Skip to main content

Full text of "Mitteilungen der K.K. Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung Kunst- und Historischen Denkmale"

See other formats


■r-"l 






tm, 





THE J. PAUL GETTY MUSEUM LIBRARY 



MITTHEILUNGEN 



DliK 



K. K. CI'NTKAL-COMMISSION 



l'LTR 



i:k1'Orschung und Erhaltung der kunst- 
UND hlstorlschen denkmali«: 



lli.RAUSGIiGILBliN L'NTfiR DILR Liai'UNG IHRES PRÄSlUliN 1 I':N 

SEINER EXCELLENZ JOS. ALEX. FREIHERRN VON HELFERT 

vu.v 

PROF. \\'1I.1IJ-:LM KUBITSCIIKK und PROF. ALOIS RIFGL 



DRrrXER FOLGE ERSTER BAND 

Mir i:iNi:i< iafki. unu ö? tkxiaihuldunge.n 



WIEN 1902 

IN COMMISSION BEI WlLlUa.M URAUMÜLLER 

k. L". k. lUlF- i.N'l) K. k. 1!NI\J.;KS1T \ 1-^- lULllll ANIll.IiK, U'IL'.N LNI) I.l-.lIVlü 



'^ 



DmCK Vc.s- RrlMJlK M. Rt.HRKR l.N BrCsx 



THt. 



INHALT 



Aiutliihc Mitllu-iUiiini-ii 2. 

Fc-i.soiiahuuliiKlitcii .S. 81. 113.2;«. 

MittliLiluiij^in iltr KL-ilaction 1. 

Sit/.iint:;sl)nicliti.' : 

.... 6 

.... 13 

.... 26 

.... 32 

.... 42 

.... «1 

. . . . 1Ü2 



10. JaniKT . . . 
24 

7. l'rbniar . . . 

14. » ... 

28. » ... 

4. Milrz .... 

21. » .... 

4. Ai)ril 115 

11. » .... 
18. » .... 

2. Mai .... 

9. - .... 

23. » .... 

30. » .... 



125 
1,12 
151 
164 
167 
175 



1,3. Juni . . . 
20. I. ... 

4. Juli . . . 

11. . ... 

12. St|iteinlji.r 
3. (Jctober . 

10. » 

24. » 

31. 

14. Noveuibir 

21. 

5. DeCL-mber 
12. 

19. » 



'lliUtif^kiit wäliiLiul ilur Sommcrft-ricn 

bLilaf;un zu ilcii Sitzungsberichten: 

KimnscHKK Zum Schutze des Palazzo ili Dioclezianu 
V. ToMKuwic/ Die Restaurierung der Domkirclie auf 

dem Wawel in Krakau 211. 

Kii;c;i. Bericht über ilie Wandmalereien in der Kirche 

zu Lorch 

Ni'.i wiKiH Bericht üljer den am 25. und 26. Septem- 
ber 1902 zu Du.sseldurl abgehaltenen dritten Tag 

für Oiid<mal|il1ege 

Alz Wandmalereien im ehemaligen iJominicaner- 

klosler und in dessen Kirche zu Bozen 

Zuwachs der Bibliothek der C. C 197. 



385 
385 
384 

201 
218 
235 
244 
289 
297 
321 
331 
338 
354 
361 
387 
392 
400 
258 



23 



232 



256 



305 

353 
318 



Aufsiltze und M i t ihe i 1 ungen: 
V. DvDVNSKi Prähistorische Funde (in Krzeszowice, 

Komorniki u. s. w.) 56 

Kiiiii r.sciiKiv Kiimische Funde (in Nbidliiig) 58 

l^KDi. Kömische F'unde in lioncjbitz 60 

(Ikiiks.m.r Kümisclie Inschrift \n Selesen 61 

AmiiRosci kölnische Funde in Nesactium 61 



CiMKs Komische F'unde in Pohl 61 

Bi I lO und Gmks Kömische Insi hrift von Gcdogorica doli 62 
Bci.if und KuiursciiKK Kömische Inschriit in Knin . . 64 
CiKAUs Kenaissance -Wandmalereien in Neuberg ... 65 
Kos.MAki. Romanische Wandmalereien in Tetäovic . . 05 

Bkani.s Gothische Wandmalereien zu Hosin 65 

(."iRiKiiKR tiothische Bauwerke in Kadiiig und St. 

Leonhard 08 

Griik.sser Hl. vierzehn Nothhelfer in Selesen 74 

KosmaRi. Glockenthunn iij Stramberg 74 

Bkani.'^ Spätgothische Sculpturen (KuttenbergJ .... 75 

Ro.sMAKi. üenkiniiler der Barockzeit (Krasna) 79 

KuBiT.scHicK Römische Gräber in Velm bei Gutenhot . 103 
RosmaKi. Denkmäler der Barockzeit (Alt-Biela) .... 109 

Grals Kunstwerke in Leibnitz 111 

NowoTNV Ein römisches Reliet in (illi 193 

RioHiaTi Spätgothische Denkmäler in Istrien ^B^irbanaj 195 
Mkk/. Ix'enaissance-Grabstein in Ober-Perwent .... 196 
KoNscuKGr. Renaissance-Grabsteine in Aussee .... 196 

SiKRZ Sgrafliti in Mähren (Trebitsih) 197 

S/.o.vuATHV Grabfunde der Völkerwanderungszeit vom 

Saveufer bei Kramburg 226 

KuHiTMHKK Die griechische Inschriit von Schwarzenbach 231 
Picni.iiR Funde an der Minui itenkirclu- in Wien . . . 268 
KiMuiscHKK Fline Karte der venezianischen L.igunen . 278 
Mü.Nsri.:Rui;Rü Pfi-nnigfund von Grillenstcin bei (uiuind 288 

KicN.NiiR Römische Inschrift aus Laure.icum 307 

KiKoi. Römische durchbrochene Bronzebeschläge . . . 310 
Bkanis Spätgothi.^. lie Schnitzarbeiten des Meisters 

Jacob in Kutteiilierg -l' ' 

MC.NsrKRBKRc Munzfund in Selbitz 316 

de Gampi Fine ]iräliistorische AnsiediUmg aul Monte 

Ozol im Val di Non 370 

V. Bknak Römischer Sarkophag in Fambach 373 

Rzh.HAK F:in F\md mittelalterlicher Fiseiigerathe bei 

'l'varozna Lhota in Mähren 374 

v. Wh.i.nziuri. Die Burgstallersche Sammlung in Kj bnian 380 

Fii.NicR Bronzenadel vom Gitzenberg 40o 

Kiiioi. Funde aus der \'ölkerwaiulerungszeit (Bukowina) 407 



MITTHEILUNGEN 

DER K. K. CENTRAL-COMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HKRAUSGKGEBEX UNTER DKR LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER F.XC. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 



Band 1 Nr i — 3 



Januar — März 1902 



Mittheilung der Redaction. 

Die k. k. Central-Commissioii hat eleu I'escliluss 
gefasst, an Stelle ihriT vierteljährlich erschei- 
nenden „Mittheilungen zweiter Folge" zwei Publi- 
cationen zu setzen: monatlich erscheinende „Mitthei- 
lungen dritter Folge'' und am Ende jeden Jahres 
{von 1903 ab) ein Jahrbuch. Das Format beider 
Publicationen wird das gleiche sein, und dasselbe 
Register soll beide umfassen. Die Monatsblätter 
werden die Normalien und Personalien publicieren, 
Sitzungsreferate erstatten, über die Vermehrung- der 
Bibliothek und des Archivs der Central-Commission 
berichten und kleine Mittheilung-en, wie sie bisher 
in der Rubrik „Notizen" gebracht w^orden .sind, 
anschließen. Diese kleinen Mittheilungen sollen 
nicht bloß Original - Berichte über neue Funde 
bringen, sondern auch über die gesammte Thätig"- 
keit des Sammeins und Erforschens der kunst- 
historischen und geschichtlichen Denkmale Öster- 
reichs auf dem Laufenden erhalten. Das December- 
heft wird den Jahresbericht der Central-Commission 
und eine Übersicht der dem Status der Central- 
Commission angehörenden Functionäre einschließ- 
lich der k. k. Conservatoren und Correspondenten 
hinzufügen. Für das Jahrbucli sind größere wissen- 
schaftliche Abhandlungen und Mittheilungen, ferner 
eine systematisch geordnete Übersicht der wissen- 
schaftlichen Beweg-ungen und Ergebnisse auf dem 
Arbeitsgebiete der Central-Commission in Aussicht 
genommen. 

Die Redaction will alle ihre Kraft an die Ver- 
wirklichung dieses Programmes w-enden. Sic 
appelliert daher an die Mitwirkung der k. k. Con- 
servatoren und Correspondenten und ist gerne ge- 
neigt, auf Wunsch deren wissenschaftliche Bestre- 



bungen nach Kräften zu unterstützen. Sie rechnet 
überhaupt auf eine Förderung seitens aller heimi- 
schen Kunstfreunde und aller Kenner der heimi- 
schen Geschichte und der heimischen Altcrthümer. 

Amtliche Erlässe. 

Circular-Erlass des k. k. Finanz-Ministeriums 
an die k. k. Finanz-Landes-Directionen vom 4. .Sep- 
tember 1894, Z. 40195. 

„Die k. k. Direction wird angewiesen, der 
k. k. Central-Commission für Kunst- und historische 
Denkmale die für die Einzeichnung prähistorischer 
und historischer Fundstellen benöthigten neuen 
durch Trockendruck hergestellten MapjDenab- 
drücke über jeweiliges Verlangen in je einem 
Exemplar um die Hälfte des tarifmäßigen Preises 
zu überlassen. Sofern für den gedachten Zweck 
alte, vor der Einführung des Trockendruckver- 
fahrens hergestellte Mappenabdrücke gewünscht 
werden, sind dieselben der Central-Commission nach 
Maßgabe des Vorrathes um den Preis von 10 kr. 
für ein ganzes, und 5 kr. für ein. halbes Blatt zu 
überlassen." 

Diese vor sieben Jahren publicierte Verord- 
nung wird hier wiederholt, da sie, wie sich kürz- 
lich mehrmals gezeigt hat, in dem Kreisen der 
Functionäre der Central-Commi.ssion so gut wie 
vergessen ist, und da eine Neüauflag-e des gänzlich 
vergriffenen Normalienbuches, aus dem (.S. 81) sie 
hier copiert ist, für die nächste Zeit nicht zu er- 
warten steht. Es wäre sehr angezeigt, w^enn die 
Berichte an die Central-Commission die Örtlich- 
keit von Grabungen und Funden nach der Kata- 
stralkarte verzeichneten. So würde in Zukunft öfters 
als bisher eine engere Verbindung zwischen zwei 

I 



oder mehr zu verschiedenen Zeiten aufgedeckten 
Funden mit größerer Sicherheit constatiert oder 
abgelehnt werden können. 



Rundschreiben des Präsidenten der Central- 
Commission an die k. k. Conservatoren, Z. 1682 
ex 1901 (vom 6. Februar 1902). 

Es ist der Fall vorgekommen, dass ein k. k. 
Conservator, in übereifrigem Eingreifen für den 
Bestand eines kunsthistorisch wertvollen Denk- 
males, die Garantie für die Bewilligung einer 
Staatssubvention zu den Restaurierungskosten über- 
nehmen zu dürfen glaubte, wodurch die berufenen 
Factoren in eine äußerst missliche Lage gekommen 
sind, weil diese Subvention seitens des k. k. Mi- 
nisteriums für Cultus und Unterricht aus finanziellen 
Gründen nicht bewilligt werden konnte. 

Da ein derartiges A'orgehen geeignet erscheint, 
sowohl die betreffenden Actionen als auch das An- 
sehen der maßgebenden Organe empfindlich zu 
schädigen, werden Euer eindringlichst er- 
sucht, bei den Ihren Wirkungskreis berührenden 
Angelegenheiten, wenn die Bewilligung einer 
Staatssubvention in Frage kommt, Ihre Äußerung 
gegenüber den localen Factoren lediglich darauf 

zu beschränken, dass Euer in der Lage 

wären, ein von diesen Factoren einzubringendes 
Subventionsansuchen der Central-Commission be- 
fürwortend vorzulegen, in keiner Weise aber den 
Eindruck hervorzurufen, dass eine solche Subvention 

vermöge der Verwendung Euer auch schon 

mit Sicherheit zu einem bestimmten Termine er- 
wartet werden könne. 

Personalnachrichten. 

Seine Excellenz der Herr Minister für 
Cultus und Unterricht hat ernannt: 

den Director der Staatshandwerkerschule in 
Linz Franz Schiefthaler unter Enthebung von dem 
Amte eines Conservators für Angelegenheiten der 
II. Section in den politischen Bezirken Freistadt und 
Rohrbach, zum Conservator der IL Section für die 
Bezirkshauptmannschaften Linz und Perg und die 
Stadt Linz (14. Januar 1902, Z. 35334 ex 1901); 

den Director der Staatsgewerbeschule in Lem- 
berg Regierungsrath Sigismund GoRCOLEWsia zum 
Conservator für Angelegenheiten der IL Section 



in den Bezirkshauptmannschaften Böbrka, Dolina, 
Drohobycz, Rohatyn, Rudki, Sambor, Staremiasto, 
Stryj, Turka und 2ydaczöw (22. Januar 1902, 
Z. 33878 ex 1901); 

den Dr. WLADiiim DE.ArETR\'KiEWicz unter gleich- 
zeitiger Enthebung von den Functionen eines 
Conservators der 11. Section zum Conservator für 
Angelegenheiten der I. Section in den Bezirks- 
hauptmannschaften Brzozöw, Dabrowa, Dobromil, 
Gorlice, Jaroslau, Jaslo, Kolbuszowa, Krosno, 
Laiicut Lisko, Mielec, Nisko, Pilzno, Przemys^l, 
Przeworsk, Ropczjxe, Rzeszöw, Sanok, Strzyzöw, 
Tarnobrzeg und Tarnöw; und 

den Architekten Sigismlad Hendel in Krakau 
zum Conservator für Angelegenheiten der IL Section 
in den Bezirkshauptmannschaften Bochnia, Brzesko, 
Dabrowa, Kolbuszowa, Mielec, Xisko, Pilzno, 
Ropczyce, Rzeszöw, Tarnobrzeg und Tarnöw (beide 
4. Februar 1902, Z. 37631 ex 1901). 



Seine Excellenz der Herr Minister für Cultus 
und Unterricht hat nachstehende Eintheilung 
der Küstenlande in zwölf Conser\"atorenbezirke 
genehmigt : 

Für die I. Section: 

1. die Bezirkshauptmannschaften Görz, Sesana, 
Tolmein und die Stadt Görz, 

2. das Staatsmuseum in Aquileja und die 
Bezirkshauptmannschaft Gradisca, 

3. die Stadt Triest und ihr Gebiet, 

4. die Bezirkshauptmannschaften Capodistria 
und Parenzo, 

5. die Bezirkshauptmannschaften Mitterburg 
(Pisino), Pola und die Stadt Rovigno, 

6. die Bezirkshauptmannschaften Lussin und 
Volosca ; 

für die II. Section: 

7. die Bezirkshauptmannschaften Görz, Gradisca, 
Sesana, Tolmein und die Stadt Görz, 

8. die Bezirkshauptmannschaften Capodistria, 
Parenzo und die Städte Triest sammt Gebiet und 
Rovigno, 

9. die Bezirkshauptmannschaften Mitterburg 
(Pisino), Pola und Volosca; 

für die III. Section: 

IG. die Bezirkshauptmannschaften Görz, Gra- 
disca, Sesana, Tolmein und die Stadt Görz, 
1 1 . die Stadt Triest und ihr Gebiet, und 



12. die Bezirkshauptmannschaften Capodistria, 
Lussin, Mitterburg- (Pisino), Parenzo, Pola, Volosca 
und die Stadt Rovigno. 

Den bisherigen C"onser\-atoren der I. Seotion 
wurden nachfolgende Bezirke belassen: 

dem Advocaten Dr. Paul Anton von' Bizzakko 
in (»örz Bezirk i, 

dem (iymnasial-Professor Hkinkuh Majonica 
in (iörz Bezirk 2, 

dem Professor und Diri'ctor des Museo civico 
irantirliilü in 'iriest J )r. Ai.hekt Püschi Bezirk 3; 

dem Gymnasial-Professor Dr. Stephan Petris 
wurde Bezirk 4 zug-ewiesen. 

Ferner ernannte Seine Excellenz der Herr 
Minister zu Conservatoren auf die Dauer von fünf 
Jahren: 

Für die I. Seotion: 

den Professor an der JNlarine-Unterrealschule 
in Pola Anton Gnirs für den Bezirk 5, 

den Professor am Communal-Gymnasium in 
Triest Dr. Peter Sticoti r für den Bezirk 6 ; 

für die II. Section: 

den k. u. k. Kämmerer und Großgrundbesitzer 
in Podgora Sigismund Grafen Attems- Petzenstein 
für den Bezirk 7, 

(Bezirk 8 bleibt derzeit unbesetzt), 

den Notar und Bürg-ermeister in Cherso Dr. 
Josef Petris für den Bezirk 9, 

für die III. iSection : 

den Conservator Professor Heinrich Majonica 
für den Bezirk 10, 

den Ehrendomherrn und Gymnasial-Professor in 
Triest Dr. Petrus Tommasin für den Bezirk 1 1 , und 

den Conservator Professor Stephan Petris in 
Capodistria für den Bezirk 1 2 (Ministerial-Erlass 
vom 26. Februar 1902, Z. 34.685 ex 1901). 



\'on der Central-Commission wurden die 
Universitäts-Professoren Dr. Wilhelm Kubitschek 
und Dr. Alois Riegl in der vSitzung vom 10. Januar 
1902 zu Redacteuren gewählt; 

ferner zu Correspondenten ernannt: 

in der Sitzung vom 24. Januar der Sacristei- 
Director und Professor am k. k. Gymnasium in 
Melk J. Benedict Hacek, 

der Amanuensis der k. k. Hofbibliothek in 
Wien Dr. Josef Mantuani und 

der Hofrath und Kanzlei-Director im Oberst- 



kämmereramte Sr. Majestät Wilhelm Fkeihkkk von 
Weckbecker ; 

in (\or Sitzung vom 14. Februar 1902 der 
Director der Franz Josef-Realschule in Wien, Re- 
gierungsrath Richard Trampler. 

in der Sitzung vom 28. Februar 1902 der 
Domcapitular und infulierte Domdechant in Mar- 
burg Heinrich Hkibov§ek. 

Sitzungsberichte 

vom Schriftführer verfasst. 

S i t z u n g a m i o. J a n u a r (erste Sitzung der I. Section, 
der IL Section und des Plenums): 

Anwesend: der Präsident als Vorsitzender. — 
Mitglieder: Deininger, Hermann, Kenner, 
LuNTz, MucH, Neumann, Rosner, Schaeffer, 
Wächtler. — Redaction: Kubitschek. — 
Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines. 
Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt gibt eine Anzahl von Exemplaren der dritten 
Auflage des von Hofrath Freiherr v. Weckbecker 
verfassten Handbuches der Kunstflpege in 
Österreich zur Betheilung der h. a. Bibliothek 
und Organe herab und spricht der Central-Commis- 
sion für die eifrige und wertvolle Mitwirkung an 
dem Zustandekommen dieser Publication den ver- 
bindlichsten Dank aus. 

Böhmen. 

Se. k. und k. Apostolische Majestät haben mit 
Allerhöchster Entschließung vom 27. November 1901 
zur F"ortsetzung der Restaurierung des St. Veit- 
Domes in Prag vom Jahre 1902 angefangen auf 
fünf Jahre vorbehaltlich der verfa.ssungsmäßigen 
Genehmigung der erforderlichen Credite einen 
weiteren Staatsbeitrag von jährlich 50.000 A' aller- 
gnädigst zu bewilligen geruht. 

Conservator Director DiviS Ritter v. Serlink 
berichtet über ein bei Lissa an der Elbe ge- 
fundenes Schwert aus dem XIII. Jahrhundert, 
welches er für seine Sammlungen erworben hat. 

[Referent: Neumann] 

Derselbe Conservator legt eine Beschreibung 
der Maria Magdalena-Kirche in Reo an vor. Sie ist 
ein kleiner, schlichter, ursprünglich romanischer 
Bau, dessen halbrunde Apsis mit Rundbogenfries 



und Lisenen verziert ist. Da die Kirche, namentlich 
im Innern, einer Restaurierung bedarf, beschließt 
die Central-Commission sich für diese Restaurie- 
rung zu verwenden. [Referent: Houdekl] 

Conservator Richl^ berichtet über einen an- 
sehnlichen Sandhügel in der Nähe von Veseli 
a. L., an dessen Scheitelpunkt ein wohlerhaltenes 
Feuersteinmesser und 3 Bronzefragmente (letztere 
ohne typische Form) gefunden worden sind. Die 
Untersuchung der unter diesen Objecten liegenden, 
mit Kohle durchsetzten Culturschichte führte nur 
zur Aufdeckung von mittelalterlichen und einigen 
älteren Scherben. [Referent: äIuch] 

Dalmatien. 

Auf Grund der vom chemischen Laboratorium 
des k. k. österreichischen Museums für Kunst und 
Industrie erstatteten Vorschläge beschließt die 
Central-Commission, die versuchsweise Restaurie- 
rung der Altarsculpturen der Pfarrkirche zu Mezzo 
einzuleiten. [Referent: Neumann] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt verfügt gelegentlich des Neubaues einer 
griechisch-orthodoxen Pfarrkirche in Tudorovic 
dass die bei der Demolierung der alten Kirche 
zu erwartenden Funde nicht verschleppt, sondern 
an das Gymnasium in Cattaro abgegeben werden 
sollen, und dass gleichzeitig dem berufenen Con- 
servator die Anzeige zu erstatten sei. Die noch 
brauchbaren Kircheneinrichtungsgegenstände sind 
nach Thunlichkeit wieder zu verwenden. 

Galizien. 
Conservator Baurath v. Stryje.'vski berichtet 
dass gegen den Neubau einer Pfarrkirche in 
Wazyce keine Einwendung zu erheben sei, da 
das bestehende Gotteshaus, ein Bau aus dem XVII 
Jahrhundert, weder archäologischen hoch construc- 
tiven Wert besitze. Der Conservator beantragt, 
dass die Bauinschrift vom Jahre 1680 sowie das 
Epitaph des Gründers IMatthias Valentinides in 
der neuen Kirche Platz finden und zwei Gemälde; 
(hl. Dreifaltigkeit, Pietä) sowie eine eisenbe- 
schlagene Thür aus dem XVII. Jahrhundert und 
mehrere Paramente aus derselben Zeit erhalten 

bleiben. 

Kärnten. 

Für die vorgelegten gelungenen Photographien 
des Eisenkappier Hochgerichts beschließt die 



Central-Commission, dem Verfertiger der Auf- 
nahmen, dem Kaufmann Fk.^xz Hith in Völker- 
markt, den Dank auszusprechen. [Referent: Luntz] 

Zu dem Verkaufe der dem Kathedralcapitel 
in Klagenfurt gehörigen Domstiftsgüter in Gurk 
an das Benedictinerstift am Nonnberg in .Salzburg 
wurde die Allerhöchste Genehmigung ertheilt und 
an die Bedingung geknüpft, dass niemals eine bau- 
liche oder restaurierende Arbeit am Dome, dem 
Nonnenchore und der Krypta ohne Einflussnahme 
der berufenen staatlichen Factoren, d. i. der Central- 
Commission und ihres Conservators vorgenommen 
werden dürfe. 

Correspondent Scriptor der Universitätsbi- 
bliothek in Wien Dr. Schnerich bezeichnet die 
Deckengemälde in der Pfarrkirche zu Maria- 
Saal, soweit dieselben aufgedeckt sind, nicht nur 
als außerordentlich wertvoll, sondern auch als 
keineswegs schlecht erhalten und empfiehlt die 
gänzliche Bloßlegung und Sicherung dieser Ge- 
mälde; die Central-Commission beschließt zur 
Lösung dieser Frage eine Local-Commission in 
Anregung zu bringen. [Referent: Sch.\ei'Fer] 

]\lähren. 

Conservator Professor Hrach berichtet über 
die in befriedigender Weise durchgeführte Re- 
staurierung der Königin- Klosterkirche Maria- 
Himmelfahrt in Alt-Brünn. Der gothische Haupt- 
orgelchor am Anfang des ]MittelschifFes wurde 
unter Anwendung der gleichen Stilformen nach 
einwärts verlängert und hiebei eine barock um- 
mauerte Säule des alten Chors bloßgelegt. Die 
kleine gothische Orgel wird im nördlichen Querhause 
auf der Empore aufgestellt werden. Die durch 
Feuchtigkeit angegriffene Nordwand der Kirche 
wurde mit Thonplatten verkleidet. Die neuen Male- 
reien sind als vollkommen entsprechend zu be- 
zeichnen. Am Äußern wurden einige zweckmäßige 
Instandhaltungsarbeiten besorgt. Der Re.st des 
Kreuzganges wurde unberührt gelassen und es 
besteht auch nicht die Absicht, daran eine Ände- 
rung vorzunehmen. [Referent: Houdek] 

Conservator Prof Dr. Kachnik berichtet über 
ein Amtsregister der Gemeinde Benov aus dem 
Jahre 1562, welches er in der Pfarrbibliothek dort- 
selbst entdeckt und vom Gemeindevorstand re- 
quiriert habe. Da dieses Denkinal ohne weitere 



lO 



Cautelen an Privatpersonen zur literarischen Aus- 
nützung verliehen wird, ersucht der Conservator die 
Central-Commission, sich wegen entsprechender 
Aufbewahrung des Registers zu verwenden. Diese 
beschließt: die Abgabe des Manuscriptes, eventuell 
unter Vorbehalt des Eigenthumsrechtes, an das 
mährische Landesarchiv in Anregung zu bringen. 

[Referent: Winter] 

Correspondent Lehrer Gkri.ich berichtet über 
ein Schwert und zwei Sporen, welche im Jahre iSgi 
in der Nähe von Doubrava gefunden wurden und 
sich gegenwärtig in Privatbesitz befinden. Das 
Schwert ist ein Reiter.schwert und stammt aus der 
Älitte des XV. ; einer der beiden Sporen aus dem 
XVII. Jahrhundert, der andei'e ist noch jünger. 

Correspondent Professor Machatschek berichtet 
über die Gedenktafel am Gemeinde-Gasthaus in 
Pawlowitz. Dieselbe befindet sich in gutem Zu- 
stande, vei^bleibt nach Erklärung des Eigenthümers 
an ihrem gegenwärtigen Platze und wird auch 
weiterhin in Stand gehalten. 

Ein ähnlicher, sich auf das Kloster Hradisch 
beziehender Gedenkstein befindet sich beschädigt 
im Hofe eines kleinen Gasthauses in Czernowier. 

Die Central-Commission beschließt, sich wegen 
entsprechender Aufbewahrung dieses Steines zu 
verwenden. [Referent: Houdek] 

Conservator Director Sterz legt eine photo- 
graphische Aufnahme der Sedilie in der Pfarr- 
kirche zu Stallek vor. [Referent: derselbe] 

Nieder-Österreich. 

Auf die ablehnende Entscheidung des k. k. 
Unterrichtsministeriums in der Angelegenheit der 
Restaurierung des Riesenthores von St. Stephan 
in Wien beschließt die Central-Commission, eine 
neuerliche Vorstellung in derselben Sache an das 
Ministerium zu richten. [Referent: Rosxer] 

Mit der projectierten Vergrößerung der Pfarr- 
kirche in Hürm erklärt sich die Central-Commission 
nicht einverstanden. Sie empfiehlt das Project in 
der Weise zu gestalten, dass das Mittelschifi^ er- 
höht werde; dadurch würde der Luftraum der 
Kirche bedeutend vergrößert, das Mittelschiff besser 
erleuchtet werden und der ganze Kirchenbau ein 
würdiges Aussehen erhalten. [Referent: Rosnek] 

Das jMinisterium genehmigt die vorgeschlage- 



nen Restaurierungsarbeiten im Innern der Stifts- 
kirche zu Klosterneuburg. 

Die k. k. Bezirkshauptmannschaft Amstetten 
übermittelt eine Anzeige des Bergers Franz 
HuEMER in Reiterdorf von dem Bestände eines 
römischen Castells (Vorwerk von Laureacum) auf 
der Luderleithen dortselbst, wobei auch Nach- 
grabungen an der Fundstelle in Anregung gebracht 
werden. Die Central-Commission beschließt, dem 
Berichterstatter für seine Mittheilung die Aner- 
kennung auszusprechen und die Versuchsgrabungen 
von eisem Bericht des Professors KüBrrscHEK ab- 
hängig zu machen. [Referent: Kenner] 

Die Donau-RegulierungsCommission theilt 
mit, dass am linken Ufer des Russbaches g6 
Münzen, angeblich ohne archäologischen Wert, 
gefunden und an die Allerhöchste Privat- und 
Familien-Fondsgüter-Direction als Eigenthümerin 
der Fundstelle abgetreten worden seien. Nach 
den dürftigen Anhaltspunkten, welche in der vor- 
liegenden jMittheilung gegeben werden, dürfte es 
sich hier außer 3 Thalern um 47 Groschen und 
46 ICreuzer des XVII. Jahrhunderts handeln, wahr- 
scheinlich aus der Zeit Kaiser Leopolds L, dessen 
48jährige Regierung überwiegend in den Münz- 
funden unserer Länder vertreten ist. 

[Referent: Kenner] 

Conservator Propst Dr. Kerschbaumer berichtet: 

1. Über den Fund eines mittelalterlichen Pfeil- 
bogens und eines Schwertes mitgraviertem schmalem 
Knauf bei den Ausbaggerungen in der Donau 
nächst der Stadt Stein. Beide Objecte dürften 
aus der Zeit Matthias Corvinus stammen, der die 
Stadt eroberte. Auch ein kleines goldenes Kreuz mit 
Edelsteinen (neueres Fabrikat) fand sich im Gerolle. 

2. Über den Fund eines Hufeisens (jüngerer 
Zeit) und versteinerter Knochenreste in einer 
Ziegelei bei Gneixendorf. 

Die Funde kommen ins städtische Museum 
zu Krems. [Referent: Neümann] 

Ober-Österreich. 
Conservator Oberst Baron Handel-Mazzetti 
berichtet über die in rapider Weise umsichgreifende 
Zerstörung mittelalterlicher Grabsteine in o.-ö. 
Kirchen, und zählt eine Reihe solcher misshandelter 
oder der Restaurierung bedürftiger Epitaphien 
avif. Er beantragt, für den Schutz und die Er- 



II 



12 



haltung derartiger Grabsteine dienliche Maßnahmen 
vorzukehren und erklärt sich zur Vermittlung der- 
selben bereit. Er bittet, von allen Kirchenrestau- 
rierungen in Ober-Österreich verständigt zu werden, 
damit er gerade bei solchen Anlässen die weitere 
Erhaltung oder die bessere Aufstellung (Hebung 
aus dem Kirchenpflaster) der Grabsteine vorsehen 
könne. Die Central-Commission muss die Richtigkeit 
der von ihrem Conservator gemachten Vorstellung 
zugeben. Sie begrüßt die von demselben beab- 
sichtigte Thätigkeit auf das Lebhafteste und 
beschließt, das Entsprechende zu veranlassen, da- 
mit der Conservator von den in Ober-Österreich 
stattfindenden Kirchenrestaurierungen verständigt 
werde. [Referent: Neuiiann] 

Das Ministerium verfügt, dass ein Beitrag 
von rund 570 A'zu den Kosten der Conservierungs- 
arbeiten an der Pfarrkirche in Minning flüssig 
gemacht werde. 

Die k. k. o. -ö. Statthalterei theilt mit, dass 
dem Correspondenten Restaurator Ritschl die 
Honorarbeträge für die Restaurierung der beiden 
Gemälde der St. Leonhards-Kirche (hl. Otto Bischof 
von Bamberg und hl. Dominicus, der die Madonna 
und das Christuskind verehrt! flüssig gemacht 
worden seien. 

Conservator Director Greil berichtet über die 
Eindeckung des Daches der Pfarrkirche in St. Wolf- 
gan g mit Kupferblech, die vom hieramtlichen Stand- 
punkte nur zu begrüßen ist. [Referent: Rosner] 

Salzburg. 

Conservator Regierungsrath Berger berichtet, 
dass durch den projectierten Bau eines neuen 
Gerichtsgebäudes in Salzburg das Stadtbild und 
namentlich der Anblick des Xonnbergklo-sters und 
der Feste Hohensalzburg von der Karolinenbrücke 
aus arg geschädigt werde, und ersucht um h. a. 
Intervention, damit der Bau nicht zu hoch geführt 
und in den Fronten gegen die Brücke in Einzel- 
gruppen aufgelöst werde. Die C. C. beschließt, die 
Einberufung einer Localcommission zu beantragen, 
welche die vom Conservator erhobenen Bedenken 
zu prüfen habe. [Referent: Ro.sxer] 

Derselbe Conservator berichtet, dass zwei 
Holzplafonds und Portale mit Intarsien und kunst- 
voll gearbeiteten Beschlägen aus dem Jahre 1600 
aus dem sonst durch Feuer zerstörten Schlosse 



Dortheim in Saalfelden für das Salzburger Mu- 
seum erworben worden seien. [Referent: Neümann] 

Steiermark. 

Conservator Director Lacher berichtet über 
die in entsprechender Weise durchgeführte Bloß- 
legung der F'rescomalereien in der Egjdi-Kirche 
bei ^lurau. Xach den vorgelegten Photographien 
scheint man es mit interessanten Gemälden frühen 
Datums zu thun zu haben. Ein Bericht hierüber 
wird seitens des Conservators in Aussicht gestellt. 
Die C. C. beschließt, den für die Bloßlegung- be- 
willigten Betrag von 90 K flüssig zu machen. 

[Referent: Schaeffer] 

Mitglied Professor v. Luschls: theilt mit, dass 
die von hierarats beantragte Wiederaufstellung 
der Schoy'schen Dreifigiu-engruppe aus der de- 
molierten Wegkapelle in der Vorstadt Karlau zu 
Graz im Zuge sei. 

Das Ministerium bewilligt für die Restaurierung 
der Glasgemälde in der St. Magdalenenkirche zu 
Judenburg einen Beitrag von 1000 A'. 

Tirol. 

Correspondent akad. Maler Siber berichtet 
über die Malereien am Äußeren der Pfarrkirche zu 
Dietenheim. An der Xordseite sind Christus am 
Ölberge und eine hl. Kümmernis, beide sehr schad- 
haft; eine Restaurierung dürfte kaum durchführ- 
bar sein. Der Correspondent' schlägt vor, diese 
Gemälde mit einem Wachspräparate zu behandeln 
und ein entsprechendes Schutzdach anzubringen. 
An der Südseite zwei Bilder jüngeren Datums 
(Mitte des XVIII. Jahrhunderts) von nur mittel- 
mäßigem Kunstwerte. Das eine zeigt eine Familie, 
bestehend aus Vater, Mutter und Tochter, darüber 
Maria, unten ein Wappen und eine Inschrift; das 
andere die gleiche Donatorenfamilie, mit Christus 
am Kreuze, unten dasselbe Wappen und eine In- 
schrift. Diese Bilder wären von den Kalkspritzern, 
die bei der Weißtünchung der Kirche auf sie 
oferathen sind, zu befreien und mit Blechdächern zu 
versehen. Das Gemälde vom rechten Ottilien-Seiten- 
altar wurde in entsprechender Weise restauriert. 

[Referent: Schaeffer] 

Conservator Dr. Innerhofer berichtet über die 
Herstellung einer neuen Uhr am Pfarrthurme zu 
Meran, bei welcher Gelegenheit die durch- 
brochene, aus rothem Sandstein bestehende Gallerie 



13 



14 



übertüm-lit wurde. Die C. C. beschließt /.um (ie- 
gfenstaiuh? weitere l'",rliel)iniy(Mi zu plleireii. 

[Referent: Rosner] 
Corrcspoiulent Prof. Dr.D.ANNF.sr.ERC.ER berichtet: 

1. Über die verimglüclvte Restaurierung eine.s 
Gemäldes (Glorification Marions in Gegenwart des 
hl. Augustinus, Rochus und Antouius) aus der 
Pfarrkircln; zu Nasupel, eines kunstlo.scn, hi.storisch 
belanglosen Bildes aus dem XVIII. Jahrhunderte 
Die C. C. beschließt, nichts weiter darüber zu 
veranlas.sen. 

2. Über die beabsichtigte Aufstellung der 
w(>rtvollen Gobelins aus dem Dome zu Trient 
in Vitrinen. 

3. Über das an der Renaissancestiege im 
älteren Theile des Castells del buon Consiglio in 
Trient angebrachte, bisher unbekannte Steinmetz- 
zeichen. [Referent: Neumann] 

Conservator de Campi berichtet über die Auf- 
deckung von 15 römischen kistcnlörmigen Ziegel- 
gräbern bei Terres im Val di Non. An Beigaben 
fand man Gefäße, 2 Thonlampen, Eisennägel, 
2 starke eiserne Ringe, eine zangcnförmige Bronze- 
fibel und eine Bronzemünze mit dem Kopfe des 
Kaisers Titus. [Referenten: Much und Kenner] 

In Angelegenheit der Re.staurierung der 
Gobelins aus dem Trienter Dome beschließt die 
C. C. weitere Erhebungen zu pflegen. 

[Referent: Neumann] 



•Sitzung am 24. Januar (zweite .Sitzung- der I. 
Section, des Plenums untl der II. Section). 

Anwesend: Der Präsident als Vorsitzender. — 
Mitglieder: Deininger. Fök.ster, Hermann, 
Kenner, Luntz, Much, Neumann, Redlich, 
Rosner, Wächtler, Wöndler. — Redaction: 
Kubit-schek, Riegl. — .Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines. 

Zu Correspon deuten wurden ernannt: 

P. Benedict Hager, Sacristei-Director und 
Professor am k. k. Gymnasium zu Melk; 

Dr. Josef Mantuani, Amanuensis der k. k. Hof- 
bibliothek in Wien; 

der Hofrath und Kanzlei-Director im k. u. k. 
Oberstkämmereramte Sr. Majestät Dr. Wilhelm 
Erkhierr von Weckbecker. 

Die Metz er Dombauleitung theilt der C. C. 



mit, dass sie den aus der Zeit Ludwigs KV. stam- 
menden Portal -V'orljau am Mi.'tzer Dome alizutragen 
und ein stilgerechtes gothisches Portal, sowie es 
seinerzeit bestanden habe, herzustellen beabsichtige. 
Hierbei lassen sich die Dombauleitung und die be- 
rufenen Factoren von der Frwägung leiten, dass 
die auf die l'.rhalUiug der geschichtlichen llau- 
denkmale gerichtete Fürsorge nach den heutzutage 
für Restaurierungen g-eltenden Grund.sätzen im 
allgemeinen sich nur auf solche Denkmale der 
Baukunst (erstrecken können, welche innerliall) des 
Rahmens der geschichtlichen Entwicklung der Bau- 
stile lieg-en. Dahin gehörte aber das zu entfernende 
Portal auf keinen Fall. Die C. C. nimmt von diesem 
Projecte mit umso gTÖßerem Interesse Kenntnis, als 
ähnliche, wenn auch nicht so radicale Principien 
bei ihrem Votum über die beantragte Abtragung 
des Rundbog-enfrieses am Portale und die Ver- 
kürzung seiner Bekrönung- beim St. Stephan.s-Dome 
in Wien maßgebend waren. [Referent: Neumann] 

Böhmen. 

Die Senate der beiden Prager Universitäten 
haben Eingaben an das k. k. Mini.sterium iür 
Cultus und Unterricht g-erichtet, in welchen eine 
würdige künstlerische Ausgestaltung des großen 
Festsaales im Carolinum verlangt wird. Wie. 
aber diese Ausgestaltung erfolgen solle, wird in 
beiden Petitionen anders beantragt. Von der einen 
Seite wird die Verzierung des Plafonds mit .Stucco 
oder ornamentalen Malereien und die der nördlichen 
Wandfläche mit figuralen Wandgemälden ange- 
strebt, während die andere Petition lediglich zwei 
auf Leinwand gemalti' künstlerische Deckengemälde 
anzufertig-en beantragt, welche auch in einen Neu- 
bau übertragen werden könnten, da man doch in- 
folge des schlechten Bauzustandes des Carolinums 
in absehbarer Zeit an seinen Neubau denken müsse. 
Conservator Baurath Wiehl empfiehlt in erster 
Linie die Herstellung einer gothischen oder gothi- 
sierenden, sichtbar bleibenden hölzernen Balken- 
decke, an zweiter Stelle eine mit Stuccaturen ver- 
zierte Decke. Eine bloße Ausmalung der jetzigen 
g^lattcn Decke findcet der Conservator .schon wegen 
ihrer Dimensionen ganz und gar nicht am Platze. Als 
Wanddecoration will Baurath Wiehl einen hohen 
gemalten Fries mit bildlichen Darstellungen aus 
der Geschichte der Universität, darunter ein ruhiges 



i6 



Teppichniuster mit hölzernem Abschluss angebracht 
wissen. Die hässliche Glaswand beim Erker und 
das geschmacklose Gitter seien zu entfernen und 
beide durch stilj^erechte Gitter zu ersetzen. Von 
einer Baufälligkeit des StiI.-^ ..i."- d-'s Gebäudes 
könne keine Rede sein. 

Die C. C. erklärt sich mit dem Gutachten ihres 
Conservators einverstanden und empfiehlt es zur 
xVusführung. [Referent: Heioivxn] 

Das k. k. ^linisterium für Cultus und Unter- 
richt empfiehlt der böhmischen Statthalterei das 
h. a. Gutachten über den Bau des Kirchthurmes in 
Höritz zur Berücksichtigung. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die Beschaffung der Kosten, die 
durch die Innenrestaurierung der Decanatkifche zu 
Libochowitz noth wendig geworden sind. 

Conservator Custos Ritter von Welnzierl legt 
einen Ausschnitt des ^Teplitz-Schönauer Anzeigers'' 
vor, in welchem die Ausgestaltung und gedeih- 
liche Entfaltung der urgeschichtlichen Abtheilung 
des Tep litzer Museums besprochen wird. 

[Referent: Mlch] 

Bukowina. 

Correspondent Professor Kalndl berichtet über 
alte Actenbestände in einzelnen Gerichtsarchiven 
der Bukowina, welche für die Geschichte des 
Landes von nicht geringer Bedeutung- seien, aber 
leider der Vernichtung preisgegeben würden. Die 
C. C. beschließt, sich für die Sicherung dieser 
Archivalien zu verwenden. 

Dalmatien. 

Da der vom Pfarramt in Perasto vorgelegte 
von dem Erzbischofe ZmajeviC stammende Ornat 
aus dem XVII. Jahrhundert von kunsthistorischem 
Interesse ist, beschließt die C. C, für seine ent- 
sprechende Restaurierung Sorge zu tragen und, 
wenn es nothwendig werden sollte, um die Be- 
willigung einer Staatssubvention hiefür anzusuchen. 

[Referent : Neuxiann] 

Seit mehr als drei Decennien ist die C. C. in 
die Nothwendigkeit versetzt, besonderes Augen- 
merk auf die Erhaltung des diocletianischen 
Palastes in Spalato zu richten und die diesem 
Monumentalbaue drohenden Vandalismen abzu- 
wehren oder vielmehr eine derartige Abwehr nach 
Kräften zu versuchen. Ein neuerlich drohendes 



Attentat, wie es crasser nicht gedacht werden kann, 
und welches, wenn es von Erfolg begleitet sein 
sollte, den Untergang dieses Palastes zur Eolge 
haben müsste, nöthigte die C. C. abermals, in 
energischer Weise beim k. k. Ministerium für Cultus 
und Unterricht einzuschreiten. 

Prof. KuBrrscHEK wurde mit der Ausarbeitung 
eines Referates betraut, das dem Gesuche an das 
k. k. Ministerium zugrunde gelegt werden sollte. 
(Siehe Beilage auf Spalte 23.) 

Die C. C. stellt folgende Anträge: 

1. Zur Lösung der jedenfalls nicht ganz klaren 
Eigeiithumsfragen sei eine gemischte Commission 
zu ernennen, in welcher auch h. a. Vertreter Sitz 
und Stimme hätten und welche dem Ministerium 
ein Elaborat über die zweckdienliche Regelung der 
Verhältnisse des diocletianischen Palastes zu unter- 
breiten beauftragt würde, und 

2. bis zu diesem Zeitpunkte sei das Verfahren 
beim Kreisgerichte zu sistieren. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
erklärt, dem Ansuchen des Do minie aner-Con- 
ventes in Trau um Bewilligung einer Subven- 
tion für die Restaurierung des Kreuzganges in 
seinem Kloster keine Folge geben zu können. 

Galizien. 
Über die Vernachlässigung des königl. Schlosses 
auf dem Wawel in Krakau wird Beschwerde ge- 
führt und die baldige Restaurierung desselben ver- 
langt; die C. C. beschließt, im Wege des berufenen 
Conservators weitere Erhebungen zu pflegen. 

[Referent: Hermann] 

Kärnten. 

Das k. k. IMinisterium für Cultus und L^nterricht 
ordnet die Flüssigmachung der dem Verschöne- 
rung-svereine in Friesach für die Restaurierung 
der Ruine am P'etersberge dortselbst in Aussicht 
gestellten Subvention von 500 A" an. 

Mit den vorg-elegten Skizzen zweier neuen 
Seitenaltäre und einer Kanzel für die Kapuziner- 
kirche zu Wolfsberg erklärt sich die C. C. ein- 
verstanden. [Referent: Wächtler] 

Krain. 
Conservator Custos Szoübathy berichtet, dass 
Bartholomäus Pecnik in jüngster Zeit Tumuli durch- 
forscht habe, und zwar einen Tumulus am Äligove- 



17 



iS 



berg- hri Neudeg-g, welcher drei Skeletgräber 
enthaltei habe. Beim ersten Skelet fanden sich 
zwei Bniizearmring-e und eine Fibula, beim zweiten 
ein Bronzearmband, beim dritten nur einig-e Thon- 
jrefäfJe in Scherben; einen zweiten Tumulus im 
l^orfe Gabrije, Gemeinde Wrussnitz, mit vier 
Brandgräbern, die eine Lanzenspitze und Messerchen 
aus Eisen, einen Gürtelhaken (Metall nicht ange- 
g-cben), daneben tioch einigte Gefät3e lieferten. Der 
Berichterstatter bezeichnet die Ausgrabungen nicht 
als vortheilhaft. Die Funde seien für das Hofmuseum 
erworben worden. [Referent: Much] 

Das Ministerium für Cultus und Unterricht 
ertheilt zum Xeubau einer Pfarrkirche in Veldes 
an Stelle der jetzigen Inselkirche die Genehmigfung-. 

Küstenland. 

Mit den in Aussicht genommenen Herstellungen 
an der Pfarrkirche in Lussin g-rande erklärt sich 
die C. C. einverstanden und beantrag-t die Bewil- 
ligung- einer .Staatssubvention für diese Arbeiten; 
es versteht sich, dass die Herstellungen sich inner- 
halb des von der k. k. küstenländischen Statthalterei 
auf die Sicherung des Bauwerkes und seiner Kunst- 
schätze beschränkten Umfanges halten müssen. 

[Referent; Neumakn] 

Professor Gxms berichtet, dass die Gemeinde- 
vertretung der Stadt Pola die Errichtung eines 
städtischen Museums beschlossen habe. Für 
dieses habe sie das Haus Clivo .S. Stefano Xr. 3, 
das sich zur Unterbringung eines Museums und 
Lapidariums sehr gut eigne, zur Verfügung ge- 
stellt und die Geldmittel für die Inneneinrichtung 
bewilligt. In dieses Museum sollen die im Boden 
von Nesactium gemachten Funde sowie die im Be- 
sitze der Gemeinde befindlichen Antiquitäten ge- 
langen. [Referent; Kenner] 

Professor Gnirs berichtet, -dass im I-aufe des 
Decembers abermals römische Amphoren durch 
Grabungen, die man auf dem Boden des Castells 
von Pola veranstaltete, zutage gefördert worden 
seien. Da die früher hier aufgefundenen Amphoren 
zerbrochen worden seien, beantragt Professor Gnirs, 
die C. C. möge sich dafür verwenden, dass die neu 
g-efundenen vier Stücke an das .Staatsmuseum ab- 
gegeben werden; die C. C. beschließt, diesem An- 
trage zu entsprechen. [Referent: Kenner] 

Professor Gnirs legt eine Beschreibung der 



Basilica .St. Maria i-ormosa oder del Canneto in 
Pola vor, deren Veröffentlichung schon der ver- 
storbene Ministerialrath Lind als Redacteur dieser 
„Mittheilung-en"' in Aussicht genommen habe. 

[Referent: Neu.mann] 

Mähren. 
Conservator Bürgerschullehrer Czerny berichtet 
über die kunsthistorisch belanglo.se Pfarrkirche 
zu Bergstadt, welche mehrfache Schäden auf- 
weise und daher einer Restaurierung unterzogen 
werden solle; die C. C. erhebt keine Einwendung 
gegen dieses Project. [Referent: W\c nirKu] 

Nieder-Österreich. 

In einer Localcommission, die anlässlich der 
Renovierung des Schwarzenberg-Monumentes 
in Wien zusammentrat, empfahl Baurath Rosner 
als h. a. Vertreter die Reinigung des Bronze- 
denkmals mit Wasser und weichen Bürsten unter 
Ausschluss von Säuren. [Referent: Rosner] 

Mit der vollzogenen Umdrehung des Beet- 
hoven-Denkmals gegen die Wienzeile erklärt 
sich die C. C. einverstanden. Leider ist die Rei- 
nigung der Figuren nicht in zufriedenstellender 
Weise erfolgt. [Referent; Wächtler] 

Die k. k. Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf 
theilt mit, dass bei den Dammbauten am Russ- 
bach im Gemeindegebiete von Engelhartstetten 
100 Silbermünzen aus der Zeit Kaiser Rudolfs IL 
gefunden worden seien; die C. C. beschließt, die 
Münzensammlung des AUerh. Kaiserhauses auf den 
Fund aufmerksam zu machen. [Referent: Kenner] 

Die k. k. Bezirkshauptmannschaft Tulln macht 
Mittheilung, dass in der Ried Stallberg zu Groß- 
Weikersdorf Thongefäße von archäologischem 
Interesse gefunden wurden; die Centralcommission 
wird eine Besichtigung der Funde und der Fund- 
stelle veranlassen. [Referent: Mu.ch] 

Mit den an der Pfai^rkirche in Langenzer.s- 
dorf in Aussicht genommenen Arbeiten (Trocken- 
legung der feuchten Kirchenmauern, Verputz der- 
selben im Innern und außen, neue Pflasterung und 
Herstellung eines Rinnsals um die Kirche) sowie 
mit dem Zubau einer -Sacristei erklärt sich die 
C. C. einverstanden. [Referent: Luntz] 

Mitglied Baurath Wächtler macht darauf auf- 
merksam, dass in der letzten Zeit neuerlich Repara- 
turen an der Pfarrkirche in Perchtoldsdorf vor- 



19 



20 



g^enoitimen worden seien, welche das Aussehen 
dieses Baues in ungünstiger Weise beeinflussen. 
Die C. C. beschließt weitere Erhebungen zu pflegen 
und zu veranlassen, dciss bei der Fortführung der 
Arbeiten das Einvernehmen mit ihrem Conservator 
gepflogen werde. 

Gegen die vorgelegten Skizzen für die Aus- 
malung der Pfarrkirche in Pfaffendorf erhebt 
die C. C. wegen des geringen kunsthistorischen 
Wertes des Gebäudes keine Einwendung, wenn sie 
auch eine einfache färbige Abtönung des Innern 
der Kirche vorzöge. [Referent: Rosner] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
veranlasst die Flüssigmachung eines Betrages von 
loo K an den Maler Hugo Jäckel als Honorar für 
die Herstellung einer Copie des am Giebel des 
Rathhauses in Stein a. d. Donau angebrachten 
Freskogemäldes -Urtheil Salomonis" vom Krem- 
ser Schmidt, und übergibt diese Copie dem städti- 
schen Museum in Krems zur Aufstellung. 

Oberösterreich. 

Das vom oberösterreichischen Landesausschusse 
übermittelte Buch ^Ergebnisse der in den Jahren 
1900 und 1901 unternommenen Besichtigfung von 
Markt- und Communalarchiven in Oberösterreich'' 
wird mit lebhaftem Interesse zur Kenntnis ge- 
nommen. [Referent: Redlich] 

Conservator Oberst Handel-ÄLvzzetti berichtet 
über seine Thätigkeit im Jahre 1901. 

1. Die Acquisition von Archivalien aus dem 
gräfl. Arco'schen Archiv Aurolzmünster für das 
Museum Francisco-Carolinum in Linz ist mit Er- 
folg fortgesetzt beziehungsweise zu Ende geführt 
worden. 

2. Durch Kauf gelangten in das Linzer ^luseum 
zahlreiche Acten aus der sogenannten Registratur 
des fürstl. Starhemberg'schen Archivs in Eferding. 
Die Urbare, Stift- und Dienstregister, Original- 
urkunden und Briefe, dann Acten, die für die für.stl. 
Starhemberg'sche Familie von besonderem Belange 
sind, wurden für das Hauptarchiv in Eferding 
zurückbehalten. Protokolle verschiedener Art, Land- 
gerichtsacten, auch Rechnungen (Kirchen- und 
Pflegamtsrechnungen) wurden für das Landesarchiv 
erworben. 

Für das Museum requirierte der Conservator: 
ä) Acten des XVI. und X\'1I. Jahrhunderts und von 



einzelnen (40) Jahren des X\"11I. Jahrhunderts der 
Herrschaften Eferding und Schaumberg. Diese 
Acten enthalten Abschriften von Urkunden bis ins 
XIV. Jahrhundert, Original-Testamente, Heirats- 
briefe, Correspondenzen, zahlreiche Starhemberg- 
sche Lehensacten, auch Schaumberg'sche x\cten, 
Acten aus den Bauernkriegen, die Stadt Eferding, 
Stift Lindach, Stroham, Edelsitze Gstettenau und 
Prandstatt betreffende Acten, Weinzehentregister 
von Aschach, etc. b) Acten der Herrschaften Ober- 
Wallsee und Eschelberg von der Mitte des XVI. 
bis ins XVIII. Jahrhundert; sie berühren auch die 
Edelsitze Bergham, Müllacker, Mühldorf, Gneisenau, 
St. Veit, Ottensheim, die Pfarren St. Gotthard, 
Feldkirchen ; eingesprengt sind Acten über Dürn- 
stein, Thal Wachau und Senftenberg aus der Wende 
des XVI. ins XVII. und XVIII. Jahrhundert. 
c) Acten der Herrschaften Hartheim und Puchenau; 
nur wenige reichen ins X\T. Jahrhundert, dafür 
bergen .sie mannigfaltige Materien (Aufstellungs- 
und Musterungsacten des oberösterreichischen, von 
Graf Lobgott Kuefstein im Feldzuge gegen Baiern 
1704 — 1705 aufgestellten Regimentes, Originalien 
von Ständebeschlüssen, Herrnstands-Secessionen 
Oberösterreichs u. dgl., Acten über die Herrschaften 
Eggenberg, Windsbach, Gallspach, Kirchberg, Frei- 
ling, über die Familien Aspan, Schallenberg, Frei- 
herr von Erhardt, Hager zu Allensteig und St. Veit 
u. dgl. d) Diverse Acten, Kirchen- und Markt- 
rechnungen, verschiedene Güteranschläge etc. 

3. Die Arbeiten des Conservators für das Ur- 
kundenbuch des Landes ob der Enns sind im er- 
freulichen Fortschreiten begrifi"en. Er hat Copien 
von 750 Urkunden des XIII. und XIV. Jahrhun- 
derts fertiggestellt. 

Die C. C. beschließt, dem Conservator für seine 
Thätigkeit den Dank und die Anerkennung aus- 
zusprechen. [Referent: Redlich] 

Correspondent Professor Jäkel berichtet, dass 
die Schäden an den Gemälden der Marienbrüder 
in Freistadt aus früherer Zeit stammen. Xeue 
Beschädigungen seien nicht wahrzunehmen. Die 
Bilder seien im Gange des Ordenshauses entspre- 
chend hoch aufgehängt, so dass sie von den die 
Ordensschule besuchenden Kindern nicht erreicht 
werden können; außerdem bestünde auf diesem 
Gange eine fortwährendeAufsicht durch Lehrkräfte. 
Es könne daher von einer Übertragung der Bilder 



21 



22 



in einen andern Raum abg-esehen werden; die 
C. C. erklärt sich mit diesem Antrage einverstanden. 

Salzburg. 

Conservator Reg-ierungsrath Bergkr bericliti^t 
über die aus dem XVIII. Jahrhundert stammende 
Daatzclw u rnisäu 1 o lifini FuchsbainTii in Uiik(Mi 
und stellt eine Besichtij>'ung' des Donkmalcs und 
einen weiteren Bericht in Aussicht. Nach den 
bisher g-epflog-enen Erhebung-en ist der untere aus 
einem Steinblock bestehende Tlicil der Säuli' gut 
erhalten, während die obere Wölbungf durch Ab- 
bröckelung" ziemlich gelitten hat und mit einem 
Schutzdache versehen werden sollte. liin auf Blech 
g-emaltes Bild, welches von den jeweiligen Besitzern 
restauriert wurde, führt die Sage darauf zurück, 
dass ein ehemaliger Besitzer des Gutes in der 
Nähe desselben durch einen „Daatzelwurm" ge- 
tödtet worden sei ; er hatte die Vorsicht außeracht 
gelassen, sich in Zickzacksprüngen vor dem Un- 
gethüme zu flüchten. [Referent: Neümann] 

Schlesien. 
Gegen die Ausführung des Projectes für den 
Ausbau der Pfarrkirche in Punzau erhob die 
C. C. keine Einwendung. Sie empfiehlt lediglich, 
in Erwägung zu ziehen, ob die an den Ecken der 
alten Hauptfa^ade bestehenden beiden diagonalen 
vStrebepfeiler (falls sie sonst intact sind) trotz der 
vorzunehmenden Verlängerungen der Mauerfluchten 
nicht erhalten bleiben könnten. [Referent: Luntz] 

Steiermark. 

Die Pfarrkirche zu Radmer a. d. Stuben 
stammt aus ilem Jahre 1602 und wurde durch den 
damaligen Erzherzog, späteren Kaiser Ferdinand II. 
errichtet. Am Äußern entbehrt die Kirche jedes 
architektonischen Schmuckes; das Innere ist ziem- 
lich reich gegliedert und namentlich die Gewölbe 
sind reich ornamentiert und mit Fresken au.sge- 
stattet, welche den heiligen Antonius und seine 
Wunder darstellen. Die Innendecoration dürfte 
allem Anscheine nach erst um die Mitte oder in 
der zweiten Hälfte des Will. Jahrhunderts ent- 
standen sein. Diese Kirche wurde einc^r Restau- 
rierung unterzogen. Die Docke wurde gereinigt, 
das Rankenwerk der Ornamente und an den 
Rahmen der einzelnen Fresken ausgebessert. Die 
Malereien selb.st wurilen gereinigt und restauriert. 



Das Pflaster soll erneuert, eine neue Orgel aufge- 
stellt, die drei Altäre, die Kanzel, die Oratorien- 
fenster und das Orgelgehäuse neu vergold(>t uiul 
staffiert werden. [Referent: Wächilek] 

Tirol 

Conservator Rcgicrungsrath Deininger legt die 
vom Kunstvereine von Tirol und Vorarlberg pro 
i<)Oi herausgegebene XI. Serie der „Publicationen 
\on tirolischen und vorarlbergischen Kunstwerken' 
aus alt("r und neuer Zeit" vor, wofür dem lün- 
sender gedankt wurde. 

Conservator Beneficiat Arz bezeichnet den 
früheren Hochaltar aus der Pfarrkirche zu Kuens 
als ein wenig wertvolles Object der Renaissance 
aus dem XVIII. Jahrhundert, welches für den 
Gotte.sdienst niclit benöthigt wird. Die interessanten 
Theile des Altars, Tabernakel, vier -Statuen sammt 
dem Altarbild des hl. Mauritius wurden in der 
Kirche belassen, der Altar selbst soll verkauft 
werden. Die C. C. erhebt hiegegen keine Ein- 
wendung. [Referent: Rosner] 

Die h. a. genehmigten ergänzenden Recon- 
structionen an den Fajaden der landesfürstlichen 
Burg in Meran, die auf die Freilegung des recht- 
winkelig angelegten Erkers neben der Kapelle und 
die Herstellung des Verbindung-sganges von diesem 
Erker zum Kapellenchor hinzielte, sind plangemäß 
durchgeführt. Oberbaurath Freiherr von Schujuit 
hat bei der Restauration der Burg- am Kap(>llen- 
chor einen kaminartigen Aufbau ausgfeführt, an- 
geblich nur zur besseren Silhouettierung dieser 
Gebäudefront, obgleich er ursprünglich nie be- 
standen haben soll. Durch die in neuester 
Zeit entdeckte ursprüngliche Form des Erkers 
neben der neu hergestellten Kapelle wirkt der 
Aufbau keineswegs günstig, und es besteht daher 
die .\bsicht ihn zu demolieren. Die C. C. ist nicht 
von der Richtigkeit dieser Anschauung überzeugt. 
.Sie finilet, dass der von .Schmidt hergestellte Erker 
in keiner Weise .störe und diese Partie in ange- 
nehmer Weise belebe. Sie spricht .sich daher gegen 
die Demoli(>rung aus. [Referent: Rosnek] 

Correspondent Profes.sor dei Cobelli berichtet, 
dass südlich von Rovereto an der Stelle „alle 
rischie dei gazzi di Marco'' römische Ziegel- 
gräber mit Bronzemünzen verschiedener römi- 
scher Kai.ser aus der ersten Hälfte des I. Jahr- 

2* 



23 



24 



hunderts und anderen Beigaben, namentlich Gefäßen, 
aufgefunden worden sind. Der Grundeigenthümer 
versprach, alle Objecte, die in Hinkunft aufgefunden 
^YÜrden, dem städtischen Museum in Rovereto zu 
überlassen. Die Fundstelle verdient sorgfältige 
Beachtung. Mit Hilfe der mitgefundenen Münzen 
sind die anderen Beigaben, Gefäße, Lanzen, Ziegel- 
stempel datierbar. Die C. C. beschließt daher, genaue 
Erhebungen über die einzelnen Fundumstände zu 
pflegen. [Referent: Kenner] 

Conservator Regierungsrath Deinixger legt ein 
Project für die Sicherung der Wallfahrtskirche 
Maria-Rast zu Zell am Ziller vor. Der durch die 
Felsbewegungen gefährdete Theil der Kirche soll 
auf einer neu zu schaffenden Unterlage mit be- 
weglichen Rollen von weiteren Felsbewegungen 
unabhängig gemacht und so in Ruhe erhalten 
werden. Die C. C. erhebt gegen dieses Project 
keine Einwendung. [Referent : Rosner] 

Beilage. 

Zum Schutze des Palazzo di Diocleziano 
[Referat des Redacteurs Prof. Kumtschek]. 

' Bekanntlich stammt dieser Palast aus der Zeit 
des Überganges der römischen Cultur in die by- 
zantinische, wurde von den Zeitgenossen angestaunt, 
von antiken Künstlern studiert und in Details 
nachgeahmt und noch vom Kaiser Konstantinos 
Porphyrogenetes „trotz seiner Schädigungen durch 
die Zeit ein Zeugnis vergang-ener Blüte stattlicher, 
als dass er ihn beschreiben könne", genannt. 
Dieses Bauwerk ist, weil spätere Geschlechter 
lange Zeit hinter seinen Mauern Schutz fanden 
und seine Hauskapellen zu chri.stlichen Kirchen 
umschufen, uns in seinen wesentlichen Theilen 
erhalten geblieben als eines der allerkostbarsten 
Überbleibsel des classischen Alterthums. Eine 
spätere Zeit hat diesen Schatz ehrfürchtig geschützt. 
Ein gerichtliches Urtheil von 1731 betont aus- 
drücklich, dass das Eigenthumsrecht der Commune 
Spalato, und den innerhalb des Palastes ang-esiedelten 
Hausbesitzern lediglich ein Nutzungsrecht zustehe. 
Marschall Marmont erklärte während der fran- 
zösischen Occupation Dalmatiens den Palast aus- 
drücklich als Staatseigenthum. Nach dem Abzüge 
der Franzosen verstand sich diese Anerkennung 
des Staatseigen thums Österreichs am diocletianischen 
Palast von selbst. Die in den Palast eingenisteten 



Häuschen bildeten bereits in venetianischer Zeit 
nur einen kleinen Theil des modernen Spalato und 
sie spielen in der Gegenwart eine sehr geringe 
Rolle im Leben dieser Stadt. Von den zwei Haupt- 
wegen, die sie von Thor zu Thor durchziehen, 
kann der vom Seepförtchon zur porta aurea, die 
heute nur über Stufen erreichbar ist, überhaupt 
nicht durchfahren werden, der andere ist zu schmal 
für den Verko'hr und daher bedeutungslos g^egen- 
über den entlang- den Außenseiten des Palastes 
führenden .Straßen. 

Innerhalb des Palastes wohnt eine arme Be- 
völkerung in nicht selten ganz sanitätswidrigen 
Bauten. Dieser Stadttheil hat außer einer Apotheke 
und einer Drog-uerie kaum irgendwie nennens- 
werte Geschäftsläden. Das Aufblühen des Geschäfts- 
lebens in Dalmatien überhaupt und in dessen 
größter Stadt Spalato insbesondere hält nun nicht 
vor dem armen Bezirke innerhalb der Palastmauern 
still und will zu bedeutenden baulichen Umände- 
rungen führen, denen die Palastmauern zum Opfer 
fallen müssten. 

Welch hervorrag-enden Wert der Palast für 
das historische und das kunsthistorische Studium 
besitzt, weiß jeder Fachmann, der ihn besucht hat. 
Zeugnisse sind aucii die seinerzeitigen Aufnahmen 
von Adam und Cassas, die aber veraltet und un- 
wissenschaftlich sind und nur Theile des Palastes 
berücksichtigten konnten, da verschiedene Gründe 
zu jener Zeit den Zugang- zu den Mauern vielfach 
hemmten. Eine vollständige Neuaufnahme ist ein 
dringendes Bedürfnis, das von Gelehrten aller 
Nationen häufig und nachdrücklich genug betont 
\\ird. 

Um sie wirklich entsprechend durchführen zu 
können, müsste man freilich entweder die Palast- 
.stadt evacuieren oder einzelne Bauten gelegentlich 
einer Räumung oder eines Umbaues fallweise 
studieren. Dass die Evacuierung- das beste Mittel 
wäre, wird einmüthig erklärt, und es ist wohl 
glaublich, dass es, wie behauptet wird, läng.st 
durch das Zusammenwirken amtlicher Organe und 
opferwilliger Privaten angewendet worden wäre, 
wenn der Palast in Itali(>n, Frankreich oder Eng- 
land stünde. Der Palast bedeckt nur einen kleinen 
Theil der Fläche, den man in Rom während der 
letzten Decennien von modernen Bauten befreite, 
um die antiken Ruinen bloßzulegen, und ist kleiner 



25 



26 



als (las l)cirf Kastri, dessen 325 Häuser man vor 
einij,'-eii Jahren niediTleLjte, um I)elplii aufzudecken. 
Die österreichische Regierunj;;- hat thatsächlich 
bereits wiederholt, was gerne und rühmend hii-r 
her vorgell oben werden soll, einige der Häuschen 
angekauft und nicderreil.ien lassen, um wichtigen^ 
'["heile des Palastes bloßzulegen und vor weiterem 
X'erfalle zu schützen. Alle diese Bemühungen sind 
genügend gerechtfertigt, und weit größere Geld- 
aufwendungen würden sich lohnen, da dieser Palast 
der einzige so ziemlich xollständig erhaltiMie Kaiser- 
palast aus römischer oder byzantinischer Zeit ist_ 
Die I5aut(Mi des Palatin sind zu stark zerstört oder 
zum Theile adaptierte Privatgebäude, die Hadrian- 
Villa von Tivoli das Werk eines kaiserlichen Natur- 
freundes und Kunstliebhaber.'s; sie schmälern nicht 
im geringsten die einzige Art des diocletianischen 
Palastes. 

Es ist eine Ehrenpflicht Österreichs, di(\ses 
])enkmal vor weiterer Zerstörung zu schützen, und 
es ist nicht zu bezweifeln, dass ein einhelliger Ruf 
der Entrüstung durch die ganze gebildete Welt 
gienge, wenn die zum Schutze der heimischen 
Alterthümer bestellten oder verpflichteten P"actoren 
das Schicksal des Baues den materiellen Absichten 
von so und soviel Einwohnern opfern würden, die 
ebensogut oder besser außerhalb des diocletianischen 
Palastes als in ihm wohnen könnten. 

Es gibt kein Bauwerk innerhalb Österreichs, 
das die C. C. eifriger und wachsamer zu schützen 
verpflichtet wäre, als dieses. Wie sollte ihre Wirk- 
samkeit bezeichnet werden, wenn sie pflichtmäßig 
sonst andere kleine und große Denkmale, Grab- 
steine, Kapellen, Bildwerke, Thore u. s. w. in ihre 
Obhut nähme und das Juwel unseres Bestandes an 
Alterthümern zu schirmen nicht alle ihre Kraft 
aufwendete? Sie weiß sich in diesen Bestrebungen 
eins mit allen Fachgxdehrten und allen Gebildeten 
aller Völker europäischer Gesittung und kennt 
genau die Urtheile von zahlreichen Inländern und 
Ausländern, die den ehrwürdigen Bau mit Klagen 
über seinen gegenwärtigen Zustand betrachtet haben. 

Angeblich über Aufforderung der dalmatini- 
schen Einanzverwaltung, wahrscheinlich um die 
Kosten der Erhaltung der antiken Mauern nicht 
b(!streiten zu müssen und um den Wünschen der 
Einwohner der in dem Palast eing^ebauten Häuschen 
nachzugeben, ist nun das Kreisgericht in Spalato in 



die Frage der Überantwortung des Eigenthums- 
rechtes der antiken Mauern in ])ri\ate Hände einge- 
treten. Schon vor Jahren sind vereinzelt Private 
grundbücherlich als Eig-enthümer der betreffenden 
(irundstücke eingetragen worden, uml im August 
und 1 )ec(>mber v. J. sind andere Privat«? vorgeladen 
worden, um in gleicherWei.se Eigenthümer der 
Palastmauern zu werden, an die ihre Häuser an- 
gelehnt sind. Dem Director des Museums in 
Spalato und fonservator Monsignore Bulic, der 
viele Jahre hindurch in aufopferndem und fast heroi- 
schem Kampfe und mit nicht genug anzuerkennen- 
dem Geschicke die Rechte der Forschung und des 
Staates gegenüber den Anschauungen seiner Land.s- 
leute zu wahren sich bemüht hat, ist es gelungen, 
eine Fristerstreckung des nächsten Gerichtstermines 
zu erzielen, der auch das Urtheil zu bringen ver- 
spricht. Anfangs Februar soll die letzte Tagfahrt 
erfolgen, welche, wenn nicht aufklärend und be- 
ruhig'end eingegriffen wird, zu einem Resultate 
führen muss, das angesichts der Bemühungen des 
Staates um die Erforschung und Erhaltung antiker 
Denkmale in Österreich und um die Erforschung 
und Bergung von Kunstschätzen des classischen 
Orients, geradezu unglaublich erscheinen muss: 
nämlich zur Vernichtung des diocletianischen 
Palaste-s. 

Sitzung am 7. Februar (dritte .Sitzung der 

n. Section). 
Anwesend: der Präsident als Vorsitzender. — 

Mitglieder: Deiningek, Förster, Hermann, 

LuNTz, Neumann, Rosner, Wächtler, Wör.vdle. 

— Redaction: Kubitschek. — Schriftführer: 

Bauer. 

Böhmen. 

Der gegebenen Anregung", für die Restaurierung 
der Petruskirche in Mies einzutreten, beschließt 
die C. C. Folge zu leisten. [Referent: Rosner] 

Con.servator Professor Pippich berichtet, 'dass 
die Restaurierung der Pfarrkirche zu Pouchow voll- 
endet worden sei. Die.se Restaurierung- beschränkt 
sich auf eine gründliche Reinigung, auf die Neu- 
verputzung der stark beschädigten Innen- und 
Außcmwände und auf eine decorative Polychromie- 
rung-. Die jetzt aufgedeckten Fresken mit Darstel- 
lungen aus der Legende des Apcstels Paulus wird 
im I'Vühjahre 1902 der Maler Martin MatoüS restau- 
rieren. [Referent: Schaeffer] 



27 



28 



Galizien. 

Conservator Baurath Odrzywolski berichtet, 
dass an dem Kloster, der Kirche und den Kapellen 
in Kalwarya Zebrzydowska ohne seine Mit- 
wirkung Restaurierungen durchgeführt worden 
seien. Es sollen die Dachschindeln durch Ziegel 
ersetzt und der Sandsteinsockel der Kirche und 
das Kloster ausgebessert werden. Der Conservator 
hat gegen das Ziegeldach nichts einzuwenden, wenn 
die XeigTing der Dachflächen nicht geändert wird. 
Auch soll die beschädigte Brücke über den Cedron 
ausgebessert und zwei Kapellen an den Pilger- 
straßen wegen ihres schlechten Bauzustandes aus- 
gebaut werden. Der Conservator hat sich bereits 
bemüht, um den Aufschub dieser Bauarbeiten zu 
erreichen, bis er in die Lage komme, diese Objecte 
zu besichtigen. Der Plan, die Hauptfajade mit hy- 
draulischem Kalk zu verputzen, veranlasst die C. C. 
darauf hinzuweisen, dass der hydraulische Kalk den 
Charakter des Putzbaues leicht ändere, und sie 
empfiehlt daher die Anwendung eines guten Weiß- 
kalkmörtels. [Referent: Deiningek] 

Conservator Dr. vok Tomkowicz bestätigt die 
Richtigkeit der alarmierenden Zeitungsnachrichten 
über den kläglichen Zustand des königl. Schlosses 
auf dem Wawel in Krakau. Seit Jahren sind keine 
Ausbesserungen erfolgt, viele Gesimse sind abge- 
brochen, die Tünche fällt stückweise ab. Allerdings 
ist der Bau selbst nicht gefährdet. So lange Militär 
in diesem Baue liege, sei nicht gut eine Restau- 
rierung zu empfehlen; da aber die Räumung des 
Schlosses bald zu gewärtigen sei, so könne man 
eine Restaurierung bis dahin verschieben. Die 
C. C. nimmt diesen Bericht zur Kenntnis. 

Kärnten. 

Auf Ansuchen des Pfarramtes St. Leonhard 
in der Abtei beschließt die C. C, sich für eine 
Subventionierung der Restauration des Tafelge- 
mäldes in der Pfarrkirche, die Beweinung Christi 
darstellend, zu verwenden. [Referent: Sch.aeffer] 

Der gothische Flügelaltar in der Pfarrkirche 
zu Maria Gail soll restauriert werden. Die Hoch- 
reliefgruppe „Mariens Krönung", die heute den 
Hochaltar schmückt, war ursprünglich in den 
Schrein des alten gothischen Flügelaltars eingefügt 
und soll bei der Re.staurierung wieder dahin ge- 
bracht werden. Eine Untersuchung der Angaben 



über die ehemalige Einordnung dieser Gruppe hat 
ihre Bestätigung gebracht und die C. C. erklärt 
sich daher mit die.sem Plane einverstanden und 
empfiehlt die Ausführung eines Gemäldes für den 
Hochaltar. [Referent: Deiningek] 

Das Ministerium für Cultus und Unterricht 
erklärt, dass es derzeit die Restaurierung der 
Thüren im Stiftsgebäude zu Ossiach nicht unter- 
stützen könne. 

Krain. 

Conservator Crnologar berichtet über seine 
Untersuchung der Fresken in der St. Georgskirche 
zu Sonnegg bei Igg. Sie stammen aus Anfang 
oder Mitte des XV. Jahrhunderts, sind aus der 
Legende des hl. Georg geschöpft und künstlerisch 
wertvoll. Die von der C. C. angestrebte gänzliche 
Bloßlegung und Restaurierung dieser Fresken lässt 
sich mangels verfügbarer Mittel nicht durchführen. 
Der Conservator hat mit dem Maler Sternen die 
Malereien an der Süd- und Westwand des Schiffes 
untersucht; sie sind sehr gefährdet und drohen 
herabzufallen. • Sicherung und pietätvolle Wieder- 
herstellung seien unbedingt nothwendig. Die C. C. 
beschließt neuerliche ^'ersuche zu machen, um 
wenigstens diesen Theil der Arbeiten zur Au.s- 
führung zu bringen. [Referent: Schaeffer] 

Küstenland. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt gibt bekannt, dass das Munitionsdepot auf 
dem .Schlossberge in Görz aufgelassen werde, da 
die Stadtgemeinde einen Ersatz für diese Räume zur 
Verfügung gestellt habe. [Referent: Necmann] 

Correspondent Director Dr. Amoroso legt Photo- 
graphien des restaurierten Hauses Fragiacomo auf 
Piazza Tartini in Pirano vor. [Referent: Xelmanx] 

Mähren. 

Die Stadtgemeinde Znaim theilt mit, dass in 
unmittelbarster Nähe des sogenannten Heiden- 
tempels, bloß i'" von seiner Apsis entfernt, eine 
gewerbliche Anlage der dortigen Brauerei (das 
Fässerwaschhaus, ein Local zur Aufstellung einer 
Dynamomaschine und eine Picherei) erbaut werden 
solle. Dieser Heidentempel stammt aus dem Jahre 
i io6 und ist die ehemalige Burgkapelle des Herzogs- 
sitzes von Znaim, von Herzog Luitpold, dem Sohne 
Conrads und Schwager Leopold des Heiligen von 
Babenberg, erbaut; der Bau enthält zugleich als 



29 



30 



kostbaren Schatz die hoch in romanische Zeit zuriick- 
reichende uralte Malerei, die sich noch an alte 
byzantinische, allgemein üblich ye\vorden(> Typen 
(so die sechs geflüß;elten Seraphim) anlehnt, und 
in drei übereinander angeordneten Bildnisreihen 
die ganze Regentenfamilie der Pfemysliden, von 
Pfemysl I. bis Bfetislav H. (f iioo), und rechts 
und links am Triumphbogen die Donatoren Herzog 
Luitpold und seine Gemahlin Ita zeigt. 

Es handelt sich somit um eines i]vr ältesten 
r und bedeutendsten Kunstwerke romanischer Malerei 
und es ist sehr die Frage, ob durch den beab- 
sichtigten Bau in der unmittelbarsten Nähe des 
Heidentempels und durch die hierdurch gleichfalls 
bedingte Abtragung des Felsens, auf welchem die 
Kapelle steht, diese nicht gefährdet werden könnte, 
was umsomehr zu befürchten steht, als man bereits 
auf einer anderen Seite des Tempels in einer Ent- 
fernung von 2"' ein Gebäude aufführte und hierbei 
den Felsen angreifen musste. Die C. C. beschließt 
daher, die Abhaltung einer Localcommission in An- 
trag zu bringen und zu derselben den Referenten 
Baurath Wächtler und den berufenen Conservator als 
ihre Vertreter zu entsenden. [Referent : Wächtler] 

Nieder-Österreich. 

Der Private Georc; Lieger hat bereits im Vor- 
jahre ein Glasfenster mit den Bildnissen des 
hl. Georg und Balthasar im Schiffe der Pfarrkirche 
zu Heiligenblut gestiftet und beabsichtigt ein 
correspondierendes Fenster mit der Darstellung des 
hl. Andreas und der hl. Maria zu errichten. Gegen 
die vorgelegten Skizzen wird h. a. keine Einwendung 
erholten. [Referent: Rosner] 

Ober-Österreich. 

An dem Projecte für die Erweiterung- der 
Pfarrkirche in Geretsberg wurden auf Grund der 
seinerzeit h. a. gestellten Anträge Abänderung-en 
vorgenommen. So wurde an Stelle der Wendel- 
treppe eine zweiarmige geradlinige Stiege zur 
Empore entworfen. Die C. C. erklärt sich mit diesem 
Projecte nunmehr einverstanden und spricht sich 
lediglich gegen die schon früher beanständete aber 
beibehaltene Kreuzblume am Giebel aus, welche 
durch ein einfaches Steinkreuz zu ersetzen wäre. 

[Referent: Deininger] 

Das für die Wiedcrlu^rstellung des Srhutz- 
baues des St. Wolfgangbrunnens in St. W'olfgang 



entworfene Project ist eine getreue Wiedergabe 
des alten abgetragenen Schutzbaues, und soll unter 
Benützung der vorhandenen Werkstücke durch- 
geführt werden; die C. C. erklärt sich hiermit voll- 
kommen einverstanden. [RefertMit: Rosner] 

Tirol. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt verfügt die Flüssigmachung der Staatssub- 
vention von 1200 A' für die Re.staurierung des 
St. Christoph-Hospizes auf d(?m Arlberg und 
erklärt auf tlen Antrag, für den gleichen Zweck 
eine weitere Subvention von 600 K zu bewilligen, 
derzeit nicht eingehen zu können. 

Conservator Propst Dr. Walter legt einen 
Bericht des Priesters Max Hölzl über die Wand- 
malereien in der Kapelle des Schlosses Brück bei 
Lienz vor. Ihr Zustand ist so ziemlich der gleiche 
geblieben wie in früheren Jahren, in denen sie der 
Berichterstatter untersuchte, so dass sich kein merk- 
liches Fortschreiten des Verfalles bemerkbar macht. 
Es zeigen sich dieselben Risse und Klüfte wie 
damals, und der Mauerfraß hat sich nicht weiter 
ausgedehnt. Am schlechtesten erhalten ist die 
Westseite der Kapelle. Hier ist von einer Malerei 
so gut wie nichts mehr zu sehen, was dem Ein- 
dringen von Feuchtig'keit durch das gegenwärtig 
mit Brettern verschalte Fenster zuzuschreiben ist. 
An der Südseite befindet sich das jüngste Gericht 
(etwas schadhaft), darunter Scenen aus der Passion, 
vermuthlich von einem anderen Maler als das obere 
Bild. Hier sind die größten Risse wahrzunehmen, 
die der Hauptsache nach durch das Abbrechen 
der daranstoßenden ehemalig-en Kerkerzelle mit 
ihren Gew-ölben verursacht worden sein dürften; 
von letzterer ist noch ein kleines schiefes Fenster 
übrig, das den Gefangenen den Ausblick auf den 
Altar ermöglichen sollte. Die Gemälde der Ostseite 
(Apsi.s) sind besser erhalten, wenn auch hier größere 
und kleinere Risse constatiert werden konnten. 
Neben der Apsis gegen Norden erblickt man einen 
kleinen Erker, der als Glockenkammer diente. Die 
hier entstandenen Sprünge dürften auf die ]•>- 
schütterung durch das Tauten und durch das 
Herausreißen eines eisernen Gitters aus der noch 
vorhandenen Nische zur Aufbewahrung von Re- 
liquien zurückzuführen sein. Sehr gut erhalten ist 
die Nordseite; leider sind die oberen Partien der 



31 



32 



Malereien arg- zerkritzelt v\orde"n. Das schönste und 
besterhaltene Bild ist ^der Tod Mariens^^ auf der 
Thurmseite; sehr gut erhalten ist endlich die Decke 
der Kapelle. Das Bauwerk wird meist versperrt 
gehalten und der Zutritt in der Reg^el nur über 
motiviertes Verlangen gestattet. Zu einer Restau- 
rierung der Malereien will sich der Eigenthümer 
absolut nicht verstehen. [Referent: Schaeffer] 

Die k. k. Bezirkshauptmannschaft in Cles 
theilt mit, dass die Wandmalereien im Palazzo 
assessorile dortselbst gegen Witterungseinflüsse 
entsprechend geschützt seien. Eine Gefahr drohe 
ihnen nur dadurch, dass aus den Arrestlocalen 
im dritten Stockwerke Wasser und andere Flüssig- 
keiten durchsickern. Es ist daher die Neuher- 
stellung der betreffenden Fußböden aus Portland- 
cement in Aussicht genommen. Die bisher am 
Palazzo durchgeführten Arbeiten beschränken sich 
auf die Weißigoing des Stiegenhauses und der im 
ersten Stockwerke befindlichen Räumlichkeiten 
und die Restaurierung der Thür- und Fenster- 
verschlüsse. [Referent: Schaeffer] 

Correspondent akad. Maler Siber berichtet, 
dass an der Westseite über dem linken Seiten- 
altare der Pfarrkirche zu Marling ein noch 
zum großen Theile unter der Tünche verborgenes 
Bild aufgefunden wurde. So weit aus den jetzt 
zutageliegenden Theilen des Gemäldes zu er- 
kennen ist, dürfte es das Weltgericht dargestellt 
haben und aus dem X\T. Jahrhundert stammen. 
Die Köpfe sind voll Charakter und fein durch- 
geführt, der Faltenwurf ist groß und breit. Die 
Technik ist eine sehr leicht lösliche Tempera- 
malerei. Der untere Theil dürfte wahrscheinlich 
arg beschädiget oder ganz zerstört, das Übrige gut 
erhalten sein. 

An der Außenseite des ehemals als Presby- 
terium, jetzt als Sacristei dienenden Raumes be- 
findet sich ein Christophorusbild, oben zwei 
Wappen (gelbes Feld und schwarze Streifen): der 
obere Theil des Bildes ist gut erhalten, der untere 
von den Knien an fast ganz zerstört. Die An- 
bringung eines Blechdaches ist unbedingt noth- 
wendig. Die C. C. beschließt, die weiteren Er- 
hebungen zu pflegen, ob die nothwendigen Mittel 
zur Re.staurierung und zum Schutze dieser Bilder 
von den localen Factoren aufzubringen wären. 

[Referent: Schaeffer] 



Conservator Dr. Ixnerhofer berichtet, dass die 
verunglückte Ubermalung des ührthurmes der 
Pfarrkirche zu Meran so wenig widerstands- 
fähig sei, dass sie bald vor den Witterungsein- 
flüssen verschwinden werde. Er berichtet ferner, 
dass die baldige Erneuerung der Sandstein-Gallerie 
dieses Thurmes vorgenommen werden müsse. 

Derselbe Conservator berichtet, dass die soge- 
nannte Madonnensäule am Sandplatze in Meran 
gefährdet .sei, da der Sockel, welcher aus leicht 
verwitterbarem rothen Mergelkalk (Trientiner 
Marmor) besteht, sich in einem bedenklichen Zu- 
stande befinde. Ein Comite, in welches auch der 
Conservator gewählt wurde, habe sich zur Be- 
rathung der nöthigen Maßnahmen gebildet. 

Correspondent Landesgerichtsrath Dr. Earcher 
berichtet, dass im Kreuzgange des Klosters Xeu- 
stift bei Brixen Spuren von Malerei in einer 
der Gewölbekappen durch Wegfallen der Tünche 
sichtbar wurden. Im Frühjahre soll die Bloßlegfung 
einer größeren Partie mit aller Vor.sicht vorge- 
nommen werden. [Referent: Schaeffer] 



Sitzung am 14. Februar (dritte Sitzung der 
I. Section, dritte Sitzung des Plenums und 
vierte Sitzung der IL Section). 

Anwesend: der Präsuient als Vorsitzender. — 
Mitglieder: Deixinger, Herm.wjx, Kenner, 
LuxTz, MucH, Neümanx, Redlich, Rosxer, 
W.\chtler. — Redaction: KuBrrscHEK, Riegl. 
— Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines. 
Zum Correspondenten wurde ernannt: 
Regfierungsrath Rich.\rd Traiipler, Director der 
Franz Joseph-Realschule in Wien. 

Böhmen. 

Stud. jur. Ax-kert legt die Photographie eines 
schmiedeisernen Gitterthores vor, welches sich in 
einem Wirtschaftshofe zu Deutsch -Ml ikojed be- 
findet und aus der 1839 in Leitmeritz abgerissenen 
St. Michaelskirche stammt. Ein schmiedeisernes 
Kreuz aus derselben Kirche befindet sich an der 
Straße von Deutsch-Mlikojed nach Proßnitz. 

[Referent: Xeumaxx] 

Conservator Civil-Ingenieur Pascher berichtet 
über vier Grabsteine, welche im Franciscanerkloster 
zu Eger aufgefunden wurden; zwei derselben lagen 



33 



34 



im Pflaster dr-s Presbyteriums der Kirche, einer 
befand sich in einer Kammer, der vierte stand 
als (irufl(l(>ckrl in \^er\venihini4-. (jclegentlich der 
stilvollen Restaurierung- der Franciscanerkirche, 
wobei der alte barocke Hochaltar entfernt und 
durch einen neuen g-othischen Altar ersetzt wurde, 
sind die Grabsteine gehoben und theils an den 
Wänden des Presbyteriums, theils an jenen des 
Kreuzi^ang-es zur Aufstellung gebracht worden. 

[Referent: Neumann] 

Conservator Professor Bramä legt das Project 
für den neut-n Hochaltar in der St. Jjarbarakirche 
zu Kuttenberg vor. Da darin auf die erhaltenen 
Fragmente des alten Bestandes strenge Rücksicht 
genommen ist, wird das Project von der C. C. 
genehmigt. [Referent: Rosner] 

Der Verein für österreichische Volkskunde 
theilt mit, dass er die Erwerbung der vom Maler 
Jacoh Gikzel in Reichenberg hergestellten Weih- 
nachtskrippe nicht ins Auge fassen könne. 

Dalmatien. 

Correspondent Professor Dr. JeliC berichtet 
über die Aufdeckung von mittelalterlichen Bau- 
resten in Biograd. In dieser schon von Constantin 
Porphyrogenetes (950) erwähnten Stadt residierten 
im XI. Jahrhunderte die dalmatinisch-kroatischen 
Könige und errichteten mehrere Stiftungen: die 
Kathedrale, das Benedictinerkloster des heiligen 
Johannes (1059) und das Nonnenkloster des heiligen 
Thomas. 1102 wurde hier der ungarische König 
Koloman zum kroatisch-dalmatinischen Könige ge- 
krönt. Die Stadt wurde 1125 von den Venetianern, 
1647 von den Türken zerstört, und ist heute zum 
großen Theil mit Trümmern bedeckt, in welche 
andere Häu.ser angebaut sind. 

In der Nähe der Pfarrkirche (SW) befindet 
sich das Plateau „Glavica", auf welchem die Pfalz 
der dalmatinisch-kroatischen Könige gestanden 
haben soll. Gelegentlich der Anschüttung eines 
Weges wurde eine Abside entdeckt, jedoch sofort 
demoliert. Es trat aber weiters eine starke innen 
und außen mit Strebepfeilern versehene Perimetral- 
mauer, ferner eine zweite, größere Abside und eine 
eingemauerte Säule zutage. Profe.ssor JeliC ver- 
mochte sich mit Erfolg für die Erhaltung dieser 
Funde einzusetzen und führte rationelle Grabungen 
durch. Außer den bereits angeführten Bautheilen 



wurde ein Altarstück in der Öffnung der Haupt- 
abside sammt architektonischen Decorationsfrag- 
menten, einige mit Ziegeln gemauerte Gräber 
sowie die Basis einer Monolithsäule gefunden. Die 
Funde gehören zu einer monumentalen Kirche 
aus dem früheren Mittelalter, vielleicht einer Hof- 
kapelle oder der von Peter I. KREsCnim um das 
Jahr 1059 errichteten Abtei des heiligen Johannes. 
Zur Fortsetzung der Grabungen erbittet der Be- 
richterstatter die finanzielle Unterstützung der 
C. C, welche .sie in Hinblick auf die anscheinende 
Wichtigkeit des Gegenstandes nach Thunlichkeit 
in Au.ssicht stellt. [Referent: Neumann] 

Conservator kaiserlicher Rath Professor Gelcich 
berichtet, dass die Herstellung eines Rahmens für 
das Gemälde von Girolamo da Santa Croce in der 
St. Josefskirche zu Cattaro nach dem billigsten 
Offert auf 400 K zu stehen komme und bittet, 
dass die Staatssubvention von 120 K auf diesen 
Betrag erhöht werde; die C. C. beschließt zu er- 
heben, ob nicht eine, wenn auch geringe Beitrags- 
leistung seitens der localen Factoren zu ge- 
wärtigen sei. [Referent: Neumann] 

Das k. k. Älinisterium für Cultus und Unter- 
richt ordnet die Ausarbeitung eines Detailprojectes 
für die Erweiterung der römisch-katholischen Pfarr- 
kirche in Neresi an. 

Conservator de Bersa berichtet, dass es gelang, 
die an der Zertrümmerung der großen Inschrift- 
platte vom Trajansthor in Asseria (Podgradje) 
Schuldtragenden zu eruieren und vor die Gerichte 
zu stellen. Die zertrümmerte Platte ist im Museum 
.S. Donato in Zara. Es wird versucht, sie aus den 
unzähligen Trümmern zu reconstruieren. 

Bei den Fundamentgrabungen für den neuen 
Justizpalast in Zara traten zahlreiche Spuren von 
römischen Wohnräumen und Mosaik-Fußböden zu- 
tage. Letztere sind in opus tesselatum hergestellt; 
an einer Stelle bestehen sie aus großen, nicht ganz 
regelmäßigen Würfeln von weißem Marmor und 
bilden einfache geometrische Muster. .Sämmtliche 
antiken Reste wurden auf dem großen l'lane der 
alten Stadt Zara, der sich im S. Donato-Museum 
befindet, eingetragen. [Referent: Kenner] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt für die Re.staurierung der in die 
diocletianische Palastmauer eingebauten St. Martins- 
kapelle in Spalato eine weitere Subv^ention von 

3 



03 



36 



1366 K, welche in zwei Raten in den Jahren 1902 
und 1903 zur Anweisung zu gelangen hat. 

Der Director des archäologischen Institutes 
theilt mit, dass auch er sich an das k. k. Mini- 
sterium für Cultus und Unterricht gewendet habe, 
um die beabsichtigte Übertragung der Mauerreste 
des diocletianischen Palastes in Spalato in 
das Privateigenthum der Anrainer zu verhüten. 

[Referent: Neu.\l\nn] 

Kärnten. 

Älitglied Baurath Wächtler macht die Mit- 
theilung, dass sich neben der Eingangsthür zum 
Gasthause in Eichdorf bei Prävali ein ausge- 
brochener römischer Sarkophag befindet, welcher 
derzeit als Sitzbank verwendet werde. Ein zweiter 
römischer Sarkophag aus weißem Marmor liege 
nahe von diesem Gasthause in der Mies, sei aber 
schon versandet, daher nicht mehr zu sehen. In 
der Richtung vom Gasthause gegen die Holz- 
schleife liege eine römische Marmorplatte mit zwei 
Relieffiguren; die C. C. beschließt, im Wege des 
berufenen Conservators weitere Erhebungen zu 
pflegen. 

Derselbe Referent macht darauf aufmerksam, 
dass sich an der zu Gutenstein gehörigen Filial- 
kirche zu Streiteben Reste von bemalten Butzen- 
scheiben aus dem XY. Jahrhundert befinden, 
worüber die C. C. weitere Erhebungen zu pflegen 
beschließt. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt ordnet die Flüssigmachung der für die Re- 
staurierung der Pfarrkirche zu Maria-Wörth in 
Aussicht gestellten Staatssubvention per loooA'an. 

Conservator Prof. Lebinger berichtet über die 
Archivalien im Stiftsgebäude zu Ossiach. Das 
Archiv ist im Herzogssaale untergebracht und 
steht unter der Aufsicht der k. k. Forstverwaltung. 
Die Archivalien sind in Gruppen gesondert, in 
kleinen Registraturgestellen aufbewahrt. Sie be- 
treffen Copien aus einem Waldrechts- und.Stockungs- 
processe zwischen dem Stifte Arnoldstein und den 
Herren von Straßfried ( 1 5 1 9 — 1 5 6 2), die Verwaltungs- 
acten der Religionsfond-Domäne Ossiach von 
1820 — 1865, For.stamtsacten vom Ende des XVIII. 
bis gegen Mitte des XIX. Jahrhunderts und eine 
Anzahl gedruckter Gesetzessammlungen; ferner 
Amtsbücher der alten Stifts- und Staatsherrschaften 



Ossiach und Arnoldstein von 1735 — 1848, Domänen- 
verwaltungsacten von 1857 — 1879, Gestionsproto- 
koUe und andere Kanzleibücher von 1824 — 1847 
u. s. w. 

Die intere.ssantesten und ältesten Stücke sind: 
I. Ein Urbar (des Stiftes Ossiach?) aus dem XVI. 
oder anfangs X^^I. Jahrhunderts; 2. ein Ehrungs- 
protokoll des Stiftes Ossiach und seiner incorpo- 
rierten Herrschaften und Ämter aus dem Jahre 
1682; 3. ein Ehrungsprotokoll des Stiftes Ossiach, 
angefangen 1730; 4. das Anleitbuch Unserer lieben 
Frau zu Göriach (1656); 5. und 6. zwei Gerichts- 
protokolle des Stiftes Arnoldstein von 1622 — 1641 
und von 1720 — 1736; 7. ein Urkundenprotokoll 
des Stiftes Arnoldstein mit 162 Abschriften von 
Verträgen, ^'ergleichen, Reversen, Schiedssprüchen, 
Grenzbeschreibungen u. s. w. von 1459 — 1757; 
endlich 8. ein Amtsbuch aus der Zeit der fran- 
zösischen Occupation des westlichen Kärntens von 
1809 — 1813. Einzelne Archivalien sind dem Archiv 
des kärntnerischen Geschichtsvereines zur Auf- 
bewahrung übergeben worden. [Referent : Redlich] 

Küstenland 
Conservator Prof. Gnirs berichtet über die 
Aufdeckung einer vorgeschichtlichen Nekropole im 
Boden von Pola, die einer Castellierbevölkerung zu- 
zuschreiben ist, welche ihren Sitz in der Castellier- 
anlage, dem Hügel des heutigen Hafencastells 
(dem Capitolium des antiken Pola) hatte. Am 
Fuße desselben, östlich von der Porta Ercole, traf 
man bei Erdaushebungen auf die Reste spät- 
römischer Wohngebäude, worüber bereits früher 
berichtet wurde. Ungefähr 10™ von der Innen- 
seite der Stadtmauer entfernt und 2 "" unter den 
Fundamenten der römischen Mauern wurde ein 
Tumulus angegraben, der mit zahlreichen Aschen- 
resten, dünnen Holzkohlenschichten, Resten thie- 
rischer Kiefer und Muscheln durchsetzt war. Im 
Niveau des Viale Carrara stieß man auf mächtige, 
völlig unbehauene Steinplatten; unter ihnen lagen 
kleine, aus unbearbeiteten Kalksteinplatten her- 
gestellte Kammern von oblonger, selten kreis- 
runder Grundfläche. In ihnen standen Thongefäße, 
die meist zur Hälfte mit verbrannten Knochen- 
resten und wenigen unkenntlichen Fragmenten 
von Bronzeartefacten mit Brandspuren angefüllt 
sind. Der Raum zwischen Urne und Kammerwand 



37 



38 



i.st sorgfältig' mit nussgroßem Strandg"erölle ange- 
füllt, in dem sich auch kleine Bruchstücke aus 
Schneckengehäusen und Muschelschalen vorfinden. 
Die Urnen sind mit einer Steinplatte oder einem 
Deckel geschlossen. Darüber lagert eine Schichte 
von Asche und Holzkohle und über dieser die 
obenerwähnten Steinplatten. Bisher wurden zwölf 
Gräber geöffnet. Die Gefai3e, meistens zerdrückt, 
zeigen verschiedene Ausführungen und Formen; 
auf mehreren sind get)m(;trische Ornamente mit 
weilJcr Farbe aufgetragen oder eingeritzt. Die 
]3urchforschung des Grabhügels wird in Aussicht 
gestellt und von der C. C. eine Subvention von 80 K 
bewilligt. [Referent: Much] 

Mähren. 

Correspondent Archivar Nopp berii-htet über 
seine Thätigkeit im abgelaufenen Jahre: 

1. Die Ordnung des Tobitschaut^r Scldoss- 
archivs ist vollendet; es wurde vom Archivar Nopi» 
in rühmlichem Fleiße mit alphabetischen und chro- 
nologischen Katalogen versehen. Es enthält aus- 
schliel31ich Verwaltungs- und Wirtschaftssachen, die 
nur ganz vereinzelt ins XVII. Jahrhundert zurück- 
reichen, zum größten Theile aber der zweiten Hälfte 
des XVIII. und des XIX. Jahrhunderts angehören. 

2. Das einst wertvolle Stadtarchiv zu Tobit- 
schau wurde bis auf 15 Stück verschleudert, 
welche der Correspondent im Einvernehmen mit 
dem (xemeindesecretär Dköhek zu retten suchte, 
indem er für eine entsprechende Aufbewahrung 
sorgte. Das älte.ste Stück stammt aus 1492. 

3. Das Schlossarchiv in Buchlau soll geordnet 
werden; leider sind auch hi(>r die wichtigsten Ur- 
kunden abhanden gekommen. 

Die C. C. beschließt, dem Correspondenten den 
Dank auszusprechen. [Referent: Wlvtkr] 

Der Dom zu St. Peter und Paul in Brunn 
ist ein imposantes Bau\verk. Leider ist das Äußere 
des Langhauses in ruinenhaftem Zustande. Der 
Dom bestand früher aus einem gothischen drei- 
schiffigen Hallenbau. Im Schwedenkriege und 
durch Brände wurde der Bau derart geschädigft, 
dass man im XVII. Jahrhundert die Pfeiler des 
Mittelschiffes und die Gewölbe der drei Hallen- 
schiffe entfernte und die ganze Kirchenbreite mit 
einem gedrückten Tonnengewölbe (Stichkappen 
über den Fenstern) überspannte. Hierdurch war 



eine Verstärkung der Hauptmauern nothwendig, 
welche bei jeder Längsmauer nach Innen 3" be- 
trug. Die bei dieser Transformation angewendete 
innere Pilasterarchitektur ist unfertig geblieben. 
Die Nischenaltäre und die Kanzel sind sehr be- 
achtenswert. Ah der Nordseite ist ein gothischer ein- 
stöckiger Vorhallenbau mit einer zweiten beachtens- 
werten Kanzel und ewigem Licht, sowie einem 
wertvollen Portale und Netzgewölbe erhalten. Über 
diese Halle baute man einen formlosen, unschönen 
Noththurm mit stumpfem Pyramidendach auf. 

So wie das Innere des Langhauses ist auch die 
barock restaurierte Westfacade unvollendet ge- 
blieben und derzeit verfallen. Das Presbyterium 
behielt äußerlich seine reingothische Form und 
wurde vor einem Decennium innen und außen 
restauriert, ebenso die Marienkapelle sammt ihrem 
südlichen Vorraum. 

An der Nordseite sind zwei Sacristeien mit 
einem Oratorium im oberen Geschosse. Das barocke 
Gewölbe im Presbyterium erhielt bei der Restau- 
rierung- netzartig angeordnete Blendrippen. 

Für die nothwendige Restaurierung' des Domes 
soll ein vom Architekten KmsxEix verfasstes Pro- 
ject die (jrundlage bilden. Es werden drei Hallen- 
schiffe durch Errichtung der Mitteljjfeiler wieder- 
hergestellt und über die kleine Sacristei an der 
Nordseite und über die ^'orhalle des südlichen 
Einganges wird ein stattlicher gothischer Thurm 
aufgebaut. Die Mauerversenkungen bei den Längs- 
mauern des Langhauses werden entfernt, an die 
große Sacristei soll eine kleine Vorhalle angebaut 
werden. Die C. C. bezeichnet die.ses Project als eine 
gediegene Leistung, welche vom kunsthistorischen 
und constructiven Standpunkte vollkommen ge- 
rechtfertigt sei. Die Thurmfrage ist glücklich gelöst. 
Für die Gestaltung der Thurmhelme wird die Al- 
ternative mit dem achteckigen Glockenhause em- 
pfohlen. Die Anbauten auf der Süd- und Nord- 
seite sind beibehalten, der unschöne Noththurm ent- 
fernt. Die guten Nischenaltäre sollen in der Kirche 
wieder Verwendung finden. [Referent Rosnek] 

Ein Project für die Erweiterung der Pfarrkirche 
in Budischau wird vorgelegt, aber nicht zur Aus- 
führung empfohlen. Namentlich wäre es verfehlt, 
das Langhaus, welches derzeit als barocker Bau 
gestaltet ist, wieder auf den ursprünglichen gothi- 
schen Stil zurückführen zu wollen. Außerdem sind 

3* 



39 



40 



die ungünstigen Ouerschnittsverhältnisse des Lang- 
hauses, die unzulängliche stilistische Durchbildung 
und die zu weitgehenden baulichen Veränderungen 
zu bemängeln. Es soll ein dem gegenwärtigen Stil- 
charakter des Gotteshauses entsprechendes Project 
angefertigt werden. [Referent: Hermann] 

Correspondent Archivar Nopp berichtet: 

1. über den P\ind von circa 20 mittelalter- 
lichen Geräthen in Tvaroznä Lhota. Es sind 
Sicheln, Messer, Hauen, Hacken, Spaten u. dgl. 
aus dem XII. oder XIII. Jahrhunderte. Sie kamen 
zum Theile ins Franzensmuseum nach Brunn; 

2. in der Schottergrube „Potmechmal" bei 
Straznitz wurden wiederholt Urnen von verschie- 
dener Größe mit zahlreichen Bronzegegenständen 
gefunden, welche für die Schloss-Sammlungen er- 
worben wurden; da der letztgenannte Fund Be- 
achtung zu verdienen scheint, beschließt die C. C. 
weitere Erhebungen zu pflegen. [Referent: Much] 

Referent Baurath AVächtler berichtet über 
eine anlässlich der Herstellung gewerblicher Nutz- 
bauten in der unmittelbaren Nähe des sogenannten 
Heidentempels in Znaim abgehaltene Localcom- 
mission (s. Sp. 28 fg.). Er spricht sich im Hinblick 
auf die Feuersgefahr gegen die Aufführung des 
Baues umsomehr aus, als der Felsen, auf welchem 
der Heidentempel steht, schon auf drei Seiten ab- 
gegraben sei und nunmehr abermals alteriert w^erden 
müsse. Die C. C. erklärt sich mit diesem Gut- 
achten einverstanden. 

Regierungsrath Director Tramplkr legt einen 
Aufsatz über die Burg Holstein vor, aus deren 
spärlichen Resten ihr ehemaliger Bestand nachzu- 
weisen versucht wird. [Referent; W.ächtler] 

Nieder-Österreich. . 

Conservator Abt Rössler erstattete anlässlich 
der Restaurierung der Pfarrkirche in Alt-Pölla 
folgende Vorschläge: 

1. Die steinernen Gewölberippen, die mit 
Wappen versehenen Schlussteine und die Consolen, 
deren abermalige steingraue Bemalung geplant ist, 
sollen bloß rein abgestockt werden und ungetüncht 
und unbemalt bleiben. 

2. Für die Bemalung des Presbyteriums und 
der .Schiffe sind die Skizzen, für die Verglasungen 
die Dessinmuster vorzulegen. 



3. Das vermauerte Apsisfenster hinter dem 
Hochaltar soll eröffnet und restauriert werden. 

4. Um der Thurmhalle das Licht nicht zu ent- 
ziehen, soll die außen anzubauende Wendeltreppe 
in jene Ecke verlegt werden, welche Sacristei und 
Thurm bilden. 

5. Die Grabsteine sind zu reinigen und ent- 
sprechend aufzustellen. 

Die C. C. erklärt sich mit diesem Gutachten 
einverstanden. [Referent: Rosner] 

In der Nähe der Niederfeldkapelle zu Bern- 
dorf, I m unter der Straßensohle, wurde ein sehr 
morsches männliches Skelet und circa 1 1 .Silber- 
münzen (1620, 1632), nebst einem kleinen Stück 
Leinwand aufgefunden. Die C. C. beschließt, weitere 
Erhebungen zu pflegen. [Referent: Kenner] 

Conservator Baurath Jordan stellt über h. a. 
Ansuchen die örtliche Lage der vier ehemaligen 
Befestigungsthürme von Hundsheim in einem 
Katastralplane fest und legt Photographien und 
Zeichnungen vor. Die Entstehungszeit dieserThürme 
fällt in das Mittelalter. Ein ähnlicher Thurm im 
benachbarten Steinabrunn ist wegen Einsturzgefahr 
längst demoliert worden; die C. C. beschließt, dem 
Conservator den Dank auszusprechen. 

[Referent: Wächtler] 

Ein schmiedeisernes Gitter, zwei bemalte Thür- 
flügel und ein Grabstein aus der Pfarrkirche in 
Hütteldorf sollen an das städtische Museum in 
Wien abgegeben werden. Das Gitterthor gehörte 
dem Sacramentshäuschen der alten demolierten 
Kirche an, stammt aus dem Ende des XVI. Jahrhun- 
derts und ist sehr einfach, ohne besonderen Kunst- 
wert. Der Grabstein, ein Werk des XVIII. oder 
des beginnenden XIX. Jahrhunderts, besteht aus 
mehreren Stücken, an denen auch Metallverzie- 
rungen angebracht sind. Die beiden Flügel einer 
kleinen Barockthür weisen oben je eine größere, 
unten je eine kleinere bemalte Füllung" auf; die 
unteren, mit Blumencompositionen, die oberen mit 
figuralen Darstellungen (Taufe Christi; hl. Anna 
und Maria). Die Bilder sind vielfach beschädigt 
und ohne besonderen Wert; die C. C. erhebt g-egen 
die Übertragung dieser Objecto in das Wiener 
Museum keine Einwendung. [Referent: Rosner] 

Conservator Propst Dr. Kerschbaumer berichtet, 
dass das alte Truppen.spital zu Krems — ein auf- 
gehobenes Kapuzinerkloster — nunmehr leer stehe. 



41 



42 



Die Kapelle sei gut erhalten uiul mit schönen 
Fresken von Le Grand gfeschmückt. Es bestehe 
die Absicht, die Kapelle auch fernerhin für kirch- 
liche Zwecke zu erhalten, was die C. C. nur freudig 
begrüßen kann. [Referent: Rosner] 

Der Bürgermeister der Stadt St. Polten theilt 
mit, dass in den Redingnissen für die Vergebung 
der Arbeiten zum Zwecke einer neuen Canalisierung- 
der Stadt ein Passus aufgenommen erscheine, dass 
geologisch und archäologisch wichtige Fundstücke, 
als: Versteinerungen, Urnen, Schädel u. s. w. der 
Gemeinde gehören, und erst nach erfolgter Be- 
sichtigung- und Aufnahme mit Genehmigung der 
Bauleitung vom Lagerorte entfernt werden dürfen. 
Von den Fundthatsachen wird die C. C. in Kennt- 
nis gesetzt werden. [Referent: Kenner] 

Steiermark. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt beauftragt die steiermärkische Statthalterei, 
mit aller Energie auf die sofortige Vornahme der 
Restaurierungsarbeiten der Glasgemälde in der 
IVIagdalenenkirche zu Judenburg zu dringen. 

Conservator Bergrath Riedl stellt eine Be- 
sichtigung der Fundstelle von Uranje in Aussicht. 
Es seien neuerlich drei Fragmente römischer In- 
scliriftsteine gefunden und Vorkehrungen zur Ver- 
hütung- unbefugter Grabungen getroffen worden. 

[Referent: Kenner] 

Tirol. 

Da.s fürsterzbischöfliche Ordinariat in Trient 
beauftragt das Pfarramt Roncegno von dem Ver- 
kaufe eineskunsthistorisch interessanten Holzschnitz- 
altares in der Pfarrkirche abzusehen. 

Das Ministerium für Cultus und Unterricht 
gibt bekannt, dass es für das laufende Jahr keine 
weitere Staatssubvention für die Restaurierung 
der Kirche Maria-Inviolata zu Riva in Aus- 
sicht stellen könne. 

Vorarlberg. 

Der Stadtrath in Bregenz theilt mit, da.ss 
dermalen die Ausführung eines Projectes für eine 
Straßenanlage, welche die mittelalterlichen Stadt- 
mauern tangieren soll, noch in weite Ferne gerückt 
sei, dass aber bei einer Verwirklichung dieses 
Projectes der Erhaltung der Befestigungstheile volle 
Aufmerksamkeit zugewendet werden solle. 



Sitzung vom 28. Februar 1902 (vierte Sitzung 
der I. Section, vierte Sitzung des Plenums, 
fünfte Sitzung der II. Section). 

Anwesend: der PR.Xsn)ENT als Vorsitzender. — 
Mitglieder: Deixinger, Förster, Her.mann, 
Kenner, Luntz, Much, Neumann, Rosner,W.\ch r- 
LER, Würndle. — Redaction: Kubitschek, 
RiEdL. — .Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines. 
Zum Correspondenten wurde ernannt: der 
Domcapitular und infulierte Domdechant Karl 
HribovSek in Marburg. 

Böhmen. 

Im Auftrage des k. k. Ministeriums für Cultus 
und Unterricht soll die Statthalterei beim Prager 
Dombauvereine dahin wirken, dass bei der Restau- 
rierung des St. Veitsdomes in stetem Einver- 
nehmen mit der C. C. vorgegangen, bei wichtigen 
Fragen stets vorher deren Votum abverlangt und 
im Falle einer Meinungsverschiedenheit die Ent- 
scheidung des Ministeriums eingeholt werde. Hier- 
bei hebt das Ministerium ausdrücklich hervor, dass 
der bisherige Verlauf der Restaurierungsaction 
keinerlei Anlass zu Klagen über die künstlerische 
Bauführung" geboten habe. 

Conservator Civilingenieur Pascuer berichtet, 
über die Friedhofskapelle zu Engelhaus bei 
Karlsbad. Originell sei die durchgeführte Dreiheit 
des aus den Jahren 1692 bis 17 12 .stammenden 
Baues und seiner wichtigeren Theile; aber auch 
das Innere berge manches beachtenswerte Detail. 
Das Dach der Kapelle sei schadhaft, so dass Schnee 
und Regen ungehindert in das Innere dringen 
können. Seitens der localen Factoren sei zwar ein 
reges Interesse für das Denkmal wahrzunehmen, 
ohne dass aber von dieser Seite die Aufbringung 
der erforderlichen Mittel für die vor allem noth- 
wendige Reconstruction des Dachstuhles gewär- 
tig! werden könnte. Der Conservator, welcher 
Pläne und Voranschläge kostenlos herzustellen 
bereit ist, ersucht um die h. a. Verwendung für 
eine Staatssubvention. Hierzu erklärt sich die 
C. C. im Principe bereit, beschließt jedoch vorerst 
bezüglich der Eigenthumsverhältnisse weitere Er- 
hebungen zu pflegen. [Referent: Wächtler] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt eröffnet, dass der Frage einer Staatssubvention 



43 



44 



zum Ankaufe des sogenannten Templerhauses 
in Jung-bunzlau durch die Stadtgemeinde erst 
dann näher getreten werden könne, wenn die Be- 
deckung des größten Theiles der erforderlichen 
Mittel durch Beiträge der localen Factoren gesichert 
wäre, und die Stadtgemeinde sich verpflichtete, 
dieses Haus stets in gutem Bauzustande und in 
seiner jetzigen Form zu erhalten. 

Conservator Director Pl.vhl berichtet über die 
restaurierungsbedürftige Kirche in Worasitz. 
Sie habe mit Ausnahme des Barockportales, das 
laut einer darauf angebrachten Inschrift im Jahre 
1725 renoviert wurde, weder künstlerischen noch 
historischen Wert. Die flache Decke des Schiffes 
sei aus Holz hergestellt, mit gemalten Darstellungen 
aus dem Leben des heil. Nikolaus geschmückt und 
mit mehreren deutschen Inschriften versehen. Die 
Chorbrüstung zeige Bilder der Kirchenväter, die 
Seiten des Predigtstuhls solche der vier Evange- 
listen. Das Bild auf dem Hauptaltar sei neueren 
Ursprungs, jene auf den beiden Seitenaltären da- 
gegen älter, und in geschnitzte, in Zopfstil gehaltene 
Rahmen gespannt. Im hölzernen Glockenthurm 
neben der Kirche wären zwei Glocken, auf dem 
die Kirche umgebenden Friedhofe ein sehr altes 
steinernes Taufbecken und an der Friedhofsmauer 
ein aus Bruchsteinen hergestellter Predigtstuhl. 
Der Conservator beantragt, dass bei Renovierung 
der Kirche mit aller Sorgfalt auf die Erhaltung 
des Portales und der angeführten Bilder zu sehen 
sei, ferner dass das alte Taufbecken an einer gegen 
Wetter geschützten Stelle aufbewahrt weude. Damit 
erklärt sich die C. C. einverstanden. 

[Referent: Deinisger] 

Bukowina. 

Das k. k. Justizministerium theilt mit, dass es 
im Sinne der h. a. Anträge die entsprechenden 
Weisungen ergehen ließ, damit die alten Acten- 
bestände bei den Gerichtsarchiven in der Bukowina 
gesichert und gesammelt würden. 

Correspondent Univ. -Prof. Dr. Kaindl regt 
an, dass eine systematische Durchsicht des ge- 
sammten in der Bukowina bei staatlichen und 
kirchlichen Ämtern vorhandenen Registratur- 
materials eingeleitet, dasjenige gesichert und ver- 
zeichnet werde, was davon als Archivgut gelten 
könne, und dass ein (ständisches oder staatliches) 



Provinzialarchiv geschaffen werde; dieses hätte auch 
aus den Amtern Galiziens, mit welchem die Buko- 
wina bis 1849 administrativ verbunden gewesen 
war, alles auf die Bukowina bezügliche Material 
aufzunehmen. Die C. C. beschließt, diese Anregun- 
gen zu verfolgen. [Referent: Winter] 

Dalmatien. 

Der Bischof von Cattarf) beklage sich über. die 
lange Verzögerung der Arbeiten an der dortigen 
Domkirche. Referent beantragt, die C. C. möge 
sich wegen Beschleunigung der Angelegenheit 
verwenden; der Antrag wird zum Beschlüsse er- 
hoben. [Referent: Neumanjj] 

Galizien. 
Conservator Dr. vox Tomkowicz berichtet über 
die ehemalige St. Agneskirche in Krakau auf 
der Realität des Eisenhändlers Jakob Schamroth. 
Es sei ein länglich viereckiger Backsteinbau ohne 
besonderes Presbyterium und ohne Apsis, aus 
dem XVII. Jahrhundert von mittelmäßigen, bei- 
nahe kleinen Dimensionen, der von Anfang an zur 
Tünchebekleidung bestimmt war. IMit Ausnahme 
einiger, wie esscheint, später eingebrachten schmuck- 
losen Fenstereinfassungen besitzt es keine in Stein- 
metzarbeit ausgeführten architektonischen Glieder, 
nicht einmal ein Portal von irg'endwelcher Be- 
deutung. Sowohl das Äußere als das Innere zeigt 
Spuren einer Verzierung im Barockstile, die aber 
ursprünglich lediglich aus gezogenen Gesimsen 
bestand und nunmehr infolge langjähriger Ver- 
nachlässigung und eines Brandes zu dürftigen 
Resten herabgemindert sei. Schon seit langer Zeit 
sei die Kirche in mehrere Stockwerke getheilt und 
als Heumagazin eingerichtet gewesen. Der erwähnte 
Brand zerstörte das Dach und die Inneneinrichtung. 
Im Innern seien auch spärliche Reste der ehemaligen, 
ziemlich ordinären Gipsverzierung zu sehen, von 
Fresken dagegen nicht die geringste Spur zu ent- 
decken. Den einzigen inneren Schmuck bilde heute 
die sehr einfache Eintheilung durch Pilaster und 
Gurten sowie einige beschädigte Pilastercapitäle. 
Der Haupteingang der von allen Seiten von 
Häusern umgebenen Kirche befinde sich in der 
südlichen Seitenwand. Der westliche Theil des 
Innern, gegenüber dem orientierten Altarraume, 
werde von einer sehr breiten Empore eingenommen, 
die wahrscheinlich den Xonnenchor bildete; unter 



45 



46 



derselben befinde sich ein quadratisclier gewölbter 
Raum, vielleicht die ehemalige Sacristei oder das 
Oratorium, ohne irgendwelches Interesse. Alle 
Details sind in gewöhnlicher Maurerarbeit aus- 
geführt. Mit der Kirche war einst ein Xonnenkloster 
der Bernhardinerinnen verbunden, welches schon 
vor 1807 aufgelöst wurde. In dem umgebenden 
Häusercomplex seien noch einige Theile desselben 
an den kleinen gewölbten Wohnräumen der Kloster- 
frauen erkenntlich. Da dieses Object keinen kunst- 
historischen Wert besitzt, beschließt die C. C. zur 
Erhaltung desselben nichts vorzukehren. 

Kärnten. 

Die C. C. beschließt, beim k. k. Ministerium 
für Cultus und Unterricht in Antrag- zu bringen, 
dass alle noch vorhandenen beweglichen Kunst- 
schätze des Gurkerdomes, selbst jene von minder- 
wertiger Beschaffenheit, inventarisiert und von Zeit 
zu Zeit von den staatlichen Organen revidiert 
werden. Auch alle nicht beweglichen Kunstwerke 
wie Fresken und Stuccaturarbeiten sollen aufge- 
nommen und revidiert werden. 

Die C. C. verwendet sich neuerlich dahin, dass 
der Nonnenfriedhof bei der Kirche aufgelassen 
und die Apsiden des Domes freigeleg-t w'erden. 

[Referent : Neumann] 

In Angelegenheit der Herstellung eines ent- 
sprechenden Schutzdaches für das Freskogemälde 
an der Westwand der Pfarrkirche zu Millstatt 
beschließt die C. C. weitere Erhebungen zu pflegen. 

[Referent: Wächtler] 

Krain. 
Conservator Custos Szoxibathy berichtet über 
die 1901 inder frühmittelalterlichenNekropole 
am Saveufer bei Krainburg (Flur ,.Na laihu") 
durchgeführten Grabungen. Unter seiner Leitung- 
grub die Wiener Anthropologische Gesellschaft 
auf GemeindegTund. Im Ganzen wurden 66 Gräber 
aufgedeckt, welche ohne Ausnahme mit dem Kopfe 
nach W. oder NW., mit dem Fußende gegen O. 
gerichtet waren. Fast die Hälfte der Gräber ent- 
hielt Kinderleichen, ein anderes Drittel Weiber, 
und nur eine Minderzahl Männer. Die Knochen 
gehören einer dolichoiden, aber nicht stark dolicho- 
kephalen Rasse von mittlerer Körperhöhe an. Die 
Ausbeute an Beigaben sei nicht besonders glänzend : 
zwei eiserne Langschwerter, mehrere gerade Messer, 



eine Anzahl bronzener und eiserner Gürtelschnallen 
von bescheidener Größe, charakteristische Bronze- 
fibeln mit Kerbschnittverzierung, eine größere 
Anzahl von Beinkämmen in sehr schlechter Er- 
haltung, etliche Glasperlen und eine zierliche 
Balancewage aus Bronze. Die Objecte gehören 
ausnahmslos der Völkerwanderungszeit an. 

Der Mühlenbesitzer PaySlar deckte sechs 
Skeletgräber auf. Bei einem Skelet fanden sich 
ein langes, wohlerhaltenes Eisenschwert, eine Eisen- 
lanze, zwei Bronzepincetten, eine kleine Eisen- 
schnalle, mehrere kleine Eisenmesser zum Theil 
zerbrochen und verschiedene kleine Eisensachen in 
Fragmenten; ein zweites Skelet hatte neben sich 
einen ganz besonders großen Beinkamm ; ein drittes 
besaß eine römische Kniefibel aus Bronze, zwei 
offene Ohrreifen aus Bronzedraht, das eine Ende 
in einen Cubus ausgehend, mehrere kleine Glas- 
perlen, darunter rundliche weiße mit .Seidenglanz; 
endlich ein Skelet mit zwei S förmigen Bronzefibeln 
mit Vogelkopfenden, geziert mit kleinen rothen 
Tafelsteinen. Die Erwerbung dieser Funde für ein 
öffentliches Museum scheiterte an der Höhe der 
Forderungen, welche der Eigenthümer stellte. 

Bei der Regulierung der Bezirksstraße wurden 
in der nächsten Nähe der soeben erwähnten Fund- 
stelle mit Subvention der Laibacher Sparcasse 
Nachgrabungen vorgenommen. Es sollen hierbei 
mehr als 100 Skeletgräber gefunden worden sein: 
mit einem Schwerte, 7 Pfeilspitzen, 23 Schnallen 
aus Eisen, Bronze und Silber, einer goldenen, 
mehreren silbernen und bronzenen Fibeln, 22 Bein- 
kämmen, über 100 Glasperlen, 16 Eisenmessern und 
Dolchen und 4 ^lünzen (je eine Kleinbronze von 
Constantin und Constans, ferner Zeno und ein bar- 
barischer Justinus II. in Gold). Durch die bisherigen 
Funde sind die südliche und östliche Grenze der 
Nekropole bestimmt. [Referent: Müch] 

Derselbe Conservator berichtet über den Fund 
von 158 Silbermünzen in einem Steinbruche zu 
Krainburg, welche er an das Laibacher Landes- 
museum abzugeben rieth. Nach den ihm zuge- 
kommenen dürftigen Mittheilungen wird es sich um 
Silbermünzen aus dem XIV. oder XV. Jahrhundert 
handeln. [Referent: Ken'ner] 

Unseren Nachrichten zufolge wurden auf dem 
Grund, auf welchem ein neuer Bau der Bezirks- 
hauptmannschaft in Rudolfswerth errichtet werden 



47 



48 



soll, Spuren von römischen Gräbern und einer vor- 
römischen Niederlassung gefunden. Die C. C. be- 
schließt, die Fundstelle während des Baues durch 
Bartholomäus PeCnik überwachen zu lassen. 

[Referent: Kenner] 
In der Pfarrkirche zu St. Ruprecht, einem 
dreischiffigen Hallenbaue aus dem J. 1497, wurden 
Restaurierungen vorgenommen, und namentlich 
die Ausmalung des Innern in vollkommen ent- 
sprechender "Weise durchgeführt. Leider verab- 
säumte man, vor allem andern die bauliche Siche- 
rung des Kirchengebäudes vorzunehmen, was schon 
für die allernächste Zeit einige Arbeiten un ab weis- 
lich macht. Da die verfügbaren Mittel für die 
Innenrestaurierung verbraucht wurden, wird eine 
Staatssubvention erbeten. Diese beschließt die C. C. 
im Hinblick auf den erheblichen kunsthistorischen 
Wert des Gotteshauses zu befürworten. 

[Referent: Ll"xtz] 

Küstenland. 

Über eine neuerliche Anregung des Conser- 
vators Professors Petris beschließt die C. C, sich 
abermals für die Herstellung einer archäologi- 
schen Karte Istriens zu verwenden und hiefür 
einen jährlichen Credit von 500 K in Antrag zu 
bringen. [Referent: Kenxer] 

Derselbe Conservator legt ein Project und 
einen Kostenüberschlag für die Restaurierung des 
Festungsthurmes in Cherso vor. Mit diesem 
Projecte erklärt sich die C. C. einverstanden und 
beschließt, da die gesammte Kostensumme seitens 
der localen Factoren nicht aufgebracht werden kann, 
eine Staatssubvention in Antrag zu bringen. 

[Referent : Förster] 

Professor Gnirs berichtet über das städtische 
Museum in Pola. Es werde aus G^meindemitteln 
erhalten, die Verwaltung und die wissenschaftliche 
Leitung einem Curatorium übergeben. Zweck dieses 
Museums sei es in erster Linie, die im Boden von 
Nesactium gemachten oder zu erwartenden Funde 
unterzubringen und zugänglich zu niaclien. Ferner 
solle das Museum Münzen und Anticaglien, die im 
Gemeindegebiete Pola aufgefunden werden, auf- 
nehmen. [Referent: Kenner] 

Das k. u. k. Reichs-Kriegsministerium 
theilt mit, dass es, dem h. a. Antrage entsprechend, 
die Abgabe der vier auf dem Boden des Castells 



in Pola gefundenen römischen Amphoren an das 
dortige Staatsmuseum veranlasst habe. 

Professor Gnirs berichtet, dass die Findeckung 
des Aug"ustustempels in Pola derart schadhaft 
sei, dass es in das Innere nicht allein hinoinregnet, 
sondern aucli die Ablaufwässer des Daches zum 
Theil an der inneren Tempelwand abfließen. Auch 
seien einzelne abgefaulte Holztheile des Daches 
in den Tempel hineingefallen. Eine größere Re- 
paratur sei mit Rücksicht auf den Bau selbst wie 
auf die Antiken in ihm tlringend nothwendig. 

Auch für die Kirche St. Francesco in Pola, 
die dem k. u. k. Militärärar als Verpflegsmagazin 
dient, seien Vorkehrungen zu treffen. Das mit 
reichen ornamentalen -Sculpturen geschmückte 
Hauptportal dieses gothischen Baudenkmales sei 
zur Hälfte mit mächtigen Epheuranken überzogen, 
die ihre Wurzeln in die .Steinfugen und in den 
Stein selbst hineintreiben und bereits bedeutende 
Schäden verursacht haben. Die baldige Entfernung 
des Epheus sei umso dringender geboten, als es 
sich hier um das wertvollste und schönste Bau- 
detail der genannten Kirche handle. Die C. C. 
beschließt, im Sinne dieser Anträge Schritte ein- 
zuleiten, um diesem Übelstande abzuhelfen. 

[Referent : Neumann] 
Mähren. 

Bei der Local-Commission für die Aufführung 
eines gewerblichen Xutzbaues in der unmittel- 
barsten Nähe des Heidentempels in Znaim 
sprach sich Referent Baurath Wächtler als Ver- 
treter der C. C. gegen diese Herstellung aus, da 
sie eine Feuersgefahr für das außerordentlich wert- 
volle Denkmal bedinge, und dieses durch die 
zu weit ausgedehnte Wegnahme des Felsens in 
seinen Fundamenten gefährdet sei. Diesen Stand- 
punkt hielt Referent auch gegen die Erklärung 
des Bauwerbers aufrecht, den Nutzbau in einer 
Entfernung von 2111 (ursprünglich um) vom Heiden- 
tempel aufführen zu wollen. Trotzdem fand sich 
die Stadtgemeinde bestimmt, den Bauconsens zu 
ertheilen, weil ihr zu Gunsten des Heidentempels 
Zugeständnisse gemacht wurden, die unter anderen 
Verhältnissen kaum wieder zu erlangen wären. 
Es wurde nämlich erreicht, dass der gegen die 
Burggasse vorspringende felsige Hügel und ein 
um den Heidentempel herumführender 2 in breiter 
Streifen in das durch keine Mitbenützung be- 



49 



5o 



schränkte Eig'enthuni der Stadtg-emeiiule über- 
geht, so dass beide durch tMiie entsprechende Ein- 
friedung- abgeschlossen werden können. Außerdem 
sollen die bis an den Heidentempel heranreichen- 
den Kellereien abgemauert und dort, wo die Keller 
bis unter den Heidentempel selbst reichen, eine 
solide Untermauerung- vorgenommen werden. Ferner 
wird ein neuer, zweckmäßiger Stiegenaufgang zum 
Ileidentempel auf dem bisher im Privatbesitz 
stehenden (irunde geschaffen, eine solide Stütz- 
mauer an der Xordwestseite angebracht, und end- 
licli die Bedingung stipuliert, dass der Bau, der 
unter der Controle der städtischen Bauorgane steht, 
.sofort einzustellen wäre, .sobald sicli im Zuge des-, 
selben irgendwelche bedenkliche Erscheinungen am 
Heidentempel zeigen würden. Wenn auch die C. C. 
auf der von ihrem Referenten vertretenen Anschau- 
ung vorharrt und die Verantwortung für die unver- 
sehrte Erhaltung des Heidentempels den localen 
Factoren überlässt, beschließt sie doch, unter den 
obwaltenden Verhältnis.sen keine weiteren .Schritte 
in der Sache einzuleiten. Dem Conservator Director 
Stkrz wird für seine Thätigkeit der Dank ausge- 
sprochen. 

Nieder-Österreich. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt gibt bekannt, dass es ung-eachtet der neuer- 
lich von der C. C. gestellten Anträg-e von der 
getroffenen Entscheidung über die Restaurierung 
der Westfagade mit dem Riesenthor beim 
,St. .Stephans-Dome in Wien nicht abgehen 
krmiie. [Referent: Rosner] 

Referent Dombaumeister Hermann berichtet 
über die bisherigen Verhandlungen des Actions- 
comit^s für die Re.staurierung der italienischen 
National- (Minoriten-) Kirche Maria Schnee 
in Wien. Hierfür wurde seinerzeit ein Project vom 
Mitgliede Professor Luntz verfasst und vom Mini- 
sterium für Cultus und Unterricht angekauft. Dieses 
Project müsse nach dem Gutachten des Projec- 
tantcn einigen Änderungen unterzogen werden, da 
die Kirche erst jetzt nach Demolierung des Hauses 
Regierungsgasse lo in ihrer Verbindung mit der 
ehemaligen Ludwigs-Kapelle (dem demolierten 
Hause) sichtbar geworden sei, und die östliche 
Hauptkirchenmauer, welche einzustürzen drohe, 
durch einen chorartigen Zubau gesichert werden 
müsse. Die dem Actionscomite angehörenden Tech- 



niker haben sich zu einem .Subcomite verbunden 
und erstatteten dem Plenum folgende Vorschläge: 
Das Project Luntz habe als Grundlage aller 
weiteren Verhandlungen zu dienen; die projec- 
tierten Giebel an der Südfafade haben aus ökono- 
mischen Gründen zu entfallen. Der Anbau des 
Pfarrhauses an der .Südfa9ade sei unbeding-t noth- 
wendig und architektonisch zulässig, desgleichen 
der Xeubau in Form eines Chores an der Ostfa9ade, 
welcher die -Sacristei, das Sitzungszimmer und die 
Wohnräume enthalten soll. Die Zubauten an der Süd- 
und Ostfajade seien aus .Stein durchzufüliren. Die 
bauliche Action hätte mit den neuen Baulichkeiten 
an der .Süd- und Ostfagade zu beginnen und wäre 
gleichzeitig die Restaurierung dieser Fa9ade durch- 
zuführen. Die übrigen Fagaden wären nach ^laß- 
gabe der vorhandenen Geldmittel in die Restau- 
rierung einzubeziehen. Die Beschlussfassung über 
die Ausgestaltung des Thurmes wäre einem späteren 
Zeitpunkte vorzubehalten. Professor Luntz sei 
bereit, das ganze Project nach Thunlichkeit zu 
vereinfachen und die Restaurierung der Kirche 
auf das nothwendigste zu beschränken. Vor Er- 
öffnung der Debatte wurde im Namen des k. k. 
Ministeriums für Cultus und Unterriclit folgende 
Erklärung abgegeben: „Indem das k. k. Ministerium 
für Cultus und Unterricht das Restaurierungsproject 
freudig begrüßt und durch längere Verhandlungen 
mit dem Finanzministerium eine Staatssubvention 
im Betrage von loo.ooo K erwirkt hat, ist das 
Ministerium von der Voraussetzung ausgegangen, 
dass es sich bei dieser Restaurierung nicht um 
eine Reconstruction, sondern um eine pietätvolle 
Wahrung des gegenwärtigen Bestandes der Kirche 
handelt. Mit Rücksicht auf die dem gedachten 
Zwecke gewidmeten Staatsmittel und die hierbei 
zu Grunde liegende Voraussetzung behält sich das 
Ministerium für Cultus und Unterricht demnach 
bezüglich der Genehmigung des Projectes die letzte 
Beschlussfassung vor." 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt verfügt, dass dem Professor Groll für die 
an den Deckengemälden in der Universitäts- 
(Jesuiten-)kirche in Wien durchgeführten Re- 
staurierungsarbeiten die für die Jahre 1900 und 
1901 entfallende .Staatssubvention im Betrage von 
zusammen 20.000 K flüssig gemacht werde. 

Referent Dombaumeister Hekman-n theilt mit, 

4 



51 



52 



dass das von ihm besichtigte Brunnenbassin und 
die Deckenmalerei im Vestibüle des k. k. Civil- 
Mädchenpensionats in Wien (VIII. Josef- 
städterstraße 41) Erzeugnisse der letztvergangenen 
Decennien ohne künstlerischen Wert seien. Die 
C. C. erhebt daher gegen die Entfernung des sehr 
schadhaften Brunnens sowie gegen die Erneuerung 
der Malerei keine Einwendung. 

Das vorgelegte Project für die Erweiterung 
der Pfarrkirche zu St. Georgen am Reith kann 
zur Ausführung empfohlen werden. Der alte Thurm 
und das alte (restaurierte) Presbyterium wird bei- 
behalten, das alte Langschiif demoliert und an 
dessen Stelle unter einem Winkel von 90 Graden 
ein neues Langschiff mit neuem Presbyterium ge- 
plant, das bisherige Presbyterium daneben als 
Seitenkapelle erhalten. [Referent: Rosxer] 

Der Thurm der Filialkirche in Glinzen- 
dorf befindet sich in einem bedenklichen Zustande. 
Er wäre nach dem Gutachten der staatlichen Bau- 
organe entweder abzutragen und durch einen neuen 
Thurm zu ersetzen oder durch Einziehen einer 
neuen Gurte und Verspannung- der Schließen- 
herstellung des schadhaften Mauerwerkes zu erhalten. 
Außerdem müsse das Dach des Presbyteriums aus- 
gebessert, das gesprungene Mauerwerk des Presby- 
teriums an der Südseite und jenes des Thurm- 
stiegenaufganges durch Schließen zusammengehängt 
werden. Die C. C. erhebt gegen diese Herstellung 
keine Einwendung. Sie beschließt jedoch, im Falle 
der Thurm abgetragen werden sollte, das Project 
des neu zu erbauenden Thurmes und eine photo- 
graphische Abbildung des alten Thurmes zu er- 
bitten. [Referent: Rosner] 

Conservator Abt Dungl erklärt sich im 
Principe bereit, der Restaurierung' der wertvollen 
Glasgemälde im Presbyterium der Pfarrkirche 
zu Heiligenblut näher zu treten, behält sich 
jedoch die endgiltige Entscheidung bis zur Klärung 
der noch strittigen Patronatsverhältnisse vor. 

Conservator Propst Dr. Kerschbaumer berichtet, 
dass bei einem Straßenbaue in der Nähe von 
Hollenburg Gräber, wahrscheinlich vorromischen 
Ursprunges, aufgedeckt wurden, welche Thonkrüge, 
eine große Vase .sowie einen Bronzearmring und 
ein Messerfragment enthielten. 

Die C. C. regt die Abgabe der Funde an das 



Kremser Museum an und spricht dem Oberlehrer 
W. P-VLitER für seine eifrige und correcte Inter- 
vention in dieser Angelegenheit die Anerken- 
nung aus. [Referent: Much] 

Gegen das Project für die Reconstruction des 
Dachstuhles bei der Pfarrkirche in Korneuburg 
erhebt die C. C. aus dem (irunde keine Einwen- 
dung, weil sich die Statthalterei mit diesem Pro- 
jecte vom constructiven Standpunkte aus einver- 
standen erklärte. [Referent: Luntz] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt zu den Kosten der Restaurierung 
der Dreifaltigkeitssäule in Langenlois eine 
weitere .Subvention von 600 A'. 

Eine Untersuchung des Dachstuhles über der 
Kuppel der Pfarrkirche in Maria Taferl lehrte, 
dass die angeordnete Anbringung von vier ver- 
schraubten Eisenbändern an den unteren Kreuz- 
balken vorschriftsmäßig erfolgt sei, und diese 
Bänder sich in gutem Zu.stande befänden, sowie 
dass an dem Dachstuhle keine anderen namhaften 
Verschlechterungen zu constatieren seien. Doch 
erwies sich eine Reihe provisorischer Versicherun- 
gen als dringend nothwendig-, und ihre Ausführung 
wurde an Ort und Stelle veranlasst. Die Herstellung 
eines eisernen Dachstuhles ist in Aussicht genommen, 
wogegen die C. C. keine Einwendung erhebt. 

