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Full text of "Mittelhochdeutsches Wörterbuch : zu den Deutschen Sprachdenkmälern Böhmens und der mährischen Städte Brünn, Iglau und Olmütz : (XIII. bis XVI. Jahrhundert)"

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GERMANISCHE BIBLIOTHEK 

HERAUSGEGEBEN VON 

WILHELM STREITBERG. 

I. SAMMLUNG 
GERMANISCHER ELEMENTAR- UND HANDBÜCHER. 



IV. REIHE: WÖRTERBÜCHER. 
DRITTER BAND: 

MITTELHOCHDEUTSCHES WÖRTERBUCH 

ZU DEN DEUTSCHEN SPRACHDENKMÄLERN BÖHMENS 

UND DER.MÄHRISCHEN STÄDTE: BRUNN, IGLAU UND 

OLMÜTZ (XIII. — XVI. JAHRHUNDERT) 

VON 

Dr. FRANZ JELINEK 



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HEIDELBERG 1911 
CARL WINTERS U N I VERSITÄTSBU C H H AN DLU N G 



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j WÖRTERBUCH 

ZU DEN 

DEUTSCHEN SPRACHDENKMÄLERN 

BÖHMENS UND DER MÄHRISCHEN STÄDTE 

BRUNN, IGLAU UND OLMÜTZ 

(XML BIS XVI. JAHRHUNDERT) 
VON 

Dr. FRANZ JELINEK 

K. K. DIREKTOR DES STAATSGYMNASIUMS IN IGLAU 



GEDRUCKT MIT UNTERSTÜTZUNG 

DER GESELLSCHAFT ZUR FÖRDERUNG DEUTSCHER WISSENSCHAFT, 

KUNST UND LITERATUR IN BÖHMEN 




509505 



HEIDELBERG 1911 
CARL WINTERS U N I VERSITÄTSBUCH H ANDLU NG 



Vorwort. 



Der Gedanke zu dem vorliegenden Wörterbuch kam mir, als ich 
1889 bei der Untersuchung der luxemburgischen Kanzleisprache auf 
den interessanten Wortschatz der Wenzelsbibel aufmerksam wurde 
und gleichzeitig beim Studium des berühmten Bergrechtes meiner 
Vaterstadt Iglau erkannte, daß auch in diesem eine reiche Fund- 
grube für das deutsche Wörterbuch nicht minder wie für die deutsche 
Rechtsgeschichte zu erschürfen sei. Die Sprache eines großen Teiles 
derselben und des Iglauer Stadtrechtes, wie sie in den Iglau er Codices 
A und B vorliegt, desgleichen die Übersetzung von U — A. Igl. B 
und der umfangreichen 4 Bücher der Const. geht auf Johannes 
von Gelnhausen zurück, der in Iglau als Stadtschreiber von 1400—1404 
nachzuweisen ist, nachdem er lange vorher Grubenschreiber in dem- 
selben Kuttenberg gewesen, in dem der Stifter der kurz vor 1400 
entstandenen Wenzelsbibel, der Prager Bürger Martin Eotlev 1378 
als magister mouetae (Münzmeister) nachgewiesen ist (Tomek, 
Zäklady z. B. 188 Nr. 858), und dann die Schulung in Kaiser Karls IV. 
Kanzlei unter Johannes von Neumarkt durchgemacht hatte. Des 
letzteren in die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts zurückreichenden 
Übersetzungen von Hier, und Sol. wurden daher auch herangezogen. 
Der aus diesen Quellen, geschöpfte Wortschatz stellt den der luxem- 
burgischen Kanzleisprache des 14. Jahrhunderts dar und bildet den 
Grundstock des Wörterbuches. Der Sprache und Entstehungszeit 
dieser Quellen am nächsten stehen : das Buch der Prager Malerzeche 
von 1348, die prosaische Böhmische Chronik, der in den letzten 
Jahren des 14. Jahrhunderts von einem Saazer Stadtschreiber verfaßte 
Ackermann von Böhmen, sowie das Brünner und Prager Stadtrecht. 
An diese wurden die übrigen der weiter unten aufgezählten Denk- 
mäler angereiht, von denen einige — die Dichtungen Ulrichs von 
Eschenbach ( W. v. W. und Alex.) und Heinrichs von Freiberg — in 
'lie 2. Hälfte des 13-, der mitteldeutsche Dalimil in den Anfang des 



VI Vorwort 

11. Jahrhunderts zurück, viele aber bis weit ins 16., ganz vereinzelte 
sogar ins 17. und 18. Jahrhundert heraufführen. 

Die Denkmäler zeigen, abgesehen von dem ganz mitteldeutschen 
Dalimil und dem noch die mhd. Lautgestalt zeigenden Dichtungen 
Ulrichs von Eschenbach und Heinrichs von Freiberg, den nhd. 
Vokalismus, daher wurden die Stichwörter in der nhd. Gestalt, zu- 
meist mit Aufgebung des konsonantschen Auslautsgesetzes angesetzt, 
so daß z. B. üf, üz unter auf. aus, lougen unten laugen, stigen 
unter steigen, iu und öu unter eu zu suchen ist, se steht unter ä, 
doch auch unter e: durch Verweisungen wurde nachgeholfen. Die 
Konsonantengruppen sl, sm, sn, sw sind in dieser Gestalt (nicht 
unter schl usw.), ht, hs jedoch als cht, ehs (z. B. achten, vuchs), ph 
als pf, anlautendes f unter v. die Zeitwörter in der Nennform, auch 
die trennbar zusammengesetzten unter der Präposition zu suchen. 

Indem ich dieses Werk, an das ich die Mußestunden vieler Jahre 
verwendet habe, die mir mein Beruf und die Mitarbeit an deutschen 
Lesebüchern frei ließen, der Öffentlichkeit übergebe, fühle ich sehr 
wohl, wie viel ihm trotz der größten Sorgfalt zur Vollkommenheit 
fehle, glaube aber doch mich der Hoffnung hingeben zu können, es 
werde als eine namhafte Ergänzung zu den beiden mittelhoch- 
deutschen Handwörterbüchern und zu Grimms deutschem Wörter- 
buch der deutschen Wissenschaft willkommen sein. 

Schließlich fühle ich mich gedrängt, auch an dieser Stelle der 
Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und 
Literatur in Böhmen für die Bewilligung eines namhaften Beitrages 
zu den Druckkosten, den Professoren an der deutschen Universität 
in Prag Hofrat Johann von Kelle, Karl von Kraus, Alois Pogatscher 
und August Sauer dafür meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen, 
daß sie das Werk geprüft und dem genannten Verein wärmstens 
empfohlen haben, der Direktion der Wiener Hofbibliothek und dem 
Bürgermeister von Iglau Vinzenz Inderka für das freundliche Ent- 
gegenkommen bei der Benützung der kostbaren Handschriftenschätze 
der Hofbibliothek, beziehungsweise des Iglauer Stadtarchives, end- 
lich der verehrten Verlagsbuchhandlung vou Carl Winter in Heidel- 
berg für die Übernahme in ihren angesehenen Verlag. 

Iglau, den 30. März 1911. Dr. Franz Jelinok. 



Quellen- Verzeichnis. 



1. Schöne Literatur. 

1. >V. v. W. oder Wh. v. W. = „Wilhelm v. Wenden". Ein 
Gedicht Ulrichs von Eschenbach, herausgegeben von Wendelin 
Toischer, Prag 1876 als I. Band der von Ernst Martin begründeten 
„Bibliothek der mittelhochdeutschen Litteratur in Böhmen". Der 
Dichter Ulrich von Eschenbach — ob er ein Verwandter Wolframs 
von Eschenbach gewesen, ist ungewiß — gehört (nach der Sprache, 
den Keimen und Besonderheiten im Wortschatz) nach Mitteldeutsch- 
land, nicht nach Baiern, und lebte am Hofe Wenzels IL von Böhmen. 
Diesen und die ihm 1278 (nach Pfemysl Ottokars II. Tode) zu Iglau 
vermählte Tochter Rudolfs von Habsburg, namens Ghita, verherrlicht 
der Dichter als Wilhelm von Wenden und dessen Gemahlin Benc. 
Die Dichtung (zitiert nach Versen) ist zwischen 1287—1297, wahr- 
scheinlich zwischen 1289—1290 entstanden. 

2. Alex. = „Alexander" von Ulrich von Eschenbach, heraus- 
gegeben von Wendelin Toischer, Tübingen 1888 (183. Band der 
Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart). Das Gedicht 
hat 28000 Verse, der Anhang (zitirt als Alex. Anh.) 2100 Verse, 
beide werden nach dem Verse, der das Schlagwort enthält, zitiert. 

3. Trist. = Tristau (6890 Verse, eine der Fortsetzungen des 
Gedichtes „Tristan" von Gottfried von Straßburg), Leg. = Die Legende 
vom heiligen Kreuze (882 Verse), Kf. oder Ritterfahrt = Die Ritter- 
fahrt des Johann von Michelsberg {eines böhmischen Bitters nach 
Paris, 330 Verse). Schretel = Das Schrätel und der Wasserbär 
(352 Verse). Alle 4 Dichtungen in dem Werke „Heinrich von 
Freiberg, mit Einleitungen über Stil, Sprache, Metrik, Quellen und 
die Persönlichkeit des Dichters, herausgegeben von Dr. Alois Berat". 
Halle a. d. Saale, Verlag Max Niemeyer 1906. Der Dichter Heinrich 
von Freiberg dürfte wohl aus einem von Freiberg in Sachsen nach 
Leitmeritz ausgewanderten Geschlechte stammen, daselbst etwa 1235 
geboren, an der dortigen — 1298 bezeugten — städtischen Latein- 
schule sein Latein gelernt haben; Anfang oder Mitte der 50er Jahre 
des 13. Jahrhunderts kam er mit Smilo von Zittau (später von 
Lichtenburg) nach Deutschbrod. Die Lichtenburger gelangten mit 
dem Jahre 1251 in den Besitz ausgedehnter Gebiete an der böhm.- 
mährischen Grenze (auch Bergwerke z. B. bei Schlappenz) und waren 



VIII Quellen-Verzeichnis 

als deutsche Kolonisatoren hier bedeutend. Heinrich von Freiberg. 
war wohl bürgerlicher Herkunft und lebte zwischen 1240 — 1300. 

4. Dal. •= die mitteldeutsche Übersetzung (eines Unbekannten) der 
Alttschechischen Chronik des Dalimil, Anfang des 14. Jahrhunderts; 
die beiden ersten Zahlen bedeuten Seite und Zeile der Ausgabe von 
Venceslav Hanka im 48. Band der ..Bibliothek des Litterarischen 
Vereines in Stuttgart - ', die beiden Zahlen in Klammern bedeuten 
Kapitel (Nummer) und Zeile der immerhin weit besseren Ausgabe 
von Josef Jirecek im III. Band der ,.Fontes reruin Bohoemicarum". 

5. Böhm Chr. bedeutet die weit geschmackvollere prosaische 
Übersetzung derselben Dalimilschen Chronik wohl aus dem 14. Jahrb.. 
von einem Unbekannten in demselben III. Band der von Josef 
Jirecek herausgegebenen Fontes rerum Bohoemicarum. sie ist in 
70 Kapitel und 110 Abschnitte geteilt und wird nach den Ab- 
schnitten zitiert. 

6. Aek. = „Der Ackermann von Böhmen", hg. v. Job. Knie- 
schek, Prag 1877 (in der Bibliothek der mhd. Lit. in Böhmen, 2. B.) 
zitiert nach Seiten und Zeilen; eine Xeuausgabe durch Dr. Alois 
Bernt befindet sich im Druck. Entstehungszeit: Ende des 14. Jahr- 
hunderts, Heimat Saaz. 

7. Ernst = Die Sage vom Herzog Ernst, Fassung D im I. Band 
der ,. Deutschen Gedichte des Mittelalters' - hg. von von der Hagen und 
Büsching; daß diese von Ulrich von Eschenbach herrührt, hat Zwier- 
zina in der Zsch. f. deutsches Altertum 44 S. 289 und 45 S. 411 
betont und Jahnke in den ..Studien zum Wilhelm von Wenden", 
1 >i>-ertation. Goslar 1903 stimmte ihm zu. 

2. Bechtsdenkmäler. 

8. Prag. Str. = Das Statuarrecht von Prag (Nummer 1—47). 
Prag. ßb. = Das Rechtsbuch von Prag (Nr. 1—206), beide zitiert 
nach Nummern, die Seiten der Vorrede I — C II in lat. Ziffern, nach 
dem Werke: ..Das altprager Stadtrecht aus dem XIV. Jahrhunderte 
nach den vorhandenen Handschriften zum ersten Mal herausgegeben 
und erläutert von Emil Franz Bössler. Mit einer Vorrede von Jacob 
Grimm, Prag 1845. (Deutsche Rechtsdenkmäler aus Böhmen und 
Mähren I. Band.) 

9. Brunn. Str. I. u. II. in dem Werke: Die Stadtrechte von 
Brunn aus dem XIII. u. XIV. Jahrhundert, nach bisher ungedruckten 
Handschriften herausgegeben und erläutert von Emil Franz Rössler, 
Prag - 1852 (Deutsche "Rechtsdenkmäler aus Böhmen und Mähren 
II. Band, Friedrieh Tempsky). Brünner Str. I, bedeutet daraus das 
Schöffenbuch, von dessen 730 Nummern nur Nr. 479 deutsch ist (die 
andern sind., lat.) — Brunn. Str. II. = die Beilagen und zwar: 
Nr. 1 — 36. Übersetzung und Bearbeitung des von König Wenzel I. 
1243 für Brunn (fußend auf dem Wiener von 1221) erteilten Stadt- 
rechtes, der „Jura originalia". Nr.. 37—110 Stadtrecht von Brunn 
ans dem Anfang des 14. Jahrb. (Änderung und Fortbildung des 
früheren). — Nr. 111—174 König Wenzels II. Judenrechte zu Brunn. 
— Nr. 145—152 Mautrechte. — Nr. 153 Ottokar 11. Handfeste über 
die städtische Gerichtsbarkeit (nach dem Original Znaim 1276 



Quellen-Verzeichnis IX 

Mai 28). — Nr. 155 König Wenzels II. Handfeste über den Jahr- 
markt (Prag 1 . 1291 Juli 13). — Nr. 156—162 Wenzels II. Handfeste 
über die Wahl der Schöffen, Stadtsteuern, Stadtgerichtsbarkeit Ver- 
folgung der Räuber; Brunn. 1293 März 13; Nr. 163 König Wenzels II. 
Handfeste über die Bruckmant, Brunn 1293. — Nr. 164-178 Hand- 
festen König Johanns. — Nr. 179—243 einzelne Schöffensatzungen, 
alles zitiert nach Nummern. 

10. Eger. Str. = „Die Stadtgesetze von Eger aus den Jahren 
1352—1460, hg. v. Dr. Ferdinand Khull', im 12. Jahresbericht des 
II. Staatsgymuasiums in Graz 1830/1, dabei bedeutet A die Auf- 
zeichnung der Stadtgesetze von 1352, B die davon abweichende 
Fassung von 1400, C die dritte Fassung von 1460; die Stadtgesetze 
stammen von denen Nürnbergs ab. — St. Z. = der Stadt Zoll (1352, 
Beilage 1; Burg. = Burger recht, Beilage 2; Uug. = Bestimmung 
des Ungeldes, Beilage 3; Fr. = Verordnung über die Freiung, 
Beilage^; Leibg. = Leibgedinge (abgedruckt bei Mayer im Archiv 
für öst, Gesch. LX 1880 I. Hälfte), L. Meing. = Leibgedinge des 
Arztes Meingoss, Beilage 5 von 1352, M. U. = Stiftung einer ewigen 
Messe in Waldsassen, Beilage 6 von 1385; zitiert wird nach Ab- 
schnitten und Sätzen. 

11. Chili!». = Einige Dorfweisthümer (Ban- und Bergteidinge) 
aus Mähren von P. Ritter von Chlumeeky im Archiv für Kunde 
Osterr. Geschichtsiiuellen 17. B. 1857 Beilage I. und zwar bedeutet: 
I. = die Rüguug von Urbau von 1604, IL = die Rügung des 
Aigenns Kaludorff von 1575, III. = Mühlfrauner Rügung von 1604, 
IV. = Rausenbruckherische Riegung 1604, V. = Oblasser Riegung 
von 1604, VI. = Auszug aus einer alten Rügung von 1575, VII. 
= Bergteidingsbuch des Marktes Pöltenberg von 1574, VIII. = Ur- 
alte Weinbergrechte zu Seelowitz von 1402 und IX. = Dy Gwon- 
heit des marktes Modrycz, um 1514. 

12. Aus dem Buche „Deutschböhmische Dorfweistümer" von 
Schlesinger, Sonderabdruck aus dem XV. Jahrgang 3. Heft der Mit- 
teilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen: 
Rüge v. Pröhl = eine Rüge von Pröhl (im Saazer Kreis) von 1536; 
Dreiding von Politz = ein Dreiding aus Politz nach einem Mskr. 
des 18. Jahrb., Teiding v. Friedberg aus der Zeit 1654 — 1697. 

13. Igl. Str. = Iglauer stadtrechtliche Schöffensprüche in dem 
Werke „Der Oberhof Iglau in Mähren und seine Schöffensprüche aus 
dorn 13.— 16. Jahrhundert von Dr. J. A. Tomaschek, Innsbruck 1868; 
zitiert nach Nummern (bei längeren auch mit Hinzufügung der 
Seite), die Zahlen der — selbständig gezählten — jüngeren Sprüche 
stehen in Klammern. 

14. Igl. B. = Übersetzung des stadtrechtlichen Teiles der 
Iglauer Handfeste B durch Johannes von Gelnhausen in dem Werke : 
„Deutsches Recht in Österreich im XIII. Jahrhundert" von I. A. 
Tomaschek, Wien 1859. Zitiert nach Abschnitten. 

15. Von dem Buch „Das böhmische Bergrecht des Mittelalters 
auf Grund des Bergrechtes von Iglau" von Prof. Dr. Adolf Zycha, 
Berlin 1900 (Verlag von Franz Vahlen) wird der I. Band („Die 
Geschichte des Iglauer Bergrechtes und die böhmische Bergwerks- 



X Quellen- Verzeichnis 

Verfassung") zitiert als Zycha I. nach Seiten ; aus dem II. Band („Die 
Quellen des Iglauer Bergrechts" 1 )) als: 

Igl. U— A = die lat. Iglauer Stadthandfeste, die ein vom Stadt- 
notar über die Verhandlung des Königs Wenzel I und seines Sohnes, 
des Markgrafen Premysl Ottokar (II.) mit den Iglauern Bürgern 
1249 aufgenommenes Protokoll darstellt, das durch Anhängung der 
Siegel der beiden Fürsten bekräftigt wurde, in der deutschen 
Übersetzung des Johannes von Gelnhausen (zitiert nach Para- 
graphen). 

Igl. U — B = die deutsche Übersetzung (eines unbekannten Ver- 
fassers) der von den Bürgern (auf Grund der in U — A erhaltenen 
Autonomie) vorgenommenen Ergänzung der Stadthandfeste (etwa aus 
der Zeit zwischen 1265—1280) ebenfalls nach Paragraphen zitiert. 

DIR I. IL III. die wohl im Auftrage des Iglauer Stadtrates 
erfolgte deutsche Kodifikation des weiter entwickelten deutschen 
Iglauer Bergrechtes, I. (== die erste Bedaktion) in 27 Paragraphen 
(nach ihnen mit Beifügung der Abschnitte zitiert) wohl aus dem 
letzten Jahrzehnt des 13. Jh.: II. eine um die §ij 28 und 2it vermehrte 
2. Bedaktion aus dem Anfang des 14. Jh.: III. die durch die 
§§ 30—43 vermehrte 3. Redaktion, deren Igl. Hs. nach 1370 her- 
gestellt wurde. 

Const. = die deutsche Übersetzung (durch Johannes von Geln- 
hausen) der „Constitutiones juris metallici Wenceslai II." oder wie 
sie sich selbst nennen. Jus regale montanornm. die auf Grund des 
Igl. Bergrechtes (DIRI., auf Veranlassung Wenzels II. (1282 — 1305) 
von dem italienischen Rechtsgelehrten magister Goezius von Orvieto 
zwischen 1300 — 1305 abgefaßt wurden, zitiert nach den vier Büchern 
I— IV), Kapitel und Paragraphen. 

Igl. Dgr. = die Entscheidungen des Oberhofes Iglau in Berg- 
sachen. zitiert nach den 118 Nummern der Zychaschen Ausgabe, die 
zweite Zahl bedeutet hierbei den Abschnitt; da diese auch in der 
unzureichenden Ausgabe von I. A. Tomaschek v. Stratowa „Das alte 
Bergrecht von Iglau und seine bergrechtlichen Schöffensprache'', 
Innsbruck 1897. vorliegen, so seien hier neben die Nummern der 
Zvchasehen Ausgabe die der Tomaschekschen in Klammern angeführt: 
Nr. 1 (70). 2 (77) 3 (110), 4 (109), 5 (62), 6 (101), 7 (65). 8 (73), 
9 (fehlt). 10 (98), 11 (108), 12 (129), 13 (130), 14 (54), 15 (45), 16 



J ) Zu diesem II. Bande des Werkes meines lieben Freundes habe 
ich beigesteuert: die Abschrift des lat... Textes von U— B nach der 
Iglauer Handfeste, die der deutschen Übersetzung von U— A nach 
dem Kodex A. die von U — B nach E und die Lesarten von L und V; 
die Abschrift des I. und IL Buches der Konstituti>uienübersetzung 
nach D. und die des III. und IV. Buches nach E. die Lesarten von 
D und die des lat. Textes der Const. nach einer Hs., ferner die Ab 
schritt der Sprüche Nr. 12. 13. 92 nach D. 22. 30. 36 und 69 nach 
E, 3. 4. 6. 10. 11. 22. 31. 40. 41. 46. 47. 48. 50. 52. 53 (bis § 11) 
60. 67. 98. 99. 104 nach C. die Lesarten zu den aus B abgeschriebenen 
Sprüchen nach Kudex C. ferner war ich an der Herstellung dei 
deutschen Texte und der Revision beteiligt. 



Quellen-Verzeichnis XI 

(66), 17 (67), 18 (64), 19 (71a), 20 (68), 21 (52), 22 (109 a) 23 
(S. 18f), 24 (69), 25 (74), 25a (fehlt), 26 (83), 27 (84), 28 (86), 29 
(93), 30 (124), 31 (112), 32 (85), 33 (fehlt), 34 (94) 35 (151 tschech.), 
36 (125), 37 (78), 38 (62. 63), 39 (127), 40 (100), 41 (107), 42 (fehlt), 
43 (46), 44 (80), 45 (91), 46 (99), 47 (102), 48 (101), 49 (117;, 50 
(105), 51 (128), 52 (106 S. 91 doppelt), 53 (116), 54 (95 S. 96 doppelt), 
55 (115), 56—59 (118-121), 60 (111), 61 (139), 62 (140), 63 (90), 
64 (92), 65 (95), 66 (70), 67 (103). 68 (51), 69 (123), 69 a (fehlt), 70 
(53), 71 (57), 72 (als N/44 nach B, als 122 nach F), 73 (72), 74 (82), 
75 (55), 76 (71h), 77 (147), 78 (79), 78 a (3), 78b (4), 79 (138), 81 
(75), 82 (56), 83 (132), 84 (133), 85 (142), 86 (151), 87 (152), ss 
(148), 89 (141), 90 (88\ 91 (fehlt), 92 (131), 93 (135), 94 (136), 95 
(134), 96 (87), 97 (50), 98 (112 S. 102 doppelt), 99 (113), 100 (114), 
101 (61), 102 (160), 103 (47). 104 (106), 105 (49), 106 (58), 107 (143), 
108 (144), 109 (145), 110 (146), 111 (149), 112 (150), 113 (1), 114 
(2), 115 (48), 116 (59), 117 (81), 118 (122). — 

Ihrer Entstehung nach gehören vor 1268 Nr. 23, vor 1325: 
Nr. 15. 43. 72. 78. 78h. 97; zwischen 1325—60 Nr. 1. 2. 7. 8. 14. 
16—21. 24-28. 30. 32. 36-38. 43-44. m. 68. 70—76. 78 a. 78 b. 81. 
82. 96. 101. 105. 106. 113—117; zwischen 1360-85 Nr. 5. 9. 29. 34. 
42. 54. 63—65; ins 14. Jh. auch: Nr. 33. 36. 91: -- zwischen 
1400—1407 Nr. 3. 4. 6. 10. 11. 22. 31. 40. 41. 46-50. 52. 55—60. 
67. 69. 98. 99. 104; — 1424 Nr. 39; um 1450 Nr. 12. 13: -- 1493 
Nr. 77. 88; — ins 1. Jahrzehnt des 16. Jh. Nr. 83. 84. 92—95. 
109-112; in die Zeit von 1510-1514 Nr. 35. «5—87. 89. 107—109. 

Igl. Mut. sind die 25 Nummern der Tglauer Mutungen aus dem 

16. Jahrb. aus dem V Abschnitt des Zychaschen Buches. — 

16. Igl. Kspr. = einige wenige, in Zychas Werk fehlende 
bergrechtliche Iglauer Sprüche für Kuttenberg, enthalten in dem 
1. Anhang zu dem Aufsatz ..Johannes von Gelnhausen. Kritisch- 
historische Studie von Dr. B'Bretholz in der Zschr. des deutschen 
Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, redigiert von 
Dr. Karl Schober, Brunn. 1903, 7. Jahrgang 1.— 4. Heft, während 
der 2. Anhang den kaum in orthographischen Varianten von der 
Ausgabe Zychas abweichenden Text der Übersetzung der Con- 
stitutiones durch Joh. von Gelnhausen nach dem Originalkodex (jetzt 
im Brünner Stadtarchiv) bietet. 

17. Igl. Stb. sind die Iglauer Stadtbücher (handschriftlich 
im Iglauer Stadtarchiv, Schrank 1) und zwar I. B. aus der Zeit von 
1359—1377, IL von 1378—1408, III. 1408-1472, lila von 1410-1433, 
IV. 1419— 1519, V. 1473—1514. zitiert nach Band und Blatt, wobei 
a die Vorder-, h die Rückseite bedeutet, (Die folgenden Bände: VI. 
von 1514-1529, VII. von 1520-1620, VIII. von 1529—1542, IX. von 
1542-1551!. X. von 1556—1584, XI. von 1584—1609, XII. von 1609—1637 
sind nicht für das Wörterbuch ausgenützt.) 

18. Igl. Ms. — Urkunden der" Iglauer Meistersinger I. Teil von 
Dr. Franz Streinz (Programm des Staatsgymnasiums in Wien, 
III. Bez. 1901/2) zitiert nach Seiten. Sie gehören dem Anfang des 

17. Jahrhunderts an. 

19. Prag. Mz. = Buch der Präger Malerzeche von 1348, als 
13. Band der Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik, 



XII Quellen-Verzeichnis 

hg. v. Eitelberger, Wien 1878 und im selben Jahre in Prag neu 
herausgegeben von Patera und Ferdinand Tadra. 

20. Eger. Z. 0. = Die Egerer Zunftordnungen. Ein Beitrag 
zur Gescbichte des Zunftwesens. Von Dr. Karl Siegl, Hg. v. Verein 
f. Gesch. der D. in Böhmen, Prag 1909, zitiert nach Nummern und 
Abschnitten. Es sind Nummer: 1 die der Bader und Barbierer (1584), 
2—6 der Bäcker, (1512. 1535. 1536. 1550. 1555). Nr. 7 der Binder- 
gesellen (1550), 8 der Binder (1551), 9 der Färber (1652), 10 der 
Flaschner (1559), 11 der Glaser (1583), 12 der Goldschmiede (1584), 
13-15 der Hufschmiede und Wagner (1500. 1573. 1609), 16— 18 der 
Hutmacher (1460. 1524. 1536), 19 u. 20 der Kürschnergesellen (1488. 
1490), 21 deren Zech- und Tanzordnung (1600), 22—24 der Maurer, 
Zimmerleute und Bauhaudwerker (1470. 1559. 1579), 25 der Maurer 
und Steinmetzen (1746). 26 der Messerschmiede (1609). 27 der Metzger 
(um 1440). 28 der Fleischhauer und Garköche (1526). 29 der Müller 
(1532), 30. 31 Müller- und Mühlordnung (1572. 1586). 32. 33 der 
Mulzer und Bräuer (1400. 1584), 34 der Pfefferküchler (1618). 35 der 
Biemer (1584). 36. 37 der Botgerber und Lederer (um 1350 u. 1567). 
38 der Sattlergesellen (1560). 39 der Sattler (1615), 40 Lohnordnung 
der Schröter (1403). 41 der Schuhmacher (1653). 42. 43 der Seiler 
(1538 u. 1591), 44 der Tischler (1577), 45 der Töpfer (1566), 46 der 
Tuchmacber (1653). 47 u. 48 der Zimmerleute (1559 u. 1711). 

21. Eger. Aelitb. I. u. IL = Das Achtbuch des Egerer Schöffen- 
gerichtes aus der Zeit von 1310—1390 (I). vom Jahre 1391-1668 
(II) Von Dr. Karl Siegl. (Prag 1901 u. 1903 Verl. des Ver. f. Gesch. 
d. D. in B. in dessen Mitteilungen 39. u. 40. Jahrgang zuerst, dann 
gesondert erschienen) zitiert nach Nummern. 

22. Buch der Gebr. = Das Buch der Gebrechen am Egerer 
Schöffengericht. Von Heinrich Gradl, Stadtarchivar in Eger (im 
Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken, 15. B. 
2. Heft S. 215—275, aus der Zeit von 1379. 

23. Miud. d. Egerl. = Die Minderung des Egerlandes von 
Heinr. Gradl, ebda. 15. B. 3. Heft; zitiert nach Seiten. 

24. 01m. Stb. = Olmützer Stadtbuch in der Schrift : ,.Über das 
Olmützer Stadtbuch des Wenzel von Iglau" von Wilb. Sauger, hg. 
von der historisch-statistischen Section der k. k. mährisch-schlesischen 
Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landes- 
kunde, Brunn 1882, C. Winiker (in den „Monumenta Rerum Bohemico- 
Moravicarum et Silesiacarum, Sectio IL Liber III.), zitiert nach 
Nummern, bei längeren Stücken daneben mit Seitenangabe. 

25. Aussig. Urkdb. = Urkundenbuch der Stadt Aussig, hg. v. 
Dr. Adalbert Horcicka, zitiert nach Nummern. 

26. Stb. Brüx = Das Stadtbuch von Brüx bis zum Jahre 1526 
bearbeitet von Dr. Ludwig Schlesinger, Prag 1876, zitiert nach 
Nummern. 

27. Budiv. l'rkdb. = Urkundenbuch der Stadt Budweis, hg. 
v. Karl Köpl, I. B. 1. Hälfte von 1251—1391. Prag 1901. 

28. Böhm. -Kämmt z = Geschichte der Stadt Böhmisch-Kamnitz 
und ihres Gerichtsbezirkes im Mittelalter von Karl Linke in den 
..Mitteilungen des A'ereines f. Gesch. der Deutschen in Böhmen. 
XIX. Jahrgang S. 215—279. 



Quellen-Verzeichnis XIII 

3. Städtechroiiikeu. 

Vor den „Deutschen Chroniken aus Böhmen, Verlag des Vereines 
f. Gesch. der Deutschen in Böhmen", Prag 1879. 1881. 1884 behandelt 
der I. B. : 

29. Elbog. Chr. = „Die Chronik der Stadt Elbogen (1471—1504), 
bearbeitet von Dr. L. Schlesinger, und zwar S. 1—138 die Chronik, 
S. 139—177 verschiedene Beilagen (a. 1451 — 1506), zitiert nach Seiten 
und Zeilen, die freilich in der Ausgabe selbst nicht gezählt sind: 
der IIB.: 

30. Traut. Chr. = Simon Hütteis Chronik der Stadt Trautenau 
(1484—1601), bearbeitet von Dr. L.Schlesinger, zitiert nach Seiten; 
der III. B. : 

31. Eger. Chr. = „Die Chroniken der Stadt Eger, bearbeitet 
von Heinrich Gradl"; und zwar Nr. 1—99 (S. 3—61) die Chronik des 
Pankraz Engelhart (von 1560), Nr. 105—177 (S. 73—177) die „Manual- 
Chronik des Andreas Baier (bis zum Jahre 1594); Nr. 996 — 1035 
S. 183 — 232 die Ausgabslisten der Stadt Eger (1390 — 1440); 
Nr. 1036—1040 S. 233—238 das Wahlbüchlein von 1560; Nr. 
1041—1215 S. 241—390 Beilagen aus den Jahren 1389—1553 (die 
Nr. 1216—1304, Daten zum Verzeichnis der Egerer Geschlechter 
boten für das Wörterbuch keine Ausbeute). Zitiert wird nach 
Nummern, bei längeren Stücken mit daneben stehender Seitenzahl. 

4. Religiöse Literatur. 

32. W — B bezeichnet die für den deutschen Kaiser Wenzel (als 
König von Böhmen Wenzel IV.) von dem Prager Bürger Martin 
Rotlev gestiftete, prachtvoll illustrierte deutsche Bibel, die am Ende 
des 14. Jahrhunderts — wohl in Prag — entstanden ist und sich in 
6 mächtigen Foliopergamentbänden in der Wiener Hof bibliothek (als 
Nr. 2759— 64, alte Signatur M. S. Ambras 18) befindet; sie ist noch 
ungedruckt. 

Hierbei bedeutet dien. (= Genesis) das I., Ex. (= Exodus) das 
IL, Lev. (= Leviticus) das III., Xum. (Numeri) das IV. und Deut. 
(Deuteronomium) das V. Buch Mosis; Jos. = das Buch Josue 
(24 Kapitel); Richter = das Buch der Richter (11 Kapitel); Ruth 
= das Buch Ruth (4 Kapitel); Köu. 1 = das I.Buch Samuels 
(31 Kapitel); Kön. II = das IL Buch Samuels (24 Kapitel); Kon. III 
— das I. Buch der Könige (22 Kapitel); Kön. IV = das IL Buch 
der Könige (25 Kapitel) ; Par. I und Par. II bezeichnen das I. und 
IL Buch Paralipomenon oder der Chronik, jenes mit 29, dieses mit 
36 Kapiteln : Esdr. I = das I. Buch Esdras , im Hebräischen Esra 
genannt (10 Kap.); Esdr. II = das IL Buch Esdras, auch Nehemias 
genannt (13 Kapitel); Esdr. III = das nicht kanonische III. Buch 
Esdras; Tobias = das Buch Tobias (14 Kapitel); Judith = das 
Buch Judith (16 Kapitel); Esther = das Buch Esther (16 Kapitel); 
Job = das Buch Job oder Hiob (42 Kapitel); Ps. = das Buch der 
(150) Psalmen; Spr. = die Sprüche Salomons; Pred. oder Prediger 
= Eclesiastes oder Prediger, von den Hebräern Koheleth genannt 
(12 Kapitel): Hohe Lied = das Hohelied Salomons. hebräisch Sir 



XIV Quellen-Verzeichnis 

Hasirim (8 Kapitel): Sirach = das Buch Ecclesiasticus, deß Sohnes 
Sirachs, griech auch Panaretos genannt (51 Kapitel) ; Is. = Prophe- 
zeiung des Isaias oder Jesaias (6G Kapitel); Jer. = Prophezeiung 
des Jeremia8 (52 Kapitel); Klage Jer. = Threni, das ist Klagelieder 
des Propheten Jeremias (5 Kapitel); Barueh = Prophezeiung 
Baruchs (6 Kapitel); Ez. = Prophezeiung Ezechiels (48 Kapitel), 
— Das Buch Daniel und die 12 kleineren Propheten wie das I. und 
IL Buch der Machabäer fehlen in der Wenzelsbibel. 

