16 -17 18 19 (-.0) 





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Jahrgange : 


1881-86 


1882,84-86 


1882-86 


1880-82 


1876 Mai - 
Aug. 878 


December 
Jänner 
Februar . 


59 
36 
33 


38 
27 
14 


32 
28 
17 


23 
23 
23 


49 
27 
55 


März . . 
April . . 
Mai . , . 


70 

25 

102 


40 
30 
73 


40 

28 
68 


31 

45 

101 


74 
44 
79 


Juni . 
Juli . . . 
August . . 


157 
136 
130 


103 

97 

106 


131 
132 
102 


105 

97 
177 


83 
141 
135 


September 

October 

November 


96 
66 
86 


50 
69 
40 


64 
68 
50 


76 
48 
37 


60 
15 

28 



Jabr 995 687 760 786 (790) 
21 23 24 25 26 







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Jahrgänge: 


1884-86 


18:7-85 


1883-86 


1881-86 


1881- 


Derember . 


56 


32 


83 


73 


69 


Jänner 


43 


26 


67 


52 


49 


Februar 


22 


34 


34 


37 


32 


3lit% 


63 


44 


04 


66 


63 


April . 


44 


56 


43 


40 


39 


Mai 


135 


117 


153 


99 


91 


Juni . 


168 


149 


201 


162 


157 


Juli 


194 


164 


205 


140 


156 


August . . 


55 


147 


105 


HO 


117 


September 


63 


104 


106 


98 


96 


October . 


105 


64 


103 


80 


93 


November 


65 


64 


75 


72 


70 



Jahr . . 1014 1002 1239 1029 1032 

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Jahr . 



27 



28 



29 



30 



1228 



1274 



815 



760 



31 





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3 


11 


1 

33 




J1 


Jahrgänge : 


1881 - 85 


1882-86 


1874-77 


18fc'4-86 


1877-8 


December . 


63 


100 


62 


47 


41 


Jänner . . 


32 


56 


17 


42 


22 


Februar . 


38 


40 


46 


17 


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März . . 


63 


68 


65 


52 


38 


April 


58 


47 


59 


34 


39 


Mai 


143 


134 


114 


97 


88 


Jani . . . 


193 


212 


99 


130 


121 


Juli . . . 


218 


192 


104 


119 


99 


August . 


120 


142 


105 


55 


101 


Se])tember 


126 


94 


66 


59 


62 


October . 


94 


96 


35 


72 


54 


November 


81 


92 


41 


35 


48 



739 



(32) 



34 



(35) 



(36) 



37 





1 


3 

2 
S 


Gross- 

Herms- 

dorf 




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Jahrgänge: 


1876,81-85 


1881-85 


1881 März - 
1884 Juli 


1881 März — 
1884 Juli 


1877-8S 


December . 


29 


28 


48 


49 


31 


Jänner . 


14 


10 


16 


20 


17 


Februar . 


22 


17 


15 


18 


21 


März 


36 


33 


35 


36 


39 


April . . 


28 


21 


29 


35 


40 


Mai . . 


75 


73 


64 


64 


88 


Jnni . . 


71 


93 


103 


97 


84 


Juli . . 


86 


98 


114 


119 


96 


August . . 


72 


61 


92 


98 


70 


September 


64 


77 


91 


86 


58 


October 


54 


59 


58 


61 


46 


November 


37 


41 


53 


50 


43 


Jahr . . 


(588)*) 


610 


(718) 


(733) 


632 



♦) Sehr lückenhaft; von 6 Jahren sind nur 53 Monate vorhanden. 
Mittlere Monatssumroen aus den einzelnen Monatssummen gebildet, und aus 
diesen dann die Jahressummen berechnet. Ebenso bei Nr. (20», (c5) und (36). 



L: 



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284 



38 



39 



40 



41 



43 









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Jahrgänge: 


1881-85 


1882-86 


1876 -SS*) 


1881-85 


1878,79,84,85 


December , 


114 


98 


40 


27 


26 


Jätiner . 


53 


55 


21 


14 


20 


Februar 


34 


22 


29 


13 


15 


M&ra, . 


74 


49 


40 


38 


38 


April . 


54 


42 


46 


36 


41 


Mai . , 


129 


77 


91 


81 


77 


Juoi 


158 


128 


88 


85 


70 


Jali . 


162 


131 


103 


131 


105 


AHgUSt . 


108 


82 


100 


74 


61 


September 


113 


125 


71 


85 


51 


Oc tober 


143 


100 


45 


57 


55 


November 


113 


82 


43 


40 


35 


Jahr . . 


1255 


991 


717 


681 


561 




(4i) 


46 


47 


(48) 


49 




5 

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2^ 

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1 
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Jahrjfänge: 


1881-82 


1882-86 


1883-85 


1884-85 


1878,85-86 


December 


9 


111 


99 


61 


32 


Jänner . 


13 


83 


52 


50 


28 


Februar 


27 


42 


25 


25 


9 


März, , 


37 


94 


39 


54 


34 


April 


20 


46 


38 


40 


32 


Mai 


68 


81 


86 


81 


52 


Juni . 


65 


124 


74 


89 


81 


Juli 


101 


113 


93 


106 


56 


August, 


67 


75 


46 


29 • 


43 


September 


66 


67 


72 


43 


47 


October . 


52 


92 


124 


91 


53 


November . 


42 


110 


86 


67 


20 


Jahr . . 


(467) 


1039 


835 


(736)**) 


486 


+) Vi( 


ir Monate durch Troppau I 


interpolirt. 







*) Monatssummen und Jahressumme bei Nr. (48) wie bei Nr. 32 gebildet. 



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50 



(51) 



52 



53 



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54 







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Nied: 

Hillers 

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Jahrgänge: 


1877-83 


1884-85 


1883 -8G 


1877-83 


1884-86 


December . 


18 


26 


82 


37 


108 


Jänner . 


19 


36 


49 


34 


77 


Februar 


17 


14 


26 


37 


23 


März . . 


27 


23 


70 


47 


76 


April 


38 


20 


60 


43 


7f> 


Mai 


83 


56 


106 


101 


141 


Joni . . 


92 


102 


178 


94 


207 


Jali 


87 


104 


108 


93 


74 


August . . 


84 


49 


64 


117 


58 


September 


56 


64 


74 


71 


94 


October 


36 


57 


70 


56 


121 


November , 


27 


36 


49 


49 


Vfy 


Jahr 


583 


(589)*) 


937 


781 


1152 



\ 



(55) 



a 

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(56) 






(58) 



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(59) 



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Jahrgänge : 

Decem>>er 
Jänner . 
Februar 

MSrz 
April 
Mai . . 

Juni 
Juli . 
August . 

September 

October 

November 

Jalir . 



41 68 

21 138 

54 49 



110 
133 
113 

104 
75 
79 



103 
42 

81 

113 

85 
82 



37 
41 
8i 

109 
111 

89 

64 
73 

77 



82 

47 

126 

147 
185 
202 

166 
116 
118 



BC Cd " P 

Aprill881— Juli 1884 — 1882 Juni— ,aQ-, oq «r laai ne 

Juni 1884 Decbr. 1885 Decbr 83,1885 ^'^'*-'*^''*^ 1881-8t> 

88 85 53 112 66 

50 29 29 76 4» 

29 76 16 57 33 



57 
46 

82 

147 
131 
102 

80 
87 
76 



(897) (900) (782) (1424)**) 947 



*) Nur auf 2 Jahren beruhend. 

•*) Bei Nr. {äö)— (59) Monatssummen und Jahressumme wie bei Nr (32) 
geliUdeU 



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2m 



65 



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67 



68 



(69) 





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jEJirgänge: 


1877,78,86 


1881-86 


1884-86 1884-86 ^fl^"^ 


Deeember . 


49 


60 


43 




47 




48 


Jänner . . 


45 


37 


33 




28 




30 


Februar . 


27 


12 


15 




12 




11 


März 


57 


49 


26 




47 




38 


April . . 


66 


60 


37 




38 




48 


Mai . . 


79 


97 


79 




82 




78 


Jnni . . 


98 


154 


169 




149 




117 


Juli . . 


92 


113 


111 




129 




123 


August . . 


67 


69 


48 




53 




55 


September . 


47 


69 


87 




77 




68 


Oclober 


43 


59 


63 




40 




43 


November . 


6ö 


58 


62 




37 




42 


Jahr . . 


736 


888 


773 




737 




701 




(70) 


72 


(73) 


75 




76 


77 




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laltfiange: 


1876.78-81 


1884-86 


1884 85 1881—84 1881 -85 


1883-85 


December . 


21 


64 


21 


40 




52 


113 


Jänner . . 


19 


42 


16 


23 




26 


59 


Februar . 


26 


14 


9 


20 




24 


32 


März . . 


19 


58 


42 


43 




37 


57 


April 


56 


50 


28 


36 




20 


6) 


Mai . 


92 


66 


39 


83 




57 


75 


Juni . .. 


77 


141 


90 


152 




92 


222 


Juli . 


49 


130 


111 


149 




98 


162 


Attgust . . 


86 


67 


39 


73 




63 


100 


Septe über 


19 


73 


69 


82 




71 


97 


October 


23 


58 


37 


51 




53 


89 


November . 


22 


55 


36 


37 




44 


69 


Jahr 


(509)*) 


817 


(527)**) 


789 




636 


1136 



*) Sehr lückenhaft, von 5 Jahren sind nur 38 Monate vorhanden. 
Monatssummen und Jahressumme wie bei Nr. (32) gebildet. Ebenso bei Nr. (69). 
***j Nur auf 2 Jahren beruhend. 



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287 



II Zehnjährige Monats- und Jahressammen des Nieder- 
schlages für die Periode 1876—85. 

In die nachfolgende Zusammenstellung der zehnjährigen Monats- 
und Jahressummen des Niederschlages sind nur solche Stationen 
aufgenommen worden, von welchen wenigstens drei vollständige Jahr- 
gänge vorlagen. Die Reduction jener Stationen, welche nicht die 
ganze Periode ausfüllen, erfolgte nach der weiter unten zu besprechenden 
Methode, wo gleichzeitig auch der durch dieselbe erreichte Grad der 
Genauigkeit untersucht werden wird. Ein Anhang enthält dann noch 
die Stationen mit weniger als 3 vollständigen Jahrgängen. 



Zehnjährige Monats- und Jahressummen des Nieder- 
schlages in Millimetern für die Periode 1876 — 85. 



3. 



December 

Jänner 

Febraar. 

März 
April . 
Mai 

Juni . . 
Juli . . 
Angust 

September . 
October . 
November 



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1 


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36 
24 
30 


37 
34 
32 


34 

28 
29 


34 
33 
37 


33 
21 
25 


24 
26 
32 


61 
55 
53 


59 
50 
56 


60 

51 

106 


60 
47 

88 


50 

44 

109 


44 

38 
77 


39 
36 

82 


39 

38 
79 


88 

52 

133 


64 

55 

127 


132 
144 
114 


79 
123 
103 


118 
131 
117 


115 
112 
111 


91 
89 
98 


102 

91 

118 


162 
177 
164 


156 
162 
154 


89 
52 
49 


89 
50 
71 


89 
48 
53 


72 
45 
48 


71 
46 
35 


73 
51 
65 


123 

84 
87 


132 

80 
87 



. Jahr . 



886 811 8J() 765 666 738 1239 1183 



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298 



10. 



11. 



12. 



13. 



U. 



15. 



16. 



17. 



December 
Janner 
Februar . 

Mars . 

April . . 
Mai . . 



Jtmi 

Juli 
August . 

September 
Oetober . 
November 

Jahr 



1 


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14 


68 


35 


25 


43 


54 


24 


21 


10 


35 


45 


34 


36 


44 


21 


38 


20 


43 


37 


34 


47 


62 


50 


38 


29 


49 


61 


55 


54 


69 


37 


37 


27 


56 


60 


55 


39 


36 


33 


59 


54 


94 


121 


98 


66 


96 


77 


Ol 


77 


130 


185 


84 


89 


130 


94 


88 


68 


138 


151 


101 


100 


105 


71 


98 


103 


116 


167 


129 


80 


127 


140 


54 


58 


93 


94 


97 


77 


97 


80 


31 


32 


58 


59 


45 


' 46 


50 


42 


49 


28 


55 


52 


68 


47 


76 


40 


i45 


620 


935 


1066 


824 


721 


946 


709 



18. 



19. 



21. 22. 



23. 



24. 



25. 



26. 





3 

1 

9 


1 


1 
1 


1 


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1 


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1 


Dezember 

Jänner 

Februar 


. 27 
. 28 
. 49 


26 

28 
36 


41 
27 

31 


67 
50 
53 


39 
27 
40 


56 
53 

57 


61 
49 

45 


58 
46 
39 


März . . 
April . 
Mai - . 


. 44 

36 

. 81 


39 

55 

101 


27 

69 

137 


81 

68 

142 


51 
57 

116 


72 

56 

158 


74 

66 

100 


71 
65 
91 


Juni . . . 

Juli , 
August . . 


. 121 
. 106 
. 130 


190 
133 
120 


144 
151 
154 


164 
191 
173 


150 
165 
145 


140 
158 
141 


144 
128 
146 


140 
143 
156 


September 

Oetober 

November 


. 88 
. 51 
. 53 


78 
40 
30 


118 
72 
74 


120 

80 
96 


HO 
60 
65 


125 

68 
87 


HO 
65 

86 


108 
76 
83 


Jahr . . . 


.809 


872 


1084 


1285 


1020 


1171 


1068 


1071 












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289 





27. 


28. 


29, 


80. 


31. 


33. 


34. 


37. 




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1 


1 
1 




1 




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December . 
Jänner 
Februar . . 


. . 59 
. . 43 

. . 48 


73 
46 
57 


36 
15 
26 


42 
30 
46 


38 
18 
32 


36 
21 
27 


37 
16 
30 


33 
18 
25 


März . . 
April . . . 
Mai . . . 


. . 71 

96 

. . 139 


89 

82 

138 


54 

49 
83 


62 

54 

103 


41 
43 
95 


41 
35 
65 


43 
33 
92 


43 

47 
91 


Juni . 
Juli . . 
August . . 


. . 172 

187 

. . 143 


182 
165 
181 


111 

105 

86 


120 
121 
147 


118 
104 
111 


75 
76 

72 


104 

102 

79 


82 
96 
74 


September 

October 

November 


121 
. . 74 
. . 90 


116 

79 
100 


77 
39 
42 


98 
44 
54 


64 
48 
52 


50 
39 
43 


65 
50 
46 


59 
42 
43 


Jahr . . . 


. 1241 


1299 


716 


922 


763 


579 


697 


651 



38. 



39. 



40. 



41. 



42. 



43. 



45. 



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December . 146 
Jänner . . 79 
Februar 61 



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85 
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95 
77 
92 



März 
April 
Mai 



95 

82 

161 



68 
66 
97 



40 
46 
91 



43 
47 
91 



32 
44 

80 



33 
39 
72 



45 
89 
74 



131 

71 

101 



Juni . 174 

Juli . 166 

Angast . . 139 

September 94 

October . 119 

NoTcmber 125 



125 88 

133 103 

134 100 



129 

71 
89 



71 
45 

43 



95 

113 

95 

70 
45 
43 



88 

108 

80 

62 
37 
31 



88 
96 
88 

76 
40 
37 



86 
92 
66 

64 
45 
45 



120 

114 

96 

68 

64 

119 



Jahr . . 1433 1095 717 

Mitth. i. k. k. GMgr. 6«s. 188». 'i. 



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Februar 


74 


19 


14 




65 


31 


55 


48 


72 


Mar» . . 


49 


29 


29 




84 


48 


84 


61 


74 


April 


52 


40 


39 




70 


45 


96 


41 


72 


ilai . . . 


105 


47 


86 




136 


105 


160 


73 


114 


Juni . . . 


76 


92 


82 




153 


84 


184 


84 


119 


Juli . , 


85 


52 


92 




105 


93 


92 


87 


128 


August . 


77 


66 


78 




99 


109 


109 


83 


159 


September 


80 


68 


55 




87 


72 


131 


58 


77 


Octol>«r 


118 


46 


35 




58 


55 


92 


56 


73 


November 


91 


32 


22 




62 


40 


125 


51 


75 


Jahr . . 


965 


531 


570 


1032 


763 


1287 


738 


1053 




65. 


66. 


67. 


68. 


71. 


72. 


75. 


76. 


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December . 


32 


37 


27 


47 


31 


40 


44 


45 


96 


Jäöner . 


22 


23 


21 


28 


23 


27 


29 


37 


41 


Februar 


36 


30 


39 


12 


26 


36 


35 


45 


90 


WlTZ . . 


50 


44 


23 


47 


43 


53 


45 


39 


80 


April . . 


• 59 


77 


48 


38 


53 


63 


50 


29 


76 


Mai . 


112 


132 


109 


82 


91 


91 


97 


60 


103 


Juni . . 


»0 


129 


143 • 


149 


94 


119 


117 


84 


147 


Juli . . 


122 


116 


115 


129 


106 


135 


117 


77 


139 


August . 


92 


115 


80 


53 


77 


112 


83 


77 


218 


September 


63 


70 


90 


77 


62 


75 


77 


62 


106 


October 


44 


61 


66 


40 


43 


61 


45 


54 


69 


November . 


54 


51 


55 


37 


33 


49 


43 


46 


78 


Jahr . . 


774 


885 


816 ' 


?37 


682 


863 


785 


649 


1244 














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291 



Aümerkungen. 

2. Milöwka. Reducirt durch Saybusch. 

4. Riegersdorf, 6. Chiby, 8. Weichsel-Czoray, 12. Freistadt. 13. Kolzo- 
bendz. 14. Teschen, 15. Jablunkau, 16. Istebna 19. Leskowetz, 2i. Ober- 
Morawka reducirt durch Bielitz. 

10. Ratibor, 11. Oderberg, 17. Mähr. - Ostrau, 18. Poln.-Ostrau. il. 
Koziczek, 41. Troppau II, 49. Jägerndorf, 50. Nied.-Hiliersdorf, 53. Warhenthal 
reducirt durch Troppau I. 

21. Friedland, 25. Barani, 2H. Salajka, 27. Czeladna, 28. Podolatiky 
reducirt durch Ostrawitz. 

29. Hochwald, 30. Freiberg, 31. Neutitschein, 34. Odrau, 37, Wi*;- 
«tadtl, 38. Drömsdorf, 39. Grünes Kreuz. 46. Olbersdorf reducirt durch 
Zauchtl. 

47. Römerstadt, 52. Breitenau, 54 Gabel reducirt durch Raase. 

GO. Goldenstein, 77. Gr. - Schneeberg reducirt durch Mähr.-Sdiönherff. 

65. Freiwaldau. 66. Blauer Stollen, 67. Ramsau, Cß. Rothwasser, 72. 
Krebsgrund, 75. Bad Landeck, 76. Ebersdorf reducirt durch Barzdorf, 



Anhang. 

Zehnjährige Monats- und Jahresaummen des NieUei- 
schlages in Millimetern bezogen auf die Periode 187fi -Hü, 
fdr jene Stationen, von welchen weniger als drei oder nur uü vollstän- 
dige Jahrgänge vorliegen. 

Von den nachfolgenden Stationen ist Dobrau durch Ostrawitz, 
Wagstadt, Gr. -Hermsdorf und Czerwenka durch Zauchtel, Buchhntte 
^urch Raase, Kleppel, Gr.-Üllersdorf und Annaber« durch M. -Schönberg, 
Weidenau, Ob.- Hermsdorf und Waldeok durch Barzdorf redueirt. 



L 



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292 



20 32 35 36 44 48 51 

I I 'S'g i I 1 i| 

I I r j I I r 

December 40 33 51 53 11 60 2ä 

Jänner 20 27 24 30 31 41 42 

Februar 42 40 31 37 38 57 26 

Marx 53 42 49 51 34 87 17 

April 36 25 40 48 41 43 33 

Mai 97 81 107 107 ÜT 114 *U 

Juni 116 83 108 102 79 

Juli 144 87 125 131 m 

August 150 74 85 90 50 

September 63 50 59 56 54 76 56 

October . 36 36 63 66 43 Vi 67 

November 35 43 57 54 37 59 30 

Jahr . 826 621 799 819 5ö^ 938 664 



55 58 59 69 70 73 



113 


U9 


107 


97 


109 


88 





1 


1. 

=■8 

o 


1 

3 

a 
< 


3 

'S 


11 


1 


T)ecember 


94 


46 


97 


30 


18 


12 


Jänner . 


53 


27 


50 


17 


16 


19 


Februar 


77 


45 


161 


31 


22 


U) 


März 


53 


56 


116 


45 


20 


33 


April 


31 


54 


64 


62 


44 


48 


Mai 


78 


114 


164 


107 


81 


44 


Juni 


113 


06 


160 


99 


71 


10«} 


Juli . 


108 


96 


187 


127 


70 


105 


August . 


104 


103 


190 


92 


66 


(54 


September 


8H 


52 


134 


70 


29 


83 


Oktober 


75 


74 


136 


45 


19 


44 


November 


76 


52 


79 


37 


15 


31 



Jahr . . 94S S15 1538 762 470 

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293 



in. Mittlere Abweichungen der monatlichen Nieder- 
scblagssummen vom Gesammtmittel. 

a) in Millimeteiii. 





'S 

öo 


1 
1 




1 


1 


December 
Jänner . 
Febroar . . . 


11-8 
14-3 
18-4 


120 
16-5 
15-2 


20-9 
36-4 
24-3 


12-3 
5-4 
7-6 


20-4 
31-8 
20-7 


März ... 
April . . . 
Mai . . 


. 20-7 

. 22-8 

45-1 


27-7 
21-2 
39-8 


35-4 
22-6 
40-4 


9-2 
15-3 
18-4 


25-3 
311 
51-5 


Jnni . . . 
Jali . . 
Angnst 


51-4 
55-6 
57-0 


52-6 
50-8 
48-2 


89-0 
54-6 
71-6 


20-2 
391 
56-3 


690 
50-5 
82-9 


September . . 
Ociober . . . 
November . 


. 49-8 
18-4 
11-5 


42-7 
15-8 
120 


46-9 
33-6 
17-9 


39-7 
12-7 
130 


54-3 
2Ö-5 
23-2 



Mittel 



31-4 



29-4 



411 



20-7 



40-6 







1 


1 


s 


o 


December . . 
Jänner . . 
Februar . 


11-8 

9-9 

171 


91 

7-7 
16-1 


10-4 

6-3 

161 


22-4 
16-8 
22-5 


12-9 

91 

14-5 


März .... 

April 
Mai 


150 
16-8 
28-6 


9-4 
21-3 

35-8 


11-8 
12-7 
34-9 


260 
27-4 
27-5 


10-6 
23-3 
31-5 


Juni .... 
Juli . . 
August 


22-2 

18-2 
31-1 


43-7 
35-5 
32-8 


27-2 
20-2 
22-9 


30-7 
36-1 
33-5 


34-8 
330 

27-8 


September . . 
October . 
November . 


231 
190 
14-2 


400 
16-7 
13-7 


19-5 
19-2 
16-2 


16-2 
176 
18-8 


230 
20-3 
10-4 


Mittel . 


18-9 


23-5 


18-1 


24-6 


20-9 



L 



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294 



Vorstehende Tabelle zeigt, dass die mittlere Abweichung der 
monatlichen Niederschlagssummen an und für sich sehr bedeutend 
ist; sie schwankt an den verschiedenen Stationen zwischen 6 — 89 wm 
in den einzelnen Monaten und zwischen 18 —41 mm im Mittel aller 
Monate. 

Ferner zeigt obige Tabelle, dass die mittlere Abweichung der 
Monatssummen des Niederschlages mit zunehmender Grösse dieser 
letzteren selbst wächst, und zwar nicht blos an den einzelnen Stationen 
in den verschiedenen Monaten, sondern auch bei niederschlags reicheren 
Stationen in den gleichen Monaten. So beträgt sie für den December 
in Bielitz irSww, für den August dagegen bl mm, während sie in 
Ostrawitz für den ersteren Monat 20*4 mw, für den letzteren 82'9wwt 
beträgt. 

Sucht man das Mittel der Veränderlichkeit fnr den Sommer, so 
erhält man 4'{'4 mm, was nach der Fechnerschen Formel einen wahr- 
scheinlichen Fehler von ±^ WS mm für das zehnjährige Mittel ergibt, 
woraus für ein hundertjähriges Mittel noch immer ein wahrscheinlicher 
Fehler von etwa ±_'6'4:mm folgt. Wollte man den wahrscheinlichen 
Fehler des Sommers auf ±^ 1 ntm herabmindern, so wären hierzu 
995 Jahre erforderlich. Aus diesen Zahlen ersieht man deutlich, dass 
ep vollkommen hinreicht, die Monatssummen des Niederschlages in 
ganzen Millimetern anzugeben. 

Dividirt man nun die in mm ausgedrückten mittleren Ab- 
weichungen durch das dazu gehörige Mittel, so erhält man Zahlen, 
welche die relative Grösse der Schwankungen angeben. Aus diesen 
lassen sich die wahrscheinlichen Fehler besser berechnen, als aus den 
mittleren Abweicimngen selbst. Diese Werthe nun. sowie die sich 
daraus ergebenden wahrscheinlichen Fehler sind in den nachfolgenden 
Tabellen zusammengestellt. 



Mittlere AbweichungendermonatlichenNiederschlags- 
summen vom Gesammtmittel. 









i) 


in Procenten. 






'S 


a 


1 


ff 

s 


1 
1 




1 

Eh 


December 


35 


34 


34 


82 


30 


33 


38 


Jänner 


51 


65 


66 


67 


64 


47 


45 


Februar 


64 


51 


52 


58 


39 


63 


70 


März 


42 


46 


44 


46 


32 


37 


29 


April 


52 


42 


44 


51 


46 


48 


48 


Mai . . 


40 


38 


30 


34 


36 


44 


45 














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es 

CO 



30 38 42 

33 45 40 

67 47 58 

29 44 25 

36 67 44 

47 38 35 



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295 



^ ^ S pS -S S P S '. b' 

»c/2^oonhäSoq 
Juni .43 40 45 29 40 30 47 32 37 39 

Jali . . 42 35 31 51 27 24 33 22 41 50 
August . . 50 42 45 62 50 44 42 35 40 37 

September 55 48 42 68 45 46 64 30 28 37 
October . 38 31 40 36 32 49 45 43 31 47 
November . 22 15 22 48 24 33 44 36 37 31 

Winter . 50 50 51 69 44 48 51 43 43 47 

Frühling . 45 42 39 44^ 38 43 41^ 37 50 35 >^ 

Sommer . 48 39 40 47 39 36^ 4r 30^ 39 42 

Herbst . . 38^ 31^ ' 35^ 47 34^ 43 51 36 32" 38 

Mittel .. 45 40 41 52 39 42 46 36 41 40 

Während die mittleren Abweichungen bei der Temperatur und 
beim Luftdrucke einen entschiedenen jährlichen Gang zeigten, ist dies 
bei den Niederschlagssummen nicht der Fall. Nur wenn man die 
Monate zu Jahreszeiten zusammenfasst, sieht man, dass die mittlere 
Abweichung überall (mit alleiniger Ausnalime von M.-Schönberg) im 
Wintier am grössten ist (Troppau I zeigt ein ganz gleiches zweites 
Maximum im Herbste), das Minimum aber zu gleichen Theilen auf 
den Herbst einer-, den Frühling und Sommer andrerseits fallt. 

Berechnen wir nun aus der Fechnerschen Formel den wahr- 
scheinlichen Fehler, wobei wir uns auf die veränderlichste, die am 
wenigsten veränderliche Jahreszeit und das Mittel beschränken, so 
ergibt sich uns folgendes Resultat. 



Wahrscheinliche Fehler 

a) in der veränderlichsten, b) in der am wenigsten veränderlichen 

Jahreszeit, c) durchschnittlich im Mittel der 12 Monate in ^i q. 



o 
2 



tß 


iS 


, 




Ui 




OP 




^ 


'% 




i 




2 


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cä 


u 


o 


O 


NI 


tH 



»2^ w i« CO fc- «.w 

? O O N H D5 



a) 13-7 13-7 140 18-9 121 13-2 140 118 13 7 12-9 
b 10-4 8-5 9 6 12-1 9-3 9-9 11-2 88 88 96 
c) 12-3 110 11-2 14-2 10-7 ll'ö 126 99 112 11 '0 



^•- * - ' 



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296 



Jahre, die erforderlich sind, am den wahrscheinliche 
Fehler auf ±.5% herabzumindern, für 



a) 76 
b) 43 
v) 61 



75 
30 

48 



78 
37 
51 



143 
58 
81 



58 
34 
46 



69 
49 
53 



78 
51 
G4 



56 
27 
49 



75 
31 

51 



66 
37 
48 



Der wahrscheinliche Fehler des zehnjährigen Mittels der Nietlec- 
schlngsanmmen beträgt also durchschnittlich im 

Winter Sommer Mittel 

13-6 111 11«% 

Nur Oderberg weicht namentlich im Winter davon ab, was wohl 
in <Irr geringen Menge von Niederschlägen, dip dort fällt, seinen 
Grund hat. Bcgi.figt man sich mit einem wahrscheiiiliclien Fehler von 
5* „. so sind zu dessen Erreichung im Durchschnitte für den Winter 
50. für den Sommer 40, für das Mittel 42 Jahre erforderlich. 

Schliesslich wenden wir uns noch zur Betrachtung der Ver- 
Sndeilichkeit und des wahrscheinlichen Fehlers der Jahressummen des 
Niederschlages selbst. Zu diesem Zwecke dient die folgende Tabelle, 
in wehrhe auch die Extreme der Jahressummen in " „ ausgedrückt 
aufgenommen sind, um den Spielraum, zwischen denen sie »ich be- 
wegen, zu zeigen. 



Veränderlichkeit und wahrscheinliche Fehler der 
Jahressummen des Niederschlages in ''fg. 





Extreme in 


7o 


te 


1- ^ 


-SP .e 




E 

3 
g 

'S 


B 

s 
B 
'S 


Q 


Mittlere 
Abweichui 
in V» 


WS». 


E^lt 


fiielitz 


123 


78 


45 


13-9 


3-9 


5-8 


Ostrawitz . 


. 113 


81 


82 


90 


2-5 


2-4 


Zauclitel 


. 133 


71 


62 


13-8 


3-7 


5-7 


Troppaa I . 


164 


73 


91 


15-7 


4-3 


7-4 


Raase . . 


126 


80 


46 


12-7 


3-5 


4-9 


Kiowitz 


135 


84 


51 


10-7 


a'9 


3-5 


M.-Schönberg 


. 155 


70 


85 


161 


4-4 


7-8 


Barzdorf 


122 


87 


45 


9-7 


2-7 


2-8 



Die mittlere Abweichung der Jahressummen des Niederschlages 
beträgt im Durchschnitt dieser 8 Stationen für das zehnjährige Mittel 
12'7",,j; um den wahrscheinlichen Fehler auf ±5% herabzumiiidem 
sind durchschnittlich 5 Jahre erforderlich. 



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297 



IV. Reduction der N iederschlagesummen einer Station 
mit kürzerer Be obachtu n jrsreihe auf die Normal- 
periode. 

Da nicht alle Stationen die ganze Periode ausfüllen, so müssen 
die ans kürzeren Beobachtungsreihen stammenden Monats- and Jahres- 
summen des Niederschlages auf die Normalperiode reducirt werden. 

Betrachten wir zunächst die Jahressummen des Niederschlages 
zweier nahe oder ähnlich gelegenen Stationen, so finden wir, dass 
dieselben in einem gewissen Verhältnisse zu einander stehen, das sich 
selbst im Laufe mehrerer Jahre nur wenig ändert. Um dies deutlich 
zu. zeigen, enthält die nächste Tabelle das 

Verhältnis der correspondir enden jährlichen Nieder- 
schlagsmengen benachbarter Stationen. 

c 

^js lis gl- il 's| li. It äM ^1 5l 

^X ^03 OJ^OQ UdH OQC O^ ^H S5 N c?0 ^N 

_^ernung ^^ ^^ ^^ ^^ ^^ ^^ ^^^^ ^ ^^ ^^ 

1877 — - 0-81 —_ — - — — 1-Oa 

1878 1-48 — 0-79 _ — _ — — — 1-02 

1879 1-57 -,____-_- 1-20 

1880 1-66 — — — — 0-93 094 1-58 — l'lö 

1881 1-63 0-75 0-80 1*26 087 0-75 — l'öO 0*86 — 

1882 1-61 0-72 0-64 11 1 087 079 0*97 1*48 0-88 1'08 

1883 1-45 0-64 079 1*27 0*93 — 0-98 l'öl 0*88 — 

1884 1-62 0-81 0*69 l'lö 0-84 0-55 0*96 1*51 0-88 1-18 

1885 — 0-96 0-60 109 075 0'68 0*99 1-43 080 M5 

Mittel . 1-57 0-78 0-78 M8 0*85 074 0*96 1*49 084 M2 

Mittlere Ab- 

weichungVo t>-4 8*8 87 7*2 4-6 9*6 16 27 2*4 6-8 

Die mittlere Abweichung dieser Verhältniszahlen beträgt im 
Durchschnitte blos 5*8*^/o, während die der Jahressummen selbst 
zwischen 9— 16, im Mittel 117% betrug, also 2—3 (im Mittel 2 Vg) 
mal so gross ist. Der wahrscheinliche Fehler der Mittel der Ver- 
haltniszahlen der Niederschlagssummen zweier Stationen, ist daher 
auch zwei- bis dreimal kleiner und sind daher 4 — 9 mal weniger 
Jahre erforderlich, um den wahrscheinlichen Fehler bis auf eine 
bestimmte Grenze herabzumindern. 

Was für die Jahressummen des Niederschlages an zwei be- 
nachbarten Stationen gilt, gilt im allgemeinen auch für die einzelnen 
Monate. Ich will dies nur an einigen beliebig herausgegriffenen Bei- 
spielen zeigen. Wir suchen das Verhältnis der Niederschlagsmengen im 



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m 



Januar Juli 



T3 O 



J4 






ec CO 



11 

^t5 


■II 

2w 


gl 

2^ 


0-94 


— 


— 


0-95 


— 


— 


1-27 


— 


— 


1-42 


— 


— 


1-41 


0-89 


092 


2-18 


0-81 


0-61 


1-15 


0-98 


0-63 


1-42 


102 


056 


105 


0-94 


0-67 


1-31 


0-92 


0-68 


260,, 


^ /o 


10», 



1-42 -~ — 

0-76 — — 

0-98 — — 

0-2() — — 

0-75 0-60 0-60 

1-29 0-90 0-26 

0-94 100 108 

0-55 0-89 0-79 

118 100 0-91 

Mittel . . 0-90 0-85 078 

Mittlere Ab- 
weichung 28« 137o 247„ 

Die Verhältniszahlen für diese 3 Stationspaare zeigen im Durch- 
si^lmitt eine mittlere Abweichung von 22^/o im Jänner und von 14% 
im Juli, während dieselbe für die zehnjährigen Monatssummen 54 resp. 
:^6^ ^y beträgt, ^s sind also auch die nach dieser Reductionsmethode 
gefundenen Monatssummen durcbsclinittlich 2/2 mal sicherer als die 
direct berechneten. 

Am Sclilusse dieses Abschnittes lasse ich zur vollständigen 
Dar^^telluDg des Reductionsverfahrens der Niederschlagsmengen einer 
St4ation mit kurzer ßeobachtungsreihe auf die Normalperiode nach- 
stehendes Beispiel folgen Es sollen die Niederschlagsmengen der 
Station Ramsau, welche nur drei Jahrgänge (1884 — Bö) hat, durch 
Barzdorf auf die zehnjährige Periode 1876 — 85 reducirt werden. Wir 
nehmen zunächst die gleichen Jahrgänge von Burzdorf und t^iicheD 
die (Quotienten Ramsau: Barzdorf für die einzelnen Munate und mnlti- 
pliciren sie sodann mit den zehnjährigen Werthen für Barzdorf Loga- 
rithnnisch durchgeführt gestaltet sich die Rechnung foigenderma&sen: 







Ix, 


1 


1 

< 


Ramsau 8 Jahre a) 


33 


15 


26 


37 


Bariidorfdslb. 8 Jahre 6) 


36 


10 


47 


41 


Barzdorf zehnjährig c) 


23 


26 


4H 


5S 


log a) 


1M85 


1-1761 


1-4 150 


1-5682 


log b) 


1-5563 


i-oooo 


1-6721 


1-612Ö 


1 ^ 
log ^ 


9622 


1761 


7429 


9554 


log c] 


1-3617 


1-4150 


1-6335 


1-7243 


log (-; ..) 


13239 


1-5911 


1-3764 


l-(i7u7 


Ramsau zehnjährig 


21 


39 


23 


46 






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299 



«) 

c) 
log a) 
log b) 

log y 

log c) 

log (|.c) 

Ramsaa zehnjähr. 



CS 

79 

66 

91 

1-8976 

1-8195 

0781 

1-9590 

20371 

109 



•a 



169 

111 

94 

2-2279 

20453 

1826 

2-9731 

2-1557 

143 







111 

1C2 

lOü 

2-0453 

2-0086 

0367 

2-0253 

2-0620 

115 





48 

46 

77 

1-6812 

1-6628 

0184 

1-8865 

1-9049 

80 



a) 

6) 

c) 

log a) 

log b) 

a 
log-^ 

log c] 

log(;.c) 

Ramsau zehnjähr. 



0) 



«3 



87 

60 

62 

19395 

1-7782 

1613 

1-7924 

1-9537 

90 



o 
■** 
u 

O 



63 

41 

43 

1-7993 

1-6128 

1865 

1-6335 

1-8200 

66 



B 

o 

62 

37 

33 

1-7924 

1-5682 

2242 

1-5185 

1-7427 

55 



a 

43 

49 

31 

r63;35 

1-6902 

9433 

1-4914 

1-4347 

27 



od 

►-5 



773 mm 
646 mt» 
682 wm 

2-8882 
2-8102 

0780 

28338 

2-9118 

816wm. 



V. Jährliche Periode des Niederschlages dargestellt 
durch Procente der Jahressumme. 

Die grosse Verschiedenheit der jährlichen Niederschlagsmengen 
an den verschiedenen Stationen erschwert die Vergleichung derselben 
mit einander. Um nun ein leichter zu erfassendes Bild von der Ver- 
theilung der Niederschläge zu erhalten, stellt man die Monatssummen 
durch Procente der Jahressummen dar, wobei es nach dem in dem 
Torigen Abschnitte Gesagten hinreicht, diese Procente in ganzen Zahlen 
zu geben. 



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300 

Jährliche Periode des Niederschlages. — Monats- 
aomnien dargestellt durch Pro cente der Jahressummen. 





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3 


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6 


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Seehöhe in m 


347 


446 


343 


338 


259 


■262 


433 


December . 


4 


4 


4 


4 


5 


3 


5 


Jänner 


3 


4 


3 


4 


3 


4 


4 


Februar . 


3 


4 


8 


5 


4 


4 


4 


März . . 


7 


7 


6 


6 


6 


5 


8 


April . . 


6 


6 


5 


5 


5 


5 


4 


Mfti . 


12 


11 


13 


10 


12 


11 


11 


Juni . . . 


15 


10 


14 


15 


14 


14 


12 


Juli . . 


16 


15 


16 


15 


13 


12 


14 


Attgust . . 


13 


13 


14 


15 


15 


16 


13 


September 


10 


11 


10 


9 


11 


10 


10 


October . 


6 


6 


6 


6 


7 


7 • 


7 


November 


5 


9 


6 


6 


5 


9 


8 



Jahr. . . 886 811 850 765 666 738 1239 
8 10 11 12 13 14 15 





II 


1 
1 


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Seehöhe in m 


510 


196 


205 


238 


356 


304 


390 


üecember . 


5 


5 


3 


7 


3 


3 


6 


Jännf^r . . 


4 


3 


2 


4 


4 


4 


5 


Februar . 


5 


6 


4 


5 


3 


4 


6 


März . . 


5 


6 


6 


5 


6 


7 


8 


April . . 


5 


6 


5 


6 


6 


7 


5 


Mai 


11 


9 


10 


10 


11 


12 


9 


Juni . . 


13 


16 


15 


14 


17 


10 


12 


Juli 


14 


14 


13 


15 


14 


12 


14 


August 


13 


15 


20 


12 


16 


16 


11 


September 


11 


8 


11 


10 


9 


12 


11 


Oc tober . 


7 


5 


6 


6 


6 


5 


6 


November 


7 


7 


5 


6 


5 


8 


7 



Jahr , . 1183 645 520 935 1066 824 721 

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Seehöhe in m 


602 


220 


277 


S16 


358 


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December . 


6 


3 


3 


3 


4 


5 


4 


Jänner . . 


5 


3 


3 


3 


3 


4 


2 


Februar 


7 


7 


6 


4 


3 


4 


4 


März 


7 


5 


6 


4 


3 


7 


5 


April . . 


4 


5 


5 


6 


7 


5 


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Mai . . . 


10 


11 


11 


12 


13 


10 


11 


Juni . . . 


14 


13 


15 


22 


13 


13 


15 


Juli . 


11 


10 


13 


15 


14 


15 


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Aagast 


13 


20 


16 


14 


14 


13 


14 


September 


10 


11 


11 


9 


11 


9 


11 


October . 


5 


6 


5 


5 


7 


6 


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November 


8 


6 


4 


3 


7 


8 


6 



Jahr . 



946 709 806 872 1084 1285 1020 



24 



25 



26 



27 



29 



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Seehöhe in m 


486 


664 


722 


503 


686 


306 


297 


December . 


6 


6 


5 


5 


6 


5 


4 


JäDner . . 


4 


5 


4 


3 


8 


2 


3 


Februar 


5 


4 


4 


4 


4 


3 


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März . . 


6 


7 


7 


6 


7 


7 


7 


April , , 


5 


6 


6 


8 


6 


7 


6 


Mai . , , 


13 


9 


8 


11 


10 


12 


11 


Juni , . 


12 


13 


13 


14 


14 


15 


13 


Juli . 