[Referent: Rosxer] 

Conservator Custos Szombathy übersendet einen 
Bericht des Professors Dr. Ed. Katschthaler in Melk 
über die Auffindung einer der eigentlichen Bronze- 
zeit angehörigen Flachgräberstätte in der Xähe des 
Wachberges bei Melk. Bei den Erdbewegungen 
infolge der dortigen Bauten seien bereits vor einiger 
Zeit zahlreiche Knochenfunde gemacht, leider sei 
ihnen keine Beachtung geschenkt worden. Jüngst 
stieß man auf eine Anzahl von Bronzegegen- 
ständen: a) Zwei Spiralarmringe, bandartig mit 
mehreren Windungen, die voneinander abstehen; 
b) eine Scheibennadel, der Schaft in Form einer 
.Säbelnadel, die Scheibe mit vier Reihen ge- 
strichelter, schräger Linienornamente zwischen 
ausgezogenen Kreislinien ohne Abschluss mit 
Ansatz und gerollter Ose (drei Reihen Linien- 
ornamente), in der Mitte der Scheibe ein getrie- 
bener Buckel; c) drei Spiralfingerringe aus dünnem 
Doppeldraht mit zwei Windungen und der Mittel- 



53 



54 



kiKK-lirn riiics damit g-ezicrt(>n I''in,t;-iTs; </) Spiral- 
rcilli-hcn aus düniicin bandai-tigcn Dralite in zalil- 
rcichi'n l'Va,L;nii"ntcn, vermuthlich einst an einen 
Faden j^-ereiht und so als Halssclimuck g-etragen; 
e) ein Halsring-, grün patiniert, aus einer runden, 
sich b(Mderseits verjüngfenden Stange mit g-e- 
bogenem ösenfürmigen Ende. Dazu mehrere wohl- 
erhaltene grün patinierte Zähne eines erwachsenen 
Menschen. Die Funde bieten nicht geringes Inter- 
esse. Die C. C. beschließt, ihren Einfluss dahin 
geltend zu machen, dass die in Aussicht genommene 
l)urch(orschung der Fundstelle von Fachleuten 
durcligeführt werde. [Referent: Much] 

Neuen Nachrichten zufolge sollen die Fug'en 
am .Steinmauerwerk der Pfarrkirche und des 
Thurmes zu Perchtoldsdorf sehr stark ausge- 
wittert sein und sowohl diese Kirche als auch die 
dortige Spitalskirche ' (namentlich der Giebelreiter 
der letzteren) einer Reparatur bedürfen. Die C. C. 
beschließt, den Referenten Professor Luntz als be- 
rufenen Conservator an Ort und Stelle zur Unter- 
suchung zu entsenden. 

Einer Anzeige der k. k. Bezirkshauptmannschaft 
Unter-Gänserndorf zufolge wurden in einer Ziegelei 
zu Stillfricd ein Schaftcelt aus Bronze sowie Stoß- 
zähne eines Mammuts gefunden. Die C. C. be- 
schließt, die Fundstelle durch den Referenten 
Regierung\srath Dr. Much besichtigen zu lassen. 

Salzburg. 

Conservator Regierungsrath Pxrckmayer be- 
richtet, dass die wertvollsten Urkunden aus dem 
Nachlasse des Jubelpriesters Dr. Theodor Wiede- 
MANN in Salzburg' vom k. vi. k. Haus-, Hof- und 
Staatsarchive beziehungsweise vom Wiener städ- 
tischen Archive erworben worden seien. 

Schlesien. 
Conservator Oberingenieur Skii berichtet, dass 
an der Pfarrkirche in Orlau nur das gothische 
Presbyterium, welches aus dem XII. Jahrhundert 
stammen soll, beachtens- und erhaltenswert sei. 
Das Schiff und der Thurm gehörten einer späteren, 
jedoch nicht mehr bestimmbaren Zeit an. Das vor- 
liegende Project für die Erweiterung der Kirche 
ließe nun allerdings das Presbyterium unverändert, 
verwische jedoch gänzlich die äußere historische 
Charakterisierung des Baues durch die projectierten 



Anbauten und weise außerdem nncli manche archi- 
tektonische Mängel auf, so dass es der Con.servator 
zur Ausführung nicht empfehlen konnte. Die C. C. 
schließt sich diesem Antrage aus den angc^führten 
Gründen an. [Referent: Deiningek] 

Steiermark. 

Die k. k. Slatthalterei hat eine Reihe von 
baulichen Herstellungen an der Filialkirche 
St. Nikolaus zu Koritno bei Cadram zum Schutze 
der in dieser Kirche befindlichen Fresken in An- 
trag gebracht. Diese Arbeiten bestehen in der 
Reconstruction des gothischen Fensters an der 
Ostseite, in der Sicherung der Wölbung ober dem 
Presbyterium, Erneuerung des Fensters an (l<?r 
Nordseite, Blechverschalung beim Anschluss des 
Thurmes an das Kirchendach und Herstellung- 
dreier Holzjalousien in der Glockenstube. 

Die C. C. befürwortet die Durchführung dieser 
Arbeiten und die (iewährung- einer Staatssubvention 
im Gesammtkostenbetrage von 320 A', da seitens 
der localen Factoren keine Beiträge zu gewär- 
tigen sind. [Referent: Rosnkk] 

Es steht in Absicht, den barocken St. Nikolai- 
altar in der Dom- und Stadtpfarrkirche zu 
Marburg- durch einen gothischen Rosenkranzaltar 
zu ersetzen. Der alte, kunsthistorisch wertvolle 
Altar soll im Localmuseum zur Aufstellung gelangen. 

Bevor die C. C. in eine Prüfung des vorgelegten 
Projectes eingeht, beschließt sie zu erheben, ob die 
Anforderungen des Cultus beziehungsweise die 
Wünsche der Bevölkerung die Aufstellung eines 
Rosenkranzaltares für unbedingt nothwendig er- 
scheinen lassen und ersucht im bejahenden Falle 
um Vorlage einer Ansicht des Altarprojectes im 
vollständigen (jrundriss und Durchschnitt und eines 
Grundrisses des Seitenschiffes, in welchem der 
Altar zur Aufstellung gelangen soll. 

[Referent: Deininger] 

Conservator Bergrath Riedi, berichtet über die 
in jüngster Zeit in der Gräberstättc zu Reichenegg 
gemachten Funde: eine Fibel in Pferdegestalt mit 
auf dem Rücken sitzendem Vogel, vier Bronze- 
ringe und eine Urne, welche Asche und Knochen- 
reste enthielt. 

Er berichtet weiters über eine am Kaiser 
Josefsplatze in Cilli gefundene Fibula in Form 

4* 



55 



56 



eines auf dem rechteckigen Bügel stehenden Pferdes, 
welche nach der rohen, handwerksmäßigen Aus- 
führung und nach der Charnierconstruction einer 
recht späten römischen Zeit zuzuschreiben sei. 

Endlich berichtet er über den Fund einer 
brocheförmigen Fibula in der Urne eines römischen 
Grabes zu Streinc. Die Urne enthielt weiters die 
Hälfte einer Münze (Großbronze) des Kaisers 
Hadrian. [Referenten: Kenner und Much] 

In Uranje wurden neuerlich mehrere Reste 
römischer Inschrift- und Reliefsteine gehoben, 
Mauer- und Treppenreste bloßgelegt und endlich 
ein cisternenartiger, aus Mauerwerk hergestellter 
Raum durchforscht. Über Antrag des Conservators 
Bergrathes Rledl beschließt die C. C. zu einer zweiten 
Versuchsgrabung eine Subvention von 200 K zu be- 
willigen und dem Conservator das Ziehen so- 
genannter Suchgräben, die einander kreuzen, zu 
empfehlen, so dass nur dort, wo sich Anzeichen 
von Mauerresten oder Gräbern ergeben, diese mit 
umso größerem Erfolge nach allen Seiten zu ver- 
folgen wären. Sowohl Gräber als Älauerreste wären 
in eine Copie des Katastralplanes einzutragen, die 
Funde an das Localmuseum in Cilli abzugeben 
und über die Grabungen auf Grund eines Tage- 
buches Bericht zu erstatten. [Referent: Kenner] 

Tirol. 

Correspondent Professor dei Cobelli theilt 
mit, dass Zeitungsnachrichten zufolge ein römi- 
sches Grab in Arco aufgedeckt wurde, und stellt 
einen Besuch der Fundstelle in Aussicht. 

[Referent: Kenner] 
Conservator Propst Dr. \V.-u.t£r berichtet, dass 
in der sogenannten Gschwentner-Kapelle der 
Pfarre Silli an ein kunsthistorisch wertvoller Flügel- 
altar aus dem XV. Jahrhundert sich befunden 
habe, von welchem ein mit Reliefs und Malereien 
geschmückter Flügel, wahrscheinlich um den Preis 
von 1000 K, an einen Antiquar veräußert wurde. 
Da der Berichterstatter die begründete Vermuthung 
äußert, dass dem Verkäufer die erforderliche Be- 
rechtigung hierzu gefehlt habe, ohne dass ihm des- 
halb mala fides vorgeworfen werden müsste, be- 
schließt die C. C. zur Klärung des Rechtsverhält- 
nisses dienliche Schritte einzuleiten, um den Ver- 
kauf, welchen sie von ihrem Standpunkte beklagen 
muss, rückgängig zu machen. 



Prähistorische Funde. 

Da mir gemeldet worden war, dass in Krzeszo- 
wice (Bezirkshauptmannschaft Chrzanöw) Fragmente 
vorhistorischer Thongefaße aufgefunden worden 
seien, begab ich mich dahin. Mit Hilfe des dort 
wohnhaften Dr. Klemens Bukowski gelang es, einige 
lose Scherben nebst einem Fragmente des Profils 
einer oberen Urnen wandung aufzufinden, ohne jedoch 
damit hinreichendes Material zur Reconstruierung 
des ganzen Gefäßes zu .sammeln. Ich ersuchte 
Dr. BiKowsKi, diese Fragmente nebst einem aus- 
führlichen Berichte der Akademie der Wissenschaften 
in Krakau einzusenden. 

Ferner erfuhr ich, dass vor zehn oder mehr 
Jahren in der Gemeinde Swidnik (Bezirkshaupt- 
mannschaft Limanowa) bei Feldarbeiten einige wert- 
volle vorhistorische Gegenstände aufgefunden 
worden seien ; außer Thon- und Steingeräthen sollen 
auch Armspangen aus Bronzedraht sowie Ohrringe 
und Fibeln aus Bronze, angeblich mit blauem Email, 
wahrscheinlich aber mit Bronzepatina bedeckt, sich 
unter ihnen befunden haben. 

Eine eingehende Correspondenz mit dort woh- 
nenden Personen führte mich zu der Überzeugung, 
dass diese Funde von keiner umfangreichen Be- 
gräbnisstelle, sondern von einem isolierten Grabe 
herrührten, so dass weitere Nachgrabungen keine 
ausgiebigen Resultate für die Wissenschaft in Aus- 
sicht stellen. Die Fundstücke waren von Hand zu 
Hand gegangen und endlich in den Besitz des 
Universitätsprofessors Dr. Franz Piekosln'Ski in 
Krakau gekommen. Die Wichtigkeit des Fundes 
empfiehlt es meiner Meinung nach, dass er von 
irgendeiner öffentlichen Sammlung der Heimat 
erworben werde, was vielleicht mit Hilfe des 
hiesigen Conservatorengremiums zu erreichen wäre. 

Auf eine Mittheilung der Bezirkshauptmann- 
schaft Gryböw, dass daselbst ein steinernes Beil 
aufgefunden worden sei, übersandte ich der ge- 
nannten Behörde einen Fragebogen, um den Cha- 
rakter des Fundes zu erkennen. Leider wurde mein 
Ansuchen bis zur .Stunde nicht erledigt, trotzdem 
ein ganzes Jahr seitdem verstrichen ist. 

Gemeinschaftlich mit dem k. k. Conservator 
Dr. Demetrvkiewicz gieng ich an die Durch- 
grabung und Erforschung eines Grabhügels auf 
dem Berge „Wierzyska" in der Dorfgemeinde 



57 



58 



Komorniki (liezirk.shauijtnKinnsrhaft Wieliczka). 
Dieser ziemlich grofBe, etwa 20;« im Umfange 
mess(Miilo künstlicho Hügel war der letzte von den 
5 älinlichen vorhistorischen Denkmalen, welche sich 
ehemals auf derselben Anhöhe befunden haben, 
aber schon längst auseinandergeworfen sind. Trotz 
aller Sorgfalt war die jetzige Durcliforschung leider 
wenig ergiebig. Außer kleineren Kieselsteinspänen, 
deren Bearbeitung nicht einmal mit voller Sicher- 
heit festgestellt werden konnte, und außer einigen 
wenigen Fragmenten vorhistorischer Thongefäße, 
welche nicht einmal auf die Gestalt des Gefäßes 
zu schließen die Möglichkeit gaben, wurden keine 
vSpuren menschlicher Thätigkeit vorgefunden. 

Mit demselben Conservator besichtigte ich die 
Reste einer in der Gemeinde Poznachowice (Bezirks- 
hauptmannschaft Wieliczka) befindlichen Burg. Die 
Ruine nimmt die ganze obere Plattform des (etwa 
800 ui über dem Meeresniveau) steil aufragenden 
Berges „Grodzisko" (d. i. ,,Burgstätte") ein. 

Es sind daselbst noch Spuren von einer ge- 
waltigen, eine Fläche von mehreren poln. „Morgen" 
(Joch) umschließenden Umwallung zu sehen, mit 
sichtbaren Bautenresten von bedeutenden Dimen- 
sionen. Unterhalb der oberen Erdschichte der 
äußeren Umwallung sieht man noch den Grundriss 
und die Spuren der Mauern, welche etwa i in dick 
waren und aus kleineren, mit Erde dicht verbun- 
denen, durch und durch gebrannten Steinen be- 
stehen. Die offenbaren Zeugnisse der Feuerwirkung, 
welche sowohl die Steine als die Erde dieser Mauern 
in ihrer ganzen .Stärke röthlich färbte, lassen keines- 
wegs auf eine verheerende Feuer.sbrunst schließen, 
sondern sind wohl darauf zurückzuführen, dass Feuer 
absichtlich zur Stärkung der Umwallung und der 
aus losem, zum Theile weichem Material erbauten 
Mauer verwendet worden i.st. Überhaupt lässt die 
ganze Bauweise dieser Ansiedlung, .soweit sie 
noch sichtbar ist, ihre Entstehung in eine sehr 
entfernte, wahrscheinlich vorhistorische Zeit zurück- 
leiten, was darin Bestätigung zu finden scheint, 
dass über einen so bedeutenden befestigten Platz 
hi-storische Nachrichten ganz fehlen. 

Außerdem begab ich mich an die Stelle ,,Ru- 
sinki" in der Gemeinde ISiepraw (Bezirkshaupt- 
mannschaft Wieliczka), wo im Jahre 1899 bei 
Feldarbeiten ein Fragment eines vorhistorischen 
Thongefäßes von ungewöhnlich großen Dimensionen 



gefunden worden war. Wegen der .Saaten auf 
dem Felde war aber an .Vusgralningen augenblick- 
lich nicht zu denken, so dass ich diese auf günsti- 
gere Zeit verschieben musste und nur dem dor- 
tigen Volksschullehrer ans Herz legte, bis zu 
meiner nächsten Ankunft sein Augenmerk darauf 
zu richten, dass etwaige zufällige Funde vor Zer- 
störung bewahrt würden. 

Racibor.sko, am 16. August 1901 

Conservator M.akian von DynY!*SKi 

Römische Funde. 

Eine briefliche Mittheilung, die ich dem Ent- 
gegenkommen des Herrn Dr. C. Giannoni in 
Mödling verdanke, hat mich veranlasst, die Fund- 
stücke eines Römergrabes zu besichtigen, das 
am 31. Jänner d. J. bei der Erweiterung der 
Bahnhofsanlagen in JMödling, an der Ostseite 
des linksseitigen Stationsgebäudes, noch vor der 
.Strassenbrücke — beidemale von Wien aus ge- 
rechnet — beim Bahnkilometer 15*02 fast i m tief 
unter dem Erdboden gefunden worden war. Ich 
fand die Fundstücke noch im Bureau des Stations- 
vorstandes, der mir bei der Feststellung der Fund- 
umstände und bei der Beschreibung der Fund- 
gegenstände erwünschte Hilfe bot. Das Grab war' 
isoliert; zwar behaupteten Arbeiter, die ich be- 
fragte, dass Menschenknochen in seiner Umgebung 
wiederholt gefunden worden sind; aber ich habe 
keinen Beweis dafür erhalten, dass sie aus Römer- 
gräbern stammen, und jedenfalls i.st diesmal (vgl. 
immerhin S. 60) im nächsten Umkreis dieses Grabes 
kein anderes aufgedeckt worden. Das Grab war 
ganz mit Erde verschüttet, und war von den 
x\rbeitern halb zerstört worden, bevor sie der In- 
schriftplatte ansichtig wurden, die zu Häupten des 
Skelettes, die Schrift nach außen, im Boden auf- 
recht stak. Was die Arbeiter dann sahen, war un- 
gefähr das Skelet, neben dem ein Thonkrug und 
ein langstieliges Messer und ein Bronzering lagen, 
schlicht in die Erde gebettet, nur dass am Kopf- und 
am Fußende je eine Sandsteinplatte als Grenze des 
Grabes aufgestellt war. Die Platte an der Kopfseite 
(0-41 X o'57 X o'o8), die die Inschrift trägt, ist in vier 
.Stücke zerbrochen, die andere Platte mit schmalem 
und hohem .Sockel ziemlich unversehrt erhalten. 

Die Schrift — etwa Ende des II. Jahrhunderts 



59 



6o 



n. Chr. — ist zwischen vorgerissene Zeilenlinien 
gesetzt und mit Mennig, das meist deutlich er- 
halten ist, ausgemalt. Die Zeilen i bis 3 sind zum 
Theil sehr verrieben; Meißelschläge oder Hiebe 
mit einem anderen Werkzeug haben mehrfach das 
Aussehen der Inschrift verunstaltet. Die Zeilen 
^ , 2 — 8 stehen inner- 

^ Um- 



GAU: 




\l\ 



:tillaf ii.( 



E^ELll V S SIT 




halb einer 

rahmung. 

d{is) [m{anibHs)'\ 

Ga . . . IIS . . Mil- 

nertus, aii{iioriiiii) 

LXV. Neratia 
Onintüla procura- 
vit. at {= aJ) cnitis 
(nämlich des Milnertus) arbiir{t)um per ine eß^f)er{r)i 
iiissit. 

Die zweite Zeile ist zu arg verwittert und durch 
Verletzungen entstellt, so dass, wenigstens da ich 
den Stein noch feucht vom Erdboden sah, der 
Name unlesbar blieb. Ob vor C ein Buchstabe, 
etwa T stand; ob nach CA ein I oder ein L, darauf 
wirklich S folgte und ob der letzte Buchstabe der 
Zeile T oder I oder F war, wusste ich nicht zu be- 
antworten; das I zwischen V und S ist kein Buch- 
stabe, sondern eine Verletzung des Steines. Die 
Ergänzung von Zeile 3 zu Mültilerfus verdanke ich 
Dr. Theodor R. v. Griexberger. Der Bronzering, 
der bei der Leiche gefunden worden war, konnte 
mir nicht gezeigt werden. 

Das Thongefäß (aus grauem Thon) ist bei der 
Auffindung aus Unachtsamkeit zerschlagen worden. 
Gegenwärtig ist nicht ganz die Hälfte in Stücken 
erhalten, die sich leicht wieder werden zusammen- 
fügen lassen. Es ist ein Topf mit ziemlich schmalem 
(noch nicht 5 cm Durchmesser), niederem Fuß und 
weiter Öffnung, ein- oder zweihenklig (ein Henkel 
ist erhalten) und nicht über 0-15 hoch. 
Das sehr verrostete Eisenstück, 
das mitgefunden wurde, ist o' 1 1 lang 
und außer an der geschärften Seite 
etwa 2'5 bis 3 mm dick, oben und 
unten, also an den Enden von Klinge 
und Stiel, abgebrochen; es gehört 
sicher einem Messer an; es stak mit dem unteren 
Zapfen in einem Holzstiel, der bei der Bergung in 
Staub zerfiel; dass der Stiel, wie die Finder be- 
haupten, über 0-5 in lang war, glaube ich nicht. 




Die hier mitgetheilte Inschrift ist ein er- 
wünschter Zuwachs zu den drei bisher aus Mödling 
bekannt gewordenen; dass eine von ihnen (diese 
Zeitschrift 1884 S. CVI = CIL III 11 304) mW. Reiiso 
Driiti J\iliiis) anti[ornm) L, structor fnit , ]!{ic) s(i/iis) 
o{s() ; Utto filitis posnit gleichfalls beim Mödlinger 
Stationsgebäude gefunden worden ist, soll hier be- 
tont werden. KuurrscHUK 



Der Lehrer B. Trabusinek fand in einer Hof- 
remise der ehemaligen Lederfabrik J. Stanzer (jetzt 
der Posojilnica gehörig) zu Gonobitz einen Römer- 
stein aus Bacherer Marmor, der wahrscheinlich später 
ausgehöhlt worden ist (Aushöhlung i'05Xo'63X 
©•48 ni), um als Trog zu dienen ; lange diente er als 
Lederfettständer. .Sollte die Aushöhlung schon ur- 
sprünglich bestanden haben, so dürfte der Stein nur 
zur Befestigung von Aschenurnen gedient haben. 
Ebenso fraglich bleibt, wann die acht Vertiefungen 
am Rande der Aushöhlung entstanden sind. Zu 
beiden Seiten der Inschrift sind die Flächen je mit 
einem und demselben roh gearbeiteten Relief, 
einen Reiter vorstellend, und mit einem Eierstabe 
als Umrahmung geziert; die Oberseite trägt eine 
Öffnung zur Befestigung des Aufsatzes, Statue 
oder Büste. 

TIVLIVSBELUCVSDEG 

ALAEASTVRVM ^H 
DECMVN ICI PICLArCELEIAE 
T F^ I 

THVlIVSfR.ONTONiSf' ClVlS 
FRATEFcET^HERfSfEClT 

T{itiis) lulins Bellicus, dec[urio) alae Aslnnnii 
(seciuidae), dec{itrio) mtmicipi Cla{udiac) Celciae, 
t{estainento) ßieri) Hjtssit); Ti{berins) Iiiliiia Froiiloiiis 
f{iliiis) Civis frafer et lieres fecit. 

Die sehr sorgfältig ausgeführte Inschrift dürfte 
dem I. bis IL Jahrhundert n. Chr. angehören; 
die Höhe der Buchstaben verjüngt sich von 0-07 
auf 0-04;«. 

Um dieses Denkmal bleibend zu schützen, habe 
ich bei der Direction der Posojilnica den Antrag 
gestellt, es dem Landesmuseum abzutreten. 

Conservator Bergrath Emanuel Riedl. 



6i 



62 



In der \'orhalle tlor J\.irche zu ekni \'ierzehn 
Nothhelfern in .Selesen bei Rrückl befindet sich 
links ein rümisrlu-r Schriftstein, dessen erste Zeile 
verdeckt ist. 

b L /\ I V L Ih[l]a[/]iil[liis]'^ 

I V L I A E Iiiliae 

LITVCENAE Lb Lilitgeuae lib{ertac) 

VFSIBI-ETSViS v{ivits) f{ccit) sibi d suis. 
Conservator Domcapitular M. Gk(")ssi:k 



Beim Ausliehen einer Baugrube am Monte 
Castagner n. 334 in Pola wurde ein Skeletgrab 
aufgedeckt, das unzweifelhaft römischen Ursprungs 
ist. Überdeckt war das Skelet mit Dachziegeln, 
von denen zwei vollständig erhalten waren. Der eine 
zeigte den Stempel C- C/€SAR PA/SI , der andere 



den Stempel C E R' O P S. Ersterer ist in Pola wie 
an der istrianischen Küste schon vielfach zutage 
gekommen (CIL V n. 81 10, i — 28), letzterer war 
bis jetzt in Pola und Umgebung unbekannt. Grab- 
beigaben wurden nicht gefunden. 

Vor einigen Tagen wurden in der Xähe eines 
Ravelins an der .Südseite des Castells in Pola 
16 große römische Amphoren bei einer Abgrabung 
gefunden. .Sie sind zum Theil wohl erhalten. 
Marken oder .Stempel tragen sie nicht. Die Fund- 
.stücke wurden von der k. u. k. Geniedirection in 
Pola in Verwahrung genommen. 

Conservator Prof A. Gnirs 



Am 2g. Juli 1901 wurde beim Versuche, eine 
aus römischen Architekturfragmenten zusammen- 
gesetzte ]\Iauer innerhalb des oberen Umkreises 
von Visazze bloßzulegen, eine Basis aufgedeckt^ 
welche sammt .Sockel und Krönung i ■80111 hoch 
ist; die Breite ist o'5i7«, die Tiefe 0-42 fw. Diese 
Basis ist aus einem antiken Architravstück durch 
Abschlagen der Verzierungen zugerichtet. Das um- 
rahmte Inschriftfeld zeigt in rohen Charakteren 
folgende Widmung: 

I M P • C A E imp[eratorf) Cae{sari) 

M ■ A N T O M{arcn) Aulo{uio) 

C O R D I A N o Gordiano 

P 1 O • F E L pio fel(ici) 
5 A V C Aiig{iislo) 

P M- P- P p{outißci) nt(aximo) 

R • p N E S r{es) p(ublica) Nes{actieusium). 
Es ist das erstemal, dass Nesactiums Xame 



inschriftlich bezeugt ist, und die \'erbindung- von 
Visazze, wo der Fund gemacht worden ist, mit 
Nesactium scheint bedeutungsvoll zu sein. 

Correspondent A. Amoroso 

Der Conservator Regierung.srath Monsignore 
BuLiC hat der Redaction die Durchzeichnung einer 
Inschrift zugesandt, die wenige Tage zuvor in 
Gologorica aufgefunden worden war. Sie lautet: 

QsIAßlENVSQf'MQLDO 

TESWMEKTTOflERHVSS IT 
S;B.!'EmQy!LIM>SPf' 

TEFJIAE'VXORI- 
bM-G.AOyiLLifACIVNDV M- 



.VERVNT 



c 

0{iiin/iis) Labienns O(niiiti) (Jiliiis) Mollio 
testantento ßeri iiissil sibi et Aqttiliae Sp{uri) 
f(iliac) Tertiae uxori; L(iicius) M{arcns) C(aius) 
Aqnillis faciniidiim curavernut. 

In dieser Inschrift, die abgesehen von ihrer 
localen Bedeutung nichts Neues lehrt, aber als 
Beitrag zu der Liste der Spnri filii und filiae und 
wegen der Bildungsform des Pluralnominativs 
Aqnillis = Aqiiillii und wegen des Wechsels von. 
einfachem Consonanten mit der Gemination in 
diesem Wort bemerkenswert ist, hat Professor Gnirs 
folgende Au.sführungen eingesendet: 

Sie wurde Ende April von dem Landmann 
Marin Puhar in Gologorica doli (Bezirkshaupt- 
mannschaft Mitterburg, Eisenbahnstation Cerouglie) 
in einem Weingarten au.sgegraben, der in dem 
Thale liegt, das sich von Gologorica zum Cepic- 
See herabzieht. 

Die Fund.stätte liegt wenige Schritte nw. von 
der Einschichte Gologorica doli in dem sowohl 
durch landschaftliche Schönheit wie durch Frucht- 
barkeit ausgezeichneten Thale des Veli potok, der 
zum Gebiet des Cepic-.Sees gehört. 

Der Grabstein ist aus Kalkstein, 2 m hoch, 
Q-So m breit und zeigt an den .Seiten zwei Pilaster, 
die ein Giebelfeld mit seitlichen Akroterien tragen. 
Eine Rosette bildet den ornamentalen .Schmuck 
des Giebelfeldes. Dieses trägt auf seiner Spitze 
ein flaches Postament mit Dübelloch, das wohl 
zur Aufnahme eines Akroterions bestimmt war. 



64 



Zwischen den beiden Pilastern folgt unterhalb der 
Gesimsplatte des Giebels eine Xische (o"58 X o'öj iii), 
welche in HalbfigTir die Reliefs zweier Eheleute 
aufnimmt, rechts einer Frau, links des Mannes. 
Die Frau trägt eine Palla; sie legt die rechte 
Hand auf die Brust, die linke hält einen Apfel. 
Der Mann ist mit der Toga bekleidet und zeigt 
dieselbe Armstellung wie die Frau; nur hält seine 
Linke einen cylindrischen Körper, der sich als 
Scliriftrolle deuten ließe. Der Zeigefinger des 
Mannes trägt einen Ring. Die Nische ist nach 
unten durch eine Gesimsplatte abgeschlossen, 
unterhalb welcher die Inschrift beginnt. 

Die Buchstaben sind gut gearbeitet und ge- 
hören noch der ersten Kaiserzeit an. Der Steinmetz 
ist bei der Herstellung der Inschrift nicht recht mit 
dem Raum ausgekommen. Daher mussten in Zeile i 
die Buchstaben I O, in Zeile 2 I T und in Zeile 5 
M- auf den Seitenpilaster^ hinausgerückt werden. 

Am unteren Ende dieses Gedenksteines ragt ein 
Zapfen (0-35 X o- 1 5 X 020 ;;/) hervor. Eine oben glatt 
abgearbeitete Quader (1-39 X 0-76 X 0-35 ;;;), die 
gleichzeitig mit dem Grabstein gefunden wurde und 
seine Basis bildet, trägt die für Aufnahme des Zapfens 
bestimmte Ausnehmung (o-i5 X o'o^ X 0-28 ;;/). 

Es ist gewöhnliche Provinzialarbeit. Sowohl 
die architektonischen Theile wie die beiden Figuren 
verrathen eine etwas rohe Auffassung. Im Ver- 
gleich zu ähnlichen Funden in Istrien zeigt dieses 
Stück einen sehr guten Erhaltungszustand; es 
sieht so aus, als hätte es erst vor kurzem die 
Werkstatt des Steinmetzen verlassen. 

Eine eingehende Untersuchung der Fundstelle 
ergab bemerkenswerte Daten. Die nächste Um- 
gebung zeigt beiläufig in der Tiefe eines Meters 
eine Pflasterung, die aus hochkantig gestellten 
großen Steinen hergestellt, den Unterbau einer 
römischen Weganlage erkennen lässt, die das 
Thal von Gologorica durchzog. Das Fehlen jeg- 
licher Verstümmlung des Denkmals und seine 
gute Erhaltung lassen mit einer gewissen Sicher- 
heit vermuthen, dass, wenn nicht schon in römi- 
scher, so doch in der unmittelbar darauf fol- 
genden Zeit nach Entholzung der Thahvände die 
dort lagernde Erde in einem an Niederschlägen 
reicheren Jahre abgeschwemmt und auf dem Thal- 
boden selbst abgelagert wurde. 



Die nächste Nummer dieser Mittheilungen 
soll den Bericht über eine von uns gemeinschaftlich 
im April V. J. nach Knin und Kistanje unternom- 
mene Reise bringen. Hier soll vorweg ein Frag- 
ment mitgetheilt werden, das ein von Patsch im 
Glasnik 1897 public! ertes Bruchstück in dankens- 
werter Weise ergänzt. Beide Fragmente stammen 
aus Suplaja und haben gegenwärtig im Museum 
von Knin eine Heimstätte gefunden; das später 
gefundene erst einige Wochen vor unserer An- 
kunft. .Sie gehören einer eingerahmten Tabula 
ansata aus weißem Kalk an: Details hat Patsch 
gegeben und sie brauchen daher nicht wiederholt 
zu werden. Die Buchstaben sinken von 10 cm der 
ersten Zeile bis auf 6 in der letzten Zeile; nur die 
Zeile mit dem Namen des Statthalters ist wieder 
etwas größer gehalten; Zeilen 2 — 4 : 7-5, 6-o, 7*2 cm. 
Der gleiche Text war nach einer handschriftlichen 
Copie von Zaccaria publiciert worden (aus ihm 
MoMMSEx CIL m 1977). Als Fundort war Salona 
vermuthet, und es ist gegen diesen Ansatz nichts 
einzuwenden. Diese Doublette war offenbar an 
mehreren Stellen verstümmelt und was Zaccaria 
als Text vorfand und ausgab, ist mehrfach crasse 
Interpolation. Wir stellen beide Texte neben 

einander : 

Zaccaria : 

CLAVDIO DRVST- CAESARI 

AVCCEP- M- PONTIF- MAX 

TPIBOPEXIIMPXIILII.COSV 

DEFENSORIPATPIE PP-ANTEIO- LEG 

PROPRIA 

Museum in Knin: 

/ i. Claudius d r u s i 
MS-A\ e 5 /yR-ÄVC^Ö^ ermanicus 
P O N T» /(i X • M A X I M V.S Irib. polest. XI 
IMP-X)$.\cOS'VCENS©r. p. p. fecit cur 
P'AN T6 «■ o rV F O* LE pr^ aug. pro. pr. pro- 

d a l m 



■ V 

V i n •K. 



Ti(ben'ns) Claudius Drusi J\ilins) Caesar 
Aiig{i(sius) Geniiau{iciis) poiil[if]ex maxiniii[s 
(rib(iniicia) poiest(ate) XI] imp{erator) XX[III?~\ 
co{ii)s{iir) V ceuso[r p[ater) p{atriae) fecit cur{aute) 
P{nblio) Ante[io R]itfo leg{afo) [Aug{usti) propi\ae- 
iore) [proviii]c(iae) [Dalm{atiae)\ Die Daten der 
elften tribunicischen Gewalt und des fünften Con- 
sulats führen in die Zeit vom 25. Januar 5: bis 



65 



66 



24- Januar 52 n. Chr. Der Name des Statthalters 
wird uns luiu \-ollständit)-er b(!kannt; Tacitus, dem 
wir die Nachrichten verdanken, dass Aiiteius die 
Statthalterschaft \(in Syrien (55 n.CJir.) zugesichert, 
aber nicht übergeben worden sei, und dass er im 
Jahre 66 durch Selbstmord enden musste, nennt das 
Cognomen nicht, und in der Inschrift des Zaccaria 
ist derselbe Namen in einer Lücke untergegangen. 

BunO und KuisrrscHEK 

Romanische Wandmalereien. 

Conservator Mons. J. Grais in Graz berichtet 
über lue Auffindung von Wandmalereien im 
Stifts-Kreuzgange zu Neuberg in Steiermark. 
Es waren in den Schildflächen des Westtractes vier 
(xemäldc! aufg-edeckt worden, deren jedes je zwei 
Prälaten des .Stiftes Neuberg aus dem XVI. Jahr- 
lumdert zur Darstellung bringt. Darunter verlaufen, 
von Console zu Console reichend, Inschriften mit 
den Lebensdaten der oberhalb porträtierten Prä- 
laten. Es mag sich somit unter der Tünche eine 
ganze .Series aljbatum befinden, die kaum \'or Ende 
des XVI. Jahrhunderts angelegt wurde. Bereits im 
XVII. Jahrliundert muss man die Fresken als nicht 
mehr zusagend befunden haben; denn sie wurden 
nun übertüncht und durch eingerahmte Ölgemälde 
ersetzt, die man sorgfältig in die Schildflächen der 
Wand eingepasst hat. Man gedenkt, die ganze 
Reihe von Prälatenbildern bloßzulegen, jedoch 
keine Restaurierung derselben vorzunehmen, da 
sie geringen Kunstwert besitzen und durch die 
Tünclie stark gelitten haben. 



Conservator Fachschuldirector Franz Rosmael 
in Wallachisch-Meseritsch berichtet, dass in der 
Filialkirche zum hl. Jakob in Tetsovic (politischer 
Bezirk Ungarisch-Hradisch) am 15. October v. J. 
gelegentlich einer Restaurierung unter dem abge- 
•schlagenen Mörtelverputze Wandmalereien aufge- 
deckt wurden, die als denjenigen im sogenannten 
Heidentempel zu Znaim selir älmlich bezeichnet 
werden. 

Gothische Wandmalereien. 

Anläßlich der kürzlich erfolgten Erbauung 
einer neuen Pfarrkirche zu Hosin bei Budweis 
wurde das alte romanische Kirchlein daselb.st zu 
einer Paufkapelle eingerichtet, und bei Gelegenheit 



einer aus diesem Anlasse erfolgten Restaurierung 
unter der Tünche eine Reihe alter Wandmalereien 
aufgefunden. Dieselben werden gegenwärtig durch 
den Maler Ludwig Kuha von der darülx'r liegenden 
Kallvtünchc befreit, gereinigt und schonend ausge- 
bessert. Einstmals waren alle Innenwände damit 
geschmückt, heute ist jedocli nur ein Theil davon 
erhalten g'eblieben. 

In der Apsis sieht man die heilige Drei- 
faltigkeit dargestellt. Unter einem von vier Engeln 
getragenen Hermelin-Baldachine thront Gott Vater, 
in den Lländen das Kreuz mit dem leidenden 
Heiland, auf tler l'>rust die Taube. Rechts stehen 
zwei große Heiligenfiguren, links hat sich nur 
eine erhalten, indem die andere durch einen 
später durchgebrochenen (jetzt wieder vermauerten) 
Eingang vernichtet wurde. 

Über dem Triumphbogen ist ein von zwei 
Engeln getragenes Veronicon abgebildet; leider 
sind hier die Farben so verblasst, dass von dem 
Antlitze des Heilands nicht einmal die Contouren 
erkennbar sind. 

Von den Malereien im Schiff hat sich am 
besten eine höchst interessante Darstellung der 
vollständigen St. Margareths-Legende an der .Süd- 
wand erhalten. 

Das erste ^25111 lange Bogenfeld ist der Länge' 
nach in drei etwa oSom hohe Streifen eingetheilt. 
Oben in der Spitze des Bogenfeldes sitzt die 
Heilig-e von Rankengewinden und zahmen Thieren 
umgeben. In dem mittleren Bilderstreifen- erblickt 
man drei .Scenen: rechts zwei Reiter, von denen 
der eine nach oben auf die heilige Jungfrau zeigt, 
in der Mitte einen tanzenden Fackelträger, links 
wird die Heilige durch einen Soldaten und einen 
Häscher dem auf einem .Stuhle sitzenden Richter 
vorgeführt. In dem unteren Streifen sind drei 
.Scenen: i. Die Heilige, an einem Pfahl ange- 
bunden, wird von zwei Henkern mit Ruthen ge- 
peitscht. 2. Die Heilige wird im Kerker, der als 
eine Feste mit vorgekragten Eckthürmchen dar- 
gestellt ist, von Drachengestalten bedroht. 3. Die 
Enthauptung der Heiligen: Der Scharfrichter hält 
ein großes Schwert in der Hand, die heilige Mar- 
gareth kniet mit geneigtem Haupte, und ein Engel 
nimmt ihre Seele auf. Endlich kniet links die kleine 
Gestalt des Donators mit einem Spruchbande, auf 
welchem nur einige Minuskellettern sichtbar sind. 



67 



68 



Unter den Gemälden läuft um das ganze 
Innere des Kirchleins eine primitive o"iS;;/ breite 
Bordüre, in welcher blau und roth bemalte 
Quadrate abwechseln. 

In dem zweiten Bog-enfelde war über einer 
Thüre ^lariä Verkündigung abgebildet; die Gestalt 
der Heiligen Jungfrau und eine große Kanne sind 
noch gut erkennbar. 

Die Malereien auf der nördlichen Wand wurden 
im XVII. Jahrhunderte, als hier anstatt der kleinen 
romanischen zwei große viereckige Fenster durch- 
gebrochen wurden, gTÖßtentheils zerstört, und es 
sind von ihnen bisher nur einige Figuren entdeckt 
worden. 

Die malerische Ausstattung des Raumes datiert 
aus der Zeit, in welcher die größere (jetzt durch 
einen Neubau ersetzte) gothische Kirche gebaut 
und auch das Schiff des alten romanischen Baues 
mit einem gothischen Kreuzgewölbe versehen 
wurde. Die Rippen des letzteren sind aus doppelt 
ausgekehlten Formziegeln construiert und sitzen 
auf vierseitigen romanisierenden Pyramidalconsolen, 
von denen eine mit roh gearbeiteten Umrissen 
eines Menschenkopfes verziert ist. Der Maler 
schmückte dann die Rippen mit verschiedenen, 
recht primitiv componierten Ornamenten. In den 
vier ersten Gewölbefeldern erblickt man große 
stehende Engelgestalten mit Spruchbändern; der 
Grund ist schmutzigblau und mit großen Sternen 
verziert. 

Da der dünne Anwurf auf ein rohes Bruch- 
steingemäuer aufgetragen ist, so sind die Flächen 
sehr uneben; die Malerei selbst ist al fresco aus- 
geführt und sorgfältig geglättet. Die Contouren 
sind theils schwarz, theils (in den Gesichtern) 
röthlich gezeichnet, hie und da auch in den nassen 
Mörtel eingekratzt, in der Färbung herrscht über- 
haupt vorwiegend das Rothe. 

Der Maler componierte gleich an der Wand 
und ließ hie und da die ersten unbenutzten Con- 
touren stehen; auch die heraldisch behandelten 
Kronen sind theils schwarz unterlegt, theils nur 
mit schwarzen Contouren angedeutet, so dass die 
Arbeit den Eindruck von Flüchtigkeit und Un- 
fertigkeit macht. Die Composition selbst ist recht 
naiv, die Haltung der Figuren noch romanisierend, 
die Körper sind schlank, die Hände und die Finger 
lang und dünn, alles zeigt die erste Hälfte des 



Xl\'. Jahrhunderts und erinnert sehr stark an die 
bekannte, aus dem Jahre 1338 .stammende St. 
Georgslegende in Neuhaus. Die Gesichter der 
Henker sind hie und da absichtlich carikiert. 

Consorvator Prof. J. PiKani?; 

Gothische Bauwerke. 

Die P^ilialkirche St. Katharina in Radnig 
oberhalb Hermagor ist in der Kunsttopographie 
Kärntens kurz erwähnt, und später vom Prof. 
Dr. Haxx in den Mittheilungen des Geschichts- 
vereines für Kärnten „Carinthia I" 1895, S. 123 
beschrieben worden. Einige ihrer Details, darunter 
vor allem die Decke der Vorhalle, verdienen aber 
auch in Abbildung bekannt gemacht zu werden, was 
hiermit unter Beschränkung der textlichen An- 
merkungen auf das unvermeidlichste Maß ge- 
schehen soll. 

Das einschiffige Kirch- 
lein reicht mit der ersten 
nachweislichen Gründung in 
die romanische Bauperiode 
zurück; denn die vorhandene 
Apsis (Fig. i) gehört dieser 
Stilweise an und zeigt noch 
nach Osten ein unverändert 
gebliebenes halbrundes Spalt- 
fenster, mit nach aussen sich 
erweiternden schrägen Wan- 
dungen. Eine aus dem Jahre 
1862 stammende Inschrift in 
der Apsis nennt als Er- 
bauungsjahr des Kirrhieins 
1040, eine Zerstörung durch 
die Türken im Jahre 1478 
und eine Renovierung durch 
Bartholomäus Lebmacher, 
Marktrichter zu Hermagor im Jahre 1670. Ob 
diese Daten auf urkundlichen Nachrichten beruhen, 
hat sich bis jetzt nicht feststellen lassen; doch 
würde das Aussehen der Apsis einer Erbauung der- 
selben im XL Jahrhundert nicht widersprechen. 

Der Türkeneinfall im Gailthale ist erwiesen; 
doch wurde die Kirche damals offenbar nicht ein- 
geäschert, sondern bloß die Thüre mit Axthieben 
eingeschlagen, um den Türken Zugang zu ver- 
schaffen; wenigstens hält man die lieutige Holz- 




Fig. 1 . St. Katharina in 
Radniff. Grundriss. 



69 



7o 



thürc, die unter einer Verschalung 
die Si^uren von Hieben aufweist, 
für die im Jahre 1478 durch che 
Türken erbrochene. Der Schiff- 
raum sammt der erwähnten Thüro 
und seiner ehemaligen Holzdecke, 
die aber nun in der Vorhalle ange- 
bracht ist, stammt aus dem X_V. 
Jahrliundert. 

Von besonderer l'n'deutung ist 
die eben genannte, mit Leimfarben 
bemalte llolzdeeke, die in recht- 
eckige Compartimente aufgetheilt 
und innerhalb dieser mit einem 
wechselvollen Schmuck der aben- 
teuerlichsten (ichilile \erziert ist, 
wie dies aus der Abbildung (Fig. 2) 
entnommen werden kann. Wenn 
auch die Anordnung der einzelnen 
Theile der Decke bei der Über- 
tragung \'om Schiff in die Vorhalle 
verändert worden sein dürfte, so 
darf doch keinesfalls angenommen 
werden, dass man es hier mit einer 
'Ihiererzähluiig im Sinne der christ- 
lich-symbolischen Thiergeschichten 
zu thun hat. Es sind lediglich Fabel- 
gebilde, die wohl in früherer mittel- 
alterlicher Zeit eine tiefere Be- 
deutung gehabt haben mochten, 
nun aber in wenig verstandener 
Nachbildung nur den Zweck einer 
Decoration erfüllten. Unter den Ab- 
bildungen, die sich auf den einzelnen 
Brettern zwei- bis dreimal wiederholen, haben wir 
solche, die unmittelbar der Natur entnommen sind: 
so den Storch mit dem Fische und ein zweitesmal mit 
der .Schlange, dann das einem Ziegenbock ähnelnde 
Thier, das von einem Strauche Blätter abfrisst, 
endlich die beiden hockenden, langgestreckten hunde- 
artigen Thiere, wovon eines mit Halsband versehen 
ist. Endlich ist in mehrfacher Wiederholung, in 
einem mit Blattwerk gezierten Felde, ein Damm 
zu sehen, auf welches ein Raubvogel stösst : ein 
Motiv, das auf .spätmittelalterlichen Seidenstoffen 
süditalienischer Provenienz nicht selten begegnet. 
Zu den Thiergestalten, die der Phantasie entstammen, 
zählt der Hahn mit dem gewundenen Drachen- 




P'ie;. 2. 

Bcniiilte Holzdecke, 

XV. lahrhundert. Radni 



schwänze und dtMi kurzen, [krallenartigen Pfoten 
und eine ganz besonders interessante Vogelgestalt 
mit Klauenfüßen und Hörnern. Öfter begegnet 
endlich die Darstellung eines zurückblickenden 
Drachens, der vor seinem zu einem zweiten Kopfe 
geformten Schwänze zu scheuen scheint. Zu all 
dem gesellt sich dann schließlich noch eine seltsame 
Menschengestalt, die mit einer Hand auf der flöten- 
artig verlängerten Nase spielt und mit der anderen 
an einer Pumpe zieht. Um den kirchlichen Charakter 
zu wahren, findet sich auch noch eine gothische 
Monstranze und ein Traubenornament mitten unter 
diesen Darstellungen. 

Von der Innenausstattung der Kirche wäre nur 



7' 



72 



noch eines hölzernen Altares in vorgeschrittenen 
Formen deutscher Renaissance Erwähnung- zu thun, 
der laut einer an der Predella lesbaren Inschrift 
den Mathias Lebmacher als Stifter und das Jahr 
1670 als dasjenige der Weihung, 1862 als dasjenige 
y^ der Renovierung des Altares 

nennt. 

Das Wappen Bartholomäus 
Lebmachers (Fig. 3), im gevierten 
Schilde Lilie mit aufrechten 
Löwen wechselnd, ist auf dem 
Altare abgebildet. 

Die Restaurierungen des 
Jahres 1862 .sind glücklicher- 
weise auf die bemalte Holzdecke 
Fi^. 3. Gemaltes nicht ausgedehnt worden, und 
Wappen des Bartholo- so blieb uns dieses wertvolle 
maus Lebmacher, <^tück in seiner ursprünglichen 
" Gestaltung erhalten. DasAußere 

des Kirchleins (Fig. 4) macht mit dem .sechseckigen 
hölzernen Dachreiter und der Gliederung des 
Daches einen recht niedlichen Eindruck. Ein an 
der Südseite vorgeschobener Dachtheil hat den 
Zweck, ein wertloses, der neueren Zeit angehöriges 
Chri.stofgemälde zu schützen. 

Die Kirche St. Leonhard in der .Schla- 
nitzen, genauer gesagt deren Mutterkirche, wird 
zum erstenmale in einer Urkunde vom 13. Mai 1342 
genannt, als der Patriarch Bertrand von Aquileja 
den Landlouten und Waldrodern von .Schlanitzen 
einen eigenen Priester in der Kirche St. Georg zu 
Dropolach und .St. Martin in Rattendorf bewilligte.*) 
Auch dieses Kirchlein, das in seiner heutigen 
Gestalt wesentlich aus dem XV. Jahrhundert stammt, 
T^ hat unter den gleichen Um- 
, - • ständen, wie die Kapelle 
^ zu Radnig,- bereits Beach- 
tung gefunden und wäre 
•' hier nur zur Erläu- 

1 terung des Grundrisses 

*) Obige Daten verdan- 
ke ich dem Herrn k. k. 
"" Archivrathe A. Ritter 

• v.Jaksch, der auch das 

Wappen Fig. 3 
als dasjenige des 
Bartholomäus 
Fig. 4. Lebmacher be- 



/ 



St. Katharina in Radnig. Äußeres. 



stimmt hat. 




(Fig. 5) und der 
Ansichtsskizze 
(Fig. 6) zu be- 
merken, dass der 
in drei Seiten des 

Achteckes 
schließende Chor 
von 9'6 /«Länge 
und 6-5 >» Breite 
mit einem mit 
Rippennetz ver- 
.sehenen Gewöl- 
be gedeckt ist, 

während der 
.Schiffraum eine 
im ursprüngli- 
chen Zustande 
erhaltene Holz- 
decke trägt. 
Diese in 48 qua- 
dratische Felder 
getheilte Holz- 
decke ist mit 
ganz ähnlichen 
Malereien, wie 
solche in der 

Vorhalle zu Radnig vorkommen, geschmückt und 
jedesfalls die intere.ssanteste dieser Art in Kärnten. 

Wenn man den einzelnen Darstellungen folgt, 
so zeigt sich überraschenderweise, dass allen jenen 
Figuren, die in Radnig vorkommen, hier genau 
dieselben Umri.sse zugrunde liegen und .somit die 
Her.stellung in beiden Fällen mit Zuhilfenahme 
einer und derselben .Schablone geschehen sein 
muss. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, da-ss 
dieser Bildschmuck zu damaliger Zeit so gemein- 
gebräuchlich und 
beliebt war, dass \ 

die Maler sich mit 

ähnlichen Hilfsmit- ,■ ■„ 

teln, wie es heuti- 
gen Tages die Pa- 
tronen für die Zim- 
mermalerei sind, 
eingerichtet haben. 

Damit ist aber, 
die Anschauung, 
welche Dr. Haxn in 



i-.jSu 



Fig. 5. St. Leonhard 
in der Schlanitzen. Grundriss. 



'J--, 



^, 



H«.«!-» 



Fig. 6. St. Leonhard 
in der Schlanitzen. Äußeres. 



73 



74 



-4 






(IcT (ariiilliia 1 1S72 S. lyfi ül)i'r diesen Geg-enstand 
in n,•u■illol,^■ender Weise zum Ausdi-iicke briny't, auf 
das zutreffendste erwiesen : 

„Gleichwie! die (iöttcr Riesen und Zwerge der 
„heidnischen ^^ytlll>l(),L;•ie, soliald der Glaube an sie 
„(hu-ch das Cliristenlhuni verdränj^t wurile, in der 
„Märchenwell der i'lianlasie ihr Lehen behalten, 
„so bleibt von den allen Thiersymbolen, nament- 
„lich in der späteren Malerei, oft nur die Physio- 
„g-nomie, die der decorierenden 
„Kunst dient und die allen (iebilde 
„spielend festhält, ohne ihre frü- 
„here liedeutung noch zu kennen."' 
Die in den Schiffrauni der 
Kirche eingebaute hölzern«! Musik- 
enipore stammt aus inner jüngeren 
Zeit; eine Säule der Tragconstruc- 
tion derselben ist mit einem Schild- 
chen (Fig. 7) versehen, welches das 
Haus- oder Meisterzeichen 4 und 
die I'juchstaben H. P. trägt. 

An der nördlichen Außenwand 
befindet sich ein in den unteren 
Partien schon stark verblasstes 
Christofg-cmälde (Fig. 8), das wohl 
aus dem XVI. Jahrhundert stammt und den Riesen 
in der Gestalt eines hübschen bartlosen Jüngling-s 
darstellt. Das Christkind, ein pausbackiger Knabe, 

ridit in be- 
(|uemer Stel- 
lung auf den 
Schultern des 
i jeiligen und 
hat die Welt- 
kugel auf den 
Knien, da die 
beiden Hände 
in der übli- 
chen Weise 
durch das 
Festhalten 
undSegnen in 
Anspruch ge- 
nommen sind. 

Schöner 
blauer Him- 
mel und ber- 
gige Land- 






Fi-. 7. llnlzscliild 
mit Mcisterzei- 
clirn, XVII. Jahr- 

hunili rt. St. 
Leonhard in der 

Schlanitzen. 




FIk. 8. Hl. Cliristoi)h. Wandf^emillde des 

XVI. Jahrhunderts. St. Leonhard in der 

Schlanitzen. 



Schaft bilden den Hiiilergruiid. Wasser, Kirche, 
J'linsiedler und anderes sind nur mehr dürftig 
erkennbar. Die Umrahmung des Jiildes wird durch 
gemalte polygone Pilaster mit Volutencapitälen 
gebildet. ]3ic ganze Darstellung zeigt künstlerische 
Auffassung, .so dass dieses Gemähle zu den besten 
Christofbildern Kärntens gezählt werden darf. 
Conservator P.\ui, Gkukihk 

111. \ier/,elin .Vothhejfer in S(!les(Mi nemil 
sicli eine i'ili.ilkirche von .St. Johann am r.rückl, 
gelegen am linken Ufer lier Gurk, unweit der 
Station Brückl. Ks ist ein unscheinltarer Pau mit 
Flachdecke im Schiffe, einem gewölbten Altar- 
raume mit drei .Seilen \'oin ;\cht(M-k unil einer 
N'oriialle, die sich noch im Pesitze einer alten HcjIz- 
decke befin(l(;t. Ein .Schlossblech und ein Thürgriff 
aus .Schmiedeisen zeig-en noch gothische I'"ormen, 
desgleichen ein Opferstock mit Plendmaßwerk und 
das nach.stehend abgebildeteSteinnietzzeichen "T-. I 'in 
vienseitig-es Holzthürmchen mit niedrigen Giebeln 
und vierseitigem Helm krönt den Westgiebel. Den 
barocken Hochaltar mit breiter achtsäuliger .\rclii- 
tektur schmückt ein großes Ölbild mit der Dar- 
stellung der vierzehn Nothhelfer, deren Mittelpunkt 
der hl. Bi.schof Dionys mit dem Kf)pf in der Hand 
bildet, vermuthlich eine Arbeit des einheimischen 
Malers Fromillcr vom Jahr<: 17.5O. In der Attikades 
Altarbaues ist Marias Krönung gemalt. \'<>n Para- 
menten verdient eine Ca.sula aus dem XV'H. Jahr- 
hundert mit groi3blumigen .Stickc^reien auf weißem 
Linnen Erwähnung, deren Rückentheil die hl. Dn-i- 
faltigkeit, zwischen (rechts) St. Josef und (links) 
St. Maria zeigt. Als Reste früherer Seitenaltäre 
hängen an den Wänden die Bilder der hl. Magdalena 
und des hl. .Sebastian aus dem 18. Jahrhundert. 
Ein guter Kelch mit silbernem, barock g-etriebenen 
Korb aus der gleichen Zeit vollendet die Ausstattung 
dieser gut erhaltenen Kapelle. 

Conservator UomcapituLar M. fruössEK 



Conservator RosmaKl berichtet über den soge- 
nannten Glockenthurm in Stramberg, der ur- 
sprünglich zu einer an der gleichen .Stelle gestan- 
denen K:irche gehört hatte und nun isoliert dasteht. 
Er baut sich in zwei leicht zu .scheidenden Theilen 
auf, deren unterer gemauerter außen an einer 
.Stelle mit .spätgothischem Maßwerk verziert ist 



75 



76 



und an der Innenwand über dem Eing^ange In- 
schriften zeigt; die letzteren müssen jedoch, um 
lesbar zu sein, erst von der darüberliegenden 
Tünche befreit werden. Der obere Theil des 
Thurmes, die sogenannte Glockenstube, ist jüngerer 
Entstehung und birgft eine alte Glocke, auf der 
sich der Gießer Hans Knavf 
aus Troppau mit der Jahr- 
zahl 1642 nennt. 



1513. Dom. Dicit 2**: Kosten, als Cerny nach Prag 
für die Steine zu der Kanzel fuhr 12 Groschen. 
Den Steinmetzen in Prag auf 

das Bier 12 ^ 

Von der Zufuhr der .Steine von 

Prag 3 .Schock — 



Bei der kürzlich durch- 
geführten Demolierung des 
Kreuzganges des Wiener 
Minoritenklosters wur- 
den zwei Portale mit aller 
Sorgfalt abgetragen, da 
Aussicht besteht, .sie an 
der Eacade des an gleicher 
Stelle neuzuerbauenden 
Wohngebäudes, eines dar- 
unter sogar fast an der 
ursprünglichen Stelle, wie- 
der aufzurichten und auf 
solche Weise wenigstens 
durch zwei künstlerische 
Baudetails die Erinnerung 
an den für die Localge- 
schichte Wiens nicht un- 
bedeutenden Klosterbau 
festzuhalten. 

Spätgothi.sche 
Sculpturen. 

Kürzlich wurde die Re- 
staurierung der berühmten 
spätgothischen Kanzel in 
der Muttergotteskirche 
zu Kuttenberg mit glück 
lichem Erfolge zu Ende ge- 
führt. Diese Kanzel galt lange Zeit als eine Arbeit 
aus Thon, bis es dem Berichterstatter gelang, ihr 
Material als Prager Kalkmergel festzustellen. Des- 
gleichen hat er im Kuttenberger .Stadtarchive die 
alten mit dem Jahre 1495 beginnenden Kirchen- 
rechnungen der Muttergotteskrrche aufgefunden, in 
welchen über die Herstellung der Kanzel folgende 
Anmerkungen eingetragen sind: 




Kanzel aus Stein. X\^. Jahrhundert. 1 . Drittel. Muttergotteskirche zu Kuttenberg . 

1514. Dom. Omnis Terra: Dem Stein- 
metzen auf die Kanzel 11 .Seh. 52 Groschen. 
Dom. Adorate i ": Dem Stein- 
metzen auf die Kanzel . . 40 

Dom. Adorate 2': Dem Stein- 
metzen auf die Kanzel . . 40 

15 15. Dom. Omnis Terra: Dem Stein- 
metzen auf die Kanzel 13 Seh. 50 



77 



78 



I5I5- I^om. Adorate i": Dem Stein- 
metzen auf die Kanzel . . 24 Groschen. 

Dom. Adorate 2": Dem .Stein- 
metzen auf die Kanzel . . 24 

Dom. Cum clamarem: Dem 
Steinmetzen auf die Kanzel . 24 
Dem Ge.sellen des Steinmetzen i 

Dom. Exurg-e: Dem .Steinmetzen 
auf die Kanzel 24 

Dom. Esto mihi: Dem Stein- 
metzen auf die Kanzel . . 24 
15 lO. Dom. Factus: A'on der Abfuhr 

der Kanzel 8 

1519. Dem Augustin für liie Voll- 
endung der Bilder auf der 
Kanzel 2 .Schock — 

1520. Dom. Esto mihi: \'on der Auf- 
stellung der Kanzel i^/j Seh. — 
Dom. Invocavit: Dem Augnstin 

für die neue Arbeit. ... 42 

Dom. Reminiscere: Gründungs- 
geld für die Kanzel . . . i 

Dom. Letare: Für das Blei zu 
der Kanzel 19 

Dom. Judica: Für die Arbeit 
der Eisen zu der Kanzel dem 
Hronek gegeben . . i .Seh. 5 Gr. 2 D. 
item den Steinmetzen von der 
Barbarakirche, welche die 
.Steine wälzten 2 Groschen. 

Dom. Dne ne longe: Dem .Stein- 
metzen Hawel für die Arbeit 
der Kanzelstiege . '/., Seh. 4 

Dom. .Si iniquitates: Dem Maler 
Michal für die Vergoldung des 
Schalldeckels als Angeld ge- 
geben 3V2 Seh. — 

Dem Michal für die Vergol- 
dung der .St. Jakobsstatue . 50 ,. 

Dom. Dicit 3": Dem Albu.stin 
für die Überarbeitung des 
Bildes auf der Kanzel ... 8 
1522. Dns. illum.: Für die Eisen auf 

die Kanzel 2'/, ^ 

1527. Für die Kanzelthür mit den 

Bändchen 6 

1532. Am Montage nach Epifaniae für 

zwei Büchlein Feingold auf den 



Schalldeckel ... 3 Schock — Groschen. 
Am Freitage nach Christi Him- 
melfarth gab ich dem Gesellen 
der Wittwe Michals auf ein 
Vi Büchlein Silber zu dem .Schall- 
deckel 6 

Dom. Dns. fortitudo: Gegeben 
der Eliska Michal Malerin von 
der Arbeit des .Schalldeckels 2'/.. Seh. 24 Gr, 
wie der geschnittene Zettel zeigt; 
item gegeben dem Schmiede 
Beran in Vertretung des Fuöik 
für die Eisen zu dem Schall- 
deckel 9 Gr. I D. 

Diese gleichzeitigen Notizen, die für den 
Charakter des damaligen Kunstbetriebes im allge- 
meinen interessante Aufschlüsse gewähren, liefern 
fürs erste den Beweis, dass der Mergelstein, welchen 
der Künstler für seine feine, tief unterschnittene 
Arbeit brauchte, in Prag bestellt wurde; die lange 
Dauer der Arbeit erklärt sich aus dem spärlichen 
Zufluss der Geldmittel, denn sowohl die Fertig- 
stellung des Kirchenbaues, als auch alle Umkosten 
des Gottesdienstes mussten zum größten Theile 
aus Sammlungen der Eingepfarrten gedeckt werden. 
Wir erfahren den Xamen des Fuhrmannes, des 
.Steinmetzen, welcher die Stiege arbeitete, des . 
Meisters, der die Brustbilder der Heiligen und die 
Statuen auf dem .Schalldeckel fertig stellte, ja noch 
überarbeitete, den Namen des Staffiers, ja selbst 
des Schmiedes, welcher die Eisen lieferte, wir 
können die Kosten der ganzen Arbeit berechnen — 
aber den Namen des eigentlichen Künstlers, des 
Steinmetzen, der das Ganze concipiert, der die 
Filigranarbeit der scharfgeschnittenen Laubwerke 
und zierlichen Kronen von Asten und Blättern 
ausgeführt hat, lernen wir nicht kennen. Er hat 
wohl auf einer gekrümmten Fiale sein Meister- 
zeichen eingeschnitten, aber für uns bleibt leider 
auch dieses stumm. 

Nach dem Charakter der Arbeit gehörte der 
Meister vermuthlich der einheimischen Kuttenberger 
Schule an, welche an solchen zierlich durchbrochenen 
Arbeiten ein besonderes Gefallen fand. 

Im Laufe der Zeit hat die Kanzel viel gelitten, 
die feinen Zierate wurden stark beschädigt, der 
Stein schwarz angestrichen und der hölzerne Schall- 
deckel durch stillose Zuthaten entstellt. Schon 



79 



So 



längst hat man daher die Xothwendigfkeit einer 

Restaurierung der Kanzel empfunden, die aber 

aus Mangel an den hierzu erforderlichen Mitteln 

erst in der jüngsten Zeit zur erfreulichen That 

werden konnte. 

Conservator Prof. J. Braxis 

Denkmäler der Barockzeit. 

Die in der Marktgemeinde Krasna, nächst 
Wall.-Meseritsch, dem hl. Apostel Jakob geweihte 
Filial- Kirche steht auf dem seit langem aufge- 
lassenen Friedhofe und ist eine orientierte, 30'5 in 
lange und 7-75 m breite, ursprünglich vollständig 
gothische Anlage. 

Auf den gothischen Baustil weisen hin: Die 
hohe Giebelwand, das im Spitzbogen geschlossene, 
noch ziemlich gut erhaltene Portal an der Haupt- 
facade und der spitzbogig gewölbte Eingang in 
die an der Südseite angebaute Vorhalle. 

Kunsthistorischen Wert besitzt nur das er- 
wähnte Hauptportal, dessen Steingewände durch 
mehrere im gothischen Korbbogen geformte und 
durch tiefe Einziehungen von einander getrennte 
Stäbe über einfachem gothisch profilierten Sockel 
gegliedert erscheint. 

Die barock geschlossenen Fensteröffnungen, 
die flache Bretterverschalung im .Schiffe und im 
Presbyterium, ferner eine in die an der Nordseite 
gelegene Sacristei führende Thür mit barockem 
.Steingewände und der Jahreszahl 1749 weisen auf 
einen mehrfachen Umbau der im Jahre 1683 infolge 
eines Blitzstrahles abgebrannten Kirche hin. 

Gelegentlich der gegenwärtig vorgenommenen 
Restaurierung fand der Conservator, dessen Inter- 
vention seitens des Pfarramtes erbeten wurde, am 
Orgelchor folgende, allerdings stark beschädigte, 
aber durch gefällige Beihilfe des um die locale 
Geschichtsforschung mehrfach verdienten Herrn 
Religionsprofessors P. Eduard Domluvil in Wall.- 
Meseritsch ergänzte, in gothischen Fracturlettern 
gehaltene Inschrift: 

^Letha Panie 1587 przystaven(a gest Pawlacz 
„kostela) Toho^ za panowanie Urozene^ Pa, Pi 
^(Bernarda z Ziero)tina pro zwate cyrkewni (zpiewy: 
^nakladem wssi obcze) Krastenske za purkmistra 
„Girzika Kwas(niczky)." 

In deutscher Übersetzung: _Im Jahre des Herrn 
„1587 wurde der Chor dieser Kirche zugebaut zur 



„Zeit der Herrschaft des hochgeborenen Herrn 
„Herrn Bernhard von Zierotin für die heiligen 
_ Kirchengesänge: Durch Beiträge der ganzen Ge- 
„meinde Krasna unter dem Bürgermeistor Georg 
^Kwasniczka." 

Die Worte der Legende ^für die heiligen 
Kirchengesänge" dürften aucli bestätigen, was 
WoLXY in seiner „Kirchlichen Topographie von 
Mähren" mittheilt: dass sich in der \'orzeit in 
Krasna eine Pfarre befand, welche im 16. Jahr- 
hundert in den Besitz der „Böhmischen Brüder" 
übergieng. 

Conservator Fk. RosmaEl 



Inhalt. 

Spalte 
Mittheiluns; der Redaction 1 

Amtliche Erlässe 2 

Personalnachrichten 3 

Sitzungsberichte: Sitzung am 10. Jänner 6 

» »24. » 13 

» »7. Februar 26 

» 14 32 

Prähistorische Funde 56 

Römische Funde 58 

Romanische Wandmalereien 65 

Gothische Wandmalereien 65 

Gothische Bauwerke 68 

Spätgothische Sculpturen 75 

Denkmäler der Barockzeit 79 



Pränumerationsbedingungen. 

Die monatlich erscheinenden „Mittheilungen 
der Central-Commission" können von den nicht 
der Central-Commission angehörenden Abnehmern 
für jährlich 5 A', das „Jahrbuch der Central-Com- 
mission" für 17 K, beide Publicationen gemeinsam 
um 20 A' bei allen Buchhandlungen bestellt werden. 
Für jeden Abonnenten, auch wenn er bloß die 
„Mittheilungen" bestellt hat, wird am Schlüsse 
des Jahres der beide Publicationen umfassende 
Index kostenlos abgegeben werden. Der Umfang 
der „Mittheilungen" ist auf etwa 18 Bogen, das 
Jahrbuch auf etwa 20 Bogen festgesetzt worden. 

Mittheilungen, welche bloß die Redaction be- 
treffen, mögen an: 

Prof. Wilhelm Kxibitschek, Wien, IX., Pichler- 
gasse I, oder an 

Prof. Alois Riegl, Wien, I., Schottengasse 3, 
gerichtet werden. ,= 



Verantwortliche Redacteure: Prof. Wiijiei.m Kubit.'.chkk und Prof. Audis Riegl. — Druck von Rudolf M. Rohrer in Brunn. 



MITTHEILUNGEN 

DER K. K.Ci<:XTRAL-COi\IMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHAETUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HKRAUSliEGEBEX UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER F.XC. FREIHERRN VON IIFI.FRRT 

DRITTE FOLGE 



Band I Nr 4 



April 1902 



Pcrsonalnachrichten 

Zu Correspondenten wurden ernannt: 

In der Sitzung- am i^. März: tlcr Kunsttischler 
in Wien Lkupold Gkrstiiavkk und der (rymnasial- 
professor und Archivar im Stift Melk Dr. Eduard 
Katschthaler; 

in der Sitzung- vom 21. März: der Donibau- 
meister bei St. Veit in Prag- Camillo Hilcert und 
der Rürgerschullehrer in Wien Fraxz Josef Krajixy. 



Sitzungsberichte 

vom Schriftführer verfasst. 

Sitzungen vom 14. März (fünfte Sitzung der 
I. Section fünfte Sitzung des Plenums und 
sechste Sitzung der IL Section): 

Anwesend : d er Präsident (zugleich Vorsitzender). 
— Mitglieder: Deinixger, Förster, Hermann, 
Kenner, Luntz, Luschin, Much, Neumann, Red- 
lich, Rosner, Schaeffer, W^ächtler, Wörxdi.e. — 
Redaction: Kubitschek. — Schriftführer: 
Bauer. 

Allgemeines 

Siehe Personalnachrichtcn. 

Böhmen 

Dombaumeister Hilbkrt bericlitet über den 
Fortschritt der Restaurierungsarbeiten und Neu- 
bauten . am St. Veits-Dome in Prag. Die Ar- 
beiten der Jahre 1900 und 1901 betrafen größten- 
theils den Neubau und nur in geringem Mal3e den 
alten Theil des Domes. 

Im neuen Theile wurde die decorative Aus- 
stattung aller ]>ügen und Pfriler des Str(^besystems 



vullcMulet. j\n den VVestthürmen waren nur mehr 
Bildhauerarbeiten, Fenstermaßwerke und innere 
Gewölbe auszuführen. Der eiserne Dachstuhl über 
dem Hochschiffe wurde mit Schiefer und Bleiblech 
gedeckt, der Sanctusthurm über dem Transept aus- 
schließlich mit Blei verkleidet. 

Die Restaurierungsarbeiten des alten Theiles 
hingegen erstreckten sich auf das Innere des Haupt- 
thurmes und auf das Querschiff. Im Hauptthurm 
wurde die neue Stiege von der ersten zur zweiten 
Glockenetage fortgeführt, an Stelle des alten 
eichenen Glockenstuhles zwei neue aus Eisen er- 
richtet und auf beide Thurmetagen vertheilt. Die 
alten Glocken wurden sammt Helmen und Ar- 
mierung beibehalten. 

Von g-rößerem Umfange waren die Restau- 
rierung-sarbeiten am und im Ouerschiffe, wobei 
jedoch nirgends über eine g-etreue Nachbildung des 
Schadhaften hinausgegangen wurde. Auf der Süd- 
front erscheint nun das Maßwerk über dem großen 
Fenster theilweise ausgewechselt und die Gallerie 
sammt den Ausläufen der verkehrten Spitzbögen 
und die Fialen neu hergestellt, ferner das Leibungs- 
profil des Fensters ausgebessert. Die Freitreppe 
oberhalb des Südportales musste abgetragen werden ; 
doch wurde zuvor das ganze Stiegenhaus in allen 
Seiten genau eingemessen und naturgroß aufge- 
tragen. Alle Steinmetzzeichen, Masken, Krabben- 
und Wappenschilder wurden sorgfältig aufbewahrt 
und genau danach die Erneuerungen hergestellt, 
auch die Wappenschilder wie früher polychromiert. 
An einzelnen Halb- und Dreiviertelfialen des Süd- 
portalcs mussten die schadhaft gewordenen Giebel- 
stücke und Pyramiden durch neue ersetzt w-erden. 
Für die Herstellung der Kreuzrosen, die durch- 
wegs abgeschlagen waren, ließi-n sich zwei am 





83 



84 



Hauptth-urme erhaltene alte Kreuzrosen abwech- 
selnd als Vorbilder benützen. Das Hauptgesimse 
um die Gallerie oberhalb der Kronkammer soll 
demnächst restauriert, und hierbei links und 
rechts vom Portale je ein Wasserspeier angebracht 
werden, da von den letzteren die alte geschmie- 
dete Verankerung noch zu sehen ist. 

Über der St. Wenzelskapelle wurde ein neuer 
Strebebogen gegen das OuerschifF gespannt, der 
zwar früher niemals ausgeführt worden ist, wohl 
aber geplant war, da sowohl sein Auslauf vom 
Strebepfeiler und der Ausschnitt an dem Quer- 
schiffpfeiler noch vorhanden sind, als auch das 
Bogenprofil gegeben erscheint; die Krabben wurden 
hiebei den alten nachgebildet. Ebenda wurden 
auch die angeblendeten Halb- und ^'iertelfiale^ 
unter dem Hauptgesimse sowie dieses selbst 
restauriert. 

Im Innern des südlichen Querarmes wurden 
die glatten Wandflächen und das Profil des Tri- 
foriengesimses, welche Theile durch die Feuers- 
brunst 1541 am ärg'sten gelitten haben, neu ver- 
kleidet. 

Am nördlichen Querarme wurde das Stiegen- 
haus vom Boden bis zum ersten Galleriegesimse 
restauriert. Auch hier hatten die Außenflächen 
durch den erwähnten Brand viel gelitten und 
mussten beinahe in ihrer ganzen Ausdehnung neu 
verkleidet werden. 

Das Präliminare pro igo2 nimmt folgende Ar- 
beiten in Aussicht : 

A. Im Neubaue: 

1. Vollendung der westlichen Fajadenthürme 
(Bildhauerarbeiten, Einwölben, Nacharbeiten und 
Zusammenführen der ersetzten Profile); 

2. Einwölbung des Hochschiffes von der West- 
fa9ade bis an das Querschiff auf Steinrippen mit 
Hohlziegelmauerwerk, wobei die Knotenpunkte der 
Rippen wie im alten Theile durch Laubwerk ver- 
ziert werden sollen; 

3. Ausführung von Kreuzrosen und Krabben 
an den Fialen der Nordfront. 

B. Im alten Theile des Domes: 

4. Vollendung der südlichen Freitreppe und 
des südöstlichen Querschiffpfeilers, wobei die stark 
verwitterten Wimperge und Wandpforten und die 
freivorstehenden Pfosten und Maßwerke durchaus 



den alten nachgebildet, und auch die im Jahre i8q8 
abgenommenen Wasserspeier wieder angebrailit 
werden sollen; 

5. R(!staurierung des nördlichen Stieg^enhauses 
und des nordöstlichen QuerschifFpfeilers. Das besser 
als das südliche erhaltene Stiegenhaus muss bloß 
in der obersten Gallerie und den zwei nächsten 
Windungen erneuert werden, während in den unte- 
ren Windungen nur theilweise Auswechselungi'U 
vonnöthen sind; die geborstenen Stufen sollen 
mit Kupferklammern zusammengezogen werden. 
Der Pfeiler hingegen bedarf der Erneuerung der 
Wimperge, Krabben und Kreuzrosen, wofür durch- 
wegs Vorbilder vorhanden sind; auch die abge- 
brochenen Wasserspeier müssen ergänzt werden ; 

6. Herstellung eines .Strebebogens über der 
St. Sigismundkapelle, der zwar gleich demjenigen 
über der Wenzelskapelle ursprünglich nicht aus- 
geführt worden ist, weil das Querschiff keine 
Wölbung bekommen hatte, aber in Auslauf und 
Querschnitt markiert war, so dass sowohl für den 
Halbmesser als auch für das Bogenprofil hin- 
reichende Anhaltspunkte für eine Neuherstellung 
im ursprünglichen Sinne g'egeben sind; 

7. Restaurierung der Ostwand des nördlichen 
Querschifi'es, an deren Pfeilern die ausgebrochenen 
Halb- und Viertelfialen unter Reibehaltung der 
guten alten Theile nach dem alten Detail wieder- 
herzustellen sind; 

8. Vollendung der Restaurierungsarbeiten am 
Südportale, ebenfalls unter \'ermeidung jeder neuen 
Zuthat. 

Die C. C. nimmt hievon mit Befriedigung 
Kenntnis. [Referent: Luntz] 

Stud. jur. Ankert berichtet, dass man bei 
Nachgrabungen in einem Weingarten auf dem 
Plateau des sagenumwobenen DVeikreuzberges 
unterhalb Groß-Tschernosek auf lose überein- 
anderliegende Gesteinstücke (Basalt, Gneis, Sand- 
und Kalkstein, Glimmerschiefer) gestoßen sei, unter 
welchen sich eine Schichte lavaähnlicher, theilweise 
verglaster, hauptsächlich von Basalt herrührender 
Schlacke befunden habe. Da der Dreikreuzberg 
zur Urformation gehört, der Basalt aber von dem 
nahegelegenen Berge Straschitzken stammt, müsse 
letzterer von IMenschenhaiul an seine jetzige Stelle 
g'etragen worden sein. Da sicli übiTdies in einzelnen 



85 



86 



Sclilarkt'n ^rülji'rc 1 Inkn-slc inn^cscliniolzcn faiulun 
und unterhalb der Sclilackenschichte Holzasche 
mit j^crinucn KnochcnrosU-n läge, so sei es jedem 
Zweifel entrückt, dass diese .Schlacken in prähisto- 
rischer Zeit durch menschliches Zuthun entstanden. 
Xächst d(>r Fundstelle, am sogenannten Mradek, 
sei auch ein ] )o{)i)eh\ all von Stein und r>de aus 
vorgeschichllieher Zeit zu sehen. 

[Referent: iVIicii] 

Conservator Si um;idki< legt einen Aufsatz ,,Die 
Kui)ferbeile aus dem Bezirke Königgrätz, 
1. I'lieil" vor, der einen für die culturgeschicht- 
liche Entwickelung sehr wichtigen Gegenstand be- 
handelt. [Referent: derselbe] 

Konservator ZAki.asmk legt ein Gesuch des 
Decanalamtes Sobotka um Gewährung einer 
Staatssubvention für die Restaurierung der dor- 
tigen Kirche vor, die unter der Leitung des be- 
währten Ingenieurs Laiu.er erfolgen soll. Das 
Programm, dessen Durchführung mit einem auf 
130.000 K veranschlagten Aufwand verbunden 
wäre, umfasst in erster Linie die Neueinwölbung 
des Kirchenschiffes, das bereits durch Eindringen 
des Regenwassers gefährdet ist; ferner die Ver- 
sicherung dej Presbyteriums, den Umbau des 
Thurmes, die Ausbesserung des Daches und end- 
lich die Auswechselung der beschädigten üuader- 
steine der Capitäle, Gesimse und des Fenstermaß- 
werkes. 

Die C. C. genehmigt das Programm und be- 
schlie(3t, eine .Staatssubvention zu befürworten. 

[Referent: Dkixixuek] 

Dalmatien 

Correspondent JeliC berichtet über w-eitere 
Ausgr'abungen auf dem Plateau Glavica in Biograd. 
Die obere Schichte der dreischiffigen Basilika, die 
auf gemauerten Säulen und Pfeilern ruhte und 
innen und außen stark mit Mauervorlagen verstrebt 
war, sei nun aufgedeckt; diese Beschaffenheit der 
Anlage lasse auf Tonnengewölbe schließen, von 
denen man auch einige Reste gefunden zu haben 
glaubt. Als Erbauungszeit sei das XL Jahr- 
hundert anzunehmen. Neben der Basilika seien 
Mauern von anderen Gebäuden unsicherer Be- 
stimmung sowie zahlreiche der Untersuchung 
liarrende Gräber zum \'orschcin gekommen. 

In iler Kirche selbst habe man unter anderem 



ein Jkiptisterium für Immersion aufgefunden, in 
dessen Pflaster ein eingegrabenes Kreuz mit rother 
Cementumrahmung und mit einem Loch für den Ab- 
lauf des Wassers in der Mitte zu sehen sei. Von 
architektonischen Decorationen lägen bis j(!tzt 
Fragmente von Verkleidungsplatten aus Marmor 
und eine Platte aus Terracotta mit der Zahl XXII 1 
und Reliefverzierung (Knotenverschlingung mit 
Thieren) vor, die wie alles übrige sorgfältig auf- 
bewahrt wurden. Die Fortsetzung der Ausgra- 
bungen würde einen Aufwand von 4400 K er- 
fordern, wovon 500 A' durch Beisteuern der Vereine 
Knin und Bihac gedeckt wären; für den Restbe- 
trag beschließt die C. C. eine Staatssubvention zu 
erbitten. [Referent: Neumann] 

Conservator BuLiii legt die Abschrift einer 
Petition vor, die von nahezu tausend angesehenen 
Bürgern von Spalato an Seine Excellenz den 
Herrn Minister für Cultus und Unterricht ge- 
richtet wurde, um die Anerkennung des dio- 
cletianischen Palastes als Staatseigenthums zu 
erwirken. 

Apotheker GjoNovni berichtet über eine kleine, 
alte Kirche im Gebiete Kaliman der Gemeinde 
Teodo, deren innere Wände die gemalten Wappen 
derRectoren und Adeligen von Cattaro schmücken 
und deren Erhaltung mehrfache Reparaturen, na- 
mentlich des Daches, nothwendig mache, worüber 
die C. C. den berufenen Conservator zu befragen 
beschließt. [Referent: Neum.\nn] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
ordnet die Flüssigmachung der zur Anschaffung 
neuer Glocken für die Kirche in Vrnik bewilligten 
Staatssubvention von 280 K an. 

Galizien 

Da die Restaurierung der Bernhardiner- 
Klosterkirche in Lezajsk mit Rücksicht auf 
ihren zunehmenden Verfall dringend nothwendig 
geworden ist, beschließt die C. C, die ungesäumte 
Flüssigmachung der hiefür bewilligten Staats- 
subvention in Antrag zu bringen. 

[Referent: Szeptycki] 

Kärnten 

Conservator Gkoesser berichtet über einen 
römischen Inschriftstein in Maria-Saal, der CIL 
III 5013 publiciert ist. [Referent: Kenner] 

6* 



87 



88 



Krain 

Conservator Custos Szombathy gibt im Interesse 
der vorg-eschichtlichen Durchforschung des 
Herzogthums Krain die Anregung zu Grabungen 
in der Wochein und in jenem Theile Unterkrains, 
welcher südlich der Save, zwischen den Linien der 
Südbahn Laibach— Steinbrück— Gurkfeld und der 
Unterkrainer Bahn Laibach— Rudolfswerth gelegen 
ist; ferner zur Durchforschung der zahlreichen ein- 
zeln stehenden und über ganz L^nterkraiu zer- 
streuten Tumuli, die zwar nach den bisherigen 
Erfahrungen keine besonders lohnende Ausbeute 
versprächen, aber doch vom h. a. Standpunkt nicht 
zu vernachlässigen seien, weil sie immerliin wich- 
tige Zeugen der Vergangenheit bilden und von 
der zunehmenden Raubgräberei in der Regel als 
nächste Versuchsobjecte angegriffen und planlos 
zerstört würden. 

Das hierüber vorgelegte Programm wurde von 
der C. C. genehmigt und der Berichterstatter er- 
sucht, die Durchführung dieser Arbeiten zu über- 
wachen. [Referent: Much] 

Akademischer Maler Sternen berichtet über 
die Wandmalereien in der Filialkirche zu Gostece 
Xach den vorhandenen Resten dürften nur die 
Malereien des Presbyteriums in die Vollendungs- 
zeit der Kirche (1515) zurückreichen, und selbst 
diese seien am Ende des X^"I1I. Jahrhunderts 
theilweise durch andere wertlose ersetzt worden. 
An den beiden Seiten befänden sich figTirale 
Darstellungen; auf der Evangelienseite sei eine 
Kreuzigung zu erkennen; an den Fenstern und am 
Kreuzgewölbe einfache ornamentale Motive. Die 
Malereien im Schiffe gehörten der ersten Hälfte des 
XVII. Jahrhunderts an und bildeten einen Cyclus 
van Darstellungen aus dem Leben des hl. Andreas, 
der sich über die ganze obere Hälfte der beiden 
Seitenwände und der Rückwand erstreckt und ur- 
sprünglich aus 16 großen Bildern bestanden haben 
dürfte, von denen zwölf nachwei.sbar und zum Theile 
noch gut erhalten, zwei neben der Rückwand hin- 
gegen fast ganz zerstört seien. Die Bilder seien 
al fresco auf ganz glattem Grunde gemalt, die 
Zeichnung hie und da etwas derb und unbeholfen; 
mehrere Figuren verriethen tiefe Empfindung, 
einige Köpfe Feinheit und Einfachheit der Dar- 
stellung. Der Faltenwurf sei einfach und breit, 
reich in der Modellierung, die Farben harmonisch 



zusammengesetzt, der Gesammteindruck ruhig. 
Zwischen den Bildern ein einfaches Schablonen- 
ornament, am unteren Rande ein Fries aus Akan- 
thusranken, mit Fratzenköpfen dazwischen, und zu 
Unterst ein Teppichmuster. Der Triumphbogen 
lasse unter der Tünche bloß spärliche Reste einer 
Verkündigung Maria erkennen. In der Cassetten- 
decke von 1699, einer der schönsten in Krain, 
wechselten achteckige Polygone mit kreuzförmigen, 
und dazwischen seien in der Diagonale kleinere 
sechseckige Felder eingeschoben. Die Einfassungen 
der Cassetten seien mit mannigfach bewegten 
Putten und ornamental entwickelten Engelsköpfen, 
die großen Polygone mit Figuren oder großen blauen 
Sternen, die kreuzförmigen Felder mit feston- 
tragenden Engelsköpfen gefüllt, die auch den um 
die ganze Decke umlaufenden Fries zieren und 
hier durch vergoldete Zapfen unterbrochen sind. 
Die Malerei dieser Decke sei in tempera auf sehr 
wenig haltbarem weißem Grunde ausgeführt. 

Auch an der Außenseite der Kirche seien 
Reste von Fresken, darunter ein hl. Christoph und 
eine schwarze Madonna, zu bemerken, deren Zu- 
stand jedoch kaum an eine Erhaltung derselben 
denken lässt. , 

Die Malereien des Inneren seien für die Er- 
kenntnis der kunstgeschichtlichen Entwickelung in 
Krain von großer Bedeutung und verdienten daher 
Vorsorge gegen Verfall, ^'or allem seien die 
lockeren Mörtelschichten zu befestigen und die 
noch unter der Tünche befindlichen IMalereien 
freizulegen. 

Die C. C. beschließt, weitere Erhebungen zu 
pflegen. [Referent: Schaeffer] 

Küstenland 

Über Antrag des Chefredacteurs Mwek-Wvde 
beschließt die C. C, eine photographische Auf- 
nahme der beiden venetianischen Palazzi in Al- 
fa o n a zu veranlassen, welche durch die überraschende 
Mannigfaltigkeit der Constructions- und Decorations- 
formen für die vaterländische Kunstgeschichte 
große Wichtigkeit besitzen. [Referent: Neu.maxxJ 

Das k. k. Ministerium fürCultus- und Unterricht 
bewilligt für die Wiederherstellung der baufälligen 
Curatiekirche in Chinuschi eine Subvention von 
4000 K unter der Bedingung, daß sämmtliche Ar- 



89 



90 



beitL'ii im JunviTiiehiiieii mit dem /.uslüiuliyeii Cuii- 
servator durchg-cführt werden. 

CorrespondcTit Moskk berichtet, dass man bei 
einem Straßenbaue hart unter der Burgruine von 
S. Servolo (bei der Localität Nastraneh) in einer 
Tiefe von 2 — 3 ui auf eine Reihe von Urnen- 
gräbern römischer Proxenienz gestoßen sei. Die 
Urnen seien in einer aus Steinplatten herge- 
richteten Nische beigesetzt und entweder durch 
große Steinplatten oder durch Ziegel gedeckt, von 
denen einer die Zahl XXIIX erkennen lasse. 
Weitere Funde beständen in einer Grabtafel aus 
Sandstein mit Inschrift und einem mit Erde gefüllten 
Topfchen aus Terra sigillata, mit einer Verzierung 
von parallelen Linien aus dreieckigen Punkten und 
einem Deckelbruchstück mit eingekratzten Buch- 
staben darüber ; ferner einer Thonlampe mit Fabriks- 
marke, bandförmigen oder cylindrischen Armringen 
aus Bronze mit Buckel Verzierung, zwei großen Thon- 
urnen, deren Inhalt noch nicht untersucht ist, zwei 
langen Thränenfläschchen aus grünlichem und zwei 
bauchigen aus blauem Glase, zwei Thonfläschchen 
von ansehnlicher Länge, mehreren sehr feinen und 
vorzüglich erhaltenen Urnendeckeln, einem kleinen 
römerförmigen Becher aus Bronze, einer Lanzen- 
spitze mit wellenförmig aufgeworfenem Rande, eini- 
gen Thongefäßen und unkenntlichen Münzen. Man 
scheint hier sonach ein Gräberfeld von größerer 
Ausdehnung und wertvollem Inhalte entdeckt zu 
haben, zu dessen weiterer Durchforschung die C. C. 
eine Subvention von 400 K bewilligt, wovon die 
erste Rate per 200 K sofort, die zweite aber erst 
dann flüssig gemacht werden soll, sobald an der 
Hand eines eingehenden Berichtes über die Ein- 
zelheiten der Gräberanlage und auf Grund von 
Papierabdrücken und Skizzen wichtigerer Fund- 
stücke über die Bedeutung dieser Ausgrabungen 
volle Sicherheit gewonnen sei. Sämmtliche Funde 
sind an das Museum der »Stadt Triest abzuliefern. 

[Referent: Kenner] 

Conservator (jxiRS berichtet, dass an der Küste 
von Val Zouchi am Nordufer des Außenhafens 
von Pola unterhalb des Dorfes Stignano Über- 
reste von Mauern eines römischen Wohnhauses 
mit Fragmenten eines polychromen Mosaikbodens 
zum \'orschein gekommen seien und von ihm 
demnächst näher untersucht werden sollen; dass 
er ferner zwischen \'alle und Dignano die Stanza 



Turniiia bei (iaian, wo tlurch Grabungen antikes 
Mauerwerk bloßg-elegt wurde, besichtigt und da- 
Ijei das Ergebnis gewonnen habe, dass sie und 
die benachbarte kleine Kirche S. Giovanni di 
Turnina auf der Ruinenstätte einer römischen 
Ansiedelung liegen. Nördlich von der genannten 
Kirche seien in den letzten Teigen in einer Tiefe 
von 2 111 unter dem jetzigen Niveau die Brucli- 
steinmauern und das in Fischgrätenverband her- 
gestellte Ziegelpflaster eines kleinen Wohnraumes 
aufgedeckt worden. Im Hofe der Stanza Turnina 
stehe ein antiker Sarkophagdeckel als Wasser- 
trog in Verwendung. [Referent: Derselbe] 

Mähren 
Das Pfarramt Schönbrunn theilt mit, dass 
die von der C. C. angeregte Übertragung des Grab- 
steines der Esther .Syrakovsky zu Pierkow, der außen 
an der Südseite der Kirche aufgestellt ist und in- 
folgedessen durch Schnee und Regen zu leiden 
hat, ins Innere der Kirche unthunlich sei, weil 
hierdurch die Bemalung derselben beschädigt 
werden könne. Dagegen gedenke der Pfarrer den 
Stein mit einem entsprechenden Schutzdache zu 
versehen. [Referent: Houdek] 

Nieder-Österreich 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die Herstellungen anderSt. Anna- 
kirche in Wien und übernimmt einen Theil der 
Restaurierungskosten im Betrage von 6640 K auf 
den Staatsschatz. 

Die C. C. beschließt, die vom technischen 
Subcomite für die Restaurierung der Minoriten- 
kirche in Wien (s. oben S. 49 ff'.) gemachten 
Vorschläge zur Ausführung zu empfehlen. 

[Referent: Hermann] 

Der Wiener Stadtrath hat die Kosten für di(; 
Reinigung und Restaurierung des Schwarzen- 
bergdenkmals per 2000 K bewilligt und die 
Arbeiten dem Bildhauer Gustav Jahn übertragen. 

Correspondent Uhi.irz berichtet, dass sämmt- 
liche auf Wien bezügliche (im ganzen 15) Urkun- 
den aus dem Nachlasse des Dr. Theodor Wiede- 
mann in Salzburg für das städtische Archiv in 
Wien erworben wurden, wodurch der Urkunden- 
bestand dieses Archivs eine ansehnliche und wert- 
volle Bereicherung erfahren habe. 



9» 



92 



Die bei der Niederfeldkapelle in Bern- 
dorf gefundenen acht Silbermünzen sind sechs 
SilbergTOSchen und zwei Silberkreuzer aus Kaiser 
Ferdinand II. (1619 — 1637). Eine davon stammt 
aus dem Jahre 1635, zwei andere aus 1620 und 
1632. Da sich Gepräge aus der Zeit des fol- 
genden Kaisers Ferdinand III. (1637 — 1657) nicht 
vorfanden, so muss die bei den ^lünzen gefundene 
Leiche wohl zwischen 1635 und (rund) 1640 unter 
die Erde gelangt sein. Das Courant ist überwiegend 
das locale der Münzen für das Erzherzogthum 
Österreich ; nur von einer Münze lässt sich aus den 
Spuren der verkrusteten Legende vermuthen, dass 
sie für Tirol geprägt sei. [Referent: Kesxer] 

Conservator Starzer berichtet, dass in Eggen- 
dorf am Wagram zwölf Skelette und ungefähr 
20 alte Silbermünzen verschiedener Größe, dar- 
unter einige mit der Jahreszahl 1643, sowie eine 
Messerschale gefunden wnirden. 

Die C. C. beschließt, um Einsendung der Münzen 
zu ersuchen und darüber Erhebungen zu pflegen: 
I. wie tief die Skelette lagen, 2. ob alle zusammen 
in einer Grube oder eines von dem andern ge- 
trennt, und 3. ob im letzteren Falle die Münzen 
bei einem oder verschiedenen Skeletten gefunden 
wurden. [Referent: Derselbe] 

An der Pfarrkirche zu Fisch au erweist es 
sich nothwendig, die Bedachung auszubessern, 
Dachrinnen anzubringen, den .Sacristeieingang her- 
zustellen und das Äußere mit farbigem Anstrich 
zu versehen. Die C. C. erklärt sich mit der \'or- 
nahme dieser Arbeiten einverstanden. 

[Referent: Rosner] 

Correspondent Melicher berichtet über die 
Restaurierung der vom Kremser Schmidt herrüh- 
renden Freskogemälde der hl. Dreifaltigkeit und 
der triumphierenden Kirche im Bibliothekssaal des 
Pfarrhofes zu Hausleithen, die sich auf die Reini- 
gTing, Überziehen mit widerstandsfähigen Wachs- 
präparaten, Retouchieren der verlorengegangenen 
Schatten und Austupfen der ausgesprungenen 
Farbflächen beschränken soll. 

Er berichtet ferner, dass die Mauern der Pfarr- 
kirche in Hausleithen durch Feuchtigkeit leiden 
und dass das Ölbild des Martyriums der hl. Agatha 
vom Kremser Schmidt am dortigen Hochaltar 
einer Reinigung und Restaurierung bedürfe. 



Die C. C. beschließt, in dieser Hinsicht ent- 
sprechende Schritte einzuleiten. 

[Referent: Schaeffer] 

Das Pfarramt Klein-Mariazell theilt mit, 
dass die der C. C. von anderer Seite gemeldete 
Ersetzung des barocken Hochaltares in der dortigen 
Pfarrkirche durch einen neuen gothischen nicht 
stattfinden werde. Dagegen sei die Restaurierung 
des alten romanischen Portales und der Marien- 
kapelle dringend nothwendig und auch in Aussicht 
genommen. Die C. C. erklärt sich im Principe 
bereit, ein Gesuch um eine Staatssubvention hie- 
für zu befürworten, lässt jedoch vorerst die beiden 
restaurierungsbedürftigen Objecte in genauer Weise 
aufnehmen, um die Aufstellung eines Kostenüber- 
schlages zu ermöglichen. [Referent: Xeumann] 

Die Gemeindevertretung der Stadt Melk theilt 
mit, dass die in der Nähe des Wachberges ge- 
machten vorgeschichtlichen Funde dem dortigen 
städtischen Museum einverleibt, dass Nachgrabun- 
gen seitens L'nbefugter untersagt worden seien, 
und dass demnächst seitens der Gemeinde Probe- 
grabungen vorgenommen werden sollen. 

Die C. C. beschließt dahin zu wirken, dciss 
diesen Grabungen auch der Correspondent Katsck- 
TH.\LER beigezogen werde. [Referent: Mlch] 

Correspondent Hager berichtet, dass sich im 
Besitze des Stiftes Melk eine aus dem Nachlasse 
des Historienmalers Neugebauer stammende, mit 
dem Namen Pellegrinis signierte Ölskizze der 
Kuppel der Salesianerinnenkirche in Wien 
befinde. [Referent: Schaeffer] 

Gegen die Restaurierung des Presbyteriums 
der Pfarrkirche in Oberthern, welche die Wieder- 
eröffnung von vier Spitzbogenfenstem, das Ein- 
setzen von Fenstern mit einfacher Glasmalerei und 
die Ausmalung des Innern umfassen soll, erhebt 
die C. C. keine Einwendung. [Referent: Rosxek] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die Herstellung des rückwärtigen 
Chorfensters im Dome zu St. Polten aus einfach 
gemaltem Kathedralglase nach dem Vorbilde des 
aufbewahrten früheren Fensters, sowie die Über- 
nahme der bezüglichen Kosten per 1043 Ä' auf den 
Religionsfond. 

Conservator Kubitschek berichtet über die 
L'^ntersuchung einer Fundstelle in Reiterdorf, 
deren römischen Ursprung die Anzeige des dort 



93 



94 



ansäßijjfcn „ßerq-ers" Htiimi-k vorausg-esetzt hatte. 
Der llüycl traj^e an der schmälsten (X.) Stelle 
seines Plateaus das Presbyterium einer mit der 
Jahreszahl 1482 datierten g'othischeii Kirch(,', deren 
SchifT mit dem Boden in die Tiefe abgerutscht 
sei, lind die heute außer einem im XVll. Jalir- 
lunulert auTHolz yemalten Altarbilde der 14 Noth- 
helfer nichts Bemerkenswertes enthalte. Das nörd- 
liche Stück dieses Plateaus sei durch einen Graben 
und einen Erdwall abg-egrenzt g-ewesen. Umfrage 
habe ergeben, dass hier niemals römische Antica- 
g"lien, Münzen oder Gefäi3ereste gefunden, hin- 
gegen Fragmente tiefrother Ziegel in Menge aus- 
g"eackert worden seien, die den Boden auf eine 
Strecke von 70 zu 30 Schritten intensiv färbten. 
Der Berichterstatter konnte im Verein mit Huicmkr 
mittelst des Erdbohrers an einer Stelle Kohlen- 
stücke zutage fördern und stieß stets in der Tiefe 
von etwa 30 — 40 an auf Mauerreste. Einen gfanzen 
Zieg'el habe aber angeblich noch niemand daselbst 
gefunden, und ebenso vergeblich zeigte sich die 
Umfrage und Suche nach einem Ziegelstempel. Auf 
eine Probegrabung konnte der Berichterstatter bei 
den damaligen Witterungsverhältnissen nicht ein- 
gehen; doch war wenigstens soviel festzustellen, dass 
die ausgeackerten Ziegel nicht römischer Herkunft 
sind und daher kein aus römischer Zeit herrührendes 
Castell an der Fundstelle zu vermuthen sei. Da- 
gegen wußte man dem Berichterstatter mitzutheilen, 
dass daselbst einst ein Ziegelofen gestanden wäre. 

Die Wahrnehmungen des Berichterstatters 
fanden durch die Mittheilungen des Conserv^ators 
ScHMiDF.L ihre Bestätigung, der auf der Fundstelle 
gegraben und hierbei nur Ziegelbrocken gefunden 
habe, niemals aber auf eine Ziegelplatte oder son- 
stige gesicherte Römerspuren gestoßen sei. 

Unter diesen Verhältnissen beschließt die C. C, 
von weiteren Xachforschungen abzusehen. 

Conservator Hammekl berichtet über das fort- 
schreitende Gedeihen des städtischen Museums 
in Zwettl, ') dem von der Stadtgemeinde ent- 
sprechende Räumlichkeiten und ein Gründungs- 
capital überwiesen worden seien. Die Münzen ein- 
gerechnet werde das Museum bald 800 Nummern 
umfassen, welche vom Bezirkshauptmanne Breit- 
felder und vom Berichterstatter katalogisiert wur- 
den. Die Gemeinden .Schweiggers, Friedersbach 
•1 N'sl. M.C. C, N. F., XXVIII S. 55. 



und andere der Nachbarschaft haben kürzlieh dem 
Museum ihre Archivalien als Depositum angeboten. 
Wiewohl nun zur Hinterlegung derartiger Archi- 
valien in erster Einie das nieder-österreichische 
Landesarchiv in Betracht kommt, beschließt die 
C. C, gegen jene Deponierung keine Einwendung 
zu erheben und blol.-l zu empfehlen, dass die Ur- 
kunden in einem feuersicheren Schranke auf- 
bewahrt werden. [Referent: Winter] 

Ober-Österreich 

Conservator Kuhitschek berichtet über .seinen 
Besuch des Ennser Museums, welches im Rath- 
hause in zwei langen, nicht sehr hellen Sälen und 
an einer Corridorwand untergebracht sei. Von dem 
sehr verschiedenartigen und theilweise .sehr bemer- 
kenswerten Inhalte wären römische Inschriftsteine 
und Grabsculpturen besonders hervorzuheben. Die 
Gegenstände seien nicht streng geordnet, und die 
Conservierung namentlich der Eisensachen lasse 
vorläufig noch manches zu wünschen übrig-. Die 
Münzen seien bi.sher nur zu einem Theile be- 
stimmt und geordnet. Auch jene Inschriften, welche 
früher auf einem Gutshofe in der Vorstadt Schmied- 
berg und im Schloss aufbewahrt waren, seien mit 
dem Musealbestand vereinigt worden. Die Samm- 
lung des vSchuUeiters Bukounig in Enns sei günsti- 
ger aufgestellt, besser conserviert, besitze manches 
wichtige Fundstück, sei aber gleichfalls etwas bunt 
und ungleichwertig: Ziegel, Terra sigillata, Bronze- 
geräthe, zum Theile in Frag-menten, Toiletteg-egen- 
stände, prähistorische Metall- und Steingeräthe, 
Waffen u. s. w.; von Münzen etwa 600 Ennser 
Fundstücke, darunter auch griechische Colonial- 
prägungen, die meisten sehr gut erhalten und 
merkwürdigerweise wie in Carnuntum mit Honorius 
und Arcadius aufhörend. Es wäre wünschenswert, 
die Sammlung für das Ennser Museum zu sichern. 

Derselbe Conservator berichtet, dass am Ein- 
gange der linken Seitenkapelle und in der rechten 
Seitenkapelle der Pfarrkirche zu Lorch Verputz- 
stücke abgerissen worden seien und dadurch 
nicht farbenfrische, aber deutliche figurenreiche 
Fresken des XV. oder XVI. Jahrhunderts zutage 
kamen. Die C. C. beschließt, eine Untersuchung 
der Malereien einzuleiten. [Referent: Luxrz] 

Dombauleiter ScHr..-\GER legt ein umgearbeitetes 
Project für die Restaurierung der Pfarrkirrche in 



95 



96 



Sierning- vor, in welchem die h. a. pfeg-ebenen 
Anregungen zur \'^ereinfachung- der drundriss- 
anlage und der äußeren Erscheinung der Kirche 
entsprechend berücksichtigt erscheinen, so dass die 
C. C. das Project für die Ausführung empfehlen 
kann. [Referent: Hermann] 

Conservator Straberger berichtet über die im 
Herbste 1901 erfolgte theihveise Durchforschung 
des Gräberfeldes in Überackern, die im Laufe 
des heurigen Sommers fortgesetzt werden soll. 
.Seine Ausdehnung beträgt ungefähr % Joch; die 
hiervon bisher durchforschten 121 111^ ergaben 
17 Skelette in regelmäßigen Reihen, mit dem 
Gesichte nach Osten, in einer Tiefe von 1-5 bis 
\-j 111. Die Beisetzung ohne Sarg war mit großer 
Sorgfalt erfolgt; die Körper lagen durchwegs auf 
dem Rücken, die Arme beiderseits ausgestreckt, den 
Kopf zumeist etwas zur Seite geneigt, Die Gräber 
waren mit Steinsetzung umgeben, mit Erde und 
kleinem Schotter ausgefüllt und mit größeren Roll- 
und Tuffsteinen überdeckt, die zum Theile durch 
Kalkmörtel verriethen, dass sie einem (römischen) 
Bauwerk entnommen worden waren. Damit stimmt, 
dass das Füllwerk auch mehrfach Scherben von 
zweifellos römischen Thongefäßen und andere aus 
Terra sigillata enthielt. Vor Abschluss der Arbeiten 
sei auch das Fundament eines römischen Gebäudes 
aus Tuif- und Rollsteinen mit spärlicher Mörtel- 
verbindung und in einer Mauer desselben eine 
Wärmeleitung- aus Thonröhren von quadratischem 
Querschnitte zutage getreten. Die Skelette werden 
vorläufig vermuthungsweise einem heidnisch-ger- 
manischen Volksstamme zugeschi-ieben, der nach 
dem Untergange der Römerherrschaft und vor 
Einführung des Christenthums an jener Stelle sess- 
haft gewesen wäre. 

Die C. C. beschließt, dem Conservator Dank 
und Anerkennung auszusprechen und die Voll- 
endung der Ausgrabungen zu betreiben. 

[Referent: Much] 
Salzburg 

Conservator Berger berichtet, dass die Restau- 
rierung der neun großen Ölbilder in der Kapu- 
zinerkirche zu Radstadt und die Färbelung der 
Mauern derselben Kirche in einem geblichweißen, 
der Wände in einem grüngrauen Tone — beide 
möglichst licht gehalten — von ihm befürwortet 
wurde. [Referent: Würndle] 



Schlesien 

Conservator .Srp, berichtet, dass ilie Filial- 
kirche in Matzdorf nur aus vier Blockwänden, 
einer flachen getünchten Holzdecke und einem 
hölzernen Thurme bestehe und somit gegenüber 
den übrigen Holzkirchen jener Gegend nichts be- 
sonderes biete, überdies infolge vielfacher Er- 
neuerung kaum mehr als ein Denkmal des XVI. Jahr- 
hunderts, aus dessen Beginne sie stammen soll, 
aufgefasst werden könne, so dass jede Veranlas- 
sung entfiele, gegen ihre beabsichtigte Demolierung 
eine Einwendung zu erheben. Desgleichen ent- 
behren die in der Kirche befindlichen Bilder und 
die übrigen Einrichtungsstücke kunsthistorischen 
Wertes. Von den Glocken wurde eine bereits um- 
gegossen, die andere in ihrer einfachen Form mit 
Inschrift belassen. Sämmtliche Objecto der Innen- 
ausstattung- könnten übrigens seinerzeit unverändert 
in die neue Kirche übertragen werden. 

Die C. C. nimmt dies Gutachten zur Kenntnis. 
[Referent: Deininger] 

Steiermark 

Die k. k. Statthalterei theilt mit, dass sie den 
unterstehenden Behörden die genaue Beachtung 
der in Betreff der Sorg-e für die Erhaltung der 
K-unst- und historischen Denkmale bestehenden 
Vorschriften neuerlich in Erinnerung gebracht habe. 
Auch wurden die beiden f. b. Ordinariate in Graz 
und Marburg ersucht, auf die untergeordneten Or- 
gane in der gleichen Richtung einzuwirken. 

Conservator Wist erstattet ein Gutachten über 
das ehemalige Graf Kolonitsch'sche Palais in 
der Schmiedgasse Nr. 21 in Graz, nunmehr Besitz 
des Majors Prandstetter-Teimer.^) Erbautim J. 1642 
von Otto Gottfried Grafen Kolonitsch, bewahre es 
mit seiner Ausdehnung, der stattlichen Höhe seiner' 
Geschosse und vor allem mit seiner Fafadenbildung- 
unter den anderen alten Gebäuden seiner Nach- 
barschaft und gegenüber den alten Landhausfajaden 
noch immer eine vornehme Geltung. Von drei 
toscanischen Säulen auf Consolen getragene Erker, 
die durch zwei Stockwerke reichen, und eine zwischen 
dem vorderen Geschosse und dem ersten Stock- 
werk angebrachte, mit sehr lebendig gruppierten, 
reichen Wappen gezierte Inschrift bestimmen be- 
sonders den Eindruck. Das Vestibül sei einfach. 



') \vi. M. C. C, N. F., X.WIII S. 53. 



97 



98 



die Stieg-e alt und durch offeüie Bögen und eine 
Steinbalustrade mitgedrehten 1 )ocken abfi-eschlossen. 
Einen nialcrisclu-n Anblirk gewähre der Hut, der 
auf zwei S(Mten durch alle (leschosse von offenen 
Arkaden über toscanisclien Steinsäulen begleitet 
sei, während auf der dritten Seite liie nebensächlich 
behandelte! und zu sparsam ausgemittelte Haupt- 
stiege mit ilir(>n offenen liogenöffnungen und Stein- 
balustraden nach au(3en sichtbar werde. Die inneren 
Räume des ersten und zweiten Stockes des Gassen- 
tractes hätten in Stucco wohl verzierte Decken aus 
der ersten Hälfte des X\'1I1. Jahrhunderts. Den 
schönsten und reichsten Theil der Innenausstattung 
enthalte das sogenannte Brautzimmer im zweiten 
Stocke, dessen in Felder eingetheilte Spiegeldecke 
mit Fresken von Antonio Materna in schönen 
Cartouche-Einrahmungen und mit wertvoller orna- 
mentaler Plastik verziert ist. Die Erhaltung dieses 
Palastes schien neuerlich dadurch gefährdet, dass 
die Baulinie für die Regulierung der Schmiedgasse 
gegen 47;; hinter die Flucht der Palastfront fest- 
gesetzt wurde. Über h. a. Verwendung theilt nun 
die Stadtgemeinde mit, dass zwar die Baulinie nicht 
mehr zu ändern sei, aber die Erhaltung des Palais 
weder durch den Neubau eines Amtshauses in der 
Schmiedgasse noch durch Verkehrsrücksichten der- 
malen in Frage gestellt erscheine. 

[Referent; Luntz] 

Ein vorgelegtes Project für die Restaurierung 
der Fa^ade der Pfarrkirche in Pettau kann die 
C. C. von ihrem .Standpunkte zur Ausführung- nicht 
empfehlen. [Referent: derselbe] 

Tirol 

Correspondent Postinger legt zwei von ihm 
verfasste Broschüren vor: i. „Un po' d'arte nelle 
nostre abitazioni", 2. „Documenti in volgare trentino 
relativi alla Storia delle (jiudicarie", wofür dem 
Einsender gedankt wird. [Referent: Neumann] 

Correspondent de Cobelli berichtet, dass das 
in Ar CO gefundene Grab (oben S. 55) nicht, wie 
ursprünglich angenommen wurde, römischen Ur- 
sprunges sei, sondern dem alten aufgelassenen Fried- 
hofe zu Arco angehört habe. [Referent : Kenner] 

Der Palazzo vescovile in Cavalese soll 
zum Sitze der Gemeindeverwaltung umgestaltet und 
zu diesem Zwecke einer entsprechenden Restau- 
rierung unterzogen werden. Das Project umfasst 
einen Saal im ersten Stocke, wo im vorigen Jahre 



alte Fresken, vermuthlich aus der Erbauungszeit 
des Schlosses unter Cardinal Cles, aufgedeckt wurden, 
ferner den großen Saal im zweiten Geschosse mit 
dem schönen Friese des Brusasorci oder Dossi, und 
eventuell auch die äußere Fagade des Palastes mit 
dem reichen Freskenschmucke aus der Zeit des 
Cardinais Madruzzo {1510), und wird der C. C. vor- 
gelegt werden. 

Conservator Inneuhoker berichtet, dass der 
Pfarrer von Marling bereit sei, über dem Christo- 
phorusbilde an der Pfarrkirche ein Schutzdach anzu- 
bringen, aber für die Restaurierung der Fre.sken 
eine Staatssubvention erbitte. 

Die C. C. beschließt, vorerst die vollständige 
Bloßlegung der Fresken zu betreiben. 

[Referent: Schaefker] 
Conservator Deininger berichtet über die 
Wandmalereien im Kreuzgange des Francis- 
canerklosters zu Schwaz. An einigen abge- 
blätterten oder abgekratzten Stellen der noch nicht 
restaurierten polychromen al secco Malereien sei 
eine al fresco mit schwarzer Farbe auf sehr feinem 
glattem Verputz ausgeführte Zeichnung von Figuren 
sammt Beiwerk zutage gekommen, in welcher mit 
feinem künstlerischen Gefühl und geschickter 
Pinselführung nicht allein die Contouren, sondern 
auch schraffierte .Schattendetails mit großer Ge- 
nauigkeit ausgeführt erscheinen. Die Entstehung.s- 
zeit ergebe sich aus dem .Stilcharakter dieser an 
Sgraffiti erinnernden Pinselzeichnungen als das 
erste Drittel des XVL Jahrhunderts, und sei über- 
dies durch die wiederholt begegnende Jahreszahl 
1521 direct bezeugt. 

Die darüberliegende polychrome Wandmalerei 
bezeichnet der Berichterstatter durchwegs als rohe- 
rer Art, entsprechend der Kunstweise der Zeit zwi- 
schen den Jahren 1652 — 1687, in welcher eine 
Renovierung der Kirche stattgefunden hat. An 
den Stellen, wo diese spätere Malerei zerstört ist, 
sei keine tiefer liegende zu entdecken, woraus 
sich der Schluss ergebe, dass die gegenwärtige 
Malerei, soweit sie noch vielfarbig ist, mit Aus- 
nahme der neuerlich restaurierten Felder aus dem 
XVII. Jahrhunderte stamme, wogegen die in der 
ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts, bald nach 
Erbauung des Klosters und Kreuzganges herge- 
stellte Malerei in Schwarz die ursprüngliche sei. 
Vom kunsthistorischen Standpunkte wäre die Er- 

7 



99 



lOO 



haltung- der in künstlerischer Hinsicht weitaus 
wertvolleren Pinselzeichnungen in Schwarz anzu- 
streben, welche Meinung auch die C. C. theilt. 

[Referent: Wörndle] 
Derselbe Conservator berichtet über das so- 
genannte Fuggerhaus in Schwaz. Es bestehe 
aus zwei unter rechtem Winkel aneinanderstoßen- 
den Tracten mit Erdgeschoss und drei Oberge- 
schossen von stattlicher Höhe. An der Ecke der 
Hauptfront mit der schmalen Westfront ein auf 
Consolen vorkragender vierseitiger Erker, der vom 
zweiten Stockwerke über den Dachrand hinaus- 
reiche und durch eine vor ungefähr 24 Jahren er- 
richtete Helmbedachung abgeschlossen sei. Ein 
zweiter unterhalb des Dachrandes abgedeckter 
Erker von geringer Ausladung, nahezu inmitten 
der Hauptfront. Als Hauseingang ein mäßig großes 
Spitzbogenportal mit reich profiliertem Gewände; 
die gedrungenen, segmentförmig abgeschlossenen 
Thüren und Fenster der Verkaufsgewölbe im Erd- 
geschosse ähnlich profiliert. Der Hof von mittel- 
alterlichem Baucharakter unter italienischem Ein- 
flüsse. An seiner südseitigen Front offene Gänge: 
derjenige im ersten Stocke in fünf .Segmentbögen 
über weit vorkragenden mächtigen .Steinconsolen 
gewölbt, \^on welch letzteren zwei durch spät- 
gothische, zierlich profilierte, kurze Achteckpfeiler 
aus rothem Brixlegger Marmor gestützt sind; die 
darunter gelegenen Gänge in primitiver Holzcon- 
struction ausgeführt. An der westlichen Hoffront 
durchwegs gemauerte Arcaden : im Erdgeschoss 
drei große Rundbogen, in den Obergeschossen je 
sieben aus rothem Marmor hergestellte Spitzbogen 
auf achteckigen Pfeilern und mit gothisch profi- 
lierten Brüstungsgesimsen tragen. Dieser Arcaden- 
hof und das Erdgeschoss der Hauptfront ließen 
noch den ursprünglichen Bauchärakter des am 
Beginne des XVI. Jahrhunderts durch die Augs- 
burger Fugger gegründeten Hauses erkennen. 

Die Umgestaltung der Fenster in den Ober- 
geschossen der Gassenfronten sei im XVHI. Jahr- 
hundert gleichzeitig mit der Ausführung der reich- 
farbigen Fa^adenmalerei erfolgt. Diese imitiere am 
Erdgeschosse Grau in Grau die .Steinquadern, des- 
gleichen in sämmtlichen Geschossen die Ortsteine 
an den Ecken und in den Obergeschossen poly- 
chrom profilierte Fensterumrahmungen mit orna- 
mentaler Verzierung und stellenweise mit krönen- 



den Heiligenbüsten. An dem fensterlosem Theile 
der Hauptfront neben dem Eckerker in der Höhe 
des ersten und zweiten Stockes ein figurales 
Freskogemälde der .Schindung des hl. Bartholomäus 
durch zwei Kriegsknechte, mit zwei darüber schwe- 
benden Engeln mit Märtyrerkrone und Palmen- 
zweigen, darunter eine auf die Darstellung bezüg- 
liche Inschrift. Die Zerstörung aller dieser Fresken 
bis auf einige wenige Theile der Fensterumrah- 
mungen sei bereits weit vorgeschritten, und das 
gleiche gelte von der Bemalung der Erker. Von 
einer größeren figuralen Darstellung an der schma- 
len, gegen die Gasse gerichteten Westfront seien 
nur mehr undeutliche Spuren wahrzunehmen, und 
auch von den Malereien an den Hoftracten sei 
eben nur so viel zu erkennen, dass solche einst- 
mals vorhanden waren. In ihrem obersten Theile 
über den Fenstern des dritten Stockwerkes zeigen 
die Mauern der Gassenfronten heute keine Spur 
von Bemalung, was die Vermuthung nahelegt, dass 
sich an dieser Stelle ursprünglich eine große Hohl- 
kehle als Hauptgesimse befunden habe, deren Ver- 
putzfläche unter der Holzverschalung ebenfalls be- 
malt gewesen war, und die im IMai 1809 bei dem 
durch die Franzosen gelegten großen Brande sammt 
dem alten Dach des Fuggerhauses zugrunde ge- 
gangen sein dürfte. Mit dieser Katastrophe mögen 
auch die starken Beschädigungen an den oberen 
Partien der Hausfront zusammenhängen. 

Die C. C. beschließt, sich für die Restaurie- 
rung der Malereien zu verwenden. 

[Referent: derselbe] 
Correspondent Dannesberger berichtet : i . Dass 
die Eindachung des sogenannten Römerthurmes 
des Castello del buon Consiglio in Trient in 
entsprechender Weise durchgeführt, das Dach und 
die AVrschalungen der Zinnen mit grauem Anstrich, 
der Thurm mit Blitzableiter versehen wurde. 2. Im 
Dorfe Civezzan'o am Ausgange des Suganathales 
bei Trient seien Funde aus der Longobarden- 
zeit gemacht worden, denen ähnliche bereits in 
den Jahren 1884 und 1885 vorangegangen waren; 
letztere hatte das Museum Ferdinandeum in Inns- 
bruck erworben und in seiner Zeitschrift (1886, 
281) veröff^entlicht. 

Die sieben neuentdeckten Gräber befanden sich 
in der Nähe des Castells von Civezzano. Zwei 
davon bargen von Osten nach Westen orientierte 



toi 



I02 



Leichen und waren mit großen Kieselsteinen ein- 
g"efasst; eine dritte ebenso orientierte zeigte bIol3 
die Überreste des Kopfes zwischen zwei Steinen 
gebettet, das übrige frei in der Erde gelegen ; eine 
vierte Leiche sei in derselben Weise begraben, 
aber von Norden nach Süden gerichtet gewesen, 
und diese Lage hätten endlich auch die fünfte, 
sechste und siebente eingenommen, deren Gebeine 
mit römischen Ziegeln eingefasst waren. Die Tiefe 
der Gräber schwanke zwischen o'8o und i'^iii. 
Gegenstände hätten sich bloß bei einer der von 
Osten nach Westen gerichteten Leichen vorgefunden, 
deren Haupt in der ausgehöhlten Rinne eines 
Porphyrsteines mit abgerundeten Ecken aufruhte. 
Die dabei gefundenen Gegenstände seien fol- 
gende: 

a) Ein bronzenes Beck(>n, ähnlich dem früher 
daselbst gefundenen und in dem obcitierten Auf- 
satze beschriebenen; 

b) ein Kreuz aus einem Stück Goldblech von 
9'8 cm Länge und 2 cm Breite, mit auswärts ver- 
breiterten Armen und mit gepressten Ornamenten 
in den Armen und dem Medaillon in der Mitte; 

c) Goldfaden vom Gewebe einer Kleidung; 

d) ein Ohrgehänge, bestehend aus einem Gold- 
reifen von 2 '5 cm Durchmesser, einer daran hän- 
genden Rosette (i cm), an die sich eine weitere 
von i'sciii mit kleinen Rosettchen am Rande und 
einer Perle in der Mitte anschließt; an dieser zweiten 
Rosette hängen getrennt, doch knapp aneinander 
drei längliche Tropfen (2 cm): der rechte und linke 
aus Goldblech, der mittlere aus Amethyst. Vor- 
züglich in Arbeit und Erhaltung; 

e) eine silberne Haarnadel (i8'5C>m) mit sechs 
durch gleich breite Zwischenräume getrennten, in 
fünf bis sechs Windungen verlaufenden Goldspira- 
Icn im dickeren Theile; 

f) ein Silberblech von 20 cm Länge, oben ab- 
gerundet, unten spitz zulaufend, mit kleinem, mittels 
.Stempels eingepresstem Ornamente (Haarschmuck?); 

g) vier Riemenzungen mit zierlicher Tauschier- 
arbeit (vgl. den citierten Aufsatz); 

//) zwei viereckige Beschlägeplatten mit .Spuren 
von vier Nägeln; 

/} eine Gürtelschnalle (2 cm Durchmesser) mit 
rechteckiger Beschlägplatte (5'5 cvi Länge) und 
eine Gürtelschnalle (3 cm Durchmesser) ohne Be- 
schlägplatt(^; 



k) Überreste eines Kammes aus Bein; 

I) eine Anzahl durchlöcherter Korallen. 

Die übrigen Gräber mögen schon in früherer 
Zeit geplündert worden sein. 

Der Eund erscheine sehr wichtig; es bestehe 
die Gefahr, dass die Gegenstände ins Ausland 
kämen. 

Die C. C. beschließt daher, das k. u. k. Hof- 
museum auf den Eund aufmerksam zu machen, und 
da die wiederholten Aufdeckungen auf das Vor- 
handensein einer größeren Begräbnisstätte hin- 
weisen, eine erschöpfende Durchforschung des 
Platzes anzuregen und ihre Mitwirkung hierfür in 
Aussicht zu stellen. [Referent: Much] 



Sitzung am 21. März (sechste Sitzung des Plenum.s): 
Anwesend: Vorsitzender: Kenner. — Mitglie- 
der: Deininger, Much, Redlich, Rosner, Schaef- 
FER,WAcnrLER,WüRNnLE. — RedactioH : Rikgl. 
• — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Conservator Plahl legt einige Scherben vor, 
die im Erzgebirge zwischen Sonnenberg und 
Sebastiansberg an der alten Proßnitzerstraße ge- 
funden wurden. .Sie stammen aus dem späten 
Mittelalter und sind bedeutungslos. 

[Referent: Mich] 
Dalmatien 

Da die Restaurierungsarbeiten an der Apsis 
der Dominicanerkirche in Ragusa nach dem 
Zeugnisse der Referenten Neumann und Rosner 
bereits im Jahre 1901 in v-oUkommen zufrieden- 
stellender Weise ausgeführt waren, beschließt die 
C. C, die Elüssigmachung- der hiefür bewilligten 
Staatssubvention in Antrag- zu bringen. 

Mähren 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
bewilligt zu den Kosten der Restaurierung der 
Pfarrkirche in Groß-Hrabowa eine Subvention 
von 800 A'. 

Nieder-Österreich 

Das k. k. Ministerium für Cultus und L'nterricht 
genehmigt die Anschaffung einer neuen Orgel 
sammtOrgelkastenfürdieDomkircheinSt.Pölten 
und übernimmt den hierfür veranschlagten Auf- 
wand auf den nieder -österreichischen Religion.s- 

7' 



io3 



t04 



fonds. Die Verglasung des großen Fensters am 
Orgelchore wäre ebenso wie die Xeubedielung des 
Chorfußbodens noch vor Aufstellung der neuen 
Orgel auszuführen. 

Conservator Starzer berichtet, dass er in einem 
Gemache des Gemeindehauses zu Stockerau das 
Archiv der Au-Inhaberhaft gefunden habe. 
Es seien Acten, Rechnungen, Protokolle aller Art, 
die nicht hinter das Jahr 1690 zurückgiengen. 

Wichtig sei ein Band „Protokolle", von 1766 
bis 1860 reichend, mit Verträgen, die sich auf die 
Au-Inhaberhaft beziehen. Die Acten wurden ge- 
ordnet und aufgestellt. [Referent: Winter] 

Ober-Österreich 
Correspondent von Preen berichtet über die 
Aufdeckung eines unterirdischen Ganges (Erd- 
stalles) bei Grienau. Von einem Hauptgange 
zweigen drei Seitengänge strahlenförmig ab; die 
Gänge seien nur so hoch, dass ein Mann etwas 
gebückt darin gehen könne; auch die Breite reiche 
nur knapp für einen Mann aus. An den Wänden 
seien Nischen von 20 an Höhe und jo cm Breite. 

[Referent: Much] 
Steiermark 

Gymnasialprofessor Dr. Nowotny legt Ab- 
bildung und Beschreibung eines im September 1901 
im Hofe der Burgkaserne zu Cilli gefundenen römi- 
schen Reliefsteines vor. [Referent: Kenner] 

Römische Gräber in Velm bei 
Gutenhof (N.-Ö.) 

Eine Anzeige des Oberlehrers Josef Dworschak 
in Velm, dass ein römischer Inschriftstein in diesem 
Dorfe aufgefunden worden sei, hat mich veran- 
lasst, die Fundstelle aufzusuchen. . Dieses Grab A 
und ein anderes 1890 aufgedecktes B lagen im 
Scheitel des Winkels, welchen die von der (Öden- 
burger-) Reichsstraße nach Velm abzweigende 
Bezirksstraße mit dem von Velm nach Ebergassing 
führenden Weg bildet, im Käferthal auf dem 
Kapellenacker, auf einem dem Bauer Buchberger 
gehörenden Grundstücke; die Gräber A und B 
waren etwa 6 m voneinander entfernt. Jenseits des 
Ebergassinger Weges, etwa ioo7h von B entfernt, 
war ungefähr gleichzeitig mit A auf Wiesingers 
Grundstück ein drittes Grab C bloßgelegt worden. 



Das Grab B war längst wieder zugeschüttet ; A und 
C lagen offen, waren aber bei meiner Ankunft 







rn^i-,iiÄ.---f • 












-^^v 



,ll 




Abb. 1. Inscliriftstein aus Velm (jetzt im 
Wiener Hofmuseum). 

bereits so zerstört, dass gerade nur noch Reste 
einer Wandverkleidung durch Steinplatten con- 
statiert werden konnten. Sowie aus B eine Platte 



105 



lo6 



mit der Inschrift CIL III 11305 und eine Relief- 
platte gezogen worden sind, so war auch zum 
Bau von A eine ältere Grabsteinplatte, die In- 
schrift eines Brandg-rabes, mitverwendet worden. Es 
mussten diese Skeletgräbcr also wesentlich jünger 
sein als die Inschriftsteine, die von älteren Gräbern 
herrühren. Der Augenschein und (He Mittheilung 
der Bauern, dass auch auf anderen Punkten dieses 
Fundgebietes Stücke von Plattensteinen und Kno- 
chen zutage gefördert worden seien, lehrten sofort, 
dass es sich hier um einen Friedhof etwa des 3. 
oder 4. Jahrhunderts n. Chr. handle, also vergleich- 
bar der von mir nächst Brück a. L. festgestellten 
römischen Friedhofsanlage (Jahreshefte des öst. 
archäologischen Instituts III 1900, Beiblatt, S. 9 und 
14 ff.). .Säulenbasen und Capitälstücke, die verstreut 
herumlagen, sprachen für eine reichere Ausstattung 
dieser Gräberanlage. Der Oberlehrer bezeugte ferner, 
dass in trockenen Jahren von dem nahegelegenen 
Friedhofe des Dorfes Velm gegen SO ein alter 
Straßenlauf durch die Saatfelder kenntlich verlaufe. 
Eine Untersuchung der Gegend war mir nicht 
möglich, da die Witterungsverhältnisse ungünstig 
waren und .Schnee auf einzelnen .Streiten der F" eider 
lag. Ich begnügte mich daher mit einer Beschrei- 
bung des neugefundenen Inschriftsteines, den ich 
für das Hofmuseum in Wien ankaufte. 

Dieser Stein zeigt die für die Anfänge römi- 
scher Cultur in unseren Gegenden charakteristi- 
schen Formen; die Schriftzüge und Namen der 
Inschrift bestätigen diesen Zeitansatz. Es ist eine 
halbkreisförmig abgerundete Stele aus Sandstein, 
2'2b m hoch, o-83 in breit, o"23 ;;/ dick (Abb. i). 
In der oberen Hälfte ist die Inschrift, von einem 
breiten Rahmen eingefasst. Über ihr tritt in einer 
oben abgerundeten Nische das unbärtige Brustbild 
eines Mannes, roh g-emeißelt hervor; unter ihr ist ein 
Reiter, ebenso roh dargestellt, der drei Vierfüßler — 
ich hätte am liebsten an Schafe g-edacht — vor 
sich hin, nach rechts anscheinend, treibt; es schien, 
dass der Reiter über der linken .Schulter eine 
Lanze oder einen dicken .Stab trägt. Indes macht 
ein Vergleich der Darstellung des Grabsteines CIL 
III 4580, ') gefunden ,,bei Maria-Lanzendorf" (so 



') Diesen Grabstein habe ich unlängst in der Widier- 
schen Sammlung in Wien gesehen; dort wirft der berittene 
Jäger, von einem Hunde begleitet, den Spieß nachdem Eber; 
die Dtutiuiü des Reliefs von CIL TU t.SHO ist völlig <in- 



Wldteks Notizbuch), es wahrscheinlich, dass ein 
berittener Jäger mit zwei Hunden Jagd auf einen 
Eber macht, nach dem er seinen .Speer schleu- 
dert. Die Inschrift, in hässlichen aber deutlich 
lesbaren Buchstaben, lautet: Triciiai Anchiiccns 
au{uoniin) XXV, Cossia an(unnini) XV. frater 
positit. Herr Dr. Thkodok v. Gkienbergkk, dessen 
Rath ich mir für die Erklärung der beiden 
ersten Namen erbat, schrieb mir: ^Triciici! ist 
Nominativ-Plural und keltischer Familien- oder 
Clan-Name; man denke sich also Tricnains Anchiic- 
cns und Triciiaia Cossia; Ableitung wie in Bedaio, 
Bedains {Sanctns), Clatucaio. Sowohl die Grund- 
lage von Tricnains als das nomen proprium Aiicluic- 
ciis ist aus keltischem .Sprachmaterial verificierbar, 
in gewissem Grade auch deutbar; Trennung Tri- 
ciia {tri = drei) in dem einen, und Anclu-iccns 
in dem anderen Falle.'' Ich verhehle mir nicht die 
Verlegenheit, die uns dieses vorausgesetzte kelti- 
sche nomen gentilicium bereitet, weiß aber nichts 
Plausibleres vorzuschlagen. Einstweilen möge also 
dieser Grabstein als Werkstück für eine hoffent- 
lich nicht zu ferne Gesammtdarstellung der Zeug- 
nisse der keltischen und frührömischen Periode 
der mittleren Donauländer zurückgelegt werden. 

Dass er auch an seinem Fundort nicht isoliert 
erschienen ist, verleiht ihm größeren Anspruch auf 
Beachtung. 

Denn wie ich Hausers Bericht in diesen , Mit- 
theilungen' 1890, 138 ff. und den diesen Bericht 
ergänzenden Bemerkungen entnehme, die ich in 
Velm einholte, i.st aus dem Grabe B außer dem 
als Bodenplatte verwendeten Inschriftstein CIL III 
II 305 mit .,d{is) m{auibns): C{ains) Inl(ins) Valerins 
vet{eranns) l{egioms decimae) g{eniinae) vi{v)tis fecii 
s{ibi) et Sept{imiae) Flore coningi p[issimae) au(fto- 
rum) L et hilio Flora fi/io an{noriim) l'"' auch eine 
Reliefplatte gezogen worden, die ihm als Deckel 
gedient hatte. Haiiseks Mittheilung über dieses 
Relief, das der nämlichen Zeit wie der Inschrift- 
stein aus dem Grabe A angehört, ist zu dürftig, 
als dass dieser Sachverhalt aus ihm klar hervor- 
gienge-); und außerdem stammt es aus der am 



wandfrei. 

') Sie beschränkt sich auf die Worte: «in einem Rund- 
feld zwei Gestalten, Mann und Weib, hinter einem Tisch 
mit Gefäßen darauf, wahrscheinlich die Darstellung eines 
.Abschiedsmahles, ziemlich rohe, stark verwitterte .Arbeit.» 



I07 



io8 



meisten nach Westen vorgeschobenen Fundstelle 
dieser frühen, fast dürfte man sagen : nationalen 
Kunstübung, so dass ich die Abbildung dieses 
Steines ') hier anzufügen für räthlich halte. 




Aljb. 



2. Grabstein aus Velm yetzt iin Wiener 
Hofmuseum). 



Es ist eine .Sandsteinplatte 2-^2111 hoch, oSim 
breit, o'iy ;;/ dick; sie ist in drei .Stücke zerbrochen 
und unten verstümmelt, so dass nicht die gesammte 
Höhe festgestellt werden kann (Abb. 2). Oben sitzt 
ein breiter Zapfen auf. In der oberen Hälfte ist 
eine seichte Nische für ein Relief ausgemeißelt, 
rechteckig, und oben durch einen Halbkreis ge- 
schlossen; ihr Scheitel liegt 0*30 Mi unter der oberen 

') Die Cliches für die Abbildungen 1 und 2 sind nach 
Photographien ausgeführt, die Herr Custos Guido Lkst auf 
meine Bitte, übrigens unter sehr erschwerenden Umständen, 
ausgeführt hat. Für die Erklärung der Abb. 2 konnte eine 
ältere Aufnahme, die für den Gutsbesitzer von Velm Herrn 
Smai.i.w.nk ausi^etührt worden war, zurathe i^ezo-jen werden. 



Randlinie, ihre Fußlinie i'io ni über dem untern 
Rand oder Bruch. Das Relief zeigt Mann und 
Frau nebeneinander stehend, hinter einem zwei- 
beinigen Tisch. Mann und Frau erscheinen in 
langem, faltigem Unter- und Obergewand ; beide 
haben die Rechte auf die Brust gelegt, die Linke 
über die Magengegend ; dies ist die übliche Hal- 
tung der Hände auf den altrömischen Reliefsteinen 
von Nordostpannonien -) bei beiden ist die Linke 
zerstört. Die Frau trägt einen Schleier im Nacken, 
ein breites Armband und an den Schultern mächtige 
Fibeln; der Mann hält in der Rechten einen undeut- 
lichen Gegenstand, eher ein Werkzeug als eine 
BuchrtiUe, in der Linken wahrscheinlich einen Ham- 
mer. Anderes Detail würde wohl, wenn das ver- 
wandte Material gesammelt und gesichert vorläge, 
sich bestimmen lassen, so die runde, oben geradlinig 
abgeschnittene .Scheibe vor der Brust der Frau, 
wohl durch ihre Linke gehalten, die ich für einen 
.Spiegel zu halten geneigt wäre, wenn nicht der 
unter der Tischplatte hervorragende lange Stiel 
mit ihr in Verbindung zu stehen schiene; ich halte 
ihn für einen spatenformigen Löffel. Die Tisch- 
platte ruht auf zwei geschweiften Beinen ; sie trägt 
vier Gefäße, in der Mitte zwei breite bauchige, 
rechts und links von ihnen zwei schmale, die an 
Pinienzapfen erinnern. Die breite, rio 111 hohe 
Fläche unter dem Relief ist ganz glatt; ob etwa 
die Grabschrift auf ihr aufgemalt war, weiß ich 
nicht zu sagen; ich habe weder hier noch in dem 
Relief Farbspuren entdecken können. 

Ein Gang zur Dorfkirche führte zur Auf- 
deckung eines dritten Inschriftsteines. Es ist dies 
eine Sandsteinplatte, 1-54 vi hoch, o-66 m breit, 
oben halbkreisförmig abgerundet, die im Thurm- 
eingange zur linken Seite eingemauert ist. Über 
dem Kircheneingange ist eine Platte eingelassen, 
auf der die Worte stehen: „Erbaut | im Jahre des 
Herrn 1855 | Auf Kosten Sr. Wohlgeboren des 
Herrn | Johann Freiherrn v. Sina | und der ehr- 
samen Gemeinde Velm | Dieser Denckstein wurde 
aus Danckbarkeit gewidmet v. den Herren | Mathias 
Fürst Bürgermeister n. 14. Anton Sej'U Älüller- 
meister n. 57 | Josef Hick n. 4 Lorenz Ernberger 
n. 54 und Georg Fürst n. 7 | als Mitnarhbarn." 



') Auch auf den Steinen CIL 111 4537 a und 4537 c, 
beiden bei Widter; im Corpus ist der Reliefs nicht oder 
nicht ausreichend gedacht. 



log 



I lO 



Man sagte mir, dass der Römersteiii zur Zeit der 
Erbauung in die Kirchenmauer eingelassen wurde, 
lo Jahre früher aufgefunden und im 1 lause n. 14 
des Bürgermeisters Fürst aufbewahrt und etwa 20 ;;/ 
südlich vom Grabe A ausgegraben worden sei. 
T^er Stein ist mit Cement bedeckt gewesen, und 
dii- Reinigung der Buchstaben konnte durch mich 
nicht weit genug geführt werden, um die Inschrift 
völlig klar zu legen. Es ist daher zu erwarten, 
dass eine gründliche Reinigung bessere Resultate 
liefern würde, als ich sie bieten kann. Dass diese 
Inschrift zur Zeit der Ausgrabung des Grabes A 
unbeachtet blieb, ist mir eigentlich unverständlich. 
Ich lese (Abb. 3) : 

lAK^ i 

DI:'ii;AN-X 
OANlIVSIRömiF 
N \X H "•■ 

fRATrxES-POSVKVMT 

Abb. 3. Grabstein in der Kirch« zu Velm. 

. . aroiits {. . arotns?) Dilti [/(Hins)] an[noritui) X\'I 
Daln'lns . rotri J\iHiis) \_ä\n{nnnuu) XX, //{ic) s(ifi) 
s{!tiil); fratres posnriint. 