33. T— B = „Der Codex Teplensis, enthaltend die Schrift des 
newen Geczeuges. Älteste deutsche Handschrift, welche den im 
XV. Jahrhundert gedruckten deutschen Bibeln zu Grunde gelegen, 
herausgegeben von P. Philipp Klimesch. München 1881. Nach der 
Hallenser Dissertation von W. Weis („Untersuchungen zur Be- 
stimmung des Dialectes des Codex Teplensis. 1886) fiele diese 
Übersetzung in eine nicht viel südlicher als Prag gelegene böhmische 
Landschaft, die Abschrift (Schreiber B) in das bühm. -obersächsische 
Sprachgebiet, beide in die beiden letzten Jahrzehute des IL Jahrhunderts. 

Matth. Mark. Luk. Job. bezeichnen die Evangelien des Mat- 
thäus, Markus, Lukas und Johannes. 

Btb. (= Botenbuch) die Apostelgeschichte ; die Briefe des Paulus 
sind bezeichnet mit: Köm. = an die Römer, Korinther I. und IL, 
der I. und IL Brief an die Korinther, Galater = der Brief an die 
Galater, Eph = an die Epheser, Philipper = an die Philipper, 
Kolosser — an die Kolosser, Thess. I. und IL = I. und IL Brief an 
die Kolosser. Tim. I. und IL = I. und IL Brief an Timotheus, 
Titus = an Titus, Philemon = an Philenion, Juden = an die 
Hebräer; Briet Jak. = Brief des Jakobus, Peter I. und IL = I. und 
IL Brief des Petrus, Joh. I. IL III. = I. IL III. Brief des Johannes, 
Judas = Brief des Judas, Off'enb. = die Offenbarung des hl. Johannes 
oder die Apokalypse. 

34. Joh. v. Igl. = eine deutsche Erklärung der 10 Gebote 
durch Johannes de Iglavia in der Handschrift Nr. 1(346, 2 der Wiener 
Hofbibliothek. Der Zusatz z. B. 10. Geb. bedeutet die Erklärung des 
10. Gebotes. 

35. Hier. = „Das Leben des heiligen Hieronymus in der Über- 
setzung des Bischofs Johaunes VIII. von Olmütz", herausgegeben 
von Anton Benedict, Prag, 1880 (in der „Bibliothek der mhd. Lite- 
ratur in Böhmen. Begründet von Ernst Martin, hg. von Verein für 
Geschichte der Deutschen in Böhmen, III. Band) ; diese von Johann 
von Neumarkt (nach, seinem Geburtsort in Schlesien) zwischen 
1371 — 75 geschaffene Übersetzung wird zitiert nach Seiten und Zeile 
des Druckes. 

36. Sol. = die lateinischen, fälschlich dem Augustinus zu- 
geschriebenen Soliloquien (Selbstgespräche) in der Übersetzung des 
Johann von Neumarkt aus der Zeit von 1353 — 1364 (wohl zwischen 
1358 — 1363) hg. v. Dr. Anton Sattler in den Programmen des fürst- 
bischöflichen Gymnasiums am Seckauer Diözesan-Knabenseminar in 
Graz 1900 — 1902, zitiert nach den unten stehenden Seiten und nach 
Zeilen. 

Von diesen Quellen sind Nr. 17, 32 und 34. darunter 11 mächtige 
Folianten, nur handschriftlich vorhanden. 



Quellen- Verzeichnis 



XV 



Abgekürzte Bezeichnung dieser Quellen nach der 
Reihenfolge des Alphabets. 

Die nebenstehende Zahl zeigt, unter welcher Nummer des 
Quellenverzeichnisses nähere Aufklärung zu suchen ist. 



Ack. s. 6. 
Alex. s. 2. 
Alex. Anh. s. 2. 
Aussig. Urkdb. s. 25. 
Böhm. Chr. s. 5. 
Böhm. Kamn. s. 28. 
Brunn. Str. s. 9. 
Brüx Stb. s. 26. 
Buch der Gebr. s. 22. 
Budweiser Urkdb. s. 27. 
Chlum. s. 11. 
Const. s. 15. 
Dal. s. 4. 
DIE». 15. 

Dreiding v. Politz s. 12. 
Eger. Achtb. s. 21. 

., Burg. s. 10. 

„ Chr. s. 31. 

„ Fr. s. 10. 

„ L. Meiug s. 10. 

„ M. U. s. 10. 

„ Str. s. 10. 

„ St. Z. s. 10. 

„ Ung. s. 10. 

„ Z. 0. s. 20. 
Elbog. Chr. s. 29. 
Ernst s. 7. 
Hier s. 35. 



Igl. B s. 14. 

„ Bgr. s. 15. 

„ Ms. s. 18. 

„ Mut. s. 15. 

„ Rspr. s. 16. 

„ Stb. s. 17. 

„ Str. s. 13. 

„ U — A s. 15. 

„ U— B s. 15. 
Job. v. Igl. s. 34. 
Leg. s. 3. 

Mind. d. Egerl. s. 23. 
Olm. Stb. s. 24. 
Prag. Mz. s. 19. 
„ Rb. s. 8. 
„ Str. s. 8. 
Rf.; Ritterf. s. 3. 
Rüge v. Pröhl s. 12. 
Schretel s. 3. 
Sol. s. "36. 
Stb. Brüx s. 26. 
T— B s. 33. 

Teiding v. Friedberg s. 12. 
Traut. Chr. s. 30. 
Trist, s. 3. 
W— B s. 32. 
W. v. W. s. 1. 
Zycha I. s. 15. 



Andere Abkürzungen. 



a. = anno. 

Acc. oder Akk. = Akkusativ, 
d. p. = der Person, d. S. = der 
Sache. 

Adj. = Adjektiv, Eigenschafts- 
wort. 

Adv. = Adverb, Umstandswort, 
adv. = adverbiell. 

bildl. = bildlich. 

Comp. = Komparativ. 

Dem. = Deminutiv, Verkleine- 
rungswort. 

Ein]. = Einleitung. 



f. = Femininum, weibliches Ge- 
schlecht. 

fr. oder franz. = französisch. 

Gen. = Genitiv, 2. Fall; 

in Verbindung W— B Gen. = 
Genesis der Wenzelsbibel. 

Inf. = Infinitiv, Nennform. 

intr. = intransitiv. 

Jh. = Jahrhundert. 

L. = Mittelhochdeutsches Hand- 
wörterbuch von Dr. Matthias 
Lexer. 

lat. = lateinisch. 



XVI 



Quellen-Verzeichnis 



m. = Maskulinum, männlich. 
mhd. = mittelhochdeutsch, 
nhd. = neuhochdeutsch. 
Nom. = Nominativ, 1. Fall. 
Part. = Partizip, Mittelwort, 
poln. = polnisch. 
Präp. = Präposition, Vorwort. 
Prät. = Präteritum. 
Pron. = Pronomen, Fürwort, 
red. — (ursprünglich) redupli- 
zierend, 
slav. = slavisch. 



Sing. = Singular, Einzahl. 

st. = stark biegend. 

stv. = stark biegendes Zeitwort. 

subst. = als Hauptwort gebraucht. 

Subst. = Substantiv, Hauptwort. 

tr. = transitiv. 

unpers. = unpersönlich. 

unreg. = unregelmäßig. 

v. = von. 

vgl. = vergleiche. 

: = reimend auf. 



Ablautsreihen «1er starken Zeitwörter. 



Il 
12 



Präsens 

z. B. gibe: 

nime ; 



Präteritum 
Singular, 
gap: 
nam; 



13 i, hilfe: 



LI 



a, half; 



Präteritum 
Plural, 
ä, gäben; 
ä, nämen; 

u, hülfen; 



Partizip 
Präteritum. 

e, gegeben; 

o (u), ge- 
nomen ; 

o (u), ge- 
holfen ; 

i, gestiegen; 



i, (mhd.), ei ei, steic; i, stigeu; 

inhd.),stigen; 
III a in (mhd.), eu ou, bouc; u, bugen; 

(nhd.) biuge; 

III b iu(mhd.),eu,ie 6, zöch; u, zugen; 

(nhd.) ziuhe: 

IV a (e) var; uo (md. ii. nhd. uo (md. 

ü) vuoren; vuoren; 

V a, ä, uo ei ou ie. stiez, ; ie, stiegen : 

(6) z.B. stöz,e; 

Die Bezeichnuug der Klassen I bis III entspricht der bei Lexer, 
mir daß die III. hier in a und b gegliedert ist, dagegen entspricht 
hier die IV. Klasse bei Lexer der Klasse I 4, die V. Klasse den redupli- 
zierenden bei Lexer (1 1, I 2, I 3, II und III). 



o, gebogen; 

o, gezogen; 

ft) a, gevarn; 

wie im Präs. 
z.B. gestoben. 



Mit * sind jene Wörter bezeicJtnet. die weder im Mhd. Wb. von 
Beneke , Müller, Zarnke, noch in dem Lexers oder höchstens aus 
diesen Quellen (\V. v. W. Trist. Prag. Str. Prag. Bb. Brunn. Str.) 
belegt sind. Es sind folgende 2135 )Yorte, von denen diejenigen, 
deren Deutung oder Erklärimg unsicher ist. hier mit * bezeichnet sind: 



abend -e^en Str., abend -regen, aber-slich, ab-beu Adj. *, ab- 
gerurt, ab-gevelzt, ab-gewicht*. ab-hauunge, ab-keren, ab-kundigung, 
ab -leibig, ab-lenung. ab-lesund. ab -malung. ab-marscheiden, ab- 



XVII 

nutzung-, ab-pflücken, ab-sagunge, absckied-täding, ab-spennig, ab- 
steigung - , ab-stellung, abtes-lehen, abtisch, ab-trinken, ab-tüung, 
ab-vertung, ab-vürung, ab -wachsen, ab -wandeln, ab -wegen, ab- 
wendig, achsil-span, ach-vart, acker-recht, acker-reut, acker-teil, 
ahm, aldö-selbest, al-hiesig, aller-behendest, -bequemlieh, -durch- 
leuchtigist, -vugleichst, almer-sloz,, al-seufzend, altär-herre, alt-knecht, 
alter-opfer, alt-vateriseh, al-vliez,end, al-wallend, al-zu-bezeiten, am- 
bechter, ambechtung, amisei, amts-burgermeister, an-botwaren, ander- 
weidunge, an - enphenklich , an -gagern, an -gehegt, an -genügen, 
angestikeit, an-gölden, an-göllung, an-haft, an-hengung, an-krentung, 
an-ligunge, an-merkunge, an-pleien, an-plareu, an-rumpeln, an- 
schrauzen, an-sankhan(!)*, an-stimmeD, aut-gift, an-vadern, an-vechten, 
an-vechter, an-vertigen, an-veuern, au-vorderung, an-weiserin, an- 
werden, an-wesen, an-zeigeu, an-zerreu, aquilo, arc-heftig, arm- 
gespan, arme-mennin, armutei, armutel, artikels-brief, astecht, at- 
mitzen, auf-gebot, auf-dingen, auf-höre, auf-krcenei), auf-lage, auf- 
lauger, auf-laufung, auf-lä^ung, auf-leg-register, auf-macher, auf- 
richtung, auf-rürig, auf-schauer, auf-schrenken, auf-sinken, auf-sten, 
auf-weisuug, aus-bereden, aus-biutlich, aus-eiseu, aus-kerunge, aus- 
kirnen, aus-lendung, aus-nember, aus-raufuuge, aus-reien, aus-reutehi*, 
aus-rumpeln, aus-setzung, aus-schreiten, aus-sckröten, aus-schuppen, 
aus-schürfen, aus-sueien, aus-vellig, aus-warterin, awersant. 



B 

bacher, bader-knecht, bad-ke^^el, bad-tüch, ban-dich, barbarön, 
barbier, barchant-werk, barschaft, baselisken-auge, bauer-pferd, bauer- 
sechswöchnerin, bäurisch, beamis, beckel-huot*, becken-kuecbt, -schräge, 
becken-werk, be-ding, be-geitigen, be-geitiger, beginstnus, be-gnügde, 
be-gnüglich, be-gnüg-sam, be-gnügtler, be-gnügung, be-grebtnis, be- 
guntnusse, be-halt-lich, be-halt-sam, be-hant-haben, be-hüllunge, be- 
hülzunge, bei-lag, beilde, bein-gespau, beispild, bei-vellig, bei-wesung, 
beiz, be-jechung, be-lernen, be-listigung, be-lue, be-meiligunge, be- 
uielden, be-meltlich, be-nennung, be-nötigen, be-noetung, be-nüglich, 
be-rainen, be-rede, be-reinung, be-remiteln, berg-emmer, ber-gewand, 
berg-grube, berg-gezauwe, berg-gut, berg-1 achter, berg-lich, berg- 
man, bergung, berg-vreiuuge, berg-werk, berg-werks- vergleich, 
bericbt-leut, ber-lein, bern-stube, bersck-büchse, be-rubsam-lich, be- 
rür-lich, be-schediger, be-scheidikeit, be- schick nnge, be-schidunge, 
be- schirm -rede, beschit-brief, be-seligen, be-sicherung, be-spurzen, 
bestands-weis, be-steer, be-stendler, be-streuunge, be-swserden, be- 
teiding, beteidiiigs-man, betel-vür, be-trübsaluuge, bette-gewendlich ; 
beugel, beigil; beutel-mül, bevelh-haber, be-vrunt, be-vüren, be-weg- 
lich, be-wellung, be-willen, be-wingen, be-wust, be-zaunen, be-zunget, 
bider-leute, bienenwald, bier-eigen, binsen-strauch, birgig, biterin, 
bittelei, bittlefse, bläb-slag, blaten-geier, bieg, bleibling, bleihutte, 
blezen, bochnicze, bock-stolle, bodemen, boden-steiu, bogen-ort, bor- 
stube, bosten-, -posten-brief, boten -briefe- trager, bot-heit, botwarei, 
botzen, brand-schettig, brant-messe, brechelen, breeherin, brech-haus, 
kegeln*, pregeln, breu, bren-brief, brest-haftig, bret-kloz, breucliig, 

Jelinek, Wörterbuch. \) 



XVIII 

breueh -liehen, breu-holz, breu-tag, breutunge, breu- urbar, brichtig, 
brief-leute, biöt- nieder, bruck-tor, brüderkeit, brüder-teil, brüder- 
toehter, brun-ländl- wiese, brunung, brust-winde, brüunge, büch- 
druckerei, buchen -stock, bück-halter, buchs-bauruin, büchsen-kugel, 
-schieben, -schiff er, buchung, puchung, bulgen-macher, bündisch, 
bürg (= Eunuch, Diener), burgen-recht, bürger-rneister-schaft. burg- 
güt, burn, büz-vlec. 

D. 

dachs-vel, dannenherö. dar-legung, daust, deck-beil, dendel-mark, 
denk-zetel, derfter-drin, deub-heit, deub-strafen, deuchten, deutsch- 
haus, dich'tikeit, dieberei, dienstikeit, diez, stf., donder-streich, doner- 
döz,, doner-schric, dreiding, drei-gekrönt, drei-gerüdert. dreiling-vaz,, 
drei-seitl-kendl, dreu-brief, dril- gerudert, drinn*, drö-brief, drom 
(= drum), drossdram*, druck- form -setzer, drnmel- schlager, dump- 
lächter, durch-genge-stelle. durch-lustig, durch-pelzen, durch-spehen, 
durch-vornieren. 

E 

e-brechtig, ebtissinne, ederein, eder-mäl, eger-holz, egerisch, 
Eger- leite, ehe -leiblich, ehender, eid-pfenning, eigen -dienst, eigen- 
lich Adv., ein -bewilligen, -gehörimge, -heischen, -hendlicht, einiger- 
lei, ein-legen, -leiben, -maner, -muten, -raten, -sacker, -schaffen, 
-schuldigen, -segen, -slag, -slahen, -streichen, -tragen, -trechtig, 
-trechtic-lich, -ti - echtikeit , -vordrer, -forieren, -wegen, -werber, 
-werfen, -werren, -wonunge, einzen-pferd, ein-zünften, eis-bau, eisen- 
gezeuge, eis-meister, eitel-bar, eit-loch, ellen-bernde, ent-eigenen, 
ent-einigen, entgegen-leuten, ent-hebigkeit, -hoffenen, -lauf, entlehent- 
niäl . ent-satzunge, -senften. -seuberkeit. -seubung, -sliez,ung, 
-sprie^unge, -Urlauben, -vreien, -vreniden, -werfer, -wüschen, enzamt- 
alter, -erbe, -erzogen, -gelich, -gevangner. -knecht, -ritter, -sitzend, 
-süchung, -werk er, -werkuug, enzrinzen*, erb-aninäz.ung, erb-ansprech, 
erb-eid, erb- gang -stolle, erb-gebirge, -geld. -gericht, -gesehen, 
-gewerke, -grübe, -grub -Schreiber, -haltung, er-bitung, erb-leute, 
erb -samkl eich, erb-sez,z,eii, -süber- grübe, -smid, erbe-spil, -stolle, 
-stolner, -Untertan, er-butig, erb-wappen, -zins-gelt, erden-knolle, 
erderunge, er -donnern, -dunsten, eren-mantel, -verkleinerlich, er- 
grabnüsse, er-hebuug-brief, er-holunge, -körunge, -kündiget, -leuchti- 
keit, -leuterung, -quicker, -reglich, -reiten, ersamen, er-schauwern, 
er-schellunge, er- schreck -sal, er-schürbeu, -slahung, ersten -lieh, er- 
stickunge, er-süchter, -sundern, -teidingen, -varukeit, -vreuwunge, 
-werblich, erzet-pfennig, erz-teiler, eschern, Esel-dorf, esel-keuchel, 
esel-m8ez,ig, esse-meister, essen -geld, etzen, e -vroelichkeit, ewigilig, 
exemplär-büch, ez,-ban. 

G 

gähes, galine, gampt, gang-stein, ganst-lich, gart-brüder, garte- 
eisen. gar-zal, gatten-hün, gaukel-weis, ge-pawer-volk, ge-bitlich 



XIX 

ge-blez,e, ge-blickt, ge-blümede, ge-breme, ge-burg", gedechtnis-büch, 
ge-deihenüsse, ge-denklich, ge-dreieckt, ge-dupelt, gegen -antwort, 
-dön, -heit, -louf, -nächber, -nutzunge, -stufe, -Wortes, gegeter- 
venster, ge- hindert, ge-horsamkeit, ge-hörsainichen, ge-hörsamung, 
ge-host, ge-humbt, geinzekeit, geisselunge, geitigunge, ge-kneufelt, 
ge- kochte, ge-kretz, geld- einlege -lädlin, ge- leine, ge-leit-brief, ge- 
lich-sam, ge-lichsen-heit, ge-litschert, ge-lübdnis, ge-luber, ge-lübig, 
ge-lübuis, -lustsamen, geraecht-leute, gemein-eldester, ge-raeinsamer, 
ge- nieint. ge-nächenung, ge-näd-sam, ge-nech-lich, ge-nera-habung, 
Geomancia, ge-peinikeit, ge-recher, gerecht -haftig, -haftigen, ge- 
rechtig, gerichts- erlang, -peitsche, ge-rinkelt, gesatz - Ordnung, 
geschicht-lich, geschoz,-nemer, ge-seinst, gesellen-singschül, ge-siger, 
ge-slepp, ge-sling, gesnitz-werk, ge-speist, ge-spil stn., ge-sprächikeit, 
gestein-rulle, gestift-altär, ge-streuche, ge- stritte, ge- sümpfe, ge- 
swere, ge-tref lieh, ge-turme, ge-turre, geuden-reich, geu-kuecht, geut, 
ge-verdlich, ge-vere, ge- vierwinkelt, ge-iiecke, ge-vletz, ge-vogilt, 
ge-vrid-sam, ge-vridsam-lich, ge-waltigung, gewand-kamer, -presse, 
-schere, ge-welbel, ge-werd, ge-wunnung, ge-wurmelt, gezeug-brief, 
ge-zwinlingt, gibelein, gibel-venster, gie^-kanel, gigen-garren, 
gimmin, glach, glauz-blüme, -gevar, gleissende (== ge-lichsende), 
glied-ma^, glö^-ling* glüb-nis, gnäden-tau, -taYel, -sam, golaezer, 
gold-macher, gotes-lesterei, got-link*, grausamkeit, gremnüsse, grem- 
schaft, gremsen, greniz- ackerunge, grenizen-besehreiber, greniz- 
gedechtnis, -kreiz, -mülstein, -recht, -rein, -streit, -stritte, -weide, 
Griffenstolle, gris-gramig, -gramung, gröz,-günstig, -günstig, grüben- 
schreiber, grund-brief, gründel, grüntel, grund-greniz, -lös, -vestig, 
gunstlich. 



H 

habarte*, hacken -smid, hader- lumpin, halben -bech, halm-wurz, 
hamer-stat, handeis -buch, handlungs-tag-, hant- eisen, -reichunge, 
-streich, -wenden, -werks-kerze, -werks-zeche, -zeichen, harlaz.-weber*, 
haruasch-geld, -geriete, -kamer, harn-krüg, haspler, häufe, haupt- 
gang, -geschütz, hauptil, haupt-vride-brief , -zeche, haus-gibel, -hal- 
tung, -kompter, hausner, heb-stange, hehil, heidech, hei-holz, heilig- 
sani, heim-gemach, heim(e)-lich stn. , -vertiguug, heiu-buchen-stock, 
heintig, heirat-man, Heirias, heirling, helbde, helfen-teil, henge-bank, 
herab-schaffuug, her-berger, her-heim, her-hinder, her-meister, hermel- 
wiz,, hern-gegen, herren-lehen, her-schauwen, hers-vluot, her- 
widerumb, herzen, herzu -komen, hese*, heufe, heuler, heulunge, 
heuräts-tag, heu -rechen, -schür, heven- sieder, hief-dorn, hiesig, 
himel-grave, -hof, himels-reif, hinach-volgens, hinder- werfung, 
-ziehung, hiner-knecht, hin-kerunge, hin-kunt't, hin-lä^er, -läz,unge, 
-vlucht, -vürunge, Höch-deutschland, höch-gräflich, -kostig, -müeten, 
-vleizjg, -wild, hock-schar, hoffen-trunken, höf-tafel, -wonung, hol- 
duug, holunke, holz-heider, -klause, -mandät, -riese, -wurmel, hörnen, 
hserunge, hospitalisch, hunderter, hundert-vechtig, hunds-kappe, -vut, 
hür-handel, hurten, husser, hüt-gadem, hütten-kost, hutt-grund, hütt- 
stat, hütung, hüt-weg. 

b* 



XXII 

quater-stück. queler, quetschieren, quitscken. 

K 

racher, rani-hof, rappier, ratig-, rät - Schaffung, räts-persön, rät- 
tünnelin, rauch -heller, rauuer, recht -brecher, -brecherin, -brief, 
-haftigeu, -macher, -tisch, rechtuug, recht -vlüchtig. rede -rieh, refel- 
werk, reformation, regent, reihel, rein stf.. reinisch, reis-slos, -slosser, 
reit-zedel, rem-hof, reu, rendl-mül, reng, rengsburger, ren-vau, rent- 
herre, -Schreiber, reutig, reut-leute, reut-me^er, rieht -leute, 
rincrerotes, riug-leute, ritter- ernst, ritters-mantil, ritter-scheften, 
roböt-man, rocken -beck, -möl, roinaney, rone-baum, rör, rösen-gasse, 
ros-stallung, rotterei, rotting, rüben-kirckweik, Eüben-zagel (= Rübe- 
zahl), run-, runi-baum. ruom-rae^e, -wort, rüst-baum. 

s 

sac-band, sal-raacher, salzuuge, sand-seiger, sauiter-niacher, sappen, 
sat-blaw, sauer -ampfer- hübe], sauer -ainpf-wise. sauer -teigeu swv., 
sauf er. saupe, saupnik, Schacht -rad, schaden -gelt, -sack, schadung, 
schaeffen-, schepen-brief, sehäf -meister, schappe, zappe; scharf -gräb- 
lein, schar -strich, schar -werken, schau -meister. schaurig, schawer- 
waz.z.er-weg. -wetter, -wind, Schechtel, schef-tor, -turn, scheier-leiu, 
scheiter. schelung. schemelern. schem-likeit, -wort, schenken-meister. 
schenk-sontag, schepfen sicr. schepfen-brief, scke'rf, scherper, scherpfer, 
schichtig, schiok-wärts, schid. -niauer, schiefferieren, schif-nian, schin- 
dunge, schiz,-stat. schon stf. ?, schoen-melzners-gasse, schön-pfennig, 
schorn, schötzeu-kopf, schoben, schranzen, schronecht, schül-geinez,, 
-halter, -kunst, -raeisterei, -ordenunge, -stublin, -veier, schuolören*, 
schupfrig, schurpf, schur-schere. schuster-kör, -zeche, schutz-berg- 
werk, schutz-geld, sechs-wöcherin, seige-richt, seiger-spehr, seil-riclit. 
selb-mugend. selduug, sel-vart. Sel-wein, sem-lichkeit, seilende, seiä. 
seufel, seuffen-gerin, sibeu-geste'rnet, sichel-niüle, sicherz,. sicht-spiegel, 
sicken, side- Schneider, siech -heusei, siede, sig-baum, sig-behalte- 
rinue, siges-opfer, siges-opfer-tier, signet*. singundig, skorpen-wurme, 
släf-trunken, slag-dill, -nnil, slegel-gasse, -helb, sleif-hütte, sleisse, 
sleiz,en-leuchten. Slesing, sleuder-stein, sling-lein, sioter-becke*, sraseh- 
leich, smelz-gadem, smide-ammeebt, -ampt, -kuecht, -zuuder, snappen- 
hut*. snarnig, sneid-ling, solen-schawer, sol-sneider, somer-turm. sorg- 
lichkeit, sotan, söteu, speier*, speileu sivv., speis -ochse, spiler-gasse, 
spital-müle, spitel- garte, -herre. -tor, -vleisch, spitz -treid, spreng. 
Sprengung, spreuter, spürunge, stalligkeit, stam-lig, stangen-kriecher, 
stank-haus. stark -rieche, -waltig. stat-krämer, -reiter, -stein, -tafel, 
-veld. stauh- wolle, standen -reuter. stech -rede, steg-reifnerer, steiu- 
gerülle, -hübe], -klippe, -Schneider, stemme -rieme*, stendig, stenge- 
kopf, sterbs-leufte. sterbens-zeit, stern-gewalt, stollen-gang, -meister, 
-recht, stoller, stolner, stolpern, straf -gleit, strauz,- rauber (oder für 
straz,-rauber) , strä^-mord, -reiter, streng -mutig, streuchecht, strich- 
wind, stritzel*, strö- triste, stubke* (aus tscheeh. stupek, stoupek = 



XXIII 



Landstreicher), stürb-ling, stürmerinne, stürm -rüschende, -veuer, 
sturzen-gasse, sturz-vaz,, Stutzer, süch-stolle, süden-osten, südnisch, 
sumer-mantel, sunder -rote, sunnen-brehende, suns-herre, svvackeln, 
swatzer, -bolz, swebel- liebt -lin, swer-mütikeit, swiger-vrawe. 



tabak-trinken, tag-schicht, tal-neige, tamasebke, tän-berg, 
tarraß-puebse, tauben-keucbel, tausenter, teidiugs-leute, teig-teglicb, 
teiler-bar, teil-haftigleich, teil-stat, -zedel, temper-lich, tenein, terevent, 
tesse, tetic-lich, tetner, tetzem, teube, tiseb-bier, -gerüste, tjost-geselle, 
toben-birnig, tören-kolbe, tor-stock, toten-jar-register, töten-schein, 
tötiguuge, toet-liug, traubeu-speierl, trauer-macher, trauren-wender, 
-wenderin, treber-gasse, trecbsel-stül, tres-kainer-tür, tretunge, treu- 
brief, treugen, tritt- weg, trink-kopf, triscb (bei L. nur einmal belegt), 
triuuipliier-lichen, troisierer, trossse-bübe, trugen-schaft, tschabrün, 
tücb-bereiter, tüch-macher-knecht, -macher-kur, -presse, -weber, tugend- 
bernde, tünieb, tupphelecht, tür-gerichte, türken-glocko, turrer, 
twaben, -e stf., twerch-gasse, -wand, twireb-zaun. 

ü 

übel-bandlunge , -sagen, -sagunge, -tüung, über-decke, -eckern, 
-eintragen, -geer, -geert, -ge-höcht, -geung, -hangen, -heimlicb, 
-heimelicb, -kererinne, kerunge, -schaffen, -schar-raasse, -schar-recht, 
-schi - ecken, -sez,e, -stülpen, -swelig, -swenimen, -trenken, unbekoni- 
leicb, -unraerkleicb, -unundersuchleicb, -unvernenileich, -vallung, 
-vorniren, -vreveln, -waebsung, -Wechsel, -wesend, -wesleich, -wes- 
leicben, -wunderleich (-en), um-angsten, um-drewen, -graben, -haben, 
-haus, -raien, -rank, -steunge, -teilunge, -vüerung, un-ausle^lich, un- 
aufheblicb, un-ausgesetzt, -bedechtlich, -bedrungen, -begrünt, -bekum- 
leich (-en), -beleutet, -beresplieb, -beschedenlicb, -betrecht, -betroffen, 
-bevrunt, -bewost, -bindlicb, -danks, under-ambechten, -ambechtung, 
-bilden, -burggrave, -eingen, -backen, -stat, -Steiger, -weislich, 
-würfig, un-echt-lich, -enthebig, -entredlich, -erhörlich, -erlaufen, 
-ersueblicb (-en), -erverleich, -gearbeitet, -gebeut, -gebiechsam, -ge- 
brestlich, -geerbt, -gegurtet, -geleichlicb, -geleit, -geng, -genglich, 
-gerüret, -gesauerteigt, -gesebankt, -gesit, -gestreng, -getrunken, 
-gevalten, -gevogt, -gewonlichkeit. -güticher, -gütig, -gutlichkeit, 
-kuntlich, -lezjeich, -nächberlicb, -nachteilig, -nützlicbkeit, -priester- 
licb, -prüflich, -rechtlickeit, -reinerin, -reinig, -rciniglichen, -reinlich- 
keit, -satig, -schutzlich, -spürlich, unten (?) su-v., un-tödig, -tödikeit, 
-Übung, -vaulend, -verantwort, -vergeltlich, -vergez,z,en-heit, -vergolt, 
-verhütlich, -vernomen, -versagen-licb, -verstellich, -verswendet, -ver- 
ursacht, -verweislich, -verzechet, -verzerleich, -veulich, -vleiz,, vol- 
acht, -vol-segenlicb, -wonhaft, -zerbrochenkeit, -zulä^ung, ur (uhr), 
urbarer-buch, urteil-autwort, urteiler, ürten-geselle. 

V 

vaechel, vähung, valet-predigt, vanen-trager, vaset, vasnacht- 
tanz, vatz-baube*, vaust-reebt, vaz,-geld, -vüllen, vecht-meister, veier- 



XXIV 

rastunge, veierunge, veier-zal, veig-maul, veig-maul-bauni, veil-habeu, 
veil-turn, veilzer, veindbrief, veinig, veits-tanz, veld-halder, veldnus, 
veldsteiger, velleiu, feuiol, ven-recht, ver-aldunge, -antworterin, 
-bannenschaft, -behren, -blanken, -breiten, -briugunge, -bruenen, 
-brünusse , -brüunge, verbillige, verders, ver-dienstnüsse, -dolden, 
-donen, -einikeit. -grausamen, -heckler, -hengnus, -hoffung-, -höhung, 
-holzen, -hülflich, -hutern, -jäworten. -jäwoitung, -lag, -lagern, 
-lagerung. -laufung, -lehenschatt, leib-diiigen, -meiligunge, -nunftik- 
lichen, -oeden, -pfandung, -pfenden, -pfenigen, Pflichtigen, -pttuck-brief, 
ver-reiter. -richterinne, -richtnus, rickts-brief, -ringen, -rückunge, 
-schaffen, -schepfen, -schlichen (?)*, -sernüsse, -silen*, singen, -sinnec- 
lich, -smsechlichkeit, ver-sinsebnüsse, -sorglichen, -sprenzen, -strafen, 
-süns-herre, -tauschen, verte, ver-tünüsse, -Unmenschen, -unwirden, 
-üppig, -üppigen, -Ursachen, -veiern, -vleugen, -vlüchet, -vorsten, 
-vreimarkeu. -vürisch. -wachten, -wandelich, -war. verwe-haus, ver- 
widersachen, -zechuuge, -zeiung, -zelnüsse. -zerlichkeit, -zettung, 
-zeunen, -zoglicbkeit. -vetzen, veuer-besen, -streif, -streim, -streimig, 
-valke, veulde, vierden-teil, vier-meister, vihe-knecht, vil-haberin, 
vilz-gezelt, viol-schoene, visch-halter, -haut, vlaschner, vleck-haftigen, 
vlecknis, vleck-werk, vleisch-leute, vleischner, vletz-loch, vliegen- 
geslechte, fliez,endig, vlie^-waz^er, vliz,8ere, vliz,z,igung, vlöz^el, flueg- 
geschirre, vlügel-werk, vlüt-rinue. vlüzen, vogel-kösz, -zouber, 
-zouberei, -zouberinne, foldt, vol-endunge, volgens, vollen-hoch, 
vollent, föllung, vor-bedechtig, vor-begürten, -bezeugen, vor-eher, 
vor-eid, -erkennen, -gezalt, -haut, -heckler, -heusei, -keren, -lägung, 
-laufen, -leuflich, forn-teichlin, vor-schicken, -stand, -stat, -staten 
Adj., -steter, fort-triften, vor-ublich. vraun-tor, vrei-vechter, vrenc- 
lich, vreuden-lön, vreund-willig, vride-gebot, -hez^ig, -w r and, vrön- 
leichnams-tag, vron-schaft. vrum-berg, -er, vnio-mursel, -predigt, 
-worten, vuchs-rücke, vündeler, vuoter-barn, vuoz,-turiner, vür-bilden, 
vür-butig, -dacb, -dienerin, -gebitunge, -gehegt, gesten, -nemig, 
Türsten-stat, vurst-gelt, vür-trechtlichen, -werfuuge. 

w 

wacbsen Adj., wäfen-tüm, wag-baum, wagen-bürd, wäg-kamer, 
walt-dieb, -eile, -sache, -zinse-gelt, wandel-stat, -vrei, wander-schaft, 
want-rutte, war, warf-vadem, wärleichnams-tag. warnigen, wascherei, 
waz,z,er-ber, -gewürke, -holzbauleute, -hris, -klause, -krügelein, -kunst, 
-perln svw., -scheppe, wedirnmme, wege-lägern, weg-steuer, weibs- 
kleid. weib-suchtig, weich-vasten, weiden-z wiesei, weil-zeit, wein- 
herre. -kufil, -lesen, -ranie. -stecke, weiseu-habe, weiz,-grosche, 
weidecht, welt-wärheit, welzung, Went; wer, wehr {Hokblock), 
werg stn., werg Adj., werk-gezeug, -stücke, -zeug-strempfel, wenn- . 
stube, werunge (Besatzung, Bedeckung), westnisch, wichtikeit, wider- 
anspräche, -anspreckunge, -genzen, -jagen, -kalzen, -kererinne, -ne'men, 
-ordenen, -purren, -sacherinne, -vüller, -wertiglich, -wirdig, wilde- 
ling. winds-braut, wind-schacht, -schaufeln, -stille, winkel-recht, 
wirbelig, Avirk-nüsse, wirts-haus. wischel, wispel, wladeke, wol-ermelt, 
wol-gevallung, wolken-spor, wol-lustigen, -meiuung, -sagen, -tüung, 
-Weisheit, worfer, wücher-nemer, wüest-heit. wulleu swo. stn. 



XXV 

wünnen-heil, wunnic-lichen siov., wim-weide, würk-stul, würmeln, 
wurren siov. 

