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Full text of "Mitteilungen der K.K. Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung Kunst- und Historischen Denkmale"






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■ 



THE J. PAUL GETTY MUSEUM LIBRARY 



MITTEILUNGEN 



DER 



K. K. ZENTRALKOMMISSION 



FÜR 



ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER KUNST- 
UND HISTORISCHEN DENKMALE 



HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN 

SEINER EXZELLENZ JOS. ALEX. FREIHERRN VON HELFERT 



VON 



PROF. MAX DVOß.ÄK, PROF. WILHELM KUBITSCHEK 
UND t PROF. ALOIS RIEGL 



DRITTER FOLGE VIERTER BAND 

MIT DREI TAFELN UND 109 TEXTABBILDUNGEN 



WIEN 1905 
IN KOMMISSION BEI ANTON SCHROLL & CO. 

KUNSTVERLAG WIEN I MAXIMILIANSTRASZE 9 



Druck von R. M. Rohrer in Brunn 



IHf J- PAUL GETTY CENTBÄ 
LIBRARY 



INHALT 



Amtliches 

Zuschrift des Ministeriums f. K. u. U. an das Ministerium 
des Innern (betr. Benachrichtigung der zustän- 
digen Konservatoren) 209 

Erlaß desselben Ministeriums an den Landesschulrat 
in Prag (betr. Aufnahme prähistorischer Funde in 
Lehrmittelsammlungen der Schulen) 210 

Erlaß der n. ö. Statthalterei, betr. den Schutz von 

Archivbeständen 396 

Personalien . . . . 1. 105. 177. 393 



1 13. Jänner 

2 27. 
3. Februar 

10. » 

24. » 



3. März 36 



10. » 
24. » 
31. » 

7. April 
28. » 

5. Mai 
19. » 



Sitzungsberichte 

.4 16 16. Juni 
.8 17 30. » 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 



12 

25 
31 



107 
115 
122 
125 
142 
178 
185 



2. Juni 211 

9. » 218 



6. Juli . . 

7. » 
6. Oktober 

13. 

27. 

10. November 

1 7. 

24. » 

26 25. » 

27 1. Dezember 

28 15. » 

29 22. » 

30 29. -> 



224 
236 
242 
247 
374 
398 
406 
425 
433 
437 
441 
445 
448 
453 
454 



Verhandlungsgegenstände aus der Zeit der Unter- 
brechung der regelmäßigen Sitzungen 3-19 

Beilagen zu den Sitzungsberichten 

R. V. RifiNi>Hr, Entwurf zu einer Chronik der städt. 

Sammlungen in Baden 19 — 25 

R. K. V. Weinzieri. Tätigkeitsbericht . . 146—149 

Jahresbericht des Bukowiner Landesmuseums . . 372 — 374 

Aufsätze und Notizen 

Allgemeines 
M. Dv<jK.A.K Alois Riegl 255—276 

Erste Sektion 

J. SzoMB.vrHv \'orgeschichtliche Funde aus Inner- 
österreich 39—48 

W. KußiTscHEK Zu römischen Inschriften von Calavino 

und von Salona 48 — 50 



F. Endi. Ein Steinbild aus Großburgstall (Bzh. 

Hörn) 149—150 

H. Ubei.i. Eine Bronzeklinge von den Schaf böden 

bei Hinterstöder 152 

J. VON Bersa Grabfunde aus Nona (Dalmatien) . 152 — 159 
F. Kenner Keltische Münzen vom Mallnitzer Tauern an 

der Grenze zwischen Salzburg und Kärnten 159—161 
H. Ubei.i, Eine Herakles-Statuette aus Bronze . 161 — 164 
B. ScHiAvuzzi Archäologische Grabungen in Pola und 

Umgebung 1904 164—174 

L. Moser Römische Inschrift aus Istrien .... 174 — 175 
E. Katschthai.er Münzfund (XV. Jh.) bei Gerolding 

(Bzh. Melk) 175—176 

W. Smii) Bronzebeile von St. Johann bei Tomiselj 

am Laibacher Moor 277 fg. 

H. Ubei.i, Bronzefund aus Aschach a. D 278 fg. 

L. Schneider Vorgeschichtliche Funde aus dem nord- 
westlichen Böhmen 279—283 

O. CuNTz Römische Inschriften aus Steiermark 283 — 289 
W. Smid Römischer Inschriftstein aus Mlada Gora 

(Krain) 290 fg. 

A. Gnirs Vorläufiger Bericht über Grabungen auf 

Brioni Grande 292 

— Römische Nekropolen in Zamasco und Caschierga 
(Bzh. Mitterburg) 292 fg. 

St. Petrus Grabstein eines römischen Flottensoldaten 

in Ossero 294 

W. KuBiTscHEK Anhang zum vorigen Artikel . . 294 — 296 

— Vindobona — Vienna 296 fg. 

E. ScHMiDET. Ein Fund römischer Denare bei Spital 

am Pyhrn 2904 297-302 

V. Skraiiar Römische Funde aus Pettau .... 303 — 316 
E. ScHMiDEi. Ein Münzschatz des XVT. Jh. . . 321 — 323 
M. MucH Die I\^ Gemeinsame Versammlung der 
Deutschen und der Wiener Anthropologischen 

Gesellschaft 470-476 

J. Cervinka Zur Vorgeschichte Mährens . . . 477 — 498 

Zweite Sektion 
J. NEvfiftu Die archäologischen Funde von Welehrad 

und ihre historische Bedeutung 50-84 

A. RiEGi. Neue Strömungen in der Denkmalpflege 85—104 
H. Semper Neuaufgedeckte Fresken in der Johannis- 

kapelle am Kreuzgang des Brixner Domes . 194—208 
H. Tietzk Gotischer Türklopfer in der Spitalskapelle 

in Krems 316 fg 



H. TiETZE Holzstatuetten in der Pfarrkirche zu 

Spitz 318—321 

— Ein Bild von Annibale Caracci in Weißenkirchen 
a. D 323—329 

V. KramAJ Bericht über die Bloßlegung eines jesuiti- 
schen Gemäldezj-klus vom J. 1641 in der Pfarr- 
kirche zu Kardasch-Recic 329—336 

M. Dvo&iJc Das alte Rautterhaus in Villach .... 336 fg. 



E. Zaak Das gräflich Dietrichsteinsche Schooßhaus 

in Brunn 337—348 

E. Neüwirth Bericht über die Verhandlungen des 

sechsten Tages für Denkmalpflege 383—392 

Nachtrag zur Anzeige von Prokop, Markgrafschaft 

Mähren in kunstgeschichtlicher Beziehung .... 392 
A. Matr Das Kruzifix des Reichenhauser in Ad- 

mont 498—500 



Verzeichnis der Tafeln und Textabbildungen 

Tafeln 

1 Bronzedepotfund von Wöllersdorf (Bzh. Wiener-Neustadt) 
II Bronzestatuette aus Watzing (Bzh. Ried) 
m Alois Riegl 



Tex t abbi 

1 Planskizze römischer Fundstellen nächst Kristein 

2 Bronzebeile aus der nordwestlichen Steiermark und aus 

Ober-Österreich 

3 Grabschrift eines röm. Soldaten, gef. in Calavino 
4—28 Welehrad (4 Grundriß der Kirche und des Klosters, 

5 Steingrab, 6 Deckel eines Steingrabes, 7 und 8 
Kreuzfiguren auf einem Sarkophagdeckel, 10 Ansicht 
des Klosters im J. 1681, 11 Fassade, 12 Grundriß 
und 13 Nordecke der ehem. romanischen Kirche, 
14 Basament und 15 Grundriß ihres Hauptportals, 

16 Basament ihres spätromanischen Paradieses, 

17 Grabstein, 18 Grabstein des Olmützer Propstes 
Alexius aus dem J. 1282, 19 Basis eines romanischen 
Pfeilers, 20 Romanisches Knospenkapitäl, 21 dgl. 
Gewölbeschlußstein, 22 dgl. Doppelkapitäl, 23 und 
24 dgl. Kapitale, 25 dgl. Tonfliesenpflaster, 26 Grund- 
riß der romanischen Grundmauern, 27 und 28 Stein- 
metzzeichen) 

9 Alemannisches Steingrab (nach Lindenschmitt) 

29 Kupferbeil aus Blesno 

30 Steinbild aus Großburgstall bei Altenburg 

31 Bronzeklinge von den Schaf böden 152 

32 — 40 Bronzefunde aus Nona (32 vorröm. Schwert, 33 
Köpfe zweier Nadeln, 34 Fibeln, Torques, Ringe, 
Kette, 35 Scheibenfibel, 36 Fibel, 37 Armband, 
Spirale, Draht, Bleirädchen, 38 Bronzebelag (?), 
39 Kettengehänge. — 40 Bernsteinscheibe) 

41 Silbermünze des Königs Gesatorix 

42—52 Aus dem römischen Pola (42 und 43 Inschriftplatten 
von Sarkophagen, 44 Reüefplatte eines Sarkophages, 
45 Fabriksstempel auf einem Ziegel, 47 Bronzelampen, 
48 Marmorbüste eines Knaben, 49 Bronzeeimer, 50 
und 51 Hydrien aus Bronze, 52 Bronzeglockej 

53 Sarkophagdeckel aus Pomer auf Istrien 

54 Römische Grabinschrift aus Gradina bei Velovich in 

Istrien 



1 d u n ge n 

54 bis Grenzstein bei Levade in Istrien 
55 — 59 Wandgemälde in der Johanneskapelle am Kreuz- 
gang des Brixener Domes 

60 Holztüre aus der Bartholomäuskirche in Kolin 

61 Marmorplatte von der Mensa in der Sierninger Pfarr- 

kirche 

62 Bronzebeile von St. Johann bei Tomiselj 

63 Röm. Inschrift aus Geisttal 

64 Röm. Inschriftstein aus Mlada Gora 

65 Röm. Grabstein aus Ossero 

66 - 84 Pettau (66 Sarkophag vom Meierhof, 67 Sarkophag- 

fragment am Maiberg, 68 Marmorpilaster aus Mai- 
berg, 69 — 71 Inschriften aus Oberpettau, 72 Relief 
aus Oberpettau, 73 Bronzefibel, 74 Bronzestatuette, 
75 Cbersichtsplan der Grabungen am Oberrann vgl. 
dazu 79), 76 Fußangel oder Kerzenhalter aus Bronze, 
77 Säulenkapitäl, 78 Tonkrüge, 80 Bronzefibel, 81 
Beirmadeln und bronzene Sonde, 82 Bronzeschlüssel, 
83 Bronzefingerringe, 84 goldener Ohrring aus Haidin) 

85 Gotischer Türklopfer in der Spitalskapelle zu Krems 

86 (a. b, c) Holzstatuetten in der Pfarrkirche zu Spitz 

87 Madonnenbild Annibale Carraccis in Weißenkirchen a. D. 

88 Das Rautterhaus in Villach 

89 — 95 Dietrichsteinsches Schooßhaus in Brunn (89 Garten- 
haus, 90 Grundriß des Hauses, 91 Situationsskizze 
der durch dieses Haus überbauten Bauten, 92 An- 
sicht des Hauses, 93 und 94 Zimmer, 95 Stukko- 
omament ebenda) 

96—98 Skelettgrab in Austerlitz und die Beigaben darin 

99 Burgstätte S. Martin bei Lultsch 

99 a Bronzclappenaxt aus Louka 

100 Bronzene Spiralfibel mit Anhängseln aus Salas 

101 Bronzearmbänder aus dem Depot bei Sarovj- 

102 — 104 Funde in Gräbern von Austerlitz (Armringe, 

irdener Topf, Schwert und Lanzenspitze) 
105 Kruzifix des Reichenhauser in Admont 



MITTEILUNGEN 



DER 



K. K. ZENTRAL-KOMMISSION 

FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER 
KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 



DRITTER FOLGE VIERTER BAND 



ABONNEMENTS - BEDINGUNGEN 

Ganzjährig 5 K, für Korrespon- 
denten der k. k. Zentral-Kommission 
bei direktemBezugausderenKanzlei 
2 K. Einzelne Nummern können 
(in geringer Anzahl) zu. \ K ab- 
gegeben werden. 

Abonnements können bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen 
oder beim Kommissionsverlage der 
„Mitteilungen" ANTON SCHROLL 
&Co., WIEN I Maximiliansstraße 8, 
oder direkt bei der k. k. Zentral- 
Kommission (Wien I Gauermann- 
gasse 4) angemeldet werden. 



REDAKTION 

Prof. WILHELM KUBITSCHEK 
Wien IX Pichlergasse 1 

Prof. ALOIS RIEGL 
Wien I Schottengasse 3 



^^ ^ 

r 

Nr 1—3 JANUAR BIS MÄRZ 1905 

INHALTS - VERZEICHNIS 

Personalien 1 

Sitzungsbericht vom 13. Januar 1905 4 

Sitzungsbericht vom 27. Januar 1905 8 

Sitzungsbericht vom 3. Februar 1905 13 

Sitzungsbericht vom 10. Februar 1905 25 

Sitzungsbericht vom 24. Februar 1905 31 

Sitzungsbericht vom 3. März 1905 36 

SZOMBATHY Vorgeschichtliche Funde aus Nieder-Österreich . . 39 

KUBITSCHEK Zu römischen Inschriften von Calavino und Salona 48 

NEVfeßlL Die archäologischen Funde von Welehrad und ihre 
historische Bedeutung 50 

RIEGL Neue Strömungen in der Denkmalpflege 85 



Im Druck abgeschlossen 25. März 1905 



Gleichzeitig ist das erste Heft des „Register zum Jahrbuch 1856 — 1861 und zu den 
Mitteilungen 1856 — 1902 der k. k. Z. K." ausgegeben worden. Es umfaßt auf 34 drei- 
spaltigen Seiten des gleichen Formates das vom Korrespondenten Professor Krjutny in Klagenfurt 
verfaßte Autorenregister, Ladenpreis 120 A'. Das zweite Heft, das wahrscheinlich im Sommer 
d. J. erscheinen wird, ist im Manuskript fertiggestellt und bereits der Druckerei übergeben; 
es wird das Ortsregister vom selben Verfasser bringen. Das dritte Heft, ein übersichtUch 
gegliedertes Verzeichnis der Illustrationen und Tafeln, wird vom Konzipisten der Z. K. 
Dr. KoBAXD voraussichtlich bis zum Herbst im Manuskript vollendet und tunlichst rasch in 
Druck gelegt werden. 



l'räsident I 

Milj^liedcr II 

SpczialUomitös V 

RecUiUtion V 

Bureau VI 

Khrenmiljjlieiler VI 

General-Konservatoren VI 

Konservatoren und Korrespondenten der einzelnen Kronländer VII 
Verteilung der Konservatoren auf die Bexirksluuptmann- 

scliaften und Städte mit eioencni Statut XI, 1 



P e r s () n a 1 s t a n d 

vom 25. März 1905 



Präsident: ') 
Seine Exzellenz Dr. Joskf Ai^exander Freiherr von 
Helfert, Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät 
Wirklicher Geheimer Rat, Mitglied des Herren- 
hauses; Ritter des Ordens der eis. Krone I. Kl, 
Kanzler und Großkreuz des Franz Josef-Ordens, 
Großkreuz des großh. toskanischen Militär- und 
Zivilverdienstordens, des päpstlichen St. Gre- 
gorius-Ordens; Besitzer der doppeltgroßen gol- 
denen Salvatormedaille, der Ehrenmedaille für 
vierzigjährige treue Dienste, der Jubiläums-Hof- 
medaille, der Jubiläumsmedaille für Zivilstaats- 
bedienstete; Unterstaatssekretär a. D., Präsident- 
stellvertreter des Archivrates, Mitglied des 
Kunstrates, Protektor des Vereines „Wiener 
Bauhütte", Präsident des öst. Volksschriften- 
vereines, Ehrenpräsident und gewesener Prä- 
sident des Vereines für öst. Volkskunde sowie 
des Hausbau Vereines für die katholischen Jüng- 
linge von Mariahilf, Ehrenmitg'lied und gewesener 
Präsident des Wiener Altertumsvereines, Ehren- 
mitglied und gewesener erster Vizepräsident 
der Geographischen Gesellschaft, Ehrenmitglied 
des Wiener Dombauvereines; Ehrenmitglied 
der historischen Vereine in Graz und Klagen- 
furt; Ehrenbürger der Stadt Tachau, Ehren- 
mitglied der katholischen Studentenverbindung 
„Austria", Ehrenmitglied und gewesener Präsi- 



') Seit 1863, als zweiter in der Keihe der Präsidenten; 
als erster Präsident fungierte von 1853 bis 1863 Se. ExzeHcnz 
Dr. Kari. Freiherr von Czokrnig zu Czkrnhaisen, k. k. 
Sektionschef. 



dent der (lesellschaft der Musikfreunde des öst. 
Kaiserstaates, Ehrenmitglied der Münz- und 
Medaillenfreunde Wiens, der „Vcela Cdslav.skä", 
des kgl. Sächsischen Altertumsvereines in Dres- 
den; ordentliches Mitglied der kgl. Böhmischen 
Gesellschaft der Wissenschaften, der k. k. 
Böhmischen Franz Josef-Akademie für Wissen- 
schaft, Literatur und Kunst, auswärtiges Mitglied 
der archäologischen Sektion des Königreiches 
Böhmen, korrespondierendes Mitglied der kais. 
Akademie der Wissenschaften in Wien, Mitglied 
der Prager juridischen Fakultät, mehrerer anderer 
gelehrten Gesellschaften sowie humanitärer und 
gemeinnütziger Vereine ; Wien III Reisner- 
straße 1 9. 

Mitglieder: 
Alfred Castellitz, Architekt, Vorstand des Vereins 
Wiener Bauhütte; Wien XIX Armbruster- 
gasse 13; ernannt 22. Februar 1905, Z. 2091. 

Oberbaurat Julius Deininger, Architekt, Profe.ssor 
und Fachvorstand an der Staatsgewerbeschule 1 
in Wien, Rittor des Franz Josef-Ordens etc.; 
Wien IV Favoritenstraße i; seit 1899, wieder- 
be.stätigt 18. Februar 1904, Z. 2810. 

Dr. Max Dvoft.Uc, Privatdozent an der Universität; 
Wien VIII Schmidgasse 15; ernannt 22. Februar 
1905, Z. 2091. 

Emu. Ritter von Förster, Ministerialrat und Vor- 
stand des Departements für Hochbau im Mini- 
sterium des Innern, Mitglied des Kunstrates, 

I 



m 



Pcrsonalstand vom 25. März 1905 



IV 



Ritter des öst. Leopold-Ordens etc.; Wien IX 
Maximilianplatz 15; seit 1897, wiederbestätigt 

15. September 1902, Z. 29505. 

Oberbaurat JuLas Hermann, Architekt und Dom- 
baumeister zu St. Stefan in Wien, Ritter des 
Franz Josef-Ordens, Besitzer des gold. Verdienst- 
kreuzes; Wien I Grashofgasse 3; seit 1896, 
wiederbestätigt 4. April 1902. Z. 103 19. 

Viktor Hocdek, Ministerialrat im Ministerium 
des Innern ; Wien III Stammgasse 1 5 ; ernannt 
12. Juni 1900, Z. 12892. 

Karl Kajiger, Ritter des Franz Josef-Ordens, 
Professor an der Kunstgewerbeschule in Wien 
IV Heugasse 18; ernannt 24. Oktober 1902, 
Z. 32872. 

Hofrat Dr. Friedrich Kenner, wirkliches Mitglied 
der kais. Akademie der Wissenschaften, Präsident 
des Wiener Altertumsvereines, Mitglied des ö.st. 
archäologischen Institutes, Ritter des öst. Leo- 1 
pold-Ordens, des Ordens der eis. Krone und des 
Franz Josef-Ordens, Inhaber der doppelt großen 
gold. Salvator-Medaille ; Wien III Beatrixgasse 3 ; 
seit 1872, wiederbestätigt 18. Februar 1904, 
Z. 2613. 

Reg.- Rat Dr. Wilhelm Kl-bitschek, a. ö. Universi- 
tätsprofessor, Kustos am kunsthist. Hofmuseum, 
korr. Mitglied der kais. Akademie der Wissen- 
schaften; Wien IX Pichlergasse i; ernannt 

16. Jänner 1903, Z. 41757 ex 1902. 

Hofrat Dr. Arnold Luschin, Ritter von Ebengreuth, 
Ritter des Ordens der eis. Krone, wirkliches Mit- 
glied der kais. Akademie der Wissenschaften, 
Rektor und o. ö. Professor an der Universität in 
Graz; ernannt 12. Juni 1900, Z. 12892. 

Reg.-Rat Dr. Matthäus Much, Vizepräsident des 
Wiener Altertumsvereines, Ritter des Ordens der 
eis. Krone, Inhaber der ^Medaille für Wissenschaft 
und Kunst; Wien XIII Penzingerstraße 84; seit 
1877, wiederbestätigt 21. August 1903, Z. 28297. 

Dr. Wilhelm Anton Neumann, o. ö. Universitätspro- 
fessor in Wien, Kapitular des Zisterzienserstiftes 
Heiligenkreuz, f. - e. geistl. Rat, Ritter des 
Ordens der eis. Krone etc. ; Wien IX Garnisons- 
gasse 18; seit 1896, wiederbestätigt 4. April 1902, 
Z. 10319. 

Dr. Josef Nedwirth, Rektor und o. ö. Professor an 
der technischen Hochschule in Wien, Mitglied 



des Kunstrates, Mitglied der kunsthistorischen 
Landeskommission für Böhmen, Pfleger der Kunst- 
denkmale in Preuß.-Schlesien; Wien IV Favoriten- 
straße 60; ernannt 4. April 1902, Z. 10319. 

Dr. Oswald Redlich, o. ö. Universitätsprofessor, 
wirkliches Mitglied der kais. Akademie der 
Wissenschaften; Wien, XIX Vegagasse 9; er- 
nannt 12. Juni 1900, Z. 12892. 

Dr. E^^L Reisch, o. ö. Universitätsprofessor, Mit- 
glied des österr. und des kais. deutschen archäol. 
Institutes, korr. Mitglied der kais. Akademie der 
Wissenschaften; Wien XM^II i-Carl Ludwig- 
straße 28; ernannt 4. Dezember 1903, Z. 37967. 

Dr. Alois Riegl, o. ö. Universitätsprofessor, korr. 
Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften ; 
Wien I Schottengasse 3; ernannt 16. Jänner 1903, 
Z. 41757 ex 1902. 

Reg.-Rat August Sch.\effer, Direktor der Gemälde- 
galerie des Allerhöchsten Kaiserhauses, Ritter 
des Ordens der eis. Krone und des Franz Josef- 
Ordens; Wien I Burgring 5; seit 1896, wieder- 
bestätigt 4. April 1902, Z. 103 19. 

Graf Johann Szeptycki, Kämmerer, ^Mitglied des 
Herrenhauses, Ritter des Ordens der eis. Krone 
IL Kl., Landtagsabgeordneter in Przylbice; er- 
nannt 12. Juni 1900, Z. 12892. 

Baurat Ludwig Wächtler, Architekt, Wien IV 
Theresianumgasse 31; ernannt 12. Juni 1900, 
Z. 12892. 

Kaspar Ritter von Zumbusch, Mitglied des Herren- 
hauses, emerit. Professor an der Akademie der 
bildenden Künste, Mitglied des Kunstrates und 
des öst. archäologischen Institutes, Komtur des 
Franz Josef-Ordens mit dem Stern, Ritter des 
Leopold-Ordens und des Ordens der eis. Krone, 
Besitzer des öst.-ung. Ehrenzeichens für Kunst 
und Wissenschaft; Wien I Kohlmarkt 11; er- 

* nannt 4. April 1902, Z. 10319. 

Sektionen: 

Der I. Sektion (für prähistorische, antike und 
völkerwanderungszeitliche Denkmale, außerdem für 
Münzen aller Zeiten) gehören die^NIitglieder Ken^ner, 
Kubitschek, Much, Xeuman"n, Reisch und die Kon- 
servatoren Hoerxes und Szombathy an; 

der IL Sektion (für mittelalterliche und neu- 
zeitliche Denkmale mit Ausnahme der Schriftdenk- 



V 



1905 



vi 



iiKilc (Vw. Mitglieder: Casticllitz, Deiningkk, D\'oftÄK, 
Förster, Hermann, Kakgick, Nkumann, Neuwirth, 
Rli'.cl, Schaeffer, Wächtlkk, Zumbusch; 

der ITT. Sektion (für mittelalterliche und neu- 
zeitliche Schriftdenkmale) die Mitglieder Luschin, 
Nkl'wirth, Redlich, Tvorrespondent Oitenthal. 

Zur Vertretung di!r gesamten archäologischen 
lnt(;ressen einzelner Länder odcT Ländergruppen 
berufen sind ; Houdkk. (für Böhmen, Mähren und 
Schlesien), Luschin (für Steiermark, T'Cärnten und 
Krain), Graf Szeptycki (für Galizien und Bukowina). 

S p (» z i a 1 k o m i t e e s : 

<;) das Komitee für Bauangeleg-enheiteu besteht 
aus den Herren: Castelutz, Dkininüer, DvoMk, 
FüR.sTER (Vorsitzender), Her.mann, Neumann, 
Neumikth, Riegl, Wächtler; 

/') das Komitee für Gemälderestaurierung aus den 
Herren Deininger, DvoftÄK, Kakger, Neu.mann, 
Neuwirth, Riegl, Schaeffer (Vorsitzertder): 

c) das Komitee für Plastik und Kunstgewerbe aus 
den Herren Hermann (Vorsitzender), Karger, 
Neumann, Neuwirth, Riegl, Zumbusch; 

d) das IComitee für die Abfassung einer Kunst- 
topographie der im Reichsrate vertretenen 
Königreiche und Länder aus den Herren 
T'Cenner (Vorsitzender), Karger, Much, Neumann, 
Neuwirth und den Redakteuren Kubitschek und 
Riegl ; 

e) das Redaktionskomitee aus den Herren Much 
(Vorsitzender), Neumann, Redlich und den 
Redakteuren Kubitschek und Riegl; 

f) das Budget- und Finanzkomitee aus den Herren 
Much (zugleich Referent und Vorsitzender), 
Tvubitschek, Redlich; 

g) das Komitee für Denkmalschutzgesetzgebung 
aus den Herren: Deinlnger, Ivenner (Vorsitzen- 
der), Much, Redlich. 



Redaktion 

Professor Wilhelm Kubitschek, Wien IX Pichler- 
gasse I. 

Professor Alois Riegl, Wien I .Schottengasse 3. 



Bureau 

Wien I Gauermaiingasse 4. 

a) Konzeptsdienst: 

Dr. Maxlmilian Bauer, Ministerial-Vizesekretär im 
Ministerium für Kultus und Unterricht Ritter 
des Franz Josef-Ordens (Bureau -Vorstand). 

Dr. K \KL Koi'.ald, Konzipist. 

b) K a n z 1 e i d i (Ml s t : 

Karl Heidrich, Adjunkt (ivassaführer, Bibliothekar). 
Karl Reitter, Kanzlist. 

Ferner i Kanzleigehilfe und 2 Diener. 

Ehrenmitglieder 

Sa. k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Prinz und 

Herr Erzherzog Franz Ferdinand, erwählt 14. Juni 

1905, bestätigt 27. Juli 1905; 
Se. k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Prinz und 

Herr Erzherzog Rainer, erwählt am i. Februar 

1895, bestätigt am i. März 1895; 
Se. Durchlaucht der regierende Fürst Johann von 

UND ZU Liechtenstein; 
Se. Exzellenz Dr. Paul Gautsch Freilu>rr von 

Frankenthurn, Ministerpräsident ; 
Se. Durchlaucht Fürst Adolf Josef zuSchwarzenberg ; 
vSe. Fürstliche Gnaden Fürstbischof Dr. Slmon 

Aichner von Brixen; 
Ihre Durchlaucht Fürstin Marie zu Hohenlohe- 

Schillingsfürst ; 
Se. Exzellenz Dr. Arthur Graf Enzenberg zu.m 

Freyen- und Jöchlsthurn, Sektionschef i. R., 

Mitglied des Herrenhauses; erwählt 17. November 

1893, bestätigt I. Dezember 1893. 
Ober-Baurat Josef HlAvka, Architekt, Mitglied ■ 

des Herrenhauses, Prag, erwählt am 19. Februar 

1904, bestätigt am 11. April 1904. 

General-Konservatoren 

Für die I. Sektion: 

Prof Wilhelm ICubitschek, Wien IX Pichlergasse i 
(ernannt 4. Januar 1904, Z. 24430 ex 1903). 

Für die II. Sektion: 

Professor Alois Riegl, Wien I Schottenga-sse 3 
(ernannt 4. Januar 1904, Z. 33436 ex 1903). 



VII 



Persoualstand vom 23. März 1905 



VIII 



Konservatoren und Korrespondenten 

Böhmen 
Konservatoren: 

Wn-HELM AuGST, Architekt, Museal-Assistent in 
Reichenberg (II für die .Bzkh. Böhmisch-Leipa, 
Friedland, Gabel Gablonz, Reichenberg, Rum- 
burg, Schluckenau und die Stadt Reichenberg) 
ernannt 9. Juli 1904, Z. 21 132. 

Josef BraniS, Realschulprofessor in Budweis (II 
für die Bzkh. Budweis, Kaplitz, Krumau. Pracha- 
titz, Schüttenhofen und Wittingau) seit 1888, 
wiederbestätigt 14. August 1903, Z. 14576. 

Dr. jAROMÜi Celakovsk^', Universitätsprofessor und 
Archivar der königl. Hauptstadt Prag (III. für 
die Stadt Prag und die Bzkh. Böhmisch -Brod. 
Hofovic, Jungbunzlau, Karolinenthal, Kladno, 
Kolin, Königl. Weinberge, Melnik, Pfibram, Raud- 
nitz, Smichow und Zizkow) seit 1887, wiederbe- 
stätigt 19. Dezember 1902, Z. 34582. 

Klemexs Cekm.4.k, Direktor an der Mädchenbürger- 
schule und Obmann des Musealvereines ,.\'cela" 
in Cäslau (I. für die Bzkh. Cäslau, Chotebof, Chru- 
dim, Deutsch-Brod, Hohenmauth, Kuttenberg, 
Ledec, Leitomischl, Podebrad und Policka) seit 
1886, wiederbestätigt 6. Juli 1900, Z. 12929. 

Dr. Karl Chvtil, Direktor des kunstgewerblichen 
Museums der Handels- und Gewerbekammer, 
Universitäts-Professor in Prag (II. für die Bzkh. 
Cäslau. Chrudim, Leitomischl und Policka) er- 
nannt 20. Februar 1903, Z. 39722 ex 1902. 

Johann Diviä-CiSTECK-i', Ritter von §erlink, Truch- 
sess, Zuckerfabriksdirektor in Pfelauc (III. für 
die Bzkh. Hohenmauth, Landskron, Leitomischl, 
Pardubitz, Policka und Senftenberg) seit 189g, 
wiederbestätigt 29. April 1904, Z. 1411g. 

Bo2a DvofeÄK, Architekt in Pardub'itz (II. für die 
Bzkh. Hohenmauth, Landskron, Pardubitz und 
Reichenau) seit 1898, wiederbestätigt 26. Mai 1903, 
Z. 15949. 

Architekt Emil Glocker, Professor an der Staats- 
gewerbeschule in Pilsen (I. für die Bzkh. Asch, 
Eger, Falkenau, Graslitz, Joachimsthal, Karlsbad, 
Luditz, Marienbad, Plan, Tachau und Tepl) 
seit 1887, wiederbestätigt 19. Dezember 1902, 

z. 34582. 

Ottokar Hejnic, Professor an der Staatsoberreal- 
.schule in Kuttenberg (III. für die Bzkh. Cäslau, 



("hotebof, C'hrudini, Doutscli-Brod, Kuttenberg 
und Ledec) seit 1900, wiederbestätigt 13. März 
1 905, Z. 8064 

Johann Herain, Ingenieur und Baumeister in Prag 
(II. für die .Stadt Prag, linke Moldau.seite, und 
die Bzkh. iNarolinenthal, Klaihm. Königl. ^V^'in- 
berge, Smichow und Zizkow) seit 1892, wieder- 
bestätigt 19. Dezember 1902, Z. 36253. 

Dr. Josef Hibsch, Professor an der höheren land- 
wirtschaftlicht-n l.andeslehranstalt in Tetsclicn- 
Liebwerda (I. für die Bzkh. Böhm.-Leipa, Leit- 
meritz, Rumburg-, Schluckenau und Tetschen) 
seit 1891, wiederbestätigt 2. August 1901, Z. 2006g. 

Josef Hofmann, Gymnasial-Professor in Kaaden 
(II für die Bzkh. Kaaden, Komotau, Luditz, Poder- 
sam und Saaz) ernannt 3. MärzigD5, Z. 5536. 

BkETisLAV Jelinek, Direktor am städtischen Museum 
in Prag (I. für die Bzkh. Hofovic, Kladno, Pfibram, 
Raudnitz, .Smichow und die Stadt Prag) seit 
1892, wiederbestätigt 11. August 1902, Z. 21347. 

Kais. Rat Dr. Karl JicInsky, gräflich Cerninscher 
Zentraldirektor in Xeuhaus (II. für die Bzkh. 
Chotebof, Deutsch-Brod, Kamenitz a. d. Linde, 
Xeuhaus, Pilgram und vSelcan und III. für die 
Bzkh. Beneschau, Budweis, Kamenitz a. d. Linde, 
Kaplitz, Krumau, Moldautein, Mühlhausen, Neu- 
haus, Pilgram, Selcan, Tabor und Wittingau) seit 
1869, wiederbestätigt für die IL Sektion 23. März 
1900, Z. 3327, für die III. 19. Dezember 1902, 
Z. 34582. 

Rudolf Knott, Gymnasial-Professor in Teplitz (III 
für die Bzkh. Aussig, Brüx, Dux, Kaaden, Ko- 
motau, Saaz und Teplitz) ernannt 7. Dezember 
1904, Z. 33937. 

Dr. Thomas Koukil, bischöflicher Xotar und Gym- 
nasialprofessor in Reichenau (III. für die Bzkh. 
Braunau, Königgrätz, Königinhof, Xachod, Neu- 
Bydzow, Neustadt a. d. M. und Reichenau) seit 
1895, wiederbestätigt 3. Juli 1900, Z. 17410. 

Alois Kroutil, Fabriksdirektor in Kolin (IL für 
die Bzkh. Beneschau, Böhmisch -Brod, Kolin, 
Kuttenberg-, Ledec und Podebrad) seit 1889, 
wiederbestätigt 9. August 1904, Z. 27606. 

Josef Lacina, Professor an der böhm. Staatsreal- 
schule in Prag-lvleinseite (III.- für die Bzkh. 
Laun, Podersam, Rakonitz und Schlan) seit 1895, 
wiederbestätigt 12. Dezember 1900, Z.3 2662. 



IX 



Personalstand vom 25. März lyOj 



X 



I<"kan/ Laube, Fachschuldircktor i. P. in Tc^plit/, 
(I. für die Bzkh. Aussig-, Brüx, Dux, Kaadcii, 
Komotau und Teplitz) seit 1897, wiederbestätigt 
12. September 1902, Z. 28908. 

J)r. ViNZKNZ LuKSCü, Professor am bischciflichon 
Seminar in Leitmeritz (II. für die lizkh. Leit- 
meritz, Raudnitz und Tetschen) seit 1899, wieder- 
bestätigt 29. April 1904, Z. 141 19. 

I)r. I.UBOR NiEDEKLE, Professor an ilcr liölim. Uni- 
xcrsität in Prag (I. für die Bzkh. Böhmisch-Brod, 
Jungbunzlau, Karolinenthal, Königl. Weinberge, 
Kolin, Melnik und 2izko\v) seit 1892, wieder- 
bestätigt II. August 1902, Z. 21347. 

Josef Paschkr, Ziviling-enieur in Eger (II. für die 
Bzkh. Asch, Eger, Falkenau, Graslitz, Joachims- 
thal, Karlsbad, Marienbad, Plan und Tepl) seit 
1891, wiederbestätig't 12. Oktober 1901, Z. 29018. 

Dr. Josef Ladislaus Pic, Privatdozent an der böhm. 
Universität in Prag (I. für die Bzkh. Dauba, Jicin, 
Münchengrätz, Neu-Bydzow, Semil, Starkenbach 
und Turnau) seit 1890, wiederbestätigt 23. März 
1900, Z. 3327. 

Emanuel Pii'pich, Professor an der Fachschule in 
Königgrätz (II. für die Bzkh. Braunau, Hohen- 
elbe, König-grätz, Königinhof, Nachod, Neustadt 
a. d. M., Senftenberg, Starkenbach und Trautenau) 
seit 1884, wiederbestätigt 7. April 1904, Z. 8103. 

Heinrich Richly, Privatier in Neuhaus (I. für die 
Bzkh. Beneschau, Budweis, Kamenitz a. d. Linde, 
Kaplitz, Krumau, Moldautein, Mühlhausen, Neu- 
haus, Pilgxam, Selcan, Tabor und Wittingau) seit 
1891, wiederbestätigt 29. April 1901, Z. 9367. 

.Schulrat August Sedl.4Cek, Gymnasialprofessor i. R. 
in Pisek (IL für die Bzkh. Blatna, Moldautein, 
Mühlhausen, Pisek, Pfibram. Strakonitz und 
Tabor) seit 1881, wiederbestätigt 12. April 1902, 
Z. 3923. 

Kais. Rat Dr. Karl .Siegl, Gerichtsadjunkt i. R. 
und Stadtarchivar in Eger (III. für die Bzkh. 
Asch, Eger, Falkenau, Graslitz, Joachimsthal, 
Karlsbad, Luditz, Alarienbad, Plan, Tachau und 
Tepl) ernannt 30. August 1900, Z. 23210. 

JosEE Skorpil, Architekt und Direktor des städt. 
Gewerbemuseums in Pilsen (IL für die Bzkh. 
Klattau, Pilsen, Pfestitz und Rokitzan) seit 1898, 
wiederbestätigt 14. August 1903, Z. 14576. 

Karl .SrfiriNA, Cxymnasialprüfessor in Jicin (111. 
für die Stadt Reichenberg und die Bzkh. Dauba, 



Friedland, Gabel, Gablonz, liohenelbe, Jicin, 
Münchengrätz, Xeupaka, Podebrad, Reichenberg-, 
Semil, Starkenbach, Trautenau und Turnau) seit 
1889, wiederbestätigt 7. April 1904, Z. 8103. 

Josef Strnad, Professor am böhm. (iymiiasiuni in 
Pilsen (f. und 111. für die Bzkh. Bischofteinitz, 
Blatna, Klattau, Kralowitz, Mies, Pilsen, Pi.sek, 
Prachatitz, Pfestitz, Rokitzan, Schüttenhofen, 
Strakonitz und Tau.s) seit 1884, wiederbestätigt 
7. April 1904, Z. 8103. 

RoBER-r SxÜBCHEN-KutCHNER, Direktor der P'ach- 
schule in Teplitz (IL für die Bzkh. Au.ssig, 
Brüx, Dux und Teplitz) seit 1899, wiederbestätigt 
29. April 1904, Z. 14119. 

Rudolf Vo.mäCka, Oberbaurat bei der Statthalterci 
in Prag (IL für die Bzkh. Hofovic, Kralowitz, 
Rakonitz und Schlan) ernannt 9. Juni 1900, 
Z. 12092. 

Robert Ritter von Wkinzierl, Kustos des Museums 
in Teplitz (I. für die Bzkh. Laun, Podersam, 
Rakonitz, Saaz und Schlan) seit 1897, wieder- 
bestätigt 12. September 1902, Z. 28908. 

Hermann Weisser, Gymnasialprofessor in Leit- 
meritz (III. für die Bzkh. Böhmisch-Leipa, Leit- 
meritz, Rumburg, Schluckenau und Tetschen) seit 
1886, wiederbestätigt g. August 1904, Z. 27606. 

Baurat Axtox Wiehl, Architekt, Baumei.ster in 
Prag (11. für die Stadt Prag, rechte Moldauseite, 
und die Bzkh. Dauba, Jungbunzlau und Mel- 
nik) seit 1887, wiederbestätigt 12. April 1902, 
Z. 3923. 

Thomas ZäklasnIk, Professor an der .Staatsoberreal- 
schule in Jicin (IL für die Bzkh. Jicin, München- 
grätz, Neu-Bydzow, Neupaka, Semil und Turnau) 
seit 1886, wiederbestätigt 7. April 1904, Z. 8103. 

Erledig-t die Stellen: 

I. für die Bzkh. Friedland, (iabel, Gablonz, llohen- 
elbe, Reichenberg, Trautenau und die Stadt 
Reichenberg. 

I. für die Bzkh. Braunau, Königgrätz, Königinhof, 
Landskron, Nachod, Neupaka, Neustadt a. d. M., 
Pardubitz, Reichenau und Senftenberg. 

IL für die Bzkh. Bischofteinitz,- Mies, Tachau und 
Taus (provisorisch Glücker). 



XI 



Personalsland vom 25. März I905 



XII 



Korrespondenten: 

Dr. Heinrich Axkert, Stadtarchivar in Leitmeritz. 

Dr. AuoLF Bachjianx, o. ö. Professor an der deutschen 
Universität Prag. 

Paul Bergxer, Galerieinspektor am Rudolfinum 
in Prag. 

Adolf Boh.\ty, Reichsratsabgeordneter, Stadtbau- 
ineister in Trautenau. 

Dr. Thomas CERxi', gew. Bürgermeister der Stadt 
Prag. 

Wenzel Divi§-Cistecky von Serlixk, Stationsvor- 
stand i. R., Pardubitz. 

Franz Dvorsky, Landesarchivar in Prag. 

Reg.-Rat Eduard Fiala, Ingenieur, Konser- 
vator der Münzen- und Medaillen - Sammlung 
des Herzogs von Cumberland, Prag. 

Josef Fischer, Rentmeister in Görkau. 

Karl R. Fischer, Bürgerschullehrer in Gablonz 
a. d. X. 

Dr. Wenzel Frind, Weihbischof bei St. Veit in 
Prag. 

Johann Hent)rich in Prag. 

Kamillo Hn.BERT, Dombaumeister bei St. Veit in 
Prag. 

Dr. JoHAN.v Hräse, Fabriksdirektor in Xachod. 

K.\RL Peter Kheil, Handelsschuldirektor in Prag. 

Karl Köpl, Direktor des .Statthalterei-Archivs in 
Prag. 

Edü.ard Langer, Herausgeber der „Christlichen 
Akademie" in Prag. 

Monsignore Ferdinand Lehxer, Pfarrer in Prag, 
Königl. Weinberge. 

Karl B. M.4dl, Professor an der Kunstgewerbe- 
schule in Prag. 

Dr. Alexander Marian, Arzt in Aussig. 

Josef äLvSek, Direktor der Fachschule in Turnau. 

Dr. Gottlieb Matejka, Professor an der böhm. Uni- 
versität und an der Kunstakademie in Prag. 

Anton Mörath, fürstl. Schwarzenbergscher Zentral- 
archivdirektor in Krumau. 

Dr. JosEF NovÄK, Gymnasialdirektor in Wittingau. 

MoRirz Plahl, Gymnasialdirektor in Kaaden. 

Joh.^nn Prousek, akad. Maler in Turnau. 

Dr. Thomas Rehor, Gymnasialprofessor in Chrudim. 

P. Wenzel RiCak, Dechant in Pfestitz. 

Dr. Bohusl.w Freiherr von Rieger, o. ö. Professor an 
der böhm. Universität in Prag. 



Oberbaurat Karl Edler von Scheiner, Vorstand des 
techn. Statthalterei- Departements in Prag. 

Ludwig Schneider, Oberkontrollor der Finanz-Kon- 
trolle in Smific. 

Dr. Alwin- S-hultz, em. Professor an der deutschen 
Universität in Prag. 

JoH.\NN Sedl.\cek, fürstl. Schwarzenbergscher Inge- 
nieur in Frauenberg. 

JoH.vNN Siegel, Zivilingenieur in Eger. 
Fr.\nz Smolik, Realschulprofessor in Budweis. 
Eduard Sochor, Architekt in Prag. 

Dr. Heinrich Solc, gew. Bürgermeister der Stadt 
Prag. 

Franz Stepanek, Professor an der Oberrealschule 
in Karolinenthal. 

Ferdinand Thomas, Bürgerschuldirektor in Rupper.s- 
dorf bei Reichenberg. 

Reg.-Rat Wenzel Wl-\diwoj Tomek, L^iiiversitäts- 
professor i. R., in Prag. 

Anton TruhlaR, Direktor des akad. Gymnasiums 
in Prag. 

Edmu^ntj Tucha, Pfarrer in Klösterle a. d. Eger. 

Karl Vorlicek, Erzdechant in Kutteuberg. 

Ernst Karl Graf Waldstein -Wartenberg, Kämme- 
rer und Rittmeister i. d. R., Waldschloß Stählau. 

Magdalena Wankel, Schriftstellerin in Prag-. 

Dr. Johann X. WoldRich, o. ö. Professor an der böhm. 

Universität in Prag. 
JoHANTJ Zever, Architekt in Prag. 

Dr.ViNZENZ ZißRT, Professor an der böhm. L^niversität 
in Prag. 

Bukowina 

Konservatoren: 

Dr. JoSEF Dell, Architekt, Professor an der Staats- 
gewerbeschule in Czernowitz (TI für die Bzkh. 
Czernowitz, Kotzmann, Storozynetz, Waskoutz, 
Wiznitz und die Stadt Czernowitz), ernannt 8. Fe- 
bruar 1905, Z. 39717 ex 1904. 

Schulrat Reg.-Rat Heinrich Klaüser, Gymnasial- 
direktor in Czernowitz (I für das Kronland) seit 
1887, wiederbestätigt 12. April 1902, Z. 3923. 

Baurat Erich Kolbentieyer, Direktor der Staats- 
gewerbeschule in Czernowitz (II für die Bzkh. 
Gurahumora, Kimpolung, Radautz, Sereth und 
Suczawa) ernannt 8. Februar 1905, Z. 39717 ex 
1904. 



XIII 



PersoiialsUiiul vom 25. März 1905 



XIV 



Dr. Johann Polkk, Uiiivorsitätsbibliothekar, Czer- 
nowitz (III für das Kronland) ernannt 16. Juli 
iQOi, Z. 20602. • 

Korrespondenten : 

Dr. Leopolu Getzlinger, Bezirksarzt in Wiznitz. 

Dr. Hans Grosz, o. ö. Universitätsprofessor in Czer- 
nowitz. 

Dr. R \iMt"Ni) Fkiedkkii Kaixdi,, o. ö. Universitäts- 
professor in Czernowitz. 

Dr. Basil Kluczensko, L.-Reg.-Rat und Landes- 
Sanitätsreferent in Czernowitz. 

Simon Fe,. Marian, Gymnasialp rofe.ssor in .Suczawa. 

Dr. Wladuiir Milkowicz, a. ö. Universitätsprofessor 
in Czernowitz. 

Ferdinand Neumann, Baurat a. D. in Czernowitz. 

Theodor Ste'fanelli, Landesgerichtsrat in Kimpo- 
lung. 

Vasile TomiuC, Erzpriester in Radautz. 

Dr. Oswald Zingerle von Summersberü, o. ö. Uni- 
versitätsprofessor in Czernowitz. 

Dalmatien 

Konservatoren: 

JosEF Beksa von Leidenthal, Rechnungsoffizial der 
Statthalterei, Kustos der antiken Abteilung des 
Museums San Donato in Zara (I. Bzkh. Ben- 
kovac, Knin, Sebenico und Zara) ernannt 
28. Dezember igoo, Z. 32616. 

Reg.-Rat ISIonsignore Franz Bulic, Gymnasial- 
direktor i. P., Direktor des Staatsmuseums 
in Spalato (I, II und III für die Bzkh. Imoski, 
Lesina, Makarska, Metkovic, S. Pietro, Sinj und 
Spalato) für I und II seit 1880; wioderbestätigt 
25. März 1900, Z. 3327; für III. seit 1891, wieder- 
bestätigt 2g. April 1901, Z. 9367. 

Josee Cicin, Lehrer am Staatsgymnasiuni in Cattaro 
lIII für die Bzkh. Cattaro) ernannt 6. Mai 1904, 
Z. II 051. 

Tui.Lius Erber, Gymn. -Professor in Zara (III für 
die Bzkh. Benkovac, Knin, Sebenico, Zara) er- 
nannt lö. Juli 1904, Z. 22197. 

Dr. MiLORAii Medini, Gymn.-Professor in Ragusa 
(III für die Bzkh. Ragusa), ernannt 6. Mai 1904, 
Z. 11051. 



Josef Posedei., (iymn.-Direktor in Ragusa (I u. II 
lür die Bzkh. Ragusa), ernannt 6. Mai 1904, 
Z. I 1051. 

Matihäus Cheri-him Segvic-, Gymn. -Pro fes.sor in 
Cattaro (I u. 11 für die Bzkh. Cattaro), ernannt 
6. Mai 1904, Z. 1 1051. 

Kais. Rat Johann Smirich, Realschulprofessor 
und Leiter des Museums San Donato in Zara 
(II für die Stadt Zara) seit 1877, wiederbe-stätigt 
14. August 1903, Z. 14576. 

Bartholomäus Tameno, Oberbaurat bei der Statt- 
halterei in Zara (II für die Bzkh. Benkovac, 
Knin, Sebenico und Zara mit Ausnahme der 
Stadt Zara) seit 1S93, wiederbestätigt 14. August 
1903, Z. 14576. 

Dr. Natale Trojanis, Erzpriester in Curzola (I, II 
und III für die Bzkh. Curzola) seit 1890; wieder- 
bestätigt 6. Juli 1900, Z. 12928. 

Korrespondenten: 
Ignaz Amerling in Ragusa. 

Anton BeziC, Professor der Realschule in Spalato. 
Thomas BRAjKOvit, Gymnasialdirektor in Zara. 
Nikolaus Dapar, Bürgermeister in Benkovac. 
Giovanni Devich, Domdechant und Prosynodal- 
Examinator in Spalato. 

GiAN Domenico Fanfogna Conte de Garagnin in • 

Trau. 
Cvrillus IvekoviC, Baurat bei der Statthalterei in 

Zara. 
Dr. Lukas Jelic, Professor an der theologischen 

Lehranstalt in Zara. 

Don Pietro Kaer, Pfarrer in Prasline bei Sebenico. 

Simeon LaliC, Bürgermeister in Kistanje. 

Dr. Georg Marcocchia, Bezirksingenieur in Spa- 
lato. 

Alois Marun, Ord. Franc, Vorstand der archäo- 
logischen Gesellschaft in Knin. 

ViNCENz MiLiL-, Kreisgerichtspräsident i. R., Bürger- 
meister der .Stadt Spalato. 

Josef Modric, Gutsbesitzer in Benkovac. 

Statthaltereirat Alexander Edler von Piciu.er, Leiter 
der Bezirk.shauptmannschaft Spalato. 

Simeon Simonk!:, Gemeindebeamter in Sebenico. 

ViD VuLETit-VuKASOviC, Hauptlehrer an der Lehre- 
rinnen-Bildungsanstalt in Ragusa. 
Don Apollonio Zanei.la, Kanonikus in Lissa. 



XV 



Personalstand vom 25. März 1905 



XVI 



Galizien 
Konservatoren: 

Dr. Alexa»«der Czolowski, städtischer Archivar in 
Lemberg (II für die Bzkh. Cieszanow, Grödek. 
Jaworöw, Kamionka strumilowa, Moäciska, Rawa 
ruska, Sokal und Zölkiew), seit 1899, wieder- 
bestätigt IG. März 1905, Z. 28779 ex 1904 

Dr. Wladimir Demetrykiewicz Mitghed der kais. 
Akademie der 'Wissenschaften in Krakau (I für 
die Bzkh. Brzozöw, Dabrowa, Dobromil, Gorhce, j 
Jaroslau, Jzislo, Kolbuszowa, Krosno, tancut, 
Lisko, Mielec, Nisko, Pilzno, Przemyä:, Prze- 
worsk, Ropczj-ce, Rzeszöw, Sanok, Strzyzöw, 
Tamobrzeg und Tamöw) seit 1891 (für die II. 
Sektion); für die I. Sektion ernannt 4. Februar 
1902, Z. 37631 ex 1901. 

äLvriax Ritter von Dvdynski, Gutsbesitzer und 
Landtagsabgeordneter in Raciborsko (I für die 
Bzkh. Biala, Bochnia, Brzesko, Chrzanöw, Gry- 
böw, Krakau, Limanowa, Myslenice, Xeumarkt, 
Xeu-Sandec, Podgörze, Saj'busch, Wadowice, 
Wieliczka und die Stadt Krakau) seit 1895, 
wiederbestätigt 9. April 1900, Z. 6509. 

Dr. LL"nw^G Fkkfx, Universitätsprofessor in Lem- 
berg (II für die Bzkh. Brody, Brzezan}', Buczacz, 
Czortköw, Husiätyn, Podhajce, Przemyslany, 
Skalat, Tarnopol, Trembowla, Zbaraz, Zboröw 
lind Zloczöw); seit 1899, wiederbestätigt 13. Fe- 
bruar 1904, Z. 2821. 

Dr. Karl HLadaczek, Univ.-Dozent in Lemberg (I 
für die Bzkh. Böbrka, DoUna, Drohobycz, Kalusz, 
Rohatyn, Rudki, Sambor, Stanislau, Staremi- 
asto, Stryj, Turka, Zydaczow) »emannt 1 1 . April 
1904, Z. 884.5. 

SiGiSML'XD Hexdel, Architekt, Direktor der Staats- 
gewerbeschule in Lemberg (ü für die Bzkh. und 
die Stadt Lemberg) ernannt 24. Februar 1905, 
Z. 2904. 

Dr. Ad.albert vox Kjetrzyxski, Direktor der Osso- 
linskischen BibUothek in Lemberg (III für die 
Bzkh. Böbrka, Bohorodczany, Borszczöw, Brodj', 
Brzezany, Buczacz, Cieszanow, Czortköw. Dolina, 
Drohobj'cz, Grödek, Horodenka, Husiätyn, Ja- 
woröw, Kalusz, Kamionka strumilowa, Kolomea, 
Kossöw, Lemberg, Moäciska, Xadwörna, Pod- 
hajce, Przemj-slan}', Rawaruska, Roliat5'n, Rudki, 
Sambor, Skalat, Sniatyn, Sokal, Stanislau, Stare- 



miasto, Stryj, Tarnopol, Tlumacz, Trembowla, 
Turka, Zaleszczyki, Zbaraz, Zbörow, Zloczöw, 
Zölkiew, Zydaczöiv und die Stadt Lemberg) seit 
1892, wiederbestätigt 19. Dezember 1902, Z. 36253. 

Dr. Felix Kopera, Univ.-Dozent, Direktor des 
städtischen Xationalmuseums in Krakau (II für 
die Bzkh. Bochnia, Brzesko, Dabrawa. Kolbus- 
zowa, Mielec, Xisko, Pilzno, Ropczyce, Rzeszöw, 
Tamobrzeg, Tamöw j, ernannt 23. Januar 1905, 
Z. 45125 ex 1904. 

Dr. Alexander Kolessa, Universitätsprofessor in 
Lemberg III (für ruthenisches Archivwesen) in 
den Bzkh. Brody, Brzezany, Cieszanow, Grödek, 
Jaworöw, Kamionka strumilowa, Lemberg, Mos- 
ciska, Przemyslany, Rawaruska, Sokal, Tarnopol, 
Zbaraz, Zbörow, Zloczöw, Zölkiew und die Stadt 
Lemberg; ernannt 12. März 1902, Z. 4954. 

Baurat Slawomir Odrzvwolski, Architekt und Pro- 
fessor an der Staatsgewerbeschule in Krakau 
(n für die Bzkh. Biala, Chrzanöw, Myslenice, 
Podgörze, Saj'busch, Wadowice und Wieliczka) 
seit 1887, wiederbestätigt 12. April 1902, Z. 3923. 

Dr. Friedrich Papee, Kustos an der Universitäts- 
bibliothek in Lemberg (II für die Bzkh. Böbrka, 
Dolina, Drohob3'cz, Rohatj-n, Rudki, Sambor, 
Staremiasto, Strj'j, Turka und Zydaczöw), seit 
1902 für die I. Sektion; für die 11. Sektion er- 
nannt II. AprU 1904, Z. 8845. 

Dr. Fraxz PiEKOsrs'SKJ, L'niversitätsprofessor in 
Krakau (III für die Bzkh. Biala, Bochnia, 
Brzesko, Brzozöw, Chrzanöw, Dabrowa, Gorlice, 
Gryböw, Jaslo, Kolbuszowa, Krakau, Krosno, 
Lancut, Limanowa, Mielec, Myslenice, Xeumarkt 
[Xowytarg], Xeu-Sandec, Xisko, Pilzno, Podgörze, 
Przeworsk, Ropczyce, Rzeszöw, Saybusch [Zy- 
wiec], Strzyzöw, Tamobrzeg, Tarnöw, Wadowice, 
Wieliczka und die Stadt Krakau) seit 1894, 
wiederbestätigt 9. August 1904, Z. 27606. 

Ladislaus Ritter von Przybyslawski, Gutsbesitzer 
in Uniz (I für die Bzkh. Bohorodczany, Borsz- 
czöw, Buczacz, Czortköw, Horodenka, Husiätyn, 
Kolomea, Kossöw, Xadwörna, Peczenizyn, Pod- 
hajce, Skalat, Sniatyn, Tlumacz, Trembowla, Za- 
leszczyki) seit 1887, wiederbestätigt 12. April 1902, 

z. 3923- 

Dr. JosEF SiEMiRADZKi, Universitätsprofcssor in 
Lemberg (I für die Bzkh. Brody, Brzezan)% 
Cieszanow, Grödek, Jaworöw, Kamionka strumi- 



XVII 



Personalstand vom 25. März I905 



xvin 



iowa, Lembery, Mosciska, PrzemysJ:any, Rawa 
ruska, Sokal, Tarnopol, Zbarai, Zbörow, Zloczöw, 
ZöJkiew und die Stadt Li-mberg-) ernannt 12. 
l\[ärz 1902, Z. 4954. 
TiiAui:)Äus VON StkyjeS;sk[, Raurat in Krakau (II für 
die Bzkh. Gorlice, Gryböw, JasJo, Krosno, Lima- 
nowa, Neumarkt, Neu-Sandec und Strzyiiöw) seit 
1S95, wiederbestätigt 9. April lyoo, Z. 650g. 

Graf Johann Szeptycki in Przytbice, wie S. IV 
(II für die Bzkh. Brzozöw, Dobromil, Jaroslau, 
hai'icut, Lisko, Przemyäl, Przeworsk und Sanok) 
seit 1887, wiederbestätigt 12. April 1902, Z. 3923. 

Thkodok Maryan Talowskt, Professor an der tech- 
nischen Hochschule in Lemberg^, (11 für die 
I^zkh. Bohorodczany, Borszczöw, Horodenka, Ka- 
iusz, Kofoniea, Kossöw, Nadwörna, Peczenizyn, 
Sniatyn, Stanislau, Tlumacz, Zaleszczyki) ; er- 
nannt 28. April 1904, Z. 1009g. 

Dr. Stanislaus Ritter von Tomkowicz, Schriftsteller 
in Krakau (II für die Stadt und den politischen 
Bezirk Krakau) seit 1887, wiederbestätigt 12. 
April igo2, Z. 3923. 

Dr. BoLESLAus Ulanowski, Universitätsprofessor 
in Krakau (III für die Bzkh. Dobromil, Jaroslau, 
Lisko, Przemyäl und Sanok) seit 1894, wieder- 
bestätigt 13. Februar 1904, Z. 2821. 

Erledigt die Stelle: 

III (für das ruthenische Archivwesen) in den 
Bzkh. Böbrka, Bohorodczany, Borszczöw, Buczacz, 
Czortköw, Dolina, Drohobycz, Horodenka, Hu- 
siatyn, Katusz, Kolomea, Kossöw, Nadwörna, 
Peczeniiyn, Podhajce, Rohatyn, Rudki, Sambor, 
Skalat, Sniatyn, Stanislau, Staremiasto, Stryj, Tiu- 
macz, Trembüwla, Turka, Zaleszczyki und ^yda- 
czöw. 

Korrespondenten: 

Dr. Petkr v(jn Buc.n'kowski, o. ö. Univer.sitätsprofessor 
in Krakau. 

Geheimer Rat Dr. Josef Bilczewski, Krzbischof 
von Lemberg. 

Geheimer Rat Dr. Michael Bobrzvnski, Univer- 
sitätsprofessor in Krakau. 

Dr. Johann Boloz Ritter von Antoniewicz, Uni- 
versitätsprofessor in Lemberg. 

Alfred von Chizzola, Ober.st und Platzkommandant 
in i'rzemy.<il. 



Adam Ch.miel, Archivar des historischen Archives 

der Stadt Krakau. 
Graf Georg Dunin-Boricowski, Gutsbesitzer in 

Lemberg. 
Dr. Stanislaus Estreichi:i<, Universitätsprofessor 

in Krakau. 
Dr. Johann Fijalek, Universitätsprofessor in 

Lemberg. 
Geheimer Rat Dr. WnoLn Korytowski Ritter von 

MoRA, Vizepräsident der Finanz-Landesdirektion 

in Lemberg. 
Dr. Josef Korzeniowski, Amanuensis an der Uni- 

ver-sitätsbibliothek in Lemberg. 
Kais. Rat Edgar Kovats, Professor an der tech- 
nischen Hochschule in Lemberg. 
Dr. Stanislaus Krzy;^anowski, städt. Archivar und 

Universitätsprofessor in Krakau. 

Dr. Stanislaus Kutrzeba, Archivar in Krakau. 
Geheimer Rat und Kämmerer Graf Karl Lancko- 

ronski-Brzezik, Mitglied des Herrenhauses, Rozdol 

und Wien. 
Bergrat Leonhard Lepszy, Vorstand des Pun- 

zierungsamtes in Krakau. 
Ladislaus Ritter von Lozinski in Lemberg. 
Fürst Dr. Andreas Lübomirski, Kurator des Osso- 

linskischen Nationalinstitutes in Lemberg. 
Julian Pagaczewski, Kustos am National-Museum 

in Krakau. 
Eduard Pawlowicz, Kustos am Ossolinskischen 

Institute in Lemberg. 
Anton Petruszewicz, Domkustos des griech.-kath. 

Metropolitan- Domkapitels in Lemberg. 

Hofrat Dr. Maryan von Sokolowski, Universitäts- 
professor in Krakau. 
Dr. Thaddäus Wojciechowski, Universitätsprofessor 
in Lemberg. 

Kärnten 
Konservatoren: 

P. Anselm Achatz, Hofmeister und Archivar des 
Benediktiner-stiftes St. Paul im Lavanttale (II 
für die Bzkh. Völkermarkt und Wolfsberg) seit 
1895, wiederbestätigt 24. Februar 1900, Z. 3326. 

Dr. Odilo Frankl, Religionslehrer am Gymnasium 
St. Paul (I für die Bzkh. S. Veit, Völkermarkt 
und Wolfsberg), seit 1897, wiederbestätigt ig. 
Dezember 1902, Z. 34582. 

U 



xlx 



Personalstand vom 25. März 1903 



XX 



Gustav Goebel, Direktor der Fachschule in Villach 
(II für die Bzkh. Hermagor und ^'illach) ernannt 
12. AugTist 1902, Z. 22505. 

Matthäus Grosser, Domkapitular des Domstiftes 
Gurk in Klagenfurt (II für die Bzkh. Spittal 
und St. Veit) seit i886, wiederbestätigt 13. März 
1905, Z. 8064. 

Paul Grueber, Baurat in Klagenfurt (II für die 
Bzkh. und die Stadt Klagenfurt) seit 1895, wieder- 
bestätigt 13. März 1905, Z. 8064. 

August Jaksch Ritter von Wartenhorst, Ehren- 
doktor der Grazer philosophischen Fakultät, 
Landesarchivar, Archivar des historischen Ver- 
eines in Klagenfurt (I für die Bzkh. Hermagor, 
Klagenfurt, Spital, Villach und die Stadt Klagen- 
furt) ernannt i. Dezember 1903, Z, 32288. 

P. Norbert Lebinger, Kapitular des Benediktiner- 
stiftes St. Paul, Gymnasialprofessor in Klagen- 
furt (III für das Kronland) seit 1879, wieder- 
bestätigt 22. Februar 1904, Z. 4932. 

Korrespondenten: 

Simon Bauer, Dechant zu Bleiburg. 

Arthur Barczay' de Nagy-Barcsa, Landesreg".-Rat 
in Klagenfurt. 

Schulrat Raimund Dürnwirth, Sekretär des Ge- 
schichtsvereias in Kärnten für Klagenfurt. 

Josef Gruber, städt. Polizeiarzt in Klagenfurt. 

Reg.-Rat Dr. Franz H.'VNN, Gymnasialprofessor i. R., 
Direktor des Geschichtsvereins in Klagenfurt. 

M.arkus Freiherr von Jabornegg, Landes-Kanzlei- 
direktor in Klagenfurt. 

Josef Franz Kr.\mny, Hauptlehrer an der Lehrer- 
und Lehrerinnen-Bildungsanstalt in Klagenfurt. 

Fhrendomherr Gabriel Lex, Dechant zu St. Veit. 

Karl Graf Lodron Laterano in Gmünd. 

Dr. Johann Quitt, Präfekt am fürstbischöflichen 
Knabenseminar in Klagenfurt. 

August Veiter, akad. Maler in Klagen fürt. 

Krain. 

Konservatoren: 

Franz Av.sec, Pfarrer in St. Georgen unter Kumberg 
(11 für die Bzkh. Gurkfeld, Littai, Rudolfswerth, 
ernannt 25. Januar 1904, Z. 32541 ex 1903. 

Kais. Rat Johann Franke, Professor an der .Staats- 
Oberrealschule in Laibach (II für die Bzkh. 



Krainburg und Stein) seit 1882, wiederbestätigt 
19. Dezember 1902, Z. 34582. 

Anton Koblar, Dechant in Krainburg (III für das 
Herzogtum) seit 1894, wiederbestätigt 13. März 
1905, Z. 8064. 

Dr. Eduard Nowotny, Gym.-Prof. in Cilli (I für die 
Bzkh. Gottschee, Gurkfeld, Littai, Rudolfswerth, 
Tschernembl) ernannt 16. Juli 1904, Z. 22522. 

Josef Op.ergföll, Profesor am Staatsgymnasium in 
Gottschee (II für die Bzkh. Adelsberg, Gottschee 
Loitsch und Tschernembl) ernannt 25. Januar 1904, 
Z. 32541 ex 1903. 

Johann Subic, Direktor der Fachschule in Laibach 
(II für die Bzkh. Laibach-Umgebung und die 
Stadt Laibach) seit 1897, wiederbestätigt 19. Sep- 
tember 1902, Z. 29503. 

Johann Vurnik, Bildhauer in Radmannsdorf (II für 
die Bzkh. Radmannsdorf) ernannt 25. Januar 
1904, Z. 32541 ex 1903. 

Dr. Jakob Zmavc, Gymnasialprofessor in Krainburg 
(I für die Bzkh. Adelsberg, Krainburg, Laibach- 
Umgebung, Loitsch, Radmannsdorf, Stein und 
die Stadt Laibach) ernannt 16. Juli 1904, Z. 22522. 

Korrespondenten: 

Johann Flis, Domkapitular und Dompfarrer in 

Laibach. 
Dr. Franz Komatar, Gymnasialprofessor in Krain- 
burg. 
Johann Schaschel, Pfarradniinistrator in Adle.^ic. 
« 

Küstenland 

Konservatoren: 

Graf SiGisMUND Attems-Petzenstein, Kämmerer, 
Groi3grundbesitzer in Podgora (II für die Bzkh. 
Görz, Gradiska, Sesana, Tolmein und die Stadt 
Görz); ernannt 26. Februar 1902, Z. 34685 ex 1901. 

Dr. Bernhard Benussi, Direktor des städt. Mädchen- 
lyzeums in Triest (III für die Stadt Triest und 
ihr Gebiet); ernannt 12. November 1902, Z. 34323. 

Dr. Paul Anton von Bizzarro, Advokat in Görz 
(I für die Bzkh. Görz, Sesana, Tolmein und die 
Stadt Görz) seit 1875, wiederbestätigt 23. März 1900, 

^- 3327- 
Dr. Anton Gnirs, Professor an der Marine-Unter- 
realschule in Pola (I für die Bzkh. Mitterburg 
[Pisino], Pola und die Stadt Rovigno); ernannt 
26. Februar 1902, Z. 34985 ex 1901. 



XXI 



Personalstand vom 25. März 1905 



XXII 



Heinrich Majonica, Leiter des Staatsmuseums in 
Aquileja, Gymnasialprofessor in Görz (I für 
das Staatsmuseum in Aquileja und die Bzkh. 
Gradiska) seit 1882, wiederbestätigt ig. Dezember 
1902, Z. 34582 und (III für die Bzkh. Görz, 
Gradiska, Sesana, Tolmein und die Stadt Görz); 
ernannt 26. Februar 1902, Z. 34685 ex 1901. 

Heinrich Nordio, Professor an der Staatsgewerbe- 
schule in Triest (II für die Bzkh. Capo d'Istria, 
Parenzo und die Städte Rovigno und Triest 
samt Gebiet); ernannt 24. April 1902, Z. 10999. 

Dr. JosKF Pf.tkts, Notar und i'iürgermeister in 
Cherso (II für die Bzkh. Lussin, Mitterburg 
[Pisino], Pola und Volosca); ernannt 26. Fe- 
bruar 1902, Z. 34685 ex 1901. 

Stf.fan Petris, Gymnasialprofessor in Capo d'Istria 
(I für die Bzkh. Capo d'Istria und Parenzo) seit 
1884, wiederbestätigt 13. März 1905, Z. 7912. 
und (III für die Bzkh. Capo d'Istria, Lussin, 
Mitterburg" [Pisino], Parenzo, Pola, Volosca und 
die Stadt Rovigno); ernannt 26. Februar 1902, 
Z. 34685 ex 1901. 

Dr. Ai,bp:rt Puschi, Direktor des Museo civico 
d'antichitä in Triest (I für die Stadt Triest und 
ihr Gebiet) seit 1895, wiederbestätigt 4. .Sep- 
tember 1900, Z. 22005. 

Dr. Peter Sticotti, Professor am Kommunalgymna- 
sium in Triest (I für die Bzkh. Lussin und 
Volosca); ernannt 26. Februar 1902, Z. 34685 
ex I go I . 

Korrespondenten : 

Dr. Andreas Amoroso, Direktor der Bodenkredit- 
anstalt, Präsident der istrianischen archäologi- 
schen und historischen Gesellschaft in Parenzo. 

Statthaltereirat Alois Bosizio Ritter von Thukn- 
BEKü und Jungenegg, Leiter der Bzkh. in Görz. 

SiLVANUs Gandusio, Landesgerichtsrat beim Han- 
dels- und Seegericht in Triest. 

Kais. Rat Josef Gei-cich, Professor an der nautischen 
Akademie in Triest. 

Alexander Hauger, Marine- Kommissariatsadjunkt 
I. Kl. in Pola. 

Dr. AriLio Hortis, Reichsratsabgeordneter und 
Bibliothekar in Triest. 

Guido Levi, Statthalterei-Ingenieur in Triest. 

Rudolf Machnitsch, Oberingenieur in Tolmein. 

Dr. Antonius Mahnic, Bischof von \'cglia. 



Dr. Kakl von Marchesetti, Direktor des Museo 

civico di storia naturale in Triest. 
Dr. Kakl Moser, Gymnasialprofessor i. R., in 

Triest. 
Franz Olua, Oberster Marine-Ingenieur undMarine- 

Land- und Wasserbaudirektor in Pola. 
Dr. Stefan Nicolo Petris, Advokat in Veglia. 
Eduard Prister, Gutsbesitzer in Fiumicello. 
Francesco Salata in Ossero. 
Eugen Ritter Freiherr von Zähony, Gutsbesitzer 

in Podgora bei Görz. 
Dr. Bernhard Schi-vvuzzi, Bezirksarzt in Pola. 
Franz Stark, Gymnasialprofessor in Triest. 
Dr. Franz Swida, Landesschulinspektor in Triest. 

Mähren 

Konservatoren: 

Dr. Berthoi.d Brethoi.z, mährischer Landesarchivar, 
Leiter des Stadtarchivs und Kurator des Franzen.s- 
museums in Brunn (III für die Bzkh. Auspitz, 
Bo.skowitz, Brunn, Mähr. -Budwitz, Datschitz, 
Hohenstadt, Iglau,Kromau,Littau, Gr.-Meseritsch, 
Mistek, Neustadtl, Neutitschein, Nikolsburg, 01- 
mütz, Mähr.-O.strau, Römerstadt, IMähr. -Schön- 
berg-, Sternberg, Tischnowitz, Trebitsch, Mähr.- 
Trübau, Mähr.-Wei(3kirchen, Wischau, Znaim und . 
die Städte Iglau, Olmütz und Znaim) ernannt 
15. Juli 1904, Z. 23963. 

Ladislaus Innozenz Cervinicv, Ingenieur-Geometer 
in Ung.-Hradisch (I für die Bzkh. Ung.-Brod, 
Holleschau, Ung. - Hradisch, Kremsier, Wal.- 
Meseritsch, Prerau, Proßnitz und die Städte Ung.- 
Hradisch und Kremsier) ernannt 31. August 1903, 
Z. 1705. (K. U. M.) 

Leo Chilla, Direktor der Fachschule in Znaim 
(II für die Bzkh. Datschitz, Iglau, Mähr.-Budwitz, 
Trebitsch, Znaim und die Städte Iglau und Znaim) 
ernannt i. Februar 1905, Z. 40 161 ex 1904. 

Alois Czerny, Bürgerschullehror in Mähr.-Trübau 
(11 für die Bzkh. Hohenstadt, Mähr. -Schönberg 
Mähr.-Trübau und Römerstadt) seit 1897, wieder- 
bestätigt 18. September 1902, Z. 29504. 

Wilhelm Dvvor.\k, Bauingenieur, Professor der 
deutschen Staatsgewerbeschule in Brunn (II für 
die Bzkh. Boskowitz, Groß-Meseritsch, Neustadtl, 
Tischnowitz und Wischau) seit 1893, wieder- 
bestätigt 24. November 1903, Z. 38499. 

II* 



xxm 



Fersonalstand vom 25. März 1903 



XXIV 



Ferdinand Hrach, Architekt, Professor an der 
technischen Hochschule in Brunn (II für die 
Bzkh. Auspitz, Brunn, Kromau, Nikolsburg und 
für die Stadt Brunn) seit 1893, wiederbestätigt 
24. November 1903, Z. 38499. 

Josef KlvaSa, Direktor am Kommunalgymnasium 
in Gaya (II für die Bzkh. Gaya, Göding-, Ung.- 
Brod,üng.-Hradisch und die Stadt Ung.-Hradisch) 
seit 1895; wiederbestätigt 12. Dezember 1900, 
Z. 32661. 

Florian Koudelka, Bezirks-Obertierarzt in \Vischau 
(I für die Bzkh. Boskowitz, Mähr.-Trübau und 
Wischau) ernannt 31. August 1903, Z. 1705 
(K. U. M.). 

Dr. Martin K&iZ, Notar in Steinitz (I für die 
Bzkh. Auspitz, Gaya und Göding) seit 1895, 
wiederbestätigt 12. Dezember 1900, Z. 32661. 

Alexander Makowsky, Professor an der technischen 
Hochschule in Brunn (I für die Bzkh. Brunn, 
Neustadtl, Tischnowitz und die Stadt Brunn) 
seit 1895, wiederbestätigt 12. Dezember igoo, 
Z. 32661. 

Karl MaSka, Direktor der Landesrealschule in 
Teltsch (I für die Bzkh. Mähr.-Budwitz, Datschitz, 
Iglau, Groß-Meseritsch, Trebitsch und die Stadt 
Iglau) seit 1894, wiederbestätigt 10. März 1905, 
Z. 28779, ex 1904. 

Leopold Nopp, gräflich Magnisscher Archivar in 
Straßnitz (III für die Bzkh. Ung.-Brod, Gaya, 
Göding, Holleschau, Ung.-Hradisch, Kremsier, 
Wal.-Meseritsch, Prerau, Proßnitz und die Städte 
Ung.-Hradisch und Kremsier) ernannt 15. Juli 
1904, Z. 23963. 

Reg. -Rat Franz Rosmael, Direktor der Fachschule 
in Wal.-Meseritsch (II für die Bzkh. Holleschau, 
Mähr.-Ostrau, Mistek, Neutitschein, Wal.-Mese- 
ritsch und Weißkirchen) seit 1890, wiederbestätigt 
6. Juni 1900, Z. 12927. 

Adolf von Roth, Realschulprofessor in Olmütz 
(II für die Bzkh. Kremsier, Littau, Prerau, Ol- 
mütz, Proßnitz, Sternberg und die Städte Kremsier 
und Olmütz) ernannt 12. Juli 1904, Z. 191 79. 

Anton Rzehak, Professor an der deutschen tech- 
nischen Hochschule in Brunn (I für die Bzkh. 
Kromau, Nikolsburg, Znaim und die Stadt Znaim) 
ernannt i. Februar 1905, Z. 40161 ex 1904. 



Kais. Rat Dr. Wilhelm .Schr^vm, Landes-Bibliothekar 
in Brunn (III für die Stadt Brunn) seit 1889, 
w-iederbestätigt 2. März 1904, Z. 6503. 

Dr. Johann SmvCka, Distriktsarzt in Littau (I für 
die Bzkh. Hohenstadt, Littau, Römerstadt und 
Schönberg) ernannt 31. August 1903, Z. 1705 
(K. U. M). 

Dr. Josef VyvleCka, Domvikar in Olmütz (I für 
die Bzkh. Mähr.-Ostrau, IMistek, Neutitschein, 
Olmütz, Sternberg, Weißkirchen und die Stadt 
Olmütz) seit 1894, wiederbestätigt 10. März 1905, 
Z. 28779 ß^ 1904. 

Korrespondenten: 

Arthur Brausewetter, Architekt, Professor an der 
deutschen Staatsgewerbeschule in Brunn. 

Karl Eichler, Religionsprofessor in Brunn. 

Alois Franz, Baurat i. R. in Brunn. 

Karl Gerlich, Oberlehrer in Ober-Gerspitz. 

P. Ludwig Herrmann, Kaplan in Mähr.-Neustadt. 

Heinrich Holi.itzky, Architekt, Professor an der 
deutschen Staatsgewerbeschule, Konservator am 
Landesmuseum in Brunn. 

Dr. Maurus Kintkr, f e. geistl. Rat, Benediktiner- 
Ordenspriester in Raigern. 

Dr. Moriz Kitt, Lehrer an der höheren Handels- 
schule in Olmütz. 

Emil Koristka, Sekretär am Franzensmuseum in 
Brunn. 

Johann Krassnigg, Schulrat, Gymnasialdirektor in 
Nikolsburg. 

Alois Machatsciiek, Professor an der deutschen 
Staatsrealschule in Brunn. 

Franz Myklik, Oberlehrer in Neudorf bei Ung.- 
Ostrau. 

Willibald Müller, Kustos undVorstand derStudien- 
bibliothek in Olmütz. 

Dr. Johann Nev£Ril, Gymnasialprofessor in Ung.- 
Hradisch. 
•J^vroslav Palliardi, Notar in Mähr.-Budwitz. 

Emil Pirchan, akad. INIaler und Professor an der 
Kommunalrealschule in Brunn. 

Dr. Franz PfeiKRYL, Pfarrer in Thein bei Leipnik. 

Eduard Prusik, pens. Stadtrat in Iglau. 

Adolf Raab, Ökonomieverwalter in Königsfeld. 

Karl Schirek, Kustos des mährischen Gewerbe- 
museums in Brunn. 

Dr. Karl Schober, Landesschulinspektor in Brunn. 



XXV 



Personalsland vom 25. März iqoj 



XXVI 



Andreas Simeoner, Weltpriester und Professor am 

Staatsgymnasium in Znaim. 
Anoi.F Sterz, Facliscliuldirektor a. D. in Znaim. 
Fkan/ Tinz, Pfarrer in Pritlach. 
Architekt Rich.vrd Völkel, Stadtbaumeister in 

ilrüiin. 
Julius Wallner, Direktor des I. deutschen Staats- 

gymnasiums in Brunn. 
Hans Wklzl, zweiter Sekretär der hist.-stat. Sektion 

der mährischen Landwirtschaftsgesellschaft in 

Brunn. 

Nieder-Österreich 

Konservatoren: 

Oberbaurat Ji rius Deininger wie oben Sp. II Wien 
IV Favoritenstraße i, (II für die östliche Hälfte 
des I. Bezirkes sowie für den V., VI., XII., XIII., 
XIV. und XV. Bezirk der Stadt Wien und die 
Bzkh. Hietzing, Umgebung) seit 1904, wieder- 
bestätigt 25. Januar 1905, Z. 40162, ex 1904. 

Konsistorialrat Anton Dobner von Dobenau, De- 
chant und Pfarrer in Maria-Taferl (II für die 
Bzkh. Pöggstall) ; seit igoo, wiederbestätigt 
13. März 1905, Z. 8064. 

Adalbert Dungel, Reichsratsabgeordneter, Präses 
der österr. Benediktinerkongregation und Abt des 
Stiftes Göttweig' (I für die Bzkh. Lilienfeld, 
Melk und St. Polten ; III für die Bzkh. Amstetten, 
Lilienfeld, Melk, St. Polten, Scheibbs, Tulln 
[mit Ausnahme des Gerichtsbezirkes Kirchberg 
am Wagram] und die Stadt Waidhofen a. d. Ybbs) 
.seit 1875, wiederbestätigt 23. März 1900, Z. 3327. 

P. Friedrich Endl, Benediktinerordenspriester und 
Archivar des Stiftes Altenburg (II für die Bzkh. 
Hörn) seit 1897, wiederbestätigt 11. April 1902, 
Z. 3924. 

P. Otto Fehringer, Direktor und Professor des 
Konviktes Seitenstetten (I für die Bzkh. Amstetten, 
Scheibbs und die Stadt Waidhofen a. d. Ybbs); 
ernannt 23. Juni 1900, Z. 14301. 

P. Benedikt Hajimerl, Archivar und Bibliothekar 
des Stiftes Zwettl (III für die Bzkh. Gmünd, 
Hörn, Krems, Pöggstall, Waidhofen a. d. Thaya 
und Zwettl); ernannt 20. Juli 1900, Z. 18644. 

Dombaumeister Jllils Heril\nn, wie oben Sp. II, 
Wien I Grashofgasse 3 (II für die westliche 
Hälfte des I. Bezirkes .sowie für den VII., VIII., 
IX., XVI., XVII., XVIII. und XIX. Bezirk der 



Stadt Wien) seit 1897, wiederbestätigt 11. April 
1902, Z. 3924. 

Dr. MoKiz Hoernes, a. ö. Universitätsprofessor und 
Kustos am naturhistorischen Hofmu.seum in Wien, 
III Ungargasse 27 (I für die Bzkh. Gmünd, Hörn, 
Krems, Pöggstall, Waidhofen a. d. Thaya und 
Zwettl); ernannt 23. Juni 1900, Z. 14301. 

Baurat Richard Jordan, Architekt in Wien IX 
Waisenhausgasse 3 (II für die Bzkh. Floridsdorf, 
Korneuburg, Mistelbach, Ober-Hollabrunn und 
Unter-Gänser ndorf) seit 1897, wiederbestätigt 
II. April 1902, Z. 3924. 

Hofrat Friedrich Kenner, wie oben Sp. III, Wien III 
Beatrixgasse 3 (I für- die Stadt Wien) seit 1875, 
wiederbestätigt 23. März 1900, Z. 3327. 

Dr. Anton Kerschbaujier, inful. Propst von Ardag- 
ger, Dechant und Stadtpfarrer in Krems (II für 
die Bzkh. Krems) seit 1897, wiederbestätigt 
II. April 1902, Z. 3924. 

Professor Wilhelm Kubitschek, wie oben Sp. III, 
Wien IX Pichlergasse i (I für die Bzkh. Brück 
a. d. L., Hietzing-Umgebung, Mödling und Tulln) 
seit 1897, wiederbestätigt 12. September 1902, 
Z. 28909. 

Dr. Anton Mayer, n.-ö. Landesarchivar und Biblio- 
thekar in Wien, I Habsburgergasse 14 (III für 
die Stadt Wien) seit 1890, wiederbestätigt 23. März 
1900, Z. 3327. 

Regierungsrat Matthaeus Much, wie oben Sp. III, 
Wien XIII Penzingerstraße 84 (I für die Bzkh. 
Floridsdorf, Korneuburg, Mistelbach, Ober-Holla- 
brunn und Unter-Gänserndorf) seit 1875, wieder- 
bestätigt 23. März 1900, Z. 3327. 

Dr. Anton Ritter von Preüerstein, Privatdozent 
an der Universität, Assistent an der Hofbibliothek 
in Wien, IX Glasergasse 6 (I [römische Alter- 
tümer] für die Bzkh. Baden, Neunkirchen, Wr.- 
Neustadt und die Stadt Wr.- Neustadt); ernannt 
23. Juni 1900, Z. 14301. 

Stefan Rössler, Abt des Stiftes Zwettl (II für 
die Bzkh. Gmünd, Waidhofen a. d. Thaya und 
Zwettl) seit 1897, wiederbestätigt 11. April 1902, 
Z. 3924. 

Dr. Alois Schmöger, Professor an der theologischen 
Diözesanlehranstalt in St. Polten (II für die 
Bzkh. Amstetten, Lilienfeld, Melk, St. Polten, 
Scheibs und die Stadt Waidhofen a. d. Ybbs; 
ernannt 18. April 1902, Z. 3505. 



xxvn 



Personalstand vom 25. März 1905 



xx\Ta 



Dr. Albert Starzer, Archivdirektor des n.-ö. Statt- 
haltereiarchivs in Wien, IX Berggasse 8 (III für 
die Bzkh. Floridsdorf, Korneuburg, Mistelbach, 
Ober-Hollabrunn, Unter- Gänserndorf und den 
Gerichtsbezirk Kirchberg am Wagram); ernannt 
20. Juli 1900, Z. 18644. 

Kais. Rat Fr.vnz Stal-b, Archivkonzipist im Mini- 
sterium f. K. u. U. in Wien, VIII Lederergasse 28 
(II für die Bzkh. Xeunkirchen, Wr.- Neustadt und 
die Stadt Wr.-Neustadt) ; seit 1 899, wiederbestätig^ 
9. August 1904, Z. 27606 (III für die Bzkh. Baden, 
Brück a. d. L., Hietzing- Umgebung, Mödling, 
Xeunkirchen, Wr.-Neustadt) und die Stadt Wr.- 
Xeustadt; ernannt 20. Juli 1900, Z. 18644. 

JosEF SzoMBATHY, Kustos am naturhistorischen Hof- 
museum in Wien, ^^I Siegmundsgasse 8 (I [für 
prähistorische Altertümer] für die Bzkh. Baden, 
Neunkirchen, Wr.-Neustadt und die Stadt Wr.- 
Neustadt); ernannt 23. Juni 1900, Z. 14301. 

Baurat Lx,"dwig Wächtler, wie oben Sp. I\', Wien 
IV Theresianumgasse 31 (II für den II., III., IV., 
X., XI. und XX. Bezirk dei Stadt Wien und 
die Bzkh. Brück a. d. L.) seit 1897, wiederbe- 
stätigt 11. April 1902, Z. 3924. 

Erledigt die Stellen: 
II für die Bzkh. Baden und Mödling. 
n für die Bzkh. TuUn. 

Korrespondenten: 

JosEF VON AN DER Lax ZU HocHBRUNN, Ministerial- 
rat i. P., Wien. 

Alfred Anthon-y von Siegenteld, Kämmerer, Konzi- 
pist I. Kl. im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien. 

Geheimer Rat Graf Vinzenz Baillet - Latour, 
Kämmerer, Minister a. D., Wien. 

Hofrat Dr. Alexantjer Bauer, Professor an der 
technischen Hochschule in Wien. 

F. e. geist. Rat J-\kob Bauer, em. Dechant und Stadt- 
pfarrer in Brück a. d. L. 

Dr. Josef Ritter von Bauer, Oberfinanzrat i. P., 
Wien. 

Georg Baumgartner, Pfarrer in Brunn am Felde. 

L.ajmslaus Edler von Benesch, Major und Garde- 
Wachtmeister in der ersten Arcierenleibgarde 
in Wien. 

Hofrat Dr. Otto Benndorf, Direktor des österr. 
archäol. Institutes in Wien. 



Reg.- Rat Vitus Berger, Direktor der Staats- 
gewerbeschule in Wien. 

Karl Bertele von Grenadenberg, Baurat der k. u. k. 
Privat- und Familienfonds - (TÜterdirektion in 
Wien. 

ÄLvTTHiAs Blnder, Pfarrer in Höflein bei Brück 
a. d. L. 

Hans Blank, Landesgerichtsrat in St. Peter in 
der Au. 

Dr. Cyrlvk Bodenstein, Professor an der technischen 
Hochschule in Wien. 

Dr. LuDwno Cwtklinski, Sektionschef im Ministerium 
für K. u. U., Wien. 

Hofrat Dr. Fr.-vnz Graf Czernix in Wien. 

Andreas Dillinger, Redakteur in Wien. 

Reg.-Rat Wilhelm Dokoüpil, Inspektor für das 
gewerbliche Bildungswesen in Wien. 

Reg.-Rat Dr. Karl Dom.\nig, Kustos der Münz- und 
Medaillensammlung des Kaiserhauses, Kloster- 
neuburg. 

Dr. Moritz Dreger, Kustos am Museum für Kunst 
und Industrie in Wien. 

Hofrat Dr. Marlv Josef Edek, Direktor der gra- 
phischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. 

Sektionschef Dr. Wilhelm Franz Exner, Reichsrats- 
abgeordneter, Direktor des technol. Gewerbe- 
museums in Wien. 

JoHAN*x Fasching, Postmeister in St. Leonhard am 
Forst. 

Karl Fitzka, Finanzrat in Mistelbach. 

Oberbaurat Michael Felln-er, Vorstand des Hoch- 
baudepartements der Statthalterei in Wien. 

Ludwig Hans Fischer, Maler in Wien. 

Dr. Salomon Frankfurter, Ku.stos an der Uni- 
versitätsbibliothek in Wien. 

Dr. Theodor von Frdimel, gräfl. Schönborn- Wiesen- 
theidscher Galleriedirektor in Wien. 

P. Adalbert Fuchs, Pfarrer in Brunnkirchen, Post 
Fürth bei Krems. 

Kais. Rat Edu-\rd Gerisch, Kustos an der Akademie 
der bildenden Künste in Wien. 

Leopold Gerstme\"er in Wien. 

Dr. K-ARL Giannoni, Archivsekretär im Finanz- 
ministerium, Mödling. 

Reg.-Rat Anton von Gi.obocntg, Bezirkshauptmann 
i. R., Wien. 

Dr. Moritz Grolig, Gymn.-Professor a. D. in Wien. 

Dr. Karl Haberl, Advokat in Wr.-Neustadt. 



XXIX 



Personalstand vom 25. März 190; 



XXX 



P. Lkopold Hacker, O. S. B., Pfarrverweser in 

Gansbach. 
P. Benedikt Hager, Professor am Gymnasium in 

Melk. 
Reg.-Rat Franz Heger, Direktor der anthropol.- 

ethnographischen Abteilung des naturhistorischen 

Hofmuseums in Wien. 
Friedrich Freiherr von Hess-Diller in Baden. 
Hofrat Dr. Josef Hirn, o. ö. Universitätsprofes.sor 

in Wien. 
Karl Hollitzer, Bauunternehmer in Wien. 
Johann Janku, Beamter der Privatbibliothek .Sr. 

Majestät in Wien. 
Hofrat Dr. Josef Karabackk, Direktor der Hof- 
bibliothek, o. ö. Professor an der Universität in 

Wien. 
Lamhert Karner, Kapitular des .Stiftes Göttweig, 

Pfarrer in St. Veit a. d. Gölsen. 
Dr. EoLfARD Katschthaler, Gymna.sialprofessor und 

Archivar im .Stifte Melk. 
Franz Kiessling in Drosendorf. 
Prälat Franz Kornheisl, Domherr bei ,St. .Stephan, 

f. e. Kanzleidirektor in Wien. 
Johann Krahuletz, Aichmeister in Eggenburg. 
Dr. Hans Krticzk-v Freiherrr von Jadkx, Gerichts- 
adjunkt in Lilienfeld. 
Wladlmir Kuk, Oberrechnungsrat im Landesver- 
teidigungsministerium in Wien. 
Josef Kurz, Pfarrer am Hof in Wien I. 
Dr. Josef Lami'el, Haus-, Hof- und .Staatsarchivar 

in Wien. 
Dr. MoRiz Lederer, Hof- und Gerichtsadvokat in 

Wien. 
P. Willibald Leeb, Pfarrverweser in Grünau a. d. 

Pielach. 
Reg.-Rat Dr. Eduard Leisching, Vizedirektor des 

österr. Museums für Kunst und Industrie in Wien. 
Dr. Hans Lieger, Bezirkskommissär in Gmünd. 
Dr. Friedrich Linke, Professor am chemischen 

Laboratorium der Kunstgewerbeschule in Wien. 
Alois Low, technischer Leiter der Glasmalereianstalt 

von Karl Geyltngs Erben in Wien. 
Dr. Josef Mantuani, Amanuensis der Hofbibliothek 

in Wien. 
Josef Matzenauer, Hofjuwelier in Wien. 
Dr. JosEF M.\yer, Direktor am Landeslehrerseminar, 

erster Vizebürgermeister in W.-Neustadt. 
Theophil Melicher, akademischer Maler in Wien. 



Dr. Ri Doi.F Much, Universitätsprofessor in Wien. 
Heinrich Müller von Roghaj, Generalkonsul I. KL, 

Hof- und Ministerialrat im Ministerium des Kais. 

Hauses und des Auliern in Wien. 

Dr. Rudolf Münsterberg, Kustosadjunkt am kun.st- 
historischen Hofmuseum in Wien. 

Georg Niemann, Rektor und Professor an der 
Akademie der bildenden Künste in Wien. 

Josef Nowalski de Lilia, Inspektor der städt. Aus- 
grabungen in Wien. 

Oberbaurat Friedrich Ohmann, Mitglied des Kunst- 
rates, Professor an der Akademie der bildenden 
Künste in Wien. 

Dr. Emil Edler von Ottenthal, o. ö. Universitäts- 
professor in Wien. 

Dr. Wolfgang Pauker, reg. Chorherr des Stiftes 
Klosterneuburg, Kooperator der Pfarrkirche in 
Hietzing (Wien XIII). 

Rudolf Ritter Payer von Thurn, Offizial in der 
Kabinetskanzlei Sr. Majestät in Wien. 

Karl Penka, Gymnasialprofessor in Wien. 

Rudolf Pichler, Statthalterei-Ingenieur in Krems. 

Reg.-Rat Ernst Pliwa, Fachschuldirektor, derzeit 
in Verwendung- beim Ministerium für K. u. U. 
in Wien. 

Geh. Rat Dr. Ed. Gast. Pöttickh Graf und Freiherr 
VON Pettenegg, (jroßkapitular des Deutschen 
Ordens in Wien. 

Hofrat August Prokop, Professor an der technischen 
Hochschule in Wien. 

Heinrich Raap., Hofkaplan und Pfarrer in Wien 
Rudolfsheim (XIV. Bezirk). 

Hofrat Felix Ludwig Raspi in Wien. 

F. e. geistl. Rat Franz Riedling, Dechant und 
Pfarrer in Prinzendorf. 

Eduard Ritschl, Restaurator an der Gemälde- 
sammlung des a. h. Kaiserhauses in Wien. 

Herm.\nn Ritschl, Restaurator an der Gemälde- 
gallerie des a. h. Kaiserhauses in Wien. 

Baurat Karl Rosner, n.-ö. Landes-Oberingenieur 
a. D. in Wien. 

Fr.\nz Roth, Pfarrer in Wien XIV Reindorf. 

Dr. Viktor Wilhelm Russ in Wien. 

Alexander Schallkk, Generalauditor i. P. in Wien. 

Fr,\nz Edler von Schaumann, Rittmeister a. D., ge- 
wesener Bürgermeister in Korneuburg. 
Heinrich .Schemfil, Oberbaurat i. P. Wien. 



XXXI 



Personalstand vom 25. März 1905 



XXXII 



Heinrich Schmid, Gemeinderat, Professor an der 
Staatsgewerbeschule in Wien. 

Dr. Rop.ERr Ritter von SchmvIdkr, o. ö. Universitäts- 
professor, Vizedirektor des österr. arcliäol. In- 
stitutes, Direktor der Antikensammlung des 
a. h. Kaiserhauses in Wien. 

Dr. Alfred Schnerich, Skriptor an der Universitäts- 
bibliothek in Wien. 

Dr. Franz Schnürer, Skriptor der Familienfidei- 
kommissbibliothek Sr. Majestät, Klosterneuburg. 

Dr. Franz Scholz, Verwalter des Wiener städtischen 
Versorgungshauses in Liesing. 

K.\RL ScHöNBicHLER, Stadtbaumeister in Wien. 

Baurat Viktor Schwerdtner, Staatsgewerbeschul- 
Professor a. D. in Wien. 

Alfred Sitte, Postassistent in Wien. 

Ferdinand Ritter von STAUDENHEni, Gutsbesitzer 
in Wien. 

Gustav Stockhammer, Oberinspektor und Werk- 
.stättenschef der österr. Nordwestbalm in Jedlesee. 

Dr. Wilhelm Suida in Preßbaum. 

Dr. Heinrich Swoboda, Hofkaplan und o. ü. Univer- 
sitätsprofessor in Wien. 

Dr. Viktor Thiel, Konzipist des n.-ö. Statthalterei- 

Archivs in Wien. 
Silvester Tomssa, Oberbaurat der .Statthalterei in 

Wien. 
Reg.-Rat Richard Trampler, Direktor der Franz 

Josef-Realschule in Wien. 
Hofrat Friedrich Uhl in Wien. 

Dr. MAxnnuAN Vancsa, Kustos des n.-ö. Landes- 
archivs in Wien. 

Leopold Walchkr Ritter von Molthein, Hof- und 
Ministerialrat a. D. in Wien. 

Ferdinand Walla, Fachabteilungs vorstand im 
technol. Gewerbemuseum in Wien. 

Reg.-Rat Karl Walz, emerit. Sekretär der Wiener 
Künstlergenossenschaft in Spitz. 

F. e. geistl. Rat Johann Wanek, Pfarrer in Lichten- 
wörth. 

Anton Weber, Architekt in Wien. 

Hofrat Dr. Wilhelm Freiherr, von Weckbecker, 
Kanzleidirektor des Oberstkämmereramtes Sr. 
Majestät in Wien. 

Dr. Rudolf Weisshäupl, Professor am Staats- 
gymnasium im VIII. Bezirke in Wien. 

Friedrich Widtek, Realschulprofessor in Wien. 



Geh. Rat Ei^nst Prinz zu Windischgraetz, Käm- 
merer, Oberst a. D. in Wien. 

Hofrat Dr. Gustav Winter, Direktor des Haus-, 
Hof- und Staatsarchivs in Wien. 

JosF.F Wlha, Photograph in Wien. 

MoRiz Zander, Bezirkshauptmann in Hietzing. 
dorf. 

Amukosius Zündel, Oberlehrer in Ober-Grafendorf. 

Ober-Österreich 

Konserxatoren: 

Dr. Franz Edler von Bexak, Stadtrat in Wels 
(I und II für die Bzkh. Vöcklabruck und Wels) 
für die IL Sektion seit 1890, wiederbestätigt 
1 1. Juli 1900, Z. 17409; für die I. Sektion ernannt 
23. April 1900, Z. 6291. 

Hans Greil, Fachschuldirektor in Ebensee (I und 
II für die Bzkh. Gmunden); seit 1899, wieder- 
bestätigt 21. Juni 1904, Z. 19778. 

VncTOR Freiherr von Handel-Mazzetii, Oberst a. D, 
in Linz (III für die Bzkh. Braunau am Inn. 
Ried, Rohrbach, Schärding und Vöcklabruck); 
ernannt 21. Dezember 1900, Z. 28467. 

Kais. Rat Dr. Ferdinand Kr.vckowizer, Landes- 
archivar in Linz (III für die Bzkh. Freistadt, 
Gmunden, Kirchdorf, Linz, Perg, Steyr, Urfahr- 
Wels und die .Städte Linz und Steyr); ernannt 
21. Dezember 1900, Z. 28467. 

Konrad Meindl, Abt des Stiftes Reichersberg 
(II für die Bzkh. Braunau, Ried und Schärding-, 
seit 18S7, wiederbestätigt 19. Dezember 1902, 
Z. 34582. 

Franz Schiefthaler, autor. Zivilarchitekt und Direk- 
tor der Staatshandwerkerschule in Linz (II für 
die Bzkh. Linz, Perg, Urfahr und die Stadt Linz) 
seit 1895, wiederbestätigt 10. August 1900, 
Z. 22003. 

Edmund ScH.\nDEL, Landesgerichtsrat a. D. in .Steyr 
(I für die Bzkh. Kirchdorf, Steyr, die Stadt .Steyr 
und den Gerichtsbezirk Enns); ernannt 23. April 
1900, Z. 6291 (II für die Bzkh. Kirchdorf, Steyr 
und die -Stadt .Steyr) ernannt 2. August 1901, 
Z. 1307. 

Josef .Straberger, OberpostkontroUor und Vize- 
präsident des Museums Francisco-Carolinum in 
Linz (I für die Bzkh. Linz [mit Ausnahme des 
Gerichtsbezirkes Enns], Perg, Freistadt, Rohr- 



xxxm 



Personalstand vom 25. März 1905 



XXXIV 



bach, Braunau, Ried, Schärding-, Urfahr und die 
Stadt Linz) seit 1887, wiederbestätig-t 12. April 
1902, Z. 3923. 

Erledigt die Stelle: 
II für die R/.kh. Freistadt und Rohrbach. 

Korrespondenten: 

Leo Freiherr von BKrr.wirz, Bezirkshauptmann in 

Braunau. 
Dr. Ludwig Gabl, Professor i. R. in Linz. 
Kakl Grifnüergkr; Ehrendomherr, Dechant und 

Stadtpfarrer in Eferding. 
Th. W. Grossm.\nn, bischöfl. Oberförster in Gleink. 
Ludwig Gvki, Architekt in Linz. 
Alois Hap.erl, Pfarrer in Riedau. 
HiGO Ritter von Hep.exstrkit. Statthaltereirat i. P. 

in Linz. 
Jakok Kautsch, Bankdirektor und Kustos des 

städtischen Museums in Steyr. 
Dr. Emil Kkänzl, Postkommissär, Verwaltung-srat 

und Sekretär des Museums Francisco-Carolinum 

in Linz. 
ViNZENZ Leicht-Lychdorff, Professor i. P. in Linz. 
P. Sebastian Mayr, Professor am Gymnasium in 

Kremsmünster. 
Johann Merz, Uhrmacher in Wels. 
Dr. Alois Plattner, Advokat in Enns. 
Hugo von Preen, Gutsbesitzer und akad. Maler in 

Osternberg bei Braunau. 
Dr. Laurenz Prüll, Gymnasialdirektor a. D., Chor- 
herr des .Stiftes Schlägl. 

Anton Rolleder, Bezirksschulinspektor in .Steyr. 
Dr. KüNRAj) ScHiFFJiANN, Professor am bischöflichen 
Gymnasium in Urfahr. 

Franz Schröckenfux, Bürgermeister in Windisch- 
Gar-sten. 

Julius Strnad, Oberlandesgerichtsrat i. P. in Linz. 
Geistl. Rat Johann Stkohl, Dechant und .Stadt- 
pfarrer in Steyr. 

Geistl. Rat Igxaz Treml, Ehrenkanonikus des Stiftes 
Mattsee, Dechant und Pfarrer in Mölln. 

Dr. Hek.manx Ubell, Kustos am Museum 1-rancisco- 
Carolinum in Linz. 

Geistl. Rat Alois Weinberg er, Pfarrer in Wernstein. 
Dr. Alois Wözl, Oberstabsarzt i. P. in Linz. 
E.M[L Zeli.f.k, Apotheker in Windischgarsten. 



Salzburg 

Konservatoren: 

Architekt Paul Gepi'ert in Salzburg (II für die 
Bzkh. Hallein, St. Johann, Salzburg, Tamsweg, 
Zell am See) ernannt 5. Oktober 1904, Z. 32931. 

Kais. Rat Dr. Axexander Fetter, Museumsdirektor 
i. P., Salzburg (I für das Kronland) seit 1885, 
wiederbestätigt 23. März 1900, Z. 3327. 

Reg.-Rat Friedrich Pirckmaat.r, Archivdirektor i. P., 
Salzburg (III dto.) .seit i886, wiederbestätigt 
29. April 1901, Z. 9367. 

Reg.-Rat Karl Romstorfer, Direktor der Staats- 
gewerbeschule in Salzburg (II für die Stadt 
Salzburg) seit 1888, wiederbestätigt 14. August 
1903, Z. 14576. 

Korrespondenten: 

Eduard Bertel, Hofphotograph in Salzburg. 
K.-VRL Demel, Architekt und Lehrer an der .Staats- 
gewerbeschule in .Salzburg. 

P. Anselm Ebner, Prior in Maria-Piain bei Salzburg. 
Eberh.4rd Fugger, Oberrealschulprofessor in Salz- 
burg. 

Geh. Rat Graf Gandolf Kuenburg, Minister a. D., 

Mitglied des Herrenhauses, in Frohnburg bei 

.Salzburg. 
Josef Mayburger, Oberrealschulprofessor i. P. in 

.Salzburg. 
Karl Mell, Professor an der Staatsgewerbeschule 

in .Salzburg. 
Adalbert Proschko, Bezirkshauptmann in Hallein. 
Graf Franz Thun-Hohenstein, Bezirkskommissär 

i. P. in Salzburg. 

Michael Wagner, Pfarrer zu St. Michael im Lungau. 
Oberbaurat Josef Wessucen, Architekt in Salzburg. 

Schlesien 
Konservatoren: 

Dr. Edmund Wilhelm Br.\un, Direktor des Kaiser 
Franz Josef-Museums für Kunst und Gewerbe 
in Troppau (I für das Kronland); seit 1898, wieder- 
bestätigt 10. August 1903, Z. 23770. 

Schulrat Dr. Gottlieb Kürschner, Landesarchivar 
in Troppau (III für das Kronland) seit 1880, 
wiederbestätigt 23. März 1900, Z. 3327. 

III 



XXXV 



Personalstand vom 25. März IgoJ 



XXXVI 



Franz Srb, Oberingenieur und Leiter der Bau- 
abteilung der Bzkh. Teschen (II für die Bzkh. 
Bielitz, Freistadt, Teschen und die Städte Bielitz 
und Friedek) seit 1898, wiederbestätigt 27. No- 
vember 1903. Z. 38534. 

Oberbaurat Karl Stexzel, Vorstand des techni- 
schen Departements der Landesregierung in 
Troppau (II für die Bzkh. Freiwaldau, Freuden- 
thal, Jägemdorf, Troppau, Wagstadt und die 
Stadt Troppau) seit 1892, wiederbestätigt 11. 
August 1902, Z. 21347. 

(Derzeit kein Korrespondent.) 



Steiermark 

Konservatoren: 

F. b. geistl. Rat Joh.\xn Graus, Weltpriester, Ehren- 
doktor der Wiener theologischen Fakultät, Dozent 
am f. b. Diözesanseminar in Graz (II für die Bzkh. 
Deutsch - Landsberg, Graz, Leibnitz, Voitsberg 
und die Stadt Graz) seit 1872, wiederbestätigt 
3. Februar 1905, Z. 43411 ex 1904. 

Baurat August Gunolt, Fachvorstand und Direktor 
an der Staatsgewerbeschule in Graz (II für die 
Bzkh. Brück a. d. M., Feldbach, Hartberg, Mürz- 
zuschlag und Weiz) seit 1894, wiederbestätigt 
3. Februar 1905, Z. 4341 1 ex 1904. 

Dr. Johann Gutscher. Gymnasialprofessor in Graz 
(I für die Bzkh. Brück a. d. M., Gröbming, Juden- 
burg, Leoben, Liezen, Murau, Mürzzuschlag, er- 
nannt 8. Februar 1905, Z. 4521 1 ex 1904. 

Karl Lacher, Direktor des kulturhistorischen und 
kunstgewerblichen Museums in Graz (II für die 
Bzkh. Gröbming, Judenburg, Leoben, Liezen 
und Murau) seit 1894, wiederbestätigt 3. Februar 
1905, Z. 4341 I ex 1904. 

Professor Dr. Arnold Luschin Ritter vox Eben- 
GREUTH, wie auf Sp. III (II für die Bzkh. Lutten- 
berg, Marburg, Pettau und Radkersburg sowie 
für die Städte Marburg und Pettau) seit 1875, 
wiederbestätigt 3. Februar 1905, Z. 4341 1, ex 
1904. 

E.\L\N-UEL RiEOL, Bergrat i. R., Cilli (I für die Bzkh. 
Cilli, Gonobitz, Rann, Windischgrätz und die Stadt 
Cilli) seit 1894, wiederbestätigt 9. August 1904, 
Z. 27606. 



JoHAN"N WiST, Professor an der technischen Hoch- 
schule in Graz (II für die Bzkh. Cilli, Gonobitz, 
Rann, Windischgrätz und die Stadt Cilli); seit 
1898, wiederbestätigt 26. Mai 1903, Z. 10096. 

Reg.-Rat Dr. Josef von Zahn, Landesarchivar in 
Graz (III für das Kronland) seit 1875, wieder- 
bestätigt 23. März 1900, Z. 3327. 

Erledigt die Stelle: 

I für die Bzkh. Deutsch-Landsberg, Feldbach, 
Graz, Hartberg, Leibnitz, Luttenberg, Marburg, 
Pettau, Radkersburg, Voitsberg und Weiz, sowie 
für die Städte Graz, Marburg und Pettau. 

Korrespondenten: 

Dr. Otto Cuntz, o. ö. Universitätsprofessor in Graz. 
Heestuch Freiherr von Esebeck, Bezirkshauptmann 

in Graz. 
Fr.\nz Ferk, Gymnasialprofessor in Graz. 
Inful. Propst Josef Fleck, Stadtpfarrer in Pettau. 
Rudolf Gaupmann, Gymnasialprofessor in Graz. 
Gustav W. Gessmann, Kuratoriumssekretär am 

I. Joanneum in Graz. 
Alfred Heinrich, Gymnasialprofessor in Graz. 
Karl Hribov§ek, inful. Domdechant und Dom- 

kapitular in Marburg. 
Reg.-Rat Dr. Franz Ilwof, Oberrealschuldirektor 

i. R., Dozent an der technischen Hochschule 

in Graz. 
Virtor Konschegg, Volksschullehrer in Aussee. 
Johann' Kradcz, Oberlehrer in Andritz. 
Dr. JoH.\N-N LosERTH, o. ö. Universitätsprofessor in 

Graz. 
Dr. ]\L\RTLS' Fr.\nz Mayer, Direktor der Landes- 
realschule in Graz. 
Anton Meixner, Pfarrer zu Kirchberg a. d. Raab. 
Dr. Anton Mell, Adjunkt am Landesarchiv in Graz. 
Josef von Schmuck, Sektionsingenieur in Cilli. 
Hans Schwalb, Hauptmann im Geniestabe in Graz. 
Architekt Baurat Leopold Theyer, Fachvorstand und 

Professor an der Staatsgewerbeschule in Graz. 
Dr. Karl Ühlirz, o. ö. Universitätsprofessor in Graz. 

Tirol 
Konser\-atoren: 
Karl Atz, Priester, Benefiziat in Terlan (II für 
die Bzkh. Bozen, Brixen und die Stadt Bozen) 
seit 1875, wiederbestätigft 23. März 1900, Z. 3327. 



XXXVII 



Personalstand vom 25. März 1905 



XXXVIII 



Lulüi DE Campi, Gutsbesitzer in Cles (I für die 
Bzkh. Cles, Riva, Tione, Trient und die Stadt 
Trient) seit 1894, wiederbestätigt 2. September 
1904, Z. 21 157 (II für die Bzkh. Cles, Riva, Tione) 
ernannt 19. Oktober 1901, Z. 27457. 

Professor Johann de Cokei.li, Direktor des Museo 
civico in Roveredo, (I für die Bzkli. Borgo, 
Cavalese, Primiero, Roveredo und die Stadt 
Roveredo); ernannt 2. September 1904, Z. 21157. 

Dr. Rudolf Danxesberger, Gymnasialprofessor in 
Trient (II für die Bzkh. und die Stadt Trient) 
ernannt 2. September 1904, Z. 21 157. 

Reg-.-Rat Johann Deininger, Direktor der Staats- 
gewerbeschule in Innsbruck (11 für die Bzkh. 
Imst, Innsbruck, Landeck, Schwaz und Stadt 
Innsbruck) seit 1885, wiederbestätigt 23. März 
1900, Z. 3327. 

Dr. Franz Innerhofer in Meran (II für die Bzkh. 
Meran); ernannt 3. September 1901, Z. 26157. 

Dr. Michael Mayr, Universitätsprofessor, Archiv- 
direktor des vStatthaltereiarchivs in Innsbruck 
(III für die Bzkh. Imst, Innsbruck, Kitzbühel, 
Kufstein, Landeck, Reutte, Schwaz und die Stadt 
Innsbruck) ernannt 2. September 1904, Z. 21 157. 

Sanitätsrat Dr. Bernhard Mazegger, Kurarzt in 
Ober-Mais (I für die Bzkh. Bozen, Brixen, Meran, 
und die Stadt Bozen) seit 1896, wiederbestätigt 
I. Oktober 1901, Z. 27122. 

Dr. Lldwig Oberziner, Bibliothekar und Direktor 
am städtischen Museum in Trient (II für die 
Bzkh. Borgo, Cavalese, Primiero) ernannt 2. Sep- 
tember 1904, Z. 21157. 

Desideuiü Reich, Gymnasialprofessor in Trient (III 
für die Bzkh. Borgo, Cavalese, Cles, Primiero, 
Riva, Roveredo, Tione, Trient und die Städte 
Roveredo und Trient) ernannt 2. September 1904, 
Z. 21157. 

Don LuiGi RussAiii, Katechet an der Realschule 
in Roveredo (II für die Bzkh. und die Stadt 
Roveredo) ernannt 2. September 1904, Z. 21157. 

Alexander Schernthaner, Oberforstkommissär in 
Kitzbühel I für die Bzkh. Kitzbühel, Kufstein, 
Schwaz) ernannt 2. September 1904, Z. 21 157. 

Franz Josef Untf.rgassek, Pfarrer in Hollbruck bei 
Sillian (I für die Bzkh. Ampezzo, Brunneck, Lienz) 
ernannt 2. September 1904, Z. 21 157. 



Dr. Hans von Voltelini, o. ö. Universitätsprofes.sor 
in Innsbruck (III für die Bzkh. Ampezzo, Bozen, 
Brixen, Brunneck, Lienz, Meran und die Stadt 
Bozen) ernannt 2. September 1904, Z. 21 157. 

Dr. Josef Walter, Stiftspropst in Innichen (II für 
die Bzkh. Ampezzo, Brunneck, Lienz) seit 1890, 
wiederbestätigt 6. Juni 1900, Z. 12926. 

Ilofrat Dr. Franz Whcser Ritter von Wiesenhort, 
o. ö. Universitätsprofessor in Innsbruck (I für die 
Bzkh. Imst, Innsbruck, Landeck, Reutte und 
die Stadt Innsbruck) seit 1890, wiederbestätigt 
6. Juni 1900, Z. 12926. 

Erledigt die Stelle: 
II für die Bzkh. Kitzbühel, Kufstein, Reutte. 

Korrespondenten: 

Hart.mann Ammann, Chorherr von Neustift, Gymna- 
sialprofessor in Brixen. 

Dr. LuiGi Antonio Baruffaldi in Riva. 

Dr. Emil Bertolotti, Notar in Arco. 

Guido Boni, Apotheker in Tione. 

Geh. Rat Graf Anton Brandis, Kämmerer, Herren- 
hausmitglied, Oberst-Schützenmeister in Inns- 
bruck. 

Don Josef Calcari, Professor am f. b. Gymnasium 
in Trient. 

Monsignore Dr. Josef Ciilm, inful. Propst in Arco. 

Dr. Giorgio Caval. de Ciani, Direktionsmitglied 
des Museums in Trient. 

Alois Cojiel, Realschulprofessor in Roveredo. 

Andreas Dipauli, Freiherr von Treuhei.m, Guts- 
besitzer, Bürgermeister in Kaltem. 

Hofrat Richard Freiherr von Forstner in Inns- 
bruck. 

Hofrat ]^r. Gottfried Freiherr von Giovanelli in 
Innsbruck. 

Dr. Carlo Caval. de Giulani, Direktionsmitglied des 
Museums in Trient. 

Julius Ritter von Gkienberger, Professor an der 
Staatsgewerbeschule in Innsbruck. 

Karl Inama von Sternegg, Statthalterei-Konzipist 
in Innsbruck. 

Reg.-Rat Ferdinand Kaltenegger, emerit. Aka- 
demieprofessor in Brixen. 

Eduard Klingler, Architekt, städtischer Ober- 
ingenieur in Innsbruck. 

Dr. Josef Larcher, Landesgerichtsrat i. P. in Milland 
bei Brixen. 

III* 



XXXIX 



Personalstand vom 25. März 1905 



XL 



Dr. Viktor Malfek, prakt. Arzt in Gries bei Bozen. 

Stefan RIarl^cher, Abt des Stiftes Stams. 

Alois Menghin, Leiter der städtischen Knabenvolks- 
und der gewerblichen Fortbildungsschule in 
Meran. 

Dr. Germano Passerini, Advokat in Riva. 

Franz Pailrert, Fachschuldirektor in Bozen. 

QuisTiLio Perini, Apotheker in Roveredo. 

Karl Theodor Postinger, Bezirkshauptmami in 
Cavalese. 

Valentin Freiherr von Salvador! in Trient. 

Architekt Mario Sandontja, Lehrer an der Fach- 
schule in Trient. 

Michaele von Sardagna, Vorstand des städtischen 
Museums in Trient. 

Friedrich Schneller, RealbchulprofessorinRoveredo. 

Alfons Siber, akad. Maler in Hall. 

Sektionschef Dr. Theodor Ritter von Sickel, Mitglied 
des Herrenhauses, emerit. Direktor des Istituto 
Austriaco di studii storici zu Rom, in Meran. 

Dr. Guido Suster, k. ital. Professor i. R. in Strigno. 

Galeazzo Graf Thun-Hqhenstein, Großmeister des 
souveränen Maltheser - Ritterordens in Schloß 
Povo bei Trient. 

Natal Tommasi, Architekt, Statthalterei-Oberinge- 
nieur in Innsbruck. 

Dr. JosEi' Wackernell, o. ö. Universitätsprofessor in 
Innsbruck. 

Johants' Walchegger, Dombenefiziat in Brixen. 

Dr. Alfred Ritter von Wretschko, o. ö. Universitäts- 
professor in Innsbruck. 

Don ViGii, Zanolini Studiendirektor am Priester- 
seminar in Trient. 

Kunibert Zimeter, landschaftlicher Beamter in 
Innsbruck. 

Josef Zösmair, Gymnasialprofessor in Innsbruck. 

Vorarlberg 

Konservatoren: 

Gebhard Fischer, Professor am Real- und Ober- 
gymnasium in Feldkirch (III für das Kronland) ; 
ernannt 13. August 1901, Z. 23895. 



Gustav Härtenbergek, akad. Maler in F"eldkirch 
(11 für das Kronland); ernannt 16. April 1902, 
Z. 33844 ex 1901. 

Karl von ScHAVERZENJiACH in Bregenz (I für das Kron- 
land); ernannt 16. April 1902, Z. 33844 ex 1901. 

Korrespondent: 
ViKioR Kleiner, Landesarchivar in Bregenz. 

Korrespondenten 

außerhalb der im Reichsrate vertretenen 
Königreiche und Länder: 

a) in Uligarn iiinl den Nebenläudern 

VuiTOR VON Myskovszky, Professor i. R., Mitglied 
der Ungar. Akademie der Wissenschaften in 
Budapest und der Akademie in Mailand, Kaschau. 

Franz Storno, Architekt in Ödenburg. 

b) in Bosnien und Herzegowina 

P. Alexander Hoker, Professor am erzbischöfl. 
Gymnasium in Travnik. 

Hofrat Konstantin Hörmann, Direktor des Landes- 
museums in Sarajevo. 
Dr. Johann Kellner, Oberbaurat in Sarajevo. 

Fra Giorgio Martic', Franziskaner-Ordenspriester 
in Kresevo. 

Dr. Karl Patsch, Kustos des Landesmuseums in 

Sarajevo. 
Dr. Civo Truhelka, Kustos in Sarajevo. 

c) im Auslände 
Dr. Alfred von Domaszewski, Universitätsprofessor 

in Heidelberg. 
Raimund Jeblinger, erzbischöfl. Bauinspektor und 
Vorstand des erzbischöfl. Bauamtes in Freiburg 
im Breisgau. 
P. Augustin Zuhac, Franziskaner-Ordensfunktioiiär 
I in Rom. 



XLI 



Verteilung der Konservatoren 



XLII 



Verteilung der Konservatoren 

auf die Bt-zirksliau|)tmannscliaftcn und Städte init eigenem Statut 



Hczirksli.iuptmann- 
schaftcn und ätädto 



Konservatoren 



1. Sektion 



n. Sektion 



III. Sektion 



Böhmen 



Asch . . . 

Aussig . . 

Beneschau . 

Bischoftcinitz 

Bhitnä . . . 

Böhm.-Brod . 

Böhm.-Leipa 

Braunau , . 

Briix .... 

Budweis . . 

Cäslau . . . 

Choteboi' . . 

Chrudim . . 

Dauba . . . 

Deutsch-Brod 

Dux .... 

Eger und ?"all;enau 

Friedland, Gabel un 
Gablonz . 

Graslitz . . 

Hohenelbe . 
Hohenraauth 
Hofowitz . . 
Jicin .... 
Joachimsthal 
Jungbunzlau 
Kaaden . . 
Kaplitz . . 
Karlsbad . . 
Karolinenthal 
Kladno . . 
Klattau . . 
Kolin . . . 
Komotau . . 



Königgrätz, Königin 
hof . . 

Kralowitz 

Krumau . 

Kuttenberg 

Landskron 

Laun . . 

Ledec . . 

Leitmeritz 

Leitomischl 



Glocker 

Laube 

Richly 

.Strnad 

Strnad 

Niederle 

Hibsch 

erledigt 

Laube 

Richly 

Cermak 

Cermak 

Cermak 

Pic 

Cermak 

Laube 

Glocker 

erledigt 

Glocker 

erledigt 

Cermak 

Jelinek 

Pic 

Glocker 

Niederle 

Laube 

Richly 

Glocker 

Niederle 

Jelinek 

Strnad 

Niederle 

Laube 

erledigt 

Strnad 

Richly 

Cermak 

erledigt 

Weinzierl 

Cermak 

Hibsch 

Öermäk 



Pascher 

Stübchen 

Kroutil 

erledigt ') 

Sedläcek 

Kroutil 

Äugst 

Pippich 

Stübchen 

Branis 

Chytil 

Jici'nsky 

Chytil 

Wiehl 

Jicinsky 

Stübchen 

Pascher 

Äugst 

Pascher 

Pippich 

Dvorak 

Vomäcka 

Zäklasnik 

Pascher 

Wiehl 

Hofmann 

Branis 

Pascher 

Herain 

Herain 

Skorpil 

Kroutil 

Hofmann 

Pippich 

Vomacka 

Braniä 

Kroutil 

Dvorak 

Hofmann 

Kroutil 

Luksch 

Chytil 



Siegl 

Knott 

Jicinsky 

Strnad 

Strnad 

Celakovsky 

Weisser 

Koui^il 

Knott 

Jicinsky 

Hejnic 

Hejnic 

Hejnic 

Stetina 

Hejnic 

Knott 

Siegl 

Stetina 

Siegl 

Stetina 

Diviä 

Celakovsky 

Knott 

Siegl 

Celakovsky 

Knott 

Jicinsky 

Siegl 

Celakovsky 

Celakovsky 

Strnad 

Celakovsky 

Knott 

Koufil 

Strnad 

Jicinsky 

Hejnic 

Divis 

Lacina 

Hejnic 

Weisser 

Divis 



Hczirksliauptmann- 
sclKiftcn und Städte 



*) Provisortscli Glockcr. 



Luditz Glocker 

Marienbad .... Glocker 

Melnik Niederle 

Mies .Strnad 

Müldautein und 

.Mühlhausen . . . Richly 

Münchengrätz . . . Pic 

Nachod erledigt 

Neu-Bydzow . . . Pic 

Neuhaus Richly 

Neupaka erledigt 

Neustadt a. d. Mettau erledigt 

Pardubitz erledigt 

Pilgram Richly 

Pilsen Strnad 

Pisek Strnad 

Plan Glocker 

Podebrad Cermak 

Podersara Weinzierl 

Policka Cermak 

Prachatitz .... Strnad 

Prestitz ' Strnad 

Pfibram ! Jelinek 

Rakonitz Weinzierl 

Raudnitz Jelinek 

Reichenau . . . . erledigt 

Reichenberg . . . erledigt 

Rokitzan Strnad 

Rumburg Hibsch 

Saaz Weinzierl 

Schlan Weinzierl 

.Schluckenau . . . Hibsch 

Schüttenhofen . . . Strnad 

Selcan Richly 

Semil Pic 

Senftenberg . . . . | erledigt 

Smichow j Jelinek 

Starkenbach . . . | Pic 

Strakonitz . . . . l .Strnad 

Tabor ij Richly 

Tachau Glocker 

Taus j Strnad 

Tepl ' Glocker 

Teplitz ! Laube 

Tetschen Hibsch 

') Provisorisch Glocker. 



Konservatoren 



I. Sektion 



II. Sektion 



in. Sektion 



Hofmann 
Pascher 
Wiehl 
erledigt ') 

Sedläcek 

Zäklasnik 

Pippich 

Zäklasnik 

Jicinsky 

Zäklasnik 

Pippich 

Dvoiräk 

Jicinsky 

Skorpil 

Sedläcek 

Pascher 

Kroutil 

Hofmann 

Chytil 

Branis 

Skorpil 

Sedläcek 

Vomäcka 

Luksch 

Dvofäk 

Äugst 

Skorpil 

Äugst 

Hofmann 

Vomäcka 

Äugst 

Branis 

Jicinsky 

Zäklasnik 

Pippich 

Herain 

Pippich 

Sedläcek 

Sedläüek 

erledigt ') 

erledigt ') 

Pascher 

Stübchen 

Luksch 



Siegl 
Siegl 

Celakovsky 
.Strnad 

Jicinsky 

Stetina 

Koufil 

Kouifil 

Jicinsky 

Stetina 

Kouril 

Divis 

Jicinsky 

Strnad 

Strnad 

Siegl 

Stetina 

Lacina 

Divis 

Strnad 

Strnad 

Celakovsky 

Lacina 

Celakovsky 

Koufil 

Stetina 

Strnad 

Weisser 

Knott 

Lacina 

Weisser 

Strnad 

Jicinsky 

Stetina 

Divi§ 

Celakovsky 

Stetina 

Strnad 

Jicinsky 

Siegl 

Strnad 

Siegl 

Knott 

Weisser 



XLUI 



Verteilung der Konservatoren 



XLIV 



















Bezirks- 




Konservaloren 




Bezirkshauptmann- 




Konservatoren 




hauptmannschaften 
und Städte 








schaftcn 








I. Sektion 


n. Sektion 


m. Sektion 


und Städte 


I. Sektion 


II. Sektion 


m. Sektion 


Trautenau . . 


erledigt 


Pippich 


Sl^tina 


Brzezany ... 


Siemiradzki 


Kinkel 


(Kolessa') 
\ Ketrzynski 


Tumau . . . 


Pic 


Zäklasnik 


Stetina 


Brzozow . . . 


Demetrykiewicz 


Szeptycki 


Piekosinski 


Weinberge,Kgl. 
Wittingau . . 


Niederle 
Kichly 


Herain 
Branis 


Celakovsky 
Jicinsky 


Buczacz . . . 


Przybyslawski 


Kinkel 


erledigt') 
Ketrzynski 


Zizkow . . . 


Niederle 


Herain 


Celakovsky 


Chrzanow . . i 


Dydynski 


Odrzywolski 


Piekosinski 


Städte: 




Herain (linke 




Cieszanöw . . 


Siemiradzki 


Czoiowski 


KetrzvAski 
Kolessa ') 


Prag .... 


Jelinek 


Moldauseite) 

Wiehl (rechte 
Moldauseite) 


Celakovsky 


Czorlköw . . 


'Przybyslawski 


Kinkel 


1 erledigt') 
l Ketrzynski 








Dabrowa . . . 


Demetrykiewicz 


Kopera 


Piekosinski 


Reichenberg . 


erledigt 


Äugst 


Stetina 


Dobromil . . 


Demetrykiewicz 


Szeptycki 


Ulanowski 




Buko 


wina 




Dolina, Droho- 
bycz . . . 


Hadaczek 


Papfe 


1 erledigt') 
1 Ketrzynski 


Czernowitz . . 


Klauser 


Dell 


Polek 


Gorlice . . . 


Demetrykiewicz 


Stryjefiski 


Piekosinski 


Gurahumora und 








Grödek . . . 


Siemiradzki 


Czolowski 


(Kolessa'^ 
1 Ketrz\-fiski 


KimpoluDg . 


Klauser 


Kolbenheyer 


Polek 


Gryböw . . . 


Dydynski 


Stryjenski 


Piekosinski 


Kotzmann . . 


Klauser 


Dell 


Polek 








(erledigt') 
Ketrzynski 


Kadautz und 








Horodenka . . 


Przybyslawski 


Talowski 


Sereth . . . 


Klauser 


Kolbenheyer 


Polek 








1 erledigt ') 
\ Ketrzynski 


Storozynetz . . 


Klauser 


DeU 


Polek 


Husiatyn . . 


Przybyslawski 


Kinkel 


Suczawa . . . 


Klauser 


Kolbenheyer 


Polek 


Jaroslau . . . 


Demetrykiewicz 


Szeptycki 


Ulanowski 


Waskoutz, Wiz- 








Jaslo .... 


Demetrykiewicz 


Stryjenski 


Piekosinski 


nitz, Stadt 
Czernowitz . 


Klauser 


Dell 


Polek 


Jaworöw . . . 


Siemiradzki 


Czolowski 


J Kolessa ') 
\ Ketrzynski 




Dalm 


itien 




Kalusz . . . 


Hadaczek 


Talowski 


(erledigt') 
IKetrzynski 


Benkovac . . 


Bersa 


Tamino 


Erb er 


Kamionka slru- 
milowa . . 


Siemiradzki 


Czolowski 


(Kolessa 'j 
(Ketrzynski 


Cattaro . . . 


Segvic 


Segvic 


Cicin 


Kolbuszowa 


Demetrykiewicz 


Kopera 


Piekosinski 


Curzola . . . 


Trojanis 


Trojanis 


Trojanis 


Kolomea, Kos- 






( erledigt ') 
[Ketrzynski 


Imoski . . . 


Bulic 


Bulic 


Bulic 


söw .... 


Przybyslawski 


Talowski 


Knin .... 


Bersa 


Tamino 


Krber 


Krakau . . . 


Dydynski 


Tomkowicz 


Piekosinski 


Lesina, Macar- 
sca.Metkovic, 








KrosnOjtancut 


Demetrykiewicz 


Stryjenski 


Piekosinski 


S. Pietro . 


Bulic 


Bulic 


Bulic 


Lemberg . . . 


Siemiradzki 


Hendel 


(Kolessa ') 
1 Ketrzynski 


Ragusa . . . 


Posedel 


Posedel 


Medini 










Sebenico . . . 


Bersa 


Tamino 


Erber 


Limanowa . . 


Dydynski 


Stryjenski 


Piekosinski 


Sinj und Spalato 


Bulic 


Bulic 


Bulic 


Lisko .... 


Demetrykiewicz 


Szeptycki 


Ulanowski 


Zara .... 


Bersa 


Tamino 


Erber 


Mielec .... 


Demetrykiewicz 


Kopera 


Piekosinski 


Stadt Zara . . 


Bersa 


Smirich 


Erber 


Mosciska . . 


Siemiradzki 


Czolowski 


1 Kolessa ') 
\ Ketrzynski 










Myslenice . . 


Dydynski 


Odrzywolski 


Piekosinski 




Gali 


zien 




Nadwörna . . 


Przbyslawski 


Talowski 


(erledigt') 
IKetrzynski 


Biafa .... 


Dydynski 


Odrzywolski 


Piekosinski 


Neumarkt (No- 








Böbrka . . . 


Hadaczek 


1 Papee 


Ketrzynski 
(erledigt') 


wytarg) und 
Neu-Sandec . 


Dydynski 


Stryjenski 


Piekosinski 


Bocbnia . . . 


Dydynski 


Kopera 


Piekosinski 


Nisko .... 


Demetrykiewicz 


Kopera 


PSekosihski 


Bohorodczan v, 








Peczenizyn . . 


Przbysylawski 


Talowski 


erledigt ') 


Borszczöw . 


Przybyslawski 


Talowski 


Ketrzynski 
erledigt') 

kolessa ') 
(Ketrzyftski 


Pilzno .... 


Demetrykiewicz 


Kopera 


Piekosinski 








Podgörze . . 


Dydynski 


Odrzywolski 


Piekosinski 


Brody .... 


Siemiradzki 


Kinkel 


Podhajce . . . 


Przbysylawski 


Kinkel 


(erledigt') 
1 Ketrzvnski 


Brzesko . . . 


Dydynski 


Kopera 


Piekosinski 












11 






Przemyil . . . 


Demetrykiewicz 


Szeptycki 


Ulanowski 



*) Für das rutheniscbe Arcbi^-wescn. 



.*) Für das ruthenischc Archivwesen. 



XLV 



Verteilung der Konservatoren 



XLVI 



Bczirksliauptmann- 

schafton 

und Städte 



Przemyälany 
Przcworsk . 
Rawa ru«ka 

Roliatyn . . 
Ropczcye 

Rudki . . . 

Rzeszow . . 

Sambor . . 

Sanok . . . 

Saybusch (Zy 
wiec) . . 

Skalat . . . 
Sniatyn . . 
Sokal . . . 

Stanislau . . 

Staremiasto, 
Stryj . . 

Strzyzöw 
Tarnobrzeg . 

Tarnopol . . 

Tarnow . . 

Ttumacz . . 

Trembowla . 

Turka . . . 

AVadowice und 
Wieliczka 

Zaleszczyki . 

Zbaraz, Zbörow 
und Zioczow 

i61kie\v 

^ydaczüw 

Städte: 
Krakau . 
I.emberg . 



Konservatoren 



1. Sektion 



n. Sektion 



Sierairadzki 

Demetrykiewicz 

Siemiradzki 

Hadaczek 

Demetrykiewicz 

Hadaczek 

Demetrykiewicz 

Hadaczek 

Demetrykiewicz 

Dydynski 
Przybyslawski 

Przybyslawski 

Siemiradzki 

Hadaczek 

Hadaczek 

Demetrykiewicz 
Demetrykiewicz 

Siemiradzki 

Demetrykiewicz 

Przybyslawski 

Przybyslawski 

Hadaczek 

Dydynski 
Przybyslawski 

Siemiradzki 

Sierairadzki 

Hadaczek 

Dydynski 
Sierairadzki 



Kinkel 

SzeptycUi 

Czolowski 

Pajjöe 

Kopera 

Papäe 

Kopera 

Papee 

Szeptycki 

Odrzywolski 
Kinkel 

Talowski 

Czolowski 

Talowski 

Papee 

Stryjenski 
Kopera 

Kinkel 

Kopera 

Talowski 

Kinkel 

Pap^e 

Odryzwolski 
Talowski 

Kinkel 

Czolowski 

Papöe 

Tomkowicz 
Hendel 



in. Sektion 

I Kolessa ') 
[ Kctrzynski 

Piekosii'iski 

( Kolessa ') 
l Ketrzjnfiski 

f erledigt') 
l Ketrzyftski 

Piekosinski 

(erledigt') 
(Ketrzynski 

Piekosinski 

( erledigt ') 
IKetrzyiiski 

Ulanowski 

Piekosinski 

f erledigt ') 
(Ketrzynski 

( erledigt ') 
(Ketrzynski 

) Kolessa ') 
( Ketrzynski 

[erledigt ') 
(Ketrzynski 

I erledigt') 
I Ketrzynski 

Piekosinski 

Piekosinski 

[ Kolessa ') 
(Ketrzynski 

Piekosinski 

(erledigt') 
(Ketrzynski 

(erledigt') 
\ K^trzyftski 

I erledigt ') 
( Ketrzyftski 

Piekosinski 

I erledigt ') 
( Ketrzynski 

1 Kolessa ') 
K^trzyfiski 

) Kolessa ') 
l Ketrzynski 

(erledigt') 
Ketrzyfiski 

Piekosinski 

( Kolessa ') 
( Ketrzyfiski 







Kärnten 




Hermagor . . ' Jaksch 




Goebel 


Lebinger 


Klagenfurt (Um- 
gebung) . . 


Jaksch 




Grueber 


Lebinger 


Spittal .... 


Jaksch 




Grösser 


Lebinger 



Hpzirksh.auptmann- 


II 


Konservatoren 




sch.-iften und .Städte 


1. -.-k-:..!, 


IT. Sektion 


III Sektl,,,, 


St. Veit .... 


Kran kl 


Grösser 


Lebinger 


Villach .... 


. , Jaksch 


Goebel 


Lebinger 


Völkerraarkt und 








Wolfsberg . . 


. Krankl 


Achatz 


Lebinger 


Stadt Klagenfurt 


. Jaksch 


Grueber 


Lebinger 



Krain 

Adelsberg . . . . ' /Cmavc 

Gottschee Nowotny 

Gurkfeld Nowotny 

Krainburg .... Zmavc 

Laibach (Umgebung) Zraavc 

Littai ...... Nowotny 

Loitsch Zmavc 

Radmannsdorf . . !| Xmavc 

Rudolfswerth ... Nowotny 

Stein Zmavc 

Tschernerabl • • . : Nowotny 



.Stadt Laibach 



Zraavc 



Obergrill 

ObergföU 

Avsec 

Kranke 

Subic 

Avsec 

ObergföU 

Vurnik 

Avsec 

Kranke 

ObergföU 



Subic 



Küstenland 



Capo d'Istria . . . Stef. Petris 

Gorz Bizzarro 

Gradisca Majonica 



Lussin 

Mitterburg (Pisino) . 

Parenzo 

Pola 

Sesana_ und Tolmein 
Volosca 

Städte: 

Görz 

Rovigno 

Triest und ihr Gebiet 

.Staatsmuseum in 
Aquileja . . . . 



Sticotti 

Gnirs 

Stef. Petris 

Gnirs 

Bizzarro 

Sticotti 



Nordio 
Attems 
Attems 
Jos. Petris 
Jos. Petris 
Nordio 
Jos. Petris 
Attems 
Jos. Petris 



Auspitz .... 
Boskowitz . . . 
Brod, Ungarisch- 

Briinn 

Mähr.-Budwitz und 
Datschitz . . 

Gaya, Göding . . 
Hohenstadt . . . 
HoUeschau . . . 
Hradisch, Ungarisch 



') Für d.is ruthenisclie Archivwesen. 



Bizzarro 

Gnirs 

Puschi 

Majonica 

Mähren 

Kfiz 

Koudelka 
Cervinka 
Makowsky 

Malka . 

Kriz 

Smyüka 

Cervinka 

Cervinka 



.•\ttems 
Nordio 
Nordio 



Hrach 
Dworak 
Klvaiia 
Hrach 

ChiUa 

Klvana 

Czerny 

Rosmael 

Klvaiia 



Koblar 
Koblar 
Koblar 
Koblar 
Koblar 
Koblar 
Koblar 
Koblar 
Koblar 
Koblar 
Koblar 

Koblar 



Stef. Petris 
Majonica 
Majonica 
Stef Petris 
Stef. Petris 
Stef. Petris 
Stef. Petris 
Majonica 
Steph. Petris 

Majoiiica 
Stef. Petris 
Benussi 



Bretholz 
Bretholz 
Nopp 
Bretholz 

Bretholz 

Nopp 

Bretholz 

Nopp 

Nopp 



xLvn 



Verteilung der Konservatoren 



XL\^II 



Bciirkshauptmann- 




Konservatoren 




schaften und Städte 


jj I. Sektion 


1 II. Sektion 


m. Sekrion 


Iglau 


1' 

Maska 


1 

ChiUa 


Bretholz 


Kremsier 


Cervinka 


Roth 


Bretholz 


Kromau 


Rzehak 


Hrach 


Nopp 


Littau 


Smycka 


Roth 


Bretholz 


Meseritsch, Groß- . 


Maska 


Dworak 


Bretholz 


Wal.-Meseritsch 


dervinka 


Rosmael 


Nopp 


Mistek 


Vyvlecka 


Rosmael 


Bretholz 


Neustadtl 


Makowsky 


Dworak 


Breiholz 


Neutitschein . . . 


Vyvlecka 


Rosmael 


Bretholz 


Nikolsburg .... 


Rzehak 


Hrach 


Bretholz 


Olmütz 


Vyvlecka 


Roth 


Bretholz 


Äl.-Ostrau .... 


Vyvlecka 


Rosmael 


Bretholz 


Prerau, Proßnitz . . 


Cervinka 


Roth 


Nopp 


Römerstadt und 
Mähr.-Schönberg 


Smycka 


Czemy 


Bretholz 


.Stemberg 


Vyvlecka 


Roth 


Bretholz 


Tischnowitz .... 


Makowsky 


Dworak 


Bretholz 


Trebitsch .... 


Maska 


Chilla 


Bretholz 


Trübau, Mähr.- . . 


Koudelka 


Czemv 


Bretholz 


AVeißkirchen, Mähr.- 


Vyvlecka 


Rosmael 


Bretholz 


Wischau 


Koudelka 


Dwoi=ak 


Bretholz 


Znaira 


j Rzehak 


ChiUa 


Bretholz 


Städte: 








Brunn 


Makowsky 


Hrach 


Schräm 


Hradisch, Ungar.- . 


Cervinka 


Klvaiia 


Nopp 


Iglau 


Maska 


Chilla 


Bretholz 


Kremsier 


Cervinka 


Roth 


Nopp 


OlmüU 


Vyvlecka 


Roth 


Bretholz 


Znaim 


Rzehak 


Chilla 


Bretholz 



Amstetten 



Nieder-Österreich 
Fehringer | Schmöger 



„ . /Premerstein'), 

(Szombathy^) 



Brück a. d. Leitha . 
Floridsdorf .... 

Gmünd 

Hietzing (Umgebung) 

Hom 

Komeuburg .... 
Krems 

Lilienfeld und Melk 
Mistelbach . . 
Mödling . . . 

Neunkirchen 

Oberhollabrunn 
Pöggstall . . . 
St. Polten . . 



Kubitschek 

Much 

Hoernes 

Kubitschek 

Hoernes 

Much 

Hoernes 

Dungel 

Much 

Kubitschek 

/Premerstein') 
I Szombathy ') 

Much 

Hoernes 

Dun gel 



erledigt 

Wächtler 

Jordan 

Rößler 

Deininger 

Endl 

Jordan 

Kersch- 
baumer 

Schmöger 

Jordan 

erledigt 

Staub 

Jordan 

Dobner 

Schmöger 



Dungel 

I Staub 

Staub 

Starzer 

Hammerl 

Staub 

Hammerl 

Starzer 

Hammerl 

Dungel 
Starzer 
Staub 

Staub 

Starzer 

Hammerl 

Dungel 



'} Für römische Altertümer, 
') Für prähistorische Altertümer 



ßezirkshauptmann- 
schaftrn und .Städte 



Konservatoren 



1. Sektion 



n. Seküon 



UI. Sektion 



Scheibbs Fehringer Schmöger 

TuUn Kubitschek erledigt 

Unter-Gänserndorf . ' Much Jordan 

Waidhofena.d.Thaya Hoernes Rößler 



Wiener-Neustadt 
Zwettl 



Städte: 
Waidhofen a. d.Ybbs 
Wiener-Neustadt 



Wien 



(Premerstein') _, , 
o u .u 3\ Staub 
(Szombathy •*) 



Hoernes 



Rößle 



Schmöger 



Fehringer 
rPremerstein^) g,^^^ 
(bzombath y") 

[ (^Hermann*) 
Kenner ; Deininger') 

l Wächtler«) 



Braunau am Inn . . .Straberger 

Freistadt i Straberger 

Gmunden Greil 

Kirchdorf .... Schmidel 

Linz und Perg . . | Straberger^) 

Ried Straberger 

Rohrbach . . . Straberger 

Schärding .... Straberger 

Steyr Schmidel 

Urfahr n Straberger 

Vöcklabruck . . . < Benak 

Wels Benak 

Städte: 

Linz |i Straberger 

Steyr Schmidel 



Ober-Österreich 

Meindl 
erledigt 
Greil 



Schmidel 

Schiefthaler 

Meindl 

erledigt 

Meindl 

Schmidel 

Schiefthaler 

Benak 

Benak 



Schiefthaler 
Schmidel 



Salzbur» 



Hallein, St. Johann, 
S.alzburg, Tamsweg, 
Zell a. See . . . 

Stadt Salzburg . . . 



Petter 
Petter 



Geppert 
Romstorfer 



Dun gel 
Dungel ') 
Starzer 
Hammerl 

Staub 

Hammerl 



Dungel 
Staub 

Mayer 



Handel 

Krackowizer 

Krackowizer 

Krackowizer 

Krackowizer 

Handel 

Handel 

Handel 

Krackowizer 

Krackowizer 

Handel 

Krackowizer 



Krackowizer 
Krackowizer 



Pirckmayer 
Pirckmayer 



*) Mit Ausnahme des Gcrichtsbezirkes Kirrhborg aqi AVagram. welcher 
dem Konservator Dr. Starzer zugewiesen wurde. 

') Für prähistorische Altertümer. 

■> Für römische Altertümer. 

•) Westliche Hälfte des I. Bezirkes und Bezirke VII-IX, XVI-XIX. 

5) Osthälfte des I. Bezirkes und Bezirke V, VI, XII— XV. 

•) Bezirke II— H', X, XI, XX. 

') Mit Ausnahme des Gericbtsbezirkes Enns, welcher dem Konservator 
Schmidel zugewiesen wurde. 



XLIX 



Verteilung der Konservatoren 



Bezirksliauptmann- 
schaften und Stiidte 



Konservatoren 



I. Sektion 



Bielitz, FreistaiU . . 

Freiwaldau, Freuden- 
tlial, Jägerndorf . 

Tcschen 

Troppau, Wagstadt 

Städte: 

Bielitz und Friedek . ' Braun 
Troppau Braun 



Schle 


Sien 


Braun 






Srb 


Braun 






Stenzel 


Braun 






Srb 


Braun 






Stenzel 



Srb 

Stenzel 



III. Sektion 



Kürschner 

Kürschner 
Kürschner 
Kürschner 



Kürschner 
Kürschner 





Steicrma 


rk 




Brück a. d. Mur . . 


Gutscher 


Gunoll 


Zahn 


CiUi ........ 


Riedl 


Wist 


Zahn 


Deutsch-Landsberg . 


erledigt 


Graus 


Zahn 


Feldbach 


erledigt 


Gunolt 


Zahn 


Gonobitz 


Riedl 


Wist 


Zahn 


Graz 


erledigt 


Graus 


Zahn 


Gröbming .... 


Gutscher 


Lacher 


Zahn 


Hartberg 


erledigt 


Gunolt 


Zahn 


Judenburg .... 


Gutscher 


Lacher 


Zahn 


Leibnitz 


erledigt 


Graus 


Zahn 


Leoben und Liezen 


Gutscher 


Lacher 


Zahn 


Luttenberg, Marburg 


erledigt 


Luschin 


Zahn 


Murau 


Gutscher 


Lacher 


Zahn 


Mürzzusclilag . . . 


Gutseber 


Gunolt 


Zahn 


Pettau, Radkersburg 


erledigt 


Luschin 


Zahn 


Rann 


Riedl 


Wist 


Zahn 


Voitsberg .... 


erledigt 


Graus 


Zahn 


Weiz 


erledigt 


Gunolt 


Zahn 


Windischgrätz . . 


Riedl 


Wist 


Zahn 



Bezirkshauptmann- 




Konservatoren 




sch.iftcn und Städte 










I. Sektion 


n. Sektion 


III. Sektion 


Städte: 








Cilli 


Riedl 


Wist 


Zahn 


Graz 


erledigt 


Graus 


Zahn 


Marburg und Pettau 


erledigt 


Luschin 


Zahn 



Ampezzo .... 

Borgo 

Bozen und Brixen 
Bruneck .... 
Cavalese .... 

Cles 

Imst, Innsbruck . . 
Kitzbühel, Kufstein l 

Landeck 

Lienz 

Meran |; 

Priraiero 

Reutte I 

Riva 

Roveredo ...... 

Schwaz 

Tione 

Trient 

Städte: 1 

Bozen i Mazegger 

Innsbruck . . . . ! Wieser 



Tirol 

Untergasser 

Cobelli 

Mazegger 

Untergasser 

Cobelli 

Campi 

Wieser 

Sehern thaner 

Wieser 

Untergasser 

Mazegger 

Cobelli 

Wieser 

Campi 

Cobelli 

Schernthaner 

Campi 

Campi 



Roveredo 
Trient . 



Cobelli 
Campi 



Walter 
Oberziner 
Atz 
Walter 
Oberziner 
"Campi 
Deininger 
erledigt 
Deininger 
Walter 
Innerhofer 
Oberziner 
erledigt 
Campi 
Rossatti 
Deininger 
Campi 
Dannesberger 



Voltelini 

Reich 

Voltelini 

Voltelini 

Reich 

Reich 

Mayr 

Mayr 

Mayr 

Voltelini 

Voltelini 

Reich 

Mayr 

Reich 

Reich 

Mayr 

Reich 

Reich 



Atz I Voltelini 

Deininger Mayr 

Rossatti Reich 

Dannesberger' Reich 



Vorarlberg 



Schwerzen- 
bach 



Härtenbergerj Fischer 



MITTEILUNGEN 

DER K.K.ZEiNTRAL-KUM.MISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXZ. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 



Band I\' Nr i — t, 



Januar — März 1905 



Personalien 

Se. k. u. k. Apost. Majestät haben mit a. h. 
Entschlie(3ung vom 19. März d. J. aus Anlaß der 
Vollendung" des 50. Jahres des Bestandes der Z. K. 

dem Ministerialräte Dr. Franz Freiherrn 
V. Werner taxfrei das Ritterkreuz des Leopold- 
Ordens, 

den ordentlichen Universitätsprofessoren Dr. 
Johann Ritter v. Boloz-Antoniewicz und Dr. Ludwig 
FiNKEL taxfrei den Orden der Eisernen Krone 
III. Klasse, 

dem der genannten Z. K. zur Dienstleistung 
zugeteilten Ministerialvizesekretär des Ministeriums 
f. K. u. U. Dr. MAXisni-iAN Bauer, dem Professor 
und Fachvorstande an der deutschen Staatsgewerbe- 
schule in Brunn Wu^helm DvoSAk und dem Pro- 
fessor an der Staatsunterrealschule in Zara 
Johann Smirich das Ritterkreuz des Franz Josef- 
Ordens, 

dem Archivkonzipisten imMinisterium f.K.u.U. 
Franz Staub taxfrei den Titel eines kaiserlichen 
Rates und 

dem Bürgerschuldirektor in Caslau Klemens 
CermAk das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone 
allergnädigst zu verleihen und a. g. zu gestatten 
gei-uht, daß dem Professor an der Staatsunter- 
realschule in Laibach, kaiserlichen Rat Johann 
Franke, der Ausdruck der a.h. Zufriedenheit bekannt- 
gegeben werden dürfe. (Erlaß des Ministeriums 
f. K. u. U. vom 24. März 1905, Z. 671 K. U. M.). 

Se. k. u. k. Apost. Majestät haben mit aller- 
höchster Entschließung vom 19. März d. J. dem 
Dombaumeister Baurate Julius Hermann in Wien 
taxfrei den Titel eines Oberbaurates allergnädigst 
zu verleihen geruht. (Erlaß des Ministeriums f. K. u. U. 
vom 25. März 1905, Z. 673 K. U. M.) 

Bütteilungen der k. k. Zcntral-KommissioD 1905 



Ernannt wurden: 

Zu Mitgliedern: Architekt Alfred Castelliz, 
Vorstand des Vereines Wiener Bauhütte, und 
Dr. Max DvoftÄK, Privatdozent an der Wiener 
Universität; 22. Februar 1905, Z. 2091; 

Zu Konservatoren: Leo Chilla, Direktor 
der f^achschule in Znaim (II für die Bzkh. 
Datschitz, Iglau, Mährisch-Budwitz, Trebitsch, 
Znaim und die Städte Iglau und Znaim); i. Februar 
1905, Z. 40161 ex 1904; 

Oberbaurat Junus Deiningek, Professor an der 
Staatsgewerbeschule in Wien (II für die östliche 
Hälfte des L, den V., VI., XII., XIII., XIV. und 
XV. Bezirk der Stadt Wien und die Bzkh. Hietzing- 
Umgebung), unter Verzichtleistung auf sein bis- 
heriges Konservatorenamt; 25. Januar 1905, 
Z. 40162 ex 1904; 

Dr. Josef Dell, Professor an der Staatsgewerbe- 
schule in Czernowitz (II für die Bzkh. Czernowitz, 
Kotzmann, Storozynetz, Waskoutz, Wiznitz und die 
Stadt Czernowitz); 8. Februar 1905, Z. 39717 
ex 1904; 

Julius Ritter v. Grienberger, Professor an 
der Staatsgewerheschule in Innsbruck (11 für die 
Bzkh. Kitzbühel, Kufstein und Reutte); 27. März 
1905 Z. 621; 

Dr. Johann Gutscher, Gymnasialprofessor in 
Graz (I für die Bzkh. Brück a. d. Mur, Judenburg, 
Leoben, Liezen, Murau, Mürzzuschlag); 8. Februar 
1905, Z. 452 II ex 1904; 

SiGisMUjJD Hendel, Direktor der Staatsgew^erbe- 
schule in Lemberg (II für die Bzkh. und die Stadt 
Lemberg); 24. Februar 1905, Z. 2904; 

Josef Hofman-n, Gymnasialprofessor in Kaaden 
(II für die Bzkh. Kaaden, Komotau, Laun, Luditz^ 
Podersam, Saaz); 3. März 1905, Z. 5536; 



Sitzung vom 13. Januar 1905 



Baurat Ekich Kolbe>:hf.yer, Direktor der Staats- 
g"ewerbeschule in Czernowitz (II für die Bzkli. 
Gurahumora,Kimpolung',Radautz,Sereth,Suczawa); 
8. Februar 1905, Z. 30717 ex 1904: 

Dr. Felix Kopera, Direktor des städtischen 
Xationalmuseums in Krakau (II für die Bzkh. 
BochnicU Brzesko, Dabrawa, Kolbuszowa, Mielec, 
Xisko, Pilzno, Ropczyce, Rzezöw, Tarnobrzeg, 
Tamow); 23. Januar 1905, Z. 45125 ex 1904: 

Antox Rzehak, Professor an der deutschen 
technischen Hochschule in Brunn (I für die Bzkh. 
Kromau, Nikolsburg, Znaim und die Stadt Znaim); 

I. Februar 1905, Z. 401 61 ex 1904. 

Zu Korrespondenten: In der Sitzung- vom 

I I . März 1 905 : 

Karl Ina>l\ v. Sternegg, Statthaltereikonzipist 
in Innsbruck; 

AxTox Petruszewicz, Domkustos am gr.-kath. 
Metropolitandomkapitel in Lemberg (anläßlich 
seiner Resignation auf das Ehrenamt eines Kon- 
servators; 

Dr. Alois Plattxer, Advokat in Enns; 

Dr. Laurenz Pköll, Gymnasialdirektor a. D.. 
Chorherr im Stifte Schlägl; 

Fraxcesco Salata in Ossero; 

Dr. Hermann Ubell, Kustos am Museum 
Francisco Carolinum in Linz. 