Es sind also im Laufe einiger Decennien aus 
einem eng begrenzten Gräberfelde drei Inschrift- 
steine und eine Reliefplatte gehoben worden, und 
die Hoffnung, dass Grabungen, welche die C. C. 
zu unterstützen beschlossen hat, noch zu anderen 
Funden führen werden, erscheint genügend be- 
rechtigt. KUBITSCHEK 

Denkmäler der Barockzeit 

Die außerhalb des Ortes Alt-Biela auf einer 
Anhöhe, dem ehemaligen Friedhof gelegene, dem 
heil. Nikolaus gew^eihte Pfarrkirche wurde Ende 
der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts erbaut 
und zählt im nordöstlichen Mähren wohl zu den 
interessantesten Dorfkirchen. 

Alt-Biela besaß seinerzeit eine in ihren Bau- 
formen der noch heute in Groß-Hrabowa befind- 
lichen sehr ähnliche Holzkirche, die im Jahre 1780 
demoliert wurde. 



Die gegenwärtige Kirche i.st eine 28-5 m lange, 
14'm breite und 15 m hohe, nicht orientierte, sondern 
in Wwor Eängenachse von Siid nach .Vord ge- 
richtete, einschiffige, im Barockstile g-ehaltene 
Anlage. Das mit einem gedrückten Toimen- 
gewölbe geschlossene vSchiff hat auf der Ost- und 
Westseite je vier segmentförmig gewölbte Fenster 
mit oben abgetreppter Chambranle. Auf ziemlich 
reich profilierten Pilaster-Capitälen setzen breite, 
einfach gegliederte (iurten an, welche das Ge- 
wölbe des Schiffes in drei Joche theilen. 

Das um eine Stufn liölier liegende, geräumige 
Presbyterium hat mit dem Schiffe gleiche Breite 
und ist von diesem durch einen Triumphbogen 
mit sehr breiter und mehrfach gegliederter Lai- 
bung getrennt; der eigentliche Altarraum erscheint 
im vollen Halbkreise geschlossen. Seiner Grund- 
rissanlage entsprechend, besteht die Wölbung des 
Presbyteriums aus einem gleichfalls im gedrückten 
Tonnenbogen geschlossenen Travee und einer den 
Altarraum deckenden Halbkugel, in welche das 
Licht durch je eine an der Nordost- und Nord- 
westseite angeordnete, mit derjenigen im Schiffe 
ganz ähnlich gebildete Fensteröffnung einfällt. 
Das Gewölbe des Altarraumes wird außerdem 
durch an den Capitälen der Fensterpilaster an- 
setzende breite Radialgurte in drei sphärische 
Dreiecke getheilt, welche sich im Scheitel des 
Traveegurtes, und zwar ohne besondere architekto- 
nische Betonung mit der Profilierung desselben 
auf Gehrung v'ereinigen. 

Über der westlichen Hauptfajade baut sich 
der im Vergleiche zu der bedeutenden Höhe der 
Kirche etwas niedrige, mit einem streng barocken 
Helme bekrönte Thurm auf. Diesen sowie die 
Außenseite der g-anzen Anlage beleben ein kräftig 
gegliedertes, zum Theile von Pilastern, zum Theile 
von bloßen Mauerstreifen getragenes Haupt- 
gesimse und die sich durch diese Anordnung er- 
gebenden Wandfüllung^en. Die beiden Traufbord- 
seiten des Daches zieren an der Hauptfa^ade 
mächtige Giebel- Voluten, die den Bau als echte 
Barockanlage charakterisieren. Auf dem Firste 
des Presbytcriumsdaches sitzt ein zierliches 
Sanctusthürmchen, das sich in seiner formalen 
Ausgestaltung als eine reducierte Copie des Haupt- 
thurmes darstellt. 

Ostwärts der Kirche endlich ist eine mit 



barockem Mansardendache gedeckte, 
sehr geräumige Sacristei angebaut. 
Diese ist architektonisch der Fafade 
der Ostseite der Kirche gleichgehal- 
ten ; über derselben ein nach dem 
Innern des Presbyteriums offenes, 
gleichfals gewölbtes Oratorium. Aus 
dem Kircheninnern führt eine Thür 
mit einfachem, aber streng architek- 
tonisch angeordnetem Steingewände 
in den Sacristeiraum. 

Alles in allem hat man es hier 
mit einer in ihrer Architektur durch- 
aus einheitlich und symmetrisch durch- 
geführten Bauanlage zu thun, welche 
sich bei Dorfkirchen in Mähren nicht 
oft wiederholen dürfte. 

Demnächst soll die Kirche durch 
einen Zubau vergrößert werden. Bei 
dieser Gelegenheit gedenkt man auch 
einige unpassende Zuthaten, die seit 
neuerer Zeit das Innere verunstalten, 
zu entfernen. Conservator F. Ros.mael 



Abb. 



Conservator Graus in Graz berich- 
tet über einige Kunstwerke im Hause 
des Ingenieurs Josef Lössl „Zur Stadt 
Triest" in Leibnitz. Eine barocke 
Lavabo-Nische aus dem XV^II. Jahr- 
hundert, vermuthlich aus der Sacristei 
einer abgebrochenen Kirche stam- 
mend, ist zwar an einer .Seite theil- 
weise beschädigt und mit Ölfarbe 
bedeckt, verdient aber eine Säuberung 
und Aufstellung in einem Localmuseum. Hingegen 
dürften die zwei Freskobilder, die nach zuverläs- 
sigen Berichten einstmals die Wäride eines Eck- 
zimmers des genannten Hauses geschmückt haben, 
unwiederbringlich verloren sein. Gegenstände der 
Darstellung waren die Kaiserin Maria Theresia und 
Kaiser Josef, der letztere in dem für die Leibnitzer 
Bürgerschaft denkwürdigen Momente, da er der- 
selben die dortigen Augründe schenkte. Vor vierzig 
Jahren waren beide Bilder noch zu sehen; seither 
sind sie aber wiederholt übertüncht worden, und es 
besteht leider die Vermuthung, dass die Gemälde 
gewaltsam abgekratzt worden sind. 




4. Gitterthor aus Schmiedeeisen, XVIII. Jahrhundert. 
Deutsch-Mlikojed (siehe Sitzungsbericht Sp. 32). 

Inhalt Spalte 

Pcrsonahiiichrichten 81 

Sitzungsberichte: Sitzung am 14. März 81 

» »21. » 102 

KuBiTscHEK Römische Gräber inVelmbeiGutenhof(N.-Ö.) 103 
Denkmäler der Barockzeit (Alt-Biela : RosMAitr.; Leibnitz : 

Graus; Deutsch-Mlikojed) 109 



Druckfehler. Durch ein unliebsames Versehen sind in 
dem Berichte des Correspondenten Amorc^o (oben Sp. 61) 
die Siglen der vorletzten Zeile des Inschriftsteines aus Nesac- 
tium nicht sämmtlich transcribiert worden; es ist zu lesen: 
pipntifici) jn(axim6) p[atri) p{atriae). 

Auf S. 14 Z. 17 soll es statt «beantragten» heißen: 
«barbarischen.» 



Verantwortliche Redacteure: Prof. Wii.hei.m Kubit.schek und Prof Ai.ois Riegl. — Druck von Rudolf M. Rohrer in Brunn. 
In Commission bei Wilhelm BraumÜllkr, k. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, Wien und Leipzig. 



MITTHEILUNGEN 

DER K. K.CENTRAL-COMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

in: RAUSGEGEBEN UNTER DER LEITIIXG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXC. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 



Band I Nr c;. 6 



Mai — ^JuNi 1902 



Personalnachrichten 

Seine Excellenz der Herr Minister für Cultus 
und Unterricht hat auf die Dauer von fünf Jahren 
ernannt : 

Zu Mitgliedern: den Professor an der tech- 
nischen Hochschule in Wien, Dr. Josef Neuwirth, 
und den Professor i. R. der Akademie der bilden- 
den Künste in Wien, Kaspar Ritter von Zumbusch 
(Erlass vom 4. April 1902, Z. 10.319); 

zu Conservatoren : I. Section: den Univer- 
sitätsprofessor Dr. Josef .SiE:\riK adzki in Lemberg; 

III. Section (für das ruthenische Archivwesen): 
den Universitätsprofessor Dr. Alexander Kolessa 
in Lemberg, beide für die politischen Bezirke 
Brody, Brzezany, Cieszanow, Grodek, Jaworow, 
Kamionka strumilowa, Lemberg-, Mosciska, Prze- 
myslany, Rawaruska, Sokal, Tarnopol, Zbaraz, Zlo- 
czow, Zolkiew und die Stadt Lemberg- (Erlass vom 
12. März 1902, Z. 4954); 

I. Section: Karl von vSchwerzenbach in Bre- 
genz; 

II. Section: den Maler Gustav Härtenberger 
in Feldkirch, beide für Vorarlberg (Erlass vom 
16. April 1902, Z. 33.844 ex igoi); 

II. Section: den Professor an der theologischen 
Diöcesanlehranstalt in St. Polten, Dr. Alols Schmöger, 
für die Bezirke Amstetten, Lilienfeld, Molk, St. 
Polten, Scheibbs und die Stadt Waidhofen an der 
Ybbs (Erlass vom 18. April 1902, Z. 3305); 

IL Section: den Professor an der .Staatsgewerbe- 
schule in Triest, Heinrich Nordio, für die politischen 
Bezirke Capodistria untl Parenzo, die Stadt Triest 
mit ihre^m Gebiete und die Stadt Rovigno (Erlass 
vom 24. April 1902, Z. 10.999); 



ferner bestätigte der Herr Minister in ihrem 
Ehrenamte auf die Dauer weiterer fünf Jahre: 

die Mitglieder: Dombaumeister Julius Her- 
mann, Universitätsprofessor Dr. Wilhelm Neumann 
und den Director der kais. Gemäldegallerie, Re- 
gierung.srath August Schaeffer (Erlass vom 4. April 
1902, Z. 10.319); 

endlich die Conservatoren: Schulrath Pro- 
fessor August SedlACek in Pisek, Baurath Anton 
Wiehl in Prag, Regierung.srath Heinrich Klauser 
in Czernowitz, Geheimen Rath Dr. Adalbert Grafen 
DziEDUszYCKi in Jesupol, Baurath .Slaavomir Odrzv- 
woLSKi in Krakau, Gutsbesitzer Ladislaus Ritter 
von Przybyslawski in Uniz, Herrenhausmitglied 
Johann Grafen Szeptycki in Przylbice, Dr. Stanislaus 
Ritter von Tomkowicz in Krakau, Oberpostcontrolor 
Josef Straberger in Linz (Erlass vom 12. April 1902, 

Z- 3923). 

Hofcaplan Dr. Kakl Drexlek in Klosternou- 
burg, Archivar P. Friedrich Ende in .Stift Alten- 
burg, Dombaumeister Julius Hermann in Wien, 
Baurath Richard Jordan in Wien, Prop,st Dr. Anton 
Kerschbaumer in Krems, Baurath Karl Rosner in 
Wien, Abt Stefan Rössler in Zwettl und Baurath 
Ludwig Wächtlkr in Wien (Erlass vom 11. A])ril 
1902, Z. 3924). 

Zu Correspondenten wurden ernannt in der 
.Sitzung vom 18. April 1902: 

der Drd. jur. Heinrich Ankert in Leitmcritz und 
der Sectionschcf im Ministerium für Cultus 
und Unterricht Dr. Ludwig CwikllSski in Wien; 
in der .Sitzung vom 30. Mai 1902: 
der Oberst und Platzcommandant in Przemysl, 
Alfred von Chizzola, der Oberbaurath und Vor- 
stand des Hochbaudepartements der Statthalterei 
in Wien, Michael Fellnek, der Gymnasialprofessor 

8 



115 



ii6 



in Klagenfurt, Dr. Franz Haxx und der Oberbaurath 
bei der Statthalterei in Wien Silvestkr Tomssa. 



Auf sein Ehrenamt resignierte der Conservator 
für Angelegenheiten der IL Section, Gymnasialpro- 
fessor Dr. Franz Hanx in Klagenfurt. 



Am 26. April starb der Historienmaler August 
WöRNDLE von Adelsfried, der dem Gremium der C. C. 
.seit 1899 als Mitglied angehörte; er war Referent 
in Fragen der Malerei, namentlich von Fresken; 

ferner starb am 4. April der Conservator Franz 
.ScHMORANz in Slatinan bei Chrudim; er war seit 1854 
Conservator, gehörte sonach der C. C. seit ihrem 
Beginn an. In ihm verliert diese einen kenntnis- 
reichen, eifrigen und gewissenhaften Mitarbeiter. 



Sitzungsberichte 

vom Schriftführer verfasst. 

Sitzungen vom 4. April (sechste Sitzung der 
I. Section, siebente des Plenums und siebente 
Sitzung der II. Section). 

Anwesend: Kenner (zugleich Vorsitzender), Df.i- 
NiNGEK, V. Förster, Hermann, Llntz, Much, 
Redlich, Rosner, Schaeffer, Wächtlek. — 
.Schriftführer: Bai-er. 

Böhmen 

Gymnasialprofessor -Schmidt legt eine Be- 
schreibung des St. Petruskirchleins in Dou- 
hrawa bei Mies vor. [Referent: Rosner] 

Conservator R. v. Weinzierl berichtet, dass 
er im verflossenen Herbste bei dem Dorfe 
Prosmik an der Elbe, nächst Lobositz, bei einer 
größeren Grabung ein fränkisches Gräberfeld 
entdeckt und mehrere Gräber untersucht habe. 
Eines enthielt das ziemlich gut erhaltene Skelet 
eines kräftigen Mannes von 40 — 50 Jahren, eine 
eiserne Axt (Francisca), Messer und Feuerzeug. 
Infolge dieses wichtigen Fundes habe der Con- 
servator die Besitzer jener Grundstücke, in welche 
das Gräberfeld hineinreichen könnte, verpflichtet, 
alle etwaigen Funde an das urgeschichtliche Central- 
museum in Nordböhmen abzugeben. Am 6. März 
sei an der Fundstelle (in einer Sandgrube) ein zweites 
(Frauen-) Grab mit folgendem Inhalt aufgedeckt 
worden: bronzener, mit .Silberdraht umwundener 



Halsring, zwei silberne Fibeln mit verzweigtem 
Bügel, zwei aus Silberdraht gewundene und mit zwei 
Filigran -Kettchen aus .Silber verbundene kleine 
Zierscheiben, ein Collier von Glas- und Bernstein- 
perlen, bronzene Knöpfe, mehrere Ringe und drei 
thönerne Wirtel. [Referent: Much] 

Conservator Sedi.äceü übermittelt die Resultate 
einer an der Pfarrkirche in Tocho witz vorgenom- 
menen Untersuchung. Kanzel, Beichtstuhl, Mensa, 
Tabernakel des Hauptaltars und der Deckel des 
Taufsteines sind .sehr schadhaft und nicht mehr 
reparaturfähig; zwölf Kirchenbänke, ein Betstuhl, 
die kurze Bank im Presbyterium, ferner die vier- 
zehn von Josef Führich gemalten Kreuzweg- 
bilder sind hingegen der Restaurierung wert. Im 
fürstlichen .Schlosse sind kostbare Me.s.sgewänder 
und zwei Bilder des heil. IMartin, die letzteren 
wieder verwendbar. In einem Magazin am Friedhof 
befinden sich zwei barocke Figuren des Haupt- 
altars und eine Engelsfigur, letztere sehr schadhaft 
und ohne kunsthistorischen Wert, ferner ein 
Crucifixus in gutem Zustande, der mit neuem 
Kreuz versehen und in der .Sacristei aufge.stellt 
werden könnte, endlich ein Orgelkasten, Bilder- 
rahmen und eine Bank, sämmtlich unbrauchbar. 
Die .Sacristei, deren Mauern gerissen, durchnässt 
und zum Theile des Verputzes beraubt seien, und 
deren Reconstruction einen bedeutenden Aufwand 
bedingen würde, sollte schlankweg durch einen 
einen Neubau ersetzt werden, zumal sie ohnehin 
nicht im Stile der Kirche ausgeführt ist. 

Die C. C. erklärt sich mit diesem Gutachten, 
sowie mit den .Skizzen und Plänen für die Neu- 
anschaffungen und für den Neubau der Sacristei 
einverstanden. [Referent: Deinlvger] 

Kärnten 

Conservator Groesskr berichtet über die 
Filialkirche Maria am Büchel in der Pfarre 
Feistritz a. d. Drau, die namentlich ihres rein- 
gothischen Chores willen Beachtung verdient. 
Die Innendimensionen des Chores sind 5'So X y^oiit, 
diejenigen des zweijochigen Schiffes 8 in Länge, 
6 in Breite und 5 m Höhe. 

Drei barocke Altäre, die — namentlich die 
seitlichen — eine schwungvoll bewegte ge.schnitzte 
Umrahmung zeigen, (der Hochaltar weist eine sehr 
schöne geschnitzte gothische .Statue der Madonna 



117 



ii8 



übi.T (li'in llulljUKHule aut) wurden in let/ter Zeit 
mit Sorgfalt und Geschick wiederherg-estellt. 

Der ("hör, mit einer Sacristei im Norden, 
reg-ehnäßig aus dem Achteck g-eschlossen, ist aulJen 
mit drei Streben mit schrägem Sockel, Stein- 
bedachung und Wasserschlag besetzt, innen mit 
Rippen gewölbt, die auf kegelförmigen Consolen 
ruhen. Der Scheidebogen spitz, in zwei Hohlkehlen 
mit breiter Platte dazwischen gegliedert. Die 
Capitälgesimse stark ausladend. Im Schiff Kreuz- 
gewölbe, gegen Westen desselben eine vorge- 
lagerte Vorhalle. Die Kirchen Verwaltung beab- 
sichtigt nun, die Vorhalle abzubrechen und das 
Schiff in etwas schmäleren Dimensionen zu ver- 
längern, ferner an die Front gegen Süden einen 
Thurm mit rechtwinkelig gestellten Eckstreben 
anzufügen, da bisher bloß ein Dachreiter vor- 
handen war, ferner den modernisierten "Fenstern 
des Schiffes Spitzbogen zurückzugeben. Der Con- 
servator bemängelt an dem Projecte namentlich 
die horizontal abgebogenen Enden und die starke 
Profilierung der Fenster im Schiffe und die lang-- 
gestreckte Form derjenigen im Thurme. 

Die C. C. beschließt, sich gegen den Thurm- 
bau sowie gegen die Verlängerung des Kirchen- 
.schiffes auszusprechen, da das vorgelegte Project 
berechtigten Anforderungen in stilistischer Hin- 
sicht nicht entspricht. [Referent: Rosnek] 

Krain 

Supplent Koma lAR macht auf die ungünstigen 
Verhältnisse des Archiv wesens im Herzogthum 
Krain aufmerksam, welche zum Theile durch die 
politischen Ereignisse früherer Jahrhunderte, zum 
Theile durch Naturkatastrophen bedingt worden 
seien. Trotzdem wäre noch in zahlreichen öffent- 
lichen und Privatarchiven reiches Materiale zu 
finden, das nur der Ordnung und Sichtung bedürfe. 
Der Berichterstatter beabsichtige nach dem Muster 
der von der C. C. herausgegebenen Archivberichte 
ein Inventar der krainischen Archive anzulegen 
und sammle daher seit Jahren Regesten in krai- 
nischen .Vrchiven ; so habe er schon vom land- 
schaftlichen, bischöflichen und Domcapitelarchive 
in Laibach, den Archiven in Auersperg, Krain- 
burg. Stein, Woditz, Weißenstein und Wippach 
aus den Urkunden Regesten gemacht. Zur Fort- 
setzung und zum Abschlüsse seiner Arbeit er- 



l)itte er die Untc^rslützung der C. C, die ihm 
eine .Subvention von 400 A' bi'willigt. 

[Referent: Rkdi.ich] 

Conservator .Szomh \ rHV berichtet, dass die 
prähistorische Commission der k. Akademie der 
Wissenschaften in Wien eine Untersuchung der 
Gegend zwischen (rurkfeld und Laibach in 
Aussicht genommen habe. [Referent: Much] 

Die k. k. Landesregierung theilt mit, es .sei 
dafür gesorgt, dass bei den Erdaushebungen für 
die Fundamente eines neuen Amtshauses in 
Rudolfswerth mit der erforderlichen Vorsicht 
vorgegangen und die Bergung allfälliger Funde 
zweckentsprechend, wenn nothwendig unter Bei- 
ziehung des berufenen Conservators, vollzogen 
werde. [Referent: Much] 

Küstenland 

Conservator Puschi berichtet, dass er seit dem 
Jahre 1895 mit der Herstellung einer archäologischen 
Karte Istriens beschäftigt sei, zu deren Vollendung 
der Gemeinderath der Stadt Triest eine jährliche 
Subvention von 600 A" widme und bis heute einen 
Gesammtbetrag von 4800 A' zur Verfügung gestellt 
habe. Der Conservator gedenkt zuerst, die Materialien 
für die Wiederherstellung der alten Topographie 
sowohl Istriens als des Karstgebietes durch wieder- 
holte Bereisung des Landes, Ausgrabungen und 
archivalische Untersuchungen zu sammeln und auf 
dieser Grundlage die Karte zu veröffentlichen. Die 
C. C. nimmt hievon mit Befriedigung Kenntnis. 

[Referent: Kenner] 

Correspondent Machnitsch berichtet: i. Dass 
in Dolje bei Tolmein gelegentlich eines Straßen- 
baues zwei vorgeschichtliche, mit Steinplatten be- 
deckte Brandgräber aus der Früh-La Tene-Pe- 
riode aufgedeckt worden seien. Der zu spät be- 
nachrichtigte Berichterstatter konnte nur ein Stück 
einer Bronzefibel und ein offenes Bronzearmband 
mit Endknöpfen zustande bringen; es sollen sich 
jedoch noch ein Eisenmesser und ein zweites Arm- 
band im Grabe befunden haben, die verworfen 
wurden und nicht mehr zu beschaffen seien. 

Die vorhandene Fibel sei eine Bogenfibel mit 
linksseitiger Spirale und vier Windungen, ihr Fuß 
nicht bestimmbar. Am Rücken des vierkantigen 
Bügels sei eine Einkerbung und eineDurchlochung, 
an seiner Seite drei Durchlochungen, so dass auf 



iig 



I20 



der Oberkante das einstige Vorhandensein eines 
Drahtschlingenkranzes und auf den Seiten Disken 
oder Perlen anzunehmen seien. 

In der Umgebung der Fundstelle seien um- 
fassende, aber resultatlose Nachgrabungen vorge- 
nommen worden. 

2. In St. Veitsberg (Tolmeiner Bezirk), 
ungefähr einen Kilometer von der schon durch 
Dr. M ARCHESETTi bekannt gewordenen vorgeschicht- 
lichen Xekropole, wurden in einer kleinen einge- 
friedeten Waldparcelle Brandgräber aufgedeckt. 
In den bisher eröffneten neun Gräbern habe man 
als Beigaben Thongefaße, Brillenfibeln. Bogenfibeln 
mit geradem Hals, Armbänder, eine Broncesitula,' 
Eisenreste u. dgl. vorgefunden. Die Nachgrabungen 
werden fortgesetzt. [Referent: Much] 

Correspondent Moser berichtet vorläufig über 
die bei S. Servolo gemachten Funde. Sie seien 
zweifacher Art; römische, die sich an der Basis 
des Steinbruches fänden (eine Münze aus der Zeit 
der Republik, Thränenfläschchen, Thonkrüge, 
Urnen, theilweise verwittert, und Leichenbrand) 
und prähistorische, in einer Schichte über dem 
Steinbruche (Leichenbrand, Aschenreste, Bronze- 
fragmente, Ringe und Fibeln). Die Gegenstände 
seien durchwegs schlecht erhalten und stark ver- 
wittert. [Referent: Kexner] 

Conservator Sterz berichtet über den Entwurf 
zu zwei Glasfenstern, die im Presbyterium der 
Pfarrkirche zu Hödnitz angebracht werden 
sollen. Das Presbyterium ist gleich der an der 
Evangelienseite befindlichen alten Sacristei früh- 
gothischen Stils, das Schiff nebst Orgelchor und 
einem paradiesförmigen Vorraum spätbarock, der 
Thurm romanisierend, die neue Sacristei modern 
und wertlos. Im Presbyterium ein barocker Altar, 
zu dessen Seiten die beiden gothischen Fenster, 
für welche die Glasmalereien bestimmt sind, oben 
mit wohlerhaltenen Maßwerken, unten theilweise 
vermauert. Die Skizzen für die beiden Gemälde, 
mit Darstellungen der hl. Familie, des hl. Sebastian 
und des hl. Johann v. Nepomuk, sind den geschil- 
derten stilistischen Bedingungen wohl angepasst, 
weshalb sie die C. C. zur -Vusführung genehmigt. 

[Referent: Wachti.er] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt für die Restaurierung des Thurmes 



der Ruine in Stramberg eine in zwei gleichen 
Raten auf die Jahre 1 902 und 1 903 zu vertheilende 
Staatssubvention von 2000 K. 

Conservator Sterz berichtet, dass anlässlich 
der Herstellung eines Reservoirs in unmittelbarer 
Nähe des Maschinenhauses der Brauerei von 
Mavral's Nachfolger in Znaim folgende vorge- 
schichtliche Gegenstände gefunden wurden: zwei 
Wirtel, zwei Beinmesser, ein großer Wirbelknochen 
eines Thieres und ein aus Hirschhorn hergestellter 
Hammer (Stockknauf); dagegen dürften zwei auf- 
gefundene Töpfe, wovon einer mit den Gehäusen 
der essbaren Landschnecke gefüllt war, kaum der 
prähistorischen Zeit entstammen. Die Funde, die 
sich in ganzer Reihe von Ober-Dannowitz aus süd- 
lich bis Retz und darüber erstreckt haben mü.ssen, 
zeugen deutlich für die vorgeschichtliche Ansiede- 
lung in der Gegend des Heidentempels,. Die Grube 
liege aber nicht in nächster Nähe des Heiden- 
tempels und betrage im Rechteck 5 m X - '" mit 
einer Tiefe von circa 2'5 m. [Referent: Mllh] 

Nieder-Österreich 

Referent Hermann macht Mittheilung über 
den Bauzustand der St. Ruprechtskirche in 
Wien (I. Bez.), deren Restaurierung in Aussicht 
genommen sei. Die Kirche beansprucht ein be- 
sonderes kunsthistorisches Interesse, weil sie die 
ältesten Bauformen enthält, welche das heutige 
Wien aufweist. Historische Nachrichten lassen so- 
gar schon zwischen 791 und 821 eine St. Ruprechts- 
kirche in Wien vom Salzburger Bischofsprengel 
aus erbaut sein; aber die ältesten Theile der heu- 
tigen Kirche gehen nicht hinter das XII. Jahr- 
hundert zurück. 

An dem Bauwerke, das im Laufe der Jahr- 
hunderte infolge zahlreicher Veränderungen den 
ursprünglichen Stilcharakter nahezu vollständig ein- 
gebüßt hat, seien drei Bauperioden wahrzunehmen : 

1. die ursprüngliche rein romanische Anlage 
aus dem XII. Jahrhundert, vermuthlich ein ein- 
schiffiger Bau mit Balkendecke, Westthurm und 
halbrunder Chorapsis; 

2. der erste Erweiterungsbau durch Beseitigung 
der Concha und Anbau eines geräumigen poly- 
gonalen Chorabschlusses im spätromanischen Stil; 

3. der zweite Erweiterungsbau durch Hinzu- 
fügung des südlichen Seitenschiffes gegen Ende 



121 



122 



des XI \'. Jalirliuiiderts, der sicli mich als früh- 
gothischer Bau charakterisiere. 

Außer diesen drei Hauptbauepochen seien 
Veränderungen und Zubauten aus späterer Zeit 
bemerkbar, welche die besonderen Merkmale der 
verschiedenen Stilrichtungen am Äußern größten- 
theils verwischten. 

Der derzeitige Bauzustand (lt>r Kirche könne 
keineswegs als ein g^uter bezeichnet worden; die 
wiederholten Erweiterungsbauten hätten in den 
nicht übermäßig starken Mauermassen Bewegungen 
hervorgerufen, die es bedenklich ersciu'inen ließen, 
eingreifende Veränderungen vorzunehmen. 

Außer einigen Erhaltungsvorkehrungen am 
Äußeren könne nur am Thurm und an der West- 
front einiges zur Betonung des romanischen Stil- 
charakters gethan werden, indem die wertlose 
Verkleidung der \Vestfa9ade umgestaltet und die 
romanischen Thurmfenster unter entsprechender 
Vorsicht freigelegt würden. 

Im Innern, wo der \'erputz schadhaft, die Ma- 
lerei verschmiert und abgeblättert, die Einrichtungs- 
gegenstände handwerksmäßige Erzeugni.sse aus 
dem XVIII. und XIX. Jahrhundert seien, wäre 
eine würdige Ausschmückung ins Auge zu fassen. 
Die C. C. empfiehlt, dieses Gutachten der Restau- 
rierung zugrunde zu legen. 

An der Pfarrkirche zu Grossau ist die Aus- 
besserung des Thurmhelmes, der Thurmjalousien, 
eines Kirchendachfensters, die \'ersicherung eines 
Sacristeifensters und die Reinigung der Orgel in 
Aussicht genommen, womit sich die C. C. einver- 
standen erklärt. [Referent: Rosnek] 

Conservator Rössler berichtet, dass in der 
Pfarrkirche zu Groß-Haselbach Presbyterium 
und Kirchenschiff einer Reinigung- vom alten Ver- 
putz und einer Xeubemalung unterzogen werden 
sollen, und empfiehlt, die von ihrer Übertünchung 
gereinigten Rippen und Schlusssteine der Gewölbe 
nicht wieder steingrau zu übermalen, sondern in 
Naturfarbe zu belassen, zu verfugen und auszu- 
bessern, Pfeiler und Wandflächen in einem dunk- 
leren, die (iewölbeflächen in einem lichteren Tone 
zu färben. Die C. C. ist damit einverstanden. 

[Referent: Rosnek] 

Correspondent Kkiic/ica v. Jaden legt eine 
,\nsiclitskarte des im .Stadttluirm zu Korneuburg 
aufgestellten Museums vor, tue von der dermaligen 



Anordnung der Musealgegenstände ein sehr gün- 
stiges allgemeines Bild gibt. [Referent: Kk.vnek] 

Conservator Jordan berichtet über die geplante 
Restaurierung der Pfarrkirche in Mistelbach, 
die einige stilgerechte Restaurierungen und Ver- 
änderungen an der Westfagade und anschließend 
an diese an der .Südfa9ade, die Erbauung eines 
neuen Treppenthürmchens und die Ausgestaltung 
der bestehenden Vorhalle umfassen soll. Er macht 
keine Einwendung g-eltend, will aber im letzten Ge- 
schosse des neuen Treppenthürmchens die Fenster 
etwas schmäler gemacht wissen, damit ihre Lei- 
bungskanten nicht unschön an den Achteckskanten 
des Treppenthürmchens anschneiden, womit sich 
die C. C. einverstanden erklärt. 

[Referent: Rosxer] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die Durchführung der beantragten 
Innenrestaurierung der Pfarrkirche in Tulln mit 
dem veranschlagten Aufwände von 11.233 ^^' '^nd 
gestattet, dass die hiebei auf Materialien und Profes- 
sionistenarbeiten entfallenden Kosten per 9020 A' 
vorschussweise gegen ratenweise Rückzahlung' aus 
dem Kirchenvermögen auf den Staatsschatz über- 
nommen werden. Weiters verfügt das Ministerium, 
dass bei den Arbeiten in stetem Einvernehmen 
mit dem berufenen Conservator vorgegangen werde. 

Conservator Rössler legt die neuen Baupläne 
für die Restaurierung der Eilialkirche in Weißen- 
bach vor, die sich von dem früheren Projecte durch 
die Idee eines an die Westfacade neu anzubauenden 
Thurmes anstatt des zuerst geplanten Dachreiters 
unterscheiden, wogegen die Restaurierung der 
Kircheneinrichtung (Hochaltar, Orgel, Kirchen- 
bänke, Steinpflaster) g'^änzlich außeracht gelassen 
oder nur mangelhaft berücksichtigt erscheine. Die 
C. C. erklärt sich mit dem Thurmbauprojecte nicht 
einverstanden und muss auf der Vorlage eines 
in stilistischer Hinsicht entsprechenden Planes be- 
stehen, wenn nicht, wie wahrscheinlich, der früher 
projectierte Dachreiter vollkommen genügen sollte. 

[Referent: Ro.sner] 

Der Stadtrath von Wiener-Neustadt theilt 
mit, dass für Regulierung des Vorhofes bei der 
dortigen Kapuzinerkirche ein Plan ausgearbeitet 
wurde und zur Überprüfung desselben eine com- 
niissionelle Verhandlung an Ort und Stelle an- 
geordnet werden soll. 



125 



'^l 



Die C. C. beschließt, zu dieser Erhebung den 
berufenen Conservator Siaub als ihren Vertreter 
zu entsenden. [Referent: Rosxkk] 

Ober-Österreich. 

Con.scrvator .Schikiihai.ek berichtet: in der 
ehemaligen Stiftskirche in Waldhausen seien 
einige Ergänzungen der Stuccaturen im Charakter 
der alten Ornamente und geringe Ausbesserungen 
der Freskomalereien in entsprechender Weise vor- 
genommen worden, aber die nothwendig gewordene 
Tünchung der Gewölbe und Wände sei den I-'ein- 
heiten und der plastischen Wirkung des Stuck- 
ornaments nachtheilig gewesen. 

Einige Arbeiten an der Pflasterung der Emporen, 
und an den Chorstühlen, und die Xeuherstellung der 
Fenster stünden noch bevor; in letzterer Hinsicht 
rieth der Conservator von der in Aussicht genom- 
menen vollständigen Auswechslung der Rauten- 
verglasung und Ersatz derselben durch Solintafeln 
ab und empfahl eine bloße Ergänzung der Schäden. 

Die Außenrestaurierung müsse sich auf unter- 
geordnete Erhaltungsarbeiten an der Vorderfa9ade 
beschränken, wiewohl die Fajade im ganzen seit 
dem Abbruch des angebauten Stiftsgebäudes eine 
sehr ungünstige Wirkung hervorbringt. 

Er berichtet weiters, dass keine Aussicht vor- 
handen sei, von den localen Factoren Geldmittel 
zur Herstellung von Schutzdächern für die Ruine 
Wildberg zu erhalten, zumal die dieselbe ver- 
waltende fürstlich Starhemberg'sche Güterdirection 
die\'ornahme derartiger Arbeiten gar nicht gestattet. 
In ähnlichem Zustande befände sich übrigens eine 
große Anzahl von Ruinen des Landes, .so dass ihr 
Bestand eine Frage der Zeit und ihre dauernde 
Erhaltung nur im Bilde möglich sei. 

Die C.C. beschließt daher, von diesen dem Unter- 
gange nahen Denkmalen, vorläufig unter Beschrän- 
kungauf Ober-Österreich und .Salzburg, .Skizzen ihres 
dermaligen Bestandes und (irundrisse ihrer ganzen 
Anlage in geometrischen Aufnahmen zu beschaffen 
und betraut mit der Durchführung den Referenten 

ROSXER. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die Wiederher-stellung des demo- 
lierten Schutzbaues des .S t. Wo 1 f gan gbr u n n e n s in 
.St. Wolfgang nach dem von Baurath Petrf und 
Conservator Ctkijl ausgearbeiteten Projecte und be- 



willigt hiefür eine weitere .Staatssubvention von 
2000 A' in \ier gleichen auf die Jahre 1903 — 1906 
zu vertheilenden Raten. 

Salzburg 

Der Bürgermeister der i-andesliauptstadt .Salz- 
burg theilt mit, dass das k. und k. Reichkriegs- 
ministerium den militär- ärarischen Besitz am 
Mönchsberge veräußern wolle und die .Stadt- 
gemeinde eingeladen habe, ein Kaufanbot auf den 
Besitz einzubringen, der 10.347 ;//- umfasst und 
aus einer Wiese und Weideparcelle mit drei alten 
Thürmen, einem nicht mehr benutzten Wachthaus 
und einer aufgelassenen Gradierhütte besteht. 

Die Stadtgemeinde hat ein Anbot von 8000 A' 
gemacht und ersucht die C. C. um Verwendung, 
da.ss dasselbe angenommen werde. In Würdigung 
des mit den erwähnten Festungswerken verknüpften 
historischen Interesses und ihrer Bedeutung für 
das (lesammt-.Stadtbild beschließt die C. C, dem 
Ansuchen der .Stadtgemeinde zu entsprechen. 

[Referent: Rosner] 

Steiermark 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die im Innern der Pfarrkirche 
von Heiligenkreuz bei Sauerbrunn mit einem 
Aufwände von 20.400 A' bewirkten Herstellungen 
und bewilligt eine Patronatstangente im Betrage 
von 5533 K a h aus dem Staatsschatze, findet 
aber dabei zu erinnern, dass bei der Projectierung 
und Ausführung der Arbeiten durchaus im Ein- 
vernehmen mit dem berufenen Conservator hätte 
vorgegangen werden sollen, und weist gleichzeitig 
die k. k. .Statthalterei an, in gedachter Hinsicht 
stets eine besondere Wachsamkeit zu entfalten, 
damit die kunsthistorischen Interessen bei der 
Renovierung und Ausschmückung älterer Kirchen 
keinen .Schaden erleiden. 

Conservator Rn:i)L berichtet, dass man in 
Uranje ein Grab mit .Skelettheilen, Mauerreste, 
sechs Bruchstücke römischer Inschriftsteine, vier 
Reste von Reliefs, endlich einen Raum auf- 
gefunden habe, in welchem eine kleine .Steinkiste 
mit einem .Steindeckel lag, darinnen die Bronze- 
beschläge eines im übrigen vermoderten Holz- 
kästchens. Die Inschriftsteine sind, nach der \or- 
gelegten Pliotographie zu schließen, theils Hercules 
geweiht, theils Grabsteine. 



125 



126 



Die C. C. beschließt, Erhebung-en zu pflegen, 
ob diese Steine an der ursprünglichen Stelle ge- 
funden wurden. [Referent: Kknxer] 



Sitzung am 1 1 . April (achte Sitzung der 
II. Section). 

Anwesend: Der Präsident als Vorsitzender. — 
Mitglieder: Deiningf.r Herman.v, Luntz, Xeu- 
MANN, Xeuwirth, Rosner, Schaeffer, Wächtler, 
ZuMHLSCH. Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines 
Conservator Graus legt einen Separatabdruck 
seines im _ Kirchenschmuck" erschienenen Auf- 
satzes .Der Beruf zum Schutze kirchlicher Denk- 
male"* vor, worin er nachweist, dass zur Wahrung- 
des Kunstinventars der Kirchen das Wirken kircli- 
lichcr Stellen allein nicht genügt und durch eine 
kräftige staatliche Ingerenz ergänzt werden müsse. 

[Referent: Neumann] 
Correspondent Ankert legt eine Broschüre 
über die Baumeisterfamilie Broggio vor. 

[Referent: derselbe] 

Böhmen 

Conservator Wiehl berichtet über die bei den 
Baggerungsarbeiten im Moldauflusse zu Prag g-e- 
machten Funde: i. Mohrenkopf und rechte Hand 
der orientalischen Königin von der herabgestürzten 
Statue des hl. Ignatius; 2. .Schwert, der Griff" mit 
Messingdraht umflochten, XVII. Jahrhundert: 3. 
eine Menge stark verrosteter eiserner Fragmente; 
4. verschiedene geringwertige Münzen. Die Gegen- 
stände sub I. wurden mit den früher gehobenen 
Fragmenten der Statue vereinigt, die übrigen im 
städtischen Museum hinterlegt. [Referent : derselbe] 

Conservator Llksch berichtet, dass an der Au- 
ßenseite der Dominicanerkirche in Leitmeritz, 
die nach einem Brande um die Mitte des X\'III. 
Jahrhunderts von dort ansässig- gewordenen italie- 
nischen Decorateuren mit reichen Stuckornamen- 
ten ausgestattet worden war, mit anscheinend ab- 
sichtlicher Vermeidung des Conservators Restau- 
rierungen vorgenommen wurden, die angeblich 
bloß die Beseitigung- der Risse und Brüche im 
Mauerbewurf bezweckten, aber alsbald zur Wahr- 
nehmung führten, dass der g-esammte Bewurf ein- 
schließlich der Stuckornamente gar keine Ver- 
bindung mit dem Maucrworke mehr habe und 



herabzufallen drohe, so dass er zum Theil beseitiget 
werden musste, jedoch nicht ohne vorher durch 
Photographien, Abformungen und naturgroße De- 
tailzeichnungen fixiert worden zu sein, die der 
Xeuherstellung zu Grunde gelegt wurden. — Die 
Prüfung der Arbeiten habe keinen Anla.ss zu Aus- 
stellungen ergeben; nur sei infolge einer Di.s- 
harmonie zwischen den Farben der Ornamente 
und des Bewurfes eine Tünchung der Facade 
unvermeidlich geworden. 

Die C. C. spricht dem Conservator für seine 
Intervention den Dank aus und bedauert, dass 
entgegen den Verordnungen nicht das rechtzeitige 
Einvernehmen seitens der Kirchenvorstehung mit 
ihm gepflogen wurde. [Referent: DEtNiNCER] 

Conservator Pi.ahi. berichtet, dass an der 
Pfarrkirche in Schaboglück die bisher glatt 
verputzten Fenster des Schiffes mit einem genau 
nach den bestehenden Profilen des Thurmfen.sters 
hergestellten Zierverputz versehen, das Dach mit 
Schiefer, jenes des Thurmes mit Blech gedeckt 
werden sollen. Da der Baucharakter dadurch keine 
Änderung- erleidet, erklärt .sich der Conservator 
damit einverstanden und empfiehlt überdies, die 
Hauptthür der Kirche und die mit Schnitzwerk 
versehenen Paramentenkasten in der Sacristei, 
beide aus Eichenholz, zu reinigen und in Natur- 
farbe zu belcissen, wodurch sie mit den Kirchen- 
bänken und Beichtstühlen in Einklang- gebracht 
würden. [Referent: Xeumann] 

Dalmatien 
Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt verfügt, dass gelegentlich der Erweiterung 
der Pfarrkirche in Viganj die bestehenden 
elliptischen Fenster und die Rosette des Haupt- 
portales wieder zur Verwendung gelangen, letztere 
aber in tieferer, der alten Facade besser ent- 
sprechender Lage, als das Erweiterungsproject vor- 
schlägt; ferner dass das Hauptportal anstatt in 
der projectierten Weise dem Seitenportale ähnlich 
ausgestaltet werde, dessen Detailformen zur ge- 
sammten Architektur besser harmonieren. 

Galizien 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt zu den nothwendigen Restaurie- 
rungen an der Froh nleichnamski r che in Krakau 
eine .Subvention von 12000A'. 



128 



Kärnten 
Correspondent Melichf.r berichtet, dass er die 
Restaurierung^ des Jüngsten Gerichts-Bildes in der 
Pfarrkirche zu Radsberg vollendet und photo- 
graphische Aufnahmen des Gemäldes vor und 
nach der Restaurierung veranlasst habe. 

[Referent : Schaf.ffek] 

Krain 
Correspondent v. Becru-Widmaxxstf.tter be- 
richtet über das Schloss Seisenberg a. d. Gurk, 
das seit Jahren vernachlässigt werde, und regt dessen 
Wohnbarmachung an, wozu die C. C. Schritte ein- 
zuleiten beschließt. [Referent: Xeumann] 

Küstenland 
Die Kirchen Verwaltung der Basilica in 
Parenzo hat den Docenten Millet an der Sorbonne 
in Paris auf Kosten des istrianischen Landesaus- 
schusses mit der Bloßlegung einzelner noch sehr 
g-ut erhaltener Flächen des Mosaikbodens der 
ersten und der zweiten christlichen Kirche betraut; 
sie währte zwei Monate und führte zur genauen 
Ermittelung des Grundrisses der ersten Kirche. 
Die neuaufgedeckten Mosaiken wurden von einer 
Pariser Malerin copiert. — Correspondent Melicher 
legt eine Anzahl von Photographien nach Mosaiken 
dieses Domes vor. [Referent: Xf.umann] 

Conservator Gxirs berichtet, dass im Boden 
des Wagenschuppens des ,,Hotel Central" in Pola 
ein Bruchstück des Mosaikbodens der alten Basi- 
lica St. Maria Formosa, aus dem östlichen Theile 
des Mittelschiffes, in der Größe von 2 in X o-6 in, 
bloßgelegt worden sei. Die Ornamente seien die- 
selben, wie in dem früher gefundenen und dem- 
nächst in den ..Mittheilungen-' zur Veröffentlichung 
gelangenden Fragment, jedoch mit dem Unter- 
schiede, dass die Füllung der mit Bandverschlin- 
gungen umzogenen Felder diesmal durch die sym- 
bolische Figur des Fisches gebildet wird. 

Farben- und Planskizze werden in Aussicht 
gestellt. Das Fragment selbst soll, soweit es 
sein Zustand ermöglicht, gehoben und conserviert 
werden. Dem Berichterstatter wird der Dank aus- 
gesprochen. [Referent: derselbe] 

?.Iähren 
Conservator Czcrnv berichtet, da.ss die wert- 
vollen Malereien in der (aus der Mitte des XVIII. 



Jahrhunderts stammenden) Pfarrkirche in Tatte- 
nitz, von der Hand des Jioas TnAunÄis Sippkk 
aus Trübau, der Restaurierung bedürften. 

Die C. C. beschließt, eine technische Unter- 
suchung einzuleiten. [Referent: Schaeffer] 

Conservator Sterz berichtet, dass er neuerlich 
an der Südseite der St. Niklaskirche in Znaim 
viele Fensterscheiben eingedrückt gefunden habe, 
so dass unter anderem die beMen Barockaltäre im 
südlichen Schiffe und das Bild des Hauptaltars 
durch die Witterungseinflüsse gefährdet erscheinen; 
er habe daher den Gemeinderath um Verglasung 
jener Stellen ersucht. Ferner habe ein Sturm zahl- 
reiche Ziegel vom Dache herabgeschleudert ; endlich 
habe sich ein Riss oberhalb eines Fensters an der 
Südseite erweitert. Es wäre dringend geboten, mit 
den vorhandenen Geldmitteln ehebaldigst die Re- 
staurierung an der Südseite zu beginnen, da bei 
längerer Verzögerung Unglücksfälle herbeigeführt 
werden könnten. Die Gemeinde sei kürzlich um 
die Genehmig-ung einer Subvention von loooo A' 
aus dem Baufonde der Sparcassa bittlich geworden. 

Die C. C. beschließt, das k. k. Ministerium für 
Cultus und Unterricht neuerlich zu bitten, zu dieser 
von ihr schon seit Jahren als dringlich betonten 
Restaurierung eine Staatssubvention von 30000 A' 
für das Jahr 1902 in Aussicht zu stellen, um 
wenigstens die unaufschiebbaren Arbeiten mit 
aller Beschleunigung- vornehmen zu können. 

[Referent: W.ächti.kk] 

Nieder-Österreich 

Referent Rosner theilt mit, dass die Restau- 
rierung von vier Gobelins des St. Stephansdomes 
in Wien beabsichtigt werde. Die an einem Stücke 
bereits durchgeführten Arbeiten wären als voll- 
kommen entsprechend zu bezeichnen. 

Derselbe Referent berichtet, dass er bei der 
commissionellen Erhebung wegen Anbringung- 
einer Beleuchtungsanlage im Stiegenhause des 
Gebäudes des k. k. Finanzministeriums in 
Wien (Himmelpfortgasse) das vorgelegte Project 
der großartigen Architektur des Stiegenhauses nicht 
entsprechend befunden habe, weshalb auch eine 
Abänderung in Aussicht genominen worden sei. 

Der Dombauführer bei St. Stephan in Wien, 
Architekt St.mon, legt die Pläne für die Restaurie- 
rung der Brigittakapelle in Wien (XX. Bezirk) 



129 



13» 



vor, mit deren Leituiiy er betraut wurde. Die 
Arbeiten umfassen die Neuherstellung des Daches, 
seine und der Laterne Deckunt;- mit Kupfer, wobei 
die Laterne eine dem Stile entsprechende Endigung 
erhalten soll; ferner die Reinigung des Inneren und 
des Äußeren und die Herstellung des Sockels mit 
Steinverkleidungsplatten. Die C. C. gibt ihre Zu- 
stimmung. [Referent: Wächtler] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die Reconstruction des Kuppel- 
dtiches der Kirche in Maria-Taferl nach dem 
vorgelegten Projecte. Die Erneuerung des Daches 
über dem Langschiffe wäre einem späteren Zeit- 
punkte vorzubehalten. 

Architekt Simon legt das Project zur Restau- 
rierung der Pfarrkirche zu Rlistelbach vor. 
Hiernach soll die den gegenwärtigen Zugang zum 
Orgelchor bildende Holztreppe sammt dem zuge- 
hörigen rohen Ziegelbau beim Südportale gänzlich, 
der Vorbau an der Westfajade, aus dem man auf 
Leitern in den Dachraum gelangt, in seinem oberen 
Tiieile abgetragen werden, wodurch dem südlichen 
Portale seine ursprüngliche Gestalt wiedergegeben 
werde, wogegen der Zugang zum Orgelchor zu- 
gleicli mit dem zum Dachboden in einem projec- 
tierten Stiegenthurm untergebracht werden soll. 
Ein bei Feuersgefahr nothwendiger zweiter Zu- 
gang zum Dachstuhle sei bereits vom hohen 
Thurme aus geschaffen worden. 

Um dem an hohen Festtagen stark benützten 
großen Orgelchore Licht zuzuführen und zugleich 
die Facade architektonisch zu beleben, seien 
Fenster an der Westseite projectiert. 

Da die Kirche größtentheils aus braunem 
Muschelkalkstein erbaut ist, wird für sämmtliche 
Arbeiten ein gleiches Material aus dem fürstlich 
Liechtenstein'schen Bruche in Hauskirchen zur 
Verwendung gebracht. Die C. C. stimmt dem Pro- 
jecte zu. [Referent: Hermann] 

Der erzherzgl. Friedrich'sche Beamte Eduard 
Fink legt gelungene Aufnahmen des Ottokar- 
Kreuzes in Still fr ied vor, das sich an jener Stelle 
befinden soll, an welcher der Böhmenkönig in der 
Schlacht am Weidenbache fiel. [Referent : Neumann] 

Die Stadtgemeinde Ybbs beabsichtigt, einer 
h. a. Anregung entsprechend, an der Außenseite 
der Stadtpfarrkirche ein schmiedeeisernes 
Schutzgitter für die Grabsteine (Hans von Ybbs) an- 



zubringen. Die vorgelegten Skizzen werden von der 
C. C. aus stilistischen Gründen abgelehnt; es wird 
empfohlen, eine eichene Querbalkenlage zwischen 
den Strebepfeilern mit kupfergedeckter Überlage als 
Schutzdach, und das Schutzgitter einfach, aber stil- 
entsprechend aus Schmiedeeisen in der Höhe von 
ungefähr i ;;/ herzustellen. [Referent: Wächtler] 

Ober-Österreich 

Correspondent v. Prickn berichtet über einen 
mittelalterlichen Grabstein in Braunau, der vor 
einem Privathause als Pflasterstein dient, und be- 
antragt seine Hebung und Aufstellung- an der 
Wand der Spitalskirche; die C. C. beschließt Er- 
hebungen zu pflegen. [Referent: Neumann] 

Steiermark 

Die k. k. Statthalterei theilt mit, dass die 
Durchführung der nöthigen Vorkehrungen zur Er- 
haltung des freskengeschmückten Lusthauses im 
Garten des Stadtpfarrhofes zu Radkersburg vom 
Ende des X\'III. Jahrhunderts neuerdings in 
Frage gestellt sei. Der Landtag hatte hierfür im 
Jahre 1899 eine Subvention von 500 K unter der 
Voraussetzung zugesagt, dass auch der Staat den 
gleichen Beitrag leiste. Nach dem technischen Be- 
fund hätten die Arbeiten in einer Reconstruction 
des Dachstuhles und in der Entfernung einer an- ' 
gebauten alten Kegelstatt zu bestehen und wären 
mit dem Betrage von 1400 A' zu bestreiten. Wegen 
Sicherstellung des noch erforderlichen Restbetrages 
von 400 K habe die Statthalterei mit den localen 
Factoren wiederholt Verhandlungen gepflogen, 
welche jedoch resultatlos geblieben sind. Nach 
einem Gutachten des Baudepartements der Statt- 
halterei wäre nun die Erhaltung der Fresken nur 
dann möglich, wenn überhaupt die Beschaffenheit 
der hölzernen Decke die nothwendige Restaurie- 
rung ohne Gefahr einer Schädigung der Stuccatur- 
schalung zulasse, was vorerst untersucht werden 
müsse. Zu diesem Behufe wäre zunächst die Stroh- 
eindachung zu beseitigen und ein provisorisches 
Nothdach herzustellen, dessen Kosten sich auf 1 70 K 
belaufen würden. Der Landesausschuss sei ange- 
gangen worden, die Kosten dieser Herstellung und 
der Untersuchung der Decke aus der bewilligten 
Landessubvention zutragen, habe aber seine frühere 
Zusage mit Rücksicht auf die ablehnende Haltung 
der localen Factoren nun gänzlich zurückgezogen. 

9 



131 



132 



Die C. C. bedauert diesen ungünstigen Verlauf 
und beschließt, die Herstellung eines Nothdaches 
und die Untersuchung des Holzgewölbes nach- 
drücklich zu betreiben. [Referent: Schaeffer] 

Conservator Wist berichtet, dass in der linken 
Seitenkapelle hinter dem Altare der Pfarrkirche 
zu Saldenhofen neuerlich ein Votivbild al fresco 
von höherem Werte als die bisher aufgedeckten 
Malereien bloßgelegt worden sei, und dass es über 
sein Einschreiten bis zu dem von ihm beabsich- 
tigten Besuche unberührt gelassen werde. 

[Referent: derselbe] 
Tirol. 

Die k. k. Statthalterei theilt mit, dass die 
Fresken im Presbyterium der Johanneskirche 
in Brixen durch den Mauerfraß arg gefährdet 
seien, da der Verputz am Älauersockel abbröckelte, 
feuchte Stellen aufträten und selbst die Schichten, 
auf denen die Fresken angebracht sind, sich los- 
zulösen begännen. Als Gegenmaßregeln werden 
die gleichen wie seinerzeit für die Trockenlegung 
der Mauern im Kreuzgange zu Brixen in Vorschlag 
gebracht. Die Bodenfeuchte soll durch Isolierung 
der Mauern ferngehalten, für die Ableitung des 
Regen- und Schneewassers Sorge getragen werden. 

Die C. C. ist hiermit einverstanden und er- 
bittet den erforderlichen Betrag von 1600 K als 
Staatssubvention. [Referent: Rosner] 

Ginservator Walter berichtet, dass er ver- 
gebens im Auftrage des k. k. Ministeriums für 
Cultus und Unterricht den Apotheker Zieglal^er 
in Bruneck zur Restaurierung und Zugänglich- 
machung der in seinem Hause befindlichen, mit 
Malereien geschmückten Trinkstube zu bewegen 
gesucht habe; derselbe brauche den ebenerdigen 
Raum für seine geschäftlichen Zwecke; doch habe 
er sich gegen Ersatz der Kosten bereit erklärt, die 
Malereien zu Gunsten des Museums in Innsbruck 
abziehen und übertragen zu lassen. 

Die C. C. beschließt, diesen Vorschlag beim 
Ministerium zu befürworten. [Referent: .Schaeffer] 

Conservator Schmölzer berichtet, dass durch 
die beabsichtigte Restaurierung des Palazzo 
vescovile in Cavalese an dem Vorhandenen 
nichts geändert werden solle. Für die Restaurie- 
rung der Malereien sei der Maler Nardi aus Rom 
in Aussicht genommen. [Referent: Rosner] 

Conservator Ixxerhofer berichtet, dass bisher 



locale Beiträge für die Restaurierung der Fresken 
in der St. Georgskapelle zu Schön na nicht 
aufzubringen waren; die C. C. beschließt, die finan- 
zielle Frage bis nach Durchführung der technischen 
Untersuchung zu vertagen. [Referent: Schaeffer] 

Conservator Deininger berichtet, dass für die 
seit längerem angeregte Restaurierung der gothi- 
schen Pfarrkirche in Schwaz bereits so viele 
Geldmittel verfügbar wären, dass die nothwendigen 
Reconstructionen zum großen Theile durchgeführt 
werden könnten, wobei zunächst die Beschädi- 
gungen am Thurm und an den Strebepfeilern zu 
beseitigen wären. Die C. C. beschließt, sich conform 
diesen Anträgen für den Beginn der Arbeiten zu 
verwenden. [Referent: Luntz] 

Conservator Schmölzer berichtet, dass die 
Arrazzi des Trienter Domes in einem derzeit 
an das Militärärar vermieteten zweistöckigen roma- 
nischen Anbau des Domes, dem sogenannten Castel- 
letto, in Vitrinen zur Aufstellung gelangen sollen, 
jedoch vorher eine Ausbesserung derselben geplant 
sei, für welchen Zweck man sich Arbeitskräfte aus 
dem Vatican verschaffen wolle. 

[Referent: Neumaxx] 



Sitzungen vom 18. April (siebente .Sitzung der 
I. .Section, achte Sitzung des Plenums und 
neunte Sitzung der 11. Section). 

Anwesend: der Präsident (zugleich Vorsitzender). 
— Mitglieder: Deestenger, Herm.\nx, Kenner, 
LüXTZ, Neüsiann, Neuwirth, Redlich, Rosner, 
Schaeffer, Wächtler, Zu.vbusch. — Schrift- 
führer: Bauer. 

Böhmen 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt gibt bekannt, dass das Obersthofmeisteramt 
Sr. Majestät der C. C. für die durch die Conser- 
vatoren Baurath Wiehl und Jellxek geübte Beauf- 
sichtigung der Abgussarbeiten an der St. Georgs- 
statue am Hradschin in Prag den Dank ausge- 
sprochen habe. 

In der Sitzung der Commission für die Restau- 
rierung der Burg Karlstein vom 30. Jänner 1902 
wurde ein engeres Comite mit dem Rechte der 
Cooption ernannt. Xon diesem wurde das folgende 
Communique ausgearbeitet : 

Da von dem Landesausschusse des König- 



133 



134 



reiches Böhmen Beschwerden über die Restaurie- 
rung dieser Burg an die Statthalterei am 6. Mai igoi 
gelangten, verfügte der Vorsitzende der Restau- 
rierungscommission, Se. Excellenz Graf CounENHovE, 
die sofortige Delegierung eines aus Fachmännern 
bestehenden Comites, welches sich an Ort und 
Stelle zu überzeugen hatte, inwieweit die vorge- 
brachten Beschwerden begründet seien. 

In dieses Comite wurden berufen: die Pro- 
fessoren Architekt Koula, Maler LiSka, Bildhauer 
Myslbek, an dessen Stelle später Professor Jenne- 
WEiN eintrat, Maler Pirner, Architekt Schulz, Ar- 
chitekt ZrrEK, ferner Oberbaurath VomACka, derzeit 
Conservator. Zum Vorsitzenden der Commission 
wurde Hofrath Professor Zitek gew-ählt. 

Das Comite hat am 24. und 31. Mai 1901 die 
Burg Karlstein, namentlich die Innenräume ein- 
gehend besichtigt und ist zu der Überzeugung 
gelangt, dass insbesondere die Restaurierung eines 
Theiles des Bilderschmuckes nicht in entsprechen- 
der Weise ausgeführt ist. Es wurde daher die 
Fortführung der Arbeiten bis auf weiteres sofort 
eingestellt. Gleichzeitig wurden zur Hintanhaltung 
von Beschädigungen der Katharinenkapelle durch 
das Publicum die nothwendigen Einschränkungen 
in Betreff des allgemeinen Besuches dieser Kapelle, 
welche einen wahren Kunstschatz der Burg Karls- 
tein bildet, und auch anderweitig'e Maßnahmen zu 
ihrer Sicherung verfügt. 

Der Vorsitzende der Restaurierungscommission 
genehmigte diese Verfügungen und der Präsident 
der C. C. sprach bei dem Rundgang dieser Com- 
mission durch die Burg Karlstein am 12. October 
1901 im Xamen der C. C. den Dank aus. 

Über den Eindruck, den das Comite an Ort 
und Stelle gewonnen hatte, wurde in der Sitzung 
der Restaurierungscommission am 10. Juli 1901 
referiert und die eingebrachten Beschwerden als 
zum Theile begründet bezeichnet. 

Über das Ergebnis späterer Erhebungen und 
\'erhandlungen erstattete Hofrath Professor Zitek 
in der Sitzung am 30. Jänner 1902 einen ausführ- 
lichen Bericht. Diesem ist zu entnehmen, dass das 
Comite nach wiederholter Besichtigung der Burg 
Karlstein gefunden habe: 

.4. Für die äußere Erscheinung des Baues 
könne die architektonische Lösung nicht gerade 
als die glücklichste bezeichnet werden. 



B. Die decorative Ausschmückung im Kaiser- 
palast (Palas) mit Rücksicht auf die verschieden- 
artige Bestimmung der einzelnen Räume sei nicht 
im Charakter der noch theilweise erhaltenen deco- 
rativen Überreste durchgeführt. Dasselbe müsse 
auch vom Sockel und den Fensternischen im Stiegen- 
hause des hohen Thurmes, der decorativen Aus- 
schmückung in der Marienkirche und dem anstoßen- 
den Räume gesagt werden. Diese decorativen 
Ausschmückungen seien jedoch von keiner wesent- 
lichen Bedeutung, da sie leicht und ohne große 
Kosten durch stilvolle ersetzt werden können. 

Was den figuralen Theil anbelange, so hat 
das Comite wahrgenommen, das die so wertvollen 
Malereien in der Kreuzkapelle wie auch die Tafel- 
bilder daselbst unberührt geblieben seien. Die in 
dieser Kapelle ausgeführten neuen Vergoldungen, 
insbesondere des Deckengewölbes, können durch 
entsprechendes Abtönen mit den Wandmalereien 
und den Tafelbildern dieser Kapelle ohne Schwie- 
rigkeit und größeren Kostenaufwand zu einem 
harmonischen Gesammteindrucke gebracht werden. 

Auch die Katharinenkapelle sei durchaus 
unberührt geblieben. 

In der Marienkirche sei der größere Theil der 
Wandmalereien übermäßig aufgefrischt, vielfach 
retouchiert und ergänzt worden ; auch sei dieRestau-' 
rierung über jene Grenzen gegangen, welche zur 
Wahrung des Charakters der Bilder hätten einge- 
halten werden sollen. Die interessante architektoni- 
sche Renaissanceumrahmung aus der Rudolfinischen 
Zeit wurde bei den Königsbildern in dieser Kirche 
bedauerlicherweise entfernt. Dadurch kam allerdings 
die ältere gothische Umrahmung zum Vorschein. 

Was von der Überschreitung der Grenzen 
stilvoller Restaurierung bei der Marienkirche ge- 
sagt wurde, gelte auch in Betreff der beiden Le- 
gendencyklen im Stiegenhause des hohen Thurmes. 

Hier müsse bemerkt werden, dass der frühere 
schlechte Bauzustand des Stiegenhauses, welcher 
zur Abtragung ganzer Mauertheile nöthigte, die 
zu weitgehende Restaurierung dieser Cyklen zur 
Folge hatte. Die an dem neuen Deckenverputz 
des Stiegenhauses gemalten Engelsfiguren seien 
derart unzulänglich ausgeführt, dass deren Be- 
seitigung verlangt werden müsse. Dasselbe gelte 
auch von dem neugemalten Wandbilde neben dem 
Eingange zur Kreuzkapelle. 



135 



136 



Die vor der Restaurierung der Bilder in diesem 
Stiegenhause im J. 1888 nach den Originalen daselbst 
nicht sorgiältig genug angefertigten Pausen, und 
ebenso die flüchtigen Farbennotizen reichten zur 
Restaurierung der Bildercyklen nicht aus; aber 
die abgelösten Malereifragmente, welche noch gut 
erhalten und aufbewahrt sind, wären wohl geeignet 
gewesen, um den Ergänzungen als Vorbild zu dienen. 
Jedoch sei die Hoffnung nicht ausgeschlossen, dass 
die in Aussicht genommenen Versuche zur Beseiti- 
gung der Retouchen es ermöglichen dürften, die 
frühere Wirkung der Bilder in dem Stiegenhause 
und in der Marienkirche wenigstens theilweise 
wieder zu gewinnen. 

Xach dieser Darstellung können die in ver- 
schiedenen Zeitungsartikeln veröffentlichten Ur- 
theile und Beschwerden über die bei der Restau- 
rierung der Burg Karlstein vorgekommenen ^längel 

auf ihr richtiges Maß zurückgeführt werden. 

* * 

* 

Zu allgemeiner Information führt die Restau- 
rierungs-Commission sodann die wichtigsten, den 
amtlichen Acten entnommenen retrospectiven 
Daten an: 

Seine Majestät der Kaiser geruhten mit der 
Entschließung vom 18. März 1866 die Ausarbeitung i 
eines Bauprojectes zur Restaurierung der Burg 
Karlstein anzuordnen. 

Zur Ausfuhrung der nothwendigen Aufnahmen 
des Bauzustandes wurde der Architekt Josef Mocker 
mit zwei Gehilfen delegiert ; diese Arbeiten wurden 
auf Grund des Erlasses des Staatsministeriums vom 
7. September 1866 sogleich in Angriff genommen 
und nach dreimonatlicher Arbeit zu Ende geführt. 
Sie haben allseitige und volle Anerkennung der 
C. C. gefunden. 

Mit der Verfassung des Restaurierungsprojectes 
wurde über Vorschlag und durch die Vermittlung 
der C. C. Oberbaurath Fr. Schmidt betraut. Dieses 
unter hervorragender Verwendung und Mitwirkung 
des Architekten Josef Mocker, nachmaligen Prager 
Dombaumeisters, 1869 vollendete Restaurierungs- 
project wurde von der C. C. zur Ausführung wärm- 
stens empfohlen, und der vom 3. September 1870 
datierte Erläuterungsbericht und Kostenvoranschlag 
des Professors Schmidt gutgeheißen. Das Project 
wurde auch vom Landtage des Königreiches Böhmen 
und dem Ministerium des Innern genehmigt. 



Dieses Elaborat (Pläne, erläuternder 
Bericht und Kostenüberschlag) bildete das 
Fundament des ganzen Restaurierungs- 
werkes. 

Mit Ah. Entschließung vom 28. April 1886 ge- 
nehmigte Se. Majestät, dass die Restaurierung 
der Burg Karlstein auf Grund des ScHMroT'schen 
Projectes im Höchstbetrage der auf 10 Jahre zu 
vertheilenden Kosten von 300.000 fl., welche zur 
Hälfte vom Lande, zur Hälfte vom Staate zu 
tragen seien, vorgenommen werde. 

1886 wurde von dem Ministerium des Innern 
im Einvernehmen mit dem Landesausschusse des 
Königreiches Böhmen eine „ Commissi on für die 
Restaurierung der Burg Karlstein" activiert, welche 
über Vorschläge der Bauleitung berathen und vor- 
behaltlich der definitiven Genehmigung des Landes 
und der Regierung Beschlüsse fassen sollte. 

In demselben Jahre wurde die technisch-arti- 
stische Leitung der Restaurierung unter der Ober- 
aufsicht des Oberbaurathes Schjitdt in Wien dem 
Architekten und Dombaumeister Josef Mocker in 
Prag übertragen und laut Erlass des Ministeriums 
des Innern vom 15. Aug-ust 1887 wurde ein Re- 
gnlativ für die mit der Leitung der Restau- 
rierungderBurgKarlstein betrauten Organe 
genehmigt. 

1888 wurden auf Grund der im vorhergegan- 
genen Jahre vorgenommenen Untersuchungen an 
dem alten Bestände der Burg die fiir die Restau- 
rierung bestätigten Entwürfe in Bezug auf die 
architektonische Lösung des oberen Aufbaues des 
hohen Thurmes und der Marienkapelle von Schmidt 
abgeändert und über dessen Wunsch wurde das 
neue Operat noch vor seiner Vorlage an die Restau- 
rierungscommission der C. C. zur Begutachtung 
vorgelegt. Xach diesen Abänderungsplänen ergab 
sich die gegenwärtige Gestalt der Mauerabschlüsse 
und die Form der Dächer. 

Die C. C. sprach sich einhellig für das Abän- 
derungsproject aus und bezeichnete es als groß- 
artig, geradezu befremdend und überraschend. 

1888 \snirden die figuralen Darstellungen im 
Stiegenhause des hohen Thurmes unter Leitung 
des Professors Seqcens gepaust und Farbennotizen 
angefertigt. Bei der Restaurierung der Wandma- 
lereien stand Professor Sequens dem Architekten 
Mocker berathend zur Seite. 



137 



138 



i88g legte Dombaumeister WüCKF.k den vom 
Oberbaurath Schmidt genehmigten Entwurf zu den 
Restaurierungsarbeiten am Ivaiserpalaste vor. Die 
C. C. hat ihre unbedingte Billigung dieses Ent- 
wurfes rückhaltlos ausgesproclien und glaubte 
nur noch beifügen zu können, „dass sie sich der 
Überzeugung hingibt, wenn diese Restaurierung 
in ihrer groiBartigen Auffassung zu Ende geführt 
werde, so sei damit ein Denkmal wiederhergestellt 
oder vielmehr geschaffen, das Zeugnis gebe, wie man 
in unserer Zeit in weitgehendstem Maße und doch 
pietätvoll und schonend großartige Baudenkmale 
zur Ehre des Landes und des Reiches restauriert". 

iSqi starb Oberbaurath FuuumiCH Freiherr 
VON" Schmidt. 

1895 hat die Commission für die Restaurierung 
der Burg Karlstein in ihrer Sitzung am 21. Juni 
über die von dem Dombaumeister Mockek bean- 
tragten Abänderungen des ScHMinT'schen Projectes 
für das Burggrafenhaus berathen und beschlossen: 
dieses Gebäude, anschließend an die alten vorge- 
fundenen Merkmale, sowohl bezüglich des Umfanges 
als auch bezüglich der Bauart wieder herzustellen. 

1896 starb Professor Sequens. 

1897 wurde über Vorschlag des Bauleiters 
Mockek mit Genehmigung des Landes und der 
Regierung die Restaurierung der Wandmalereien 
im Stiegenhause des hohen Thurmes und 1898 die 
Restaurierung der Wandmalereien in der Marien- 
kirche gleichfalls mit Zustimmung jener beiden 
Factoren an akademische Maler übertragen, welche 
bereits bei anderen Aufgaben derselben Stilrich- 
tung thätig waren. 

1899 starb Oberbaurath und Dombaumeister 
Josef Mockek. Da die zur Vollendung noch noth- 
wendigen Arbeiten damals bereits eingeleitet und 
vergeben waren, hielten es der Landesausschuss 
des Königreiches Böhmen und das Ministerium des 
Innern nicht für geboten, einen artistischen Bau- 
leiter nach dem Tode Mockeks zu ernennen, und 
die Durchführung der noch erübrigenden Arbeiten 
wurde dem mit der Bauinspection der Burg Karls- 
tein von allem Anfange an betrauten Baurathe 
Krch übertragen. 

In dem Erläuterungsberichte des Oberbaurathes 
Schmidt vom 3. September 1870 wird angeführt, dass 
das Ministerium des Innern das Princip aufgestellt 
habe: dass die Wiederherstellung der Burg Karls- 



tein in einer stilgerechten Weise und nach einheit- 
lichem Plane vorgenommen und diejenigen Räume 
der Burg, welche noch jetzt ihren künstlerischen 
Schmuck mehr oder weniger bewahrt hätten, einer 
sorgfältigen Restauration mit allen Mitteln der 
Kunst unterzogen werden, dagegen werde eine auch 
die sämmtlichen Wohn- und Nutzräume umfassende 
Restauration im Sinne des ursprünglichen Bestandes 
wenigstens vorläufig nicht angestrebt, da es sich 
nur um die Erhaltung des Bestehenden handle. 

Weiter heißt es in jenem Berichte Schmidts: 
„Einen von den rein baulichen Arbeiten ziemlich 
gesonderten Theil der allgemeinen Restauration 
bildet die Herstellung der Malereien und Decora- 
tionen in den Kapellen. Man könnte diese Aufgabe 
so auffassen, dass nur derartige Ergänzungen vor- 
genommen werden sollten, welche dem Auge kaum 
wahrnehmbar sind und somit eine einfache Con- 
servierung des jetzigen Baustandes herbeiführen 
würden. In dem gegebenen Falle jedoch dürfte 
eine solche scharfe Abgrenzung weder möglich, 
noch überhaupt zulässig sein, da die Conservierung 
gewisser Theile deren Reproduction schon in sich 
schließt. Die vorhandenen Tafelbilder werden aller- 
dings durch technische Mittel zu erhalten und von 
Künstlerhand zu restaurieren sein; anders verhält 
es sich jedoch mit einem großen Theile der Wand- 
decorationen sowie mit den sonstigen noch vor- 
handenen Ausstattungsgegenständen. Hier können 
die nothdürftig erhaltenen Formen nur durch wirk- 
liche Erneuerung einer späteren Zeit überliefert 
werden, da sie an sich selbst irgend welche Be- 
handlung nicht mehr ertragen." Es wird also mit 
kurzen Worten gesagt, dass das ziemlich Wohl- 
erhaltene fleißig restauriert und das dem 
Untergange Nahe ganz erneuert w-erden 
müsse. „Hierbei kann dann wohl nicht daran ge- 
dacht werden, die ehemalige Ausstattung bis in 
ihre äußersten Consequenzen wieder zu erreichen, 
wohl aber wird sich ein harmonisches Ganzes her- 
stellen lassen, in welchem der Beschauer nichts 
vermisst. Eine Herstellung in diesem Sinne wird 
keine enormen Kosten verursachen, sondern nur 
vielen Fleiß und Hingebung vonseiten der mit 
dieser Aufgabe betrauten Künstler erfordern. Auch 
für diesen besonderen Zweig der Restaurations- 
arbeiten würde es dann nothwendig sein, einen mit 
derartigen Ausführungen vertrauten Künstler zu 



139 



i^o 



g-ew-innen, welcher die Leitung- des Ganzen über- 
nehme, um demselben seinen einheitlichen Cha- 
rakter zu bewahren. - 

Nach den Grundsätzen dieses Berichtes, welche 
auch bei den größeren Restaurierungen, namentlich 
in Deutschland und Frankreich, in der damaligen 
Zeit zur Geltung gekommen sind, wurde bei der 
Restaurierung der Burg Karlstein vorgegangen. 

Das Comite ist der Ansicht, dciss, wenn heute 
die Frage der Restaurierung der Burg Karlstein 
actuell werden soUte, man auf Grund der mittler- 
weile gemachten Erfahrungen sicher mit anderen 
Principien und anderen Anschauungen zu einer 
solchen Restaurierung schreiten würde, und es kann 
ang^enommen werden, dass auch die akademischen 
Maler, welche mit der Restaurierung der Wand- 
malereien in der Burg Karlstein betraut waren, bei 
einer anderen principiellen Directive und Leitung 
zu einem günstigeren Resultate gelangt wären. 

Soweit das Communique, das die C. C. hiermit 
reproduciert. Sie sieht sich aber zugleich genöthigt, 
in entschiedener Weise dagegen zu protestieren, 
wenn ihr irgendwie die Schuld an dem Verluste 
eines Theiles des Karlsteiner Bilderbestandes zu- 
geschoben werden soUte, denn ihr wurde weder 
auf den Beginn noch auf die Durchführung der 
Bilderrestaurierung irgendein Einfluss zugestanden. 
Sie erhielt überhaupt erst nach längerem Gange 
der Arbeit Kenntnis davon, weil die Bauleitung 
die von den Malern selbst gewünschte Anrufung 
der C. C. rundweg ablehnte. 

Sie hält es weiter für ihre Pflicht, in einem 
Punkte schon heute für die Zukunft Verwahrung 
einzulegen. Es scheint von Seite der Prager Com- 
mission die Absicht zu bestehen, eines der Karls- 
teiner Bilder abzuwaschen, das heißt alle Retouchen 
und eventuellen Ergänzungen auf neuem Anwiirf 
zu entfernen und so einen Theil der Malerei in 
den vor der Restaurierung befindlichen Zustand 
zu bringen, wobei — wie man hofft — sich ergeben 
müsse, dass die wirklich erhaltenen alten Theile 
unberührt und geschont gebUeben seien. Es braucht 
nicht erst des weiteren ausgeführt zu werden, 
welch gerechtfertigte Bedenken sich sofort der 
Ausfuhrung dieses Planes entgegenstellen. Es wäre 
vorher genau festzustellen, ob solche Abwaschungs- 
versuche nur annähernd Gewissheit für die Wieder- 



erlangung des einst Vorhandenen bieten. Sollte eine 
Abwaschung etwa ohne solche sorgfältige Vorunter- 
suchung beabsichtigt sein, so erhebt die C. C. da- 
geg^en Einsprache: sie will in dieser Berathung 
die gebürende BerücksichtigTing gewahrt sehen. 
HinsichtUch der architektonischen Seite der 
Restaurierung, die im allgemeinen ohne Angabe 
bestimmter Gründe nicht gerade als die glücklichste 
bezeichnet wird, beharrt die C. C. bei ihrer An- 
schauung, dass sie diese Herstellung für entspre- 
chend findet und höchstens den oberen Aufbau 
des Burggrafenhauses bemängeln könnte, der der- 
zeit noch zu sehr den Charakter der Neuheit ver- 
räth und dadurch allerdings etwas schwächlich wirkt, 
mit der Zeit jedoch im Aussehen gewinnen dürfte. 
[Referenten: Lcntz, Neumaxx, Xecwirth] 

In der von der C. C. angeregten commissionellen 
Erhebung über die in Restaurierung befindlichen 
Fresken der St. Johanneskirche zuXeuhausvom 
30. Juni 1 900 wurden laut des nunmehr vorgelegten 
Protokolls die durch den !Maler Melicker vorge- 
nommenen Arbeiten als correct und der Fortsetzung 
würdig anerkannt, ein Programm für letztere festg^e- 
stellt und für die von fignraler und omamentaler 
Malerei entblößten Wandflächen die gleiche Tönung 
verlangt wie am großen Friese des Langschiffes. 

Die Kosten für die Restaurierung des Haupt- 
und Seitenschiffes, für deren Durchführung die 
Commission wärmstens eintrat, wurden mit 5860 Ä' 
beziffert, wozu von den localen Factoren eine ent- 
sprechende Beitragsleistung zu gewärtigen sei. 

Die C. C. wird sich für die Vollendung der 
Arbeiten verwenden. [Referent: Schaeffer] 

In Zadoli wurde ein Fund von ca. 550 Münzen 
gemacht, dessen Vorlage der Besitzer verweigert. 
Darunter sind angeblich Georgsthaler, Goldmünzen 
in der Größe einer Krone und eines Guldenstückes 
mit arabischen Schriftzeichen, einige unter ihnen 
doppelt, vertreten. Xach der Ansicht des Secretärs 
am böhmischen Landesmuseum, Professor Ssiolik, 
handelt es sich um eine vergrabene Münzensamm- 
lung, wodurch die Wichtigkeit des Fundes für die 
Verkehrsg^eschichte entfällt. [Referent: Kenner] 

Dalmatien 
Conser\-atorBL"U(i berichtet, dass für die Loggi a 
in Lesina, die einer baldigen gründlichen Restau- 
rierung bedürfe, seitens der localen Factoren außer 



141 



142 



der von der Gemeinde in Aussicht pfestellten Sub- 
vention von 3000 A' ein Beitrajr nicht zu gewärti- 
^•on sei. Die C. C. beschließt neuerlich, unter Ab- 
l(>hnunj^' der Verantwortung- für ctwaig^en unheil- 
baren Verfall, das Ministerium für Cultus und Unter- 
richt um PiewilliLj'uut;' einer cMitsiircchonden Staats- 
subvention zu bitten. [R('fer(Mit: Neumann] 

Galizien 

Die Conservatoren im westlichen Galizien er- 
bitten für die l-drtsetzung- der seit 1900 in ihrer 
„Conservatorenmappe" begonnenen Inventarisierung 
der westgalizischen Kunst- und historischen 
Denkmale, wofür der galizische Landtag im Jahre 
1901 200Ü A' bewilligt hat, eine Staatssubvention 
von 2QOO A', womit als Fortsetzung des seit 1900 
vorliegenden ersten Bandes einige weitere, im 
Manuscript druckfertige Hefte bestritten werden 
könnten. Die C. C. beschließt, dieses Ansuchen zu 
befürworten. [Referent: Much] 

Da Zeitungsnachrichten den theilweisen Ein- 
sturz und drohenden gänzlichen Zusammenbruch 
der ang-eblich aus dem XI. Jahrhundert stammenden 
ruthenischen Kirche in Halicz melden, beschließt 
die C. C, den berufenen Conservator zur Bericht- 
erstattung aufzufordern. [Referent: Neumann] 

Conservator Tomkowicz berichtet, daß am 
Hause Nr. 21 am Ringplatze in Krakau, das im 
I. Stocke einen ,, Rittersaal'' mit Stuckornamenten 
aus dem XVII. Jahrhunderte birgt, die aus der 
Zeit um 1600 stammenden Arkaden des Hofes und 
die Fenstereinrahmungen mit sculpierten Wappen- 
cartouchen im 1. Stocke darüber demoliert werden 
sollen, um einem Neubau Platz zu machen. Der 
Conservator verlangte bei einer Localcommission ent- 
weder die Erhaltung der Arkaden und Fenster an 
Ort und Stelle, oder deren Aufrichtung am Xeubaue. 
Die C. C. beschließt, die Schritte des Conservators 
zu unterstützen. [Referent: Wächtlkr] 

Kärnten 

Conservator Gkoksser theilt mit, dass die ehe- 
malige .Spitalskirche der 12 Apostel in Friesach, 
die seit 1793 zu einem Theater umgebaut ist, nun 
gänzlich abgerissen werden soll, nachdem ein quadra- 
tischer Thurm an der Nordseite des Presbyteriums 
bereits früher hatte größtentheils weichen müssen. 

Die Kapelle weise folgende Dimensionen auf: 
das Schiff ist ir05;;; lang, 6757;/ breit, (rbo in 



hoch, der Altarraum 9'g5 m Tang, 3-80 ;;/ breit, 
6 m hoch. 

Der Chf)r enthält ein Jochkreuzgewölbe mit 
Rippen und Schlusstein und schließt innen mit 
drei Seiten vom Achteck, außen aber rechteckig. 
Das Schiff deckt ein spätgothisches l'"ächerge- 
wölbe auf Wanddiensten. Fenster und Thürme 
seien sämmtlich modernisiert, am Äußeren der 
kirchliche Charakter gänzlich verwischt. 

Ein anderes profaniertes Gebäude in Friesach 
sei die als Maierstadl dienende Johanneskirche — 
außerhalb des sogenannten Neumarkter Thors, an 
der geringe Reste eines gothi.schen Portals und 
sgraffitoartige Verzierungen der Fenstereinfas- 
sungen, wie solche auch an anderen kärntnerischen 
Bauten aus dem XVI. Jahrhundert vorkommen, 
zu beobachten seien. [Referent: Rosner] 

Conservator Grueber berichtet über die com- 
missionelle Erhebung, welche hinsichtlich der auf- 
gedeckten Malereien zwischen den Rippen der 
Gewölbe des Hauptschiffes in der Kirche zu 
Maria Saal gepflogen wurde. 

Bisher seien nächst dem Triumphbogen drei 
Felder auf der Evangelien-, zwei auf der Epistel- 
seite, mit Rankenwerk und decorativen Füllfiguren 
aufgedeckt worden, deren Zustand zwar zahlreiche 
Abbröckelungen der Mörtelschichte aufweise, aber 
die Umrisse und Farben noch hinlänglich erkennen 
und die Restaurierung der fünf Felder und die 
Aufdeckung der restlichen empfehlenswert er- 
scheinen lasse. 

Die C. C. beschließt, zustimmend die ent- 
sprechenden .Schritte einzuleiten. 

[Referent: Schaeffer] 

Küstenland 

Correspondent Moser berichtet über die Durch- 
forschung des Gräberfeldes bei S. .Servolo. Es 
seien bis jetzt ungefähr 75 Gräber geöffnet worden, 
davon 60 vorgeschichtliche, der Rest römische. 
Die ersten Hegen in einer steilen, ca. 45" ge- 
neigten Böschung unter der nach Ka.stelc führen- 
den Fahrstraße. Durch die neue -Straßenanlage 
wurde in diesem Abhang ein Einschnitt auf eine 
Strecke \'on 300 .Schritten gemacht. In diesem 
Einschnitte befände sich ein alter Steinbruch; 
zu dessen beiden .Seiten und knapp darüber lägen 
diese Gräber, angetleutet durch einen schwarzen 



143 



144 



Streifen von Leichenbrand, der die kleinen, 
schlecht oder gar nicht gebrannten Urnen sammt 
Beigaben enthalte. Die Urnen stünden auf Älergel- 
boden, seien rechts und links durch eine lange 
Sandsteinplatte gestützt, oben durch eine Platte 
gedeckt. Sie enthielten Leichenbrand, mit sehr viel 
kohligen Substanzen und wenig verkohlten Knochen 
gemengt. An Beigaben fanden sich vorzugsweise 
Drahtspiralen, Arm- und Fingerringe, wie auch 
Schlagringe, Fibeln, den Armbrustfibeln ähnlich, 
mit Eisennadeln in verschiedenen Größen, darunter 
auch eine Eisenfibel, eine ganze ungebogene Eisen- 
lanze, eine wie eine Sichel gebogene Eisenlanze 





Anaf.Gr. 



Nuth 




^^ ffbelbruclistück 
aus Eisen 



Eisenfibeln aus dem Gräberfeld S. Ser^■olo. 

und eine zusammengelegte Lanze; ein Gcab ent- 
hielt ein bandförmig zusammengelegtes .Schwert, 
Pferdetrensen aus Eisen, zwei Gräber enthielten 
Kelte aus Eisen und Bronzestücke eines Helmes; 
Ringe von verschiedener Stärke und Größe, meist 
in Bruchstücken, seien die gewöhnlichen Beigaben, 
besonders geformte Anhängsel bei Ohrringen ziem- 
lich häufig gewesen. 

In diese Gräber mitten hinein seien römische 
Gräber geschoben, deren äußeres Aussehen sich 
von jenen nicht unterscheide. Auch diese seien 
durch Steinplatten geschützte Brandgräber mit 
zum Theil zerdrückten Aschenurnen, Bronze- und 
Eisenbeigaben und Thränenfläschchen. Auch eine 
Münze der römischen Republik wurde gefunden. 
Die Gegenstände seien im allgemeinen schlecht 
erhalten, die Urnen verfault, die Bronzen in 



Stücken. — Aus den bisherigen Xachrichten geht 
hervor, dass es sich an der Fundstelle um einen 
ausgedehnten Friedhof handle, der vom Ende der 
Hallstattzeit durch die La Tenezeit hindurch bis 
gegen die Zeit um Christi Geburt benützt wurde. 
Sowohl die Zahl der Gräber als die Zahl der Funde 
ist eine recht bedeutende. [Referent: Müch] 

Mähren 
Der Gemeinderath der Stadt Olmütz theilt mit, 
dass auf der Grundparcelle Xr. 675 in Horkau 
in der Richtung gegen Kirwein durch Organe der 
Stadtgemeinde ein schon im Vorjahre durch Pri- 
vate mit günstigem Erfolge ausgebeutetes vor- 
geschichtliches Gräberfeld untersucht wurde, 
das bisher ausschließlich Aschenurnen in verschie- 
denen Größen und Formen geliefert hat. Die Deck- 
schüsseln seien zwar infolge der geringen Tiefenlage 
von höchstens 60 — 70 cm fast durchgehends zer- 
trümmert, einige kleinere Gefäße hingegen sehr 
gut erhalten. Ein ausführlicher Bericht wird in 
Aussicht gestellt. [Referent: derselbe] 

Xieder-Österreich 

Referent Hermann macht Alittheilung über die 
Resultate der am 21. März 1902 stattgehabten 
Sitzung des Actionscomites für die Regulierung 
des Minoritenplatzes, beziehungsweise Restaurie- 
rung der italienischen Xationalkirche Maria 
Schnee in Wien. 

Zur nothwendigen .Straßenverengung von 20 m 
auf 17 m hatte die Gemeinde Wien bereits unter 
der Bedingung die Bewilligung ertheilt, dass das 
Luntz'sche Restaurierungsproject rücksichtlich der 
Minorifenkirche zur Ausführung gelange, weil die 
darin geplanten Arcaden die Anlage eines eigenen 
Fußgängersteiges entbehrlich mache. 

Das Project selbst wurde hinsichtlich der Süd- 
facade und des Anbaues des Pfarrhauses sowie des 
östlichen Chorneubaues sammt Sitzungszimmer und 
Wohnräumen angenommen ; dagegen die Frage der 
Giebelfenster am südlichen Theile des Thurmbaues 
und der Ausgestaltung der östlichen Giebel wand an 
Professor Luntz zu weiterem .Studium zurückgeleitet. 

Über Antrag desselben Referenten beschließt die 
C. C. sich dafür zu verwenden, dass die an zwei zur 
Demolierung bestimmten Wiener Häusern vorhan- 
denen Sreinsculpturen i. eine mittelalterliche 



145 



146 



SlcinÜLj'ur, den Winter (larstcllcml, und cinu barocke 
(iruppe, Maria mit zwei Hcili^un, am soii-c nannten 
Wintf.Thause, Landskrongasse 3 ; 2. ein<^ Stein- 
cartouche mit Wappen am Hause Tuchkiubeu 24, 
entweder an den zu errichtenden Neubauten wieder 
angfebraclit oder für das städtische Museum er- 
worben werden. 

Über Mittheilung des Referenten Wächtlrr, 
dass die Schäden am Äußern der Karlskirche in 
Wien in besorgniserregender Weise zunehmen, be- 
schliel.it die C. C, neuerlich in eindringlicher Weise 
dem k. k. Ministerium für C'ultus und Unterricht 
die unabweisbare Nothwendigkeit der Restaurierung 
vorzustellen. 

Die k. k. Bezirkshauptmannsehaft Korneuburg 
übermittelt die zu Eggendorf im Thale gefun- 
denen Münzen und theilt mit, dass die mitgefun- 
denen 12 Skelete in einer Tiefe von 20 bis 45 cm 
in einem Räume von ca. 10 m'^ beisammen lagen. 
Die Münzen befanden sich bei einem Skelete. Die 
auffallend geringe Tiefe, in welcher die Skelete 
angetroffen wurden, lässt weder an den ehemaligen 
Bestand eines Friedhofes an der Fundstelle, noch 
an eine Bestattung von Menschen, die einer Seuche 
erlagen, denken, so dass nur die Voraussetzung 
statthaft scheint, dass in einem (refechte gefallene 
Leute hier eilfertig verscharrt worden seien, nach- 
dem sie geplündert worden waren. 

Die bei einem Skelete gefundenen Münzen 
siiul Gröscheln und Kreuzer, also die untersten 
Nominale, theils kaiserlichen, theils tirolischen und 
salzburgischen Gepräges. Letztere scheinen zahl- 
reicher vertreten zu sein. Übrigens lässt die Er- 
haltung der Münzen, abgesehen von dem Überzug 
mit Grünspan, der ihre Bestimmung in dem gegen- 
wärtigen Zustande fast unmöglich macht, erkennen, 
dass sie längere Zeit circuliert haben, bevor sie 
unter die Erde kamen. Dies scheint in der zweiten 
Hälfte des XVIL Jahrhunderts geschehen zu sein. 

[Referent: Kenner] 

Conservator Rössler berichtet, dass in der 
Propsteikirche in Eisgarn durch Beseitigung 
des den Musikchor tragenden gothischen Rippen- 
gewölbes und dessen mittleren Tragpfeilers ein 
Haupteingang durch den Thurm und die .Stirnwand 
der Kirche gewonnen werden soll. Da aber diese 
Theile noch der ersten spätgothischcn Anlage der 



am Ende des XVIIL Jahrhunders stark veräiulerten 
Kirclu» angehören, wiril beantragt, dit- Erinnerung 
daran bei der unvermeidlich gewordenen Her- 
stellung eines Haupteinganges insoferne festzu- 
halten, dass der Tragpfeiler zwar beseitigt, das alte 
gothische Gewölbe aber durch ein anderes, mit 
dem eingebauten oberen Rundbogen übereinstim- 
mendes ersetzt werde. [Referent: Rosnek] 

Correspondent Do.maniü berichtet, dass er den 
in Engelhartstetten gemachten Münzenfund 
untersucht habe, welcher sich durch eine für seine 
Zeit gerade sehr seltene Einförmigkeit auszeichne. 
Das Gros des Fundes bestehe aus polnischen 
Groschen König Sigismunds III (47 Stück) und 
ungarischen Denaren aus der Zeit Kaiser Rudolfs II 
(70 Stück, darunter 34 mehr oder weniger frag- 
mentierte); dazu kämen noch ein halber Thaler 
von Geldern aus dem Jahre 1606 (?), ein Kremnitzer 
Thaler Kaiser Rudolfs II (1602) und endlich ein 
falscher Thaler (Kupfer und versilbert), Nach- 
ahmung eines Thalers von Erzh. Ferdinand von 
Tirol. [Referent: Kennek] 

Conservator Ende berichtet, dass der Gemeinde- 
ausschuss in (iars die Gründung eines Archivs 
und Localmuseums beschlossen habe. 

Er berichtet weiters, dass am Fuße des sog. 
Goldberges in Thunau-Gars drei Skelete und' 
bei einem derselben eine eiserne Lanzenspitze ge- 
funden wurden. [Referent: Much] 

Gegen die an der Pfarrkirche in Groß-Hasel- 
bach beabsichtigten Verputz- und Färbelungsarbei- 
ten erhebt die C. C. keine Einwendung, wenn die 
von ihrem Conservator gestellten Anträge (oben 
Sp. 121) beobachtet werden. [Referent: Rosnek] 

Conservator Ende berichtet, dass die .Sgraffiti 
am AMON'schen Hause in Hörn sich von den 
Parterrefenstern über den ersten Stock bis zu den 
Giebelmauern erstrecken und bis auf eine durch ein 
Geschäftsschild aus Mörtel bedeckte Stelle bloß- 
gelegt werden kr)nnen, dass aber der Eigenthümer 
einer gänzlichen Aufdeckung und Restaurierung 
derzeit nicht geneigt sei. Im Innern des Hauses 
befinde sich ein Zimmer mit stuckiertem Plafond 
in deutscher Renaissance aus den Jahren 1580 
bis i6oo. [Referent: Sch.\effer] 

Die Section XIV. „Traisenthal"' des öster- 
reichischen Touristenclubs macht darauf aufmerk- 

10 



147 



148 



sam, dass die Kreuzwegsäule (Christus am Ölberge) 
an der Bahnübersetzung durch die Mariazeller- 
straße in nächster Nähe Lilienfelds einerseits 
ein Verkehrshindernis bilde, anderseits beständigen 
Beschädigungen ausgesetzt sei und dass es sich 
daher empfehle, dieselbe an einen geeigneteren 
Platz in der Xähe zu versetzen. 

Hiegegen erhebt die C. C. keine Einwendung. 

[Referent: Rosnek] 

AnderPfarrkirche zu Xoulengbach sind um- 
fassende Verputz-, Dachdeckungs- und Färbelungs- 
arbeiten geplant, mit deren Durchführung sich die 
C. C. einverstanden erklärt. [Referent: Rosxer] 

Conservator Rössler berichtet, dass die Xeu- 
pflasterung des Presbyteriums der Pfarrkirche zu 
Waidhof en an der Thaya mit Mosaik in Aussicht 
genommen sei, wobei die sechs im alten Pflaster 
liegenden, schon sehr ausgetretenen Grabplatten des 
X\nil. Jahrhunderts nebst vier besser erhaltenen, 
die sich im Langhause befinden, gehoben und in 
senkrechter Stellung an der südlichen Außenseite 
der Kirche in den Mauersockel eingelassen werden 
sollen. Für den Grabstein des Waidhofener Bürgers 
und Maurermeisters Matthias Fölser, welcher den 
schönen Barockbau in den Jahren 17 16 — 1723 aus- 
führte, wurde ein Platz an den Innenwänden aus- 
findig gemacht. Die C. C. erklärt sich hiermit ein- 
verstanden und empfiehlt, etwaige Grufträume unter 
den Grabsteinen mit Eisenschienen und Ziegeln zu 
überdecken. [Referent: Rosxer] 

Einem Antrage der k. k. Statthalterei auf Be- 
willigung einer Staatssubvention von 1 200 A' für die 
noth wendige bauliche Instandsetzung der Filial- 
kirche in Weißenbach schließt sich die C. C- 
unter der Bedingung an, dass der projectierte 
Thurmbau (vgl. Sp. 122) unterbleibe. 

[Referent: derselbe] 

Ober-Österreich 

Conservator Greil berichtet über die beab- 
sichtigte Restaurierung des schadhaften Fresco- 
gemäldes über dem Hauptportale der Pfarrkirche 
in Hallstatt, mit beachtenswerter Darstellung 
der Kreuztragung und Kreuzigung im Stile der 
WoHLGEMUTH'schen Scliule. [Referent: Schaeffer] 

Gegen die Ausführung des Projectes für den 
Ausbau des Thurmes bei der Pfarrkirche in Maut- 
hausen, welches mit der Architektur der Kirche 



in vollkommenem Einklänge .steht, erhebt die C. C. 
keine Einwendung. [Referent: Hermann] 

Mit dem Projecte für den Ausbau des Thurmes 
bei der Pfarrkirche in Pergkirchen erklärt sich 
die C. C. einverstanden, empfiehlt jedoch eine Ver- 
einfachung der Detailformen, insbesondere die Weg- 
lassung der Zwergsäulchen. [Referent: Hermann] 

Salzburg 

Conservator Berger bericlitet, dass eine com- 
missionelle Untersuchung der gegen die Pferde- 
schwemme beim Neuthor in Salzburgzu gelegenen 
Längshauptmauer folgende Gebrechen festgestellt 
habe: Verwitterung- und theil weise Zerstörung der 
auf der Mauer stehenden zehn Vasen und zwei 
Genien aus feinem Kalkstein; Schadhaftigkeit des 
von den genannten Genien gehaltenen Lorbeer- 
kranzes aus Schmiedeeisen; gänzliche Verrostung 
der aus Schwarzblech bestehenden Abdeckung der 
Mauer; Schäden in Verputz und Färbelung der 
in Fehler eingetheilten Fagade. Sollten an Stelle 
des farbigen Verputzes die einstmals vorhanden 
gewesenen Malereien hippischen Charakters wieder- 
hergestellt werden, dann müssten einige für die 
Beleuchtung des Innern vollkommen entbehrliche 
Fensteröffnungen vermauert werden. 

Die Localcommission beantragt einen Kosten- 
voranschlag für die Herstellung der Vasen, Genien, 
Mauerabdeckung und Herrichtung der Fagade, 
eventuell mit Vermauerung der Fenster, auszu- 
arbeiten unddemk.undk.Reichs-Kriegsministerium 
mit der Bitte um Bewilligimg aller dieser Re- 
staurierungsarbeiten und der hierfür erforderliclien 
Mittel vorzulegen. 

Die C. C. beschließt, diese Angelegenheit beim 
Reichs-Kriegsministerium zu befürworten. 

[Referent: Rosner] 

Steiermark 

Correspondent Low berichtet, dass die Re- 
staurierung der zelm alten Glasgemälde in der 
St. Walpurgiskirche bei St. Michael vollendet 
sei, und nun an die Ergänzung- der zur vollständigen 
Ausfüllung der zwei Schrägfenster des Chores 
fehlenden sechs Tafeln geschritten werden müsse, 
die mit einem Teppichmuster nach vorgelegter 
Skizze verziert und mit den alten figuralen Tafeln in 
der Weise zusammengesetzt werden sollen, dass 
das Nordostfenster oben vier neue Tafeln, unten 



149 



I50 



zwei kluge und zwei thörichte Jungfrauen, das 
Südostfenster oben vier heilige Jungfrauen, in der 
Mitte zwei neue Tafeln und unten die zwei Haupt- 
bilder St. Walpurgis und Abt Heinrich v. Admont 
enthalten würde. 

Die V. (.'. erklärt sich hiermit einverstanden. 
[Referent: Schaeffek] 

Conservator Riedel berichtet über weiter in 
Uran je gemachte Funde von Inschriftsteinfrag- 
menten, von welchen er Abklatsche und Photo- 
graphien vorlegt. Da sich im Landesmuseum zu 
Graz, das die Ausgrabungen finanziell unterstützte, 
bereits zwei aus Uranje stammende Inschriftsteine 
befinden und die Fundstelle zwar für Steiermark 
\nn hohem Interesse ist, mit C'eleja jedoch in 
keinem Zusammenhange steht, bestimmt die C. C, 
dass die mit h. a. Subvention in Uranje gemachten 
Funde, nicht, wie ursprünglich verfügt, an das 
Localmuseum in Cilli, sondern an das Uandes- 
museum in Graz abgegeben werden sollen. 

[Referent: Kexnkr] 

Tirol 

Correspondent Mavr erstattet einige das 
Archivwesen in Tirol und Vorarlberg betreffende 
Nachrichten: 

1. Beim k. k. Hauptsteueramte in Feld- 
k i r ch wurde das Archiv des ehemaligen Johanniter- 
hauses (nachher Benedictinerpriorat) in Feldkirch 
mit mehr als 200 Pergamenturkunden, darunter 
Papsturkunden aus dem XIII. Jahrhunderte und 
Freibriefe der Grafen von Montfort und etwa 1000 
Actenstücken, ferner 

2. das Archiv des ehemaligen Klarissinnen- 
Closters Valdua entdeckt. 

Beide Archive werden derzeit vom \'orarl- 
berger Landesarchivar geordnet und dem Landes- 
archiv in Bregenz einverleibt. 

3. Das Stadtpfarramt Bregenz habe das 
dortige Ivirchenarchiv gegen entsprechenden Revers 
dem Landesarchive zur Aufbewahrung- übergeben. 

4. Das tirolische Oberlandmarschallamt habe 
für das tirolische Adelsmatrikelarchiv ein 
neues Archiviocale geschaffen, das hinsichtlich der 
Feuer- und Einbruchssicherheit, Trockenheit und 
Helle allen modernen Anforderungen entspräche. 

5. Der Magistrat der Stadt Kufstein habe 
beschlossen, für die Beschaffung eines entsprechen- 



den Archiviocales zu sorgen und die nicht um- 
fangreichen städtischen Archivalien durch eine 
geeignete Persönlichkeit ordnen zu lassen, wofür 
der Berichterstatter die Rathschläge gab. 

6. Von kleineren tirolischen Gemeindearchiven 
seien bis jetzt zwölf an das Landesarchiv abge- 
liefert und nach den festgestellten Grundsätzen 
bearbeitet worden; und um auch die übrigen 
Gemeinden zu dem gleichen Schritte zu veran- 
lassen, habe der tirolische Landesausschuss im 
Gemeindeblatt vom 8. März d. J. unter dem Titel 
„Die Regelung des Gemeindearchivwesens in Tirol" 
eine populäre Belehrung an die Interessenten 
herausgegeben. 

7. In letzter Zeit wurde der Correspondent 
auf ein umfangreiches Urkunden- und Actenmaterial 
zur Geschichte von etwa 350 religiösen und chari- 
tativen tirolischen Genossenschaften von 1280 bis 
1820 aufmerksam gemacht, das in großer Gefahr 
.stehe, zugrunde zu gehen, weshalb er mit dessen 
Sicherung beschäftigt sei. [Referent: Redlich] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt gibt bekannt, dass es gegen den Verkauf des 
barocken Hochaltares aus der Pfarrkirche zu Kuens 
keine Einwendung- erhebe. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt gibt bekannt, dass es gegen das Restaurie- 
rungsproject für das Stammschloss Tirol keine 
Einwendung erhebe und hierfür vom Jahre 1903 
angefangen eine auf 5 Jahre gleichmäßig zu ver- 
theilende Subvention von 10.000 K bewillige. Da 
aber die Localcommission einige Änderungen am 
Entwürfe, namentlich hinsichtlich des Verbin- 
dung-sbaues zwischen der oberen Burg und dem 
Palas, für nöthig erklärt habe, wünscht das Mini- 
sterium, dass hierbei im Einvernehmen mit der 
C. C. und ihrem berufenen Conservator vorgegangen 
werde. Die C. C. beschließt darauf zu dringen, dass 
ein von ihr namhaft gemachter fachkundiger Ver- 
treter in das Baucomite aufg-enommen werde. 

[Referent: Rosxeu] 

Conservator Schmölzer berichtet, dass seine 
Anregung, den auf dem Doss Trento gefundenen 
Mosaikboden in einem Gemache des sogenannten 
Castelletto beim Trieijter Dome, der vom Militär 
geräumt wurde, einzulassen, Aussicht auf Ver- 
wirklichung habe. [Referent: Neu.\lann] 



15 r 



152 



Correspondent Melicher erklärt die ang-eblichen 
Fresken desDosso Dossi in der Aula des italienischen 
Gymnasiums zu Trient für abg-estandene, sonach 
ausgebleichte Ölbilder, vielleicht mit Tempera- 
Untermalung, auf Zirbelholz gemalt, dessen harziger 
Bestand die Aufnahme von Feuchtigkeit verhindern 
sollte, das aber wegen der darin vorkommenden 
Astknoten bei einer Restaurierung besondere 
Vorsicht erheische. Die C. C. beschließt, darüber 
weitere Erhebungen zu pflegen. 

[Referent: Schaeffer] 



Sitzungen vom 2. Mai (achte Sitzung der I. Sec- 
tion, neunte Sitzung des Plenums und zehnte 
Sitzung der II. Section). 

Anwesend: der Pkäsidext (zugleich Vorsitzender). 
— Mitglieder: Deininger, v. Förster, Her- 
mann, Kenner, Lüntz, Much, Neumann, Neu wniXH, 
RosNER, Schaeffer, Wächtler. - — Redaction: 
RiEGL. — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Das Barbarakirchlein in Dubitz nächst 
Salesel bei Aussige, das zwar nicht durch seine 
schmucklosen und einfachen Formen, wohl aber 
durch seine Lage im Elbethale weithin eine Zierde 
der Umgebung bildet, läuft Gefahr, dieser seiner 
Wirkung verlustig zu gehen, weil die Gemeinde 
Dubitz den umgebenden Grund zur Errichtung 
eines Gasthauses, dessen Veranda das Kirchlein 
vollständig verdecken würde, zu veräuf3ern beab- 
sichtigt. Der das Patronat ausübende Graf Silva- 
Taroucca hat ihr vergebens zur Schadloshaltung 
mehrfach Grundtausch ang-eboten. Da die Gemeinde 
auch gegen eine Einsprache des Bezirksausschusses 
Aussig den Recurs an den Landesausschuss ein- 
gebracht hat, beschließt die C. C. über Anregung 
des Verbandes zur Hebung der Sommerfrischen in 
Deutschböhmen sich beim Landesausschusse zu 
verwenden, dass derselbe dem Verkaufe des 
Grundes und dem Projecte des Wirtshausbaues 
die Zustimmung versage. [Referent: Neuwirth] 

Correspondent Hilbert berichtet über die Re- 
staurierung der St. Nicolaikirche zu Laun, eines 
im wesentlichen unverändert erhaltenen Baues 
aus der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Die 
seit dem Jahre 1885 im Gange befindlichen Ar- 



beiten haben bis jetzt zu einer Verstärkung des 
größten Theiles der Fundamente, zur Erneuerung 
des Sockels und eines großen Theiles des Bruch- 
steinmauerwerks, endlich zu Ausbesserungen der 
Speng-lerarbeiten geführt, wofür die Stadtgemeinde 
im ganzen 102.000 A' aus Eigenem verausgabt habe. 
Es erübrigen nocli einige Restaurierungen an den 
Facaden, .Strebepfeilern und Fenstermaßwerken, 
sowie am Nord- und Westportal, ferner Verstär- 
kungen der Fundamente der Nordfront, Auswechs- 
lungen im Holzwerk des Dachstuhls und seiner 
Schieferdeckung, ferner in den Dachrinnen. Da 
die Stadtgemeinde den hierfür nöthig erscheinenden 
Betrag von 37.382 A' infolge anderweitiger Noth- 
auslagen nicht mehr aufzubringen vermag, und ihr 
hierfür eine Landessubvention im halben Betrage 
des Erfordernisses in Aussicht gestellt wurde, falls 
der Staat für die andere Hälfte autkommen wolle, 
beschließt die C. C. ein hierauf bezügliclies Gesuch 
wärmstens zu befürworten. [Referent: Luntz] 

Die von Conservator jMüller in einem Be- 
richte über die beabsichtigte Innenrestaurierung 
der Pfarrkirche in M äff er sdorf vorgeschlagene 
x\uffrischung der Malerei wird von der C. C. gegen 
Namhaftmacliung des damit zu betrauenden Künst- 
lers und Vorlage eines Kostenüberschlages ge- 
billigt. Eine fast vollkommene Neubemalung des 
Innern wird dagegen abg-elehnt, und dafür in Er- 
wägung gezogen, wie im Anschlüsse an die Archi- 
tektur eine einfache decorative Bemalung durchzu- 
führen wäre; endlich wird auf eine Erweiterung 
der Kirche im Hinblicke auf die erst vor kurzer 
Zeit ausgeführte Außenrestaurierung-, bei welcher 
diese Frage als keine brennende betrachtet wurde, 
nicht eingegangen. [Referent: Neu\vu-:th] 

Bukowina 

Conservator Polek berichtet, dass die k. k. 
Finanzprocuratur in Czernowitz mit Zustimmung 
des k. k. Finanzministeriums die von der Vernich- 
tung ausgenommenen Acten und Urkunden ihres 
vom Conservator genau durchgesehenen Scart- 
materials an das Bukowiner Landesmuseum abge- 
treten habe. 

Demselben Conservator wird für eine von ihm 
verfasste und vorgelegte Monographie über ,,Das 
armenische Kloster Za.mka'', das, im Jahre 1551 
erbaut, eine Zeitlang .Sitz des armenisclien Biscliofs 



153 



154 



g-ewescMi war, am Anfang-e des XIX. lalu-luindcrts 
<l(>ni Militärärar als Pulver- und Monturmagazin 
LH'diiMit hat und im Jahre 1830 der armenischen 
(icnicinde überj^eben wurde und heute, allerdinjrs 
in ruini'uhaftem Zustand<', hei den Armeniern als 
Wallfahrtsort in hohem Ansehen steht, der Dank 
ausgesprochen. [Referent: Nkumann] 

Dalmatien 

Mit der Ausführung des Hauptgesimses am 
Rectorenpalaste in Ragusa in der beabsichtig- 
ten Wei.se erklärt sich die C. C. einverstanden. 

[Referent: Föksier] 

Conservator BuliC legt eine vf)n ihm verfasste 
Broschüre „II Palazzo di Diocleziano a Spa- 
lato e proprietä dello Stato" vor, in welcher 
er für die Anerkennung des staatlichen Eigen- 
thumcs an diesem gewaltigen Monumentalwerke 
Österreichs und für seine unversehrte Erhaltung 
eintritt. [Referent: Neusianx] 

Ein von der k. k. Statthalterei übermitteltes 
Project für die Restaurierung der Kirche S. Gio- 
\anni Battista in Trau, deren Eajade infolge 
einer in früheren Zeiten mangelhaft durchgeführten 
Vorrückung sich neuestens um etwa 2'6o in stark 
nach vorne gesenkt hat und mit dem Einstürze 
droht, beschränkt sich wesentlich auf die Aus- 
wechslung und Ausbesserung der schadhaften 
Theile und wird von der C. C. im allgemeinen 
gebilligt, dabei wird lediglich der offene Dachstuhl 
einem gründlicheren Studium empfohlen. Um die 
Restaurierung zu ermöglichen, sind 20.000 A' ver- 
anschlagt und, um die eine Vorbedingung dafür bil- 
dende Erwerbung der in profanem Besitze stehen- 
den Kirche durchzuführen, wird die Veräußerung 
d(^r i8g8 abgebrannten und dadurch unlirauclibar 
und baufällig gewordenen St. Spirituskirche vor- 
geschlagen, wogegen die C. C. keine Einwendung 
erhobt. [Referent: Fökstek] 

Galizien 

Conservator To.mkowicz berichtet, dass bei 
(liT Restaurierung der Domkirche auf dem 
Wawel in Krakau die meisten der in ihr befind- 
lichen Grabdenkmale — fast sämmtliche von 
künstlerischem oder historischem Werte — von 
ihrem Platze entfernt werden mussten, und die 
Absicht bestanden habe, alle diejenigen darunter, 
welche nicht Königen, Bischöfen oder sonstigen 



historischen PcrscJulichkeiti'n angehörten, in der 
Kirche überhaupt nicht mehr zu dulden od(;r höch- 
stens in den schlecht beleuchteten Seitenkapellen 
unterzubringen, dass er aber mit Energie und an- 
scheinend auch mit Er)V)lg sich bemüht habe, ihre 
Erhaltung an den alten Plätzen oder tlocli inner- 
halb der Kirche durchzusetzen. 

Kärnten 

Conservator Fkanki, berichtet über die auf- 
fallend zahlreichen Funde antiker Quadern mit und 
ohne Reliefs, die seit einiger Zeit aus der Mies 
gehoben oder in ihrer Nähe bemerkt worden sind. 
In Aichdorf bei Prävali liegt neben der Eingangs- 
thür des Gasthauses Vrantschouknigg ein fragmen- 
tierter Sarkophag ohne Deckel. Der Inschriftrest 
FECERVNT (CIL III 6522) sei heute kaum noch 
kenntlich; links davon sei etwas wie IV, hall) 
verwischt, zu sehen. Nach der Mittheilung des 
Pabrikanten Franz Lakouniüg sind neun bis elf 
zugerichtete Quadern beim Baue einer nahen Holz- 
schleife aus der Mies gezogen und eingemauert 
worden; andere 16 Quadern lagerten nahe der 
Fabrik, einige von ihnen durch Größe und die 
Schönheit des feinkörnigen Marmors ausgezeichnet, 
zum Theil mit Dübellöchern, in deren einem die 
Bleifüllung erhalten war. Ein Stein trägt den Rest 
eines Reliefs (menschlicher Fuß), eine Marmor- 
platte das oben verstümmelte Relief eines Grab- 
mals (Mann und Frau, einander gegenüberstehend). 
Seit 1860 sollen mindestens 50 solcher Steine 
ohne Inschriften aus der Mies herausgeschafft und 
von den umwohnenden Bauern zu Thürschwellen 
verwendet worden sein. Nach der Volksmeinung 
wären die Steinfunde an dieser Stelle der Mies 
daraus zu erklären, dass einst in der Höhe über 
dem rechten Ufer des Flusses ein Schloss gestan- 
den habe, dessen Mauern vom Wasser unterwühlt 
und in die Fluten gestürzt seien. Der Conserv'ator 
stellt Nachforschungen in Aussicht, hebt aber her- 
vor, dass sich der Ausschuss des Kärntnerischen 
Geschichtsvereines bereits wiederholt mit diesen 
Objecten beschäftigt habe. [Referent: Kexner] 

Derselbe Conservator theilt mit, dass in Bayer- 
dorf auf dem Murdunberge zwischen dem 10. und 
15. September igoi bei Sandgrabungen sieben 
Menschenschädel nebst vielen Knochen gefunden, 
jedoch wieder zugedeckt worden seien; auch wollte 



155 



»56 



man von der Auffindung zertrümmerter Thonge- 
fäße und sogar eines Schwertes wissen. Die Unter- 
suchung ergab, dass es sich um die Reste einer 
Massenbestattung aus verhältnismäßig junger Zeit, 
vermuthlich aus dem Pestjahre 17 15, handle. 

[Referent: derselbe] 

Krain 
Die C. C. beschließt, beim Ministerium für 
Cultus und Unterricht eine Subvention von 200 K 
für den zweiten Jahrgang des vom Maler Kokrad 
Grefe herausgegebenen Schul- und .Sammelwerkes 
_Alt-Krain- in Antrag zu bringen, da auch dieser 
Jahrgang die Bestimmung des Werkes, die heimat- 
lichen Kunst- und historischen Denkmale durch 
gute Illustrationen und populär gehaltene Beschrei- 
bungen in weite Kreise zu verbreiten, erfüllt. 

[Referent : Xecmaxx] 

Küstenland 
Die Restaurierung des Hauses Fragiacomo in 
Pirano wurde in entsprechender Weise durchge- 
führt und mit der bewilligten Staatssubvention von 
700 A' bestritten, wogegen der Eigenthümer für 
sich und seine Rechtsnachfolger die Verpflichtung 
übernahm, an dem restaurierten Hause keine ein- 
greifenden Veränderungen ohne Bewilligiang des 
k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vor- 
zunehmen. [Referent: Necmaxx] 

Correspondent Moser berichtet über neue 
Erfolge seiner Ausgrabungen in .S. Servolo. Am 
12. April durchsuchte er eine kohlige Culturschichte, 
in der die Brandgräber der Bronze-Eisenzeit ein- 
gebettetseien. Die Gräber seien aus drei bisfünf .Sand- 
steinplatten gebildet, die beiden seitlichen und die 
Deckplatte seien fast immer vorhanden. Die Urne, 
regelmäßig zerdrückt, enthalte den Leichenbrand, 
Beigaben in Bronze oder Eisen oder selbst gemischt, 
theils in der Urne, meist aber in der Umgebung 
oder an der Seite der Urne oder auch unter der- 
selben. Das ganze Innere des Grabes sei mit Leichen- 
brand und viel Kohlenstaub erfüllt. Unter den Bei- 
gaben seien zumeist Ringe verschiedener Form und 
Größe und Bronzeperlen vertreten, femer Bronze- 
knöpfe in großer Zahl, selten Glasperlen, meist von 
blauer Farbe mit weißen oder gelben Emailpunkt- 
Einlagen ; als Seltenheit eine flache Perle aus 
Kalk.stein, durchlocht und geschliffen. Perlen aus 
gebranntem Thon seien selten, eben.so kleine durch- 



lochte Scheibchen, von Halsbändern herrührend. Ein 
Grab enthielt ein Bruchstück eines Schwertgehänges 
aus Eisenblech mit Bronzenieten, ferner Bruchstücke 
eines Wassereimers. Dieses Grab war länger und 
breiter als die übrigen und enthielt außerdem Bruch- 
stücke von Fibeln, ganze Armbänder und Ringe, 
eigenthümliche Anhängsel, Ohrgehänge, Knöpfe 
von verschiedener Größe und Bruchstücke von 
Bronzeplatten, die im zerstückelten Zustande in das 
Grab hineingelangt sein müssen. Die Gräber seien 
in mehreren Reihen und in verschiedenen Höhen 
{f28 — 2 m) unter dem Grashange angeordnet. Von 
den vier Römergräbern enthielt nur eines die Bei- 
gaben im ganzen Zustande. Alle Gräber waren 
durch ein bis drei Steinplatten, zwischen denen 
etwas Mörtel eingestreut war, gedeckt. Eines ent- 
hielt ein Thränenfläschchen, gewundene Drähte aus 
Eisen, sechs Gefäße (meist Schalen aus verschie- 
denem, mitunter sehr feinem Thon, -alles mit Leichen- 
brand gefüllt), einen Xagel und eine Flaschenurne ; 
nur in der Umgebung des Grabes fanden sich 
Kohlenstückchen. Ein zweites Grab enthielt außer 
einem halbgeschmolzenen Thränenfläschchen eine 
zerdrückte Urne, eine graue Schale, eine lange 
Fibelnadel aus Bronze, ein Thränenfläschchen aus 
blauem Gla,se und ein kleines Bruchstück einer 
Thonlampe. Ein drittes mit drei Platten gedecktes 
Grab enthielt eine Flasche aus Thon, deren ab- 
gebrochener Hals eine andere Lage hatte als der 
Bauch, eine Schale aus grauem Thon, eine Klemm- 
zange aus Bronze, eine gebrochene Muschelschale 
von Myrtilus, eine .Schalenhälfte von Venus (Chione 
Cytherea) und neben der L^rnenzange einen Arm- 
knochen. 

Am 20. April wurden fünf römische Gräber 
in der Richtung von Norden nach -Süden in dem 
Einschnitte der neuen Straße aufgedeckt, alle in 
einer Tiefe von i — 2 m. .Sie zeigten eine deutliche 
Verschiebung der Deckplatten, weshalb auch die 
meisten Gefäße zertrümmert waren. An Beigaben 
fand sich eine unkenntliche Münze. Thränenfläsch- 
chen, mannigfaltig in Größe und Form, eine halbe 
Knochenperle, einem Wirtel vergleichbar, mit der 
Drehscheibe angefertigt, und eine kleine, ebenfalls 
gebrochene Knochenperle mit Reifen im L^mfange. 
Ein kleines Grab war mit drei Deckplatten gut 
gedeckt, enthielt aber eine zerdrückte Thonlampe 
mit einem Amor ohne Marke, ein silbernes Arm- 



157 



J5§ 



baiKl in tünl" liriu-listückt'ii, zwisrhcn den l)(»ck- 
platten eingeklrmmt, welches ebenfalls im I""euer 
^»•cwe.seii und im zor.stückeltcn Zustande zerstreut 
worden war. Es besitze an der Uberscnte drei rippen- 
artig'e iM-lu'ihungi'n, deren mittlere von liu-liartiyen 
ani'inandcrschliel.ienden X'ertiefLingen begleitet sei. 

In der Mitte desStraÜeneinschnittes fanden sich 
fünf Deckplatten, eine stak senkrecht im Boden, 
die zweite besonders dicke dagfegen schief, während 
die drei anderen dazu isclien lagen. Die Urnen und 
Thränenfläschchcn befanden sich am ursprünglichen 
Orte, die beiden Flaschenurnen waren umgestürzt 
und ganz zertrümmert, während die schalenartigen 
Gefä(3e sammt ^]vn^ Leichenbrand gehoben wurden. 

Im allgemeinen seien diese (iräber arm an Bei- 
gaben. Die Bruchstücke großer Amphoren, Ampho- 
renhenkel und großer Deckplatten lassen vermuthen, 
dass hier Nachbeerdigungen stattgefunden haben. 

Am 27. April wurde ein (rrab geöffnet, das von 
zwei Steinplatten so bedeckt war, dass sich die Grab- 
beilagen anstatt in der Mitte im Umfange der Deck- 
platten befanden; ein plattgetlrücktes, im Feuer ge- 
schmolzenes und ein unversehrtes grünes Thränen- 
fläschchen, eine Schale aus rothem Thon in tirei 
Bruchstücken, ein Stück blaues Emailglas und eine 
unkenntliche Münze. Ein zweites Grab enthielt eine 
große flache, zertrümmerte Schale aus rothem Thon, 
darinnen ein graues Schalennäpfchen mit einem 
verkohlten Stammstück, daneben eine zerbrochene 
I'laschenurne aus gelbem Thon, drei Thränen- 
fläschchen mit der Mündung nach abwärts gerichtet, 
eine lange feinpolierte Beinnadel in drei Stücken; 
die Deckplatte stand fast senkrecht neben dem 
Grabe. Ein drittes Grab enthielt Bruchstücke einer 
großen Amphore mit Henkel und einen kreisrunden, 
aus Sandstein gearbeiteten Urnendeckel (?). Ein 
viertes großes Grab enthielt eine große zerdrückte 
Urne (flaschenähnlich), darunter eine feine Tasse, 
zwei Schalen aus rothem Thon, eine feine g-raue 
Schale, ein Bruchstück einer Flasche aus Glas (sehr 
dick), ein Thränenfläschchen und eine Münze. Ober 
diesem Grabe waren zwei Schalen aus schwärzlich 
g-rauem Thon, jedoch ganz in Trümmern. Die g-rauen 
und schwarzen Schalen seien entweder einfach oder 
mit bandartigen Reifen verziert. Ein fünftes Grab 
enthielt Leichenbrand und Thränenfläschchen, ein 
sechstes Leichenbrand und Kohle ohne Beig'aben. 

[Referent: Kknnek] 



Mähren 

Die k. k. Bezirkshauptmannschaft Prerau theilt 
mit, dass die Gemeinde Benov den Beschluss g-e- 
fasst habe, das topographisch und rechtsgeschicht- 
lich iidialtsreiche Amtsregister aus dem Jahre 1562 
(s. Sp. 8 fg.) niclit an das mährische Landesarchiv 
abzugeben, sondern bis auf weiteres in eigener Ver- 
wahrung zu behalten, jedoch dafür Sorg-e zu tragen, 
dass es vor Beschädigungen bewahrt bleibe. Die 
C. ('. nimmt hiervon mit großem Bedauern Kenntnis, 
da derartige conservatorische Beschlüsse kleinerer 
Gemeinden erfahrungsgemäß nicht immer von dem 
beabsichtigten Erfolg- begleitet sind. 

[Referent: Wi.NriiK] 

Nieder-Österrcich 

Die C. C. stellt den Antrag auf (rewährung 
einer Staatssubvention von 200 A' für den v'ierten 
Jahrgangf des vom Maler Konrad Cjkefe heraus- 
gegebenen Sammelwerkes „Alt-Österreich", welches 
den gleichen förderungswürdigen Bestrebungen zu 
dienen bestimmt ist, wie das vorerwähnte (s. Sp. 155) 
Unternehmen desselben Autors ..Alt-Krain". 

[Referent: Neumanx] 

Zur Constatierung des Bauzustandes der Portal- 
bekrönung' des St. Stefansdomes in Wien wurde 
eine Localcommission unter Theilnahme der h. a. 
bauverständig-en Mitglieder und der Vertreter der 
k. k. Statthalterei und des Wiener Magistrates ab- 
gehalten. Hierbei wurden folgende Bauschäden an 
den Eckpartien des, Vorbaues festgestellt: 

a) Die Deckplatten der Löwennischen über 
dem Cordongesimse zeigen durchgehende Risse, 
welche auf der rechten (südlichen) Seite sich in 
das Capital und den Schaft der Säulchen fortsetzen, 
die südliche Deckplatte überdies eine erkennbart; 
Neigung nach außen abwärts; 

b) die Quadern der nördlichen Ecke ober der 
St. Stefansstatue, einschließlich der Abdachung des 
Vorbaues, zeigen auf beiden Seiten eine Trennung 
der Fugen ; ein Abstürzen des schadhaften Materials 
und des durch die Anlage der St. Stefansnische 
bedingten ungenügenden Auflagers wurde bisher 
nur durch eine schwache eiserne Schließe ver- 
hindert, die zudem theilweise verrostet ist. 

Unter diesen Umständen erklärte der Dom- 
baumeister jede Verantwortung für die Gefährdung 
der Passanten während der Dauer des jetzigen 



»59 



i6o 



Zustandes abzulehnen, während sich die Local- 
commission für die sofortige Entfernung der er- 
wähnten beschädigten Bautheile aussprach. 

Es wurde ferner festgestellt, dass die Schichten 
ober der Consolenreihe stark verwittert seien, und 
dass die oberste Deckung nicht allein keinen Schutz 
gegen die Atmosphärilien gewähre, sondern viel- 
mehr bei ihrer nach außen abwärts gehenden 
Neigung eine Gefahr für den Bau wie für die 
Pcissanten bilde, so dass auch in dieser Hinsicht 
eine baldige Abhilfe für nothwendig erklärt wurde. 

Die C. C. beschließt, von diesen Ergebnissen 
die berufenen Factoren in Kenntnis zu setzen. 

[Referent: Rosxer] 

Gegen die beabsichtigte Renovierung des 
Ressel-Denkmals vor dem Gebäude der tech- 
nischen Hochschule in Wien (IV. Bezirk) erhebt 
die C. C. keine Einwendung. [Referent: derselbe] 

Im Presbyteriumder Pfarrkirche zu Deutsch- 
Altenburg sollen erstens die unter den Sohlbänken 
der Presbyteriumfenster umlaufenden, sehr verstüm- 
melten Baldachine auf Grund gesicherter Ansätze 
und Anhaltspunkte wiederhergestellt, im Chor- 
schluss jedoch, wo sie nicht vermauert waren, 
vorläufig durch Pfeileruntermauerungen unterstützt 
werden; zweitens die Bekrönungen der beiden links- 
seitigen segmentförmig geschlossenen Oratorien- 
öifnungen gegen das Presbyterium hergestellt 
werden, von deren zwei Entwürfen die C. C. die 
eintheiligen mit einfacher gerader Bekrönung mit 
einer kleinen Änderung empfiehlt. 

[Referent: Wächtler] 

Conservator Starzer berichtet, dass zwei Altar- 
bilder in der Pfarrkirche in Groß-Weikers- 
dorf vom Kremser Schmidt (St. Johann von Xepo- 
muk) und von Altomonte (St. Georg) dringend der 
Restauration bedürfen, wofür mit gutem Erfolge 
eine Sammlung eingeleitet wurde. Die C. C. be- 
schließt, sich zu verwenden, dass die Restaurie- 
rung in kunstgerechter Weise durchgeführt werde; 

[Referent: Schaeffer] 

Die k. k. Bezirkshauptmannschaft Tulln theilt 
mit, dass auf einem Acker bei Langenschönbichl 
17 menschliche Skelete und ein kleines Messer ge- 
funden wurden. Die C. C. betraut den Referenten 
MüCH mit der Untersuchung der Fundstelle. 

Correspondent Katschthaler berichtet über die 



mit Hilfe der Sparcassa erfolgte Gründung eines 
städtischen Museums in Melk, das in einem Zimmer 
des Stadthauses in schönen Schränken untergebracht 
sei. Es beschränke sich nicht auf das locale Gebiet, 
wiewohl der größere Theil aus der Umgebung Melks 
stamme, und umfasse ebenso Kleider als Geräthe, 
Münzen, Bilder, Urkunden und Ausgrabungsgegen- 
stände. Der Correspondent selbst habe seit einigen 
Jahren im Stifte, zunächst zum Zwecke eines 
historisch - geographischen Cabinets, eine kleine 
Sammlung zur Urgeschichte und römischen Ge- 
schichte angelegt. [Referent: Mlch] 

Mit der Absicht, an der Südseite der Pfarr- 
kirche in Mödling einen neuen Ausgang anzu- 
bringen, die Fundamente des alten Vorbaues an 
dem jetzigen Ausgange aufzudecken und einen 
neuen .stilgerechten Vorbau herzustellen, erklärt 
sich die C. C. einverstanden. [Referent: Llntz] 

Conservator Jordan berichtet, dass bei der 
Anlage einer Straße zu dem projectierten Fried- 
hofe in Stockerau eine im Zuge derselben ge- 
legene Wegsäule aus dem Jahre 1770, die aus 
unbekannten Gründen vom Volke das Viertel- 
stundenkreuz genannt werde, entfernt werden 
müsse. Sie trägt auf einem Pfeiler über quadrati- 
schem Stufensockel, der eine größtentheils mit 
Ölfarbe übertünchte Inschrift enthält, eine Dar- 
stellung der Pietä, und wäre der ferneren Erhaltung 
etwa durch Überführung in die Voranlage des 
neuen Friedhofes wert, womit sich die C. C. ein- 
verstanden erklärt. 

Conservator KtmrrscHEK legt einen Bericht 
über Römergräber in Velm vor (abgedruckt .S. 
103 — 109) und setzt hier ein nicht besonders großes 
Gräberfeld etwa aus dem Anfange des IV. Jahr- 
hunderts n. Chr. vorau.s, zu dem auch Inschrift- 
platten von Brandgräbern des I. Jahrhunderts, 
wahrscheinlich aus der Xähe, als Materialstücke 
verwendet worden seien. Er beantragt Grabungen 
unter Leitung des Correspondenten Xow.\i,ski de 
LiLU. Die C. C. bewilligt eine Subvention von 
200 K. [Referent: Kexxer] 

Conservator Staub berichtet, dass eine aus- 
ländische Antiquitätenfirma sich an den Gemeinde- 
rath der Stadt Wiener-Xeustadt mit der An- 
frage gewendet habe, ob der im städtischen Mu- 
seum verwahrte Corvinusbecher verkäuflich 



i6i 



162 



sei, falls an seinerstatt eine vollkommen g-lciche 
Copie als Ersatz beigestellt würde. Untc^r Hinweis 
auf ein frülifr der Stadtg"emeinde gemachtes Anbot 
von 2ÜO.OOO K erklärte die Firma, dass sie im 
Auftraj^e eines hoohg'estellten Ivunstsammlers unter- 
handle und auch vor einem so hohen Kaufpreis 
nicht zurückschrecke. Dieses Kaufanbot wurde in 
der (Jemeinderathssitziiny am 22. April 1902 nach 
kurzer Debatte einstimmig' abgelehnt. 

Wenn auch kaum zu erwarten war, dass der 
Verkauf des Corvinusbechers infolge seines hohen 
Wertes die nach den gesetzlichen Bestimmungen 
erforderliche Genehmigung der berufenen Behörden 
erlangt hätte, sei doch mit Genugthuung festzu- 
stellen, dass die Hauptmotive dieses einstimmig 
gefassten Beschlusses, mit dem sich der Gemeinde- 
rath selbst geehrt habe, Localj^atriotismus iiiul 
historische Pietät gewesen seien. 

Der Conservator beantragt, dem Bürgermeister 
hiefür den Dank und die Anerkennung mit dem 
Ersuchen auszusprechen, hievon dem (iemeinde- 
rathe Mittheilung zu machen. Der Antrag wird 
zum Beschlüsse erhoben. 

Derselbe Conservator berichtet über die com- 
niissionelle Verhandlung wegen einiger tlurch die 
neue städtische Baulinie nothwendig gewordenen 
Veränderungen an der Kapuzinerrealität in 
Wiener-Neustadt, bestehend aus einer Verkür- 
zung des „Leidensganges" um eine Arkade, Er- 
setzung des Mag"azinsvorbaues durch eine Anlage 
mit vier Verkaufsgewölben und Abschließung des 
Vorhofes durch ein Gitter. Der vorgelegte Plan 
wurde wegen seiner aufdringlichen, an ein modernes 
Zinshaus g-emahnenden Fagadebildung unpassend 
befunden und da außerdem die Entfernung der 
zwischen die Strebepfeiler der gothischen Kirche 
eingebauten Sacristei, Beichtkammern und Fran- 
ciscuskapelle als wünschenswert bezeichnet wurde, 
über Anregung des Conservators beschlossen, den 
Baurath Jordan mit der Verfassung eines Pr<j- 
jectes zu betrauen, welches außer den durch die 
neue Baulinie bedingten Veränderungen auch die 
Beseitigung der vorgenannten Einbauten und die 
Aufführung von Ersatzliauti-n für d\c .Sacristei und 
die Beichtkammern an der .Süilseite der Kirche 
zu berücksichtigen hätte. 

Die C. C. erklärt sich hiemit einverstanden. 

[Referent: Rosner] 



Ober-Österreich 

Conservator Sch.nudei. berichtet, dass der so- 
genannte Getreidestadl beim Neuthor in Steyr 
verkauft und hii'liei die mit allerdings vernach- 
lässigten Sgraffiti eingerahmten h'enster des 
I. .Stockwerkes vergrößert, jene des 2. Stockes 
vermauert werden sollen, wodurch die gegenwärtig 
so charakteristische Fa9ade ihres vornehmsten 
Wirkungsmittels beraubt würde. Die C. C. be- 
schließt, der Stadtgemeinde mitzutheilen, dass vom 
kunsthistorischen Standpunkte der größte Wert 
auf die unveränderte Belassung des Gebäudes 
gelegt werden müsse, und dass die C. C. sich 
daher gegen jede Adaptierung auszusprechen ge- 
zwungen sei, welche, wie die in Rede stehende, 
die architektonische Charakteristik des Gebäudes 
vernichte. [Referent: derselbe] 

Conservator Grku, berichtet über die durch 
die k. k. Fachschule in Ebensee durchgeführte 
Restaurierung des .St. Wolfgangbrunnens in 
.St. Wolfgang. Der Brunnen wurde von dem an 
vielen Theilen desselben in der Stärke von 3 — 4 mm 
und darüber gelagerten Wassersteine sammt der 
darauf befindlichen grauen Schmutzkruste sorg- 
fältig gereinigt, die großen Löcher in der Brunnen- 
schale und im Brunnenfuße mit Metallstückchen , 
ausgefüllt. Die 16 Krabben an dem geschweiften 
Spitzbogen wurden neu hergestellt, wobei sich 
zeigte, dass die Flächen des abwärts gebogenen 
Kreuzblumenstengels seinerzeit mit Krabben ver- 
ziert waren, endlich nebst minder wichtigem auch 
die Kirche in der Hand der St. Wolfgangs-Statue 
theilweise erneut. Die Modelle der Ergänzungen 
wurden in Ebensee, die Gußarbeiten im Atelier 
des Professors Carl Waschmann in Wien ausge- 
führt. Bei der 1 )urchführung der Arbeiten haben sich 
die Ammoniak- und .Sodafabrik in Eben.see und der 
Fachschulwerkmeister Jon ANN Wkrhicr(;kr Verdienste 
erworben, für die ihnen die C. C. ihren Dank au.s- 
zusprechen beschließt. [Referent: derselbe] 

Salzburg 

Conservator P)i;rgi;r berichtet ül)er die Re- 
staurierutigsarlx'iten am Giel)el und der Fayade 
des Domes zu Salzburg, deren .Schäden sich als 
bedeutend größer als ursprünglich angenommen 
erwiesen hätten. Zahlreiche Werkstücke müssen 
durch neue ersetzt, andere, die man bloß über- 

II 



i63 



164 



arbeiten zu sollen glaubte, vollständig- abgearbeitet 
werden, weshalb auch das ganze Hauptgesimse 
unter dem Fronton um 2 ciii und mehr, und in- 
folgedessen selbst die Wandflächen und Archi- 
tekturtheile des Geschosses unter dem Haupt- 
gesimse nachgearbeitet werden mussten. Die den 
Fronton krönenden drei FigTiren (Salvator, Moses, 
Aron) seien gleichfalls abgestockt und überarbeitet 
worden, womit sich der Conservator nicht ganz 
einverstanden erklärt. Die Umrahmung der Uhr 
und die vier Figuren über dem Gesimse des Par- 
terregeschosses wurden lediglich gewa~schen und 
gereinigt. [Referent: Förster] 

Dcus k. k. Justizministerium theilt mit, dass 
das Project für den Bau eines neuen Gerichts- 
gebäudes in Salzburg noch nicht genehmigt sei, 
und dass hiebei das Einvernehmen mit dem be- 
rufenen Conser\'ator gepflogen werden solle. 

[Referent: Rosxer] 

Die k. k. Landesregierung theilt mit, dass 
der Gemeinderath der Landeshauptstadt Salzburg 
den Verkauf des der Gemeinde gehörigen Grund- 
streifens am Rudolfs-Quai, Ecke des ]Mozartplatzes 
bis Parcelle Nr. 38 längs der alten Festungsmauer, 
beschlossen habe, auf welchem unter Zuziehung 
einer anstoßenden, dem Cameralärar gehörigen 
Parcelle ein Neubau aufgeführt werden soll. Da 
hiemit der karge Rest jener alten, kunsthistorisch 
wertvollen und für das Stadtbild Salzburgs charak- 
teristischen Mauer verschwinden würde, hat die 
Landesregierung verfügt, dass der beabsichtigte 
Verkauf nur mit Zustimmung der C. C. und ihres be- 
rufenen Conser\'ators erfolge. [Referent: derselbe] 

Conservator Berger legt gelungene Photo- 
graphien der "Wallfahrtskirche St. Leonhard bei 
Tamsweg vor, wofür dem Einsender gedankt wird. 