Z 

zagel-los, zam-kauf, zank-handel, zapfen -gelt, zauber-geist, -lister, 
zauder, zäum -Stricker, zech -buch, zechen-wint, zech-lade, -meister- 
amt, -meister-tüm, -Ordnung, zehend-boding, -schaff'el, zehen-eimerig, 
zeheuen, zeidel, zeigen, zeinein, zeit-wesen, zell-vart, zelung, zenk, 
zen-leg, zenturio, zenzel, zepfler, zer-brockenkeit, -dünnen, -kuüllunge, 
-knutschen, -slakunge, -tretunge, zesamenung, zeuf, ziechende, ziegel- 
scheune, ziek-emme, zier-haftig, zigen-balg, -bock, zi-muos, zinnerer, 
zins-henne, zoge-brücke, zol-lade, zü-büez,en, zü-burger, zü-einuug, 
zugegen-wertig, zü-gehoerige, zü-geleufte, zü-liaften, zuhauf'-legunge, 
zü-heusel, -läz,, -legen, -neigunge, -neme, zunft-mez,ig, zü-reden. 
-richten, zu-rings, zurück-gen, -werfen, zii-sachen, -sager, zusammen- 
bot, -gebot, -gelüben, -glubunge, -halter, -legunge, -rimpfen. -slahen. 
-tragen, -varen, zü-schaffen, -schicken, zuschicke -grosche^ zu -sitzer. 
zu-stend, -stendig, -tragen, -n'tzen, -vriden, -vur, zuvuran, zu-vürunge. 
-wachsung, -wintern, -ziehen, zweifel-rede, zweigecht, zweilig-tisch- 
tüch, zwein-rede, zwei -seitlich, zweng-lich, zwerch-holz, zwilingel, 
zwirbel-wind, zwiselecht. 

Im Wörterbuch gehört * auch zu eleu Worten: kantoresse, kin- 
konie, kitting, kreiz- schieben, -uhrla, krolais. küh-slüz^el, lauetz- 
knntschaft, leichnam-botich, leien-prieste). ligen-hübel, lösung-amt, 
mosanze, ore-wetschelin, stemme -nme, türken-glocke, veuer-valke, 
wirknüsse stuf, (im II b. wirknus), zech-büch, zer-tretunge, zetebar. 

Unter den Stichworten: Bergregal, berg-teil, berg-vreiuuge und 
berg-werks-vergleich, die in unseren Quellen entweder — wie das 
:J. und :;. — höchst selten, oder — teir das 1. und i. überhanpi nicht 
belegt sind, glaubte ich aus sachlichen Gründen das Nötige nach 
Zycha 1 zusammenstellen tu sollen.. 



A. 

Abba lat. abbas. Abba vater, dir sint alle dink nmglich, T — B 
Mark. 14, 36. 

ab-bern stv. I, 2 abnehmen, verloren gehn. wenn so der tac 
abe birt und sich die sunne lsez,et nider, Alex. 9851 ; da^ mi manger 
jugent wirt gröz, dienst verlorn und abe birt unbelohnt bleibt, 
Wh. v. W. 543. 

ab-biten stv. 1,1 = von jemandem etwas durch Bitten erlangen. 
einen eines dinges abreden noch abpiten lassen, Eger Str. C 92. 

ab-bleien (bliuwen stv. III ?) pfänden: der wirt hat macht, 
den gast zu pfänden und abzubleyen, Eg. Chr. N 104. 

ab-brechen stv. I, 2 Abbruch tun, nicht zahlen, jemandem etwas 
wegnehmen: wer seinem leibe abebricht u. vastet, Hier. 52, 15. Sind 
dem male und das in die steure vor mancher zeit ist abgeprochen 
(die Unterstützung im Bergbau nicht mehr gewährt wurde), Igl. Bgr. 
42, 3. swaz er den beiden abebrach (als Beute abnahm), daz was 
milteclich vergeben, Wh. v. W. 3675. üf dem walde rouber wären, 
die der strafen vären wolten unde brächen abe die liute nöten umb 
ir habe, Wh. v. W. 5494. 

ab-breclier stm. der den Armen das ihnen Gebührende vor- 
enthält, ob ein wirt beschuldiget wirt in dem rat, daz er böse 
knecht adir abprecher halde (er muß sich das erste Mal reinigen 
durch einen Eid, das ziceite Mal selbdritte schtvören, das dritte Mal 
wird ihm die Stadt verwiesen und er verliert sein Bürgerrecht), 
Prag. Str. 179. 

ab-brennen swv. Haus und Hof anzünden. Ladenbach hat 
bekant, das er den scholtzen in Qualisch hat abgebraeut. Chr. 
v. Trautenau 327. 

ab-bruch stm. Abbruch, Schädigung, domit uns doran kain 
uuczimlich abpruch geschehe, Igl. Bgr. 107, 1. on a. ewr freiheit, 
Eg. Chr. 1187 S. 359. 

abe-her Adv. von oben her. yn den wingärten sliffende abeher, 
Stb. Brüx 325. 

ab-beu Adj* = ungebaut (Lexer abebü stm. Liegenlassen des 
Baues von Bergwerken und Weingärten): Do pleib die — verbrante 
grübe — abpew etwilang, Igl. Bgr. 90, 3. 
abe- s. ab-. 

äbend-ez,z,en, äbent-Ss^en stn. Abendessen, Abendmahl. Ozias 
machte ein gros abentessen, W — B Judith 6, 19 (coenam magnam); 
dp er (Christus) in dem lesten abentessen (Abendmahl) seinen iungern 
ein grosses Urkunde seiner libe wolte bezeigen, Hier. 43, 23. zu dem 

Jelinek, Wörterbuch. 1 



2 abend -ez,z,en — ab -gen 

abendez,z,en der prautlauft (Hochzeitmahl) des Lammes. T — B Offenb. 
19, 9. Matthäus 23, 6. Luk. 14, 24. Joh. 13, 3. 

abend-e^en *stv. I, 1 zu Abend essen : ich ge in (= in hinein) 
zu im und abendisse mit im und er mit mir, T— B Offenb. 3, 20. 

äbend-regen stm* (serotinus imber, Spätregen), W — B Jer. 
3, 3. Bei Lexer kommt zwar abentsunne und abentwint vor. 

äbend-ste'rne swstm. machest ersteende den abentsterne über 
die sune der erden? (nuniquid vesperum super filios terrae consurgere 
facis?), W— B Job 38, 32. 

äbeud-tranc stm. bei Lex. nur aus Jer. belegt, = Abendtrank, 
Wh. v. W. 1647. 

äbenteuer (äventiure) stf. etwas Wunderbares, in dem — 
haupte des menschen — ist kunstereich allen gottern verborgen 
äbenteuer, Ack. 38. 17. streit und ebentewre, Böhm. Chr. 17. 50. 110. 

abenteuerlich Adj. ein ieder abenteuerlich u. sinnig man, 
Ack. S 46, 13. 

ab-erdingen sicv. (bei Lex. abdingen = durch Verhandlung 
sich abfinden) im Prozeß abgewinnen, abnehmen: den clostern noch 
den Juden gelt aberdingen, Str. Eger A II 1 (abdringen B 11). 

aber-slich* (uberslich E. G.) stm. Schlacke? (Lexer: slich 
= Schlamm, Schlick, Kot), aberslich, gechrez u. semleich sachen, 
Igl. Bgr. N 1. 

ab-erzeugen (abe-ziugen) swv. durch Zeugenschaft vor Gericht 
abgewinnen: Nimant mack dem andern sein gut abeherezugen , her 
enmuge sich pas gewern, den (als daß) im imant sein gut aber- 
czeugen muge u. wert pas sein leip. u. sein gut, DIR LTI, tj 36. 

ab-e^en, ab-essen stv.1,1 wegessen: im das sein — abtrunken 
und abgessen hat, Eg. Achtb. II, 11. 

ab-gang stm. das Fehlen einer Sache, Mangel, ^Gebrechen, 
Chron. v. Traut. 136. mangel und abgangk gehabt, Stb. Brüx 441. 
damit sie in allen dingen furgesehen wer und keiu abgangk hab, 
Igl. Stb. Y 166 d. furhaltend den a. und mangel, der auf irem hanndt- 
werk czu diseu czeiten aufkümbt und entsteet, Y236a. so ein mülner 
an seiner wür ein a. an etwas biet, V 257 c. a. und schaden V 257 c. 

ab-geleibt part. Adj. verstorben, der sich mit des Abgeleibten 
— wittib dermalen in der guth (in Güte) vortragen gehabtt, Eg. 
Achtb. II 207- 

ab-gelten swv. bezahlen : welcher aus den brüdern — das haus 
besiezen wil, derselbe gelts dem andern obe, Igl. Stb. III A 160 a. 

ab-gen st. red. Zw. eingehen, aufhören; fehlen, abschaffen, Chron. 
v. Traut. 28. 57. 287. were sache, das einer von todes wegen abgienge. 
Stb. Brüx 157. nu ist daselbst das pergwerk apgegangen, also das 
nu ain tailes gerten gepawet sein, Igl. Bgr. 31, 1. die 2 leben, du 
im apgangen sein — derfullen auf dem andern Stollen, Igl. Bgr. 58, 6 ; 
dass unser mitpurger guter gedechtnuss von todeswegen abgangei 
ist, Igl. Str. 289. vorpyeten diselben gespreche, das si ir abgei 
(davon ablassen), Igl. Str. 189. dieselben 10 seh. g. sollen meine 
hausfrawn abgeen an irem drittail und meinen kindern czugeen czi 
iren czwei teilen, Igl. Stb. III A 102a. die mir des niht abe gärj 
sie enclagen iuwer leit mit mir, Alex. 11984. als unser craft ma 
gesten nibtes wir in abe gen, 11988. 



ab-gerurt — ab-läzig 3 

ab-gerurt* Adj. = oben erwähnt, diser abgerurte brife, Stb. 
Brüx 257. 

ab-gefloz,z,en part. Adj. abgelaufen: den 13. Novembris ab- 
geflossnes 80. Jahrs (1580), Eg. Achtb. II 204. 

ab-gewicht* stn. Geoinetria hilfet do nicht — gegen den Tod 

— mit irera rechten abgewicht, Ack. 40, 16. 

abgots-haus stn. Götzentempel, T — B I. Korinther 8, 10. 

ab-grimd stmn. Abgrund, Tiefe. Ler mich, allertifstes apgrund 
(abyssus profundissima) , Sol. 67, 19. vertreib die vinsternnsz ab 
dem antlutz des abgrundes meiner gedanken, 5, 7. die erde was 
aber unnucz und lere u. vinsternusse waren auf der gestalt der abe- 
gruud, W — B, Gen. 1, 2. daz, vinster a., Sol. 89, 31. gevallen uncz 
in das a., Sol. 71, 22 u. 25. legt in in das abgrund, T— B, Offenb. 50, 3. 
stf.: die abgrunde rufet an die abgrunde, W— B Ps. 41, 8. 

abhendig Adj. (Lex. : abh. bringen = bei Seite schaffen, rauben, 
abh. machen = entwenden) das das gut nicht abhendik werde, Prag 
Str. 61. alles was lebet, musz von unser (des Todes) hende a. 
werden, (G) Ack. 16, 3. ich wil in a. machen und toten, Böhm. 
Chr. 57. s. ab-wendig. 

ab-hauimge* (Lex. howunge = Sectio) stf. (das Fällen von 
Bäumen) in der abhowunge des holczes die aks enpfarn ist von der 
hant, W— B Deut. 19, 5. 

ab-keren* siov. sich abwenden von: der könig thet den Behmen a. 
Traut. Chr. 29. 

ab-kenmge stf. aversio : deine abkerunge wirt dich anschreien 
(aversio tua increpabit te), W — B Jer. 2, 19. u. die stat ist dervullet 
mit apkerunge, W — B Ez. 9, 9. 

ab-komen stv. I, 2 von etwas loskommen, begab sich, das 
Mathias Kromer (der einen Teich mit Fischbrut besetzt hat) von 
unfrides wegen den nicht fechsen mecht, so sol er denselben beseczt 
lassen sein auf das ander iar und dorumb sol er dem Janco Schon- 
melczer umb das ander iar obkomen (eine Vergütung zahlen) noch 
seinem willen, Igl. Stb. III 328 c. Elbog. Chr. 147, 25. 

ab-kratzen subst. Inf das hous heisse her ubirkraczen inwendig 
um und umme und das pulver des abkraczens — czustrewn an eine 
gar unreine stat (pulverem rasurae) W — B Lev. 14, 49. 

ab-kundigung* stf. Festsetzung eines „tages": Eg. Chr. 1179. 

ab-läz,, ab-laz, (mhd. abeläz,) stm. = Erlassung , Verzeihung. 
der priester erwirbt im ablas und wirt im vorgeben, W — B Num. 
15, 28. durch abläz, siner missetät um für seine Missetat Verzeihung 
zu erlangen, Legende 653. einmaliges Ablassen eines Fischteiches: 
Jocub pawrhainzl hat dem laslaben xl guidein gelihen auff den teich 

— also das er sol desselben geniessund sein czwen ablas mit dem 
laslab in gleichem teil, Igl. Stb. V 26b. si sullen mit einander ain 
ablas (des Teiches) haben V39d. 

ab-läz,en (auf abelän) stv. red. I, 2 erlassen, nachsehen, den eit 
ablassen kann der Teil, gegen den die Zeugen geführt werden, falls 
er will, Const. IV 12, 17. sie mit irem teich unbetwungen sullen 
sein abczulassen (ihn abzulassen) und czu trucken, Igl. Stb. V 78 c. 

ab-läz,ig ( = abel8ez,ec) Adj. 1. verzeihlich, 2. nachlässig. Wenn 
der richter wolt ablässig sein, wolt ein solchen (schädlichen) man 



4 ab -ledigen — ab -rede 

nicht bewahren nach noth, so war der richter wandel verfallen, 
Chlum. 1 53, wegen ihrer ablessigen nachlässigkeit, Chr. v. Traut. 121. 

ab-ledigen swv. ablösen: czwen halbe Teich abkaufen und a.. 
Igl. Stb. V 150b. czins a. 111210c, III 124b. 152a, Vl65d. 

ab-legen swv. ablegen, abstellen, erstatten, vergüten; ist das sein 
widersach wil sich richten und ablegen componere, sich in Güte 
ausgleichen), Ig]. Bgr. 72. wellet keinem tail ab- noch czulegen 
sunder got vor äugen haben (= unparteiisch richten), Igl. Bgr. 84, 2. 
S. 460, 7. treit mir ieman keinen haz, — dem wil ich daz, legen abe, 
Alex. 26278. das sol man im wieren (wehren) und a., Igl. Stb. V 176 d. 

ab-leibig* (ab-libe) Adj. tot. das er in a. gemacht hat, Eg. 
Achtb. II 199, 200, 201, 217. 

ab-leibung (abe-libunge) stf. Tod, Mord* an Mckel Kessler 
— begangene a., Eg. Achtb. II ad 218. 

ab-lemmg* stf. Schuldentilgung: gelt zur a. gemeiner stat — 
wenden, Traut. Chr. 216. 

ab-lesund* part. Adj. unczt auf das ablesund jar (=usque 
ad annum remissionis. ..Erlaßjahr" , jedes 5U. Jahr), W— B Ez. 46, 17. 

ab-marseheiden* swv (von marcscheide stf. Grenzbestimmung) 
abgrenzen, die kaiszrischen doerfer a., Chr. Traut. 333. das Hriesen- 
gebirg helfen abzumarscheiden. da hat der Girzig z Rzasue seinen 
marscheidtcompast angestellt im Hrisengrund u. gemessen bis auf 
die oberste spitze des Hrisenberges, 190. berge u. thal abge- 
marscheidet 190. 

ab-mez,z,en stv. 1 1 (abe-mez,z,en) durch Messen aberkennen, das 
sie uns mit dem unrechten abgemessen haben, das müssen sie uns 
mit dem rechten widerkeren, Igl. Bgr. 40, 1. S. 351, 37. 41, 1. S. 357, 8. 

ab-nemen stv. 12 hinwegnehmen, tilgen: der da abnimt di sünd 
der weit, T — B Joh. 1. 29; verringern: den nucz gemainer stat nicht 
abczunemen sunder auf czunemen — sein wir schuldig, Igl. Stb. V 259 a. 

ab-nemer stm. Berauber (bei Lex. nur aics Benn. 2193, Ackerm. 
MSH 2, 217. 270a belegt) aller ding entwerfer und abnemer, Ack. 58, 6. 

ah-nutzung* (bei Lex. nur abenutz = Nießbrauch) stf. mich 
meiner spolierten gutter sambt den vorhaltenen abnutzungen — 
genedigst restituieren, Chron. Traut. 100. 

ab-pflüeken* (mhd. pflücke) swv. carpere: recht als prligt ein 
ochse das gras bis an die wurcze abeczupflucken, W — B Num. 22, 4. 

ab-raum (abe-rüm) stm. was weg zu räumen ist, Schutt, Erde, 
die steine und den a. abzuräumen, Chr. Traut. 170. 

ab-reehenen swv. die steuerpflichtige Habe verrechnen. "Wie 
ein manne sol ab -rechen mit der stat, Prag Str. 116. Bei Entsagung, 
Niederlegung des Bürgerrechtes, die 3 mal vor Gericht gelautmert 
werden mußte, wurden die Güter des Abtretenden beschrieben, ditl 
Gläubiger zur Namhaftmachung ihrer Forderungen anqewiesen 
Ein dem Gericht verschwiegenes Gut verfiel der Stadt, Prag Str 
LXXXV. Das du mit dir lassest aberechen, was diner schulde were 
Stb. Brüx 187. 

ab-rede stf. 1. Ausrede, 2. Leugnung, 3* Verabredung, Vertrag 
es ist ein abred geschehen von der beseczung des halben teiche 
(Besetzimg mit Fischbrut), Igl. Stb. 111328b. ein abred — zweie 
nachpawren von wegen des pruns, III 325 c. die gegenwurtige a. sol i: 



ab -reden — ab -schütten 5 

dem statpuch der herren von Igla geschrieben und bewart werden, 
V52b. 

ab-reden swv. durch Reden (gerichtliche Klage) einem etwas 
abnehmen; einen eines dinges abreden noch abpiten lassen, Eg. Str. 
C 92. absprechen: in ir er lesterleichen abreden und absneiden, Igl. 
Stb. IV 117 b. ichn mac dem tränke (dem Liebestrank) nicht sin art 
abe gereden noch eukan, Trist. 261. 

ab-reiz,en (mhd. aberiz,en, entreißen, rauben) stv. II. — 
1. reißen, 2. abzeichnen, abmalen, Chr. Traut. 177. 193. ob der„ 
teich in der czeit von siben jaren obriss, wie es sich gepuret (aus 
welchem Grund immer) ausgenomen von den veinten, so sol in der 
Jacub Smucker auf sein aigene darlegung (Kosten) vermachen und 
pessern, Igl. Stb. III 232 b. (wenn der Teich reißt durch Dammbruch.) 

ab-richten sivv. gutmachen, den Streit beilegen, componere, vgl. 
sich richten und ablegen, sich vorrichten: und wollen sich abrichten 
(componere voluerint), Igl. Bgr. 72. vor Gericht abfertigen, Chr. 
v. El bogen 30, 33; = bezahlen: die zwen sweher des breutigams u. 
der breute, ob die da sint, schrillen die spilleute aberichten, iet- 
licher 3, jedem spilman 6 behemischer gross und kein gewant noch 
kleider 6n geverde, Eger Str. B 12. 

ab-sagen sivv. Fehde ankündigen: Eg. Chr. N. 330. 

ab-sagunge* stf. (abesagen, mit Worten zurücknehyyxen , auf- 
kündigen, abesage = Zurücknahme eines gegebenen Wortes) hier Über- 
gang des Schlosses von Brüx in andere Hände, Stb. v. Brüx 345. 

ab-schaben stv. IV. sich schnell entfernen, sich fortscheren, 
imp. schab ab Zeichen der Abweisung. Nun wart zu mir gesprochen : 
schab ab (durch den Tod seiner Frau), Ack. 5, 3. 

ab-scheiden stv. red. II entscheiden, Chr. v. Elbogen 130,20. 

ab-scheiden stn. Abscheiden, Abschied: noch seinem a. von 
dieser werlt, Igl. Stb. V 259 a. 

ab-scheidunge stf. Weggehen, Entfernung, alle die tage seiner 
abscheidunge (separationis), W — B Num. 6, 8. = alienatio, Job 31, 3. 
in abscheidunge wirt mich teilen der herre von seinem volke, 
Js. 56, 3. 

ab-schied mhd. abeschit (Entscheidung, Bescheid) stm. dass du 
(Bischof v. Regensburg) durch den Bann deinem Abschied (Ent- 
scheidung) nachzusetzen tringest, Mind. Egerl. S. 71. 

ab-schied-täding* stn. Taiding, an welchem die Gemeinde- 
rechnung geprüft, das Absolutorium erteilt, die Taidingartikel vorge- 
lesen, gemindert oder gemehrt wurden, in Friedberg wohl meist am 
Montag nach dem Palmsonntag also im Frühlingsbeginn. Taiding 
v. Friedberg, N. 46. 47. 48. 

ab-schröten stv. red. V. abschneiden, abladen*: die bir- 
schrötter — haben den Weinschenken abgeschroten 1565 aimer, 
Traut. Chr. 231. 

ab-schütten swv. sich entschlagen, abschütteln, abziehen. 

= eximere aliquem de hereditate, es ist verboten, quamvis in 

civitatibus quandoque hat ex consuetudine, quod propinquus 

venditoris emptorem modo, qui dicitur „abschütten" repellat ab 

r f empto, Brunn. Str. I. 363 — Und ab ein man ein haus oder ein erbe 

^ hat und ein ander man zins hat auf demselben erbe oder hause und 



6 ab -sein — ab -teilen 

Avolde der sein baus oder erbe verkauften eim andern und derselbe, 
der zins darauf hat, wolde den, der das erbe oder haus verkauft 
abeschutten von seines zinses wegen, das mag nicht gesein, Prag. 
Str. 108. (Der Gültherr oder Rentenkäufer konnte den Besitzer 
der Liegenschaft in dem freien Verkaufe des Gutes nicht hindern 
(abeschutten). di 4 seh. d. czins obledigen und obschitten mit ein- 
ander oder getaut, Igl. Stb. 111210 c. 

ab-sein stv. zu Ende, abgeschafft sein: alle spruch, stosz, Un- 
gunst — czwischen in schullen absein, Igl. Stb. 1Y 182 a. 

ab-setzen svw. des Amtes entsetzen: das die ir eitgenossen ader 
wir ader unser camerer abseezen sol, das nicht ein suchtiges schaf 
die ganeze hert suchtig mache, Const. 1 5, 4. 

ab-slag (abe-slac) stm., 1. Abschlag, Erniedrigung der Forderung, 
2. dürres Holz, 3.* = abe-slage stf. Abzug, Ablauf: das wasser, das 
von dem abslag (der Mühle) get auf des Lebuschen graben, Igl. 
Stb. III 106 c III A 138 b. 

ab-slahen stv. IV. 1. in Abschlag bringen. Was kost der ant- 
worter sol absiahen, wenn er geheissen ist, das ding wider zu keren, 
Const. IV 19, 3, das man als vil den saumigen absiahe am lone, als 
vil czeit sie versaumpt haben, Const. 1 12, 6 und 12, abgeslagen not- 
dorftige und nueze koste IV 19, 3; den nuez von dem acker dorft si 
nach der stat recht nicht absiahen an deme gehle, Igl. Str. 59. 2. mit 
Gewalt nehmen, entreissen: Chr. v. Traut. 263; 5. erschlagen: sein 
bruder Wenzel Hoffmann, der im abegeslagin wart zeu Meystersdorf, 
Stb. Böhm.-Kamnitz I, N. 88. 

ab-spennig* Adj. vgl. siev. spenen = abwendig machen: so einer 
dem andern seine hauer, grueber, — u. a. arbeiter zum Weingarten 
u. zu feldt aufredet u. abspennig macht, der muß 5 fl Strafe zahlen, 
Chlum. VII 25. 

ab-stän an. stv. IV. intrans. absteigen, von eüvas ab-, zurück- 
treten, abfallen, auf etwas verzichten, verlieren: swer so krieget nach 
fremder habe, swen der stät der sinen abe, daz ist, daz man selten 
klaget. Wh. v. W. 6192. biz, daz sie aller irer habe gerlich gestunden 
abe, Wh. v. W. 5367. da (ze grabe) in gestet der richtuom abe, Alex. 
27920. daz sie dem edlen werden man (Darius) in triuwen wseren 
abe gestän, es an Treue hätten fehlen lassen, Alex. 16402. 

ab-stechen stv. I, 2 durchschneiden: hat im selbst die gurgel 
abgestochen, Traut, Chr. 313. 

ab-steigimg* stf. Abhang, Abfall eines Berges: zu der a. des 
berges der olebaum, am Abhang des Ölbergs, T — B Luk. 19, 37. 

ab-stellig* (mhd. abstendig) Adj. seine Verpflichtung nicht ein- 
haltend: er — sein vorwilligung und zusag — a. worden ist, Eg. 
Chr. 1179. 

ab-streichen stv. II die Hand beim Eide abziehen, wer dies tut, 
quinque libras pro emenda solvet juramento nihilominus modo debitc 
procedente, Brunn. Seh. 46. 

ab-teilen stov. 1. tretmen, wieder nehmen: was man unsenr 
herrengott ezu einmal gibt, das schal man im furpas nimmer abteilen 
Igl. Str. 242. S. 137. etwas dinges mit gerichte angenomen ader abge 
teilt, Const, III 9, 2 (für abgesprochen Cod. DE), die bestatten = ab 
geteilte kinder. Igl. Str. 61 (34 c) = solche die ihr Erbteil schot 



abtes-lehen — ab-wesen 7 

bei Lebzeiten der Eltern erhalten haben, vorn handwerk abgeteilt 
und verworfen, Igl. Stb. V 220 d. 

abtes-lehen* stn. die einem Abte als Grundherren gemessenen 
2 Herrenlehen, Igl. Bgr. N 5, 6. 51,11. 16,1—3: doruber wart ge- 
teilt, das der apt czu den selben aptesleben volles recbt hat u. nicht 
der kunig, 16, 3 — wanne dasselbe perkwerk auf seinem gut auf 
der aptei vunden sei u. der perk darauf gemessen ist, 16, 2. Const. 
III 6, 2 u. sonst. 

abt-gott, abtgott sehr häufig für ab-gott stnm. Abgott, Götze 
von dem aptgotte moloch (idolo Moloch) W— B Lev. 20, 2. 3. 4 u. s. 

ab-tilgunge stf. Vernichtung, abolitio, eradicatio: worden ist 
es in ein abtilgunge zusammenslahender hubel u. gemawerter stete 
(in eradicationem), W— B Is. 37, 26. 

abtisch* Adj. von einem Abt eingesetzt: der aptisch richter. 
Eg. Chr. 652. 

ab-trag stm. Buße, Genugtuung Chr. v. Eger 143. Michko hat 
— einen öffentlichen abtrag than, Igl. Ms. 18. die ordenlichen 
mercker ein widerruff und schriftlichen abtrag (Abbitte) begehret, 
Igl. Ms. 20 u. 21. a. und widerkar thun, Eg. Chr. 1188. a. und be- 
kerung, 1144. 1142. 

ab-tragen stv. IV. wegschaffen, abbauen: das ercz heimlich ab- 
tragen wird wie die Nichtbauhaflhaltung des Bergwerks mit Verlust 
des Abbaurechtes bestraft, Const. III 1, 6. das er im suliche smachait 
hatt müssen abtragen {abbitten) mit worten, Igl. Stb. V 217c. {eine 
Schuld) bezahlen; abschwächen: des helmes herte den slac ab truoc, 
Alex. 8256. 

ab-tragung stf. = ab-trag {Entschädigung) : um sein schmerezen 
ein Widerlegung ixnd abtragung thun , Igl. Str. S 334 N 68. 

ab-treten stv. I, 1 sich entäußern, das ich des gutes bin ab- 
getreten, Igl. Str. 236. 

ab-trinken* stv. I, 3 wegtrinken, einem Getränk stehlen: das 
er im das sein dipleich und rewpleich bei tage und bey nacht ab- 
truncken und abgessen hat, Eg. Achtb. II 11. 

ab-trünue Adj. abtrünnig, du abtrünner (apostata), W — B 
Job 34, 18. 

ab-tun unregelm. V. beseitigen, sotane listikeit czumale abetun 
(submovere), Const. I 7, 8. (S. 77, 13.) 

ab-vertung* stf. Ausrüstung mit Vollmacht, mit gnuglicher 
a. irer freyheit — briven zu Prag erschinen, Chr. Elbog. 60, 3. 

ab-vürung* stf. Abfuhr: wege durich abefurung willen des ercz 
czu den molen und hutten, Igl. Bgr. 26, 2. 

ab-wachsen* st. IV. decrescere. ein sulches leben, im§r es 
wechset imer es abewechset (decrescit), Sol. 8, 24. 

ab-wegen* swv. messen, das wasser, die Aupa ist abgewegen 
worden, Chr. v. Traut. 114. 115. 124. 

ab-welen, abe-weln swv. einen Gewählten absetzen: ob er (der 
vürste) si ein tyraunus — mit rehte weit man in dar abe, Alex. Anh. 1141. 

ab- wendig* Adj. getrennt, geschieden: alles, was lebet, musz 
von unserer hende abwendig werden, Ack. 16, 3. 

ab-wesen subst. Inf. (abe-wesen) stn. Abwesenheit: als irre 
schaf in abewesen ires hirten, Hier. 101, 3 



8 ab -zeugen — achteil 

ab-zeugen (mhd abe - ziugeii) sivv. durch Zeugenschaft abge- 
xoinnen: der im sein gut abeczeugen wolde, Igl. Str. 242, denne ims 
iniant abegeczeugen muge 241; wenne is uns apczeugen schul oder 
muge, Igl. Bgr. 98, 1. 

ab-zug stm. Abzug, Heimgang: im auf- und abzug auf die 
schulen geistliche lieder aufspielen, Igl. Ms. 19. 

ab-zug-brief stm. s. weglosz, Chr. v. Elbog. 109, 7. 

ach (ahe stf.) Fluß, Wasser. Aquae meatus, vulgariter dictus 
ach, duplex est, Brunn r. II 76. 322. 

achse stf. = Achse, vier reder durch icliche gründe (bases) 
u. ereine echsen, W — B Kön. III 7, 30. 

achsel-bein stn. Schulterknochen, Schulter, dem knappen üf 
sin a. legte er sine zeswen hant, Trist. 1230. 

achsil-span* (v. ahsel u. spange sivstf.) armilla. achsilspan 
und orringe u. armgespan (armillas, inaures, annulos et dextralia, 
W— B Ex. 35, 22. 

achsil-gespan* stn. (armilla) manch achsilgespan, die wugen 
czehen scot (armillas totidem pondo siderum decem), W — B Gen. 
24, 22. guldine orringe und achsilgespan, Gen. 24, 30 u. 47. ich nam 
— sein achsilgespan, das do was an seinen armen, Kön. II 1, 10. 

acht {mhd. aht, ahte) stf. Meinung, Gesinnung, Berechnung, 
Verhältnis, Geschlecht, Stand, Ansehen, der wolde mich in — armer 
ahte hau (wenig schätzen), Wh. v. W. 5417. in wünneclicher ahte, 
70. das kint sie haben wolden gevorht in wirdeclicher aht, 35. 
ich hab in armer waete aht Krist ze suochenne gedächt, 968. 
Willalm der tet in der aht, als er wser bi fröuden mäht, swie doch 
mit jämer ranc sin lip, 840. in richelicher ahte sinen heim sie im 
ertrahte, 7267. einen gräwen roc und zwene schuo nach gebüres 
ahte mir, lieber Munt, betrahte (suche mir einen grauen Bock und 
2 Bauernschuhe zu erwerben), 448. do der bot — war des huses 
ahte genam, Ernst 2093. ir zal ich iu niht sagen wil, wan ich 
ir ahte niht enweiz,, Alex. 23078 und 5801. ich bans in der ahte 
min (ich schätze sie) daz, ir wol drin tusent sin, 12227. als ichz, 
in miner ahte hän (nach meinem Dafürhalten), 15551. iuwer 
manheit wol geliche stet, als ich ir ahte prüeven kan, 10969. der 
wigant in sin ahte nam (berechnete den erlittenen Schaden), 
15194. wolt ir die ahte (von den 7 Fürsten Trojas) erkennen, 
Homerus kann sie wol genennen, 4809. — das gewürme in die 
erde kroch, daz, was sin art und sin ahte, Alex. 23151. daz, 
velt erlühte in der aht, als des meien süez,e hsete bräht vil bluomen 
ze stiure der heide 3339. liute, daz. niemant ir art und ir acht er- 
kente, Ernst 3732. 

acht (ähte, aehte) stf. Verfolgung, öffentl. gebotene Verfolgung, 
Acht: in der unwiderbringenden swersten acht gotes beleibent (ihr, 
o Tod), Ack. 2, 6. die geschriben wären an die sehte, Wh. v. W. 5498. 
in ir selbes (ihres Reiches) sehte seite sie (die rouber) daz werde 
wip, 5481. die flüchtigen Angeklagten kann der bergmeister wol drei 
raitunge eischen und in die echte tun, DIR § 23a 6. den — 
wolde er tuon in sin aehte, Alex. 17348. 

achteil stn; = 1 j s . ein achteil, das die urbar genant ist ('/'s 
des gewonnenen Erzes eines gemessenen Berges, das als Abgabe dem 



achtber — acker- recht 9 

Könige von Böhmen als Landesherren gehört), Igl. Bgr. 51, 7. (An 
der Stelle Igl. Ms. 3; „wirtt auch irem khürchenambt kheinen achttl 
bringen sunder vilmer fürderlicher sein" ist ivohl kein nachteil zu lesen). 

achtber, aht-bsere Adj. achtbar, achtungsicert: des grossen 
achpern lerers sancti Augustini, Sol. 1, 5. Adv. gecleidet gar aht- 
baere, Alex. Anh. 1908. 

ackt-bseren swv. ahtbaere machen; Ruhm verleihen: die keiser- 
liche wirdekeit — so gar tiurlich vor sol a. dich (o Vaterstadt), 
Alex. Anh. 1856. 

achten, ahten sivv. beachten, erwägen, überlegend durchgehen, 
schätzen : wolle wir unsern schaden achten (schätzen), Hier. 101, 26. 
er hie^ da^ volc überal scharn und ahten mit der zal (bei der Heer- 
schau zählen), Alex. 2428. daz, er in herzen achte und achtende 
betrachte alle sine vuore und alle sin leben, Trist. 201. als er die 
sünde geachte, Trist. 273. 

achtnuss* stf. Aufmerksamkeit, auf solch ding gar wenig a. 
geben, Chr. Eger 9. 

achtimge stf. Aufmerken, Gutdünken, Schätzung: schein, zu 
des achtuug (im Vergleich zu dem, dem gegenüber) alle liecht sint 
vinsternusse, Ack. 55, 21. licht, zu dem u. zu des achtung alle liht 
sein ein vinsternusz, Sol. 31, 28. die sele wirt auch genisen der 
besten gut, gein der achtung aller ander ding zu niht sein geczelt 
(quoruin comparatione cuncta haec — velut nihilum computatur, 
Sol. 53, 23. alle achtunge noch dem scot des heilictumes wirt 
gewegen (omnis aestimatio siclo sanctuarii ponderantur), W — B 
Lev. 27, 25. 

ach-vart* stf. Wallfahrt nach Aachen, vgl. sel-vart, röm- 
vart und die Geldmittel hierzu: ich schaff (vermache) ein achfart und 
ein selfart, Igl. Stb. III 322 d. ein vorrichtnus mit Rom — und mit 
Achverten ablegen, Igl. Str. 224. 

acke (mhd. ecke, egge, stswf. stn. 1. Schneide einer Waffe, 
2. Ecke, Winkel) stf. der stolle heisset auch die czeil ader linie 
ader die ecke (H, acke D) — die acke, von der die hewer ercz hawen 
(= acies), Const. II 4, 2. s. ecke. 

acker-leute st. PI. (= agricolae): Ist das ich habe — die sele 
irr ackerleute gepeinigt, so wachse mir vor getreide disteln und vor 
gersten dorner, W— B Job 31, 39. 40 u. Jer. 52, 16. 

aeker-mami stm. agricola, arator, colonus, W — B Gen. 4, 2. 
Ich bins genant ein ackerman, von vogelwait ist mein pflüg, ich 
wone in Beheimer lande, Ack. 4, 6 (nach Martins Vermutung sym- 
bolisch zu, fassen = mein Erwerb kommt von der Feder, wie auch 
die entsprechende Stelle im tschechischen Gegenstück symbolisch den 
Weberberuf deutet, darnach wäre der Verfasser einer der Schulrektoren 
und Notare von Saaz (um 1399). 

acker-niaz, stn. als ältestes erscheint in Böhm.-Kamnitz (Linke 
S. 309) 1393 das Viertel und die Ruten, später 1490 mißt man nach 
Gewenden und Beeten. 

acker-recht* stn. = Bezug, Nutzung des Ackerteils: merkleiche 
pergwerk pei uns gewesen sein uff der thumherren grünt von Präge, 
davon sie urbar (= 1 j 3 der Urbar) u. akkerrecht merkleich genomen 
haben, Igl. Bgr. 31, 1. 