Wiederbestätigt wurden die Konservatoren: 
f. b. geistl. Rat Dr. Johann Graus in Graz; Baurat 
AüGüST GurxoLT, Direktor der Staatsgewerbeschule 
in Graz; K.\rl Lacher, Direktor des kulturhistori- 
schen und kunstgewerblichen Museums in Graz; 
Hofrat Dr. Arnold Lu.schix Ritter v. Ebengreuth, 
Rektor und Professor an der Universität in Graz; 
3. Februar 1905, Z. 434ii ex 1903; 

Dr. Alexander Czolowski, städtischer Archivar 
in Lemberg; K-MO. äL\sk.a, Direktor der Landes- 
realschule in Teltsch; Dr. Jo.sef VyvleCka, Dom- 
vikar in Olmütz; 10. März 1905, Z. 28779 ^^ 1904: 

Stefan Petris, Gymnasialprofessor in Capo 
d'Istria Cl. Sektion); 13. März 1905, Z. 7912; 

Konsistorialrat Anton Dobxer v. Dobenau, 
Dechant und Pfarrer in Maria-Taferl; Matthäus 
Grösser, Domkapitular des Domstiftes Gurk in 
Klagenfurt; Baurat Paul Grueber in Klagenfurt: 
OrroKAR HejxiC, Professor an der Staatsoberreal- 
schule in Kuttenberg; Anton Koblar, Dechant in 
Krainburg; 13. März 1905, Z. 8064. 



Die neuerrichtete Bezirkshäuptmannschaft 
Zboröw in Galizien wurde den Konservatoren: Univ.- 
Prof. Dr. Josef Siemiradzki in Lemberg (I. Sekt.), 
Univ.-Prof. Dr. Ludwig Fixkll in Lemberg (II. Sekt.), 
Dr. Ai>ALi!ERT KETRi?VNSKi, Direktor der Ossolinski- 
schen Bibliothek in Lemberg (III. Sekt.) und 
Univ.-Prof. Dr. Alexander Kole-ssa in Lemberg (für 
ruthenisches Archivwesen) zugewiesen; 19. Januar 
1905, Z. 31844 ex 1904. 

Gestorben sind die Konservatoren: Univ.- 
Prof. Dr. Wilhelm Guklitt in Graz und Josef Jäkel, 
Gymnasialprofessor i. R. in Freistadt, und der 
Korrespondent Univ.-Prof. Hofrat Dr. Eduard 
Richter in Graz. 



Sitzungsberichte 

Sitzung vom 13. Januar 1905 (1. Sitzung der 
II. Sektion). 

Anwesende: Der Pk.äsident (Vorsitzender). — 
Mitglieder: Förster, Herm.\n-x, Neumann, 
Neu WIR th. — Schriftführer: B.\uer. 

Allgemeines 

Ref. Neumann: Corxelio Budinich legt ein 

Exemplar seines Werkes _I1 Palazzo ducale d'Ur- 

bino" vor. 

Böhmen 

Ref. Neuwirth: Für die Restaurierung der 
ehemaligen Wenzelskirche (Bratrsky sbor) in 
Jungbunzlau, die, vom Militärärar geräumt, als 
Kirche oder als städtisches Museum verwendet 
werden soll, wurde folgendes Projekt ausgearbeitet: 
Ausbesserung der Mauern, besonders bei den 
Stützpfeilern, der Sgraffiti, Ausbesserung und Xeu- 
herstellung des Bewurfes am Äußern und im Innern, 
Wiederherstellung der Inschriften. Ausbesserung 
der plastischen Ornamente am Gewölbe, Her- 
stellung des ursprünglichen Zustandes der Apsiden- 
fenster, Ausbrechen von zwei vermauerten Tür- 
öffnungen (im Falle der Wieder\'erwendung als 
Kirche), Herstellung neuer Türen, Pflasterung, Er- 
richtung einer hölzernen Galleriebrüstung, Her- 
stellung von Seitenschiffdächern, Blitzableitern und 
Wasserrinnen unter den Gesimsen. Die Z. K. er- 
klärt sich hie mit einverstanden. 



Sitzung vom 13. Jauuar 1905 



Ref. Neuwirth: Die Z. K. beschließt, für die 
in entsprechender Weise durchgeführte Restau- 
rierung des steinernen Hauses in Kuttenberg 
eine Staatssubvention in Antrag zu bringen. 

Ref. Nkumaxn: Konservator Dn i:i berichtet 
über zwei Epitaphien (des kaiserlichen Obristen 
Peter Anton de Lamotte 1622 und des kaiserlichen 
Kompagniequartierineisters von Adelszhofen 1025) 
in der Maria Verkündigungsklosterkirche zu 
Pardubitz. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. gestattet, 
daß der für die Renovierung von F.inrichtungs- 
gegenständen in der Pfarrkirche zu Tucho- 
möfitz erforderliche Aufwand von 1844 /v auf den 
Religionsfond übernommen werde. 

Ref Her.maxn: Das Pfarramt Wettel teilt mit, 
daß die drei alten Altäre der Pfarrkirche durch 
neue ersetzt, zwei weitere Altäre aufgestellt und 
Reparaturen im Innern und Äußern vorgenommen 
werden sollen. Da die alten Altäre kunsthistorisch 
belanglos sind, beschließt die Z. K., gegen den 
beabsichtigten Ersatz eine Einwendung nicht zu 
erheben, die Aufstellung zweier weiterer Altäre 
jedoch zu widerraten, weil ein Kultusbedürfnis 
dafür nicht vorhanden scheint. 

Kärnten 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. ordnet an, 
auf die Stadtgemeinde Villach einzuwirken, daß 
die Demolierung des Rautterhauses unterbleibe, 
da diese allerseits einer scharfen Kritik begegnen 
müßte. Man würde es nicht verstehen, daß in einer 
Zeit, in welcher die kleinsten Gemeinden bedeu- 
tende Opfer zur Erhaltung ihrer Altersdenkmale 
bringen, eine vom Fremdenbesuch so bevorzugte 
Gemeinde wie Villach sich selbst eines charak- 
teristischen Stadtbildes berauben wollte. Könnte 
sich die Stadtgemeinde zu einer unveränderten 
Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes nicht 
verstehen, so möge wenigstens der von der Z. K. 
vorgeschlagene Arkadengang für Fußgänger unter 
Erhaltung des Hauses errichtet werden. 

Nieder-Österreich 

Ref. Her.m.\nn: Ein ästhetisch sehr gut durch- 
gebildetes Projekt für die Restaurierung der 
St. Ruprechtskirche in Wien I beschließt die 
Z. K. gleichwohl zur Ausführung nicht zu emp- 



fehlen, da es einerseits sehr w^eitgehende Ver- 
änderungen zum Zwecke einer konsequenten Zurück- 
führung auf den vermuteten ursprünglichen Bestand 
in Aussicht nimmt, anderseits in bautechnischer 
Beziehung Bedenken erregt, da der Schutzmantel 
vom Turme entfernt, das Hauptschiffgewölbe abge- 
tragen und die Umfassungswände durch zahlreiche 
Ausbrechungen für neue Fensterumrahmungen zu 
sehr geschwächt würden. Eine vorgelegte Variante 
erscheint wegen der darin projektierten winkeligen 
Gänge hinter dem Hauptportale zur Ausführung 
nicht geeignet. Die Z. K. empfiehlt daher eine Um- 
arbeitung des ersterwähnten Projektes, wobei auf 
die Erhaltung des Versicherungsbaues um den Turm 
und des Gewölbes über dem Hauptschiffe Bedacht 
zu nehmen wäre. Die gotischen Fensterumrah- 
mungen wären nach Möglichkeit zu erhalten, das 
Abschlußgesimse des Haupt- und Seitenschiffes 
sowie die Bedachung beider Schiffe unverändert 
zu belassen, das Hauptgesimse des Turmes ohne 
Fries ganz einfach zu gestalten. Für eine Umge- 
staltung der allerdings erst aus dem XIX. Jh. 
stammenden, in romantischer Gotik ausgeführten 
Hauptfassade ist wenigstens kein zwingender Grund 
vorhanden. Gegen die Demolierung der Paramenten- 
kammer an der Südwestecke und gegen den projek- 
tierten Sakristeibau, welcher erst nach Regulierung 
des Kirchenplatzes entstehen könnte, wäre keine 
Einwendung zu erheben. 

Konservator Jordan berichtet, daß der Obelisk 
auf dem Bisamberge, dessen Restaurierung bei 
der Z. K. angeregt w^urde, eine gewesene Mire 
für die aufgelassene Sternwarte des militär-geo- 
graphischen Institutes auf der Biberbastei sei und 
jedes künstlerischen und historischen Wertes ent- 
behre. 

Ref Wächtler: Die wertvollen Grabsteine 
in der Pfarrkirche von Sindelburg wurden aus 
dem Kirchenpfiaster gehoben und an den Innen- 
wänden der Kirche aufgestellt. Die Kosten wurden 
durch Spenden Ihrer kaiserl. Hoheiten des Durch- 
lauchtigsten Herrn Erzherzogs Franz Salvator 
und der Durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Marie 
VAr.ERUc aufgebracht. 

Ober-Österreich 

Ref Xelmanx: Konservator Baron Handel 
berichtet, daß ein Grabstein der Familie Stein- 



Sitzung vom 27. Januar 1905 



8 



perk aus dem Jahre 1355 gelegentlich der Ver- 
setzung der Betstühle in der Pfarrkirche zu 
Altenfelden entdeckt, aus dem Pflaster gehoben 
und im Glockenturme zur Aufstellung gebracht 
wurde. 

Ref. Neümann: Konservator Schmidel legt einige 
von ihm veröffentlichte Artikel vor, womit er das 
Interesse der Bevölkerung für die Kunst- und 
historischen Denkmale zu beleben bemüht war. 

Salzburg 

Ref. Neu.\l\nn: Korrespondent PitoscHKO be- 
richtet, daß wertvolle Plafonddecken und kunst- 
reiche Türen mit Gemälden in einem saalartigen 
Räume des Schloßbauerngutes zu Riedl (Ge- 
meinde Adnet) verkauft werden sollen. Die Z. K. 
beschließt, sich dahin zu verwenden, daß die Denk- 
male entweder an Ort und Stelle verbleiben oder 
an das Salzburger Museum abgetreten werden. 

Tirol 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die Restaiirierung der St. Martinskirche in 
Campill eine Subvention von 1200A'. 

Ref Neum.^nx: Konservator Deininger berichtet, 
daß er sich gegen den ümguß einer aus dem 
Jahre 1559 stammenden Glocke in der Pfarr- 
kirche zu Ebbs ausgesprochen und empfohlen 
habe, diese Glocke neben dem neuen Geläute im 
Turm so aufzuhängen, daß sie jederzeit besichtigt 
werden kann oder, falls dies aus Raummangel nicht 
möglich wäre, die Glocke an einem andern ent- 
sprechenden Platze in Ebbs unterzubringen. 

Konservator Deinlnger berichtet, daß eine Er- 
weiterung des Sakristeianbaues an der aus dem 
XVIII. Jh. stammenden Kirche in, Kaisers be- 
absichtigt sei, gegen welche er keine Einwendung 
erhob, da hiedurch der kunsthistorische Wert der 
Kirche in keiner Weise beeinträchtigt werde. 

Die k. k. tirolische Statthalterei teilt mit, daß 
sie den Verein zur Förderung der Wiederher- 
stellung der Pfarrkirche in Lorenzen veran- 
laßt habe, sich bei allen beabsichtigten Arbeiten 
mit dem berufenen Konservator in das Einver- 
nehmen zu setzen, welcher auch Mitglied des 
Komitees zur Ausführung der Arbeiten zu sein 
hätte. 

Konservator Innerhofer berichtet, daß gegen 



die Rückübertragung der Hippel ytusstatue in 
die gleichnamige Kirche in Xaraun bei Tisens 
seitens der lokalen Faktoren Einsprache erhoben 
werde, weil die Statue zu wenig kirchlich und 
kein geeigneter Platz dafür in der Kirche vor- 
handen wäre. Da der Konservator befurchtet, daß 
die Statue in der Kirche vernachlässigt würde, hat 
er sich dahin ven\-endet, daß sie entweder in das 
Museum oder in die landesfürstliche Burg nach 
Meran gebracht werde. 



Sitzung vom 27. Januar 1905 (2. Sitzung der 

n. Sektion). 
Anwesende: v. Förster (Vorsitzender). — 

Mitglieder: Neu.mann, NEUwU'tTH, Wächtler. 

— Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Ref NEU^^^RTH: Unter den im sogenannten 
Prager Assanierungsraj'on befindlichen Liegen- 
schaften ist auch die Enteignung der Häuser 
Nr. loi/V (Hochsynagoge) und Nr. 250/V (israel. 
Rathaus) in Aussicht genommen. Das Haus 
Nr. loi/V von guter Erhaltung, aber mit einigen 
dunkeln Innenkommunikationen, liegt in der Inunda- 
tion und die Regulierungslinien der XXIII. Gruppe 
berühren seine Fassade derart, daß es in einer 
Breite von 2 tu zur Erbreiterung der Roten Gasse 
entfällt; diese Erbreiterung ist aber notwendig, 
wenn die gegenüberliegende Alt-Xeusynagoge er- 
halten werden soll. Durch seine Lage und Ein- 
richtung würde das Haus auch nach einer Rekon- 
struktion ein Hindernis für eine zweckentsprechende 
Regulierung der Gruppe XXIII im .Sinne des allein 
möglichen Regulierungsplanes bilden. Das Haus 
Nr. 250/V, ebenfalls wohl erhalten, liegt mit seinem 
Parterrefußboden i-jS in unter dem künftigen, über 
die Inundation erhöhten Kassonniveau. Die Regu- 
lierungslinien des Lagerplanes, der die Grundlage 
für das Assanierungsgesetz gebildet hat, berühren 
gleichfalls dieses Haus, so daß die Regulierung 
der Gruppe XXIII nach dem allein möglichen 
Assanierungsreguli erungspl an ohne Enteignung 
dieses Hauses undurchführbar ist. 

Der Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde 
hat gegen die Enteignung beider Häuser Ver- 



Sitzung vom 27. Januar 1905 



10 



Wahrung- eingelegt, da es sich um wohlerhaltene 
historische Denkmale handelt, welche im Zusammen- 
hange mit der Alt-Neusynagoge ein malerisches 
Ganzes bilden. Auch die Z. K. spricht sich für die 
möglichst unveränderte Erhaltung des einzigartigen 
Stimmungsbildes um die Alt - Neusynagoge aus, 
welches ein charakteristisches Stück der Prager 
Stadtgeschichte darstellt. Nur für den Fall, als 
die Erhaltung der Alt-Neusynagoge durch kein 
anderes Mittel als durch Demolierung des Hauses 
loi/V, unter Hinblick auf den angestrebten Assa- 
nierungszweck, erreichbar sein sollte, könnte sie 
sich mit der vorgeschlagenen Lösung einverstanden 
erklären. Dagegen legt sie gegen den Abbruch 
des israelitischen Rathauses auf das entschiedenste 
Verwahrung ein, da dasselbe für die Geschichte 
der Prager Judengemeinde ein hochwichtiger, ar- 
chitektonisch interessanter Bau von unbestreitbar 
malerischer Wirkung ist. 

Ref. RiRGi,: Konservator SedlACkk berichtet, 
dai3 die Restaurierung des an der Triumphbogen- 
wand der Pfarrkirche in Klein-Chischka auf- 
gedeckten Freskogemäldes durchgeführt wurde. 

Ref. Riegl: Die Z. K. erklärt sich mit dem 
vorgelegten Restaurierungsprogramme für die 
Wandmalereien der Pfarrkirche zu Krc ein- 
verstanden, da nach demselben jede Übermalung 
und Ergänzung der alten Malereien ausgeschlossen 
ist; sie beschließt, eine kunsthistorische Kontrolle 
der Arbeiten einzuleiten. 

Ref. Neuwu^th: Korrespondent Ankert be- 
richtet, daß das derzeit im Kreuzgange des Stiftes 
Ossegg angebrachte Ölgemälde „Verurteilung 
Christi durch Pilatus" wieder nach Klostergrab 
zurückgegeben und dort entweder in der Kirche 
oder im Rathause untergebracht werden soll. 

Dalmatien 

Ref. Neum.\nn: Konservator SegviC beantragt 
die Restaurierung der Abteikirche S. Giorgio 
in der Bocche di Cattaro. Die Z. K. beschließt, 
weitere Erhebungen zu pflegen. 

Ref. NEUiL\Nx: Konservator Posedel beantragt 
die Restaurierung des den hl. Michael darstellen- 
den Altarbildes in der Franziskanerkirche zu 
Ragusa vecchia; die Z. K. beschließt, weitere Er- 
hebungen zu pflegen. 



Ref. Neumann: Die Z. K. beschließt, für die 
Restaurierung des Hochaltares in der Pfarr- 
kirche zu Verche eine Staatssubvention in An- 
trag zu bringen. 

Galizien 

Ref. Neu.mann: Korrespondent Boloz-Antonie- 
wicz berichtet über die im großen und ganzen 
befriedigend durchgeführte Restaurierung der Chor- 
stühle inderBernhardinerkirche zuLemberg; 
ferners über die Re.staurierung der Nikolaus- 
kirche dortselb.st, deren Voluten aus Quader.stein 
mit Blechkappen und Gipsanwurf bedeckt, und 
deren Rokokoorgelbrüstung unnötigerweise durch 
eine Brüstung im modernen Stile ersetzt wurde. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die notwendigen Erhaltungsarbeiten an der 
alten Holzkirche in MaJnow eine Subvention 
von 2000 K unter der Bedingung, daß die Arbeiten 
im steten Einvernehmen mit dem berufenen Kon- 
servator durchgeführt werden. 

Ref. Wachtlkr: Geg-en die Erweiterung der 
römisch-katholischen Pfarrkirche in Radlow 
(Verlängerung des Schiffes, Anbau zweier Seiten- 
schiffe, Errichtung eines Turmes an der Haupt- 
fassade) beschließt die Z. K. keine Einwendung 
zu erheben, wenn der barocke Dachreiter erhalten 
bleibt; sie empfiehlt eine bessere ästhetische Durch- 
bildung des Projektes. 

Kärnten 

Ref. Luschin: Konservator Goebel berichtet, 
daß er sich mit den in Aussicht genommenen 
Sicherungs- und Konservierungsarbeiten an der 
Ruine Arnoldstein einverstanden erklärt habe, 
da nach denselben die Ruine in ihrer dermaligen 
Gestalt und Ausdehnung zur Gänze erhalten bleibe. 
Doch habe er beantragt, von der fortlaufend gerad- 
linig projektierten Abdeckung der Mauerreste ab- 
zusehen und sie stufenförmig, der gegenwärtigen 
Gestaltung nach Möglichkeit angepaßt, auszu- 
führen, damit der monotone Eindruck, welchen 
die lange geradlinige Be.schneidung der Mauern 
machen würde, vermieden werde. 

Ref. Riegl: Advokat Dr. Luggin teilt mit, daß 
die Gräfin Julie Egger eine bessere Instandsetzung 
und Erhaltung der beim Schlosse Groppenstein 
gelegenen Burgkapelle in Aussicht genommen 



II 



Sitzung vom 3. Februar 1905 



ti 



habe und für die Erhaltung der nun als Fußbank 
verwendeten Predella eines ehemaligen Flügel- 
altares sorgen werde. 

Nieder-Österreich 

Ref. Riegl: Maler Viertelbergkr berichtet über 
die Bloßlegung von Wandmalereien an der rechten 
Abschlußwand des Chors der Minoritenkirche 
in Wien I. Es sind ziemlich späte Mauermalereien 
in Tempera oder Leimfarbe, vom Ende des X\'II. Jh., 
die jedoch schon in früherer Zeit durch mechanische 
Eingriffe größtenteils verloren gegangen sind. Die 
vorhandenen Reste — links eine Halbfigur des 
hl. Franziskus, rechts der Kopf eines Heiligen — 
könnten fixiert und mit Abschlußlinien umgeben 
werden. Die Z. K. erklärt sich hiemit einver- 
standen. 

Ref. W.ächtler: Gegen den Ersatz des schad- 
haften Gewölbes der Begräbniskapelle bei der 
Pfarrkirche in Göttlesbrunn durch eine stuk- 
kierte Tramdecke und die Herstellung eines neuen 
Dachstuhles beschließt die Z. K. keine Einwendung 
zu erheben. 

Ref Wächti.er: Mit der Erhöhung des Turmes 
an der Kirche in Pöbring, der Erniedrigung des 
steilen Schiffdaches, der Imitation von Steinfugen 
und^der Färbelung der Fassaden erklärt sich die 
Z. K. nicht einverstanden. Sie spricht sich ledig- 
lich für die notwendigen Sicherungsarbeiten (z. B. 
Befestigen des Kreuzes am Turme) und die Be- 
lassung des Verputzes aus. 

Ref. Wachtler: Da sich nach Ablaut von kaum 
fünf Jahren bereits zum zweiten Male die Notwendig- 
keit einer Restaurierung des an der Außenseite 
der Pfarrkirche zu Straning angebrachten Grab- 
denkmales des Erbauers der Kirche ergibt, be- 
schließt die Z. K. zu erheben, ob nicht der gegen- 
wärtige Aufstellungsort für das Denkmal besonders 
ungünstig sei und eventuell die Versetzung des- 
selben in das Innere anzustreben wäre. 

Ober-Österreich 

Ref Wächtler: Konservator Schmidel be- 
richtet über die in befriedigender Weise durch- 
geführte Restaurierung des Rathauses in Steyr. 
Die Architekturteile wurden von der Tünche be- 
freit, das Balkongitter neu vergoldet. 



Salzburg 
Korrespondent Pkoschkü berichtet, daß eine 
Versetzung des aus dem XV. Jh. stammenden 
Bildstöckeis in Adnet von der aufgelassenen 
an die neue durch die Klamm erbaute Straße be- 
absichtigt sei. 

Steiermark 

Ref. W.ächti.er: Konservator Grals berichtet, 
daß die morsche alte Decke im großen Saale des 
Jesuitenkollegiums (Priesterhaus) in Graz durch 
eine neue Decke ersetzt wurde, welche man nach 
Antrag des Konservators mit den erhaltenen Stuck- 
verzierungen der Wände in Einklang brachte. 

Ref. Ll.schin teilt mit, daß an der Burgruine 
Cilli Sicherungsarbeiten in Aussicht genommen 
seien, welche in der Weise durchgeführt werden 
sollen, daß .sie den Alterswert des Denkmales nicht 
schädigen. 

Ref Wächtlek: Pfarrer Andreas Prixz teilt 
mit, daß an der Filialkirche in Cäcilienbrücke 
die notwendigsten Sicherungsarbeiten (Ausbesse- 
rung des Schindeldaches, Entlastung der bemalten 
Holzdecke von dem daraufliegenden Materiale und 
Befestigung dieser Decke an den Trämen) vorge- 
nommen wurden. Auch an der kunsthistorisch 
wertvollen Filialkirche St. Lorenzen seien 
Sicherungsarbeiten notwendig. Die Z. K. geneh- 
migt den vorgelegten Kostenüberschlag und be- 
schließt, für die Durchführung eine Staatssubvention 
in Antrag zu bringen. 

Tirol 

Die k. k. tirolische Statthalterei teilt mit, daß 
nach den eingeleiteten Erhebungen die Nachricht 
von der Entfernung des Altarschnitz werkes aus 
der Ursulakirche in Mauern bei Steinach sich 
als unrichtig erwiesen habe. 



Sitzung vom 3. Februar 1905 (i. Sitzung der 

I. Sektion). 
Anwesende: Der Pr.\suje.vt (Vorsitzender). — 

Mitglieder: Kenner, KuBrrscHEK, Much, Reisch. 

— Konservatoren: Hoernes, Szombathv. — 

Schriftführer: Bauer. 

Dalmatien 
Ref. Rikgl: Die Z. K. spricht sich auf das 
entschiedenste gegen die Absicht aus, die neue 



13 



Sitzung vom 3. Februar 19D5 



14 



Kathedrale in Spalato im Osten des bestehen 
den Domes, an diesen angelehnt und bis zur Um- 
fassungsmauer des Palastes ausgedehnt, zu erbauen' 
da dadurch die äußere Erscheinung des Mausoleums 
auf das ungünstigste beeinilußt würde und ein 
interessantes Stück des Vestibüles des Osttores (der 
Porta argentea), für dessen Freilegung seinerzeit 
staatliche Mittel bewilligt wurden, zerstört werden 
müßte. Eher könnte sich die Z. K. mit dem Ge- 
danken befreunden, daß der Neubau außerhalb des 
Palastes, etwa auf dem sogenannten Bazar aufge- 
führt würde; dieser Platz liegt nicht so weit ent- 
fernt vom heutigen Dome, daß der nunmehr aus- 
gebaute Kampanile vollständig aus der Umgebung 
der neuen Kathedrale herausfiele. Freilich würde 
durch dieses Projekt die Demolierung des Domi- 
nikanerklosters bedingt, hinsichtlich dessen sich 
jedoch die Anforderungen der Denkmalpflege voraus- 
sichtlich leichter beschwichtigen lassen dürften. 

Krain 

Ref. Reisch: Konservator Nowotny erstattet 
einen vorläufigen Bericht über die bisherigen Resul- 
tate der Grabungen auf dem römischen Gräber- 
feld nächst der Wienerstraße (GoRUPsche Gründe) 
in Laibach. Einige Gräber zeigten eine hierzu- 
lande etwas seltenere Form; der umgestürzte abge- 
sägte Unterteil einer großen Amphora deckt, auf 
eine Ziegelplatte aufgesetzt oder aufgemörtelt, den 
Grabinhalt oder wenigstens dessen Hauptteile; das 
übrige ist dann von einen Steinmantel umgeben; 
der in anderen Fällen auch allein als Grabhülle 
vorzukommen scheint. Einmal dagegen fanden 
sich die Grabbeigaben und zuletzt die Urne über- 
einander der Reihe nach in eine schmale, des Ober- 
teiles beraubte, aufrechtstehende Amphore versenkt. 
Ferner sind hervorzuheben einige reicher ausge- 
stattete Gräber mit jedesmal 15 Beigaben. Von 
einzelnen Objekten wären schon diesmal einige 
schöne Glasgefäße zu nennen, so 1 aus einem der 
reicheren Gräber) ein sehr glücklich wieder her- 
gestellter schön geformter Krug aus gelbem Glas 
mit dunkelgelbem Henkel und weißgesprenkeltem 
Bauche, 29 cm hoch; ein anderer 24 cm hoher 
unversehrter Krug aus einfachem grünlichen Glase 
zeichnet sich durch seine elegante Form aus; zu- 
sammen mit dem letztgenannten Stück war ein 
14 ein hoher, i6 cm breiter Becher aus oliven- 



grünem Glas gefunden worden mit zierlichem, 
leider zerbrochenem Fuß und abgedrehtem Rande. 
Neben den gewöhnlichen zur Aufnahme des Lei- 
chenbrandes bestimmten Glasurnen von der be- 
kannten kugeligen Form fand sich (in einer vStein- 
ki.ste) eine bessere, von der Gestalt einer Hydria, 
28'5 cm hoch, mit zwei wagrechten Henkeln und 
gestieltem Deckel. Von Metallsachen seien erwähnt: 
Spiegel, mehrere Simpula, bescheidene Schmuck- 
stücke, ein versilbertes Glöckchen u. dgl.; die Be- 
sprechung der Keramik ist dem ausführlichen Be- 
richte vorbehalten. Skelettgräber fanden sich bisher 
nur zwei, und zwar von halbwüchsigen Kindern, 
eines aus der flavischen Zeit, eines wahrscheinlich 
noch älter. — Von der zu durchforschenden Fläche 
wurde bisher kaum der fünfte Teil absolviert; die 
Grabungen werden bei Eintritt der besseren Jahres- 
zeit fortgesetzt. 

Küstenlande 

Ref. Reisch: Korrespondent SciJiAvuzziberichtet 
über die im Jahre 1904 in Pola und Umgebung 
konstatierten Funde. 

Mähren 

Ref HoERNKs: Konservator Cervixka berichtet 
über zwei Ringfunde der Bronzezeit in einem 
Steinbruch bei Zadweritz (Bezirk Wisowitzj. Es 
scheint, daß die beiden Funde ganz nahe beisammen ■ 
gelegen, aber nicht einen einzigen gebildet haben. 
Der eine bestand aus zirka 30 dünnen, ovalen, 
offenen Armringen mit Strichverzierung, der andere 
aus zwei langen Armschienen eines 10 und 12 
Windungen breiten, kantigen Metallbandes. Ein 
Teil der Funde kam in die Sammlung des Bericht- 
erstatters, ein anderer in das Franzensmuseum nach 
Brunn, der Rest wurde zerstreut. 

Nieder-Österreich 

Ref Much: Professor Reinöhl legt den Ent- 
wurf zu einerChronik der städti-schen Sammlungen 
Badens vor (Beilage Sp. 19). 

Ref Mucu: Korrespondent Fitzka berichtet 
über einen Fund von Bronzegegenständen. Im 
Frühjahre 1Q04 wurden auf dem Acker des Josef 
Eminger in Niedersulz (Post Obersulz, V. U. M. B. ) 
22 Halsringe, ein Lappenbeil und mehrere kleine 
Finger- oder Ohrringe gefunden. Der Fund wurde 
versplittert. Durch Nachfrage erfuhr der Bericht- 
erstatter, daß die Halsringe, von denen 20V2 Exem- 



SitzoBg vom 3. Februar 1905 



16 



plare für das Mistelbacher Museum erworben werden 
konnten, nicht durcheinander, sondern regelrecht, 
zu 6 bis 7 übereinander geschichtet, in der Erde 
lagen. Die Objekte weisen nur häufig vorkommende 
Typen unserer Länder auf. 

Ref. KuBrrscHEK teilt mit, dai3 die Limes- 
kommission der kaiserlichen Akademie derWissen- 
schaften beschlossen habe, im Jahre 1905 die 
Straßen verbindungen östlich und südöstlich von 
Camuntum bis an die ungarische Grenze sowie 
die Straijen südlich und westlich von Laureacum 
zu verfolgen und endlich in Hundsheim und nörd- 
lich von Velm die Spuren antiker Nieder- 
lassungen genauer zu untersuchen. 

Ober-Österreich 

Ref. Kubitschek: Korrespondent Griexberger 
berichtet über einige 1904 in und um Efferding 
gefundene römische und vorgeschichtliche 
Funde: i. Zwei Kleinbronzemünzen, eine vom 
Kaiser Valentinian I, die andere, schlecht erhal- 
tene von Konstantin dem Großen. 2. Je ein As 
der jüngeren Faustina imd Traians. 3. In der Nähe 
des sogenannten Pichler Waldhäusels, eine 
Stunde von Efferding entfernt, fand man 2 '/j Schuh 
in der Erde ein Steinbeil (Typus Nr. 11 in Mcchs 
prähistorischem Atlas, Steinzeit, doch doppelt so 
groß). 4. einen Steinhammer aus sehr feinem 
Serpentin (ebenda, Steinzeit Nr. 1 3) in der Ortschaft 
Hinzenberg (',., Stunde von Efferding), vom 
Besitzer zum Scharfmachen benutzt; wann es 
gefunden worden ist, ist unbekannt. 5. Ein sehr 
schönes Exemplar eines Steinhammers, be- 
deutend größer als gewöhnlich, an der oberen 
Seite eine sehr geschmackvolle Erhöhung zeigend, 
besitzt der Hausbauer in Gollham (bei Prambach- 
kirchen). 6. Andere Funde von Steinhämmern 
in der Umgebung von Efferding: vor 12 Jahren 
in Großhart bei Kirchberg (einer aus Serpentin, 
in der Mitte abgebrochen), vor 10 Jahren in Stein- 
wand bei Hartkirchen, welcher in den Besitz 
d-'s Linzer Museums gelangte; in dieses sind 
sonst noch in früheren Jahren Steinbeile und 
Steinhämmer aus Wilhering, Hartheim, Al- 
kofen, Aschach und Hartkirchen gelangt. — 
Bei Erdbewegungen in Efferding wurden im 
Jahre 1904 einige Gefäß- und Geschirrfragmente, 



darunter auch solche von Terra sigillata, docTi 
ohne nennenswerte Zeichnung, gefunden. 

Ref. Kubitschek: Konservator Schjudel be- 
richtet, daß er in der „Sandgstätte- westlich von 
der Lorcher-Kirche in einer Tiefe von ungefähr 
2 »j eine dünne, braune, i^\in breite Schicht von 
kleinen Kieseln, darüber roh behauene Steine und 
Ziegel (21 cm lang, 14 c-»« breit, 2-4 — yjbciit dick) 
ohne Stempel konstatieren konnte. Er vermutet 
hier die Reste eines römischen Kanales. Gegen- 
über dem ehemahgen Pfarrhofe (jetzt ein Bauern- 
haus) von Kri stein fand er eine 2 »« lange, über 
I ;;/ breite Bruchsteinmauer, den Rest der 1 784 
abgetragenen Kirche. — In einer Sandgrube beim 
Stögmeiergute in der Xähe dieses Ortes (Fig. i) wurde 



Sandgrube 




b TiiusrTtutiz.e 
'ensaurt 



EhemalioerPfurrhof 



Fig. 1 Planskizze römischer Fundstellen nächst Kxistein 

ein Grab aufgedeckt; dieses enthielt zwei w^eiße 
flaschenartige Gläser (140» hoch, Hals 7 c";k lang, 
Durchmesser am Hals 2 cut beziehungsweise 3 cm, 
am Bauch 10 cm), ein drittes schlankes Gefäß aus 
grünem Glase (io'5 cm hoch, Durchmesser der 
Öffnung 2 cm, Durchmesser des sich unten er- 
weiternden Fußes 5 cm), ein bauchiges Tongefäß 
{12 cm hoch, größter Durchmesser ioi."»z, Durch- 
messer der Öffnung 95 cm). Diese Funde übernahm 
der Ennser Musealverein. In einer Tiefe von 50 cm 
grub man den obersten Teil eines römischen 
Grabmonumentes (90 t';;/ breit, 52 cm lang) aus 
Konglomeratstein aus; es zeigt in einem tympanon- 
artigen Dreieck das rohe Relief eines Medusen- 
hauptes, auf den nach oben gekehrten Seiten des 
Dreieckes ruhen Löwen. Auch dieser Stein kam 
ins Ennser Museum. Sonst wurden noch Knochen, 
anscheinend von Tieren, Scherben eines Bechers 
aus Terra sigillata, eine flache Schüssel, Kohlen, 
Eisennägel und das Fragment einer Steinplatte 
(60 cjit lang, 30 cm breit) mit einem 40 cm breiten 
Falz an der einenLängsseite gefunden; angeblich war 



17 



Sitzung vom 3, Februar iqo^ 



18 



wenige Schritte von der Fundstelle entfernt gegen 
Süden ein zirka i V» '" breiter, fester Kiesboden 
zu sehcMi; zwischen diesem Wege und dem Grabe 
fand man im Jänner 1903 einen Denar des Kaisers 
Titus (CoiiKN- Nr. 2()8) vom Jahre 79. 

Ref Mich: Wie Konservator Schjudel be- 
richtet, ist in der Höhle des Seitentales des Mühl- 
bach grab ens bei Steyr, in welcher vor Jahren 
fünf Steinbeile und ein Steinhammer gefunden 
wurden, vor kurzem beim Steinbrechen für einen 
Kapellenbau abermals ein wohlerhaltenes Stein- 
beil aus dunkhmi Serpentin aufgefunden worden. 
Es ist 8 cm lang-, die Breite an der etwas kon- 
vexen Schneide yitiii, am unteren Ende 2-g cm ^ 
die Dicke 2 cm. Die beiden Seitenflächen sind 2 cm 
unterhalb der Schneide stark abgewetzt, was offen- 
bar von der Befestigung mit Sehnen oder Bast 
herrührt. 

Ref. Kui'.itschkk: Nach einem Berichte des 
Konservators Schmidel sind im Garten des Gast- 
wirtes Ar.ois Huber, Steyr, SierningerstrafBe 154, 
ein Denar des Clodius Albinus (cohen- Nr. 6i' 
15 cm tief) gefunden worden; ferner Silber- 
münzen des XVII. Jh. (Sechser von Leopold I 
für Ungarn, Kreuzer von Ferdinand II und Erz- 
bischof Max Gandolf Graf Kuenburg von Salzburg). 

Salzburg 

Ref Kenner: Konservator Petter berichtet 
über die im Jahre 1904 in der Stadt Salzburg 
festgestellten Römerfunde. Beim Baue des neuen 
Justizgebäudes am Kai (linkes Salzachufer) wurde 
ein eingeschütteter, etwa schon aus der Zeit der 
Erbauung der Wälle im XVII. Jh. stammender 
Abfallhaufen weggeräumt, in dem .sich handgroße 
Stücke eines einfachen gemusterten Mosaikbodens 
in schwarzen, roten und weißen Steinen fanden- 
Der Mosaikboden dürfte bei Anlegung der Wälle 
in der Nähe gefunden, zerschlagen und in den 
Graben geworfen worden sein. Der Mörtelgrund' 
in welchem die ziemlich großen Mosaiksteine ein- 
gebettet waren, enthielt auffallend mehr und gröbere 
Stückchen von Ziegelsteinbruch als sonst g'ewöhn- 
lich unter römischen Mörtel gemengt vorkommen. 
Im Hofe des Hauses Mozartplatz Nr. 4 wurden 
mit Erlaubnis und auf Kosten des Eigentümers, 
des Bankiers Kari. Spängler, Grabungen vorge- 
nommen. Der Boden war bei den früheren und 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission X904 



den gegenwärtigen Bauten sehr durchwühlt worden; 
es kamen einzelne römische Mosaiksteinchen, kurze 
Estrichbodenre.ste, ein Stück bemalten Mauer- 
bewurfes, dekorierte und glatte, feine, rote Gefäß- 
.scherben und unbedeutende Bronzestückchen zu- 
tage, alles in ganz verworfenem Zustande; die 
römische Kulturschichte begann in einer Tiefe 
von 80 (.-;;«. Die dünklere Färbung dieser Schichte 
und einzelne Holzkohlenstückchen rnachten Zer- 
störung durch Brand wahrscheinlich. Bei einer 
Kanalgrabung über den Domplatz nahe dem Trakte 
des Stiftes St. Peter wurden -im Spätherbst 1904 
in ungefähr i '/^ ni- Tiefe Scherben von Ton- und 
Glasgefäßen, der Renaissance angehörig, zutage 
gefördert; bei 2 m Tiefe kam man auf römische 
Reste, und zwar: Bruchstücke von einem Mosaik- 
boden aus kleinen schwarzen, weißen und roten 
Steinchen, teilweise in geometrischen Figuren, ferner 
(in verschiedenen Farben bemalter) Mauerbewurf, 
zu klein, um eine bestimmte Zeichnung erkennen 
zu lassen; ferner Stücke von Heizziegeln (außen 
geriefelt); ein sogenannter Griffel (stilus) aus Bronze, 
oben spitz, unten schalenförmig, ii'S cm lang; eine 
pinzettenartige eiserne Zwinge mit rundem Knauf, 
7'4 6iK lang; eine Bronzenadel, 75 cm lang, ziemlich 
stark, gegen die Spitze etwas gebogen, mit Ose; 
das Fußstück einer feinen roten Tonschale, ohne 
Zeichen oder Dekoration; ein eiserner Pferde- 
schuh, rückwärts mit auswärts gebogenen Haken 
und breiten Seitenspangen; ein kleines Balsam- 
(„Tränen''-)Fläschchen in guter Erhaltung und 
Scherben größerer Glasgefäße; mehrere Klumpen 
geschmolzener Bronze, größere Stücke eines mit 
kleinen Steinchen belegten und glatt gestrichenen 
grauen Estrichbodens. — Die Funde wurden zum 
größten Teile dem Museum Carolino-Augusteum 
überlassen. 

Ref. KuBrrscuEK: Konservator Petter berichtet, 
daß Ende 1904 bei einer Kanalgrabung in der 
Festung Hohensalzburg auf der früheren Bastei 
(jetzt Garten) links vom. ersten Stockwerke der 
Hofstallkaserne (früherer Palas) in einer Tiefe 
von i'2o;« eine Bronzemünze des Kaisers Nero 
(coHF.N^ Nr. 289) gefunden wurde und in das Salz- 
burger Museum kam. Der Fund sei insofern von 
Interesse, als aus der Festung Hohensalzburg 
bisher noch kein anderer sicherer Römerfund ge- 
wonnen worden sei; der eingemauerte antike Kopf 



19 



Siunng vom 3. Februar 1905 



Über der Roßpforte könne immerhin auch anderer 
Provenienz sein. 

Ref. Kexxer: Nach einem Berichte des Kor- 
respondenten ProsChko ist die Restaurierung der 
Römerbrücke über den Tauglbach bei Hallein 
nach dem vorgelegten Programme durchgeführt 
worden. 



Beilage zu Sp. 14V) ' 

Entwurf zu einer Chronik der städtischen 
Sammlungen in Baden 

Die städtischen Sammlungen Badens verdanken ihre 
Entstehung der Familie RoiTiTx. 

Dieser schon lange in Baden ansässigen BürgersfamUie 
entsproß am 7. August 1778 Aston Frasz Roi.txtt, und zwar 
wurde er im Familienhause Gutenbrunnerschloßgasse Nr. 4 
(jetzt RoUettgasse) geboren. Er zeigte schon als Knabe 
Sinn für Naturwissenschaften und Sammeleifer und regen 
Geist. Trotz der Dürftigkeit seiner Eltern wußte er sich 
die Ablegung der chirurgischen Studien zu ermöglichen und 
ließ sich 1799 als Wundarzt in Piesting nieder. Aber schon 
1801 übersiedelte er in seine Vaterstadt und eröffnete hier, 
in der Gutenbninnerstraße 4 und 6, seine ärztliche Praxis. 
Bald war er als geschickter, menschenfreimdlicher imd selbst- 
loser Arzt in Baden und Umgebung bei arm und reich, 
bei hoch und nieder, bei Einheimischen imd Fremden ge- 
liebt und verehrt Er trug nicht niu" durch seinen ausge- 
zeichneten ärztlichen Ruf, sondern auch als Schriftsteller 
zur Hebung des Kurortes bei, so schrieb er .Hygieia, ein 
Handbuch für Badens Kurgäste" und zusammen mit Dr. 
Schenk eine „Kleine Fauna und Flora von den Gegenden um 
Baden". Endlich schuf er in einer ausgedehnten natiu-wissen- 
schaftlichen imd technologisch-ethnographischen Sammlung 
einen neuen Anziehungspunkt für Fremde. Von wie vielen 
und bedeutenden Gästen diese besucht wurde, beweist das 
von ihm angelegte Gedenkbuch. Zuerst war die Sammlung 
in R01.1.ETS Wohnhause in der Gutenbrunnerstraße unter- 
gebracht. Als er aber in den zwanziger Jahren ein Garten- 
hans in der Bergstraße (jetzt Nr. 37) erbaute, welches sich 
wie sein Wohiüiaus noch heute im Besitze eines Mitgliedes 
der Familie befindet, wurde die Sammlung in den oberen 
Räumen des neuen Hauses untergebracht während die 
unteren Gemächer an Kurgäste vermietet wurden. 

Die Einrichtung der Sanjmlung war originell. Die 
Decke bildete eine große Karte des nördlichen Sternen- 
himmels, vom Sammler eigenhändig ausgeführt und mit 
Inschriften umgeben. An den Wänden standen Glasschränke, 



^) Abgedruckt auf Beschluß der Sitzung der 1. Sektion 
vom 3. Februar 1905. 



in welchen der naturhistorische Teil der Sammlungen auf- 
gestellt war. Nebengemächer enthielten die Büchersamm- 
lung, eine osteologische Kollektion und eine Büstensamm- 
lung. Im wahren Sinn des Wortes war jeder Zoll Raum 
benützt, jene Stellen der Wände, welche von den Kästen 
freiblieben, ja selbst die Holzflächen und Holzleisten der 
Kästen bedeckten Medaillen und Kupferstiche mit Bild- 
nissen berühmter Männer aller Zeiten. Eine sehr erfreulich 
Bereicherung erfuhr die Sammlung, als der Begründer der 
Schädellehre Dr. F. J. G.\ii. 1824 dem ihm befreundeten 
Kollegen seine berühmte, in ihrer Art einzig dastehende 
Schädelsammlung überließ. 

Nach seinem am 19. März 1842 erfolgten Tode teilten 
sich seine Witwe Josef.\ und seine acht Kinder in das Eigen- 
tumsrecht der Sammlung. Jedoch blieb der größte TeU der- 
selben in den bisherigen Räumen beisammen. Die natur- 
wissenschaftliche Sammlung war hauptsächlich an Dr. Kart. 
R01.1.ETT, das Herbarium an Dr. HEitit.\XN Roi.i.ett über- 
gegangen. Ersterer erwarb später nicht nur den Rest der 
naturwissenschaftlichen Sammlung mit Ausnahme des Her- 
bariums, sondern auch einen Teil der anderen Gegenstände 
käuflich von seinen Angehörigen und verhinderte dadurch 
die -Auflösung des wertvollen Besitzes: nur die Münzen- 
sammlung ging damals Baden verloren. 

Karl Rollett wirkte gleich seinem Vater in Baden als 
geschätzter Arzt und bewies wie dieser seine Liebe zur 
Vaterstadt außer durch treueste Pflichterfüllung im Berufe 
auch als Schriftsteller (..Baden in Österreich. Seine Quellen 
und malerische Umgebungen. 1838." Er beteiligte sich ferner 
eifrig am öffentlichen Leben und gehörte dem Gemeinde- 
ausschusse an. Als Obmann des Schulkomitees der Ge- 
meinde war er mit besonderem Eifer für die Errichtung 
einer Mittelschule tätig, welche 1863 erfolgte. 

Kart. Roi.i.ett hatte schon in den fünfziger Jahren den 
Gedanken gefaßt, die Sammlungen seines \"aters der Stadt- 
gemeinde zu spenden; als er nun die unzureichende Aus- 
stattung der neuen .Anstalt mit Lehrmitteln wahrnahm, kam 
er auf diesen Gedanken zurück, und am 31. Mai 1867 konnte 
Bürgermeister Germer dem Gemeindeausschusse mitteilen, 
daß Frau Ja>EF-\ und die Brüder K.\Rt. uiid Hermavx 
R01.1.ETT ihr Museum der Gemeinde unter der Bedingung, 
daß es nach seinem Gründer für immerwährende Zeiten 
„AxTox Rot i.ET-Museum" genannt werde, für Unterrichts- 
und öffentliche Zwecke geschenkt hätten. Die Aufstellung 
des Museums im Schulgebäude leiteten Dr. Herm-^kn 
Roi.i-ETT und Professor Josef Bersch. Es wurde in einem 
Saale und 3 Zimmern untergebracht imd am 22. Juni 1869 
für den Unterricht und den öffentlichen Besuch eröffnet. 

Der Inhalt des Museums bestand aus einer systematisch 
geordneten Sammlung von Mineralien und zahlreichenPetre- 
fakten aus der L'mgebung Badens, einem Herbarium von 
1 2.000 Sorten mit der vollständigen Flora von Baden, einer 
vollständigen Holz- und Samensammlung, ebenso vollstän- 
digen Konchylien- und Zooph\-tensammlung mit sehr seltenen 
Exemplaren; einer Sammlung von allen Säugetieren des 
österreichischen Kaiserstaates bis zur Hirschgröße, den 



21 



Siuuiig vom 3. Februar 1905 



22 



Vöfjeln Österreichs und ihren Eiern, von Amphibien, 
Fischen, Würmern und Insekten. Die KnochensammUing 
enthielt Gerippe vmd Schädel der verschiedenen Tier- 
{jruppen; besonders reicli ist sie aber an menschlichen 
Skeletten und Schädeln. Mit ihr hängt die obengenannte 
GAi.i.sche Schädelsammlung zusammen. 

Im Besitze der Familie Rot.t.ett verblieb damals noch 
eine Sammlung 1. von Medaillen und Gypsgüssen, 2. von 
Kupferstichen, 3. von Autographen, 4. von Antiquitäten, 
Geräten, Waffen und Kleidern verschiedener Völker, 5. von 
weiblichen Handarbeiten aller Art, eine wahre Entwicklungs- 
geschichte der Nadelarbeit, 6. eine technologische Samm- 
lung der'l'extil-, Glas- und Metallindustrie. Aber schon 1874 
schenkte die an den Seidenhändler Prager in Wien ver- 
heiratete Tochter Roi.i.etts Ida dem städtischen Museum 
die ihr nach ihrem Vater angefallene Sammlung weiblicher 
Handarbeiten. 

Nichtlange nach derGründung desstädtischenMuseums 
wurde das Stadtarchiv errichtet. Die Lage Badens auf dem 
feindlichen Angriffen so ausgesetzten Wienerbecken war 
der Erhaltung öffentlicher Urkunden nicht günstig. Die 
wiederholte Zerstörung der Stadt durch die Ungarn und 
Türken und zuletzt noch der große Brand von 1812, dem 
auch das Rathaus zum Opfer fiel, machte die Erhaltung 
dieser Hauptquellen für die Stadtgeschichte sehr schwierig. 
Trotz dieser Ungunst der Verhältnisse ist eine Reihe von 
Urkunden aus dem XV'I., ja sogar XV. Jh. gerettet worden, 
Man kann also nicht bezweifeln, daß es schon frühzeitig 
neben der Registratur eine Abteilung für alte Urkunden, 
Amtsbücher, Verträge u. ä. im Rathause gegeben hat. Diese 
Abteilung scheint auch bis in die Mitte der vierziger Jahre 
des letzten Jahrhunderts in ziemlicher Ordnung gehalten 
worden zu sein. 

Als jedoch nach 1848 die Gemeinde den k. k. Bezirks- 
behörden den ganzen ersten Stock des Rathauses zur Ver- 
fügung stellte, wurde die Registratur samt den erwähnten 
Urkunden teils in ein Gemach des Erdgeschoßes, teils auf 
den Dachboden geworfen, ohne daß sich jemand weiter 
um sie gekümmert hätte. Und da ferner das genannte Erd- 
geschoß zur Erweiterung des Polizeiamtes benötigt wurde, 
wanderte auch sein Inhalt auf den Dachboden, und das 
Chaos war fertig. 

1873 wurde H. Rui.i.ktt zum ersten Gemeinderate 
gewählt und ihm das Referat über die administrativen An- 
gelegenheiten übertragen. In dieser Eigenschaft stellte er 
den Antrag auf Ordnung und Sammlung der noch vor- 
handenen Akten aus früherer Zeit. Ein Raum tür ihre Aul- 
stellung, ein Ijescheidenes Zimmer im zweiten Stock des 
Rathauses, wurde gewonnen, als das dem Rathaus benach- 
barte Gebäude in der Rathausgasse angekauft und die. Arreste 
in das letztere verlegt wurden. 

Aber erst unter der im Jahre 1875 neugewählten Ge- 
meindevertretung konnte die Anregung ausgeführt werden, 
besonders weil sich der neue Bürgermeister, Graf Osk.\r 
Christ Ai.T.NfoG, für die Errichtung des Archivs lebhaft interes- 



sierte. Kurz nach seiner Wahl forderte der neue Ausschuß 
Ror.T.r.TT auf, durch die Ausführung seines Gedankens 
„seinen Mitbürgern und der Wissenschaft einen ganz be- 
sonders dankenswerten, wichtigen Dienst" zu erweisen. Der 
Genannte erklärte sich nicht nur zur Erfüllung dieser Bitte 
bereit, sondern versprach sogar „alles was an auf Baden 
bezüglichen Büchern, Bildern usf. in seinem Besitze sei", 
dem Archive einzuverleiben. Am 26. Dezember 1875 er- 
schien im Badener Boten ein Aufruf an die Bevölkerung, 
„alle in ihrem Besitze befindlichen Urkunden, Pläne, An- 
sichten, Manuskripte, Bücher, Bildnisse, Altertümer und 
Kuriositäten, welche auf die Stadt Bezug haben", dem Stadt- 
archiv zu überlassen. Mit großem Verständnis ging die 
Bevölkerung auf dieses Ansuchen ein. Die Gutsinhabung 
„(iaminger Berghof und Frauenhof" übergab der Gemeinde 
ihre sämtlichen bis ins XIII. Jh zurückreichenden Urkunden, 
das Kloster Heiligenkreuz und die Pfarre Baden fanden sich 
mit W'idmungen ein. Von den zahlreichen Privaten, welche 
oft nicht wenige und häufig auch kostbare Spenden machten, 
verdient besondere Erwähnung G.-R. Josek Stauber, der 
auch als letzter Vorsteher der Tischlerinnung deren Siegel 
und Schriften dem Archiv einverleibte, Bürgermeister Graf 
CHRisiAr.r.NiGG und Anna Edle von Lagusius. Roi.t.ett ge- 
lang es ferner 50 Pergamenturkunden des ehemaligen 
Augustinerklosters zu gewinnen. Dieses Zusammenwirken 
der Gemeindevertretung und der Bevölkerung mit Roli.ett 
ermöglichte es, daß das Archiv schon Ende Juni 1876 ein- 
gerichtet war; der Gemeindeausschuß sprach in seiner 
Sitzung vom 26. Juni Roi.t.ett für diese nicht geringe Leistung 
den verdienten Dank aus und ernannte ihn einstimmig zum 
Archivar der Stadt Baden. Anfangs Juli fand die Eröffnung 
des Archivs statt. Eine große Anerkennung lag darin, daß 
auch Se. k. u. k. Hoheit Erzherzog Ai.brecht sämtliche 
bei der Restaurierung Rauhenecks gefundenen Gegenstände 
den städtischen Sammlungen übergab und Se. Majestät 
1879 der Stadtgemeinde ein prachtvoll ausgestattetes Exem- 
plar des in der Allerhöchsten Fideikommißbibliothek befind- 
lichen Manuskriptes über die k. u. k. Hoflcirche und das 
Kloster in Baden zu spenden geruhte. 

Auch für das städtische Museum liefen beständig 
Spenden ein. Dieses leitete 1869 — 1876 Professor Josek 
ScHNEr.r. als Kustos. 1876 wurde Roi.t.ett aufgefordert, auch 
die Stelle des Museumskustos zu übernehmen, welchem 
Rufe er folgte. Auf seinen Antrag hin beschloß der Ge- 
iTTeindeausschuß auT 11. Dezember 1876: 1. gegen Über- 
lassung eines Naturalquartieres einen Museumsdiener zu be- 
stellen und 2. die bisherige Jahressubvention von mindestens 
100 fl. aus dem Straßenfonde für Instandhaltung und Neu- 
anschaffungen des städtischen RoLT.ETT-Museums fortgesetzt 
zu erfolgen. Die doppelte Verwendung des Museums zu 
Unterrichts- und öffentlichen Zwecken und seine zweifache 
Leitung durch einen von der Schule und einen von der 
Gemeinde bestellten Kustos Tnußte natürlich zu Unzukömm- 
liclikeiten und Konflikten führen. Auch ein in der Gemeinde- 
vertretung gestellter Antrag, „den Wirkungskreis der beiden 
Kustoden genau zu umschreiben" — der zweite Kustos war 

2* 



23 



Sitzung vom 3. Februar I905 



i\ 



Seit 1879 Professor Benüuikt Ji'.st — war nicht geeignet 
einen Zustand, dessen Unhaltbarkeit auf sachlichen, nicht 
persönlichen Schwierigkeiten ruhte, zu beheben. Diesem 
Übelstande gesellte sich bald ein immer fühlbarer werden- 
der Raummangel zu. Der ursprünglich dem Gymnasium 
überlassenen Naturaliensammhing waren zu verschiedenen 
Zeiten, besonders nach dem Ende 1874 erfolgten Tode der 
Frau Josef.*. Rou.ett verschiedene andere Teile der Anton 
Roi.LETT-Sammlung einverleibt worden. Eine Zeit lang half 
sich Roi.i.ETT dadurch, daß er den Zuwachs im Archiv unter- 
brachte, bald war dies ebenso überfüllt wie die ohnehin 
nicht großen Räume im Gj'mnasium. Und als vollends 1883 
das Realg3Tiinasium durch ein Oberg)'mnasium erweitert 
wurde und dieses alle Räume des Klostergebäudes in . 
Anspruch nahm, wurden dem städtischen Museum 1885 der 
große Saal und zwei Zimmer der städtischen Redoute 
überlassen. 

Mit gewohntem Eifer unterzog sich der Kustos der 
mühevollen Neuordnung des Museums. Bei dieser Ge- 
legenheit brachte er in ihm auch seine eigene Sammlung 
von Bildnissen, Kunstblättern und mehr als 10.000 Gemmen- 
abdrücken unter. In diesem erweiterten Umfange wurde das 
Museum am 15. September 1886 wieder eröffnet. Noch hatte 
die Anstalt mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen. 
Seine Räumlichkeiten wurden außer zu Museumszwecken 
zu öffentlichen Versammlungen aller Art, vorübergehend 
auch als israelitisches Bethaus und als Theatergarderobe 
benützt. Ferner war der Raum beschränkt. Im Laufe der 
Zeit wurden dem Museum aber die ganzen Adnexe des 
großen Saales im Redoutengebäude überlassen luid nach 
und nach, besonders nachdem andere Säle in Baden gebaut 
worden waren, wurde es ausschließlich Herr seines eigenen 
Heims. Auch erlahmte der Eifer der Bevölkerung in der 
Unterstützung der städtischen Sammlungen keineswegs. 
Alle Stände und Altersklassen beteiligten sich unausgesetzt 
an der Vermehrung der städtischen Sammlungen. 

Zwei Fragen machten jedoch auch jetzt Sorge. Erstens 
war ein Teil der Sammlungen zweifellos das Privateigentum 
des Kustos, von einem anderen Teile war es wenigstens 
nicht festzustellen, ob er dem Genannten oder der Stadt 
gehöre. Die zweite Sorge betraf das in mehrfacher Weise 
ungeeignete Heim des Museums, das durch die unmittelbare 
Verbindung mit dem Theater beständig der Gefahr eines 
Brandes ausgesetzt ist. 

Die erste Sorge fand eine sehr einfache Erledigung. 
Zur Bewahrung der sämtlichen von ihm gesammelten, seiner 
Vaterstadt zugedachten Gegenstände vor allfälliger Ver- 
äußerung bei seinem Ableben sowie zur Vermeidung von 
Umständlichkeiten und Kosten überließ Dr. H. Rot.i.ett schon 
bei Lebzeiten „alles, was sich an Büchern, Bildern, Kunst- 
blättern aller Art, Handschriften und sonstigen Sammel- 
gegenständen in seinem Eigentume befand, als Geschenk der 
Stadtgemeinde Baden, zur Einverleibung, in das städtische 
Museum und das Stadtarchiv". 

Aus einem eigenhändig angelegten Verzeichnisse dieser 



Gegenstände heben wir hervor: die prähistorische Samm- 
lung (über 500 Nummern), altägyptische Gegenstände, über 
200 antike Gemnien und über 10.000 Gemmenpasten, römische 
.Anticaglien, zahlreiche Münzen und Medaillen, mehrere 
tausend Bildnisse und Landschaften, ebenso zahlreiche An- 
sichten und Pläne von Wien und Niederösterreich, endlich 
sieben Gypsbüsten und mehrere hundert Bände wissen- 
schaftlicher Werke. 

Im Winter 1903 auf 1904 erkrankte der bis dahin er- 
staunlich rüstige Dr. Koii.ett und, da ihn die Krankheit 
längere Zeit an der Ausübung seines Dienstes hinderte, 
wurde Bäderdirektor Frühauf, schon längst ein eifriger 
Förderer der städtischen Sammlungen, mit seiner Stellver- 
tretung und nach Roi.i.etts Tod (am 30. Mai 1904) auch 
mit der weiteren Aufsicht über die städtischen Sammlungen 
betraut. 

Nicht leicht war die endgültige Besetzung der Stelle 
des Verewigten. Die Professoren für Geschichte und Natur- 
wissenschaft am hiesigen Gymnasium, an die man in erster 
Linie dachte, machten geltend, daß keiner von ihnen, ja 
niemand in Baden, jene Summe von Kenntnissen besitze, 
wie sie der Verschiedene sich im Laufe vieler Jahre ange- 
eignet habe, und wie sie die Leitung einer so vielgestalti- 
gen Sammlung erfordere. Hierüber wurden sie freilich von 
Wiener Fachleuten beruhigt, welche darauf hinwiesen, daß 
dieser Übelstand an kleineren Museen unvermeidlich sei; 
nur größere Museen könnten sich den Lvixus mehrerer 
Kustoden und nur die größten jenen eines Kustos für jeden 
einzelnen Teil ihrer .Sammlung gestatten. Immerhin schien 
es wünschenswert, dem zu ernennenden Kustos einen Bei- 
rat aus den in Baden vorhandenen Fachmännern beizu- 
gesellen. Die Entscheidung fiel dahin, daß der Gemeinde- 
ausschuß in seiner Sitzung vom 11. Oktober 1904 den 
Professor der Geschichte am hiesigen Gymnasium, Dr. 
Rainer v. Reinöhl, zum Stadtarchivar und Museumskustos 
ernannte, ihm aber einen Beirat an die Seite stellte, dem 
mehrere Gemeindeausschüsse beitraten, und in den außer- 
dem die Herren Professor Benedikt Just und Regierungsrat 
Dr. Emu. Rou.ett entsendet wurden. Auch wurde dieser 
Körperschaft das Recht eingeräumt, sich durch geeignete 
Kräfte zu ergänzen. Von diesem Gebrauch machend, ko- 
optierte sie in 'ihrer ersten Sitzung vom 22. November 1904 
den Bürgerschullehrer Emmerich Ebenführer, Korrespon- 
denten der geologischen Reichsanstalt, und den in der 
Numismatik bewanderten Professor Dr. Hans Jüi.g. 

Die Gemeindevertretung war sich stets dessen bewußt, 
daß sie ihren wertvollen Sammlungen ein sicheres und 
dauerndes Heim schaffen muß; sie ist sich auch dessen 
liewußt, daß im Interesse der Gemeinde die Museumsfrage 
vor dem Theaterbau gelöst werden muß. Nur haben die 
zahlreichen, sonst an die Gemeinde herandringenden Forde- 
rungen sie bisher an der Lösung der Museumsfrage ge- 
hindert. Nachdem sich aber neuestens deutlich gezeigt hat, 
daß sich nicht nur mehrere hiesige Private, sondern auch 
I die Wiener Behörden gütig für das Badener städtische 



^5 



i^ilzung vom lo. Februar I905 



26 



Museum interessieren, so hofft die Gemeinde deren tat- 
kräftijie Unterstützung z.u finden, wenn sie diese Angelegen- 
heit zu ordnen unti rninmit. 

Dr. Kainkk V. l^uhNriui, 

Stadtarchivar und Musoumskustus 



Sitzung vom lo. P^cbruar 1905 {3. Sil/.ung- der' 

II. Sektion). 
Anwe.sende: Deiningkr, Nkumann (Vorsitzender), 

Neüwik'I'h, Rtrc.i,, Wächii.kk, v. Zumi'.usch. — 

Schriftführer: Baukk. 

Böhmen 

Ref. Wäcutler: Gegen die Innonbemalung 
der Pfarrkirche in Reitschowes und gegen die 
an ihren Altären beabsichtigten Adaptierungen 
beschließt die Z. K. keine Einwendung zu erheben. 

Küstenlandc 

Das k. k. Ministerium f. Iv. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung" des Ölgemäldes „Santa 
Conversazione" von Bartholomeo Vivarini aus der 
Pfarrkirche zu Lussingrande eine Subvention 
von 300 A'. 

Ref. Neumann: Korrespondent Picruis berichtet: 

1. daß die römischen .Stadtmauern in Veglia von 
den P^-anziskanern als Steinbruch benutzt werden; 

2. daß die exsekrierte alte Kirche San Donato in 
der Bucht Va 1 c a s s i o n e restaurierungsbedürftig sei. 

Die Z. K. beschließt die Aufstellung eines Restau- 

rierungsprogrammes zu veranlassen. 

Nieder-Österreich 

Der Magistrat der Stadt Wien teilt mit, daß 
sich der Stadtrat bereit erklärt habe, die an der 
südlichen Chorseite des St. Stephansdomes auf- 
gedeckten Wandmalereien für das städtische 
Museum zu übernehmen und die Kosten der Ab- 
lösung und Aufstellung zu tragen. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. LJ. gibt bekannt, 
daß die Kosten der unbedingt notwendigen Her- 
stellungen an der Karlskirche in Wien IV im 
Höchstbetrage von 205.600 K auf den Staatsschatz 
übernommen werden und im .Staatsvoranschlag 
für das Jahr 1905 als dritte Rate ein Betrag von 
40.000 K präliminiert wurde. 

Ref. RiEcii.: Die Z. K. beschließt die unverzüg- 
liche Durchführung der notwendig.sten Sicherungs- 



arbeiten an den Stadtmauern in Dürnstein ein- 
zuleiten und lü-hebungen darüber zu pflegen, ob 
nicht einer der lokalen Vereine, eventuell ein Ver- 
schönerungsverein, die Erhaltungspflicht dieser 
Mauern für die Zukunft zu übernehmen in der 
Lage sei. 

Konservator Kek.schbaumer berichtet, daß mit 
dem hieramts zur Verfügung gestellten Betrage 
von 200 K die notwendigsten Arbeiten an der 
Schloßruine Dürnstein vorgenommen wurden. 
Die herausgefallenen Teile der Wand und des 
Gewölbes der Apsis der Burgkapelle wurden mit 
Bruchsteinen ausgemauert, die Reste der Hoch- 
burg im Norden und Nordwesten durch Pfeiler 
gestützt, die Risse des Nadelpfeilers der West- 
seite vermacht, und sein überhängender Teil unter- 
fangen, ein Loch unter den Resten der südlichen 
Stiege trocken ausgemauert. Eine Ausbesserung 
der Koncha und des Triumphbogens der Kapelle 
bleibt noch durchzuführen. Unter dem Bauschutte 
wurde ein Dienst und zwei Werkstücke mit Rippen- 
anfängen gefunden, welche dem Museum der Stadt 
Krems einverleibt wurden. 

Der Berichterstatter macht ferner darauf 
aufmerksam, daß das Schindeldach der Chorapsis 
des ehemaligen Frauenklosters im sogenannten 
Schießgarten in Dürnstein eingestürzt und dadurch ' 
die Erhaltung dieser malerischen Choranlage in 
Frage gestellt sei. Die Z. K. beschließt die wei- 
teren Schritte zur Sicherung vorzukehren. 

Ref. Riegl: Die KRAHUi.ETz-Gesellschaft teilt 
mit, daß sie sich an den niederösterreichischen Landes- 
ausschuß gewendet habe, damit bei den beab.sich- 
tigten Umbauten am Landtafelgute Eggen- 
burg der altertümliche Charakter des Gebäude- 
komplexes tunliehst gewahrt werde. Die Z. K. 
beschließt das Ansuchen der Gesellschaft nach- 
drücklichst zu unterstützen. 

Ref. Wäc mtler: Gegen die vorgelegten Skizzen 
für zwei neue Seitenaltäre in der Pfarrkirche 
zu Friedersbach beschließt die Z. K. nur dann 
keine Einwendung zu erheben, wenn eine weitere 
Verwendung der beiden Barockaltäre, die durch jene 
Altäre ersetzt werden sollen, ausgeschlossen i.st. 

Ref. W.ivcHTLEK : Mit dem Anbau einer Sakristei 
und eines darüber zu errichtenden Oratoriums bei 
der Pfarrkirclie in Neudorf bei Staatz erklärt 



27 



Sitzung vom lo. Februar 1905 



28 



sich die Z. K. aus ästhetischen Gründen nicht ein- 
verstanden. 

Ref. WächtlI'R: Gegen die Skizzen für die 
Innenbemalung- der Pfarrkirche in Piesting 
beschließt die Z. K. eine Einwendung nicht zu 
erheben. 

Ref. Zu.MBüSCH : Bauinspektor Schwarz berichtet, 
daß ein Grabdenkmal (Pietä mit reichgeglie- 
dertem Postamente aus dem XVIII. Jh.) auf dem 
Friedhofe in Pottendorf einer Restaurierung; 
bedürfe. Die Z. K. beschließt weitere Erhebungen 
zu pflegen. 

Ref. Riegl: Korrespondent Piciiler berichtet, 
daß die Demolierung eines alten, an das Fischer- 
tor in Stein anstoßenden Gebäudes zum Zwecke 
der Freilegung des dahinter befindlichen Platzes 
beabsichtigt sei. Die Z. K. beschließt auf die Stadt- 
gemeinde zugunsten der Erhaltung des Gebäudes 
einzuwirken. Mit Bedauern wird zur Kenntnis ge- 
nommen, daß bereits vor einigen Jahren beim 
Brückentor in Stein eine zierliche Bogenöffnung 
für Fußgänger demoliert wurde, um ein einziges 
weites Tor herzustellen. 

Ref. Deixingek: Korrespondent Pichler nahm 
als Delegierter der Z. K. zur Wahrung der h. a. 
Interessen an der politischen Begehung der projek- 
tierten Bahnlinie Krems — Grein teil und er- 
stattete folgenden Bericht: 

1. Von der Ausführung der Variante des 
Projektes, welche die Trasse der Bahn zwischen 
der Donau und der Stadt Stein führen will, wäre 
abzusehen, da hiedurch das altertümliche Stadtbild 
auf das empfindlichste geschädigt würde und hiebei 
auch voraussichtlich ein Turm der mittelalterlichen 
Stadtbefestigung demoliert werden müßte. Die bei 
Führung der Trasse an der Westseite der Stadt 
Stein zu entfernenden Bildstöckl u. dgl., nament- 
lich das bei der Steiner Brücke befindliche 
Sebastians -Wegkreuz, wären im Einvernehmen 
mit dem berufenen Konservator wieder aufzu- 
stellen. 

2. Die Beeinträchtigung der malerischen Grup- 
pierung des Ortes Förthof durch die Bahn, welche 
hinter dem alten Kirchlein vorübergehen wird, 
kann mangels einer anderweitig möglichen Legung 
der Trasse nur bedauernd zur Kenntnis genommen 
werden. 



3. Da die ursprünglich geplante Donaulinie 
bei Dürnstein gänzlich fallen gelassen wurde 
und die Bahn hier durch den Schloßberg geführt 
werden soll, bleibt das malerische Bild dieser Stadt 
durch den Bahnbau erfreulicherweise gänzlich 
intakt. 

4. Eine Führung der Bahn durch den Ort 
Weißenkirchen ist leider unvermeidlich. Hiemit 
ist bedauerlicherweise der Fall des Rathauses und 
des sich daranschließenden Bürgerspitales, die zwei 
beachtenswerte Höfe aus dem XVI. Jh. einschließen, 
verbunden. Bei ihrer Abtragung sollen erhaltungs- 
würdige Teile (profilierte Fenstergewände, Holz- 
plafonds u. dgl.) geschont werden, um deren Wieder- 
verwendung im Einvernehmen mit dem berufenen 
Konservator zu ermöglichen. 

5. Das Gesamtbild von St. Michael wird hin- 
sichtlich seines Felsenhintergrundes durch den 
Bahneinschnitt unvermeidlich beeinträchtigt. 

6. Gegen die Demolierung des Rathauses 
in Spitz ist Einsprache zu erheben und eine Ver- 
legung der Trasse vorzuschlagen, nach welcher 
die Bahn mitten durch den Hof des Rathauses 
zu führen sei, wodurch die Gebäude wenigstens 
im wesentlichen unberührt bleiben würden, wenn 
auch das malerische Gesamtbild eine Beeinträch- 
tigung erleiden müßte. 

7. In Aggsbach ist lediglich ein ebenerdiges 
bedeutungsloses Häuschen bedroht. 

8. Eine Beeinträchtigung von Weitenegg 
soll durch Führung der Trasse durch einen Tunnel 
vermieden werden. 

9. Um den nur wenige Meter von der Bahn- 
trasse entfernten mittelalterlichen Rundturm zu 
Sarmingstein nicht zu gefährden, erklärte sich die 
Bahnunternehmung auf Anregung des Korrespon- 
denten bereit, die den Witterungseinflüssen be- 
sonders ausgesetzten obersten Schichten des in Ab- 
bröckeln begriffenen Steinmaterials entsprechend 
zu sichern und diese Arbeiten im Einvernehmen 
mit dem berufenen Konservator durchzuführen. 
Der Turm wird von der Gemeinde ins Eigentum 
übernommen. 

Die Z. K. erklärt sicli mit diesem Bericht und 
den daran geknüpften Anträgen einverstanden, 
beschließt sich dafür nachdrücklich einzusetzen 
und dem Korrespondenten für seine eifrige Inter- 
vention Dank und Anerkennung auszusprechen. 



29 



Sitzung vom 10. Februar 1905 



30 



Ober-Österreich 

Ref. Wächtlek: Konservator Schmidel be- 
richtet, daß der Hof des .sogenannten Zuverumb- 
schen Hauses in Steyr (.Stadtplatz 14) in ent- 
sprechender Weise restauriert wurde. 

Salzburg 

Ref. Zl.\ibi;.si.ii: Konservator Ru.m.stokfer be- 
richtet, daß an dem aus dem XVII. Jh. stammenden 
Hauptijortale des Hauses Hofstallstraße Nr. i 
(jetzt Kaserne) in Salzburg die Gewändepfeiler 
ausgewechselt, die 50 ctn unter dem Terrain 
liegenden profilierten Basen der Pfeiler freigelegt 
und in ihren zerstörten Teilen erneuert werden 
sollen. Der Konservator empfiehlt weitere Siche- 
rungsarbeiten am oberen Teile des Portals, nament- 
lich an der darüber angebrachten Inschrifttafel. Die 
Z. K. erklärt sich hiemit einverstanden. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung der dem Maler Zeitblom 
zugeschriebenen Ölgemälde aus der Kirche in 
Großgmain eine Subvention im Höchstbetrage 
von 1420 A'. Von der Zusammenstellung der Bilder 
zu einem Flügelaltare sowie von der Verglasung 
der Bilder ist abzusehen. 

Steiermark 

Ref. Riegl: Konservator Wist berichtet über 
Wandmalereien an der südlichen Außenseite des 
Langhauses der Pfarrkirche St. Peter und Paul 
in Weitenstein. Sie dürften durch den Mörtel- 
bewurf stark beschädigt worden sein. Erkennbar 
sind derzeit ein Inschriftband, Reste eines Brust- 
bildes und einer Bordüre. Die Z. K. beschließt 
weitere Erhebungen zu pflegen. 

Tirol 

Ref. Riegl: Mit den Skizzen für die Glas- 
malereien im Langhause der Franziskaner- 
Hofkirche in Innsbruck erklärt sich die Z. K. 
einverstanden. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. gibt bekannt, 
daß es für die Erhaltung des Strohdaches auf 
der Casa rustica in Campo maggiore eine 
Staatssubvention nicht bewilligen könne. 

Ref Riegl: Über Antrag des Konservators 
DE C.\.\n'i beschließt die Z. K. sich für folgende 
Arbeiten an der Pfarrkirche S. Maria in Con- 



dino auszusprechen: Restaurierung des Vordaches 
über dem Portale, oder falls die.s unmöglich sein 
sollte, Herstellung eines neuen Vordaches in den 
einfachsten Formen, Ergänzung des schadhaften 
Verputzes, Belassung der Lisenen und Sockel in 
Natursteinfarbe, Ausfüllung der Fugen mit Weiß- 
kalkmörtel, Vornahme der not\vendig.sten Ergän- 
zungen am Gesim.se und Eindeckung desselben 
mit Eisenblech, Erneuerung der Fensterrahmen; 
die Färbelung hat zu unterbleiben. 

Ref Riegl: Aus dem vorgelegten Protokolle 
der Beratungen des Subkomitees- für die Rekon- 
struktion der Bögen und Zwergsäulengalerie 
am .südlichen Giebel des Domes in Trient er- 
sieht die Z. K. mit Befriedigung, daß bei den 
künftigen Arbeiten im allgemeinen nach den 
hieramts aufgestellten Direktiven vorgegangen 
werden soll. Bedauerlich bleibt, daß noch wider- 
standsfähiges Altes mit Rücksicht auf bereits 
fertiggestellte Ersatzarbeiten weichen mußte, so 
z. B. eine „nicht stilgemäße" Kreuzblume, weil 
eine andere solche an anderer Stelle schon früher 
beseitigt wurde. 

Ref Riegl: Korrespondent To.\rM.ASi berichtet, 
daß als Quaderstück in der Nordfassade der Dom- 
kirche zu Trient eingemauert das Fragment 
eines frühromanischen Reliefs aus weißem 
Marmor gefunden wurde, welches vermutlich zu 
der vor der Erbauung des jetzigen Domes da- 
selbst bestandenen Vigiliuskirche gehört haben 
dürfte. Der Korrespondent beantragt, daß dieser 
Stein sowie die anderen bei Restaurierung des 
Domes aufgefundenen Fragmente gesammelt 
und in einem eigenen Lokale aufgestellt werden. 
Die Z. K. erklärt dagegen keine Einwendung 
zu erheben. 

Ferner berichtet er über die Restaurierung 
der Zinnen und Bedachung des Castelletto unter 
Wahrung des alten Bestandes. 

Ref Riegl: Konservator Dannesberger be- 
richtet über die Baufälligkeit des obersten Teiles 
des neben der Friedhofkapelle von Vigo di 
Meano befindlichen Turmes. Die Z. K. beschließt 
einen Kostenüberschlag für die notwendigen Ar- 
beiten herstellen zu lassen. 

Ref Herm.vxn: Gegen die aus Kultusrück- 
sichten notwendige Erweiterung der Pfarrkirche 
in Welsberg beschließt die Z. K. im Prinzipe 



31 



Sitzung vom 24. Februar 1905 



keine Einwendung zu erheben, dagegen das vor- 
gelegte Projekt, abgesehen von ästhetischen Be- 
denken schon deswegen der Ausführung nicht zu 
empfehlen, weil es das notwendige Maß der Er- 
weiterung bedeutend überschreitet. Sie beantragt, 
das Schiff nach Westen um ein Gewölbejoch zu 
verlängern, von einem Umbau des Presbj'teriums 
jedoch abzusehen. Die projektierte Hauptfassade 
mit dem unverhältnismäßig reichen ornamentalen 
Schmucke erscheint weder im Einklänge mit der 
äußerlich sehr einfach gestalteten Architektur der 
Kirche, noch stehen ihre einzelnen Teile (das Portal, 
die Rustika und Stirngiebel) untereinander in Har- 
monie. Es wäre daher eine einfachere Lösung, 
vielleicht eine Xachbildung der jetzt bestehenden 
Hauptfa.ssade durchzuführen und aller architek- 
tonischer Aufputz an den Lisenen, Fensterumrah- 
mungen etc. sowie auch die ganz fremdartig wir- 
kende Rustizierung der unteren Partien am Äußern 
der Kirche zu vermeiden. 



Sitzung vom 24. Februar 1905 (4. .Sitzung der 
IL Sektion). 

Anwesende: Der Pr.4Sident (Vorsitzender) — 
Mitglieder: Deininger, v. Förster, Neumann, 
Neuwirth — Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines 

Ref NEüwmxH: Der fünfte Tag für Denkmal- 
pflege in Mainz hat den Beschluß gefaßt, daß die 
Wiederherstellung an einem Denkmal durch An- 
bringung der Jahreszahl und durch Zeichen, welche 
eine Unterscheidung der alten von den neuen 
Teilen ermöglichen, kenntlich gemacht werde. Die 
Art der Kennzeichnung wäre dem leitenden Künstler 
zu überlassen. 

Die Z. K. begrüßt diese Anregung vom .Stand- 
punkte der kunsthistorischen Forschung und wird 
sich dahin bemühen, daß die staatlichen Baube- 
hörden bei allen im staatlichen Auftrage oder unter 
.staatlicher Aufsicht erfolgenden Wiederherstellungs- 
arbeiten, an denen das kunsthi.storische Interesse 
überwiegt, solche Kennzeichen anbringen müssen. 

Die Z. K. lenkt auch die Aufmerk.samkeit ihrer 
Konservatoren auf diese Anregung. 



Böhmen 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. ordnet an, 
daß die Teile des ohne Genehmigung demolierten 
Hochaltares in der Laurentiusfilialkirche zu 
Cernowirka auf das sorgfältigste aufbewahrt und 
ein Restaurierungsprogramm vorgelegt werde. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. ordnet an, 
daß bei der Ausmalung der Wallfahrtskirche 
in Haindorf alles genau zu beachten ist, was sich 
in der Architektur dieser Kirche für Bildform und 
Dekorationsgliederung findet, und daß vor Durch- 
führung dieser Arbeiten eine genaue Darlegung 
über die Art und Weise, wie das große Altar- 
fresko in die Ausmalung einbezogen werden soll, 
der Z. K. vorgelegt werde. 

Ref. Neuwirth: Korrespondent Plahl berichtet, 
daß der Altar zu den 14 Nothelfern im Franzis- 
kanerkloster zu Kaaden restauriert und in 
einer Seitenkapelle des Klosters an einem trockenen 
lichten Orte aufgestellt wurde, so daß alle Bedin- 
gungen zu seiner ferneren Erhaltung gegeben sind. 

Ref Neuwirth: Der Abt des Stiftes Ossegg 
teilt mit, daß die Kirche in Klostergrab mit 
Wandgemälden geschmückt wurde und einen 
neuen Altar an Stelle des aus der Mitte des 
vorigen Jahrhunderts stammenden erhielt. Das Ge- 
mälde ,.Verurteilung Christi durch Pilatus" war 
ohne Vorwissen des Abtes nach Ossegg gebracht 
worden und wurde bereits über seinen Auftrag 
an dem fi-üheren Platze in der Kirche aufgestellt. 

Ref. Neumann: Korrespondent Ankert berichtet, 
daß die Johannesglocke der Pfarrkirche in Lobo- 
sitz gesprungen sei. Sie stammt aus dem Jahre 
1691, hat eine Inschrift und das Baden-Fürstenber- 
gische Doppelwappen, ferner einen Kruzifixus und 
die HH. Johannes und Paulus. Der Korrespondent 
beantragt, daß bei dem Umgusse die derzeitige In- 
schrift einbezog-en werde. Die Z. K. erklärt sich 
hiermit einverstanden. 

Ref Neuwirth: Das Pfarramt Luditz teilt mit, 
daß die beabsichtigte Entfernung des barocken 
Marienaltares auf den Widerstand der einhei- 
mischen Bevölkerung stößt. Der alte Altar, dessen 
Weiterverwendung nach dem Gutachten der Sach- 
verständigen außer Zweifel ist, bleibt daher um so 
mehr erhalten, als der zu seinem Ersätze bestimmte, 
im gotischen .Stile gehaltene Altar das Ensemble 
der Kirche empfindlich stören würde. 



33 



Sitzung vom 24. Februar 1905 



34 



Ref. Deininger: Die Z. K. spricht sich gegen 
das Projekt eines vollständigen Neubaues der Lud- 
millakirche in Meliiik aus. Was die in dem 
zweiten Projekte enthaltene Ersetzung der Decken- 
gewölbe durch eine flache Decke anbelangt, wird 
unter der Bedingung zugestimmt, daß die be- 
stehenden Gewölbe infolge Baufälligkeit nicht 
erhalten werden könnten. Das Schiffsdach soll 
genau nach den alten Formen erneuert, das Aus- 
brechen neuer und das Vergrößern der alten 
Fenster unterlassen werden. Der an die Kirche 
anstoßende Wirtschaftsbau endlich wäre ebenfalls 
zu erhalten. 

Ref. Nicumann: Konservator DvoftÄK. berichtet, 
daß die Gedenk- und Grabsteine der Maria 
Verkündigungskirche in Pardubitz gereinigt 
und in die Kirchenmauern eingelassen wurden. 

Ref. Neuwirth: Die Z. K. beschließt über 
Antrag des Konservators Äugst eine Restaurierung 
des Innern der Wallfahrtskirche in Ober- 
Po litz in Anregung zu bringen. 

Ref. Deininger: An dem Marienbrunnen 
am hl. Berge bei Pfibram wurden einige not- 
wendige Adaptierungsarbeiten durchgeführt, die 
daneben befindliche Marienkirche mit einen neuen 
Terrazzofußboden versehen; die Z. K. erklärt sich 
hie mit einverstanden. 

Ref. Deininger: Konservator SedläCek. berichtet^ 
daß die Restaurierung der Marienkirche auf dem 
hl. Berge bei Pfibram ohne .seine Ingerenz durch- 
geführt wurde und er daher nicht beurteilen könne, 
ob die Interessen der Denkmalpflege hiebei ge- 
wahrt worden seien. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung von sechs Altarbildern 
aus der Marienkirche in Sedletz eine Subven- 
tion von -joo K. 

Bukowina 

Ref. Riegl: Die k. k. Bukowinaer Landes- 
regierung teilt mit, daß nach einer vorgenommenen 
technischen Untersuchung des Holzdaches der 
Klosterkirche in .Suczawitza das Eindringen von 
Feuchtigkeit und Regenwa.sser gänzlich ausge- 
schlossen ist, aber gleichwohl die Herstellung einer 
feuersicheren und stilgerechten Bedachung in Au.s- 
sicht genommen wird. 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommisaion 1905 



Dalmatien 

Ref Neumann: Die Z. K. beschließt, die Ge- 
währung einer Staatssubvention von 800 K für die 
Fortsetzung der Grabungen auf der Glavica in 
Biograd zu befürworten. 

Galizien 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. ordnet Er- 
hebungen an über die bisher durchgeführten Re- 
staurierungen von Gemälden im kirchlichen 
Kunstmuseum zu Tarnöw, über weitere an den 
Bildern vorzunehmende Sicherungsarbeiten, endlich 
über die Art der Aufstellung der Bilder in den 
Räumen des Museums. 

Küstenlande 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. ordnet die 
Flü-ssigmachung der für die Bloßlegung der Wand- 
malereien in der Domsakristei zu Görz be- 
willigten Subvention von 180 A' an. 

Mähren 

Ref. Riegl: Die Z. K. erklärt sich mit dem 
vorgelegten Kostenüberschlage für die Wieder- 
herstellung des Dominikanerkreuzganges in 
Brunn und dessen Einrichtung zu einem Lapi- 
darium einverstanden. Da die Gemeinde Brunn 
von den auf 15.000 K bezifferten Ko.sten nur 
5000 K aufbringen zu können erklärt, beschließt 
die Z. K., sich wegen Erwirkung einer Staats- 
und Landessubvention für den Restbetrag zu ver- 
wenden. 

Ref. Houdek: An dem für Museumszwecke 
bestimmten Gebäude am Franz Josefsplatze 
in Proßnitz sind folgende Adaptierungsarbeiten 
in Aussicht genommen: Die Umfassungsmauer 
soll auf der Fassadenseite sowie auf der zweiten, 
dem Ringplatze zugekehrten Seite eine Attika 
erhalten; die letztgenannte Seite soll im ersten 
Stock mit einer gleichen Attika versehen werden 
wie sich eine solche auf der Fassadenseite bereits 
befindet; im Innern des Gebäudes sollen einige 
Quermauern abgetragen werden, um größere Räume 
für die Sammlungen und Platz für ein geräumiges 
Stiegenhaus zu gewinnen; endlich soll statt des 
Dachbodenraumes ein zweites Stockwerk mit Ober- 
licht ohne Dach errichtet werden. Da durch dieses 
Projekt der alte Bestand in fast unkenntlicher Weise 

3 



55 



Sitzung vom j. März 190J 



3Ö 



entstellt und der anspruchslose Bau in ein unter- 
geordnetes Verhältnis zu den dominierenden Neu- 
herstellungen gelangen würde, beschließt die Z. K., 
sich gegen die Veränderungen in der äußeren 
Gestaltung auszusprechen. 

Nieder-Österreich 

Ref. Riegl: Maler Viertelp.erger teilt mit, 
daß sich an der rechten Abschlußwand des Chores 
der Minoritenkirche in Wien unter der Tünche 
Spuren von Mauermalereien in Tempera oder Leim- 
farben aus dem Ende des XVII. Jh. vorfanden, 
die größtenteils schon in früherer Zeit infolge 
mechanischer Eingriffe verloren gegangen sind. 
Er schlägt die Konservierung der Malereien (links 
eine Halbfigur des hl. Franziskus, rechts der Kopf 
eines hl. Mönche.s) und die Umgebung mit Ab- 
schlußlinien vor; die Z. K. erklärt sich hiemit 
einverstanden und bewilligt den für diese Arbeiten 
erforderlichen Betrag von 80 A'. 

Ref Ru:gl: Konservator Endi. berichtet, daß 
eine Färbelung des Innern der Wallfahrtskirche 
zu Maria-Dreieichen in Aussicht genommen 
sei; die Z. K. beschließt, weitere Erhebungen zu 
pflegen. 

Ober-Österreich 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
das Projekt für die Restaurierung der Wolfgangs- 
kirche in St. Wolfgang unter Berücksichtigung 
der von der Z. K. gemachten Vorschläge und 
ordnet die photographische Aufnahme der Decken- 
malereien im unrestaurierten Zustande an. 

Steiermark 

Ref. Luschin teilt mit, daß der bestandene 
Plan einer Erweiterung der Kirche St. Anton in 
den windischen Büheln aufgegeben wurde, und 
an deren Stelle lediglich die Vornahme von Er- 
haltungsarbeiten in Aussicht genommen ist. Diese 
beziehen sich auf die Herstellung des Daches, die 
Ausfüllung der Fugen am Gewölbe, Ausbesserung 
des steinernen Türgewändes vom Turme zum Dach- 
stuhl, Restaurierung und Befestigung der Jalou.sien 
der Turmschallöffnungen und Ausbes.serung der 
obersten Stiegen mauer des Turmes; die Z. K. er- 
klärt sich hiemit einverstanden. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt zur 
Erwerbung des im Stifte Seckau aufbewahrten 



Orgelgehäuses für das Landesmuseum Joanneum 
eine Staatssubvention von 2500 A'. 

Tirol 

Das k. k. Mini-sterium i. K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung der Wandmalereien in 
der St. Helenakirche zu Deutschnofen eine 
Subvention von 1730 A'. 

Ref. Riegl: Konservator D.vnnesherger be- 
richtet, daß er für die Erhaltung des Cristoforo- 
kirchleins am Caldonazzosee (Gemeinde Ischia) 
folgende Anträge gestellt habe, welche die 
Billigung des kirchlichen Verwesers gefunden 
haben: Wiederherstellung der gotischen Tür am 
Turm mit Benutzung der vorhandenen Reste; 
Verstopfung der Löcher im Mauerwerke des 
Schiffes und Chores, Schließung der aus späterer 
Zeit herrührenden Offnungen und Ausbesserung 
des Daches; die Z. K. erklärt sich hiemit einver- 
standen. 

Ref Riegl: Die Z. K. bringt die Gewährung 
einer Staatssubvention von 4000 K für die bau- 
lichen Herstellungsarbeiten am Castell Stenico 
in Antrag. 

Ref. Riegl: Korrespondent Sirer berichtet, 
daß er die Restaurierung der Wandmalerei in 
der Silvesterkirche auf der Winnebacher 
Alpe durchgeführt habe. Der über seinen Vor- 
schlag angelegte Entfeuchtungskanal hat sich vor- 
züglich bewährt. Über unbesiegbaren Widerstand 
des geistlichen Verwe.sers mußten an den Fehl- 
stellen Ergänzung^en vorgenommen werden. Der 
Originalbestand wurde genau aufgenommen. 



Sitzung vom 3. März 1905 (2. Sitzung der I. Sek- 
tion). 

Anwesende: Der Präsident (Vorsitzender). — 
Mitglieder: Kenner, Kuiutschek, Neumann, 
Reisch. Konservatoren: Hoernes, Szombathy. 
— Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines 

Ref Hoernes: Korrespondent To.miuc legt die 
Abbildung zweier aus Rumänien stammender 
Bronzefundevor: eine junghallstättische sogenannte 
Armbrustfibel (etwa 500 v. Chr.), aber so schlecht 



37 



Sitzung vom 3. März 1905 



38 



erhalten, daß ihre Form nicht weiter bestimmbar 
ist; zweitens eine (ungefähr gleichzeitige) Pfeil- 
spitze mit einem Widerhaken an der Tülle, wie 
sich solclie in der sogenannten iiral-altaischen 
Bronzezeit Osteuropas, und zwar in Finnland und 
Ostru(31and, vorfinden. 

Krain 

Ref. Szombathy: Die Z. K. beantragt eine 
Subvention von 500 K an Bartholomäus PeCnik 
zur Durchführung vorgeschichtlicher Gra- 
bungen in Krain im Jahre 1905. 

Ref. Szombathy: Kustos Dr. Waltkr S.mid teilt 
mit, daß er die Leitung des krainischen Landes- 
museums übernommen habe. 

Küstenlande 

Konservator Gxirs berichtet, daß in der Nähe 
von Ciubani (an der Straße zwischen Valle und 
Rovigno, zwischen Monte Leme Kote 124 und 
Monpalero Kote 1 36) bei Anlage eines Weingartens 
beachtenswerte Antiken gefunden worden sind, 
darunter namentlich die Bronzestatuette eines 
Herkules, kleine Bronzealtärchen, Beinschienen, 
Fibeln, Waffenreste, römische Münzen aus der Zeit 
der Republik und sehr viel keramisches Material. 
Die Funde wurden zersplittert. Die Z. K. beschließt 
eine Sicherung der Funde einzuleiten. 

Ref. Szombathy: Die Z. K. bewilligt dem 
Korrespondenten Moser eine Subvention von 
50 K für Versuchsgrabungen auf der Lokalität 
Martinisce nördlich von Sutta nächst Komen. 

Ref. Reisch: Konservator Puschi legt eine 
gedruckte Abhandlung vor: „Sepolcreto di tipo 
Atestino di Nesazio nell' Istria." 

Ref. Kubitschek: Konservator Gnirs legt ein 
Manuskript „Zur Topographie des antiken Pola" 
vor, das sich auf Grabungen des Jahres 1873 im 
Nordosteck der römischen Stadtbefestigung (an- 
läßlich des Baues der Anlage der Infanterie- und 
Artilleriekaserne) bezieht. 

Ober-Österreich 

Ref. Kubttschek: Konservator Schmidel be- 
richtet über die Aufdeckung der Fundamente 
eines römischen Turmes auf einem Acker bei 
Lorch, am rechten Ufer des Kristeinerbaches 
zwischen der Lorcher und der Teichenhauser 



Mühle. Das innere Viereck zeigt Dimensionen von 
6'90 X 760 /». Die Mauer ist 73 bis 80 c;» stark 
und besteht aus einer Rollschichte von mittel- 
großen Kieseln und Mörtel. Dieses innere Mauer- 
quadrat wird von einer (an der Ostseite y^\ in, 
an der Westseite 235 ;;/, an der Nordseite 3 in 
entfernten) Mauer umgeben; diese äußere Mauer 
war an der Ostseite 66 cm dick; an der Südseite 
konnte sie nicht verfolgt werden. Gefunden wurden 
Tierknochen, Fragmente von Imbrices (eines mit 
LEG . . .), ein Ziegel mit L E C I I I T A L, eine 
Kleinbronzemünze des Kaisers Constans I Cohe.n^ 
176 und .Scherben von Terra sigillata. 200 Schritte 
von der Ostseite des Turmes entfernt zieht die 
römische Straße gegen Einsiedeln vorbei, an der 
mehrere Sarkophage gefunden worden sind. 

Ref. HoERNEs: Konservator Schmidel hat bei 
seinen Grabungen auf der Hühnerleiten bei 
Obergründberg in einer Tiefe von etwa i m 
einige menschliche Knochen und schwarze Scher- 
ben zerstreut gefunden. 

Korrespondent Münsterberg berichtet über 
den Münzfund von Oberhofen bei Vöcklabruck. 
Er enthält gegen 3000 Münzen des XIV. und 
XV. Jh., fast ausschließlich österreichischer und 
bayrischer Herkunft. Am zahlreichsten sind die 
Pfennige mit den Wappen von München und' 
Otting, dann die österreichischen Pfennige des 
Herzogs Albrecht V und seiner Zeit vertreten. 
Da die jüngsten österreichischen Münzen, die sich 
mit Sicherheit bestimmen lassen, Albrecht V an- 
gehören, dürfte der Schatz unter dessen Regierung 
(141 1 bis 1439) geborgen -worden sein. Seiner Zu- 
sammensetzung nach ist er dem Fund von Edelsthal 
bei Preßburg (vgl. Monatsblatt der numismatischen 
Gesellschaft 1904 S. 193) verwandt; nur enthält 
er außerdem drei ungarische Dukaten des Königs 
Sigismund, einige böhmische Groschen und Etsch- 
kreuzer, Pfennige von Salzburg, Augsburg und 
Passau sowie eine größere Mannigfaltigkeit von 
älteren Wiener Pfennigen. Der Fund als solcher 
ist numismatisch wohl nur von geringer Bedeutung; 
als Seltenheit erscheint bloß der Pfennig des Erz- 
bischofs Pilgrim von Passau bemerkenswert. 

Ref. Kubitschek; Konservator Schmidel be- 
richtet, daß im August 1903 von einem Touristen 
auf dem Huterer- und Schaf boden im Stodergebiete 
in der Höhe von 1 500 tn eine vorrömische Bronze- 

i* 



39 



Vorgeschichtliche Funde aus Innerösterreich 



40 



Dolchklinge gefunden worden sei; sie sei in das 
Linzer Museum gelangt. 

Steiermark 
Ref. Kl- BiTSCHEK : Gymnasi allehrer Dr. PiscHiNGEK 
legt ein Manuskript vor: ^Archäologisclie Studien 
auf dem Gebiete von Poetovio". 

Tirol 

Ref. HoERNEs: Korrespondent Menghin legt 
einen Bericht über die von ihm im vergangenen 
Sommer in St. Hippolyt bei Tisens gemachten 
vorgeschichtlichen Funde vor. Dies ist eine 
schon bekannte prähistorische Wohnstätte mit 
relativ geringfügigen Funden aus verschiedenen 
Zeiten. Die Funde wurden dem städtischen Museum 
in Meran überlassen. 

Ref. Szombathy: Konservator de Cobelli be- 
richtet über einen (zufällig gewonnenen) Depot- 
fund von sieben lorbeerblattförmigen Feuerstein- 
spitzen bei Isera (Gerichtsbezirk Nogaredo). Die 
7-7 bis 1 1 cm langen, schön bearbeiteten Lamellen 
waren in einer Tiefe von 0-5 in in einer Gruppe 
beisammen gelegen. Sechs Fundstücke kamen in 
das städtische Museum in Rovereto, das siebente 
wurde zerbrochen. Die Nachforschungen des 
Konservators ergaben, daß es sich um einen ganz 
isolierten Depotfund handelt und daß in der 
Nachbarschaft der Fundstelle keine Anzeichen 
einer neolithischen Ansiedlung zu finden sind. 

Ref HoERNEs: Konservator de Campi legt ein 
Exemplar seiner Druckschrift: „Rinv'enimenti 
preistorici, romani e medioevali nella Naunia" vor. 



Vorgeschichtliche Funde aus 
Innerösterreich 

I. Der Bronzedepotfund von Wöllersdorf 
(Hiezu Tafel I) 

Auf der mit dem Flurnamen „Die Burg- 
stetten-* belehnten felsigen Anhöhe unmittelbar 
südlich von Wöllersdorf bei Wr .-Neustadt, ganz 
nahe ober dem großen Wöllersdorfer Steinbruche, 
wurde im Jahre 1900 in dem damals der Witwe 
Brücküoser gehörigen Walde beim Steinsprengen 
unter einem Felsblocke ein kleines prähistorisches 
Depot entdeckt, von welchem der Finder Georg 



Bruckmoser 3-5 k^^ Bronzen aufsammelte und 
dem Kaufmanne Diry in Wöllersdorf überließ. 
Nähere Fundumstände oder Spuren von etwa 
anderswohin zerstreuten Teilen des Fundes sind 
nicht zu erfragen. Durch Herrn Musikschuldirektor 
Josef Stiassnv auf den Fund aufmerksam ge- 
macht, fand ich Herrn Diry ohne Umstände bereit, 
die alten Bronzen, die er 3 Jahre lang in Ver- 
wahrung gehalten hatte, dem k. k. Hofmuseum zu 
überlassen. 

Der Fund enthält 61 meist fragmentierte und 
auch an den Bruchstellen grün patinierte, also 
schon von altersher gebrochene Einzelstücke. 
Seine größere Hälfte, nämlich ^^ Stücke, rührt 
von Sicheln, das übrige von Waffen, Werkzeugen, 
Schmucksachen usw. her. Die in der folgenden 
Aufzählung angemerkten Nummern sind die In- 
ventarnummern der prähistorischen Sammlung 
des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. 

Von den Sicheln sind zwei Typen vertreten: 
I. Derbe Ackersicheln mit gerader Griff- 
zunge, 29 Fragmente (Nr. 37392, 93, 94 und 97, 
Abb. I bis 17, 19 bis 29). Die Sichelklinge ist im 
allgemeinen ziemlich breit, mäßig gekrümmt, am 
Rücken mit einem oder mehreren Leistchen ver- 
stärkt. Die Griffzunge ist — wie die Abbildungen 
zeigen — in verschiedener Weise durch schlanke 
Längsrippen verstärkt. Es gibt deren meist drei, 
glatt oder gekerbt, die mittlere einfach, gegabelt 
oder winkelförmig, mit kleinen Querstegen etc., 
Verschiedenheiten, die gewiß vielfach auf den 
Geschmack der Abnehmer zurückzuführen sind 
und vielleicht von einzelnen Erzeugungsstätten 
(wie heutzutage die einzelnen Sichel- und Sensen- 
marken) besonders gepflegt wurden. Die Verstär- 
kungen sind bei diesen Sicheln naturgemäß immer 
nur einseitig angebracht, und zwar, wenn man die 
Sichel mit der rechten Hand führt, an der Ober- 
seite. Das erlaubte eine wesentliche Vereinfachung 
der Gußtechnik, indem nur die eine Hälfte der 
zweiteiligen Sichelgußform zu modellieren war, 
während die zweite ganz flach blieb. Eine feinere 
Bearbeitung erfuhr die Ware nicht. Selbst der 
Gußzapfen an der Griffzunge wurde, da er auch 
zur Befestigung behilflich sein konnte, in der 
Regel nicht weggenommen. An den meisten 
Stücken sind starke Abnutzungsspuren zu be- 
merken (siehe z. B. Abb. i. 7. 12. 16. 24. 25 u. a.). 



Mrn'EII.UNGEN DKK K. K. ZEXTRAT.- Kl«t\tISSIOX IV 1905 




*7 *« 



BROXZEDliPOTl'UXn VON W OLI-ERSDOR F 
iVs n. Gr.) 



41 



Vorgeschichtliche Funde aus Innerösterreich 



42 



2. Schlanke Sichelmesser (Knopfsicheln), 
4 Stücke (Nr. 37395 — 96, Abb. 32 bis 35), ohne 
Griffzunge, nur mit einem seitwärts abstehenden 
Knopfe am hinteren Ende, mit dessen Hilfe allein 
die Befestigung am Griffe erfolgte. 

Von anderen Gegenständen sind anzuführen: 

3. Kleines Lappen heil (Nr. 37399, Abb. 30), 
■j-gcm lang. Das Stück ist charakterisiert durch 
eine schlanke Klinge, welche schmäler ist als der 
Schäftungsteil, durch kurze, abgerundete, drei- 
seitige Schaftlappen, welche nahe ober der Längen- 
mitte des Beiles sitzen (das ober den Lappen 
hinausragende Beilstück ist weggebrochen) und 
durch eine querlaufende, gerade Rast, welche den 
Schaftteil gegen die Klinge besonders abgrenzt 
und zur Festigung des Schaftes wesentlich beiträgt. 

4. Bruchstück (Schneidenteil) eines größeren 
Beiles (Nr. 37398, Abb. 18), 6-i cm lang. 

5. Kleines Tüllenbeil mit Öhr (Nr. 37400, 
Abb. 31), -j-dcm lang. 

6. Gerades, spitzes Messer mit einfach ge- 
krümmtem Rücken und flacher Griffzunge, von 
der ein Stück abgebrochen ist (Nr. 37401, Abb. 49), 
9'5 cm lang. 

7. Vier Bruchstücke eines Bronzeschwertes 
(Nr. 37403, Abb. 46 bis 48), nicht aneinander 
passend, aber allem Anscheine nach von ein und 
demselben Waffenstücke herrührend. Gesamtlänge 
307 cm. Es war ein langes, schmales Schwert 
(größte Breite 3-4 cm ) mit nahezu parallelen Rän- 
dern und einer flachen und sehr breiten Mittel- 
rippe. Die breite Griffzunge, die nahe ober dem 
Ansätze abgebrochen ist, war schmal gerändert. 
Von den zur Annietung der Griffschale vor- 
gesehenen Löchern ist seltsamerweise eines (auf 
der Abbildung rechts oben) nicht ganz durch- 
gebohrt. Das Schwert zeigt vollkommen den 
Typus des Schwertes aus dem kyklopischen Haus 
auf der Akropolis von Mykenae, der von Ägypten 
bis Skandinavien verbreitet ist und dem Ende des 
n. Jahrtausends v. Chr. zugerechnet wird (Naue, 
vorröm. Schwerter, Typus II). 

8. Fragment einer bandförmigen, an beiden 
Rändern fein gezähnten Säge (Nr. 37402, Abb. 50), 
8 cm lang, 2'6 cm breit. 

9. Gürtelglied (Nr. 37405, Abb. 36). Ein 
rechtwinkliges, I2"5 cm langes, 37 cm breites Blech 
hat an einer seiner Schmalseiten 3 schmale, band- 



förmige Fortsätze (0-5 cm breit, 55 cm lang) und 
an der andern Schmalseite eine kleine leisten- 
förmige Verdickung mit drei in der I^ngsrichtung 
verlaufenden Löchern, in welche die Fortsätze 
eines zweiten Gliedes eingeschoben werden können. 
Verziert ist das Blech mit einer feinen Gravierung, 
welche drei schmale Querbänder mit Fischgräten- 
muster und zwei Längslinien bildet. Das Blech war 
zusammengebogen und ist nun entzweigebrochen, 
die Fortsätze .sind verkrümmt und teilweise abge- 
brochen. — Mir ist kein zweiter Fund einer der- 
artigen Gürtelkette erinnerlich. 

1 0. Bruchstück eines halbmondförmigen Blech- 
schildchens (Nr. 37404, Abb. 38), 9 cm lang, 
5-5 citi breit. Die Mitte ein wenig erhöht, am 
Rande fünf unregelmäßige Löcher und in einem 
derselben ein Bronzedrahtringel. 

11. Zwei gegossene runde Zierscheiben 
(Nr. 37406. 37407, Abb. 37 und 44) von 47 ;;/ und 
6 cm Durchmesser. Mit drei konzentrischen Ab- 
stufungen der oberen Fläche. Unten zwei Bügel- 
chen zum Durchziehen eines Riemens. 

12. Runde Blechscheibe (Nr. 37408, Abb. 54) 
von 5'o cm Durchmesser, schwach gewölbt, mit 
einem Loch für den Befestigungsnagel. 

13. Zwei quergerippte Blechröhrchen 
(Nr. 37409, Abb. 52 und 53), 5 cm lang, 1-3 cm breit. 
Vermutlich als Besatz von Riemen verwendet. 

14. Bruchstück eines rinnenförmig gehöhlten, 
quergerippten Armreifchens (Nr. 37410, Abb. 43), 
f) cm lang, i-3 cm breit. 

1 5. Zwei Bruchstücke eines sauber gearbeiteten, 
gedrehten offenen Halsreifens mit kleinen End- 
öhren, 0-5 cm dick (Nr. 3741 1, Abb. 41 . 

ift. Kopf einer Schmucknadel (Nr. 37414, 
Abb. 51) mit kleiner Kopfscheibe und kurzem 
zj'lindrisch verdicktem Halse, der mit feinen Reif- 
chen und Zickzackschraffen verziert ist, 5^3 cm lang. 

17. Spitzes Endstück einer größeren Nadel 
(Nr. 37413, Abb. 42). 

18. Fragment eines Rundstabes (Nr. 37412, 
Abb. 40), 10-43 ^""' l^"?! 07 cm dick, mit schrägen 
Schraffen. Vielleicht ein Teil eines Halsreifens. 

1 9. Bruchstück eines gekrümmten, rhombischen 
Stabes (Nr. 37416, Abb. 39), r6 cm breit, 1 7 cm lang. 
Wahrscheinlich ein Bruchstück einer großen unga- 
rischen Armberge. 



43 



Vorgeschichtliche Funde aus Innerösterreich 



44 



20. Verdrücktes Blechfragment (Nr. 37415- 
Abb. 45). 

21. Zwei Bruchstücke von Gußkuchen 
(_\r. 37417). Die Substanz des einen (Abb. 55) ist 
zinnreich, gelb, die des andern (Fig. 50) zinnarm, 
rötlich. 

Die Sammelerzfunde ähnlicher Zusammen- 
setzung, welche so häufig sind, dal3 P. Reinecke') 
in einer Übersicht nicht weniger als 14 aus Steier- 
mark, Kärnten und Krain anführen konnte, werden 
von dem genannten Autor als Vertreter der Über- 
gangsstufe vom Bronze- zum Eisenalter in An- 
spruch genommen und den frühesten Abschnitten 
der Hallstattperiode, welche der ältesten Phase 
der Villanovazeit in Italien entspricht, zugeschrie- 
ben. HoERNES^ zieht es vor, diese Stufe noch in 
der Bronzeperiode unterzubringen. So halte ich es 
auch in der prähistorischen Sammlung des 
k. k. nat-hist. Hofmuseums. An der absoluten 
Datierung — letztes Viertel des IL Jahrtausends 
V. Chr. — ändert diese Divergenz in der Nomen- 
klatur nichts. 

II. Andere Bronzedepotfunde 

Sierndorf, Gerichtsbezirk Stockerau, Nieder- 
österreich. Der Besitzer Josef Weissmeier in Siern- 
dorf Nr. 44 fand im Herbste 1904 im Hausgarten 
beim Ausgraben eines Baumes in beiläufig 70 cm 
Tiefe ein Depot von 88 Stück Bronzebügeln 
(MucH, Wandtafel vor- und fi-ühgeschichtl. Denkm., 
Bronzezeit 17), die ohne jegliche Umhüllung zu 
einem zweireihigen Packet zusammengelegt waren. 
82 Stück dieses Fundes wurden von der prähisto- 
rischen Sammlung des k. k. nat.-hist. Hofmuseums 
erworben, der Rest an einzelne Liebhaber ab- 
gegeben. 

Mond See, Ober-Österreich. Auf dem Ab- 
hänge des Mondseeberges, etwa 1000 Schritte NO 
von Mondsee, wurde im Sommer 1904 ein kleines 
Bronzebügeldepot ausgegraben. Vier ganze und 
fünf fi-agmentierte Bügel, wahrscheinlich die 
Hauptmasse des Fundes, wurde durch den Uhr- 
macher Karl Hager in Mondsee aufgesammelt 
und von diesem infolge der freundlichen, dankens- 

') Keinecke, Brandgräber vom Beginne der Hallstatt- 
zeit, Nütt. Anthrop. G. Wien, XXX 44. 

-) HcERNES, Die älteste Bronzezeit in Niederösterreich, 
Jahrbuch Z. K. I (1903) 1. 



werten Bemühungen des Herrn Dr. Franz Angerer 
in Wien an die prähistorische Sammlung des 
k. k. nat.-hist. Hofmuseums abgetreten. 

III. Steinbeile und andere neolithische Funde aus 
Nieder-Üsterreich 

K r u m b a c h, Gerichtsbezirk Kirchschlag. 
Durchbohrter Serpentinhammer mit abgerundetem 
und etwas verschmälertem Kopfteil, mehrfach ab- 
geschlagen, ir5t-;;; lang. Von Oberlehrer Franz 
HoLLERWöGER durch Vermittlung der Z. K. an die 
prähistorische Sammlung des k. k. nat-hist. Hof- 
museums (Nr. 38359) abgetreten. 

Durchbohrter Serpentinhammer, dick, abge- 
rundet, 107 an lang, gut erhalten. Gefunden' in 
der Rotte „Feichten" in der Nähe des Schlosses 
Krumbach. Im Besitze des Herrn Oberlehrers 
Hollerwöger. 

Loosdorfbei Melk. Steinbeil mit schiefer 
Schneide aus hartem, fleckigem Serpentin, 1 1 -5 cm 
lang, 57 cm breit, 31 cm dick. Fundstelle die 
zirka einen Kilometer NNO von Loosdorf ge- 
legene niedere Anhöhe, Spezialkartenkote 284, wo 
das Beil beim Grundausheben für eine neue Ka- 
pelle zutage gekommen sein soll. Privatbesitz von 
Prof. Dr. Roman Hödl in Wien, dem ich die 
Fundnachricht verdanke. 

Klosterneubur g, Kaiser Franz Josefstraße. 
Bruchstück eines Flachbeiles aus schwarzgrauem 
Schiefer, 4-8 cm lang, 47 on breit, und ein horn- 
förmiger Henkel mit vertikaler Durchbohrung, 
von einem großen schwärzlichen Gefäße. Beide aus 
einer Kulturschichte, die gelegentlich eines Haus- 
baues abgegraben wurde. Gesammelt und der 
prähistorischen Sammlung des k. k. nat.-hist. Hof- 
museums geschenkt durch Herrn Regierungsrat 
Dr. K. DoMANiG (Nr. 38360 und 38361). 

Nieder-Schleinz, Gerichtsbezirk Ravels- 
bach. Kleines Flachbeilchen aus hartem, schwarz- 
grauem Amphibolit, 5-5 cm lang, 4 cm breit, mit 
ganz rundlich abgestumpftem Schneideteil. Eigent- 
lich nicht als Beil, sondern als Hämmerchen zu 
deuten. Geschenk des k. k. Weinbauinspektors 
Karl Katschthaler in Mistelbach an die prähisto- 
rische Sammlung des k. k. nat.-hist. Hofmuseums 

(Nr. 38357). 

Nödersdorf, Gerichtsbezirk Hörn. Schlankes, 
I keilförmiges Steinbeil aus hellgrauem Amphiboüt, 



45 



Vorgeschichtliche Funde aus Innerösterreich 



46 



13 cm lang, 4 cm breit, 3-5 cm dick, mit einer an- 
gefangenen ringförmigen Bohrrinne am oberen 
Ende. Wahrscheinlich das Bruchstück eines be- 
sonders langen durchbohrten Hammers, dessen 
Nachbohrung beg-onnen, aber nicht lohnend be- 
funden wurde, und das dann als Flachbeil geschäftet 
wurde. Prähistorische Sammlung des k. k. nat.-hist. 
Hofmuseums (Nr. 38359). 



Bronzebeile gefunden worden, die alle der jüngeren 
Bronzezeit angehören. Es ist niclit unwahrschein- 
lich, daß sie ursprünglich an einer und derselben 
Fundstelle (vielleicht einem Depot) beisammen 
gelegen sind und von dieser durch die Tätigkeit 
des reißenden Flußes über eine kleine Talstrecke 
verstreut worden sind. Bis jetzt sind 9 Lappen- 
beile und ein wahrscheinlich auch hieher gehöriger 




Fig. 2 Bronzebeile aus der nordwestlichen Steiermark und aus Ober-Österreich (',3 n. Gr.) 



IV'. Bronzebeile aus dem nordwestlichen Steier- 
mark und aus Ober-Österreich 
(Hiezu Fig. 2) 

Kainisch bei Aussee. Im Tale der Kainisch- 
Traun, zwischen der äußeren und der unteren 
Kainisch, sind seit dem Baue der Eisenbahn ge- 
legentlich der verschiedenen Dammrekonstruktions- 
arbeiten nach und nach mindestens ein Dutzend 



Bronzemeißel in die prähistorische Sammlung des 
k. k. nat.-hist. Hofinuseums gelangt. Ich zähle sie 
in der Reihenfolge der Erwerbung auf. 

Nr. 2192 (1878) Koppental 300»« oberhalb des 
großen Schneegraben.s, auf dem rechten Traun- 
ufer, Lage etwa 7»/ tief im Tegel, beiläufig 1-5 m 
über dem Wasserspiegel. Lappenbeil mit mittel- 
ständigen Lappen, die Klinge verschmälert mit 



47 



Zu römischen Inschriften von Calavino und von Salona 



48 



fast gerader Schneide, die Lappen kurz und breit, 
der obere Rand der Bahn rechtwinkelig einge- 
schnitten, Patina bräunlich grün, mit sehr deut- 
lichen Spuren der Abscheuerung durch Flußge- 
schiebe. Länge 1 7 cm. 

Nr. 28213 (1895). Tal der Kainisch-Traun, ca. 
4 Kilometer oberhalb des Bahnhofes Aussee, ge- 
sammelt durch Bergrat August Aigner. Ein großes 
schweres Stück, dem vorigen ähnlich, jedoch am 
oberen Ende geradrandig; 20 cm lang. Nicht ab- 
gerollt, jedoch fast ganz ohne Patina. Am oberen 
Ende der Bahn auf einer Seite eine aus zwei 
Punkten und zwei sie verbindenden Linien ge- 
bildete Marke. 

Nr. 28214, mit dem vorigen Stücke zugleich 
eingeliefert und angeblich mit ihm zugleich gefun- 
den, kleines Lappenbeil mit schmalen und langen 
mittelständigen Lappen und einem trapezförmigen 
Ausschnitte am oberen Ende der relativ langen 
Bahn. 12 cm lang mit einer dünnen glatten Schichte 
von bräunlich grüner Patina. 

Nr. 32772 (1897), Wasenbrücke in derKainisch. 
Ein im Typus mit Nr. 2192 übereinstimmendes 
Lappenbeil, dessen oberes Bahnende im Gusse 
(etwa zur Ersparung von Gußmetall) weggeblieben 
ist, so daß die Schaftlappen endständig werden, 
ohne dadurch dem Typus der späteren hall- 
stättischen Lappenbeile zuzufallen. Länge 14 cm. 
Die grüne Patina fast gänzlich durch Abrollung 
beseitigt. 

Nr. 35607 (1900), Kainischbach, bei dem Bahn- 
wächterhause nahe der Wasnerbrücke. Mit noch 
zwei gleichen Stücken zusammen gefunden im Jahre 
1874, gesammelt durch Bergrat Aug. Aigner. 
Großes, schweres Lappenbeil mit mittelständig^en 
Schaftlappen und rechteckigem Ausschnitte am 
oberen Ende der Bahnlänge 187 cm. 

Nr. 38786 — 38789, vier mit Nr. 32772 ähnliche 
Lappenbeile, die in den Jahren 1903 und 1904 im 
Kainischtale, ca. 180 m unterhalb der Wasnerbrücke 
gefunden wurden. Ein fünftes, 1904 an der- 
selben Stelle gefundenes Beil befindet sich noch 
in. der Verwahrung des Ingenieurs Dr. Löscher 
in Aussee. 

Wegen der großen Ähnlichkeit der bräunlich- 
grünen Patina mit der Patina einiger der ange- 
führten Lappenbeile darf wohl ein Fundstück mit 



dem bloßen Vermerk „Aussee" vom Jahre 1870 
als möglicherweise hieher gehörig angeführt wer- 
den. Es ist ein Bronzemeißel mit blattförmig-er 
Klinge und achtseitigem Stiel, 19 on lang. Die 
Spitze abgebrochen. Aus dem k. und k. Münz- und 
Antikenkabinett in die prähistorische Sammlung 
übernommen, Nr. 34832. 

Saarstein bei Aussee. Nr. 37632, Bronze- 
meißel mit blattförmiger Klinge und achtseiti- 
gem Stiel, dem vorigen sehr ähnlich, 2 15 cm 
lang. Im Jahre 1902 durch Franz Schenker ge- 
sammelt. 

Landfriedal m bei Aussee. Nr. 38790, 
Lappenbeil von der Form des Nr. 32772, mit 
dem Habitus der Lappenbeile der jüngeren Bronze- 
zeit, jedoch mit Hinweglassung des oberen Bahn- 
stückes, 13-7 cm lang. Eine gewisse Abscheuerung 
und die dunkelbraungrüne Patina machen das 
Stück vollends den Funden aus dem Kainischtale 
ähnlich, die Fundortsangabe des Sammlers Franz 
Schenner kann aber doch nicht geradezu als un- 
glaubwürdig bezeichnet werden. 

AVindisch-Garsten. Nr. 38785, Lappenbeil 
mit mittelständigen Schaftlappen, 17 cm lang, auf 
der Klinge ein schiefgestelltes Kreuz als Marke. 
Beim Bahnbaue gefunden und durch Franz Schenner 
gesammelt. Konservator J. Szombathy 



Zu römischen Inschriften von Calavino 
und von Salona 

Die Mitt. 1904, 46 mitgeteilte Insclirift ist inzwischen 
auch vom Konservator Dr. Obkrziner im Archivio Trentino 
XIX (1904) 264 fg. unter Beischluß einer zinkographischen 
Reproduktion einer sehr guten photographischen Aufnahme 
(hier Fig. 3) besprochen worden, nachdem er auch schon 
vorher ebd. 127 diesen Fund erörtert hatte. Die Abbildung 
zeigt deutlich am Ende der 4. Zeile nach V die oberen 
Enden von III, und daß Z. 5 das ersterhaltene Bruchstück 
nicht einem senkrechten Buchstabenstrich, sondern einem 
schrägen angehört. Es ist also zu lesen fe].v legione VIII 
[Ä]ug{itsta). Von den folgenden Buchstaben ist der erste 
sicher T, der zweite kann ebensowohl F als E sein ; daher 

ist gestattet zu lesen te\stamento fieri iiissit ] oder, 

was wegen des breiten Spatiums zwischen T und F wahr- 
scheinlicher ist, t^estamento) f{ieri) [i{ussit) ]. 

Die Form der Grabstele und ihr Schriftcharakter ver- 
weisen dieses Epitaphium in recht frühe Zeit, etwa in die 



49 



Die archäoluj^ischen Funde von Welelirad und ihre historische Bedeutung 



50 



erste Hälfte des I. Jh. unserer Zeitrechnung, also in jene 
Zeit, da die legio Vlll zunächst in Dahnatien und dann 
im Lager von Pettau stand. 

Von Soldaten oder Veteranen der Vlll. Legion aus 
dieser Zeit führen Mommsun Ephem. epigr. V p. 218 und 
V.\Gi.iKKi bei RuGGiERo Dizionario epigrafico 1 820 einen 
einzigen an, dessen italienische Heimat ausdrücklich be- 
zeugt ist: er stammt aus Verona (CIL 111 5220). Aber man 
wird mit größter Wahrscheinlichkeit noch einige wenige 
V^eteranen aus obcritalienischen Inschriftsteinen anfügen 
können : So CIL V 936 und 937 (in Aquileia) mit der Tribus 
Voturia, also wohl aus Bergamo oder Piacenza gebürtig, 
und 5827 (in Mailand) mit der Tribus üufentina, also woh' 
aus Mailand oder allenfalls aus Como gebürtig. Es hat in 
dieser Zeit noch alle Voraussetzung für sich, daß der 
Veteran, der nicht etwa in der Ferne mit Landbesitz aus- 
gestattet worden war, in der Regel sich in die Heimat 
oder deren Nähe zurückzieht, zumal wenn sein Garnisons- 
ort von dieser wie hier nicht gar so entlegen ist. — Eine 
beiläufig der gleichen Zeit angehörende Inschrift (in Venedig) 
2163 nennt einen M'. Titius, ohne Cognomen, der tr(ibi(iiiis) 
inil{itiiin) /eg(ioiiis) VIII war oder gewesen war und der 
Tribus Fabia angehörte, also vermutlich aus Brescia oder 
Padua stammte. 




^ 



Fig- 3') Grabschritt eines römischen Soldaten, gcf. in C.nlavino 

Übrigens bemerkte ich beim Nachschlagen der oben 
zitierten Inschrift von Venedig zufällig, daß das unmittelbar 
darauf folgende Inschriftfragment CIL V 2164, das der 
fleißige und um Venedigs Geschichtsquellen sehr verdiente 
Emanuei. CtroGNA im Jahre 1841 beim Händler Pagi.iaro 
kopiert hatte, nicht italienischer Provenienz ist; es ist 
nämlich nichts anderes als das CIL III 2062 publizierte 
Stück aus Salona, welches 1757 von dort in das Museo 
Nani gebracht und ein Jahrhundert später von Theodor 
MoMMSEN vergeblich in Legnaro bei Padua, wohin die 
Nanische Sammlung später gekommen war, gesucht worden 



') Von der Redaktion des Archivio Trentino (XIX 264) 
freundlichst zur Verfügung gestellt. 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission 1905 



ist; vor oder bei seinem Übergang aus dem Museo Nani 
in den Besitz des genannten Händlers muß es die erste 
/.eile und einzelne Buchstaben am Bruchrande verloren 
haben. Es ist dasselbe Stück, das ich im Beiblatt der 
Archäologischen Jahreshefte aus Österreich VI (1903) 83 
durch Anschluß eines gleichfalls längst bekannten Frag- 
ments III 2069 = 8747 um einen wesentlichen Teil zu er- 
gänzen in der Lage gewesen bin. Kubitschek 



Die archäologischen Funde 

von Welehrad und ihre historische 

Bedeutung 

Eine der wichtigsten und wegen der mangel- 
haften Überlieferung zugleich auch umstrittensten 
Fragen der mährischen Geschichte ist jene, die 
sich mit der Ortlichkeit Welehrad verknüpft und 
die Lage der einstigen Metropole des hl. Methodius 
und seiner Begräbnisstätte sowie der Residenz der 
großmährischen Hernscher zum Gegenstande hat. 
Die zahlreichen Lösungsversuche und ihre Kritik 
haben bereits eine stattliche Literatur hervorge- 
bracht. ') 

Seit der Kontroverse, die um die Mitte des 
vorigen Jahrhunderts zwischen dem Geschichts- 
forscher Beda DuuiK und dem mährischen Landes- 
archivar V. Brandl ausgefochten wurde,^) hatte sich 
auf der von Brandl festgestellten Grundlage*) als 
dem Ergebnisse der wissenschaftlichen Durchfor- 
schung des v^orhandenen Urkundenmateriales unter 
Berücksichtigung der Chroniken, Legenden und 
der Tradition allmählich die Überzeugung befestigt, 
daß man unter dem großmährischen Welehrad ein 
ganzes System von eigenartigen Befestigungen 
zu verstehen habe, die untereinander in Verbindung 
standen und sich über die ganze Umgebung von 
Ung.-Hradisch, Altstadt und des heutigen Wele- 
hrad ausgedehnt hätten.^) Diese Befestigungen 

') Dr. CENftK ZiBRT, Bibliografie feske historie, dil II. 
c. 8280-8418 p. 719—920. 

^) V. Br.xndi., Widerlegung der von Dr. DldIk im 
I. Bande seiner mährischen Geschichte erhobenen Zweifel 
vom Standpunkte historischer Kritik. Brunn 1860, 8". — 
Beda Dudi'k, Antwort a.if V. Br.\ndt.s Welehrad. — 
V. Brandt., Entgegnung auf Dr. Dudiks Antwort auf 
V. Brandts Welehrad. Brunn 1860, 8». 

^) V. Brandl, Poloha star^ho Velehradu, Brunn 1862. 

*) V. Houdek in Casopis vlast. mus. Olom. Jahrg. IV, 
S. 62 Anm. 11 und in den Mitt. der Z. K. XVI (1890)37 fg. 

4 



51 



Die archäologischen Kunde von Welehrad und ihre historische Bedeutung 



52 



mochten nach der Art der alten Avarenringe an- ' wesen sein; in ihrem Innern denkt man sichBurg-en 
g-eleg-t und aus Erdwällen, hölzernen Bollwerken und Kirchen aufgerichtet, darunter sicherlich auch 
und zahlreichen Verhauen zusammengesetzt ge- | das Territorium des heutigen Welehrad. Der Name 

Welehrad blieb jedoch 
schliel31ich nur an dem im 
Jahre 1202 auf den alten 
Ruinen begründeten Zi- 
sterzienserkloster haften. 

Die Gründe, auf die 
sich diese Anschauung 
stützt, sind aber doch nicht 
von so durchschlagender 
Beweiskraft, daß es über- 
flüssig erschiene , noch 
weiteres Material zur end- 
gültigen Klärimg der in 
Rede stehenden Frage zu 
sammeln. Manches Wert- 
volle zu dem Zwecke mag 
sich einerseits noch in den 
zum Teile recht mangel- 
haft gesichteten und durch- 
forschten Archiven ber- 
gen, anderseits darf man 
erwarten, daß der Boden, 
auf dem sicli die gesuch- 
ten Bauten einst erhoben 
hatten, noch manche Über- 
reste davon bewahrt haben 
mag. Was bei früheren 
Grabungen zu Welehrad') 
zutage gekommen ist, war 
freilich höchstens geeignet, 
die Neugierde zu reizen, 
aber weit entfernt sie zu 
befriedigen. So hatte man 
bis in die jüngste Zeit die 
Empfindung gehabt, daß 
die Welehradfrage ihrer 
endgültigen Lösung noch 
harre und daß auch Aus- 




Fig. 4 



Schematischer Grundriß der Kirche und des Klosters zu Welehrad in ihrem 
heutigen Bestände 
I. Kirche. — II. Klostergebäude. — III. Erster Klosterhof. — IV. Refektorium (Jfdelna). 
— V. Zweiter Klosterhof. — VI. Herrschaftsgebäude. — VII. Kirchenplatz. — 
VIII. Garten. — IX. Wohnung des Oberförsters. 
Funde: A drei Steingräber. — B Grundmauer der spätromanischen Kirchenfassade. — 
C Grundmauer parallel zur nördlichen Längsseite der Kirche. — D Grabstein im sog. 
Ambitus. — E romanische Plinthe an der Nordseite der Kirche. — F romanische 
Plinthe bei der sog. Königskapelle. — G Romanische Plinthe unter der Kirche in der 
Mitte des Schiffes. — H Romanisches Portal im Jahre 1891 zufällig aufgedeckt. — 
I 1. Pflaster aus Ziegeltäfelchen; 2. desgleichen in feiner Mosaikausführung. — 
Ä, und /fj Mauern des spätromanischen Refektoriums im heutigen zweiten Kloster- 
hofe. — L Romanische Plinthe auf einem großen Quader in der Grundmauer fest 
fundiert. — M Mehrere mächtige Grundmauern im Klostergange 



') Das ehemalige Zister- 
zienserstift Welehrad (Mähren) 
aufgenommen und beschrieben 
vom Architekten Prof. Alg. 
Prokop, k. k. Konservator, in den 
Mitt.der Z. K. XIX (1893; 62—65. 
166—170. 



53 



Die archäologischen Funde von Welehrad und ilire historische Bedeutung 



54 



sieht für eine solche Lösung vorhanden sei, daß 
aber die zu einer solchen Lösuiii>- vonuissicht- 
lich mit Erfolg einzusclilagendeii W'eg'e bisher 
noch so gut wie gar nicht biHrelen waren. 

Das Interesse dafür wurde nun neuerdings 
mächtig geweckt, als man im April und Mai 1903 
gelegentlich der Vornahme umfangreicher Ent- 
wässerungsarbeiten sowohl neben und unter der 
Wallfahrtskirche von Welehrad als innerhalb der 
anstoßenden Klostergebäude auf überaus bedeut- 
same Funde gestoßen war (Fig. 4). Eine Reihe 
von Zeitungsartikeln') lenkte das allgemeine Inter- 
esse darauf und in einer am g. Sep- 
tember 1903 über Veranlassung des 
Reichsrats- und Landtagsabgeordneten 
Dr. A. C. Stoj.vn zu Welehrad abge- 
haltenen Versammlung mährischer Alter- 
tumsfteunde und Lokalforscher wurde 
der Beschluß gefaßt, sowohl in Wele- 
hrad als auch in dessen Umgebung plan- 
mäßige Grabungen nach wissenschaft- 
lichen Gesichtspunkten vorzunehmen. 
Hierfür wurde aus dem Fonds zur Auf- 
findung des Grabes des hl. JMethodius 
der Betrag von 1000 Kronen zur Ver- 
fügung gestellt und ein viergliedriges 
Komitee mit der Durchführung der Gra- 
bungen betraut.-) 

Noch im selben Herbste (Ende Ok- 
tober 1903) konnte mit den Grabungen 
begonnen werden. 

Schon die (iräben, welche bis zu einer Tiefe 
von 3 in geführt wurden, verdienen eine nähere 



Beachtung, weil man an- ihren Wänden ganz 
genau die Beschaffenheit der übereinander ge- 
lagerten Bodenschichten verfolgen konnte. Von 
der Oberfläche bis zu einer Tiefe von i'8o;;( reicht 
eine im Laufe der Zeit aufgeschüttete Schichte 
von Bauschutt, bestehend aus Ziegelstücken, Bruch- 
steinen, Mörtel sowie aus verkohlten Holzstücken; 
sie fand sich überall vor, wo nur der Spaten an- 
gesetzt wurde. Innerhalb derselben lassen sich 
aber zwei übereinander gelagerte Schichten unter- 
scheiden — eine untere von 60 cm und eine obere 
von I-20 VI Stärke — was auf mindestens zwei 




') 1. Novy objev na Velehrade (,Hlas 27. Mai 1903 
n. 120). — 2. J. L. Cervinka, Hroby na Velehrade (Sloväcke 
Noviny in Ung.-Hradisch, 27. Mai 1903). — 3. J. L. Cervinka, 
Pfekvapujici nälezy na Velehrade (Pozor in Olmütz, 7. u. 
10 Juni 1903 n. 85 u. 87). — 4. J. CHODNiCEK, Hroby Vele- 
hradskii (Sloväcke Novin}-, 10. Juni 1903, n. 44). — 5. Jo.s. 
Gins, Stadtsekretär von Kremsier, V'elehrad (Morav.skaOrlice, 
19. Juni 1903, n. 138). — 6. Dr. J. NEvßftir,, Velevyznamne nä- 
lezy na posv. Velehrade (Hlas, 5. u. 7. Juli 1903, n. 152 u. 
153). — 7. Dr. J. NeveRit., Hochbedeutsamo Funde zu Wele- 
hrad (Vaterland: Das alte Welehrad, 8. Juli 1903, n. 185, 
Morgen- u. Abendblatt). — 8. Jos Gi.os, Devin a V'elehrad. 

^) Es gehören ihm an: Hofrat Houdek in Wien, Real- 
schuldirektor MaSka in Teltsch, Religionsprofessor Dr. J. Ne- 
vf-.kii. in Ung.-Hradisch und Oberlehrer Mykii'k in Neudorf. 
Die Leitung der Grabungen wurde den Herren Dr. NEVßftir. 
und Myki.ik übertragen. — Gleichzeitig wurde für die \'or- 



Fig. 5 Steingrah in Welehrad 

große Bau- und Entwicklungsperioden der Kirche 
und des Klosters von Welehrad schließen läßt. 
Unter dieser Schuttschichte befindet sich überall, 
wo bisher gegraben wurde (beim Sammelbrunnen 
im Garten bis 38 ;;/ tief), Wiesenboden, ganz 
gleichartig mit dem Wiesenboden gegen Osten 
hinter der Gartenmauer. 

In diesem Wiesenboden nun stießen die Ar- 
beiter am 21. April 1903 südöstlich hinter der 
Apsis der Kirche, in einer Tiefe von iB in bis 
2'3 m, auf ein eigentümlich geformtes Stein grab 
und bald darauf in nächster Nähe auf zwei weitere 
solche. Auf dem zuerst aufgefundenen Grabe lag 

nähme archäologischer Grabimgen bei der Kapelle des 
hl. Kleniens nächst Osvetiman der Betrag von 250 A' be- 
willigt und I'o.stoffizial Cechm.^nek aus Olmütz mit der 
Durchführung derselben betraut. 

4* 



55 



Die archäologischen Funde von Welehrad und ihre historische Bedeutung 



56 



ein Deckstein, der über den Wiesenboden hcrvor- 
rag^te; von den beiden anderen waren die ursprüng- 
lich wohl ebenfalls vorhanden gewesenen Deck- 
steine längst entfernt worden, und nur ein ziemlich 
großes Bruchstück davon am Kopfende des einen 










w 



Fig. 6 Deckel eines zu Welehrad gefundenen Steingrabes 

Grabes zeugt noch von ihrer einstigen Existenz. 
Das erstaufgefundene Grab war unversehrt er- 
halten; leider wurde jedoch von den ahnungslosen 
Arbeitern am Kopfende desselben ein ziemlich 
großes Stück des unteren Grabes herausgehauen, 
so daß das auf dem Bilde (Fig. 5) sichtbare Loch 



entstand, und auch \on der Deckplatte wurde bei 
dem gewaltsainen Heben denselben, während der 
übrige Teil des Grabes noch mit I-.rde bedeckt war, 
eine bedeutende Ecke abgesprenj^t. Nach Abhub 
der schweren Deckplatte fand man darin zu oberst 
bis zur halben Tiefe eine Schichte fester, reiner 
Schlammerde, welche offenbar durch die Spalten 
zwischen den einzelnen, die Wände bildenden aus- 
gehöhlten Quadersteinen hineingespült worden war. 
Darunter lag ein vollkommen erhaltenes .Skelett 
mit dem Haupte gegen Westen (nach der Kirche) 
gewendet. Eigentümlicherweise erwies sich die 
um das Skelett aufgehäufte Erde stark mit Holz- 
kohle durchsetzt. Aus den beiden anderen Gräbern 
waren die Gebeine läng.st entfernt worden und an 
deren Stelle Schutt eingedrungen. Das gefundene 
Skelett wurde gehoben und in der Krypta der 
Kirche beigesetzt, der mittlere (zuerst aufgefun- 
dene) Sarkophag nach dem Kloster geschafft und 
daselbst so, wie er in der Erde gestanden, auf- 
gestellt (Fig. 5). 

Die Wände der drei Steingräber sind, wie 
schon angedeutet, aus mehreren sarkophagähnlich 
ausgehauenen Quadersteinen zusammengefügt; die 
Gesamtmaße betragen im Innern 170 r;;; Länge 
55 cm Breite und 43 au Tiefe. Der in zwei Stücke 
gebrochene, aber vollkommen erhaltene Deck.stein 
(Fig. 6) des zuerst aufgefundenen (irabes i.st ein roh 
behauener Sandstein von 2 m Länge, 68 cm Breite 
und 1 8 cm Dicke. Auf seiner Oberfläche finden sich 
zwei Kreuze in einfachen Strichen eingemeißelt, 
und zwar je eines in der rechteti Ecke des Kopt- 
endes und in der linken Ecke am Fußende. Die 
zeichnerische Wiedergabe der Kreuze in Fig. 6 — 8 
ist auf Grund von Abklatschen gemacht; es 
muß dazu beinerkt werden, daß im Originale 
die Konturen des Kreuzes am Fußende des Sarko- 
phages (Fig. 8) bedeutend kräftiger hervortreten 
als jene atn Kopfende (Fig. 7). Es fällt auf, daß 
die Konfiguration der Kreuze nicht in beiden 
Fällen ganz genau die gleiche ist. Das Kreuz 
am Kopfende erscheint als ein gleicharmiges 
griechisches Kreuz ; jenes am Fußende ist doppel- 
armig. Ferner dürfen die Keilzeichen nicht über- 
sehen werden, die neben dem unteren Ende 
eines jeden Kreuzes angebracht sind, am oberen 
rechts, am unti'reii links vom Standbalken, wenn 
man die Kreuze als aufrechtstehende betrachtet; 



57 



Die arcliiioloyischen Kunde von Wclchrad und ihre liistorischc Rcdcutung 



58 



in Fig. 6 sind beide deutlich ersichtlich, in den 
Ficf. 7 und 8 sind sie hinvveggelassen. 

i'rutz sorgfältig-en Suchens haben sich and(!r- 
weitige Gegenstände, welche über das Alter und 
die I'rdvonienz der Gräber nähere Aufschlüsse 




>■ 




Fig. 7 und 8 Nebeneinander eingegrabene Kreuzfiguren 
auf einem. Sarkophagdeckel zu Welehrad 

liefern könnten, nicht vorgefunden; wir sind daher 
hinsichtlich ihrer Beurteilung ausschließlich auf 
die Sarkophage angewiesen. 

Da verdient vor allem hervorgehoben zu werden, 
daß diese Steinsarkophage schon ursprünglich die 
Bestimmung gehabt haben müssen, in die Erde 
versenkt zu werden, da sie äußerlich gar nicht be- 
hauen wurden; bloß die mit Kreuzen verzierte Ober- 




fläche des Deckels mochte aus dem Erdboden heraus- 
geragt und für den äußeren Anblick sichtbar ge- 
blieben sein; im Laufe der durch spätere Verände- 
rungen bedingten Anschüttungen mußte natürlich 
auch der Deckel in der Tiefe verschwinden. 

Solche Steinsarkophage 
nun, die aus mehreren Stücken 
zusammengesetzt sind, treten 
neben monolithen, die wohl 
auf eine unmittelbare Über- 
lieferung römischen Brauches 
zurückgehen, bereits in der 
merowingischen Zeit in ger- 
manischen Gräbern nicht 
selten auf, wie ein Beispiel 
(Fig. 9) aus den alemannischen 
Gräbern bei Kaiseraugst un- 
weit Basel beweisen möge.') 
Auch ihre Deckplatten be- 
stehen entweder aus einer 
oder aus mehreren Steintafeln, 
zum Teile von älteren römi- 
schen Grabsteinen-) entlehnt. 

Am Rhein wurden römische, merowingische 
und frühmittelalterliche Steinsarkophage selbst 
noch zu einer Zeit, wo läng.st keine neuen mehr 
hergestellt wurden, zu Neubestattungen verwendet.-') 
Was aber die Verzierungsweise betrifft, so hat 
man u. a. im Dom zu Frankfurt a. M. in neuerer 
Zeit 3 ;;/ unter der Erde einen dem VIII. oder 
IX. Jh. angehörigen Sarg gefunden, auf dessen 
Deckel zwei Bischofsstäbe und dazwischen ein 
Kreuz mit einer Schleife eingegraben sind.') 

Alle diese Angaben vermögen vorläufig nur 
so viel mit voller Sicherheit zu beweisen, daß die 
drei Steingräber von Welehrad in einer frühe- 
ren Zeit entstanden .sind, als in jener der Ent- 
stehung der ersten Zisterzienserkirche; zu einer 
genaueren Datierung- und Bestimmung der Um- 
stände, unter denen sie zu Welehrad in Verwen- 
dung gesetzt worden waren, reicht das heute vor- 
liegende Vergleichsmaterial nicht aus. Man wird 



Jüifi^r' 



Fig. 9 
Alemannisches 
Steingrab (nach 
Lindenschmitt) 



') L. LiNDENscHMiir, Handbuch der deutschen Altertums- 
kunde I 109 ff. 

-) L. LiNDENscHMirr, a. a. O. 113. 

'■') Dr. HfvInr. Ottf., Handbuch der kirchlichen Kunst- 
archäologic des deutschen Mittelalters 1 346—349. 

■•) Vgl. Anz. des Gerra. National-Museums 1870, Sp. 29. 



59 



Die archäologischen Funde von Welehrad und ihre historische Bedeutung 



60 



höchstens die \'ermutung beifüg-en dürfen, daß es 
sich dabei um die Bestattung vornehmer Leute 
gehandelt haben mul3, da man geringere Leute 
wohl ohne steinerne Hülle einfach in den Boden ge- 
bettet haben würde. 

Einen sichereren Boden 
betreten wir mit den Ent- 
deckungen, die vor der Fas- 
sade der jetzigen Kirche ge- 
macht wurden. Schon bei der 
Vornahme der Entwässerungs- 
arbeiten war man hier(Fig.4 ß) 
in einer Entfernung von we- 
nigen Metern von der jetzi- 
gen Kirchenfassade auf mäch- 
tige Grundmauern gestoßen, 
in welchen man die Funda- 
mente der Fassade der ur- 
-sprünglichen Zisterzienserkir- 
che zu erkennen glaubte. In 
dieser Annahme fand man 
sich auch dadurch bestärkt, 
daß bereits aus anderen Grün- 
den die A'ermutung nahe ge- 
legt worden war, die ursprüng- 
liche Kirche wäre beträcht- 
lich länger gewesen als die 
heutige. Der verdiente Wele- 
hradforscher Assessor und 
Dechant J. Vychodii. hatte 
schon im Jahre 1S81 in seiner 
Abhandlung über die Kirche 
und das Kloster von Wele- 
hrad ') darauf hingewiesen, 
daß in einer in den Manu- 
skripten des Zisterzienser- 
mönches P. Christian Hirsch- 
mentzel (f 1703) 2) erhaltenen 
Litanei zu den Patronen der 
Welehrader Kirche außer den 
Heiligen, denen die heute 



noch erhaltenen Seitenkapellen geweiht sind, auch 
die Heiligen Nikolaus und Augustinus genannt 
seien, für die heute keine Altäre mehr existieren. 
Auf Grund dessen hat Vvchodii. die Vermutung 




it\S.C»)nllo vt Mftlwii'.c! fnnnmtuj Ljy 
amc« , murJi Luimflorit; , St-.retaniV:rl 






^V j ^ W'^-^f)' f t ewwis ;fü4' humJIime com: * • 



Fig. 10 Ansicht des Klosters Welehrad im Jahre 1681 



') J. Vychodii., Velehradsky kostel a klääter im Sbornik 
Velehradskj', Jahrg. II S. 23-85, im besonderen S. 48. 

') Das Leben und die schriftstellerische Wirksamkeit 
dieses hochverdienten Welehrader Zisterzienserordens- 
priesters (1638-1703) behandelt J.VycHODii. ausführlich unter 
dem Titel: Velezaslouzily mnich velehradsky im Obzor, 
Jahrg. XXVI (1903;, n. 4-10. 



geäußert, daß die Kirche von Welehrad ursprüng- 
lich um je eine Seitenkapelle zu beiden Seiten 
länger gewesen sei, als die jetzige. Ein weiteres 
Zeugnis dafür fand Vychodil in einer Notiz des 
Welehrader Zisterziensermönches P. Wenzel Maje- 
tinsky, wonach die Kirche im Jahre 1687 ver-' 
kürzt und ihre Fassade zurückgerückt werden 



(>l 



Die archäologischen Funde von Weichrad und ihre historische ISedeulung 



62 



mußte, um sie mit ciem neuen Abteiluiuse in Ein- 
klang zu bringen.') 

VvcHODiL stieß jedocli (huiiil auf den Wider- 
spruch AuüuST Pkokops, der im Jahre 1893 in einem 
Aufsatze über „Das ehemal i ge Zisterzienserstift Wele- 
hrad in Mähren"'') zugunsten einer Unverkürztheit 
der alten Fassade geltend zu machen suchte, daß die 
ursprüngliche Kirche der Länge nach bloß zehn 
Joche umfaßt habe, weil sich an der Längsmauer 




Fig. 1 1 Die Übersicht der Fassade der ehemaligen 
romanischen Kirche in Welehrad, von SW 

des nördlichen Seitenschiffes in seinem heutigen 
Zustande die Spuren der LLsenen von bloß zehn 
Jochen der Seitenschiffe nachweisen ließen und 
weil das Hauptschiff nach der Abbildung P. Chr. 



') „Ut enim Abbatiali aedificio adaequaretur Ecclesia, 
anno 1687. abbrevianda erat, et frontispicium antiquum cum 
SUD decore et raritate deiectum, aliudque, uti in praesentia- 
rum cernitiir, non ignobile, inter duas campanarum et 
horologii turres est erectum cum aliquot statuarum recepta- 
culi.s." Abgedruckt bei J. G. STJtF.now.sKv, Sacra Moraviae 
historia, sive Vita SS. Cyrilli et Methudü (1710) S. 622 
unten. 

2) Mitt. der Z. K. XI\ (1893) 62—65. 166—170. 



Hirschmentzels von Kirche und Kloster vor dem 
großen Brande von 1681 (Fig. 10)') gleichfalls lojoche 
von gleicher Breite wie jene der Seitenschiffe be- 
se.ssen habe -), womit die gleiche Länge der heutigen 
Kirche mit jener vor 1687 erwiesen sei. Danach 
hat auch Pkokop den Grundplan der ursprünglichen 
Kirche von Welehrad rekonstruiert.') 

Im Frühjahre 1904 wurden nun durch Gra- 
bungen in einer Entfernung von 4-10 m von der 
jetzigen Kirchenfassade und 0-65 m unter der heu- 
tigen Oberfläche nicht nur die Grundmauern der 
alten romanischen Kirchenfassade, sondern auch 
der darauf fundierte, noch unversehrt erhaltene 
Quadersockel in der Höhe von 1-20 m in der ganzen 
Breite der Kirche bloßgelegt (Fig. ii und 12). 

Dadurch erscheint vor allem erwiesen, daß die 
ursprüngliche romanische Kirche um ein Bedeu- 
tendes länger gewesen ist als jetzt. Der von Prokop 
rekonstruierte Plan') muß nunmehr dahin korrigiert 
werden, daß das Langhaus nicht in 10, sondern 
in 1 2 Joche eingeteilt und das Hauptschiff von 
den Nebenschiffen nicht durch 9, sondern 1 1 Säulen- 
paare geschieden war. Die Gesamtlänge betrug innen 
ungefähr 83'20 m, außen 8870 in (gegenüber 74 m 
beziehungsweise 79-50«; nach Prokops Annahme). 

Es darf ferner nicht unerwähnt bleiben, daß 
die bloßgelegten Grundmauern weder in bezug 
auf die Richtungslinie (von Norden gegen Süden) 
noch in der symmetrischen Anordnung ihrer Teile 
eine vollständige Übereinstimmung aufweisen, wie 



') Bereits abgebildet in den Mitt. d. Z. K. XIX 166. — 
Dieses Bild P. Chr. Hirschmentzels, welches in dem in der 
k. k. Studienbibliothek zu Olmütz befindlichen Manuskripte: 
Miscellaneum jovialium centuriae VII an mehreren Orten 
eingefügt erscheint, wurde im Jahre 1884 anläßlich der 
tausendjährigen Erinnerungsfeier an die Glaubensapostel 
Cyrillus und Methodius von dem k. u k. militärgeogr. Institute 
in Wien auf photographischem Wege vergrößert und ver- 
vielfältigt. Auch ein zweites, gleichfalls den Manuskripten 
P. Chr. Hirschmentzels beigefügtes Bild, aus gleicher Zeit 
stammend und ebenfalls von dem genannten Institute ver- 
vielfältigt, zeigt die Kirche von Welehrad von der Ost- und 
Nordseite. 

2) Prokop a. a. O. S. 167. 

3) Prokop a. a. O. S. 62, Taf. II. 

*) Und somit auch der an ihn angelehnte Plan Lf.hners 
im Method XXI 102. — Da Hirschmentzels Ansicht in der 
Tat bloß lOjoche am Hauptschiff unterscheiden läßt, liegt 
offenbar eine Ungenauigkeit ihres Zeichners vor, durch die 
sich Pkokop hat iire machen lassen. 



6.3 



Die archäologisclien Funde ron Welehrad und ihre historische Bedeutung 



64 




C 120 ) 



8?7 



8-27 



6 SO 



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140 * 



« HO ' 



< 140 



Fig. 12 Grundriß der im Jahre 1904 ausgegrabenen Fassade und des Paradieses der ehemaligen 
spätxomanischen Zisterzienserkirche zu Welehrad 



sich aus einer aufmerksamen Betrachtung des 
Grundrisses (Fig. 12) ergibt. So verläuft die Rich- 
tungslinie der alten Kirchenfassade nicht genau 
in gerader Linie, sondern in einer merklichen 
Ausbauchung nach aulBen; auch an den beiden 
Ecken ist der Abstand der alten 
von der neuen Fassade ein ver- -« 

schiedener, indem die Nordecke 
fast um 10 cm weiter nach 
Westen vorspringt als die Süd- 
ecke. Das Portal der alten Fas- 
sade steht ebenfalls nicht genau 
in deren Mitte, sondern erscheint 
um 10 cm gegen die Xordseite 
der Kirche verschoben. Diese 
Ungenauigkeiten, die sich sogar 
dem bloßen Auge verraten, 
scheinen seinerzeit beim Bau 
gar nicht beachtet worden zu 
sein. Beide Ecken der ehemali- 
gen Kirchenfassade weisen end- 
lich sowohl an der West- als 



auch an der Süd- und Xordseite Mauerverstärkun- 
gen auf, welche in Form von Strebepfeilern 070 >h 
bis I Hl aus der Mauer herv'orspringen. 

Der uns erhaltene Mauersockel der romanischen 
Fassade besteht aus fein behauenem Sandsteio. 




Fig. 1 3 Nordecke der ehemaligen Fassade der Welehrader 
Zisterzienserkirche von Xorden 



65 



Die arcliUologischen Kmule von Wclclir.id und ilire liistorisclie Bedeutung 



66 




t^^vi& 



Fig. 14 Das im Jahre 1904 ausgegrabene Basament des Hauptportals der ehemaligen spätromanischen 

Zisterzienserkirche zu Welehrad 



Auf mächtigen, glatt behauenen Quadern von 
föo m Stärke, die stellenweise auch in zwei 
Schichten übereinander gelagert sind, erhebt sich 
das Fußgesimse, dessen Profil aus Fig. 13 rechts 
ersichtlich ist. Ein solches Profil findet sich jedoch 
nur zwischen Nordecke und Hauptportal in voll- 
ständiger Ausführung vor, während es südlich vom 
Hauptportale in einer Länge von 7 in unterbrochen 
erscheint und erst wieder an der südlichen Fas- 
sadenecke hervortritt. Hier sei zugleich erwähnt, 
da(3 ein derartiges Fußgesimse mit ebensolchem 
Profile auch in den Grundmauern der jetzigen 
nordseitigen Kirchenmauer, soweit dies durch die 
bisherigen Grabungen festgestellt werden konnte, 
sowie auch in den Grundmauern der sogenannten 
Krypta unter dein südöstlichen Ende der jetzigen 
Kirche eingemauert ist; hingegen läßt sich aus 
den Zeichnungen Prokops, welche seiner oben er- 
wähnten Abhandlung^) beigegeben sind, bezüglich 
der Identität des Sockelprofils der Apsiden kein 
.sicheres Urteil schöpfen. Die ferneren Grabungen 
werden erst darüber nähere Aufklärungen zu er- 
bringen haben, ob die ganze dermalige Kirche 
von Welehrad auf dem alten Mauersockel der ur- 
sprünglichen Zisterzienserkirche aufgebaut ist. 