14 


12 


13 


15 


13 


15 


13 


Aagust . 


12 


14 


15 


11 


14 


14 


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September 


11 


10 


10 


10 


9 


11 


11 


Oetober . 


6 


6 


7 


6 


6 


5 


5 


November 


7 


8 


8 


7 


8 


6 


6 


Jahr. . , 


1171 


1068 


1071 


1241 


1299 


716 


922 



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302 



31 33 34 37 38 39 40 



Seehöhe in m 


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292 


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524 


650 


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394 


December . 
Jänner 
Februar . 


5 

2 
4 


6 
3 
5 


5 
2 
4 


5 
3 
4 


10 
5 
5 


8 
5 
4 


5 
3 
4 


März 
April . . 

iMai . 


5 

6 

12 


7 

6 

11 


6 

5 

13 


7 

7 

14 


6 

6 

11 


6 
6 
9 


5 

6 

13 


Juni . 

Juli 

August 


16 
14 
14 


13 
13 
12 


15 
14 
11 


12 
15 
11 


12 
11 
10 


11 
12 
13 


13 
16 
13 


September 
October , 
November 


8 
6 

8 


9 

8 

7 


9 

7 
7 


9 
6 

7 


7 
8 
9 


12 
6 

8 


10 
6 
6 



Jahr . . 763 579 697 651 1433 1095 717 

41 42 43 45 46 47 49 

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17 
10 
12 

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Jahr ... 732 626 637 638 1148 • 965 531 





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Seehöhe in m 


430 


265 


250 


610 


641 


602 


Di'cember . 


5 


4 


4 


6 


8 


12 


Jtinner . . 


3 


3 


3 


3 


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4 


Februar . 


5 


4 


4 


4 


8 


8 


Mar« . . 


6 


5 


5 


7 


11 


5 


April 


6 


7 


6 


6 


6 


5 


Mai . . 


12 


13 


11 


12 


9 


11 


Juni . 


13 


14 


14 


14 


10 


8 


Juli . . . 


15 


17 


15 


14 


10 


9 


August . 


13 


13 


14 


10 


8 


8 


September 


10 


10 


12 


10 


6 


8 


Of; tober 


6 


6 


6 


7 


7 


12 


November 


6 


5 


6 


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10 


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Seehöhe in m 


488 


Derember 


4 


Jänner . , 


3 


Februar , 


3 


März . , 


5 


ipril . - 

Mai . . 


7 
15 


Jtrni , . 


13 


Juli . . 


16 


August . . 


14 


September 
October 


10 
6 


November 


4 


Jahr. . 

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December . 


4 


Jänner 


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3 


März . , 


5 


April . . 
Mai . . 


9 
15 


Juni . 


15 


M\ . 


13 


August . . 


13 


September 

Octöber 


8 
7 


November 


6 


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50 52 53 54 57 60 65 





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6 


7 


8 


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6 


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6 


7 


6 


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8 


13 


14 


12 


10 


11 


14 


15 


11 


14 


11 


11 


11 


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12 


10 


10 


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13 


11 


13 


10 


12 


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18 


20 


14 


14 


15 


13 


12 


14 


18 


16 


16 


15 


12 


11 


10 


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13 


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12 


18 


11 


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737 


682 


863 


785 


649 


1244 



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304 

Wenn wir zunächst die absoluten Jahressummen betrachten, so 
ist im allgemeinen eine Zunahme derselben mit der Seehöhe nicht 
zu verkennen. 

Wie weit aber dieselbe reicht, lässt sich fiir unser Gebiet nicht 
entscheiden, weil einerseits die absolute Höhe der Gebirge nicht 
bedeutend genug ist, andererseits aber auf den höchsten Punkten 
keine Beobachtungsstationen vorhanden sind. Doch finden sich die 
grössten Jahressummen keineswegs bei den am höchsten gelegenen 
Stationen, sondern vorwiegend in den oberen Theilen der Thäler. 
z. B. in Weichsel, Ostrawitz, Ober-Morawka, Podolanky. Gabel und 
im Oder-Gebirge. Stationen^ welche dem Kamme des Gebirges näher 
liegen, haben eine kleinere Jahressumme des Niederschlages als tiefer 
gelegene ; Beispiele dafür sind Barani und Salajka im Vergleiche mit 
Ostrawitz und Podolanky, Ramsau im Vergleiche mit Blauer Stollen. 

Einen unverkennbaren Einiluss auf die Grösse der Jahressumme 
übt ferner die Streichungsrichtung des Gebirges aus; Goldenstein, 
an der Luvseite gelegen, hat 1053, Ramsau hingegen, das an der 
Leeseite liegt, blos 816 ww* jährlichen Niederschlag. Auffallend ist die 
grosse Differenz zwischen den Nachbarstat ionen Ostrawitz-Czeladna 
einer-, Althammer andererseits, welche trotz der geringen Entfernung 
(2 km) 200 mm überschreitet. 

Die regenärmsten Gegenden unseres Gebietes sind bei Oderberg, 
zwischen Jägerndorf und Hillersdorf, endlich nordöstlich von Zauchtel 
zu finden. In diesen drei kleinen Inseln sinkt die Jahressumme des 
Niederschlages unter ^00 nun. 

Wenden wir uns nun zur Betrachtung der percentischen Ver- 
theilung der Niederschläge auf die Monate, so finden wir, dass das 
Minimum überall auf den Winter, und zwar am häufigsten auf den 
Jänner, seltener auf den Februar und nur vereinzelt auf den December, 
das Maximum hingegen auf einen der Sommermonate fällt. Während 
aber das Maximum im ganzen Gebiete sich auf derselben Höhe hält 
(durchschnittlich 14*2 '^/q), zeigt das Minimum eine kleine Ver- 
schiedenheit, indem es im Mittel der westlich von der Oder gelegenen 
Stationen (ausschliesslich Ratibor, welches trolz seiner Lage am 
linken Ufer des Flusses zur andern Gruppe gehört) 3"6%, im Mittel 
der östlich gelegenen aber nur 3*4"/ ^ beträgt. Nachstehende kleine 
Tabelle zeigt die durchschnittliche percentische Vertheilung der 
Niederschläge auf die Monate in beiden Gruppen: 

Dec. Jänn. Feb. März April Mai 

Ostschlesien 4-5 3-4 4-3 Gl bb 109% 

Westschlesien 6 3-() 47 &2 63 122% 



Juni 


Juli 


Aug. 


Sept. 


Octob. 


Nov. 


Ostschleaien 140 


141 


14-2 


101 


40 


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Westschlesien 14' l 


14-2 


11-8 


8-8 


6-9 


6-5 */„ 



In Ostschlesien sehen wir im April und October secundäre 
Minima, die in Westschlesien, wo die Ab- und Zunahme der Nieder- 
schläge ganz regelmässig erfolgt, fehlen. 



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305 

Director Hann stellt in seinen »Untersuchungen über die 
Begenverhältnisse von Oesterreich-Üngarn« (Sitzungsberichte der kais. 
Akademie der Wissenschaften, Mathem. -naturwissenschaftliche Classe, 
LXXX. Band. III. Heft, 1«79, October pag., 605 die Behauptung auf, 
dass im nordöstlichen Böhmen, in Mähren und Oesterreich. Schlesien 
zwei Maxima der Sommerregen im Juni und August auftreten, 
während im Juli eine merkliche Abnahme der Niederschläge statt- 
findet. Dass diese Behauptung so allgemein ausgesprochen far unser 
Gebiet nicht zutrifft, zeigt obige kleine Tabelle. Sie gründet sich 
nämlich auf die Niederschlagsmessungen von nur 6 Stationen (von 
denen übrigens eine zu Galizien gehört) mit dem Gesammtgewicht 9, 
die ausschliesslich der Ebene oder dem Hügellande angehören, da zur 
Zeit, als Director Hann seine Untersuchungen anstellte, von höher 
gelegenen Stationen so gut wie keine Beobachtungen vorlagen. Bei 
dem gegenwärtig zur Verfügung stehenden Materiale erfordert sie 
aber eine gewisse Beschränkung. 

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Tabelle Ober die jähr- 
liche Periode des Niederschlages in unserem Gebiete, so finden wir, 
dass von den dort aufgenommenen 57 Stationen (von Römerstadt, 
das eine ganz unregelmfissige Vertheilung zeigt, abgesehen), nur bei 
15 eine Theilung des Sommer- Maximums sichtbar ist. Diese 15 Stationen 
zerfallen in 2 Gruppen, 10 Stationen gehören Ostschlesien, 5 West- 
schlosien an. 

Bei den ostschlesischen (Schwarzwasser, Chiby, Ratibor, Oder- 
berg, Kotzobendz, Istebna, M.-Ostrau, P.-Ostrau, Barani, Podolanky) 
zeigt sich die Spaltung des Sommermaximums deutlich, w^nn auch 
der unterschied oft nur 1 % beträgt, um welches die Niederschlags- 
menge des August grösser ist als die des Juli. Anders verhält es sich 
bei den westschlesischen Stationen (Jägerndorf, Gabel, Rothwasser, 
Bamsau und Gr.-Schneeberg); bei den vier ersten fällt zwar das erste 
Maximum auf den Juni, das zweite aber nicht auf den August, 
sondern erst auf den September, auf dem Schneeberg ist das Juli- 
Maximum nur unbedeutend und fällt das Hauptmaximum auf den 
August. Hingegen zeigt sich bei mehreren westschlesischen Stationen 
ein Maximum bereits im Mai, z. B. Wigstadtl, Nied.-Hillersdorf, 
Würbenthai, Freiwaldau, Blauer Stollen, und ist die Niederschlags- 
menge des Juni um 2--3"o kleiner als die des Mai. 

um ein richtiges Bild von der Vertheilung der monatlichen 
Niederschlüge zu erhalten, theilen wir jede Gruppe nach der St^ehöhe 
in ünterabtheilungen, wobei den einzelnen Stationen nach der Länge 
ihrer Beobachtungsperiode oder ihrer Bedeutung verschiedenes Ge- 
wicht gegeben ist. Diese ünterabtheilungen sind folgende : 

Ostschlesien: 1) Schwarzwasser (2),') Chiby, Ratibor, 
Oderberg (2), Freistadt (2), M.-Ostrau; mittlere Seehöhe 230 m. 



') Die in Klammern gesetzten Zahlen bezeichnen das Gewicht, mit dem 
die Station in die Grupp# tritt. Stationen, denen nichts beigesetzt ist, haben 
das Gewicht 1. 

UiUb. d. k. k. Oeogr. Om. lofS. 5 21 



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306 



2. Saybusch (2),'MUöwka, Bielitz (3). Riegersdorf ( 2), Kotzobendz, 
Teschen, Jablunkau (2), P.-Ostrau, Leskowetz, Friedland, Hochwald, 
Freiberg, Neutitschein (2); mittlere Seehöhe 336 w. 

3. Weichsel (2), Weichsel-Czorny, Istebna, Ostrawitz (2), Alt- 
hammer (2), Ober-Morawka, Barani, Salajka, Czeladna, Podolanky: 
mittlere Seehöhe 544 w. 

Westschlesien: 1. Zauchtel (2), Odrau, Troppau I. (2), 
Troppau IL, Jägerndorf, M.-Schönberg (2), Rothwasser, Barzdorf (2), 
Krebsgrund; mittlere Seehöhe 307 w. 

2. Wigstadtl (IV.,), Kiowitz (2), Koziczek, Hillersdorf (IV,), 
Rreitenau, Würbenthai (IVj), Freiwaldau, Blauer Stollen, Landeck, 
Ebersdorf; mittlere Seehöhe 471m. 

3. Drömsdorf, Grünes Kreuz, Raase (2), Olbersdorf, Römerstadt, 
Goldenstein; mittlere Seehöhe 907 w. 

üebersicht über die Niederschlagsvertheilun g. 



Oestliche Gruppe 



Westliche Gruppe 





1 


2 


3 


1 


2 


3 


4 


Mittlere 
Seehöhe 


230w 


336 ni 


544 m 


307 m 


471m 


611m 


907 m 


December 
Jänner . 
Februar 


4-6 
4-8 


4-2 

3-3" 

4-1 


51 

3-5'' 

4-4 


5-5 

3-3'' 

4-5 


5-3 

3-6'' 

4-3 


7-9 
4-3'' 

5-7 


6-7 

3-3^ 

5-3 


März . 
April 
Mai . . 


5-6 
53'' 
10-6 


6-2 
5-6" 
11-5 


6-5 
5-4'^ 
10-5 


61 

6-5 

11-4 


5-9 

6-6 

13-2 


70 
6-0'< 
10-7 


5-3 

60 

11-0 


Juni . 
Juli 
August . . 


143 

131 
161 


14-4 
146 
14-1 


13-3 
140 
13-2 


14-2 
145 

11-6 


136 
144 

12-5 


116 
11-7 
10-7 


147 

10-7 
12-3 


September 

October 

November 


10-3 
6-2 
6-0 


100 
6-2 


101 
6-2>' 
7-5 


9-6 
70 

5-8 


8-4 
6-4 
5-8 


8-6 
7.7X 

8-3 


100 

70" 
7*7 


Winter . . 
Sommer 


12-5 
43-5 


11-6 
43 1 


130 
40-5 


13-3 
40-3 


13-2 
40-5 


17-9 
340 


15-3 
37-7 


Oct.-März . 
April-Sept. 


30-3 
69-7 


29-8 
70-2 


33-2 
66-5 


322 

67-8 


31-3 

68-7 


40-9 
59-3 


35-3 
64-7 


Max -Min. 


130 


11-3 


10'5 


11-2 


10-7 


7-4 


11-4 



Das Haupt- Minimum fällt überall in den Jänner; Ostschlesien 
zeigt ferner in allen Unterabtheilungen ein secundäres Minimum im 
April, endlich in der zweiten und dritten ein solches im October; in 
Westschlesien hingegen tritt das April-Minimum nur in der dritten, 
das October-Minimum in der dritten und vierten Unterabtheilung 
hervor. Das Maximum vertheilt sich nur in der ersten Unterabtheilung 
Ostschlesiens und der vierten Westschlesiens auf den Juni und 



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307 

Aagast; in letzterer ist das des Jani, in ersterer hiagegen das des 
August das Haupt-Maximum, das durch seine Grösse besonders her- 
vortritt, ein Umstand, der die so häufigen August-Ueberschwemmungen 
in der Weichsel- und Oder- Niederung erklärt. 

Die Zunahme der Winterniederschläge mit der Seehöhe ist zwar 
nicht zu verkennen, aber besonders in Ostschlesien nur unbedeutend; 
im Hügeilande tritt sogar eine Abnahme gegen die unterste Stufe 
ein, ebenso, wenn auch nur in sehr geringem Masse, in Westschlesien, 
hier auch, und zwar in viel höherem (jrade. in der vierten im Ver- 
gleiche mit der dritten. Dagegen fällt sehr deutlich die Abnahme der 
Win temieder schlage nach Osten in die Augen, sowie umgekehrt die Zu- 
nahme der SommerniederschUge. 

Schliesslich sei noch erwähnt, dass die Amplitude im Osten 
grösser ist, als im Westen, da sie für den ersterea im Durchschnitt 
11*6, für den letzteren hingegen nur 10-2 "/^ betrögt. 

I 

f VI. Nieder schlagsvertheilung in Sclilesien in den ein- 
zelnen Jahren der Periode 1876 — 85. 

"3 I N li "03 £? 

(K 03 PS M "^ SS O 

1876 107 116 — — — — 

1877 104 106 120 111 79 122 

1878 103 84 113 87 87 — 

1879 100 86 136 119 94 — 

1880 75 83 101 107 97 127 

1881 — 78 77 82 89 80 

1882 100 109 73 91 122 101 

1883 104 113 106 116 114 120 

1884 112 103 — 94 117 60 

1885 94 123 74 98 100 90 
Mittel . 896 850 747 653 1217 498 

^ % ä ^ - 

1 - 2 ■§•§ I I 

B _C •<-• - C/J -^ O 

£ *? O Z N3 ti- 

1876 - _- 95 — 126 102 

1877 — - 89 S4 109 102 

1878 63 108 91 98 100 98 

1879 105 - 109 UH 138 185 

1880 100 — 118 118 94 108 

1881 84 68 81 85 71 84 
1S82 92 98 106 115 99 98 

1883 156 85 105 111 95 97 

1884 — 11 1 89 90 75 88 

1885 — 187 109 109 97 97 
5Gtte1 . 861 731 1285 787 579 717 



l 



21* 

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308 





i 


cc 




Cd 

1 


1 




i 
1 


1876 


94 


121 


— 


— 





105 


99 


1877 


96 


103 


102 


91 


106 


155 


. 88 


1878 


73 


88 


94 


89 


111 


87 


90 


1879 


164 


126 


141 


107 


HO 


116 


111 


1880 


108 


113 


100 


133 


81 


100 


122 


1881 


83 


95 


95 


86 


93 


70 


98 


1882 


101 


95 


98 


105 


100 


105 


108 


1883 


90 


94 


82 


88 


97 


96 


106 


1884 


85 


85 


81 


— 





89 


90 


1885 


105 


80 


103 


— 





77 


87 



Mittel . 626 638 632 781 583 738 682 

Vorstehende Tabelle ist bestimmt, eine üebersicht über die 
relative gleichzeitige Niederschlagsvertheilung ia unserem Grebiete za 
geben. Sie enthält daher für 19 ziemlich gleichmässig vertheilte 
Stationen, welche die ganze Periode oder doch wenigstens den grössten 
Theil derselben ausfüllen, die Niederschlagssummen der einzelnen 
Jahre in Procenten des in der letzten Reihe stehenden Mittels. Da- 
durch ist es ermöglicht, zu sehen, welche Jahre trocken, welche nass 
waren, und wie dieses Verhältnis sich für die einzelnen Theile unseres 
Gebietes gestaltet. Denn schon beim ersten Blicke zeigt es sich, dass 
die Niederschlagsvertheilung in dea einzelnen Jahren in den ver- 
schiedenen Theilen Schlesiens keineswegs eine gleichmässige ist. 
Selbst ziemlich nahe beieinander gelegene Stationen, wie z. B. Bielita 
und Riegersdorf zeigen sehr bedeutende Verschiedenheiten des relativen 
Niederschlages. 

Das Jahr 1879 war fast in dem ganzen Gebiete ein nasses, 
da nur zwei Stationen im östlichen Theile weniger als 100**/,, auf- 
weisen; die Niederschlagsmenge nimmt nach Westen hin zu, erreicht 
in Troppau ihr Maximum, um dann weiterhin wieder abzunehmen. 

Andrerseits war das Jahr 1881 im ganzen Gebiete ein trockenes 
und zwar im Osten im höhern Grade als im Westen, denn hier 
beträgt die durchschnittliche Niederschlagssumme 86*1 *Vo» dort aber 
nur 80-4Vo. 

VII. Zahl der Tage mit Niederschlag. 

In den nachfolgenden Tabellen gebe ich für jene Stationen, 
welche entweder die ganze Periode oder doch den grössten Theil der- 
selben ^) ausfüllen, die Anzahl der Tage mit Niederschlagen über- 
haupt, dann mit Schnee speciell. 



>) Es fehlen oft nur wenige Monate; nur Freistadt, Würbenthai und 
Hillersdorf beruhen hlos auf 8 -9 Jahren. 



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30it 



1 



a) Zahl der Tage mit Niederschlag für die Periode 1871^—85. 



Jänner Februar M&rz April 



Mai 



Juni JuU 



Bielitz . . 


8-7 


8-5 


11-5 


9-8 


13' .J 


14-1 


12-4 


Riegersdorf 


7-9 


5-7 


8-7 


6-9 


9-7 


11-2 


10-4 


Schwarzwasser 


8-2 


8-3 


11-9 


9-4 


13-3 


12-4 


12-2 


Weichsel . . . 


12-6 


12-6 


15-6 


12-8 


17-4 


l.r6 


17-9 


Oderberg . . 


2-7 


3-7 


6-2 


9-7 


13'1> 


l:!-() 


13'1 


Freistadt . . 


10-9 


11-3 


12-3 


130 


141 


13-0 


13-4 


Kotzobendz 


110 


109 


11-5 


HO 


14J 


13-5 


14-.-) 


Jablankau . . . 


7-7 


64 


12-4 


9-4 


14K 


U'O 


13-7 


0?trawitÄ . 


13-4 


14-2 


18-3 


13-9 


16_' 


irv2 


17-9 


Althammer . . 


8-8 


8-7 


12-6 


10-8 


13-> 


13-6 


14-5 


Neutitschein 


9-9 


9-4 


12-9 


12-3 


15 s 


i;-;'8 


13 9 


Zaachtel 


12-2 


11-5 


150 


120 


14r, 


12' 7 


U'4 


Wigstadtl . . 


10-2 


101 


13-7 


12-7 


147 


13'9 


I4'ii 


Kiowita 


9-9 


10-3 


13-6 


11-8 


14-8 


11 ■It 


13-0 


. Troppaa I . . 


9-6 


9-7 


12-9 


12-0 


140 


13'0 


13'6 


Raase . . . . 


8-7 


90 


14-0 


12-8 


15-5 


141 


15-2 


N. Hillersdorf . 


91 


7-5 


10-7 


11-4 


13-7 


12-3 


12-1t 


Würbenthal 


123 


HO 


140 


14-6 


1611 


140 


15-(l 


Mähr. Scliönberg 


10-6 


121 


130 


9-5 


13ii 


13-3 


15-Sl 


Barzdorf . . 


. 13 


13-4 


17-2 


15-6 


18-.-^ 


I4'S 


17-1) 



s 



1 



August Sept. 



Octob. 



Nov. Decemb. 



Jahr 



Bielitz . . 


11-8 


10-7 


10-8 


11-6 


lOM) 


131-3 


Riegersdorf . . 


111 


9-3 


7-4 


8-4 


?-!) 


105-6 


Schwarzwasser . 


12 3 


10-6 


10-9 


9-9 


lO'H 


130' 3 


Weichsel . . . 


16-4 


14-7 


151 


131 


15 3 


17!)-1 


Oderberg 


125 


120 


10-5 


6-4 


3-6 


107' 3 


Freistadt . 


120 


11-9 


9-4 


120 


11-7 


14Ö-0 


Kotzobendz . . 


140 


101 


14-6 


12 1 


1(11 


145-8 


Jablankau 


11-3 


10-5 


10-6 


9-2 


10-U 


l;!0-0 


Ostrawitz 


150 


13-8 


13-3 


150 


15 2 


181-4 


AlthammiT . . 


12t; 


10-6 


10-4 


9-0 


8-4 


131-Ö 


NeatitsrheiD . 


J27 


11-3 


14-2 


12-9 


r.'Mi 


i:)l-7 


ZaQcht(>l . . 


12) 


107 


11-4 


13-3 


irvsi 


155 '7 


Wigstadtl 


12-4 


10-6 


12-7 


12-9 


12 -st 


If)l-4 


Kiüwitz 


U-ö 


11-3 


12-9 


11-3 


I2'y 


145 2 


Troppan I . . . 


10- 1 


110 


9-9 


HO 


11-5 


138-3 


Baase 


13-7 


12-7 


13-4 


12-5 


14-H 


157-2 


N. Hillersdorf . 


111 


100 


101 


8-9 


91* 


127-6 


Würbenthal 


13-9 


12-6 


106 


12-4 


12-7 


16(1-0 


H&hr. Scböoberg 


125 


11-4 


11.1 


131 


143 


15(1-5 


Baredorf . . 


161 


15-6 


13-8 


13-8 


Ki'O 


185-4 

Digitized by V. 



Google 



$x& 



Ji) Zahl der Tage mit Schnee (Periode lS7(i— 85). 





Jänner 


Februar 


März 


April 


Müi Juni 


M 


Bielitz . . 


. 6-8 


5-4 


7 3 


2-8 


fl-S - 


— 


Eiegersdorf 


. 6-6 


4-4 


5-4 


1-6 


«■6 — 


— 


Schwarzwasser . 6*9 


4-8 


6-8 


1-6 


O'ö — 


— 


Weichsel . . 


10-4 


8-1 


10-4 


4-6 


12 Ol 


— 


Oderherg 


11 


1-5 


2-7 


1-4 


03 — 


— 


Frei Stadt 


. 7-3 


6-7 


66 


2-9 


0-9 - 


— 


KotzobendK . 


8-3 


(5-2 


70 


30 


[■6 - 


— 


JaUankau 


5-9 


3-7 


8-5 


2-8 


l'O — 


— 


Oatrawitz 


. 10 5 


110 


9-4 


4-3 


1-4 — 


— 


Altliammer 


59 


61 


7-1 


31 


rn - 


O'l 


Neutitachinn . 


. 76 


5-4 


7-3 


20 


0-6 — 


— 


Zauchtel < . 


. 10-8 


8-4 


9-3 


19 


0-5 - 


— 


Wijzstfidtl . . 


. 90 


7-7 


10-4 


3-9 


I'U - 


— 


Kiowitz . . . 


. 6-9 


5-8 


80 


2-7 


0'8 


— 


Troppau I . 


. 6-9 


5 9 


7-4 


17 


0-4 — 


— 


Raase 


. 7-9 


7-2 


10-2 


3-8 


M — 


— 


N. Hilleradorf 


. 60 


4-4 


«•4 


2-9 


0-3 — 


— 


Wiirhenthat 


. 107 


9-9 


lü-7 


57 


2-0 — 


— 


Mähr. Schünbc 


rg 9-3 


9 1 


8-2 


23 


O-ö 


— 


Barzdorf 


. 10-2 


8-8 


10-2 


40 


13 - 


■^■^ 1 


■' 


August 


Sept. 


Octob. 


Nov. 


Decemb. 


Jahr 


ßifilitz 








1-3 


5-4 


6-t» 


36-7 


Riege radorf 


— 


— 


1 1 


5-2 


4-9 


29'8 


Schwarzwas^e] 


r . — 


— 


10 


4'J 


7-1 


29-9 


Weichsel 


— 


0-2 


3-2 


7-4 


11-3 


m-9 


Oderberg 


— 


— 


0-7 


30 


1-9 


12-e 


Frpistadt 


— 


— 


1-7 


4-2 


50 


35-3 i 


Kötzobendz 


— 


— 


1-8 


51 


8-1 


4M '■ 


Jablankaa 


. . — 


— 


13 


4-4 


76 


35 2 


üst.rawitz 


— 


0-3 


2-5 


90 


10 -0 


&!J4 


Älthammer 


— 


0-1 


1-4 


4-<i 


()'3 


3ti-2 


Neutitschein 


— 


— 


1-3 


5-0 


K-4 


37f) 


Zauchtel 


— 


— 


10 


7*7 


11-4 


51-0 


Wigstadtl 


— 


— 


1-4 


6-7 


lO-O 


501 


Kiowitz 


— 


— 


10 


51 


S'4 


391 


Troppau I . 


. — 


— 


10 


4-6 


T-4 


36 3 


Raase 


— 


Ol 


2» 


5-5 


10-8 


48-9 


N, Hilbrsdorf 


— 


— 


1-2 


4-(i 


ö'9 


321 


Würbenthal 


. — 


— 


3-4 


7-4 


8-6 


584 


Mähr- Schön b 


erg — 


— 


1-4 


6-7 


HO 


48-8 


Barzdorf 


— 


— 


1-9 


6-6 


11-4 


54-4 










Digitized byCaOOQlC 


A 






3ii 



Dividirt man die mittlere Anzahl der Tage mit Niederschlaj? 
durch die Anzahl der Monatstage, so erhält man die Niedersclilags- 
wahrscheinlichkeit für die einzelnen Monate. 

Zum Schlüsse gebe ich noch für 2 Stationen mit zehnjähriger 
Reihe die Daten für den ersten und letzten Schneefall und für den 
ersten und letzten Frost. 



Bielitz. 



Letzter 



Erster 



Letzter 



Erster 







Schneefall 








Frost 




1876 


19. 


Mai. 


31. 


October. 


21. 


Mai. 


23. 


October, 


1877 


4. 


Mai. 


23. 


October. 


7. 


Mai. 


27. 


October. 


1878 


8. 


April. 


1. 


Novemb. 


10. 


Mai. 


1. 


Novemb. 


1879 


13. 


Mai. 


15. 


October. 


11. 


Mai. 


10. 


Nov*mb, 


1880 


20. 


Mai. 


22. 


October. 


14. 


März. 


24. 


October. 


1881 


10. 


Mai. 


4. 


October. 


11. 


April. 


25. 


Septemb. 


1882 


14. 


Mai. 


10. 


Novemb. 


10. 


April. 


11. 


Novemb, 


1883 


22. 


April. 


7. 


October. 


23. 


April. 


8. 


October. 


1884 


21. 


April. 


12. 


Novemb. 


27. 


Mai. 


12. 


October. 


1885 


15. 


Mai. 


16. 


Novemb. 


4. 


April. 


3. 


October. 


Mittel 


. 6. 


Mai. 


28. 


October 

Barzdorf. 


26. 


April. 


18. 


October. 




LeUler 




Erster 


Letzter 




Erste» 






Schneefall 








Frost 




187() 


19. 


Mai. 


1. 


Novemb. 


20. 


Mai. 


3. 


October. 


1877 


20. 


Mai 


18. 


October. 


26. 


Mai. 


10. 


Septeinb. 


1878 


JJ8. 


März. 


4. 


Novemb. 


13. 


Mai. 


5. 


October. 


1879 


10. 


Mai. 


14. 


October. 


11. 


Mai. 


15. 


Octcilter. 


1880 


19. 


Hai 


21. 


October. 


21. 


Mai. 


25. 


Novemb. 


1881 


10. 


Mai. 


4. 


October. 


30. 


April. 


24. 


Septttmb. 


1882 


15. 


Mai. 


16. 


October. 


13. 


April. 


6. 


October, 


1883 


21. 


April. 


22. 


October. 


28. 


April. 


25. 


Septemb 


1884 


23. 


April. 


13. 


Novemb. 


27. 


April. 


1. 


Novemb. 


1885 


16. 


Mai. 


15. 


Novemb. 


13. 


Mai. 


21. 


October, 


Mittel 


. 6. 


Mai. 


25. 


October. 


8. 


Mai. 


11. 


October. 



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312 



Geographische Literatur. 

Europa. 

FriedrichSimony: Das Dachsteingebiet. Ein geographisches 
Charaktert^ild aus den österreichischen Nordalpen. 1. Lieferung, 
Wien und Olmütz, Hölzel, 1889. 

Mit dem im Erscheinen hegrififenen Werke, dessen erste Lieferung nun- 
mehr vorliegt, bringt der hochverdiente Nestor der Geographen einen lang- 
gehegten Lieblingsplan zur Ausführung. Wiederholt hat der Autor in Wort und 
Scljrift die wissenschaftliche Bedeutung des Landschaftsbildes als Veranschau- 
lich ungsmittel hervorgehoben und auf die Lückenhaftigkeit und Mangelhaftig- 
keit lies bisher in dieser Hinsicht vorliegenden Materiales verwiesen. Die Land- 
schafisbilder und Zeichnungen auch unserer hervorragendsten Künstler sind 
vom künstlerischen Standpunkte aus idealisirt und schematisirt und können in 
den meisten Fällen eine naturwissenschaftliche Kritik nicht vertragen. Es ist 
dem Künstler in der Hegel nicht um ein setreues Abbild der Natur zu tliun, 
sondern die letztere ist ihm Mittel zu dem Zweck, unter Anlehnung an ein 
hpslimmtes Motiv ein möglichst effectvolles Gemälde zu schaffen. Deshalb geht er 
auch xumeist nicht mit jener Liebe auf die Wiedergabe des oft so äusserst 
cljanikteristischen, dem Laien aber unverständlichen Details ein, wie der Mann 
der WissenFchafl, der seine nebenbei erworbene Kunstfertigkeit in allem und 
jedem der Natur dienstbar macht und auf diese Weise Darstellungen ent- 
wirft, welche einen höheren Werth als den der Erregung momentanen Gefallens 
und der Bekundung einer hervorragenden Künstlerschaft des betreffenden 
Zeichners oder Malers besitzen. 

Der Gegensatz, um dessen Betonung e.^ sich hier handelt, tritt in khirer 
unzweideutiger W^eise zu Tage, wenn man Skizzen F. S imony's, etwa die der 
vorliegenden Lieferung beigegebenen Ansichten des Dachsteingebirges von Nord 
und Sfid, mit Reproduetionen von Zeichnungen angesehener Künstlerin einigen 
Tieu*=^reri Illusirationswerken vergleicht. Es maü den ersteren ja vielleicht ein 
gewisser auf äusserlichen Effect abzielender Schwung abgesprochen werden, 
aber das lässt sich nicht in Abrede stellen, dass diesselben einen weit höheren 
Grad natürlicher Anschaulichkeit besitzen, als jene künstlerisch-genial ange- 
hnuchlün Bilder, welche mit wenigen Strichen über das wichtigste Detail hin- 
weghuischen und die Ausmalung desselben ganz und gar der subjecliven Auf- 
fassung des Beschauers überlassen. Solche Bilder, welche zu ihrer Ergänzung 
unsere Phantasie lebhaft in Anspruch nehmen, erwecken ..Stimmung" und er- 
Kieleti einen gesteigerten Effect, wie es denn überhaupt bei jeglicher Darstellung 
eine Jtlihewährle Regel ist, dass das nur Angedeutete und mehr oder weniger 
Verhüllle das unmittelbar Gebotene und vor Augen Geführte an Wirkung stets 
weit hinter sich lässt. Der Wissenscliaft aber handelt es sich um eine reelle 
DarsleUung der Natur und nicht um die Composition landschaftlicher Bilder- 
rathsel welche mitunter ganz unauflösbar sind, wie z. B. dort, wo Schiefer- 
berge in den Formen des Kalkgebirges präsentirt werden u. dgl. 

Männer wie Simon y, deren Zeichenstift von einer wissenschaftlich 
geläuterten Auffassung beherrscht wird, sind aber selten. Mit grosser Freude 



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3ia 



müssen daher die neueren Fortschritte der Photographie und der photogra- 
phischen Reproductions-Methoden begrftsst werden, welche es ermöglichen, 
vollkommen naturgetreue Bilder in «grosser Anzahl und mit verhältnismässig 
geringen Kosten zu erzeugen. Aber unbeschadet ihrer Naturtreue können doch 
die von Berufs-Photographen aufgenommenen Bilder nicht immer wissenschaft- 
lichen Zwecken entsprechen, da bei der Wahl ihres Aufnahmsortes ledifjUeh 
künstlerische Motive den Ausschlag geben. Nicht nur um Naturtreue hanlell 
es sich, sondern auch darum, dass die richtigen Objecte und zwar vom nr li- 
tigen Orte aus gesehen zur Darstellung gebracht werden. Auch in dieser Uiü- 
sieht brach Hofrath Simony Bahn. Seit vielen Jahren bereist er das Darh- 
steingebiet in Begleitung des photographischen Apparates und hat eine grosjje 
Anzahl vortrefflicher Photogramme geschaffen, welche bisher leider nur in 
wenigen Exemplaren verbreitet waren. Sie bilden den Grundstock des wt- 
liegenden Werkes. 

Wort und Bild verei:iigen sich hier in harmonischer Weise zu eiii^r 
landschaftlichen Charakterisirung des Dachsteingebietes, wie sie in ähnlicht^r 
Vollendung bisher noch von keinem Theile der Erde geboten wurde. Zum 
ersten Male wird aus einem enger abgegrenzten orographisch individualisirlen 
Gebh-gstheile durch eine entsprechende Anzahl photoffraphische und Frei- 
handaufnahmen ein übersichthches Gesammtbild aller jener Landschaflsirr- 
scheinunj en hergestellt, welche in naturwissenschafthcher Hinsicht das Interes^i^f 
des Fachmannes anzuregen und ihm Material, sei es zu eigenen Studien, sei t^ 
zur Verwendung als Lehrstoff, darzubieten geeignet sind. Die Wahl des Dach- 
steingebietes zu diesem Zwecke ist eine besonders glückliche deshalb, wlü 
dasselbe in seinen orograph'schen, geologischen und Vegetationsverhältnissm 
wie auch in seinen Gletschererscheinungen einen derartigen Reichthum jnter* 
essanter und lehrreicher Momente umfasst, wie kaum ein zweites Gebirge von 
gleicher räumlicher Ausdehnung. 

Die gegenwärtige Lieferung behandelt im Text die allgemeinen Verfmll* 
nisse des Gebietes, seine Umgrenzung, Gliederung und Hypsometrie. Der Aüiis 
enthält die bereits erwähnten Gesammtansichten des Gebietes von Nord iiml 
Süd nach Zeichnungen des Verfassers, ferner 6 Lichtdrucke und 12 Photu- 
typien nach Photogrammen des Autors; 12 kleinere Photolypien finden ^trh 
im Text Die Lichtdrucke sind sämmtlich ausgezeichnet; auch von den Phpio- 
t\'pien entsprechen die meisten allen Anforderungen, welche an diese Rej^i'*!* 
ductionsart zu stellen sind, insbesondere müssen die Bilder: „Rundhöcker urti 
Eingange der Wiesalpe*. ..Karrenfelder nächst der Ochsen wieshöhe" und 
Partie im Wildkar'- als höchst gelungen bezeichnet werden ; dagegen ai htl 
andere, und zwar hauptsächlich Thalansichten mit weicheren Formen, Wit.-MH 
Waldpartien u. dgl. wie die Ansichten von Schladming, Radstadt, Eben ijiol 
St. Martin minder gut gerathen. Es darf hiebei jedoch nicht übersehen werdrn 
dass die Phototypien, wenn sie einerseits zwar bei weitem hinter den Lii hi- 
drucken zurückstehen, dafür andererseits wieder bedeutend billiger hergeatr-lH 
werden können, welcher Ums^tand es allein ermöglicht, das Werk bei einr^ni 
in Anbetracht des Gebotenen ziemlich niedrigen Preise (20 fl für vier Litff- 
ningen) so reich zu illustriren. 

Wenn nun auch, wie natürlich, eine vollständige Würdigung des IJntor- 
nehmeLs erst nach Abschluss desselben wird platzgreifen können, so lässt sjrh 



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314 

doch heute schon die Erkenntnis gewinnen, dass hier auf dem Gebiete der 
wissenschaftlichen Landschaftkunde ein monumentales Werk ersteht, welches 
von Liebe und Begeisterung für die Natur durchglüht und von feinem Ver- 
ständnis ihres Wirkens und Schaffens getragen, für alle Zeiten eine Fundstätte 
reicher Belehrung und mannigfacher Anregung sein wird. Möchte der Wunsch 
des Verfassers in Erfüllung gehen, dass sein Beispiel haldige Nachahmung 
linde, und dass durch das Zusammenwirken berufener Kräfte ein physikalisch- 
geographisches und topographisches Sammelwerk grösseren Stiles entstehe, 
welches ein ausgedehntes Gebiet unserer an Naturschönheiten so reichen 
Alpenwelt umfasst! August Böhm. 

A. Geikie, The History of volcanic Action during the Tertiary Period 
in the Britisch Isles. (Transactions of the Royal Society of Edin- 
burgh, vol 35, part 2, p. 21—184.) 

Viele Jahrzehnte hindurch hat die „Hochlandcontroverse" die englischen 
Geologen in zwei Lager getheilt. Heute ist dieselbe entschieden, der siluriscbe 
Gneiss ist gefallen und die Gegend der Hochseen des schottischen Nordwestens 
hat sich als der Sockel eines niedergehobelten vordevonischen Faltengebirges 
erwiesen. Die vorliegende Abhandlung des Generaldirectors der geologischen 
Aufnahme des vereinigten Königreiches bezeichnet den Beginn einer neuen 
Hochlandcontroverse, welche sich diesmal an die tertiären Eruptivgebilde der 
britischen Inseln, insbesondere an die inneren Hebriden knüpft. 

Im Jahre 1874 veröffentlichte Prof. Judd einen glänzenden Aufsalz über 
die alten Vulkane der Hebriden und es wnr ein Bild von bestechender Einfach- 
heit und Grösse, das er von den vulkanischen Ereignissen der Tertiärzeit in 
diesem Gebiete entrollte. Judd glaubte in den Granitstöcken von Mull. Ardna- 
murchan, Rum und Skye, die Ausbruchstellen der Plateau basalte gefunden zu 
haben. Wir hätten hier Ruinen, Kerne von Vulkanen vom Typus des Aetna 
oder Vesuv vor uns, der Aschenkegel und die Gänge seien zerstört, aber die 
Verbindung des blossgelegten Schlotes mit den Lavaströmen sei noch kenntlich. 

Auf eine Epoche der Förderung von sauren Laven folgte eine Zeit der 
Abtragung und des Nachlassens der vulkanischen Thäligkeit. Das Wieder- 
aufleben derselben ist durch die ungeheuren über einander aufgebauten Basalt- 
ströme und Decken der Hochlande gekennzeichnet. Darauf folgte abermals eine 
Zeit grösserer Ruhe, innerhalb welcher nur vereinzelte Kegel vom Charakter 
der Puy's der Auvergne zustande kamen. In demseli)en Verhältnis wie die 
granitischen Intrusivmassen zu den sauren Laven der ersten Periode, stünden 
die Gabbro's zu den basischen Laven der zweiten. 