10 acker-reut — admirät 

acker-reut* (= riute stfn.) durch Ausrodung dem Walde ab- 
gewonnener Acker, Taiding v. Friedberg 58. 

ackers-gebeude* (vgl mhd. gebü = Gebäude, bestelltes Feld) 
stn. Ackerbau: ein man dem akkersgepeude gegeben (bomo agri- 
culturae deditus) W— B Par. H 26, 10. 

aeker-teil* stn. Mitbaurecht des Grundherrn (vielleicht der 
Untereigentümer , Bauern desselben) zu 1 / 32 = der 32. Korb Erzes 
gegen Tragung der Kost, die spätestens bei Einwurf von Kübel u. 
Seil anzubieten ist. Im Laufe des XV. Jh. ging das Ackerteil in 
die Erbkuxen (4 von 128 also l j 3i ) über, die durch den Max. 
Vergleich v. 1575 auf 2 reduziert wurden, falls wegen mangelnden 
Forstbestandes der Grundherr kein Holz liefern konnte. Das Acker- 
teil bildet nebst a) den 2 Herren- (Abtes)lehen , b) einem Drittel der 
Urbar von jedem gemessenen Berg, einschliesslich der Nebenlehen 
(wofür im XV. Jh. falliveise der teilweise Nachlass des Zehnten vom 
Landesherren gewährt wird); c) erst spät endlich auch einer Ent- 
schädigimg des Grundeigentümers für Bergschaden u. zwar für 
Haldensturz u. bei Einschlagung von Bauen die Entschädigung des 
Grundeigentümers eines Bergiverks. Zycba I S 189 — 192, Igl. Bgr. 
ackersteil, N 23,2. N 24. der herren reebt ist ein dritteil zu 
nemen des achten teiles, das die urbar beisset, und in dem ge- 
messen perge ein czweiunddreissigteil, das beisst ein ackerteil; und 
also wer do beswert wirt in eime, der wirt erhaben in dem andern, 
Const. II 3, 4. ein czweiunddreissigteil das beisst ein ackerteil u. 
gehurt samt ' 3 der Urbar dem Grundherrn, Const. II 3, 3. auf dem- 
selben eigen hat mau allewege abgeschut ackerteil den 32. trock, 
seint der perk gestanden ist, Endurteil: als der hoff und das vor- 
genante eigen hat ackerteil enpfangen u. genumen, als schol es auch 
noch tun, Igl. Bgr. N 25. Der apt von Czedlicz hat auch die ge- 
werken von der funtgruben angesprochen von des ackerteils wegen 
ume ein czwaiunddreissigteil , Igl. Bg. N 21. Die seltsame Ent- 
scheidung des Igl. Oberhofes, daß die gewerken dies nicht schuldig 
sind zu geben, erklärt Zycha II 331 damit, daß hier nur das Abts- 
lehen nicht aber die 7 Lehen in Klostergrund ragten, zieht aber 
1 190 die Erklärung vor, dass die Hintersassen des Abtes, nicht der 
Abt bezugberechtigt waren, ackerteil nemen, Igl. Str. 52. 

ackes, ax, PI. exe, mit unorgan. t, axt, PI. exte stf. Axt: die 
tor — wurden mit exen uf geslagen, Alex. 9495. exe, W — B 
Baruch 6, 14. 

adal-ar, adel-ar stm. Adler, er wirt dir des edelen adelers 
flugel geben, Hier. 69, 14, W— B Lev. 11, 13. 11, 14. zwen vettieb 
ainz, micheln adalarz,, T— B Offenb. 12, 14. ain stimme ainz, adaler 8, 13. 

adel stn. m. Geschlecht, edles Geschlecht, edler Stand, Voll- 
kommenheit, daz, adel, Trist. 2156, rechte^ adel 1371, sin höhez, 
adel 56; richez, adel, Leg. 51. in kunigliches adel, Böhm. Chr. 6. 41. 

aden (mhd. ätem, äten) stm. Atem, Hauch, Lebenskraft, Geist. 
diu habe al wir sin und äden, Alex. Anh. 7. 

adinirat (entstellt aus amiral, nach mittellatein. Umdeutung 
admiratus) Titel des Chalifen stm. swm.*, Alex. 1885. 4637, 5234, 
6029, 6034, 6501, 6806, 6844, 8571, 12476, 13892, 16847, al der 
heiden admirät muoz, riebe und erön von im (dem baruch) euphän 






äffe — alberein 11 

17154, des admiräten tot 16965, 16121, 21381, man ssehe den admirät 
(= Darius) unfrö, Alex. 5421, 5432, 5495, 5565. 

äffe sivm. Affe, Tor. du kintlicher äffe (sagt Darius von 
Alexander), Alex. 5543. 

äffen swv. intr. zum Narren werden, tr. zum Narren machen: 
er was geaffet dö, Alex. 19618; nein, er was geaffet 542, ich wsen 
uns dise gote äffen 3116, das; man in int äffe 1253. 

affen-heit stf. Torheit, ich zel es für ein affenheit, swer 
durch siuen übermuot an im selben übel tuot, Wh. v. W. 3792; die 
affenheit der toren (fatuitas stultorum), "W— B Spr. 14. 24, in den 
profeten der stat Samaria hab ich gesehen affenheit, W — B Jer. 23, 13. 
a. hat uns dar zuo (euch zu bekriegen) bräht. Alex. 2637. 

after-ding stn. Gerichtsitzung nach dem regelmäßigen ding 
(elichen ding, e ding) s. ding. 

after-kösen swv. nachreden, verleumden : die do afterkosen von 
meiner sele (detrahentes animae meae), W — B Ps. 70, 13. 

alter - kösunge stf. üble Nachrede (detractio) W— B Buch d. 
Weish. 1, 11. 

after-rede * stf. böse Nachrede, Verleumdung, afterred oder kosen 
oder enezihen mit worten einem andern menschen, Job. v. Igl. 5. Gebot. 

after-reu (= after-riuwe) stf. Nachreue, Nachweh, Betrübnis: 
das du nit bekomert werdest mit afterrew, Ack. 3, 15. 

after-snit stm. (Schnitt von hinten, Verleumdung) aftersnyt 
czu czweien grosschen u. dorunder (aber nicht darüber) dürfen die 
Refler (Schuhflicker) kaufen und verarbeiten (hier also = Leder- 
abfälle), 01m. Stb. 110b. 

after-spräche stf. Nachrede, unkust vil a. hat, Alex. 24881. 

agen stm., agene stf. Spreu: ich zeuch aus den agen (Splitter) 
von deinen äugen, du selbst siehst nit den trom, der da ist in deirn 
äugen, T — B Luk. 6, 42. waz, sichstu den agen in den äugen deins 
bruder und sichstu nit den trom in deim äuge? Matth. 7, 3 u. 5. 

agerloster, aglastir (ahd. agalastra, mhd. agelster, agalster) 
swf. Eider, noch heute im Eqerl. äghalästa, Chr. v. Eger N 446. 
vil aglastir, Dal. 102, 19 (44, 55). 

aliiu* Interj. der Begrüßung: ahiu, Parmenois Tristan! 
Trist. 1986. 

aht s. acht. 

ähte, sehte stf. Verfolgung, Acht s. acht. 

aimay* stm. Nashorn: ein snellez, tier vil groez.er dann ein 
elefant: aimay ist daz, genant; ez, truoc — an der stirne vorne drin 
gröz,e scharfe hörne, Alex. 21680, die hörn der künec behalten hiez,, 
da mit der aimay so stiez, 21694. 

ait-loch s. eit-loch. 

äle swf. Ahle, subula: nym ein ale und durchbore im das öre 
in der tür deines hauses, W — B Deut. 15, 17, durchbore im sein ore 
mit einer alen, Ex. 21, 6. 

albeg s. alle-wec. 

alberein (mhd. alberin von alber = Pappelbaum) Adj.: Jacob 
nam albereim gerten grüne und mandeleine und ohorneine und eines 
teiles schelte her sie, und do er di rinden abgeezoch, do schinen sie 
an dem gescheiten weiss, W— B Gen. 30, 37. 



12 al- bereite — almusner 

al-bereite (= albereit, Adj. u. Adv.) = öfters, bisweilen. Wb. 
v. W. 791. 

aldö-selbest* Adv. = daselbst: die aldoselbest gegenwurtig 
waren, Hier. 134, 28. 

al-gar (flekt. al-garwer) Adj. ganz bereit, von des lenzen craft 
gekrenzet stunt daz, velt algarwe in wunne bernder varwe, Alex. 
Anb. 549. 

aller-behendest* Adj. geschicktest, klügst: der mensch — ist 
das a. u. das allerfreiest gottes werkstuck, Ack. 38, 12. 

aller-bequeinlich* (von mhd. bequsemelich) Adj. nützlicher, 
mehr frommend : als si erkennen, was unserm gemeinen nucze a. sei 
(melius expedire), Const. II 4, 10. 

aller -durchleuchtigist* (v. mhd. durcb-liubtec strahlend, er- 
haben, berühmt) Adj. : a. fürst u. herre her Karl (IV.) Sol. 1, 1. 

aller-erleuchtigist Adj. a. bern Mathias, Eg. Chr. 1 127. 

aller-menielich (= aller-mannelich) Pron. jedermann, Hier. 26, 9. 
4, 6. allermeniclich offenbar verkündet 8, 8. 

aller-gewist Adj. = sicherste: das gesicht, das allergewist 
zeuge, Ack. 38, 19. 

aller- sclieutzlicliist (Sup. von mhd. schiuzlich) Adj. häßlichst: 
das allerschoniste gepild — es wer das a., Olm. Stab. 79. 

aller-vugleichst* Adv. — am besten, passendsten: keuffen, wo 
in das a. czu tun were, Igl. Bgr. 26, 1. 

aller-wimnenclichst Sup. des Adj. glückseligst: die a., schar. 
Trist. 4385. 

alle-tvec, alle-wege Adv. überall, immer: der allewege reeh- 
tichlicben richtet, Hier. 17, 8, der geist wider den leip u. der leip 
wider den geist allewege vichtet 17, 16. der so gross wunder allewege 
wurket 115,9; 20,10—14; = semper Sol. 34, 5. 13. 14; 35, 1. 2; 
36, 20. 28; 3, 9; 19, 18. alweg also, Igl. Str. 229; nicht albeg gericht 
seczen und ergen lassen, Igl. Bgr. N 62, 3; Chr. v. Elbogen 42. 25. 39. 
9, 46; 54, 33; al wegen 10, 9. 54, 4; allewegen 54, 28 u. 32. alle jar 
albeg czu sand Girgen tag sol er im ader sein eriben — raichen 
u. geben 4 seh., Igl. Stb. V 169 a, albeg auf weinachten, V 255b. 
alle jar albeg den dinstag nach Georgii, V 197b. 

al-ineektikeit (= al-mehtec-heit) stf. Albnacht: noch der 
grossen vild deiner almechtikeit (sec. multitudinem magnificentiae 
tuae), Sol. 56,10; gelaubet in die a. seiner kreften, Hier. 67,1. 
Sol. 27, 14. 

alliier, almerei (= almerie) stf. Schrank, Kasten, Chr. v. 
Traut. 163. 234; trüben und almerey, Igl. Str. 327. 

almer-sloz,* stn. (G.-sloz,z,es) Schloß an einem Schrank: er 
ist im schuldig umb ein almerslosz 12 gr., Igl. Stb. V 154 a. 

al-mitalle (verstärktes mitalle, Hpt. 7, 125. mit Instrum. 
von al) Adv. gänzlich, ganz u. gar: sein herre uns wert das 
almital cze tun, Igl. Str. 224. 

almusen (almuosen) stn. Almosen, T — B Btb. 10, 4. 10, 30. 
almisen, Böhm. Cbr. 95. 

alniusner (almuosensere) stm. almusnerin * stf. der Almosen 
gibt oder nimmt, hier in letzterer Bed.: Und ist es nicht sein 
tegleich gesind an allin dingen adir sein almusner adir almusnerin, 



al- raune — amacht-mann 13 

nimt ers (leiht er Kerze und Tuch aus der Zeche aus) darubir 
(gegen diese Bestimmung), er gibt ein vierdunk czu puss, Prag. 
Mz. 20. 

al-rauue stswf. (=al-rüne) mandragora: fand alraunen, W — B 
Gen. 30, 14. ein teil von den alraunen , die alraunen wiltu mir 
nemen, Gen. 30, 15. 

alrest = aller - erst Adv. = dann erst, Igl. Str. 38. 

al-seufzend,* al-siufzend * part. Adj. schwer seufzend: al- 
siufzende sprach Tristan, Trist. 344. 1045. 2309, 3616. 

altäre, altaere, alter stm. Altar, stn.*: damit die capellen 
und das altar — aufgepawt und verpracht werd, Igl. Stb. V 198 a. 

altär-herre * swm. Priester, der an einem dazu bestimmten 
Altare eine Stiftungsmesse zu lesen hat, Chr. v. Traut. 25, 26, 36. 

altäriste swm. Altardiener: die mer gemelten drei capplan 
und altaristen, Igl. Stb. V 59 d. 

alter-opfer* stn. Opfer am Altar: Aruspex nach alteropfers 
rauch in zukunft tuende auszrichtung, Ack. 41, 16. 

alters-eine Adj. ganz allein: sie saz, clagende a. in irm 
gemache, Alex. 836. daz, ich nieman enhan wann din a., 4329. 

alt-uerre swm. alter Herr, Patriarch, Ahnherr, Senior einer 
geistl. Körperschaft, Landesältester: mit den altherren der erden 
(cum senatoribus terrae), W — B Spr. 31 , 23. 

alt-knecht s. kneclit. 

alt-sez,z,en part. Adj. seit langer Zeit angesessen : do (zu Grenz- 
streitigkeiten) sol man altsessen leut czufuren, Igl. Stb. II 72. umb- 
sessener u. altsessener leut, 292 (S 200). 

al-vanz (mhd. ale-vanz) stm. eigentlich aus der Fremde her- 
gelaufener Schalk, dann sachl. Possen, Schalkheit, Betrug, Geschenk, 
Gewinn: das in (den richter) kein gab ader alfantcz vom rechten 
nicht abwende, Olm. Stb. 79. 

alt- vaterisch* Adj. altvaterisch, altertümlich ein a. kessel, 
Igl. Stb. V 149 b. 

al-vliez,end* part. Adj. schivimmend: alvlie^ende in dem 
waz,z,er, Trist. 3211. 

al-wallend* part. Adj. siedend: einen pfeffer, der was al- 
wallende heiz,, Trist. 5291. 

al-zu-bezeiten* Adv. vor der rechten Zeit, voreilig: a., wann 
si noch nicht haben, der si bedurften, so pitten si gesworne, Const. 
II 2, 12. 

al-zu-hant (= al-ze-hant) Adv. allsogleich; Igl. Str. 308 (S 218 
u. 219). also blüet mein leben u. dorret alzuhant (statim), Sol. 8, 21. 

al-zu-mäl (=al-ze-mäl) Adv. allzumal, ganz: der same sei 
denn des ersten (zuvor) in dem ertreich alzumal gestorben, Hier. 42, 21. 

aniacht (=ambachte, ambet) stn. Amt, Beruf, Gottesdienst, 
Messe: amacht (=Amt, Traut, Chr. 152; amechte, Chr. v. Eger 
N 1116. eines fursten amecht ist am gerichte czu sitzen, Böhm. Chr. 95. 

amacht-mann, ameckt-inann, amp-maun (= ambet-man, 
amt-man) stm. der ein Amt zu verwalten hat, Diener, ritterb artiger 
Dienstmann. Bezeichnung für den Stadtrichter in Böhm.-Kam- 
nitz, Linke S. 300 Anm. PI. amechtlute = Amtleute, Stb. Brüx 
N344. 



14 ä- macht — ampt 

ä-inaeht, ä-iiieelit (=ä-makt) stf. Ohnmacht. Mangel an 
Kraft: abe mich ein huste anqueme oder ein amecht, Igl. 
Str. 286. 

amatist, ametiste swm. Amethyst: in einem amatisten ergraben 
wol mit listen, Alex. 21 169. der amatist was so clär, Ernst 2407. 

ambacliten , ambechten swv. dienen: Alsust kam nit der snn 
der meide, daz, man im ambechte, wan daz er ambecht, T — B Matth. 
20, 28. 27, 55. 25, 44. Mark. 10, 45. daz, mich mein swester lest allein 
ambechten. Luk. 10, 40. keim ze weren im ze ambechten Btb. 24, 23. 
die engel genachten sich und ambechten im, Matth. 4, 11. wan ioch 
dise hent habent geambecht di dink, di mir waren notdurftig und 
den di mit mir sint = ich habe mir und den Meinen den Lebens- 
unterhalt durch meiner Hände Arbeit erworben, Btb. 20, 34, 

auibechter* stm. Diener: der sei euer a., T— B Matth. 20, 26. 
der unter euch ist der mer, der werd euer a., Matth. 23, 10. 26, 58. 
Luk. 4. 20. di Phariseer santen a. , daz, si in fiengen, Joh. 7, 32. 
12, 26. Mark. 9, 34. 14, 54. der a. Götz (Gottes), Körn. 13, 4 und 6. 
mit den bischofeu und mit den ambechtern, Philipper 1, 1. 

ambeehtumr * stf. Dienst, Amt: so ich vollende di a. dez, 
wortz,, T— B Btb. 20,24. um di einzigen a., Luk. 10,40 daz, loz, der 
a. {= Anteil am Apostelberuf), Btb. 1,17. di stat dir a. die Stelle 
dieses Apostelamtes, Btb. 1, 25. si heten auch Johannes in der a. 
zum Gehilfen im Apostelamt, Btb. 13, 5. Btb. 11,29. Offenb. 2, 20. 
dieweil ich bin ain pot der haiden, ernstlich ich ere mein a., Rom. 11, 13. 

ain-höz. (=ane-böz,) stm. Amboß: anders es must der Immer 
den amposz treffen u. hert wider hert sein, Ack. 29, 8. 

am bulle s. am pulle. 

ä-mecütic Adj. ohnmächtig, schwach: do vil si aber nider 
und wurt gar amechtig (paene exaniniata), W — B Esther 15, 18. das 
amechtige houbt neigte sie auf die dierne, Esther 15, 10. 

ainei (= amie) swf. Geliebte, Buhle: Ja herr, ich war ir fridel, 
si mein amei, Ack. 6, 13. 

amis stm. n. (als n. auch die Geliebte) der Geliebte : min süez,er 
amis, gehab dich wol ! Wh. v. W. 1990. manic edele herzoginne was 
da mit ir amise, Alex. 26804. Tristanden ir amisen, Trist. 4771. 

amisei* stm. Geliebter: Tantrisel, der triuwen a., Trist, 5063. 

amme swf. 1. Mutter, insofern sie das Kind säugt, 2. Amme, 
3. Hebeamme: ir ammen (nutricem) W — B Gen. 24, 59. 35,8. 

amm-olf stm. Erzieher, Pflegevater: kunige werden deine 
ammolfen und kuniginne werden (deine) ammen, W — B Js 49, 23. 
Mardocheus do was ein ammolf (nutritius) der tochter seines bruders 
Odisse, die auch mit seinem (sie! statt: mit einem andern) namen 
was geheissen Hester, W— B Esther 2, 7. Nu santen dorumme die 
probste des houses u. die vorweser der stat u. die grosten der 
gepurt u. die ammolfen (nutritii) sprechende, Kön. IV 10, 5. 

Amol* (amor, amür stm.) stf.* Liebe, Liebes göttin*: vrou 
Amor was da niht laz., Alex. 301. wem Amor gesiget an, der darf niht 
sorgen niere, swen sie mit minnen gere in sin herze schiuz,et, Alex. 
346 ff. 

ampt stn. (= ambaht) Amt: der König hat gesaezt mit diesem 
gepote unezubrochlich czn haiden, das kein perkmeister meer ampte 



arapt-liute — anden 15 

ader mer meisterschefte den einis haben sol , Const, I 7, 23. von der 
Schreiber ampt handelt, Const. I 8. vgl. auch Bergbehörden. Noch 
irem Dienst nnd irm ampte (secnndnm officia et oultum sunm, W — B 
Num. 7, 8). 

ampt-liute st. PI. Diener: die ampt-liute kämen, die die 
tische abenämen, Wh. v. W. 1552. auch bekumpt es wol der urborer 
bescheidenheit, das si in irem ampte alsotane richtere nnd ainpt- 
leute haben, die do weise u. getrewe sein, Const. I 4, 8. wir — tail 
euch czu einem rechten, das steiger, hutleut und ander amptleut 
nicht verrer kraft haben czu besagen, denne also verre als ir ampt 
get, und an der stat, do sie ir ampt begen und üben u. tuen schullen, 
Igl. Bgr. 116, 2. amptleut von beiden teilen, Igl. Rspr. I. 

anipt-man (=ambet-man, amt-man) stm. das dheines ampt- 
mannes geczeugnusse kraft habe, er neme denn von den urborern 
den eit, Const. I 12,4. Willehalmes amptman warn gemeine üf 
dem plan, Wh. v. W. 1326. 

anipulle swf. Lampe, Ampel : er hat czum altar czwu silbrein 
ambullen umb 11 seh. gekauft, Igl. Stb. V 198 b. 

an s. äne. 

anbrengen unregelm. Zw. (md. Form für an-bringen = weg- 
geben) hier aber = anspornen*, incitare: anbrengen czu der arbeit, 
Const. II 1, 9. die bauleute mit gueter trostunge anbrengen czu 
sotaner grossen sweren arbeit, Const. II 4, 4 (invitare). wir wollen 
auch nicht, das weder selbscholn weder ir fursprechen weder ander 
leute von iren wegen die geezeugen mit bete ader mit lone an- 
preDgen (= verleiten) in czu nueze, Const. IV 11,10. wer suliche 
— unezimliche ursach weste und dasselbig auff di eldrn Gesellen 
nicht anprecht {ihnen nicht anzeigte), ist zu puess verfallen 7 d., 
Igl. Stb. V 177 d. 

an-be-haben (ane-be-haben) sivv. einem, etwas ihm abgewinnen: 
wer dem andern ein ross, das her im vervangen hat, anbehabt, der 
mac die eisen und den czaun czu demselben rosse nicht behaben, 
Igl. Str. 92. 

an-beter (=an-betsere nur md. Belege) stm. Anbeter: so das 
er vorterbte die anpeter Baals (eultores Baal), W — B Kön. IV 10. 19. 
III 18, 25. 

an-botwaren swv. (von botwar Schmähung) fälschlich be- 
schuldigen vor Gericht , verleumden , Brunn. Str. : wo einer dem 
andern vrefleich vorpeut u. anpotwart, das gehört dem chunich zu, 
in sein gericht, Brunn Str. II 11. — der schol das püessen mit 
4 mareken, II 56. der schol sich wol ee vorsehen, das er in iht an- 
potwar und welle im mit unrechte seines ackers abgewinnen, I 479 
s. botwarei. 

an-dachtikeit (= an-daechtic-heit) stf. andächtige Verehrung, 
Hier. 202, 16. 

ande (mhd. ande, ant) Adj. schmerzlich: minem herzen ist diz 
ande, sol ich von dieem lande, Wh. v. W. 5406. Isöten ande und 
ange doch was, duz, sie so lange des lieben spiles (Beischlafes) solde 
enpern, Trist. 1 109. im was öt ande und ange, 4790. mir gar ande 
ist, Böhm. Chr. 98. 

anden s. anten. 



16 ander -halp — an-enphenklick 

ander-halp Adv. auf der andern Seite, anderwärts: das is (das 
strittige Erz) weder einhalp noch anderhalp gefalle (= keiner der 
streitenden Parteien zufalle), DIB, 1 15, 1. anderhalben des Jordans. 
T— B Joh. 3, 26. 

an-dersterben s. an-sterben, anderunge s. endemnge. 
ander-weit Adv. zum zweiten Male, sehr oft: und anderweit 
{wieder am jüngsten Tage) werde ich ummegeben mit meinem velle 
(et rursus circumdabor pelle mea), W — B Job 19, 26. Ir werdet mich 
anderweit sehen, Hier. 67, 14. ich glaube, das ich mit diser haut a. 
umbeczogen werde, 60, 18. dorczu wer mir uuczimlich a. czu reden, 
222, 4. das sie die glocken hette anderweit geleutet, 177, 17. und do sie 
a. czu im quamen, 166, 8. mein sele ist a. besweret mit dem fleische, 
146, 28. in czeiten des jüngsten tages, so sele und leip anderweit ge- 
sammet werden, Hier. 141, 16. 144, 25. 145, 16. Igl. Bgr. 83, 3. swert 
er übel sam der vorsprech, so vorleuset ain holung u. swert anderwaid. 
Brunn Str. H, 202. also das her im seiner recht nicht anderwaide 
gedinget bette u. hette geiaget, Igl. Str. 227. a., do in het gesechen 
ain ander dirn, T— B Mark. 14, 69. a. fragt in Pilatus Mark. 15, 4. 
der nit a. wirt geborn, Joh. 3, 3. 3, 4. 3, 7. Jhesus sprach a. zu im, 
Matth. 4, 8. 

ander-weiden swv. nochmals tun, wiederholen: doch ist mein 
meinung, das man — sulche diug — nicht anderweiden sulle, 
Hier. 145, 22. mitten in sulchen worten wart er sulche geberde 
andervveiden , 138, 15. nu anderweitet er das wort von der gutet 
gots, Sol. 47, 23. drei clagen, der ich nicht darf anderweiten, wenn 
ewer gnad hat sie wol gehört, Igl. Str. 291 (S. 197). anderweidet 
seine torheit (iterat stultiam), W — B Spruch. 26, 11. meine kunst 
ich anderweide (repetam scientiam meam), Job 36, 3. wie gar snode 
bistu, anderweidende deine wege (quam vilis facta es nimis, iterans 
vias tuas), Jer. 2, 36. czu dem andernmal er das selbe nicht ander- 
weitet, Job 33, 14. anderweit im alle die red, di obgeschriben stet. 
Igl. Stb. H121d. 

ander-weidunge* stf. Wiederholung, zweites Gesetz: Dornach 
hebt sich an das buch Deuteronomius, das do ist also gesprochen das 
buch der anderweidunge der e., W — B Deut. Überschrift (I B 174c). 

an-dingen swv. einen gerichtlich ansprechen, vor Gericht be- 
rufen, hier aber pachten: Wie das er von im ein teicht — umb 
23 s. auff meissner gr. angediengt hat, Igl. Str. 72 (S. 339). 

äne, an Adv. bei Verb, mit Gen. beraubt, ledig: der künec von 
Ubiäne was siner briefe nicht äne (hatte sie auch erhalten), Wh. 
v. W. 3535. 

ane-genge s. an-genge. 

ane-herre s. an-herre. 

ane-lich Adj. u. Adv. ähnlich, Wh. v. W. 7240. 

anen s. anten. 

änen swv. mir. mit Gen. ledig, beraubt sein; refl. sich ent- 
äußern, verzichten auf m. Gen.: Wer in frauwen dinsten ist, der 
musz sich aller missetat anen mit recht, Ack. 47, 5. der künic sol 
sich unser änen, Alex. 21358 = von iwis trennen. 

au-enphenklich* Adj. ivohlge fällig , T— B I. Brief Petri 2, 5. 
ain anenphenklich^ opphir, Philipper 4, 18. dicz ist gut und a. vor 



an -erben — an-genge 17 

Got, I. Timotbeus 2, 3. ain anenphenklichz, volk, Titus 2, 14. im 
ist a. von aim igleren geslecbt, das; in furcht, Btb. 10, 35. daz, 
oppber meines dienstes werd a. den heiligen in Jerusalem, Römer 15, 31. 
daz, a. iar dez, Herren (das Gnadenjahr , das Jubeljahr), Luk. 4, 19. 

anwerben swv. als Erbe auf einen übergehen: ein hantfest, die 
in nicht anerbet, Igl. Str. 67. ein ieder mensch ist uns (sagt der Tod) 
ein sterben schuldig und ist im angeerbet zu sterben, Ack. 30, 8. 
unrecht guet, iz, sei angeeribt oder angestorben, Job. v. Igl. 7. Gebot. 
Thebäner strit an erbet, Alex. 2769. 

aue-vraiie s. an-vraue. 

an-gagern* swv. anfahren, anschreien: von dem povel — an- 
gegagert und gekaft, Ritterf. 217. 

an-gang stm. = ane-genge stn. Anfang: das vom angange 
der werlt nicht gehört ist, Const. III 6, 13; „Angang" als Vorbedeutung : 
di da gelauben an antgift, aniganch — und ander ding, Joh. v. Igl. 1. 

ange Adj. (prädikativ): unangenehm. Isöten ande und ange doch 
was, Trist. 1109. 

an-geborn part. Adj. angeboren, natürlich: er schrei in großem 
grimme sin angeborne stimme, Schretel 244. a. sigel, Traut. Chr. 60. 
Eg. Chr. 1191- 

an-ge-haben = an -haben sivv. angreifen, abgewinnen: und 
wollen di mit dem Stollen disen di leben angehaben, Igl. Bgr. 75, 1. 

an-gehegt* part. Adj. vor Gericht vorgebracht: Jan Sander ver- 
hoff, er sei den waisen aus an^ehegter ursach nichs verpflicht, Igl. 
Bgr. 85, 2. 

an-geliören, -geliceren swv. zukommen, sich bezichen auf: 
gebet der werlde, das sie angehört, Hier. 33, 18. wizzet , das ir die 
sundigen werlt nichtes angehöret (ihr angehört) 44, 11. Alles perk- 
recht, des wir gebrauchen, entweder das gehört die leut an oder die 
silbergruben an oder die lehenschafft, anspräche u. ire czugehorungen 
oder angehorunge, Const. Vorrede § 4. ir vaterlich eribtail, das sie an- 
gehört und zugepurt, Igl. Stb. 111326 a. 

angel stmf. 1. Stachel, 2. Fischangel, 3. Türangel: der richter 
sol von den gesworn geleitet werden sam ein tur in dem angl 
(sicut cardine ostium gubernatur) , Const. I 5, 5. Von dem alle 
himelische ordenunge aus irem geewigten angel nimmer treten mag, 
Ack. 56, 16. du fluiden scharpher angel (Vernichter der Freuden), 
Alex. 13546. leg den angel, T— B Matth. 17, 26. 

an-gen, an-gän an. red. Zw. einen get ein dinc an = trifft ihn: 
Wer das aber, das mich oder mein erben chainerlai not angieng, also 
das ich das vorgenant gericht müsset verchauffen, verseczen oder hin- 
lassen, Budweiser Urkdb. 476. anfangen, vorhaben mit jemandem: 
waz, got — mit uns anegät, des sollen wir im gnade sagen, Ernst 3228. 

an-genge stn. Anfang. Im anegenge schepfte got himel und 
erde, W — B Gen. 1, 1. von dem a. des jares, Deut. 11, 12; zu Silo 
gewonet hat mein name von a., Jer. 7, 12. der da geschuf den man 
und daz, weip am anegeng, T— B Matth. 19,4. an dem a. was es 
nit also, 19, 8. Luk. Vorrede 2. Joh. 1, — 1. Brief Joh. 1, 1 u. 2, 7. — 
äne — a. die wite und ouch die lenge — hat din gevvalt be- 
sehen, Alex. 16253. an a., 1. 1123. 10105. von der weit a. 11132. 
Trist. 6734. 

Jelinek, Wörterbuch. 2 



18 an-ge-nugen — an -heben 

an-ge-nugen* sicv. genügen: Was ir mir czu einem rechten 
teilet, do genüget mir wol an, Igl. Bgr. 65, 5. 

anger stm. auch f. Grasland, eigentl. u. Midi: Ir (o Tod) habt 
meiner wunnen licht somerblumen mir ausz meines hertzen anger 
jemerlichen ausgerewtet, Ack. 4, 11. der brünen bluomen anger 
(weibl. Scham), Trist. 5969. 

an-gesicht stf. Ansehen, Aussehen, Gesicht: schönes antliczes 
und czirlicher angesicht, W — B Gen. 39, 6. als ein halme, der balde 
verswindet vor angesichte des windes , Hier. 5, 13. sie enblösten 
seinen heiligen leip, der so enpferbet was, das grausamig sein an- 
gesicht (Anblick) were 19, 9. 