In der Mitte der alten Fassade befand sich 
das herrliche, in den entwickelten Formen der 



romanischen Baukunst erbaute Haupt- 
portal, von dessen einstiger Pracht selbst 
die kümmerlichen Reste noch beredtes 
Zeugnis ablegen (Fig. 14). Es bildete mit 
seinen sehr tiefen, schrägen Seitenwänden 
eine kleine, nach Westen offene Vorhalle 
von 2-io»i Tiefe, die sich von 
der Portaltür aus von i-gom 
bis auf 5-38 /;/ erweiterte. Die 
beiden schrägen Seiten- 
wände (Fig. 15) waren 
durch je fünf größere, 
rechtwinklige 
Mauerabsätze 
harmonisch 




'; A. a. O. Taf. II B Fig. 5 u. 6. 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission 1905 



Fig. 15 Grundriß der linken 
Wand des ehemaligen Haupt- 
portals von Welehrad 



abgestuft; darüber folgten zunächst beiderseits 
je vier kleinere, halb .so große Mauerabsätze und 
auf diesen die Basen und Schäfte von je vier 
runden glatten Säulchen, von denen sich freilich 
bloß kurze Stümpfe an Ort und Stelle erhalten 
haben. 

Aber auch am Anfange der nördlichen Längs- 

5 



67 



Die archäologischen Fände von Welehrad und ihre historische Bedeutung 



68 




Fig. 16 Ansicht des ausgegrabenen Basaments des ehemaligen spätromanischen Paradieses der 
Zisterzienserkirche zu Welehrad von Norden 



mauer der alten Kirche wurden die Überreste der 
rechten Schrägwand eines reich g-eschmückten ro- 
manischen Portales zutage gefördert. Seine An- 
lage ähnelte im allgemeinen jener des Haupt- 
portales, nur waren seine Schrägwände noch 
reicher durch vielfach gekehlte und mit plastischer 
Ornamentik (Diamantschnitt und- Blattomament) 
geschmückte Ecken und Säulchen gegliedert 
(Fig. 14 links). 

Wiewohl nun die Symmetrie auch am Be- 
ginne der südlichen Längswand ein solches Seiten- 
portal erwarten läßt, wurden bei den Grabungen 
keinerlei Spuren eines solchen vorgefunden. Dies 
ist um so auffallender, als auch die von Süden auf- 
genommene Ansicht Hirschmentzels ein südliches 
Seitenportal nächst der Südecke der Fassade mit 
aller Deutlichkeit zeigt und hienach die romani- 



sche Anlage, wie sie sich bis zum Brande von 
1681 erhalten hatte, auch ein südliches Seiten- 
portal aufzuweisen hatte. Eine solche Ausstattung 
mit Seitenportalen hat nun an Zisterzienserkirchen 
nichts Überraschendes; findet sie sich doch auch 
an der Mutterkirche des Ordens von Citeaux,^) mit 
deren Anlage Welehrad auch in anderen Punkten 
eine überraschende Ähnlichkeit aufv\-eist. Aufzu- 
klären bleibt bloß der umstand, weshalb vom süd- 
lichen Seitenportal heute jede Spur verschwurt den ist, 
und da kann die Antwort kaum anders lauten, als 
daß die Beseitigung des Portalsockels bis auf die 
Fundamente am Südportal durch die Fundierung 
des Südturmes veranlaßt wurde, während die 



') Vgl. die Abbildung in Viollet le Duc's Dictionnaire 
architecture monastique). 



69 



Die archäologischen Funde von Welehrad und ihre historische Bedeutung 



70 



Fundierung des um 10 cm weiter zurück gferückten 
Nordturmes die Zerstörung der untersten Reste 
des Nordportales nicht zwingend forderte. 

Aber damit waren die Ergebnisse der Gra- 
bungen vor der jetzigen Kirchenfassade noch nicht 
zu Ende. Sie führten des weiteren zur Bloßlegung 
der Grundmauern einer Vorhalle (Fig. 1 2) nach Art 
des auch an anderen Zisterzienserbauten nachge- 
wiesenen Paradieses.') Diese Grundmauern laufen, 
ausgehend von den beiden Strebepfeilern an der 
Nord- und Südecke der alten Fassade, zuerst in einer 
Länge von 1070 tu nach Westen und biegen sodann, 
indem sie an den Ecken nach Westen je einen Strebe- 
pfeiler entsenden, im rechten Winkel nach innen 
um, ohne sich jedoch volLständig zusammenzu- 
schließen, sondern ein 5 '46 in breites Tor offen 
lassend. Auf solche Weise wurde ein rechteckiger 
Hofraum von 22 in Länge und 9 in Breite ge- 
wonnen. Die Erbauungszeit des Paradieses muß 
aber später gefallen sein als jene der übrigen 
romanischen Bauteile der Kirche, denn seine Grund- 
mauern stehen mit jenen der alten Fassade in 
keinem Verbände, und das Profil seines Sockel- 
gesimses, das uns teilweise (auf der Nordseite) noch 
erhalten i.st (Fig. 16), erweist sich als ein wesentlich 
anderes (halber Wulst) als beim Mauersockel der 
alten Fassade (Wulst über halber Kehle und Platte). 

Nach dem Grundrisse zu schließen, hatte das 
einstmalige Paradies der Welehrader Kirche eine 
unverkennbare Ähnlichkeit mit der bis heute er- 
haltenen Vorhalle der Maulbronner Kirche, welche, 
ein herrliches Baudenkmal des Übergangsstiles, 
gleichfalls die ganze Breite der Stirnseite der 
Kirche einnimmt und zu der bereits fertigen Kirche 
in der ersten Hälfte des XIII. Jh. hinzugebaut 
wurde.'') 

Gleichwie das Atrium der altchristlichen Ba- 
silika mit der allmählichen Änderung der kirch- 
lichen Bußdisziplin seine Existenzberechtigung ein- 
büßte und daher schon im romanischen Kirchenbau 
überwiegend fallen gelassen wurde, so hatten auch 



') Ein Beispiel aus Mähren bietet die Kirche des Zister- 
zienserinnenklosters zu Tischnowitz, deren Fassade heute 
noch die Ansätze der Gewölberippen von anstoßenden 
Resten eines ehemaligen Paradieses zeigt. Vollständig er- 
halten ist das Paradies der ehemaligen Benediktinerkirche 
zu Trebitsch. 

-) Dr. Paulus: Die Zisterzienserabtei Maulbronn. 



die hie und da an seine Stelle getretenen Paradies- 
höfe zumeist keinen langen Bestand. Daß auch 
das Paradies von Welehrad von dem gleichen 
Schicksal nicht ausgenommen war, ersehen wir 
aus der Ansicht der Kirche von P. Chr. Hirsch- 
mentzel (Fig. 10) aus der zweiten Hälfte des 
XVII. Jh., auf der wir das Paradies bereits ver- 
geblich suchen. 

Nach der Beseitigung von vier Sandsteinstufen 
unter dem alten Hauptportale, die einst wohl nach 
Beseitigung des Paradie.ses und Erhöhung des vor 
der Kirche gelegenen Terrains angelegt worden 
waren, kamen auch noch Reste des alten Kirchen- 
pflasters zum Vorschein, das hiernach aus sechs- 
eckigen Ziegeltafeln zusammengesetzt gewesen ist. 

Damit waren die Grabungen vor der heutigen 
Westfassade der Kirche erschöpft. 

An der nördlichen Längsseite der Kirche — 
um zunächst zu dieser überzugehen — war man 
schon bei den Entwässerungsarbeiten auf eine 
Grundmauer (Fig. 4 C) gestoßen, welche von dem 
merkwürdigen Verstrebungsbogen über der soge- 
nannten Königskapelle an, in einer Entfernung von 
,5 ni von der jetzigen nördlichen Kirchenwand mit 
dieser ungefähr bis zur halben Länge parallel ver- 
läuft; die nähere Beschaffenheit dieser Grundmauei" 
konnte jedoch bisher noch nicht untersucht werden. 




Fig. 17 Grabstein von Welehrad 

In dem Gange (dem sogenannten Ambitus), 
welcher der südlichen Längsseite der Kirche ent- 
lang läuft, wurde ein Grabstein (Fig. 17) aus- 
gegraben, wie bereits früher zu Welehrad zwei 
ähnliche aufgefunden wurden. (Die Fundstelle ist 
in Fig. 4 unter D eingezeichnet.) Er mißt i-^O in 
Länge, 50 cm Breite und zeigt an der Oberseite in 
linearer eingeritzter Zeichnung ein auf einem drei- 

5* 



71 



Die archäologischen Funde von Welehrad und ihre historisc'ae Bedeutung 



72 



eckigen Schilde ruhendes Ritterschwert und in den 
zwei Ecken über der Kopfseite von Schwert und 
Schild je ein gleicharmiges Kreuz. 

M Af 7" 




1^^ 



Fig. 18 Grabstein des Olmützer Propstes Alexius aus 
dem Jahre 1 282 zu Welehrad 

Außer diesen drei Grabsteinen wurde aber zu 
Welehrad noch ein anderer, weit wertvollerer, ge- 
funden (Fig. 18). Bisher den weiten Kreisen der 
Öffentlichkeit unbekannt, ]^ruht derselbe in jenem 
Teile der unter der Kirche befindlichen Krypta, 



der sich unter dem südlichen ' Ouerarm hinzieht 
und wegen der Inundierung bis zum Sommer des 
Jahres 1903 unzugänglich war. Ursprünglich, als 
das Niveau von AVelehrad seine jetzige Erhöhung 
um ungefähr 2 iii noch nicht erfahren hatte, war 
der Grabstein ohne Zweifel in das Kirchenpflaster 
eingefügt. Leider hat er durch die Ungunst der 
Zeit stark gelitten und ist durch rohe Hand in 
drei Stücke zerschlagen worden. Er bildet ein 
Rechteck von 2 in Länge und bloß 60 cm Breite 
und zeigt auf der Oberfläche in einfachen Kon- 
turen eingehauen das Bild eines Mönches in langem, 
faltenreichem Habit, das Antlitz geradeaus ge- 
richtet und beide Hände nebeneinander auf der 
Brust haltend. Die Tonsur nach Art der Domini- 
kaner oder Franziskaner hat vom Haarschmuck 
bloß einen schmalen Haarkranz (Corona) übrig 
gelassen. Die schlanke Mönchsgestalt steht unter 
einem stark zugespitzten Kleeblattbogen. Die 
Umschrift in spätromanischen Majuskeln lautet: 

ANNO ■ DOMIN(I) ■ M • CC • LXXXII- VIII- KD- -0- 

DOMNVS • AL(EXI)VS- PREPOSITVS- (O)LOMVNCENSIS +.') 

Grabsteine des XIII. Jh. mit eingravierter 
Zeichnung bilden nicht allein in Mähren eine 
große Seltenheit*) In Mähren hat sich, soviel we- 
nigstens bisher bekannt geworden ist, bloß ein 
einziger solcher flacher Grabstein mit einfach ein- 
graviertem Bilde des Verstorbenen erhalten. Es 
ist dies der Grabstein des Olmützer Archidiakons 
Friedrich,^) welcher sich derzeit in der Mauer des 
Arkadenganges der Kapiteldechantei zu Olmütz 
befindet. Die darauf befindliche Jahreszahl ist zwar 
unleserlich geworden, aber der äußere Charakter 
läßt den Stein dem XIII. Jh. zuweisen. Außerdem 
befinden sich noch zwei Grabsteine mit eingra- 
vierter Inschrift und mit Kreuzen in romanischem 
Stile in der Kirche zu Podoli bei Jamnitz; auf 
keinem derselben befindet sich eine Figur oder 
Jahreszahl. 

Der Welehrader Grabstein des Propstes Alexius 

') Der Monatsname ist so zerstört, daß er nicht einmal 
für eine vermutungsweise Lesung hinreichende Unterlage 
gewährt. 

^ V. Houdek: Velehrad II in der Olmützer Zeitschrift 
Casopis vlasten. spolku muzejniho, XXI (1904) S. 139. Die 
Ausführungen Houdeks in dieser Abhandlung sind mir bei 
der Abfassung des vorliegenden Berichtes von großem 
Nutzen gewesen. 

3) Mitt. d. Z. K. 1897, S. 103 u. 104. 



73 



Die archäologischen Kunde von Welehrad und ihre historische Bedeutung 



74 



hat ganz das Gepräge des erwähnten Olmützer 
(irabsteines des Archidiakons Friedrich; in der 
Zeichnung übertrifft er jedoch den letzteren durch 
die Erhabenheit der Formen und was seinen be- 
sonderen Wert ausmacht, ist die unversehrt er- 
haltene Jahreszahl, die ihn mit Sicherheit unter 
die ältesten mit einem Datum versehenen Grab- 
steine der ganzen Monarchie versetzt.') 

Da der Grabstein des Propstes Alexius lange 
Zeit im Wasser gelegen hatte und darum die Ge- 
fahr besteht, daß er beim Herausheben in Stücke 
zerfallen könnte, wurde er vorläufig noch an seinem 
Fundorte belassen, um erst nach völliger Aus- 
trocknung gehoben und an einem anderen seiner 
Bedeutung entsprechenden Orte aufgestellt zu 
werden. 




Fif^. 19 Basis eines romanischen, mit vier Säulchen 
kantonierten Pfeilers 

Sehr zahlreich waren die Einzelfunde roma- 
nischer Architekturfragmente, die man schon an- 
läßlich der Entwässerungsarbeiten und sodann im 
ganzen Verlauf der bisherigen Grabungen zutage 
gefördert hat. So fand man an der nördlichen 



') Daß die Buchstaben AL . . . VS Alexius gelesen 
werden müssen, hat der Herr fürsterzbischöfliche Archivar 
P. Fr. Snopek konstatiert, welcher überdies berichtet, daß 
der Olmützer Propst Alexius in den Urkunden vom Jahre 
1277 (Cod. dipl. Mor. IV 188) und später noch dreizehnmal 
bis zum Jahre 1281 vorkommt (Cod. dipl. Mor. IV 255). Er 
war früher Propst von Olbramskirchen (im [ahre 1267 Cod. 
dipl. III 402) und Archidiakon von Znaim und begegnet 
sehr häufig im Diplomatarium. Im Jahre 1267 (Cod. dipl. 
Mor. III 408) erscheint er unter den Domherren von 
Olmütz. 



Längsseite der Kirche, in der Verlängerung der 
oben genannten Grundmauer, eine romanische 
Säulenbasis (Fig. 4 £), die lose für sich zu unterst 
unter dem Rauschutte (ungefähr i-8o m tief) ge- 
lagert war; ferner eine zweite ebensolche in un- 
mittelbarer Nähe des erwähnten Venstrebungs- 
bogens über der sogenannten Königskapelle (Fig. 4/') 
und endlich eine dritte derselben Art unter dem 
Kirchenpflaster, ungefähr in der Mitte des Haupt- 
schiffes (Fig. 4 G). Jede dieser Basen (Fig. ig) zeigt 
über einem hohen und steilen, in zwei seichten 
Halbkehlen profilierten Sockel einen viereckigen 
Pfeiler, von vier Säulchen kantoniert. 




P"ig. 20 Romanisches Knospenkapitäl von Welehrad 

Au(3erdem wurden noch überaus zahlreiche 
Bruchstücke von Säulenkapitälen aus der ensten 
Hälfte des XIII. Jh. (Knospenkapitäle von der 
Art der Fig. 20) gefunden, wie sie ähnlich auch 
anderwärts in Mähren vorkommen;') ferner sorg- 
fältig behauene Gewölberippenstücke und Bruch- 
.stücke von Säulenschäften. Darunter verdient na- 
mentlich ein Gewölbeschlußstein (der einzige bisher 




Fig. 21 Romanischer Gewölbeschlußstein von Welehrad 



') So an sämtlichen Portalen der Schloßkirche zu 
Trebitsch und an den erhaltenen Bauresten des Kreuzganges 

daselbst. 



75 



Die archäologischen Fände von Welebrad und ihre historische Bedeutnng 



76 



g-efundene) hen'org'ehoben zu werden (Fig. 21), ge- 
schmückt mit vier heraldischen Lilien, die jedoch 
nicht, wie es sonst häufig vorzukommen pflegt, aus 
der Mitte herauswachsen,') sondern von vier dia- 
metral entgegengesetzten Punkten des Randsaumes 
ausgehend, zu einer kleinen Rosette im Mittel- 
punkte konvergieren.*) 




Fig. 22 Romanisches Doppelkapitäl aus Welehrad 
Höhe 058 m 

Den reichsten Fundort romanischer Baureste 
bilden die Grundmauern der Klostergebäude und 

') Wie z. B. F. Lehner, Dejiny umeni näroda ceskeho 
1 318, von Sebic in Böhmen berichtet. 

-) Die Lilie als stilisiertes Ornament, in der romanischen 
Bauart mit Vorliebe verwendet, begegnet insbesondere auch 
häufig an Zisterzienserbauten: so zu Lilienfeld und Beben- 
hausen. Seit dem XII. Jahrhunderte als Wappenligur ge- 
braucht, finden wir sie auch im Wappen der Zisterzienser- 
klöster Citeaux und Clairveaux (Claravallisi. — In einem 
der 48 Manuskripte Hirschmentzels (Feriae Christiano- 
Bacchanales, item feria quarta Cinerum serio-poenitentialis 
authore F. Christiano Hirschmentzel ordinis Cistercii: in 
Wellehrad. Ex operibus eiusdem authoris über 16) sind 
Bildchen eingeklebt, welche den hl. Bernhard, den Begründer 
des Zisterzienserordens mit einer sehr verkleinerten .-Vnsicht 
von Welehrad im Hintergrunde darstellen. In den Ecken des 
Bildchens befinden sich vier Wappen nachstehender Zister- 
zienserklöster mit den auf die einzelnen bezüglichen L'ber- 
schriften : C3-stercium (6 LUien um den Mittelschild herum), 
Chlaravallis (8 Lilien um den innem Schild herum), Mori- 
mundus (ein Kreuz und zwischen dessen Armen die Buch- 
staben M, O, R, S), und Wellehradium (dasselbe Wappen- 
zeichen, jedoch mit einem Mittelschildchen, auf dem sich 
ein Adler befindet). 



die obersten Teile der Hauptmauern der jetzigen 
Kirche von Welehrad. Blickt man hinab in die 
Schächte, die entlang der Mauern des Kloster- 
gebäudes bis zur Sohle der Fundamente hinab- 
reichend geführt wurden, so gewahrt man, ähnlich 
wie das Brennholz im Walde in langen Stöüen 
aufgeschichtet, Gewölberippenstücke, Säulenbasen, 
Kapitale, Säulentrümmer und andere künstlich be- 
hauene Steine in buntem Gewirre durcheinander 
eingemauert. Wo es anging, wurde das eine oder 
andere seltene .Stück hervorgezogen; so ein großes 
Knospenkapitäl (Fig. 22), das zweite bisher in 
Welehrad gefundene, das aber, größer als jenes 
(Fig. 20). ein gekuppeltes Säulenpaar zu krönen 
hatte. Von den beiden Hal.'iringen schießen kräftige 
Sprossen bis zur Deckplatte auf, unter deren Druck 
sie in knospenartigen Bildungen umbiegen. Am 




Fig. 23 Kapital eines romanischen, mit vier Säulchen 
kantonierten Pfeilers zu Welehrad 

reichsten gegliedert und verziert sind aber die 
Kapitale von Pfeilern, die mit vier Säulchen kan- 
toniert sind (Fig. 23, 24), und derengleichen sich 
in den berühmten Zisterzienserkreuzgängen von 
Xiederösterreich namentlich zur Unterteilung der 
Kreuzgangarkaden verwendet finden.*) Die vier 
Einzelkapitäle, aus denen sich das Gesamt- 
kapital zusammensetzt, gehen in Fig. 23 noch 
auf die Grundform des Würfelkapitäls zurück, 

') Über die einstmalige Bestimmung dieser kompli- 
zierten Kapitale und Basen sind nur Vermutungen möglich. 
Die größeren darunter wie Fig. 24 könnten von den Stützen 
des zweischiffigen Refektoriums stammen, die kleineren da- 
gegen vom Paradies und Kreuzgang. Die Basen Fig. 19 
und die Kapitale Fig. 24 erweisen sich durch ihre überein- 
stimmenden Maße als zusammengehörig. — Die genauen 
Maße der Kapitale Fig. 23 und 24 sind folgende: 

Fig. 23 Fig. 24 

Höhe des ganzen Kapitals m 033 0-50 

Breite des ganzen Kapitals , 060 0-80 

Breite des Kernpfeilers -0-19 028 

Durchmesser des Kempfeilers _ 0-255 0'47 

Durchmesser eines Säulchens -OH 0-21 

Durchmesser des Gesamtpfeilers _ 0-45 0-70 



77 



Die archäologischen Funde von Welehrad und ihre historische Bedeutung 



78 



und dem entspricht auch die verhältnismäßigf stren- 
gere Bildung der Ranken und des Blattwerkes. 
Dagegen ist das Kapital 24 aus 4 Kelchkapitälen 
komponiert, die bereits den Übergang zu den früh- 
gotischen Kapitälformen herstellen, und überein- 
stimmend damit verrät auch das Blattwerk dieses 
Kapitals mit seinen weicheren und fließenderen 
Formen die Annäherung an die naturalistischen 
Motive der frühgotischen Dekoration.*) 

Wir gelangen nun zu den Funden, die inner- 
halb der Klostergebäude gemacht worden sind. 
Da war man auf dem Klostergange nächst dem 
Refektorium schon im Spätfrühjahr 1891 auf ein 
vermauertes romanisches Portal gestoßen (Fig. 4//^). 
Als man nun im Fußboden des Ganges selbst 




Fig. 24 Kapital eines romanischen, mit vier Säulen 
kantonierten Pfeilers zu Welehrad 

Grabungen anstellte, fand man an seinem östlichen 
Ende gegen den Klostergarten (Fig. 4 J) ungefähr 
i'20 nt unter dem jetzigen, aus schweren Quadern 
hergestellten Pflaster (in diese Tiefe reicht auch 
ungefähr die obere Bauschuttschichte) ein anderes 
aus sechseckigen Ziegeltafeln zusammengesetztes 
Pflaster und unter diesem, noch etwa 60 — 70 cui 
tiefer (ungefähr 2 m unter dem jetzigen Niveau) 
ein drittes Pflaster in feinster Mosaikausführung 
(Fig. 25) aus größeren und kleineren verschieden 
geformten gebrannten Tonplatten zu abwechs- 
lungsreichen geometrischen Konfigurationen zu- 
sammengesetzt. Nach V. HouDEK^) wurde, soviel 
bekannt ist, ein derartiges Pflaster bisher nur noch 
in den Ruinen des Zisterzienserklosters Hradist 



') Einigen ähnlichen Kapitalen und Konsolen begegnen 
wir auch am Kreuzgange von Tischnowitz ; vgl. J. E. Wocei-, 
Die Kirche des ehemaligen Zisterzienser- Nonnenklosters 
Porta coeli im Jahrb. d. Z. K. III 270. 

2) AbgebUdet in den Mitt. d. Z. K. XIX (1893) Taf. III) 

2) V. HouDEK, a. a. O. p. 138. 



(bei Münchengrätz) in Böhmen gefunden, welches 
Kloster 11 77 gegründet und ebenso wie später, 
das Zisterzienserkloster in Welehrad von dem 
Kloster Plaß in Böhmen besiedelt worden war. 
Beim ersten Anblicke hat es allerdings den An- 
schein, als wären die Platten verschieden, und zwar 
teils rot, teils grau gefärbt; aber bei näherer Be- 
trachtung überzeugt man sich leicht, daß die 




Fig. 25 Romanisches Tonfliesenpflaster aus Welehrad 

verschiedene Färbung bloß durch den verschie- 
denen Grad des Brennens bedingt ist. Was das 
Alter derartiger (allerdings farbig glasierter) 
Pflasterplatten betrifft, so versetzt sie Viollet le 
Duc*) bei vorherrschender roter Farbe in die erste 
Hälfte des XIII. Jh. In diese Zeit datiert auch 
J. E. WocEL das Mosaikpfiaster von Hradist, das 
er ausführlich beschreibt,-) und zwar ebenfalls mit 

') Dictionnaire de l'architect. fran9. II 264. 
') J. E. W'ocEi., Ostatky chrämu bj'T^aleho klästera 
Hradiste nad Jizerou in Pamätky archaeologick6 a miste- 



79 



Die archäologischen Funde von Welehrad und ihre historische Bedeutung 



80 




Fig. 26 Grundriß der im Klosterhofe von Welehrad aufgedeckten romanischen Grundmauern 



Rücksicht auf die daran vorherrschende rote Glasur. 
Dem Welehrader Pflaster fehlt nun allerdings die 
Glasur, aber die Übereinstimmung- in der Form 
mit dem Hradister Pflaster dürfte wohl genügen, 
um ihm die gleiche Zeitstellung anzuweisen.') 

Endlich sind auch im Klosterhofe neben dem 
Refektorium überraschende Entdeckungen ge- 
macht worden. Auch hier hatten bereits die Ent- 
wässerungsarbeiten auf zwei ungemein mächtige 
Grundmauern geführt (Fig. 4 K^ und K.^). Durch 
die systematischen Grabungen im Herbste 1903 
wurden nun in einer Tiefe von ungefähr 180 111 



pisn6, VI. TeU (1865) S. 22—34 und in den Mitt. d. Z. K. 
1864, S. 129—146. 

') Das im Zisterzienserkloster HeiHgenkreuz vor- 
gefundene Mosaikpflaster aus gebranntem Ton läßt sich 
zum Verweise nicht wohl heranziehen, da es aus bedeutend 
kleineren Plättchen zusammengesetzt ist und neben geo- 
metrischen Mustern auch andere Zeichnungen aufweist. 



unter dem jetzigen Niveau drei überaus mächtige, 
r6 m starke, in eine Tiefe von 3-15 in reichende, 
von Süd nach Nord parallel laufende Grundmauern 
aufgedeckt, die aus unbehauenen Steinen ungemein 
fest gefügt, das heutige Refektorium durchqueren. 
In der Schmalwand, die ihre Nordenden verbindet, 
ist das im Jahre 1891 zufällig aufgedeckte Portal 
(Fig. 4 und 2b H) vermauert. An ihrem südlichen 
Ende sind sie durch eine ebenso mächtige iSo;» 
starke Quermauer aus demselben Gestein mit- 
einander verbunden, so daß der Grundriß des ge- 
samten Gebäudes, das durch die bloßgelegten 
Grundmauern gebildet wird, den unter dem Re- 
fektorium befindlichen Teil derselben mit einbe- 
zogen, ein Rechteck von 34-6 m Seitenlänge und 
14-5 m Breite darstellt, welches durch die mittlere 
GrundiTiauer in zwei Schiffe von gleicher Breite 
(ein westliches und ein östliches) geteilt wird. 

Auf der mittleren Grundmauer wurden, in 



8i 



Die archäologischen Fuiule von Wclehrad und ihre historische Bedeutung 



gleichen Abständen von je 4-6 m voneinander ent- 
fernt, die Plinthen der ehemaligen Einzelstützen 
für die Decke noch in ihrer ursprünglichen Lage 
mit der oberen Kante 38 cm über die Grundmauer 
aufsteigend, festgemauert vorgefunden; die; am 
weitesten gegen Süden gelegene (L) davon, mit 
wohlerhaltener Basis eines mit vier Säulen kanto- 
nierten Pfeilers (Fig. 19), war bereits während 
der Entwässerungsarbeiten aufgefunden und her- 
ausgehoben worden, während die folgenden drei 
ohne Basen in ihrer ursprünglichen Lage auf der 
(irundmauer festgemauert belassen wurden, die 
fünfte unter dem Kellerpflaster innerhalb des jetzigen 
Refektoriums ihren Platz hatte. An den drei 
freigelegten Außenwänden sind die Uinfassungs- 
mauern mit den Fundierungen der Strebepfeiler 
versehen, deren Lage den durch die Plinthen be- 
zeichneten Jochabteilungen des Innern entspricht. 
Das Vorhandensein von Strebepfeilern bringt allein 
schon den Schluß nahe, daß die beiden Schiffe des 
Innern gewölbt gewesen sein müssen, und dies 
wird durch zahlreiche im Schutt vorgefundene 
Gewölbrippenstücke bestätigt. Längs der Innen- 
wand der südlichen Quermauer (^ k) stieß man in 
40 on Höhe über dem bloßgelegten Gemäuer auf 
ein bereits vollständig morsches rotes Ziegelpflaster 
von ungefähr 10 cm Stärke, das bei der geringsten 
Berührung sofort in kleine Stückchen zerfiel, so 
daß sich nicht einmal die Form der einzelnen 
Ziegeltafeln mehr feststellen ließ. Die Lage dieses 
Pflasters, 1 2 cm oberhalb der schönbehauenen 
Plinthen der Mittelstützen, zwingt zur Vermutung, 
daß es den Bodenbelag einer erhöhten Estrade am 
Südende des Raumes gebildet haben muß. 

Da nun das mehrfach erwähnte, seit dem Jahre 
1891 aufgedeckte romanische Portal H mit den 
aufgedeckten Grundmauern im Verbände steht und 
somit ganz zweifellos den Eingang in den zwei- 
schiffigen Raum des westlichen Schiffes gebildet 
hat, kann es wohl nicht mehr zweifelhaft sein, daß 
wir in dem Gebäude die Reste des ehemaligen 
romanischen Refektoriums zu erblicken haben, das 
nicht, wie August Prokop') wollte, unterhalb des 
jetzigen, von Ost nach West ziehenden Refektoriums, 
sondern senkrecht darauf gelegen war. Wir stehen 
hier vor den Grundmauern des Refektoriums jenes 



ij Mitt. d. Z. K. .\I.X (.1893) 167. 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission 1905 



großartig angelegten Klostergebäudes, welches der 
Markgraf von Mähren Wladislaw Heinrich, der 
Bruder des Böhmenherzogs Przemysl Ottokars I, 
zu Beginn des XIII. Jh. für die Zisterzienser hatte 
erbauen lassen. Die vorgefundenen Architektur- 
reste (am Portal, den Gewölb.stützen und Rippen 
im Innern) lassen keine andere Datierung zu. 

Endlich verdienen die Steinmetzzeichen er- 
wähnt zu werden, die sich, allenthalben auf den 
bloßgelegten alten Quadersteinen vorfinden (Fig. 
27 und 28). Wir begegnen ihnen sowohl auf der 




Fig. 27 Steinmetzzeichen von der ehemaligen 
Zisterzienserkirche in Welehrad 

Hauptapsis der Kirche (Fig. 27 I), wo sie seit jeher 
frei sichtbar waren, als auf dem schon oft erwähnten 
Portale (Fig. 27 II) und auf den anderweitig zer- 
streut aufgefundenen Quadersteinen (Fig. 27 III); 
ferner auf dem Mauersockel der alten Kirchen- 
fassade (Fig. 28 IV, wo die Ziffer 2 bei einigen 
derselben anzeigt, daß sie doppelt vorkommen) 
sowie auf den alten Grundmauern der Kloster- 
gebäude (Fig. 28 V). 

Eine tiefere Verwertung dieser Zeichen für 
die kunsthistorische Erforschung von Alt- Welehrad 
l.st bei dem heutigen Stande unserer Kenntnis von 
diesen nicht unwichtigen Handmalen der mittel- 

6 



Die archäologischen Funde von Welehrad und ihre historische Bedeutung 



84 



alterlichen Steinmetzen nicht mög-lich, und der 
Zweck ihrer Bekanntmachung an dieser Stelle soll 
es auch hauptsächlich nur sein, Vergleichsmaterial 
für künftige einschlägige Studien darzubieten. Es 
soll nur so viel beigefügt sein, daß zwischen den 
Zeichen der Hauptapsis und jenen an dem bloß- 
gelegten Mauersockel der alten Kirchenfassade 
eine vielfache Ähnlichkeit besteht, ja einige dar- 
unter in der gleichen Form da und dort vor- 
kommen; ferner, daß die Welehrader Steinmetz- 
zeichen im großen und ganzen das rundlich ge- 




S ? J 'i 



-1 -V H '^ 



Fig. 28 Steinmetzzeichen von der ehemaligen 
Zisterzienserkirche in Welehrad 

bogene Gepräge des romanischen Stils und nicht 
das spitzbrüchige des gotischen erkennen lassen.^) 
Daß das in Welehrad wiederholt vorkommende 
Zeichen Fig. 28 V auch an der spätromanischen 
Zisterzienserkirche von Maulbronn mehrfach wieder- 
kehrt, hat schon Houdek hervorgehoben. Daraus 
jedoch mit Bestimmtheit auf eine Zuwanderung 
von Steinmetzen aus auswärtigen Zisterzienser- 
bauten zu schließen, wäre wohl gewagt. 



') V. HoüDEK, a. a. O. S. 136. — Von den Steinmetz- 
zeichen, besonders aus der gotischen Stilperiode, handelt 
F. RziHA ausführlich in seiner Abhandlung: Studien über 
Steinmetzzeichen in den Mitt. d. Z. K. 1881. 



Die Bedeutung der im vorstehenden geschil- 
derten Ergebnisse der bisherigen Grabungen läßt 
sich kurz dahin zusammenfassen, daß sie unsere 
bisherigen Vorstellungen von der ehemaligen spät- 
romanischen Klosteranlage und Kirche der Zister- 
zienser zu Welehrad in ganz wesentlichen Punkten 
korrigieren und vervollständigen. Wenn sie daher 
die Erwartungen nicht getäuscht haben, so ermu- 
tigen sie anderseits zu einer Fortsetzung der plan- 
mäßigen Durchforschung des Bodens. Noch sind 
gewisse Teile sowohl innerhalb des Klosterbezirkes 
als außerhalb desselben zu untersuchen. Des Vor- 
handenseins noch nicht näher geprüfter Grund- 
mauerzüge auf der Nordseite der Kirche wurde 
bereits an früherer Stelle gedacht. Vor allem aber 
lockt das ausgedehnte Gartenterrain auf der Ost- 
seite, wo sich nach Aussage der Hirschmentzel- 
schen Ansicht noch im XVII. Jh. eine zweite große 
klosterartige Anlage mit zwei Kirchen erhoben 
hatte. Man vermutet an jener Stelle die alte Prä- 
latur; es ist aber die Frage nicht abzuweisen, ob 
dort nicht noch ältere Gebäude vorhanden gewesen 
seien, als die Zisterzienseranlage des XUI. Jh. 
Auch einige der bisher gemachten Funde weisen 
in dieser Richtung und verstärken die Erwartung, 
durch Grabungen erwünschte Aufschlüsse über die 
ehemaligen Bauten an dieser Stelle zu erlangen. 
So W'Urden die rätselhaften 3 Steingräber östlich 
von der heutigen Kirche aufgedeckt; in dem Gange, 
der vom Refektorium in östlicher Richtung nach 
dem Klostergarten führt, wurde das Mosaikpflaster 
angetroffen, dessen nähere Bestimmung heute noch 
nicht gesichert ist; und nicht weit davon stieß 
man auf ungemein mächtige Grundmauern (Fig.4 J/), 
die im vorstehenden Berichte noch keine Erwäh- 
nung fanden, weil sie in der alten Klosteranlage 
der Zisterzienser nicht organisch untergebracht 
werden können. Alle diese Umstände lassen es 
empfehlenswert erscheinen, nunmehr im Osten den 
Spaten einzusetzen und man darf wohl daran die 
Hoffnung knüpfen, die Ergebnisse möchten hinter 
den bisherigen nicht zurückbleiben, ja womöglich 
dieselben übertreffen. 

Ung.-Hradisch, Oktober 1904 

Korrespondent Dk. Joh-\xn NevMil 



85 



Neue Strüraungcn in der Denkmalpflege 



86 



Neue Strömungen in der 
Denkmalpflege 

Vor kurzem sind zwei Schriften über moderne 
Denkmalpfleg-e erschienen, deren Verfasser, jeder 
in seinem Fache, ein wohlbegründetes Ansehen 
genießen, und namentlich auch auf dem Ge- 
biete, dem ihre jüngsten Enunziationen gelten, 
(li'u unbestrittenen Anspruch erheben dürfen, mit 
Ernst und Aufmerksamkeit gehört zu werden. Eine 
von diesen Schriften ist die Wiedergabe einer 
akademischen Rede, welche der ordentliche Pro- 
fessor der Kunstgeschichte an der Straßburger 
Universität Dr. Georg Gottfried Dehio gelegentlich 
der diesjährigen Geburtstagsfeier des deutschen 
Kaisers gehalten hat. ') Die andere hat den Berliner 
Architekten Bodo Ebhardt zum Verfasser, der sich 
in Deutschland namentlich durch zahlreiche Re- 
staurierungen mittelalterlicher Burgen einen Namen 
zu erwerben wußte; die Ausführungen in seiner 
jüngsten Broschüre-) behandeln auch ausschließlich 
die Pflege älterer Burgbauten, und wenn der Titel 
gleichwohl ein umfassenderes Thema anzukündigen 
scheint, so läßt sich diese Erweiterung nur inso- 
fern rechtfertigen, als bei dem engen Zusammen- 
hange, der zwischen allen Denkmalgebieten unter- 
einander in bezug auf ihre Pflege herrscht, von 
der Behandlung von Burgen in der Tat die Ge- 
danken des Verfassers über eine analoge Be- 
handlung anderer alter Bauwerke mit logischer 
Notwendigkeit abgeleitet werden können. 

Was dem gleichzeitigen Erscheinen dieser 
beiden Schriften im gegenwärtigen Momente einen 
besonderen Wert verleiht, ist der Umstand, daß 
ihre vergleichende Lektüre einen tiefen Einblick 
gewährt in die Wandlung, die sich heute (und 
bereits seit Jahren) in der grund.sätzlichen Auf- 
fassung von der innersten Triebfeder und den 



') Denkmalschutz und Denkmalpflege im neun- 
zehnten Jahrhundert. Rede zur Feier des Geburtstages 
Sr. Maj. des Kaisers, gehalten in -der Aula der Kaiser Wil- 
helm-Universität am 27. Januar 1905 von Dr. Georg Gott- 
fried Dehio, o. Prof. der Kunstgeschichte. Straßburg J. H. 
Er>. Hkitz 1905 8" 27 S. 

') Über Verfall, Erhaltung und Wiederherstel- 
lung von Baudenkmalen mit Regeln für praktische Aus- 
führungen. Von Bodo Ebhardt, Architekt, Berlin Franz 
Ebhardt & Co. 1905 8" 49 S. 



dadurch bedingten äußeren Aufgaben der Denkmal- 
pflege vollzieht, und zugleich in die Hindernisse, 
die einem glatten und normalen Verlaufe dieser 
Wandlung entgegenstehen, und denen auch die 
zahlreichen oft unüberbrückbar scheinenden Miß- 
verständnisse und Meinungsverschiedenheiten in 
den einzelnen Re.staurierung.sfragen zum wesent- 
lichen Teile zugeschrieben werden müssen. Um 
einer von uns für nützlich und dringend empfunde- 
nen Klarstellung dieser Verhältnisse willen, und 
nicht aus Absicht einer einfachen literarischen 
Anzeige, derengleichen vom Programme dieser 
,,Mitteilungen" ohnehin ausgeschlossen sind, .soll 
im folgenden auf gewisse Grundgedanken über 
das Wesen der Denkmalpflege, die in den ge- 
nannten zwei Schriften zum Ausdrucke gebracht 
erscheinen, kritisch eingegangen werden. Es ist 
selbstverständlich, daß auf dem Gebiete der Denk- 
malpflege so erfahrene Männer auch im einzelnen 
eine Menge Dinge vorzubringen wußten, die dem 
Denkmalfreunde wie dem berufsmäßigen Denk- 
malpfleger Nutzen und Anregung gewähren; an 
dieser Stelle darauf einzugehen, lag jedoch nicht 
in unserer Absicht. 

Daß der Standpunkt, den der Kun.sthistoriker 
Dehio zur modernen Denkmalpflege einnimmt, dem- 
jenigen des ausübenden Künstlers Ebhardt vielfach 
diametral entgegengesetzt ist, dünkt uns heute fast 
selbstverständlich ; zahllose polemische Äußerungen 
aus beiden Lagern in der Literatur und auf den 
alljährlich wiederkehrenden Denkmaltagen haben 
uns längst daran gewöhnt, die Stellung der schaffens- 
lustigen Architekten einerseits, der jedem Ein- 
griffe in die Denkmäler grundsätzlich wider- 
strebenden Kunsthistoriker anderseits, als zwei 
Extreme zu betrachten, zwischen denen eine zwar 
pietätvolle, aber den unwiderstehlichen Mächten 
der realen Wirklichkeit klug Rechnung tragende 
Denkmalpflege jeweils die richtige Mitte zu treffen 
hat. Freilich läßt .sich angesichts des Umstandes, 
daß doch beide Parteien ein und dasselbe Ziel 
im Auge haben, schon von vornherein der Ge- 
danke nicht unterdrücken, daß bei gutem Willen 
zwischen den Extremen wenigstens eine An- 
näherung gefunden werden könnte, die der Sache 
gewiß nur zum Vorteil gereichen würde. Bevor 
wir aber diesem Gedanken nachgehen, wollen wir 
uns des Zufalles, der uns gleichzeitig Äußerungen 



87 



Neue Strömungen in der Denkmalpflege 



88 



aus beiden gegnerischen Lagern beschert hat. noch 
aus dem Grunde freuen, weil wir von vornherein 
hoffen dürfen, in der Äußerung des einen sofort 
die Kritik der Äußerungen des andern zu finden 
und dadurch unserer eigenen Kritik Vorschub ge- 
leistet zu sehen. 

Dehio — um mit diesem zu beginnen — 
gibt über die Haupt- und Grundfrage aller Denk- 
malpflege zwar kurze, aber sehr bestimmte und 
sorgfaltiger Erwägung würdige Erklärungen. ,\Vir 
konservieren ein Denkmal nicht weil es schön ist, 
sondern weil es ein Stück unseres nationalen 
Daseins bildet- .Denkmale schützen heißt nicht 
Genuß suchen, sondern Pietät üben." „Ästhetische 
und selbst kunsthistorische Urteile schwanken; 
hier (d. h. in dem „Stück nationalen Daseins") 
ist ein unveränderliches Wertkennzeichen ge- 
funden.' 

Das sind allerdings Sätze von programmatischer 
Bedeutung, in denen die Wandlung in der Auf- 
fassung vom Wesen der Denkmalpflege zum 
schärfsten Ausdrucke gelangt. Dehio empfindet, 
daß das „künstlerische und historische Interesse", 
womit man im XIX. Jh. den Denkmalbegrifi" de- 
finiert hat, heute diesen Begriff nicht mehr er- 
schöpft. Weder das egoistische Lustgefühl, das 
durch Form und Farbe des Denkmals erzeugt wird, 
noch die verstandesmäßige Befriedigung über die 
durch das Denkmal in uns angeregten historischen, 
namentlich kunsthistorischen Ideenassoziationen 
reichen aus, um die oft schwärmerische Begeisterung 
des modernen Menschen für die .Denkmale" zu 
erklären, zumal beiden genannten Wertursachen — 
sowohl dem Kunstgeschmacke als dem historischen 
Interesse — jeweilen bloß relative Gültigkeit zu- 
kommt. Dehio empfindet ganz richtig, daß die 
ästhetisch-wissenschaftliche Schablone der „kunst- 
und historischen Denkmale" heute nicht mehr 
paßt, und daß das eigentlich zwingende Motiv des 
Denkmalkultus in einem altruistischen Gefühle 
beruht, das uns Pietät, das heißt Aufopferung ge- 
wisser entgegenstehender egoistischer Bestrebun- 
gen als innere Pflicht auferlegt. Dieses altruisti- 
sche Gefühl faßt aber Dehio als ein nationales: 
„Wir schützen das Denkmal als ein Stück natio- 
nalen Daseins. - 

Diese Fassung dünkt uns, um es gleich zu 
sagen, eine zu enge; Dehio steht damit off^enbar 



doch noch unter der Nachwirkung des Bannes 
der Anschauung des XIX. Jh., welche die Be- 
deutung des Denkmals wesentlich im .historischen" 
Momente gesucht hatte. 

In welchem Sinne seine Definition des Denk- 
mals als .Stück nationalen Daseins" zu verstehen 
ist, erläutert Dehio selbst an einem Beispiele, in- 
dem er den Verlust des Jamnitzer Pokals an dcis 
Louvremuseum beklagt Ein Denkmal deutschen 
Kunstschaffens müsse nun der Deutsche in Paris 
aufsuchen! Aus solchen Äußerungen spricht der 
gleiche Stolz auf die nationale Leistung, wie aus 
der französischen Definition der .Xationaldenk- 
mäler", welche einen Teil der Gloire der franzö- 
sischen Nation ausmachen. Das altruistische Moment 
in diesem Gefühle ist offenbar ein beschränktes: 
es wird sofort ein egoistisches, sobald es mit Bezug 
auf Angehörige einer andern Nation empfunden 
wird. Es heißt dann Ruhmsucht, und nicht mehr 
Pietät. Haben wir aber nicht unzählige Male im 
Anblick eines Denkmals geschwelgt, ohne uns 
auch nur im leisesten seines nationalen L'rsprungs 
bewußt zu werden? Und haben uns andere 
Denkmäler darum weniger Wohlgefallen einge- 
flößt, weil sie einem ausländischen, etwa dem 
italienischen Kunstschaffen entstammten? Hieraus 
erheben sich Bedenken gegen die Gemeingültig- 
keit der DEHioschen Definition. Trachten wir 
uns an der Hand von Beispielen darüber klar zu 
werden. 

Kürzlich wurde durch die Nacliricht, daß dem 
geplanten Eisenbahnbau in der Wachau einige 
alte Häuser, namentlich im Orte Weißenkirchen, 
zum Opfer fallen sollen, manchem Denkmalfreunde 
aufrichtiges Leid verursacht. Frag sich aber der 
also Betroffene, was ihm mit diesen Häusern ver- 
loren ging, so begegnete er überall tröstlichen 
Erwägungen, soweit bloß das „künstlerische und 
historische Interesse" in Betracht kam. Die zu 
hohen oder zu schmalen Verhältnisse, die auf 
rohen Bogen unregelmäßig vorgewölbten Ober- 
geschosse, die derben Säulen, winkeligen Frei- 
treppen usw. würde man an jedem modernen 
Bau von künstlerischem Standpunkte unerträg- 
lich finden; in kunsthistorischer Beziehung be- 
sitzen wir dafür anderwärts zahlreiche, ungleich 
wertvollere Ersatzstücke; historische Erinnerun- 
gen endlich, die sonst in der Wachau von 



89 



Neue Strömungen in der Denkmalpdegc 



90 



Richard Löwenherz bis auf Napoleon zahlreich 
genug" entgegentreten, fehlen gerade jenen zum 
Abbruche bestimmten Häusern gänzlich. Was 
ist es also, dessen drohender Verlust uns trotz 
aller Vernunfterwägungen ein untilgbares Leid 
empfinden läßt? Es kann nichts anderes sein, als 
das „Alte" an und für sich, das Nichtmoderne, 
das Zeugnis eines Schaffens früherer menschlicher 
Generationen, deren Nachfahren wir selbst bilden. 
So wie wir unsere Vorfahren gleichsam als eine 
Verlängerung unseres eigenen Daseins nach rück- 
wärts in der Zeit auffassen dürfen, stellen sich uns 
entsprechenderweise auch die Denkmäler als 
eine Verlängerung unseres eigenen Schaffens nach 
rückwärts dar, und in diesem Lichte betrachtet, 
gewinnen sie für uns ein solches Interesse, daß wir 
ihrer Erhaltung selbst Opfer an modernen, zeit- 
lichen Gütern bringen. 

Solchermaßen erscheinen uns die alten Häuser 
von Weißenkirchen in der Tat als ein Stück 
unseres eigenen Daseins, und insofern als sie 
einstmals von Deutschösterreichern gebaut wurden 
und wir uns während ihrer Betrachtung als Deutsch- 
österreicher fühlen, auch als ein Stück unseres 
nationalen Daseins. Aber wenn man selbst davon 
absieht, daß die Wiege so manches also Empfin- 
denden fern von der Wachau gestanden war, und 
seine Vorfahren sich nicht immer zur deutsch- 
österreichischen Nationalität bekannt haben, ver- 
mögen gewiß viele das Bewußtsein nicht zu unter- 
drücken, daß ihnen etwa die Lauben inXrient oder die 
aus ganz anderen Kulturverhältnissen entstandenen 
Gäßchen im Palastviertel von Spalato genau das 
gleiche Gefühl der unbedingten Lust an der An- 
schauung des Alten an und für sich einzuflößen 
pflegen als die Wachauer Häuser. Und warum 
— wenn es gestattet ist ein Exempel aus der 
eigenen Erfahrung vorzubringen — habe ich es 
von Jugendjahren an stets instinktiv vermieden, 
zu Rom im modernen Fremdenviertel mein Quartier 
aufzuschlagen und habe dafür stets die als fieberig 
verrufene Tiberstadt aufgesucht, deren Gassen 
wenigstens das unverfälschte, wenn auch einfache 
Gepräge der Barockzeit zur Schau tragen? Und 
das selbst schon zu Zeiten, als ich noch als ge- 
lehriger Schüler meiner Lehrmeister im Barock- 
stil als solchem die abscheulichste Verirrung des 
menschlichen Kunstgeistes erblicken zu müssen 



glaubte! In welch anderem konnte da der Denk- 
mtüwcrt dieser von mir wider die verstandes- 
mäßige Erwägung vorgezogenen Menschenwerke 
beruhen, als in ihrem Alters wert an und für sich, 
ganz abgesehen von der Nationalität ihrer Er- 
richter? In diesem Lichte betrachtet, erscheinen 
sie uns gewiß auch als ein Stück unseres Daseins, 
aber nicht des nationalen, sondern des mensch- 
lichen Daseins. Der Nationalegoismus erscheint 
damit zu einem Menschheitsegoismus abgeschwächt, 
das der Denkmalpflege zugrunde liegende Ge- 
fühl einem rein altruistischen wesentlich näher- 
gebracht. 

Als ein Stück seines nationalen Daseins, wie 
Dehio will, können die Denkmale somit .streng 
genommen nur demjenigen gelten, der keine anderen 
Denkmale kennt, als jene seines Heimatslandes, was 
aber heute wohl nurmehr bei wenigen Gebildeten 
zutrifft. Ferner darf man zugeben, daß bei zahl- 
reichen Denkmalfreunden der Heimatssinn so außer- 
ordentlich einseitig entwickelt ist, daß die heimat- 
lichen Denkmale in ihm weit rascher und inten- 
siver die Stimmung.sgefühle erwecken, als solche 
die auf fremdem Boden erwachsen sind. Aber da 
handelt es sich bloß um sekundäre Unterschiede: 
das Hauptmotiv des Denkmalkultus auf dieser Ent- 
wicklungsstufe (die, wie gleich gezeigt werden 
soll, heute auch bereits überschritten ist) bleibt 
das ,,Menschheitsgefühl", mag es auch gelegentlich 
überwiegend bloß den Menschen von einer be- 
stimmten Nationalität gelten, d. li. in der be- 
schränkten Form des Nationalgefühls zum Aus- 
drucke gelangen. 

Die letzten Ziele des modernen Denkmal- 
kultus werden aber erst dann völlig klar, wenn 
man auch den wachsenden Sinn für die Pflege 
der ,, Naturdenkmale" mit in Betrachtung zieht, 
was Dehio allerdings — für seinen Standpunkt 
sehr bezeichnenderweise — unterlassen hat. Eine 
Dorflinde mag man am Ende noch als ein Stück 
nationalen Daseins ansehen, weil sie von unseren 
Vorfahren gepflanzt wurde; aber ein gigantischer 
wilder Waldbaum oder eine senkrecht gewachsene 
Felswand ist von der Natur selbsttätig hervor- 
gebracht, ohne Zutun menschlicher Hände. Warum 
empfinden wir es dann als einen Frevel, die Hand 
daran zu legen, den Baum zu fällen, die Fels- 
wand zu sprengen, und ihnen damit gleichsam 



91 



Nene StrömuDgen in der Denkmalp6ege 



92 



das Lebenslicht auszublasen? Warum reklamieren 
wir auch für diese Xaturerzeugnisse das Recht, 
sich g-leichsam ungestört ausleben zu dürfen? Wir 
achten eben auch in ihnen die Zeugnisse ver- 
gangenen Daseins, Lebens und Schaffens, aber 
allerdings nicht des Daseins der Nation und auch 
nicht des Daseins der Menschheit, wie auf der vor- 
her fixierten Entwicklungsstufe überhaupt, sondern 
des Daseins der Natur. Im Kultus der ,. Naturdenk- 
male" ist auch der letzte Rest von Egoismus — 
der auf die Menschheit bezügliche — überwunden, 
und mit der Teilnahme an den vergangenen 
Geschicken der außermenschlichen Natur der volle 
Altruismus erreicht. Der Kultus der Naturdenk- 
male ist der alleruninteressierteste: er verlangt 
von uns Lebenden mitunter Opfer für ein lebloses 
Naturding. 

So sehen wir den modernen Denkmalkultus 
immer mehr dahindrängen.das Denkmal nicht als 
Menschenwerk, sondern als Naturwerk zu 
betrachten, und so erklärt sich auch die schon 
öfter gemachte Beobachtung, daß ihm von den 
Gebieten der modernen Kunst keine näher steht, 
als die Landschaftsmalerei. Tierschutzbestrebun- 
gen und Denkmalschutzbestrebungen sind im 
Grunde aus einer und derselben Wurzel hervor- 
gegangen. Bei beiden ist der Wunsch maß- 
gebend, etwas zu vermeiden, was unser sub- 
jektives Gefühl verletzt, nicht bloß unser Kol- 
lektivgefuhl für Menschenwürde oder gar bloß 
für Nationalwürde. Wir empfinden es als ein 
rein persönliches Leid, daß die Weißenkirchner 
alten Häuser fallen sollen: nicht deshalb, weil 
sie von unseren nationalen Vorfahren erbaut 
und bewohnt waren, und auch nicht so sehr, weil 
sie darüber hinaus Zeugnisse unserer eigenen 
menschheitlichen Vergangenheit darstellen, sondern 
weil sie überhaupt etwas in früheren Zeiten Ge- 
wordenes von bestimmtem individuellem Charakter 
sind und damit ein Recht darauf erworben haben, 
sich womöglich nach ihren eigenen Erhaltungs- 
bedingungen auszuleben. 

Wiewohl nun nach dem Gesagten Dehios 
Zurückführung des modernen Denkmalkultus auf 
ein Bedürfnis des Nationalgefühls den Sachverhalt 
keineswegs erschöpft, hat doch die darin enthaltene 
Grunderkenntnis, daß es sich dabei um die Pflege 
eines Gefühls handelt, bereits genügt, um DEmo 



die sozialistische Tendenz des modernen Denkmal- 
kultus zu erschließen. „Das Interesse, das die Ge- 
samtheit an einem Denkmale hat, überwiegt ganz 
unermeßlich das Interesse des Individuums.'' Das 
soll soviel heißen, als daß in der Regel bloß der 
einzelne Besitzer des Denkmals selbst von seinem 
egoistischen Standpunkte ein Interesse an der 
Beseitigung eines Denkmals haben kann, weil 
ihm seine Erhaltung solche materielle Opfer auf- 
erlegt oder ihn an der Erreichung anderer so 
gewichtigfer Vorteile hindert, daß durch dieses 
starke egoistische Interesse sein altruistisches, die 
Erhaltung forderndes übertäubt und erstickt wird. 
Dagegen haben alle übrigen Menschen bloß das 
altruistische Interesse an der Erhaltung des 
Denkmals, worin sie durch keinerlei konkurrie- 
rende egoistische Interessen beirrt und behin- 
dert werden. Es ist dann gewiß nur billig zu 
verlangen, daß der Wunsch so vieler, wie sie 
die Gesamtheit ausmachen, gegenüber dem ent- 
gegengesetzten Wunsche eines einzelnen Berück- 
sichtigung finde; dadurch gewinnt aber, die For- 
derung nach öffentlichem Denkmalschutz allerdings 
einen sozialistischen Charakter. Eines ist jedoch 
dabei unumgängliche Voraussetzung: daß in der 
Tat die Gesamtheit oder doch wenigstens ein sehr 
wesentlicher und maßgebender Teil derselben die 
Forderung auf Erhaltung des Denkmals erhebt. 
Alle Schutzparagraphen würden sich ohnmächtig 
erweisen, wenn nicht das .Volk" von der Not- 
wendigkeit des Schutzes überzeugt wäre und seine 
Ausübung selbst in die Hand nähme. Um aber 
diese Notwendigkeit als eine zwingende zu emp- 
finden, genügt weder eine Auffassung, die im 
Denkmal bloß ein ästhetisches Lustmittel er- 
kennt, noch jene andere, die damit wissenschaft- 
lich-historische Liebhabereien befriedigen will. 
Der Denkmal wert muß vielmehr ein Gefühls- 
wert und damit zur Gefühlssache der brei- 
ten Masse, wenigstens der Gebildeten, ge- 
worden sein, und das kann überhaupt erst von 
dem Älomente an zutreffen, als wir im Denkmal 
ein ,. Stück des eigenen Daseins" zu schätzen 
gelernt haben. 

Dies ist aber bloß eine, und zwar gewisser- 
maßen die subjektive Seite, in welcher die soziali- 
stische Tendenz in den modernen Denkmalschutz- 
bestrebungen zutage tritt. Dazu gesellt sich noch 



93 



Neue Strömungen in der DeiiUmalpfleye 



94 



eine andere objektive Seite, die in der Demokrati- 
sierung" des Denkmals selbst beruht. Die Defini- 
tion der „kunst- und historischen Denkmale" hatte 
noch eine aristokratische Auslese: boding-t; diese 
muLi aber in Wegfall kommen, sobald es sich beim 
Denkmal wesentlich nurmehr um das Altsein als 
solches handelt. Es wird vom Denkmal nichts mehr 
gefordert, als deutliche Altersspuren und eine hin- 
reichende individuelle Geschlossenheit, wodurch es 
sich seiner Umgebung- und der ganzen übrigen Welt 
entgegensetzt. 

Dai3 dieser Sachverhalt heute noch vielfach ver- 
kannt, der Denkmalwert noch immer vorwiegend im 
„Schönen" und im „Historischen" gesucht wird, ist 
die eigentliche Quelle aller Unklarheiten, Mißver- 
ständnisse und erbitterten Streitigkeiten auf diesem 
Gebiete. Noch immer werden vielfach selbst solche, 
die angesichts jener alten Häuser der Wachau die 
Gefühlswirkung der Stimmung deutlich erfahren, 
sich trt)tzdem damit abmühen, zu erweisen, wie 
man im XVI. und XVII. Jh. „schöner" gebaut 
habe als heutzutage. Und die Aufgeklärteren werden 
betonen, daß diese Häuser kunsthistorische Details 
zeigen, die für die Architektur der Renaissance- 
und Barockzeit charakteristisch sind, und daß sie 
zugleich auch von der geschichtlichen Entwicklung 
auf zahlreichen, anderen Gebieten menschlicher 
Kultur in den deutschösterreichischen Erblanden 
Zeugnis ablegen. Diese beiden Momente kommen 
auf der heutigen Stufe unserer Kulturentwicklung 
nebenher zweifellos auch noch mehr oder minder 
ansehnlich in Betracht; aber das erstere, soweit 
es überhaupt ernst empfunden wird und nicht auf 
Selbsttäuschung beruht, ist nur dem ästhetisch 
Gebildeten, das zweite bloß dem wissenschaftlich- 
historisch Gebildeten zugänglich. Das Entscheidende 
in der Wirkung eines Denkmals auf den modernen 
Beschauer bildet keines von beiden. Dieses liegt 
vielmehr in einem an sich undefinierbaren Gefühl, 
das sich lediglich als eine unstillbare Sehnsucht 
nach Anschauung eines „Alten" äußert. Wir be- 
merken an dem Hause, daß es „alt" ist, und sind 
darüber an und für sich entzückt. Daß man diesen 
Sachverhalt so lange verkannt hat und ihn sich 
selbst heute noch vielfach mit allen Kräften zu 
verhehlen trachtet, kann wohl am verständlichsten 
aus dem Unbehagen erklärt werden, das der 
moderne Gebildete jedesmal empfindet, wenn er 



einem nicht sofort verstandesmäßig zu Fassenden 
gegenübertritt. Der Beschauer will sich nicht ein- 
gestehen, daß er das Gefühl, da; er angesichts 
eines Denkmals empfindet, sich nicht sofort er- 
klären, könne, und so täuscht er sich vor, das 
Denkmal gefalle ihm, weil es schön oder weil es 
historisch interessant wäre. Auf diesem Wege ist 
wohl auch Diiiuo, trotz seiner Erkenntnis, daß der 
Denkmalwert auf einem Gefühle beruht, noch 
dazu gelangt, das Nationalbewußtsein als die ent- 
scheidende Triebfeder des Denkmalkultus hinzu- 
stellen, weil dieses Bewußtsein, auf der Rasse- 
zusammengehörigkeit begründet, einen wenn auch 
noch nicht physikalisch erklärten, so doch als 
tatsächlich vorhanden allgemein anerkannten 
Faktor bildet. Daß eine solche Auslese der Denk- 
male nach dem Gesichtspunkte ihrer Wichtigkeit 
für unsere nationale Vergangenheit, wie schon 
früher angedeutet wurde, noch eine Nachwirkung 
des Bannes der im XIX. Jh. herrschend gewesenen 
„historischen" Auffassung vom Wesen des Denk 
mals verrät und hiedurch eine Brücke zu dieser 
früheren, heute noch in weitverbreitetem Ansehen 
stehenden Auffassung bildet, mochte für Dkhio 
ebenfalls etwas Lockendes und zugleich Beruhi- 
gendes gehabt haben. Nach unseren früheren Aus- 
führungen wird man aber, wenn die letzten Ziele 
der modernen Denkmalpflege genannt werden 
sollen, Dehios Nationalgefühl mindestens durch 
das Menschheitsgefühl, wo nicht (wozu der Kultus 
der Naturdenkmale heute schon zwingt) durch 
ein Daseinsgefühl überhaupt ersetzen müssen. 
Die Denkmale entzücken uns hienach als 
Zeugnisse dafür, daß der große Zusammen- 
hang, von dem wir selbst einen Teil bil- 
den, schon lange vor uns gelebt und ge- 
schaffen hat. Eine solche Erklärung bedeutet 
ebensowenig einen Sprung ins Transzendente, als 
jene Dehios, die auf dem Nationalbewußtsein 
basiert. 

Aber selbst wenn man die im vorstehenden 
gegebene Analyse und Erklärung des Gefühl-s, 
das man angesichts eines Denkmals empfindet, 
nicht zutreffend finden sollte: das eine wird man 
sich endlich klar und deutlich eingestehen müssen, 
daß es ein unwiderstehlich zwingendes Gefühl ist, 
das uns zum Denkmalkultus treibt, und nicht ästhe- 
tische und historische Liebhabereien. Wären es 



95 



Nene Strömungen in der Denkmalpflege 



96 



nur die letzteren, dann wäre nichts ungerecht- 
fertigter, als der Ruf nach gesetzlichem Schutz. 
Wie könnten sich die Ästheten und Wissenschaftler 
herausnehmen zu verlangen, daß um ihrer künst- 
lerischen und historischen Liebhabereien willen das 
Privatrecht auf tausend Punkten durchbrochen, die 
freie Verfügung nach vernunftgemäiBen Rücksichten 
über die Denkmale eingeschränkt werde? Nur auf 
dem Vorhandensein und der allgemeinen Ver- 
breitung eines Gefühls, das, verwandt dem reli- 
giösen Gefühle, von jeder ästhetischen oder histo- 
rischen Spezialbildung unabhängig, Vernunfterwä- 
gungen unzugänglich, seine Nichtbefriedigung 
einfach als unerträglich empfinden läßt, wird man 
mit Aussicht auf Erfolg ein Denkmalschutzgesetz 
begründen können. 

Das trotz vorgeschrittener Einsicht immer noch 
Halbe und Unzulängliche in der Auffassung Dehios 
vom „Denkmal als einem Stück unseres nationalen 
Daseins'' mußte sich naturgemäß namentlich dann 
rächen, sobald der Versuch gemacht wurde, daraus 
die Grundsätze für die praktische Behandlung der 
Denkmale abzuleiten. „Konservieren, nicht restau- 
rieren" lautet Dehios kurze Formel dafür, und die 
Restauratoren kommen in seinen Ausführungen 
übel genug weg. Diesen entschiedenen Einspruch 
gegen alle Wiederherstellungen an Denkmalen hat 
Dehio schon vor zwei Jahren auf dem deutschen 
Denkmaltage vertreten. Daß er damit auf den 
heftigsten Widerspruch der restaurierenden Archi- 
tekten gestoßen ist, läßt sich unschwer begreifen. 
Schwerer verständlich ist es jedoch, daß ihm von 
Seite seiner kunsthistorischen Kollegen nicht so eifrig 
sekundiert wurde, als er vielleicht selbst erwartet 
haben mochte. Es scheint, daß die Kunsthistoriker 
in Dehios Polemik eine schwache Seite merkten 
und daher trotz der Zustimmung, die sie den durch 
ihn proklamierten Grundsätzen entgegenbringen 
mußten, sich in ihren bezüglichen Erklärungen Re- 
serve auferlegten. Die schwache Seite ist in der 
Tat vorhanden; sie beruht in nichts anderem als 
jenem wiederholt betonten Reste von „national- 
historischer" Bedeutung, den Dehio mit dem Denk- 
mal neben oder trotz der auch von ihm erkannten 
Gefühl-sbedeutung desselben noch immer verknüpfen 
möchte. Der Nachweis hiefür, der zugleich über 
die schwersten der zwischen restaurierenden Archi- 
tekten und Kunsthistorikern vorhandenen Mißver- 



ständnisse Aufklärung bietet, soll später geführt 
werden; um die nötige klare Basis dafür zu schaffen, 
empfiehlt es sich zunächst, die Anschauungen eines 
modernen ausübenden Künstlers über Wesen und 
Behandlungsgrundsätze der Denkmalpflege kennen 
zu lernen. 

Der Architekt Bodo Ebhardt gibt zwar in 
seiner Schrift keine präzise Definition des „Denk- 
mals", aber er läßt uns nicht im geringsten in 
Zweifel darüber, daß für ihn der Wert eines Denkmals 
wesentlich in seiner historischen Bedeutung ruht. 
Nach Ebh.4rdts Auffassung müßte die Definition 
etwa lauten: Wir schützen ein Denkmal, weil es 
uns ein in seiner Art geschlossenes Bild von einer 
früheren kulturgeschichtlichen Entwicklungsstufe 
gewährt. Was uns etwa angesichts einer Burgaus dem 
XIII. Jh. mit einem Lustgefühl erfüllt, wären hienach 
hauptsächlich die Ideenassoziationen gelehrter Art, 
die sich daran knüpfen; wir freuen uns, an der 
Burg alle jene Dinge wiederzufinden, die das uns 
auf dem Wege gelehrter Bildung bekannt gewor- 
dene Kulturleben des XIII. Jh. charakterisieren. 
Ein Lustgefühl ist es also auch nach dieser Auf- 
fassung, das wir durch das Denkmal in uns erregt 
zu erhalten erwarten; aber dieses Gefühl ist 
kein so unmittelbares, wie das ästhetische, das 
durch Auffassung, Form und Farbe des Denkmals 
bedingt ist, oder vollends jenes hinreißende Stim- 
mungsgefühl, das durch den Anblick des „Alten" 
an und für sich in uns hervorgerufen wird, son- 
dern es gelangt erst auf dem Umwege bewußter 
Reflexion, der Verknüpfung äußerlich angelernter 
Ideen zustande. 

Das kulturgeschichtliche Bild, dessen Hervor- 
rufung wir gemäß dieser Auffassung vom Denk- 
mal verlangen, ist nun ein um so deutlicheres, 
die Ideenassoziationen, durch die dieses Bild 
hervorgerufen wird, sind um so reicher, je 
vollständiger das Denkmal erhalten ist. Eine 
vollkommen erhaltene Burg ist daher vom Stand- 
punkte dieser Auffassung einer Burgruine ent- 
schieden vorzuziehen. Wie aber, wenn eben bloß 
eine Ruine vorhanden ist, die uns nur mangel- 
hafte Anhaltspunkte für die Anknüpfung der nötigen 
Ideenassoziationen gewährt? Um diese Ruine für 
den Denkmalkultus nach Ep.haruts Auffassung voll- 
wertig zu machen, müssen die mangelnden Glieder 
nach Tunlichkeit ergänzt, die Lücken ausgefüllt 



97 



Neue Strömungen in der DenUmalpllege 



98 



werden: mit einem Worte, die in Ruinen gesunkene 
Burg- muß wieder hergestellt werden. Nur eins 
ist dabei strengste Bedingung: Das Ergänzte muß 
genau die Formen nachahmen, die an der gleichen 
Stelle früher vorhanden waren oder, falls darüber 
nicht mehr sichere Auskunft erlangt werden kann, 
wenigstens nach „echten" Vorbildern der gleichen 
Zeit und Kultursphäre kopiert oder neu entworfen 
werden. Daß Material und Arbeit dieser Ergän- 
zungen neu sind, fällt nach der Auffassung Ebhardts 
nicht ins Gewicht. Der „historische" Denkmalwert, 
den ja Ebhardt wesentlich anerkennt, beruht eben 
nicht so sehr auf Material oder Arbeit, sondern auf 
der Form, (zewinnen wir aus der Betrachtung einer 
wiederhergestellten Burg die Überzeugung, daß 
alle ihre Formen den Gebräuchen und Bedürfnissen 
des XIII. Jh. entsprechen, ohne daß ein Detail 
darunter uns als anachronistisch stören würde, dann 
entsteht in uns das begehrte Gefühl der Befriedi- 
gung über den Anblick eines so geschaffenen 
Kulturbildes aus dem Alittelalter, ohne daß wir 
uns im geringsten an den ergänzten Teilen 
.stoßen. Die Ideenassoziationen, durch die das 
Lustgefühl in diesem Falle bedingt ist, knüpfen 
eben an die Formen an und nicht an die wirk- 
liche Herstellungszeit. Wäre dem nicht so, dann 
gäbe es ja keinen historischen Roman, der sich 
ohne reale Zwischenglieder direkt an unser Be- 
wußtsein wendet, wogegen die restaurierte Burg 
wenigstens greifbar und sichtbar zu unseren 
Sinnen spricht. 

Die Grundsätze der Auffassung des Architekten 
Ebhardt von Wesen und Aufgabe der Denkmal- 
pflege müssen somit lauten: Wir schützen die Denk- 
male wegen ihres historischen Wertes; und um 
diesen historischen Wert zur vollen Geltung zu 
bringen, müssen wir die Denkmale nach Bedarf 
wiederherstellen. 

Es sind, wie man sieht, die gleichen Grund- 
sätze, die im letzten Drittel des XIX. Jh. die öffent- 
liche Denkmalpflege fast durchwegs beherrscht 
haben ; in Österreich war ihr hervorragendster Ver- 
treter Friedrich v. Schüidt. Eine unter den Ge- 
bildeten so weitverbreitete und tiefgewurzelte 
Neigung wie jene für historische Ideenassoziationen 
konnte natürlich nicht mit einem Schlage ver- 
schwinden, als gegen Ende des vorigen Jahrhunderts 
allmählich aus dem „historischen" Werte der 

Mif-eilungen der k. k. Zentral-Komniission 1905 



Denkmale der unmittelbar zum Gefühle sprechende 
„Alterswert" sich zu entwickeln begann.') Auch 
heute noch begegnet der historische Denkmalwert 
häufiger und mitunter begeisterter Schätzung, und 
Ehhardt ist daher völlig im Rechte, wenn er als 
stärkstes Argument zugunsten seiner Auffassung 
die Aufträge zitiert, die noch fortdauernd in Deutsch- 
land auf Wiederherstellung von Burgen erteilt 
werden. Eine bestimmte Wertschätzung für das 
„historische" Denkmal ist also zweifellos heute noch 
vorhanden; wir werden am Schlüsse wenigstens im 
allgemeinen die Gebiete abzustecken versuchen, 
auf denen sich diese früher allmächtige Auffassung 
heute noch am kräftigsten und lebendigsten er- 
halten hat. 

Daneben hat aber die neuere Auffassung, nach 
welcher der Denkmalwert in einer unmittelbaren 
.Stimmungswirkung auf das Gefühl beruht, heute 
bereits solche Verbreitung gewonnen, daß auch 
Ebhardt dagegen die Augen nicht verschließen 
kann. Freilich eine Konzession an diese Auffassung, 
wie sie Dehio in seiner Definition vom Denkmal 
gemacht hat, wird man bei Ebhardt vergebens 
suchen. Daß er den „Zauber der sterbenden Ruine", 
den mindestens schon die Barockmaler entdeckt 
hatten, nicht verkennt, ist selbstverständlich; aber 
er läßt uns doch nicht im Zweifel darüber, daß 
er die Ruine wesentlich für ein notwendiges 
Übel ansieht, das man „aus praktischen Gründen" 
nur dann mit in Kauf nimmt, wenn die Mittel 
fehlen. Wo letztere vorhanden sind, ist die 
Wiederherstellung des Ursprünglichen absolut vor- 
zuziehen, das heißt der Stimmungswert (für den 
die Burgruine übrigens ein zu absichtliches und 
daher relativ minder wirksames Medium bildet) 
ist nach Ebhardts Auffassung höchstens ein 
schwaches Surrogat für den historischen Wert 
eines Denkmals. 

Aber diese bedingte Anerkennung des Ruinen 
wertes ist es nicht allein, wodurch Ebhardt eine 



') Den Prozeß, mittels welchen der au unmittelbare 
Stimmungs\virkun<f abzielende Alterswert des Denkmals 
aus dem auf gelehrter Bildung beruhenden historischen 
Werte, durch die vagbegrenzte Übergangstufe des „kultur- 
historischen" Wertes hindurch hervorgegangen ist, habe 
ich darzulegen gesucht in der Schrift Der moderne Deiik- 
malkultus (Wien Braumüii.er 1903) 15—17, 

7 



gg 



Neue Strömungen in der Denkmalpflege 



lOO 



g-ewisse Rücksicht auf die wachsende Bedeutung 
des Stimmungswertes in der Denkmalpflege ver- 
rät. Wiewohl er die Formel „Konservieren, nicht 
restaurieren" ausdrücklich bekämpft, weil das beste 
Konservieren eben im Restaurieren läge und weil 
die bisherigen Versuche von Konservierung ohne 
Restaiu-ierung sämtlich ^.künstlerisch schauderhaft" 
ausgefallen wären, ist doch der Hauptteil seiner 
Broschüre einer Aufzählung und Erörterung der 
Erhaltungsmaßregeln an Ruinen gewidmet. Die 
Grundsätze, die er hiefür aufgestellt hat, sind zwar 
zum überwiegenden Teile von der ausgesprochenen 
Tendenz auf Erhaltung des historischen Charakters 
tiiktiert, aber es sind darunter auch solche, die 
ein volles Verständais für die Hauptmittel der 
Stimmungswirkung verraten. So z. B., indem 
Ebharut den Fugenausstich 3 — 4 cm tiefer als die 
Vorderflucht der Steine zurückzulegen verlangt, 
um die für die Stimmungswirkung so köstlichen 
und unersetzlichen Schatten in den Fugen zu retten, 
— ein Vorgang, der leider nur zu häufig bei der 
Sicherung alter Mauern vernachlässigt wird. Dem 
historischen Werte wird durch solche Behandlung 
der Fugen eher entgegengearbeitet, da diese ur- 
sprünglich gewiß sauber ausgefüllt gewesen sind, 
was Ebhardt selbst mit Recht betont; wenn er sie 
trotzdem klaffen läßt, damit sie Schatten hervor- 
bringen, bezeigt er damit — vielleicht unwillkür- 
lich — seine Reverenz vor dem Anblick des Alters 
an und für sich und dem darauf beruhenden 
Stimmungsgefühl. Es wird daher auch derjenige, 
der den Schwerpunkt des Denkmalwertes nicht 
mehr in seinem historischen Charakter sucht, die 
in der Eeh^vrdt sehen Broschüre entwickelten Grund- 
sätze zur Erhaltung von Burgruinen mit Nutzen 
lesen. 

So sieht sich selbst Ebhardt zu einer gewissen, 
wenn auch nicht oß'en eingestandenen Anerkennung 
des Alterswertes der Denkmale und damit zu 
einer teilweisen Durchbrechung seiner Grund- 
auffassung vom historischen Werte als dem einzi- 
gen Wertfaktor am Denkmal gezwungen. Aber 
noch nach einer anderen, entgegengesetzten Seite 
hin — nach der ästhetischen — ist eine solche 
Durchbrechung in seinen Ausführungen zu beob- 
achten. 

In bezug auf die Forderung historischer Treue 
und Echtheit, entwickelt Ebhardt eine puritani- 



sche Strenge. So verlangt er unter anderem, 
daß selbst für solche Arbeiten an Burgen, die für 
private Rechnung g-eführt werden, das Bauprogramm 
durch die Regierung (offenbar als Denkmalschutz- 
behörde) und auf deren Kosten ausgeführt werde : 
ferner daß Ausgrabungen auf Burgenterrain (von 
denen in der Regel die wichtigsten Anhaltspunkte 
für die Wiederherstellung zu erwarten stehen) Pri- 
vaten überhaupt untersagt werden. Das sind ledig- 
lich im Interesse einer historisch möglichst treuen 
Wiederherstellung der ehemaligen Burgenformen 
geschöpfte Bestimmungen, wie sie kaum ein Ge- 
setzgeber in ein Denkmalschutzgesetz aufzunehmen 
sich getraute, weil sie doch nur einer wissenschaft- 
lich-gelehrten Liebhaberei Befriedigung .schaffen 
sollen. Die ergänzten Mauerteile will Ep.hakdt als 
solche stets ausdrücklich durcli bestimmte Zeichen 
signiert sehen; je nach dem Gratle der Treue in 
bezug auf die „Echtheit" der zugehörigen Teile 
bilden diese Zeichen eine Skala, wie sie selbst 
einer der von Ebhardt so verlästerten ..Theoretiker" 
nicht spitzfindiger hätte ausklügeln können, und 
die mit dem, wie wir gleich hören werden, sonst 
vom Restaurator verlangten künstlerischen Schwung 
seltsam kontrastieren. Man möchte nun meinen, 
daß bei einer solchen Absicht auf absolute histo- 
rische Treue, die doch nur durch das gewissen- 
hafteste Studium alter Vorbilder und schriftlicher 
Quellennachrichten erreicht werden kann, der re- 
staurierende Architekt als schöpferischer Künstler 
vollständig hinter dem Historiker zurücktreten 
würde. Aber gerade dagegen erhebt Ebh.ardt den 
lebhaftesten Protest. Nicht allein daß der Architekt 
zur Beschaffung der ..Grundlagen" der Wieder- 
herstellung der Beihilfe des Historikers nicht be- 
darf, spielt überhaupt der Künstler die entschei- 
dende Rolle bei jeder Restaurierung. Eine solche 
sei stets in erster Linie eine Personenfrage, wird 
Ebhardt nicht müde zu wiederholen. Handelte es 
sich nun wirklich um eine nackte Kopierung des 
historisch Gegebenen, dann wäre es unverständ- 
lich, warum hiefür ein schöpferischer Künstler ver- 
langt wird, während für eine solche Aufgabe doch 
der Techniker vollständig ausreicht, sofern ihm 
die historischen Vorbilder in unzweifelhafter Form 
geliefert werden. Daß bei den freien Restau- 
rierungen in der Romantikerzeit die erfindenden 
Architekten die Hauptrolle gespielt haben, ist uns 



lOI 



Neue Strömungen in der Denkmalpflege 



I02 



ohneweiters verständlich; freilich hat Eihiakih für 
jene Erstlinge der modernen Denkmalpflege, 
weil sie der historischen Treue ermangeln, nur 
tadelnde Worte. EmiAKnr gesteht also mit seiner 
Forderung nach einem erfindenden Künstler zur 
Leitung aller Wiederherstellungsarbeiten an Burgen 
unwiderleglich ein, daß dabei Aufgaben für schöp- 
ferisch tätige Architekten zu lösen und nicht 
bloß historisch sichergestellte Vorbilder faksimile- 
mäßig zu kopieren sind.^) Damit durchbricht er 
aber seine eigene sonstige Auffassung vom allei- 
nigen „historischen" Wert aller Denkmale, denn 
das neu Erfundene ist eben kein Historisches und 
hat darum auch keinen Anspruch darauf, in uns 
ein treues Kulturbikl früherer Zeiten zu erwecken. 
Und in der Tat wird der moderne, denkende und 
empfindende Beschauer jede Wiederherstellung 
einer mittelalterlichen Burg, mag er einzelne Details 
davon oder auch ihre Gesamtanlage dem in seiner 
Vorstellung vorhandenen Bilde einer solchen noch 
so entsprechend finden, mit einem unüberwindlichen 
Reste von Mißtrauen betrachten, weil er eben da- 
bei den Gedanken nicht los werden kann, daß ein 
moderner, schöpferischer Künstler diese Verhält- 
nisse, Linien, Formen nachempfunden und in Wirk- 
lichkeit umgesetzt hat. 

Man muß also Ehharut in der Tat darin Recht 
geben, daß eine absolut vollständige Wiederher- 
stellung einer Burg nach vorhandenen gesicherten 
Grundlagen kaum in einem Falle möglich und 
dabei fast immer der allerdings „im alten Geiste" 
erfindenden Ergänzungstätigkeit des schöpferischen 
Künstlers stets mehr oder minder breiter Spielraum 
gewährt ist. Dann darf man aber auch nicht ver- 
langen, daß der Beschauer die Wiederherstellung 
für ein treues, kulturgeschichtliches Bild der Ver- 
gangenheit nimmt; vor einigen Dezennien hatte 
man es damit freilich nicht so streng genommen, 
heute aber, nachdem unsere Sinne in bezug auf 



') In diesem Zusammenhange darf auch noch einmal 
auf die schon an früherer Stelle zitierte Äußerung ver- 
wiesen werden, daß die bisherigen Versuche reiner Erhaltungs- 
maßnahmen an Burgruinen ein „künstlerisch schauderhaftes" 
Ergebnis gezeitigt hätten. Darin gelangt eine Wertbeur- 
teilung des Denkmals vom Standpunkte des modernen 
Kunstgeschmacks zum Ausdrutke, wie sie mit dem Denk- 
malbegriff im Grunde unvereinbar, bei einem schaffenden 
Künstler allerdings sehr begreiflich ist. 



das historische Detail infolge unablässiger tief- 
schürfender Studien unendliche Schärfung erfahren 
haben, ist über diesen Sachverhalt wohl keine 
Täuschung mehr zulässig. 

Damit sind wir zu dem Punkte gelangt, aus 
dem das grundsätzliche Mißverständnis zwischen 
Kunsthistorikern und Architekten in bezug auf die 
Denkmalpflege entsprungen ist und, wie gerade 
die beiden in Rede stehenden Schriften wieder 
beweisen, noch heutigen Tages immer neu geboren 
wird. EüiiARDT sagt: Der Restaurator strebe nur 
historische Treue an, der Historiker (er nennt ihn 
„Theoretiker") habe aber dabei nichts zu tun. Nun 
wird selb.st von unbefangenen Architekten zuge- 
geben, daß alle „historische" Restaurierungstätig- 
keit auf einer Kooperation der beiden Berufskreise 
beruht, denn Ebhardt stellt sich doch das Be- 
schaffen der Grundlagen allzu leicht vor, wenn er 
meint, daß es vom schaffenden Architekten so 
nebenher besorgt werden könne. Da ist es nun 
nicht unbegreiflich, wenn ein Historiker, der eben- 
falls wenigstens zum Teile an der Theorie vom 
„histori.schen" Werte des Denkmals festhält, die 
entgegengesetzte Meinung- zum Ausdrucke bringt. 
„Die Denkmalpflege ist nicht eine Aufgabe für 
Künstler, sondern sie liegt wesentlich im Bereiche 
des historischen und kritischen Denkens." So äußert 
sich Dehio an jener Stelle seiner Schrift, wo er 
sich mit dem Restaurierungswesen unserer Zeit 
auseinandersetzt. 

Es scheint nun, daß es dieser Satz ist, der die 
Kunsthistoriker davon zurückgehalten hat, Dehio 
sofort in jenem Maße zuzustimmen, als seine Dar- 
legungen verdient hätten. Es ist in der Tat da- 
gegen auf das lebhafteste zu protestieren. Vor 
allem widerspricht Dehio damit seiner eigenen, 
von ihm früher proklamierten Erkenntnis, daß wir 
imDenkmal „ein Stück nationalen Daseins" schützen. 
Das Nationalgefühl als Basis des Denkmalwertes 
hat weder mit dem Bereich des historischen noch 
mit jenem des kritischen Denkens etwas zu tun. 
Was Dehio zu dieser seiner eigenen Grundüber- 
zeugung widersprechenden Äußerung geführt hat. 
ist, wie schon früher angedeutet wurde, nichts 
anderes als die Vermengung des von ihm richtig 
erkannten Gefühlsmoments mit dem davon gänz- 
lich verschiedenen, tatsächlich wesentlich im kriti- 
schen Bereiche gelegenen historischen Momente 

7* 



103 



Nene Strömungen in der Denkmalpflege 



104 



im Denkmalbegriff. Dehio empfand deutlich, daß 
mit diesem Begriffe in seiner modernsten Entwick- 
lung der erfindende Künstler nichts zu schaffen habe : 
in der Polemik gegen diesen übersah er aber, daß 
auch der Historiker nicht mehr das zuständige 
Forum für die Beurteilung desDenkmahvertes bildet. 
Die Denkmalpflege ist gewiß nicht eine Aufgabe 
für Künstler, sie liegt aber auch nicht mehr we- 
sentlich im Bereiche des historischen und kritischen 
Denkens, sondern sie ist überwiegend bereits zur 
Gefühlssache geworden. 

Wird erst einmal diese Anschauung allgemein 
durchgednmgen sein, dann ist auch das Mißver- 
ständnis zwischen Architekten und Historiker in 
Wegfall gekommen, denn nur das .Historische" 
im Denkmalbegriff bildet den Zankapfel zwischen 
den Parteien. Heute sind wir freilich noch nicht 
so weit, und Herr Eehardt wird wohl nicht allein 
noch viele Burgruinen nach seinen vortrefflichen 
Grundsätzen erhalten, sondern auch zahlreiche 
Burgen mit seiner »künstlerischen Fähigkeit des 
Architekten" wiederherstellen. Obgleich unsere 
historische Detailbildung bereits so weit vorge- 
schritten ist, daß wir längst einzusehen gelernt 
haben, wie unvollkommen die Befriedigung unse- 
res Triebes nach anschaulicher, kulturgeschicht- 



licher Erkenntnis ist, die uns das Stückwerk, wie 
es restaurierte Bargen und Kirchen, Museums- 
sammlungsobjekte und dergleichen darbieten, zu 
vermitteln vermag, so hat die Freude an solchen 
-lebenden Bildern- aus der Geschichte doch 
noch immer ihre zahlreichen Anhänger. Die Ob- 
jekte hiefür sind hauptsächlich entweder in fort- 
dauerndem Gebrauche erhaltene Bauten, wie die 
mittelalterlichen Dome, die man nicht dem Ver- 
derben preisgeben kann und doch nicht mit 
modernem Flickwerk ergänzen mag, oder aber 
Werke, die aus ganz anderm Kulturvoraussetzungen 
als die modernen hervorgegangen sind und schon 
aus diesem Grunde keine modernen Formen in 
sich aufnehmen können. Zu der letzteren Gattung 
zählen aber die Burgen. Daß gerade sie, trotz des 
starken (allzustarken) Stimmungseindruckes, den 
ihre Ruinen gewähren, heute mit so viel Vorliebe 
der Wiederherstellung zugeführt werden, mag sich 
wenigstens zum Teile auch aus dem begreiflichen 
Wunsche ihrer adeligen Besitzer erklären, in 
Erinnerung an den Urspnmg ihres Standes aus dem 
Waffenhandw^erk mit den wehrhaften Burgen ge- 
wissermaßen ein Stück ihres eigenen vergangenen 
Daseins wenigstens in der äußeren Form wieder 
aufleben zu sehen. Alois Riegl 



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Ein Band Quart. 36 Tafeln in Farbendruck und 241 Text- 
illustrationen. Zweite, vermehrte und verbesserte Ausgabe. 

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Heyer von Rosenfeld (f), berichtigt und ergänzt von 
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Folio und 3 Kostümstudien von Maler J. Uprka im Drei- 
farbendruck. 

Preis in Mappe Ä' 12-- oder M. 10 —. 



Druck von Rudolf i^l. Rohrer, Brunn. 



MITTEILUNGEN 

DER K.K.ZENTRAL-KOMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXZ. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 



Band IV Nr 4. 5 



April — Mai 1905 



Personalien 

Der bisher vom Konservator P. Bknedikt 
HaiM.merl in Stift Zwettl vertretene Konservatoren- 
bezirk III. Sektion in Niederösterreich wird in 
zwei Konservatorenbezirke geteilt; der eine um- 
faßt die politischen Bezirke Gmünd, Hörn, Waid- 
hofen a. d. Thaya, Zwettl und den Gerichtsbezirk 
Gföhl und wird dem Konservator Hammerl be- 
lassen; der zweite umfaßt die politischen Bezirke 
Pöggstall und Krems mit Ausnahme des Gerichts- 
bezirkes Gföhl; für ihn wird der Korrespondent 
P. Adalbekt Fuchs, Pfarrer in Rrunnkirchen, zum 
Konservator III. Sektion ernannt (Erlaß vom 
25. April 1905, Z. 15.029). 

Der bisher vom Konservator P. Anselie Achatz, 
Archivar des Stiftes St. Paul, vertretene Konserva- 
torenbezirk II. Sektion in Kärnten wird in zwei 
Kon.servatorenbezirke geteilt. Der eine umfaßt die 
Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt und wird 
dem Konservator Achatz unter gleichzeitiger Be- 
stätigung in der Funktion eines Konservators auf 
die Dauer weiterer fünf Jahre belassen. Der zweite 
umfaßt die Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg; für 
ihn wird Paul Herbert Kerchnawe auf Schloß 
Kirchbüchl bei Wolfsberg zum Konservator IL 
Sektion ernannt (Erlaß vom 2. Juni 1905, Z. 18.590). 

Ferner wurden zu Konservatoren ernannt: 

Karl Buchtela, P'inanzrat der Finanz-Landes- 
Direktion in Prag, I. für die Bezirkshauptmann- 
schaften Braunau, Königgrätz, Königinhof, Lands- 
kron, Nachod, Neupaka, Neustadt a. M., Pardubitz, 
Reichenau und Senftenberg (Erlaß vom 29. Mai 
1905, Z. 16.224); 

Peter Skobielski, Professor am I. Staats- 
gymnasium in Lemberg, III. (für das ruthenische 

Mitteilungen der k. k. Zcntr;il -Kommission 1905 



Archivwesen) für die Bezirkshauptmannschaften 
Böbrka, Bohorodczany, Borszczöw, Buczacz, Czort- 
köw, Dolina, Drohobycz, Horodenka, Elusiatyn, 
Kalusz, Kolomea, Kossöw, Nadworna, Peczenizyn, 
Podhajce, Rohatyn, Rudki, Sambor, Skalat, Sniatyn, 
Stanislau, Staremiasto, Stryj, Tlumacz, Trembowla, 
Turka, Zalcszczycki und Zydaczow (Erlaß vom 
23. Mai 1905, Z. 17.938); 

Dr. Hermann Ubell, Kustos am Museum 
Francisco Carolinum in Linz, IL für die Bezirk.s- 
hauptmannschaften Freistadt und Rohrbach (Erlaß 
vom 22. Mai 1905, Z. 16.225). 

Wiederbestätigt wurden die Konserva- 
toren: 

Marlan Ritter von Dydynski, Gutsbesitzer in 
Raciborsko, 

Thaud.äus von Stryje^-viski, Baurat in Krakau 
(Erlaß vom 7. April 1905, Z. 11.928); 

ferner Karl Atz, Benefiziat in Terlan, 

Dr. Paul Anton von Bizzarro, Advokat in Görz, 

Regierungsrat Monsignore Franz Bulic, Di- 
rektor des Staatsmuseums in Spalato (I. und IL), 

Regierungsrat Johann Dehminger, Direktor der 
Staatsgewerbeschule in Innsbruck, 

Adai BERT Dungel, Abt des Stiftes Göttweig 
(I. und III.), 

Kais. Rat Dr. Karl JiCinsky, gräfl. Cernin- 
scher Zentraldirektor in Neuhaus (IL), 

Hofrat Dr. Friedrich Kenner in Wien, 

Schulrat Dr. Gottlieb Kürschner, Landes- 
archivar in Troppau, 

Dr. Anton Mayer, niederösterr. Landesarchivar 
und Bibliothekar in Wien, 

Regierungsrat Dr. Matthäus Much in Wien, 

Kais. Rat Dr. Alexander Petter in Salzburg, 

8 



I07 



Sitzung vom lo. März 1905 



108 



X)r. Josef Ladislaus Pi<$, Privatdozent an der 
böhmischen Universität in Prag, 

Regierungsrat , Dr. Josef von Zahn, Landes- 
archivar in Graz (Erlaß vom 12. April 1905, 
Z. 11.929). 

Die neuerrichtete Bezirkshauptmannschaft 
Kamenitz a. d. Linde in Böhmen wird (Erlaß vom 
4. April 1905, Z. 1 1.666) zugeteilt den Konservatoren 
RiCHLt (I. Sektion) und JiCinsk.y (II. und III. Sektion); 
die neuerrichtete Bezirkshauptmannschaft Schlan- 
ders in Tirol (Erlaß vom 22. Mai 1905, Z. 17.939) 
den Konservatoren M.^zegger (L), Innerhofer (II.) 
und VoLTELiNi (in.). 

In der Sitzung vom 1 4. April wurde der Prälat 
Dr. Karl Drexler, Pfarrer in Leopoldau, anläßlich 
seiner Resignation auf das Ehrenamt eines Kon- 
servators zum Korrespondenten ernannt. 

Gestorben sind: 

Der OberpostkontroUor Josef Strap.erger: seit 
1887 Konservator der I. Sektion in Oberösterreich; 
er hat sich große Verdienste um die vorgeschicht- 
liche Durchforschung des Landes erworben und 
als Vice-Präsident des Museums Francisco Caro- 
linum in Linz ganz besonders zu dem Aufschwung 
und der Ausgestaltung des Museums beigetragen; 

Dr. LuiGi Antonio Baruffaldi in Riva: früher 
durch lange Zeit Konservator der I. und II. Sektion 
in Südtirol; er hatte infolge seines hohen Alters 
auf dieses Ehrenamt verzichtet und war wegen 
seiner Verdienste um die Denkmalpflege zum 
Korrespondenten ernannt worden. 



Sitzungsberichte 

(vom Schriftführer verfaßt) 

Sitzungen vom 10. März 1905 (i. Sitzung des 
Plenums, 5. Sitzung der II. Sektion). 

Anwesende: Der Präsident (Vorsitzender). — 
Mitglieder: Castelliz, DvoMk, v. Förster, 
Karger, Kenner, Kubitschek, v. Luschin, Much, 
Neumann, Neuwirth, Redlich, Reisch, Schaeffer, 
Wächtler. — Konservator Szombathy. — 
Korrespondent v. Ottenthal. — Schrift- 
führer: Bauer. 

Allgemeines 
Ref Riegl: Der Verband österreichischer 

Kunstgewerbemuseen hat im Juni 1904 auf seiner 



Konferenz in Reichenberg angeregt, daß die In- 
struktion für die Konservatoren abgeändert 
und eine Inventarisierung der Denkmale der im 
Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder 
eingeleitet werde. 

Was den an erster Stelle erwähnten Antrag 
anbelangt, so hat die Z. K. bei aller Anerkennung 
der ungeheuren von ihren Konservatoren in der 
uneigennützigsten Weise geleisteten Dienste die 
dringende Notwendigkeit einer Reorganisation 
der Denkmalpflege in Österreich selbst seit 
langem gefühlt und auch bereits die entsprechenden 
Anträge auf ihre Umgestaltung in ein .Staatsdenk- 
malamt mit daraus ressortierenden Landesdenkmal- 
ämtern gestellt. Auch auf die Inventarisierung 
der Denkmale hat die Z. K. ihr Augenmerk ge- 
richtet und nach den von ihr aufgestellten Prin- 
zipien die Inventarisierung sämtlicher, im öffent- 
lich-rechtlichen Besitze stehender Denkmale einer 
Bezirkshauptmannschaft durchgeführt. Von 
der Bewilligung der erforderlichen Mittel wird es 
abhängen, ob und in welchem Tempo diese Ar- 
beiten weiter durchgeführt werden können. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. gibt den 
Jahresbericht des Comite de Conservation de 
monuments de l'art arabe in Kairo für 1902 
herab. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. subventioniert 
die vom Maler Konrad Grefe herausgegebenen 
.Sammelwerke „Alt-Österreich" und „Alt-Krain"^ 
auch für das Jahr 1905 mit je 200 A'. 

Böhmen 

Die k. k. böhmische Statthalterei teilt mit, 
daß bei den Erhaltungsarbeiten an den Wand- 
malereien in der St. Georgskirche auf dem 
Hradschin in Prag im Sinne der Anträge der 
Z. K. vorgegangen werde. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. gibt bekannt, 
daß eine bei der Landeshauptkassa in Prag 
verwahrte alte Schalenwage nebst zwei Fähnlein 
an das kunstgewerbliche Museum in Prag zur 
Aufstellung unter Wahrung des Eigentumsrechtes 
der Finanzverwaltung überlassen wurde. 

Ref. Neuwirth: Konservator Wiehl beantragt 
zur Erhaltung der im Assanierungsrayon liegenden 
Altneusynagoge, des jüdischen Rathauses 
und der Hochsynagoge in Prag: 



log 



Sitzung vom lo. März 1905 



HO 



1. Beide Gebäude nach amerikanischer Art 
auf das genehmig'tc Niveau zu heben, oder, falls 
dies bei dem Rathause und der Hochsynagoge 
unzulässig sein sollte, sie zum Ersatz für das 
verlorene Parterre, welches als Kellergeschoß zu 
behandeln wäre, um ein Stockwerk zu erhöhen. 

2. Für den Fall der Verbauung der vor diesen 
Gebäuden liegenden Plätze nur die Aufführung 
niedriger Häuser zu gestatten, um die gedachten 
Objekte nicht ganz zu verdecken. 

Die Z. K. erklärt sich mit der Hebung der 
Altneusynagoge und des Rathauses einverstanden, 
falls sie sich ohne Schädigung der Gebäude 
durchführen ließe; einer Erhöhung um ein Stock- 
werk wie auch der Verschüttung des Parterre- 
geschosses könnte die Z. K. dagegen auf gar 
keinen Fall zustimmen und sie höchstens bei der 
Hochsynagoge als einem weniger wichtigen Baue 
konzedieren. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
dem Museumsvereine Vcela Cäslavska in 
Cäslau für das Jahr 1905 eine Subvention von 
100 Ä'. 

Ref. DvoftÄK: Gegen die Erneuerung des Wand- 
verputzes und der Pflasterung und die Innenbe- 
malung der Pfarrkirche in Dubenetz erhebt 
die Z. K. keine Einwendung. 

Ref. Neuwirth: Korrespondent Fischer berichtet 
über eine in Gablonz gefundene, gebogene, auf 
der konvexen Seite mit einem Glashüttenmeister- 
oder Glasmalerwappen in Email bemalte Glas- 
scheibe aus dem Jahre 1606, welche in das Stadt- 
museum gelangen soll. 

Ref. Neuwirth: Konservator Äugst berichtet, 
daß er sich gegen die beabsichtigte Restaurierung 
der Innenausstattung der Wallfahrtskirche in 
Haindorf ausgesprochen habe und für die unver- 
sehrte Erhaltung aller künstlerisch und kultur- 
geschichtlich interessanten Werke sowie für den 
nachdrücklich.sten Schutz des Überlieferten eingetre- 
ten sei. Namentlich wäre der Hochaltar unversehrt 
zu belassen, der Antonius- und Johannesaltar nicht 
in den Kuppelraum hineinzurücken; die Mensa des 
Wallensteineraltares, der aus dem Reichenberger 
Museum wieder nach Haindorf übertragen werden 
soll, wäre mit einer alten Antependiumsstickerei 
und nicht mit einer modernen, im neugotischen 
Stile konzipierten zu versehen; Kreuzwegbilder 



und Statuen wären besser an den Innenwänden 
des Kreuzganges, statt an jenen der Kirche, anzu- 
bringen, falls die Zugänglichkeit des ersteren nicht 
eingeschränkt oder ganz aufgehoben wird. Eine 
sachgemäße und gründliche Wiederherstellung 
des Kirchenmobiliars mit peinlichster Schonung 
des Konstruktiven und Dekorativen, besonders der 
alten Töne, wäre erwünscht. Die Z. K. erklärt sich 
hiemit einverstanden. 

Ref. DvofiÄK : Die k. k. böhmische Statthalterei 
übermittelt die Vorschrift für die Besichtigung 
der Burg Karlstein, die Instruktion für den 
Burgverwalter und den Burgwächter und die für 
die Besucher bestimmte Beschreibung des Schlosses. 

Ref. DvoftAK teilt mit, daß beim Brande der 
Ägidiuskirche in Kohljanowitz das aus dem 
XIV. Jh. stammende Presbyterium mit den gleich- 
zeitigen (im Jahre 1890 aufgedeckten) Wandmale- 
reien intakt blieb, während das fast vollkommen 
modernisierte Langhaus gänzlich zerstört wurde. 
Die Z. K. beschließt, gegen die Neuherstellung 
des Langhauses im gotischen Stile unter der Be- 
dingung keine Einwendung zu erheben, daß hiebei 
das Presbyterium mit den Malereien unberührt 
bleibt. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt- 
dem städtischen Museum in Neubydzov für 
das Jahr 1905 eine Subvention von 400 K unter 
der Bedingung, daß die Musealleitung sich bereit 
erkläre, bezüglich der von ihr geplanten prähi- 
storischen Ausgrabungen das .stete Einver- 
nehmen mit dem berufenen Konservator zu pflegen 
und die gesamten Musealsammlungen der genauen 
Einsichtnahme durch den Konservator frei zu 
halten. 

Ref. Neuwirth ; Konservator DvoftAK berichtet, 
daß die Stadtverwaltung in Pardubitz beschlossen 
habe, bei Umbauten von Häusern auf dem 
Ringplatze, in der Pernsteiner-, Bartholomäus- und 
Kirchengasse den alten Charakter dieser Stadtteile 
tunlichst zu erhalten und zu diesem Behufs der 
archäologischen Kommission des städtischen Mu- 
seums die Befugnis rechtskräftiger Beschlüsse über 
alle baulichen Änderungen einzuräumen, welche 
der Genehmigung der Stadtgemeinde als Baube- 
hörde unterliegen; die Z. K. beschließt, der Stadt- 
gemeinde für diese Verfügung die Anerkennung 
auszusprechen. 



III 



Sitzung vom 10. Man 1905 



I 12 



Ref. Nelwirth: Konservator DvoSAk berichtet, 
daß der schädigende Olanstrich vom Hauptportale 
der Johanneskirche in Pardubitz noch immer 
nicht entfernt worden sei. Die Z. K. beschließt, die 
Angelegenheit weiter zu verfolgen. 

Ref Neuwirth: Konservator DvoäAk beantragt, 
daß folgende Objekte aus der Mariae Verkündi- 
gungs-Kirche in Pardubitz dem städtischen 
Museum übergeben werden, da sie auf eine andere 
Weise nicht gesichert werden können: 

1. an Gemälden der hl. Florian und die 
Kreuzigung Christi; 

2. die drei Figuren, welche aus der Bartho- 
lomäuskirche übertragen wurden; 

3. der Hochaltar mit dem Mariae Verkündi- 
gungs-Bilde; 

4. zwei vermauerte Maßwerke, die in den 
Fenstern ober dem Gewölbe entdeckt wurden. 

Die Z. K. stimmt diesen Anträgen mit Aus- 
nahme der Übergabe des Hochaltares zu; sollte er 
als Hochaltar nicht weiter belassen werden können, 
worüber die Z. K. Erhebungen zu pflegen be- 
schließt, so wäre er wenigstens als Xebenaltar zu 
verwenden. 

Ref. Redlich : Konservator Divis berichet über 
die Grabsteine in der Mariae Verkündigungs- 
Kirche zu Pardubitz. 

Ref. Redlich: Konservator Glocker legt zwei 
im Besitze des Gemeindevorstehers in Pro sau 
befindliche Kupferstiche vor: Darstellung eines 
Versehganges von St. Stefan in Wien im Jahre 1614. 
2. Neujahrsblatt für die Mitglieder der Wiener 
Rosenkranzbruderschaft vom Jahre 1777. 

Bukowina 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. gibt bekannt, 
daß zum Schutze des Fürstenschlosses in 
Suczawa und der dort gemachten Funde ein 
Wächter aufgestellt wurde, und daß mit Landes- 
subvention ein Weg zum Schlosse hergestellt 
werden soll. 

Ref Neumann: Korrespondent Tomiuc berich- 
tet, daß in der Vorhalle der Kirche zu Woronetz 
ein unterirdischer Gang aufgedeckt wurde, und 
beantragt seine Untersuchung. Die Z. K. wird 
weitere Erhebungen pflegen. 



Dalmatien 

Nachdem die Restaurierungsarbeiten an der 
Loggia in Lesina zum überwiegenden Teile in 
fachgemäßer Weise durchgeführt wurden, ordnet 
das k. k. Ministerium f. K. u. U. die Flüssig- 
machung der zweiten Rate per 5000 Ä' der bewil- 
ligten Staatssubvention an und gibt bekannt, daß 
für das Jahr 1905 als dritte Rate eine Subvention 
von 2500 K bewilligt wurde. 

Ref. Herjiann: Mit den an der Pfarrsakristei 
in Perasto beabsichtigten Erhaltungsarbeiten, 
welche an dem gegenwärtigen Bestände des Denk- 
males nichts wesentliches ändern werden, erklärt 
sich die Z. K. einverstanden. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. ordnet an, 
daß das diesjährige Programm für die architek- 
tonische Aufnahme des Diocletianischen 
Palastes in Spalato im Einvernehmen mit der 
Direktion des archäologischen Institutes und der 
Z. K. festgesetzt werde. 

Kärnten 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
eine Subvention von 800 K für die Restaurierung 
des Gemäldes , Kreuzabnahme- aus der Pfarr- 
kirche zu St. Leonhard in Abtei. 

Ref. Hermann: Der Kirchenerhaltungsverein 
in Villach teilt mit, daß bei der Restaurierung der 
Stadtpfarrkirche in Villach nach dem von der 
Z. K. aufgestellten Programme vorgegangen werde, 
und ersucht, in dieses Programm noch folgende 
Arbeiten einbeziehen zu können: die Untersuchung 
und Sicherung der Pfeiler des Chores, Vorkehrun- 
gen auf dem Kirchendache, welche das Abgleiten 
des Schnees mäßigen sollen. Umgestalten der drei 
Kirchentore zum Aufgehen nach außen, Pflasterung 
um das Kirchengebäude, Ersatz der schadhaften 
Pflasterung der Seitenschiffe, Ergänzung der schad- 
haften Werkstücke oder Gewölbshausteine, Wieder- 
ausbruch des gotischen F'ensters hinter dem Marien- 
altar, Verschiebung dieses Altars, Regulierung des 
Dachwasserablaufes auf dem Terrain um das West- 
ende der Kirche, Erneuerung der Stiege zur Musik- 
empore, Ersatz der schadhaften Bedachungen der 
Strebepfeiler und der Wasserspeier. Die Z. K. er- 
klärt sich hiemit einverstanden. 



"3 



Siliuii«; vom 10. März i')0-, 



114 



Küstenlande 

Ref. Rkdijch: Korrespondent Moskr berichtet 
über die Bestände des Archivs des Handels- 
und Seegerichtes in Triest. 

Ref. Reisch: Konservator (iNn<s berichtet über 
die Aufdeckung einer römischen Nekropole am 
Südostfuß des Monte Vercivan in Libora zwi- 
schen Medolino und Lissignano. Außer wenigen 
schon in früherer Zeit zerstörten Brandgräbern 
kam eine große Steinurne mit einer tadellos erhal- 
tenen Glasamphora zutage, die Leichenbrand mit 

Beigaben enthielt. 

Mähren 

Ref. Houdek: Konservator Czerny berichtet, 
daß L. W. Holzmeister aus New York seiner Vater- 
stadt Mähr.-Trübau 160.000 A' zur Errichtung 
eines Museumsgebäudes und einen Betrag von 
50.000 K spendete, aus dessen Zinsen die Erhaltung 
des Gebäudes und Neuanschaffungen bestritten 

werden sollen. 

Nieder-Österreich 

Ref. Hermann: Die Z. K. erliebt keine Ein- 
wendung gegen die an der Hofpfarrkirche 
St. Augustin in Wien I beabsichtigten Herstel- 
lungen: Restaurierung der Außenwände der Kirche, 
der St. Georgskapelle und des Turmes, Instand- 
setzung der Dachrinnen, Fenster und Tore, Neu- 
anstrich des Turmhelmes, Herstellung eines Rohr- 
kanales zur Ableitung der Dachwässer. 

Ref. Neuwirth: Konservator Rössler berichtet, 
daß er an der nicht durchbrochenen Wand des 
Kapellenganges der Stiftskirche in Zwettl ein 
Votivbild in Glasmosaik anzubringen gedenke. 
Die Z. K. beschließt, hiegegen prinzipiell eine 
Einwendung nicht zu erheben; doch fordert sie, 
daß zuerst der Bauzustand der Wand, welche mit 
dem Mosaik geschmückt werden soll, daraufhin 
untersucht werde, ob die Festigkeit der Wand 
nicht durch das Mosaik leiden würde. Der für 
das Mosaik vorgelegte Entwurf ist nicht zur Aus- 
führung geeignet. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. ordnet die 
Flüssigmachung der zweiten Rate (2500 /v) der dem 
Vereine zum Schutze und zur Erhaltung der 
Kunstdenkmäler Wiens und Niederöster- 
reichs bewilligten Staatssubvention zur Heraus- 
gabe einer Kunsttopographie Wiens und 
Nieder-Österreichs an. 



Ober-Österreich 

Ref Nkumann: Konservator Schmujrl berichtet, 
daß die Holz.skulpturen an der Evangelienseite des 
Presbyteriums der Kirche in Frauenstein von} 
Holzwurm gelitten haben; die Z. K. beschließt, 
weitere Erhebungen zu pflegen. 

Ref. Hki-lmann: Konservator Schjhdei, berichtet, 
daß die drei Fenster im Chorabschluße der Pfarr- 
kirche zu Sierning wieder ausgebrochen und 
mit neuem Maßwerk versehen wurden; der kunst- 
historisch wertlose und baufällige Empire-Hochaltar 
wurde abgebrochen und soll durch einen im 
gotischen Stile gehaltenen Altar ersetzt werden; 
unter der Mensaverkleidung fand sich der alte 
gotische Altartisch, der für den neuen Altar 
leider nicht wiederverwendet werden kann, jedoch 
auf einem Seitenaltar aufgestellt werden soll. Hinter 
dem Altare fanden sich spärliche, einen Vorhang 
darstellende Freskenreste. 

Ref. Redlich: Konservator Baron Handel be- 
richtet, daß er im abgelaufenen Sommer die Schloß- 
archive in Waldenfels, Clam, Losenstein- 
leiten, Puchheim, Greinburg durchforscht habe. 
Er berichtet über die reichhaltigen Bestände dieser 
Archive und seine Bemühungen, wo es not tat, 
eine geordnete und sichere Aufbewahrung einzu-. 
leiten. 

Ref. Redlich: Korrespondent Schiffmann be- 
richtet über seine Tätigkeit im Jahre 1904: 

i. Das Diözesanarchiv in Linz entfaltete 
eine ausgedehnte Sammeltätigkeit und ist wieder- 
holt zu wissenschaftlichen und praktischen Zwecken 
herangezogen worden. An Neuerwerbungen wären 
das Passauer Missale vom J. 1503 (bisher im 
Pfarrarchiv zu Kallham), einige Autographen, drei 
geistliche Spiele, ein Mainzer Druck, der zeitlich 
und typographisch Gutenberg nahesteht, die seltene 
Ausgabe der Imitatio Christi von Kardinal Richelieu 
(1640) u. a. m. zu erwähnen. 

2. Vom Berichterstatter wurden 24 Pfarr- 
archive besichtigt und die geeigneten Maßnahmen 
zur Ordnung und gesicherten Aufbewahrung ihrer 
Bestände getroffen. 

3. Das Archiv des Domkapitels in Linz, 
welches aus den Be.ständen der ehemaligen Stifts- 
archive von Baumgartenberg, Waldhausen, Münz- 
bach und Windhaag zusammengesetzt ist, wurde 
neu geordnet. 



"5 



Sitzung vom 24. März 1905 



ii6 



Steiermark 

Die k. k. steirische Statthalterei teilt mit, dal3 
die Rekonstruktionsarbeiten bei der Chorstiege 
der Pfarrkirche in Gonobitz in entsprechender 
Weise durchgeführt wurden. 

Tirol 

Konservator Deentnger überreicht die XIV. 
Serie der vom Kunstvereine für Tirol und Vor- 
arlberg herausgegebenen „Publikation von tiroli- 
schen und vorarlbergschen Kunstwerken aus 
alter und neuer Zeit". 

Ref. Ottenthal: Konservator Voltelixi be- 
richtet, daß die in der Sakristei der Kirche von 
St. Jakob im Walde unverschlossen verwahrten 
Archivalien dem Kirchenarchiv von St. Ulrich 
in Gröden übergeben werden sollen. 

Ref. Ottenthal: Konservator de Cobelli legt 
das erste Heft des Regesto dell' Archivio comu- 
nale della cittä di Rovereto vor, welches einen 
Überblick über Bestand, Aufstellung und Schick- 
sale des Archivs gibt. 

Ref. NEUiLVNx: Konservator de CAxn>i beantragt, 
daß der Kirche in Storo eine Subvention von 
600 A' gegen die Überlassung der alten Meß- 
gewandgarnitur an das Diözesanmuseum in 
Trient bewilligt werde. Die Z. K. beschließt, den 
Antrag zu unterstützen. 



Sitzung vom 24. März 1905 (6. Sitzung der 
IL Sektion). 

Anwesende: Der Präsident (Vorsitzender) — 
Mitglieder: Castelliz, Deininger, DvoS.iK, 
V. Förster, Neumann, Neuwtrth. — Schrift- 
führer: Bauer. 

Allgemeines 

Ref. Neuwxrth: Der fünfte Tag der Denkmal- 
pflege hat sich die Aufgabe gestellt, das deutsche 
Bürgerhaus vergangener Jahrhunderte in getreuen 
Aufnahmen der Nachwelt zu erhalten. Das ge- 
wonnene Material soll in einem Sammelwerke ver- 
öffentlicht werden. Der Ausschuß wendet sich an 
die staatlichen und Kommunalbehörden, die Ge- 
schichts- und Alterturasvereine, die Ingenieur- und 



Architektenvereine sowie an Vereinigungen von 
Kunstfreunden mit dem Ersuchen, das in Archiven 
und Sammlungen etwa befindliche Material ihm 
zugänglich zu machen, die zuständigen Amtsstellen 
zu beauftragen Bürgerhäuser von bemerkenswerter 
Art, vor allem solche, die dem Abbruch verfallen, 
zeichnerisch aufzunehmen und ihm die Auf- 
nahmen zu überlassen. Die Z. K. begrüßt dieses 
Unternehmen auf das wärmste und beschließt, es 
nachdrücklichst zu unterstützen. 

Böhmen 

Das k. k. Ministerium f. K. U. genehmigt die 
projektierte Herstellung eines neuen Ausganges 
bei der Marienkirche in Budweis und gestattet, 
daß der hiefür veranschlagte Betrag von rund 
2080 Ä' auf den Religionsfond übernommen werde. 

Ref Neuwirth: Ein für den Umbau des Rat- 
hauses in Böhmisch-Aicha vorgelegtes Projekt 
beschließt die Z. K. zur Ausführung nicht zu 
empfehlen. Das Projekt geht wohl von dem an und 
für sich richtigen Grundsatz aus, es sei vom Rathaus- 
baue des XVUI. Jh. der in die Ostecke eingestellte 
charakteristische Turm nebst der dazu gehörigen 
Giebelfassade zu erhalten, und der neue Hauptbau, 
der den vermehrten Ansprüchen der Stadtverwal- 
tung Rechnung tragen soll, sei in seiner Formen- 
gebung tunlichst dem Charakter des Turmes, wenn 
auch in freier Behandlung, anzupassen. Doch ist 
zu bemängeln, daß der alte Bestand durch nicht 
unbedingt notwendige Änderungen der Fenster- 
formen und des Gesimses unterhalb der Uhrblätter 
verwischt, und daß bei dem Xeubaue die einfache 
Formensprache des alten Baues, wie namentlich 
die zu reich gegliederten Giebel, die Fenster und 
Portale beweisen, außer acht gelassen wird. 

Ref. Neuwirth: Die Z. K. beschließt, die vor- 
gelegten Skizzen für die Ausmalung der Wall- 
fahrtskirche in Haindorf zur Ausführung zu 
empfehlen. • Für die Dekorierung der Altarnische, 
in welcher sich ein altes Freskogemälde befindet, 
mögen etwaige Anhaltspunkte aus dem alten Be- 
stände beachtet werden. 

Ref. DvoSAk: Konservator DvoftÄK berichtet, 
daß durch den neuerlichen Betrieb des Kunetitzer 
Steinbruches die den Berg krönende Burg auf 
das ärgste gefährdet sei; die Z. K. beschließt, sich 
wegen Einstellung des Betriebes zu verwenden. 



117 



Sitzung vom 24. MSrz i<)05 



ii8 



Galizien 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. ordnet die 
Flüssig-machung' der für das Jahr 1904 für die 
Restaurierung' der Peterskirche in Krakau be- 
willigten Staatssubvention von 4000 A' an. 

Küstenland 
Ref. Neuaiann: Korrespondent Moser berichtet: 

1. Bei Versuchsgrabungen in der Nähe von 
Vallon Bieghi bei Medolino fand sich auf dem 
Grundstücke des Gastwirtes G. Zuccon Schutt von 
schwarzer Erde und Ziegelbruchstücken, außerdem 
menschliche Skeletteile. Topfscherben mit Wellen- 
ornamenten scheinen auf Gräber aus dem frühen 
Mittelalter hinzuweisen. 

2. Im Hause Trevisan zu Dignano befindet 
sich ein Ziehbrunnen mit schönem schmiede- 
eisernen, arabeskenreichen Bogen und einem Me- 
daillon (Madonna mit dem Kinde auf dem Stein- 
postamente); der seitliche Zugang zum Wasser 
ist mit einem Frauenkopf geschmückt. Im Hause 
selbst werden zwei in Marmor gehauene Grup- 
pen verwahrt, wovon die eine auf die französische 
Okkupation durch Napoleon Bezug hat, die andere 
eine allegorische Darstellung des Frühlings durch 
Kinder und Blumen vergegenwärtigt. 

3. Das Reliquiarium des Domes von Dig- 
nano besitzt eine schöne Sammlung von Kreuzen 
und kapellenartigen Reliquiarien. 

4. Die Spitäler i und 2 der Krieg'smarine 
in Dignano stehen unbenutzt; ersteres, ein ehe- 
maliges Kloster, geht dem Verfalle entgegen. Der 
Berichterstatter regt eine praktische Verwendung 
des Gebäudes an, welches seine Erhaltung gewähr- 
leisten würde; die Z. K. beschließt, weitere Er- 
hebungen zu pflegen. 

Mähren 

Ref Riegl: Die fürstlich LiECHXEXSTEiNsche 
Hofkanzlei teilt mit, daß Seine Durchlaucht die 
Kosten für die Restaurierung der beiden letzten 
Deckengemälde in der Pfarrkirche zu Tatte- 
nitz („Anbetung der hl. Dreifaltigkeit durch den 
Trinitarier Orden" und „Mariae Heimsuchung-") be- 
willigt habe. 

Nieder-Österreich 

Ref Castelliz: Über die geplante Ausmalung 
der Pfarrkirche zu Alten wörth beschließt die 
Z. K. weitere Erhebungen zu pflegen. 



Ref Ca.steu,iz: Mit den für die Anbringung 
von Glasmalereien in der Pfarrkirche zu 
Böhmischkrut vorgelegten Skizzen erklärt sich 
die Z. K. nicht einverstanden. 

Ref Castelliz: Konservator Hancmekl bean- 
tragt die Genehmigung folgender Herstellungen 
an der Pfarrkirche in Groß-Haselbach: 

1. das in allen Teilen der Kirche vorhandene 
Netzgewölbe, die Pfeiler des zweischiffigen Lang- 
hauses, die Steinverkleidung des Sakramentshäus- 
chens, das Südportal der Kirche und das Portal 
des Turmes sind abzustocken. Wände und Gewölb- 
flächen zu färbein, im Presbyterium zu malen; 

2. ausgenommen von dieser Abstockung sind 
die mit barocken Stuckornamenten überzogenen 
Rippen der zwei Apsiden des südlichen und nörd- 
lichen Seitenschiffes; 

3. diese Stuckornamente sind in den richtigen 
Farben abzutönen, die an der Decke der nörd- 
lichen Seitenkapelle zum Teile fehlenden Orna- 
mente nach den vorhandenen Mustern durch einen 
Bildhauer zu ergänzen; 

4. das vor zirka 20 Jahren mit Ölfarbe über- 
strichene gotische Gitter des Sakramentshäuschens 
ist von diesem Olanstriche zu reinigen und in 
Schwarz mit etwas Gold am Schloßornamente und 
an den Gliederungspunkten herzustellen; 

5. die auf Konsolen aufsitzenden Gewölbe- 
rippen im Presbyterium könnten allenfalls poly- 
chromiert werden; 

6. die ziemlich flachgebogenen gotischen 
Fenster im Süd- und NordschifFe könnten nach 
zwei an der Nordseite noch bestehenden Fenstern im 
Maßwerk und in den Mittelpfosten rekonstruiert 
und mit ihrem charakteristischen Flachbogen er- 
halten werden; 

7. zwei vorhandene barocke Seitenaltäre aus 
Stuckmarmor sind auszubessern und neu aufzu- 
schleifen ; 

8. das unschöne, zirka i88o aus Glasprismen 
in gotisierender Art hergestellte heilige Grab aus 
der nördlichen Seitenkapelle wäre zu entfernen 
und durch ein anderes entsprechenderes zu er- 
setzen. Die Z. K. beschließt, weitere Erhebungen 
zu pflegen. 

Ref. Castelliz: Konservator Ha.\i.\iekl bean- 
tragt eine Untersuchung des Musikchores der Pfarr- 
kirche zu Kirchberg am Walde zur Erhebung 



119 



SiUang vom 24. März I905 



l*Ö 



der dort vorhandenen Schäden und empfiehlt die 
ReinigTing der Altäre von dem Firnisanstriche und 
Herstellung der ursprünglichen Fassung, Ersatz 
der durch den Holzwurm schadhaft gewordenen 
Teile der Kanzel, Abtönung der AVand- und Ge- 
wölbeflächen, Restaurierung der Altarbilder und 
Untersuchung einer unter der Tünche am Bogen- 
felde desTriumpebogens befindlichen Wandmalerei: 
die Z. K. erklärt sich hiemit einverstanden. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
die projektierten Herstellungen an der Kirche 
und dem Pfarrhofe in Obergrünbach mit der 
von der Z. K. hinsichtlich der Eindeckung der 
Kirche beantragten Modifikation und übernimmt 
den Teilbetrag von 6 1 30 A' der Kosten auf den 
Kultusetat 

Ref RiEGL beantragt, daß von der Herstellung 
eines neuen, im gotischen Stile gehaltenen Auf- 
satzes für den Flügelaltar aus der Pfarrkirche 
in Schönbach abgesehen und dafür ein Glas- 
fenster in der Abschlußwand des Chores der Kirche 
angebracht werde. Am Altare selbst seien bloß 
das Postament und die Krönung der Mittelfigur 
nach den noch erhaltenen Bestandteilen zu er- 
gänzen, femer der Rahmen des ganzen Mittel- 
stückes und die Fialen an den Krönungen der 
Figuren; an den Flügeln wären," da die Gemälde 
von den beiden ehemaligen Doppelflügeln fehlen, 
die vorhandenen acht Reliefs auf zwei einfache 
Flügel zu verteilen und die Rahmen zu ergänzen; 
an der Predella dürften einige Ergänzungen not- 
wendig sein, für welche aus dem vorhandenen 
Altar Anhaltspunkte nicht beigebracht werden 
konnten, eine neuerliche Untersuchung aber voll- 
kommene Klarheit verschaffen soll. Der Antrag 
wird zum Beschlüsse erhoben. 

Reft Deikixger, Necwirth : Die Z. K. beschließt, 
sich gegen die Anbringung eines Glasmosaik- 
bildes an der nicht durchbrochenen Kapellen- 
wand der Stiftskirche in Zwettl (vgl. Sp. 113) 
auszusprechen, da diese Wand, an welche das 
alte romanische Kapitelhaus und die in späterer 
Zeit angebaute gotische Wendeltreppe grenzt, 
eine der intere.ssantesten Partien des Kirchen- 
innern bildet und einer nicht unwesentlichen Ver- 
änderung unterzogen werden müßte. Die Z. K. 
empfiehlt, das Bild an der südlichen Kirchenwand 



I oberhalb der romanischen Tür vom Kreuzgange 
' in die Kirche anzubringen. 

Salzburg 

Ref. C.ASTELLiz: Mit der geplanten Vergröße- 
rung des Orgelchores in der Ursulinerinnen- 
kirche in Salzburg nach dem vorgelegten Pro- 
jekte, welches das Einschieben einer orgelchor- 
artigen Empore unter gleichzeitiger Höherlegung 
des bestehenden Orgelchores in Aussicht nimmt, 
kann sich die Z. K. nicht einverstanden erklären, 
da hiedurch die einheitliche Komposition der Orgel- 
partie gänzlich zerstört würde. Da aber eine Ver- 
größerung des Raumes durch das Kultusbedürfnis 
I notwendig geworden ist, beschließt die Z. K. zu 
empfehlen, daß der gegenwärtige, gegen den 
Kirchenraum zu unverändert zu belassende Orgel- 
chor innen zu dem beanspruchten Oratorium um- 
gewandelt würde, wobei eine schräge, vom 
Kirchenraum aus höchstens dem unteren Rande 
entlang sichtbare Ü^berdeckung desselben zulässig 
erscheint. Der Orgelchor könnte am oberen Teile 
eines der beiden Kreuzschiffe angebracht werden. 
Gegen die weiters beabsichtigte Einbeziehung der 
Vorhalle zum Kircheninnern erhebt die Z. K. unter 
der Voraussetzung keine Einwendung, daß die 
Trennungsmauer zwischen Vorhalle und Kirchen- 
raum im wesentlichen unverändert bleibt Die Ver- 
legung des Eingangsportales an die Außenseite 
der Vorhalle kann in der projektierten Weise 
durchgeführt werden, wobei jedoch die gegen- 
wärtigen seitlichen Eingänge der Vorhalle nicht 
in Nischen, sondern in rechteckige Fenster umzu- 
wandeln wären. 

Ref. Nectstrth: Es wurde der Vorschlag ge 
macht, in die linksseitige, über das Trottoir vor- 
springende Wand der Pferdeschwemme beim 
Xeutore in Salzburg eine Durchgangsöffnung für 
Fußgeher zu brechen. Die Z. K. kann sich mit 
diesem Vorschlage nicht einverstanden erklären, 
der die Verstümmelung eines Kunstdenkmales und 
bei einer künftigen Wiederinstandsetzung der 
ganzen Bilderwand eine Lücke an dieser Stelle zur 
Folge haben würde. 

Das k. u. k. 14. Korpskommando teilt seine 
Bereitwilligkeit mit, auf die h. a. angeregte Re- 
staurierung der Inschrift und anderer künstlerischer 



I 21 



Sitzung vom 31. iM.'irz 1905 



122 



Details des Portales an der Nordfront der Hof- 
stallkaserne in Salzburg einzugehen. 

Steiermark 

Ref. Hermann: Die Z. K. be.schließt, auf ihrem 
Antraq'e auf Anbring'ung von Dachrinnen an der 
Stiftskirche zu Neubery zu bestehen. 

Tirol 

Ref Riegl: Die k. k. tirolische Statthalterei 
teilt mit, daß die Trockenlegungsarbeiten an der 
Johanneskirche in Brixen in sachgemäßer 
Weise durchgeführt wurden. Von der Führung 
eines Entwässerungsgrabens längs der südlichen 
Presbyteriumsmauer unter der Sakristei wurde ab- 
gesehen, da die betreffende Wand keinerlei Feuch- 
tigkeit zeigt. Dagegen erscheint die Herabschla- 
gung eines Teiles des Verputzes an der gegen die 
Kirche gelegenen Wand der Sakristei sowie an 
der Laibung der Tür dieser Wand wünschens- 
wert, da er, wahrscheinlich durch seinerzeit von 
oben eingedrungene Feuchtigkeit, gelitten hat. 
Hiebei wird sorgfältig darauf geachtet, daß even- 
tuell unter der Tünche vorhandene Malereien nicht 
beschädigt werden. 

Ref.RiKGL beantragt, die verblaßten und lücken- 
haften Fassademalereien am Rathause zu 
Bf ixen vorläufig unberührt zu lassen und für 
deren photographische Aufnahme und eine farbige 
Kopie zu sorgen. Der Antrag wird zum Beschlüsse 
erhoben. 

Ref Riiiüi,: Die Z. K. befürwortet die Ge- 
währung einer Staatssubvention von 1600 A" für 
die nach ihrem Programme an der Dekanal- 
kirche zu Condino durchzufühi-enden Restau- 
rierungsarbeiten. 

Die k. k. tirolische Statthalterei teilt mit, daß 
die Demolierung der Betkapelle im Institute der 
englischen Fräulein in Meran ohne dortamt- 
liches Vorwissen vorgenommen wurde, und daß 
die Olskizze des zerstörten Deckengemäldes 
von Johann Henrici dem Museum gegen eine 
photographische Aufnahme als Depositum über- 
lassen werde. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung" des gotischen Kampaniles 
bei der Pfarrkirche in Serfaus eine Subvention 

MitteiliinEen der k. k. Zentral-Komtnission 1905 



von 1760 A' unter der Bedingung, daß das von der 
Z. K. aufg-estellte Baujjrogramm auf das genaueste 
eingehalten werde. Die beantragte Anbringung 
von Stützen in den Schallfenstern wird nur unter 
der Voraussetzung genehmigt, daß sie zur Erhaltung 
des Maßwerkes tatsächlich unbedingt erforderlich 
sein sollten. 

Das k. k. Mini-stcrium f K. u. U. ordnet die 
Flüssigmachung der für die Sicherungsarbeiten 
am Castello del buon Consiglio in Trient 
bewilligten Staatssubvention von 1953 A' an. 

Ref Rikgl: Die Z. K. beschließt, sich dahin 
zu verwenden, daß die notwendigen Erhaltungs- 
arbeiten am Aquilaturme des Castello del 
buon Consiglio in Trient noch im laufenden 
Jahre durchgeführt werden. .Sie spricht sich ferner 
aus Zweckmäßigkeitsgründen für die gänzliche 
Erneuerung des Daches des Kastells aus (und zwar 
mit den für derlei Bauten typischen Hohlziegeln). 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. ordnet die 
Flüssigmachung der Staatssubvention von rund 
260 7v für das zur Sicherung der Fresken in der 
Katharinenkirche zu Völseraicha notwendige 
Schutzdach an. 



Sitzung vom 31. März 1905 (3. Sitzung der 
I. Sektion) 

Anwesende: Der Präsident (Vorsitzender). — 

Mitglieder: Kennkr, Kubitschek, Much. — 

Konservator SzoiiBATHv. — Schriftführer: 

Bauer. 

Böhmen 

Ref. Much: Konservator Weinzierl legt seinen 
Jahresbericht für 1904 vor (vgl. Sp. 146 ff.); die 
Z. K. beschließt, dem Konservator für seine um- 
fassende und ersprießliche Tätigkeit Dank und 
Anerkennung auszusprechen. 

Dalmatien 

Das k. k. Mlni.sterium f K. u. U. gibt bekannt, 
daß Professor Georg Niemann die architektonischen 
Aufnahmen im Diokletianischen Palaste in 
Spalato 1904 begonnen und die Aufnahme der 
jetzigen Domkirche im wesentlichen vollendet hat; 
auch habe er die vom archäologi.schen Institute 
begonnene Aufnahme des Peristyls fortgesetzt. 

9 



»23 



Sitzung vom 31. März 190J 



124 



Küstenland 

Ref. SzoiiBATHY: Konser\-ator Gkiks berichtet 
über die Spuren einer vorg-eschichtlichen Ne- 
kropole am Gipfel des Monte Paravia (südlich 
vonVallei; auf dem Gipfelplateau lieg-en mehrere 
kleine Steinkegel aus Bruchsteinen aufgeschichtet, 
mit einer Basis von ungefähr lo m Durchmesser. 
Bei Abtragung eines solchen Tumulus fand man 
in seiner Mitte, zum Teil in den gewachsenen 
Boden versenkt, eine Steinkiste (im Innern 06 X 
i"o5 X o'5 tu), deren Wandung aus aufgestellten 
Kalksteinplatten gebildet ist. Die ursprüngliche 
Eindeckung dieses Steinkistengrabes ist einge- 
drückt und der Grabinhalt durch das nachrollende 
Steinraaterial stark beschädigt und in Unordnung 
gebracht. Nach dem Grabinventar und den Fund- 
umständen handelt es sich um das Grab eines 
liegenden Hockers aus der vorrömischen Kasteliier- 
bevölkerung. Die Abtragung der anderen Stein- 
tumuli auf dem Monte Paravia ist vom Konser- 
vator in Aussicht genommen. 

Bei Untersuchung der weiteren Umgebung 
des Monte Paravia wurden vom Konservator ge- 
funden: I. Steintumuli auf den Abhängen des 
Monte Basso und Monte Pastro vecchio. 

2. Eine typische Kasteliieranlage auf dem 
Magnanpiccolo, deren mächtige Steinumwallung 
(Cyclopenmauern) bis zu 6 m Höhe erhalten sind. 

3. Ein großer Steinkegel mit ungefähr 30 in 
Durchmesser an der Basis am Gipfel des Magnan 
grande. 4. Spuren eines antik-römischen 
Baues im Weingarten am Südfuße des Magnan 
piccolo; festgestellt wurden zahlreiche Fragmente 
von Dachziegeln, Tonamphoren, Steinschwellen 
Mosaiksteine usw. 

Nieder-Österreich 
Ref. Mlch: Sattler Kuderxatsch teilt mit, daß 
er seit 1893 alle beachtenswerten vorgeschicht- 
lichen Funde aus der Umgebung von Poys- 
dorf sammle und die Gegenstände größeren Um- 
fanges, die er in dem für seine Sammlung zur 
Verfügung stehenden Räume schwer unterbringen 
könne, an Museen abgebe. Seine Sammlung um- 
fasse mehrere hundert vorgeschichtliche Fund- 
objekte aus Stein, Eisen, Bronze, Überreste von 
Menschenskeletten mit den dabei ausgegrabenen 
Beigaben, einige als Werkzeuge bearbeitete Kno- 



chen und Schmuckgegenstände aus Bein und 
Bronze; ferner eine Sammlung von 1665 ver- 
schiedenen Münzen aller Zeiten, die meisten in 
der Umgebung von Poysdorf gefunden, darunter 
151 griechische und römische und einige barba- 
rische Nachahmungen. Ferner besitze er eine kleine 
Sammlung von Hieb-, Stich- und Schußwaffen nebst 
Geschoßen, alle in Poysdorf und Umgebung ge- 
sammelt, dann eine größere Sammlung von Haus- 
haltungs- und Einrichtungsgegenständen früherer 
Zeiten, eine Sammlung von Versteinerungen und 
fossilen Resten, Urkunden und Bücher aus dem 
XVn. Jh., eine gut erhaltene Bibel vom Jahre 1540, 
einige Lehrbriefe u. dgl. 

Seit I. Januar 1. J. erwarb er einen alten 
Reitersporn gefunden im Walde bei Walters- 
dorf beim Stockreuthen, einen gelochten Stein- 
hammer und ein großes ungclochtes schwarzes 
Steinbeil, Einzelfunde aus Am eis (Halde gegen 
Waltersdorf), einen Schlagstein und eine eiserne 
Lanze, gefunden nebst Tongefaßen und einer 
zweiten Lanze beim Rigolen eines Ackers bei 
Steinbergen nächst Ketzelsdorf, einen stark 
verwitterten, zweimal gelochten Steinhammer, ge- 
funden in Höbertsgrub (Gemeinde Poysdorf) in 
einem Weingarten, unweit davon ein menschliches 
Skelett; 2 Steinschaber — Einzelfunde aus Ameis — 
einen Steinschaber aus Falkenstein-Rosen- 
bergen, 3 Bruchstücke von Steingeräten aus 
Poysdorf (Gaisbergen), ein schwarzes Steinbeil 
aus Klein-Hadersdorf, einen Steinschaber aus 
schwarzem Stein, einen Meißel und 2 Bruchstücke 
aus Falkenstein. 

Am 10. Februar wurden beim Brunnengraben 
des Hauses 328 in Poysdorf, Brunngasse, in einer 
Tiefe von 4 — 5 m verkohlte Knochen und ein 
gleichfalls angebrannter Pf er de schade 1 gefunden. 
In der ausgeworfenen Erde fand sich ein Spinn- 
wirtel aus Ton, ein ungelochter Steinhammer 
und mehrere Bruchstücke von Tongefäßen, eines 
mit zwei Zoll dicken Wänden und einer Tülle aus 
Ton statt des Henkels. Weitere Grabungen werden 
vom Eigentümer nicht gestattet. 

Im Markte Falkenstein wurde vor kurzem 
ein Raitpfennig I1591) gefunden. 

Ref. Mlch: Der Bezirksschulrat in TuUn hat 
beschlossen, Beiträge zur Heimatskunde des poli- 
tischen Bezirkes TuUn in zwanglosen Heften heraus- 



125 



Sitzung vom 7. April 1905 



126 



zugeben. Die Z. K. begrüßt dieses Unternehmen, 
welches die Kunde der Heimat und dieLiebe zu 
ihr in den weitesten Kreisen zu verbreiten ge- 
eignet ist. 

Steiermark 

Ref. KuBrrscHKK: Konservator Rikdl kündigt 
an, dali er über Ersuchen des Pettauer Museums- 
vereines die zum Parz'schen Maierhofe in Ober- 
rann gehörigen Gründe, wo im Jahre 1895 römi- 
sche Mosaiken gefunden worden waren, durch- 
forschen werde. 



Sitzung vom 7. April 1905 (7. Sitzung der II. Sektion). 

Anwesende: Der Präsident (Vorsitzender). — 
Mitglieder: Castelliz, Deininger, DvoSäk, 
Neumann, Neuwirth, v. Zumbusch. — Schrift- 
führer: Bauer. 

Allgemeines 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. gibt den 

Jahresbericht des Comite de conservation des 

monuments de l'art arabe in Kairo für 1903 

herab. 

Böhmen 

Ref. DvoßÄK: Über die Ausmalung der 
Castalus-Kirche in Prag beschließt die Z. K. 
weitere Erhellungen zu pflegen. 

Ref. Deininger: Für die Restaurierung der 
Wenzelskirche in Prag wurde ein neuerliches 
Projekt ausgearbeitet, dem eine eingehende Unter- 
suchung des Denkmales vorherging. Hiebei wurden 
die Fundamente des ursprünglichen bis in das 
17. Jh. bestandenen Turmes aufgefunden, der die 
südwestliche Ecke des Baues bildet, in dessen 
Mauerwerke zwei Reihen romanischer Fenster über 
einander aufgedeckt wurden, ferner die steinerne 
Sohlbank und Gewölbansätze des großen Fassaden- 
fen.sters sowie der Fenster des Schiffes; außen 
wurden die Profile der Stützpfeiler, der Gesimse 
und das Sockelgesimse, im Presbyterium die 
Sediliennische sichergestellt; im Innern ließ sich 
konstatieren, daß die derzeit durch Abschlagen ver- 
kürzten Dienste im Presbyterium ursprünglich bis 
oberhalb des horizontal verlaufenden Profiles ende- 
ten; ferner daß die Halb])feiler des Schiffes aus alten, 
früher anderweitig verwendeten Steintrommeln her- 



gestellt wurden, da an denselben gotische, nunmehr 
der Mauer zugekehrte, Inschriften gefunden wurden. 
Das vorgelegte künstlerisch gut durchgebildete 
Restaurierungsprojekt geht von der Voraussetzung 
aus, daß diese einfache, nunmehr aus ihrer ursprüng- 
lichen Vereinsamung in ein elegantes, modernes 
Stadtviertel versetzte Kirche sich auch ihrem Milieu 
entsprechend anpassen müsse, und nimmt . daher 
manche nicht unwesentliche Veränderungen in 
Aussiclit, welche das Bauwerk wieder repräsentabler 
machen sollen. Wenn auch die Z. K. diesem Stand- 
punkte Rechnung trägt, so muß sie doch darauf 
bestehen, daß alles derzeit Bestehende tunlichst 
erhalten und die unbedingt notwendigen Er- 
neuerungen dem nach genauesten Forschungen fest- 
gestellten alten Bestände nachgebildet werden, 
was bei dem vorgelegten Projekte nicht der Fall 
zu sein scheint. Die Z. K. beschließt daher, die 
Aufnahmen des derzeitigen Bestandes zu requi- 
rieren und eine Untersuchung der Kirche durch 
den Referenten einzuleiten, um an der Hand der 
hiedurch gewonnenen Resultate zu dem Projekte 
eine präzise Stellung nehmen zu können. 

Ref. DvoftÄK: Im Dezember vorigen Jahres 
löste .sich ein Stück Mörtel vom Gewölbe des 
großen Saales der Universitätsbibliothek in' 
Prag los, und eine hierauf eingeleitete Unter- 
suchung ergab die Notwendigkeit einer Restau- 
rierung des Gewölbes und der Fresken. Die Arbeiten 
sollen sich auf die Verkittung der Risse und 
malerische Retuschen an diesen Stellen be- 
schränken; die Z. K. erhebt keine Einwendung 
dagegen. 

Rftf Neuwirth : Konservatoj^ Wiehl berichtet, 
daß die im pseudomaurischen Stil modernisierte 
Großhofsynagoge in Prag weder äußerlich noch 
innerlich einen besonderen künstlerischen Wert 
aufweise. Die Z. K. beschließt daher, gegen die 
Demolierung des Gebäudes, falls diese zu Assa- 
nierungszwecken erforderlich sein sollte, keine Ein- 
wendung zu erheben. 

Ref. Neuwirth: Der Klub „Za starou Prahu" 
teilt mit, daß im Hause Nr. 4 — I am Altstädter 
Kleinen Ring in Prag, infolge zufalligen Ab- 
springens des Bewurfes, Sgraffiti aus der Re- 
naissancezeit auf blauem Grunde zum Vorscheine 
gekommen seien, und ersucht, diesen Malereien 
sowie dem Hau§e überhaui)t, das durch den be- 

9* 



i^: 



Sitzung vom 7. April 1905 



128 



absichtigten Umbau des Altstädter-Rathauses be- 
droht sei, das Augenmerk zuzuwenden. 

Der Klub teilt weiter mit, das er sich tür 
die Erhaltung des jüdischen Rathauses und der 
Altneusynagoge in Prag eingesetzt und einen 
öffentlichen Protest gegen die Demolierung dieser 
Denkmale erhoben habe. 

Ref. Neuwirth: Korrespondent Ankert legt 
einen Artikel über den Majolikamacher Bachora 
(S. A. aus den Mitt. des nordböhm. Exkursions- 
klubs) vor. 

Ref. NEU^nRTH: Konservator Alüst berichtet, 
daß er den Holzplafond in der Begräbnis- (Drei- 
faltigkeits-) Kirche zu Böhmisch Aicha als 
unrettbar verloren bezeichnen müsse, da er infolge 
der mangelhaften Beschaffenheit des Daches an- 
gefault und durch Wurmfraß stark mitgenommen 
sei. Die Kirche sei auch sonst so verwahrlost, daß 
der Aufenthalt in und nächst ihr geradezu als 
lebensgefahrlich betrachtet werden müsse; der 
Konservator habe sich daher an den Patron um 
Behebung der krassesten Bauschäden gewendet; 
die Z. K. beschließt, die Schritte ihres Konservators 
zu unterstützen. 

Ref. Deexinger: Konservator Pippich berichtet, 
daß die (gelungene) Restaurierung des Innern 
der Maria-Himmelfahrts-Kirche in König- 
grätz auf die stilgerechte Instandsetzung der 
Wände, Gemälde und Fußböden, sowie der Aus- 
stattung sich erstreckte. 

Ref. Dvoäak: Konservator Kroutil berichtet, 
daß auf dem in der unmittelbaren Nähe der 
Marienkirche z^ Sedletz befindlichen Küchen- 
gebäude der Tabak fabrik ein Stockwerk aufge- 
setzt werden soll, wodurch die Kirche verunstaltet 
und der schädigenden Feuchtigkeit in dem durch 
das Küchengebäude gebildeten engen Winkel noch 
mehr Vorschub geleistet würde. Die Z. K. beschließt 
daher, sich gegen die beabsichtigte Herstellung 
auszusprechen. 

Ref. Dvoft.4K: Der Klub ^Zastarou Prahu" teilt 
mit, daß durch den Betrieb von Steinbrüchen in 
der unmittelbaren Nähe der Burgruine Tetin der 
Einsturz eines bedeutenden Teiles der interessanten 
Burg bedingt wurde, und daß bei Fortsetzung des 
Betriebes weitere Partien an ihr gefährdet sein. 
Die Z. K. beschließt, weitere Erhebungen zu pflegen. 



Ref Nelavikth: Konservator DvoSäk berichtet 
über die in der Marienkirche zu Vystrkov 
durchgeführten Herstellungen. Die alte Kanzel 
wurde im Ambite aufgestellt, das wertlose Altar- 
gitter auf dem Kirchenboden deponiert. Die Über- 
tünchung der Wände im Schiffe und Presbvterium 
ist entsprechend durchgeführt. Die neu angeschaffte 
Kanzel, Altargitter und Beichtstuhl fügen sich dem 
Ensemble harmonisch an; dagegen sei die Restau- 
rierung der Gemälde am Gewölbe des Schiffes 
leider als vollkommen verfehlt zu bezeichnen. 

Dalmatien 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. gibt bekannt, 
daß es zu den bisher durchgeführten Restaurierungs- 
arbeiten am Minoritenkloster zu Spalato eine 
Staatssubvention nicht bewilligen könne, jedoch 
nicht abgeneigt sei, eine mäßige Subvention für 
die eventuelle Restaurierung des Kreuzganges in 
Aussicht zu stellen, wenn die Restaurierung nach 
einem vom Ministerium vor Beginn der Arbeiten 
approbierten Programme im Einvernehmen mit 
dem berufenen Konservator geschehe. 

Galizien 

Ref. Riegl: Mit dem Projekte für die Restau- 
rierung der gT.-kath. Pfarrkirche in Halicz 
erklärt sich sie Z. K. einverstanden. Dieses Projekt 
läßt die Disposition des Grundrisses und Aufrisses 
etwa bis zur Kämpferhöhe der Gewölbe intakt 
und verändert nur solche Teile, die nicht mehr 
ursprünglich sind und wegen ihrer exponierten 
Lage gelitten haben und daher ohnedies der Er- 
neuerung bedürfen; das ist hauptsächlich das 
Gewölbe, das Dach und die Fassade. Die Gewölbe 
sollen in Kuppelgewölbe umgewandelt werden, 
was dem Stile des Baues entschieden besser 
entspricht als die bisherigen Flachgewölbe. Die 
gegen die Apsis gelegene Kuppel erhält einen 
Tambour, wodurch die Zentralform eine nach- 
drückliche Betonung erfahrt; konsequenterweise 
muß auch der jetzt vorhandene barocke Westgiebel 
fallen. Im Detail w'iederrät die Z. K. die Ver- 
breiterung der Fenster und die projektierte Art 
ihrer Ausfüllung mit Stabwerk, was auch aus 
praktischen Gründen nicht notwendig sein dürfte, 
da durch den Tambour der Kuppel künftighin 
genug Licht in die Kirche einströmen würde. 



129 



Sil7.un{! vom 7. April 1905 



130 



Ferner empfiehlt die Z. K. bei Entfernung des 
Verputzes darauf zu achten, ob nicht Reste von 
alten Wandmalereien zutage treten, und in diesem 
Falle unverzüglich anher die Anzeige zu machen. 
Ref. Zumbusch: lün für die Restaurierung 
des Kreuzganges bei der Franziskanerkirche 
in Krakau vorgelegtes ProgTanim, welches unter 
anderem die Neuvergoldung- und Bemalung der 
gotischen Bilderrahmen, die Polierung und Px-- 
arbeitung der plastischen Denkmale mit dem Stock- 
hammer und die Neugravierung und Vergoldung 
der Inschriften in Aussicht nimmt, beschließt die 
Z. K. zur Ausführung nicht zu empfehlen. Der 
hochinteressante Kreuzgang ist ein wahres Museum 
von Kunstdenkmälern und als solches auch zu 
behandeln; bei der geplanten radikalen Restau- 
rierung würde aber der ganze Kunstwert des 
Baues und seine Denkmäler verloren gehen. Die 
Z. K. mul3 daher darauf bestehen, daß die Her- 
stellungsarbeiten sich auf die unbedingt notwen- 
digen Sicherungen beschränken. 

Kärnten 

Ref. Riegl: Maler Viertelherger legt das 
Programm für die Restaurierung des Wappen- 
saales im Landhause zu Klagenfurt vor. Er 
beantragt vor allem eine Behebung der baulichen 
Gebrechen, namentlich des klaffenden Risses an 
der Fensterseite der linken Ecke und mancher 
Senkungen des Verputzes, falls diese Gebrechen 
gefahrdrohender Natur sein sollten, und eine 
Untersuchung der Dippelbäume, an denen der 
Verputz mit den Fromillerschen Gemälden ange- 
bracht ist, daraufhin, ob nicht doch manche der 
Köpfe, die im Mauerwerke lagern, morsch oder 
erstickt sind, endlich die Entfernung der beiden 
großen Gasbrenner, die vermöge der Entwicklung 
großer Hitze für die Erhaltung der Decke nicht 
von Vorteil sind, und Neuinstallation der Be- 
leuchtung. Die Malereien wären mit unbedenk- 
lichen Mitteln zu reinigen, die losen Stellen wieder 
mit dem Untergrund in feste Verbindung zu 
bringen, Sprünge und Risse zu verkitten und zu 
tonen. Die abgeriebenen und verwischten Stellen 
der Wappen und der Inschrift wären zu ergänzen, 
die Wappen der beiden untersten Reihen mit 
Schutzstangen, die ein Anlehnen an die Mauer 
verhindern, zu versehen, die glatten, unbemalten 



Flächen zu reinigen, teilweise mit der Grundfarbe 
neu zu streichen, teilweise auszubessern. Die 
Z. K. erklärt sich hiemit einverstanden. 

Ref. Riegl: Konservator Grösser berichtet, 
daß ein 1 5 111 langer und hoher Teil der westlichen 
Mauer der Schloßruine am Petersberg in 
Friesach abgestürzt ist; der obere Teil der 
Mauer blieb in der Luft hängen, so daß die Ge- 
fahr eines Nachsturzes vorhanden ist. Sicherungs- 
vorkehrungen wären dringend notwendig. Die 
Z. K. wird Erhebungen pflegen. 

Ref. Riegl: Maler Viertelberger legt ein Pro- 
gramm für die Sicherung der Blumen thalschon 
Gemälde im Chore des Gurker Domes vor. 
Die Bilder wären vom Staube zu reinigen, zu 
fixieren, die zahlreichen losgelösten Partien wieder 
mit dem Verputze in feste Verbindung zu bringen, 
die Lücken im Verputze mit frischem Mörtel aus- 
zufüllen und mit einer neutralen Farbe zu tonen; 
auf die gleiche Weise wären auch die Gemälde 
in der Vorhalle zu behandeln. Die Z. K. beschließt, 
sich um die Durchführung der Arbeiten zu be- 
mühen. 

Ref. Riegl: Maler Viertelberger berichtet 
über die Sicherung und Erhaltung der Fro- 
millerschen Gemälde in der Kirche zu 
Ossiach. Zur Entfeuchtung der Kirche wäre 
für Herstellung einer ausgiebigen Ventilation, 
Einfügen gut schließender Fenster und Trocken- 
legung des Fußbodens zu sorgen. Die losen 
Stellen der Gemälde wären zu befestigen, die vom 
Mauerfraß durchfeuchteten Teile zu entfernen, neu 
zu verputzen und zu tonen. Das Gemälde „Ver- 
mählung Mariens" an der rechten Seite des Pres- 
byteriums ist so verfallen, daß eine Restaurierung 
ohne weitgehende Ergänzung nicht möglich wäre. 
Da sich das Gemälde an einer wenig auffälligen 
Stelle befindet, wären größere fehlende Partien 
mit einer neutralen Farbe zu tonen, kleinere Lücken 
dagegen, wo der Zusammenhang unzweifelhaft ist, 
mit entsprechender Farbe auszutupfen. Auch bei 
den Stuckornamonten wären die losen Teile fest- 
zukitten, fehlende Stücke zu ergänzen und mit der 
Polychromierung zu den alten zu stimmen. Die 
Z. K. beschließt, das Programm zur Ausführung 
zu empfehlen. 

Ref. Riegl: P.\ul Hauser berichtet: 

1. In dem Kirchlein von Plessnitz befinde 



131 



Sitzung vom ". April 1905 



132 



sich die Ivrönung' eines Flüg-elaltars, dessen 
Restaurierung notwendig erscheine. 

2. Die in der Kirche zu Gerlamoos unter 
der Tünche befindliche dritte Reihe von Wand- 
gemälden könnte ohne Mühe freigelegt werden. 

3. Aus der Kirche von St. Oswald wurde 
ein gotischer Chorstuhl und Reste eines Flügel- 
altars, aus der Kirche in Tweng eine alte 
Petrusstatue an den Antiquar Rohr.\cher ver- 
kauft. 

4. Der Flügelaltar in der Kirche zu Treff- 
ling befinde sich noch immer in der offenen Vor- 
laube, allen Unbilden der Witterung ausgesetzt, 
und sollte endlich in das Innere versetzt werden. 

5. Die Bedachung des Münsters zu Mill- 
stadt befinde sich in traurigem Zustande. 

Die Z. K. beschließt, sich wegen Abhilfe der 
bekanntgegebenen Übelstände zu bemühen und 
die Verkäufe kirchlicher Kunstgegenstände zur 
Kenntnis des Gurker Ordinariats zu bringen, das 
in anerkennenswerter Weise energisch bestrebt 
ist, weitere Schmäleningen kirchlichen Kunst- 
besitzes zu verhindern. 

Ref. Zumbusch: Mit dem für die Restaurierung 
der Ewigen Licht-Säule am Kirchenplatze zu 
Völkermarkt vorgelegten Programme, welches 
lediglich die Erhaltung und Sicherung des der- 
zeitigen Bestandes in Aussicht nimmt, erklärt sich 
die Z. K. einverstanden. 

Krain 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die Dachherstellungen am nördlichen Seiten- 
schiffe der ehemaligen Zisterzienserkirche 
Maria Brunn bei Landstraß eine Subvention 
von 525 A'. 

Küstenland 

Ref. Neusiann: Das Munizipium der Stadt 
Görz teilt mit, daß die h. a. angeregten Her- 
stellungen am Portale des Kastells in Ausführung 
begriffen seien. 

Ref. Zumbusch : Mit der beantragften Sicherung 
und Reinigung des spätgotischen Brunnens 
in Woltschach erklärt sich die Z. K. einver- 
standen. Die Ausführung eines Umfriedungsgitters 
beschließt sie zu widerraten. 