[Referent: Neum.vxx] 

Steiermark 
Conservator Graus berichtet über die behufs 
Behebung der Baugebrechen an der Pfarrkirche 
zu Aflenz abgehaltene Localcommission, die als 
dringendst nothwendig die Restaurierung des 
Daches, die Anlage eines Luftcanals längs der 
durch den benachbarten Bergabhang und durch 
winterliche Schneewälle durchfeuchteten Nord- 
wand, die Erneuerung der Sohlbänke von fünf 
Fenstern unter Hinausführung ihrer Außenkanten 



über dieWandflucht hinaus, dervErsatz der Schindel- 
decken der Strebepfeiler durch Hausteinverdachun- 
gen und die Ausbesserung der kleineren Verbrüche 
an den Wasserschlägen derselben erklärt hat. Da 
über die Beitragspflicht zu den Restaurierungs- 
kosten ein Rechtsstreit bestehe, beantragt der 
Conservator die Erwirkung eines Vorschusses von 
9000 A' aus Staatsmitteln, womit sich die C. C. 
einverstanden erklärt. [Referent: Llntz] 

Tirol 
Conservator Walter berichtet, dass das Flügel- 
altarrelief aus der Gschwentnerkapelle bei 
Sillian mit den Darstellungen der Grablegung 
Christi, des Eintritts des Herrn in die Vorhölle 
und seiner Begegnung mit Adam und Eva, dessen 
unrechtmäßigen Verkauf er auf Grund irriger In- 
formationen mit früherem Bericht an die C. C. 
(vgl. oben S. 55) gemeldet hatte, zwar nicht ver- 
äußert, jedoch aus der Kapelle entfernt und von 
dem hiezu nicht berechtigten Anrainer auf seinen 
Hof gebracht worden sei. Er habe sich dafür ver- 
wendet, dass das Relief wieder in die Kapelle 
zurückgebracht und diese selbst zum Schutze des 
Reliefs entsprechend in Stand gehalten werde. 



Sitzung am 9. Mai (elfte Sitzung der II. Section). 
Anwesend: Mitglieder: v. Förster (zugleich Vor- 
sitzender), Deininger, Hermann, Luntz, Nel- 
MAKN, Neuw^rth, Rosxer, W.ächtler. — Rc- 
daction:KuBrrscHEK, RiEGL. — Schriftführer: 
Bauer. 

Böhmen 
Conservator Wiehl berichtet, dass die Frage 
der Führung einer elektrischen Bahn mit Ober- 
leitung über die Karlsbrücke in Prag eine end- 
giltige Lösung noch nicht gefunden habe; die 
Mehrheit der Stadtvertretung und der Bürgerschaft 
verhalte sich ablehnend, und auch die k. k. Statt- 
halterei soll die Belastung durch eine solche An- 
lage bedenklich finden, solange die Brückenpfeiler 
nicht ausgebessert seien. Auch die Frage der elek- 
trischen Beleuchtung steht in Erwägung, da mehrere 
Architekten die Aufforderung zur Vorlage von stil- 
gerechten Entwürfen elektrischer Candelaber er- 
halten haben, ohne ihr gleichwohl Folge zu leisten. 



i65 



i66 



Galizien 

Coiiservator DemkikvivIkwic/ berichtet, dass er, 
um die Grabstätte des Italieners Faustus Socinus 
in Luslawice vor Veränderung'en von einer hiezu 
unberechtigten Seite zu schützen, ein behördhches 
Verbot dagegen erwirkt und die Erwerbung des 
Grundstückes, auf dem sich das Grab befindet, für 
einen öffentlichen Fond eingeleitet habe, die Dank 
der Bewilligung von loo/v durch den Landesaus- 
schuss zu diesem Zwecke demnächst zur That 
werden dürfte. [Referent: Neümann] 

Küstenland 

Conservator Gnirs berichtet über zwei Frag- 
mente eines altchristlichen Mosaikbodens, die am 
26. April auf dem Bauplatze in der Ecke zwischen 
der Via Medolino und der Piazza Verdi in Pola 
aufgefunden wurden. Das kleinere mit Mäander, 
schachbrettartig gemustertem Streifen und Drei- 
eck.sornament scheint zur Bordüre, das andere 
mit Rosetten und verkreuzten Flechtbändern 
zwischen den Zügen eines größeren geradlinigen 
geometrischen Ornaments zum Mittelfelde gehört 
zu haben; das letztere umgab anscheinend eine 
Inschrift mit unvollständig erhaltener Widmung, 
von .SW nach NO orientiert, i'20 in unter dem 
heutigen Niveau der Piazza Verdi. 

In einem auffallenden Gegensatz zu der schönen 
Mosaikarbeit in vier Farben (weiß, schwarz, roth 
und gelb) stehe ihr Unterbau: ein 2 — ^ an starker 
Mörtelestrich, der unmittelbar auf eine primäre 
Terrarossaschichte gebettet liege. A'ermuthlich 
stammen die beiden Mosaikfragmente von einer 
frühchristlichen Kirche außerhalb der Mauern des 
alten Pola. Freilich ließen sich davon keine weite- 
ren Baureste bisher ermitteln ; denn eine in der 
Nähe, hart an und parallel mit der Via Medolino 
hinziehende Mauer und ein kleines Mosaikfeld aus 
groben weißen Kalkwürfeln daneben gehörten 
w<ihl einem anderen Gebäude an. 

Die Mosaiken seien gehoben worden und kämen 
im Museum zu Pola zur Aufstellung. 

[Referent: derselbe] 

Nieder-Österreich 
Conservator Kerschb.\umer berichtet, dass i. die 
römischen Funde aus Hollenburg, bestehend aus 
Urnen, gut erhaltenen kleinen Töpfen, einem Arm- 



ring und Gla.sresten, dem .städtischen Museum in 
Krems überlassen wurden; 

2. bei der im Zuge befindlichen Restaurierung 
der Spitalkirchf! in Krems die Votivbilder ent- 
fernt wurden, um in einer Art Schatzkammer ver- 
einigt zu werden; die außer Gebrauch stehenden 
beiden Seitenaltäre kämen an die flache Wand der 
Epistelseite, wodurch Säulen und Sakramenthäus- 
chen freigelegt würden ; die Rococoaltäre verblieben 
an ihrer Stelle und das alte Rippengewölbe sei 
bereits bloßgelegt; 

3. dass in der ehemaligen Minoritenkirche 
(jetzt Tabakmagazin) zu Stein eine von der all- 
gemeinen Übertun chung frei gebliebene Christus- 
figur an einem Pfeiler gut sichtbar sei, von der 
eine Copie genommen werden solle; 

4. in Stein sich ein Comite zur Errichtung 
eines Denkmals für den Kremser Schmidt ge- 
bildet habe, das unter rühriger Mitwirkung der 
dortigen Künstlercolonie ehe.stens Sammlungen ein- 
leiten werde. [Referent: Rosner] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt ordnet eine Vereinfachung und Reducierung 
des Projectes für die Restaurierung der Stadtpfarr- 
kirche in St. Polten an. 

Correspondent Hager berichtet, dass in der 
Pfarrkirche zu Ravelsbach von Prandauer,' 
deren kühn gespanntes Gewölbe namentlich im 
Presbyterium schöne Stuckarbeiten aufweise, Re- 
staurierungen nothwendig geworden seien, die sich 
hauptsächlich auf die Trockenlegung der nassen 
Wände, Erneuerung der Vergoldung und Marmo- 
rierung, Bemalung der Schiffsgewölbe im Charakter 
der zarten alten Stuckornamentik, ferner auf Re- 
paraturen an dem schadhaft gewordenen Haupt- 
altar aus Stuck und anderen Theilen der Innen- 
einrichtung, jedoch ausnahmslos unter strengster An- 
lehnung an das vorhandene Alte, erstrecken sollen. 

Die C. C. erklärt sich hiemit einverstanden. 

[Referent: Rosner] 

Conservator Staui! berichtet, dass die am 
4. April 1. J. in Angelegenheit der Reconstruc- 
tionsarbeiten an der Wiener-Neustädter Lieb- 
frauenkirche abgehaltene Localcommission be- 
schlossen habe, mit Rücksicht auf das hohe Ge- 
sammterfordernis von 100.000 A' zunächst das ge- 
fahrdrohende Sanctusthürmchen zu erneuern und 
sodann die Gewölbe aller drei Schiffe zu sichern, 

II* 



i67 



i68 



parallel mit der letzteren Vorkehrung- aber auch die 
Arbeiten an Pfeilern, Gurten, Wänden und Ge- 
simsen einzuleiten. [Referent: derselbe] 



Sitzung vom 23. Mai (zwölfte Sitzung der II. 
Section). 

Anwesend: der Pkäsioent (zugleich Vorsitzender). 
— Mitglieder: Deinixger, v. Förster, Ll-xtz, 
v.Luschin,Neumann,Neuwirth, Rosner, ScHÄFFER, 
Wächtler, v. Zitjibusch. — Redaction: Kl- 
BrrscHEK, RiEGL. — Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines 
Correspondent Vanxsa legt eine von ihm ver- 
fasste Broschüre: .Über Landes- und Ortsgeschichte, 
ihren Wert und ihre Aufgaben" vor, wofür dem 
Einsender gedankt wird. [Referent: Neümann] 

Böhmen 

Conservator Wiehl berichtet, dass der Wall- 
thurm der ehemaligen Stadtmauer im Gebäude 
der k. k. Polizeidirection in Prag, der einzige Rest 
der ehemaligen doppelten Umwallung der Altstadt 
aus dem XIII. Jahrhundert, aus Zweckmäßigkeits- 
gründen, deren Stichhältigkeit zu bestreiten sei, 
demoliert werden solle. Er empfiehlt vielmehr die 
Erhaltung und Restaurierung durch Sicherung der 
Fundamente, Aufsetzung eines steilen, mit Holz- 
ziegeln gedeckten Zeltdaches, Versetzung stilge- 
rechter, steinerner Fen.sterleibungen und einige 
kleinere Reparaturen am Äußern und im Innern. 
Die C. C. erklärt sich hiemit einverstanden. 

[Referent: Luntz] 

Der C. C. wird mitgetheilt, dass durch die 
Errichtung eines Gebäudes für ein deutsches Gym- 
nasium in Budweis abermals ein Theil der leider 
nur mehr spärlichen Überreste der alteil BefestigTings- 
werke der Stadt bedroht sei, dass diese zwar keinen 
besonderen kün.stlerischen und wegen zahlreicher 
Veränderungen in neuerer Zeit auch keinen hohen 
historischen Wert besitzen, aber für das durch 
moderne Industrieanlagen ohnehin stark beein- 
trächtigte Stadtbild von Budweis von unersetz- 
licher Bedeutung sind. In Berücksichtigfung dieser 
Umstände be.schließt die C. C, sich zu verwenden, 
dass, wenn irgend möglich, für den Bau des Gym- 
nasiums ein andrer Platz gewählt werde. 

[Referent : Xeuwirth] 



Das Departement für Hochbau im k. k. Mini- 
sterium des Innern billigt im allgemeinen das Project 
für die als dringend nöthig erkannte Restaurierung 
der Decanalkirche in Komotau, empfiehlt aber 
einige constructive Änderungen des Dachstuhles, 
bemängelt den Aufbau des Hauptgiebels, de.ssen 
Silhouette und sonstige architektonische Verhält- 
nisse und Formen im Entwürfe dem früheren Be- 
stände nicht entsprächen, und beantragt, die Ar- 
beiten unter die Leitung und ständige Aufsicht 
eines geeigneten Staat.stechnikers zu .stellen. Die 
C. C. stimmt allen diesen Anregungen zu. 

[Referent: Rosner] 

Dalmatien 
Der C. C. wird ein aus der Pfarrkirche zu 
Lagosta stammendes Gemälde, die Grablegung 
Christi, vorgelegt, das sich als Copie nach einem 
Bilde des alten Palma oder als Werk eines Nach- 
ahmers dieses Meisters verräth, aber infolge viel- 
facher roher Übermalungen den einstigen Bestand 
nur mehr an wenigen Stellen erkennen lässt. Die 
C. C. empfiehlt, das Bild von Übermalungen zu 
befreien. [Referent: Scr.\effer] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und L'nterricht 
ordnet die Flüssigmachung eines Betrages von 
1000 A" für die unbedingt noth wendigen Sicherungs- 
arbeiten an der Loggia in Lesina an. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
verfügt die Flüssigmachung der zweiten Rate der 
für die Restaurierung der St. Domenicokirche 
in Ragusa bewilligten Staatssubvention. 

Conservator Bulic beantragt, die derzeit im 
sogenannten Baptisterium aufbewahrte, mit Reliefs 
geschmückte Holzthür des Domes zu Spalato, 
ein Werk des Buvina aus dem XIII. Jahrhundert, 
zu restaurieren, an das Hauptportal des Domes 
zurückzuversetzen und durch einen Windfang zu 
schützen, die zum Portale führende steinerne Stiege 
aber erst nach Vollendung des Glockenthurms her- 
zustellen. Die C. C. begrüßt diese Anregnngen im 
allgemeinen auf das wärmste, will aber die Restau- 
rierung der Thür, deren Kosten mit 3000 A' veran- 
schlagt sind, auf bloße Sicherung und Befestigung 
loser Theile und unwesentliche Ergänzungen be- 
schränkt wissen und vorher ihre Einsendung nach 
Wien behufs näherer Untersuchung ihres Zustandes 
veranlassen; die vorgelegte Skizze eines Windfanges, 



169 



I7P 



dessen He^rstellunjaf mit 1400 A' \eraiischl;ig-t ist, 
lehnt sie ab und empfiehlt dafür einen anderen, 
vom Referenten Förster herrührenden Entwurf, 
der dem Charakter des Baues in höherem Maße 
Rechnung- trägt. [Referenten: Fürster, Zumhusch] 
Das k. k. Ministerium fürCultus und Unterricht 
verfügt die Flüssig-machung- eines Betrages von 
148 Ä'als Kaufpreis für die im Besitze des Glocken- 
g-ie(3ers Jakob Cukrow in Spalato befindlichen zwei 
mittelalterlichen Glocken und "ihre Übernahme ins 
archäolog-ische Museum in Spalato. 

Krain 

Das k. k. Ministerium fürCultus und Unterricht 
.stellt für die Restaurierung der Filialkirche 
in Gostece eine Staatssubvention im Höchstbetrage 
eines Drittels der Gesammtkosten von rund 3400 Ä' 
in Aussicht, wenn die Aufbringung des Kosten- 
restes vollständig gesichert erscheint. 

Küstenland 

Correspondent ]\Ielicher berichtet, dass die 
Fresken in der St. Antoniuskapelle zu Barbano 
erhalten bleiben können, wenn das Gebäude trocken- 
gelegt und die Dachsteinplatten gründlich umgelegft 
und verkittet würden, iind empfiehlt ferner, den 
derzeit als Rumpelkammer dienenden Kapellenraum 
von Anschüttungen zu säubern und eine entspre- 
chende Kanalisierung um die Kapelle durchzuführen. 
Von den Malereien wären die besser erhaltenen 
durch Fixierung zu conservieren und mit Farb- 
austupfen zu vervollkommnen, die schlechter er- 
haltenen gleichfalls zu fixieren und in den Umrissen 
nach Möglichkeit zu verstärken; die ausgefallenen 
Malgrundflächen wären zu verkitten. Die Kosten 
werden auf 6200 A' beziffert. Die C. C. beschließt, 
sich vor allem wegen der baulichen Herstellungen 
im Sinne dieses Gutachtens zu verwenden. 

[Referent: Schäffer] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
bewilligt für die Herstellung des Dachstuhles des 
Tabors in Lokve (Corguale) eine Subvention von 
1000 K unter der Voraussetzung, dass der Rest 
des Erfordernisses anderweitig aufgebracht und die 
Arbeiten in stetem Einvernehmen mit dem beru- 
fenen Conservator durchgeführt werden. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
bewilligt zur Restaurierung der Pfarrkirche in 
Eussin Grande eine Subvention von 800 A' unter 



der Bedingung, dass der Rest der erforderlichen 
Mittel durch die localen Factoren aufgebracht 
werde. 

Das k. u. k. Reichs-Kriegsministerium gibt 
bekannt, dass die Epheuranken am Hauptportale 
der als Frucht- und Mehlspeicher verwendeten 
Exkirche St. Francesco in Pola im Einver- 
nehmen mit dem berufenen Conservator entfernt 
worden sind. 

Nieder-C^sterreich 

Das k. k. Ministerium fürCultus und Unterricht 
anerkennt die Nothwendigkeit einer umfassenden 
und gründlichen Restaurierung der Pfarrkirche 
zu St. Karl in Wien (IV. Bezirk), will aber diese 
Action bis zur Umgestaltung des Platzes vor der 
Kirche und den hiemit verbundenen Veränderungen 
verschoben wissen, da die Kirche während dieser 
Arbeiten durch Staubentwickelung und andere Um- 
stände Schaden leiden könne. Inzwischen wären 
die vom Baudepartement der k. k. Statthalterei als 
vor allem nothwendig bezeichneten, mit 10.510 K 
veranschlagten Herstellungen (Steinzeugrohrleitung 
und kupferne Stehröhren) sowie solche Arbeiten, 
die aus Sicherheitsrücksichten oder zur Hintan- 
haltung weiterer Schäden sich als unaufschieblich 
ergäben, ohne Verzug in Angriff zu nehmen. 

Der Magistrat der Stadt Wien theilt mit, dass 
der Stadtrath für die Renovierung des Ressel- 
denkmals im Technikerpark einen Betrag von 
2600 A' bewilligt und die Reinigung des Denkmals 
dem Bildhauer Gustav Jahn übertragen habe. 

Conservator Endl berichtet, dass die Außen- 
fajade der im Jahre 1658 — 1662 erbauten Piaristen- 
kirche in Hörn neu gefärbelt werden soll. Die 
C. C. wünscht, dass von einer solchen Färbelung 
Umgang genommen, die vorhandene Färbelung 
abgeschert und der alte Putz des XVII. Jahrhunderts 
wieder hergestellt werde. [Referent: Wächtler] 

Derselbe Conservator beantragt, dass an dem 
mit .Sgraffiti bemalten Bezirksgerichtsgebäude 
in Hörn ein stilgerechtes Portal angebracht, an 
der linken Erdgeschosseite unterhalb der Figuren 
eine auf die Restaurierung der Fa9ade bezügliche 
Inschrift in stilentsprechenden Buchstaben, endlich 
die unter der Tünche gefundene Hausmarke inner- 
halb einer alten Cartouche conserviert werden solle. 
Die C. C. erklärt sich hiemit einverstanden und 
beschließt, Erhebungen zu pflegen, ob ein (vor- 



171 



172 



handenes) Steinportal aus dem XVI. Jahrhunderte 
Tür diesen Zweck noch zur Verfütfung stehe. 

[Referent: derselbe] 

Conservator Stax.-b legt das Project für die 
Restaurierung- der Pfarrkirche in Kirchschlag 
am Walde vor, das die Reconstruction des Thurm- 
helmes, den Ausbau der Thurmkapelle im ersten 
Geschosse, die Wiederherstellung der alten Orgel- 
bühne, die gründliche Reinigung, die Absteckung 
der innen und theilweise auch außen an den Stein- 
mauern angebrachten Kalktünche und Ausbesserung 
der schadhaften architektonischen und ornamentalen 
Details umfasst. Die C. C. erklärt sich hiemit ein- 
verstanden und beschließt, lediglich Erhebungen zu 
pflegen, ob die im Plane erscheinende Form der 
Dachbodenfenster die alte sei, ob das Sockelgesimse 
an der Xordfront in vielfach gebrochener Linie auf 
dem alten Bestände beruhe, und ob es nicht zweck- 
mäßiger sei, das Treppenhausthürmchen höher über 
das Dach aufzuführen. [Referent: Rosner] 

Der Geselligkeits- und Verschönerungsverein 
„Die Linde" in Kritzendorf theilt mit, dass er 
eine Renovierung der sogenannten Türkenkreuze 
dortselbst in Angriff genommen habe, von denen 
die drei an der Straße stehenden (eines wurde Ende 
der achtziger Jahre wegen derStraßenerweiterung ab- 
gebrochen) von den Dorfrichtern Jakob Zeitlhurber 
und Masswtnkxer in Kritzendorf und von Karl 
ScHöXBERGER aus Klostemeuburg im Jahre 1678, 
das vierte auf einem Hügel nahe dem Walde von 
den Dorfrichtern von Kritzendorf im Jahre 1675 
aus Dank für die glückliche Abwendung der Heu- 
schreckenplag-e, des Reifes und Hagelschlagfes er- 
richtet worden seien. [Referent: Xeumann] 

Für die Restaurierung des Reckthurmes in 
Wiener-Neustadt und der angrenzenden Mauer- 
theile wurde nach der seinerzeit vom Referenten 
entworfenen Skizze durch Conservator Jordan ein 
Detailproject au,sgearbeitet, das nach den seitens 
des berufenen Conservators Staub gegebenen Direc- 
tiven den Stand des XV. Jahrhunderts (1487) wieder- 
herstellen soll, indem dort, wo die Anhaltspunkte 
an dem Bauwerke selbst fehlen, andere gleich- 
zeitige Wehrbauten der Stadt als Vorbilder heran- 
g-ezogen werden. Da nun dieses Project vom Ge- 
meinderathe genehmigt und seine Durchführung 
eingeleitet wurde, nimmt die C. C. hievon mit leb- 
hafter Befriedigung Kenntnis und beschließt, dem 



Gemeinderathe für die damit bewiesene Pietät den 
Dank, und dem Conservator Staub für seine großen 
Verdienste um den Verlauf und erfolgreichen Ab- 
schluss dieser Angelegenheit den Dank und die 
Anerkennung auszusprechen. [Referent: Lint/] 

Oberösterreich 

Correspondent Melicher hat die Malereien, die 
in dem (aus dem Achteck gebildeten) Altarraume 
des rechten Seitenschiffes der Pfarrkirche zu Lorch 
entdeckt worden sind, untersucht. Die durch den 
Spitzbogen der Deckenconstruction gesäumte linke 
Wand ist durchaus mit Malereien des XIV. oder 
XV., vielleicht sogar des XIII. Jh. bedeckt. Leider 
sind die Contouren der Figuren g-roßentheils abge- 
sprungen und verblasst. 

Die Malerei läuft in fünf Reihen über dem 
Sockel dahin; über der obersten Reihe sei ein 
einfach g^ebog^ener Abschluss in Bandornament zu 
sehen. Die unterste Reihe der Gemälde zeige, 
soweit sie bisher freigelegt sei, 17 weibliche Ge- 
stalten mit Nimbus, die alle einem Nimbus neben 
der Dienstconsole zustreben; die zweite Reihe 
verschiedene Heilige, darunter einen anscheinend 
nackten, mit Bischofsmütze und Schwert und einen 
anderen, der einem Thurme zuschreite und die auf 
ihn gerichtete Armbrust eines Schützen segne 
oder abwehre, auch ein Martyrium und ein Urtheil 
Salomons; die dritte Magdalena mit Christus und 
mehrere Heilige. In der vierten scheine unter 
anderem auch Petrus zu stehen. Mehrere .Spruch- 
bänder dieser Wandfläche seien vorläufig bis auf 
einzelne Worte unlesbar. 

Die mittlere Wand trage ein mit einem rothen 
Band umsäumtes Gemälde und links davon kleine 
Donatt)ren, über diesen große Wappen. 

Der Chorabschluss des linken Seitenschiffes 
sei durch einen sogenannten Triumphbogen abge- 
grenzt. Auch dieser Triumphbogen sei außen be- 
malt (XIV. bis XV. Jahrhundert) mit stufenartigem 
Abschluss nach unten und Arkaden für einzelne 
Figuren nach oben; man erkenne unter anderem 
einen knieenden Donator, eine Heilige mit einer 
Tasse, eine Heilige mit einem Rad, einen knieen- 
den Mann (Johannes den Täufer? Joseph?) und 
eine thronende Figur (Weltenrichter). 

Der Berichterstatter empfiehlt die Bloßlegung 
und Restaurierung der Gemälde und veranschlagt 



173 



174 



die Kosten ;iut" 3200 A'. l'^iii frinsti-liendes I5ild 
bt'iin Hochaltar, das Martyrium des hl. Laurentius, 
gczcirhni't '('. \V. Dali.incjkr f., an. 1715', sollte 
gleichzeitig" restauriert werden. Die C. C leitet im 
Sinne dieses Gutachtens Schritte ein. 

[Referent; Schaeffkk] 




Steiermark 

Conservator Lacher berichtet, dass während 
seiner vorjährigen Abwesenheit von Graz der 
Glockenthurm auf dem Schlossberge vom Jahre 
1588 in nicht entsprechender Weise restauriert 
wurde, indem statt einer Erneuerung des Mörtel- 
verputzes unter gleichzeitiger Wiederherstellung 
der Sgraffitigliederungen und Ausbesserung der 
Steingesimse mit dem gleichen Materiale der 
Mörtelverputz heruntergeschlagen und vermauert, 
mittels Spritzbewurfes neue plastische Quadern 



hergestellt, die umlaufenden Gurte zwischen dem 
dritten und vierten .Stock ebenfalls mit rauhem 
Mörtel beworfen und behufs crasserer Wirkung 
gegenüber den Wandflächen obendrein dunkler 
gefärbt worden seien, durch welche rohen und 
aufdringlichen Details der vornehme Charakter des 

Thurmes verloren gegangen sei. Die C. C. 

nimmt hievon mit Bedauern Kenntnis. 

[Referent : W.ächtlek] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und 
Unterricht gibt bekannt, dass es für die 
Restaurierung und Wiederaufstellung der 
von dem Bildhauer Johann Jakob .Schoy 
herrührenden Figurengruppe des hl. Nepo- 
muk in Karlau zu Graz nur unter der 
Voraussetzung eine Subvention gewähren 
könne, wenn der größere Teil der hiezu er- 
forderlichen Mittel durch die localen Fac- 
toren aufgebracht werde. 

Das k. k. Ministerium für (Jultus und 
Unterricht bewilligt für die Bestreitung der 
Kosten, welche durch Übertragfung der von 
der Pfarrkirche zu Maria am Waasen in 
Leoben stammenden Fresken in das städti- 
sche Museum verursacht worden waren, eine 
Subvention im Betrage von 150 A'. 

Tirol 

Conservator Campi erhebt gegen die Über- 
lassung des zweiten Stockwerkes des Palazzo 
assessorile an die Gemeinde Cles keine 
Einwendung, wenn die bezüglichen Räumlich- 
keiten nur als Municipalsitz (namentlich nicht 
zu Schulzwecken oder als Privatwohnungen) 
benützt würden, die Besichtigung der Fre.sken 
jederzeit für jedermann offengehalten und 
keine Adaptierung oder sonstige bauliche 
Veränderungen ohne Genehmigung der C. C. vor- 
genommen würden. [Referent: Rosnkr] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
bewilligt für die Restaurierung der Fresken in der 
Silvesterkapelle auf der Winnebacheralpe durch 
den Maler Sibkr eine Subvention im Betrage von 
1700 A' unter der Voraussetzung, dass die noch 
weiters erforderlichen Mittel seitens der localen 
Factoren gedeckt werden. 



175 



176 



Sitzungen am 30. Mai (neunte Sitzung- der 
I. Section, zehnte Sitzung des Plenums, drei- 
zehnte Sitzung der II. Section). 

Anwesend: Mitglieder: Kenner (zugleich Vor- 
sitzender). — Deininger, V. Förster, Hermann, 
LuNTz, Neüsiann, Neüwirth, Redlich, Rosxf.k, 
Wächtler. — Redaction: Kvtbitschek, Riegl. 
— Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 

gibt herab ein Exemplar des Jahresberichtes 

per 1900 des „Comite de conservation des monu- 

ments de l'art Arabe". [Referent: Xelmann] 

Böhmen 

Dask. k. Ministerium für Cultus u. Unterricht be- 
willigt dem Musealvereine ,,Vcela Cäslavskä" in 
Cäslau für das J. 1902 eine Subvention von 100 K. 

Die Historische Section des Kaiser Franz Josef- 
Gewerbemuseums in Chrudim theilt mit, dass die 
Restaurierung der dortigen 1850 abgebrannten, aus 
1536 stammenden Katharinenkirche aus Mangel 
an Mitteln nicht vollendet werden könne und auf die 
nothwendigsten Reparaturen und den Xeubau des 
Glockenthurmes beschränkt worden sei. Xun wolle 
man das bereits schadhafte Xothdach der Kirche durch 
ein stilgerechtes würdiges Dach ersetzen, und seitens 
der localen Factoren seien namhafte Beträge zurA'er- 
fügung gestellt worden. Das Comite habe die Ab- 
sicht, die ursprüngliche Form der Bedachung getreu 
herzustellen. Die vorgelegten Pläne beschließt die 
C. C. zu genehmigen. [Referent: Lvntz] 

Conservater Schneider legt den 2. Theil seiner 
Abhandlung über Kupfer beile im Bezirke K ö n ig- 
grätz vor. Veranlasst wurde sie durch das Vorkom- 
men von kupfernen Doppelbeilen mit über Kreuz ge- 
stellten Schneiden und von anderen kupfernen Werk- 
zeugen im Typus der ungarischen Beile, deren reich- 
stes Fundgebiet im heutigen Ungarn liegt, sowie 
durch die sehr zahlreichen Funde von Goldgewinden 
in Böhmen, die nach der Ansicht des Referenten 
gleich den Kupfersachen auf dem Handelswege aus 
Ungarn nach Böhmen gelangt sind. Diesen Weg 
sucht der Verfasser festzustellen. Der Referent lehnt 
die Herkunft der bezeichneten Gegenstände aus 
Ungarn nicht ab, ist aber nicht davon überzeugt, 
dass der so ermittelte Weg der wahre sein müsse, 
da die angeführten zahlreichen Fundorte in weiten. 



schon in vorgeschichtlicher Zeit dicht besiedelten 
Wohngebieten liegen, also nicht gerade die wirk- 
liche Linie des fraglichen Weges bezeichnen müssen. 

[Referent: Mlch] 

Conservator RicuLt berichtet, dass er am 
linken Ufer der Luschnitz bei der Bahnstation 
Pilaf (südlich von Wittingau) ein frei im ange- 
schwemmten Sande zutage liegendes, kleines, voll- 
kommen erhaltenes Feuerstein messer gefunden 
habe (3' 5 cm lang, i;,ciii breit; vgl. Much, Kunst- 
historischer Atlas, Tafel V Abb. 21); dieses bilde 
einen neuerlichen Zeugen für die Richtung des 
schon in neolithischer Zeit bestandenen Homer- 
steiges (diese Mitth. X'. F. XXVI 53), welcher 
von Eibenstein über Holicky, Lomnitz, Vesely a. W. 
nach dem Rayon des Volkes der jüngeren Stein- 
zeit in Böhmen führte. [Referent: Mich] 

Conservator Richly, durch Zeitungsnotizen auf 
prähistorische Gräber mit Bronzefunden bei dem 
Orte Skalic aufmerksam gemacht, hat sie besichtigt. 
Skalic befinde sich in stark coupiertem, von der 
Luschnitz tief durchfurchtem Terrain in dominieren- 
der Höhenlage (395»») am linken Ufer des träge 
dahinschleichenden Flusses. Etwa eine halbe Weg- 
stunde westlich vom Orte, in einem dem Grund- 
besitzer Brockal gehörigen Kieferwalde erheben 
sich auf dem weit verbreiteten Hochplateau (453»«) 
drei Hügelgräber. Das Skalic zunächst gelegene 
ist in Form einer Ellipse (30X20 Schritte, i-5»m 
hoch) aufgebaut. In Entfernungen von je 10 Schritten 
liegt eine unbedeutende kreisrunde Aufschüttung 
und ein Tumulus von beiläufig 10 Schritten Durch- 
messer und 50 cm Höhe. In dem großen Grab- 
hügel wurde gelegentlich durch den Grundbesitzer 
Broukal etwa 10 Schritte vom Fußpunkte ein 
zerbrochenes Bronzegefäß zwischen zwei Urnen 
aus Thon gefunden. Von diesem Funde sei das 
städtische Museum in Tabor in Kenntnis gesetzt 
worden; die dortige Museumsverwaltung habe auf 
diese Anregung hin das Hügelgrab angekauft und 
die Abgrabung fortgesetzt. Der Berichterstatter fand 
etwa V3 des Grabhügels abgedeckt und erfuhr, dass 
noch eine dritte, sehr große Urne, ein hohler Bronze- 
ring, 10 c"Hi im Durchmesser, und ein ^^J" förmiger 
Ring gefunden worden seien. Die Fundstücke sollen 
sich im Museum der Stadt Tabor und Sobeslau be- 
finden. Das Material dieses Hügels sei grober, in 
der nächsten Umgebung nicht vorkommender Thon. 



177 



178 



Es sei g'ewiss, dass es sich hier um oincMi sehr alten 
(Hallstatt — I>a Tene?) Grabhügel IkuuIIo, wio 
aus den /ahlrcichen , beim ScliuUcitcr in Si-ialic 
erlieg'eiuli'u — minimalen uiul nicht ornamen- 
tierten — ^raphitartig' ii-länzenden ( ietaüscherben 
und auch nach den anderen I'undstücken voraus- 
zusetzen sei. Wir kennen bis zur Stunde in dieser 
Geg'end g"cgen den vSüden und die Donau keinen 
vorg-eschobeneren prähistorischen Tumulus als diese 
Hügelgräber von Skalic. Nördlich von ihnen be- 
g-egne man dem bezeichnenden Namen Tfebiät, 
nordwestlich den Hügelgräbern \'on Zelec (Arch. 
Pamätky X\'1I 30g — ^12), südlich der Wallburg 
Sväkov. [Referent: Mut h] 

Conservator Richi.v berichtet: 200 Schritte von 
Popelin (Station der Transversalbahn Neuhaus — 
Vesely — Iglau), an einer heute mit Jungwald, früher 
mit alten Räumen bestandenen Stelle sei ein Münz- 
fund zutag^e gefördert worden. Er war in einem 
gToöen, inTuch oder Leinwand gehüllten Thong-etaße 
geborgen und enthielt etwa 50 böhmische Groschen, 
soweit nach den stark abgenützten Stücken ge- 
.schlossen werden konnte, Karls IV (1346 — 1378), 
und annähernd 3000 — 4000 kleine schlechte öster- 
reichische und schwäbische Münzen (Schinderlinge, 
habrtinky, cernä miiice), wie sie Kaiser Friedrich IH 
(1440 — 1493) prägte (Feingehalt o'o625 — 0-157; ''ie 
besten Stücke o'2 3o.) Genauere Daten zu erbringen 
sei nicht g^elungen, da der vom Conservator eruierte 
Finder den ihm zugefallenen Löwenantheil zu 
zeigen sich weigere. Doch sei Hoffnung' vor- 
handen, dass es den Bemühungen des Schulleiters 
Franz Lego gelingen werde, das stark beschädigte 
Thongefäß sammt Hülle nebst einem Sortiment 
von Münzen für das Museum der Stadt Neuhaus 
zu erwerben. [Referent: Kenner] 

Bukowina 

Correspondent Kaindi, berichtet üljer den An- 
trag, den er im Landesmuseumsvereine gestellt 
habe, dieser möge das Czernowitzer Museum zu 
einem Rukow inaer Landesmuseum und Landes- 
archiv erweitern und beim P>aue des neuen Museal- 
gebäudes für die Herstellung feuerfester Archiv- 
räume Sorge trag"en. .Sein Antrag sei angenommen 
worden. [Referent: Winiicr] 

Er berichtet weiters, dass der .Schulleiter 
Johann Danu^kwu/ in Bila(am Pruthflusse, westlich 



von Czernowitz) in den letzten vier Wochen 5 1 ge- 
schlagene Stein Werkzeuge gesammelt habe. Sie 
rührten zum überwiegenden Theile aus dem Allu- 
vium des Bilaflus.ses her, theils aus dem Walde, den er 
durchfließe. Diese dem Czernowitzer Museum übcr- 
gebenc .Sammlung umfasse Pfeilspitzen, Messer- 
klingen untl Scherben, und zwar fast durchaus aus 
Feuerstein, durch welche Funde die Bukowina 
überhaupt ausgezeichnet sei. Die meisten Objecte 
seien wohl Abfallstücke, so dass man nicht an Funde 
einzelner in Verlust gerathener Werkzeuge zu 
denken brauche, vielmehr hier eine vorgeschicht- 
liche .Siedelstätte vermuthen dürfe, in welcher die 
Geräthe hergestellt worden seien. Darauf deute 
auch die große Zahl der in kurzer Zeit ohne be- 
sondere Nachforschung aufgefundenen Stücke. Das 
längste .Stück der Sammlung, vielleicht eine un- 
vollendete oder mis.sglückte Lanzenspitze, messe 
13 cm. [Referent: Much] 

Galizien 

Conservator Graf Dzn;nuszYCKi berichtet über 
den Bauzustand der griechisch-unierten Kirche in 
Halicz, eines byzantinischen Rundbaues mit 
Narthex, welcher in mancher Hinsicht an alte 
Kirchen Kleinasiens und Armeniens erinnere. Die 
.Sage, die Kirche sei in der zweiten Hälfte des 
XII. Jh. vom Herzoge Jaroslav Osmiozmysl erbaut 
worden und die Krönungskirche der galizischen 
Könige gewesen, entspreche nicht der That.sache, 
denn die wenigen galizischen oder westrussischen 
Kirchen aus dem XII. Jh. seien alle aus Quader- 
stein und im romanischen Stil gebaut, die Haliczer 
Kirche dagegen trage byzantinisch-asiatisches Ge- 
präge und sei ein schlechter Backsteinbau mit 
Fundamenten aus Geröll. Da überdies die rutheni- 
schen Backsteinbauten bis in die Mitte des XVI. Jh. 
gothisch seien und der vorderasiatische, früher 
nur armenischen Kirchen eigene Stil erst später 
bei sorg"fältiger ausgeführten (xebäuden, mit Re- 
naissancemotiven stark vermengt, auch an ruthe- 
nischen Kirchen beliebt worden sei, so sei es nicht 
möglich, die Stiftung der ruthenischen Pfarrkirche 
in Halicz in eine frühere Zeit als gegen Ende des 
XVI. Jh. zu verlegen. 

Der P>au sei schon lange durch Einsturzgefahr 
bedroht. Die Bemühungen des Conservators, die 
Restaurierung der Kirche einzuleiten, blieben trotz 
der durch .Sanindung aufgebrachten Mittel und 

12 



179 



i8o 



einer Landessubvention erfolglos. Jetzt lasse der 
Zustand des Gewölbes das Ärgste befürchten und 
es sei behördlich die Schließung der Kirche ver- 
fugt worden. Die C. C. boschließt, sich für eine 
Restaurierung zu verwenden. [Referent: Neum.ann] 

Krain 

Conservator Szomb.\thy beantragt, mit den 
für die archäologische Durchforschung Krains zur 
Verfügung stehenden Wittein das zwischen der 
Save und der Unterkrainer Bahn westlich von 
Nassenfuß gelegene Bergland Unterkraiiis zu re- 
cognoscieren und mehrere bisher nur beiläufig be- 
kannte prähistorische Wallburgen und Gräberfelder 
festzustellen, auf welchen vielleicht in der Folge 
Ausgrabungen gemacht werden können. Auch 
mögen die Begehungen und Versuchsg^rabungen 
in der Wochein fortgesetzt werden. Der Antrag 
wird angenommen. [Referent: Much] 

Conservator von Pkemerstein legt seinen 
Aufsatz aus den Jahresheften des österr. -archäolo- 
gischen Institutes ^J. G. Thalnitschers Antiqui- 
tates Labacenses" vor; dem Einsender wird ge- 
dankt. [Referent: Kenner] 
Küstenland 

Correspondent Moser berichtet über den Fund 
eines Denars Yolusians ') (reg. 251 — 254) 
auf einem Felde nächst Doli na auf der 
Localität Sije. Die Reversseite sei schlecht 
erhalten und zeige eine stehende männli- 
che Figur, die in der rechten Hand eine 
Lampe (?) über einer menschlichen Figur 
halte, in der Linken ein Schwert. Die Um- 
schrift sei unleserlich. [Referent: Kj;nner] 

Referent Neumaxx hat zu Ostern d. J. 
in Parenzo constatiert, dass der Nordflügel 
des Atriumsgebäudes des Doms (in der un- 
mittelbaren Nähe des Ausganges zürn klei- 
nen Platze vor der bischöflichen Residenz) 
durch Eindringen des Wassers ziemlich 
bedeutenden Schaden an seiner Decke ge- 
litten habe. Die Holztrame des horizontalen 
Plafonds seien in der Ecke abgefault und 
hängen herunter, das Stuccaturrohr hänge 
in Fetzen herab, der Bewurf sei in der Ecke 
fast ganz abgefallen. Es müsse das Dach 
schadhaft sein. 



Wenn das mit großen Kosten restaurierte 
Mosaik der Giebehvand nicht bald wieder zugrunde 
gehen .solle, müsse entweder auch das Mosaikfeld 
im (iiebelfe^lde ober dem Fenster nach den vor- 
handenen Spuren reconstruiert werden, wodurch 
das Ganze erst seine richtige Spannung in d«>m 
Rahmen des Ge.sammtgiebels erhalten würde, oder 
es müsse verhindert werden, daß Wasser und 
Luft sich zwischen die Mosaikfläche und die feste 
Mauer hineindräng-en. Das horizontal abgeschlos- 
sene, den Weststürmen und dem Sprühregen des 
Meerwassers ausgesetzte Mosaik dürfe niclit ohne 
Schutz gelassen werden. 

Endlich sei die Restaurierung der Scola can- 
torum schon aus Cultusrücksichten dringlich, um 
dem Bischöfe und dem Domcapitel den Raum in 
der Nähe des Hochaltares benutzbar zu machen. 

Die C. C. will diese Anregungen verfolgen. 

Die archäologische istrianische Gesell- 
schaft übermittelt den Bericht über ihren 1 3. in 
Parenzo abgehaltenen Jahrescongress. 

[Referent: Neu.mann] 

Correspondent Moser berichtet über die Fort- 
setzung seiner Au.sgrabungen vom 4. Mai auf der 
römischen Grabstätte in .S. Servolo (Abb. i). 



A 



3. 






Abb. 1 
Profil des Bergabhanges von 
S. Servolo mit der alten 
Nekropole von NW 
gesehen. 



A 
B 
C 



[*) Die Bestimmung oder die Beschreibung 
bedarf einer Abänderung. Red.1 



F 
G 
H 
J 




Burgruine von S. Servolo 

Eocen-Kalkf eisen 

Alte Straße nach Kastelz 
D Grashang mit Bäumen 
E Erde mit verwitterten Mergel- 
und Sandsteinlagem 

Gräber der prähistorischen Bronze-Eisenzeit 

Eocen-Sandsteinbruch (Tassello) 

Niveau der neuen Straße 

Eingfebettete römische Gräber 



K Bergabhang ins Ospothal hinabziehend 



i8i 



182 




Abb. 




Am 4. Alai wurde die BerR-unj^' der Sp. 158 
erwähnten feinen Seherben von Schalen aus 'J'hon 
fortgesetzt. Es scheinen drei Scha- 
len zu sein, jede zart gemustert. 
Diese grauen Schalen, deren ein- 
fachste unverzierte Form neben- 
stehend (Abb. 2) vorgeführt wird, 
fänden sich gewöhnlich mit Leichen- 
brand gefüllt, entweder allein oder in Begleitung 
einer grö(3eren Urnenflasche aus gelbem oder rothem 
Tlion, sämmtlich gebrochen. Als Beigaben fänden 
sich I — 3 Thränenfläschchen, fast jedes von anderer 
I""<)rin und I'^arbe. Besonders schön seien die gold- 
bronzefarbigen. 

In den prähistorischen Grä- 
bern habe er noch etwa zwanzig 
Stück verschieden gefärbter und 
mit Kreisen aus Emailpunkten 
und färbigen Schlangenlinien 
eingelegter blauer und grüner 
Glasperlen sowie Bronzeperlen 
aufgelesen. Zunächst wurden 
sechs Gräber aufgedeckt; eines 
habe einen Urnentopf mit Buckel- 
verzierung aus rothem Thon ent- 
halten und neben ihm eine tadellose kleine bronzene 
Bogenfibel mit noch federnder Nadel, darüber ein 
zerdrücktes Thränenfläschchen, daneben zur Linken 
einen zur Hälfte wie abgeschnittenen größeren 
Topf mit Bruchstücken von Bronzearmringen. Die 
Aufdeckung dieser Stelle zeigte deutlich, dass die 
Römer den prähistorischen Friedhof benützten. 
Gegen Schluss wurde eine Gruppe von drei Gräbern 
an der abschüssigen Lehne aufgedeckt. Sie waren 
mit drei durch Mörtel verkitteten Steinplatten ge- 
deckt und ihre Seitenplatten standen unter einem 
spitzen Winkel. Das eine Grab enthielt eine Schale 
aus dunkelgrauem Thon, zwei Thränenfläschchen 
und eine Thonlampe (Relief: eine Kuh säugt ihr 
Kalb, sehr gut ausgeprägt), im oberen Theile sehr 
gut erhalten, das zweite Grab eine Thonflasche 
mit abgebrochenem Halse und zwei Thränen- 
fläschchen, das dritte eine ganz zerbrochene dicke 
Thonilasiiie und zwei besonders kleine Thränen- 
fläschchen. 

Eine Begehung- am 7. Mai erwies die große 
Ausdehnung des Gräberfeldes; seine Länge beträgt 
250 Schritte und ist in dem Ausschnitt der neuen 



nat.Gr. 



Abb. 3 Anhängsel 
von ührrinp-cn. 



.Straße deutlich sichtbar. Am 8. Mai wurde der 
Inhalt des vorletzten Grabes genau durt'lisucht; hier 
wurden die fehlenden .Scherben der oberwähnten 
Lampe gefunden und dann noch vier Gräber auf- 
gedeckt. Das eine enthielt eine senkrecht stehende 
ganze große Schale — Marke VEN — darunter zwei 
Thränenfläschchen, einen zerdrückten, etwas ver- 
schobenen Topfund eine (leere) Schale aus grauem 
Thon; der Leichenbrand lag in der Tiefe; die 
Thränenfläschchen gewöhnlich hart am Rande der 
Seitenplatte. Das zweite (irab zeigte einen recht- 
eckigen Umriss durch die Seitenplatten und enthielt 
eine Schale aus grauem, eine aus rothem Thon — 
Marke ZETI — und eine zerdrückte Flaschenurne. 
Dann folg-te der Leichenbrand mit drei Thränen- 
fläschchen aus dunkelpurpurnem Glase. 

Vor dem Grab lag eine zertrümmerte Deck- 
platte aus leicht gebranntem Thon mit altem Bruche. 
Merkwürdig war die Situation des dritten Grabes: 
zur Rechten der Scheidewand der Leichenbrand 
mit Lacrimatorien, links davon größere Mengen 
von Holzkohle, unverkohlte Knochen (Gelenk- 
kopf), eine .Schale aus grauem Thon mit Buckel- 
verzierung nach Art einer Erd- oder Himbeere und 
Bruchstücke eines Thonfläschchens. Das vierte 
Grab lag wohlverwahrt unter dem Wurzehverk 
eines Baumstrunkes in einer Tiefe von 2 m. Unter 
der Deckplatte lag ein länglicher Deckel aus Thon, 
wenig gewölbt, der Länge nach in der Mitte ge- 
spalten, und darunter ein rinnenartiger Thonsarg, 
welcher in drei Stücken gehoben wurde. Der Thon- 
sarg enthielt viel Leichenbrand ohne Kohle und 
drei Thränenfläschchen ; neben ihnen eine große 
flache Thonschale, die, wenn auch zerbrochen, doch 
ganz gehoben werden konnte. Diese Gräber lagen 
in einer Linie vom Ausbisse des Felsbandes. Eine 
der bereits früher erwähnten (.Sp. 157) Bronze- 
münzen gehört dem Jahre 12 v. Chr. an (Babelon, 
Salvia 3.) 

Die Ausgrabungen wurden am 17. (7 Gräber), 
19. (3 Gräber) und 20. Mai (7 Gräber) fortgesetzt. 
Grab 24 enthielt eine hohe zweihenkelige Urne 
aus Thon, eine Glasflasche mit braunem, recht- 
winkelig- gebogenem Henkel, eine rothe Tasse und 
ein Thränenfläschchen (alles ganz). Grab 25: eine 
Thonschale, einen gerippten Napf aus blauem Glase, 
daneben eine Flasche mit rechtwinkelig gebogenem 
Henkel aus blauem Glase, zwei Thränenfläschchen; 



i83 



184 




^ 



Abb. 4—6 



am Boden den Leichenbrand; neben der Seiten- 
platte eine Bronzemünze, Bruchstücke eines zarten 
Bronzeringelchens und zwei 
Bronzestücke (Abb. 4, 5), einige 
Xägelchen aus Eisen (Abb. 6), 
Bruchstücke einer Thonflasche 
und eines Schälchens. Grab 28: 
Zwei Schalen aus rothem Thon, 
die eine fein und groß, die andere 
mit hohem Untersatze und von 
neuer Form, ein graues Näpf- 
chen, ein Thränenfläschchen, 
eine Thonlampe mit stehendem nackten Faun. Die 
drei Gräber des 19. Mai enthielten nichts Besonde- 
res; aus einem vorgeschichtlichen Grabe wurde eine 
große Xanze und zwei Kelte (Eisen) gehoben. 

Am 20. Mai verließen wir die dritte Gräber- 
reihe und setzten die 
Grabungen der ersten 
und zweiten Reihe fort. 
Grab 37 enthielt eine 
hohe Urne aus schwar- 
zem Thon, dem weiße 
Kalkspatstückchen bei- 
gemengt sind, mit Lei- 
chenbrand; darauflagen 
zwei flache, rechteckige, 
zusammenpas- 
sende Täfel- 
chen aus gel- 
bem Thon (an drei Seiten schief zu- 
geschnitten, die vierte Seite ist scharf- 
kantig), einem Zierknopf aus Bein, ein 
Armband aus .Silberdraht (Abb. 7), ein 
medicinisches Instrument aus Bronze 
(Abb. 8). Grab 40 in 2 ui Tiefe: eine 
graue Schale, die auf einer flachen 
rothen arretinischen Schale stand, da- 
neben eine Flaschenume mit eingedrück- 
tem Halse, im Leichenbrande stak ein p 
Beinstift mit Spiralfurchen geziert, eine /'■ r 
Bronzemünze, auf der ein zarter Ring an- 
gewachsen war, ein mit Kreisen und Punk- 
ten verziertes Beinstück, eine Eisennadel. 
Über Ansuchen des Correspondenten 
bewilligt die C. C. für die weitere Durch- 
forschung der Fundstelle eine Subvention 
von 100 K. [Referent: Kexxek.] Abb. 8 




Abb. 7 



Mähren 
Conservator Sturz berichtet über einen Fund 
von Menschenknochen und die Aufdeckung eines 
Kellereinganges im Schulhause zu Brück. Dais 
Schulhaus, ein Bau des XIX. Jh.. ist an die 
Noxdseite der Kirche angebaut. Bei einer Adap- 
tierung sei altes Mauerwerk bloßgelegt worden: 
ein Eingangsraum mit romanischen Einfassungen 
ohne ornamentale Verzierung. Seine Basis sei 
quadratisch; rechts führe eine Rundbogeneinfas- 
sung angeblich ebenfalls in einen unterirdischen 
Gang, der indes derzeit wieder verschüttet .sei. 
Es handle sich hier um einen Kellerraum, der 
mit dem großen Keller nächst dem Mühlgraben 
und mit dem Brucker Erdstalle in Verbindung 
stand. Die menschlichen Knochen haben sich an- 
geblich im Bereiche des Bruchsteinmauerwerkes 
vorgefunden; bemerkenswert sei die -Stärke und 
Länge zweier Oberschenkelknochen. Ferner fanden 
sich im Kellerraum Topfscherben von Bunzlauer- 
geschirr und Bruchtheile von „altdeutschen Ka- 
cheln", wie solche wahrscheinlich während des 
XVI. Jh. in der Znaimer Gegend erzeugt wurden, 
in der sie wiederholt gefunden worden sind. 

Correspondent Gerxich berichtet, dass bei einer 
kleinen Kapelle am Xordende des Dorfes Ober- 
Moschtienitz (6 km südlich von Prerau) mensch- 
liche Gebeine gefunden wurden. Die Durchforschung 
des Hügels ergab vier gut erhaltene menschliche 
Skelette. Ein Schlüsselbein und ein Unterkiefer 
waren von Patina grün gefärbt. Als Beigaben 
wurden sieben Silbermünzen (Ferdinand II 1622) 
und ein Messingknopf gefunden. Zwei dieser 
Älünzen und der Knopf kamen ins Franzensmuseum 
nach Brunn, die übrigen Münzen wurden unter 
Privatpersonen vertheilt. Die C. C. beschließt, Er- 
hebungen zu pflegen, ob aus der Widmung der 
Kapelle, aus einem Bilde oder aus einer Inschrift 
in ihr irgendein Zusammenhang ihrer Errichtung 
mit den Skeletten sich erweisen lasse. 

[Referent: Kenner] 
Conservator Sterz berichtet, dass nach einer 
Mittheilung des Försters im Burkholzer Walde 
bei Znaim in der Xähe der im Vorjahre aufge- 
deckten vorgeschichtlichen Fundstätte neuerlich 
prähistorische Funde, insbesondere von Topf- 
scherben und Knochen, gemacht worden seien. 
I Der Conservator stellte fest, dass hier keine Grab- 



i85 



i86 



Stätte sei, wie ursprüiiylich vermuthot wurde; 
jedoch fanden sich /ahlreiche Topfscherben ver- 
schicdrncr Art xor. aucli mit Dccorationen (Gravie- 
rung-en), die das lebhafteste Interesse errejjen, ferner 

Thii^rknoclion. [Roforont: Mt;cii] 

Nieder-Österreich 

Am F"ranz Josefs-Ouai nächst der Stephanie- 
brücke zu Wien wurden in einer Tiefe von 4V2 m 
bei der Anlag;e eines Kinsteigschachtes zwei 
Skelette aufgefunden. Hei ilmen lagen mehrere 
Thonscherlien, von denen einige bemalt erscheinen, 
sowie mehrere (xlasperlen, die, rosenkranzartig an 
einer Schnur angereiht, am rechten Mittelfinger 
eines Skeletes hiengen. Wie Referent Mlch durch 
Autopsie erkannte, sind diese Funde jungen Datums. 
Jedenfalls gilt das \on den Topfscherben, die nicht 
über das XVHI. Jh. zurückreichen; keinesfalls 
dürfen sie etwa als Reste von Grabbeigaben be- 
trachtet werden. Unaufgeklärt bleibt allerdings 
die Belassung sowie das Vorkommen von Skeletten 
an der bezeichneten Stelle. 

Eine Verfolgung der Funde ist derzeit nicht 
möglich, ^'ielleicht geben künftige Grabungen, 
z. B. bei Canalbauten, Aufschluss. 

Wien VI Stumpergas.se 7 sind bei Erdarbeiten 
in einer Tiefe von 2'/., "^ ganz morsche Theile 
menschlicher Skelette und zweier Reife (einer 
zerbrochen) gefunden worden. Wahrscheinlich han- 
delt es sich hier nicht um eine einzelne Bestat- 
tung, sondern um eine Begräbnisstätte; doch ist 
es unmöglich, sie derzeit zu verfolgen, weil in 
der Umgebung alles verbaut ist. Die beiden Ringe 
— Armringe aus Bronze — sind mittels Ein- 
schlagen von Punzen ornamentiert, in ihrem Quer- 
schnitte vierkantig und gehören der Bronzezeit 
(II. Jahrtausend v. Chr.) an. Die C. C. spricht 
sich für die Abgabe der Funde an das städtische 
Museum aus. [Referent: Much] 

Das Innere der Pfarrkirche zum hl. Johannes 
im X. Bezirke zu Wien hat durch Staub und 
Schmutz sehr gelitten. Die Vergoldung und Mar- 
morierung der Altäre, Kanzel und Orgel ist schad- 
haft, der Anstrich der Kirchenwände defect. Die 
C. C. erhebt g"eg-en die Absicht, diese Schäden zu 
beheben, keine Einwendung. Da die kleinen Fenster 
und der an ihnen sich .sammelnde Schmutz das 
Innere sehr verdüstern und verfinstern, empfiehlt 



die C. C, die Bemalung- sehr licht zu halten unti 
die Fenster von innen und außen gründlich zu 
reinigen. [Referent: Wächti.er] 

Mitglied Hkkm.\nn referiert über die Wien 
XVHI (iersthoferstraße 152 befindliche Denk- 
säule. Dieselbe sei ein Werk des XV. Jh. Mit Aus- 
nahme des oberen Abschlusses sei die Wegsäule 
mit dicken Tünchebelagen überzogen, welche die 
.Sculpturen, die Schrift auf dem Spruchbande und 
das Wappen nicht mehr erkennen ließen. Der 
beschädigte und verwitterte Zustand erlaube 
kaum mehr eine Restaurierung, und man werde 
sich darauf beschränken müssen, das Object durch 
Einsetzung von einigen Führungen baulich zu 
sichern und die unteren Partien von der Tünche 
zu befreien. Im .Sinne dieser Anträge beschließt die 
C. C, die archäologische Commission der Gemeinde 
Wien auf das Denkmal aufmerksam zu machen und 
ihr die Durchführung des Antrages zu empfehlen. 

Conservator Hammekl berichtet, dass er das 
Archiv der Propstei Eisgarn durchgesehen und 
geordnet und wegen dessen Übersiedlung Anord- 
nungen g-etroffen habe. Es befand sich bisher in 
dem Tracte der ehemaligen Herrschaftskanzlei, 
welcher nun, um die Apsis der Propsteikirche frei- 
zulegen, demoliert werden .soll. Über Vorschlag 
des Conservators wurde die ent.sprechende Adap- 
tierung eines geräumigen Zimmers in der Propstei 
durch Einwölbung auf Traversen und Einsetzen 
einer Eisenthür und eiserner Fensterläden in Aus- 
.sicht gestellt. Die Übertragung soll in diesem 
.Sommer vorgenommen werden. Der Berichterstatter 
erkannte, dass fast alle Urkunden der Propstei in 
Eisgarn fehlten. Nach einer Aufzeichnung seien 
diese vom Propstcoadjutor Rudowsky im Jahre 1665 
nach Olmütz und Polen mitgenommen worden. Der 
noch vorhandene Bestand zerfalle in drei Gruppen: 

I. Propsteiarchiv, d. i. die Propstei als 
solche betreffend: 40 Urkunden (Streitsachen, 
Propsternennungen, Contracte von 1643 bis heute) 
und loo Handschriften (Urbarien, Grundbücher, 
Zehentregister, Rent- und Waisenbücher etc.); 
darunter auch ein Pergamentmanuscript saec. 
XIII, 4", das den Text und glossenartig eine 
Marginalinterpretation des Propheten Isaias cap. 
I — LVIII, somit nahezu vollständig-, enthält. Der 
Conservator beantragt, diese Handschrift zu Gunsten 
der ohnehin armen Propsteipfarrkirche an eine ein- 



i87 



i88 



heimische öffentliche Bibliothek abzugeben, wo- 
gegen die C. C. keine Einwendung erhebt. Die 
ziemlich zahlreichen Acten umfassen die Corre- 
spondenz der Pröpste, darunter viel Wertvolles, 
Herrschaftssachen, Politica und Juridica, XVI. 
bis XIX. Jh. 

2. Pfarrarchiv, nur das Pfarrämtliche enthal- 
tend, darunter Matriken seit 1667, und Stiftbriefe. 

3. Das Decanatsarchiv; da Eisgarn mit 
geringen Unterbrechungen seit 1700 vorwiegend 
der Sitz des Decanats AVaidhofen a. d. Thaya war, 
seien viele Decanatsacten vorhanden, deren innere 
und äußere Scheidung von dem übrigen Materiale 
angezeigt scheine, umsomehr, als derzeit auch der 
Die;nstbedarf dazu rathe. 

Für das Archiv der Stadt Zwettl wurde ein 
Inventar sämmtlicher Urkunden der Propstei St. 
Johann auf dem Berge bei Zwettl (gegründet 
1487, aufgehoben 1751) vom Jahre 1533 erworben, 
welches mit seinen kurzen Regesten für die Ge- 
schichte der Propstei Zwettl sehr wertvoll sei, da 
die Originalurkunden dieser Propstei bisher nir- 
gends erschienen seien. [Referent; Redlich] 

Die C. C. wird darauf aufmerk.sam gemacht, 
dass ein römischer Inschriftstein an der Friedhofs- 
mauer in Höflein bei Brück a. L. bedroht sei, 
da diese IMauer von einigen Ortsinsassen als Ziel 
für das Einschießen mit Gewehren benützt werde. 

Die C. C. beschließt, auf sofortige Abstellung 
dieses höchst beklagenswerten Unfuges zu dringen. 

[Referent: Kenner] 

Correspondent Baron Kkticzk,\ berichtet, dass 
zur Aufnahme von Münzen und Kupferplatten etc. 
im städtischen Museum zu Korneuburg eine 
große flache Vitrine angeschafft worden sei. Die 
Korneuburger Einwohner seien neuerlich durch 
Maueranschläge, Zeitungsinserate und Rundschrei- 
ben an die Schulleitungen des .Sprengeis zu pa.s- 
senden Spenden aufgefordert worden. Unter den 
hierauf eingelangten Spenden erscheine besonders 
die des Oberlehrers Weiser (Harmannsdorf) von 
Bedeutung. 

Vor einigen Monaten wurde beim Fällen einer 
Eiche im „Genossenschaftswalde-' nächst dem 
goldenen Brünnl ein Steinhammer und am nahe- 
gelegenen, für Geologen sehr interessanten Wasch- 
berge ein fossiler Haifischzahn im Thon ge- 
funden. [Referent: Müch] 



Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt ertheilt die Bewilligung zu der an der 
Pfarrkirche zu Lang-Enzersdorf geplanten 
Restaurierung. 

Der Bürgermeister der Stadt Retz thcilt mit, 
dass vor circa drei Wochen bei der tieferen Be- 
arbeitung eines Grundstückes in der unmittelbaren 
Nähe von Ober - Retzbach ein Fund von 
37 Bronzeringen gemacht worden sei, welche 
einen Durchmesser von 14 — 15 ein besäßen. Bei 
einer Durchsuchung des Bodens wurde nichts mehr 
gefunden. 4 Stücke wurden für das städtische 
Museum in Retz erworben. Conservator .Sterz be- 
richtet gleichfalls über diesen Fund und weist dar- 
auf hin, dass während der 90er Jahre in dem Ge- 
biete des Heidentempels in Znaim etwa 26 bis 30 
ebensolche Ringe gefunden worden seien, und 
äußert die Anschauung, dass diese Ringe jene Form 
vertreten, in welcher Bronze während der vorge- 
schichtlichen Zeit zum Zwecke der Bearbeitung iri 
Verkehr kam. [Referent: Much] 

Mit den an der Pfarrkirche in Rohrau 
beabsichtigten Herstellungen (Neudeckung des 
Kirchendaches mit Ziegeln, Erneuerung der Dach- 
saumrinnen an der Ostseite, Entfernung von Rost 
an der Blecheindeckung des Thurmes und Neu- 
anstrich desselben) erklärt sich die C. C. einver- 
standen. [Referent: Wächtler] 

Conservator Staub berichtet über die bevor- 
stehende Innenrestaurierung der Pfarrkirche in 
Steinabrückel. Die Kirche stamme aus 1830, sei 
einfach und schlicht in den Formen; das Innere 
besitze weitgespannte Gewölbe, einfache Pilaster 
und hochangebrachte, halbkreisförmige Fenster. 
Ein eigentlicher Hochaltar fehle; in der Rück- 
wand befinde sich ein Ölbild von Johann Höfel 
(unbefleckte Empfängnis Mariens); die Altarmensa 
sei aus rothem Marmor nach den Entwürfen von 
Baumgartxer hergestellt. Geplant sei die Er- 
weiterung des Orgelchors und die Ausbesserung 
und Tünchung der Kirchenwände. Die C. C. erhebt 
hiegegen keine Einwendung. [Referent: Rosner] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt eröffnet, dass für das neue Project für die 
Restaurierung der Filialkirche zu Weißenbach 
(Zubau eines die alte Kirche verunstaltenden 
Thurmes) keine Staatssubvention gewährt werden 
könne. 



i89 



190 



Ober-Ö.sterrcich 

Cons(>rvator (tkkii. 1:)erichtet, dass das (rewölbe 
der katliolisrhfii Pf'arrk i rt-hr in Ilallstatt an 
dem Zusammen.sto(3e der Rippen und der Gewölbe- 
kappen verlaufende Sprüng-e zeige und namentlich 
auf den zwei freistehenden I'feilern, welche das 
Gewölbe trügen, eine stark(! 'J'reiinuny (o'004 bis 
0*005 "0 von Gewölbe und ('ai)ital bemerkbar sei. 
Baldige Abhilfe sei dringend nöthig, um die Musik- 
empore vor weiterem Sehaden zu schütz(>n. Die 
Sprünge im Gewölbe, die schon seit einigen Jahren 
zu sehen wären, sicli aber in letzter Zeit auffällig 
vermehrten und erweiterten, dürften davon her- 
rühren, dass 1893 die Musikempore nach Entfer- 
nung eines späteren hölzernen Vorbaues in ihre 
ursprüngliche Lage gebracht und tiarin eine neue, 
große Orgel ohne Rücksicht auf ihr Gewicht auf 
Holzunterlagen aufgestellt worden sei, welche 
direct auf dem Gewölbe auflägen. 

Es bestehe die Absicht, das Gewölbe dadurch 
zu sichern, dass von der rückwärtigen Kirchen- 
mauer aus, an welche das Gewölbe anstoße, die 
zwei vorderen Pfeiler mit Eisenstangen verankert 
werden. Hiermit erklärt sich der Conservator nicht 
einverstanden, da so das schöne charakteristische 
Gewölbe ganz verunstaltet würde, und es fraglich 
sei, ob diese Art der Abhilfe für die Zukunft 
volle Sicherheit biete. Der Conservator \vill das 
Gewölbe freilegen und entlasten, was durch Ein- 
ziehen von eisernen Traversen geschehen könne, 
auf welche die Orgel dann zu stehen käme. Die 
C. C. beschließt, eine Untersuchung durch den 
Referenten einzuleiten. [Referent: Rosxer] 

Conservator Edler v. Benack berichtet, dass in 
der ersten Hälfte Mai nächst Wimsbach bei 
Lambach im sogenannten Freithofplatze (Ortschaft 
Urharting) bei Eröffnung eines Steinbruches rö- 
mische Gebäudereste aufgedeckt worden seien, 
welche ohne Zweifel einem Hypocaustum angehört 
haben. Man stoße in dieser Gegend an verschie- 
denen Stellen auf die Reste einer römischen An- 
siedlung, die, wie der neueste Fund lehre, nicht 
unbedeutend gewesen sein dürfte. Nur wenige 
Decimeter unter dem Niveau seien die einge- 
wölbten Pfeiler eines Heizraumes bloßgelegt worden, 
deren Mauerwerk aus Klaubsteinen und kleinen 
Bruchsteinen bestehe; die Höhe des Heizraumes 
betrage o'go 11t. Durch die Abräumung des Stein- 



bruches werde der größere, noch von Erde be- 
deckte Theil des Bauwerkes nicht weiter in An- 
s])ruch genommen, weshalb .seine Durchforschung 
eine eigene Nachgrabung erforderlich mache, die 
der Conservator in Aussicht stellt. Die l'"un<i- 
gegenstände seien vorläufig sichergestellt. Bisher 
seien an das Linzer Museum abgeliefert worden: 
Zwei Schafscheren und eine massive, eiserne, kegel- 
förmige Spitze (Lanze?), eine bronzene Schü.ssel 
(vorzüglich erhalten), eine Schlossplatte aus Bronze 
mit eingeschlagener Verzierung und ein gedrech- 
selter Zierbuckel aus Bronze. 

Diese (Gegenstände seien von ganz gleichem 
Typus wie jene, die in Wels beim Baue des 
Kreisgerichtsgebäudes angetroffen und dem dor- 
tigen Localmuseum einverleibt worden seien. An 
Ort und Stelle .sollen sich Fragmente von Heiz- 
röhren aus Thon und von dem alten Mauerbewurf 
vorfinden. Die C. C. dankt dem Conservator für seine 
umsichtigen Vorkehrungen und betrachtet die Auf- 
deckung des Hypocau.stum für eine Einleitung topo- 
graphisch wichtiger Funde. [Referent: Kknnek] 

Salzburg 

Die C. C. spricht dem Conservator Petfer 
anlässlich seines Übertrittes in den Ruhestand für 
die als Director des Museums Car. Aug. in Salzburg, 
bewährte Thätigkeit den Dank aus. 

Conservator Berger berichtet, dass auf das 
dem Benedictinerstifte St. Peter zu Salzburg ge- 
hörige St. Peter-Schlössl (allgemein Edmunds- 
burg genannt) ein Stockwerk aufgesetzt werden 
solle. Das Object sei ein mehrgeschos.siger, am 
stadtseitigen Abhänge des Mönch.sberges oberhalb 
der Sommerreitschule gelegener, aus 1695 stam- 
mender, ansehnlicher Spätrenaissancebau mit hohem 
Dache und achteckiger Laterne auf diesem, von 
Abt Edmund (1673 — 1702) erbaut. Derzeit sei eine 
vom Abt zu St. Peter geleitete „Knaben-Rettung.s- 
anstalt" darin untergebracht. Der Aufbau eines 
Stockwerkes dürfte dem ohnehin hohen Gebäude 
— es habe stadtseitig vier Geschosse — kaum zum 
Vortheile gereichen. Der Conservator begehrt die 
Vorlage der Pläne. [Referent: Rosner.] 

Conservator Petter berichtet, dass im Februar 
d. J. bei Einführung des Caissons für einen .Strom- 
pfeiler der neuen Salzachbrücke zwischen Laufen 
und Obern dorf in der Salzach in einer Tiefe von 



igi 



192 



3-7 bis 4 ni unter XW in einer unter dem Schotter 
befindlichen Conglomeratschichte zwei ziemlich ver- 
rostete und stark inkrustierte eiserne Reiter- 
schwerter {XV./X^^. Jh.) gefunden und in das Salz- 
burger Museum übertragen worden seien. Das eine 
I -09 tii lange habe eine gerade, senkrecht zur Klinge 
in Kreuzform sitzende Parierstange, einen achteckig 
abgekanteten dicken Knauf; am Griffe befand sich 
noch etwas Zink, wahrscheinlich vom Ausgusse des 
nicht mehr vorhandenen Griffüberzuges. Die Klinge 
zeigte nach Entfernung der Inkrustation kein 
Schmiedezeichen, habe eine breite Blutrinne und sei 
gegen die beiden Schneiden in seichter Kante zu- 
geschliffen. Die Spitze war abgebrochen. 

Vom zweiten Schwerte sei die Parierstange 
abgerostet, es habe gleichfalls einen achteckig ab- 
gekanteten Knauf; der Griff, in der Mitte etwas 
breiter, sei mit jüngerem Eichenholze belegt. Im 
übrigen gleiche das Schwert ganz dem erst- 
erwähnten, nur zeige sich auf der Klinge ein 
Reichsapfel mit dem Zeichen ^ darunter. Die 
Spitze dieses Schwertes fehle; seine Länge betrage 
jetzt noch i-o6 m. 

Steiermark 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
gibt bekannt, dass es gegen die Sicherungsarbeiten 
für die Glasgemälde in der Magdalenenkirche 
zu Juden bürg durch die Tiroler Glasmalerei- 
anstalt Neuhacser-Jkle keine Einwendung erhebe. 

An der Pfarrkirche zu Sachsenfeld ist 
bereits der Thurm umgeändert, neu aufgebaut und 
mit einem vierseitigen Pyramidenhelme versehen 
worden. Nunmehr soU an den Umbau und die 
Erweiterung der anderen Theile der Pfarrkirche 
geschritten werden; diesem Umbau sollen auch die 
aus der Türkenzeit stammenden Befestigungen rund 
um die Kirche zum Opfer fallen. Da sie keinen 
kunsthistorischen Wert besitzen, erhebt die C. C. 
gegen ihre Demolierung keine Einwendung. Sie 
spricht sich aber dafür aus, dass die St. Lucia- 
KapeUe der derzeit bestehenden Kirche, ein reich 
ausgestatteter Bau aus dem XVII. Jh., erhalten 
und in den Neubau einbezogen werde, dass femer 
das alte Portal mit der Widmungsinschrift des 
Hans Georg Pilpach, die Altäre, die Kanzel, die 
Kirchenstühle und die Grabsteine in dem Neubaue 
wieder \'erwendung finden mögen. 

[Referent: Wächtler] 



Tirol 
Correspondent de Cobexli legt eine von ihm 
verfasste 55chrift _Alcune pagine del Parochiale 
del Padre Giangrisostomo Tovazzi" vor; dem 
Einsender wird gedankt. [Referent: Nelmanx] 

Conser\ator Walter berichtet, dass die Grab- 
kreuze der Canonici Andreas und Balthasar Laner 
am Friedhofe zu Innichen bei der Aufrichtung 
der südlichen Friedhofsmauer noch besser als 
gegenwärtig geschützt werden sollen, obschon 
eines derselben — das interessantere — bereits 
jetzt in einer Mauernische untergebracht sei. Von 
der Gefahr einer \'eräußerung dieser oder der 
anderen am Friedhofe befindlichen Grabkreuze oder 
von einer ^'emachlässigung der Pflege sei keine 
Rede. Freilich müssten die Grabkreuze allen 
Witterung^verhältnissen ausgesetzt bleiben, und 
ihre Reparatur könne nur gelegentlich angestrebt 
werden. Der Conservator ersucht daher, von der 
angeregten Übertragung dieser Kreuze in das Inns- 
brucker Museum abzusehen und wiU sich nur zur 
Abgabe einiger alter Eisenmedaillons an dieses 
entschließen. [Referent Neumaxn] 

Conservator v. Otiexthal berichtet über das 
gräflich WELSPERc'sche Archiv zu Niederrasen. 
Es nehme unter den tirolischen Adelsarchiven 
einen hervorragenden Rang ein. Außer einer 
großen Anzahl zum Theil recht interessanter 
Urkunden (seit 1298) seien auch einzelne Acten- 
bestände hervorzuheben, so jene, welche sich auf 
die Thätigkeit verschiedener Mitglieder der Familien 
Welsperg und Reittenau in habsburgischen Diensten 
beziehen, dann die große Zahl von Inventaren über 
Schlosseinrichtung, Waffen und Hausrath. Dagegen 
reichen Urbarien und andere Acten über die Güter- 
und Gerichtsvenvaltung weniger weit zurück, als 
man erwarten sollte. [Referent: Redlich] 

Vorarlberg 
Conservator v. Schwerzexbach berichtet, dass 
circa 31 m nö. von der 1880 aufgedeckten Villa 
rustica in Bregenz anfangs März d. J. römische 
Gemäuer aufgedeckt worden seien. Er habe durch 
Nachgrabungen zwei Gebäude bloßgelegt, eines 
vollständig, das andere theilweise ; die Funde seien 
ins Vorarlberger Landesmuseum gekommen. 

[Referent: Kexxer] 



193 



194 



Ein römisches Relief in Cilli 

^•\m 2 1. September igoi wunleii im Hofe der 
Burgkascrne in Cilli gelegentlich einer C'anal- 
anlage spätrömische Mauern angeschnitten, welche 
wegen ihrer Stärke (i — 2111) zum Theile durch 
Pulversprengung durchbrochen wurden. In einer 
von ihnen befand sich auch eine kolossale Stein- 
platte mit der Rückseite nach oben als Eckstein 
eingemauert. Erst nach der Sprengung wurde die 
Reliefseite sichtbar. 

Es ist der Obertheil eines gewaltigen Marmor- 
pfeilers, g-egenwärtig noch circa 1-62 in hoch, 
72 cm breit; die wegen der noch anhaftenden 
Gussmauerreste nicht ganz genau feststellbare 
Dicke beträgt im Mittel 23 cm (oben und rechts 
ist sie geringer, unten und links stärker), war 
also wohl auf 'V^ römische Fuß berechnet, am 
untersten Ende des fehlenden Theiles vielleicht 
auf einen römischen Fu(3. 

Durch die Explosion wurde der Stein in zwei 
Haupttheile zerrissen und außerdem ein kleineres 
Stück ausgesprengt, das jedoch bei der (unter 
schwierigen Verhältnissen erfolgten) Aufstellung 
im Lapidarium des Cillier Localmuseums haltbar 
eingefügt werden konnte. Oben befindet sich in 
34 cm Abstand vom rechten Rande (also excen- 
trisch) ein ursprüng'lich circa 1 1 cm langes, 6 cm 
breites und 6 cm tiefes (gegenwärtig ausgebrochenes) 
Dübelloch. Die Schmalseiten sind rauh gelassen, 
hatten also seitlichen Anschluss. Die Vorderseite 
trägt das durch die beistehende Abbildung ver- 
anschaulichte Basrelief, das ersichtlich nur einen 
Theil, und zwar etwa die Hälfte des ursprünglichen 
Ganzen bildet. 

Die Darstellung- fällt durch ihre Singularität 
auf: Wir sehen zwischen schmalen, durch das 
Aufsteigen des circa 3 cm tiefen Reliefgrundes 
gebildeten Rändern einen mächtig-en Palmbaum 
mit drei großen Fruchttrauben und zu beiden Seiten 
des vStammes auf je einer — nur durch eine 
schwache, vom Rande nicht ganz bis zum Baume 
fortgeführte Leiste gebildeten — Bodenandeu- 
tung zwei einander zugekehrte, mit den ge- 
senkten Köpfen sich fast berührende Hähne, weit 
ausschreitend, also wohl in Kampfstellung zu 
denken. Über, beziehungsweise (was durch das 
Verschwinden der Füße angedeutet is^) hinter dem 



link.sseitigen llahn erhebt sich eine seltsame Ge- 
stalt, die beim ersten Anblick nicht viel Mensch- 
liches zu haben scheint. Bei näherer Betrachtung 
erkennen wir einen jugendlichen Pan (Panisken). 
Der ganz verstoßene Gesichtstheil war abgesprengt, 
ist aber wiedi-r angekittet. Die ursprüngliche Exi- 
stenz von Hörnchen ergibt sich aus deren (auf 
dem Bilde lichten) Spuren auf dem Reliefgrunde. 
Der Panisk steht in Schrittstellung- nach links mit 
gleichsam befehlend erhobener Rechten. *) Der 
linke Arm hält vermuthlich ein pedum geschultert, 




um das sich ein Theil des dürftigen Obergewandes 
hinauf zu winden scheint, während dessen Unter- 
theil schwänzchenartig nach rückwärts flattert. 

Die Figur ist wohl als Aufseher und Richter 
des vor ihr stattfindenden Hahnenkampfes zu 
denken. 

Natürlich müssen wir auch für den \-erlorenen 
Theil des Reliefs solche etagenförmig angeordnete 
Seitendarstellungen annehmen, u. zw. müssen deren 
noch zwei Paare gefolgt sein, in Abständen von bei- 
läufig 50 — 60 cm. 

*) Das, was nach der Photoijraphie wie ein von der 
rechten Hand gehaltener Stab erscheinen könnte, ist bloß 
eine zufällige Sinterkruste. 

1 ; 



195 



196 



Das Relief scheint, wie u. a. auch die für 
Stoßfugen berechneten Schmalseiten zeigen, zur 
Verkleidung eines verticalen Baugliedes zwischen 
größeren — wahrscheinlich ebenfalls plastisch ge- 
schmückten — Flächen eingelassen gewesen zu sein. 

Der monumentale Charakter des Ganzen einer- 
seits, der Realismus der Zeichnung, namentlich des 
Baumes, und das Genrehafte, ja Burleske der Dar- 
stellung anderseits, sowie die Composition überhaupt 
geben Probleme auf, deren Verfolgung hier zu w eit 
führen würde. 

Cilli, Mai 1902. Eduard Xowotxy 

Spätgothische Denkmäler in Istrien 

Conservator Dr. Giovaxnt Righetti berichtet über 
die Sculpturen und Malereien in der St. Antonius- 
Kapelle zu Barbana in Istrien, einem kleinen 
gewölbten Steinbau neben einem vormaligen 
Schlosse der Familie Loredan. Die Kapelle steht 
gegenwärtig außer Gebrauch, wird als Depositen- 
kammer benützt und läuft Gefahr, an ihrem künst- 
lerischen Inhalt durch eindringende Feuchtigkeit 
Schaden zu leiden. Diese Gefahr war es auch, die 
die zuständigen Behörden bewogen hat, der Kapelle 
ihr Augenmerk zuzuwenden und von dem genannten 
Conservator einen Bericht einzufordern, der gemäß 
dieser \"eranlassung sich hauptsächlich mit dem 
gemalten und geschnitzten Inhalte der Kapelle 
beschäftigt. 

Auf dem einfachen Altare steht die Statue 
des hl. Antonius Abbsis in reicher Abtkleidung, 
*/^ nat. Größe, in Holz geschnitzt, mit Spuren von 
Vergoldung. Wände und Gewölbe waren einstmals 
durchaus mit Malereien bedeckt, von denen sich 
eine Anzahl Bilder in leidlichem Zustande erhalten 
hat. Hinter der Altarfigur eine Madonna mit Heiligen 
und Engeln, an den Wänden herum in der untersten 
Zone, die größtentheils unter dem heutigen erhöhten 
Fußboden verborgen liegt, eine Reihe von heiligen 
Einzelfiguren, darunter die Bestattung des Titel- 
heiligen in der Wüste, ferner die Übertragung seines 
Leichnams nach Alexandrien. Die Technik bezeichnet 
der Berichterstatter als enkaustisch, den Charakter 
als dem venezianischen Quattrocento entsprechend. 
Xeben punktierten Inschriften in gothischen und 
glagolitischen Buchstaben findet sich unter anderen 
auch die Jahreszahl 1463. Diese ansehnlichen Reste 
erscheinen hiernach durchaus der Erhaltung w-ert. 



und die C. C. hat auch bereits Schritte unternommen, 
um noch eingehendere Mittheilungen über die Fres- 
ken und die Möghchkeit einer zweckdienlichen 
Restaurierung derselben zu erlangen (vgl. Sp. 1 69). 

Renaissance-Grabsteine 

1. Correspondent J. Merz in Wels berichtet über 
einen reich sculpierten Renais.sance-Grabstein aus 
der ehemaligen Kapelle zu Ober-Perwent, der 
gegenwärtig zu Thalheim bei Wels vor dem Hause 
des Ziegelfabrikanten Fraxzm.uer als Pflasterstein, 
mit der Bildseite nach oben, benützt wird. Der 
Stein ist aus rothem Salzburger Marmor gefertigt, 
i-8oX i'i2'" und nennt in der Inschrift die Frau 
Felicitas Weißin, geborene Unterholzerin, als 
darunter bestattet, und den 24. October 1592 als 
den Todestag derselben. Der Stein soll in das 
Welser städtische Museum gerettet werden. 

2. Correspondent Oberlehrer Victor Koxschegg 
berichtet über fünf Grabsteine aus dem XVI. Jh., 
die im Jahre 1900 theils aus dem alten Kirchen- 
pflaster, theils von einer Altarmensa der Pfarr- 
kirche in Aussee gehoben worden sind. Der- 
jenige, der als Altardeckplatte gedient hat, ist der 
Grabstein des Ausseer Salzverwesers Christof von 
Praunfalk, der sich als Haupt der dortigen evan- 
gelischen Liga bekannt gemacht hat und im Jahre 
1 545 verstorben ist. Die aus dem Pflaster gehobenen 
Grabsteine sind diejenigen des Salzverwesers Xiklas 
Pogenwirt, des Pfarrers Heinrich Wesinelter (f 1 5 18), 
des Salzverwesers- Springer von Lerchenreith und 
eines Vierten, dessen Xame nicht leserlich, Wappen 
aber wohl erhalten ist. Alle fünf Steine sind der- 
malen provisorisch an der Kirchenmauer in senk- 
rechter Lage aufgestellt und sollen in Bälde einen 
definitiven geschützten Platz angewiesen erhalten. 

Sgraffiti in Mähren 

An der Fa§ade des dem Fleischhauer Svoboda 
gehörigen Hauses n. 46 am Karlsplatze zu Tre- 
bitsch wurden unter der Tünche einige Spuren 
von Sgraffiti aufgefunden. Bisher konnten zwischen' 
den Fenstern die zwei Darstellungen der Maria 
mit dem Kinde und des Opfers Isaaks mit einem 
aus Voluten componierten Ornamentbande darüber, 
ferner unterhalb des Daches ein Jagdfries fest- 
gestellt werden; der letztere aber dürfte an seinem 



197 



igS 



imtcrcii Raiiilc infolj;-!^ einer seit diT An))rin^'uiiL;' 
(liT Sv^ralfiti durchg'eführten \'ergröÜ('run,n' der 
I^'en.ster nicht mehr vollständiji- erlialteii sein. Der 
kunsthistorische Charakter der Arbeiten weist auf 
das Ende des XVI. bis Anfang- des XN'II. Jh. JJer 
Besitzer des Hauses hat (»ine l'"()rtsetzunj;' der Bloß- 
leg-ung der Sgraffiti zugfesagt, die Erhaltung jedorh 
von einer »Subvention abhäng-ig- g-(!macht. 

(iegfenüber dem erwälinten Hause, auf der 
entgegengesetzten Seite des Platzes, befindet sich 
ein Haus, dessen Ea9ade ebenfalls, nach einer im 
.Sitzungrszimmer der Gemeinde Trebitsch erhaltenen 
Federzeichnung, unter der Tünche Sgraffiti birgt; 
sofern man aber der keineswegs mustergiltigen 
Aufnahme trauen darf, steht der künstlerische Wert 
dieser bis jetzt in keinem Punkte blo(3gelegten 
Sgraffiti hinter dem der eingangs genannten be- 
trächtlich zurück. Conservator .Sterz 



Zuwachs der Bibliothek der C. C. 

(Januar — Juni 1901) 

Philosophische und historische Abhandlungen der kgl. 

preuijischen Akademie der Wissenschaften 1901. Berlin. 
Amtsblatt der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. 

XI Nr. 1—33. 
Analecta BoUandiana XXI (1902) 1. Brüssel. 
Heinrich Ankert, Die ßaumeisterfamilie Brojrgio. S.-A. 

aus den Mittheilungen des Vereines für Geschichte der 

Deutschen in Böhmen (1502). Prag. 
Annalen des Vereines für nassauische Altertliumskunde und 

Geschichtsforschung XXXII 1901. Wiesbaden. 
Anzeiger des germanischen Nationalinuseums 1901 1 — 4. 

Nürnberg. 
Archeografo Triestino. N. F. XXV (1902). Triest. 
Archiv für österr. Geschichte. XCI (1902) 1. Wien. 
Archivio della r. societä Romana di storia patria XXIV 

(1901) 3. 4. Rom. 

Atti della i. r. accademia di scienze lettere ed arti degli 
agiati in Rovereto. III. F. VII (1900) 3. 4. VIII (1902) 1. 

Karl Atz und P. Adelgott Sch.\tz, Das Decanat Bozen. 
I (1902) 1. Bozen. 

Geschichtliche Beilage zum St. PcUtner Diücesanblatt VII 

(1902) Bogen 33—36. 

Berichte und Mittheilungen des Altcrthums -Vereins zu Wien. 

XXXVI. XXXVII (1902). 
Bidragatill vär odlings häfder, utgifna af nordiska museet 

VIII 1901 (R. Steffen, Romanska smäkyrkor i östersjo 

länderna). Stockholm. 
Prähi.storische Blätter, hgg. von N.vue XIV (1902) n. 1—3. 

München. 
Fk.\nz Bii.k*, II Palazzo di Diocleziano a Spalato e pro- 

prietä dello Stato (1902). Spalato. 



i Bulletin de la .Sciciete nationale des antiquaires de France 

1901 4. 1902 1. Paris. 
Bulletin international de l'academie des sciences deCracovie: 

classe de philologic, classe d'histoire et de philosophie. 

1901 10. 1902 1-4. 
Bullettino di archeologia e storia Dalmata. X.XI\' (1901) 12. 

XXV (1902) 1—5. Spalato. 
The Canadian antiquarian and numismatic Journal III. F'. 

IV (1902) 1. Montreal. 

Carinthia I, Mittheilungen des Geschichtsvereines für 

Kärnten XCII (1902) 2—4. Klagenfurt. 
Casopis moravskeho musea zemskeho I (1901) 1. 2. Brunn. 
Casopis vlastenecktSho spolku musejniho v 01onu)uci XIX 

(1902) 1. 3. 
Ceskoslovanske letü])isy nuisejni. 1 (1902) 1 — 3. Caslau. 
La Chronique des Arts et de la Curiosite 1902 Nr. 1 — 2,'l 

Paris. 
Comit6 de conservation des monuments de l'art arabe 

fasc. 17 (1900). Kairo. 
Denkmalpflege. IV (1902)' 2— 6. Berlin. 
Vom Eibenstein. S.-A. aus: »Der Volksbote«, Zeitschrift 

des oberOsterr. Volksbildungsvereines in Linz a. D. 
Österreichische Eisenbahn-Zeitung XXV (1902) Nr. 1 — 17. 
L'Emulation. N. F. II (1901) 10—12. III (1902) 1—4. Löwen. 
Archaeologiai Ertesitö XIX ( 1 899) 1.2; XXII (1 902). Budapest. 
Deutsche Geschichtsblätter III 4. 5 (1902). Gotha. 
Gazette des beaux arts III. F. XXVII (1902) 535—540. Paris. 
Glasnik zemljaskog muzeja u Bosni i Hercegovini XI\' 

(1902) 1. 2. Sarajewo. 
Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft «Adler,» 1902. 

Wien. 
Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des ah. Kaiser- 
hauses XXII 5. 6. 
Neue Heidelberger Jahrbücher XI (1901) 1. 
Jahreshefte des österr. archäologischen Institutes in Wien 

V (1902) 1. 

Izvestja muzejskega drustva za Kranjsko XII (1902) 1. 2. 
Laibach. 

Katalog der Bibliothek des deutschen Vereins für die Ge- 
schichte Mährens und Schlesiens, zweiter Nachtrag, 
verfasst von Dr. W. Schr.\m. (1902j. Brunn. 

Katalog der, Gewebesammlung des germanischen National- 
museums II, verfasst von H. Stegm.\nn (1901). Nürnberg. 

Der Kirchen -Schmuck, Blätter des christlichen Kunst- 
vereins der Diöcese Seckau XXXIII (1902). 1—6. 

Correspondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen 
Geschichts- und Alterthumsvereine L (1902) 1 — 5. Berlin. 

Die kirchliche Kunst IX (1902) 1-12. Wien. 

Kunst und Kunsthandwerk, Monatsschrift des k. k. österr. 
Museums für Kunst und Industrie V (1902) 1—4. Wien. 

Christliche Kunstblätter XLIII (1902) 2. 3. Linz. 

Kunstchronik N. F. XIII (1901/2) 11—28. Berlin. 

Die Kunstdenkmale des Königreichs Baj-ern vom XL bis 
zum Ende des XVIII. Jahrhunderts I (1901)21. München. 

Der Kunstfreund XVIII (1902) 1—6. Innsbruck. 

Der obergermanisch-raetische Limes des Römerreiches, 
Lieferung 14. 15(19011. Heidelberg. 



199 



200 



Meddelanden frän nordiska museet 1899 och 1900. Stock- 
holm 1902. 

Memoires et documents publies par la Sociötö nationale 
des antiquaires de France 1902. 

Mittheilungen der Architekten -Vereinitjuns: Wiener Bau- 
hütte XXV 0902, Festausgabet, 4. Wien. 

Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft in 
Wien XLV (1902) 1—4. 

Mittheilungen des mährischen Gewerbemuseums XX (1902) 
1 — 10. Brunn. 

Mittheilungen des nordböhmischen Gewerbemuseums XIX 

(1901) 4: XX 11902). Reichenberg. 

Mittheilungen der antiquarischen Gesellschaft XXV 3 (1902) 

^ Kahs, das Frauenmünster in Zürich. Zürich. 
Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft in Wien 

XXXII (19021 1. 2. und Sitzungsberichte Jänner bis 

März 1902. Wien. 
S.-A. aus den Mittheilungen der Gesellschaft für Salzbur^er 

Landeskunde (XLI 1901): «Axton PETERM.\NDr. f:; vgl. 

auch PlRCKilAYER. 

Mittheilungen des k. k. Technologischen Gewerbe-Museums 

in Wien X. F. XI i1901) 11—12. 
Mittheilungen des nordböhmischen Excursions-Clubs XXV 

(1902) 1. Leipa. 

Mittheilungen des Instituts für Österreichische Geschichts- 
forschung XXIII (1902) 1. 2. Innsbruck. 

Mittheilungen des Musealvereins für Krain X\' 1. 2. (1902). 
Laibach. 

Monatsblatt der k. k. heraldischen Gesellschaft sAdler^ 
IV (1902) Xr. 255: V (19021 15—18. 

Monatsblatt des Alterthums -Vereines zu Wien. VII (1902) 4. 

Monatsberichte über Kunstwissenschaft und Kunsthandel. I 
(1900 1) 11. 12. München. 

Nachrichten über deutsche Alterthumsfunde XII (1901) 
(1902) 1. Berlin. 

Notizie degli scavi di antichitä 1901, 12 und Indici. 1902, ' 
1. 2. Rom. 

Österreichisch-ungarische Revue XXVI (19C0) 6: XXVII 
(1900) 1. 2; XXVIII (1901. 1902.1 1. 4—6. Wien. 

Österreichische Wochenschrift für den öffentlichen Bau- 
dienst \^II (1902) 1-24. Wien. 

F. PiRCKMAVER, Project einer Stadterweiterung und der 
Eröffnung eines Thores durch den Jlönchsberg im 
XVII. Jahrhundert (S.-A. aus Mitth. d. Ges. f. Salz- 
burger Landeskunde XLI 1901). 

C. T. PosTiNGER, Documenti in volgare Trentino della fine 
del Trecento relativi alla cronaca delle giudicarie. 
Rovereto 1901. Derselbe: Un po d' arte nelle nostre 
abitazioni; conferenza letta nell' aula accademica il 
6 giugno 1900. Rovereto. 

Rad jugoslavenske akademije znanosti i umjetnosti 146. 
147. Zara 1901. 

Rechenschafts-Bericht des Ausschusses des steierm. Kunst- 
gewerbe-Vereines in Graz über das 37. VereinsTjahr 1901. 



Rendiconti della reale accademia dei lincei, classa di scienze 

morali storiche e filologiche V. F. X (19011 11 — 12. XI 

(1902) 1. 2. Rom. 
Heinrich Röttingek, Das Motiv der vier Kirchenväter bei 

MiCH.\Er. P.\rHER. S.-A. aus dem Repertorium für 

Kunstwissenschaft XXIV (1901). 
Xärodopisny Sbomik Ceskoslovansky \TII (1902\ Prag. 
Sitzungsberichte der kgl. preußischen Akademie der Wissen- 
schaften (1902) 1—22. Berlin. 
Soupis pamätek historickych a umeleckVxh v krälovstvi 

Ceskem VI. VII. XIV. Prag 1901. 
Tabularium, gli archivi della Dalmazia II (1902) 1. 2. Zara. 
Tridentum, rivista mensile di studi Scientifici IV (1901) 10; 

V (1S02) 1—3. Trient. 
Katholisches Vereinsblatt XVI (1902) 9—12. Wien. 
M. Vaxc,s.\, Historische Topographie mit besonderer Be- 
rücksichtigung Niederösterreichs. Wien IS02. 
Verhandlungen des historischen Vereines von Oberpfalz 

und Regensburg LIII (1901t. 
Verordnungsblatt für den Dienstbereich des Ministeriums 

für Cultus und Unterricht (1902) 1—11. Wien. 
Vestnik ceske akademie cisafe Frantiska Josefa pro vedv, 

slovesnost a umeni X (1901) 8. (1902) XI 1.4. 5. Prag. 
Vjestnik kr. hrvatsko-slavonsko-dalmatinskog zemljaskog 

arkiva. IV (1902) 1. 2. Agram. 
Zeitschrift des deutschen Vereins für die Geschichte 

Mährens und Schlesiens VI (1902) 1 — 3. Brunn. 
Zeitschrift des mährischen Landesmuseums I 1901) 1. 2. 

Brunn. 
Zeitschrift des österr. Ingenieur- und Architekten- Vereines 

LIV (1902) 1 bis 24. Wien. 
Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen N'. F. VII 

(1902) 1. 2. Wiesbaden. 
Zeitschrift für Ethnologie XXXIII (1901) 5. 6: XXXIV 

(1902) 1. Beriin. 
Zeitschrift für bildende Kunst XIII i1902) 7—8. Bedin. 



Inhalt 

Spalte 

Personalnachrichten 81 

Sitzungsberichte : Sitzung am 4. April 115 

3 3 11. ;> 125 

,■> 18. . . ■ 132 

■> !> 2. Mai 151 

:> 9. 5 164 

li3. 167 

> ; 30. ^ 175 

Nowotny Ein römisches Relief in Cilli 193 

RiGHETTi Spätgothische Denkmäler in Istrien 195 

Renaissance-Grabsteine fMERZ: Ober-Perwent: Aussee. 

Kon.schegg) 196 

Sterz Sgraffiti in Mähren 196 

Zuwachs der Bibliothek der C. C 197 



Verantwortliche Redacteure: Prof. Wilhelm Kubitschek und Prof. Ar.OLS Riegl. — Druck von Rudolf M. Rohrer in Brunn. 
In Commission bei WiiJtEi.M Brau.müller, k. k. Hof- und Universiläts-Buchhändler, Wien und Leipzig. 



MITTHEILUNGEN 

DI'R K. K.CENTRAL-COMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXC. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 

Band 1 Nr 7 Juli 1902 



Sitzungsberichte 

vom Schriftführer verfasst. 

Sitzungf am 13. Juni (vierzehnte Sitzung der 
II. Scction). 

Anwesend: Vorsitzender: v. Förster. — Mit- 
glieder: Deininger, Hermann, Luntz, Neumann, 
Neuwirth, ScHAEFFKR, Wächtt.kr. — Rcdaction : 
KuBrrscHKK, Rikgl. — Schriftführer: Bauer. 



Böhmen 

Conservator WiEHL berichtet über zwei Projecte 
für den Umbau der Pfarrkirche in Bela, eines 
einschiffig'en Baues mit barockem Langhaus und 
Thurm, gothischem Chor mit barockveränderten 
Fenstern und einer Sacristei von unbestimmtem 
Alter. Xach dem ersten bliebe der bisherige Bau 
als Presbyterium eines neuen Schiffes erhalten, 
nach dem zweiten sollten Schiff und Thurm demo- 
liert und eine neue Kirche sammt Thurm in roma- 
nischem Stile parallel mit dem gegenwärtigen 
gothischen Presbyterium erbaut werden, wobei 
dieses als Kapelle nebst der Sacristei erhalten 
bliebe. Da der Bauzustand der vorhandenen Kirche 
ein durchaus guter ist, glaubt der Conserv'ator ent- 
schieden für das erste Projekt eintreten zu sollen, 
das auch den Vorzug eines geringeren Kosten- 
erfordernisses aufweist und etwa unter Zugrunde- 
legung der von Kilian Ignaz Dientzenhofer im 
Jahre 1737 erbauten St. Clemenskirche in Podolka 
eine künstlerische Ausstattung des Innenraumes 
zulassen würde. Im Presbyterium könne eine Apsis 
für den Hochaltar unter Wahrung des Lichtzutrittes 
zugebaut, der Musikchor über dem Haupteingange 
ähnlich wie in Podolka behandelt und namentlich 
gegen das neue .Schiff nicht abgeschlossen, die 



barockumgestalteten Fenster in die ursprüngliche 
gothische Form zurückversetzt und ein vermauer- 
tes gothisches Fenster wieder eröffnet werden. 
Das Äußere würde infolge der größeren Spannung 
auch eine Zunahme an Hölie für den Dachstuhl 
und den Thurm bedingen, der hiebei zu seinem Vor- 
theil schlanker gemacht werden könnte. Von Details 
wäre auf eine wirksame Lösung der Hauptfafade, 
eine charakteristische Silhouette des Thurmes und 
dessen Daches, einen geeigneten, äußerlich bezeich- 
nenden Zugang zum Musikchor und eine hin- 
reichende Anzahl von wohlgelegenen Ausgängen 
Bedacht zu nehmen. Sämmtliche Neuherstellungen 
wären aber im Barockstil der Mitte des XVIII. Jh. 
auszuführen. 

Die C. C. bilHgt diese Anträge und empfiehlt 
ihre Genehmigung. [Referent: Deininger] 

Conservator Ji(iiiNSK\' berichtet, dass im Innern 
der Pfarrkirche zu Dubio vice bedeutsame figu- 
rale Malereien (Magdalena mit 15 Figuren und Bei- 
schriften) zutage gekommen seien. Die C. C. be- 
schließt, eine Untersuchung der Malereien einzu- 
leiten. [Referent: Schaeffer] 

Gegen die beabsichtigte Reconstruction des 
Thurmhelmes bei der Pfarrkirche in Pocapl 
beschließt die C. C. keine Einwendung zu erheben, 
da an der Architektur und Ornamentik des Thurm- 
körpers selbst keine Änderungen beabsichtigt sind. 

[Referent: Lu.ntz] 

Die in Aussicht genommene Restaurierung- der 
Filialkirche in Radaun bezeichnet die C. C. 
vom kunsthistorischen Standpunkte als wünschens- 
wert und befürwortet die Gewährung einer Staats- 
subvention von 500 A" und eines entsprechenden 
Beitrages aus Landesmittehi. [Referent: Deininger] 

'4 



203 



204 



Dalmatien 
Die Vorstellungen der lokalen Factoren in 
Cattaro, die sich mit der Herstellung eines ein- 
fachen Rahmens um das Gemälde des Girolamo 
da S. Croce in der St. Josefskirche zu Cattaro 
für die bewilligte Staatssubvention von 1 20 K nicht 
begnügen wollen und die Ausfuhrung eines reicher 
ausgestatteten Rahmens auf Kosten des Staates 
verlangen, ohne einen entsprechenden Beitrag aus 
Eigenem in Aussicht zu stellen, beschUeßt die 
C. C. nicht zu unterstützen. [Referent: Neumann] 

Für die dringende Restaurierung der am Strande 
zu Curzola befindlichen Säule, die 1678 zur Er- 
innerung an den Grafen Pellegrino Pasqualigo er- 
richtet wurde, wird eine Staatssubvention erbeten. 
Da dem Denkmal ausschließlich localhistorischer 
Wert zukommt, beschUeßt die C. C, das Ansuchen 
nicht zu befürworten. [Referent: Xeumaks] 

Über den beabsichtigten Verkauf des bischöf- 
lichen Palastes in Trau an die Justizverwaltung 
zum Zwecke der Auffuhrung eines neuen Gerichts- 
gebäudes beschließt die C. C. weitere Erhebungen 
zu pflegen. [Referent: Xeol\xx] 

Galizien 

Conservator v. Tomkowicz berichtet über die 
an der Domkirche auf dem AVawel in Krakau 
durchgeführten Restaiirierungsarbeiten (siehe Bei- 
lage Sp. 2 1 1 ff.) und die gegen dieselben erhobenen 
Anwürfe, die sich größtentheils auf mangelhafte In- 
formationen gründen und thatsächliche Unrichtig- 
keiten enthalten. Da der Conservator bisher bei 
jedem einzelnen Theile des kunsthistorisch wert- 
vollen Bestandes das Zuviel und Zuwenig der in Aus- 
sicht genommenen Restaurierungen vom Stand- 
punkte der wissenschaftlichen Denkmalpflege in 
Erwägung gezogen und hiermit der Erhaltung und 
Ergänzung des Baudenkmals auf das Beste gedient 
hat, erklärt sich die C. C. mit seinem A'orgehen 
vollkommen einverstanden und beschließt dem- 
selben den Dank für seine Mühewaltung auszu- 
sprechen. [Referent: Herüanx] 

Der galizische Landesausschuss hat sich bereit 
erklärt, die Grabstätte des Faustus Socinus 
in Luslawice (siehe Sp. 165) um den ange- 
sprochenen Betrag von 100 A' anzukaufen. 



Kärnten 

Entgegen dem von der C. C. abgegebenen 
Gutachten (vgl. Sp. 27) wünschen die localen Fac- 
toren in Maria Gail, dass die Gruppe Maria 
Krönung am Hauptaltare der dortigen Pfarrkirche 
belassen und statt ihrer für den zur Restaurie- 
rung gelangenden Flügelaltar ein anderes Relief 
(eventuell Maria Himmelfahrt) neu hergestellt 
werde. Da aber die Gruppe Maria Krönung er- 
wiesenermaßen ursprünglich jenem Flügelaltar an- 
I gehört hat, muss die C. C. auf ihrem Beschlüsse 
, beharren und auf Realisierung desselben dringen. 

[Referent: Deestsger] 

Da das Pfarramt in Maria Saal zwar der voll- 
ständigen Bloßlegung und Restaurierung der Be- 
malungen in den Gewölbezwickeln des Haupt- 
schiffes nicht abgeneigt ist, jedoch das Unternehmen 
aus localen Rütteln nicht durchfuhren zu können 
erklärt, anderseits diesen Malereien ein besonderer 
Kunstwert nicht zukommt, beschließt die C. C, die 
Angelegenheit derzeit nicht weiter zu verfolgen. 

[Referent: Schazffer] 

Küstenland 

Gegen die am Dache des Augustustempels 
in Pola in Aussicht genommenen Reparaturen, 
welche für die Erhaltung des Baudenkmals noth- 
wendig erscheinen, beschließt die C. C. keine Ein- 
wendung zu erheben. [Referent: Förster] 

Mähren 

Conservator Sterz berichtet, dass in der 
Elisabethkirche (sogenannten Spitalkirche) in 
der unteren Vorstadt zu Znaim mit seinem Ein- 
verständnis ein neuer Verputz hergestellt und 
Bodenfliesen gelegt werden, was er zur Veran- 
lassung genommen habe, ein im Fußboden befind- 
liches Epitaph an der Kirchenwand aufzustellen. 

[Referent: Xeolanx] 

Xieder-Österreich 

Das k. k. Alinisterium für Cultus und Unterricht 
gibt bekannt: die hinsichtlich einer Restaurierung 
der Deckengemälde in der Maria-Treu-(Piaristen)- 
Kirche in Wien gepflogenen Erhebungen hätten 
ergeben, dass die einfache Bemalung der Gurten 
unversehrt zu sein scheine, die vermuthlich nicht 
al fresco ausgeführten figürlichen Gemälde hin- 



205 



2o6 



gegen zum Theilc gar nicht mehr \-()rli;uuien, zum 
Theile abgfewittert seien, so dass ihre Wieder- 
herstelhin^' al fresco rund 52.000 K kosten würde. 
Da aber diese Ergebnisse bloß durch den Augen- 
schein von unten gewonnen wurden, kann die C. C. 
dieselben nicht für unbedingt zuverlässig gelten 
lassen, hält vielmehr eine Rettung der Original- 
malereien der bedeutendsten Schöpfung Maul- 
pertschs für möglich, spricht .sich grundsätzlich 
gegen jede Neuherstellung aus und beschließt vom 
Ministerium ilie Kosten für die Aufstt>llung eines 
Gerüstes zu erbitten, um die Gemälde genauer 
untersuchen und entsprechende Vorschläge er- 
statten zu können. [Referent: Scuaeffer] 

Die C C. beschließt die in Verhandlung' 
stehende Räumung des Neugebäudes in Wien 
(XI. Bezirk) und den Ankauf desselben durch die 
Gemeinde zu begrüßen, sich jedoch gegen die dem 
Vernehmen nach beabsichtigte Demolierung des 
ganzen Gebäudecomplexes auszusprechen und die 
Erhaltung wenigstens des ehemaligen kaiserlichen 
Schlosses zu befürworten. [Referent: Wächtler] 

Der k. k. Bezirkscommissär Du. Lieger theilt 
mit, dass die Wiederherstellung des Kirchendaches 
bei der Pfarrkirche in Hoheneich in Ausführung- 
begriffen sei. [Referent: Rosner] 

Conservator Endi, berichtet, dass die Neu- 
färbelung der Fafade der Piaristenkirche in 
Hörn (Sp. 170) bereits vollendet war, als ihm der 
Bescheid der C. C, die sich für die Herstellung- 
mit dem sichtbaren Putze aussprach, zukam. Der 
Conservator glaubte sich mit einer Eärbelung 
der Fafade zufrieden geben zu können, da ihre 
Kosten den vorhandenen Mitteln entsprachen und 
damit einer späteren gründlichen Restaurierung 
nicht vorgegriffen sei. [Referent: Wächtlek] 

Die C. C. beschließt, wegen ehethunlich.ster 
Restaurierung des Hochaltarbildes (Maria-Himmel- 
fahrt vom Kremser Schmidt) in der Piaristen- 
kirche zu Krems die weiteren Schritte einzuleiten. 

[Referent : Schäffer] 

Conservator Ha.mmekl berichtet über die bevor- 
stehende Neueindeckung, Neuanstrich und Außen- 
färbelung der Pfarrkirche zu Marbach am Walde, 
eines im Jahre 1726 barock umgestalteten gothischen 
Baues aus dem Beginne des X\'I. Jh., von dessen 
ursprüiiglichrni {'x-standc sich nur nuch fünf ein- 



fache Strebepfeiler und das Sockelgesims, ferner 
ein massiver Thurm mit einfachen Thürgewänden 
und Fensterleihungcn und im Mörtel markierten 
Eckquadern erhalten haben, während die gothischen 
Apsisfenster vermauert seien. 

Der Conservator empfiehlt: Strebepfeiler, Sockel- 
gesims und riiurmthürstöcke abzustecken ; die Eck- 
quadern und Fensterleibungen desThurmes, die Mar- 
kierung für das abg-eschlagene Dachkranzgesims und 
die heutigen Fensterleibung-en in der Naturfarbe des 
Steines, alle übrigen Wandflächen grünlich-grau, den 
Thurmlielm mit Ausnahme der goldenen Kug'el mit 
Kreuz schwarz, Fensterstöcke und Fensterrahmen, 
Thüren und Schallfensterjalousien dunkelgrün zu 
streichen; das Langhaus mit getheerten Falzziegeln, 
die Apsis anstatt mit Blech mit getheerten Hohl- 
ziegeln zu decken. Die C. C. erklärt sich damit 
einverstanden. [Referent: Rosner] 

An der Pfarrkirche in Rottenschachen 
sind in Aussicht genommen: Herstellung einer ein- 
fachen Hohlkehle mit Gesimse über dem Kirchen- 
schiffe, Färbelung der Wände und Decke im Innern 
in zwei Farbtönen, Reparatur und Neuanstrich der 
Thüren und Fenster, Ausbesserung des Fußbodens 
und Aufstellung- von 24 neuen Kirchenbänken iinii 
Ausbesserung- zweier Bänke im Presbyterium. Die 
C. C. beschließt hierg-egen eine Einwendung nicht 
zu erheben. [Referent Rosner] 

Ober-Österreich 

Conservator Meindl beantragt, dass eine für 
die Pfarrkirche in St. Marienkirchen anzu- 
schaffende Monstranze entsprechend dem Charakter 
des Baues im spätgothischen Stile ausgeführt werde; 
die C. C. erklärt sich hiermit einverstanden. 

[Referent: Neumann] 

Salzburg 

Conservator Berger berichtet, dass die Stadt- 
gemeinde Salzburg das Kaufanbot für eine Par- 
zelle am Rudolfsquai mit Resten alter Befestigungs- 
werke (vgl. vSp. 163) abgelehnt habe und nun den 
freien Platz davor durch eine Gartenanlage zu ver- 
schönern gedenke, woiiurch jede Gefahrdung- des 
Bestandes jener kunsthistorisch bemerkenswerten 
Reste abgewendet sei. Die C. C. beschließt, der 
Gemeinde hierfür Dank und Anerkennung aus- 
zudrücken. [Referent: Rosner] 

14* 



207 



208 



Conservator Berger berichtet, dass die Aula 
des k. k. Studiengebäudes in Salzburg infolge 
von Schäden an der Decke einer Restaurierung 
bedürfe, die sich auf die Erhaltung des Bestehenden 
und Wiederherstellung des Zerstörten, insbesondere 
auf Ersatz der schadhaften Blindrahmen, Unter- 
spannung der brüchigen Leinwand und Reinigen der 
Bilder beschränken soll. Die Gemälde an der Längs- 
wand und der einen Stirnwand (15 Scenen aus dem 
Leben Maria und der Leidensgeschichte Christi), 
über der Eingangsthür (jüngstes Gericht) und an 
der Decke (Wappen des Erzbischofs Paris Lodron), 
endlich das Altarbild seien zwar rohe ^Malereien 
ohne Kunstwert, aber als 'integrierende Bestand- 
theile der Saaldecoration der Erhaltung wert. Die 
C. C. erklärt sich mit diesem Gutachten einver- 
standen. [Referent: Sch.\effer] 

Conservator Bergee berichtet, dass bei der 
durch Raummangel bedingten Erweiterung der 
sogenannten Edmundsburg in Salzburg jede 
Schädigung des Stadtbildes vermieden und im Ein- 
vernehmen mit der C. C. vorgegangen werden soll. 

Steiermark 
Der Director des steiermärkischen culturhisto- 
rischen und Kunstgewerbemuseums in Graz über- 
mittelt den Jahresbericht dieses Museums für 1901, 
welcher mit Interesse zur Kenntnis genommen wird. 

[Referent: Neumaxx] 

Zur Deckung der Kosten für die Restaurierung 
des Altarbildes (Christus am Kreuze) vom Kremser 
Schmidt in der Pfarrkirche zu Göss waren aus 
Staatsmitteln 1 00 A', von den localen Factoren 300 K 
zur Verfügung gestellt; da jedoch die letzteren 
nachträglich zurückgezogen wurden, beschließt die 
C. C, auf die localen Spender einzuwirken, dass 
sie ihre Widmung aufrecht erhalten. 

[Referent : Schaeffer] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt für die Restaurierung der Filial- 
kirche St. Xicolaus in Koritno bei Cadram 
eine Subvention von 320 K (vgl. Sp. 54). 

Das fürstbischöfliche Lavanter Ordinariat theilt 
mit, dass der St. Xicolai-Altar in der Dom- und 
Stadtpfarrkirche zu Marburg (vgl. Sp. 54) 
den liturgischen Anforderungen nicht genüge und 
so baufällig sei, dass an seine baldige Abtragung 
unter allen Umständen gedacht werden müsse, 



wogegen der zum Ersätze bestimmte Rosenkranz- 
altar den Interessen des Cultus und den Wünschen 
der Bevölkerung entspreche. Das Ordinariat aner- 
kennt jedoch, dass das für diesen Altar vorgelegte 
Project mit den Raumverhältnissen der Kirche 
nicht harmoniere, und erklärt sich zu einer Ab- 
änderung bereit. [Referent: Deixinger] 

Conservator Graus berichtet, dass die Johan- 
neskapelle in Piirgg und die darin befindlichen 
Wandmalereien sich in befriedigendem Zustande be- 
finden. Der figürliche Theil der letzteren sei ganz 
unversehrt, die Verzierung des Sockels und die 
Teppichmuster nur in unbedeutendem Maße ge- 
schädigt. Für die Ventilation der Kapelle werde 
entsprechend gesorgt und ein geringfügiges Ge- 
brechen am Dachreiter nach der Zusicherung des 
Dechants ehethunlichst behoben werden. 

[Referent: Schaeffer] 
Um die dem Vernehmen nach geplante Demo- 
lierung der historisch wichtigen und zu den ange- 
sehensten Burgen des steirischen Oberlandes zäh- 
lenden Ruine des Schlosses Wolkenstein zu 
verhindern, beschließt die C. C, auf den Besitzer 
einzuwirken, dass er von der Demolierung ab- 
stehen möge. [Referent: Rosner] 

Tirol 
Von den augenblicklich der Restaurierung 
unterzogenen Malereien in der Todtenkapelle 
zu Gais, deren Bestimmung und Sicherung im 
übrigen keinen Schwierigkeiten unterliegt, ist das 
zweite Bild an der senkrechten Längswand so stark 
beschädigt, dass es bloß im unteren Theile zu er- 
kennen ist und einzelne Figuren (Engel mit Spruch- 
bändern, die in die Vorhölle niedersteigen) sich nur 
mehr ahnen lassen. Da die localen Factoren eine 
vollständige Wiederherstellung dieser Malereien 
wünschen, beschließt die C. C. hiergegen eine Ein- 
wendung nicht zu erheben, wofern die vorhandenen 
Reste der Originalmalereien strengstens erhalten 
bleiben und die Ergänzungen ihnen organisch und 
stilgerecht angeschlossen werden können. 

[Referent: Schaeffer] 
Das Holzrelief der Grablegung Christi in der 
Bethlehemkapelle in Gschwend, Gemeinde 
Panzendorf, Pfarre Sillian (vgl. Sp. 1 64), wurde nach 
neuerlichen Erhebungen vom Besitzer des benach- 
barten Hattlerhofes eingezogen und bis zur Stunde 
nicht der Kapelle zurückgestellt, wogegen die von 



2og 



2IO 



ihm beabsiclitigto X'eräulJcrimy dos Reliefs an 
einen Antiquar über Intervention des berufenen 
Conservators unterblieben ist. Dem Antrage des 
letzteren, das Relief an das Innsbrucker Museum 
abzugeben, schließt sich die C. C. an. 

[Referent : Nf.lmann] 

Über h. a. Anregung ist die dringend noth- 
wendige Ausbesserung des Daches der St. Adalari- 
kirche im Pillerseethale in Aussicht genommen. 
Die C. C. beschließt, hierfür eine Subvention von 
1 200 A' in Antrag zu bringen. [Referent: Rosxer] 

Die \'orstehungdesFranciscanerklosters in 
Schwaz macht Mittheilung über die Restaurierung 
der Wandmalereien im dortigen Kreuzgange, die 
bisher durch die Maler Siber und Untergasser an 
fünf (iemälden entsprechend durchgeführt wurden, 
während ein sechstes im Laufe dieses Jahres fertig- 
gestellt werden soll. 

Die ursprüngliche Zeichnung der Bilder (vgl. 
Sp. 98) sei bei keinem der Bilder vollständig vor- 
handen, weil die abgesprungenen ülfarbenpartien 
von der Übermalung des XVII. Jh. auch vielfach die 
darunter gelegenen ursprünglichen Temperafarben 
und die Originalzeichnung mit fortgenommen haben, 
und überdies der Künstler, der jene Übermalung 
ausgeführt hat, sich dabei durchaus nicht correct 
an die alte Zeichnung gehalten habe. Da die Kloster- 
vorstehung hauptsächlich die Malereien selbst er- 
halten und gesichert sehen will und auf die Wieder- 
herstellung der ursprünglichen Zeichnung weniger 
Gewicht legt, so könne sie die letztere, die die 
Entfernung der darüber gelegenen Malereien zur 
Voraussetzung hat, nur bei einem oder zwei Bildern 
zulassen, deren Farben schon gänzlich verschwunden 
seien. Die C. C. beschließt, diese Vorschläge dem 
k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht zur Ge- 
nehmigung zu empfehlen. [Referent: Schaeffer] 

Die Stadtgemeinde Schwaz theilt mit, dass 
bei der Restaurierung der dortigen Pfarrkirche vor 
allem die Beseitigung der Schäden des Thurmes 
und die Herstellung der Strebepfeiler unter fach- 
männischer Leitung betrieben werde, um dadurch 
den künftigen Bestand des Baues zu sichern. 

[Referent: Luntz] 

Es steht in Absicht, den oberen Saal des Stamm- 
schlosses Tirol mit Wandmalereien zu schmücken. 
Die C. C erhebt hiergegen im Princip keine Ein- 



wentlung, kann jetioch die ihr vorgelegten Ent- 
würfe zur Ausführung nicht empfehlen. 

[Referenten: Ros.ner und .Schaeffer] 
Conservator .Schmoi.zer berichtet über den fort- 
schreitenden Verfall der Fresken im Castell del 
buon Consiglio in Irient. In der Loggia des 
Löwenhofes sei der Mauerfuß an der Ostseite bis 
ungefähr Manneshöhe von Feuchtigkeit ganz durch- 
tränkt, ohne dass an den Außenmauern hiervon 
etwas sichtbar wäre. Der Conservator räth die voll- 
ständige Bloßlegung der bezüglichen Stelle an der 
Außenseite an, damit die Mauer im Sommer gründ- 
lich austrocknen könne, wonach ein neuerlicher 
Mörtelbewurf aufzusetzen wäre. Auch die Malereien 
in den Gewölbezwickeln der Westseite der Loggia 
und in anderen Räumen zeigen infolge von Feuchtig- 
keit zunehmende .Schäden, denen gegenwärtig nicht 
abgeholfen werden könne, weil dies allzu umfassende 
und ko.stspielige Adaptierungen und Herstellungen 
erfordern würde. Durch das für tadellos gehaltene 
Dach sei im abgelaufenen Frühling abermals Wasser 
in den ehemaligen Bibliotheksaal im zweiten .Stocke 
eingedrungen und die Militärbauleitung hierauf auf- 
merksam gemacht worden. Die Stuccodecoration 
der Decke der ehemaligen Palastkapelle (jetzt 
Büchsenmacherwerkstätte) sei im zunehmenden 
Abspringen begriffen, weil das Gewölbe durch 
einen gewaltigen eisernen Kochherd zu schwer 
belastet werde. Im Stiegenhause des zweiten 
Stockwerkes drohen am Fries des Dosso Dossi 
große Theile des Malgrundes sich gänzlich los- 
zulösen, was auch von den allerdings minder 
wertvollen Malereien im Hofe des alten Theiles 
des Castells durch alle Stockwerke hindurch gilt. 
Die Lunettenmalereien Dosso Dossis in der Camera 
di stucchi stehen infolge schlechter Ventilierung 
nach und nach ab, wobei aber der Hauptschaden 
wiederum auf Feuchtigkeit zurückzuführen sei. Ab- 
gefallene Stücke von den Prachtdecken anderer 
Gemächer pflegen zu verschwinden. In der Loggia 
des Löwenhofes seien an einer Figur des Phöbus 
an der Decke drei ganz frische von einem Flaubert- 
gewehre herrührende Schusslöcher zu sehen. Die 
C. C. nimmt diesen Bericht mit lebhaftem Bedauern 
zur Kenntnis. Da eine dauernde Besserung trotz 
allen Entgegenkommens seitens der Militärver- 
waltung nur dann zu erwarten stehe, wenn das herr- 
liche Denkmal nicht mehr als Festung behandelt 



211 



212 



würde, beschließt die C. C, darauf hinzuwirken, dass 
das Castell in absehbarer Zeit vom Militär geräumt 
werde, zunächst aber die Sicherung der gefährdeten 
Malereien zu veranlassen. [Referent: Schaeffek] 

DasAltarbildderGymnasialkircheS.Trinitä 
i n T r i e n t, das sich fi-üher über dem Grabe des Grafen 
Thun in der Marcuskirche zu Trient befunden hatte, 
wurde an die gräfliche Familie Thux um den Preis 
von 400 A' verkauft, wogegen der berufene Conser- 
vator keine Einwendung erhob, weil das Bild bloß 
einen mäßigen kunsthistorischen Wert besitzt und 
der Käufer die pietätvolle Erhaltung desselben ge- 
währleistete. [Referent: Schaeffer] 

CorrespondentDANXESBERGER macht Mittheilung, 
dass das Hauptaltarbild in der Pfarrkirche von 
S. Martino, einer Vorstadt von Trient, mit Dar- 
stellung des Todes des hl. Martin von Giambettino 
CignaroUi sich in beklagenswertem Zustande befinde. 
Die C. C. beschließt, eine Untersuchung des Bildes 
zu veranlassen. [Referent: Schaeffer] 



Beilage zu Sp. 203. 

Die Restaurierung der Domkirche auf dem Wawel 
in Krakau. 

Am 24. Jänner d. J. erhielt ich durch die Post eine 
Anzahl Zeitungsausschmtte und Broschüren zugesandt,' 
die über die Restaurierung der Kathedralkirche am Wawel 
zu Krakau handelten und grösstentheils abfällige Bespre- 
chungen meiner und des Conservators Dombaumeisters 
OijRZTTwoLSKi Thätigkeit enthielten. Eine Sendung ähnlichen 
Inhalts wurde mir am 26. Februar eingehändigt. 

Nicht aus Nachlässigkeit habe ich bis jetzt versäumt, 
meinen Standpunkt klarzulegen. Die Sendungen enthielten 
Zeitvmgsartikel, die vor einem halben oder sogar vor einem 
ganzen Jahre erschienen waren. Aber auch das zu einer 
Gegenäusserung auffordernde Begleitschreiben trug das 
keineswegs mehr junge Datum vom 12.JuU 1901 (Z.643 C. C. . 
Somit musste jede, wenn auch noch so eilige Antwort, im 
vorhinein als veraltet erscheinen. Außerdem schien sich eben 
zu Anfang des Jahres 1902 in der fraglichen .Angelegenheit 
eine grundsätzliche Wendung vorzubereiten. Die Autorität 
des Conservators wurde nicht mehr so streng beobachtet 
als bisher, seiner Ingerenz wurden Hindemisse in den Weg 
gelegt, dem Denkmale nicht mehr die gleiche Pietät wie 
früher entgegengebracht. Das Verhältnis der die Restau- 
rierung leitenden Factoren zum Conservator war aber nicht 
abgebrochen und schien sogar ein besseres werden zu 
wollen. Die Vertheidigung alles Geschehenen war zwar 
nicht mehr möglich, aber der Zeitpunkt zu einer Kriegs- 
erklärung wäre schlecht gewählt gewesen, umsomehr als 
die Meinungsverschiedenheiten sich auf Details von weniger 
Beiana: bezogen. 



Da sich nun seither die Sachlage keineswegs geändert 
hat, glaube ich, dass ein weiterer .Aufschub dieses Berichtes 
durch keine Rücksichten gerechtfertigt wäre, und beehre 
mich, eine möglichst objective Charakterisierung der Sach- 
lage zu unterbreiten. 

Die Domkirche am Wawel wird von der polnischen 
Nation als nationales Heiligthum angesehen und jede an ihr 
vorgenommene .Arbeit mit gespannter Aufmerksamkeit ver- 
folgt So musste auch die jetzige umfassende Restaurierung 
die öffentliche Meinung erregen, umsomehr als hierüber 
seitens des Restaurierungscomites und des Domcapitels 
ein tiefes Schweigen beobachtet wurde. Unsere Zeitungen 
erachteten sich als berufen, über die Restaurierung zu be- 
richten und dieselbe zu beurtheilen. Da aber unter den- 
jenigen, die auf solche Weise das W ort ergriflfen, sich nur 
wenige Kenner befanden, und manche sogar es versäumten, 
sich über den Thatbestand zu unterrichten, so sind in den 
bezügUchen, zum TheUe stark subjectiv gefärbten Artikeln 
vielfach ganz gegenstandslose Vorwürfe und sogar fac- 
tische Unwahrheiten mit unterlaufen. Die darin enthaltenen 
V^orwürfe lassen sich in verschiedene Kategorien eintheUen. 
Die einen beziehen sich auf Angelegenheiten, die mit 
der Denkmalspflege in gar keinem oder bloß in sehr ent- 
I femtem Zusammenhange stehen; so die abfällige Kritik 
: der neu aufgestellten Grabdenkmäler, des Cardinais Dlsa- 
I jEwsKi und des ehemaUgen Krakauer Bischofs und Cardi- 
I nals Olessicki. Das erstere, aus Sammelgeldem gespendet, 
I ist unzweifelhaft unschön, stört aber wenig, da es von ge- 
ringen Dimensionen ist und in einem Seitengange Platz 
gefunden hat. Das letztere hingegen, von Professor Zumbusch 
verfertigt, ist ein Kunstwerk, dessen Verurtheilung auf einer 
leichtfertig wiederholten Unwahrheit beruht, laut welcher 
das Verhältnis des Kopfes zur ganzen Figur '/13 betragen 
soll. Viel böses Blut erregte die Nachricht, dass sechs Fenster 
in einer ausländischen Fabrik bestellt worden seien. Einige 
giengen soweit, dass sie Urnen jeden Kunstwert absprachen, 
bevor sie in Krakau eingetrofien waren. Es ist allerdings 
zu bedauern, dass sie aus dem Auslande bezogen werden, 
während wir Kräfte ersten Ranges besitzen, die wemgstens 
die Cartons hätten herstellen können. Jedes Urtheü über 
die Qualität der Ausführung ist aber dermalen verfrüht, 
weil bisher nur ein einziges farbiges Fenster von kleineren 
Dimensionen in einer Seitenkapelle eingesetzt wurde; es 
stammt von der Firma Meyer in München und ist aller- 
dings nicht sehr glücklich ausgefallen. 

In allen diesen Fragen hat der Conservator seine 
Meinung ausgesprochen, er glaubte jedoch keineswegs be- 
rechtigt zu sein, aus ihrer Nichtbeachtung Consequenzen 
zu ziehen, da diese Sache nicht in seine amtliche Com- 
petenz fällt Es muss aber gesagt werden, dass gerade die 
Fensterfrage die öffentliche Meinung am meisten aufgeregt 
hat. Einige .Agitatoren, an denen es in unserer Künstler- 
welt ebensowenig fehlt wie in anderen Städten, inscenierten 
Proteste gegen die Bestellung von Glasmalereien und Grab- 
denkmälern bei Nichtpolen; ein Entrüstungsschrei durch- 
lief die ganze polnische Presse und richtete sich gegen 
den Für.stbischof von Krakau, den Dombaumeister Odrzv- 



213 



214 



woi.sKi und mich. Die incistni untrr ilrn mir von der k. \<. 
C. C. zugeschickten Zeitungsartiki In sind aus diesem An- 
lass j^eschrieben und berühren anderes entweder ^ar nicht 
oder nur im Vorübergehen. Ich finde keine Veranlassung, 
in dieser Sache weiter Worte zu verlieren. 

Was die saclilichen Besprechungen der Restaurierung 
der Domkirche und ihrer Kunstdenkmale anbelangt, so sind 
sie doppelter Art. Die einen, die von Dilettanten oder von 
Künstlern herrühren, die von einer wissenschaftlichen 
Denkmalpflege keine Ahnung haben, vertreten entweder 
den Standpunkt, dass eine Restaurierung alles schonen 
müsse, was aus der Vergangenheit herrührt, »sogar die 
Fehler unserer Vorfahren«, wie sich einer dieser Herren 
ausdrückt, oder sie verfechten die entgegengesetzte Über- 
zeugung, dass bei der Restaurierung zu viel Alterthümer 
ohne Wert respectiert worden seien. Nach den ersteren 
hat man Unrecht gethan, indem man das vor 30 Jahren im 
Mittelschiff aufgestellte, unkünstlerische Standlsild des Predi- 
gers Skarga aus der Domkirche entfernte und in die Peters- 
kirche, wo dieser Jesuitenpater des XVII. Jh. in der Mitte 
des Chores seine Grabstätte hat, überführte. Ebenso hätte 
die schöne, von Thorwaldsen herrührende Bildsäule des 
Wladimir Potocki nicht verschoben werden sollen, obwohl 
es feststeht, dass sie in der ersten Hälfte des XIX. Jh. 
unbegreiflicherweise auf der Grabplatte der Königin Anna 
von Cilli, Gemahlin des Königs Wladislaus Jagello, aus 
dem Anfang des XV. Jh. Aufstellung gefunden hat. Auch 
sind diese Kritiker sehr empört darüber, dass die vor etwa 
200 Jahren verstümmelten, sehr schönen Chorstühle der 
Spätrenaissancezeit hergestellt und ergänzt worden sind, 
sowie dass der ehemals reich vergoldete barocke Hochaltar 
nach seiner Erneuerung in seinem ursprünglichen Glänze 
wieder erstrahlt. Sie wollen nicht berücksichtigen, dass 
das Leben seine Forderungen hat, und dass eine dem Gottes- 
dienst dienende Kirche nicht als Museum behandelt werden 
kann. Namentlich von Künstlern hingegen finden wir die 
Ansicht vertreten, dass die conservatorlschen Rücksichten 
gar keine Rolle hätten spielen sollen. Die Vergangenheit, 
meinen sie, müsse den Forderungen der Gegenwart weichen. 
Die Restaurierung der Domkirche hätte benützt werden 
sollen, um unseren modernen Künstlern möglichst viel Arbeit 
und Ruhm zu verschaffen. Im Restaurierungscomit^ hätten 
ausübende Künstler den V'orrang haben sollen; die Haupt- 
pflicht desselben sei: der artistischen Gemeinde ein mög- 
lichst weites Feld zum Kunstschaffen zu eröffnen. Sogar 
für die Ergänzungen verstümmelter Denkmäler aus ver- 
gangenen Jahrhunderten hätten Concursausschreiben statt- 
finden sollen. 

Natürlich war es unmöglich, allen diesen diametral 
entgegengesetzten Forderungen Rechnung zu tragen. Man 
wählte den Mittelweg; man erneuerte die zum Gottesdienst 
nothwendigen Objecte und ich kann es unmöglich als 
Fehler betrachten, dass einige zu sehr verstümmelte Denk- 
mäler nach wissenschaftlichen Grundsätzen ohne Concurs- 
ausschreiben vom Leiter der Restaurierung, Dombaumeister 
Odrzywi)L.ski, ergänzt worden sind. Als kunstgeschichtlich 
gebildeter Architekt war er vollständig dazu qualificiert, 



die Aufgabe selbst durchzufülin-n, und er löste sie auch 
gewissenhaft und sachgemäß. Das Concursausschreiben für 
jeden einzelnen Gegenstand hätte nur Verwirrung in die 
Angelegenheit hineingebracht. 

Und nun komme ich zur Kritik der Restaurierung der 
Domkirche; mit ihr beschäftigen sich die w-enigsten der 
erwähnten Aufsätze, und auch sie sind von einer gewissen 
Übertreibung nicht freizusprechen. Von allen hier vor- 
gebrachten Bemerkungen sind eigentlich bloß zwei von 
Belang. Es wird erstens die Ergänzung des Thurmhelmes 
am Sigismundsglockenthurm bemängelt und zweitens dem 
Restaurator der Domkirche ein schwerer Vorwurf daraus 
gemacht, dass er die im Anfange des XVIII. Jh. einge- 
führte Erhöhung der Gewölbe über dem Chorumgang be- 
lassen hat. Ich habe in meinen früheren Berichten aus den 
Jahren 1900, 1899 und 1898 beide Punkte ausführlich be- 
sprochen und meinen Standpunkt präcisiert. 

Was die Bedeckung des Glockenthurmes anbelangt, 
wird sie sehr verschieden beurtheilt. Einige sprechen ihr 
jeden Wert ab, finden sie unschön und geschmacklos. 
Andere, unter ihnen auch gebildete Kunstkenner und be- 
gabte Künstler, loben sie als sehr gelungen. Der Thurm 
besaß in der letzten Zeit eine provisorische Bedachung aus 
der Mitte des XIX. Jh., die nicht länger geduldet werden 
durfte. Beim Projecte eines neuen Helmes war man haupt- 
sächlich darauf bedacht, ihm diejenige Gestalt wieder- 
zugeben, welche er nach alten Holzschnitten und Zeich- 
7iungen durch mehrere Jahrhunderte besessen hatte. Es war 
dies ein Renaissancehelm, eine hohe Zwiebelkuppel in der 
Mitte und vier kleinere Kuppeln an den Ecken. Ähnliches 
bietet noch bis heute die Thurmbedeckung des kleineren 
Glockenthurmes an der Marienkirche in Krakau. Im Project 
wurden die schönsten bekannten derartigen Thurmhelme 
Deutschlands und Flanderns berücksichtigt, was umso- 
mehr erlaubt war, als eine genaue und zuverlässige alte 
Aufnahme des Sigismundthurmes nicht vorlag. Um die 
große mittlere Kuppel zu beleben, gab man ihr nach dem 
Muster des Thurmhelmes der hiesigen Frohnleichnamskirche 
fialenartige Zusätze. Das Ganze ist meiner Ansicht nach 
soweit nur möglich dem ursprünglichen Muster nach- 
gemacht. Dem Helme ist eine gewisse Schwerfälligkeit 
nicht abzusprechen, die jedoch davon herrührt, dass der 
Grundriss des Thurmkörpers von jeher im Verhältnis zu 
seiner Höhe zu breit gewesen war. Es wäre aber unzu- 
lässig den Thurmkörper zu ändern, der fünf große Glocken 
in sich birgt und nicht nur historisch interessant ist, sondern 
auch künstlerische Details darbietet. 

Mit Berufung auf die in meinen früheren Berichten 
enthaltenen Erörterungen brauche ich meinen Standpunkt 
hinsichtlich des Chorumganges nur in aller Kürze in Er- 
innerung zu bringen. Vom Anfange an vertrat ich die An- 
sicht, dass seine im XVTII. Jh. erhöhten Gewölbe bei der 
Restaurierung belassen werden sollten. Es ist zwar nicht 
zu leugnen, dass die anfangs vom Dombaumeister projec- 
tierte und von anderen Architekten sehr warm empfohlene 
Wiederherstellung der früheren niedrigen Gewölbe den 
ursprünglichen Intentionen des Erbauers der Kirche besser 



21 = 



2l6 



entsprechen würde und den Organismus des gothischen Baues 
aus dem XIV. Jh. zum klaren Ausdrucke gebracht hätte. 
Allein wichtige Rücksichten sprachen dagegen. Nicht ohne 
Grund hatte man sich entschlossen, denUmgang vor etwa 200 
Jahren umzubauen. Die anfangs freistehenden Seitenschiffe 
sowie der Chorumgang wurden im Laufe der Zeiten mit 
einer fortlaufenden Reihe von Kapellen umgeben, welche 
an die Stelle der früheren Fensteröffnungen traten. Als 
nun später auch noch die meisten Seitenfenster dieser 
Kapellen vermauert wurden, um Platz für Grabdenkmäler 
zu gewinnen, wurden die neben dem Chor verlängerten 
Seitenschiffe und vollends der hintere Chorumgang jedes 
Lichtes beraubt. Die hierauf eingeführte Erhöhimg der 
Außenwände der Nebenschifle und des Umganges war nun 
offenbar eine Nothmaßregel, um in die dunkeln Räume 
etwas Licht zu bringen; dieses fällt durch die über den 
Kapelleneingängen angebrachten Fenster herein. Die Wieder- 
einführung der ursprünglichen, mehr als um die Hälfte 
niedrigeren Gewölbe würde bei Belassung der Kapellen 
und der Grabdenkmäler eine vollständige Verfinsterung 
der Seitenschiffe und des Umganges zur Folge gehabt haben 
imd wahrscheinlich zur .\btragung einiger Kapellen oder 
wenigstens der das Licht verdeckenden Denkmäler geführt 
haben. Außerdem sind an die erhöhten Wände des Chor- 
umganges einige nicht wertlose Altäre. Denkmäler und 
Kapellenportale aus kostbarem Marmor angelehnt worden, 
welche bei der Erniedrigung der Gewölbe hätten abge- 
tragen werden müssen. Durch diese Maßnahme hätte somit 
das Innere der Kirche unzweifelhaft große Einbuße erlitten 
und bloß das Äußere gewonnen. Nun ist aber nicht zu 
vergessen, daß die Domkirche von verschiedenen Neben- 
gebäuden (^Schatzkammer, Capitelsaal, Thürme, sehr hohe 
Kapellen und ein Theil des Schloßbaucomplexes) direct 
eingeschlossen ist, dass der Chorumgang ganz und gar dem 
Anbhcke entzogen und nur das eine der Seitenschiffe von 
einem Punkte des Schlosshofes und dazu nur sehr mangel- 
haft zu sehen ist. Somit wäre der Umbau dieses Theiles 
der Kirche lediglich ein Experiment für die Architekten 
gewesen, wobei der mehr als fragliche Gewinn den unzweifel- 
haften Verlust keineswegs hätte aufwiegen können. Bei 
den vor Beginn der Restaurierung gepflogenen Berathungen 
erklärte sich auch ein großer Theil der berufenen Kenner, 
darunter sogar Architekten, gegen die Erniedrigung der 
Gewölbe. 

Damit sind die zwei Hauptfragen erledigt. 