äugest, äugst stf. Bedrängnis, Besorgnis, Furcht, einen sun 
zwivaltiger angst = der zweimal der Hölle würdiger denn ihr T — B 
Matth. 23, 15. 

augestikeit* stf. Bedrängnis a. und notdorffte, Eg. Chr. 1167. 

au-gewinneu stv. I, 3 abgewinnen : nimant kan — den erb- 
stollen im mit rechte angewinnen , D I R 1 10. im mag dornach 
(icenn er 6 Wochen im Bergwerk unangestprochen baut) niemancz mit 
rechte nichte angewinnen, Igl. Bgr. 12, 2. teil — von vorsumenisse 
der koste — angewinnen, DIR I 22 u. 16. Igl. Bgr. 66, 2. 

an-gie^en stv. III b. den Inhalt eines Gefäßes durch Ein- 
gießen messen, Maß und Gewicht prüfen. Dornach umb angiessen, 
umb unrecht eilen u. glot, umb unrecht getreid, was dovon puss 
gevallet, der ist 2 teil des richters und das dritteil der scheppen 
Igl. Str. 276 (S 182). umb angiessen, das ist 5 grozze oder was die 
scheppen daruf seczen 181. ir muget angissen an alle Sachen: an 
wein u. an pier, wenne euch gelust und nicht wenn der richter wil; 
und was pusse ir dorauf seczet, das muget ir tuu u. das schol 
nimand Widerreden 257 b (S 150). wie oft man sol pfenden gen an 
dem angissen weins 257 a. 

an-gie^er stm. öffentl. Messer der Flüssigkeitsmaße: a. wein- 
koster u. messer, Igl. Str. 257 a. das man steteklichen angisser solt 
bestellen u. haben, die do an unterlass wein, pir und allerlai trank 
angussen, das der gemein gerecht geschee, Olm. Stb. 52. 

an-gölden* swv. an einen Geldforderungen stellen, anbetteln 
man soll weder praut noch preutigam nicht a. noch in kein geli 
abnemen, Eger Str. C 8. 

an-greit'en stv. II in Angriff nehmen, sich anschicken zu etwas 
dornach wil ich meine teidinge angreifen, Igl. Bgr. 65, 2. Da habe] 
di selben den Stollen wider angegriffen u. sint gevarn mit eineri 
offenen durchslack in dasselbe bergwerk, Igl. Bgr. 74, 1. Z. 16. 

an-haft* stm. Anhaftung: sie trugen gar über ein an lütei 
licher minne kraft sunder wankes anhaft, Wh. v. W. 4176. (bei Lexe 
nur durch diese Stelle belegt.) 

au-hang (ane-banc) stm. was sich an etwas anhängt, Tau, B( 
gleiter, Hure, Eigentümlichkeit*, angehängte Bedingung, gelich b( 
wiset min sin daz, der kinder anhanc si waz, site den ammen wone 
bi, Alex. 13441. 

au-heben stv. IV. anfangen: czu machen haben sie das ang« 
haben, W— B Gen. 11, 6. hier hebit sich an das 1. buch usw., W— 
öfters, die masse des newen pergis schol sich anheben in d 



an-hebunge — an -laufen 19 

greniczen u. czil des purgerlehens, Igl. Bgr. U-A 13. wer ain Stollen 
anhebt, U — A 15. an schaden des ersten anhebenden dinges (sine 
laesione rei principalis), Const. IV 19, 3. S. 287. Z. 9. 

an-hebunge stf. exordium, Anfang, das ein ende einer Sachen 
der andern sachen anhebunge nicht sein sol, Const. IV 17, 1. 

an-hengen stov. an jem. hängen, czorn anhenget euch (furor 
imminet vobis), W— B 11167 b. er wirt anhangen seiner hausvrowen, 
Gen 2, 24. 

an-henguug* stf. Anhänger, Parteigenossen: das sich ander 
meiner herren a. zu sein schew sullen entpfahen, Elbog. Chr. 72, 3. 

an-lierre (an-herre) sinn. Ahnherr, Großvater: dinen vater du, 
herre, hast erslagen, der aneherren, die ich bi dir hän getragen = den 
Großvater derer, die ich dir geboren habe, Alex. 3084. Dal. 31, 1 
(6, 41). 

an-kapien swv. verivundert ansehen, angaffen: mit offnem munde 
ankapfen sie sie, W — B HIB. 117 d. 

an-keren swv- tr. angreifen, anwenden: das si (die gescheft- 
leut) das gelt durch meiner sei selikait a., Igl. Stb. V 41 c. 

an-kerben stov. aufs Kerbholz zeichnen, Chr. v. Traut. 231. 

an-komen stv. I, 2 mit Acc zu, an oder über einen k., eitlem 
beikommen: dö bat die vrouwe huote spehen, ob man si (die Räuber) 
anekseme, daz, man in daz, leben nseme, Wh. v. W. 5478. welichen 
sie ankumen mugen (quos invenire poterunt), Const. I 15, 9. Und 
ob sie sotane nicht ankumen mugen, das sie di an underlos unserrn 
camerer antworten (quodsi ipsius copiam habere non poterint), 
Const. 1 15, 9. nach des briefes laut, der mit rechte mich ankumen 
ist (an mich übergegangen) u. den ich mit meinem gehle geloset, Igl. 
Str. 272b; = erhalten, erben: Chr. v. Elbogen 9, 39. 36, 7. 

an-kreutung* stf. (ein md. Wort von krot stn. u. kroten, 
kröten, kruden) Anfechtung, Belästigung: trewens, fluchens, zetter- 
geschreies, hendewindens u. aller ankreutung sein wir allen enden 
untz her wol genesen, Ack. 3, 1. 

an-langen swv. gerichtlich fordern*: er soll in dorumb (um 
die bezahlte Schuld) nicht mer anlangen, Igl. Str. 57, S 325. 
dorumb er die gewerken menigmal angelangt hat (zur Zahlung ge- 
mahnt), Igl. Bgr. 80, 2. so ir von dem bemelten Ruswurm mit den 
brieffen angelanget werdet, 83, 1. und ich darumme nie angelanget 
(gerichtl. angesprochen) bin, 99, 1. mein bitten u. anlangen Igl. Ms. 3 
== bitten , Chr. v. Traut. 86. 88. 252. das ich ang. noch anteidingen 
wil, Stdb. Brüx 335. Der Jude Lebe versprach, dass er alle, die 
der sachen czu schicken gehabt haben, der sachen halben in ewigkeit 
nicht anlangen, nicht beteidingen, aufhalden noch kummern wil, 
Stdb. Brüx N 293. dass er unsere bürgere von Eger domite (Reichsacht 
seitens des Landgerichtes zu Nürnberg) nicht anlange noch bekümere, 
Mind. des Egerl. S 69. 

an-laufen stv. V. iviederholt um etwas angehen: mit vleis fur- 
e|bringen und a., Eg. Chr. 1099 S. 282. so müssen wir unsern hern — , 
unser freiheit und alt herkomen zu erhalten, a., Elbog. Chr. 86, 2; 
der Abgesandte des Rats hat di hern der landtafel, auch Kern cantzler 
:]j angelaufen , 96, 7 ; also haben sie — unsern hern — und uns ange- 
loffen, sie und ire stat — zu retten, 150, 32. 



20 an-läz, — an-neinen 

an-läz, (= ane-läzj sttn. Kompromiß , doch ist ein entlicher 
anlasz durch di hern, lant und stete gemacht wurden, der k. mt. 
(Majestät) wider den Türken gelt und ein stewer zu geben, Chr. v. 
Elbogen 101, 14. anlast 8. 22. 

an-lä^n (ane-läz,en, -län) ablassen, nachlassen, refl. abtrünnig 
werden) st. red. V.: wen sich die leufte geswynde anlassen, Chr. 
v. Elbogen 17, 14-. so schaff ich dem sun meiner swester Barbara 
3 seh. g., ab er sich wol anlassen wurd und nicht ain keezer wer, 
so gol man im die reichen, Igl. Stb. III, 112 c = wenn er sich brav hält. 

an-legen swv. anwenden, gebrauchen, Chr. v. Traut. 3. di losung 
a. = bemessen. Chr. v. Elbogen 64, 6. marter a. Böhm. Chr. 37. 

an-leite stf. 1. Anleitung, 2. Immission, Einsetzung eines um 
Schadenersatz Klagenden in des Beklagten Güter, 3. Anschreibgebühr 
bei Kauf, Verkauf, 4. bei Eintritt ins Handwerk, 5. Eintritt als 
Kolonist, 4. Ein Schneider, der Meister werden luill, gebe auch ein 
halbe schock ze anlait, ein vierdunk desselben halben schockes den 
schepfen u. den andern vierdungden sneidern, Prag. Str. 45. — 5. War 
das zur Kolonisation überlassene La?id leicht kultivierbar oder schon 
im Anbau begriffen, so mußte die Zinsung schon im ersten Jahr 
erfolgen, ja in manchen Fällen eine Art Anzahlung (Anlait, Analeit, 
Handgeld. Toppgeld, peeunia porrectoria — pro induetionalibus nomine 
proprietatis et heredariae possessionis, tschech. „nawal" ) gegeben iverden. 
Mitt. d. Yer. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen XV. B. 3. Heft S. 170. 

an-leitung stf. s. anleite, Chron. v. Traut. 99. 

an-ligen stv.il mit Dat. 1 auf einem lasten, 2. angelegentlicl 
bitten, 3. bevorstehen, bestimmt sein, 4. Sorge tragen für. 1. durcl 
armut u. anligunde not, Hier. 48, 6. allen gebrechen, die do totlichei 
leuten anligende sint, 62, 13. 3. also das der anligende sebade — 
understanden werde (ut periculum imminens evitetur), Const. 1 11, 1 
4. notdürftigen dingen anligen (—rebus necessariis insudare), Const. 
9 Einl. 

an-ligunge* stf. Aufgabe, Obliegenheit: unsere sache u. an 
ligunge, Olm. Stdb. 132, S. 100. 

an - merkunge * stf. Anzeichen, Beginn: do sie abgienk de 
perk an des tages anemerkunge (cum descenderet moutem circa ortui 
diei), do liefen ir enkegeu die speher der Assyren, W — B Judith 10, 1: 

an-muten (-muoten) Inf. des swv. Zumutung: sulches des baps 
a., Eg. Chr. 40. 

an-mütunge stf. Zumutung: alle tage new anmutung od< 
keufen, alle wachen fremde aufsetzung oder muffeln, Ack. 45, 13. 

an-na?ine Adj. angenehm: gar anneme was sulcher dinst. Böhi 
Chr. 48. 

an-neigen sivv. hinneigen, niederlegen ; der sun der meid hat n 
do er sein haubt angeneig, T — B Luk. 9,58. 

an-neinen stv. 12 — 1. über sich nehmen, 2. sich anmaßen, 3. fei- 
nehmen, arretieren: 1. wurd angenumen ein streit (initum belluil 
W — B Par. I 20, 4. sich annemen, teil czu bawen, Const. I 7. 8. * 
sullen sie sich irer guetor widerumb annemen u. underfahen. I. 
Bgr. 93, 3 (S. 479, 10). sie sich pöser gewonheit annamen, Böh. 
Chr. 102. 2. wer ist also hochvertig, das er — sich wider uns (a» 
König) anneme so grosser kuniglicher eren? Const. I 5, 10. S. 67.. 



an-pleien — an-saz 21 

3. gefeucklich a. gefangen nehmen Chr. v. Elbogen 14, 24. 73, 27. 
97, 236, peinlich a. 88. 31. Eg. Chr. 1187 S. 358. 

an-pleien* swv. anfahren: warumb piaist du mich an? Igl. Str. 
(76) S 343. vielleicht verlesen für an-plaren. 

an-plaren* swv. v. plärren blöken, schreien wie eine Geiß: er 
im nichts gesprochen hab noch angeplart, Igl. Str. 76 S 343. 

an-praren* sivv. anstoßen (?) angeczart u. angeprart, Igl. Str. 
76 S 343. 

an-rechen swv. aufzählen, Chr. Traut. 252. 

an-reimen swv. angreifen, besonders zu Pferd: der e an dem 
anrenne ersluoc Polimenne, Alex. 19677. 

an-richten swv. in Ordnung bringen: ein brunnen ist wider 
angericht und gezogen worden, Traut. Chr. 8. 

an-rüren (an-rüeren, an-ruoren) swv. angehen, betreffen: die das 
anruret (quorum interest), Const. I 9, 4. als verre es disen artikel an- 
ruret, so wollen wir, das die saezunge mit allen iren unterscheiden alle 
amptleute des gepirges anrure (ad omnes prorogari), Const. I 7, 23. 
was die menge anruret, das ist von der menge czu beweren, 
Const. I 7, 11 ; in dienstl. , amtliche Tätigkeit ziehen : Chr. v. Eger 
Nr. 931. 

an»rumpeln* swv. hervorbrechen, erumpere: anr. wil ich machen 
den wint des ungewiters in meinem unmute, W — B Ez. 13, 13. 

an-sagen sivv. ansagen, eingestehen, versprechen, anklagen, sich 
anmelden: sich mit dem rechten ansagen, Igl. Bgr. 83, 3. das er sich 
czur schaezung angesagt hat, 83, 3. sich a. = melden, daß man 
Wein schenken will, Olm. Stb. 63. ist sich auch von der gauzen 
gesellschaft angesaget worden (Klagen, Beschwerden gegen ihn vor- 
gebracht) , Igl. Ms. 14. wer — meister werden wil , sal sich dem 
hantwerk ansagen, Igl. Stb. III 185 c. 

an-schlag stm. Anschlag an ein Brett, Ankündigung, anschlag- 
brief oder postenbrief der Meistersinger, Igl. M. s. postenbrief. 

an-schlagen stv. s. an-slahen. 

an-schieben stv. 111 b es einem = 1. einem Vorschub leisten, 

A begünstigen, Chr. v. Elbogen S 11, 16 u. 162, 11. den kauf anschieben 

u| = dem Pfandgeber das Vorkaufsrecht an dem von ihm gegebenen 

\\\ Pfand lassen : die purigen hetten sollen das pfant 3 vierezehen tage 

vor dem rechten aufbieten, dann verkaufen u. so sollen sie dem 

Tochaner (hier dem Pfandgeber) den kauf anschieben u. aus dem Erlös 

der Bürge bezahlt werden, Igl. Str. (56) (S. 324). keiner sol nichts 

verkaufen noch versetzen, er sal es dem andern zufur a. , Elbog. 

jul Chr. 11, 16. gesazt pfant — den rat a. und mit seiner gewissen 

verkaufen, Prager Str. 137 

an-schrauzeu* swv. anfahren, lästern, increpare: mein antlicz 
ihab ich nicht gekart von den anschrauezenden u. den speienden in 
v. mich, W— B Js. 50, 6. 

an-schreiben stv. 11 protokollieren : Elbog. Chr. 21, 24. 

an-schreien stv. 111 u. swv. anfahren, increpare: vil leute zu 
strafen u. an zu schreien, Const. I 8, 4. 

an-saz stm. 1. Einführung in den rechtlichen Besitz 2. Vor- 
haben, Anschlag*: sulchem geswinden furnemen und ansatz nach, 
Eg. Chr. 1160. 



22 an -setzen — an-sprseche 

an-setzen swv. bei Lexer nur = hintergehen, betrügen, zwu halbe 
fuder angesetzte pfeil = Pfeile mit eisernen Spitzen (?) Stdb. Brüx 345. 

an-sichtig Adj. sichtbar, deutlich, Chr. v. Traut. 95. 268. 269. 

an-sinnen stv. I 3 ivie nhd., Chr. v. Elbogen 51, 18. 

an-sitzen stv. II. bergm. siclo wo festsetzen mit dem Bau: des 
ist er angesessen in dem selben erbstolleu auf der rechten wasser- 
seige, Igl. Bgr. 76, 1. als er hinter dem alten stollenhaupt sei an- 
gesessen czehen leben, 76, 2; man darf nicht näher als auf 1 Klafter 
(lachter) an einen fremden Schürf heranrücken (ansiezen), Const. II 
1, 4 u. Igl. Bgr. 1, 7. 

au-slag sim. 1 Anschlag an ein Brett, 2. Vorbereitung des 
Schützen zum Abschießen, 3. Plan, 4. Angebot, Antrag: 4. künig 
Mathias hatte dem bapst Paulo — anschlag gemachet, so ime di 
stat Eger eingeraumet wurde, so wollte er alle ketzerei im ganzen 
Beheimer lande — ausrotten, Eg. Chr. 40 S. 32. 

an-slagen stv. 1Y. = schätzen: sie mir die pferde anslagen 
und uff ein gelt schätzten iczlichs besunder, Stdb. Brüx 244. stewer 
a. bestimmen, auferlegen, Chr. v. Elbogen 125, 26. 29. an die Glocke 
mit dem Schwengel schlagen: Chr. Elbogen 113, 7. als man so hört 
(lauschte), hat angeslagen (die Ratsglocke) und di gemein sich ge- 
samelt, 136, 16. das si in dem selben hof anslahen (Tuch an den 
Bahnen) und verben sol, Igl. Stb. III 134a. ankündigen: ein christl. 
singschul anzuschlagen u. zu halten, Igl. Ms. 3. 

an-spenniger s. einspänniger, Chr. v. Eger. 

an-spräche stf. gerichtl. erhobener Anspruch, Forderung: alle 
ansprach ader f orderunge , die zwischen den leuten geteidingt wirt, 
die teilt man also: entweder sie sein von personen ader von den 
dingen, Const. IV 6, 5. so spricht denn Peter das ding an sam seins 
in dem gerichte, so ist die anspräche in das ding (realis petitio) 
ebda. Umb sust wirt des clagers anspräche czugelassen, ab der 
antworter das angesprochene ding nicht besiezet noch mit argelist 
hat gelassen besiezen , IV 6, 7. Hat der Angesprochene behauptet, 
das Ding zu besitzen, hat es aber nicht, so wird er verurteilt: dem 
clager czu aller seiner nochvolge u. schaden ader als vil der clager 
sweret in dem krige, verleugnet er den Besitz des angespr. Dinges, 
so fällt es ohne weitere Gerichtsverhandlung dem clager zu, Const. 
IT 6, 7 u. 8. lehen halden über jar u. tag an alle anspräche u. teidinge, 
Igl. Bgr. 59, 2 = S. 414, 15. das sie das 16 teil haben gekauft u. in 
gehabt an a., 90, 6. der bergmeister hat gewalt — czu richten umb 
alle anspräche, es sei umb kaufe u. mutunge oder glubde u. auch umb 
kostversaunmusse, DIR 23 a, 3. und ich mit stewer und keinerlei a. 
begriffen bin, Igl. Bgr. 42, 2. von sulcher fordrung u. a. wegen, Stdb. 
Brüx 349 u. 226. Wer erbe u. eigen, nachdem u. es im vor richter 
u. scheppen auf wirt gegeben jar u. tag an ansprach hat besessen, 
dem mag man sein vurpas von recht nicht a. gemachen, Igl. Str. 49. 
a. hindert gewer, Prag Eb. 143. das sie im derselben teil an alle ir 
und irer kinder a. wolde abtreten lediklich, Igl. Espr. IV. 

an-spra?clie Adj. angefochten: e das das gut ansprech ist 
worden. Igl. Str. 242b, er reit auf das gut u. macht das ansprech; 
der das erb anspreche gemacht hat, Igl. Str. 245. erb, das ansprach 
wert von jar zu jar, Prag. Eb. 143. 



au -sprechen — an -sterben 23 

ansprechen stv. I, 2 einen = von ihm etivas fordern auch mit 
Acc. der Sache: des tailes, das die hutte anspricht, Igl. Bgr. 100,1. 
den perg pauten sie lang, bis das sie angesprochen wurden 118,1. 
als sie dornach (nach der lehenschaft) steen u. a., 39, 9. hat er den, 
(der einen gemessenen Berg 6 Wochen baut) in den 6 Wochen nicht 
angesprochen, er mag ir im hinnach nicht angewinnen, DJB, 1 16. 
ob man diselbe gemeinschaft anspricht oder beclaget u. sich sie 
weret, Const. I 7, 12. die aide gewonheit, di pilleich genant ist ein 
pöse rechtprecherin , das ist, das nimant den andern wider an- 
sprechen muge, er sei denne vor von im mit gerichte, das iczunt 
angehaben ist, erledigt u. enpunden, Const. IV 7, 6. der anworter 
ist genant, unib das er antwortet umb das ding, das man anspricht, 
IV 4, 2. einen anspr. in — — qerichtl. belangen wegen — : Chr. 
v. Elbogen 10, 39. 63, 24. 78, 29. 129, 24. einen umb verdahten mut 
ansprechen, Eger Str. A X 1, B 36. welcher das ander anspricht umb 
ein e, enpricht das mit dem rechten, das angesprochen wirt, so 
schol das, das daz ander angesprochen, — der stat 10 pfunt haller 
geben, Eger Str. VI 5. wie man einen man anspricht, also schol her 
antworten, Igl. Str. 229. Ist abir der kämpf angesprochen (wohl ver- 
lesen oder verdruckt für angeprochen = si indictum fuerit duellum), 
Igl. Bgr. 73. er in von wegen einen diebstal angesprochen hat, Igl. 
Stb. V217b. 

an-sprecher stm. Kläger: der vursprech des ansprechers, Igl. 
Str. 245 u. ö. 

an-sprechig Adj. angefochten , die guter zu a. sind, Chr. v. 
Traut. 95. 

an-spruch stm. Eimvand gegen die Rechtmäßigkeit des Be- 
sitzes, Igl. Bgr. 100, 1. an dem selben a. (Rechtsanspruch) und umb 
die übrigen czuspruch ist es also unternomen worden, das es sol 
steen auf ein pesser ausweisung frumer leut, won in got wider in 
haim hilft. Igl. Stb. III A 163 b. 

an-sprüchig (an-sprüch) Adj. (rechtlich) angefochten: dieweil 
die gemelten guter zu ansprechig sind oder nach ansprüchig werdeu, 
Traut, Chr. 95. 

an-stal stm. (bei L.: Anstellung, Waffenstillstand): mit ge- 
brechen ist bekumert aller leut anstal, Ack. 43, 2. 

an-stän unregelm. red. V. anstunden sprechende (instabant 
dicentes), W— B Ex. 5, 13. sich ividmen, obliegen: die witwe anste 
tagz, und nacht^ den flehungen (Gebeten), T— B I. Tim. 5, 5. anstet 
(anhanget XI. Bibel) dem gepet Kolosser 4, 1. di anstendeu ding 
noch kumftigen (Gegenwärtiges noch Zukünftiges), T — B Römer 
8,38. 

an-stand stm. Anstellung, Amt, Friede, Miete: das verfallen 
bestandtgelt und anstandt bei den inwonern der stat Trautnaw zu 
ersuchen (einheben), Traut. Chr. 126. 113. 126. 

an-stellen swv. aufschieben, Chr. v. Elbogen 88, 21. 

an-sterben stv. 12 einen = durch Todesfall anjem. kotnmen: So 
| ist es (Anteil an einer halben Hütte) mich von meinem vater ange- 
| stürben, Igl. Bgr. 98,1. wen noch ein erblink da ist, den is ange- 
worben ist von seinem eldervater u. von seinem eevater 100,1; mit 
allem dem, das sie angestarb von irem vater, Igl. Str. 307 (S 214), 



24 an -stinken — an -treffen 

wenne si das von rechtes anvalles wegen anderstorben wer von dem 
egesprocken irem elicken vater, 227. das mick anderstorben ist, 236. 
das erb, das si anderstorben scbolt sein von irem vater, 236. was 
si (die Mutter) mir bat gegeben, das ist mein u. bab als gut recht 
dorczu als sie {seine Frau) u. ist mich anderstorben von meinem 
eleichen vater, 263 (S 159), unrecht guet, angeerbt oder angestorben, 
Job. v. Igl. 7. 

an-stinken stv. 1 3 (mit gutem oder schlechten Gertich) an- 
duften: „mich stinkt der Pehem an als ein stinkendes az", Böhm. 
Chr. 71. Conrad, der Sohn Sobeslaics sagt: mich stinkit an bi nom 
der bemisch ödem recht als ein totir hunt, Dal. 126, 6 (71, 41). 

an-stoz, an-stuss stm. 1. Angriff, Anfechtung, 2. Grenze, 
3. das zu einem Gut Gehörige. 1. die weil di stad an der grentz 
gelegen ist, vil austusse inusz leiden, Elbog. Chr. 58, 30; deshalben 
wir (Elbogner) meher den andere leuth geferlickeit und a. haben 
zu besorgen, 73. 41. 

ant stmf. Enterich, Ente: die valken — ervlugen manegen 
wilden ant, Trist. 1141. 

anten (= anen) swv. ahnen, voraussehen: Die pferde wollen 
nicht in die Stadt, es anthet sie etwas (daß ihr Herr in Türschen- 
reuth den Tod finden werde), Chr. v. Eger 926, Anin. 

anten (anden) swv. ahnden, rügen, rächen, strafen: di sach 
— in rachsal nimmermer geanthen noch geeffern soll, Mind. des 
Egerl. S 73. dises nimermer anden noch rechen, Eg. Chr. 1089. 
viertel — hab in — erlös gezaelt darmnb, das er eine berichte 
(geschlichtete) sache wider in geant bette, Elbog. Chr. 82, 6; des 
ninier gein ander zu anten — noch in rachsal furzunemen, 3, 16. 

ant-gift* stf. Gegengabe, durch die man den Zauber brechen 
kayin: alle die da gelauben an antgift, aniganch, an nachvuef, an 
patunige und an ander ding, Joh. v. Igl. 1. Gebot. 

ant-lütze (mhd. ant-lütte, -lütze, -litze, -lit, -litte, -liht) stn.: 
vertreib di vinsternusz ab dem antluts des abgrundes meiner 
gedanken, Sol. 5, 6 u. 10, 19. als vor des fewers antlutz das wachs 
verschmilzt, 45, 6. dein a. (faciem tuam), 3, 33. 4, 5. wenn wir mit 
offenbarm a. dein a. schawen werden, 21, 5 u. 6. wann du ire 
weinenden klagebaeren antlutze angesehen hast, Hier. 18, 2. c 
sein a. seiner Vernunft als erleuchtet werde, 22, 20. das du bereitet 
hast vor a. u. vor gesichte alles Volkes 90, 20. 

an-tragen stv. I, 4 ausmachen, anklagen: 1. als sie das vormals 
beiden seiten betten angetragen. Hier. 199,23; 2. Chr. v. Elbogen 
86, 34. 88. 4. 126. 12. beschwernüsse — den eitern dieser brüder- 
schaft an zu tragen, Igl. Ms. 24. einen hinterlistigen Anschlag 
machen : mit sinem sun truoc er daz, an, daz, er dem süe^en werden 
man mit der vergift solde vergeben, Alex. 26857. wie daz ange 
tragen wsere, 18110. die zwo (beim Urteil des Paris verschmähtet 
Göttinnen) des gewuogen, den rät sie sint antruogen, daz, Tröjä zer- 
stoeret wart, Alex. 4916. wie die (Alexanders Schwester) was au I 
dem rate, da sin tot wart angetragen (beschlossen), Alex. 27547. 

an-trechtig s. ein-trechtig 

an-treffen stv. 1, 2 berühren, betreffen : alle dink, als vil, ah 
sie das gerichte antreffen, Const. I 6, 6. 



an -treten — an-val 25 

an-treten stv. 1, 1: di di sache alle drei angetreten hat (an- 
ging), Igl. Str. 263. gener, den die sache antrit, 34. 

ant-vogel stm. (zahme und toilde) Ente: mir ist der antvogel 
tot, der diu guldin eiger legte (Alexander begründet damit, warum 
er den von seinem Vater den Persern gezahlten Tribut nicht weiter 
zahlen will) Alex. 4184, 3413. 

ant-werk stn. Belagerungsmaschine, Maschine: vil antwerch 
er machen hat, Ernst 1398. 

ant-worten (mhd. auch antwürten) swv. 1. übergeben, 2. als 
Geklagter sich verteidigen, Rede stehen, 3. entsprechen: 1. das Straf- 
geld, Wandel in unser camer a., Const. I 7, 8. das si di smide 
(welche gegen die Verordnimg handeln) an underlos unserm camerer 
a., 1 15, 10, Chr. v. Traut. 165. sich a. praesentieren Chr. v. Elbogen 
22, 28 ; 2. nimant kan gezwungen werden für den andern zu a., Igl. 
Str. 104 ; 3. das der gewin muge der pauleute koste u. arbeit geant- 
worten, Const. II 3, 8. das di fruchte u. nueze billich mugen geant- 
worten u. die pauleute mit guter trostunge anprengen mugen czu 
sotaner grossen sweren arbeit, Const. II 4, 4. 

ant-worter (mhd. ant-würter) stm. der Beklagte, Gegner, Brunn. 
Str. I 479. derstet der clager auf den a. berait phenning mit einem 
rechten — ,11231. dem chlager u. dem a. ein recht tun, 11,200. 
Prager Str. 125 u. ö., Igl. Str. I S 353. anklager u. antw., Igl. Bgr. 
80, 1. wie der clager u. a. sich halden sullen in dem gerichte be- 
handelt, Const. IV 3. ab der a. nicht gesteet (erscheint), so der richter 
czu gerichte siezet, so mag er (der Richter) sein ungehorsamkeit 
rügen u. besaezen. — ab der clager nicht gesteet, so mag der ant- 
worter bitten durch des clagers, saumpnusse willen, das er mit urteil 
ledig werde u. enpunden von seiner clage gerichtes halben, IV 3, 1 u. 
IV 4, 15. für Nichterscheinen auf genanntem Tag steht dem a. eehaf tig 
beschirmunge, helfrede zu IV 4, 14. es sol auch der clager noch- 
volgen dem gerichte, do der a. ist, IV 4, 17. Chr. v. Elbogen 11, 36. 
a. (Überreicher) diez brifes, Igl. Stb. V 12 d. Igl. Rspr. III. V. XIII. 
XIV. 

an-vadern* swv. vor Gericht fordern: er weis nimancz darumb 
anfadern den in, Igl. Str. N. 58. S 325. 

an-vadrung s. an-vorderung. 

au-yahen stv. red. I, 2 gestohlenes Gut in Beschlag nehmen, 
eine Sache durch Ergreifung als die seine ansprechen : seinem phaffen 
mag man wol ein ross in wertleichem gericht anphahen, wan ein 
ross ist nicht ein geistleich ding, Brunn. Str. II (228). was rosse 
geraubet werden auf der veint gut — der mag man nicht czu recht 
angevahen, Igl. Str. 94. 

an-val stm. 1. feindlicher Überfall. 2. was herabfällt, Äste, 
Schnee. 3. was hinzukommt. 4. Anfall eines Gutes durch Erbschaft 
oder Lehen; Erbschaft. 5. Abgabe des Erben für Verleihung eines 
Hofes: 1. umb anfeilen über acker der gemeine adir einer dem 
andern, Aussig Urkdb. N 139. 4. Anfall des Erbteils von einem 
Kinde auf das andere, Igl. Str. (2b.) der vrawen bruder hat an- 
j gesprochen einen rechten anval seiner eleichen swester dritteil an 
dem erbe u. petgewant, Igl. Str. 269. ab si nu neher sein desselben 
anfalls wen die formunden, 305. 105 schock, die si im schuldig 



26 



an-vang — an-vangen 



weren um einen rechten auval, 246. 229. von eines anvalles wegen, 
den sein eleich vater gelassen hette seiner eleichen swester, 229. 
ausgenomen der anvell, ab in der mit recht angepuren wurde, 301 
(S. 208). der anfal sol sein von einem kind auf das ander, 
Igl. Stb. V92a. so ein kind stirbt, sol sein anfal (Erbteil) 
auf des andern gefallen, V182c. ich schaff mein enyklein 20 seh. 
mit anfal von einem auf das ander, V97d. meinen drei swestern 
ieder schaff ich 5 seh. mit dem a. von einer auf die ander, 
V 51 c. er hat geschafft sein hab sein hindern mit a. und seiner 
hausfrawn das drittail noch dem statrechten, m 326b. ich schaff 
meiner hausfrau iren drittail und den hindern czwai tail mit a. von 
einem auff das ander, Y167b. so sol derselbig a. von meinen 
enyklein gefallen auf meine paide tochter und mit a. von einer auf 
die ander, V 189 b. den anfal von unser mueter — wann ich priester 
wir, der sol auch auf sie gefallen, V200c. in des Spruchs und 
anfalls halben quitt und ledig gesagt, Igl. Stb. V 32 d. nochdem als 
si (Lida) ein anfal hat czum Czaslabs (in Czaslau) in dem gelassen 
gut ires bruders — denselben iren tail des anfals hat sie der Jungfrau 
Dorothea irer swester übergeben frey und ledig, V172a. als ir 
styffpruder umb den — anfal irs bruders — sich gemüet und geraist 
hat an irer stat und dornoch denselben anfal mit rechten erlangt 
hat. dorumb hat sie im desselben anfals gleichen halfentail umb sein 
müe übergeben, V173b. sein vaeterlichs anfahl verkauft, Traut. 
Chr. 53. = Zweifel : das sulche anfeile in dir nicht bleiben mugen, 
Hier. 83, 2. 3. = Anfeindung, Anspruch: Marquard v. Poreschin 
verleiht 1387 dem Markte Kaplitz das Budweiser Stadtrecht, also be- 
schaidenleich . das cbain anffal nicht macht noch chraft haben schol 
noch mag, Budw. Urkdb. 445. 1. Erbe, Chr. v. Traut. 53. 2. Geld, 
das der Ubernehmer eines Lehensyutes dem Obereigentümer zu zahlen 
hat, Chr. v. Elbogen 9, 43 u. 158, 3. 

an-vang, aue-vang stm. 1. Anfang. 2. Vindication, Arrestation 
eitles gestohlenen Gutes. 3. dieses selbst: an den heiligen tagen u. 
in den aneven° - en der manden u. in den andern hochezeiten, W — B 
Par. 123, 30 (IH. B 29 b auch 72 a u. 107 b u. V. 176 b. 103 b. 119 c 
= Ps.) : anefang u. ende (= Gott. Ack. 56, 2. 2), Brunn. Str. II 208. 
von dem rechten, das anfang haisset, gefallen dem richter 12 haller 
vom ochsen oder ku u. von idem klainen viehe 4 heller, Igl. Str. 87. 
a. der rosse, 94. mit dem verfangenen Rosse behält man nicht Zaum 
und Eisen, 92. wenn der Beklagte sich ausiceist, daß er das Pferd 
auf öffentl. Markt gekauft hat, gilt er zwar nicht als Dieb, aber er 
behält es nicht. 120. für den a. eitler Sache gebührt dem Richter 
1 Groschen, wenn der Wert nicht zu ermitteln, 132. wem ein Pferd 
angefangen ivird, soll innerhalb einer best. Frist den vor Gericht 
bringen, von dem er es gekauft, sonst verliert er es, 120. 319. 

an-vangen, an-vengen swv. = an-vahen: wer seiu phert mit 
dem rechten bei imanden anefanget, der gevallen dem richter 
30 haller, dem schreibe 10; Der Beschuldigte kann sich so lange 
auf den berufen, der es ihm verkauft habe, bis man den rechten 
vorkauffer vindet; sodann allererst wirt das phert mit dem rechten 
— u. zwar mit dem aide auf dem pferde in Gegenwart v. 2 Nachbarn 
behalden. Igl. Str. B 66. 



an-vallen — an-wentleu 27 

au-valleu stv. red. 1, 1 1. angreifen, 2. zufallen, bes. gerichtlich 
oder erblich: wer im daune das sein zu unbillicher weise hat an- 
gevallen, Eger Str. 39, teding von wegen des 32-teils, das einem vor- 
leiher angevellet (zukommt), Igl. Bgr. 22, 3. 

an-vara stv. red. 1,4 bergm. einen Stollen beginnen: der den 
Stollen hett angevarn, Igl. Bgr. U — B 20. 

au-veckten* stv. I, 2. einen a. = gegen ihn eine rechtliche 
Forderimg erheben: ab di genant Vicenzin mit icht angefochten 
wurde von seines swehers wegen, das er (Joh. Lulleich) si vertreten 
schol, Igl. Stb. III 128 a. 

an-vechter* stm. Angreifer, Versucher: der a. was nicht (ten- 
tator defuit), Sol. 41, 25. 31. 

an-vechtunge* stf. feindl. Angriff: laidige a. , schentliche Zu- 
versicht u. schemliche ferung die bezwinge euch gröblichen an aller 
stat, Ack. 2, 1. wunder nimpt uns sollicher unerhörter a., die uns 
nie mer hat begeint, Ack. 5, 11. a. der bösen geiste, Hier. 20, 24. 
der werkle u. des fleisches a., 17, 18 u. 22, 13. di an alle anvechtunge 
sich selber noten czu böz,en gedancken, Joh. v. Igl. 10. Gebot. 

an-veilen swv. — feilbieten, Chlum 161. er hat sich ver- 
willigt, so im der teich oder di wisen immer hinfur fail würd, so 
sol er czu voraus dasselb dem Parchanter oder sein eriben anfallen, 
Igl. Stb. V 87 b. das ainer dem andern seinen halfentail für all andern 
a. sol, V88a. 86b. wolt er den teich verkaufen, so sol am ersten 
denselben dem Schemelczer widerum a. und verkaufen, Igl. Stb. LT 181 b. 
sein czil czum ersten seinem bruder a., V43b. dorum sie das haus 
mochten ausrufen lassen zum verkaufen und anzuveilen, V 56 b. V 45b. 

an-vellig, Adj. angreifend, beißend: ab einer einen hunt hett, 
der anfällig wer, Chlum. V 26. 

an-vertigen* swv. angreifen, gerichtlich belangen: er hat die 
purger darüber zu pfenden, ze a. und ze beclagen, Eger Str. Meing. 13. 

an-vertigunge* stf. Angriff: den tot zwingt die a. des clagers, 
die weiszheit (ivohl Wahrheit) zu sagen, Ack. 55, 4. 

an-veuern* swv. anzünden, refl. sich entzünden: es hat sich 
auch der schafhof angefeuert, Eg. Chr. 424. es fewerten die stat- 
müln über das wasser (übers Wasser hinüber) an, 54. 

an-vrau, ane-vrouwe stf. Ahnfrau: Röxä — ir ein clüs und 
ir anvrouwe hiez, machen, Alex. 27101. ir (der kinder) anefrouwe 
ich bin, Alex. 3086. sante Ludmillen, seiner anfrawen, Böhm. Chr. 25. 

an-liirdern swv. vor Gericht laden, Chr. v. Traut. 155. 

an-vorderung* stf. Rechtsanspruch: kainerlei zusprach noch 
anfadrung der sach halben czu haben, Igl. Stb. V 23 a. 44 c. 

an-walde, an- walte swm. Anwalt, Vertreter; des kunigs an- 
walden, Igl. Bgr. 53, 21. 36,1. des kunigreiches zu Beheim ampt- 
leuten, anewaldeu, Stdb. Brüx 112. 

an-wank verlesen für ane-vank: daz, wir sin etlich a. seiner 
gescheph (daß wir seien gleichsam die Erstlinge seiner Geschöpfe), 
T— B Jak. 1, 18. 

an-weiserin* (bei Lexer wohl anwiser) stf. Anleiterin: dise 
zwo tugende sin aller fügende anwiserin, Alex. Anh. 1298. 

an-wenden swv. angrenzen, wie weit ein jede grentze gehet 
und anwendet, Chr. v. Traut. 205. 212. 271. 