Mähren 

Ref. Riegl' Exzellenz Markgraf Pallavicini 
teilt mit, daß er die in der St. Jakobskirche zu 
Jamnitz aufgedeckten Fresken restaurieren und 
das gotische Fenster mit einer Glasmalerei ver- 
sehen lasse. 

Ref. Houdek: Konservator Czerny legt eine 
Photographie des aus der Filialkirche zu Mar- 
schendorf stammenden nunmehr im Museum zu 
Mährisch-Trübau verwahrten Renaissance-Tauf- 
beckens vor. 

Nieder-Österreich 

Ref. Deiningek: Mit der geplanten Ausmalung 
der Pfarrkirche in Gersthof (Wien XVIIIj 
erklärt sich die Z. K. einverstanden. 

Ref. Deindjger: Die für die Ausmalung des 
Innern der Pfarrkirche in Aggsbach vor- 
gelegten Skizzen beschließt die Z. K. der Ge- 
nehmigung nicht zu empfehlen. 

Ref. Riegl: Der Z. K. kommt von verläßlicher 
Seite die Nachricht zu, daß sich die Stadtgemeinde 
Eggenburg mit der Absicht trage, die Stadt- 
mauer vom Redemptoristenkloster bis zur Besse- 
rungsanstalt niederzulegen und den Graben auszu- 
füllen, um Bauplätze zu gewinnen. Die Z. K. 
beschließt auf die Stadtvertretung einzuwirken, 
daß die Stadt .sich nicht selbst einer ihrer wesent- 
lichsten Zierden beraube, die sie zu einem viel- 
besuchten und hochgeschätzten Juwel unter den 
niederösterreichischen Städten emporhebt. 

Ref. Riegl: Die Z. K. beschließt, sich für die 
Belassung der gut erhaltenen Barockaltäre in der 
Pfarrkirche zu Friedersbach und gegen ihren 
Ersatz durch neue Altäre in gotischem Stile aus- 
zusprechen. 

Ref. Deiningek: Gegen die unbedingt not- 
wendige Herstellung einer Beichtkammer bei der 
Pfarrkirche in Fürth (Bezirkshauptmannschaft 
Baden) in einfacher, möglichst wenig aufdring- 
licher Weise beschließt die Z. K. keine Ein- 
wendung zu erheben, dagegen gegen die Auf- 
führung von gotisch profilierten Widerlag-spfeilern 
an den aus der Barockzeit stammenden Außen- 
wänden der Kirche sich auszusprechen. Diese 
Pfeiler wären vielmehr in den einfachsten 
Barockformen aufzuführen. 



133 



Sitzung vom 7. April 1905 



134 



Das k. k. Ministerium f. K. u. U. erklärt sich 
bereit, die Kosten der Sicherung- des Gemäldes 
„Anbetung des Lammes" vom Kremser Schmidt 
in der Pfarrkirche zu Hausleithen auf die 
staatlichen Kunstkredite zu übernehmen. 

Ref. Riegl: Mit der angeregten Abgabe des 
aus der Pfarrkirche zu Karlstift entfernten 
Altars an das Diözesanmuseum in St. Polten er- 
klärt sich die Z. K. einverstanden. 

Ref Zumbusch: Konservator Fehkingkr be- 
richtet, daß über seine Verwendung- von dem Er- 
satz der Renaissancekanzel in der Kirche zu 
Krenstetten durch eine neue im gotischen Stile 
abgesehen wurde. Die alte schadhafte Kanzel 
wurde ergänzt, neu bemalt und vergoldet. 

Ref Deininger: Mit der beabsichtigten Neu- 
politur des Stuckmarmors und der Erneuerung 
der Vergoldung im Innern der Pfarrkirche in 
Obermarkersdorf erklärt sich die Z. K. ein- 
verstanden; über die Notwendigkeit und die Art 
und Weise der in Aussicht genommenen Erhöhung 
des Turmes beschließt sie, weitere Erhebungen 
zu pflegen. 

Ref. Zumbusch: Über die Versetzung eines 
Grabmales von der Außenseite der Pfarrkirche 
in Piesting in das Innere beschließt die Z. K. 
weitere Erhebungen zu pflegen. 

Ref. Castelliz: Mit der geplanten Rekonstruk- 
tion des Unterbaues der Apsis der Pfarrkirche 
in Schönbichl erklärt sich die Z. K. einver- 
standen. 

Ref. Zumbusch: Konservator Endl berichtet, 
daß das an der Außenseite der Pfarrkirche in 
Stranning befindliche Denkmal des Erbauers 
aus Raummangel nicht in das Innere versetzt 
werden könne; ein (fehlender) Arm einer Figur 
soll ersetzt werden. 

Ober-Österreich 

Ref Zumbusch: Die vom Museal vereine in 
Schärding in Aussicht genommene Übertragung 
wertvoller Grabmale aus dem Friedhofe in den 
Schloßtorbogen, in eine vor Wind und Wetter 
geschützte Lage, begrüßt die Z. K., die sich für 
die Durchführung des Projektes verwenden will. 

Salzburg 
Ref. Riegl: Konservator Romstorfer berichtet, 
daß die Stadtgemeinde Salzburg sich bereit er- 



klärt habe, den Hexenturm anzukaufen und zu 
erhalten, wenn ihr hiefür eine entsprechende 
Staatssubvention bewilligt würde. Die Z. K. be- 
schließt, sich für deren Erwirkung zu verwenden. 

Ref. Riegl: Konservator Romstorfer berichtet, 
daß die Absicht bestehe, die in zwei Reihen über- 
einander befindlichen leeren Nischen im Haupt- 
schiffe der Studienkirche in Salzburg mit 
Heiligenfiguren zu schmücken; zunächst sei 
die Ausführung von Adam und Eva in den Nischen 
nächst dem Eingange in Aussicht genommen. 
Die Z. K. erhebt keine Einwendung. 

Ref. Deininger: Die Z. K. wünscht, daß für 
die Deckung der Dachungen des Klosters Mülln 
im Hinblick auf die exponierte, weithin sichtbare 
Lage des Objektes glasierte Ziegel, und falls dies 
aus finanziellen Gründen nicht durchführbar sein 
sollte, geschmauchte Ziegel verwendet werden. 

Ref Riegl: Konservator Geppert berichtet: 

1. Daß er den Verkauf einer Figur des auf 
dem Dachboden desPfarrhofeszuStraßwalchen 
aufbewahrten barocken Hochaltar es mit Erfolg 
widerriet, da ihm die Wiederverwendung des 
Altares wünschenswert erscheine. 

2. Daß er die Versetzung des Bildstöckeis 
von der alten Straße von Aduet nach Hallein 
an die neue widerraten habe. 

3. Daß er sich gegen den Verkauf zweier 
interessanter Holzplafonds aus dem sogenannten 
Schloßbauerngute bei Adnet aussprach und 
ihre Aufnahme durch die Fachschule in Hallein 
anregte. 

4. An der Filialkirche S. Margarethen bei 
Vigaun wäre die Entfernung des Putzes an den 
feuchten Stellen, Auskratzen der Fugen, eine Re- 
paratur des Daches und die Aushebung und Aus- 
mauerung eines Lüftungsgrabens an drei Seiten 
der Kirche erforderlich. Die Z. K. erklärt sich 
hiemit unter der Voraussetzung einverstanden, 
daß im Entfernen des Verputzes und des alten 
Dachmateriales nicht über das unbedingt Not- 
wendige hinausgegangen werde. 

5. Das Tabernakel vom Hochaltare der 
Frauenkirche in Bischofshofen wird restau- 
riert; der ehemals vorhandene gekeilte Spitzgiebel 
wiederhergestellt, für die seitlichen Nischen Figuren 
angefertigt. Der Konservator erteilte hiefür ent- 
sprechende Ratschläge. 



'35 



Sitzung vom 7. April 1905 



136 



Steiermark 
Ref. Luschin: Der steirische Landesausschuß 
teilt mit, daß der Landtag dem Musealvereine 
in Cilli, vom Jahre 1906 angefangen, eine Sub- 
vention von 600 A' und für die dringend not- 
wendigen Sicherungsarbeiten an der Burgruine 
Cilli eine Subvention von 6000 K bewilligt habe. 
Diese Arbeiten erstrecken sich auf die Stützung 
einstürzenden Mauerwerkes, Zementierung gefähr- 
deter Stellen, Verhinderung des Einsteigens Un- 
berufener, welche in boshafter Weise die vom 
Vereine vorgenommenen Restaurierungen zer- 
störten; zu diesem Behufe wurde auch in nächster 
Nähe der Burgruine ein Wächterhaus aufgeführt, 
welches schon bezogen ist. 

Tirol 

Ref. Neuwirth: Konservator Atz berichtet, 
daß die Martinskirche in Campill bei Bozen 
ein allen Anforderungen entsprechendes Dach 
samt neuem Dachstuhl erhielt. Bei der Entfernung 
des alten Dachstuhles zeigte es sich, daß die im 
Innern der Gewölbe sichtbaren Risse nicht durch 
das Mauerwerk durchgehen, sohin für den Bestand 
des Ganzen nicht gefährlich sind. 

Ref. Riegl: Die k. k. tirolische Statthalterei 
teilt mit, daß das Altarbild aus der Konstant ins- 
kirche in Chrj-santhen bei Völs am Schiern 
dem Museum Ferdinandeum in Innsbruck zum 
Kaufe angeboten worden sei. Dieses habe den 
Ankauf mit dem Bemerken abgelehnt, daß das 
Bild an dem Orte, für den es seinerzeit bestimmt 
gewesen ist, am besten untergebracht sei, und 
den Pfarrer aufmerksam gemacht, daß er zur Ver- 
äußerung des Bildes der kirchlichen und staat- 
lichen Genehmigung bedürfe. 

Ref. Neuiiann: Die Z. K. beschließt, die in 
Aussicht genommene Erwerbung der gesprungenen, 
zum Umgusse bestimmten Löfflerschen Glocke 
vom Jahre 1559 aus der Pfarrkirche in Ebbs 
für das Museum Ferdinandeum in Inn.sbruck zu 
befürworten. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung der Straßendenkmale bei 
den Weilern Gärberbach und Unterberg eine 
Subvention von 230 K. 

Konservator Deininger berichtet, daß bei der 



Demolierung der Fischerhütte auf dem unteren 
Stadtplatze in Hall in einer Mauer die Fragmente 
eines in Sandstein ausgeführten Hochreliefs 
bloßgelegt wurde. Es zeigt eine Bischofsfigur in 
spätgotischen Formen und an der in Flachrelief 
dessinierten Gewandung deutliche Spuren ur- 
spi-ünglicher Polychromierung. Die vorgefundenen 
Teile dieser interessanten Skulptur aus der zweiten 
Hälfte des XV. Jh., welche aus der Nikolaus- 
Pfarrkirche in Hall stammen dürfte, werden der 
städtischen Sammlung im Rathause einverleibt. 

Ref Riegl: Konservator In>5erhofer berichtet, 
daß die Absicht bestehe,den romanischen Johannes- 
(Frühmesser-)Turm in Mals abzubrechen, weil er 
sich in bedenklichem, dem Zusammenbruche nahem 
Bauzustande befinde. Das angebaute Haus, bisher 
Frühmesser Vidum, mußte bereits geräumt werden. 
In der Gemeinde selb.st wünsche man die Er- 
haltung des Turmes, sei aber nicht in der Lage 
die auf 2000 7v' sich belaufenden Restaurierung.s- 
kosten aus Eigenem zu tragen. Die Z. K. beschließt, 
eine Staatssubvention von 600 K unter der Be- 
dingung zu befürworten, daß bei der Restaurierung 
alle für die Erhaltung unwesentlichen Erneuerungen 
und Ergänzungen unterlassen werden. 

Ref Nkuwirth: Der Museumsverein in Bozen 
teilt mit, daß er die Erwerbung von vier im 
Kloster Mariaheim bei Gries befindlichen schad- 
haften Chorstühlen für die einzurichtende Kapelle 
im Museumsgebäude anstrebe; die Z. K. beschließt, 
hingegen eine Einwendung nicht zu erheben, falls 
die Klostervorstehung nicht selbst darauf Wert 
legt, die außer Gebrauch gesetzten Gegenstände 
in einer Art stiftlichem Museum zu vereinigen. 

Ref Deinixger: Korrespondent Walchegger 
verwendet sich für die Erwirkung einer Staats- 
subvention zum Zwecke der Herstellung eines 
neuen Turmes bei der Filialkirche in Mellaun; 
die Z. K. beschließt, weitere Erhebungen zu pflegen. 

Ref Riegl: Die Z. K. beschließt, sich gegen 
die Demolierung des Vintschgauertores in 
Meran auszusprechen, da zwingende Gründe für 
die Niederreißung nicht vorhanden sind und das 
Denkmal als ein charakteristischer, sehr malerisch 
wirkender Bau zu betrachten ist. In gleicher Weise 
beschließt die Z. K. sich für die Erhaltung des 
Bozenertores zu verwenden, welches mit seinem 



MITTEILUNGEN 



DER 



K. K. ZENTRAL-KOMMISSION 

FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER 
KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 



DRITTER FOLGE VIERTER BAND 



ABONNEMENTS - BEDINGUNGEN 

Ganzjährig 5 K, für Korrespon- 
denten der k.k.Zentral-Kommission 
bei direktemBezugausderenKanzlei 
2 K. Einzelne Nummern können 
(in geringer Anzahl) zu 1 Ä" ab- 
gegeben werden. 

Abonnements können bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen 
oder beim Kommissionsverlage der 
„Mitteilungen" ANTON SCHROLL 
& Co., WIEN I Maximilianstraße 9, 
oder direkt bei der k. k. Zentral- 
Kommission (Wien I Gauermann- 
gasse 4) angemeldet werden. 



REDAKTION 

Prof. WILHELM KUBITSCHEK 
Wien IX Pichlergasse 1 

Prof. ALOIS RIEGL 
Wien I Schottengasse 3 



Nr 4. 5 APRIL BIS MAI 1905 

INHALTS - VERZEICHNIS 

Personalien 105 

Sitzungsbericht vom 10. März 1905 107 

Sitzungsbericht vom 24. März 1905 115 

Sitzungsbericht vom 31. März 1905 122 

Sitzungsbericht vom 3. April 1905 125 

Sitzungsbericht vom 14. April 1905 . 139 

Sitzungsbericht vom 28. April 1905 142 

ENDL Ein Steinbild aus Großburgstall 149 

UBELL Eine Bronzeklinge von den Schaf böden bei Hinterstöder . 152 

V. BERSA Grabfunde aus Nona (Dalmatien) 152 

KENNER Keltische Münzen vom Mallnitzer Tauern 159 

UBELL Eine Heraklesstatuette aus Bronze 161 

SCHIAVUZZI Archäologische Grabungen in Pola und Umgebung 164 

MOSER Eine römische Inschrift aus Istrien 174 

KATSCHTHALER Münzfund (XV. Jh.) bei Gerolding 175 



Im Druck abgeschlossen 25. Juni 1905 



Die „IVIitteilungen" der k. k. Zentral-Kommission für Kunst- und historische Denkmale 

fr O 

erscheinen monatUch in einem Mindestumfang von 24 Spalten und sind zur Veröffentlichung 

1. amtUcher Kundmachungen der Zentral-Kommission, 

2. der Protokolle der Sitzungsberichte der Zentral-Kommission, 

3. von Fundberichten und Denkmalsbeschreibungen sowie von Erörterungen 
beachtenswerter Funde und wichtigerer Fragen der Denkmalspflege 

bestimmt. Selbständige Fundberichte und Aufsätze werden in der Regel honoriert (die 
Zeile zu 7 h, die volle Textspalte zu K 3'36). Für die Honorierung von Plänen und 
Zeichnungen sind fallweise Verhandlungen mit der Redaktion nötig. Die Redaktion ist 
gerne bereit, den auszugsweisen oder vollständigen Abdruck eines in den „Mitteilungen" 
erscheinenden Fundberichtes oder Aufsatzes und die Benützung der dafür angefertigten 
Klischees, wenn der Verfasser dessen Verbreitung auch durch ein anderes publizistisches 
Organ wünscht, vor allem in Lokalblättern, zuzugestehen. Doch ist selbstverständlich 
gleich bei Einsendung des Manuskriptes eine diesbezügliche Vereinbarung mit der 
Redaktion anzubahnen. Die Honorierung bleibt besonderer Vereinbarung vorbehalten, 
wenn gleichzeitig oder innerhalb des auf die Publikation in diesen „Mitteilungen" folgenden 
Jahres der Abdruck eines solchen Artikels auch noch in einer anderen Fachzeitschrift oder 
in großen allgemein verbreiteten Tagesblattern oder Zeitschriften beabsichtigt wird. Die 
Redaktion ist femer gerne bereit, fallweise und auf Grund von Vereinbarungen Auszüge 
aus geeigneten Fundberichten oder einschlägigen Artikeln, die in anderen Zeitschriften 
(insbesondere i. in nicht deutscher Sprache abgefaßten, 2. solchen, die aller Wahrschein- 
lichkeit nach sonst nicht leicht zur Kenntnis der Redaktion gelangen dürften) erschienen 
sind, in den „Mitteilungen" zu bringen. Es werden daher die Verfasser solcher Artikel 
ersucht, Sonderabdrücke mit ausdrücklicher Angabe ihrer Wünsche der Redaktion ein- 
zusenden. 

Manuskripte mögen nur auf einseitig beschriebenen Blattern übersandt werden, 
die Abbildungen mögen nicht in den Text hineingeklebt und noch weniger auf die 
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Den Verfassern geht ein Bürstenabzug zur Korrektur des Druckes zu; rascheste 
Durchsicht dieser Abzüge wird erbeten. Weitergreifende Autorkorrekturen werden auf 
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eine größere Anzahl von Sonderabdrücken, über die fallweise eine Vereinbarung mit der 
Redaktion nötig ist, sowie Umbruch der Spalten oder Broschieren in besonderem Um- 
schlag kann nur auf Kosten des Bestellers erfolgen. Derlei Bestellungen mögen nicht an 
die Druckerei gerichtet werden, sondern lediglich an die Redaktion, die sich allein zur 
Vermittlung des Verkehres zwischen den Verfassern und der Druckerei berechtigt ansieht. 

DIE REDAKTION 



137 



Sitzung vom 7. April 1905 



138 



hochaufragenden Turme \'on ganz besonderem 
Stimmungswerte ist. 

Ref. Deininger: Mit den für das Jahr 1905 
an der Maria-Schneekirche in Obermauern 
in Aussicht genommenen Rostauriorungsarbeiten 
(teilweiser Abtragung des Mauerwerkes am Turme 
und Herstellung einer neuen Mauerverankerung, 
Neuverputz des Turmes und Auswechslung des 
Turmgesimses) erklärt sich die Z. K. unter der 
Voraussetzung einverstanden, daß die Neuher- 
stellungen auf das unbedingt notwendige Maß be- 
schränkt bleiben. 

Ref. Riegl: Konservator Innerhofer berichtet, 
daß die Restaurierung der Wandmalereien im 
Christina-Kirchlein auf Pinnet (Gemeinde 
Lichtenberg) notwendig sei. Die Z. K. beschließt 
weitere Erhebungen zu pflegen. 

Ref. Zumbusch: Konservator Innerhofer be- 
richtet, daß die spätgotische Lichtsäule am 
Friedhöfe zu Tisens in ihrer allgemeinen Er- 
scheinung noch wohl erhalten sei, jedoch mannig- 
fache Schäden aufweise, deren Beseitigung dringend 
geboten wäre. Die Z. K. empfiehlt die Aufstellung 
eines auf die Festigung und Sicherung der Säule 
beschränkten Programmes und beschließt, bei Ab- 
gang der erforderlichen Mittel einen Beitrag in 
Aussicht zu stellen. 

Ref. Riegl: Konservator Dannesberger be- 
richtet über dringend notwendige Restaurierungs- 
arbeiten am Dome zu Trient: 

1. Die Quaderverkleidung des Turmes hat 
sich bis zu einer Höhe von 7 m vom Bruchstein- 
mauerwerk getrennt und ausgebaucht, so daß eine 
Herstellung notwendig ist, wobei jedoch die Aus- 
wechslung defekter Quadern auf das Notwendigste 
zu beschränken wäre. Die schattenbildenden Fugen 
dürfen nicht ganz verschlos.sen werden, der in die 
Innenwand eingebrochene Kasten ist zu beseitigen, 
der Hohlraum auszufüllen. 

2. Am oberen Teile des Turmes sind die Fugen 
zu verschließen, das mit dem Abstürze drohende 
Gesimse ist herunter zu schlagen, das Kuppel- 
dach auszubessern; auch die Fugen der Westfassade 
.sind zu verschließen, die Steine auszuwechseln; am 
Westportale soll die defekte Stufe an der linken 
Seite ausgewechselt, die daran stoßende Leiste er- 
gänzt werden; am Rundfenster ist zum Schutz der 

Mitteilungen der k. Ic. Zentral-KommissioD 1905 



linksseitigen Figur ein Teil des Rundstabes zu er- 
neuern. 

3. Vom Nordportal muß das geborstene links- 
seitige Kapital und der darauf ruhende Eckstein 
beseitigt werden; gegen die Tieferlegung des 
Bodens ist keine Einwendung zu erheben, wenn 
die Stellung der Säulen darunter nicht leidet. 

4. Einzelne defekte Teile der Hohlkehle der 
Südwand sind auszuwechseln, das mit Ziegeln ver- 
stopfte Loch ist regelrecht zu schließen, des- 
gleichen die Fugen. 

5. Am Ostportal ist eine bessere Sicherung 
des in zwei Teile gesprengten säulentragenden 
Löwen vorzunehmen; am zweiten Südfenster der 
Krypta kann der Rundbogen ergänzt, das rechts- 
seitige Kapital des dritten Südfensters der Krypta 
ausgewechselt und sein Rundbogen ergänzt 
werden; die Bauinschrift der Arogno ist vor 
weiterem Verfalle zu schützen; das Kapital des 
mittleren Fensters der Krypta in der Apsisrundung 
kann ausgewechselt werden, wenn das ursprüng- 
liche Muster noch zu konstatieren ist; an der 
Lisene zwischen dem linksseitigen und mittleren 
Fenster der Apsisrundung ist die Platte, welche 
die Säule trägt, zu ergänzen. 

6. Am Castelletto können die Stellen mit 
Bruchsteinmauerwerk beseitigt werden; für die 
Erhaltung der Reste des Fresko auf der Südseite 
ist Sorge zu tragen. 

7. An der Christuskapelle sind die abgefallenen 
Stukkaturen zu ergänzen und die Wandmalereien 
vom Staube zu reinigen. 

8. Die Wandmalereien in den beiden Kreuz- 
schiffen sind fest zu machen und zu reinigen, Auf- 
frischungen haben zu unterbleiben. 

9. Die an der Südseite des Domes in den 
Straßenboden eingelassenen Grabsteine sind zu 
entfernen und entweder im Dome selbst im Gange 
vor der Sakristei, oder im städtischen, beziehungs- 
weise Diözesan-Museum unterzubringen. Die Z. K. 
erklärt sich hiemit einverstanden. 

Ref. Riegl: Konservator D.\nnesberger be- 
richtet, daß das Dach des Römerturmes des 
Castello de! buon Consiglio in Trient mit 
einem i '/j m hohen Geländer umgeben werden 
soll. Die Z. K. beschließt, sich hiegegen auszu- 
sprechen. 



139 



SiUung vom 14. April I90S 



140 



Sitzung vom 14. April 1905 (2. Sitzung des Ple- 
nums). 

Anwesende: Der Präsident (Vorsitzender). — 
Mitglieder: Castelliz, v. Förster, Herm.\n.\', 
Kenner, Much, Neuwtrth, Redlich. — Schrift- 
führer: Bauer. 

Böhmen 
Ref Neuwirth: An einem für den Umbau des 
Rathauses in Böhm. -Aicha neuerlich vorge- 
legten Projekte empfiehlt die Z. K. einige Ver- 
einfachungen. 

Ref. Much : Korrespondent Schneider berichtet, 
daß in der Ziegelei MorAvek zu Pfedmefice 
Gräber aus der Hallstattzeit, bei 
dem Dorfe Voznice im Kirchen- 
walde unter Grabhügeln Lausitzer 
Urnengräber, bei dem Dorfe Slezeny 
eine neolithische Ansiedlung mit 
Volutenbandkeramik, bei Hofenice 
und Dobrä Voda (Gutwasser bei 
Hofic) Latenegräber, in der Ziege- 
lei Carpihetlo zu Freihöfen zwei 
slawische Skelettgräber mit drei 
Wellenbrandgefäßen, schließlich bei 
dem Dorfe Blesno ein Kupfer- 
beil (Fig. 2g) gefunden wurden. 
Die Funde gelangten zum größten 
Teile in das Museum nach König- 
grätz. 




Fig. 29 Kupfer- 
beil, gef. in 

Blesno; 12-5c;« 
lang, in der 

Schneide 3-5 cm 
breit 



Dalmatien 

Ref Much: Konservator de Beksa berichtet 
über die Aufdeckung von Gräbern aus der Hall- 
stattzeit bei Nona (s. Sp. 152). 

Galizien 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
dem Vereine zur Erhaltung polnischer Kunst- 
und Kulturdenkmale für das Jahr 1905 eine 
Subvention von 1000 A' unter der Bedingung, daß 
sich der Verein in allen Aktionen zur Förderung 
der Denkmalpflege, und zwar vor Einleitung der 
bezüglichen Maßnahmen, in das direkte Einver- 
nehmen mit der Z. K. setze. 

Ref Her.mann: Konservator Odrzvwolski be- 
richtet, daß die von ihm beanständeten Arbeiten 
an der Vorderseite der Salesianerkirche in 



OÄwiecim fortgesetzt und vollendet wurden. Der 
beabsichtigte Anbau eines Oktogons wurde von 
der Genehmigung der Z. K. abhängig gemacht, 
desgleichen jede weitere Restaurierung am Chore. 

Küstenland 
Ref. Kenner: Korrespondent Moser berichtet: 

1. Über einen an der südöstlichen Kirchen- 
wand in Gorcansko eingemauerten römischen 
Grabstein (CIL V 711). 

2. Über einen römischen Grabstein (CIL 
V 712) an der nordöstlichen Kirchenwand voö 
Volcjigrad (Voucigrad). 

3. In Gabrovica (südöstlich von Komen) 
wurde auf dem Acker na lüzi ein mit Steinplatten 
gedecktes Grab, darin ein Skelett in sitzender 
Stellung, angeblich ohne Beigaben, gefunden. 

4. In einem Weingarten südöstlich von Komen 
fand man eine mit einer Steinplatte gedeckte 
zylindrische Urne, die mit Erde und angebrannten 
(nicht verkohlten) Knochenstücken gefüllt war. 

5. Bei Grabungen auf dem Martini§ce fand 
man in früherer Zeit in der Nähe der Ruinen der 
Nikolauskapelle einen gotischen Fensterbogen 
(jetzt in einem Hause eingemauert) und drei 
Weihwasserkessel von primitiven Formen. 

6. Auf dem Felde na germek bei Jablanc 

nächst Sutta wurde beim Ausheben eines Grabens 

Vä m unter der Humusschichte eine Steinmauer 

von 60 cm Breite und eine schlecht erhaltene 

Münze von Kaiser Claudius 1 Großbronze) gefunden. 

Bei weiteren Nachgrabungen zeigten sich Knochen 

vom Rind und Schwein, Bruchstücke von Ziegeln 

verschiedener Qualität, darunter ein bogenartiger 

Dachziegel, Bruchstücke von Falzziegeln aus 

gelbem Ton und kleine Mosaikziegel, Bruchstücke 

einer kleinen bauchigen Schale mit Reif und Zähne 

vom Rind; die Mauersteine waren nicht behauen, 

nur der Eckstein, welcher eine besondere Größe 

aufwies. 

Nieder-Österreich 

Ref. KuiiiTscHEK teilt mit, daß der Amtsassistent 
am archäologischen Institut Franz Bloch im Herbst 
1904 unfern der Stelle, wo der von Kaltenleut- 
geben nach Breitenfurt zu führende Waldweg den 
Wald verläßt, in einer Furche einen durch den Regen 
aus dem Erdreich ausgewaschenen Silberdenar 



141 



Sitzung vom 28. April 1905 



142 



des Kaisers Marcus vom Jahre 162 mit dem Re- 
vers prov. Jeor. Ir. p. XVI cos. III = Chhex- 
n. 516 — 520 gefunden habe. 

Ref. Much: Der Bürgermeister der Stadt 
Kor neu bürg teilt mit, daß mit der Leitung des 
städtischen Museums dortselbst die Professoren 
HoFbAUEK und Dr. v. Radingek betraut wurden. 

Ref. Szomhathy: Die k. k. Bezirkshauptmann- 
schaft Baden teilt mit, daß im Gemeindegebiete 
Leobersdorf unweit des Hirtenberger Friedhofes 
auf der Grundparzelle 1470 beim Rigolen des 
Weingartens in einer Tiefe von 50 cm eine durch 
einen Stein verschlossene Höhle, ein sogenannter 
Erdstall, angetroffen wurde. Er ist 6 ;;/ tief und 
setzt sich sodann röhrenförmig fort. 

Ref. Kubitschek: Konservator Staub berichtet, 
daß ein an der Außenseite der Pfarrkirche in 
Muthmannsdprf knapp über dem Niveau ange- 
brachter römischer Inschriftstein (CIL III 
4554) durch die Ablagerung von Schutt leide; die 
Z. K. beschließt sich um die Abstellung dieses 
Übelstandes zu bemühen. 

Ober-Österreich 

Ref Schaeffer: Konservator Benak berichtet, 
daß vor Jahren auf dem Dachboden der Pfarr- 
kirche St. Agatha bei Weizenkirchen ein das 
Martyrium der hl. Agatha darstellendes (früheres 
Altar-) Bild gefunden und restauriert wurde. Da 
eine Wiederaufstellung des Bildes in der Kirche 
nicht möglich sei, wird seine Veräußerung beab- 
sichtigt; die Z. K. beschließt, weitere Erhebungen 
zu pflegen. 

Ref Redlich: Konservator Haxdel berichtet, 
daß er einen zum Verkaufe bestimmten Teil des 
gräflich Saalburgschen Archives in Altenhof 
mit einer h. a. bewilligten Subvention von 500 K 
für das Museum Francisco Carolinum erwarb. Es 
befinden sich darunter die wertvollen Urbare von 
Falkenstein, Altenhofen, Riedau und zahlreiche 
Akten und Urkunden des XVI. bis XVIU. Jh. 
mit großer Wichtigkeit für das obere Mühlviertel. 

Ref. Sch.aeffer : Konservator Jäckel berichtet, 
daß die aus dem Piaristenkonvent stammenden, 
nunmehr im Besitze der Marienbrüder zu Frei- 
stadt befindlichen Gemälde entsprechend restau- 
riert wurden. 



Schlesien 

Ref. Hermann; Da die Pläne für die Restau- 
rierung der Propsteikirche in Troppau den 
alten Bestand tunlichst schonen, beschließt die 
Z. K. ihnen zuzustimmen. Im Chor werden einige 
Fenster geöffnet, einige jetzt zum Teile ver- 
mauerte Fenster mit Blendmaßwerken versehen, 
das das ganze Langhaus überspannende Dach in 
drei die einzelnen Schiffe bedeckende Dächer ge- 
trennt, ein Sanktustürmchen über der Triumph- 
bogenwand angebracht. 

Steiermark 

Ref Neuman'n: Konservator Lacher berichtet, 
daß bei der Neuverglasung der Pfarrkirche zu 
Spital am Semmering in dem Fenster hinter 
dem Hochaltare sechs omamentale Tafeln der 
alten Glasmalereien wieder verwendet wurden. 
Einige Fragmente, deren Wiederverwendung aus- 
geschlossen war, kamen in das Landesmuseum 
nach Graz. Diese Fragmente wurden in früherer 
Zeit umgefaßt und in ganz zusammenhanglose 
Stücke vereinigt. Dem Konservator gelang es, 
aus ihnen eine vollständige Darstellung zusammen 
zu stellen. Diese Tafel (47 X 39 cm) zeigt Christus 
am Kreuze, von Maria und Johannes (auf blau 
ornamentiertem Hintergrunde) umgeben; die Um- 
rahmung ist noch im Charakter des spätromanischen 
Stils, während das Figurale bereits den Stil der 
Frühgotik um 1300 aufweist. 



Sitzung vom 28. April 1905 (8. Sitzung der 

IL Sektion). 
Anwesende Mitglieder: Castelliz, v. Förster 

(Vorsitzender), Hermann, Neuwirth. — 

Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Ref Neuwikih: Konservator Siegi. berichtet, 
daß gelegentlich der Neupflasterung der Kirche 
zu St. Anna bei Eger vor dem Eingange ins 
Presbyterium eine in den Felsen gehauene Gruft 
aufgedeckt wurde, welche sieben Holzsärge ent- 
hielt; einer war zerfallen, die anderen wohlerhaltenen 
enthielten die bis auf einzelne Gewandreste ver- 
moderten Leichenreste. Nach den an zwei Türen 



10' 



M3 



Sitznng vom 28. April 1905 



144 



ang^ebrachten Schildern stammen die Gräber aus 
der Mitte des XVin. Jh. 

Ref. Neuwirth: Konser\'ator Acgst berichtet, 
daß er der aus Kultusrücksichten notwendigen 
Erweiterung- der Pfarrkirche zu Heinersdorf 
unter der Voraussetzung zugestimmt habe, daß 
der Turm erhalten bleibe. Das Langhaus besitze 
weder als Ganzes noch in Details kunstgeschicht- 
lichen Wert. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. bewilligt für 
die Vollendung der Restaurierungsarbeiten an der 
Dekanalkirche in Klattau eine neuerliche Sub- 
vention von 10.000 K unter der Bedingung, daß 
seitens des bauleitenden Architekten alljährlich ein 
Programm der im nächsten Jahre durchzuführenden 
Herstellungen der Z. K. zur Begutachtung vor. 
gelegt werde. 

Ref. Hermann: Die Stadtgemeinde Komotau 
beabsichtigt die Durchführung eines Projektes für die 
Erweiterung der dortigen Mariae Himm elfahrts- 
kirche, welches den kunsthistorisch interessanten, 
gut erhaltenen Chor an der Ostseite demolieren 
und an der Westseite neu aufführen will. Begründet 
wird dieses Projekt mit der notwendigen V^er- 
breiterung der Passage zwischen der Ostseite der 
Kirche und dem Sparkassagebäude. Im Hinblicke 
darauf, daß durch dieses Projekt der integrierendste 
Bestandteil der Kirche demoliert würde und diese 
auch sonst noch bedeutende Einbußen ihres der- 
maligen Bestandes erleiden müßte, beschließt die 
Z. K. sich um so mehr neuerlich gegen dieses 
Projekt auszusprechen, als das geltend gemachte 
Verkehrsbedürfnis zweifelsohne auf andere Weise 
befi-iedigt werden kann. Sie befürwortet die Aus- 
führung eines Projektes, welches die Verlänge- 
rung des Schiffes nach W beabsichtigt, weil 
ohnedies die baufälUge Westfassade niedergerissen 
und in der gleichen Form wieder neu aufgeführt 
werden muß. 

Konser\-ator Äugst berichtet, daß er gegen 
die Aufstellung einer neuen Orgel in der Filial- 
kirche zu Niederbezdorf keine Einwendung 
erhob, da das entfernte Gehäuse in allen Teilen 
kunsthistorisch wertlos und überdies durch den 
Wurmfraß arg mitgenommen war. 

Ref. Neüwirth: Über die Restaurierung des 
Brandischen Gemäldes Petrus und der Bettler | 



in der Pfarrkirche zu Schlappenz beschließt 
die Z. K weitere Erhebungen zu pflegen. 

Ref. Nedwirth: Konservator Äugst berichtet 
über die bevorstehende Restaurierung des Schlos- 
ses Sternberg bei Zeidler. Die Z. K. wird sich 
dahin verwenden, daß der Charakter des Denk- 
males hiebei gewahrt bleibe. 

Kärnten 

Ref. Hermann: Die Stadtgemeinde Villach 
teilt mit, daß sie der Erhaltung des Rautter-Hau- 
ses nicht zustimmen könne, weil es ihr mit der 
ausdrücklichen Bestimmung zur Demolierung für 
die Straßenerweiterung verkauft wurde, und weil 
weiter nur durch den Abbruch dieses Hauses die 
Erweiterung der für die Zukunft des westlichen 
Stadtteiles sehr wichtigen Weißbriachstraße mög- 
lich werde. Die Z. K. hält die vorgebrachten Gründe 
nicht für stichhältig genug, um eines der male- 
rischesten Denkmale der Stadt einfach preiszugeben, 
umsomehr als die Erweiterung der Weißbriach- 
straße auch, wie schon von der Z. K. vorgeschlagen 
wurde, durch Anlage eines Laubenganges für 
Fußgänger unter Schonung des Rautter-Hauses 
durchgeführt werden könnte. 

Die Z. K. spricht sich daher auch weiterhin 
für die Erhaltung des Rautter-Hauses aus. 

Mähren 

Ref. Castelliz: Gegen die vorgelegten Ent- 
würfe für Glasmalereien in der Garnisons- 
kirche zu Brunn beschließt sich die Z. K. aus- 
zusprechen und, da zu dem reichpolychromierten 
Innenraum Glasmalereien überhaupt nicht passen, 
die Verglasung mit einfachem Kathedralglas zu 
empfehlen. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung der Friedhofs anläge in 
Strilek eine Subvention von 4000 Ä' unter der 
Bedingung, daß die Arbeiten im steten Einver- 
nehmen mit dem berufenen Konservator durchge- 
führt werden. 

Xieder-Österreich 

Die Stadtgemeinde Eggenburg teilt mit, 
daß sie (vgl. Sp. 132) nicht die Absicht habe einen 
Teil der Stadtmauer niederzulegen, um Bauplätze 
zu gewinnen, es sich vielmehr angelegen sein 



145 



Tätigkeitsbericht des k. k. Konservators Roiikkt v. Wrin/jert. für das Jahr 1904 



146 



lassen werde, die Mauern in ihrem gfegenwärtigen 
Zustande und Umfange zu erhalten. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung des Gemäldes „Anbetung 
des Lammes" vom Kremser Schmidt in der 
Pfarrkirche zu Hausleiten (vg-1. Sp. 133) eine 
Subvention von 1600 A'. 

Ref. Hermann: Die Turmbekrönung der Pfarr- 
kirche in Obersiebenbrunn mußte 1885 wegen 
Baufalligkeit abgetragen und der Turm mit einem 
Notdach gedeckt werden. Gegen die Herstellung 
einer neuen Bekrönung als Kopie der früher be- 
standenen beschließt die Z. K., eine Einwendung 
nicht zu erheben. 

Ref. D\'oi'tAK bezeichnet auf Grund seiner 
Untersuchung die Pfarrkirche in Schöngrabern 
für restaurierungsbedürftig, ohne daß jedoch dabei 
konstruktive Teile umgebaut oder ersetzt werden 
müßten. Die Restaurierung hätte sich auf folgende 
Arbeiten zu beschränken: i. Bloßlegung des Kir- 
chensockels an der Ost- und Nordfront und Aus- 
pflasterung eines Trottoirs; 2. Ableitung der Nieder- 
schlagswässer; 3. Ausbesserung des Sockels; 
4. Vergießen der hohlen Steinfugen; 5. Ausbesse- 
rung der Risse und Schäden des Mauerwerkes; 
6. Entfernung der Überreste der Tünche von den 
Quaderwänden der Süd- und Nordseite; 7. Her- 
stellung von Dachrinnen; 8. Restaurierung des 
Turmes und der Westfassade. Die Z. K. erklärt 
sich hiemit einverstanden. 

Ref. Deiningek: Gegen die an der Pfarr- 
kirche St. Veit an der Tri esting beabsichtigten 
Herstellungen (Ausbesserung der Fassade, Trocken- 
legung der Mauern, Ausbesserung des Fußbodens, 
Auswechslung schadhafter Fenster, Ausbesserung 
des Blechdaches und Neuherstellung eines Vor- 
baues beim Haupteingang) erhebt die Z. K. keine 

Einwendung. 

Salzburg 

Ref. Castelliz teilt mit, daß die Lokalkom- 
mission für die Vergrößerung des Orgelchores der 
Ursulinerinnenkirche in Salzburg sich dahin 
geeinigl; habe: das Orgelchor darf keine Höhen- 
verschiebung erleiden ; zur Gewinnung des erfor- 
derlichen größeren Raumes kann seine Brüstungs- 
mauer soweit vorgeschoben werden, daß sie 
beiderseits an die nächststehende Pilastergruppe 
anstößt. Eine Veränderung der Orgelchorarchi- 



tektur oder ihre Auswech.slung durch eine Neu- 
herstellung ist zu vermeiden; dagegen kann die 
Umwandlung des Orgelchores in ein Oratorium 
und seine Überdeckung mit einer Rabitzdecke 
konzediert werden. Das neue Orgelchor kann über 
dem gegenwärtigen postiert werden, jedoch nur in 
so geringer Höhe über dem.selben, daß es vom 
größten Teile des Kirchenraumes aus nicht sicht- 
bar erscheint und vom Kommuniongitter aus nur 
der obere Rand der Brüstung des neuen Orgel- 
chores zu sehen wäre. — Da das vorgelegte Projekt 
sich an diese auch von den kirchlichen Faktoren 
akzeptierten Bedingung nicht hält, beschließt die 
Z. K., es zurückzuweisen und die Vorlage eines im 
obigen Sinne umgeänderten Projektes zu verlangen. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. erklärt 
entsprechend dem Beschlüsse der Z. K., der Ent- 
fernung des linksseitigen Bildfeldes der Pferde- 
schwemme beim Neutore in Salzburg oder 
seiner Durchbrechung nicht zustimmen zu können, 
da diese Demolierung beziehungsweise Verstüm- 
melung des Denkmales durch keinerlei zwingende 
Gründe geboten erscheint. 

Ref. Castelliz: Korrespondent Proschko be- 
richtet, daß das im salinen ärarischen Besitze be- 
findliche Ederhaus Nr. 304 in Hallein wegen 
Baufälligkeit demoliert werden mußte, und daß 
der Neubau die alte charakteristische Fassade er- 
halten werde. 

Tirol 

Die k. u. k. Genie-Direktion in Trient teilt 
mit, daß die Herstellung eines Geländers am Dache 
des Römerturmes des Castello del buon 
Consiglio aus militärischen Rücksichten unbe- 
dingt geboten war, und daß dieses sehr niedrig 
gehaltene Geländer von unten für den Beschauer 
kaum sichtbar sei. 



Beilage zu Sp. 122 

Tätigkeitsbericht des k. k. Konservators 
RoHERT Ritter v. Weinzierl für das Jahr 1904 

Von selten des prähistorischen Inspektorates für die 
deutschen Landesteile Böhmens wurden im verflossenen 
Jahre zu größeren Bereisungen 87, zu kontrollierenden Be- 
reisungen und kleineren planmäßigen Grabungen 100, für 
subventionierte Grabungen und Durchforschungen 19 Tage, 



147 



Tätiokeitsbericht des k. k. Konservators Robert Ritter v. Weikzieki. für das Jabr 1904 



148 



im ganzen 206 Tage zu wissenschaftlichen Forschungs- 
arbeiten aufgewendet. 

Bereist wurden: dcis Komotauer Bachtal bis Komotau, 
der südliche Teil des Saazer, der westliche Teil des Poder- 
samer und der östliche Teil des Kaadener Bezirkes, das 
Aubach- und Dollankabachtal, so auch die Gegend zwi- 
schen Postelberg und Ober-Rotschow. Hiebei konnten als 
neue Fundorte nach Klarstellung der nachgewiesenen Kultur- 
epochen in die Kartenblätter eingetragen werden: Jimlin. 
Lippenz, Malnitz, Tauchowitz, Hofan, Hfiwitz, Tuchorschitz, 
Gr.-Lippen, Welhütten, Schaboglück, Sedschitz, Libotitz, 
Knöschitz, Oblat, Mohr, Kaschitz, DoUanka: Saaz-Paberlik, 
Bezdek, Dobritschan, Lischwitz, Flöhau, Stachel, Willenz, 
Dereisen, Hermannsdorf, Dekau, Wilkau.Teschnitz, Netsche- 
nitz. Satkau, Seltsch. 

Außerdem wurden in den bereisten Bezirken nach- 
träglich neue Fundstätten konstatiert, so in: Lucka, Schwaz- 
Florentinigewerkschaft, Kleischa, Koppertsch, Würschen, 
Münitz, Sellowitz, Lischan, Obergeorgental — in Summa 
40 neue Fundorte — , so daß die Sammlungen des ur- 
geschichtlichen Zentralmuseums zu Teplitz mit Schluß des 
Berichtsjahres 356 tj-pisch vertretene Fundorte aufweisen. 
In der Zeit von 100 Tagen wurden die bisher bekann- 
ten Fundstätten im ganzen nördlichen respektive nord- 
westlichen Böhmen sektionsweise kontrolliert, hiebei oft 
sehr wichtige Funde gemacht und besonderes Augenmerk 
auf die diluvialen Lagerungen von Knochenfunden ge- 
richtet. 

Hiebei hat sich die Sammlung der diluvialen Tier- 
reste wesentlich vermehrt. 

Auf den wichtigsten, bereits angeschnittenen Fund- 
stätten respektive Begräbnisplätzen wurden die Grabun- 
gen planmäßig fortgesetzt, und zwar in: Lobositz (süd- 
östlicher Lößhügel), Prosmik, Bilin, Groß-Czemosek, Lucka 
bei Auscha, Herbitz, auf dem Briesener Hügel, Fürwitz. 

Das Ergebnis war ein durchaus günstiges; der Brie- 
sener Hügel ist nunmehr vollständig durchforscht. 

In Lobositz, BUin, Groß-Czernosek wurden eine An- 
zahl liegender Hocker mit typischer, schnurverzierter Kera- 
mik untersucht, in Lücka bei Auscha die nördlichst situier- 
ten Latene-Bestattungen, in Fürwitz liegende Hocker mit 
Schnurkeramik, Cbergangsformen und solche Bestattungen 
mit Aunetitzer Typen imd Bronzen. 

In Prosmik wurde eine neue Fundstelle mit Lausitzer 
Gräbern, in Herbitz dagegen wurde eine Anzahl von band- 
keramischen Wohngruben untersucht. 

Auf dem Briesener Hügel wurden weitere Bestattun- 
gen aus dem Ende der neolithischen Kulturepoche und dem 
Beginne der Metallzeit durchforscht. 

In Libochowan und Langugest konnte im Berichts- 
jahr äußerer Verhältnisse halber nicht weiter gearbeitet 
werden. 

Im Auftrage und mit Subvention der Gesellschaft zur 
Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in 
Böhmen zu Prag wurde der Ringwall auf dem Raubschlosse 
im Erzgebirge und ein Teil der Feldflur ,beim roten Kreuz" 
in Twerschitz a. d. Eger durchforscht. 



Der Raubschloßwall wurde zunächst durch einen 2 in 
breiten Durchstich in'der Richtung SN aufgeschlossen und 
die Grabung in die Tiefe bis auf den Porphyrfelsen sorg- 
fältig durchgeführt. 

In der Aufschüttung des Hauptwalles wie auch des Vor- 
walles wurden unglasierte Tonscherben, hartgebrannte Dreh- 
scheibearbeit, gefunden; im Innern des Hauptwalles kamen 
dieselben Scherben häufig auch in den tieferen Lagen vor, 
außerdem ganze Schichten von Holzkohle und in der Mitte 
eine vertiefte Herdstelle mit vielen Holzkohlenstücken .welche 
sich seitwärts (östlich) hinzog. Außerdem würden vielfache 
Eisenfunde gemacht: Bolzenspitzen für die Armbrust, Huf- 
eisen, Pferdestriegel, Sporen, verschiedene Nägel u. a.; 
ferner Tonlampen, zwei Gußformen für Stangenzinn (aus 
Sandstein) und Bergeisen. Die Auffindung derselben Scher- 
ben im Innern des Hauptwalles und bei allen Auf- 
schlüssen des Vorwalles in dem Böschungsmateriale würde 
darauf verweisen, daß zunächst hier eine Holzhütte stand, 
in welcher das bergmännisch gewonnene Rohzinn (im Poch- 
werke unter den Forellenteichen) hier in die damals üb- 
liche Form des Handelszinnes umgegossen wurde. Die an dem 
.Raubschloßwalle'' vorüberführenden alten Handelswege^ 
welche Hofrat Prof. Dr. G. L-a.übe nachgewiesen hat, er- 
möglichten leichthin den Umsatz des Stangenzinnes. Die 
Anlage des Walles (Rundwall von 18 X 22 m) scheint ent- 
schieden jünger zu sein als die bergmännische Siedelung 
respektive Gußhütte, daher das Vorkommen der ganz 
gleichartigen Scherben im Innern des Hauptwalles wie 
in den Aufschüttungen des Hauptwalles und der VorwäUe. 

Zinnführendes Gestein und Verschlackungen, die auf 
einen Rost- und Schmelzprozeß hinweisen müßten, wurden 
in der Menge nicht gefunden. Die gleichartigen Ton- 
gefäßfragmente ohne jede Glasur, oft aber mit roten Linien 
verziert — durchwegs Scherben von Gebrauchsgeschirr — 
und die vielfachen Eisenfunde verweisen auf das XII. und 
xin. Jh. 

Twerschitz, „beim roten Kreuz". Bei der Anlegung 
der dieses Grundstück durchschneidenden Bezirksstraße 
wurden 1902 10—15 Skelettgräber und 4 Urnengräber teil- 
weise ganz vernichtet. Die Skelettgräber scheinen größten- 
teils dem Ende der neolithischen Kulturepoche angehört 
zu haben. Die Urnengräber gehören der Spät-Lateneperiode 
an, ihre Metall beigaben bestehen aus römisch-provinzialen 
Typen. Das Inventar eines Grabes besitzt das urgeschicht- 
liche Zentralmuseum (Jahresbericht der Museumsgesell- 
schaft Teplitz für 1902 S. 30 Taf. 1 Fig. 2). 

Die begonnene Durchforschung der angeschnittenen 
Feldparzelle „beim roten Kreuz" ergab eine steinzeitliche 
Kulturschichte mit zahlreichen Steinartefakten und einem 
Flachmeißel. Im weiteren Verlaufe der Grabung wurden 
Eisen- und Bronzefunde gemacht, die der Latenekultur 
zuzuweisen sind. Die weiterhin untersuchten Skelettgräber 
waren liegende Hocker (1— V) und ergaben den Nachweis 
der steinzeitlichen Bestattungen mit tj-pischer Schnur- 
keramik sowie die Pseudoschnur mit Kupferbeigaben. 

Außer diesen neolithischen Bestattungen wurden zwei 



149 



Hin Steinbild aus Großburgstall 



150 



Urnengräher mit Leichenbrand und Eisenbeigaben, der 
Spät-Lateneperiode zugehörig, gefunden. 

Es erscheint sornit, durch diese vorbereitende Gral lung 
auf der ausgedehnten Parzelle „beim roten Kreuz" tatsäch- 
lich ein umfangreicher steinzcitlichi-r Friedhof sowie ein 
Spät-Latene- Urnenfriedhof angeschnitten zu sein. Mittels 
einerweiteren Subvention der oben genannten Gesellschaft, 
welche die Ausgestaltung des urgeschichtlichen Zentral- 
museums in jeder Hinsicht fördert, wird die folgende 
Durchforschung der Parzelle noch manches interessante 
Moment erbringen. 

Tepli tz-Schünau, Februar 1905 



Ein Steinbild'» aus Großburgstall 
(Bzh. Hörn) 

Ein eigentümlicher Fund scheint als Weg- 
weiser von den letzten Etappen des Heidentums 
in diesen Gegenden biszu den frühesten Zeugnissen 
des Christentums für Niederösterreich dienen zu 
können. Es ist ein etwa 76 cm hohes Bildwerk 
(mögen wir es nun Götzenmandl oder Fetisch 
oder Grabdenkmal nennen) aus Zogelsdorfer Sand- 
stein, den man auch als Material für spätere Zwecke 
bezog. Es mag schon in heidnischer Zeit in der 
Zogelsdorfer Gegend eine Steinmetzwerkstätte'-) 



') [Die zeitliche Herkunft dieses Steinbildes ist fraglich. 
Der Berichterstatter behauptet zwar, daß es in einem Brand- 
grabe der Latene-Zeit geftinden worden ist; doch beruht 
diese Meinung lediglich auf der Aussage des Arbeiters, 
da Konservator P. Endt. schon alles zerstört vorfand. 
Wahrscheinlich handelt es sich einerseits um eine ver- 
lassene Wohn- oder Herdgrube, andererseits vielleicht 
um eine der bei Leonhardskirchen öfter vorkommenden, 
in späterer Zeit aus Eisen gegossenen Figuren, sog. 
Leöndeln. Much 

Die Redaktion schließt sich diesem vom Referenten 
Reg. Rat Dr. Much (im Herbst 1903) an die Z. K. er- 
statteten Gutachten an und sieht in der Situation, w-elche 
der Berichterstatter angetroffen hatte, einen typischen Fall 
jener Vermengung verschiedener Perioden, wie sie wieder- 
holt von gewissenhaften Berichterstattern konstatiert wird, 
die die Bloßlegung nicht mehr selbst kontrollieren konnten. 
Leider liegt nicht immer der Sachverhalt so klar wie hier, 
wo in die prähistorische Schichte ein Produkt einer ganz 
jungen Periode sich eingeschoben hat.] 

^) Ein Fragment einer prähistorischen Steinmühle (?) 
im „Umlaufe" am Kamp bei Altenburg, dessen starke Be- 
siedlung in vorgeschichtlicher Zeit ich aus Funden er- 
sclilossen habe, über welche bald berichtet werden soll. 



für Kultzwecke gegeben haben, welche später 
in den Dienst der ersten christlichen Bauten trat; 
— oder wurde das Bildwerk anderswoher im- 
portiert ? 

Diese Steinfigur wurde aus einem muldenartig 
vertieften Brandgrabe, das in einer Ziegelei zu Groß- 
burgstall bei Altenburg') aufgedeckt wurde, unter 
zerbrochenen Urnen und Knochen hervorgezogen. 
Ein tiefer Weg, welcher von Mahrersdorf, wo vor 
der einstigen Burg eine 
prähistorische Wallburg 
bestanden hatte, an der 
Ziegelei -) vorbei u. zw. 
entweder gegen Neukir- 
chen, Poigen und Wild- 
berg oder gegen St. Bern- 
hard zu führte, bestärkt 
auch abgesehen von die- 
sem Brandgrabe in der 
Meinung, daß es sich hier 
um einen ziemlich alten 
Fund, vielleicht der La- 
tene-Periode, handle; bei 
der bereits veränderten 
Situation, in der sich die 
Grabstelle bei meiner An- 
kunft befand, konnte nicht 
mehr mit Erfolg nach Bei- 
gaben gesucht werden, 
doch fand sich noch ein 
verschmolzener Eisen- 

gegenstand unkenntlicher Form vor. Die Annahme 
für die Latene-Periode entnehme ich den F~unden 
im „Umlaufe" am Kamp bei Altenburg, wo ich 
in einem Brandgrabe neben eisernen Waffen 
(Pfeilspitze, eisernem Kelt, etz.) zwei Bronze- 
Knöpfe fand. Dazu stimmen Gefäßreste unseres 
Brandgrabes mit vertikaler Strichelung (wie sie im 

ist ebenfalls aus Zogelsdorfer Sandstein, desgleichen eine 
in Hörn, wie schon berichtet wurde, gefundene Steinmühle. 

') nordwestlich, an der linken Seite der jetzigen 
Keichsstraße zwischen Hörn und Brunn a. d. Wild. Die 
Brandstelle lag kaum 50 cm tief in der Lehmschicht der 
Ziegelei in der Richtung von N nach S, das Steinbild an 
dem nördlichen Ende seicht unter Scherlien und Knochen, 
Der Ziegelschläger, der das Grab auffand, sagte, die Brand- 
stelle habe „wie ein eingesunkenes Grab ausgesehen". 

'-) Diese liegt in der Nähe (südlich) des Westendes 
des Dorfes tiroßburgstall. 




Fig. 30 

Ein Steinbild aus 

Großburgstall bei 

.Altenburg, 

76 cm hoch 



15» 



Eine Bronzeklinge von den Scbafböden bei Hinterstöder 



152 



.Umlauf" häufig vorkommen). Andere Umenreste 
zeigen einen in hiesiger Gegend vorderhand 
fremden Typus: die nach dem Boden zu spitz zu- 
laufende Form ohne Liniament. Alle Gefäße dieses 
Grabes sind mit vorgeschrittener Technik behan- 
delt, sowohl im Brande wie in der Modellierung 
und im Material, welches teils aus mit Sand ge- 
mischtem Graphit, teils aus Lehm besteht; doch 
bleibe es vorderhand noch dahingestellt, diese 
Fundstelle irgendeiner Epoche der prähistorischen 
Zeit einzureihen. Bisher sind in dieser Gegend 
nur wenige wie man meinte auf Wanderungen 
verloren gegangene Werkzeuge *) aus der neo- 
lithischen und späteren Zeit gefunden worden. 

Das Steinbild-) ähnelt den lebzeltnen Wickel- 
kindern unserer Kirchtagsbuden. Charakteristisch 
sind der kleine horizontal gezogene Mund, die 
breitwurzelige Xase, das platte, kurze Kinn, die 
großen offenen oder geschlossenen?! Augen, die 
rundliche Bildung des Kopfes, an dem die Ohren 
nicht fehlen. Der hintere Teil des Kopfes ist ganz 
rund modelliert. Der an einen Hermenschaft er- 
innernde vierkantige Leib ist stgtrk beschädigt und 
unten und links abgebrochen. An der rechten 
Seite zeigt sich ein roher Armansatz. Da die 
hiesige Bevölkerung nunmehr auf _ Brandgräber" 
aufmerksam gemacht worden ist, da in Burg- 
stall, in einem Garten, bereits früher ein solches 
mit gerippten Umenscherben und reicher Kultur- 
und Brandschicht gefunden worden ist *) und 
der Ort selbst von verzweigten, bisher noch 
nicht erforschten Erdställen unterminiert ist, gebe 
ich mich der Hoffnung auf baldige ähnliche*) 
Funde hin. Konservator P. Friedrich Exdl 



') Vor kurzem wurde auf der sogenannten ,.Kiesel- 
breiten' in Altenburg ein doppel schneidiges halbes Stein- 
beil gefunden. Ein anderes später zu einem Klopfstein 
verarbeitetes Steinbeil fand ein Altenburger Bauer unter- 
halb des Altenburger „Hutbüchls'' außerhalb der Pflanz- 
gärten. Ein kleineres, schönes, spitzes Steinbeil stammt von 
Fuglau vom „Steinparz"'. Im „Umlauf* fand ich selbst 
Steinwerkzeuge neben eisernen Gegenständen. 

^ Jetzt in der Sammlung des Stiftes Altenburg. 

') Leider wurde der ganze Inhalt auf verschiedene 
Äcker abgeführt. 

*) Reiche Ausbeute dürfte die wie erwähnt nunmehr 
als prähistorisch erkannte Stätte im „Umlauf'' am Kamp 
(zwischen ^Rosenburg** und Steinegg), welche sich durch 
meine Grabungen als bedeutsame Wallburg herausstellte, 




Eine Bronzeklinge von den Schaf- 
böden bei Hinterstöder 

(Auf Ersuchen der Redaktion zur Ergänzung der Mit- 
teilung Sp. 38 fg. eingesendet.) 

Die von Herrn Antok Gruber (Harland N.-O.) 
gefundene Bronzeklinge, Fig. 31, jetzt im Museum 
Francisco - Carolinum zu Linz, ist 
14-6^/« lang, 2 cm breit; auf beiden 
Seiten trägt sie eine erhöhte Mittel- 
rippe. Oben ist das Ende abgebro- 
chen; 2 cm unterhalb davon, dort 
wo die Schneide aufhört und die 
Klinge sich zum Griff oder zur Griff- 
zunge verjüngt, sind die beiden 
Ränder kreisförmig ausgeschnitten. 
Ich habe den Eindruck, daß es sich 
eher um ein Messer, als um eine 
Dolchklinge handelt 

Gefunden ist die Klinge, die 
augenscheinlich dem Hallstätter 
Kulturkreise angehört, auf den 
Schafböden bei Hinterstöder. Da 
es sich um einen Einzelfund han- 
delt, können aus ihm keine weite- 
ren Folgerungen gezogen werden, 
als, daß jedenfalls schon in vorge- 
schichtlicher Zeit Menschen als Jäger 
oder Viehhüter in jene Gebirgs- 
gegenden vorgedrungen sind. 

Konservator Dr. Hermann Ubell 



Fig. 31 
Bronzeklinge 

von den 

Schafböden, 

',, n. Gr. 



Grabfunde aus Xona (Dalmatien) 

Im Jänner d. J. wurde etwa 200 m in südöst- 
licher Richtung von Nona auf Gemeindegrund ein 
Grab aufgedeckt. Es lag ungefähr 50 cm unter 
der Erde und war aus fünf Steinplatten gebildet; 
die Platten der beiden Langseiten waren 120 nt 
lang, 045 III hoch; die der Schmalseiten o"8o m 
lang und o'45 m hoch; die fünfte (Deckplatte) war 
gespalten und eingestürzt; den Boden bildete eine 



liefern. Ein Glasring, der samt vielen Scherben von 
Terra sigillata und Fragmenten von bemalten Gefäßen 
dort gefunden wurde, dürfte wie diese römischer Pro- 
venienz sein. 



153 



Grabfunde aus Nona (Dalmatien) 



154 



Starke Schichte Saml. Das (schlecht erhaltene) 
Skelett lag an der Seite mit stark hinaufgezogenen 
Knien (liegender Hocker). Unter den hinein- 
gefallenen Steinen fand man ein Bronzeschwert 
und zwei Ziernadeln. 




*5C" ' 





Fis- 32 Vorrömisches Bronzeschwert aus Nona, 
a '/ö "■ Gr., h 2/3 n. Gr. 

Das Bronzeschwert (Fig. 32) ist vortrefflich 
erhalten. Es ist 6i cm lang, wovon auf den Griff 
1 2 7a t''"j auf die Klinge 48 '/j cm entfallen. Die 
Klinge ist zweischneidig, schilfblattförmig und 
verjüngt sich allmählich; bis über zwei Dritteile 
ihrer Länge zieht sich eine von zwei Fäden be- 
gleitete starke Mittelrippe. Der Griff ist ziemlich 
flach, in der Mitte ausgebaucht, über und unter 
dieser Ausbauchung von je einem erhabenen 
viermal kannelierten Ring umfaßt, und ladet zur 
Aufnahme der Klinge an beiden Seiten ein wenig 
aus; oben geht er in einen langen Querstreifen 
über, der gegen die Enden zu an Breite abnimmt 
und beiderseits in vier Windungen aufgerollt ist. 
Das Schwert gehört dem Hallstätter- Typus an 

Mitteilungen der k- k. Zentral-Kommission 1905 



(Antennen-Schwert) und ist, wie die Form des 
Griffes zeigt, älteren Ursprunges. 

Die eine der beiden Bronzenadeln ist 20 cm 
lang; ihr Knopf (Fig. 33 a) ist kegelförmig; unter 
ihm folgen einander eine fast kugelige Wulst und 
drei Ringe. Die zweite Nadel ist 26 cm lang; ihr 
Knopf (Fig. 33 b) ist ein niederer Kegel, dem eine 
Wulst und ein Rinff sich anschlie(3en. 



T T 



a b 

Fig. 33 Köpfe zweier Bronzenadeln aus Nona 

Ein zweites Grab, 3 m von dem ersten 
entfernt gefunden, war ebenfalls aus fünf Stein- 
platten gebildet. Die Platten der T^angseiten waren 
r3o ;;; lang, 0-50 in hoch; die der Schmalseiten 
0-65 in lang, 0-50 in hoch. Die Deckplatte war ein- 
gestürzt, Skelett und Beigaben durcheinander ge- 
worfen, (vielleicht schon einmal durchsucht); ohne 
Zweifel ein liegender Hocker wie im ersten Grabe. 
An Beigaben fanden sich (Fig. 34): 

a) Bronzene Bogenfibel, 1 3 cm lang, aus dickem, 
in einem Halbkreis gebogenen Draht, der, an einem 
Ende dünner gehämmert, in eine Spiral windung ■ 
und endlich in den Dorn übergeht. Am andern 
Endj ist durch einen Bronzestift ein breiter halb- 
kreisförmiger, eingebogener Lappen zur Aufnahme 
des Dornes befestigt. Der Bügel zeigt ein Orna- 
ment nmmmmkm von gerippten Bändern und 
Querstrichen, die miteinander abwechseln. 

b) Zweischleifige Bronzefibel altitalischer Form, 
1 3 cm lang, stark oxydiert. Zwischen den beiden 
Spiralwindungen ist der (an dieser Stelle platt ge- 
hämmerte) Bügel nach innen gebogen; endet rechts 
und links fast senkrecht auf den geraden Dorn. 
Der zu dessen Aufnahme zusammengebogene Teil 
des Bügels endete ursprünglich in eine Spiral- 
scheibe, von der nur spärliche Fragmente gefunden 
worden sind. Der Dorn spielt an einem Ende frei 
(dort ist er in seiner Mitte zu einer zierlich 
gravierten Kugel ausgebaucht), bei dem andern 
wird er aufgenommen. 

c) Certosa-Fibel aus Bronze, 7-5 cm lang. Von 
dem üblichen Typus etwas abweichend. Der Bogen 
ist bis zu einem Blech platt gehämmert. Der Dorn 
ist jetzt verbogen. 



iS5 



Grabfande aus Nona (Dalmatien) 



156 



d) Zwei Bronze- 
Torques, schnurförmigf 
gedreht, größter Durch- 
messer 1 1 cm. 

e) Ring aus dünnem 
Bronzestreifen in vier 
Windungen; noch am 
Fingerknochen haftend. 

f) Ein größerer und zwei kleinere Ringe aus 
Bronzedraht. 

g) Fragment einer Bronzekette. 





Fig. 34 Bronzefunde aus einem Grabe in Nona (Fibeln, 
Torques, Ringe, Kette), */s n. Gr. 

Vor einigen Tagen wurde in der Xähe der 
schon beschriebenen Gräber ein drittes gefunden 
und — jedoch nicht in meiner Gegenwart — ge- 
öffnet. Es bestand wie die beiden ersten aus fünf 
Steinplatten, die sämtlich eingestürzt waren. Darin 
befanden sich: 

I. Schöne bronzene Scheibenfibel italischer 



Fig. 35 Bronzene Scheibenfibel aus Nona, '/^ n. Gr. 

Form (Fig. 35). Gesamtlänge 20 cm, Durchmesser 
der Scheibe y's X 9 cm. Der halbkreisförmige kurze 
und starke Bogen ist auf seiner äußeren 'Fläche 
mit drei nebeneinander laufenden, in kleine Win- 
dungen zusammengerollten Bronzedrähten, dann 
rechts und links mit je sieben kegelförmig ge- 
wundenen Drähten verziert. An einem Ende des 
Bogens dreht sich frei der lange gerade Dorn, zu 
dessen Aufnahme das entgegengesetzte Ende zu- 
sammengebogen ist; hier ist die Scheibe mittels 
zwei Xägel auf ihm befestigt. Der Dorn endet 
mit seinem kürzeren Teile in einen scheiben- 
förmigen Knopf von 36 uim Durchmesser. 




Fig. 36 Bronzefibel aus >s'ona, */; n. Gr. 

2. Eine Bronzefibel (Fig. 36), 7-8 cm lang. Der 
starke Bogen geht, an einem Ende rund gehämmert, 
in eine zweifache Spiralwindung, dann in den Dorn 
über; das andere Ende bildet der lange eingebogene 
Fuß mit dünnem Fortsatz. Diese Fibelform kommt 
in Nona sehr häufig vor. 

3. Ein Paar Armbänder (Fig. 37 ^) aus Bronze- 
draht in vier Windungen. Durchmesser 8-5 cm. 
Der zylindrische Draht ist gegen beide Enden hin 
rechteckig gehämmert und gedreht und schließlich 
zu einer Ose eingerollt. In einer dieser Ösen steckt 
noch ein Fragment eines kleinen Bronzeringes. 



157 



Grahfumic aus Nona (Dalmatien) 



158 



4. Rädchen aus Blei (Fig-. 37 a). In diesem 
Grabe wurden 34 solcher Rädchen (Durchmesser 
je 2'5 cm) gefunden, je zwei paarweise durch den 
gemeinsamen Gußzapfen verbunden. An der Rück- 
seite sind sie flach. Wahrscheinlich dienten sie zur 
Verzierung der Kleider. Gleiche Rädchen wurden 
vor einigen Jahren in einem anderen Grabe in 
Nona gefunden. 





Fig. 37 Bronzearmband, Bronzespirale und Bronzedraht (/)), 
und Bleirädchen (n) aus Nona, Vs "■ Gr. 

5. Drei Bronzeringe (Fig. 37 ^); Durchmesser 
2'o cm, nach außen gewölbt, innen flach. 

6. Zwei brillenförmige Doppelspiralen aus 
Kupferdraht (Fig. 37 b); die eine ist 3-8 cm, die 
andere 2'6 cm breit. 

7. Gegenstand aus Bronze (Fig. 38); 6'6 cm 
lang. Der obere Teil verdickt sich rechteckig, ist 
seiner ganzen Länge nach durchbohrt und trägt 
beiderseits einen vorspringenden geweihartigen 
Aufsatz; zwischen beiden Aufsätzen öffnet sich ein 
senkrechter Kanal, der in die horizontale Röhre ein- 
mündet. Dieser prismatisch verdickte Oberteil (ohne 
Zweifel ein Gußstück) verdünnt sich auf einmal 



blechdünn, und endet am 
unteren Rande in Ö.sen, in 
welchen kleine Bronze- 
ringe eingefügt waren; 
einer dieser Riuge ist noch 
daran hängend erhalten. 
Dieses Stück verdient zu- 
gleich mit gleichartigen (in 
den prähistorischen Grä- 
bern von Nona vorkom- 
menden) Zierstücken aus 
Bronze und Bernstein unter- 
sucht zu werden. 

8. Bronzenes Gehänge 
(Fig. 39) eines (ledernen ?) 
Gürtels. Von einem gegossenen und in Zickzack 
durchbrochenen Querstück, mit durchbrochenem 
Ziermuster (zickzack), hängen acht Kettchen, je 
mit einem eingegossenen Klapperanhängsel herab. 
Gesamtlänge 8-8 cm. 




Fig. 38 Gefunden 

in eineta Grabe bei 

Nona, Bronze, 

'U n. Gr. 




Fi"-. 39 Kettengehänge aus Bronze, gefunden in Nona, 
■''/, n. Gr. 



'5Q 



Keltische Münze vom Mallnitzer Tauern an der Grenze zwischen Salzburg und Kärnten. 



i6o 



9. Bronzene Ziemadel, 21 cm lang-. Den Knopf 
bildet ein sehr niederer, fast zu einer Scheibe flach- 
gedrückter Kegel; unter ihm baucht sich der Draht 
aus, bildet dann einen Ring und geht zuletzt durch 
eine lange Spiralverzierung in die eigentliche 
Nadel über. 




Fig. 40 Bemsteinscheibe aus Nona, etwas über '/, n. Gr. 

1 o. Im selben Grabe wurden mehrere Fraginente 

von Bernsteinscheiben (Durchmesser 35 — 39 cm) 

gefunden. Vier solcher Scheiben (Fig. 40) sind gut 

erhalten. 

Konservator Josef von Bersa 



Keltische Münze vom Mallnitzer 

Tauern an der Grenze zwischen 

Salzburg und Kärnten 

Nach einer Mitteilung des Konservators Dr. 
Alexander Fetter in Salzburg an die Z. K. vom 
10. April d. J. fand der Be Wirtschafter des Tauem- 
hauses, Michael Mannhardt, bei der Suche nach 
Mineralien anfangs Juni 1904 die in Fig. 41 ab- 





Fig. 41 Silbermünze des Königs Gesatorix 

gebildete Silbermünze unter einem Steine vor. Die 
Fundstelle liegt auf dem Grate, der östlich vom 
Tauernhause ansteigt, etwa eine Viertelstunde von 
diesem aufwärts entfernt. Hier die Beschreibung: 
Silber, 26111111 Durchmesser, 11-965 Gramm. 
Vorderseite: GESATORIX- REife. Männlicher, unbär- 
tiger Kopf rechtshin mit Diadem, dieses durch 
ein Strichelband dargestellt, das Auge von vorne 
gegeben, das Ohr durch eine kurze Bogenlinie be- 



zeichnet, das Haupthaar nicht angegeben. M Rück- 
seite: ECRITVSIRIrECISS. Ähnlicher Kopf rechtshin. 

Der Schnitt des Stempels erweist sich an den 
gut erhaltenen Köpfen als sicher, fein und scharf. 
Das Feld der Münze ist nicht völlig plan, sondern 
erhebt sich hinter und zum Teil über den Köpfen 
gegen den Rand hin, woher es kommen mag, 
daß die Endbuchstaben, die etwas höher zu stehen 
kamen, verschliffen sind und in unklare Zeichen 
verlaufen. Der Rand und die tieferen Teile des 
Feldes sind, wohl infolge der langen Einwirkung 
von Schneewasser, leicht veräzt. Auch die Buch- 
staben sind gut, aus feinen Hasten und Punkten 
gebildet. Das o in Gesatorix ist groi3, das u in 
Ecritusiri unten offen. 

Die Münze ist durch manche Merkmale aus- 
gezeichnet. Die Xamen sind neu. Die Beifügung 
des Königstitels ist, wenn die Xamen auf norische 
Könige bezogen werden dürfen, an sich nicht auf- 
fallend, da nach Inschriften noch bis tief in das 
zweite Jahrhundert der römischen Herrschaft das 
Land als regniim Noricum bezeichnet wird. Allein 
bisher ist auf norischen Münzen älterer wie späte- 
rer Zeit die Beigabe des Königstitels nicht beob- 
achtet worden. Auch das Vorkommen zweier 
Königsnamen auf derselben Münze darf als eine 
seltene Erscheinung betrachtet werden; sie würde 
noch mehr Besonderheit gewinnen, wenn die Um- 
schrift der Rückseite Ecritusiri {r)egi(s) gelesen 
werden dürfte, weil dann auf derselben Münze 
der eine Königsname im Nominativ, der andere 
im Genitiv stünde. Doch läßt sich diese Ver- 
schiedenheit wegen der Uns cherheit der Ergän- 
zung der Umschrift auf der Rückseite nicht mit 
Bestimmtheit feststellen und hängt die Entscheidung 
hierüber von dem Auftauchen ähnlicher oder 
analoger Gepräge ab. 

An der Fundstelle selbst oder in ihrer Nähe, 
so teilt Herr Dr. A. Fetter weiter mit, sind außer 
der vorbeschriebenen Münze weder andere Mün- 
zen noch irgendwelche Fundobjekte noch sonst 
bemerkenswerte Erscheinungen wahrgenommen 
worden. Ein Gerücht, man habe ebendort noch 
eine zweite Münze gefunden, die an das Museum 
von Klagenfurt verkauft worden sei, beruht in 



•) Man wäre versucht, an einen haubenartigen glatten 
Helm zu denken, der das Haupt bedeckt, doch läßt sich 
damit das Diadem nicht wohl verbinden. 



^^^■■i'f? 






2 





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i6i 



Eine Herakles-Statuette aus Bronze 



162 



dieser Fassung auf einer Verweclislung'. Eine An- 
frage des Herrn Konservators in Klagenfurt er- 
gab, daß allerdings eine Münze aus dem Tauern- 
gebiete in das dortige Museum gelangt ist; sie 
wurde aber nicht auf dem Mallnitzer Tauern, son- 
dern am Fuüe des Korntauern, also im Tale, am 
Ufer des Stapitzbaches gefunden und ist nicht 
eine keltische Silbermünze, sondern eine schlecht 
erhaltene römische Bronzemünze des Kaisers 
Commodus, deren Vorkommen an jener Stelle 
sich wohl daraus erkläre, daß über den Korntauern 
eine römische Straße geführt hat. 

FRinnKicH Kenner 



Eine Herakles-Statuette aus Bronze 

(Dazu Taf. II) 

Am II. Oktober v. J. wurde der Verwaltung 
des Museums Francisco-Carolinum in Linz von 
der Redaktion der „Linzer Tagespost" mitgeteilt, 
daß nach einer eben eingelaufenen Korrespondenz 
in Haag in Oberösterreich eine bei Watzing (einer 
kleinen Ortschaft bei Gaspoltshofen im politischen 
Bezirk Ried) gefundene kleine Bronzefig-ur aufge- 
taucht sei, über deren Bedeutung die beigelegte 
Zeichnung keinen Zweifel ließ. 

Der unterzeichnete Kustos des Museums be- 
gab sich in Vertretung des zuständigen Konser- 
vators sofort nach Haag, wo er die Figur im 
Besitze des dortigen Gerichtsdieners Jon. Haglehner 
fand und für das Linzer Museum erstand. Sowohl 
der künstlerische Wert der Figur, der sich weit 
über das durchschnittliche Niveau spätrömischer 
provinzialer Kleinplastik erhebt, als auch die Mit- 
teilung der näheren Fundumstände machten eine 
Besichtigung der Fundstätte wünschenswert. Diese 
wurde am nächsten Tage vorgenommen und ergab 
folgendes: 

Ziemlich parallel mit der Straße, die von 
Gaspoltshofen über Höft nach Meggenhofen führt, 
zieht sich an ihrer Ostseite (u. zw. südlich von 
Watzing bis hinauf nach Höft) ein niedriger, wald- 
bestandener Hügelrücken hin, dieHöftbergerleithen. 
Gerade oberhalb von Watzing bettet sich in den 
westlichen Hügelhang eine sanfte Mulde ein, die 
bis zum Kamm des Höhenzuges hinanreicht; hier 
oben ist die Fundstätte gelegen. Es ist ein seit 



längerer Zeit abgeholztes, schotterreiches Terrain, 
das dem Bürgermeister von Gaspoltshofen, Fkan'z 
Er)Kr,HAUER, gehört. Ein armer Zimmermann, Josef 
ScHAUDHAMMKR, dem er gestattet hatte, die alten 
Holzstöcke auszugraben, fand dort im März v. J. 
nicht nur jene Figur, sondern auch eine Menge 
von Ziegelresten sowie ein kurzes eisernes Schwert ; 
dieses wurde von dem Finder wegen zu starker 
Verrostung wieder vergraben. Der Zimmermann 
gibt an, daß seine Arbeit nicht tiefer als andert- 
halb Schuhe in die Erde geführt habe. 

Es erscheint wünschenswert, daß zunäch.st 
nicht nur die wieder vergrabenen E'undstücke 
herausgeholt, sondern auch an dieser Stelle weitere 
Grabungen angestellt werden, mit deren Durch- 
führung der Unterzeichnete von der Verwaltung 
des Museums Francisco-Carolinum betraut wor- 
den ist. 

Im Jahre 1900 hatte Konservator Strabergek 
(Mitteilungen igoo, 158) aus Anlaß des Fundes 
eines römischen Votivsteines in Pennewang (bei 
Lambach) die Hoffnung ausgesprochen, daß beim 
Bau der Lokalbahn von Lambach nach Haag rö- 
mische Funde gemacht werden dürften, die den 
durch Römerfunde bezeichneten Weg Vorchdorf- 
Dorfham — Winsbach — Lambach — Pennewang — 
Bachmanning" nordwärts gegen den Inn- oder 
Donaulauf fortsetzte. Der Richtung dieses Weges 
(u. zw. mehr gegen Haag zu) fügt sich nun der 
neue Fundort Watzing zwanglos ein. 

Die Figur, von welcher photographische Ab- 
bildungen (auf Taf. II) wiederholt werden, ist aus 
Bronze gegossen und lö'/^ cm hoch; sie befindet 
sich insofern in einem ausgezeichneten Erhaltungs- 
zustand, als kein Teil fehlt. Die linke Brustseite hat 
durch Korrosion gelitten, die linke Hand, die das 
Gefäß hält, ist samt diesem durch Wucherungen, 
die sich infolge von Oxydationen gebildet haben, 
unförmlich verdickt ; ähnliche, aber minder be- 
deutende Wucherungen haben sich auch an anderen 
Stellen der Figur gebildet. Einige . oberflächliche 
Beschädigungen (an den beiden Fußsohlen und 
Oberschenkeln sowie am Nasenrücken) sind jüng- 
sten Ursprunges; der Finder hat hier die schöne 
Patina abgefeilt, um das Metall zu sehen. Darge- 
stellt ist ein Mann in der Blüte der Jahre, nackt, 
auf rechtem Stand- und leicht abgesetztem linken 
Spielbein stehend, den bärtigen, von einer Sieger- 



i63 



Archäologische Grabangen in Pola nnd Umgebnng 



164 



binde (Tänia) bekrönten Kopf leicht nach links 
gewendet, die Rechte auf eioe Keule gelegt, in 
der Linken, über deren Unterarm ein Löwenfell 
herabhängt, ein rundes, zweihenkliges Gefäß hal- 
tend. Diese Darstellung führt die Deutung ohne 
weiteres auf Herkules. Der Kopf ist denn auch 
der typische Herkuleskopf, wie ihn die griechische 
Kunst im ^^e^ten vorchristlichen Jahrhundert aus- 
gebildet und die römische Kunst übernommen 
hat : verhältnismäßig klein, auf starkem Stiernacken 
aufsitzend, mit kurzem lockigen Vollbart, kurzem 
starken Schnurrbart und leicht vortretender Unter- 
stim. Auch das Haupthaar unterhalb der langen 
wollenen Binde, die mit ihren beiden Enden auf 
die Schultern hinabfällt, ist gelockt, während es 
am Hinterhaupt flach anliegt Die Augen waren 
vielleicht aus einem anderen Metall eingesetzt. 

Der geschilderte Kopftypus ist eng verwandt 
mit dem des Zeus, und aus ihm ist er ja auch 
deriviert, was bei dem Zeussohn nicht wunder- 
nimmt; nur die Kleinheit des Kopfes (mit der die 
unverhältnismäßige Größe der Füße und Hände 
korrespondiert) erinnert an den Athletentj-pus der 
griechisch-römischen Plastik. 

Die Situation der Darstellung ist die, daß der 
Held nach glücklichem Abschluß seiner Abenteuer 
sich mit der Siegerbinde bekränzt hat und nun 
sich anschickt, dem Zeus 1 als Verleiher des Sieges) 
die Dankesspende darzubringen. Darauf deutet das 
Gefäß, eine flache zweihenklige Trinkschale (patera), 
deren man sich bei solchen Spenden vorzugsweise 
bediente und die hier, allerdings durch Wuche- 
rungen verdickt, das Aussehen eines Topfes ge- 



wonnen hat Die ruhevolle, selbstgewisse Gesamt- 
haltung und der zufriedene Ausdruck des Antlitzes, 
um dessen Lippen ein leises Lächeln zu spielen 
scheint, stimmt mit der beschriebenen Situation 
überein. 

Von außergewöhnlicher Schönheit und Logik 
ist die Komposition des Figürchens. Dem Arme 
mit der Keule hält der andere mit Löwenfell und 
Schale das Gleichgewicht: jener ist etwas vor-, 
dieser etwas zurückgenommen, eine Kontrast- 
bewegung, die auch die Schultern mitmachen; 
so erscheint der Oberkörper leicht zurückgelehnt, 
was den Eindruck des Insichruhens verstärkt. 

Auch die Durchführung und ^lodellierung im 
einzelnen ist, wenn auch nicht ängstlich, doch von 
großer Sicherheit; besonders schön ist die Rück- 
seite durchmodelliert. 

Der Eindruck der Figur im ganzen ist so 
vorteilhaft, daß man den Gedanken einer stadt- 
römischen Provenienz, u. zw. aus guter Zeit 
(IL Jh. n. Chr.), nicht ohne weiteres abweisen kann. 

7. November 1904. 

Konservator Dr. Herjiann Ubell 



Archäoloj^ische Grabunoen in Pola 
und Umgebung 1904 

(.A.US dem Italienischen übersetzt '^) 
Pola (2. März): Bei Grundaushebungen für 
einen Hausbau im Androna della Pietä sind in 



') Zum vorjährigen Bericht Mitt. 1904, 363 sei nach- 
getragen, daß die lateinische Inschrift von Momorano domino 



i 1 ' 



.'. '.- 




J^fgt^tjL --^ 



'^tS^4..?:^Ä^.i». I;, ^.^^<->'h:^ 



Fig. 42 Wand eines Sarkophags aus Pola, 70 X 205 X '3; Inschriftfeld 55 X '54; Buchstabenhöhe 7 cm 



i65 



Arcbäologischc Grabungen in Pola und Umgebung 1904 



166 



einer Tiefe von i m zwei große Sarkophag'e bloß- 
gelegt worden: der eine aus griechischem Marmor, 
der andre aus gewölinlich(>m istrianischen Stein, 
beide geleert. Auf der Längswand des marmornen 
steht die Inschrift (Fig. 42) Cincia Aphrodisia viva 
posnit sibi; der zweite trägt keine Inschrift, ist 
aber mit der Seitenwand eines anderen Sarkophags 
aus istrianischem Kalkstein (Fig. 43) zugedeckt, der 



t ER NVS-L-OANNIORVM-f VI-VIR 

niaO-^vsticavIvIf-siBi • E1^ 



Fig. 43 Inschriftplatte eines Sarkophags aus Pola 

(82 X '95 X 1'^ '"'"); sie ist in Stücke zerijrochen, die Bnich- 

linien sind in der Abschrift nicht berücksichtigt; nach 

LER in Z. 1 Spatium; Buchstaben in Z. 1 10'5 cm lioch, 

hiihe in Z. 2 \0 cm (die I longac 108 c/h). 

die fragmentierte Inschrift eines Salenius oder 
Falernus, Freigelassenen einer annischen Familie, 
trägt; beide Inschriften sind bereits vom Kon- 
servator Professor Gnirs im Beiblatt der Archäo- 
logischen Jahreshefte VII 142 fg. veröffentlicht 
worden. Außerdem wurde ebendaselbst ein Sar- 
kophagbruchstück aus griechischem Marmor ge- 
funden, das (Fig. 44), wie es scheint, die Bestra- 
fung des Marsyas darstellt; links Marsyas mit ge- 
fesselten Armen, rechts Apollon, zwischen beiden 
ein Baum. Der Sarkophag der Cincia Aphrodisia 
ist vom Mu.seo civico erworben worden, die übrigen 
Fragmente für Rechnung der Staatssammlungen; 
das Ganze ist im Museo civico aufgestellt. 

Ebendaselbst fand man zahlreiche Reste von 
Marmorverkleidung, sei es von Fußböden sei es von 
Wänden: darunter einige Stücke Porphyr und 
zahlreiche Bruchstücke ausgezeichneten grauen 
Marmors. 

Später erfuhr ich, daß in der Nähe, zwischen 
dem Androna della Pietä und der Via Ne,sazio, 
vor langen Jahren mehrere Sarkophage aufgedeckt 



et deo iieontiii sacr(i(i)i) bereits im Berliner Inscliriften- 
Corpus V 2 abgedruckt ist, und daß in der gleichfalls dort 
zitierten Inschrift vom Jahre 1431 offenbar [i\n tempore 
P. Miithei plehaiü gemeint ist. 



worden sind, von denen einige heutzutage als 
Wassertröge in den militär-ärarischen Magazinen 
von San Francesco in Verwendung stehen. Es wird 
also die Vermutung verstattet sein, daß an dieser 
Stelle, in den besseren Zeiten der römischen Herr- 
schaft, eine reiche Nekropole sich ausgebreitet habe. 




Fig. 44 

Bruchstück eines Sarkophags aus Pola (Darstellung 

des Marsyas?), 60 cm hoch, 53 breit 

Ausflug nach Barbana und Golzana (9. April) : 
In der Pfarrkirche von Barbana steht an der 
linken Chorseite ein Ciborium aus etwa 1500, in 
welchem heute das für den Gebrauch der Kirche 
nötige Öl aufbewahrt wird; vorzügliche Arbeit in 
trefflicher Erhaltung. In der Sakristei in der Kirche 
von Porgnana liegen einige alte Holzstatuen 
von vorzüglicher Ausführung, alle wurmstichig, 
und ein Ölgemälde auf Leinwand von guter Arbeit, 
aber gleichfalls der Zerstörung preisgegeben. Eine 
der Glocken dieser Kirche trägt die Jahreszahl 1630. 
Auch den ausgedehnten Ruinen des mittelalter- 
lichen Kastells von Golzana wurde ein Besuch 
abgestattet; eine planmäßige Ausgrabung würde 
sicherlich die besten Resultate liefern. Auf der 
Anhöhe gegenüber Rogatizze wurde die Anlage 
der römischen und vorrömischen Brandgräber ein- 



167 



Archäologische Grabnngen in Pola und Umgebung I904 



168 



gehend besichtigt, und wir nahmen Scherben und 
ein Ziegelfragment mit einem leider nicht deutlich 
genug erhaltenen Fabriksstempel Cl{audii) PulliQ) 
oder Bull(att":') (Fig. 45) mit. 



^Lmt 



Fig. 45 Fabriksstempel auf einem römischen Ziegel. 

Monte della Madonna bei Sissano (14. Mai): 
Auf diesem Berge, ö. von Sissano, dehnt sich ein 
ausgedehnter prähistorischer Kasteliier aus und 
unmittelbar vor diesem Kasteliier gegen W ein 
Komplex römischer Bauten. Der Kasteliier hat 
zwei Umwallungen; die äußere ist weniger deutlich 
und verschwindet stellenweise im Gebüsch; sie 
mißt 126 m in der Länge. Ich habe an iiwei Stellen 
Nachgrabungen an der inneren Umwallung des 
Ka.stelliers bis auf den Felsen geführt, etwa i m 
tief: ich fand dabei zahlreiche prähistorische 
Scherben, Tierknochen und viele Feuersteine, eben- 
sowohl rohe als verarbeitete. Der Komplex römi- 
scher Bauten gliederte sich in Reste eines süd- 
wärts sich ausstreckenden und umfriedeten Haus- 
baues von rechteckigem Grundriß, über 30 m lang, 
an der dem Kasteliier zugewendeten Seite etwa 
20 m breit. Die Umfassung ist in der Richtung 
gegen Sissano durch zwei Mauern geschnitten, 
welche in einer Linie mit der Bodenschwellung 
liegen, auf der die Madonnenkirche steht (Fig. 46). 




Fig. 46 Grundriß eines römischen Baues auf dem Monte 
della Madonna; Eingang in die Kirche von Westen her 

Die Untersuchung der Bodenschwellung, von der 
soeben gesprochen worden ist, ergab die Gewiß- 
heit, daß sie lediglich aus römischer Zeit stamme. 
Hinter der Kirche befindet sich ein Ruinenhaufen, 
der, sowie die ebenda aufgelesenen Bruchstücke 
von opus spicatum, dem Fußboden einer römischen 
Zisterne angehört; außer vielen Fußbodenziegeln 
hob man auch Ziegelfragmente mit dem Stempel 
Faesonia auf. 

Altura (24. April): Mitten in der Ortschaft 
wurde ein römisches Wasserbecken gefunden. In 



der Nähe von Maggese (Ucki dvori) kamen 
römische Aschengräber zum Vorschein. 

Pola (22. Juni): An der NO-Seite der Straße 
vom Monte Ghiro nach Dignano fanden sich Reste 
einer römischen Straße, vermutlicli der Anfang 
der großen von Pola nach Parenzo und darüber 
hinaus führenden Straße. Längs der römischen 
Straße wurden römische Gräber konstatiert; eines 
dieser Gräber enthielt einen Steinkrug, darin einen 
Glaskrug mit verbrannten Knochen und mehreren 
gläsernen Balsamarien. In der Nähe stieß man auf 
menschliche Skelette, viele und zum Teil große 
Balsamarien. Aus einem andern Skelettgrab zog 
man zwei eingerollte Bleiplättchen mit kursivem 
Schrifttext des I. Jh. (wird von Professor Sticotti 
in den Atti e memorie della societä Istriana heraus- 
gegeben werden). Gleichzeitig fand man zwei 
Münzen Domitians, eine des Pius, eine Bronze- 
Strigilis, der der (eiserne) Griff abhanden gekommen 
war, einen Spiegel in Bruchstücken, sieben Ton- 
lampen, drei zerstückte Tongefaße, zwei wohler- 
haltene Balsamarien aus Glas, zehn Balsamarien 
in Fragmenten und ein (zerbrochenes) Salben- 
büchschen aus Silber. 

Kasteliier von Altura (28. Juni): Der im W 
gelegene Eingang zu diesem Kastellier ist von 
einer hohen Bastion geschützt; die Seiten sind 
durch Mauern gedeckt, während die Seite gegen 
die Valle di Badö, wo die Böschung steil abfällt, 
dieser Art von Deckung fast ganz entbehrt. Im 
Innern bemerkt man viele Reste von Mauerzügen. 
Ich nahm viele Scherben von hier mit. 

Pola (10. Juli): Auf dem Grundstück des Herrn 
Leopold Bernardis, Ecke der Via Sergia und des 
Clivo Cornelio, ist in i in Tiefe ein antiker Kanal 
angetroffen worden. Er war mit Schutt vollgestopft; 
daraus zog man fünf große Lampen') aus Bronze 
von ziemlich gleicher Technik (Fig. 47) hervor, 
von denen eine (in der oberen Reihe rechts dar- 
gestellt) auf einem abstehenden Epheublatt die 
Aufschrift Helops AugfustiJ disp(eusator), also wohl 

AVG 
DISP 



') Vgl. G.NiRS Beiblatt der Archäologischen Jahres- 
hefte VII 143. 



lög 



Archäologische Gral>uiij;cn in Pola und Umgeljung 1904 



170 




Fig. 47 Fünf riiniischf Bronzclampeii, geiunden in Pola 



den Namen desjenigen, für den diese reiche Bronze- 
garnitur angefertigt worden war, trägt,') ferner 
den Marmorkopf eines Knaben ^) (Fig. 48), ein 
Alabastergefäß, einige Münzen (I. Jh., außerdem 
eine des Kaisers Constans I) und andere kleine 
Gegenstände. Der gesamte Fundgewinn wurde für 
das Museo civico erworben. 




Fig. +8 Marmorbüste eines Knaben, gefunden 
in Pola, 15 cm hoch, etwa I. Jh. n. Chr. 



') Der Name des kaiserlichen Kassiers Helops ist 
wohl mit 'EXXotJj oder 'EXo({j s. v. a. „Fisch" oder in über- 
tragenem Sinn „der Stumme" zu gleichen, so daß die 
Aspirierung ebenso inkorrekt wäre wie z. B. in Helpis. Die 
vornehme Ausstattung des Lampenservices dieses Kassiers 
ruft immerhin die zahlreichen Anekdoten über die von ein- 
zelnen kaiserlichen Kassieren aufgehäuften Reichtümer in 
Erinnerung (Friedländer Sittengeschichte I* 112). Einen 
anderen kaiserlichen dispensator, Spendon mit Namen, be- 
zeugt eine Inschrift aus Pola CIL V 96; kaiserliche Haus- 
beamten der gleichen Kategorie nennen ferner auf istriani- 
schem Boden die Inschriften CIL V 370 und 372 in Abrega 
(auf halbem Wege zwischen Parenzo und Cittanuova), wo, 
wie MoNfMSEN ebenda p. 39 zeigt, eine kaiserliche Haupt- 
kasse bestanden haben muß. 

2) Vgl. Gnirs ebenda VII 144. 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommisslon 1905 



Pola (10. bis 20. Juli): Bei der Grundaushebung 
für einen Hausbau an der Ecke der Via S. Martine 
und der Via Giovia fanden sich in 1 in Tiefe 
römische Mauern, Reste von Fu(3böden (darunter 
Stücke von aschfarbenem Marmor), einige Münzen 
der späten römischen Kaiserzeit, einige mensch- 
liche Schädel und ein arretinisches Gefäß. 





Fig. 49 Bronzeeimer, gefunden auf dem Monte delle Pere 
bei Pola, hoch 15, 25 und \(>cin 

Monte delle Pere bei Pola (lo. — 30. August): 
Die Kommune ließ den römischen Brunnen auf 
dem Monte delle Pere reinigen, wieder instand- 
setzen und an die kommunale Wasserleitung an- 




Fig. 50 Hydria mit Figurenrelief auf dem Henkel, 
gefunden auf dem Monte delle Pere bei Pola, 1 7 cm hoch 

12 



171 



Archäologische Grabungen in Fola und Umgebung 1904 



172 



gfliedem. Bei diesen Arbeiten fand man in ver- 
schiedenen Tiefen menschliche Knochen und vier 
Schädel Aus dem Schlamm, der in 34 tn Tiefe 
beg-innend den 40 »t tief liegenden Brunnengrund 
deckte, zog man 18 Bronzeeimer (Fig. 40^1 und 




Fig. 51 Hj-dria mit Fi^urc: : -;> i ;ui dem Henkel, srefunden 
auf dem Monte delle Pere bei Pola. 25 cm hoch 

zwei H)-drien mit Figiarenrelief auf dem Henkel 
(Fig. 50. 51); der Henkel der einen (Fig. 50) trägt 
das Reliefbild eines jugendlichen Frauenkopfes, 
der der anderen (Fig. 51) das eines Priapopfers; 
außerdem zog- man von dort eine Bronzeglocke 
(Fig. 52), Stücke eines hölzernen Rades, einen 
eisernen Ring-, eine Eisenaxt und ein Tongefaß. 
Das Ganze wurde in das Museo civico übertrag-en. 
— Die Brunneneinfassung fand sich in Frag- 
menten vor. 




Fig. 52 Bronzeglocke, gefunden auf dem Monte delle 
Pere bei Pola, 20 cvi hoch 

Pola ( 1 o. — 30. Aug-ust) : Bei Grabungen auf 
dem Grundstücke des Herrn Matteo Lüssich an 
der Via Castropola fanden sich ein Bruchstück') 
einer sitzenden Statue iTogatus, Lebensgröße) aus 
Marmor imd drei Inschriftfragmente , die auch 
von Prof GxiRS veröffentlicht worden sind: 

I. Aus Istrianer Kalkstein, Frag-ment eines 
altarförmigen Cippus (o-.55 X 0-395 X o-6o m) mit 
C{aio) Sett\idid] ; die Familie der Settidier in 



e^iHij' 



') Es fehlen Kopf und Brust. 



Pola bezeugt durch die Inschriften CIL V 82. 223. 
230 — 233. 258. 8139. 8143. Pais Suppl. 2: ihr Name 
ist sonst in weitem Kreise nicht mehr vertreten, 
weder in Oberitalien, Dalmatien oder in den 
Alpenländern. Wilhelm Schulze zur Geschichte 
lateinischer Eigennamen, der übrigens alle Beleg- 
stellen aus CIL V übersehen hat und außer 
Pais Suppl. 2 nur eine ganz frag^'ürdige Be- 
glaubigung aus Mauretanien CIL VIII 8612 bei- 
bringt, stellt diesen Namen mit etruskisch sedtia 
und zetital zusammen; wohl mit Unrecht; es handelt 
sich vielmehr aller Wahrscheinlichkeit nach um 
einen einheimischen, wenn man will, romanisierten 
istrischen Xamen. Der gleiche Anfang einer, wie 
es scheint, längst verschollenen Inschrift V 230. 

2. Aus hiesigen Kalkstein, auf der Oberseite 
eines aus einem antiken Rundcippus geformten 
Säulenstückes (obere elliptische Fläche 0-27X0-32 ;», 




Höhe 0-41 ;//) \jMa'\rchtia \F]rima [b^ene)] 

ni{ereitii); ob in Z. 3 wirklich noch etwas gestanden 
hat, ist fraglich: der Buchstabe M, der auf dem 
Abklatsch zu stehen scheint, ist sehr unsicher; 
gegen seine Lesung ist jedesfalls geltend zu 
machen, daß hier nicht, wie in Z. 1 und 2, die 
Zeilenlinien vorgerissen sind. Nach jeder Silbe 
scheint ein Punkt gesetzt zu sein. 

3. Fragment einer Platte aus hiesigem Kalk- 
stein (0-55 X 0-42 X 0-8 cm); die Inschrift kann 
etw-a so gelautet haben: 

m. 

ESTi.^.j.- 

Euthichiae Jilia[e carissimae, qu- 
i vixit aitnis duo\bus mensihus . . d- 
iebus V, in pace \recessit, deposita 

est i'ji Idiis M[artias (Mutter) et Ve- 

rus paren\tes dolenfes contra rolinii 

Monticchio (10. September): Auf der Feld- 
straße von Monticchio gegen die Campi d'Altura 



173 



Römische Inschrift aus Istrien 



174 



traf ich eine vollkommen erhaltene, eingedeckte, 
römische Zisterne mit zwei Auffangsöffnungen; 
sie war mit Wasser gefüllt. Neben ihr liegt ein 
Sarkophagdeckel. 

Pola (August bis November): Im ehemaligen 
Garten Riboli zwischen der Via Campomarzio 
und der Via Medolino wurde Grund für den Bau 
des landschaftlichen Mädchenlyzeums ausgehoben. 
Dabei fand man einige Brandgräber und ein Be- 
stattungsgrab. Man hob vier Tonlampen (eine 
mit dem Stempel DONAT) auf, einige römische 
Münzen (vom III. Jh.), zwei metallene Hohlspiegel, 
eine Bronzespange und einen römischen Schlüssel 
aus Eisen. — Die Funde sind jetzt im Museo 
civico. 

Pola (19. Oktober): Bei Grundaushebungen für 
das HausPoso fand man gegenüber der Via Medolino 
in I m Tiefe eine Steinurne mit einer gläsernen 
Aschenurne, die mit einem Glasteller zugedeckt 
war, zwei gläsernen Balsamarien und eine Ton- 
lampe mit Figurenschmuck. 

Campi d'Altura (26. November): Auf einem 
Ausflug nach dem Wohnhaus Caich an der Grenze 
der campi, gegen Magran zu, nahm ich einen 
Papierabklatsch von dem Inschriftfragmente des 
Sarkophags eines Bürgermeisters (und Patrons?) 
der Kolonie Pola, den Weisshäupl in diesen Mit- 
teilungen XXIII (1897) 64 fg. veröffentlicht hat. 
Ebenda wurden ein Türpfosten, ein Karniesstück 
und andere Fragmente aufgefunden. Auf der zu 
diesen Campi führenden Straße fand sich auch 
ein Bruchstück einer Statue, jetzt im Museo 
civico. 

Ferner (6. Dezember): Neben dem Fischteich 
von Pomer in der Richtung gegen Castion wurde 
ein ausgedehnter römischer Ruinenkomplex kon- 
statiert. 

Pomer (15. Dezember): Bei der Fontanelle 
nächst Pomer sind Ruinen eines römischen Gebäudes 
gemeldet worden, vielleicht eines Bades, mit gut 
gearbeiteten Mosaiken. Auf der römischen .Straße 




wurden Reste eines byzantinischen Gebäudes auf- 
gedeckt mit einem Mosaik von groben Würfeln. 
Ebenda stehen zwei leere Sarkophage, deren 
Deckel in der Nähe eingemauert sind ; der eine 
dieser Deckel trägt ein Kreuz (Fig. 53). In der 
Umgebung sind menschliche Knochen zerstreut. 
Zwei Schädel sind autTjewahrt worden. 

Promontore (21. Dezember): Auf den Höhen 
von St. Martin ist eine große prähi.storische 
Kasteliieranlage, die nachmals von den Römern 
besiedelt wurde, aufgedeckt worden. Scherben 
beider Epochen sind geborgen worden. 

Korrespondent Dr. Bernhard Schiavuzzi 



Römische Inschrift aus Istrien 

In Torre am Quieto erfuhr ich, daß der Guts- 
besitzer MtKATowicH im März d. J. auf seinen nächst 
Torre in der Lokalität Gradina gelegenen Grund- 
stücken einen Grabstein gefunden habe. Dieser Stein 
ist jetzt im Keller des Genannten aufbewahrt; der 
Eigentümer präzisierte die Fundstelle etwas ge- 
nauer: zwischen den Weilern Golas und Velovich, 
auf „Gradina", 2 in unter dem Humusniveau. Das' 
Material ist das nämliche, das im Hafen von Porto 
Torre für Venedig gebrochen wird. Schrift sorg- 
fältig und sehr gut erhalten. 



L(iido) Marcio 

L{uci) l{iberto) Celso, 

Marciae L(!ici) l{ibertae) 

St a et in i 

L{itcius) Martins L(nci) 

l{ibertus) 
Tertins i'iivns) f{ecit) 
sihi et suis; 




m 



Fig. 53 Sarkophagdeckel in Pomer, 40 cm hoch, 80 nii breit 



1-MARCIO 

L-LCELSO 

MARCIAE'LL- 

STACrlNl 

LMARTI\'St'U 

TERTIVSVr 

siBi-rr-svig 



I:M-Q:Q;V-PXX 




\_l(ociis)] in(onumenti) 

q{tw)q{uo)v(ersus) 
piedes) XX. 



Fig. 54 Rrmiische Inschrift aus Gradina bei Velovich 
in Istrien 

12* 



175 



Münzfund (XV. Jh.) bei Gerolding 



176 



Beachtenswert scheint der Wechsel der Schrei- 
bung von Marcius und Martius, weil auch dieses 
Beispiel für die Aussprache von c und / vor pala- 
talem j beweist. Die Dativbildung Stactine von 
Stacte hat an der Ostküste des Adriatischen ^Meeres 
nichts auffälliges an sich. 

Korrespondent Prof. Dr. L. Karl Moser 



Münzfund (XV. Jh.) bei 
Gerolding 

Ende April 1905 zeigte mir ein Bauernknecht 
des Leopold Eder in Gerolding einige Denare, 
die er beim Reuten auf dem Sicherfelde, unweit 
Lerchfeld, unter einem Baumstrunk freiliegend 
gefunden hatte. Der Fund, der, wie ich hörte, 
damals schon zerstreut und verschenkt war, mag 
etwa 150 Stücke umfaßt haben. Doch fand ich 
noch 65 Stücke beim Fragner in Lerchfeld, der 
sie um 8 A' angekauft hatte: davon sind: 



Sigismund von Tirol (achtschenkeliges Kreuz 
/ Sigisinuudtts; Rückseite : Adler f comes Tirol.) 
18 itim: 48 Stücke 

Mathias Corvinus (ung. Wappenschild mit dem 
Raben / .1/. Mafhie r. Rückseite: Madonna mit 
dem Kinde, / patrona Ungar ic\ Beizeichen T? 
und zwei gekreuzte Hämmer; 18 min 6 Stücke 

König Ladislaus Posthumus, einseitiger Pfennig: 
gekrönter Balkenschild im Dreipal3 zwischen 
L i R: I Stück 

Kaiser Friedrich III, einseitiger Pfennig: das 
Wappen von Wien im Dreipaß zwischen H^T 

(vgl. WiNDiscnGR-VETz n. 115) 6 Stücke 

derselbe, einseitiger Pfennig: gekrönter Balken- 
schild, zwischen F | R i Stück 

derselbe, Wiener Pfennig: drei Wappenschilde 
im Dreipaß; Rückseite W 2 Stücke 

derselbe, Pfennig: steirischer Panther; Rückseite 
Doppeladler(vgl.WixDiscHGRAETz n.1870) i Stück. 

Korrespondent Eduard Katschthaler 



ANTON SCHROLL «& Co., Kunstverlag, Wien I Maximilianstraße 9 



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Laufberger, Joh. Fried. Overbeck, J. v. Trenkwald 
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souveränen Fürstentums Liechtenstein. Gezeichnet und er- 
läutert von Hugo Gerard Stroh 1, Herausgeber der 
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Die Markgrafschaft Mähren in 
kunstgeschichtUcher Beziehung. 

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mit besonderer Berücksichtigung der Baukunst 



AUGUST PROKOP, 

Arcb., k. k. Hofrat, o. ö. Professor in Wien, 

dessen I. Band die frühmittelalterliche, die romanische Kunst, 

„ II. ,, das Zeitalter der Gotik, 

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O 



Der vorliegende Leitfaden einer Geschichte der Kunst Mährens wird 
Forschern, Kunstfreunden und Künstlern etc. zur Orientierung und als 
Nachschlagebuch von bleibendem Werte sein, da es eine Fülle ganz neuen, 
bisher unbekannten Materiales vor Augen führt. 

KUNSTVERLAG ANTON SCHROLL & Co. 
Wien, I. Maximilianstraße g. 

Druck von Rudolf M. Robrer, Bräon. 



MITTEILUNGEN 



DER 



K. K. ZENTRAL-KOMMISSION 

FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER 
KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 



DRITTER FOLGE VIERTER BAND 



ABONNEMENTS - BEDINGUNGEN 

Ganzjährig 5 K, für Korrespon- 
denten der k. k.Zentral-Kommission 
bei direktem Bezug aus deren Kanzlei 
2 K. Einzelne Nummern können 
(in geringer Anzahl) zw \ K ab- 
gegeben werden. 

Abonnements können bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen 
oder beim Kommissionsverlage der 
„Mitteilungen" ANTON SCHROLL 
& Co., WIEN I Maximilianstraße 9, 
oder direkt bei der k. k. Zentral- 
Kommission (Wien I Gauermann- 
gasse 4) angemeldet werden. 



REDAKTION 

Prof. WILHELM KUBITSCHEK 
Wien IX Pichlergasse 1 

t Prof. ALOIS RIEGL 



Nr 6 JUNI 1905 

INHALTS -VERZEICHNIS 

Personalien 177 

Sitzungsbericht vom 5. Mai 1905 178 

Sitzungsbericht vom 19. Mai 1905 185 

SEMPER Neuaufgedeckte Fresken in der Johanneskapelle am 

Kreuzgang des Brixner Domes 194 



Im Druck abgeschlossen 5. Juli 1905 



Die „Mitteilungen" der k. k. Zentral-Kommission für Kunst- und historische Denkmale 
erscheinen monatlich in einem Mindestumfang von 24 Spalten und sind zur Veröffentlichung 

1. amtlicher Kundmachungen der Zentral-Kommission, 

2. der Protokolle der Sitzungsberichte der Zentral-Kommission, 

3. von Fundberichten und Denkmalsbeschreibungen sowie von Erörterungen 
beachtenswerter Funde und \\ächtigerer Fragen der Denkmalspflege 

bestimmt. Selbständige Fundberichte und Aufsätze werden in der Regel honoriert (die 
Zeile zu 7 Ä, die volle Textspalte zu K 3'36). Für die Honorierung von Plänen und 
Zeichnungen sind fallweise Verhandlungen mit der Redaktion nötig. Die Redaktion ist 
gerne bereit, den auszugsweisen oder vollständigen Abdruck eines in den „Ahtteilungen" 
erscheinenden Fundberichtes oder Aufsatzes und die Benützung der dafür angefertigten 
Khschees, wenn der Verfasser dessen Verbreitung auch durch ein anderes publizistisches 
Organ wünscht, vor allem in Lokalblättern, zuzugestehen. Doch ist selbstverständlich 
gleich bei Einsendung des Manuskriptes eine diesbezügliche Vereinbarung mit der 
Redaktion anzubahnen. Die Honorierung bleibt besonderer Vereinbaining vorbehalten, 
wenn gleichzeitig oder innerhalb des auf die Publikation in diesen „Mitteilungen" folgenden 
Jahres der Abdruck eines solchen Artikels auch noch in einer anderen Fachzeitschrift oder 
in großen allgemein verbreiteten Tagesblättem oder Zeitschriften beabsichtigt wird. Die 
Redaktion ist femer gerne bereit, fallweise und auf Grund von Vereinbarungen Auszüge 
aus geeigneten Fundberichten oder einschlägigen Artikeln, die in anderen Zeitschriften 
(insbesondere i. in nicht deutscher Sprache abgefaßten, 2. solchen, die aller Wahrschein- 
lichkeit nach sonst nicht leicht ztir Kenntnis der Redaktion gelangen dürften) erschienen 
sind, in den „Mitteilungen" zu bringen. Es werden daher die Verfasser solcher Artikel 
ersucht, Sonderabdrücke mit ausdrücklicher Angabe ihrer Wünsche der Redaktion ein- 
zusenden. 

Manuskripte mögen nur auf einseitig beschriebenen Blättern übersandt werden, 
die Abbildungen mögen nicht in den Text hineingeklebt und noch weniger auf die 
beschriebenen Blätter oder auf liniertes Papier gezeichnet werden. 

Den Verfassern geht ein Bürstenabzug zur Korrektur des Druckes zu; rascheste 
Durchsicht dieser Abzüge wird erbeten. Weitergreifende Autorkorrekturen werden auf 
Kosten der Verfasser hergestellt. Die Verfasser erhalten 12 Sonderabzüge ihrer Artikel; 
eine größere Anzahl von Sonderabdrücken, über die fallweise eine Vereinbarung mit der 
Redaktion nötig ist, sowie Umbruch der Spalten oder Broschieren in besonderem Um- 
schlag kann nur auf Kosten des Bestellers erfolgen. Derlei Bestellungen mögen nicht an 
die Druckerei gerichtet werden, sondern lediglich an die Redaktion, die sich allein zur 
Vermittlung des Verkehres zwischen den Verfassern und der Druckerei berechtigt ansieht, 

DIE REDAKTION 



MITTEILUNGEN 

DER K. K. ZENTRAL-KOMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXZ. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 



Band III Nr. 6 



Juni 1905 



Personalien 

Se. k. u. k. Apost. Majestät haben mit a. h. 
Entschließung vom 14. Juni 1905 dem General- 
konservator, ordentlichen Professor der Kunst- 
geschichte an der Universität in Wien, Dr. Alois 
RiEGL, taxfrei den Titel und Charakter eines Hof- 
rates allergnädigst zu verleihen geruht (Erlaf3 des 
Ministeriums f. K. u.U. vom ig. Juni 1905, Z. 1398). 

Se. Exz. der Herr Minister f. K. u. U. spricht 
dem Professor und Fachvorstande i. R. der 
deutschen Staatsgewerbeschule in Pilsen, Baurat 
Viktor Schwerdtnek, anläßlich des Verzichtes auf 
das Ehrenamt eines Konservators für seine lang- 
jährige, hingebungsvolle und ersprießliche Tätig- 
keit in diesem Ehrenamte den Dank und die 
Anerkennung aus (Erlaß vom 20. Juni 1905, 
Z. 20.912). 

Ernannt wurden: 

Zu Konservatoren: I. Sektion: Franz Wil- 
helm, Professor an der deutschen Staatsgewerbe- 
schule in Pilsen, für die Bzkh. Asch, Eger, Fal- 
kenau, Graslitz, Joachimstal, Karlsbad, Luditz, 
Marienbad, Teplitz; 

II. Sektion: Architekt Emil Glocker, Professor 
an der deutschen Staatsgewerbeschule in Pilsen, 
für die Bzkh. Bischofsteinitz, Mies, Tachau und 
Taus unter gleichzeitiger Enthebung von dem 
Ehrenamte eines Konservators I. Sektion in dem 
vorgenannten Konservatorenbezirke (Erlaß vom 
20. Juni 1905, Z. 20.912). 

Zu Korrespondenten: Gustav Buder, De- 
chant und Pfarrer in Reichenberg; Dr. Alois 
ScHMÖGER, Professor an der theol. Diözesanlehr- 
anstalt in St. Polten, Cand. jur. Viktor Skrabar 
in Pettau, Dr. Walter Smid, Kustos am Landes- 
museum in Laibach, Oberlandesgerichtsrat Dr. 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission 1905 



Franz Spangler in Krems und Raurat Ludwig 
Wächter in Wien (Sitzung vom i6. Juni 1905). 

Wiederbestätigt wurden die Konservatoren : 
Regierungsrat Franz Rosmael, Direktor der Fach- 
schule in Wall.-Meseritsch (Erlaß vom 20. Juni 1905, 
Z. 21.964), P. Otto Febringer, Direktor und Pro- 
fessor des Konviktes Seitenstetten, Dr. Moriz 
Hoernes, Universitätsprofessor und Kustos am 
naturhistorischen Hofmuseum in Wien, Dr. Antox 
Ritter von Pre:mersteix, Privatdozent an der Uni- 
versität und Assistent an der Hofbibliothek in 
Wien, Josef Szombathy, Kustos am naturhistori- 
schen Hofmuseum in Wien, und Oberbaurat Rudolf 
Vomäcka in Prag (Erlaß vom 26. Juni 1905, 
Z. 22.495). 

Gestorben sind: der Generalkonservator 
Hofrat Alois Riegl, Universitätsprofessor in Wien 
(s. den Nekrolog im nächsten Hefte) und 

der Korrespondent Regierungsrat Wenzel 
Wladiwoj Tomek, Universitätsprofessor in Prag. 



Sitzungen vom 5. Mai 1905 (9. Sitzung der IL Sek- 
tion, 3. Sitzung des Plenums). 

Anwesende Mitglieder: Castelliz, Detninger, 
HiKMANX, Kenner (Vorsitzender der Plenar- 
sitzung), MucH, Neumann, Neuwirth (V o r- 
sitzender der Sitzung der IL Sektion), 
Redlich, v. Zumbusch. — Korrespondent 
V. Ottexthal. — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Ref. Neuwirth: Dem Tätigkeitsberichte des 

Museums des Königreiches Böhmen in Prag 

für das Jahr 1904 entnimmt die Z. K. mit Be- 

friedigamg, daß das Museum auch im abgelaufenen 

13 



179 



Sitzung vom 5. Mai 1905 



180 



Jahre trefflich verwaltet würde und seine Bestände 
ansehnlich vermehrt hat. 

Ref. Nel-^irth: Konservator Glocker berichtet 
über die ohne Intervention der Z. K. durchgeführte 
Restaurierung des Äußern der Filialkirche zum 
hl. Johann in Skupitz. Das für die Eindeckung 
gewählte Materiale — weil3e Ziegeln — schädigt 
den Alterscharakter der Kirche; der neuaufgesetzte 
Dachreiter ist zu groQ und schwerfallig, und es 
ist sehr zu bedauern, daß er nicht in der alten 
Form erneuert wurde. Im Innern wurde die nicht 
mehr erhaltungsfähige Kanzel aufgenommen und 
entfernt. 

Ref. Hermann: Die Z. K. kann sich mit den 
ohne ihre Ingerenz in Angriff genommenen 
Restaurierungsarbeiten an der Pfarrkirche in 
Pertoltitz nicht einverstanden erklären. Leider 
ist die Restaurierung des Fensters hinter dem 
Hochaltar und die Einsetzung einer Glasmalerei 
in dasselbe schon so weit gediehen, daß eine 
Änderung sich nicht mehr durchführen läßt; auch 
der Hochaltar, die Kanzel und der Taufstein sind 
schon fertig gestellt und als künstlerisch ganz 
unzulängliche Erzeugnisse zu bezeichnen. Die Z. K. 
lehnt die gleichwertigen Skizzen für die noch 
weiters zu beschaffenden Ausstattungsgegenstände 
ab und beschließt, auf die Erhaltung eines alten 
barocken Tabernakels und einer Kreuzigungs- 
gruppe zu dringen. 

Bukowina 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
das Projekt für die Ausmalung des Sanktuariums der 
römisch-katholischen Kirche in Kimpolung 
und die einfache Färbelung der übrigen Kirchen- 
wände unter der Bedingung, daß die Arbeiten im 
Einvernehmen mit dem berufenen Konservator 
durchgeführt werden. 

Dalmatien 

Ref. Neumann: Konservator Smirich berichtet, 
daß das aus dem XV. Jh. stammende Portal des 
Hauses n. 885/6 in Zara in das Ausland verkauft 
werden soll; die Z. K. beschließt, sich wegen Ver- 
hinderung dieses Verkaufes und wegen Erwerbung 
des Portals in den öffentlichen Besitz zu verwenden. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
zur Fortsetzung der Ausgrabungen in Biograd 
eine Subvention von 800 A' unter der Bedingung, 



daß über den Erfolg dieser Forschungen vom 
Korrespondenten Jelic ein eingehender, zur Ver- 
öffentlichung in den Mitteilungen der Z. K. be- 
stimmter Bericht erstattet werde. 

Galizien 
Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
den Konservatoren und Korrespondenten West- 
galiziens zur Fortsetzung der von ihnen heraus- 
gegebenen Kunsttopographie Westgaliziens 
(„Konservatorenmappe") eine Subvention von 200 K. 

Küstenland 

Ref. Kenner: Korrespondent Mosek berichtet 
über die Spuren eines Römerbaues (Bad oder 
Zisterne) auf S. Marina. Derselbe ist ein 48;«* 
großer, 2 in tiefer, an den Wänden ringsum mit 
einer Gußmauer ausgekleideter Hohlraum. Sein 
Boden ist mit einem auf einer Mörtelschichte 
ruhenden Ziegelmosaik (schmale Ziegel, ähren- 
artig angeordnet) ausgelegt. In der Umgebung des 
Baues zeigen sich wallartige, aus Steinen aus- 
geführte Erhebungen. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung der Wandmalereien in 
der Kirche zu Muggia vecchia eine Subvention 
von 3000 A'. 

Ref. KeiVner: Nach einem Bericht des Kon- 
servators Gnirs ist die Aufstellung eines eisernen 
Gitters auf der niederen Umfriedungsmauer der 
Arena in Pola dringend notwendig. Die Z. K. 
unterstützt sein Ersuchen um eine Staatssubvention 

für dieses Gitter. 

Mähren 

Ref. Houdek: Korrespondent Tkampler legt 
einen Separatabdruck seines Aufsatzes über die 
Burg Holstein bei Sloup vor. 

Ref. Deininger: Wie Konservator Roth be- 
richtet, ist die Restaurierung des Südturmes der 
Stadtpfarrkirche St. Mauriz in Olmütz be- 
gonnen worden und soll im Sinne der Weisun- 
gen der Z. K. durchgeführt werden. 

Ref. Houdek: Konservator Roth berichtet, 
daß das Museum der Stadt Proßnitz eine reich- 
haltige Sammlung von naturhistorischen, histori- 
schen, gewerblichen und kunstgewerblichen Ob- 
jekten besitze. 

Ref. Houdek: Konservator Rosmael berichtet, 
daß das Pfarrhofportal in Wall.-Meseritsch 



i8i 



Sitzung vom 5. Mai 1905 



182 



restauriert wurde; die Barockfiguren auf der At- 
tika wurden gereinigt. 

Nieder-Österreich 

Ref. Deininger: Die Absicht, einen Neubau 
im Vorgarten des Salesianerinnenklosters in 
Wien III aufzuführen, hat die Frage der Baulinie 
für den Renn weg zwischen dem Schwarzenberg- 
platz und der Reisnerstraße dringlich gemacht. 
Dieser Teil des Rennwegs gehört zu den archi- 
tektonisch interessantesten Partien Alt-Wiens; das 
Schwarzenbergpalais, das Belvedere, das Salesiane- 
rinnenkloster mit der Kirche Mariae-Heimsuchung 
sind mit dem größten künstlerischen Raffinement 
aufgebaut; die Baufluchten dieser Anlagen bilden 
spitze Winkel gegen die Straßenlinie und erhöhen 
ihre architektonische Wirkung nicht unwesentlich; 
anderseits müßten deshalb selbst geringfügige 
Änderungen an den bestehenden Baulichkeiten die 
Harmonie des Gesamtbildes empfindlich stören. Es 
muß daher mit Anerkennung hervorgehoben wer- 
den, daß das Wiener Stadtbauamt über Auftrag 
des Gemeinderates einen Baulinienplan für diesen 
Teil des Rennweges ausgearbeitet hat, welcher 
eine befriedigende Lösung dieser Schwierigkeiten 
gewährt und nicht allein dem Zuge der Baulinie 
selbst, sondern auch der Höhe der neu aufzu- 
führenden Gebäude besondere Beachtung schenkt. 
Die Z. K. erklärt sich mit diesem Plane einver- 
standen und empfiehlt lediglich eine kleine Ab- 
änderung an der Kurve der Baulinie beim Neu- 
baue vor dem Salesianerinnenkloster. 

Ref. Deininger: Die Z. K. erhebt gegen die 
Innenbemalung der Pfarrkirche St. Rochus 
und Sebastian in Wien III keine Einwendung, 
wenn sie sich auf die Wiederherstellung der ur- 
sprünglichen Ausschmückung beschränkt. Sie macht 
darauf aufmerksam, daß der Deckenverputz wahr- 
scheinlich infolge des aufsteigenden Weihrauches 
so stark mit harzhaltigen Substanzen imprägniert 
i.st, daß die Kalkfarben an ihm nicht lange haften 
werden, und empfiehlt daher, im Interesse der 
Haltbarkeit der Malerei, den Verputz herunterzu- 
schlagen und zu erneuern. 

Ref Much: Die KRAHULETz-Gesellschaft in 
Eggenburg legt ihren Tätigkeitsbericht tür 
1904 vor. Die .Sammlungen wurden neu aufgestellt, 
übersichtlich geordnet und ausgestaltet; unter den 



Spenden sind namentlich zahlreiche Archivalien 
hervorzuheben. Die Restaurierung der Sgraffiti am 
gemalten Hause ist durchgeführt, die Reinigung des 
Ölberges und eines Grabsteines an der Außenseite 
der Pfarrkirche in Aussicht genommen, für die 
Erhaltung des altertümlichen Charakters des Land- 
tafelgutes ist Sorge getragen worden. 

Ref. Casteluz: Die Z. K. beschließt gegen 
die Ausschmückung der Kirche in Hohenrup- 
persdorf mit Glasmalereien keine Einwendung 
zu erheben, wenn hiefür entsprechende Skizzen 
vorgelegt werden. 

Ref. Deininger: Gegen die Ausmalung der 
Pfarrkirche in Kammersdorf erhebt die Z. K. 
keine Einwendung; jedoch empfiehlt sie eine Ver- 
einfachung der vorgelegten Skizzen. 

Die Z. K. beschließt sich dahin zu verwenden, 
daß bei dem bevorstehenden Baue eines Hauses 
in der unmittelbaren Nähe des Steinertores in 
Krems die Baulinie so weit zurückgerückt 
werde, daß einerseits der Anblick des monumen- 
talen Tores vollkommen frei bleibe, und andrerseits 
die nach Norden führende Straße an der Front 
des Neubaues eine solche Breite erhalte, daß der 
nördliche Seitenturm nicht als Verkehrshindernis 
empfunden werden könne. 

Ref. Deininger: Konservator Jordan berichtet, 
daß er dem Anbau einer Beichtkammer und eines 
Oratoriums bei der Pfarrkirche in Neudorf bei 
Staatz seine Zustimmung unter der Bedingung 
erteilt habe, daß der Bau nur bis zur Höhe des 
Presbyteriumfensters geführt werde. 

Ref Delninger ; Konservator JorD.\n berichtet, 
daß das Innere des Presbyteriums der Domini- 
kanerkirche in Retz einer Restaurierung unter- 
zogen werden soll. Die Auswechslungen einzelner 
Steine werden sich auf das unabweislich Notwen- 
dige beschränken. 

Ref. Neuwirth: Bezirkshauptmann Graf Steinach 
übermittelt ein Exemplar der Publikation ,,Die 
Bildersammlung der B e z i r ks h a u p t m a n n- 
schaft Tulln", welche namentlich Reproduktionen 
aller Arten von Bauobjekten der Bezirkshauptmann- 
schaft umfaßt, die überhaupt nicht mehr oder nicht 
mehr in ihrer früheren Gestalt erhalten sind, oder 
bei denen die Erhaltung gefährdet erscheint. Die 
Z. K. beschließt dem Einsender für sein wichtiges, 

13* 



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Sitzung vom -,. Mai 1905 



184 



den h.a. Inventionen vollkommen entsprechendes 
Unternehmen die wärmste Anerkennung- auszu- 
sprechen. 

Ref. Dein'inger: Konservator Staub beantragt, 
das Projekt für die Erweiterung- der Pfarrkirche 
in Winzendorf nach W um ein Joch mit der Ein- 
schränkung zu genehmigen, daß an Stelle des ge- 
planten Renaissancehauptportales das altfe gotische 
Portal vorsichtig ausgelöst und in die neue Fassade 
übertragen und die darin enthaltenen Renaissance- 
denkmäler auf das sorgfältigste geschont werden; 
der Antrag wird zum Beschlüsse erhoben. 

Ober-Österreich 

Ref Redlich; Konservator Handel berichtet 
über den durchgeführten Ankauf des Schloß- 
archivs in Altenhof für das Archiv des Museums 
Francisco-Carolinum in Linz. 

Salzburg 
Ref Zümbusch: Konservator Rumstorfer be- 
richtet, daß nach einer neuerlichen Untersuchung 
der Schäden am Portale in der Hofstallgasse 
n. I in Salzburg die Inschrift des Portalgiebels 
derart morsch ist, daß bereits einzelne Buchstaben 
abgeblättert sind und die ganze Inschrift binnen 
wenigen Jahren verloren gehen dürfte. Der Kon- 
servator beantragt, die Tafel und ihre (gleichfalls 
beschädigte) Umrahmung aus Sandstein herabzu- 
nehmen und in einem geschützten Räume aufzu- 
bewahren und beide an ihrer bisherigen Stelle 
durch genaue Kopien zu ersetzen. 

Die Gemeindevorstehung Adnet teilt mit, 
daß sie von der Versetzung des Bildstöckeis 
absehe und für seine weitere Erhaltung Sorge 
tragen werde. 

Ref Zumbusch: Konservator Geppert berichtet 
über den Plan, das Gnadenbild am Hochaltar 
der Pfarrkirche in Dürrnberg zu restaurieren 
und unwesentliche Änderungen am Tabernakel 
dieses Altares und der beiden Seitenaltäre vorzu- 
nehmen, wofür er die entsprechenden Winke habe 
geben können. 

Ref Kenner: Konservator Petter berichtet 
über den Fund einer Barbarenmünze aus Silber 
(anfangs Juni 1904) auf den Mallnitzer Tauern 
(Sp. 159 ff.) an der Grenze zwischen Salzburg und 



Kärnten, etwa eine Viertelstunde aufwärts auf 
dem Grate östlich vom Tauernhause. 

Steiermark 

Ref Deininger: Konservator Wisr berichtet, 
daß bei Restaurierung des gotischen Portales bei 
der Pfarrkirche in Studenitz die Kapitale und 
das Tymparion unberührt belassen, die Wieder- 
herstellung der verloren gegangenen Säulenschäfte, 
ihrer Basen und des Sockels durchgeführt und 
eine nach außen aufgehende zweiflügelige Tür 
hergestellt werden soll. Die Z. K. erklärt sich hiemit 

einverstanden. 

Tirol 

Ref Neüwu<.th : Konservator Dannesuerger 
spricht sich gegen die Umwandlung der alten 
Kirche in Faedo in ein Wohn- und Schulge- 
bäude aus und beantragt lediglich die Vornahme 
notwendiger Erhaltungsarbeiten und die Reinigung 
des Hochaltares. Die Z. K. erklärt sich hiemit ein- 
verstanden. 

Ref Neüwirth: Konservator Deininger be- 
richtet, daß an der südlichen Turmmauer der 
Leonhardskirche bei Kundl Spuren eines 
Christophorusbildes erkennbar sind. An dieser 
Stelle soll eine neue Figur gemalt werden, wobei, 
soweit tunlich, die noch erkennbaren Umrisse der 
alten Figur berücksichtigt werden sollen. Die Z. K. 
erklärt sich hiemit einverstanden. 

Ref. Hoernes: Konservator Mazegger berich- 
tet, daß beim Baue der Vintschgaubahn zwischen 
Schlanders und Kortsch, einige hundert Meter 
von der Reichsstraße (Bergseite) entfernt, im 
März d. J. Brandgräber aufgedeckt wurden; sie 
waren teilweise mit Steinplatten zugedeckt und 
enthielten außer der Branderde und einzelnen 
Knochenteilen von Men.schen eine Menge Scherben 
von schwarzen Tongefäßen (aus freier Hand ge- 
arbeitet, dicke Wandungen mit parallel laufenden 
Leisten, an den Henkeln und Rändern mit schrägen 
Einschnitten verziert) und einzelne Bronzegegen- 
stände. Von diesen sind mehrere Schmucknadeln 
und ein Bronzering nennenswert; außerdem wurden 
mehrere kleine Bruchstücke von Bronzenadeln und 
Fibeln gefunden. Die Fundstätte hatte einen Um- 
fang von etwa 2-5 in- und lag 4 — 5 w tief unter 
einer Schicht von Muhrgerölle aus dem nahen 
Gadriabache. 



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Sitzung vom 19. Mai 1905 



186 



Sitzung vom 19. Mai 1905 (10. Sitzung der II. Sek- 
tion). 

Anwesende Mitglieder: DvoftAK, Castelliz, 
V.Förster (Vorsitzender), Hermann, Neumann, 
Neuwirth. — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Ref. Neuwiktu: Die Z. K. beschließt, die Ab- 
gabe alter Glasmalereien aus der Kirche in 
Bleistadt an das Museum in Eger anzubahnen. 

Ref. Neuwirth: Die Z. K. widerrät den beab- 
sichtigten Verkaufeines Kelches aus derDekanal- 
kirche in Kapsch. 

Ref. Neuwirth: Konservator Hofmann berichtet 
über die durchgeführte Restaurierung der Koni- 
mendatkirche in Worasitz. Das von der Z. K. 
genehmigte Restaurierungsprogramm wurde über- 
schritten, und nachstehende Arbeiten wurden ohne 
jedes Einvernehmen mit ihr ausgeführt: 

1. Obzwar ursprünglich nur Sicherung des 
rissigen Mauerwerkes in Aussicht genommen war, 
wurden die ganze Umfassungsmauer des Presby- 
teriums, die anstoßenden Schiffsteile und die Süd- 
westmauer, welche mit dem neuerrichteten Turme 
in Verbindung zu bringen war, vom Grunde auf 
neu ausgeführt; 

2. die Hauptmauern durch Aufführung eines 
I in hohen Mauerkranzes erhöht. 

3. der in der Südwestseite bestehende Glocken- 
turm neu errichtet; 

4. das Fenster über dem Portale gehoben und 
ein früher halbkreisförmig schließendes Fenster 
des Presbyteriums den übrigen Fen.stern ange- 
glichen; 

5. die Eisenteile wurden in Feuer gereinigt, 
abgeschliffen und bei den Portalen wieder ver- 
wendet; 

6. die Friedhofsmauerung und ihr Zugang 
erlitten wesentliche Veränderungen; 

7. die Deckengemälde wurden umfassend re- 
stauriert, und in größeren Teilen, die durch ein- 
dringendes Regenwasser beschädigt waren, über- 
malt, wobei die bis dahin vorhandene deutsche 
Inschrift verschwand ; 

8. die Wände wurden unten in rötlichen 
Tönen quadriert, der obere Teil in größeren Fel- 



dern grünlich abtoniert, die Fensteröffnungen mit 
Bordüren umfaßt, das Presbyterium blau mit 
goldenen Sternen bemalt; 

g. Hoch- und Seitenaltar, Kanzel und Orgel an- 
geblich mit Benützung älterer Teile stilgemäß 
renoviert. 

Da diese Arbeiten den überkommenen Bestand 
und den Alterswert der Kirche auf das empfind- 
lichste zu schädigen geeignet sind und zu ihrer 
Erhaltung nicht notwendig waren, beschließt die 
Z. K., die über das ursprüngliche Programm hin- 
ausgegangenen Herstellungen der Genehmigung 
des Ministeriums f. K. u. U. nicht zu empfehlen. 

Dalmatien 

Ref. DvofiÄK: In Übereinstimmung mit der 
von ihrem Generalkonservator II. Sektion bei den 
Sitzungen der Palastkommission von Spalato 
vertretenen Anschauung und auf Grund der vom 
Konservator Buliö vorgelegten Photographien be- 
schließt die Z. K. , sich auf das entschiedenste 
für die Erhaltung des alten Episkopiums in 
Spalato auszusprechen, da es sich hier um einen 
Bau von geschichtlichem und kunstgeschichtlichem 
Werte handelt, gegen dessen Bestand keine zwin- 
genden Gründe vorliegen, und der ein wesentliches 
Glied in dem ganzen Charakterbilde des jetzigen 
Palastviertels bildet, über dessen Wahrung die Z. K. 
zu wachen hat. 

Galizien 

Ref. Neumann: Die k. k. galizische Statt- 
halterei teilt mit, daß nach den gepflogenen 
Erhebungen kunsthistorische Objekte mit dem 
demolierten Trakte des Stauropigianischen In- 
stitutes in Lemberg nicht vernichtet, sondern 
beim Neubaue wieder verwendet worden seien. 
Eine Veräußerung der nunmehr im Museum unter- 
gebrachten Gobelins sei nicht geplant. 

Kärnten 

Ref. Neuwirth: Konservator Grubber berichtet, 
daß in diesem Frühjahre ein 8 in breites und 3 in 
hohes Stück der Umfassungsmauern des so- 
genannten Oberhofes der Schloßruine am Peters- 
berg in Friesach eingestürzt sei, und beantragt, 
zur Sicherung der sonst in gutem Zustande be- 
findlichen Mauer, die Einfügung zweier in den 



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Sitzung vom 19. Mai I905 



188 



Fels eingestufter Mauerpfeiler und zweier Rand- 
stützen. Die Z. K. erklärt sich hiemit einverstanden. 

Ref. Xel-tv-irth: Konservator Gkoesser berich- 
tet über die am Turme der Kirche in Maria 
Waitschach durchgeführte Restaurierung. Die 
Strebepfeiler wurden im obersten Teile meist ab- 
getragen, neu versetzt und verfugt, die fehlenden 
Abdachungen und Fialenkrönungen mit Beibe- 
haltung der alten Formen neu hergestellt; das 
Stiegenhäuschen wurde von der Tünche befreit 
die Turmgalerie neu versetzt, die fehlenden Teile 
der Eselsrücken und Fialen, sowie die zwei Wasser- 
speier, erneuert; der eigentliche Turmkern mit 
der mutmaßlich früher bestandenen Krönung, be- 
stehend aus acht Eselsrücken und dazwischen ge- 
stellten Fialen, wurde ausgebaut. 

Ref Neuwirth: Da der aus der i. Hälfte des 
XIX. Jh. stammende Hochaltar der Filialkirche 
St. Johann bei "Wolfsberg mit einem Tabernakel 
aus dem XVII. Jh. nach den gepflogenen Er- 
hebungen noch auf lange Zeit für kirchhche Zwecke 
verwendbar ist, spricht sich die Z. K. für seine 
weitere Belassung in der Kirche und gegen seinen 
Ersatz durch einen neuen Altar aus. 



Küstenland 

Ref Neumann: Xach I\[it- 
teilung des Korrespondenten 
Moser ist nächst der Über- 
setzung des Quieto durch die 
Istrianerbahn bei Levade, 
unterhalb Montona, in einer 
Tiefe von 4 111 beim Grund- 
ausheben für die Brücken- 
pfeiler ein venezianischer 
Grenzstein (Höhe i-bom) mit 
der Zahl XI gefunden worden 
(Fig. 54)- Sein Eigentümer, 
der Bauunternehmer Brlnetti, 
gedenkt ihn in seiner Villa 
in Görz aufzustellen. 

Ref Xeüman.v: Konser- 
vator Graf Attesis berichtet, 
daß die Fresken Giulio 
Quaglios mit Szenen aus 
dem Marienleben in der Fi- 
lialkirche zu Obersljan bei 




Fig. 54 Grenzstein, 
gefunden bei Levade 
in Istrien, Vjo n. Gr.; 
nach Zeichnung des 
Korrespondenten 
Prof. Moser 



Komen verblaßt seien und durch Feuchtigkeit ge- 
litten haben. Die Z. K. wird wegen der Restau- 
rierung Erhebungen pflegen. 

Mähren 

Der Gemeinderat der Stadt Brunn erklärt, 
von seinem Beschlüsse auf Demolierung der X o n n e n- 
hauskapelle nicht abgehen zu können, da die 
rechtskräftig bestimmte Baulinie, in welcher schon 
eine Anzahl von Häusern in der Fröhlichergasse 
stehe, nicht gut plötzlich geändert werden könne. 
Diese Baulinie am Dominikanerplatze wurde fest- 
gesetzt, damit der Monumentalbau des alten Land- 
hauses vollständig freigelegt werde; ein Wagen- 
verkehr an der Ecke Dominikanerplatz— Schlosser- 
gasse könne bei dem Bestände der Kapelle ohne 
Gefährdung der Passanten nicht aufrecht erhalten 
werden. Die Wandmalereien werden herabgenom- 
men und im städtischen Museum aufgestellt. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. ordnet die 
Flüssigmachung der für die Ausgrabungen 
in Welehrad bewilligten Staatssubvention von 
2000 A' an. 

Xieder-Österreich 
Zeitungsnachrichten zufolge wurde das Haupt- 
bild der gräflich ScHöNBORNschen Gemäldegalerie 
in Wien, Rembrandts berühmte Blendung des 
Simson, an das Staedelsche Institut in Frankfurt 
a. M. um 330.000 A' verkauft. Da diese Xachrichten 
nicht dementiert wurden, müssen sie leider für 
richtig gehalten werden. Frankfurter Zeitungs- 
stimmen brüsten sich geradezu mit dem Raffine- 
ment, mit welchem man verstanden habe, die sich 
schon seit längerer Zeit hinziehenden Kaufverhand- 
lungen geheim zu halten ; die Z. K. will daraus 
nicht folgern, daß der bisherige Besitzer in dem 
vollen Bewußtsein der einhelligen Mißbilligung ge- 
handelt habe, welche sein Vorgehen bei den 
kunstverständigen und kunstliebenden Kreisen des 
Inlandes finden wird. Die Erkenntnis der uner- 
meßlichen Bedeutung Rembrandts hat sich gerade 
im Laufe der letzten Jahre vertieft, und besonders 
die moderne Zeit, welche sich zu Rembrandts 
Darstellungsweise so mächtig hingezogen fühlt, 
hält es für eine Ehrenpflicht, den Besitz von Wer- 
ken dieses Meisters wie ein Heiligtum zu hüten. 
Es ist um so beschämender, daß eine solche 



iSg 



Sitzung vom 19. Mai 1905 



190 



empfindliclio Schädignang am inländischen Kunst- 
gut durch einen Angeliörigen jener Kreise er- 
folgte, in denen die Liebe zur Kunst und die 
Förderung derselben stets heimiscli waren und 
noch immer heimisch sind. Wenn der Verkauf 
des Gemäldes schon unabwendbar war, so hätte 
die Z. K. und mit ihr alle berufenen Faktoren wohl 
erwarten können, daß einem inländischen Institute 
das Vorkaufsrecht eingeräumt werde und damit 
das Kunstwerk dem Inlande erhalten bleibe. Ge- 
reicht es der Stadt Frankfurt nur zur Ehre, daß 
die Gemeindevertretung und die Bürgerschaft durch 
gemeinsame Opferwilligkeit den Ankauf des Bildes 
ermöglichte, so hat die Z. K. keinen Grund zu 
zweifeln, daß im Inlande und vor allem in der 
Reichshaupt- und Residenzstadt Wien weniger 
Begeisterung für eines der köstlichsten Werke 
Rembrandts vorhanden gewesen wäre. Die Z. K. 
beschließt, mit aller Beschleunigung zu erheben, 
ob der Verkauf bereits rechtsverbindlich abge- 
schlossen sei, und, wenn möglich, die erforderlichen 
Schritte einzuleiten, um das Gemälde für das In- 
land zu erhalten. 

Ref. Neuwirth: Auf eine Anfrage des Mini- 
steriums f. K. u. U. bezeichnet die Z. K. die barocke 
Steinskulptur einer weiblichen mythologischen 
Figur im Garten des für Zwecke der tech- 
nischen Hochschule angekauften Hauses Wien 
IV Karlsgasse 2 als künstlerisch wertvoll und 
dekorativ wirksam und empfiehlt ihre Wieder- 
aufstellung beim Erweiterungsbaue der Technik in 
einer Gebüschgruppe des neuen Hofes. 

Ref. Neuwirth: Konservator Jordan berichtet, 
daß die Wände der Wallfahrtskirche in Maria 
Dreieichen abgetönt, die Freskomalereien durch 
einfaches Putzen mit Brod gereinigt wurden 
und nach dieser einfachen und unschädlichen 
Prozedur in ihrer früheren Farbenpracht zum Vor- 
scheine kamen. 

Ref. Castelliz: Konservator Hammekl be- 
richtet, daß die Kirchenvorstehung in Frieders- 
bach in dankenswerter Weise von dem Ersatz 
der beiden barocken Seitenaltäre durch moderne 
in gotischem Stile absieht und die alten Altäre 
einer entsprechenden Restaurierung unterzieht. 
Weiters sind Verputz und Deckarbeiten am Äußern 
sowie die Ausmalung des Innern in Aussicht ge- 
nommen. Die Z. K. erhebt keine Einwendung. 



Ref. Castelliz beantragt, folgende Restau- 
rierungen an der Pfarrkirche in Groß-Hasel- 
bach zu genehmigen: Ausbesserung der Schäden 
am Baukörper, besonders an den Gewölberippen, 
Fenstern und den Stukkodekorationen der beiden 
Kapellen; entsprechende Gestaltung des am Be- 
ginne des XIX. Jh. errichteten, in Verfall befind- 
lichen Orgelchores; Instandsetzung des barocken 
Altares in der südlichen Kapelle; Ersatz des 
modernen, in g^otischem Stile hergestellten Hoch- 
altares und der Kanzel durch entsprechende Ob- 
jekte; passendere Aufstellung der weit in das 
Langhaus hineinragenden Orgel, diskrete Be- 
malung der Wände; Entfernung der modernen 
Glasmalereien. Die Z. K. erklärt sich hiemit ein- 
verstanden. 

Reff. Hermann, Neuwirth: Konservator Jordan 
berichtet, daß er sich für das Wiederverputzen der 
Außenseiten der Gertrudskapelle in Kloster- 
neuburg ausgesprochen habe, da das verschieden- 
artige Baumaterial keinen günstigen Eindruck 
machen würde und der Bruchstein nicht unmittel- 
bar den Witterungseinflüs.sen ausgesetzt bleiben 
dürfe; nur die Eckquadern wären ohne Verputz 
zu belassen. Im Innern kamen bei Wegnahme der 
den drei Bog^en des Orgelchores vorgelagerten 
Vermauerungen die Bogen mit ihren ursprüng- 
lichen Gesimsen und Kämpfern zum Vorschein; 
die gänzliche Abtragung dieser Vermauerungen 
ist in Aussicht genommen. Die Stiftskanzlei Kloster- 
neuburg teilt mit, daß bei der Restaurierung dieser 
Kapelle Reste figuraler und ornamentaler Wand- 
malereien zutage traten. Die Z. K. wird den Tat- 
bestand untersuchen. 

Ref. Neuwirth: Korrespondent Pichler be- 
richtet, daß die Seitenaltäre der Piaristenkirche 
in Krems in nicht einwandfreier Weise restauriert 
wurden, und beantragt die h. a. Verwendung für 
eine entsprechende Restaurierung des kunst- 
historisch wertvollen Hochaltares dieser Kirche. 
Der Antrag wird zum Beschlüsse erhoben. 

Ref. Neumann: Baumeister Brosig berichtet, 
daß ein Kreuz mit Christus und Maria von Mag- 
dala vom aufgelassenen Friedhofe in Ober- 
hollabrunn auf den neuen Friedhof übertragen 
wird, wobei es eine neue Basis in getreuer Nach- 
ahmung der alten erhalten soll. Die Z. K. erklärt 
sich hiemit einverstanden. 



igi 



Sitzung vom 19. Mai 1905 



192 



Ref. Xel-rirth: Mit der beantragten Verein- 
fachung des Projektes für den neuen Turmhelm 
an der Pfarrkirche in Raabs erklärt sich die 
Z. K. einverstanden. 

Ref. Nel-\virth: Über amtliche Anfrage gibt 
die Z. K. folgendes Gutachten über die durch- 
geführte Restaurierung- der Pfarrkirche zu Stein 
a. d. Donau ab: Sie bedauert auf das lebhafteste, 
daß bei dieser Restaurierung das von ihr seinerzeit 
aufgestellte Programm nicht eingehalten wurde, 
welches lediglich die bauliche Sicherung des 
Gotteshauses und die im Interesse eines würde- 
vollen Aussehens desselben erforderlichen Arbeiten 
umfaßte. Sie muß es insbesondere auf das ent- 
schiedenste rügen, daß extreme Gotisierungs- 
bestrebungen, die im Sinne der heutigen Denkmal- 
pflege verwerflich sind, den stimmungsvollen bau- 
lichen Bestand der Kirche empfindlich beeinträch- 
tigen und die Harmonie, in welcher die Kirche 
zu den altehrwürdigen Gebäuden der Umgebung 
stand, durch fast vollständige Vernichtung ihres 
Alterswertes zerstörte; ferner ist sehr zu be- 
klagen, daß in Konsequenz dieser Restaurie- 
rungsprinzipien monumentale und gut erhaltene 
Werke des Barockstiles, wie Altäre, Kanzel 
und dergleichen, teils gewaltsam vernichtet, 
teils entfernt wurden, um durch künstlerisch 
wertlose, nüchterne, moderne Holzschnitzereien 
in falschem gotischen Stile ersetzt zu werden. 
Um das Maß der Pietätlosig-keit voll zu machen, 
wurden Gemälde vom Kremser Schmidt aus der 
ersten Kirche des Heimatsortes des Meisters ent- 
fernt und veräußert und eine St. Georgsstatue 
verkauft. Die Z. K. wird mit allen ihr zu Gebote 
stehenden Mitteln der Absicht entgegentreten, die 
letzten in der Kirche befindlichen Barockdenkmäler, 
nämlich einen Marienaltar, Chor und Betgestühle 
zu entfernen. Sie g-laubt, daß sie in diesen Be- 
strebung-en nicht allein von den staatlichen und 
kirchlichen Behörden, sondern von der ganzen 
kunstempfindenden Öffentlichkeit unterstützt wer- 
den wird, da es sich im vorliegenden Falle um 
die vornehmste Kirche einer Stadt handelt, die 
sich ihr stimmungsvolles mittelalterliches Aussehen 
fast noch in aller Geschlossenheit erhalten hat 
und als Einfallspforte in die an Xatur- und Kunst- 
denkmalen so überreiche Wachau ganz besondere 
Beachtung verdient. 



Ober-Österreich 

Von vertrauenswürdiger Seite erhielt die Z. K. 
die Nachricht, daß in der letzten Zeit bei einem 
Antiquitätenhändler in Linz größere Mengen von 
ausgemusterten Meßgewändern zum Verkaufe 
ausgeboten wurden. Diese befremdende Tatsache 
wurde mit einem angeblichen Verbote des Ordi- 
nariates Meßgewänder mit bestimmten Dekoratio- 
nen zu tragen in Verbindung gebracht. Die sofort 
eingeleiteten Erhebungen ergaben die vollständig-e 
Unrichtig-keit dieser Gerüchte. Es konnte nicht 
allein ein derartiger Erlaß des Linzer Ordinariates 
nicht konstatiert werden, sondern es waren auch 
die bei dem oberwähnten Antiquar vorgefundenen 
Meßgewänder, deren Provenienz aus der Linzer 
Diözese keineswegs erwiesen ist, ihrer überwiegen- 
den Mehrzahl nach Objekte ganz untergeordneter 
Bedeutung. Die Z. K. ist von dieser Aufklärung- 
des Tatbestandes sehr befriediget und konstatiert mit 
Vergnügen, daß gerade aus der Linzer Diözese 
Klagen über Verschleuderung-en von kunsthistorisch 
wertvollen kirchlichen Objekten dank den vom 
Herrn Bischöfe erlassenen strengfen Weisungen 
bisher nicht vorgekommen sind. 

Ref. Hermann: Da sich der Kirchturm in 
Haslach in gutem Bauzustande befindet, und als 
ehemaliger VerteidigTingsturm ein stimmungsvolles 
Denkmal von erheblichem Alters- und kunstge- 
schichtlichem Werte bildet, welches in schönster 
Harmonie zu einem zweiten Torturme an der Stadt- 
mauer steht, spricht sich die Z. K. gegen die projek- 
tierte, den ursprünglichen Charakter des Baues 
schädigende Umgestaltung dieses Turmes aus. 

Ref. Neuwikth: Die Z. K. beschließt, eine Er- 
hebung der Schäden am Klostergebäude in 
Schlierbach, namentlich der an den Stukkaturen 
notwendigen Erhaltungsarbeiten einzuleiten. 

Konservator Benak berichtet, daß der Gemeinde- 
ausschuß der Stadt Wels ein Komitee gewählt 
habe, welches die Kosten für die Restaurierung 
des Ledererturmes und die Möglichkeit der 
Eröffnung einer Straße vom oberen Stadtplatze 
zur Ringstraße unter Belassung des Turmes er- 
heben soll. Die Z. K. nimmt von diesem Beschlüsse, 
welcher die Erhaltung eines g-eschichtlich und 
kunstgeschichtlich wertvollen Wehrbaues anstrebt, 
mit lebhafter Befriedigung Kenntnis. 



193 



Neuaufgedeckte Fresken in der Johanneskapelle am Kreuzgang des Brixner Domes 



194 



Salzburg 

Ref. Neumann: Hofrat Dr. Nusko legt einen 
Separatabdruck seiner Studie „Salzburg-sFürsten- 
wappen" vor. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
die notwendige Neueindeckung der schadhaften 
Dachungen am Dome zu Salzburg nach dem 
vorgelegten Projekte mit dem veranschlagten 
Aufwände von 16.700 A' und gestattet die Über- 
nahme dieses Aufwandes auf den Staatsschatz. 

Steiermark 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. genehmigt die 
Durchführung der Restaurierung der Wand- 
malereien in der Kirche zu Niederwölz nach 
dem vom Generalkonservator Riegl ausgearbeite- 
ten Programme unter Aufsicht der Konservatoren 
Graus und Lacher und bewilligt hiefür eine Sub- 
vention von 700 A'. 

Tirol 

Ref. Neuwirth: Es steht in Absicht, den 
Brückenchor in der Hofkirche zu Innsbruck 
freizulegen und die von demselben zu entfernende 
Orgel auf den rückwärtigen Chor zu versetzen; 
infolgedessen müßte auch der störende, aus dem 
Ende des XVIII. Jh. stammende Bogeneinbau auf 
der Emporkirche über dem Haupteingange, um 
für die Aufstellung der Orgel Raum zu schaffen, 
entfernt und die in diesem Einbaue befindlichen 
Betstühle des k. u. k. adehgen Damenstiftes in einen 
andern Teil der Kirche verlegt werden. Die Z. K. 
erklärt sich hiemit im Prinzipe einverstanden. 

Ref Neumann: Die Z. K. beschließt, sich für 
die Abgabe eines Altarflügels aus der Kapelle 
des Weilers Gschwent (Gemeinde Panzendorf) 
an das Museum Ferdinandeum in Innsbruck aus- 
zusprechen. 

Ref. Hermann: Mit den vom Konservator 
Deininger beantragten Reinigungs- und Erhaltungs- 
arbeiten an den Fresken in der Maria Rast- 
Kapelle auf dem Heinzenberge bei Zell am 
Ziller erklärt sich die Z. K. einverstanden. Sie 
befürwortet zu ihrer Durchführung eine Staatssub- 
vention. 

Ref Neuwirth: Konservator Innerhofer be- 
richtet, daß die Meraner Stadtvertretung die 
Demolierung des Bozener Torturmes wegen 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommlssion 1905 



der Erweiterung der Passage in der Poststraße be- 
schlossen habe. Da es sich um einen der köst- 
lichsten Reste von Alt- Meran handelt, beschließt 
die Z. K. gegen diese Demolierung auf das ent- 
schiedenste Stellung ZU nehmen. 