Geikie's Darstellung steht in schroffem Gegensatze zu diesen Ansichten. 
Nicht Vulkane von der Art des Aetna oder Vesuv haben die Laven ausgeworfen. 
Nirgends nehmen die Laven oder die spärlich vertretenen Tuffe und Basalt- 
breccien an Dicke gegen ein Centrum zu, das die Stelle eines Vulcans be- 
zeichnen könnte. Durch unmittelbares Aufsteigen auf einem Systeme annähernd 
paralleler NW. gerichteter Spalten, auf zahlreiche Schloten geringeren Umfanges 
haben sich die Plateaubasalte gebildt-t. Sie sind die ältesten tertiären Erupliv- 
pesteine des Landes und ihre Mächtigkeit erreicht stellenweise 3000 Fuss. Ihnen 
folgten Gabbro's, Dolerite u. a. grobkrystallinische basische Gesteine, welche 



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315 

namentlich als Intnisivmassen eine bedeutende Rolle spielen. Wahrscheinlich 
geraume Zeit nach der Gabbroperiode lebte die vulkanische Thätigkeit neuerdings 
auf. Diesmal förderte dieselbe aber eine Reihe saurer Gesteine, welche von Felsiten 
durch Porphyre und Granophyre zu echten Graniten leitet. Diese Gesteine bilden 
mächtige, kegelförmige Hügel, welche an die Puy's der Auvergne erinnern; sie 
durchbrechen die Plateaubasalte und die Gabbrostöcke und entsenden ein reich 
verzweigtes Netzwerk von Gänsen und Adern in dieselben. Noch einmal wurde 
basaltisches Material aus der Tiefe gebracht, allerdings, wie es scheint, ohne 
oberflächliche LÄvaergÜsse. Der Schluss der so wechselvollen Geschichte des 
Vulkanismus in diesen Gegenden wird durch Pechsteine bezeichnet, die sich 
von Antrim bis zu den inneren Hebriden an vielen Stellen finden. An einem 
Orte, dem Scuir von Eigg ergoss sich ein Strom Pechsteinlava oberflächlich 
über das Basaltplateau. 

Dass alle die besprochenen Gesteine tertiären Alters sind und dass 
ihre petrographische Beschaffenheit in weit höherem Masse von den Er- 
starrungsverhältnissen als vom Alter abhängt, darüber befinden sich Judd 
und Geikie in erfreulicher Uebereinstirr mung. Hinsichtlich einiger anderer 
Punkte hat Green den Versuch gemacht, zwischen den widerstreitenden An- 
schauungen zu vermitteln. Judd hat diesen Versuch accepiirt. Green denkt 
Dicht an Spalteneruptionen, sondern an Vulkane von dem Charakter des 
Mauna Loa und Kilauea. auch weist er — übrigens thut dies schon Geikie 
selbst — darauf hin. dass ja sehr wahrscheinlicher Weise von den späteren 
Eruptionen doch wieder mit Vorliebe die alten Schlote benützt worden. Un- 
überbrückbar bleibt freilich die Kluft zwischen Geikie's und Judd's Auffassung 
der Altersfolge der Eruptivgesteine. Nach Geikie's, durch meisterhafte Skizzen 
veranschaulichten Ausführungen, lässt sich an dem iüngeren Alter der Granite 
nicht mehr gut zweifeln. 

Geikie's Monographie ist ein Muster einer geologisschen Abhandlung. 
Man kennt den formvollendeten, klaren Stil des Autors; nirgends ermüdet er 
durch zusammenhangloses unwesentliches Detail und nirgends spricht er 
allgemeine Sätze aus, ohne dem Leser zu zeigen, wie er zu denselben 
gekommen. Eine erhöhte Bedeutung gewinnt Geikie's Buch durch die neuen 
Arbeiten Thoroddsen's auf Island. Auch hier zeigt sich ein inniger Zusammen- 
hang zwischen den Eruptivgebilden und einem System von Dislocationen, auch 
hier tritt die Wichtigkeit scharf hervor, welche tertiäre und posttertiäre Brüche 
für den Bau des europäischen Nordens besitzen. A. Rodler. 

Afrika. 

Jcseph Thomson, Travels in the Atlas and Southern Maroeco. A 
narrative of Exploration. London, George Philip u. Son, 1889. Ji 

Nachdem wir erst vor kurzer Zeit in Quedenfeldt's vorzüglicher ethno- -"^^ 

graphischer Darstellung Marokko's und in Foucauld's sorgfältigem Reisewerk .; 

zwei Hauptquellen für die Kenntnis dieses Landes erhalten — wird nunmehr 
durch das vorliegende Werk überraschend schnell nach der Bückkehr des 
Reisenden die Literatur über Marokko, die alte Veste des Islam in Nordafrika, 
abermals bereichert. Ein Buch, auf dessen Titelblatt der Name Joseph Thomson 
steht, ist der Aufmerksamkeit aller geographischen Kreise jederzeit sicher, auch 



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316 

wenn es sich wie das vorliegende als einfache Erzählung der persönlichen 
Erlebnisse des Reisenden einführt, der erst später eine einheitliche Darstellung 
der wissenschaftlichen Ergehnisse in Fach -Zeitschriften folgen soll. 

Etwas von der Energie, welche der kühne Schotte bewies, als er als 
zwanzigjähriger Jüngling, nach dem Tode Johnsions dessen Karawane selbst- 
ständig nach den centralafrikanischen Seen führte, liegt auch in Thomson's 
, Stil. Kurze Sätze, rein sachliche Darstellung fern von aller Ueberschwänglichkeit, 

I common sense im besten Sinne und zu alledem ein köstlicher Humor machen 

i Thomson's Reisewerke zu einer angenehmen Leetüre. Das vorliegende Buch 

bietet noch einen besonderen Reiz. Thomson hat sich in den Negerländem, 
Ost- und Westafrika's, unter Schwierigkeiten ungewöhnlicher Art als Meister 
in der Technik des Reisens erprobt. 

Ganz anderer Art sind die Hindernisse, welche Mch dem Reisenden in 
den alten Culturländern des Islam entgegenstellen und es ist nun von hohem 
Interesse zu selien, wie Thomson's Vergleich ausfällt. „Never in all my ex- 
perience of travel had I been subjected to so many petty worries, so many 
irritating and maddening annoyances*' ruft er an einer Stelle aus und jeder 
der in entlegeneren Theilen des Orients abseits von Karawanenwegen ge- 
wandert ist, wird in Thomson's diesbezüglichen Erlebnissen ein Stück eigener 
Reiseerinnerung wiederfinden. Nicht die Momente der Gefahr, nicht die phy- 
sischen Anstrengungen stellen hier die grössten Anforderungen an die Energie 
und Ausdauer des Reisenden, sondern der Tag für Tag neuaufzunehmende 
Kampf gegen die Feigheit und Faulheit der einheimischen Begleiter und gegen 
das Uebelwollen und die Verlogenheit der Behörden. Marocco scheint übrigens 
in dieser Hinsicht unter allen Ländern des islamitischen Culturkreises das 
ärgste zu sein. Thomson ist ein aufrichtiger Schätzer der Culturmiss'on des 
Islam unter den Negern Innerafrika's — aber er stellt in aller Schärfe den 
Satz auf, wo die Lehre des Propheten verknöchert ist, dort birgt sich unter 
der Hülle des Glaubens und der anscheinend strengsten Beobachtung seiner 
Satzungen die ärgste Sittenlosigkeit und Verworfenheit, pag. 435, Aeusserst 
düster ist auch Thomson's Schilderung von der Misswirthschaft der Regierung 
in Marocco, die ein gut Theil zu den heute im Lande herrschenden traurigen 
Zuständen beigetragen 1 at. (pag. 4*J6.) 

ti Ein eigenthümliches Element in der Bevölkerung des Landes sind die 

) Juden. Durch jahrhundertelangen Druck sind sie in moralischen und physischen 

Schmutz versunken, financiell sind sie aber trotz ihrer niedrigen gesellschaft- 
lichen Stellung die Herren des Landes und sie erfreuen sich eines ausgiebigeren 
Rechtsschutzes als die Moslim (p. 414) Thomson erwähnt, dass ihm die 
ausserordentliche Verbreitung von Augenkrankheiten unter den Juden, die eng 
zusammengedr.ingt in ihren Ghetto's — Mellah's genannt — leben, aufgefallen 
sei. Damit bestätigt er eine auch anderwärts gemachte Erfahrung. Nicht durch 
die grellen Lichter der Steppe und kahler Gebirge werden die meisten Ophthalmien 
des Orients bedingt, sondern durch häuslichen Schmutz. Thomson ist auch 
im Rechte, wenn er den Fliegen als Infectionsträgern eine bedeutende Rolle 
zuschreibt. Der Raum gestattet nicht auf weitere ethnographisch interessante 
Capitel näher einzuge!:en, es sei nur verwiesen auf das Fest des Sidi Hamadscha 
in .Mogador. p. 72, auf das feudale Schloss zu Teluet, p 223, auf den Schlaogen- 
zauberer im Wadi Amsmiz, p. 295. 



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317 

Thomson's geologische Karte und die in dankenswerther Fülle in den 
Text eingestreuten geologischen Notizen, zeigen nicht unwesentliche Ab- 
weichungen von den Vorgängern, die der Reisende hatte. Hooker und Ball, 
Maw, Fritsch und Lenz. Zur vollen Klärung mtlssen wir freilich die in Aus- 
sicht gestellte geologische Abhandlung abwarten. Thomson bestätigt, dass der 
hohe Atlas aus viel älteren Gesteinen besteht, als der grosse Atlas Algeriens 
aber er bezeichnet seine metamorphic series, Thonschiefer, Quarzite und krystall. 
Kalk, nirjsends direct als paläozoisch und er scheint geneigt, jene rothen 
Sandsteine mit Kalk und Thonzwischenlagen, die Fritsch als p»»rmotriassisch 
betrachtet, durchwegs der Kreide zuzurechnen. Die Kreide nimmt überhaupt 
bei Thomson ein noch grösseres Verbreitungsgebiet ein, als bei den früheren 
Autoren. Auffällig ist der Umstand, dass Thomson fossilführende Kreideablage- 
rungen nicht erwähnt und über das Tertiär so flüchtig hinweggleitet. Das 
häufige Vorkommen älterer basischer Eruptivgesteine bestätigt Thomson; neu 
ist die Feststellung ausgedehnter basaltischer Züge, am Nordrande des Gebirges 
bei Amsmiz, Tezert und Demnat; im Süden bei Teluet. 

Thomson führt vielfach aus dem hohen Atlas Glacialspuren an, Moränen 
und echte gekritzte Geschiebe; aber er theilt Fritsch's Skepsis gegen die von 
Maw als glacial angesehenen mächtigen Blocklagen am Nordrande des Kamm- 
gebirges Die nicht sehr umfangreichen Glacialspuren im Herzen des Gebirges 
scheinen ihm in einem all zu argen Missverhältnis zu diesen ungeheuren 
Ablagerungen zu stehen. 

Die tektonischen Angaben sind spärhch. Es möge noch auf die Schilderung 
der alten Eisengruben, pag. 90 und auf die merkwürdige natüi liehe Brücke 
von Demnat, p. 1G8, verwiesen werden 

Wenn auch das, was Thomson zur Erweiterung unserer topographischen 
Kenntnisse beigetragen hat, räumhch nicht sehr ausgedehnt ist — so ist es 
doch bei den ungeheuren Schwierigkeiten, unter denen sich der Reisende jeden 
Schritt vorwärts erst erkämpfen musste, als ein grosser Erfolg zu bezeichnen, 
dass er vier mal die Kammhöhe des Atlas erreicht hat. Bei einem Uebergange, 
jenem von Teluet. folgte er den Spuren Foucaulds. lieber die Höhenverhältnisse 
des Gebirges erhalten wir mancherlei neue Aufklärung. Die bedeutendsten 
Erhebungen befinden sich im Herzen des Gebirges im Bereiche der metamor- 
phischen Gesteine. Die Höhe des von Thomson bestiegenen Djebel Ogdimt 
wurde zu IJ 7B4' bestimmt, als höchsten Berg des hohen Atlas betrachtet der 
Reisende den Tamjurl, den er auf U.bW schätzt. Der Tizi Linkumpit 13.150' 
war im September noch schneebedeckt. Der landschaftliche Eindruck des 
Gebirges scheint kein sehr bedeutender zu sein, er ist am wildesten im Gebiete 
der älteren Gesteine und wird nach West und Ost, wo die Kreideformation 
herrscht, sanfter. Uel)erall zeigt die Vegetation eine trostlose Armuth. ein paar 
Walnussbäume. ein Olivenhain werden von dem Reisenden stets mit Be- 
geisterung begrüsst. Als der Reisende das Wadi Sus erreichte, war d.s Land 
hier in vollem Aufruhr, in Eilmärschen zog er die Küste entlang nacli Norden. 
In Casablanca erhielt er das bekannte Abberufungstelegramm vuin Emin-Comite. 

Das Buch ist dem Rufe des Verlegers entsprechend ausgestattet. 

A. Rödler. 



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318 



Allgemeines. 



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W. Tomaschek, Kritik der ältesten Nachrichten über den 
skythischen Norden. li. Die Nachrichten Herodots über den skythi- 
schen Karawanenweg nach Innerasien. (Sitz. Ber. d. kais. 
Acad. d. Wiss. in Wien. Phil. bist. Kl. 117 Bd. S. A, p. 1-70.) 

I So viel auch bis zum heutigen Tage über Herodot's Länder- u. Völkerkunde 

geschrieben worden ist, in einem Punkte herrschen unter den Erklärern noch 
weitgehende Differenzen, bezüglich der Deutung jener Nachrichten, welche 

(Herodot um 450 in Olbia über den skythischen Norden einzog. Nunmehr hat 
W. Tomaschek mit seiner reichen Sprachenkenntnis und seiner umfassenden 
Belesenheit in der alten und neuen Literatur der historischen Völkerkunde den 
Gegenstand wieder aufgenommen und, wie zu erwarten, fällt neues und über- 
raschendes Licht auf Völker und Länder jener dunklen Vorzeit. 

Das Westvolk der Neuren hält Tomaschek mit Schafarik für identisch 
mit den späteren Slovenen, die Neuris, das Land von dem öden Sumpfgebiet 
des Prjpjat bis westwärts über den Weichsel-Bog hinaus, habe sich 
mit dem ältesten historischen Verbreitungsgebiet der Slaven gedeckt. Das 
neurische Rind des Aristoteles sei der Wisent und die Sage vom Werwolf, 
die Herodot bei den Neuren erwähnt, ist Gemeingut aller slavischen Stämme 
und zumal im panzen weiten Russland noch heute allgemein verbreitet. 

Den Reigen der finnischen Völker eröffnen Herodot's Androphagen. 
Ptolemaeus Amadoken, die „Rohfleischfresser*^ deren Sitze nordwärts von der 
Stugna und der Sula verlegt werden. Aus dem Namen, aus einer eingehenden 
sprachlichen Analyse und aus einer Kritik der aus späteren Zeiten vorliegen- 
den Nachrichten, macht es Tomaschek in hohem Grade wahrscheinlich, dass 
wir in Herodot's Androphagen das Stammvolk der heutigen Mordwa zu sehen 
haben. Einen stark mit türkischen Elementen versetzten finnischen Stamm reprä- 
I sentiren Herodot's Melanchlänen, die Schwarzmäntel, deren Ursitze in Sud- 

russland ja noch heute reich sind an hartwolligen Schafen. Unter dem Namen 
Budinen erscheinen bei Herodot die Permjaken, von den finnischen Stämmen 
derjenige, welcher in Sprache und Physis am meisten arische Anklänge zeigt. \ 
Sie hausten in den Wäldern an der Wolga, etwa von Saratow an bis zur 3 
unteren Kama und Bjelaja und zum südlichen Ural. Später wanderten sie j 
Wjatka- und Kama- aufwärts, dann zur Wytschegda und Petschora. Mancherlei ; 
charakteristische Züge werden von ihnen erzählt; sie sind rüstige Holz- \ 
Schläger und Jäger, sie treiben Handel mit allerlei Pelzwerk und sie fressen j 
mit besonderer Vorliebe Läuse, ein unter sibirischen Völkern weitverbreiteter ] 
Brauch. Mitten im Lande der Budinen bestand eine von Gütern und Feldern j 
umgebene jonische Factorei. die hölzerne Stadt Gelonos, die den Tauschverkehr ^ 
mit den Pelzjägern vermittelte. Griechische, ku fische, arabische und indische ^ 
Funde auf permischem Boden zeigen wie vielerlei Culturströmungen sich hier 1 
im nordischen Waldland, an der uralischen Handelsstrasse berührten. Nachbarn | 
<ler Budinen waren die Thyssageten, die heutigen Wogulen, ein Jägervolk * 
ugrischen Stammes, dessen Name wohl mit dem Flusse Tschussowa zusammen- 
hängt. Die Steppenlandschaften nördlich vom Kaspi waren wohl im Jahrtausend 
der arischen Wandeiungen stets im Besitze iranischer Nomaden geblieben, vor 



319 

allem der echt iranischen Alanen, später drängten die Hunnen nach. Interessant 
ist ein Excurs über die Metalle des Ural, den Tomaschek hier anknüpft. Ira- 
nische Einflüsse machen sich in den permischen und ugrischen Metallnamen 
gellend. Vor allem die Bezeichnung für Gold spricht für die unmittelbare 
Nachbarschaft iranischer und permisch-ugrischer Stämme in vortürkischer 
Zeit. Aus dem Norden scheint das Edelmetall im Trümmerfelde von Hamadan 
zu stammen. 

Zwischen Tobol und Ob und in der Baraba wohnten die ugrischen 
Jyrken Herodots, deren Namen der Verfasser als Jygrai, Jugra, deutet und in 
denen er das Stammvolk der Magyaren erblickt. Die Jagdweise der Jyrken, 
die Herodot beschreibt, ist ganz jeue der Ungarn, Ross, Hund und Bogen sind 
die Gefährten des Jägers. 

Gehen wir weiter nach Osten an die Westgehänge des Altai, so trefTen 

wir auf iranische Colonen, skolotische Auswanderer aus den pontischen Steppen. 

Auch den weiter südwärts über den Jaxartes hinaus hausenden Massageten 

ist der Verfasser geneigt iranischen Ursprung zuzuschreiben, freilich mit grosser 

f Reserve. 

Eine Reihe indogermanischer Sitten, viele skythische Züge in ihrer 
Lebensweise, endlich Art und Umfang ihrer Metallkenntnis werden zum Be- 
weise herangezogen. Mancherlei urgeschichtliche Funde im Irlysch und Altai- 
gebiet scheinen übrigens auch für diese [.Landstriche vortürkische iranische 
Einflüsse wahrscheinlich zu machen. 

Aus dem inhaltreichen Capitel über die theils iranischen, theils tür- 
kischen Jaxartesvölker heben wir besonders den Excurs über Nisä hervor, 
welcher geeignet ist. dip landläufigen Irrtliümer und Verwechslungen bezüghch 
der rossenährenden nisäischen Felder endgiltig zu beseitigen. Hinter den Skythen 
des Ostens wohnen nach Herodot am Fusse hoher Gebirge die kahlköpfigen 
Argippäer, was von diesen gegen Norden liegt, das wiss3 Niemand. Die Argip- 
päer, deren Wohnsitze wir am Südfuss des Altai zu suchen halben, sind ent- 
schiedene Türken, wir haben ihnen eine gewisse primitive Cultur und wohl- 
j geordnete sociale Zustände zuzuschreiben. Vielleicht sind sie die Vorfahren der 
' L'iguren. Hier schliesst der Verfasser interessante Bemerkungen über Verbrei- 
tung der Türken zur arischen Zeit und über ihre älteste Geschichte an. Ueber 
die Völker im Norden von den Argippäern berichtet Herodot in jener eigen- 
artigen reizvollen Weise, welche einen thatsächlichen Hintergrund mit sell- 
^ Samen, naiv kindlichen Märchengebilden umrankt. Aber auch hier weiss unser 
j kundiger Führer einzelne Streiflichter in das Dunkel zu werfen. Die ziegen- 
j fussigen Menschen sind die fels«iewandlen Bewohner der Hochgebirge. Abori- 
I giner verschiedenen Stammes. 

I Spärlich f Hessen die Quellen für die Vorzeit des Nordens. Hier ein 

i Xame, abgeschliffen und verstümmelt im Laufe der Jahrhunderte, dort der 
t Bericht eines Reisenden getrübt von Wunderglauben und Vorurtheil, dort end- 
lich der Fund einer Armspange oder einer Münze im Boden. Aber ebenso 
■■ gross wie die Schwierigkeit aus solchen vereinzelten Bausteinen den Grund- 
riss des Gebäudes zu erkennen, ist auch der Reiz eines derartigen Versuches. 
Tomas<:hek's ergebnisreiche Abhandlung ist ein sprechender Beweis hiefür. 
^ A. Rodler. 



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820 



Kleinere Mittheilungen und Monatsberioht. 

Europa. 

Au!4 London. Die königliche geographische Gesellschaft hielt unlängst 
ihre Jahresversammlung. Die Ansprache des abtretenden Präsidenten. General 
Richard Strachey, welche besonders der Erschliessung Afrikas galt, war von 
ungewöhnlichem Interesse. Die Medaillen und Preise der Gesellschaft erhielten 
A. D. Carey vom India Civil Service. Dr. G. Radde. Direclor des kaukasischen 
Museums in Tiflis, die beiden südafrikanischen Forscher F. S. Arnot und 
F. C. Selous, endlich M. J. Ogle vom India Survey Department. Zum Präsidenten 
wurde Sir Montstuart Grant Duff gewählt. Sir F. Goldsmid und General 
R. Strachey werden ihm als neue Vicepräsidenten zur Seite stehen. 

Die durch den Rücktritt Dr. Guillemard's erledigte Lehrkanzel für Geo- 
graphie an der Universität Cambridge wurde durch das aus Mitgliedern des 
Universitätssenates und der R. Geogr. Society zusammengesetzte Wahlcomit^ 
J. Y. Buchanan, dem bekannten Chemiker des Challenger, verliehen. Buchanan's 
Arbeiten haben die Oceanographie nach allen Richtungen gefördert, ausserdem 
verfügt er über eine reiche Reiseerfahrung und über eine eingehende Kenntnis 
auch der praktischen Seiten des Seewesens. 

Ans Petersburg. Das eben erschienene 4 Heft des 18b8er Bandes der 
Iswestija der kaiserlich russischen geographischen Gesellschaft ist nahezu 
ausschliesslich dem Andenken Prschewalski's gewidmet. Ein Bild des grossen 
Reisenden schmückt das Heft. Die bei der Gedächtnisfeier der Gesellschaft ge- 
haltenen Reden Semenow's, des Zoologen Strauch, des Botanikers Maximowitsch 
und des Meteorologen Woeikof schildern die vielseitigen wissenschaftlichen 
Erfolge des Gefeierten. 

Die kaiserliche Regierung und die geographische Gesellschaft setzen auch 
in diesem Jahre eine ganze Reihe wissenschaftlicher Reiseunternehmungen in's 
Werk. Die Prschewalski'sche Expedition ist von Prschewalsk, dem zu Ehren 
des Reisenden umgetauften Karakol am Issyk Kul, nach Kasehgar aufgebrochen. 
Ihr Führer ist Pjewzow, der langjährige Genosse Prschewalki's. seine Begleiter 
sind die Officiere Roborowsky und Kozlow und der Geologe Bogdanowitsch. 
Die Brüder Grum-Grschimailo wollen über den Thian Schan und Turfan zum 
Lob Nor und Altyn Tag gehen. Istomin macht ethnographische Studien an 
der Petschora, Kolanow in der nordwestlichen Mongolei, Romanow und Dobro- 
wolsky unter den Weissrussen. Am weissen Meere verfolgt Fau^risek zoologisch 
Zwecke und sammelt zugleich Daten über die Veränderung+^u d*^r Strandljme. 
Kusnetzow's Reise «ilt der Pflanzengeographie des Kniikasiis, Amouow» 
A. P. Semenow und Jaschenko untersuchen die biologischen Verhältnisse des 
transkaspischen Wüstengebietes. Wilkitzki setzt seine Pendelljeobachtungeu in 
Ost- und Mittelrussland fort. Tschernyschew macht geologische Aufnahmen im 
Timangebiete, Andrussow im Daghestan. 

Während die Durchstechung des Isthmus von Korinth durch linanzielle 
Schwierigkeiten ins Stocken zu kommen scheint, wird auf russischem Boden 
ein ähnliches Unternehmen in Angriff genommen. Die Durchsiech uug der Lind- 
enge von Perekop ist begonnen worden; zwei Brücken werden den CanaJ 
übersetzen. — Sehr lebhaft beschäftigt man sich in leitendeti Kreisen mit der 



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321 

Ergänzung der transkaspischen Militärbahn durch eine sibirische PaciGcbahn. 
Freilich fehlen noch authentische Nachrichten darüber, ob die nördliche Route 
von Tobolsk aus gewählt wird, oder die südliche von Samarkand Über Semi- 
palatinsk nach Kuldscha. 

ABien. 

Ueber das Fehlen deg gemeinen ElehliGrnrhens lui Kankasns. Be- 
kanntlich hat K. E. V. Baer das Fehlen des Eichhörnchens (Sciurus vulgaris Lin.) 
in den Wäldern der Krim als ein schwerwiegendes Argument für die uralte Wald- 
losigkeit der südrussischen Steppen angeführt. Koeppen hat den Gegenstand im 
Hinblick auf die Waldsäugethiere der Krim — auf Edelhirsch und Reh — 
neuerdings abermals discutirt und kam zu dem Resultate, dass die Krim ihre 
sämmtlichen Waldsäugethiere aus dem Kaukasus erhalten habe und zwar 
seien dieselben über die gefrorene Meerenge von Kertsch eingewandert. Daraus 
erkläre sich auch die Thatsache, dass jene Thiere der kaukasischen Wald- 
fauna, welche in Winterschlaf verfallen oder wenigstens im Winter nicht 
wandern, in der Krim fehlen, so unser gemeines Eichhörnchen. 

Nunmehr hat Eng. Büchner die vorHegenden Angaben über das Vor- 
kommen des gemeinen Eichhörchens im Kaukasus kritisch gesichtet und dabei 
gefunden, dass alle diese Angaben eines thatsächlichen Hintergrundes entbehren. 
Damit ist das Fehlen des Eichhörnchens in der Krim auf die denkbar einfachste 
Weise erklärt und gleichzeitig jenen weittragenden geologischen Folgerungen, 
welche eine uralte Scheidung zwischen Krim und Kaukasus voraussetzten, die 
Spitze abgebrochen. 

(Bulletin de l'Acadömie imperiale des Sciences k St. Pölersbourg, nouvelle 
s^rie I. 33.) 

Keaes aus Perslen Der berühmte englische Romancier Rider Haggard 
wird dem Athenäum zufolge demnächst Hamadan, Schiras und Baghdad be- 
suchen, um für ein Werk, dessen Mittelpunkt die Königin Esther sein soll, den 
richtigen Localton zu finden. Ein Roman ist bis heute die beste ethnographische 
Schilderung jPersiens, vielleicht ist auch Rider Haggard's Reise in dieser 
Richtung fruchtbar. 

Die Pariser geographische Gesellschaft hat ein Reisewerk des Schah 
von Persien erhalten, welches den letzten Aufenthalt des Herrschers in der 
Provinz Khorassan schildert. — Ueber einen Gegenstand, welcher bis heute in 
dem socialen Leben Persiens eine grössere Rolle spielt, als man vielfach in 
Teheran glaubt, über die Secte der Babi's, hielt Mr. E. G. Browne am 
15. April 1889 vor der Londoner Asiatic Society einen auf eingehende For- 
schungen im Lande begründeten Vortrag. — Standard, Journal des Debats, 
Revue franoaise u. a. bringen mehr oder minder ausführlich die Concession 
der persischen Regierung an Baron Reuter, welcher zufolge dem letzteren die 
Ausbeutung aller Mineralschätze Persiens — von den Edelmetallen abgesehen 
- zusteht. Voraussichtlich bezeichnet diese Concession eine wichtige Etappe in 
der Erschliessung des Landes. 

Geschichte der Eisenbahnen in China. Im Maihefte der Contemporary 
Review veröffentlicht Charles S. Addis einen Artikel über diesen Gegenstand. 
I>ie tragikomische Geschichte der 13 miles langen Shanghai-Wusung-Bahn 
Vitth. d k. k. Geogr. GM. 1889. 5. 22 



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322 

schien vor kaum mehr als einem Jahrzehnt die Aussiebten auf dem Bau von 
Eisenbahnen in China in unabsehbare Feme zu rücken. Zehn Monate lang hatte 
die Bahn prosperirt, sie wurde viel benützt und lieferte guten Ertrag — im 
October 1877 kaufte sie die Regierung — und zerstörte sie. 

Der Fanatismus, welcher in den Bahnen eine Schändung der Friedhöfe 
erblickte, und die Eifersucht der Träger und Bootsleute hatten gesiegt. — Erst 
um die Mitte der achtziger Jahre tauchte die Eisenbahnf^age wieder auf. Der 
alte Feldherr und Patriot Tso-Tsung-fang richtete von seinem Sterbebette in 
Fu-tscheu eine Denkschrift an den Thron, worin er Eisenbahnverbindungen als 
eine unumgängliche Nothwendigkeit bezeichnete, wenn das himmlische Reich 
einmal mit Aussicht auf Erfolg in den Kampf gegen die Gefahren eintreten 
wolle, die es von allen Seiten umgeben. 

Die Reformpartei machte die strategischen Gründe des sterbenden 
Patrioten zu den ihrigen. Aufgeklärte Leute, voran Tseng, förderten die Sache mit 
allem Eifer. Eine kleine Localbahn in Tientsin, eine weitere in Formosa bildeten 
den Anfang — der erste bedeutende Erfolg war aber die Tongschan-Bahn in 
der Provinz Tschili. Ursprünglich bestimmt die Kohlengruben von Tongschan 
mit der Küste zu verbinden, ist diese Bahn nunmehr auf 81 miles Länge bis 
Tientsin ausgebaut. Der VicekÖnig Li-hung-chang hat sie bereits im Verlaufe 
des verflossenen October befahren. Gerade für China ist die Bedeutung der 
Eisenbahnen kaum zu überschätzen ; möge^das Land ein zweites organisatorisches 
Talent von dem Schlage eines Sir Robert Hart finden! 

Afrika. 

Marokko« Trotzdem die letzten Reiseberichte aus Marokko keineswegs 
erbaulich klingen, ist man allerwärts eifrig darüber aus, die Erschliessung des 
Landes anzubahnen. Spanien und Frankreich interessiren sich lebhaft für das- 
selbe und in Deutschland hat sich ein aus hervorragenden Männern der Wissen- 
schaft und des Handels zusammengesetztes Comit4 zum wirthschafllichen 
Studium Marokkos gebildet. — Als Curiosum sei erwähnt, dass es auch schon 
einen Guide du voyageur et du touriste au Mwoc gibt, verfasst von M. de 
Kerdec Cheny, Redacteur des R^veil de Maroc. 

Ostafrlka. Habesch, Suaheliküste und Nyassaland stehen gegenwärtig 
so sehr im Vordergrunde politischen Interesses , dass ein geographischer 
Monatsbericht eigentlich blos auf die grösseren Tagesblätter zu verweisen 
braucht. Traversi's und Nerazzini's Berichte sind jedenfalls nicht ohne Ein- 
fluss auf die letzten italienischen Unternehmungen in Abessynien gewesen. 
Fast alle Kenner des Landes, auch Gerhard Rohlfs, halten Menelik von Schoa 
für den prädestinirten Erben des Negus Johannes. 

Die bedeutenden Erfolge Wissmann's an der Suaheliküste sind bekannt; 
über den Aussichten und Absichten der Expedition Peters schwebt das alte 
Dunkel. 

Die Häupter der englischen ostafrikanischen Gesellschaft weilen gegen- 
wärtig in England, insbesondere George Mackenzie ist der Gegenstand wohl- 
verdienter Ovationen. Die beiden Karawanen, die die Gesellschaft ausgesandt 
hatten befriedigende Erfolge und nach den Berichten Mackinnon's und Macken- 
zie's scheinen die Dinge in Britisch- Ostafrika einen ruhigen und vielver- 



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sprechenden Verlauf zu nehmen. Der Engländer Stiikes ist ungefährdet auf 
dem W^e nach der Küste in Ugogo angekommen. 

Gegenwärtig ist es in erster Linie Kyassabnd, das dw GemUther in 
England beschäftigt. Portugal hat vom Zamhezi eine ganze Reihe von Expe- 
ditionen in das Innere entsendet: Cordon, Card 07.0, Oiraldo n a.. ohne Zweifel 
von dem stolzen Bestreben beseelt, Portugiesisrli^Westafrikfi mil T\jrlugiewisth- 
Ostafrika zu verbinden. Die englische Station Karonga am Nyattsa l>t>hftuplete 
sich unter ihrem Leiter Captain Lugard mit iiolie geg^n di<^ Attaken der 
Araber. Stimmen wurden laut, welche eine Entsatzexpedition vf^rlnngten, 
Cameron sollte an die Spitze derselben gestdU wi^rden. limviarhen ist ab*»r 
Lagard in Zanzibar eingetroffen und viel weitreicheDdere IMäne traUm an die 
Stelle der alten. 

Aus der Vereinigung der bis jetzt am Nyassa thiitigen etiglißt-hen Gt* 
Seilschaften soll eine mit königlicher Charier versehr^ne Compagnie tier vor- 
gehen, welche folgendes ungeheure Gebiet zu erai^hfiessen hätte : vom Sndende 
des Tanganyika und dem Westufer des Nyasüii. Howie von fl(*r Südgroiizc de-s 
Congostaates zwischen den Besitzungen der PrirlugiesM!« itn ^V>»ti*n ntid iro 
Osten bis zu den Grenzen des BetschuanaliUnl l'ffdedi>ratf^s hu SUdmi. Das 
mittlere Zambezi-Gebiet soll durch Verkehrs wr^i^' mojs^hchsl an da!< (lapland 
angeschlossen werden. Dieses Project, welches jeden fallK an flföwwt' nahezu an 
die ostindische Compagnie heranreicht und ilix^ Boyal Ni^it OitnpaEiy weil 
übertrifft, findet gewichtige Förderung. Dass (^ sehr ernnl zu nehmen ii*t, 
beweist schon die Aufregung die sich der Portn^ric^en bern,^*'hltgi hat. 

Der neue Handelsweg in das ZambezigH>i(*t. den Runkm in dt^r Ts< hmd(?i- 
raündung entdeckt zu haben glaubte, hat »ivU als eitie T/iuschung erwiesen 
und die geplante Verlegung des Gouvernements von Quiüjnane aij den Tst-hiridA 
unterbleibt. Der Tschind^ ist die alte Inhaotnbenjtindung und bietet ki^jneflei 
Vortheile. 

Aas Westafrlka. Von bedeutenden Reison ist nur Crampeb vorläufiger 
Bericht über seine Erforschung des Hinterlandf^s des (lahun W\h isur Grensse 
der deutschen Interessensphäre von Kamerun r.u erwüluien. Die nti Abenleuern 
reiche Reise dauerte dreiviertelJahre ; im UiU/. dieses Ja hreit erreichte Cramj^el 
ernstlich verwundet bei Bata die Küste, nachtit^m er dpn Ivindo un^J ilen von 
ihm entdeckten vermuthlichen Oberlauf des CampOp den M'h'ai erfurs<'ht. 
(Compt. rend. Soc. de g^gr., 1889, 8, 9.) 

Im Congostaat ist gegenwärtig die Congobalm fast aussdilifgislieher 
Gegenstand des Interesses. Die Finanzirung des rnternehmens, weleheiä etwa 
25 Millionen Francs erfordern dürfte, soll ^pi^ithei-t sein. Nach Ca]>itaiu 
Cambier soll die Bahn in 5 Sectionen zu je etwa ^[ikm ^('hml vvenien. Die 
Fahrt von Matadi bis Stanley Pool soll zwei Tajie in Ansprtj*'lj nehn^ea. Difl 
Beamten des Congostaates Ledeganck und Lieutenant Liebre(J>lis sind vin kurzem 
nach Belgien heimgekehrt und schildern die Zmiiiuä^ Jini" den Stnrinfjen in 
geradezu rosigen Farben. — Eine Bahn in bet^iJääidtafrfm Mussslnh wird auf 
portugiesischem Gebiete, zwischen Benguela uad Gantumbella. er^tf^fifn. wii^ 
das Maiheft des Esploratore commerciale meldeL Die porlu{!ieHi.si"lie Regiernni? 
hat den Bau der 2bkm langen Strecke bewilhgt. — Vait Urd^nng di>r' \rr- 
hällnisse in Deutsch-Südwestafrika ist aus ni^utsohUiml uniei [.ieuleaanl 
Fran9ois eine kleine Colonialtruppe abgegang<.'n^ dertfri Kulnurj^' in d\t- hh- 

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324 

währten Hände von Haupln^ann Fran<;ois gelegt ist, welcher sich unterwegs 
— von Togoland kommend — derselben angeschlossen hat. 

Amerika. 

Wein- und Obstbau auf den ebemaligen Ooldseifen Californiens. 

Als in Californien das deep placer mining, die hydraulische Ausbeutung 
der goldreichen alten Schotter des Sacramento und San Joaquin in seiuer 
Blüthe stand, da wandten sich die californischen Landwirthe mehr als einmal 
an die Legislative, um Schutz gegen die mooi' anistischen Proceduren, welche 
ungeheure Detritusmassen in die fruchtbaren Thalgrilnde hinabschwemmten 
Heute sind die deep leads erschöpft und es ist nun von grossem Interesse 
dass neuerdings Garden and Forest meldet, dass gerade an den Stellen des 
ehemaligen deep placer mining die reichsten Obst- und Weingärten Californiens 
erblüht sind. So ist das einst so goldberühmte Tuolumne heute durch seine 
reichen Obsternten ausgezeichnet. Im Thale des San Joaquin hat sich eine 
grosse Zalil von Ackerbaucolonisten niedergelassen, in San Diego County hat 
sich das dem Landbau gewidmete Areal binnen einem Jahre um das fünffache, 
in Los Angeles um das dreifache vermehrt. So wird allgemach aus dem Gold- 
and ein Agriculturland. 

Allgemeines. 

Die Lnftfeuchtigkeil als kliniatischrr Factor. Die Khmatolherapie 
steht heute hinsichtlich ihrer physikalischen Begründung noch auf recht 
schwachen Füssen — Klimatologie und Klimatotherapie gehen allzusehr ge- 
schiedene Wege »Auf dem schmalen Grenzgebiete zwischen beiden eine Ver- 
ständigung anzubahnen« ist eine ebenso schwierige als praktisch wichtige 
Auf gäbe, und es ist daher mit Freuden zu begrüssen, dass kein geringerer als 
Julius Hann in einem Aufsatz ȟber die Luftfeuchtigkeit als klimatischer Factorc 
(Wiener klinische Wochenschrift 1889, N. 18 und 19), dieses Gebiet, das er 
schon durch seine classischen Arbeiten über das Höhenküma mächtig gefördert, 
Vat, neuerdings betritt. Die Arbeit ist hauptsächlich eine Discussion der Form 
in der die Beobachtungen über Luftfeuchtigkeit mitzutheilen sind, um auf die 
sicherste Weise eine Beurtheilung dieses klimatischen Factors zu ermöglichen 
dessen Wichtigkeit für den Therapeuten ja eine ganz hervorragende ist Man 
hat in der letzten Zeit vielfach die »relative Feuchtigkeit« durch das »Sättigungs- 
deficit« ersetzt. Für gewisse hygienische Zwecke, z. B. für Fragen des Grund- 
wasserstandes, erschien das Sättigungsdeficit als ein handlicherer Ausdruck 
Man zog es vor, die Differenz zwischen dem beobachteten Dampfdruck und 
dem maximalen Dampfdruck bei der herrschenden Temperatur (Sättigungsdeficit) 
anzugeben, statt des Verhältnisses des beobachteten Dampfdruckes zu dem 
Dampfdruck der Sättigun]§( bei der herrschenden Temperatur (relative Feuch- 
tigkeit). Hann zeigt nun an "Schlagenden theils heimischen Beobachtungen, tbeils 
Angaben von Reisenden en^ommenen Beispielen, dass das Sättigungsdeficit 
• als alleiniger Ausdruck der Luftfeuchtigkeit ohne gleichzeitige Berücksichtigung 
der Temperatur minder brauchbar ist als die relative Feuchtigkeit, dass es daher 
unstatthaft ist, es kurzweg an die Stelle der letzteren zu setzen. 



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325 



Eil VoAell dor WeeresstrSmaii^eii. An dem Festabend der Royal 
Society am 8. Mai stellte Mr. A. W. Qayden ein sinnreiches Modell der 
Meeresströmungen des atlantischen Oceans aus, das eine sehr sclk)ne Illu- 
stration zu dem Satze lieferte, dass für die Meeresströmungen das Regime 
der Winde und der Verlauf der Küsten die massgebend sten Factoren sind. 
Claydens Modell gibt Differenzen der Temperatur und der Rotationsgeschwindig- 
keit nicht wieder, trotzdem konnte an demselben durch Nachahmung der über 
dem Atlantic herrschenden Winde ein ziemlich getreues Abbild der bestehenden 
Stromungsverhältnisse geliefert werden. Interessant war ein Experiment be- 
züglich der Panamaenge. Wurde hier eine schmale Oeffnung gemacht, so blieb 
der Stand der Dinge im nordatlantischen Oc^an nahezu unverändert; wurde 
aber Gentralamerika breit durchbrochen, so nahm fast alles tropische Wasser 
seinen Weg durch die Oeffnung und die Strömungen aus der BafTmsbay und 
dem nördlichen Eismeer herrschten bis zu den Azoren und den Canaren. 