28 an-wesen — arc-heit 

an-wSsen* unregelm. Zw. angehen, sich beziehen auf, zu- 
kommen: hab ich eczwas nicht gewost, das anweset mich, W — B 
Job 6, 25. 

an-Tviserin s. anweiserin. 

an-zal stf. Zahlungsanteil, des globe wir, selbschuldigere u. 
bürgen wir u. unser erben alle mit gesampter haut — das sich unser 
keiner sal noch enmag mit seiner bezalunge u. anzal von den andern 
scheiden Stdb. Brüx 127. 

au-zeigen* swv. nachweisen? des erbstollen ersessen, ange- 
czaigte gewehren u. gerechtikeit benemen, Igl. Bgr. 77, 3. 

an-zenien stv. 12: gotes diener u. gotes hofgesind — wol an- 
zimet. das si fridlichen sein, Hier. 19, 22. 

an-zeppen sivv. (= an-zapfen): die stadtrichter sollen die 
vas anczeppen u. am vorkauffen helfen u. fuderlich sein, Olm. 
Stb. 82. 

an-zerren* swv. anpacken? er hat in vor dem hause angeczart 
u. angeprart Igl. Str. (76) S 343. 

an-ziehen stv. III. als Eigentum für sich in Anspruch nehmen: 
der sich di pfaune anczuhet, Igl. Str. 108. ich sech ie gar gerne, 
das ir der ding halben nit so hart a. thet {wenn ihr die Streitfrage 
nicht so ernst nehmen loolltet) Eg. Chr. 1144. 

apoteke sivf. Apotheke, Spezereiladen, Behälter: über die 
apotheken des olis, Ölbehälter, W— B Par. 127,28. 

apoteken-pulver stn. : salben u. allerlei a. Ack. 9, 1. 

apoteker stm. pigmentarius W — B Par. =111 B 91b. 

aptisch s. abtisch. 

aquilo* (lat. aquilo) sivm. Norden: drei tor vonaquilonT — B 
Offenb. 21, 13; von aquilon und von mitten tag, Luk. 13,29. 

arbeisz, arbes, erbeisz (areweiz) stf. Erbse, Chr. v. Traut. 195. 
196. 280. 291. 326. 337. Eger. Chr. 104. 

arbeit stfn. Arbeit, Mühsal, Not, Strafe: Kumt alle zu mir, 
die ir in der arbeit und seid geladen, ich wider mache euch, T — B 
Matth. 11,28. 

arbeiten swv. Wer auf fremdem Grund ein Haus baut, aus 
fremdem Holz ein Schiff, aus fremder Wolle oder Seide ein Tuch 
macht, verliert die Arbeit, das Haus gehört dann dem Grundherrn, 
tat er es aber unwissentlich (bona fide), so ist billig, daß der Grund- 
herr ihm für die Arbeit eine Widerlegung tue, Igl. Str. 228. drei 
arbeitende irer (=erer) tageschicht, das heissen 3 lange schiebt DIB. 
22 b. auch sol kain meister noch kein geselle das hautwerk wider 
dem willen der meister arbeiten, Igl. Stb. V 256 a. 

are, arg stn. Böses. Übel, Bosheit: dis nicht anten noch effern 
in keinem argk, Elbog. Chr. 75, 11. 

arehe, arke (= arke, arc, arche, arch) stswf Arche. Fahrzeug, 
Kiste, Sarg, Holz- u. Strohhaufen. Befestigung'' des Ufers gegen 
das Reißen des Stromes, Chr. v. Traut. 184. 185. 311, ein Vorbau 
in einem Gebäude, Erker, 231. mache dir ein arche von gefugen 
holezern. wonunglein mache in die arche — 300 doumelen sol haben 
die lenge der archen und 50 doumelen ir breite und 30 d. ir hohe, 
W — B Gen. 6, 15. — der in sins herzen arken sie nü mit triuwen 
meinte, Trist. 5018. 



arc-heftig — arnunge 29 

arc-heftig* (archaft bei Lexer nur aus Böhm, belegt) Ad/j '. sehr 
schlimm: ein archeftiges volksgeslechte (geutem procacissimam), 
W— B Deut. 28,50. 

arc-heit stf. Böses: ewer vater hat mit archeit mich umstanden 
(circumvenit me) W— B Gen. 31,7. Geiz: T- B Mark. 7, 22. di 
arkait, di da ist ein dienst der apgot, Kolosser 3, 5. II. Petri 2, 14. 

arc-wan stm. Verdacht, Argwohn : weder haz, noch a. trage ich 
gein iuch, schoene Isöt, Trist. 1014. 

arkellei stf. aus mlat. artellaria, lat. ars; Artillerie, Chr. v. 
Eger 83. 

arniatliiti Spezereien: tragent di a. T — B Luk. 24,1. 

arm-brust stn. so soll er das armbrust verlorn haben, Prager 
Str. 41. ein a. u. einen eisinhut, Stdb. Brüx 214. guter a. czwei, 
Igl. Stb. in 314 d. Traut. Chr. 42. Eg. Chr. 24. Elbog. Chr. 135. 

armbrustinacker-geselle* swm. Gehilfe eines Bogners: Eg. 
Chr. 204. 

arm-gespan* (v. gespan stn.) stn. Armspange, dextraliola W — 
B Judith 10, 3, Ex. 35, 22. 

anu-knecht stm. Leibeigener die zwen a., Eg. Chr. 1150. 

arm-leute, armen-leute PI. v. armnian stm. Bauer, Häusler, 
Chr. v. Eger, 1140. 1170. 1171. 1172 und Elbog. Chr. 11, 35. 11, 39. 
106, 32. mit iren armerleut, 137, 4 öfters. 

arm-man stswm. Häusler, armer Bauer: bitte, wollent mein 
arman geruchen an entgelt los zu lassen, Eg. Chr. 1160. die zwen 
armener, 1169. Elbog. Chr. 71. 

arme-meuuin* stf. arme Frau: sein köchin, mein a., Eg. Chr. 256. 

armtit (armuot stf. armuote stn.) stn.: domit du erfüllen wild 
das armut deiner hungerigen kinder, Sol. 56, 30. in der erden meines 
armutes W — B Gen 41, 52. min einvaltigez, armuot daz, nemt vür 
guot, Schretel 151. das liehe a. was grosz, Traut. Chr. 277. 

armütei* stf. armütel* stn? Armut: in geringer narung in 
armutei und niedrigem stände, Traut. Chr. 123. in meinem armutel 
W— B Par. I 22, 14. 

amen swv. Lernten, pflügen*, 2. verdienen, 3.püßen für etwas, 
4. einen &. = es ihn entgelten lassen: 1. hettet ir nicht gearnt in 
meiner kalben, mein ratsal hettet ir nicht funden (si non arassetis 
in vitula mea, non invenissetis propositionem meam) W — B Richter 
14, 18. die ochsen, die amten (arabant), Job. 1, 14. die — getriuwen 
— muosten sust es arnen und lident von iuch straffen, Ernst 
574. er giht, daz, ir ez, im arnet (büßet), Alex. 5227. vil süre du 
arnen muost die unzucht, die du gegen mir tuost, Alex. 5528. 17990. 

arn stm. Ernte: der edel barne, des fremden ich gap arne mit 
leitlichem smerzen, Wh. v. W. 6777. 

arnunge stf. Verdienst: so nemen wir Ion noch unser arnung 
(digna factis reeipimus) , Sol. 11, 14. Kein ir (der Geschöpfe) arnung 
vordert das, danne deine gnade ist vorgangen, wenn du alle dink 
in deiner gute geschepft hast, wenn alle schepfung gleicher arnung 
woren (quia omnium nulla fuere merita), Sol. 23, 31 — 35. nach a. 
Hier. 193, 28. an all ir arnung ( Verdienste) , Sol. 69, 10. das der 
gantz mensch noch seiner a. (pro meritis) eintweder er ader di hell 
enphach, Sol. 86, 6. der zal und der namen und der boze arnung bei 



30 apprille — auf-beren 

dir allein erkennet ist = quorum dinumeratio nominum et meritorum 
pravorum apnd te est, Sol. 70, 17. 

apprille swm.: in dem ersten manden Msan, das ist in dem 
apprillen, W — B Esther 11, 2. in dem ersten manden, der do genant 
ist Nisan, den wir nennen den apprillen, W — B Esther 3, 7. 

ars stm. After : machet fünf erse u. fünf meuse guldeiner (quin- 
que anos anreos facietis et qninqne mnres anreos), W — B Kün. I 6, 5. 
er were des wert, das man im di czende mit einem steine in den hals 
schlüge, das si im czu dem arse ausfilen, Igl. Str. 172. 

ars-belle stf. nates, clunis: die man wurden geslagen in den 
heimlichen teilen der arspelle, W — B Kön. I 5,12. her vorterhte sie 
in die heimlichkeit der arspelle die Azoten u. alle ire creisse, Kön. 
I 5, 6. nakt u. parfus mit aufgedakten arspellen, Is. 20, 4. 

ars-loch stn. Aft er, anus ; Mastdarm: ir arslocher vorn vorvaulten 
(computrescehant prominentes extales eorum), W — B Kön. I. 5, 9. 

art stmf. (einmal n.), 1. Ackerbau, 2. dessen Erträgnis, 3. Land, 
4. Herkunft, Abkunft, 5. Natur, Beschaffenheit, Art. 5. dinen hohen 
art, din cläre geburt ellendeclich hän ich verfurt (dich Edle — habe 
ich in die Fremde geführt) Wh. v. W. 1969. die marggrevische art 
die obere oder gebirgische Markgrafschaft Baireuth (im Gegensatz 
zur unteren = Önolzbach) als waldiges Land v. hart (= Wald) erklärt, 
Chr. v. Eger 1202. 1205. 

artikel stm. Abschnitt eines Schriftstückes, Punkt: uns diser 
artikel unterweist, Igl., Bgr. 1, 1 u. s. 

artikels-brief* stm. Statuten, Satzungen der Meistersinger- 
zunft: Igl. Ms. 5. 

äs stn. Fleisch eines toten Körpers, Aas: hilf uns — got, wenn 
so der werlde tot unser äs bringet ze grabe, daz. vor dir die sele 
ruowe habe, Alex. 8999- stanc von den ervelten äsen, 3704. so vil 
sie der nider sluogen, daz, sie üf den äsen riten. 7931. 

asche swm. ein Flußfisch: die Äsche, Chr. v. Traut. 123. 

asche swm. Asche: mich erden und aschen, las mich reden, Sol. 
81, 31. 

aseher-mitwoch* (= asch-tac) stm. sie f. stf.* an der a., Traut. 
Chr. 237. noch dem a., (6. Febr. 1505) Eg. Achtb. IT 132. 

aseher-varb Adj. aschfarbig, grau wie Asche praun, gel und 
a., Eg. Chi-. 1200. 

aspudiz Natterngift: daz, aiter aspudiez (venenum aspidum ist 
unter iren lespen, T — B Bömer 3, 13. 

astecht* mhd. astec, estic) Adj. ästig, ramosus: sie machten 
in weide der abtgoter u. seulen ouf allen hoen hubein und under 
allem astechten holeze (subter omne lignum nemorosum), W — B 
Kön. IV 17, 10. auf allen astechten eichen (subter universam quercum 
frondosam), Ez. 6, 13. under allem astechten holeze (sub omni ligno 
frondoso), Jer. 2, 20. 

atmitzen*, adiniczeii* siev. anfahren: Do in Sobezlab der 
gruelich an admiezt unhuorlich. der bot als ser irsrak, daz er zeu 
haut tot lak, Dal. 151, 38 (67, 118). 

aui'-beren (üf-bseren) swv. auf die Bahre legen, aufbahren: sie 
beserket wart und üfgebert, Trist. 6591. sin licham wart üfgebert, 
6483. 






auf- bieten — auf- geben 31 

auf-Meteu stv.III. bekannt machen: das pfant drei vierczehen 
tag noch einander vor den rechten aufbieten Igl. Str. S. 324. 

auf-brechen stv. 1,2 anbrechen: do der tac üf brach, Alex. 21707. 

auf-erstendiinge stf. Auferstehimg, Hier. 81,1. tag der (in 
der) gemeinen auf-derstendunge, 131, 8. 197, 25. Sol. 86, 8. Ich bin 
di auferstendung und daz, leben, T — BJoh. 11,25. daz, er derstet 
in der a. an dem jüngsten tag, Joh. 11, 24, Matth. 22, 23. 28. 30 ; 
27, 53. a. der toten, Matth. 22, 31. Luk. 2, 34. 

auf-geben stv. 1,1: 1. übergeben, verleihen; 2- zu Gmisten 
jemandes auf ein Recht verzichten; 3. fahren lassen, darauf ver- 
zichten: 1. ob ein hous vorprint, ee das man is aufgibt (gerichtlich 
dem Käufer übergibt), so ist is dem vorprunnen, der is vorkauft hat, 
Prager Rb. 140. es ist ein recht, das der kewffer den verkewffer 
ee sal weren (bezahlen), e er im das erbe aufgebe, Igl. Str. S 370. 
die pfenning, die do gevallen, do man erb oder heusser vor dem 
richter aufgibt, Igl. Str. 276 (S 180). erb u. eigen vor richter u. 
scheppen a., 49. unser mitpurger — hat seiner hausfrawen von 
gutem willen aufgegeben u. vorreicht — vor dem rat — 700 unge- 
rische gülden auff seime haus am Ringe gelegen, Olm. Stb. 146. 
Nimant mag ouch erbe und eigen aufgeben noch vorseczen dan vor 
dem richter und vor den scheppen, DIR III 3S. Igl. Bgr. 90,5. 
Wer dem andern sein erbe vor gerächte aufgibt redlichen, Igl. B. 25, 

I u. 3. ab denne der vorkaufer wider spricht, di selben teile auf 
czu geben (resignare), als gewonlich ist, vor dem pergmeister, Const. 
III 8, 1. weder der kauffer weder der geber (statt der, dem etwas 
gegeben wurde) behalden kein recht in den gekaufften oder gegeben 
teilen, di sein in denn vor dem pergmeister von den vorkaufern oder 
gebern aufgeben, Const. 1116,9. der leczte kauffer, dem die ge- 
kaufften teil aufgeben sein, so wirt er doch vorgeczogen für alle, die 
vor im gekauft haben, den die gekauften teil nicht aufgegeben sein, 
III 6, 8 — 3. die teil aufgeben (resignare) den pergmeistern Const. 1 7, 21. 
Wer auch eczliche teil, von was Sachen das sei, auflest, der sol di- 
selben aufgeben den pergmeistern, das si den, der sie nemen wirt, in 
die teil weisen, als recht ist, I 7, 21. will man perkwerke aufg. durch 
des wassers willen, so soll man kundigen den urborern an einer mit- 
wochen furmittages, das sie an dem nehesten sunabent, der darnoch 
geet, furmittags aufnemen dasselbe perkwerk mit dem ausgeczogen 
wasser als recht ist. Die Aufgeber behalten dann pfert, strenge und 
alles zum Wasseraufziehen Nötige, nur das Rad und was niet- und 
nagtlfest ist (czunegilt), lassen sie zurück. Wer aber das Bergwerk 
nicht aufgibt, verliert Pferd und Strang, und wenn das Wasser einen 
andern Berg ertränkt, wird es auf seine Kosten ausgezogen, Const. 

II 3,13—14. Von aufgeben ains pergis dem andern durich wasser 
halbe. - welcher perg den andern wasser halbe hindert, das schol 
man dem richter drei tage kundigen, u. waun die 3 tag ausgeen, so 
schol man den perg, der da hindert, dem perge aufgeben, der da 
gehindert ist, mit dem rechten, Igl. Bgr. U — A. 8. 1. zwei mark 
geldes — die das kint dem Kunel hat aufgegeben unbetwungeulichen, 
Igl. Str. 285. das kint, das sie dem Kunel hat a., das schol sie auch 
entweren, 285. 4. ausliefern, anzeigen: wer böse leute nicht auf- 
geben wollte, gegen den sollen die verbündeten Städte ziehen, Stb. 



32 auf-gebung — auf-hebunge 

v. Brüx 139. die wise, wenn nürt die greniczstein werden an die 
stat eingesaczt, aufczugeben und czu freyen, Igl. Stb. III 198d. 
Niklas Regel bat aufgeben sein haus — seiner eleichen hausfraun, 
Igl. Stb. III 134 d. er hat den selben czins 2 mark aufgeben dem 
Peter freundl, III 150 c. Matthias Kromer hat auffgeben czu der 
gemain sein teichl, IV 195 a. als mein swiger irer guter demselben 
Barthelmes (ihrem zweiten Mann) vor nie abgetreten noch uffgeben 
hat vor keinem gesworn scheppen (nur ein) 64 teil an denselben 
teilen (Bergteilen), Igl. Bspr. II. auch hat her dem Mul hausl 
czu dem bemelten ffreimark 1 scb. gr. auffgeben und czwen schöber 
schütt, Igl. Stb. V 254c. Gertl hat dem richter — auffgeben und 
mecbtig gemacht alles sein gut, III A 116 a. 

auf-gebung stf. 1. Aiif gebung , Einführung in die Gewähr, 
2. Verzicht, 3. Auferlegung: das die uffgebung der guter u. habe, 
varund u. unvarund, zwischen man u. weib u. zwischen andern 
personen u. auch vorcziehuug der guter u. erbe, die für dem Bäte 
gescheen, vorpracht u. bestetigt werden, ist gewonheit in Olmütz. 
Olm. Stb. 144. sein recht mit a. ader verschreibung behalten, Igl. 
Bgr. 89, 4 = Verzicht: Const. 113, 13 u. s. abetretunge u. uffgebuuge 
des egenanten gerichtes (der gerichtsteile in Brüx), Stdb. Brüx 169. 
a. eines ackers, Igl. Stb. IV 210d. 

auf-gebot* stn. s. aufbieten: ein pfant für lidlon gibt der 
protess an dem andern tage mit rechte — hin an aufgebot, Igl. 
Str. 199. 

auf-gen* stn. das Aufbrechen, Verschwenden, Eger Str. C 18. 

auf-haben twv. aufrecht halten, erhalten: ein man, der in der 
e lebt, kan kein mittel aufhaben ; ist er zu gutig, ist er zu scharpf : 
an in beiden wirt er mit schaden gestrafet, Ack. 45, 10. 

auf-halden stv. V. festnehmen, arrestare: unser guter a. u. 
pf enden, Stb. Brüx 142. das er in ewikeit der Sachen halben nicht 
anlangen, nicht beteidingen, aufhalden noch kummern wil, Stb. Brüx 
293, ist icht gescheen, das nicht gescheen sulde, das das uffgehalden 
(gehindert, rückgängig gemacht) werde, 323. guter a. uud hindern. 
Traut. Chr. 47. Böhm. Chr. 77. 

auf-lialter stm. Erhalter: gantz mechtiger erquicker, aufhaltei 
unde vernichter des wesens (Gott), Ack. 58, 5. 

aut'-haltimge stf. Erhaltung, Stütze: aller weit aufhaltung 
vestung u. merung sint die werden frauwen, Ack. 47, 11. 2. Be 
schlagnahme: uffhaldunge, entwenduuge ires gutes, Stb. Brüx 337. _ 

anf-hauen (= üf-houwen) stv, V. aufhauen, aufbrechen: di« 
dröer haben kauf leut angegriffen , die wagen aufgehawen , Chr. v] 
Traut. 323. 

auf-heben stv. IV. in die Höhe heben, erheben, (Segel) heißen 
hissen: si hüben auf ainen segel, T — B Btb. 27, 40. eine Bückver 
gütung einheben: was si darauf (auf den gegen Prag geführten Wein 
darauflegen und darleien mit furlou u. kostunge, das si das wide 
uff heben, Igl. Stb. II 121 d. 

auf-hebunge stf. Einhebung* einer Zahlung, habent die ge 
werken von dem Stollen von den gewerken von dem hanginde 
eigenschaft mit gutem willen genuinen ein aufhebunge, die ande 
u. die dritte — si schullen sie furpas nemen , Igl. Bgr. 75, 2. ul 



auf- höre — auf -legen 33 

kebunge zolles, Stb. Brüx 123. (vgl. mhd. üf-heben = Geld erheben 
u. üf-hebe-gelt.) 

auf-höre* (vgl. bei L. höre, hoere stf. das Hören) stf? das 
Aufhören, Ende: aber des kein a. van im haben (er hört nicht auf, 
uns zu quälen) Elbog. Chr. 107, 25. 

auf-komen stv. 1 2. auf komen, in die Höhe kommen, entstehen : 
auf des (gruntherrn) grünt oder erbe ein newes perkwerk aufkumpt, 
Igl. Bgr. 29. abgangk und niangel , der auf irem hanndtwerch auf- 
kümbt und entsteet, Igl. Stb. V 236a. 

auf-krcenen* swv. wie eine Krone aufsetzen, eine Mißgeburt 
hatte auf dem haubt hohe zepf, wie sich die itzige zeit aufkroenen, 
Chr. v. Traut. 247. 

auf-lage* stf. Auferlegung neuer Lasten und Abgaben: ohn 
einige ferner a. (für die Brotbänke), Traut. Chr. 191. Carolus quintus 
— die pauern befreihet vor newrer auflag iher herschaften, 56. 
zu diser a. (Türkensteuer) hat sich ein ider sonderlich seines ver- 
mügens halben schätzen müssen, Eg. Chr. 77. stewre, hilf ader auf- 
lagen, 1196 S. 369. 

auf-langer* stm. eine Art Mantel: czwen swarcze mantel — 
ainer auflanger, der ander glockmantel, Igl. Stb. V 263 a. 

auf-lauf stm. Auflauf, Aufruhr, kainer wirt schuldik des 
auf lauf z,, T — B Btb. 19, 40. kein a. noch samnung wider den rat 
und gesworne gemein machen, Elbog. Chr. 63,40. 

auf-laufeii (üf-loufen) red. stv. anschwellen, anwachsen auf- 
geloffne uncosten, Traut. Chr. 96. 

aui'-laufimg* stf. rote Ruhr, (Krankheit) von dem darmgicht 
oder von der auflaufung der denn, T — B Btb. 28, 8. 

aui'-läz,en stv. red. V. aufgeben ein Recht: a. die recht, Const. 
III 8, 1. in der weise auflest man czimlich recht u. clage teidinge, 
III 8, 1. auflassen der kriege (cessiones licium) III 8,2. welich man 
sein teil auflesset des mittwoches vor mittag, der dorffe nicht gelden 
die koste derselben wochen, es were denne, das er vor etwas schuldig 
were, Igl. Bgr. 78. si heften des sorge, das mannig bergwerk u. mannig 
grübe aufgelassen wurde, die sunst gebawet wurden, Igl. Bgr. 36, 1. 
wolde sie die teil (Bergteile) — ufflassen, so wolde ich di teil 
lozen (durch Zahlung der kost vor dem Verliegen schützen), Igl. 
Rspr. IV. 

auf-laz,z,img* stf. (doch bei L. belegt: üfläz-gelt = Bezahlung 
f. die üf-laz,z,uuge) Einführung in die „Gewer" , sie geschieht vor 
gehegter bank adir vor einem vollen rothe, mit gutem willen und 
mit wolbedachtem mute u. mit gesundem leibe, ungetwungen u. 
gedrungen, Stb. Bö hm.-Kamnitz Nr. 15. 27. 121. Kinder, welche eine 
Auflassung aufgeben, müssen sich verpflichten, sie nach ihrer Mündig- 
keit nachzuholen, Nr. 36. Hier finden Auflassungen nicht ivie 
im Sachsenspiegel bloß in Echteding, sondern auch im Afterding u. 
sonst in gewöhnlichen Ratssitzungen statt u. erhalten Gültigkeit 
nicht erst nach Jahr u. Tag (= 1 Jahr 6 Wochen 3 Tage) bei 
Nichteinspruch des nächsten Erben; nur einmal ist eine Rückkauf - 
d frist in „Jahr u. Tagen" festgesetzt (Nr. 3) Linke S 308. 

auf-legen siov. 1. beisteuern, 2. anstiften: 1. unter einander — 
[ samlen und ein ieder etwas auflegen, mit welchem gelt wir die 

Oelinek, Wörterbuch. 3 



34 aufleg-register — auf-rürig 

öffentlichen singschulen mögen bestellen, Igl. Ms. 10. die laden zum 
auflegen , 12, 1. dise (par winterhandschue) gewan Marcus Michko 
beim auflegen, 13. das er solche aufsetze getan und aufgeleget 
hette, Hier. 163, 13. 3. auferlegen, erheben: wer ungelt, czolle, 
maute an unsern willen gesaczt adir ufgelegt hette, Aussig Urkdb. 139. 
di puess sol er czuhant auflegen (= erlegen, zahlen), Igl. Stb. V 177b. 
vorlegen, vorzeigen: ire freiheiten und grundbriefe auch a. und hören 
lassen, Elbog. Chr. 131, 12. 

aufleg-register* stn. Verzeichnis derer, die Beiträge leisten, 
Igl. Ms. 12. 

auf-legung stf. 1. Auferlegung , 2. Auflage, 3.* Erlegung 
{Zahlung) einer Geldsumme: sich in gleichen tail tauen mit gleicher 
auflegung, Igl. Stb. III 327 d. (s. söd.) Boleslaw — wolde nicht 
grosse a. tun (viel auf den Krieg wenden) und tagete mit den 
Polen, Böhm. Chr. 33. 

auf-leinen swv. 1. anlehnen, befestigen, 2. refl. sich aufrichten, 
aufwallen: 2. aufleinen werden sich seine vlute u. nicht ubergeen 
werden sie das (das dem Meer auferlegte ewige Gesetz), W — B Jer. 5, 22. 
sich wider die gefreiten singer u. beisitzer nicht aufleinen, Igl. Ms. 23. 

aul'-macher* (bei Lex. aufmacherinne, die sich aufputzt, Huren- 
mutter) stm. Kuppler: aufmacher und auf macherin die sint des 
teufeis, Joh. v. Igl. 6. Geb. Aufruhrer, welche die furnembsten a. 
und aufrurer der gemein geweßen, Chr. v. Eger N. 352. 

auf -macherin stf. Kupplerin, Hurenmutter: Joh. v. Igl. 6. Gebot. 

auf-neuien stv. 1 2 in Besitz nehmen, sich in die „gewer" ein- 
führen lassen: das erbe, gekauftes haus usw. a. , wer do kauft ein 
erbe oder ein haus oder ein saczunge, — das aufnemen schölle vor dem 
richter u. vor den gesworn vor gehegter pauk, Igl. Str. 259 (S 152 f.). 
das geteidingt ist u. uffgenommen, Stb. Brüx 135. wir sein schuldig 
— der stat nucz nicht abczunemen sunder auffczunemen , Igl. Stb. 
V 259 a. Und also als er die stuff hat aufgenomen und hat dowider 
nie nicht gerett uncz auf disen heutigen tag, Igl. Bgr. 53, 19. di 
stuff nam das ander teil für vol uff, das ander wolde ir nicht uff- 
nemen denne uff recht, Igl. Bspr. I. di teil ufnemen, IV. 

auf-neiinmg stf. (bei L. nur susceptibilitus Dfg. 569a) Hebung, 
Förderunq : irem bemelten hantwerk (der leinweber) zu auffn einung, 
Igl. Stb. V 28b. a. ihres handtwerks, Traut, Chr. 244. 

auf-reden swv. (bei Lex. hin- u. herreden) aufhetzen: die 
arbeiter — dem andern aufreden u. abspennig machen, Chlum. VII 25. 

aufrecht, üfreckt Adj. 1. aufrecht, emporstehend, schlank, 
2. noch nicht gefallen, 3. aufrichtig, 4. untrer fälscht: mit dem üf- 
rehten gerichte kieset under in einen wisen man, Wh. v. Wh. 3862. 

auf-reiz,en stv. den Aufriß machen*, Chr. v. Traut. 177. 

auf-richten swv. emporrichten: von der hoffenunge, die man 
a. sol zu got, Sol. 27, 25; einen Schaden ersetzen: Brunn Str. 352, 26. 

auf-richtung* stf. Wiederherstellung: zu a. der mühl und 
forbergs 300 schock verbauen, Traut. Chr. 74. 

auf-rür, -ruor stf. Aufruhr, Tumult: di hern mit grosser a. 
gesucht, Elbog. Chr. 113,15. 128,21. 

auf-rürig"' Adj. zum Aufstand bereit: Tomas Müntzer machte 
die pauern a., Traut. Chr. 56. 



auf -sagen — auf- sinken 35 

auf-sagen sivv. aufkündigen, absagen, renuntiare: dorumb hab 
er vor einem rat solichs gescheft (Testament) aufgesagt u. sich des 
geeisert = entäußert, darauf verzichtet, Igl. Bgr. 85, 2. 

auf-sagunge stf. Absage, Kündigimg: u. dise einunge schol 
steen u. weren 3 ganze jar noch datum des brifes — 6n alle auf- 
sagung, Mind. d. Egerl. 43. die a. (des Bündnisses zur Erhaltung 
eines teilweisen Friedens in der Gegend) schol gescheen kegen Eger 
in den gesworen rate der einunge, 44. 

auf-satz stm. 1. Auflegen von Abgaben u. diese selbst, 2. Zinsen, 

3. Verordnung, Bestimmung, 4. Vorhaben, Absicht, 5. Plan, List, Hinter- 
gedanke, Hinterlist, Nachstellung, Betrügerei, Streifzug. 1. Sust sullen 
sie aller ufsecze u. beswerung frei sein u. ledig für allermeiniclich. — 
aller ufs. u. beswerung zukumfticlich überhaben sein, Igl. Bgr. 51, 7 u. 8. 

4. es beguude der selbe geistliche jungeliug nicht von aufsatze 
(absichtlich) sunder von geschieht (zufällig) der seinen swester hant 
beruren, Hier. 205, 1. oder solten wir durch aufsatzes durch liebes 
oder durch leides willen die leute lassen leben, Ack. 9, 4 — 5. das er 
alle sulche ding u. aufsetze getan u. aufgeleget bette, auf die rede, 
das er den heil, gottesknecht Silvanum u. die hl. frauwen — zu 
bösen worten brechte , Hier. 163, 13. der teufel begunde — als ein 
zorniger ungeduldiger lebe alle arglistige wege mit allem falschen 
aufsatze — suchen, Hier. 203, 19. mit falschen reten, mit bösen auf- 
setzen, 98, 25. sust (außer urbar und l \ 32 des leihers) sullen sie aller 
ufsecze und beswerung frey sein und ledig, Igl. Stb. V IIa und b. 

auf-satzimg, uf-satznng stf. (mhd. uf-setzunge) Festsetzung, 
gesetzt. Anordnung das sie die burger czu Brux zu keinerlei bern, beten, 
stewren, ufsaezung oder keinerlei beswernussen dringen (= Steuer- 
befreiung der Stadt auf 10 Jahre), Stb. Brüx 129. 

auf schauer* stm. Aufseher: widrigens sollen die schaffern u. 
aufschauere (der Herrschaft) selbige (zur Robot untaugliche Personen) 
nicht annehmen, sondern zurückschicken, Dreiding v. Politz. 

auf-schreiben stv. aufkündigen, aufsagen, Chr. v. Elbogen 84, 32. 
wiz,t, daz, nach miuem libin (wenn mein Geliebter sterben sollte) 
meinem leben wil ich nit (ivohl mit) ufschribin (will ich auch nicht 
leben) Dal. 94,26 (39,90). 

auf-schrenken* swv. für ausgeschenkten Wein oder Bier ein- 
nehmen, das gut, das aus seinen weinen wer aufgeschrankt u. aus- 
gevullet an czwaifumfczik schok. Igl. Str. 232. 

auf-sehuug, uff-sehuug stf. Aufsicht: das man desterpas uff 
die rauber, dieb u. beschediger uffsehung hab, Olm. Stb. 80. 

auf-setzen swv. 1. aufsetzen, 2. aufladen, 3. aufs Haupt setzen, 

4. auferlegen, 5. aufhelfen, 6. einsetzen, 7. anordnen, verordnen. — ich 

schaff, das die vurmunden ein ersamen und ein fromen priester sullen 

n haben von meinem gut und denselben priester uffseezen und ab, Igl. 

i. Stb. III A 102 b. 

auf-setzung stf. feindliche Bänke, feindl. Betragen: alle tage 
' neu anmutung oder keufen, alle wochen fremde a. oder muffeln, 
Ack. 45, 14. 

auf'-sinken* stv. 13 (von sinken einen Schacht in die Teufe 

te richten), do kein Schacht auffgesunken ist. Igl. Bgr. 46, 2. vgl. 

sinken einen Schacht: „Deutsches Bergwörter ouch u von Heinr. Veith. 