Ref Neuaiann: Korrespondent Sandona be- 
mängelt die am Palazzo des Grafen Arco (jetzt 
Sparkassagebäude) in Rovereto in Aussicht 
genommenen Restaurierungen. Die Z. K. beschließt, 
weitere Erhebungen zu pflegen. 



Neuaufgedeckte Fresken in der 

Johanneskapelle am Kreuzgang des 

Brixner Domes 

Eine nicht minder wichtige Stätte alter Wand- 
malerei als der Kreuzgang des Brixner Domes ist 
die an der Südwestecke des ersteren befindliche 
Tauf kirche des hl. Johannes, auch Blasiuskirchlein 
genannt. Ja, während der Kreuzgang uns gegen- 
wärtig nicht viel mehr als ein Jahrhundert der 
Geschichte alttirolischer Wandmalerei vor Augen 
führt (obwohl ältere Schichten darunter verborgen 
sind), so sind uns im Johanneskirchlein die Über- 
reste der Kunsttätigkeit von annähernd dreihundert 
Jahren erhalten, die freilich durch unverständige 
Restaurierungen und Ergänzungen zum Teil noch 
mehr von ihrem ursprünglichen Charakter einge- 
büßt haben, als die Gemälde im Kreuzgang. 

Als im Herbst igoi eine von der Z. K. be- 
auftragte Kommission (zu welcher außer den Herren 
Prof Neuwirth, Prof. Riegl, Kunstmaler Böhm und 
Domkustos J. Walchegger auch der Berichterstatter 
gehörte) die Restaurierung der romanischen Fres- 
ken im westlichen Teil des genannten Kirch- 
leins mit nichts weniger als Befriedigung begut- 
achtend in Augenschein nahm, regte sie zugleich 
die Untersuchung, beziehungsweise Beseitigung 
der Tünche an der linken Seitenwand des Schiffes 
dieses Kirchleins an, wo sich Spuren von Wand- 
malereien gezeigt hatten. 

Inzwischen ist die Bloßdeckung sowohl der 
linken Wand bis zu einer gewissen Höhe, ebenso- 
wie der Wand über dem linksseitigen Altar an 
der Scheidewand gegen den Chor hin und an der 
gegenüberliegenden Emporenwand, endlich auch 

•4 



195 



Neuaufgedeckte Fresken in der Johanneskapelle am Kreuzgang des Brixner Domes 



196 



Über dem rechtsseitigen Seitenaltar erfolgt und 
hat sehr wertvolle und zum Teil gut erhaltene 
Überreste von Wandmalereien zutage gefördert. 
An der Emporenwand ist blolB ein Freskogemälde 
(Fig. 55) aufgedeckt worden, welches mit den Wand- 
gemälden an der nördlichen Seite des Schiffes 




Fig. 55 Ein thronender hl. Bischof. Wandgemälde in der 
Johanneskapelle am Kreuzgang des Brixner Domes 

(Fig. 56) in Zusammenhang steht und gleichzeitig 
entstanden ist, wogegen die Malereien über den 
beiden Seitenaltären (Fig. 58. 59) etwas später 
und von anderer Hand ausgeführt wurden. 

Das Gemälde an der Emporenwand (Fig.55) zeigt 
nur noch einen schwachen Schimmer des nach rechts 
gewandten Gesichtes eines thronenden hl. Bischofs 
(mit eingegrabenen Strahlen im Nimbus). Von seinem 
Gewand sind noch deutlichere Reste erhalten. 



Diesem Gemälde zunächst, an der nördlichen 
Wand des Schiffes, befindet sich ein schmaler be- 
malter Streifen (Fig. 56, links), der aber in sich ab- 
geschlossen ist. Wir .sehen hier oben einen Engel 
in weil3em Gewand, mit rot und grün gefärbten 
Flügeln, blondem welligem Haar, hoher runder Stirn, 
feinem Fleischton, anmutigem Mund, und 
lebhaften Augen, ein Spruchband haltend 
mit der Inschrift in gothi.schen Lettern: 
Erasiite descende in Ina in civitatem. Der 
Engel hebt sich von dunklem blau auf 
rot aufgetragenem Grund (nach veronesi- 
scher Art) ab, unter ihm sind Bäume sicht- 
bar und weiter unten auf braunem Erdreich 
zum Teil sehr gut gezeichnete Tiere, Hasen, 
ein Marder, ein Fuchs, ein Eber, ein Löwe 
(dessen Antlitz in Vorderansicht weniger 
gut gelungen ist), eine Gemse, ein Reh (?), 
sowie ein Pferd oder Einhorn. — Diese 
Darstellung bezieht sich auf die Episode in 
der Erasmuslegende, wonach der Heilige, 
der Bischof von Antiochien war, beim 
Ausbruch der diokletianischen Verfolgung 
sich auf den Libanon flüchtete und dort 
vier Jahre als Einsiedler verbrachte und 
mit den Tieren des Waldes ohne Scheu 
verkehrte. Ein Engel besuchte ihn in 
seiner Einsiedelei und forderte ihn auf, 
nach Antiochien zu ziehen.^) 

Das zweite Bild an der nördlichen 
Schiflfswand (das dritte im Zyklus) zeigt 
die große Gestalt eines thronenden Bischofs 
mit edelsteingeschmückter Mitra und gra- 
viertem Nimbus, in rotem Mantel, welcher 
seine beiden Hände zwei kleineren Figuren 
vor ihm auf die Häupter legt. Die Figur 
links ist kniend und die Hände faltend 
dargestellt und trägt eine gelbe Tunika 
und grüne Beinlinge ; über ihr, links 
neben dem hl. Bischof, i.st noch eine stehende 
Figur eines bartlosen Mannes mit lichtblonden 
Locken und grünem Gewand sichtbar, welcher 
dem Knienden eine Hand auf die Schulter legt. 



') ^'gl-/ Acta Sanctoruni \'en. 1741 Juni T. I p. 213 
(Acta suspecta:) Rlultas enim virtutes per eum Dominus 
faciebat, ita ut angeli cum eo loquerentur. Diversae etiam 
ferae veniebant in cellulam eins ....... et facta est ad 

eum vox de caelo: „Erasme descende ad tuam civitatem." 



197 



Neuaufgedeckte Fresken in der Johanneskapelle am Kreuzgang des Brixiier Domes 



iq8 



Über seinem Haupt schwebt eine Schriftrolle mit 
der Inschrift: Erasiniis, die sich aber jedenfalls 
auf den grof3en sitzenden Bischof bezieht. Die 
zweite kleine Figur eines Hilfesuchenden vor 
diesem ist schreitend, in violetter Tunika und an- 
scheinend nackten Beinen dargestellt. Beide Ge- 
stalten zeigen etwas stumpfsinnige, unglückliche 
Gesichtszüge und stellen wohl die Besessenen dar. 



Eine dicke kleine Figur, im Profil der zweiten 
zugewendet und sie an der Schulter fassend, zeigt 
ruhigere Züge und dürfte ein Verwandter sein, 
der den einen Kranken dem Heiligen zur Heilung 
vorführt. Rechts neben dem Heiligen sitzt eine 
männliche Gestalt von gleicher Größe mit turban- 
artiger Kopfbedeckung, braunem Haar und Voll- 
bart, mit strengem finsterem Blick und mäßig 



f- 








l'"ig. 56 Darstellungen aus dem Leben des hl. Erasmus. Wandgemälde in der Johanneskapelle am Kreuzgang 

. des Brixner Domes 



welche der Bischof heilt, nachdem er auf des Engels 
Geheiß aus seiner Einsiedelei nach Antiochien ge- 
zogen war.^) 

^) Vgl. Acta Sanctorum ebd. „Cumque descendisset, 
multi qui vexabantur a spiritibus immundis occurrebant 
ei. Tunc B. Erasmus imponebat eis manus in nomine 
Domini et statim salvi fiebant." Die Legenden des hl. 
Erasmus und Blasius haben manches Verwandte mit- 
einander. Sowohl Erasmus als Blasius waren Einsiedler 
und Freunde der wilden Tiere. Beide heilten auch 
Kranke, Blasius allerdings Halsleidende, Erasmus Unter- 



gebogener Nase. Sie sitzt auf einer gemusterten 
ockerfarbenen Holzbank, trägt gleichfalls ein rotes 
Gewand und hält ein Spruchband mit unleserlicher 
Schrift. Diese Gestalt stellt jedenfalls den Statt- 
halter. oder Präfekten dar,') von welchem Erasmus 



leibskranke und Besessene. Hier ist jedoch — trotz des 
volkstümlichen Namens der Kapelle — wie die Schrittrolle 
zeigt, der h. Erasmus dargestellt. 

') In den Acta Sanctorum wird immer der , Imperator" 
selbst angeführt. 

14* 



199 



Nenanfgedeckte Fresken in der Jobanneskapelle am Kreuigang des Briiner Domes 



300 



zur Anerkennung der heidnischen Götter angehalten 
und zur Rechenschaft wegen seines Abfalles ge- 
zogen wurde. 

Das nächste Bild zeigt uns die Geißelung eines 
nackten Heiligen, und zwar wieder des Erasmus. 
Das bartlose Gesicht zeigt eine scharfgebogene 
Nase. Die Umrisse des Gesichtes und Körpers 
sind in festen Linien braun vorgezeichnet, der 
Körper zeigt guten Fleischton und trotz seiner 
steifen Haltung eine ziemlich gute Formenkenntnis 
und seitliche Verkürzung. Der Heilige ist nach 
rechts gewendet, mit zusammengebundenen Händen 
und schreitenden, auffallend langen Füßen. Drei 
bedeutend kleinere Henkersknechte sind mit der 
Folterung des Heiligen beschäftigt. Der eine in 
krokusfarbenem Kittel und grün- und weißgestreiften 
Beinlingen ist nach giottesk-veronesischer Art von 
hinten dargestellt und holt mit einem Stock zum 
Hiebe aus; sein Gesicht ist über der linken Schulter 
bis unter die gebogene Nase sichtbar. Sein Haar 
ist ockerfarben. 

Links ist ein zweiter Henker in Vorderansicht, 
mit vorgeneigtem Gesicht in Dreiviertelprofil, 
sichtbar. Er erscheint in grün und gelbem Kittel 
und weiß-roten Beinlingen, den einen Fuß zurück- 
setzend. Die Erde ist rotbraun, die Luft dunkel 
(blau auf rot). Auch diese Szene ist der Legende 
des hL Erasmus entnommen, wonach ihn der 
Kaiser durchpeitschen ließ, der Heilige aber un- 
verletzt blieb.*) 

Auf dem nächsten Bilde sind mehrere Epi- 
soden aus dem Leben des hl. Erasmus, in engem 
Räume zusammengestellt: die dadurch demKünstler 
auferlegte andeutende Knappheit in der Darstel- 
lung der verschiedenen Vorgänge konnte er nicht 
ohne einige Unbehilflichkeit und Cberladimg in 
der Komposition durchfuhren. 

Als Hauptfigur erscheint wieder der mit Nimbus 
und Mitra versehene Heilige in derselben Gestalt 
wie auf dem vorigen Bilde, bartlos, mit scharf- 
geschnittenem Gesicht, gebogener Nase, hohler 
Wange und sehnigem Halse, mit hageren, nackten 
Körperformen. Er steht in einem eisernen Kessel, 
um welchen rote Flammen züngeln. Ein Henker, 
hinter dem noch andere Köpfe sichtbar sind, über- 
gießt den Heiligen aus einem Löffel mit derselben 
unangenehmen Flüssigkeit, welche im Kessel bro- 
') Acta suspecta : ,fustibus mactari". 



delt. Diese Marter erlitt Erasmus nach der Legende 
unter Kaiser Maximian; doch ging er unverletzt aus 
derselben hervor.') Links oben schwebt ein Engel 
herab, der ihm mit beiden Händen eine Krone 
aufsetzt Der Heilige erhebt die eine Hand zum 
Segen, mit der anderen hält er eine Schriftrolle, 
welche verschiedene Aussprüche des Heiligen ent- 
hält Vor ihm wird auf einer Bahre im Toten- 
hemd ein Knabe von einem Manne getragen, 
während der andere Träger aus Raummangel fehlt. 
Der Vater dieses Knaben, nach der Legende 
.nobilis et primarius civitatis (Sidugridi; nomine 
Aiiastasins cujus filius mortuus fuerat et corpus 
ejus ad sepulcrum deducebatur", ist über dem 
Knaben in halber Figur sichtbar, bartlos, in rotem 
Gewand, mit grüner Mütze und weist mit dem 
Finger auf letzteren. Am oberen Rahmen ist in 
halbverwischten gotischen Lettern der Name des 
Vaters Auastasius angebracht. In der Linken 
hält er ein Spruchband, das sich über seinem 
Haupte ausbreitet und die genau der Legende 
entnommene Anrede desselben an den Heiligen 
enthält, in welcher er ihm verspricht, sich mit 
Haus und Volk zum Christentum zu bekehren, 
wenn er seinen Sohn vom Tode erweckt. 

Der Spruch lautet: „Et tu potes filium meum 
resuscitare?" -) 

Die Antwort hierauf befindet sich auf der 
oberen Hälfte des Spruchbandes des Heiligen: 
,.Non ego, sed Dominus meus Jesus Christus cui 
ego servio." 

Nach der Legende heißt es weiter: .Anastasius 
dicit: ,Si filium meum mihi sanum reddideris, credo 
ego et domus mea et populus universus'.'^ Diese 
Antwort findet sich in der Tat wörtlich in der 
unteren Zeile des Spruchbandes des Anastasius, 
nur daß dort statt .sanum" salvnm steht. Hierauf 
er%vachte nun der Sohn und rief mit lauter Stimme: 
,.Vere magnus est Deus Christianorum, Pater usque 
nunc erravimus" etc. Der erste Teil dieser Worte 
der Legende ist auf einem Spruchband links von 
Erasmus zu lesen, wo es aber vollständig heißt: 



1) Vgl. Acta Sanctorum ebd. 211. Im Mam-ro'.ogium 
des Addo heißt es danach: .... iterumque in olla, quae 
plumbo, pice, cera, resina et oleo fervefacta erat, mis- 
sus, \-irtute Domini omnia superans illaesus, exinde pro- 
greditur." 

^j Vgl. Acta Sanctorum ebd. I p. 214. 



20I 



Neuaufgedeckte Fresken in der Johanneskapelle am Kreuzgang des Brixner Domes 



202 



„Vere magnus est Deus Christianorum, qui sanctam 
virtutem operatur." 

Da diesen Ausruf aber nach den Heilig'en-Akten 
das Volk tat, als Erasmus, ohne verletzt zu werden, 
gegeißelt wurde, so scheint sich dieser Spruch auf 
dem Bilde zugleich auf die links davon befind- 
liche Darstellung der Gei(3elung zu beziehen. 

Der andere Teil der Worte, welche nach der 
Legende der Knabe ausrief, als er vom Tode er- 
wachte, ist auf unserem Bilde auf einem Spruch- 
band zu lesen, welches über dem Leib des Knaben 
flattert. 

Auf dem unteren Teile des Spruchbandes des 
hl. Erasmus sind noch die Worte zu lesen: „Gratias 
ago tibi Domine Jesu Christe qui es via in te 
credendum" (sie statt: credentium). Dieses Dank- 
gebet des Erasmus ist hier auf seine Marter im 
siedenden Kessel bezogen, während er nach den 
Akten diese Worte bei einer anderen Marter ge- 
brauchte.*) 

Noch eine andere Marter des Heiligen ist auf 
unserem Bilde angedeutet, indem wir zu beiden 
Seiten seines Kopfes zwei kleine Heflkerfiguren 
sehen, welche ein rotglühendes Panzerhemd über 
ihm emporheben. In den Acta Sanctorum heißt 
es diesbezüglich: „Tunc Imperator . . . jussit mi- 
nistris tunicam aeream adversus staturam ejus 
adferri et igneam fortiter eum vestiri." 

Als der Heilige das glühende Erzhemd anzog, 
wurde es sofort kalt. 

Endlich sehen wir hinter Erasmus noch einen 
Chor von Frauen, und hinter den Henkern Männer, 
welche das gläubige oder sich bekehrende Volk 
vertreten. 

Es ist begreiflich, daß so viel Geschehnisse 
in so engem Räume eine freie Ausgestaltung un- 
möglich machten. Wir werden in dieser Dar- 
stellungsart einigermaßen an den symbolisch an- 
deutenden, belehrenden Stil altchristlicher Kunst 
erinnert und finden darin einen Gegensatz zu der 
sich freier bewegenden italienischen Freskomalerei 
des XIV. Jahrhunderts, obwohl deren Einfluß auf 
diese Gemälde sich in manchen Einzelnheiten nicht 
verkennen läßt. Interessant ist es zugleich, wahr- 
zunehmen, wie getreu sich der Künstler, offenbar 

') Imperator . . . jussit ministris plumbo tundi ejus 
latera . . . Qui dum caederetur respexit in caelum et dixit: 
„Gratias ago etc." 



nach der Anordnung eines gelehrten Brixner 
Geistlichen, an die Erzählungen der alten Heiligen- 
akte hielt, deren dramatische Dialoge er auf Spruch- 
bändern genau kopierte. 

Auf dem folgenden Bilde sehen wir das Mar- 
tyrium des Heiligen, welches ihm erst später an- 
gedichtet wurde und in den alten Heiligenakten 
nicht erwähnt wird, nämlich die Herauszerrung 
seiner Gedärme.'*) 

Leider ist diese Darstellung sehr beschädigt, 
vor allem fehlt der Oberkörper und der Kopf des 
Heiligen, sowie auch einige Henkergestalten be- 
schädigt oder verschwunden sind. 

Der Heilige sitzt auf einer Holztribüne, sein 
Gewand liegt über seinen Schenkeln. Unten zu 
beiden Seiten sind zwei, wieder bedeutend kleinere 
Henker in Tuniken, mit brutalen Gesichtsbildun- 
gen, bemüht, ihm die Gedärme herau-szuziehen, 
von denen der eine einen Pack in der linken 
Hand hält. Was der obere, auf einem Holzgerüst 
stehende und sich bückende Henker tut, ist nicht 
mehr ersichtlicli. Eine Haspel, wie sie auf Dar- 
stellungen dieser Art später gewöhnlich vorkommt, 
ist auf diesem Gemälde nicht wahrzunehmen. 
Eben so wenig ist auf dem Spruchband über 
der Szene noch leserliche Schrift erhalten. 

Diese Fresken sind unten von einem breiten 
Ornamentband eingefaßt, welches, von grauen 
Leisten eingerahmt, italienisch-gothische Akanthus- 
ranken in Grau auf rotbraunem Grunde, sowie im 
Wechsel damit in gewissen Abständen graue, 
trapezförmige, innen mit Maßwerk verzierte Felder 
zeigt, die rotbraune Vierpässe umschließen. 

Es ist genau dasselbe Ornament, welches das 
Freskobild Christi auf dem Ölberg an der Außen- 
seite der Apsis der Frauenkirche, im 8. Arkaden- 
system des Kreuzganges von Brixen, sowie die 
Fresken des lo. und ii. Systems ebendort, mit 
Darstellungen von Werken der Barmherzigkeit, 
umzieht. 

In der Tat stimmen auch diese Fresken so- 
wohl untereinander als auch mit den obengeschil- 
derten in der Johanneskapelle im Stil überein, nur 
daß sich dieser am letzteren Ort, noch unberührt 
von den Händen der Restaurierer, erhalten hat. 



') Ejus intestina extrahuntur. Vgl. Acta Sanctorum 
ebd. p. 217. 



203 



Neuaufgedeckte Fresken in der Johanneskapelle am Kreuzgang des Brixner Domes 



204 



Es seien hier nur einige, besonders charakte- 
ristische Stilübereinstimmungen zwischen den Fres- 
ken der 10. (Fig. 57) und 11. Travee und den hier 
geschilderten der Johanneskapelle hervorgehoben, 
die, abgesehen von allgemeinen, durch die an- 
nähernd gleiche Entstehungszeit bedingten Ähn- 
lichkeiten, eine ganz besondere, unmöglich zu- 
fällige Stilverwandtschaft zwischen diesen Fresken 
offenbaren. 

So stimmt vor allem der hagere, ernste, breit- 
stirnige Kopf des Heiligen mit dem eingefallenen 
Wangenprofil, sowie dem sehnigen Hals in den 




Fig. 5/ Werke der Frömmigkeit und L^.jii^itigkeit. Wandgemälde in 
der zehnten Travee am Kreuzgange des Brixner Domes 



Darstellungen seines Martyriums in der Johannes- 
kapelle ganz überein mit den Männern, welche 
die wahre Frömmigkeit und Bußfertigkeit in der 
dritten und vierten Gewölbekappe der 10. Travee 
im Brixner Kreuzgang veranschaulichen.*) — 
Auch die langen, stark bewegten Füße der be- 
schriebenen Fresken begegnen uns, soweit die 
Restaurierung noch ein Urteil gestattet, an den 
Figuren der 10. und 11. Travee wieder. Ebenso 
stimmen die Engelköpfe auf beiden Freskozyklen 
durchaus überein, sowie auch die Gesichter und 
Gestalten der Kranken auf dem dritten Fresko- 
gemälde in der Johanneskapelle mit den Almosen 

'j V'ergl. die Lichtdrucktafel Fig. I in meiner Schrift: 
„Wandgemälde und Maler des Brixner Kreuzganges" 
Innsbruck 1887 sowie oben Fig. 57. 



erhaltenden Kranken und Krüppeln der 1 1 . Travee 
im Brixner Kreuzgang. — Da nun die Darstellungen 
des 10., II. und 12. Gewölbesystems im Brixner 
Kreuzgang, welche sich um das südliche Portal 
des Domes gruppieren, nicht nur dem Stile nach 
zu den ältesten Gemälden des Kreuzganges (ab- 
gesehen von einigen Bruchstücken älterer Fresken) 
gehören, sondern auch „einen einheitlichen Ge- 
dankengang" enthalten, so dürfte Walcheggers 
Annahme, daß die Gemälde dieser drei Sj-steme 
(obwohl diejenigen des 12. von anderer Hand sein 
dürften) so ziemlich gleichzeitig entstanden seien, 
ebenso richtig sein wie seine Ver- 
mutung, daß die Gemälde der 12. 
Travee, welche mehrere Heilige 
des Bistums Chur darstellen, die 
sonst in Tirol fremd sind, unter 
dem Bischof Friedrich von Erdin- 
gen ausgeführt wurden, „der vom 
Churer Bistum auf den Bischofs- 
stuhl von Brixen gelangte'', den 
er von 1374 bis 1396 innehatte. 
Und zwar veranlaßten noch an- 
dere historische Umstände den 
genannten Autor, die Ausführung 
dieser Fresken mit Wahrschein- 
lichkeit erst in das zuletzt ge- 
nannte Jahr zu verlegen. 

Es wären demnach sowohl die 
Fresken des 12. wie die des 10. 
und 11. Gewölbesystems im Brix- 
ner Kreuzgang gegen Ende des 
XIV. Jh. entstanden, was auch der von mir ange- 
nommenen Datierung auf S. 8 der zitierten Schrift 
über den Brixner Kreuzgang entspricht. 

Demzufolge würden auch die Gemälde aus 
der Legende des hl. Erasmus in der Johannes- 
kapelle dem Ende des XIV. Jh. zuzuweisen sein. 
Was dagegen die Fresken an der Altarwand 
links vom Triumphbogen in der Johanneskapelle 
(Fig. 58) betrifft, so sind sie nicht nur von anderer 
Hand als die vorgenannten ausgeführt, sondern 
dürften auch etwas jünger sein. 

Nicht nur zeigt der Rahmen dieser Fresken 
ein anderes Muster als die an der Xordwand, 
sondern derselbe setzt auch etwas höher an. 
Die leider ziemlich stark beschädigten Gemälde 
stellen zwei Heiligenfignren in ganzer, lebens- 



205 



Neuaufgedeckte Fresken in der Johanneskapelle am Kreuzgang des Brixner Domes 



206 



großer Gestalt dar, welche durch noch erhaltene 
Unterschriften als S. Jodocus und S. Blasius be- 
zeichnet werden. 

Der hl. Jodocus auf der linken Seite zeigt 
einen fein und gut geformten Kopf von vornehmem 
Ausdruck. Der Fleischton ist lichtbräunlich mit 
braunen Schatten, die Nase ist stark gebogen, 
doch fein gegliedert, die Augen blicken nach- 
denklich abwärts, besonders 
edel ist der Mund geformt. 
Der Heilige trägt ein violettes 

faltenreiches Pilgergewand 
und hält einen Pilgerstab. 
Links neben ihm kniet in 
kleinerem Maßstab ein bitt- 
flehender Kanonikus. 

Beim hl. Blasius ist der 
Kopf zerstört ; über einer 
grünen Kasula mit rotem 
Damastmuster trägt er ein 
purpurnes, in schönen Falten 
fallendes Pluviale, unten sieht 
man die weiße Alba. Er 
hält einen Bischofstab. Beide 
Figuren sind durch eine graue 
Säule mit roter Basis und 
Kapital getrennt. 

Der Rahmen unter diesen 
beiden Figuren entspricht mit 
den fensterartigen gothischen 

jMaß werkmustern zwischen 
kreuzförmigen und scheiben- 
förmigen Füllungen der Um- 
rahmung der Gemälde an der 
Wand der 4. Travee im Brix- 
ner Kreuzgang, wo auch ähn- 
liche Säulen von gleicher 
Farbe einzelne Heiligenge- 
stalten trennen. Solche Übereinstimmung finden 
wir auch zwischen einzelnen Typen beider Ge- 
mäldereihen. 

So erinnert der Kopf des hl. Jodocus an den 
des zweiten Königs auf dem oberen Wandbild 
der hl. drei Könige im Brixner Kreuzga'ng, während 
der hl. Blasius in der Johanneskapelle dieselbe 
Stellung zeigt, wie der hl. Bischof rechts neben 
der hl. Barbara auf dem unteren Gemälde der 
4. Travee im Brixner Kreuzgang. 



Da die Anbetung der Könige daselbst nun 
die Jahreszahl 1417 aufwei.st, so dürften auch die 
beiden Heiligen in der Johanneskapelle ungefähr 
aus dieser Zeit stammen. 

Aus derselben Zeit und von derselben Hand 
wie die beiden Heiligen scheinen auch, soweit ihr 
schlechterhaltener Zustand noch ein Urteil zuläßt, 
die Überreste von Wandgemälden über dem rechts 




Fig. 58 S. Jodocus und S. Blasius. Wandgemälde in der Johanneskapelle 
am Kreuzgang des Brixner Domes. 

vom Chor befindlichen Altar zu sein, deren untere 
Hälfte ganz zerstört oder noch unter der Tünche 
ist. Die noch jetzt sichtbare Bildfläche mißt rSo in 
in der Breite und o-8o ;;; in der Höhe (Fig. 59). 
Links zunächst dem Chor läßt sich noch die 
Darstellung der Heim.suchung erkennen. Maria mit 
gut modelliertem, lieblichen Gesicht, mit vollen 
Wangen und gebogenem Naschen, in blauem Mantel 
und gelblichem Schleier, neigt sich gegen Elisabeth 
vor, die Rechte vor ihren Leib legend und auf das 



207 



Xeuaufgedeckte Fresken in der Johanneskapelle am Kreuzgang des Brijmer Domeä 



208 




Fig. 59 Die Heimsuchung und zwei Heilige. Wandgemälde in der Johanneskapelle am Kreuzgang des Brixncr Domes 



vor ihr in einer Glorie schwebende Kind zeig"end. 
Ihr gegenüber steht Elisabeth, vor welcher gleich- 
falls ihr erwartetes Kind schwebt, in rotem Gewand 
mit weißem Kopftuch. Ihr Kopf ist zerstört Hinter 
Marias Kopf schwebt ein verehrender Engel in 
langem Gewand, der sehr fein in der Bewegung 
ist. Xeben den Figuren flattern zwei Spruchbänder 
mit unleserlicher Schrift. — Rechts von dieser 
Gruppe befinden sich die Überreste von zwei männ- 
lichen Heiligen, wahrscheinlich den beiden Johannes. 
Der eine, mit länglichem, bärtigem, ernstblickendem 
Gesicht, von dem nur noch die mit dem Pinsel 
vorgezeichneten Umrisse erhalten sind, trägt einen 
roten Mantel und hält ein Buch vor sich, der andere, 



mit lockigem, lichtblondem Haar und jugendlichem 
Antlitz hält einen Kelch vor sich hin. Trotz der 
schlechten Erhaltung dieser Gemälde (die vielleicht 
zum Teil in Tempera ausgeführt waren) lassen 
sie doch im Vergleich zu den Erasmusfresken die- 
selbe vorgeschrittenere Charakteristik und Mo- 
dellierung der Köpfe, dieselbe größere Freiheit 
und Natürlichkeit der Bewegungen und auch die- 
selbe tiefe Färbung, wie die beiden Heiligen- 
gestalten links vom Altar, wahrnehmen, so daß 
der Schluß berechtigt sein dürfte, beide Gemälde- 
gTuppen einem Meister und einer Zeit, dem ersten 
Viertel des XV. Jh., zuzuschreiben. 

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von Ed. Konnerth. 24 Blätter Folio in Lithographie. 

Preis in Mappe K 7'20 oder M. 6' — . 



Kunstschätze aus Tirol. 

Heliogravüren nach photographischen Aufnahmen von Otto 

Schmidt in Wien, mit erläuterndem Texte von Prof. J. W. 

Deininger. 

I. Abteiig. Malerische Innenräume. 

II. » Architektur und Kunstgewerbe. 

III. » Malerei und Plastik. 

IV. » Malerische Innenräumc. Neue Folge. 

4 Bände Folio. — Je 30 Blatt Heliogravüren und 3 Blatt 

Text. 

Preis per Band in Mappe K 48 — oder M. 40 —. 



Interieurs von Kirchen und Kapellen in Österreich. 

(XU. bis XVIII. Jahrh.) 

Heliogravüren nach photographischen Aufnahmen von Otto 
Schmidt in Wien. Mit erläuterndem Text von Dr. Albert 
Hg, fortgesetzt von Dr. C. List. 100 Blätter Folio und 
Text mit Illustrationen vonToniGrubhof er,Otto Hesse etc. 

Preis in Mappe K 144-— oder M. 120-—. 



Altäre und andere kirchliche Einrichtungsstücke 
aus Österreich. 

(XII. bis XVIII. Jahrhundert.) 

Ergänzung zu dem Werke: »Interieurs von Kirchen und 

Kapellen in Österreich.« 
Heliogravüren nach photographischen Aufnahmen von Otto 
Schmidt in Wien. Mit erläuterndem Text von Dr. Albert 
Ilg, fortgesetzt von Dr. C. List. 100 Blätter Folio und Text 
mit Illustrationen von Toni Grubhofer, Otto Hesse etc. 

Preis in Mappe K 144-— oder M. 120-—. 

Interieurs und Mobiliar aus Schloß Tratzberg. 

Separatabdruck aus »Kunstschätze aus Tirol«. Text von Prof. 
J. W. Deininger. Ein Band Folio. — 12 Blätter Helio- 
gravüren und 1 Blatt Text. 

Preis in Mappe K 20-— oder M. 1650. 

Die Veste Hohensalzburg. 

Siebzehn Heliogravüren, zumeist Interieurs, von Otto 

Schmidt, mit erläuterndem Text von Dr. Albert Hg. 

Ein Band Folio. 

Preis in Mappe K 30-— oder M. 26—. 

Vicenza. 

25 Architekturaufnahmen nach der Natur, auf Kupfer geätzt 

von Otto Schmidt. Erläuternder Text von Dr. M. Fabiani, 

dipl. Architekt in Wien. 

Folio-Format. 

Preis gebunden K 36-— oder M. 30-—. 

Die Baukunst in Sizilien. 

I. Teil. Die griechische, römische, byzantinische, arabische 
und normannische Baukunst sowie der Entwurf eines groß- 
städtischen Volks- und Luxusbades in modernisiert arabisch- 
normannischer Bauweise. Von Friedrich Kick, Architekt. 
Quart. 104 Seiten Text mit 44 Illustrationen und 9 Tafeln, 
darunter zwei in Dreifarbendruck. 

Preis K 28 — oder M. 24—. 

Zur Lösung der Riesentorfrage. 

Das Riesentor des Wiener St. Stephansdomes und seine 

Restaurierung. Von Dr. Heinrich Swoboda, Professor an 

der Wiener Universität. 

Mit 4 Illustrationen. 



Preis K 1-— oder M. 



-•80. 



Die Renaissance in Polen. 

Kunstdenkmale des XVI. und XVII. Jahrhunderts. 

47 Blätter in Folio, Federzeichnungen in Lithographie und 

5 Blätter in Folio Lichtdruck nach Naturaufnahmen nebst 

illustriertem Text, polnisch und deutsch. 

Von Slawomir Odrzywolski. 

Preis in Mappe K 30— oder M. 25 —. 

Ruinen der mittelalterlichen Burgen Ober- 
österreichs. 

Im Auftrage der k. k. Zentralkommission für Kunst- und 
historische Denkmale aufgenommen und gezeichnet von 
Karl Rosner, k. k. Baurat. Groß-Oktav. 71 Seiten mit 
72 Illustrationen und 24 Grundrißtafeln in Zweifarbendruck. 

Preis K 10— oder M. 850. 



ANTON SCHROLL & Co., Kunstverlag, Wien I Maximilianstraße 9 



Innenräume und Hausrat der Empire- und 
Biedermeierzeit in Österreich-Ungarn. 

Herausgegeben von Josef Folnesics, Kustos am k. k. 

österr. Museum. 

60 Tafeln Folio in Lichtdruck nach Naturaufnahmen sowie 

einem erläuternden, reich illustrierten Text. 

Preis in Mappe K 65-— oder M. 54-—. 

Rahmen. 

Eine Auswahl aus der Sammlung des k. k. Österreichischen 
Museums auf 50 Tafeln Lichtdruck; herausgegeben und mit 
einer Einleitung versehen von Jakob v. Falke, Direktor. 
Ein Band Quart mit 72 Naturaufnahmen von Rahmen in 
allen Stilarten, 50 Tafeln Lichtdruck und 10 Seiten Text. 

Preis in Mappe K 20-— oder M. 17-50. 

Mittelalterliches Holzmobiliar. 

Ausstellung im k. k. Österr. Museum für Kunst und Industrie. 
Herausgegeben und mit Text begleitet von Jakob v. Falke, 
Direktor. Alte gotische Möbel aus verschiedenen Museen 
und aus Privatbesitz. Ein Band Folio. 40 Blatt Lichtdruck 
und 1 1 Seiten Text. 

Preis in Mappe K 48' — oder M. 40-—. 

Chorgestühl in der Certosa bei Pavia. 

Vorlagen für gewerbliche Unterrichtsanstalten, mit Unter- 
stützung des hohen k. k. Ministeriums für Kultus und 
Unterricht aufgenommen und herausgegeben von Johann 
Beer. Ein Band Groß- Folio. 12 Blatt Licht- und Farben- 
drucke. 

Preis in Mappe K 5— oder M. 4—. 

Bildhauerarbeiten in Österreich -Ungarn von der 

Barocke bis zum Empire. 

Lichtdrucke nach Naturaufnahmen figuraler Plastik. Mit 

kunsthistorischen Angaben von C. List, k. u. k. Kustos. 

60 Blatt Lichtdruck in Quart. 

Preis in Mappe K 70-— oder M. 60—. 

Album ausgewählter Gegenstände der kunstindu- 
striellen Sammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. 

Herausgegeben mit Genehmigung des hohen Oberstkäm- 
mereramtes Seiner k. u. k. Äpostol. Majestät von Julius 
V. Schlosser. 50 Tafeln in Lichtdruck, 3 Tafeln farbiger 
Radierung und Heliogravüren. 33 Seiten Text mit 23 Illu- 
strationen in Autotj'pie. Groß- Quart. 

Preis geb. K 30— oder M. 25 —. 

Goldschmiede- Arb eiten 

in dem regul. Chorherrenstifte Klosterneuburg bei- Wien, 
aufgenommen von Prof. Karl Drexler, Protonotar. apost. 
hon., Kapitular des Stiftes. Erklärender Text von Dr. 
Camillo List, k. u. k. Kustos. Ein Band in Quart. 37 Tafeln 
in Lichtdruck und 14 Seiten Text. 

Preis K 24-- oder M. 20--. 

Vasa et supellectilia liturgica novis artis formis 

exhibita. 

Liturgische Gefäße und Geräte in neuen Kunstformen von 

Prof. J. R. v. Grienberger, Architekt. 1. Heft. 15 Tafeln 

Lichtdruck in Folio mit Text. 

Preis K 24-- oder M. 20 —. 



Beiträge zur Kunstgeschichte. 

Franz Wickhoff gewidmet von einem Kreise von Freunden 
und Schülern. 182 Seiten. Mit zwei Heliogravüren und fünf 
Lichtdrucktafeln, 3 Heliogravüren im Text, nebst 49 Auto- 
typien und Strichätzungen. 

Preis K 18— oder M. 15—. 



Die ästhetischen und historischen Grundlagen der 
modernen Kunst. 

Von Richard v. Kralik. Drei Vorträge, gehalten im Öster- 
reichischen Museum für Kunst und Industrie, Februar 1904. 
Oktav. 107 Seiten Text. 

Preis K 3 — oder M. 250. 

Moderne Kirchenmalerei. 

Ein Vorlagewerk für figurale Kompositionen religiösen 
Inhaltes. Lichtdrucke nach photographischen Aufnahmen 
in Kirchen, Kapellen etc. und nach den Originalkartons 
und Skizzen hervorragender Künstler, wie H. Canon, Ed. 
v. Engerth, Josef v. Führich, F. K. Jobst, Prof. Ferd. 
Laufberger, Joh. Fried. Overbeck, J. v. Trenkwald 
und andere. 
60 Blatt Lichtdruck in Folio. 

Preis in Mappe K 70 — oder M. 60 —. 

Österreichisch-ungarische Wappenrolle. 

Die Wappen Ihrer k. u. k. Majestäten, die Wappen der 
durchlauchtigsten Herren Erzherzoge, die Staatswappen 
von Österreich und Ungarn, die Wappen der Kronländer 
und der ungarischen Komitate; die Flaggen, Fahnen und 
Kokarden beider Reichshälften sowie das Wappen des 
souveränen Fürstentums Liechtenstein. Gezeichnet und er- 
läutert von Hugo Gerard Stroh 1, Herausgeber der 
»Deutschen Wappenrollec, des »Heraldischen Atlasses« etc. 
223 Wappen und Fahnen auf 23 Tafeln in Schwarz- und 
Buntdruck nebst 20 Textillustrationen. 3. mit einem Nach- 
trag versehene Ausgabe. Quart -Format. 

Preis eleg. geb. K 36-- oder M. 30"—. 

Städtewappen von Österreich-Ungarn. 

Zusammengestellt und erläutert von Hugo Gerard Ströhl. 
Ein Band Quart. 36 Tafeln in Farbendruck und 241 Text- 
illustrationen. Zweite, vermehrte und verbesserte Ausgabe. 

Preis eleg. geb. K 45 — oder M. 38-—. 

Die Orden und Ehrenzeichen der k. u. k. österr.- 

ungar. Monarchie. 

Mit historischer Einleitung und beschreibendem Texte, nach 
authentischen Quellen bearbeitet von Hauptmann Friedrich 
Hejer von Rosenfeld (f), berichtigt und ergänzt von 
Hugo Gerard Ströhl. 15 Tafeln in Farbendruck, Ordens- 
abbildungen in Naturgröße und 1 Tafel in Farbendruck 
mit Ordenskosiümen. Zweite, vermehrte Ausgabe. Quart. 

Preis eleg. geb. K 18'— oder M. 15—. 



Mährisch-slowakische Hauben. 

Gesammelt und mit einer ethnographischen Studie begleitet 
von Franz Kretz. 6 Seiten Text mit Illustrationen, 38 Tafeln 
Folio und 3 Kostümstudien von Maler J. Uprka im Drei- 
farbendruck. 

Preis in Mappe K 12-- oder M. 10—. 



Druck von Rudolf M. Rohrer, Brunn. 



MITTEILUNGEN 



DER 



K. K. ZENTRAL-KOMMISSION 

FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER 
KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 



DRITTER FOLGE VIERTER BAND 



ABONNEMENTS - BEDINGUN GEN 

Ganzjährig 5 K, für Korrespon- 
denten der k.k.Zentral-Kommission 
bei direktemBezugausderenKanzlei 
2 K. Einzelne Nummern können 
(in geringer Anzahl) zu 1 Ä" ab- 
gegeben werden. 

Abonnements können bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen 
oder beim Kommissionsverlage der 
„Mitteilungen" ANTON SCHROLL 
& Co., WIEN I Maximilianstraße 9, 
oder direkt bei der k. k. Zentral- 
Kommission (Wien I Gauermann- 
gasse 4) angemeldet werden. 



REDAKTION 

Prof. WILHELM KUBITSCHEK 
Wien IX Pichlergasse 1 



Nr 7. 8 JULI— AUGUST 1905 

INHALTS - VERZEICHNIS 

Amtliches 209 

Sitzungsbericht vom 2. Juni 1905 211 

Sitzungsbericht vom 9. Juni 1905 218 

Sitzungsbericht vom 16. Juni 1905 224 

Sitzungsbericht vom 30. Juni 1905 236 

Sitzungsbericht vom 6. Juli 1905 242 

Sitzungsbericht vom 7. Juli 1905 247 

ALOIS RIEGL (dazu Tafel III) 255 



Im Druck abgeschlossen 20. Oktober 1905 



Die „Mitteilungen" der k. k. Zentral -Kommission für Kunst- und historische Denkmale 
erscheinen monatlich in einem Mindestumfang von 24 Spalten und sind zur Veröffentlichung 

1. amtlicher Kundmachungen der Zentral -Kommission; 

2. der Protokolle der Sitzungsberichte der Zentral -Kommission; 

3. von Fundberichten und Denkmalsbeschreibungen sowie von Erörterungen 
beachtenswerter Funde und wichtigerer Fragen der Denkmalspflege 

bestimmt. Selbständige Fundberichte und Aufsätze werden in der Regel honoriert (die 
Zeile zu 7 h, die volle Textspalte zu K 3'36). Für die Honorierung von Plänen und 
Zeichnungen sind fallweise Verhandlungen mit der Redaktion nötig. Die Redaktion ist 
gerne bereit, den auszugsweisen oder vollständigen Abdruck eines in den „Mitteilungen" 
erscheinenden Fundberichtes oder Aufsatzes und die Benützung der dafür angefertigten 
Klischees, wenn der Verfasser dessen Verbreitung auch durch ein anderes publizistisches 
Organ wünscht, vor allem in Lokalblättern, zuzugestehen. Doch ist selbstverständlich 
gleich bei Einsendung des Manuskriptes eine diesbezügliche Vereinbanang mit der 
Redaktion anzubahnen. Die Honorierung bleibt besonderer Vereinbarung vorbehalten, 
wenn gleichzeitig oder innerhalb des auf die Publikation in diesen „Mitteilungen" folgenden 
Jahres der Abdruck eines solchen Artikels auch noch in einer anderen Fachzeitschrift oder 
in großen allgemein verbreiteten Tagesblättern oder Zeitschriften beabsichtigt wird. Die 
Redaktion ist ferner gerne bereit, fallweise und auf Grund von Vereinbarungen Auszüge 
aus geeigneten Fundberichten oder einschlägigen Artikeln, die in anderen Zeitschriften 
(insbesondere i. in nicht deutscher Sprache abgefaßten; 2. solchen, die aller Wahrschein- 
lichkeit nach sonst nicht leicht zur Kenntnis der Redaktion gelangen dürften) erschienen 
sind, in den „Mitteilungen" zu bringen. Es werden daher die Verfasser solcher Artikel 
ersucht, Sonderabdrücke mit ausdrücklicher Angabe ihrer Wünsche der Redaktion ein- 
zusenden. 

Manuskripte mögen nur auf einseitig beschriebenen Blättern übersandt werden, 
die Abbildungen mögen nicht in den Text hineingeklebt und noch weniger auf die 
beschriebenen Blätter oder auf liniertes Papier oder mit Bleistift gezeichnet werden. 

Den Verfassern geht ein Bürstenabzug zur Korrektur des Druckes zu; rascheste 
Durchsicht dieser Abzüge wird erbeten. Weitergreifende Autorkorrekturen werden auf 
Kosten der Verfasser hergestellt. Die Verfasser erhalten 12 Sonderabzüge ihrer Artikel; 
eine größere Anzahl von Sonderabdrücken, über die fallweise eine Vereinbarung mit der 
Redaktion nötig ist, sowie Umbruch der Spalten oder Broschieren in besonderem Um- 
schlag kann nur auf Kosten des Bestellers erfolgen. Derlei Bestellungen mögen nicht an 
die Druckerei gerichtet werden, sondern lediglich an die Redaktion, die sich allein zur 
Vermittlung des Verkehres zwischen den Verfassern und der Druckerei berechtigt ansieht. 

DIE REDAKTION 



MITTEILUNGEN 

DER K. K. ZENTRAL-KOMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXZ. FREIHERRN VON HKT.FERT 

DRITTE FOLGE 

Band III Nr. 7. S 



Juli — August 1905 



Amtliches 

Zuschrift des Ministers für Kultus und 
Unterricht vom 14. Juli 1905 Z. 25.844 an das 
k. k. Ministerin! des Innern. 

Wie mir seitens der k. k. Zentral-Kommission 
für Kunst und historische Denkmale berichtet 
wurde, ist das alte Festung"stor in Neustadt an der 
Mettau, ein Bau aus dem Jahre 1501 und von 
großer malerischer Wirkung, zum Zwecke der 
Führung einer Kommunikationsstraße unter Zuhilfe- 
nahme einer vom k. k. Ministerium bewilligten 
Staatssubvention demoliert worden, und zwar ohne 
daß vorher der genannten Zentral-Kommission die 
Absicht einer derartigen Aktion zur Kenntnis 
gebracht und es somit derselben ermöglicht worden 
wäre, hiezu Stellung zu nehmen. 

Da es sich in diesem Falle um ein Analogon 
der vor kurzem erfolgten Demolierung des Rautter- 
hauses in Villach handelt, und zu besorgen ist, 
daß sich solche vom Standpunkte der Denkmalpflege 
äußerst beklagenswerte Fälle mehren, in denen, im 
Zuge einer aus Rücksichten des Verkehres oder 
anderen öffentlichen Interessen durchzuführenden 
Anlage oder anderweitigen Unternehmung, den 
damit verbundenen Arbeiten Gebäude von histo- 
rischem oder kunsthistorischem Werte zum Opfer 
fallen, ohne daß es den für die Führung des 
Besitzstandes an derartigen Objekten und der Un- 
versehrtheit derselben bestellten Organen möglich 
ist, die in dieser Hinsicht bestehenden öffentlichen 
Interessen pflichtgemäß zu vertreten, beehre ich 
mich, das k. k. Ministerium zu ersuchen, bei allen 
in das Ressort des k. k. Ministeriums gehörenden 
staatlich subventionierten Bauten, Verkehrsanlagen 
oder sonstigen Unternehmungen, bei welchen die 
Gefahr vorhanden ist, daß alte Denkmäler oder 

Mitteilungen der k. k. Zentr.ll-Kommission iqo5 



sonstige Kunst- oder historische Denkmale eine 
Beschädigung erleiden, die Zentral-Kommission 
für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und 
historischen Denkmale von den diesbezüglichen 
bestehenden Absichten und Projekten rechtzeitig 
in Kenntnis setzen zu wollen, damit derselben 
Gelegenheit gegeben sei, ihr Gutachten in dem 
betreffenden Falle noch vor der Entscheidung ab- 
zugeben. 

Das k. k. Ministerium wird ferner ersucht, in 
derartigen Fällen stets das h. o. Ministerium von 
der Sachlage verständigen und endlich die dem 
k. k. Ministerium unterstehenden Organe in obi- 
gem Sinne wegen Benachrichtigung der zu- 
ständigen Konservatoren der genannten Zen- 
tral-Kommission instruieren zu wollen. 

Diese Zuschrift ist der k. k. Zentral-Kommission für 
Kunst- und historische Denkmale zur Kenntnisnahme mit 
dem Bemerken übermittelt worden, daß unter einem auch 
das Reichskriegsministerium, das Reichsfinanz- 
ministerium und die übrigen k. k. Ministerien in 
analoger Weise um dasselbe Vorgehen ersucht wurden, und 
daß schließlich die k. k. Statthalterei in Böhmen zur 
eingehenden Berichterstattung aufgefordert wurde 



Erlaß des k. k. Ministerium.s f. K. u. U. vom 

20. Juli 1905 Z. 26667 an den k. k. Landesschul- 
rat in Prag betreffend die Aufnahme prähistori- 
scher Funde in Lehrmittelsammlungen der Schulen. 
Laut eines Berichtes der Z. K. für Kunst- und 
historische Denkmale hat diese in Erfahrung ge- 
bracht, daß in dem dortamtlichen Verwaltungs- 
gebiete prähistorische Funde von Lehrern gesam- 
melt und den Lehrmittelsammlungen der Schulen 
einverleibt wurden. Hiebei sollen die bezüglichen 
Funde des öfteren nicht sachgemäß aufbewahrt 
werden und sohin dem Verfalle anheimfallen. Auch 



211 



Sitznng Tom 2, Juni 1905 



!I2 



werden bezüglich dieser Funde die notwendig-en 
Daten nicht geführt, und sind diese daher für eine 
wissenschaftliehe Bearbeitung unbenutzbar. 

Nachdem bereits mit dem hierortigen Erlasse 
vom 17. Mai iS88 Z. 2364 die bezüglichen Weisungen 
an den k. k. Landesschulrat ergangen sind, wolle 
der k. k. Landesschulrat die Bestimmungen dieses 
Erlasses den unterstehenden Behörden nachdrück- 
lichst in Erinnerung bringen und gleichzeitig auch 
die Bezirksschulinspektoren anweisen, bei ihren 
Inspizierungen darauf einzuwirken, daß allfäUige 
in den Lehrmittelsammlungen befindliche prä- 
historische Funde an Museen abgegeben 
werden. 



Sitzungsberichte 

ivom Schriftführer verfaßt) 

Sitzung vom 2. Juni 1905 (11. Sitzung, n. Sektion). 

Anwesende: Der Prästdext (Vorsitzender). — 
Mitglieder: Ca£tf.t.t.iz, Heriiaxx, Kcbitschek, 
NEtTHTRTH. — Schriftführer: Bauer, 

Allgemeines 

Ref. Hocdek: Konservator Rosmael berichtet 
über seine Tätigkeit im abgelaufenen Jahre. Die 
Z. K. spricht dem Konservator für sein ei&iges 
und ersprießliches Wirken Dank und Anerkennung 
ans. 

Böhmen 

Re£ Neuwirth: Die Z. K. befürwortet, daß die 
Reinigung des zu übertragenden Schlußsteines 
im Carolinum mit unbedenklichen Mitteln unter 
Aufsicht des Konservators erfolge. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung der Deckenfi-esken im großen 
Barocksaale der Universitätsbibliothek in Prag 
einen Staatsbeitrag von 1 200 K unter der Bedin- 
gung, daß die Arbeiten im steten Einvernehmen 
mit dem berufenen Konservator durchgeführt 
werden. 

Ref. Xeuwirth: Der Klub .Za starou Prahu" | 
teilt mit, daß die ebenerdigen Lokalitäten des ' 
Galliklosters in Prag für Zwecke eines großen 
Geschäftsbazars eingerichtet werden sollen, wo- 
durch der Charakter des altertümlichen Gebäudes 
fast vollständig verwischt werden würde. Die Z. K. 



beschließt, die weiteren Schritte zur Verhütung 
dieser Verunstaltung einzuleiten. Der Klub teilt 
weiters mit, daß- beim Abklopfen des Bewurfes 
des Hauses Prag, Kleiner Ring n. 4 I fvgl. 
Sp. 126. 2241 weitere Sgraffiti zutage getreten 
sind. 

Ref. Njeuwtrth: Der Stadtrat von Prag teüt 
mit, daß nach dem Gutachten des städtischen Bau- 
amtes begründete Bedenken gegen die Führung 
einer elektrischen Straßenbahn mit Unterleitung 
über die Karlsbrücke in Prag nicht bestehen. 
Die Z. K. beschließt daher, gegen die Führung 
der Bahn keine weitere Einwendung zu erheben, 
wenn sie auch vom Standpunkte der Denkmal- 
pflege den Verzicht auf die geplante Bahnlinie 
als die erwünschtere Lösung bezeichnen muß. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt die 
an der Dekanalkirche in Bfeznic notwendigen 
Rekonstruktionsarbeiten. Es sind dies: Reparatur 
der Gesimse, Erneuerung des Pflasters, Ausbesse- 
rung des Altarmauerwerkes,Ersatz des Verputzes des 
Kirchenschiffes und der Außenfassade. Beseitigimg 
des auf den Wölbungen angesammelten Schuttes, 
Auswechselung des Dachstuhles des Presbj-teriums, 
Anbringung von Rinnen und dergleichen, welche 
Arbeiten im steten Einvernehmen mit dem be- 
rufenen Konservator durchzuführen sind. Das k. k. 
Ministerium übernimmt einen Teilbetrag* von 
16.500 K der Kosten auf den Kultusetat. 

Konservator Äugst berichtet, daß das ehe- 
malige Hochaltarbild aus der Kirche des hL 
Johann von Xepomuk in Johannestal in einem 
Zimmer des Reichenberger Dechanteigebäudes 
verwahrt wird. 

Ref. Xeuwirth: Eine gegebene AnregTing, drei 
vor zirka 10 Jahren aus der Laurentiuskirche 
in Langenbruck in Privatbesitz veräußerte, 
kunsthistorisch nicht hervorragende Ölbilder des 
X\ ül. Jh. wieder in die Kirche zurück zu erwerben, 
beschließt die Z. K. nicht weiter zu verfolgen, da 
der Rückkauf nur mit Hilfe öffentlicher Mittel er- 
folgen könnte. 

Ref. Xeuwirth: Konservator Hofmanx berichtet, 
daß eine Restaurierung des Äußeren der Pfarr- 
kirche Maria Himmelfahrt in Unter-Rotschow 
in Aussicht genommen sei, welche sich zunächst 
auf den Dachstuhl des Hauptdaches, der Turm- 
dächer von der Laterne aufwärts und den Verputz 



213 



Sitzung vom 2. Juni I905 



214 



der Stirnseite und der beiden Türme erstrecken 
soll. Die Z. K. beschließt, im allgemeinen keine 
Einwendung dagegen zu erheben. Die Zustimmung 
zu der beabsichtigten Anbringung zweier Vasen 
an der Basis des Giebels zwischen den zwei Türmen 
und zur A-bdeckung aller gröljeren Gesimse mit 
glasierten Hohlziegeln könnte sie nur dann emp- 
fehlen, wenn Spuren einer solchen ursprünglichen 
Verzierung nachweisbar sind. 

Ref. DKiNiNCiKR: Die Z. K. empfiehlt ein Projekt 
für die Rekonstruktion des Turmes der Pfarr- 
kirche in Tachau, welches die barocke Haube 
beibehält, zur Ausführung und befürwortet dafür 
eine Staatssubvention. 

Dalmatien 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. bewilligt 
für den Ankauf des Portals vom Hause 885/86 
der Via San Domenico in Zara eine Subvention 
von 1000 A' unter der Bedingung, daß das Portal 
im Museum von San Donato in Zara untergebracht 
werde. 

Galizien 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. bewilligt zu 
den Kosten der inneren Ausstattung, der Färbelung 
des Äußeren und der Instandsetzung der Dächer 
der griechisch-katholischen Kathedralkirche in 
Stanislau aus dem Religionsfond eine Subvention 
von 10.000 K. 

Kärnten 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. ordnet neuer- 
liche Maßnahmen zum Zwecke der Erhaltung des 
Rautterhauses in Villach an, da die von der 
Stadtgemeinde geltend gemachten Bedenken gegen 
die Erhaltung des Hauses nicht so gewichtig sind, 
um die Demolierung des kunsthistorisch so be- 
deutenden Objektes zu rechtfertigen. 

Mähren 

Ref. Houdek: Konservator Czerny regt an, 
daß die im Vorjahre bloßgelegten Teile der 
Ruine Cimburg entsprechend geschützt werden. 
Die Z. K. beschließt, die weiteren Schritte ein- 
zuleiten. 

Konservator Hrach berichtet, daß an der aus 
dem XVIIl. Jh. stammenden, eines größeren kunst- 
historischen Wertes entbehrenden Kapelle in 



Kuprowitz der Außenverputz erneuert, das Innere 
gefärbelt, die Fenster vergrößert und mit einem 
wagrechten Abschlüsse versehen werden. Die 
Z. K. beschließt, keine Einwendung dagegen zu 
erheben. 

Ref Deininger: Konservator Chilla berichtet, 
daß wegen Auftretens von Rissen im Mauerwerke 
die Einziehung von Fundamentschließen in der 
Pfarrkirche zu Mühlfraun und der Ersatz der 
alten Holzkonstruktion durch eine eiserne durch- 
zuführen und sodann erst an die Restaurierung 
der Fresken zu schreiten wäre. 

Ref. Dkininger: Die Z. K. beschließt, sich 
gegen den Ersatz des Hochaltares in der Pfarr- 
kirche zu Urbanau durch einen neuen Altar 
auszusprechen und die Restaurierung des alten 
Altares zu empfehlen; desgleichen spricht sie sich 
gegen den Ersatz des hölzernen Kommuniongitters 
durch ein eisernes aus; gegen die Renovierung 
der Kanzel, der Seitenaltäre, des Taufbeckens und 
der Paramentenkästen bestehen keine Bedenken 
unter der Voraussetzung, daß der alte Bestand 
hiebei tunlichst geschont werde. 

Nieder-Österreich 

Ref Hermann: Das k. k. Ministerium f. K. u. 
U. ordnet an, daß bei der Restaurierung der Fassade 
der Maria Schnee(Minoriten-)kirche in Wien 
eine Beschränkung nur auf das AUernotwendigste 
Platz greife. Die Z. K. beschließt, gegen folgende 
Restaurierungsarbeiten keinen Einspruch zu er- 
heben: Gegen die notwendigsten Sicherungsarbeiten 
am Giebel der Hauptfassade, wobei der derzeitige 
Bestand nicht geändert werden darf; ferner gegen 
die Ausgestaltung der Seitenportale und die Er- 
öffnung der oberen Hälfte der Fenster an der 
Nordseite unter der Voraussetzung, daß der Ein- 
druck des dahinter befindlichen Mosaikbildes nicht 
leidet. 

Ref. Castelliz: Die Z. K. beschließt, gegen 
die Ausmalung der kunsthistorisch belanglosen 
Pfarrkirche in Altenwörth eine Einwendung 
nicht zu erheben. 

Die KRAHüLETZ-Gesellschaft teilt mit, daß der 
im Schlosse Eggenburg befindliche, aus dem 
XVI. Jh. stammende Stuckplafond auf Veran- 
lassung des niederösterreichischen Landesbauamtes 
herabgeschlagen und vernichtet wurde, ohne daß 

IS* 



215 



Sitzung vom 2. Jnni 1905 



216 



es möglich war. auch nur einen kleinen Teil für 
das Museum zu retten; es konnten ledig-lich Ama- 
teuraufnahmen gemacht werden. Die Z. K. be- 
schüeßt, Vorkehrungen zur Verhinderung weiterer 
Vandalismen dieser Art zu trefifen. 

Ref. Deincger: Die Z. K. widerrät die ge- 
plante Anbringung von farbigen Glasfenstem in 
der Pfarrkirche von Maissau. 

Mit den vom Referenten Castelliz vorgelegten 
Skizzen für Glasmalereien in der Pfarrkirche zu 
Hohenruppersdorf erklärt sich die Z. K. ein- 
verstanden. 

Ref Deixisger: An der Pfarrkirche inKuen- 
ring ist der Neuanstrich des Turmhelraes, der 
Fenster und Türen. Reparatur des Blitzableiters, 
Färbelung, Instandsetzung des Verputzes und der 
Gesimse der Kirche, Erneuerung der Kirchenbänke, 
Reparatur des Orgelwerkes, Instandsetzung des 
Aufganges zum Turme, an dem Kamer die Er- 
neuerung des Schindeldaches und des Dachreiters 
in Aussicht genommen. Die Z. K. erklärt sich 
hiemit einverstanden und beschließt außerdem, auf 
Antrag des Konservators Endl, die Erneuerung 
des Fußbodens der Kirche in Anregung zu bringen, 
wobei die Grüfte in schonender Weise untersucht 
werden sollten. 

Ref. Deininger: Gegen die Eindeckung der 
Pfarrkirche in Rodaun mit Ziegeln, den Ersatz 
der obersten Kuppe der Turmhaube durch eine 
Bekrönung, die XeuhersteUung des Fassadenver- 
putzes, die Überarbeitung der Fassadefiguren be- 
schließt die Z. K. keine Einwendung zu erheben, 
dagegen sich gegen die Erhöhung des Turmhelmes 
und die Erhöhung der Turmuhr auszusprechen, 
weil dadurch eine Abänderung in der Verdachung 
des Turmfensters und des Hauptgesimses des Turm- 
aufbaues bedingt wird. 

Ober-Österreich 
Ref. Neuwirth: Konservator ScHiUDEL be- 
richtet: 

1. Über die vollzogene Restaurierung der 
Stadtpfarrkirche in Enns. 

2. Über die alten Wandmalereien in der 
Kirche zu Lorch, namentlich jene in der Marien- 
kapelle, welche immer mehr verblassen, und über 
die Maßnahmen, welche er zu ihrem Schutze ge- 
troffen hat. 



3. Im Presbyterium der Pfarrkirche zu 
Losen stein wurden Wandmalereien aufgedeckt; 
rechts und links vom Hochaltar in Umrißzeichnung 
in brauner Farbe ohne Schattierung je eine sitzende, 
gekrönte, eine Harfe haltende Figur mit den 
Spruchbändern Sa/o»Ko» rex und David rex; zwischen 
den über dem Hochaltar sich wölbenden Rippen 
sind die Attribute der vier Evangelisten erkennt- 
lich; auf Spruchbändern stehen ihie Xamen, statt 
Matthäus ist Lukas zu lesen, so daß dieser Xame 
zweimal vorkommt: in der Wölbung sind zwischen 
den Rippen sehr schöne Arabesken in grüner 
Farbe ausgeführr, zwischen ihnen rote Rosen; über 
dem Apsisfenster ist die Darstellung des von zwei 
Engeln gehaltenen Schweißtuches mit dem Antlitze 
Christi sichtbar, an den Evangelienseiten zwei 
Reiterbilder, deren Köpfe durch die vor langer 
Zeit erfolgte Ausbrechung des Oratoriums ver- 
nichtet wurden; sonst kamen noch einige Frag- 
mente, wie ein Nimbus u. dgl. zum Vorscheine. 
Die Malereien dürften aus dem Beginn des XIV. 
oder dem Ende des XIII. Jh. sein. Die Z. K. be- 
schließt, die vollständige Bloßlegung unter kunst- 
historischer Kontrolle einzuleiten. 

4. Die Pfarrkirche in Molin soll durch An- 
fügung zweier Seitenschiffe erweitert werden. Die 
Z. K. beschließt, weitere Erhebungen zu pflegen. 

Salzburg 
Konservator Rom-storfer berichtet, daß durch 
Blitzschlag von dem rechtseitigen Glockenturme 
der Kollegienkirche in Salzburg eine der 
vier den Turm bekrönenden Statuen (hl. Augusti- 
nus) zum großen Teile zerstört wurde; die herab- 
gefallenen Teile wurden deponiert, um als Modell 
für die Erneuerung zu dienen. 

Steiermark 
Ref Castelliz: Die Z. K. erklärt sich mit der 
Ausbesserung des Verputzes der Kirche Maria im 
Walde (ehemals Minoritenkirche) in Brück 
a. d. Mur ohne Hinzufugung einer Färbelung ein- 
verstanden, widerrät hingegen die Befi-eiung des 
Kirchenportales von der Tünche und die Neu- 
fassung des figural geschmückten Holztympanons; 
über den neu auszuführenden Gewölbeverputz 
beschließt die Z. K. weitere Erhebungen zu 
pflegen. 



217 



Sitzung vom 9. Juni 1905 



2l8 



Die k. k. steirische Statthalterei ordnet die 
Erhaltung der Luziakapelle bei der Pfarrkirche 
in Tüchern an. 

Tirol 

Ref. Neuwuoh: Die Z. K. beschließt gegen 
die Beseitigung der Wand zwischen der heute als 
Sakristei verwendeten alten Apsis und dem davor 
liegenden Teile des Presbyteriums der Pfarr- 
kirche in Gais keine Einwendung zu erheben; 
auch der Beseitigung des Mauerverputzes vom 
Gewölbe und den Seitenwänden des Presbyteriums 
und dem Neuverputzen dieser Teile stimmt sie zu, 
falls^sich unter dem Verputze keine alten Wand- 
malereien befinden, was vor allem sorgfältig zu 
untersuchen wäre. Die Wiedereröffnung der beiden 
alten Fenster in der Apsis unter Beibehaltung der 
ursprünglichen Formen sowie die Vermauerung 
der bestehenden, später ausgebrochenen Fenster 
wird von der Z. K. für zulässig erkannt, dagegen 
die beabsichtigte Angleichung dieser vier Fenster 
auf eine Lichtöffnungsweite und die Anordnung 
zweier Fenster in der rechten Presbyteri umwand 
widerraten, da es sich empfiehlt, in dieser Wand 
nur ein Fenster in den Formen der alten Apsis- 
fenster herzustellen. Bei unumgänglich notwendigen 
Auswechslungen sind Mauerwerk und Mauertechnik 
sowie das Bedachungsmaterial der alten Form 
möglichst anzugleichen. Die Z. K. bedauert, daß 
ohne ihre Zustimmung einzuholen die Herstellung 
eines nicht einwandfreien Hochaltars in Angriff 
genommen wurde, und spricht sich dafür aus, daß 
der alte Altar entweder an einem andern, passen- 
den Orte aufgestellt oder wenigstens gesichert 
deponiert werde. 

Der Bürgermeister der Stadt Meran teilt mit, 
daß ein Beschluß der Gemeindevertretung auf De- 
molierung des Bozener Tores in Meran nicht 
vorliege, und daß er sich, wenn eine solche Gefahr 
bestünde, auf das nachdrücklichste verwenden 
würde, um einen solchen Beschluß hintanzuhalten. 

Ref. Neuwirth : Die Z. K. beschließt, die Ver- 
äußerung des zur bischöflichen Mensa in Trient 
gehörenden Kastells in Pergine in Privatbesitz 
zu widerraten und falls der Verkauf unabweisbar 
sein sollte, zu empfehlen, daß hieran die Bedingung 
geknüpft werde, das Kastell in seinem gegen- 
wärtigen Zustande zu erhalten und vor jeder Ver- 



änderung die Zustimmung des k. k. Ministeriums 
f. K. u. U. und der Z. K. einzuholen. 

Vorarlberg 

Konservator Härtenberger berichtet, daß 
gegen den Abbruch der kunsthistorisch belang- 
losen Pfarrkirche in Koblach, die dem Kultus- 
bedürfnisse nicht mehr entspreche, keine Einwen- 
dung zu erheben sei. Eine Holzskulptur (Krönung 
Maria) aus dem XV. oder XVI. Jh. und ein Vor- 
tragskreuz (aus dem XVIII. Jh.) wären in die neue 
Kirche zu übertragen. 



Sitzung vom 9. Juni 1905 (4. Sitzung der 

I. Sektion). 
Anwesende: Der Pr.äsident (Vorsitzender) — 

Mitglieder: Kexner, Much, Neujiann, Reisch. 

— Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Ref. Much : Schulleiter Josef Schubert teilt mit, 
daß er mit Erlaubnis Sr. Exz. des Grafen Franz 
Clam Gallas Nachgrabungen bei Lautsche 
in der „das alte Schloß" genannten Umwallung 
vorgenommen habe. Es ließ sich aber weder eine 
vorgeschichtliche Wohnstätte noch eine mittel- 
alterliche Burg nachweisen und bleibt nur die 
Annahme übrig, daß es sich an der Grabungsstelle 
um eine Kultstätte oder ein temporäres Refugium 
gehandelt habe. 

Ref. Kenner : Professor Georg Sch.midt berichtet, 
daß x\nfang Mai 1. J. beim Ausheben eines Brun- 
nens am rechten Miesufer gegenüber von Mies 
zwei sehr gut erhaltene Silbermünzen gefunden 
wurden, und zwar: ein sächsischer Brudertaler der 
Herzoge Christian, Johann Georg und August 
von 1595 und ein Wahrheitstaler des Heinrich 
Julius von Braunschweig. 

Ref. Much: Konservator Weinzierl legt einen 
Abdruck seiner „Urgeschichte des Saazer Bezir- 
kes" vor. 

Kärnten 

Ref. Kubitschek: Konservator Jaksch berichtet 
über den Fund eines römischen Inschrift- 
steines in St. Stephan bei Dürnstein. 



219 



Sitzung vom 9. Juni 1905 



220 



Krain 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
dem Bartholomäus Pecnik zur Vornahme von Aus- 
grabungen in Krain eine Subvention von 500 K. 

Ref. Reisch: Konservator Nowotny berichtet 
über den Erfolg der weiteren Grabungen in 
der Wienerstraße zu Laibach. 

Es wurden vom 19. bis 22. April sechs Grab- 
stellen aufgedeckt, darunter ein Ziegelgrab mit 
sehr gut erhaltenen Glasgefaßen und ein Amphoren- 
grab mit (bisher dort noch nicht gefundenen) früh- 
römischen Gefaßformen. Erheblicheres Interesse 
beansprucht das sechste Grab, ein Skelettgrab, 
sowohl durch seine Lage mitten unter den Ziegel- 
gräbern und seine primitive Bestattungsart, als 
auch durch seine wahrscheinliche Zeitstellung. Das 
Skelett lag, nur von einem starken Schottermantel 
umgeben, mit seiner Längsachse genau 45° von N 
nach O in auffallig geringer Tiefe (Schenkelknochen 
70 cm) auf dem Rücken ausgestreckt, die Oberarme 
hart am Rumpf, die Unterarme aber so aufwärts 
gebogen, daß die Knochen des rechten Unterarmes 
genau über dem Oberarm lagen, der linke Unter- 
arm aber quer über die Brust ging und sich beide 
Hände in der Gegend der rechten Schulter ver- 
einigten. Der gegen NO blickende Kopf war auf- 
gerichtet; vielleicht lehnte er ursprünglich an 
den zusammengelegten Händen und stand nur 
mehr zirka 50 cm von der Oberfläche ab und war 
wohl schon deshalb bei seiner Auffindung stark 
zerdrückt. Er wurde mitsamt der anhaftenden Erd- 
masse ausgehoben. Sonst wurde bei der Leiche 
nichts gefunden als die Schnalle und acht Zierbe- 
schläge des Gürtels, deren Länge von 227 mm bis 
auf 20 mw kontinuierlich abnimmt. 

Ref Szo.mbathy: Kustos Smid berichtet über 
Bronzebeile, welche beim Abbaue eines Stein- 
bruches in der Nähe der Kirche St. Johann bei 
Tomiselj im Laibacher Moore gefunden wurden 
(vgl. Sp. 227 fg.). 

Küstenland 

Ref. SzoMBATHY : Nach einer Mitteilung des 
Korrespondenten Moser fand man in einem Wein- 
garten zu Martinisce einen großen Topf (schma- 
ler, leicht auswärts gebogener Rand, jederseits eine 
kugelige Erhöhung in der oberen Bauchung, von 
außen und innen rot gebrannt, in der Bruchfläche 
schwärzlich mit den charakteristischen Spaltungs- 



stücken des Kalzits) mit Leichenbrand; in diesem 
lag ein halber Hohlring mit abwechselnd größeren 
und kleineren Buckeln aus schwach zinnhaltiger 
Bronze sowie ein solider, in diesen Hohlring 
hineinpassender Halbring, endlich ein nicht in 
sich geschlossener Fingerring, außen und innen 
gruppenweise gekerbt. — An der Stelle, wo die 
Ruinen der Nikolauskapelle gestanden haben, 
wurden ein gotischer Fensterbogen und drei Weih- 
kessel gefunden; die Stücke werden von den Orts- 
bewohnern aufbewahrt. 

Ref Kenner: Konservator Sticotti legt seine 
Broschüre vor: „Di alcuni frammenti lapidei con 
fregi micenei trovati a Nesazio in Istria." 

Ref. Kenner: Die Societä Istriana di archeo- 
logia et storia patria legt Mitteilung über ihre 
jüngsten Ausgrabungen in Nesactium vor; 
hier fanden sich Reste einer christlichen Basilika 
aus byzantinischer Zeit, welche dem Stile der 
Mosaiken nach der Basilika von Sa. Maria For- 
mosa in Pola sehr nahe steht. 

Ref Kubitschek: Korrespondent Moser berich- 
tet über den Fund eines römischen Grabsteines 
in der Umgebung von Torre (vgl. Sp. 174 fg.). 

Nieder-Österreich 

Ref. KuBirscHEK : Beim Neubaue der Meidlinger 
Sparkassa in Wien XII, Ecke der Arndtstraße und 
Bendlgasse, ist i Vj. wi unter dem Niveau ein i m 
hoher Grenzstein mit der Jahreszahl 1676 ge- 
funden worden. Der Stein wird im Stiegenhause 
des Neubaues angebracht werden. 

Ref Kubitschek: Der niederösterreichische 
Landesausschuß hat eine Kommission zur Beratung 
über die zweckmäßige Verwendung der vom Land- 
tage für die Restaurierung des Amphitheaters 
zu Carnuntum pro 1905 bewilligten Subvention 
von 10.000 K einberufen. 

Ref. Much: Korrespondent Kiessling berichtet: 
Bis zum Herbste 1904 erhob sich vor dem östlichen 
Stadttore Drosendorfs ein länglich runderHügel 
von ungefähr 3 m Höhe und 220 Schritten Umfang, 
der den Namen Judenberg führte ; großen Teils wurde 
er bereits seit einem halben Jahrhunderte durch 
Schottergraben arg zerstört; jetzt ist er gänzlich 
abgegraben und als Bauplatz hergerichtet worden. 
Bereits bei Abgrabungen in den vierziger und fünf- 
ziger Jahren stieß man auf ein menschliches Ge- 



221 



Sitzung vom 9. Juni 1905 



222 



rippe von, wie es heißt, riesigen Maßen, daneben 
auf alte Tongefäße und „Messing"-(wahrscheinlich 
Bronze-)Ringe. Bei der Beseitigung der letzten 
Reste des ..Judenberges" unweit des alten Stand- 
platzes eines Pestmarterls wurde Ende April 1905 
ein mürbes, aber in allen Teilen erhaltenes mensch- 
liches Skelett mittlerer Größe, 40 cm unter der 
Rasenfläche, mit der Richtung von O nach W, 
bloßgelegt. In unmittelbarer Nähe lagen zahlreiche 
Topfscherben, teils weniger, teils mehr gebrannt, 
und zumeist aus einem Gemenge von Grafit mit 
quarzführendem Lehm hergestellt, darunter knapp 
unter der Rasendecke eine Anzahl dickwandiger 
Topfscherben aus Quarzkörner führendem Grafit, 
einer jüngeren Zeitjieriode angehörend; ferner 
fanden sich noch etliche Bruchstücke von eisernen 
Gegenständen. Dies Grab gehörte möglicherweise 
der Völkerwanderungszeit an. Auch vor zirka 

25 bis 30 Jahren wurden bei Anlage eines Fußweges 
auf der Berglehne unterhalb des Judenberges 
gleichfalls mehrere menschliche Skelette bloßgelegt, 
über die der Berichterstatter nichts näheres in 
Erfahrung bringen konnte. 

Im Herbste 1904 stießen im Kalksteinbruche 
zu Unter-Thurnau bei Drosendorf die Arbeiter 
auf eine Anzahl stark verwitterter Knochen, die 
sich unter einer i '/g m starken Schichte Lehm in 
einer Felsspalte befanden; dem Anscheine nach 
dürften diese Knochen vom wilden Pferde und von 
einem kleineren Tiere des älteren Alluviums her- 
rühren. In derselben Felsspalte wurden vor unge- 
fähr Jahresfrist, unter einer mächtigen Schichte 
Lehms, mehrere Knochen und Knochenreste vom 
Rhinozeros gefunden ; sie wurden sämtlich bis auf 
einen, den der Berichterstatter erwarb, wieder 
verschüttet. Dieser Knochen hat eine Länge von 

26 cm, einen mittleren Umfang von 23'/,. cm. 

Ref. Müch: Der Verwaltungsausschuß des 
städtischen Museums in Krems legt seinen 
Jahresbericht über das Jahr 1904 vor. Die Zuwei- 
sung des ebenerdigen Raumes im südlichen Seiten- 
schiffe der Dominikanerkirche mußte rückgängig 
gemacht werden, obwohl das Museum eine Ver- 
mehrung seiner Räume dringend benötigt. Folgende 
Funde fanden Aufnahme in die Sammlung: Zwei 
Krüge, acht Töpfe, ein rechtwinkeliges Gebilde 
(wahrscheinlich Ofenkachel) nebst einigen Scherben, 
sämtlich aus gebranntem Ton und unglasiert; ferner 



einige kleine Münzen, darunter ein ungarischer 
Silberdenar und ein steirischer Pfennig von Fer- 
dinand I (1526 — 1564), gefunden 1904 beim Rigolen 
eines dem Piaristenkollegium gehörigen Wein- 
gartens innerhalb der alten .Stadtmauer am Stadt- 
graben; ein Barockuhranhängsel aus massivem 
Golde (gefunden beim Graben eines Kellers bei 
dem Hause Ufergasse n. 6), ein niederländischer 
Dukaten von 1726 (gefunden bei der Grundaüs- 
hebung für die RiuFschen Häuser neben dem alten 
Truppenspitale in Stein) und eine talerförmige 
Medaille mit hebräischer Inschrift (gefunden in 
Baumgarten) Außerdem wurden unter anderen 
noch geschenkweise oder durch Kauf erworben: 
Grundbuch der dem Georg Christoph Freiherrn 
von Thonrödl gehörigen Herrschaft Rehberg von 
1647; ein geschriebener Mautzettel des Wernhärd 
Karling-er, Mautners in Stein, vom Sonntag nach 
Andrä 1481; zwei Kriminalprozeßakte, einer vom 
Magistrate Krems gegen Veit Kirchbichler wegen 
Raubmordes mit dem Todesurteile vom 7. Sep- 
tember 1660, der zweite vom Patrimonialgerichte 
Weidenegg gegen Klara Pimmesberger wegen 
Kindesmordes von 1730; ein hölzernes Schiff, 
Handwerkszeichen aus einer Schifferherberge in 
St. Nikola a. d. Donau, eine große Anzahl Stiche 
und Lithographien mit Ansichten von Krems, Stein, 
Melk und verschiedenen Orten der Wachau, darunter 
viele nach Zeichnungen von J. Alt und B. Alt; 
eine .Silbermedaille auf Michael Herrlich, Abt von 
Göttweig 1590. 

Ref. Kubitschek: Korrespondent Katschth.\ler 
berichtet über einen auf dem Sicherfeld unweit 
Lerchfeld gemachten Fund von ungefähr 150 
mittelalterlichen Münzen (vgl. Sp. 175 fg.). 

Ref. Much: Sattler Kuderjnatsch berichtet über 
Vermehrung seiner Sammlung: Aus Walters- 
kirchen ein bell- oder meißeiförmiges Stein- 
gerät v^on besonders schöner Form, schwarz, fein- 
poliert, 10 cm lang, 2^/.^ cm dick, 3 cw breit, mit 
sehr feiner scharfer .Schneide; ein schwarzer Meißel 
oder Beil, Einzelfund auf einer seit Jahren umge- 
grabenen Wohnstätte in Gratzln bei Wilhelms- 
dorf, mitten zwischen Weingärten; aus Falken- 
stein ein Beil, gefunden bei Anlegung eines 
Weingartens am Fuße des Diernberges in süd- 
östlicher Richtung, 7 cm lang, 3 cm breit, aus 
graugrünem Stein; an der Fundstelle befindet 



223 



Sitzungen vom l6. Juni 1905 



224 



sich ein ziemlich langer Streifen schwarzen, ge- 
brannten Erdreichs, welches seit langer Zeit zu 
Kulturzwecken umgegraben wird; in demselben 
finden sich häufig kleine Knochen und Gefäßreste: 
aus der Nähe von Zlabern, am Wege Zlabern- 
Berghöhe des Landmanns, das Bruchstück eines 
Hammers aus grauem, festen Gestein; unweit der 
Haltestelle Kleinhadersdorf in einer Kiesgrube, 
bei der man eine sehr tief liegende Ansiedlungs- 
stelle ausgräbt, zwei dicke Gefäßfragmente und 
einen Splitter Feuerstein; aus einem Poysdorfer 
Hause ein 32 ;»»« hohes Menschenfigürchen, plump 
geformt, aus einer lichtgrünen, undurchsichtigen, 
glasähnlichen Masse, mit einem Loch zum Auf- 
hängen; Münzen aus Poysdorf, bei Feldarbeiten 
gefunden u. a. 

Ref. Szombathy: Lehrer Adalp.ert Heeniel be- 
richtet, daß man beim Abgraben eines Ackers in 
Sieghartskirchen bei Tulln auf menschliche 
Skelette mit Beigaben (Gefäße, Schmuckgegen- 
stände u. dgl.) stieß; er wird ersucht, diese Objekte 
der Z. K. vorzulegen. 

Ober-Österreich 

Ref Kübitschek: cand. med. Schicker in Enns 
legt handschriftlich das Resultat einer Untersuchung 
von Schädeln aus römischen Gräbern bei 
Christein vor; diese Skelettfunde zeigen durch- 
wegs langköpfigen Typus oder mittelköpfigen mit 
Hinneigung zum langköpfigen. 

Ref. Kübitschek: Konservator Schiiidel über- 
sendet ein Verzeichnis der im Schatzfunde von 
Spital a. Pyhrn enthaltenen römischen Denare 
(vgl. Sp. 293 ff.). 

Steiermark 
Ref. Reisch: Im Anschlüsse an ein vom Kon- 
servator GuRLiTT abgegebenes Gutachten beschließt 
die Z. K., die vom Pettauer Musealvereine beab- 
sichtigte Durchsuchung eines von der Rochus- 
kapelle bekrönten Hügels in Haidin zu befür- 
worten, da dieser Hügel zweifellos ein Werk von 
Menschenhand ist. 

Tirol 

Ref. Much: Konservator Untergasser berichtet 

über vorgeschichtliche Funde, welche bei 

Grundaushebungen für einen Klosterbau auf einem 

Burgstall genannten Hügel oberhalb Welsberg an 



der Pustertalbahn gemacht wurden, i. Drei starke 
Hämmer aus rotem Sandstein, zwei nur auf fünf 
Seiten bearbeitet, ohne Stielloch und als Schleif- 
stein benützt; einer ganz erhalten, aber nicht voll- 
endet; mehrere Schleifsteine, vierkantig und läng- 
lich, aus feinem schwarzen oder gelblichen Stein; 
aus letzterem Stein auch ein Stück einer Säge. 
2. Gefaßscherben von verschiedenartigem Material: 
schwarze (Graphit), graue mit Sand untermengt, 
hochrote (sigillata), große -Stücke dickwandiger 
Töpfe aus Speckstein u. a. Hand- und Scheiben- 
arbeit. 3. Ein starker Eisenring, mehrere kleine 
Stücke Bronzeblech, sehr dünn und unregelmäßig 
zusammengenietet. 4. Verschiedene angebrannte 
und mürbe Knochen, darunter eine menschliche 
Kinnlade und eine große, gut erhaltene Hirsch- 
geweihrose. 



Sitzungen vom 16. Juni 1905 (4. Sitzung des Ple- 
nums, 12. Sitzung der II. Sektion). 

Anwesende: Der Präsident (Vorsitzender). — 
Mitglieder: Castelliz, Deenisger, DvoßÄK, 
Hermann, Kenner, Neuwtrth, Redlich, Sch aeffer, 
V. ZuMBU.scH. — Korrespondent v. Ottenthax. 
— Schriftführer; Bauer. 

Böhmen 

Ref. DvoßAK: Konservator Wiehl spricht sich 
gegen die geplante Ausmalung der Castallus- 
kirche in Prag nach der vorgelegten Skizze aus; 
die Z. K. schließt sich dem Gutachten des Kon- 
servators an. 

Ref. Neuwirth: Konservator Wiehl berichtet, 
daß durch das zufallige Abfallen des Mörtelver- 
putzes von der Fassade des Hauses n. 4/I am 
Kleinen Ring in Prag Sgraffiti zutage traten 
und bloßgelegt wurden. Es ist nur eine verhältnis- 
mäßig kleine, aber zusammenhängende Partie 
erhalten: eine Justitia, darüber eine bärtige männ- 
liche Figur mit einer Keule auf einer Kugel 
stehend, zu Füßen eine Hydra; zwischen beiden 
Figuren eine fortlaufende friesartige Dekoration 
mit eingefügten länglichen schildförmigen Bildern 
(vielleicht Darstellungen aus Ovids Metamorphosen); 
eine dritte nur zur oberen Hälfte erhaltene Figur 
konnte nicht bestimmt werden; zwischen den 
Figuren sind Reste von Ornamenten, Grotesken 



Sitzungen vom l6. Juni 1905 



226 



und Umrahnuing-fn sichtbar. Durch den Umbau 
des Hauses in der Barockzeit haben die Sgraffiti 
sehr gelitten; ihr künstlerischer Wert ist ung-leich. 
Die Bilder sollen unberührt belassen bleiben, bloß 
die Umrahmungen jener Linien, wo der neue 
Verputz an die Sgraffiti anschließt, sollen möglichst 
in gvradin Linien abgegrenzt werden, um den 
ruinösen Eindruck zu mildern. Pausen und Photo- 
graphien nach den Sgraffiti sind anzufertigen. 

Ref. Dv(ii'(ak: Konservator Jicinsky berichtet, 
daß die Filialkirclie zu Bedfichovic restauriert 
werden soll, wobei die Entfernung des mit einer 
figuralen Malerei aus dem Jahre 1761 versehenen 
Plafonds in Aussicht genommen ist; die Z. K. 
spricht sich dagegen aus. 

Ref. NiiuwiRTH: Korrespondent Fischer berich- 
tet, daß das „Kreuzstein" benannte Sühnkreuz 
aus demjahre 1 666 mit Inschrift an dem Verbindungs- 
wege von Gablonz a. N. nach Seidenschwanz 
und Kukan an seinem gegenwärtigen Aufstel- 
lungsorte gefährdet sei und daher in das Gablonzer 
Stadtmuseum übertragen werden solle. Durch einen 
Situationsplan und genaue Beschreibung soll der 
frühere Standpunkt des Steines festgehalten werden. 
Die Z. K. erklärt sich hiemit einverstanden. 

Ref. DvofeAK: Konservator Vomacka berichtet, 
daß die Restaurierung der Bartholomäuskirche 
in Kolin nach dem von der Z. K. genehmigten 
Projekte durchgeführt wird. Die Fundamente der 
älteren Teile der Kirche werden gesichert, drei 
schadhafte und deformierte Strebepfeiler durch 
neue ersetzt, die schadhafte nordwestliche Ecke 
des nördlichen Turmes unterfangen und in zwei 
Etagen beider Türme starke .Schließen gezogen. 
Der provisorische Abschlußgiebel soll durch einen 
neuen ersetzt werden. Hinter einem .Seitenaltare 
wurde eine einflügelige Tür (Fig. 60) aus Birn- 
baumholz mit schönen Zierbändern gefunden, die 
von dem Seiteneingange an der Nordseite des 
Schiffes herrührt. 

Ref. Dvoß.ÄK: Richard Baron Dräsche teilt mit, 
daß die jüngste Felsabrutschung des Kune- 
titzer Berges (vgl. Mitt. 1904, 300) nicht durch 
den Betrieb seiner Steinbrüche erfolgt ist, welche 
in spärlichem Umfange und so ausgebeutet werden, 
daß von einer Gefahrdung der Ruine absolut nicht 
die Rede sein könne. Die Felsabrutschung sei 
vielmehr dem Betriebe des Holitzer Bezirksstein- 
Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission 1905 



bruches zuzuschreiben. Die Z. K. beschließt, sich 
an die Bezirksvertretung wegen Einstellung des 
Betriebes zu wenden. 

Ref. NiaiwiRTH: Konservator Hof.mann berichtet, 
daß die barocke, im Äußern und Innern reich- 
geschmückte Pfarrkirche zu Liebotschan einer 
Restaurierung- bedürfe. Die Schäden an den 




Fig. 60 Holztüre aus der Bartholomäuskirche in Kolin 

Dachungen des Schiffes wurden bereits im Vor- 
jahre ausgebessert. Mangels verfügbarer Mittel 
könnte nur außer der Restaurierung der Turmhelme 
die Herstellung eines glatten Verputzes ins Auge 
gefaßt werden, wodurch dem Gotteshause sein 
schönster äußerer Schmuck geraubt würde. Die 
Z. K. beschließt, sich um die Aufbringung weiterer 
Mittel zu bemühen, um eine entsprechende Restau- 
rierung zu ermöglichen. 

16 



227 



'Sitzungen vom 1 6. Juni 1905 



228 



Ref. DtoSAk: Korrespondent HraSe berichtet, 
daß das städtische Museum in Xachod in drei 
geräumige Säle des neuen städtischen Rathauses 
übertragen wurde. Die Gegenstände sind wohl 
geordnet und verschlossen. Auch das städtische 
Archiv wurde im Rathause untergebracht. 

Ref. DvoSAk: Konservator Pippich berichtet, 
dal3 aus Kommunikationsrücksichten das Gebirgs- 
tor in Neustadt a. d. Mettau demoliert wurde, 
ohne daß er davon benachrichtigt worden wäre. 
Die Z. K. protestiert gegen die ohne jedes 
Einvernehmen mit ihr erfolgte Demolierung und 
hätte, wenn die Niederreißung des Tores un- 
abweislich gewiesen wäre, wenigstens seine ge- 
naue bildliche und beschreibende Aufnahme ver- 
anlaßt. 

Ref. Neuwikth: Die Z. K. erklärt sich mit dem 
Programme für die Restaurierung der Gemälde: 
Gründung des Servitenordens und hl. Prokop in 
der Religionsfondskirche zu Taucherschin 
sonst einverstanden; nur will sie Erhebungen über 
den kunsthistorischen Wert des letztgenannten 
Bildes pflegen, der ein so geringfügiger sein soll, 
daß er den Aufwand für die Restaurierung kaum 
rechtfertigen würde. 

Ref. DvoftÄK: Konservator Wikhl berichtet, 
daß die Ruine Tetin durch einen in der Nähe 
betriebenen Steinbruch auf das bedenklichste ge- 
fährdet sei: die Z. K. beschließt sich um Einstellung 
des Betriebes zu bemühen (vgl. Sp. 127). 

Die böhmische Statthalterei teilt mit, daß die 
Aufstellung eines alten Grabsteines und die 
Reinigung einer alten Steinplatte an der Kirchen- 
mauer zu Tfebosik durchgeführt wurde. 

Bukowina 
Ref. Neumann: Konservator Kölbenheyer be- 
richtet über ein in def Vorhalle der Kloster- 
kirche zu Woronetz angeblich vorhandenes 
eisernes Gitter samt Schloß sowie über einen 
angeblichen unterirdischen Gang dortselbst. 

Dalmatien 
Ref Neimanx: Konservator Bulic berichtet über 
die Restaurierung der Loggia in Lesina. Der 
Uhrturm wurde gänzlich in der alten Form restau- 
riert, die beiden Löwen wurden in der westlichen 
neu aufgeführten Umfassungsmauer der Loggia 



eingemauert, die Hauptfassade unter teilweiser 
Verwendung neuen Materiales neu aufgeführt. 

Ref. Dvoft.iK: Die Z. K. beschließt die Ge- 
währung einer Staatssubvention für die vom Ver- 
eine Bihac in Spalato beabsichtigten Ausgra- 
bungen zu befürworten. Seine bisherigen Grabungen 
in Bihac haben beachtenswerte Resultate gehabt. 
Es ist nicht nur eine Kirche und Klosteranlage 
des IX. Jh. bloßgelegt worden, sondern man fand 
hiebei nebst vielen Gegenständen der römischen 
Periode und nebst vielen römischen und mittel- 
alterlichen Inschriften auch eine große Anzahl von 
ornamentalen plastischen reichgeschmückten Bau- 
gliedern des IX. Jh., welche sich genau datieren 
lassen, und deshalb eine nicht geringe Bedeutung 
für die Geschichte des sog. Langobardischen 
dekorativen Stiles besitzen. 

Galizien 

Ref. Hermann: Konservator Czolowski bean- 
tragt, daß die dringlich notwendige Restaurierung 
der alten Holzkirche in Malnow auf die Aus- 
wechslung der morschen Balken, die Befestigung 
loser Teile durch Klammern und die Neubedachung 
beschränkt werde. Die Z. K. erklärt sich hiemit 
einverstanden. 

Kärnten 

Ref. DvoftAK: Die Z. K. beschließt eine Unter- 
suchung der Wandmalereien in der Filial- 
kirche St. Martin bei Niedertrixen einzuleiten 
und sich dahin zu verwenden, daß die Malereien 
durch die bevorstehende Restaurierung der Kirche 
nicht gefährdet werden. 

Küstenland 

Ref. DvoftAK: Konservator Graf Attems berich- 
tet, daß der mit wertvollen Schnitzereien versehene 
barocke Holzaltar in der Filialkirche B. Maria 
Vergine del Soccorso zu Cormons durch einen 
steinernen ersetzt werden soll; die Z. K. beschließt, 
sich auf das entschiedenste dagegen auszusprechen. 

Ref. DvoSak: Die Z. K. beschließt, gegen das 
vorgelegte Programm für die Restaurierung der 
Wandmalereien in der Domsakristei zu Görz, 
soweit es sich auf die Fixierung der Fresken, die 
Farbenaustupfung der fehlenden Stellen und die 
Ergänzung des zur Hälfte erhaltenen Gemäldes 
mit der Krönung Mariens bezieht, keine Einwen- 



229 



Sitzungen vom l6. Juni 1905 



230 



dung zu erliebon, dagegen die Neuaulnialung des 
ehemals blauen Hintergrundes zu widerraten. Mit 
dem Projekte für die Neuausmalung' des Sakri- 
steizubaues erklärt sich die Z. K. einverstanden. 

Ref. DvoßAK: Die Z. K. beschließt, sich für 
die notwendigen Sicherungsarbeiten am Glocken- 
turme zu Neresine auszusprechen, dagegen das 
hiefür vorgelegte Projekt zu bemängeln, weil es 
in zu radikaler Weise eine Abtragung des Turmes 
von der ersten Etage an in Aussicht nimmt und 
zum gro(3en Teile einem Neubaue gleichkommen 
würde. 

Mähren 

Ref. Dkinincer: Die Z. K. spricht sich für den 
Wiederaufbau der durch Brand zerstörten Filial- 
kirche in Petersdorf aus, da diese einen beson- 
ders interessanten Typus von befestigten Holz- 
kirchen repräsentierte, ferner genaue Aufnahmen 
des alten Bestandes vorhanden sind, und da die 
Mauern und das Gewölbe des Presbyteriums un- 
versehrt erhalten blieben. Wenn auch die Z. K. 
nicht verkennt, daß durch einen solchen Wieder- 
aufbau kein vollwertiger Ersatz für das zerstörte 
Denkmal geschaffen wird, so wird sie bei ihrem 
Beschlüsse von der weiteren Erwägung geleitet, 
daß auch die Erhaltung der alten formalen Er- 
scheinung dieses Kirchentypus für die Nachwelt 
und die Wiederherstellung des landschaftlichen 
Bildes von großem Werte ist. 

Ref. Houdek: Konservator Chilla berichtet 
über die geplante Restaurierung der Pfarrkirche 
St. Martin in Trebitsch: Der Freilegung der 
ursprünglich bestandenen Oberlichten in den beiden 
Kapellenkuppeln und der damit zusammenhängen- 
den Umgestaltung der jetzt mit Schieferplatten 
verkleideten Kuppellaternen habe er unter der 
Voraussetzung zugestimmt, daß dabei auf die Er- 
haltung der Deckenmalerei entsprechend Rücksicht 
genommen werde. Die Umgestaltung des Kreuz- 
gewölbes im Presbyterium in ein Stichkappen- 
tonneng-ewölbe habe er widerraten. Die Z. K. 
erklärt sich hiemit einverstanden. 

Nieder-Österreich 

Ref. Rkdlich: Konservator Mavkk legt ein 
Exemplar seiner Druckschrift „Geschichte des 
niederösterreichischen Landhauses von 1513 
bis 1548" vor. 



Ref. Zu.muusch: Mit dem Ersätze des vom 
Basisrande der Dreifaltigkeitssäule am Hohen 
Markte in Wien I abgebrochenen Stückes erklärt 
sich die Z. K. einverstanden. 

Ref. Zumbusch: Die; Z. K. wird auf den drohenden 
Verkauf der vom Bildhauer Lemongne herrüh- 
renden, derzeit Wien IV Karolinengasse 28 auf- 
bewahrten Statue „Medea und ihre Kinder" in 
das Ausland aufmerksam gemacht. Sie beklagt 
diesen Verkauf ohne jedoch in der Lage zu sein, 
die Erwerbung der Statue für ein inländisches 
Museum in Antrag zu bringen. 

Ref. Hekmann berichtet, daß an der Maria- 
Treu-(Piaristen-)Kirche in Wien VIII Erhal- 
tungsarbeiten ohne Veränderung des derzeitigen 
Bestandes in Ausführung begriffen sind. Die schad- 
hafte Blechdeckung der Turmhelme wird teilweise 
erneuert, die Tünche von der Hauptfassade ent- 
fernt, ihre Steinteile unverputzt belassen, die schad- 
haften Putzflächen mit Mörtel überrieben, die V^er- 
goldung an den Turmhelmen und einigen Emblemen 
der Hauptfassade aufgefrischt. Die Z. K. i.st damit 
einverstanden. 

Ref. Hermann: Korrespondent Gerstmeyer be- 
richtet, daß das von der Wiener Bürgerschaft 
errichtete Grabmal des Feldmarschalls Grafen 
Clerfayt, auf dem Hernalser Friedhofe in 
Wien XVII, mit Ölfarbe über.strichen wurde. Die 
Z. K. beschließt, sich dahin zu verwenden, daß 
der Ölfarbenanstrich bei derartigen Steinmonu- 
menten vermieden werde. 

Ref. Hermann: Die Z. K. beschließt, sich für 
die Durchführung der notwendigen Sicherungs- 
arbeiten an der barocken Kreuzesgruppe am 
Währinger Ortsfriedhofe in Wien XVIII und 
für die Übergabe einiger schmiedeeiserner Grab- 
kreuze dieses Friedhofes an das Museum der 
Stadt Wien auszusprechen. 

Ref. Zumbusch berichtet über die durchgeführte 
Untersuchung der Denkmale an der Außenseite 
der Pfarrkirche zu Eggenburg. Sie bedürfen 
nur einer Festigung, Sicherung und Reinigung 
unter Vermeidung jedweder Ergänzung. Die zwi- 
schen dem Ölbergepitaph und der Kirchenmauer 
entstandenen Fugen sind mit Matscheko oder Purk- 
polzer-Material auszufüllen, die zahlreichen in der 
Tiefe sitzenden Wespennester zu entfernen, das 
Monument vorerst trocken abzubürsten, dann mit 

16* 



231 



Sitzungen vom l6. Juni 1905 



232 



Wasser abzuwaschen, das vermorschte Brett hinter 
dem Mittelbild durch Matscheko zu ersetzen, der 
untere mit Fig'ur und Spruchband verzierte Träger 
gerade zu richten und zu diesem Zwecke die Basis 
durch eine neue zu ersetzen. In gleicher Weise 
ist das andere Epitaph zu reinigen, die offenen 
Fugen zu verkitten, das fehlende Stück des Mittel- 
bildes mit Matscheko auszufüllen, der rote Marmor 
durch Einreibung mit Nul3öl aufzufrischen. Die 
Z. K. erklärt sich hiemit einv'erstanden. 

Ref. Castelliz: Konservator Hammerl berich- 
tet, daß nach der in Kirchberg am Walde 
abgehaltenen Lokalkommission eine Befestigung 
der Holztraversen am Musikchor der Pfarrkirche 
dortselbst durch Eisenklammern genüge, ferner 
außer den von der Z. K. beantragten Arbeiten die 
Anbringung einer Steinplattenpflasterung rings 
um die Kirche zur Ableitung des Regenwassers 
angeordnet wurde. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung des Kremser Schmidtschen 
Cäcilienbildes in der Piaristenkirche in Krems 
eine Subvention von 600 K. 

Ober-Österreich 

Konservator Ubell berichtet, daß aus der 
Pfarrkirche zu St. Agatha ein Gemälde aus 
der zweiten Hälfte des XVII. Jh. mit dem Mar- 
tyrium der hl. Agatha seinerzeit entfernt und einer 
Restaurierung unterzogen wurde, welche von dem 
ursprünglichen Gemälde fast nichts übrig ließ; die 
Z. K. bedauert auf das lebhafteste diese Zer- 
störung des Bildes, gegen dessen Verkauf sie 
unter den obwaltenden Umständen nichts einzu- 
wenden hat. 

Ref Xecwtrth: Konservator Schiiidel berichtet, 
daß die Malereien über dem Hochaltare der 
Pfarrkirche zu Losenstein in diskreter Weise 
aufgefrischt wurden. Durch die Tünchung der 
Wände an der Evangelienseite wurde die Darstel- 
lung der beiden Reiter und der Madonna verdeckt. 
An der Außenseite des Triumphbogens war nur 
die Jahreszahl 171 7 zu erkennen. Die Z. K. spricht 
sich gegen die Wiedereröffnung des Fensters im 
Abschlüsse des Presbyteriums aus und verlangt 
die Vorlage einer Skizze für das an der Epistel- 
seite des Presbyteriums anzubringende Wappen 
der Losensteiner. 



Ref Neiwikth: Konservator ScHMmEL berichtet, 
daß der barocke Hochaltar und die barocke Kanzel 
aus der Pfarrkirclie in Xußbach durch neu- 
gotische Objekte ersetzt werden sollen; der Altar 
soll im Stifte Schlierbach zur Aufstellung ge- 
langen. Die Z. K. beschließt, .sich für die Be- 
lassung des Altares und der Kanzel in der Kirche 
auszu.sprechen. 

Ref. Zuiibvsch: Konservator Mf.ixdl berichtet, 
daß die an der Pfarrkirche in Schärding be- 
findlichen Grabdenkmale bei dieser verbleiben, 
soweit sie schadhaft sind, renoviert und in das 
Innere der Kirche versetzt werden sollen. 

Ref. Zumbusch: Der Verein zur Errichtung- 
einer städtischen Sammlung in Schärding 
teilt mit, daß er die Epitaphien, die in der Stadt 
und in den umliegenden Bauernhöfen als Pflaster- 
steine verwendet werden, sammeln und in der 
Stadt entsprechend zur Aufstellung bringen wolle. 
Die Z. K. begrüßt das Unternehmen und beschließt 
hiefür eine Subvention von 50 K zu bewilligen. 

Ref. Herüanx: Konservator ScHinnEL berichtet 
daß über seine Intervention von der beabsichtigten 




Fig. 61 Marmorplatte von der Mensa in der 
Sierninger Pfarrkirche 

Erweiterung der Pfarrkirche in Sierning durch 
Verlängerung des rechten Seitenschiffes bis an das 
Ende des Presbyteriums abgesehen wurde. Der bau- 
fällige Hochaltar wurde abgetragen; .seine Mensa 
ist eine Marmorplatte mit Inschrift (Fig. 61) aus dem 
Jahre 1288. Die Wiederv-erwendung der Mensa 
für den neuen Hochaltar war nicht zu erreichen, 
doch soll sie an einem Seitenaltar verwendet 
werden. Im Presbyterium wurden die drei rück- 
wärtigen Fenster von der teilweisen Vermauerung 



22>i 



Sitzungen vom i6. Juni 1905 



234 



befreit, mit Steinmaßwerk und (jlasiiuilereien ver- 
sehen. An der Evangelienseite zeigten sich nicht 
mehr lesbare Inschriften; an der Rückseite des 
Presbyteriums kamen schwache Reste von Fresken 
zutage: eine kniende Ge.^talt vor einem Stehenden, 
nur mehr in spärlichen Fragmenten erhalten, hinter 
dem Hochaltare nicht mehr zu entziffernde Buch- 
staben und die Jahreszahlen 1518 und 1565; ferner 
undeutliche Spuren einer Vorhangmalerei in gelb- 
lichen und braunen Farben. 

Der neue Altartisch wurde an der Rückseite 
und den Seitenwänden aus den Quadern der alten 
Mensa erbaut, das Stabwerk beibehalten ; der 
Altaraufbau, in gotischem Stile gehalten, war zu 
hoch, so daß das Presbyterium abgegraben werden 
mußte. Der Raum wurde neu bemalt. Um Har- 
monie mit dem Hochaltar zu erzielen, soll die 
Kanzel, ein schönes reich geschmücktes Werk der 
Barocke von nicht unbedeutendem Kunstwert, 
durch eine neue, im pseudogotischen Stile gehaltene, 
ersetzt werden ; die Z. K. beschließt, sich auf das 
entschiedendste dagegen auszusprechen. 

Ref. Neltmann: Konservator Schmidel berichtet, 
daß er neben dem Schnallentor in Steyr ein 
als Pflasterstein in einem Rinnsal verwendetes 
Fragment eines Grabsteines heben und dem 
Museum übergeben ließ. Der Stein ist aus rotem 
Marmor (39 X 22 X 12 cm)^ zeigt einen Schild, darin 
eine Tierfigur, darüber einen Helm mit geschlos- 
senem Visier und reich entwickelter Decke. 

Salzburg 

Ref. Castelliz: Konservator Romstorfer be- 
richtet, daß am nördlichen Rundturme der Festung 
Hohensalzburg der schadhafte Verputz durch 
neuen Spritzbewurf ausgebessert wurde, wodurch 
die behandelten Stellen gegenüber dem alten ver- 
witterten Verputze in greller Weise kontrastieren; 
der Konservator gab Ratschläge, um einen tun- 
lichsten Einklang mit dem alten Verputze zu ge- 
winnen. 

Ref. Ca.strli.iz: Konservator Ro.mstorfer be- 
richtet, daß am Kon ventst(")ckel in Salzburg 
Adapticningsarb(,''ten vorgenommen wurden, wel- 
che den alten Bestand in keiner Weise tangierten. 
In Aussicht genfimmen ist die A u.sbesserung der 
Fassade, wobei mit dem Konservator das Einver- 
nehmen gepflogen wird. 



Ref Castki.i.iz: Konservator Ro.mstokmck be- 
richtet, daß an der Fas.sade der dem romanischen 
Portale vorgelagerten Vorhalle der St. Peterskirche 
in Salzburg der Mörtel abgeschlagen werden und 
das Mauerwerk aus Konglomerathau.stein unverputzt 
bleiben soll. Zur ebenen Erde wurde an beiden 
Seiten des Portales das dreiteilige romanische 
Fenster (ähnlich jenem im Stiftskreuzgange) ent- 
deckt; die Säulen die.ser Fenster sollen freistehend 
bleiben in einer Nische von 46 cm Tiefe, deren 
Wände unverputzt zu belassen wären. Die Z. K. 
erklärt sich damit einverstanden. 

Ref Castelliz: Konservator Rom.storfick be- 
richtet, daß in der Rupertus- oder Kreuzkai)elle 
am Petersfriedhofe in Salzburg die Gewölbe- 
und Wandstukkoarbeiten des Presbyteriums gerei- 
nigt und teilweise ergänzt werden. 

Schlesien 

Ref Redlich: Konservator Kürschner be- 
richtet, daß er mit der Ordnung des fürstlich LiCHr 
NowsKYschen Familienarchives in Bolatitz be- 
traut wurde; das Archiv enthalte ungefähr 600 Ur- 
kunden vom Jahre 1284 bis auf die Gegenwart. 

Ref Neumann: Offizial Holoübek legt die 
Photographie eines Grabsteines an der Dreifal- 
tigkeitskirche in Teschen vor. 

Steiermark 

Ref Luschin: Der Ausschuß des steier- 
märkischen Kunstgewerbevereines in Graz 
legt den Rechenschaft.sbericht über das Jahr 1 904 
vor. Die Z. K. entnimmt daraus mit Befriedigung, 
daß der Verein auch im abgelaufenen Jahre eine 
eifrige und ersprießliche Tätigkeit entfaltet und 
die Sammlungen des Museums in ansehnlicher 
Weise vermehrt hat. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. bewilligt für 
die Restaurierung der Filialkirche S. Lorenzen 
der Pfarre St. Georgen ob Murau eine Subven- 
tion von 500 K. 

Ref Zumbusch: Konservator Lacher berichtet, 
daß nach seinem Antrage an der restaurierung.s- 
bedürftigen Mariensäule auf dem Hauptplatze 
von Murau die losen Marmorverkleidungen des 
Sockels, einige Gesimsstücke und einige Platten 
vorsichtig eingeschoben und mit Eisenklammern 
b(^festigt, die Fugen vergossen werden sollen; die 



235 



Sitzung vom 30. Juni 1905 



236 



später hinzugekommenen Statuen mit ihren Sockehi, 
die ohne Kunstwert und gänzlich verwittert sind, 
werden entfernt und an der Kirchhofmauer der 
Franziskanerkirche aufgestellt; das Gitter wird 
ausgebessert und auf eine gut fundierte Marmor- 
unterlage gebracht; die Z. K. erklärt sich damit 
einverstanden. 

Ref. Hf.rmanx: Konservator Wist bezeichnet 
es als unzweckmäßig, Kopien der Skulpturen der 
demolierten St. Luziakapelle bei der Pfarrkirche 
in Sachsenfeld in der Taufkapelle der neuen 
Kirche anzubringen, da sie nicht als Ersatz für die 
alten Ornamente, deren farbige Ausstattung nicht 
kopiert w^urde, und für die Fresken des Decken- 
gewölbes und das übrige Ensemble der stimmungs- 
vollen Kapelle angesehen werden können. Der 
Konservator beantragt, daß die bereits angefertig- 
ten Abgüsse dieser Ornamente, wenn in einem 
Museum nicht Raum für sie vorhanden wäre, in 
der Taufkapelle aufbewahrt werden; die Z. K. 
erklärt sich damit einverstanden. 

Tirol 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. gibt bekannt, 
daß es Schritte eingeleitet habe, damit bei Adap- 
tierung des in den Besitz der Kreditanstalt für 
Handel und Gewerbe übergegangenen Hauses 
Innsbruck Maria-Theresienstraße 36 die mit 
Malereien geschmückte Fassade unversehrt erhalten 
werde. 

Ref. Deinisger: Die Z. K. genehmigt ein für 
die TrockenlegTing der Mauern zur Sicherung der 
wertvollen Fresken in der Kirche S. Pietro in 
Cembra vorgelegtes Projekt und beschließt, zu 
seinen Kosten eine Staatssubvention in Antrag zu 
bringen. 

Ref Neümann: Konservator Grienberger be- 
richtet, daß eine messingene Ewiglichtlampe, ein 
zerbrochener Glasluster und diverse zerbrochene 
Altarleuchter aus der Pfarrkirche in Kufstein 
verkauft werden sollen, und stellt eine Besichtigung 
der Objekte in Aussicht. 

Ref. Neuwirth: Das k. k. Ministerium f K. 
u. U. bewilligt für die Sicherungsarbeiten am Früh- 
messerturme zu Mals eine Subvention von 
600 K. Die Z. K. beschließt, sich dahin auszusprechen, 
daß die Ergänzung der fehlenden Säulchen in den 
Bogenfenstern auf das unbedingt Notwendige be- 



schränkt bleibe, die Fenster nur an der Wetter- 
seite verschalt, die Fensterbänke anstatt mit Zement 
mit Stein abgedeckt werden, und daß für den 
Abfluß der Niederschlagswässer vorgesorgt werde. 

Ref. Neumann: Die Bibliotheca Civica in 
Rovereto legt den Ausweis über ihre Vermehrun- 
gen im Jahre 1904 vor. 

Ref. Neuji.axn: Konservator D.^xxesberger be- 
richtet, daß bei Adaptierung der Casa Geremia 
in Trient für Zwecke des Steueramtes in die 
rückwärtige Fassade, deren Fenster den spät- 
gotischen Stil des Bischofs Hinderbach aufweisen, 
zwei neue Öffnungen mit rechteckigen Rahmen 
eingebrochen wurden; die Z. K. nimmt dagegen 
Stellung. 

Ref Dvoft.ÄK: Mit den für die Erhöhung der 
Feuersicherheit der Dachböden des Castello del 
buon Consiglio in Trient in Aussicht genom- 
menen Vorkehrungen erklärt sich die Z. K. ein- 
verstanden, wenn die aufzuführenden Isoliermauern, 
nach dem Antrage des Konservators Daxxesberger, 
nicht die Dachfläche überragen und so die Schloß- 
vedute schädigen, und die geplanten Funkenfanger 
in einer Weise und Form angebracht werden, daß 
sie den Charakter des Baues nicht beeinträchtigen. 

Vorarlberg 
Ref Zumbusch: Konservator Härtexberger be- 
richtet, daß die gotische, schmiedeeiserne Predigt- 
kanzel in der Pfarrkirche zu Feldkirch, welche 
bei ihrer Umänderung im Jahre 1655 ^^^ einem 
Sakramentshäuschen in eine Kanzel manche Ver- 
stümmelung erlitt, restauriert werden soll. Die Z. 
K. beschließt, sich dahin zu verwenden, daß sich 
die Arbeiten nur auf die notwendige Sicherung 
beschränken. 



Sitzung vom 30. Juni 1905 (13. Sitzung der 
IL Sektion). 

Anwesende Mitglieder: Castelliz, Deisinger, 
V. Förster (Vorsitzender), Hermaxn, Neu- 
^VIRTH. — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 
Ref. Förster macht Mitteilung über die im 
Zuge befindliche Demolierung eines barocken 
Palais Ecke der Brentegasse in Prag; die Z. K. 
beschließt, weitere Erhebungen zu pflegen. 



237 



Sitzung vom 30. Juni 1905 



238 



Ref. Neuwirth: Konservator Äugst berichtet, 
daß zur Sicherung der Begräbnis-(Dreifaltig'keits-) 
Kirche zu Böhmisch-Aicha die Herstellung 
eines Isolierungsgrabens längs der Nordwand, die 
Reparatur des Dachstuhles, die Neueindeckung mit 
Schindeln und die Herstellung einiger fehlender 
Butzenverglasungen in Aussicht genommen sei. 
Im Innern sollen die seitlichen Holzemporen ent- 
fernt, eine erweiterte Orgeltribüne errichtet, das 
Mobiliar ausgebessert und neue Bänke aufgestellt 
werden. Der total verfaulte, ehemals polychromierte 
Holzplafond soll durch einen aus Lärchenholz er- 
setzt werden. Die Z. K. beschließt, die Vorlagen 
von Skizzen für die Herstellungsarbeiten zu ver- 
langen. 

Ref. Neuwirth: Die Z. K. beschließt, Erhe- 
bungen über den baulichen Zustand des Glocken- 
turmes in Hohenmauth zu pflegen. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
die an dem Projekte für die Restaurierung der 
Pfarrkirche in Myscenec vorgeschlagenen 
Änderungen, die darin bestehen, daß der Orgel- 
chor in seiner jetzigen Gestalt belassen, die Fenster 
und die Fassade einfacher ausgeführt, die Wand- 
malereien geschont werden und von der Errich- 
tung einer neuen Sakristei abgesehen wird. 

Korrespondent Ankert berichtet, daß aus 
Rücksichten der Straßenerweiterung die Fried- 
hofsmauer in A It-Ossegg niedergerissen werden 
mußte; die Grabsteine bleiben erhalten und werden 
auf einem besonderen Teile des Friedhofes aufge- 
stellt; einer wurde dem Stiftsmuseum einverleibt. 

Kärnten 
Ref. Hermann: Konservator Groesser berichtet: 

1. daß die Pfarrkirche in Hermagor neu 
bemalt werden soll; 

2. daß er gegen die Demolierung der Graf 
Gaisruck-Kapelle bei Friesach protestierte und 
eine Restaurierung des Baues beantragte, wobei 
der eingebaute Musikchor zu belassen, der der 
Kirchensüdseite durch zwei Joche vorgelegte Chor- 
stiegenaufgang so zu stützen wäre, daß dadurch 
das erste gotische Fenster unter und in der Em- 
pore wieder besser zur Geltung kommt; die Stiege 
soll breiter und zweiarmig gestaltet und eine der 
steinernen Brüstung des Musikchores etwas näher 
gerückte Eingangstür gemacht werden; Fenster 



und Portale sind in ihrer gotischen Form herzu- 
stellen. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. gibt bekannt, 
daß es wegen Übertragung des Archives aus dem 
Stiftsgebäude in Ossiach in das Museum in 
Klagenfurt und wegen Restaurierung der Kirche 
in Ossiach die weiteren Schritte eingeleitet habe. 

Krain 

Ref DvoftÄK: Die Z. K. erhebt gegen die 
geplante Herstellung eines Entwässerungskanales 
an der Südseite der St. Georgskirche in Igg, 
die Ausbesserung des Verputzes im Innern und 
Äußern sowie die Erneuerung des Pflasters keine 
Einwendung, spricht sich jedoch gegen die An- 
bringung von Glasfenstern und Herstellung eines 
Eisengitters im gotischen Stile aus. 

Mähren 

Ref Neuwirth: Konservator Hrach berichtet, 
daß bei dem Umbau des Finanz-Landesdirek- 
tionsgebäudes in Brunn angeblich auch die 
untere wertvolle Partie, deren Erhaltung ursprüng- 
lich in Aussicht genommen war, demoliert werden 
soll; lediglich einzelne Teile wie die Portale, 
Fensterbrüstungsgitter u. dgl. werden beim Neu- 
baue wieder Verwendung finden. Die Z. K. be- 
schließt, weitere Erhebungen zu pflegen. 

Ref. DvoftÄK: Die Z. K. beschließt, sich dahin 
auszusprechen, daß an den Malereien im Stiegen- 
hause und im Zunftzimmer des alten Landhauses 
in Brunn nur die notwendigen Reinigungs- und 
Sicherungsarbeiten vorgenommen werden sollen. 

Ref Hermann: Konservator Rosm-^^^l berichtet, 
daß die Dreifaltigkeitssäule am Stadtplatze in 
Fulnek einer Restaurierung bedarf Um das 
Postament über das Straßenniveau zu heben, 
muß die Säule abgetragen und neu fundiert wer- 
den; die Architekturteile und Skulpturen bedürfen 
einer gründlichen Reinigung und in einzelnen 
Details einer Ergänzung. 

Ref DvoR.ÄK bezeichnet auf Grund seiner Unter- 
suchung die geplanten Ergänzungen an den 
Deckengemälden der Pfarrkirche in Tatte- 
nitz (Figur Gott Vaters im Dreifaltigkeitsbilde 
und Figur eines Trinitariers im Trinitarierbilde), 
da sie durch vorhandene Ansätze und die Kom- 
position gegeben .sind, als entsprechend und die 



239 



Sitxang »om 30. Jnni 1903 



240 



durchgeführte Restaurierung des Mariae Heim- 
suchungsbildes als einwandfrei. 

Ref. Schaeffer: Konservator Hrach berichtet. 
dai3 die Fresken im Presbyterium der Pfarrkirche 
zu Stignitz restauriert werden sollen; gegen die 
Anbringung färbiger Fenster im Schiffe sprach 
sich der Konservator aus. 

Xieder-Österreich 

Ref. Neuwirth beantragt auf Grund einer kom- 
misbionellen Erhebung, die Vornahme folgender 
Arbeiten im großen (Fest-)Saale und im kleinen 
(Sitzungs-)Saale der Akademie der Wissen- 
schaften in Wien I zu gestatten: Im großen 
Saale sind die Malereien auf das Vorhandensein 
lockerer Stellen zu untersuchen und diese zu be- 
festigen. Die späteren, infolge der Einsetzung 
eines Lusters vorgenommenen Cbermalungen in 
der Mitte der Decke sind zu belassen, Sprünge 
in den Ecken auszubessern. Im kleinen Saale sind 
die Malereien zu reinigen. Die Z. K. erklärt sich 
hiemit einverstanden. 

Ref. HERiL4xx: Gegen die an der Pfarrkirche 
Maria am Gestade in Wien I in Aussicht ge- 
nommenen Arbeiten (Erneuerung des Verputzes 
im Innern, teilweise Ergänzung der Gewölberippen) 
beschließt die Z. K. keine Einwendung zu erheben. 

Ref. Castelliz : Gegen die an der Pfarrkirche 
in Heidenreichstein in Aussicht genommenen 
Herstellungen (teilweise Unterfangung der Funda- 
mente, Auswechslung einzelner Holzteile, Aus- 
besserung von Stiegen, Fenstern, Bänken und 
Rinnen sowie Neubemalung) beschließt die Z. K. 
keine Einwendung zu erheben. 

Konservator Jordan berichtet, daß gegen die 
Einsetzung von Glasfenstern in der Filialkirche 
zu Oberdürnbach keine Einwendung zu er- 
heben sei. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
die Flüssigmachung eines Betrages von 2000 K 
für die Restaurierung der Gemälde von Alto- 
monte und Daniel Gran in der Domkirche zu 
St. Polten. 

Ober-Österreich 
Ref. Hermann: Kon.servator Schmidel be- 
richtet, daß eine Restaurierung der Gobelins in 
der Stiftskirche zu Garsten in Aussicht ge- 
nommen seL 



Ref. Hermann: Konservator ScHjnoEL berichtet 
über die Tätigkeit des Kirchenrestaurierung.s- 
vereines in Steyr im Jahre 1904. Die beiden 
Musikchorfenster erhielten neue Maßwerke und 
wurden mit Butzenscheiben verglast, die Tauf- 
kapelle erhielt ein neues Fenster mit der Dar- 
stellung Christi. In Aussicht genommen ist weiter 
die Rekonstruktion des wegen Baufälligkeit abzu- 
tragenden Turmhelmes der Margaretenkapelle 
unter möglichst weitgehender Wiederverwendung 
des alten Materiales. 

Ref. Sch.\effer: Das k. k. Ministerium f. K. 
u. U. genehmigt das Projekt für die Restaurierung 
der St. Wolfgangskirche in St. Wolfgang 
unter den von der Z. K. aufgestellten Bedingungen. 

Salzburg 
Ref. Castelliz: Konservator Romstokfer be- 
richtet, daß an der Einfriedung des Residenz- 
brunnens in Salzburg Ausbesserungen vorge- 
nommen werden sollen. 

Steiermark 

Ref. HERiL\NN: An der Pfarrkirche St. Peter 
in Aflenz wurden die dringendsten Sicherungs- 
arbeiten wie die Einziehung einer Eisenschließe 
und die Ausbesserung der schadhaften Bedachung 
vorgenommen. Die weiter projektierten Arbeiten 
sind vom Standpunkte der Denkmalpflege als zu 
weitgehend zu bezeichnen und würden den Alters- 
wert des Baues fast gänzlich vernichten. Die Z. K. 
empfiehlt daher folgendes Programm : Ausbesserung 
des schadhaften Verputzes, Freilegen des Hau- 
steinsockels, Einschränkung des Ersatzes von 
Quadern auf das möglichste Mindestmaß unter 
Vermeidung jedes Abpeckens der architektonisch 
gegliederten Werkstücke; Vertiefungen sind nicht 
zu verkitten, fehlende Teile nur wenn sie sehr 
auffallig sind zu ergänzen. Bei Einhaltung dieses 
Programmes erklärt sich die Z. K. auch bereit, 
eine Staatssubvention in Antrag zu bringen. 

Ref. Deinenger und Neuwirth empfehlen die 
Vornahme folgender Arbeiten an der Magda- 
lenenkirche in Judenburg: Am Äußeren 
Sicherungsarbeiten, Entfernung des Pflanzen- 
wuchses, Neubedeckung der Strebepfeiler, Ergän- 
zung derselben und der Schäden des Maßwerkes; 



241 



Sitzung vom 6. Juli 1905 



242 



die Öffnung- an der Südseite des Presbyteriums 
oberhalb der Sakristei ist mit einer neuen Tür zu 
schließen; der Verputz an den Kirchenwänden und 
am Turm ist durch einen Wei(3kalkmörtelverputz 
zu ersetzen ; Hausteine sind unverputzt zu belassen ; 
die Horizontalgliederungen aus Stein zu ergänzen; 
die Fugen der Sockelquadern sorgfältig zu ver- 
schliei3en; das über einem Grabkreuze vorsprin- 
gende Blechschutzdach an der rechten Turmseite 
ist zu entfernen; das Portal in der rechten Lang- 
hausmauer ist auszukratzen und an den unteren 
Teilen, wenn nötig,*zu ergänzen; der Sgraffitofries 
ist zu reinigen und zu ergänzen; Dachrinnen sind 
anzubringen; das Christophbild an der rechten 
Außenseite ist unberührt zu belassen. 

Im Innern sind im Presbyterium die Rippen 
von der Tünche zu befreien, die Wände neu zu 
verputzen und zu färbein, wobei auf das Vor- 
handensein von Wandmalereien zu achten ist. Das 
Gesimsstück über der Sakristei kann ergänzt 
werden; das Sakramentshäuschen i.st zu reinigen; 
die Glasmalereien, die aus Sicherheitsrücksichten 
aus den Fenstern herau.sgenommen werden mußten, 
sind wieder einzusetzen, fehlende Stellen mit 
Kathedralglas auszufüllen, der barocke Altar ist 
zu belassen, der Boden mit Kehlheimerplatten zu 
pflastern. Im Langhause sind Rippen und Wände 
der gleichen Behandlung zu unterziehen, das 
Fenster an der Nordseite sowie jene der südlichen 
Empore unverändert zu belassen; an der Einrich- 
tung ist nichts zu rühren. Die Z. K. erklärt sich 
hiemit einverstanden. 

Ref. Deininger: Die Z. K. beschließt, sich 
gegen ein für die Restaurierung des Rathauses 
in Knittelfeld ausgearbeitetes Projekt auszu- 
sprechen, weil dadurch die bisherige, dem ganzen 
Charakter der Stadt sich vorzüglich anpassende 
Erscheinung des Rathauses vollkommen zerstört 
würde. Die Z. K. empfiehlt, eine Restaurierung 
auf Bloßlegung der Hausteinglieder, Überreibung 
der anderen Fassadenteile mit Weißkalkmörtel und 
bauliche Sicherungsarbeiten zu beschränken. 

Tirol 

Ref. Hermann: Mit den an der Ehrenberger 
Klause in Aussicht genommenen Arbeiten (Siche- 
rung loser Teile, Vorkehrungen gegen das Ein- 
dringen der Feuchtigkeit) erklärt sich die Z. K. 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Koramission 1905 



einverstanden und beschließt eine Staatssubvention 
hiefür zu befürworten. 

Ref. Nkuwikth: Die Z. K. erklärt sich mit 
den an dem Margaretenkirchlein in Plans 
in Aussicht genommenen Herstellungen (Abgra- 
bung und Pflasterung der Terrains, Ausbesserung 
des Verputzes, Ersatz verfaulter Fensterrahmen, 
Ausbesserung des Vordaches, Bloßlegung der 
Wandmalereien u. dgl.) einverstanden und be- 
schließt, hiefür eine Staatssubvention in Antrag zu 
bringen. 

Ref. Neuwu^th: Die Z. K. beschließt, gegen den 
Verkauf des Altares aus der demolierten Schloß- 
kapelle in Wagrain in das Ausland sich aus- 
zusprechen, und falls das Ferdinandeum auf eine 
Erwerbung nicht reflektieren sollte, für die Auf- 
stellung des Altares in einer der benachbarten 
Kirchen, etwa der Nikolauskapelle nächst Wagrain, 
einzutreten. 

Vorarlberg 

Ref Neuwu^th: Die Z. K. beschließt, gegen 
die, angeblicher Baufälligkeit wegen und aus Kultus- 
rücksichten, geplante Demolierung der Pfarr- 
kirche in Koblach zu protestieren und zu er- 
heben, ob sich nicht eine Restaurierung und Er- 
weiterung der Kirche durchführen ließe. 



Sitzung vom 6. Juli 1905 (5. Sitzung der I. Sektion). 

Anwesende Mitglieder: Kenner (Vorsitzen- 
der), KuBiTscHEK, Reisch. — Konservator 
SzoMBATHY. — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 

Ref. Much: Korrespondent Schneider berichtet 
über Funde in der Umgebung von Königgrätz 
(vgl. unten Sp. 279 ff.). 

Ref Much: Wie Schulleiter Schubert be- 
richtet, fand man bei den Grabungen an der 
Stelle des alten Schlosses in Lautsc he inner- 
und außerhalb des Walles je eine Feuerstelle mit 
einigen Scherben, mit Hauern eines Wildschweines 
und mit Backenzähnen und Kopfknochen, wahr- 
scheinlich desselben Tieres. Eine dieser Scherben 
aus ungeschlemmtem oder nur grob geschlemmtem 
Ton (mit zahlreichen feinen Glimmerblättchen und 
4 bis 5 mm großen Quarzkörnern) stammt vom 

17 



243 



Sitzang vom 6. Juli 1905 



244 



oberen Rand e.nes Kochgefaßes, ein zweites vom 
Bajche desselben Gefäßes; beide tragen ein Orna- 
ment aus sich wiederholenden unregelmäßigen 
Bogenlinien. 

Ref. Much: Konservator Weixzierl berichtet, 
daß bei der Übersiedlung der Sammlungen des 
Museums in Teplitz in das neue Provisorium 
Schulgasse 20 alle unbrauchbaren Objekte der 
alten Bestände ausgeschieden und Doubletten an 
Schulen abgegeben wurden. 

Krain 
Ref. Reisch: Konservator Nowotny berichtet 
über die Ergebnisse der Fortsetzung der Aus- 
grabungen nächst der Wienerstraße in Laibach. 
Einige der am tiefsten [i'öo bis löof«) gelegenen 
Brandgräber im Westen ergaben prächtige Glas- 
gefäße, so einen kraterförmigen Becher aus blauem 
in Millefioritechnik weiß und rot getupftem Glas 
mit winzigen angesetzten Henkeln, einen fein- 
gerippten lichtgrünen Becher (darin ein Silber- 
näpfchen) und eine herrliche, flache, gerippte Schale 
aus dickem, braun, rot und weiß gesprenkelten 
Glasfluß. Das Grundstück Dehenghi ergab u. a. 
ebenfalls hübsche Glasgefäße und einen goldenen 
Ring. Eine größere Anzahl von Gräbern kann 
nach Münzen oder wenigstens nach (frührömischen) 
Provinzialfibeln ungefähr datiert werden. Im all- 
gemeinen scheint, soweit es sich bisher erkennen 
läßt, keines der Brandgräber über das erste nach- 
christliche Jahrhundert herabzureichen. Die im öst- 
lichen Teil gefundenen Skelettgräber zeigen eine 
strenge Orientierung von Süd nach Nord und 
weisen in der Mehrzahl der Fülle Grabbeigaben 
auf. Bei einem halbzerstörten Skelette fand sich 
ausnahmsweise eine Orientierung von Ost nach 
West. Beachtenswert ist Grab 134 mit einer Münze 
augusteischer Zeit und einem Ring mit Kamee; 
das jüngste bisher datier bare (n. 145) enthielt eine 
Münze des Septimius Severus ohne andere Bei- 
gaben. Der Bestattungsart nach sind von den 72 
atif einer zusammenhängenden Fläche von 340 vt- 
aufgedeckten Gräber: 

21 Ziegelgräber (darunter ein Doppelgrab), 
11 Amphorengräber, 

1 gemauertes, 

2 SteinkistengTäber, 

1 ist von Steinplatten umschlossen. 4 von einem Stein- 
mantel umgeben. 



bei 24 war eine Hülle nicht mehr sichtbar nachweisbar, 
8 sind Skelettgräber. 

Die Z. K. bewilligt zur Fortsetzung der 
Grabungen eine Subvention von 200 K. 

Küstenland 

Ref. Reisch: Konser\-ator Gxtrs berichtet über 
die Fortsetzung seiner Ausgrabungen auf Brioni 
grande (vgl. Sp. 292) sowie über römische 
Grabfunde in Caschierga und Zamasco (vgL 
Sp. 292 fg.). 

Ref. Reisch: Die Nachforschungen des Kon- 
servators Gxms nach Überresten des antiken 
skenischen Theaters in Pola haben, wie aus 
seinem Berichte zu erkennen ist, nennenswerte 
Ergebnisse gehabt: die umfassendsten Reste haben 
sich in dem städtischen Bauhofe an der Ecke 
der Via Zaro imd der Via della specola erhalten; 
festgestellt wurden eine monumentale Ouader- 
verblendung des hier eingeschnittenen Monte Zaro 
sowie Unterbauten einer Säulenhalle, die sich öst- 
lich an das antike Bühnengebäude anschlössen. 
Durch das Entgegenkommen des Bürgermeisters 
von Pola Dr. Stanich wird der Platz, auf dem 
derzeit Baumateriale und Abfälle abgeladen werden, 
soweit er Reste antiker Verbauung zeigt, fi-eigelegt 
und gereinigt; für weitere Versuchsgrabungen be- 
willigt die Z K. eine Subvention von 100 K. 

Nieder-Österreich 
Ref SzoiiBATHY: Die k. k. Bezirkshauptmann- 
schaft Tulln teilt mit, daß im Mai L J. auf der 
Ackerparzelle 98 7 des Gemeindegebietes Sieg- 
hartskirchen, links von der nach Kogl führenden 
Straße, beim Abgraben eines Hügels in der Tiefe 
von 06 bis 15 in iS Skelette und nachstehende 
Gegenstände gefunden wurden: 8 Urnen, in einer 
davon zerbrochene Teile eines eisernen Reifens: 
2 Bronze- Armspangen; 5 Ohrgehänge aus Bronze: 

1 silbernes Ohrgehänge; 5 eiserne Messer; 3 ver- 
zierte, 8 cm lange Beinröhrchen; i Beinnadel: 

2 Backenknochen von einen Wiederkäuer: 2 Pferde- 
zähne; 2 Rehgeweihe; bei 5 Skeletten verschieden- 
farbige Perlen, teils aus Glas, teils aus Ton imd 
teils mit Glas überzogen; 3 Teile von Grafittiegeln; 
I Grafitstein und verschiedene andere, nicht er- 
kennbare Sachen. Vor zehn Jahren sollen beim 
Baue der Bezirksstraße von Sieghartskirchen nach 
Kogl, rechts von der Straße gegenüber der Par- 



245 



Sitzung vom 6. Juli 1905 



246 



zelle 987, gleichfalls archäologische Funde ge- 
macht worden sein, über deren Schicksal nichts 
Näheres erkundet werden konnte. Es dürfte sich 
um frühmittelalterliche Reihengräber han- 
deln. Die Z. K. ersucht um die Einsendung der 
Fandstücke und faßt eine wis.senschaftliche Durch- 
forschung des Fundterrains ins Auge. 

Ober-Österreich 
Ref. HoERNEs: Konservator Schmidel legt einen 
Topfscherben vor, welcher bei den Grabungen 
auf der Hühnerleiten in Obergrundberg ge- 
funden wurde und von einem Gefäße der La- 
Tene-Periode stammen dürfte. 

Salzburg 

Ref. Reisch: Konservator Petter berichtet, 
daß anläßlich einer Kanalgrabung an der west- 
lichen Ecke des Domplatzes in Salzburg ein 
römischer Mosaikboden 170 in unter dem 
Niveau angetroffen worden sei. Dieser Mosaik- 
boden bedeckte einen von einer farbig bemalten 
Mauer begrenzten Gang. Seiner Dekoration in 
weiß, rot und schwarz ist ein einziges immer 
wiederkehrendes Motiv zugrunde gelegt; eine dunkel 
gehaltene Bordüre begrenzt ihn. Bisher wurden 
30 in^ bloßgelegt. 

Steiermark 

Ref. Luschin und Reisch: Der Pettauer 
Musealverein ersucht um h. a. Verwendung: 

1. wegen Abgabe eines in der Sakristei der 
Pfarrkirche zu St. Martin in Haidin eingemauerten 
römischen Reliefsteines an das Museum in Pettau; 

2. daß das zuerst ausgegrabene Mithraeum 
von Haidin ins Pettauer Museum übertragen werde; 

3. wegen Erwirkung einer Staatssubvention 
für die vom Vereine beabsichtigten Grabungen. 

Die sub i und 3 gestellten Gesuche beschließt 
die Z. K. zu befürworten, und zwar aus folgenden 
Gründen: Der Römerstein ist so tief in den Boden 
der Sakristei eingemauert, daß er fast nur bis 
zur Hälfte sichtbar ist, und der sichtbare Teil ist 
überdies durch die Besucher der Sakristei ge- 
fährdet. Die vom Vereine beabsichtigten Grabungen 
versprechen Erfolg und es sind alle Garantien 
ihrer fachgemäßen Durchführung gegeben. Der 
Übertragung des Mithraeums in Haidin beschließt 
die Z. K. hingegen nur dann zuzustimmen, wenn 
eine vom Generalkonservator der ersten Sektion 



vorzunehmende Besichtigung die zwingende Not- 
wendigkeit dieser Maßnahme ergibt. 

Ref. Kenner: Konservator Rtedl berichtet, 
daß innerhalb der Ringmauer von Uranje beim 
westlichen Zugang ein römischer Inschriftstein 
vermutlich des 111. Jh. nebst Resten von Menschen- 
knochen und Tonscherben gefunden wurde. Der 
Stein wurde dem Johanneum übergeben. 

Tirol 

Ref. Much: Die Eisenbahnbaudirektion Wien 
teilt mit, bei Durchführung der Erdarbeiten im 
Einschnitte 3g'35 der Linie Meran-Mals (Vintschgau- 
bahn) seien etwa 2 m unter der Erdoberfläche 
Asche, Knochen, Trümmer mehrerer Aschenurnen 
und eine geringe Anzahl von Bronzegegen-ständen 
(Fibeln, Sonden u. a.) aufgefunden worden. Die 
im hohen Maße angegriffenen Funde entstammen 
wahrscheinlich bronzezeitlichenBrandgräbern. 
Die Z. K. stellt es der Leitung des Museums Fer- 
dinandeum in Innsbruck anheim, die Funde für 
das genannte Museum zu behalten oder an das 
Meraner Lokalmuseum abzugeben. 

Ref. Much: Nach Mitteilung des Konservators 
Wieser ist bei den Funden auf dem Burgstall bei 
Welsberg eine prähistorische Wallburg nach- 
gewiesen worden; ihre Reste sind aber stark ver- 
wischt, da der Platz bis in die römische Zeit be- 
siedelt blieb. Durch die vom Berichterstatter vor- 
genommenen Grabungen wurden die Fundamente 
eines römischen Wohnhauses freigelegt, in dessen 
Schutt sich Scherben von Terra sigillata und von 
Amphoren fanden. 

Vorarlberg 
Ref. Hoernes: Konservator Schwerzenbach be- 
richtet, daß im Juni 1905 in Brederis bei Alten- 
stadt zwei Bronze nadeln gefunden und als gute 
Vertreter eines bekannten Typus der ältesten 
Bronzezeit zu bezeichnen sind; sie wurden in das 
Landesmuseum von Bregenz g-ebracht. Über die 
Fundumstände konnte nichts näheres eruiert werden. 
Es sei dies bereits der achte Fund aus prähisto- 
rischer Zeit, der in Altenstadt und dessen nächster 
Umgebung gemacht worden .sei, und somit ein 
weiterer Beweis dafür, daß wir daselbst auf eine 
größere Ansiedlung in vorrömischer Zeit schließen 
und noch weitere Ergebnisse erhoffen dürfen. 



247 



Sitznngen vom 7. Juli 1905 



248 



Sitzungen vom 7. Juli 1905 (14. Sitzung der ü. Sek- 
tion, 5. Sitzung des Plenums). 

Anwesende Mitglieder: Castelliz, Dvo6ak, 
Förster, Kenner (Vorsitzender des Plenums), 
KuBiTSCHEK, Necmann, Neuwirth (^''orsitzen- 
der der EL Sektion), Redlich, Reisch, Sch aeffer. 
Korrespondent v. Ottenthal. — Schrift- 
führer: Bauer. 

Allgemeines 

Ref. Redlich: Die k. italienische Botschaft 
in Wien übermittelt ein Exemplar der deutschen 
Übersetzung von Lcigi Morandis Werk: Die Er- 
ziehung Viktor Emanuels HL 

Ref Neuman.v: Korrespondent Ankert legt 
einen Aufsatz: „Bildhauer Follinger" vor. 
(S.-A aus den Mitteilungen des Vereines für Ge- 
schichte der Deutschen in Böhmen 1905.) 

Böhmen 
Konservator JicixsK^' berichtet, daß die Innen- 
wände der Filialkirche in Bedfichovic neu 
getüncht werden und die mit Sprüngen durch- 
zogene Decke gesichert werden soll, wobei darauf 
zu achten sein wird, daß die Malereien keinen 
Schaden erleiden. Die Z. K. erklärt sich damit 
ein%-erstanden. 

Ref. Dvoäak: Dr. Vinzenz KRAiiAfe berichtet 
(vgl. Sp. 319 ff) über die Bloßlegung der Wand- 
malereien in der Kirche zu Kardasch-Recic. 
Sie stammen aus dem X\TI. Jh. und waren mit 
Ausnahme einer Darstellung von zwei Heiligen 
nicht zu erhalten. 

Ref. DvoSak: Die k. k. böhmische Statthalterei 
übermittelt den Jahresbericht pro 1904 des 
engeren Restaurierungskomitees und die Über- 
sicht der zum Abschluß der Restaurierung der 
Burg Karlstein (vgl Mitt. 1904, 315 ff) noch not- 
wendigen Arbeiten. 

Ref Dvoft.iK: Konservator Dmä berichtet 
über die heraldisch und omamental reich ge- 
schmückten Balustraden und Chorbrüstungen in 
der Bartholomäus-Dekanalkirche zu Pardubitz. 

Dalmatien 
Ref Zl-mbüsch: Konservator Posedel berichtet, 
daß sich die Chorstühle in der Kirche S. Maria 
auf der Insel Mezzo im allgemeinen in einem 



gTiten Zustande befinden und daher nur einer 
Sicherung einzelner Teile und der Ergänzung 
weniger fehlender Stellen bedürfen. Die nicht mehr 
zu restaurierenden alten Betschemel sollen in der 
alten Form erneuert werden. Die Z. K. erklärt 
sich damit einverstanden. 

Ref DvoS.4k: Der Z. K. wird mitgeteilt, daß 
ein venezianischer Turm samt Brücke in Pago 
in vandalischer Weise demoliert worden sei. Der 
venezianische Löwe wurde aus beträchtlicher Höhe 
einfach vom Turm herabgestürzt, ohne glücklicher- 
weise Schaden genommen zu haben. Im Turme 
habe man antike Baustücke und antike Inschrift- 
fragmente gefunden. Die Z. K. beschließt, weitere 
Erhebungen zu pflegen. 

Ref Redlich: Konser\'ator Bulic berichtet, 
daß das Exemplar der Statutensammlung der 
dalmatinischen Städte aus der FAXFOGNAschen 
Bibliothek in Trau an die Universitätsbibliothek 
in Agram verkauft wurde. 

Kärnten 
Ref. Llschin: Der Geschichtsverein für 
Kärnten legt seinen Tätigkeitsbericht für das 
Jahr 1 904 vor. Erworben wurden vorgeschichtliche 
Funde vom Strappelkogel bei Forst aus der 
Mieß, der römische Torso aus Aichdorf bei 
Prävali (Mitt. 1903, 242 S.}. Die Ausgrabungen am 
Zollfelde wurden durch Konservator Nowotny 
fortgesetzt; er fand nebst einer Fülle von Wand- 
malereien einen gut erhaltenen eisernen Lampen- 
träger, Mosaikreste, eine römische Straße, 65 cm 
unter ihr eine zweite Straße und Fragmente von 
Marmorstatuen. Durch Versuchsgrabungen am 
Grazer Kogel konstatierte er einen Bau aus 
spätrömischer Zeit, zu dem ältere Werkstücke und 
Inschriftsteine verwendet w^orden waren; auch ein 
Relief und fünf Fragmente von Weihinschriften 
wurden gefunden. In Arndorf am Zollfelde stieß 
man auf ein Fragment eines römischen Relief- 
steines, beim Baue der neuen Straße von Wink- 
lern nach Pörtschach im Zuge der Römerstraße 
Virunum-Santicum auf römische Ziegel (Mitt. 1 904, 
218). Ein in St. Margarethen im Lavanttale ge- 
fundener römischer Inschriftstein wurde vom Kon- 
servator Herbert dem Geschichtsvereine überlassen. 
Erworben wurden weiters zwei Ölgemälde von 
Markus Pernhart, drei Werke aus dem Nachlasse 



249 



Sitzungen vom 7. Juli 1905 



250 



des Bildhauers Professor Jakob Wald (ein viertes 
wurde dem Vereine von Simon Laschttzkk ge- 
schenkt), gotische, bemalte Holzstatuen aus Vor- 
derkrems und aus der Pfarre Würmlach. Aus 
dem Nachlasse des Korrespondenten Beckh-Wid- 
MANNSTETTEK wurdcu einige auf Kärnten bezügliche 
Archivalien der Wolfsberger Bäckerbruder- 
schaft angekauft. Mit dem Drucke des vierten 
(Schluß-)Bandes der Monumenta historica ducatus 
Carinthiae wurde begonnen. 

Ref. Neuwirth: Die Z. K. beschließt eine 
Untersuchung der restaurierungsbedürftigen Glas- 
malereien in der Filialkirche zu Stallhofen 
und des Scorellschen Flügelbildes in der 
Pfarrkirche zu Ober-Vellach einzuleiten. 

Küstenland 

Ref. DvofiÄK teilt mit, daß das Gemälde 
Santa Conversazione von Bartholomäus Vivarini 
aus der Pfarrkirche zu Lussin grande pro- 
grammgemäß restauriert wurde; die Z. K. beantragt 
daher die Flüssigmachung der hiefür bewilligten 
Staatssubvention. 

Ref. Nf.umann: Korrespondent Slhiavuzzi be- 
richtet über historisch wichtige Wandmalereien 
in der Kirche S. Fiore in Pomer, deren Unter- 
suchung durch den Referenten die Z. K. einzu- 
leiten beschließt. 

Ref. Kenner: Korrespondent Moser berichtet 
über Römer funde in Simonitia nächst der 
Haltestelle Markovac an der Bahnlinie Triest- 
Parenzo. 

Ref. DvofiAK : Die Z. K. erklärt sich mit einem 
Projekte einverstanden, nach welchem an der 
Friedhofskirche in Woltschach der Glocken- 
turm restauriert und dringende Sicherungsarbeiten 
ausgeführt werden sollen, wobei sie jedoch von 
der projektierten Erneuerung des jetzigen flachen 
Dachstuhles des Turmes durch einen steil auf- 
steigenden abrät. 

Ref Redlich: Konservator Petris berichtet 
über die von ihm durchforschten Archive der 
Quarnerischen Inseln. Im Gemeindearchive von 
Lussin piccolo fanden sich keine Bestände von 
historischer Bedeutung vor. Das Gemeindearchiv 
von Ossero mit seinem wertvollen Inhalte ist 
gut verwahrt. Das Kirchenarchiv in Ossero ist 
wohl erhalten; es sind darin Tauf-, Ehe- und 



Sterbebücher seit 1564, drei Kirchenbücher des 
XII. Jh. und zahlreiche Urkunden. Das Gemeinde- 
archiv von Cherso soll in einem entsprechenden 
Lokale des Turmes in Kästen untergebracht werden; 
seine Bestände sind sehr interessant. 

Mähren 

Ref DvoßAK. teilt mit, daß der Platz vor dem 
alten Landhause in Brunn in der Weise regu- 
liert werden soll, daß das abfallende Terrain aus- 
geglichen wird. Das müßte zur Folge haben, daß 
das alte Landhaus auf eine hohe Rampe gestellt 
würde; dadurch würde nicht nur der ganze Reiz 
des stimmungsvollen Platzes zerstört, dessen un- 
gleiches Terrain mit dem der barocken Kunst 
eigenen Raffinement zu einer bedeutenden male- 
rischen Wirkung ausgenutzt wurde, sondern auch 
das alte Landhaus, das prunkvollste alte Gebäude 
Brunns, müßte den allergrößten Schaden erleiden, 
da es in Zusammenwirkung mit dem jetzigen 
Platze entworfen wurde und bei einer Aufstellung 
auf einer Rampe diese Wirkung vollkommen ver- 
lieren würde. Die Z. K. beschließt daher, gegen 
diese Art der Regulierung Einsprache zu erheben. 

Die fürstlich LiECHXENSTEiNsche Gutsverwaltung 
in Mähr.-Trübau teilt mit, daß eine größere Partie 
der Mauerreste der Ruine Cimburg bloßgelegt 
und vom Schutt befreit werden muß, bevor mit 
den Betonarbeiten begonnen werden kann. 

Ref. DvüftAK: Die Z. K. beschließt, über die an 
der Klosterkirche Porta coeli in Vorkloster not- 
wendigen Restaurierungen Erhebungen zu pflegen. 

Ref. Castelliz: Konservator Chilla berichtet 
1. über den noch zum Teile unter der Tünche 
verborgenen Freskenbestand in der Niklaskirche 
zu Znaim und regt ihre vollständige Bloßlegung 
an; 2. über die beiden Gruftgewölbe unter dem 
Presbyterium, in welchen lokalgeschichtliche, her- 
vorragende Persönlichkeiten bestattet wurden; auch 
unter dem Fußboden des Schiffes finden sich morsche 
Knochenreste vor, vermutlich aus dem früheren 
Friedhofe an der Kirche. 

Nieder-Österreich 
Maler Viertelberger berichtet, daß er die 
vollständige Bloßlegung und Reinigung der an 
der Abschlußwand des Chores der Minoriten- 
kirche in Wien I vorgefundenen Wandmale- 
reien durchgeführt habe. 



25 1 



Sitzangen Tom 7. Juli 1905 



252 



Ref. DvoÄAK teilt mit, daß bei Restaurierung 
des Hauses Wien XIX Sieveringerstrai3e 170 
rohe Fassademalereien aus dem XViil. Jh. zu- 
tage traten, welche ein schloßartiges Gebäude, 
eine Sonnenuhr und einen Ziehbrunnen mit einer 
an der Brüstung stehenden Figur (vielleicht eine 
Darstellung Christi und der Samaritanerin) er- 
kennen lassen. Die Malereien bleiben erhalten. 

Reff. Deininger und Neuwirth: Konservator 
Staub berichtet, daß das Bezirksgerichtsge- 
bäude (ehemals Puchheimsches Hof- oder Span- 
haus) in Kirchschlag umgebaut wurde. Der 
Hauptbau mit den Renaissanceportalen bleibt er- 
halten; der schmucklose und nüchterne Verbin- 
dungsbau wurde durch einen Neubau ersetzt. Die 
östliche Abschlußwand (der Rest des ehemaligen 
Rittersaales von großem kunsthistorischen und 
historischen Werte) wird als Abschlußmauer für 
den Arrestantenhof verwendet. Dagegen soll die 
Abschlußwand des Verbindungsbaues, welche mit 
der Wand des Rittersaales übereinstimmte, de- 
moliert werden. Die Z. K. bedauert auf das leb- 
hafteste, daß der Neubau ohne jegliches Einver- 
nehmen mit ihr hergestellt wurde, und daß sie 
daher durch die Verlegung der Bauflucht vor ein 
fait accompli gestellt wurde. Sie beschließt für 
eine möglichst vollständige Erhaltung der Ostwand 
einzutreten, soweit dies ohne störenden Einfluß 
auf den Neubau durchführbar ist, wobei unter 
ausdrücklicher Berufung auf die unter vollständiger 
Igfnorierung der Kompetenz der Z. K. geschaffene 
Sachlage der Demolierung der äußersten linken 
Achse zugestimmt werden kann. Die Mauer ist so 
abzuschließen, daß man an das jetzt vorletzte 
Pilasterpaar die außen abschließenden Büsten an- 
schließt und dann im rechten Winkel eine in der 
Architektur gleich gehaltene Mauer bis zum Neu- 
bau hinüberführt. An der inneren Seite des künf- 
tigen Gefängnishofes soll eine durchbrochene 
Stirnwand genau an der Stelle, wo früher die 
Ecke des Rittersaales sich befand, bis an das Ge- 
bäude geführt werden. Das dort befindliche Küchen- 
fenster ist entsprechend zu verschieben ; der Raum 
zwischen der durchbrochenen Stirnwand der pa- 
rallelen Außenwand soll als offene Halle verbleiben 
und, an den Gefangnishof anschließend, mit einem 
Pultdache gedeckt werden, dessen Traufe in der 
Höhe des Hauptgesirases der alten Hofwand zu ' 



liegen käme. In der letzten noch zu erhaltenden 
Achse und in den beiden darauf senkrecht genau 
aufzuführenden Achsen wäre der Aufbau über der 
Giebelverdachung mit den Büsten nachzuahmen, 
und es sollen hiefür die drei noch in Privatbesitz 
befindlichen Originalbüsten erworben und alle ver- 
stümmelten Teile dem alten Bestände analog er- 
gänzt werden. 

Alaler Viertelberger berichtet, daß er die 
Fresken im Passauerhofe zu Krems gereinigt 
und fixiert hat, wobei der neue Verputz einfach 
abgetönt wurde. 

Der Ausschuß des städtischen Museums in 
Krems teilt mit, daß die beiden Denksäulen 
(Marterln) aus dem XVII. Jh., welche an der 
Straße zwischen Krems und Stein an der Mauer 
des ehemaligen Kapuzinerklosters standen und 
anläßlich des Neubaues von zwei Häusern ab- 
getragen wurden, nicht, wie ursprünglich beab- 
sichtigt, wieder aufgestellt wurden, sondern um 
ihre Zerstörung zu verhindern, von dem Museums- 
ausschusse in Verwahrung genommen wurden. 

Ref. Neumann: Baumeister Brosig legt eine 
Photographie eines Kreuzes vom alten Friedhofe 
in Oberhollabrunn vor. 

Ref. Dvorak.: Die Z. K. beschließt, für die im 
Einvernehmen mit ihr in Aussicht genommene 
RestaurierungderPfarrkirche in Schöngrabern 
eine Staatssubfention zu befürworten. 