Das Seifen der Geyser. Auf Island ist es eine alte Erfahrung, dass 
dnrch das Einwerfen von Steinen, Rasenstücken u. dgl. die Geyser zur Thätig- 
keit angeregt werden. Neuerdings hat man nun im Yellowsfonegebiet durch 
einen Zufall die Entdeckung gemacht, dass in dieser Richtung Seife ganz beson- 
ders wirksam ist. Einem Chinesen fiel 1885 im Yellows»onepark ein grosses Stück 
Seife in die Quelle, von der er seinen Wasserbedarf zu holen pflegte und deren 
Geysernatur bis dahin unbekannt war. Eine heftige Eruption folgte und seither 
haben die Aufsichtsorgane im Geysergebiet eine ständige Plage mit den 
Touristen, die auf ähnliche Weise die Widerspenstigkeit der Springquellen zu 
bekämpfen bestrebt sind. Arnold Hague hat den Gegenstand genauer unter- 
sucht und jüngst vor dem American Institute of Mining Engineers darüber be- 
richtet (Scienee, 328.) Er findet, dass, Seife und Alkalien unter zwei Bedingungen 
wirksam werden, erstens darf das ()berflächenreser\'oir nur eine beschränkte 
Wassennenge enthalten und der Atmosphäre nur eine geringe Wasserfläche 
darbieten, zweitens muss die Wassersäule im Quellschacht auf geraume Höhe 
mindestens die Temperatur des Siedepunktes besitzen, was ja leicht begreiflich 
ist. Hague betrachtet das Phänomen als ein durchaus physikalisches und nicht 
als ein chemisches, - es ist im wesentlichen bedingt durch die Aenderungen 
in der Oberflächenspannung und durch die Bildung einer zähen Ober- 
flächenschicht, welche den Dampf zurückhält, bis eine explosive Entlastung 
erfolgt 

Hordeiiskiöld's neuestes Werk. Nordenskiöld hat der schwedischen 
Akademie der Wissenschaften die ersten Exemplare seines mit englischem und 
schwedischem Texl versehenen Facsimile-Atlas alter Karlendrucke, besonders 
von Ausgaben des Ptolemaeus, vorgelegt. Diese Drucke reichen bis zur Zeit 
des Erscheinens von Ortelius' Theatrum mundi und sollen sehr viel bisher 
Unbekanntes bringen 



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Verzeiehniss 

der 1888 in der Bibliothek der k. k. Geographischen Gesellschaft 
zugewachsenen Einzeln werke. 



Anton Ferd., Dr. Astronomisch - nautische Ephemeriden für das Jahr 1888— 

1889. Triest 1886 und 1887. 
ADgustln Fr., Dr., lieber den jährlichen Gang drr meteorologischen Elemente 

in Prag. Prag 1888. 
ßaamann Oskar., Beiträge zur Ethnographie des Congo, Wien, 1887. S. Ä. 
Baumann Oskar, Dr., Eine afrikanische Tropeninsel. Fernando Po und di^ 

Bube. Wien und 01m ütz 1888. 
Baunigartner Heinr., Dr. Prof.. Tausend Höhen-Angaben. Graz 1888. 
Benko Jarolim Freili. y.. Reise Sr. Majestät Schiffes »Zrinyi« über Malta. 

Tanger und Teneriffa nach West-Indien in den Jahren 1885 und 1886 

Pola 1887. 
Bethlen Edni. Graf, Eine Reise nach Rangoon. Triest 1874. Dupl. 
BIderinann U. I. Dr., Neuere slavische Siedelungen auf süddeutschem 

Boden. Stuttgart 1888. 
BOlim Julias, Bassorah, Eine Culturskizze aus Mesopotamien, Wien, 1888. 
Bo8Si B. La causa principale dei terremoti e di altre perturbazioni della 

natura. Porto Maurizio 1887. 
Cliayauiie Josef, Dr., Reisen und Forschungen im alten und neuen Congo- 

Staate in den Jahren 1884 und 1885. Jena 1887. 
Dechj Horlz von, Photographische Ansichten aus dem kaukasischen Hoch- 
gebirge, aufgenommen während der Expedition in den' Jahren 1884-1887. 

50 Blätter und erklärende Hefte. Budapest. 
Dernscliwam Hanns, Orientalische Reise 1553—1555. Aus den Handschriften 

im Auszuge milgetheilt von H. Kiepert. Braunschweig 1887. S. A. 
Doering Oskar, Dr., La variabilidad interdiurna de la temperatura en algunos 

puntos de la republica ^rgentina et de America del sur en General. 

Buenos Aires 1887. 
Felstmantel Ottokar, Dr., Die Theecultur in Britisch-Ost-lndien im 50. Jahre 

ihres Bestandes, historisch, natur- wissenschaftlich und statistisch. Prag 

1888. 
Felbinger übald M. R., Die Lomnitzer-Spitze. fglo 1888. S. A. 
Florini M., Le projezioni quantitative et equivalenti della cartografia. Roma 

1887. 
Freisanff R. v., Salzburg nebst Ausflügen nach Reichenhall, Berchtesgaden 

und Königssee. (Städtebilder Nr. 30—32). Zürich 1888. 
Fttssli und Comp. Europäische Wanderbilder. Nr. 87 und 88; 130 bis 133 

136 bis 140; 141 und 142. Zürich 
(jeiger Wilhelm Dr., Die Pamir-Gebiete. Geographische Abhandlungen. Wien. 

Band II, Heft 2. Wien 1887. 
Oelcicii Eugen, Die Insel Lussin mit den beiden Städten Lussingrande und 

Lussinpiccolo. Wien 1888. 



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327 

derland Dr. Qeorgf Prof. Beiträge zur Geopliysik. Abhandlungen aus dem 

geograph. Seminar der Universität Strassburg. I. Bd. Stuttgart 1887. 
Gopeeyie Spiridlon, Serbien und die Serben. 1. Bd. Das Land. Leipzig 1888 
Qflntlier Siegrmand, Dr« Johannes Keppler und der tellurisch-kosmische 

Magnetismus Geogr. Abhandlungen. Band III. Band Heft 2. Wien 1888. 
GIssfeldt Pnul, Reise in den Andes von Chile und Argentinien. Berlin 1888. 
Gnsbeth Ednard, Dr., Zur Geschichte der Sanitäts- Verhältnisse in Kronstadt 

Kronstadt 1884. 
HattM J«, Dr. Ueber die Beziehungen zwischen Luftdruck- und Temperatur- 
Variationen auf Bergipfeln. Wien, 1887. S. A. 
Htnn J., Dr. Die Vertheilung des Luftdruckes über Mittel- und Süd Europa. 

Geogr. Abhandlungen. Bd. II HfL 1. Wien 1887. 
UaiiM J., Dr., Resultate des ersten] Jahrganges der meterologischen Beob- 
achtungen auf dem Sonnblick. (3095 M.) Wien 1888. S. A. 
HaiiM J. Dr., Der tägliche und jährliche Gang der Windgeschwindigkeit und 

der Windrichtung auf der Insel Lesina. S. A. Berlin. 
Hart] Heinrich, k. k. H^lor, Materialien zur Geschichte der astronomisch- 
trigonometrischen Vermessung der österr. - ung. Monarchie. Wien 1887. 

Heft 1. 
Heiderieh Franz, Die mittlere Höhe Afrika's S. A. Gotha 1888. 
Hellwald Friedrieh t. Die menschliche Familie nach ihrer Entstehung und 

natürlichen Entwicklung. Liefg. 1. Leipzig 1888. 
Henriel Ernst Dn Phil«, Das Deutsche Togogebiet und meine Afrikareise 

1887. Leipzig 1888. 
He§8e-Wariegg Ernst y. Kanada, und Neu-Fundland, nach eigenen Reisen 

und Beobachtungen. Freiburg im Breisgau 1888. 
Heitner Alfred Dr., Gebirgsbau und Oberflächengestaltung der sächsischen 

Schweiz. Stuttgart 1887. 
Hettner Alfred Dr., Reisen in den columbischen Anden. Leipzig 1888. 
Holzel^s Geographische Charakterbilder. Kleine Handausgabe. 30 chromo- 

Uthographirte Tafeln mit beschreibendem Text von Dr. Umlauft u. V. v, 

Haardl. Wien 1888 
Hoemes Morlz Dr., Dinarische Wanderungen, Cultur- und Landschaftsbilder 

aus Bosnien und der Herzegovina. Wien 1888. 
Holnb Emil Dr., Von der Capstadt in's Land der Maschakulumbe. Reisen im 

sudlichen Afrika in den Jahren 1883—1887. Liefg. 1 bis 4; 6 bis 10. 

Wien 1888. 
HObner Alexander Freiherr v. Ein Spaziergang um die Welt Heft 1 bis 15. 

Leipzig 1888. 
Jäsfbke Max Dr , Das Meissner Land. Stuttgart 1888. 
Kerner von Marüaun Anton, Pflanzenleben, Erster Band. Gestalt und Leh^ 

der Pflanzen. Leipzig 1887, 
Ikienitx Dr. 0., Verhandlungen des 7. Deutschen Geographen- Tages zu Karls^ 

ruhe. Beriin 1887. 
K#liat Ad. Dr., Am Dünenstrande der Ostsee. 1. Die Seebäder Pommern^s. 

2. Rügen und seine Seebäder. (Europäische Wanderungen 4, 5.) Berlin 

1887. 
Mosrhitzky Maix von, Deutsche Colonialgeschichtc Leipzig 1887. 



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328 

Kraus Franz. Die Entwässerungsarbeiten in den Kesselthälern von Krain. Wien 

1888. S. A. 
Lareleye Emil Ton. Die Balkanländer. In^s Deutsche übersetzt von E. JakobL 

1. Band. Leipzig 1888. 
Lliidenberg Paul, Im Weichbilde des Bären. Berliner Skizzen. Berlin 1887. 
Lindt J. \S\, Picturesque New Guinea with an historial introduction and sup- 

plementary chapters on the manners and customs of the Papuans. 

London 1887. 
JAngg Ferdinand, k. bair. Hauptmann. Erdprofil der Zone von 31* bis 65* 

nördl. Breite. Im Massenverhältnis von 1 : 1 Million. München 1886. 
Llssauer A« Dr., Die prähistorischen Denkmäler der Provinz Westpreusseu 

und der angrenzenden Gebiete Leipzig 1887. 
L$wl Ferdinand Dr., Siedlungsarten in den Hochalpen Stuttgart 1888. 
Ludwig SalTator Erzlierzogr, Paxos und Anlipaxos im jonischen Meere. 

Würzburg und Wien 1887. 
Mc Coy Frederick, Natural history of Victoria. Prodromus of the zoology 

of Victoria ; or figures and descriptions of the living species of all 

classes of the Victorian indigenous animals. Melbourne 1878—1887. 
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Sehramm Robert Dr., Theodor von Oppolzer. dessen Nekrolog. S. A. 

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23 






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krönte Preisschrift. Augsburg 1888. 

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ergebnisse der Norwegischen Polarstation Bossekop in Alten. 1. Theil- 
Historische Einleitung, Astronomie, Meteorologie. 2. Theil. Erdmagnetis- 
mus, Nordlicht. 2 Bände. Christ iania 1887. 

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bord du Steamer „Stanley". Bruxelles 1888. 

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deutschland, Oberitalien und Savoyen. Zürich 1888. 

Tiicljiidl Iwan t., Wie bereist man die Schweiz billig, bequem und genuss- 
reich. Praktische Reise-Regeln 50 Reiseroutenkarten. Zürich 1888. 

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Wappen der österreichischen Kronländer. 16 Tafeln in Farbendruck. 

Die Wassernoth im Karste der kroatischen Militärgrenze Agram 1874. 

Welnek L., Prof. Auf der Kerguelen-Insel und von Kiel nach der Kerguelen- 
Insel. Prag 1887. 

WeSiiBly Jos., Dos Karstgebiet, Militäi-Kroatien und seine Rettung, die Karst- 
frage überhaupt. Zagreben 1876. 

WlUkonim Moriz Dr., Der Böhmerwald und seine Umgebungen. Prag 1878. 

TVltkamp U. Pb. Th., Een voorbeeld zonder voorbeeld. Hoeylaert 1886. S.A 

W«<*ikof A. Memoire explicatif pour les cartes et diagrammes. Paris 1878. 
(Exposition universelle.) 



Vorgänge in der Gesellschaft. 

Durch die in der Monatsversammlung der Gesellschaft am 23. April 
ftbt'e^ebene Erklärung des Herrn Prof. Neumayr (Mittheilungen, 1889, p. 256) 
sah sich der Ausschuss der Gesellschaft veranlasst, folgende Zuschrift an den 
zurikkgetretenen Präsidenten, Herrn Professor Eduard Suess zu richten: 
Hochverehrter Herr Professor! 
Professor Neumayr hat in der Monatsversammlung vom 23. April 
davon Mittb eilung gemacht, dass eine grosse Anzahl von Mitgliedern die 
Absicht habe, bei Vornahme der Neuwahl des Präsidenten abermals für 
EuiT Hochwohlgeboren zu stimmen. Angesichts dieser Erklärung glaubt der 
Ausschuss der k. k. geographischen Gesellschaft annehmen zu dürfen, dass 
EutT Hochwohlgeboren geneigt wären, eine Wiederwahl anzunehmen. 



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J 



'-^^'WV"^ 



331 

Der Ausseht! 3S hat deshalb in seiner darauf folgenden Sitzung be- 
schlossen, an Euer Hochwohlgeboren mit der Anfrage heranzutreten, ob und 
unter welchen Bedingungen Sie damit einverstanden wären, dass der Aus- 
scbuss Euer Hocli wohlgeboren neuerdings für die Wahl zum Präsidenten 
YorÄc!ilage. 

indetn sich der Ausschuss hierüber eine geneigte schriftliche Mit- 
thellung erbittet, benützt er zugleich diesen Anlass zu dem Ausdrucke seiner 
vorzüglichsten Hochachtung. 

Wien, am 4. Mai 1889. 
Hauer m. p,, 1. Vicc-Präsident Jettel m. p., d. z. Generalsecretär. 

Alä Antwort hierauf lief an den ersten Vicepräsidenten Herrn Hofrath 
von Hauer folgendes Schreiben ein: 

Wien, 17. Mai 1889. 
Hochgeehrter Herr Vicepräsident! 
In Erwiderung Ihres geehrten Schreibens vom 4. d. M., welches erst 
gestern in meine Hände gelangt ist, habe ich die Ehre zu bemerken, dass 
ich der von Prof. Neumayr in der Sitzung vom 24. April gemachten Mit- 
theilung, dass eine grosse Anzahl von Mitgliedern die Absicht habe, bei 
Vornahme der Neuwahl des Präsidenten abermals für mich zu stimmen, 
ai^olut fern stehe. Ich habe diese Nachricht erst aus einem Journale in 
Meran erfaliren. 

Die k. k. ger^graphische Gesellschaft nimmt einen so hervorragenden 
Platz unter unseren gelehrten Gesellschaften ein, dass jeder gute Oesterreicher 
ihr von ganzem Herzen Glück und Gedeihen wünschen muss, welches auch 
seine abweichenden Meinungen über diese oder jene Frage sein mögen. — 
Ich bitte, hochgeehrter Herr Vicepräsident, auch von mir den Ausdruck dieses 
aufrichtigen Wunsches entgegenzunehmen und verbleibe Ihr in alter Ver- 
ehrung ergehener j. g^^^^ 

Der Ausschuss hat in seiner Sitzung vom 23. Mai Herrn Dr. Alfred 
Rodler Assistenten nn der geologischen Lelirkanzel der Wiener Universität, 
zum ßedacteur der Mittheilungen bestellt. 



Ueber Einkdutij^ der Gesellschaft hat der in der Osterwoche zu Berlin 
versammelte deutsrhi^ Geographentag beschlossen, seine nächste Tagung im 
Jahre J89t in Wien abzuhalten. 



Berichtigung zu Heft 4: 

Seite 242, Zeile 14 von oben lies „vorwiegendem" statt „vor- 
dringendem*'. 

f. *i43, „ ^ ,, unten schalte nach ,. gedenken" ein: „zu- 

sammenstösst.*' 

», 2^j „ 13 „ oben schalte nach ,. sondern'' ein: „Bericht". 



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383 



Zur Hydrographie des Samburu-Seen-Gebietes. ') 

Von L. Ritter y. Höhnel^ k. k. LinienschifTs-Lieutencant. 

Im Bulletin de la soci6t6 kh^diviale de geographie au Caire finden 
wir eine interessante Schilderung des unternehmenden Franzosen 
J. Borelli seiner eben mit Erfolg zurückgelegten Reise. 

Er war durch Schoa über Djimma und Limu zum Didessa- 
Flusse gelangt, sah bei seinen Kreuz- und Querzügen die Quelle 
des Omo, versuchte einen kühnen Zug zu den Zindschero's, der 
jedoch misslang und den er beinahe mit seinem Leben bezahlte, 
verfolgte durch Kullo ziehend den Lauf des Omo und war in dieser 
Beziehung auch glücklicher wie alle seine Vorgänger. Ihm war 
ebenso wie letzteren die Lösung der Frage, wohin der Omo-Jibiö 
seinen weiteren Lauf richte, anempfohlen und am Herzen gelegen. 
Trotzdem er denselben bis ungefähr 6" 20' N. verfolgte, konnte er 
den weiteren Lauf nicht constatiren, eine Bergkette lag vor, hinter 
welcher der Fluss verschwand, und eine weitere Uebersicht fehlte. 
Von diesem Punkte an, war er daher auf das angewiesen, was 
Eingeborne ihm erzählten. Wenn man die diesbezüglichen von 
Leon d'Avanchers, Cecchi und Borelli heimgebrachten Erkundigungen 
mit einander vergleicht, muss man zugeben, dass dieselben sehr 
übereinstimmen; ja mehr, dass sie richtig sind; nur fanden sie 
verschiedene Auslegung. 

Nach Cecchi umströmt der Omo die östlichen (irenzen des 
Königreiches Kullo, richtet sich nach SW., empfängt reiche Zuflüsse 
von Kafa, wendet sich im grossen Bogen nach SO., um sich in 
den Inda Ogedatscho. als solchen sahen seine (iewährsmänner wohl 
den Rudolf-See an, zu ergiessen. (ienau dieselben Erkundigungen 
über den Lauf brachte Borelli heim, nur hiess es am Ende nicht 
»Indischer (Avuii sondern »See« u. zw. Schambara-See. Sehr in 
die Details voti Erkundigungen einzugehen, halte ich nicht für zweck- 
rniL^^i^. nocli weniger Vertrauen verdienen die Richtungs- Angaben 
der Eingebe nien, spectell wenn sesshafte Völker, die nicht wie Nomaden 

') Wir sind in der angenehmen Lage hiemit von competenteslor Seite eine 
Beleuchtiir*g des gegenwärtig so viel discutirten Froblemes zu liefern. Die He- 
daftion erlaubt sich dem Herrn Verfasser für die freundliclie Erfüllung ihrer 
diesi*ezßglifhen Bitte l>estens zu danken. (Note der Redaclion.) 

liiib. d. k k, GKögr tifü. 1889. 6. u. 7. 23 



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334 

grosse Wanderungen machen, sie geben. Cecchi glaubte im Otim 
den Oberlauf des Djubb sehen zu müssen, während Borelli den- 
selben in einen kleinen Schamburu oder Schambara genannten Sne 
unter 2® N. B. fliessen lässt, dessen weiterer Ausfluss sich in den 
Victoria Njanza ergiesst, kurz der Omo sei ein Quell Ihi:^.^ ile^ Nirt^. 

Borelli ist sehr bald auf das Irrige dieser Aiisiolit gekommen, 
wie er denn auch noch im Anhange derselben Brochure, die See- 
höhe bei der Vereinigungsstelle des Omo mit dem Godjeb mW 
1 100 m angibt und auf die Unmöglichkeit seiner Folgerung hinweist. 

Beinahe gleichzeitig war die Expedition Teloki-Höhnel in diese 
Gegenden gekommen, längs eines grossen See's nach Norden 
wandernd. Zwei grosse Flüsse mündeten am Nordende in denselben. 
Als die Theilnehmer an dieser Reise sich im Herbitte 188t> dazu 
rüsteten, hatten sie ganz andere Gegenden als Foi^schuiigsgebiet ins 
Auge gefasst gehabt, als jene, die schliesslich das Ziel bildeten; 
Umstände die hier näher zu erörtern überflüssig ist, machten die 
Route statt nach Westen nach Norden gehend. Ich thue dieses Um- 
standes hier nur Erwähnung, um darzuthun, da^^s diese voTn ur- 
sprünglich geplanten Reisegebiete so abgelegene liegend auch nicht 
einem eingehenden vorbereitenden Studium unterzogen worden 
war. Sämmtlicher Karten und Bücher waren wir gleich Anfangs 
verlustig geworden; an Ort und Stelle konnten wir selbst nicht 
einmal Vermuthungen über die Herkunft der beiden Flüsse 
anstellen, und wurde unser lebhaftes Interesse dalür erst nach der 
Rückkehr zur Küste befriedigt denn alle Auskünfte, die wir 
an Ort und Stelle erhielten, reichten über einen Uniki-eis von 4Q^>l 
nicht hinaus. Doch war es dann sofort klar, dass der Omo mit 
dem östlicheren der beiden in den See sich ergiei^seaden Ströme dem 
Nidnamm identisch sei, und so in die Augen springend. da.^s Capiliin 
A. Cecchi, den wir bald darauf kennen zu lernen die Ehre hatten, 
seine Omo-Djuba-Hypothese sofort fallen Hess und sicti der Wirk- 
lichkeit anschloss. Ganz zweifellos wurde da,-^ P^actum durch 
eine im Verein mit J. Borelli construirte Kartenskizze dargeüiari, in 
welcher für seinen Theil in Ermanglung bereits von ihm berechneter 
astronom. Positionen, die von d'Abbadie für Bonga und Saka an- 
gegebenen eingetragen wurden. Die von diesen beiden Expeditionen 
bestimmten äussersten Punkte stehen von einander in der Breite 
mir um 50, in der Länge um 180 Seemeilen nb. 

Nach allem dem ist der I^auf des Omo l>i-s auf eine kurze 
Strecke bekannt, die Richtung dieser ist jedoch durch üherein- 



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335 

stimmende von beiden Reisen gebrachte Erkundigungen sichergestellt. 
Der Omo entspringt in Limu Ennarea, in ungerähr 7^ 38' Nordbr. 
und 37® 30' Ostlänge von Greenw., fliesst eine Strecke hindurch 
nordwärts, dann über Ost nach Süden, welche Richtung er bis 
zum 6^^ Nordbr. beibehält. In dieser Breite läuft er zwei Breiten- 
^ade weit nach Westen, worauf er wieder südUch fliesst, um in 
•den See in ungefähr 4® 50' N. und 35" 30' 0. zu münden. 

Für seinen ungefähr 800 6^m langen Lauf verfügt er über ein 
bedeutendes Gefälle von ca. 900 m, doch braucht er es zur grössern 
Hälfte im Oberlaute auf und ergiesst seine dunkelbraunen Wässer 
schliesslich mit einer Strömung von nur 1 Sm pro Stunde in 
den See. Es ist meiner Meinung wahrscheinUch, dass er im noch 
ungesehenen Theile seines Laufes einen kleinen See oder dgl. bilde. 
Borelli erwähnt, dass der Schambara ein kleiner seichter über- 
sehbarer See sein solle, mit einem Ausflusse an der Südwestseite. 
Die Auskünfte, welche w'u* erhielten, waren in dieser Beziehung 
unklar, ausserdem widerwillig gegeben ; der Basso hätte da, wo wir 
waren, wohl ein Ende, und er hat auch dort sein Ende, docli wäre 
noch weiter im Norden auch noch der See, also wohl ein See im 
Zusammenhange mit dem Rudolf-See. 

Uns machte übrigens die niedrige wohl von einzelnen ge- 
birgigen Erhebungen unterbrochene Landschaft im Norden den 
Eindruck, dass dergleichen dort gut möglich sei. 

Dann schliesse ich aber, dass Schambara oder Schamburu ein 
kleiner, dem Omo seine Existenz verdankender See sei, der fabel- 
hafte Saraburu; unser Rudolf- See, der Bass der an seinem Nord- 
Ende wohnenden Völker, der Basso narok der südlicher und östlich 
nomadisirenden Burkenedjis jener auf älteren Karten figurirende 
Boo- oder Bau-See sein müsse. 

Basso, Bass will grosses Wasser, See bedeuten, dasselbe sagt 
nach Cecchi Baro, Boo, Bau in der Sidama-Sprache. 

Die Erkundigungen, die wir bereits seit 30 Jahren über diese 
Gegenden besitzen und hauptsächlich im Norden derselben von 
d'Abbadie, Leon d'Avanchers u. A. heimgebracht worden sind, 
erwähnen sowohl von einem Samburu wie Bau- oder Boo-See. 
Nach dem oben sowie eben (lesagten ist es ganz im Einklänge 
damit, wenn wir vom Süden kommend, von einem Basso oder 
Bass genannten See Nachricht bringen, jedoch nichts von einem 
Samburu-See wissen. Die durch Wakefield aus dem Süden nach 
Europa gelangten Nachrichten von einem Samburu-Seo brauchen 

23* 



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336 

dabei nicht irre zu führen, da sie, obwohl die ihm von seinen de- 
währsmännern mitgetheilte Route dahin eine Reihe von oft sogar 
scherzhaften Lügen ist, auf unbewusster Mystification beruhen. 

Die Burkenedjis nennen nämlich die von ihnen bewohnte 
Gegend Samburu, ohne jedoch darunter einen See zu verstehen. 
Den reizendsten Ort dieser Landschaft, die im allgemeinen wüste und 
wasserarm ist, nennen sie Marsabit; es ist ein niedriges Bergland, 
ungefähr 40 Sfn östlich des Njiroberges, Wasser kommt dort während 
des ganzen Jahres vor, ebenso ein kleiner Sumpf oder See, der 
Tummelplatz zahlreicher Flusspferde, der Vereinigungsort ebenso- 
vieler Elephanten. Eine einzige Caravane ist bisher überhaupt in 
diese Gegend gerathen Schon Dr. Fischer erwähnt ihrer. Es war 
dies eine mehr denn 1000 Köpfe zählende Mombas-Caravane, die 
im Sterbejahre des Zanzibar-Sultans Said Maijid 1869 -70, un- 
gefähr zwei Tagereisen südlich von Marsabit lagerte und mit den 
Eingeborenen im Verkehr stand. Dorthin selbst waren sie jedoch 
nicht gegangen, sondern zogen zum Südfusse des Njiroberges, um 
von hier südwärts heimzueilen. Damit ist erklärt, wieso Wakefield 
zu Nachrichten von einem Samburu-See gelangte. 

Ich wäre geneigt diese soeben entwickelte Ansicht, die also 
die Existenz sowohl eines Schamburu, wie eines Boo- Bau- oder 
Bass-Sees zur Folge hätte, als der Wirklichkeit entsprechend an- 
zusehen. Zweifellos hat meines Dafürhaltens der neue Stefanie- 
See mit diesen beiden nichts gemein. 

Von den vielen Völkerstämmen, die Borelli als weiter im 
Süden wohnend erkundet hat, finden wir drer, welche de facto 
mit dem von uns Gesehenen oder Gehörten übereinstimmen. Es sind 
dies die D(mjiros, die am Nord-Ufer des Stefanie-Sees wohnenden 
Marle's sowie die ungefähr 50 Sm nordöstlich von diesen auf einem 
hohen Berglande ansässigen Aro's. 

Wenn die eine Frage nach dem Wohin eines Flusslaufes in 
mehr wie plausibler Weise somit gelöst wäre, so müssen wir be- 
züglich des Woher des zweiten, nahe westlich des Niänanim sich 
ebenfalls in den See ergiessenden Stromes uns vorderhand noch 
mit blossen Vermuthungen begnügen. Die Eingeborenen nennen ihn 
Bass. Kein Mann unserer Caravane hat ihn gesehen, ebenso wenig 
war Borelli in der Lage gewesen, auch nur von ihm zu hören. Im 
Unterlaufe soll er ungeheuer breit, doch seicht und eine Strömung 
kaum zu bemerken sein. Das dürfte jedoch nur von seinem 
Mündungsgebiete, speciell während der Regenzeit, wenn durch das 



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887 

Steigen des Seeniveaus seine Wüsser zurüekgestaul werden, richtig 
sein. Ein solches eventuelles Inundationsgebiet muss bei dem Aut- 
bau jener (regend eine lange, schmale, meridional ' gerichtete Form 
annehmen. Er tritt zwischen zwei Bergketten, die ungefähr 40^^* 
nordwestlich vom Nord-See-Ende liegen, in die von uns überblickte 
Gegend; auf unsere Frage, von woher er käme, erhielten wir stets 
nur >faq< (weit) zur Antwort. 

Betrachtungen über die relativen Soehöhen des Rudolts-See\s 
und des NiFs, soweit dieser wenigstens in Betracht kommen kann, 
die ich anstellte, um die Unmöglichkeit einer Verbindung zwischen 
beiden nachzuweisen, brachten mich bezüglich des Bass-Flusses zu 
einer Ansicht, die ich mir erlaube im Nachstehenden zu entwickeln. 
Wir finden auf den Landkarten in der ungefähren Länge von 
34 ' Ost Gr. und der Breite von 8" 20' N. ein von Schuver erkun- 
detes und von ihm Haarlemer-See genanntes Becken : dasselbe soll 
von einem Baro genannten Flusse gespeist werden, der im West- 
hange des abyssinischen Hochlandes entspringt. Dar nach Westen 
gerichtete Ausfluss des Sees soll dem Sobat und damit dem Nil 
zufliessen. Nach Cecchi soll ein ebenso genaimter Fluss, dessen Ur- 
sprung genau in das Nordende des Sees fiillt. dem abyssinischen Hoch- 
lande entlang nach Norden und schliesslich in den Haarlemer See 
fliessen. Meines Erachtens flacht jener Theil des Landes, welcher den 
linken Nebenfluss des Sobat, den Djibbe aufnimmt, langsam von 
Süden nach Norden zu ab, muss aber von der Gegend, in welcher er 
den Sobat erreicht, nach Nord und Ost dem abyssinischen Hochlande 
zu wieder ansteigen, da der Sobat aus jener Richtung, d. i. aus Nord 
und Ost weitere Zuflüsse erhält. Nach ungefährer Rechnung ist 
bereits die Mündungsstelle Djibbe-Sobal höher wie der Rudolfs-See 
(472 w) gelegen, der sich östlicher befindende Haarlemer-See, im 
wieder ansteigenden Lande gelegen, muss daher eine noch grössere 
Meereshöhe haben. Ein aus dem absolut niedrigsten Theile dieser 
Gegend kommender Baro kann daher wohl vom Haarlemer-See 
südw^ärts fliessen, doch nicht umgekehrt, und vermuthe ich in 
dem Baro Schuvers, dem weiteren nach Süden gerichteten Ausfluss 
aus dem Haarlemer-See, dem Baro C^ecchi's, den Mittel- und Ober- 
lauf des Bass-Flusses; ich weise ausserdem auf die gleiche Be- 
deutung der verschiedenen Namen hin. 

Zwischen dem Djibbe und diesem Baro mag eine flache 
meridionale Wefle, die ebenfalls nach Norden zu abdacht und vom 
Turkana- Berglande ausgeht, die Scheide bilden. 



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a38 

Wenn wir zum Schlüsse das geograpliisclie Uet^ammtre-^ullat 
der beiden besprochenen Reisen überblicken, so inuss zugestanden 
werden, dass bedeutende, bisher unbekannte (lobinlp der Wissen- 
schaft durch dieselben zugeführt wurden. Die Vm-bindung zwischen 
dem abyssinischen Hochlande und dem Süden ist beinahe liert^e- 
slellt. Das topographische Kartenbild zeigt, wie sich die HöheazüjjR 
wie ein Band, von der hervorragendsten Erhebung dieses Krdlheils 
dem Kilimandjaro. nach Norden hin ziehen, eine colossale ErdklalUuig 
umrahmend, in der wir eine lange Seenkette finden. Ks Ist dies ku- 
gloich die Region der jüngsten vulkanischen Th;Uigkeit in Afrika. 
Westlich und östlich von diesen Erhebungen, die sich wie eine 
Schranke zwischen den Nil und den Ocean legeiL dacht das [.and ab. 

Ein später auf Basis weiterer Reisen aus^oführles Kartenbild 
wird diesen Gesammt-Eindruck wenig beeinfUissen. denn eine 
ziemlich gleichförmige, verhältnismässig wasserarme l^egion ohne 
bedeutend hervorragende Bodenerhebungen scheint sieh nach Osten 
zu bis zum Meere bin aaszudehnen. 



Zur Hypsometrie des südtirolisehen Hoehlandes 
und der Venetianer-Alpen 

von Dr. Carl Diener. 

Durch das liebenswürdige Entgegenkommen der Direction des 
k. k. Militär-Geographischen Institutes in Wien sind bereits eine 
Reihe von alpinen Zeitschriften in den Stand gesetzt worden, ihren 
Lesern über einige Ergebnisse der vor zwei Jahren begonnenen 
Reambulirung von Tirol Mittheilung zu machen.') Durch die freund- 
liehe Vermittlung des Schriftleiters der Publicrttionen des Ckib 
Alpino Itahano in Turin, Herrn Dr. Scipione Cainer. bin ich ferner 
zur Kenntnis einer Liste von Höhencöten gelangrl, die bei den letzt- 
jährigen Aufnahmen des königl. militär-geographiscfien Institute.^ 
ermittelt wurden und auf den noch unpublicirten Blättern ti. 7. 18, 
H3, 11, 12. 13, 22 und 2^ der .,Tavolette" der Carla d'Jtalia ent- 
halten sind. *^) Unter den jener Neuaufnahme unterzogeüen Gebieten 



') Oesterreichische Alpen-Zeitung 1888, p. 161. (^cslerr. Tounslen-Zeiiuni^ 
1889, p. 67 und 127. Mittheil. d. Deutschen und Gestern Alpen-Vereins IS^, 
p* 157. Alpine Journal 1889, p. 252 u. 327. 

2) Seither veröffenUicht in der Oesterr. Alpen-Zeitung I88i^ p. VA3 und 
Rivista mensile del Cluh Alpino Itahano 1889, Nr. 5, p, 135. 



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3118 

i^it ^ insbesondere das sfldtirolische Hochland mit den 
anschliesisenden Venelianer Alpen, in welchen die bisherigt*n 
Anschauungen über die Höhetiverhältnisse einzelner Gipfel und 
sf^lbst ganzer Gebirgsgruppen einschneidende Aenderungen erfahren 
hal>en. 

Da einerseits einft kritische Würdigung der neu ermittelti^n 
Höhsncoten im ZiisamnionliaDSiP mit den älteren, vielfach lückeii* 
halten und sciiwankenden Angaben bisher unterblieb, der Gegen- 
stand andererseits jedoch als ein solcher eminent landeskundlicher 
Art vor das Fortim feiner österreichischen geographischen Gesell- 
sthalt mit Recht zu gp'hßren sctieint, dürfüe es sich wohl verlohnen, 
die durch die VerofTentlicliimg jener Ergebnisse bewirkten Ver- 
ändeningeu in unseren Vorsl (Ölungen über die Hypsometrie dos 
f^üdtirülischen Hochlandes einer kurzen Betrachtung zu unterziehen. 
kh ein weiteres Argument für die Rechtfertigung der Publication 
i]H nachfolgenden Miltheilunjzen an dieser Stelle mag noch dor 
Timtand angeführt werden, dass weder die Herausgabe dtsr 
r^ambulirten BUUler der österreichischen Special-Karte von Tir ^ 
noch Jene der den venetiani:^x'hen Antheil des Grenzgebietes um- 
lassenden ./favolette^' der C^irta d' Italia in nächster Zeit bevorsteht 

ßezügheh der (iruppirung der Unterabtheilungen des süd- 
Lirolisrhen Hochlandes folge icli irn grossen Ganzen der von A. Böhm ^) 
Yorge.^ch!agenen Eintheitung und trenne nur zur Erleichterung der 
Orientining von den Ampezzaner Alpen (im Sinne dieses Autorsj 
noch die Sextener Dolomiten durch die Tiefenfurche Rienz-- 
Mesurina-See — Änzifi-Thah und von dem Badioten-Hochlande die 
Ag r d i ü i s c h e n Alpen, durch die Furche Pettorina — Pescul — 
Sap Vito als selbststündige Untergruppen ab. 

I, Südtirolisohes Hochland. 

a) Cirna d" Asta-Gruppe. 

Oesterr. Aufnahme* 

Cima d' Asta , . , 2848w 

Kreuzspitze . . . , . , 2491 

6) Fassaner Dolomiten. 
J. Lfttemar- Gruppe. 

Uleaiar , . . . . 2846 w 

IWta della Valsorda (Reiterjoch) 2754 

*) ..EintheiluJig der OsUlpen. ■ Geogr Abhandlungen von Prof. A. Penck* 
l Band, :i mt, p, 451 ff. 



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ato 



2 Marmoloda ■ Grupp f 



Mannolada di Penia 
Pizzo Sfirauta . 
Piinta di Valfredda 
Reraula Ostspitze . 
Mittelspitze 
Piinla dell' üomo 
M. Aloch (Paule) 
Coi Mar^herita . . 
M. Ailo 




Pala- Gruppe. 



Cima di Vezzana . 

<:imon df?]la Pala . 

Cima di Fiocobon 

Pala di San Martino 

Cima di Fradusta . 

M. Mulaz . . . 

Cima di Pradidali 

M. A^n^r . . . 

Cima di Canali 

flroda tirande . . 

8asE? Maar 

Fizzo di Miel (Punta d' Angoraz) 

Roaella . . ... 

Cima di Ball ... 

Coston di Miel (Cima Gesurette) 

Cima di Pape 

,. ^, Cimerlo 

Fiol della Rosetta ... 

Pa^so dellu Val di Roda . . 

,. di Ball 



lUil. Oeslerr. 
AulViahme, 

3344 3345 

. 3037 ~ 

. 3ÜÜ0 " 
, 2963 

2943 - 

. - 2^01 

2694 ^ 

2559 — 

. 2545 — 

ILal, Opsterr. 
Aufnahme. 

3194 3lül 

. — 3186 

, 3056 — 

, — 2996 

. 2941 2930 

, 2906 - 

. — 2888 

2874 

. 2846 — 

. 2839 — 

. ^ 2816 

2776 

2744 2740 
2693 

. 2618 - 

2594 — 

, — 2499 

— 2469 

. — 2568 

, — 2450 



c) Badiotisches Hochland. 



Kesselkogel (Rosengarlen-Gnippe) 

Dirupi di Larsec 

Langkofel . . 

Süd^pitze des Langkofel . . . 

Langkofeljoch 



llal. Oesterr, 

Aufnahme, 

3002 

~ 2766 

— 317Ö 

— 308^ 

— 26ö3 



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841 



Fünffingerspitz *).... 

Grohmannspitze ^ 

Punta di Plan de Sass ') 

Plattkofel - .... 

Puflatsch 

Sas Rigais 



Furchetta | (««i^^lerspitzen)») 
Champanil de Ferm^a . . . 
Thorkofel (Sas de la Porta) . . 
Wasserkofel (Sas da PEga) 
Kanzeln (Höchste Spitze) 
Tschirspitzen . . 

Puezspitze 

Monte Boe (Sella-Stock) . . . . 
Mesules 



Sellaspilze . 
Peitlerkofel 
Co! di Lana . 
Monte Padon 



d) Agordinische Alpen. 





— 


2JJ97 


— 


:k)10 


-^ 


2995 


— 


2970 


— 


1>176 


— 


3027 


— 


3()i7 


' — 


2H67 


— 


2£J7Ü 


— 


2940 


— 


2805 


— 


2bm 


— 


2673 


— 


3152 


— 


2976 


— 


2814 


-- 


2^127 




2464 


2511 


— 


Itai Oesterr 
Aufnahme, 


3169 


^^ 



Monte Pelmo 

.. Penna 2196 — 

., Rite 1978 

„ Punta 1952 — 

,, Civetta 3220 

., Moiazza 2866 — 

., Moiazzetta 2728 — 

,, Framont . 22iU — 

Pizzo Zeel 2037 — 

Crep de Dont 1641 — 

e) Ampezzaner Dolomiten. ItaL Oesterr. 

Äurnahrijc. 

Seeköfel - 2810 

Conturines^piLze ... . — 3064 

Heiligenkreuzkolel — 2911 

') MitlheiU d. Deutschen und Oesterr.-Alpen- Vereins, 1888. p. 20:1 
») Zeitsdlr. d. ,, „ „ „ „ 1888, p. 377. iT 



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342 

Ilal. Oesterr. 
Aufnahme 

Gr. Lagazuoi-Spitze . — 2779 

Tofana di Mezzo - 3241 

Croda tu Forniin 2716 — 

Monte Carnera 2G59 — 

.. Niivolau 2648 — 

,, VmselsL 2594 — 

Pizjto del Corvo 2384 — 

Monte KoanL (Col Poima) 2255 — 

Punta di Sorapis.s 3206 3202 

Croda Malcora 3155 — 

di Banco 2151 — 

Anlelao 3263 - 

Monte Ctriardorona 2588 — 

Crt^da di San Pietro . . . 2260 — 

Punta dl Froppa (Marmarole) 2933 — 

Zweite SplUe der Marmarole 2841 — 

Croda Alta (di Somprade) 2646 — 

Corno del Doge . 2615 — 

Crodc di Ciastelins 2603 u. 2503 — 

Monte Medncce ... 2404 — 

^ „ Uten 2244 - 

„ Cmtallo^ 3153 3199 

Piz Pupena — H143 

f) Sextener Dolomiten. ital. Oesterr. 

Aufnahme. 

Grosse Zinne 3000 3003 

Monte Carnpedelle . . , . 2346 — 

,, Piano 2325 2313 

■^ Carnpoduro 2245 — 

Fllfcrkofel — 3115 

Zwiillerkolel 3095 3092 

Oberljadiern?^pitze — 2675 | 

Hodibrunnei-sehneide . 3093 — f 

Col dei Bagni . 2984 — 

Monte Cengia 2560 — 

„ Najarnola . - ► 2457 — 

') Moglicherw^eise bezieht sich die Cöte 3153 der itaheni scheu Auf- 
iiahrriff auf dfin Piz Ptipena und nicht auf den Monte CristaUo 



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M 



■-mfjs^ 



343 

Die durchgreifendste Aenderung erfahren unsere bisherigen 
Vorstellungen über die hypsometrischen Verhältnisse des süd- 
tirolisehen Hochlandes durch die mitgetheilten Ergebnisse der Neu- 
aufnahme in Bezug auf die l*ala-Gru ppe. Durch die älteren 
Aufnahmen für die österreichische Special-Karte waren nur die 
Höhen für die Cima di Fradusta zu 2927 m und die Rosetta zu 
2738 m aul trigonometrischem Wege ermittelt worden und durften 
somit gerechtfertigten Anspruch auf Vertrauenswürdigkeit erheben. 
Allein selbst in Bezug auf diese beiden Punkte erhoben sich später, 
Zweifel, ob die bezeichneten Cöten auch in der That den genannten 
Spitzen oder aber nur untergeordneten Erhebungen entsprechen 
So glaubte Euringor'j die Cöte 27o8m aul den durch die Neu- 
aufnahme zu 2469m bestimmten Fiol(Figlio) della Rosetta beziehen 
zu sollen und gab ferner der Meinung Ausdruck, dass in der österr. 
Special-Karte zwischen Fradusta und Cima di Canali eine Ver- 
wechslung unterlaufen sei und dass die Cöte 2i)70 sich auf den 
ersteren Gipfel beziehe. Ueber die wahre Position der Cima di 
Canali sind seither durch B r e n t a r i und M a r i n e 1 1 i '^ Autklärungen 
gegeben worden und erscheinen die Angaben der alten Special- 
Karte mit 2927 m für die Fradusta und 2738 m für die Rosetta den 
obigen Zweifeln gegenüber nunmehr gerech (fertigt. 