Was die Bemängelungen der übrigen minder wichtigen 
Details betrifft, beruhen sie zur größeren Hälfte auf schon 
widerleg^ten L'nwahrheiten ; so die Behauptung von der 
Vernichtung angeblich wertvoller Wandmalereien, worüber 
ich mich bereits in einem am 4. Februar 1897 der C. C. 
mit Beifügung photographischer Aufnahmen übersandten 
Memorandum ausführlich geäußert habe. Diese angeblichen 
FreskencN-klen bestanden aus spärlichen Fragmenten von 
einigen nicht mehr zu erkennenden Figuren, die in Nischen 
im Chore unter der Tünche zum Vorschein kamen, sehr 
mittelmäßig in Temperatechnik ausgeführt waren und weder 
aus technischen Rücksichten erhalten werden konnten, noch 



sonst Erhaltung verdienten. Drei in fresco ausgeführte 
Engelgestalten, die zwar keinen größeren Kunstwert hatten, 
aber erhalten werden konnten, sind bis heute an Ort und 
Stelle zu sehen, desgleichen eine verstümmelte Apostelligur 
in tempera neben dem Hochaltar, die man andenkenshalber 
geschont hat Von Vandalismus kann hier somit keine 
Rede sein. 

Berechtigter war vielleicht die Kritik zweier anderer 
Punkte. Der erstere betrifft die Rohbaupartien im Innern 
des Chores. Seine Wände sind nämlich aus schön bearbei- 
teten Quadersteinen erbaut und nur etwa in der Mitte der 
Gesammthöhe durch eine Art Fries aus mehreren Schichten 
von rothen Ziegeln unterbrochen. In späterer Zeit wurden 
sie, sowie überhaupt das ganze Innere übertüncht: da 
aber die helleren und dunkleren Ziegelsteine ein Muster 
bilden, unterliegt es keinem Zweifel, dass diese Partie 
ursprünglich als Rohbau behandelt war. Bei der Restau- 
rierung wurden diese Ziegel wieder von der Tünche be- 
freit, und nun wirkt dieser Rohbaufries allerdings inmitten 
einer Quadersteinconstruction befremdend und unlogisch. 
Seine Berechtigung ist wahrscheinlich in der ehemaligen 
Polychromie des Innern zu suchen, von welcher noch 
Spuren existieren. Bei der Restaurierung wurde jedoch auf 
ausdrücklichen Wunsch des Fürstbischofs, S. Em. des Car- 
dinais PuzYN.\, von irgendwelcher Polvchromie abgesehen. 
Künftighin wird es aber einmal dazu kommen müssen. 

Der zweite Punkt betrifft die gothischen Arkaden 
zwischen dem Chore und den daneben laufenden Seiten- 
gängen, auf welchen die oberen Scheidewände ruhen. Diese 
ursprünglich offenen Arkaden wurden im XVI. Jh. durch 
die daran gelehnten Chorstühle ganz verstellt: sodann 
wurden, um die unschönen Rückwände der Chorstühle 
zu maskieren, die Öffnungen der Arkaden durch getünchte 
Ziegelwände vermauert, und in diese zahlreiche Epitaphien 
eingelassen. Diese ganz ordinären Ziegelwände wurden 
nun hei der Restaurierung der Kirche entfernt: da aber die 
wieder sichtbar gewordenen Rückwände der Chorgestühle 
einen unschönen Anblick darboten und außerdem eine Be- 
lästigung durch Luftzug zu befürchten stand, so wurden an 
Stelle der entfernten Ziegelvermauerung neue Wände aus 
Quadersteinen angebracht, deren obere Bekrönung aus 
einem bildhauerisch behandelten Blumenfries, einem reichen 
Gesims und einem Eisengitter darüber gebildet ist. Diese 
Omamentierung ist zwar in modernem Stile gehalten, an 
und für sich aber als recht gelungen zu betrachten. Neben 
der mittelalterlichen Architektur der Arkaden wirkt sie 
gewissermaßen störend, ist aber auf den ersten Blick als 
lose Zugabe zu erkennen 

Von conservatorischem Standpunkt aus ist eigentlich 
bei dem ganzen L'ntemehmen der jetzigen Restaurierung 
nur eines zu rügen und zu beklagen: die Entfernung von 
drei an den PfeUem des Mittelschiffes gestandenen Neben- 
altären, die ohne Vorwissen des Conservators und während 
seiner .Abwesenheit weggeräumt und verschenkt worden 
sind. Diese Altäre, aus schwarzem Marmor im späten Barock- 
stile, waren zwar eine Anomalie mitten im gothischen Bau, 
aber ihr etwa 200jähriges' Bestehen an diesem Orte gab 



217 



2l8 



ihnen eine gewisse Berechtigung-, unisomehr als das Kirclien- 
innere überhaupt viele Details im Renaissance- und Barock- 
stil enthält. Ihr beklagenswertes Verschwinden findet sich 
auch in meinem in den M. C. C. abgedruckten Jahres- 
berichte für 1900 ausführlich beleuchtet. Es ist mir nicht 
bekannt, ob die C. C. eine Veranlassung fand, auf Grund 
jenes Berichtes sich mit einer Vorstellung an das fürst- 
bischöfliche Ordinariat in Krakau zu wenden. Als die Ent- 
fernung der Altiire zu meiner Kenntnis gelangte, prote- 
stierte ich dagegen in einer Sitzung des Restaurierungs- 
comites im December 1900. Der Protest wurde nicht in das 
Protokoll aufgenommen, und da Sitzungsprotokolle seit 
diesem Vorfalle nicht mehr niedergeschrieben wurden, sah 
ich mich nach einiger Zeit veranlasst, meinen Austritt aus 
dem Comitö anzuzeigen, umsomehr, als meine weiteren 
Verwahrungen gegen die Entfernung einiger Epitaphien 
aus dem X\'I. und XVII. Jh. unbeachtet zu bleiben schienen 
und nicht protokolliert wurden. Mein definitives Aus- 
scheiden aus dem Comit6 erfolgte im December 1901. 
Seither geschehen die Unterhandlungen zwischen dem 
Conservator und dem Restaurierungscomite resp. dem 
Fürstbischof von Krakau als dessen ^'ürsitzenden auf 
schriftlichem Wege. Als theilweiser Erfolg dieser Maß- 
nahme ist zu verzeichnen, dass eine Anzahl von Epi- 
taphien, die schon zur definitiven Entfernung aus dem 
Innern der Kirche verurtheilt waren, nun wieder, wenn auch 
nicht an ihrer ursprünglichen Stelle, so doch im Innern der 
Kirche Platz finden sollen. 

Wenn nun auch zwischen dem Conservator und dem 
Vorsitzenden des Dom-Restaurierungscomit6s in letzter Zeit 
einige Meinungsdifferenzen entstanden sind, so finde ich 
mich veranlasst, gegenüber der so lauten Kritik der 
Presse, übrigens nicht in deren ansehnlicheren Organen, 
sehr entschieden zu bestreiten, dass in der Sache der 
Restaurierung der Domkirche von Krakau grundsätzliche 
Fehler oder bei der Behandlung der Details Vandalismen 
begangen worden wären. Im Gegentheil ist das befolgte 
Princip meiner Meinung nach ein richtiges; auch wurde 
bei der Durchführung eine lobenswerte Pietät gegenüber 
den Denkmalen der Kunst und Vergangenheit beobachtet. 
Es mögen sich zwar einige Mängel eingeschlichen haben 
und Einzelheiten, die ich auch oben betont habe, zu be- 
klagen sein; von groben Fehlern kann meines Wissens keine 
Rede sein. Im Gegentheil ist bei allen betheiligten Factoren 
eine ernste und gewissenhafte Auffassung der complicierten 
Aufgabe hervorzuheben. Dafür bürgt die Zusammensetzung 
des die Restaurierung beaufsichtigenden Comites, zu dessen 
Mitgliedern der Professor der Kunstgeschichte an der Jagel- 
lonischenUniversität, Hofrath Dr. v. Sokoi.owski, der Vorstand 
des hiesigen Kunstvereines, Kunstkenner und Mäcen Gr.\f 
R.\czvNSKi, der Conservator und ehemalige Restaurator der 
Krakauer Marienkirche, Baurath v. Strvjenski u. a. gehören. 
Dem Dombaumeister Baurath Oi)Kzvw(>r.sKi kann alles andere 
eher als Sachkenntnis, Bildung und Gewissenhaftigkeit in 
der Denkmalpflege abgesprochen werden; vielleicht hat er 
sich in gewissen Sachen gegenüber dem starken Willen des 
Vorsitzenden des Restaurierungscomitßs zu nachgiebig ge- 



zeigt, aber ein unparteiischer Beobachter muss sein großes 
Verdienst bei der ganzen Sache anerkennen. 

Der Vorwurf endlich, welcher von einem Pseudonymen 
SzczERBowsKi in der Quartalschrift »Wiadomosci numizma- 
tyczno-archeologiczne : vorgebracht und von einigen Zei- 
tungen wiederholt wurde, wonach ich als Vorsitzender des 
Krakauer Gremiums der Conservatoren die Besprechung 
der Angelegenheit in den Sitzungen des Gremiums verhin- 
dert hätte, erweist sich schon dadurch als unwahr, dass ich 
in dem ganzen Zeiträume, der hierbei in Betracht kommt, 
nicht Vorsitzender war und erst vor zwei Jahren dazu er- 
wählt wurde. Die Angelegenheit wurde übrigens im Gremium 
besprochen ; außerdem gehörten von Anfang an bis zu meinem 
Austritt vier Mitglieder des Conservatorengremiums dem 
Dom-Restaurierungscomite an, so dass wenigstens für diese 
die Angelegenheiten der Restaurierung der Domkirche kein 
Geheimnis gewesen sein können. 

6. Mai 1902. Dr. Stanislaus v. Tomkowicz. 



Sitzungen am 20. Juni (zehnte Sitzung der 
I. Section, elfte Sitzung- des Plenums, fünf- 
zehnte Sitzung- der II. Section. 

Anwesend: Vorsitzender; Kenner. — Mitglie- 
der: Deininger, V. Förster, Luntz, Much, 
Neumann, Redlich, Wächtler. — Redaction: 
KuBiTSCHEK. — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Die Sgraffiti am Krei.sgerichtsgebäude zu ' 
Jungbunzlau, die in einem ..Pamätky archeo- 
logicke" XX (i 902) erschienenen Aufsatze des Gym- 
nasialprofessors Franz BareS über „Das alte Rath- 
haus in Jungbunzlau"' eine eing-ehende Beschreibung 
ihrer Technik und gegenständlichen Composition 
gefunden haben, und über h. a. Anregung in allen 
Stockwerken bloßgelegt und photographiert be- 
ziehungsweise abgezeichnet worden waren, sollen 
nunmehr einer Restaurierung unterzogen und hier- 
für staatliche Mittel in Anspruch genommen w^erden. 
Die C. C. be,schließt, einen Ik Ostenüberschlag einzu- 
holen. [Referent: Houdek] 

Conservator Hibsch berichtet, dass er den an- 
geblichen Schlackenwall auf dem Hradischka- 
Berge bei Schwaden (pol. Bezirk Aussig) wieder- 
holt untersucht habe und zur Überzeugung gelangt 
sei, dass einst auf diesem Bergwinkel, welcher von 
einem großen Theil des Elbethales aus gesehen 
werden könne, durch längere Zeit ein heftiges Feuer 
sei es zu Cultusz\vecken,'sei es als Wachtfeuer 
oder als Signal — unterhalten worden sei, wodurch 

15 



119 



220 



die darunter liegenden, schon im Schmiedefeuer 
schmelzbaren Steine einseitig erweicht und ange- 
schmolzen worden wären. [Referent: Much] 

Galizien 

Correspondent Chlzzola berichtet über die 
bisherigen Erfolge der in Baiice durchgeführten 
Grabungen, wobei ein Feuersteinwerkzeug, ein 
steinernes (Serpentin?) Beil mit Durchlochung und 
ornamentierte Gefäßscherben zutage gekommen 
seien. [Referent: Mlch] 

Conservator Odrzywolski berichtet, dass im 
Vorjahre ein Kapellenzubau zu der Klosterkirche 
in Kety fertiggestellt worden sei, wodurch die aus 
der Mitte des XVIII. Jh. herrührende Kirche keine 
Entstellung erfahren habe, zumal der Eingang der 
Kapelle direct vom Kirchhofe ohne Durchbrechung 
der Kirchenwände eingerichtet worden sei. 

[Referent: Houdek] 

Das Landes-Gendarmeriecommando in Lemberg 
theilt mit, dass im Trojerj cer Walde, Bezirk 
Przemysl, in einer Tiefe von 75 ein ein altes Messer 
mit plastischen Verzierungen und 1 4 silberne Münzen 
gefunden wurden. Das Messer scheine aus Gold 
(wohl IMessing?) zu bestehen. Eine Münze Johann 
Casimirs habe auf dem Revers ein Wappen und 
die Umschrift nionet. argent. rcgn. Pol. 1651, zwei 
Münzen Sigismunds III lassen moneta civit. Geda- 
nensis um ein Wappen lesen. Sieben Münzen des- 
selben Königs mit Sigis. HI d. g. rex Pol. [m.'\ d. 
Li. Rtis. Pill. M. und Sani. Liv. ne[cn.] Sii. Got. 
Van. q. liri. rc.x. um ein Wappen geschrieben. Eine 
Münze Georg Wilhelms von Brandenburg mit 
[C]hur{J\ i. P. z. G. M. S. W., in der Mitte ein 
Wappen. Die Umschrift der drei übrigen kleinen 
Münzen sei unleserlich. Der Fund ist von keiner 
wissenschaftlichen Bedeutung, da König Sieg- 
mund III, dessen Münzen hier vertreten sind, 
infolge seiner langen Regierung zu den münz- 
reichsten Fürsten gehört; dasselbe gilt von der 
an zweiter Stelle erwähnten Münze aus Danzig. 
Leider erwähnt der Bericht den Durchmesser der 
Älünzen nicht, so dass über das Nominale kein 
Urtheil möglich ist. Doch dürfte nach Analogie 
anderer Münzfunde zu schließen sein, dass die 
beschriebenen JSIünzen Drei-Groschenstücke, die 
kleineren einfache polnische Ciroschen sind. 

[Referent: Kenner] 



Kärnten 
Der Geschichtsverein für Kärnten über- 
mittelt den Bericht über seine Thätigkeit im 
Jahre 1901. Vor allem sind die unter der Leitung 
des Professors Dr. Nowotny vorgenommenen Aus- 
grabungen am Zollfelde beachtenswert, w'elche unter 
anderem zwei schöne Statuen einer schlafenden 
Nymphe und eines jugendlichen Dionysos und groß- 
artige Gebäudereste von einer vorläufig noch nicht 
klargestellten Bestimmung zutage gefördert haben. 
Der Verein erwarb ferner zwei römische Inschrift- 
steine (aus der Schlossmühle in Töltschach, von der 
Hüblerhube bei St. Peter ob Reichenfels), während 
die Unterhandlungen wegen Ankaufes eines bei 
LTntergoritschitzen gefundenen Schriftsteines noch 
im Zuge sind. Der vom Archivar hergestellte voll- 
ständige Katalog aller in Kärnten gefundenen 
Inschriftsteine bildet einen wertvollen Beitrag 
zur Landesgeschichte. Die Arbeiten für die Monu- 
menta ducatus Carinthiae wurden soweit gefördert, 
dass mit der Drucklegung des dritten Bandes 
begonnen w-erden kann. Die Ordnungsarbeiten im 
Vereins- und Landesarchive wurden fortgesetzt. 
Die C. C. nimmt hiervon mit lebhafter Befriedigung 
Kenntnis und spricht dem Vereine für seine Thätig- 
keit den Dank und die warme Antheilnahme an 
diesen Erfolgen aus. [Referent: Kenner] 

Krain 

Über Anregung des Conservators Szombathy 
beschließt die C. C, von den Grabungen in der 
Wochein derzeit abzusehen und dafür solche in 
Unterkrain vorzunehmen. [Referent: Much] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt dem Maler Konrad Grefe zur Sub- 
ventionierung des von ihm herausgegebenen 
Sammelwerkes „Alt - Krain" neuerlich einen 
Betrag von 200 A'. 

Küstenland 

Correspondent Moser berichtet über römische 
Gebäudereste in der Localität Braida zwischen dem 
Thiergarten von Duino und der Ortschaft S. Gio- 
vanni am Timavo, deren Ergiebigkeit an römischen 
Funden er schon in seinem vorjährigen Berichte 
hervorgehoben hatte. Bei den am 7. Juni vorge- 
nommenen Grabungen sei ein rechteckiger, von 
einer schmalen, etwa 20 cm dicken Gussmauer 
um.schlossener Raum mit einem Mosaikboden aus 



221 



222 



flachen, riThteckiyen Ziegelchen in Fischyräti-n- 
muster, zum Theil noch recht gut erhalten, lilolj- 
gelegt worden. Darunter fand sich eine fast 30 cm 
starke Lage von aufgegossenem Malter mit ver- 
mengten Bruchstücken von verschieden gefärbten 
Ziegeln, in den tieferen Lagen auch Gerolle, Stein- 
chen und Holzkohlenstückchen, hierauf eine Schichte 
von (durch Mörtel gebundenen, theilweise behaue- 
nen) Steinen und darunter endlich wieder mehr 
sandiger Malter. In der Mitte des Raumes lag eine 
kleine Bronzemünze des Kaisers Julian Apostata mit 
Tola X niiilta XX. Die rechte Gussmauer lehne 
hart an eine circa '/j in mächtige aus Bruchsteinen 
mit Mörtel aufgeführte Steinmauer, an die Guss- 
mauer hinwiederum (zur Hälfte gebrochene) Deck- 
platten an, zwischen denen Bruchsteine und Mörtel 
als Füllung verwendet seien. Im ganzen konnten 
sechs Lagen solcher Deckplatten, röthliche und gelb- 
liche, abgehoben werden, worauf man zu unterst 
auf den Steinsatz gestoßen sei, der sich auch im 
Innern des Raumes vorfände; auch hier hätten sich 
Spuren von Holzkohlenstückchen gezeigt. 

[Referent: Kenner] 
Correspondent Moser berichtet, dass auf dem 
Grundstücke des Landmannes Gos. MERvn< aus 
Duino, im sogenannten Boccadino, der alten römi- 
schen Hafenanlage, im Frühjahre sieben römische 
Silbermünzen gefunden und verkauft worden 
seien, weshalb der Correspondent nur eine der- 
selben — einen Denar') — zustande bringen konnte. 

[Referent: Kenner] 

Mähren 

Conservator Rosmakf, berichtet über seine 
Thätigkeit im zwölften Jahre seiner Amtswirk- 
samkeit, was die C. C. zum Anlasse nimmt ihm für 
seinen besonderen Pflichteifer Dank und Aner- 
kennung auszusprechen. [Referent: Houdek] 

Conservator Sterz legt den Bericht über seine 
Thätigkeit im Jahre igoi vor, welcher von dem 
Eifer des Conservators ein neuerliches erfreuliches 
Zeugnis gibt. Die C. C. beschließt, ihm ihren Dank 
auszusprechen. [Referent: Houdek] 

Conservator Kachnik berichtet über einen auf 
das Kloster Hradisch bei Olmütz bezughabenden 
Gedenkstein mit der Relieffigur des Abtes 

I') Nach der Beschreibung des Berichterstatters gens 
Cupia. Red.] 



Benedict II (1714 — 17-')' •J'-'f '"' Hole eines 
Gasth<auscs zu Cernovir aufgestellt war und zur 
Sicherung \\ieder in die Frontmauer di's luinnichr 
einstöckigen Gasthauses Nr. 86 zu Cernovir ein- 
gelassen wurde, da die Abgabe an ein Museum 
nicht durchgesetzt werden konnte. 

[Referent: Houdek] 
Conservator Sterz berichtet, dass im Mauer- 
werke der Pfarrkirche zu Lechwitz, eines Baues 
vom Beginne des XVIII. Jh. mit beachtenswerten 
Deckenfresken und Architekturmalereien an den 
vier Seitenaltären, mehrfache Risse entstanden 
seien, die eine genaue Untersuchung des Bau- 
zustandes durch einen staatlichen Ingenieur fordern. 

[Referent: Houdek] 

Die \om Correspondenten Xopp berichteten 
Funde in Potmechvat bei Straßnitz lassen da- 
selbst die Existenz eines der früheren Bronzezeit 
angehörigen Gräberfeldes vermuthen. Die C. C. be- 
schließt daher dem Correspondenten zu empfehlen, 
auch den weiteren in jener Gegend zutage tretenden 
Funden das Augenmerk zuzuwenden. 

[Referent: Much] 

Conservator Stkrz berichtet, dass das städtische 
Museum in Znaim von dem auftretenden Mauer- 
schwamme gereinigt und mit neuem Fußboden 
versehen und die Sammlungen durch den Custos 
Fritz Ritter von Friedexfels nach der bestandenen 
und bewährten Ordnung neu aufgestellt wurden, 
so dass das Museum seit i. Juni wieder der öffent- 
lichen Benützung- übergeben w-erden konnte. 

[Referent: Houdek] 

Nieder-Österreich 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt dem Maler Konrad Grefe zur 
Subventionierung des von ihm herausgegebenen 
Sammelwerkes „Alt- Österreich"' neuerlich 
einen Betrag von 200 A'. 

Referent Kenner macht Mittheilung über die 
in der ersten Hälfte des Jahres 1902 in Wien 
zutage getretenen Funde. 

Correspondent Uheirz legt die zweite Ab- 
theilung der im x\uftrage des Wiener Stadtrathes 
herausgegebenen Kirchenmeisterrechnungen 
von .St. Stephan vor, wofür dem Einsender ge- 
dankt wurde. 

Der Abt des Stiftes Melk erklärt sich bereit, 



223 



224 



ein im Besitze des Stiftes befindliches Ölbild, eine 
Skizze zu dem Kuppelgemälde in der Salesianerinnen- 
kirche am Rennweg (vgl. Sp. 92), dem Museum 
der Stadt Wien unentgeltlich zu überlassen. 

Dem Thätigkeitsberichte des städtischen 
Museums in Krems entnimmt die C. C. mit 
BefriedigTing, dass der Verwaltungsausschuss die 
gewohnte Rührigkeit entfaltete. Von neuen Er- 
werbungen sind namentlich der in Brunn am Felde 
gefundene römische Grabstein, der sich später 
im Pfarrhofe zu Gobatsburg befand (diese Mitth. 1 
X. F. XXV 1899, 97 fg. und CIL III 14369. 
und eine im Reichauer-Amte gefundene Goldmünze 
des römischen Kaisers Vitellius zu erwähnen. Die 
C. C. beschließt, dem Ausschusse für seine Thätig- 
keit den Dank und die Anerkennung auszusprechen. 

[Referent: Kenner] 

Beim Baue einer neuen Schule in der Liechten- 
steinstraße zu Maria Enzersdorf wurde die am 
Fuße einer Erdböschung dortselbst befindliche Denk- 
säule der Schiffer aus Erdberg abgetragen, soll 
jedoch im Vorgarten des neuen Schulgebäudes 
zur Aufstellung gelangen. Xach Mittheilung des 
Referenten Ltrxxz stammt bloß der achteckige, 
unten und oben ins Quadrat übergeführte Schaft 
der Säule aus rothem Marmor mit gravierter un- 
leserlicher Inschrift in gothischen ^Minuskeln aus 
alter Zeit. Die C. C. erhebt gegen die beabsichtigte 
Xeuaufstellung keine Einwendung. 

Mitglied Luntz berichtet über den Zustand 
einiger Baudenkmäler in Perchtoldsdorf. Die 
Ruinen des vom Herzog Albrecht II erbauten 
Schlosses, die im Zusammenhange mit der West- 
facade der Pfarrkirche ein architektonisch und 
malerisch sehr wirksames Gesammtbild gewähren, 
seien noch durchaus standfest und ließen sich, 
allerdings mit nicht unbeträchtlichen Kosten, 
restaurieren und einer praktischen Verwendung 
zuführen ; einTheil berge übrigens bereits seit einiger 
Zeit das Hyrtl-Museum. Von der Beseitigung eines 
kleinen Zubaues, um die Zufahrt zur daneben neu 
zu errichtenden Volks- und Bürgerschule zu ver- 
breitern, rieth Referent dringend ab und die C. C. 
beschließt, sich mit Entschiedenheit für die Erhaltung 
desselben und für eine .Sicherung des ganzen 
Gebäudecomplexes überhaupt einzusetzen. Ferner 
werden Erhaltungsmaßregeln an der seitwärts von 
Burg und Kirche gelegenen Kapelle sowie am 



großen Thurm, dessen Quaderfugen stark aus- 
gewittert seien, empfohlen und von, der C. C. ge- 
billigt. Endlich wird die Beseitigung einiger 
Mängel an den Außendetails der Spitalkirche 
trotz ihrer malerischen Wirkung im, Interesse der 
Erhaltung des Denkmals nahegelegt. 

Conservator .Schmöger berichtet, dass vor kurzem 
gelegentlich eines Villenbaues in St. Polten ein 
Bronzeschwert gefunden wurde. Die Verhandlun- 
gen wegen Abgabe des Fundes an ein öffentliches 
Museum seien im Zuge. [Referent: Much] 

Correspondent MCnsterberg legt einen Bericht 
über die in .Selbitz bei Rapottenstein gefunde- 
nen Münzen vor. [Referent: Kenner] 

Ober-Österreich. 

Conservator Greil berichtet über die an der 
Filialkirche zu Aurachkirchen, einem im Kerne 
gothischen, aber nur im Presbyterium gewölbten 
Bauwerk des XV. Jh., vorzunehmenden Restau- 
rierungen. Am dringlichsten erscheine die Erneue- 
rung des Dachstuhles, Beseitigung von zwei großen 
Mauerrissen und Behebung einer starken Aus- 
bauchung der Giebelmauer. In zweiter Linie 
komme die Restaurierung des Inneren in Betracht, 
das unter anderem einen bedeutsamen Schnitzaltar 
des XVI. Jh. und Reste anderer ähnlicher Arbeiten, 
ferner ein ausnehmend reiches .Schlossbeschläg an 
der Sacristeithür aufweise. [Referent : W'ächtler] 

Die Stadtgemeinde- Vorstehung Gmunden über- 
mittelt den Ergänzungsband zu der vom Stadt- 
arzte Dr. Ferdinand Krakowizer verfassten und 
von der Stadtgemeinde aus Anlass des Regierungs- 
Jubiläuras Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät 
herausgegebenen Geschichte der Stadt Gmun- 
den. Die C. C. beschließt, der Einsenderin den 
Dank auszusprechen. 

Schlesien 
Conservator Braun berichtet über die Resultate 
der Untersuchung eines nächst Gurschdorf bei 
Freiwaldau an der Straße nach Friedelberg gelege- 
nen quadratischen Mauerwerkes von ungefähr 10«« 
Länge und halber IManneshöhe, dessen Eingang 
in beträchtlicher Höhe über dem Boden angebracht 
gewesen sein muss, so dass man es vermuthlich 
mit einem Wartthurm zu thun habe, der vielleicht 
einstmals vom Wasser umgeben war. Die Auf- 
deckung des Inneren ergab in einer Ecke Spuren 



22 = 



226 



\(jn l-euiT und Reste eines ]jrirnitiveii Gewölbes, 
ferner eine Axt, zwei Pfeilspitzen, zwei Schlösser 
(mit Hförmig'em Verschluss), zwei Strieg'el, Huf- 
eisenreste, einen einfachen Sieg'elring- aus Bronze 
mit leerer Platte und eine halbe .Silbermünze 
(Prag"er Groschen \oii Wenzel II), die sämmtlich 
dem Troppauer Museum überlassen werden sollen. 
Der Conservator hält es zwar für möglich, daß das 
Bauwerk noch in das XV. Jh. zurückreiche, erklärt 
es aber für wahrscheinlicher, dass es sich um eine 
Zufluchtsstätte aus der Zeit der .Schwedenkriege 
in XVII. Jh. handle, zumal in nächster Nähe die 
sogenannten Schwedenschanzen liegen; gegen eine 
Abtragung der Mauerreste glaubte er keine Ein- 
wendung erheben zu sollen. [Referent: Neumann] 

Steiermark 

Conservator Rit;i)L berichtet, dass in dem zu 
Uran je aufgedeckten Römergrabe aus Sand- 
steinplatten (.Sp. 124) zwei parallel liegende, mit 
dem Gesichte nach NO gekehrte Skelette, von 
Erde umgeben, gefunden worden seien. Am 3. Juni 
sei im Beisein des Conservators das Terrain im 
NNO und O des Grabes untersucht und hierbei 
Knochenreste zutage gefördert worden, die viel- 
leicht schon in früheren Jahren ausgegraben und 
wieder verscharrt worden waren, zumal solche 
Funde, oft kaum 15 cm unter der Grasnarbe, an 
jener Stelle nichts Seltenes seien. Hierauf wurde 
jenseits dieses Ackergrundes (braunen, sandigen 
Lehmbodens) im angrenzenden, aber noch inner- 
halb der Umfriedungsmauer der Ansiedlung ge- 
legenen Waldboden an mehreren Stellen die Humus- 
decke geöffnet und nahezu überall Knochenreste 
gefunden. Der Conservator beabsichtigt das ganze 
Terrain systematisch zu untersuchen, da das Zer- 
streutliegen der Menschenknochen die Vermuthung 
nahelege, die Ansiedlung habe ein gewaltsames 
Ende unter Tödtung der Insassen gefunden. 

[Referent: Kenner] 
Tirol 

Correspondent de Cobelli berichtet, dass am 
20.'December 1901 bei Cazzano di Brentonico 
(Monte Baldo) die Überreste von fünf Leichen und 
daneben zwei bronzene Armbänder entdeckt worden 
seien; letztere wurden dem städtischen Museum 
in Rüvereto übergeben; die C. C. wird Erhebungen 
pflegen. [Referent: Much] 



Grabfunde der Völkerwanderuni>s- 
zeit vom Saveufer bei Krainburg 

Im Jahre lyoi haben meines Wissens in der 
frühmittelalterlichen Xekropole am Saveufer bei 
Krainburg (Flur „Na laihu") drei Nachgrabungen 
stattgefunden. Und zwar zuerst (vom 12. bis 27. 
Juni) eine systematische Ausgrabung auf dem Ge- 
meindegrunde unter meiner persönlichen Leitung, 
dann (im Monate August) die Ausgrabung eines 
dem Mühlenbesitzer PavSlar gehörigen Grund- 
streifens durch den Besitzer und endlich (im Spät- 
herbste) die Abgrabung der über die Nekropole 
führenden Bezirksstrai3e durch den Bezirksstraßen- 
Ausschuss unter Intervention des Assistenten des 
Laibacher Landesmuseums Ferdinand Schulz. 

Zum Zwecke der Orientierung erlaube ich mir 
eine Planskizze der Fundstelle ,.Na laihu'' beizu- 
legen. Es ist zu bemerken, dass die im Katastral- 
mappen-Archive zu Laibach, im Grundbuchsamte 
zu Krainburg und im Gemeindeamte zu Krainburg 
erhältlichen Katastralkarten-Blätter von Krainburg 
bis zum Herbste igoi total veraltet waren und 
seit mehreren Decennien keine Nachbesserungen 
erfahren hatten. Daher entspricht auch der aus 
dem amtlichen Materiale geschöpfte Plan, welchen 
Herr Conservator .S. Rutar seinem in allem Übri- 
gen gründlichen Berichte über die Fundstelle, 
ddto. 3. Jänner 1899, vorangestellt hat, nicht dem 
jetzigen Zustande. Auch eine auf meine Kosten 
von dem für das Krainburger Steuer- und Grund- 
buchsamt autorisierten Geometer nach amtlichen 
Materialien besorgte Correctur des Planes ergab 
ein unbrauchbares Resultat, so dass ich schließlich 
die Richtigstellung nach eigenen Vermessungen 
ausführen mußte (s. die Planskizze auf Sp. 227 f.). 

Die Parcellen 408, 409/p 409/3, 410, 423 und 
994 sind Gemeindegrund, 992 ist die Bezirksstraße, 
die Parcellen 396, 397, 398, 399, 404, 406, 40g/., 
und 980 gehören Herrn Pavslar. 

Die früheren Ausgrabungen PavSlars betrafen 
hauptsächlich die Parcelle 406, deren Oberfläche 
in den Jahren 1899 und 1900 um ca. i m tiefer 
gelegt wurde. Bei dieser Abgrabung wurden die 
Skeletgräber gefunden, bezüglich deren Zahl die 
Angaben der Augenzeugen zwischen 100 und 500 
schwanken. Eine geringere und nicht näher be- 
achtete Zahl von Gräbern wurde im nördlichen 



228 



Theil der Parcelle 404 beim Xeubaue des Wohn- 
hauses 407 und im westlichen Theile der Parcelle 
397, die abgegraben wurde, gefunden. Auf dem 
Grunde des Stallgebäudes S und in der Westecke 



des Hofraumes 406 wurden nach der übereinstim- 
menden Angabe von Besitzer und Augenzeugen 
keine Gräber mehr gefunden. Von der Parcelle 400 
blieb damals ein an 409/, angrenzender Streifen 




von 5 m Breite (h, 11) intact. Die Goldfunde 
PATgL.\RS*) lagen angeblich in der Mitte der Par- 
celle 406 etwa bei in. 

') Vgl. A. W. Nelman-s in diesen Mitth. X. F. .XX\T 
(19001 135. 



Bezüglich der drei oberwähnten Ausgrabungen 
erlaube ich mir folgende Einzelheiten anzuführen: 

.4. Meine Ausgrabungen geschahen auf dem 
Gemeindegrunde Parcelle 409 j. Die Kosten der 
Arbeit trug der Ausgrabungsfond der Wiener 



229 



230 



Anthropologischen Gesellschaft. Das Grundstück 
überließ mir die Gemeinde dank der freundlichen 
Befürwortung des Herrn ("(inser\ators Rutar und 
des Herrn Landtagsabgeordnciten Cyriij, Piro unent- 
geltlich, ebenso das gefundene Knochenmatcrial, 
während sie sich in Anhoffnung reicher Funde das 
Verfügungsrecht über die Beigaben vorbehielt. 
Als X'orarbeiter war Bartholomäus PuCnik angestellt. 

An der östlichen Ecke a dieser Parcelle 40g '[ 
grub ich ein Flächenstück von ca. 415 m- syste- 
matisch durch. Es wurden da von PeCnik: bei 
einem Vorversuch 3 und bei meinen weiteren 
Grabungen 58 Gräber gefunden. Zwei Versuchs- 
grabungen /' und c auf dem Anger 423/j von 
20 ;;/- und 10 m'^ Ausdehnung ergaben noch 3 und 2 
Gräber. Die Gräber enthielten durchwegs Skelette, 
welche ausgestreckt auf dem Rücken lagen und 
ohne Ausnahme mit dem Kopfe nach Westen oder 
Nordwesten, mit dem Fußende gegen Sonnenaufgang 
gerichtet waren. Fast die Hälfte der (iräber enthielt 
Kinderleichen, ein weiteres Drittel Weiber und nur 
eine Minderzahl Männer. So weit das Knochen- 
material vor der Präparation beurtheilt werden kann, 
entspricht es einer dolichoiden, aber nicht stark 
dolichocephalen Rasse von mittlerer Körperhöhe. 
Ich hatte nicht das Glück reiche Gräber anzutreffen, 
meine Ausbeute an Beigaben ist daher auch nicht 
glänzend. Es sind anzuführen: zwei eiserne Lang- 
schwerter, mehrere gerade Messer, eine Anzahl 
bronzener und eiserner Gürtelschnallen von be- 
scheidener Größe, charakteristische Bronzefibeln mit 
Kerbschnittverzierung, eine größere Anzahl von 
Beinkämmen in sehr schlechtem Erhaltungszustande, 
etliche Glasperlen und eine kleine, zierliche Balance- 
wage aus Bronze. 

So wie die in früheren Jahren am benach- 
barten Felde ausgegrabenen Funde sind auch die 
von mir zutage geförderten Gegenstände ausnahms- 
los der Völkerwanderungszeit zuzuschreiben. 

B. Im August 1901 ließ Herr PavSlar den 
obenerwähnten 5 m breiten Grundstreifen am 
Westrande der Parcelle 406, der bisher unberührt 
geblieben war, abgraben. Ich besuchte den Be- 
sitzer am 4. September in Krainburg, um mir die 
Funde zeigen zu lassen. Besitzer und andere 
Augenzeugen berichteten mir, dass in dem Boden- 
streifen sechs Skeletgräber mit Ik-igaben und 
..mehrere" ohne Beigabe gefuntlcn wunh^i. 



Bei einem Skelette fanden sich: ein langes, 
wohlerhaltenes Eisen.schwert, eine Eisenlanze, zwei 
Bronzepincetten, eine kleine Eisenschnalle, mehrere 
kleine Eisenmesser, zum Theil zerbrochen, und 
diverse kleine Eisensachen in Fragmenten. Ein 
zweites Skelet hatte: einen ganz besonders großen 
Beinkamm. Ein ilrittes .Skelet besaß: eine römi- 
sche Kniefibel aus Bronze, zwei Ohrreifen aus 
Bronzedraht, ca. 5 cm Durchmesser, offen, das eine 
Ende in einen Cubus ausgehend, mehrere kleine 
Glasperlen, darunter weiße, rundliche mit Seiden- 
glanz. Dann ein Skelet mit: zwei Sförmigen Bronze- 
fibelchen mit Vogelkopfenden, geziert mit kleinen 
rothen Tafelsteinen. 

Mehrere kleine Perlengarnituren, die gezeigt 
wurden, rühren von den bereits erwähnten und 
den zwei anderen Skeletten her. 

Die Funde werden von dem Besitzer mit 
Ängstlichkeit behütet. Unserem Wunsche, diese 
Funde für eine vaterländische .Sammlung zu er- 
werben, steht der undiscutable Preis, den er be- 
gehrt, als Hindernis entgegen. 

C. ^^on dem Grundstücke 406 hat Pavsi.ar 
einen .Streifen zur Verbreiterung der Bezirksstraße 
bis zu einer geradlinigen Grenze abgetreten. Längs 
der Parcellen 404 und 406 bildete die Straße 
einen Buckel, von dem etwa i'5 m abgetragen 
werden sollten, wobei man auf die alten Gräber 
kommen musste. Die auf Landeskosten angeord- 
nete Abgrabung verzögerte sich infolge der Ge- 
meinde-, Landtags- und Bezirkswahlen bis in den 
November. Die Laibacher .Sparcassa hatte für die 
Kosten der fachmännischen Beaufsichtigung dem 
Vernehmen nach 600 A' bewilligt. Einem aus einem 
Laibacher Journal geschöpften unsicheren Berichte 
entnehme ich, dass mehr als 100 Skeletgräber 
gefunden wurden, mit Schwertern, Lanzenspitzen 
Schnallen aus Bronze und Silber, einer goldenen, 
mehreren silbernen und bronzenen Fibeln, Bein- 
kämmen, Glasperlen, Eisenmessern und einer großen 
Goldmünze, die man behufs näherer Bestimmung 
nach Graz sendete. 

Alphons Müllnf.r führt Argo IX (1901) 156 
folgende Funde an: 8 Schädel, i zweischneidiges 
Schwert, qocui lang, 16 Dolche und Messer, 7 Pfeil- 
spitzen, I Eisenschlüssel von römischer Form, 
I Fingerring (?), 9 Gürtelschnallen und Haken, 
I Armring von Eisen, ferner 2 Peuerstahle nebst 



2.^1 



232 



Feuersteinen. Von Bronze: 12 Gürtelschnallen 
diversester Größe, darunter eine große mit 11 Gra- 
naten besetzte, und i Fibel. Ferner 1 Armreif. 
3 Fingerringe, i kleine Zange und eine große 
Nähnadel. Von Silber: 3 Fibeln (i vergoldete) und 
2 Gürtelschließen, endlich 130 Glas-, Bernstein- 
und Pastaperlen von Hanfkorn- bis Xussgröße. 
io'4 Gramm Goldfaden gehörten einem Gewebe 
an. Unter den 22 Kämmen ist i mit Menschen- 
und Thierfiguren geschmückt. \'on Münzen fanden 
sich vor: i Constantin und i Constans, beide ge- 
meine Kleinbronzen, i Zeno und i barbarischer 
Justinus II in Gold; 2 Silberstücke von Athalarich 
und 2 von Theodorich, welche am Terrain, wo 
das Museum grub, gefunden wurden, sind im Be- 
sitze des Herrn PAVäLAK. 

Durch die bisherigen Funde ist die südliche 
und auch die östliche Grenze der Nekropole recht 
wohl bestimmt. Gegen Nordost ist die Begrenzung 
durch die Steilabstürze der Schotterterrasse, auf 
der die Stadt Krainburg steht, gegeben. Nach 
Nordwesten hin kann die Erstreckung eine 
größere sein. Es wird vom Herrn Landtagsabge- 
ordneten Cyrill Pu<c und anderen angegeben, dass 
vor etwa 10 Jahren bei dem Punkte D, Vor dem 
ehemaligen städtischen Schlachthause, bei Gele- 
genheit von Abgrabungen und Baumpfianzungen 
Gräber mit Bronzebeigaben von der Art der von 
PavSlar gesammelten gefunden wurden. Darnach 
müsste man annehmen, dass sich die Nekropole 
nicht nur auf der ebenen Fläche der Parcellen 
409/1, 406, 404, 992 und 397 ausbreitete, sondern 
sich auch auf den in der Parcelle 423/1 ziemlich 
.steil gegen D ansteigenden Anger hinanzog und 
etwa die im Plane mit einer punktierten Linie 
umgrenzte Fläche einnahm. Der durch die Gra- 
bungen festgestellte Theil der Grenze ist stärker 
gezeichnet als der übrige Theil. 

Wien, 10. Februar 1902 Josef Szombathv 



Die griechische Inschrift von Schwarzen- 

bach 

X'orarbeiten für eine Sammlung der griechischen In- 
schriften aus Osterreich und Ungarn haben mich veranlasst, 
dieser Inschrift meine Aufmerksamkeit zu schenken. Durch 



Vermittlung der C. C. habe ich vom Correspondenten 
Dechant Bauer in Bleibr.rg Abklatsche der Inschrift er- 
halten, nach denen der beifolgende Zinkstock hergestellt 
ist. Der Herr Dechant, dem ich liiermit Dank für seine 
freundliche Bemühung sage, hat den Stein (^bisher Schluss- 
stein am Hausportal des Tschernitz) herausheben und nach 
Bleiburg schaffen lassen; was mit ihm weiter geschehen 
soll, weiß ich nicht. 




Der griechische Text ist zuerst von ArpRED v. 
DoMAszEWSKi, Arch.-epigr. Mitth. IV (1880) 213, 21 ver- 
öffentlicht und danach CIL III 11641 von OiTo Hirschpei.d 
wiederholt worden: andere Literatur gibt die Kunsttopo- 
graphie Kärntens S. 306. 

Die sachliche und literarische Würdigung des Textes 
hat Theodor Gomperz am Orte der ersten Publication in 
Kürze trefflich gegeben. Wenn er aber hinzufügt: „der Ab- 
klatsch zeigt in der zweiten Zeile noch mehrere wirre 
Zeichen, die ich nicht zu deuten weiß; die Buchstabenformen 
weisen auf die späte Kaiserzeit hin," so zwingt der vor- 
liegende Abklatsch des Dechants Baier, die Schrift der 
Antike überhaupt abzusprechen imd einer viel späteren 
Zeit zuzuweisen. Die Disposition der Buchstaben i;oi in 
der zweiten Zeile legt es nahe, die folgenden Zeichen als 
gleichzeitig mit dem griechischen Text anzusehen, und aus 
den Schriftfornien ist kein Gegenargument gegen diese 
Gleichung zu gewinnen. Dann hat irgend ein Zeitgenosse 
des Wiederauflebens der classischen Studien — die Local- 
topographen mögen seinen Namen aus den Initialen P. V. 
gewinnen — im Jahre 1 576 dieses Memento in griechischen 
Lettern von seinem Steinmetz anfertigen lassen, so kunst- 
gerecht dieser sie machen konnte. Wu.helm Klbitschek 



Inhalt 

Spalte 

Sitzungsberichte: Sitzung am 13. Juni 201 

» »20. » . . • 218 

SzoMBATHY Grabfunde der A'ölkerwanderungszeit vom 

Saveufer bei Krainburg 226 

KuwTscHEK Die griechische Inschrift von Schwarzen- 

bach 226 



Zusatz zu Sp. 212 Z. 14 v. u.: Die übrigen Fenster 
sollen von Prof. Geiger aus Freiburg im Breisgau be- 
zogen werden. 



Verantwortliche Redacteure: Prof AViT.HEi.nt Klbitschek und Prof. Alois Riegl. — Druck von Rudolf M. Rohrer in Brunn 
In Commission bei Wilhelm BraumÜller, k. U. Hof- und Univcrsitäts-Buchhändlcr, Wien und Leipzig. 



MITTHEILUNGEN 

Dl'Ai K. K. CENTRAI.-COMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
D1>:R KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER 1)KK LEITUNG IHRKS PRÄSIDENTEN SEINER KXC. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 



Band I Nr 8. 9 



August — September i 902 



Personalnachrichten 

Seine Excellenz der Herr Minister für Cultus und 
Unterricht hat den Ministerialrat und Vorstand des 
Departements fürHochbau im Ministerium desinnern 
E.MiL Ritter von Förster als Mitj^Hed auf die 
Dauer weiterer fünf Jahre bestätigt (Erlass 15. Sep- 
tember 1902, Z. 29505), ferner den Gymnasial- 
professor Dr. Franz Hann über sein Ansuchen 
von dem Ehrenamte eines Conservators II. Section 
enthoben und ihm für die in dieser Stellung ge- 
leistete uneigennützige und ersprießliche Wirk- 
samkeit den Dank ausgesprochen (Erlass 1 2. August 
1902, Z. 22.505); 

der Herr Minister hat zu Conservatoren auf 
die Dauer von fünf Jaliren ernannt: 

den Gymnasialprofessor in Freistadt Josef 
Jaekkl für die Bezirkshauptmannschaften Freistadt 
und Rohrbach, (Erlass 30. Mai, Z. 14.520), den 
Professor an der theologischen Facultät in Olmütz 
Dr. Josef Kachnik für die Bezirkshauptmann- 
schaften Littau, Olmütz, Sternberg und die Stadt 
Olmütz (Erlass 8. Juni, Z. 12. 113), 

den Director der Fachschule in Villach Gustav 
GoEiiKL, für die politischen Bezirke Hermagor und 
Villach (Erlass 12. August, Z. 22.505), sämmtliche 
IL Section ; 

und den Custos an der Universitätsbibliothek 
in Lemberg Dr. Friedrich Papäe, I. Section, für 
die politischen Bezirke Böbrka, Dolina, Droho- 
bycz, Kalusz, Rohatyn, Rudki, Sambor, Stanislau, 
Staremiasto, Stryj, Turka und Zydaczöw (Erlass 
27. August, Z. 22.912); 

ferner folgende Conservatoren in ihrem 
Ehrenamte mit dem bisherigen fachlichen und 



örtlichen Wirkungskreise auf weitere fünf Jahre 
bestätigt: 

den Director des städtischen Museums in Prag 
Bretislav Jklinkk, den Universitätsprofessor in 
PragDr. LuborNikderle, den Oberbaurath und Vor- 
stand des technischen Departements der Landes- 
regierunginXroppauKARL.STENZEL (Erlass 1 1. August, 
Z. 21.347), 

den pensionierten Fachschuldirector Franz 
Laube in Teplitz, den Custos am Museum in Teplitz 
Robert Ritter von Weinzieri, (Erlass 12. September, 
Z. 28.908), 

den Universitätsprofessor Wilhelm Kubitschek: 
(Erlass 12. September, Z. 28.909), 

den Bürgerschullehrer Alois Czerny in Mähr.- 
Trübau (Erlass 18. September, Z. 24.504), 

den Director der Fachschule in Laibach Johann 
SuBie und den Volksschullehrer Konrad Crnologar 
in .St. Marein bei Laibach (Erlass 19. September, 
Z. 29.503). 

Zu Correspondenten sind ernannt worden 
in der Sitzung vom 12. September: 

der Bezirkshauptmann in Gröbming Heinrich 
Freiherr von Esebkcic und 

der Oberrechnungsrath im Ministerium für 
Landesvertheidigung Wladimir Kuk. 



Aufsein Ehrenamt hat der Conservator Ehren- 
domherr Dr. Petrr Tommasin in Triest verzichtet. 



Gestorben ist der Conservator Johann Vkhovec, 
Gymnasialprofessor in Laibach, ferner der Corre- 
spondent Ubai.d Kostersitz, Propst des Chorherren- 
stiftes in Klosterneuburg. 



235 



236 



Sitzungsberichte 

vom Schriftführer verfasst. 

Sitzung- am 4. Juli (sechzehnte Sitzung der 

IL Section). 
Anwesend: Vorsitzender: Der Präsident. — Mit- 
glieder: Deiningek, Hkrmann, LfNxz, Neumann, 
Neuwirth, Schaeffek, Wächtlek, Zumbusch. — 
Redaction: KuBrrscHEK, Riegl. — Schrift- 
führer: Bauer. 

Böhmen 
Med.-Dr. Mariax legt zwei von ihm verfasste 
Druckschriften mit Beiträgen zur Geschichte der 
Stadt Aussig vor: a^DieGrabdenkmale, Gräberund 
die Gruft der Aussiger Decanalkirche, und 
hj Aussiger Stadtdechantswahlen in früheren Zeiten, 
wofür ihm die C. C. den Dank ausspricht. 

[Referent: Neuwirth] 
Conservator BraxiS berichtet, dass die durch 
den Bau eines deutschen Gymnasiums in Budweis 
bedrohten Reste der ehemaligen Schanzen sich 
in so vorgeschrittenem Verfalle befänden, dass an 
ihre Erhaltung kaum zu denken wäre. Es stehe 
übrigens zu gewärtigen, dass auch die letzte 
malerische Ansicht von Alt-Budweis, die heute 
noch übrig geblieben ist, das ist jene von der so- 
genannten langen Brücke, in absehbarer Zeit gleich- 
falls werde verschwenden müssen, da infolge der 
letzten Hochwässer dem Flusse ein neues Bett ge- 
graben und an Stelle des jetzigen eine neue Straße 
angelegt werden soll. Endlich werden bei Lösung 
der IMoldau-Canalfrage die bestehenden Mühlen 
demoliert, die Wehren niedergerissen und dem 
"Flusse eine ganz andere Richtung gegeben werden 
müssen, so dass auf dem so gründlich veränderten 
Terrain der ehemaligen Schanzen ein völlig neuer 
Stadttheil entstehen dürfte. [Referent: Neuwirth] 
Conservator Wiehl berichtet über den Zustand 
der Sgraffitodecorationen an der Hauptfa9ade 
des Kreisgerichtsgebäudes in Jungbunzlau und 
die zweckmäßigsten Maßregeln zu ihrer Restau- 
rierung. Der alte Verputz sei stellenweise hohl 
und verspreche darum keine Haltbarkeit; durch 
einen Umbau im XIX. Jh. seien die Fenster be- 
ziehungsweise deren Achsen geändert und infolge- 
dessen die Decoration der Fensterpfeiler un- 
symmetrisch geworden; endlich seien die Ornamente 
theilweise zerstört, wenngleich nach den erhaltenen 



Resten mit Sicherheit zu ergänzen. Der Conservator 
widerräth hiernach eine theilweise Erneuerung, zu- 
mal das Neue in unschönen Gegen.satz zum Alten 
treten würde, und empfiehlt dafür, die erhaltenen 
Figuren der vier Evangelisten und ornamentalen 
Partien in Gips abgießen zu lassen, die Positive 
in den hieran interessierten Museen aufzustellen, 
an der Fagade selbst aber die gesammte Sgraffito- 
decoration möglichst genau nach den Abgüssen 
und Pausen neu herzustellen. Zur Prüfung dieser 
Vorschläge beantragt er die Abhaltung einer Local- 
commission, welche die C. C. anzuordnen beschließt. 

[Referent: Neuwirth] 
Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt gibt bekannt, dass das k. k. Ministerium des 
Innern die Bestellung und Constituierung eines 
Subcomites für die Restaurierung der Burg Karl- 
stein und den Wirkungskreis dieses Subcomites 
genehmigend zur Kenntnis genommen habe. Die 
C. C. beschließt, darauf hinzuwirken, dass dieses 
Subcomite angewiesen werde, ihre Ingerenz zu 
wahren und im steten Einvernehmen mit ihr, 
namentlich hinsichtlich der Restaurierung der 
Malereien vorzugehen, an welchen man sich bisher 
schon in so mancher Richtung schwer vergangen 
habe. [Referent: Neuwirth] 

Die vorgelegten photographischen Aufnahmen 
der Deckenmalereien in der Pfarrkirche zu 
Maffersdorf lassen diese an ihrem Orte so zweck- 
entsprechend erscheinen, dass die C. C. sich gegen 
die Neubemalung der Kirche erklärt und eine 
Auffrischung der alten Malerei empfiehlt. 

[Referent: Neuwirth] 
Conservator Müller berichtet, dass die Decken- 
malereien im Klosterkreuzgange zu Rumburg 
mit Scenen aus dem Marienleben in befriedigender 
Weise vollendet und auch die übrigen daselbst 
nothwendig gewordenen Arbeiten: Trockenlegung 
des Fußbodens, Ausbesserung der Bedachung und 
Herstellung einer ^'entilation durchgeführt worden 
seien. [Referent: Schaeffer] 

Conservator Müller berichtet, dass das Äußere 
der Lorettokapelle in Rumburg mit einigen 
architektonischen Ergänzungen an der Stirnseite 
restauriert und neu gedeckt wurde, und nur noch 
die Reliefs an den Zwischenfeldern der Außen- 
seiten fehlen, deren Herstellung in Sandstein wegen 
der allzugroßen Belastung des Mauerwerkes Be- 



237 



238 



denken erregte, weshalb man sie mm, wie ur- 
sprünglich, in Stucco ausführen wolle. 

[Referent: Deininger] 

Conserv-ator Paschkr berichtet über geplante 
Neuherstellungen an der Pfarrkirche zu Schlag- 
genwald, deren spätgothischer Chor mit Xetz- 
gewölbe und rundbogig veränderten Fenstern aus 
dem Anfange des XVI. Jh., das breite Schiff mit 
gewölbartiger Rohrdecke und auf drei Seiten um- 
laufenden Emporen (auf der West- und Südseite 
Doppelemporen) aus dem XVII. Jh. stammt. Be- 
absichtigt sei die Trockenlegung- der an einen 
Friedhof angrenzenden Südmauer, Wiederherstel- 
lung der gothischen Formen an den Chorfenstern, 
einfache Bemalung des Innern, Anbringung von 
zwei neuen Seitenaltären und Abbruch der oberen 
Empore an der Südseite. Zur Deckung der Kosten 
sollen acht im Besitze der Kirche befindliche Öl- 
gemälde aus der ersten Hälfte des XVIII. Jh. ver- 
äußert werden, deren Untersuchung- und Schätzung 
die C. C. zu veranlassen beschliei3t. 

Der Bericht enthält noch Mittheilungen über 
die in der genannten Kirche vorhandenen zwei 
Glocken und drei Bronze-Grabmale aus der zweiten 
Hälfte des XVI. Jh. und dem Anfange des XVII. Jh. ; 
ferner über die Gründung eines städtischen 
Museums zu Schlaggenwald durch den dortigen 
Bürgerschuldirector Kraus. [Referent: Neuwirth] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die Herstellung eines neuen Sa- 
cristeianbaues bei der Pfarrkirche in Tochowitz 
und verfügt, dass die Pläne und Voranschläge für 
die neu anzuschaffenden Einrichtungsgegenstände 
der C. C. zur Genehmigung vorgelegt werden. 

Conservator Herain berichtet über geplante 
Neuherstellungen an der Decanalkirche zu 
Welwarn, einem einschiffigen Baue mit roma- 
nischen Rundbogenfenstern im Schiff und mit 
Netzgewölben im Schiff und Chor, der jedoch 
später mehrfache Umgestaltungen, und namentlich 
am Ende des XVII. Jh. eine Erhöhung der Haupt- 
mauern und barocke Eindeckung erfahren hat. Die 
beabsichtigte Restaurierung bezweckt hauptsächlich 
die Wiederherstellung gothischer Formen an den 
Portalen und Fenstern und am Kirchendache mit 
dem Sanctusthürmchen, Erniedrigung der Haupt- 
mauern bis zur ursprünglichen Höhe, und Besei- 
tigung zweier Außentreppen, die bisher den Zu- 



gang zum Musikchor vermittelten und nun durch 
eine innere und eine äußere Treppe in entspre- 
chenderen Kunstformen ersetzt werden sollen; das 
barocke Thurmdach solle jedoch erhalten bleiben. 
Der Conservator billigt dieses Project im allge- 
meinen und empfiehlt sonst im .Schiffe an Stelle 
der gothischen Fenster romanische anzubringen, 
weil sich solche daselbst aus alter Zeit erhalten 
haben. [Referent: Neuwirth] 

Conservator Müller berichtet, dass in der 
Kapelle zu Wünschendorf die kahlen Wände 
und die flache Decke mit einfachen Stuccoverzie- 
rungen versehen und der schadhafte Altar wieder 
hergestellt worden seien. [Referent: derselbe]. 

Bukowina 

Conservator Rohstorfer legt den Rechen- 
schaftsbericht des bukovviner Landesmuseums für 
das Jahr 1901 vor und berichtet über die am 
1 1 . Mai 1. J. stattgehabte Hauptversammlung der 
Gesellschaft dieses Museums, auf welcher constatiert 
wurde, dass die Hoffnungen und Wünsche, welche 
seinen Gründern vorgeschwebt hatten, in den zehn 
Jahren seines Bestandes in reichlichem Maße in 
Erfüllung gegangen seien und dass namentlich das 
letzte Vereinsjahr hinter den früheren, was das 
Wirken und die Erfolge des Museums anbelange, 
nicht zurückgeblieben sei. [Referent: Neumann] 

Dalmatien 

Conservator Gelcich empfiehlt die Durchfüh- 
rung einiger nothwendiger Reparaturen am Dache 
und Pflaster der Antoniuskapelle in Kaliman 
(Gemeinde Teodo). [Referent: Neumann] 

Galizien 

An der Kathedralkirche von Przemysl, 
einer ursprünglich spätgothischen Anlage, die aber 
in der Folge zahlreiche Umgestaltungen erfahren 
hat, sind Arbeiten geplant, welche die Restaurie- 
rung der Fagaden des Langhauses und des Chores, 
die Ausgestaltung der gesammten Innendecoration 
endlich eine Neuherstellung der beiden Seitenvor- 
hallen, eines Seitenportales und eines Altars um- 
fassen. Die C. C. findet das Project vollkommen 
sachgemäß, empfiehlt aber, die barocke Architektur 
des Thurmes nicht durch eine gothische zu ersetzen, 
sondern durch eine dem Stile entsprechende Dach- 
haube auszugestalten und befürwortet unter dieser 

i6* 



239 



240 



Voraussetzung- die Gewährung- einer Staatssub- 
vention. [Referent: Hermantj] 

Kärnten 

Conservator Achatz berichtet über die Gläser 
in den Fenstern der Friedhofskapelle zu Streit- 
eben bei Gutenstein. Die sehr unregelmäßig con- 
struierten Fenstermaßwerke der drei zweitheiligen 
Fenster im Chore enthielten hiernach einfaches, in 
der Masse gefärbtes Hüttenglas, die Vierpässe hin- 
gegen kleine mit Schwarzloth schattierte und mit 
Blei eingefasste verschiedenfarbige Gläser, welche 
einfache Heckenrosen darstellen; von bemalten 
Butzenscheiben des XV. Jh. (vgl. Sp. 35) könne 
jedoch keine Rede sein. [Referent: Wächtler] 

Derselbe Conservator berichtet, dass in der 
Kreuzkapelle bei der Stadtpfarrkirche zu Völ- 
kermarkt ein neuer Altar aufgestellt und die 
Kapelle selbst neu bemalt werden soll. Die C. C 
erhebt gegen die Xeubemalung nach der vorge- 
legten Skizze keine Einwendung und erklärt sich 
auch mit dem neuen Altare unter der Voraus- 
setzung einverstanden, dass der derzeitige Altar 
nicht mehr benutzbar sei. [Referent: derselbe] 

Küstenland 
Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt für die Restaurierung des aus dem 
XVI. Jh. stammenden Festungsthurmes in 
Cherso eine Staatssubvention von 764 K unter 
der Voraussetzung, dass die weiters noch erforder- 
lichen Kosten von den localen Factoren getragen 

■werden. 

Mähren 

Conservator Sterz berichtet über die beab- 
sichtigte Anbringung farbiger Glasfenster im 
gothischen Chore der Pfarrkirche zu Klein- 
Tajax. Zwei Fenster habe man bereits nach Ent- 
fernung der Pfosten mit farbigen quadratischen 
Glastafeln (blauen, rothen und weißen in buntem 
Wechsel) versehen; ein drittes hinter dem Hoch- 
altare sei gänzlich vermauert; ein viertes, eben- 
falls gothisch, aber gegenwärtig ohne Pfosten befinde 
sich an der Südseite des Presbyteriums. Hingegen 
seien in den spitzen Bogenfeldern der Fenster noch 
^ruchtheile des ehemaligen Maßwerkes vorhanden, 
welche man bei Einsetzung der farbigen Fenster 
ebenfalls zu entfernen beabsichtige. Dieser Besei- 
tigung charakteristischer Reste der alten gothischen 



Ausstattung kann die C. C. nicht zustimmen und 
empfiehlt daher, die für die Beschaffung bemalter 
Fenster verfügbaren Mittel derart zu verwenden, 
dass die Maßwerkfenster unter möglichster Scho- 
nung des ehemaligen Bestandes erneuert und ihre 
Gläser in einfacher Weise geschmückt würden. 

[Referent: Nett^irth] 

Conservator RosMAEL berichtet über die Wieder- 
herstellung der im Jahre 1896 erbauten, und im 
Jahre igoo bis auf die Mauern und den hölzernen 
Altar -Hinterbau abgebrannten Pfarrkirche in 
Parschowitz. Der Chor soll an den Wänden poly- 
chromiert, am Gewölbe mit einem Gemälde ge- 
schmückt, die flache Decke des Schiffes bloß mit 
Stuckornamenten überzogen werden; geringere 
Änderungen betreffen Gesimse und Musikchor. 
Die C. C. erklärt sich einverstanden. 

[Referent: Houdek] 

Correspondent Gerlich legt eine photographi- 
sche Aufnahme des aus Sandstein gehauenen Weg- 
kreuzes in Podhradny-Lhotta (errichtet 1709, 
renoviert 1818) vor. [Referent: Houdek] 

Derselbe Correspondent legt photographische 
Aufnahmen der Filialkirche zu Tetschowitz vor, 
welche zu den beachtenswertesten Landkirchen 
des Übergangstiles in Mähren zählt. Dem Ein- 
sender wird der Dank ausgesprochen. 

[Referent: Hocdek] 

Conser\"ator Sterz berichtet, dass die Ergän- 
zung der Verglasung der St. Niklaskirche in 
Znaim (vgl. Sp. 128) in entsprechender Weise 
durchgeführt worden sei. Die C. C. beschließt, die 
bereits sehr dringliche bauliche Restaurierung dieser 
Kirche dem Ministerium wieder in Erinnerung zu 
bringen. [Referent: Wächtler] 

Nieder-Österreich 
Correspondent Pichler berichtet, dass sich 
beim Fundieren des Trottoirs des de Pauli'schen 
Stiftungshauses in Wien, L, WoUzeile, ein Stein 
mit hebräischen Lettern vorfand, welcher dem 
jüdischen ^Museum in Wien einverleibt wurde. 

[Referent: Xeumaxx] 

^lit dem abgeänderten Projecte für die Er- 
weiterung der Pfarrkirche St. Georgen am 
Reith erklärt sich die C. C. einverstanden. 

[Referent Rosxer] 

Conservator Staub berichtet über den Zustand 



241 



242 



der Jolianncskapelle untcrhall) des .Schlosses 
Gloggnitz, eines spätbarocki-n Ziegelbaues mit 
Sandsteindecoration. Die vSculpturen seien ver- 
hältnismäßig wohlerhalten: die Bauconstruction 
weise jeiloch große Schäden auf, um deren Behe- 
bung sich die C. C. zu bemühen beschließt. 

[Referent: Wäcutler] 

Conservator Stauh berichtet über den alten 
Kreuzweg am Schlossberge zu Gloggnitz aus 
der Mitte des XVIII. Jh., der sich zwar in vollem 
Verfall befindet, aber mangels jeden künstlerischen 
Wertes keinen Anlass zum Einschreiten bietet. 

[Referent: Wächtler] 

Da die Pfarrkirche zu Kirnberg- an der 
Mank den Stürmen in besonderem Maße aus- 
gesetzt ist, welche die Ziegelbedachung immer 
wieder aufreißen und die Nachbargebäude und 
Passanten gefährden, beschließt die C. C, von einer 
Ziegeleindeckung des gothischen Kapellendaches 
abzusehen und eine Eindeckung mit Blech, wo- 
möglich mit Zinkblech, zu empfehlen; diese Ein- 
deckung wäre jedoch mit stehenden Falzen zwi- 
schen den einzelnen Bahnen auszuführen, um da- 
durch eine entsprechende Belebung der Dachfläche 
zu erzielen. [Referent: Deininger] 

Zu den Kosten der Restaurierung- der Ge- 
mälde in der Piaristenkirche zu Krems mit 
Maria Himmelfahrt und der hl. Cäcilia beschließt die 
C. C, eine Staatssubvention zu beantragen. 

[Referent: Schaeffer] 

Conservator Staub berichtet über den Zustand 
der neben der Pfarrkirche im Markte Schott- 
wien stehenden Dreifaltigkeitssäule aus dem 
Anfange des XVIII. Jh., deren Restaurierung die 
C. C. anzuregen beschließt. [Referent: Zumbusch] 

Conservator Staub berichtet, dass an dem 
Denkmal Kaiser Karls VI auf der Passhöhe 
des Semmering, das 1728 aus Anlass der Voll- 
endung der alten Semmeringstraße errichtet und 
wiederholt, zuletzt 1885, restauriert worden war, eine 
Reinigung sämmtlicher Theile und die Ausfüllung 
und Verkittung der Fugen nothwendig geworden 
sei. DieC. C. beschließt, sich um diese Herstellungen 
zu bemühen. [Referent: Zumbusch] 

Das Pfarramt in .Sindelburg thcilt mit, dass 
die Hebung und Aufstellung der im Fußboden der 
dortigen Kirche befintllichen wertvollen Grab- 



steine erfolgen soll, s( )bald die nothwendige Wieder- 
herstellung des Bodens in Angriff genommen sein 
wird. Hierüber beschließt die C. C. weitere Er- 
hebungen zu pflegen. [Referent: Ro.s.mkr] 

Conservator Staub theilt mit, dass die Drei- 
faltigkeitssäule in Thernberg aus dem An- 
tang-e des XVIII. Jh. im Einvernehmen mit dem 
Con.servator versetzt werden soll. 

[Referent: Zumbusch] 
Gegen den Zubau einer Sacristei zu der 
Kirche in Tradig-ist (Gemeinde Rabenstein) be- 
schließt die C. C, keine Einwendung zu erheben. 

[Referent : Wächtler] 
Conservator Staub berichtet, dass er in der 
Pfarrkirche zu Waldegg die Reinigung der aus 
Haustein hergestellten Rippen und Gurten von der 
Tünche, die Neutünchung der Bruchsteinwände des 
Presbyteriums in steingrauer Farbe und eine neue 
Anordnung der elektrischen Beleuchtung am Hoch- 
altare empfohlen, gegen die Anbringung einer 
polj'chromierten Marienstatue an einem Seitenaltar* 
hingegen keine Einwendung erhoben habe. Die C. C. 
erklärt sich hiermit einverstanden. 

[Referent: Rosner] 
Derselbe Conservator berichtet, dass der so- 
genannte Strelzhof, ein nächst Willendorf an 
der Schneebergbahn gelegenes Schloss, adaptiert 
werden soll. In seiner jetzigen Gestalt stamme der 
von den Cistercienseräbten des Neuklosters errichtete 
Bau aus der ersten Hälfte des XVIII. Jh., bestehe 
aus vier Flügeln, welche einen viereckigen Ar- 
kadenhof einschließen, und enthalte unter anderen 
das Prälatenzimmer mit schöner Stuckdecke und 
den für die historische Topographie interessanten 
Ansichten der Besitzungen des Stiftes Neukloster 
von 1760 (St. Valentin, St. Lorenzen, Muthmanns- 
dorf, Rothengrub, Strelzhof und Schloss Dachen- 
stein), die .Sonnenuhr mit dem Chronogramm 1732, 
die Kapelle von 1757 und das Refectorium mit 
Fresken. Die C. C. beschließt, sich zu verwenden, 
dass durch die beabsichtigte Adaptierung der 
kunsthistorische Bestand des Schlosses nicht ge- 
schmälert werde. [Referent: Deininger] 

Das Ministerium für Cultus und Unterricht 
spricht dem Conservator Siaub für seine Be- 
mühungen um die Erhaltung des Reckthurmes 
in Wiener-Neustadt den Dank aus. 

Conservator Staub berichtet, dass für die Re- 



243 



U4 



staurierung dieses Thurmes und der angrenzenden 
Mauertheile die Baubewilligung ertheilt worden sei. 

Ober-Österreich 

Conservator Bekak berichtet, dass die Kreuz- 
weg-Stationsbilder aus der Filialkirche in Maria 
Fallsbach, die den liturgischen Anforderungen 
nicht entsprechen und daher durch geschnitzte 
Kreuzwegdarstellungen ersetzt worden seien, nun- 
mehr veräußert werden sollen. Die C. C. beschließt, 
sich zwei der Gemälde zur Einsicht vorlegen zu 
lassen. [Referent: Schaeffer] 

Mit dem Projecte für einen neuen Thurm bei 
der Pfarrkirche in Waldkirchen erklärt sich 
die C. C. im allgemeinen einverstanden und wünscht 
lediglich eine gering^gige Änderung der Thurm- 
endigung, die Vermeidung oder doch Verringerung 
der Schneewinkel ober den Wasserspeiern und die 
Anbringung von Luftlöchern mit Drahtgeflechten 
im oberen Theile des Helmes. [Referent Wächtler] 

Salzburg 
Conservator Berger berichtet, dass das k. u. k. 
Reichs-Kriegsministerium die Restaurierung des 
gegen die Pferdeschwemme beim Xeuthore in 
.Salzburg gekehrten Theiles der flauer des Militär- 
Verpflegsmagazinsbewilligt, jedoch die Entscheidung 
bezüglich der gewünschten Vermauerung der gegen 
die Pferdeschwemme gerichteten Fenster bis dahin 
sich vorbehalten habe, als sich durch eine sofort her- 
zustellende provisorische, jedoch vollständige Blen- 
dung dieser Fenster in unzweifelhafter Weise heraus- 
gestellt hätte, dass deren Beseitigung für die dahinter 
gelegenen Räume von keinerlei nachtheiligen Folgen 
begleitet sei. DieRestaurierungder Pferdeschwemme 
selbst werde noch im laufenden Jahre durchgeführt 

werden. „. , 

Tirol 

Zur Herstellung von Schutzdächern für die 
Malereien an der Außenseite der Pfarrkirche zu 
Dietenheim bewilliget die C. C. eine Subvention 
von 20 K. 

Conservator Ixnerhofer berichtet über den ver- 
wahrlosten Zustand eines Reliefs der Beweinung 
Christi aus dem XV. Jh. auf dem Friedhofe zu 
Mals, mit zwei Reihen von Figuren. Für die 
Restaurierung desselben beschließt die C. C. eine 
Subvention von 50 Ä' zu bewilligen und anzuregen, 
dass das Relief in Hinkunft im Innern der Kirche 
aufgestellt werde. [Referent: Zlmbusch] 



Derselbe Conservator berichtet, dass von dem 
Christophorusbilde an der Außenseite der Pfarr- 
kirche zu Marling nur mehr der Kopf des Chri- 
stophorus und das Christuskind erkennbar seien, 
ferner eine Restaurierung des Bildes nicht gut 
möglich sei, weil es fast bis zu den Knien der 
Hauptfigur in der Erde stecke; aus diesen Gründen 
ersuchte der Pfarrer die C. C, von ihrem Verlangen 
nach Herstellung eines Schutzdaches abzustehen. 
Da jedoch die C. C. die Reste des Bildes immer- 
hin noch für bedeutend genug hält, um für ihre 
Erhaltung Sorge tragen zu sollen, beschließt sie, auf 
der Forderung eines Schutzdaches zu beharren. 

[Referent: Schaeffer] 
Derselbe Conser\ator berichtet, dass die am 
Anfange des XIX. Jh. erbaute Kirche zu Xals 
einer Innenrestaurierung unterzogen und mit neuen, 
dem Stile der Kirche entsprechenden, färbigen 
Fenstern versehen wurde, und nun für die dring- 
liche Beseitigung eines breiten Risses im Gewölbe 
eine Subvention erbeten wird. Die C. C. beschließt, 
ein Gesuch um einen Landesbeitrag zu befürworten. 

[Referent: Wächtler] 
Conservator Schmölzer berichtet, dass die 
ehemöglichste Aufstellung des Fußbodenmosaiks 
vom Doss Trento in Trientin Aussicht genommen 
sei, da bis zur Freistellung und Instandsetzung 
des sogenannten Castelletto, das dieses Mosaik 
aufnehmen soll, noch lange Zeit verstreichen 
dürfte. Zu den Kosten der Restaurierung und In- 
standsetzung wird eine Staatssubvention erbeten, 
welche die C. C. zu befürworten beschließt. 

[Referent: Xeumaxx] 



Sitzungen vom 11. Juli (elfte Sitzung der I. Sec- 
tion, zwölfte Sitzung des Plenums und sieb- 
zehnte Sitzung der 11. Section). 

Anwesend: der PRÄsroENT (zugleich Vorsitzender). 
— Mitglieder: Deistn'ger, Nei3Ia:n-s, Förster, 
Hermann, Kenner, Luntz, Much, Redlich, 
Schaeffer, Zumbusch. — Redaction: Kl- 
bitschek, Rjegl. — Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines 
Correspondent PERtsi legt ein Exemplar des 
von ihm herausgegebenen Werkes „Le Monete di 
Verona- vor, wofür dem Einsender gedankt wird. 



245 



246 



Höhmen 

Correspondent Ziukt legt oin Exemplar lies 
von ihm verfassten Werkes „Ceskd historie*' vor. 

Correspondent Mki.icher berichtet über in der 
Pfarrkirche zu Dublovice bei Selcan zutag'e 
g-etretene Wandmalereien. Das aus dem Achteck 
g-ebildete Presbyterium sei an allen Wäntien mit 
gering\verti8"en Temperamalereien aus dem XVH. 
oder XVIII. Jh. versehen, unter denen sich ältere 
Freskomalereien befinden. Die C. C. beschließt, die 
Untersuchung und eventuelle Erhaltung der älteren 
Malereien anzuregen. [Referent: Schaeffek] 

(regen eine Restaurierung der Decanalkirche 
in Jicin durch einfache Bemalung des Innern und 
Anschaffung einer neuen Orgel beschließt die C. C. 
eine Einwendung nicht zu erlieben. 

[Referent: Luntz] 

Correspondent Ankkrt legt eine Abhandlung 
(S. A. aus den Mittheilungen des nordböhmischen 
Excursionsclubs) über die Gräber und Grüfte der 
Lcitmeritzer Stadtkirche vor, wofür dem Ein- 
sender gedankt wird. 

Derselbe Correspondent berichtet, dass in der 
Flur Weingarten nächst Ober-Rschepsch bei 
Leitmeritz im Sommer 1901 ein münzenähnliches 
Bleistück gefunden wurde. Es habe 23 mm Durch- 
messer und zeige auf der Vorderseite den Namen 
der Stadt Leipa und darunter die Jahreszahl 1698, 
auf der Rückseite zwei gekreuzte Pfeile, darunter 
die Zahl III. Dasselbe Wappen führen die Herren 
von Lippa, welche bis i6ig die Stadt, beziehungs- 
weise die Burg von Leipa besaßen, und sehr 
wahrscheinlich sei ihr Wappen auf die Stadt 
Leipa übergegangen und nicht umgekehrt. Dass 
das Bleistück eine sogenannte Notmünze sei, muss 
bezw'eifelt werden, da die Stadt niemals das Münz- 
recht besaß. Die Zahl III muss nicht Wertzeichen 
sein, sondern das ßleistück kann auch eine Marke 
bedeuten : eine Anweisung, durch welche der Em- 
pfanger Anspruch auf eine Betheilung mit drei 
Rationen, sei es Brod oder Fleisch oder irgend- 
welchen Nahrungsmitteln, erhielt. 

Derselbe Correspondent berichtet, dass bei der 
Legung der Röhren zur neuen Lcitmeritzer Wasser- 
leitung am dortigen Ringplatze eine größere Anzahl 
menschlicher .Skelette circa \ — \^^ni tief ohne 
Beigabe gefunden wurden. Sie dürften wahrschein- 
lich vom ersten christlichen Friedhofe der Stadt 



herrühren. Irüher bereits wurden in nächster Nähe 
beim Grundgraben zum Sparcassagebäude mehrere 
.Schädel gefunden, die Dr. Matejka (C lid, III, 66, 67) 
ebenfalls auf den ersten christlichen Friedhof der 
Stadt bezog. [Referent: Kenner] 

Die Museumsge.sellschaft in Teplitz über- 
mittelt den Bericht über ihreThätigkeit im Jahre 1 901 , 
wofür der 1 )ank ausgesprochen wird. 

[Referent: Much] 
Bukowina 

Conservator Romstorfer berichtet, dass eine 
umfangreiche Restaurierung des aus dem Jahre 
1843 stammenden Rathhauses in Czernowitz 
beabsichtigt sei. Da es mit seinem durch einen 
mächtigen Adler gekrönten Thurme ein besonderes 
Wahrzeichen der Stadt bildet, verwendete sich der 
Conservator dahin, dass bei allen am Äußeren 
projectierten Änderungen das Einvernehmen mit 
der C. C. gepflogen werde. 

Oberlehrer Sawicki in Mala ty netz benützte 
den im Jahre 1885 gefundenen und als Schläfenring 
gedeuteten Silberschmuck (vgl. M. C. C. 1889, S. 32) 
als Ausgangspunkt für weitere Forschungen. Auf 
dem 2 kill westlich vom Orte gelegenen Hügel- 
felde wurden Thonscherben ähnlicher Art wie zu 
Szipenitz gefunden, die von verschieden geformten, 
theilweise einfach ornamentierten und nicht auf 
der Drehscheibe erzeugten Gefäßen herrühren. 
Sawicki wird seine Forschungen fortsetzen. 

Conservator Romstorfer hat ähnliche Scherben 
wie schon öfter, so auch im heurigen Frühjahre, auf 
der sogenannten Ruina, einer Kuppe im Osten 
des Städtchens Sereth (vgl. M. C. C. 1891, S. 80) 
nebst Schlacken von gebranntem Lehm und Wand- 
bewurf gefunden. Die meisten lagen ungefähr 
nächst dem höchsten Punkte des Hügels; östlich 
davon waren sie minder häufig anzutreffen. 

[Referent: Mucii] 
Dalmatien 

Conservator SiiiRic berichtet, dass die inPrivat- 
eigenthum zu Zara befindlichen kostbaren Tep- 
piche, welche bisher dem Dome zu festlichem 
Schmucke geliehen wurden, ins Ausland verkauft 
werden sollen. Die C. C. beschließt, sich dafür zu 
verwenden, dass sie von einem inländischen In- 
stitute erworben werden. [Referent: Neumann] 

Das k. k. Mini.sterium für Cultus und Unter- 
richt gibt bekannt, dass es die Berufung des Pro- 



247 



248 



fessors Niemann und des Architekten Wilberg in 
die Localcommission für den diocletianischen 
Palast in Spalato in Aussicht nehme und Wert 
darauf lege, dass auch der Director des archäologi- 
schen Institutes an dieser Commission theilnehme. 
Als Vertreter der C. C. werden die Conservatoren 
KuBiTSCHEK und BuLiC namhaft gemacht. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- I 
rieht hat den im Franciscanerkloster zu Spa- 
lato befindlichen altchristlichen Sarkophag 
um den Betrag von 8000 A" für das Staatsmuseum 
dortselbst angekauft. 

Galizien 

Correspondent v. Chizzola erstattet einen vorläu- 
figen Bericht über seine Erforschung derGrabhügel 
nächst Baiice. Gefunden wurden Skelette, eine 
ansehnliche Zahl von Steingeräthen, ein bronzener 
Fußring und ein bleierner Fingerring, wovon aber 
nur die beiden letzteren mit Sicherheit als Bei- 
gaben erklärt werden können, während die Stein- 
geräthe theils als Beigaben, theils in verschiedenen 
Schichten zerstreut gefunden wurden, was die 
Vermuthung nahelegt, dass es sich um jüngere 
Gräber handle, in welche die .Steinsachen aus dem 
mit steinzeitlichen Resten durchsetzten Terrain 
zufallig gelangt sind. [Referent: Müch] 

Conservator v. Tomkowicz berichtet, dass der der 
Stadtgemeinde gehörige „höhere" oder _Alarm- 
thurm" der Marienkirche in Krakau der Re- 
staurierung bedürfe, weil an seinen oberen .Stock- 
werken äußerlich einige Schäden zutage getreten 
seien, die aber den Bestand des Gebäudes nicht 
bedrohen. Die auf Behebung jener Schäden ab- 
zielenden Schritte des Conservators beschließt die 
C. C. zu unterstützen. 

Correspondent v. Chizzola legt die Photo- 
graphie eines bei Nehrybka befindlichen Denk- 
steines vor, der dem Andenken des im Jahre 1602 
an der Pest verstorbenen Bruderpaares Xehrybecki 
errichtet wurde. [Referent: Neumann] 

Kärnten 

Correspondent Pliwa berichtet, dass das aus 
dem ersten Drittel des XVI. Jh. stammende, nicht 
unwichtige Freskogemälde am Friedhofsthore 
in Kirchbach (Gailthal) der Restaurierung einiger 
schadhafter Stellen und der Erneuerung des Schutz- 
daches bedürfe, worüber die C. C. die weiteren 
.Schritte einzuleiten beschließt. 



Gymnasialprofessor Nowotny legt einen in der 
„Carinthia" erschienenen Bericht über die igoi auf 
Kosten des Geschichtsvereines für Kärnten auf 
dem Zollfelde durchgeführten Grabungen vor.die 
das im Jahre 1900 Begonnene einerseits nach Osten, 
anderseits wo nöthig in die Tiefe weiter verfolgen 
sollten. Aufgedeckt wurden zwei große gewölbte, 
in einem rechten Winkel zusammenstoßende Heiz- 
canäle, der überbaute Mosaikboden eines älteren 
Raumes, die Südmauer der ganzen großen Gebäude- 
anlage und der große peristylähnliche Hofraum, 
dessen westlicher Theil mit dem Bassin und den 
darin gelegenen Statuentrümmern im Vorjahre bloß- 
gelegt worden waren. Hierbei fand man eine Dio- 
nysosstatue aus gelblichem Marmor, die Fragmente 
einer als Brunnenfigur gedachten schlafenden 
Nymphe und kleinereStatuenfragmente; ankleineren 
Funden Reste von Malereien und bemalten Stuck- 
reliefgesimsen, Ton- und Glasgeschirr und die ge- 
wöhnlichen Kleinfunde: Griffel, Beinnadeln, 
Schlüssel, Werkzeug. Die C. C. beschließt, dem Ein- 
sender ihren Dank auszusprechen. 

[Referent: Kenner] 
Krain 

Die C. C. beschließt, beim k. k. Ministerium 
für Cultus und Unterricht zu beantragen, dass 
dem Bartholomäcs Pecnik zur ^'ornahme vor- 
geschichtlicher Grabungen in Krain für das 
laufende Jahr eine Subvention von 400 K be- 
willigt werde. [Referenten: Kenner, Mlch] 

Küstenland 
Conservator Maionica berichtet: i. dass dcis 
Archiv des Notars Dr. Johann v. Premerstein in 
Tolmein im October 1901 für das Landesmuseum 
in Görz erworben, geordnet und katalogisiert 
wurde; 

2. dass das Bezirksgerichtsarchiv in Canale, 
eines der größten und wichtigsten der Grafschaft 
Görz, schlecht untergebracht sei und Gefahr laufe 
durch Brand zerstört zu werden; 

3. dass das wichtige Archiv und die Bibliothek 
des berühmten Görzer Geschichtsschreibers Rudolf 
Grafen Coronini zu Quisca bei Görz mit dessen 
großangelegten Sammlungen und den Archivalien 
der Grafen Attems-Cobenzl u. a., ferner den Acten 
der Academia degli Arcadi sonziaci bereits in den 
Siebzigerjahren auf unverantwortliche Weise ver- 



249 



250 



schleudert worden sei, so dass nur weniges von 
einem Görzer Advocaten gerottet werden konnte 
und sich bis heute im Besitze der Familie des- 
selben erhalten habe; 

4. dass um die Mitte des vorig-en Jahrhunderts 
bei einer Skartierung des Archivs der Herrschaft 
Duino zahlreiche Archivalien nach Cividale und 
Udine verschleppt wurden und hierbei etwa 
700.000 beschriebene Blätter von Urbaren, Ge- 
richtsacten der Herrschaft Duino, wichtijtje Urkunden 
der Hofer, Thurn u. a., die zum Theil das Ver- 
hältnis der Erzherzoge von Österreich zu Triest 
betreffen, an das Seminario arcivescovile in Udine 
g"elangt seien, das sie nun nebst einer anderen 
ungefähr 1800 Pergamenturkunden umfassenden 
Sammlung wieder zu veräußern beabsichtigte, was 
der Conservator zur Veranlassung genommen habe 
ihre Wiedererwerbung für Osterreich zu betreiben. 

Hinsichtlich der Sicherung des Bezirksgerichts - 
archivs zu Canale beschließt die C. C, die nöthigen 
Schritte einzuleiten. [Referent: Wlxter] 

Die k. k. küstenländische Statthalterei über- 
mittelt einen Bericht der Gemeinde Grisignana 
über ihr Archiv, von dessen Inhalt insbesondere 
das „Statute Municipale di Grisignana dell anno 
1558'' und die ,.Confinazione territoriale fra Grisi- 
gnana e Buje, Pergamena la quäle descrive la 
confinatione avv-enuta nel giorno 7. ottobre 1575 
nella indizione prima fra Grisignana e Buje" Be- 
achtung zu verdienen scheinen, weshalb die C. C. 
den berufenen Conservator zur Berichterstattung 
über den Inhalt und die Verwahrung des Archivs 
aufzufordern beschließt. [Referent: Winter] 

Correspondent Moser berichtet, dass die am 
6. Juli wieder aufgenommenen Ausgrabungen 
in S. Servolo in einem Grabe ein kleines eisernes 
Messer und Spuren \-on Leichenbrand, in einem 
zweiten außer dem Leichenbrande ein Thränen- 
liäschchen aus lichtblauem Glase (gebrochen) und 
in der Entfernung von i in davon eine sehr gut 
erhaltene Bronzefibel mit lappenartigen Flügeln 
zutage gefördert hätten. [Referent: Much] 

Nieder-Österreich 

Der Director des k. k. archäologischen In- 
stituts übermittelt eine an die Limescommission 
der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften ge- 
leitete Eingabe des Leiters der Limesgrabungen, 



Obersten Max v. Gi<oi.i,i;r, worin im Interesse der 
L i m e s f o r s c h u n g die Überwachung einiger 
größerer, mit Aufgrabung des hlrdbodens ver- 
bundener Unternehmungen in der Nähe von Wien 
in Bezug auf etwaige Antikenfunde angeregt wird. 
Solche Unternehmungen wären: die Erweiterung 
des Centralfriedhofes anlässlich der in Verhand- 
lung stehenden Erwerbung des Neugebäudes 
sammt angrenzenden (jrundstücken durch die Ge- 
meinde Wien, die Zusammenfassung und Ablei- 
tung- einiger Ouelleu in der Umgebung von 
Petronell nach Brück a. d. Leitha (mittels unter- 
irdischer Leitung) und die Anlage eines Fisch- 
teiches durch die gräflich Traun'sche Gutsver- 
waltung Petronell. " [Referent: Kenner] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
gibt bekannt, dass es zur Prüfung des Bauzustandes 
der Portalbekrönung des St. Stephans-Domes 
in Wien eine Specialcommission einberufen habe, 
die aus den Mitgliedern der ständigen Kunst- 
commission und anderen besonders beigezogenen 
Experten gebildet wurde. Diese Commission hat 
dieselben Bauschäden festgestellt wie die von der 
C. C. einberufene Commission (vgl. Sp. i^S f.) und 
deren sofortige Behebung für nothwendig erklärt. 
Das Mini.sterium gibt daher seine Zustimmung zur 
Vorkehrung geeigneter Maßnahmen. 

Dombaumeister Her.maxx hat bei diesem An- 
lasse darauf aufmerksam gemacht, dass die ganze 
obere Partie des Portalvorbaues schadhaft sei und 
in weitgreifendem Maße ausgewechselt werden 
müsste, was jedoch vorherige eingehende Erwä- 
gung erfordere, weil hierbei auch die Reste der 
oberen, abschließenden Arkadenreihe, die Consolen 
derselben mit den theilweise noch vorhandenen 
Säulenansätzen und damit ganz bestimmte Zeug- 
nisse des ursprünglichen Abschlusses der Portal- 
bekrönung beseitigt würden. Die Specialcommission 
ist auf diese Anregung insoferne eingegangen, als 
sie den baulichen Zustand der erwähnten Portal- 
partien in Übereinstimmung mit dem Dombau- 
meister als derart bedenklich erklärt hat, dass ihm 
bis zur Bestimmung endgiltiger Maßnahmen un- 
ausgesetzte Aufmerksamkeit zugewendet werden 
müsse. Da nun mit den als schadhaft erwiesenen 
Partien ein großer Theil des Portals auf jeden 
Fall abgetragen werden muss, beschließt die C. C, 
zu beantragen, dass aus diesem Anlasse auch Nach- 

17 



251 



552 



forschung-en über die ursprüng^liche Portalanlage 
gepflogen werden. Es mögen daher die Zuthaten 
späterer Zeit sorgfältig abgetragen und deponiert 
werden, um sie eventuell später ohne Änderung 
mit demselben Steinmateriale und genau in der 
früheren Lage wieder aufbauen zu können, falls 
die Untersuchung des früheren Bestandes zu keinem 
befriedigenden Resultate führen sollte. 

[Referenten: LrxTz, Rosner] 

Referent Schaeffer macht Mittheilung über 
Fresken vom Kremser Schmidt in zwei Ge- 
mächern des Hauses in Wien XIX. Sickenberg- 
gasse 19, das seit vielen Jahren in Privatbesitz 
steht. Die Malereien, namentlich jene an der Decke, 
seien durch Übermalungen, die jedoch leicht zu 
entfernen wären, arg entstellt worden und dürften 
auch durch den im Jahre 1835 oder 1835 statt- 
gehabten Brand gelitten haben. 

Dcis Mittelbild an der Decke des einen Ge- 
maches — eines Saales — stelle die Götter im Olymp 
dar, denen durch Genien die verschiedenen Gattungen 
der einheimischen Weine in den dafür ehemals 
üblichen Gefässen credenzt werden. Die Wände 
seien mit allegorischen Figuren und Landschaften 
in gemalten Rahmen, die mächtig zur Decke 
emporstrebenden Hohlkehlen mit den Allegorien 
der Tag- und Xachtzeiten decoriert, so dass das 
Ganze eine äußerst farbige und lebhafte Wirkung 
hervorrufe. Insbesondere lasse die besser erhaltene 
Figur der ^Hoffnung- oberhalb des Kamins die Art 
des Meisters in jener frühen Zeit sehr charakte- 
ristisch ersehen. Am Postamente einer der alle- 
gorischen Figuren an dem Fensterpfeiler sei die 
Inschrift: Cremserschmid p. 1736 zu lesen. Das 
zweite, rechts anstoßende, kleinere Gemach zeige 
ebenfalls ein Deckengemälde mit Bacchus als 
Mittelstück, während sich die übrigen Darstellungen 
auf den Weinbau beziehen. An den Hohlkehlen 
und Decken fänden sich hier noch gut erhaltene 
reiche Stuccaturen, die dem Anscheine nach eben- 
falls vom Kremserschmidt herrühren. 

Die C. C. beschließt, eine Untersuchung der 
Malereien in technischer Hinsicht einzuleiten. 

Mit den an der Pfarrkirche in St. Gott- 
hard beabsichtigten Herstellungen (Ausbesserung 
der Malerei im Innern, des Verputzes am Äußeren 
und kleineren Arbeiten) erklärt sich die C. C. ein- 
verstanden. [Referent: DEDcr^GER] 



Die k. k. Bezirkshauptmannschaft Brück 
a. d. Leitha theilt mit, dass sie die Benützung der 
Friedhofmauer in Höflein zum Einschießen der 
Gewehre (vgl. Sp. 187) untersagt und dem be- 
züglichen Gendarmerie-Postencommando den Auf- 
trag ertheilt habe, im Wiederholungsfalle unver- 
züglich die Anzeige zu erstatten. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt für die Restaurierung der Sgraffiti 
am Bezirksgerichtsgebäude in Hörn eine Staats- 
subvention von 600 Ä'. 

Conservator Schmöger berichtet, dass: i. im 
Monate April auf dem Grunde des Herrn von 
PiRKo in Pottenbrunn sieben Knochen eines 
fossilen Thieres und ein Mammuthzahn ausgegraben 
wurden; 2. im Gebiete von Mechters bei St. Polten 
ungefähr 90 österreichische Silbermünzen aus der 
Zeit Kaiser Josef II, Kaiser Franz II und aus 
der ersten Zeit Kaiser Franz Josef I gefunden 
wurden; 3. in St. Polten sich ein Museumsverein 
gebildet habe, der seine Erwerbungen im dortigen 
städtischen Museum zur Aufstellung bringen werde. 
Die C. C. beschließt, um die Vorlage der Statuten 
dieses Vereines zu ersuchen. [Referent: Kenner] 

Conservator Szoiibathy berichtet über einen 
anlässlich der Regulierung des Perschlingbachs 
beim Dorfe Rust gemachten Fund aus der 
jüngeren Steinzeit. Die schwarze, nach oben und 
unten nicht scharf begrenzte Fundschichte von 
etwa 0-5 m Mächtigkeit liege 1-5 — 2 m unter der 
gegenwärtigen Bodenfläche und sei bisher in einer 
Breite von mehr als 30 in und einer Länge von 
mehr als 100 in festgestellt. Ihre Durchschneidung 
an mehreren Stellen ergab" keine untrüglichen An- 
zeichen von Wohngruben oder Hüttenböden; doch 
ließen sich kleine Holzkohlenstückchen, schwach 
gebrannte, lockere Theilchen eines aus sandigem 
Lehm hergestellten Hüttenbewurfes, eine Ein- 
streuung von Flusschotter, endlich in einigen 
seltenen Fällen Topfscherben und Steinsachen, 
auch wohl Säugethierknochen nachweisen. Die bis- 
her gesammelten Funde (mit Ausnahme einiger, 
die in Privatbesitz übergegangen sind) bestehen 
ausdrei kleinen, glattenThongefaßen,einigenDutzend 
Scherben (darunter allerdings auch mittelalterlichen, 
die offenbar aus höheren Schichten stammen), etwa 
drei Dutzend kleiner unbearbeiteter Schlagbruch- 
stücke verschiedener Ouarzvarietäten, fünf zum 



253 



254 



Theile fraj^'inentierten Stfiiiniuiüeln, zwei zuge- 
schlifFenen Knochenwerkzeugen, einem Dutzend 
größerer Ouarz- und S('i"])ciUinkn(illcn, unter denen 
einige Benützungsspuren zeigen, zwei Hirschge- 
weilisprossen mit Abnutzung-.s- und Abschnitts- 
spuren und endlich mehreren Säugethierknochen, 
besonders vom Rinde. [Referent: ATrin] 

Ober-Österreich 

Restaurator Ritschl jun. berichtet, dass das 
frühere Hochaltarbild von Sandrart in der Pfarr- 
kirche zu Altmünster mit der Darstellung der 
letzten Communion des hl. Benedictus zum Ver- 
kaufe stünde. Ein anderes Altarbild, das den 
hl. Nikolaus in den Wolken, von Engeln umgeben, 
darstellt, sei vom Berichterstatter zur kostenfreien 
Restaurierung übernommen worden. Im Pfarrhofe 
befänden sich zwei altdeutsche Bilder (angeblich 
aus Dürers Schule), die gleichfalls dringend einer 
Restaurierung bedürfen. DieC. C. beschließt, weitere 
Erhebungen zu pflegen. [Referent: Schaeffer] 

Redacteur Riegl berichtet (s. Beilage Sp. 256) 
über die in der Kirche zu Lorch zutage getretenen 
Wandmalereien (vgl. Sp. 172). Da die Kirche 
nicht mehr dem ständigen Gottesdienste gewndmet 
ist und somit eine Restaurierung der Malereien, 
deren Zustand zahlreiche gänzliche Erneuerungen 
bedingen würde, durch Rücksichten auf die Er- 
scheinung des Kircheninnern nicht zwingend ge- 
fordert erscheint, beschließt die C. C. von einer 
solchen abzusehen und sich bloß dahin zu ver- 
wenden, dass die Malereien gänzlich bloßgelegt, 
.stückweise photographiert, die zweifelhaften Stellen 
durch Tränkungen aufgefrischt und durch einen 
Zeichner unter fachmännischer Überwachung mög- 
lichst treu aufgenommen, endlich die gewonnenen 
Gesammtresultate in den Schriften der C. C. ver- 
öffentlicht würden. 

Ferner wird von demselben Berichterstatter 
mitgetheilt, dass in der Lorcher Kirche ursprüng- 
lich sieben Altäre vorhanden gewesen seien, deren 
baufälliger Zustand schon vor mehreren Jahren 
ihre Entfernung zwingend gefordert habe. Ihre 
Architekturtheile seien, wenigstens .soweit sie nicht 
vermorscht waren, theils am Ostende des linken 
Seitenschiffes der Kirche, teils in der .Sacristei 
deponiert worden, wo sie sich noch jetzt befinden; 



und das Gleiche sei mit sämmtlichen Holzstatuen 
der genannten Altäre ohne Ausnahme der Fall. 
\'on den Bildern schmücke eines noch heute den 
Hochaltar; die fünf Bilder von drei weiteren Al- 
tären (deren zwei doppelte Bilder besaßen: Florianus 
und Maximinus; hl. Anna die Maria lehrend und 
das Christuskind mit der Weltkugel; endlich d(»r 
hl. Johannes von Nepomuk) lägen an den genannten 
zwei Depotstätten; die drei übrigen Bilder (Maria 
vom guten Rat, Tod des hl. Josef, hl. Magdalena) 
wurden in Privatbesitz zu Enns verkauft, in dem 
sie sich nachweislich noch heute befinden. Auf den 
erhaltenen Architekturen seien die Daten 1759, 
1776, 1781 zu lesen. Von den verbliebenen Bildern 
gehe nur dasjenige mit dem Unterrichte der Maria 
in das XVU. Jh. zurück. [Referent: Schäffer] 

An der Pfarrkirche zu Waldhausen ist 
die teilweise Ergänzung der Dippeldecke, Aus- 
besserungen des Verputzes, Neubemalung bezw. 
Färbelung einzelner Kirchentheile und der An- 
strich des Blechdaches über dem Presbyterium in 
Aussicht genommen. Die C. C. beschließt hiegegen 
eine Einwendung nicht zu erheben. 

[Referent: Dbixinger] 

Salzburg 
Die C. C. beschließt, das Ansuchen des Ver- 
waltungsrathes des städti-schen Musejums Carolino- 
Augusteum in -Salzburg um die Gewährung einer 
staatlichen Jahressubvention von 4000 K wärmstens 
zu befürworten, damit es durch eine ausreichende 
Dotation in den Stand gesetzt werde, die reiche Aus- 
beute an localwichtigen Objecten der Kunst und des 
Alterthums, welche Salzburg selbst heute noch 
bietet, an sich zu ziehen und ihrem Verkaufe ins 
Ausland zu steuern, und da nur durch die erbetene 
regelmäßige Unterstützung die dringlich gewordene 
Adaptierung von Räumlichkeiten zu Museums- 
zwecken ermöglicht würde. [Referent: Kj:nner] 

Conservator Bekgi;k berichtet, dass die dem 
Maler Zeitblom zugeschriebenen vier Flügelaltar- 
bilder in der Pfarrkirche zu Großgmain zwar 
entsprechend verwahrt und streng beaufsichtigt 
seien, aber mannigfache Schäden (Abblätterungen 
der Farbe und Brettsprünge) aufwiesen, die eine 
baldige Restaurierung erheischen. Die C. C. be- 
schließt, sich dieserhalben zu verwenden. 

[Referent: Schaeffer] 



255 



256 



Steiermark 

Conservator Graus berichtet über die Restau- 
rierung des Kreuzgang-es und der Kirche in 
Neubergf. Die Xordseite der ehemaligen Stifts- 
kirche sei nun völlig ausgegraben und ihr Sockel 
von der bisherigen Verschüttung befreit, der Ab- 
lauf des Regenwassers durch Canalisierung ge- 
sichert. Die \Vestfa9ade habe nach Entfernung der 
früher hier bestandenen Vorhalle unter Verwertung' 
der originalen Spuren des ehemaligen Portals ein 
neues stilistisch vollkommen entsprechendes Stein- 
portal erhalten, so dass hier nur noch eine Aus- 
gleichung des Steingefüges rings um das neue 
Portal in Farbe und Zeichnung und eine Aus- 
besserung der Strebepfeiler erübrigt. Allerdings 
begegne die Sicherung des steilen Dachwalmes 
gegen die Gewalt der Stürme Schwierigkeiten, denen 
durch einen Eisenblechbelag abgeholfen werden soll. 

Im Kreuzgange habe man die Hausteingliede- 
rung der Rippen, Consolen, Fensterleibungen und 
der in den Hof führenden Thüren von der Tünche 
befreit und in zwei Fenstern der Brunnenhalle 
neue Maßwerke eingesetzt. Es erübrige, den Verputz 
der Zwischenflächen hinsichtlich der Farbe mit den 
bloßgelegten Hausteintheilen in Übereinstimmung 
zu bringen. Die projectierte Verglasung der Kreuz- 
gangfenster sei noch nicht in Angriff genommen. 
Zur Hebung der künstlerischen Wirkung des In- 
nern sei die Restaurierung der Wandmalereien in 
den Schildflächen in Aussicht genommen, da die 
großen Ölgemälde, durch die sie gegenwärtig ver- 
deckt sind, an einen anderen Ort übertragen werden 
sollen. Im Hofe des Kreuzganges sollen Kies- 
wege, Rasenflächen und Blumenbeete hergestellt 
werden. [Referent: Ro.sner] 

Tirol 

Correspondent Mayr berichtet, dass i. die 
Archive der Gemeinden Kundl und Liesfeld, 
Vomp, Obernberg a. Br., Stilfes, Burgstall, Tisens, 
AlgTind, Tirol, Partschins, Gargazon, Partisch und 
Mals bearbeitet und im Landesarchive hinterlegt 
wurden; 2. mehrere von ihm in Trient gefundene 
Fascikel von Deutschordensacten ganz internen 
Inhaltes an das Deutschordensarchiv in Wien ab- 
gegeben wurden; 3. in Feldkirch neuerdings ältere, 
auf die Klöster .St. Johann, Valduna und Victors- 
berg und die Herrschaften Feldkirch, Blumenegg 
und St. Gerold bezügliche Urkunden gefunden 



und vom Statthaltereiarchiv dem Bregenzer Landes- 
archive überwiesen wurden. [Referent: Redlich] 

Correspondent Postingek berichtet über die 
nöthigen Restaurierung-sarbeiten an dem alten 
Kirchlein bei Ospitale in Ampezzo. Der hölzerne 
Vorbau vor der Kirche, der den interessanten 
Theil der Fresken der Fajade decke, sei zu ent- 
fernen, die Fresken selbst jedoch zu sichern und 
vor Witterungseinflüssen zu schützen. Im Innern 
der Kirche wäre die Apsis zu erneuern, die Tünche 
von den Steintheilen zu entfernen, die Fenster mit 
neuen Rahmen und Butzenscheiben zu versehen. 
An der Evangelienseite seien unter der Tünche 
Wandmalereien verborgen, von denen bisher bloß ein 
Gemälde (Kreuzigung, XVII. Jh.) bloßgelegt wurde; 
die C. C. beschließt, eine Untersuchung der Ma- 
lereien zu veranlassen. [Referent: Schaeffek] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt ordnet die Flüssigmachung der für die Re- 
staurierung der Maria Inviolata- Kirche in Riva 
für das Jahr 1902 bewilligten außerordentlichen 
Subventionsrate von 4600 K an. 



Beilage zu Sp. 253: 

Bericht über die Wandmalereien in der 
Kirche zu Lorch. 

Wie schon Correspondent Melilhek(Sp. 172) mit- 
getheilt hat,befinden sich die neu entdeckten Malereien 
an den zwei innersten .Seiten der polygonalen Apsis 
am Ende des rechten Seitenschiffes, ferner an der 
.Stirnwand über dem Scheidbogen, der zur linken 
Seitenschifi^psis führt. Wir haben also drei ver- 
schiedene Flächen als Unterlagen der Malereien 
zu unterscheiden, denen auch verschiedene Com- 
positionen und vermuthlich sogar verschiedene 
Entstehungszeiten entsprechen. 

Weitaus die meisten Figuren enthält die inner- 
ste, noch mit der Achse der Kirche parallel laufende 
Wand der erst genannten Apsis. Dank dem losen 
Aufsitzen der Tünche an dieser Stelle gelang es mir 
durch bloßes Abblättern derselben, ohne irgend- 
einen gewaltsameren Eingriff", die fünfte Reihe 
der Figuren (von unten gezählt) fast völlig bloß- 
zulegen. Es fand sich hier das Gastmahl des Herodes, 
der Tanz der .Salome, diese mit dem Haupte des 
Täufers, die Enthauptung des Täufers, ein von 
zwei Schergen mit geschwungenen Äxten be- 



257 



258 



drohter Meiliger in einem Kessel inul über dem 
letzteren in deutlirhen JUu-hst;iben die Bezeichnung- 
S. Johannes Ev. Diese fünfte und letzte Fig^uren- 
reihe enthält sohin legendarische Darstellungen aus 
dem ],ebcn der beiden Johannes: des Täufers und 
des Evang-elisten. Damit erscheint zugleich der 
Iidialt der schon vom Correspondenten Memchhr 
bemerkten, über jeder der fünf Fig-urenreihen hin- 
laufenden Schriftbänder klarg-estellt : es sind ein- 
fach die Namen der darunter befindlichen Heiligen. 
Auf Grund dieser Aufklärung" ergab sofort die 
Lesung- von „Innocentes" über der Scene, in 
welcher Mklicher ein Urtheil Salomonis vermuthete, 
das Martyrium der unschuldigen Kindlein; von 
„S. Bartolomäus" über Melichers „Martyrium an 
einem Baume-' die Schindung- dieses Heiligen 
u. s. w. Die verblasste Schrift ist zwar nur an 
■wenigen Stellen auf den ersten Blick lesbar; allein 
es ist nicht zu zweifeln, dass ein längeres auf- 
merksames Studium von Schrift und Bild in allem 
vollkommene Aufklärung wird schaffen können. 

Die Malereien waren zur Zeit ihrer Über- 
tünchung jedenfalls schon sehr verblichen, wenn 
auch das Entfernen der Tünche noch einiges zur 
weiteren Schwächung des Aussehens der bloß- 
gelegten Stellen beigetragen haben mag. Zuerst 
hatte man mit dünnflüssig-er gelber Tünche zu 
überstreichen begonnen, aber offenbar alsbald ge- 
funden, dass diese helle Tünche die Fig-uren dar- 
unter noch zu stark durchscheinen ließ; man ent- 
schloss sich daher bei der Fortsetzung der Über- 
tünchung, zunächst eine dünnflüssige grüne Schichte 
über die Figuren zu streichen und erst auf diese 
den dicken gelben Mörtelanstrich zu setzen. An 
den Stellen nun, wo sofort mit der Auftragung 
der grünen Schichte begonnen wurde und die gelbe 
Schichte somit nicht unmittelbar auf den Figuren 
liegt, ist von der Farbe dieser letzteren bei der 
bisherigen Bloßlegung- nur wenig verloren ge- 
gangen, weil sich der äußere Bewurf leicht in 
breiten Tafeln absplittern ließ. An jenen Stellen 
hingegen, an denen man anfänglich unmittelbar 
mit dem gelben Tünchen begonnen hatte, haftet 
die Tünche so fest an den Figuren darunter, dass 
es längerer, sorgfaltiger Arbeit bedürfen wird, um 
sie voneinander loszulösen. Diese Stellen befinden 
sich namentlich in der Mitte und an den äußersten 
Rändern des Wandfeldes. Eine sichere Zeitstellung 



der Malereien wirrl sich erst nach ihrer völligen 
Aufdeckung nennen lassen; tlas bisher sichtbar 
Gewordene lässt auf das XIV. Jh. schließen. 

Das zweite Wandfeld, an welchem .Spuren von 
Malereien entdeckt wurden und das unmittelbar an 
das ebenbeschriebeneanstößt, enthält ein vorwiegend 
in rother Umrisszeichnung ausgeführtes Gemälde, 
von dem bisher noch zu wenig aufgedeckt werden 
konnte, als dass sich über seinen Inhalt Bestimmtes 
aussagen ließe. 

Auf der .Stirnwand vor der linken .Seiten- 
schifFapsis endlich befindet sich ein großfiguriges 
Fresko, das zwar bereits zum größten Theile frei- 
liegt, aber leider sehr beschädigt ist. Die Mitte 
nimmt ein thronender bartloser Bischof ein, mit 
der Mitra auf dem Haupte, dem Krummstab in 
der Linken, die Rechte segnend erhoben; zu 
beiden vSeiten adorierende Heilige. Wir haben 
somit eine Majestas Domini darin zu erkennen, 
wobei Christus in seiner oberpriesterlichen Würde 
dargestellt ist. Von kunsthistorischem Standpunkte 
erscheint dieses nach Gegenstand und Typus nicht 
ganz gewöhnliche Gemälde beachtenswerter und an- 
scheinend auch älter als alle übrigen; aber sein 
Zustand lässt noch weniger als bei den anderen 
an eine entsprechende und befriedigende Restau- 
rierung- denken, so dass man sich auch hinsichtlich 
seiner mit einer möglichst facsimilemäßigen Auf- 
nahme seines heutigen Bestandes begnügen müssen 
wird. RiEGL 



Von Mitte Juli bis Mitte .September haben keine 
.Sitzungen stattgefunden. Soweit sich die an- 
hängig gewordenen, nachstehend aufgezählten 
Angelegenheiten nicht zu einer Erledigung in 
kurzem Wege eigneten, wurden sie vom Präsi- 
dium unter Zuziehung der in Wien anwesenden 
Mitglieder in Berathung gezogen. 

Böhmen 

Mit der in Aussicht genommenen Restaurierung 
von vier Seitenaltären in der St. Ägidikirche 
zu Prag erklärt sich die C. C. einverstanden. 

[Referent: Luntz] 

Correspondent Äugst legt die Zeichnung für 
die beabsichtigte Ergänzung des gothischen Altars 
in der Kapelle der Wallfahrtskirche zu Hain- 
dorf vor. Die C. C. findet dieselbe vollkommen 







? 






■ 


1 








1^ 


- 


'^f*^-"' 



5 9€o- 
1 "i 7» — 




201 



2b2 



entsprecluMid und j^ibt die Zustitiinumi;- zu ihrer 
AusführuiiL;'. [Referent: IIkkmann] 

Conservator DvokAk berichtet, dass der aus 
dem Kloster Sedletz stammende barocke Hochaltar 
der Dekanalkirche zu Hohenmauth einer sorg- 
fältigen künstlerischen Restaurierung bedarf, wofür 
die C. C. die Gewährung einer Staatssubvention 
befürwortet. Ebendaselbst wurde in jüngster Zeit 
das Hochaltarbild von Peter Brandl mit tler Himmel- 
fahrt Mariens entsprechend restauriert. 

Die Consolen und Baldachine, die anlässlich der 
Restaurierung der Kirche von den Wänden des 
Pre.sbyteriums entfernt und durch neue, erst zu be- 
arbeitende Steine ersetzt wurden und noch aus dem 
im Jahre 1461 durch Feuer zerstörten Kirchenbau 
stammen dürften, sollen gemäß einem Antrage des 
Conservators, für welchen die C. C. einzutreten 
be.schlieiBt, einem Museum in sichere Verwahrung 
gegeben und für die neuen Arbeiten als Vorbilder 
benützt werden. 

Auch auf eine fernere Anregung des Conserva- 
tors, dass die gleichfalls aus der Sedletzer Kirche 
stammende barocke Kanzel, die demnächst entfernt 
und durch eine gothische ersetzt werden soll, zu 
restaurieren und in einer kleineren Kirche aufzu- 
stellen wäre, beschließt die C. C. einzugehen. 

[Referent: Houdek] 

Conservator Kkoutil berichtet, dass in den 
gut erhaltenen Resten der ehemaligen St. Lud- 
milla-Doppelkapelle in Kuttenberg, die sich 
jetzt im Privatbesitze befindet und für industrielle 
Zwecke verwendet wird, eine Dampfmaschine auf- 
gestellt und ein hoher .Schornstein errichtet werden 
soll; er habe dagegen bei der Baucommission leb- 
haften Einspruch erhoben, weil dadurch das herrliche 
Bild, welches die St. Barbarakirche sammt der neben- 
stehenden langen Front des ehemaligen Jesuiten- 
collegiums, nördlich flankiert von dem alterthüm- 
lichen Hrädek nad Pdchem darstellt, vollständig 
zerstört und die Gefahr, welche die Anlage bereits 
jetzt für die Barbarakirche biete, ganz erheblich 
vergrößert würde. Der Conservator empfiehlt, das 
Gebäude aus öffentlichen Mitteln anzukaufen und 
als Museum für erhaltungswürdige Baufragmente 
einzurichten. Die C. C. beschließt, diesen Vorschlag 
zu unterstützen. [Referent: Neuwirth] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 



richt bewilligt für die Restaurierung der l'"ilial- 
kirche in Radaun eine Subvention von 500 K. 

Dalmatien 

Das k. k. Ministerium für ("ultus und Unter- 
richt bewilligt für die Restaurierung der zum 
St. Michaelkloster bei Zara gehörigen Kapelle 
San Giovannino eine .Subvention von 500 A' 
unter der Bedingung, dass die Arbeiten im steten 
Einvernehmen mit dem berufenen Conservator 
durchgeführt werden. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt zu den Kosten der geplanten Re- 
staurierung des Daches der Votivkirche zur 
hl. Dreifaltigkeit in Bozava eine Subvention 
von 400 K unter der Voraussetzung, dass die Ar- 
beiten im steten Einvernehmen mit dem berufenen 
Conservator durchgeführt werden. 

Conservator Gelcich berichtet, dass in Slano 
an der Stelle, wo im Vorjahre einige römische 
Sarkophage gefunden wurden, heuer Versuchs- 
grabungen gemacht worden seien, bei denen man 
auf eine lange, unter der Communalstraße und 
vielleicht gegen die Pforte des Convents hin- 
ziehende Mauer gestoßen sei. Die Sarkophage, in 
denen man nur Gebeine und Erde vorfand, müssen 
hiernach schon vor langem geplündert worden 
sein. [Referent: Neumann] 

Gegen die Demolierung- des ehemaligen 
Bischofspalastes in Trau, an dessen Stelle 
ein neues Gerichtsgebäude aufgeführt werden soll, 
beschließt die C. C. nach Einvernahme des be- 
rufenen Conservators keine Einwendung zu er- 
heben, weil er, abgesehen von seinem schlechten 
baulichen Zustande, kein einheitliches oder archi- 
tektonisch bedeutsames Werk darstellt ; sie empfiehlt 
aber, alle architektonisch und geschichtlich wich- 
tigen Details, und insbesondere die nachstehend 
genannten, am neuen Gebäude wieder anzubringen : 
einen Balkon mit einem bischöflichen Wappen, die 
Brunnenbekrönung im Hofe mit bischöflichen 
Wappen, die Trifora in der Frontmauer mit sechs 
größeren und vier kleineren bischöflichen Wappen, 
zwei Fensterschwellen mit den Inschriften der Bi- 
schöfe Pax Jordanus ( 1 6 2 3) und Anton Miocevic ( 1 766) 
und vier .Säulen mit ihren Capitälen in einem 
Gange an der linken Seite des Hofes. Da bei der 
Demolierung Überreste der Befestigungsmauern 



2.63 



204 



der griechischen Ansiedlung Trag-urion zutag'C 

kommen könnten, beantragft die C. C, dass der 

Conservator von allen antiken Funden allsogleich 

verständigt werde, um die zum Schutze und zur 

Erhaltung' derselben dienlichen Älaßnahmen zu 

treffen. ^ .. . 

Galizien 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt für die Restaurierung- der Facade 
der Collegnatkirche St. Anna in Krakau eine 
Subvention von 6000 A'. 

Conservator v. Tomkowicz berichtet, dass die 
Äg-idiuskirche in Krakau — ein zum Theile 
aus der Zeit der Spätgothik, zum anderen aus der 
Renaissancezeit stammendes Bauwerk von gerin- 
gerer Bedeutung, aber guter Erhaltung — einer um- 
fassenden Restaurierung ihrer wertvollen inneren 
Einrichtung aus dem X\T^. und XVII. Jh. bedürfe, 
die unter seiner Ingerenz bereits zum Theile in 
Angriff genommen wurde. [Referent: WXchtlek] 

Krain 

Das Ansuchen der Leitung des Landes- 
museums in Laibach, dass ihr zwei am dortigen 
Lycealgebäude eingemauerte Inschriftsteine — 
ein römischer Votivstein und ein jüngerer Grab- 
stein eines Mönches — ferner jene archäologischen 
Funde, die bei der Demolierung des genannten 
Gebäudes gemacht werden sollten, zugewiesen 
werden möchten, beschließt die C. C. zu befürworten. 

[Referent: Kenner] 
Küstenland 

Conservator Gnu<s berichtet, dass die Baulinie 
der Bauparcelle 113/1 am Viale Carara in Pola 
mit seiner Zustimmung festgesetzt wurde. Sie 
schließe an die Porta gemina in der Linie der 
antiken Stadtmauer derart an, dass sämmtliche 
Gliederungstheile der Porta, die ursprünglich frei 
waren, auch weiterhin frei bleiben und dass die 
Hausmauer (Fajade) die Porta an der Stelle 
trifft, wo diese seinerzeit in die antike Stadt- 
mauer eingebunden war. Das städtische Bauamt 
erklärte sich bereit, dahin zu wirken, dass die 
Fagade des Neubaues derart architektonisch ge- 
gliedert werde, dass sie den Eindruck des daneben 
befindlichen antiken Baudenkmales nicht stört. 

Mähren 

Conservator Stkrz berichtet, dass das Innere 
der Pfarrkirche zu Namiest neu bemalt und 



der Hauptaltartisch einer Restaurierung unter- 
zogen wird, wobei er die entsprechenden Rath- 
schläge geben konnte. [Referent: Houdek] 

Correspondent Geklich berichtet, dass sich in 
der Kapelle zu Ober-Mosch tienitz weder ein 
Bild noch eine Inschrift befinde, welche darauf 
schließen ließen, dass zwischen ihrer Errichtung 
und den bei ihr bestatteten Skeletten (vgl. Sp. 184) 
ein Zusammenhang bestehe. [Referent: Kenner] 

Con.servator Stkrz berichtet, dass in der Pfarr- 
kirche zuStallek die barocken Fenster des Schiffes 
vergrößert, die Außenseite gereinigt, die Quadern 
der Strebepfeiler des Presbj-teriums bloßgelegt, 
endlich das Innere einfach bemalt werden soll, 
wogegen er keine Einwendung zu erheben habe. 

Die frühgothische Filialkirche zu Tetscho- 
witz befindet sich in verwahrlostem Zustande und 
bedarf einer Restaurierung-, welche die Neupflaste- 
rung, Ausbesserung' und Neubemalung der Holz- 
decke, Beschaffung eines neuen Hochaltars, Restau- 
rierung der beiden Seitenaltäre, der Kanzel, Orgel, 
Fenster, des gothischen Portals, Beschaffung neuer 
Kirchenstühle u. a. umfassen soll. Die erbetene 
Staatssubvention beschließt die C. C. wärmstens 
zu befürworten, sofern die Arbeiten im steten Ein- 
vernehmen mit dem berufenen Conservator durch- 
geführt werden. [Referent: Houdek] 

Conservator Sterz berichtet, dass für die 
Dominikanerkirche in Znaim eine neue An- 
tonius-Statue angeschafft und an einem Pfeiler einer 
Seitenkapelle der Nordseite des Schiffes aufgestellt 
wurde, wogegen eine Einwendung nicht zu erheben 
sei. [Referent: Holdek.] 

Nieder-Österreich 

An der Pfarrkirche zu Ebergassing ist die 
Ausbesserung des Verputzes von Thurm und Kirche, 
die Färbelung des Innern, die Neubemalung der 
Sacristei, die Reparatur des Thurmdaches, die Re- 
staurierung der Altäre u. a. in Aussicht genommen. 
Die C. C. erhebt dagegen keine Einwendung. 

[Referent: Rosner] 

Die Pfar r kirche zu Gablitz, die durch einen 
Neubau ersetzt werden soll, wurde gegen Ende des 
X^'I.Jh. von den Mönchen der einstigen Karthause 
in Mauerbach in den geringen Dimensionen von 
12 X 5"75 '" erbaut und entbehrt jeder namhafteren 
architektonischen Behandlung und Verzierung. Von 



;65 



266 



hisi(irisclu,T Ik'(l('Utunji4' ist blol.i ein unter (lein mitt- 
leren Rundfenster an der Nordseite angebrachtes, 
in Stein g(>hauenes Wappen mit darül)er befind- 
lichem S[)ruchban(le, darauf die Jahreszahl 1642. 
Auch die Altäre, l'iilder, Kanzel, Orgel und sonstige 
Einrichtung sind ohne- künstlerischen Wert. Infolge- 
dessen beschlieüt die (,'. C, gegen eine Demolierung 
der Kirche, falls der Neubau eine solche bedingen 
sollte, eine Einwendung nicht zu erheben. 

[Referent: Luntz] 

Gegen die Erbauung eines neuen geräumigeren 
Oratoriums bei der Pfarrkirche zu Gro(3-Non- 
(lorf beschließt die C. C. eine Einwendung nicht 
zu erheben. [Referent: Rosnkr] 

Referent Duimnckk macht Mittheilung über 
die Ergebnisse der wegen Herstellung eines Noth- 
ausganges bei der St. Othmarkirche in Mödling 
abgehaltenen Localcommission.DieHerstellung eines 
solchen Ausganges erwies sich als nothwendig, weil 
der derzeitige Ausgang für die Dauer der Nach- 
forschungen, die man daselbst nach den alten Eun- 
damenten der hiernach zu erneuernden Vorhalle 
anzustellen gedenke, unzugänglich bleiben müsse 
Da er aber auch nach Eertigstellung der Vorhalle 
und Wiedereröffnung des alten Ausganges aus 
Sicherheitsrücksichten weiterhin bestehen zu blei- 
ben bestimmt ist, soll er genau nach den Formen 
und Dimensionen des be.stehenden, nur ohne Vor- 
halle, gebildet und am zweiten Travee rechts vom 
Haupteingange angebracht werden, während der 
dort im Innern befindliche Altar gegenüber dem 
Haupteingange aufgestellt, das außen befindliche 
Grabmal im Empirestil an das nächste Travee ver- 
setzt werden soll. Die C. C. stimmt diesen Umge- 
staltungen zu und beschließt, sich auch dahin zu 
verwenden, dass die Ereskenreste an der Außen- 
wand im ersten Travee rechts vom Haupteingange, 
die immer mehr abzublättern drohen, an den ge- 
fährdeten Grenzen im Verputze gefestigt werden. 

(regen eine geringfügige Umänderung der alten 
Kirchenstühle im Presbyterium, welche die Gewin- 
nung von Raum für eine Vermehrung der .Stühle 
bezweckt, ist eine Einwendung nicht zu (>rheben. 

Conservator .Schmöger berichtet, dass anlässlich 
der l'xdarbeiten zum Zwecke der Canalisierung in 
dvr Kerensstraße zu St. Polten ein altes Grab 
in Eorm einer aus Ziegeln gemauerten Kiste, un- 
gefähr ri)() ;;; lang und 40 bis 50t'/// hoch, blol.i- 



gelegt wurde. Die Ziegel haben I'orni und Größe 
jener aus der Römerzeit, aber keinerlei Zeichen. 
Den hdialt bildeten nebst Knochentheilen eine 
Schale aus dunkelgrünem Glase und ein be- 
schädigter Kamm (aus Hörn?). Die Ziegel wurden 
weggeräumt. Schale und Kamm in das städtische 
Museum gebracht. 

Da ein Friedhof aus christlicher Zeit an der 
Fundstelle kaum vermuthet werden kann, bleibt 
die Verweisung des Grabes in die Römerzeit doch 
das Wahrscheinlichste. [Referent: Kenner] 

Die Restauri er u ng der P f a r r k i r c h e i n R a v e 1 s- 
bach (vgl. Sp. i66) soll nunmehr auch auf das 
Äußere des Gotteshauses ausgedehnt werden, wo- 
bei vor allem der im Jahre 1786 abgebrannte 
Thurm genau in den ursprünglichen Formen wieder- 
hergestellt werden soll. Die C. C. beschließt, eine 
Einwendung nicht zu erheben. [Referent: Rosner] 

An der Pfarrkirche in Weidling sind einige 
geringfügige Baureparaturen in Aussicht genommen, 
gegen welche die C. C. keine Einwendung erhebt. 

[Referent: Rosnek] 

Ober-Österreich 

Mitglied Rosner berichtet über die Ergebnisse 
der Untersuchung des gefährdeten Orgelchors bei 
der Pfarrkirche in Hallstatt, welcher durch 
Einziehen von Eisenschließen gesichert werden 
soll (vgl. Sp. i8g). Durch den (jewölbedruck sei 
die eine der tragenden Säulen bereits aus ihrer 
verticalen Lage g'ebracht, die andere wenigstens 
angegriffen und das Netzgewölbe selbst zeige in 
der Längenrichtung frische Sprünge. Da nun auch 
trotz der erfolgten Pölzung des ganzen Gewölbes 
die Bewegung nicht zum Stillstande gekommen ist, 
müsse die Last, welche auf dem Gewölbe ruhe, für 
dieses zu schwer sein. Es sei daher unverzüglich die 
Orgel vorerst abzutragen und seien neue schmiede- 
eiserne Träger einzuziehen, um die Last der Orgel 
und der Besucher vom schwachen Gewölbe auf 
die starken Umfassungsmauern zu übertragen. Die 
C. C. erklärt sich mit diesem Gutachten einver- 
standen. 

Salzburg 

Conservator Bekger berichtet, dass \on dem 
Aufbau eines Stockwerkes auf die Edmundsburg 
in Salzburg (vgl. .Sp. 207) wegen unzureichender 
l'\indamentierung des (iebäudes abgesehen wird. 

iS 



207 



268 



Conser\-ator Berger berichtet, dass an der 
Facade der im Jahre 1732 erbauten Klausen- 
kaserne in Salzburg die Fensteröffnungen im 
obersten Stockwerke vergrößert und hierbei die in 
Putzarchitektur hergestellten Fensterumrahmungen 
umgestaltet wurden, was eine unvortheilhafte Än- 
derung der Verhältnisse zur Folge hatte. Der von 
ihm dagegen erhobene Einspruch sei aber leider 
erfolglos geblieben, weil die bemängelten Her- 
stellungen von der Militärbehörde aus praktischen 
Gründen als nothwendig bezeichnet wurden. 

[Referent: Rosxek] 

Steiermark 

Conservator Graus berichtet über die Restau- 
rierungsarbeiten an der Pfarrkirche zu Straß" 
gang, die im Inneren bis auf die Fassung der 
Altaraufbauten in den beiden Seitenkapellen und 
die Neuherstellung der Beichtstühle vollständig und 
in tadelloser Weise durchgeführt wurden. Die C. C 
nimmt hiervon mit Befriedigung Kenntnis und be- 
fürwortet die für diese Restaurierung erbetene 
Staatssubvention von 1000 7v auf das wärmste. 

[Referent: Rosxer] 

Dem Bezirkshauptmanne von Gröbming ist 
es gelungen, den Besitzer der Ruine "Wolkenst ein 
nicht allein von der beabsichtigten Demolierung 
abzubringen, sondern auch zu bestimmen, dieselbe 
besser zugänglich zu machen. Die C. C. nimmt 
hiervon mit BefriedigTing Kenntnis. 

[Referent: Rosxer] 

Tirol 

Conservator Inxerhofer berichtet über die 
bevorstehende Restaurierung der Fresken in der 
St. Jakobskirche in Grissian, welche nur im 
Einvernehmen mit der C. C. und jnit ihm durch- 
geführt werden soll. 

Die im Salinenhofe zu Hall befindliche, im 
XV. Jh. von der St. Barbara-Knappenbruderschaft 
errichtete Denksäule soll auf den Unteren Stadt 
platz in Hall versetzt und aus diesem Anlasse einer 
Restaurierung unterzogen werden, die der Haupt- 
sache nach eine Beseitigung aller im Laufe der 
Zeit daran vorgenommenen Änderungen bezweckt 
Das vom Conservator Deixisger hierfür ausgear- 
beitete Project wird von der C. C. als entsprechend 
zur Genehmigung empfohlen und im Principe die 



Gewährung einer Staatssubvention zu den Restau- 
rierungskosten beschlossen. [Referent: Zumbusch] 

Conservator Atz berichtet, dass der baufällige 
und unbrauchbare Hochaltar der St. Xikolaus- 
kirche zu Kaltem durch einen gothischen im 
Stile des Kirchengebäudes ersetzt werden soll. Da 
der alte, aus den 40er Jahren des vorigen Jahr- 
hunderts stammende Altar weder künstlerischen 
noch historischen Wert besitzt, erhebt die C. C. 
gegen seine Entfernung keine Einwendung. 

Das k. k. ^linisterium für Cultus und Unterricht 
ertheilt die Ermächtigung zur sofortigen Flüssig- 
machung der für die Erhaltung der Lienzer Klause 
in Aussicht gestellten Staatssubvention von 2000 K. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt für die Herstellung des Daches 
der St. Adalarikirche im Pillerseethale eine 
Subvention von 1 200 A'. 

Correspondent Daxxesberger berichtet, dciss 
die Fa5adenmalerei der Casa Voltolini (Gara- 
vaglia-Loresina) in der \'ia S. Marco zu Trient, 
ein Werk des Domenico Brusasorci ausVerona(i55i), 
mit aller Sorgfalt von der Wand losgelöst und in 
einem Saale des Hauses untergebracht wurde, weil 
sie unter der Einwirkung des Straßenstaubes sehr 
zu leiden hatte. Allerdings wurde sie damit zu- 
gleich auch der Öffentlichkeit entzogen. 



Funde an der Minoritenkirche in 
Wien 

I Wandmalereien im ehemaligen Minoritenkloster 

Bald nach der Gründung des Minoritenklosters 
durch Herzog Leopold den Glorreichen im Jahre 
1224 erhoben sich die im wesentlichen noch bis 
in die Mitte des XVIII. Jahrhunderts erhalten ge- 
bliebenen Baulichkeiten des Klosters mit seinen 
zahlreichen nach und nach entstandenen Kapellen, 
deren Gruftgewölbe allmählich einer großen Anzahl 
Todter aus berühmten und bekannten Geschlechtem 
und selbst aus königlichem Geblüte eine gastliche 
Freistätte gewährten. 

Die Anlage des Klosters befolgte, abgesehen 
von dem bis 1754 damit verbundenen Hospital, 



269 



270 



(kirchaus die ycwrihnlichc I'Orm : unyefälir in der 
Mitti-. in ilircctiT X'iTbindiint,"' mit der Kirche lag" 
der Kreuzgfang- mit seinem Übergeschoss, welches 
wahrscheinlich die Zellen der Mönche enthielt, und 
daran schlössen sich Seitenkapellen und verschiedene 
Nebengebäude. 

Entsprechend der mittelalterlichen Sitte waren 
die Wände des Kreuzj,''ant;es und jene der dem 
(xottesdienst pfpweihten Räume mit Malereien be- 
deckt, die zur l^rbauung der Gläubigen geschaffen, 
rein religiösen Charakter trugen oder Wappen und 
ICmhleme verschiedener Art darstellten, um so 




I I 
I !5 
Abb. 1 Grundriss des ehemaligen Kreazganges bei der Minoritenkirche 

zu Wien, sammt den umliegenden Klosterbaulichkeiten. 



das Andenken an die der Obsorge des Klosters 
anvertrauten Todten pietätvoller Weise späteren 
Geschlechtern zu überliefern. 

Wenn auch infolge der Ungunst der Zeiten 
und des \'andalismus vergangener Jahrhunderte, 
insbesondere anläs.slich der großen Umgestaltungen, 
von welchen das Kloster gegen Ende des XVIII. 
Jahrhunderts betroffen wurde, manche erhaltens- 
werte Kunstschätze, zum Theil von hervorragendem 
und unschätzbarem Werte, zum Bedauern der 
Gegenwart der Vernichtung anheimgefallen sind, 
so entgiengen doch, abgesehen von späterhin zu 
erwähnenden Fundstücken verschiedenster Art, 
unter einer Jahrhunderte alten Mörtelkruste ver- 
borgen, einige ansehnliche Re.ste von Wandmale- 
reien <ler ewigen Vergessenheit. 



An der Ostseite des ehemaligen Kreuzganges 
(vgl. die Grundrisskizze Abb. i ), welcher ursprünglich 
flach gedeckt gewesen sein mochte und erst später 
eingewölbt wurde, traten Ende .September 1901 
nach der Demolierung der Ziegelgewölbe in einem 
Gewölbszwickel (im Grundriss bei Xr. 3) Reste 
von decorativer Wandmalerei aus der beginnenden 
Barockzeit zutage, und diese Wahrnehmung führte 
mich sofort zur bestimmten Vermuthung, dass auch 
die Bogenfelder an der Wand einstmals bemalt 
gewiesen sein mussten. 

Es wurden infolgedessen die Demolierungs- 
arbeiten an dieser Stelle sistiert 
und durch mich die alten Mörtel- 
schichten der ganzen Wandfläche, 
soweit dies technisch durchführ- 
bar war, unter größter Vorsicht 
abgelöst. Das Resultat dieser 
mühevollen Arbeit war insoferne 
ein lohnendes und überraschendes, 
als sich nicht bloß das ganze 
Bogenfeld als bemalt erwies, son- 
dern auch daran sofort drei ver- 
schiedenen Zeitperioden angehörige 
Schichten mit aller Deutlichkeit 
unterschieden werden konnten. Zu 
dem gleichen Ergebnis führte die . 
Bloßlegung der Bogenfelder Xr. 2 
und 4. 

Die unteren Partien tragen in 
allen drei Bogenfeldern ausgespro- 
chen mittelalterlichen Charakter. 
Die gerade Feldertheilung mit den Vierpässen in 
frühgothischer Form mit figuralen Darstellungen 
innerhalb derselben und mit Kleeblattbogen um- 
rahmte Heiligenfiguren (Abb. 2 unten), deren zwei 
an der Ostseite des Kreuzganges bloßgelegt werden 
konnten, ferner die Maltechnik mit ihrer Betonung 
der Conturen durch Einritzen in die steinhart- 
gewordene Mörtelschichte und ihrem Übergehen 
der Umrisse mit dunkleren Farbtönen: alle diese 
Umstände weisen auf einen Meister des XIV. Jahr- 
hunderts hin. 

Schon zu dieser Zeit, als die Mauern des 
Klosters der Mindern Brüder zu Wien die irdischen 
Überreste so manches erlauchten Wohlthäters be- 
herbergten, muss an eine Ausschmückung des 
Kreuzganges mit Wappen zur Erinnerung an jene, 



271 



27 1 



welche hier ihre Ruhestätte fanden, gedacht worden 1 Am besten sind die Farbenreste wohl im 

sein. Den Beweis hiefür liefern die Umrisse zweier Bogenfeld Xr. 3 erhalten, an welchem sich «anz 
einfacher Wappen in Xr. 2 von spätmittelalterlicher besonders deutlich die mehrfachen aufeiiiander- 



Form (vjjl. Abb. 2 rechts in der Mitte). 

Beiläufig zwei Jahrhunderte später fühlte man 
das Bedürfnis nach einer durchgreifenden Xeu- 
ausmalung, und zwar mit Emblemen, die in der 
Zeichensprache der Wappen dem andächtigen Be- 
schauer Kunde überbringen sollten von den Wohl- 
thaten und dem Schutz, welche ihre verstorbenen 
Inhaber dem Kloster angedeihen ließen. 

Ganz ohne Wahrung- einer bestimmten Ordnung, 
weder nach dem Range der Personen, denen die 




Abb. 2 



Reste von Wandmalereien im ehemaligen Kreuzgange des Minoritenklosters 

zu Wien. 



Wappen gehört hatten, noch nach der chrono- 
logischen Reihenfolge ihres Ablebens, und auch 
nicht nach den Anforderungen einer künstlerischen 
Gruppierung sind diese Wappen in mehreren 
Höhenlagen, wovon deutlich zwei Reihen erkennbar 
sind, aneinander gereiht. 

So findet man in X"r. 2 (Abb. 2) neben dem 
jedenfalls zu Ehren eines herzoglichen .Schirmherrn 
angebrachten Habsburger lö wen die stilisierte Lilie 
der Herren von Eslarn; Kunigunde von Eslarn 
wurde nach dem Todtenbuch der iMinoriten 1360 
hier beigesetzt. Von der untern Reihe dieses Feldes 
erhielt sich nur das Wappen des Chunradus de 
Werd mit zwei schwarzen, schrägen .Streifen auf 
gelbem Grunde.^) 

') Bei der Bestimmung der Wappen hat mich Herr 
Archivdirector Dr. M.vvkk in dankenswerter Weise gefi'irdert. 



folgenden Zeitperioden constatieren lassen: unten 
ein spärlicher Rest mittelalterlicher Malerei, von 
einigen oberhalb angebrachten Schriftbändern be- 
gleitet, darüber die obern zwei Reihen von Wappen, 
vermuthlich aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahr- 
hunderts, links oben die Wappen der Familien von 
Scheurbeck (Elisabeth de Scheurbeck, gestorben 
1337) und von Pfaunberch (Ulricus de Pfaunberch, 
gestorben 1353; .sein Herz wurde 1354 neben jenem 
des seit 1278 in der Heiligenkreuzkapelle ruhen- 
den Königs Ottokar II 
von Böhmen beigesetzt). 
Rechts daneben ist das 
Wappen des einer alten 
Wiener Patrizierfamilie 
angehörigen Jörg Jordan, 
Münzmeisters, gestorben 



1 5 1 7 , bemerkensw ert 
durch seine im Charakter 
der deutschen Renais- 
sance gehaltenen Umriss- 
formen, endlich zwei 
kreuzweise übereinan- 
der gelegte Hacken auf 
schwarzem Grunde, er- 
innernd an Marguard de 
Hackenberg, gest. 1276. 
A'on den Wappen 
der unteren Reihe ist in Xr. 3 wegen des allzu 
dürftigen Zustandes der Erhaltung nur jenes mit 
den beiden Adlerflügeln auf gelbem Feld (Petrus 
episcopus Marchipolensis Ord. min., gestorben 1 349) 
mit Sicherheit bestimmbar. 