Ref. Neumann: Korrespondent Kiessling be- 
richtet: 

1. Beim Ausheben einer Vorratsgrube in der 
Scheune des Hauses n. 65 zu Langau (Ger. -Bez. 
Geras) stieß man etwa 60 cm unter dem Erdboden 
auf eine Stelle mit Asche und tierischen Knochen 
und Topfscherben aus schwarzem, graphitischem 
und rotem Ton, sämtlich stark glimmerhaltig; die 
Scherben aus rotem Ton sind ziemlich oberfläch- 
lich gebrannt. Unterhalb der Aschenschichte fand 
sich eine Art Pflasterung aus Bruchsteinen. Aller 
Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich hier um 
eine mittelalterliche Herd- oder Feuerstelle; 

2. an der rechten Seite des Wegbrückleins 
über den Mühlbach der Reisermühle in Drosen- 
dorf ist ein Bruchstück eines aus dem Jahre 1584 
datierten Wappensteines (22 X 84 au) einge- 
mauert: er zeigt drei Wappenschilde, in der Mitte 
das der Stadt Drosendorf; das Schild rechts trägt 



253 



Sitzungen vom 7. Juli 1905 



254 



ein Steinmetzzeichen, um dessen Längsstab sich 
eine Schlange windet; das linke Schild ein H, 
dessen rechte Hälfte oben zu einem rechten Winkel 
abgebogen erscheint; links von diesem Schilde ist 
ein -f- eingemeißelt; 

3. im Hause n. 24 zu Drosendorf ist ober- 
halb der Stalltür im Hofe ein Bruchstück ( 1 4 X - 3 cm) 
eines anderen Wappensteines mit dem Datum 
1518 eingemauert: in der Mitte ein Steinmetz- 
zeichen, zu beiden Seiten die Buchstaben P und L; 

4. in der Gartenmauer des Hauses n. 26 in 
Drosendorf ist ein stark beschädigter Wappen- 
stein mit der Jahreszahl 1548 eingemauert; 

5. mit derselben Jahreszahl ist eine ähnlich 
gehaltene halbkreisförmig gestaltete Wappen- 
platte aus Sandstein mit starkem Randwulst an 
der rückwärtigen Hofmauerseite des Schlosses 
Drosendorf eingemauert; 

6. im Herbste 1904 wurde in einem Kalk- 
steinbruche zu Unter-Thurnau bei Drosendorf 
eine Anzahl stark verwitterter Knochen unter 
einer i '/o »i starken Schichte Lehm in einer 
Felsspalte gefunden (vgl. oben Sp. 221). 

Ober-Österreich 
Ref. Kenner: Korrespondent Trampler legt 
seine Druckschrift „loviacum, das heutige Schlü- 
gen und seine Umgebung" (Beilage zum Jahres- 
bericht der Staatsrealschule Wien XX) vor. 

Steiermark 

Ref. Redlich: Korrespondent Mell legt seine 
Druckschrift „Das Archiv der steirischen Stände 
im steiermärkischen Landesarchive, Bericht über 
die vorläufige Ordnung desselben" vor. 

Ref. Neuwirth: Die Z. K. beschließt, sich für 
die weitere Belassung des Notdaches am Pavillon 
im Pfarrgarten zu Radkersburg auszusprechen. 

Tirol 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. gibt be- 
kannt, daß die angestrebte Erhaltung des der 
Kreditanstalt für Handel und Gewerbe gehörigen 
Hauses in Innsbruck, Maria Theresienstraße n. 36, 
sich nicht durchführen ließ, daß jedoch der Neu- 
bau dem Charakter der Maria Theresienstraße 
völlig angepaßt und die Fresken des alten Hauses 
herabgenommen und erhalten werden. 



Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die Erwerbung der alten Glocke vom Jahre 
1559 aus der Pfarrkirche in Ebbs eine Sub- 
vention von 800 K unter der Bedingung, daß die 
Glocke im Ferdinandeum zu Innsbruck unter- 
gebracht wird. 

Ref. Neuwirth: Konservator DEiNniGER be- 
richtet, daß in der Johanneskapelle im Salinen- 
gebäude zu Hall eine Trockenlegung der Wände 
und eine Reinigung der Deckengemälde vorge- 
nommen werden soll; femer spricht sich der Kon- 
servator dahin aus, daß die die Gemälde um- 
gebenden in Stukko ausgeführten Barockornamente 
von dem aus späterer Zeit stammenden violett- 
schwarzen Kalkanstrich befreit und in ihrer in 
Spuren noch vorhandenen ursprünglichen Bemalung 
hergestellt werden. Die Z. K. erklärt sich damit 
einverstanden. 

Ref Neum.\nn: Konservator Grienberger be- 
richtet, daß am Dachboden der Kirche zu Kuf- 
stein wertlose, außer Gebrauch gesetzte Gegen- 
stände (Feuerhund, ewige Lichtlampe, Glasluster, 
einige Leuchterfüße) aus dem XIX. Jh. verwahrt 
werden, gegen deren Verkauf er keine Einwendung 
erhob. Desgleichen nicht gegen den Verkauf von 
künstlerisch wertlosen Figuren aus der Mitte des 
XIX. Jh. aus der Pfarrkirche zu Ebbs. 

Ref. Neuwirth: Konservator Grienberger be- 
richtet, daß am Gewölbe der Leonhardskirche 
auf der Wiese bei Kundl Malereien zutage traten, 
welche dem ersten Viertel des XVI. Jh. angehören 
dürften. Ihre vollständige Bloßlegung wurde be- 
gonnen. Die Z. K. beschließt, eine Untersuchung 
durch den Referenten einzuleiten. 

Ref. DvoSAk: Über die in Antrag gebrachten 
Erhaltungsarbeiten am Castel Mani in der Ge- 
meinde S. Lorenzo beschließt die Z. K. Er- 
hebungen zu pflegen. 

Ref. Dvoä.Vk: Die Z. K. beschließt, eine Be- 
sichtigung des restaurierten Kreuzigungsbildes 
in der Christuskirche zu Pinnet im Vintschgau 
einzuleiten. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
den Generalplan der notwendigsten Restaurie- 
rungen des Castello del buon Consiglio in 
Trient mit den von der Z. K. beantragten x\nde- 
rungen und weist den mit der Ausführung der 
Arbeiten betrauten Oberingenieur Tommasi an, im 



?55 



Alois Rjegi. 



256 



engsten Einvernehmen mit der Z. K. und ilirem 
berufenen Konservator vorzugehen. Im laufenden 
Jahre sind vor allem die Arbeiten am Aquila- 
turme vorzunehmen. 

Ref Rkduch: Die Z. K. beschließt, zur Voll- 
endung der archivalischen Bereisung Nord- 
tirols eine Subvention von 200 A' zu bewilligen. 

Vorarlberg 
Ref OrTENTHAL: Korrespondent Kleiner legt 
den ersten Band der vom Museumsverein in Vor- 
arlberg herausgegebenen Monatsschrift „Archiv 
für Geschichte und Lande.'^kunde Vorarl- 
bergs" vor. 



Alois Riegl 

(Hiezu Tafel III) 

Am 17. Juni ist in Wien der Generalkonser- 
vator der Z. K. Hofrat Alois Riegl gestorben. Er 
hat sich unvergängliche Verdienste um die Denk- 
malpflege in Osterreich erworben, welchen ein 
posthumer Dank in diesem Nachrufe abgestattet 
werden soll. 

Man muß das ganze Lebenswerk Rikgls ins 
Auge fassen, wenn man sein Wirken für die Re- 
organisation der Denkmalpflege in Österreich ver- 
stehen will, denn weder als Bureaukrat noch als 
ausübender Künstler, sondern als Forscher widmete 
er sich dem Studium der theoretischen Fragen 
und den praktischen Aufgaben, welche sich aus 
dem Verhältnisse der Kultur unserer Zeit alten 
Denkmälern gegenüber ergeben, und hat ihnen 
gerade dadurch neue Ziele und eine bis dahin 
ungeahnte Bedeutung gegeben. Er war der erste, 
der die Bedeutung des modernen 'Denkmalkultus 
in seinem universalhistorischen Charakter erfaßt 
und daraus die notwendigen Konsequenzen ge- 
zogen hat. Man müßte ihn, selbst wenn das die 
einzige Tat seines Lebens gewesen wäre, zu den 
fuhrenden Geistern unserer Zeit rechnen. Er ist 
jung gestorben, doch es wäre unmöglich, sein 
Wirken in diesem Epitaphium zu erschöpfen, so 
reichhaltig war es. Es liegt aber seinem ganzen 
Lebenswerke eine einheitliche Entwicklung zu- 
grunde, die zu schildern mir als das Notwendigste 
erscheint, denn es beruht auf ihr nicht nur sein Ein- 



greifen in die Aufgaben und Fragen der Denkmal- 
pflege, weshalb sie an dieser Stelle vor allem er- 
örtert werden muß, sondern sie zeigt auch klarer 
als alles andere, wen wir in Riegl verloren haben. 

Die Überwindung der kulturgeschichtlichen 
Richtung in der Kunstgeschichte 
Riegl wurde am 14. Jänner 1S5S in Linz geboren. 
Von seinem Vater, einem Tabakfabriksbeamten, 
wurde er ungemein ernst erzogen, nie bekam er 
als Kind ein Spielzeug, aber mit 4 Jahren konnte er 
vollkommen lesen und schreiben. Es mag dies 
nicht ohne Einfluß auf seine Entwicklung geblieben 
sein. Denn so fröhlich und heiter und hoffnungs- 
voll selbst in den schwersten Zeiten seines Lebens 
Riegl auch gewesen ist, so war doch der fast 
sakrale Ernst, mit welchem er alle Fragen, die ihn 
beschäftigten, selbst die unbedeutendsten, in ihren 
allertiefsten Ursachen stets sub specie aeternitatis zu 
erfassen bestrebt gewesen ist, und der ihn vor den 
letzten und kühnsten Konsequenzen nicht zurück- 
schrecken ließ, einer der Hauptzüge seines Wesens. ■ 
RiEGLsVater wurde nach Krems, später nach Zabiotöw 
in Galizien versetzt, wo er im Jahre 1873 gestorben 
ist. Darauf übersiedelte die Familie wieder zurück 
nach Linz, wo Riegl die auf den polnischen 
Gymnasien in Kolomea und Stanislau begonnenen 
Gymnasialstudien beendete. Die Matura machte er 
mit 16 Jahren in Kremsmünster. Auf Wunsch 
seines unerbittlichen Vormundes mußte er Jurist 
werden, und erst nach zwei Jahren konnte er sich 
jenen Studien widmen, zu welchen er sich berufen 
fühlte. Er wollte damals Philosophie und Universal- 
geschichte studieren, gab jedoch beides wieder auf 
Besser gesagt, er gab seine Lehrer auf, nicht seine 
Neigung. Wie hätten auch Zimmermanns unpro- 
duktive Variationen auf die schon damals anti- 
quierte HERBARTsche Philosophic oder Büdingers 
mechanische Polyhistorie einen vorwärts stre- 
benden Geist befriedigen können? Wenn eine 
Spur dieser Lehrer in Riegls Schriften bemerkbar 
ist, so äußert sie sich als eine direkte Negation 
ihrer Lehren und Methode. Man kann immer 
wieder die Beobachtung mtichen, daß begabte 
Forscher sich in ihren Studienjahren jenem Zweige 
ihrer Wissenschaft zuwenden, der am weitesten 
vorgeschritten ist. Dies war in den siebziger und 
achtziger Jahren in Wien ohne Zweifel in den 



257 



Alois Riegi. 



^58 



historischen Disziplinen die Erforschung" der mittel- 
alterlichen Geschichte, wie sie am Institute für 
österreichische Geschichtsforschung- gelehrt und 
ang-ewendet wurde. Es gibt heute Leute, welche 
auf die historischen Hilfswissenschaften von oben 
herabsehen und ihren Betrieb als eine nutzlose 
Spielerei eines kurzsichtigen Fachsimpoltums dar- 
zustellen sich bemühen, wodurch sie nur beweisen, 
daß sie keine Ahnung von der Entwicklung der 
modernen humanistischen Wissenschaften und von 
der Bedeutung haben, welche der exakten, in erster 
Reihe auf den methodischen Prinzipien der histo- 
rischen Hilfswissenschaften beruhenden mittelalter- 
lichen Quellenforschung für diese Entwicklung bei- 
zumessen ist. Im Gegensatze zu dem mehr literari- 
schen als wissenschaftlichen Pragmatismus der älte- 
ren Geschichtschreibung lernte man da historische 
Erscheinungen rein historisch, d. h. als Zwischen- 
glieder einer Reihe ähnlicher, zeitlich und ört- 
lich bedingter Erscheinungen betrachten, wie es in 
den Naturwissenschaften schon längst der Fall 
gewesen ist. Nirgends konnte man aber diese 
neuen Prinzipien der wissenschaftlichen Forschung 
damals besser sich aneignen, als in der Schule 
SiCKELS. Plötzlich hört bei Riegl, der durch Fanta 
auf das Institut für österreichische Geschicht.s- 
forschung aufmerksam gemacht, im J. 1881 Mitglied 
dieses Institutes geworden ist, jedes Schwanken 
auf Mit großem Eifer widmete er sich als Instituts- 
mitglied und auch noch später als römischer Stipen- 
diat den historischen Studien, als deren Ergebnis 
er auch eine Untersuchung über die Fälschungen 
Ckcarellis veröffentlichte.') Diese historischen Lehr- 
jahre waren bei Riegl mehr als eine einfache bio- 
graphische Tatsache. Ich habe wenig Leute kennen 
gelernt, bei welchen das, worauf es schließlich in der 
Wissenschaft einzig und allein ankommt, das all- 
gemeine erkenntnistheoretische Problem ihrer 
Wissenschaft, so deutlich vom Anfang an die 
Quelle und das Ziel des wissenschaftlichen Schaffens 
gewesen wäre wie bei Riegl. Es ist ein neues Kredo 
des ehemaligen Schülers Büdingers, wenn wir auf 
der ersten Seite, die Riegl drucken ließ, die Worte 
lesen, daß Polyhistorie allein nicht mehr genügt, 
um Fragen zu lösen, an die nur der wi.ssenschaft- 



') Mitteilungen des Institutes für üsterr. Geschichts- 
forschung XV 193 ff. 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission 1905 



lieh geschulte Fachmann herantreten darf, ohne 
Gefahr zu laufen, Mühe und Zeit unnütz zu ver- 
schwenden, und wie wir sehen werden, wurde durch 
diese Schulung die Forschungsmethode, die Tendenz 
und der Inhalt aller späteren Werke Riegls be- 
stimmt. 

In den In.stitutsjahren hat er sich der Kunst- 
geschichte zugewendet. Mag dies auch eine äußere 
Veranlassung gehabt haben, so waren es doch 
wohl eine tiefe ästhetische Neigung einerseits, die 
Freude an weiten Horizonten, an psychologischen 
und universalgeschichtlichen Betrachtungen ander- 
seits, die ihn von der historischen Quellenforschung 
auf ein Gebiet geführt haben dürften, welches 
dieser Seite seines Wesens mehr entsprochen hat. 
Wie weit dabei der damalige Lehrer der Kunst- 
geschichte am Institute für österreichische Ge- 
schichtsforschung Thausing auf Riegl eingewirkt 
hat, vermag ich nicht zu sagen; in den Arbeiten 
Riegls findet man wenig, was auf eine Beeinflussung 
durch Thausing hinweisen würde, und das gleiche 
Bestreben, die Kunstgeschichte nach den Gesetzen 
der objektiven historischen Methode zu behandeln, 
dürfte eher einen gemeinsamen Ursprung in der 
allgemeinen historischen Schulung gehabt haben, 
als auf eine Einwirkung Thauslngs zurückgehen. 
Das beweist auch gleich die erste wichtigere 
kunstgeschichtliche Untersuchung Riegls. Es ist 
dies eine Abhandlung über die mittelalterliche 
Kalender Illustration, die in den Mitteilungen des 
Institutes erschienen ist.') Sie ist höchst merk- 
würdig und bedeutungsvoll. Riegl verfolgte darin 
die Entwicklung bestimmter Kalenderdarstellungen 
in der antiken Kunst und im Mittelalter und kommt 
zu dem Resultate, daß sich dieselben typischen 
Kompositionen bis zum X. Jh. erhalten haben, im 
XL Jh. dann durch neue ersetzt wurden. Um die 
Bedeutung dieser Untersuchung zu verstehen, muß 
man sich den damaligen Stand der Kunstgeschichte 
vergegenwärtigen. Deutlich lassen sich in der ganzen 
kunstgeschichtlichen Literatur jener Zeit noch 
immer die drei Hauptrichtungen unterscheiden, 
welche sich um die Mitte des Jahrhunderts ent- 



') Band X 1. Im Zusammenhange mit dieser Unter- 
suchung sind die Abhandlungen: „Ein angiovinisches Gebet- 
buch in der Wiener Hofbibliothek" (daselbst VIII 3) und 
„Die Holzkalender des Mittelalters und der Renaissance" 
(ebenda XI) entstanden. 

18 



259 



Alois Riegl 



260 



wickelt haben, und die wir die kulturgeschichtliche, 
die ästhetisch dogmatische und die historisch 
dogmatische nennen können. Es genügt die Namen 
ScHNAASE, Semper, Bürckhardt ZU nennen, um diese 
drei Richtungen zu charakterisieren. Die erste ist 
aus der Romantik und der vaterländischen Alter- 
tumskunde hervorgegangen und begnügte sich 
damit, in chronologischen Zusammenstellungen das 
kulturelle und künstlerische Leben der Vergangen- 
heit zu schildern; die zweite, deren Ursprung in 
einer naiven Anwendung der Theorien der engli- 
schen Rationalisten auf neue Kulturbestrebungen 
zu suchen ist, versuchte den Ursprung und die 
Entwicklung der Kunst auf mechanische Gesetze 
zurückzuführen, die dritte, an deren Wiege die 
Selbstberäucherung der Humanisten, die Lehren des 
Klassizismus und Hegels Religion der absoluten 
Idee gestanden sind, betrachtete die Geschichte 
der Kunst vom Standpunkte gegebener ewiger 
Werte. Dazu kam noch die altchristliche Archäo- 
logie, deren exegetische Methode sich in bezug 
auf historische Zusammenhänge stets in einem 
circulus vitiosus bewegen mulBte. 

Wie groß der allgemeine wissenschaftliche 
Fortschritt, den Riegls erste Untersuchung gegen 
die damals geläufige Art der kulturgeschichtlichen 
Forschung bedeutet, kann man aus einem Vergleiche 
mit der wenige Jahre früher erschienenen Arbeit 
Springers über die mittelalterliche Psalterillustration 
ersehen, die ja ein ähnliches Thema behandelt. Auf 
Grund einer einzigen Handschrift versuchte da 
Springer eine groiBe, bis dahin unbekannte nationale 
Kunst zu entdecken, ohne sich zu bemühen auf 
Grund des gesammelten RIateriales diese Hand- 
schrifthistorisch exakt zu bestimmen, und so blieben 
seine Ausführungen, so geistreich sie auch an und 
für sich gewesen sind, vollkommen haltlos und 
wurden bald überwunden. Dabei war Springer 
gewiß noch unverhältnismäßig besser wissenschaft- 
lich geschult, als die meisten seiner Fachgenossen. 
Wie die Theologen der Reformationszeit logische 
Deduktionen, so zogen die damaligen Kunsthisto- 
riker — und es geschieht vielfach auch heute noch — 
die historische Methode nur für das biographische 
oder kulturgeschichtliche Beiwerk heran, ohne 
sie jedoch, ähnlich wie jene Theologen mit den 
Grundwahrheiten verfahren, an die eigentliche 
Materie ihres Faches anzulegen, welches noch wie 



früher „dem reinen Denken und Fühlen" überlassen 
wurde. Sollte jedoch die Kunstgeschichte aufhören, 
die Domäne der spekulativen Willkür zu sein, 
mußten einerseits die Denkmäler nach den Grund- 
sätzen der modernen historischen Kritik untersucht 
und bestimmt werden, anderseits mußte man 
lernen, die Entwicklungsprobleme der Kunst 
historisch zu behandeln. Es war besonders 
diese zweite Aufgabe, der sich Riegl von Anfang 
an zugewendet hat und die für ihn in erster Reihe 
bestimmend für seine Forschungen gewesen ist. 
Seine erste Untersuchung zeigt uns deutlich, woher 
der Anstoß dazu gekommen ist. Ganz analog wie 
in einer Untersuchung über eine mittelalterliche 
Urkundenart werden da die Monumente von der 
Antike bis zum späten Mittelalter als Glieder einer 
in sich geschlossenen Reihe auf ihren Zusammen- 
hang untersucht, wodurch ein glänzendes Vorbild 
gegeben wurde, wie ikonographische Fragen 
in exakt wissenschaftlicher Weise zur Erforschung 
der allgemeinen Entwicklung der Kunst heran- 
gezogen werden können. Wir mußten darauf ein- 
gehen, denn im Unterschiede zu vielen anderen 
Forschern, die die Geschichte der künstlerischen 
Probleme, die seitdem Mode geworden ist, wie 
einst die Ästheten und Kulturhistoriker nur als Be- 
lege für ihre auf vagen hypothetischen historischen 
Schlüssen beruhende allgemeine Theorien behan- 
deln, entsprechen bei Riegl, wie wir noch sehen 
werden, im Gegenteil, wie es wissenschaftlich einzig 
und allein zulässig ist, die entwicklungsgeschicht- 
lichen Ergebnisse vollkommen den Grenzen und 
den sachlichen Ergebnissen seiner speziellen Unter- 
suchung, so daß sie auf Grund einer exakten 
historischen Methode gewonnen wurden. Wie er 
aber diese Methode in ihrer Anwendung auf die 
Geschichte der Kunst von Arbeit zur Arbeit ver- 
tiefte, und wie er gerade dadurch der Geschichte 
der Kunst in einer bewunderungswürdigen Gra- 
dation nach und nach einen neuen Inhalt zu 
geben wußte, ist nicht nur der wichtigste In- 
halt seines einheitlichen wissenschaftlichen 
Lebenswerkes, sondern auch eine der merk- 
würdigsten Erscheinungen in der Geschichte der 
modernen historischen Wissenschaften. 

Nicht minder bedeutend waren die tatsächlichen 
Ergebnisse jener Untersuchung. So bescheiden und 
ohne jedes Generalisieren sie auch vorgebracht 



201 



AtOIS RiEGT, 



262 



wurden, so eröffneten sie dennoch in der Tat un- 
seren Blick für die Kontinuität der antiken und 
mittelalterlichen Kunstentwicklungf auch über die 
Völkerwanderungszeit hinaus und bestimmten zum 
erstenmal den wahren Epochenanfang der neu- 
zeitlichen Kunst, dessen Richtigkeit erst heute 
immer mehr und mehr erkannt wird. Das was Riegl 
in der alten Polyhistorie nicht finden konnte, fand 
er auf dem Wege exakter Untersuchung, weite uni- 
versalgeschichtliche Zusammenhänge, und wir wer- 
den sehen, wie er auch in dieser Richtung in einer 
fortlaufenden Ausgestaltung bis an sein Lebens- 
ende das Programm auszugestalten wußte, welches 
er in dieser ersten Arbeit entdockte. 

Die Überwindung der ästhetisch dogmatischen 
Richtung in der Kunstgeschichte 
Tm Jahre 1886 trat Rikül als Volontär in das 
österreichische Museum für Kunst und Industrie 
ein und wurde dort ein Jahr später zum Kustos- 
adjunkten ernannt und mit der Verwaltung der 
textilen Abteilung betraut, in welcher Stellung er 
elf Jahre geblieben ist. Es ist hier nicht der Ort 
zu erzählen, welche Verdienste er sich um die 
Sammlungen des Museums erworben hat. Für seine 
wissenschaftliche Laufbahn war diese Anstellung 
deshalb von Bedeutung, weil er durch seine mu- 
seale Beschäftigung auf Kunstgebiete gewiesen 
wurde, welchen er die Hauptthemen seiner späteren 
Werke entnommen hat, und wir werden bald sehen, 
daß dies für ihn mehr bedeutete als ein neues 
Forschungsgebiet. Es ist die Ge,schichte des Orna- 
mentes, mit der er sich von nun an hauptsächlich 
beschäftigte. Es gibt Gelehrte, und es sind dies 
vielleicht die meisten, die ihr ganzes Leben lang 
unzähligemal eine und dieselbe Abhandlung schrei- 
ben, wobei sie wohl den Stoff und Umfang ihrer 
Arbeiten wechseln, doch ähnlich wie Reisende, die 
einmal in der Jugend eine Reise gemacht haben 
und bis in ihr Alter davon erzählen, bedienen sie 
sich immer eines und desselben Forschungsformu- 
lares, welches sie einmal gefunden haben. Bei 
RiEGL war es beinahe umgekehrt. Seine letzte 
Arbeit behandelte dasselbe Thema, wie seine In- 
stitut-sarbeit — Salzburgs Architekturgeschichte • — 
was liegt jedoch alles dazwischen — und wenn 
wir seine ganzen Werke übersehen, so scheinen sie 
alle einer einzigen Aufgabe zu gelten, doch wie 



veränderte sich der Weg dazu und die Ergeb- 
nisse. „Der beste Kunsthistoriker ist der, welcher 
keinen persönlichen Geschmack besitzt, denn es 
handelt sich in der Kun.stgeschichte darum, ob- 
jektive Kriterien der historischen Entwicklung zu 
finden", sagte mir Riegl einmal, und wenn wir von 
diesem Gesichtspunkte seine Werke betrachten, er- 
scheinen sie uns in einer fast gesetzmäßigen Auf- 
einanderfolge. 

Im Jahre 1891 veröffentlichte Riegl sein Buch 
über altorientalische Teppiche*), zwei Jahre später 
„Die Stilfragen". 

Es sind dies Werke von allerwichtigsten sach- 
lichen, wirklich grundlegenden Ergebnissen. Auf 
dem einen beruht unsere ganze Auffassung von 
der Entwicklung der orientalischen Kunst; wie viel 
wir dem zweiten verdanken, läßt sich nicht so kurz 
sagen. Wenn man sich eine Vorstellung davon 
machen will, welch unermeßlicher Fortschritt in 
der Auffassung des historischen Werdens von Er- 
eignissen und Kulturzuständen uns von den voran- 
gehenden Generationen trennt, nehme man irgend- 
ein älteres Buch über die Geschichte des Orientes 
in die Hand. Da ist alles noch wirklich wie in 
Tausend und einer Nacht, in Wüsten werden 
plötzlich Schlösser hervorgezaubert, „weil es so 
sein mußte", blühende Städte und große Kultur- 
länder entstehen, von dem und dem Prinzen „be- 
gründet", und wie ein Zauberer wandert der Hi- 
storiker in dem Märchenlande und berichtet alles, 
„was sich ereignet hat". Es ist deshalb kein Wunder, 
daß sich seit jeher in dieses Wunderland Dilet- 
tanten geflüchtet haben und Erfinder von phanta- 
stischen oder doktrinären Theorien. So war es auch 
in der Kunstgeschichte. Die orientalische Kunst ist 
seit der großen Londoner Weltausstellung Mode 
geworden und da man von ihrer geschichtlichen 
Entstehung nichts wußte und sich darum auch nicht 
kümmerte, konnte man sie unangefochten für die 
sonderbarsten geschichtlichen und ästhetischen 
Theorien ausbeuten, ähnlich wie es einst, bevor die 



') Den Forschungen zu diesen Werken verdanken auch 
noch folgende Arbeiten ihre Entstehung: „Die ägj'ptischen 
Textilfunde am k. k. österr. Museum" (Wien 1889), „Neu- 
seeländische Ornamente" (Mitteil, der anthropol. Gesellsch. 
in Wien XX), , Volkskunde, Hausfleiß und Hausindustrie" 
(Berlin 1894), „Hin orientalischer Teppich vom J. 1202 n.Chr. 
und die ältesten orientalischen Teppiche" (Berlin 1895). 

18* 



263 



Arjois RiEGi. 



264 



Gesetze der Chemie bekannt und allgemein ver- 
breitet gewesen sind, es die Alchymisten mit che- 
mischen Prozessen getan haben. Eine dieser ästhe- 
tischen und kunstphilosophischen Lehren, die wir 
bis ins XVI. Jh. zurückverfolgen können, gelangte, 
da sie von einem gefeierten Künstler und geist- 
vollen Schriftführer herrührte, im dritten Viertel 
des XIX. Jh. zur großen Verbreitung. Es war dies 
Sempers technisch materielle Erklärung des Ur- 
sprunges der dekorativen Künste, welche die Stil- 
eigentümlichkeiten einzelner Kunsterzeugnisse aus 
den materiellen und technischen Bedingungen ihrer 
Entstehung erklären wollte. Einer solchen Theorie 
waren alle geschichtlichen Zusammenhänge im 
Wege, und so wurden sie einfach beiseite geschoben, 
als ob sie nicht bestehen würden, oder durch solche 
ersetzt, welche, da sie ganz imaginärer Art gewesen 
sind, einer beliebigen Stilerklärung nicht hinderlich 
waren. Als nun Riegl durch sein Musealamt ver- 
anlaßt, sich mit den Erzeugnissen der orientalischen 
Textilkunst zu beschäftigen hatte, so konnte er 
sich mit solchen Phantastereien nicht begnügen, 
sondern suchte, wie es dank seiner historischen 
Schulung gar nicht anders möglich war, den Stil 
der orientalischen Kunstwerke auf seine historische 
Entstehung zurückzuführen. Diese Bestrebungen 
hatten unerwartete und geradezu epochale Ergeb- 
nisse. Nicht nur, daß das geschichtliche Verhältnis 
der einzelnen Kunstgebiete des Orientes zum ersten- 
mal klargelegt, nicht nur, daß der große Einfluß 
der o.stasiatischen Kunst auf den ganzen Orient 
zum ersten Male beobachtet und nachgewiesen 
wurde, was noch weit wichtiger war, auch die 
Quellen der ganzen orientalischen Kunst wurden 
da zum ersten Male bloßgelegt. Auf Grund einer 
ähnlichen, nur weit umfangreicheren historischen 
Analyse, welcher er sich in seinen 'ersten Unter- 
suchungen bediente, ist es Riegl zunächst gelungen, 
im allgemeinen nachzuweisen, daß die orientalische 
Kunst des Mittelalters nicht als eine autochthone 
Schöpfung des Orientes betrachtet werden darf, 
sondern, nicht minder als die europäische Kunst, 
als eine Fortsetzung und Weiterentwicklung der 
Kunst des klassischen Altertums entstanden ist. 
So wurde nicht nur die wissenschaftliche Geschichte 
der orientalischen Kunst durch Riegl begründet, 
sondern auch die universalhistorische Bedeutung 
der klassischen Kunst über den Kreis der euro- 



päischen Kunstentwicklung hinaus erkannt und 
nachgewiesen. Dieser Nachweis der gemeinsamen 
Grundlagen der europäischen und asiatischen Zivili- 
sation, durch den allen transzendentalen und ra- 
tionell phantastischen Hypothesen und Märchen 
für immer der Boden entzogen wurde, ist aber zu- 
gleich vielleicht der wichtigste Fortschritt in der 
Auffassung des Verlaufes der neueren Welt- 
geschichte seit Voltaires Essai sur les moeurs et 
l'esprit des nations, in dem zum ersten Male der 
Glaube an dogmatische Deutungen der Universal- 
geschichte erschüttert wurde. 

Wenn Riegl vielleicht weniger bekannt ge- 
wesen ist, als manche Forscher von weit geringerer 
Bedeutung und als nach den angeführten Ent- 
deckungen geschlossen werden könnte, so ist daran 
einesteils die Bescheidenheit schuld, mit der er 
seine Funde in seinen Werken, fast könnte man 
sagen, verborgen hat, anderenteils das rastlose 
Bestreben, über die eigenen Ergebnisse hinaus die 
Probleme neu zu formulieren und zu lösen. Er be- 
gnügte sich damit, in einzelnen Spezialuntersuchun- 
gen über die leitenden Ideen seiner Forschungen mit 
einer sachlichen Einfachheit und Selbstverständ- 
lichkeit zu berichten, daß die Ununterrichteten 
glauben mußten, es handle sich um Entdeckungen, 
die längst — von anderen gemacht wurden, und 
während diese Ideen sich langsam nach und nach 
verbreiteten und eine neue Etappe in den be- 
treffenden Forschungsgebieten geschaffen haben, 
waren sie für Riegl längst schon wieder überholt 
und überwunden. Es ist dafür besonders bezeich- 
nend, daß bereits zwei Jahre nach dem Werke 
über die Quellen der orientalischen Kunst ein 
Buch wie „Die Stilfragen- erschienen ist. Es ist 
dies eine Untersuchung über die Entstehung und 
Geschichte der wichtigsten griechischen Orna- 
mente, doch mit Zielen, die weit über die Gren- 
zen einer solchen Untersuchung hinausgehen. 
Riegl führte darin den Beweis, daß die wichtig- 
sten Motive der hellenischen, hellenistischen, römi- 
schen und orientalischen Ornamentik nicht als 
zufallige, in einer beliebigen Zeit möglich und 
durch die künstlerische Absicht oder technische 
Bedingungen bedingte Stihsierungen von Naturvor- 
bildern entstanden sind, sondern sich in einer un- 
unterbrochenen historischen Entwicklungsreihe aus 
einigen wenigen ursprünglichen Grundmotiven, die 



205 



Alois Riegl 



266 



sich bis in die altäg-yptisclie Kunst zurück verfolgen 
lassen, entwickelt haben. Ks ist dies fast wie ein 
Gegenbeweis für die allgemeine Richtigkeit der 
Ergebnisse der Untersuchungen über den Stil der 
orientalischen Teppiche. Dort wurde die geschicht- 
liche Tatsache bewiesen, hier die Physiologie des 
Prozesses, der zu solchen Tatsachen führte, an 
einem Beispiele, dem berühmtesten, das es geben 
konnte, mit einer geradezu naturwissenschaftlichen 
Präzision dargelegt. 

Die Möglichkeiten, historische Zusammenhänge 
auf Grund von ikonographischen Übereinstim- 
mungen und augenfälligen Umgestaltungen nach- 
zuweisen, wie es Riegl in seinen früheren Arbeiten 
getan hat, waren sehr beschränkt und konnten 
leicht da ausfallen, wo ein neuer Vorstellungskreis 
die alten Götter und Helden entthronte. Und dann, 
beweist eine Übereinstimmung der Darstellung an 
und für sich eine historische, kontinuierliche Evo- 
lution? Wenn sich jedoch, wie in der Palaeographie 
an der Umgestaltung der Buchstaben, an der Um- 
gestaltung der ornamentalen Motive das ununter- 
brochene Fortleben und Ausgestalten bestimmter 
Kunstformen nachweisen läi3t, ist da nicht ein ob- 
jektives Beweismittel gewonnen für das Fortleben 
alter künstlerischer Kulturen allen ästhetisch-dog- 
matischen Theorien gegenüber? Darin bestand vor 
allem die große wissenschaftliche Tat der „Stil- 
fragen". Meilenweit entfernten sie sich von der 
damals geläufigen Auffassung der kunstgeschicht- 
lichen Forschung, die sich damit begnügte, die 
Palmette als den reinsten Ausdruck der harmo- 
nischen Organisation des griechischen Genius zu 
erklären, meilenweit ist jedoch auch Ru;gl selbst 
seinen älteren Forschungen gegenüber vorge- 
schritten. Emanzipierte er sich in seiner Jugend 
auf Grund des allgemeinen Fortschrittes der histori- 
schen Wissenschaften von der alten Polyhistorie 
und lexikalen Kulturgeschichte, so ist es ihm 
nun gelungen, auf Wegen, die er selbst der 
Wissenschaft eröffnete, wiederum der Kunst- 
geschichte wenigstens für die archaischen und 
superstitionellen Perioden der Kunst weltge- 
schichtliche Perspektiven zu eröffnen, ohne dabei 
auf die Waffen der strengen Wissenschaftlich- 
keit verzichten zu müssen. Man sprach wohl 
schon früher von Beziehungen der griechischen 
Kunst zu älteren Kunstperioden, doch wer hätte 



ahnen können, daÜ sich die ganze Kunst des 
Altertums zu einer entwicklungsgeschichtlichen 
Reihe zusammenschließen läßt? 

Voll freudevoller Zuversicht schrieb auch Riegl 
bald darauf in einem Essai über Kunstgeschichte 
und Universalgeschichte, der dem alten „Poly- 
histor" BüDiN'cjER gewidmet war, daß wohl nun 
selbst die „Anarchisten" in der Kunstgeschichte 
freudig die vermeintliche Sisiphusarbeit der alten 
Weltgeschichte beginnen werden, indem sie nun- 
mehr von der universalgeschichtlichen Betrachtung 
der Kunstgeschichte einen Beitrag zur Lösung des 
großen Welträtsels erhoffen, dessen Bezwingung im 
letzten Grunde jede menschliche Wissenschaft zum 
Ziele hat. Erst später ist es klar geworden, daß 
dies ein zukunftsfrohes Selbstbekenntnis gewesen ist. 

Es war ein merkwürdiger Zug seiner Persön- 
lichkeit, daß er, der grübelnde Denker, bei dem 
sich „alle Dinge in ein Problem verwandelten", zu- 
gleich voll Wollen und Sehnsucht war, nicht nur 
auf dem langsamen Wege der Bücherwissenschaft 
Neues zu schaffen, sondern unmittelbar in die Gegen- 
wart einzugreifen, indem er wie wenige die Gabe 
hatte, die Ergebnisse seiner historischen Forschung 
in kulturelle Gegenwartswerte umzusetzen. Man 
kann sich kaum ausdenken, was aus dem Museum 
geworden wäre, an dem er angestellt gewesen ist, 
wenn ihm vergönnt gewesen wäre, als Leiter dieses 
Museums das zu schaffen, was er schaffen wollte 
und konnte. Man hat es nicht verstanden. Ich hatte 
nach seinem Ausscheiden aus dem Museum Ge- 
legenheit, fast täglich mit ihm zu reden. Er klagte 
nie und klagte noch weniger jemanden an, doch 
war er, einer der erfolgreichsten Forscher seiner 
Wissenschaft, damals so unglücklich und unzu- 
frieden als nur möglich. „Ich habe keinen Beruf", 
sagte er oft. 

Die Überwindung der historisch dogmatischen 
Richtung in der Kunstgeschichte 

Auf der Universität habilitierte sich Riegl im 
Jahre 1889, im Jahre 1895 wurde er außerordent- 
licher Professor und im Jahre 1897, nach .seinem 
Ausscheiden aus dem österreichischen Museum, 
Ordinarius, von welchem Zeitpunkte an er sich 
durch einige Jahre ausschließlich seinem Lehrberufe 
gewidmet hat. Mit dieser Zeit fällt der dritte Ab- 
schnitt seiner wissenschaftlichen Entwicklung zu- 



267 



Alois Riegi, 



268 



sammen. Noch in den Museumsjahren faßte Riegl 
den Plan, sich an einer von AL\sxer geplanten 
Geschichte des antiken Kunstgewerbes durch die 
Bearbeitung der nachkonstantinischen Periode zu 
beteiligen. Es sollten die so zahlreichen und prunk- 
vollen spätantiken kunstgewerblichen Funde aus 
Österreich in einem großen Sammelwerke veröffent- 
licht werden. Es ist selbstverständlich, daß es sich 
Riegl dabei um mehr handelte, als um eine Pracht- 
publikation. Es sollte darin eine Entdeckung von 
nicht minder großer Bedeutung als jene, die seinen 
früheren Büchern zugrunde liegen, ausführlich dar- 
gelegt werden. Die vermeintliche, auf technischen 
und ästhetischen Xeuschöpfungen beruhende Ur- 
sprünglichkeit der dekorativen Kunst in Griechen- 
land und in der orientalischen Kunst des Mittelalters 
war widerlegt, es gab jedoch noch eine Kunst- 
periode, für die man noch immer die Entstehung 
einer ganz neuen, auf nationalen Eigentümlichkeiten 
beruhenden Kunst angenommen hat. Es war dies 
die Kunst der Völkerwanderungszeit, von der man 
angenommen hat, daß sie bei dem Siegeslaufe neu 
in die Gebiete der alten Zivilisation eindringender 
Völker als eine Schöpfung ihrer barbarischen 
Kultur in das zerfallende römische Weltreich herein- 
gebracht wurde. Riegl machte nun die Beobachtung, 
daß an dieser vermeintlichen barbarischen Kunst 
in dem ganzen Gebiete der römischen Kunst die- 
selben Stilmerkmale und dieselben Stilverände- 
rungen nachgewiesen werden können, die sich 
durchwegs organisch den letzten Stilphasen der 
klassischen Kunst anschließen, so daß diese ge- 
feierte Urkunst ebenfalls niu- als eine Weiterbildung 
der Kunst des klassischen Altertums betrachtet 
werden muß, und der einheitliche Verlauf der Welt- 
geschichte der Kunst auch in dieser Richtung ge- 
schlossen werden kann. Das sollte ifi zwei großen 
Bänden ausgeführt werden, von welchen der erste 
die Frage nach den Schicksalen der Kunstindustrie 
bei den bisherigen Trägern der allgemeinen Ent- 
wicklung, den Mittelmeervölkern in der nachkon- 
stantinischen Zeit beantworten, der zweite das Maß 
des schöpferischen Anteiles der damals in die 
Kulturwelt neu eingetretenen nordischen Barbaren- 
völker an der Gestaltung der bildenden Kunst in 
den fünfthalb Jahrhunderten zwischen Konstantin 
dem Großen und Karl dem Großen feststellen 
sollte. Es ist nur der erste Band erschienen, der 



eine Geschichte der spätrömischen Kunst ent- 
hält, i) 

Man könnte sich wohl vorstellen, daß Riegls 
neues Werk ähnlich angelegt worden wäre wie 
seine älteren Bücher, denn es handelte sich ja 
wiederum um die Entwicklungsgeschichte einer 
bestimmten Dekorationsart. Doch das neue Werk 
ist von jenen Büchern ganz verschieden. Es äußert 
sich darin eine neue Wandlung, die sich in der 
Kunstgeschichte vollzogen hat, und die in Riegl, 
der einer ihrer Begründer gewesen ist, einen der 
eifrigsten und konsequentesten Verfechter ge- 
funden hat. 

Man kann kurz diese Wandlung als den Sieg 
der psychologisch-historischen Auffassung der Ge- 
schichte der Kunst über die absolute Ästhetik be- 
zeichnen. Seit dem Zeitpunkte, in dem die chri.st- 
liche Kunst begonnen hat, die eigenen Leistungen 
mit antiken Vorbildern zu vergleichen, wurde die 
Geschichte der Kunst vom Gesichtspunkte der je- 
weiligen neuen Aufgaben und Bestrebungen der 
modernen Kunst gesehen. Historisch müßte man 
von einer Renaissance sprechen, die vom XI. Jh. 
bis in unsere Zeit dauert und in jedem Jahrhunderte 
eine neue Antike entdeckte. Daran hat auch die 
auf jede Ästhetik verzichtende Monumentenfor- 
schung des vorigen Jahrhunderts keine Änderung 
geschaffen, denn hinter dem angeblichen Jenseits 
aller Wertschätzung verbarg sich nach wie vor 
die T3Tannei einer gegebenen aprioristischen ge- 
schichtlichen Kunstlehre, und nur auf dem Umwege 
vager historischer Erwägungen oder mühsam ge- 
wonnener, nebensächlicher Kriterien konnte man 
sich über die Geschichte der Künstler hinaus auch 
über die Geschichte der Kunst einige Klarheit 
verschaffen. Freilich schrieb schon seit langem 
die moderne Kunst ein Menetekel auf die Wände 
der Lehrsäle, in welchen noch immer ^die Kunst 
im höchsten und spezifischen Sinne" bewundert 
wurde und Arbeiten wie Justis Velazquez oder 
WöLFFLiNs Renaissance und Barock haben, wenn sie 
auch noch von der alten Adoration der klassischen 
Kunst ausgehen, in die alte Betrachtungsweise eine 



') Wien 1901. Dem Ideenkreise dieser Zeit gehören 
auch noch folgende Arbeiten an: der genannte Aufsatz in 
der BüDiNGER-Festschrift, der zu ihnen hinüberleitet, und 
„Oströmische Beiträge" in denBeiträgen zur Kunstgeschichte, 
Franz Wickhoff gewidmet. 



269 



Alois Riegi. 



270 



Bresche geschlagen, indem sie hohe künstlerische 
Ziele in Perioden nachgewiesen haben, in welchen 
man bis dahin nur membra disjecta einer desorgani- 
sierten Kunst zu sehen gewohnt gewesen ist; doch 
erst an der Schwelle unseres Jahrhunderts wurde 
in einer Reihe von Arbeiten das entwicklungs- 
geschichtliche Prinzip, das allen übrigen Wissen- 
schaften schon längst zugrunde liegt, auch auf die 
Geschichte der künstlerischen Probleme bewußt 
und konsequent angewendet. Es waren Wickhoffs 
Forschungen über die Geschichte der römischen 
Kunst, in welchen zum ersten Male für eine ganze 
und überaus wichtige Periode der Kunst die alte 
ästhetisch historische Dogmatik durch eine gene- 
tische Geschichte der künstlerischen Probleme er- 
setzt wurde. Das war aber gerade das, worauf 
RiKiJLS ganze vorangehende Entwicklung hinzu- 
streben schien, und sein neues Buch wurde natur- 
gemäß, fast könnte man sagen eine Ergänzung 
und Fortsetzung von Wickhoffs Studien, freilich 
eine Fortsetzung von individuellem Gepräge. Hat 
Wickhoff nachgewiesen, daß die Kunst des römi- 
schen Weltreiches, die man mit der Brille der 
ewigen künstlerischen Ideale versehen, früher als 
minderwertiges Epigonentum angesehen hat, eine 
der wichtigsten und einflußreichsten Schöpfungen 
des menschlichen Geistes bildet, wenn man sie nur 
verstehen lernt, so hat Riegl dargelegt, daß die 
Kunst der nächstfolgenden Periode, die man einzig 
und allein als einen Verfall der römischen Kunst 
aufzufassen gewohnt war, nicht minder von selbst- 
ständigen künstlerischen Intentionen erfüllt ge- 
wesen ist, die ebenso sich der ganzen vorangehenden 
Geschichte der Kunst anschlössen, als zur Ent- 
wicklung der Kunst im Mittelalter und der Neu- 
zeit hinüberleiten. In der allgemeinen Geschichte 
bildet wohl längst ein mannigfaltig erörtertes und 
viel umstrittenes Thema der Untergang der Antike, 
nicht jener Untergang, der in den Handbüchern 
von bestimmten Jahren und Ereignissen an ge- 
rechnet wird, sondern die unverkennbare innere 
Auflösung oder Umprägung der antiken Kultur, 
die bald darauf beginnt, nachdem diese Kultur 
scheinbar die größte Blüte erreichte. In genialer 
Weise zeigte nun Riegl, daß in der Kunst dieser 
Periode, was vom Standpunkte bestimmter apriori- 
stischer, ästhetischer und historischer Voraus- 
setzungen als Verfall betrachtet wurde, in der 



Wirklichkeit ein Fortschreiten zu neuen künst- 
lerischen Idealen gewesen ist, zu Idealen, welche 
für die ganze Folgezeit maßgebend wurden. In 
einer Analyse der Architekturen, Bildwerke, Ma- 
lereien und kunstgewerblichen Gegen.stände, die, 
wenn es erlaubt ist, so disparate Dinge zu ver- 
gleichen, in ihrer Eindringlichkeit an Rankes Papst- 
bildnisse erinnert, führt uns Riegl vor Augen, daß 
das Verhältnis der Objekte zum Räume in Licht und 
Schatten vom Beschauer gesehen oder mit anderen 
Worten: die fortschreitende Subjektivisierung der 
Kunst die treibende Kraft der Kunstbestrebungen in 
diesem Finale der alten und dem Introitus der neuen 
Kunst gewesen ist, eine Kraft, die wir nicht nur 
in der gleichzeitigen Literatur ebenfalls beobachten 
können, sondern ohne welche das ganze Christentum, 
die Religion subjektiver Empfindungen und Be- 
ziehungen zur Welt und Ewigkeit nicht möglich 
gewesen wäre. Am deutlichsten und stärksten 
offenbarte sich die auf subjektiver Wahrnehmung 
der Raumschönheit beruhende Tendenz der spät- 
antiken Kunst in jener Kunst, der die nächste Zu- 
kunft gehörte, in der Architektur, und so lernen 
wir verstehen, warum fast über dem Grabe der 
Antike so herrliche Bauten entstehen konnten, wie 
St. Vitale in Ravenna, die herrlichsten vielleicht, . 
die das Altertum geschaffen hat. Bauten, die was 
wichtiger ist in der Architektur des Mittelalters 
und der Neuzeit bis auf S. Pietro und Gesü eine 
fortlaufende Weiterentwicklung gefunden haben. 
Doch auch für die übrigen Gebiete der Kunst 
wurde zum erstenmal das Wesen des Stiles, der 
eine Brücke zwischen dem Altertum und der Neu- 
zeit bildet, klargelegt, und die historische Notwen- 
digkeit dieses Stiles aus der Kontinuität der voran- 
gehenden und folgenden Erscheinungen nachge- 
wiesen. So wurde aber „die letzte große Lücke in 
unserer Kenntnis der allgemeinen Kunstgeschichte 
der Menschheit wenigstens im ganzen und großen 
geschlossen". 

Wie bei großen Künstlern, die sich wie Rem- 
brandt oder Michelangelo ihr ganzes Leben mit 
einem Problem der Kunst beschäftigten, nach und 
nach das ganze Problem, die ganze Auffassung 
der Kunst durch diese eine Aufgabe einen neuen 
Inhalt erhält, so führte auch Riegl die immer 
intensiver sich .steigende Beschäftigung mit einem 
Forschungsprobleme zu einer neuen Auffassung 



271 



AlXIlS RJEGL 



= 72 



des Verlaufes der ganzen Geschichte der Kunst 
Von Anfang- an war seine Forschung darauf ge- 
richtet, das Wesen und geschichtliche Werden -der 
inneren Notwendigkeit, die allen Kunstwerken einer 
Periode gemeinsam ist, und die man als Stil zu 
bezeichnen pflegt'-', zu ergründen. Als ihm nun ge- 
lungen war, für eine Periode der Kunst, die man 
gerade in dieser Beziehung für steril hielt, eine 
Fülle von neuen künstlerischen Intentionen nach- 
zuweisen, von Intentionen, auf welchen die Zukunft 
beruhte, mxißte ihm notwendigerweise die ganze 
Geschichte des künstlerischen Stiles, an den neu 
g-efundenen stilistischen Merkmalen gemessen, in 
einem neuen Lichte erscheinen. Diese Welt- 
geschichte des Stiles beschäftigte Riegl am meisten 
in den letzten Jahren seines Lebens. In seinen 
Schriften findet man nur Reflexe davon, aber seine 
Vorlesungen und Gespräche waren in dieser 
schafFensfirohen Zeit voll von neuen Ideen über 
den Verlauf der Geschichte der Kunst. Riegl war 
ein glänzender Redner, nicht ein Schönredner jener 
Art wie man sie früher schätzte, bei welchen wohl 
angewandtes Pathos und stimmungsvoll skandierte 
Phrasen vor allem auf das Publikum einwirken 
mußten, und die uns heute so widerwärtig geworden 
sind, sondern seine Rednergabe bestand darin, daß 
er durch eine aus tiefer Überzeugung und Arbeits- 
fröhlichkeit hervorquellende Beredsamkeit den 
mitdenkenden Hörer auf den Weg seiner Ideen 
mitzunehmen wußte. Wenn ich jetzt an jene Zeit 
zurückdenke, so scheint es mir, als ob er damals 
schon geahnt hätte, daß ihm kein langes Leben 
beschieden sein werde, so fieberhaft war er bestrebt, 
das kühne Gebäude seiner Stilgeschichte oder Ge- 
schichte des Kunstwollens, wie er es nannte, aus- 
zudenken. Es waren Kapitel dariu von allergrößter 
Schönheit, genialster Konzeption und neue Bahnen 
weisenden Ergebnissen — so hätte eine Geschichte 
der barocken Kunst, wie sie seine Schüler von 
ihm kennen lernten, wenn er sie niedergeschrieben 
hätte, den Ursprung und das Wesen der neuzeit- 
lichen Barocke, ich kann nicht anders sagten, neu 
entdeckt, wie er den Ursprung und das Wesen der 
spätantiken Barocke entdeckte; ihn interessierte 
jedoch in dieser Zeit mehr als dieses sein Wissen — 
sein Suchen, welches bis zu den tiefsten Ursachen 
der Geschichte durchdringen wollte. Nachdem die 
alten dogmatischen Theorien endgültig zertrümmert 



waren, wollte er, worauf sein ganzes Leben von 
Anfang hinzielte, eine Universalgeschichte der 
Kunst an ihre Stelle setzen, und da er, von einer 
einzelnen Entwicklungsreihe ausgehend, die Ge- 
schichte des Stiles mit der Geschichte der Kunst 
identifizierte, glaubte er auch das historische Gesetz 
dieser Entwicklung gefunden zu haben.') 

Mitten in dieser Mittag-szeit seiner wissenschaft- 
lichen Laufbahn hat sich Riegl einer g-anz neuen 
Tätigkeit zugewendet. 

Die moderne Denkmalpflege 

Es ist unlängst von Riegl gesagt worden, sein 
Kunstfühlen sei von vornherein auf die Seite des 
rhythmischen Empfindens gewiesen gewesen. Das 
ist zweifellos richtig, doch wird dadurch Riegls 
Verhältnis zur Kunst nur teilweise charakterisiert 
Die Kunstbetrachtung beruhte bei ihm weit weniger 
auf einer gegebenen Neigung als auf intellektualen 
Schlüssen. Ich kenne keinen Kunsthistoriker, der 
so objektiv alten Kimstwerken gegenüber gewesen 
wäre wie er, ohne daß er doch empfindungslos ihren 
künstlerischen Qualitäten gegenüber geblieben wäre. 
Für ihn deckte sich die Abschätzung künstlerischer 
Werte vollkommen mit den Ergebnissen seiner 
historischen Analyse der Kunstwerke, doch war 
diese Abschätzung bei ihm nicht nur ein totes 
Forschungsresultat, sondern zugleich auch ein in- 
neres Erlebnis, ein wahres Genießen der Kunstwerke 
auf Grund beiläufig derselben ästhetischen Werte, 
auf Grnmd welcher sie bewußt oder unbewußt ihre 
Schöpfer genossen haben dürften. Er hat sich 
sein Kunstsehen selber nach und nach errungen 
(was mir stets als das merkwürdigste an ihm vor- 
kam) und wußte das Gefundene mit einer sugge- 
stiven Überzeugungsgabe anderen mitzuteilen. So 
vermochte er sich nicht nur in das harmonische 
Spiel primitiver Ornamente hineinzuleben, sondern 
auch einen barocken Bau oder ein Bild Rembrandts 
in einer Weise zu interpretieren, die jedem Hörer, 
der ihm folgen konnte, unvergeßlich bleiben wird. 

Wie tief begründet in seinem Wesen dieser 
Historismus gewesen ist, kann man daraus ersehen, 



') Dafür kommen hauptsächlich folgende Arbeiten in 
Betracht: -Das holländische Gruppenporträt' (Jahrb. der 
kuBSthist. Samml. des .\llerh. Kaiserhauses XX 111 1902); 
.Über altchristliche Basiliken" Qahrb. der Z. K. 1903) und 
, Salzburgs Stellung in der Kunstgeschichte" (Salzburg 1905). 



273 



AlXIlS RiEGL 



274 



daü er selbst die Kunst unserer Tage unter einem 
historisch objektiven Gesichtspunkte sah. Wie in 
der Pf)litik und Literatur, beurteilen wir auch in der 
Kunst die Erscheinungen unserer Zeit vom Stand- 
punkte unserer subjektiven Bildung, betrachten die 
Werke, die ihr entsprechen, als die Kunst unserer 
Zeit und suchen die Berechtigung dieser Kunst aus 
ihrer historischen Notwendigkeit abzuleiten, wobei 
wir vergessen, dai3 sich unsere subjektive Auffassung 
der Kunst keinesfalls mit dem allgemeinen Kunst- 
empfinden unserer Zeit zu decken pflegt. Anders 
war es bei Riilc.l. In früheren Jahren sprach er 
selten von Kunstströmungen unserer Zeit und dies 
stets ohne besonderes Interesse. Man wird einmal 
lächeln, falls sich unsere Tagesblätter und Revuen 
erhalten sollten, über die Fülle von angeblichen 
Kunstrichtungen, deren Entstehung in diesem außer- 
ordentlichen Säkulum uns Künstler und Kunst- 
schriftsteller glaubhaft machen wollen, ähnlich 
wie wir heute über die zahllosen sozialpolitischen 
Theorien des XVIII. Jh. zu lächeln pflegten. Man 
wird einsehen lernen, daß auch die Kunst des 
XIX. Jh. und der Folgezeit wie immer früher einen 
einheitlichen Komplex bildet, welcher der barocken 
Kunst gegenüber, an deren Einheitlichkeit niemand 
heute zweifeln dürfte, wohl eine Weiterbildung, 
doch keinesfalls eine Umwälzung oder auch nur 
eine prinzipielle Neuerung bedeutet. Wer das bunte 
Kunsttreiben unserer Zeit unter dem Gesichts- 
punkte eines, gleichgültig ob höheren oder nied- 
rigeren Kun.stgeschmackes betrachtet, dem ent- 
schwindet das, was allen Kunstbestrebungen 
un.serer Zeit zugrunde liegt, doch leicht wird das 
Verknüpfende, den gemeinsamen Stil, entdecken, 
wer die Kunsterscheinungen auf ihre gemeinsame 
geschichtliche Grundlage zurückzuführen vermag. 
So war es auch bei Riegi., der im Anschlüsse an 
seine universalgeschichtliche Auffassung der ein- 
heitlichen Kunstentwicklung auch für die modernste 
Kunst einen ihrer wesentlichsten Charakterzüge, der 
ihr überall in allen ihren Erscheinungen zugrunde 
liegt, so verschiedenartig sie auch sein möge, und 
der sie von allen vergangenen Kunstperioden scharf 
unterscheidet, klargelegt hat. Es handelt sich dabei 
um das Verhältnis der Kunst und der Menschen 
älteren Kunstperioden gegenüber. Nicht nur die 
Kunstschriftsteller, sondern auch die Künstler und 
das Publikum betrachteten bis zum Cintjuecento, 

^ritteilun^cn »1er k. k. Zfiitral-Komniis-,i«iii 1905 



ähnlich wie die Politiker oder Theologen jener Zeit 
die Geschichte überhaupt nur zum Beweise für ihre 
Theorien herangezogen haben, auch ältere Kunst- 
werke nur als einen Beleg der eigenen konkreten 
Kunstauffassung und vernichteten sie erbarmungs- 
los oder bliebtMi doch ihnen gegenüber vollkommen 
gleichgültig, wo eine Beziehung dieser Art nicht 
möglich war. Das hat sich erst in der Barockzeit 
nach und nach geändert. Der Grund davon ist in 
einer neuen Auffassung der Aufgaben der Kunst 
zu suchen. Während noch die Renais.sance wie 
alle älteren Perioden jedes Kunstwerk als eine 
isolierte Einheit geschaffen und genossen hat (was 
selb.st für die Gliederungen eines einzelnen Kunst- 
werkes gilt), lernte man seit dem Zeitalter Michel- 
angelos immer mehr alle Einzelheiten großen räum- 
lichen Gesamtwerten unterordnen. Man sieht antike 
Bauwerke nicht nur, wie es früher der Fall war, 
in ihren einzelnen architektonischen Motiven, son- 
dern in ihrer Gesamterscheinung. Man zieht wieder 
die verachteten gotischen Formen heran, nicht weil 
man sich für gotische Konstruktion interessiert, 
sondern weil man so weit ist, den ihnen eigen- 
tümlichen malerischen Reiz zu verstehen. Man 
entdeckt nach und nach alle älteren Stile wieder, 
nicht weil die Kunst zu ihren Entwicklungsstadien 
zurückgekehrt ist, sondern weil im Rahmen der 
barocken (und modernsten Kunst) die Möglichkeit 
vorhanden ist, wie jeder landschaftlichen Vedute, 
wie jeder Lebensszene auch jedem alten Kunst- 
werke einen künstlerischen Genuß abzugewinnen. 
Die Gelehrten und Pedanten unter den Künstlern, 
welche die alten Stile vermeintlich wissenschaft- 
lich entdeckten, ließen es sich nicht träumen, daß 
sie demselben künstlerischen Gesetze gehorchten, 
welches Gesü geschaffen hat und Turner oder 
Constable die moderne Landschaft entdecken ließ. 
Wo aber ihre Gelehrsamkeit die Grenzen unserer 
Kunst überschritten hat und alte Kunstwerke und 
Stile einfach aus dem Grabe wiedererwecken 
wollte, da stellte sich bald eine Reaktion ein. 
Diese Reaktion geht heute wie ein mächtiger 
Strom durch die ganze Welt, ohne daß sie jedoch 
eine Schöpfung der letzten Tage wäre, da sie 
durch die ganze Entwicklung der barocken Kunst 
begründet wurde. Man lernte einsehen, daß es sich 
in unserem Verhältnisse zur alten Kunst nicht 
darum handelt, dieses oder jenes angebliche gol- 



275 



Alois RlEGL 



276 



dene Zeitalter der Kunst, wie es die dogmatische 
Forschung- und Kunst beabsichtigte, der Gegen- 
wart zu oktroj'ieren und alten Kunstwerken nur so 
weit Wert beizulegen, als sie restauriert und ergänzt 
als Spezimina der Kunst jener Zeitalter betrachtet 
werden können, sondern darum, daß die alten 
Kunstwerke einen Schatz von künstlerischen Po- 
tenzen enthalten, die nicht als Prinzipien oder 
Regeln einer bestimmten Kunstlehre, nicht als 
Zeugnisse für die Vorzüge dieser oder jener Stil- 
art, sondern, dank der Entwicklung der Kunst, in 
den letzten Jahrhunderten und im Spiegel unserer 
modernen Kunstempfindung ebenso unmittelbar zu 
unseren Herzen zu sprechen vermögen, wie die Natur 
selbst oder wie Kunstschöpfungen unserer Zeit, 
und eine Quelle von künstlerischen Sensationen 
bilden, die um so reichhaltiger und ungetrübter 
ist, je weniger in ihr das \'ermächtnis der Zeiten 
durch einseitige moderne Interpretationen ange- 
tastet wurde. Das empfinden heute alle Leute von 
Geschmack und Bildung, doch niemand hat dieses 
Phänomen, vielleicht das wichtigste in der Ge- 
.schichte der modernen Kunst, vor Riegl auf seine 
historischen Grundlagen zurückgeführt. \) Ich sprach 
davon, wie bekümmert er einst gewesen war, als es 
ihm unmöglich gemacht wurde, die Früchte seiner 
Forschungen unmittelbar durch die Ausgestaltung 
eines großen Museums dem Leben unserer Zeit 
nutzbar zu machen. Nun bot ihm — nicht eine 
äußere Veranlassung, denn es hat sich weder in 
seinen persönlichen Verhältnissen etwas verändert, 
noch in den Verhältnissen der Institution, der er 
seine Tatkraft zuwenden wollte — sondern die Ent- 
wicklung seines Geistes zum zweiten Male eine 
Gelegenheit dazu. Wäre ihm um Popularität oder 
äußere Anerkennung zu tun gewesen, wäre er wohl 
bald einer der gefeiertsten Gelehrten und Univer- 
sitätslehrer geworden; so wendete er sich aber, 
weil er es für seine Pflicht hielt, Aufgaben zu, 
um die ihn damals kaum jemand beneidet haben 
dürfte, die halbvergessen und unerkannt in Akten- 
bündeln schlummerten, und die man höchstens als 
einen bureaukratischen Annex der Kunstgeschichte 



') Der moderne Denkmalkultus, sein Wesen und seine 
Entstehunsf. Wien 1903. 



ZU betrachten gewohnt gewesen ist Es folgt nun 
der tragische Schluß. 

Der stille einsame Mann, der bis dahin schon 
durch seine Schwerhörigkeit von der Welt halb 
abgesondert, fem dem Tagesleben und den Tages- 
kämpfen seinen Ideen und Forschungen lebte, ist 
plötzlich ein glühender, unermüdlicher Organisator 
geworden. Die neue Auffassung der Pflichten der 
Denkmalpflege und die Änderung der Aufgaben, 
die diese Auffassung mit sich bringt, machte 
es notwendig, auch die staatlichen Institutionen, 
welchen die Fürsorge für die Erhaltung alter 
Denkmäler obliegt, einer Reorganisation zu unter- 
werfen, und der rigorosere Inhalt dieser Pflich- 
ten und Aufgaben verlangte nach einer legis- 
lativen Unterstützung. Für beides hat Riegl 
Entwürfe ausgearbeitet, die wohl die besten sind, 
die nur möglich waren, und die, wenn sie 
durchgeführt werden, mustergültig für die ganze 
moderne staatliche Denkmalpflege werden dürften.*) 
Doch das war nur der geringere Teil seiner Ver- 
dienste um die Z. K. und österreichische Denkmal- 
pflege. Das trefflichste Statut und Gesetz bleibt 
ein totes Stück Papier, wenn nicht die Durch- 
führungsbedingnngen gewährleistet sind, und diese 
zu schaffen war das rastlose, fast übermenschliche 
Bemühen Riegls in den letzten Jahren. Er war kein 
Organisator im geläufigen Sinne des Wortes, wo- 
nach die ,.praktische Organisationsgabe" vor allem 
in Ausnützung der Fehler und Schwächen der Mit- 
menschen besteht, bei Riegl war es im Gegenteil 
nebst seiner Superiorität den Aufgaben gegenüber 
und nebst seinem beispiellosen Feuereifer, mit dem 
er, damals schon ein todkranker Mann, alles auf 
sich nahm, was zu leisten war, vor allem die 
seltene Gabe, alle Herzen durch ein freundliches 
Verständnis für die individuellen Bildungs- und 
Gefühlsdispositionen zu g^ewinnen, die das Ge- 
lingen seiner Reform der öffentlichen Denkmal- 
pflege erhoffen ließ. Mit den edelsten Waffen 
hätte da einer der edelsten Männer ein Werk ge- 
schaffen, welches eine neue dauernde Grundlage 
unserer künstlerischen Kultur g'eworden wäre. Nicht 
weit vom Ziele ist er zusammengebrochen. 

M.AX DvofiAK 

') Als Manuskript gedruckt. 



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Text mitlllustrationenvonToniGrubhofer, Otto Hesse etc. 

Preis in Mappe K 144— oder M. 120—. 



Altäre und andere kirchliche Einrichtungsstücke 

aus Österreich. 

(XII. bis XVIII. Jahrhundert.) 

Ergänzung zu dem Werke: »Interieurs von Kirchen und 

Kapellen in Österreich.« 
Heliogravüren nach photographischen Aufnahmen von Otto 
Schmidt in Wien. Mit erläuterndem Text von Dr. Albert 
ilg, fortgesetzt von Dr. C. List. 100 Blätter Folio und Text 
mit Illustrationen von Toni Grubhofer, Otto Hesse etc. 

Preis in Mappe K 144-— oder M. 120-—. 

Interieurs und Mobiliar aus Schloß Tratzberg. 

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J. W. Deininger. Ein Band Folio. — 12 Blätter Helio- 
gravüren und 1 Blatt Text. 

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Siebzehn Heliogravüren, zumeist Interieurs, von Otto 

Schmidt, mit erläuterndem Text von Dr. Albert Hg. 

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dipl. Architekt in Wien. 

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darunter zwei in Dreifarbendruck. 

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Österreichs. 

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historische Denkmale aufgenommen und gezeichnet von 
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Museums auf 50 Tafeln Lichtdruck; herausgegeben und mit 
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allen Stilarten, 50 Tafeln Lichtdruck und 10 Seiten Text. 

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v. Engerth, Josef v. Führich, F. K. Jobst, Prof. Ferd. 
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von Österreich vmd Ungarn, die Wappen der Kronländer 
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Kokarden beider Reichshälften sowie das Wappen des 
souveränen Fürstentums Liechtenstein. Gezeichnet und er- 
läutert von Hugo Gerard Stroh 1, Herausgeber der 
1 Deutschen Wappenrolle:, des ^Heraldischen Atlasses« etc. 
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farbendruck. 

Preis in Mappe K 12— oder M. 10—. 



Druck von Rudolf M. Robier, Brfinn. 



MITTEILUNGEN 



DER 



K. K. ZENTRAL-KOMMISSION 

FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER 
KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 



DRITTER FOLGE VIERTER BAND 



ABONNEMENTS - BEDINGUNGEN 

Ganzjährig 5 K, für Korrespon- 
denten der k.k.Zentral-Kommission 
bei direktemBezug aus deren Kanzlei 
2 K. Einzelne Nummern können 
(in geringer Anzahl) z\x \ K ab- 
gegeben werden. 

Abonnements können bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen 
oder beim Kommissionsverlage der 
„Mitteilungen" ANTON SCHROLL 
& Co., WIEN I Maximilianstraße 9, 
oder direkt bei der k. k. Zentral- 
Kommission (Wien I Gauermann- 
gasse 4) angemeldet werden. 



REDAKTION 

Prof. WILHELM KUBITSCHEK 
Wien IX Pichlergasse 1 



Nr9. 10 SEPTEMBER — OKTOBER 1905 

INHALTS -VERZEICHNIS 

§MID Bronzebeile von St. Johann bei Tomiselj am Laibacher 

Moore 277 

UBELL Bronzefund aus Aschach a. D 278 

SCHNEIDER Vorgeschichtliche Funde aus dem nordwestlichen 

Böhmen 279 

CUNTZ Römische Inschriften in Steiermark 283 

§MID Ein römischer Inschriftstein aus Mlada Gora (Krain) . . 290 

GNIRS Vorläufiger Bericht über Grabungen auf Brioni grande 292 
GNIRS Römische Nekropolen in Zamasco und Caschierga (Bzh. 

Mitterburg) 292 

PETRIS Grabstein eines römischen Flottensoldaten in Ossero 294 

KUBITSCHEK Vindobona— Vienna 296 

SCHMIDEL Ein Fund römischer Denare bei Spital am Pyhrn 1904 297 

SKRABAR Römische Funde aus Pettau 302 

TIETZE Gotischer Türklopfer in der Spitalskapelle in Krems . 316 

TIETZE Holzstatuetten in der Pfarrkirche in Spitz 318 

SCHMIDEL Ein Münzschatz des XVI. Jahrhunderts 321 

TIETZE Ein Bild von Annibale Carracci in Weißenkirchen a. D. 323 
KRAMÄii Bericht über die BlolSlegung eines jesuitischen Ge- 
mäldezyklus vom Jahre 1641 in der Pfarrkirche zu Kar- 

dasch-ßecic 329 

DVOftÄK Das alte Rautterhaus in Villach 336 

ZAAR Das gräflich Dietrichsteinsche „Schooßhaus" in Brunn . 337 

Im Druck abgeschlossen 20. Oktober 1905 



Die „Mitteilungen" der k. k. Zentral-Kommission für Kunst- und historische Denkmale 
erscheinen monatlich in einem Mindestumfang von 24 Spalten und sind zur Veröffentlichung 

1. amtlicher Kundmachungen der Zentral-Kommission; 

2. der Protokolle der Sitzungsberichte der Zentral-Kommission; 

3. von Fundberichten und Denkmalsbeschreibungen sowie von Erörterungen 
beachtenswerter Funde und wichtigerer Fragen der Denkmalspflege 

bestimmt. Selbständige Fundberichte und Aufsätze werden in der Regel honoriert (die 
Zeüe zu 7 A, die volle Textspalte zu K 3'36). Für die Honorierung von Plänen und 
Zeichnungen sind fallweise Verhandlungen mit der Redaktion nötig. Die Redaktion ist 
gerne bereit, den auszugsweisen oder vollständigen Abdruck eines in den „Mitteilungen" 
erscheinenden Fundberichtes oder Aufsatzes imd die Benützung der dafür angefertigten 
Klischees, wenn der Verfasser dessen Verbreitimg auch durch ein anderes publizistisches 
Organ wünscht, vor allem in Lokalblättern, zuzugestehen. Doch ist selbstverständlich 
gleich bei Einsendung des Manuskriptes eine diesbezügliche Vereinbarung mit der 
Redaktion anzubahnen. Die Honorierung bleibt besonderer Vereinbarung vorbehalten, 
wenn gleichzeitig oder innerhalb des auf die Publikation in diesen „IVhtteilungen" folgenden 
Jahres der Abdruck eines solchen Artikels auch noch in einer anderen Fachzeitschrift oder 
in großen allgemein verbreiteten Tagesblättem oder Zeitschriften beabsichtigt wird. Die 
Redaktion ist femer gerne bereit, fallweise und auf Grund von Vereinbarungen Auszüge 
aus geeigneten Fimdberichten oder einschlägigen Artikeln, die in anderen Zeitschriften 
(insbesondere i. in nicht deutscher Sprache abgefaßten; 2. solchen, die aller Wahrschein- 
hchkeit nach sonst nicht leicht zur Kenntnis der Redaktion gelangen dürften) erschienen 
sind, in den „Mitteilungen" zu bringen. Es werden daher die Verfasser solcher Artikel 
ersucht, Sonderabdrücke mit ausdrücklicher Angabe ihrer Wünsche der Redaktion ein- 
zusenden. 

Manuskripte mögen nur auf einseitig beschriebenen Blättern übersandt werden, 
die Abbildungen mögen nicht in den Text hineingeklebt und noch weniger auf die 
beschriebenen Blätter oder auf liniertes Papier oder mit Bleistift gezeichnet werden. 

Den Verfassern geht ein Bürstenabzug zur Korrektur des Druckes zu; rascheste 
Durchsicht dieser Abzüge \\Trd erbeten. Weitergreifende Autorkorrekturen werden auf 
Kosten der Verfasser hergestellt. Die Verfasser erhalten 12 Sonderabzüge ihrer Artikel; 
eine größere Anzahl von Sonderabdrücken, über die fallweise eine Vereinbarung mit der 
Redaktion nötig ist, sowie Umbruch der Spalten oder Broschieren in besonderem Um- 
schlag kann nur auf Kosten des Bestellers erfolgen. Derlei Bestellungen mögen nicht an 
die Druckerei gerichtet werden, sondern lediglich an die Redaktion, die sich allein zur 
Vermitdung des Verkehres z\\-ischen den Verfassern und der Druckerei berechtigt ansieht. 

DIE RED.\KTION 



MITTEILUNGEN 

DER K.K.ZENTRAL-KOMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXZ. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 



Band IV Nr. 9. 10 



September — Oktober i 905 



Bronzebeile von St. Johann 
bei Tomiselj am Laibacher Moore 

Beim Abbaue eines Steinbruches in der Nähe 
der Kirche St. Johann fand man 2 w tief in einer 
natürlichen Felsspalte, die im Laufe der Jahr- 
hunderte mit Humus zugestopft worden war, zwei 
ausnehmend große Lappenbeile (Fig. 62 rt, b), ein 




20 cm 23 cm 16 d« 

Fig. 62 Bronzebeile von St. Joliann bei Tomiselj 

Düllenbeil (Fig. 62 c) und eine Bronzekette mit 
vier Ringen, welche leider von den Arbeitern weg- 
geworfen und im Erdreich verstampft wurde. Das 
kleinere, massivere Lappenbeil (Gewicht 649 dkg) 
i.st 20 cm lang, das zierliche, längere 23 cm (Ge- 
wicht 600 dkg). Die Schaftlappen sind mittelständig, 
schlank; ihre Länge beträgt 6 cm, die Lappenhöhe 
des gedrungeneren Beiles beträgt 12 mm, die des 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommissioo 1905 



gröi3eren 1 1 mm. Die Schneide ist 5 cm breit, die 
Bahn 4 cm. Beide Beile zeigen einen breiten 
(„italischen") Ausschnitt der Bahn mit stark ein- 
gebogenen Ecken. Dieser Ausschnitt ist hier viel 
ausgeprägter als bei den anderen Palstäben des 
Museums, die sämtlich kleiner sind. 

Einen vollendet schönen Typus zeigt auch 
das Düllenbeil, das bei einer Länge von 16 ein 
eine 6 cm breite Schneide aufweist (Gewicht 470 dkg). 
Die ovale Tülle ist ohne Rippen im Innern, zeigt 
an den Schmalseiten Gußnähte und ist gratförmig 
verziert. Die Ose am Kopf ist nicht vorhanden. 

Die ziemlich starke dunkelgrüne Patina wurde 
an einigen Stellen von den Findern, die darunter 
Gold vermuteten, weggeschlifFen; aus demselben 
Grunde wurde auch ein Stück des kleineren 
Lappenbeiles weggehauen. 

Die drei Beile wurden den Sammlungen des 
Landesmuseums einverleibt. 

Korrespondent Kustos Dr. Waltkk S.mu) 



Bronzefund aus Aschach a. D. 

Vor einigen Tagen wurde das Museum Fran- 
cisco-Carolinum von den Herren Ga.stwirt Hirmanx 
und Magister Rosenauer in Aschach a. D. ver- 
ständigt, daß in der näch.sten Nähe dieses Marktes 
Funde von Bronzeobjekten gemacht worden seien. 
Der Kustos des Museums Konservator Dr. H. Ubell 
begab sich sofort an Ort und Stelle, um die Fund- 
stücke und die Fundstätte in Augenschein zu 
nehmen. Die Fundstätte ist der Granitbruch des 
Herrn Schiffmeisters Strasser; der Bruch ist am 
Fuße der bewaldeten Hartberge dicht am linken 
Donauufer, gegenüber dem oberen Ende des 



jyq 



Vorgeschicliüiche Funde aas dem nordwestlichen Böhmen 



280 



Marktes g-elegen. Hier an einem Platze, der im 
Volksmunde Goaskirchen heißt, fanden sich im 
Laufe der letzten Tage in der Erde zwischen dem 
Geröll, das den gewachsenen Boden bedeckte, 
folgende Gegenstände vor: neun mehr oder minder 
beschädigte bronzene Sicheln mit geriefelten Griff- 
zungen, ein größerer und ein kleinerer Lappen- 
kelt (beide fragmentiert), ein herzförmiger durch- 
brochener Gürtelbeschlag aus demselben Material. 
Die Vermutung, daß es sich um einen Depotfund 
handle, wurde Herrn Dr. Ubell zur Gewißheit, als 
bei Besichtigung der Fundstätte in seiner Anwesen- 
heit an demselben Platze das 1-5 kg schwere Bruch- 
stück eines Bronzegußkuchens zum Vorschein kam. 
Unweit der Bronzegegenstände wurde auch ein 
Scherbe eines handgeformten Gefäßes aus gra- 
phitiertem Ton gefunden. Die Fundstücke sind 
dem Linzer Museum zugedacht und vorläufig noch 
bei Herrn Hirjiaxx in Aschach deponiert. Einen 
eingehenden Bericht mit Abbildungen hat Kon- 
servator Ubell der Z. K. in Aussicht gestellt. 



Vorgeschichtliche Funde aus dem 
nordwestlichen Böhmen'» 

Ribsko, 7 km westlich von Königgrätz imd 
nächst dem Dorfe Voznice (dort wurden 1903 von 
der Museumsverwaltung zu Königgrätz zwei Tumuli 
mit Grabgefäßen der Lausitzer Periode ausgebeutet, 
Pamätky arch. 1903, 249 Taf XXV): Ende No- 
vember 1904 wurde auf einem Felde des Herrn 
JosEi- LoccNi', Besitzers eines großen Bauerngutes 
hier, ein irdenes Gefäß mit Bronzegegenständen 
ausgeackert. Von dem Gefäße wurde nichts geborgen, 
die Bronzeartefakte, zum Teile neu zerbrochen, wur- 
den aber insgesamt dem Eigentümer des Grund- 
stückes, Herrn Loccv;-, übergeben; von diesem ge- 
langten sie in die Hände seines Verwandten, des 
Mühlen- und Baumwollwebereibesitzers Herrn 
Seilnoltra zu Cernozic und weiter als Geschenk an 
den Volksschullehrer Herrn SvATo.i zu Smiric, welcher 
sie mir zur Begutachtimg vorlegte. 



'■) Ein Bericht gleichen Inhaltes ist Jer archäologischen 
Kommission der böhm. Kaiser Franz Josefs-Akademie mit 
dem Ersuchen um Veröffentlichung in den , Pamätky archaeo- 
losricke" vorselesrt worden. 



Der Fund zeigt die meisten Analogien M zum 
Brucherzfunde (1887) auf dem Berge Sträz bei 
Radetice (Bezirk Pfibram) im südlichen Böhmen 
(Pamätky XIV 150 Taf II) und zum Depotfunde 
von Pfelouc (27 km sw. von Ribsko, Pamätky XVIII 
531 Taf XLIX) und enthielt: 

1. die beiden Hälften eines langen Sichel- 
messers (analog dem von Radetice Fig. i) ohne 
Griff mit hohem, kegelförmigem, in der einen Ecke 
des unteren Bahnendes senkrecht aufgesetzten 
Dorne. Der Finder zerschlug die untere Sichel- 
hälfte in drei Stücke, von denen das kleinste mit 
der alten Bruchfläche verloren ging; 

2. die obere Hälfte eines Sichelmessers glei- 
cher Form; 

3. die untere Hälfte einer halbkreisförmigen 
Sichel mit Griff und horizontal auf dem Sichel- 
rücken aufgesetztem Dorne, analog der Sichel Fig. 2 
von Radetice; 

4. das untere Ende einer Dolchklinge; 

5. zwei Knöpfe mit je einer kleinen Ose am 
der einen und langem, nageiförmigem Dorn auf 
der andern Seite; Analoga sind mir nicht bekannt; 

6. einen größeren offenen Armring, zirka 6 cm 
Durchmesser im Lichten, aus starkem, walzenför- 
migem Draht verfertigt und mit gravierten Quer- 
strichen verziert; vom Finder in drei Stücke zer- 
brochen ; 

7. einen kleinen, tordierten Ring mit über- 
einanderragenden Enden; 

8. einen kleinen, offenen Ring von zwei Um- 
gängen, auf der oberen Seite mit nachgeahmter 
Tordierung, auf der unteren Seite glatt; 

9. einen kleinen, glatten Ring; ein Ende ist 
in vertikaler Richtung abgeflacht, das andere ist 



') Analoga kommen vor auch in einem älteren Depot- 
funde von Chvojenec bei Pardubitz — 17^;« nö. von 
Ribsko — (Pamätky XII 439 Taf. XIX) und in dem Depot- 
funde von Minie bei Schlan (Pamätky XVI 137 Taf. XI). 
Die Bronzenadel aus dem einen Tumulus bei Voznice 
stimmt vollkommen überein mit dem Xadelbruchstücke 
Fig. 17 aus dem Brucherzfimde von Radetice. Nach Paut. 
Reinecke (Korrespondenzblatt der deutschen Gesellschaft 
i. Anthropologie 1900 S. 2-5) sind diese stattlichen Nadeln 
mit großer Kopfscheibe imd mehrfacher geriefelter Ver- 
dickung des Halses besonders charakteristisch für die dritte 
Stufe des skandinavischen Bronzealters in Süddeutschland 
(XIV. bis XI. Jh. vor Chr.). 



28l 



Vorgeschichtliche Funde aus dem nordwestlichen Böhmen 



282 



verjüngt und war wahrscheinlich einst zu einer 
Ose umg-ebogen; 

10. die Hälfte einer Brillenfibel, analog dem 
Bruchstücke Fig. 8 des Depotfundes von Pfelouö; 

11. einen Kupferbarren. 

Skalice. Kürzlich erwarb Herr Kcj.mAkkk, ein 
junger Grundwirt aus PlotistS, das zu dem Kataster 
von Groß-Skalic gehörige Feld, auf welchem hoch 
über dem linken Elbeufer ein frühmittelalterlicher 
Hausberg liegt.') Da die im vorigen Sommer aus- 
gedörrte Oberfläche dieses auf Plänerkalk auf- 
liegenden Hausberges unter menschlichen Schritten 
dumpf ertönte, glaubte der neue Besitzer, der 
Hausberg müsse Keller mit Gegenständen von 
Wert enthalten und ließ im Frühjahr den ganzen 
Hau.sberg bis auf den felsigen Grund abtragen. 
Die oberen Schichten enthielten nur frühmittel- 
alterliche Scherben mit Wellenornamenten, im 
Untergrunde kamen aber die Reste einer prä- 
historischen Ansiedlung mit Hallstätter und viel- 
leicht auch mit etwas älterer Keramik zum Vor- 
schein. Diese Ansiedlung hatte sich einst über 
die ganze Umgebung des Hausberges erstreckt 
und weist denselben Charakter wie das Begräbnis- 
feld in der Ziegelei Morävek zu Pfedmefice (auf 
dem rechten Elbeufer) auf.-) Eine größere Anzahl 
von Gefäßscherben aus beiden Kulturschichten 
wurde in den Sammlungen des historischen Mu- 
seums zu Königgrätz hinterlegt. 

Cernozice. Linkerhand von der Königgrätz — 
Jaromefer Ararialstraße, 280 Schritte von der Nord- 
ostecke eines kleinen Teiches und gegen N von 
der Einschiebt Nova hospoda (Neuwirt.shaus), liegt 
ein gegen W streichendes, zur Zuckerfabrik der 
Firma Cerych a spol. gehöriges Feld von zirka 
50 Schritt Breite, welches seit fünf Jahren als 
Schottergrube für Straßenbauten ausgebeutet wird. 
Der gegenwärtig abgebaute Teil der Schottergrube 
liegt 250 Schritte von dem Graben der Ararial- 
straße und die ganze, bis heute ausgebeutete Fläche 
hat eine Länge von zirka 250 Schritten. In dem 
westlichsten Teile der Schottergrube wurden vor 
drei Jahren in einer Herdstelle neben Scherben 



') Wahrscheinlich mit dem angeblichen Tumulus iden- 
tisch, über den Konservator HraSe in diesen Mitteilungen 
1881 CXXXl berichtet hat. Vgl. meinen Bericht: Dlska, 
Nälezy predhistoricke v kraji krälovehradeck^m S. 25. 

*) DomeCka, Pameitky 1903 541. 1904 519. 



von geglätteten Freihandgefäßen zwei oben durch- 
bohrte Kegel aus gebranntem Ton gefunden, so- 
genannte Webstuhlgewichte, wahrscheinlicher je- 
doch Bratspießträger, über welche ich Pamdtky 
XXI 141 berichtet habe. Im Vorjahre und in 
diesem Jahre stießen die Arbeiter in dem östlichen 
Teile der Schottergrube auf die Reste einer An- 
siedlung mitLa-Tene-Keramik in Abfallgruben. Die 
Scherben, welche teilweise in meinen Besitz ge- 
langten (ich war leider bei der Abgrabung keiner 
dieser Abfallgruben gegenwärtig), rühren zum 
größeren Teile von Gefäßen her, welche aus freier 
Hand, zum kleineren Teile von solchen, die auf 
der Töpferscheibe geformt worden waren;') zwei 
Bruchstücke sind aus Graphitmasse gefertigt; die 
Drehscheibengefäße sind fein geglättet und zum 
Teile sehr dünnwandig, ohne alle Ornamente bis 
auf die Graphitgefäße, welche senkrecht geriefelt 
waren, und einen Gefäßboden, welcher mit drei 
eingegrabenen, konzentrischen Kreisen nahe dem 
Umfange verziert ist. 

Die Scherben stimmen in jeder Beziehung mit 
den Scherben überein, welche ich vor Jahren in 
der Ansiedlung der Ziegelei Spatny bei Neubyd- 
zov aus später La-Tene-Zeit (Mitt. VIII 82) gefunden 
habe; die Scherben der auf der Scheibe gedrehten 
Graphitgefäße und der aus freier Hand geformten' 
einfachen Näpfe und Schüsseln stimmen auch ganz 
mit analogen Gefäßen aus dem Hradiste von Stra- 
donice (namentlich mit der Schüssel Taf. LI Fig. 5 
bei Pic, Starozitnosti II 2) überein, so daß man die 
Ansiedlung von Cernozice wohl mit Sicherheit 
in die jüngste La-Tene-Zeit Böhmens datieren kann. 

In der Nordostecke der Schottergrube sieht 
man noch den Durchschnitt einer Wohngrube; sie 
war i'5 m tief und hatte einen Durchmesser von 
zirka 4;»; die unterste, schwache Kulturschichte 
ist mit Schotter bedeckt, etwa 10 bis 15 cm höher 
liegt eine zweite schwache Kulturschichte mit den 
Resten einer Herdstelle an der Westwand; der 
ganze Raum wurde später wieder mit Schotter 
angefüllt; weder in den dünnen Kulturschichten 
noch in den Resten der Herdstelle sind bisher 
Artefakte gefimden worden. 



') Die in den Gräbern selbst der frühesten La-Tene-Zeit 
in Böhmen den Leichen beigesetzten Gefäße sind, soviel 
ich weiß, immer auf der Tüpferscheibe gedreht. 



283 



Römische Inschriften in Steiermark 



284 



Schließlich erwähne ich noch einen neuen 
Fund von Golddrahtgewinden, welcher vor kur- 
zem innerhalb des mittelalterlichen Königgrätz ge- 
macht wurde; darüber darf ich aber vor der voll- 
ständigen Bergung des teilweise zerstreuten Fundes 
nicht berichten. 

Korrespondent Ludwig Schneider 



Römische Inschriften in Steiermark 

Ich bringe in dieser Abhandlung Xachver- 
gleichungen römischer Inschriften der weiteren 
Umgebung von Graz, also aus dem Gebiete von 
Flavia Solva, von Adriach, Geistthal und Stall- 
hofen im Westen und von Semriach im Osten 
der Mur. 

Adriach 

CIL in 5457- Die obere Randleiste des In- 
schriftfeldes ist mit den oberen Teilen der Seiten- 
leisten erhalten, so daß, abgesehen von der Lücke 
in der Mitte, die Länge der Inschrift feststeht. 
Die untere Kante des Steines ist nicht glatt, son- 
dern unregelmäßig gebrochen. Doch ist der freie 
Raum unter der Inschrift größer als die Spatien 
zwischen den Zeilen. Es folgte also auf Z. 3 wahr- 
scheinlich nichts mehr. — Z. i Punkte am Anfang 
und nach dem zweiten M. — Z. 2 Punkt am An- 
fang. Dagegen fehlt er nach C und nach FL. Nach 
dem Bruch liest Wilmanns 'C, wozu Momm.sen be- 
merkt: ante C littera videtur fuisse L, fortasse 
superstes ex AEDIL. Nachdem ich die dicke Tünche 
entfernt hatte, erschien ein I vollständig bis unten 
erhalten und ohne Querstrich. Es ist daher zu 
ergänzen: IIvi[r{o) iur{e) ci^ciitudo) Fl{avia) Sol{va). 
Das in Z. i zu ergänzende Gentilicium des lucun- 
dus kann also nur etwa vier Buchstaben gehabt 
haben. — Z. 3 ATI LI — Der Punkt nach AE ist 
unsicher, der Stein ist hier bestoßen. 

5458. Z. I am Ende erkenne ich noch ein 
undeutliches S. — Z. 2 kann von Wu,manxs richtig 
gelesen sein, ich vermag jedoch nichts deutlich 
zu erkennen. 

5459 ^§}- P- 1836- Die Breite des Inschrift- 
feldes ist durch den Giebel, welcher einen Adler 
und darüber einen Helm(?) zeigt und wie gewöhn- 
lich von Säulen getragen gewesen sein wird, un- 
gefähr bestimmt. Es lassen sich danach am An- 



fang und Ende von Z. 2 etwa 4 und 3, von Z. 3 
etwa 5 und 4, von Z. 4 etwa 5 und 5 Buchstaben 
ergänzen. — Z. 2 vom letzten Buchstaben ist nur 
p erhalten. — Z. 3 die beiden wagerechten 
Striche vor LVCIA sind nicht vorhanden, nur kleine 
unregelmäßige Schrammen. Der Stein kann auch 
nicht etwa an dieser Stelle früher vollständiger 
gewesen sein, denn es läuft an seiner linken Seite 
eine gerade Kante herunter, die er vor langer 
Zeit bei einer Neuverwendung erhalten hat. — 
Z. 4 s Fl ^jA V . Der letzte Buch.stabe muß V oder 
X gewesen sein. Also vielleicht fil{io) a{iiiiorum) 
yjlll oder X/////. Falls der dargestellte Helm in 
irgendeiner Beziehung zu dem Verstorbenen stände, 
wäre das letztere vorzuziehen. 

Geistthal 

Die acht durchweg gut und sorgfältig ein- 
gehauenen Inschriften, welche .sich an und bei der 
Kirche des Dorfes befinden, sind zusammen mit 
den Altertümern von Oswaldgraben ein sprechender 
Beweis dafür, daß römische Sitte und Kultur auch 
von den entlegenen Waldtälern Besitz ergriffen 
hatte und sogar bis an den Fuß der Gleinalpe 
vorgedrungen war. Seit Wilmax.vs sind die Geist- 
thaler Steine meines Wissens nicht revidiert worden. 

5417. Z. I und 4 am Ende Punkte. — Z. 5 
am Ende X/l. Eine Korrektur der Zahl zu >k/l 
hat nicht stattgefunden; zwischen den beiden 
schrägen Hasten ist nur ein kleiner Bruch, kein 
Strich. Kalendinus, der Soldat der legio II Adiu- 
trix, war also 16 Jahre alt. Beispiele eines so 
frühen Eintrittes in die Armee sind nicht selten. 
Vgl. ni 4463 aus Camuntum tnil. leg. XV Apol. 
an. XXXV stip. XIIX; 3538 aus Aquincum librari 
leg. leg. II Adi. vix. ann. XVIII stip. IUI; 5449 
aus Semriach [itiil. p]raetoriano eh. IUI p. st. IUI 

oipito) an. XX; 4466 aus Carnuntum equ. ale 

an. XXX st. XV ; 3272 aus Teutoburgium, Wu.iL\Nxs 
1574 aus Magontiacum usw. 

5420. Z. 2 kein Punkt nach NIS, O steht im C. 
— Z. 4 der zweite Buchstabe: %E war sicher "E. — 
Z. 5 VRS(ACIA/t der dritte Buchstabe ist wahr- 
scheinlich S, obwohl nicht ganz deutlich zu er- 
kennen, besonders der obere Teil. Ich lese: Ursa- 
cinae. Marcellinus und seine Frau Vitellia haben 
nachträglich den Namen ihrer Tochter auf den 
Stein gesetzt. Dieser ist,- was bei solchen Pere- 



285 



Römische Inschriften in Steiermark 



286 



grinen nicht besonders auffällt, unregelmäßig- ge- 
bildet. Von dem nicht seltenen Namen Ursacius-a 
(vgl. die Indices zu CIL III. VIII 4175 usw.) wird 
in der Regel Ursicinu.s-a abgeleitet (vgl. III 5449 
aus Semriach usw.). 

5421. Z. 2 .AVBNISSI der erste Buchstabe ist 
vielleicht A, gewiß nicht D, wie Knaul las. Davor 
hätte noch ein Buchstabe Raum, scheint aber 
nichts mehr gestanden zu haben. Der Name ist 
Singular. — Z. 4 .'.E der erste Buchstabe scheint 
A zu sein. Ich lese also mit Knabi, SVADVCIAE; 
der Name kehrt wieder in Geistthal n. 5418, in 
Virunum n. 4864. 

5422a. Die Inschrift ist auf einer schmalen 
langen Marmortafel sorgfältig eingehauen; nach 
dem Schriftcharakter etwa Mitte des zweiten Jahr- 
hunderts. — Z. I A-Vn V/ OPTATIF- Der Punkt 
nach Al ist unsicher, nach .' etwa für einen Buch- 
staben Raum. Daß die Querstriche des ersten 
Buchstabens nachträglich hinzugefügt erscheinen, 
wie MoMMSEN angibt, habe ich nicht bestätigt ge- 
funden. Ich lese ferner deutlich OPTATI. OPPALI, 
was MoMMSEN vermutet, wäre auffallend; belegt 
ist mehrmals Oppalo-onis, nicht Oppalus. Am 
Ende, nach ET, steht ein Punkt, fic ist Aelio. 
Das dann folgende Cognomen, das auch unrömisch 
gewesen sein kann, vermag ich nicht mit Sicher- 
heit herzustellen. — Z. 2 COVRVNE vgl. für diesen 
Peregrinennamen die Virunenser Inschriften 4925 
Goiiruna Tertii /[Uta) und 12014, 216 Coiirini (lec- 
tionis dubiae), femer auch die von der Heidels- 
burg in der Pfalz Coiiritni (Westdeutsche Zeitschr. 
1885 S. 360). — Z. 3 und 4: 

//////di//mall\ai:anxl-ehostili..ia 
vlpaciliiil-anxxii 

Z. 3 der Anfang ist sehr abgerieben, der erste 
Buchstabe ganz unsicher; Z. 4 ist sehr mit Kalk 
beschmutzt und unten mit Moos bewachsen. 
Dennoch halte ich meine Lesung für gesichert. 
Vor VLP scheint nichts mehr gestanden zu haben; 
die Zahl ist deutlich XXII und nicht XXXII. — 
Z. 3 vor AN scheint AE gelesen werden zu mü.ssen. 
Das Zerstörte muß also den mit et angeschlossenen 
Dativ eines neuen Frauennamens oder eines zweiten 
Epithetons zu coniugi enthalten. Dadurch wird 
allerdings die Konstruktion der Inschrift fehler- 
haft. Im letzten Namen der Inschrift fasse ich 



der Zeilenabteilung gemäß Hostillia als das Cog- 
nomen der Frau i,vgl. z. B. (^TTj), Ulp{t) als das 
Nomen des Vaters auf. Für Acilius als Cognomen 
kann 13550, i aus Poetovio als Beispiel angeführt 
werden, und einen M. Ulpius Acilianus finden wir 
als beneficiarius consularis in Celeia (5180). Die 
Gentilicien Ulpius und Aelius bestätigen die oben 
gegebene Datierung der Inschrift. Ich lese also: 
Ae[lio) Vitu\_lo?] Optati f{ilio) d{efuncto) an{no- 
rnm) LV et | Courune Jamiari /(iliae) con(titgi) 
op(timae, \ [et}] . . . . di . . nal . . ae an(norum) XL et 
Hostillia \ Ulp{i) Acili ftl{ia) an{norum) XXII. 

5423. Die Inschrift war bisher nur durch 
Knabl bekannt, der sie „in der Pfarrkirche selbst, 
am St. Anna-Seitenaltare — — als Fußbodenteil 
zur linken Hand" auffand und abschrieb (Mitteil, 
des bist. Vereins f. Steierm. 1850 S. 64). Wu^manns 
suchte sie vergeblich. Sie lautet im Corpus: 

NIFI 

ET 

E 

PICO 

5 N ■ I X • E T 

CENICELLO. . 
Seitdem ist sie wieder aufgetaucht. Ich fand 
sie in die Kirchhofsmauer außen eingesetzt, eine 
Marmortafel von 90 X 57 cui, nach dem Charakter 
der sorgfältigen Schrift aus der ersten Hälfte oder 
Mitte des zweiten Jalirhunderts (Fig. 63). 



u 



AT I A N T hF 
F E ' S I B I" E T ' 
S V N T KJ\ E 
DARSET hfl* CO 

NAMAT OF A/LX- ET 
Ii^LL/Sl SAMMI-F- CENICELLO 

Fig. 63 Römische Inschrift aus Geistthal 

Für Knaüi, war also nur ein kleines Stück, 
das Ende von Z. 2 — 7 sichtbar, was er für den 
Anfang der Inschrift hielt. Das übrige muß verdeckt 
gewesen sein. — Z. 4 R und A sind verbunden. — 
Z. 6 — 8 sind auf nachträglich abgearbeiteter Fläche 
(in rasura) mit nicht minder sorgfältigen, aber 



287 



Römische Inschriften in Steiermark 



288 



kleineren Buchstaben eingehauen. Es hat hier 
also eine Korrektur stattgefunden. — Z. 6 zwischen 
ET und D ist ein Buchstabe völlig mit Kalk über- 
deckt, ebenso Z. 7 der Platz zwischen dem ersten 
Buchstabenrest, der sicher zu N zu ergänzen ist, 
und L. Von den ein bis zwei Buchstaben, die hier 
standen, ist nur der untere Teil einer senkrechten 
Haste gleich hinter N sichtbar. Im Anfang der 
Zeile ist Raum für zwei Buchstaben. — Z. 8 ist 
vollständig. 

Die Inschrift ist von Peregrinen gesetzt; sie 
bereichert unser Verzeichnis keltisch - illyrischer 
Namen, enthält dagegen noch keinen einzigen 
römischen. Dieser Umstand spricht mit für die 
obige Datierung. Comatus und Ableitungen da- 
von wie Comatullus und Comatumarus ist auf kelti- 
schem Gebiet häufig. In Geistthal selbst haben 
wir 5417 Comato Boi f(ilio). Einen Atiantus finden 
wir 4985 im benachbarten Virunum. Suntra und 
Darsetus sind neu, doch findet sich vom selben 
Stamme z. B. Suncia und Sunua und Darsa (Paris), 
vgl. HoLDEK, Altkeit. Sprachschatz. In Z. 6 ist 
zweifellos Adnamato herzustellen, ein gerade in 
Noricum häufiger Name, vgl. 5474 und 5477 aus 
dem oberen Murtal, 5496 aus Oststeiermark 
und Münzen bei Moümsen, Gesch. d. röm. Münz- 
wesens S. 695, PiCHLER, Repertor. d. stein Münz- 
kunde S. 167 ff. In Geistthal selbst 5420 Adnaiiid. 
Der erste Name der folgenden Zeile ist nicht 
sicher zu ergänzen. Da er vermutlich ebenfalls 
unrömisch war, möchte ich vorschlagen, entweder 
ANNILLAE oder ENNILLAE zu schreiben. Wir haben 
Anna in Ober-Moesien (8240) und Dalmatien (8340), 
eine Anna Sammonis in Ober-Pannonien (4282); 
Enna kommt dreimal in Igg bei Laibach vor 
(3793. 3802. 3821), Enno in Laibach (3861). Ein 
Sammus ist aus dem Gebiete von Virunum bekannt 
(5052) und Samma (5372), Sammu (11734) und 
Sammio (5319) aus Solva selbst. Cenicello er- 
scheint hier zum ersten Male, doch ist Cenicus 
in England und Frankreich nicht selten (vgl. 
HoLDEk a. a. O.). 

Ich lese also: Comatus \ Atianti /{ilitis) \fe{cit) 
sibi et I Snntrae \ Darseti fi{liae) co(uiiigi) | et [A]diia- 
niato f(ilio) an{norunt) LX et \ [A'\n[ni']Ua£ Q) Sammi 
ßiliae); Cenicello\iii f{ilio) mi{norum) XX. Das 
Ehepaar Comatus und Suntra hat akso einen Sohn 
Adnamatus. Annilla ist vermutlich des.sen Frau 



und Cenicello, der merkwürdigerweise ohne Ko- 
pula angeschlossen ist, sein Sohn. 

Stallhofen 

5409. Z. I im Anfang M-AVR- — Z. 2 im 
Anfang j CR FAN Vor C ist noch Raum für einen 
Buchstaben, doch i.st die Stelle glatt; dahinter 
steht wohl P, das aber fast wie R erscheint. Die 
Ziffer vor V kann auch ich nicht lesen. Die letzte 
Ligatur von SA^NE ist sehr undeutlich, dann lese 
ich GN (statt CON). — Z. 3 ist sehr mit Kalk be- 
schmutzt und undeutlich, Wilmanns' Lesung sehr 
zweifelhaft. Ich sehe ET, dann ist ISER möglich, aber 
unsicher. Am Schluß sehe ich gar nichts mehr. 

M. Aur(elius) Secundinus war demnach Tet{era- 
11ns) le{giouis) C(laiidiae) P{iac) F(idelis). Die 
Nummer der Legion scheint nicht gesetzt worden 
zu sein. Ob die VII. oder die XI. gemeint, ist 
daher nicht zu entscheiden. 

5410. Die Bemerkung im Corpus: G. Wilmanns 
descripsit difficulter bezieht sich darauf, daß die In- 
schrift, ebenso wie 5409, an der äußeren südlichen 
Kirchenwand ziemlich hoch angebracht ist. Doch 
konnte ich sie mit einer Leiter bequem erreichen. 

Z. I NAIVR NINIVS ganz deutlich, nicht SATVR- 
NINIVS. Die erste Haste ist vielleicht nur die 
herablaufende Rille des Randes. Hinter R ist 
oben eine runde Vertiefung. Der Punkt nach S 
i^t unsicher. Zu Maiurninius sind die aus galli- 
schen Inschriften bekannten Namen Maiurus, Mai- 
urrus, Maiurilus zu vergleichen (Holder a. a. O.). 
— Z. 2 EAVR-SECVNDINAV-P-S-E Am Anfang 
steht durch Versehen des Steinmetzen deutlich nur 
E für "E. Der erste und der letzte Punkt sind un- 
sicher. Auf diese Zeile folgte nichts mehr, der 
Inschriftrand ist erhalten. Das Gentilicium ist 
ohne Zweifel Aur(elia). Der Schluß i.st mir rätsel- 
haft. Auf v(ivi) piosiienint) s{ibi) folgt noch et, 
obwohl die Inschrift zu Ende und überhaupt kein 
Raum für Nachträge geblieben ist. Sollen wir 
auch hier ein Steinmetzenversehen annehmen oder 
sind die Abkürzungen anders zu deuten? 

5411. Die Angabe des Corpus: positam loco 
incommodo ist unrichtig. Die Inschrift ist in 
wenig mehr als Mannshöhe eingemauert. 

Z. I SENAC-APALVMBl Hinter dem ersten A 
und C stehen völlig deutliche Punkte, hinter dem 
zweiten A ist weder ein Punkt noch ein Spatium. 



289 



Ein römischer Inschriftstein aus Mlada Gora (Krain) 



290 



Senaca, was WiLiuxNs hat, liabe ich nirgends 
sonst gefunden, nur Seneca. Dagegen ist Sana 
für das keltische Gebiet mehrfach belegt (z. B. 
XIII loooi), vgl. HoLtMCK a. a. O. Ich lese also 
Sena G{ai) Apahimhi (scnnts). — Z. 2 "E- — Von 
Z. 3 kann ich nicht mehr so viel erkennen wie 
WiL.MANNS. Ich sehe nur noch ein paar Buch- 
stabenköpfe. Es scheint mehr unter den Wand- 
verputz geraten zu sein als früher. — Von den 
drei oben abgebrochenen Brustbildern über der 
Inschrift stellt das erste rechts einen Mann dar, 
der eine Rolle hält, die beiden übrigen Frauen 
mit dem Apfel in der Rechten. Wir haben also 
in Z. 3 den Namen einer mit dem Ehepaar Sena 
und Materna verwandten Frau, vermutlich ihrer 
Tochter, zu ergänzen. 

Ich füge hier über die Steine des benach- 
barten Piber die Bemerkungen an, daß das gut 
gearbeitete weibliche Brustbild auf 5413 auf ver- 
tieftem Grunde steht und von einem Kranz ein- 
gefaßt ist. In den Zwickeln sind Rosetten. Die 
F'rau trägt die norische korbartige Kopfbedeckung, 
Halsketten und interessanten Brustschmuck. — Die 
Brustbilder zu der verlorenen Inschrift 5414 be- 
finden sich in einer säulengetragenen Nische (vgl. 
Knabl, Mitt. d. bist. Vereins f. Steiermark 1855 
S. 158). — Ein drittes Relief, die Brustbilder von 
zwei Männern und einer Frau (in der Mitte), welches 
am Eingang des Ortes nach Köflach zu in einem 
Wirtschaftsgebäude eingemauert ist, halte ich nach 
der rohen Arbeit für spätrömisch. 

Semriach 

5449. Z. 4 steht wirklich VRSICNO, die Punkte 
zu beiden Seiten von IUI fehlen. 

5450. Z. 4 CHoR 

11749. Z. 5 — 7 ET|CANDIDlANOF-|MIL-ALAVR- 
A ■ >y- Dies alles steht in rasura, auf besonders 
vertiefter Fläche. Es hat also eine Korrektur der 
Inschrift stattgefunden. In Z. 7 reicht der Strich 
über der Zeile von A bis zur Mitte der Zahl. Ein 
solcher Differenzierungsstrich ist bei der Alters- 
angabe ganz ungewöhnlich und müßte, wenn er 
zu ihr gehörte, über die ganze Zahl laufen. Er 
scheint mir ein Rest des ursprünglichen Textes 
zu sein, in welchem an dieser Stelle vermutlich 
die Nummer eines Truppenkörpers stand. 

Graz Korrespondent Prof Orro Cuntz 



Ein römischer Inschriftstein aus 
Mlada Gora (Krain) 

Im März d.J. wurde beim Rigolen eines Wein- 
gartens, den JosEi- Er^en auf halber Höhe des Ab- 
hanges der Mlada Gora in St. Margarethen bei 
Rudolfswert besitzt, in einer Tiefe von 075 m 
ein römisches Grab aufgedeckt. Als ich mich an 




TM-fri:?' •" .' 



-V 




/ 




Fig. 6+ l\ümischer Inschriftsteih aus Mlada Gora 

Ort und Stelle begab, um den Fund zu besichti- 
gen, war es bereits zerstört. Nur eine Stein- 
platte mit Inschrift, die der Finder über den 
Knochen gehoben hatte, und ein Ring aus 
Bronzedraht waren übrig; ich konnte beides für 
das Landesmuseum in Laibach erwerben. Der 
Ring, der entweder von einer Schnalle herrührt 
oder allenfalls zur Aufnahme eines Tragbandes be- 



291 



Vorlänfioer Bericht über Grabungen auf Brioni grande. — Römische Nekropolen in Zamasco und Caschierga 



292 



stimmt war, aber — wegen des fast kreisförmigen 
Durchschnittes — kaum als Beschlag einer Scheide, 
eines Futterales oder eines Griffes gedient haben 
kann, ist nahezu elliptisch geformt (2-8 X 17 cm); 
seine nicht knapp aneinander stoßenden Enden 
sind dünner ausgezogen, an der dicksten Stelle 
beträgt seine Stärke nahezu 5 mm. 

Die in zwei Stücke zerbrochene Inschriftstele 
(Fig. 64) besteht aus Gleinitzer Kalkstein ; ihre Ab- 
messungen sind 148 X 75 X 1 1 cm. Die allzu wenig 
geglättete Vorderseite trägt ein Rechteck und ein 
auf dieses gestelltes Dreieck, in tiefen Furchen aus- 
geführt; dann ist über der Grundlinie des Drei- 
eckes eine Parallele zu dieser gezogen und durch 
kleine Querstriche abgegrenzt, endlich in den so 
verengten oberen Raum des Dreieckes ein Halb- 
kreis gesetzt worden. So wie die Inschrift jetzt 
steht, lautet .sie : 

D M 

V ' ■* '^i EC iT 

SEC VA'DVS 

VICTORIS-ET 
5 LOCITAE COA/ 

ivci svAE yw 

/VORVM • XXX« 

Ich glaube: der Steinmetz hat innerhalb des Recht- 
eckes begonnen und geschrieben: Secundiis Victor is 
et Locitae couingi sitae amtornm XXX; dann trug 
er die aus Versehen (nach Victoris) ausgelassenen 
Worte viv{ti)s fecit oben nach, fügte dann die 
die Inschrift auch dem flüchtigen Auge des 
Passanten als sepulkral bezeichnenden Anfangs- 
buchstaben von d{is) m{aiiibns) hinzu und redu- 
zierte den Halbkreis, der an die Überwölbung 
des mittleren Interkolumniums einer vierstelligen 
Säulenfront der römischen Kaiserzeit erinnert und 
wohl nach der Absicht des Steinmetzen direkt auf 
der Basis des Dreieckes hätte aufstehen sollen.') 
Zu dem Frauennamen Locita vgl. den Grab- 
stein von Altofen (Ö-Buda) CIL III 14351 couingi 
Lucite f{i)lia{e) an{norum) A'A'A'A' und den von 
Hudina in der Umgebung Celeias 5289 mit Loticitii 
Messori{s) ßjliä) an{noruin) XXX. 

Korrespondent Dr. Walter Smid 



Vorläufiger Bericht über Grabungen 
auf Brioni grande 

Bei den unter meiner Leitung durchgeführten 
Ausgrabungen im Anschluß an die Portikus des 
antiken Tempelbezirkes am Südgestade von Val 
Catena ist ein mächtiges Terrassengebäude fest- 
gestellt worden. Nunmehr ist die erste und zweite 
Terrasse bloßgelegt. Auf einer durch eine starke 
Terrassenmauer gehaltenen basis villae erhebt sich 
ein peristyler Bau, in dessen Hof eine große 
Zisterne eingebaut ist. Die süd- und westwärts 
gewendeten Räume dienten als Wohnung, der 
nord- und ostwärts gelegene Trakt enthält — 
in Übereinstimmung mit den Vorschriften von 
Vitruv und Plinius — eine große ceUa vinaria. 
Große mehr oder weniger gut erhaltene dolia, 
die diesen Raum füllen, stehen noch in situ. 
Zur Aufnahme des Mostes diente zunächst eine 
höher gelegene vollkommen erhaltene Betonwanne 
(lacusl, von der eine Ableitung in die cella vinaria 
führt. Noch höher liegt dann der — ebenfalls er- 
haltene — Kelterboden, von dem aus eine Rinne 
den Wein in den lacus leitete. Versuchsgrabungen 
in der Umgebung zeigten, daß auf einer vierten, 
höchsten Terrasse der Hauptbau stand. Starke Sub- 
struktionen und Unterräume, welche Wasserver- 
sorgungsanlagen dienten, gelangten hier bereits 
vor Jahren zur Ausgrabung. 

Die Grabungen in Val Catena werden fort- 
sresetzt, um das vorliegende Material für eine 
größere Publikation abschließend ergänzen zu 
können. Die Funde sind im Orte Brioni grande 
gesichert deponiert worden und sollen später in 
dem — hier in Aussicht genommenen — Lokal- 
museum aufgestellt werden. 

Konservator Professor Anton Gnirs 



') Also so: 



J^ 



Römische Nekropolen in Zamasco 
und Caschierga (Bzh. Mitterburg) 

Auf den Gartengründen, die am Ortseingange 
in Zamasco liegen, sind schon wiederholt bei land- 
wirtschaftlichen Arbeiten römische Funde gemacht 
worden; als solche wurden mir vom Ortspfarrer 
H. Ante Raguzin Mauerzüge, Amphoren, Scherben 
von Tongefäßen und Glas bezeichnet. Diese Funde 



293 



Grabstein eines römischen Flottensoldaten in Ossero 



294 



veranlaÜten den genannten Pfarrer, in seinem vor 
dej Ortskirche liegenden Garten eine kleine Ver- 
suchsgrabung vorzunehmen; er entdeckte eine rö- 
mische Nekropole, die sich vom Grabungsplatze 
weg auch in die Nachbargärten hinüber erstreckt. 
Über die Grabeinrichtung ließ sich folgendes fest- 
stellen: Es handelt sich um Aschengräber, die heute 
ungefähr i in unter der Erde in kleinen ummauerten 
Gruben liegen. Als Aschenurnen scheinen Ton- 
gefaße recht gewöhnlicher Arbeit zu dienen, die 
in zerbrochenem Zustande mit verstreutem Inhalt 
aufgefunden wurden. Als Grabbeigaben konnte 
Pfarrer Raguzin eine Anzahl kleiner Glasfläschchen 
in kegelförmigen und stark ausgebauchten Formen, 
ferner mehr oder weniger gut erhaltene Tonlämp- 
chen sammeln. Letztere haben keinen Fabrik- 
stempel, tragen aber beachtenswerte Reliefdarstel- 
lungen auf dem Deckel. Ich möchte noch die Mit- 
teilung des genannten Pfarrers festhalten, daß 
unterhalb des Fundplatzes nördlich davon in den 
Grundstücken schon in der nächsten Nachbarschaft 
Massengräber angetastet worden sind, aus denen 
man „fuhrenweise" das Knochenmaterial abtrans- 
portieren könnte. Nach der Position und Lage von 
Zamasco ließe sich hier auch eine vorrömische 
Kastellieranlage vermuten; Nachforschungen haben 
bereits diese Vermutung bestätigt. — Die Grab- 
funde von Zamasco gewinnen im Zusammenhange 
mit der Örtlichkeit selbst an Interesse. Die Nekro- 
pole liegt auf dem Gipfel des Berges von Zamasco, 
welcher in seiner Höhe von 411 m das unterhalb 
liegende Tal von Motona ( 1 5 in) und dessen Seiten- 
täler sowie die gesamte Umgebung stark domi- 
niert. Vielleicht hat der Ort in erster Linie seiner 
strategischen Bedeutung eine frühe Besiedlung 
durch die Römer zu danken. Wenigstens hätten 
sonst der Wassermangel und die Unzugänglichkeit 
des Ortes zur Besiedlung günstigerer Positionen 
in nächster Nähe gefülirt. 

Auch in Caschierga bei Pisino gelang es mir, 
eine römische Ansiedlung aus einer antiken Nekro- 
pole nachzuweisen, auf die man 20 Minuten nö. vom 
genannten Orte bei der Anlage von Weingärten 
gestoßen ist. An Ort und Stelle findet man spärlich 
Ziegelscherben und Fragmente von Lampen, die aus 
zerstörten Gräbern herrühren. Ein antikes Glas- 
fläschchen von dorther ist im Besitz des Pfarrers von 
Caschierga. Konservator Anton Gnirs 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission 1905 



Grabstein eines römischen Flotten- 
soldaten in Ossero 

Nicht weit von Ossero, auf einem dem Bauer 
FiLippo SocoLicH aus Neresine gehörenden Acker, 
auf der Campa genannten Lokalität beim sog. 
Jas, wurde am 13. März d. J. in 2 ni Tiefe vom 
Grundeigentümer eine römische Tonurne gefunden, 
leider auch gleichzeitig zerschlagen. Sie war i m 
hoch und mit einer Steinplatte zugedeckt. Diese 
Platte, oben halbkreisförmig abgeschlossen, war 
samt ihrem Standzapfen gut erhalten; ihre Ab- 
messungen sind 1-49 X o'45 X o'o6 in\ in ihrem 
oberen Teile trägt sie eine ornamentierte, halb- 
kreisförmige Nische und in ihr ein männliches 
Brustbild mit Gewand, von vorn dargestellt, einen 
Kranz vor der Brust haltend; unterhalb der Nische 
ist die Grabinschrift eingemeißelt (Fig. 65). 

Von dem Funde dieser Stele wurde ich durch 
Don Antonio Lusina, den Stadtpfarrer von Ossero, 
unterrichtet. Es kostete mich viele Mühe und 
Zeitaufwand, sie in Abwesenheit des Eigentümers 
zu Gesicht zu bekommen. Die gut lesbare In- 
schrift (in etwa 5 cm hohen Buchstaben) lautet: 



Licaeus Vei /{ilius) 

(cenhirio) de Lihurna 

Lucnsta 

tcstaniento 

fieri iiissit arhi{tratu) 

Dabali Tritt 

heredis 

a{nnoyuin}) XXX 

loc[us) pnb{Uce) dai{ns) 




LICAE VSVEIF- 
^ DE LIBVR^.A 

LVCVSTA 

TesTame nTo 
fieriivssitarbi 

DABAL-ITRITI 
HERE DIS 
AMERA-XXX 
LOCPVB- DAT- 



TT 



T 



Fig. 65 Römischer Grabstein aus Ossero 

Konservator Professor Stefan Petris 

[Der Redaktion steht weder ein Abklatsch noch eine 
Photographie der Stele zur Verfügung. Oben ist der Text 
der vom Einsender Konservator Petris entworfenen Skizze 
wiederholt; der Inschrifttext dieses Faksimile unterscheidet 
sich in einigen unwesentlichen Dingen von der im Berichte 
selbst mitgeteilten Kopie; in dieser steht Z. 4 TO, Z. 5 
IV//'SIT, Z. 8 A • M ■ AN • XXX, Z. 9 PVBU. 

Die Grabstele, die nicht sowohl die Aschenurne ge- 
deckt — wie die Finder dem verehrten Berichterstatter, 
durch den Anschein verleitet, angaben — als über ihr, wer 
weiß um wie viel später, hingestürzt sein mag, war dem 

21 



295 



Vindobona — Vienna 



296 



Gedächtnis des .Hauptmanns' eines kleineren, wahrschein- 
lich dem Verband der ravennatischen Kriegsflotte ange- 
hörenden Kriegsschiffes geweiht, das den Namen Lociisia 
führte; dieses Wort bedeutet , Heuschrecke' oder einen 
, Seekrebs'") und kann ebensowohl durch diese zweite Be- 
ziehung — parallel liegt der Schiffsname Miirena-) — als 
durch jene — vgl. die Libumen-Namen Aquila CIL X 3361, 
3641 und Grypus III 434 oder Taiirits ruber X 3421 — zum 
Schiffsemblem und Schiffsnamen geworden sein. 

Der Verstorbene heißt Licaeus, Sohn eines Vetis oder 
Veius; den Vatersnamen vermag ich sonst nicht nachzu- 
weisen'), während Licaeus eine auch sonst nachweisbare*) 
Variante eines sehr gewöhnlichen illyrischen Namens Li- 
caios, Liccaius, Liccaus, Licca, Licco u. a. darstellt. Die 
Fundorte der diesen Namen führenden Inschriften weisen 
z. T. auf keltisches, hauptsächlich aber auf pannonisch- 
oder dalmatinisch-illyrisches Gebiet hin; dort wo ausdrück- 
lich die Heimat genannt wird, erscheinen Pannonier, die 
pannonischen Völker der Amantini und Azali, und das 
dalmatinische der Maezei; dazugestellt werden dürfen die 
Fälle von Rekrutierung in eine Kohorte der pannonischen 
Breuci; vgl. Wiihf.i.m Schulze, Zur Geschichte lateinischer 
Eigennamen 31 Anm. 3. Das sind Völker, die in Südwest- 
ungarn und in Kroatien ansässig waren. 

Noch wenigstens zweimal begegnen uns die Namens- 
formen Liccaus und Licca in Inschriften von Flottensoldaten: 
CIL IX 42 (aus Brindisi) Scaeva Liccai mil(es) de Ub(urna) 
Triton{e, centuria) M{arci) Vetti und X 3468 (aus Neapel) 
L(uci) Jalli Valentis qui et Liccae Bardi f(ili), opfionis ex 
{triremi) Vener{e). In diesen wie in dem Licaeus der In- 
schrift von Ossero dürften wir also Vorfahren jenes aus- 
gezeichneten Stammes von Seeleuten sehen, die den Kern 
der österreichischen und der kroatisch-ungarischen Handels- 
marine bilden.') 

Der ,Erbe' des , Hauptmanns' Licaeus, der bemerkens- 
werterweise bloß mit dem Cognomen genannt wird, also 
gewiß der frühen Kaiserzeit angehört, 

so noch der Adressat des achten Militärdiploms des 
CIL III, das am 5. April 71 n. Chr. an die Veteranen 
der ravennatischen Flotte gerichtet worden ist : Plaetori 



') In der Naturgeschichte des Plinius IX 57 locustae; 
bei Petronius c. 35, Celsus II 28. III 6 und in den Glossarien 
locusfa viarina. 

2) CIL HI 2034 aus Salona {I)diopantus Alexandri 
ßiliiis) d{e) liburna Murena. 

ä) An den römischen Familiennamen Veitts ist natür- 
lich nicht zu denken. 

*) CIL V 1 001 . 8409 Miarci)f{ilia) Licaea; vgl. 8469 

. . .Liccaea . . ., 8398 Januarius Liccaei, 1008 L. Suedius 
Ltccaeus, 1395 Tarioleno L{uci) l{iherto) Liccaeo, diese alle 
aus Aquileia; 2853 P. Caecilius P{ubli) l{ibertus) Liccaeus 
{sexyvir, aus Padua. 

') Das Lob, das Wii.h. Schulze a. O. 33 Anm. 1 den 
Dalmatinern — offenbar meint er die heutigen Dalmatiner — 
spendet, gebührt vielmehr den dalmatinischen Insulanern 
und den Bewohnern des kroatischen und istrischen Litorale. 



Veneti ßjlioi), centurioni, Maezeio; und vielleicht der 
ceiiturio classiarius Obaritus, einer der Mörder der 
jüngeren Agrippina, Tacitus Ann. XIV 8, der wohl wie 
seine beiden Mitschuldigen, höhere Seeoffiziere, frei- 
gelassenen oder peregrinen Standes gewesen ist, 
ist offenbar einer seiner Landsleute gewesen. Sein Name 
Dabalus, falls er richtig gelesen ist, steht zwar ohne Ana- 
logie dar, aber dafür ist sein Vatersname Triius sowohl 
auf keltischem als auf istrischem und dalmatinischem Ge- 
biete heimatberechtigt.') Wilhelm Kubitschek] 



Vindobona — Vienna 

Zufällig bemerkte ich unter der Sammlung falscher 
Inschriften aus dem narbonensischen Gallien unter CIL XII 
335* folgendes Lemma: 

Viennae rep. hoc saeculo ineunte 
i. o. m. I ti. clatid \ censor \ p.procon | i'. s. /. m. 
Juvenis cod. Carpentor. p. 313. 
Raimond Juvenis, consiliarius et procurator regius 
(HrRSCHFELD CIL XII p. 1 1 c. VI, vgl. die DiooTSche Bio- 
graphie universelle), ist 1 705 gestorben. Ob er sein in der 
Bibliothek von Carpentras liegendes sehr umfangreiches 
Manuskript vor oder nach 1700 geschrieben hat, ob also 
,hoc saeculum' das 17. oder 18. sei, weiß ich nicht. Der 
Inschrifttext ist aber aus irgendeinem Versehen des Juvenis 
unter die des französischen Vienne gelangt. Es ist viel- 
mehr die 1557 vor dem Schottentor in Wien aufgefundene, 
längst wieder verlorene echte Wiener Inschrift CIL HI 4559, 
bei Juvenis mitgeteilt nach der Abschrift von Lazius in den 
,Monumenta' der Schallauczerschen Sammlung (a. 1560). 
Auf der Tafel zu Bogen E der ,Monumenta' steht Z. 4 
B • PROCON (statt B- PROC); im begleitendenTexte schreibt 
Lazius, der als Weihenden den Caesar Tiberius während seiner 
Statthalterschaft in Illyrien und Pannonien erkennen wollte, 
P • PROCON. Ebenso lautet auch die Abschrift bei Jupp (a. 
1588), die also wohl durch Lazius beeinflußt ist, während die 
übrigen Abschreiber ON am Schluß nicht haben und den vor- 
ausgehenden Buchstaben bald als C bald als Q. lesen. Ob 
Juvenis seine Kopie direkt oder indirekt aus Lazius genommen 
hat, und wie er zu dem unrichtigen Datum der Fundzeit 
des parvus cippus (Lazius) gekommen ist, weiß ich nicht. 
Ich bemerke gleichzeitig, daß das CIL XII 160* aus 
Panvinius cod. Vatic. 6035 f. 15' abgedruckte Fragment 
sar. div , 
nervi 

US . aug 
i}ictis dacicus 
victo dece 
pontif max 
pdf. HU. COS. r, 



'; In Noricum (Virunum) 111 4834. In Albona 3058, 
Komic in Jap)-dia 15055, Jezerine bei Bihac 13277, Riditae 
2793. 6411. 6412. 9873. 9877. 13989; sonst in Issa und Sa- 
lonae sowie in Dyrrhachium, vgl. Schulze a. O. 34. 39. 



297 



Der Fund römischer Denare bei Spital am Pylirn 1904 



298 



zu dem Hikschfki.k hinzufügt: V'iennae haud scio an Vindo- 
bonam intellegi voluerit falsarius, nicht auf das Kerbholz des 
I'an\ inius zu setzen ist. Es ist richtig, daß dieser Text, 
wie HiRscHFKi.i) I)emerkt, durch das falsche Votivstück aus 
Sarmizegetusa mit victo Decebalo beeinflußt ist; aber es 
ist nicht erst von Panvinius hergestellt worden, sondern 
nichts anderes als die von Lazius interpolierte Inschrift 
der in die Gumpendorfer Kirche nächst Wien eingemauerten 
Fragmente eines Meilensteines CIL III 4566, und zwar nach 
jenem Wortlaut, der von Lazius in seiner Vienna Austriae 
(Basel 1544) p. 37 gegeben ist, nur daß sie bei Panvinius 
durch einen Bruchstrich — übrigens den Intentionen des 
Lazius entsprechend, wie die adnotatio critica im Corpus 
zeigt — in zwei Fragmente zerlegt ist. Woher Panvinius 
(geboren 1529; gestorben 1568, drei Jahre nach dem Hin- 
gang seines älteren Zeitgenossen Lazius) die Kopie des 
Lazius genommen hat, festzustellen, muß jenen überlassen 
werden, welche Einblick in die KoUektaneen des Panvinius 
nehmen können. Daß er diese Kopie nicht direkt aus dem 
genannten Druckwerk des Lazius genommen hat, ist mir 
sowohl wegen der oben erwähnten Abtrennung des Textes 
in zwei Fragmente, zu der nicht die ,Vienna' des Lazius, 
sondern nur ein Vergleich mit seinen anderen handschrift- 
lichen Kopien und Abdrücken hätte führen können, als 
dadurch wahrscheinlich, daß er keine andere Inschrift aus 
der ,Vienna' gezogen hat. 

Es ist also vorläufig in keinem von beiden Fällen 
ermittelt, auf welchem Wege die Wiener Inschrifttexte in 
jene fremde Umgebung geleitet worden sind. 

KUBITSCHEK 



Ein Fund römischer Denare bei 
Spital am Pyhrn 1904 

Im Sommer 1904 wurden beim Baue der Pyhrn- 
bahn, nächst Spital am Pyhrn bei Kilometer 27-2, 
wo der Bahnkörper die Reichsstraße durchschneidet, 
und zwar unter dem einen Rand des Straßen- 
einschnittes, bei den Erdarbeiten für ihre Ver- 
legung, 3 in entfernt von dem Klauser Widerlager 
der Brücke, im festen Lehmboden nur 03 ni tief 
über 200 römische Denare als zusammengepreßter 
Klumpen gefunden. Die Einlagerungsstätte hatte 
die Form eines halben Kugelsegmentes. Von 
einem Behälter, einer Umhüllung, Mauern, Gefäß- 
scherben, Knochen oder sonstigen Objekten war 
keine Spur vorhanden. 

Den Bemühungen des Vorstandes der k. k. 
Eisenbahnbauleitung, Herrn Oberinspektors Wess- 
NiTZER, des Bürgermei.sters von Windisch-Garsten, 
Herrn Schköckenfux, und des Ingenieurs und Bau- 



führers Herrn Gross, dessen Bericht ich obige 
Daten entnehme, ist es zu danken, daß zunächst 
98 und später weitere 48 Stücke zustande ge- 
bracht wurden; 8 Stücke wurden durch die k. k. 
Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf sichergestellt, 
auch konnten 2 in das Museum Francisco Caro- 
linuni zu Linz gelangen und 1 1 im Privatbesitze 
befindliche Stücke,') im ganzen also 167 Stück, 
von mir bestimmt und geordnet werden. 

Nach der Verfügung des k. k. Plisenbahn- 
ministeriums werden diese Münzen mit Ausnahme 
der beiden letzterwähnten Partien — also in einer 
Anzahl von 154 — in das Museum zu Windisch- 
Garsten gelangen. 

Die Münzen sind zum größten Teile sehr gut 
erhalten, einige der letzten Kaisermünzen haben 
Stempelglanz, mehrere gehören zu den Selten- 
heiten. Ich will auch hervorheben, daß Cohkx bei 
dem Denar Hadrian n. 873 mit IVNONI RECINAE 
die Anmerkung macht: les deux exemplaires, qui 
existent de cette medaille au cabinet de France, 
sont fourres. Pour lui donner une estimation il 
faudrait s'assurer, qu'il en existe d'argent pur. 
Das Exemplar des Spitaler Fundes ist aus Voll- 
silber. 

Die beiden in Carnuntum seit der Gründung 
des Carnuntumvereines gemachten Denarfunde 
zeigen eine ähnliche Zusammensetzung. Der im 
Amphitheater entdeckte und von mir in den Jahres- 
berichten des Carnuntumvereines von 1887 und 
1889 bearbeitete Fund von 36 Denaren sowie der 
im Lager gemachte und von Herrn Obersten 
Groller von Mildensee, Römischer Limes in Öster- 
reich IV 102, beschriebene Fund von 1 10 Denaren 
beginnen mit Legionsdenaren Marc Antons und 
enden mit Lucius Verus. 

So überaus häufig Einzelfunde römischer 
Münzen in den oberösterreichischen Römerorten 
Enns und Wels sind, Gesamtfunde zählen zu den 
Seltenheiten. Valentin Preuenhueber führt in 
seinen Anales Styrenses (1740) einen „1299 nit 
weit von Steyr ausgegrabenen großen Schatz von 
römischen güldenen Müntzen", zum Teil mit dem 
Bildnisse der Kaiserin Faustina jun. an. 

Im Jahre 1830 wurden im Ennstale bei Tern- 



') Mit einem Stern sind Stücke im Privatbesitz be- 
zeichnet. 



299 



Der Fund römischer Denare bei Spilal am Pyhm 1904 



300 



berg „%4ele" römische Münzen, darunter solche 
von Marc Aurel, wie der im Archive des Museums 
Francisco Carolinum zu Linz erliegende Bericht 
des Pfarrers J. Mich. Fükllvger sagt, gefunden. 
Sie kamen zum Teile in das Joanneum zu Graz ; 
das Linzer Museum bewahrt einen Denar von Marc 
Anton und Octavianus sowie ein Mittelbronzestück 
von Trajan aus diesem Funde. Aus Enns ist mir 
nur ein einziger Gesamtfund von 102 Ouinaren 
der Kaiser Gratian, Valentinian 11, Theodosius, 
Arcadius und Honorius bekannt geworden. 

Erwähnt sei auch noch, daß die bei den Aus- 
grabungen in Windisch-Garsten einzeln gefundenen 
römischen Münzen sich auf die Kaiser Nero (54 
bis 68) bis Valens (364 — 378) verteilen. 

Für die Datierung der jüngsten Stücke des 
Fundes bei Spital am P)'hrn sind Denare des 
Kaisers Marcus mit /;-. /'. A'A' imp. IUI cos. III 
und Verus mit /;-. ;'. 17 /;;//'. //// cos. II wichtig. 
Beide führen auf das Jahr 166 n. Chr. Im folgen- 
den Jahr begann der große Markomannenkrieg; 
also ist vielleicht der kleine Münzschatz zu An- 
fang dieses Krieges oder unmittelbar vorher auf 
der Flucht vor diesen Barbaren verloren oder ein- 
gegraben worden. 

Stück 

gens Plautia '&ASELoyT\.\2C.Ypsae.\cos.Priv.cepif] 1 
Marcanton Cohen^ n. 7 chortiiim praetoriaiiaruiii 1 

^ leg. IV 1 

Z2 1eg. V 1 

42 leg. XIII 1* 

unkenntliche Legionsziflfer ... 4 

Nero 43 Augustus, Augusta 1 

67 [Concordia] Augusta 1 

1 1 9 Juppiter citstos t 

258 Roma 1 

314 Salus 1 

356 drei Feldzeichen 1 

Nero Caesar Augustus, Br. r. — 
sitzende Göttin, 1., unleserliche 

Legende 1 

Galba Var. 285 imp. Ser. Galba Aug., Brustbild, 

r. — s. p. q. R. ob c. s 1 

Otho 1 5 Securitas p. R. 1 

ViteUius 72 pontif. maxim 1 

111 X vir. sacr. fac 1 

Vespasian 43 aiigur tri. pot. 2 

Var. 43 Caes. Vesp. Aug. p. m. — augur 

tri. pot 1* 

45 augur tri. pot 1 

113 COS. F/ 1 

132 COS. VIII 1 



Stück 

133 COS. VIII I 

137 COS. VIII 1 

222 Jm'is custos 1 

226 Jiulaea 3 

366 poii. uia.w fr. p. cos. ]'I .... 2 

386 pontif. iiia.\-iiii 1 

431 Salus Aug 1 u. 1* 

497 s. f 1 

561 tri. pot. 1 

Var. 561 barbarisches Gepräge, Caesar 
]'espasia>ius (von außen zu lesen) 

— tri. pot 1 

573 oder 574 Vesta 2 

644 stehender Vespasian und sitzende 

Judaea 1 

CoH.' 36') COS. Her. tr. pot 5 

nicht genauer bestimmbar ... 3 

Titus CoH.' 65 COS. VI 1 

66 COS. l'I 1 

i62 pontif. tr. p. COS. IUI 1 

318 tr. p. IX imp. XV cos. VIII p. />. 1 
T. Caes. imp. Vesp. cens. (von 
außen zu lesen), Br. r. — pon. max. 
tr. p. COS. V (von außen zu lesen), 
geflügelter Caduceus; also hybrid 
mit Vespasian n. 361 . 1 

Domitian 47 cos. IUI 1 

49 COS. V 1 

233 imp. XIIII COS. XIIII cens. p.p. p.\\i.\ Linz 
260 imp. XXI cos. XV cens. p. p. p. 1 

265 ebenso 1 

271 imp. XXI cos. XVI cens. p. p. p. 1 

272 ebenso 1 

Nerva 29 concordia exercituiim 1 

48 cos. III pater patriae 1 

Traian 68 cos. V p.p. s. p. q. R. optinio princ. 1 

69 ebenso 2 

77 ebenso 2 

81 ebenso 1 

82 ebenso 1* 

87 ebenso 1 

93 fort. red. cos. VI 1 Linz 

149 fort. red. p. m. tr. p. cos. l'I p. p. 

s. p. q. R. 3 

188 Parthico p. m. tr. p. cos. VI p. p. 

s. p. q. R. 1 

206 p. m. tr. p. cos. II p. p 1 

209 ebenso 1 

234 p. m. tr. p. cos. IUI p. p. .1 

241 ebenso 3 

242 ebenso 1 

278 p. m. tr. p. cos. VI p. p. s. p. q. R. 1 



•) [Ist in der zweiten Auflage von Cohens Description 
ausgelassen worden. Red.] 



301 



Römische Funde ans PeUaa 



302 



Stück 
315 Provid. />. ni. tr. p. cos. 17 />. p. 

s. p. q. R 

575 ». p. q. R- uptimo principi . . . 
645 Vesta, s. p. q. R. optima principi 
Hadrian 216 dementia Attfr.. cos. III .... 

252 Concord., p. m. tr. />. cos. 11 . . 
340 COS. III 
353 ebenso 
358 ebenso 

379 ebenso 

601 Fetic. Aug., p. m. tr. p. cos. III 
782 Fortunae reduci 

873 Junoni reginae 

874 Justtiia, Parth. f. divi Ner. nep. 
p. m. tr. p. cos 

903 Lib. Pub., p. m. tr. p. cos. III . 
919 Liberalitas Aug., cos. III p. p. 

963 Motieia Aug 1 u 

1014 Pax, p. m. tr. p. cos. II 

1028 Pietas Aug 

1149 p. m. tr. p. cos. III 
1151 ebenso . 
1155 ebenso 
1328 Salus Aug. . . 
1425 Tellus stabil. . 
1454 Victoria Aug. 
Sabina 24 Concor dia Aug. 

Pius 13 Aequitas Aug. 

164 consecraiio . . 
Var. 263 Antoninus Aug. Pius p. p. — 
cos. IUI 
286 cos. IUI . 
290 ebenso .... 

357 ciivo Pio 

490 lib. IUI, ir. pot. cos. IUI . . 
826 Traiiq., tr. pot. .VI' cos. IUI 
979 tr. pot. XIX tos. IUI 
985 ebensr. 

1038 tr. pot. XXI cos. IUI 

1113 iHjta suscepta decennii III cos. IUI 
Faustina Ä. 1 aed. div. Faustinue 
6 Aeternitas 
78 Augusta 
93 ebenso 
124 ebenso 
134 Cerej. . 
175 consecratio . 3 

Marcus 105 cos. II 2 

522 Prov. deor., tr. p. XVII cos. III 2 
661 tr. pot. VII cos. II 
673 ir. pot. VIII cos. II 
721 tr. pot. XI cos. II . 
878 tr. pot. XX imp. IUI cos. III . 
882 tr. pot. XXI imp. IUI cos. III 
Faustina Jg. 21 August i Pii fil. . . . 



Stück 
15 ebenso .... . . 1 

54 Concordia 2 

99 Fecunditas 1 

195 Salus 1 

Lucius Verus 126 Pax, tr. p. VI imp. IUI cos. II 3 
144 Prov. deor., tr. p. cos. II . 1 

156 Prm: deor., tr. p. III cos. II . . 3 
228 fr. p. IUI imp. II cos. II . . .2 
Außerdem zwei Drachmen des lykischen Bundes mit 
den Köpfen Nervas = Kat. Brit. Mus. Lycia p. 39 n. 8 
üniTi'j Tpi-O'j xind Traians = ebenda n. 9 ?r,(i, ij. 'j-.i-, ß, beide 
mit dem gewöhnlichen Gepräge der zwei LjTen und einer 
Eule darüber. 

Konservator Landesgerichtsrat E. Schmidel 



Römische Funde aus Pcttau 

I. Zwei Sarkophage von Veteranen der vier- 
zehnten Legion und andere Einzelfunde 
Am 20. Mai 1905 gruben Arbeiter auf dem 
Marienhofe '), dem Besitze des Bürgermeisters Herrn 
OkNiG, und zwar auf der der St Oswaldkirche 
benachbarten Wiese Löcher, um einen Zaun für 
den Hühnerhof vorzubereiten. In einer dieser 



caywA)Cvii 



iv^'id 



i. i 



Fig. 66 Sarkophag vom Maierhof bei Pettau, ' j n. Gr. 

Gruben stießen sie bei 0-5 m Tiefe auf die Kante 
einer Steinkiste aus weißem Bacherer Marmor; 
leider ist sie in zwei Teile zerbrochen gefunden 
worden, in ihren oberen Teilen sehr zerstört und 
nur bis 0-33 bis 040 m Höhe erhalten; ihre Länge 
beträgt o&m; ihre Tiefe 052 »/. 

Die Vorderseite des Sarkophags zeigt zwischen 
zwei Schmalfeldem mit Ru.sticafläche ein um- 
rahmtes vertieftes Mittelfeld (Fig. 66) von 037 m 
Breite und noch 026 m Höhe, das die Inschrift 



>) Vgl. die Situationsskizze Jahrbuch der Z. K. II 1 (1904) 
Sp. 191 Fig. 132 n. 12. 



303 



Römische Funde aus Pettan 



304 



trägt. Die beiden Schmalseiten des Sarkophags 
trag-en umrahmte gerauhte Felder imd Dübellöcher 
von rechteckigem Durchschnitt 0-04 X o'05 m und 
0-03 >M Tiefe. Der Innenraum ist 057 m lang, 
0-32 m breit und mißt nur noch 010»« an der tief- 
sten Stelle: schon daraus ist zu ermessen, wie viel 
etwa von der Inschrift an der Vorderseite verloren 
gegangen ist; Wandstärke 01 j bis 013»«. Die In- 
schrift, in Buchstaben von 004 m Höhe, lautet : . . 
c(ouiugi) k{arissimo), viil{iii) I{egioiiis) XIIII g(emi- 
nae), q{ui) T(ixif) aini{is) LXV, et Munai{io) Valen- 
tino, ßjUd) i(arissimo), q{ui) viixif) aiiu(is) XVIII. 

Der in dieser Inschrift erwähnt gewesene [Mutia- 

iius}] ist ein bejahrter Mann und also, wenn 

wirklich noch aktiver Soldat, den äußersten Bei- 
spielen langer Dienstdauer zuzuzählen; daß aber ein 
Veteran mt'les genannt wird, ist mindestens unge- 
wöhnlich, wenn auch nicht beispiellos. Das C zu An- 
fang von Z. I ist nicht sicher, es scheint allenfalls 
auch C, O, oder Q zulässig zu sein; aber dann etwa 
q(uofidani) inil(iti) zu lesen, wäre kaum rätlich, schon 
nicht wegen der (dann vorauszusetzenden) besonders 
starken Interpunktion. In Y vermutete ich zunächst 
eine Interpunktion und wollte hiezu die Inschrift 
eines (von einem Veteranen der zehnten Legion ge- 
stifteten) Sarkophags CIL HI 1 1 305 aus Velm bei 
Wien stellen, wo <^ zweimal steht, je zwischen 
dem Verwandtschaftsgrad und der Lebensdauer 
coniugi p{iissimae) — au. L undjilio — a»;. L: HmscH- 
FELD hatte dieses Zeichen als Ligatur von d(e}- 
f{unctus) aufzufassen empfohlen; eine Auffassung, 
die sich mit ihrer Verwendung auf unserem Mai- 
berger Stein nicht vertragen würde, wenn es wirk- 
lich eine Interpunktion wäre. Ich glaube aber 
jetzt, auf unserem Steine und auf dem von Velm 
das einem 1: ähnliche Zeichen als k{arissimus) er- 
klären zu dürfen. 

Wir gruben rund um die Fundstelle, imi die 
fehlenden Stücke wiederzufinden, fanden aber nichts 
Zugehöriges. In der Nähe stieß man auf einige 
Topfscherben, kleine Stücke einer menschlichen 
Hirnschale und vier kleine Kupfermünzen des IV. Jh. 
(eine des Constantius II, zwei von Valens, eine 
von Mag. Maximus). 

Den Sarkophag hat Bürgermeister Orxig dem 
städtischen Museum zum Geschenk gemacht 

In Maiberg in der Kollos, am rechten Ufer der 
Drann, 8 km südlich von Pettau, fanden Arbeiter 



im Weinberg der Pettauer Sparkasse auf einer 
Bergeshöhe in einer durch anhaltenden Regen ent- 
standenen Erdrutschung unter vielem Ziegelschutt 
und Mauerresten ein Bruchstück eines römischen 
Sarkophags aus Barbarastein; dieses Bruchstück 
umfaßt je einen Teil der Inschriftwand, der linken 
Seiten- und der Bodenwand. Größte Höhe derzeit 
0*27 I«, Länge noch i >;;; Bodendicke 015 m. Die 
Inschrift (Fig. 67) lautet: Ma']ny]imo .... [c]t 
Llp{iö) Secimdo .... legijonis) XIIII g(euiiuae) au- 




VLf- ? E C VA/' 

LS s-nriK' c • A a;: 



Fig. 67 Fragment eines Sarkophags aus Maiberg 
bei Pettau, '/is n. Gr. 

{uoriim) X . . . Das Auffälligste an dieser Inschrift 
ist die Schreibung IIIIX statt XIIII, die vielleicht 
durch den sprachlichen Ausdruck quattuordecim 
mit beeinflußt ist. Analoges hat über die sonst 
eine Subtraktion bedeutende Voranstellung der 
kleineren Stellen- oder Ziffernwerte auf Münzen 
VoETTER in seinem beachtenswerten Aufsatze _VI 
und IV auf römischen Münzen des dritten Jahr- 
hunderts- im Monatsblatt der 
Xumismat Gesellschaft in Wien 
n. 170 zusammengestellt; vgl. 
auch die Indices zum Corpus; 
gerade so ist IIIIX auf einem 
afrikanischen Meilenstein des 
Jahres 218 (CIL YTL 21992) ge- 
schrieben. 

Auf derselben Höhe — die 
Anwohner nennen sie auch heute 
noch gradis = Burg — ist eine 
Marmorplatte mit dem (Fig. 68) 
skizzierten Ornament von Efeu- 
ranken gefunden worden; Ab- 
messungen 0-58 X 0-55 X 0-14 »;. 

Einen andern (also nun 
dritten) Soldaten der XIHI. Legion nennt der 
Sarkophag aus Groß-Sonntag, jetzt im Pettauer 
Museum, Mitt XXI (1895) 64 = CIL m 14065 
Fanu{ins) Florenlinus, milles) legljnnis) XIIII g(e- 
miitae). 




Fig. 68 Stück 
eines Marmor- 
pilasters aus Mai- 
berg bei Pettau, 
0-35 wi hoch, 
058 m breit 



305 



Römische Funde aus Pettau 



306 



Auch diese beiden Fundstücke sind an das 
Pettauer Museum abgeliefert worden. 

Außerdem wurde einige Woclien frülier (am 
29. April) auf gräfl. HKRüKKSTEiNschem Grunde 
(Spitalhofsacker) hinter Schloß Ober-Pettau ein 
Bruchstück einer Platte mit folgendem Inschrift- 
rest ') (Fig. 69) aufgefunden, das sowie die folgen- 
den Stücke im gräflichen Schloß auf Ober-Pettau 
aufbewahrt und dort von mir samt diesen in Be- 
gleitung von Prof KuBiTscHiiK und Herrn Aukamic: 
revidiert worden ist: 




Fig. 69 Bruchstück einer Inschrift aus Ober-Pettau, 
V2 n. Gr. 

Etwa C{aio) Jnli[o C{ai) l{iberio)] Epap{hro-] 
dH{o . . . 

Gleichfalls auf dem Spitalhofsacker in Ober- 
Pettau gefunden ist ein Stück einer Ära aus 




' AA 

Fig. 70 Inschriftfragtnent aus Ober-Pettau, '/o "• 'j''- 

Bacherer Marmor (o'o8 X o'i2 X o'055), jetzt in der 
gräflichen Sammlung; ein Stück der rechten Kante 
ist erhalten. Zu lesen ist: 

[/{ovi)] o{j.itimo) m{aximo) c (. . .) 

7Iiil(ins) Eiity- 

[cJics (oder ianiis) .... 

Welcher Beinamen in Z. i steckt, ob ciilminalis 
(wie CIL III 5186 in Celeia oder 11673 in Atrans) 
oder conservator (5185 in Celeia) oder Caelestis, 



') Herr Graf Herber.stein hatte die Güte, die Erlaub- 
nis zur Veröffentlichung dieser und der folgenden Stücke 
zu geben. 



CapitoUniis, cohortalis o. a., muß ich anderen fest- 
zustellen überlassen. 

Im Küchengarten zu Ober-Pettau gefunden, 
im gräflichen Museum aufbewahrt: die untere 
Hälfte einer Platte aus Bacherer Marmor, 086 X 
077 X 0105. Von der Ornamentierung i.st nur ein 
Stück der Ädikula in Resten der beiden (mit Laub 




Fig. 71 Römischer Grabstein aus Ober-Pettau (nach 
einer leider stark verzogenen Photographie), Vio "■ Gr. 

umwundenen) Eckpfeiler und in dem Feld darunter 
ein Meerungeheuer mit Hundekopf, einen Knochen 
zwischen den Zähnen zerbrechend — eine auch 
sonst auf Steinen der Pettauer Gegend nachweis- 
bare Darstellung — erhalten. In der Ädikula stand 
die Inschrift, von der noch zu lesen ist: 

[P^f)']- 

vo an{nornm) XX \beuc'\ 
merito poni 
iussit; Lupianus 
act{narins) ex praccep{lo) 
domini fec{it) 

Also Lupianus hat auf Geheiß seines Herrn (zur 
Redewendung vgl. CIL III 5630, eine Grabschrift 
aus Wels, mit ex precepto eius (n. matris) Orgetia 
Ursa propinqua inpendio heredis fieri iristituit) die 
Ausführung der Grabschrift besorgt oder über- 
wacht; Lupianus war Rechnungsbeamter (aclor 
oder acttiaritis) desselben Herren, dessen Sklave 



3°7 



Römische Funde ans Pettau 



308 



von ihm bestattet worden ist, also wohl der Mit- 
sklave des Toten. Der Name des Auftraggebers, 
des Herrn beider Sklaven, ist vor der Bruchlinie 
zugrunde gegangen. Von der Bezeichnung des 
Toten ist nur der Endrest . . . vo erhalten; daß das 
nicht ser]vo sein muß, sondern ebensogut in Primi- 
tijvo, Flä]vo o. ä. ergänzt werden kann, liegt auf 
der Hand. — Der Name des Rechnungsführers 
Lupianus ist immerhin so selten, daß ich es wohl 
— ohne natürlich irgendeine Folgerung daran zu 
knüpfen — wagen darf, darauf aufmerksam zu 
machen, daß er auf einer Inschrift des nicht gerade 
weit von Pettau abgelegenen St. Martin am Bacher- 
gebirge wiederkehrt; dort ist ein Lupianus als 
dupl(arius) leg{ioms) X g(emiHae) ex pr(iucipe) pre- 
(torii) genannt (CIL III 5293). 

In derselben Sammlung und ungefähr aus 
dem gleichen Fundort ist eine gegiebelte 
Tafel aus Bacherer Marmor (0-25 X 0*23 Xo'os), 




Fig. 72 Rom. Relief aus Ober-Pettau, ',3 n. Gr. 



Herr Apotheker Pollak in Pettau erwarb vor 
einiger Zeit eine Fibel aus Bronze (0-5 bis 06 cm 
stark), welche am Panoramaberge bei Pettau ge- 




Fig. 73 Bronzefibel aus Pettau, ^'- n. Gr. 

funden worden war. Das Blatt dieser schön pati- 
nierten Fibel (Fig. 73) ahmt einen stehenden 
Steinbock nach; die Hörner sind durch vertiefte 
Strichelung, die Augen (auf beiden Seiten der 
Platte) durch Punktkreise angedeutet. Ebensolche 




Fig. 74 Bronzestatuette im Pettauer Museum, ^,'3 n. Gr. 



deren Konturen wohl den Durchschnitt eines Tem- 
pels versinnbildlichen (Fig. 72). Das Feld, das von 
wenig erhabenem Rand eingefaßt ist, erscheint fast 
ganz durch die Darstellung einer nackten stehenden 
Venus gefüllt, in der vorgestreckten Linken den 
Spiegel vor sich haltend, mit der Rechten ihr 
üppiges Haar fassend; den Hintergrund bildet ein 
von einer oberen Knüpfung in Falten herab- 
fallender Vorhang. 



Punktkreise sehen wir als Verzierungen, und zwar 
einen auf der Brust, zwei auf dem Rücken, drei 
an der Seite; es will mich bedünken, daß diese 
ziemlich tief gearbeiteten Punktkreise ehedem mit 
Email ausgelegt waren. An der Rückseite des 
Blattes erblickt man rückwärts noch Reste der 
Führung für die Nadel, vorn solche der Klemme. 
Hier will ich noch eine (ohne den Stachel am 
rechten Fußej 13-6 cm hohe Bronzestatuette (Fig. 74) 



309 



Römische Funde aus Pettau 



310 



erwähiion, die geraume Zeit, etwa 10 Jahre, im 
Vereinsmuseum von Pettau sich befindet. Sie war, 
wie ich auf eine briefliche Anfrage bei Herrn 
Fritz Kai.chiikrg erfahre, dem Landesmuseum von 
einem Händler angeboten worden, nach dessen 
Behauptung sie von einem Bauer in St. Nikolai bei 
Marburg angekauft worden war; das Anbot war 
nicht angenommen worden, da der Preis zu hoch 
und die Echtheit zweifelhaft 
erschienen war. Kalchberg] 
hat, durch Dr. Fischbach, 
den Kustos des Landes- 
museums, von dem Vorfall 
verständigt, den Händler 
genauer über die Fundum- 
stände ausgeholt; es habe 
sich herausgestellt, daß 
diese Angabe beinahe auf 
den Tag des damals in St. 
Nikolai gemachten Gräber- 
fundes fiel. Herr Kalch- 
BERG hat an Ort und Stelle 
nichts Näheres erfahren 
können, glaubt aber davon 
überzeugt zu sein, daß die 
Statuette bei dem Funde 
von St. Nikolai gewonnen 
und entwendet worden sei. 
Kalchberg hat die durch 
eine dicke Kruste im De- 
tail fast ganz unkenntliche 
Statuette angekauft und 
einer gründlichen Reini- 
gung unterzogen, die auch 
die Inschrift auf der Tafel 
bloßlegte. Die Fabrik ist 
sehr roh, der Bronzeguß — 



niclit, welchen Sinn diese Tafel haben kann; am 
ehesten würde ich den Namen des Fabrikanten 
oder diesen und den ausführenden Arbeiter oder 
den Besteller hier vermuten. Aber auch in diesem 
Falle kann der von Aphroditens Hand gehaltene 
Gegenstand, nicht von vornherein zum bloßen 
Träger einer Inschrift bestimmt worden sein. Wenn 
mich nicht alles trügt, würde ein Spiegel oder ein 



290/ 







289/ 



a£ 



jeh. ioes Erdreich 



Fiff. 75 



10. Kieselpßasten 
^^ Kanal 

^^ auJgedecHfesMaueriverK 
%: Estrich 

Situationsplan der Grabungen am Oberrann bei Pettau (1905) 



a-!- 



urteilen 295 g 



nach dem Gewicht zu 
vollgeraten; eine Überarbeitung 



oder Nachziselierung scheint gar nicht versucht 
zu sein. Dargestellt ist die in so vielen Varianten 
und Repliken wiederkehrende nackte Venus, die 
die nassen Haare auspreßt: nicht in der gewöhn- 
licheren Form, in der sie mit beiden Händen die 
Haarsträhne erfaßt und ausbreitet, sie greift nur 
mit der R. nach ihnen. Die linke Hand wird in 
solchen Fällen verschieden ausgestattet. Aber ich 
weiß nicht, ob sich noch einmal eine Tafel mit 
Inschrift an dieser Stelle findet. Ich weiß auch 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission 1905 



Kamm beim direkten oder indirekten Vorbild 
dieser dürftigen Wiederholung am besten sich 
voraussetzen lassen. Die Buchstaben, erhaben aus- 
gepreßt, lese ich PFDE (der Mittelstrich von F und 
E ist nicht voll ausgezogen, sondern durch einen 
dicken isolierten Punkt gegeben), also wohl Sigeln; 
sie aufzulösen vermag ich nicht. 