3* 



36 a\xf- sitzer — auf-välien 

auf-sitzer stm. der auf einem Tiere sitzt oder reitet: nu- 
der den fuz,en ires oufsiczers (sedentis), W -B, Num. 22,27. 

auf-schiez,en stv. III in die Höhe schießen, hoch emporragen: 
ir müre — mit üfgeschoz,z,en turnen, Alex. 5965. 

auf-slag stm. 1. Mehrforderung bei Zinsen, Wucher: dehainer- 
laie a. oder vürsecz tun, Eger Str. A. XV, 8. — 2. Aufschub: nu nach- 
dem wir ein versaczung zu der krön gen Behem u. doch eiu reich- 
stat sind, so haben wir lengern aufslagk (Aufschub von Bann und 
Interdikt) nit erlangen mügen Chr. v. Eger 1117. 3. Aufschlag zum 
Preise oder der Pfandsumme: keinen aufslag tun (mehr verlangen 
als auf das verpfendete Schloß Brüx ffeliehen war), Aussig Urkdb. 
181. 

auf-slahen stv. I 4 intr. im Preis, in den Kosten in die Höhe 
gehen: also das si koste (..Bergkost") hett ungeschlagen wol fünf 
mark. Igl. Rspr. IV. die kirchen a. (mit Geivalt öffnen) Böhm. 
Chr. 61. 

auf-spreizen, auf-spreuczen (mhd. üf-spreiten) swv. auseinander- 
spreizen, auseinander spannen: mit eim blawen dunst — wirt der 
rath dem gemainen man das maul aufspreitzen, Chr. v. Traut. 121. der 
do aufspreuczet hat als von nichte die himel (qui extendit velut 
nihilum coelum), W— B, Js. 40, 22. 

auf-steiger stm. Reiter, ascensor: das ros vorspottet sie u. iren 
(!) aufsteiger, W — B Job. 39. 18. a. des hiemels (coeli auxiliator der 
zum Himmel hinauffährt), Deut. 33,26. 

auf-stecken swv. „ausstechen", ein Zeichen, daß mit dem Ver- 
kauf begonnen werde, am Geschäftslokale ausstecken, pfragner u. 
pfragnerin sollen auch weder am freitag zu abend noch am sunabend i 
alle die weil und der kost stecket, den man die zween tag aufstecken | 
wil, nichts noch keinerlei auf dem markt nit furkaufen. Eger Str. 
C. 110 s. kost. 

auf-sten* stv. 14 halten zu, Partei nehmen für: ich bitt euch, als 
ir meines herren ambtleut seit, das zu mir uffsteet, wanne die sache 
meines herren des kunigs ist, Igl. Stb. V 10 c. aus den Sachen uns 
viel — gebrechen a. (entstehen) werden, Eg. Chr. 1067. 

auf-stöz,, uf-stöz, stm. feindlicher Zusammenstoß, Streit: nach 
menigern czwitrachten und uffstos, 01m. Stb. 59. uffstos und czwi- 
tracht von czechen und hantwerkern, 52. 108 f. czweiunge noch 
uffstosse, 108 a. uffstos und kriege, 101. vormeiden uffstoss, czwi- 
trachten und geverlikeit, 98. 96. 

auf-tfumg (üf-tuounge) stf. das Öffnen, daz, mir werd ge- 
geben daz, wort in der a. meines mundes, T — B Epheser 6, 19. 

aufte* stf. gloria, Herrlichkeit: in der aufte der wegen (in 
gloria quadrigarum), W — B Judith 1, 4. 

aut'-vähen, -rangen red. stv. 1. fest fassen und halten, 2. gefangen 
nehmen, 3. befriedigen, 4. einem etwas auf-, wegfangen, 5. aufnehmen 
für (übel), wan di heiter (Fischhälter) mit wasser aufgefangen (ge- 
füllt) sint, so sullen sie von dem wasser ein schrit frey haben, Igl. 
Stb. V 100 c, so sol man (den oben gelegenen Teich) wider verseczen 
(mit Fischbrut) und auffallen, V32a. das er sein teicht auffahen 
mag als hoch, das er an Wenczlaw thani eins halben mans hoch stee, 
V19a. 






auf-vart — aus -brechen 37 

auf-vart stf. 1. Fahrt stromaufwärts, 2. Himmelfahrt: 2. an dem 
abent der uffart unsers herren, Igl. Stb. V 100 b. 

auffart-tag stm. Himmelfahrt stag: nach unsers hern a. Eg. 
Chr. 1030 S. 223. N 1145. 

auf-werfen stv. I 3 refl. sieh rasch umwenden, abfallen, tr. zu 
eüuas erwählen, machen: wir mugen von uns selber einen fursten 
a. oder mugen wol äne fursten sin, Böhm. Chr. 34. 

auf-werfunge stf. (belegt nur MH 2,88 als: Empörung) das 
Auf werfen: wirt machen einen streit in aufwerfunge der hubel (in 
jactu aggeris, wenn er den Wall ausgeworfen) und in stiftunge der 
grebin, W— B, Ez. 17, 17. 

auf'-ziehunge stf. dilatio : Const. IV 17, 6. ( Verzögerung des Ge- 
richtes, Hinausschieben desselben durch heilige Zeit), noch sol (der 
clager u. antworter) piten a., domit er das gerichte fühe u. der krieg 
gehindert werde, Const. IV 9, 5. 

auf-zog stm. Aufschub, Verzug: aufczog des rechten, Const. IV 
17, 6. IV 18, 5. a. und frist, Eg. Chr. 1127. 

auf-zug stm. Aufzug, -marsch: im auff- und abzug auff die 
schulen, Igl. Ms. 19. 

aug-apfel (=ouge-apfel) stm.: behut als den ougapfel seines 
ougens, W — B Deut. 32, 10. unsers rechtens ordenunge — als ein aug- 
apphel unversehrt czu halden, Const. IV 7, 10. 

aug-brä stswf: Augenbraue: sein nisen ist schein des vewers 
und seine ougen als die augbrau des morgens (ut palpebrae diluculi, 
die Wimpern der Morgenröte), W— B Job. 41, 9. 

augel-weide (bei Lex. auch öugelweide) stf. Augenweide: ein 
zuchtiges, keusches u. an eren uuverrucktes weip ist vor aller ir- 
discher a., Ack. 46, 17. er het im die a. ze tröste genomen, Alex. 
18496. 6879. in lichter öugelweide, 13461. dise vroelich öugel- 
weide, Trist. 572. o. spehen, Trist. 575, 862, 864. 

augen-blic stm. 1. Blick der Augen, 2. kurze Zeit, Augenblick. 
1. du wibes süez,er ougenblic, Alex. 13797. 

äugest (e). angst, ougst stswm. August: in des ougstes zit, der 
gerne grö^e hitze git, Alex. 21487. 

augst-muii stm. August Traut. Chr. 157. 184. 225. 285. 312. 

aug-vane (ouge-vane) swm. Schleier, Schweißtuch: er sach den 
augfanen (schwaisztuch 11. Bibel), der da was uf sehn haubt, T — B 
Joh. 20, 7. sein (des Lazarus) antluz was gepunden mit eim augfanen 
(schwaiz,tuch 11. Bibel), Joh. 11,44. dein gewicht („Pfund") han 
ich verborgen in dem augfanen (Schweißtuch, in sudario), Luk. 19,20. 

augentlichcn Adv. deutlich: es sein gar mancherlei Sachen, die 
do not sein a. zu beschreiben, Olm. Stb. 149. 

aus-beredeu * sw. ausmachen, ausbedingen: das ist in den bethe- 
digungen ausgeczogen u. mercklichen ausbereth, Stb. Brüx. 325. 

aus-besliez,en stv. III ausschließen, nicht gelten lassen: wo ist 
dein wunniclich (dein Rühmen, gloriatio)? si ist ausbeslossen, T— B 
Römer 3, 27. 

aus-bintlicli* Adj. vorzüglich, a. gut weizen oder rokhen prot, 
Chr. Traut. 137. (von aus-binden = ausnehmen, als Bedingung setzen?) 

aus-hrechen stv. 1,2 tr. herausnehmen, -reißen, bergm.: auf 
einem durchgebrochenen Gang weiter arbeiten, intr. hervorbrechen, 



38 aus -buchen — aus-komen 

sich zeige?!, die ougen umbrechen = blenden, Alex. 27853. äugen a., 
Böhm. Chr. 14. 33. 36. 40. 44. 

aus-bucken, aus-puchen (mhd. üz-bochen auspocben), swv. 
aus-plündern, sie haben im dorffer auspucht, Chr. v. Elbogen 106, 13. 

aus-bündig Adj. ausgezeichnet: Maxiniilianus (I.) der held — 
in allen ritterspieln a., Traut. Chr. 7. 

aus-bürgen swv. durch Bürgschaft, Zahlung einer Bürgschafts- 
summe befreien: seine nachgepawern haben in {den ivegen Totschlags 
Gefangenen) awsgepurget auf ein vorrichtnus, Igl. Str. 224. 

aus-dingen siuv. 1. ausbedingen, vorbehalten, Traut. Chr. 175. 
2. sichern, schonen, 3.* zum Bruch eines Vertrages verleiten: das kein 
meister dem andern seinen gesellen aus der werchstat nicht ausdingen 
noch auskauften soll, das er bei im arbeit — pey der puess 12 weisse 
groschen, Igl. Stb. V 256 b. kein meister dem andern seinen gesellen 
aus der werchstat a. oder entfremden sol, das er bei im arbeit, pei 
der pues halb pf unt wachs, V 177 a. 

aus-druckenung stf. 11 ortlaut: da noch a. der forrede (Verein- 
barung) nicht folge gescheen, Stb. Brüx. 337. 

aus-eisen* swv. vom Eise befreien, den 12. tag decembris — 
ist ein Bayer und papirgesell ertrunken, als er die rade auszeisen 
wolt, Chr. Traut. 182. 

auser-hall) (=üz,er-kalp. -halbe -halben), Adv. u. Praep. m. 
Gen. außer dem Bereiche, außerhalb: es sei aus bevelhnus des vaters 
ader auserhalb durch sich selbs, Igl. Bgr. 85, 4. 

aus-erkom pari. Adj. v. üz,-kiesen auseneälden : dem künec — 
der manheit ist vor üz,erkorn, Alex. 12221. 

aus-geben stv. 1, 1. 1. ausliefern : wie di guter waren ausgegeben 
(ihren Eigentümer übergebe?)), Igl. Rspr. V. die hab auf recht aus- 
geben, Mind. Egerl. 35. 2. verheiraten: seinem kinde, das her aus- 
gegeben hatte, Igl. Str. 269. Prag Eb. 149. weun man si ausgeb., 
Igl. Stb. HI, 129c, 3. namhaft machen*, bestimme?!*, Chr. v. Elbogen 
24, 41. 25, 16, 25. 26, 21. 

aus-gebunge stf. Auszahlung: grosse koste, czerunge uud uus- 
gebunge der e genannten 4000 (römischer) guidein. Mind. d. Egerl. S. 53. 

aus-holern swv. aushöhlen: die steine ausholern die wasser, 
W— B Job. 14, 15. 

aus-jagen swv. ve?treibe?r. aus dem sinne ausztilgen u. aus- 
jagen, Ack. 31, 10. 

aus-jeten swv. aus-jäten : das wir alle uberÜüssigkeit ausreuten 
u. a. sullen, Ack. 11, 2. 

aus-kerunge* stf. Auswurf, Abschaum: wir sein gemacht als 
ein a. diser werlt (purgamenta), T— B I Korinther 4, 13. 

aus-kiesen s. ans-erkorn. 

aus-kirnen* swv. (v. kirnen, kernen Kerne auslösen, das Erz aus 
dem tauben Gestein durch Zerklei?ier?i) ausscheiden die erczscheider 
— das ercz a., das guete von dem bösen (enucleant), Const. 1,19. 

aus-komen stv. I, 2. sich verbreiten, zu Ende gehen: da die 
selben jar auskamen, Igl. Str. 308 (S. 218). daz, si sich zum ersten 
liefen in daz, mer und auszukumen [sich zu rette?i) zu dem 
land. T— B Btb. 27, 43. wie er ist auskumen von dem mer, Btb. 
28, 4. 



ausladung — aus -reuten 39 

ausladung stf. (= üz,-ladunge) über die Baulinie hinaus- 
reichender, über die Straße vorspringender Bau, an den kragsteinen 
in der a., Chr. v. Traut. 124. die a. zum erker, 170. 

aus-legen swv. aussetzen, ausladen, verbrämen, erfüllen, aus- 
rüsten; schmücken; bestimmen; auslegen, erklären, das si auslegten 
(aussetzten) ire kint, da^ si icht wurden geleblickt, T — B Btb. 
7, 19. do waz, ein schiff auslegund di purd {aus dem die Waren 
ausgeladen wurden), Btb. 21, 3. er ersach die richeit, die aldä was 
üzgeleit, Ernst 2204. 

aus-legunge stf. Auslegung, Deutung: nu, wie mugen wir 
vornemen der richtere irsal u. czweifel — ab von uns nicht ausgeet 
des rech'en auslegunge? Const. I 5, 10. 

aus-lender stm. Fremder, extraneus, Igl. B. 24. 

aus -lendig Adj. fremd mit aim auslendigen manne, Igl. 
B. 8. 

aus - lendisch Adj. ausländisch, fremd: Böhm. Chr. 34.46. 
63. 93. 

aus-lendung* stf. Landungsplatz, Lände: sie merkten ein stat 
habent di a. (ein gestat 11. Bibel), T— B Btb. 27. 39. 

aus-leuten (u^-liuten) swv* zu Grabe läuten: man hat im 
(Kaiser Ferdinand 1564) lange dann eine ganze stunde ausgeleut 
alhie, Traut. Chr. 177. 

aus-man stm. fremd: burger ader a. ( peregrinus ) , Eger 
Str. B. 27. 

aus-marichen (üz,-merken) swv. abgrenzen: als weit das mit 
marchstain ausgemaricht warden ist von einer stros zu der andern, 
Igl. Stb. V 129 c. 

aus-neinber* stm. Ausgedinger: Taiding v. Friedberg N 52. 

aus-nemen stv. 1,2 1. herausnehmen, ausschließen, 2. hervor- 
heben, bestimmen: 2. von ausnemender {bestimmter) rede des ant- 
worters wider den clager, Const. IV 7. die kegenrede wirt wider- 
triben mit ausgenommener Widerrede (exceptio eliditur — per repli- 
cationem) Const. IV 7, 1. 

aus-nl : munge stf. Vertragsklausel: an alle üznemunge, Brunn 
Str. 385, 171; lehenschefte, die man mit der clausein u. ausnemunge 
vorleihet, das, alsopalde die lehenheuer an den ordenlichen gank 
komen, das sie davon lassen u. sullen keines ganges czu in peiten, 
Const. III 2. 

aus-raufimge * stf. laceratio, das Ausraufen: a. der har, W — B. 
Esther 14, 2. 

aus-reieu* swv. mit Musik von Haus zu Haus ziehen: die 
hochzeit sullen nicht a. von haus zu haus Eger Str. A I 9 u. B 10. 

aus-reinen swv. abgrenzen: Policzer hat verkauft der Michel 
Darin von seinem feld in der kolerin ein fleckl, als ver es ausgeraint 
ist, zwischen irem teich und dem steig, Igl. Stb. V 162 c. 

aus-reiter stm. ein Diener, der nur zu bestimmten Verrich- 
tungen ausgesendet ivurde und daneben die Geschäfte eines Post- 
boten besorgte, 8 a. und 24 landshütter, Chr. v. Traut. 281. soldener, 
ausreiter u. helfer, Mind. d. Egerl. 24. 

aus-rcuten (=üz-riuten) swv. exarare, evellere: somerblumen, 
aus meines herzen anger ausgereutet, Ack. 4, 12. alle überflüssig- 



40 aus-reutung — aus- rieh tung 

keit ausreuten u. ausjeten , 11, 2. ein vewer, alle geslechte ous- 
reutende (omuia eradicans genirnina), W — B Job 31, 12. sam eines 
poumes hat er abgenomen meine hoffenunge, Job 19, 10. aber die 
uberkerer (praevaricatores) werden alle ausgereutet sam die dorn, 
Könige II 23, 6. die habe wirt ausreuten u. ousgereutet (sie sub- 
stantia eradicabitur), Sirach 21, 5. die des ausreutens, Prediger 3, 2. 
das her holez u. stockech — ausgereutet, Igl. Str. 51. 

aus-reutung stf. das Ausroden, Entwurzelung, Vertilgung: ein 
a. u. ein vorworfunge hastu mich gesaezt, W — B Klagen Jer. 3, 45. 
so wil ich ausreuten das geslechte in a. u. vorlisunge, spricht der 
herre (evellam — evulsione), Jer. 12, 17. 

aus-richten swv. 1. glätten, 2. schlichten, versöhnen, 3. aus- 
statten, ausrüsten, 4. abfertigen, bezahlen, vergüten, 5. für einen be- 
stimmten Dienst halten, 6. verspotten, 7. erklären explicare, 8. Fragen 
beantworten: 4. were auch, ob ein besesze oder leger {Belagerung) würde 
u. ob man an dem geleger ader süst schaden neme, dorumb schold iczliche 
herschaft die seinen selbs ausrichten, die schaden betten empfangen, 
Mind. d. Egerl. 42, = bezahlen, Chr. Elbogen 124,29. Brüx Stb. N 294. 
ir kunige, ir sullet vorsteen u. lernen, wie ir die werlt ausrichtet, 
Const. IV 9, 4. sich selber u. unter einander a. Const. III 6, 13. 
3. dorumbe (um 50 seh. gr.) di benanten bruder ir swester katruschen 
(= Katharina) kchlaiden sulln und czu pett und czu tische a. 
(= ausstatten), Igl. Stb. III 193 d. di tochter mit petgewant a., 
III 329 c. si haben si ausgericht mit cleidern czu pet und czu tisch 
für 1 schock, Igl. Stb. III 4. 2 seh. gr. derselben manischen (= Marie), 
wenn man si ausgeb {verheirate) und dem Wentslaben irem stieffater 
auszurichten, III 129 c. czu der morgengab, di man im vormalen zu 
seinem weib geben und ausgericht hat, 111135a. III A 161b. sein 
tail, was im angepurt, a. und beczallen, III 128 a. das selbig gelt 
a. auf di nochgeschrieben teg, III 133c. III 159b. das er seiner 
stief muter für ir morgengab ausrichte 60 seh. IL 34 d. den czins 
a., 111135b. einen jartag a. und halten, Y 197b. einen jartag 
a. und vorpringen, V 259b. meinen leezteu willen a. , V 164d. 30 
selmes a., V 164d. 10 selpad in 4jaren noch einander auszurichten, 
V 163 d. ein selpad a., V 155 c. 7. der sache kunnen wir nicht aus- 
gerichten, Igl. Str. 257. S. 149, 1. das wir sie nicht czubande ausge- 
lachten mugen (expedire), Const. 1 5, 1. wir sprechen, das wir die artikel 
nicht kunen ausrichten, Igl. Bgr. 2, 5. wer mag sulche werk anders 
ausgerichten. nur das sie gescheen in hochvertigem mute, Hier. 49, 6. 
andere seine tugent a. = zu erzählen, Hier. 16, 19. 

aus-richter stm. — -iu stf. aller ding ausrichter, visirer, ent- 
werfer u. abenemer {Gott), Ack. 58, 6. arismetrica — der zal behende 
ausrichterin , Ack. 40, 16. czu disem geschefft {letzten Willen) hab 
ich mir derkoren zu furmunden, zu ausrichtern und vorwesern domit 
zu handeln und czu mechtikleichen di erbern weisen manen Hans 
Eberl usw., Igl. Stb. III 112 c. 

ans-richtung stf. Deutung, Bezahlung, Entscheidung, Beilegimg 
eines Streites: aruspex nach alteropfers rauch in zukunft tuende 
ausrichtung, Ack. 41, 16. umb sulche habe u. gut uus ein gancz a.,' 
kerung u. benugen gescheen ist, Stb. Brüx 226. 234. 244. 220. bis 
mir ein a. geschit, Mind. Egerl. 29. ich wil euch czuhant ein a. 



ans -roden — aus -setzen 41 

machen , Igl. Bgr. 64, 2. S. 428, 3. der richter schal in (die wegen 
eines Kaufes in Streit gerieten) ein a. geben, Igl. Str. 186. nach 
a. deiner tiefen heimlichen gerieht, Sol. 69, 6. das — gescheft einen 
ganzen furgang und a. haben sol, Igl. Stb. III 200 d. 

aus-roden sivv. auf die rede, das er — ausroden u. vertreiben 
schulle alle dorn, Hier. S 6, 23. 

aus-rüi'en (-ruofen) stv. red. V. einen Berg oder Stollen = 6 
Sonntage nacheinander in der Kirche zum Betriebe auffordern, 
widrigenfalls die Verleiher sie andern verleihen können: Ist das ain 
perk oder stolle, die da gemessen sein und dornach wüste sein, 
die schol man 6 suntage ausrufen, das die, der die berge sein, 
arbeiten sollen; oder auff den 6. vorgangen suntag, arbeiten sie 
nicht, so schullen die urbarer czu in nemen die gesworn u. schullen 
auf das ausgeruffen gepirge cziehen oder geen; und vinden 
sie daselbst gepirge wüste, so mugen die egenanten urbarer 
dasselbe gepirge ledicleich vorleihen, wem sie wollen, Igl. Bgr. 
U— A § 7. 

aus-rüfunge stf. 1. Aufforderung zur Bauhafthaltung eines 
Berges oder Stollens, 2. Ankündigung des Schichtenwechsels, 3. münd- 
liche Bekanntmachung: 1. die a. in der kirchen, das man wolle ein 
perkwerk wiederpawen, das vorwust ist, Const. II 4,8. 2. Ist das 
das czil (einer besteunge) kumpt auf ein tag, der czu arbeit be- 
scheiden ist, czuhant in der neuesten ausrufunge der ersten nacht- 
schicht so beheldet der besteer furpas nichtesnicht rechtens, Const. 
III 6, 16. 

aus-runipeln* swv. mit Ungestüm hervorbrechen: der do pindet 
die wasser in den wölken, so das sie nicht a. miteinander unter 
sich, W — B Job. 26, 8. und alezuhaut durch die heimlichkeit der 
naturen des bouches kot im ausrumpelte, Richter 3, 22. wer hat vor- 
slossen mit türen das mer, do es ausrumpelte sam aus einer per- 
muter, Job. 38, 8. 

aus-satzuiig stf. 1. Satzung, Ordnung, 2. Privileg*, 3. Aus- 
stattung*, Dotierung: 1. das di Crani also noch wilkur der stat a. 
ausgesatezt sein, Olm. Stb. 104. alle handel alhie czu Olomuncz bei 
irer a. und gewonheiten behalden werden, 132 (S 103). das si in 
unser cromrecht wider unser Cramheuser aussatzung greifen, 132 
(S 102). haben die cromer noch alder aussaezung u. wilkur der 
Stat Olomuncz brief über ire czeche u. innunge gehabt , 132 S 106. 
noch recht u. a. diser stat, 62. 2. Chr. v. Elbogen, 24,12. 25,7. 
33,41. 26,11. 36,37. 3. handwercher, die in der Stadt bürger und 
zur a. gehören, Chr. v. Traut. 89. die a. oder freiheit, Elbog. Chr. 
36, 36. bei rechten und aussatzungen zu behalten, 127, 19. 4. Ver- 
mietung: a. u. besteunge (Mietung locatio et conduetio), Const, III 
6,12. 

aus-schreiben stv. II. einen Namen aus einem Verzeichnisse 
streichen, löschen, der Bürgen gegen ein Fryg-eld aus dem Stadtbuch 
nach Erfüllung des Verbürgten, Stb. Böhm.-Kamnitz, 188. 

aus-setzen swv. vermieten: umb wie vil lones Peter das ding 
schaezt, das man a. schol oder hinlassen, umb als vil sei es hiu- 
gelasseu , Const. III 6, 12. 2. ausstatten : das die heuser mit cramen 
ausgesaezt sein, Olm. Stb. 132. (S. 101). ausstatten, dotieren, Chr. 



42 aus-setzig 



aus-sneien 



v. Traut. 5. 60. 89. die heiratleut — die heirat czwischeu in gemacht 
und beschlossen haben also das der Partlme Spiczpartl seinen sun 
ausg-eseczt hat mit dem halben grossen teucht, Igl. Sth. V 275 d. das 
"Wolffl hat sein tochter czu pett und czu tisch für 30 seh. ausgeseezt 
und mit einer halben wisen, V 279 d. sein tochter a. mit 1 seh., V 152 a. 
V 153 c. das selbig dierndl ausseezen czu pett und czu tisch, V 163 d. 
V32b. VlOld. er — sal sein tochter Anna, die er mit der vorigen 
hausfrauen Begina gehabt hat, aus demselben seinem vorlasenem 
gute ereziehen u. furpas, wenn sie mundig wurd u. czu jaren kweme, 
zu tisch u. zu pett aussetezen, so als gewonheit ist, auch soll sie 
1 / 3 des Vermögens bekommen, Olm. Stb. 151. 

aus-setzig (= ü^-setzic) Adj. leprosus : W — B Nnm. 5, 2. do 
czoch her die haut ausseezig her wider aus, Ex. 4, 6. opfer des 
ausseezigen, Lev. 14, 32. 13, 12 a. sam ein sne, Kön. IV 5, 27. das er 
einem aussetzigen geleich was, Hier. 19, 12. Böhm. Chr 87. 

aus-setzikeit stf. = Aussatz: W — B Lev. 13, 6. u. 7. der slac 
der a. = plaga leprae, Lev. 13, 2. 13, 20. die har in ein weisse vor- 
wandelt u. die gestalt der a. legir der hout und dem andern fleische, 
der slac der a. ist es, Lev. 13, 3. wenne der priester die stat der a. 
legir dem andern fleische u. die har in weis vorkart sieht (qui cum 
viderit locum Jeprae humiliorem carne reliqua et pilos versos in 
candorem), Lev. 13, 20. 

aus-setzung* stf. das die mulen noch rechter a. des Magde- 
burgischen rechten u. gemeinen nutz diser stat gehalden wurden, 
Olm. Stb. 52. also vil grosse u. unvorgeltliche a. u. besteunge (tot 
magnas et pretiosissimas locationes et conduetiones), Const. III 6, 13. 

aus-sehiez,en stv. III aber sich hat ein edelman — ausge- 
schossen — und der ganzen cron viend wordeu (vielleicht Schreib- 
fehler für ausgeschlossen) = er hat dem König von Böhmen nicht 
den Treueid geleistet, Chr. v. Elbogen 43, 13. er mid dem swert ein 
weg uz,schos (bahnte durchs Gestrüpp) , Dal. 91, 11 (38, 12). sich 
hat ein edelman auszgeschossen (nahm nicht teil) Elbog. Chr. 43, 13. 

aus-schröten* red. stv. V. schroten, mahlen: damit der weiz 
zum semelmel aufs beste ausgeschrotten werde, Traut. Chr. 136. 

aus-schuppen* (mhd. schupfen, schupfen) sirv. durch Stoßen 
in schaukelnde Bewegung bringen, schlendern, abiveisen, mit der 
„Schicpfen" strafen, ausstoßen, ausschließen : das sie mit sotaner 
argelist ire mitgewerken a. und ausgescheiden mugen, Const. 

m 5, 13. 

aus-schürfen, -schürpfen* su:v. durch Abgraben und Auf- 
werfen herstellen: unter den gotes thürlein war ein bastey aus- 
geschüft (so!) als ein bolwerck, das hiess man die katzen, Eg. Chr. 93. 

aus-sclmz, stm. Ausschuß, Kommission mit bestimmter Aufgabe: 
da hat die gantze gemain ain a. erwellet, die Sachen gemeiner Stadt 
in befohlen, Traut. Chr. 154. die (sich empörenden Bürger) machten 
ein a. auf 80 menner, mit burgermeister und rathe — zu handien, 
Eg. Chr. 56. 

aus-slalien stv. IV. vertreiben: die sune der ousgeslagenen 
(filii excussorum), W— B Ps. 126 (127), 4. 

aus*-sneien (sniwen, snien stv. IL u. swv.) swv. schneien: 
es hat einen guten schnee ausgeschneidt, Eg. Chr. 987. 



aus-spehen — aus-trenken 43 

aus-speheii sivv. auskundschaften: Moyses sante, die do ous- 
spehten die stat Jaser, W — B Num. 21, 32. 

aus-speiisen swv. {wohl zu spennen swv. spannen): die hauer 
— aufm Kuttenberg — gewonnen si (menschl. Gebeine) nur mit dem 
kraczen u. tragen sie ausspensend, das nichts anders dann wie 
weiroch ruch (es war nämlich noch ein Stück kasell, Priesterkleid, 
an der Leiche des von Hussiten erschlagenen Priesters), Chr. v. 
Traut. 12 (v. 1492). 

aus-sprechen stv.1,2 entscheiden: was wir zwischen in us- 
sprechen werden, das sie das beiderseit stete halden sollen, Mind. d. 
Egerl. 32. was ich zwischen in scheide, ausspreche u. mache, 79. 

aus-spruch stm. Entscheidung: von des a. wegen zwischen 
euch und den forstern, Mind. d. Egerl. 76. das wir lehenhewer unsern 
willen czu dem a. geben betten , Igl. Bgr. 40, 3. ein aussprach u. 
ein gemecht der scheppfen, 49, 2. die herren des rats und auch die 
eidern herren haben ein ausspruch gemacht umb die sach und czu- 
spruch, die czwischen dem Jörgen Tewffl, kursner und Veit kürsner 
gewesen sein, Igl. Stb. III 327 b. ein geczeug, der czu dem ausspruch 
geruft worden ist, III A 137 a. 

aus-sten unregel. stv. IV. ausharren vor Gericht, Chr. v. 
Elbogen, 25, 43. 119, 26. 129, 34. also das ainer dem andern kain 
schult gibt noch yn nichte ausstet yn kainer geltschult ader Wider- 
legung, Igl. Stb. V. 198 b. 

aus-stellig, aus-erstellig (= üz,-stellic) Adj. ausstehend: das 
austerstellig gelt, das man noch schuld ist czum prunne (ein Berg- 
werk), wol 8ü0 mark, die vorpitet uns auff ein recht, Igl. Bgr. 40, 1. 

aus-teilen swv. zerlegen*, zerteilen*: welicher acker ist aus- 
getailt worden in 13 garten, Igl. Stb. IV 210c. 

auster swm. Südwind (lat. auster) den austern wint, T — B 
Luk. 12, 55. 

aus-trag stm. Schlichtung, Entscheidung : bis zu a. der Sachen, 
Eg. Chr. 1166. 

aus-tragen stv. IV. heraustragen, hinbringen: ee dann das selbig 
leder anderswo gefürt wirt, so sal er das dreimal gen markt aus- 
tragen, Igl. Stb. V 81 d. di gesworn meister sollen hüet (Hüte), die 
nicht kaufmansgut wert sein, von dem selben meister a. (konfiszieren) 
und czuschneiden, V256a. von gelde a., DIR. III. 

aus-traglick (ü^-tragenlick, -tregenlich) Adj. schlichtend, ver- 
söhnend: a. und pillich antwort, Eg. Chr. 1162. 

aus-tragunge stf. Vereinbarimg: dise gegenwortige a. die sal 
also beschriben ligen in der stat buche auf die rede, Prag. Str. 64. 
ausgenumen der a., die da geschriwen stet in der stat puch von der 
schult wegen, 60. 

aus-treuken swv. in Teichgrund verioandeln : was man im 

■ ausgetrenkt hat , dafür hat im herr abt geben ein wisen , Igl. Stb. 

V254b. so sie die heiter (Fischhälter) hoher schütten wolten, was 

j sie damit a., das sol auch bleiben, V 100b. wenn die herren ietz 

oder darnach den selben teich wolten hoher oder weiter schütten 

.(vergrößern) und machen, was sie dem Mathia damit wurden a., 

das sol er auch zu der gemain geben, IV 195 a. wan si (Kernteich 

und newteich bei Piestau = Pistau) beschütte und beseczte und was 



44 aus -treten — aus -wendig 

sein ist (des Frantz holczen), austrenken werden, dofür geben und 
beczalen sal 25 seh. gr. III 183 c. so die vor geinelten brüder den 
selben teich hinfur grosser machen wollten, was sie damit a., das 
sol im der La9lab vou sein pawrn alles freyen, V r 37 a. 

aus-treten stv. I, 1 abtreten von den Gerichtsbänken: Do Messen 
wir sie von paiden tailen a. u. wolden urteil sprechen, Igl. Bgr. 11, 5. 

aus-tftn unregelm. Zw. aus der Liste der Geächteten streichen: 
Eg. Achtb. II 147. 

aus-varen stv. IV. bergm. das Verlassen der Grube: Do be- 
kanten sie (die obersten Steiger) das sie das gesehen hetten in den 
dreien ausfarenden schichten nocheinander (= bei dreimaligem 
Schichtwechsel), Igl. Bgr. 67, 6. refl. sich rechtfertigen : ist er noch 
des ambts entsetzt worden, biß er sich der Sachen außfuhre, Eg. 
Chr. 942. 

aus-vart stf. 1. Exodus: das buch der a. von egipten, das do 
genant ist exodus, W — B Ex. Schluß. 2. exitus: ousvart des todes, 
Ps. 68, 21. _ 

aus -rechten (uz,-vehten herausdringen) stv. I, 2 verdrängen, 
vertreiben, expugnare*: ofte haben sie mich ausgevochten von meiner 
jugende (saepe expugnaverunt me a juventute mea), W — B Ps. 128, 1. 

aus-veilen sivv. feilbieten, verkaufen: wo aber einer wer, der 
solches (ein Erbe mit Miteigentümern) ohne wissen u. worth des 
andern, zu dem das erb gehöret, wolt a., hat der, der auf dem erb 
sitzet, macht u. recht, dass er in kauf mag stehen, Chlum. I, 61. so 
sol man den obgemelten iren drittail durch gotes willen ausfailen, wo 
die herren erkenueten, das es am genötigisten wer, Igl. Stb. V 104c. 

aus-yellig* Adj. seinen Verpflichtungen nicht nachkommend, 
wo wier benentem hern Schellndorf hierinen ausfellig und solchen 
zins — nicht bezalen würden, Chr. v. Traut. 47. mir Fritz Fleisch- 
man sulcher richtung auszfellig [wurde], Chr. v. Elbogen 77, 14. 

aus-vluz, stm. Ausfluß: Ursprung, aus dem alle reine auszflusz 
fliessen (= Gott), Ack. 57, 6. 

aus-warten sivv. ausdauernd obliegen: das unser volk (Berg- 
leute) seiner arbeit u. unsers u. des gemeinen nuezes muge nuczlich 
ausgewarten , Const. 12,1 (insudare). kein foit oder statschreiber 
soll wein oder hier schenken noch handel treiben, sunder sollen irer 
ampt alein ausworten u. derselben ampt geniß alein geprauchen u. 
dovon leben, Olm. Stb. 61. so wil ich der weis auswarten mit fül- 
wein und mit andern Sachen, Igl. Stb. II 120b. wenne die herrn 
warten des Stechens (Turniers) und der worffel aus, Böhm. Chr. 102. 
sie warten des (des landes peste) aus, 79. iderman wirt seiner vesten 
a. ; 31. 

aus-warterüi* stf. Pflegerin: meines leibes a., Ack. 15, 1. 

aus-weisung stf. 1. Ausweisung, 2. Inhalt, 3. Hypothek: 3. wer 
denne eldere a. haben wert, der selb derheb das gelt, als ferre es 
langt, Igl. Stb. 11140 a. 

aus-wenden sivv. sich erstrecken, reichen: er hat frei fischen, 
so ferre als seine guter a., Chr. v. Traut. 60. 

aus-wendig Adj. u. Adv. äußerlich, ausivärüg: die gäbe (ein 
reines schönes weib) heisset gäbe vor aller irdischer auswendiger 
gäbe, Ack. 12, 15. licht, das vorplendet alle a. Hecht, Ack. 55, 20. 



aus -werfen — äventiuren 45 

die a. rede ist ein zeichen der innern gedanken, Hier. 57, 15. a. leute 
(extranei), Str. Eger B 13. a. geste (peregrini) C 93, von auswendiges 
richters recht , Const. I 4, 3. weder mit auswendigen noch mit in- 
wendigen sinnen got funden wirt, Sol. 73, 29. got — nicht hegreift 
das a. ftilen (tactus), 75,23. in di auswendigen schone dink was 
ich ungestalter also gevallen, Sol. 75, 38. — Adv. : das ampt — des 
richters — wirt etwenne geubet a. des gerichtes, Const. 1 4, 1. a. den 
gemerken (reieu E) des Stollen, II 5, 10. auswendig dem (extra quem) 
niht gotes ist, Sol. 101, 5. • nihts werd a. sein (exterius), 98,21. 
wen ich übel a. sucht, das inwendig was, 74, 15. 

aus-werfen stv. I, 3 herauswerfen , beseitigen, treiben: si 
gedachten, ob si mochten ausgewerfen daz, schif (zum Landungsplatz 
treiben) : T — B. Btb. 27, 39. uncz daz, er ausgewirft daz, urtail zu 
der Überwindung (bis er das Recht zum Siege gebracht hat, ejiciat 
ad victoriam Judicium), Matth. 12, 20. do warf sich die Wlasta vor 
in allen aus (trennte sich von den übrigen) und reit unter sie, 
Böhm. Chr. 15. 

aus-woner stm. wer nicht inwoner einer Stadt ist: ab ein 
rath einen a. in di stad zu mitburger oder mitwoner aufneme, Elbog. 
Chr. 13, 20. 

aus-würflmg str. Fehlgeburt abortivus, W— B Num. 12, 12. 
Job. 3, 16. Prediger, 6, 3. 

aus-zeigen swv. zeigen, weisen: ein fleckl, als weit sein hoff- 
mark (Hof räum) auszaigt, Igl. Stb. V 33 c. 

aus-zienen stv. 111 ausnehmen, vorbehalten, Cbr. v. Traut. 97. 
das ist in den bethedigungen (Verträgen) ausgeczogen u. merck- 

I liehen ausberedt, Stb. Brüx. 325. wir wollen den frid (Waffenstill- 
I stand) vestielich halten — noch seine helfer dorynn — nit auß- 
gezogen (ausgenommen), sunder dorin begriffen haben, Eg. Chr. 1085. 
aus-ziehung stf. Ausnahme*, Chr. v. Traut. 18. 
aus-zug stm. Vorwand, Ausfluclä, Chr. v. Elbogen 87, 26. 141, 15. 
als ir uns — geschriben habt mit vil einslegen und auszugen, hau 
wir verlesen, Eg. Chr. 1142. 

aus-zucken svw. aus-, wegziehen, austrocknen, die brun vor hitz 
auszuckt es bald, Chr. v. Traut. 276. 

autorität sivstf. soweit sich unser autorität erstrecket Urkdb. 
Aussig 44. 

auwe, aw (ouwe) stf. Wasser, vom Wasser umflossenes Land, 
Au = Au im Egerl., Eg. Achtb. II 101. 

auwe, ouwe (ouwe, öwe, owe) Interj., der Klage, des Wunsches, 
des Erstaunens, er swuor ir leit, ir laue ouwe (substantivisch 
gebraucht), Alex. 10036. 