Die Einflüsse der Renaissance und der darauf- 
folgenden Barocke, welche den meisten größeren 
kirchlichen und Profanbauten unseres schönen und 
kunstreichen Heimatlandes die Signatur aufdrückten, 
giengen auch am Minoritenkloster nicht .spurlos 

Nebst dem Todtenbuch der Minoriten wurden für diesen 
Bericht noch folgende Werke benützt: Die Monographie 
von Don Giov.\n.\i SAy.v.\ixiKi über die Minoritenkirche 
und ihre älteste Umgebung , und >An Ihre Rom. Kais. 
Kön. Ap. Majestät gründlicher Bericht von der heiligen 
Catharinen Kapellen nächst der Kais. Kön. Burg zu Wienn 
. . . von dem alldasigen Minoriten Kloster zum Heiligon- 
kreuz hinter dem Landhause-. 



273 



274 



N'orüher; fällt ja doch die baulii-hc I^rncucruiit;- des 
Klosters selbst in die Mitte des X \' 1! I . Jahrhunderts, 
die Reconstruction der Katharinenkapelle (1224 bis 
1298 Heilig-enkreuzkapelle j^enannt) in das Jahr 
1775. Dem Geschmacke der Zeit entsprechend 
wurde auch ein Theil des Kreuz.i^'an^es mit neuen 
Fresken übermalt. Die bereits oben erwidniten 
Überreste hievon haben sich an der Ostseite in 
Nr. 3 erhalten. Der .Stil dieser decorativen Malerei 
mit den xolutenartig-en Motiven umi spielenden 
{•'urmen erinnert an italienische Einflüsse, und es 
wäre nicht unwahrscheinlich, dass der Convent, in 
dem ja zu allen Zeiten Mönche italienischer Abkunft 
ziemlich zahlreich vertreten waren, einen Meister 
aus Italien zu seinen Diensten berufen hätte. 

Abb. 2 möge durch Wiedergabe der im Ge- 
wölbfelde Xr. 2 aufgedeckten Motive ein Beispiel 
davon geben, wie drei bis vier -Schichten von ver- 
schiedenen Jahrhunderten angehörigen Fresken 
übereinandergelegt zutage traten. Die ältesten 
Theile sind die von Rundbogen überspannten 
Kleebogen am unteren Rande, deren Felder ein- 
zelne Heiligenfiguren enthalten haben mögen. Zwei 
schräge, unten zugespitzte Wappen mögen einer 
etwas späteren Periode, aber doch wohl noch der 
Zeit vor 1500 angehören; die erwähnten großen, 
unten abgerundeten Wappen führen uns bereits 
in das XVI. Jahrhundert, und die barocken Voluten 
in der Ecke rechts oben repräsentieren den letzten 
gemalten Schmuck des Kreuzganges, den das 
XVII. Jahrhundert hinzugefügt hat. 

Die .Südseite des Kreuzganges kann hier nicht 
in Betracht kommen, da dieser Theil des Klosters 
schon längst anderen T^aulichkeiten hat weichen 
müssen. 

An der Westseite setzt sich in dem von der Demo- 
lierung 1 899 noch übrig gebliebenen Theile die Reihe 
der Wappen fort. Die drei .Sterne auf rothem Felde 
bei Nr. 5 erinnern an Otto comes de .Sternberg, ge- 
storben 1341, und Ulricus desselben Stammes, ge- 
storben 1357. Neben diesen setzte der Maler den Ti- 
roler Adler der Margarethe Maultasch. Verblasst, aber 
immerhin deutlich erkennbar, befindet sich nebenan 
der alte österreichisch-babenbergische Bindenschild; 
wem mag wohl dieser gelten? Vielleicht dem An- 
denken an den erlauchten Gründer, den edlen Baben- 
berger Leopold VII, den Glorreichen, wenngleich 
dieser in Lilietdeld lieigesetzt wurde. 



\'on der unteren Reihe kam nur das VV^ajjpen des 
1475 vt^rstorlieneii P. Wolfgang Puehler, Weih- 
bischofs von Passau, eines verdienstvollen Minoriten- 
ordenspriesters, der später als Provinzial und Hof- 
predigerin den Händeln zwischen Kaiser Friedrich 1 \' 
und der Wiener lUirgersrhaft, zu (runsten dieser bei 
ihrem kaiserlichen Herrn (erfolgreich intervenierte, 
und das der Herren von Eilerbach (Purchardus und 
Alhaidio de Ellfjrbach, gestorben zwischen 1 3'^'"' 
und 1320) zum Vorschein. 

Die bei Nr. (> ersichtlichen drei großen Wappen- 
schilder rufet! das Andenken an ganz hervorragend 
um das Kloster verdiente Wohlthäter wach. Als ein 
glücklicher Zufall muss es bezeichnet werden, dass 
auch diese unter den wenigen auf uns gekommenen 
zu zählen waren. Das französische Lilienwappen be- 
zieht sich zweifellos auf Herzogin Bianca von Oster- 
reich, Enkelin Ludwig des Heiligen von Frankreich, 
dem zu Ehren sie die von ihr gestiftete große 
Ludwigskapelle benannt wissen wollte, und Ge- 
mahlin Herzog Rudolfs III von Osterreich. .Sie 
starb 1 305 und ruhte im alten Chor der einige 
Decennien später angebauten großen Kirche. Ihr 
herrliches Grabmal ist der Neuerungssucht des 
XVIII. Jahrhunderts zum Opfer gefallen. Daran 
schließt sich in symmetrischer Anlehnung an den 
österreichischen Herzogsschild, der sich hier vielleicht . 
auf den unglücklichen, von seinem Gegenkaiser auf 
der Burg Trausnitz gefangen gehaltenen Friedrich 
den Schönen bezieht, das Wappen der alten Könige 
von Arragonien, gemahnend an die 1330 gestorbene 
Elisabeth, Gemahlin des Vorgenannten und Mit- 
begründerin der 1310 — 1328 erbauten Ludwigs- 
kapelle. Bischof Adalbert von Regensburg aus dem 
edlen Geschlecht der Grafen von Pitingau, dem 
das Wappen mit dem weißen Diagonalstreifen zu- 
zusprechen ist, starb während eines vorübergehenden 
Aufenthaltes zu Wien 1260 und wurde gleichfalls 
hier begraben. 

Wir sind damit bei der noch bestehenden, 
derzeit als Gang dienenden nördlichen .Seite des 
Kreuzganges angelangt, deren Demolierung in der 
näch.sten Zeit bevorsteht und deren Untersuchung 
somit vorer.st noch abzuwarten bleibt. 

Anschließend an diesen Bericht über die Auf- 
deckung der Malereien im Kreuzgang kann ich nicht 
unerwähnt lassen, dass sich auch in einem Seiten- 
raum der Luihvigskapelli', in der Grundrisskizze 



275 



276 



„große Sacristei" benannt, einige zum Theil sehr 
interessante Wandmalereien vorgfefunden haben. 

So kam ich bei Xr. 7 auf eine deutlich lesbare, 
der Petrissa de \Vol%ersdorf cfewidmete Inschrift 
in frühgothischen Majuskeln, mit peripherisch an- 
geordneter, noch theihveise romanischen Charakter 
tragenderOrnamentik. Bedauernswerterweise musste 
der obere Theil des Ganzen dem Demolierungswerk- 
zeuge weichen, ehe ich Gelegenheit hatte, diese 
.Stelle der Mauer genauer zu untersuchen; doch i.st 
glücklicherweise das Todesjahr dieser Edlen, 1298, 
genau bekannt, womit der Stil der Malereien voll- 
kommen übereinstimmt. Ein Kreuzlein auf klee- 
blattförmigem (irund oberhalb der gothisch profi- 
lierten, später vermauerten Thüre, welche in einen 
um ein paar Stufen tiefer gelegenen Kapellenraum 
mit ganz intact erhaltenem Kreuz-Rippengewölbe 
führte, war offenbar spätere Zuthat. Mehrere 
Meter weiter westlich gegen den Kreuzgang (bei 
Xr. 8) fanden sich vereinzelt .Spuren von einigen be- 
malten Wandfeldern, wovon deutlich ein Madonnen- 
bild in frühgothischer, schwarz contourierter Um- 
rahmung, nebenan eine Heiligendarstellung in pri- 
mitiver Ornamentik und weiter unten ein einfaches 
Wappenschild mit einem Kreuz als Bekrönung zu 
unterscheiden war. 

An eine Erhaltung der verschiedenen bemalten 
Wandflächen war leider bei ihrem meist frag- 
mentarischen Zustand und bei der ungünstigen 
Beschaffenheit der alten Mörtelschichten nicht zu 
denken; so bemühte ich mich wenigstens, durch 
nach Maßgabe meiner freien Zeit angefertigte 
Aquarellcopien das Andenken an die einstige Be- 
malung festzuhalten. 1) 



'■) Die Bedeutung dieser Freskenfunde liegt wesent- 
lich darin, dass sie uns in höchst anschaulicher Weise da- 
rüber belehren, wie man zwischen dem XIII. und X\'I1I. 
Jahrhundert unverändert an dem Postulate der buntfarbigen 
Malerei als Wandschmuck festhielt, und wie dem wech- 
selnden Geschmacke der einander folgenden Jahrhunderte 
entsprechend figürliche, religiöse, heraldische und endlich 
rein decorative Motive einander ablösten, wobei man sich 
jeweilig nicht im mindesten besann, die älteren Malereien 
einfach zu übertünchen und sich so den nöthigen Kalkgrund 
für die neumodischen Fresken zu schaffen. Mit Rücksicht 
auf dieses Ergebnis schienen die Bemühungen des Herrn 
RiDot.F PicHi.ER als so dankenswerte, das» ursprünglich die 
Absicht bestand, seine Aufnahmen in den Publicationen 
der C. C. zu veröffentlichen. Da jedoch das Wesentliche 
und Wichtige daran in hinreichend klarer Weise nur durch 



Zum .Schlüsse haben wir noch zweier Gemälde- 
reste zu gedenken, die gleichfalls dem Mittelalter 
angehören; ihre Situation, in welcher sie heute 
noch zu sehen sind, ist aus der Grundrisskizze bei 
Xr. (» und 10 zu entnehmen. 




Abb. 3 Reste von Wandmalereien in der 
, Großen Sacristei" bei der Minoritenkirche zu Wien 

Das eine, ältere (Xr. q, Abb. 3), bietet dem 
Beschauer eine interessante figurale Darstellung, 
die jedoch leider nur in einem Bruchstück erhalten 
ist: eine kleine Schar Jünglinge in faltenreichen, 
weißen Gewändern auf grünem Rasen, vor dem 



farbige Reproduction wiedergegeben werden könnte, deren 
Herstellungskosten die augenblicklich verfügbaren Mittel 
der C. C. weit übersteigen würden, so musste von der 
Durchführung des erwähnten Vorhabens leider Umgang 
genommen werden. Umso dringender bleibt zu wünschen, 
dass eines der Institute, denen die Pflege der Localge- 
geschichte Wiens und ihrer Denkmäler anvertraut ist, die 
Aufnahmen erwerbe, damit sie als unersetzliches Substrat 
für künftige Forschungen und Publicationen an gesicherter 
Aufbewahrungsstelle erhalten blieben. Die Redaction. 



277 



278 



lihuK'ii Ilinimel im 1 lintiTi^riindi' Icii-rlicli cinhiT- 
sr!iri'iicnil, mit einem r>;uiniTtraL;iT in ihrer Mitte; 
\iirne rechts zwei kniende Gestalten. Das ganze 
möchte vielleicht eine Adoration der Hirten vor 
dem Heiland in der Krippe darq-estellt habtni, \vo- 
g'eg'en allerdings der Umstand /u s]irechen scheint, 
dass eine Figur links, welche, der Bewegung der 
linken Hand nach zu urtheilen, die ganze Gruppe 
zur heiligen Stätte geleitet, bedeckten Hauptes dar- 
gestellt ist. Zu Gunsten jener Annahme spricht 
aber die Absicht des Künstlers, die IMicke der 
Einzelnen nach ein und derselben Stelle wenden 
zu lassen; geradezu auffallend ist die neugierige 
Haltung der Köpfe der beiden rückwärts im Fond 
befindlichen Gestalten. 

Beiläufig einem Jahrhundert später mag das 
gleichfalls nur fragmentarisch erhalten gebliebene 
Gemälde \r. lo angehören, das, den ganzen Ge- 
wölbebogen ausfüllend, sich in nächster Nähe des 
oben beschriebenen befindet. Wir haben es hier 
ohne Zweifel mit einer Anbetung des in den 
Armen der heiligen Jungfrau gehaltenen Jesu- 
kindes durch drei gleichfalls mit Nimbus versehene 
Heilige, voran .St. Franciscus im Habit der Min- 
dern Brüder, zu thun. Links unten kniet der 
Donator, von dem aber nur ein Theil seines fal- 
tigen Mantels sichtbar ist. 

Zu dem wahrhaft barbarischen Vandalismus 
früherer Zeiten liefern diese letztbeschriebenen 
Bikler eine grelle Illustration. Das erstere wurde 
durch einen Durchbruch der Mauer an dieser Stelle 
zur Hälfte zerstört; das andere, abgesehen von 
den geradezu selbstverständlich darauf geworfenen 
Mörtelschichten, durch eingeschlagene, rechteckige 
Hohlräume zur Aufnahme von Dachsparren eines 
kleineren seitlichen Anbaues verwüstet. 

Dies sind die Ergebnisse der Untersuchungen, 
die anlässlich der Demolierungsarbeiten von igoi 
vorgenommen werden konnten, und .so lückenhaft 
dieselben auch nothgedrungen ausfallen tnussten, 
lassen sie doch der berechtigten Hoffnung Raum, 
dass die für das laufende Jahr in Aussicht genom- 
mene Beseitigung der übriggebliebenen Reste noch 
so manchen interessanten Beitrag zur Vervollständi- 
gung des bereits Erschlossenen liefern wird, dessen 
genauere historische Untersuchung möglicherweise 
imstande wäre, der Geschichte Wiens ein neues 
Pilatt lliilzuzutTigen. 



II 

Gelegentlicli einer Besiclitigung der Demo- 
lierung des an die Minoritenkirche angebauten 
Hauses, Regierungsgasse lo, brachte ich zwei 
Bruchstücke einer .Schiefertafel in .Sicherheit, auf 
der eine Landkarte in priniiti\er Weise eini^raviert 
erscheint. Im Liiu'erständiiis mit dem Unternehmer 
der Demolierung habe ich sie provisorisch im Hoch- 
baudepartement der .Statthalterei deponiert. Die 
geographische Lage der dargestellten Flüsse, Inseln 
u. s. w. und deren Benennungen, welche so manche 
Analogie mit den Namen derselben Örtlichkeiten 
auf einer modernen Wandkarte aufweisen, sowie 
die vollkommen le.sbare Aufschrift 
eSTVARIVS V6N6T 
CVM LACVNAM ANNO 
DCC LX XVII 
weist mit zweifelloser Bestimmtheit auf eine Karte 
des Inselreiches Venedig hin, und zwar aus dem 
Jahre 777. Für die Richtigkeit und Originalität 
der Jahreszahl spricht die Wahl des Materials, die 
Technik der Herstellung und die Form der Schrift- 
zeichen. 

Nach meiner Information hat die hiesige ita- 
lienische Congregation das Eigenthumsrecht an 
diesem Fundstücke. 

Wien, 8. August 1902 Rudolf Pichlek 

Eine Karte der venezianischen 
Lagunen 

(Hiezu Tafel 1) 

Der Verfasser des vorangehenden Aufsatzes 
hat der C. C. eine sehr sorgfältige Bause der von 
ihm aufgefundenen Karte des alten Venedig vor- 
gelegt. Indes ist es räthlicher erschienen, dem 
Abdruck eine photographische Aufnahme zugrunde 
zu legen; .Se. Excellenz der Herr .Statthalter von 
Niederösterreich, Graf KiELMANXSEGG, hat diese Auf- 
nahme gestattet und für einige Zeit die Benützung 
der im Archiv der Statthalterei deponierten Schiefer- 
tafel erlaubt. 

Die Tafel ist — wahrscheinlich erst bei ihrer 
Auffindung — zerbrochen worden; die beiden ge- 
retteten Bruchstücke sind auf Befehl des Herrn 
Statthalters — in richtigem Abstand — durch eine 
Ausfüllung mit Kitt wieder aneinandergefügt und 
in einen Holzrahmen eingelassen worden. Diephoto- 



2So 



graphische Aufnahme fand diesen Zustand vor; für 
die Abbildung- auf Tafel I ist die Füllung, die sich 
meist mit Sicherheit von der Schiefertafel unter- 
scheiden ließ, abgedeckt worden. 

Dargestellt ist (auf einem 48 cm hohen, 62-5 cm 
breiten Spiegel) die Landschaft — Küste und La- 
gunen — zwischen den Mündungen des Po, der 
Etsch und der Piave: mit Angabe von Inseln, 
Flüssen, Städten (diese ohne \'ignette) und der \na 
Emilia vel Lagotia. Ausgebrochen ist leider gerade 
jenes Stück, das die Inseln des Rialto, das eigent- 
liche Venedig, umfasste. Die Karte ist nach XW 
gerichtet. Trotz der Rohheit der Arbeit ist sie 
nicht gerade arg verzeichnet; sie hält wenigstens 
im großen und ganzen einen Maßstab fest, etwa 
I : 145.000, und ist im Verhältnis zu den frühmittel- 
alterlichen Karten, die wir kennen, gut gerathen — 
sagen wir es gleich: bedenklich gut. 

Es hat sich auch wirklich sofort gezeigt, dass 
der Karte gar kein Wert in geographisch-historischer 
Hinsicht zukommt ; nur als Beitrag zur Entwickelung 
der Anschauungen über die Configuration der vene- 
zianischen LagTinenlandschaft zu Ende des \Tn. Jh., 
also als Beitrag zur Geschichte der topographischen 
Erforschung Venedigs, kann sie als Quelle dienen. 

Zunächst ist es ausgeschlossen, dass sie im 
Jahre 777, das die Überschrift nennt, entstanden 
ist. Zwar erinnert die Diction dieser Aufschrift sehr 
an das barbarische Latein mancher Autoren dieser 
Zeit; aber schon die Art der Datierung zerstört 
so ziemlich den Glauben an eine so frühe, also an 
eine gleichzeitige Herstellung. Die etwas phantasti- 
schen Buchstaben gehören ebensowenig dieser Zeit 
an. Die Schriftformen sind allerdings in erster 
Linie durch die spröde Xatur des Materials bedingt 
und würden unter allen Lmständen einen von der 
Buch- und 'Urkundenschrift etwas verschiedenen 
Charakter athmen; etwa wie die Schriftformen der 
Innentexte der römischen Militärdiplome auf Bronze, 
die in ähnlicher Art mit einem schmalen Meißel 
eingegraben sind, diesen einen besonderen Platz 
unter den Schrifttexten der römischen Kaiserzeit 
zuweisen. Aber es bleibt, auch wenn wir Besonder- 
heiten Rechnung tragen, genug übrig, um der 
Schrift ein höheres Alter abzusprechen ; sie scheint 
vielmehr irgendwann in neuerer Zeit von einem 
Gelehrten oder unter Aufsicht eines Gelehrten 
niedergeschrieben worden zu sein und ist nur als 



Leistung eines bewusst alterthümelnden Zeichners 
zu verstehen. Wenn man von den Fundumständen 
absieht, die die Anfertigung der Karte spätestens 
in das XVIII.oder XVII. Jh. verweisen, könnte man 
ebensogut sie heuer als vor 300 oder 350 Jahren 
entstanden glauben; viel weiter die Schiefertafel 
zurückzudatieren geht schon deshalb kaum an, da 
das Entwerfen historischer Karten nicht über die 
Zeit der vollen BJüte der humanistischen Studien 
zurückreicht. Dazu kommt aber noch der wichtige 
L'mstand. dass sie inhaltlich sich so ziemlich mit einer 
Karte deckt, die dem Anfange des XVIII. Jh. ange- 
hört. Es ist dies die erste BeUage zu Bemardo Tre- 
visans Buch della laguna di Venezia (Venedig 17 15), 
betitelt als: Tavola topogfraphica, quäl dimostra lo 
stato della Laguna di Venezia per sino tutto il 
settimo secolo. Die Karte (25-5 cm hoch, 4r5 cm 
breit), genau nach XW orientiert, umfasst das 
Gebiet zwischen Adria, Unterlauf des Medoaco, 
Unterlauf der Piave und dem Lido di Romandia. 
Der Text der Karte ist italienisch; die meisten 
Xamen sind in einer unteren Randleiste vereinigt, 
auf welche Zahlen in der Karte verweisen; in 
diesem Index sind vielfach lateinische Xamen den 
italienischen vorangestellt. Die Karte Trevisans 
kenne ich bloß in ihrer ersten Auflage.') Eine 
Wiederholung und theilweise Umarbeitung fand 
ich auf dem militärgeographischen Institut als 
Xebencarton einer von Aloise Grandis gezeichneten 
und von Teodoro Viero 1799 verlegten Karte; sie 
ist betitelt; La Veneta Laguna antica e moderna, 
novamente delineata e distinta nelle sue Isole, 
Valli, e Canali, quali si trovano al presente; uni- 
tamente al confronto della stessa Laguna, qual'era 
ne' tempi della fondazione di Venezia e col para- 
gone deir antiche con le moderne denominazioni. 
Die in die Karte eingeschriebenen Xamen sind die 
gleichen wie bei Trevisan, in italienischer .Sprache; 
die nur hie und da etwas umgestellten Zahlen er- 
halten ihre Erklärung in einer auf zwei Randleisten 
vertheilten Liste, in der noch häufiger als bei Tre- 
visan dem italienischen Xamen eine ältere, latei- 
nische Bezeichnung vorausgeht. Die Auswahl der 
Zeichnung ist unverändert, die der Beischriften 
so gut wie unverändert. Sowie Grandis und Viero 
nicht die Quelle ihrer Karte nennen, so hat auch 



') Vgl. über dieses Buch Lo/v.! Bibliogjafia istorica 
deir antica e nuova Italia II 443 n. 6146. 



c 



c 



c 
o 

'S 
(fl 

H 

e 

o 
O 



c 

ü 

o 



■a 

c 

V 

C 

'S 




biß -z 



TJ 


^ 


0) 


o 


c 


.^ 


<D 


5 


> 


«< 


c 




D 




4-> 


~ 


y—t 




OJ 


o 




c^ 


C/) 


■^ 




ö 


C 


f 


rt 


bJC 






Oh 






rt 




4-* 




U 




t) 








«J 




Ä 




o 




c/) 



281 



28- 



Trevisan es nicht für iiöthig gefunden, sich auf 
einen älteren Kartenentwurf zu beziehen, falls er 
überhaupt einen solchen für seine Zwecke benützt 
hat; signiert ist sie mit I • V • F oder T • V • F 
(1 und T lassen sich in der Zierschrift dieser Karte 
nicht leicht auseinanderhalten), also vielleicht mit: 
Trevisanus \'enetus fecit. In Trevisans Buch folgt 
der historischen Karte der venezianischen Lagunen 
eine andere, die ungefähr das gleiche Gebiet in 
zeitgemäßer Darstellung und Bezeichnung bringt. 
Sie trägt keine Überschrift und keine Angabe des 
Zeichners. Beide Karten unterscheiden sich in der 
Manier der Zeichnung sowie in den Conturen und 
Linien so erheblich voneinander — die signierte 
Karte zu ihrem Xachtheil — dass es nicht gut an- 
geht, beide auf denselben Autor und denselben Ent- 
wurf zurückzuführen. Ob Trevisan eine von beiden 
Karten oder beide aus älteren Vorlagen über- 
nommen hat, vermag ich in Wien nicht zu ent- 
scheiden; auf venezianischen Bibliotheken ließe sich 
wenigstens das eine constatieren, ob Trevisan die 
zweite Karte entlehnt hat, und es bliebe demnach, 
wenn diese Vorfrage — aller Wahrscheinlichkeit 
nach im bejahenden Sinne — beantwortet wäre, erst 
zu erwägen, ob die Reconstruction der ersten Tafel 
von ihm verfasst oder gleichfalls entlehnt worden ist.') 
Ich würde freilich kaum an der Autorschaft Trevi- 
sans an dieser Tafel gezweifelt haben, wenn er sie 
irgendwie in .seinem Buche behauptet hätte. Wahr- 
scheinlich ist sie mir allerdings hauptsächlich nur 
deshalb, weil ich keinen älteren Gewährsmann 
.seiner Karte nachzuweisen vermag. 

In dieser Auffassung bestärkt mich, was Tom- 
maso Temanza, ein Mann, der zur Zeit, da er dies 
schrieb, sich der Ehre rühmte, da trenta e piü anni 
di servire alla Serenissima Repubblica nella grave 
materia delle x\cque, in der Einleitung seiner Disser- 
tazione sopra l'antichissimo territorio di Sant' Ilario 
nella diocesi di Olivolo (\'enedig 1 76 1) ausführt. Was 
er an.strebt, sagt er S. VII: „veramente una mappa 
generale dell' antico stato di quelle Lagune sarebbe 
cosa molto pregievole. — — Or qua! co.sa piü utile 
alla Veneta istoria di una Carta geografica, che 



') .4uch der sehr verdienstliche Sagj^io di cartofjraphia 
della regione Veneta i^Monumenti storici pubblicati dalla r. 
deputazione Veneta di storia patria vol. VI. 1881) fördert 
hier nicht: die beiden Karten Trevisans sind dort n. 1037 
und 1036 verzeichnet. 



rappresenti l'antico .Stato di questa Provincia ma- 
rittima?" Von Vorgängern nennt er aber ausser 
des Bernardino Zendrini damals noch ungedrucktem 
und nicht über das XIV. Jh. zurückreichendem Buch 
nur Trevisan (S. VI), und dies nahezu ein halbes Jh. 
nach dem Erscheinen seines Werkes: Eben vero che 
un ragguardevole Patrizio, poco dopo l'incomincia- 
mento del corrente secolo, scrisse un breve trattato 
della Laguna, e suUe tracce precise del Cluverio') 
ci diede anche una mappa dell' antico Stato della 
medesima, industriandosi, con vasta erudizione, di 
porre in chiaro lume i varj stati della stessa sino 
al presente. Temanza hält also die Karte des Tre- 
vigiano für eine .selbständige Verwertung eigener 
und fremder Studien. 

Schon nach den vorangeschickten Bemerkungen 
darf der Le.ser einen Zusammenhang zwischen der 
Karte Trevisans und der Wiener Schiefertafel 
erwarten. Eine Untersuchung bestätigt diesen Zu- 
sammenhang. Die Orientierung ist die gleiche, die 
Abgrenzung ist die nämliche; ebenso die Auswahl 
des Zeichners, und wie die folgende Übersicht der 
Textbeischriften zeigt, ist der Hauptstock des Textes 
der nämliche. Zu diesem Zwecke führe ich alle Text- 
worte der .Schiefertafel an und setze daneben sowohl 
die Bei.schriften des Trevisan (T) als die des Grandis(G). 
Ich habe es nicht für überflüssig gehalten, auch die 
Beischriften dieses letztgenannten hier aufzunehmen, 
weil für den (mir wie gesagt unwahrscheinlichen) 
Fall, dass Trevisan eine ältere Arbeit ausgeschrieben 
haben sollte, mit der Möglichkeit zu rechnen i.st, 
dass Grandis nicht aus Trevisan, sondern wie dieser 
aus der nämlichen Quelle geschöpft habe.^) 
Atriaiins fluni. — Atriano seu Tartaro TG 
Atria — Adria, Atrides, Atriana coli. (col. G) TG 
[AYliesis fluni. — Adige TG 

[Togisoti]us fluni. — Tigonzo overo Vighizzolo TG 
[pagiis] TroicJiius — Pago Troiano TG 
[Medoacits] niaior flinit. — Medoaco maggiore TG 

'; Die Übereinstimmung mit Cluverius ist unzweifel- 
haft; von einer Abhängigkeit wage ich nicht zu sprechen, 
da ich die Cluverius vorausgehende Literatur über Venedig 
nicht geprüft habe. 

^) Eine weitere Erklärung und Indentification der Orts- 
namen mit den heutigen Bezeichmmgen ist hier nicht nüthig; 
es genügt, für eine ungefähre Orientierung, die Karten 
Filiasis am Schlüsse des 8. Bandes seiner Memorie storiche 
de' Veneti primi e secondi (Venedig 1798) oder Paolettis 
II fiore di Venezia I (Venedig 1838) zu S. 99 einzusehen. 

«9 



283 



284 



. . . Lama — S. Maria Lame T S. Maria Lame 

della S. Maria Bocca Lame G 
Leuca officina — Leuca Officina T Leuca Officina, 

ora Lizza Fusina G 
Botanicus fliim. — 
Mesfrhie loctim — 

via Emilia vel Lagotia — via Emilia TG 
Desitis fliim. — 
Jariiis fliim. — 

AUitium — Altinum, Antenorea TG 
Miisilislcr — Musilister T Musilister, Musestre G 
Scilis fluni. — Alveo del Sile, Sile solo und alveo 

del Sile unito alla Piave TG 
Plave fluni. — Piave o Flava TG 
Eraclia und Equilius — in umgekehrter Folge: 

Equilius [ Eraclea cittä nuova T Equilio osia 

Jesolo I Eraclea o Cittä Xuova G 
Lilus niaior — 
Litns pafcus — 
Litus Fineta — 
Vineola — Vignola, Vineole T Vignola, Vineole, 

oggi ^'ig^lole G 
Mathemaitcus — Matamaucus T Matamaucus, ora 

Malamocco G 
Albiola — 
Filistiiia — Filistina seu Ferentina T Filistina seu 

Pelestina G 
Bnniziiluni — Brundolum Pagos, Brendola, Bren- 

talis T Brundulum pag., Brendola, Brentalis 

ora Brondolo G 
Clo-dia, auf zwei Inseln vertheilt — Fossa Clodia 

T Fossa Clodia, Clogana, Clugia, ora Chioggia G 
Fofllia — Popilia T Popilia Poveia G 
in Stil, deserta — 
Falconaria — 
Verni — Vemi TG 
Olivaria — 
Marc eil ia — 
Castrasia — Castrasia S. Laurentii m. T Castrasio 

o S. Lorenzo G 
Caia — 
Menstila — 

Borea[lis] — Borealis T Borealis, Buraso G 
Mainrbia — Medium Lxbis, Macarbio, Rlarsurio T 

Maiiu"bio, Marsurio, ora Mazzorbo G 
Dorcei, auf zwei Inseln vertheilt — Turris Celi, 

Torcello TG 
Constantiacus — Costantiacus T Costanziaco G. 



Bei mehr als einem Dutzend Inseln, haupt- 
sächlich solchen, die in der Nähe des Rialto liegen, 
fehlen Beischriften, sowie auch auf Trevisans Karte 
nicht alle Inseln benannt sind. Für diejenigen 
Namen, um die die Schiefertafel in den Küsten- 
pärtien reicher ist — es sind drei Flüsse und 
Mestrine locum — hat Trevisan die entsprechenden 
Linien in die Karte eingezeichnet, bez. die Stelle, 
wo Mestre hingehört, durch eine Ortschaft mit 
dem Xamen ad duodecimum bezeichnet, während 
er im Text (S. 8), Cluvers Identification folgend, 
die Station ad nonum mit Mestre gleicht. Für die 
Inselnnamen, die die Schiefertafel mehr als Trevisan 
hat, lässt sich zur Noth die entsprechende Zahl 
von Vignetten bei diesem auftreiben, sofern über- 
haupt eine völlige Ausgleichung beider Karten 
hier möglich erscheint. Im ganzen ist die Lage 
der Inseln zueinander, vielleicht von Vemi ab- 
gesehen, dessen Lage allerdings zweifelhaft ist oder 
war,') auf der Schiefertafel richtiger als bei Tre- 
visan. Die wenigen Xamen, um die dieser reicher 
ist als die Wiener Tafel — es sind hauptsächlich 
die Durchfahrten zwischen den äusseren Inseln — 
geben mir keinen Anlass zu einer Bemerkung. 

Jedenfalls ist die Zusammengehörigkeit beider 
Karten durch das Gesagte erwiesen. Kaum fraglich 
bleibt die Autorschaft Trevisans und damit die Ab- 
leitung der Wiener Tafel als einer theilweise erwei- 
terten und verbesserten, theilweise verschlechterten 
Copie aus seiner Karte. Aber auch, wenn sich er- 
weisen sollte, dass das dem Bernardo Trevigano 
geschenkte Zutrauen nicht gerechtfertigt sei, und 
dass etwa die Wiener Tafel selbst älter als sein Ent- 
wurf sein sollte, ist der alterthümelnde Charakter in 
Schrift und Sprache nur auf die Laune oder was 
immer fiir eine Absicht desZeichners zurückzuführen. 
Trevisan und mit ihm Grandis weichen von 
der Schiefertafel ab in der Angabe der Zeit, für 
welche dieser Kartenentwurf gezeichnet worden ist. 
Jene beziehen sie auf das VII. Jh. und die Anfänge 
Venedigs, diese auf das J. 777. In der Geschichte 
Venedigs spielt dieses Jahr selbst keine wichtige 
Rolle. Vielleicht dass die Verwicklungen mit der 
fränkischen Eroberungspolitik und die Auflösung des 
Langobardenreiches, eher noch als die drei Jahre vor- 
her erfolgte Gründung des Bisthums, dem Zeichner der 
Schiefertafel im .Sinne lagen. Wilheljc Kcbitschek 

') Vgl. z. B. Paoletti II fiore di Venezia I 100. 



28 = 



286 



Pfennii^tund von (irillenstein (bei 
Gmünd) 

l)iT Scihii Axrnx di>s Stc'imnetzg'ehilfen Makhn 
TinMA latul am |. jiini igoi in der Nähe des 
Steinbruches bei Grillenstein zwischen zwei Felsen 
einen mit Münzen angefüllten Topf aus Thon. 
Dass der l-"und nicht verloren gieng-, ist in erster 
Linie dem Hi^rrn Bürgerschulkatecheten Friedrich 
DwiRKA ZU danken, der dem hochwürdigen Abt und 
k. k. Conservator Stephan Rössler sowie der k. k. 
Bezirkshauptmannschaft davon sofort Mittheilung 
machte. Die Alünzen, die bereits in verschiedene 
Hände gelangt waren, wurden wieder gesammelt 
und der C. C. zur Prüfung eingesendet. 

Der Fund besteht aus i8 Prager Groschen und 
über 2000 meist einseitig geprägten Pfennigen. In 
dem folgenden Verzeichnis wird bei jeder Gattung 
auf die entsprechende Abbildung der Abhandlung 
Luschin -EiiENüREUTHS über die Wiener Pfennige 
(Wiener numism. Zeitschrift 1874 — 6) verwiesen. 



A. i'rafi;er Groschen 

Wenzel III 

Karl IV 

B. Wiener Pfennige 
Rudolf IV (Kopf r. mit Herzogshut 

R-V) 

Bindenschilil W'illiehn u. Albrecht I\' 

Albrecht V 

Ladislaus 

FOA 

tn 

im Dreibogen 

im Stern 

zwischen zwei Delphinen . . . 

im Adlerflug 

ebenso, gekrönt 

ebenso, darüber Kopf 

in sechsblätteriger Rose .... 
zw. zwei abgekehrten Mönclis- 

köpfen 

über zurückblickendem Drachen 1. 
über zurückblickendem Einhorn r. 

auf Adler r 

Halbfigur mit Schwert u. Schild r. 

Reiter mit Schild r 

zwei Bindenschilde, dazwischen 

Zinnenthurm über Thorbogen . 
drei Bindenschilde im Liliendrei- 

strahl 



Stück- ; Ahhildung bei 
zahl Luschin 

17 

1 



180 



219 




530 




7 




1 




2 




3 




8 


94 


4 


31 


3 


81 


10 




1 


160 


3 


39 


4 


43 


13 


100 


4 


12 


4 


78 


3 


42 


11 


41 



35 



38 



Kopf mit strahlenförmigen Locken 
und Dreispitz von vorn . . . 
Lockenk. von vorn mit Herzogs- 
hut (verschieden) 

Lockenkopf r 

zwischen flüge'artiger Zierat . . 

gehörnt von vorn 

bärtig mit Barett von vorn . . 

r., davor Beizeichen 

mit Barett 1 

r 

mit Oberleili, geflügelt, von vorn 

Meennann von vorn 

Engel von vorn. Rückseite: Schwan . 

Thiere 

Adler, Kopf 1 

» mährisch 

-> über Thurm 
Drache zurückblickend .... 

Eichhörnchen r 

zwei Fische, dazwischen Thurm 

Harpye 1 

Hase r 

» 1 

Hirschkopf 1 

Hundekopf 1. 

Löwe, böhmisch 

Löwin 1. zurückblickend .... 
» r. » .... 

Schlangendreipass 

Steinbockkopf 1 

» r 

Widderkopf 1 . 

Vogelkopfdreipass 

Unverständlich 

Ornamente 

Mond in knorrigem Reifen . . . 

sechszackiger Stern 

Lindenkreuz 

Lilienkreuz 

Ankerkreuz mit Kleeblattenden . 

Blätterkreuz mit Fuß 

Stern aus fünf zurückgebogenen 

Blättern 

Kleedreipass im Dreibogen 

Lindenblattdreipass 

Rebenblatt mit Stiel 

Unbestimmte österr. Pfennige . . . 

C. Bairische Pfennige 
Ingolstadt. Panther 1., darüber RL . 
Passau. Wolf 1., darüber Krumm- 
stab 

Bischofskopf mit Kreuz zwischen 
zwei Thürmen . . ■ 



51 



5 




14 


54 


3 


50 


5 


53 


2 




3 




6 

1 




3 


98 


5 


96 


1 




4 




2 


97 


1 


27 


3 


70 


15 


84 


2 


99 


6 


71 


6 


72 


13 


73 


33 




1 


60 


3 


65 


2 


104 


279 




43 




13 


73 


6 




4 


56 


2 


95 


7 


112 


9 


114 


3 


118 


2 


117 


1 


111 


6 


88 


6 




5 


89 


22 




2 


252 


15 


247 


1 


245 




10 



287 



288 



ebd. 52—54 

ebd. 73 4 
ebd. 15 



München. Mönchskopf 1. im Sechs- ■ ] Beiekueix 

bogen 6 161 

Mönchskopf r 15 

Brustbild 1. mit Kniramstab (U. 

Krückenkreuz? I 6 

Brustbild 1. mitKnimmstab, Rück- 
seite Weckenschüd 373 

Öttingen. Hund 1., Rückseite: 

Weckenschüd 188 

Hund 1. mit buschigem Schweif 2 

Zwei Brustbilder in einem Doppel- 
spitzbogen, Rückseite : inf jlier- 
tes Brustbild von vorn in einem 
Rundbogen 

Unkenntlich 

D. Andere fremde Pfennige 1 

Zwei Köpfe von vom imter einem 
doppelten Spitzbogen. Rückseite: 
Kopf von vom auf Basis, darunter 
Brackenkopf 1. F — Z ' 

Zwei Köpfe von vorn mit Hut in 
doppeltem Spitzbogen. Rückseite: 
gekröntes Brustbild von vom auf 
Basis. R—A, darüber je ein Stern 

In der Mitte eines Vierbogens R, in 
dem Bogen Q— V— X— A. Rück- 
seite: Löwe 1. über den bairischen 
Rauten 

RS, darunter zwei vierblätterige Klee- 
blätter. Rückseite: wie vorige n. 

Großes A zwischen zwei Rosetten i? 

Rückseite: Löwe 1 j 

Gekrönter Kopf von vorn in hohem ' 

Rundbogen, E — \V. Rückseite: 

ebenso 

Gekrönter Kopf von vorn, E — W. 

Rückseite: Krone 

Jugendliches (.?» Brustbild von vorn, 

B(oemie) res. Rückseite: quadr. 

supercus 

Kopf 1. mit Zweispitz zwischen zwei 
Stemen. Rückseite: Löwe 1. . . , 

H — I — L— S r?i im Vierbogen. Rück- 
seite: Helm mit gebogenen Hör- 
nern im Dreibogen 

Kopf von vom auf Basis, 1. V, unten 
Stern. Rückseite: Zwei Köpfe von 
vorn unter doppeltem Spitzbogen 

Kopf (verwischt) auf zinnenartiger 
Basis, r. undeutlicher Buchstabe 
(a? c?). Rückseite: Spuren eines 
doppelten Spitzbogens 1 Hohenlobe? 



1 


ebd. 35 6 


11 






Streber, 




BuTggr. von 


1 


Nürnberg I 7 




Streber. 


1 


Oberpfalz 

n 9 




vgl. Streber. 


2 


Oberpfalz 
m 40 


1 


ebd. IV 54 




Xum. Zeitschr. 




1876 S. 122 


6 


1 n. 41 




Streker. 




Böhm. Pfalz 


1 


II 10 


1 


ebd. II 1 




ähnlich DoNEü 


1 


856 




vgl. Streber. 




Coburg-Hildb. 


1 


n 178 




1 Llschin 




a.a.O. S.125 


1 


1 n. 62 




Vorderseite 




= Streber, 


1 


Hohenlohe 2 



W zwischen zwei kleinen Blättern 

Rückseite: ? 1 

Zwei jugendliche Köpfe von vom 
unter doppeltem Spitzbogen. 
Rückseite: ? 2 

Gekrönter (>i Lockenkopf von vom 
im Vierbogen, R(T-) — .-Vi?). Rück- 
seite: Dreieckschild getheilt,oben 
nach 1. schreitender Hund, da- 
hinter zweimal gespaltener Schild I 

Quadratum supercusum 32 

L'nbestimmbar, meist schlecht er- : 

halten 54 

Fragmente circa i 12 



Circa ' 2150 

Am zahlreichsten sind die Pfennige Albrechts IV 
vertreten, der Münchner Mönch mit dem Krumm- 
stab, die ,.Steinböcke" und die gemein.samen Pfen- 
nige Wilhelms und Albrechts. Die letzten Prägun- 
gen stammen von Ladislaus Posthumus (i 1457)- Da 
auch sie wie die meisten anderen Stücke des Fundes 
stark abgegriffen sind, darf man wohl annehmen, 
dass der Schatz nicht lange vor 1500 vergraben 
worden sein dürfte. Merkwürdigerweise gehören 
die -Wiener Pfennige-, wenn ich recht sehe, fast 
ausschließlich der von Luschis der Zeit Ottokars 
(1251 — 1276) zugeschriebenen ältesten Gruppe an. 
In dieser Hinsicht ist unser Fund einem von Lvschin" 
mit K bezeichneten Funde unbekannter Herkunft 
(Xum. Zeitschr. 1874/5 S. 75) zu vergleichen, dem 
er auch darin ähnelt, dass er fast die nämliche 
Beimengung von Pfennigen aus der Oberpfalz, der 
böhmischen Pfalz u. s. \v. aufweist, die oben unter 
der Cberschrift .Andere fremde Pfennige" zu- 
sammengefasst sind. Die Münzensammlung des 
Allerh. Kaiserhauses hat aus dem Funde Repräsen- 
tanten der einzelnen Typen erworben. 

Rldolf MCnstekbekg 



Inhalt ^ „ 

Spalte 

Personalnachrichten 233 

Sitzungsberichte: Sitzung am 4. Juli 235 

. . 1 1 . r- 244 

Bericht über die Thätigkeit während der Sommerferien . 258 
PicHt.ER Funde an der Minoritenkirche in Wien . . . 268 
KcBiTscHEK Eine Karte der venezianischen Lagunen . 278 
MCssTERBERG Pfennigfund von Grillenstein bei Gmünd . 285 



Verantwortliche Redactenre: Prof. Wiijiei.m Kibitschek nnd Prof. Alois RiEct.. — Druck von Runor.F M. Rohrer in Brnnn. 
In Commission bei ■\^'ITJ^ET.^^ BraumÜt.i.er, k. k. Hof- und Universitäts-Buchbändler, ^\'ien und Leipzig. 



MITTHEILUNGEN 

DER K. K.CENTRAL-COMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXC. FREIHERRN VON HELFERT 

DRllTE FOLGE 



Band I Nr io 



OCTOBER I g02 



Sitzungsberichte 

vom Srliriftführer verfasst. 

Sitzung vom 12. September 1902 (dreizehnte 
Sitzung des Plenums). 

Anwesend: der Pkäsujent (zugleich Vorsitzender). 
— Mitglieder: Deininger, Hkkmann, I.untz, 
MucH, ScHAEFi'ER. — Redactlon: Kubitschek. 
Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Geg'en ein neuerlich vorgelegtes Project für die 
Restaurierung der P^a^ade der Ursulinerinnen- 
kirche in Prag, das gegenüber dem früheren 
Projecte nur eine gänzlich ungenügende Ausbes- 
serung der Fagade vorsieht, beschließt die C. C, 
sich von ihrem Standpunkte auszusprechen. 

[Referent: Deminger] 

Conservator Skorpil berichtet, dass die bisher 
an der Decanalkirche zu Klattau duichge- 
führten Restaurierungsarbeiten vollkommen ent- 
sprechend seien und das dortige Bürgermeister- 
amt für die Durchführung der weiteren, laut vor- 
gelegtem Kostenüberschlage ziemlich umfangreichen 
Veränderungen, welche die bloße Herstellung des 
früheren Bestandes zu bezwecken scheinen, um eine 
Erhöhung der für die Restaurierung bewilligten 
Staatssubvention eingeschritten sei. Die C. C. be- 
schließt, vorerst die Vorlage der Restaurierungs- 
pläne zu veranlassen und zu empfehlen, dass die 
auf den Wölbungen und den Seitentravees neu 
aufgedeckten Fresken, besonders das große Wand- 
gemälde des „jüng-sten Gerichtes" befestigt und 
restauriert werdt^n, und nicht, wie es in Absicht 
stehen soll, lediglich gepaust und auf einem neuen 
Anwurf copiert werden. [Referent: Deii\inger.] 



Laut einer Mittheilung an die C. C. ist während 
der Restaurierung der Filialkirche zu Koci bei 
Chrudim hinter dem rechten Seitenaltare ein ziem- 
lich wohlerhaltene.s Wandgemälde der Kreuzigung, 
angeblich aus dem XV. Jh., zum Vorschein ge- 
kommen und vorläufig wieder mit dem Altarbilde 
verdeckt worden, um bei gelegener Zeit restauriert 
zu werden. [Referent: Schaekker] 

Conservator Müller berichtet, dass die Haupt- 
mannskapelle bei dem Schlosse Lämberg, ein 
schmuckloser Bau aus Sandsteinquadern vom Ende 
des XVI. Jahrh., mannigfacher Ausbesserungen, 
namentlich an den Gesimsen, und der Aufsetzung 
eines schmiedeeisernen Kreuzes bedürfe, um deren 
Vornahme sich die C. C. zu bemühen beschließt. 

[Referent: Deininger] 

Conservator SedlaCek berichtet über die Re- 
staurierung der Piseker Burg, dass die Außen- 
seite des Palas mit Mörtel beworfen und entsprechend 
in Stand gesetzt wurde, die Wandgemälde im Innern 
aber gepaust und, soweit sie im Originale nicht 
zu erhalten wären, mit Caseinfarben neu aufge- 
tragen werden sollen. Ferner wird der Boden ge- 
pflastert, der im Jahre 1860 eingestürzte Eckthurm 
wieder aufgebaut, die Arcaden zu ebener Erde an 
der Hofseite bloßgelegt und die im ersten Stock- 
werke eingestürzten Arcaden ergänzt werden. 

[Referent: Deininger] 

Die C. C. beschließt, für die Restaurierung der 
Pfarrkirche zu Schlaggenwald (vgl. Sp. 237) 
eine Staatssubvention von 2000 K unter der Be- 
dingung in Antrag zu bringen, dass die acht im 
Jahre 1784 aus dem Refectorium des aufgelassenen 
Klosters Plass nach Schlaggenwald gebrachten, 
wahrscheinlich von C. Brandl herrührenden Ge- 

20 



291 



292 



mälde nicht wie beabsichtigt, verkauft, sondern 
einem Äluseum überlassen werden. 

[Referent: Deixixger] 

Conservator Pippich berichtet, dass das Haupt- 
altcirbild in der Schlosskirche zu Smifitz, mit 
der „Ankunft der hl. drei Könige in Bethlehem" 
von C. Brandl, einer Restaurierung bedürfe, welche 
durch ein Mitglied der Restaurieranstalt der kaiser- 
lichen Gemäldegallerie durchgeführt wird. 

[Referent: Schaeffer] 

Conservator Müller berichtet, dass die in den 
Jahren 1709 bis 1717 erbaute Pfarrkirche zu 
Zeidler einer Restaurierung durch bauliche Her- 
stellungen und Entfernung störender Einbauten 
bedürfe. Die C. C. beschließt, die in dieser Rich- 
tung von ihrem Conservator eingeleiteten Schritte 
zu unterstützen. [Referent: Deixinger] 

Bukowina 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt verfugt, dass gelegentlich des beabsichtigten 
Neubaues einer griechisch - orthodoxen Kirche in 
Micholcze durch den zuständigen Conservator er- 
hoben werden möge, ob das bestehende Gotteshaus 
einen kunsthistorischen Wert besitze und welche 
Verwendung dafür in Aussicht genommen sei. 

Mit der Ausführung der vom Maler Job st 
vorgelegten Skizzen für die Neubemalung der 
St. Georgskirche in Suczawa beziehungsweise 
für die Restaurierung der dortselbst bestehenden 
Freskomalereien erklärt sich die C. C. einverstanden. 

[Referent: Schaeffer] 

Dalmatien 

Das k. k. }klinisterium für Cultus und L'nter- 
richt theilt mit, dass es für die Herstellung eines 
Rahmens für das Gemälde von Girolamo da Santa 
Croce in der St. Josefskirche zu Cattaro keinen 
weiteren Staatsbeitrag bewilligen könne. 

Correspondent Fischer berichtet, dass das 
Bild von Tizian im Dome von Ragusa — , eine 
Wiederholung der Assunta in Venedig — ferner 
vier daneben hängende andere Bilder desselben 
Meisters (die Hl.: Johannes, Blasius, Benedict, 
Nikolaus), endlich Maria Verkündigung in zwei 
Bildern dringend einer Restaurierung bedürfen. 
Die C. C. beschließt, hierüber weitere Erhebungen 
zu pflegen. [Referent: Schaeffer] 



Galizien 

An der St. Nikolauskirche in Lemberg 
sind mehrere bauliche Herstellungen und die Aus- 
besserung einzelner Einrichtungsgegenstände noth- 
wendig geworden, gegen deren Vornahme die 
C. C. eine Einwendung nicht zu erheben beschließt. 

[Referent: Deixixger] 

Mit dem vorgelegten Projecte für die Restau- 
rierung der römisch-katholischen Pfarrkirche 
in Husiatyn erklärt sich die C. C. von ihrem Stand- 
punkte nicht einverstanden. [Referent: Deikixger] 

Mähren 

Conservator Sterz berichtet, dass die Restau- 
rierung der Pfarrkirche zu Kralitz entsprechend 
durchgeführt wurde, wobei die Epitaphien ordnungs- 
gemäß an der südlichen Außenseite angebracht, ein 
Stein an der Epistelseite des Presby teriumsaufgestellt, 
die ganze Kirche unter Schonung der vorhandenen 
Inschriften neu bemalt und gepflastert, ferner mit 
einem stilgerechten Altar und neu eröffnetem gothi- 
schen Südportal ausgestattet, die Fenster einfach 
färbig verglast wurden. Die C. C. nimmt hiervon 
mit Befriedignng Kenntnis und beschließt, dem 
Pfarrer für seine Bemühungen um die Restaurie- 
rung Dank und Anerkennung auszusprechen. 

[Referent: Deintnger] 

Die C. C. beschließt, von dem geplanten 01- 
farbenanstrich der Grabsteine an der Außenseite der 
Pfarrkirche zu Schönbrunn abzurathen und 
neuerlich die Anbringung eines Schutzdaches (vgl. 
Sp. op) zu empfehlen. [Referent: Hermann] 

Nieder-Österreich 

An dem St. Stefansdome in Wien ist im 
laufenden Jahre die Fortsetzung der Restaurierung 
der Grabdenkmale und Votivbildwerke, die Re- 
staurierung des Mittelthores der Hauptfagade mit 
Ausschluss des Riesenthores und die Restaurie- 
rung der Strebepfeiler an der Südseite der Her- 
zogenkapelle in Aussicht genommen, womit sich 
die C. C. einverstanden erklärt. [Referent: Rosner] 

Gegen die Vornahme von Dachreparaturen 
und die Installation von sechs elektrischen Lampen 
in der St. Annakirche zu Wien ^I. Bezirk) be- 
schließt die C. C. ebensowenig eine Einwendung 
zu erheben, als gegen die behufs Aufbringung der 
hierfür erforderlichen Mittel beabsichtigte Ver- 
äußerung zweier alten in Holz geschnitzten und 



293 



294 



vergoldeten Reliquienkästen im sjKitrn Barockstil 
von wenig ansprechenden Formen und geringem 
Kunstwerte. [Referent: Deinixger] 

Gegen eine Restaurierung der Außenmauer 
des am Ende des neu entstandenen Sackgässchens 
liegenden Zubaues an der Kirche Maria am 
Gestade in Wien beschließt die C. C. eine 
Einwendung nicht zu erheben, aber vorerst eine 
theilweise Neuherstellung des Verputzes und für 
die Färbelung einen mäßig gebrochenen Ton oder 
einen einfachen naturbelassenen Rauhputz mit 
scharfem Sande zu empfehlen. [Referent: Luntz] 

Referent Dkiningek theilt mit, dass an den im 
laufenden Jahre in der alten Universitäts-Aula 
zu Wien durchgeführten Restaurierungsarbeiten 
(Herstellung der Fest-, Haupt- und Nebenstiege) 
nichts zu bemängeln sei, bezüglich der beabsichtigten 
Herstellung eines Mosaikfußbodens im Vestibüle 
jedoch die Vorlage von Skizzen der ornamentalen 
Randleisten verlangt wurde. 

Referent .Schaei'fer maclit Mittheilung, dass 
das Deckengemälde der „Götterversamnilung im 
Olymp" im (iebäude des Reichsfinanzmini- 
steriums, das vor einiger Zeit durch P'euer be- 
schädigt worden war, entsprechend restauriert 
wurde. 

Gegen die Ersetzung- des störend hohen 
Kreuzes am Empire-Hochaltar der Pfarrkirche 
zu Göllersdorf durch ein Expositorium erhebt 
die C. C. keine Einwendung. 

[Referent : Deininger] 

Mit den an der Kapelle in Rennersdorf 
beabsichtigten Herstellungen (Einziehung von 
Schließen, Verstärkung des Mauerwerkes, Her- 
stellung eines neuen Dachstuhles, Ausbesserung 
der Deckenstuccaturen) erklärt sich die C. C. ein- 
verstanden. [Referent: Deininger] 

Der Besitzer des Strelzhofes (vgl. Sp. 242) 
theilt mit, dass er bei Adaptierung desselben den 
früheren Bestand soweit als thunlich bewahrt und 
eine Modernisierung, namentlich nach außen, ver- 
mieden habe. [Referent: Deininger] 

Ober-Österreich 

Die vorgelegten Krtnizwegbilder aus der 
Filialkirche Maria Fallsbach (vgl. Sp. 243) ent- 
behren jeglichen kunsthistorischen Wertes, wes- 
halb die C. C. gegen ihre Entfernung aus der 



Kirche eine Einwendung nicht zu erheben be- 
schließt. [Referent Schaeffer] 

An der Pfarrkirche zu St. Georgen bei 
Tollet wurden die von der C. C. empfohlenen Her- 
stellungen mit wenigen durch technische Schwierig- 
keiten veranlassten Ausnahmen entsprechend durch- 
geführt. Dass ferner die Fenster gothische Form, 
stilvolle Maßwerke und verbleite Butzenscheiben 
mit eingeschobenen Glasbildern erhielten und die 
Chorbrüstung- in Sandstein hergestellt wurde, wird 
von der C. C. gebilligt, die hierauf beschließt, die 
Flüssigmachung einer Rate von 1000 A' der be- 
willigten Staatssubvention zu beantragen. 

[Referent : Deininger] 

Conservator Grku, berichtet, dass die Restau- 
rierung des alten über dem Eingangsportale der 
Pfarrkirche in Hallstadt befindlichen Fresko- 
gemäldes (vgl. Sp. 147) durch den Correspondenten 
Melicher in befriedigender Weise vollendet wurde. 

[Referent: Schaeffer] 

Da das beschädigte Altarbild des hl. Vitus 
vom Kremser Schmidt in der Pfarrkirche .St. 
Veit im Mühlkreise veräußert werden soll, um 
mit dem Erlöse eine neue Orgel anzuschaffen, be- 
schließt die C. C, vorerst die Vorlage des Bildes 
zu veranlassen. [Referent: Schaeffer] 

Steiermark 

Conservator Riedl berichtet, dass im Verkaufs- 
locale des Hutmachers Lhiba in Cilli, Grazer- 
gasse 14, an der Wand, ungefähr 1*5 in über dem 
Boden, ein auf feinem Verputz in Öl ausgeführtes, 
stark nachgedunkeltes Gemälde (117 X 80 cm) bloß- 
gelegt wurde, das die Inschrift „Schloss und Stadt 
Cilli", in der rechten Ecke „Stand im Jahre 1600", 
links nur noch die Buchstaben ,,H I" in sichtbarem 
Zustande zeige und bis auf wenige Details die 
gleiche Darstellung aufweise, die Vischer in seinem 
Schlösserbuche aus der zweiten Hälfte des X VH. Jh. 
von den Objecten Schloss Cilli, Stadt Cilli und 
Kapuzinerkloster von Süden aus gesehen gegeben 
hat. Da die Wand nicht so lange frei bleiben 
konnte, als für eine gründliche Untersuchung noth- 
wendig gewesen wäre, musste sich der Conservator 
zunächst darauf beschränken, das Bild durch einen 
fest abschließenden Pappendeckel vor etwaigen 
Beschädigungen zu schützen. 

[Referent : .Schaeffer] 
20* 



295 



296 



Conservator Lacher berichtet über die Restau- 
rierungsarbeiten in der Pfarrkirche zu Gröb- 
ming, einem einschififigen um 1491 errichteten 
Bau, der von structiven Formen sein Xetzgewölbe, 
die Orgelempore mit Steinstiege und die Maßwerk- 
fenster, ferner eine Kapelle an der Südseite, von der 
Inneneinrichtung den herrlichen Zwölf- Apostelaltar, 
ein neunsitziges Chorgestühl mit hoher, flachge- 
schnitzter Rückwand, endlich fünf Kirchenbänke 
mit geschnitzten Seitenlehnen aus der spätgothi- 
schen Entstehungszeit bewahrt habe. Bloi3 eine 
Kapelle an der Xordseite und die übrige Innen- 



ausstattung stammen aus späterer Zeit. Das Innere 
wurde um 1876 entsprechend ausgemalt, die Fenster 
mit Glasgemälden versehen und der Apostelaltar, 
der schon im Jahre 1760 dem gegenwärtigen 
Hauptaltare weichen musste, ausgebessert und 
namentlich neu vergoldet. In jüngster Zeit wurde 
die spätbarocke Xordkapelle vom Jahre 1760 mit 
einer derben Stuckdecke und ihr Zugang vom 
Langhause mit einer .Stuckdecoration versehen, 
deren roher Charakter durch bunte Färbung noch 
an.stößiger gemacht erscheint und durch den auf- 
fallenden Gegensatz zu der sclilichten Remalung 




Fig. 1 Theil der Fayadenmalereien 



18. Jahrhunderts. (Siehe .Sp. 99 i. 



297 



298 



des Hauptschiffes störend wirkt, was der Conser- 
vator dadurch zu mildern bestrebt war, dass er 
eine Abtönung- der grellen Bemalung- veranlasst 
hat. Am Äußern der Kirche müsse demnächst der 
Mörtelbewurf erneuert werden, was im lunver- 
ni>hmeii mit dem Conservator geschehen soll. 

[Referent; Luntz] 
Tirol 

Das Gerücht, dass eine bedeutende GiMTiälde- 
sammlung aus Cava lese ins Ausland verkauft 
worden sei, wird durch die gepflogenen Erhebungen 
nicht bestätigt und vielmehr dahin berichtigt, dass 
die Sammlung von der Gemeinde Fleimsthal ange- 
kauft wurde und in Cavalese verbleiben werde. 

Da der Preis, den die Societä operaia cattolica 
di Civezzano für die dortselbst gemachten Funde 
(vgl. Sp. 100 ff.) verlangt, ein befremdend hoher 
ist und zu tlem wahren Werte der Objecte außer 
Verhältnis steht, kann die C. C. ihre Erwerbung 
für die kaiserlichen Sammlungen nicht empfehlen, 
beschließt jedoch, mit allen ihr zu Gebote stehenden 
Mitteln dahin zu wirken, dass die Funde nicht, wie 
beabsichtigt, in das Ausland verkauft werden. 

[Referent: Much] 

Über die Restaurierungsbedürftigkeit desMariä- 
Himmelfahrtsbildes (früheren Hochaltarbildes) in der 
P f a r r k i r c h e zu M a r 1 i n g beschließt die C. C. weitere 
Erhebungen zu pflegen. [Referent: Schaeffer] 

Conservator M.azkgger bestätigt die der C. C. 
zugekommene Nachricht, dass in unmittelbarer Nähe 
der Katharinenkirche zu Völser-Aicha im 
Tierserthale menschliche Knochen — ein Schädel 
und mehrere Röhrenknochen — aber ohne Beigaben 
gefunden worden seien, wobei es sich um eine 
Bestattung aus neuerer Zeit handeln dürfte. 

[Referent : Much] 



.Sitzung vom 3. Octt)ber 1902 (18. Sitzung der 
II. .Section). 

Anwesend: Der Präsiden r (zugleich Vorsitzender). 
Mitglieder: DerNixGER, v. Förster, Hf.rmaxn, 
Luntz, Neumann, Neuwu^th, Wächtler. — Re- 
daction: KuBrrscHEK. — Schriftführer: 
Bauer. 

Allgemeines 
Referent Neuwirth macht Mitlheilung über 

den X'erlauf des in Düsseldorf abgehaltenen dritten 



Tages für Denkmalpflege, an welchem er als h. a. 
Vertreter theilnahm. Siehe Beilage .Sp. 305. 

Böhmen 

An der Pfarrkirche zu Bubowitz stehen 
einige bauliche Herstellungen und die theilweise 
Erneuerung der Innenausstattung bevor, wobei 
die C. C. empfiehlt, am Thurme ein Satteldach 
und ein einfaches Fenster, aber keine Strebepfeiler 
anzubringen, und die Inneneinrichtung, wofür gute 
Skizzen vorliegen, namentlich den Hauptaltar ein- 
facher zu halten. [Referent: Rosner] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt das Project für die Restaurierung 
der Decanalkirche in Komotau (vgl. Sp. 168) 
mit den vom Hochbaudepartement im k. k. Mini- 
sterium des Innern beantragten An(h>rungen. 

An der Stiftskirche zu Tepl wunlcn infolge 
der durch den Neubau eines Bibliotheksgebäudes 
verursachten Demolierung der Wenzelskapelle die 
Fundamente der Kirchenmauer im Norden bloß- 
gelegt und hierbei eine Ausbauchung der Mauer 
beobachtet, wogegen zur Sicherung einige Strebe- 
pfeiler errichtet werden sollen. Der berufene Con- 
servator befürchtet jedoch, dass dadurch der archi- 
tektonische Charakter der Kirche entstellt würde, 
und hält eine bloße Versicherung des Mauerfußes 
mit Beton und Quadern für genügend. Die C. C. 
pflichtet ihm unter der Voraussetzung bei, dass 
das Gebrechen in der That ein ungefährliches sei; 
im Gegenfalle hätte sie gegen die Erriclitung der 
Strebepfeiler umso weniger einzuwenden, als die 
architektonische Erscheinung der Kirche an jener 
Stelle bereits durch den Bibliotheksbau wesentlich 
verändert wurde. [Referent: Rosner] 

Kärnten 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt ordnet die Flüssigmachung des Beitrages von 
25 K zu den Kosten des hergestellten Schutzdaches 
bei den Freskomalereien an der Außenseite der 
Pfarrkirche zu Millstatt an. 

Krain 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die Überlassung der beiden Votiv- 
steine vom Lycealgebäude in Laibach und aller 
bei der Demolierung desselben sich ergebenden 
archäologischen Funde (vgl. Sp. 263) an das dortige 



299 



300 



Landesmuseum unter der Bedingung-, dass diese 
Gegenstände in das Inventar des Museums auf- 
genommen werden. 

Küstenland 

Conservator Gr.\f Attems berichtet, dass das 
zur Demolierung bestimmte Gerichtsgebäude in 
Grado jedes kunstgeschichtlichen Wertes bar sei, 
und daher auf die Erhaltung desselben oder ein- 
zelner seiner Theile kein Gewicht zu legen wäre. 

Mit einigen an dem bischöflichen Residenz- 
gebäude in Parenzo nöthig gewordenen Bauher- 
stellungen (an den Dächern, dem Hauptgesimse, 
der ausgebauchten Facademauer über der Loggia, 
den Suffiten, Pflasterungen u. dgl.) erklärt sich die 
C. C. einverstanden. [Referent: Deixixger] 

Mähren 
Ein Project des Conservators Hrach für den 
Umbau der Pfarrkirche in Saitz empfiehlt die C. C. 
nach Beseitigung einiger kleinerer Mängel zur 
Ausführung. [Referent: Lcxtz] 

Xieder-Österreich 

Referent Hermax-x theilt mit, dass die zum 
Andenken an die wunderbare Errettung des Abtes 
Ambros Lorenz von Klosterneuburg anlässlich der 
Explosion des Pulverthurmes nächst der Xuss- 
dorfer Linie in Wien errichtete sogenannte Prä- 
latensäule vom Ende des XVIU. Jh., die bis 
auf die pjramidenförmige Bekrönung wohlerhalten 
sei, aus Verkehrsrücksichten an einen anderen 
Platz versetzt werden soll. Die C. C. beschließt, 
sich zu verwenden, dass hiermit eine entsprechende 
Restaurierung verbunden werde. 

Gegen einige einfache Reparaturen an der 
Pfarrkirche zu Götzendorf beschließt die C. C. 
eine Einwendung nicht zu erheben: 

[Referent: Wächtler] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die beantragten baulichen Her- 
stellungen an der Kirche und dem Pfarrhofe zu 
Kagran und die Übernahme eines Betrages von 
rund 7300 A' der Kosten als Patronatstangente auf 
den Staatsschatz. 

Von den für die Reconstruction des Thurmes 
bei der Pfarrkirche zu Xeustadl a. d. Donau vor- 
gelegten zwei Projecten empfiehlt die C. C. jenes, 
das dem Thurmhelm die Form des alten Be- 
st£.ndes gibt. [Referent: Rosner] 



Ober-Österreich 

Das k. k. Ministerium für Cultus und L'nter- 
richt genehmigt die an der Stadtpfarrkirche in 
Linz beabsichtigten Herstellungen, welche im steten 
Einvernehmen mit dem berufenen Conservator vor- 
zunehmen sind, und gestattet, dass ein Betrag von 
rund 5300 A' der Kosten auf den Cultusetat als 
Patron übernommen werde. 

Mit dem nebst einigen kleineren Adaptierungen 
vorzunehmenden Ausbau des Thurmes an der Pfarr- 
kirche zu St. ^larienkirchen, wobei der Thurm 
oberhalb des Firstes des Kirchenhauptschiffdaches 
im Stile der Kirche ausgestaltet werden soll, er- 
klärt sich die C. C. einverstanden. 

[Referent: Rosxer] 

Conservator Schjuedel berichtet, dass die im 
Fußboden der Pfarrkirche zu Steyr befindlichen 
Grabsteine gehoben und an den Außenwänden 
aufgestellt wurden. [Referent: Hermax"x] 

Conservator v. Bexak berichtet, dass der Ver- 
schönerungsverein von Vöcklabruck das auf dem 
dortigen südlichen Stadtthurme aufgemalte Stadt- 
wappen durch ein solches in Relief ersetzen wollte; 
da aber die geringen Dimensionen desselben keine 
hinreichend klare Wirkung versprechen, habe es 
der Gemeindeausschuss am unteren (nördlichen) 
Stadtthurme an Stelle des dort aufgemalten öster- 
reichischen Reichsadlers anzubringen beschlossen, 
wogegen jedoch gleichfalls Protest erhoben wurde. 
Die C. C. spricht sich gegen jede Veränderung der 
zwei Thorthürme aus, und empfiehlt ihre Wappen- 
raalereien zu restaurieren und das bereits fertig- 
gestellte Relief, sofern nicht ein anderer Platz 
dafür gefunden werden sollte, an der Außenseite 
des X'ordthurmes zwischen der ThoröfFnung und 
dem Reichsadler anzubringen. [Referent: Rosxer] 
Conservator v. Bex.vkl berichtet, dass die im 
Jahre 1 5 1 1 von den Zünften der Schiffer, Flösser 
und Schiflfbaumeister in Wels gestiftete gothische 
Lichtsäule aus Marmor, die sich ursprünglich am 
alten Friedhofe bei der Stadtpfarrkirche und seit 
dem XM^II. Jh. am Friedhofe an der Salzburger- 
straße befunden hatte, nunmehr in dem dortigen 
Gemeindefriedhofe zur Aufstellung gelangte. 

Der Conservator berichtet weiters, dass das 
städtische Museum von Wels die ihm im neuen 
Sparcassagebäude zur Verfügung gestellten Räum- 
lichkeiten (zwei Säle und den als Lapidarium 




c 
o 
O 



4-> b] 
3 ^ 



K 



o 

P 



eis 

3 
N 

<U 
XI 
O 






<u 

5 







3 

N 

bi 
;-< 

he 
O 




1) 



(U cd 
^ § 

C 
3 



K 



303 



304 



dienenden Hofraum) bezog-en habe, wo nunmehr 
nebst den zahlreichen innerhalb der letzten zwölf 
Jahre in und bei Wels ausgegrabenen römischen 
Alterthümem und verschiedenen seit langem im 
Besitze der Stadt befindlichen culturhistorisch 
interessanten Gegenständen auch die Geschütze, 
Waffen und Geräthschaften aus der Maximiliani- 
schen Zeit ausgestellt werden sollen, die bisher 
dem Museum Francisco-Carolinum in Linz leihweise 
überlassen gewesen waren. 

Conservator Greil berichtet, dass der Schutz- 
bau über dem alten Bronzebrunnen in St. Wolf- 
gang genau in der Form seines demolierten Vor- 
gängers unter Verwendung der alten .Steinsäulen, 
Deckplatten und des Dachknaufs hergestellt wurde, 
was die C. C. mit Befriedigfung zur Kenntnis 
nimmt. [Referent: Rosnek] 

Tirol 

Correspondent Postinger berichtet, dass die 
Gemäldesammlung der Fleimsthaler Maler (vgl. 
Sp. 297) durch die Gemeinde Cavalese angekauft 
wurde und im dortigen Palazzo della Comunitä 
nach dessen Restaurierung als Grundstock eines 
städtischen Museums aufgestellt werden soll. Die 
Sammlung bestehe aus 60 Gemälden der Fleims- 
thaler Maler aus dem XVIII. Jh., ungefähr 150 
Actstudien des Malers Christof Unterberger und 
einer kleinen Kupferstichsammlung von meist be- 
schnittenen, nicht besonders wertvollen Blättern. 

Für die Restaurierung der Pfarrkirche in 
Hall werden auf Grund der vom Conser\-ator 
Deimnger und vom Architekten Anton Weber 
verfassten Projecte (vgl. die Abbildung ihrer auf 
die Giebelfront bezüglichen Theile auf Sp. 301 ff.) 
folgende Arbeiten als nothwendig bezeichnet: 
I. die Erneuerung des Verputzes mit Kalk- 
mörtel am Thurme vom Glocke&hause abwärts, 
ferner 2. an sämmtlichen Fenstern, und 3. am 
Giebel, an den Facaden und an dem oberen Theile 
der Vorhalle; 4. die theilweise Erneuerung von 
Gesimsstücken und Strebepfeilerendungen, beson- 
ders an der Westfacade und der Vorhalle; 5. die 
Auswechslung einiger Quadern an den Eckpfeilern 
und Ausbesserung der schadhaften Architektur- 
details aus Stein an der Vorhalle; 6. die Hebung 
des Schlusstückes des Portals durch Einlage von 
Ergänzungsstücken; 7. die Ausbesserung und theil- 
weise Umlegung des Pflasters; 8. die Tieferlegung 



des Terrains. Aus künstlerischen und kunsthistori- 
schen Rücksichten wäre ferner zu wünschen: 9. die 
Ergänzung der nicht mehr vorhandenen Giebel- 
fialen (Project Deisinger); 10. die Wiederherstellung 
der Lünettendecorationen in byzantinischer Mosaik, 
die nach dem Projecte Deixkger matt zu halten 
wäre; 11. die Anbringung eines Blendmaßwerkes 
in Sgraffito an den Friesen der beiden äußeren 
Längsseiten und des äußeren Chores, ähnlich der 
alten Sgraffitodecoration bei der Pfarrkirche in 
Imst (Project Deixinger) ; 12. die Wiederherstellung 
der früher grau in grau al fresco ausgeführten 
Maßwerke am Thurme in Sgraffitotechnik; 13. die 
Xeuherstellung des Hauptthores im Stile der beiden 
Seitenthüren und RenoWerung der letzteren; 
14. die Beibehaltung des gegenwärtigen Stab- 
werkes an den Fenstern; 15. die Reinigung und 
eventuelle Ergänzung der Figuren und Fresken in 
der Vorhalle. 

Die C. C. erklärt sich hiemit im allgemeinen 
einverstanden, will jedoch ad 2 und 3 die Ver- 
putzherstellungen an den Facaden auf die aus 
Bruchsteinen oder Ziegeln gemauerten Wand- 
flächen beschränkt, und die Frage, ob der 
^^erputz am Westgiebel wieder hergestellt 
oder der Ziegelrohbau sichtbar gemacht werden 
soll, einem weiteren -Studium vorbehalten wissen; 
ebenso ad 9 die Entscheidung der Frage, in- 
wieweit die Fialen zu erneuern sind, von dem 
Resultate einer L'ntersuchung an Ort und Stelle 
abhängig gemacht sehen; endlich ad 10 hinsicht- 
lich der Xeuherstellung der einst al fresco gemalt 
gewesenen Heiligenbilder in den spitzbogigen 
Nischen in mattgehaltener ^losaik zu bedenken 
geben, ob man sich mit Rücksicht auf 'die Ver- 
schiedenheit der Nischenformen und -Größen und 
die Geringfügigkeit der erhaltenen Spuren der 
Malerei nicht auf die bloße Ausführung von Büsten 

oder Halbfiguren beschränken solle. 

[Referent: Luntz] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und L^nter- 
richt bewilligt zu den Kosten der bereits durch- 
geführten Restaurierung der St. Vigili-Joch- 
kirche über Marling eine .Subvention von 600 K. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und L^nter- 
richt ordnet die Vorlage eines ausführlichen Pro- 
grammes für die Restaurierung der Fresken in 
der Kirche St. Johannes im Dorf zu Zwölfmal- 



305 



3o6 



greien bei Bozen an, wobei IediiL,'-lich auf das zur 
materiellen Conservierung der Fresken und zur 
tliunlichen Beseitig'ung' aller beabsichtigten oder 
zufälliyen späteren Zuthaten Nöthige, ferner auf 
die Untersuchung- der unter der Tünche des Frohn- 
bogens vorhandenen Malereien und auf die ein- 
gehende Untersuchung des gesammten, bisher in das 
Restaurierungsproject nicht einbezogenen Fresken- 
schmuckes der Kirche Bedacht zu nehmen wäre- 



Beilage zu Sp. 298. 

I'icricht ülxT den am _',=,. und 26. September 

igo2 zu Düsseldorf abg-ehaltenen dritten Tag 

f ü r Denk m a 1 p f 1 e g e. 

Ministerialrath Fkiuhrkr v. BuvGelkben referierte 
über das mit i. October 1. J. bereits in Kraft ge- 
tretene Denkmalschutzgesetz für das Großherzog- 
thum Hessen, das nicht nur bewegliche und un- 
bewegliche Denkmale im Besitze von juristischen 
Personen des öifentlichen Rechtes, sondern auch jene 
'im Privatbesitze umfasst, die Anlage von Denkmal- 
verzeichnissen vorschreibt, die Organisation eines 
Denkmalrathes feststellt, .Strafen für Nichtbeachtung 
der Denkmalschutzmaßnahmen bis zu 1000 Mark 
normiert und hierbei gleichwohl auf wohlgegründete 
Rechte des Privatbesitzes entsprechende Rück- 
sicht nimmt. Auch in Bern wurde, wie Geheimer 
Justizrath Prof. Dr. Loersch (Bonn) ausführte, ein 
Denkmalschutzgesetz durch Volksabstimmung an- 
g"enommen und durch eine besondere Botschaft 
des C'antonsrathes der Bevölkerung empfohlen. 
Referent erörterte die vom Präsidenten der C. C. 
eingebrachten Gesetzentwürfe betreffend den Schutz 
der Baudenkmale und die Sicherung des diokle- 
tianischen Palastes in .Spalato. Sodann wurden 
Fragen der Denkmalerhaltung verhandelt. Vor 
allem erörterte Prof. Dr. Gurlitt (Dresden) die 
Frage, ob es wirklich Mittel zur Conservierung 
des Materials und zur Verhinderung des früh- 
zeitigen \'erfalles von Kunstdenkmalen gebe, und 
wie sich der Wert größerer Dauerhaftigkeit genauer 
ermitteln lasse. Die sehr rege Debatte führte zur 
Wahl einer Commission, welche die Verwitterungs- 
verhältnisse und die Dauerhaftigkeit des Materials 
näher studieren, zuverlässige Angaben über be- 
sonders interessante Fälle sammeln und dc^m nächsten 
Tage für Denkmalpflege Bericht erstatten soll. 



Prof. BoRRM.WN (Berlin) sprach zur Erhaltung und 
Pflege plastischer Kunstwerke, welche rechtzeitig 
in Gips abgeformt werden sollten, ehe sie der 
Ver\\ itterung anheim fallen ; Ergänzungen sollen 
nicht am Originale, sondern nur an der Nachbildung 
stattfinden. Im Anschlüsse an diese beiden \^or- 
träge wurde die Frage erörtert, wie bei Restau- 
rierungen die genau nachgebildeten Erneuerungen 
und ganz frei geschaffene Stücke durch bestimmte 
conventioneile Zeichen überall schon äußerlich 
charakterisiert werden könnten; auch hierfür wurde 
eine Commission gewählt, welche auf dem nächsten 
Denkmalpflegetag Bericht erstatten soll. Die Er- 
läuterungen, welche Baurath Tornow (Metz) über 
die Beseitigung des ehemaligen Westportals am 
Metzer Dome und dessen Ersatz durch ein gothi- 
sches gab, führten zur Discussion über „Die Grund- 
regeln beim Restaurieren von Baudenkmalen''. 
Conservator Dr. Hager (München) wies an mehr- 
fachen gut gewählten Beispielen nach, dass solche 
Grundregeln nicht allgemein Verwendung finden 
könnten, sondern dass fallweise zu studieren und 
zu entscheiden sei, welches Vorgehen sich am 
besten empfehle. Director v. Bezold (Nürnberg) 
und Prof. Dr. Ehrknüerü (Königsberg) sprachen 
über Denkmalarchive. Ersterer wünscht neben 
Provinzialarchiven, die alles zu sammeln hätten, 
auch ein Reichsarchiv für Denkmalkunde, in 
welchem nur das Hervorragendste, aber in vor- 
trefflichen Messbildaufnahmen, nebst genauesten 
Zeichnungen Platz finden sollte. Der Hildesheimer 
Oberbürgermeister Dr. Struckmann verbreitete sich 
über die Aufgaben der Communalverwaltungen auf 
dem Gebiete der praktischen Denkmalpflege und 
hob hierbei die Pflicht der Communalverwaltungen 
hervor, sich mit aller Umsicht des localen Denk- 
malbestandes anzunehmen, die Bevölkerung zum 
Verständnisse desselben anzuleiten und in der Er- 
haltung durch Rath und Vorbild zu unterstützen, 
das Stadtbild vor Verunstaltungen zu bewahren, 
Verzeichnisse der Denkmäler anzulegen, Wett- 
bewerbe für die Erlangung künstlerischer Entwürfe 
für Neubauten einzuleiten, aber auch vor Zwangs- 
maßregeln nicht zurückzuschrecken, welche bau- 
polizeiliche und örtliche Verordnungen an die 
Hand geben. Die Verleihung des Enteignungs- 
rechtes für einzelne dem Verderben ausgesetzte 
Bauwerke wurde als erstrebenswert bezeichnet. 



307 



3o8 



Prof. Cr.EMEN (Bonn) behandelte den Standpunkt 
einer Provinzialverwaltung gegenüber der Denkmal- 
pflege, indem er das dafür Maßgebende an den 
Verhältnissen in den Rheinlanden exemplificierte. 
deren Verwaltung in so überaus verständnisvollem 
Zusammengehen mit Kirche und Städten wirklich 
Hervorragendes leiste, und außer der mit der 
obersten Leitung der Denkmalpflege betrauten 
Provinzialcommission noch Sondercommissionen 
für zu bestimmende Zwecke bestellt habe. 
Besondere Erwähnung verdient, dass 
diese Provinzialcommission in Aussicht 
genommen hat, nach Abschluss der Denk- 
malinventarisation eine volksthümliche 
Darstellung der Kunstgeschichte der 
Rheinlande zur Erweckung eines breite- 
ren Verständnisses für den vaterländi- 
schen Kunstbesitz zu veröffentlichen. Für 
das Jahr 1903 wurde die Abhaltung des 
Denkmalpflegetages in Erfurt beschlos- 



sen. 



Xeüwirth 



Römische Inschrift aus 
Laureacum 

Aus Anlass der Restaurierung der 
uralten St. Laurenzkirche in Lorch bei 
Enns wurde die unschöne Holzverklei- 
dung des Hochaltares entfernt. Es zeigte 
sich, dass die Mensa auf einer verti- 
cal gestellten glatten Steinplatte ruhte, 
welche eine Art von Antependium bil- 
dete. Auch diese wurde, da sie schad- 
haft war und durch eine neue Platte er- 
setzt werden sollte, weggenommen. Im 
Innenraum des Altars, der hohl war, fand man 
eine Steinkiste von fast quadratischem Grundriss 
zu 74CW Breite, 76cm Länge und 430;/ Höhe, der 
unter einer weißen Linnendecke nebeneinander 
aufgeschichtete Theile menschlicher .Skelette zeigte. 
Als Deckplatte war ein römischer Inschrift- 
stein verwendet, der mit Zustimmung des Pfarr- 
vonstandes in das Localmuseum von Enns über- 
bracht wurde. Nach Untersuchung der Skelettheile 
wurden diese mit dem übrigen Inhalte in den 



Steinsarg zurückgelegt, mit neuem Linnen bedeckt, 
mit einer neuen Steinplatte geschlossen und wieder 
unter der Mensa vermauert.^) 

Die in Gegenwart des hochw. Bischofs von 
Linz vorgenommene Untersuchung des Inhaltes 
der Steinkiste ergab zumeist Fuß- und Arm- 
knochen, so 21 Stück Tibiae nebst Fragmenten, 
18 Oberarmknochen, 4 Radii, 6 Ulnae u. s. w., in 
geringerer Zahl Theile von .Schädelknochen, Rippen 




Fig. 3 Römischer Votivstein, Ende des II. Jh. 11. Ch. 
Enns, städtisches Museum. 



und Becken; einige wiesen eine beträchtliche 
Größe auf, wie ein Schenkelknochen von 50 au 
Länge; mehrere Skelettheile zeigten sich ange- 
brannt. Auch Gebeine von Kindern fanden sich 
unter ihnen. Mitgefunden wurden ziemlich viele 
Holzkohlen, ein eiserner Nagel, ein Mosaiksteinchen, 



') Vgl. Linzer Volksblatt für Stadt und Land Nr. 237 
vom 16. und 249 vom 30. October 1900; letztere Nummer 
enthält einen fachmännischen Commentar der Inschrift von 
Cand. phil. Heinrich Mai in Wien. 



309 



3IO 



mehrere Kügelchen von Fettwaclis, ein I'llanzen- 
rest u. s. w.') 

Die Inschri ftjjlalte ist Syr;;/ liocli, ■jbciii 
breit und izcin dick. Innerhalb eines breiten ge- 
rauhten Rahmens enthält sie die folgenden 1 1 Zeilen 
schöner Schrift, die in den beiden ersten Zeilen 
etwas größer ist als in den folgenden. Sie lautet:-) 

Genio leg{ionis) II Ital{icac) \ p{iac) M{ai'ais) 
Gariiis j Finiiiis p{rimns) p{ilits) Vellin{a) \ Firmo 
Picen{i) \ dedicarüe C{aio) Menniiio Fido \ Iul[io) 
Albio co{n)s{tiIe) di's(i^iiULjlo) \ leg(ato) Aug{usti) 
pr{o) pr{aetore) \ XIIII K. Oci(olves) \ Aproiiiauo 
et I Bradita co[n)s{iiUbus). 

Der Tag der Weihung des Votivsteines ist 
demnach der i8. September 191 n. Chr. Als der 
Stifter des Denkmals wird der rang^sälteste Centurio 
der zweiten italischen Legion, M. Gavius Firmus 
aus Firmum in l^icenum, genannt, während der 
die Weihung vollziehende C. Memmius Fidus Julius 
Albius damals kais. Statthalter in Xoricum sowie 
designierter Consul war. .Seine Laufbahn ist aus 
den Inschriften CIL VHI 11928 und 12442 bekannt. 
Von gröiker Wichtigkeit scheint es zu sein, dass 
ihn die letztere ausdrücklich als Jegatiis Aiigitsfi 
pro praetore provinciae Xorici bezeichnet. An und 
für sich war es nicht zu bezweifeln, dass mit der Er- 
richtung einer eigenen, der zweiten italischen Legion 



') Linzer Volksblatt Nr. 249 nach dem Protokolle der 
commissionellen Besichtigung. 

-) Zinkstock aus den Berichten des Ennser Museums, 
II. Band (1900) S. 15, durch den Präsidenten des Vereines 
Oberingenieur Ecki. in dankenswerter Weise für diese 
Publication zur Verfügung gestellt. Den ersten Abdruck 
verdanke ich der Güte des Herrn Correspondenten Gustav 
Stockhammer, Oberinspector und Werkstättenchef der Nord- 
westbahn in Floridsdorf — ^Jedlesee, der mir auch die beiden 
obenangeführten Nummern des Linzer Volksblat^es zur Ein- 
sicht mittheilt. Vgl. jetzt auch CIL III 15028. 

^) Ich verdanke die Mittheilung Herrn Professor 
KuBiTSCHEK. [Dieselnschrift (jetzt CIL III 15028,1 veröffent- 
licht) ist mir durch Herrn 
BuKoiNiG nachgewiesen und 
durch einen Abklatsch des 
Oberingenieurs Ecki., spä- 
ter auch durch eine Copie 
des Professors Ai.ois Rikgi. 
zugänglich gemacht worden. 
Sie steht auf einem oben und rechts gebrochenen Granit- 
block (034 w! hoch, 0-39)« breit), der 1897 aus einer Haus- 
mauer in Enns, Pfarrgasse 92, herausgezogen und seither 
ins Ennser Museum gebracht worden ist. KturrscHKK] 




für Noricum während der germanischen Kriege des 
Kaisers Marcaurel die Verwaltung, welche früher 
einem prociiraior Aiigiisli übertragen war, nun einem 
hohen Militär zufallen musste. Inschriftlich aber lässt 
sich dies erst belegen durch den zweiten der oben 
erwähnten Inschriftsteine, jenen aus Vina (heute 
Hr. el-M'den) und wohl aucli aus einem anderen, 
neuerlich in Enns selbst aufgefundenen Bruchstück 
einer Inschrift, in welclier P. Cosinüis... [leg.] Aug. 
p{r) [(pr) (Xorici)] bezeichnet wird;^) derselbe er- 
scheint in einem in Budapest gefundenen Steine (CIL 
III 3421, vgl. Klehs Prosopogr. n. 1251) als P. Cosi- 
nius Felix leg. Augg. pr. pr. (von Pannonia inferior), 
versah also frühestens unter Marcaurel und Commo- 
dus (177 bis 180) oder unter Septimius Severus und 
Caracalla (198- -211) diesen Po.sten. Muss letzteres 
als das Wahrscheinlichere angenommen werden, so 
bildet der Lorcher .Stein bisher die älteste Bestäti- 
gung für die Thatsache, dass gegen Ende des IL Jh. 
die Verwaltung von Noricum durch einen kaiser- 
lichen Legaten versehen wurde. Kexner 



Römische durchbrochene Bronze- 
beschläge 

Durchbrochene Bronzebeschläge von der Art 
des hier abgebildeten haben sich an den meisten 
.Stätten der militärischen .Standlager der römi- 
schen Kaiserzeit, am Rhein und an der Donau, 
in großer Zahl gefunden. In unserer Monarchie 
sind namentlich die siebenbürgischen Museen sehr 
reich an einschlägigen Fundstücken, die uns in 
Anbetracht der fest begrenzten Dauer der römischen 
Occupation Siebenbürgens ihre zuverlässige Da- 
tierung in das IL und III. Jh. n. Chr. ermöglichen. 
Über den stilistischen Charakter und die kunst- 
historische Stellung dieser Gattung kunstgewerbli- 
cher Metallarbeiten, in denen wir wohl fabriksmäßig 
erzeugte Bestandtheile der römischen Soldatentraclit 
erkennen dürfen, habe ich in meiner „Spätrömischen 
Kunstindustrie nach den Funden in Österreich- 
Ungarn" I 140 ff. ausführlich gehandelt und ihre 
Entwickelung an einer Reihe von Beispielen ebenda 
Taf. XllI und XIV zu erläutern gesucht. 

Das in Fig. 4 abgebildete .Stück ist zu Wien 
gefunden und in das Museum Vindobonense ge- 
langt, das die aus dem Boden Wiens ans Licht 

21* 



3" 



312 



gebrachten Funde aus der römischen Kaiserzeit 
aufzunehmen bestimmt ist. Es bildet daselbst gegen- 
wärtig den einzigen Vertreter dieser Gattung; ein 
zweites ähnliches Beschlag, das nach Aussage des 
Custos jenes Museums, Herrn Nowalski de Lilia, 
vor einiger Zeit gefunden worden sein soll, ist 
seither verschollen. Diese befremdliche Seltenheit 
ihres Vorkommens im Schutte des römischen Wien 
lässt vermuthen, dass ihr antiker Ursprung viel- 
leicht wegen ihrer anscheinenden stilistischen Ver- 
wandtschaft mit gothischen MaÜwerkverzierungen 
bisher nicht hinlänglich erkannt worden ist; und 
dies hat mich auch veranlasst, den Gegenstand 
hiermit zu allgemeinerer Kenntnis zu bringen. 




Fig. 4 Durchbrochenes Bronzebeschläg. 
Römisch, IL— III. Jh. n. Chr. Wien, Museum Vindobnnense. 

Das Original bildet eine -kreisrunde Scheibe 
von 8-4 cm im Durchmesser; von einem Ringe, 
der nach außen hin von einer Reihe fortlaufender 
Rundzacken besäumt ist, lösen sich nach innen drei 
Rankenstengel los, die einander in der Nähe des 
Mittelpunktes berühren, und wieder nach auf3en 
umbiegend in je ein peltenartiges- Motiv endigen. 
Die Gesammterscheinung des Ornaments verräth 
infolgedessen eine Wirbelform, der man in dieser 
Classe von Denkmalen sehr häufig begegnet (a. a. O. 
Taf. XIII. I, 3; Taf. XIV i, 3). Riegl 



Spätgothische Schnitzarbeiten des 
Meisters Jacob in Kuttenberg. 

Im Zuge der Restaurierungsarbeiten an der 
.St. Barbarakirche zu Kuttenberg war man 
kürzlich vor die Aufgabe gelangt, einen neuen 



Hochaltar zur Aufstellung zu bringen. Da die 
Kirche bis zum Jahre 1673 einen prachtvollen, im 
Jahre 1502 durch den Meister Jacob geschnitzten 
Flügelaltar aus Holz besessen hatte, und es nicht 
aussichtslos schien, über die Beschaffenheit desselben 
noch so viele Xachrichten zu sammeln, um ihn 
wenigstens in annähernder Gestalt wieder erstehen 
la.ssen zu können, hat sich die k. k. C. C. ent- 
schieden, dafür einzutreten, dass der neue Hoch- 
altar möglichst in den spätgothisclien Formen 
seines Vorläufers vom Jahre 1502 aufgeführt 
werde. Hierbei war es natürlich die nächste Aut- 
gabe, ein hinreichendes Material an schriftlichen 
Nachrichten, Originalresten und zeitgenössischen 
Parallelen zusammenzutragen, das der mit der 
Schnitzarbeit zu betrauende Künstler seinem Ent- 
würfe zu Grunde legen könnte. Dieser Aufgabe 
hat sich in dankenswerter Weise der k. k. Con- 
servator Professor Josef Brani.'^ in Budweis unter- 
zogen. Seine Ergebnisse, die in einem an die k. k. 
C. C. eingesandten Berichte vorliegen, lassen sich 
in folgender Weise zusammenfassen: 

1. Den wichtigsten Anhaltspunkt für das Aus- 
sehen des Altars als Ganzen gewährt die Be- 
schreibung des Altar.schreins durch den Jesuiten 
Kofinek in dessen ...Stare pameti kutnohorske-* ; 
obwohl diese Beschreibung erst einige Zeit nach 
der im Jahre 1673 erfolgten Abtragung- des Flügel- 
altars verfasst ist, so kann doch an der Richtigkeit 
ihrer Angaben nicht gezweifelt werden, weil der 
Verfasser den Schrein noch an Ort und Stelle ge- 
sehen und studiert hat. Die Beschreibung lautet, 
ins Deutsche übersetzt, folgendermaßen: 

,,Jener Altarschrein war sehr kostbar und von 
einem gewissen Schnitzer Jacob mit unaussprech- 
licher Arbeit und meisterhafter Hand in der Ge- 
stalt eines königlichen Speisesaales mit drei Fenstern 
ausgeführt. In der Mitte stand ein Tisch, an welchem 
Christus mit zehn Aposteln das Osterlamm ge- 
nießend und seinen Liebling Johannes auf dem 
Schöße haltend saß. Der hl. Philipp .stand an der 
Ecke des Tisches und reichte die Brotlaibe aus 
dem zusammengefalteten Mantel, und der hl. Bar- 
tholomäus goss aus einer großen, auf das linke 
Knie gestemmten Kanne den Wein in einen Becher. 
Jedes Bild war so lebendig dargestellt, dass ihm nur 
die Seele fehlte, jedes zeigte eine andere Positur des 
Körpers, so da.ss man alle bewundern, manchen sogar. 



313 



314 



besonders den Verräther Judas mit seinem Beutel und 
rothem ßarte, belachen musste. IMe Decke in der 
I'orm eines (iewölbes strotzte \'on Schnitzereien 
und in ihrer Mitte hieni^ auf acht großen Bögen 
über dem Tische eine grolJe, künstlich und subtil 
gearbeitete Rose. 

„Unter diesem Speisesaale (auf der Predella?) 
sah man \ier N'ertiefungen (Nischen V) mit unglaub- 
lich feinem Schnitzwerke außen und innen ver- 
ziert, in welchen man die Brustbilder der vier hl. 
Kirchenväter meisterhaft und lebendig geschnitzt 
erblickte. Der erste war in Xachdonken vertieft, 
der zweite las in einem offenen Buche, der dritte 
.schrieb seine Gedanken auf das Papier nieder, der 
letzte .sah wie in Entzückung zum Himmel empor. 

„Auf den Seitenflügeln standen inmitten von 
kunstvollen Zieraten zu jeder .Seite zwei flachge- 
schnitzte Heiligenfiguren, nämlich zur Rechten die 
Mutter Gottes und unter derselben die hl. Katha- 
rina, zur Linken die hl. Barbara und Dorothea als 
Jungfrauen mit ihren gewöhnlichen Attributen so 
schön und hold, dass man sie, wenn sie sich nur 
rühren möchten, für lebendig gehalten hätte. Was 
weiter auf der Frontseite zu sehen war, will ich 
der Kürze zuliebe verschweigen, oder, um die 
Wahrheit zu gestehen, weil ich es nicht genügend 
zu schildern vermöchte. 

..Wollen wir lieber ein wenig hinter den Altar 
gehen, um das, was auf der Rückseite die Meister- 
hand geschnitzt, zu sehen und zu bewundern. Hier 
breitete sich ein wie aus der Erde gewachsener 
Weinstock über die Täfelung aus. Man erblickte 
die ineinander verflochtenen, in Lauben geführten, 
hier mit Blättern, dort mit Trauben gezierten Reben; 
um das Überhängen der Aste zu verwehren, waren 
dieselben mit dünnen Strohwischchen an die Stöcke 
angebunden. In dieser Weinlaube wie in einem 
Haine waren die Vögelein, einige in Nestchen 
sitzend, einige die Weinbeeren pickend, einige zum 
lieblichen Gesänge ihre Schnäbel öffnend, einige, 
als ob sie wegfliegen wollten, die Flügelchen aus- 
breitend." 

Der Flügelaltar Meister Jacobs zeigte somit 
in seinem vermuthlich nicht verschließbaren Mittel- 
stücke das letzte Abendmahl, auf der Predella die 
Bru.stbilder der vier Kirchenväter, auf den beiden 
Flügeln je zwei Heiligenfiguren, auf der Rückseite 
einen reich verästelten Weinstock. 



2. Von den erhaltenen Arbeiten des Meisters 
Jacob verdient weitaus die größte Beachtung ein 
Re-st des von Kofinek beschriebenen Flügelaltars, 
der die obere Hälfte des linken Flügels mit der 
Figur der hl. Barbara gebildet hat. Dadurch i.st 
vor allem ein sicherer Anhaltspunkt für die \[aße 
gegeben; ferner erscheint damit ein sicheres Vor- 
bild für die Behandlung des Figuralen, namentlich 





^^H^^^^v 'i ^ ^^^^H ^'^"'^^ ^^^^^^ 


IT^s^H^ll'ill 


^■F^^^ 1 il^ 


^^^^^^^K; m' a' "^^11 - 


^^^tt 


^^^^^^^^^^^^^^■^Vihs. ~_ ^^^^^H' 



Fig. 5 St. Barbara. 

Holz-Relief vom ehemaligen Flügelaltar des 

Meisters Jacob in der St. Barbarakirche in 

Kuttenberg. 

an den hl. Jungfrauen, g'ewonnen, in welcher Hin- 
sicht übrigens auch die Altäre in der Muttergottes- 
kirche und in der Kapelle des wälschen Hofes 
verglichen werden können. 

3. Von der Innenausstattung des Rathhauses 
\-on Kuttenberg, die Meüster Jacob geliefert hatte, 
sind nach dem Brande von 1770 bloß eine Chri.stus- 
figur und eine flachgeschnitzte Bank erhalten ge- 
blieben. Auch ein in den Sammlungen der Prager 



315 



3i6 



Handels-und Gewerbekammer befindliches Brettchen 
mit flachgeschnitzten Ornamenten glaubt Professor 
BKAxiä dem Meister Jacob zusprechen zu sollen. 

4. Von zeitgenössischen Werken, die zur Ver- 
gleichung herangezogen werden dürften, ist vor 
allem die steinerne Kanzel (Abb. S. 76) in der Mutter- 
gotteskirche zu Kuttenberg zu erwähnen, die in den 
Jahren 1513 — 1532 ausgeführt wurde und auf vier 
reich verzierten Consolen die Brustbilder der vier 
Kirchenväter mit krönenden Baldachinen darüber 
aufweist. Die Vermuthung, dass hierfür die analogen 
Arbeiten des Meisters Jacob am Altare der Bar- 
barakirche vorbildlich gewesen seien, läßt sich in 
der That schwer von der Hand weisen. 

5. Aber auch das Sujet des Mittelstückes, das 
hl. Abendmahl, hat sich in einer allerdings ge- 
malten und auch in der Auffassung des Moments 
etwas verschiedenen Redaction aus jener Zeit er- 
halten. Es ist die Predella eines Flügelaltars der 
St. Jakobskirche zu Kuttenberg aus dem Jahre 15 15, 
dessen Holztheile der Überlieferung zufolge von 
jenem Meister Jacob gearbeitet gewesen sein sollen; 
mit Ausnahme der Predella ist jedoch nichts von 
diesem Werke erhalten geblieben. 

6. Für die Recon.struction der Gewölbdecke 
des Mittelstückes mit ihrem rosettenförmigen 
Schlusstein, den Kofinek erwähnt, lassen sich die 
allerdings etwas älteren Chorstühle der St. Barbara- 
kirche heranziehen. 

7. Für die ornamentalen Theile ist endlich 
von Wichtigkeit, dass Professor Brani?; sich der 
Verzierungen des Baldachins jenes Restes vom 
Flügelaltare der Barbarakirche erinnert, der noch 
vor 25 Jahren vorhanden gewesen war, jetzt aber 
gänzlich verschollen ist. Diese Ornamente bestanden 
hiernach in einem durchbrochenen filigranartigen 
Astgeflecht, wie es sich an zahlreichen erhaltenen 
Denkmalen jener Zeit zu Kuttenberg beobachten 
lässt: so an der Brustwehr der Kanzel in der 
Muttergotteskirche, auf dem Sanctuarium in der 
Dreifaltigkeitskirche, auf einigen Consolen des 
steinernen Brunnens, auf den Gesimsen des ^ steiner- 
nen Hauses", theilweise auch auf den Arbeiten im 
„Hrädek''. 

Auf Grundlage dieser Ermittlungen ist seither 
ein Project für den neuen Hochaltar angefertigt 
worden (vgl. Sp. 33), das auch die Billigung der 
C. C. gefunden hat. 



Münzfunü in Selbitz 

Im Herbste 1901 wurde beim Rechen der 
Waldstreu auf der Waldparcelle des Franz Winter 

zu Selbitz bei Rapottenstein im Waldviertel ein 

nicht unbedeutender Münzfund gemacht, der ur- 
sprünglich 1500 — 2000 Stücke umfasst haben soll. 
Ein Theil wurde sofort verkauft, gegen 1200 Mün- 
zen wurden von dem Conservator P. Benedict 

Hammerl der C. C. eingeliefert. Die Sichtung des 
Fundes ergab folgenden Bestand: 

Römisch-deutsches Reich 

Ferdinand! 1560(1) 61(1) 63(1) 2 kr. 3 

für Kärnten 1535 Heller 1 

für Tirol 1530(6) 31(4) 32(2) 34(1) 

?(1) Heller 14 

» » 1561 2 kr. 1 

5 » o. J 1 kr. 1 

Maximilian II 1571(2) 73(1) 74(1) ... 2 kr. 4 

für Böhmen 1569(2) 71(1) 72(2) . . 2 kr. 5 

Matthias 1617 2 kr. 2 

1617 3 kr. 1 

Ferdinand II für Steiermark 1594(2) 97(1) 

1601(1) 04(1) 08(1) 10(5) 11(2) 12(2) 

13(11) 14(7) 15(1) 16(5) ?(10) . . Heller 49 

für Steiermark 1606 3 kr. 1 

für Kärnten 1595(1) 96(1) 1601(3) 02(1) 

04(1) 07(1) 10(1) ?(9). Heller 18 

Österreichische Kronländer 

Steiermark. Erzherzog Karl o. J 2 kr. 1 

1583 Heller 1 

Kärnten. Erzherzog Karl 1574 2 kr. 1 

Tirol. Erzherzog Ferdinand 1570(1) o. J. (1; 2 kr. 2 

o. J Thaler 2 

Deutsche Bundesstaaten 

Baden. Philipp 1586 2 kr. 2 

Eduard Fortunat 1591 2 kr. 3 

o. J Heller 1 

Baiern. Albert 1560(1) 62(1) 2 kr. 2 

Kasimir 1591 2 kr. 1 

Kurpfalz. Friedrich II (Nappurg) o. J. . . . Groschen 1 

Friedrich III 1563i.1i 70(2) 72(1). . 2 kr. 4 
Pfalz-Neuburg. Otto Philipp 1517. 19, 22, 

? je 1 Groschen 4 

Pfalz-Simmem. Richard 1571 (2) 75(1) 77(1) 

78(2) 80(3) 82(5) 84(3) 86(1) 87(4) 

89(1) 90(1) 91(1) 92(1) 93(1). . . 2 kr. 27 
Pfalz -Veldenz. Georg Johann 1577(3) 78(1) 

79(5) 80(5) 81(6) 82(8) 83(1) 85(2) 

86 r2) 87(2) 88(5) 89(8) 90(1) .. . 2 kr. 49 
Pfalz-Zweybrück. Johann I 1585(6) 86(2) 

87(3) 91(3) 93(1) 98(1) ?(1). ... 2 kr. 17 



31? 



3i8 



1595(2) 98(1) 3 kr. 3 

o. J 3 kr. 9 

Liechtenstein. Karl 1615(2) 1H(1) 3 kr. 3 

Lippe. Simon VI 1601 2 kr. 1 

Nassau -Usingen. Johann Ludwig 1591 (2i 

92(2) 93(3) 94(7) 95(1) 2 kr. 15 

Nassau -Weilburg. Alhert 1588(2)89(4)90(1) 

93(1) ? (5) 2 kr. 13 

Ludwig 1594 2 kr. 10 

Preußen-Brandenburg. Joaehini und .Alliert 

1509 Groschen 1 

WaUleck. Gemeinsame Prägung 1589(2) 

90(1) 91(1) 92(2) 93(1) 94(5) 95(2) 2 kr. 14 
Württemberg. Friedrich I 1589(3) 90(1) 

93(1) 94(2) 2 kr. 7 

Geistliche Fürsten 

Bi.sth. Konstanz. Hugo von Hohenlandt-n- 

berg 1519(1) 20(1) o. J. (6) . . • . . Groschen 8 

Bisth. Minden. Hermann Graf von Schauen- 

burg (1567— 1582) o. J 2 kr. 1 

Abtei Murbarch. Andreas von Österreich 

(t1600) o. J 3 kr. 2 

Bisth. Olmütz. Franz von Dietrichstein (1599 

bis 1636) o. J 3 kr. 1 

? Heller 1 

Bisth. Passau. Herzog Ernst von Baiern 
Admin. 1518(2) 19(1) 21(1) 22(1) 23(1) 

24(1) 28(1) 34(1) Groschen 9 

1521(1) 22(2) 27(1) 28(1) 29(1) 30(2) 

31 (3) 32 (3) 33 (2) 34 (3) ? (7) ... Heller 26 

Erzbisth. Salzburg. Leonhard Keutschach 

1514(2) 15(6) 16(2) 18(2) 19(1) ? (6) Heller 19 

1511(1) 13(3) 14(1) 16(1) Groschen 6 

Matthäus Lang von Wellenburg 1 520 (2) 
21(6) 23(5) 24(4) 25(3) 27(1) 28(5) 
29(8) 30(5) 31(11) 32(3) 33(1) 34(3) 
35(7) 36(18) 37(7)T'38(5) 39(2) 40(8) 

?(62) Groschen 166 

Herzog Ernst von Baiern 1541 {3) 42 oder 

47(11) 45(1) 46(2) 48(3) 49(3) 50(6) 

51(13) 52(1) 53(2) 54(4) ? (52) . . . Groschen 101 

MichaelvonKuenburg 1555(6) 57(2) 58(2) 

59(2) ?(34) Groschen 46 

Johann Jakob Khuen von Belasy 1561 (1) 
62(6) 63(6) 64(8) 65(4) 66(4) 67(2) 
68(4) 69(3) 70(1) 71(5) 72(3) 74(3) 
75(6) 76(4) 77(5) 78(1) 79(3) 80(7) 
81(2) 82(2) 83(1) 84(3) 85(2) 86(1) 

? (50) Heller 137 

Wolfgang Dietrich von Raitenau 1587(3) 
88(4) 89(6) 90 (.5) 91(5; 92(10) 93(6) 
94(7) 95(11) 97(3) 98(2) 99(8) 1600(1) 
01 (3) 02 (6) 03 (3) 04 (3) 05 ('5) 06 (6) 
07(8) 10(4) 11(1) ?(16) Heller 126 



Markus Sittich Graf von Hohenems 

1612(4) 13(4) 14(3) 16(1) 17(2) ? (5) Heller 

Bisth. Speyer. Markwart von Hattstein (1560 

bis 1582) o. J 2 kr. 

Bisth. Straßburg. Johann IV Graf von Man- 
derscheid 1574(3) 75(1) 76(1) 77(4; 

78(5) 79(1) 91 (1) ?(7) 2 kr. 

1583(1) ?(1) 3 kr. 

Karl Herzog von Lothringen 1000 (1) 

03(1) .. .' 2 kr. 

1604(2) ?(1) 3 kr. 

Bisth. Worms. Dietrich H von Bettendorf 

1575 2 kr. 

Georg von Schönenburg 1588(5) 89(1) 

91 (1) 95(1) ?(3) 2 kr. 

Philipp II Kratz von Scharfenstein 1596 2 kr. 



19 



23 

2 

2 
3 



11 
3 



Weltliche Fürsten 

Fränkischer Kreis. Georg von Brandenburg 

1534 Groschen I 

Georg Friedrich von Brandenburg 1560 2 kr. 1 

1562(1) o. J. (1) 1 kr. 2 

Hanau-Lichtenberg. Philipp 1587(1) 88(2) 

89(1) 90(2) 92(1) 2 kr. 7 

1590 ?(1) o.J. (1) 3 kr. 2 

Johann Reinhard 1600(1) 02(2) o.J.(1) 3 kr. 4 

Hanau -Münzenberg. Vormundschaft der 

Katharina von Nassau-Oranien 1614 . . 3 kr. 1 

Königstein. Eberhard MDXV(1) MDXIX(I) 

1521(1) 22(1) Groschen 4 

Leuchtenberg. Johann VI ? Groschen 1 

Georg 1533 Groschen 1 

Lothringen. Karl III o.J 2 kr. 4 

Öttingen. Wolfgang u. Joachim 1519 . . . Clroschen 3 
Karl, Ludwig, Martin u. Ludwig 1523(1; 

24(1) Groschen 2 

Wolfgang Martin u. Ludwig 1520 . . . Groschen 1 

Salm-Kyrburg. Otto 1593(1) o.J. (1). . . 2 kr. 2 
Salm-Grumbach. Johann u. Adolf (1585 bis 

1625) o.J 3 kr. 1 

Schlesien. 

Liegnitz-Brieg. Johannn Christian u. 

Georg Rudolf 1617 2 kr. 1 

Münsterberg-Öls. Karl II 1615 ... . 2 kr. 2 

Teschen. Adam Wenzel 1608 ... . 3 kr. 1 

Solms-Lich, gemeinsame Prägung 1588(1) 
89(2) 90(3) 91(5) 92(5) 93(5) 94(12) 

?(3) 2 kr. 36 

Ernst 1615 3 kr. 2 

Solms-Hohensolms. Philipp Reinhard 1612 3 kr. 1 

Stolberg-Rochefort. Ludwig 1570(1) ?(1). 2 kr. 2 

Trautson. Paul Sixt 1618(3) 19(1) ... 3 kr. 4 



319 



320 



Städte 

Augsburg 1532 

Frankfurt 1610 

;- unter Max II o.J 

Burg Friedberg i. d. Wetterau 1574 (.2) 76 Mi 

91(1) 92(2) 93(3) 94(2) ?(9) 
Isny 1508(2) 24 0) 28(1) . . 

Kempten 1530 

Kolmar unter Rudolf II o.J. . 

Konstanz o.J ;» 

Xördlingen MDXX (1) MDXXIII 1 1 i 1533 , 1 i 

Nürnberg 1534 (1) 78(.1 ' 

Straßburg o.J 

Wien o.J 

Wismar 1598 



Seh \v e i z 

Bern o. ] Groschen 

Luzem 1603(1) 06(3) 3 kr. 

Schafthausen o. J 3 kr. 

Zug 1604 1,2) 06 (2 1 3 kr. 



Groschen 


1 


12 kr. 


1 


2 kr. 


2 


2 kr. 


20 


Groschen 


4 


2 kr. 


2 


2 kr. 


5 


Groschen 


7 


Groschen 


3 


Heller 


2 


2 kr. 


5 


Heller 


2 


2 kr. 


1 



1609(1) 17(1) Groschen 2 



Päpste für Bologna. 

Paul III o. J Groschen 

Julius III o.J Groschen 

Paul IV o. J Groschen 

Pius IV o. J . . Groschen 

Nachahmung Groschen 



Polen. Sigismund 1616 
> s 1617 

Unbestimmte 



l-2t 

3 kr. 



Heller 10 



Außerdem besitzt nach Mittheilung des Con- 
servators P. Benedict H.^mmf.rl der Uhrmacher 
Str.assbekger in Zwettl aus demselben Funde fol- 
gende Münzen : 

Kaiser Matthias Halbbatzen 1 

Ungarn. Ludwig 1519 Ducat 1 

Sachsen. Augast Thaler mit HB 1 

Bisth. Passau. Herzog Ernst Groschen 1 

Stadt Nördlingen 1528 " . Groschen 1 

Paul III Groschen 1 

Pius IV Groschen 1 

Die in diesen beiden Verzeichnissen aufgeführ- 
ten Münzen vertheilen sich auf einen Zeitraum 
von mehr als hundert Jahren. Das älteste Stück 
ist ein Brandenburger Groschen von 1509, die 
jüngsten sind vom Jahre 16 19 (Trautson) ; der 
Schatz wurde also zu Beginn des dreißigjährigen 



Krieges geborgen. Die Hauptmasse des Fundes 
bilden Salzburger Heller (über 600 Stück). Die 
Erhaltung der Münzen ist fast durchaus eine mäßig 
gute, nur die Thaler und die Zuger Dicken sind vor- 
züglich erhalten. Bemerkenswert scheint der oben 
erwähnte Heckgroschen, der für die kaiserliche 
Sammlung' erworben wurde (Abb.): S. Petrus apos. 
poii. Utax., bärtiges Bmstbild nach rechts (vom Be- 
schauer aus). Revers: Moiieta iiova argeufe. Jitv., 
Löwe von Bologna nach links. Der Kopf der 




//r/- 



i 

) 



,■*/ : '-' ^• 



Heckgroschen Heinrichs II von Breiderode. 

Vorderseite ist der Pauls III. Die Umschrift zeigt, 
dass wir es mit einer vorzüglich ausgeführten 
Nachahmung zu thun haben. Die Umschrift der 
Rückseite lässt deutschen Ursprung vermuthen; 
der Xame des Münzherrn muss in den Buchstaben 
DIW stecken, die nur mit d(oiiiiiii) /(h) W(iaiieu) 
aufgelöst werden können (vgl. van der Chijs, de 
munten der vormalige graafschappen Holland en 
Zeeland, Taf. 42 n. 25). Der Geusenführer Heinrich II 
von Breiderode, Freiherr von \'ianen (1531 — 1568) 
war durch seine Nachahmungen der verschiedensten 
fremden Münzsorten berüchtigt. 

Rudolf Müxsterberg 



Inhalt 

Spalte 

Sitzungsberichte; Sitzung am 12. September 289 

3. October 297 

Kenner Römische Inschrift aus Laureacum 307 

RiEGi. Römische durchbrochene Bronzebeschläge . .310 
Spätgothische Schnitzarbeiten des Meisters Jacob in 

Kuttenberg 311 

Münsterberg Münzfund in Selbitz 316 



Verantwortliche Redacteure: Prof. "Wilhelm Kübitschek und Prof. Alois Rikgl. — Druck von Rudolf M. Rohrer in Brunn. 
In Commission bei Wilhelm BraumCller, k. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, Wien und Leipzig. 



MITTHEILUNGEN 

j)I':k k. k.ci'Xtkal-commission für Erforschung und Erhaltung 

])1':R KUNST- UNI) niSTORISCHPZN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNd UIRKS PKÄSIDENTEN SEINER EXC. FREIHERRN VON HEEEKRT 

Dkirn«: kolgi; 



IVWD I Nk I I 



NuVEMBER 1902 



Sitzungsberichte 

vom Schriftführer verfasst. 

Sitzungen \'(im 10. October (zwölfte Sitzung 
der I. Sectioii, vierzehnte Sitzung des Plenums, 
neunzehnte Sitzung der 11 Section). 

Anwesende Mitglieder: Deiningf.r, v. Förster (zu- 
gleich Vorsitzender im Plenum und in der 
2. Section), Hermann, Funtz, Much (zugleich 
Vorsitzender in der i. Section), Neumann, 
Neuwirth, Rosnek, Wächtler, v. Zir.MBUscH. — 
Redaction: Riegl. — Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines 

Conservator Fmu. regt an, dass bei der Anlage 
neuer Kataster für die einzelnen Kronländer zu- 
gleich alle erhaltenen kunsthistorischen und vor- 
geschichtlichen Denkmale und insbesondere auch 
die Wallburgen, Stätten versuchter Grabungen, 
Fundstellen, ferner alle Wegkreuze, Marterln und 
Pestdenkmäler, etwa mit beigefügter Bezeichnung 
ihrer Stilrichtung und mit fortlaufender Nummer 
für jeden Bezirk, aufgenommen werden mögen. 
Da eine so weitgefasste Aufgabe nicht durch die 
C. C. und ihre Organe allein gelöst werden kann, 
glaubt sie dermalen von einer endgiltigen Beschluss- 
fassung darüber absehen zu müssen und gedenkt 
den zweifellos reiflicher Erwägung würdigen Ge- 
genstand auf die Tagesordnung des für das nächste 
fahr beabsichtigten Conservatorentages zu setzen. 

[Referent: Much] 

Corre.spondent Vancsa legt seine Broschüre 
„Über topogTaphische Ansichten mit besonderer 
Berücksichtigung Niederösterreichs" vor. 

[Referent: Much] 

Correspondent Möraih legt seine Broschüre 
,. Über das restaurierte Schloss Schwarzenberg- in 



Franken, das Stammhaus der Fürsten Schwarzen- 
berg"' vor. [Referent: Neuwikih] 

Böhmen 

Conservator Pipimch berichtet, dass auf dem 
mit einer St. Johanniskirche und einem kleinen 
Wirtshause gekrönten Aussichtsberge Switschin 
zwei böhmische Touristenvereine je einen Aus- 
sichtsthurm zu errichten beabsichtigen, durch deren 
miteinander concurrierende Anlage die Übersicht 
von oben kaum gewinnen, der Gesammteindruck 
aus der Ferne jedoch entsprechend verlieren dürfte. 
Aus diesen Gründen beschließt die C. C, sich 
gegen die Frrichtung beider Thürme auszusprechen. 

[Referent: Neuwu^tii] 

Conservator SEDL.icEK macht auf den verwahr- 
losten Zustand des Schlosses Strakonitz aufmerk- 
sam und regt dessen Restaurierung durch den 
Eigenthümer, den Maltheserorden, an. Die C. C. 
beschließt, die weiteren Schritte einzuleiten. 

[Referent: NEr\vn<iii] 

Bukowina 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt ordnet die Flüssigmachung der für die Aus- 
grabung und Forschung am Fürstenschlosse in 
Suczawa in Aussicht gestellten Subvention von 
600 K a.n und bewilligt für 1903 zum selben Zwecke 
eine gleich hohe Subvention. [Referent: Neuman'n] 

Dalmatien 

Das Militärcommando in Zara theilt mit, dass 
die Demolierungen an der Umfassungsmauer Ra- 
gusas lediglich im Abtragen des Mauerkörpers 
oberhalb zweier Schartenöffnungen beim Pille- 
thore bestanden halben und aus militärischen 
Rücksichten vorgenommen werden mussten, über- 



323 



324 



dies eine Blendung der bloßgelegten Theile ober- 
halb der Mauerscharten soweit dies thunlich be- 
absichtigt sei. [Referent: Xfa.maxn] 

Galizien 

Um die Erhaltung der zur Demolierung be- 
stimmten früheren Jesuitenkirche in Przemysl, 
die aus der Zeit des werdenden italienischen Ba- 
rockstils stammt und bis auf das Schiffsgewölbe 
einen guten Bauzustand aufweist, beschließt die 
C. C. sich neuerdings zu bemühen , zumal 
auch das Cultusbedürfnis eine Wiederindienst- 
setzung des Gotteshauses erwünscht erscheinen 
lässt. [Referent: Wächtler] 

Correspondent v.Chizzola berichtet, dass anfangs 
September bei fortificatorischen Arbeiten nächst 
Siedliska (g l'in so. von Przemysl) in Erdtumulis 
zwei Skelette, ein Steinhammer, und mehrere Thon- 
gefäße (Freihandgefäße) gefunden wurden. Ein 
Metallgegenstand, angeblich aus Kupfer und ein 
Schmuck wurden von einem Arbeiter entwendet 
und waren nicht wieder erreichbar. 

[Referent: Much] 

Correspondent v. Chizzola berichtet, er habe 
eine CoUection von bei Staresiolo (Bezh. _Ciesza- 
nöw) gefundenen vorgeschichtlichen Steinwerk- 
zeugen erhalten und macht auf die gfroße Anzahl 
von Tumulis in der Gegend von Staresioio, Xowa 
gTobla, Rudawa u. s. w. und in den Waldungen da- 
zwischen aufmerksam, zu deren Durchforschung 
die C. C. eine Subvention von loo Ä" zu bewilligen 
beschließt. [Referent: Mlch] 

Kärnten 

Conservator Lebinger berichtet über die von 
ihm 1897 — 1902 durchgeführte Untersuchung fol- 
gender 19 Archive Kärntens: 

A. Geistliche Archive: i. Das Dominicaner- 
archiv in Friesach ergab 175 Pergamenturkunden 
(31 des XIV., 48 des XV., 54 des XVI. und 42 des 
XVII. Jh.), spärlicheRestederalten Bücherei, endlich 
Verwaltungsacten. Von den Pergamenten wurden 
ausführliche Regesten angefertigt. In einem Gebet- 
buche des XV. Jh. wurden zwölf Copien von Ur- 
kunden vorgefunden, wovon eine aus 1297, die 
anderen aus dem XV. und XVI. Jh. stammen. 
Die Pfarrarchive von 2. Villach und 3. St. Martin 
in Perau sind minderwerthigen Inhalts; jenes von 



Villach enthält einen Theil der während der franzö- 
sischen Verwaltung geführten Civilstands-Register. 

B. Communalarchive. i. Im Decanatsarchive zu- 
Guttaring wurden in einer Truhe 8 aus dem Markt- 
archiv stammende Originalurkunden (6 Perg., 
2 Pap.) vorgefunden, von denen i dem XVI., 4 
dem X^'II. und i dem XVII I. Jh. angehören. 
2. Das Archiv der Bürgergültverwaltung der Stadt 
Friesach enthält außer wenigen Protokollen, Acten 
und Rechnung'en nur zwei Pergamenturkunden 
über Verleihung- und Bestätigung eines Jahrmarktes 
von 1661 und 1708. 3. Das wohlgeordnete Stadt- 
archiv in Friesach weist drei Abtheilungen auf: 

a) Protokolle, Urbare u. ä. in großer Anzahl, man- 
nigfachen Inhalts und theilweise aus früher Zeit. 

b) 51 Urkunden, größtentheils Originale, i Copie 
aus dem XIII., 3 aus dem XIV.. 6 aus dem XV., 
10 aus dem XVI., 13 aus dem XVII. und 18 aus 
dem XVIII. Jh., durchwegs Kauf-, Tausch-, Stift- 
u. ä. Briefe und Bestätigungen v-on Innungsord- 
nungen, c) Acten vom X^T. Jh. bis in die neueste 
Zeit. 4. Das Stadtarchiv von Wolfsberg im Lavant- 
thale, ebenfalls in fünf Abtheilungen wohl geord- 
net, mit zahlreichen Raths- und Gerichts-Proto- 
kollen, die zwar nur bis in den Anfang des XVII. Jh. 
zurückreichen, aber sich mit wenigen Unterbre- 
chungen bis in das vorige Jh. fortsetzen (37 Raths- 
protokolle von 1605 bis 1824, 2^ .Stadtgerichts- 
protokolle von 1601 bis 1823). 

C. Archive der k. k. Bezirksgerichte. Älit der 
Durchforschung derjenigen von Ferlach, Friesach, 
Rosegg, Villach und Klagenfurt erscheint nun die 
Untersuchung sämmtlicher 2 8 Bezirksgerichtsarchive 
Kärntens durch den Berichterstatter abgeschlossen. 
Ihre Bestände reichen meist nicht hinter 1850 
zurück; fast nur die Protokolle der Grundbuchs- 
ämter datieren theilweise aus dem XVII. und 
XVIII. Jh. Zahlreicheres Material findet sich blos 
in Friesach und Villach und ganz besonders im 
Stadt, del. Bezirksgericht in Klagenfurt, wo noch 
beinahe alles von den Herrschaften und Gülten 
seinerzeit übergebene Actenmaterial vorhanden ist. 

D. Archive der k. k. Bezirk.shauptmannschaften, 
und zwar von Villach, -Spital, Hermagor, St. \'eit, 
Wolfsberg, Völkermarkt und Klagenfurt-Umge- 
bung, wobei das Ergebnis sowohl in Bezug auf 
Umfang als Bedeutung und Alter der Acten sehr 
unbedeutend ausgefallen sei. Die C. C. nimmt von 



325 



32Ö 



der Thätigkeit ihres Conservators mit Befriedigung 
1111(1 Interesse Kenntnis und spricht ihm für seine 
Mülu'waltung den Dank aus. [Referent: Rkdlich] 

Krain 

Das k. k. Minist^'rium für Cullus und Unter- 
richt bewilligt dem Baktholomäüs PkCniiv zur För- 
derung seiner Ausgrabungen in Krain für 1902 
eine Subvention von 400 A'. [Referent: Much] 

Conservator Cknologar berichtet über einen 
hölzernen Schild mit dem Wappen des Sigmund 
von Gussich aus dem Jahre 1627 in der Schloss- 
kapelle zu Kroisenbach, und über ein Todten- 
schild eines Sigmund \'on Auersperg ebendaselbst 
der vermuthlich aus der Pfarrkirche St. Ruprecht 
stammt. [Referent : Neumann] 

Küstenland 

Conservator Stefan Petris empfiehlt den im 
Besitze mehrerer Gemeinden Istriens befindlichen 
Archivalien eine größere Aufmerksamkeit als bis- 
her zuzuwenden. Die C. C. beschließt infolgedessen 
die Herstellung von Archivinventaren anzuregen 
und ihre finanzielle Unterstützung unter der Vor- 
aussetzung in Aussicht zu stellen, dass diese 
Archive von geeigneten Persönlichkeiten inven- 
tarisiert und geordnet werden. [Referent: Redlich] 

Die C. C. wird auf den seitens des Pfarramtes 
in Cherso beabsichtigten Verkauf von venetiani- 
schen Spitzen aus dem XVII. Jh. aufmerksam 
gemacht und beschließt sich wegen Verhinderung 
dieses Verkaufes, sowie weg-en Restaurierung eines 
Bildes des hl. Sebastian in der dortigen Kirche 
zu bemühen. [Referent: Neumann] 

Conservator Graf Attems berichtet, dass das 
aufgelassene Munitionsdepot auf dem Schlossberge 
zu Görz weder baugeschichtlichen Wert besitze, 
noch erhaltungswürdige Gegenstände von kunst- 
historischer Bedeutung berge. Dagegen empfiehlt 
er die Restaurierung, beziehungsweise Conservie- 
rung eines Thurmes des Görzer Castells, eines ba- 
rocken Wappens der Familie von Stubenberg in 
einem IMannschaftszimmer des Castells, einer gra- 
vierten Sonnenuhr auf einer Stiegenstufe, und 
zweier in Stein ausgehauener Wappen (darunter 
das alte Wappen der .Stadt Görz) an der Mauer 
rechts und links vom Haupteingange. 

[Referent : Neumann] 



Conservator Maionica berichtet, dass er im 
verflossenen Frühjahre auf der Piazza tlella Corte 
in Grado die Spuren einer großartigen Basilika 
aus altchristlicher Zeit mit Überresten von Mosaik- 
böden eines Baptisteriums und sonstiger Ankigen 
festgestellt habe. Zur Durchführung systematischer 
Ausgrabungen, mit w-elchen er im October be- 
ginnen will, wurde ihm eine Subvention von 1000 A' 
bewilligt. [Referent: Neumann] 

Conservator Maionica berichtet über Probe- 
grabungen in der Lagune von Grado, die ihre 
Gestalt in antiker Zeit ermitteln sollten. Die wich- 
tigsten Überre,ste habe man in der Nähe der 
äußersten Landzunge des Gebietes von Aquileja- 
Dorida-Panigai, dem Flusse Natissa (Natisone) ent- 
lang, gefunden; dort lassen sich von der Casa 
Panigai in der Richtung des sogenannten Canale 
secco bei Tappo delle pietre, wo sich die Fischer- 
hütten der Benvigni, Tarla, To.s.si befinden, bei sehr 
tiefem Wasserstande die Spuren der römischen 
Straße noch sicher constatieren und unmittelbar an 
dieser Straße sehr ergiebige Spuren von Grab- 
monumenten, Aschenurnen etc. nachweisen. 

[Referent : Neumann] 

Conservator Graf Attems berichtet, dass die 
der C. C. zug'ekommene Nachricht, wonach das 
aus venetianischer Zeit herstammende Gerichts- 
gebäude in Grado zur Demolierung bestimmt 
sei, den Thatsachen nicht entspreche, da sich dort 
kein Gerichtsgebäude aus der erwähnten Periode 
befinde, und der zur Abtragung bestimmte Bau, 
aufweichen sich jenes Gerücht vermuthlich bezieht, 
ein kleines Fort ohne kun.stgeschichtlichen Wert sei. 

[Referent: Wächtler] 

Mähren 
Conservator VyvleCka berichtet, dass anlässlich 
des Baues einer Verbindungsstraße von der Reichs- 
straße zum herrschaftlichen Hofe in Alttitschein 
am 24. Juli in der Tiefe von o*6 m ein größeres 
Thongefäß mit 923 kleineren silbernen Münzen, 
Groschen, Kreuzern und einseitigen Hellern ge- 
funden wurden, welche bis in den Beginn des 
XVI. Jh. zurückreichen. Am stärksten vertreten 
seien die Groschen des Königs Sigismund III von 
Polen. Die jüngsten Münzen seien zwei für Steier- 
mark geprägte Groschen von 1639, so dass die 
Vermuthung begründet erscheine, dass der Schatz 



anlässlich der Schwedeneinfalle während des Dreißig- 
jährigen Krieges vergraben wurde. Der Fund, 
welcher einem öffentlichen Museum übergeben 
werden soll, ist wohl nicht von numismatischer, 
doch von verkehrsgeschichtlicher Bedeutung. 

[Referent: Kenner] 

Conservator Sterz berichtet, dass in der Ziegelei 
des Josef Swoboda zu Trebitsch bei Aushebung 
der Thonerde mehrere Wirbelknochen und ein 
Fragment des Unterkiefers eines ungewöhnlich 
großen Mastodons gefunden und dem Museum 
dortselbst übergeben wurden. Die C. C. beschließt, 
hierüber Erhebungen zu pflegen. [Referent: Much] 

Xieder-Österreich 
Correspondent Kramnv berichtet, dass der 
Wirtschaftsbesitzer Sebastian Wendt zu Ameis 
im Frühjahre bei der Bearbeitung seines Wein- 



räumige Locale im Bischofshofe adaptiert. Dort 
sind zunächst die Archive von Gleink und Garsten 
untergebracht worden, und in der Folge sollen die 
Archivalien aus der ganzen Diöcese, soweit sie in 
den einzelnen Pfarrhöfen nicht entsprechend ver- 
wahrt werden können oder gegenstandlos sind, 
Platz finden. Mit der Custodie dieses Archivs wurde 
Correspondent Schiffüann betraut. Die Diöcese 
wurde in dreizehn Archivdistricte getheilt und 
für jeden derselben ein fachkundiger Priester als 
Archivrath bestimmt, welcher den Pfarrern in allen 
einschlägigen Fragen an die Hand gehen und die 
richtige Durchführung der Archivordnung leiten 
soll, für welche vom Correspondenten P. ÄLa.yk 
eine eigene Instruction ausgearbeitet wurde. Die 
C. C. begrüßt diese Anordnung auf das freudigste 
und beschließt, dem Linzer Ordinariate dafür umso- 
mehr den wärmsten Dank auszusprechen, als sie 



gartens ungefähr i m unter der Oberfläche auf ! dadurch einen vorbildlichen Vorgang auch für 



ein Grab mit einem Menschenschädel und anderen, 
vielleicht thierischen Knochen, ferner mit gelblichen 
Thongefäßen gestoßen sei, welch letztere zerschlagen 
wurden. Zu Pfingsten wurde vom Wirtschaftsbesitzer 
Rieder hinter dem Klosterstadel ein Grab, ver- 
muthlich ein Hockergrab, aufgedeckt und sofort 
wieder zugemacht. Da vor Jahren auch im benach- 
barten Weingarten des Bauers Weissman-n eine 
Steinplatte aufgedeckt worden ist, (jetzt wieder 
verschüttet), darf an der Fundstelle ein Gräberfeld 
veimuthet werden. Im Waltersdorfer Walde 
wurde ein vorzüglich erhaltener Bronzekelt gefunden 
und dem Mistelbacher Museum übergeben. 

[Referent: Much] 

Die beiden zu entfernenden Seitenaltäre aus 
der Kirche zu Stift Ardagger sind kunsthistorisch 
nicht besonders hervorragende Objecte des Barock- 
stiles. Die beiden guten Altarbilder (Madonna, 
hl. Josef) sollen bei den neuen Altären wieder 
Verwendung finden. [Referent: Rosner] 

Ober-Österreich 



andere Diöcesen ins Leben gerufen glaubt, der 
überall Nachfolge verdient. [Referent: Redlich] 

Bezirkshauptmann v. Khoss berichtet, dass sich 
im Dorfwirtshause bei der Schmiede zu St. Agatha 
bei Goisern, das früher vermuthlich einem kaiser- 
lichen Pfleger zum Wohnsitz gedient hatte, fol- 
gende der Erhaltung würdige Kunstwerke befinden : 
in einem Zimmer zwei einflügelige Thüren mit zwei 
Intarsia-Füllungen, ein einfacher Wandbrunnen aus 
1623 und ein Wandschrank mit eingelegter Arbeit, 
ein Kasten aus späterer Zeit, gleichfalls mit ein- 
gelegter Arbeit und alten Zinnbeschlägen : in einem 
anderen Gemache zwei Thüren, ein Wandschrank 
und ein marmorner Wandbrunnen aus 1620. Da 
ein zugehöriges Bett mit Intarsia bereits früher 
verkauft w^orden ist, beschließt die C. C, sich zu 
verwenden, dciss das noch Vorhandene durch das 
Linzer Museum erworben werde. 

Referent macht hiebei auf eine in Holz ge- 
schnitzte Gruppe an einem .Seitenaltare der Kirche 
zu St. Agatha aufmerksam, die den Leichnam 
Christi in den Armen eines Jünglings, von vier 



Das Linzer Ordinariat hat unter Betonung Jungfrauen umgeben, zeigt und aus dem Jahre 
des historischen, juridischen und seel sorglichen 1400 stammen soll, ferner auf vier Kirchenbänke 



Wertes der Pfarrarchive dem unterstehenden Clerus 
die sorgsame Aufbewahrung der Archivalien auf- 



mit gothischen Flachschnitzereien. [Ref.: Rosnek] 
Conservator Baron Han-del-Mazetti berichtet. 



getragen. Für die Sicherung besonders wichtiger dass drei Grabsteine aus dem Pflaster der Pfarr- 
kirchlicher Archivalien wurde ein Diöcesanarchiv | kirche in Gallspach gehoben wurden und theils 
in Linz errichtet und zu diesem Zweck zwei ge- I (2) im Innern hinter dem Hochaltare, theils (i) an 



329 



330 



der südlicluMi Au(3enseite der Kirche zur Aufstellunj^- 
gelangten. [Referent: Neumann] 

Die barocke Kanzel in der Pfarrkirche zu 
Hallstatt, die ang-eblich keinen erheblichen kunst- 
historischen Wert besitzt, soll durch eine dem Stile 
des (iotteshauses entsprechendi» i^othische Kanzel 
ersetzt werden. Ihre Skizze soll demnächst vor- 
gelejjt werden. [Referent: Rosnilr] 

Conservator v. Hknak berichtet über das 
bei Wimsbach aufgedeckte Hypocaustum (vgl. 
Sp. iSi)). Die Fundstelle liege o-8 tiu nö. von 
der Bezirksstral3e Lambach - Wimsbach an dem 
gegen das Traun- und Almthal steil abfallenden 
Plateau, auf dessen Rücken sich die wenigen zer- 
streuten Häuser der Ortschaft ßachloh und eine 
nach Nord geneigte Ackerfläche befinden. Das 
Hypocaustum liege mit seinem oberen Estrich nur 
0-40 — 0-45 m unter dem Niveau der Ackerfläche. 
Die Pfeiler seien aus behauenem Konglomerat 
aufgemauert (o-6 in hoch und 0-5 ;;/ ins Geviert im 
Grundrisse). Die (jewölbe darüber bestünden aus 
Schiefer- und Sandsteinplatten. Die Stärke der 
Einwölbung betrage i^cm, die Bogenhöhe 8 a;/. 
Obenaufliege ein Estrich aus grobkörnigem Mörtel 
ohne Beimengung von Ziegelmehl von 1 5 C7» Stärke, 
unten ein solcher von 6 cm. Ein Theil des Bau- 
werkes wurde bei der Abräumungsarbeit abge- 
brochen, ein anderer liege noch unter der Cultur- 
decke. Nebst den früher erwähnten Gegenständen 
seien noch einige Fragmente von Heizziegeln und 
Terra sigillata-.Scherben von dieser Fundstelle in 
das Museum Francisco-Carolinum in Linz gelangt. 
Weitere Nachforschungen sinil in Aussicht ge- 
nommen. [Referent: Kenner] 

Tirol 

Gegen die projectierte Verglasung der Fenster 
in der Gy mnasial-(Frauen-)K ireli e zu I>rixen 
erhebt die C. C. keine Einwendung. Sie empfiehlt, 
Kathedralglas mit etwas breiteren Bordüren als den 
beabsichtigten zu verwenden. [Referent: Heriiaxn] 

Correspondent Postingkr berichtet, dass ein 
Taufbecken aus dem XIV. Jh., welches, aus der 
zerstörten Kirche S. Valerioin Cavalese stammend, 
an einen Antiquar in Meran gelangt, für das zu 
schaffende Localmuseum in Cavalese erworben 
werden soll, welche Bestrebung die C. C. zu unt{!r- 
stützen beschheiit. [Referent: Nkumann] 

Correspondent D annksükrckr berichtet, dass in 



der alten Kirche von Faedo ein Freskogemälde 
der Madonna mit dem Kinde zwischen der hl. Ka- 
tharina und dem hl. vSebastian, mit einer das Jahr 1 533 
nennenden Inschrift aufgedeckt wurde, während 
sich weitere Fresken noch unter der Tünche be- 
fänden, um! beantragt ihre photographische Auf- 
nahme, womit sich die C. C. einverstanden erklärt. 