Viel grösser noch war die Verwirrung, die in Bezug auf die 
Höhenverhältnisse der eigentlichen Culminationspunkte der (iruppe 
herrschte. Im Jahre 1864 veröffentlichte zuerst Pechmann^) eine 
Sammlung von Höhencöten derselben, die fast ausnahmslos von den 
Katastralvermessungen in Tirol herrührten. In dieser Liste figurirten 
die Pala di San Martino mit 3343 w, der Cimon della Pala mit 
3243 m, der Pian di Campido mit 3172w und die Cima di Vezzana 
mit 3131m. Diese Angaben wurden von Trinker*) wiederholt und 
später in Folge der Intervention des bekannten engUschen Alpen- 
forschers Tücke tt''*) nur insofeme berichtigt, als eine Verwechslung 



') G. Euringer: „Die Pala-Gruppe", Zeitschr. d. Deutsch, u. Oesterr.- 
Alpen-Vereins. 1884, p. 312. 

«) Boll. del Club Alpino Italiano, 1886, XX, p. 157, 159 u. 165. 

') Pechmann: „Notizen zur Höhen- und Profilkarle, nebst dem Ver- 
zeichnisse der trigonometrisch bestimmten Cöten von Tirol u. Vorarlberg". 
Mittheil. k. k. Geogr. Gesellsch. 1864, p 228. 

*) Trinker: „Misurazioni delle alte^ze nella provincia di Belluno e 
nella regione confinante". Torino, Cassone 1868 und Jahrb. d. Oesterr. Alien- 
Vereins. 1S65 (l). p. 162 u 171. 

^) Hochalpenstudien, Leipzig, 1874. 11, p. 143. 



L 



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344 

der Güten für Cimon della Pala und Pala di San Martino angenommen 
wurde, da an der Superiorität des ersteren Berges für Kenner der 
Gruppe kein Zweifel obwalten konnte. ^) Wohl brachte das bald 
darauf zur. Ausgabe gelangte Blatt der Special-Kartt die Cöte :522u 
für den Cimon della Pala, doch stiess diese Angabe allenthalben 
auf Widerspruch. Nach Merz ba eher*) ist dieselbe ,,ein Irrthum. 
welcher davon herrührt, dass die gemessene und eingezeichnete 
Höhe sich nur auf den vorderen, von Rolle aus sichtbaren (liplel 
bezieht, welchen vermuthlich die Vermessungsingenieure für den 
höchsten hielten, während der hintere, mehr als 1 00 m höhere, eigent- 
lich eCiipfel als gar nicht gemessen erscheint." Desgleichen behauptet 
Meurer, ') dass die Cöte 3220 sich nicht auf die höchste Spitze 
beziehen könne und vielmehr das Ergebnis der Katastralvermessung 
zu 3343 wi der Wahrheit näher zu kommen scheine. Auch Eu ring er 
(1. c. p. 307) theilt diese Ansicht und noch im Jahre 1886 hält 
Professor G. Marinelli'*) die bei Gelegenheit der Katastralver- 
messung ermittelte Cöte 33\3m für die am meisten vertrauenswerthe. 
Während somit der Cimon della Pala bisher den Rang des zweit- 
höchsten Gipfels der gesammten Südalpen behauptete, reducirt das 
Ergebnis der Neuaufnahme (3l8Gw) die Höhe desselben um mehr 
als loOw, derart, dass er von nun ab unter den Culminations- 
punkten des südtirolischen Hochlandes erst an neunter Stelle 
rangirt. 

Sogar innerhalb der Pala-Gruppe selbst muss der Cimon 
della Pala den Rang des culminirenden Gipfels nunmehr an die 
Cima di Vezzana abtreten. Die alte Special-Karle halte für diese 
gewaltige Felsspitze die Höhencöte 306 Iw, eine Angabe, die von 
vorneherein den Stempel der Unrichtigkeit an yich Irug, da ao! 
dem gleichen Blatte die Einsattlung des Passo di Travignolo (zwischen 
Cimon und Vezzana) mit 3129m cötirt war. \n V^chmann's 
Liste (1. c. p. 316) erscheint der Berg mit 3131 w verzeichnet 
Eine ältere Katastermessung ergab 3317m, womit eine Aneroid- 
messung von Professor Frischauf zu 3293/« nahezu überein- 
stimmte. Englische Alpinisten, wie Tucker'') und Coolidge*) 

') Trinker, Jahrb Oesterr. Alpen-Ver. 1806 (\\.\, p. 29S. 
*) Zeitschr. d. Deutsch, u. Oesterr Alpen-Vereins 1878, p. 52, 
») Meurer, Oesterr. Alpen-Zeitung, I, 1879, p Ihß 
*) Marinelli e Brentari: „Pale di San Martine»*' BoUetlmo del 
Club Alpino Italiano 1886, p. 163—173. 
^) Alpine Journal VII, p. 63. 
«) iVlpine Journal VI 11, p. 115. 



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1345 

welche die Pala-(iruppe um die Mitte des vorigen Deeenniums 
besuchten, wiesen zuerst auf die bedeutende relative Höhe der 
Vezzana hin. Auch Euringer hält die Vezzana und den Gimon 
für nahezu ebenbürtig, während Merzbacher einen Höhenunter- 
schied vom 50 wi, M eurer gar eine solchen von mindestens 100 w 
zu (iunsten des Cimon vermuthete. Für Kenner der Pala-Gruppe 
konnte das Ergebniss der Neuaufnahme, durch welches die Mit- 
theilungen der englischen Reisenden bestätigt wurden, kaum eine 
besondere Ueberraschung bieten und mit Recht durfte Coolidge') 
im Hinblick auf dasselbe aussprechen, dass »gute Augen am richtigen 
Orte sich in diesem Falle als vertrauenswerther erwiesen hätten^ 
als die mangelhaft durchgeführten Aufnahmen der alten Landes- 
vermessung. < 

Eine sehr bedeutende, jedoch gleichfalls nicht unerwartete 
Erniedrigung erfahrt auch die Pala di San Martino durch dief 
Neuaufnahme der österr. Special-Karte von Tirol. Auf älteren Aus- 
gaben der betreffenden Blätter der Sp.-K. (Zone 20, Col. V. und VI.) 
findet sich der Name dieses charakteristischen, in der alpinen 
Literatur seither zu einer gewissen Berühmtheit gelangten Berges 
an falscher Stelle eingezeichnet. In Wahrheit bezieht sich nämlich 
die Cöte 3054 auf die Pala di San Martino, obwohl der mit dieser 
Cöte bezeichnete Punkt, den Meurer (I. c. p. 186) mit der Cima 
di Ball identificirt, keineswegs genau an der richtigen Stelle ein- 
getragen ist. Nachdem man für den Cimon die bei der Katastral- 
vermesssung ermittelte Höhe von 3343 t» als zuverlässig angenommen^ 
griff man nun auch für die Pala auf die ältere Cöte 3244 m zurück^ 
obwohl die üblen Erfahrungen allein schon, die man in anderen Theilen 
der Südalpen mit den Katastermessungen in Bezug auf Gipfelpunkte 
gemacht hatte, zur Vorsicht hätten mahnen sollen.^) Statt von den 
auf trigonometrischem Wege mit Sicherheit ermittelten Cöten für 
Rosetta und Fradusta auszugehen, nahm Meurer, auf dessen Auto- 
rität hin die Cöte 3244 m für die Pala in die alpine Literatur Ein- 
gang fand, die Cöte 3054 m, die er der (damals überhaupt nicht ge- 
messenen) Cima di Ball zuschrieb, zur Grundlage und konnte somit 
aus der beiläufig 250 m betragenden üeberhöhung der letzteren durch 
die Pala di San Martino, für diese selbst die Zuverlässigkeit von 
Trinker's Angabe folgern. Die auffallende DifTerenz zwischeif der 
angeblichen Höhe der Pala von 3244 m und jener der Rosetta 



V) Alpine Journal XIII, 18^8, p. 61. 

*) Vergl. Grohmann, Zeitschr. d. Deutsch. Alpen-Verein 1870. p. ')(.. 



L. 



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346 

(-^738w), die . dem Augenschein durchaus widersprach, war bei 
Kennern der Gebirgsgruppe stets der Gegenstand des Zweifels, wenn 
gleich demselben in der Literatur von keiner Seite entschieden 
Ausdruck gegeben wurde'). 

So sind Cimon della Pala und Pala di San Martino durch 
die Neuaufnahme um 180 w, beziehungsweise 250 w niedriger er- 
wiesen worden, als es den bisherigen Anschauungen entsprach; 
ja die letztere Spitze * ist sogar ihres Ranges als dritthöchste Er- 
hebung der Pala-Gruppe entkleidet worden und an ihre Stelle die 
(rüher fast unbeachtet gebliebene Cima di Fiocobon (3056 m) ge- 
treten. Von den Hochgipfeln des Hauptzuges der Gruppe bleibt 
nunmehr nur noch der Pian di Campido ungemessen. Pechmanns 
Liste gibt für diesen Berg 3172 m, was jedenfalls viel zu hoch ge- 
griffen ist, da nach Merzbache r's ürtheil die Cima di Fiocobon 
denselben überragt. Merzbacher hält den letzteren für 350 m niedriger 
als die Vezzana, was einer Höhe von 2850 m entsprechen würde. 
Keinesfalls nimmt der Pian di Campido, wie in Pechmann's Ver- 
zeichniss, den dritten, beziehungsweise vierten Rang unter den Er- 
hebungen der Gruppe ein. 

Auch für den Sass Maor, die zierlichste und kühnste Gestalt 
unter den Gipfeln der Pala-Gruppe hat die Neuaufnahme die Zu- 
verlässigkeit des Ergebnisses der Militär - Mappirung zu 2812m 
gegenüber der älteren Katastermessung zu 2536 m ergeben. Die 
letztere Cöte, die von M eurer (l. c. p. 183) acceptirt wurde, be- 
zeichnete schon 0. Zsigmondy als irrig, indem er die Höhen- 
differenz zwischen dem Sass Maor und der Pala di San Martino 
auf höchstens 200 m veranschlagen zu dürfen glaubte *). 

Die Ehre des Culminationspunktes in dem östlichen Zuge 
der Pala-Gruppe fällt nunmehr dem Monte Agn^r zu. Die Superio- 
rität dieses Gipfels gegenüber der Croda Grande hat schon Euringer 
betont. Das Ergebniss der italienischen Mappirung, 2874 m, stimmt 
sehr gut mit der alten trigonometrischen Aufnahme von Fuchs') 
zu 2878m imd einer Aneroidmessung von C. Tom 6*) zu 2885m. 

^) Dass die Cote 3054 wi nicht der Cima di Ball entsprechen könne- 
hat übrigens schon Euringer (1. c. p. 317) betont. Seine Aneroidmessung 

'^) Oesterr. Alpen-Zeitung 1883. p 269. 

•') W. Fuchs: »Die Venetianer Alpen« Wien Rohrmann 1871. cit. n. 
Marinelli (1. c). 

*) Marinelli 1. c. p. 178. 



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347 

Die zweithöchste Erhebung des Ostzuges bleibt die Croda Grande, 
2839 m. Sie ist keineswegs identisch mit dem Sasso di Camp, 
2872 w. der österr. Special-Karte, überragt vielmehr nach E u r i n g e r's 
Angabe (1. c. p. 331) den letzteren beträchtlich an Höhe. 

Auch die mittlere Höhe des merkwürdigen Hochplateaus der 
Pala-Gnippe stellt sich nach den Ergebnissen der Neuaufnahme den bis- 
herigen Anschauungen entgegen, als erheblich niedriger heraus. Der 
Passo della Val di Roda (Passo di Pradidali) z. B., den E uri nger zu 
2700 m bestimmte, erfährt durch die Rearabulirung eine Reduction 
um 130 m. Dass im Zusammenhange damit die von Euringer 
(1. c. p. 281) ermittelten orometrischen Werthe der Gruppe 
gleichfalls einschneidende Aenderungen erleiden müssen, braucht wohl 
nicht weiter ausgeführt zu werden. 

Nächst den Gipfeln der Pala-Gruppe erfährt der Culminations- 
punkt des südtirolischen Hochlandes, die Marmolada, die be- 
deutendste Erniedrigung, ohne gleichwohl dadurch ihres Ranges 
verlustig zu gehen. Die österr. Sp.-K. enthält für die Marmolada 
die Cöte 3494 m, die jedoch nicht von der Militär-Mappirung, 
sondern von der Katastralvermessung herrührt. Schon Trinker 
gab daher der trigonometrischen Bestimmung von Fuchs zu 3324m 
und der barometrischen Messung von P. G rohmann') zu 336üm 
den Vorzug und entspricht das Resultat der Neuaufnahme aus dem 
Jahre 1883 fast genau dem Mittel aus den beiden angeführten Bestim- 
mungen. Allerdings ist, wie Bo e h m ^) mittheilt, zu bemerken, dass die 
neue Messung sich nicht auf den höchsten (Schnee-) Gipfel, sondern 
auf die benachbarte Felsspitze bezieht. Im Jahre 1883 war der Schnee- 
gipfel, dessen Höhe variirt, um 14 m höher, als der trigonometrisch be- 
stimmte Punkt, kam also mit 3359m der Messung Grohmann's 
nahezu gleich. 

Für die zweithöchste Erhebung der Marmolada-Gruppe, den 
Vemel (3197 m)^) ist eine neue Messung bisher nicht verlautbart 
worden, doch dürfte, dem Augenscheine nach zu urtheilen, diesem 
(lipfel sein bisheriger Rang schwerlich bestritten werden. Desgleichen 
dürfte auch dem Sasso di Vernale die auf der Sp.-K. vindicirte 

')Grohmann: »Wanderungen in den Dolomiten« Wien, C.Gerold 
1877. p. 323. 

^} »Eintheilun^ der Ostalpen« p. 461. 

') Die zweite Sjütze der Marmolada (Marmolada di Ro(ca)(:]2J()W? Groh- 
oianö,i und eine dritte Spitze derselben (3il2»i) nicht als selbstständige Gipfel 
h-trachtet. 



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»48 

Köhe vnii 3142 w erhalten bleiben. Der Pizzo di Serauta'), durch 
die italienische Neuaufnahme zu 3037 w bestimmt, ist vom Kaiaster 
TAX 3n:i3 ^fi gemessen worden, doch findet sich auf den älteren Blättern 
der OüBLerr. Special-Karte nicht einmal der Name desselben. 
Der Sa^rfo di Valtredda erfährt eine kleine Erhöhung (von 298(3 m 
au( :i(K*Om), die Punta dell' Uomo eine Erniedrigung von 2832m 
aal 280 Lw. Es steht dieses Ergebniss im vollen Widerspruch mit 
M f^ r / b a c h e r's ^) Angaben, der die Punte delf Uomo mittelst 
einer A neroidmessung zu 3060 m bestimmte und ihre Bedeutung 
alB ('.üliiiinationspunkt des gegen das Pellegiino-Thal vorspringenden 
AsteH ( Fuchiada-Zug bei E. v. Mojsisovics ^) mit den Worten 
cliaraktorisirt: »Es ist dies der vierthöchste Gipfel des ganzen 
<}ebirges und auf weit und breit hat er überhaupt keinen Neben- 
buhler an Höhe, so dass er die ganze südliche Gnbirgswelt voll- 
kuitinnHi beherrscht.« 

Von den übrigen Kalkstöcken der Fassaner Alpen erfährt noch 
dt^r L u l ft m a r eine nicht unbedeutende Erhöhung seines culminiren- 
ihm (iifHels (von 2792 auf 2846 m). 

in der Rosengarten-Gruppe ist durch die neue Messung 
d^p Dirnpi di Larsec zu 2766 m die räthselhafte Cöte 3172m auf 
d*^r Special-Karte endgiltig beseitigt worden. Dagegen ist die Frage, 
ob (ItMu Kesselkogel oder der Rosengartenspitze die Ehre der höchsten 
Krhüfjun^ in der genannten Gruppe zukomme, noch immer unent- 
öcliie<ien, da zwar für den ersteren eine neue Massung (3002« 
Megen 2W2m der älteren Aufnahme) vorliegt, für die Rosengarten- 
t^jjilxo Zugegen eine solche bisher nicht bekannt gegeben wurda 
Die Schätzung von Tucker*), der eine üeberhöhung des Kessel- 
kogeb ilurch die Rosengartenspitze um 50 bis .60 m annahm, ist 
seither als irrig erwiesen worden. Minnigerode •'^) hielt auf Grund 
einer lail dem Nivellirrohr vorgenommenen Beobachtung den Kessel- 
kugel für den höheren Gipfel, während Merzbac her'') zu einenfi 

' ) Dies ist G r o h m a n n's und M e r z b a c h e r^s Schreibweise. Dr. S. 
CuMiür (Jagegen schreibt Seranta (l. c. p. 138). 

^i ü. Merzbacher, Zeitsc.hr. d. Deutsch, u. Oesterr. Alpen- Vereins. 
18811, |j. :iix*, 

'j E. V. Mojsisovics: »Die Dolomit-RifTe von Südtirol und Venetien«. 
WifiL A Holder lbT9, p. 368. 

') Alpine Journal III. p. 301. 

'*} M innige rode. Zeitsch. d. Deut-sch. u. Oest. Alpen- Vereins 1882. p. 136. 

"j (L Merzbacher: »Zur Topographie der Rosengarten-Gruppe« ibii \ 
1^84 p, :i70. 



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349 






entgegengesetzten Ergebnisse gelangte. Die Original-Aufnahme der 
Sp.-K. hat iür die Rosengartenspitze (unter der Bezeichnung Monte 
Alto di Cantenazzi) die Cöte 2977 w. Jedenfalls ist der Höhenunter- 
schied zwischen den beiden Gipfeln nur ein geringer. 

In der Langkofel- Gruppe sind die Cöten für den Lang-r 
kolel (3178 w gegen :>179wi) und Plattkofel (2970 ;w gegen 2956 w) 
fast unverändert geblieben. ') Sehr bedeutend erniedrigt erscheint 
dagegen die Grohmannspitze, die bisher auf der Sp,-K. mit 8i74m 
figurirte. Nach dem ürtheile genauer Kenner der Langkofel-Gruppe 
kommt diese Angabe, derzufolge die Grohmannspitze dem Lang- 
kofel um 168 w (gegen 5w der alten Aufnahme) nachstehen und 
den Plattkofel nur um 40 w überhöhen würde, der Wahrheit ohne 
Zweifel bedeutend näher, doch scheint die Erniedrigung der Groh- 
mannspitze auf 3010 m einigermaassen übertrieben und die letztere 
vielmehr zwischen Langkofel und Plattkofel beiläufig die Mitte zu 
halten.^) 

Eine ähnliche Erniedrigung wie die (irohmannspitze erfahren 
auch die im Norden des Groedener Thaies aufragenden Geissl er- 
spitzen. Die Special-Karte hatte für den Sas Rigais, die westliche 
Geisslerspitze, die Cote 3182 m ; die nese Messung hat für denselben 
die gleiche Höhe wie für seinen östlichen Rivalen, die Furchetla, 
nämlich 3027 w, ergeben. Eine eingehende Discussion der übrigen 
zahlreichen Höhencöten aus den Groedener Dolomiten findet man in der 
vortrefflichen Monographie der Groedener Dolomitgebirge von Prof. 
Dr. K. Schulz,*) auf welche, um die dort in einer allgemein leicht 
zugänglichen Publication mitgetheilten Ausführungen nicht wieder- 
holen zu müssen, diesbezüglich verwiesen werden mag. 

Die Höhe des Culminationspunktes der Sella- Gruppe, des 
Monte Boe (3151 m Sp.-K.) hat durch die Neuaufnahme keine Ver- 
änderung erfahren. Der Peitlerkofel ist durch die Reambulirung 
von 2874/« auf 2827 m erniedrigt worden. 

In den Agordinischen Alpen erregt vor Allem das Er- 
gebniss der Neuaufnahme für die Civetta das Interesse. Für diesen 
Berg galten bisher die trigonometrische Messung von Fuchs zu 

*) Für den Langkofel kommt die barometrische Messung von Grob mann 
mit 3195 m (Zeitsch. d. Deutsch. Alpen-Yer. I. Hft. 3, p. 408.) diesem Resultat 
sehr nahe. 

2) Oesterr. Alpen-Zeitung 1888. p. 195. 

') K. Schulz: »Die Groedener Dolomitgebirge«, Zeitschr. d. Deutsch, u. 
f)esterr. Alpen-Vereins 1888. p. 377 ff. 

Milth. 4. k. k. Geoffr. (Jes. Ift89 li n. T. 24 









L 



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850 

3188 /w und die barometrische Bestimmung von G rohmann zu 
3176 iu als die verlässlichsten. Durch die italienische Neuaufnahme 
wird nunmehr die Civetta mit '6220 m zu dem Range der viert- 
höchsten Spitze des südtirolischen Hochlandes erhoben. Dagegen 
ist die gleichfalls von Fuchs herrührende Cöte 3162m für den 
Monte Pelmo fast unverändert geblieben. Alle übrigen Messungen 
in den Agordinischen Alpen beziehen sich auf Punkte, für die solche 
bisher überhaupt nicht vorlagen. 

In den Ampezzaner Dolomiten erfahren die Höhencöten 
der gegen das Emneberger-Thal vorgeschobenen Randgipfel des 
Fannes-Plateaus, Heiligenkreuzkofel (29 1 1 m gegen 2905 m) und Con 
turines-Spitze (3064 w gegen 3073 m), desgleichen Gr. Lagazuoi- 
Spitze (2779 m gegen 2764 m) Pragser Seekofel (2810m gegen 2808 m) 
Nuvolau (2648 m gegen 2649»/) und Gusela (2594 m gegen 2593 m) 
keine nennenswerthen Veränderungen. Für die Hochgipfel des Thal- 
beckens von Cortina d'Ampezzo erweisen sich Grohmann's baro- 
metrische Bestimmungen, die bisher als die am meisten vertrauens- 
würdigen mit Recht angesehen wurden, als im allgemeinen etwas 
zu hoch gegriffen. Den ersten Rang unter den Hochzinnen des Boite- 
thales behauptet, wie bereits Groh mann im Widerspruch mit 
den Angaben der Sp.-K. betonte, nunmehr der Anteiao. Gegen- 
über der älteren Aufnahme zu 3253m und der Messung von (iroh- 
mann zu 3320 m hat die neue italienische Aufnahme die Höhe von 
3263 m für denselben ergeben. Den zweiten Rang erhält nunmehr 
die Tolana di Mezzo mit 3241m, die mittlere und höchste Spitze 
der dreigipfeligen Tofana, der die Original-Aufnahme der österr. 
Sp.-K. die Cote 3237 zugetheilt hatte, während Grohmann dieselbe 
zu 320y m mass. Für die beiden anderen Tofanaspitzen liegen neuere 
Messungen nicht vor. Die nördliche, Tofana di Fuori, erreicht 
nach der Katastralvermessung 32r)3m, nach (Trohmann 32ö3m. 
Man wird sie im Vergleiche mit Tofana di Mezzo auf 3235 m ver- 
anschlagen dürfen. Eine ähnliche Höhe weist vermuthlich auch die 
südliche Spitze, Tofana di Razes, auf, deren Höhe die Sp.-K. mit 
3215 m verzeichnet, Grohmann hingegen zu 3267m bestimmte. 
Erst der dritte Rang fällt der Sorapiss mit 3206 m, beziehungsweise 
3:?02m zu. Die ausgezeichnete Uebereinstimmung der österreichischen 
und italienischen Messung lässt keinen Zweifel an der Richtigkeit 
der ZifTer zu. In Frage kann allerdings kommen, ob wirklich 
der höchste Gipfel dieses gewaltigen Berges gemessen wurde, der 
dem Augenscheine nach sich dem Anteiao beinahe ebenbürtig 



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351 

zeigt und insbesondere den Monte Cristallo um mehr als blos 
3 bis Im zu überragen seheint, wie dies nach den Resultaten 
der Neuaufnahme der Fall sein müsste. Die alte Katastralvermes- 
sung hatte für diePunta diSorapiss dieCote 8291 w. G rohmann 
ermittelte auf Grund einer sehr sorgfältigen barometrischen Messung 
die Höhe derselben zu 8310 m'). Wenn man die Verlässlichkeit der 
übrigen Angaben Grohmanns in Erwägung zieht und in .Anschlag 
bringt, dass keine seiner sonstigen barometrischen Messungen sich 
um mehr als 50 m von den Ergebnissen der neuen Mappirung ent- 
fernt, weitaus die meisten aber auf zehn bis zwanzig Meter sich 
den letzteren nähern, so muss die angedeutete DifTerenz von über 
100 w umso mehr befremden und möchte man beinahe versucht 
sein, die obige Frage eher in verneinendem Sinne zu beantworten. 

Es folgt sodann an vierter Stelle der Monte Cristallo. Auf der 
Original-Aufnahme der österr. Special-Karte sind, wie (i r o h m a n n 
(1. c.p. 20(3) gezeigt hat, die Höhencoten für den Monte Cristallo und 
Piz Popena verwechselt worden und kiime dem ersteren sonacli 
die Höhe von 3260 w, dem letzteren jene von 8231 /w zu. Die Neu- 
aufnahme erniedrigt nunmehr den Cristallo um 61m, den Piz 
Popena um88»w. Auf den letzteren und nicht auf den Monte Cristallo 
dürfte sich höchst wahrscheinlich auch die durch die italienische 
Neuaufnahme ermittelte Cöte 815;") m beziehen. 

Für die Croda rossa — :^>148w nach der Original- Aufnahme 
der Sp.-K. — liegt *^ine neue Messung nicht vor. 

Von besonderem Interesse, weil vollständig neu, sind die von 
der italienischen Mappirung für den wenig bekannten Gebirgsstock 
derMarmarole ermittelten Höhencoten. Für die höchste Erhebung 
derselben, Punta di Froppa, lag bisher nur eine halbtrigonometrische 
Messung von G roh mann zu 8129 w vor, die Grohmann selbst 
(1. c- p. 20,>) als keineswegs auf (ienauigkeit Anspruch erhebend 
bezeichnet. Die Neuaufnahme zeigt, dass die Schätzungen der Höhen 
jener Gruppe zumeist sehr übertrieben ausgefallen sind. Bezüglich 
des in dem Verzeichnisse angeführten Cornö del Doge (26lüw) 
mag, da dies als wenig bekannt vorausgesetzt werden darf, bemerkt 
sein, dass dieser Gipfel nicht mit dem von Grohmann und 
M i n n ig e r o d e^) als Corno del Doge bezeichneten Felsthurm identisch 
ist, dessen Höhe Paoletti zu 2550 m bestimmte und der nach 



*) >Wanderungen in den Dolomiten < p. \i^)2. 

^) Zeitschr.fl des Deutsch, und Oesterr. Alpen-Vereins 188i. p. 243. 

24* 

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852 



einer Mittheilung von Brentari den Namen >Torre dei Sabhioni' 
trägt. ') 

In den Sexten er Dolomiten verbleibt der Dreischusterspitze 
(81(30 /w Sp -K., 8190 w Grohmann), obwohl für dieselbe noch keine 
neue Messung vorliegt, ohne Zweifel die Stellung als Culminations- 
punkt dieser Gebirgsgruppe. Ihr zunächst an Höhe kommt nunmehr 
der Elferkotel (31 15 w gegen 3075 w)*'')^ sodann der Zvvöüerkofel 
(8095 w gegen 3085w). die Hochbrunnerschneide (8093 m. 
gegen 8088 n»^). Die in der alpinen Literatur controverse Frage, ob 
dem Elferkofel oder der Hochbrunnerschneide die Superiorität zu- 
komme, erscheint damit zu Gunsten des Elferkofels entschieden*) 

Die neue Messung des Col dei Bagni zu 2984 m kommt der 
barometrischen Bestimmung von Holz mann zu 2971 w sehr nahe. 
Die Messungeil für die grosse Zinne, die durch ihre vorzügliche, 
Uebereinstimmung eine(iewähr für ihre volle Verlä^slichkeit bieten, 
lassen die barometrische Bestimmung vonGrohmann zu 801;'» w 
gegenüber der Angabe der Original-Aufnahme zu 2968 m im günstig- 
sten Lichte ersctieinen. Oberbachernspitze und Monte Xajarnola 
haben ihre alten Coten fast ohne Veränderung beibelialten. Für die 
(lipfel des Kammes zwischen dem Höhlenstein- und Innerfeldthale. 
wie Haunold (2940 w). Birkenkofel (2905 m) und Hochebenkofel 
2901 m-') sind neuere Messungen noch niciit zur Pnbiii^iition gelangt, 

Verhältnismässig reichlicher noch als für das südtiruli^he 
Hochland ist das durch die neuen italienischen Aufnahmen ermit- 
telte hypsometrische Material für die Venetianer Alpen. In 
der nachfolgenden Liste erscheint dasselbe nach den eiusieinen 
Untergruppen der lot;5teren zusammengestellt. 

II. Venetianer Alpen. 

a)Belluneser Hochalpen. 
Monte Alto 207 Iw 

» Pizzocco ... 2186 

') Gestern. Alpen Zeitung 188li p. 75. 

*) Dass die Namen Elferkofel und Rothwand auf dfir oslerr Sp.-K. 
vorwochselt sind, hat schon G roh mann (1. c. p. 21 und Ui ^onstatirt, 

») Diese Ziffer ist der Original- Aufnahme der Sp.-K. entnommen. 

*) versl. Moizmann (Alpine Journal Vif. p. 26 ff.). Kuringer i Zeit- 
schrift des Deutsch, und Oesterr. Alpen-Vereins 1882. p. 2S7J. Fi k eis |MÜ- 
theilungen des Deutsch und Oesterr. Alpen-Vereins. 1ST9. p. 178 ) 

^) Der Hirkenkofel der Sp.-K. entspricht, wie Grohmann ^l c. p. tiS* 
gezeigt hat. in Wirklichkeit dem Hochebenkofel. 



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PPWÜPI 



85H 



MoQte Dubieia 

Campello 

Schiara 

Cima di Bacchet . . 

Monte Pelf . . ■ . . . . 

Moschesin (Moscosin) 
^ Cielo ... 

Cornovalle 

Col Peloso (Colmarsango ) . 

Col Bajon (dei Bagioni) 

b) Belluneser Voralpen. 
C)l Santin (Visentin^ 



(•) Friulaner Alp en. 



Monte Duranno . . 
Terza (irande . . 
Cridola . . 

Cima di Laste . . 
Monte Pramaggiore . 

> Bivera . . 
Clapsavon . 

Col Nudo . 
Monte Montanello 

Teverone 
Terza pieeola . . . 
Monte Mieron 

> Col 
Col Gentile . . . 
Monte Curie 
Velta nera (Kraut hühel 
Monte Orvenis . . 
Fizzo del Mezzodi 
Monte Verzegnis 

Lovinzola . 
Sesilis . . 
Cornetto . . 

> Talm . . 

^ Dolba . . 




. 2202 m 
. 2019 
. 2bm 

2542 
. 2502 
. 2500 
. 2085 
. 2078 
. 1900 

1360 

1766/M 

2668 m 

2586 

2581 

2537 

2479 

2474 

. 2463 

. 2442 

. 2441 

2347 

2334 

2158 

. 2079 

2077 

2035 

. 1974 

. 1969 

1924 

1915 

1868 

. 1813 

. 1793 

. 1730 

. 1658 



M Dies, nicht das unverständliche Kraut Pill der Sp.-K. ist der deutsche 
Name jenes Berges. 



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t 



854 

Gol del Moi . ... ISöhiw 

» Brondolo 1348 

Monte Pul 1236 

* Cretis 1041 

> Rudiello . . 791 

» Corona . . 743 

Unter den in dem obigen V'erzeicliniss angeführten Gipfeln 
sind nur die nachfolgenden durch die ältere Müitär-Mappiruni^ 
trigonometrisch geine.^sen worden: Monte Pizzocco (2187 w), Qap- 
savon (2-161 w), Cridola (2583 m), Terza (brande (2583 w), Monte 
Curie (2035 tiO, Monte Orveni.s {h)&2 ml Monte Cretis (1041m). 
Col Visentin (1764m), Col del Moi 1 1361 w), Monte Pramaggiore(. '477m) 
und Monte Verzegnis (1914 m). Die durch die österreichische Map- 
pirung ermittelten Cöten sind auch aus der Neuaufnahme fast ohne 
Veränderung hervorgegangen. Ausserdem liegen filtere trigonometrische 
Messungen seitens der österreichischen Mappirung noch für folgende 
Gipfel der Venetianer Alpen vor: Monte Cavallo (2248m), Monte 
Croslis (2250 m), Monte Baut (2024 m), Sfornioi (240t» m), Monte 
Tudajo (2492 m), Tinizza (2076 m) und Tajet (13)öf»). 

Von grossem Interesse sind namentlich die Höhencöten aos 
den Bellunesischen Hochalpen. Die Frage nach demCulminationspunkte 
der letzteren bleibt allerdings unentschieden, da von den eigentlichen 
Hochspitzen nur Monte Schiara (2066 m) und Cima di Bacdiet 
(2.)42m) gemessen wurden. Den Monte Schiara hat Merzbacher') 
mittelst Aneroid zu 2560 m gemes.sen. ein Resultat, da^ mit dem 
Ergebniss der italienischen Neuaufnahme vorzüglich übereinstimmt. 
Die Ehre des höchsten Gipfels der Gruppe dürfte wahr- 
scheinlich dem Sasso di Mur zufallen. Merzbacher be- 
stimmte die Höhe des niedrigeren Westgipfels zu 2588 m (gegen 
2554 //■ der Katastralvermessung) und schätzt den Ostgipfel auf 20 
bis 30 m höher, so dass man denselben immerhin aut 2600 m ver- 
anschlagen mag. Den genannten Gipfeln zunächst dürften sodann 
Torre di San Sebastiano (ca. 2520 m ^) und Sasso di Bosco Nero 
(2501)m Merzbacher), eventuell der noch unerstiegene Monte Vescova 
im Pramper-Gebirge kommen. 

In der Sappada-Gruppe, wie Böhm den nördlichen Al>- 
schnitt der Friulaner Alpen bis zum Passo di Mauria und dem 

') Zeitschrift des Deutsch, und Oesterr Alpen-Vereins 1379, p. 301 ff. 
•^ Rivista mensile del Club Alpino Italiano 1888. p. 321. 



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i 



355 

Oberlauf des Tagliamento bezeichnet. Oberragt die Terza Grande 
alle anderen Gipfelpunkte bei weitem. Da sieh die Cöte 2580 m 
auf die SW.-Spitze bezieht, die von der gegen Sappada vorge- 
schobenen NO.-Spitze um einige Meter überragt wird, so kann die 
Höhe der letzteren mit rund 2600m angenommen werden.^) In der 
südlichen HäKte der Friulaner Alpen, die Böhm mit dem Namen 
..Premaggiore-Gruppe" belegt, ist durch die Neuaufnahme eine so be- 
deutende üeberhöhung des Monte Pramaggiore durch andere 
(npfel wie Duranno, Cima di Lares, Cridola und Cima di 
Laste erwiesen worden, dass der von Böhm vorgeschlagene 
Name wohl passender durch einen anderen zu ersetzen wäre. 
Unter den durch die Neuaufnahme ermittelten Goten ist wohl 
jene für den Monte Duranno (2668 w) die interessanteste. 
Für diesen höchsten Gipfel der Friulaner Alpen lagen bisher nur 
ganz vage Schätzungen vor und sehwankten dieselben innerhalb 
der weiten Grenzen von 2740 w (Utterson Kelso) und 2226m 
(Taramelli) ^) Als Rivale des Monte Duranno dürfte höchstens 
die Cima di Lares in Betracht kommen, deren Höhe Tara- 
melli zu 2677 m angibt, ohne dass die Art, wie dieselbe ermittelt 
wurde, bekannt geworden wäre. Die Messung ist jedenfalls eine 
sehr unsichere und dem Augenscheine nach die Superiorität des 
Duranno mit Bestimmtheit anzunehmen. 

Es ist nur ein gerechtfertigter Wunsch, dass durch die Fort- 
setzung der italienischenAufnahmen dem fühlbaren Mangel an vor- 
lässlichen Höhenmessungen in diesem Tboile der Alpen möglichst 
bald gründliche Abhilfe gebracht werde. 

Werfen wir zum Schlüsse nochmals einen Blick auf die Ver- 
änderungen, welche durch die Neuaufnahmen in der Rangordnung 
der Culminationspunkte der einzelnen Abschnitte des südtirolischen 
Hochlandes und der Venetianer Alpen eingetreten sind, so erhalten 
wir folgende Gruppirung: Cima d'Asta- Gruppe, Culm. Cima 
d'Asta (284Sm, früher 2844m); La temar- Gruppe, Culm. 
Latemar (2846fw, früher 2792wi); Marmolada -Gruppe, Culm. 
Marmolada di Penia (3359w, früher 3494w); P ala-Gruppe, 
Culm. Cima di Vezzana (3194 w gegen 3517»»). früher Cimon 
della Pala (3186 w, gegen 3343w): Radiotisches Hochland, 
Culm. Langkofel (3178 w), früher Geis.slerspitze (3027t» gegen 

») Oesterr. Alpen-Zeitung 1889. p 1.^)6. 

^) G. Marin eil i: »Saggio di allimetria deUa regio tie Veneto-Orienta'e 
etc.t Cosmos del Prof. G. Cora. I, Supplemente 1SH4. p. -II. 



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356 

3182m); Agord inis che Alpen, Culm. Civetta (8220m, 
früher 3188w): Ampezzaner Dolomiten, Culm. Anteiao 
(3263 gegen 3253 w), früher Sorapiss (3206 (?) gegen 3291 w); Sex- 
tener Dolomiten, Culm. Dreischusterspi tze (3160///, keine 
neue Messung); Belluneser Hochalpen. Culm. Sasso di 
Mur (2600//'?);Belluneser Voralpen, Culm. Col Visentin 
(1766ni, früher 1764;/?); Friulaner Alpen, Culm. Monte 
Dur anno (2668 m). 

Nach ihrer Höhe geordnet erscheinen die zehn höchsten 
Gipfel der südlichen Kalkalpen den neuen Messungen zufolge nun- 
mehr in der nachstehenden Rangordnung: Marmolada (3359//«), 
Autelao (3263/>/), Tofana (3241 //i), Civetta (3220 w). Sorapiss 
(3206 /w?), Monte Cristallo (3199 ///), Vernel (3197 m\ Cima di Vezzana 
(3194 m\ Cimon della Pala (3186 w), Langkofel (3 1 7s m). Die Zahl der 
die Höhe von 3150 w überragenden Gipfel der Südalpen beziffert 
sich nach dem gegenwärtigen Stande der Aufnahmen zu 15 O? indem 
zu den obengenannten noch Cima Tosa (3176 w). Pelmo (3169«/) 
Dreischusterspitze (.>160m), Cima di Brenta (3155 w) und Monte 
Boe (31ö2w) hinzutreten. 



Brieeius. 

Eine historische Freske aus den Gold-Tauern. 
Von Dr. Fritz Pirhlcr in Graz. 

Die modernen Uebergangsucher, Joch- Erklimmer und Gletscher- 
steiger haben ein Vorbild im Himmel und die von Jahr zu Jahr 
sich mehrenden Unglücksrälle in den Alpen lassen wahrhaftig die 
Frage aufkommen, welches Sagenwesen wohl für die Bürger der 
nächsten tausend Jahre sich verständnishalber bilden werde um 
die Personen der in so grossartiger Natursceoerie Verunglückten? 
Wenn die Arche Noahs auf dem Ararat ansteht, wenn Hannibal 
und Napoleon die Alpen überschreiten, so springt Zweck und 
Mission zweifellos in die Augen;, in hundert anderen Fällen aber 
ist das treibende Motiv erst aufzufinden und dieses kann schliess- 
lich nicht weggeleugnet werden, wenn es blos auf die individuellste 
Lust zurückgeführt werden muss. 

') Die beiden secundären Gipfel der Marmolada, die Tofana di Fuori 
und T. di Razes. sowie die Croda Malcorä nicht als selbständige Erhebungen 
gerechnet. 