II. Grabungen am Oberrann bei Pettau 
Der im Jahrbuch der Z. K. II i (1904) 189 ff. 
mitgeteilte Bericht über die Grabungen der Jahre 
1903 und 1904 kann hiemit eine Ergänzung er- 

22 



3" 



Römische Funde aus Pettau 



312 



halten, da der Pettauer Musealverein diese Aus- 
grabungen im Februar und März 1 905 durch einen 
vollen Monat unter meiner Leitung auf den Par- 
zellen 290 ; und 289/1 Oberrann') mit sechs Ar- 
beitern fortsetzen lieö. Die Eigentümerinnen dieser 
Parzellen, Frau Leskoschegg und Frau Heller, ge- 
statteten in bereitwilligster Weise ihre Durch- 
forschung. 

Als Anknüpfungspunkt wurde das 1904 bloßge- 
legte Gebäude!) auf Parzelle 290/' *) gewählt Wir 
stießen (Fig. 75) zunächst auf ein Gebäude mit voll- 
ständig unregelmäßigen und zusammenhanglosen 
Mauerresten. Unser erster Probekanal förderte eine 
lange, 0-4 bis 0-5 m starke, bei P) sich brechende 
Mauer zutage, welche durchschnittlich bis zur Höhe 
von I »I erhalten war. Von 2 gegen 3 zieht eine 
06 in starke Mauer aus Bruchstein. Im Räume 3 




Fig. 76 Fußangel oder Kerzenhalter aus Bronze 

war der Fußboden noch erhalten, ein Estrich aus 
kleinen mit Mörtel vermengten Ziegelteilchen. Im 
Zimmer 4, dessen Wände gleichfalls aus Bruch- 
stein aufgemauert waren, lagen zwei Fußböden 
aus gleichem Material wie in 2 übereinander, der 
obere Fußboden n m über dem älteren. Gleichen 
Fußboden und gleiches Mauerwerk zeigt Raum 5. 
Bei 6 lag das Skelett — ohne Kopf — eines Kindes 
auf der Mauer, daneben eine Fußangel oder ein 
Kerzenhalter aus Bronze (Fig. 76). In der Grube 7 
(ohne Einfassung; Durchmesser i'6 >») stak eine 
Menge von zum Teile sechseckigen Ziegeln (von 
einem Fußbodenmosaik) und Bruchstücke roh ge- 
arbeiteter größerer Tongefaße. Zwischen der Nord- 
mauer von 7 und dem Gebäude D lag ein wohl- 
erhaltenes Kieselpflaster. Die Mauern bei S, 0*5 )ii 
breit, waren aus Ziegeln in Fischgrätenmuster her- 
gestellt und in einer Höhe von 07 bis i in erhalten. 



Bei 9 war eine Nische in die Mauer eingefügt; vor 
dieser Nische lag ein Säulenkapitäl aus Bacherer 
Marmor (Fig. 77). Bei 10, wo ich wohl den Ein- 
gang zum Raum S voraussetzen darf, fanden wir 
ein Kieselpflaster. 

Von 11 gegen 14 wurde ein Kanal in 24»« 
Länge und mit einem Gefälle von o'55 ni aufge- 
funden, der in jenen großen — seither ganz aus dem 
Boden herausgerissenen — Hauptkanal mündete, den 
Korrespondent Prof. Kohaüt in diesen Mitt. XXV 
(1899) 31 beschrieben hat. Wie aus den Koten im 
Plane hervorgeht, hat dieser Kanal sich an mehreren 




») Vgl. a. O. Sp. 194 Fig. 137. 
') Vgl. a. O. Sp. 195 Fig. 138. 
») Vgl. a. O. Sp. 194 Fig. 137. 



Fig. 77 Säulenkapitäl (20 cm hoch, Durchmesser 
oben 1 6 cm) 

Stellen gesenkt. Die Seitenwände — unterhalb 
Bruchstein in Mörtel, oben Ziegelstücke — waren 
durchschnittlich bis zu o'5 m Höhe und 0-3 ;;: Breite 
erhalten. Die Kanalsohle war aus Ziegeln von 
0-42 X 0-28 X 0-055 ^f^ geformt, die in Mörtel ge- 
bettet waren. Bei 12 war der Kanal durch eine 
Grube unterbrochen, aus der wir viele Gefäß- 
scherben, einen einhenkeligen Krug mit Schnabel 
(aus gelbem Ton, am Boden angebrannt und 
vom verstoßen, Fig. 78a) und einen zweihenkeligen 
Krug aus gelbem Ton mit roten Streifen (ein 
Henkel gebrochen, der zweite vierfach gerippt, 
Fig. 78 t) hervorholten. In diesem Kanal führte bei 
13 zwischen zwei je 0-5 m breiten Mauern ein 
anderer, gegen jenen geneigter Kanal aus Hohl- 
ziegeln, diese in Mörtel gebettet; Fig. 79 zeigt 
einen Schnitt durch beide Kanäle. 



313 



Römische Funde aus Pettau 



314 



Der Seitenkanal dürfte zu einer Latrinenanlage 
gehört haben. 

Jenseits dieses Kanals erstreckt sich, parallel 
mit ihm, die Mauer 16, die einem andern Gebäude 
angehörte. Die schlechte Bauart des Gebäudes, 
dessen Mauern zum Teil in früheren Zeiten aus 
dem Boden gerissen worden waren, und der Mangel 
an Heizanlagen legen den Schluß nahe, daß das 
mit 1 bis 15 bezeichnete Gebäude ein Annex (ein 

Wirtschaftsgebäude) 
zum Hause E war. 

An Kleinfunden wä- 
ren, außer den bereits 
erwähnten, folgende zu 






verzeichnen: 




Münzen : 




Vespasian 


2 K. 


Domitian 


1 K. 


Nerva 


1 K. 


Traian 


1 K. 


Hadrian 


1 K. 


Pius 


1 S., 3 K. 


Septim. Severus 


1 S. (platt.) 


Domna 


1 S., 1 K. 


Maesa 


1 S. 


Philippus A. 1 K. (Vimina- 




cium) 


Gallienus 


9 Bill. 


Constantin d. Gr. 


8 K. 


Licinius Ä. 


1 K. 


Constantius II 


5 K. 


Constans I 


11 K. 


Const. Gallus 


3 K. 


lulianus Apost. 


3 K. 


lovianus 


1 K. 


Valentinian I 


1 K. 


Valens 


3 K. 


nicht bestimmbar 


größten- 


teils nach Constanti- 


nus I 


92 K. 



Fig. 78 Tonkrüge (n, 6; 
V7 n. Gr.) und Hals einer 
Glasflasche {c\ V3 n. Gr.) 



Bronzen: Fibel Fig. 80; Sonde Fig. 81 c\ 
Schlüssel Fig. 82 ; kleiner Fingerring, der Stein 
ausgefallen, Fig. 83a; Fingerring, die Enden des 
Drahtes sind ineinander gehängt, der Draht durch 
eine quadratische Platte gezogen, Fig. 83 Z»; Nadeln 
und Nägel. 

Bein: Nadeln, unter ihnen eine mit einer 
Schwurhand, Fig. 8 1 a, und eine mit einer — jetzt 
kopflosen — Büste, Fig. 81/7; ein LöfFclchen; ein 
Pfeifchen roher Arbeit. 



Glas: zwei grüne, sog. Melonenperlen; Kopf 
einer Flasche aus grünem Glas, Fig. 78 c. 

Ton: mehrere Lampenscherben; eine drei- 
dochtige Lampe, an der Oberseite konzentrische 
Kreise als Ornament tragend; ein Tonbecher, wie 
Jenny Poetovio Fig. 5; Fragmente zweier Stirn- 
ziegel, das eine mit Marke, das andere mit Spiral- 
ornament wie Jahrbuch II i, 210 Fig. 164 und 165; 
drei Pyramidenziegel mit Loch, wie ebd. i g8 Fig. i 1 1 ■ 



<- - 0-75 




«—028 -> 



Fig. 79 Durchschnitt durch beide Kanäle 

(= Fig. 75 ii— iy), 1:25; 6 = Bruchstein ; rf = Stück eines 

Dachziegels; ä = Hohlziegel; »»^Mörtel; s = Ziegel 

oder Ziegelstücke 

Eisen: ein gänzlich verrosteter Schlüssel, 
20 cm lang; mehrere nicht bestimmbare Stücke. 




Fig. 80 Fibula aus Bronze; ^3 n. Gr. 

Stempel: 
auf Terra sigillata IVVENTINV2; 
auf Lampen OCEAMVS; LITOCENE; 
auf dem Halse einer Amphora CACRSINA; 
auf dem Rand einer Reibschale GNOT; 
auf einem Mauerziegel j-LV; 
auf einem Hohlziegel QS'P; 

auf Dachziegeln M-l-F, ADIECTI, L-Oa-SEC, M- 
Vf -SEXf, C-ASR, ^DOT. 

III. Neueste Einzelfunde 

In Steindorf, so. von Pettau, beim Kilometer- 
stein 1 1 wurden bei Rigolarbeiten auf einem Acker 



315 



Gotischer Türklopfer in der Spitalskapelle in Krems 



316 



Mauerreste aus Stein und u. a. auch ein Säulen- 
kapitäl aus Kalkstein, wie er in Vinica in Kroatien 
gebrochen wird, gefunden. Das Kapital ist etwa 
60 cm hoch und etwa 50 cm breit, sehr beschädigt 
und ähnelt dem am Oberrann im Februar d. J. 
gefundenen (vgl. Fig. 77). Die Bauern nennen die 
Fundstätte staro mesto = alte Stadt und behaupten, 




Fig. 81 Beinnadeln (a, ö; ^/^ n. Gr.) und bronzene Sonde 
(c; '/j n. Gr.) 

beim Ackern wiederholt auf Mauerzüge gestoßen 
zu sein. Wiederholt sind meines Wissens dort 
auch römische Münzen gefunden worden. 

In Pobresch, 55 km s. von Pettau, nächst 
St. Veit, wo der Grabstein des Marcus Petronius 
CIL in 4060 sich befindet, ist in diesem Frühjahr 




3 ^ 



Fig. 82 Bronze-Schlüssel; a von der Seite, b von oben 
gesehen; ^|^ n. Gr. 

auf einem Acker des Weingutsbesitzers Herrn 
Rudolf Wibmer bei Anlage einer Baumschule unter 
einem Gewölbe eine Menge römischer Tongefai3e 
gefunden worden, die leider zum größten Teil von 
den Arbeitern zerstört wurden. Einige Stücke 



ließen sich retten- und werden von Herrn Wibmer 
aufbewahrt. In der Nähe fanden sich auch eiserne 
Lanzenspitzen, ein eisernes Schwert und Pferde- 
hufeisen, Funde wahr.scheinlich einer lange nach 
der römischen Kultur liegenden Zeit. 

In Haidin zog August d. J. eine Bäuerin beim 
Mähen mit der Sichelspitze einen goldenen Ohr- 
ring aus der Erde, den das städtische Museum in 




Fig. 83 Bronze-Fingerringe; ■'/^ n. Gr. 

Pettau angekauft hat. Das Ohrgehänge besteht 
aus reinem Golde und wiegt 2-5 g; er ist durch 
ein frei drehbares Anhängsel aus gleichem Stoffe 
gezogen, zwölfflächig, die einzelnen Flächen mit 
Goldkügelchen verziert (Fig. 84). 

Im Stadtgebiet von Pettau — Näheres war 
nicht zu erfahren — fanden Bauern drei Gold- 




Fig. 84 Goldener Ohrring aus Haidin 

münzen, und zwar von Kaiser Tiberius Cohen- 15 
mit sitzender Livia (77 g), rechtshin, von Caligula 
mit der älteren Agrippina, Caligulas Mutter, Coh.* 5 
(77 <?) und einen Triens des Valentinianus (i'5^) 
CoH.- 49 mit dem Kreuz inmitten eines Lorbeer- 
kranzes. 

Korrespondent cand. iur. Viktor Skrabar 



Gotischer Türklopfer in der Spitals- 
kapelle in Krems 

In der Spitalskapelle in Krems befindet sich 
an der Türe, die aus dem Chor in das anstoßende 
Spital führt, ein schmiedeiserner Türklopfer mit 
Unterlage (Fig. 85). Der schöne Ringklopfer ist an der 
Mitte des Beschlages befestigt, dessen Form eine 



317 



Holzstatuetten in der Pfarrkirche in Spitz 



318 



ziemlich g-ebräuchliche ist; ähnliche, rechteckige 
Formen, die oben durch ein übereck gestelltes 
Quadrat abgeschlossen sind, finden sich z. B. in der 
Matthäuskirche in Murau (Mitt. XVIII 1872 >, inÜber- 
Vellach (Wi.ha 1442) u. a. Die Verwendung von 
Figuren innerhalb der Ornament- 
ranken ist dagegen ziemlich selten; 
bei einem Türbeschlag im Germa- 
nischen Museum, der dem unseren 
auch in der Form sehr nahe kommt, 
ist gleichfalls der Crucifixus zwi- 
schen Johannes und Maria ange- 
bracht (Hefner- Alteneck, Eisenwerk 
oder Ornamentik der Schmiedekunst 
des Mittelalters und der Renaissance 
Frankfurt 1870, T. 72, 1460 — 1480 
angesetzt); auch hier steht der figu- 
rale Teil beträchtlich hinter dem 
rein ornamentalen zurück und zeigt 
ähnliche archaisierende Züge, die 
sich aus der Ungeübtheit des Kunst- 
handwerkers erklären. In derselben 
Kapelle ist an dem der erwähnten 
Tür benachbarten Pfeiler ein Sakra- 
mentshäuschen angebracht, dessen 
Gitter wiederholt abgebildet wur- 
den (Mitt. Xni 20 Abb. 10; XV 
39 ff. Abb. 20; Wlha 1470, 1470 a 
usw.). An diesen Gittertüren fin- 
den wir dieselbe A^erbindung von 
figuralen und ornamentalen Teilen, 
bei ersteren dieselbe primitive Be- 
handlung, bei letzteren eine bis in 
die Details gehende Übereinstim- 
mung der Einzelmotive (vgl. die 
blattartigen Endungen, die dorn- 
förmigen Ansätze, die eichelformi- 
gen Rankenabschlüsse). Beide Ar- 
beiten gehören derselben Zeit, wahr- 
scheinlich derselben Werkstatt an; 
nach der kriechwerkartigen Form der 
Ranken, die wir auch sonst am Ende 
des XV. Jh. in der Wachau finden, dürften beide 
Arbeiten schon ursprünglich für die 1470 beendete 
Kapelle verfertigt worden sein und legen Zeugnis 
ab von dem Stande des Kunsthandwerkes in jener 
Blütezeit der „goldenen Wachau'. 

Dr. Hans Tietze 



Holzstatuetten in der Pfarrkirche 
in Spitz 

An der Außenseite der We.stempore der Pfarr- 
kirche in Spitz ist in drei Gruppen eine Reihe von 




Fig. 85 Gotischer Türklopfer in der Spitalskapelle in Krems 

dreizehn Holzstatuetten angebracht, die Christus und 
die Apostel darstellen. Die Figuren (Fig. 8ö) sind mit 
einem glänzenden, emailartigen Weiß neu gefaßt, 
nur der breite Saum der Gewänder ist vergoldet. 
In dieser neuen Fassung, die alle Details verflaut, 
erwecken die Figuren beim ersten Anblick den 



319 



Holzstaluetten in der Pfarrkirche in Spiti 



320 




Fig. 86a Holzstataetten in der Pfarrkirche in Spitz 



Anschein höheren Alters, als ihnen zukommt, da 
der Eindruck nun zu sehr durch die archaisierende 
Gesichtsbildung und die konventionelle Haarbe- 
handlung bestimmt wird. Damit kontrastiert schein- 
bar die überreiche Fältelung der Gewänder; Zipfel 
legt sich über Zipfel, und wo ein Gewandsaum frei 



ten Kunstrichtung folgte. In der verwandten ober- 
bajTischen Kunst finden wir ähnliche Figuren um 
und nach 1400; vergl. z. B. die Marienstatue in 
Weildorf (um 1 400) oder den hl. Petrus in Meilham 
(erste Hälfte des XV. Jh.), beide abgebildet bei 
B. RiEHL Geschichte der Stein- und Holzplastik 




Fig. 866 Holzstatuetten in der Pfarrkirche in Spitz 



hängt (wie beim segnenden Arm Christi), ist er 
in einer Wellenlinie ausgebauscht. Tatsächlich 
dürfen wir diese Figuren nicht vor die erste Hälfte 
des XV. Jh. setzen. Die Art, wie die Köpfe sich 
auf wenige, stets wiederholte Typen zurückführen 
lassen, zeigt, daß der Bildhauer einer eingebürger- 



in Oberbayem (in den Abhandlungen der k. bayr. 
Akademie der Wissenschaften III. Kl. XXIII. B., 
I. Abt., 1902, Taf IV n. 2 bezw. n. 4) oder die 
Madonna von Pürten (um 1440; Kunstdenkmale 
des Königreiches Bayern, Taf. 252). In Österreich 
ist die Entwicklung ein wenig zurück; an einem 



321 



Ein Miinzschatz des XVI. Jahrhunderts 



322 




Fig. 86c Holzstatuetten in der Pfarrkirche in Spitz 



spätgotischen g-eschnitzten Flügelaltar im Südchor 
der Stephanskirche in Wien finden wir die gleiche 
barocke Gewandbehandlung, während die Köpfe 
und die ornamentalen Teile auf das Ende des 
XV. Jh. verweisen. 

Die Spitzer Figuren sind ursprünglich nicht 
für ihre jetzige Stelle gearbeitet worden; denn die 
außerordentlich kühne und originelle Brüstung der 
Empore zeigt spätgotische Formen, die erst zu 
Beginn des XVI. Jh. entstanden sein können. 

Dr. Hans Tietze 



Ein Münzschatz des XVI. Jahr- 
hunderts 

Im gräflich LAMBERGSchen Familienarchiv im 
Schloß zu Steyr entdeckte ich ein Packet mit 
677 Pfennigen und Hälblingen aus dem XVI. Jh., 
offenbar einen Münzfund, vielleicht einen Kassen- 
bestand. Über Zeit und Ort des Fundes erreichte 
ich keine weitere Nachricht, als daß er bis vor 
wenigen Jahren im LAMSERGSchen Palais in Preß- 
burg aufbewahrt worden sei. Der Fund umfaßt: 

Oberösterreich: Ferdinand I, 130 Pfennige 

Bindenschild und oberösterreichisches Wappen neben- 
einander, darüber Jahreszahl, darunter F 

1527 ... 19 15.33 ... 21 1538 ... 8 



1528 . 
1530 
1531 
1532 



1534 
1535 , 
1536 
1537 



14 

10 

7 

5 



1539 ... 4 
unb. Jahr 17 



Steiermark Ferdinand I, 58 Pfennige, 

I Hälbling 

Bindenschild und Wappen mit dem steirischen Panther 
nebeneinander, darüber Jahreszahl, darunter F 



1524 . . 


. 1 


1531 . . 


. 6 


1526. . 


. 1 


1532 . . 


. 3 


1527 , . 


. 8 


1533 . . 


, 3 


1528. . 


. 5 


1 534 . . 


. 6 


1 529 . . 


. 2 


1535 . . 


. 1 


1530 . . 


. 6 


1536 . . 


. 1 



1537 
1538 
1540 



unb. Jahr 8 Pf. 
und 1 H. 



Kärnten; Max I, Ferdinand I, Ferdinand II, 
84 Pfennige 



1510 . 


. 1 


1 532 . . 


3 


1540 . 


1 


1514 . 


. 1 


1533 . . 


5 


1541 . . . 


1 


1516 . 


. 1 


1534, . 


9 


1550 . . . 


2 


1517 . 


. 8 


1535. . 


6 


1599 . . . 


1 


1529 . 


. 3 


1 536 . . 


2 


unb. Jahr 


16 


1530 . 


. 9 


1537 . . 


4 






1531 . 


. 8 


1538 . . 


4 







Krain: Ferdinand I, 31 Pfennige 
Bindenschild und Krainerschild nebeneinander, darunter 
F, darüber Jahreszahl 

1527 ... 1 1533 ... 6 1537 ... 1 

1528 ... 4 1535 ... 1 1541 ... 3 

1529 ... 7 1536 ... 6 unb. Jahr 2 

Salzburg: Leonhard Keutschach, 21 Pfennige, 
31 Hälblinge 

Salzburger Wappen und Rübenschild nebeneinander, 
unten L, darüber Jahreszahl 

Pfennige 

1514 ... 4 1516 ... 2 1518 ... 1 

1515 ... 3 1517 ... 2 unb. Jahr 9 



323 



Ein BUd von Annibale Carracci in Weißenkircben a. D. 



324 



1500 
1508 
1509 
1510 



Hälblinge 

1511 ... 3 

1512. . . 2 

1514 . . . t 

1515. . . 4 



1 



1516. 

1518 • . . 2 

1519. . . 1 

unb. Jahr 6 

Mathaeus Lang, 181 Pfennige, 24 Hälblinge 
Salzburger Wappen und Maschenschild nebeneinander, 
unten M, darüber Jahreszahl 

Pfenniare 



1520 . 

1521 . 

1523 . 

1524 . 
1525 
1526 . 
1527 

1519 
1520 , 
1521 
1523 



1528 . 

1529 . 

1530 . 

1531 . 

1533 . 

1534 . 

1535 . 

Hälblinge 

1526 . . . 

1527 . . . 

1528 . . . 

1529 . . . 



1536 . 
1537 
1538 . 
1539 
1540 



14 

14 

10 

9 

2 



unb. Zahl 85 



1530. . . 
1533 . . . 

1 535 . . . 

1536 . . . 
unb. Jahr 



Ernst von Bayern, 28 Pfennige 
Drei Wappen im Dreipaß 

1540 ... 2 1547 ... 1 unb. Jahr 15 

1541 ... 6 1549 ... 1 

1542 ... 1 1554 ... 2 
Michael Graf Kuenburg, 5 Pfennige 
Job. Jak. Graf Khuen-Belassi, 6 Pfennige 
Wolf Dietrich von Raittenau, 5 Pfennige 

Zwei Wappen unter dem Kardinalshut 1593, 1594, 1597 je 1 
Mit drei Wappen 1599 2 

Passau: Ernst von Bayern, 72 Hälblinge 

Konservator Landesgerichtsrat E. Schmidel 



Ein Bild von Annibale Carracci in 
Weißenkirchen a. D. 

Im Pfarrhof in Weißenkirchen an der Donau 
befindet sich ein kleines (20-9 X i(>'9 cm) auf Kupfer 
gemaltes Bild (Fig. 8 7 ), dessen Existenz in der Wachau 
einigermaßen befremdlich erscheinen mag. Der 
Erhaltungszustand ist ein ziemlich guter; nur an 
wenigen Stellen hat das Bild durch Kupferkrank- 
heit gelitten und an den Rändern ist ein Streifen, 
wo die Farben durch den deckenden Rahmen 
allen Glanz eingebüßt haben. An der Rückseite 
des Bildes ist ein von Josef Stern, der in der 
Mitte des XIX. Jh. Pfarrer von Weißenkirchen 
war, geschriebener Zettel angeklebt, der uns über 



die Schicksale berichtet, die unser Bildchen nach 
der Wachau geführt haben. 

„Weißenkirchen, 17. August 1864 

Lectori salutem a Domino! 
Dieses Bild mit dem Jesuskind, das an einem 
Faden — der Gnade — ein Vögelchen — eine 
Seele — , das durch das Fenster bereits entfliehen 
will, zurückhält, die Mutter Jesu vor einem offenen 
Buche auf Kupfer gemalt vorstellt, kam zur Zeit ^ 
der französischen Revolution durch eine flüchtige 
Fürstin De Ligne nach Linz; es wanderte mit der 
Fürstin, die Palastdame der Gemahlin Kaiser 
Pauls von Rußland wurde, nach Petersburg, kam 
nach Ermordung des Kaisers nach Wien und von 
dort wieder zurück nach Linz, weil die Fürstin 
dort billiger leben konnte. — Als die Fürstin in 
Linz starb, vermachte sie das Bildchen nach letzt- 
williger Anordnung einem der vielen damals — 
i79oiger Jahre — in Linz, einzig nur um das 
Leben zu retten, ausgewanderten französischen 
Priester, den sie sich zum Beichtvater gewählt 
hatte, zum Angedenken. Der Beichtvater der 
Fürstin, der selbst ohne Mittel nur von der Wohl- 
tätigkeit frommer Menschen und von Meßstipen- 
dien lebte, hatte in Linz einen barmherzigen 
Schneidermeister in der Harrachgasse nahe dem 
damaligen Priesterseminare gefunden, der dem 
flüchtigen Priester Unterstand anbot und sein 
Brot mit ihm teilte. Der Schneidermeister starb, 
und ihm folgte bald auch der Priester ins Grab. 
Der Priester vermachte bei seinem Tode sein 
Liebstes, was er besaß, dankbar seiner Hausfrau: 
es war dieses Bildchen. Von der Hausfrau, die 
keine Kinder oder nahe Verwandte hatte, kamen 
Haus und alles, was sie besaß, samt dem Bildchen 
in die Hände ihrer Magd, die treu über 30 Jahre 
ihrer Herrschaft gedient hatte. Ich hörte als 
Kaplan der Stiftspfarre von diesem Bildchen, 
suchte gelegentlich das Haus auf und bat um Er- 
laubnis, es zu sehen. Ich erklärte der Besitzerin 
entzückt bei dessen Anblick, daß ich es für höchst 
wertvoll halte. Nach ^4 Jahren bekam ich es zu- 
gesandt, mit der Bitte, es als Geschenk anzu- 
nehmen, weil es die Besitzerin nicht in Hände 
geben könnte, die es mehr schätzen würden als 
der gefertigte Josef Stern, Can. Reg. von St. Florian, 
seit 1841 Pfarrer allhier." 



325 



Ein Bild von Annilinle Carracci in WeißenUirchen a. D. 



326 



Wir liaben keine Ursache, an der Richtig^keit 
der so treuherzig vorgetragenen Darstellung- zu 
zweifeln, die die etwas kleinbürgerliche Odyssee 
unseres Bildes schildert; so sind wir wenigstens 
in der Lage, es bis ins letzte Jahrzehnt des XVIII. Jh. 
zurückzuverfolg-en. Dann aber stehen wir vor einer 
gewaltigen Lücke; erst 1652 
taucht es wieder auf, denn in 
diesem Jahre wurde es von Daret 
g-estochen. Der im Gegfensinn 
ausg-eführte Stich trägt die Unter- 
schrift: Annibale Carracci pinxit. 
F. Tortebat del. ex. cü. privil. 
Reg-. P. Daret coelavit 1652. Daß 
auch der Stich aus Frankreich 
.stammt, mag als dünner Faden 
die beiden so weit auseinander- 
liegenden Daten verbinden.^) 

Schon 1652 also galt das 
Bild für ein Werk Annibale 
Carraccis, und wir dürfen diesem 
Urteil des XVII. Jh. getrost bei- 
pflichten. Es ist ein eigenhändi- 
ges Bild des Meisters, und wir 
können ihm mitziemliclier.Sicher- 
heit seinen Platz unter den Wer- 
ken Annibales anweisen. Aus- 
gangspunkt für die Datierung 
ist ein kleines Bild im Berliner 
Museum, das die Kreuzigung 
Christi darstellt und das Datum 
1594 trägt. 1594 kam der Meister 
nach Rom,-) ein bedeutungs- 
volles Datum, da sein Stil unter 
dem Einfluß römischer Kunst- 
werke sich vollständig umwan- 
delte. Bis dahin war die Ein- 
wirkung Correggios in seiner Kunst der bestim- 
mende Faktor gewesen; auch in unserem Bilde 
klingt dieses Correggeske noch stark nach, be- 

') Vielleicht ist das Bild identisch mit einem 1750 
auf der Versteigerung Hariague verkauften ; es heißt dort : 
„La Vierge faisant lire l'Enfant Jesus", eine Bezeichnung, 
die auf unser Bild besser paßt als auf irgendein sonst 
bekanntes Bild Annibales; auch läßt der geringe Preis 
darauf schließen, daß es sich um ein sehr kleines Bild 
handelte. Cf. Mirelr, Dictionnaire des Ventes d'Objets 
d'Art faites an France et ä l'Etranger etc. Paris 1902, II 78. 

^)DenNachweis dafür gedenke ich anderivärts zu führen. 

Mitteiliinpfn der k. k. ZentraI-K.oninii>sion l()05 



sonders im Typus der Madonna, der mit dem der 
Frauen auf jenem Berliner Bildchen übereinstimmt. 
Aber schon macht sich auch das neue Element 
bemerkbar. Der schöne ernstblickende Knabe mit 
den tiefbeschatteten Augen zeigt den tiefen Ein- 
druck, den Annibale durch Raffaels römische 




Fig. 87 .Annibak- Carracci, Madonna ^\Vcilienkirchi-n a. IJ. 



Werke empfangen hat, die auch Wahl und 
Gestaltung des genrehaften Motivs bestimmt haben 
mögen. Eine ähnlich gemütvolle Stimmung, die 
wir in Annibales Bologneser Arbeiten vergeblich 
suchen würden, klingt auch in dem schönen etwas 
späteren Bild in Windsor an, Le Silence des Car- 
raches, auf dem die heilige Jungfrau dem Johannes- 
knaben, der sich dem schlafenden Jesus nähert, 
Schweigen deutet,') Auch ist dort der Abschluß 

') Eine gleichzeitige Wiederholung von Dominichino 
ist im Louvre. 

23 



327 



■Ein Bild von Annibale Carracci in Weißenkirchen a. D. 



328 



nach dem Hintergrund mit dem tiefen Durchblick 
nach einer Seite dem Bilde in Weißenkirchen 
ähnlich; wir finden diese Anordnung- auch sonst 
auf Bildern, die wir in die römische Frühzeit 
setzen müssen.') Endlich "ergibt auch die Betrach- 
tung der Landschaft das gleiche Ergebnis; die 
Ebene verschwimmt in blauer Ferne, und der 
Himmel hebt sich am Horizont mit einem hellen 
Streifen von ihr ab. Links ein breitästiger Baum, 
aus dessen Blättermassen das Gefüge der Aste 
trotz aller Dichte des Laubes durchschimmert; 
nahe dem Stamm dieses Baumes sind die Silhouetten 
eines Reiters und eines Fußgehers erkennbar. Auch 
diese Landschaft ist für die römische Zeit charak- 
teristisch; in einer Gruppe, die er zusammen mit 
Schülern ausführte, wie etwa die Lunettebilder der 
Aldobrandinischen Kapelle (jetzt in der Galleria 
Doria in Rom), sind die vom Äleister eig-enhändig 
ausgeführten Bilder — Flucht nach Ägypten und 
Grablegung — leicht von den von Dominichino 
oder Albani hergestellten zu unterscheiden. In 
ganz gleicher Art wie dort ist die Landschaft auf 
unserem kleinen Bild behandelt. Wir können es 
aus all diesen Gründen in die letzten Jahre des 
XVI. Jh. setzen; der Stil Annibales in diesen 
reifen Jahren ist für die weitere Entwicklung der 
Bologneser Schule von großer Bedeutung, denn 
gerade durch ihn wurden die Hauptschüler, als sie 
am Anfang des XVII. Jh. nach Rom kamen, an- 
geregt.-) 

Das Bildchen ist hauptsächlich deshalb in so 
ausführlicher Weise hier besprochen worden, weil 
es als charakteristisches Beispiel für eine in den 
meisten Sammlungen vertretene Gruppe von Bil- 
dern dienen kann. Es sind kleine Arbeiten auf 
Kupfer, Holz, Stein, meist schlankweg auf den 
Namen eines der Carracci getauft, ohne mit ihnen 
irgend etwas zu tun zu haben. Nun wissen wir, 
daß Annibale durch die unglücklichen Verhältnisse, 
in denen er seine letzten Jahre verbrachte, ge- 
zwungen war, auf die Ausübung seiner Kunst 



') Z. B. bei der hl. Familie, einst im Besitz des Kar- 
dinals Montalto, von Corn.Bloemaert gestochen, oder bei dem 
ovalen Bildchen, die Madonna das in ihren Armen schlafende 
Kind betrachtend, von Latouiette gestochen. 

') Vgl. z. B. das frühe Bild, Anbetung der' Hirten, 
von Dominichino in Dulwich. 



fast völlig zu verzichten, und daß fast sämtliche 
Bilder aus dieser Zeit, die unter seinem Namen 
gehen, von Schülern ausgeführt wurden. Aber 
auch in dem Jahrzehnt davor war Annibale — 
mit Arbeiten überhäuft — g-enötigt gewesen, sich 
der Hilfe seiner Schüler zu bedienen. So ist auch 
ein guter Teil dieser kleinen Madonnenbilder nur 
in der Werkstätte entstanden.') Allerhand Leute 
drängten sich — vielleicht damals in noch höherem 
Maße als zu anderen Zeiten — an die Künstler 
heran, um mit irgfendeinem kleinen Bildchen ein 
verehrtes Andenken zu erbetteln, das man nach 
dem Tode des Künstlers nicht ohne Profit ver- 
kaufen konnte. A'on einem dieser verdächtigen 
Maecene, der sich bei Lodovico und Agostino 
dafür um so mehr eingeschmeichelt hatte, ließ 
sich Annibale allerdings nicht umgarnen, von 
Ferrante Carli nämlich, der als Beispiel für diese 
ganze Klasse von Kunstfreunden dienen mag. 
Dumesnil hat ihm in seinem Buch über die ita- 
lienischen Amateure einen Abschnitt gewidmet, 
in dem er in Ausdrücken hohen Lobes von der 
Selbstlosigkeit des Ferrante spricht; näher be- 
trachtet, gewinnt die Sache allerdings einen andern 
Anschein. Aus den Briefen Lodovicos an ihn sehen 
wir, daß er sich recht hartnäckig um Bilder be- 
worben haben mu(3; kaum ist eines fertig, kommen 
neue Bitten. Am 13. Dezember 1608 z. B. schreibt 
Lodovico: La sua Madonna cammina al fine, e 
subito finita gli farö una cassetta e la invierö a 
V. S.;-) vielleicht ist gerade das das Bild, das 
wir später aus dem Besitz des Ferrante wieder 
auftauchen sehen. In einem Prozeß gegen einen 
sizilianischen Abenteurer namens Valguarnera und 
seine Komplizen zählt Ferrante de Carli am 28. Juli 
1631 die Bilder auf, die er einem der Sizilianer 
verkauft habe, darunter: un ramo ovato con cor- 
nice intagliati dorato dentro del quäle era la 
Beatissima Vergine con il Bambino in braccio e 
S. Giuseppe, con pur di paese di mano di Lodo- 
vico Caracci pittore. Auch seine Verehrung für 



'; Das kleine Bild mit der Madonna mit dem Kind 
mid dem hl. Franciscus kommt z. B. in mehreren Exemplaren 
vor; eigenhändig scheint mir das im Bridgewaterhouse zu 
sein, schwache Wiederholungen in Petersburg, in der Samm- 
lung von Lord Northbrook, im Konservatorenpalast in Rom. 
Über derartige Madonnen von Albani siehe Malvasia 11 226. 

2) Bottari, Kaccolta. MHano 1822, I 274. 



329 



Bericht ii. d. Bloßlegung eines jesuitischen Gemäldezyklus v.J. 1641 in der Pfarrkirche zu Kardasch-fi.e£ic 



330 



Lanfranco scheint für Ferrante recht einträglich 
gewesen zu sein.') 

Unter ähnlichen Umständen ist vielleicht auch 
unser Bildchen entstanden, denn wenn auch Annibale 
von Ferrante nichts hören wollte, so liei3 er sich 
doch von „anderen ähnlichen Füchsen" fangen, 
wie Malvasia berichtet: che perö sino al barbiere, 
sino al scarpinello che le ciabatte gli rattoppava, 
non Seppe negare una Madonnella da tener da 
letto, o il loro ritratto. — Non h maraviglia poi 
se di queste, tante e tante e durato sin ora a darne 
fuori, e ad iscoprirne non conosciute, tra mobili 
non solo di rigattieri etc.-) Und ähnlich erzählt 
Bellori, daß er dem Briefboten die Bitte nicht 
abschlagen konnte und ihm eine „picciola Ma- 
donna, che svela il Bambino" machte.^) Gegen 
Schlu(3 seines Lebens konnte er überhaupt nur 
noch derartige kleine Arbeiten ausführen; von 
einer solchen spricht Agucchia in dem Briefe, in 
dem er dem Canonico Dolcini den Tod Annibales 
berichtet: . . . comminciava a fare qualche cosetta 
degna di se stesso; siccome ne die segno in una 
Madonna fatta di nascosto, poco prima di andare 
a Napoli che e bellissima.*) 

Una cosetta degna di se stesso — ein kleines, 
doch seiner würdiges Ding. Das mag auch unser 
Schlußurteil über Annibale Carraccis kleines Bild 
in Weißenkirchen sein. Hans Tietze 



Bericht über die Bloßlegung eines 

jesuitischen Gemäldezj^klus vom 

Jahre 1641 in der Pfarrkirche zu 

Kardasch-Recic 

Am 30. Juni des Jahres 1904 berichtete 
Konservator Professor BraniS über einen Fund 



') Bertolotti, Artisti Modenesi, Parmensi e della Luni- 
giana in Roma, in Atti e Memorie delle RR. Deputazioni 
di Storia Patria per le Prov. Mod. e Parm. Ser. III vol. I 
p. 153. Dieser Ferrante de Carli scheint überhaupt ein 
sonderbarer Mäcen gewesen zu sein; in den eigenhändigen 
Notizen Malvasias zur Felsina Pittrice (Bologna, Kommunal- 
Bibliothck) heißt es: Ferrante Carli haveva infinitä di di- 
segni de Caracci, faceva copiar a Andrea Sacchi di questi 
disegni, che chiamava il suo .Andreino, et a Oliviero Gatti, 
che vendeva per de Caracci. 

^) Malvasia, Felsina Pittrice, Bologna 167«, I 468. 

') Bellori, Le Vita de Pittori ecc, Roma 1728 p. 41. 

*; Bottari, Raccolta II 487. 



„barocker" Malereien im gotischen Chore der 
Pfarrkirche zu Kardasch-6.ecic, auf die man bei 
den zur Neubemalung der Kirche getroffenen Vor- 
bereitungen gestoßen, und indem er sie für voll- 
ständig wertlos erklärte, befürwortete er die Be- 
willigung, dieselben zu übertünchen. Als ich über 
Auftrag der Z. K. die Malereien an Ort und Stelle 
besichtigte, sah ich die Behauptung des Prof. 
Bkani.^ bestätigt, daß es sich um keine Kunst- 
werke im eigentlichen Sinne des Wortes und um 
kein PVesko handle, aber mehrere Gründe be- 
stimmten mich dazu, der Z. K. die Erforschung 
der Malereien zu empfehlen. 

Diese Gründe waren zweierlei Art, aus dem 
Gebiete der Kunstgeschichte und dem der lokalen 
Kulturgeschichte. Ungeachtet dessen, daß bei meiner 
vorläufigen Untersuchung eine Darstellung zum Vor- 
.schein kam, die wenigstens einen relativen Kunst- 
wert besaß und ihre vollständige Bloßlegung und 
womöglich auch ihre Erhaltung verlangte, schienen 
mir besonders die vorgefundene Datierung, die 
zyklische Kompositionsweise und der wahrschein- 
lich heimische Ursprung der Malereien beachtens- 
wert. Die Malereien stammen aus dem Jahre 1641,') 
also aus einer kriegerischen Zeit, wo man in 
Böhmen überhaupt wenig- künstlerisch tätig war, 
und ihre geringe künstlerische Bedeutung ist um ■ 
so bemerkenswerter, zumal der Kirchenpatron kein 
geringerer war als der mächtige Jesuitenorden 
in Neuhaus, dem die Verwaltung der Kirche seit 
dem Jahre 1594 oblag.-) Das über dem Datum 
vorgefundene Wappen ist höchstwahrscheinlich 
dasjenige der Familie Slavata. Der berühmte 
Protektor der Katholiken, Graf Wilhelm Slavata, 
erwarb die Neuhauser und Recicer Herrschaft 
durch Heirat mit Lucie Otilie von Neuhaus und 
verwaltete diese für seinen ältesten Sohn Adam 
Paul bis zum Tode im Jahre 1652. 

In Anbetracht all dieser Umstände konnte 
man hier einen jesuitischen Zyklus erwarten, und 



') Von dem an der inneren Seite des Triumphbogens 
angebrachten Datum erhielten sich bloß die zwei letzten 
ZitTern, die ich jedoch in Anbetracht des Stiles der Male- 
reien und anderer sachlicher Merkmale nur zu 1641 er- 
gänzen kann. 

-) J. Hkuhv, Rccicc Kardasovä a byvalii panstvi fecicke. 
I'raha 1893 p. 75. Diesem Buche sind auch die folgenden 
wenigen historischen Daten entnommen. 



23* 



331 



Bericht fi. d. Bloßlegung eines jesuitischen Gemäldezyklus v. J. 1641 in der Pfarrkirche la Kardasch-ft.ecic 



332 



die Bloßlegning bestätigte die Berechtigung dieser 
Vermutung. Es ist tatsächlich ein jesuitischer Ge- 
mäldezyklus, und zwar ein höchst typischer. Wenn 
man nun bei Erforschung älterer Kunstperioden 
keine Arbeit scheut, um über die Ikonographik 
und zyklische Zusammenhänge Aufklärung zu er- 
langen, warum sollte nicht dasselbe Interesse 
auch der späteren Kunst zuteil werden? Diese 
Malereien sind zugleich auch ein wichtiges rein 
historisches Dokument für Kardasch-Recic. Bis 
in die ersten Jahre des XVII. Jh. war diese Stadt 
hussitisch und erst damals wurde sie durch das 
Wirken der Jesuiten von Xeuhaus katholisiert. 
Unser Zyklus ist ein bildlich dargestellter Sieg 
des Katholizismus. Von den einzelnen Dar- 
stellungen fielen mir besonders zwei auf: die- 
jenige mit einem hl. Priester, der höchstwahr- 
scheinlich als hl. Ignaz zu deuten war, und dann 
die Darstellung der Sendung des hl. Geistes. Im 
Gegensatze zu jeder Tradition tragen hier die 
Apostel Trachten des XVII. Jh., und in ihrer 
ganzen Erscheinung sind sie eher den Lands- 
knechten damahger Zeit ähnlich als den Jüngern 
Christi. 

Es gab also Beweggründe genug, um die Er- 
forschung der Malereien zu befürworten. Um ihre 
Erhaltung handelte es sich natürlich nicht, weil 
sie nur al secco gemalt und stark beschädigt 
waren. Was den künstlerischen Wert anbetrifft, 
konnte nur das Bild mit dem hl. Ignaz in Betracht 
kommen. 

Xachdem die Arbeiten in der Kirche sistiert 
worden waren, erfolgte vom i. bis 3. Mai d. J. 
unter meiner Leitung die Erforschung der Malereien, 
worauf die Cbertünchung derselben mit Ausnahme 
des Gemäldes mit dem hl. Ignaz und Franz Xaver 
bewilligt wurde. Es möge nun eine kurze Be- 
schreibung dieser Dekoration, die den ganzen 
Chor einheitlich umfaßte, folgen. 

Der gotische Chor^) besteht aus zwei läng- 
lichen Traveen und einem fünfseitigen Abschluß. 
Die Rippen setzen sich im oberen Drittel der 
Höhe auf den mit einem Kopfe oder mit Blättern 
verzierten Konsolen ab, welche auch die Grenze 
zwischen den oberen und den unteren Malereien 



•) Der Grundriß ist zu finden in der „Topographie der 
hist. und Kunst-Denkmale im politischen Bezirke Neuhaus'. 



bilden. Letztere dehnen sich bloß auf den Längs- 
seiten des Chores aus, während die übrigen Wände 
und die Gewölbekappen nur den dem ganzen Chore 
gemeinsamen grauen Grund und eine einfache rot 
und gelb getarbte Einrahmung aufweisen. Auf 
diesem grauen Grunde machen die Gemälde, welche 
von einem krausen Renaissanceschnörkelwerk ein- 
gerahmt sind, den Eindruck aufgehängter Bilder. 
Ihre Verteilung ist nicht gleich, weil sie sich 
nach dem zur Verfügung stehenden Platze richten 
mußte. Ganz frei hatte man nur die linke Wand, 
die wegen der angebauten Sakristei fensterlos ist, 
und hier befinden sich nicht weniger als elf Dar- 
stellungen. Drei derselben, zirka 2 in hohe und 
1-30 in breite Ovale, befinden sich in den Schild- 
bögen, die übrigen, welche um i'3 m tiefer unter 
den Konsolen angebracht sind, bilden einen ein- 
zigen Streifen von zirka 2-5 m Höhe und haben 
einen gemeinsamen Rahmen. Xur das vierte und 
dann das letzte Bild ragen oben etwas über 
ihn empor. Diese letzte Darstellung ist auch 
etwas breiter geraten, während die übrigen eine 
gleiche Breite von je f2 m einhalten und sich um 
das vierte Bild symmetrisch gruppieren. Die ein- 
zelnen Bilder sind voneinander durch schwarze 
Linien getrennt. Die rechte Wand taugte weniger 
dem Maler, weil hier drei hohe Fenster durch- 
brochen sind. Er verteilte auf derselben also, wie 
es eben ging, unter und zwischen den Fenstern, 
drei Darstellungen, die der unteren Reihe der 
linken Wand entsprechen. Das mittlere Bild ist 
viel breiter und höher als die zwei übrigen seit- 
lichen Bilder, die zirka 2 in in Breite und Höhe 
messen. Den hohen Sockel unter den Bildern 
verzierte man mit den üblichen Teppichen. 

Was den Inhalt der Malereien anbelangt, so 
stellen die Bilder der linken Wand die Passion 
Christi und die Vollendung des Neuen Testa- 
mentes dar. Das mittlere Bild der rechten Wand 
ist eine Verherrlichung Mariens, der mächtigen 
Fürbitterin, und an den Seiten sieht man die 
Stigmatisation des hl. Franziskus, eine neuerliche 
Bestätigung des Geheimnisses von der Mensch- 
werdung Christi, und was zum Interessantesten 
der ganzen Dekoration gehört, eine Darstellung 
der zwei Gründer des Jesuitenordens, Ignaz von 
Loyola und Franz Xaver. 

Es ist zweifellos, daß der Entwurf zu diesem 



333 



Bericht ü. d. Bloßlegung eines jesuitischen Gemäldezyklus v. J. 1641 in der Pfarrkirche zu Kardasch-Recic 



334 



typisch jesuitischen Zyklus von einem Jesuiten 
geliefert worden ist. Ob aber auch seine Ausführung 
den Jesuiten zuzuschreiben sei, kann Tiicht mit 
Bestimmtheit beantwortet werden. 

In der Beschreibung der einzelnen Gemälde 
will ich nur bei den wichtigeren länger verweilen. 
Die meisten waren stark zerstört, und die Bloß- 
legung beschränkte sich so auf die Deutung ihres 
Inhaltes. Nur das Bild des hl. Ignaz und Franz 
Xaver wurde vollständig bloßgelegt und darauf 
fixiert. 

Die Darstellungen der linken Wand sind 
mit einer Ausnahme chronologisch geordnet. Sie 
beginnen mit dem dem Schiffe am nächsten befind- 
lichen unteren Bilde und schließen mit der Kar- 
touche des dritten Schildbogens (immer vom 
Schiffe aus gerechnet). Im ersten Bilde sieht man 
Christus auf dem Ölberge, und zwar in dem 
Momente, wo der Engel erscheint und ihm den 
Kelch darreicht. Daran schließt sich die Geiße- 
lung und weiter die Verhöhnung Christi als 
jüdischen Königs dar. IMit dem vierten höheren 
Bilde, der Kreuzigung, ist die chronologische 
Anordnung der Symmetrie zuliebe unterbrochen, 
und es folgen sodann zwei Bilder, deren darge- 
stellte Ereignisse der Kreuzigung zeitlich voraus- 
gehen. Im ersten Bilde zeigt Pilatus den ge- 
marterten Christus dem Volke; das zweite ist 
leider nicht näher bestimmbar, aber zweifellos 
dürfte hier ein Moment der Passion dargestellt 
gewesen sein. Das dritte Bild nach der Kreuzigung, 
das sechste der ganzen Reihe, ist eine figuren- 
reiche Grablegung, die sonst nichts Merkwürdiges 
aufweist. Damit endet die Passion Christi, und es 
folgt sein Triumph über Tod und Sünde, den die 
zwei ersten oberen Kartuschen zur Darstellung 
bringen. Es ist dies die Auferstehung und die 
Himmelfahrt Christi. Die dritte Kartusche 
enthält als Abschluß der ganzen Reihe eine inter- 
essante Darstellung der Sendung des heiligen 
Geistes. 

Dieses Bild hob ich schon in der Einleitung 
dieses Berichtes hervor und deutete zugleich an, 
daß das Interessante desselben in seiner profanen 
Auffassung liege. Denn als Komposition weicht 
es ebensowenig wie die übrigen Bilder von der 
üblichen Darstellungsweise der zahlreichen Kupfer- 
stichzyklen damaliger Zeit ab. Das Volkstümlich- 



Profane verrät sich schon in der einfachen bürger- 
lichen Kammer mit viereckigen Rundscheiben- 
fenstern, wo das geschilderte Ereignis vor sich 
geht, aber noch .stärker kommt es durch die Ge- 
stalten der Apostel zum Ausdruck. Während die 
Madonna, von hübschem Gesichtstypus, durchaus 
traditionell gehalten ist, entbehren die Apostel vor 
allem den Heiligenschein, tragen einfache zeit- 
gemäße Trachten, und ihre naturalistischen Gesichts- 
züge mit der Barttracht des XVII. Jh. parodieren 
beinahe die überlieferten ehrwürdigen Typen. 

Das letzte, bisher nicht erwähnte Bild des 
unteren Streifens, welches sich dem Altar am 
nächsten befindet, enthält eine an dieser Stelle 
sehr oft vorkommende Darstellung. Es liegt die 
Vermutung nahe, daß hier, vielleicht in einer Wand- 
nische, das allerheiligste Sakrament aufbewahrt 
wurde, worauf zwei Engel hinweisen, die, eine 
Monstranz haltend, über einer fast lebens- 
großen Gestalt des auferstandenen Heilands 
schweben. 

Wie erwähnt worden ist, enthält die rechte 
Wand nur in ihrem unteren Teile einen bildlichen 
Schmuck. Als erstes Bild stellt sich eine Stigma- 
tisation des hl. Franziskus dar, die eine her- 
gebrachte Komposition aufweist. Dem allgemeinen 
Schema entspricht auch das zweite große Bild der- 
Verherrlichung oder besser gesagt der Krönung 
Mariens. Auf Wolken schwebend empfangt die 
Gottesmutter die Krone, die über ihrem Kopfe von 
Gottvater und Christus gehalten wird, während 
ganz oben in der Mitte der hl. Geist in Gestalt 
einer weißen Taube erscheint. Unter dieser himm- 
lischen Szene knien auf Erden die Vertreter der 
kämpfenden Kirche, links Geistliche mit dem Papste 
an der Spitze, rechts weltliche mit dem Kaiser. 
Dazwischen, aber etwas tiefer sind die leidenden 
Seelen des Fegefeuers dargestellt, die in gleicher 
Weise ihre Bitten zum Himmel emporsenden. 

Nun folgt das interessanteste und beste Bild 
des ganzen Zyklus, nämlich dasjenige mit den Bild- 
nissen der zwei bedeutendsten jesuitischen Heiligen, 
deshl. Ignaz von Loyola und des hl.Franz Xaver. 
Daß diese zwei mit Heiligenschein ausgezeichneten 
Priester trotz Mangels einer Aufschrift nur so zu 
deuten sind, bezeugen ihre der Überlieferung voll- 
kommen entsprechenden Gesichtszüge, ihre Tracht, 
Attribute und Gebärden. Auch die so oft vor- 



335 



Das alte Kautterbaus in V'illach 



336 



kommende Vereinigung beider gleichzeitig kano- 
nisierten Heiligen in einem einzigen Bilde spricht 
dafür. Die zwei zirka i ' j in hohen Gestalten stehen 
beinahe en face in einer farbenreichen Abendland- 
schaft und wenden sich ein wenig zueinander. Der 
hl. Ignaz, der sich zur Linken befindet, trägt eine 
Alba und einen gelben, rot gestickten, vom mit 
einem blauen vertikalen Streifen verzierten Ornat, 
der rot gefüttert ist. In der Linken hält er ein 
Buch, und mit der Rechten segnet er, welch letztere 
Attitüde man auf den Kupferstichen seltener an- 
trifft. Dagegen ist hier Franz Xaver mit auf der 
Brust gekreuzten Händen nach der geläufigsten 
Art dargestellt. Auch seine Tracht, Talar, Röchet 
und eine (hier gelbe) Stola stimmt mit zahlreichen 
Abbildungen dieses Heiligen überein. Was die 
Gesichtszüge anbetrifft, so könnte man für den 
hl. Franz beinahe bestimmte Kupferstiche als Vor- 
lagen angeben, so treu sind sie wiedergegeben; 
auch das Äußere des hl. Ignaz ist im allgemeinen 
zu erkennen, obwohl die Darstellung ein wenig 
schematisch ist. Besonders die Nase ist unrichtig 
gezeichnet. Anstatt der charakteristischen scharf 
gebogenen Linie hat sie ein ganz ausdrucksloses 
Profil. In der merkwürdigen Landschaft fallen 
vor allem die drei scharf voneinander geschiedenen 
Abschnitte des Bildes auf Der Vordergrund ist 
gelb und stellenweise grün gefärbt. Nach dem 
Mittelgrunde hin ist er mit dunklen Pflanzen und 
Tulpen abgegrenzt, und links ragen grün und 
schwarz flott skizzierte Bäume empor. Dieselben 
trifft man auch im Mittelgrunde, der aus helleren 
grünen und gelben Feldern besteht. In der Mitte 
steht, von Bäumen umgeben, ein umfangreicher 
Gebäudekomplex, in welchem besonders zahlreiche 
Türme und Zentralbauten mit ihren roten Dächern 
auffallen, und rechts kann man sogar eine kleine 
militärische Szene entdecken — vielleicht ein Hin- 
weis auf den einstigen Lebensberuf des hl. Ignaz. 
Den Hintergrund bilden hohe zerklüftete Berge, 
die unten blau gemalt und oben rötlich von der 
sinkenden Sonne gefärbt sind. 

Die Merkwürdigkeit dieses Gemäldes liegt in 
seiner technischen Ausfuhrung. Während nämlich 
die Gestalten selbst rein zeichnerisch behandelt 
sind und schwarze oder rote Konturen aufweisen, 
ist die Landschaft ganz und gar malerisch dar- 
gestellt. Diese Gleichzeitigkeit zweier Techniken, 



die doch auf grundverschiedenen Anschauungsarten 
beruhen, kann man auch bei den übrigen Bildern 
konstatieren. Fast ausschlielSlich verwendete die 
zeichnerische Methode nur der Maler der „Sendung 
des hl. Geistes", und dieses Bild macht deshalb 
mit seinen schlichten Lokalfarben und schwarzen 
Konturen einen altertümlicheren Eindruck als die 
übrigen Malereien, obgleich doch alle sicher gleich- 
zeitig entständen sind. Diese Verschiedenheit er- 
klärt sich dadurch, daß mehrere Hände an diesen 
Malereien arbeiteten. Das Bild mit dem hl. Ignaz 
und Franz Xaver ist entschieden das beste von 
allen, es ist immerhin ein achtbarer Abglanz der 
großen Kunstentwicklung, und es liegt nahe an- 
zunehmen, daß es von dem ^Meister der Werkstatt 
herrühre, dem die Ausmalung des Chores über- 
tragen wurde. Der übrige Teil der Dekoration 
fiel seinen Gehilfen zu, und von diesen entledigte 
sich ein jeder seiner Aufgabe nach bestem Wissen 
und Gewissen. Die Kunst kam freilich dabei zu 
kurz, denn die meisten ihrer Schöpfungen bieten 
nur ein ikonographisches Interesse. Und dabei 
ist noch zu beachten, daß die Kompositionen 
kaum ihnen, ja nicht einmal ihrem Meister an- 
gehören, sondern höchstwahrscheinlich Kupfer- 
stichfolgen entnommen wurden, die hier wohl in 
gleicher Weise als Vorlagen für die Dekoration 
gedient haben, wie es auch in anderen ähnlichen 
Fällen zu geschehen pflegte. 

Dr. VixzENz KRAiLvfi 



Das alte Rautterhaus in Villach 

Den Bemühungen der Z. K. ist es nicht ge- 
lungen, das alte Rautterhaus in Villach zu retten 
(vgl. Sp. 213). Es war ein Bau aus der zweiten 
Hälfte des XVI. Jh., schmucklos, doch ungemein 
charakteristisch für die phantasievolle Weise, in 
der verschiedenartige und aus verschiedenen Zeiten 
stammende Formen der italienischen Renaissance 
in den Bürgerhäusern nördlich der Alpen ver- 
wendet und mit der alten eingebürgerten Anlage 
des gotischen Hauses ohne Rücksicht auf ihre 
Entstehung und ursprüngliche Bestimmung als 
dekorative Motive malerisch verbunden wurden. 
Das Gebäude war ursprünglich das Wohnhaus 



337 



Das gräflich-Dietriclisteinschc „Schooßhaus" in Brunn 



338 




Fig. 88 Das Kaiiltc iluiuh in XilUicli 

dos Pfarr- und Archidiakonatsklerus von Villach; 
seit der Mitte des XVIII. Jh. j^chört es der Fa- 
milie Rautter. Grö(3er als sein kunsthistorischer 
und historischer Wert war seine Bedeutung füt 
das Gesamtbild der Stadt. Im heurigen Sommer 
ist es niedergerissen worden und soll wenigstens 
in einer Abbildung (Fig. 88) erhalten bleiben. Es 
ist schade, daß wir nicht unserer Abbildung eine 
zweite beifügen können, die die Stra(3envedute nach 
vollendeter Regulierung darstellt. Sie würde gewiß 
jedem, der Herz und .Sinn für dergleichen Dinge 
hat, alles besagen. M. D. 



Barmherzigen-, die Karthäuserkirche usw. Zu den 
Kindern seiner Kunst zählt auch das Dietrich- 
steinsche (oder Salmsche) Palais in der Ferdi- 
nandsgasse 31 (Judengasse: Kons.-Nr. 427). Dessen 
bauliche Eigenart sowie geschichtliche Vergangen- 
heit hat vaterländische Forschung des öfteren ge- 
würdigt: so j)'Ei.vi;Rr in den Schriften der histo- 
risch-statistischen Sektion, Jahrgang 1889 Nr. 9, 
Rille in den Schulnachrichten der deutschen Staats- 
realschule in Brunn vom Jahre 1890 (Seite 12), end- 
lich Pkokoi' in seinem umfangreichen Werke: „Die 
Markgrafschaft Mähren in kunstgeschichtlicher Be- 
ziehung" IL Seite 12 12. 

Da aber der au.sgedehnte Palaiskomplex in ab- 
sehbarer Zeit dem Neubaue eines Zentralfinanz- 
gebäudes Platz machen wird, soll an dieser Stelle 
ein ausführlicheres Ejjitaph in Wort und Bild Platz 
finden. Reiches Quellenmaterial boten für diesen 
Zweck die Brünner Stadt- und Grundbücher (libri 
domorum et intabulationum) sowie die bisher un- 
veröffentlichten Aufzeichnungen des Brünner Bürgers 
Alois Gödel, eine Art Häuserverzeichnis und 
Häusergeschichte (im Brünner Stadtarchiv). 

Der näheren Orientierung wegen sei gleich 
hier bemerkt, daß der Haupttrakt des einstöckigen 
zweiflügeligen Palais gegen die Ferdinandsgasse 
blickt, während von den beiden langen Seiten- 
flügeln der eine an die Magdalenenkirche und das 
FranzLskanerkloster stößt, der andere zu einem 



Das gräflich Dietrich- 

steinsche „Schooßhaus" 

in Brunn 

(K. k. mähr. Finanzlandesdirektion) 

Theresianisches Barock fand in 
Brunn durch den Baumeister Mauritz 
Grimm Eingang. Chroniken und Ur- 
kunden wissen wohl von diesem Meister 
recht wenig zu berichten, desto ein- 
dringlicher, aere perennius, zeugt eine 
.stattliche Anzahl geradezu typischer 
Schöpfungen von dem glänzenden Ta- 
lente ihres Erbauers, darunter das ehe- 
malige Augustinerkloster (gegenwär- 
tig Statthaltereigebäude), die Mino- 
ritenkirche mit der Lorettokapelle, die 




Fisr. 89 Gartenhaus im Dianen 



Dietrichsteinschen Hauses in Brunn 



:?0 



Das gräflich Dietrichsteinsche „SchooQliaus" in Brunn 



3;o 



guten Drittel die eine Häuserfront der Josefs- 
(ehemals Böhmer-)g'asse einnimmt (Fig. 90). Diese 
Gebäudeteile schlielBen einen länglichen, annähernd 
trapezförmigen Hof ein, der in einen Garten aus- 
mündend durch eine 4 iii hohe Mauer gegen die 
Josefsgasse abgeschlossen ist. Das Palais selbst 
steht auf einer alten Ansiedlungsstätte: der Juden- 
stadt des XIII. Jh., deren Bewohnern die Hand- 
feste König Ottokars 11. vom 23. August 1268 in 
dem Judenrechte zu Brunn den liberalsten Freibrief 

ausstellte. Auf dem 







Grunde der Magda- 
lenenkirche imd des 
Franziskanerklosters 
erhob sich der Tem- 
pel mit dem jüdischen 
Friedhofe. Erst das 
Edikt Ladislaws ddto. 
Prag am Samstag 
nach St. Jacobi 1454 
versagte den Juden 
^^ . . Haus und Hof in 

j / , ~J Brunn, „all ihr Häu- 

nj?--r .t~'! ser, Synagog und 

freithof schenke er 
der Stadt, die sie mit 
Christen besetzen und 
nach Notdurft dar- 
über verfügen solle". 
Überreste aus jener 
Zeit erhielten sich in 
den weitläufigen Kellern des Palastes. Augen- 
scheinlich verschiedenen Epochen entstammend, 
lagern diese Räumlichkeiten unter dem Haupt- 
trakte sogar in zwei Stockwerken (für die damalige 
Brünner Bauweise keine ungewöhnliche Erschei- 
nung) und erstrecken sich über, die Ferdinands- 
gasse hinaus, wo an mehreren Stellen später auf- 
gerichtetes loses Mauerwerk dem Vordringen Halt 
gebietet. Ein gähnender, halb verschütteter Schacht 
.sowie vier gemauerte, durch Scheidewände getrennte 
enge Zellen (mit Sperrvorrichtungen, Seitenstücke 
zu den Kasematten am Brünner Spielberge) lassen 
in dem gegenwärtigen Zustande die Frage ihrer 
ehemaligen Bestimmung offen. Hypothese muß es 
daher vorderhand bleiben, diese Einrichtungen 
mangels jeglicher urkundlicher Nachrichten mit 
der Strafjustiz, insbesondere der jüdischen, in Ver- 



,k m m J 



Fig. 90 Grundriß 
des Dietrichsteinschen Hauses 



bindung zu bringen. Die Verwendung von steinernen 
Spitz- und Rundbogen zu Tür- und Fensterein- 
fassungen, nicht minder die eigenartige Struktur 
des Mauerwerkes im Keller neben dem Franziskaner- 
kloster spricht für ein hohes Alter dieser unter- 
irdischen Anlage. Letztere Annahme wird überdies 
durch einen Plan des Gebäudes bestätigt (Fig. 91), 
der höchstwahrscheinlich als Situationsskizze und 
Behelf bei den ungezählten Beschauverhandlungen 
während der Bauführung diente und in der bei- 
gegebenen, umständlich abgefaßten Erklärung von 
einem _uhralten Keller"' neben dem Franziskaner- 
kloster spricht. Wir werden weit weniger fehl 
gehen, wenn wir die unterirdische Anlage als Zu- 
fluchtsort während der Schwedenbelagerungen und 
in friedlichen Zeitläuften als Lagerplatz für die 




Fig. 91 Situationsskizze der älteren Bauten an der Stelle 
des jetzigen Dietrichsteinschen Hauses 

ungemessenen Weinquantitäten ansehen, die den 
Dietrichsteins von ihren Weingärten in Seelowitz 
zuflössen; die den Fässerformen angepaßten Aus- 
bauchungen der Türeingänge lassen nämlich letztere 
Bestimmung vermuten. 

Als Leopold Graf Dietrichstein 1738 die Allo- 
dialgüter seines Vaters Walter Xaver Dietrichstein 
übernahm, fand er folgende Situation (wie sie in 
der erwähnten Planskizze wenigstens teilweise 
dargestellt ist) vor: An die Magdalenenkirche 
und das Franziskanerkloster stieß das sogenannte 
Freybergersche, in weiterer Flucht gegen die 
Josefsgasse lag das sogenannte Morawetzsche Haus, 
welches mit den angrenzenden Häusern des Huf- 
schmiedes Simon Kautscher und des Wagners 
Joseph Pettrich seit 1692 Eigentum der Dietrich- 
steins war und von Graf Xaver Walter umgebaut 



3+1 



Das gräflich Dietrichsteinsche „Schooßhaus" in Brunn 



342 



wurde (lib. dorn. 1 692/93 fol. 88 und 103). (iegen 
die Stadtmauer zu befand sich endlich die Be- 
hausung des Seifensieders Anton Horetzky mit 
einem anschließenden (xarten. 1738 kaufte nun (xraf 
Leopold Dietrichstein vom bürs^erlichen Hufschmied 
Andreas Freyberger das Haus „neben dem Closter 
deren Wohl Ehrwürdig- P. P. Franciscani um das 
Geld von 7500 Gulden Rhein., dann 
Schlül3elgeldt ä 100 Gulden" (lib. dorn. 
1738/39 Fol. 38), ein Jahr darauf den an 
das Horetzkysche Haus „nächst dem 
Stadtthore situirten anstoßenden und bis 
an die Stadtmauer und das sog^enannte 
Hänckergassel sich extendierenden Gar- 
then,wie solcher dermahlen im stände und 
mit dem garthengatter eingeschlossen 
ist, umb 1300 Gulden Rhein, paaren 
Geldes, jeden gülden zu 60 kreitzer ge- 
rechnet." Hiezu kam 1742 ein weiteres 
Stück des Horetzkyschen Besitzes. 
Dietrichstein hatte nämlich auf dem er- 
worbenen Gartengrunde „eine Raitschule 
gebauet und die Fänster vor solcher in 
die Horetzkysche Behausung gemachet, 
wegen welchen sodann ein Stritt ent- 
standen ist, ob solche in das Horetzkj'sche 
Territorium dirigiert werden köndten. 
Damit die question in totum aufhöre 
und die fänster in suo esse verbleiben, 
so hat der jetzige posessor Frantz Ho- 
retzky sich entschloßen, Sr. Exzellenz 
von seinem hoff an der Raitschule anoch 
ein spatium zu überlassen um ein Kauf- 
schillingsummuen per 3000 Gulden 
Rhein." (lib. dom. 1741/42). 

Auf diesem zusammengekauften 
Cjrundkomplexe erstand der Palast in 
seiner heutigen Gestalt (Fig. 92), der laut des 
Militär- und Camincatasters von 1744 von 12 Ka- 
minen zinste. 

Eine vornehm gegliederte zwölffenstrige Haupt- 
fassade strebt zu zwei mit vasenartigen Aufsätzen 
gekrönten Spitzgiebeln. Äußerst wohltuend berührt 
den Beschauer das edle Ebenmaß aller Teile, wobei 
der graugrüne Ton der Färbelung den Eindruck des 
Proportionierten, Einheitlichen erhöht. Unter den 
stark ausladenden Fensterbedachungen sind Frucht- 
kränze angebracht, während die seichten Nischen 

Mitteiluniien der k. k. Zentral-Kommission 1005 



unter den Fmistern schmiedeisernes Blätterwerk, 
ein Erzeugnis heimischer Schmiedekun.st aus der 
Bauzeit des Hause.s, ziert, das durch seine feine, 
solide Ausführung ganz besondere Aufmerksamkeit 
verdient. Gitter gleicher Arbeit umgibt auch die 
Balkons ühc.v den beiden Einfahrtstoren und füllt 
das Oberlicht des Haupteinganges (das zweite Tor 




Fi^. 92 Das Dietrichsteinsche Haus 

ist jetzt Gewölbeportal). Die Einfahrten werden 
von je zwei, zirka 2 in in hohen Nischen ge.stellten 
steinernen Vasen flankiert, die aus der Werkstätte 
des Brünner .Steinmetzen Johann Stransky (zirka 
1730) hervorgegangen sein .sollen. Ein gebürtiger 
Mährer, Ignaz Chambrez, Lehrer der Baukunst an 
der Lemberger Akademie, schreibt hierüber um 1800 
herum nachstehendes: „Das Haus des ehemaligen 
Franz Dietrichstein-Seelowitz zieren zwei (!) mit 
mythologischen Basrelieven fein ausgearbeitete 
Vasen; die Arbeit ist ungemein zart und fein und 

24 



o43 



Das grSdich Dietricbsleinsche «Schooßhaus" in Brunn 



344 



nach den Regeln des halb erhabenen von Zonner 
(richtig Zahner!) darauf zu sehen." (Notizenblatt 
der historisch statistischen Sektion 1856, pag. 397.) 
13as Innere des Palastes hat durch die Um- 
wandlung zu Kanzlei- beziehungsweise Geschäfts- 
lokalitäten seinen ursprünglichen Charakter wesent- 
lich eingebüßt. Ein schmuckloser Stiegenaufgang 
führt zu drei, beziehungsweise vier ehemaligen 
Pracht- und Empfangszimmern, den letzten Zeugen 



Zeichnungen, dann phantastisch-mythologische Dar- 
stellungen, Musikembleme in den Zwickelfeldern 
(ehemaliges Musikzimmer), endlich auch das 
Wappen und den Namenszug des Erbauers her- 
vortreten (Fig. Q3, 94, 95). An diese Prunkräume 
schlössen sich die Privatgemächer, ferner auch 
ein Tanzsaal, ein Theater und eine Kapelle, deren 
Spuren durch die Adaptierungen vollkommen ver- 
wischt sind. Beim Ankaufe des Palais durch das 




Fi<r. 93 Zimmer im Dietrichsteinscben Hause 



vergangenen Prunkes und verflossener Herrlich- 
keit (gegenwärtig Präsidialbureau, Fig. 93—94). 

Die Ausstattung der gedachten Gemächer, 
soweit sie als niet- und nagelfester Bestandteil 
derselben auf uns gekommen, ist fast gleichförmig: 
hohe, tiefe Fenster mit Eichenholzverkleidungen, 
mächtige Flügeltüren teils aus demselben Stoffe 
teils aus Nußholz; mattgoldene Leisten verleihen 
zudem den hübsch gemaserten Füllungen einen 
eigenen Reiz. Lediglich die Decken weisen in jedem 
der drei Räume eine v'erschiedene Komposition auf 

Der graue Grund der Plafonds läßt reiche 
.Stuckornamente, Blätterwerk und rosettenartige 



Arar (\'ertrag vom 22. Dezember 1806) ist dem 
damaligen Besitzer, Altgrafen Karl zu Salm-Reiffer- 
scheidt, laut ausdrücklicher kontraktlicher Bestim- 
mung das Eigentum an „allen Spiegeln, Trumeau- 
spiegeln, Lustern, Wandleuchtern samt Bildern 
und Kupferstichen" vorbehalten worden. Eine 
Anzahl älterer, die Wände zierender großer Por- 
träts dürfte erst nach Übernahme des Gebäudes 
in die Staatsverwaltung dem Hausinventar ein- 
verleibt worden sein. Zwei angeblich echte Mej-^tens 
(Maria Theresia und Franz I., s. Fig. 94), des- 
gleichen ein interessantes Bild, Maria Theresia in 
Trauer (von einem unbekannten Meister, s. Fig. 94 



345 



Das gräflich Dietrichsteinsclie „Schooßhaus" in Brunn 



346 



linkM, wird Kenner und Liebhaber durch eine 
gfediegene Ausiülirung' überraschen und fesseln. 
Ein schöner barocker Ofen wanderte bereits aus 
dem Hause in die Sammlungen des Gewerbe- 
museums. Die übrigen Räume bieten sonst nichts 
Bemerkenswertes mehr, ebensowenig die ehe- 
maligen Stallungen, deren Mauerwerk durch 
reichlich dimensionierte Pfeiler verstärkt wird. 
Hingegen birgt der an den Hof anschlieüende 



mauer, dann die an die Reitschule grenzende 
Seifensiederei und das im Judentorzwinger an der 
Stadtmauer gelegene Häusel". All diese Neben- 
objekte wurden 1810 mit allerhöchster Bewilligung 
an den bürgerlichen Seifensieder Johann Wein- 
brenner um 25.900 Gulden veräußert (lib. dorn. 
1804/7). — Auch die Auflassung des Festungs- 
gürtels sowie die Regulierung der Josefsgasse 
haben den Besitzstand des Dietrichsteinschen 




Fig. 94 Zimmer im Dietrichsteinschen Hause 



kleine, wildromantische Garten ein ehemals 
schmuckes, jetzt verfallenes Gartenhäuschen im 
Stile des Hauptgebäudes. Edle Linienführung, 
hohe Rundbogenfenster, krönende Vasen über 
dem Dietrichstein.schen Wappen geben, inmitten 
des frischen Grüns bejahrter Tamarisken und 
Fliederbü.sche, ein anmutiges Bild (Fig. 89). Über 
die Josefsgasse bis an die Stadtmauer dehnte sich 
seinerzeit der Garten aus und es gehörten außer 
ihm zum Palaiskomplexe noch die sogenannte 
Dietrichsteinsclie Reitschule in der Böhmergasse 
104 (Horetzkyscher Grund, jetzt Josefsgasse 15 — 21) 
nebst ..einem Stadtturm und einem Stück Stadt- 



..Schooßhauses" nicht unangetastet gelassen. So 
hat nach langwierigen Unterhandlungen das Finanz- 
ministerium, zufolge Erlasses vom 12. November 
1860, Z. 52.298, der Stadtgemeinde Brunn ein Aus- 
maß von 16 Quadratklafter des Gartengrundes zur 
Erbreiterung der Gasse mit der Auflage überlassen, 
die Gartenmauer hinter der Rückrückungsfläche 
im ursprünglichen Stande wieder aufzurichten und 
die im rückwärtigen Teil des Amtsgebäudes unter- 
gebrachten Tabakver.schleißmagazine durch Her- 
stellungsarbeiten nicht zu gefährden. 

Von mittelbarem Interesse sind die fast end- 
losen Streitigkeiten, welche die Dietrichsteins mit 



347 



Das gräflich Dietrichsteinscbe .SchooBhaus' in Brunn 



348 



dem Franziskanerkonvente wegen ihrer baulichen 
Anlage führten und ein ansehnliches Kapitel der 
Baugeschichte ausfüllen. Die ungünstige Lage und 
die düsteren Räume des Konventgebäudes (errichtet 
1654 — 71) hieß die Patres aufmerksam darüber 
wachen, daß Bauführungen ihrer Nachbarn das 
den Gemächern ohnehin karg zugemessene Licht 
nicht vöUig entzögen. Eine Reihe kommis- 
sioneller Beschauverhandlungen fand über Klage 
des Konventes bereits gegen die Besitzer des 
sogenannten Morawetzschen Hauses statt (so z. B. 
1658 und 1670), um die beiderseitigen Rechte hin- 
sichtlich der Anlage von Fenstern, femer den In- 
halt der gegenseitig zustehenden Dienstbarkeiten 




Fig. 95 Stukkoomament im Dietrichsteinschen Hause 

zu präzisieren und festzustellen (s. Gödel, Operat 
über das Dietrichsteinscbe Palais Blatt Xr. 523 S., 
rV. Viertel). i654besaß nun das früher erwähnte Frey- 
bergersche Haus der Bäcker Wenzel Richter, der 
im Hofe nahe der Sakristei eine Backstube hatte, 
deren Hitze und Rauch die L'mgebung belästigte. 
Am 7. November 1657 (Stadtbuch ex 1657, Fol. 201 
schloß daher der Konvent mit Richter einen Ver- 
gleich, wonach derselbe gegen eine Abfindung 
verhalten wurde, „solches Backhauß von dannen 
in ein anderes orth zu versetzen und zu trans- 
ferieren. Hingegen soll zu künfthigen ewigen 
Zeithen dieser Orth neben der Sakristey läär 
stehen und nimmermehr verbauet, sondern die 
Herrn P. P. darbey klaglos undt imperturbiret 
ruhiglich verbleiben". In ein neues Stadium trat 
diese für den Konvent unhaltbare Situation mit 
dem Ankaufe des Morawetzschen und Freyberger- 



schen Hauses durch die Dietrichsteins. Schon 1692 
erhob der Guardian anläßlich des Baues eines Hauses 
in der Judengasse gegen Walter Xaver Dietrich- 
stein eine operis novi nuntiatio. Und als 1739 
Graf Leopold Dietrichstein den Grundstein zu 
seinem Palaste legte, stellten ihm die Franziskaner 
durch Erwirkung eines Verbotes den Bau. wie der 
Graf behauptete, aus Mutwillen, ein. indem sie sich 
vor allem auf den mit Wenzel Richter geschlos- 
senen Vergleich stützten. Xach langen Verhand- 
lungen kam 1748 durch Intervention der Kaiserin 
Maria Theresia ein Übereinkommen zustande. 
Hiernach verpflichtete sich der Graf. _um der 
Sache ein gantzes zu machen und denen künfthigen 
litibus ac controversis vorzukommen-, für sich und 
seine Besitznachfolger gegen die Anlage von 
Fenstern klösterlicherseits sowie die Errichtung 
weiterer Zellen keinen Einspruch zu erheben und 
seine Gartenmauer gegen das Refektorium nicht 
über 3 Klafter zwei Schuh zu erhöhen ilib. intab. 
1738 39, Fol. 39) und auch den Wasserabfluß aus 
der Sakristei auf seinen Hof (zur Hintanhaltung 
der dem Kloster schädlichen Feuchtigkeit) unge- 
hindert zu gestatten; des Grafen Bitte um Ein- 
räumung eines Oratoriums in der Kirche sowie 
um Herstellung eines entsprechenden Zuganges 
vom Palaste aus blieb trotzdem unerfüllt. Seither 
ist gegen die späteren Besitzer des „Schooßhauses^, 
Franz Dietrichstein (1778 — 1784), dann Altgrafen 
Karl zu Salm-ReifFerscheidt (1784 — 18061, endlich 
gegen die Finanzverwaltung keine Besitzstörungs- 
klage seitens des geistlichen Xachbars erhoben 
worden. Das Arar hat im Jahre 1806 den ganzen 
Komplex um den Kaufschilling von 100.000 Gulden 
in Bankozetteln an sich gebracht dib. dom. 1804 
bis 1807) — die damals in der Fröhlichergasse 
befindlichen Tabak- und Salzmagazine wxirden 
hieher verlegt und die Banko- Tabak- Kameral- 
Stempel- und Gefällsadministration bezog die zu 
Amtslokalitäten adaptierten Räume. Dem als 
Administrator bestellten Hofrate war im ersten 
Stocke eine prächtige Amtswohnung eingeräumt 
C. F. ScHiiioT, Brunn und seine Umgebung. Brunn 
1835, S. 166). Ungeachtet aller folgenden Xeu- 
organisationen der Finanzverwaltung blieb das 
Palais ein volles Jahrhundert den Zwecken der 
genannten Verwaltung bis auf den heutigen Tag 
dienstbar. - Dr. Eugfx Zaar 



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Text mit Illustrationen vonToni Gru b h o f er, Otto H e ss e etc. 

Preis in Mappe K 144 — oder M. 120—. 



Altäre und andere kirchliche Einrichtungsstücke 

aus Österreich. 

(XII. bis XVIII. Jahrhundert.) 

Ergänzung zu dem Werke: »Interieurs von Kirchen und 

Kapellen in Österreich.«: 
Heliogravüren nach photographischen Aufnahmen von Otto 
Schmidt in Wien. Mit erläuterndem Text von Dr. Albert 
Ilg, fortgesetzt von Dr. C. List. 100 Blätter Folio und Text 
mit Illustrationen von Toni Grubhofer, Otto Hesse etc. 

Preis in Mappe K 144- — oder M. 120' — . 

Interieurs und Mobiliar aus Schloß Tratzberg. 

Separatabdruck aus »Kunstschätze aus Tirol«. Text von Prof. 
J. W. Deininger. Ein Band Folio. — 12 Blätter Helio- 
gravüren und 1 Blatt Text. 

Preis in Mappe K 20-— oder M. 1650. 

Die Veste Hohensalzburg. 

Siebzehn Heliogravüren, zumeist Interieurs, von Otto 

Schmidt, mit erläuterndem Text von Dr. Albert Ilg. 

Ein Band Folio. 

Preis in Mappe K 30 — oder M. 26- — . 

Vicenza. 

25 Architektiu-aufnahmen nach der Natur, auf Kupfer geätzt 

von Otto Schmidt. Erläuternder Text von Dr. M. Fabiani, 

dipl. Architekt in Wien. 

Folio-Format. 

Preis gebunden K 36— oder M. 30--. 

Die Baukunst in Sizilien. 

I.Teil. Die griechische, römische, b}zantinische, arabische 
und normannische Baukunst sowie der Entwurf eines groß- 
städtischen Volks- und Luxusbades in modernisiert arabisch- 
normannischer Bauweise. Von Friedrich Kick, Architekt. 
Quart. 104 Seiten Text mit 44 Illustrationen und 9 Tafehi, 
darunter zwei in Dreifarbendruck. 

Preis K 28 — oder M. 24--. 

Zur Lösung der Riesentorfrage. 

Das Riesentor des Wiener St, Stephansdomes und seine 

Restaurierung. Von Dr. Heinrich Swoboda, Professor an 

der Wiener Universität. 

Mit 4 Illustrationen. 



Preis K ^• — oder M. 



•80. 



Die Renaissance in Polen. 

Kunstdenkmale des XVI. und XVII. Jahrhunderts. 

47 Blätter in Folio, Federzeichnungen in Lithographie und 

5 Blätter in Folio Lichtdruck nach Naturaufnahmen nebst 

illustriertem Text, polnisch und deutsch. 

Von Slawomir Odrz3-wolski. 

Preis in Mappe K 30-— oder M. 25—. 

Ruinen der mittelalterlichen Burgen Ober- 
Österreichs. 

Im Auftrage der k. k. Zentralkommission für Kunst- und 
historische Denkmale aufgenommen und gezeichnet von 
Karl Rosner, k. k. Baurat. Groß-Oktav. 71 Seiten mit 
72 Illustrationen und 24 Grundrißtafeln in Zweifarbendruck. 

Preis K 10— oder M. 850. 



KUNSTVERLAG AXTQX SCHRQLL «S: CO. WIEN. 

Soeben erschienen: 

Slowakische Volksarbeiten. 

Volksbauten, Interieurs und Handarbeiten. 

Herausgegeben von 

Architekt Dusan Jurkovic. 



i| 



Erbrichterei in Gr.-Karlovic. 



2. 

3. Bauernhaus in Cicmany. 

4. Friedhof in Cicmany. 

5. Bauernhaus und Stube in Velka Ves 

6. Bemaltes Haus und Tür\'orbauten 
Trdonic und Kostic. 



Inhalt des ersten Heftes: 

7. Bemalter Tür\'orbau in Trdonic ^Drei- 
farbendruck). 

8. Bemalter Tür\-orbau in Tynec. 

9. Bemalte Kaminwand in Cataj (Drei- 
farbendruck). 

m 10. Schöpfgeschirr aus Cicmany und Bru- 

mov. 



Vorwort des Herausgebers: 



Wer eingehend das geradezu fieberhafte Streben 
beobachtet, wie sich in die althergebrachten, 
durch Tradition überlieferten Formen der klassischen 
Kunst, sowohl des Altertums als auch der Renaissance 
neues Leben einhauchen ließe, welches jenem ent- 
sprechen würde, das wir selbst durchleben, dem wird 
gewiß unsere aUzusehr ergrübelte Kenntnis des künst- 
lerischen Schaifens und Treibens vergangener imd 
TOr\-ergangener Zeiten als Fluch erscheinen. 

Allgemein wird die Klage laut, daß wir durch 
andauerndes und einseitiges Studium der klassischen 
Kunst einem stumpfen Eklektizismus verfallen sind, 
mit welchem wohl Formkombinationen geschaffen 
werden, in dem aber der wahre Lebenskem, aus 
welchem ein richtiges, kräftiges, künsüerisches 
Schaffen entspringen soU, verdorrt. . 

Es ist nicht nötig, in weiter Feme Beispiele zu 
suchen; halten wir in unserer nächsten Nähe Um- 
schau; wie unorganisch, seicht und oberflächlich steht 
alles vor uns. Der Grund hierfür muß wohl darin 
gesucht werden, daß jene Basis untergraben wurde, 
auf welche die gesunde und wahre Kunst sich stützt. 

E^ ist dies für uns geradezu ein Memento, um 
achtzugeben, daJJ die wahren Grundzüge unserer 
heimischen Kunst, welche zu erreichen unser Streben 
ist, nicht verloren gehen, bevor der Zahn der Zeit 
die Überlieferungen unserer heimischen Kultur an- 
greift und wir an jenes anknüpfen, was uns bisher 
erhalten wurde. 

Ich kenne keinen anderen Ausgangspunkt, falls 



unsere heimische Kunst durch einen organischen Aus- 
fluß nationaler Eigenart, nationaler, selbständiger 
Schaffungskraft zum Ausdruck kommen soll, als dort 
zu beginnen, wo unser Volk diesbezüglich bereits 
tätig war, in der unterbrochenen Entwicklung seiner 
Kunst fortzufahren. 

Darum habe ich mich zur sukzessiven Publikation 
dieses vorliegenden Werkes entschlossen, welches ich 
als notwendiges Ergebnis meines langjährigen Stu- 
diums volkstümlicher Batikunst und der mit derselben 
engverknüpften heimischen Hauskunst einerseits und 
imserer heutigen Architektur anderseits vorlege. 

Ich wiU hierdurch nicht nur das kulturlfistorische 
und ethnographische Moment dokumentieren, sondern 
hauptsächlich auf die künstlerische Begabung und das 
Schaffen imseres Volkes hinweisen, in der Voraussicht, 
daß hierdurch ein schätzenswertes und reichliches 
Material für unsere bildende Tätigkeit geboten wird. 

Ich werde vorläufig lose Blätter publizieren' ohne 
Textbeilage und ohne irgendeine S5'Steraatische 
Reihenfolge einzuhalten, um eine jede Folge mög- 
lichst interessant und \-ielseitig zu gestalten. 

Eine einheitliche und sj-stematische Bearbeitung 
des ganzen vorliegenden Materiales behalte ich mir bis 
zum Schlüsse der Herausgabe vor, damit ich mich auf 
bereits Vorgelegtes und Bekanntes berufen kann. Ich 
will hierbei alle Einzelheiten hervorheben, darauf hin- 
weisen, wie sich das künstlerische Schaffen tj-pisch im 
Lande verteilt, und mich über die Ansichten, Ideen und 
Ergebnisse meines Studiums ausfuhrlich aussprechen. 



Von diesem Werke werden ca. 20 Hefte a K 7- — erscheinen. Der Text wird in deutscher, 
slowakischer und französischer Sprache verfaßt. 



n^Antl M DAt,«-« 



MITTEILUNGEN 



UER 



K. K. ZENTRAL-KOMMISSION 

FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER 
KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 



DRITTER FOLGE VIERTER BAND 



ABONNEMENTS - BEDINGUNGEN 

Ganzjährig 5 K, für Korrespon- 
denten der k. k.Zentral-Kommission 
bei direktem Bezug aus deren Kanzlei 
2 K. Einzelne Nummern können 
(in geringer Anzahl) zu 1 Ä" ab- 



Abonnemcnts können bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen 
oder beim Kommissionsverlage der 
, Mitteilungen" ANTON SCHROLL 
& Co., WIEN I Maximilianstraße 9, 
oder direkt bei der k. k. Zentral- 
Kommission (Wien I Gauermann- 
gasse 4) angemeldet werden. 



REDAKTION 

Prof. WILHELM KUBITSCHEK 
Wien IX Pichlcrgasse 1 



Nr 11 NOVEMBER 1905 

INHALTS -VERZEICHNIS 

Verhandlungsgegenstände aus der Zeit der Unterbrechung der 

regelmäiäigen Sitzungen 349 

Sitzungsbericht vom ti. Oktober 1905 374 

NEUWIRTH Bericht über die Verhandlungen des sechsten Tages 

für Denkmalpflege in Bamberg (21. bis 25. September) . . 383 

Nachtrag zur Anzeige von AUG. PROKOP ,Die Markgrafschaft 
Mähren in kunstgeschichtlicher Beziehung", Mitt. 1904, 
.491«'. 392 



Im Druck abgeschlossen 12. Dezember 1905 



Die „Mitteilungen" der k. k. Zentral-Kommission für Kunst- und historische Denkmale 
erscheinen monatlich in einem Mindestumfang von 24 Spalten und sind zur Veröffentlichung 

1. amtlicher Kundmachungen der Zentral-Kommission; 

2. der Protokolle der Sitzungsberichte der Zentral-Kommission; 

3. von Fundberichten und Denkmalsbeschreibungen sowie von Erörterungen 
beachtenswerter Funde imd wichtigerer Fragen der Denkmalspflege 

bestinmit. Selbständige Fundberichte und Aufsätze werden in der Regel honoriert (die 
Zeile zu 7 h, die volle Textspalte zu K 3'36). Für die Honorierung von Plänen und 
Zeichnungen sind fallweise X'erhandlungen mit der Redaktion nötig. Die Redaktion ist 
gerne bereit, den auszugsweisen oder vollständigen Abdruck eines in den „Mitteiltmgen" 
erscheinenden Fundberichtes oder Aufsatzes und die Benützung der dafür angefertigten 
Klischees, wenn der Verfasser dessen Verbreitung auch durch ein anderes pubhzistisches 
Organ wünscht, vor allem in Lokalblättern, zuzugestehen. Doch ist selbstverständlich 
gleich bei Einsendung des Manuskriptes eine diesbezügliche Vereinbarung mit der 
Redaktion anzubahnen. Die Honorierung bleibt besonderer Vereinbarung vorbehalten, 
v.-enn gleichzeitig oder innerhalb des auf die Publikation in diesen „Mitteilungen" folgenden 
Jahres der Abdruck eines solchen Artikels auch noch in einer anderen Fachzeitschrift oder 
in großen allgemein verbreiteten Tagesblättem oder Zeitschriften beabsichtigt wird. Die 
Redaktion ist femer gerne bereit, fallweise und auf Grund von Vereinbarungen Auszüge 
aus geeigneten Fundberichten oder einschlägigen Artikeln, die in anderen Zeitschriften 
(insbesondere i. in nicht deutscher Sprache abgefaßten; 2. solchen, die aller Wahrschein- 
lichkeit nach sonst nicht leicht zur Kenntnis der Redaktion gelangen dürften) erschie 
sind, in den „Mitteilungen" zu bringen. Es werden daher die Verfasser solcher Artikel 
ersucht. Sonderabdrücke mit ausdrücklicher Angabe ihrer Wünsche der Redaktion ein- 
zusenden. 

Manuskripte mögen nur auf einseitig beschriebenen Blättern übersandt werden, 
die Abbildungen mögen nicht in den Text hineingeklebt und noch weniger auf die 
beschriebenen Blätter oder auf liniertes Papier oder mit Bleistift gezeichnet werden. 

Den Verfassern geht ein Bürstenabzug zur Korrektur des Druckes zu; rascheste 
Durchsicht dieser Abzüge wird erbeten. Weitergreifende Autorkorrekturen werden auf 
Kosten der Verfasser hergestellt. Die Verfasser erhalten 12 Sonderabzüge ihrer Artikel; 
eine größere Anzahl von Sonderabdrücken, über die fallweise eine Vereinbarung mit der 
Redaktion nötig ist, sowie Umbruch der Spalten oder Broschieren in besonderem Um- 
schlag kann nur auf Kosten des Bestellers erfolgen. Derlei Bestellungen mögen nicht an 
die Druckerei gerichtet werden, sondern lediglich an die Redaktion, die sich allein zur 
Vermittlung des V^erkehres zwischen den Verfassern und der Druckerei berechtigt ansieht. 

DIE REDAKTION 



MITTEILUNGEN 

DER K. K. ZENTRAL-KOMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXZ. FREIHERRN VON HICLFERT 

DRI TTE FOLGE 



Band IV Nr. i i 



November 1905 



Verhandlungsgegenstände 

aus der Zeit der Unterbrechung der regel- 
mäßigen Sitzungen 

Böhmen 

Ref. Dvoft.iK: Konservator Herain berichtet, 
daß bei Demolierung des Hauses n. 102 I der 
Prag-er Altstadt in dem aus der ehemaligen 
Marienkirche ad Lacum herrührenden Teile 
dieses Hauses Freskomalereien der ersten 
Hälfte des XIII. Jh. zutage traten. Es waren 
Heiligenbilder, iio 111 hoch, stark konturiert, 
färbig gemalt; Krone, Zepter, Heiligenschein, 
Spuren der Füße und Majuskelinschriften waren 
bemerkbar. Drei der Bilder konnten für das 
städtische Museum gerettet, vier andere mußten 
als verloren angesehen werden. Im Monate März 
kamen an den Fassaden der Häuser n. 4 und 5 
am Kleinen Ring in der Altstadt unter dem 
abbröckelnden Verputz figurale und ornamentale 
Sgraffiti zum Vorschein. Weitere Bloßlegungs- 
versuche ergaben beim Hause n. 4 fünf fig'urale 
Felder im I., IL und III. Stockwerke, und etliche 
Felder und Füllungen mit Laubwerk und orna- 
mentalen Verzierungen. Die Figuren haben blauen 
Hintergrund, die Ornamente sind grau in grau. 
Die Sgraffiti im Hause n. 5 bestehen aus einer 
Figur und sechs ornamentalen Feldern mit stili- 
sierten Mäandern und Laubwerk, die meisten mit 
rotem Hintergrund. Auch das Hauptgesims war 
mit Fierstäben und Blätterwerk geziert. Die sehr 
beschädigten Sgraffiti .stammen aus dem Ende des 
XVI. Jh.; sie wurden gesichert, der Hinlergrund 
etwas aufgefrischt und mit einer Umrahmung um- 
geben. Die Kosten im Betrage von 1 600 Ä' trug 
der Prager Stadtrat. 

Mitteilungen der k. k. Zentral-ICommission 1905 



Das k. k. Ministerium f. K. u. U. erklärt, zu 
dem geplanten Umbaue der Maria Himmel- 
fahrtskirche auf dem K^arlshofe in Prag die 
Zustimmung nicht geben zu können, weil das 
vorliegende Projekt, wenn es auch im wesent- 
lichen den von der seinerzeitigen Lokalkommis- 
sion aufgestellten Grundsätzen entspricht, mit 
der heutigen Denkmalpflege, welche ihre vor- 
nehmste Aufgabe in der Erhaltung und Scho- 
nung des Alterswertes und des historischen 
Wertes erblickt, durchaus nicht vereinbart werden 
kann. Die bauliche Restaurierung ist auf die 
Sicherung des gegenwärtigen Bestandes zu be- 
schränken, die jetzige barocke Ausschmückung 
des Innern zu belassen und nur soweit in- 
stand zu setzen, als dadurch ihr historischer 
und künstlerischer Charakter in keiner Weise ge- 
ändert wird. 

Ref DvoftAK: Ein für die Restaurierung der 
Heinrichskirche in Prag vorgelegtes Projekt 
wird von der Z. K. nicht zur Ausführung emp- 
fohlen, da es weitgehende und h. a. nicht zu recht- 
fertigende Änderungen in Aussicht nimmt. Es 
soll nicht nur der barocke Helm auf dem Glocken- 
turme durch einen gotischen ersetzt, sondern auch 
auf der Kirche selbst an Stelle des jetzigen 
barocken Daches ein gotischer Turm und ein Dach- 
reiter gesetzt und das Dach regotisiert werden. 
Die barocken Seitenkapellen sollen bis auf eine, 
für die jedoch auch ein neues Dach und reichere 
Ausstattung geplant wiixl, beseitigt, die barocke 
Au.sschmückung des Portals entfernt werden. 

Konservator Hkraix berichtet, daß im abge- 
laufenen Frühjahr der untere, die vier asiatischen 
Fürsten darstellende Teil der Statue des hl. Franz 
Xaver von der Karlsbrücke in Prag aus der 



351 



Verhandlungsgegenstände aus der Zeit der Unterbrechung der regelmäßigen Sitzungen 



352 



Moldau gehoben wurde. Zwei der Figuren sind 
beinahe unkenntlich, die beiden anderen dagegen 
ziemlich gut erhalten. 

Konservator Avgst hat sich wegen Erhaltung 
des verwahrlosten, aus dem XVII. Jh. stammenden 
Sühnkreuzes an einem Waldwege in Alt-Ehren- 
berg bei Rumburg verwendet; die stark verwit- 
terte Inschrift soll wieder lesbar gemacht werden. 

Ref. Xecwirth : Konservator Glocker berichtet, 
daß er an der Pfarrkirche in Dobrzan folgende 
Herstellungen empfohlen habe: Entfernung des 
Außenverputzes imd AViederverputzung der durch 
Ziegel ersetzten Teile des Ouadermauern-erkes in 
Quaderimitation, Reinigung der zu beiden Seiten 
des Chores angebrachten gesimsartigen Steine vom 
Putze, Ersatz des um die Kirche umlaufenden 
Zementestrichs durch ein Steinpflaster: im Innern: 
Neubemalung in einem diskreten Ton, Herstellung 
neuer Betstühle nach \'orbild der alten Chor- 
gestühle, Reinigung der Türen, Türbeschläge und 
Schlösser. 

Ref. Neuwirth: Konservator Äugst berichtet, 
daß er den geplanten Veränderungen am Hoch- 
altare der Pfarrkirche zu Einsiedel nicht in 
vollem Umfange zustimmte, sondern lediglich die 
Entfernung der unschönen und störenden, später 
eingefügten Seitenportale neben der Mensa und 
die Zurückführung der letzteren auf ihre ursprüng- 
liche Gestalt empfahL 

Konservator Äugst berichtet, daß die Her- 
stellung einer neuen Orgel für die Bartholomäus- 
kirche in Grottau notwendig wurde, und daß die 
für die stilistische Erscheinung des Orgelgehäuses 
maßgebenden alten Teile — figürliche und orna- 
mentale Schnitzereien und geschweifte Gesimse — 
der Gestalt des neuen Gehäuses zugrunde gelegt, 
beziehungsweise wieder verwendet werden. 

Ref. Neuwirth: Professor Groll teilt mit, daß 
bei genauer Untersuchung der Wandflächen in 
der Umgebung des Hauptaltares der Wallfahrts- 
kirche zu Haindorf keinerlei Spuren einer ehe- 
maligen Bemalung gefunden wurden, sondern nur 
zwei Schichten einfachen Kalkanstrichs von schwach 
grünlicher Farbe auf dem festen Mauerverputz 
nachzuweisen waren. 

Ref. DvofiAK teilt mit, daß nach seinen An- 
ordnungen die Restaurierung der Wandgemälde 
in der Kirche zu Krc auf eine einfache Färbe- 



lung der ausgefallenen Stellen und Fixierung des 
erhaltenen Bestandes beschränkt wurde. 

Ref. Dvoft.\K teilt mit, daß das Tympanon- 
gemälde in der St. Veitskirche zu Krumau in 
unrationeller Weise restauriert worden sei. Die 
fehlenden Stellen wurden ergänzt und das Ganze 
in einer Weise übermalt, daß der Alterswert des 
Gemäldes nicht mehr erkennbar ist. 

Ref. Neuwirth: Über Antrag des Konservators 
PippicH beschließt die Z. K. neuerlich, sich dahin 
zu verwenden, daß die Skulpturen im Walde 
von Kukus in ihrer Gesamtheit und nicht die 
einzelnen Objekte separat mit einem schützenden 
Holzzaune umgeben werden. 

Korrespondent Ankert berichtet, daß über seine 
Anregung die im Privatbesitze befindliche Zunft- 
lade der Leitmeritzer Schlosser-, Schmiede- 
und Wagnerzunft für das Stadtarchiv in Leit- 
meritz erw'orben wurde. Die Aufzeichnungen reichen 
von 1556 bis 1860. Unter den Schriften befinden 
sich die Protokoll- und Rechnungsbücher, das 
Lehrlingsbuch, Schlüsse sowie über 100 Meister- 
und Gesellenbriefe. 

Ref. DvofiÄK: Konservator PffPicH berichtet, 
daß die kunsthistorisch belanglose, aus dem Ende 
des XVIII. Jh. stammende Kapelle in Lisnitz 
sich in einem sehr gefahrdrohenden Zustande be- 
finde und ihre Restaurierung sich nur mit unver- 
hältnismäßigen Kosten durchführen ließe. Die Z. 
K. beschließt daher, gegen ihre Demolierung, 
welche zur Verbreiterung des hinter ihr vorbei- 
fuhrenden Fahrweges angestrebt wird, keine Ein- 
wendung zu erheben. 

Ref. Kubitschek: Korrespondent Antcert be- 
richtet, daß nächst dem Orte Mutzke bei Lewin 
im Leitmeritzer Bezirke beim Rigolen eines Hopfen- 
gartens IG Silbermünzen gefunden worden seien; 
er habe sie für seine Sammlung em-orben. Es 
sind vier Prager Groschen von Wladislaus II 
(147 1 — 15 16), vier Groschen Johann Georgs I von 
Sachsen-Jülich-Cleve-Berg aus 1620, 1624, 1629 
und zwei Gröschel Kaiser Ferdinands aus 1624 
und 1628. Am Fundorte wurden Stücke von 
Holzkohlen und unglasierte Gefäßscherben ge- 
funden. Eine Versuchsgrabung ist in Aussicht 
genommen. 

In Zierde wurden im Frühjahre am Ostab- 
hange des Geltschberges anläßlich eines Wein- 



353 



Veihaiullun<;sgegenstäii(lc ;uis der Zeit der Uiiterlirccliuny der regelmäßigen Sitzungen 



354 



baues über 200 Tal er gofundcii, welche nicht über 
das Jahr 1847 zurückreichen. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. stimmt der 
vom Museumsvereine in Pardubitz angestrebten 
Übertragung der Bilder des hl. Florian und Christus 
am Kreuze, der drei Figuren und der beiden 
Fenstermaßwerke aus der M a r i ä V e r k ü n d i gu n g s- 
kirche in Pardubitz in das Museum unter der 
Voraussetzung zu, daß die Erhaltungsmöglichkeit 
der angeführten Gegenstände durch diese Depo- 
nierung gesichert erscheint und die Übergabe 
gegen Revers erfolgt. Die Überlassung des Hoch- 
altares dieser Kirche an das genannte Museum 
könnte erst dann bewilligt werden, wenn sachliche 
Gründe, welche die Entfernung als wünschens- 
wert oder notwendig erscheinen lassen; genau an- 
gegeben würden und die Verwendung des Hoch- 
altares als Seitenaltar in der Pardubitzer Kirche 
nicht möglich wäre. 

Ref Redlich: Konservator DiviS legt eine 
Beschreibung der Grabsteine auf dem ehemaligen 
Friedhofe und im Innern der Johannes Täufer- 
kirche in Pardubitz vor. 

Ref DvoftAK: Konservator HoFMA>fN berichtet 
über die geplante Restaurierung der Pfarrkirche 
Kreuzerhöhung in Radonitz. Am romanischen 
Schiff und gotischen Presbj'teriuin sollen der 
schadhafte Außenverputz erneuert, das Mauerwerk 
an den Strebenecken des Presbyteriums ausgefugt 
und alle durch Witterungseinflüsse hervorgerufenen 
Schäden behoben werden. Die romanischen Fenster 
des .Schiffes sollen geöffnet, die bestehenden 
barocken Fensteröifnungen vermauert werden; 
auch die zum Teile vermauerten Langfenster des 
Presbyteriums sollen wieder aufgemacht, die Pro- 
file, Gewände, Maßwerke ausgebessert oder ergänzt 
werden; das vermauerte Portal an der Südseite 
des Schiffes mit reicher Profilierung wird gleich- 
falls wieder geöffnet, das gotische Dach über Schiff 
und Presbyterium wird mit Hohlziegeln neu ein- 
gedeckt, über dem Presbyterium ein Sanktus- 
türmchen in gotischem Stile aufgeführt. Die ver- 
mor.schte kassettierte Flachdecke im Innern wird 
durch eine getreue Kopie ersetzt, wobei die Kas- 
settenbilder restauriert werden sollen. Der frei- 
.stehende Turm wird gänzlich abgebrochen, der 
Westturm gleichfalls demoliert und in breiterer, 
höherer und im .Stil dem gotischen Presbyterium 



besser angepaßter Gestalt neu aufgeführt. Die 
Z. K. beschließt, weitere Erhebungen zu pflegen. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
die Restaurierung der Pfarrkirche in Ronov 
nach den Anträgen der Z. K. 

Konservator Ai:<;si- hat sich erfolglos gegen 
die Beciachung der Kirche in .Schönbach mit 
Eternitschiefer au.sgesprochen. 

Konservator Äugst berichtet, daß die Schloß- 
kapelle St. Johannes in Tschernhausen durch 
Mauerfeuchtigkeit leide imd am Dache und den 
Malereien einer Ausbesserung bedürfe. Er habe 
.sich wegen Durchführung dieser Arbeiten ver- 
wendet. 

Ref Dvoft.vK: Korrespondent DiviS beantragt 
die Übergabe einiger außer Gebrauch gesetzter 
Objekte (Gemälde der hl. Ludmilla, 14 Kreuzwegs- 
bilder, oberer Teil eines gotischen Standleuchters) 
aus der Ägidiuskirche zu Ujezd (Bezirkshaupt- 
mannschaft Neu-Bydzüv) an ein Museum, ferner 
die Reinigung des Sanktuariums von der Tünche. 
Die Z. K. beschließt, die weiteren Schritte einzu- 
leiten. 

Ref. DvoßÄK: Korrespondent DiviS beantragt, 
daß ein Grabstein des XIV. Jh. aus dem Fußboden 
des Presbyteriums der Pfarrkirche zu Väpno 
gehoben und an der Wand aufgestellt und das 
angebrachte Hauptbild St. Georg an der Rück- 
wand oberhalb des Altares neu aufgespannt werde. 
Die Z. K. beschließt, sich im .Sinne der gestellten 
Anträge zu verwenden. 

Ref Deininger: Konservator Äugst berichtet, 
daß er die Ausmalung der Pfarrkirche in Zeid- 
1er widerraten und eine einfache Färbelung der 
Kirche empfohlen habe. Auch habe er sich für 
die Entfeuchtung der Südwand und die Herstel- 
lung eines neuen Emporenbaues an Stelle des be- 
.stehenden hölzernen verwendet. 

Bukowina 

Konservator Poi.kk: legt den 13. Jahre s- 
bericht des Landesmuseums in Czernowitz 
und einen Bericht über die 13. Hauptversamm- 
lung vor (vgl. Beilage Sp. 372 ff.) und teilt mit, 
daß die Gründung eines mit dem Landesmuseum 
in enger Verbindung stehenden Landesarchivs in 
Aussicht genommen sei. 

Das Ministerium f. K. u. U. genehmigt die 

»5* 



030 



V^erhandlnngsgegeDStände ans der Zeit der Unterbrecfaimg der regelmäßigen Sitzungen 



356 



Renovierung^ der Ikonostasis in der griechisch- 
orientalischen Georgskirche zu Suczawa mit 
dem veranschlagten Aufwände von 6150 K. Die 
Vergoldung ist mit echtem Blattg'olde auf Olgrund 
auszuführen. Wenn jedoch die alte Vergoldung 
an den erhaltenen Teilen des Werkes noch vor- 
handen sein soUte, so sind diese nicht zu erneuem, 
sondern nur, sofern es nötig ist, auszubessern, und 
das Gold der neuerg^änzten Teile ist durch La- 
suren dazu zu stimmen, damit der altertümliche 
Charakter der Ikonostasis erhalten bleibe. Die 
beantragte Verschiebung um beiläufig 02 in gegen 
den Altarraum zu wird unter der Voraussetzung 
gestaltet, daß hiedurch nicht etwa Teile der alten 
Wandmalereien beeinträchtigt werden. 

Konservator Polek berichtet, daß die Akten 
der Bezirkshauptmannschaft Suczawa mit 
Urkunden bis in das Jahr 1778 aus den feuchten 
Kellerlokalitäten in trockene Räume des neuen 
Amtsgebäudes übertragen wurden. 

Dalmatien 

Ref. DvoftAK: Die Z. K. erhebt keine Ein- 
wendung gegen die Restaurierung der Kapelle 
in Lipci, durch welche nur das kunsthistorisch 
belanglose Langhaus getroffen, die Apsis aus dem 
X\1. Jh. unverändert belassen wird. 

Konservator Posedel berichtet, daß der Uhr- 
turm in Ragusa durch ein Erdbeben so beschä- 
digt worden sei, daß eine neuerliche Erschütte- 
rung seinen Einsturz herbeiführen könne. Aus 
diesem Grunde sei die Demolierung des Turmes 
beantragt worden. Da es sich um ein Denkmal 
von hohem Alters- und historischem Werte handelt, 
welches das Stadtbild in charakteristischer W^eise 
belebt, wird die Z. K. untersuchen, ob sich nicht 
eine Sicherung des Turmes durchführen ließe. 

Ref. KuBrrscHER: Konservator Posedel be- 
richtet, daß die Ruine eines altrömischen Palast- 
baues auf der Insel Meleda beim Hafen Porto 
Palazzo mit dem Einstürze drohe. Die Z. K. wird 
weitere Erhebungen pflegen. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
dem archäologisch-historischen Vereine Bihac 
in Spalato zur Fortsetzung der Ausgrabungen für 
die Jahre 1905 — 1907 eine Subvention von jähr- 
lichen 1000 K unter der Bedingung, daß er der 
Z. K. einen nachträglichen ausführlichen Bericht 



über seine bisherigen Ausgrabungen und Funde 
und in Zukunft regelmäßige Fund- und Grabungs- 
berichte erstatte. 

Galizien 

Konservator Hexdel berichtet i., daß die arme- 
nische Kathedrale in Lemberg einer Restau- 
rierung unterzogen werden soll, bei welcher jedem 
Teile dieses interessanten, aus verschiedenen Zeiten 
stammenden Gotteshauses sein ursprünglicher 
Charakter wiedergegeben werden soll. Die Altäre 
bleiben erhalten; die im Hofraume der Kirche 
als Pflaster verwendeten Grabsteine werden an 
den Kirchenwänden eingemauert; 

2. über die Ausführung folgender Arbeiten in 
der Kapelle der Familie Kampian in der römisch- 
katholischen Metropolitankirche zu Lemberg: 
schadhafte Teile der Wanddekorationen wurden 
ersetzt, die fehlenden Kartuschen, zwei Vasen und 
zwei Aufsätze in der Attika des Altars neu her- 
gestellt. Die Freskomalerei wurde gereinigt, die 
fehlenden Stellen ergänzt; 

3. daß dem Engel am Denkmale eines Mit- 
gliedes der Familie Dunia Borkowski von Thor- 
waldsen in der Dominikanerkirche zu Lem- 
berg der Schamteil abgeschnitten wurde. Zur 
Eruierung des Täters wurden gerichtliche Schritte 
eingeleitet. Die gräfliche Familie beabsichtigt, das 
Denkmal aus der Kirche zu 'entfernen und an 
einem gesicherteren Orte aufzubewahren; 

4. daß die zum Umgusse bestimmten Glocken 
des Dominikanerkonventes in Lemberg ''eine 
durch den Schriftsteller Bopolita gestiftet, mit Auf- 
schrift, Medaillon und Jahreszahl 1589; zwei klei- 
nere aus dem XVIL Jh.) von Sr. Exzellenz Grafen 
AxDREAS PoTocKJ angekauft und nach Krzeszowice 
abgesendet wurden. 

Ref Hermann: Ein für die Restaurierung der 
Pfarrkirche in Fulsztyn vorgelegtes Projekt 
beschließt die Z. K. zur Genehmigung nicht zu 
empfehlen, da der bescheidenen Dorfkirche ein 
willkürlicher, historisch unbegründeter Reichtum 
an Formen (namentlich an den Giebeln, dem 
Treppenturm und der Vorhalle) aufgfepfropft würde. 

Reff. Deestnoer und Dvoft.vK beantragen, die 
Restaurierung des Kreuzganges im Franziskaner- 
kloster zu Krakau auf nachstehende Sicherungs- 
arbeiten zu beschränken: i. das gotische in Zie- 



357 



Verluindlunysjjegenslänile ;ius der Zeil der Untcrbreiluuit; der regelraäßijjcn Sitzungen 



358 



g'eln ausgeführte Netzgevvölbe in der erstem Triivee 
zu verputzen, sonst aber unberührt zu lassen; 2. der 
moderne Verstärkungsbau in der zweiten bis vier- 
ten Trav^e kann entfernt und die barocke Tonne 
mit Stichkappen wieder hergestellt werden, falls 
nicht technische Bedenken hiegegen obwalten; 
3. die Spuren der Wandmalereien sind unberühi"t 
zu erhalten; das rohe Mauerwerk ist ohne jede 
weitere Dekoration glatt zu verputzen; 4. an den 
Epitaphien dürfen nur einzelne kleinere Teile er- 
gänzt, die Tafelbilder nebst einer Sicherung' der 
Einrahmung gereinigt werden. Die Z. K. erklärt 
sich mit diesem Programme einverstanden und 
beschließt, bei Einhaltung desselben eine Staats- 
subvention zu befürworten. 

Ref. Dvofi.\K: Konservator Tomkowicz berichtet 
über das diesjährige Arbeitsprogramm des Ver- 
eines zur Erhaltung polnischer Kunst- und 
Kulturdenkmale in Krakau. Dieses umfaßt: 
I. die Sicherung der Burgruine Odrzykon, Unter- 
mauerung des Eckturmes und eines Teiles der 
daranliegenden äußeren Wehrmauer; 2. Vorberei- 
tung zur Erhaltung der Porträtgalerie der Kra- 
kauer Bischöfe im Kreuzgange des Franziskaner- 
klosters zu Krakau; 3. der Restaurierung des 
ehemaligen königlichen Lustschlosses Niepolo- 
mice und 4. der Pfarrkirche in Tyczyn. 

Das Pfarramt Mainow teilt mit, daß die Re- 
staurierung der dortigen Holzkirche mit dem 
Glockenturme programmgemäß beendet wurde. — 
Das k. k. Ministerium f. K. u. U. ordnet die Flüssig- 
machung der dazu in Aussicht gestellten Staats- 
subvention von loüo K an. 

Ref. DvoftAic: Konservator Kopexa berichtet, 
daß er bis jetzt wohl eine Erweiterung der Pfarr- 
kirche in Niepoiomice verhindern konnte, welche 
mit der Zerstörung integrierender Bestandteile des 
aus dem XIV. Jh. stammenden Baues verbunden 
gewesen wäre, daß jedoch in jüngster Zeit trotz 
seines Protestes ohne jeden Grund der aus schwar- 
zem Marmor und Kalkstein ausgeführte Fußboden 
des XVII. Jh. aus der Kirche entfernt und durch 
einen neuen aus weißen und roten Zementplatten 
ersetzt wurde. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. bewilligt für 
die Restaurierung der Exjesuitenkirche in 
Przemysl eine Subvention von 3000 A' aus dem 
galizischen Religion.sfonde. 



Ref Dvoi'iak: Dit; Z. K. be.schließt die Ge- 
währung einer Staatssubvention für die Restau- 
rierung einiger Gemälde im kirchlichen Kunst- 
museen m zu Tarn()W zu befürworten, falls dieses 
Museum dem Publikum zugänglich gemacht werde. 

Kärnten 

Maler Vikk ii''.i,iii'',K(;KK d(>mentiert die anhergc- 
langte Nachricht, daß die romanischen Malereien 
in der Vorhalle des Gurker Domes in jüngster 
Zeit teilweise übertüncht wurden. Einige Bilder 
sind wohl in früherer Zeit vertüncht worden, ihre 
Bloßlegung wird der Berichterstatter versuchen. 

Das Pfarramt Kirchbach a. Geil teilt mit, 
daß von einer Restaurierung des Gemäldes über 
dem Friedhofportal dortselbst abgesehen und das- 
selbe auf Kosten der Gemeinde lediglich mit einem 
Schutzdache versehen wird. 

Ref Kuritschek: Pfarrer Petermann teilt mit, 
daß der Römer stein (vgl. Mitt. 1903, 302; 1904, 
1 1. 49. 218) aus dem Mesnerhause zu Maria-Wörth 
gehoben und an der südlichen Wand der Kirche 
eingemauert worden sei. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. gibt bekannt, 
daß die Stadtgemeinde Villach auf ihrem Be- 
schlüsse, das Rautter-Haus zu demolieren, be- 
harrt und diese Demolierung im Juni 1. J. durch- 
geführt habe. 

Krain 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
die an der vSt. Georg-skirche in Igg in Aussicht 
genommenen Erhaltungsarbeiten, versagt jedoch 
der Anbringung gemalter Glasfenster und eines 
gotischen Eisengitters die Zustimmung. 

Küstenland 

Ref. HoERNEs: Die Z. K. bewilligt dem Kor- 
respondenten Moser eine Subvention von 100 A' 
für die Durchforschung der Lokalität Na vertaca 
bei Castelvenere. 

Die k. k. küstenländische Statthalterei teilt 
mit, daß der Pfarrer von Cormons die Absicht, 
den. barocken Hochaltar in der Filialkirche B. 
M. V. del Soccorso zu Cormons durch einen 
neuen steinernen zu ersetzen, aufgegeben habe. 

Konservator Maionica dementiert die anher- 
gelangte Nachricht, daß die Ruinen der in Grado 
ausgegrabenen frühchristlichen Basilika zu 



359 



Verhandlungsgegenstände aus der Zeil der Unterbrechung der regelmäßigen Sitzungen 



360 



unwürdig-en Zwecken, so als Trockenplatz für 
Wäsche, benutzt werden. Die Ausgrabungsstelle 
ist mit Pflöcken und Drahtwerk derart umfriedet, 
daß kein Unberufener dieselbe betreten kann. Der 
Zutritt ist nur in Begleitung des Gemeindewächters 
durch eine ad hoc erbaute Tür und über eine 
Holzstiege gestattet. Bezüglich der Erhaltung 
der Ruinen wurde mit Genehmigung des Mini- 
steriums f. K. u. U. vom Konservator und der 
Gemeindevertretung eine Vereinbarung dahin ge- 
troffen, daß die Ausgrabungsstelle etwa durch 
drei Jahre hindurch offen bleiben soll; die hiefür 
nötigen Auslagen von 1000 Ä' werden aus Staats- 
mitteln bestritten. Für den Wasserablauf ist ge- 
nügend gesorgt, Gräser werden auf das sorgfäl- 
tigste entfernt, die Räumlichkeiten rein gehalten, 
kleinere Beschädigungen in vorsichtigster Weise 
ausgebessert. Im Winter werden die Mosaikböden 
gegen Frost entsprechend geschützt. Die Klein- 
funde sind im Staatsmuseum zu Aquileja auf- 
bewahrt, größere Steingegenstände wurden in situ 
belassen. 

Ref. Redlich: Über Anregung des Korrespon- 
denten Moser beschließt die Z. K. wegen Erhaltung 
des Obelisken in Obcina und seiner Inschrift 
sich zu verwenden. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. verfügt, daß 
die Restaurierung der Dan iels-(Friedhofs-)Kirc he 
in Woltschach auf die unbedingt notwendigen 
Herstellungsarbeiten am Glockenturme und in der 
Kirche beschränkt werde, gestattet hiefür die Ver- 
wendung des seinerzeit für die Restaurierung der 
Fresken bewilligten Betrages von 600 A' und be- 
willigt dazu eine weitere Subvention von 3300 Ä'. 

Mähren 

Ref. DvoMk: Die Z. K. .spricht sich mit 
allem Nachdrucke für die Erhaltung des gegen 
die Ferdinandsgasse gelegenen barocken Traktes 
des Finanz-Landes-Direktionsgebäudes in 
Brunn aus. 

Ref. C.^sTELLiz: Konservator Chill.\ berichtet, 
daß an der Propsteikirche und dem anstoßen- 
den Propsteigebäude in Pöltenberg die Aus- 
besserung des verwitterten Fassadenverputzes und 
des Hauptgesirases, die Abtragung einzelner bau- 
fälliger Schornsteine und der mit Dachziegel ver- 
kleideten Bodenfensterverdach ungen in Aussicht 



genommen seien. Die Dachbodenfenster sollen zur 
Vermeidung einer weiteren Schädigung des Dach- 
stuhles eine schräge Lage erhalten. 

Nieder-Österreicb 

Die k. k. n.-ö. Statthalterei teilt mit, daß in 
der letzten Sitzung des Aktionskomitees für die 
Restaurierung der Maria Schnee-(Minoriten-) 
Kirche in Wien I wohl von einer Seite der Mit- 
glieder der Wunsch betont wurde, im Sinne der 
gegenwärtig herrschenden Grundsätze der Denk- 
malpflege die West- und Nordfassade in ihrem 
gegenwärtigen Zustande zu belassen und nur die 
Maßwerke an den Nordseitfenstern wieder herzu- 
stellen, während von anderer Seite hervorgehoben 
wurde, daß das LuxTzsche Projekt, dessen getreue 
Durchführung gegenwärtig bekämpft werde, seiner- 
zeit von dem Aktion.skomitee angenommen und 
von den berufenen Faktoren genehmigt worden 
sei, und daß der Landesausschuß für Niederöster- 
reich und die Gemeinde Wien ihre namhaften 
Beiträge unter der ausdrücklichen Voraussetzung 
geleistet hätten, daß das Luxxzsche Projekt zur 
Ausführung gelange. Aus diesem Grunde wurde 
der Beschluß gefaßt, zwischen dem LuxTzschen 
Projekte und den auf die möglichste Belassung des 
Bestehenden gerichteten Anforderungen der Denk- 
malpflege einen entsprechenden Ausgleich zu 
finden. Der sohin ausgearbeitete Entwurf für die 
Westfassade sieht demnach wohl eine Restau- 
rierung der Giebehvand unter Beschränkung auf 
das Allernotwendigste vor, ohne das gegenwärtig 
Bestehende dabei zu tangieren. Die Ausgestal- 
tung der Seitenportale wurde vom Aktionskomitee 
derzeit vertagt. An der Nordseite sollen bei Ge- 
legenheit der Wiederherstellung der Maßwerke 
ein oder mehrere Fenster geöffnet werden, um 
die Wirkung auf die Beleuchtung des Abendmahls- 
bildes zu erproben. Das k. k. Ministerium f K. 
u. U. genehmigt diesen vereinfachten Entwurf und 
erhebt gegen die bezüglich der Ausstattung der 
Kirchenfenster mit Glasmalereien gefaßten Be- 
schlüsse keine Einwendung. 

Ref Casteli.tz : Die Z. K. gibt Ratschläge 
für die Restaurierung der Dreifaltigkeitssäule 
in Wien VII Burggasse und spricht sich 
namentlich gegen jedes Übertünchen oder einen 
Ölanstrich aus. 



36i 



Verhandlungsgegenstände nus der Zeit der Unterbrechung der regelmäßigen Sitzungen 



362 



Ref. Schafi-kk: Der Magistrat der Stadt Wien 
fragt an, ob auf die Erhaltung d(;.s Bildes, die 
sogenannte „Fiaker-Mutter-Gottes" an dem 
zur Demolierung bestimmten Hause VII Maria- 
hilferstraüe 102 Gewicht zu legen sei. Die Z. K. 
verneint es, da es sich um eine sehr mittelmäfBige 
Arbeit aus der ersten Hälfte des XIX. Jh. handelt. 

Ref. Hkr-mann : Korre.spondent Gkk.st.meyer be- 
richtet, daß beim Abbruche des Militär-Transport- 
hauses in Wien VIII Josefstädterstraße 73 
auch ein den Garten des Hauses abschließendes 
Gittertor in den Besitz der die Demolierung durch- 
führenden Firma überging. 

Der Magistrat Wien teilt mit, daß der Stadtrat 
einen Betrag von 700 jST für die Wiederaufrichtung 
der Gedenksäule Wien X Laaerstraße be- 
willigt habe. Die Säule wird mit einer Inschrift 
versehen, deren Text Jahr und Zweck der Er- 
richtung sowie die Angabe des früheren Stand- 
ortes enthält. 

Ref. Castelliz : Die Z. K. beschließt, sich dahin 
auszusprechen, daß der Anstrich der steinernen 
Gedenksäule Ecke der Gentzgasse und Semper- 
straße in Wien XVIII entfernt, das schmied- 
eiserne Kreuz auf derselben durch einen dunklen 
Anstrich vor weiterer Zerstörung geschützt oder, 
falls es nicht mehr haltbar sein sollte, durch ein 
neues in den alten Formen ersetzt werde. Die 
Unterlagsplatte wäre durch eine granitene zu er- 
setzen und die auf Eisenblech gemalten, zum Teile 
schon zerstörten Bilder seien dem Museum der Stadt 
Wien einzuverleiben. Der Wiener Stadtrat ge- 
nehmigt dieses Programm und bewilligt zur Durch- 
führung desselben einen Beitrag von 400 K. 

Ref. Kubitschek: Oberst von Groller teilt 
mit, daß die Fortsetzung der Grabungen in 
Kastell Albing auf dem diesjährigen Arbeits- 
programme der Limeskommission stehe. Im Vor- 
jahre wurde die porta decumana und ein langer 
Zug der Umfassungsmauer aufgedeckt. 

Ref. DvüfiAK: Konservator SrAUB berichtet, 
daß an der Außenseite der Pfarrkirche zu 
St. Egyden am .Steinfelde Wandmalereien 
aufgedeckt wurden, und zwar an der Ostwand unten 
die Darstellung eines Krebses und die nackten 
Beine eines im Wasser watenden Mannes, weiter 
oben Spuren von Gewandpartien; an der Südwand 
unten Seesterne, darunter mehrere rote Querstreifen, 



dann ein Band mit der Jahreszahl 1557. Die Z. K. 
beschließt, die weitere Bloßlegung der Malerei ein- 
zuleiten. 

Das k. k. Mini.sterium f K. u. U. bewilligt für 
die Restaurierung des Bildes „Das Schweißtuch 
der hl. Veronika" in der Pfarrkirche zu Fürth 
bei Weißenbach a. d. Triesting eine Subvention 
von 115 K. 

Auf Grund einer vom Mitgliede Neuwirth vor- 
genommenen Untersuchung wird folgendes Pro- 
gramm für die Restaurierung der Gertruds- 
kirche in Gars empfohlen: Untersuchung der 
Sprünge an der Nordwand des Pre.sbyterium.s, am 
Triumphbogen, in der rechten Seitenkapelle, in 
den beiden Fenstern und an den Wölbungen der 
Rosenburger Kapelle; Belassung des au.sge- 
brochenen F'ensters an der Epistelseite des Pres- 
byteriums, dessen fehlende Glastafeln zu ergänzen 
und mit einer neuen Verbleiung zu versehen sind; 
Untersuchung des Presbyteriums auf das Vor- 
handensein von Wandmalereien, Befreiung des 
Sakramentshäuschens von der Tünche, Reinigung 
des Gitters. Die Hintergrundsbemalung der Session 
ist unverändert zu belassen, die Wände des Schiffes 
sind auf das Vorhandensein von Wandmalereien 
zu untersuchen. Der Hochaltar soll ohne jede Re- 
staurierung in der Kirche verbleiben. An den 
Kirchenbänken und der Sakristeitür sind losgelöste 
Teile zusichern. Die Grabmale sind von der Tünche 
zu reinigen und gleichwie die Totenschilde auf ihren 
Plätzen zu belassen. An der Mensa des Johannes- 
altares in der Rosenburger Kapelle sind die schad- 
haften Teile auszubessern. Die Verbleiung der Glas- 
malereien an den Fenstern der rechten Seiten- 
kapelle ist auszubessern, teilweise zu erneuern, die 
Malereien selbst sind unberührt zu belassen. Die 
bereits bloßgelegten Malereien im Innern sowie 
der Chri.stoph an der äußeren Nordwand sind 
unverändert zu belassen. Die Nordwand ist zu ent- 
feuchten. 

Konservator Hammerl berichtet, daß an Stelle 
der kunsthistorisch belanglosen K irche in Gastern 
ein Neubau im Zuge sei. Es wurde dem Konser- 
vator zugesichert, daß folgende Ausstattungsstücke 
aus der alten Kirche in dem neu erbauten Gottes- 
hause wieder verwendet werden: eine Glocke von 
1219, eine gotische Holzskulptur aus dem XVI. Jh., 
die hl. Anna und Maria als Kind darstellend, der 



363 



Verhandlungsgegenstände aus der Zeit der Unterbrechung der regelmäßigen Sitzungen 



364 



alte Hochaltar, eine Arbeit des X^'III. oder XIX. Jh., 
dazu das Altarblatt St. Martin von 1830, einige 
Bilderrahmen in Schnitzereides XVII. u. XVIII. Jh., 
ein Kreuzweg von 1840 und ein hölzerner Kirclien- 
luster des XVIU.Jh. 

Die Z. K. beschließt, sich dahin zu verwenden, 
daß in der Pfarrkirche in Kirchberg am Walde 
nur Fenster mit sechseckigen Zellenscheiben nach 
Muster der in der Kirche vorhandenen fünf Fenster 
aus der Erbauungszeit angebracht und das am 
Triumphbogen aufgedeckte Gemälde (Kreuzigungs- 
gruppe) ohne jede weitere Zutat erhalten werde. 

Ref DvoftAK: Korrespondent .Suida berichtet, 
daß man sich dahin geeinigt habe, von weiteren 
Ergänzungen der Deckenbilder des Langhauses 
der Stiftskirche in Klosterneuburg abzusehen 
und die weiteren Arbeiten auf eine Reinigung zu 
beschränken. Der gelbe Ton der Stukkatur wurde 
als die Gesaratentwicklung schädigend erkannt 
und bestimmt, daß eine Tönung und teilweise 
Vergoldung der Stukkatur erst nach sorgfältigen 
Proben weiter vorgenommen werden soll. Die 
Pilaster sollen mit Marmor verkleidet oder in 
Imitation von Marmor getönt, das Gesimse und 
die Kapitale vergoldet werden. 

Weiter berichtet er, daß in der Gertruds- 
kapelle, an der Laibung des Bogens, der vor die 
Apsis gelegt ist, romanische Wandmalereien, etwa 
des XII. — XIII. Jh., zum Vorschein kamen. Zu sehen 
sind zwei Leitern, die Christus (als Halbfigur im 
Scheitelpunkte dargestellt) hält. Auf den Sprossen 
steigen zum Teil sehr gut erhaltene Engel auf 
und nieder. Die Farben sind durch eine Feuers- 
brunst und nach jahrhundertelanger Bedeckung 
durch Mörtel verändert. Ehemals war der Grund 
blau, jetzt schwärzlichgrau. Die Zeichnung ist in 
braunroten Umrißlinien gegeben und entbehrt 
keineswegs einer gewissen Feinheit und Kraft. 
Es liegt die Vermutung nahe, daß die Apsis selbst, 
welche allerdings während der Feuersbrunst ge- 
borsten zu sein scheint, noch weitere Malereien 
enthalte. Spuren von Malereien derselben Zeit 
finden sich noch an den die Orgelbrüstung tra- 
genden Bogen; ein Zusammenhang dieser Farb- 
flecke ist aber nicht mehr zu entziffern. Die Z. K. 
beschließt eine vollständige Bloßlegung der Male- 
reien und sodann deren sachgemäße Behandlung 
anzuregen. 



Ref Hermann : Gegen die Herstellung eines 
neuen Altars in der Gertrudskapelle zu Klo- 
sterneuburg erhebt die Z. K. keine Einwendung. 

Konservator Jordan berichtet, daß an der Ost- 
seite der Burg Laa a. d. Thaya weitgeheilde 
Sicherungsarbeiten vorgenommen wurden, welche 
den- Alterswert des Denkmals beeinträchtigen. Der 
Konservator hat darauf Einfluß genommen, daß 
bei Fortsetzung der Arbeiten in entsprechender 
Weise vorgegangen werde. — Dr. Tietze berichtet, 
daß die im Rundturme dieser Burg befindlichen 
al secco ausgeführten dekorativen Malereien aus 
den Jahren 1840 — 1860 stammen und einen mini- 
malen Kunstwert besitzen. Weiteren Beschädi- 
gungen durch die Besucher seien sie entzogen. 
Eine Restaurierung sei nicht notwendig. 

Ref. Castelliz : Gegen die Restaurierung des 
Kalvarienberges in Maria-Lanzendorf erhebt 
dis Z. K. keine Einwendung, da die in Aussicht 
genommenen Arbeiten sich auf eine Sicherung des 
Objektes beschränken. 

Ref DvoftAK: Dr. Dörxhöffer empfiehlt fol- 
gende Behandlung der ornamentalen Malereien an 
der Decke des Chorbaues der Pfarrkirche zu 
Xeunkirchen: Erhaltung der Polychromierung 
der Schlußsteine und der Dekoration der Gewölbe- 
rippen sowie der Schrift am Triumphbogen unter 
Ergänzung fehlender Teile, soweit sie den Gesamt- 
eindruck stören. Die ruinöse Malerei der Gewölbe- 
felder kann nach Herstellung photographi.scher Auf- 
nahmen durch Tünche ersetzt werden. Die Z. K. 
erklärt sich hiemit einverstanden. 

Rudolf Graf Traun bewilligt für die Bloß- 
legung und Erhaltung der Wandmalereien im 
rechten Seitenschiffe der Pfarrkirche zu Ra- 
pottenstein nach dem von der Z. K. entwickelten 
Programme den erforderlichen Betrag von 350 A'. 

Ref D\ofiÄK teilt mit, daß das bloßgelegte 
Gemälde an dem Triumphbogen in der Pfarr- 
kirche zu Rapottens tein mit der Darstellung 
der Kommunion sub utraque specie wieder über- 
tüncht wurde. Bezüglich der übrigen, unter der 
Tünche verborgenen Wandmalereien wurde die 
Bloßlegung, Fixierung und Ausfüllung der Sprünge 
vereinbart. Das Schiff, in welchem sich die Male- 
reien befinden, soll eine einfache Färbelung er- 
halten, die sich mit dem Grundtone der Fresken 
deckt. Für die Rippen, an welchen Reste Ursprung- 



365 



Verhandlungsgegenstände aus der Zeit der Unterbrechung der regelmäßigen Sitzungen 



366 



lichiT Bemalung" vorhanden .sind, .soll die.se Be- 
malung-, mit Ausnahme der mit Laubwerk ge- 
schmückten Konsolen, wieder hergestellt werden. 

Maler Viektei-ukrüek berichtet, daß die Bloß- 
leyuny und Sicherung der Wandmalereien in der 
Pfarrkirche von Rapottenstein nach den Wei- 
sungen der Z. K. durchgeführt wurde. 

Ref. Castelliz: Gegen die an der Pfarrkirche 
in Scheideldorf beabsichtigten Herstellungen 
(Ausbesserung der Dächer) beschließt die Z. K. 
keine Einwendung zu erheben. 

Ref. Castelliz : Die Z. K. beantragt eine Staats- 
subvention von 4000 K für notwendige Re.staurie- 
rungen an der Kirche in Schönbichel a. d. Donau 
(namentlich an der Apsis und der Peregrini- 
Kapelle). 

Konservator Jord.vx berichtet, daß gegen das 
Abtönen der Wand- und Gewölbeflächen der 
Pfarrkirche zu Stillfried eine Einwendung 
nicht zu erheben, doch die reich ornamentierte 
Seitenkapelle von dieser Behandlung auszuschließen 
und hier vor allem die »Stückarbeiten von der 
Tünche zu befreien und auszubessern wären. 

Ober-Österreich 

Ref. C.ASTELLiz: Die Z. K. entscheidet sich 
gegen das vorgelegte Projekt für die Umgestaltung 
des Turmhelmes der Kapuzinerkirche in Linz. 

Ref SzoMBATHv: Konservator Ubell berichtet 
über einen Depotfund an Bronzen in Aschach 
(vgl. Sp. 2 78fg.). 

Ref. Castelliz: Die Z. K. kann die Skizzen 
für figurale Glasmalereien an der Epistelseite des 
Presbyteriums der Stadtpfarrkirche zu Braunau 
nicht zur Ausführung empfehlen. 

Ref Kubitschek: Die Z. K. befürwortet die 
Gewährung einer Staatssubvention für den Mu- 
sealverein Laureacum in Enns. 

Ref. Schaeffer : Konservator Schiiidel berichtet, 
daß das aus der Pfarrkirche in Enns entfernte 
Gemälde „Der von Gott Vater aufgenommene 
Leichnam des Erlösers, von Engelscharen um- 
geben", auf einem Heuboden verborgen sich fand 
und nunmehr im Dechanteihofe zu Enns aufbe- 
wahrt wird. 

Ref Neuwirth : Konservator Gkeil berichtet, 
daß in der katholischen Pfarrkirche zu Hall- 
statt in den Monaten Mai und Juni 1. J. nach- 

Mittailung^ea der k. k. Zentral-Kommission 1905 



Stehende Arbeiten durchgeführt wurden: das bis- 
herige Pflaster wurde durch ein neues ersetzt, die 
bei dieser Gelegenheit unter den Stufen des Hoch- 
altars gefundene Grabplatte (2*0 X i'5 X 0-15»;) 
aus dem XV. Jh. ohne dekorativen Schmuck mit 
Minuskel.schrift wurde an der Ostseite der Kirchen- 
mauer eingelassen ; die alte Kanzel wurde abge- 
tragen und in die Michaelskapelle überführt, wo- 
selbst sie nach Vollendung der neuen Kanzel zur 
Aufstellung gelangen soll; das unpassende Blech- 
dach über dem Freskogemälde des Hauptportales 
soll entfernt unil durch ein Schutzdach aus Holz 
in den Formen des seinerzeit hier bestandenen 
ersetzt werden. 

Ref Neuwirth hat die ohne Einvernehmen 
mit der Z. K. vorgenommene Restaiirierung der 
Wandmalereien in der Pfarrkirche zu Losen- 
stein besichtigt und erklärt sie für mißglückt; 
die Zartheit der Farben wurde vernichtet, die 
Modellierung der Gestalten mehr als zulässig ge- 
hoben ; die Inschriften sämtlich recht derb aufge- 
frischt, jene auf dem Spruchbande des Engels in 
Sanctus Matthaeus geändert. 

Ref Neuwirth schlägt auf Grund seiner Be- 
sichtigung folgende Herstellungen am Stifte 
Schlierbach vor: Sicherung der Fundamente, 
Ergänzung der Wasserableitungsanlagen, Sicherung 
und Reinigung der Stucchi und Malereien; an der 
Stiftskirche außerdem Fixierung der von dem 
Mauerwerke losgelösten Marmorverkleidung, Xev- 
putzen der Risse und Sprünge, wenn letzteren 
nicht erhebliche Baugebrechen zugrunde liegen ; 
im Kreuzgange sind die Stuckumrahmungen von 
dem gelben Anstriche zu befreien, der Entfeuch- 
tung des Südflügels ist besondere Aufmerksamkeit 
zuzuwenden; im ehetnaligen Refektorium ist außer 
der Reinigung der Stucchi und Malereien noch 
die Abtönung der fehlenden Stellen der letzteren 
sowie die Bloßlegung der übertünchten Bilder vor- 
zunehmen ; die Wiederverwendung des Raumes 
als Refektorium ist besonders zu empfehlen; in 
der Bibliothek ist die Ursache der Senkung zweier 
Gerüstbogen fe.stzustellen ; die Reste der unechten 
Vergoldungeh im Bernhardisaale sind zu entfernen 
und die betreffenden Stellen mit Weißkalktünche 
zu streichen; der spätere blaue und gelbe Anstrich 
einzelner Teile des Stiegenaufganges und der 
Korridore im Prälaturtrakte ist zu beseitigen: in 

26 



3o; 



Verhandlnngsgegenslände aus der Zeit der Unterbrechung der regelmäßigen Sitzungen 



368 



der Sommerabtei ist die Deckenkonstruktion zu 
sichern. Die Z. K. erklärt sich mit dem ent- 
wickelten Programm einverstanden und beschließt, 
die Gewährung einer Staatssubvention in Antrag 
zu bringen. 

Die k. k. o.-ö. Statthalterei teilt mit, daß sie 
die Belassung der barocken Kanzel in der Pfarr- 
kirche zu Sierning verfugt habe. 

Ref. DvoftAK: Konservator Benak berichtet, 
daß aus Kultusrücksichten die Entfernung des 
hölzernen Emporiumbaues in der kunsthistorisch 
belanglosen Pfarrkirche zu Weyregg und der 
Anbau einer Turmhalle beabsichtigt sei. Die Z. K. 
beschließt weitere Erhebungen zu pflegen. 

Salzburg 
Ref Casteluz: Konservator Romstorfer be- 
richtet, daß er sich für die Erneuerung des 
Trottoirs vor der Domfassade in Salzburg 
aus Marmor- oder Granitplatten mit Granitrand- 
steinen ausgesprochen habe. Behufs einer be- 
quemen Durchfahrt durch die sogenannten Bögen 
sollte dieses Trottoir an den Enden stärker abge- 
rundet werden. Die Barrieresteine, welche gegen- 
wärtig, da das Trottoir um oöo m höher liegt, 
nur um 0701» her\-orragen, wären wieder in ihrer 
früheren vollen Höhe von 1-3 ni zu ersetzen. Die 
Z. K. erklärt sich hiemit einverstanden. 

Konservator Rdjistorper berichtet, daß die 
Fassaden des alten Residenzgebäudes am Resi- 
denzplatze in Salzburg restauriert werden. Über 
sein Anraten beschränken sich die Arbeiten auf 
Ausbesserungen des Verputzes, Reinigung des 
.Sockels und Verdichtungen der offenen Stein- 
fugen. 

Ref. Castelliz: Konservator • Romstorfer be- 
richtet über Schäden an den Galerien der soge- 
nannten Sommerreitschule in Salzburg. Eine 
Säule des ersten Geschosses ist ganz zerbrochen, 
im dritten Geschosse ist ein Bogenstein sowie meh- 
rere Parapetsteine mehr oder minder zerbröckelt. 
Die Auswechslung der schadhaften Steine erfolgt 
unter Aufsicht des Konservators. 

KonseiA-ator Romstorfer berichtet, daß am 
sogenannten Trompeterturm der Feste Hohen- 
salzburg, namentlich am balkonartigen mit 
Überdachung versehenen Gange Ausbesserungen 



in Au.ssicht genommen sind, durch welche der 
Charakter des Bauwerkes in keiner Weise Einbuße 
erleiden wird. 

Korrespondent Proschko berichtet, daß bei 
dem 1898 und 1899 ausgeführten Bau der Reichs- 
straßenbrücke über die Salzach aus den Unter- 
lagen der früher dort bestandenen Holzbrücke 
drei Gedenksteine entfernt und in einem Material- 
schuppen zu Hallein aufbewahrt wurden. Zwei 
dieser Steine tragen das bischöfliche Wappen, 
einer mit der Jahreszahl 1533, der zweite mit der 
Jahreszahl 1568 und dem Namen des Erzbischofs 
Johannes Jakobus, der dritte ein Laubsymbol und 
die Inschrift -1533 ist die prükhen gemacht wor- 
den." Der Berichterstatter empfiehlt die Abgabe 
der Steine an ein Museum, womit sich die Z. K. 
einverstanden erklärt. 

Steiermark 
Das steirische Landesarchiv legt ein Exemplar 
der vom Landesausschusse genehmigten »Ordnung 
für das Steiermärkische Landesarchiv- vor. 

Ref Redlich: Korrespondent Mell legt den 
Bericht des Steiermärkischen Landesarchivs 
für das Jahr 1904 vor. Das Archiv erhielt die im 
Halbstocke befindlichen, bisher der Zeichenaka- 
demie zugewiesenen Räumlichkeiten, in welchen 
die bisher in der Archi\'filiale liegenden großen 
Archivmassen untergebracht wurden. Die Ordnungs- 
arbeiten machten bedeutende Fortschritte. Die Be- 
stände wurden durch Schenkungen und Ankäufe 
ansehnlich vermehrt. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
die neue Verglasung der Fenster der Hof- und 
I Domkirche in Graz. 

Ref DvofevK: Konservator Gr-\us berichtet, 
i daß die Restaurierungsarbeiten an der Außenseite 
der Pfarrkirche zu Aflenz ihren befriedigenden 
. Fortgang nehmen. Gelegentlich der Demolierung 
der alten Sakristei kam an der südlichen Außenwand 
desPresbyteriums eine gemalte große Christophfigur 
zum Vorschein, welche bisher durch das Sakristei- 
dach verdeckt, im oberen Teil übertüncht war; da 
sich eine Verlegung der Sakristei nicht durch- 
führen läßt, ist eine vollständige Bloßlegung und 
sichtbare Erhaltung des Gemäldes kaum mit Er- 
folg anzustreben. Die "Z. K. beschließt, sich für die 



36q 



Verhanillungsfjeyciistande aus iler Zeit der Urilcrbrechung der regelmäßigen Silzungen 



370 



sclKinendste Ijehandlung' des Bildes und dessen 
photographiscl^ Aufnahme auszusprechen. 

Ref. C.\st:;i.i,i/: Konservator Gkai s berichtet 
über die in befriedigender Weise durchgeführte 
Kcstaurierung" des Innern der Pfarrkirche zu 
(Taishorn. Die I-.mporbühne wurde zurückgerückt, 
so daß sie, wie ursprünglich, die beiden Schiffs- 
pfeilef freiläßt; die Fenster erhielten die ursprüng- 
lichen Spitzbog-enformen, wurden mit Butzen- 
scheiben verglast, der Raum einfach getüncht. 
Nunmehr wäre eine Restaurierung des Äußern 
notwendig. Dieselbe sollte sich auf folgende Punkte 
erstrecken: i. Anlage eines Entfeuchtungsgraben:; 
längs der Nordmauer ; 2. Ausbesserung des schad- 
haften Verputzes; 3. Ausbesserung der Haustein- 
glieder. Die Z. K. erklärt sich hiemit einver- 
standen. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt, 
daß die Bloßlegungs- und Sicherungsarbeiten der 
romanischen Malereien in der Bischofskapelle 
zu Goeß zur Ausführung gelangen, bewilligt hie- 
für eine Subvention von 570 A' und verfügt, daß 
die Herstellungen unter g-enauer Überwachung 
durch ein wissenschaftliche Organ der Z. K. durch- 
geführt werden. 

Ref. C.ASTELLiz: Konservator Gkaus spricht 
sich für folgende Herstellungen an der Pfarr- 
kirche in Pernegg aus: Sicherung des Dach- 
stuhles und Vervollständigung seiner Belegung; 
Befreiung des Mauerfußes von Humus und Pflanzen- 
wuchs, Regulierung des Ablaufes des Regenwassers 
von Turm und Dach, Herstellung des Verputzes 
der Wände, Ausbesserung der Strebepfeiler, Sockel, 
Fensterhohlbänke und Maßwerke, Herstellung einer 
eisernen Wendeltreppe an Stelle des hölzernen 
baufälligen Zuganges zur Musikempore. Die Z. K. 
erklärt sich hii-mit einverstanden. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. genehmigt 
die Belassung des Notdaches am Pavillon im 
Pfarrgarten zu Radkersburg und bewilligt 
hiefür einen Beitrag von 60 K. 

Ref ScH.MsFFF.u: Konservator Gkaiss berichtet, 
daß sich im .St. Nikolauskirchlein zu Unterort 
ein gemaltes Fenster aus dem Schlüsse des XIII. Jh. 
befinde; das Fenster ist zweiteilig und enthält in 
sechs Kompartimenten in Glasmalerei figurale Dar- 
stellungen. Ein Schutzgitter fehle, die Sicherung 
sei mangelhaft, kleinere Glasteile fehlen bereits. 



Der Konservator beantragt die notwendigen Siche- 
rungsarbeiten. Die Z. K. beschließt, die weiteren 
Schritte einzuleiten. 

Kef. Dniikak: Maler Vucktelhrkgek teilt mit, 
daß an der Außenseite der Kirche St. Peter 
und Paul in Weitenstein bei Cilli sich unter 
der Tünche Malereien befinden, die, nach den 
wenigen sichtbaren Stellen zu .schließen, kaum 
von erheblicherem kunsthistorischen Werte und 
nur mehr in rudimentärem Zustande vorhanden 
sein ilürften. Als erstes Bild von links aus dürfte 
ein C'hristophorus in schreitender Stellung gemalt 
sein; anschließend daran (Mn Epitaphium eines 
Bischofs mit unleserlichem Spruchband; weiter 
nach rechts noch eine Inschrifttafel, endlich ein 
Bild mit mehreren Figuren (etwa eine Geburt 
Christi oder eine Flucht nach Ag-ypten); die Z. K. 
beschließt, von einer Bloßlegung der Malereien 
abzusehen. 

Tirol 

Ref Ni!:i!vvu<.rH: Konservator Arz berichtet, 
daß das Christophbild an der Außenseite der 
Kirche St. Jakol) in Au (Oberau) abgelöst und 
in das Bozener Museum übertragen werden soll, 
da die Kirche aus Kultusrücksichten vergrößert 
werden muß, was eine Zerstörung des Bildes zur 
Folge hätte. Die Z. K. beschließt, hiezu erst dann 
die Zustimmung zu geben, bis nachgewiesen wird, 
daß sich die Frage der Erweiterung der Kirche 
auf keine andere zweckmäßige Weise lösen läßt. 

Ref. Dvoft.vK: Die Z. K. bringt eine Staats- 
subvention für die zum Schutze der Wand- 
malereien an der Kirche S. Feiice in Bono 
notwendigen Sicherungen in Antrag. 

Konservator de Campi berichtet, daß die St. 
Nikolauskirche in Castelfondo von einem 
Brande heimgesucht wurde, welcher den reichen 
barocken Hochaltar zerstörte und die Innenmalereien 
erheblich schädigte. Wejjen Restaurierung der 
letzteren beschließt die Z. K., die weiteren Schritte 
einzuleiten. 

Ref Neuwikiu: Konservator Innerhofer bean- 
tragt die Restaurierung zweier gotischer Altäre 
in der St. Martinskirchc in Göflan und Dach- 
ausbesserungen an der exsekrierten Walburga- 
kirche dortselbst. Die Z. K. beschließt, weitere 
Erhebungen zu pflegten. 

26» 



371 



Jahresbericht des Bukowiner Landesmuseums für 1904 



372 



Die k. k. tirolische Statthalterei teilt mit, daß 
die Erhaltung und Wiederbenützung der Frauen- 
kirche des ehemaligen Armenstiftes in Hall in 
Aussicht genommen sei, was bei dem guten Bau- 
zustande des Gotteshauses nicht unüberwindlichen 
Schwierigkeiten begegnen dürfte. 

Ref. Neuwirth: Konservator Grienbkruek be- 
richtet über die Bloßlegung von Wandmalereien in 
der St. Leonhardskirche bei Kundl. Im Schiffe 
waren' sämtliche Kappen mit verschiedenartigen 
Ornamenten geschmückt, von den Schlußsteinen 
sind nur einige bemalt; an den Rippen waren ledig- 
lich die Fugen markiert. An der linken Seiten- 
wand der beiden letzten Traveen finden sich sze- 
nische Darstellungen; eine Kreuzigungsgruppe, 
darunter eine gleiche Darstellung in kleinerem 
Maßstabe, anscheinend beide Bilder von demselben 
Meister. Die al secco ausgeführte Malerei ist schlecht 
erhalten. Das Bild wird von einem einfachen 
Schuppenband umrahmt; unter demselben ist eine 
Renaissancekartusche mit der Inschrift JOHAN 
ALXINGER PFARER ZV KVNDL, offenbar der 
Xame des Stifters. Das Bild stammt aus der Mitte 
des XVI. Jh. Das zweite Gemälde ist noch nicht 
vollständig bloßgelegt, anscheinend schlechter 
erhalten als das vorgenannte; zu erkennen ist 
Gott Vater, umgeben von einigen Figuren; das 
Bild wird von zwei mit Kränzen umgebenen 
Wappen abgeschlossen. 

Ref. Deininger: Die Z. K. erhebt keinen Ein- 
spruch gegen die Demolierung des baufälligen 
Glockenturmes bei der Kirche in Mellaun. Für 
den Aufbau eines neuen Turmes empfiehlt sie 
jenes Projekt, bei welchem der Turm an der Stirn- 
front der Kirche angebaut werden soll, doch muß 
die Giebelwand der Kirche unverändert bleiben. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für Sicherungen an der Ehrenbergerklause bei 
Reutte eine Subvention von 360 A'. 

Ref. Neuwirth: Über Antrag des Konservators 
IxNERHOFER faßt die Z. K. die Bloßlegung und Be- 
sichtigung der Wandmalereien in der alten Pfarr- 
kirche zu Riffian ins Auge. 

Ref. DvoSAk: Konservator Dannesberger be- 
richtet, daß an der alten Kirche in Sardagna 
Sicherungsarbeiten am Dache, an den Fenstern 
und Ausbesserungen des Verputzes notwendig 



seien, und beantragt eine Subvention von loo Ä" zu 
den auf 500 K veranschlagten Kosjen. Der Antrag 
wird zum Beschlüsse erhoben. 

Konservator M.^zegger berichtet, daß die beim 
Baue der Vintschgau-Bahn in Schlanders ge- 
machten Funde dem Museum Ferdinandeum in 
Innsbruck übergeben wurden. 

Das k. k. Mini.sterium f. K. u. U. bewilligt 
der Pfarrkirche in Storo eine Subvention von 
400 A' für die Anschaffung eines neuen Meßge- 
wandes an .Stelle der dem Diözesanmuseum in 
Trient überlassenen alten Meßgewandgarnitur. 