[Referent: Neuwu^ih] 
Redacteur Ru;gi, theilt mit, dass i. von den 
im Dorf Ladis (Oberinnthal) an einigen Häusern 
erhaltenen Resten figuraler Fagadenmalereien des 
XVI. Jh., namentlich diejenigen am Eckhause 
neben der Gastwirtschaft „zur Rose" infolge Ab- 
fallens des Mörtels allmählich zu Grunde zu gehen 
drohen, weshalb es sich empfiehlt, den Eigenthümer 
des erwähnten Eckhauses dahin zu bestimmen, 
dass er die vom Verputz entblößten Wandpartien 
wieder vermörtle, um weiteres Abbröckeln zu 
verhindern und den die Malereien verdeckenden 
und schädigenden Holzstoß an einer anderen, 
unbemalten Stelle der Außenwände des Hauses 
unterbringe; 2. von dem ehemaligen Schnitzaltar 
in der Kapelle auf dem Kreuzbühel vor dem 
Dorfe Serfaus (Oberinnthal) sich an der ur- 
sprünglichen Stelle noch der Holzaufbau er- 
halten habe, der zwar nur noch die goldgemusterten 
Hintergründe der vorhanden gewesenen Figuren 
und eine Inschrift aufweist, aber durch den Inhalt 
dieser letzteren, die als Meister des Altars den 
auch sonst bekannten Bildschnitzer Jörg Lederer 
aus Kaufbeuren nennt, urkundlichen Wert gewinnt, 
weshalb es sich empfehle den Pfarrer von Serfaus 
zur Ausführung seines Vorhabens, den genannten 
Rest in einem abgeschlossenen Raum in oder bei 
der Pfarrkirche sicher zu verwahren, auch von 
Seite der C.C. zu ermuntern. 3.Dass das.St. George n- 
kirchlein beiSerfaus(Mittheilungen igoi S.33ff.), 
das nebst zahlreichen anderen Kunstwerken älterer 
Perioden insbesondere ein kostbares Reliquiar des 
XIV. Jh. beherberg-t, keinen Schutz gegen Ein- 
bruch gewähre, weshalb es sich empfehle, bessere 
Vorkehrungen zur Sicherung zu treffen, und die 
Erwerbung des erwähnten Reliquiars durch das 
Museum Ferdinandeum in Innsbruck zu befür- 
worten, wodurch es zugleich dem Studium und 
der wissenschaftlichen Forschung zugänglicher 
gemacht würde. Die Anträge des Berichterstatters 
werden zum Beschlüsse erhoben. 



331 



i52 



Sitzung vom 24. October 1902 (20. Sitzung der | 
II. Section). 1 

Anwesend: Der Präside>vt (zugleich Vorsitzender)- 
Mitglieder: Deinixger, v. Förster, Hermann' 
LuNTZ, Neumanx, Xeitwtrth, Rosner, Wächtler, 
V. ZiMBUscH. — Redaction: Riegl. — 
Schriftführer: BAtTiR. 

Allgemeines 
Correspondent Ankkrt legt seine Abhandlung 
-Baumeister Balli" (aus den _Mitth. d. V. f. Ge- 
schichte der Deutschen in Böhmen-) mit Quellen- 
belegen für die Leitmeritzer Stadt- und Künst- 
lergeschichte vor. [Referent: XELwntTH] 

Böhmen 

Der Club _Za starou Prahu" macht darauf 
aufmerksam, dass die im ganzen wohlerhaltene 
barocke St. Peters- und Paulskirche am Zderaz 
in Prag durch den Bau der böhmischen Technik 
in ihrem Bestände bedroht sei, während sie als 
Gamisonskirche erhalten zu bleiben verdiene. Die 
C. C, die sich bereits um die Erhaltung der Kirche 
bemüht hat, beschließt in dieser Richtung neuer- 
liche Schritte einzuleiten. [Referent: Xelwirth] 

Conservator Skorpil berichtet über die geplante 
Restaurierung der 1744 bis 1747 durch den Bau- 
meister Johann Mourek ausgeführten Marien- 
kapelle zu Xa Vrsicku (Am Bergl). Hauptsäch- 
lich müsse die Eindeckung der den ganzen Bau 
beherrschenden Kuppelwölbung erneuert werden; 
dem Projecte des Conservators, das die bei weitem 
besser erhaltenen Eindeckungen der risalitartigen 
Ausläufer in die neue Bedachung einbezogen zeigt, 
stimmt die C. C. zu und billigt auch die Einfüh- 
rung einer freien Luftschichte zwischen Dach und 
Kuppelmauerwerk und die Anbringung von Ventil- 
öffnungen im Dache als Schutzmaßregeln gegen 
die Feuchtigkeit, ferner die Verwendung von Blech 
zur Eindeckung. Eine Änderung der vier ausge- 
mauerten dacherkerartigen Laternenfenster lehnt 
sie dagegen ab. Für die angeregte Ausmalung der 
Kapelle und Änderungen der Inneneinrichtung 
wird detaillierten Vorschlägen entgegengesehen. 
Dem Conservator wird für seinen sorgfältigen und 
gründlichen Bericht der Dank und die Anerken- 
nung ausgesprochen. [Referent: Xelwirth] 

Conservator Pippich berichtet über die der C. C. 
auch von anderer Seite gemeldete unbefugte Be- 



seitigung alter Grabdenkmale von den Außenwän- 
den der Kirche in Sveti und deren Benützung 
zu Pflastersteinen; er habe hiegegen die Interven- 
tion der politischen Behörde angerufen und verlangt, 
dass die Steine an ihre ursprüngliche Stelle zurück- 
gebracht und so fest verankert werden, dass eine 
weitere Wegnahme unmöglich sei. 

Die k. k. Bezirkshauptmannschaft Tepl theilt 
mit, dass zur Aufführung eines Strebepfeilers bei 
der dortigen .Stiftskirche die baubehördliche Ge- 
nehmigung ertheilt wurde. 

Bukowina 
.\n der .St. Georgskirche in Suczawa ist 
die Herstellung eines Sängerchores und eines 
Grabbaldachins in Aussicht genommen. Dem Gut- 
achten desHochbaudeparteraents imk:.k. Ministerium 
des Innern, das die vorgelegten Pläne in stilistischer 
und technischer Beziehung entsprechend findet, 
und blos die Verwendung von rotem Marmor mit 
Rücksicht auf die Kosten und auf die vorhan- 
denen alten nicht aus Marmor hergestellten Säulen 
widerräth, schließt sich die C. C. an; sie beantragt 
einige Änderungen an den Bogenformen und 
Gesimsprofilen. [Referent: Ll-ntz] 

Dalmatien 
Correspondent JeliC berichtet über die mit 
Unterstützung der Gemeinde und der Gesellschaften 
Bihac und Knin durchgeführten Ausgrabungen auf 
der Glavica in Biograd (vgl. Sp. 85), die jetzt 
hauptsächlich bis zur vollständigen Freilegnng 
des Hauptgebäudes gediehen sind. Es ist dies eine 
dreischiffige Basilika mit drei Absiden und Vor- 
halle, ungefähr 30X19»', während das Langhaus 
20Xi3'io in misst. Die Perimetralmauer sei i w 
dick, außen durch Strebepfeiler von i m Ausladung, 
innen durch viereckige Pilaster von 0'50 in wider- 
lagert. Die Seitenschiffe seien durch gemauerte 
Säulen von r30 tn Durchm. und durch viereckige 
Pfeiler von 080 in Durchm. getrennt; die aus- 
nehmend gewaltigen Dimensionen des zweiten 
Pfeilers (vom Eingange) der Südreihe (i-92X i'28 in) 
seien vermuthlich durch eine Combination mit einem 
Seitenaltar zu erklären. Die Gesammtform der 
Basilika verrathe eine Mischung zwischen römischer 
und byzantinischer Anlage. Die technische Aus- 
führung lasse viel zu wünschen übrig. Der Grund- 



333 



334 



riss sei infolj^e der Anpassunj^' an benachbarte Ge- 
bäude unregehnä(3iß-jj-eratluMi, das Mauerwerk ausroh 
bearbeiteten und un^lciclien Steinen j^ebildct, wäh- 
rend einzehie regelmäßigere Stücke darunter offen- 
bar älteren römischen (rebäuden entstammen. Die 
Massivität des Mauerwerkes erkläre sich aus dem 
Tonnengewölbe von 0-5 ;;/ Dicke, womit das Dang- 
haus nach erhaltenen Sjjuren bedeckt gewesen sein 
müsse. Im Innern fanden sich ferner Reste vom 
Hauptaltar in der Hauptabside, der Fuß der Pro- 
thesis in der südlichen Abside und Überreste 
des Baptisteriums im südlichen .Schiffe. Die 
decorativen Theile scheinen überwiegend von einer 
älteren Kirche gewonnen worden zu sein, die nach 
dem Charakter der Inschrift auf einem Bruch- 
stücke vom Tympanon des Ciboriums im IX. Jh. 
erbaut worden sein mag. Rings um die Basilika 
insbesondere im NO. befinden sich zahlreiche bis- 
her noch nicht untersuchte Mauerreste, von deren 
Bloßlegung ebenfalls wertvolle Ergebnisse zu ge- 
wärtigen stünden. Die hiefür in Antrag gebrachte 
Staatssubvention von 1000 K, beschließt die C. C. 
zu befürworten. [Referent: Neumaxn] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt für die Restaurierung der Loggia 
in Lesina (vgl. Sp. 168) eine Subvention von 
25.000 A', die erste Rate ist mit 5000 K im Staats- 
voranschlage für 1903 präliminiert. 

Galizien 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt genehmigt die Durchführung der beantragten 
Arbeiten an der St. Nikolauskirche in Lem- 
berg (vgl. Sp. 292) mit Ausnahme der neuen Org^el, 
deren Project einer neuerlichen Überprüfung zu 
unterziehen ist. 

Kärnten 

Die k. k. Landesregierung in Kärnten theilt 
mit, dass gemäß dem Wunsche der C. C. die Maria 
Krönungsgruppe vom Hochaltare der Pfarrkirche 
zu Maria Gail auf ihren früheren Standort im 
Schreine des zu restaurierenden Flügelaltares ver- 
setzt werden wird. 

Krain 

Mit dem vom Conservator Franke erstatteten 
Gutachten über die Restaurierung von vier Altären 
und der Kanzel in der Pfarrkirche zu Drazgose 
erklärt sich die C. C. einverstanden u' d beantragt 



die Hälfte der Kosten von 6810 AT als Staatssub- 
vention zu bewilligen. [Referent: Luntz] 

Maler Stern^.n berichtet 1 . über Inhalt und Zu- 
stand der Malereien in der Filialkirche zu .Sche- 
raunitz aus dem XVI. Jh., die zwar im Laufe der 
Zeit vielfach A'eränderungen erfahren haben, aber 
mit Ausnahme der Deckengemälde gut erhalten 
seien, was die C. C. veranlasst, wegen einer Restau- 
rierung weitere Erhebungen zu pflegen; 2. über 
die Deckengemälde in der Pfarrkirche zu St. Peter 
in Laibach, die bei einer Restaurierung zum Theile 
gänzlich übermalt wurden, welches Schicksal nun 
auch den noch unberührten Fresken im Presbyte- 
rium drohe; 3. über eine beabsichtigte Restaurie- 
rung der Domkirche in Laibach. Hinsichtlich 
der beiden letzten Punkte beschließt die C. C. den 
berufenen Conservator einzuvernehmen. 

[Referent: Neuwirth] 

Küstenland 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt gestattet, dass die auf igoo A' veranschlagten 
Kosten der auf rein technische Details beschränkten 
Restaurierung der Basilika und des Battistero dei 
pagani in Aquileja auf den Religionsfond über- 
nommen werden. 

Mähren 

Conservator Sterz berichtet über die Legen- 
den der drei aus dem XVI. Jh. stammenden Glocken 
der Pfarrkirche zu Kralitz. [Ref.: Neumaxn] 

Nieder-Österreich 
Mit der Skizze für die Innenausmalung der 
Pfarrkirche in Baumgarten (Wien XIII) erklärt 
sich die C. C. vorbehaltlich einiger Vereinfachungen 
einverstanden. [Referent: Rosner] 

Pfarramt Stift Ardagger theilt mit, dass für 
die neuen Seitenaltäre Statuen zur Verwendung 
gelangen sollen, während die vorhandenen Bilder 
(vgl. Sp. 32?) auf je einer Säule in der Nähe der 
beiden Altäre aufgehängt werden sollen. 

[Referent: Rosner] 

Gegen die zur Instandhaltung der Pfarrkirche 
zu Christofen in Aussicht genommenen Arbeiten 
beschließt die C. C. eine Einwendung nicht zu 
erheben. [Referent: Rosner] 

Conservator Endi. legt seine Schrift „Die Stadt 
Hörn um das Jahr löoo" vor. [Ref.: Neimaxn] 



335 



336 



Correspondent Ritschi, berichtet über die Re- 
sultate seiner Untersuchung der fünf ihm zur 
Restaurierung^ überg^ebenen Altarbilder (hl. Xiko- 
laus, Verkündigung- Mariens, Geburt Christi, Christus 
im Tempel und Maria Himmelfahrt) des Kremser 
Schmidt in der bischöflichen Hauskapelle zu 
Oxenburg. 

Gegen die Ausführung einiger Zubauten neben 
der Sakristei der Pfarrkirche in Tautendorf 
erhebt die C. C. keine Einwendung. 

[Referent: Rosnek] 

Conservator Staub macht auf die Schäden an 
der in Sandstein gehauenen Wappentafel oberhalb 
des Hauptportals der k. u. k. Theresianischen Militär- 
Akademie zu Wiener-Xeustadt aufmerksam, deren 
Ausbesserung in Aussicht genommen sei. j 

[Referent: Zumbusch] | 

Ober-Österreich 

Die vorgelegte Skizze für die neue Kanzel in 
derPfarrkirchezuHallstatt (vgl. Sp. 329) erklärt 
die C. C. für nicht entsprechend und räth die be- 
stehende Kanzel zu belassen, da deren Entfernung 
durch keinen zwingenden Umstand gefordert wird. 

[Referent: Rosxer] 

Conservator v. Benak berichtet, dass das Stein- 
relief-Wappen an der Außenseite des nördlichen 
Stadtthurmes von Vöcklabruck (vgl. Sp. 300) 
zwischen Thoröffnung und Reichsadler angebracht , 
wurde. Eine Restaurierung der Thürme sei für das : 
nächste Jahr in Aussicht genommen. ■ 

[Referent: Rosxer] 

Älit der beabsichtigten Ausmalung des Pres- 
byteriums in der Pfarrkirche zu St. Wolfgang | 
erklärt sich die C. C. nicht einverstanden; sie 
empfiehlt die bloße Reinigung der bestehenden 
Malerei. [Referent: Rosner] 

Salzburg 
Consen'ator Bf.rger berichtet i. über die 
Erneuerung des durch die Witterung zerstörten 
Verputzes am Thurm und den drei stadtseitigen 
Facaden desRathhauses in Salzburg, wobei auch 
die Barock-Umrahmungen der Fenster zum Theile 
ergänzt werden müssen; 2. über die Freilegung 
der Befestigungsmauer auf dem Kapuzinerberge 
durch Ausholzung des sie überwuchernden Baum- 
und Buschwerkes; 3. über die durch Verkehrsrück- 
sichten zwingend geforderte Erweiterung des soge- 



nannten Obpacher (Thor-)Bogens an der .Staats- 
brücke über die Salzach, dem ein Theil der Bürger- 
schaft bei dieser Gelegenheit durch Überhöhung ein 
besseres \"erhältnis zur Breite zu geben wünscht, 
wogegen der Conservator empfiehlt, sich auf die Er- 
weiterung des gegen die Brücke gerichteten Thor- 
bogens bis zur Größe und Form der gewölbten Durch- 
fahrt und auf die Ausstattung der jetzt ziemlich 
kahlen brückenseitigen Fafade in den Formen der 
stadtseitigen Facade zu beschränken, da hiebei der 
alte Bestand besser gewahrt, die hübsche stadt- 
seitige Facade nicht in Mitleidenschaft gezogen 
und namentlich die so charakteristische Geschlossen- 
heit der ganzen Stadtfront gegen Fluß und Brücke 
möglichst aufrecht erhalten bleiben würde. Die 
C. C. erklärt sich mit diesem Gutachten einver- 
standen. [Referent: Rosner] 

Tirol 

Conservator Dedonger berichtet, dass anlässlich 
der in jüngster Zeit unter seiner Überwachung 
durchgeführten Restaurierung des T^ Landtags- 
Sitzungssaales und der sämmtlichen Facaden des 
Tiroler Landhauses in Innsbruck insbesondere 
die Fresken am Plafond und an einzelnen Wand- 
feldern auf trockenem Wege von Staub und Ruß 
gereinigt, ferner am Äußern die morsch gewordenen 
Gesimsstützen erneuert und an den nicht mit 
Xagelfluhe verkleideten Partien der Facaden nach 
Entfernung des gleichmäßig grauen Olfarben- 
anstrichs die architektonischen Gliederungen licht- 
grau, die vertieften Füllungen zwischen den 
Fensterumrahmungen sowie die Gründe der plastisch 
ornamentierten Friese lichtroth und die Stuck- 
ornamente weiß gefärbelt wurden, wie dies nach 
dem Ergebnisse seine Untersuchung an dem um 
1728 entstandenen Gebäude ursprünglich der 
Fall gewesen war. 

[Referent: Rosxer] 

Eine mit der Untersuchung des Thurmes der 
Pfarrkirche in Bozen betraute Commission 
hat nach Feststellung beträchtlicher Gebrechen, 
insbesondere an den Strebebögen der Laterne, 
unter anderem den Aufbau des zweiten, derzeit 
nur bis zur Höhe des Kirchendaches reichen- 
den Thurmes, die theilweise Reconstruction 
des alten Thurmes und die Tieferlegung des 
Glockenstuhles beantragt. Die k. k. tirolische 
.Statthalterei hat sich hierauf zwar wiiler den 



337 



338 



Ausbau (ics zweiten Tluirmes ausgesprochen, zu- 
gleich aber die Restaurierungen am bestehenden 
I'.auwerke als dringend anerkannt und die Ver- 
fassung eines entsprech(;nd(Mi Projectes beantragt. 
Die C. C. beschließt, die Schritte der Statthalterei 
auf das nachdrücklichste zu unterstützen. 

[Referent: Rosner] 

Referent Nkuwirth berichtet, daß die von 
anderer vSeite gemeldete Verwitterung der beiden 
BaWachinlöwen am Portale der Pfarrkirche in 
Bozen keineswegs so weit gediehen sei, dass 
diesen Sculpturwerken in absehbarer Zeit daraus 
eine Gefahr erwachsen könnte; namentlich seien 
Abbröckelungen oder Sprünge nirgends zu beob- 
achten. Es fehle daher jede Veranlassung, mit 
bessernder Hand einzugreifen; höchstens wäre an- 
zuregen, dass die Ansammlungen von Moos in 
den Vertiefungen vorsichtig entfernt und ihre 
Neubildung- künftig hintangehalten werde. Die 
C. C. beschließt, in diesem Sinne einzuwirken. 

Referent Neuwirth berichtet auf Grund seiner 
Wahrnehmungen an der Kirche St. Martin in 
Campill bei Bozen über die Nothwendigkeit einer 
baldigen Untersuchung ihres Bauzustandes. Die 
Gemälde an den Fenstervvänden im Presbyterium 
wären vor jeder entstellenden Berührung zu be- 
wahren und höchstens mit ganz unbedenklichen 
Mitteln zu reinigen, die vermuthlich unter der 
Tünche vorhandenen Reste von Malereien an den 
Langhauswänden und im Presbyterium bloßzulegen, 
die wahrscheinlich im XIX. Jh. übermalten Decken- 
gemälde im Schiff daraufhin zu untersuchen, 
ob nicht darunter die mittelalterlichen Original- 
malereien vorhanden seien, endlich dem Herab- 
fallen losgelöster Malereitheile am Triumphbogen 
vorzubeugen. Die C. C. beschließt, im Sinne dieser 
Anträge das Weitere zu veranlassen. 

Die von der tirolischen Statthalterei wegen 
Restaurierung der kunsthistorisch interessanten 
St. Leonhardskirche bei Kundl eingeleiteten 
Schritte beschließt die C. C. neuerdings zu unter- 
stützen und zu befürworten, dass der von den 
localen Factoren nicht aufzubringende Teil der 
Kosten vom Religionsfonde getragen werde, dem 
im Jahre 1786 bei Sperrung- der Kirche das 
Kirchenvermögen einverleibt wurde. 

[Referent : Rosxer] 



Sitzungen vom 31. October (dreizehnte .Sitzung 
der I. .Section, fünfzehnte Sitzung des Plenum.s, 
einuiulzwanzigste Sitzung der II. Section). 

Anwesend: der PR.isiDKNT (als Vorsitzender). 

— Mitglieder: Deininger, Förster, Hersfann, 
Karger, Kenner, Luntz, Much, Neumann, Neu- 
wirth, Redlich, Rosner, W-ächtler, Zumbusch. 

— Redaction: RuiOL. — Schriftführer: 
Bauer. 

Allgemeines 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt erklärt, bei aller Anerkennung der Zweck- 
mäßigkeit von Conservatorentagen aus .staatsfinan- 
ziellen Rücksichten nicht in der Lage zu sein, für 
den geplanten Conservatorentag in Graz pro 1903 
eine Subvention zu bewilligen. 

Böhmen 

Conservator Hicjnic berichtet über die von 
ihm durchgeführte Ordnung des Kuttenberger 
Archivs, das aus dem Stadtarchive und dem 
bereits durch P. M. Veselsky bearbeiteten ehe- 
maligen Münzamtsarchive bestehe. Für das Stadt- 
archiv hatten S. Breuer und Conservator Cela- 
KovsK\' zum Theil Register angelegt, welche vom 
Berichterstatter für seine weiteren Arbeiten benützt 
w^urden. Das Urkundenmaterial von 1709 ange- 
fangen bleibe noch zu verarbeiten. Die C. C. spricht 
dem Conservator Anerkennung und Dank aus. 

[Referent: Winter] 

Exe. Graf Clam Gai.las theilt mit, dass er die 
Hauptmannskapelle in Lämberg (v'gl. Sp. 2go) zu 
restaurieren gedenke. 

In der Wallfahrtskirche zu Haindorf wurden 
die neuen eisernen Fenster und das Gitter der 
Gruftkapelle angebracht. 

Conservator R. von Weinzierl berichtet: 

I. Dass die in Karlsbad versammelten Natur- 
forscher und Ärzte das Grabfeld von Langugest 
besichtigten. In ihrer Gegenw^art wurden zwei Gräber 
durchforscht; in dem einen (108) war ein alter Mann 
bestattet, bei ihm lagen zwei kräftige eiserne Früh- 
La Tene-Fibeln; das andere (109) barg die Leiche 
eines Kindes im ersten Zahnwechsel; an seinem 
rechten Oberarm fand sich ein Lignitring, an den 
Füßen je ein schwacher Bronzereifen. Außerdem 
wurden noch auf dem vorbereiteten Complex die 

23 



339 



340 



Gräber io6, 107 und iio untersucht; 106 lieferte 
ein typisches Früh-La Tene-Schwert mit schönem 
Ortbande; das vordere Scheideblatt mit einer typi- 
schen, aufgeschmiedeten Kreispunktverzierungunter 
dem Mundloche. Xebstdem wurden Reste von der 
Schildeinfassungf (Eisen) und verschiedene g-e- 
schmiedete, breitköpfige Nägel und sonstige Schild- 
beschläge gefunden ; am linken Unterarme ein 
Bronzering. Im Grabe iio lag ein breites Eisen- 
schwert schräg über der Brust, daneben eine lange, 
schmale Speerklinge und ein klobiger Schaftschuh. 
In der Halsgegend lag eine Art Kleiderschließe aus 
Bronze (Blechröhre mit durchgezogenen Kettchen). 
AUe Gräber waren nach Norden gerichtet, nur 
106 nach Osten. 

Auf dieser Parcelle (650) soll im nächsten Jahre 
gegen Süden zu, wo noch eine größere Anzahl von 
Gräbern zu erwarten sei, geforscht werden. Auch 
die Durchforschung der Nachbarparcellen wurde 
für das urgeschichtliche Centralmuseum für Nord- 
böhmen in Teplitz gesichert. 

2. Im benachbarten Liquitz wurden mehrere 
La Tene-Gräber untersucht, deren Inventare jenen 
von LangTigest gleich seien. In einer La Tene- 
Culturgrube wurde nebst typischen .Scherben die 
Schaufel eines Elchs gefunden, deren Stange und 
Sprossen sämmtlich abgesägt sind. 

3. In Twerschitz an der Eger wurden Spät- 
La Tene- Brandgräber mit reichen Beigaben aus 
Eisen und Bronze (auch Bronzegefaßen) constatiert, 
die römisch - provinziale Typen aufweisen. Die 
Urnen (zwei Gräber wurden ausgehoben) seien auf 
der Drehscheibe erzeugt, zeigten bei schön ge- 
schwungenem Profil eine starke Erweiterung nach 
oben und seien mit zweifachem und dreifachem 
Mäander und anderen linearen Motiven verziert. 

4. Auch wurde im verflossenen Sommer die 
Forschung in Libochowan (Umenfriedhof), 
Prosmik, Lobositz und Groß-Czernosek syste- 
matisch fortgesetzt, ^'on Libochowan besitze dcis 
Centralmuseum 48 Urnengräber mit nahezu 200 
Urnen. Die Gräber gehören dem Lausitzer Cultur- 
kreis, dem Übergang zur Hallstattperiode und dieser 
selbst an. 

5. Prosmik lieferte ein fränkisches Männer- 
grab mit Eisenmesser und Feuerzeug. Der Schädel 
konnte vollkommen gehoben werden. Bei dem auf 
dem Fundgebiet geplanten Baue einer chemischen 



Fabrik wurde die Überwachung der Erdarbeiten 
und die Abgabe der vorkommenden Funde an das 
Teplitzer Museum zugesichert. 

6. In Lobositz wurden auf der südöstlichen 
Lösskuppe mehrere Gräber liegender Hocker mit 
Schnurkeramik untersucht und gehoben. 

7. Groß-Czernosek lieferte außer reichen 
Culturgräberfunden wiederum ein Grab eines 
liegenden Hockers mit einer großen Amphora und 
einem gehenkelten Krügelchen der Steinzeitschichte. 

8. In Hostomitz wurde ein neolithisches Skelet- 
grab (liegender Hocker) mit echter Schnurkeramik 
aufgedeckt. 

9. In einem hart am Bache abgeteuften kleinen 
Tagbaue zu Schön fei d bei Türmitz fand man 5 in 
unter dem blauen Letten, unmittelbar über der 
Kohle, das alte Rinnsal des Baches, eine Sand- 
-schichte, die verschiedene Früchte (Haselnüsse, Buch- 
eckern, Kirschkerne etc.), bronzezeitige Scherben, 
Knochen u. a. tührte. Die Scherben deuten durch 
ihre abgestumpften Ränder auf eine lange Wan- 
derung hin. Wie das zutage geforderte Holzwerk 
lehrte, handelt es sich an der Fundstelle um eine vor- 
geschichtliche Bachsicherung, die der Beifunde wegen 
der frühen Markomannenzeit (typischeScherbe) zuge- 
schrieben werden muss. 

Eichenpfosten mit viereckig ausgestemmten 
Befestigungslöchern waren gegen den überwälzen- 
den blauen Letten durch Pfähle, die in die Kohle 
eingerammt waren, gehalten. Das Holzwerk, darunter 
viele kleinere Keile und Riegel, sei geborgen und 
werde im Museum aufbewahrt werden. Zwischen 
dem Holzwerk und in seiner unmittelbaren Um- 
gebung wurden viele typische .Scherben (mit schar- 
fen Rändern), Thierknochen u. a. gefunden. Ge- 
naue Aufnahmen wurden gemacht und gegen Ver- 
.schleppungen Vorkehrungen getroffen. 

[Referent: Much] 

Conservator Richlij' berichtet, dass in Mark- 
varec (südlich von Kamenitz) bei der Scheune 
des Hauses Nr. 8 am 8. November 1901 beim Aus- 
heben eines Grabens ein Topf (etwa 8 cm hoch, 
am Boden =,••, cm Durchmesser) mit 250 ziemlich 
gut erhaltenen böhmischen Groschen gefunden 
wurde, 226 von Kaiser Karl IV und 24 von König 
Wenzel IV. Der Fund gelangte durch den fürstlich 
PAAR'.schen Hofmeister- Franz Pichk.\ geschenk- 



341 



342 



weise in verschiedene Hänile, das Gefäß nebst 
einig'en typischen Münzen in das iMuseum der 
Stadt Neuhaus. [Referent: Ivknnkr] 

Conservator v. Divis berichtet, dass sich der 
Musealverein in Pardubitz darum bewirbt, dass 
ihm die für den Amtsgebrauch nicht mehr benö- 
tliiq-ten Acten der älteren Registratur der dortigen 
k. k. liezirkshauptmannschaft zur Verwahrung in 
den viillkommen trockenen, gewölbten und feuer- 
siclu'nMi Localen des Museums überlassen werden, 
welches Ansuchen die C. C. mit der Einschränkung 
zu befürworten beschließt, dass die beanspruchten 
Archivalien dem Museumsvereine nur insolange 
überlassen bleiben, als das Prager Statthalterei- 
archiv nicht selbst in der Lage ist, sie entsprechend 
zu verwahren. [Referent: Winter] 

Conservator SkolAcek berichtet, dass das reich- 
haltige, bis in den Anfang des XV. Jh. zurück- 
reichende Archiv der Stadt Pisek in einem ent- 
sprechenden Locale der aufgelassenen Kaserne 
untergebracht wurde und von ihm geordnet wird. 

[Referent: Wintrr] 

Conservator Pippkh berichtet über die in be- 
friedigender Weise durch den Maler Matou.'5 
durchgeführte Restaurierung des Freskog^emäldes 
(Paulus bei den Ephesern) in der Filialkirche zu 
Pouchow. [Referent: Schaeffer] 

Da das Pfarramt .Schlag gen wa Id auf die 
Abgabe der in seinem Besitze befindlichen acht 
Brandl'schen Bilder gegen Bewilligung einer Staats- 
subvention für die Restaurierung der Kirche nicht 
eingehen w-ill (vgl. Sp. 290), beschließt die C. C, 
eine Subvention von 2000 K ohne die erwähnte 
Bedingung zu befürworten und gegen den Verkauf 
der genannten Bilder keine Einwendungen zu er- 
heben, wenn die Person des Käufers die gesicherte 
Aufbewahrung der Bilder im Inlande gewährleistet. 

[Referent: Deiningek] 

Bukowina 

Correspondent Kaindl berichtet über Funde 
im Gräberfelde von Unterhorodnik-Prädit und 
in der vorgeschichtlichen Ansiedlung von Szipe- 
nitz, die neue Belege für die neolithische 
Gefaßmalerei in Ostgalizien uiul der Bukowina 
bieten. [Referent: Mulh] 



Dalmatien 

ConstTvator .Sihrich berichtet, dass Doxat 
Fir.ii'pi einen l'.etrag von 17.000 K für die Restau- 
rierung der Anastasiakapelle bei der Domkirche 
in Zara gewidmet habe; die C C. empfiehlt, den 
Correspondenten IvkkoviC mit der Ausarbeitung 
eines Restaurierung.sprojectes zu betrauen. 

[Referent: \. ]'"()KsrEK] 

Galizien 

Correspondent v. Chizzola legt einen Bericht 
über die im .September 1. J. bei .Siedliska (10 km 
so. von Przemysl) gemachten vorgeschichtlichen 
Funde vor. [Referent: Much] 

Kärnten 

Conservator Gkuerer berichtet, dass das Wand- 
gemälde der Pietä im Innern der Filialkirche zu 
Eiersdorf durch den Maler Viertelherfer restau- 
riert wurde, und bei diesem Anlasse hinter dem 
Seitenaltare links ein nicht übertünchtes Bild der 
St. Anna halbdritt entdeckt wurde, dessen Restau- 
rierung beantragt wird. Das Christophorusgemälde 
an derselben Kirche erscheint bis auf den unteren 
Abschluss restauriert. [Referent: Schaeffer] 

Correspondent Veiter berichtet über die Schä- 
den des Gemäldes über dem Friedhofsthore zu 
Kirchbach im Gailthale, welche vor allem die 
Herstellung eines .Schutzdaches und sodann die 
Sicherung des Gemäldes selbst erfordern. Die C. C. 
beschließt die weiteren .Schritte einzuleiten. 

[Referent: .Schaeffer] 

Conservator Franke berichtet, dass ein im XO. 
von Wolfsberg gelegenes, seit den Vierziger- 
jahren des vorigen Jahrhunderts aufgelassenes 
Straßenstück, dessen Zug u. a. durch mehrere 
Bildstöckel gekennzeichnet sei, im Volksmunde die 
Bezeichnung Römerstraße führe; da in der Ver- 
längerung dieses Straßen zuges der Wolfsberger 
Vorort Gries liegt, von wo eine allgemein aner- 
kannte Römerstraße nach St. Johann führt, müsse 
in der That mit der Möglichkeit gerechnet werden, 
dass hiemit eine weitere Theilstrecke der einstmals 
am Fuße der Choralpe durch das Lavanttlial an- 
gelegten Römerstraße gefunden .sei. 

[Referent: Kenner] 
Krain 

Conservator Pist hi überreicht eine von ilim 
und A. Müi.i.ni:r verfas.ste Abhandlung ..11 l.imes 

23' 



343 



344 



Romano delle Alpi Giulie'' (S.-A. aus dem „Archeo- 
grafo Triestino"). [Referent: Kenner] 

Conservator Szombathy berichtet, dass er die 
Durchforschung- des Flachgräberfeldes bei Javor 
(Gemeinde D o b r u n j e, Gerichtsbezirk Laibach) 
durch PeCnik in Aussicht genommen habe. Eine 
Versuchsgrabung ergab 15 Brandgräber; ii ge- 
hören der jüngeren Hallstattperiode an, 4 der 
römischen Kaiserzeit. Im ganzen seien ungefähr 
100 Gräber zu erwarten. [Referent: Mlch] 

Küstenland 

Conservator Gnirs legt seine Abhandlung 
,Das Gebiet der Halbinsel Istrien in der antiken 
Überlieferung- vor. [Referent: Kenner] 

Conservator St. Petris berichtet, dass die Archi- 
valien der Gemeinde Grisignana im Gemeinde- 
hause und im Pfarramte entsprechend aufbewahrt 
werden. Dagegen bedürfe das reichhaltige und 
wichtige Archiv der Gemeinde Piemonte einer 
besseren Ordnung und Verwahrung. 

[Referent: Winter] 

Die C. C. beschließt eine Untersuchung der 
re.staurierungsbedürftigen Fresken (XV. Jh.) in der 
Kirche St. Fiore zu Pomer. [Ref : Xeumann] 

Conservator Gnirs berichtet, dass weitere Nach- 
forschungen über die vorrömische Nekropole Polas 
(Sp. 36) eine von der Porta Ercole bis in die Nähe 
des Clivo St. Stefano und in nw. Richtung bis 
gegen den Strand des Hafens reichende Aus- 
dehnung ergeben hätten; die in letzterer Richtung 
gemachten Funde zeigen dieselbe Grabeinrichtung 
wie die von Porta Ercole; nur vermisse man die 
mächtigen Steinplatten, die das Umengrab über- 
decken. [Referent: Müch] 

Der k. und k. Geniehauptmann H. Schwalb 
überreicht ein Exemplar seines Buches „Römische 
Villa bei Pola". [Referent Kenner] 

Die archäologisch-istrianische Gesellschaft in 
Parenzo übermittelt den von Conservator Sticotti 
verfassten Bericht über die von ihr 1900 und 
1901 in Nesactium (Visazze) veranstalteten Aus- 
grabungen. Die wichtigsten Funde seien: eine römi- 
sche Inschrift, welche die Identität von Visazze 
und Nesactium außer Zweifel stellt (vom Corre- 
spondenten A.moroso .Sp. 61 ediert); eine Straße; 
mehrere Privathäuser; ein kleiner Tempel; In- 



schriften mit Namen von Localgottheiten ; prä- 
historische Grabanlagen, worin Bronzeobjecte (Cisten 
und Situla) mit gräcisierenden Reliefs und Über- 
reste eines Baues oder Denkmals mykenischen 
Stils mit Ornamenten, die denen von Troja und 
Mykenai völlig ähnlich seien. Da die Blöcke des 
letzteren offenbar in der Nähe von Visazze ge- 
brochen und daher wohl an Ort und Stelle zuge- 
richtet seien, zeugten sie von einer uralten Kunst- 
übung in der ursprünglichen Hauptstadt \on 
Istrien. Die C. C. beglückwünscht die Societä zu 
ihren schönen Erfolgen. [Referent: Kennkr] 

Mähren 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt bewilligt der Pfarrgemeinde Morawetz zur 
Erleichterung der ihr aus dem bereits vollendeten 
Thurmbaue an der dortigen Pfarrkirche erwach- 
senen Lasten eine .Subvention von 2000 K. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt erklärt, für die Restaurierung der Filialkirche 
zu Tetschowitz eine Staatssubvention nicht be- 
willigen zu können, wenn die localen Factoren 
nicht namhafte Beiträge leisteten, und verfügt, da.ss 
die bereits begonnenen Arbeiten im steten Ein- 
vernehmen mit der C. C. und ihrem Conservator 
durchgeführt werden. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt theilt mit, dass für die Restaurierung der 
.St. Niklaskirche in Znaim ein Beitrag von 
10.000 /v in den Staatsvoranschlag für das Jahr IQ03 
eingestellt worden sei. 

Nieder-Österreich 
Conservator Mayer legt zwei von ihm ver- 
fasste Abhandlungen vor: „Das kirchliche Leben, die 
christliche Charitas und die Schulen in Wien 1282 
bis 1522" (S.-A. aus der Geschichte der Stadt Wien) 
und ..Das Archiv und die Registratur der n. ö. 
Stände von 1518 bis 1848-'. [Ref: Neumann] 

Über Antrag des Referenten Kenner wird be- 
schlossen, den Correspondenten Weber zu ersuchen, 
dass er über die von ihm am angeblich römischen 
Unterbaue der Gruft von St. Ruprecht zu Wien ge- 
machten Beobachtungen der C. C. Bericht erstatte. 

Conservator Jordan legt eine .Skizze für eine 
neue Fafade der Pfarrkirche in Penzing vor; 
die C. C. erklärt sich mit ihr einverstanden. 

[Referent: RosxI'.k] 



345 



346 



Correspondent KRA>rNV berichtet über die Neii- 
erwerbungen der Sammluny Kudernatsch in 
Poysdorf und über eine Anzahl prähistorischer 
und Münzfunde, die in der letzten Zeit in das 
Mistelbacher Museum gelangt sind und für die 
Kunsttopographie von Xieder-Österreich Wichtig- 
keit besitzen. [Referent: Mlch] 

Ober-Österreich 

Conservator Kkackowitzek berichtet, dass er 
im Sommer 1902 nachstehende Archive besichtigt 
habe: 

1. Gräfl. HARRACH'sches Archiv zu Aschach 
an der Donau, im Forsthause neben dem Schlosse 
in drei gewölbten trockenen Zimmern aufbewahrt, 
zum Theil bis in die zweite Hälfte des XVII. Jh. 
zurückreichend, während die wertvollsten Bestand- 
theile, wie Urkunden und Urbarien, schon früher in 
das Familienpalais nach Wien übertragen worden 
waren. 

2. Archiv des Grafen Kinsky in Freistadt, 
dessen ältere Bestände bereits vom verstorbenen 
Correspondenten Wüssin geordnet wurden, während 
die Aufarbeitung des Restes eingeleitet sei. 

3. Stiftsarchiv inLambach, derzeit in Ordnung 
begriffen, so dass namentlich die mit 1056 begin- 
nenden Urkunden bereits bearbeitet, die Kloster- 
acten geordnet seien. 

4. Schlossarchiv in Schwertberg, bisher nicht 
geordnet und in zwei gewölbten Räumen des Erd- 
geschosses untergebracht, im heurigen Frühjahr 
durchgemustert, die gewöhnlichen Verwaltungs- 
acten skartiert, die Archivalien zum Studium nach 
Linz mitgenommen. Eine Anzahl von Original- 
briefen der Kaiserin Maria Theresia und Kaiser 
Josefs II wurde zu einem unverhältnismäßig hohen 
Preise dem k. und k. Haus-, Hof- und Staatsarchive 
zum Kaufe angeboten und soll nunmehr nach Paris 
verkauft werden. [Referent: Winter] 

Das Pfarramt Altmünster theilt mit, dass es 
I . die beiden altdeutschen Gemälde (Anbetung der 
hl. drei Könige und Verkündigung Mariens) aus 
der feuchten Marienkapelle in einen trockenen 
Raum des Pfarrhofes übertragen lassen habe und 
um Erwirkung einer Staatssubvention für die Re- 
.staurierung dieser Bilder ersuche, worüber die 
C. C. Erhebungen zu pflegen beschließt; 2. dass 
es das große Hochaltargemälde Sandrart's mit der 



hl. ("ommunion dem k. und k. Hofmuseum zum An- 
kaufe anbieten wolle. [Referent: SchaEffer] 

Con.servator v. Benak berichtet über die Reste 
eines Wandgemäldes des hl. Christoph an der nörd- 
lichen Außenwand des vorderen der beiden Thürme 
der Wallfahrtskirche zu Maria-.Schöndorf bei 
Vöcklabruck, die derzeit im Dachbodenraume 
einer im XVII. Jh. angebauten Kapelle versteckt 
seien und infolge Durchbrechung einer Thüre und 
damit zusammenhängender Tünchungen nur mehr 
verhältnismäßig wenig vom ursprünglichen Bilde 
erkennen lassen, aber mit Rücksicht auf die Frische 
der erhaltenen Farben und das muthmaßliche hohe 
Alter (romanische Zeit) wohl wert seien, den hieran 
interessierten Kreisen bekanntgemacht zu werden. 
Ein nach Anbringung der erwähnten Kapelle ge- 
maltes Votivbild des XVII. Jh. im Innern der 
Kirche zeige an der nördlichen Außenwand des 
.Schiffes ein ähnliches Bild des hl. Christoph, das 
anscheinend als Ersatz für das durch die Kapelle 
verdeckte Bild angefertigt wurde und heute ver- 
schwunden ist, möglicherweise aber in Resten unter 
der Tünche ruht, weil kürzlich anlässlich einer 
Färbelung Spuren älterer Malereien an jener Stelle 
beobachtet worden seien. Die C. C. beschließt, eine 
farbige Copie der erhaltenen Reste des ersterwähnten 
Bildes anfertigen zu lassen. [Referent: Schaeffer] 

Steiermark 

Conservator Graus berichtet: i. dass die Kapelle 
des Kastengebäudes in Admont, ein auf mittel- 
alterlichen Grundanlagen ruhendes Gebäude des 
XVII. Jh. ohne ausgesprochene .Stilform, dem Cultus 
wiedergegeben und bei dieser Gelegenheit anStucca- 
turen und Gemälden entsprechend restauriert 
worden sei; 2. dass die Reste der Glasmalereien 
mit Apostelfiguren aus der Schlosskapelle zu Gallen- 
stein bei St. Gallen, Denkmale von der Wende des 
XIV. zum X^'. Jh., die seit dem Jahre 1831 un- 
beachtet im .Stifte Admont lagen, neuestens dort in 
der Prälatur in eisernen Rahmen zu würdiger Auf- 
stellung gelangt seien. [Referent Wächtler] 

Correspondent Kramnv berichtet, dass man bei 
Durchforschung der Ofenbacher Höhle zu Marein 
im Mürzthale in Culturschichten Bronzegegenstände, 
Gefäße, Topfscherben und fossile Thierskelette 
gefunden habe, die dann in das Grazer Landes- 



347 



348 



museum gelangt seien. Die C. C. wird den be- 
rufenen Conservator um Berichterstattung ersuchen. 

[Referent: Mich] 

Mitglied V. Llschix theilt mit: i. dass bei der 
bevorstehenden Erneuerung des Thurmdaches der 
Pfarrkirche St. Peter bei Radkersburg in Frzige 
komme, ob das gegenwärtige verschnörkelte Blech- 
dach wiederhergestellt oder gemäli dem Wunsche ', 
der localen Factoren durch ein gefälligeres ersetzt 
werden solle, und dass das Project seinerzeit vor- 
gelegt werden wird; 2. dass von den drei an der 
Außenseite der erwähnten Kirche befindlichen 
Grabsteinen jener des Radkersburger Bürgers 
Ragschiuüg (?) von 1632, der durch eine darauf 
enthaltene Abbildung der Stadt Beachtung fordert, 
durch die Witterung gelitten habe, weshalb sich 
seine Versetzung in das Innere der Kirche em- 
pfehle. 

Tirol 

Conservator v. Ottenthal berichtet, dass in Xr. 1 9 
der Deutschen Literaturzeitung 1902 die Bespre- 
chung von FiscHXALERs Archivregister aus dem 
Stadtarchiv zu Sterzing benützt wurde, um den von 
ihm bearbeiteten Theil der Archivberichte der C. C. 
aus Tirol einer missgünstigen Kritik zu unterziehen, 
worauf er in Xr. 25 der genannten Zeitschrift er- 
widert habe. Der Conservator betont, dass bei 
Archivbereisungen, welche sich oft unter ungün- 
stigen Umständen und in rascher Aufeinanderfolge 
vollziehen müssen, ohne Zweifel die Gefahr von 
einzelnen Versehen vorhanden ist und das Vor- 
kommen solcher gfar nicht geleugnet werden soll. 
Aber das kann durchaus nicht imstande sein, den 
Gesammtwert der Archivberichte zu schmälern. 
Die Archivberichte wollen und können nicht eine 
abschließende, erschöpfende Arbeit darstellen, son- 
dern sie wollen zunächst die erstmalige Verzeichnung 
der kleineren Archive und die allgemeine Fest- 
legung ihres Inhaltes bieten, damit sie selbst für 
die Zukunft umso besser erhalten bleiben, und die 
wissenschaftliche Forschung Kenntnis des vorhan- 
denen Materialsund Anhaltspunkte zur Verwertung 
neuer Quellen erhalte. Dieser Zweck der Archiv- 
bereisungen und Archivberichte ist erreicht worden 
und bleibt erreicht, auch wenn in den Detailan- 
gaben einzelne Versehen nachgewiesen werden 
können. Die C. C. stimmt diesen Ausführungen 
des Conservators vollständig bei. [Ref.: Redlich] 



Conservator Atz berichtet über die Aufdeckung 
von Wandmalereien im ehemaligen Dominicaner- 
kloster und in der Dominicanerkirche zu Bozen 
(vide Beilage Sp. 353). Die C. C. beschließt, sich 
für eine Erhaltung der Malereien einzusetzen. 

[Referent: -Schaeffer] 

Eine im Auftrage des k. k. Ministeriums für 
Cultus und Unterricht ent.sendete Commission zur 
Untersuchung der restaurierten Wandmalereien im 
Schiffe der Johanneskirche zu Brixen hat er- 
kannt, dass von den beiden dem Restaurator ge- 
stellten Aufgaben, i. eine einheitliche Gesammt- 
wirkung herzustellen, 2. den Charakter der roma- 
nischen Wandmalereien ungetrübt zu bewahren, 
wohl die erste nach der Erklärung des Domcapitels 
im großen und ganzen als entsprechend bezeichnet 
wird, die zweite, freilich schwierigere Aufgabe hin- 
gegen allerdings n?^t in allen Theilen für glücklich 
gelöst angesehen werden kann. Dieselbe Commission 
billigte das von der tirolischen Statthalterei vor- 
gelegte Project für die zur Erhaltung der Fresken 
nothwendige Trockenlegung der Mauern der vor- 
erwähnten Kirche und empfahl dasselbe gleich der 
vom Domcapitel beantragtenDurchführungeinesEnt- 
wässerungs-.Seitengrabens längs der südlichen Pres- 
byteriumswand unter derSacristei zur Ausführung. 
Da endlich gemäß den Beobachtungen der Com- 
missionstheilnehmer in dem an die Johanneskirche 
anstoßenden Flügel des Kreuzganges Verunrei- 
nigungen durch das Publicum stattfinden, glaubte 
die Commission wegen Absperrung des hiedurch 
betroffenen Kreuzgangfflügels durch ein Gitter und 
wegen der Errichtung eines öffentlichen Anstands- 
ortes in der Xähe des Domes beim Bürgermeister- 
amte Brixen vorstellig werden zu sollen, was die 
C. C. zu befürworten beschließt. 

[Referent: Xecwirth] 

Correspondent Postdcger berichtet, dass die Er- 
werbung des aus Cavalese stammenden Taufsteines 
(vgL Sp. 329; Abbildungen Sp. 349) für das dortige 
Museum vereitelt wurde. [Referent: Xeuil\ss] 

Correspondent SmER berichtet, dass er die 
Wandmalereien in der Todtenkapelle zu Gais ge- 
sichert habe und mit der Restaurierung im nächsten 
Jahre beginnen werde. [Referent: Sch.\effer] 

Conser^^ator W.vlter legt einen Bericht des 
Correspondenten Untekgassf.r über da^ -St. Martins- 



349 



350 



kircliK'in bei Lorenzeii \-i)r, aus welchem im Geg'en- | verhältnismäßig moderiien Zeit stamme und ohne 



satze /.u anderen, der C C. zugekommenen Nach- 
richten hervorgeht, dass der Bauzustand der Kirche 
im allgemeinen befriedige. [Referent: Luntz] 

Conservator IxNEKMoi-iiK berichtet, dass das 
Vesperbild in Mals in befriedigender Weise re- 
stauriert und wii'der am alten Platze auf dem Fried- 
hofe aufgrestellt wurde, und für die Zukunft hin- 
länglich gc'gen Witterung-, Staub und Beschädigung 
geschützt sei. Die C. C. beschließt, die hiefür be- 
willigte Subvention von 50 A' Üüssig zu machen. 

[Referent: v. Zu.\U!USch] 






Fig. 1 Vier Seiten des spMtgothischen Taufsteines aus 
S. Valerie in Cavalese.') 



Conservator de Ca.mpi legt einen Bericht über 
eine wichtige vorgeschichtliche Ansiedlung auf 
d(>m Monte Ozol im Val di Xon vor (siehe Sp. 370). 

[Referent: Much] 

Conservator P.as.skkixi berichtet: i. dass das 
Wandgemälde in der Marcuskirche zu Rovereto 
(eine halbe Freskofigur des hl. Sebastian) aus einer 



') Da Gefahr besteht, dass der Taufstein ins Ausland 
verkauft werde, glaubte ihn die Ked., wenn auch nach un- 
genügenden photographischen Vorlagen, hier im Bilde fest- 
halten zu sollen. 



kunsthistorische Bedeutung sei; 2. die Fresken 
im Schlosse Castelbarco (oder Avio) hiegegen 
hervorragenden kunstgeschichtlichen Wert besäßen, 
weshalb er wegen ihrer Sicherung und Restaurie- 
rung mit dem Eigenthümer Verhandlungen er- 
öffnet habe; 3. die Fresken in der Wegkapelle zu 
Lardaro nach eingeholten Mittheilungen geringen 
Wert hätten, aber von ihm in Bälde persönlich 
besichtigt werden würden. 

Die vorhin (Sp. 348) erwähnte Commission hat 
hinsichtlich der bloßgelegten Wandmalereien in der 
St. (ieorgskapelle bei Schen- 
na erkannt, dass deren Restau- 
rierung sich lediglich auf die zur 
möglichst unveränderten Erhal- 
tung- des bloßgelegten und mit 
unschädlichen Mitteln zu reini- 
genden Bestandes nöthigen Maß- 
regeln beschränken solle, und 
die bildleere Hälfte des Kapellen- 
innern nicht mit ergänzenden 
neuen Darstellungen bedeckt, 
sondern gleich den innerhalb der 
bloßgelegten Theile vorhandenen 
Lücken mit einer der Gesammt- 
stimmung möglichst angepassten . 
Abtönung des Bewurfes ausge- 
stattet werden möge; sie hat 
ferner mit Rücksicht auf die vor- 
handenen, die ganze IMauer durch- 
setzenden Sprünge die Einleitung 
einer Untersuchung des bauli- 
chen Bestandes der Kapelle durch 
einen Baumeister angeregt; end- 
lich die durch den Restaurator 
vorgenommene Tränkung einzel- 
ner bloßgelegter Theile mit einer fetten Substanz 
bemängelt. Die C. C. erklärt sich mit diesem 
Gutachten einverstanden. [Referent: Nkcwirth] 

Redacteur Riegl und Univ.-Prof. Dr. Semper 
erkannten auf Grund einer Untersuchung der Wand- 
malereien an der Fajade des Fuggerhauses zu 
Schwaz, dass deren noch sichtbare Theile — deco- 
rative P'ensterumrahmungen und eine Darstellung 
des Martyriums des hl. Bartholomäus — eine mit 
beträchtlichem Kostenaufwande verbundene Wieder- 
herstellung umsoweniger empfehlen lassen, als auch 



35» 



352 



der Mauerbewurf, auf dem die erhaltenen Malereien 
ausgeführt sind, in hohem Grade beschädigt, ver- 
wittert und zersetzt sei, und daher selbst diese Theile 
überwiegend neu gemalt werden müssten, wodurch 
ihre Ursprünglichkeit fast vollständig verloren 
gehen würde. Sie beantragen daher, dass von 
dem noch Vorhandenen photographische Repro- 
ductionen und einige farbige Aufnahmen her- 
gestellt und die erhaltenen Fragmente durch ge- 
eignete Vorkehrungen so lange als möglich vor 
gänzlichem Verfall geschützt werden sollen, von 
einer Wiederherstellung und Erneuerung aber ab- 
zusehen sei. In diesem Sinne beschließt die C. C, 
die weiteren Schritte einzuleiten. 

Dieselben Delegierten erkannten hinsichtlich 
der Wandmalereien im Kreuzgange des Francis- 
canerklosters zu Schwaz, dass die fünf Wand- 
felder im Xorden bloß von der Cbermalung des 
XVU. Jh. gereinigt, und dadurch in den ur- 
sprünglichen Umrissen, Farben, und wo die letz- 
teren abgeblättert sind, in den vorbereitenden 
Schraffierungen des X^^. Jh. bloßgelegt würden, 
wobei auf jedwede Ergänzung der alten Farben 
in diesen fünf Wandfeldern, mit Ausnahme der 
trennenden Säulen und der Randeinfassungen, zu 
verzichten wäre; dass hingegen in sämmtlichen 
übrigen Feldern des Kreuzganges, entsprechend 
dem unbesiegbaren Wunsche der denselben ver- 
wesenden Klostergeistlichkeit die Restaurierung 
in der bi.sherigen Weise fortgesetzt, der Re- 
staurator jedoch verpflichtet werde, jedesmal, 
wenn bei der Entfernung der Cbermalung die 
alten Umrisse und Schraffierungen in größerem 
Umfange zutage treten sollten, facsimilemäßige 
Bausen und Photographien danach anzufertigen 
und durch Prof. SEitPER coUationieren zu lassen. 
Die C. C. beschließt, diesem Antrage Folge zu 
geben. 

Correspondent Mexghin berichtet: i. dass an der 
St. Jakobskirche zu Grissian einige bauliche 
Reparaturen v^orgenommen, die die Wandmalereien 
tragende Mörtelschichte befestigt und darüber ein 
weiter vorragendes Schutzdach angebracht werden 
sollen; 2. dass es sich empfehle, eine im Wirts- 
hause am Schneeberg im Passeier befindliche, ver- 
muthlich von einem Altar stammende spätgothische 
Holzstatue der hl. Elisabeth dem Meraner 



Museum einzuverleiben, womit sich die C. C. ein- 
verstanden erklärt. [Referent: Sch.aeffek] 

Conservator Walter berichtet, dass an den 
restaurierten Sculpturen auf dem Abkürzungs- 
wege von Innichen nach Toblach lediglich die 
tiefen Deckfarben zu bemängeln seien. 

[Referent v. Zumbusch] 

Conservator Atz berichtet, dass der an einer 
Wand des Innenhofes im Schlosse Trostburg bei 
Waidbruck befindliche Stammbaum restauriert 
werde. [Referent: Sch.\effer] 

Referent Xeuwirth und Redacteur Riegl 
empfehlen auf Grund ihrer Untersuchung der 
Fresken in der Kirche St. Johann in Zwölfmal- 
greien (vgl. .Sp. 304 fg.), die Deckenbilder im Schiffe 
bloß vom Schmutze zu reinigen, was allerdings bei 
Blau mit großer Vorsicht zu geschehen hätte, 
jedoch vorerst die Verbindung des Malgrundes 
mit dem Mauerwerke der Decke genau zu unter- 
suchen, und überhaupt Umfang und Natur aller 
Baugebrechen festzustellen, ferner die lockeren 
Sterne an der Decke gnt zu befestigen, abgefallene 
aber nicht mehr durch neue zu ersetzen; weiters 
an der Apsiswand die obere Bilderschicht bloß- 
zulegen und wenn dies ohne Schaden möglich, ab- 
zulösen, um die darunter liegende ältere Bilder- 
schicht zu gewinnen; endlich die an den SchifFs- 
wänden durchschlagenden Freskenreste bloßzu- 
legen und auch den Triumphbogen auf etwa unter 
der Tünche vorhandene Malereien zu untersuchen. 

Die C. C. beschließt, diese Anträge zur Aus- 
führung zu empfehlen. 

Vorarlberg 
Conservator Fischer legt seine Bearbeitung 
der Pfarr- und Gemeindearchive des Gerichts- 
bezirkes B r e g e n z (S.- A. aus der A'orarlberger 
Museumszeitschrift) vor, womit die Inventarisierung 
der genannten Archive im Lande Vorarlberg zu 
Ende gebracht erscheint. Die C. C. beschließt, dem 
Conservator hiefür Dank und die wärmste Aner- 
kennung auszusprechen und ihn zu ersuchen, all- 
fällige Unternehmungen und Erfahrungen in Bezug 
auf Gefährdung der Gemeindearchive und Archi- 
valien in Vorarlberg anher mitzutheilen. 

[Referent: Redlich] 



353 



354 



Beilag"e zu Sp. 348. 

Wandmalereien im eluMnali^-cn 1 )()mi n icaiicr- 
kloster und dessen Kirche zu JU)zen 

('Auszug; aus eincin Bericlite des U. k. Conservators 
Alz in Ti'i'lan 1 

Das aufgehobene Dominicanerkloster zu Bozen 
wurde im abj^elaufenen Jahre für die Zwecke der 
k. k. I'"achscluile für Holzbearbeitung adaptiert, 
während <he dazu gehörige Kirche bereits seit 
längerer Zeit als k. u. k. iMilitärmagazin Verwendung 
findet. Gelegentlich jener Adaptierungsarbeiten 
stieß man im Kreuzgange auf die Reste zweier 
gröi3erer figuraler Darstellungen, denen sich viel- 
leicht noch weitere anreihen würden, wenn man 
rechtzeitig danach geforscht und die sämmtlichen 
Kreuzgangwände nicht vollständig mit neuer Tünche 
überzogen hätte, deren neuerliche Entfernung 
nach so kurzer Zeit auf verschiedene Bedenken 
stöf3t. Bloßgelegt wurde erstens eine Kreuzigung, 
anscheinend ein Werk der Bozener Malerschule 
des X\\ Jh., namentlich merkwürdig durch die 
ungewöhnlich geringe Anzahl von Figuren, die 
darauf erscheinen; die untere Hälfte des Bildes 
wurde durch ein darin durchgebrochenes Rund- 
bogenportal beträchtlich geschmälert. Zweitens 
die Reste einer Darstellung, in welcher man ein 
jüngstes Gericht vermuthen darf. 

Dass auch manche von den übrigen Räumen 
des Klosters seinerzeit mit Malereien geschmückt 
gewe.sen waren, beweisen die in einem am Chor 
der Kirche gelegenen Gemache befindlichen Reste 
eines größeren Cyklus, gleichfalls noch mittelalter- 
licher Entstehung, wovon heute nur noch die Figur 
eines betenden Mönchs und die Gruppe der Krönung 
Maria durch Christus erkennbar sind. 

Gleich den letzteren seit längerer Zeit bekannt 
sind endlich die Malereien in der an das Kloster 
anstoßenden ehemaligen Kirche, deren Schiff gegen- 
wärtig, wie schon oben erwähnt, militärärarischen 
Zwecken dient. Der durch eine Bretterwand ab- 
getrennte Chor zeigt auf seinem Gewölbe die fünf- 
zehn Geheimnisse de.s Rosenkranzes, am Anfang 
des XVIII. Jh. in einer an Knoller erinnern- 
den Weise gemalt, nachdem man die gothischen 
Rippen herabgeschlagen und den Grund sammt 
Einfassungen für die neuen Malereien aus Stuck 
hergestellt hatte. Das heute ebenfalls gothisch 



gewölbt(! drei.schiffige Langhaus hatte aber ur- 
sprünglich eine flache Decke gehabt, weshalb die 
obersten Partien der alten Seitenwände des Haupt- 
schiffes gegenwärtig vom Schiffe aus durch das 
Gewölbe verdeckt sind und nur beim Betreten des 
Dacliraumes gesehen werden können: geschieht 
dieses, dann erblickt man an den gedachten Wand- 
partien eine gemalte Reihe majestätischer Engels- 
und Heiligenfiguren von frühgothischem Stil- 
charakter. Endlich war die Giebelfa9ade im X\\ Jh. 
mit einem (jemälde der Verkündigung Maria ge- 
schmückt worden, die seither zwar übertüncht, in 
jüngster Zeit wieder allmählich durchzuschimmern 
beginnt. 

In einem Xachtragsbericht wird auf die drin- 
gende Nothwendigkeit verwiesen, die im Kreuz- 
gang unter der Tünche hervorgeholten und da- 
durch angegriffenen Gemälde durch Überziehung 
mit einem deckenden Schutzmittel vor dem er- 
fahrungsgemäß zu gevvärtigenden raschen Ver- 
wittern und Schwinden zu bewahren. 



Sitzung vom 14. November 1902 (zweiund- 
zwanzigste Sitzung der IT. Section). 

Anwesend: Der Präsident (zugleich Vorsitzender). 
— Mitglieder: Deiningf.r, Karger, Luntz, Neu- 
:m.\nn, Neuwirth, Rosner, W.äcmtler, v. Zlm- 
i'.LscH. — .Seil riftführer: Bauer. 

Böhmen 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
bewilligt für die Restaurierung der Laurentius- 
kirche in Gabel eine Subvention von 3000 A'. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
genehmigt die an der Decanalkirche in Jicin 
(vgl. Sp. 245) beabsichtigten Herstellungen unter 
der Bedingung, dass sie im steten Einvernehmen 
mit dem berufenen Conservator durchgeführt werden. 

Correspondent Hendrich berichtet, dass der 
Pfarrkirche in Liebshausen Einsturz droht. Die 
C. C. beschließt neuerlich eine Restaurierung zu 
beantragen und vor allem die Verfassung eines 
Restaurierungsprojectes und Kostenüberschlages 
anzuregen. [Referent: Xeuwuoh] 

Correspondent Ankert berichtet, dass die mit 
der Jahreszahl 1557 versehene Glocke der Pfarr- 

24 



355 



356 



kirche zu Liebshausen zersprungen sei und 
durch eine mit Inschrift und Verzierungen der 
alten versehene neue Glocke ersetzt werden soll. 
Die C. C. empfiehlt, die alte Glocke in das 
Diöcesanmuseum zu Leitmeritz zu übertragen. 

[Referent: Xeumaxn] 

Conservator Ml^ller berichtet, dass bei der 
Restaurierung der Pfarrkirche in Maffersdorf 
(vgl. Sp. 236) zwar die Auffrischung der Decken- 
malerei in befriedigender Weise gelungen, aber 
durch zwei neue Wandgemälde über den beiden 
Seitenaltären eine störende Disharmonie in die 
farbige Gesammterscheinung gebracht worden sei. 
Die C. C. beschließt, sich zu verwenden, dass den 
kirchlichen Organen bei Restaurierung von Gottes- 
häusern neuerlich das Einvernehmen mit ihr und 
den berufenen Conservatoren eindringlich aufge- 
tragen werde. [Referent: Xeltwirth] 

Galizien 
Conservator v. Tomkowicz berichtet, dass die 
Restaurierung des Alarm thurmes bei der Marien- 
kirche in Krakau (vgl. Sp. 247) heuer mit dem 
obersten Geschosse begonnen wurde und im nächsten 
Jahre mit dem Geschosse unter dem Thurmhelme 
fortgesetzt werden soll. In weiterer Folge soll sich 
die Erneuerung der unteren Theile, der inneren 
Einrichtung, des Treppenaufganges und der Wohn- 
stube des Thurmwächters anschließen, wofür die 
Gemeinde eine .Staats- und Landessubvention zu 
erbitten gedenkt. [Referent: Wächtler] 

Kärnten 
Conservator Goebel berichtet über die Schäden 
an der Pfarrkirche zu Heiligenblut im MöUthale; 
die Restaurierungen am Äußern und im Innern I 
dürften 27.500 K kosten. Im Presbyterium befinden 
sich geringwertige, in Leimfarben hergestellte Wand- j 
maiereien des XVIII. Jh., die zwar im derzeitigen 
Bestände erhalten, aber nicht weiter aufgedeckt 
und restauriert zu werden verdienen. Die C. C. be- 
schließt, sich wegen der Restaurierung zu bemühen. 

[Referent: Luntz] 

Mähren I 

Conservator DwofeAK berichtet, dass im Innern 

der Piaristenkirche St. Johann in Kremsier 

infolge Eindringens der Niederschlagwässer Risse 

und Putzabblätterungen entstanden seien, die eine 



möglich.st rasche Abwässerung des Daches noth- 
wendig erscheinen las.sen. Stellenweise habe sich 
der Verputz mit der daraufliegenden Malerei ge- 
lockert und müsse aus .Sicherheitsrücksichten ab- 
geschlagen werden; jedoch sollte vorher eine far- 
bige Aufnahme der damit zu beseitigenden Fresko- 
theile hergestellt werden, um ihre treue Wieder- 
holung auf dem neuen \'erputz zu ermöglichen, 
weshalb auch der Gemeinderat die Sperrung der 
Kirche bis auf weiteres und die photographi.sche 
Aufnahme und Copierung der Fresken verfugt habe. 

[Referent: DEiNixGi;k] 

Conservator -Sterz berichtet, dass am Thurme 
der im übrigen spätbarocken Pfarrkirche in 
Startsch ein in Sgraffito hergestelltes Zifferblatt 
mit der Jahreszahl 1597 entdeckt wurde und dass 
das Innere dieser Kirche ausgemalt und die Altäre 
und Altarfiguren gereinigt werden .sollen. 

[Referent: Houdek.] 

Die C. C. beschließt, sich für die Erhöhung der 
in den Staatsvoranschlag 1903 eingestellten Sub- 
vention (vgl. Sp. 344) für die Restaurierung der 
St. Xiklaskirche in Znaim von 5000 Ä' auf 
30.000 K zu verwenden, damit die gefahrdrohend- 
sten Gebrechen, für welche die C. C. keine Ver- 
antwortung mehr zu übernehmen vermag, beseitigt 
werden können. [Referent: Wächtler] 

Nieder-Österreich 

Das k. k. Ministerium f C. u. U. erklärt im 
Hinblicke auf seine frühere Entscheidung, welche 
die Wiederaufnahme des Schmidtschen Projectes 
für die Restaurierung des Riesenthores von 
St. Stephan in Wien ablehnt, nicht in der Lage 
zu sein, auf den h. a. Vorschlag einer neuerlichen 
Prüfung der Richtigkeit dieses Projectes (vgl". 
-Sp. 250) einzugehen. Hinsichtlich der Frage, 
welche ^Maßnahmen zur .Sicherung des gefährdeten 
Bauzustandes dieses Objectes zu trefi"en wären, 
stimmt das Ministerium allen von der C. C. als 
nothwendig bezeichneten Auswechslungen und allen 
Reconstructionsarbeiten bei, welche nur der 
sicheren Erhaltung des gegenwärtigen Bestandes 
zu dienen bestimmt sind. [Referent: Rosner] 

Die C. C. beschließt, sich gegen die An- 
bringung von farbigen Glasfenstern in der Re- 
surrectionistenkirche zu Wien III auszu- 
sprechen. [Referent: Wächti.kk] 



357 



358 



Da mit der im Sta;itsvoranschlap"e des Jahres 
igo3 für die Rt'staurieniiiL;' diT Karlskirche in 
Wien I\' einji'estellten Subvention von 40.000 A' 
nur ein Theil der Einj^erüstunir liers^estellt werden 
kann, beschHe(3t die (". (,"., im Hinblicke auf die 
von ihr bereits wiederholt (vl;1. Sp. 170) betonte 
] )rinj.^lichkcit darauf /u drintjcn, dass die Restau- 
rierung selbst ehestens ermöj,rlicht werde. 

[Referent: Wächti.ük] 

Referent Dkininc;er theilt mit, dass hinsichtlich 
einer Restaurierung' der Pfarrkirche zu Marg-a- 
rethen (Wien V) seitens des Magistrats mit dem 
berufenen Conservator das Einvernehmen ge- 
pflogen werde. 

Correspondent Kramnv empfiehlt die Hebung 
tler im Fußboden der Kirche zu Aspern an der 
Zaya befindlichen Grabsteine und beantragt, dass 
die Maßwerksrose über dem Portale der zur De- 
molierung bestimmten Spitalkirche in Mistelbach 
entweder dem Stadtmuseum einverleibt oder an 
der dortigen Pfarrkirche angebracht werde. In dieser 
Richtung beschließt die C. C. Erhebungen zu 
pflegen. [Referent: Rosxer] 

Conservator Staub berichtet, dass das Archiv 
des Schlosses Feistritz nur geringe Bedeutung 
besitze, wogegen die Bibliothek nebst ungefähr 
1000 dem XVn. und X\'III. Jh. entstammenden 
Werken aller Wissensgebiete auch eine Anzahl 
Drucke aus dem XVI. und selbst aus dem X\'. 
Jh. enthalte. Die C. C. beschließt, sich dahin 
zu verwenden, dass bei einem eventuellen Verkauf 
des Archivs und der Bibliothek der k. k. Hof- 
bihliothek, dem k. k. Archiv für Xieder-Österreich 
und dem n.-ö. Landesarchiv ein Vorkaufsrecht 
eingeräumt werde. [Referenten: Neumann, W^inter] 

Gegen die vorgelegten Pläne für die Herstel- 
lung eines zweiten Ausganges bei der St. Othmar- 
kirche in Mödling (vgl. Sp. 160), welcher die 
Formen des alten Einganges erhalten soll, erhebt 
die C. C. keine Einwendung und befürwortet die 
Flüssigmachung von 1000 A' der für die Restau- 
rierung dieser Kirche bewilligten Staatssubvention. 

[Referent: Luntz] 

Gegen einige Xeuvergoldungen am Kreuz- 
altare in der Domkirche zu St. Polten erhebt 
die C. C. keine Einwendung. [Referent: Rosner] 

Mit iler Herstellung eines schmiedeeisernen 
Churabschlussgitters, gemalter Fenster und eines 



Dachstuhles über der Todtenkammer an der Pfarr- 
kirche; zu Siran ing erklärt sich die C. C. ein- 
verstanden. [Referent: Rosner] 

Conservator Stauh berichtet über den Abschluss 
der Restaurierungsarbeiten am Reckthurme zu 
Wiener-Neustadt (vgl. .Sp. 242), aus welchem An- 
lasse die C. C. dem mit der Ausführung betrauten 
Conservator Jordan ihre Anerkennung und Befrie- 
digung auszudrücken beschließt. [Ref.: Luntz] 

Ober-Österreich 

Referent Rosner macht Mittheilung über die 
im abgelaufenen .Sommer im h. a. Auftrage durch- 
geführte Aufnahme der dem Verfalle preisgegebe- 
nen Schlösser Ober-Österreichs und über das 
Programm der von der C. C. beabsichtigten Publi- 
cation, die die nöthigen frrundrissaufnahmen und 
Ansichten sowie eine Skizze des Bestandes der 
Burg im XVII. Jh. und eine kurze Beschreibung 
umfassen soll. Die C. C. erklärt sich mit diesem 
Programme einverstanden. 

Die C. C. beschließt, zu den Kosten der 
Hebung der Grabsteine in der Pfarrkirche zu 
Gallsbach (vgl. .Sp. 328) eine Subvention aus 
öffentlichen Mitteln zu erwirken. [Ref.: Neuhann] 

Conservator v. Benak berichtet, dass der so- 
genannte Ledererthurm in Wels, einer der. 
wenigen Überreste des einstigen Wehrgürtels der 
Stadt, mit dem Abbruche bedroht sei, weil eine 
Erneuerung seines Daches große Kosten ver- 
ursachen würde und die Anrainer aus Verkehr.s- 
rücksichten seine Demolierung wünschen. Da der 
Thurm für das Stadtbild einen hohen malerischen 
W^ert besitzt und dem Verkehrsbedürfnisse mit 
einem Durchbruch neben dem Thurme Genüge 
geleistet werden könne, spricht sich die C. C. für 
die Erhaltung desThurmes aus. [Referent: Rosner] 

Steiermark 

Mitglied v. Luschen berichtet, dass an der 
Kirche Maria -Neustift bei Pettau bloß die 
nothdürftigsten Ausbesserungen zur Erhaltung des 
Äußern der Kirche und des Dachwerkes der 
Friedhofskapelle geplant seien ; ihre baldigste Aus- 
führung wird von der C. C. empfohlen. 

Die k. und k. Generaldirection der Aller- 
höchsten Privat- und Familienfonde übermittelt 
ein Exemplar des Werkes „Radmer: Gedenk- 

24* 



359 



36o 



blätter zur Dreihundertjahrfeier der Kirche von 
Dr. Franz Schnürer und Ingenieur Karl v. Bertele". 

[Referent : Wächtler] 

Tirol 

Conservator Deixinger berichtet über den 
Verlauf des vom 9. bis 12. September 1902 statt- 
gehabten kunsthistorischen Congresses in 
Innsbruck. Als Ort des nächsten Congresses im 
Jahre 1904 wurde Strassburg bestimmt. Am 
9. September wurden von den Congressmitgliedem 
folgende Vorträge gehalten : Prof. Dr. A. Schmarsow, 
Leipzig: Antrag bezüglich der „Reorganisation 
der kunsthistorischen Gesellschaft für photogra- 
phische Publicationen": Mr. C. de Mandach, Paris: 
.Bericht des Vorstandes der internationalen Gesell- 
schaft für ikonographische .Studien"; Dr. Hofstede 
DE Groot, Amsterdam: „Die Gefahr der zuneh- 
menden Verglcisung unserer Gemälde", worin die 
Xachtheile der zunehmenden Manier, Ölgemälde 
in den öffentlichen Gallerien mit Glastafeln zu 
bedecken, hervorgehoben wurde; Prof. Dr. Leit- 
schuh, Strassburg: „Zur Methode der stilistischen 
Untersuchung frühmittelalterlicher Bilderhand- 
schriften-; Dr.PAZAL'REK, Reichenberg: „Errichtung 
von Kunstarchiven**. Daran schloss sich eine ge- 
meinsame Besichtigung der kunsthistorischen Denk- 
male Innsbrucks, des Klo.sters Wilten, der im 
Gewerbevereinshause veranstalteten Ausstellung 
von Werken zeitgenössischer Tiroler Künstler und 
der anlässlich dieses Congresses im Gebäude der 
Staatsgewerbeschule vom localen Ausschusse (Vor- 
sitzender Univ.-Prof. Dr. Semper) veranstalteten 
kunsthistorischen Ausstellung, die hervorragende 
Werke älterer tirolischer Meister, darunter Tafel- 
gemälde von Michael und Friedrich Pacher 
enthielt, und mit der auch eine Ausstellung 
von Lehrmitteln für höheren Kunstunterricht ver- 
bunden war. 

Am 10. September hielten Vorträge: Prof. 
Dr. Hans Semper, Innsbruck: „Alttirolische Malerei 
vom 14. bis 15. Jahrhundert'' mit Demonstrationen 
von Cartonzeichnungen und Skizzen; Dr. E. W. 
Bredt, Nürnberg: „Plan eines kunstgeschichtlichen 
Zeitschriftenrepertoriums in Blockform"; Akad. 
Maler Alfons Siber, Hall: „Mittheilungen über die 
spätromanischen Fresken im .Schlosse von Avio"* 
mit Demonstrationen an Cartonzeichnungen. An 



diesem Tage erfolgten Ausflüge der Congress- 
mitglieder nach Schwaz und Schloss Tratzberg, 
beziehungsweise nach Kloster .Stams. 

Der 1 1 . September brachte folgende Vorträge : 

Prof. Dr. Arthur Schneider, Leipzig: „Süd- 
tirolische .Schlösser" mit Demon.strationen durch 
das .Skioptikon, wobei ausschließlich die „Landes- 
fdrstliche Burg" in Meran und das Schloss Ried 
an der Talfer bei Bozen besprochen wurden; 
Dr. Hofstede de Groot, Amsterdam: „Die hollän- 
dischen Bilder im Museum von Innsbruck" mit 
Demonstrationen an den bezüglichen Gemälden 
im Museum Ferdinandeum. Ferner folgende Fach- 
vorträge: Dr. v. Ina.ma, Innsbruck: „Anregung be- 
züglich der Wichtigkeit der Heraldik zur Bestim- 
mung von Kunstwerken"' ; Dr. Warblrg, Hamburg: 
„Wappen, Stammbäume und Inventare als metho- 
dische Hilfsmittel der Kunstgeschichte" ; Prof. 
Wkter, Innsbruck: „Mittheilung über das Motiv 
des Adam im Braunschweiger Sündenfall des Palma 
Vecchio-*. 

Im Anschlüsse an den Congress unternahmen 
einzelne Congressmitglieder unter Führung des 
Prof. Dr. Seiiper einen Studienausflug nach Sterzing 
und Schloss Reiffenstein. 

Ferner legt der Berichterstatter nachstehende, 
anlässlich dieses Congresses herausgegebene kunst- 
geschichtliche Publicationen vor: 

I. ..Alttirolische Kunstwerke des 15. und 
16. Jahrhunderts, 16 Blatt Lichtdrucke"'. 2. „Die 
Wandgemälde in der Loggia des Löwenhofes im 
Castello del Buon Consiglio zu Trient von Giro- 
lamo Romanino"', elf Tafeln Lichtdrucke; 3. „Eine 
Auswahl der landschaftlichen Handzeichnungen von 
Josef Koch im Museum Ferdinandeum zu Inns- 
bruck", fünf Tafeln; 4. „Kleine Beiträge zur Kunst- 
geschichte und Heraldik Tirols" (sämmtlich vom 
Localausschusse des Congresses herausgegeben); 
5. „Zur Topographie Südtiroler Burgen" von 
Arthur Schneider, Leipzig, und 6. „Der schlafende 
Amor des Michelangelo" von Dr. Konrad Lange, 
Tübingen. 

Die C. C. nimmt von dem Verlaufe des Con- 
gresses mit lebhafter Befriedigung Kenntnis; .sie 
spricht dem Conservator und dem Prof. Dr. Hans 
Se.mper als dem Obmann des Localausschusses 
Dank und Anerkennung aus. 

[Referent: Xeuwikth] 



361 



3(>2 



('()n•l•^[)(lIllll■Ilt t'K roi'.i.i.i.i berichtet, dass ein 
l)ar()eker Silliertcller aus dein K i rch enschatze 
zu Avio in Privatbesitz verkauft worden sei. Die 
C. C. beschließt, die tirolische Statthalterei auf 
den Vorfall aufmerksam zu machen und das fürst- 
bischöfliche Ordinariat in Trient zu ersuchen, ihn 
im Diöcesanblatte tadelnd zu bemerken und den 
unterstehenden Organen neuerlich die kirchlichen 
und staatlichen Bestimmungen über den Verkauf 
von Kirchengut in Erinnerung zu bringen. 

[Referent: Nkuman.x] 



Sil /.IUI gen vom 21. November (vierzehnte 
Sitzung der 1. Section, sechzehnte Sitzung des 
Plenums, dreiundzwanzigste Sitzung" der II. Sec- 
tion). 
Anwesend: der Präsident (zugleich Vorsitzender). 
— Mitglieder: v. Förstek, Hermann, Karger, 
Kenner, Luntz, v. Luschin, Much, Neumann, 
Reduch, Rosner, .Schaeffer, Wächtlek, v. Zu.m- 
BUSL'H. — Redaction : Kuuitschek. — Schrift- 
führer: Bauer. 

Allgemeines 

Die C. C. beschlie(3t, die Direction des ungari- 
schen Nationalmuseums in Budapest zum loojäh- 
rigen Bestände dieses Institutes zu beglück- 
wünschen. 

Die C. C. beschließt die Wiedererrichtung 
eines Comites für Restaurierung alter Gemälde, 
das sowohl allgemeine Fragen als wichtigere Einzel- 
falle einschlägiger Art berathen sollte, und wählt 
in dasselbe die Mitglieder Schaeffer (Vorsitzender), 
Dei.mngek, Kakger, Neumann, Nei;wu<th und den 
Redacteur Riei}i.. 

Die C C. beschließt die Verstärkung- des 
Comites zur .\bfassung eiiu'r Kunsttopographie 
der im Rcichsrathe vertretenen Königreiche und 
Länder, welches nunmehr aus den Mitgliedern 
Kennei? (als Vorsitzenden), Karger, Much, Neumann, 
NErwn<in, Rosnük, Wimkk und den Redacteuren 
KuHiTscHEK und RiEGL bestellt. 

Die C. C. und ihre Organe haben die Beob- 
achtung gemacht, dass die Decanatsarchive bei 
einem Dechantswechsel vielfach nicht an den 
Pfarrsitz des neuen Dechants übertragen werden, 
sondern mit Ausnahme der nothwendigsten untl 



laufenden Amtsstücke an d(!r Pfarre des letzt- 
gewesenen Dechants liegen bleiben. Behufs mög- 
lichster Wiederherstellung der auf solche Weise 
zerstückelten Decanatsarchive empfiehlt die C. C. 
den Ordintiriaten, diejenigen Pfarrämter, welche seit 
etwa 100 Jahren auch Sitze der Decane waren, 
zur Durchsuchung ihrer Pfarrarchive nach De- 
canatsacten zu veranlassen und wenn sich .solche 
Bestände finden, ihre Vereinigung an dem jetzigen 
Sitze des Decanats zu bewirken. Ferner beschließt 
die C. C, auf diu kürzlich (Sp. 327) erfolgte 
Gründung eines Diöcesanarchivs in Linz hin- 
zuweisen, wo die älteren Bestände der Decanats- 
archive deponiert und damit den Gefahren des 
Wanderns künftig entrückt werden können. 

[Referent: Rkdi.uh] 

Böhmen 

Am 28. October 1. J. wurde beim Aufgraben 
des Grundes für den Bau eines Pfeilers beim Bräu- 
hause in Grafenstein in einer Tiefe von i in ein 
Steinguttöpfchen mit einer Anzahl Gold- und 
Silbermünzen gefunden. Nach den der C. C. vor- 
gelegten Siegelabdrücken besteht der Fund aus 
21 Goldmünzen, darunter zwei großen, wie es 
scheint, zehn- und vierfachen Ducaten des Grafen 
Christian Friedrich von Mannsfeld, beide vom 
Jahre 1642 un<l sehr selten; ferner l^ucaten der 
Kaiser Rudolf 11 (4 Stück), Ferdinand III, von 
Ferdinand von Tirol (nach seinem Tode geprägt), 
von Sachsen, von Mainz und Salzburg", von den 
Städten Campen, Danzig, Deventer, Frankfurt, 
Rostock und Zwolle, von Wallenstein als Herzog 
von Friedland und von den holländischen Frei- 
staaten, welche mit 6 Stücken vertreten sind. 

An Silbermünzen fanden sich 12 Thaler, 
3 Halb- und Drittt'lthalcr und 6 kleinere Nominale 
verschiedener norddeutscher Fürsten und der drei 
schweizerischen Cantone St. Gallen, .Schaflfhausen 
und Zug, von welchen in.sbesondere der St. Gal- 
lener Thaler als Rarität hervorzuheben ist. Der 
Zeit nach die jüngste Goldmünze ist ein hollän- 
discher Goldgulden vom Jahre 1646, die jüngste 
Silbermünze ein Thaler vom Jahre 1648. Die über- 
wiegende Mehrzahl aller (xepräge gehört der Zeit 
des dreißigjährigen Krieges, die Minderzahl der 
zweiten Hälfte des XVI. Jh. an. Vereinzelt -stehen 
einö spanische GoUlniünzi- von Ferdinand und 



363 



364 



Isabella (aus dem Anfang des X\'I. Jh.) und ein 
Thaler von 1542. Der Schatz scheint demnach 
gegen Ende des dreißigjährigen Krieges, noch vor 
Abschluss des westphälisclien Friedens geborgen 
worden zu sein. [Referent: Kenxek] 

Bukowina 
Gegen einige Reparaturen an der Ikonostasis 
und Restaurierung der Bilder und einiger Kirchen- 
einrichtungsgegenstände in der St. Trinitas- 
kirche in Sereth erhebt die C. C. grundsätzlich 
keine Einwendung, verlangt jedoch vorher eine 
Aufklärung über den kunsthistorischen Wert der 
Gemälde. [Referent: Ro<.\er] 

Galizien 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht 
bewilligt für die Restaurierung der Katharinen- 
kirche in Krakau eine Subvention von 5000 K. 

Krain 
Bartholomäus PeCxik berichtet über die Auf- 
deckung zweier römischer Gräber (50 cm tief) in 
Berslin bei Rudolfswerth. Das erste enthielt nebst 
den verbrannten ThongefälBen Lanzenspitze, Dolch 
und gläsernes Baisamarium, letzteres mit ein- 
geschlifFenen Ornamenten und ebensolcher grie- 
chischer Inschrift, augenscheinlich aus recht später 
Zeit; das zweite zwei zerdrückte rothe Thongefäße 
und darunter Eisenstücke. Die C. C. beschließt, die 
^'orlage der Fundstücke zu veranlassen. 

[Referent: Kexxer] 

Küstenland 
Correspondent Moser berichtet i . über römische 
Gräber in St. Martin bei Dollina, hart an der 
Mauer des Ortsfriedhofes. In i 111 Tiefe wurde bei 
Anpflanzung neuer Reben ein Bruchstück eines 
Steines mit den Buchstaben B E"Q in der ersten 
Zeile und X I B in der zweiten, = [^/5 dea'\b{us)q[ue 
om]nib(ns)? gefunden. Dieser Votivstein ist aber 
später als Grabdeckel verwendet worden. Auch 
fand der Berichterstatter kleine rechteckige Ziegel, 
wie er solche als Mosaik verwertet in der Braida 
bei Duino gesehen hatte, und ein Bruchstück einer 
Thondeckplatte mit aufgedrucktem Ornament, 
andere mit aufgeworfenem Rande, Reste von 
Malter, Leichenbrand und Asche sowie unver- 
brannte kurze Röhrenknochenstücke und verstreute 
Holzkohlenstückchen. Er schließt auf eine alt- 



römische Begräbnisstätte, welche bei der ersten 
Anlage des Ortsfriedhofs vor circa 60 Jahren 
zerstört wurde. 

2. In östlicher Richtung von der Kirche in 
Kroglje bei Dollina stieß man in einem Weingarten 
auf würfelartig behauene Sandsteine, Bruchstücke 
von Deckplatten mit aufgeworfenem Rande, recht- 
eckige kleine Ziegel, Meeresschnecken (Cerithiumi 
und Muscheln (Cardium), Randstücke eines auf der 
Drehscheibe gefertigten Gefäßes mit aufwärts ge- 
bogenem Rande von derselben Form und Be- 
schaffenheit im Brande, wie sie vor Jahren in der 
Höhle unterhalb der .Schlossruine von St. Servolo 
gefunden worden sind. Verkohlte und nicht ver- 
kohlte Knochen, Asche, Malter und Holzkohlen- 
stückchen waren auch hier deutliche Anzeichen 
einer Begräbnisstätte. 

3. Im Rücken der Ortschaft Kroglje (SO), am 
Abhänge des Steilabfalles, habe sich eine alte 
Straße gezeigt sowie der deutliche Stein.satz einer 
aus Mörtelkalk aufgeführten Mauer, die sich im 
Umkreise eines Ar verfolgen lasse. Die .Stirnfront 
der Mauer weise gerade auf die Zinnen des Maly- 
kras, der ein altes Bollwerk mit weit zu verfol- 
gender Steinmauer trage. [Referent: Kenner] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt verfügt, dass von sämmtlichen archäologischen 
Funden, die etwa bei den Dammbauten von Grado 
nach Belvedere (vgl. Sp. 326) gemacht werden 
sollten, dem Conservator Maiomca Anzeige er- 
stattet und die beweglichen Gegenstände womög- 
lich dem Staatsmuseum in Aquileja übergeben 
werden mögen. 

Mähren 

Gegen ein neuerlich vorgelegtes Project für 
die Erweiterung der Pfarrkirche in Budischau 
(vgl. Sp. 38) beschließt die C. C. keine Einwendung 
zu erheben, sofern die jetzt bestehenden Bauformen 
berücksichtigt und die von der Erweiterung nicht 
betroff^enen Bautheile nicht verändert würden. Sie 
empfiehlt hiebei im besonderen, den Thurm von 
Anbauten nach Möglichkeit frei zu belassen, das 
projectierte nördliche Seitenschiff" entsprechend 
der vorhandenen Südseite in ganz einfachen ba- 
rocken Bauformen zu halten, die St. Gotthards- 
kapelle nur um ein Gewölbejoch (mit rippenlosem 
Kreuzgewölbe) nach Westen zu verlängern, endlich 
beim Demolieren des alten Mauerwerkes, dessen 



365 



366 



GefüjT"o bei den mohrfachoii Umfornnniq(ui qolitten 
hahi'ii dürfte, die größte Vorsicht zu jjfcbraucheii. 

[Referent: Hermann] 
Conservator Sikkz berichtet, dass die auf dem 
SwoicoiiAschen Grunde in Trebitsch (vg-1. Sp. 327) 
g-efuudcniMi Knochen vom Nasliorn herrühren. IJie 
C. C. beschließt, Erhebungen zu pflegen, ob an der 
Fundstelle etwa auch Kohlen, Asche, deutlich be- 
arbeiteti' Steine oder Knochen zum Vorschein 
kamen. [Referent: Much] 

Nieder-Osterreich 

Correspondent Wküf.r berichtet über die Er- 
öffnung' der Krypta St. Ruprecht in Wien 
(vgl. Sp. 344). Gelegen unter dem Presbyterium, 
zugänglich durch eine mit einer Steinplatte ge- 
schlossene Ufl^nung vor dem Hochaltare, bilde sie 
ein gruftartiges, tonnengewölbtes Rechteck von 
5"50 X 3'85 tn, an dessen mit der Achse des 
Presbyteriums parallelen Schmalseiten die Wider- 
lagsmauern für ein Tonnengewölbe aus gewöhn- 
liclien Mauerziegeln mit der .Spannweite von 5-50 m 
und einer Stichhöhe von 2-35 in angebracht seien. 
Die Stirnmauern bestünden aus glatt gearbeitetem, 
unregelmäßigem Bruchstein, regellos untermischt 
mit Bruchstücken römischer Flachziegel. Den Fuß- 
boden bedeckten Särge in mehreren Schichten über- 
einander, deren durchwegs gleichartige Bemalung 
ebenso wie die vorgefundenen Kleiderreste den 
Charakter vom Ende des X\TII. Jh. aufwiesen. 
Der Boden konnte nicht näher untersucht werden, 
ließ jedoch deutlich ein Ziegelpflaster bemerken. 

[Referent: Kenner] 

Geg'en die bloße Aufhängung einer Glas- 
malerei mit der Darstellung des auferstandenen 
Heilandes vor dem Fenster ober dem Hochaltare 
der Resurrectionistenkirche in Wien III 
(vgl. Sp. 356) beschließt die C. C. keine Einwen- 
dung zu erheben. [Referent: Wächti.er] 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt gibt bekannt, dass die Herstellung eines ein- 
fachen Gerüstes behufs genauer Untersuchung der 
Deckengemälde in der Maria-Treukirche zu 
Wien VIII einen Kostenaufwand von rund 2700 K 
erfordern würde, und fragt an, ob die C. C. an- 
gesichts dieses hohen Erfordernisses und des un- 
günstigen Ergebnisses der Untersuchung durcli 
den Augen.schein von unten (vgl. .Sp. 205) auf der 



Herstellung des Gerü.stes bestehe. Mit Rücksicht 
auf den großen kunsthistorischeti Wert der Fresken 
und die Unzulänglichkeit einer oberflächlichen Be- 
augenscheinigung ohne Hilfe eines Gerüstes be- 
schließt die C. C, .sich für die genaue Unter- 
suchung auszusprechen. [Referent: Schaeffer] 

Archivar Dr. Gi.vnnoni berichtet über seine 
archivalischen Forschungen im Viertel 
unter dem Wienerwalde für den von der kaiser- 
lichen Akademie der Wissenschaften beabsichtigten 
historischen Atlas der österreichischen Alpen- 
länder. 

A. Von Herrschaftsarchiven wurden unter- 
sucht: I. Aspang, in einem zwar nicht feuer- 
sicheren, aber sonst sehr günstigen Räume sorg- 
fältig untergebracht und entsprechend geordnet, 
theils Familien-, theils Herrschaftsarchiv^ 

2. und 3. Prugg a. L. und Rohrau, theils auf 
Schloss Prugg, theils im Wiener Palais des Grafen 
Harrach ; 

4. und 5. Trautmannsdorf und Enzersdorf 
a. d. Fischa; die auf den Besitztitel der Herr- 
schaft Trautmannsdorf bezüglichen Documente 
sollen dem fürstlichen Archiv in Körmend ein- 
verleibt worden sein, während von dem Archiv auf 
.Schloss Enzersdorf vor ungefähr zehn Jahren das als 
wertlos Geltende eingestampft, ein Theil aber in , 
der fürstlich Batthyany-.Strattmann'schen Central- 
kanzlei in W^ien (I Bankgasse 8) aufgehoben, nu- 
meriert und inventarisiert wurde; 

6. Schott wien, in der Registratur der fürst- 
lich Liechtenstein'schen Forstverwaltung; 

7. Tribuswinkel, mit bloß spärlichen Resten; 

8. Wolfsthal, im Gebäude des Rentamtes, 
worüber ein um 1830 angelegtes Repertorium über 
die Jahre 1557 bis 1829 vorhanden sei. 

B. Von städtischen und Marktarchiven: 

1. Aspang, im Erdgeschosse des Gemeinde- 
hauses, noch gänzlich ungesichtet, aber demnächst 
zur Ordnung bestimmt ; 

2. Brück a. d. Leitha, im Rathhause unter- 
gebracht, nur zum Theile geordnet, die jüngeren 
Bestände auf dem Dachboden, der ältere Theil in 
einem Repertorium von 1752 verzeichnet, nach 
dessen Signaturen die Urkunden und Acten ge- 
ordnet seien; im \'orzimmer der Stadtamtskanzlei 
auf Kästen eine ziemlich bedeutende Reihe von 
Raths- und Gerichtsprotokollen des XVI. und 



36? 



368 



XVn. Jh.; die Ordnung- der Bestände auf dem 
Dachboden beabsichtig-t: 

3. Hainburg, im Rathhause feuersicher unter- 
gebracht, aber noch nicht geordnet; 

4. Perchtoldsdorf. ein Theil, hauptsächlich 
Urkunden enthaltend, vom Landesarchiv angekauft, 
das auch ein Inventar von 1696 besitzt, der unge- 
ordnete Rest am Dachboden des Rathhauses, mit 
einem Repertorium der Registrierung von 1739; 

5. Wiener-Xeustadt, einen g^roßen Saal des 
Rathhauses füllend, die gesammten Bestände vom 
Correspondenten Mayer aufgenommen, während 
von alten Acten auch kurze Inhaltsangaben vor- 
handen seien. 

C. Von Behördenarchiven diejenigen des: 

1. K. k. Landesgerichtes Wien (I Justiz- 
palast), in ausgedehnten Souterrainlocalitäten un- 
günstig- untergebracht, hauptsächlich die Civil- und 
Criminaljustizacten und Bücher der Dominien von 
Wiens Umgebung enthaltend ; 

2. des k. k. Oberlandesgerichtes Wien 
(\r[II Laudongasse und Fuhrmanngasse), mit den 
durch Scartierungen stark verminderten Acten des 
n.-ö. Appellationsg-erichtes von 1782 bis 1850; 

3. des k. k. Kreisgerichtes Wiener-Neu- 
stadt, mit den Civil- und Criminaljustizacten und 
Büchern der zum Sprengel gehörigen Dominien; 

4. der k. k. Forst- und Domänendirection 
in Wien (IV Gusshausstraße), mit den Resten des 
einstigen Archivs des landesfürstlichen n.-ö. Wald- 
amtes, wovon die älteren Theile angeblich durch 
Brände im Jahre 1529 und 1683 im Schlosse zu 
Purkersdorf zugrunde giengen, vom Reste noch 
manches zersplittert wurde; andere Theile besitze 
die der Forst- und Domänendirection unterstehende 
Forstver^altung- und das Bezirksgericht Purkersdorf; 

5. des k. k. Oberstjägermeisteramtes, mit 
geringen Beständen; 

6. der fürsterzbischöflichen Güterdirec- 
tion in Wien, gfut untergebracht, geordnet und 
durch zwei Repertorien benutzbar gemacht, mit 
den die Temporalien betreffenden Archivalien, 
während die auf die Spiritualien bezüglichen im 
fürsterzbischöfl. Consistorialarchive verwahrt sind. 

[Referent: Winter] 

Correspondent Xowalski berichtet über die 
Aufdeckung eines römischen Wasserleitungscanals 



auf dem Rosenhügel bei Atzgersdorf, dessen 
\'erlauf noch weiter verfolgt werden wird. 

[Referent: Kf.kxer] 
Conservator Schxiöger berichtet über den be- 
denklichen Zustand des Schlosses Hohenegg am 
Dunkelsteiner Walde vom Ende des XVI. Jh. 
und der Ruine Rabenstein. Die C. C. beschließt, 
sich zu verwenden, dass für ihre Erhaltung Vor- 
sorge getroffen werde. [Referent: Rosner] 

Ober-Österreich 

Das k. k. Ministerium f. C. u U. gibt bekannt, 
dass die dringenden Herstellung-sarbeiten an der 
Filialkirche in Altenburg entsprechend durch- 
geführt sind und nunmehr die alten Grabsteine 
gehoben und aufgestellt werden sollen. 

Conservator v. Bexak berichtet über einen 
dem Welser städtischen Museum geschenkten rö- 
mischen Inschriftstein, der in einem Gasthause 
am Minoritenplatze in Wels eingemauert war. 

[Referent: Kenner] 

Steiermark 

Mitglied v. Luschin theilt mit, dass die .St. 
Oswalds-Filialkirche in Pettau im Einver- 
nehmen mit dem Conservator Graus einer Restau- 
rierung unterzogen werde. 

^Mitglied v. Luschix macht aufmerksam, dass 
über den an der Außenseite der Pfarrkirche zu 
Radkersburg eingemauerten Grabsteinen aus dem 
XVI. und XVII. Jh. Schutzbedachungen angebracht, 
das große Denkmal des Georg .Schej'dt, von dem 
sich der Marmor schichtenweise absplittere, an 
einen geschützteren Ort übertragen, endlich sämmt- 
liche Steine von den ihnen seit der letzten Tün- 
chung der Kirche anhaftenden Kalkspritzern ge- 
reinigt werden sollten. 

Conservator Riedl berichtet, dass die fort- 
gesetzte Untersuchung der Hauptumfassungsmauer 
der römischen Niederlassung bei Uranje (vgl. 
Sp. 225) eine anfänglich nicht erwartete Ausdeh- 
nung des Ansiedlungsterrains ergeben habe. Leider 
biete die sichere Unterscheidung von Mauerwerk 
und Felsboden Schwierigkeiten, weil das Gestein 
beider das gleiche sei. [Referent: Kenner] 

Tirol 

Correspondent Mexghin berichtet: i. dass in 
St. Apollonia bei Grissian bei Demolierung des 



369 



37Ö 



Messnerhauses ein halbes lironzearmband aus mero- 
wing-ischer Zeit mit zwei pyropartigen Steinen, 
etwas Gold und mit der Spitze eines Bergkrystalls 
am breiteren Ende, in Gemeinschaft mit sechs frei- 
geleg-enen Menschenskeletten j^efunden wurde, in 
Grissian verwahrt werde und dem Meraner Museum 
übergeben werden soll; 2. bei Tisens ein aus 
Steinplatten errichtetes Hügelgrab mit Skeletten, 
Waffen und einem Schildbuckel aufgedeckt wurde, 
die leider an einen Antiquar veräußert wurden. In 
dieser Richtung beschließt die C. C. Erhebungen 
zu pflegen. [Referent: Much] 

Conservator Atz berichtet, dass für die Er- 
haltung der aufgedeckten Wandmalereien im Kreuz- 
gange des ehemaligen Domin icanerklosters in 
Bozen (vgl. Sp. 348 und Beilage Sp. 353) das 
Dringendste vorgesorgt sei. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unter- 
richt verfügt, dass zur Verhinderung des angeb- 
lichen Verkaufes der Gräberfunde von Civezzano 
in das Ausland Vorsorge getroffen sei und die 
Fundobjecte dem JNIinisterium zur Untersuchung 
und Abschätzung vorgelegt werden. 

Conservator Delnixger berichtet, dass der von 
ihm untersuchte Bauzustand der einschiffigen St. 
Xikolauskirche bei Ebbs, vom Ende des XV. Jh., 
bis auf die Schindelbedachung keine wesentlichen 
Mängel aufzuweisen habe. Einzelne Feuchtflecken 
an den Innenwänden wären durch bloße ausgiebige 
Lüftung zu beseitigen, zu welchem Zwecke sich 
empfehle, einige Tafeln der Fensterverglasungen 
zum Öffnen einzurichten. Die Schindelbedachung 
müsse jedoch namentlich nahe dem Firste des 
Kirchendaches und zum Theile auch am Thurm- 
helme baldigst mit guten Lärchenschindeln er- 
neuert werden. Die C. C. beschließt, in diesem 
Sinne die weiteren Schritte einzuleiten. 

[Referent: Hermann] 

Correspondent Dannesberger berichtet, dass 
im Hofe des Castel vecchio im Castel del buon 
Consiglio zu Trient die an der Südfa5ade durch 
drei Stockwerke hindurch angebrachten Fresken 
des Marcello Fogolino herabzustürzen drohen und 
beantragt ihre Sicherung; in diesem Sinne be- 
schließt die C. C. Schritte einzuleiten. 



Eine prähistorische Ansiedelung 

(auf Monte Ozol in Val di Non) 

Vor zwei Jahren bestand das Project, auf einer 
Spitze des Monte Ozol ein großes, weit über den 
ganzen Non und .Sulzberg hin sichtbares Kreuz aus 
Stein aufzurichten. Als einige Geistliche den Platz 
in Augenschein nehmen wollten, brach ein heftiger 
Sturm aus, der sie zwang, unter eingestürzten 
„Mauern" Zuflucht zu suchen. Ein Jahr darauf be- 
suchte Dr. Carl Au.sserer den ganzen Bergrücken, 
der aus mehreren Jöcheln besteht, und erfuhr von 
ortskundigen Leuten, dass auf einem dieser Jöchel, 
„Caslir" genannt, deutliche Spuren einer großen 
Umwallung sich vorfanden, und glaubte an diesem 
Orte eine Zufluchtstätte in Kriegsnöthen entdeckt 
zu haben. Herrn Dr. Äusserer stiegen gleich Be- 
denken an der Identität dieses Jöchels mit demjeni- 
gen auf, auf dem man das Kreuz aufzurichten be- 
absichtigte. Eine Anfrage an einen jener Geistlichen, 
den Pfarrer Lorf.nzoni, bestätigte dieses Bedenken. 
Infolgedessen beschloss er, gemeinsam mit Prof. 
Reich aus Trient neuerdings den Bergrücken einer 
genaueren Untersuchung zu unterziehen. Sie fanden, 
dass auf dem .Sattel zwischen der höchsten Er- 
hebung des Ozol (Trenta genannt, 1571 iit) in der 
isolierten, östlich davon gelegenen steilen Kuppe 
(Ozol, nach meinen Erkundigungen auch Caslir 
genannt, 1540 m) eine Pfütze als Cisterna be- 
zeichnet werde, die der dortigen Ansiedelung als 
Brunnen gedient haben mag. Beide Herren be- 
stiegen im Sommer d. J. die Kuppe ,.Caslii"' und 
fanden oben ..von einer Art Wall oder Damm 
umgebene Vertiefungen". Sie ließen eine .Stelle des 
östlichen Dammes ausschneiden und fanden auf 
einem Flecke von kaum mehr als ^/^in^ etwa 25 cm 
unter der Oberfläche eine nicht unbedeutende An- 
zahl von Knochen und Scherben, aber weder 
Bronze- noch Eisen- oder Feuersteinsplitter vor. 

Herrn Dr. Äusserer verdanke ich sowohl diese 
Notizen, wie auch die Überlassung der dort ge- 
fundenen Gegenstände, die seinem Wunsche gemäß 
dem Museo di Trento zu übergeben sind. Darauf 
übernahm ich die weitere Forschung. Meine Unter- 
suchungen und Ausgrabungen (am 27. August) 
bestätigten die Angaben des Herrn Dr. Äusserer 
und gaben folgende erfreuliche Resultate. 

Die Kuppe ist von .Süden und Osten sehr 



371 



372 



steil: kümmerliche Vegetation, das Erdreich theil- 
weise abgeschwemmt, nördlich und westlich mit 
Haselnusstauden bewaldet. Die Kuppe selbst ist 
oben künstlich geebnet, in West, Süd und Ost 
mit einer doppelten Mauer (Wall) in einem Ab- 
stände von 4 — 6 III umgeben. Die Mauern sind 
So — looo); dick und bilden zwei durch Einsturz 
und Verwitterung ziemlich genau zu verfolgende 
Terrassen, die den ganzen Hügel von drei Seiten 
einfrieden und einschließen; sie gewährten der 
Ansiedelung vollkommene Sicherheit. Der An- 
blick der Kup- 
pe von SW er- 
innert an eine 

verwitterte, 
längst zerstörte 
Burg. Gegen 

Norden läuft 
dasjöchel sehr 
sanft ab und 
endet in der 

Einsattelung 
mit einer Ter- 
rasse, die in ge- 
rader Linie den 
Halbbogen des 
west-süd-östlich 
laufenden Dam- 
mes schließt ; 
somit werden 
die nach vorne 
sich kreisför- 
mig hinziehen- 
den doppelten 
Wälle gegen Norden durch einen einzigen stärke- 
ren Damm in gerader Linie abgeschlossen, der 
am nordwestlichen Punkte der Vereinigung der 
Wälle sich verflacht, was auf einen Ausgang 
hindeutet. Die Ausdehnung der Ansiedelung ist 
ziemlich bedeutend, da der Durchmesser vom 
äußeren südlichen Walle bis zum nördlichen 
Damme bom misst, \^om östlichen zum westlichen 
kaum 30 in ; im Mittelpunkte der Kuppe bilden 
eingestürzte Mauern zwei Vierecke von circa 50 m- 
und sind gänzlich mit Haselnusstauden bewach.sen. 
Das Mauerwerk besteht theils aus runden, theils 
aus gebrochenen Steinen, die sehr klein sind, zu- 
mal gewiss .Stück für .Stück mühsam hinauf ge- 








Prähistorische Ansiedelung 
auf dem Monte Ozol. 



schleppt werden musste. Von Kalkmörtel keine 
Spur. Die Erde ist innerhalb der Wälle ziemlich 
locker, ganz schwarz, vermischt mit Knochen und 
Topfscherben, mit unverkennbaren Zeichen des 
Brandes, da Kohle und sogar Asche sehr häufig 
auftritt. Die Schichte der schwarzen Erde ist gegen 
Osten kaum 40 cm, gegen Süden 800» und gegen 
Westen 201 cm hoch. 

Knochen sind in großer Menge zerstreut in 
allen Schichten gefunden worden, sogar in den 
Mauern selbst. So weit eine oberflächliche Be- 
obachtung die Sichtung der Knochen zuließ, darf 
ich constatieren, dass menschliche Knochen nicht 
vorhanden waren, wohl aber zahlreiche Reste von 
Schafen, Ziegen, Rindern, von größeren Vögeln und 
zwei auffallend starke Eberzähne. Alle Knochen sind 
sehr verwittert, viele sind grün gefärbt, ja durch- 
tränkt, ein Zeichen, dass sie lange Zeit in unmittel- 
barer Nähe von Bronzestücken gelegen sind, ^'on 
bearbeiteten Knochen lassen sich sehr genau und 
deutlich ein birnförmiges Anhängsel und eine 
Pfrieme bestimmen, beide sehr sorgfaltig zuge- 
schnitten. 

Topfscherben, rohe und auf der Drehscheibe 
gearbeitet, mit sehr primitiven Verzierungen, kleinen 
und größeren Gefäßen angehörend, sind ziemlich 
zahlreich zum Vorschein gekommen. Bemerkens- 
wert sind verschiedene unförmliche Thonstücke, an 
welchen neben einer kleinen gebrannten Schichte 
Bronzereste haften, die auf ein primitives .Schmelz- 
verfahren schließen las.sen. 

Bronzegegenstände sind spärlich vorhanden. 
Eine kleine Nähnadel, ein dünnes Bronzeblech und 
endlich ein Barren, 1 2 cm lang, i cm dick, mit ab- 
gestumpften Kanten. Solche Barren oder Klumpen 
kommen in Gusstätten vor und wurden auch als 
Tauschwert benützt. 

Eisen: ein verbogener Ring und ein unbe- 
deutendes .Stück, vielleicht ein Nagel. 

Rohe oder bearbeitete Feuersteine kamen 
nicht vor. 

Meine Ausgrabungen mussten auf einen Tag 
mit drei Arbeitern beschränkt werden. Die in allen 
Richtungen gemachten Versuche führten zu dem 
Resultate, dass ein großer Theil des Bergrückens 
des Monte Ozol im grauen Alterthume bis viel- 
leicht in die römische Zeit hinein bewohnt war. Die 
Merkmale der An.siedelung erinnern mich sehr an 



373 



374 



die Castellieri von Istrien. Erwähnenswert ist der 
Umstand, dass im Trentino alle die Bezeichnun- 
gen Caslir, Castellazzo, Castioue, die sehr häufig 
auftreten, vorrömische Ansiedelungen und frühe 
Culturstätten bergen ; sie erheischen ein ein- 
gehendes Studium und gewisssenhafte Forschung. 
Allein eine Ansiedelung auf einer Höhe von 1540 ni 
über der Meeresfläche ist bis jetzt ein Unicum. Ich 
habe bereits in Pejo, wo ein bekannter Übergang 
nach Valle dell' Oglio {13 14 m) besteht, Funde aus 
d(>r gallischen Zeit verzeichnet, weiters eine Gusstätte 
bei Lauregnoam nördlichen Abhang des Monte Ozol 
constatiert, und diese waren bis jetzt die höchstge- 
legenen Forschungsgebiete im Lande. Keine Tra- 
dition, nicht einmal eine an die vielen Bergspitzen 
sich knüpfende phantastische Volksüberlieferung 
erwähnt den Monte Ozol, und das Erstaunen der 
Neugierigen aus den tiefer liegenden Ortschaften, 
die meinen Ausgrabungen zusahen, war groß. Die 
für die hohe Lage späte Jahreszeit gestattete mir 
nicht, die Ausgrabungen heuer fortzusetzen, die 
manche Zeit, Mühe und Vorbereitungen erfordern. 
Ich glaube diesem Funde eine sehr große Be- 
deutung beimessen zu dürfen, und die weiteren 
Forschungen dürften gewiss Anhaltspunkte und 
Aufschluss geben über derartige Ansiedelungen, 
die die Reste der allerersten Bewohner des Trentino 
zu bergen versprechen. Ich darf diesen kurzen 
vorläufigen Bericht nicht schließen, ohne den Herren 
ür. C.\RL Äusserer und Prof. Reich meinen Dank 
auszudrücken für ihre freundliche Mittheilung, die 
mir die Gelegenheit verschafft hat, den ersten 
„Caslir" im Trentino zu eröffnen. 



Cles, 20. October 1902 



L. V. Caxipi 



Römischer Sarkophag in Lambach 

(Nach einer Mittheilung des Conservators Dr. v. Ben.\k) 

In der südlichen Außenwand der Stiftskirche 
Lambach stack rechts vom Seitengange, etwa 1 m 
über dem Boden, ein Stein, dessen Ornamente 
Interesse erregten. Als er behufs näherer Unter- 
suchung herausgehoben wurde, ergab sich seine 
Zugehörigkeit zu einem aus mehreren Platten ge- 
bildeten römischen .Sarkophag. Zwei Seiten der 
(1-03 m hohen, 0-57 ni breiten, 0-43 m dicken) Quader 
waren bearbeitet: die eine, welche, wie gesagt, aus 




Sarkophagplatte von 

Lambach (gez. von 

Dr. V. Benak). 



(l(?r Kirchenmauer herausgeblickt hat, zeigt reiches 
Laubornament in Relief; die andere (früher im 
Mauerwerk nach unten gekehrt) trägt in umrahmtem 
Felde das Hochrelief eines jugendlichen, nackten, 
geflügelten Geniu.s, der mit beiden Händen eine 
flammende Fackel trägt, und 
links oben außerhalb der Um- 
rahmung ein M. Die Bild- 
hauerarbeit ist sehr roh ; die 
Kopfhaare sind nur angedeu- 
tet, Augen, Nase und Mund 
nicht ausgeführt. An der lin- 
ken Schmalseite steht ein 
etwa 2 cm breiter Falz; also 
trat die mittlere Platte, die 
vermuthlich die Grabinschrift 
trug, hinter den beiden Flügel- 
platten mit den correspondie- 
renden Geniendarstellungen 
um ebensoviel zurück. Dass dem M ein D auf der 
linken Flügelplatte entsprach, ist wohl kaum in 
Zweifel zu ziehen. Die obere Fläche der Lam- 
bacher Quader zeigt drei Öffnungen für die Klam- 
mern (die innere 5-5 cm tief), welche sie mit den 
seitlich anstoßenden Platten und mit dem lieckel 
verbunden haben. 



Ein Fund mittelalterUcher Eisenge- 
räthe bei Tvarozna Lhota in Mähren 

Im Jahre igoi wurde bei Tvarozna Lhota, in 
der Nähe von .Straßnitz (im südlichen Mähren), 
eine Anzahl von eisernen Geräthen ausgeackert, 
deren wichtigste Typen hier abgebildet sind. Der 
Erhaltungszustand ist, wie bei Eisengegenständen 
gewöhnlich, ein recht ungünstiger; immerhin ist 
die ursprüngliche Form der besseren Stücke ganz 
gut zu erkennen, und der in Fig. 6 abgebildete 
Sporn zeigt sogar an einzelnen Stellen eine so 
vortreffliche Erhaltung, dass die Oberfläche glatt 
und die Begrenzung scharfkantig erscheint. Wahr- 
scheinlich hat auch hier — ähnlich wie ich dies 
bei der der Latene-Epoche angehörigen Eisen- 
kette von Neudeck bei Ei.sgrub*) constatiert habe, 



') Vgl. meine Abhandlung: »Neue prähistorische Funde 
aus Mähren«, Zeitschrift des deutschen Geschichtsvereines 
in Brunn, 1902, S. 23. 



375 



376 



eine oberflächliche Umwandlung des Eisens in das 
ziemlich widerstandsfähige Tetroxyd (Oxyduloxyd) 
stattgefunden. 

Fast alle hier aufgefundenen Gegenstände kann 
man als landwirtschaftliche Geräthe bezeich- 
nen. Weitaus überwiegendsindSicheln, von denen 
die zwei besterhaltenen abgebildet sind; die Spitze 
fehlt leider bei beiden und es lassen sich infolge- 
dessen die ursprünglichen Dimensionen nicht mehr 
genau feststellen. Bei beiden Sicheln fällt zunächst 



der Krümmungsstelle auch merklich breiter (35 mm); 
an der abgebrochenen Stelle ist die Klinge immer 
noch 21 mm, an der Stelle, wo der 50 mm lange 
(zum Theile abgebrochene) Griffdorn in die Klinge 
übergeht, jedoch nur 9 mm breit. Die Länge der 
sensenförmig gestalteten Klinge beträgt von der 
Stelle der größten Krümmung bis zu dem Bruch- 
rand 240»»;»; ursprünglich dürfte sie bis zur Spitze 
etwa 350 mm, also ungefähr ebensoviel wie bei dem 
früher beschriebenen Exemplar, betragen haben. 






G 





die sehr geringe Krümmung auf; Fig. i zeigt 
selbst an der Stelle, wo die Klinge der Sichel in 
den Griffdorn übergeht, einen sehr stumpfen Winkel. 
Die größte Breite der Klinge beträgt 257»;», war 
jedoch ursprünglich um mindestens 5 mm bedeu- 
tender; die Länge der Klinge mag ehemals etwa 
330 — 350 j;n» betragen haben, wovon 100 — 120 mm 
auf die abgebrochene Spitze entfallen. Der Griff- 
dorn ist 60 mjii lang; die eigentliche Krümmung 
der Sichelklinge beginnt erst ungefähr 40 mm vom 
Griffdorn. Die in Fig. 2 abgebildete Sichel hat im 
allgemeinen eine ähnliche Form wie die oben be- 
schriebene, ist jedoch stärker gekrümmt und an 



Ein eigenthümliches Werkzeug ist das Fig. 3 
abgebildete, 310 ;;/;;/ lange, gegen die Spitze zu 
verbreiterte Messer. Die Klinge ist auf einer Seite 
flach, auf der anderen mit einer seichten, ungefähr 
10 mm breiten Rinne versehen, die hart an der 
Rückenseite verläuft und an der Umbiegung gegen 
den Griffdorn zu sich verliert. Die Spitze ist ab- 
geschrägt; die größte Breite der Klinge beträgt 
an der abgeschrägten Stelle 45 mm, an der Stelle, 
wo der Griffdorn in die Klinge übergeht, 20 mm. 
Der Grififdorn ist 70 mm lang und am Ende zu 
einem 14 mm langen, kantigen Zapfen, dessen 
Längsachse zur Klingenfläche normal steht, um- 



37: 



378 



g'eboj'en. Zu wclciu'ii Zwecken dieses Messer ge- 
dieiit hat, ist mir nicht bekannt; aucli tiiide ich in 
der mir augenblicklich zugänglichen Literatur 
kein ähnliches Stück beschrieben. 

Die Flachhaue (Fig 4) gehört ebenfalls einem 
Typus von Werkzeugen an, zu dem ich aus der 
Literatur keine Gegenstücke nachzuweisen ver- 
mag. Ihre Form ist im allgemeinen die eines ver- 
hältnismäßig schmalen Keiles; die Tülle steht 
jedoch normal auf der Fläche des Eisenkörpers, 
so dass dieses Geräth nur als eine anscheinend 
zur Bearbeitung des Bodens dienende Haue be- 
zeichnet werden kann. Die Länge beträgt igsmut, 
die größte Breite (an der bogenförmig geschweiften 
Schneide) 85 min, die geringste Breite 30 min. Die 
Breite der Tülle beträgt 42 mm, die des hammer- 
kopfartig gestalteten rückwärtigen Theiles 30 mm. 
Die Tülle ist in der Richtung der Längsachse auf 
ungefähr 55 mm verbreitert und außen mit seichten 
Wülsten und Rinnen versehen (Fig. 4). Der eiserne 
Ring (Fig. 5) hat möglicherweise zur besseren Be- 
festigung der Haue an den hölzernen Stiel gedient; 
er ist 25 mm hoch und hat einen äußeren Durch- 
messer von 45 mm. 

Zur Bestimmung des Alters der vorliegenden 
Objecte eignet sich vortrefflich der mit aufgefundene 
eiserne .Sporn (Fig. 6). Er ist ungefähr 1 50 mm lang, 
wovon beiläufig 30 ntm auf den geraden Dorn ent- 
fallen. Die annähernd halbkreisförmigen, zur Be- 
festigung des Spornes in einen Lederriemen 
dienenden Endstollen sind 22 mm hoch und gleich 
den übrigen Theilen sehr gut g-earbeitet. Derlei 
Sporen sind wahre Leitfossilien für das frühere 
Mittelalter, da sie wahrscheinlich schon im XIIL Jh. 
nicht mehr vorkommen. Regierungsrath Mlch, dem 
ich für freundliche Mittheilungen über diesen Gegen- 
stand zu Dank verpflichtet bin, setzt die Sporen 
dieser Art in eine sehr frühe Epoche des Mittel- 
alters, da er mehrere mit unserem Exemplar genau 
übereinstimmende Stücke aus niederösterreichischen 
Grabstätten besitzt, von denen die eine ohne Zweifel 
der spätgermanischen oder frühslavischen Zeit an- 
gehört. In dem Werke „Der Sporn in seiner Formen- 
entwickelung-' wird einer dieser Sporen (aus dem 
Besitze des Regierungsrathes Mich) dem IV. bis 
V. Jh. zugewiesen, und wir dürfen somit den ge- 
nannten l-"und von Twarozna Lhota ohne Bedenken 
in das I. Jahrtausend unserer Zeitrechnung stellen. 



Landwirtschaftliche Geräthe aus dieser Zeit 
sind anscheinend ziemlich selten und in den 
Sammlungen nur sehr spärlich vertreten. Im ger- 
manischen Xationalmuseum ist, wie mir Director 
Bezold freundlichst mittheilt, Vergleichsmater iale 
dieser Art nicht vorhanden. Sicheln aus ver- 
.schiedenen Culturperioden finden sich im allge- 
meinen wohl recht häufig, aber gerade unsere 
schwach gekrümmten, sensenähnlichen Formen 
scheinen zu den Raritäten zu gehören. Ein unserer 
Fig. I recht ähnliches Stück wurde in den Cultur- 
schichten der uralten Ansiedlung bei Krzenowitz 
nächst Kojetein gefunden; der Besitzer desselben, 
Herr J. L. Cervinka in Ung.-Hradisch, hat es in 
seinem kürzlich erschienenen Werke: ,,Morava za 
praveku", Taf. XL\T, Fig. i abgebildet, jedoch der 
„gallischen -'Culturepoche, die er mit dem Jahre 100 n. 
Chr.aufliören lässt, zugewiesen. Da auf der betreffen- 
den Fundstätte auch Artefacte vom „Burgwalltypus" 
vorkommen, wie Cervinka selbst (S. 295) angibt, 
so dürfte die Einreihung der erwähnten Sichel in 
das Inventar der Latenezeit kaum g-enügend ge- 
rechtfertigt sein; überdies stimmen die wenigen 
sichelartigen Eisengeräthe, die man mit Sicherheit 
der Latenezeit zuweisen kann, mit den hier be- 
schriebenen Formen nicht überein. Ziemlich ähnlich 
unserer Fig. i ist hingegen ein Sichelbruchstück, 
welches K. HraSe, Pamdtky archaeologicke X\' 299, 
Fig'. 10 abbildet; es stammt aus den Trümmern 
einer mittelalterlichen Befestigung bei Batniowitz 
in Böhmen, welche nach Hrase im X. bis XII. Jh. 
durch Brand zugrunde gegangen ist, während ihr 
Beginn in die „Zeit der czechischen Colonisation^ 
(HraSe S. 287) fällt. Ein mit diesem Sichelbruch- 
stück zusammen aufgefundener Sporn stimmt in 
seiner Form anscheinend überein mit einem Sporn aus 
den Hügelgräbern von Kwassitz in Mähren; ein 
zweiter Sporn aus diesen (nach H. Wankel, Caso- 
pis des Olmützer Museal Vereines 1890 S. 21, dem 
V. bis VII. Jh. n. Chr. angehörigen) Hügelgräbern 
zeigt — soweit man bei dem bedeutend schlechteren 
Erhaltungszustande schließen kann — große Ähnlich- 
keit mit dem Exemplar von Twarozna Lhota, so 
dass alle für die Datierung unserer Geräthe ver- 
wertbaren Anhaltspunkte auf den älteren Abschnitt, 
und zwar ungefähr auf das erste Drittel des Mittel- 
alters, hinweisen. Zwei Sichelfragmente von der 
„ Heidenstatt ■* bei Eggenburg in Xiederösterreich, 



379 



^8o 



die sich in der Sammlung des Regierungsrathes 
Dr. MccH befinden, zeigfen zwar ähnliche Formen 
wie die Stücke von Tvarozna Lhota, haben jedoch 
einen gegen die Klinge zu stark Verbreiterten 
und mit einem Xietloch versehenen Gritfdorn. Xach 
freundlicher Mittheilung des genannten Herrn hat 
die uralte Ansiedlung auf der .Heidenstatt" die 
■ Zeit des Wellenomaments" nicht lange über- 
dauert; es dürften also auch die Eggenburger 
Sicheln nicht wesentlich jünger sein als unsere 
mährischen Stücke. 

Bemerkenswert ist, dass die Bilder des von 
J. Strutt publicierten, angeblich dem VI. Jh. an- 
gehörigen angelsächsischen Kalenders (_Horda 
Angel-cynnan-, or acompleat View of the Manners 
etc., London 1775)') eine Sichelform aufweisen, 
die viel mehr Ähnlichkeit besitzt mit der noch jetzt 
bei uns gebräuchlichen, als mit den oben beschrie- 
benen Stücken. Dagegen finden sich unter den von 
H. ScHixHARnTin seiner inhaltsreichen Studie .Sichel 
und Säge- (Globus LXXX igoi i8i ff.) mitge- 
theilten Sichelformen einzelne Tj^pen (z. B. 184 
Fig. 6 und 7), die durch geringe Krümmung und 
-Stumpfwinkligen Griffansatz lebhaft an unsere früh- 
mittelalterlichen Stücke erinnern. Ob die letzteren 
gezähnt waren, lässt sich leider nicht mehr nach- 
weisen, da gerade die Schneide durch den Rost 
am meisten leidet. Die _Zahnsicheln" waren schon 
in vorgeschichtlicher Zeit bekannt: sie fanden bei 
den alten Griechen (äp;7»; xxpyafdoo'j; bei Hesiod) 
und Römern (falx deiitiailata) Anwendung und 
haben sich in vielen Gegenden Europas bis auf 
den heutigen Tag erhalten. Zu den von Schlchardt 
beigebrachten Literaturnachweisen wäre noch als 
ein für die Geschichte der Zahnsichel sehr wichtiger 
Beitrag eine Kupfertafel zu erwähnen, die Strutts 
^Tableau complet des costumes et vetements des 
Anglais" (London 1797) beigegeben i.st, auf welcher 
nach K. G. Axtox (I 97 f.) ein angelsächsischer 
Bauer des \'ni. Jh. mit seinen Ackerbaugeräthen 
abgebildet ist. Unter den letzteren befindet sich 
auch eine gezähnte Sichel, _so wie man sie noch 
in vielen Gegenden hat, wo das Korn geschnit- 
ten wird-, fügt K. G. Anton a. a. O. S. 98 hinzu 



und bemerkt weiter, die Angeln hätten die Sicheln 
mit nach Britannien genommen. Ich erwähne dies 
hier deshalb, weil Schlchardt anscheinend ge- 
neigt ist, der Zahnsichel in Deutschland einen 
slavischen Ursprung zuzuschreiben (vgL seine 
Bemerkungen a. a. O. S. 183 f.). Wenn auch die 
mitteleuropäischen Slaven — wie dies aus einer 
bildlichen Darstellung in der Bibel Velislavs 
(reproduciert im .Cesky lid- 1897 \'I 219) her- 
vorgeht — zu Beginn des XIV. Jh. die gezähnte 
Sichel wohl gekannt haben, so würde doch auch 
für den Fall, als eine Zähnung der hier beschriebenen 
altraährischen Sicheln nachweisbar wäre, ein un- 
anfechtbarer Schluss auf die X'ationalität der 
damaligen Bewohner Südmährens nicht gezogen 
werden können. In dem bekannten _Capitulare de 
villis" Karls des Großen werden unter den Inventar- 
stücken der Landhäuser große und kleine Sicheln 
erwähnt; die ersteren waren wohl zum Schneiden 
des Getreides bestimmt und daher, wenn dies auch 
nicht ausdrücklich erwähnt wird, wahrscheinlich 
gezähnt, weil auch heute noch die Zahnsicheln 
dort, wo sie vorkommen, fast ausschließlich bei 
der Ernte des Getreides verwendet werden. Es 
standen also anscheinend auch schon im frühen 
Mittelalter die gezähnten .Sicheln sowohl bei slavi- 
schen als auch bei germanischen Volksstämmen im 
Gebrauch, und ein specifisch slavischer Ursprung 
dieses interessanten Geräthes kann daher nicht 
angenommen werden. 

Ob unsere Haue (Fig. 4) mit dem im oben er- 
wähnten Capitulare neben der Spitzhaue genannten 
dolatttriis, der barta der alten Glossarien, verglichen 
werden kann, oder ob sie mit einer zur Bearbeitung 
des Bodens bestimmten Form der römischen ascia 
genetisch zusammenhängt, vermag ich augenblick- 
lich nicht zu entscheiden. A. Rzehak 



•) K. G. Anton, welcher in seiner „Geschichte der 
teutschen Landwirtschaft" (Görlitz 1799) diese culturge- 
schichtlich sehr wertvollen Bilder reproduciert, setzt diesen 
Kalender in das XI. Jh. 



Die Burgstallersche Sammlung in 
Rybnian 

Am 15. October d. J. brannte der Dachstuhl 
des Herrenhauses auf dem Gute Rybnian a. d. 
Eger nieder; hiebei wurde die bekannte Burg- 
stallersche Sammlung vernichtet, die in einem 
Bodenzimmer seit Decennien deponiert war. .Sie 
repräsentierte in ihrer -Reichhaltigkeit (über 1000 



38i 



382 



Objcctc) alle Culturpha.scii. Der vor mclirercn 
Jahren verstorbene Gutsherr hatte seit Jahrzehnten 
mit großer Emsigkeit und J.iehe auf seinem Besitzt; 
beim Abgraben der „Modererde" und durch kost- 
spielige Grabungen diese Objecte aufgesammelt. 
Das wertvollste Stück der Sammlung, ein Votiv- 
gefälJ mit eiiuMn plastischen Stierbilde, wurde, ob- 
zwar durcliglüht und zerschlagen, aus dem Brand- 
schutte gerettet, von mir erworben und befindet 
sich derzeit im Teplitzer Museum. Dasselbe lässt 
sich zusammensetzen und ist trotz des heftigen 
Feuers wenig verändert. 

Das langovale, massig geknetete Gefäß gehört 
mit seiner typischen Verzierungstechnik der Band- 
keramik an, trägt an der Vorderseite einen kräftig 
modellierten Stierkopf, nach abwärts gebogene 
Hörner und hinter diesen große Ohren. Der Schwanz, 
das eine Hörn und die Füße sind abgebrochen. 
Außer diesem Votivgefäß existieren nur mehr 
fragmentierte Köpfe von Stieren nebst zugehörigen 
Scherben (der Bandkeramik) in Prag im Landes- 
museum von Cerny vül und in Erfurt. Das im 
urgeschichtlichen Centralmuseum für Nordböhmen 
nunmehr befindliche Rybnianer Stück ist das 
beste und vollkommenste. Sonst wurden bei diesem 
Brande nur einige Steinartefacte und Webstuhl- 
gewichte gerettet, wovon mehrere in das Saazer 
Museum kamen, andere verschleppt wurden. Alles 
übrige ist vernichtet. Aufzeichnungen existieren 
nicht, auch wurde nie etwas über diese immerhin 
bedeutende Sammlung publiciert. 

October igo2 R. v. Wf.inzirrl 



Zuwachs der Bibliothek der C. C. 

(.1. Juli— 31. Deceiiiber 1902) 

Abhandlungen der k. k. geographischen Gesellschaft in 

Wien IV (1902) 1—4. 
Kaiserliche Akademie der Wissenschaften. Philosophisch- 
historische Classe. Sitzungsberichte CXLIV (1901). 

Denkschriften XLVII. XLVIII. 
Sitzungsberichte der künigl. preußischen Akademie der 

Wissenschaften (1902) 23-40. Berlin. 
Altbaierische Monatsschrift herausg. vom histor. Verein von 

Oberbaiern III (1902) 6. München. 
Amtsblatt der k. k. Reichshauiit- und Residenzstadt Wien 

XI Nr. 52—104. 
Analecta Bollandiana XXI (1902) 3-4. Brüssel. 
Neues Archiv für sächsische Geschichte und Altcrthums- 

kiinch- XXI-XXIII. Dresden 1902. 



Gehhakd Fischer, Archiv-Berichte aus Vorarlberg, (Fort- 
setzung und Schluss) V. Bezirk Bregenz. 

Archivio della r. societä Komana di storia jiatria XXV 
(1902) 1. 2. Rom. 

Archivio Trentino XVIII M902j 1. 

Atti della i. r. accademia di scienze lettere ed arti degli 
agiati in Rovereto III. K. VIII (1902)2. 

Atti e Meniorie della Societa Istriana di Archeologia e 
Storia Patria. XVI 11 (1902; 1. 2. Parenzo. 

Schriften der Balkancommission, Antiquarische Abtheilung, 
11; Hans Schwaih, Rtimische Villa bei Pola. Wien 1902. 

Geschichtliche Beilage zum St. Pöltner Diöce.sanblatt VIII 
(1902) Bogen 1—4. 

Prähistorische Blätter, hgg, von Naue XIV (1902) n. 4—6. 
München. 

Bulletin de la Societe nationale des antiquaires de France 
(1902) 3. Paris. 

Bulletin international de l'academie des sciences deCracovie: 

classe de philologie, classe d'histoire et de philosophie. 

(1902) 5—7. 
Bullettino di archeologia e storia Dalmata. XXV (1902) 6—12. 

Spalato. 
Carinthia I, Mittheilungen des Geschichtsvereines für 

Kärnten XCII (1902) 5—6. Klagenfurt. 
Casopis vlasteneckeho spolku musejniho v Olomouci XIX 

(1902) 4. 
LaChronique desArts et de la Curiosite1902 Nr.24 — 41. Paris. 
Comite de conservation des monuments de l'art arabe 

fasc. 18 (1901 I. Kairo. 

Denkmalpflege IV (1902) 7 — 16. Berlin. 

Wiener Dombauvereins-Blatt XXI n. 6 — 8. 

Österreichische Eisenbahn-Zeitung XXV (1902) Nr. 18—36. 

L'Emulation N. F. III (1902) 5—10. Lmven. 

.4rchaeologiai Ertesitö XXII (1902) 3. 4. Budapest. 

Illustrierte Fremden-Zeitung (1902) 1—24. Wien. 

Gazette des beaux arts III. F". XXVII (1902) 541—546. Paris. 

Der Geschichtsfreund, Mittheilungendes historischen Vereins 
der Orte Luzern, Uri, Schywz, Unterwaiden und Zug 
LVII. Staus 1902. 

Glasnik zemljaskog muzeja u Bosni i Hercegovini XI\' 
(1902) 3. 4. Sarajevo. 

Anton Gnirs, Das Gebiet der Halbinsel Istrien in der 
antiken Überlieferung. Programm der k. u. k. Marine- 
Unterrealschule Pola 1902. 

Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des ah. Kaiser- 
hauses XXIII 1. 2, 3. 4. 

Jahrbücher und Jahresberichte des Vereins für mecklen- 
burgische Geschichte und Alterthumskunde LXVII. 
Schwerin 1902. 

Neue Heidelberger Jahrbücher XI (1902) 2. 

Jahreshefte des österr. archäologischen Institutes in Wien 
V (1902) 2. 

Izvestja muzejskega drustva za Kranjsko XII (1902) 3—5. 
Laibach. 

Der Kirchen -Schmuck, Blätter des christlichen Kunst- 
vereins der Diöcese Seckau .XXXllI (1902) 7—12. 



3S3 



384 



Correspondenzblatt des Gesammnereins der deutschen 
Geschichts- und AlterthumsvereineL (1902) 6—12. Berlin. 

Die kirchliche Kunst IX (.19021 13-24. Wien. 

Kunst und Kunsthandwerk, Monatsschrift des k. k. österr. 
Museums für Kunst und Industrie V i1902) 5—12. Wien. 

Kunstchronik X. F. XIII 0901,2) 29—31 ; XIV (1902 '3) 1—5. 
Berlin. 

Die Kunstdenkmale des Königreiches Bayern vom XI. bis 
zum Ende des XVIII. Jahrhunderts I (1901)22 München. 

Der Kunstfreund XVIII (1902) 7—12. Innsbruck. 

Der römische Limes in Österreich III. Wien 1902. 

AsTos Mayer, Das Archiv und die Registratur der nieder- 
österreichischen Stände von 1518-1848. Wien 1902. 

AsTOK Mayer, Das kirchliche Leben, die christliche Caritas 
und die Schulen in Wien vom Jahre 1282—1522. S.-A. 
aus ,der Geschichte der Stadt Wien» II. 

Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft in Wien. 
XXXII (1902) 5. 6. 

Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft in 
Wien XLV (1902) 6—10. 

Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 
XLII (1902). 

Mittheilimgen des mährischen Gewerbemuseums XX (1902) 
11—22. Brunn. 

Mittheilungen des nordböhraischen Gcwcrbt-inuseums XX 
(1902) 1—3. Reichenberg. 

Mittheilungen des k. k. technologischen Gewerbemuseuras 
in Wien N. F. XII (1902j 1—8. 

Mittheilungen des nordböhmischen Excursions-Clubs XXV 
(1902) 2—i. Leipa. 

Mittheilungen des Instituts für österreichische Geschichts- 
forschung XXIII (,1902) 3. 4. Innsbruck. 

Mittheilungen des Musealvereins für Krain XV 3—6 (1902i. 
Laibach. 

Mittheilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen 
in Böhmen XL (1902) 1—4. Prag. 

Monatsblatt der k. k. heraldischen Gesellschaft ,Adler" 
V (1902) 19—24. 

Monatsblatt des Alterth.-Vereines zu Wien VII ( 1902i 5— 12. 

A. MCi.i.ER ed A. Flschi, II Limes Romano delle .Alpi Giulie. 
(Aus dem Archeografo Triestino XXIV.) Triest 1902. 

Xotizie degli scavi di antichitä 1902, 3—8. Rom. 

Oberbaierisches Archiv für vaterländische Geschichte LI 
(1902) 2. München. 

Österreichische Wochenschrift für den öffentlichen Bau- 
dienst VIII (1902). Wien. 25—52. 

Rad jugoslavenske akademije znanosti i urajetnosti 148. 
149. Agram 1902. 

Rendiconti della reale accademia dei lincei, classe di scienze 
morali storiche e filologiche V. F. XI (1902) 3—10. Rom. 

Akth. Schxeibek, Zur Topographie der Südtiroler Burgen. 
Leipzig 1902. 

Fraxz SchsCrer und Kari. vox Bertei.e, Radmer: Gedenk- 
blätter zur Dreijahrhundert-Feier der Kirche. Wien 1902. 
Kari. Siegi, Geschichte der Egerer Münze. S.-A. aus der 
Festschrift des Vereines für Geschichte der Deutschen 
in Böhmen. Prag 1902. 



Soupis pamätek historickych a umeleckych v kr.ilovstvi 

Ceskem XV— XVU. Prag 1902. 
PiETRo Sticotti, Relazioue preliminare sugli scavi di Xesa- 

zio. Parenzo 1902. 
Guido Sister, Di .Antonio da Trento e dei suoi Chiaro- 

scuri. S. -A. aus dem .Archivio Trentino XVII (1902) 1. 
Tabularium. gli archivi della Dalmazia II (1902) 3.4. Zara. 
Tridentum, rivista mensile di studi Scientifici V (t902i 

4—10. Trient. 
Der deutsche .Antheil des Bisthums Trient. — Das Decanat 

Bozen. Lieferung 1 — 4. Bozen 1902. 
Katholisches Vereinsblatt XVI (1902) 13—24. Wien. 
Verordnung.sblatt für den Dienstbereich des Ministeriums 

für Cultus und Unterricht (1902i 12—24. Wien. 
Vestnik cesk6 akademie cisafe Frantiska Josefa pro vedy, 

slovesnost a umeni (1902) XI 6. 7. Prag. 
Vjestnik kr. hrvatsko-slavonsko-dalmatinskog zemljaskog 

arkiva IV (1902) 3. 4. .Agram. 
Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst XX 

(1901) 3 und Ergänzungsheft X : Bericht über den ersten 
Verbandstag der west- und süddeutschen Vereine für 
römisch-germanische Alterthumsforschung zu Trier am 
11. und 12. .April 1901. 

Wiener Studien, Zeitschrift für klassische Philologie XXIV 

(1902) 2. 

Württembergische Vierteljahrshefte für Landgeschichte N.F. 