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857 

Ob der dem Eiszeitalter nähere Mensch mit den (ietahren 
der Gletscher und Hochkahre leichter sich abgefunden habe, ist 
nicht einmal im vorhinein abzulehnen ; der Nutzen der Bronze und 
des Eisens aber dürfte mehr in den begleitenden Zeitfröchten liegen, 
weiche die erste und die fortschreitende Metallgewinnung überhaupt 
ausschmücken. So gewiss dem Urmenschen waldlose Höhen und 
vereiste Kuppen in gewissen Zeiten nichts w^aren als h'istige Hinder- 
nisse der Verbindung und unwillkommene Marksteine der eigenen 
haus- und stammwirlhschaftlichen Thätigkeit, so sicher wurden auch 
solche in den Bereich der Kenntnis gezogen, sobald üebergänge 
gewonnen und etwa verborgene Schätze des (lesteines herschaut, 
getrennt, ausgenützt und verhandelt worden waren. Jedoch, wie im 
luftleeren Räume die verschiedenst dichten Körper gleich rasch 
lallen, so konnte ganz gut das, was wir heute edles Metall nennen, 
völlig gleichwerthig erachtet werden im Localgewinne, so lange die 
belebende und unterscheidende Seele, der Handel, fehlte. Doch wozu 
derlei Urwelt - Fhilosopheme? Weil denn doch für die deutschen 
(iletscherkulmen die Handels- und Wandelslinie ein hauptsächlich 
entscheidendes Moment ist neben dem örtlichen Schatze in Wald 
und (iestein. Wald und (lestein gehören freilich bei der Idee der 
Ausnutzung so eng zusammen, dass erst eine ganz neue Welt das 
Problem der Gestems-Ausnützung ohne Wald wird lösen müssen. In 
directem Gegensatze zur höchsten (lesteins- Aufhäufung steht insgemein 
die Völkerstrasse der grossen Ströme und nicht aller (ieschichtsgang 
Ist nur in der Richtung der letzteren zu erklären. So mag es denn 
bezweifelt werden, dass uns z. B. die Werthschätzung des Goldes 
(die ausgemacht orientalisch ist und uneuropäisch) auf dem Wege der 
Donau vermittelt worden sei. Gewiss als sehr anziehend muss auch 
der Umstand gelten, dass zunächst einer der höchsten antikbekannten 
Erderhebungen auch die ältesten continentalon Gold - Nachrichten 
fliessen, wie denn auch, dass die höchste Menschenwohnung in 
Europa (Goldzeche) ebendahin verlegt wird. ') 

Wohl würde es eine Ueberschätzung und Ueberausbeutung der 
Sage der im Titel genannten Persönlichkeit sein, wollte man darin 
erkennen die Verbindung von Süd und Nord, von Orient und 
Oceident, von Griechen und Germanen auf italischem Wege und 
wie die Sache etwa sonst noch klüglich ausgedeutet werden könnte. 
Was aber, wie sich zeigen möchte, denn doch hinter ihr stecken 
könnte, das wäre eine uralte, eine etruskerzeitliche Bergwerks- 

«) Sonklar, Hohentauern 1866. cap 21, MöUthal §. 201. 

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358 

Thätigkeit im Gebiete der höchsten Tauernpunkte, angenommen 
unerloschen noch so viele Jahrhunderte nach Christus, als der 
Betrieb eröffnet zu denken sei vor Christus, dazu ein Jochübergang 
von vormals weitaus lebhaftererer Benutzung. 

Unser Höhengänger Briccius führt sich als der älteste Tauern- 
Tourist ein, auch ist er (den gelehrten Text, wie den volksthüra- 
lichen genau genommen) Besteiger ohne Führer, er ist verunglückt, 
fern von der Heimat hat er sein Grab gefunden. Insoweit erweist er 
sich als modern genug. Aber das Heidnische, Antike, Frühchristliche 
rückt gleich hinzu. Von den Griechen und Römern kommt er, ein 
Nordländer, kirchliche Zwecke verfolgend, nicht geographische oder 
metallurgische. Lassen wir aber lieber die Sage selber sprechen, 
allerdings zunächst in ihrer weitläufigsten Ausspinnung und, zeitlich 
gemessen, in ihrer jüngsten vollen Ausformung. Erst nach Abhörung 
der älteren und neueren Tradition freilich würde es dem Historiker 
zu fragen erlaubt sein, was er sich als Kern aus der Legende 
herausnehmen könne. 

Brikzius *) war in Dänemark geboren und nach Griechenland 
gewandert. Hier hatte er sich unter dem Kaiser Leo nicht minder 
durch militärische Grossthaten, als am Hofe desselben durch auf- 
fallende Talente und einen ungemein frommen Wandel ausgezeichnet. 
Er war Feldherr geworden und des Kaisers Liebling. Allein die 
stille Sehnsucht nach seiner Heimat wuchs allmälig zum unüber- 
windlichen Vorhaben, aus Constantinopel dahin zurückzukehren. 
Er entdeckte dem Kaiser sein Vorhaben und bat in der Absicht, 
nach Dänemark zu ziehen und dort an der Errichtung des Kreuzes 
Christi unter den Heiden mitzuwirken um seine Entlassung. Dieser, 
obwohl schmerzlich fühlend den Verlust des Edelsten seiner Um- 
gebung, ertheilte ihm doch die Zusicherung seiner Entlassung und 
bot dem treuen Feldherrn eine Gunstbezeugung an. Da bat er den 
Kaiser um ein kleines Fläschchen mit einigen Tropfen Blutes, das 
aus einer Hostie, durchstochen von Judenhand, einst geflossen sei. 
und in der Sophienkirche zu Constantinopel verehrt wurde. Mit 
Mühe nur hatte er solches erhalten und im Besitze dieses Heilig- 
thumes. gehüllt in Pilgerkleider, den weiten Weg nach seiner Heimal 
angetreten. In Italien gelandet, über die julischen Alpen her zog er 
jenen des heutigen Salzburg zu und wird in der Nähe von Heiligen- 

') Nach H. Hermann. Text zu Wagnei's Ansichten aus Kärnten 1844, 
S. 221). Vgl. Carinthia 1828, Nr. 30. Millh d. w. autii. Ges. 1886.71. Rappold, 
Sagen aus Kärnten. Klagenfurt 1887 S. 22U. Nr. 118, Jahr 714. 



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r" 



359 

blut') bei der jetzigen Brikzius - Kapelle nach einer stürmischen 
Schneenacht todt unter dem Schnee (einer Lawine) liegend, aus 
welchen sich drei Weizenähren erhoben, von Bergknappen (Bauern 
aus einer Ortschaft des oberen MöUthales auf dem Heumahd-Weg) 
entdeckt. Eine Schrift, an seiner Brust bewahrt, gab Kunde, wer 
er sei. Der Leichnam sollte (zu Schlitten) von zwei herbeigeholten 
(ungelernten) Ochsen zum Leichenacker gezogen werden ; allein 
plötzlich standen sie still und weigerten sich, diese Stelle zu ver- 
lassen (den Hügel der nachmaligen Pfarrkirche). 

Die Leiche wurde abgenommen und allda beerdigt, Einen Ring 
und das Pergament nahmen die Bergleute zu sich (fehlt\ Aber 
nach wenigen Tagen gewahrte man (dieselben Bauern), dass ein 
Fuss des Todten aus dem Grabeshügel hervorrage. (Wiederholte 
Einscharrung.) Dieser Fuss halte einen Verband und unter demselben 
eine tiefe Fleischwunde, in diesem aber ein kleines grünliches Hals- 
fläschchen mit einigen Tropfen dunkler Flüssigkeit (eingenäht). Das 
Fläschchen ward herausgenommen (auch der Zettel mit der Hostien- 
Geschichte), der Leichnam neuerdings begraben (Sage schliesst). Der 
j^eheimnisvoUe Gegenstand wurde dem Erzbischofe von Salzburg 
berichtet. Dieser wendete sich an den Patriarchen von Constantin- 
opel und erhielt den ersehnten Aufschluss. (Zum Andenken wurde 
alsbald an der Stelle die Kirche gebaut und das Fläschchen mit 
dem heiligen Blute als Reliquie aufbewahrt.) 

Diese Legende berichtet schon 1675 der Sanct Pauler Bene- 
diktiner Albert Reichart*) ohne eine Quelle zu nennen, als im 
Allgemeinen Megiseri vasto comprehensam volumine aliorum(|ue 
auctorum Carinthiae historiam. Er stellt die Sage zum Jahre 914, 
nicht etwa druckfehlerhaft, sondern genau nach 913, vor 917. Er 
lässt ausdrücklich S. Brictius oder S. Briccius aus Thracien herauf- 
ziehen; ein Jude hat in einer Constantinopeler Kirche ein Bild des 
leidenden Christus mit dem Messer gestochen, der bekehrte Kaiser 
das ausfliessende Blut in ein Fläschchen sammeln lassen (und bei 
sieh bewahrt), Hofleute stellen den Abreisenden nach (und erreichen 
ihn fruchtlos), daher Fusseinschnitt und Binde; folgt die Wan- 
derung an die Grenzen Oberkürntens nach dem Thale von 
Gross -Kirchaim (erfriert im Eise des Pasterzen -Gletschers); Berg- 

*) Hier beginnt die Volkssage, die ich (in Klammern) nach Dr. Valentin 
Pogatschnigg's hs. Aufzeichnungen mit vielen Lite'-atur-Daten benütze 

*) Breviarium historiae carinthiacae Clgfrli. S. 92— 9 . Oestr. Kational- 
Encykl. 1837, Bd. 6. S. 477. 



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360 

arbeiter, das Sommerheu um Weihnacht abziehend, drei Aehren aus 
dem Herzen (drei Roggenkörner in der Hand), das Gefährt jenseits 
des Mühlbaches am Hügelhang, der Fuss nach ausgenommenem 
Fläschchen von selbst in's Grab kehrend (Bestattung in Zlap), Auf- 
richtung der Kirche der Märtyrer S. Vincentius und Anastasius. 
(Die Briccius - Capelle , gebaut auf dem Pasterzen - Gletscher, die 
Kirche im Thale. Die beigefundenen Schriften griechisch.)^) 

Die im Pfarr-Archive zu Heiligenblut aufbewahrte Handschrift, 
welche in 12 Capiteln besteht, behandelt Leben und Thaten von 
St. Brictius, ' ist bis auf das Jahr 1729 fortgeführt worden, durch 
Georg Andreas Aicher von Aichenegg als Pfarrer von Heiligenblut 
zu Sagritz. Diese, dem Prinzen Eugen von Savoyen als des Pfarrei^ 
Jugend-Bekanntem (um 1690?, nicht vor 1683) gewidmete Schrift 
dürfte sich an die Aufschreibungen von 1675 anschliessen. 

Fragen wir: Warum gerade hierher wandert der aus Con- 
slantinopel Kommende ? Der nächste Weg aus Byzanz wäre ja doch 
wohl gewesen: über den Hämus (Balkan), über den Ister, östlich 
von Viminacium gegen Sarmizegethusa, westlich von den Karpathen, 
östlich von Carnuntum gegen Eburodunum zu den Marcomanen, 
Hermunduren, nach dem Albis fort zu den Sueven, Angeln, Teu- 
tonen u. s. w. oder was man, zu unbestimmter Zeit, an Stelle der 
Genannten setzen will. Nun. Kriegszustände haben diese VV^ege ver- 
legt oder theils vereinsamt; hauptsächlich aber nach Italien (viel- 
leicht nach Rom oder Aquileja) hat Briccius, wie es scheint, pro- 
grammmässig reisen müssen und von da ab erübriget nichts als 
der Weg über die Tauern. Auch existirte auf jener östlicheren 
Bahn kein christliches Emporium, irgendwie dem Sitze in Salzburg 
zu vergleichen. Was Wunder, dass der Pilger den Ufern der Salza 
zustrebte auf den allernächsten Linien? Setzen wir hinzu, um sich 
dem Erzbischofe Udelbert, 918-— 985, dem Nachfolger des jüngst- 
verstorbenen Pilgrim, 897—913, vorzustellen. Jedoch, ungeachtet 
wir die Daten nach Hohenauer's Kirchengeschichte (S. 37) ansetzen, 
müssen wir zugleich die andere Version der Sage respectiren, 
welche den Reisenden persönlich dem Heiligen Rupertus zugehen 
lässt. Dieser starb nach Hohenauer 623 (27. März). Da regierte 
kein Leo in Byzanz, sondern Heraclius mit Constantin. Es • starb 
aber nach neueren Forschungen-) St. Rupert 717 (27. März), 

*) Das Eingeklammerte nach der Erzählung in MiUheilungen d. Central- 
Commiss. f. Kunst- u. h. Denkmäler. VI neu F. S. CXX.WII. 
^) Krones Oe. G. I, 260. 



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Salzburg und Baiem hatte er vor 7 Iß verlassen; da regierte aller- 
dings ein Leo 111., aber der Bilderstreit begann erst 7215. 

Hat nun Briccius eine ähnliche Tour gemacht, wie um da& 
.fahr 5i)5 der venetische Priester und Dichter Venantius Fortunatus, 
welcher aus Ravenna durch die Niederungen des Tagliamenlo den 
julischen Alpen zustrebte, so mochte er, wenn nicht über Pontebba, 
so über den Plöcken-Pass oder den Prediel gekommen sein in das 
Draugebiet von Teurnia. Diese Stadt galt als norische Metropole- 
seit 450, war Bischofssitz, während des Gotenkrieges unter Dagobert 
um 550 mit fränkischen Priestern bedacht und ihre Kirchenwaltung 
ausbreitend seit dem (5. Jahrhunderte nach Pusamitz, Obervellach, 
Sagritz bis an die Tauernwände. trotz genügsamer unchristlicher^ 
kriegerischer Verschiebungen. Noch nach des Venantius' Reise — 
welche sich schliesslich weiter westwärts gehalten hatte, gegen den 
Inn, zu den Breonen. gegen Lech und Donau — hatte in Teurnia 
ein Bischof residirt, Leonianus (Jahr 579) und lang nach dem 
Slaven - Andränge war noch Ort und Gebiet von Tyburnia im 
Andenken der Menschen verschrieben (816). 

Sowie Briccius aus Italien einmal die obere Drau erreicht hatte, 
gab es freilich in Bezug auf alterhaltene, vormals mit Meilensteinen 
bestellte staatliche Wege nur die Wahl zwischen jenem westlichen 
über den Brenner oder dem östlichen über den Radstätter Tauern. 
Wer auch, die Drau aufwärts, bei Aguontum in die Nordthäler 
vore[edrungen wäre, was Venantius nicht versucht zu haben scheint, 
der hätte keine Jochstrassen in der Richtuug auf Velben oder 
Hasenbach hinaus gefunden. Angenommen nun. es hätte Briccius 
gewisse Gründe gehabt, den (seit alten Zeiten wohlgebahnten und 
vielleicht noch immer genug breiten, wenngleich wenig geebneten 
oder öfter durchrissenen) radstätter Weg — von Teurnia nach' dem 
Lieserthal aufwärts — zu vermeiden, so hätte er gewiss gehen 
sollen: bei der Moll -Mündung aufwärts nach Obervellach, nach 
Malnitz, über den Korntauren nach Gastein (9 Stunden Tauernweg), 
wo er auch nach Sicherheit zwei Uebergänge gehabt hatte,' weiterhin 
nach Lend, die Salzach entlang, gegen St. Johann, Bischofshofen, 
Werfen, (ioUing. Hallein, Salzburg. So aber scheint er beabsichtiget 
zu haben — ob er nun directe von Teurnia heraufkam über Ober- 
vellach nach Winklern, oder ob er von Aguontum her etwa den 
Iselsberg überschritt und die Quellen der MöU gewann^) — von 

^) Von Lienz über Isesber^, Heiligenblut nach Gastein l'> Stunden ^ 
laut Staffier II, S. 465. Tirol und Vorarlberg, 1844. 



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362 

DöUach und Heiligenblut weg die Linie einzuhalten: rechtes Möll- 
Ufer, linkes, alsdann Winkel, Gutbach - Brückl, Niederer Sattel, 
Sennhütten, dann zwischen Wasserradkopf und Bretewilnden gegen 
die B'uscherkar - Scharte, Fuscherthörl und -Ache, in die Fusch 
(12 Stunden von Dorf zu Dorf), Brück, St. Georgen. Taxenbach u. s. w., 
wo nicht gar gleich zu Anlang in's Kaprunerthal bis Kaprun (auch 
li' Stunden) u. s. w. oder über die Pfandlscharte nach Ferleiten, 
der neuzeitig meistbenützte Uebergang im Glockner - Gebiete 
(8 Stunden). 

Dieser romantische Erdenwinkel muss eben einmal ' in Vor- 
zeiten viel bekannter gewesen sein, als er's nachmals im Mittel- 
alter geworden ist. Schauen wir in Mommsen's Inschriftenwerke 
(Band Jll, 2) die Karte von Bätien. Noricum u. s. w. an, so fallen 
uns oberhalb Döllach die Aurifodinae romanae auf, an den süd- 
seitigen Kulmen der Tauerncomplexe angedeutet; auf eine Strasse 
über den Iselsberg und überhaupt längs der Moll (wenn auch keine 
staatliche) ist zu schliessen, thatsächliche Antikenfundorte sind 
Döllach , Winklern , Iselsberg , Fragant , Semslach , Obervellach, 
Danielsberg; auf tirolischer Seite Lienz und Ober-Lienz, Nussdort, 
Dölsach, Debant, Windischmatrei, Kais, Leisach, Mortbühel, Raben- 
stein; oben im Salzburgischen doch erst Brück im Finzgau, Hasen- 
bach bei Taxenbach, Goldeck. ') 

Es sind da uralte Bronze- und Kupfergeräthegefunden, Stein- 
geräthe, Grabschriften, Weihschriften, Münzen (consulare, Augustus bis 
Arcadius und Honorius ziemlich zusammenhängend, also bis' gegen 
428 n. Gh.), da und dort Baureste, Strassenpflaster, Schmelzöfen, 
Steinbrüche. Es sind da mannigfache Bergwerke, aber insbesondere 
hier die Hauptquellen für das Gold der Taurisker, über welches die 
berühmten oft ausgelegten Stellen des Athenäus, Diodorus Siculus, 
Polybius und Strabon ^) lauten. Die eigentliche Goldberg - Gruppe 
reicht vom Hohenaar bis zum Ebeneck beim Ankogel aber alle 
Vorlage nördlich und südlich (unter Stellkopf) ist nicht aus- 
zuschliessen ; in dieser Hochwelt sind Heiligenblut und Döllach recht 
eigentliche Grossorte, neben Winklern, Mitten , Sagritz, Apriach, 
Mörtschach, je weiter zurück, desto mehr können sie's gewesen sein. 

Versuchen wir dem Vorleben des Briccius in Griechenland 
nachzugehen, so weist uns die ausgebildete Sage zunächst auf die 



») Kunst-Topographie f. Kärnten, S. 238, 134, 142. Richter in Salzburger 
Mittheilungen, 1881, Bd. 21. Ferdinandeum-Zeitschrift, 1878, JS. 57, Karte. 
-•) Muchar, G. v. Stmk. 1., 116. 



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363 

Zeit eines Kaisers Leo im Allgemeinen. Wir stünden da in der 
Periode des ersten Leo 459 bis 474, als hierzulande Teurnia noch 
die Metropole vor Noricum war. Wir suchen den Mann unter 
Leo II. 474, Leo 111. Isaurus 717 bis 741, Leo IV. Chazarus 
775 bis 780, unter dem V. Armeniacus 818 bis 820, vergebens. •) 
Nun nennt, wie es scheint, die älteste Druckquelle ausdrücklich 
Leo VI.; das ist der Weise, der letzte der Leone, 870 bis 911. 
Wir erinnerten uns schon, dass unter dem dritten Leo der 
Bilderstreit angehoben, 726: dieser Kaiser hat die Bildwerke zunächst 
verboten und alsdann gewaltsam entfernt, 780. Es wird erzählt, ein 
bronzenes Crucifix, aus den Tagen eines Kaisers Constantin stammend, 
ober dem Palastthore von Chalce angebracht, sei abgenommen, der 
den Christus herabreissende Mann durch das Volk ermordet 
worden. Aehnliches mag ja unter Armeniacus, dem Bilderfeinde, sich 
wiederholt haben. Bekanntlich erscheint auch auf den Münzen die 
Madonna^ zuerst in Form der Betenden, seit Leo VI., St. (ieorg 
seit Alexius 1 , lang zuvor allerdings das Kreuz, aber ohne den 
Gekreuzigten. 

Verunehrungen solcher bildlicher Zeichen mögen bei gewissen 
Parteiungen gewiss vorgekommen sein: aber von einer Verletzung 
durch Judenhand, obendrein in einer hauptstädtischen Kirche, 
erinnere ich mich nicht jemals in einem zeitgenössischen Schrift- 
steller gelesen zu haben. Die Phiole der Sophienkirche musste 
daher wohl auf eine andere Veranlassung zurückgehen und es lässt 
sich denken, dass sie nur dem Verdienstvollsten aller Ausländer 
dahin gegeben werden konnte. Nun ist es gerade von Leo VI, 
bekannt, dass ihm kriegerische Talente mangelten, wiewohl er 
selber über Taktik schrieb, auch dass seine Waffen höchstens in 
Italien etwas wirksam waren (Benevent, Venedig), sonst aber meist 
unglücklich zu Wasser und zu Land, (legen die Bulgaren und gegen 
die Russen ward er in Athem gehalten und es stimmt zur Stellung 
der ersteren als der Inhaber des Handels gegen Nord, dass ein 
reisender Byzantiner derzeit nicht gut durch ihr Land ging. Kriegs- 
fuhrer hatte Leo also allerwege von nöthen : aber sie leisteten nichts 
Besonderes und erkauften sich (sagte man) die Erfolge meist durch 
schnödes (leid. Seine Generale kennen wir ja, es waren der 
Constantin Dukas, der Romanus Lebapenus. Phocas (Andronicus), 
Eusthatius, Argyrus, Himerius, Gregoras Iberigus. 

' > Vgl. Schlosser W, G., Kriegk, Bd. VI , 95 ff. 



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364 

Sollte unter diesen, mit einem fremden Namen begabt, der 
dänische Briecius stecken? Das wäre eine gewaltsame Annahme: 
überdies kennen wir von den meisten ihr Lebensende ganz anders. 
Dass einem vom Hofe Flüchtigen, der mitgenommenen Schätze 
halber, nachgesetzt wuMe, geschah allerdings im Jahre 904 ; aber das 
galt dem Hohntriguanten Samonas. Patriarchen in Constantinopelsiud 
dazumal gewesen Photius, Antonius Cauleas, Nicolaus Myslicus, 
Euthymius; von keinem ist jedoch irgendwo erwähnt, dass er mit 
einem salzburger Erzbischofe correspondirt habe. Mit dem römischen 
Papste hatten allerdings damals gleichzeitig drei Patriarchen des 
Orientes Contact. Aber mit dem Papste hatte hinwieder Briecius 
nichts zu schaffen, keine Legende weiss davon etwas. Nun kann 
immerhin in Büchern, in Acten jener Zeit Manches verechrieben 
gewesen sein, das z. B. im grossen Brande der griechischen Kirche 
von 910, noch bei Leo's Lebzeiten, zu Grunde gegangen ist. Ja in 
Leo's Memoiren selber könnte sich eine Andeutung finden, und es 
wäre zu untersuchen, was etwa die mehreren Werke des Kaisers 
in dem Vaticane enthalten.') 

Endlich ist aber Leo VI. im Jahre 912 gestorben und die 
Jahrbücher setzen (ür 911 — 912 als Regenten schon Alexander 
mit Constantin X. Porphyrogenitus an, für 912 Constantin X. mit 
Zoe Carbonopsina. alsdann eine gewisse Lücke bis 919. Somit fiele 
das Jahr der Briccius-Reise, 914, schon überhaupt über alle Leone 
hinaus. Es ist nicht Rath zu schaffen, w^enn man aufzeigt, dass es 
byzantinische Einflüsse in den Alpenländern wohl insbesondere um 
520—568 gegeben habe: ganz vereinzelte byzantinische Münzen 
aus Funden haben wir hier von Marcianus 450, Justinius 527 
Zeno 474, Anastasius 491, Justinianus 527 — 565 bis Tirol hinem, 
der Mitteldonau näher Arcadius bis Michael IX. 394 bis 1820, 
darunter allerdings Leo I. III, IV, VI. ^j 

Vielleicht könnte es aber frommen, in der dänischen Ge- 
schichte die genauen Nachweise für unseren Mann zu finden. ^) 
Für die Aufrichtung des Kreuzes Christi war im Nordlande bis 
nach der Zeit der Leone noch genug zu thun gewesen. Gewöhn- 
licher Weise ist ja mit dorm dem Alten, dem Reichsstifter, der Ab- 

*) Darüber Fabricius Bibl. gr. Hb. V. c 5, vol. 6. S.367. Guthrie ä Gray. 
Ausgabe Ritter 178G Bd. U. S. ! 10 Note 1. 

-) Repert. steierm. Münzkde. Tf. '227—233. 

•'') D. C. Dahlmann. Gescb. v. Dänemark, Hamburg 1840, Bd. 1. Annal. 
Einhardibei Dahlmann 11 28 Note 1. 



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3(55 

schluss der Vorgeschichte gegeben. Bis zu seinem Tode tKW ist 
das Christenthum noch mehrfach zurückgedrängt: erst ein Menschen- 
alter nach König Ottos Dänenzuge, nach des Prinzen Svein 
Taufung 965, mag das Christenthum als sieghaft und bleibend 
eingesetzt erachtet werden jenseit des ersten Jahrtausends, etwa 
nach 1014. 

Die Anfange der kirchUehen Arbeiten können aber einiger- 
massen ausgiebig vor Karls des (irossen Tod nicht zurückverlegt 
werden : damit soll gesagt sein, dass die Jahre der vier ersten Leone 
oben gar nicht in Betracht kommen. Soviel wir aber die Bemühungen 
des Kaisers Ludwig des Frommen durch Erzbischof Ebo bei Papst 
Paschal um die Bekehrung der Dänen in Untersuchung ziehen, die zahl- 
reichen Taufungen des Sommers 823, den Uebertritt Harald's zu Mainz 
in St. Alban. die grosse Mission Anskars nach F^bo's Hinscheiden 
und überhaupt die ganze nachmalige Einflussnahme. so springen 
zwei Sachen in die Augen, erstens : dass von Byzanz gar nichts daliin- 
auf ausgeht, sondern alles nur vom fränkischen Hofe (wie war' 
das auch, entsprechend beiden Kaiserthümenh anders zu erwarten?); 
dann zweitens, dass von einem Briccius, der etwa als Heimkehrender 
mit Wichtigkeit erwartet worden sei, durch einen Kaiser allenfalls 
empfohlen dem anderen, in gar keiner Uoberlieferung die Rede ist. 
Das Letztere übrigens musste den Mann nicht sofort unhistorisch 
machen: deim Einhard. der Annalist, den Niemand für diese Zeiten 
anders als eine wahrste Hauptquelle schätzen wird, wie behandelt 
er den Anskar? Er kennt ihn gar nicht. Nur der zweite Erzbischof 
von Hamburg. Kimbert, führt den Anskar ein. Er glänzt als Erz- 
bischot 884. Ist etwa Briecius zu diesem in Beziehungen getreten 
und hätten ihn dessen Erfolge gelockt. Byzanz zu verlassen, wo 
von einem » bekehrten < Kaiser (nach einer eigenthümlichen Version 
der Sage) ohnehin nicht die Rede sein kann. Erwähnt den Briecius 
(fragen wir weiter) vielleicht irgend eine Briefschaft des (leistlichen 
Ermold Nig(»l: ireilich wenn solches auch in der corveyer Chronik 
der Fall wäre, so entfiele dessen Werth, weil ja diese Stiftschronik 
als purer Betrug nachgewiesen worden ist. Uebrigens gibt auch die 
?anze Einleitung der ersten Christen-Tau fungen in Dänemark durch 
den englischen BLschof Willibrord (schon G99, Königsohn Sebaldus) 
den massgebenden Einflüssen noch eine andere Richtung. Auf diesem 
fJebiete erwächst also auch kein Rath. 

Was nun der dänischen, wie der byzantinischen (ieschieht- 
schreibung fremd L^t. wird in den Sammelwerken der christlichtn 

Milth. d. k. k. Geogr. Ges. n»9. C u. 7. 25 



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3t)6 

Logenden seine entsprechende Fassung um so sicherer getiinden 
haben, schUessen wir. Ob die Acten über Briccius' Leben und 
Streben, wie zunäclist zu erwarten lateinisch und griechisch, ob sie 
etwa auch syrisch, arabisch, dänisch abgefasst seien, wo aufbe- 
wahrt, in welcher päpstlichen Kanzlei legalisirt, wann Briccius 
ehrw^ürdig, selig, heilig gesprochen sei, würde aus dem grossen 
Hauptwerke Acta sanctorum der Bollandisten, begonnen 1643, 
mit genügender Autorität hervorgehen, wenn, der Gedenktag: mit 
dem 13. November angenommen, die bedeutsame Unternehmung 
bis dahin geführt worden wäre. So aber sind die Nachfolger jener 
ersten Sammler, welche die zumeist unter Diocletian vernichteten 
acta martyrum zusammentnigen, der späteren Monologisten wie 
Beda, Bhabanus Maurus, insbesondere des ersten willkommenen 
scharfeji Kritikers Buinart. beim 53. Bande 1794 stecken blieben, 
trotz der riesenhaften Arl)eiten eines Boswey, Bolland, Henschen, 
Papebroche, lanning, Bosch, Suyskens, Hubens, Berthold und 
Ghesquiere. Die neue Gesellsclialt von 1837 hat den 56. Band 
185H ausgegeben, den GO. (Schluss 29. Octobor) bis 18S2. 

Ohne Zweifel sind über den Namen Briccius genügsame 
Studien in den Jesuiten-Handschriften zusammengetragen worden. 
Jedoch, man kann schon aus einer Hauptfundgrube derselben, 
nämlich Jacobi a Voragine Legenda aurea, vulgo historia lombardica 
dicta, welche allein seit dem lö. ,lhdte. mehr als 72 Ausgaben er- 
fahren hat, einen Wahrscheinlichkeits-Schluss machen. In dieser 
»goldenen Legende <, zuletzt durch Dr. Tb. Graesse (Leipzig 1850 1 
aufgefrischt und in sehr netter Ausstattung herausgegeben, handelt 
das cap, 167, S. 751 de sancto Briccio von einem Bischöfe zu 
Tours dieses Namens, Nachfolger St. Martins, stirbt im Jahre 444, 
Gedenktag 13. November. Zu diesem Bischöfe auch unseren Briccius 
in Beziehung zu l)ringen, hätte Anlockung, wril der Martinus au- 
Sabaria stammte, zu den Ungern, wie das lautoL religbnshalber 
reiste, demnach von den Oslalpen zu sagen gewamst hat, weil seine 
Legende die Erzählung von dem Mantel gegen Winterfrost von 
dem Ergrünen der beschneiten Orte bei Durchführung der Bischots- 
leiche enthält. Aber es geht nicht an, ohne Weiteres Leute vwi 
fast 500 Jahren Abstand zusammenzubringen. Ks nui5i= nur ooeh 
zur Häufung aller der Schwierigkeiten bemerkt werden, dass andere 
den (ledenktag eben dieses Briccius von Tours imi den 7. April 
ansetzen (warum?) und dass sein Name auch Brictius. Bit^cüus 
lautet, im martyrologium romanum auch Britius. Im uralten aut^.^ bürget 



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367 



Brevier vor 1570 ist S. Britius mit drei Lectionen und einer 
Oration bedacht. Aehnlich genannte Britius, Brichius, Briocus er- 
scheinen im »Ausführlichen Heiligen-Lexicon von Colin und Frank- 
furt« 1719, S. 298: in Stadler und Heim's »Heiligen-Lexicon«, 
Augsburg 1858, Bd. 1, S. 512 — 515, worin insbesondere S. Briclius, 
Bischof von Martula in Umbrien unter Constantin, (ledenktag 
9. Juli, dann S. Brictius, das Kind, Martyr zu Esch bei Ninove in 
Flandern Gedenktag 12. November und eine Menge der Wurzel 
Brig; in Ludwig Donin's *Leben und Thaten der Heiligen^ ((iraz 
1880, Bd. 6, S. 132, Brictius von Tours). Endlich in Alban Stolz 
'Legenden oder Christlicher Sternhimmel* (Freiburg 18()5) fehlt 
unser Rriccius wie in allen vorerwähnten Werken Am Ende könnte 
man vermuthen, dass nur an dem Namen eine gewisse Irrung hafte. 
Sollte irgend etwas daran erinnern an das thrakische Volk der 
Bryges, weil ja der Wanderer dorther gekommen, an ein Nord- 
landisches (Brigitta ist Schwedin) oder ist ein allernächstes Heimisches 
hergenommen, von Brixen, etwa von Brixlthal bei Hopfgarten, 
Brigantium, Artobriga, Brigianes (nach Lazius bei Mogiser ein alt- 
Mmtischer Volksstamm \ wie denn die reine Bauernsage blos auf 
einen Mann aus dem Volke im Allgemeinen, ohne Namen, sich einlässt. 
Wir. sind fast so weit gekommen, dass Thaten und Name 
sich vor den Augen verflüchtigen, wenngleich wir es nicht für 
angezeigt finden, die thatsächlich seit mefnvren Jahrhunderten im 
Volksmunde lebende Erzählung so gar und ganz ohne Untersuchung 
abzuthiin, wie Schultes in seinem mit Begeisterung und Kenntnis- 
fülle geschriebenen Reisebuche (1(S04. Bd. 2. 10): ^Der heil. Briccius 
kam, ich wei.ss nicht wie, mit seinem Blute hierher . Ohne Noth 
i^t aus Schaubach (Deutsche Alpen, 1887, Bd. 5, 96) der Name 
Briccinus in MenzePs Symbolik gekommen (IS54, Bd. l, S. 145). 
Man mag in diesem mit poetischen und kunsthistorischen Stellen 
reich ausgestatteten Buche nachlesen, die anderen Heiligenblut- 
Bewahrorte wie WilUsau, Waldthürn, Weingarten am Bodensee, 
Mantua. Wilsneck, Rupella, wobei nicht die Sophienkirche mitspielt, 
>ondem gelegentlich Longinus der Kreuzwächter; man mag be- 
trachten die sinnbildliche Deutung von Aehren (als Leib). Traube 
^als Blut), Schnee (als reine Empfjingni.sj, von iMaria als der Rose 
ira Schnee, endlich das (Jrab des S. Servatius, das nie der Schnee 
bedeckt, das auch der Winter grünend trifft \) Indem wir hierbei 

-) Menzel 2. 339. 1. 41«. 419. Vgl. aiu-li das Heilijronblut im Viorlel 
ob. (L Mannhartsberg N.-Oest., Mitth. d. C.-C, I 12. um 14S0 









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868 

noch auf die Hostien- und Judenwunder hinweisen, drängt es uns 
nur, mancher Maler halben, festzusetzen, dass die kleine Scheihchen- 
form der Hostien hinter die Jahre um llöO zurück nicht anzu- 
wenden erlaubt ist ; das volle rundliche Brod (aus reinem Weizenmehl) 
gilt aber vom 4. Jahrhunderte herauf bis in's 12. last ausnahmslos. 
Eine Darstellung der scheibenförmigen Hostie, durchstochen von 
Judenhand mit den üblichen Folgen, wäre demnach für die Briccius- 
Zeit ein Anachronismus, ein noch stärkerer für die frühere. Der 
feindliche Anklang gegen die Juden in der Localsage ist theilweise 
aus derselben Quelle zu erklären, welche in Oestreich z. B, die 
Nachbar-Nationen gegen einanderstellt, so dass hüben und drüben 
bald der Slave, bald der Magyare, bald der Wälsche, bald der 
Deutsche entweder zum dummen Teufel oder zum Bösewicht ge- 
macht wird. 

Theilweise ist aber wirklich kirchlicher (Jlaube mitthätig und 
dann wird's um so schlimmer, je mehr Gewalt der Beschränktheit 
und Blödheit gegeben ist. Kirchhcherseits aber waren die Juden, 
zahlreich angesiedelt in den Alpenländern, die einzigen Gegner bis 
in die Protestanten- und Katholikenzeit; 30 bis 40 Jahre seit der 
unbesonnenen Austreibung hatte as ein gewisses Interregnum ge- 
geben, dann hatten die christlichen Kanzelredner mehr unter sich 
und gegeneinander zu eifern, man brauchte nicht mehr die Orientalen 
Schreckgestalten, höchstens noch immer ihr Geld. Daher denn die 
meisten der den Juden aufgehalsten IJebelthaten, Brunnen -Ver- 
giftimg, Pest- Verbreitung, Kindermord etc., in den Jahrhunderten der 
abendländischen Kirchen-Einheit liegen. Gewiss war, was man die 
grosse Pest nannte. 11()8 und öfter später noch, in Kärnten den 
Juden zugeschrieben, damit in Verbindung die Hostien -Geschichte 
von Wolfsberg 1338 mit Heiligenblut-Capelle und -Spital, *) ähn- 
licho.s in Ossiach am See: die Hauptstadt-Pfarrkirche in Graz heisst 
ebenfalls zum heiligen Blut und sie steht an Stelle einer Heiligen- 
blut-Capelle nächst dem Judenwege dicht am Juden- Viertel. Wie 
sollte die Judenschaft die im kärntischen Oberlande ihr Gemein- 
wesen zu Villach hatte. Synagoge, Friedhof dazu (seit 10. Jhdt. 
nachweislich), nicht fern dem Bleiberge auch noch die Thäler 
der Gold-Tauern in Betracht gezogen haben? Nicht als Arbeiter in 
Schacht und Hütte natürlich, sondern als Geld- und WechselmacliL 
Man nuiss nicht an die Judenpalte an der Moll denken und nicht an 
die Judenbrücke bei Apriach, die Judenalm jenseit des Glockners, beim 

') Hohenauer. Kämt. Kircheiigeschichte S. 149. 

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:569 

Bäi*enkopf und ähnliches, wahrscheinlich lauter spätere Bezeichnungen, 
wolil aber an mancherlei Grubenpächler und (leldbeschaffer, welche, 
zeitgleich wie Jud Abraham zu Velach (i:U)2) während der Pachtung 
von Frohn und Wechsel in Rauris. zu Malentein, bei Sachsenburg 
durch Martin Aufnar. Bürger zu Salzburg (um 1300 fl. auf 2 Jahre, 
1359) ') im Moll- und Drauthale viele Racen-l Genossen im Klein- 
Erwerbe beschäftigten. 

Wenn man die Stufen rückwürtsschreitet : um IHOO l)ergvverkliche 
Verödung der Thäler, vor 1500 Austreibung der Juden, je weiter 
zurück, desto mehr slavisches Bevölkerungswesen, ') so bietet 
auch das Bild vom Jahre öOO bis 600 und zurück mit seinen 
Bajuvaren, Franken, Romanen, endlich mit seinen äussersten 
keltischen Tauriskern die lebhafteste Bejahung für das Vermulhen, 
es sei einmal die (iegend um das höchste Alpen- Plarrdorf viel 
mehr bewohnt, besucht und bezollt gewesen, denn gegenwärtig oder 
wenigstens bis vor 9 Jahrzehnten, als der Ruf der Xatursehönheiten 
dieses Hochthal gewissermassen ganz neu erschlossen hat. Zu 
Valvasors und Megisers Zeit flOSS— 12) wusste man die Moll ent- 
springend am »Rauriser Taur in der Pasterzn hinder den h. Pluet 
ober Dolachs ausgestattet mit 14 Nebenbächen. Schon dazumal 
scheint alles bergwerkliche Hütten- und Amtsleben sich last aus- 
schliesslich im unteren Möllthale, zu Obervellach, vereiniget zu 
haben: hier war das Bergmeisteramt für Kärnten, Krain, Steiermark, 
Oheröster reich, Tirol, hiersassen die Oberbergrichler, hier errichteten 
die M'^tallherren die grosse gotische Kirche seit dem 14. Jhdte. 
(Ostensorium) und schmückten sie noch reichlich im li). aus 
(1515, 1520j, hier verfrachtete man das Kupfer und (iold der 
nächsten und ferneren Umgebung.^) 

Aber ehedem hatte man sich näher und dichter an den Möll- 
Quellen (Molnaj angesetzt, wo Freising Häu^^er, Aecker, Wiesen 
an den Tauern um 862 besass. älteres Anwesen an der (irenze 
vonTyburnia bei Innichen schon um SU. Mehreres bei Wert 18i)l. 
Stall c. 101 '), Malentein, Rangersdorf, wo aucli die Herrschalt der 
görz-tiroler Grafen als Erblolger der Lurner an jene des salzburger 
Stuhles stiess, 

M Archiv für Kcärnten. IX. :W. 

^) r)<)llach als Thalort oder Arheitdorf. Sagorilz auf der Höhe, Zlap 
der Wasserfall schlechthin, Zlatar aber der Goldarheiter. Fleuss von Krgiessen. 
Mukernitz die Blökalm, Zirknitz von Kirche u. dgl. 

^) Nach Hacquet, mineral-hotan. Lustreise. Wien 1784, Schultes Reise 
I 312, II. 17. gl. Valvasor S. 240. 



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:i70 

An der Mollen zu Kirchheim, Reinthai, Winklern (Winchi- 
larun vor lOüO) hatte das Erzbisthuni (tüter von den vorgenannten 
Nachbarn übernommen') und am meisten seheint die Umgebung 
von Döllach und Sagritz mit Wichtigkeit hervorzutreten, ersteres 
von weltlicher Seite, leli^teres von kirchlicher. Jenes, nur eine Ex- 
positur von Sagritz, scheint kaum viel vor 1809, 1390 genannt 
(Dölach, Tölach): daraus hatte Wendlein König, die Tochter der 
Veronica, den görzer Lehensmann Hans Hinterpüger zu Ober-Drau- 
burg geheiratet (1305). Aber in seiner Zusammenfassung mit (iross- 
Kirchheim eröffnet es sofort eine weiteste Hintersicht, welche vom 
Jahre c. llöO ausgeht.-) Das zählt wohl zu den ältesten Nach- 
richten, welche von der Glocknernähe im Möllthale sprechen Doch, 
dass wir nicht vergessen, die Kleinigkeit von 1000 Jahren zuvor 
ist hier Nonia^) begraben worden, des Enobuc Eheweib, auch 
dazu Enobux. Gnavo und Adnamius, lauter Kelten. Und auch 
das St. Martin apud Veluz, freisingisöh 1062, scheint uns 
vielmehr das bei der Fleuss gelegene St. Martin am Pockhorn zu 
sein, als die Martinskirche zu Obcrvellach. ^) 

Nun ist es das Benedictinerstift Admont, welches hier mit üütern 
reichlich beschenkt erscheint, die bisher, also vor etwa 1150, gehört 
haben zu den Besitzungen eines edlen (leschlechtes de Tovernichund 
Wistriz. Beginher von Tovernich hatte nämlich vor 114:> .meinen 
Ansitz zwischen Sagritz und Heiligenblut zu Dobernik, er war auch 
begütert bei Friesach, bei (Tlödnitz, beim /iamelsberg, bei Stadt 
St. Veit, er hatte mit Kaiser Friedrich den Zug in's heilige Land 
mitgemacht 1147, als Minist erial der Markgrafen von Steyr; sein 
Bruder war üebhard Swiker von Holen burch, seine Frau Petrissa 
von Feistritz (Vustriz, l)ei Paternion nicht w^ol bei (irades), deren Mutter 
Jutia oder Judith, deren andere Töchter sind Wentilburg und 
Chunigunt. Alle diese sind reich ansässig in und um Kirchheim, 
wahrscheinlich auch der verwandte Edle Bainerus und es scheint 
ein ausgiebiges Anwesen an den Sohn Liutold zu Admont 
übergegangen zu sein. Die Feistritzer aber, deren erster Ortwin 

») 1250—58 Kleimayr Juv. S. 300: S. 252. Nr. 22. Czörnig. Görz S. 613 
(>28, 032 u. s w. 