Die k. k. tirolische Statthalterei erteilt den 
Auftrag, daß die beiden neu ausgebrochenen Fenster 
in dem im ersten Stock gegen den Hof gelegenen 
Mittelsaal der Casa Geremia (jetzt Casa Podetto) 
in Trient wieder geschlossen und hiebei der Ver- 
putz der vermauerten Öffnungen an der Hofseite 
mit aller Sorgfalt in vollkommen gleicher Weise 
wie die übrigen Flächen der Fassade zur Aus- 
führung gelange, damit keinerlei störende Merk- 
male sichtbar bleiben. 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. ordnet die 
Flüssigmachung der zweiten Rate per 500 K der 
für die Restaurierung der Pfarrkirche in Vil- 
lander s bewilligten Staatssubvention an. 



Beilage zu Sp. 354 

J ahresbericht 

des Bukowiner Landesmuseums für 1904 

„Die 13. Hauptversammlung fand am Sonntag den 
25. Juni 1. J. um 5 Uhr nachmittags im Landtagssaale 
unter dem Vorsitze des II. Obmannstellvertreters Uni- 
versitätsprofessors Hofrat Dr. Rich.\rd Przibram, da der 
I. Obmannstellvertreter Ehrenbürgermeister Freiherr Anton 
KocHANowsKi wegen Unpäßlichkeit am Erscheinen ver- 
hindert war, statt. — Vor Beginn der Tagesordnung be- 
grü€^te der Vorsitzende die erschienenen 21 Mitglieder und 
fünf Gäste (darunter drei Damen), insbesondere die beiden 
Ehrenpräsidenten: Landespräsidenten Oktavian Regner 
Ritter v. Bi.eyi.ebex und Se. erzbischöfliche Gnaden den 
hochwürdigsten Metropoliten Dr. \V. v. Repta sowie den 
Bürgermeister Regierungsrat Dr. Eduard Reiss aufs herz- 
lichste. Sodann widmete er den seit der letzten Haupt- 
versammlung gestorbenen Mitgliedern Baron Nikolaus 
Mustatza, Major Josef Hl.auschke, Baurat Ferdinand Neu- 
mann und Oberkommissär Franz Zierhoffer, wobei er das 
Wirken des Erstgenannten im Kuratorium und als grün- 
dendes Mitglied des Museums gebührend hervorhob, tief- 



373 



.Sitzungen vom 6. Oktober 1905 



374 



i-mpfuiidcne Nachrufe, die zum Zeichen iler Trauer von 
den Anwesenden stehend angchiirt wurden. 

/ur Erledigung' der Tagesordnung schreitend las der 
Schriftführer Rittmeister Eucard Fischer das Proto- 
koll der letzten Hauptversammlung sowie die von den 
Herren Fürst Hohkni.ohe, Exzellenz Johann Lui>ui,, Gen- 
darmerieoberst V. Catargi und Regierungsrat Romstokfkr 
eingelangten Antworten auf die ihnen zufolge Beschlusses 
der vorletzten Kuratoriumssitzung für ihre dem Museum 
angediehene werktätige Hilfe eingesandten Dankschreiben, 
rekapitulierte sodann auszugsweise den bereits in den 
Händen der Mitglieder befindlichen gedruckten Rechen- 
schaftsbericht und schenkte bei dieser Gelegenheit den Be- 
hörden und Instituten (Ministerium f. K. u. U., Bukowiner 
Landtag und Bukowiner Sparkasse), die das Gedeihen des 
Landesmuseums durch Gewährung von wiederkehrenden 
Subventionen unterstützten, an erster Stelle vollste Be- 
achtung. — Die Sammlungen, führt der Schriftführer aus, 
sind durch Spenden und Geschenke, namentlich der Herren 
Baron Nikolaus Mustatza, Regierungsrat Romstokkkr, Bau- 
rat IssiiczusKLi., Exzellenz Lupci., Exzellenz Graf Wii.czek 
in Kreuzenstein, M. L'^nowar in Kairo, Hekm.\nn Lescz in 
Limassol (Gypern) u. v. a. sowie durch Erwerbungen be- 
reichert worden; er hebt die sehr interessanten prä- 
historischen Funde, welche auf dem Gute Szipenitz unter 
persönlicher Leitung des Besitzers Emaxuki. Ritter v. Kdstin 
zutage gefördert und den Museumssammlungen zugewendet 
wurden, hervor und bringt das Zustandekommen einer voll- 
ständigen Siegelsammlung sämtlicher Behörden, Ämter, 
Vereine usw. sowie die durch das Entgegenkommen der 
k. k. Güterdirektion und des Landesgendarmeriekommandos 
im Entstehen begriffene Sammlung aller in der Bukowina 
vorkommenden Holzarten zur Kenntnis. — Fortfahrend 
bespricht er die Unterbringung der Museumssammlungen 
im neu zu erbauenden Landhause, hiebei dem Obmanne 
des Landesmuseums, Landeshauptmann Georg' Freiherrn 
VON Wassii.ko-Serecki, für die von ihm in dieser Hinsicht 
an den Tag gelegte wohlwollende und tatkräftige Unter- 
stützung den besten Dank zollend. — Um die Sammlungen 
für die Wissenschaft allgemein zugänglich zu machen, 
bemerkt der Schriftführer, ist seitens der Museumsleitung 
ihre Ordnung und Neuinventarisierung veranlaßt und bei 
einzelnen Gruppen dieser Sammlungen bereits begonnen 
worden. — Hinsichtlich des Schriftentausches, welchen 
das Museum gegenwärtig mit 28 Anstalten pflegt, sind 
durch Vermittlung des früheren Schriftführers Regierungs- 
rat Romstorfer das Kaiser Friedrichmuseum in Görlitz 
und das Kunst- und Altertumsmuseum in Teplitz im Be- 
richtsjahre neu hinzugetreten. Sodann kommt er auf die 
Rechnungslage, die von den beiden Rechnungsrevisoren 
Konsistorialrat Dionvs Ritter v. Bejan und Professor Adai- 
BERT NiKui.icz geprüft und richtig befunden worden sind, 
zu sprechen, weist den Vermögensstand des Baufonds, der 
sich nebst einem Baugrunde auf ca. 40.000 K stellt, ziffer- 
mäßig nach und bringt vor, daß auf Grund der wieder- 
holt von unserem Mitgliede Advokaten Dr. Max Goi r>EX- 
BERo verfaßten Rekurse dem Landesmuseum seitens des 



k. k. Finanzministeriums die Befreiung vom Gebühren- 
üc|uivalente für das laufende Dezennium zuerkannt wurde. 
— Für die Mühewaltung und das Entgegenkommen wird 
dem letztgenannten Herrn von der Versammlung der Dank 
einstimmig ausgesprochen. Nachdem dieser ausführlich 
und erschöpfend gehaltene Bericht zur allgemein befriedi- 
genden Kenntnis genommen, wurde dem Schriftführer 
Rittmeister Fischer einstimmig der von Bravorufen be- 
gleitete Dank der Versammlung ausgesprochen und der- 
selbe vom Vorsitzenden ersucht, dies ins Sitzungsprotokoll 
aufzunehmen. Der Punkt 3 der Tagesordnung, Änderung 
der Satzungen, wird wegen Beschlußunfähigkeit nicht in 
Verhandlung gezogen. — Nunmehr hielt Universitäts- 
bibliothekar Dr. Johann Poi.ek den angesetzten Vortrag: 
„Die Zigeuner in der Bukowina". Mit gespanntester Auf- 
merksamkeit folgten die Zuhörer den sehr interessanten 
Ausführungen des Vortragenden, der reichlichen Beifall 
und den Dank des Vorsitzenden namens der Versammlung 
erntete. — Mit einem herzlichen Danke an die Erschiene- 
nen schlofj nun der Vorsitzende Hofrat Richard Przibram die 
Versammlung. 

In der unmittellar vor der Hauptversammlung statt- 
gefundenen 15. Kuratoriumssitzung wurden die erschienenen 
neu hinzugetretenen Kuratoriumsmitglieder Bürgermeister 
Regierungsrat Dr. Eull-^rd Reiss und Gj'mnasialdirektor 
KoRNRi. KiizAK vom Vorsitzenden wärmstens begrüßt und 
nach Erledigung des allgemeinen Teiles der Tagesordnung 
die Wahl des Kustos für die kunsthistorische Sammlung 
an Stelle des Regierungsrates Rom.storfer vorgenommen, 
die Wahl des Prof. Dr. Wladimir Milkowicz hiefür ein- 
stimmig beschlossen und die Museumsleitung ermächtigt, 
wegen Bestellung eines Präparators für die naturhistorische 
Sammlung geeignete Schritte zu veranlassen. - 



Sitzungsberichte 

(vom Schriftführer verfaßt) 

Sitzungen vom 6. Oktober 1905 (6. Sitzung des 
.Plenums, 6. Sitzung- I. Sektion, 15. Sitzung 
IL Sektion). 

Anwesend: der Präsident (Vorsitzender). — 
Mitglieder: Castelliz,- Hermann, Kubitschek, 
MucH, Neumann, Redlich, Reisch. — Konser- 
vator SzoMBATHY. — Korrespondent v. Ot- 
tenthai.. — Schriftführer: Bauer. 

Böhmen 
Ref. Dvoft.uc: Konservator Herain berichtet 
über Funde bei den Kanalisierungsarbeiten in 
Prag: 



375 



biuun^f- 



1905 



376 



1. Im expropriierten Teile des Judenfried- 
hofes fand man in einer Tiefe von i ' ,> jh israe- 
litische Leichensteine und menschliche Knochen, 
in einer Tiefe von 3 — 4 iii hie und da wieder 
Grabsteine, im ganzen mehr als 1400; von den 
Grabsteinen stammten die ältesten aus spätgotischer 
Zeit, Ende des XV. und Anfang des XVL Jh. 

2. Bei der Kanalisierung in der Kreuzherren- 
gasse stieß man nahe am Brückenplatz vor dem Tor 
in das Klementinum in einer Tiefe von 4-5 ;;; 
auf ein ziemlich abgenutztes, ansteigende.s, sich 
rechts gegen die Südseite der Kreuzherrenkirche 
wendendes Stral3enpflaster, die Rampe der im 
Jahre 1342 eingestürzten Judithbrücke; bei Gra- 
bungen unter der Kreuzherrenkirche gegen den 
Brückenplatz fand man abermals ein ansteigendes 
Pflaster, darüber vier steinerne, zu einem gotischen 
profilierten, aus der ersten Kreuzherrenkirche 
stammenden Portale führende, stark ausgetretene 
Stufen; weitere Versuchsgrabungen ergaben, daß 
in dem Garten hinter dem Karlsmonumente vor 
den Fenstern der Südseite des Ivreuzherrenklosters 
in einer Tiefe von nicht ganz i iii sich ebenfalls 
ein Pflaster befindet. Der östliche Teil des Pflasters 
hatte eine Neigung gegen das oberwähnte Portal 
und die niedriger liegende Rampe; viele Steine 
waren mit eisernen Nägeln mit breiten Köpfen 
befestigt; das untere Geschoß des turmartigen 
Risalits an der südwestlichen Ecke des Kreuz- 
herrenklosters hat Gewände aus Sandsteinquadern, 
die eine Profilierung vom Brückentor der Judith- 
brücke zeigften; an den Ecken sind Spuren von 
Feuer nachzuweisen. 

Am Brückenplatz, sehr nahe vor den beiden 
Schwibbogen in die ehemalige Postgasse, stieß 
man gleich unter dem Straßenpflaster auf außen 
und innen glatt verputzte Mauerreste eines Wohn- 
hauses, in einer Tiefe von 3 — 5 111 auf ein einen 
Keller überspannendes Gewölbe. 

Bei der Kanalisation südlich vom Schwib- 
bogen beim Königsbade und vor den Brücken- 
mühlen stieß man in der ganzen Länge, 3 — 4 in 
von der Fassade der jetzigen Häuser entfernt, auf 
rio in starke Grundmauern. 

3. Bei Durchgrabung der Schotterschichte vor 
der Kapelle des Altstädter Rathauses fand 
man schwarzen Schlamm gemengt mit Knochen 
von Hunden und unter dem feinsten Schlamm 



Sand; sonst war überall in großen Tiefen feiner 
Kiessand; es dürfte sich hier ein kleiner Teich 
befunden haben. 

4. An der Ausmündung vom Bergstein in 
die Ferdinandsstraße stieß man auf eine Mauer, 
dann auf kalkartigen Schotter und schwarze Erde 
von 45 m Breite, dann auf einen rein bearbeiteten 
steinernen Pfeiler aus Sandsteinquadern 3-03 iit 
breit, dann wieder auf 4-5 in breite kalkartige An- 
schüttung, dann endlich wieder auf eine Mauer, 
hinter der die Sandschichte begann. Es sind dies 
die Fundamente des Altstädter .Stadttores am 
Bergstein (Zderaser Tor). 

5 Bei der Kanalisierung durch die Zeltner- 
gasse stieß man an der Ostseite des Pulver- 
turmes auf eine niedrige Anschüttung und dann 
auf ein halbkreisförmiges Steingewölbe, mit 
einer Spannweite von 4-30 ;;/, im Lichten zirka 
4 III tief (Reste der alten Brückel 

6. In der Altstadt konnten weitere Reste 
der Stadtmauern und Wallgräben festgestellt 
werden. Die Tiefe des W^allgrabens variiert zwi- 
schen 7-5 und g 111; hie und da war der Graben, 
wo er Schmutzwasser führte, mit Bruchstein in 
Mörtel gepflastert; im Graben fand man Bruch- 
stücke von gotischen Kachelöfen oder von gla- 
sierten aus der Renaissancezeit, Münzen u. dgl. 

Ref. DvoSAk: Bürgerschullehrer Ma^at legt 
einen den Philosophen Thomas Stitny ze 
Stitnehö behandelnden Aufsatz vor. 

Ref. Nelmann: Korrespondent Axkert legt 
einen Aufsatz über die Marmorierer- Familie 
Hennevogel vor. 

Ref. Dvoß.\K berichtet über die Untersuchung 
der romanischen Wandmalereien in der Kle- 
menskirche zu Altbunzlau. Die bemalten Wände 
sind in drei Zonen geteilt, die unterste 3'5 in hoch, 
die mittlere bis zu den Fenstern, die oberste bis 
zur Decke reichend. Die Zonen sind durch orna- 
mentale Streifen getrennt, welche zum Teil aus 
einfachen Linien und Halbkreisen bestehen, zum 
Teil als ein Mäanderornament durchgeführt sind. 
I. In der untersten Zone finden sich nebst Spuren 
vun gemalton Teppichen, die bis an den Boden 
reichen, in der Apsis zwei schwer kenntliche 
Szenen, die eine einen Reiterkampf darstellend, 
auf der Nord-. Süd- und- Westwand stehende, in 



377 



Sitzungen vom 6. Oktober 1905 



378 



einer kreislörmigen Umrahmung untergebrachte 
weibliche Heiligenfiguren in Orantenstellung, davon 
zwei gut erhalten. 3. In der zweiten Zone in der 
Apsis stehende Heiligenfiguren, auf der Südwand 
drei Bilder mit Darstellungen aus der Legende 
des hl. Klemens. 3. In der obersten Zone Spuren 
von stehenden Heiligen, deren obere Teile durch 
das neue Gewölbe zerstört sind. Die Malereien 
dürften der zweiten Hälfte des XL Jh. entstammen 
und verraten den Einfluß römischer Kunst. Referent 
beantragt vollständige BloiJlegung der Malereien 
und ihre Fixierung unter Vermeidung jedweder 
Ergänzung. Die Z. K. beschließt, die weiteren 
Schritte einzuleiten. 

Ref. Neumann: Korrespondent Fischer legt 
zwei Aufsätze vor: „Franz Zacharias Edler von 
Römisch" und „eine Wappenscheibe aus dem 
Jahre 1606 im Gablonzer Stadtmuseum''. 

Ref. Neujianx: Konservator ZAklasnik bean- 
tragt Dachausbesserungen und Re.staurierungen 
im Innern der Kapelle Klokocka bei Bakow. 
Die Z. K. beschließt, die weiteren Schritte ein- 
zuleiten. 

Ref. Neumaxx: Korrespondent DiviS beantragt, 
daß am St. Anna-Friedhofe in Landskron ver- 
streut umherliegende Grabsteine aus dem Ende 
des XVIII. und dem beginnenden XIX. Jh. an 
der Friedhofsmauer aufgestellt werden. Die Z. K. 
wird sich im Sinne dieses Antrages verwenden. 

Ref. Dvoä.vk: Gegen die Herstellung des wegen 
Baufälligkeit abgetragenen barocken Portals bei 
der Kirche in Libcan in der alten Form erhebt 
die Z. K. keine Einwendung. 

Ref Neumaxx: Korrespondent Ankekt berich- 
tet, daß in Schaßlowitz bei Leipa im Juni 1. J. 
ein Kreuzstein aus feinkörnigem harten Quarzit 
gefunden wurde, der 1-5 111 lang, 0-5 in breit, unten 
o"25 m, oben 0'32 m dick ist, und auf jeder Seite 
ein Kreuz trägt, dessen Querbalken und Stamm 
auf der einen Seite kleinere Kreuze entwachsen. 
Der Stein soll in der Nähe seines früheren Stand- 
ortes aufgestellt werden. 

Ref Neumann: Korrespondent Divifi empfiehlt 
die Übertragung der im „Schlößchen" zu Semin 
a. d. Elbe befindlichen Glocke in das Museum 
zu Pardubitz oder zu Pfelouc. Die Z. K. erklärt 
sich hiemit einverstanden. 



Dalmatien 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. genehmigt 
das Projekt für die Restaurierungen an der der- 
zeit Musealzwecken dienenden Kirche S. Donato 
in Zara mit dem Kostenaufwande von 3200 A', 
welcher vorschußweise aus Staatsmitteln bestritten 
werden kann. 

Ref Rej)Lich: Konservator BuliC berichtet, 
daß die der Stadtgemeinde Traii gehörigen Do- 
kumente aus dem gräfl. FAXEOGNAschen Archive 
ausgeschieden und der Gemeinde zurückgestellt 
wurden. 

Galizien 

Ref Much: Korrespondent Chizzola legt eine 
Photographie des bei Nowoszyce im Flußbette 
der Bystrzyce gefundenen Steinhammers vor. 

Kärnten 

Ref Herjiaxx: Die Z. K. beschließt, gegen 
die an der Domkirche in Klagenfurt (Plafond, 
Altäre und andere Einrichtungsgegenstände) in 
Aussicht genommenen Sicherungen keine Ein- 
wendung- zu erheben und die hiefür in Antrag 
gebrachte Subvention von 1600 A' zu befür- 
worten. 

Die Baudirektion der Südbahn teilt mit, daß . 
bei Gelegenheit von Schottergewinnung für den 
Bau der Ausweiche Rücker sdorf im km 10176 
der Linie Marburg — Franzensfeste rechts von der 
Bahn in einer Tiefe von 3-5 m unter dem Terrain 
Reste menschlicher Knochen und ein gut erhal- 
tenes krugförmiges Tongefäß gefunden wurden. 
Die Z. K. beschließt, weitere Erhebungen zu pflegen. 

Krain 

Das k. k. Ministerium f. K. u. U. bewilligt 
für die Restaurierung der Wandmalereien in 
der Filialkirche zu Scheraunitz nach dem von 
der Z. K. entwickelten Programme eine Subven- 
tion von goo K. 

Küstenland 

Kon.servator Graf Atte.ms berichtet über die 
bevor.stehende Erweiterung' der Wallfahrtskirche 
in Barbana, bei der die im Jahre 1863 erbaute, 
belanglose Vorhalle demoliert wird. 

Ref. Neumann: Der Pfarrer von Dignano über- 
mittelt ein Verzeichnis der bei der Pfarrkirche 



379 



Sitzungen vom 6. Oktober 1905 



380 



aufbewahrten kunsthistorischen Objekte und 
macht Vorschläge für die künftige Unterbringung 
der gegenwärtig mangelhaft verwahrten Stücke. 
Die Z. K. beschließt, weitere Erhebungen zu pflegen. 
Ref. Neumann: Die Z. K. erklärt sich mit der 
beabsichtigten Gründung eines Museums in 
Veglia unter den in Vorschlag gebrachten Moda- 
litäten einverstanden. 

Mähren 

Ref DvoSak: Die Z. K. befürwortet eine 
Staatssubvention für die Adaptierung des städti- 
schen Rathauses in Proßnitz zu Museal- 
zwecken nach dem von ihr vorgeschlagenen 
Programme. 

Ref Zliiblsch: Konservator Rosm.vel legt 
Photographien der beiden Heiligenfiguren auf der 
Becvabrücke in Wal.-Meseritsch vor. 

Nieder-Österreich 

Ref Castelliz: Die Z. K. beschließt, sich neuer- 
lich für die an den Stadtmauern in Dürnstein 
notwendigen Sicherungen zu verwenden. 

Ref. Nel^lann: Korrespondent Riedi.ing be- 
richtet, daß ein vom Mauerschwamm zerstörter 
barocker Holzstuhl in der Pfarrkirche zu Eibes- 
tal entfernt und durch einen neuen, dem alten 
nachgebildeten, ersetzt wurde. 

Ref Dvorak: Konservator Ker.schbalmek be- 
richtet, daß sich an den Rippen der Ursula- 
kapelle im Dechanteihofe zu Krems Spuren 
von Wandmalereien zeigten. 

Konservator Jokdax berichtet, daß das Dach 
der Filialkirche in Magersdorf in Stand ge- 
setzt wurde imd nunmehr der defekte Turm neu 
hergestellt werden soll; dabei werde man auf die 
hieramts geäußerten Wünsche Bedacht nehmen. 

Ref. C-ASTELLiz beantragt di;e Neufundamen- 
tierung und Reinigung der Mariensäule vor der 
Klosterkirche in Maria Lanzendorf. Die Z. K. 
beschließt, die weiteren Schritte einzuleiten. 

Ref KuBiTscHEK : Militär-Ober-Bauingenieur 
RuKAWLXA macht Alitteilung über Spuren einer 
römischen Niederlassung, die er zirka 50 
Schritte unterhalb des sogenannten Sprudelbrun- 
nens auf dem vom Anningerhause nach Gaaden 
führenden Waldwege aufgedeckt hat. Schon in ge- 
geringer Tiefe unter der Humusschichte wurden 
über einer Brandschichte gelagert beträchtliche 



Mengen von altem Bauschutt konstatiert, welcher 
aus Mörtel, Bruchsteinen und zahlreichen Ziegel- 
trümmem (flache Dachziegel, Ziegelplatten, Hohl- 
ziegel usw.) römischer Provenienz bestand. Stempel 
waren ebensowenig nachzuweisen wie Münzen oder 
Gefaßscherben. — Wird zur vorläufigen Kenntnis 
genommen. 

Ref. C.\sTELLiz : Korrespondent Pichler be- 
richtet, daß die malerische Wirkung der St. Anna- 
kirche inPöggstall dadurch beeinträchtigt wird, 
daß in die verwitterten Außenmauern moderne 
nüchterne Grabmale eingefügt werden. Die Z. K. 
beschließt, sich um Abstellung dieses Vorganges 
zu bemühen. 

Ref. McrcH : Sattler Kuderm.atsch berichtet über 
Funde jüngster Zeit in Poisdorf und Umgebung, 
die zum größten Teile in seine Sammlung kamen. 
Es wurden gefunden: Auf den oberen Ließäckern 
in Poisdorf ein lichtgrünes, schön poliertes Stein- 
beil, 0-I2 m lang, 0051« breit, 0035 m dick, sehr 
gut erhalten: in den Fuchsenbergen ein schwarzer 
Schaber; in Poisdorf eine silberne Medaille zu 
einer Hundertjahrfeier, 1545 geprägt; zwischen der 
Jahreszahl ist das Münzzeichen C und noch ein un- 
kenntlicher Buchstabe; auf der einen Seite ist die 
Geburt Christi, auf der anderen die Opfening Jesu 
im Tempel dargestellt; ferner in Poisdorf ein 
24 Kronen-Stück des Jahres 1620 von Friedrich 
von der Pfalz; in Klein-Hadersdorf-Steinl- 
bergen südlich der Station Klein-Hadersdorf in 
einer als Kiesgrube benutzten Halde ein mensch- 
liches Skelett sitzend, mit ausgestreckten Füßen, 
unweit des Kopfes ein zirka 0-04 wz langer drei- 
kantiger Feuersteinspan, zu Füßen ein schüssei- 
förmiges Gefäß, in demselben eine gut erhaltene, 
kleine krugförmige Urne ; an der Straße von 
Klein-Hadersdorf nach Poisdorf in einer Kies- 
grube eine bauchige Urne mit Wolfszahnornament 
verziert, die Linien mit weißer Masse ausgefüllt, 
o'2im hoch, o'22 in breit; in einer Sandgrube in 
der Nähe von Klein-Hadersdorf ein 019 111 
langes Stück eines Mastodon-Stoßzahnes nebst 
mehreren kleinen .Stücken und einen grünlich- 
grauen OTi tu langen Stein meißel; in der Ziegelei 
zu Ehrnsdorf bei -Staatz unter dem zur Ziegel- 
bereitung verwendeten Lehm in einer schwarzen 
Erdschichte der Zahn eines Pferdes nebst einem 
Urnenrest; auf dem Pfaffenberge bei Wen- 



38i 



Sitzungen vom 6. Oktober 1905 



38: 



zersdorf ein schwarzer, g"eglätteter Schlag- 
stein; in Stroneg-g aus den zu landwirtschaft- 
lichen Zwecken verwendeten Erdwerken Gefäf3- 
reste, einen glatten Bronzering und einen ver- 
zierten Zinnring mit grüner Platte: in der Ziegelei 
zu Wetzeisdorf Stücke von Schenkelknochen 
des Elephas primigenius; in Falkenstein ein 
schwarz polierter Mei(3el; in der Kiesgrube am 
Fui3e des Tumulus in -Bullersdorf a. Zaya ein 
menschliches, stark zerfallenes Skelett mit dicken 
(iefaßfragmenten als Beigaben; in Zlabern ein 
schwarz polierter ungelochter Steinhammer und 
ein I ;« langer gerader primitiv gearbeiteter Degen, 
ein Griff mit o'S in breitem Blatte, zur Spitze 
sich bis 0'02 in verjüngend ; die Blutrinne geht 
beiderseits in der Mitte der Klinge von der Spitze 
bis zum Griff; auf dem Taferlberge bei Klent- 
nitz (Mähren) auf eineni von Nagetieren ausge- 
worfenen Erdhaufen, nebst gespaltenen Knochen 
und Getäßfragmenten, ein halber menschlicher 
Unterkiefer und eine Bronzenadel, 013 ni lang, 
am dicken Ort geringelt. Ferner berichtet er über 
eine Steinsäule bei einem Teiche in Wetzels- 
dorf gegen Poisdorf zu, welche nach den bei Aus- 
trocknung des Teiches zahlreich zutage tretenden 
Skeletten (zum Teile noch mit Gewandresten ver- 
sehen) von einem Pestfriedhofe herrühren dürfte. 
Er beantragt, daß die Säule untermauert und die 
herabgefallene Kreuzblume wieder angebracht 
werde. Die Z. K. beschließt, weitere Schritte ein- 
zuleiten. 

Ref. Neum.^nn : Korrespondent Sch.mögkk be- 
richtet, daß das Portal, die Bogen und die Rippen 
der Filialkirche in Rems von der Tünche be- 
freit, der schadhafte äußerste der drei steinernen 
Bogen gesichert und ein Sprung im Mauerwerk 
mit Schließen verwahrt wurde. Eine in der Vor- 
halle eing-emauerte (romanische?) Steinfigur sowie 
gotische Schnitzereien des Altars wurden leider 
veräußert. 

Ref. Castu.liz ; Korrespondent Pichi.kk be- 
richtet, daß die vor kurzem im Innern unglücklich 
restaurierte Filialkirche in Schwallenbach 
neuerlich verunstaltet wurde, indem man bei dem 
steinernen Turmhelm die frühere hübsche Stein- 
patina durch einen blaugrauen Anstrich zerstörte. 

Ref. Nf.um.vnk : J. B. Bunker legt die Beschrei- 
bungeiner in Wiener-Neustadt gegossenen, aus dem 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission 1905 



Jahre i537. stammenden, gegenwärtig in der 
Pfarrkirche zu Pinka fei d (Eisenburger Komitat) 
befindlichen Glocke vor. 

Ober-Österreich 

Ref. Redlich : Konservator Kr.vckowizek be- 
richtet, daß die wertvollen Bestände des Stadt- 
archives in Freistadt in entsprechenden Räum- 
lichkeiten untergebracht sind und dank der aner- 
kennenswerten Opferwilligkeit der Stadtgemeinde 
in musterhafter Weise geordnet wurden. 

Ref. Neumann : Konservator Schmidel berichtet 
über die Untersuchung der Schäden an den Go- 
belins in der Stiftskirche zu Garsten. 

Ref. Redlich : Konservator Krackowizer be- 
richtet, daß es den Bemühungen des Landesarchi- 
vars Dr. Franz Zibermavr gelungen sei, die Über- 
gabe des im Schlosse Mondsee verwahrten ehe- 
maligen Stiftsarchives an das o.-ö. Landesarchiv 
unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes durchzu- 
setzen. 

Salzburg 

Konservator Petter beantragt, daß der am 
Domplatze in Salzburg gefundene Mosaikboden 
einstweilen gegen Witterungseinflüsse u. dgl. ver- 
wahrt, im nächsten Frühjahre aber gehoben werde 
und im städtischen Museum zur Aufstellung ge- 
lange. Die Z. K. erklärt sich hiemit einver.standen 
und beschließt, die weiteren Schritte einzuleiten. 

Schlesien 

Ref. DvoftAK: Konservator RosmaEl legt eine 
Beschreibung der St. Annakirche bei Engels- 
berg vor. 

Steiermark 

Ref. Hkr.mann : Gegen die Flüssigmachung 
der für die Restaurierung der Pfarrkirche in 
Leibnitz bewilligten Staatssubvention beschließt 
die Z. K., keine Einwendung zu erheben. 

Ref. Luschin : Konservator Riedl berichtet, daß 
im Grunde des Anton 2ii>LAR in Lichtenwald in 
1-5 in Tiefe ein Topf mit zirka looo Silber- 
münzen im Gewichte von nahezu i kg gefunden 
wurde. Die Münzen gehören der ersten Hälfte des 
XVL Jh. an, stammen größtenteils aus den öster- 
reichischen Alpenländern (nebst einigen aus Baiern 
und Sachsen) und waren offenbar ein Depot, welches 

27 



383 



Bericht über die Verhandlangen des sechsten l.iges für Dcnknulpllege in Bnmherg i2l. his ij. Septemben 



384 



während der Bauernunruhen oder der Türkeneia- 
fälle vergraben wurde. 

Ref. Ldschlv: Mit den an der Burgruine Ober- 
Cilli in Aussicht genommenen Sicherungsar- 
beiten erklärt sich die Z. K. einverstanden. 

Tirol 

Ref. NEL-iWNN : Konservator Daxnesbekükk be- 
richtet über die Ausstellung christlicher Denk- 
mäler in Trient. In der Abteilung der Wand- 
teppiche wären hervorzuheben die im Diözesan- 
museum verwahrten sieben flandrischen Teppiche 
des Pieter van Aelst aus Brüssel ; in der Abteilung 
der Wandgemälde die Werke des angeblich aus 
Trient stammenden Malers Hieronymus aus der 
Wende des XV. zum XVI. Jh.: dann die Werke 
der Maler der Fleimser-Schule (Giovanelli. Michel- 
angelo und Franz Unterberger) ; in der Abteilung 
der Skulpturen der gotische Flügelaltar von 
TassuUo ; unter den Missalen fällt ein Lectionarium 
mit dem Bildnisse des Bischofs Vanga (XIII. Jh.) 
in Niello auf; unter den Kirchengeräten sind hoch- 
interessante Stücke zu finden, darunter ein im 
Diözesanmuseum aufbewahrtes Elfenbeinkästchen 
aus dem XL oder Xu. Jh. mit persischen Schrift- 
zeichen, ferner eine Reihe von Ostensorien, Am- 
peln u. a. ; unter den alten Kirchengewändern waren 
auch manche hervorragende Stücke zu finden. Der 
Konservator bezeichnet die Veranstaltung als durch- 
aus gelungen. 

Ref. XEniANX : Konservator de Campi legt 
seine Broschüre: Arredi di sacri ricami della Catte- 
drale di Trento vor. 



Bericht 

über die Verhandlungen des sechsten Tages für 
Denkmalpflege in Bamberg (21. bis 25. September). 

Für die Verhandlungen des sechsten Tages 
für Denkmalpflege in Bamberg, dessen Protektorat 
Se. königliche Hoheit Prinz Ripprecht von Bayern 
übernommen hatte, waren der 22. und 23. Sep- 
tember 1905 angesetzt. Die am 23. September 
ausgegebene Teilnehmerliste verzeichnet 227 Teil- 
nehmer. 

Die Reihe der Vorträge eröffnete Konservator 
Dr. Hager aus München mit seinen geistreichen 
Darlegungen über „Denkmalpflege und moderne 



Kun.st". Er hob hervor, daß wir die Stildissonanzen 
an alten Bauten ruhig hinnehmen, weil sie alt sind, 
daß wir aber der Gegenwart die gleiche Berechti- 
gung nicht zugestehen wollen. Was für Instand- 
setzungen im XVII. oder XVIII.Jh. erlaubt erscheint, 
soll uns nicht mehr erlaubt sein. Der Reiz des 
Alten hat es uns hauptsächlich angetan. Beschränken 
wir uns: nur w^enig, aber gut herzustellen und lehnen 
wir entschiedenst die unglückliche Heranziehung 
von Kunstanstalten für die Gesamtrestaurierung 
eines Werkes ab. Denn nur ein zwecksicheres Zu- 
sammenarbeiten solcher Anstalten und tüchtiger 
Künstler vermag Gedeihliches zu schaffen. Der 
Denkmalpfleger müsse neben dem Sinne für das Alte 
auch die Empfindung für das Xeue haben und nach 
Möglichkeit der modernen Kunst die Bahn ebnen 
helfen. Desgleichen sollten die Bauherren Sinn da- 
für haben. Werke in neuem Stile zu schaffen. Ein 
Rückblick auf die Entwicklung der Kunst in den 
verschiedenen Epochen lehre, daß man bei den 
alten Kirchen das Schönste, auf dessen Schaffung 
man abzielte, immer im Xeuesten fand. 

Zu dieser prinzipiell wichtigen Frage bemerkte 
Professor Dr. Dehio (Straßburg), daß die Imitations- 
kun.st überall dort, wo es sich um unbedingt not- 
wendige Ergänzungen handelt, werde zum Worte 
kommen können; wo aber ein mehr selbständiger 
Teil entstünde, müsse wohl im Sinne der Hager- 
schen Anregungen vorgegangen werden. Gelingen 
oder Mißlingen des Zusammenstimmens hänge nicht 
von der Stilfrage ab; denn wenn das neue Werk 
sich den einheitlichen Gesamtforderungen des 
Kunstwerkes anzupassen verstehe, werde Harmonie 
erreicht. Was früheren Zeiten gelungen ist, muß 
uns heute nicht mißlingen. Hüten wir uns aus 
diesen Anschauungen ein bestimmtes Schema zu 
konstruieren: bei jeder Sache soll der Künstler 
frei schaffen. Er soll w^eder durch Altertümlichkeit 
noch durch Modernität beschränkt werden; seine 
Leistung möge nur gut sein. Zwischen Denkmal- 
pflege und modemer Kunst besteht kein innerer 
Gegensatz. 

Auch Professor Clemex (Bonn) tritt dafür ein, 

daß es sich nicht darum handeln soll, ob die Kunst 

an den Denkmälern alt oder neu. sondern ob sie 

j überhaupt Kunst sei, gut oder schlecht. Es kommt 

nicht darauf an, in die Kirchen auch moderne 

; Kunst einzulassen, sondern in denselben wirklich 



385 



Bericht über die Verhandlungen des sechsten Tages für Denkmalpflege in Bamberg (21. bis 25. September) 



386 



wahre, große und echte Kunst tV)rt\virkon zu 
lassen. 

Die Verhandlung wurde leider geschlossen, 
ohne dai3 die praktischen Folgerungen aus Vor- 
trag und Diskussion in Form einer Resolution ge- 
zogen wurden. 

Geh. Hofrat Prof. Dr. \()n Okchiclhakuskk 
(Karlsruhe) berichtete nunmehr über den Fortgang 
der Arbeiten für das Handbuch der deutschen 
Kunstdenkmäler, dessen ersten Band Prof. Dehio 
soeben vollendet hat. Derselbe umfaßt einen Teil 
des sächsischen und fränkischen Denkmälerbe- 
standes in knapper Beschreibung. Seine Fertig- 
stellung- bedeutet die Verwirklichung eines wissen- 
schaftlichen Unternehmens, welches der Tag für 
Denkmalpflege von allem Anbeginne zielbewußt 
im Auge behielt. 

Konservator Prof. Woi.i'F (Straßburg) erläuterte 
das Programm der Straßburger Ausstellung der 
Denkmalpflege im Elsaß, die vom 24. September 
bis 5. November in den Räumen des ,.Alten 
Schlosses" zu Straßburg zugänglich war. Sie umfaßt 
drei Gruppen: i. wissenschaftliche Hilfsmittel der 
Denkmalpflege, 2. technische Hilfsmittel derselben 
und 3. ausgeführte und in Ausführung begriffene 
Arbeiten der Denkmalpflege. In der ersten gelangen 
Urkunden, alte Pläne, Aufnahmen, Zeichnungen, 
Photographien, Publikationen u. dgl. zur Aus- 
stellung. Die zweite erstreckt sich auf Bearbeitung 
des Materiales, Steinmetzarbeiten, Wiederher- 
stellungen von Glas- und Wandmalereien, Gobelins' 
Holzfiguren usw. Hand in Hand damit geht die 
Veranstaltung von Vorträgen, von denen jener des 
Architekten Bodo Ehhakdt „Wie man wiederher- 
stellen soll", der zweite des Konservators Prof 
WoLi-K „Die Denkmalpflege in Elsaß-Lothringen" 
und der dritte des Straßburger Münsterbaumeisters 
J. Knauth „Mittelalterliche Technik und moderne 
Restauration" direkt praktischen Zwecken der 
Denkmalpflege zustreben. Am 26. September sollte 
auf dem Schloßhofe die Vorführung des Verfahrens 
zur Wiederherstellung gesprungener Glocken ohne 
Umguß der Glocke erfolgen. Durch volkstümliche 
Führungen an den Nachmittagen der Oktober- 
sonntage gedachte man weitere Kreise für eineUnter- 
stützung der Fragen derDenkmalpflege Zugewinnen. 
Konservator Prof. Wolfk lud die Teilnehmer des 
Bamberger Tages zu möglichst zahlreichem Besuche 



der .Straßburger Aus.stellung ein, deren Zeitpunkt 
im Hinblicke auf die vorgerückte Jahre.szeit für aus- 
wärtige Interessenten vielleicht nicht ganz glück- 
lich gewählt war. 

Direktor Dr. Mkykk i Braunschweig) behandelte 
in dem Vortrage über ,.Die Erhaltung alter Straßen- 
namen" ein vergessenes Gebiet der Denkmalpflege 
und führte zahlreiche oft überaus humoristische 
Beispiele einer wiederholt sinnlosen Namens- 
änderung an. Er forderte, daß in den Inventari- 
sationswerken auf die Behandlung und Darstellung 
des alten Steidtbildes mehr Nachdruck gelegt werden 
sollte, und faßte seine Wünsche für die .Straßen- 
namenerhaltung in folgender Weise zusammen. 
Jede alte und als solche geschichtlich bedeutungs- 
volle Bezeichnung von Straßen, aber auch von 
Plätzen, Brücken, Häusern und ganzen Stadtteilen, 
dann von Acker- und Waldstücken, Flüssen, Bächen, 
Teichen und Bergen ist auf alle Fälle zu schätzen 
und zu erhalten, und zwar um so mehr, je eigen- 
artiger und sinnvoller sie ist. Alte Namen dürfen 
nicht zugunsten von solchen berühmter oder ver- 
dienter Männer des Vaterlandes oder der engeren 
Heimat beseitigt werden. Bei Benennung neuer 
.Straßen sind in enster Linie die alten Flur- und 
Ortsbezeichnungen zu verwenden. Wo erst in 
neuerer Zeit der alte Name durch einen modernen 
er.setzt ist, soll der erstere, soweit es irgend an- 
geht, wieder zu Ehren gebracht werden. Dabei 
muß es freilich dem Taktgefühle der betreffenden 
Behörde überlassen bleiben, inwieweit auch solche 
alte Namen, die schon aus dem Gedenken des 
Volkes geschwunden sind, wieder in Gebrauch zu 
setzen sind, inwieweit auch ein neuerer Name 
bereits geschichtlichen Wert gewonnen und des- 
halb ebenfalls auf .Schutz Anspruch zu erheben 
hat, und inwieweit alte, aber verderbte Namen ihre 
ursprüngliche Form wieder erhalten können. Zu 
allen Umnennungen alter Straßen und zur Be- 
nennung neuer sollen stets die örtlichen Geschichts- 
und Altertumsvereine, sowie auch einzelne ge- 
schichts- und sprachkundige Personen, insbesondere 
die Leiter der staatlichen und städtischen Archive, 
Bibliotheken und Museen als Sachverständige zu 
Rate gezogen werden. Man vermeide bei der ganzen 
Aktion gesuchte Altertümelei. 

Oberbürgermeister Struckmann (Hildesheim) 
will die gegebenen Anregungen auf den Boden 



387 



Bericht über die Verhandlungen des sechsten Tages für Denkmalpflege in Bamberg (21. bis Ij. September) 



388 



der Verwirklichung hinüberführen durch den An- i 
trag, die Schriftleitungen der Zeitungen dafür zu ' 
interessieren, von Zeit zu Zeit Zusammenstellungen 
der alten Straiiennamen mit knappen Erklärungen 
ihrer Bedeutung und geschichtlichen Berechtigung 
zu veröffentlichen. 

Stadtbaudirektor Sch.vlmaxn (Frankfurt a. M.) 
und Stadtbauinspektor Prof Stiehl (Charlotten- 
burg) berichteten über die Aufnahme der kleinen 
Bürgerhäuser in den deutschen Städten ; ausgestellte 
Aufnahmen überzeugten von den erfreulichen Fort- 
schritten des erst kurze Zeit im Gange befindlichen 
Unternehmens. Xach Mitteilungen des Herrn 
Direktors vox Bezold (Nürnberg) und des Prof. 
Clexien ist die Inventarisierung der Bürgerhäuser 
Nürnbergs und einiger Orte der Rheinlande gleich- 
falls im Zuge. 

Da der Berichterstatter Prof Borrmann (Berlin) ; 
nicht erschienen war, verlas Amtsrichter Dr. Bredt 
dessen Ausführungen über .die geschichtliche und 
künstlerische Bedeutung des Berliner Opernhauses". 
Seine Erhaltung wurde im Sinne einer von Ober- 
bürgermeister Strcckm.-vnx beantragten Resolution 
vom kunstgeschichtlichen wie vom geschichtlichen 
Standpunkte aus empfohlen. 

Prof. Clemen ging sodann auf die „Verzeich- 
nung von beweglichen Kunstdenkmälem im Privat- | 
besitze- ein und schied zunächst zwei Gruppen ! 
derselben. In die erste verweist er jene Samm- 
lungen und Gegenstände, welche durch ihre Auf- 
stellung in Residenzen reichsunmittelbarer Fa- 
milien, Adelsschlössern, Patrizierhäusern eine ge- j 
wisse Sicherheit ihrer Erhaltung — manchmal als ! 
Teil eines Fideikommisses — finden. Die zweite 
umfaßt jene Sammlungen, bei welchen, ob sie nun 
schon länger bestehen oder erst entstanden, keine 
bestimmte Gewähr für die Erhaltung gegeben zu 
sein scheint. Die Verzeichnisse von beweglichen , 
Kunstdenkmälern im Privatbesitze sind in be- 1 
stimmten Fällen den Behörden nützlich, für die 
Ortsgeschichte wertvoll und für die Kunstwissen- 
schaft von .sehr großer Bedeutung, ganz abgesehen 
davon, dai3 die Privatsammlungen auch einen großen 
kulturgeschichtlichen Wert haben. Allgemeine | 
Thesen über die Aufzeichnung solcher Sammlungen i 
lassen sich nicht aufstellen. Wo es sich um alten 
Familienbesitz handelt, sollte die Aufzeichnung 
erfolgen, wenn sie sich vielleicht auch nur auf die | 



Hervorhebung der bedeutendstenStücke beschränkt. 
Sonst dürfte für andere Gruppen ein Hinweis ge- 
nügen. Takt und Geschmack des Bearbeiters werden 
dabei sich zu bewähren haben 

Geh. Hofrat Prof. Dr. v. Oechelh.\eusek be- 
zeichnet nicht nur die Exaktheit der Inventare, 
sondern auch die möglichste Vollständigkeit als 
erstrebenswert, letztere sogar in dem Falle, daß 
ab und zu in Beschreibung oder Bestimmung eines 
Gegen.standes ein Irrtum unterlaufe. 

Den Abschluß des ersten Tages bildete ein 
Vortrag des Diplom -Architekten Kkonfusz (Bam- 
berg) über „Fränkische Schlösser und Herrensitze", 
dessen Ausführungen in teilweise vortrefflichen 
Lichtbildern eine höchst dankenswerte Unter- 
stützung und Belebung fanden. 

Die Verhandlungen des 23. September brachten 
zunächst die Wiederwahl des geschäftsfuhrenden 
Ausschusses in seiner bisherigen Zusammensetzung 
und die Ermächtigung für denselben, den Ort der 
nächstjährigen Tagung, von dessen Wahl vor- 
läufig abgesehen wurde, nach seinem Ermessen zu 
bestimmen. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß 
Braunschweig gewählt wird. 

Konservator Dr. W. M. Sch.mid (München) 
machte Mitteilungen über ein neues Wiederbe- 
lebungsverfahren von alten Glasmalereien, deren 
Farbenschichte von der durch Kohlenrauch sich 
entwickelnden schwefeligen Säure so angegriffen 
zu werden pflegt, daß man sie mit Leichtigkeit 
wegwischen kann. Versuche der Münchner Glas- 
malereianstalt haben zu einem höchstens ein Drittel 
der sonstigen Wiederherstellungskosten erfordern- 
den Verfahren geführt, nach welchem die heraus- 
genommenen Fenster außen und innen mit einer 
Schmelzmasse überzogen, neu gebrannt und dann 
abermals eingesetzt werden. Sie erhalten die firühere 
Farbenschönheit zurück. Manganhaltige Gläser 
können nur höchst selten diesem Verfahren unter- 
worfen werden; diese Farbe kommt frühe in Fleisch- 
tönen vor. 

Einen großen Zug brachte die Erörterung über 
,.Die Erhaltung des Heidelberger Schlosses" in 
den Bamberger Denkmalpflegetag. Die Berichte 
des Geh. Hofrates Prof. Dr. von Oechelh.^euser 
und des Geh. Oberbaurates Prof Hofmaxn- (Darm- 
.stadt) standen im Tone der Auseinandersetzung 
und in der Sachlichkeit der Darlegung auf der 



389 



Bericht über die Verhandlungen des sechsten Tages für iJcnkmiiipiieyc in Bamberg (21. bis 25. September) 



390 



vollen Höhe. Die Ausführung- des Kunsthistorikers, 
der liir möglichst unveränderte Belassung des Be- 
stehenden eintritt, war ebenso tadellos wie jene 
des Technikers, welcher alle Restaurierungsvor- 
schläge, ihre Zulässigkeit und Möglichkeit ein- 
gehend würdigte und sich sogar davor nicht scheute, 
von einer gänzlichen Abtragung des Ott-Heinrichs- 
baues und seinem Wiederaufbaue mit dem alten 
Material zu sprechen, wobei eine Verstärkung der 
Fundamente erfolgen könne. Hofmakn erläuterte 
eingehend die Notwendigkeit des aufzusetzenden 
Schutzdaches, dessen Form er an einer Skizze 
veranschaulichte, und hob hervor, daß wir uns 
entschlieüen müßten, die romantischen Reize preis- 
zugeben in der Erwartung-, durch ein entsprechen- 
des Hofbild entschädigt zu werden. Würden die 
Sicherung-smaßnahmen abgelehnt, dann gehe der 
Bau zugrunde. Der nicht versteifte Mittelteil würde 
zuerst einstürzen und das schöne Portal zerstören; 
die zusammengebrochenen und ihnen benachbarten 
Teile müßten dann durch eine Bretterwand abge- 
sperrt werden, die dem Gesamteindrucke kaum 
günstig wäre. Soll aber ein Denkmal wie der Ott- 
Heinrichsbau einfach zusammenfallen, so brauchen 
wir überhaupt keine Denkmalpflege. 

Geh. Oberbaurat Eggert (Berlin), dessen letztes 
Restaurierung.s- oder Sicherungsprojekt die groß- 
herzoglich badische Regierung abzulehnen ent- 
schlossen zu sein scheint, wendet sich gegen die 
Notwendigkeit der Überdachung des Baues, gegen 
dessen Fassadenverwitterung- kein Dach Schutz 
biete. Es müßten andere Kräfte gewonnen werden, 
um die Fassade stabil zu machen, an deren Rück- 
.Seite mit entsprechenden Hilfskonstruktionen ein- 
gegriffen werden sojlte. Für die Gegenwart handle 
es sich zunächst um die Sicherung, damit nicht 
plötzlich ein Zusammensturz erfolge. 

Rechtsanwalt Dr. Theodor Alt (Mannheim) 
wirft in temperamentvoller Rede unter anderem 
die Frage auf, ob es notwendig sei, das Bestehende 
zu retten, oder ob es möglich sei, etwas Besseres 
an seine Stelle zu setzen. Sei letzteres unmöglich, 
dann sollte man zuwarten, bis die Forschung volle 
Klarheit über den Zustand des Baues von allem 
Anfange an gebracht habe. Man würde heute in 
Deutschland es gar nicht verstehn, wenn darauf 
hingewiesen werden .sollte, daß es mit den heutigen 
Mitteln der Technik nicht möglich wäre, eine ein- 

Mitteilungen der k. k ZentraUKommisäion 1905 



fache Wand aufrecht zu erhalten. Die Wieder- 
herstellung im gegenwärtigen Augenblicke sei 
wohl verfrüht. 

Prof. Dr. Halft (Hannover) meint, daß das Auf- 
.setzen'des Daches und die Einziehung von Decken 
Vorbedingungen für die Erhaltung der außen und 
innen den Witterungseinflüssen gleich ausgesetzten 
Mauer seien. In ähnlicher Weise spricht sich auch 
Bodo Eishardt, der bekannte Architekt des Wieder 
aufbaues der Hochkönigsburg, aus. 

Architekt Prof. Ratzel (Karlsruhe) kann sich 
für die EcGERTSchen Vorschläge nicht erwärmen: 
denn der Anblick der Hilfskonstruktionen, welche 
durch die leeren Fensteröffnungen gesehen werden 
müßten, würde einen Teil des Stimmungsreizes der 
Ruine rauben. 

Prof. Clemen gibt der Empfindung Ausdruck, 
daß man nach den Erfahrungen am Friedrichsbau 
in Heidelberg ein gewisses Bangen empfinde, wenn 
die Wiederherstellung des Ott - Heinrichsbaues 
gerade Karl Schaefer übertragen werde, der, 
während nur ein Sechstel der Auswechslung not- 
wendig gewesen wäre, vielfach weiter gegangen 
sei. Seinen Einwurf, daß er die Aufführung von 
Dächern auf den jetzt beschädigten, schwachen 
Mauern für ausgeschlossen halte, entkräftet Prof 
SriEHL mit dem Hinw-eise, daß sie in nicht viel 
stärkerem Zustande ja eine zweifellos viel größere 
Dachlast bereits wirklich getragen haben. 

Geh. Oberbaurat Hossfeld (Berlin) empfiehlt 
die Unterdachbringung des Ott-Heinrichsbaues. 

Prof Dehio verlangt, daß kein Schritt gemacht 
werde, der nicht zurückgetan werden könne. Die 
Gegenwart habe weder Recht noch Pflicht, die 
Herstellung des Heidelberger Schlosses zu be- 
treiben. 

Aus den Wechselreden der Techniker klingt 
die Befürchtung durch, daß die bisher nicht zu 
rasch erfolgte Verwitterung sich einmal in viel 
schnellerem Tempo fortsetzen könne. Sie sei nur 
durch das Aufsetzen des Daches, das die Rück- 
seite der Mauer einer dauernden Austrocknung 
entgegenführe, erfolgreich aufzuhalten; denn sonst 
trockne die mit Feuchtigkeit gesättigte Mauer 
überhaupt niemals aus und müsse rascher ver- 
wittern. 
' Der Voi'sitzende des Heidelberger Schloß- 

I Vereines Prof. Dr. Buhl dankt der Versammlung 

2g 



3PI 



Nachtrag lor Anzeige von Arr;. Prokop „Die Markgmfsrhaft Mähren in kunstgeschichllicher Beziehung* 



30:: 



für das dem Kleinode Heidelberg-s entgeg^enge- 
brachte Interesse. 

Da nach der Lage der Dinge die Einbringung 
einer auf die Lösung der Frage abzielenden Re- 
solution und die Abstimmung über dieselbe aus- 
geschlossen war, wurde der geschäftsführende Aus- 
schuß angewiesen, der großherzoglich badischen 
Regierung einen Sonderabdruck des stenographi- 
schen ProtokoUes der Berichte und der Debatte 
über die Erhaltung des Heidelberger Schlosses 
mit einem Anschreiben zu überreichen. Die An- 
regung, eine Anzahl Sonderabdrücke dieses Teiles 
der Verhandlungen für den buchhändlerischen 
Vertrieb überhaupt zur Verfügung zu stellen, fand 
freundliche Aufnahme. 

Obwohl es in der Heidelberger Angelegenheit 
zu einem eigentlichen formellen Abschlüsse nicht 
kam, hatte man die Empfindung, dat3 eine An- 
näherung beider Parteien in der von jedem per- 
sönlichen Ausfalle frei gebliebenen Debatte statt- 
gefunden habe und die Zulässigkeit einer Dach- 
aufsetzung ohne weitere Eingriffe in den Ott- 
Heinrichsbau nicht mehr so ausgeschlossen er- 
scheine als ehedem. 

Mit Bedauern nahm die Versammlung zur 
Kenntnis, daß der um die Organisation des Denk- 
malpflegetages hochverdiente Vorsitzende Geh. 
Justizrat Prof. Dr. Loersch, der seit dem Dresdener 
Tage alle Arbeiten zielbewußt und aufopferungs- 
freudig geleitet hatte, von der Leitung des Aus- 
schusses zurücktrete. An seine Stelle wurde Geh. 
Hofrat Prof. Dr. vox Oechelhaeüser gewählt. 

Der 24. September vereinigte noch eine statt- 
liche Anzahl von Teilnehmern zur Besichtigung 
der Neuerwerbungen des germanischen Museums 
in Nürnberg und der Restaurierungsarbeiten an der 
Nürnberger Sebaldus- und an der Lorenzkirche. 
Namentlich die Besichtigung der Sebalduskirche, 



deren Westhälfte bereits fertiggestellt ist, während 
die Arbeiten in der auch stilistisch verschiedenen 
Osthälfte noch im Gange sind, war unter der 
Führung des Prof. Schmitz überaus instruktiv. An 
zwei Vierungspfeilern, von denen der eine schon 
ausgewechselt, der andere eingeschindelt und in 
Auswechslung begriffen ist. konnte die Arbeits- 
wei.se genau studiert werden. In der benachbarten 
Morizkapelle war eine Ausstellung von Plänen, 
Ansichten. Modellen. Werkstücken, die mit den 
Restaurierungsarbeiten zusammenhingen, einehoch- 
willkommene Ergänzung der Anschauung. Die 
Wiederherstellungsarbeiten der Nürnberger Se- 
balduskirche müssen als eine in den meisten Punkten 
glücklich gelöste Aufgabe modemer Denkmals- 
pflege bezeichnet werden. Im Nürnberger Rathause 
wurde die etwas harte Auffrischung der bekannten 
Wandgemälde des großen Saales besichtigt. 

Den Abschluß des Programmes bildete am 
25. September ein genußreicher Ausflug nach dem 
hochinteressanten Rothenburg a. d. Tauber. 

Prof. Josef Neuwtrth 



Nachtrag zur Anzeige von 
Aug. Prokop Die ..Markgrafschaft 
Alähren in kunstgeschichtlicher Be- 
ziehung" Mitt. 1904, 491 ff. 

Wie die Redaktion erfährt, -hat Herr Hofrat 
AcG. Prokop dem Lande Mähren die zu seinem 
jüngst erschienenen Werke angeschafite wertvolle 
Klischeesammlung geschenkt. Dreißig Exemplare 
des Werkes, welches im In- und Auslande beson- 
dere Aufmerksamkeit erregt und vielfach warme 
Aufnahme gefunden hat, wurden zur Verteilung 
an Museen, Schulen usw. bestimmt-. 



ANTON SC HR OLL & Co., Kunstverlag, Wien I Maximilianstraße 9 



Barock. 

Eine Sammlung von Plafonds, Kartuschen, Konsolen, Gittern, 
Möbeln, Vasen, Öfen, Ornamenten, Interieurs etc. etc. 
Zumeist in kaiserlichen Schlossern, Stiften, Kirchen und 
anderen Monumentalbauten aus der Epoche Leopold I. bis 
Maria Theresia, aufgenommen und gezeichnet von Architekt 
Fr. Ohmann, k. k. Oberbaurat. Dritte Auflage. 52 Blätter 
Lichtdruck in Folio. 

Preis in Mappe K 48-— oder M. 40-— . 



Architektur und Kunstgewerbe der Barockzeit, 

des Rokoko und Empires 

aus Böhmen und anderen österreichischen Ländern, heraus- 
gegeben von Architekt k. k. Oberbaurat Fr. Ohmann. 
100 Blätter Lichtdruck in Folio. 

Preis in Mappe K 120-— oder M. 100 —. 



Louis XVI. und Empire. 

Eine Sammlung von Fassadendetails, Plafonds, Interieurs, 
Gittern, Möbeln, Vasen, Öfen, Ornamenten etc. etc. in 
kaiserlichen Schlössern, Kirchen, Stiften, Schlössern des 
Adels und anderen Monumentalbauten Österreichs aus der 
Zeit Josef II. bis Franz II. gesammelt, aufgenommen und 
gezeichnet von Moritz Heider, Architekt. 60 Blätter Licht- 
druck in Folio. 

Preis in Mappe K 72— oder M. 60—. 



Portale von Wiener Profanbauten 

des XVII. und XVIII. Jahrhunderts. Enthält die charakteri- 
stischen Portale der alten Wiener Häuser und Paläste. Ein 
Band Folio. — 60 Blatt Lichtdruck und Text von Dr. A. Hg. 

Preis in Mappe K 24' — oder M. 20'— . 



Vestibüle und Stiegenhäuser aus Wien. 

Vom Anfang des XVIII. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart. 

Nach Origma! aufnahmen herausgegeben und gezeichnet 

von Ed. Konnerth. 24 Blätter Folio in Lithographie. 

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Kunstschätze aus Tirol. 

Heliogravüren nach photographischen Aufnahmen von Otto 

Schmidt in Wien, mit erläuterndem Texte von Prof. J. W. 

Deininger. 

I. Abteiig. Malerische Innenräume. 
II. » Architektur und Kunstgewerbe. 

in. » Malerei und Plastik. 

IV. » Malerische Innenräume. Neue Folge. 

4 Bände Folio. — Je 30 Blatt Heliogravüren und 3 Blatt 

Text. 

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Interieurs von Kirchen und Kapellen in Österreich. 

(XII. bis XVIII. Jahrh.) 

Heliogravüren nach photographischen Aufnahmen von Otto 
Schmidt in Wien. Mit erläuterndem Text von Dr. Albert 
Hg, fortgesetzt von Dr. C. List. 100 Blatter Folio und 
Text mitlilustrationen von Toni Grubhof er, Otto Hesse etc. 
Preis in Mappe K 144-— oder M. 120—. 



Altäre und andere kirchliche Einrichtungsstücke 

aus Österreich. 

(XII. bis XVIII. Jahrhundert.) 

Ergänzung zu dem Werke: »Interieurs von Kirchen und 

Kapellen in Österreich.« 
Heliogravüren nach photographischen Aufnahmen von Otto 
Schmidt in Wien. Mit erläuterndem Text von Dr. Albert 
Ilg, fortgesetzt von Dr. C. List. 100 Blätter Folio und Text 
mit Illustrationen von Toni Grubhofer, Otto Hesse etc. 

Preis in Mappe K 144- — oder M. 120-—. 

Interieurs und Mobiliar aus Schloß Tratzberg. 

Separatabdruck aus ;> Kunstschätze aus Tirol«. Text von Prof. 
J. W. Deininger. Ein Band Folio. — 12 Blätter Helio- 
gravüren und 1 Blatt Text. 

Preis in Mappe K 20— oder M. 1650. 

Die Veste Hohensalzburg. 

Siebzehn Heliogravüren, zumeist Interieurs, von Otto 

Schmidt, mit erläuterndem Text von Dr. Albert Ilg. 

Ein Band Folio. 

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Vicenza. 

25 Architekturaufnahmen nach der Natur, auf Kupfer geätzt 

von Otto Schmidt. Erläuternder Text von Dr. M. Fabiani, 

dipl. Architekt in Wien. 

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Die Baukunst in Sizilien. 

I.Teil. Die griechische, römische, byzantinische, arabische 
und normannische Baukunst sowie der Entwurf eines groß- 
städtischen Volks- und Luxusbades in modernisiert arabisch- 
normannischer Bauweise. Von Friedrich Kick, Architekt. 
Quart. 104 Seiten Text mit 44 Illustrationen und 9 Tafeln, 
darunter zwei in Dreifarbendruck. 

Preis K 28— oder M. 24—. 

Zur Lösung der Riesentorfrage. 

Das Riesentor des Wiener St. Stephansdomes und seine 

Restaurierung. Von Dr. Heinrich Swoboda, Professor an 

der Wiener Universität. 

Mit 4 1 '.lustrationen. 



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Die Renaissance in Polen. 

Kunstdenkmale des XVI. und XVII. Jahrhunderts. 

47 Blätter in Folio, Federzeichnungen in Lithographie und 

5 Blätter in Folio Lichtdruck nach Naturaufnahmen nebst 

illustriertem Text, polnisch und deutsch. 

Von Slawomir Odrzywolski. 

Preis in Mappe K 30- — oder M. 25--. 

Ruinen der mittelalterlichen Burgen Ober- 
Österreichs. 

Im Auftrage der k. k. Zentralkommission für Kunst- und 
historische Denkmale aufgenommen und gezeichnet von 
Karl Rosner, k. k. Baurat. Groß-Oktav. 71 Seiten mit 
72 Illustrationen und 24 Grundrißtafeln in Zweifarbendruck. 

Preis K 10— oder M. 850. 



KUNSTVERLAG ANTON SCHROLL & CO. WIEN. 



Das Beleuchtungswesen 

vom Mittelalter bis zur Mitte des XIX. Jahrhunderts 
aus Österreich-Ungarn, insbesondere aus den Alpenländern und den angrenzenden 

Gebieten der Nachbarstaaten. 

Erläuterung der den Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses einverleibten 

Kollektion altertümlicher Beleuchtungsgeräte L. v. Benescu 

von 

Ladislaus Edlen von Benesch 

k. und k. Oberstleutnant d. R. 
60 Tafeln Lichtdruck nach photographischen Aufnahmen und 32 Seiten Text mit 35 Illustrationen. 

Preis K 50— oder M. 42 —. 



Einzig in ihrer Art enthält diese von Oberstleutnant v. Bene-sch geschaffene, aus I2o6 Stücken bestehende, aus Üsterreicb- 
Ungam, insbesondere aus den deutschen Alpenländem und den angrenzenden Gebieten der Nachbarstaaten zusammen- 
getragene Kollektion die verschiedenartigsten zur Beleuchtung mit Holz, Öi, Talg, Wachs und Pech in Verwendung 
gewesenen Geräte, sowie Zünd- und Löschapparate, vom Mittelalter an bis in die ersten Dezennien des XIX. Jahrhunderts, 
also bis zur epochemachenden Erfindung des Reibzündhölzchens (in Wien), beziehungsweise bis zur Verwendung des 
Petroleums zu Beleucbtungszwecken. 

Die Sammlung gibt somit ein Bild des Beleuchtungswesens, wie es in Mitteleuropa in den letzten fünf Jahr- 
hunderten herrschend war, and bietet demnach dem Kulturhistoriker, dem Künstler, insbesondere dem Kunstgewerbe, den 
Museen und privaten Sammlern sowie den Schulen reichste Ausbeute, Anregung und Aufschluß. 

Das Werk ist vom Verfasser Seiner Majestät dem Kaiser und Könij; Franz Joseph L gewidmet. 

Aus der Einleitung des Verfassers. 

I Jie vielen Anerkennungen, welche meine, den Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses einverleibte „Sammlung 
altertümlicher Beleuchtungsgeräte" geerntet hat, ließen in mir den Entschluß reifen, das wichtigste Materiale dieser 
Sammlung durch bildliche Darstellungen und erläuternde Bemerkungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 

Dieser Arbeit liegt die Absicht zugrunde, alles jene, was ich im Laufe vieljähriger Sammeltätigkeit erfahren und 
erfragt habe oder aus Nachrichten und vorhandenen Gegenständen, Bildern, Beschreibungen usw. feststellen konnte, für die 
Zukunft festzuhalten und somit einen Beitrag zur Geschichte des Beleuchtungswesens vergangener Jahrhunderte zu liefern. 

Dieses Werk möge demnach als Erläuterung der in Rede stehenden Sammlung und nur als Beitrag für kultur- 
historische Studien des Beleuchtungswesens vergangener Jahrhunderte aufgefaßt werden. Nur in sehr wenigen Fällen waren 
geschichtliche Rückblicke und Daten unerläßlich. 

Bei dem Umstände, als die letzten Dezennien auf dem Gebiete der Beleuchtung große Umwälzungen gebracht 
und die durch Jahrtausende in Benutzung gestandenen Beleuchtungsstoffe (Holz, Talg, Öl, Pech, Wachs etc.) nahezu ganz 
verdrängt haben, mithin auch die zur Beleuchtung dienenden Geräte zum großen Teile eine vollständige Änderung erfuhren, 
ein anderer Teil ganz außer Gebrauch gesetzt wurde, scheint der Zeitpunkt, in welchem diese Publikation ins Leben tritt, 
geeignet, nicht nur weiteren Kreisen willkommene Belehrung, als auch Fachmännern, Künstlern und Gewerbetreibenden 
Anregung und Vorbilder zu bieten. 

Die Einteilung der Sammlung' in 21 Gruppen hat sich während der Sammeltätigkeit gebildet; obschon in dieser 
Anordnung manche Änderung zweckmäßig wäre, halte ich diese Gruppen-Einteilung für diese Publikation aus prinzipiellen 
Gründen fest. 

In der Folge ließen sich Änderungen in der Reihenfolge der Gruppen vornehmen; so wäre z. B. die Voran- 
stellung der Feuerzeuge, sowie die Schaffung einer Gruppe: Nachtlichter sehr geeignet. 

Möge nun diese Publikation der Sammlung wohlwollender Aufnahme begegnen und die Anregung geben, dem 
bisher wenig beachteten Gebiete des Beleuchtungswesens vergangener Zeiten das .\ugenraerk der Museen und privater 
Sammler zuzuwenden. 

Inhalt. 

Einleitung. — Übersicht der in XXI Gruppen geordneten Sammlung. — Gruppe I: Spanleuchter, Spanhobel und 
Späne. — Gruppe II: Standleucbler mit Kleramfcder für die Kerze. — Gruppe HI: Standleuchter mit verschiebbarer Kerzen- 
hülse und mit Lichtschirm. — Gruppe IV: Standleuchter mit verstellbarer Kerzenhülse. — Gruppe V: Standleuchter für 
eine oder mehrere Kerzen. — Gruppe VI: Standleuchter mit glockenähnlichera Fuß. — Gruppe VII: Schieb- und Streck- 
leuchter. — Gruppe VIII: Handleuchter. — Gruppe IX: Wandleuchter. — Gruppe X; Leuchter für Kultuszwecke. — 
Gruppe XI: Keller- und Bergwerksleuchter. — Gruppe XII: Steh- und Hängeleuchter für Talg. — Gruppe XIII: Docht- 
scheren und zugehörige Tassen. — Gruppe XIV: Lösch liörner und andere Löschapparate. — Gruppe XV: Lichtschirme. — 
Gruppe XVI: Wachsstockhälter und Wachsstöcke. — Gruppe XVII: Öllampen. — Gruppe XVIII: Laternen und Lampions. 
— Gruppe XIX: Feuerzeuge (Zündmaschinen). — Gruppe XX: Kerzengußformen. — Gruppe XXI: Diverses. — Ver- 
zeichnis der in der Sammlung befindlichen I2o6 Stücke nebst Angabe des Fundortes. 



Druck von Rudolf M. Rolirer, Urüiin. 



MITTEILUNGEN 



DER 



K. K. ZENTRAL-KOMMISSION 

FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER 
KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 



DRITTER FOLGE VIERTER BAND 



ABONNEMENTS - BEDINGUNGEN 

Ganzjährig 5 K, für Korrespon- 
denten der k. k.Zentral-Kommission 
bei direktem Bezug aus deren Kanzlei 
2 K. Einzelne Nummern können 
(in geringer Anzahl) zu 1 AT ab- 
gegeben ■werden. 

Abonnements können bei allen 
Postämtern und Buchhandlungen 
oder beim Kommissionsverlage der 
„Mitteilungen" ANTON SCHROLL 
& Co., WIEN I Maximilianstraße 9, 
oder direkt bei der k. k. Zentral- 
Kommission (Wien I Gauermann- 
gasse 4) angemeldet werden. 

REDAKTION 

Prof. MAX DVOiiÄK 
Wien Vm Lange Gasse 49 

Prof. WILHELM KUBITSCHEK 
Wien IX Pichlergasse 1 



Nr12 DEZEMBER 1905 

INHALTS -VERZEICHNIS 

Personalien 393 

AmUiches 396 

Sitzungsbericht vom 13. Oktober 1905 398 

Sitzungsbericht vom 27. Oktober 1905 405 

Sitzungsbericht vom 10. November 1905 425 

Sitzungsbericht vom 17. November 1905 433 

Sitzungsbericht vom 24. November 1905 437 

Sitzungsbericht vom 25. November 1905 441 

Sitzungsbericht vom 1. Dezember 1905 445 

Sitzungsbericht vom 15. Dezember 1905 448 

Sitzungsbericht vom 22. Dezember 1905 453 

Sitzungsbericht vom 29. Dezember 1905 454 

MUCH Die VI. Gemeinsame Versammlung der Deutschen und 

Wiener Anthropologischen Gesellschaft 470 

ÖERVINKA Zur Vorgeschichte Mährens 477 

MAYR Das Kruzifix des Reichenhauser in Admont 498 

Ti telblatt und Register werden mit dem Januarheft 1906 
ausgegeben werden. 

Im Druck abgeschlossen 12. Februar 1906 



Die „Mitteilungen" der k. k. Zentral-Kommission für Kunst- und historische Denkmale 
erscheinen monatlich in einem Mindestumfang von 24 Spalten und sind zur Veröffentlichung 

1. amtlicher Kundmachungen der Zentral-Kommission; 

2. der Protokolle der Sitzungsberichte der Zentral-Kommission; 

3. von Fundberichten und Denkmalsbeschreibungen sowie von Erörterungen 
beachtenswerter Funde und wichtigerer Fragen der Denkmalspflege 

bestimmt. Selbständige Fimdberichte imd Aufsätze werden in der Regel honoriert (die 
Zeile zu 7 A, die volle Textspalte zu K 3"36). Für die Honorierung von Plänen und 
Zeichnungen sind fallweise Verhandlungen mit der Redaktion nötig. Die Redaktion ist 
gerne bereit, den auszugsweisen oder vollständigen Abdruck eines in den „IVIitteilungen" 
erscheinenden Fundberichtes oder Aufsatzes und die Benützung der dafür angefertigten 
Khschees, wenn der Verfasser dessen Verbreitung auch durch ein anderes publizistisches 
Organ wünscht, vor allem in Lokalblättern, zuzugestehen. Doch ist selbstverständüch 
gleich bei Einsendung des Manuskriptes eine diesbezüghche Vereinbarung mit der 
Redaktion anzubahnen. Die Honorierung bleibt besonderer Vereinbarung vorbehalten, 
weim gleichzeitig oder innerhalb des auf die Publikation in diesen „Mitteilungen" folgenden 
Jahres der Abdruck eines solchen Artikels auch noch in einer anderen Fachzeitschrift oder 
in großen allgemein verbreiteten Tagesblättem oder Zeitschriften beabsichtigt wird. Die 
Redaktion ist femer gerne bereit, fallweise und auf Grund von Vereinbarungen Auszüge 
aus geeigneten Fundberichten oder einschlägigen Artikeln, die in anderen Zeitschriften 
(insbesondere i. in nicht deutscher Sprache abgefaßten; 2. solchen, die aller Wahrschein- 
Hchkeit nach sonst nicht leicht zur Kenntnis der Redaktion gelangen dürften) erschienen 
sind, in den „Mitteilungen" zu bringen. Es werden daher die Verfasser solcher Artikel 
ersucht, Sonderabdrücke mit ausdrücklicher Angabe ihrer Wünsche der Redaktion ein- 
zusenden. 

Manuskripte mögen nur auf einseitig beschriebenen Blättern übersandt werden, 
die Abbildungen mögen nicht in den Text hineingeklebt und noch weniger auf die 
beschriebenen Blätter oder auf Hniertes Papier oder mit Bleistift gezeichnet werden. 

Den Verfassern geht' ein Bürstenabzug zur Korrektur des Druckes zu; rascheste 
Durchsicht dieser Abzüge wird erbeten. Weitergreifende Autorkorrekturen werden auf 
Kosten der Verfasser hergestellt. Die Verfasser erhalten 12 Sonderabzüge ihrer Artikel; 
eine größere Anzahl von Sonderabdrücken, über die fallweise eine Vereinbarung mit der 
Redaktion nötig ist, sowde Umbruch der Spalten oder Broschieren in besonderem Um- 
schlag kann nur auf Kosten des Bestellers erfolgen. Derlei Bestellungen mögen nicht an 
die Druckerei gerichtet werden, sondern lediglich an die Redaktion, die sich allein zur 
Vermittlung des Verkehres zwischen den Verfassern und der Druckerei berechtigt ansieht. 

DIE REDAKTION 



MITTEILUNGEN 

DER K.K. ZENTRAL- KÜMMISSION FÜR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG 
DER KUNST- UND HISTORISCHEN DENKMALE 

HERAUSGEGEBEN UNTER DER LEITUNG IHRES PRÄSIDENTEN SEINER EXZ. FREIHERRN VON HELFERT 

DRITTE FOLGE 

Band IV Nu. 12 Dezember 1905 



Personalien 

Seine Exzellenz der Herr Minister für K. u. U. 
nimmt den Verzicht des Univ.-Prof. Dr. KuBrrscHEK 
auf das Ehrenamt eines Konservators I. Sektion 
zur Kenntnis und ermächtigt die Z. K., demselben 
aus diesem Anlasse den Dank für seine eifrige 
und ersprießliche Tätigkeit in dieser Stellung aus- 
zusprechen (Erlaß vom 27. Juni 1905, Z. 23120). 

Seine Exzellenz der Herr Leiter des Ministe- 
riums f. K. u. U. nimmt den Verzicht des Abtes 
Stkph.an Rössler im Stifte Zwettl auf das Ehren- 
amt eines Konservators IL Sektion mit Bedauern 
zur Kenntnis und spricht demselben aus diesem 
Anlasse für die von ihm in dieser Funktion ge- 
leisteten ersprießlichen Dienste den anerkennen- 
den Dank aus (Erlaß vom g. Oktober 1905, 

z. 35588). 

.Seine Exzellenz der Herr Leiter des Ministe- 
riums f K. u. U. nimmt die über eigenes Ansuchen 
erfolgte Enthebung des Sekretärs am k. k. österr. 
archäol. Institut in Athen, Dr. Anton Ritter von 
Premerstkin, von dem Ehrenamte eines Konser- 
vators I. Sektion genehmigend zur Kenntnis und 
ermächtigt die Z. K., demselben aus diesem An- 
lasse den Dank für seine Tätigkeit in dem Ehren- 
amte eines Konservators auszusprechen (Erlaß vom 
II. Dezember 1905, Z. 43443)- 

Ernannt wurden: 
zum Assistenten des General-Konservators 
II. Sektion P.\ur. Häuser in Wien (Erlaß vom 
21. November 1905, Z. 40612); 

zum Mitgliede: Dr. Emil Edler von Ottenthal, 
o. ö. Univ.-Prof in Wien (Erlaß vom 29. No- 
vember 1905, Z. 43169). 

Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommissioo 1905 



ZU Konservatoren: 

I. Sektion: Josef Bortlik., Kustos am Museum 
Carnuntinum in Deutsch-Altenburg, für die Bzh. 
Brück a. Leitha; 

Dr. Rudolf MOxsterberg, Kustosadjunkt am 
kunsthistorischen Hofmuseum in Wien, für die 
Bzh. Hietzing- Umgebung, Mödling, Tulln 
(Erlaß vom 27. Juni 1905, Z. 23120). 

IL Sektion; P. Benedikt Hammerl, Archivar und 
Bibliothekar des Stiftes Zwettl, für die Bzh. 
Gmünd, Waidhofen a. d. Thaya und Zwettl (Er- 
laß vom Q. Oktober 1905, Z. 35588). 

I. Sektion: Franz Lehnek, Gymn.-Prof in Linz, 
für die Bzh. Braunau, Ried, Schärding; 

Dr. Laurenz Pröi.l, Hofmeister des Stiftes Schlägl 
in Linz, für die Bzh. Rohrbach; 

Dr. Hermann Ubell, Kustos am Museum Frau- 
zisco-Carolinum in Linz, für die Bzh. Freistadt, 
Linz, Perg, Urfahr und die Stadt Linz (Erlaß 
vom 5. Dezember 1905, Z. 40145). 

I. Sektion: Dr. Adolf Bauer, Univ.-Prot. in Graz, 
für die Bzh. Deutsch-Landsberg, Leibnitz, Lut- 
tenberg, Marburg, Radkersburg und die .Stadt 
Marburg; 

Dr. Otto Cuntz, Univ.-Prof in Graz, für die 
- Bzh. Feldbach, Graz, Hartberg, Voitsberg, 
Weiz und die Stadt Graz; 

Dr. Franz Winter, Univ.-Prof in Graz, für die 
Bzh. und die Stadt Pettau (Erlaß vom 20. De- 
zember 1905, Z. 43987). 

II. Sektion: Leonhard Seehof, Baurat bei der 
Landesregierung in Troppau, für die Bzh. 
Freiwaldau, Freudenthal, Jägerndorf, Troppau, 
Wagstadt und die Stadt Troppau (Erlaß vom 
20. Dezember 1905 Z. 45493). 

29 



395 



Amtliches 



396 



ZU Korrespondenten: 

Franz Breitfelder, Bezirkshauptmann in Zwettl, 
Dr. Konstantin Jirecek, Univ.-Prof. in Wien 

(Sitzung vom 7. Juli 1905); 
Stephan Blumauer, Gymn.-Direktor in Kloster- 
neuburg, 
SiGisia^ND Hexdel, Direktor der Staatsgewerbe- 
schule in Lemberg, 
Viktor Houdek, Ministerialrat im Ministerium 

des Innern in Wien, 
Prälat Dr. Karl Jaenig in Prag, 
Stephan Rössler, Abt im Stifte Zwettl, 
Karl Rotky, Finanz-Oberinspektor in Villach, 
Arthur Graf Wolkenstein-Rodenegg, Bezirks- 
hauptmann in Bruneck 

(Sitzung vom 6. Oktober 1905); 
P. Edlarj) Domluvil, Religions-Prof. i. R. in 

VVal.-Meseritsch, 
Dr. Ignaz Zibermayr, Landesarchivar in Linz 

(Sitzung vom 27. Oktober 1905): 
Seine bischöfliche Gnaden Josüf Doubr.\wa, 

Bischof in Königgrätz, 
Dr. Josef Muczkowski, Landesgerichtsrat in Krakau, 
Dr. Thomas Wieser, O. S. B., Professor in Meran 
(Sitzung vom 1. Dezember 1905); 
Dr. Michael Haberlandt, Kustos am natur- 
historischen Hofmuseum in Wien, 
Karl Karger, Professor an der Kunstgewerbe- 
schule des Museums für Kunst und Industrie 
in Wien, 
Josef Leth, städt. Volksschullehrer in Wien, 
Dr. Anton Ritter von Premerstein, Sekretär des 
österr. archäol. Institutes in Athen 

(Sitzung vom 29. Dezember 1905). 

Wiederbestätigt wurden: 
die Mitglieder: 

Hofrat Dr. Arnold Luschin Ritter von Eben- 

greuth, 
Univ.-Prof. Dr. Oswald Redlich 

(Erlaß vom 15. Juli 1905, Z. 26180); 

die Konservatoren: 

Dr. Josef Walter, Stiftspropst in Innichen, 
Hofrat Dr. Franz Wieser Ritter von Wiesenhort 
(Erlaß vom 24. Juni 1905, Z. 21963); 
Dr. Franz Edler von Benak, Stadtrat in Wels 
(IL Sektion) (Erlaß vom 17. Juli 1905, Z. 26668); 
Franz Schiefthaler, Direktor der Staatshand- 



werkerschule in Linz (Erlaß vom 20. Juli 1905, 

Z. 27189); 
Klemens Cerm.4k, Direktor der Bürgerschule in 

Caslau, 
Dr. Thomas KoufeiL, Gymn.-Prof in Reichenau, 
Dr. Natale Trojanis, Erzpriester in Curzola 

(Erlaß vom 17. Juli 1905, Z. 25854); 
Kais. Rat Dr. Karl Siegl, Stadtarchivar in Eger 

(Erlaß vom 17. August 1905, Z. 31827); 
Dr. Albert Puschi, Direktor des Museo civico 

di antichitä in Trie.st (Erlaß vom 4. September 

1905, Z. 32826); 
Dr. Franz Edler von Benak, Stadtrat in Wels 

(I. Sektion), 
Landesgerichtsrat Edmund Schmidel in Steyr 

(I. Sektion) 

(Erlaß vom 5. Dezember 1905, Z. 40145); 
Josef Lacina, Realschul-Prof. in Prag (Erlaß vom 

12. Dezember 1905, Z. 44678); 
Josef Klvana, Gymn.-Direktor in Gaya, 
Dr. M.^RTiN Kfti2, Notar in Steinitz, 
Hofrat Prof. Alexander Makowsky in Brunn 

(Erlaß vom 14. Dezember 1905, Z. 44646). 



Die neu errichtete Bzh. Zastawna (Bukowina) 
wurde zugeteilt an die Konservatoren Klau.ser 
(I. Sektion), Dell (IL Sektion), Polek (III. Sektion) 
(Erlaß vom 10. Dezember 1905, Z. 43656). 



Gestorben ist der Konservator Kais. Rat 
Dr. Alexander Petter, Museumsdirektor i. R. in 
Salzburg. Er war seit 1885 Konservator I. Sektion 
in Salzburg und hat sich um die heimische archäo- 
logische Forschung sowie um die Ausgestaltung 
des Salzburger Museums große Verdienste er- 
worben. 

Amtliches 

Erlaß der k. k. n.-ö. Statthalterei betr. den Schutz 
von Archivbeständen 

Z. 1475 Pr. ex 1903. 

Wien, 12. Oktober 1905. 

An den Herrn k. k. Statthaltereirat 

in Wiener-Neustadt. 

Im hierortigen Auftrage hat der Direktor des 
k. k. Archives für Nieder-Osterreich über die Be- 
stände des Archives der Marktgemeinde Aspang 



397 



Sitzung vom 13. Oktober 1905 



398 



Erhebungen gepflogen. Wie hiebet festgestellt 
wurde, hat der Bürgermeister dieses Marktes in 
lobenswerter Weise dafür gesorgt, daß die vor- 
handenen älteren Gemeindeakten geordnet und 
feuersicher aufbewahrt wurden. Auf diese Weise 
wurde unersetzbares Gemeindeeigentum vor Ver- 
nichtung geschützt, was vom Standpunkte der Ge- 
meinde- und politischen Verwaltung volle An- 
erkennung verdient, zumal die Fürsorge des ge- 
nannten Gemeindevorstehers auch bedeutende wis- 
senschaftliche Interessen gefördert hat und schon 
deshalb als nachahmenswertes Beispiel hervorge- 
hoben zu werden Anspruch hat. Euer Hochwohl- 
geboren werden demnach aufgefordert, dem Ge- 
meindevorsteher von Aspang für diese seine Tätig- 
keit die volle hierortige Anerkennung schriftlich 
auszusprechen und dies in geeigneter Weise im 
Amtsblatte zu verlautbaren. Bei passender Ge- 
legenheit, etwa auch auf den Amtstagen, wollen 
der Herr k. k. Statthaltereirat es nicht verabsäumen, 
auch den übrigen Gemeindevorstehern dieses Be- 
zirkes davon Kenntnis zu geben und denselben 
die ihnen obliegende Vorsorge für eine geordnete 
und möglichst sorgfältige Verwahrung aller wich- 
tigen Aktenstücke angelegentlichst ans Herz zu 
legen. Auch wären die Gemeindevorsteher darauf 
aufmerksam zu machen, daß bei allenfalls geplan- 
ten Skartierungen von älteren Aktenbeständen das 
vorherige Einvernehmen mit dem zuständigen Kon- 
servator der k. k. Z. K. für Erforschung und Er- 
haltung der Kunst- und historischen Denkmale in 
Wien keineswegs zu unterlassen ist. 

Bei diesem Anlaß will ich nicht ermangeln, 
auch Euer Hochwohlgeboren für den wirksamen 
Einfluß, welchen Sie in richtiger Erkenntnis der 
Wichtigkeit des Gegenstandes auf die Gemeinde- 
vorstehung in Aspang im Sinne der künftigen Er- 
haltung ihrer Archivbestände gewonnen haben, 
meine volle Anerkennung auszusprechen. 



Wird der k. k. Z. K. behufs Kenntnisnahme 
mit dem Beifügen übermittelt, daß eine weitere 
Abschrift vorstehenden Erlasses unter Einem den 
Vorständen aller k. k. Bezirkshauptmannschaften 
in Nieder-Üsterreich behufs analoger Veranlassung 
mitgeteilt wird. Kielmannsegg m. p. 



Sitzungsberichte 

(vom Schriftführer verfaßt) 

Sitzung vom 13. Oktober 1905 (16. Sitzung der 

IL Sektion). 
Anwesende Mitglieder: Deixinger, Hekmank 

(Vorsitzender), Neum..vnn. — Schriftführer: 

Bauek. 

Böhmen 

Ref Deinixgek : Gegen die an der Kommendat- 
kirche in Kautz in Aussicht genommenen Her- 
stellungen: Ausbesserung des Verputzes, Über- 
steigen des Ziegeldaches, Färbelung im Innern, 
Olfarbenanstrich der Blechdeckung des Turmes, 
erhebt die Z. K. keine Einwendung. 

Ref Zumbusch: Korrespondent DiviS beantragt 
die Verlegung eines ungünstig aufgestellten Votiv- 
denkmales in Kladrub a. d. Elbe. Die Z. K. 
beschließt weitere Erhebungen zu pflegen. 

Ref. Zu.mbusch: Konservator DvoftÄK bean- 
tragt die Entfernung des farbigen Anstriches der 
Marien-Statuengruppe am Ringplatze in Po- 
licka. Die Z. K. erklärt sich hiemit einverstanden 
und empfiehlt, von jedem Anstrich des Sandsteines 
abzusehen. 

Ref. Zumbusch: Korrespondent Divis berichtet,, 
daß in der Filialkirche zu Semin a. E. beim 
Stirnportale rechts eine steinerne Grabplatte des 
XVI. Jh. eingefügt ist und beantragt, ihre Hebung 
und Aufstellung an der Kirchenwand, wofür sich 
die Z. K. verwenden wird. Der Korrespondent 
berichtet ferner, daß die in der Pfarrkirche be- 
findlichen Holzfiguren der Kirchenväter in 
neuerer Zeit in mißlungener Weise polychromiert 
wurden. 

Kärnten 

Ref. Neuwirth macht auf ein in der Fried- 
hofskirche St. Stephan in Finkenstein befind- 
liches doppelseitig gearbeitetes Relief (mit Szenen 
aus der Legende des hl. Stephan, Verkündigung 
Maria und hl. Michael als Seelenwäger) aufmerk- 
sam und beantragt die Einflußnahme der Z. K., 
daß jede Veränderung an diesem Relief, nament- 
lich eine Neubemalung vermieden werde. — An- 
genommen. 

Ref Neuwirth teilt mit, daß die h. a. zum 
Schutze der Malereien beantragten Vorkehrungen 

29* 



3Q9 



Sitzang vom 13. Oktober 1905 



400 



am Stiegenaufgange des Donjons in Friesach 
in entsprechender Weise durchgeführt wurden. 

Ref. Nf.cwtrth teilt mit, dali er sich gegen 
die Freilegung der Apsiden des Gurker Domes 
ausgesprochen habe, da sie von der fraglichen 
Seite immer geschlossen waren und dieser Zu- 
stand also etwas historisch Gew^ordenes repräsen- 
tiert. Dagegen unterstützt Referent die Absicht, 
zur Entfeuchtung der Krypta einen Lichtgraben 
bis unter das Apsidenniveau zu fuhren und mit 
grobem Schotter auszufüllen: ferner die Arkaden 
im Xonnenchor wieder zu eröffnen, da hiemit ein 
kunstgeschichtlich interessantes Detail der ersten 
Anlage wiedergewonnen und eine kunstgeschicht- 
lich bedeutsame Einzelheit nicht preisgegeben 
würde. Die Wiederherstellung der Dreifaltigkeits- 
kapelle sei nicht einwandfi-ei, namentlich ist der 
für die Wandfärbelung gewählte Ton und die 
Markierung des Steinschnittes der Rippen, die 
Polychromierung'des Holzreliefs und die Pflaste- 
rung zu bemängeln und insbesondere zu bedauern, 
daß unter der Tünche eine Reihe von Propst- 
bildnissen verschwand. — Referent regt weiters 
folgende Maßnahmen an: Die Holzreliefs der 
alten Haupteingangstür, die stückweise herabzu- 
fallen drohen, .sind vom Staub zu reinigen und 
durch eine Glasplatte zu schützen; die Szenen des 
untersten Bildstreifens der Vorhalle, die heute nur 
halbe Darstellungen bieten, sind gänzlich bloß- 
zvdegen; das Ziegelpflaster im Xonnenchor ist un- 
verändert beizubehalten; das Sakristeiportal im 
linken Ouerhausarm ist von der Tünche zu reinigen; 
die Kanzel ist vorsichtig zu reinigen, ausgesprungene 
Stellen, die nirgends einen großen Umfang ein- 
nehmen, können ergänzt w- erden: der alte Gold- 
ton ist überall beizubehalten, für die Bekämpfung 
des Holzwurmes in den Reliefs mit den Darstel- 
lungen aus der Hemmalegende ist Vorsorge zu 
treffen : zur Sicherung der neu befestigten Blumen- 
thalschen Gemälde hinter dem Hochaltare ist für 
die entsprechende Lüftung des Raumes zu sorgen. 
Die Z. K. erklärt sich damit einverstanden. 

Ref. Xeuwirth beantragt die vorsichtige Reini- 
gung der Holzdecke in der Kirchenvorhalle zu 
Launsdorf unter Vermeidung jedweder Ergän- 
zung der Bemalung, das Xeuaufhängen der Decke 
an festen Balken und die Entfernung des Gerum- 
pels aus dem darüberliegenden Dachraum. Die 



Z. K. beschließt, die weiteren Schritte einzu- 
leiten. 

Ref. Xelwikth empfiehlt, den Holzplafond im 
Langhause der Kirche zu Malestig mit Aus- 
nahme des durch den Holzschwamm infizierten 
Stückes unter Vermeidung jedweder Ergänzung 
der Malereien zu reinigen; femer wäre zur Ab- 
wehr der Feuchtigkeit eine leichte Holzdecke 
über den Plafond zu legen, der Zwischenraum 
mittels Kies auszufüllen und das Dach gut im- 
stand zu halten. Auch wäre eine Reinigung der 
Malereien iChristnphorus, Margaretha, darüber 
eine Kreuzigungsdarstellung) an der äußern rech- 
ten Langhausmauer vorzunehmen. ' Die Z. K. er- 
klärt sich hiemit einverstanden. 

Ref. Xelwikth beantragt, am Holzplafond 
der Kirchenvorhalle in St. Martin bei Hoch- 
osterwitz Reinigungen vorzunehmen. Die Z. K. 
beschließt, die weiteren Schritte einzuleiten. 

Ref. Xeuwirth empfiehlt i. die omamentale 
Holzdecke in einem Gemache des Pfarrhofes zu 
Obervellach von der Tünche zu reinigen und 
folgende Herstellungen in der dortigen Pfarr- 
kirche vorzunehmen: Ausbesserung des Pflasters 
unter Beibehaltung der alten Platten, Auswechs- 
lung der vermorschten Unterlagen der Kirchen- 
stühle, Ergänzung einzelner eingelegter Teile der- 
selben. Der spätgotische Sebastiansaltar mit der 
Madonna sollte an einem geschützten Ort auf- 
gestellt werden ; der Orgelkasten mit Darstellungen 
der hl. Zäzilia und Davids ist zu reinigen, ein 
hinter demselben stehendes Kirchengestühl ent- 
sprechend aufzubewahren; gegen die Aufstellung 
einer Bankreihe auf jeder Seite des Presbyteriums 
ist keine Einwendung zu erheben. Die Außen- 
mauem sind vom Pflanzenwuchs zu befreien. An 
dem Scorellschen Altargemälde ist lediglich der 
Barockrahmen zu reinigen und der die vollkommene 
Besichtigung des Bildes ermöglichende Drehapparat 
durch einen besser funktionierenden, das Gemälde 
nicht gefährdenden zu ersetzen; 2. an der Xord- 
seite der Filialkirche zu Söbriach zur Behebung 
der Feuchtigkeit ein Luftgraben zu ziehen und 
die vom Triumphbogen herabhängende Rosen- 
kranzmadonna unv^erändert zu belassen. Die Z. K. 
beschließt, sich im Sinne der gestellten Anträge 
zu bemühen. 

Ref. Xelwu<.th beantragt die Genehmigung 



40I 



Sitzung vom 13. Oktober 1905 



|02 



des Kostellüberschlages für die Erhaltung der 
Frohmillerschen Fresken in der Stiftskirche zu 
Ossi ach mit Ausnahme der in Aussicht genom- 
menen Ergänzung der teilweise abgefallenen 
Stukkoumrahmung des Margarethenbildes über 
dem Orgelchore. Neben dem Abklopfen des 
kranken Verputzes und dem Abgraben des Ter- 
rains wäre noch ein Liiftgraben zur Entfeuchtung 
der Kirche in Aussicht zu nehmen und für Venti- 
lationsvorrichtungen bei den Fenstern zu sorgen. 
Die Z. K. erklärt sich hiemit einverstanden. 

Referent bedauert die in der Kirche bisher 
vorgenommenen Herstellungen : die Neustaffierung 
des Hochaltares, den Neuverputz des Innern der 
beiden Seitenapsiden, deren Altäre verschwunden 
sind, die Aufstellung eines modern-gotischen Altares 
im rechten Querhausarme, die Einsetzung einer 
gewöhnlichen Zimmertür in diesem Räume: die 
Anbringung von Glasmalereien, die, an und für 
sich nicht schlecht, die Beleuchtungsverhältnisse 
ungünstig beeinflussen, endlich die Anbringung 
eines schreiend vergoldeten, geschmacklosen Holz- 
aufsatzes auf dem Taufstein der gotischen Kapelle. 
Die Z. K. beschließt, sich gegen die Vornahme 
derartiger eigenmächtiger Veränderungen auf das 
entschiedenste zu verwahren. 

Ref. NiiuvviRTH teilt mit, dal.l er auf drund 
seiner Untersuchung die Malereien im Kam er 
zu Pisweg nicht als gefährdet bezeichnen könne 
und lediglich die Sicherung des Bildes „Anbetung 
der Könige" über der Tür beantrage. Dagegen 
wären die Fensteröffnungen mit Drahtnetzen zu 
schließen, um das Hereinfliegen der Vögel zu ver- 
hindern, ferner wäre das Heilige Grab aus der 
Apsis wegzurücken, weil durch Hantierungen bei 
demselben die Malereien beschädigt werden. Die 
Z. K. tritt für diese Maßnahmen ein und bewilligt 
zu ihrer Durchführung eine Subvention von 50 K. 

Ref. Nkuwirth beantragt, die Glasmalereien 
in der Filialkirche zu Stallhofen unberührt zu 
lassen, die Arbeiten an der Kanzel auf eine Reini- 
gung zu beschränken und die Wandmalereien 
an der linken Chorwand auf ihre Restaurierung.s- 
bedürftigkeit zu untersuchen. Ferner wären die 
Fresken im Zubau zur Franziskuskapelle zu reini- 
gen und zu fixieren, die Laterne gegen das Ein- 
dringen von Regenwasser zu sichern. Die Z. K. 
beschließt, die weiteren Schritte einzuleiten. 



Krain 

Die Z. K. stimmt der beabsichtigten Cioti- 
sierung des Turmes bei der Pfarrkirche in Rad- 
mannsdorf nicht zu und spricht sich für die Er- 
haltung des Turmes im dermaligen Bestände aus. 

Nieder-Österreich 
Ref.DKiN'iN'<;i;K:AmSt. Stephansdome in Wien I 
wurden im Jahre 1904 folgende Arbeiten durch- 
geführt: I. die Restaurierung von Grabdenkmalen 
und Votivbildwerken. Zunächst wurde zum Schutze 
des im Baujahre i go3 restaurierten Olberges am 
Äußern des Zwölf Boten-Chores eine Bedachung 
mit Kupferblech über der ganzen Breite der Chor- 
nische ausgeführt. Die in dieser Chornische be- 
findlichen Grabdenkmale des Kirchenmeisters Lien- 
hart Lackner und des Bürgers Franz Lackner 
sowie die von Lienhart Lackner gestiftete Toten- 
leuchte wurden restauriert. In der westlich an- 
grenzenden Chornische wurde die Grabplatte des 
Bürgers Franz Staub einer Restaurierung unter- 
zogen und die Renovierung' des Votivbildwerkes 
„Christi Abschied von den Frauen" begonnen. An 
der nordwestlichen Ecke des Domes wurde eine 
getreue Kopie einer kleinen spätgotischen schon 
vor Jahren abgetragenen Totenleuchte aufgestellt. 
2. Die Restaurierung der Chornische n. 13 ist be- 
endet; ihre Sockel und Abdachungsgesimse sind 
neu hergestellt, das schadhafte Pflaster ist entfernt 
und durch Hausteinplatten ersetzt. 3. Für die 
Restaurierung der Ziergiebel an der Nordseite des 
Langhauses und seiner äußeren Wände mit den 
Strebepfeilern wurde ein Gerüst aufgestellt. 4. Die 
Restaurierung der Strebepfeiler und Wände an 
der Nordseite der Tirnakapelle ist nahezu voll- 
endet. Hier wurde eine größere Partie des Haupt- 
gesimses, der Baldachin am zweiten Strebepfeiler, 
die Kordongesim.se und die Sockelgliederungen 
von der nordwestlichen Ecke des Domes bis zum 
Anschluß an die Vorhalle beim Bischoftor neu 
hergestellt. 5. Die Restaurierung der Heidentürme 
wurde beendet. 

Für das Baujahr 1905 ist in Aussicht ge- 
nommen: die Fortsetzung der Restaurierung i. der 
Epitaphien und Votivbildwerke; 2. der Ziergiebel 
und des Äußern des nördlichen Langhauses; 3. an 
der Nordseite der Tirnakapelle. Die Z. K. erklärt 
sich mit diesem Programm einverstanden. 



403 



Sitzung vom 13. Oktober 1905 



404 



Ref. Deininger : Gegfen die geplante Xeube- 
malung der Pfarrkirche in Mauer beschließt die 
Z. K. unter der Voraussetzung' keine Einwendung 
zu erheben, daß die derzeit bestehende tigurale 
Bemalung der Stirnseite des Triumphbogens er- 
halten bleibe. 

Ref. Zumbusch: Konser%^ator Stauh berichtet 
über den Friedhof in Pottendorf: Die Pietä be- 
finde sich in gutem Zustande, so daß höchstens 
ein Verkitten der Fugen erforderlich sei. Hingegen 
sei bei zahlreichen barocken Grabsteinen und sol- 
chen aus der Empirezeit der Verwitterungsprozeß 
schon stark vorgeschritten. 

Ref Zu.mbusch: Konservator Staub befürwortet 
die beabsichtigte Übertragung des Grabmals des 
Georg Wetzer von Eberstein vom linksseitigen 
Oratorium (gegenwärtig Paramentenkammer) der 
Pfarrkirche in Piesting in die östliche Seiten- 
nische des Hauptschiffes. Die Z. K. erklärt sich 
hiemit einverstanden. 

Ref. Zlmbusch: Korrespondent Kiessling be- 
richtet, daß die LTberreste der ehemaligen Pranger- 
säule mit der Jahreszahl 1544 und einem Glocken- 
kapital zu Weitersfeld im Sand unter der Traufe 
des Fritzschen Gasthauses gefunden wurden, und 
daß ihre Wiederaufstellung in Aussicht ge- 
nommen ist. 

Ober-Österreich 

Ref Zlmbusch: Korrespondent Kr.^nzel be- 
antragt, die Z. K. möge sich verwenden, daß ein 
Wappen st ein unter dem Eingangstore der zum 
Abbruche bestimmten Finanz wachkaserne in 
Gmunden dem o.-ö. Landesmuseum überlassen 
werde. — Angenommen. 

Ref. Deininger: Die Z. K. beschließt, für die 
notwendigen Konservierungsarbeiten am Lederer- 
turm in Wels eine Staatssubvention zu befür- 
worten. 

Salzburg 
Ref. Deininger: Konservator Geppert berichtet, 
daß in Oberndorf a. d. Salzach der Bau einer 
neuen Pfarrkirche bevorstehe. Die gegenwärtige 
Kirche aus dem XVIII. Jh. sei baufällig. Ihre Re- 
staurierung sei ausgeschlossen, weil die Fundamente 
der Südseite auf einem Pfahlrost gebaut wurden, 
welcher infolge ungleichen Grundwasserstandes 
gänzlich verfault ist, so daß sie heute auf Schwimm- 



sand ruhen. Der Konservator beantragt: i. gegen 
den in Neu-Oberndorf beabsichtigten Bau einer 
neuen Kirche keine Einwendung zu erheben; 2. die 
alte, wenn auch zu gottesdienstlichen Zwecken 
nicht mehr verwendbare Kirche, oder wenigstens 
deren bis in die romanische Zeit zurückreichenden 
Turm ein.-^tweilen nach Vornahme einiger Kon- 
servierungsmaßnahmen stehen zu las.sen; 3. einige 
wertvolle Gemälde in den Neubau zu übertragen. 
— Angenommen, falls die technische Durchführung 
möglich sei. 

Steiermark 

Ref. LustHLS' teilt mit, er habe sich gegen den 
beabsichtigten L^mbau der gotischen stimmungs- 
vollen Pfarrkirche zum hl. Geiste in Graben- 
dorf bei Polstrau ausgesprochen und die Erbau- 
ung einer neuen Kirche befürwortet, deren Kosten 
kaum höher als jene des Umbaues kommen 
dürften. Die Z. K. erklärt sich hiemit einver- 
standen. 

Ref. Luschin teilt mit. daß die schmucklose 
Pfarrkirche zu LaporjebeiPörtschach(XVni.Jh.) 
aus Kultusrücksichten erweitert werden soll, in- 
dem unter Erhaltung von Chor und Schiff ein An- 
bau nach vorne erfolgt. Die Z. K. beschließt, unter 
der Bedingung eine Einwendung nicht zu erheben, 
daß hiefur ein entsprechendes Projekt ausgearbeitet 
wird. 

Tirol 

Konservator Atz berichtet, daß er sich über 
Anregung des Korrespondenten Ixa-ma wegen 
Durchführung notwendiger Dachausbesserungen an 
der Filialkirche St. Jakob oberhalb Tramin 
verwendet habe. 

Ref. Neuwirth beantragt, den schädigenden 
Baum wuchs vom Mauerwerk der Mühlbacher 
Klause zu entfernen und für seine Entfeuchtung 
und die notwendigsten Sicherungen zu sorgen. 
Die Z. K. beschließt, die weiteren Schritte ein- 
zuleiten. 

Ref Neuwirth: Die Z. K. beschließt, die Siche- 
rung des Daches des durch seine Malereien und 
Stukki interessanten Rittersaales des Schlosses 
Seebegg bei Klausen sowie die Reinigung des 
Deckenbildes in einem benachbarten Zimmer und 
des dasselbe umschließenden Stukkokranzes in An- 
regung zu bringen. 



405 



Sitzungen vom 27. Oktober 1905 



406 



Ref. Neuwirth beantrag-t: i. die Z. K. möge 
die Holzdecke in der Kapelle der Burg- Taufers 
und die Malereien in der Apsis und am Triumph- 
bogen bloi31egen; 2. die Z. K. gebe nicht zu, daß 
der barocke Hochaltar in der Pfarrkirche zu 
Tau fers durch einen modern gotischen ersetzt 
werde. — Beide Anträge angenommen. 

Sitzungen vom 27. Oktober 1Q05 (7. Sitzung des 
Plenums, 7. Sitzung der I. Sektion, 17. Sitzung 
der IL Sektion). 

Anwesende; Der Präsident (Vorsitzeader). Mit- 
glieder: Deininüer, Hermann, Kenner, Kubit- 
scHEK, MucH, Neumaxn, Neuwirth, Redlich, 
Reisch, V. Zumbusch. — Konservator Hoernes. 
— Schriftführer: Bauer. 

Allgemeines 

Ref. Zumbusch: In der am 20. Mai 1. J. abge- 
haltenen Sitzung des Kun.strates hat Se. Exzellenz 
Minister a. D. Graf Baillet de Latour auf die 
traurigen Zustände auf alten Friedhöfen hinge- 
wiesen und empfohlen, dafür zu sorgen, daß die 
alten Friedhöfe und insbesondere die alten Grab- 
denkmale auf denselben erhalten werden. Das 
k. k. Mini-sterium f. K. u. U. pflichtete dieser An- 
regung in der Erwägung bei, daß die Beseitigung 
oder Vernachlässigung der alten, oft künstlerisch 
oder kunstgewerblich hoch interessanten Grabmale 
einerseits einen unwiederbringlichen Verlust an 
heimischem Kunstgute, anderseits häufig auch 
einen Mangel an Pietät für die Grabstätten von 
Menschen bedeute, die ihrer Heimat zur Ehre und 
zum Nutzen gereicht hätten. Das Ministerium hat 
sich daher an alle politischen Landesstellen mit 
dem Ersuchen gewendet, im Sinne dieser An- 
regungen mit den einzelnen Kommunal- und kirch- 
lichen Behörden sich ins Einvernehmen zu setzen 
und auf eine möglichste Erhaltung der alten Fried- 
höfe und ihrer alten Grabdenkmale seitens dieser 
Faktoren hinzuwirken. Der Bürgermeister der 
Stadt Wien, dessen Intentionen sich in der gleichen 
Richtung bewegen, wurde ersucht, jene Maßnahmen 
bekannt zu geben, welche zur Erreichung dieses 
erstrebenswerten Zieles bereits ergriffen wurden 
oder ergriffen werden sollen. 

Die Z. K., welche wiederholt die gleichen 
traurigen Wahrnehmungen gemacht und sich auch 



mit Erfolg auf diesem Gebiete bemüht hat, be- 
schließt, die vom Ministerium eingeleiteten Schritte 
dadurch zu unterstützen, daß sie 

1. Erhebungen pflegt über Friedhöfe mit no- 
torisch wertvollen Kunstdenkmälern und für deren 
Erhaltung in besonderem Maße eintritt; 

2. ihre Konservatoren und Korrespondenten 
anweist, wann immer konkrete Fälle der Ver- 
nachlässigung von Friedhöfen oder einzelnen Grab- 
denkmalen oder Grabstätten zu ihrer Kenntnis 
kommen, die berufenen Persönlichkeiten aufmerk- 
sam zu machen und auf die Abstellung der vor- 
handenen Übelstände zu dringen, endlich von dem 
Vorfalle der Z. K. Bericht zu erstatten. 

Korrespondent Mörath legt ein Exemplar 
seiner Abhandlung „Einige Bemerkungen zu den 
Porträts der letzten Rosenberger" vor. 

Böhmen 

Ref. DvoftAK beantragt die Fixierung der 
aus dem XIII. und XIV. Jh. stammenden Malereien 
im Schiff'e der Franziskuskirche beim Agnes- 
kloster in Prag. 

Ref. Dvoft.\K: Die Z. K. spricht sich gegen das 
Projekt für die Restaurierung der Heinrichs- 
kirche in Prag aus, weil dieses auf eine Re- 
gotisierung der Kirche abzielt. Es hätten vielmehr 
sowohl die gotischen als die barocken Teile der 
Kirche, da sie keine konstruktiven Schäden auf- 
weisen, unberührt zu bleiben, mit Ausnahme einer 
eventuellen Sicherung des Turmhelmes. An der 
Außen- und Innendekoration können folgende Her- 
stellungen empfohlen werden : 

1. Am Äußern ist der herabfallende Verputz 
zu beseitigen, die gotischen Teile unverputzt zu 
belassen; an den barocken Seitenkapellen kann der 
Verputz erneuert werden ; 

2. im Innern ist die geschmacklose, moderne 
pseudogotische Ausmalung zu entfernen und die 
Überreste der barocken Dekoration beizubehalten, 
ferner muß der die barocke Umdeutung des Raumes 
begleitende Versuch, mit barocken Mitteln den 
Schein eines gotischen Baues zu erw^ecken, berück- 
sichtigt und möglichst bewahrt werden ; demnach 
sind die rotbraunen Pfeiler mit goldenen Kapi- 
talen unangetastet zu belassen, die übrige Kirche 
und die Wölbung in einem einfachen Steinton zu 
färbein, wobei die Schein- und wirklichen Rippen, 



407 



Sitzungen vom 27. Oktober 1905 



408 



wie auch die Fenster- und Türumrahmungen durch 
einen etwas dunkleren Ton hervorgehoben werden 
können. Dieselbe Malerei grau in grau ist auch 
bei den Seitenkapellen und in der Vorhalle anzu- 
wenden, sonst aber die ganze Innenausstattung un- 
berührt zu belassen. 

Ref. DvoS.\k: Die Z. K. spricht sich gegen 
die geplante Restaurierung der Johanneskirche 
am Hradschin in Prag aus, da sie die Alters- 
spuren der Kirche verwische und in die stim- 
mungsvolle Umgebung des Baues eine empfind- 
liche Bresche lege. Es sollen nämlich nach dem 
Projekte nicht nur die alten Skulpturen in einer 
weitgehenden Weise wie auch die architektonischen 
Glieder der Fassade erneuert werden, sondern auch 
auf die Attika sechs ganz neue Statuen gestellt 
und der unvollendete Turm ausgebaut werden. Die 
Z. K. beantragt folgende Herstellungen: 

1 . An der Fassade : Vollkommen zu erneuern 
ist nur die rechte zerstörte Engelsfigur am Por- 
tale ; zu ergänzen wäre der Kopf der linken Karya- 
tide am Portale, die Hände des linken Engels da- 
selbst, die Hände der Figur in der rechten Nische 
und der Kopf des rechten Putto neben der Statue 
des hl. Johannes. 

Von den architektonischen Teilen sind nur 
jene zu erneuern, bei welchen dies unbedingt not- 
wendig ist: dasselbe gilt für die Balustrade vor 
dem Portale und für die Treppe. 

2. Im Innern: Die Kuppelmalereien von 
Wenzel Reiner haben teilweise durch Feuchtig- 
keit gelitten, so daß Sicherungsmaßnahmen gegen 
das Eindringen der Nässe an der Wölbung zu 
treffen und die sich abblätternden Stücke der Ge- 
mälde zu befestigen wären. Die Xachdunkelung 
der Malereien der Hauptkuppel ist durch eine 
Reinigung zu beseitigen. Die Bemalung der 
Wände, welche den Eindruck des Raumes und 
der Kuppelmalereien schädigt, sollte entfernt und 
durch eine einfache Abtönung der Wände ersetzt 
werden. 

Ref. DvoftAK : Konservator Cekmak berichtet 
über Renaissancefunde in einer alten Töpfer- 
stätte zu Cä.slau. 

Ref. Dvofi.iK: Konservator Sedlacek legt eine 
Photographie des Flügelaltares in der Filialkirche 
zu Lang-Lhota bei Pfibram vor. 

Ref. DvoftÄK.: Gegen die Herstellung eines 



Daches am westlichen Portale der Pfarrkirche 
in Libcan wendet die Z. K. nichts ein. 

Ref. Neuwirth : Konservator Algst berichtet, 
daß er die Zumauerung der Marktlauben am 
Hause Nr. ii und 12 (Gasthaus zum Rathaus) in 
Schönlinde zum Anlaß genommen habe, um das 
Bürgermeisteramt auf die Pflicht der möglichsten 
Erhaltung der von den Vorfahren überkommenen 
Denkmale aufmerksam zu machen, und daß er 
hiebei erfreulicherweise entgegenkommendes Ver- 
ständnis gefunden habe. 

Ref. Dvoft.\K : Konservator Pippich berichtet 
über die Aufdeckung eines Wandgemäldes aus dem 
Anfang des XVIII. Jh. in der Pfarrkirche zu 
Böhmisch-Skalitz; es stellt die aus dem Fegefeuer 
durch eine Engelschar erlösten Menschenseelen dar. 
Der Berichterstatter wird "weitere Erhebungen 
pflegen. 

Ref Dvoft.\K: Korrespondent Divis berichtet 
über Grabplatten mit Reliefs aus dem Ende des 
XVI. und dem Anfang des XVII. Jh., die an der 
Außenseite der Filialkirche zu Starkoc zum 
Teile im Erdboden verborgen sind, und deren Bloß- 
legung in Aussicht genommen sei; ferner be.steht 
die Treppe zum Stirnportal der Kirche zum Teile 
aus Grabplatten, welche gehoben und an den 
Kirchenwänden aufgestellt werden sollten. Da die 
Kirche an der Decke und an den Wänden bei 
den Fenstern des Schiffes Sprünge zeigt, wäre eine 
Untersuchung ihres Bauzustandes vorzunehmen. 
Die Z. K. wird weitere Schritte einleiten. 

Ref. DvoftAK: Die Aktiengesellschaft zur Kalk- 
und Zementerzeugung in Prag teilt mit, daß die 
Bedingungen zur Ausbeutung eines Steinbruches 
in der Nähe der Burgruine Tetin seinerzeit unter 
Ingerenz des berufenen Konservators festgestellt 
wurden, und daß die Gesellschaft schon durch 
sechs Jahre auf der der Ruine zugekehrten Seite 
keinen Stein brach. 

Dalmatien 
Ref DvoftAK : Konservator Tamino berichtet, 
daß im Mai 1. J. die Reste der Festungsmauer 
gegen den Hafen von Pago, welche noch einen 
venezianischen Wappenlöwen trugen, demo- 
liert wurden, wobei der Löwe unversehrt blieb und 
im neu zu errichtenden Gemeindehause aufgestellt 
werden soll. Ein zweiter Wappenlöwe von künst- 



409 



Sitzungen vom 27. Oktober 1905 



410 



lerischem Wert wurde in den sechziger Jahren im 
Stalle eines Privathauses eingebaut und bis zur 
Hälfte im Stallboden vergraben. Vorsuchi' zur Er- 
worbung dieses Löwen für das Museum San Do- 
nato blieben erfolglos. Im abgelaufenen Jahre 
wurde die alte venezianische Brücke demoliert, 
eine eiserne ist im Bau; die steinerne Gedenktafel 
aus dem Jahre 1728 wird aufbewahrt. 

Ref. KiBrrscHEK : Korrespondent Kakr legt 
ein Exemplar der von ihm verfaßten Abhandlung 
vor: Über das ursprüngliche Grab des hl. Dom- 
nius, Bischofs und Märtyrers von Salona. Der 
Verfasser sucht die anderwärts vertretene Ansicht, 
(laß in der Basilika von Manastirine die Gräber 
der Opfer der Diokletianischen Christenverfolgung 
von 299 aufgefunden wurden, zu widerlegen und 
kommt zu dem Schlüsse, daß das ursprüngliche 
Grab des hl. Domnio in der Krypta der heute noch 
im Mittelpunkte des Dojmokultus stehenden Kapelle 
S. Dojmo, 100 ;;/ südöstlich von der genannten 
Basilika, zu suchen sei. 

Ref. Dvoäak: Die am 26. und 28. Mai 1. J. ab- 
gehaltene Sitzung der Palastkonimission in 
Spalato hatte folgenden Verlauf: Die Frage der 
Abtragung des Episkopiums wurde von der 
Tagesordnung dieser Sitzung abgesetzt; die am ein- 
sturzdrohenden Teile der östlichen Umfassungs- 
mauer neben der Porta argentea vorzunehmen- 
den Sicherungsarbeiten werden dem Lokalaus- 
schusse im Einvernehmen mit Rektor Niemann 
überlassen; da bei den schadhaften zwei Säulen 
und dem darauf lastenden Bogen des Peristyls 
am Domplatze eine eminente Einsturzgefahr 
nicht vorhanden ist, wird beschlossen, die be- 
treffende Restaurierung nach Abtragung aller links- 
seitigen Bögen des Peristyls gleichzeitig mit der 
Rekonstruktion der anschließenden Kapelle durch- 
zuführen ; da das Gerüst des Domkampanile den 
Palast und die Stadt sehr gefährdet, wird die 
baldige Vollendung der Arbeiten am Kampanile 
verlangt; die Fugenausfüllung der Quadern mit 
Zement statt mit Kalkmörtel, der im dortigen 
Klima bald abbröckelt, wird genehmigt und be- 
schlossen, die neu eingesetzten Steine durch 
eine andere Bearbeitung der Außenseiten als solche 
kenntlich zu machen; die Verrechnung der Do- 
tation von 4000 A' für die Sicherung zweier Bögen 
nächst dem nordöstlichen Eckturme (Paparella- 

Mitteilungen der k k. Zentral-Kommission 1905 



türm), für die Restaurierung der Galerie oberhalb 
der Porta ferrea, für photographische Aufnahmen 
und Transportspesen wird mit einem verfügbaren 
Reste von rund looo Ä' genehmigt; der Ankauf 
der an die Rückseite des Baptisteriums ange- 
bauten Häuser JoSeviC und Romagnolo (341, 342) 
wird neuerlich empfohlen ; bei der Demolierung 
vorgefundene Steinstücke von archäologischem oder 
kunsthistorischem Werte sind an das Staatsmuseum 
abzugeben; die im Hofe des Episkopiums an der 
Nordseite des Domes befindliche provisorische 
Abortanlage wäre auf den Platz des im März 
1. J. demolierten ehemaligen Hospizes von Paludi 
zu verlegen; das zwischen Episkopium und Dom- 
kirche aufbewahrte, vom alten Domkampanile her- 
rührende bisher nicht zur Verwendung gelangte 
Steinmaterial wäre wegzuräumen, der Zwischen- 
trakt zwischen dem alten Episkopium und der an 
die Domkirche angebauten Kapelle des hl. Dojmo 
abzubrechen, das Erdmaterial am Sockel der Dom- 
kirche abzutragen und die schadhaften Stellen 
des Sockels des Architravs des Peripteros auszu- 
bessern ; die Verweigerung einer Betriebsanlage 
mit einem Benzinmotor nächst der Porta aurea 
seitens der Gewerbebehörde wurde mit Befriedigung 
zur Kenntnis genommen. 

Die Systemisierung einer Ingenieurstelle in 
der IX. Rangklasse für einen architektonisch vor- 
gebildeten Staatsbautechniker mit der Bestimmung, 
daß derselbe unter Aufsicht und Oberleitung des 
Vorstandes der Bezirksbauleitung in Spalato als 
Hilfskraft für die Palastkommission zu fungieren 
habe, wurde beantragt; die Sicherung einzelner 
Partien des Vestibüls (Rotunde) erwies sich als 
notwendig ; gegen die Aufführung eines drei- 
stöckigen Neubaues mit Giebelaufbau auf dem 
noch unverbauten Grunde links von der zur Porta 
aurea hinabführenden Treppe wird Einsprache er- 
hoben, da hiedurch der an die Porta aurea an- 
stoßende, noch ziemlich wohlerhaltene Teil der nord- 
seitigen Pala,stmauer gänzlich verdeckt werden 
würde ; der Anbringung einer Terrasse an Stelle 
eines Daches auf dem dem Kaffeesieder Prezzi ge- 
hörigen Hause in der Gasse Put tamnica wird zu- 
gestimmt, wenn dadurch die Südfassade des Pa- 
lastes nicht mehr verdeckt wird als bisher, das 
antike Gesimse unter den Säulen geschont und 
keine neuen Löcher in die Palastmauer gemacht 

30 



4«t 



Sitsongeti vom 27. Oktober I9O3 



412 



werden; dem Advokaten DimitkoviC wurde seitens 
des Lokalausschusses die Bewilligung zur Aus- 
besserung der im Zug'e der Südfassade des Pa- 
lastes oberhalb der Porta aenea befindlichen Mauer, 
an w"elcher sein Haus ang"ebaut ist, erteilt, weil diese 
Ausbesserung (Auswechslung einiger schadhafter 
Steine, innere Verstärkung der Mauer) wegen Ein- 
sturzgefahr notwendig war ; mit Bedauern wurde 
jedoch zur Kenntnis genommen, dad Dlnotrovic 
über diese Erlaubnis hinaus die Fensteröffnungen 
in dieser Mauer verändert und eine Balustrade 
auf der Mauer ausgeführt habe: gegen die Her- 
stellung einer Terrasse auf dem Hause Nr. 344 in 
der Gasse Ulica dosud wird keine Einwendung 
erhoben ; die Notwendigkeit weiterer Grabungen 
bei der Porta aurea behufs Erforschung und Bloß- 
legung der unteren Partien wird beschlossen. 

Ref. Dvorak : Die Z. K. be.schließt, eine Pe- 
tition der Bürgerschaft von Spalato zu unter- 
stützen, in welcher um die Sistierung des von dem 
Kaffeesieder Prezzi begonnenen vollständigen Neu- 
baues seines Hauses anstatt der von der Palast- 
kommission (vgl. Sp. 410) bewilligten Rekonstruk- 
tion ersucht wird. 

Ref. DvoK.\K : Korrespondent Ivekovic berich- 
tet, daß er nach Untersuchung des Domes von 
Trau folgende Herstellungen empfehle : Ver- 
stärkung der Fundamente im Sinne der h. a. An- 
träge, Erneuerung des Dachstuhles über dem Mittel- 
schiffe, Ausbesserung der Dachdeckung aller drei 
Schiffe, Auswechslung einzelner schadhafter Steine 
an den Fassaden, Rekonstruktion des letzten 
Stockwerkes des Turmes samt dem Turmhelrae. 

Kärnten 
Ref. Neuwtrth macht auf den trostlosen Zu- 
stand der alten Pfarrkirche St. Oswald in Ober- 
Seeland aufmerksam. Der Bau zeigt von unten 
bis oben starke Sprünge. Durch die offenstehenden 
Türen finden die Tiere der benachbarten Bauern- 
höfe ungehinderten Zutritt; die Verglasung der 
Fenster fehlt; in dem Langhause ist vor dem 
Triumphbogen über dem rechten Seitenaltar so- 
wie über dem Musikchor ein großes Stück der 
Decke bereits herabgefallen, so daß die ganz schad- 
haften und morschen Dachbalken bloßliegen ; das 
verfallene Dach leistet dem Schnee und Regen 
kernen Widerstand : in ähnlichem Zustande be- 



findet sich die Einrichtung, von der der Hochaltar 
ein beachtenswertes Werk bäuerlicher Barock- 
kunst ist. Unter dem herabfallenden Verputz treten 
Wandmalereien zutage, im Presbyterium S. Mi- 
chael als Seelenwäger und eine Geißelung Christi. 
Die Z. K. beschließt, für die Erhaltung der Kirche 
' einzutreten, an welcher das Dach herzustellen und 
für einen entsprechenden Verschluß von Fenstern 
und Türen zu sorgen wäre : über die zur Bloß- 
legung und Fixierung der Wandmalereien notwen- 
digen Arbeiten werden weitere Erhebungen ein- 
geleitet. 

Ref. Nelwu(th teilt mit, daß nach Mitteilungen 
des Malers Viertelberger die Dachungen des bi- 
schöflichen Schlosses in Straßburg bei Gurk 
sich in einem desolaten Zustande befinden ; vom 
Hauptbaue sind die Gewölbe zum Teile einge- 
stürzt. Die Z. K. beschließt, sich zu bemühen, daß 
an dem Schlosse, namentlich an der am besten er- 
haltenen Kapelle die notwendigsten .Sicherungsmaß- 
nahmen getroffen werden. 

Krain 
Das k. k. Ministerium f. K. u. U. gibt be- 
kannt, daß es für die Durchführung der Restau- 
rierung der Deckengemälde im Dome zu Lai- 
bach genau nach dem von der Z. K. aufgestellten 
Programme eingetreten sei. 

Küstenland 

Ref. HoEEXEs: Korrespondent Moser berichtet 
über Grabungen auf der Lokalität Na vertace am 
Castellier von Castelvenere. Die Objekte, vor- 
zugsweise Gefaßre.ste mannigfaltiger Art, wie 
Urnen mit und ohne Henkeln, Schalen mit wag- 
rechten und dreieckig auslaufenden Henkeln, 
zeigen oft schöne Verzierungen, Fingereindrücke 
am Rande, unter demselben .Schnurornamente, 
kreisförmige Eindrücke in einer Wellenlinie ver- 
laufend oder Spiralornamente durch feine Striche- 
lung hergestellt ; häufig ist das ^'orkommen von 
Tonwirteln von kuppeliger, elliptischer oder koni- 
.scher Form, unter denen zwei mit Kerben und 
Spiralen verziert sind: merkwürdig sind kreisrunde 
Tonscheibchen; ferner fand er bearbeitetes Hirsch- 
geweih in Form von Hämmern, Zylindern, bogen- 
artig zugeschnitten mit unterer Aushöhlung: ge- 
schnitzte Knochen sind selten; ein kleiner Knochen- 



413 



Sitzungen vom 27. Oktober 1905 



414 



Zylinder, zwei Spiimwirtel aus Kniescheiben ge- 
fertigt; Zähne und Kieferstücke vom Schwein, 
Rind, Schaf, Ziege und Pferd. Von Metall fand 
sich ein kleines dreieckiges Eisenstück und nur 
vier unansehnliche BronziMi, darunter ein vier- 
kantiger Bronzedraht und ein Fibelbruchstück 
(Nut) ; bearbeitete Steiiu- aus Sandstein und Quar- 
zit, als Klopf-, Wetz- und Schleudersteino mit be- 
sonders künstlichen Aushöhlungen. 

Ref. Deiningek hat den Bauzustand des 
(ilockenturmes in N^eresine untersu(!ht. Die 
-Steinerne Dachpyramide ist bis zum Hauptgesimse 
abgetragen, von der .Steinbalustrade stehen die 
Ecksockel noch * auf ihrem Platze, die Baluster 
selbst sind gleichfalls abgetragen. Die Werkstücke 
sind sorgfältig numeriert, so daß ihre Wiederver- 
wendung beim Neuaufbaue des Turmes leicht 
möglich ist; eine Anzahl dieser Werkstücke und 
viele Baluster sind jedoch zerbrochen, so daß sie 
durch neue ersetzt werden müssen. Die provisorische 
Eindeckung des Turmes ist durch die Bora weg- 
gerissen worden, so daß die sofortige Bewilligung 
eines Betrages von 50 A' erforderlich erscheint, um 
sie wiederherzustellen. Die vier bestehenden Etagen 
des Turmes sind vollkommen intakt, nur ist Mörtel 
aus den Fugen gefallen, so daß sich in denselben 
zahllose vegetabilische Wucherungen zeigen; ferner 
sind fast an allen Teilungssäulchen in den ober- 
sten zwei Etagen Schäfte, Basen und Kapitale 
durch die Witterungseinflüsse zerstört oder rissig, 
so daß sie fast alle erneuert werden müssen. Es 
kann daher zur Erhaltung des Alterswertes des 
Turmes von einer Abtragung der oberen Etagen 
abgesehen werden; nur die beiden Schichten des 
Hauptgesimses und eventuell noch die Quader- 
schichte unmittelbar unter demselben sollen, weil 
die Werkstücke dieser drei Schichten kleine Ver- 
schiebungen zeigen, abgetragen und ebenso wie 
die Balustrade und die Steinpyramide mit Wieder- 
verwendung aller noch bestandfähigen Werk- 
stücke neu aufgebaut werden. Die neu zu er- 
setzenden Werk.stücke sind den alten genau nach- 
zubilden. Von dem Quadermauerwerk und den 
Teilungsgesimsen sind nur jene Werkstücke aus- 
zuwechseln, deren 1 ragfähigkeit in Frage gestellt 
ist, oder die einen Angriffspunkt für weitere Zer- 
.störungen bilden würden. Abge.schlagene Kanten 
oder Gesimsstücke sind nicht zu ergänzen. Sämt- 



liche Fugen des Mauerwerkes sind sorgfältig aus- 
zukratzen, von den vegetabilischen Wucherungen 
zu befreien und dann mit Weißkalkmörtel oder 
Steinkitt zu verfugen. Die Z. K erklärt sich mit 
diesem Gutachten einverstanden. 

Ref KuBiTscHEK : Die Z. K. befürwortet die 
Gewährung einer jährlichen Subvention von 400 K 
für die vom Museo civico in Pohl durchzufüh- 
renden Grabungen. 

Ref RiascH: Konservator Gniks berichtet über 
Grabungen in dem Boden des antiken Bühnen- 
theaters in Pola. Im Ostflügel des Theaters wurden 
in der Höhe von 1 — ^ in Reste der Substruktions- 
teile der östlichen Stirnwand des Zuschauerraumes 
bloßgelegt; sie bestehen aus Pfeilersockeln, Ent- 
lastungsbogen, einer Blendmauer an der Wand des 
Monte Zaro. Ferner wurde ein Teil der östlichen 
Umfassungsmauer des Bühnengebäudes freigelegt. 
Die Funde sind um so bemerkenswerter, als sie 
den letzten Rest jenes berühmten Theaterbaues 
darstellen, der von Architekten und Reisenden 
des XV. bis XVII. Jh. als ein Bauwerk mit sel- 
tenem Reichtum und Schönheit seiner Architek- 
turen und Anlagen geschildert wird, von dem 
ferner, besonders in letzter Zeit, in Fachkreisen 
mitgeteilt wurde, daß alle Bauteile bis in die 
Fundamente hinein zerstört und verschwunden ' 
sind. Von sonstigen Funden sind zu nennen: 

1. ein kleiner Münzfund; 

2. drei Karren zerbrochener Marmortafeln ver- 
schiedenster Qualität, die von inkru,stierten Wänden 
herrühren : 

3. Architravreste, Gesimsleisten aus Marmor; 

4. Dachziegel mit den Stempeln SOLONAS, Q. 
CLODAMBR und PANSIAN. 

Die Grabungen werden fortgesetzt, an den 
bloßgelegten Resten Konservierungsarbeiten vor- 
genommen. 

Konservator Gnu<s bei-ichtet, daß die im Vor- 
jahre freigelegten Torbauten des Kapitols in 
Pola im Laufe dieses Sommers vom Pflanzen- 
wuchse in den Mauerfugen befreit worden sind; 
an schadhaften Stellen ist die Füllung leerer oder 
mit Erde gefüllter Fugen mit Zement vorge- 
nommen worden. 

Mähren 

Ref Dx'oftAK : Der Bürgermeister der Stadt 
Brunn teilt mit, daß für die Regulierung des 

30* 



415 



Sitzungen vom 27. Oktober I905 



416 



Dominikanerplatzes dortselbst bisher ledig'lich 
orientierende Studien vorgenommen wurden, welche 
die Gemeinde noch nach keiner Richtung enga- 
gieren, und daß im allgemeinen auch in der Ge- 
meindevertretung die Anschauung vorherrsche, 
daß der Platz in seiner gegenwärtigen ansteigen- 
den Form zu belassen sei, welcher Anschauung in- 
sofern praktischer Ausdruck verliehen wurde, als 
für die bevorstehenden Neubauten an der Nord- 
seite des Dominikanerplatzes die Höhe des Bürger- 
steiges mit der Höhe des Platzes und in konti- 
nuierlichem Gefalle von der Nonnengasse zur 
Fröhlichergasse festgesetzt worden ist 

Konservator Klvaxa berichtet, daß bei der Re- 
staurierung der Pfarrkirche in Nezdenitz spär- 
liche Überreste der ursprünglichen gotischen 
Fensterumrahmungen und Gewölberippen vorge- 
funden wurden. 

Konservator Chilla berichtet, daß er der Über- 
gabe einer gotischen Monstranze aus der Schloß- 
kapelle zu Vöttau in das gräflich Haugwitzsche 
Fideikommiß gegen Herstellung einer Kopie der- 
selben zugestimmt habe. 

Nieder-Österreich 

Ref. KuBiTSCHEK teilt mit, daß Korrespondent 
NowALSKi DE LiLiA im laufenden Herbst mit Unter- 
stützung der Gemeinde Wien den Lauf der von 
Atzgers dorf gegen Wien führenden römischen 
Wasserleitung (vgl. Mitt. 1903, 81 ff.) in seiner 
Fortsetzung gegen Wien zu weiter verfolgt habe. 
Es wurde gleich unterhalb des städtischen Wasser- 
reservoirs am Rosenhügel eine Strecke von etwa 
■jom freigelegt. Die Anlage entspricht hier in 
allem den früher genommenen Abmessungen, nur 
daß sie weiter gegen Wien etwas an Höhe des 
Profils zunimmt. Beachtenswert ist- der Fund eines 
Ziegels der Legio decima gemina. 

Ref KuBiTSCHEK teilt mit, daß der Lehrer 
PoDWYSczYNSKi vor dem Orte Au links von 
der Straße römische Baureste, darunter einen 
Plattensarkophag, eine Reliefplatte, Pfeilerbasen, 
Sockel u. a. gefunden habe; Referent habe rechts 
von der Straße die Felder mit Stücken römi- 
scher Ziegel und Gefäße ganz besät gefunden, 
dort auch ein Stück einer Schale aus terra sigil- 
lata mit Preßfiguren aufgelesen. Desgleichen konnte 
Lehrer Podw^ysczynski Spuren römischer Anlagen 



gegen Brodersdorf zu verfolgen. Die Z. K. be- 
willigt für Grabungen an dieser Stelle eine Sub- 
vention von 40 K. 

Ref Mlch: Korrespondent Fitzka berichtet, 
daß auf fürstlich Liechtenstein schem Grunde in 
Feldsberg ein irdener Topf mit zirka 2000 Silber- 
münzen, Pfennigen aus den Jahren 1200 — 1300, ge- 
funden wurden. Die Z. K. beschließt, weitere Er- 
hebungen zu pflegen. 

Das k. k. Ministerium f K. u. U. ordnet die 
Flüssigmachung eines Betrages von 800 A' für die 
durchgeführte Restaurierung des Gemäldes „Die 
Anbetung des heiligen Lammes" vom Kremser 
Schmidt in der Pfarrkirche zu Hausleithen an. 

Ref. Neuwirth: Das k. k. Ministerium f. K. u. 
U. gibt bekannt, daß trotz der sofort über h. a. An- 
regung ergangenen Verfügungen zur Erhaltung 
der östlichen Abschlußmauer des alten Quertraktes 
des sogenannten Hof- und Spannhauses (Bezirks- 
gerichtsgebäude) in Kirchschlag es nicht ge- 
lungen ist, die Mauer zu erhalten. Bei dieser Sach- 
lage erweist sich der weitere h. a. Antrag auf Her- 
stellung einer zweiten innen durchbrochenen Ab- 
schlußmauer des Arre-sthofes mit Durchführung der 
inneren Saalarchitektur als gegenstandslos, und es 
wurde daher eine neue Abschlußmauer hergestellt, 
welche genau nach den in natura abgenommenen 
Gesimsprofilen und Pilasterstellungen der demo- 
lierten Ostwand ausgeführt und mit alten Masken- 
abgüssen in den Metopen versehen werden soll, 
so daß dieser Mauerteil ein vollkommen getreues 
Abbild der alten abgebrochenen Ostwand geben 
wird. Von dem architektonischen Ausbau dieser 
Mauer und der Renovierung des figuralen Frieses 
der Innenseite wurde abgesehen. Die dekorative 
Abschlußmauer des Rittersaales bleibt vollständig 
erhalten und wird im übrigen unter Beibehaltung 
der alten Formen und Gliederungen restauriert. 
Von den drei im Privatbesitze befindlichen Büsten 
zu dieser Wand wurden zwei ziu" Wiederaufstellung 
dortselbst zur Verfügung gestellt. 

Ref. Szomb.\thy: Sattler Kudernatsch berichtet 
über vorgeschichtliche Funde aus dem Mistel- 
bacher Bezirke: 

I. Falkenstein: Garten des Peterjiann jun.: 
I Schöner gelochter Steinhammer, 15-8 ctii lang. — 
Garten des Georg Fröschl, südwestlich des „Burg- 
berges" : Flachbeil aus graugrünem Stein, 8 cm lang. 



417 



Sitzungen vom 27. Oktober 1905 



418 



— Fuß des „Diernberges": Steinbeilchen, 7 cm lang. 

— Weingarten des Skhastian Schustek (am süd- 
lichen Abhänge des Höhlensteins und Kapellen- 
bergos): große, dicke Gefäßscherben aus graphi- 
tiertem Ton mit 45 1/» dickem Randwulst. 

2. Kl(nn-Hadersdorf : Ein größeres Flach- 
beil aus graugTÜnem Stein, ferner zwei Steintlach- 
beile, die von ihren Besitzern als Abziehsteine in 
Verwendung behalten werden. 

3. Laa a. d. Thaya: In einer gegen die mäh- 
rische Landesgrenze gelegenen Kiesgrube wurde 
ein neolithisches Skelett gefunden, von dessen Bei- 
gaben eine rechteckige 12' 5 cm lange und 4 <r<w 
breite, an jeder Ecke durchlochte Steinplatte 
(Bogenschützer) aus gelblichem Stein erhalten ist, 
während eine steinerne Pfeilspitze in Verlust 
geriet. 

4. Walterskirchen: Dickes undurchlochtes 
Steinbeil, schwarz, 10 cm lang. 

5. W i 1 h e 1 m s d or f : Weingartenried „Grätzeln" : 
Dünnes, schmalnackiges Steinbeil. Weingarten des 
Georg Fro.schl (auf der Tallehne „Klowicinzen"): 
Eine 60 Schritt lange und 4 Schritt breite schwarze 
Erdmasse, deren untere Schichte hart gebrannt ist, 
ohne Funde. Östlich davon zwei kreisrunde Stellen 
von zirka i in Durchmesser, deren eine in gerin- 
gerer Tiefe mit einem Kranze hartgebrannter 
Erde umgeben ist, in deren Mitte die Bruchstücke 
von drei großen und vier bis fünf kleinen Ton- 
gefäßen, ein 9 cm langer, vierkantiger Bronzestift, 
eine Flußmuschel und einige Holzkohlenstückchen, 
vielleicht eine prähistorische Herdstelle. 

6. Zlabern: Am Fuße des „Landmann" ein 
kleines, flaches, breitnackiges Steinbeil, grau. 

Die Z. K. stimmt der Veräußerung des alten 
Speisegitters aus der Pfarrkirche zu Stein a. d. 
Donau zu, da dasselbe nach den in der Kirche 
vorgenommenen Adaptierungen mangels der er- 
forderlichen Länge nicht mehr oder nur nach 
Vornahme schwieriger und kostspieliger Ergän- 
zungen wieder seiner ursprünglichen Verwendung 
zugeführt werden könnte. Diese Zustimmung wird 
jedoch unter der Voraus.setzung erteilt, daß das 
Gitter wieder für eine Kirche verwendet werde. 
Gegen die Veräußerung der vier vom früheren 
Hochaltar herrührenden Heiligen.'^tatuen (Leopold, 
Rochus, Donatus, Georg) wird Einspruch erhoben 



und ihre Aufstellung zwischen den Strebepfeilern 
an der südlichen Außenmauer der Kirche in An- 
regung gebracht. Endlich spricht sich die Z. K. 
gegen weitere Regotisierungen der Kirche oder 
ihrer Einrichtung (namentlich den etwaigen Ersatz 
der barocken Chorstühle, Betstühle etc.) entschie- 
den aus. 

Ref HoERNEs: Korrespondent Kiessling be- 
richtet: In der Flur „Harnigsschlag" in Süßen- 
bach wurde seitwärts der neu angelegten Straße 
von Süßenbach nach Weikartschlag gelegentlich 
des Schottergrabens eine brandschwarze, fast kreis- 
förmige (Durchmesser etwa 1-5 in) und vertiefte 
Stelle freigelegt, die mit Holzkohlenresten und 
einer großen Menge von Asche bedeckt war. In 
der Mitte des Aschenhaufens stand ein Tongefäß, in 
dem sich ebenfalls Asche und Reste angebrannter 
Knochen befanden. Das Gefäß wurde zerschlagen, 
das Ganze wieder verschüttet. Vom Berichterstatter 
vorgenommene Grabungen ergaben vereinzelte 
Scherben von Töpfen (Freihandgefaße), Holzkohlen- 
reste und Stücke hartgebrannten, auf der Ober- 
fläche rauchgeschwärzten Tones beziehungsweise 
Lehmes und geringe Menge von Knochenasche. 
Nahe dem Straßenrande ist an einer abgegra- 
benen .Stelle, etwa 60 cm unter der Oberfläche, 
eine mehrere Zentimeter starke, dunkelgefärbte 
Schichte zu bemerken, die gebrannten Lehm, 
Kohlenreste und ein vom Feuer stark beschädig- 
tes Stück Eisenzierat enthielt. Die Funde geben 
von Ansiedlungsresten, speziell von einer soge- 
nannten Hüttengrube, Zeugnis. 

Ober-Österreich 

Ref. Redlich: Korrespondent Zibermayr legt 
den achten Jahresbericht des oberösterreichi- 
schen Landesarchives vor. An Neuerwerbungen 
sind zu verzeichnen: Ein großer Teil des von ver- 
schiedenen Händen geschriebenen und mit eigen- 
händigen Zusätzen und Korrekturen versehenen 
Manuskriptes des Genealogen Hoheneck (f 1745) 
über die Genealogie der oberösterreichischen 
Stände; eine Handwerksordnung der „Paret- und 
Strimpfmacher" in Linz aus dem Jahre 1720; 20 
verschiedene Gegenstände betreffende, aus dem Ar- 
chive der Stadt Enns stammende Stücke, Briefe 
und Urkunden, welche die Jahre 1529 — 1622 um- 
fassen. 



419 



Sitzungen vom 27. Oktober 1905 



420 



Mit Vorbehalt des Eigentumes wurden über- 
geben: Die Komtnunalarchive von Grama- 
stetten und St. Florian, beide nurniehr Bruch- 
stücke des ehemaligen Bestandes. In Gramastetten 
haben sich im wesentlichen noch die Marktprivi- 
legien erhalten, mit der Verleihung des Markt- 
rechtes im Jahre 1518 beginnend, und die Beur- 
kundungen einzelner wichtiger Rechtsgeschäfte 
sowie die Verhandlungsprotokolle des Marktrichter- 
amtes aus der Mitte des XVII. Jh., welche in einer 
gleichzeitigen Handschrift überliefert sind. Das 
Kommunalarchiv von St. Florian enthält Richter- 
amts- und Militärrechnungen, Akten über Einquar- 
tierungen und Lieferungen, Steuer- und Schul- 
sachen, Register über verausgabte Armengelder, 
Grenzbeschreibungen, eine Feuerordnung vom 
Jahre 1696 usw. Den historisch interessantesten 
Teil bilden die Akten, welche das Verhältnis des 
Marktes zur Grundobrigkeit, dem Stifte, betreffen. 
Das älteste Aktenmaterial geht bis in den Beginn 
des XVI. Jh. zurück, das spätere reicht, freilich 
mit großen Lücken, bis zum Jahre 1848. Weiter 
wurden noch übergeben vom Kreisgerichte Wels 
eine interessante Kriminalverhandlung aus dem 
Jahre 1767 und von der Finanzdirektion Linz ein 
dem Steueramte Ottensheim gehöriges Lagetauch 
aus dem Jahre 1785. Die Handbibliothek des Ar- 
chives erführ eine wesentliche Vermehrung-. Die 
Ordnungsarbeiten waren auf eine genaue Sichtung 
und Aufstellung der im vorigen und heurigen 
Jahre erworbenen Archivalien gerichtet, von denen 
die meisten Stück für Stück registriert wurden. 
Außerdem wurde ein Verzeichnis der im Archive 
vorhandenen Karten und Pläne angefertigt und 
mit der Abfassung eines vollständigen Namens- 
und Sachregisters zunächst für die vier Bände Be- 
scheidbücher begonnen. Die Art und Weise der 
Benützung des Archives wurde geregelt. 

Ref. KuBrrscHEic: Konservator Schmidel berich- 
tet, daß er vor kurzem eine in der Nähe von Enns 
gefundene Babenbergermünze erworben habe. 

Ref. Nkuwirth : Konservator Sch.midei. berich- 
tet, daß der barocke Altar und die barocke Kanzel 
aus der Pfarrkirche in Xußbach entfernt und 
durch moderne Werke in gotischem .Stile ersetzt 
wurden. 

Ref. DvoffAk: Konservator Be.v.vk. berichtet, 
daß in dem zu Archivzwecken benutzten Kapellen- 



raume des ehemaligen Minorite nklosters in 
Wels Wandmalereien aufgedeckt wurden; sie 
stammen aus dem XIV. Jh. und sind nur in ihrem 
oberen Teile erhalten. 

Salzburg 

Korrespondent Pkoschko berichtet, daß die Hin- 
verleibung der drei im straßenärarischen Material- 
schuppen in Hallein aufbewahrt gewesenen 
.Steintlenk male in das Salzburger Museum er- 
folgt ist. 

Steiermark 

K(jnservator Gkaus berichtet, daß er sich gegen 
den Verkauf zweier Marmorepitaphien von der 
Pfarrkirche in Aussee in das Ausland ausge- 
sprochen habe. 

Konservator Gkals berichtet, daß an der bis 
in die romanische Zeit zurückreichenden Pfarr- 
kirche in .St. Georgen a. d. Stiefing ohne be- 
hördliche Bewilligung bauliche Veränderungen 
vorgenommen wurden. Zeitungsnachrichten zu- 
folge wurde das Dach und das Gewölbe erhöht, 
das Langhaus mit Emporen versehen. Die steirische 
.Statthalterei sistierte die Arbeiten und ordnete die 
Vorlage des Projektes an. 

Ref DvoftAK: Konservator Graus berichtet, 
daß in der St. Rupertskirche am Kulm mittel- 
alterliche Wandmalereien aufgedeckt wurden, und 
stellt deren Besichtigung in Aussicht. 

Tirol 

Ref Neuwh<th: Konservator Deininger be- 
fürchtet, daß die Abnahme der Plattnerschen 
Fresken am Hause Nr. 36 in der Maria Theresien- 
straße in Innsbruck nicht gut durchführbar sei, 
da sie vielfache Beschädigungen und Übermalungen 
aufweisen. Der Landesausschuß hat daher be- 
schlossen, vor Demolierung des genannten Hauses 
möglichst kun.stgerecht hergestellte photogra- 
phische Aufnahmen der Fassadenmalerei herstellen 
zu lassen. Außerdem bestehen noch die Originalkar- 
tons Franz Plattners zu den fünf Porträtmedaillons: 
Oswald von Wolkenstein, Herzog Friedrich mit 
der leeren Tasche, Andreas Hofer, Peter Anich 
und Maler Franz Koch im großen Speisesaale des 
Gasthofes zum „Kaßl" in Ötz (Ötztal). Der Bericht- 
erstatter verwendet .sich dahin, daß diese Kartons 
vom Landesmuseum in Innsbruck erworben werden. 



421 



SiUungeii vum 27. Oktober 1905 



422 



Ref. DvoftAK: Konservator GkiENBERGiiK be- 
richtet, (laß an der nördlichen Wand der Pfarr- 
kirche in Aurach Wandmalereien aus der 
zweiten Hälfte des XV. Jh. zutage traten; die bis 
jetzt erkennbaren Darstellungen, welche in zwei 
Reihen zu je vier Bildern übereinander angeordnet 
sind, sind i. Christus am Ölberge, 3. die Geiße- 
lung, 4. die Dornenkrönung, 6. die Kreuzigung, 
7. Grablegung und 8. Auferstehung; die Dar.stel- 
lungen 2 und 5 sind noch nicht erkennbar. 

Ref. Neuwirth macht Mitteilung über die kom- 
missionelle Verhandlung betreffend die Restau- 
rierung der Pfarrkirche in Gais. Von einer Re- 
staurierung des Langhauses, dessen Wölbung und 
Dekoration unverändert zu belassen und nur in 
absehbarer Zeit sorgfältig zu reinigen sein wird, 
ist Umgang zu nehmen. Folgende Arbeiten sind 
zu empfehlen: 

1. Beseitigung der später errichteten ganz 
schmucklosen Scheidewand zwischen der heute als 
Sakristei verwendeten alten Apsis und dem vor 
letzterer liegenden Teile des Presbyteriums; 

2. Wiedereröffnung der beiden vermauerten 
alten Apsisfenster und Vermauerung der später 
ausgebrochenen Fenster, wenn erstere in den alten 
Dimensionen hergestellt werden; 

3. Herstellung eines Fensters in der rechten 
Presbyteriumswand in den Dimensionen der alten 
Apsisfenster ; 

4. die Ausmalung des Presbyteriums ist, da 
die Bloßlegung alter Wandbilder (siehe unten) und 
die Erhaltung des Deckenbildes in Aussicht ge- 
nommen ist, zu unterlassen; 

5. der geradlinige Mauerabschluf3 des linken 
Seitenschiffes darf keine Änderung erfahren; 

6. sollten für die Apsis- und das Presbyterium- 
fenster Glasmalereien geplant werden, so sind die 
Skizzen hiefür und jene für eine eventuelle Kom- 
munionbank der Z. K. vorzulegen; 

7. gegen die Aufstellung eines neuen Hoch- 
altares erhebt die Z. K. im Hinblicke auf die be- 
reits erfolgte Herstellung desselben keine Einwen- 
dung, lehnt jedoch jede Verantwortung für seinen 
Kunstwert und sein Zusammenstimmen mit der 
Kirche ab; 

8. der alte Hochaltar ist aufzubewahren und 
in einer anderen Kirche der Diözese zur Auf- 
stellung zu bringen; 



9. die Entfernung der oberen Empore im Lang- 
hause, eines nüchternen Einbaues aus späterer Zeit, 
kann zugestanden werden ; 

10. die Wiedereröffnung des rechteckigen Tür- 
chens auf die Empore von außen kann, wenn die 
obere Empore fällt, mit Anfügung einer passenden 
Stiege erfolgen. Dagegen hat die Wiedereröffnung 
des daneben etwas niedriger sitzenden Pfaffen- 
türlein.s, das jetzt als Nische für eine Statue adap- 
tiert ist, zu unterbleiben; 

11. die Hochschiflfenster sind unverändert zu 
belassen, die künstlerisch belanglosen Seitenschiff- 
fenster können geändert werden; 

12. eine Erniedrigung der Giebel und jede 
Änderung des Turmes ist ausgeschlossen; an diesem 
sollten lediglich Sicherungsmaßnahmen, wenn nötig, 
vorgenommen werden; 

13. in der Fassade ist nur ein einfaches Rund- 
fenster ohne Maßwerk zulässig; 

14. für das Sakristeifenster wäre der gerade 
Sturz, für das Dach der .Seitenapsis nur die Ab- 
walmung nach außen vorzuziehen. 

Für die Malereien sind die vom Korrespon- 
denten SiBER erstatteten Vorschläge als entsprechend 
zu bezeichnen. Demnach sollen sich die Arbeiten 
zunächst auf die Bloßlegung der Bilder in der 
Apsis und an der Musikchorstiege beschränken. 
Nur über unbesiegbaren Widerstand des geist- 
lichen Verwesers könnten an jenen Teilen der 
Apsismalereien Ergänzungen vorgenommen wer- 
den, welche vom Langhaus, ausgenommen durch 
den neuen Hochaltar, nicht gedeckt werden. Wenn 
anzustellende Proben ergeben, daß von der frü- 
heren Deckenbemalung nicht eine zusammenhän- 
gende Komposition vorhanden sei, ist das derzeit 
bestehende Deckenbild zu belassen. Die Z. K. er- 
klärt sich mit diesen Vorschlägen einverstanden. 

Ref. Neuwirth: Die Z. K. beschließt, sich für 
die Übertragung des Kupferschmiedschen Grab- 
males und vier weiterer Grabsteine aus dem 
XVL Jh. von der südlichen Außenwand der Pfarr- 
kirche in Kitzbühel in das Innere derselben 
oder, falls dies nicht durchführbar sein sollte, für 
die Anbringung von Schutzdächern auszusprechen. 

Ref. DvoftAK: Konservator Grienberger be- 
richtet über den beabsichtigten Verkauf einiger 
außer Gebrauch gesetzter Gegenstände aus 
der Pfarrkirche und der Kirche St. Andrao in 



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Sitzungen vom 2". Oktober 1905 



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Kitzbühel. Es sind dies ein barocker Dominikaner- 
Archivkasten, ein alter grüner Kachelofen ohne 
Schmuck, mittelalterliche Holzstatuen des hl. Ja- 
kobus des Älteren und des Jüngeren, ein schlecht 
geschnitzter barocker Altaraufsatz, ein vergoldeter 
Aufsatz mit zwei Bildern, zwei Engelfiguren mit 
Leuchtern (XIX. Jh.), zwei größere Engel des I 
XVIII. Jh., zwei Engel ohne Leuchter, zwei Bilder- 
rahmen mit Papierbildern des XVIIL Jh., zwei 
Handtragstatuen (Daniel und die hl. Barbara), zwei 
eiserne Armleuchter und ein Maria- Namens-Schild, 
zwei alte Fastenbilder (Christi Gefangennahme und 
Vorführung), zwei Dominikanerfiguren, eine Statue 
Johannes des Täufers (XVn. Jh.), sieben Stations- 
bUder und am Dachboden aufbewahrtes Gerumpel. 
Der Konservator sprach sich gegen den Verkauf 
dieser Gegenstände, soweit sie nicht kunsthistorisch 
belanglos sind, aus. 

Ref. Hersiann: Die Z. K. spricht sich neuer- 
lich gegen die in Aussicht genommene Rekon- 
struktion der Ruine Kropfsberg aus, da sie den 
Alters- und den historischen Wert des Denkmales 
empfindlich beeinträchtige. Es blieben wohl die drei 
Türme und die Umfassungsmauer erhalten, im 
übrigen aber würde der alte Bestand durch die 
projektierten Zu- und Umbauten so stark alteriert, 
daß man kaum von einer Rekonstruktion, sondern 
vielmehr von einem Neubaue sprechen könnte. 

Ref Neuwirth teilt mit, daß die in der ganzen 
Ausdehnung des Presbyteriums und de