XI (1902) 1-4. 
Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und \'orarlberg 

.XLVI (1902). Innsbruck. 
Zeitschrift des deutschen \'ereins für die Geschichte 

Mährens und Schlesiens XI (1902) 4. Brunn. 
Zeitschrift des österr. Ingenieur- und .Architekten -Vereines 

LIV (1902) 25—52. Wien. 
Zeitschrift für .Architektur und Ingenieurwesen X. F. VII 

(1902) 3—6. Wiesbaden. 
Zeitschrift für Ethnologie XXXIII (1901) 5. 6; XXXIV 

(1902) 2—5. Berlin. 
Zeitschrift für bUdende Kunst X. F. XIII (1901/2,1 9—12; 

.XIV (1902/3) 1—2. Berlin. 



Nachricht. Das Secretariat der V. internationalen 
Kunstausstellung der Stadt Venedig (22. .April bis 
31. October 1903) versendet die Einladung und die , All- 
gemeinen Vorschriften- dieser L'ntemehmung. Auskünfte 
ertheilt das genannte Secretariat (Municipio di Venezia). 



Inhalt 

Spalte 

Sitzungsberichte: Sitzung am 10. October 321 

- 24. » 331 

» »31. !■ ...... 838 

> »14. November 354 

I j 21. > 361 

C.\MPi Eine prähistorische Ansiedelung 370 

Ben.vk Römischer Sarkophag in Lambach 373 

RzEH.\K Ein Fund mittelalterlicher Eisengeräthe bei 

Tvarozna Lhota in Mähren 374 

V. Weixzieri. Die Burgstallersche Sammlung in Rybnian 380 
Zuwachs der Bibliothek der C. C 318 



Verantworüiclie Redacteure: Prof. Wii-HEi.M KuBiTSCHF.K und Prof. AiX)i.s Riegl. — Druck von RuDOi.F M. Rohrer in Brunn. 
In Commission bei WiT.HKTjLt Braumüm.gr, k. k. Hof- und Univcrsitäts-Buchhändler, Wien und Leipzig. 



MITTHEILUNGEN 

DER K. K.CENTRAL-COMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

in: RAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXC. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 



Band I Nr 12 



December igo2 



Über Anordnung Sr. Excellenz des Herrn 
Präsidenten der C. C. erfolgt der Abdruck des 
folgenden Erlasses, Z. 54 Präs., an alle Conserva- 
toren und Correspondenten: 

Seitens der Herren Conservatoren und Cor- 
respondenten gelangen zu wiederholtenmalen Zu- 
schriften an die C. C, in welchen mehrere, unter- 
einander nicht in Verbindung- stehende Gegen- 
stände cumulativ behandelt werden. 

Da eine derartige Zuschrift wegen der Ver- 
schiedenartigkeit der von ihr berührten Gegen- 
stände oftmals mehreren Mitgliedern der C. C. 
nacheinander zur Äußerung überwiesen und in 
mehrere Sitzungen der einzelnen Sectionen zum 
Referate gebracht werden muss, bevor an die Er- 
ledigung des betreffenden Geschäftsstückes ge- 
schritten werden kann, bringt dieser Umstand zu- 
meist eine unliebsame, oft sogar schädigende Ver- 
zögerung der Actionen der C. C. mit sich. 

Demnach kann ich bei voller Bedachtnahme 
auf die hieraus Euer . . . leider etwa in Hinkunft 
erwachsenden Mehrleistungen nicht umhin, an Sie 
das dringende Ersuchen zu stellen, über einzelne, 
miteinander nicht in unmittelbarem Zusammen- 
hange stehende Agenden in abgesonderten Zu- 
schriften die geschätzte Mittheilung anher ge- 
langen zu lassen. 

ig. November 1895. Helfert 



Personalien 

Ernannt wurden: 

Zum Mitgliede: Der Professor an der Kunst- 
gewerbeschule in Wien Kaki. Karger (M.-E. 
24. October 1902, Z. 32872); 



zum Conservator für Angelegenheiten der 
III. Section in der Stadt Triest und ihrem Gebiete 
der Director des städtischen Mädchenlyceums in 
Triest Dr. Bernhard Benussi (M.-E. 12. November 
1902, Z. 34323); 

zu Correspondenten: Der prakt. Arzt Dr. 
Alexander Marian in Aussig (Sitzung vom 10. Oc- 
tober 1902); 

der k. u. k. Hauptmann im Geniestabe in Pola 
Hans Schwalb (Sitzung vom 31. October 1902); 

der Professor i. R. in Linz Dr. Ludwig Gaiu. 
anlässlich seiner Resignation auf das Ehrenamt 
eines Conservators I. Section; 

der Archivar im k. k. Finanzministerium Dr. 
Karl Giannoni in Mödling (beide in der Sitzung' 
vom 21. November 1902); 

der Landesarchivar Victor Kleiner in Bregenz 
(.Sitzung vom 12. December 1902). 

Wiederbestätigt wurden in dem Ehrenamte 
eines Conservators mit dem bisherigen Wirkungs- 
kreise : 

M.-E. 19. December 1902, Z. 34582: 

Dr. OniLO Frankl, Religionslehrer am Gym- 
nasium St. Paul; 

Dr. JaromIr Celakovsk^, Universitätsprofessor 
in Prag; 

Emil Glocker, Professor an der deutschen 
Staatsgewerbeschule in Pilsen; 

Dr. Karl JiCiNSKt, gräfl. CzERNix'scher Central- 
director in Neuhaus; 

JoH.^NN Frj\nke, Professor an der Staats-Ober- 
realschule in Laibach; 

Heinrich Majonica, Gymnasial - Professor in 
Görz und 

KoxRAi) Mkindi., Abt im Stifte Keichersberg; 

26 



387 



388 



M.-E. 19. December 1902, Z. 36253: 

Der Ingenieur und Baumeister in Prag Johann 

Herain und 

der Director der Ossolinski'schen Bibliothek in 

Lemberg Dr. Adalbert von KetkzyS[ski. 

•Gestorben ist der Correspondent Felix Zun, 

fürstl. ScHWARZENBERG'scher Archivar in Murau. 



Sitzungsberichte 

vom Schriftführer verfasst. 
Sitzung vom 5. December (vierundzwanzigste 

Sitzung der IL Section). 
Anwesend: Der Präsident als Vorsitzender. — 
Mitglieder: Deininger, v. Förster, Hermann, 
Karger, Luntz, Neumann, Neuwirth, Rosner, 
Schaeffer, Wächtler, v. Zumbusch. — Redac- 
tion: KuniTSCHEK. — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Conservator Wiehl berichtet über die Restau- 
rierung der von M. Luragho 1679 auf älteren 
Resten erbauten Kreuz herrenordenskirche 
zum hl. Franciscus in Prag. Es wäre die Durch- 
weichung der Grundmaut^rn zu beseitigen, die das 
Abfallen des Mauerwerks am Presbyterium be- 
dingt; ferner seien größere Fenstertafeln einzu- 
setzen, die Kupferdachung bedeutend stärker als 
bisher herzustellen, jedoch unter Schonung der 
schönen, grünen Patina und, hiebei Vorkehrun- 
gen zum leichteren Abflüsse des Wassers zu 
treffen. Im Innern wären die Risse mit gewöhn- 
lichem Mörtel (nicht mit Cement) zu verputzen 
und das beabsichtigte Einfügen kurzer Traversen 
als überflüssig zu unterlassen, da die Ursache 
der Risse in den Grundmauern zu suchen sei; 
die Frage der beabsichtigten Re.staurierung der 
Wandmalereien wäre der Entscheidung durch eine 
Fachcommission vorzubehalten. Endlich empfiehlt 
er die Entfernung des weißen Ölanstriches von 
den Statuen und gelegentlich der Errichtung des 
Gerüstes die genaue Vermessung und Aufnahme 
der Kirche. Die C. C. befürwortet unter den in 
diesem Gutachten enthaltenen Voraussetzungen die 
Restaurierung der Kirche. [Referent: Deininger] 

Durch die Errichtung eines physikalisch-elek- 
trotechnischen Instituts der böhmischen Technik 
in Prag ist die .St. Peters- und Paulskirche 



am Zderaz in ihrem Bestände bedroht (vgl. Sp. 331). 
Da sie durch Großräumigkeit und Einheitlichkeit 
der Anlage hervorragt und als ein frühes Werk 
Kilian Dintzenhofers besondere Beachtung ver- 
dient, da ferner auch der Bauzustand ein guter ist, 
für die Reparaturen des Daches bereits 2000 A' 
zur Verfügung stehen und die Aufbringung der 
Mittel für eine Gesammtrestaurierung bei dem 
großen Interesse der localen Factoren mit Sicher- 
heit zu erwarten steht, beschließt die C. C, sich 
für die Erhaltung dieser Kirche einzusetzen. Zur 
Berathung der Fragen, ob sie als Garnisonskirche 
verwendet werden solle, und ob das den Bestand 
der Kirche bedrohende Institut nicht ganz oder 
wenigstens eine Hauptabtheilung desselben auf 
den für die Ausgestaltung der Prager Hochschulen 
erworbenen Sluper Gründen errichtet werden könnte, 
beschließt die C. C. eine commissionelle Erhebung 
zu beantragen. [Referenten: Förster, Neuwirth] 

Das k. k. Ministerium f. C. u. U. genehmigt 
die Reconstruction des Dachstuhles der Kirche 
St. Maria de Victoria in Prag und gestattet, 
dass rund 4000 K der erforderlichen Kosten auf 
den Religion.sfonds übernommen werden. 

Mit den in Aussicht genommenen Herstellun- 
gen an der Filialkirche in Bielitsch erklärt sich 
die C. C. unter Berücksichtigung einiger vom Con- 
servator VoMACK.A geäußerten constructiven Be- 
denken und unter Zurückweisung der nicht moti- 
vierten -Strebepfeiler einverstanden. 

[Referent : Deininger] 

Einer Mittheilung zufolge sind die nothwen- 
digen .Schutzarbeiten am Burgfelsen an der Burg- 
ruine von Kamaik, von welcher kürzlich ein Theil 
des alten Gemäuers einstürzte, im kommenden 
Frühjahre in Aussicht genommen. 

[Referent: Neltwtrth] 

Die C. C. beschließt, die Gewährung einer 
Staatssubvention von 1 0000 Ä' für die Restaurierung 
der Decanalkirche Maria Himmelfahrt in Klat- 
tau (vgl. .Sp. 289) zu befürworten und sich bei 
diesem Anlasse neuerlich dahin auszusprechen, 
dass alle Mittel versucht werden mögen, um die 
alten Fresken zu erhalten, bevor man zu dem be- 
absichtigten Auswege schreitet, sie durch gute 
Copien zu ersetzen. [Referent: Deininger] 

Der Fürst-Großprior des Malteserordens für 
Böhmen und Österreich theilt mit, dass das .Schloss 



389 



390 



Strakonitz (vgl. Sp. 322) baulich nicht gefährdet 
sei, und er sich zu sonstigen Herstellungen an dem- 
selben derzeit nicht entschließen könne. 

[Referent: Neuwirth] 

Conservatur Pippich berichtet, dass die v'ier 
von der Kirche in Sveti entfernten Grabsteine 
der Familie Bofkoweza Zäbedowic (vgl. .Sp. 332) 
wieder zurückgebracht und an den AuÜenmauern 
der Kirche aufgestellt werden sollen, während von 
zwei anderen Grabsteinen dieser Kirche, die be- 
reits zu Pflasterungszwecken verwendet worden 
waren, nur einer zurückgebracht werden konnte, 
der andere bereits vollkommen in Brüche gegangen 
sei. [Referent: Neuwirth] 

Dalmatien 
Der beabsichtigten Umgestaltung eines ehe- 
maligen Patricierwohnhauses zu Gravosabeschließt 
die C. C. nur dann zuzustimmen, wenn die elek- 
trische Bahn nach Ragusa aus technischen oder 
finanziellen Gründen nicht über eine andere Trace 
geführt werden könne. [Referent: Neumanx] 

Galizien 

Das k. k. Ministerium f. C. u. U. ordnet die 
Flüssigmachung der für die Restaurierung' der 
Pfarrkirche in Biecz bewilligten Staatssubvention 
von 6000 A' an. 

Mähren 

Mit der Reconstruction des bisher als Zucker- 
fabrik vermieteten Theiles des Klosters Porta 
coeli in Tischnowitz-Vorkloster, die dieses 
Gebäude seiner ur.sprünglichen Bestimmung wieder- 
geben und sich wesentlich auf die Auswechslung 
schadhafter Mauern, Fußböden, Thüren und Fenster 
und die Einrichtung einer Beheizungsanlage be- 
schränken soll, erklärt sich die C. C. einverstanden. 

[Referent : Deixixgek] 

Nieder-Österreich 
Gegen die beabsichtigte Auswechslung einiger 
Sockelsteine beim Donauweibchenbrunnen im 
Stadtpark zu Wien I beschließt die C. C. keine 
Einwendung zu erheben. [Referent: Rosxer] 

Der Magistrat Wien theilt mit, dass die so- 
genannte Prälatensäule außerhalb der ehemaligen 
Xussdorfer Linie in Wien (vgl. .Sp. 299) infolge 
der für 1903 und 1904 geplanten .Straßenregulie- 
rung von ihrem jetzigen Standorte entfernt werden 



müsse und am Zusammenlaufe der Nus.sdorfer- und 
Döblingerstraße wieder aufgestellt werden soll, 
womit sich die C. C. einverstanden erklärt. 

[Referent: HkkmaxxJ 

Correspondent Riedlixg berichtet über die be- 
absichtigte Restaurierung eines aus der Barockzeit 
stammenden Seitenaltars in der Pfarrkirche zu 
Prinzendorf [Referent: Wächti.ek] 

Mit den von Professor Brexxek gemachten 
Vorschlägen für die Restaurierung des großen 
Portalwappens oberhalb des Haupteinganges zur 
Theresianischen Militärakademie in Wiener-Neu- 
stadt (vgl. Sp. 335) erklärt sich die C. C. einver- 
standen. ; Referent: Zumbusch] 

Ober-Österreich 

Die Stadtgemeinde Braunau am Inn theilt 
mit, dass sie die Kosten der Hebung eines vor 
dem Hause des Bäckermeisters Nöbaüer liegenden 
Grabsteines nicht bewilligen könne, da darauf 
weder eine Inschrift noch Figuren mehr erkennbar 
seien, und überdies ein Drittel des ganzen Steines 
bereits fehle. [Referent: Neumann] 

Conservator Sckmiuel berichtet, dass sich an 
der Außenseite der Pfarrkirche zu Sierning 
oberhalb des ersten freiliegenden Fensters zur 
rechten Seite des Presbyteriums ein Reliefkopf 
mit der Jahreszahl 1487 darunter befinde, der 
zwar als ein römischer gilt, aber der durch die 
Jahreszahl fixierten Zeit angehören dürfte. 

[Referent : Neumaxx] 

Correspondent Bauer berichtet, dass: i. das 
Stift Schlierbach einen spätgothischen Crucifixus 
sowie zwei alte Ölgemälde aus der aufgelassenen 
Kirche zu Ho fern erworben und den ersteren 
restaurieren lassen habe; 

2. für die Erhaltung der zwei schmiedeeisernen 
Grabkreuze aus dem XIX. Jh. am Friedhofe der 
Pfarrkirche Heiligenkreuz bei Micheldorf 
vorgesorgt werde; 

3. zwei vermauerte Thüren in den Seiten wänden 
der Pfarrkirche in Heiligenkreuz freigelegt 
werden sollen. [Referent: Neumax-x] 

Auf das Ansuchen des Pfarramts St. Wolf- 
gang um Weisungen für ein Project zur Restau- 
rierung des Innern der Pfarrkirche verlangt die 
C. C. vorerst Mittheilung über den Umfang der 
geplanten Arbeiten. [Referent: Rosxek] 

26* 



391 



392 



Tirol 

Correspondent Siber berichtet, dass er die 
Restaurierung^ der Wandg-emälde (hl. Maria, Ka- 
tharina, Barbara, Margaretha) an dem Außenpfeiler 
der St. Helenakirche in Deutschnofen durch- 
geführt habe. Die C. C. beantragt die Auszahlung 
der bewilligten Staatssubvention. [Ref.: Karger] 

Correspondent Dannesuergek beantragt die 
Übertragung des Freskos in der alten Kirche zu 
Faedo (vgl. Sp. 330) in die neue Kirche, was die 
C. C. unter der Voraussetzung gutheißt, dass das 
mit größter Sorgfalt von verlässlicher Hand los- 
zulösende Gemälde in der neuen Kirche zweck- 
mäßig wieder aufgestellt, soweit es nothwendig 
ist, mit ganz unbedenklichen Mitteln gereinigt 
werde, sonst aber im derzeitigen Zustande bleibe. 
Die an der Xordwand der Kirche bloßgelegten acht 
Bilder mit Darstellungen aus der Passion Christi 
haben laut Bericht durch Feuchtigkeit so stark 
gelitten, dass an ihre fernere Erhaltung nicht zu 
denken sei. [Referent: Neuwirth] 

Conservator Ixnerhofer berichtet, dass das 
Hochaltarbild (Maria Himmelfahrt) in der Pfarr- 
kirche zu Marlin g, wahrscheinlich von Ulrich 
Glandschnigg (1661 — 1722), einer Restaurierung 
bedürfe und beantragt die Bewilligung einer Staats- 
subvention, welche die C. C. zu befürworten be- 
schließt. [Referent: Schaeffer] 

Correspondent Grienberger berichtet, dass der 
Bau eines neuen Gotteshauses in Riez bevorstehe, 
da die derzeitige St. Valentinskirche dem Cultus- 
bedürfnisse nicht entspreche. Die Portale, Strebe- 
pfeiler und Theilunggesimse der letzteren wären 
ihres kunsthistorischen Wertes halber beim Neu- 
baue wieder zu verwenden, sofern dieser, wie es 
dem allgemeinen Kirchenbaucharakter jener Ge- 
gend entspräche, wiederum im "gothischen Stile 
aufgeführt würde. Die C. C. beschließt, sich in 
diesem .Sinne zu verwenden. [Referent: Rosner] 

Conservator Wieser berichtet, dass das Comite 
für die Restaurierung des .Stammschlosses Tirol 
(vgl. Sp. 150) beschlossen habe, einen Vertreter 
der C. C. zu cooptieren. Hofrath Piper sei als 
Mitglied aus diesem Comite geschieden, habe auf 
die Leitung der Re.staurationsarbeiten verzichtet, 
sich aber auch weiterhin als sachkundigen Con- 
sulenten zur Verfügung gestellt. Nach dem fest- 
gestellten Programme soll vorerst der dem Bau- 



meister Gstrein übertragene Ausbau des Berg- 
frieds in Angriff genommen werden. Die C. C. 
entsendet den Conservator Deinlngkr als ihren Ver- 
treter in das Comite. [Referent: Rosner] 

Correspondent Danneskerger berichtet, dass 
bei Restaurierung kunsthistorisch bedeutsamer 
Privatbauten der Stadt Trient auf den .Stil 
derselben keine Rücksicht genommen werde, und 
macht einige besonders beklagenswerte Fälle dieser 
Art namhaft. Die C. C. beschließt, den Stadt- 
magistrat zu ersuchen, dass er bei Ertheilung der 
Baubewilligung die Besitzer künstlerisch wertvoller 
Bauten von derartigen Verunstaltungen abzuhalten 
trachten möge. [Referent: Rosxer] 

Correspondent Tojdiasi berichtet, dass die als 
Büchsenmacherei und Küche verwendeten Räume 
der .Schlosskapelle des Castel del buon Con- 
siglio in Trient geräumt worden seien, und dass 
er die später angebrachten Scheidewände nieder- 
zureißen und einige Sicherungsarbeiten vorzu- 
nehmen beauftragt sei. [Referent: Luntz] 



.Sitzungen vom 12. December 1902 (fünfzehnte 
Sitzung der I. Section, siebzehnte Sitzung 
des Plenums, fünfundzwanzigste Sitzung der 
IL Section). 

Anwesend: der Präsident (als Vorsitzender). — 
Mitglieder: Deininger, v. Förster, Karger, 
Kenner, Luntz, Much, Neumann, Neuwu<th, 
Redlich, Rosner, Schaeffer, Wächtler, v. Zum- 
BuscH. — Redaction: Kubitschek. — • Schrift- 
führer: Bauer. 

Böhmen 

Conservator Skorpil berichtet, dass eine Re- 
staurierung der barocken Altäre, der Kanzel und 
der Statuen der Filialkirche zu St. Georg bei 
Doubraken (Doubrawka) beabsichtigt sei, und er- 
stattet ein detailliertes Gutachten über die an den 
einzelnen Objecten noth wendigen Herstellungen, 
mit welchem sich die C. C. einverstanden erklärt. 

[Referent: Neuwirth] 

Conservator- .Siegl legt folgende .Separatab- 
drücke aus dem Egerer Jahrbuche Jahrg. XXXIII 
vor: i. Hervorragende Eg'erer Künstler und Werk- 
leute im XV. Jh., ein Beitrag zur Egerer Cultur- 



393 



394 



geschichte; 2. Dr. Bcrnani \'incenz Adler in den 
Egerer Statlt- und Proclamabüchern. 

[Referent: Nelwikih] 

Mit dem Projecte für die Erweiterung der 
Filialkirche in Heinzendorf erklärt sich die C. C. 
unter der Bedingung einverstanden, dass die Fenster 
im neuen Presbyterium etwas schmäler als beab- 
sichtigt gehalten werden. [Referent: Deinixgek] 

Das k. k. Ministerium f. ('. u. U. ordnet die 
Flüssigmachung der für den N(;ubau der Kapelle 
des Ursulinerinnenklosters in Kuttenberg 
bewilligten Staatssubvention von 5000 K an. 

Die k. k. Staatsbahndirection Pilsen theilt mit, 
dass gelegentlich des Fundamentaushubes für ein 
am rechten Ufer des Serpinabaches südlich der 
-Station Obernitz der Eisenbahnlinie Pilsen — Dux 
gelegenes Widerlager einer Brücke in einer Tiefe 
von etwa 3 ;;/ unter dem Ufergelände und unge- 
fähr IG m von dem rechten Ufer entfernt ein 
durchbohrter und geschliffener Steinhammer aus 







Kaiserzeit. Die C. C. wird sich mit dem kärntnischen 
Geschichtsvereine wegen Grabungen an der Fund- 
stelle ins Einvernehmen setzen. [Ref.: Kenner] 




i 




Fi";. 2 Römisches Grabrelief bei Prävali aus Aichdorf 




Fig. 1 Steinhammer, \'i; nat. Gr. 



Fig. 3 Sarkophag mit der Inschrift CIL III 6522 



Phonolith, der neolithischen Zeit angehörig, ge- 
funden wurde, und dass ang-eblich öfter in den 
Lehmgruben der Umgebung von Obernitz vorge- 
schichtliche Steingegenstände gefunden werden. 

Die C. C. beschließt, sich zu verwenden, dass 
das Fundstück an das Teplitzer Museum abgegeben 
werde. [Referent: Much] 

Kärnten 

Conservator Fraxkl legt Photographien der 
Römersteine aus Aichdorf bei Prävali (vgl. 
Sp. 154) vor. Die rein ausgearbeitete Spira am 
unteren Rande des Sarkophages, die Bewegung, der 
F"altenwurf und das hohe Relief des Grabdenkmals 
weisen auf das II. oder den Beginn des III. Jh. der 



Krain 
Supplent Franz Komatar erstattet einen vor- 
läufigen Bericht über die mit h. a. Unterstützung 
begonnene arch i valische Durch forsch u ng desHerzog- 
thums Krain. Es ergab sich hiebei, dass die heutige 
Art der Aufbewahrung in den meisten Fällen 
nicht allein gegen Feuersgefahr, sondern auch 
gegen Witterungseinflüsse keinen hinreichenden 
Schutz bietet und auch die Ordnung zu wünschen 
übrig lässt, wodurch bereits erhebliche Lücken in 
den Archivbeständen verursacht wurden. Einige 
der schreiendsten Übel.stände wusste der Bericht- 
erstatter durch seine Intervention oder eigene 
Mühewaltung zu beseitigen, indem er, wo es an- 
gieng und die karg bemessene Zeit es erlaubte. 



395 



396 



die Archivalien reinigte, ordnete und Inhaltsver- 
zeichnisse anlegte. Die C. C. beschließt, die Fort- 
setzung dieser Bereisungen ins Auge zu fassen. 

[Referent: Redlich] 

Conservator Szonu5athy legt als Ergebnisse 
der Grabungen B. PeCxiks in römischen Flach- 
gräbern zu Berslin bei Rudolfswerth folgende 
Funde vor: langer cylindrischer Glasbecher mit 
angeschliffenen Ornamenten und griechischer In- 
schrift, zwei Bruchstücke einer Glasflasche, ein 
einschneidiges eisernes Dolchmesser mit Ortband, 
eine eiserne Lanzenspitze, zwölf eiserne Kasten- 
beschläge, drei Eisennägel, zwei kleine bügeiför- 
mige Beschlägtheile, ein kreisförmiges offenes Be- 
schlägstück, ein rundes flaches Deckelchen aus 
Messing, ein cylindrisches Knochenstückchen, zwei 
Fensterurnen und eine Thonschüssel, letztere zer- 
brochen. Die Funde zeigen keinen einheitlichen 
Charakter. Die Thongeiaße gleichen römischen 
Fensterurnen, namentlich von jener Art, wie sie 
vor Jahren in großer Zahl in den Gräberzeilen des 
alten Neviodunum gesammelt und größtentheils 
an das Laibacher Museum abgegeben wurden. Der 
Glasbecher, das bedeutendste Stück des Gesammt- 
fundes, dürfte dem IV. oder V. Jh. angehören. 

Die C. C. wird diese Funde dem kunsthistori- 
schen Hofmuseum anbieten. [Referent: Kenner] 

Küstenland 

Conservator St. Petkis berichtet, dass gele- 
gentlich einer Straßenreparatur in Decani ein 
dem Ausgange des Mittelalters angehörender Mo- 
saikboden aufgedeckt wurde. Der Berichterstatter 
vermuthet an der Fundstelle eine alte Kirche. 

[Referent: Kenner] 

Das k. k. Ministerium f. C. u. U. gibt bekannt, 
dass wegen Sicherung eventueller antiker Funde bei 
der Herstellung des schiffbaren Canals von Grado 
nach Belvedere (vgl. Sp. 364) die k. k. Seebehörde 
in Triest die entsprechenden Weisungen erhielt. 

Referent Wächtler theilt mit, dass der so- 
genannte Römerthurm in Grado, ein aus dem 
XV. oder XVI. Jh. stammendes Bauwerk, von 
der Demolierung bedroht sei. Die C. C. beschließt, 
darüber weitere Erhebungen zu pflegen. 

Nieder-Österreich 
Die k. k. Bezirkshauptmannschaft Unter- 
Gänserndorf theilt mit, dass von der beabsichtigten 



Veränderung des Straßencanals in Still fr ied 
der berufene Conservator verständigt, und die ge- 
eigneten Vorkehrungen für die sorgfältige Behand- 
lung und Bergung etwaiger Funde getroffen werden. 

[Referent: Mulh] 

Conservator St.\ub berichtet, dass die Adap- 
tierungsarbeiten das Äußere des Strelzhofes bei 
Willendorf (vgl. Sp. 293) fast gar nicht, den 
Arkadenhof nur wenig verändert, im Innern hin- 
gegen eine gänzliche Umgestaltung der Kapelle 
und des Refectoriums zu Wohnräumen mit mo- 
dernsten Decorationen herbeigeführt hätten. Die 
Sitzbänke der Kapelle, ein großes barockes Öl- 
bild, zwei Altarbilder aus dem XVIII. Jh., eine 
Ampel und ein Weihbrunnenkessel aus getrie- 
benem Kupfer gelangten über Vermittlung des 
Pfarrers von Würflach zum Theil in die Pfarr- 
kirche und die Herz Jesu-Kapelle zu Würflach, 
zum Theil in das Museum zu Wiener-Neustadt. 
Die C. C. beschließt, dem Pfarrer zu danken und 
zu erheben, ob nicht wenigstens photographische 
Aufnahmen vom alten Bestände des Strelzhofes 
gemacht wurden. [Referent: Deininger] 

Ober-Österreich 

Das k. k. Ministerium f. C. u. U. genehmigt 
die an der Stadtpfarrkirche in Linz vorge- 
nommenen Restaurierungen, welche der Collau- 
dierung zufolge vollkommen zufrieden stellen. 

Conservator Meindl berichtet über neuentdeckte 
Wandgemälde in der Stadtpfarrkirche zu 
Ried, in der gothischen Kapelle rechts neben dem 
Thurme. Auf einer Wand stieß man unter der 
Tünche zunächst auf eine barocke Malerei und 
darunter auf eine ältere, in Tempera, etwa aus der 
Zeit um 1 5 1 1 , mit Darstellung des jüngsten Gerichtes 
in überlebensgroßen Figuren. An den übrigen, noch 
nicht völlig von der Tünche befreiten Wänden seien 
Inschriften, Wappen, kleinere Votivfiguren in alt- 
spanischer Tracht und zwei größere figurale Darstel- 
lungen (Gott Vater mit seinem Sohne nach Dürer 
und die Auferstehung Christi) zutage getreten. Die 
Bilder seien stark beschädigt, ihr Kunstwert kein 
bedeutender; doch sei mit Rücksicht auf die Sel- 
tenheit solcher Malereien in gothischen Kirchen 
und auf die Bedeutung der vorgefundenen Schrift- 
und Merkzeichen für die Localgeschichte Rieds 
seitens der Kirchenvorstehung die gänzliche Bloß- 



397 



398 



leguiiy und die RestauricruiiL;' der Gemälde in 
Aussicht ni'iKimmen. [i\.i'f('ri'nt : Karghr] 

Conservator Schmidel berichtet über ein wohl- 
orlialtenes Relief aus Kehlheimerstein aus der 
zweiten Hälfte des XVI. Jh. in der Stadtpfarr- 
kirche zu Steyr, von 55 cm Breite und 58 cm 
Höhe, mit der Darstellung einer vScene aus dem 
Leben Hiobs und einer darauf bezüglichen Inschrift 
darüber. Demselben, bisher unbekannten Meister 
sei auch das vermuthlich von einem Grabmonumente 




Fig. 4 Relief mit Darstellung aus der Geschichte Hiobs 
(Kehlheimerstein, zweite Hälfte des XVII. Jh.; Stadtpfarrkirche 
. zu Steyr.) 



stammende Relief der Jünglinge im Feuerofen 
an der Außenseite der in der Mitte des alten 
Friedhofes von Steyr stehenden Kapelle zuzu- 
schreiben. [Referent: Zujibusch] 

Salzburg 
Referent Schaeffer berichtet über seine Wahr- 
nehmungen an dem Zeitblom zugeschriebenen 
Marienbildercyclus in der Pfarrkirche zu 
Großgmain und empfiehlt: i. die Restaurierung 
der Gemälde sei zu beschränken auf die Wieder- 
befestigung und Verkittung lockerer und lo.sgelöster 



Stellen, auf die Conservierung des stellenweise 
wurmstichig und moderig gewordenen Holzes und 
die Ausbesserung der seinerzeit durch SchraubtMi- 
löcher erfolgten Schädigung der Bretter, endlich 
bedingungsweise auf die Fügung der Brettsprünge; 
2. um auch die bemalten Rückseiten der Gemälde 
sichtbar zu machen, sei der Cyclus wieder in seine 
frühere Form eines Flügelaltars zu bringen, wobei 
auch die jetzigen nicht entsprechenden Rahmen 
in Wegfall kämen. Die C. C. erklärt sich mit diesem 
Gutachten einverstanden. 

Schlesien 

Conservator Kürschner berichtet über 
die von ihm begonnene Ordnung der Landes- 
bücher im schlesischen Landesarchive, die 
sich in nachstehende Gruppen gliedern : 
I . Landtagsprotokoll - Bücher (snemy) von 
1557 bis 1697, zwölf Bücher, beigeschlossen 
einzelne Hefte aus 1712, 1749, 1750 und 
1754 in deutscher Sprache. 2. Landes- 
gerichtsprotokolle (Knihy soudownj) von 
1637 bis 1690, fünf Bücher. 3. Afterdings- 
bücher (Knihy posudzowe) oder Bücher des 
kleinen Rechtes (posudek), welch letzteres 
nach Beendigung des eigentlichen Landes- 
rechtes einzutreten pflegte (Nachgeding)-, 
von 16 12 bis i6g6, vier Bücher. 4. Tag- 
satzungs- oder Terminbücher (knihy rokuw) 
von 1574 bis 1654, zwölf Bücher. 5. Klagen- 
und Sentenzbücher oder Ladungen und Ur- 
theile (puhony a nalzy, auch knihy przednj ^ 
Vorderbücher genannt) von 14 10 bis 1780, 
42 Bücher, bis 14 19 lateinisch, von da bis 
1440 lateinisch und böhmisch, von 1440 bis ins 
XVIII. Jh. böhmisch. 6. Gerichtsvollmachts- 
Bücher (knihy zmocneni) Vollmachten zur \'vv- 
tretung bei Gericht, zwei Bände, von 1561 bis 1570 
und 1639 bis 1722, böhmisch. 7. Gedenkbücher 
(knihy pamatnj), die wichtige und maßgebende Ur- 
theile enthalten, zu deren Vollstreckung eigene Ver- 
ordnungen für die Landesbeamten erflossen, und die 
sich auch über die Gerichtszuständigkeit verschie- 
dener Orte, sowie über Rechtsgewohnheiten aus- 
sprechen; fünf Bände, von 1466 bis 1780, bis auf 
den fünften theilweise deutschenBand rein böhmisch. 
Ferner besorgt der Berichterstatter die Über- 
setzung der größtonthoils lateinisch abgefassten 



399 



400 



Chronik des ehemalig^en Dominikaner-Klosters in 
Troppau, eines um die Mitte des XVIII. Jh. ver- 
fassten Auszuges aus der ursprünglichen, vermuth- 
lich durch Brände vernichteten Chronik, der bloß 
die Klosterstiftungen in Evidenz halten sollte, wo- 
gegen die geschichtlichen Xotizen darin nur sehr 
knapp behandelt seien. [Referent: Redlich] 

Steiermark 

Conservator Giklitt berichtet über die im ab- 
gelaufenen Sommer durchgeführte Untersuchung 
der Ofenberger Höhle zu Marein im ]\Iürz- 
thale (vgl. Sp. 246). Die Fundstücke (Gefäßscherben 
von der frühesten bis zur jüngsten Zeit, ein einem 
Xagel ähnliches Bronzestück und zahlreiche Kno- 
chenreste) gelangten ins steirische Landesmuseum. 

[Referent: Müch] 

Conservator Graus berichtet über die begon- 
nene Restaurierung der Filialkirche St. Oswald 
am aufgelassenen Stadtfriedhofe zuPettau (vgl. Sp. 
368), die zunächst eine stilistische Wiederherstel- 
lung des spätgothischen Presbyteriums bezwecke, 
während im Schiffe die barocken Formen und 
insbesondere die Altaraufsätze vom Ende des 
X^^I. Jh. erhalten bleiben sollen. Die Hochaltar- 
mensa erhalte einen neuen gothischen Aufsatz an 
Stelle des mittelmäßigen bisherigen vom Schlüsse 
des X^^II. Jh. Eine Untersuchung des Bauzu- 
standes des Thurmes wird beantragt. 

[Referent: Rosker] 

Tirol 
Correspondent Perki berichtet, dass bei Er- 
weiterung des Bahnhofes von Mattarello römische 
Gräber und Ziegel mit Inschriften gefunden wurden. 
Die C. C. beschließt Erhebungen zu pflegen. 

[Referent: Kenner] 

Correspondent Larcher berichtet, dass: i. die 
Restaurierung der Michaelskapelle oder Engels- 
burg im Kloster Xeustift in zufriedenstellender 
Weise vollendet worden sei; 2. in den fünf Ge- 
wölbequadraten der Westseite des Kreuzganges 
Spuren von figiiralen Bemalungen gefunden 
\\-urden, deren weitere Bloßlegung bei der für den 
nächsten Sommer beabsichtigten Restaurierung des 
Kreuzganzes erfolgen soll. [Referent: Neuwirth] 

Correspondent Grienberger berichtet, dass die 
Vertäfelung eines Zimmers in einem Nebenhause 
des Vol derer Wildbades, deren Intarsien sich i 



denen von Velturns an die Seite stellen, Gefahr 
läuft, gleich dem Fries desselben Hauses vom 
Jahre 1580 an einen Antiquar verschleudert zu 
werden, wogegen der Correspondent ihre Er- 
werbung für den öffentlichen Besitz des Landes 
zu betreiben suche. [Referent: Rosxer] 

A'orarlberg 
Die C. C. beschließt, dem Vorarlberger 
Museums-Verein für seine Thätigkeit in den 
Jahren igoo und 1901, und insbesondere für die 
Förderung und Unterstützung der Archivberichte 
den besonderen Dank und die volle Anerkennung 
auszusprechen. [Referenten: Mlch, Redlich] 




Fig. 6 Römisches Bronzemesser, gefunden in 
Schellenberg; '/j nat Gr. 

Conservator v. Schwerzekbach berichtet, dass 
Ende Mai 1. J. im Gemeindegebiete Schellenberg 
(Fürsten thum Liechtenstein), etwa 100 tn von der 
österreichischen Grenze, unweit vom Bad Nofels 
(Gemeinde Altenstadt) beim Torfstechen in einer 
Tiefe von 2 in ein Bronzemesser römischen Ur- 
sprungs gefunden und für das Vorarlberger Landes- 
museum erworben wurde. [Referent: Kenner] 



Sitzungen vom 19. December 1902 (achtzehnte 
Sitzung des Plenums und sechsundzwanzigste 
Sitzung der IL Section). 

Anwesend: der PRÄsroENT (als Vorsitzender). 
— Mitglieder: Deintnger, Herrm-^nn, Karger, 
Kenner, Ll'ntz, Much, Neumann, Neu"wirth, 
Redlich, Rosner, v. Zumbusch. — Redaction: 
KuBrrscHEK, Riegl. — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Conservator RicHL'i' berichtet über einen bei 
Jaroslavic gemachten Depotfund, mit wertvollen 
Beiträgen zur Feststellung der Besiedlung Böhmens 
während des älteren Abschnittes der Bronzezeit 
und zur Kenntnis des alten Verkehrsweges aus 
Böhmen nach Nieder-Österreich. [Referent: Much] 

Der C. C. werden die Protokolle der Sitzungen 
der Karlsteiner Restaurierungscommission 



40I 



402 



vorgelebt, wonach am 30. Jänner 1. J. die .Vus- 
tiihrung folg-ender Arbeiten beschlossen wurde: 

I. Fixierung' des Mörtels und der Malereien 
am Kaiserbilde oberhalb der Thür der Katharinen- 
kapelle; 2. Versuche zur Abwaschung der starken 
Ri'touchen an den Wandgemälden der Marien- 
kirche und des Stiegenhauses; 3. Beseitigung der 
Tünche auf den Kaminen; 4. Herstellung der 
Barrieren bei den Altären des hl. Xiklas und 
Wenzel im Kaiserpalaste und vor der Katharincn- 
kapelle; 5. Reinigung der Leuchterstufe in der 
Kreuzkapelle; 6. Zusammenlegung eines Theiles 
der Umrahmung der Tafelbilder aus den Über- 
resten; 7. Versuch zur Zusammenstellung einer 
Truhe aus den vorhandenen Überresten für die 
Kreuzkapelle; 8. Anfertigung von Photographien 
nach den Gemälden in der Kreuzkapelle; g. Ver- 
decken der Fenster; 10. Berichtigung- der Durch- 
führung des Teppichmusters in der Sacristei ; 1 1 . Ab- 
waschen der Polychromie am Altare der Marien- 
kapelle und 12. Einsetzen der Edelsteine in der 
Kreuzkapelle. 

Die C. C. hätte, wenn sie zu Rathe gezogen 
wäre, diesen Beschlüssen zugestimmt mit Aus- 
nahme der sub 2 und 1 1 erwähnten, welche sie 
einer michmaligen Erwägung empfohlen liätte. 
.Sie kann sich nicht verhehlen, dass die in der 
Sitzung der Restaurierungskommission vom 7. Juni 
1902 erstatteten Berichte über die Abwaschungs- 
versuche für die sachgemäße Beurtheilung der Er- 
sprießlichkeit und Unverfänglichkeit dieser Action 
nicht ausreichen. Dafür wäre die genaue Kenntnis 
des Vorganges, den die Maler bei der Restaurierung 
vom ersten Momente der Wandreinigung an be- 
obachteten, ferner des Vorganges bei den Ab- 
waschungsversuchen nebst Angabe der dabei ver- 
wendeten Materialien nothwendig. Es wäre gewiss 
erfreulich, wenn es sich als Thatsache erweisen 
ließe, dass weder Farbe noch Structur der alten 
Bilder an den abgewaschenen Stellen eine abträg- 
liche Wirkung und, wie der Gewährsmann der 
Restaurierungscommission behauptet, auch nach 
Jahren keine Veränderung erfahren dürften ; diese 
Frage kommt jedoch erst in zweiter Linie in Be- 
tracht, da die Bilder bereits bei der Restaurierung 
weitgehende Veränderungen erfahren haben. Sollen 
Abwaschungsversuche fortgesetzt werden, so liegt 
der Schwerpunkt nicht in der Feststellung der 



Unverändcrlichkeit der abgewtischenen Stellen auf 
Jahre hinaus, sondern in dem Nachweise, dass die 
Art des Xl\'. Jli. \iin der Hand des Restaurators 
ganz unberührt blieb und auch nach Entfernung 
seiner L'bermalung in ihrer Ursprünglichkeit zutage 
trat. Wird letztere nicht wenigstens annähernd 
zurückgewonnen, dann muss der C. C. der Wert 
weiterer Abwaschungsversuche problematisch er- 
scheinen. Sie beschließt, dahin zu wirken, dass sie 
von den Anträgen der Restaurierungscommission 
rechtzeitig, das heißt vor Beginn der bezüglichen 
Arbeiten, in Kenntnis gesetzt werde, um in die 
Lage zu kommen, ihr Votum abzugeben. 

[Referent: NEuwu-tiH] 

\"on den für die Erweiterung der gothischen 
Pfarrkirche zu Kurau vorliegenden zwei Pro- 
jecten wird das des Prager Dombaumeisters Mocker 
vom Jahre 1880 zurückgewiesen, weil es den ur- 
sprünglichen Charakter zu sehr umgestalten würde, 
hingeg-en das zweite, von einem ungenannten Ver- 
fasser aus dem Jahre 1901, mit nachfolgenden 
Veränderungen die hauptsächlich eine strengere 
Wahrung des kirchlichen Charakters bezwecken, 
zur Ausführung- empfohlen: .Vusstattung des West- 
portals mit einem Wimperg an Stelle der burg- 
thorartigen Behandlung des Projectes, Vereinfachung 
der Einfassung- des Uhrblattes, Befestigung der' 
wehrgangähnlichen Holzgallerien am Äußeren der 
Langhauswände, Höherlegung von Dach und Dach- 
reiter sowie Erhöhung des Treppenthurmes, Er- 
leichterung der Mauermasse im Innern durch Ab- 
setzung- und eingeblendete Arkaden. 

[Referent: HüR-max-n] 

Kärnten 

Conservator Grueber berichtet, dass die Reno- 
vierung an der Filialkirche in Maria-Feicht 
im steten Einvernehmen mit ihm unter möglichster 
Erhaltung aller beachtenswerter Baudetails durch- 
geführt wurden. Alle Abstockungen der Steincon- 
structionen, Rippendienste, Musikchorbrü.stung, 
Portale, Kanzel u. s. w. seien mit größter Sorgfalt 
bewirkt worden, und eine bescheidene Abtönung 
der glatten ALauerflächen lasse nun die reiche 
Anwendung behauenen Steines zu vidier Wirkung 
gelangen. Die C. C. beschließt daher, die Flüssig- 
machung- der Staatssubvention von 3000 A' zu be- 
fürworten. [Referent: Luxtz] 



403 



Krain 

Conservator SzostBAXHY berichtet auf Grund 
eines flüchtigen Augenscheines und an Ort und 
Stelle eingezogener Erkundigungen über die beim 
Baue eines Amtshauses für die k. k. Bezirks- 
hauptmannschaft Rudolfswerth gemachten Funde. 
Es wurden zahlreiche Gräber aufgedeckt, von deren 
Inhalt er hervorhebt: 2 silberne Mittel-La Tene- 
Armbrustfibeln, ungefähr 10 mehr oder weniger 
fragmentierte Bronzefibeln- derselben Art, eben- 
soviele Spät-La Tene- und norisch - pannonische 
Fibeln aus Bronze und i bis 2 Dutzend verschieden- 
artiger römischer Fibeln ; ferner 2 bronzene Schöpf- 
becher mit Stiel, La Tene- Warzenringe und viele 
glatte Bronzearmreifen, 2 fragmentierte Eisenhelme, 
die sich wohl restaurieren lassen, i gerades und 
I zusammengebogenes La Teneschwert, mehrere 
Lanzenspitzen und Messer aus Eisen u. a.; endlich 
über 100 Gefäße, die Hälfte davon in Scherben, 
darunter bikonische La Tene-Vasen, eine circa 
10 cm hohe kleine Vase mit 4 winzigen Xeben- 
gefäiJchen und verschiedenartige römische Gefäße, 
von denen eine schöngearbeitete, den Glasumen 
nachgeahmte breitrandige Bombenume aus grauem 
Thon hervorgehoben zu werden verdient. 

[Referent: Mcch] 
Küstenland 

Die Administrationscommission in Görz er- 
klärt sich bereit, bezüglich einzelner kunsthistori- 
scher Details im Castell-Complexe die h. a. ge- 
wünschten Vorkehrungen zu treffen (vgl. Sp. 325) 
beziehungsweise, soweit die Instandhaltung dieser 
Objecte der Görzer Stadtgemeinde obliegt, mit 
dieser das Einvernehmen zu pflegen. Die Arbeiten 
am Thurme nächst dem aufgelassenen Munitions- 
depot können mit den geringen zur Verfügung 
stehenden Mitteln nur auf die nothwendigsten 
Reparaturen beschränkt werden. [Ref.: Xeum.\xx] 

Mähren 
Correspondent R.\.\b berichtet, dass im abge- 
laufenen Sommer im Minoritenkloster zu Brunn 
unter altem Gerumpel ein Altargemälde gefunden 
und der Gemeinde für das zu gründende Museum 
abgetreten wurde. Es sei auf Holz gemalt, stelle 
die hl. Maria in Wolken über der Stadt Brunn 
schwebend zwischen den allegorischen Gestalten 
der Bruna und Moravia einerseits und den hl. Fran- 



ciscus Seraph, und Anton von Padua anderseits 
dar, sei im unteren Theile gut erhalten, im oberen 
zerschlissen und vermodert, und vermuthlich aus 
Anlaß eines Jubelfestes in den letzten Jahren des 
X\T[. Jh. als Decoration eines tragbaren Altares 
entstanden. [Referent: Xelmaxn] 

X i eder-Österreich 

Conservator Romstorfer berichtet über eine 
steinerne Tafel mit lateinischer Majuskelinschriftt an 
einer Mahlmühle im Ortstheile Wieden von Gau- 
nersdorf, die sich auf die Wiederherstellung der 
Mühle nach ihrer Zerstörung durch die Schweden 
im Jahre 1647 bezieht. 

Finanzrath FrrzKA berichtet, daß eine Erhaltung 
der dreitheiligen spätgothischen Maßwerksrose über 
dem Portale der zur Demolierung bestimmten 
Spital(Elisabeth)Kirche in Mistelbach (vgl. 
Sp. 357) nicht möglich sei, da sie aus weichem, 
gänzlich vermorschtem Holze hergestellt und mit 
steingrauer Ölfarbe überstrichen sei. — Die Restau- 
rierung der Westseite der Pfarrkirche in Mistel- 
bach sei in befriedigender Weise vollendet worden. 

[Referent: Rosxer] 

Conser%-ator Schüöger berichtet, dass anläßlich 
der Canalisierungsarbeiten in der Wienerstraße 
zu St. Polten ein Kupferdenar des Caesars Con- 
stantius II gefunden wurde. [Referent: Kenner] 

Der Bürgermeister von Wr.-Xeustadt über- 
mittelt den Bericht über die Verwaltung der Stadt 
in den Jahren 1897 bis 1901. Soweit die h. a. 
Agenden hiedurch berührt werden, werden darin 
erwähnt : die Vollendung der Restaurierung der 
Denksäule .Spinnerin am Kreuz" und der Umge- 
staltung ihrer Umgebung zu einer Parkanlage, die 
Regulierung bei der Kapuzinerkirche, die Recon- 
struction des Rekthurmes und der anstoßenden 
Stadtmauertheile und der Wiederaufbau der Pfarr- 
thürme: femer werden die reichen und wohlgeord- 
neten Bestände des städtischen Archivs, der Biblio- 
thek und des Museums ersichtlich gemacht 

Conservator Staub hat unter Mitwirkung des 
Prof. Brfnek die figürlichen und Wappensculptviren 
an der Kirchenfacade der Theresianischen Militär- 
akademie in Wr.-Xeustadt, soweit dies ohne Ge- 
rüste möglich war, untersucht und hiebei die Über- 
zeugung gewonnen, dass. abgesehen von dem 
wiederholten unglückliclien Ölanstrich. ihr Zustand 



405 



4o6 



wohl keine beunruhigenden Schäden aufweise, 
aber gleichwohl wegen ihres hohen künstlerischen 
und historischen Wertes eine genauere Unter- 
sucliung von sachverständiger Seite mit Hilfe eines 
(jerüstes räthlich erscheinen lasse. In diesem Sinne 
beschließt sich die C. C. zu verwenden. 

[Referent : Zimhisch] 

Ober-Österreich 

An dem Projecte einer Inneni'estaurierung 
der Stadtpfarrkirche zu Braunau am Inn be- 
mängelt die C. C. die überschwengliche Ausmalung 
und die kostspielige Vergoldung der neuen gothi- 
sclien Altäre und empfiehlt dafür eine einfache 
färbige Abtönung des Kircheninnern und das 
Unterlassen der Vergoldung. [Referent: Ros.xf.k] 

Die Pfarrkirche in Kopfing- soll nach einem 
Projecte erweitert werden, welches nahezu einem 
vollständigen Neubau gleichkommt und lediglich 
das Mauerwerk des Thurmes und im Kerne auch 
jenes des Presbyteriums bestehen lässt. Die C. C. 
beschließt gegen das Project keine Einwendung 
zu erheben. [Referent: Rosxkr] 

Steiermark 

Conservator Wint berichtet, dass für die künst- 
lerisch höchst einfache Filialkirche zur hl. Maria 
in Svetina neue Glasfenster angeschafft wurden, 
wogegen keine Einw^endung zu erheben war. 

[Referent: Nel'.manx] 
Tirol 

Über Antrag des Conservators Atz ersucht 
•die C. C. den Correspondenten Paukert unter Zu- 
ziehung und steter Beaufsichtigung einiger Schüler 
der Bozener Fachschule die .schwachen Moos- 
schichten, welche in den Vertiefungen der Portal- 
löwen der Bozener Pfarrkirche sitzen (vgl. 
Sp- 337); vorsichtigst zu entfernen und in Zukunft 
der Hintanhaltung der Bildung neuer Moosschichten 
seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. 

[Referent: Nelwirth] 

Der Beamte der tirolischen Landschaft Kuni- 
i'.KKT Zi.MMETEK berichtet, dass am Bergfriet, dem 
fa.st einzigen gut erhaltenen Re.st der Fröhlichs- 
burg in ]\Ials zwei von den Zinnen bis nahe 
an den (rrund reichende breite Risse und außer- 
dem noch einige kleinere Sprünge bedenklicher 
Art zeigten, weshalb der Maiser Verschönerungs- 
verein beschlossen habe, den Rundthurm durch 



ein Dach gegen das EindringX'n der Feuchtigkeit 
zu schützen und das Mauerw-erk durch sogenannte 
Schleudern oder Eisenbinder zu sichern. Die C. C. 
begrüs.st die Bestrebungen des Vereines und be- 
schließt, in erster Linie die Gewährung von Landes- 
mitteln für die Instandhaltung zu befürworten. 

[Referent: Llntz] 
Conservator Innekhofer berichtet, dass das 
Comite zur Restaurierung- des Madonnen-Mo- 
numentes auf dem Sandplatze in Meran (vgl. 
Sp. 32) beschlossen habe, dasselbe in die Mitte 
des Platzes zu stellen und den schadhaften Sockel 
durch einen neuen mit dem jetzigen in Form und 
Farbe ganz überein.stimmenden zu ersetzen, ferner 
rings um das Monument eine Gartenanlage zu 
schaffen. Die C. C. erklärt sich hiemit einver- 
standen. [Referent: Zu.\niu.sui] 



Bronzenadel vom Gitzenberg 

Im Frühjahre igoi wurde in der Schotter- 
grube am südlichen Fuße des Gitzenberges eine 
Bronzenadel gefunden. Aus dieser 

T Fundstelle sind schon zwei Bronze- 

spangen, welche in den Jahren 1897 
und 1898 entdeckt und vom Regie- 
^^ rungsrath Mlch in dieser Zeitschrift 
^^B 1900, S. 96, beschrieben worden 
sind, bekannt. 

Dieser Fund war von den ande- 
ren sehr entfernt und ohne Be- 
gleitung von Culturspuren. Die 
Patina ist nicht rissig, sondern 
wie poliert und schwarzgrün. Die 
Bronzenadel ist nicht ganz o'2 5 111 
lang, geg-en die Spitze zu etwas 
gebogen, am Halse verdickt. Der 
Kopf ist kreisförmig, o-oi6 ui im 
Durchmesser, und zierlich ge- 
schlagen, oben mit einer Grube 
versehen, in welcher, da ihre Ober- 
fläche rauh ist, auch ein zierlicher, 
vielleicht konischer Einsatz be- 
festigt gewesen sein mag. Unter 
dem Halse bemerkt man eine zarte 
Strichelung, und zwar eine ge- 
tupfte Mittellinie, der Achsenrich- 
Fio-. 6 tung folgend, und ungefähr acht 



4o8 



horizontale Ringe. Am verdickten Halse sind die 
Ring-e noch zarter. Am unteren Theil hat der 
Schotterarbeiter dip Patina aus Neugierde entfernt, 
wobei das röthlii ?lb schimmernde Metall 
zum Vorschein kam. Axselm Ebner 



Funde aus der Völkerwanderungs- 
zeit in der '".ukowina 



In den M. C. C. XIX (189 J, S. 65, hat Con- 
servator Romstorfer zwei Schmuckstücke aus Gold 
mit eingelegten Granatplättchen aus dem buko- 
winischen Landesmuseum in Czernowitz publiciert, 
die kurz vorher zu Merezei in der Bukowina ge- 



iör 




Fig. 7 Schmuckstück 
im k. k. Österreichischen Museum 



funden worden waren. Das eine gleicht im all- 
gemeinen dem hier in Fig. 7 in natürlicher Größe 
abgebildeten Schmuckstücke, das sich im k. k. 
Österreichischen Museum zu Wien befindet; das 
bukowiner Fundstück trägt jedoch anstatt vier 
blol3 drei in den centralen Ring eingehängte Be- 
-schläge, und die Zeichnung der Goldstege auf 
den der Form nach völlig gleichgebildeten An- 
hängseln ist theilweise eine andere, wenngleich 
im Grunde nächstverwandte. Das zweite Fund- 
stück zeigt ungefähr die Form eines Halbmondes, 
dessen beide schnabelförmige Zipfel ein centrales 
kreisförmiges Auge einschließen. 

Unter dem 18. Juli 1902 weiß nun Conser- 
vator Romstorfer zu berichten, dass kürzlich am 



gleichen Fundorte abermals ein Schmuckstück von 
der erstgenannten Art entdeckt wurde, das zur 
Zeit seiner Berichterstattung darüber noch nicht 
für das bukowiner Landesmuseum erworben werden 
konnte. 

Diese Gegenstände, dieConservator Romstorfer 
a. a. O. vermuthungsweise orientalischem L'rsprunge 
zugewiesen hatte, zählen zweifellos zu den nament- 
lich in Osteuropa so zahlreich ans Licht gekom- 
menen Denkmalen der Granateneinlage in Gold 
aus dem V. — VII. Jh. n. Chr., über deren stilistische 
Abkunft ich in meiner -Spätrömischen Kunst- 
industrie nach den Funden in Österreich-Ungarn" 
I 172 ff gehandelt habe; das hier in Fig. 7 ab- 
gebildete Schmuckstück aus dem Österreichischen 
Museum, über dessen Fundort die Inventare leider 
nichts aussagen, erscheint ebenfalls daselbst auf 
Taf. I 3 farbig reproduziert Die Fundstücke aus 
Merezei verdienen deshalb besonderes Interesse, 
weil sie die ersten ihrer Art sind, die in der 
Bukowina nachweislich zutage gebracht wurden, 
während sie im benachbarten Rumänien bereits 
seit langem durch den berühmten Schatz von 
Petrossa, in Siebenbürgen namentlich durch den 
Fund von Apahida vertreten erscheinen. Es wäre 
zu untersuchen, ob nicht systematische Nachfor- 
schungen an der Fundstelle, die nun schon zu 
wiederholten Entdeckungen geführt hat, am Platze 
wären. Riegi, 



.Mittheilung der Redaetion. Das Titelblatt und 
die Indices zum Jahrgang 1902 sowie der Status der k. k 
Central- Commission werden zugleich mit dem Januarheft 
1903 ausgegeben werden. 



Inhalt 

Spalte- 

Elrlass des Präsidenten 385 

Personalien 385 

Sitzungsberichte: Sitzung vom 5. December 387 

;. :> 12. > 392 

» 3 19. 3 400 

Eexer Bronzenadel vom Gitzenberg +06 

GiEGL Funde aus der Völkerwanderungszeit in der 

Bukowina +07 



Verantwortliche Redacteure: Prof. Wilhelm Kubitschek und Prof. Alois Riegi.. — Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn^ 
In Commission bei Wilhelm Br.vumCi.ler, k. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, _Wien und Leipzig. 



INDEX 



I Dieser Jahrgang enthält Mittheilungen oder Aufsätze von 



a) Mitgliedern und Conservatoren der C. C. 



Actiatz 23g 

Graf Alterns 325. 326 

Atz 22. 268. 299. 348. 352. 353. 

369. 405 
V. Benak 189. 243. 300. 329. 

335- 346. 358. 368. 373 fg- 
Berger 11. 21. 34. 95. 148. 162. 

163. 190. 206. 207. 243. 

254. 266. 267. 335 
Branis33. 65 ff. 75(1'. 235. 311 ff. 
Braun 224 

Bulic 62. 64 f. 86. 153- 140. 168 
de Campi 13. 174. 349. 369 ft'. 
Crnoloyar 28. 325 
Czerny 18. 127 

Conservator Deininger 22. 23. 

98. 99. 132. 267. 359. 369 

Mitglied Deininger 265. 293. 

336- 357 
Demetryliiewici 165 
V. Divis b. 341 
Dungel 51 
Dvoi^ak 261. 355 
Graf Dzieduszycki 178 

Endl 146. 170. 206. 321. 334 

Fischer 352 

Franke 333 

Frankl 154. 342. 393 

Gelcich 34. 238. 262 

Gnirs 17. 36. 47. 48. 61. 62 fg. 

89. 127. 165. 263. 343 
Goebel 355 
Graus 65. III. 125. 163. 208. 

255. 267. 34r;. 399 

Greil II. 147. 162. 189. 225. 
294- 303 • 



Groesser 61. 74. 86. 116. 141 

Grueber 68 ff. 142. 342. 402 

Gurlitt 399 

Hammerl 93. 168 fg. 206 

Frh. Handel-Mazzetti 10. 19 

Hejnic 338 

Herain 237 

Hermann 49. 50. 120. 144. 186. 

250. 29g 
Hracli 8. 299 
Innerliofer 12. 31. 98. 13 1. 243. 

244. 267. 406 
Jäkel 20 
Jicinsky 201 
Jordan 40. 122, 160. 344. 349. 

391 
Kaclinik 8. 221 
Kenner 222. 307 ff. 
Kerscbbaumer lu. 40. 5 t. 165. 

166 
Krackowilzer 345 
Kroutil 261 
ICubitschek 23. 58 ff. 64 f. 92. 

94. 103 ff. 160. 231. 278 ff. 
Kürschner 398 
Lacher 12. 173. 207. 295 
Lebinger 35. 323 
Luksch 125 
Luntz 223 

V. Luschin 12. 347. 358. 368 
Maionica 248. 249. 326 
Mazegger 297 
Meindl 206. 3g6 
Mayer 344 
Müller 152. 236. 238. 2gO. 2gl. 

355 



Neumann 102 

Neuwirth 2g7. 305 ff. 337. 352. 

359 
Odrzywolski 27. 219 
V. Ottenthai 192. 347 
Pascher 32. 42. 237 
Passerini 349 
Stephan Petris 47. 325. 343. 

395 
Fetter igo 
Pippich 26. 2gl. 322. 331. 341. 

389 
Firckmayer 53 
Plahl 43. 102. 126 
Polek 152 
V. Premerstein 17g 
Puschi 1 18. 342 
Richly 7. 176. 177. 340. 400 
Riedl 41. 53. 54. 60. 124. 149. 

225. 294. 368 
Riegl 253. 310 fg. 333. 350. 

352. 407 fg. 
Righetti 195 

Rössler 3g. 121. 122. 145. 147 
Romstorfer 238. 246. 404 
Rosmael 65. 74. 79 fg. log ff. 

221. 240 

Rosner 18. 102. 128. 266. 358 
Schaeffer 251. 293. 397 
Schiefthaler 123 
Schmiedel 93. 300. 390. 397 
Schmöger 224. 252. 265. 368. 

404 
Schraölzer 131. 132. 150. 210. 

244 
Schneider 85. 175 



V. Schwerzenbacli 192. 400 

Sedläcek 116. 290. 322. 341 

Siegl 392 

Skorpil 289. 331. 392 

Smiric 246. 342 

Srb 53. g6 

Starzer 91. 103. 159 

Staub 160. 161. 166. 171. 172. 

188. 240. 241. 242. 335. 

357- 358. 396- 404 
Sterz g. 119. 120. 128. 184. 

196 fg. 204. 221. 222. 239. 

240. 263. 264. 292. 327. 

334- 356- 365 
Straberger 95 
V. .Stryjenski 7 
Szombathy 16. 45. 46. 52. 87. 

118. 179. 220. 226 ff. 252. 

343- 395- 403 
V. Tomkowicz 27. 44. 141. 153. 

203. 211 ff. 247. 263. 355 

Vomacka 388 
Vyvlecka 326 
Wachtier 18. 35. 39. 48. 145. 

395 
Walter 30. 55. 131. 164. I92. 

348. 352- 353 
V. Weinzierl IS- 115- 280 fg. 

338 
AViehl 14. 125. 164. 167. 201. 

235- 387 
V. Wiescr 3g I 
Wist 96. 131. 405 
Zäklasnik 85 
Conservatoren des westlichen 

Galizien 141 

28 



4" 



412 



b) Correspondenten der C. C. 



Araoroso 28. 61 fg. 112 
Ankert 32. 84. 125. 245. 331. 

354 
Äugst 258 
Bauer 390 

Bekb V. Widmanstetter 127 
V. Chizzola 219. 24;. 323. 342 
dei Cobelli 22. 55. 192. 225. 

361 
Dannesberger 13. 100.211.268. 

329. 369. 391. 392 
Domanig 1 46 
V. Dydynski 56 ff. 
Fischer 291 
Ebner 406 f. 
Gerlich <). 1 84. 240. 264 



Giannoni 58. 366 
Grienberger 391. 399 
Hager 92. 166 
Hendrich 354 
Hubert 81. 151 
Jelic 33. 85. 332 
Kaindl 15. 43. 178. 341 
Katschthaler 159 
•KoDschegg 196 
Krarany 327. 345. 346. 357 
Frh. Krticzka V. Jaden 121. 1S7 
Larcher 32. 399 
Low 148 
Machatschek 9 
Machnitsch 118. 119 
Mayr 149 fg. 255 



Melicher gl. 127. 151. 169. 

'72- 245 
Menghin 351. 368 
Merz I96 
Möralh 321 

Moser 89. 119. I42 — 144. 155 

bis 157. 179. 180—183. 220. 

Münsterberg 225. 285 ff. 316 ff. 

221. 249. 363. 
Nopp 37. 39. 222 
Kowalski de Lilia 367 
Perini 244. 399 
Pichler 240. 268 ff. 
Pliwa 247 

Postinger 97. 256. 303. 329. 
348 



V. Preen 103. 130 
Raab 403 
Riedling 390 
Rilschl 335 
Rzehak 374 ff. 
Schnerich 8 
Siber 12. 31. 348. 391 
Schwalb 343 
Tommasi 392 
Uhlirz 90. 222 
Untergasser 348 
Vancsa 167. 322 
Veiter 342 
Weber 365 
Zibrt 245 



Behörden (außer dem vorgesetzten k. k. Ministerium für C. u.U. und den k. k. Statthaltereien), Instituten. 
Vereinen und der C. C. nicht angehörenden Einsendern: 



Administrations-Commission in 
Görz 403 

k. k. Bezirkshauptmann- 
schaft Cles 31 

— Brück a. L. 252 

— Unter-Gänsemdorf 18. 395 

— Gröbming 267 

— Gryböw 57 

— Korneuburg 145 

— Prerau 158 

— 'fepl 332 

— Tulln 18. 159 
Brennek 390 

Graf Clam-Gallas 338 
Dombauleitung in Metz 14 
Donauregulierungs - Commission 

10 
Dworschak 103 
Fink 129 
Fitzka 404 
Generaldirection der a. h. Privat- 

und Familienfondc 358 
Gjonovic 86 
Hölzl 30 
Huemer 10 



Huth 8 

K. k. archäologisches Institut 
35- 249 

Komatar 117. 394 

Lawicki 246 

Lieger 29. 205 

Fürst Großprior des Malteser- 
ordens 388 

Marian 235 

Mayer-Wyde 88 

K. u. k. Militärbehörden: 
Landes Gendarmeriecom- 

mando in Lemberg 219 

— Militärcommando in Zara 

322 

Ministerien: k. k. Justizmini- 
sterium 43. 163 

— k. u. k. Reichskriegsmini- 

sterium 47. 170 
Museum, Kaiser Franz Josefs- 

in Chrudim 175 
Museum, Landes- in Laibach 

2Ö3 
Nowotny 103. 193 ff. 248 



Ordinariat: b. von Cattaro 44 

— fb. von Lavant 207 

— fe. von Trient 41 
Pecnik 363 

Pfarramt Altmünster 345 

— Klein-Mariazell 92 

— Schlaggenwald 341 

— Schönbrunn 90 

— Sindelburg 241 

— St. "Wolfgang 390 
Ritschi jun. 253 
Schlager 94 
Schmidt 115 
Semper 350 

Simoni 128. 129 

Smolik 140 

k. k. Staatsbahndirection in 

Pilsen 393 
Stadt Braunau am Inn 390 

— Bregenz 41 

— Gmunden 224 

— Olmütz 144 

— St. Polten 41 

— Retz 188 

— Salzburg 124 



[ Stadt Schwaz 209 

— AVien 170. 389 

— Wiener-Neustadt 122. 404 

— Ybbs 129 

— Znaim 28 
Sternen 87. 334 
Stift Ardagger 334 

— Melk 222 

— Schwaz 209 

Besitzer des Strclzhofes 293 

Trampler 39 

Universitäten, Senate der beiden 

Prager U. 14 
A er eine: Archäologische istria- 
nische Gesellschaft 180. 343 
Geschicbtsverein für Kärnten 

220 
, Linde' in Kritzendorf 171 
Museumsgesellscliaft in Tep- 

litz 246 
Za starou Prahu, Prag, 331 
Österr. Touristenclub, Section 
Traisenthal 146 
Zimmeter 405 



i'3 



PI 



II Orts- und Sachregister 

Bö. = Böhmen, llu. = Uukowina. I). = D.ilmaticn. O. = Galizlon. Kä. = Kärntc-n. Kr, = Kriiiii. Kii. = Kiisti'uhiiKl. M;i. = Mlilu.-ii. 
NÖ. = NieciiT-Öst.-rr.vrli. ÜO. = Ober-Österreich. Sa. = Salzburff. Schi. = Schlesien. St. = Steiermark. T. = lirol. \'. = V.,rarlli( 1«. 

In Klammern einKCSchlcissene römische Ziffern bezeichnen die Jalirluiiulcrte. 



St. A Jalarikirclie im l'iUcrsectlial i"!'. i 
268 

A ilmont (St.i Kapelle des Kaslongeliäuiles 
346 

Aflenz (.St.) l'farrUirclic 1Ö.5 

St. Agatha bei fioisern ((.)().) Innenein- 
richtung (XVIIi 328. Kirche 328 

Aichdorf bei l'rävali Iva.) Römersteine 

35- 154- 393 
AI bona (Kii.) venetianisclie Palazzi SS 
Algund (T.i Gemeindearchiv 255 
Altäre s. Ardagger, Drazgose, Kaltem, 
Kuens, Kiitlenberg, I.ovch, Marburg, 
Maria Gail, Klein-Mariazell, Prinzen- 
dorf, Sillian. 
Deutsch-Altenburg (N().) Pforrkirclie 

Altenburg (OÖ.) Filialkirche 368 

Altmünster (OÖ.) Bilder in der Pfarr- 
kirche und im Pfarrhof 253. 34; 

Alttitschein (Mä.l Münzfund 
(XVI/XVII) 326. 

Ameis (NÖ.) prähist. Gräberfeld 327 

Amtliche Erlässe I. 2. 385 

Aquileja (Kii.) Basilika und Battistero334 

Comite de conservation des monuments de 
l'art Arabe, Jahresbericht für lyoo 

175 

Archivalien: Fürsorge des I.inzer bisch. 
Ordinariats 327 

— Decanatsarchivc 361 

Archivberichte der C. C. : Kritik und 
Replik 347 

Archive s. Algund, Arnoldstein, Aschach, 
Aspang. Aurolzmünster, Benov, Bre- 
genz. Brück a. 1.., Biiclilau, Buko- 
wina, Burgstall, Canale, Duino, F.fcr- 
ding, Eisgarn, F.nzersdorf a. F., 
Eschelberg, Feistritz, Feldkirch, Fer- 
lach, Freistadt, Friesach, Gnrgazon, 
Gars, St. Gerold, Göriach, Grisignana, 
Guttaring, Hainburg, Harlheim,Istrien, 
Kärnten, Klagenfurt, Krain, Kufstein, 
Kundl, Kuttenberg, Lambach, Lies- 
feld, Mals, Niederrasen, Obernberg, 
Oberösterreich, Oberwallsee, Ossiach, 
Pardubitz, Panisch, Partischins, 



chonau, Quisca, Rohrau, Kosegg, 
Schaumberg, .Schlesien, Srhntlwien, 
Schweiggers, .Schwertberg, Spital, 
Stilfs, Tirol, Tolraein, Trautmannsdorf, 
Tribuswinkel, Trient, Troppau, Val- 
dua, .St. Veit, Villach, Völkermarkt, 
Vomp, Wien I. VIH., Wiener-Xeu- 
stadt, Viertel unter dem Wienerwable, 
Wolfsberg, Wolfsthal, Zwettl 
A reo (T.) röm. Grab 55- 97 (Berichtigung) 
— .Silberteller aus dem Kirchenschatze 

3f^>i 
Stift Ardagger (NÖ.) Altar 327. 334 
Arlberg (T.) St. Christoph-Hospiz 30 
Arnoldstein (Kä.) Stiftsarchivalien 36 
Aschach (OÖ.) gräfl. Harracli'schcs Ar- 
chiv 345 
Aspang (NÖ.) Herrschaftsarchiv und 

Marklarchiv 366 
Asjiern an der Zaya (XO.i Grabsteine in 

der Kirche 357 
Asseria s. Podgradje 
A tzgersdorf (NÖ.) römischer Wasser- 

leitungscanal 367 
Aurachkirchen (OÖ.) Filialkirche (XV) 

^-4 
A urolzmünster (OÖ.) gräfl. Arco'sches 

Archiv 19 
Aussee (OÖ.) Grabsteine (XVI) i<)6 
Aussig s. Marian 
A vio Fresken im .Schlosse Castelbarco 350 

Baiice (G.) prähist. Funde 219. 247 

Bayerdorf auf dem Murdunberg (Kä.i: 
Grabfunde 154 

Barbana (Kü.) Antoniuskapelle mit Wand- 
malereien (XV) l6g. 195 

Bela (Bö.) Pfarrkirche 201 

Benov (Mä.) Amtsregister der Gemeinde 
8. 158 

Bergstadt (Mä.) Pfarrkirche 18 

Berndorf (NÖ.) Niederfeldkapelle Mün/,- 
fund (XVII) 40. 91 

Berslin bei Rudolfswerth 1 Kr.j römische 
Gräber 363. 395 

Biecz (G.) Pfarrkirche 389 

Alt-Biela (Mä.) barocke Pfarrkirche 
(XVHI) 109-111 



Bielitsch (Bö.i Filialkirche 
Kila (Bu.) Steinwerkzeuge 177 
Biograd (D.) Ausgrabungen auf der 

Glavica-Basilika (XI) 33. 85. 331 
Bleitessera s. J.eipa 

Blumenegg (T.) Herrschaflsarchiv 255 
Boccadino bei Duino (Kü.i Fund röm. 

.Silbermünzen 22 1 
Bozava (D.) Votivkirche zur hl. Drei- 
faltigkeit 2f)2 

Bozen (T.) Wandmalereien im ehemaligen 
Dominicanerkloster 348. 353. 369 

— Thurm der Pfarrkirche 33O. 337. 405 

— s. Campill 

Braida (Kü.) röm. Funde 220 
Braunau (OÖ.; mittelalt. Grabstein im 

Hause des Bäckermeisters Nöbauer 

130. 390 

— Stadtpfarrkirche 405 

Bregenz (T.) röm. Gebäudefunil 192 

— Archiv des Stadtpfarramts 149. 352 

— Gemeindearchiv 352 

— mittelalt. Stadtmauern 41 
Bri.\en iT.) Johanneskirche 131. 348 

— Gymnasial-(Frauen-)kirche 329 
Brück a. d. 7^. (NÖ.) städtisches Archiv 366 
Brück (Mä.) Grab- und Kellerfunde 184 
Brück bei Lienr (T.) Wandmalereien in 

der .Schlosskapelle 30 
Brunn (Mä.) Altargenuilde im Minoriten- 
kloster (XVII) 403 

— Dom zu Peter und Paul 37 
Alt-Brün n (Mä.) Königin-Klosterkirche 8 
Bruneck (T.) Trinkstube mit Malereien 

131 

Bubowitz (Bö.) Pfarrkirclie 29S 

1! u rk holzer Wald bei Znaim(Mä.) prähist. 

Funde 1S4 
Buchlau (Mä.) Schlossarchiv 37 
Budapest Nalionalmuseum 361 
Budi schau (Mä.) Pfarrkirche 38. 364 
Budweis (Bö.) ehemalige Schanzen 235 

— Festungsmauer 167 

Bukowina Funde aus der Völkerwande- 
rungszeit 407 

— Actenbestände der Gerichlsarchive 15. 

43 

28* 



4«5 



416 



Bakowica Aicliivaliea 43 

— Landesmaseam 177. 258 

— LandesarchiT 177 

Burgruinen aus OO. ußd Sa.: Auf- 
nahmen durch Milglied Rosner 123. 
358 

Bnrgstall iT. Gemeindearchiv 255 

Campill bei Bozen (T.^ Martinskirche 

337 
Canale iKü.) Berirksgerichtsarchiv 248 
Ca5lau'jBö.i Musealverein .Vcela Cäslav- 

ska- 175 
Castelbarco (T.) s. Avio. 
Cattaro (D.) Domkirche 44. 

— Gemälde des Glrolamo da S. Croce in 

der Josefskixche 34. 203. 291 

— Rectoren und Adelige 86 
Cavalese (T.) Taufbecken (XJV) 329. 

34 S- 349 

— Gemäldesammlung der Fleimsthaler 
Maler 297. 303 

— Palazzo vescovile 97. 131 
Cazzano di Brentonico (Monte Saldo) (T.) 

bronzene Annbänder 225 

Cenlral-Commission amtliche Unter- 
stützung ihres Wirkungskreises 96 

Cherso (Kü.) Festungsthunn (XVI) 47. 
239 

— venetianische Spitzen 325 
Chinnschi iKü.' Curatiekircbe 88 
Christofen (XÖ.) Pfarrkirche 334 
Chrndim (Bö. Katharinenkirche '^1536) 

'75 
Cilli (St.) röm. Relief 103. 193 — 195 

— spätröm. Fibula 54 

— Abbildung von Scbloss nnd Stadt 294 
Civezzano (T.) Funde aus der Lango- 
bardenzeit 100 — 102. 297. 369 

Cles (T. palazzo assessorile 31. 174 
Congress kunsthistorischer in Innsbruck 

359. der archäologischen istrianischen 

Gesellschaft 180. 
Curzola (D.) Denksänle an den Grafen 

Pellegrino Pasqualigo (1678' 203 
GroB-Czernosek (Bö.i Hockergrab 340 
Czernowier iMä.) Gedenkstein, auf das 

Kloster Hradisch sich beziehend 9. 

222 
Czernowitz {Ba. Raihhaos 11S43/ 246 

— Archiv der k. k. Finanzprocuratnr 152 

Decani (Kü.) mittelalt. Mosaikboden 395 
Denkmälerverzeichnis Cons. Fndels 
Anregung 321 



Deutschnofen T. Wandgemälde an dem 
AußenpfeilerderSt. Helenenkirche 39 1 
Dietenheim (T.) Pfarrkirche 243 

— Malereien an der Pfarrkirche 12 
Dobrunje i.Kr.) s. Javor 

Dolina (Kü.) Münzfnod (251/254 n. Chr.) 
'79 

— s. St. Martin, s. Kroglje 
Schloss Dorf beim s. Saalfelden 
Dolje bei Tolmein (Kü.) Brandgräber aus 

der Krüh-La Tcne-Periode 1 1 8 
Doubraken (Bö.) s. Filialkirche zu -St. 

Georg 
Doubra va (Mä.) Schwert (XV) undSporen 

(XVII) 9 
Doubrawa bei Mies (Bö.) Pelruskirchlein 

"5 
Drazgose (Kr.) Altäre und Kanzel in 

der Pfarrkirche 333 
Dreikreuzberg bei Groß - Tschemosek 

(Bö. prähist. Ansiedlung 84 

— Doppelwall 85 

Dubitz (Bö) Barbarakirchlein 151 
Dublovice (Bö.) Pfarrkirche 202 

— Wandmalereien an der Pfarrkirche 245 
Düsseldorfer Denkmalstag 297. 305 flf. 
D n i n o (KiL ' s. Boccadino 

— Herrschaftsarchiv 249 

— röm. Silbermünzen 221 

Ebbs (T.) St Xikolauskirche (XV > 369 
Ebergassing (^XÖ.) Pfarrkirche 264 
Eferding (OÖ.) förstl. Starhemberg'sches 

Archiv 19. 20 
Eger (Bö.) Grabsteine im Franciscauer- 

kloster 32 
Eggen dorf am Wagram (imThale) (XÖ.) 

Mnnzfund ^XVII) 91. 145 
Eichdorf bei Prävali (Kä.) s. Aichdorf 
Eiersdorf (Kä.) Gemälde der Filialkirche 

342 
Eisenkappl (Kä.) Hochgericht 7 
Eisgarn (XÖ.) Propsteikirche 145 

— Propsteiarchiv 186 

— Pfarr- und Decanatsarchiv 187 
Engelhartstetten (XÖ.i Münzfund 

(,X\TI) 18. 146 
Engel haus bei Karlsbad (Bö.) Fried- 

hofskapeUe (Ende XVII. 42 
Enns (OÖ 1 Museum 94 

— Sammlung Bukotmig 94 

— Mnnzfunde 94 

Maria Enzersdorf (XÖ.) Denksäule der 
Schiffer aus Erdberg 223. 

Enzersdorf a. d. Fischa (XÖ.i Herr- 
schaftsarchiv 366 



Epigraphisches: 

— Kaiser: 

C. CiiSJr 61 

Ti. CLiudius Drusi f. Caesar Aug 

German., pontiüx maximus, Irib. 

potesl. XI. imp. A'.Y[///?], cos. V, 

censor. p. p. 64 
imp. Cjc. M. Anlo. Gordiano pio fei. 

Aug., p. m., p. p. 61 

— Xamen: 

P. Anleius Rufus. leg. [Aug.proprJ] 64 
Li'ucius), Miarcus), Caius) Aquillfs 62 
Aquilia Sp. f. Tertia 62 
P. Cosinius [Felix, leg.] .\ug. f^ro pr.] 

309 
luliiis Albius 5. L". Meinmiu; FiJus 
Ti. lulius Bellicus 60 
Ti. Julius Frontonis f. Civis 60 
Julia Litugena, libiertäi 61 
Af. Gavius Firmus Vellina Firma Picen. 

308 
Q. Labienus O. f. Mollio 62 
C. Mcmmius Fidus Julius Albinus, 

(cos.) 308 
Xeratia Ouintilla 59 

— Cognomina: 
Albius 308 

Apronianus (cos.) 308 
Aucluiccus 104 
'Belatullus 61 
Bellicus 60 

Bradita (cos.) 308 

Civis 60 

Cossia 104 

Djn[u]us 109 (Druckfehler: i>j[»i]Ms) 

Dinus 109 

Fidus 308 

Firmus 308 

Fronto 60 

Litugena 61 

ililnerlus 59 

Mollio 62 

Pansa: (6glinae) Pansi'anae) 61 

Quintilla 59 

Rufus 64 

Tertia 62 

Tricuai 104 

— Reichsbeamten: 

Consuln s. Memmius Fidus, .Apronianus, 

Bradua 
Legatus -Augusti pro praetore von Dal- 

matien 64; von Xoricum 308. 309 

— Militärisches: 

decinrio; alae Asturum II 60 
genius leg. JI Ital. p. 308 

— Gemeinden: 

decturioi municipi Celeiae 60 



417 



4 i8 



Epigraphisclics: 

— Gemeinden: 

(tribti) Veliiia Firiiio l'icatii) 308 
r(fs) j'yiiblica) XesUicIiciisiiini} 61 

— Ziegeleien : 

C. Caesar /'iinsi{aiia) G i . Ccr. Ops. 1 

— Formeln auf Gralistcincn: 
[i/(/5)] iii{anibus) 374 
v(irus) f(ccit) sibi et suis (ii 

fniler d hcrcs fccil 60. fratre-i posii- 
niiil 101). paier posstii lo^.faciiiiuiiim 
curaveriinl 62. heres fccil 60. Ics/a- 
iiiciilo ficri iiissil 60. 62. al cuiiis 
arbiti{i)um per mc efi.f)er\r)i iiissii 5g. 

h[ic) s{ili) s(unl) 109 

— Griechische Sentenz: yß-\z, i;iot, ar)n3|y^v 

ao( 332 
Kschelberg (OÖ.) herrschaftliche Acten 
20 

Faedo (T.) FresUengeniälde in der :iUeti 

Kirche 330. 391 
Maria Fallsbach (OÖ.) Kreuzwegbilder 

der FilialUirche 243. 293 
Feistritz a. d. Drau (Kä.) Filialkirche 

am Biichel 116 
Schloss Feistritz (NÖ.) Archiv 357 
Feldkirch (V.) Archiv des Johanniter- 

hauses 149 

— Archivalien 255 

Ferlach (Kä.) Bezirksgerichtsarchiv 324 
Fischau (NU.) Pfarrkirche 91 
Fränkisches Gräberfeld s, Prosmik 
Freistadt (OÖ.) Gemälde der Marien- 
brüder 20 

— Archiv des Grafen Kinsky 345 
Friedersbach (Nu.) Archivalien 93 
Friesach (Kä.) Spitalskirche der zwölf 

Apostel 141. 259 fg. 

— Johanneskirche 142 

— Ruine am Petersberg 16 

— Dorainicanerarchiv 323 

— Archiv der Bürgergültverwaltung 324 

— Stadtarchiv 324 

— Bezirksgorichtsarchiv 324 

Josef Führich Kreuzwegbilder in der 
Pfarrkirche von Tochowitz (Hö.) 116 

Gabel (Bö.) Laurentiuskirche 354 
Gablitz (NÖ.) Pfarrkirche i.XVI) 264 
Gabrije Gemeinde Wrussnitz (Kr.) Fumle 

in einem Tumulus 17 
Gais (T.) Wandmalereien in der Todten- 

kapelle 208. 348 
Galizien Inventarisierung der westgalizi- 

schen Kunst- und hist. Denkmale 141 



Gallenstein bei St. Gallen (St.) Glas- 
malereien aus der Schlosskapelle 346 

Gallspach (OÖ.) Grabsteine der Pfarr- 
kirche 328. 358 

(xargazon (T.) Gemeindcarchiv 255 

Gars (NO.) Archiv-und Localniuseum 146 

Gaunersdorf (NÖ.) Schwedcndenkmal 
404 

Kilialkirchc zu St. Georg bei Doubrakcn 
(Bö.) 392 

.St. Geo rgenk irchlein bei Serfaus (T.) 
330 

St. Cieorgen am Kei th (( )Ö.i Pfarrkirche 
51. 240 

St. Georgen bei 'l'ollet (NÖ.) I'farrkirche 
294 

Geretsberg (OÖ.) Pfarrkirche 29 
St. Gerold (T.) Herrschaftsarchiv 25; 
Gitzenberg (Sa.) Bronzenadel 406 
Glasmalereien s. Gallenstein, Heiligen- 
blut, Hödnitz, Judenburg, St. Michael, 
Streiteben 

Glocken s. Kralitz, I.ibocliowan, Spalato 
Glavica (D.) s. Biograd 
Glinzendorf (NÖ ) Filialkirche 51 
Gloggnitz (NÖ.) Johanneskapelle unter- 
halb des Schlosses 241 

— Kreuzweg (XVIII) 241 
G munden s. Krackowizer 
Gneixendorf (NÖ.) jüngeres Hufeisen 

und versteinerte Knochenreste 10 
Gobatsburg (NÖ.) röra. Inschriftstein 

(CIL III 14369, 1) 223 
GöUersdorf (NÖ.) Kreuz am Hochaltar 

der Pfarrkirche 293 
Göriach (Kä.i Anleitbuch unser lieben 

Frau 3O 
Görz (Kü.) Castell 403 

— Munitionsdepot auf dem .Schlossberg 

28. 325 
G öss(St.) Altarbild (vomKremserSchmidt) 
in der I'farrkirche 207 

Götzendorf (NÖ.) Pfarrkirche 299 
Goisern (OÖ.) s. St. Agatha 
Gologorica doli (Kü.) röm. Inschr. 62 
Gonobitz (St.) röm. Inschrift Oo 
Gostece (Kr.) Filialkirche und ihre Wand- 
malereien (XV. XVII) 87. 169 
St. Gotthard (NÖ.) Pfarrkirche 251 
Grabfunde s. Fränkisch, Langobarden- 
zeit, Markomannenzeit, Merowinger- 
zeit. Prähistorisch. Römisch, Völker- 
wanderung 
Grabsteine s. Aspern a. d. Zaya, Aussec, 
Braunau a. Inn, Eger, Gallspach, Hüttel- 
dorf, Ober-Österreich, Ober-Perwen!, 



Schönbrunn, Radkersburg,Steyr,Sveti 
Thalheim 
Grade (Kü.) antike Funde 3O4. 39; 

— sog. Römerthurm (XV oder XVI) 395 

— altchrislliche Basilika 326 

— röm. Straße 32Ö 

— (ierichtsgebäude 299. 326 

G ra f en s t c i n I H,-,.) llünzfund (X VI ' XVII) 

Gravosa(D.) ein Patricierwohnliaus 38g 
Graz (St.) Conservatorentag in Crraz 338 
steicrmärkisches culturhistorisches und 
Kunstgewerbemuseum 207 

— .Schoy^sche Dreifigurengruppe aus der 

Wegkapelle in der Vorstadt Karlau I 2. 
174 

— Graf Kolonitscli'sches Palais (1642) 

Schmiedgasse n. 21 96 

— Schlossthurm 173 
Grefe, „Alt-Krain" 155. 220 

— „Alt-Österreich" 158. 222 
Griechische Inschrift s. Schwarzenbach 
Grienau (OÖ.) Frdstall 103 
Grillenstein bei Gmünd (NÖ.) Münz- 
fund (XIII— XV) 285 ff. 

Grisignana (Kü.) Gemeindearchiv 249. 

343 
Grissian (T.) Jakobskirche 267. 351 

— St. Apollonia bei Grissian, merowingi- 

sche Funde 368 

Berg Grodzisko in Poznachowice (G.) 

prähist. Ansiedlung 57 
Gröbming (St.) Pfarrkirche (I491) 295 

— Ruine Wolkenstein 208. 267 
Grossau (NÖ.) Pfarrkirche 121 
Grossgmain (Sa.) dem Maler Zeitblom 

zugeschriebene Marienbildercyklus in 
der Pfarrkirche 254. 397 

Gryböw (G.) steinernes Beil 56 
Gschwend (T.) Holzrelief in der Beth- 
lehemkapelle 208 
Gurk (Kä.) Kunstschätze des Doms 8. 45 

— Nonnenfriedhof 45 
Gurschdorf bei Frciwaldau (Schi.) Wart- 

thurm (XV r XVII?) und Einzelfunde 
22; 
Guttaring (Kä.i Decanatsarchiv 324 

Hainburg (NÖ.) städtisches Archiv 367 
Haindorf (Bö.) Wallfahrtskirche 258. 338 
Halicz(G.) ruthenischeKirche (XVI) 14 1. 

178 

Hall (T.) Pfarrkirche 30 1 fg. 303 

— Denksäule (XV) im Salinenhof 267 
Hallstatt (OÖ.) kath. Pfarrkirche 147. 

189. Kanzel in der Pfarrkirche 329. 



410 



420 



335- Orgelchor 266. Freskogemälde 
der Pfarrkirche 274 
Hart heim (OÖ.) herrschaftliche Acten 20 
ijroß-Haselbach (XÖ.) Pfarrkirche 121. 

146 
Hausleithen (NÖ.) Fresken des Kremser 

Schmidt im Pfarrhof 91 
Hebräische Inschrift s. Wien I Wollzeile 
Heiligenblut (NÖ.i Glasfenster in der 

Pfarrkirche 29. 51 
Heiligenblut im Möllthal (Kä.) Pfarr- 
kirche 355 
Heiligen kreuz bei Sauerbrunn 1 St.) Pfarr- 
kirche 124 
Pfarrkirche Heiligenkreuz bei Michel- 
dorf (OÖ.) 390. Grabkreure (XIX 1 am 
Friedhofe 390 
Heinzendorf (Bö.i Filialkirche 393 
Hermagor(Kä.)Bezirkshauptmannschafts- 

archiv 324 
Hödnitz iMä.) Pfarrkirche Glasfenster) 

119 
Höflein bei Brack a. d. L. (NÖ.) Fried- 

hofmaner mit röm. Inschriften 187 
Hofern (OÖ.) s. Stift Schlierbach 
Schloss Hohenegg (NÖ.) am Dunkel- 
steiner Walde (XVI) 368 
Hoheneich (XÖ.) Pfarrkirche 205 
Hohenmauth (Bö.) Decanalkirche 261 
Hollenburg (NÖ.) vorröm. oder röm. 

Gräber 51. 165 
Holstein (Mä.) Burg 39 
Hofitz (Bö.) Kirch thurm 15 
Horkau (Mä.; vorgesch. Gräberfeld 144 
Hörn (NÖ.) Piaristenkirche 170. 205 

— Bezirksgerichtsgebäude mit Sgraffitil 70. 

252 

— Sgraffiti am Amon'schen Hause 146 
Hosin (Bö.) Wandmalereien im rom. Kirch- 
lein 65 

Hostomitz /Bö.) neolithisches Skeletgrab 
340 

Groß-Hrabowa (Mä.) Pfarrkirche 102 

Kloster-Hradisch bei Olmütz (Mä.; 
Gedenkstein Benedicts II 9. 222 

Hundsheim (XÖ. mittelalt. Befestigungs- 
thürme 40 

Hürm fXÖ.) Pfarrkirche 9 

Husiatyn (G.) röm.-kath. Pfarrkirche 292 

HütteldorffNÖ.) schmiedeeisernes Gitter- 
thor (XVII), Grabstein 1 XVIII XIX;, 
Barockthüre 40 

Innichen (T.) Scnlpturen auf dem Ab- 
kürznngswege nach Toblach 352 

— Grabkrenze 192 



Innsbruck (T.) Landhaus 336 
— kunstbistorischer Congress 359 
Inschriften s. Fpigraphisches Griechisch, 

Hebräisch, Römisch 
Istrien (Kü.i archäologische Karte 47. 

118. 
Archive Istriens 325 
Archäol. i s t r i a n. Gesellschaft, Bericht über 

den 13. Jahrescongress I80 

Jaroslavic (Bö.") prähist. Depotfund 400 
Javor (Kr.) (Gemeinde Dobrunje) Flach- 
gräberfeld (Hal)stätter Periode und 
röm. Kaiserzeit) 343 
Jicin (Bö.) Decanalkirche 245. 354 
Judenburg (St.) Glasgemälde der Magda- 

lenenkirche 12. 41. 191 
Jungbunzlau (Bö.) Sgraffiti am Kreis- 
gerichtsgebäude 235 

Kalwarya Zebrzydowska G. Kloster 
und Kirche 27 

Kärntens Archive 323 

Kagran (XÖ.l Kirche und Pfarrhof 299 

Kaliman Gemeinde Teodo (D.) Antonius- 
kapelle 86. 238 

Kaltem iT.) Hochaltar der St. Xikolaus- 
kirche 268 

Kamaik (Bö.) Burgruine 388. 

Karlau zu Graz (St.) Figurengruppe des 
hl. Xepomuk, von Schoy 12. 174 

Burg Karlstein (Bö.) Restaurierung 132 
bis 140. 236, 400 

Karte der venetianischen Lagunen (auf 
einer Schiefertafel) 278 S. 

Archäologische Karte Wiens 47. 118. 

Kety (G.; Klosterkirche (XVIII, 219 

Kirchbach (Kä.) Freskogemälde 247. 342 

Kirchschlag am Wald CSÖ.) Pfarr- 
kirche 171 
Kirnberg an der Mank XO.i Pfarrkirche 

241 
Klagen fürt i,Kä.) Bezirksgericbtsarchiv 

324 
— Bezirkshauptmannschaftsarchiv 324. 
Klattau (Bö.i Decanalkirche Maria Him- 
melfahrt 289. 3S8 
Klosterneuburg (NÖ.) Stiftskirche 9 
Koci (Bö.) Filialkirche 290 
Königgrätz (Bö.i Kupferbeile 85. 175 
Komorniki s. Wierzyska 
Komotan (Bö.) Decanalkirche 16S. 298 
Kopfin g (OÖ.) Pfarrkirche 405 
Koriino (St.) Filialkirche St. Nikolaus 

54. 207 
Korneuburg (XÖ ; Pfarrkirche 52 



Korneuburg (NÖ) städt. Museum 121 
187 

— prähist. Fund im , Genossenschaftswalde" 

187 
Krain archivalische Durchforschung I17. 

394 

— Grabungen 87. 118. 179. 220. 248. 325 

Krainburg (Kr.) Xekropole der spät- 
römischen und der Völkerwanderungs- 
zeit 45 226 

— Münzfund (XIV XV) 46 

Krakau (G.) königl. Schloss auf dem 
Wawel 16. 27 

— Domkirche auf dem Wawel 203. 211 

bis 218 

— Frohnleichnamskirche 1 2(1 

— Agneskirche (XVII) 44 

— Kalharinenkirche 363 

— Agidiuskirche 263 

— Marienkirche 247. Alarmthurm bei der 

Marienkirche 355 

— Collegiatkirche St. Anna 263 

— Haus Ringplatz 21 (XVII> 141 

Krackowizer, Geschichte der Stadt Gmun- 

den 224 
Kralitz (Mä.) Pfarrkirche 292 

— Glocken der Pfarrkirche (XVI) 334 
Krasna (Mä.) goth. Filialkirche und Ge- 
dächtnisinschrift des Chorzubaues 79 

Krems (NÖ.) altes Truppenspital 40 

— Spitalkirche 166 

— Hochaltarbild (vom Kremser Schmidt) 

in der Piaristenkirche 205. 24I 
K r e m s i e r (Mä.) Piaristenkirclie St. Johann 

3.S5 
Kreuzbühel vor dem Dorfe Serfaus (T.), 

Kapelle 330 
Kritzendorf (NÖ.) Türkenkreuze 171 
Kroglje (Kü.) bei Dolina, prähist. Be- 
gräbnisstätte 364 

— alte Straße 364 

Kroisenbach (Kr.) Wappen.schilder in 

der Schlosskapelle 325 
Krzeszowice (G.) prähist. Thongefäße 56 
K u e n s (T.) barocker Hochaltar der Pfarr- 
kirche 22. 150 
Kufstein )T.) städt. Archiv 149 
Kundl (T.) Gemeindearchiv 255 

— St. Leonhardskirche bei Kundl 337 
Kurau (Bö.( goth. Pfarrkirche 402 
Kuttenberg (Bö.) Hochaltar der Barbara- 
kirche 33 

— spätgoth. Kanzel in der Muttergottes- 

kirche 75 

— spätgoth. Schnitzarbeiten des Meisters 

Jacob 3 1 1 ff. 



421 



Kutlenber;; (Bii.) Sl. I.uilmilln-Doppcl- 
kapelle 2()I 

— Kapelle des Ur^iiilinerimicnUlusters 31)3 

— Archiv 338 

Ladis (T.) Ka(;adenraalereien (XVI 1 330 
Schloss Lämberg {Bö.iHauptmannskapelle 

(XVI; 290. 338 

Lagosta (D.) Gemälde aus der l-Tarrkirche 
(Grablegung Christi), Schule des alten 
Palma 168 

Laibach (K.r.) röm. Funde vom Lyccal- 
gcbäudc 298 

— Landesmuseum 263 

• — Deckenijemälde der Pfarrkirche St. Peter 

— Domkirche 334 

Lambach (Oü.) röm. Sarkophag (Inschr.) 

^ 373 

— Stiftsarchiv 345 

Langenlois (NO.) Dreifaltigkeitssäule 52 
Langenschönbichl (NÖ.) prähist. Grä- 
berfund 159 
Langenzersdorf (NO.) Pfarrkirche 18. 

188 
Langobardenzeit s. Civezzano 
Langugest (Bö.) Grabfeld 338 
Lardaro (T.) Fresken in der Wegkapelle 

HO 
Zwischen Laufen und Oberndorf (Sa.) 

Reilerschwerter (XV/XVI) I90 
Laun (Bö.) Nikolaikirche (XVI) 151 
Laureacum angeblich röm. Castcll bei 
Reiterdorf 10 

— röm. Inschriften 307 ff. 

Lechwitz (Mä.) Pfarrkirche (XVIII. 22; 

Leibnitz (St.) Kunstwerke (barocke Lava- 
bonische XVII, Fresken XVIII) im 
Hause „Zur Stadt Triest" 1 1 1 

Leipa (Bö.) Bleitessera 245 
Leitmeritz (Bö.) Stadtkirche 245 

— Dominicanerkirche 125 

— schmiedeeisernes Gitterthor aus der 

Michaelskirche 32 

— Skelette 245 

Lemberg (G.) Nikolauskirche 292. 333 
Leoben (Sl.) Fresken der Pfarrkirche 174 
St. Leonhard bei Tamsweg (Sa.) Wall- 
fahrtskirche 163 
St. Leonhard in der Schlanitzen Kä.i 
Grundriss, Aufbau, Christophgemälde 
71 ff. 
St. Leonhard in der Abtei (Kä.) Tafel- 

gemäldc in der Pfarrkirche 27 
Lesina (D.) Loggia 140. 168. 333 
Lezajsk (G.) Bernhardiner-Klosterkirche 
86 



Libochowan (Bö.) Urnengräber 339 

— Glocke (1557) 355 
Liboehowitz (Bö.) Decanalkirche 15 
Liebshausen (Bö.i Pfarrkirche 354 
Lienz (T.) Klause 268 

I.icsfeld (T.) Gemeindearchiv 25; 
Limesforschung in NO. 249 f. 
Linz (OÖ.) Stadtpfarrkirche 300. 396 

— Marienkirche 300 

Lissa a. E. (Bö.) Schwert (XIII) 6 
Liquitz (Bö.) La Tenegräber 339 
Lobositz (Bö.) Hockergräber 340 
Lokve (Corguale) (Kü.) Dachstuhl des 

Tabors 169 
Lorch (OÖ.) s. Laureacum 

— Wandmalereien der Pfarrkirche (XIII 

bis XV) 94. 171. 253. 250 

— ebda. Gemälde Dallingers (171;), Marty- 

rium des hl. Laurentius 173 

— Altäre und Altarbilder der Kirche 253 
Lorenzen (T.) s. Martinskirchlein 
Lussin Grande (KÜ.) Pfarrkirche 17. 

I6y 
Luslawice (G.) Grab des Faustus Soci- 
nus 16;. 203 

Maffersdorf (Bö.) Pfarrkirche 152. 236. 

355 
Malatynetz (Bu.) Thonscherben 246 
Mals (T.) Fröhlichsburg 405 

— Vesperbild 349 

— Relief (XV) auf dem Friedhof 243 

— Gemeindearchiv 255 

Marbach am Walde (NÖ.) Pfarrkirche 
(XVI) 205 

Marburg (St.) Nikolaialtar in der .Stadt- 
pfarrkirche 54. 207 

Maria-Feicht (Kä.) Filialkirche 402 

Maria-Gail (Kä.) Gruppe am Hauptaltar 
der Pfarrkirche 27. 204. 333 

Maria-Enzersdorf s. Enzersdorf 

Maria-Lanzendorf (NÖ.) römische In- 
schrift CIL III 4580 105 

Sl. Marienkirchen (OÖ.) Pfarrkirche 
206. 300 

Mariarast zu Zell am Ziller (T.) Wall- 
fahrtskirche 23 

Maria-Saal (Kä.) römische Inschrift CIL 
III 3013 86 

— Malereien der Pfarrkirche 8. 142. 204 
Maria-.Schöndorf s. Schöndorf 
Maria-Taferl (NÖ.) Kirche 32. 129 
Maria-Wörth (Kä.) Pfarrkirche 35 
Klein- Mariazell (NÖ.) barocker Hoch- 
altar 92 

— roman. Portal und Marienkapelle 92 



Marein (.St.) prähisl. Funde in der Ofen- 
bacher Höhle 346. 399 

Markomannenzeit s. Schönfeld 

Markvarec (Bö.) Groschenfund (Karl IV, 
Wenzel IV) 340 

Marling^(T.) Gemälde (XVI) in der 
Pfarrkirche 31. 297. 391 

— Christophbild an der Pfarrkirche 31. 

98. 244 

— St. Vigili-Jochkirche 303. 304 

S. Martino (T.) s. Trient 

.St. Martin bei Dolina (Kü.) röm. Gräber 

363 

— röm. Inschriftfragment 363 

St. Martinskirchlein bei Lorenzen (T.) 

3-lS 
Matzdorf (Schi.) Filialkirche (XVI; 96 
Mattarello (T.) röm. Gräber und Ziegel 

mit Inschriften 399 
Mauthausen (OÖ.) Pfarrkirche 147 
Mechters bei St. Polten (NÖ.) Münzfund 

252 
Melk (NÖ.) Stadt. Museum 160 

— s. Wachberg 

— .Stift, Ölskizze der Kuppel der Sale- 

sianerinnenkirche in Wien, gemalt von 
Pellegrini 92. 223 
Meran (T.) landesfürstliche Burg 22 

— Uhrthurm der Pfarrkirche 12. 32 

— Madonnensäule am Sandplatz 32. 406 
M e r e z e i Völkerwanderungszeitliche Funde 

407 
M ero win gerzei t s. St. Apollonia 
Metz Portal Vorbau des Doms 14 
Mezzo (D.) Altarsculpturen der Pfarr- 
kirche 7 
Sl. Michael (St.) Glasgemälde der Wal- 

purgiskirche I48 
Micheldorf (OÖ.) s. Pfarrkirche Heiligen - 

kreuz. 
Micholczc (Bu.) griechisch-orthodoxe 

Kirche 291 
Mies (Bö.) Pfarrkirche 26 
Migoveberg bei Neudegg (Kr.) Funde 

in einem Tumulus 16 
Millstatt (Kä.) Freskogemälde an der 

Pfarrkirche 45. 298 
Minning (OÖ.) Pfarrkirche 11 
Mistelbach (XÖ.) Pfarrkirche 122. 12g. 

404 

— Maßwerksrose über dem Portale der 

Spital(Elisabeth)kirchc 357. 404 

— Museum: prähist. und Münzfunde 345 
Deutsch-MIikojed (Bö.) Gitterthor aus 

.Schmiedeeisen 32. 112 
— s. Leitmeritz 



MSdling (NÖ.) röm. Grab 58 
— St. Otbmarkirche 160. 265. 357 
Morawetz (Mä.) Thurmbau an der Pfarr- 
kirche 344 
Mosaik s. Decani, Parenzo. Pola, Trient 
Ober-Moschtienitz (Mä.) Kapelle 264. 

Grabfunde (XVII) 184 
Münzfunde s. Alttitschein, Bemdorf, 
Boccadino, Dolina, Duino, Eggendorf 
a. "VV., Engelhartstelten, Enns, Grafen- 
stein, Krainburg, -Markvarec.Mechters, 
-St. Polten, Popelin, Rovereto. Russ- 
bach, Selbitz, Trojericer Wald, Zadoli 
Murau (St.) Freskomalereien in der Pfarr- 
kirche 12. 
Museum s. Budapest, Bukowina, Enns, 
Gars, Graz, Komeuburg, Laibach, 
Pola, Poysdorf, Rybnian, Schlaggen- 
wald, Tabor, Teplitz, Wels, Znaim, 
Zwettl 



Nals (T.) Kirche (XIX) 244 
Namiest (Mä.) Pfarrkirche 263 
Xasupel (T.) Gemälde (XVIII) der Pfarr- 
kirche 13 
Nehrybka (G.) Denkstein (1602) 247 
Xeresi (D.) Pfarrkirche 34 
Nesactium (Visazze, KU.) röm. Funde 
17- 47- 6i- 343 

— röm. Inschrift 1 1 2 

Xeuberg (St.) Wandmalereien (Prälaten- 
porträts, XVI) im Stiftskreuzgange 65 

— Stifts-Kreuzgang und -Kirche 255 
Neu d egg (Kr.) s. Migoveberg 
Neuhaus (Bö.) Johanneskirche 140 
Neustadl a. d. Donau (XÖ.) Thurm bei 

der Pfarrkirche 29g 
Kloster X eu s t i f t (T.) Michaelskapelle 399 
— Bemalungen des Kreuzganges 32. 399 
Xiederösterreich s. Limesforschung 
Xiederrasen (T.) gräfl. Welsperg'sches 

Archiv 192 
Nimsbach (O.-Ö.) Hypocaustum 329 
Groß-Xondorf (NÖ.) Pfarrkirche 265 

Obernberg a. Br. (T.) Gemeindearchiv 

255 
Obernitz (Bö.) Steinhammer aus der neo- 

lithischen Zeit 393 
Oberösterreich: Schlösser, bearbeitet 
von Rosner 123. 358 

— mittelalt. Grabsteinein Kirchen lo 

— Ergebnisse der Besichtigung von Markt- 

und Communalarchiven in (OÖ.) 19 

— Urkundenbuch 20 

— Archivalien in (OÖ.) 327 
s. Burgruinen 



Oberthern (NÖ.) Pfarrkirche 92 
Oberwallsee (OÖ.) herrschaftliche Acten 
20 

Ofenberger Höhle (St.) s. Mareln im 

Mürzthale 
Orlau (Schi.) golh. Pfarrkirche iXV, nicht 

xn) 53 

Ospitale in Ampezzo (T.) Kirchlein 256 

Ossiach (Kä.) Thüren im Stiftsgebäude 28 

— Stiftsarchivalien 3 ; fo 

Mie. Ozol im Val di Xon (T.): prähist. 
Ansiedlung 349. 370 ff. 

0.xenburg (NÖ.) Altarbilder der bischöf- 
lichen Hauskapelle 335 



Paläste s. Albona, Cavalese, Cles. Gra- 
vosa, Graz, Pirano, Ragusa, Spalato, 
Traii 

Pardubitz(Bö.)Musealverein(Archivalien) 

341 
Parenzo (KU.) frühchrisll. .Mosaiken 127 

— Dom 179 

— Residenzgebäude 299 
Parschowitz (Mä.) Pfarrkirche 240 
Partisch (T.) Gemeindearchiv 255 
Partischins (T.) Gemeindearchiv 255 
Passeier (T.) Holzstatue der hl. Elisabeth 

357 
Pawlowitz (Mä.) Gedenktafel am Ge- 
meindegasthaus 9 
Pellegrini, Ölskizze der Kuppel der Sa- 

lesianerinnenkirche in Wien 92 
Perasto (D.) Ornat (XVII) 15 
Perau (Kä.) Pfarrarchiv St. Martin 323 
Perchtoldsdorf^XÖ.) Pfarrkirche 18.53 

— Sehloss, Kapelle und Spitalkirche 223 fg. 

— Stadt. Archiv 367 

Pergkirchen (OÖ.) Thurm der Pfarr- 
kirche 148 

Ober.Perwent (O.-Ö.) Renaissance- 

Grabstein 196 
Petersberg s. Friesach 
Petronell (NÖ.) 250. 
Pettau (St.) Pfarrkirche 97 

— Filialkirche St. Oswald 368. 399 

— Maria Xeustiftkirche bei Pettau (St) 

358 

Cons. Petters Übertritt in den Ruhe- 
stand 190 
Pfaffendorf (NÖ.) Pfarrkirche 19 
Pilaf (Bö.) Feuersteinmesser 176 
Adalarikirche im Pillerseethal (T.) 209 
Pirano (Kü.) Haus Fragiacomo 28. 155 
Pisek (Bö.) Burg 290 
— Stadtarchiv 34 t 
Pocapl (Bö.) Pfarrkirche 202 



Podgradje (D.) Traiansthor 34 
Podhradny Lhotta(Mä.) Wegkreuz ; 
Pola (Kü.) prähist. Nekropole 36 

— röm. Grab 61. röm. Funde 343 

— röm. -■Vmphoren 17. 48. 61 

— -■Vugustustempel 48. 204 

— städt. Museum 17. 47 

— Francescokirche 48. 170 

— Mosaikboden der alten Basili 

Sa. Maria Formosa 17. 127 

— altchrisll. Mosaikbodeii in der Ec 

zwischen Via Medolino und Piaz 
Verdi 105 

— Porta Gemina 263 

Polek „Das armenische Kloster Zamka-i: 
Alt-Pölla (NÖ.) Pfarrkirche 39 
St. Polten (NÖ.) röm. Grab 265 

— röm. Kupferdenar 404 

— Bronzeschwert 224 

— Fundcontrole 41 

— Musealverein 252 

— Stadtpfarrkirche 166. 357 

— Chorfenster im Dom 92 

— Orgel für die Domkirche 102 
Pomcr (Kü.) St. Fiorekirche (XV; 343 

Popelin (Bö.) Münzfund (XIV/XV) 17; 

Postinger Abhandlungen 97 

Potmechvat bei Straßnitz (Mä.) prähist 

Gräberslätte 222 
Pottenbrunn (NÖ.) fossile Funde 252 
Pouchow (Bö.) Pfarrkirche 26 
— Freskogemälde in der Filialkirche 341 
Poysdorf (NÖ.i Sammlung Kudernatsch 

345 
Poznachowice s. Grodzisko 57 
Prähistorische Funde mit verschiedener 
BegrifTsausdehnung in verschiedenen 
Kronhindern; s. Ameis, Baiice, Bila, 
Bukowina, Burkhorzer Wald, Cazzano 
di Brentonico, Czernosek, Dolje, Drei- 
kreuzberg, Gabrije, Gitzenberg, Gro- 
dzisko, Gryböw, Hollenburg, Horkau, 
Jaroslawitz, Javor, Königgrätz. Kor- 
neuburg, Krain, Kroglje, Krzeszowice, 
Langenschönbichl, Langugest, Libo- 
chowan, Liquitz, Lobositz, Marein, 
Migoveberg, Obernitz, Ozol, Pilaf, 
St. Polten, Pola, Potmechvat, Reichen- 
egg, Ober-Retzbach, Rudolfswerth, 
Ruina, Rust, Rybnian, S. Servolo, 
Siedliska, Siepraw, Skalic, Staresiolo, 
Stillfried, Strassnitz,Swidnik,Szipenitz, 
Tisens, Tobitschau, Twerschitz, Unter- 
Horodnik-Praedit, St. Veitsberg, 
AVachberg bei Melk, Waltersdorfer 
Wald, Groß-Weikersdorf, Wien VI 
Stumpergasse, Znaim 



4^5 



426 



Prag (Bö.) Veitsdom 6. 42. 81 — 84 

— Peters- und Paulskirche am Zderaz 

331- 387 

— Ägidikirclie 258 

— Ursulinerinnenkirclic 281) 

— Maria de Victoria 388 

— Kreuiherrenordenskirche zum hl. Fran- 

ciscus 387 

— Carolinum, Fesisaal 14 

— St. Georgsstatuc am Hradschin 132 

— Funde im Moldaullusse 125 

— elektrische Bahn über die Karlsbrücke 

164 

— Wallthurm der Stadtmauer (XIII) im 

Gebäude der Polizeidircction 1G7 
Prinzendorf (SO.) Seitenultar in der 

Pfarrkirche 390 
Prosmik (Bö.) fränkisches Gräberfeld 115. 

339 
Prugg a. I^. (NÖ.) Herrschaftsarchiv 3<)() 

Przemysl (G ) Jesuitenkirche 323 

— Kathedralkirche 238 

Puchenau (OÖ.) herrschaftliche Acten 20 
Pürgg (St) Johanneskapelle 208 
Punzau (Schi.) Pfarrkirche 21 

Quisca (Kü.) Archiv des Grafen Coronini 
248 

Rabenstein (NÖ.) Ruine 368; s.Tradigist 
Radaun (Bö.) Filialkirche 202. 262 
Radmer a. d. Stuben (St.) Pfarrkirche 20 
Radkersburg (St.) Grabsteine der Pfarr- 
kirche 347. 368 

— Thurmdach der Pfarrkirche St.Peter397 

— Lusthaus (XVIII) im Garten des Stadt- 

pfarrhofs 1 30 

Radnig (Kä.) Filialkirche .St. Katharina 
(Geschichte, Grundriss, Holzdeckc, 
Innenausstattung) 68 ff. 

Radsberg (Kä.) Gemälde „Jüngstes Ge- 
richt" in der Pfarrkirche 127 

Ragusa (D.) Dominicanerkirche 102. 168 

— Gemälde Tizians im Dome 291 

— Rectorenpalast 153 

— Umfassungsmauer beim Pillethore 322 
Rad Stadt (.Sa.) Kapuzinerkirche 95 
Ravelsbach (NÖ.) Pfarrkirche 16. 266 
ß.ecan (Bö.) Maria Magdalenenkirche 6 
Reichenegg (St.) prähist. Funde 54 
Rennersdorf (NÖ.) Kapelle 293 
Reiterdorf(NÖ.) angeblich röm. Castell 

10. 92 

— goth. Kirche (XV) 93 

Comite für die Restau rierung alter Ge- 
mälde 361 



Ober-Retzbach (NÖ.) l-'und von Bronze- 
ringen 188 

Ried (OÖ.) neu entdeckte Wandgemälde 
in der Stadtpfarrkirche 396 

Ricz (T.) Valentinskirche 39 1 

Riva (T.) Kirche Maria-Inviolata 41. 256 

Römisch: Funde s. Aichdorf, Arco, 
Asseria, Berslin, Braida, Bregenz, 
Cilli, Gonobitz, Grado, Krain, Krain- 
burg, Laibach, Lambach, Laurcacum, 
Limesforschung, St. Martin bei Dolina, 
Mattarello, Mödling, Nesactium, Niras- 
bach, Podgradje, St. Polten, Pola, 
Kciterdorf, Rovereto, Rudolfswerth, 
S. Servolo, Schellenberg, Slano, Spa- 
lato, Stanza Turnina, Streinc, Terres, 
Überackern, Uranje, Velm, Vindo- 
bona, Visazze, Wels, Widter, Wien I 
Ruprechtskirche, Wimsbach, Zollfeld 

— .Straßen s. Kroglje, Wolfsberg 

— Wasserleitung s. Atzgersdorf 

— Inschriften s. Gobatsburg, Gologorica, 

Gonobitz, Höflein bei Brück a. L., 
Lambach, Laureacum, Maria-Lanzcn- 
dorf, St. Martin bei Dolina, Mödling, 
Nesactium, Selesen, Suplaja, Uranje, 
Visazze, Velm, Wels 

— Ziegelstempel s. Mattarello, S. .Servolo 
Rohrau (NÖ.i Herrschaftsarchiv 366 

— Pfarrkirche 188 

Roncegno (T) Holzschnitzaltar der Pfarr- 
kirche 41 
Rosegg (Kä.) Bezirksgerichtsarchiv 324 
Mitglied Rosner betraut mit der Auf- 
nahme der Burgruinen von OÖ. und 
Sa. 123 
Rottenschachen (NÖ.) Pfarrkirche 206 
Rovereto (T.) röm. Zicgelgräber 22 

— röm. Münzen 22 

— Wandgemälde in der Marcuskirche 349 
Ober-Rschepsch bei Leitmeritz (Bö.) 

Bleitessera von Leipa 245 
Rudolfswerth (Kr.) Funde beim Bau des 
neuen -\mtshauses 46. 118. 403 

— s. Berslin 

Ruina bei Sereth (Bu.) Scherbenfund 246 
Rumburg (Bö.) Klosterkreuzgang 236 

— Lorettokapelle 236 

St. Ruprecht (Kr.) Pfarrkirche (XV) 47 
Russbach (NÖ.) Münzfund (XVII) 10 
Rust (NÖ.) prähist. Funde 252 
Rybnian a. d. F.ger (Bö.) Burgstaller'sche 
.Sammlung 380 

Saalfelden(Sa.)Holzplafonds und Portale 

vom Schloss Dortheim 1 1 
Sachsenfeld (St.) Pfarrkirche lOi 



.Saitz (Mä.) Pfarrkirclie 299 
Saldenhofen (St.) Fresko in der Pfarr- 
kirche 131 
.Salzburg Dom 162 

— St. Peter-Schlössl (Edmundsburg, 1695) 

190. 207. 266 

— neues Gerichtsgebäude 11. 163 

— Festungsmauer 1G3 

— mililärärarischer Besitz auf dem Mönchs- 

berg 124 

— Pferdeschwemme beim Neuthor 148. 243 

— Befestigungswerke am Rudolfsquai 206 

am Kapuzinerberge 335 

— k. k. Studiengebäude 207 

— Rathhaus 335 

— Obpacher (Thor-iBogen 33G 

— Klausenkaserne 267 
— • s. Burgruinen 

Seh aboglück (Bö.) Pfarrkirche 126 

Schaumberg (OÖ.) herrschaftliche Acten 
20 

.Schellenberg (Fürstenthum Liechten- 
stein) röm. Bronzemesser 400 

St. Georgskapelle bei Schenna (T.) 350 

Scheraunitz (Kr.) Malereien in der 
Filialkirche (XVI, 334 

Schiefertafel mit Karte der venetiani- 
schen Lagunen 27S IT. 

Schlaggenwald (Bö.) Pfarrkirche 
(XVI/XVIl) 237. 290 

— Stadt. Museum 237 

— acht Brandl'sche Bilder 341 
Schlesien Landesbücher im schlesischen 

Landesarcbiv 398 
Stift Schlierbach (OÖ.) Erwerbungen 
aus der aufgelassenen Kirche zu Hofern 

390 
Cons. Schraoranz f 115 
Schönbrunn (Mä.) Grabstein der Esther 

Syrakovsky an der Kirche 90. 292 
Maria-Schöndorfbei Vöcklabruck (OÖ.) 

Gemälde des hl. Christoph 346 
Schönau(T.) Fresken der Georgskapelle 

132 
Schönfeld (Bö.) Funde aus der frühen 

Markomannenzeit 340 
Schottwien (NÖ.) Dreifaltigkeitssäule 

(XVIII) 241 

— Herrschaftsarchiv 366 
Schwarzenbach (Kä.) griech, Inschrift 

231 
Schwaz (T.) Pfarrkirche 98. 132. 209 

— Wandmalereien im Kreuzgange des 

Franciscanerklosters 209. 35 1 

— Fuggcrhaus gg. 350 
Schweiggers (NÖ.) Archivalicn 93 

29 



427 __^^^^^^^^^^_ 

Schwertberg (OÖ.) ScWossarcbiv 345 
Scnlpturens. Graz, Gschwend, Innichen, 
Knttenberg, Mals, Maria Saal, Meran, 
Mezzo, Passeier, Prag, Spalato, Steyr, 
Wien, Wiener-XensUdt, St. Wolfgang 
Sebastiansberg (Bö.) mittelalt. Scher- 
ben 102 
Schloss Seisenberg a. d. Gurk (Kr.) 127 
Selbitz (NÖ.) Münzfand (1509—16191 

224. 317 fr. 
Selesen bei Brnckl (K.ä.) röm. Inschrift 61 

— Filialkirche 14 N'othhelfer (Bau nnd 

Gemälde) 74 
Semmering (NÖ.i Denkmal Kaiser 

Karls VI 241 
Sereth (Bn.) St. Trinitaskirche 363 

— s. Ruina 1 
Serfaus (T.) Kapelle auf dem Kreuzböhel 

330 

— St. Georgenkirchlein 330 

S. Servolo (Kü.) röm. und vorgesch. 
Funde 89. 119- '42- '55 — '57- 
180 — 183. 249 

— Ziegelinschrift XXHX 89 
Sgraffiti s. Hom, Jungbunzlau, Trebitsch 
Siedliska (G.) prähist. Funde 323 342 
Siepraw (G.) prähist. Fundstätte 57 
Sierning (OÖ.) Pfarrkirche 95. 390 
Sillian <T.) Fingelaltar der Gschwentner- 

kapelle 5 
Skalic 'Bö.) präbisL Gräber und Tnmuli 

176 
Sindelburg (NÖ.) Grabsteine in der 

Kirche 24 1 
Slano (D.) röm. Grabungen 262 
Smifitz (Bö.) Bild am Hauptaltar in der 

Schlosskirche 291 
Sobolka (Bö.) Kirche 85 
Sonnegg bei Igg (Kr.) Georgskirche 28 
Sonnenberg fBö.) mittelalt. Scherben 102 
Spital (Kä.) Bezirkshauptmannschafts- 

archiv 324 
Spalato (D. diod. Palast 15. 23—26. 

35. 53. 86 247; Bnlic, Abhandlung 
„n Palazzo di Diocleziano a Spalato 
fe proprielä dello Stato" 153 

— Sarkophag im Franciscanerkloster 247 

— Martinskapelle 34 

— Holzthür des Doms von Buvina (XIII) 

geschnitzt 168 

— Glocken des Jakob Cukrow 169 
Stallek (Mä.) Pfarrkirche 9. 264 
Stanza Turnina bei Gaian (Kü.) antikes 

Mauerwerk 90 
— Kirche S. Giovanni di Turnina 90 
Starcsiolo 'G.) prähi.'t. Sieinwerkzeuge 

323 



Startsch (Mä.) Pfarrkirche 356 
Stein (NÖ.) Minoritenkirche 166 

— Denkmal für den Kremser Schmidt 166 
Freskengemälde dei' Kremäer Schmidt 

im Rathhaus 19 

— mittelalt. Pfeilbogen und Schwert 10 

Steinabrückel (NÖ) Pfarrkirche (1830) 

188 
Steyr(OÖ.)Getreidestadl beimXeuthor 162 

— Relief an der alten Friedhofskapelle 

(Jünglinge im Feuerofen) 397 

— Grabsteine in der Pfarrkirche 1 Relief 

mit der Darstellung aus der Geschichte 
Hiobs XVI) ebenda 397. 300 
Stignano (Kü.) s. Val Zouchi 
Stilfes iT.) Gemeindearchiv 255 
Stillfried (XÖ.) Schaftcelt aus Bronze 53 

— Mammulfund 53 

— Funde 396 

— Ottokarkreuz 129 

Stockerau iXÖ.) Wegsäule (1770), sog. 
Viertelstundenkreuz 160 

— Archiv der Au-Inhaberhaft 103 
Scbloss Strakonitz fBö.) 322. 389 
Stramberg (Mä.) Thurro der Ruine 120 

— (sog.) Glockenthunn 74 
Straning (NÖ.) Pfarrkirche 358 
StraBgang (St.) Pfarrkirche 267 
Strassnitz (Mä.) prähist. Funde in der 

Schottergmbe Potmechmal 39 

St reine (St.) röm. Grab 55 

Streiteben bei Gotenstein (Kä.) Fried- 
hofskapelle 239 

— bemalte Butzenscheiben (XV) in der 

Filialkirche 35 
SchlossStrelzhof nächst Willendorf(XÖ) 

242. 293. 396 
Suczawa (Bu ) Fnrstenschloss 322 

— Georgskirche 291. 332 
Suplaja (D.) röm. Inschrift 64 

Sveti (Bö.) Grabdenkmalen den Außen- 
wänden der Kirche 332. 389 
Svetina (St.) Filialkirche zurhl. Maria 405 
Swidnik (G.) prähist. Funde 56 
Aussichtsberg Switschin (Bö.) 322 
Szipenitz (Bu.) prähist. Funde 34I 

Tabor (Bö.) Museum 176 

Tafelmalereien s. Altmünster, Brunn, 
Cattaro, Cavalese, Maria Fallsbach, 
Freistadt, Führich, Göss, Grossgmain, 
Krems, Lagosta, St. Leonhard, Lorch, 
Melk, Nasupel, Oxenburg, Ragusa, 
Schlaggen wald, Trient, St. Veit, Groß- 
Weikersdorf. 

Klein-Tajax fMä.) Pfarrkirche 240 



428 

Tattenitz fMä.) Gemälde (XVIIl) des 
Judas Thaddäns Supper in der Pfarr- 
kirche 128 
Tautendorf (NÖ) Pfarrkirche 335 
Teodo (D.) s. Kaliman 
Tepl (Bö.) Stiftskirche 298. 332 
Teplitz (Bö.» Museum 15 
— Thätigkeitsbericht der Museumsgesell- 
schaft 246 
Terres (Val di Non, T.) fünfzehn röm. 

kistenförmige Ziegelgräber 13 
Tetschowitz(Mä.,i Filialkirche St. Jakob 

65. 240. 264. 344 
Thalheim bei Wels (OÖ.) Renaissance- 
Grabstein 196 
Thernberg (NÖ.) Dreifaltigkeitssäule 

iX\aiI) 242 
Thunau-Gars (NÖ.) Grabfund (Skelete 

und eiserne Lanzenspitze) 146 
Stammschloss Tirol 150. 209. 39« 
Tirol (T.) Geraeindearchiv 255 
Tirol Landesarchiv 150 
Regelung des Gemeindearchivwesens 

150 

— Adelsmatrikelarchiv 149 

Tischno Witz- Vorkloster (.\Iä.) Kloster 

Porta coeli 3 89 
Tisens (T.) Hügelgrab 369 

— Gemeindearchiv 255 
Tobitschau (.Mä.) Schlossarchiv, Stadt- 
archiv 37 

Tochowitz (Bö.) Pfarrkirche 116. 237 

Tollet s. St. Georgen 

Tolmein (Kü.) .\ rchiv des Notars v. Pre- 

merstein 248 
Tradigist (Gemeinde Rabenstein, NO.> 

Sacristei 242 
Traii (D.^l Dominicanerconvent 16 

— bisch. Palast 203. 262 
Trautmannsdorf (NÖ.) Herrschafts- 
archiv 366 

Trebitsch (Mä.) Karlsplatz Nr. 46 Sgraf- 
fiti (XVI XVIIl 197 

— Knochenfund (N'ashornknochen 326. 

365 
Tribus Winkel (NÖ.) Herrschaftsarchiv 

366 
Trient (T.) Castello del buon Consiglio 

100. 392. Fresken ebenda 210. 369. 

Steinmetzzeichen ebenda 13 
Altarbild derGymnasialkirche S.Trinitä 

211 

— Hauptaltarbild der Pfarrkirche von 

S. Martino 21 1 

— Doss Trcnto Mosaiklioden 150, 244 

— Fa^ademalerei der Casa Voltolini in 

der Via S. Marco 268 



429 



430 



Tricnt (T.) Arrazzi (Gobelins) des Doms 

13- 13^ 
— Fresken des Dosso Dossi in der Aula 
des ital. Gymnasiums 151 

— Privatbauten 30- 

— Deutschordensarchiv 255 
Trevisan (Trcvigiano) layune di Venczia 

280 fr. 
Trojerycer Wald (G.) Messer- und 

Münzfund (XVII) 219 
Troppau (Sclil.) Chronik des ehem. Do- 

minicanerklostcrs (XVIII) 399 
.Schloss Troslburt; l)Ci Waidbruck (T.) 

352 

Groli-Tschernosek (liö.) s. Dreikreuz- 
berg 

Tudorovic (D.) jjriech. -orthodoxe Pfarr- 
kirche 7 

Tulln (NÖ.) Pfltrrkirche 122 

Tvaroznä Lhota (Mä ) mittelalt. Eisen- 
gerhthe 374 ff. 

Twerschitz (Bö.) Spät-La Tine-Rrand- 
gräber 339 

Unken (Sa.) Daatzelwurmsäule 21 
Unterhorodnik-Prädit (Bu.) pr.Hhist. 

Funde 341 
Uranje (St.) röm. Niederlassung 41. 368 

— röm. Inschriften, Reliefs, Mauerreste 

55- 124- 149 

— Römergräber 225 

Überackern (OÖ.) röm. Fundreste und 
heidnisch-germanische Gräber 95 

Valdua (V.) Archiv des Clarissinnen- 

klosters 149 
St. Veit (OÖ.) Altarbild der Pfarrkirche 
(Kremser Schmidt) 294 

— (Kä.)Bezirkshauptmannscbaflsarchiv32 4 
.St. Veitsberg (Kr.) prähist. Brandgräber 

119 

Veldes 'Kr.) Pfarrkirche 17 

Velm bei Gutenhof (NÖ.) röm. Inschriften 
und Gräber 103 — 109. 160 

Venedig Karte der venetianischen La- 
gunen 278 flf. 

— V. internationale Kunstausstellung 384 
Veseli a. L. (Bö.) prähist. Funde 7 
Viganj (D.) Pfarrkirche 126 
Villach (Kä.) Pfarrkirche 323 

— Bezirksgerichtsarchiv 324 

— Bezirkshauplmannschaftsarchiv 324 
Vindobona röm. durchbrochene Bronze- 
beschläge 310 

— röm. Funde s. Wien I 
Visazze (Kü.) röm. Inschrift Gl 

— s. Nesactium 



Vöcklabruck (OÖ.) Stadtwappen auf 
dem südl. Sladtthurra 300 

— Sleinreliefwappen am nördl. Stadtthurm 

335 

— s. Maria-Schöndorf 

Völkermarkt (Kä.) Stadtpfarrkirche 239 

— Bezirkshauplmannschaftsarchiv 324 
Völkerwanderungszeit s. Bukowina, 

Civazzano, Grissian, Krainburg, Frän- 
kisch, Langobardenzeit, Markomannen- 
zeit, Merezei, Merowingerzeit, Prosnik, 
Überackem 
Völser-Aicha (T.) Knochenfund 297 
Volderer Wildbad (T.) Vertäfelung 
eines Zimmers und Fries des Hauses 

399 
Vomp (T.) Gemeindearclüv 255 
Vorarlberger Musealverein 400 
Vrnik (D.) Kirche 86 
na Vrsicku = am Bergl (Bö) Marien- 

kapulle (1744/47) 331. 

VVachberg bei Melk (NÖ.) Flachgräber- 

slätte der Bronzezeit 52. 92 
Waffen s. Doul)rava, Laufen, Lissa, St. 

Polten, Stein 
Waidhofen a. d. Thaya (XÖ.) Pfarr- 
kirche 147 
Waidbruck (T.) .Schloss Trostburg 352 
Waldegg (NÖ.) Pfarrkirche 242 
Waldhausen (OÖ.) Stiftskirche 123 

— Pfarrkirche 254 

Waldkirchen (OÖ.) Pfarrkirche 243 
Waltersdorfer Wald (NÖ.) Bronzekelt 

327 

Wandmalereien s. Avio, Barbana, Bo- 
zen, Brixen, Brück, Bruneck, Campill, 
Deutschnofen, Dietenheim, Dublovice, 
Eiersdorf, Faedo, Gais, Gostece, Hall- 
statt, Hausleithen, Hosin, Kirchbach, 
Ladis, Laibach,' Lardaro, Leibnitz, 
Leobeu, St. Leonhard, Lorch, Maria 
-Saal, Maria Schöndorf, Marling, Mill- 
statt, Murau, Neuberg, Neustift, Pou- 
chow, Radsperg, Ried, Rovereto, 
Saldenhofen, Schenna, Scheraunilz, 
Schönau, Schwaz, Stein, Tattenitz, 
Trient, Wien, Zwölfmalgreien 

Wazyce (G.) Pfarrkirche 7 

Frh. V. Weckbecker, Handbuch der 
Kunstpflege in Österreich 6 

Weidling (XÖ.) Pfarrkirche 206 

Weihnachtskrippe des Malers Ginzel 
in Reichenberg 33 

Groß-Weikersdorf (NÖ.) prähist. Thon- 
gefäße 18 



Groß-Woikersdorf (NÖ.) Altarbilder in 
der Pfarrkirche vom^Krcmser Schmidt 
und von Altomonte 159 

Weißenbach (XÖ.) Pfarrkirche 122 

— Filialkirche 122. 147. 188 
Wels (OÖ.) röm. Inschriftstein 3O8 

— Museum 300 

— goth. Lichtsäule (1511) 300 

— Ledererthurm 358 
AVelwarn (Bö.) Decanalkirche 237 
Widter'sche Sammlung in Wien, röm. 

Inschriften und Reliefs 105 ff. 

Wiedemann, Urkunden aus dem Nach- 
lasse von 53. 90 

Wien s. Vindobona, s. Archäologische 
Karte 

— s. Widter 

— • I Stephansdom 292. Riesenthor 9. 49. 
158. 250. 356. Gobelins 128. Kirchen- 
meisterrechnungen 222 

— Minoritenkirche 49. 90. 144. Portal 75. 

— Wandmalereien im ehemaligen Mino- 

ritenklostcr 268 ff. 

— ebenda Fund einer Schiefertafel mit 

der Karte der venetianischen Lagunen 
278 ff. 

— Universitätskirche Deckengemälde 50 

— Franz Josefsquai Grabfund 185 

— .Stadtpark Donauweibchenbrunnen 389 

— Ruprechtskirche I20. Krypta 344. 365 

(auch röm. Funde) 

— Annakirche 90. 292 

— Schwarzenbergdenkmal 18. 90 

— städt. Archiv]: Erwerbungen aus Wicde- 

manns Nachlass 90 

— k. k. Finanzministerium 128 

— k. u. k. Reichsfinanzministerium 

Deckengemälde 293 

— Steinfiguren Landskrongasse 3 (Winter- 

haus) 145 

— Tuchlauben 24. .Steincartouch 145 

— Wollzeile Stein mit hebräischen Lettern 

240 

— alte Univerritätsaula 293 

— Maria am Gestade 293 

— Beethovendenkmal 18 

— Archiv des k. u. k. Oberstjägermeister- 

Amtes 3''7 

— Archiv der fürsterzbisch. Gülerdirec- 

tion 367 

— Archiv der k. k. Forst- und Doniänen- 

direction 367 

— röm. Funde 222 s. Vindobona und 
weiter oben Ruprechtskirche 

— III Salesianerinnenkirche Kuppel 92 

s. Melk 

29* 



431 



432 



Wien Resurreclionistenkirclie Glasfenster 

356- 365 

— IV Karlskirclie 145. 170. 357 

— Resseldenkmal 159. 170 

— V Pfarrkirche 357 

— VI Stumpergasse prähist. Grabfund 185 

— VIII Maria - Treu-Kirche Deckenge- 

mälde 204. 365 

— Archiv des Landesyerichtes und des 

Oberlandesgerichtes 367 

— Civilmädchenpensionat Brunnenbassin 

mit Deckengemälde 5 ' 

— X Pfarrkirche 185 

— XI Xeugebüude 250 

— XIII Baumgartner Pfarrkirche 334 

— Penringer Pfarrkirche 344 

— XVIII Gersthoferstruße Xr. 152 Denk- 

säule (XV) 186 

— Prälatensäule nächst der AVähringer 

Linie 299. 389 

— XIX Sickeuberggasse Xr. 19 Fresken 

des Kremser Schmidt 25 1 

— XX Brigittakapelle 128 

AViener Xeustadt (XÖ.) Liebfrauen- 
kirche 166 

— Kapuzinerkirche 122 

— Kapuzinerrealität 16 1 

— Reckthurm 171. 242, 358 

— Corvinusbecher 160 



Wiener- Xeustadt (NÖ.) theresianische 
Militärakademie: Portalwappen 335. 
390. Sculpturen an ihrer Kirchen- 
fa\ade 404 

— Stadt. Archiv 367 

— Kreisgerichtsarchiv 367 

— Stadt. Verwaltungsbericht 404 
Viertel unter dem Wienerwald (XÖ.) 
Berg Wierzyska in Komorniki (G.l Tu- 

mulus 56 
Wildberg (OÖ.) Ruine 123 
Willendorf (XÖ.) s. Strelzhof 
Wimsbach bei Lambach (Oü) röm. Hy- 

pocaustum 1S9. 329 
AVinnebacheralpe (T.) Silveslerkirche 

174 
Wochein (Kr.) Grabungen 220 
St. Wolfgang (OÖ.) Pfarrkirche II. 335 

390 

— St. Wolfgangbrunnen 30. 123. 162. 303 
Wolfsberg im Lavantthale (Kä.) Römer- 
straße 342. Kapuzinerkirche t6 

— Stadtarchiv 324 

— Bezirkshauptmannschaftsarchiv 324 
Wolfsthal (XÖ.) Herrschaftsarchiv 366 
Wolkenstein (St.) Schlossruine 208. 267 
Worasitz (Bö.) Kirche 43 

Mitglied Wörndle v. Adelsfried f 115 
Wrussniti s. Gabrije 



Wünschendorf (Bö.^ Kapelle 238 

Ybbs (NÖ.) Stadtpfarrkirche 129 

Zadoli (Bö.) Münzfund (XVI) 140 
Znmka (Bu.) armenisches Kloster 152 
Zara (D.) AnastasiakapcUe bei der Doni- 
kirche 342 

— Tepjiiche 24(* 

— Kapelle .San Giovannino des .St. Michael- 

klosters 

— röm. Bauresle 34 

Z ei dl er (Bö.) Pfarrkirche (XVIII) 291 
Znaim (Mä.) s. Burkliolzer Wald 

— präliist. Funde 1 o 

— Heidentempel 28. 39. 48 

— Fund von Bronzeringen 188 

— St. Xiklaskirche 128. 240. 344. 356 

— Dominicanerkirche 264 

— Elisabethkirche (sog. Spitalkirche) 204 

— Stadt. Museum 222 

Zollfeld (Kä.) röm. Grabungen 247 
Val Zouchi bei Stignano (Kü.) röm. 

Wohnhaus 89 
Zwettl (NÖ.) Stadtarcliiv 187. Archivalien 

94 

— Urkunden der Propstei St. Johann 187 

— Stadt. Museum 93 

Z wölfmalgreien bei Bozen (T. ) Kirche 
St. Johann im Dorf 304. 352 



GETTY CENTER LIBRARY 



3 3125 00614 8650