-} Zaim, St Urkundb I Index 787. Wichner. Admont 1 84, «5. 120. 104, 
100. 177, 179. 192 II Index 87, III r.59, IV 456, 465, 460, 511, 550: V 30, 
35, 165, 128, 144, 257, 313. 332; Vll 386, VIll 21, 537. 

=*) Momrosen, c. i. l. III 47 JS. 

') Arch. f. K. I 79. VII 84. Holienauer Kg. S. 355 apud (nicht in) Veluz. 

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:^7i 

1141 zu sein scheint, wurden nachmals ortenburgische Lehensleute 
und kommen noch 1401 vor.') Das Chyrchaim, Churlheim, Chircheim, 
Chirchhaim, später Kirchaim. im Mölsthale, der Jahre 1147—87, hatte 
eine gewaltige Entwickelung gemacht bis in die Epoche Megisers, da das 

j Amt gl. Namens umfasste Falkenstein. Propstei Sagritz, in Kirch- 

I haim. den Thurm Winklar in Kirchhaim und Dorf Kirchaim ^) Valvasor, 
Wühl Meellhal Mel, Meel kennend, von den höchsten etwa 06 Bergen 
beiläufig die Thaurn. als Chor-, Rauriser-, Casteiner, als dann den 
I^slsperg und noch das nächste Traathal bis in das Lurnfeld, darauf 
(iross-Kirchhaim, er gibt auf seinem fünften Bilde zu S. 75, etwa 
40 Jahre, nachdem Merian auf der Holzwurm'schen Karte auch 
das Gebiet des Grossglockners verzeichnet hatte. (iross-Kircheim 
mit der Ansicht von Sägeriz, Döllach, dahinter die Schlo.ssruine 
auf hohem Fels, die Kirche auf dem Hügel. Der (Jraben von Vellach 
hinein 2 Meilen Wegs heisst Grosskircheim, allda hat es an 

I mehreren Orten Gold- und Silber-Bergwerke, noch heutig('ntags be- 

• stritten; es sind auch unterschiedliche Herrenhöfe allda, als gleich bei 
der Pfarre Sagoritz ein Schlösslein Propsthof, gehört dem Himmeli)erger ; 
Markt Wünklern, auch Döllach oder Markt TöUach, landesfürsllich ; 
und die Putzischen Häuser, welche jet;zt Herrn Fromüller zustehen. 
Allda seien auch etliche öde (lebäu zu sehen; absonderlich gibts 
allhier viel einschichtige Kirchen als die F^lutkir(*hen. Bartholomeen, 
^Ünser lieben Frauen Kirche«. Soweit Valvasor. Döllach oder Gross- 
Kircheim hatte noch 1760 eine Stiftung für f) Nähen- und Sticken- 
Lehrerinnen, nach 1804 eine auf cSO Arbeiter berechnete Zinkfabrik, 

i aus bleiberger Galmei arbeitend; aber Schuttes beklagte >die 
wahrhaft goldenen Zeiten, die es einst hatte, als hier die (lold- 

L bergwerke noch blühten, die traurigen Beste seiner Mauern und hier 
und da ein halbverfallenes Haus, das noch in seinen Buinen den Wohl- 
stand seines Erbauers verkündet.^) Von den fast 90 Häusern, noch 
mit Jahrhunderts Anfang, ist es jetzt auf 80 gekommen; dennoch 
ist es unter den grossen Orten des Ober-MöUthales der erste. Es 
folgt Winklern mit fast der Hälfte 42 Häusern, sodann Mitten 36, 
Sagritz 35. Apriach 32. Heiligenblut 32, ebenso Winkel dabei, Zlap 
und Hol Wörtschach 27, Battenbach, Slranach, Untertauern, Pock- 

: hom u. s. w. So dominirt der weltliche, der Bergmannsort. 



') Weiss K. Adel S. 55, 5S. Mucliar Gesch. v. Stmk. IV 465. Index 
Band 9. S. 90; admonter Saalbuch IIl 29. 

-) Megiser 1612, die von K. S 1735 Valvasor S. 41-43 u. 75. S. 4. 
^) Reise I 336. 



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372 

Das Dorf Sagerize, r^egeriz bei Cliyrchaim. ist nun in äussersler 
Zeit ein Hauptbesitz, welcher um das Jahr 1155 der görzer Graf 
Engelbert an Stitt Adniont überlassen hat, nach dem Tode des 
Ministerialen Yrnfrid. Ueber 370 Jahre haben es die Admonter 
inne gehabt, so dass ein eigener geistlicher Verwalter als Propst 
dort sass '), ohne Capitel. oder dass sie Verwalter und Pächter hin- 
stellten, indess die Voglei von der Herrschaft -) Grosskirchheim ver- 
sehen wurde. Diese Vogtei, im Jahre 1250 durch (iraf Meinhard von 
Görz an Salzburg verpfändet um 200 Mark Silber, ging auch über 
Heiligenblut hinaus, welches ohnehin seit seinem Aul kommen nur 
ein Vicariat von Sagritz war bis zum Jahre 1787. Die grössere 
neue Kirche zu Sagritz ist erst 14 Jahre nach dem Abzüge der 
Admonter entstanden und was bis in's Jahr 1543, da man die 
neue Kirche erhob, als Antoni-Capelle zu finden gewesen, soll der 
älteste bis auf die liburner Bisthumszeilen zurückgehende Bau ge- 
heissen haben.*) Der jetzige Kirchbau ist gar nur an die hundert 
Jahre alt. Nun scheint das ganze Anwesen daselbst auch in Rück- 
sicht auf die Filialkirchen St. Andrea zu DöUach, M. Hilf zu PuLschal. 
M. Dornach zu Mitteldorf, ein so einträgliches gewesen zu sein, 
dass lange Zeiten hindurch ein, vielleicht gar nicht beständig an- 
wesender, Propst die Haupteinkünite bezog und ein Pfarrer oder 
Vicar die beständigen Hauptarbeiten in der Seelsorge leistete. Dass 
die Einkünfte vom Anfange her sehr beachtenswerthe, aber nicht 
wohl vertheilte waren, beweist der Streit, welchen der Pfarrer 
Friedrich (wohl ein Nachfolger des im October 1271 amtierenden 
Rudolph Ludwig 1232) gegen den Propst Otto hat erheben müssen 
und welcher im Jahre 1301 (2. Juli zu Sagrilz selbst)^) dahin 
geschlichtet worden ist, dass die Gaben der Opfernden dem Pfarrer 
gehören, dass die Capelle in ihrem Neubau (Betraum und Altar) 

1) Etwa c l\oO Liulold, lloH Gozwin c 1165 Albert. 1191-1201 Pillun?. 
1223— l-i32 Eberhard Lewe. 123Ü Heinrich (ermordet), 1254—56 Ulricli, 1266 
Hartmann, 1279-71 Berthold. 

'^) Zahn, Urkundenhuc'h, I. 595. 614. 662; 11, 400. Wichner. Admonl I. 
177, 178; n. Index 509. lll. Index 579 IV. Index 693. Muchar. Gesch. Stmk. V. 
207, 332, ol2 u. q. 846. 

3) Koch-Sternfeld I, 1S20. V.)2. Kämt. Zeitschrift 8. 153. Kunst-Topogr. 801- 
Hohenauer K. G.. S. 354. Aus dem jetzigen Baubestande der Antoni-Capelle 
nicht zu erschliessen. 

M Wichner, A lll. 11 und S. 217, Nr. 35t>; 111. S. 392, Nr. 50K. 
Much. VI, 139, V. 346. 



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878 



zu besorgen sei nicht durch den Pfarrer allein, sondern durch diesen 
in Gemeinsamkeit mit Propst und Ortsgemeinde. 

Die Pröpste werden zu allen Zeiten hier starke Anforderungen 
gemacht haben, wie es dem Rufe der (iegend, den Einkünften der 
Lehen träger ^) und etwa auch dem Wohllehen der Werksherren 
zu entsprechen schien. Aber der niedere Seelsorger hatte zu allen 
Zeiten sein ziemlich schweres Brod, entsprechend dem wenig milden 
Klima und der weiten Zerstreuung der Bauern und Knappen in 
vielen Seitenthälern und (iraben. Wir kennen als solche Pröpste, 
lerner den Otto 1801, p:berhard (?) 1828 Wolfgang vor 1892 oder 
1896, Friedrich Kkker 13f)l— 71, Hans den Muleich, zuvor Vicar 
hierselbst, zugleich Amtsinhaber 1896 (es war Landrichter zu Kirch- 
heim im Jahre 1371 Dietrich von Sagritz), dann Berthold Fluder- 
meister 1411, Peter Türheimer f 142ü, Friedrich von Polan bis 1480, 
Leonhard (Kästner?) 1451, (ieorg Weger (von 1480: 1451) und 
Christoph von Grafendorf bei Lienz 1480 und 1452. Andreas Mtihl- 
hofer um 1466— 67, 1478, Dietrich Chatzel 1475, Deodat Feistritzer 
1493—97, Stefan Badl, Pächter 1476,-) Christan Pandorfer 1499 
(Bestandinhaber), endlich Jörg Malenteiner 1508 und Leonhard 
Katlishofer (Bestandinhaber 1519). Die Pachtsumme betrug (1452) 
in ungarischen Dukaten 150 Gulden. (1411) 160.(1-176) 116 Pfund, 
(1503) 124 Gulden rheinisch. 3) 

Wir dürften nicht Unrecht haben, auf einen Titular-Bischof 
besonderes Augenmerk zu werfen, Franz, Bischof von (Jallipolis, 
wdcher zu Admont die Propslei Kirchhein auf drei Jahre in Bestand 
erhalten hatte (1414), vor Ablauf derselben eine Pachtverlängerung 
aul neuerdings vier Jahre erzielte (1417) und die guto Pacht noch 
toctgeführt zu haben scheint, nachdem die salzburger Behörde 1419 
ilne Bedenken gegen die Verwaltung weltlicher (iüter durch den 
Clerus ausgesprochen hatte. M Der Bischof hat aul den Bau von 
iStuben und Keller im Propsteihofe Nennenswerthes verwendet. Ob 

h Zu Kirchheim und ReUenhach hatten im Jahre 1309 görztiroler 
Leliengiiter die Pregler zu Lienz, dann Freydank von Brauneck 1325, zu 
HottenJ>ach die Falkensteiner (im kirchhaimer Thal\ Murgot 1329, zu Kirchheim 
Chol von Flaschberg Heinz von Lavant 13 13, in der Zirknitz zu Kirchheim 
dif' Rossschapl Eidam 1339 Heinz Griesser zu Döllach, 1310. Af K. IX, S.97, 
W) f. Muchar VI, 188. 

') Muchar. Index 609, S. 90, 370. Wichner. IV. Index 693. 

3) Radis Vicare sind Andren Lcnjrwalder 14SH -28, Hs. Gürtler 1488—90. 

\ Wichner, 1414, 10. April. III. 133; S. 138, 142, 422, Index .059. IV, 
14, 49, 56. 75, Index 693. 



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374 

Solches auch dem zu Winters- und Sommerszeit hier arbeitenden 
Piarrer oder Vicare zu Gute gekommen, wissen wir nicht ausdrücklich 
zu berichten. Wohl hat auch noch Stephan Radi um 1476-78 eine 
neuen Stock mit 2 Gaden sammt Stall und Stadel nach dem Planen des 
Stidbaumeisters ausführen müssen. Es konnte aber gewiss dem 
Pfarrer freistehen, dafern er zu wenig Einkünfte hatte, entweder 
gleich seinem Vorgänger vor beiläufig 120 Jahren Streit zu erheben, 
oder aber einer alten Ortssage von einem verunglückten guten 
Menschen zum Frommen der Kirche aufzuhelfen. Dass die Gaben 
der Opfernden dem Ortspfarrer gehörten, war durch das alte Document, 
wit' wir gesehen haben, sichergestellt. Wir vermögen keine Namen 
zu nennen; soviel wir aber bislang aus Urkunden wissen, war es 
im Jahre 1430, 3. April, als der Gonventbruder von Sanct Peter zu 
Nfunichmünster. Friedrich von Polan (bei Schloss Katsch?) unter 
Mit Andreas von Admont die V^erwaltung der Propstei zu Sagritz 
lieiinsagte, dass zum ersten Male »der Ort Ze dem heiligen pluet« 
genannt wird, 'j 

Stiltadmontischo Unterthanen zum heiligen Blut im kirchheimer 
trerichte und solche auf dem Propsteihofe zu Sagritz waren es auch, 
um welcher willen Ikschwerde gegen die Vogteitührung der 
Fla<chberger Ritter angemeldet worden und eine Tagsatzung ge- 
iiulten zu Sachsenburg (145-.\ I.Jänner). Die alten Flahsperg halten 
Bchon vor 220 Jahren in der Gegend Besitz; zu Sagritz aber war 
der Streit geschlichtet worden zwischen dem Admonter Abte Con- 
rar] und den Görzer Ministerialen Gholo und Volkner über die 
Mukerniz-Wiese an den Alpen der Wenigen-Flize. -) Den Thurm 
zu VVinklern hatte 1457 inne Peter Turkens, darnach Wilhelm Graf 
Scher nberg, Pfleger zu Rastatt, Simon Khrel oder Kröll, Pfleger zu 
KuLenstein von Drauburg 14(S7, als dann Hans Daniel 1501. 

Zu Kirchheim und Sagritz war auch Leonhard Fresacher um 
Niil besitzend^), in der oberen Fresach und zu Döllach. 

Das Amt „Kirchaim zum heiligen Blut" hatte bis ins Jahr 
1474 Jacob von Ernau innegehabt, der Vicedom von Kärnten; nach 
diesem übernahm es bestandweise Lienhart Saldorffer von Kaiser 
Friedrich um 180 Pfund Pfennige jährlich**). 

1) Muchar G, d. Stink. VII, 213, Note 3. Urkunde CCC, 25, 2t); vergl, 
Vil. 38K. Urkunde M. 12. Wichner III, 187, Note 3. 

'') Meiller Salzb. Regest. 1-232, S. 254, Nr. 383, Segar. VI!l. 
h Muchar G. Stmk. VIIl. 21, A. f. K. VII. 108. 
*) Arch. f. K 120. Nr. 473, am 12. December. 



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.ksML 



37{> 

Die alte Ansiedelung an den hintersten Ber;4höhen der Moll 
recht eigentlich im Winkel, welche später ihren Kern in dem ganz 
kirchlich benamsten Heiligenblut erhalten hat, wird als ihr Orts- 
heil igthum in allerersten Zeiten die Briccius-Capelle besessen haben, 
sagen wir etw^a vor 1480 zurück, als auf tirolischer Seite schon 
standen die Kirchen St. Hupertus zu Kais, zu W. Matrei vor rJ76, 
Virgan um 1110. Diese Briccius-Capelle haben wir jetzt nur in der 
Neuherstellung vor uns am linken MöU-Ufer. etwa 1"., Stunden von 
Heiligenblut aufwärts, oberhalb der Häuser von Winkel, gegenüber 
liem Leiterbach-Falle, hoch gelegen Hy\2m, an einer Stelle, ehvor 
sich noch der Ausblick aufthut nach dem Glockner und weiterhin 
vor der Franz Josephs-Höhe. ') Hier ist der Schauplatz der den 
Pilger Briccius lödtenden Schneelawine, oder aus der Eis^^chlucht der 
Pasterze ist der Leichnam zuerst hieher gebracht worden? Man 
liest beides. „Die ursprüngliche Kirclve in Hl.-Blut soll die Briccius- 
Capelle gewesen und schon im Jahre 914 erbaut worden sein.*^ 
(Hohenauer S. 355). , Die Kirche in Hl. -Blut ist an Stelle der aUen 
Briccius-Capelle vor 914 gebaut worden'* (Oestr. Nat. - Encykl.) 
Sonach hätten wir eigentlich zwei alte Briccius-Capellen und sie 
wären gebaut unter dem salzburger Kirchenfürsten üdelbert, 
mindestens 29 1 Jahre später, als Sanct Hupertus aufgesucht worden 
sein soll. Das ist alles aus Bauresten und Urkunden nicht bewiesen. 
Indem wir auch die übrigen drei, jetzt zu Heiligenblut gehörenden 
Heilthümer (St. Martin in Pokhorn. St. Anton am Tabor zu 
Schachnern, Mariahill am (Jipper) nicht in Betracht zu ziehen 
haben, können wir von der heiligenbluter Kirche wohl mit ziemlicher 
Bestimmtheit sagen, dass sie als solche vor U25 nicht aufgebaut 
war, in dem Jahre als das Holzbild zu Rangersdorf gemalt ward, 
auch die gros.se Glocke (angeblich vor 1422) möchte aus einer 
alteren Kirche hergenommen sein. 

Nun m.'ig au( dem freivorstehenden Hügel — tief unter der 
Briccius-CapePe. wie ja die Urkirchen häufig höher versetzt werden — 
zwischen wenigen Häusern und Hütten allerdings im Jahre 1430 
schon ein Halbrundbau ohne Langhaus bestanden haben (etwa 
ähnlich jenem schon IVJQ errichteten zu Malentein. gotificiert 1482) 
und auch der Gruftbau darunter mit kürzerem Zugange. Alles das 
nicht etwa erst seit 50 Jahren, sondern ungefähr als Nachfolge 
eines unsicheren Holzbaues seit den Jahren 1380, nach dem Propst 

') Rabl Illustr. Führer durch Kärnten, Wien, 1884, S. 273; lllustr. 
Glocknerführer Wien. Amthor-Jahornegg. 



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376 

Lewe und vielleicht unter dem Vicar Hans Muhnt^j. AI [es nodi 
hübsch klein und sparsam. Aber der Bischof von (iallipoliif Fran- 
oiscus macht den Eindruck eines unternehmenden Herrn und vH- 
leicht hat er die richtigen Anregungen gegeben, ^owio er dm 
Propsteihof bis in den Keller erweiterte, dass Andrf* an dip heiligen- 
bluter Capelle schritten. Und nun heisst es ja, wie in dem elftehalb 
Stunden abgelegenen erzreichen Kais, Knappen hätten dir* prüdilige 
Kirche gebaut: also die Gemeinschaft der Berghorrert. der Betv- 
arbeiter, der Bergbauern. 

Noch fehlen darüber die Einzelbeweise. Aber uhne die An- 
regung einer Wallfahrerschaft ') ist eine BeischafTunjr von {ieldmilleln 
für die Dauer eines möglicherweise -1 0jährigen Bruph xur (Genüge 
nicht wohl zu denken. So wird denn in den Zwanzi^er-Jaliren des 
15. Jahrhunderts die einfache Volkssage vom verun^lüokit'ii irnnimen 
Manne der Bergknappen ihre historische F^inkleidun;^ erfahren ha\mi 
durch einen etwas weltkundigen, belesenen, dabei inleressierteri 
Kirchenmann, welchem die Wallfahrts-Ergebnisse von Maria-Zeil 
seit 1157, Gurk und Stein. M.-Saal. M.-Elend. Luschari etc\ bekannt 
waren, R]s erfolgten weitere Zuweisungen einflussreicht-r Leute, Spenden 
von Werksherren und Werksbeamten aus Salzburg, Tirol, Kürnlen, 
sammt den Pfennigen der Arbeiter, bis dass etwa um die Vierziger- 
Jahre der Grossbau für Schiff und Thurm in Jener Weise l>egoniieri 
werden konnte, wie er durch den Baumeister Hans Gueber von 
Sigmundskron bei Botzen seinen Abschluss golunden hat \m 
Jahre 1483 (nicht 1443). Man vergesse nicht: in diet^e ZeitUlultf 
fallt der Sturz Constantinopels 14Ö3, die Sophienkirebe wird Moschee. 
Es ist nun eigenthümlich, dass die Einweihung dieses Kunsttempeb 
im Goldberg-Thale durchgeführt worden ist gerade ein .lalir vor 
der Rlntdeckung Amerikas, welche gewöhnlich als Miliir:?iache der 
Herabdrückung europäischer Goldpreise angegeben wird. Im Jahre 1401 
consecrirte auf Anordnung des salzburger Erzbischofes Friedrich 
Grafen von Schaumburg der SufTragan von Brixen, Blsdiol Conrad 
von Belluno, das architektonische Kleinod des Möllthales und empfahl 
die Kirche St. Vincenz zum heiligen Blute fernerhin der obfirbiiiJichen 
Leitung von Sagritz. Es scheint nun 1496 zunächst nachgefolgt zu 
sein die grosse gotische Säule mit pyramidenförmiger Krönunji. 
richtig gesagt, das Sacrament-Häuschen links vom Hochaltar im 
dritten Chorjoche, marmorartiger Kalkstein, oben dunkler TufT, ein 

») Hohenauer K. G., S. Briccius, S. 240. 



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(eines zierreiches Werk üppiger Gotik mit weitläufiger Kleinarbeit. 
Die.<es enthält nun einerseits die Phiole mit dem heiligen Blute (unsere.'^ 
Wissens das (ilas in Bezug auf alte Erzeugung.sart, entsprechende 
Form, des V. bis IX. Jahrhunderts, Serum- und Cruor-Inhalt nidil 
untersucht), andererseits die erste bekannte, bildliche Darstellunu^ 
von S. Briccius mit dem wunden Fusse, oben in sinnvoller Paralli^li 
der sich verblutende Pelikan, nebst einem Engel. Nun folgt (U-i- 
grosse Schnitzaltar, auf der Rückseite architektonisch bemalt, in den 
Mittelfeldern neben de.i grossen Gestalten von S. Petrus, Vincentius 
auch S. Briccius zeigend, eine Gesellenarbeit unter Wolf gang Hai kr 
(wohl aus Brixen) im Jahre 15-0. Der kleinere, spätere Schnilz- 
altar weist im Mittelfelde links S. Briccius in der Tracht dci^ 
XVI. Jahrhunderts, mit den drei Aehren und dem l^osenkranze neben i 
Daniel mit dem Löwen. Die schönen Eisenarbeiten mit dem östreichor 
I Balken-schild. dem Lilien-Ornament gehen vor 1430 nicht zurück ) 
I Ueher den Inhalt der Gruft ist uns von anthropologischer Seite gar 
* nichts bekannt. 

Ohne die weitere bauliche Entwickelung der heiligenbluler 
Kirche zu verfolgen, streifen wir hier nur die Frage, dass Sand 
Vincentius als Kirchenpatron wohl früher gewählt worden seia. 
als Briccius mit einem Theile der Kirche geehrt worden ist. Soviel 
l>ekannt, wird ein approbirter Gedenktag für Briccius nicht ge 
gefeiert,") wohl aber für V^incentius, w-elches Namens seit dfir 
Zeiten um 302 bis 1419 und 15(35 in der Heiligenliste 24 stehen, 
der 22. Jänner. Nirgend ist sonst in den Alpenländern eine Briccius- 

\ Kirche oder -Capelle bekannt oder eine bildliche Wiedergabe der 
Legende nachgewiesen, dahingegen, wenn etwa ein Römerstein oder 
eine Besitz-Urkunde Veranlassung gegeben haben sollte zur Hc^j-- 
Stellung des Namens, die Bezeichnungen Briccon bei Greifenbuifj, 

i Hriccio bei Preims, Brigius, Brigia, Bricosis. Bricanius. Brigantinius, 
Atbricantia .sonst wo in Norico - Pannonien bekannt sind, so giif 
wie der Döllacher Adnamius, endlich auch Pricco ein Salzburgs 
Ministerial um 1125, Bricco cognomine Wecil ein Zeuge zu Friesatti 

> MiUh. d. CG. Bd. IKi, 1, 1-20. u. f. S. CXXXV.II; Bd. 9 u. f. S. XLIHl 
^ Bd. n. S. Kun-t-Topogr. v. K. I. S. 103-1()(). 

\ -} Urkundlich steht der 13. Novemher fest als unheweuliclier Heiligent-ii^ 

f für Brircus. Briccentag. Bricentag. Brigenestag. Brizzentag. laut Haltaus. Wri- 
\ denbach. Grotefend: Leist 214. Die hisher bekannte älteste Vornamen-Anweii- 
, düng findet sich auf einem Friesacher Grabsteine \42J. Bricc.us Pawnigartingrr 

(Milth C. C 1881. S J>8j. 



I 

L 



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1 



\\:\\) lieisst. ') Alle:? dessen oder soweit man davon Kenntnis 
Iui1.h\ wird man sich knapp vor 1430 erinnert haben. 

Die Früchte solcher Bestrebungen reiften noch mehr in den 
Zrili^M, als das Amt Kirchheim versetzt war an Julian Graf 
Liulron (IÖ04. 1, Mai) als das geistliche Fropsteigut von Sagritz 
\V( 11 i;ir Tutens theilweise an das Millstätter-Stilt überging (vor 
ihIci- nach 1524), und endlich kautweisö um 2640 fl. rheinisch, vom 
Lirn-k-^Iürsten als Türkensteuer eingezogen, übergeben ward an 
Sü^unuind von Dietrichstein, Landeshauptmann in Steiermark,*) als 
all hl f.ehenschafl gedieh, nach Franz von Lueg, an Oswald von 
llnlintburg^) (1539), endlich zumeist als Christoph Weitmoser zu 
Wirikt'L Bergherr in Gastein und Rauris, königlicher Rath, die Herr- 
^(*iiu!1(m Kirchheim und Falkenstein kaufte um 2000fl. (Jahr löoo^). 

Sebastian von Leomüllern, zuvor bamberger Amtmann in 
Villris fk sass als Amt- und Landrichter zu Grosskirchheim (bis 1629), 
vt'rntijililich nach dem Amimanne Georg Stainer, dem Sohne des 
filror 1566 hinaus lebenden kaiserlichen Quartiermeisters Joseph 
SlaitM'i'. In den Berg- und Schmelzwerken zu Grosskirchheim aber 
wiilMHra als Besitzer Hans Mathias von Steinberg au( Kolmiz, dann Karl 
vtm IViembach, x^braham Katzbeck, ob in Compagnie oder als Ab- 
Umr liimmelbergischer Antheile 1499, etwa auch Putzischer, in welcher 
ZuHnh^e nacheinander, bleibt erst zu erweisen. Des Steinbei^g 
TiH lilrr Barbara hatte von ihres Vaters Werksrenten in Tirol und 
Kririil* u w^ohl ihrem Manne Veit Fächer Namhaftes zugebracht 
inn! TT half zunächst als Bergwerks- und Schmelzmeister zu Gross- 
ki »vh Im -im den Obengenannten verdienen, bearbeitete aber nach 
Anllii-sung der Grossarbeit selber das Gold- und Silberwerk an der 
Gnlcl/;('die um 1600 — 1642. »Von 1642 bis 1076 betrieben seine 
Wilvvi' und beiden Söhne (Mathias, Christoph) den Bau, doch setzten 
<[i' i\ii^ Ihrige bei der Jännerischen Gewerkschaft erfolglos zu.**') 
Dts ) laller Satzschreibers Aicher Söhne als kaiserliche Mauthein- 
iichiiMT walteten Hans zu DöUach, Georg Christoph zu Winklern 

') Keltische in Af. K. Xll. Sep.-Abdr. S. Zahn Urkdh. I. 59 Note 22.. 
llltli. is^j. 

j 1529 4. December Wichner 52ö,79. Oswald v Hohenburg, Pächter bis 
iJ \firil 1524, Christoph Freiberger Afterpächter 1525 mit 79 Sptbr. von Pächter 
hirhh h3tein. 132 Pfd. jährlich. 
J A. f. K. II. 44. 
U Muchar GSt. VIII. 53(j. 
') Hildebrandt. Der Kärntner Adel. 1879 S. 186. 



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879 

(geadelt 1677 ^'\ Als Nachfolger der Pulz traten die FromüUer ein 
etwa um 1676, und ist Joseph Benedikt ob seiner Verdienste in 
oeconomicis als edler Herr zu Weidenburg und in (Trosskirchheim 
gefreit worden (1705). DieGangl in ihren Werkshäusern und Höfen ge- 
hörten wohl zur Familie jener (längl von Ehrenwert, welche tapfere 
Kämpler gegen die Türken stellte und mit Rudolph (1700 1. Ober- 
gegenschreiben der Mauth zu Pontafel) gerittert ist 170J. Von den 
k. k. Bergrichtern und Waldmeistern für Oberkärnten wie Wol- 
tereher bis 1650. Hans Mathias Pacher bis 1(582, Georg Friedrich 
Fächer 1^82—1718. (ieorg Joseph 173S. ist der eine oder andere 
der Ciegend wichtig geworden, .so zuletzt Joseph von Pacher, Kameral- 
Muuthner und Steuereinnehmer in (irosskirchheim (bis 1757). 

Endlich hatten auch die Litzelhofer hier ihren Ansitz: orten- 
burger Adelsleute, vermuthlich die nächsten Angehörigen des Wil- 
helm Litzelhofer, salzburger Vasallen um 16:];'). Den Propsthof oder 
Litzelhof zu Sagritz halte 1620 Märt Slrasser von den verarmten 
Putz gekauft, mit d(T St rasser-Tochter erbte dieselben sodann 
Bernhard der Himmelberger. 

Zu alle den Wohnbauten mit den Wappenzeichen und Werks- 
häusern fehlt in diesem Erdenwinkel auch endlich nicht das Bitter- 
schloss. Kirchheimeck heist es gegenwärtig, als Buine einer Berg- 
warte und derart war sie schon vor 200 Jahren zu sehen in 
Valvasors Bilde. Um 158:^ bis 1605 scheint diese Veste noch 
bewohnt gewesen zu sein, durch die Familie Putz; die hierorts 
arbeitenden Putz besassen auch Bleiwerks-Antheile in den villaclier 
Bergen und schenkten dieselben ihren Brüdern, Schlossherren zu 
Pitzelstätten und Münzmeistern zu Stadt St. Veit (1605 -). Weiter- 
zurück hatte sie wohl der jeweilige Gerichtsbesitzer zu eigen, 
jedoch gewiss geht die Baute über das 11. Jahrhundert zurück. 
Wie als Bethaus der Evangelischen verwendet um 1540 (als die Brüder 
Kirchberg den Freischurf an 141 Gruben einleiteten) l)is 1600, so 
wird sie in arbeitsameren und lohnenderen Zeiten das Heim eines 
nicht bis in die Brieladels - Epoche fortgesetzten Geschlechtes vor- 
gestellt haben, wohl auch die Schutzwehr für die einst bedeut- 
!?amere Strasse nach dem und aus dem Kirchheimerthale, darin 

') Hildebrandt S. 133. Ein Putzenhof auch bei Strassbiirg, einer bei 
firafenstein (Riedenegg). 

') Nach Hohenwarths und Ployers Fragmenten S. 48 Schultes Reise 2, 
19. Melchior Putz 1607, Klagenfurt und Laibacli :7lS3, Münzmeister zu Klagen- 
furt. iCar. 1883. Nr. 12). 



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A 



die Hezeichnungen eines »grossen« Kirchheim, wie ZirkniU^, GNickner 
u. dgl. an irgend etwas Altheiliges gemahnen. Wie immer es um 
ein Castell hier oder beim Taber in der Fleuss. um eine uralte 
Beisetz-Stätte bei den aperen Abhängen von Pasterzen herab 
bestellt gewesen sein mag, jedenfalls war hier vtjn den j;Uiriich aus 
Kärnten gewonnenen 14.000 Mark (Joldes (sc^vjel noch im l:"* . 
1 6..lahrhunderte) der allermeiste Theil zu schützen. Denn hier gowann 
man dies verlockende Metall, im Untermöllthale und niinhst diesem 
im Drauthale in folgenden Orten: ') Um Grosskirttlilieim schon 144G: 
Am Kloben, in (luetthal, Ochslingerzech. (lOldzech, HiHtenhis. PilaUis- 
see, Modereck, ({ross- und Mittelleiten: 

An der Pasterze, im Chloritschiefer, des allenil testen Tierg* 
baue^ Reste liegen wahi*scheinlich unter dem Kec*H ; 

In der (lössnitz bei Whikel: 

Auf den Trögern: 

In der Fleuss, der grossen, der kleinen (Flize, Fleize 
Veluz): des Baches (loldsand rührt aus der (;oldzec:he. deren 
tinibenhaus 2740 m über dem Meere steht, die Steile anEceblich 
sciion römerzeitlich ausgenützt : 

Im Zirknitzthal. dem grossen, dem kleinen, aueli Silber- 
gewinn; 

In der Seeleiten, 

Am Waschgang oberlialb Döllach. aut der Alpe dicht untPr 
der Schneegrenze: daher zu Wien eine (loldstufe, die 94 Duealen 
aufwiegt. 

Auf der Geisbachalm, noch 1784 arbeiteten da 40 Knappen. 

Oslenthal-Zirknitzthal. unter dem Uebergange. beim Stellkopl, 
(ioldberg oder Fraganten tauern : ferner zu 

Ot)ervellach, Umgebung : 

In dem Siflitz, Drauthal; 

Steinfeld bei Sachsenburg, zwischen da und Ling l>ei 
Lengholz. 

Im Feistritzthale des Malta-Gebietes bei (imünd und im 
Hadlgraben, endlich 

nächst Tragin bei Patern ion. 

') nrunlechner. Minerale Kärnlhens 1884. S. 45. 130; Hacquet S. 52: S^ihültea 
\\\K 40, 47— .')(). :')(). III. \\S\ Friedrich Constanlin Fhr. v. Beusl in Oeslerr. 
Zlijrl^rft. f. Berg- und Hüttw. 1.S88. Nov. Seeland und Kaiiier Vortrage am 
Wiener Bergmannstage 1888. Hering zu Freiburg in Zeitsd;rft. f, Krystallü|rrp 
Uipzig ISS . Nr. 17. lüiittel Cullurbilder 1889 S. 120. 



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3BI 

Böderzeche bei Kirchbach, 

Walzentratten bei St. Lorenzen im Gitschthale. 

Steinbüchl bei Stadt Sanct Veit (Bergknappenkirche Sanel 
Niklas) wie zu Rheinthal, schliesslich im 

Kliening-Graben bei St. Leonhard im Lavantthale. 

Sowohl die erstgenannten Stellen als die ganze Ratiris, 
nächst dem Badhausberg, an der Schlapper-Ebene*) sind betnifTeu. 
wenn von der Wiederaufnahme des Goldbergbaues in den Tai k in 
mächtige Rede geht in Buch werken und in öffentlichen Versammlung^' n. 
Neuestens hat der genaue Kenner seines Heimatlandes, Prof. Sl^ni- 
wender, im österreichischen Parlamente die Idealisten der Spar- 
samkeit, soiveit diese Tugend für West-Oesterreich geübt wird, iort- 
gerissen zur Begeisterung für den Märchenschatz der alten H^^^ch- 
weft und auch ausserhalb Oesterreichs wird der wohlbegründetmi 
Meinung Ausdruck gegeben, da der Staat durch seine gewalL^amt* 
kirchliche Gegenreformation mit weltlichen Mitteln den grÜM-tt^n 
Theil der bergwerklichen und hausindustriellen Verödung des oi*pr- 
kämtischen Goldgebietes verschuldet habe, sei er auch zu aüt^- 
meist verpflichtet, mit den technischen Kraftmitteln der Neiizf^iL 
das ererbte Uebel auszutilgen. Dass die Welt keineswegs hier mit 
Brettern verschls^en sei. wo allerdings der Weltdraht in eine Sack- 
gasse zu verlaufen scheint, beweisen die noch vor 80 Jahren ;iul 
j^össeren Strecken ersichtlichen Slrassenreste nach dem Leilor- 
bache: die Ruinen eines besseren Weges, als der jetzigeist, macUh'ji 
das für Schultes-) deutlich und ein noch weit schönerer AVt"/, 
der dort, wo man jetzt auf den Glockner steigt, mit vieler Mülir 
in die Felsen gehauen ist, scheint wahrscheinlich zu einem analen! 
Zwecke bestimmt gewesen zu sein, als um Kühe auf die AIjjcii 
zu treiben. Wie immer auch die Verbindung zum Kaiser Thale Iut- 
gestellt war, es gibt wahrhaftig fast nach allen Seiten Durchbniclu 
um nach Norden zu gelangen, so dass der Satz aufgestellt wert^oti 
konnte (Adresse Staatsbahn, Südbahn): Der nächste Weg vnn 
Deutschland nach Italien geht über den Heiligenbluter -Tauern 'J. 
Uad noch früher hat Baron Dedovich oberhalb Heiligenbhit^i diu 
Spuren eines Römerweges aufgefunden, als er von Staatswegen auf- 
zusuchen hatte — den nächsten Verbindungsweg zwischen Italien himJ 

^) Aehnlich benannt der Möllfall Zlap, Stadt Zlap in Krain ISOj. Vi»i- 
thaler. Reisen, Salzburg 1799 T. 303. .307, 
«) Reise II. 17 -19. 214. 
*) Schuhes Reise 11. 17, Note c Schiuss 18. 

Mitth. d. k. k. Geogr. (Je». 1889. 6 u 7. 26 



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882 

Deutschland. Und noch früher hat Homann auf seiner Nürnberger 
Karte von Kärnten (1747) die deutliche Strasse, wie von Ober- 
vellach und Winklern herauf (ohne Rücksicht auf den Iselsberg), 
auch noch nordöstlich von »Zum Heil. Bluet« forlauten lassen 
»zwischen dem Kloben und hohen Ohren in die Rauris*. Und je 
lebensvoller der Einblick von Jahrhundert zu Jahrhundert sich ge- 
staltet, wo jetzt Armuth und Beschränkung herrscht, blanke Felsöden 
und Wasserrunsen vorrücken in das nur sommerzeitlich etwas rege 
Thal desto verständlicher wird unserer Phantasie der stille Wanderer 
aus Byzanz, der den nächsten Weg aus Italien nach Deutschland 
geht. Er hat nichts mit dem Golde zu schaffen, das unter seinen 
Sohlen aufblüht in reichlichen verdeckten, verlockenden Adern, 
nicht ein Stäubchen davon hat ihm die Sage angeweht. Er wandert 
nur einer christlichen Idee nach. Darum ist er auch zu Grunde 
gegangen. Wir aber, freie Söhne der Neuzeit, wir wollen leben, 
dazu genügen nicht drei hagere Aehren, aus der Hand aufsprossend, 
dazu taugt nur Gold und aber rothes Gold. 



Die Trias der Sehulkarten von Niederösterreieh. 

(Handharte in 1 : 750000, Wandkarte und Reliefkarte in 1 : 150.000 der Natur 
Von Anton Steinhäuser. 

Die Handkarte und Wandkarte sind Erzeugnisse des k. k. mil.- 
geogr. Instituts, mit Einflussnahme des k. k. Landesschul-Inspectors 
Dr. C. Schober, die Reliefkarte ist eine Arbeit des k. k. Ober- 
I.ieutenant G. Guttenbrunner. Alle stehen in einiger Verbindung, ins- 
besondere verhält sich die erste zur zweiten wie ein Original zu 
einer fünfmal grösseren Copie. 

Die Hand karte, ein Biatt in klein Folio, ist in ihrer 
Grundlage (Flussgerippe und Terrain) der älteren Karte von Mittel- 
Europa (des k. k. mil.-geogr. Inst.) entnommen; hinzugetreten sind 
Eisenbahnen (Zinnober), Chausseen in feinen Linien, eine massige Zahl 
wichtigerer Orte in guter Auswahl (Anfangsbuchstaben gross, das 
übrige klein in Haarschrift), und zur Unterstützung der Veran- 
schaulichung der Höhenlage eine Anzahl von Farbentönen für sieben 
Erhebungsstufen, die aufRillig Tiefland, Stufenland, Hochland, anderer- 
seits Hügelland, ßergiand und Alpenregion auf den ersten Blick unter- 
scheiden lassen. 

Die Karte bietet demnach eine allgemeine Uebersicht der 
physischen Landesbeschaffenheit, gut geeignet richtige Vorstellungen 



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383 



bei dem Beschauer zu erzeugen, und auf diese Art den Unterricht 
bestens zu unterstützen. Doch dürften die Meinungen getheilt sein, 
wenn die Frage gestellt wird, ob es gut war die Schichtenfärbung 
nur innerhalb der Landesgrenze durchzuführen, und in den an- 
stossenden Gegenden mit den Höhenzahlen der Hauptgipfel sich zu 
begnügen. Fast überrascht es, den Meridian von Greenwich auf 
einer österreichisch-ungarischen Schulkarte anzutreffen. Vielleicht 
kömmt mit den Jahren auch eine Bezifferung nach (ireenwicher Zeit 
dazu, wenn die geplante Weltzeit einst praktischen Boden finden wird. 
In der unteren Ecke rechts bringt eine Nebenkarte in fünffacher 
Vergrösserung des Massstabs (in '/,5ooo») die Umgebung von Wien im 
Farbendrucke zur Anschauung und gibt dem Anfanger Gelegenheit 
die Signaturen topographischer Karten kennen zu lernen. Der geringe 
Preis (10 kr.) ermöglicht auch dem Unbemittelten die Anschaffung. 

Die Wandkarte gewährt auf ihrer gewaltigen Fläche von 
1*4 Quadratmeter dasselbe Bild im (Crossen, das die Handkarle im 
kleinen bietet. Diese Harmonie ist gewiss vortheilhaft für Lehrer 
und Schüler; sie beruht auf den Fortschritten der neueren Technik 
auf photographischem Wege ein gegebenes Original beliebig zu ver- 
kleinern oder (wie hier geschehen i zu vergrössern. Nur die Umgebung 
von Wien ist keine Vergrösserung der Handkarte, sondern die 
Reproduction eines anderen Originals, reducirt auf den Massstab 
von Vst^ono d^^ Natur. Für die Bedürfnisse der Schulen in Bezug 
auf die Haupttypen der Bodenerhebung und ihre locale Vertheilung 
wäre. mit diesen zwei Karten gesorgt, wo einfache Mittel mit einer 
leicht verständlichen Darstellungsweise sich verbinden und bei der 
Kleijiheit des Landes häufig durch Naturanschauung nachgeholfen 
werden kann. Für die specielle Heimatkunde sorgen in mehreren 
Landestheilen Schulbezirskarten grossen Massstabs. 

Die Reliefkarte von G. Guttenbrunner hat gleichen Mass- 
stab mit der Wandkarte, und kömmt ihr durch Schrift und das Terrain- 
delail so nahe, dass sie sich weniger in der Hauptsache, als in 
Nebendingen von ihr unterscheidet, z. B. durch einen etwas enger 
gezogenen Rahmen, durch das W(^gblei})en der Umgebungskarte, der 
ErklärufiL.<'n, aber auch der Schichtenfärbung. Die Stelle der Terrain- 
zeichnung nimmt die plastische Ausführung ein, die, weil ohne 
üeberhöhung ausgeführt, in dieser Verkleinerung und bei den 
verhältnissmässig nicht bedeutenden Höhen einen imposanten 
Eindruck zu machen nicht vermag. Das Relief überrascht mehr 
durch die Nichterfüllung höher gespannter Erwartungen, als durch 

' 26* 



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384 

das der Natur näher stehende Bild, das an vielen Stellen trostlos 
monoton erscheint, weil die ündulation um + 1 Millimeter sich 
nicht hinlänglich merkbar macht. Soll aber, um einen grösseren 
Effect zu erzielen, die Höhe verdoppelt, vervierfacht, verfünffacht 
werden? Mit nichten. 

Man bedenke nur die Folgen der Ueberhöhung in einzebien 
Fällen, z. B. man hat. um das Hochland von Obermanhartsberg 
recht deutlich vortreten zu machen, fünfmalige Erhöhung eingeführt. 
Natürlich müssen die Alpen ebenfalls fünfmal höher gemacht werden, 
der Schneeberg, die Rax z. B. um 1500 Meter noch höher als der 
höchste Gipfel des Himalaia, der Gaurisankar! Und wie steht es 
mit den Böschungswinkeln? Wie mit dem Pressen so steiler Wände 
wie sie nothwendig entstehen müssten? 

Was bei Profilen angeht, die zu technischen Zwecken dienen, 
oder zum Vergleiche von Höhen unter sich, das kann nicht auf 
Länderreliefs übertragen werden, und dann schon gar nicht, wenn 
man die Erhebungen in dem Verhältnisse betrachtet, das sie zur 
Erdkrümmung haben. Bei Niederösterreich ist das letztere Verhältniss 
zu unbedeutend, um in Betrachtung zu kommen. Die Reliefkarte 
würde in der Mitte um ca. 3 Millimeter gehoben werden, während 
ihre vier Ecken den Untersatz tangiren. Geht die Forderung der 
Naturannäherung bis zur Aehnlichkeit individueller Berggesfalten, 
was bei grossem Massstabe kein übertriebenes Verlangen ist, dann 
wäre jede Ueberhöhung ein arger Fehler und das Naturbild 
würde zur Carricatur. 

Eine andere Ansicht hätte mehr Berechtigung beachtet zu 
werden, nämlich ob es nicht dem Reliefe zum Vortheile gereicht 
hätte, von der Wandkarte auch die Farbenschichten herüber zu 
nehmen, um durch die grellere Sonderung von Höhe und Tiefe 
die plastische Wirkung zu verstärken. Freilich würde die Colorirung 
eines^ jeden einzelnen Exemplares die Kosten namhaft erhöht haben, 
(iuttenbrunner's Erfindung. Karten auf dünne Kautschukblätter zu 
drucken und dann in Reliefs zu verwandeln, konnte bei diesen 
Dimensionen nicht zur Anwendung kommen. 

Es gibt noch viele Personen, die von den Wirkungen der 
Kartenreduction noch keine klare Vorstellung haben, eben so wenig 
von den Schwierigkeiten der Darstellung von Erhebungen, die von der 
Natur stellenweise in grosser Ausdehnung angehäuft sind, und deren 
Wiedergabe bald nach Quantität, bald nach Qualität, bald nach 
beiden unter gegebenen Massstäben eine Unmöglichkeit ist Daher 



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:^85 



so häufig schiefe ürtheile über Zeiclinung oder Plastik, wenn sie 
der vorgefassten Meinung nicht entsprechen. Nicht selten wird auf 
die relative Höhe ganz vergessen, und dieselbe nicht abgezogen, 
wenn ein Berg zu niedrig scheint, und doch in richtiger Höhe 
aufgetragen ist. 

Nehmen wir z. B. den Leopoldsberg bei Wien, Höhe 428 Meter 
Basis Donau am Fusse 165 Meter. Im Massstabe von * ,50^00 der 
Natur sind 150 Meter = 1 Millimeter. Also Leopoldsberg hoch 
2-9 Millimeter, relative Höhe (2-9 - 11) 18 MilUmeter! Wie un- 
bedeutend und" niedrig muss er dem Auji^o erscheinen, das ihn 
obendrein hoch von oben betrachtet und nicht in horizontaler 
Richtung! 

Diese winzigen Dimensionen sind es, die den Eindruck der 
Verflachung erzeugen, obgleich dieser Eindruck, vielleicht noch viel 
stärker, sich orgeben würde, wenn man sich über die Erde so hoch 
erheben könnte, dass der Ueberblick ganz Niederösterreich umfasst. 

Der Massstab von '/,r.,ooü ^^^ Natur ist noch gross genug, 
um charakteristische Hauptzüge der Bodengestalt. Platten, Kahr'e, 
Schneiden, Flachrücken, Delileen, erkennbar auszudrücken : erst 
wenn es in die millionenmalige Verkleinerung geht, wird die Plastik 
nur ein allgemeines Zeichen und steht hinter jeder angemessenen 
Schraffirung zurück. Das Relief von Niederösterreich liegt noch weit 
innerhalb dieser Grenze. 

Die Vorwürfe, die man gegen dasselbe von diesem Standpunkte 
erhebpn mag, wären ungerecht; man kann eher sagen, das Relief 
habe das Verdienst falsche Vorstellungen zu corrigiren, und schon 
in dieser Bf'zif^iuni-', wenn es keine anderen gebe, würde es einen 
Platz in der Schule verdienen, vorausgesetzt, dass ein Lehrer vor- 
handen ist. der eit zur richtigen Zeit und auf richtige Weise zu 
verwenden versteht 



Karte des miltleren Congo. 

Von Paul L II II sr li a II 8. 

(Hieizu Tafel XX). 

Die vor! ie^endti Karte bildet das zweite Blatt der Baumann'schen 
Aialnahme des mittleren Congo (Blatt I. s. Mittheilungen der k. k. 
Geographischen Gesellschaft, Wien 188S, Tafel VlIIj. Das zweite 
Blatt enthält den Congolauf von Bunga bis Losengo in zwei Ab- 
^hnitten. Bis zur Äequatorstation diente die Rouvi^rsche Aufnahme 



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als? (inindlage, für das Bangala-(Liboko-) Land die Karte Coquilhals^) 
Es ist einleuchtend, dass dieser erste Versuch, den gewaltigen Mittel- 
laul ties Congo in grossem Maasstabe darzustellen, nur die Grund- 
lage lür zahlreiche Ergänzungen und Berichtigungen bieten kann. 
Weiss doch der Reisende häufig selbst nicht, ob das Ufer, längs 
dessen er hinfährt, dem Festlande angehört oder den unzähligen 
Inseln, Mit Recht sagt de Brazza in einem Briefe aus Madiville 
vom 24. Mai 1885: ^^Le Congo est un vrai labyrinthe sans fin 
la carte dötaill^e n'en sera pas faite avant un demi-siecle.« Aber 
ein Anfang ist doch wenigstens gemacht. 

Die in den Rahmen des Blattes fallenden astronomisch be- 
stiininlen Punkte finden sich auf der Karte verzeichnet: lur die 
Bangala-Station wurde die Position Coquilhats angenommen. Auch 
für dies zweite Blatt wurden die Aufnahmen früherer und späterer 
Reisen zu Rate gezogen und benützt. 

Für den ersten Abschnitt (Bunga-Bungata) lagen 15 Blätter 
Baumanfi'scher Handzeichnungen vor. für den zweiten (Lulanga- 
Lot^aigo) 12. 

Die zu vorliegendem Blatte gehörigen Höhenzahlen sind folgende: 

Lukolela 830 m 

Ngombe 295 > 

Aequator . . 307 » 

Uranga .... . 287 » 

Bangala-Station ... 826 » 



Kleinere Mittheilungen und Monatsbericht. 

Europa. 

Das Petrolcuiiivorkoiiniieii am Tegreriisee. Die Petroleumquelle am 
Wesliifer des Tegernsee's wird schon im Jahre 1450 urkundlich erwähnt 
Mochte die ursprüngliche Menge der Jahreslieferung etwa 400 Liter betragen 
haben, so hob sich dieselbe im Jahre 1883 als eine Anzahl von leider nicht 
besonders tiefen Bohrlöchern niedergestossen worden war, auf 1::00 Gtr.. um 
jetforli schon im Jahre 1880 wieder auf 475 Gtr. zu sinken. Trotz des hohen 
tpclinisohen Werlhes des Tegernseeer Oels, welches in seiner Qualität dem 
ptninsy Ivanischen nahe steht, liess sich daher keine grössere industrielle Unter- 
nehmung darauf gründen. Bemerkenswerth ist es. dass auch im Tegernsee 
»elhsl — u. zw. hauptsächlich in einer der Längenei Streckung des Sees ent- 

') Camille Coquilhat, Sur le Haut-Congo, Paris 1888; auch Mouvemenl 
Geographique 1885, p. 91. 



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,jAä- 



S87 

sprechenden Richtung — Erdöl aufsteigt. An solchen Stellen stoigen Gashlaseu 
auf und auf der Oberfläche des Wassers breitet sich ein dtinness in irisirenden 
Farben spielendes Häutchen aus. Zu einer prachtvollen Erschpinunr j^esLaltet 
sich dieses Hervorquellen von Oel und Gas. sobald der See sich mit einer 
Eisrinde bedeckt. Auf einem Zuge von mehr als 1000 wi Länge ist das Eis voll 
von Gasblasen, die wie IJlirgläser in einander geschachtelt sind. Die Blasen 
sind mit Kohlenwasserstoff gerdllt und die Wände mit ert^tarrtem fioli>f*n 
Petroleum bedeckt An einzelnen Stellen finden sich offen«' Irii'h^rrürnüge 
Ijöcher im Eise. Das erstarrte Oel, das die Wände dieser Trichter aiiükleidel, 
liefert den Umwohnern ihren Bedarf an Wagenschmiere 

Zweifellos entstammt auch das Tegernseeer Oel dorn Hutizonfc der 
bituminösen Schiefer, die im Hauptdolomit und im Dachsleinkalk an so vi^^len 
Orten des bayrischen und nordtirolischen Alpengebiets auftrcien. Es ist ja 
bekannt, zu welch' hoher industrieller Wichtigkeit neuerdings der Asphalt schiefer 
von Seefeld durch die Jchthyolerzeugung gelangt ist. (v. GündH, Nantiträir« 
zur geognostischen Beschreibung des bayerischen Alpengebirges ü(K:igiios tische 
Jahreshefte, l. 1883) 

I>i« Ablacreroiitieii am Boden <ler tiefsteu Stelle <lcs KI>ii)|i!4Hei'a, 

Im Winter 187172 wurden aus 1^8 »i Tiefe am sogenannten MitUihiig Urulfn- 
proben genommen, die Gümbel untersuchte und nun in den oben rTWäliutiin 
..Nachträgen" beschreibt. In dem Schlamme wiegen selbstverslaJidlich Hrurli- 
stücke von den sedimentären Gesteinen der Umgebung des S^rs weitaus vur. 
Daneben finden sich aber auch Quarzkörner, Thonflocken, GUmiuerplMtlchcn. 
Magneteisen, Zirkon, Turmalin etc.. die auf Herkunft aus dt^in iTjtfi^hirge 
deuten. Gümljel lässt es dahin gestellt, ob diese BestandUieile ana diMii 
erratischen Schutt eingeschwemmt, oder aus dem auf den Hötieri de^ Kalk- 
gebirges in reichlicher Menge abgesetzten Urgebirgsstaub in Hi-n Soe gewollt 
worden sind. Unter den im Tiefenschlamm sehr spärlich verlretein^n organinchen 
Resten übenÄ'iegen Holzstücke. Asttheile und Nadeln von (^onilcren, Verpinxclt 
finden sich Käferflügel un.l Knochensplitter. 

Erdbeben Im Voirtlanil. Das Vogtland wurde am 26. DecemLer ls>J8 
von einer ziemhch heftigen Erderschütterung betroffen Die rilngsaxe il<!fi 
Erschutterungsareals lag in ostnordöstlicher, also in erzgebirgi sicher Rictilung, 
somit in der Richtung der auch im Vogtlande vorherrschenden Satlelun^eii 
und Yerwe.'fungen. Ein besonderes Interesse bot dieses ErdbL^ieii dan-h den 
Umstand, dass die Eidbewegung die im vogtländisch-erzgebirgisrhen Schirhfrn- 
gebiet gelegenen Granitmassivs entweder ganz verschont oder docli nur nf'ht 
schwach betroffen hat, während die benachbarten Schiefergehieto heftig er- 
schüttertwurden. Offenbar haben sich die im Schiefer erzeugten Erdhr^bpn wellen 
an den Granitmassivs gebrochen (H Credner, Sitz.-Ber. der k. sächa Gps- 
d. Wiss., Math.-phys. Gl. Sitzung vom 11. Februar 1889.) 

Gewicht und Werlli ilen Londoner Kauelies. Proft'ssor rimndler 
Roberts schätzt das Gewicht der Rauchwolke, welche Tag für Tnj: über l^ondon 
hängt, auf etwa 300 Tonnen. Der directe Werth der Kohle, wclrhe auf diese 
Weise verlorengeht, lässt sich auf 2' '^ Millionen Pfund schätzen. Hie^u komnn-n 
mehr als 300. (XX) Pfund indirecten Verlustes an Transport-. lieuii^ungökurileri 



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utiii dergleichen, endlich '2 Millionen Pfund als jährlicher Betrag des Schadens. 
ü^n die raucherfSllte Atmosphäre anrichtet. Alles zusammengenommen bedeutet 
also der Londoner Rauch einen ökonomischen Verlust von etwa V/^ Millionen 
Tfund. iSciehce Ar. 331 mich den Engineering Times). 

Nene Lehrkanzel für Geographie in Unsrarn. Der Professor der 
Geologie an dem Budapester Polytechnikum Dr. L. v. Loczy, der bekannte 
Reisebegleiter des Grafen Szechenyi, ist zum Professor der vergleichenden 
Erdkunde an der Budapester Universität ernannt worden. 



I. 



AsieD. 

Ein«* «if^enthnmllch«) KrdercichlllteriMig: in Tokio. Nature (Nr. 1024) 
herUihtet nacli der Japan Weekly Mail ober ein Erdbeben ungewöhnlicher Art, 
welches am 18. April auf dem Erdbebenobservatorium zu Tokio beobachtet 
wurde. Die E'gentliümlichkeit desselben bestand in einer bisher noch nicht 
beobachteten, ausserordentlichen Langsamkeit der Oscillationen. Die Dauer einer 
eiji^ielnen Schwingung betrug von 4 bis zu 7 Secunden und die ganze Erscheinung 
trüg somit den ausgesprochenen Charakter einer sogenannten Erdpulsation an 
(ni:h. Da solche zumeist dann beobachtet zu werden pflegen, wenn gleichzeitig 
irj grosser Entfernung ein heftiges Erd- oder Seebeben stattfindet, so wandten 
ölch die Gelehrten des Science College zu Tokio an das hydrographische Amt 
UT1I Au.skunft. Es stellte sich in derThat heraus, dass zur Zeit der beschriebenen 
Erdersi-hütteiung. die ausserhalb der Bay von Yokohama gelegene vulkanische 
Insel Vries Island in Eruption befindlich war. 

Die Bore des T8ien-tan«:-kian|^« Die englische Admiralität veröffentlicht 
einen Bericht des Capt. \V. M. Moore von H. M. S. Rambler über die Gezeiten- 
J»eobachtungen dieses Schiffes in den chinesischen Gewässern. Die Bore des 
Tsten-tang-kiang (etwa 70 englische Meilen von Schanghai) beginnt 12 — 15 miles 
BUi^serhalb der Flussmündung, hat nicht den ausgesprochenen Cliarakter einer 
Flutwelle, steigt zu H—ll engl Fuss und hat eine Geschwindigkeit von 12—13 
Knoten die Stunde. (Xature 1024.) 

ErSffiiun;^ des Yaii);-t8e-kiang für die eii|;liseho Schlffrahrt. Nach 
Jangwierigen Verhandlungen hat die chinesische Regierung Herrn Archibald 
LiUle endlich gestattet, den Yang-tse-kiang mit seinem Dampfer von Jchang 
bis Chungking zu befahren. (Times 13. und 14. Juni.) 

Die Edelsteiu^ewlniiuiür auf Ceylon. Die »Times« bringen nach dem 
*(>ylon Observer« einen Bericht über den gegenwärtigen Stand der Edelstein- 
gewi sinung in Ceylon. Der Haupfort des etwa 2O — 30 Qradratmile> einnehmenden 
Kdclsteindistrictes ist Ratnapura. Die Eingebornen arbeiten auf kleinen Losen 
in ziemlich oberflächlicher Weise und begnügen sich mit einer zumeist schon 
in geringer Tiefe erreichten Ausbeute von minderwerthigen Edelsteinen Aus 
abergläubischen Gründen wird ein eigenthümlicher Vorgang eingehalten, wenn 
nsjsnalimsweise einmal ein reicher Fund geglückt ist. In aller Stille wird dann 
ein Händler in Colombo verständigt. Dieser gewährt Vorschüsse bis zur Hälfte 




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389 

des Werthes der Edelsteine. Ist dieser Betrag verspielt und vertrunken, dann 
werden erst die Steine ausgefolgt und der Handel abgeschlossen. Meist sind 
derartige reiche Funde schon bei den Edelsteinhändlern in Bond Street, wenn 
sich die Kunde davon auf den Edelsteinfeldern selbst verbreitet. 



Afrika. 

Das SehlnsAhert «ler Mlttheilnngen der deutgch-afrikanlsclien 

Gesellsehaft« Mit dem Ende Mai ausgegebenen 3. Hefte des 5. Bandes finden 
die Mittheilungen der afrikanischen Gesellschaft in Deutschland ihren Abschluss. 
Man wird sich bei dieser Gelegenheit dankbar erinnern, wie viele wertvolle 
Beiträge zur Kenntnis von Afrika diese Zeitschrift gebracht. Strenge und sach- 
liche Kritik und musterhaft redigirte Karten zeichneten sie in hohem Grade 
aus. Das letzte Heft beschliesst die Reihe in würdiger Weise. Es bringt die 
lange erwartete Stecker'sche Karle des Südostabhanges des abessinischen Hoch- 
plateaus, drei Routenkarten Flegels und zwei Karten zu Büttner^s Reisen in 
Westafrika 1884—86, einen ausführlichen Reisebericht von Büttner und eine 
dankenswerte bibhographischo Uebersicht der in den Jahren 188<)— 1889 ver- 
öffentlichten, auf die Expeditionen der deutschen :«frikanischen Gesellschaften 
bezüglichen Originalaufsätze, lieber Bültner's Reisebericht schreibt uns Herr 
Dr. ßaumann: 

Die Abhandlung von Dr. Richard Büttner über einige Ergebnisse seiner 
Reise in Westafrika 1884—86 gewährt besonders in naturwissenschaftlicher 
Hinsicht hohes Interesse. Anfangs gibt Dr. Büttner eine übersichthche Darstellung 
seiner Reise von San Salvador zum Kwango und auf völlig neuer Route zum 
Stanley-Pool, dann folgen einige Abschnitte über Ethnographie, über das Land 
und seine Produkte, sowie über Fhora und Fauna des bereisten Gebietes. Besonders 
ausführlich werden die Hauslhiere der Eingeborenen und die verschiedenen Nähr- 
pflanzen und deren Zubereitung besprochen. Auch die verschiedenen Florengebiete 
des Regenwaldes. Campinenlandes u. s. w. finden hier für das Congogebiet zum 
ersten Male eine eingehende Darstellung durch einen Fachmann, welche auch für 
den Geographen von Wichtigkeit ist. Dr. Büttner befürwortet warm die Anlage von 
Gartenculturen bei den Stationen, da durch diese allein die ungesunde und kost- 
spielige Conservennahrung verdrängt werden kann. Für die fernere botanische Er- 
forschung Centralafrikas meint der Verfasser mit Recht, dasses nicht vortheilhaft sei, 
Botaniker als Leiter oder Mitglieder grösserer Inlandexpeditionen zu beschäftigen, 
sondern, dass eine Station irung derselben unerlässlich sei, wodurch natürhch 
eine zeitweilige Ortsveränderung nicht ausgeschlossen ist. Eine Kartenskizze 
der Reise, vor Allem aber lange Verzeichnisse gesammelter Pflanzen und 
Thiere. unter welchen sich zahlreiche neue Arten befinden, legen Zeugnis von 
der unermüdlichen Thätigkeit ab. welche Dr. Büttner auf seiner Forschungs- 
reise entwickelt, und welche um so höhere Anerkennung verdient, als von dem 
anderen Zweige der deutschen Congo-Expedition, unter Lieutenant Kund und 
Tappenbeck, bisher noch keine wissenschaftlichen Ergebnisse erschienen sind. 
HoffentHch wird die deutsche Regierung Herrn Dr. Büttner bald wieder die 
Möglichkeit bieten, seine reiche Erfahrung der weiteren Erforschung west- 
afrikanischer Flora zu widmen. 



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390 



n 



Das nfrikiinisclio Elfenbein. Paul Reichard veröffentlicht einen Aufsatz 
über „das afrikanische Elfenbein und seinen Handel'* (Deutsche geogr. Blätter 
Xfl. 2), welcher die Mittheilungen Westendarps in willkommener Weise ergänzt. 
Der europäische Händler unterscheidet drei Sorten von Elfenbein, das harte, 
das halbharte und das weiche. Die Verbreitungsgebiete dieser drei Sorten 
decken sich ziemlich genau mit der Verbreitung gewisser Vegetationsformen. 
Das weiche, milchweisse Elfenbein entstammt dem lockeren Buschwald und 
der Savanne mit niedrigem Graswuchs, das harte, schwach durchscheinende 
iät das Elfenbein des geschlossenen Urwaldes und der hochgrasigen Savanne 
Das halbharte Elfenbein soll von Elephanten gehefert werden, welche Gebiete 
durchziehen, die beiderlei Vegetationsformen aufweisen. Es ist somit Ostafrika 
vorwiegend Productionsstätte des weichen Elfenbeins. Um den Mwutan. 
Ukerewe ist der Elephantenreichthum am grössten. ein zweites weniger um- 
fangreiches Häufigkeitsmaximum des Elephanten befindet sich am Bangweolo- 
See und' am Westufer des Nyassa. Weitaus das meiste Elfenbein, doppelt so 
viel, als die ganze Westküste Afrikas liefert, gelangt an der Suaheliküste und 
in Zanzibar zum Export. Früher brachten die Schwarzen das Elfenbein bis an 
die Küstenplätze, seit aber der Elephant immer mehr landeinwärts gedrängt 
worden ist, pflegen die indischen Händler das Elfenbein weiter im Innern auf- 
zukaufen, zumal Unjanjembe ist für den Elfenbeinhandel ein wichtiger Platz. 

Westafrika exportiert hauptsächlich das harte Elfenbein der Urwälder 
des Congobeckens - erst in neuerer Zeit ist die Congomündung selbst ein 
bedeutender Elfenbeinplatz geworden, der vielleicht in Kurzem den portugiesischen 
Plätzen den Rang ablaufen wird. Das halbharte Bein des Tsadseel>eckens 
gelangt theils an die Guineaküste, theils durch die Wüste nach Norden, 
besonders nach Mogador und Tripolis. Alexandria bezieht sein Elfenbein — 
fast ausschliesslich weiches — aus dem Nihjuellengebiet. Bemerkenswert ist es. 
dass das Bein durch den Wüstentransport sehr leidet. Es wird in Folge der 
grossen Temperaturgegensätze, denen es ausgesetzt wird, rissig. — Reichard's 
anschauliche Schilderung der Elephantenjagd, der Aufbewahrung und des Trans- 
portes der Waare, sowie endlich der Handelsproceduren verdienen im Original 
nachgelesen zu werden. Wie alle Kenner des Sudan, ist auch Reichard der 
Ansicht, dass der Wert des auf den Markt gebrachten Elfenbeins in eiüenn 
schreienden Missverhältnis steht zu dem unendlichen Aufwand an Arbeit umi 
Mühe der damit verknüpft ist. 

Von der Snalic^liknste. Dr. Hans Meyer hat sich mit unserem Laods- 
manne. dem ausgezeichneten Alpinisten Herrn Ludwig Purlscheller ans Salzburg 
am 8. Juli in Genua eingeschifft, um eine neue Reise nach dem Kilimandjaro 
zu unternehmen. Diese Expedition wird womöglich auch die Erforschung der 
dem Kilimandjaro benachbarten Hochgipfel in ihr FVogramm etnbeziehea. 
Auch Otto Ehlers kehrt mit den Mandarakriegern nach (Jstafrika zurück. PäuJ 
Reichard spricht sich in der D. Colonialzeitung mit grosser Schärfe gegen das 
Mitnehmen von Schwarzen nach Europa aus. Auch die Mandarakute seien 
schon unverschämt geworden. Es muss in der That nur Verwirrung in den 
Negerköpfen hervorrufen, wenn Leute, die daheim die iiocialc Rolle von Dienst* 
boten eines Dorfschulzen spielen, sich plötzlich m Europa vom sn<s.=^iL 
Publikum als Gesandte eines Königs gefeiert sehen. — General Matthews der 



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p Mjfl-iau 



391 

langjährige Befehlshaber der Truppen des Sultans von Zanzibar ist in die 
Dienste der englischen ostafrikanischen Gesellschaft getreten. 

Die im Juni in Zanzibar eingelangten Nachrichten, dass sich Stanley im 
März auf dem Marsche nach der OstKüste am sadöstlichen Ende des Victoria- 
Nyanza befunden habe, lauteten recht unklar. Die Kritik, die Sir Francis 
de Winton daran geknüpft hat, ist aus der Tagespresse kekannt. Neuere Nach- 
richten sind seither nicht eingelaufen und auch ein Sohn Tippo-Tips, der unlängst 
aus dem Innern mit Elfenbein nach der Küste kam, wussle von Stanley nichts — 
Peters ist landeinwärts aufgebrochen. Pigott, der Leiter der dritten von der 
englischen ostafrikanischen Gesellschaft zur Gründung von Stationen und zur 
Abschliessung von Verträgen entsandten Karawane, ist nach erfolgreicher 
Durchfuhrung seiner Aufgabe nach Mombas zurückgekehrt Am nördlichen Ufer 
des Tana hat er eine Station gegründet. — In Europa ist der jüngst angefachte 
Enthusiasmus in der Sclavereifrage bei den meisten Leuten von recht wenig 
Kritik und recht wenig Kenntnis der Sachlage begleitet In dieser Hinsicht 
kommen ein paar Briefe George Mackenzie's an englische Blätter sehr zur 
guten Stunde. 

Ann Kamerun und Togo« Hauptmann v. Fran^ois berichtet über seine 
zweite Reise nach Salaga. Kratji ist ein bedeutender Handelsort von etwa 
COOO Einwohnern in fruchtbarer Umgebung In sechs Marschtagen ging der 
Reisende von Kratji nach Salaga. Schmaler Galeriewald begleitet hier den 
schleichenden von Schlamm- und Sandbänken durchsetzten Woltafluss F^ine 
Karte des Gebietes von der Küste bis Salaga wird in Aussicht gestellt — 
Dr. Wolf schildert das Kebu -Gebiet in Togo als ein anmuthiges Gebirgsland^ 
gut bewässert, reich an Oelpalmen, an Weideland und Wild. Die Kebu sind 
durch Wolfs Umsicht nunmehr ganz unter deutschem Einfluss. 

Aus Kamerun liegt ein Bericht sammt Karte von Hauptmann Zeuner 
über seinen Marsch nach Bioko vor. Dr. Preuss gibt Notizen über Flora und 
Insektenfauna der Umgebung der Barombi-Station. Für Lepidopteren-Sammler 
sind die Mittheilung»'n über Fang und Köderung der Schmetterlinge des Urwalds 
von Interesse. Kund und Tappenbeck haben im Februar dieses Jahres eine 
Station zwischen dem oberen Sannaga und Njong gegründet. Seither musste 
Kund krankheitshalber nach Europa zurückkehren. 

{Mittheilungen au» den deutschen Schutzgebieten. IL Bd., 2. lieft.) 

Vom Coiigo. Der ausführliche Bericht der mit den Vorarbeiten zum Bau 
der Congobahn beauftragten Ingenieure ist erschienen. Die belgische Kammer 
tritt unter günstigen Auspirien in die Berathung der Congobahn - Vorlage ein, 
da nunmehr durch die Fahrt des Dampfers Lualaba der Beweis erbracht ist, 
dass der Congo bis Matadi auch von tiefgehenden Schiffen befahren werden 
kann. »Matadi-port <<e mer« ist jetzt die Losung in Brüssel. — Nach langer 
Zeit ist auch wieder ein Buch über den Congo erschienen. Der Verfasser des- 
selben ist der englische Mechaniker J. R. Werner und es betitelt sich ein wenig 
reclamehaft: A visit to Stanley's Rear Guatd. (Edinburgh -London 1889) Der 
Werth des Buches liegt nicht nach der geographischen Seite, sondern beruht 
in der Schilderung des Lebens und Treibens auf den Stationen und in der 
Charakteristik jener Ptrsönlichkeiten, die in den letzten Jahren in der Ver- 
waltung und Erforschung des Con-ostaates eine Rolle spielten. 



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392 



Amerika. 



Lieutenant Sclnvntka's Entdeekiingr von H^lileiibewolinern in Mi*xiko. 

Der in Chicago erscheinende »Daily Interocean« bringt in seiner Nummer vom 
7. Juni ein Telegramm aus Deming N. M. mit merkwürdigen Angaben über 
die Auffindung von Troglodyten im südwestlichen Chihuahua durch die Expe- 
dition des Lieutenants Schwatka. Wir geben hier die Depesche auszugsweise 
wieder, müssen aber die Verantwortung dafür vollständig unserer Quelle 
überlassen. Die Expedition war über alles Erwarten erfolgreich. Besonders im 
südwestlichen Chihuahua, wo dieselbe Felsen- und Höhlenbewohner antraf, so 
wild als nur irgend ein Stamm zu Gortez' Zeit. Die Behausungen derselben 
gleichen ganz genau den so viel besprochenen alten Felsen- und Höhlen- 
wohnungen in Neu-Mexiko und Arizona. Es war schwer, sich diesen Leuten zu 
nähern, da sie sich ausserordentlich furchtsam und über die bewaffneten 
weissen Männer erschreckt zeigten. Wurden sie überrascht, so entflohen sie in 
grosser Eile vermittelst ihrer eigenthümhchen Leitern in die Felsen. Vielleicht 
geben diese Leitern den Schlüssel zur Erklärung der anscheinend vollkommenen 
Unzugänglich keit gewisser Felsenwohnungen in Neu-Mexiko und Arizona. 
Schwatka schildert die Leute als wohlgebaut und von einer sehr dunklen, 
rölh liehen Hautfarbe, welche dem Colorit des Negers näher steht als jenem 
des kupferfarbigen Indianers der Vereinigten Staaten. Ihre Zahl beläuft sich 
jedenfalls auf mehrere Tausend. Sie gehen ganz nackt und sind nur mit Pfeil 
und Bogen, sowie mit Steinäxten bewaffnet Die Scenerie der mittleren Sierra 
Madres beschreibt Schwatka als grossartig. Er erklärt Landschaften gesehen zu 
haben, welche dem Canongebiete von Colorado nicht nachstehen. Gross sei der 
Reichthum an Mineralschätzen. 

Polarregionen. 

Fritlijof Nansen. Geografisk Tidskrift X. Bd., Heft 3 und 4, bringt 
einen ausführlichen Bericht Nansen's. Am 24. Juni sprach der ruhmgekrönle 
Reisende vor der Londoner geographischen Gesellschaft und wir entnehmen 
englischen Blättern (Times, 26. Juni, Nature 1026) folgende Einzelheiten über 
den Vortrag. Das Inlandeis bildet eine schildförmige Masse, die mindestens 
10.000 englische Fuss Höhe erreicht. Die Mächtigkeit d«*s Eises muss stellen- 
weise GOOO Fuss betragen. Der Wind ist der Hauptfactor bei der Erhaltung der 
Oberfläche des Eises. Der hohe Druck der mächtigen Eismasse erzeugt auch im 
Winter fliessende Ströme von Schmelzwasser in der Tiefe. Ein genaues Studium 
des grönländischen ßinneneises wird uns den Schlüssel zum Verständnis der 
Glacia!zeit bringen. Sehr auffallend waren die tiefen Temperaturen, die Nansen 
im Innern antraf. Die Winde wehten radial aus dem kalten Innern nach den 
wärmeren Küsten. Mit Nansen's Reise ist auch das idyllische Gemälde von 
grünem Weideland zwischen Wällen von Eis im Herzen Grönlands für immer 
gefallen 

Expedition KUkeiitlial - Walter. Von dieser, zoologischen Zwecken 
gewidmeten Forschungsreise sind vom 29. Mai datirte Nachrichten aus Spitz- 
bergen in Bremen eigelangt. Die beiden Gelehrten kreuzten an der Westküste 
Spitzbergens und liatten viel unter stürmischem Wetter zu leiden. Sie trafen 



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mit einem englischen Jäger und Sportsmann zusammen, welcher auf Spitzhergen 
überwintert hatte. Nach den Schilderungen desselben war der verflossene Winter 
sehr mild aber der Jagd wenig günstisr. 

Allgemeines. 

Neues über Eis und Schnee. Dr. Assmann berichtete vor der Berliner 
physikalischen Gesellschaft Ober eine Reihe mikroskopischer Untersuchungen 
von Reif, Haarfrost und Schnee. Er fand, dass amorphe Gebilde weit häufiger 
sind, als man bisher annahm Der Haarfrost besteht zumeist aus reihenweise 
angeordneten amorphen Eistropfen, eine ähnliche Struclur zeigte oft der 
Reif, während er in anderen Fällen aus sechsseitigen Tafeln oder Prismen be- 
stand. Auch an Schneeguirlanden konnte Assmann eine Zusammensetzung aus 
amorphen Körnern nachweisen, wie man sie an der Oberfläche der Gletscher 
findet. Assmann glaubt, dass Reif und Haarfrost aus überkälteten Wasser- 
tropfen entstehen, welche plötzlich gefrieren, wenn sie der Wind gegen feste 
Körper treibt. Solides durchscheinendes Eis entsteht wenn Wasser von oder 
etwas Qber Grad mit festen Körpern von niedriger Temperatur in Berührung 
kommt. 

Auch für den Geographen interessant ist eine Reihe von Heobachtungen 
Qber den Bacteriengehalt des Schnees, über welche British Medical Journal 
berichtet. Pohl hatte schon vor längerer Zeit den Nachweis geliefert, dass der 
Schnee stets Gelatine verflüssigende Mikroben enthalte. Am reichsten an solchen 
waren imnner die ersten Partien eines Schneefalles, die späteren zeigten zu- 
weilen kaum mehr die Hälfte. Wenn der Schnee auf dem Hoden liegt, so findet 
eine allmälige Anreicherung der oberflächlichen Lagen desselben an Bacterien 
statt. Janowsky in Kiew bestätigt und ergänzt neuerdings diese Sätze. Er findet 
im Kubikcentimeter Schnee 34— 3H4 Bacterien. Niedere Temperaturen selbst bis 
zu 16" C. verringern diese Zahlen nicht. r>er Ursprung der Bacterien ist zum 
Theile im Wasserdampf, hauptsächlich aber in der Luft zu suchen, aus der die 
Schneeflocken die Mikroben im Fallen mitnehmen. 

Uelier Frostdrift. Ken* hat unter diesem Namen die Erscheinung be- 
schrieben, «lass durch wiederholtes Gefrieren und Wiederaufthauen der ober- 
flächliche lockere Erdboden auf geneigten Flächen in's Gleiten kommen kann. 
(Am. Journ. of Science, May 1881). Neuerdings hat nun ein Mathematiker 
Mr. « h. Davison diesen Vorgang genauer erörtert. iGeological Magazine, June 
188J)). Er findet, dass der hetrag der Gleitung unter sonst gleichen Umständen 
nach dem Quadrate der Tiefe, bis zu der der Frost eindringt, zunimmt. In 
arktischen Gegenden wo der Boden in einer gewissen Tiefe ständig gefroren ist, 
wird der Betrag der Gleitung natürlich von der Tiefe abhängen, bis zu der im 
Sommer ein Auflhauen erfolgt Im Allgemeinen wird die Bewegung solcher 
»Erdglelscherc dort am grössten sein, wo sowohl das winterliche Eindringen 
des Frostes als auch das sommerliche Auflhauen ihrjn Maximalbetrag er- 
reichen. 

Versncbe zur Erniittlnng de;« Verhaltens von Murine* Chrononieierii 
auf bewegter übterlag«*. Eine Anzahl von Chronometern, welche sämmtlich 
bei der Concurrenz das Prädicat »ausgezeichnet« erhalten hatten, wurde im 



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n 



Lichthofe der deutschen Seewarte vermittelst des Combe'schen Chronometer- 
schaukelapparates einer eingehenden Untersuchung in Bezug auf ihr Verhalten 
Äuf bewegter Unterlage unterzog»^n Der Apparat gestattet folgende Bewegungs- 
arten: Rotiren. Rotiren und Rollen, Rotiren und Stampfen ; Rotiren, Rollen und 
Stampfen und ist ausserdem mit einer V'orrichtung versehen worden, welche 
■die Einwirkung senkrechter Stösse erzeugt. Die mittleren Gangänderungen 
erwiesen sich hei den verschiedenen Bewegungsarten verschieden gross von 
— 0,13 s beim einfachen Rotiren bis zu — 1,5*2 s beim Rollen und Stampfen 
mit Stössen. Alle Bewegungsarten des Apparates erzeugten aber eine gleich- 
sinnige Gangänderung, Acceleration. Dieses Resultat steht in vollem Wider- 
spruche mit den Beobachtungen an Bord, welche in der überwiegenden Mehr- 
zahl der Fälle eine Gangänderung im Sinne der Retardation ergeben hatten. 
Die Divergenz zwischen den betreffenden Gangänderungen an Bord und an 
Land wird durch das tlherwiegen des im entgegengesetzten Sinne wirksamen 
Einflusses der Luftfeuchtigkeit erklärt. Bei grossen Differenzen der relativen 
Luftfeuchtigkeit an Bord gegenüber jener an Land (z B. 40—50 Percent) wird daher 
nicht allein der avancirende Einfluss der Schiffsbewegung compensirt, sondern 
weit übertroffen durch die stark retardirende Wirkung der vermehrten Luft- 
feuchtigkeit. Es lässt sich sogar vermuthen, dass die Summe beider Einflüsse 
nur dann das negative Vorzeichen annimmt, wenn infolge der Mangelhaftigkeit 
der Cardanischen Aufhängung die Schiffsbewegung den Gang der Instrumente 
sehr bedeutend beeinflusst. (Annalen der Hydrographie, 18bO. lieft t!.} 

Der neue Band des jureogrrApliischen Jnhrbnclies. Der diesjährige 
Band des geographischen Jahrbuches — in der Reihe der XIII. — ist den 
geographischen Einzel Wissenschaften gewidmet. Er enthält einen einzigen 
neuen Bericht, jenen von K. Schering über den Erdmagnetismus. Ausserdem 
erscheint der seit dem Tode Oppolzer's ausgefallene Bericht über die Fort- 
schritte der europäischen Gradmessung wieder eingeführt und als besonderer 
Abschnitt in das geophysikalische Referat aufgenommen. Auch in diesem Bande 
tritt das unermüdliche Bestreben des Herausgebers hervor, das Jalirbuch so 
übersichtlich zu gestalten als nur möglich. Noch vollkommener als bislier ist 
diesmal innerhalb der einzelnen Berichte die geographische Anordnung ein- 
gehalten worden. Bei den Strömungen und Neigungen, die gegenwärtig unter 
<len Geographen, besonders den akademischen, herrschen, wird vielleicht der 
geophysikalische Bericht von Hergesell und Rudolph das Interesse in 
erster Linie auf sich ziehen. Material haben gerade die letzten zwei Jahre in 
Fülle geliefert, darunter solches von massgebender Wichtigkeit. Helmert's 
grosse Arbeit über Lotabweichungen steht im geodätischen, der zweite Band 
von Suess' Antlitz der Erde, im geologischen Tlieile des Berichtes in erster 
Reihe. In die beiden Berichtsjahre fiel die Discussion Faye-Lapparent, die 
Arheitea über die Attractionswirkung d luvialer Eismassen, Davison's grosse 
Untersuchung über die Erdkruste u. s. w. 

Oesterreich ist unter den Mitar