äventeur, äventiure (aus franz. aventure, mittellat. adventura) 

![ wunderbares (meist glückliches) Ereignis, Erzählung davon, Gedicht, 

« Abschnitt eines solchen, Trist. 1450 — 1465. gein (uz,, in) der a. tan, 

: 1674. 1693. 2051. da man der a. gelt mit Karies löte widerwac, 

5 1676. von avoy an strites a. manger üf dem wale ( Walstatt) bleip, 

Alex. 14093, s. auch abenteuer. 

äventiuren sivv. durch gefahrvolle Unternehmungen aufs Spiel 
., setzen, wagen: sine jugent die gehiuren die wil er (Tristan) a., 
* Trist. 1452. 



4-6 avoy — bach-, bak-oven 

avoy Interj. (aus franz. ab voi) ba sieb! avoy, wie dö wart 
gestriten, Alex. 16632. 13607. von avoy an strites aventiure manger 
üf dem wale bleip, Ales. 1-4093. 

awersant* Adv. aber sogleich: Dornach a., als sieb die keezerei 
in Behem u. nemlich zu Prag begunde anzuheben, Olm. Stb. 54. 

äwisck-bauin (v. mhd. ibesche f.) stm. Eibischbaum, Chr. 
v. Traut. 235. 

äwisch-bere, -berre, -behre stf. Eibischbeere, Chr. v. 
Traut. 235. 

ax, ackes stf. Axt s. ackes. 

äz, stn. Speise, Futter = übermäze an tranc und äze, Alex. 
24894. 



B 

(Die Worte, die bald mit anlautendem b, bald mit p geschrieben 
erscheinen, stehen hier unter B.) 

bäc s. Mg. 

back stmf. bes. md. u. alem. gerne f.; nach Peters kommt es 
als f. heute noch in Nordböhmen, auch im angrenzenden öst. 
Schlesien vor: nim des wassers ous der bach u. geusse das ouf 
die erde und was du schepfest ous der bach, das wirt vorwandelt 
in blut, W — B Ex. 4, 9. do legte her hüte (insidias) in der pach 
(in torrente), Könige I 15,5. fünf gar durchsichtiger steine ous der 
pach, Könige I 17, 40. an die stat der pach Cison, Kichter 4, 7. die 
pach Cison czoch ir toten (traxit cadavera eorum), Richter 5, 21. 
weiden von den pechen (salices de torrente) Lev. 23, 40. sambt 
dem Peterdorffer wasser oder die bach, Traut. Chr. 5. m. : den 
selben pach, genant Radban, Mind. des Egerl. 20. 

bache swm. Schinke, geräucherte Speckseite: ob imant pochen 
(pachen II u. III) oder Seiten in di stat füret oder gest kauften in 
der stat, so schol man geben von jedem pochen 1 pfenn. u. von jeder 
seiten 1 helbling, Budw. Urkb. N 477. swer da vuert pachen, der 
gibt von dem pachen ain phenning, Brunn. Str. II 150. 

bachel* sin. kleiner Bach: das bachel, so durch Kailendorf 
fliesset, Chlum. II 20. 

bach-haus stn. Bäckerei: Chr. v. Elbog. 11,10. in dem pach- 
huse, Stb. Brüx 346, wegen der Bachhauser, Chi. II 15. hin gienc 
er in ein bachhüs, Schretel 167. 

back-stein (==mhd. bäg- stein, Zankstein, den scheltende Weiber 
zur Strafe um den Hals träges mußten, vgl. RA. 720) stm. wenn- 
zwo trauen oder dirnen öffentlich mit einander schlügen oder roufeten 
oder sich schendeten (= beschimpften), so sollen sie beide ohn alle 
gnad den baebstein vor allermännig tragen, Taiding v. Friedberg 37. 

bach-, bak-oven stm. Backofm, Prag. Str. 168. do wart ein 
vinsterr nebil und erscheine ein rouchender backoven u. lampen 
des fewers, geende czwischen den teilungen (eine Feuerflamme, hin- 
durchgehend zwischen jenen geteilten Opferstücken) W — B Gen. 
15, 17. gekochte opfer der heilicheit in dem backoven (in clibano) 
Lev. 2, 4. daz, er in den bachoven kroch, Schretel 264. 






bach-werk — baldekine. 47 

back-werk stn. 1. Backwerk, 2. Bäckerhandiverk: wenn es den 
Bäckern wegen Teuerung unmöglich wärt das pachwerk zu ver- 
sorgen. Traut. Chr. 138 unten , getreide sur noturft ires pachwerks 
— einkaufen, 136. 

backen-slag stm. Ohrfeige, Schlag auf die Backe: der gab 
Jhesus ein b., T— B Joh 18, 22. di andern gaben im pachensleg an 
sein antlucz, Matth. 26, 67. Böhm. Chr. 83. 

backen-streich * stm. Ohrfeige: mein notdurfft aischt, des 
packenstreichs dermassen nit lenger zu gewarten, Eg. Chr. 1143. 

back-zan stm. Backenzahn: ouf tat unser herre den back- 
czan in des esils kinbacken und ous im vlussen wasser (molarem 
dentem), W — B Richter 15, 19. mit backczenen (molaribus), 
Spr. 30, 14. 

bader stm. Eigentümer oder Verwalter einer Badstube: den 
pader, der der stuben maister ist, Igl. Str. 200. er ist verantwortlich, 
wenn eihem außerhalb (nicht innerhalb) der Badstube sein Gewand 
wegkommt. Cunraden den pader, Eg. Achtb. I 33. 

bader-knecht* stm. Gehilfe eines Baders, Badhausbesitzers: 
er beschuldigt den Jagen teuffl, paterknecht, lgl. Stb. V 173c. 

bader-pfanne* swstf. Kessel, Pfanne zum Hitzen von Wasser 
für Bäder: sie darf nicht gepfändet werden, Igl. Str. 108. 

bad-kez,z,el * stm. Kessel in einem Badhaus, Igl. Stb. III 198 b, 
V206a. 

bad-lön stmn. : wenn ein Jude podet, so sal er dem pader einen 
groschen zu padlon geben, die judiu l j % gross, Olm. Stb. 128. 

bad-stube swf. Bade-haus, -stube: Juden dürfen sich nur bar- 
bieren, ire kinder beschern u. zur ader lassen, in welcher padstuben 
sie paden, Olm. Stb. 128. iren halben erbczius auf die padstuben des 
Lorencz paders abtreten, Igl. Stb. III A136a. 

bad-tüch* (-tuoch) stn. Badetuch: ein walchisches padtuch, 
JIgl. Stb. V 281 c. ein b. III 198 b. 

bäg stm. lautes Schreien, Zank, Streit: Heinrich muoste liden 
Jdisen päc (Todesstreich), Ernst 1144. 

bägen stv. V. swv. laut schreien, streiten : waz, sie dar gevrägten 
oder nach zins bägten, Alex. 22904. ern ruocht, waz, mir bägen, er 
kan uns der habe so letzen, Alex. 24072. 

bägen stn. Zanken, Streit, Widerrede, ir sult mir äne bägen 
folgen, Alex. 12829. 

bahrer stm. Bohrer, Chr. Traut. 234. 

balas, balax stm. eine Art blasser oder ganz weißer Rubine 
von einem indischen Lande Balasam benannt, franz. balais): to- 
mzius und licht balas, Alex. Anh. 2013. 2093. 

balbierer s. barbierer. 

baldekin, paldekein stm. kostbarer aus Seide u. Goldfäden 
ßlnoireartig gewobener Stoff aus Bagdad, dann auch anderer Seiden- 
l toff: so schol man czu allen leichen dehain paldekein noch seidein 
i luch nicht haben, Eger Str. A V 1, B 21. mit edelem baldikin, Trist. 
\ ,1:451. von einem baldikine wart im ein himel ertracht, Ritterfahrt 
3-70. gar schone ein niuwer b., darüf keklich daz, ors sin — trat, 
.85. dö nam sie da^ b. von dem antlitze sin (des toten Tristan), 
Trist, 6559. 



48 balsemen — bauer-vüerer 

balsemen stw. 1. Balsam geben, 2. balsamieren, 3. durch Balsam 
den Geruch oder Geschmack einer Speise erhöhen. 2. Isöt gebalseniet 
und beserket wart, Trist 6590. 

balt Adj. kühn, schnell, eifrig : kügender fremden was sie balt, 
Wh. v. W. 4430. verheget betten sie den walt — ietweder sit der 
strafen balt, 6063 f. Tantrisel was mit rede balt, Trist. 5099. an 
siner clage nibt ze balt was daz, süez,e fröiwelin: rebte clage tet 
sie sebin, Alex. 16990. der unverzagte an manbeit balt, 6018. an 
tilgenden balt, an valsebe blint, 10640. 

bau (G. -irues) stm. Gebot unter Strafandrohung, Einberufung 
zum Gericht, Verbot, Kirchenbann: Den pan (exeommunicationem) 
mag man aueb melden wider den richter ader den clager u. mag 
den pewern in iczleicbem teile ader stucke des kriges {Prozesses). 
Aber der antworter, der in dem banne ist, den twinget man czu ant- 
worten, das imand nicht werde geseben frumen gewinnen von seiner 
posen list, Const. IV 7, 4. PI. benne, Chr. Eger 1100. 

baue stm f. Gen. Dat. auch umlautend. PI. benke u. banke, 
1. Gerichtsbank, 2. Fleischbank, 3. Brustioehr. 1. Der Richter u. die 
Schöffen sollen bloß in den vier penken richten außer in bestimmten 
Fällen: wenn der Richter oder der Bürgermeister von der Stadt 
wegen oder von des Gerichtes wegen oder ein sebeppe oder ge- 
sworner geriebtssebreiber oder ein gesworner pütel, um unezuebt, 
die im von seines amptes wegen erpoten ist, kegen imand czu tai- 
dingen hat oder der richter eines enlenden mannes wort spricht — 
da gen die scheppen wol an ein gespreche, Igl. Str. 188. Wanne ein 
man den andern vor den virpenken begreifet, so mag her in wol 
ansprechen um gelt oder um unezucht und her schol im antworten, 
Igl. Str. 85, vor den vier penken , 139. 140. 141. 2. das hiuf ür die 
fieischacker czu Olomuncz uff itczlicbe pank anderthalb Rind und 
uff ein halbe pank ein gancz Rind all wochen slahen sollen, Olm. 
Stb. 98 d. 

bauchen s. baneken. 

band s. bant. 

baneken swv. umhertummeln, sich durch Bewegung erlustigen: 
die e lägen sam din wip die wolden banchen nu den lip, Alex., 
2344. 

ban-dich* stn. (woft{=ban-teidinc stn. das für einen Bezirk 
(ban) an einem bestimmten Tage abgehaltene Gericht) kommt ah 
dreimaliges Gericht im Jahre (1264) in einem mährischen Dorf vor. 
Erben — Emier, Reg. II N 442, Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in 
Böhmen XV S 172. 

baner, baiuier, banier stfn. Banner, führendes Zeichen einet 
Schar: Do du das paner vor Alexander fürtest, Ack. 27, 1. wan meinei 
freuden achtber baner ist mir leider untergangen, Ack. 7, 6. wo dei 
kunik oder sein gewalt mit offener banyer czu veld leid, Igl. Str. 94 
nu was sin banir nider komen, die der künc von Dächas nider brach 
Alex. 21902. 

baner-herr swm. Herr des Bannes, der Gerichtsbarkeit, Chr 
Traut. 281. 

baner-vüerer stm. Fahnenträger: panerfurer, under des pane: 
niemant siglos wirt (= Gott), Ack. 56, 18. 






ban-gericht — bar 49 

ban-gericilt stn. = ban-teidinc, Grimm Wb. 3, 695: Wenn ban- 
gerichte hett keinen verczog, Igl. Str. 280. 

han-hiui* stti. = Pflichthuhn, die gemein czu Oblass rügt — 
das wir Panhüner sein schuldig von jedem hauss eine in das Convent 
zu den Fasebang und mer gattenbüner zu den Pfingsten, Chlum. V2. 

banier s. baniier. 

bau-lich Adj. verderblich, schrecklich: daz, sie banlicben dol 
liten, Legende 482. 

banmmg stf. Exkommunikation: b. Egers im Jahre 1469, Eg. Chr. 40. 

baut stn. VI. bant — md. auch bende — bender, bander hier Eisen- 
bänder an der Tür: negel und panter ausezogen u. die lecher ver- 
schmiert in seinem haus, Igl. Str. (72) S 339. das er panter abgeprochen 
hat, ebda. Was man von Eysern — Gatern oder panthen arbeit, das 
sal alles gancz sein und gerecht, Olm. Stb. 117, 2. — seit gedenkent 
neiner pant {meiner Bande), T — B Kolosser 4, 18. 

ban-teiding stn. ein für einen Bezirk (ban) an einem her- 
kömmlichen Tage abgehaltenes Gericht, Igl. Str. 38. 39. 40. Eröffnung: 
ler Älteste aus dem Rat spricht zum Richter : „ Herr Richter, ist es 
Zeit, das Gericht zu eröffnen u. Frieden zu gebieten?" Antwort: 
,Ja, es ist schon Zeit, aber welchen Frieden gebietet Ihr?" Der 
Älteste antwortet: „Gottes Frieden, unseres Herrn Frieden, des 
Richters und der Konsuln Frieden und aller derer, die den Frieden 
ieben." Der Richter: „Diesen Frieden bekräftige ich; der sich gegen 
hn durch Worte vergeht, der soll mit Geld u. körperlichen Strafen 
gestraft werden. Darum nehme jeder sich inacht, seine Sache mit 
geziemenden Reden zu führen." Nach einem gleichlautenden Weis- 
\um nach Kolin befehlt darauf der Richter dem Gerichtsboten öffent- 
lich auszurufen: „Hat jemand etwas vor Gericht zu sprechen, der 
\rete vor die Herren"; und kein Konsul darf ohne dringende Ursache, 
o lange das Gericht dauert, aus den vier Bänken treten, Igl. Str. 
|31a.). Zum b. zitiert man nur einmal und verurteilt in ihm auf 
Ver Stelle, 38; eine von einem b. in ein anderes Gericht geschobene 
\lache soll ganz so wie im b. behandelt werden, 39. Ein Rainbrecher 
\oll den Rain in 3 Tagen wiederherrichten, wenn im b. geteidingt 
|;wde, sonst in 14 Tagen, 135. Alles, was vor gehegter Bank be- 
gannt wurde, hat Kraft, 341- b = judiciuin peremptorium, j. gene- 
I ale , 322. Igl. B. 29. in banteidingen haben die geezeugen nicht 
! olung (sonst czwir nach dem ersten), Igl. Str. S. 360. sie ist ge- 
standen in panteiding rechten, Igl. Stb. IV 206 d. vor gehegtem p., 
•V117a. er hat aufgeboten ein pfandt in panteding recht, IV 251 d. 
Ille ladunge — czu dem ordentlichen gerichte — sein sam bantei- 
j| inge czu vornemen (peremtorie citande), Const. IV 2, 7. Conclusum 
I iey gehaltener Panthättung Anno 1658 den 25. February, Chlum. II 20. 

ban-terin* stf. mit Binden beschäftigte Feldarbeiterin: So einer 
jem andern hauer, grueber, Scheiter, Pantern, Precherin oder dergl. 
Arbeiter 'zue Weingarten und zue feldt aufredet und abspennig 
! lacht, muß er 5 f. Strafe zahlen, Chlum. VII 25. 

ban-1'eiertage stm. gebotener Feiertage, Eger. Str. C 54. 55. 
bar Adj.md. ßekt. barvver = nackt, bloß, bar: mit baren füezen, 
6 {7— B Kön. II 15, 20. par gelt, Stb. Brüs. 441. beczalt in bar gelt, 
jbl. Stb. V 101a. 102 (anno 1493) 103 d. 

Jeliuek, Wurterbucb. 4 



50 barbarön — bart 

barbarön* 3». Barbare: der b. gevaugen wart, Alex. 9732. 

barbier* stf. Teil der Rüstung oder des Helmes, der den Hals 
und die Backen schützt: dem fürsten in druiigen durch die b. die 
spriz,en, Alex. 8195. 

barbierer, balbierer stm. Bartscherer, Traut. Chr. 224. 

barehant stm. Barchent: auch sal kein kramer uoch Sneyder — 
parchant kauften, er (dieser) sei denn in der schawe gewesen, Olm. 
Stb. 92a. zwen tozen hosen, acht barchan, Ig-]. Rsp. V. 

barehanter stm. Barchentweber: die gancze czecbe der Czichner 
und der Parchanter Meistern, Olm. Stb. 108a. 

barehant- werk* stn. Zunft der Barchenhceber. uff dem parchant- 
werk, Olm. Stb. 108. 

barehe (barke stswf. Barke), wahrscheinlich aber parc, -kes 
stm. Umzäunung: daß er (Zdymir von Zedwitz ) — 17 feuer- 
pfeil bereit mit scblachten (hölzernen Uferbefestigungen) , parchen 
und aller nothdurft grüß (?) die Stadt zu verrathen, Eg. Chr. 
1043, 4. 

bare stswf. Sänfte, Bahre, Totenbahre: Vorwar der künic 
David gienk noch der par (feretrum), W — B Kön. II 3, 31. 600 
par erez , Igl. Bgr. 39, 5. ein pore ereztes 102. Perdicas fromte 
dö manege bare, Alex. 13976. da Tristant lac töter üf der baren, 
Trist. 6553. 

barig s. bürge. 

barig-schaft s. bürg-schaft 11. har-schaft. 

bär-kerze, pör-kerze sie f. Kerze bei einer Totenbahre, Egei 
Str. A V 1 B 21. porkerzen darf man auch bei Leichen von noch 
nicht 7 jährigen Kindern haben, Eger Str. A 1. 

barmekeit stf. Barmherzigkeit: in ganzer gerechtigkeit hat ei| 
ein süez,e barmekeit, Wh. v. W. 521. milte u. die süez,en barmekeit 
2878. _ I 

barmen swv. einem b. ihn erbarmen, sein Mitleid erregen, siel 
über einen b. sich seiner erbarmen: die — tugent sin edle süez,e jugen 
des mit barmder senfte twanc daz, er also mit jämer ranc, Alex 
10353. 

barmunge stf. Erbarmen, Mitleiden: oder hat got seiner l 
vorgessen? Hier. 67, 25. sag mir durch dein b. (per miseratione 
tuas), was bistu mir? Sol. 81,25. 82,3. 77,36. 

barn stn. Kind, = Sohn auch m.: der edel barne wird de 
sweher Wilhelms genannt, Wh. v. W. 6776. des edelen Riwaline 
barn, Trist. 1508. 2249. Trist. 4022. 6735. Isalden barn 4299. Ef. lA 
des küneges barn, Alex. 1906. Mnus was des swester barn, der bi 
mit hurte kam gevarn, Alex. 8221. des hohen Jupiters barn, 6971 
der werlde barn, Ernst 13. der Adelheide barn, Ernst 115. 

bar-sekaft* stf. Bargeld : so schaff ich von der barigschaft, di 
ich lass, das sind 1 guidein und 35 gr. — Igl. Stb. III 112 a. 

bart stm. PI. berte Bart als Zeichen der Mündigkeit. Geschlecht: 
reife: die nicht part haben, werden darumb vorkorn (nicht zv\ 
Zeugenschaft zugelassen), wann in ist noch nicht des gemutes richtun 
u. sein die jungen unter XIV und die meide unter XII jaren, Cons 
IV. 12,4. 

hart = Panther s. part. 



barte — bau-leute. 51 

harte siof. breites Beil, Brunn Str. II 187. das sie eine barte 
an dem Schilde füren, dorait ire vorfarn weren geköpft, Böhm. 
Chr. 73. wen die barte nber ewerm halse wirt sten, 55. so wirt 
euch die parte an den halz gesaczt werden, 106. der henger (Henker) 
hatte eine p. in seiner haut, 56. wie er dem kinde mit einer parten 
absluge, 21. 

bartocht, bartecht s bertecht. 

bariich (bäruc, — ckes) stm. — äer Gebenedeite, Titeides Ghali fen. 
der b. daz, ampt hat, daz, al der heiden admirät muoz, riebe und erön 
yon im enphän, Alex. 17153. 17149. 17335. 17339. 

bariin stm. Baron, Großer des Reiches, geistlicher oder welt- 
licher Herr, Trist. 517, s. unter lant-herre. 

bar-füz, (=bar — vuoz, — vüez,e) Adj. nacket und parfus W— 
B Js. 20, 4. predigern, parfussen (aus diesem Orden) und spital sol 
man nicht mer geben, wenn zu einem tisch geste haben, Eger Str. 
C24. 

bas, baz, Adj. u. Adv. Komp. v. wol: trat hinezu bas (propius), 
W — B Gen. 44, 18. pas, passer = wohl, besser, Chr. Eger 1186. 

basauient-borten* swm. von fr. passement, Borten zur Ver- 
zierung oder Einfassung, Chr. Traut. 323. 

baselisken-auge * (v. basiliske siom.) stn.: Pitagoras gleicht 
uns zu eines mannes schein, der het baseliscenaugen, die wanderten 
an allen enden der weit, Ack. 23, 14. 

hast stmn. (PI. beste) Rinde, Bast: mit dem seibin baste — 
an der eichin aste erhink er sinen gevatir, Dal. 86, 6 (34, 101). 

bau, bü (bü, bou, Gen. büwes) stmn. Bestellung der Felder u. 
Weingärten: nieman buwes dar in phliget, Wh. v. W. 3856. sol hinfur 
das selbig paw also yn der hoch, als iecz stet, pleiben uud nit hoher 
pawt werden, Igl. Stb. V 168 a. 

bauchet (bücheht) Adj. bauchig: daz, pauchet kendl, Igl. Stb. 
V96a. 

bauen (buwen, biuwen, bouwen) unregelm. swstv. intr. ange- 
messen sein, wohnen; tr. das Feld bestellen; bewohnen; daz, mer b. 
li Schiffahrt treiben; die strafe b. sich einen Weg bahnen, ihn gehen, 
1 fahren, absol. seine Zuversicht gründen auf. alle dink sint mir er- 
»laubt, wan alle dink pawent nit (aedificant, alles ist mir erlaubt, aber 
\ nicht alles erbaut), T — B I Korinther 10,23. s. auch biuwen. 
bauer s. bau wer. 

bauer-pferd* stn. Zugpferd: Traut. Chr. 183. 
bauer-sechswöchnerin* stf. Bäuerin, die vor 6 Wochen ent- 
mbunden hat, Traut. Chr. 351. 

bauke (ptike) swf. Pauke: die zwene puttel haben die (wegen 
[Unzucht gefangen gesetzte) maid mit der paucken zum Pruckthor 
ijlhinaus getromelet, Eg. Chr. 918. 

baukeu swv. mhd. püken die Pauke schlagen: der poukenden 
«jungen vrowen, W — B Ps. 67, 26. tymbanistriarum. 

bau-leute (=bu-liute) st. PL Bauern: pauleute, die das feit 
u|pawen (camporum eultores), Const. I 15, 10. durch armer pauleut 
M\(= Bergleute) wegen, Igl. Bgr. 1, 1. ebenso: unseres gebirges pau- 
leute überheben an czerunge u. kosten , Const. I 9, 1. bouleute (= 
Bauern), W— B Gen. 47, 19. 

4* 



52 bau -lieh — be- dachen 

bau-lieh (bin-, bft-lich) Adj. in pawlichem wesen {Bauwesen) 
mit thoren, thurrae, Elbog. Chr. 55, 1. 

hauin (= boum) stm. Baum (ein seltsamer Gen.l): es mag 
auch kein haut das minste blat des baumens gemachen, Sol. 24, 29. 

bau-inan stm. 1. Bauer, 2. Pächter eines Bauerngutes, 3. Berg- 
bautreibender: 1. Dal. 28, 28 (5, 34) nemt iueh czu herezog ein pauman 
160,31 (70). 3. wer aber das ein ander pauman das ding fleissiger 
gepawet het, Const. IV 19, 3. 2. Ist aber, das ein herre seinem bau- 
manne vor scheppen verbeutet, das er niemande seinen reyen breche 
oder er müsse dasselbe verbussen, domit wirt der herre ledig unde 
der b. sal die busse leiden, awe er imande seinen reyen brichet, Igl. 
Str. S 370. 1. er was ein bauman der philistischen erden (colonus 
terrae Palaestinorum). W — B Gen. 21, 34. den lantman und den 
bouman, der do bei euch pilgereimet (indigenae et colono, qui 
peregrinatur apud vos), W — B Ex. 12, 49. s. büman. 

baum-garte swm. Baumgarten: wie sie (die menschen) peltzen 
baumgarten, Ack. 53, 16. do man noch poumgerten siten (wie in 
Obstgärten) wasser doreinleitet, "V\ T — B Deut. 11, 10. 

bau- recht (= bü-recht stn. Hofgerechtigkeit, Grundeigentum : 
Das Baurecht soll mit nachfolgenden Worten gehegt werden, Chlum. 
VI 1. 

bäurisch* Adj. bäuerlich, bäurisch: die gert ist ein zeichin 
miner paurischin gepurd, Dal. 30, 14 (6, 15). von einer p. art, 30, 21 
(6,23). 

bauunge stf. ~Wohnung, Erbauung: in der powunge (in ex- 
struendo), W — B IL Par. 14, 7. czu bawung der bergwerk holez 
kauften, Igl. Bgr. 26, 3. di ding, di da sint zu der pawung, was zw 
Erbauung dient, F — B Römer 14, 19. der da weissagt, der redl 
den menschen czu der pawung und zu der Unterweisung, I. Ko- 
rinther 14, 3. 

bau-wein (= bü-win) stm. Eigenbau: es sei Bau- oder Kauft' 
wein, Chi. IV 28. kein fremden wein ins Aigen führen — dieweil 
Bawwein vorhanden ist, Chi. DI 18. 

bauwer (büwpere, bouwaere) stm. Bauer, Erbauer, Schöpfer: de: 
erden kloses pawer (= Gott), Ack. 56, 20. 

beainis* stm. (franz.) schöner Freund, Geliebter: min b., Trist 
4775. 

becke swm. Bäcker: ich Wernel der peck, Eg. Achtb. I lc 
Walther Kupferberger, der peck, II 36. 

beckel-lmot* stm. den potestät sluoc Tristan durch den 1 
unz uf die zungen hin zu tal, Trist. 3304. 

beeken-geselle swm. Geselle eines Bäckers, Olm. Stb. 101. 

beoken-knl'cht* stm. Bäckergeselle: den hermann, peckenkneclr 
Eg. Achtb. II 36. Wilhelm, p., des nickel wagners sun, II 100. 

beeken-werk* stm. Zunftstube der Bäcker: Die Peckei 
peckengesellen ader Mulner, czwischen den ufstoss und krieg g( 
schee, die sullen das an die gesworn Meister uff dem Peckenwer 
bringen und sich dorumb — lassen vorrichten, Olm. Stb. 101. 

becken-zeche stswf. Bäckerzunft: Traut. Chr. 116. 135. 

be-dachen swv. mit einem Dach versehen, so gar ist ez, (da 
hüz,) vermüret und bedachet, Trist. 5780. 



bedacht — be-gehung 53 

bedacht, beclaht part. Adj. s. bedecken. 

be-dächt part. Adj. bedacht besonnen: wer umb bedahten mut 
beklaget und beredt wirt oder mit bedähtem mut ein unfuge tut, 
der mus der stat 5 pfunt geben oder nem sich selbe dritte davon 
mit dem rechten, Eger Str. B 36. 

bedechtnusse stf. Erwägung, Const. I 4, 5. 

be-decken swv. bedecken: bedackten ire pürge (castra) W — B 
Ex. 16, 13. aller siner huoben velt hete bedaht ein cleinez gelt, 
Alex. 4745. 

be-deckung stf. Bedeckung, Beschönigung: b. seins unbillichen 
handeis, Eg. Chr. 1164. 

bedenken swv. refl. sich besinnen: das er sichs bedechte (ad 
meditandum) W— B Gen. 24, 63. 

be-deuter s. bediuter. 

be-deutlich (be-diuteclichen) Adv. 1. deutlich, 2. bedeutungs- 
voll, 3. nämlich*: 3. wan si (meine zwei sun) zu iren ver- 
nünftigen jaren kumen, b. zu achtzehen jaren, des mechtig und 
gewaltig sullen sein, Igl. Stb. III 148b, c. ain hantfesten uff 16 
grossen jeriges czinses uff der stat czum Czaslabs, b. uf der ganczen 
gemaine III A 161. mit den urburern b. ubereinkomen, Const. II 4, 12. 

bediuter stm. Ausleger: als mir der rede bediuter {mein 
Geivährsmann) jach, Wh. v. W. 2078. 

be-drangen, -drengen swv. bedrängen: stete und inwoner wider 
ir recht und freiheit bedrängt werden, Elbog. Chr. 134, 7. 

be-drücken siov. niederdrücken, überivältigen: er wart bedruckt 
mit swerem slaf, T— B Btb. 20, 9. 

bedanken swv. (Prät. bedühte, bedüht) : dich bedaucht (Praet.), 
du habest uns wenig gegeben , Sol. 66, 32. dich hat bedaucht in 
deinem sinne, Hier. 221, 12. 

be-dunkuug stf. Meinung, Vorwand, T— B Btb. 27. 30 

begabung, begebung = stf. Schenkung, Chr. Traut. 17. 18. 

be-gach s. be-jehen. 

be-gän s. be-gen. 

begateu (mhd. begaten, md. begaden) sivv. 1. erreichen, 

treffen, 2. ins Werk setzen, durchführen: nü was der turnei begat 

t. Wh. v. W. 7364. = mit einem Gatten versehen: wie wol ist im 

geschechen, den du mit einem reinen unvermeiligten gatten (= 

Weibe) hast begattet, Ack. 12, 18. 

begeben stv. I, 1 trans. hingeben, unterlassen, freilassen; refl. 
sich in ein Kloster begeben: sit sin begeben (seid dessen überhoben), 
Alex. 15105. kint bestaten oder begeben in orden, Eger Str. 
B 19. 

be-gechung s. be-jeehnng. 

begegenen, begeinen sivv. begegnen, feindl. entgegentreten: 
welicherlei Sachen dir sei von uns mit zwenglicher gewalt begeint, 
. Ack. 4, 2. wunder nimpt uns sollicher ungehorter anfechtung, die 
uns nie mer hat begeint, Ack. 5, 12. afterrew musz iedem ver- 
warren man begeinen, 19, 2. das im nit Unwillen darnach begeine, 
28, 10. mir snlches ruches vormals nie begeint was, Hier. 114, 4. der 
erste, der dir begant (ivohl begeint) wirt, Böhm. Chr. 19. 

be-gebuug &. be-jeehung. 



54 be-geitigeu — be-ginstnuss 

be-geitigen* swv. begehren: der da sieht daz, weip sie zu b., 
ieczuut hat er sie geebrecht in seim hercz T — B Matth. 5, 28. daz, 
fleisch begeitiget (gelüstet) wider den geist, Galater 5, 17. als auch 
sie begeitigen (sich gelüsten lassen), I. Korinther 10, 6. ir begeitigt und 
enthabt nit, Jak. 4, 2. der geist, der da entweit in euch, der be- 
geitigt zu dem nide (hat der Geist, der in uns icohnt, einen Hang 
zu dem Xeide?), Jak. 4, 5. nit begeitig daz, ding deinz, nechsten, 
Körner 13, 9. 

be-geitiger* stm. einer, der etwas begehrt: daz, wir nit sint 
b. der ubeln ding. I. Korinther 10, 6. 

begen, begän unregelm. stv.red. hier festl. begehen, feiern: Die 
herzoginne zucht begienc (übte, zeigte): in wirde sie alle enphienc, Wh. 
v.W. 1-406. mit einander lieplich sie (Tristan und Gäwän) sich begiengen 
= waren gegeneinander sehr liebenswürdig, Trist. 2671. Des morgens, 
do wir in begiengen (bestatteten), do legten wir seinen heiligen 
leichnam bedachten mit einem leinen sacke — bei der krippen, 
dorinne unser herre Cristus in seiner kintheit etwenne geweinet 
hat, Hier. 95, 6. do si (di amptleut) begen und üben, Igl. Bgr. 116. 
wen man den lieben seien — mit einem selambt wurd begeen, 
Igl. Stb. V 257 c das uns diee reuplich beschedigung — gancz un- 
besorgt (unvermutet) und unbewart bescheen und begangen, Eg. 
Chr. 1141. 

begengnüsse (= beganenisse) sin. Leichenbegängnis: man sol 
zu einem itlem begenknüsz nicht iner kerzen haben dann vier u. ein 
opferlicht, alle nicht über 16 pfunt, Eger Str. C 37. ire forfordern 
und erben mit einem loblichen b. und jartag begehen lassen, Elbog. 
Chr. 12,11. 2 = Lebensunterhalt: zu dem begenknisse deiner meide 
(ad victum ancillae tuae), W — B Spr. 27, 27. 

begerig (= begirec, begiric) Ad}, begehrenswert* : du lustige, 
begerige speise, Hier. 88, 13. Es ist auch nicht des begerigen 
(volentis), Sol. 51, 21. 

be-görn swv. mit Gen. oder an: auf bergwerk, wo man an uns 
begert, Igl. Bgr. 107, 2. 

begerung stf. Begehren, Wunsch, Gegenstand der Sehnsucht: 
Nu mus ich dich vinden, begerung meines hertzen (desiderium), 
Sol. 2,6. b. aller der gutete, domit du mich genert hast, Sol. 33, i2. 
36, 32. dorauf ist seine (des Satans) einige begerung, das er die sele 
fresz , 42, 30. auf das ich mit ewiger b. dein beger , 30, 3. b. des 
fleisches oder der äugen, Ack. 48, 3. sundige b., Hier. 11, 6. nicht 
wander furbas mer nach b. des fleisches, Hier. 18, 12. b. = desiderium 
Sol. 98, 20. die rufenden begerungen unserz, herren, Sol. 102. 34 
affectus, cupido, W— B III 56 b. V 6 b. 42 d. T— B Joh. 8. 44. 

begießen stv. III benetzen, Midi, von Gnaden gesagt: dei 
süez,e name (Krist) in so begöz, Wh. v. W. 351. 

beginmiss stf. Anfang: liecht, das in der b. gesprochen hat 
werde liecht! Ack. 56, 1. 

begiustnuss* stnf. (r. mhd. beginst stf.) Anfang: b. aller weis 
heit ist vorcht unsers herren, Hier. 21, 5. ein b. aller bösen ding« 
ist, wer seiner krankheit turstiklichen gelaubet, Hier. 21, 10. dt 
bist ein b. u. auch ein ende aller dinge, 88,6. 87,22. got b. unc 
auch ein ende ist aller schepfenunge, 146, 3. in beginstnusse meine 



be-girde — be-gnügung 55 

rede, 150,5. 151,9. von b. = a principio, Sol. 63, 8. als du mich 
in der b. von nicht gemacht hast, Sol. 52, 14. das wort, das gewesen 
ist in dem b. bei got, das ist engelisch creatur, 22, 3. u. 6. wort, 
das in dem b. gesprochen hat: werd ein licht! 10,29. deine guttet, 
die du mir von b. her verlihen hast , 19, 2. höchste worheit und 
worhaftige höh u. b. aller schepfung, 23, 23. aller ding b. und auch 
end. vor dem b. und vor dem anheben der werlt bistu got, Sol. 

77. 23. unwandelbar b. sint in dir, 77, 30. b. aller creatüren, 83, 5. 
als si (die majestat) nie b. gewan, 83, 9. 

be-girde, -gerde stf. Begierde, Verlangen: do wir horten des 
hofmeisters b. (= Begehren), Igl. Rspr. III. 

begirlich Adj. begehrenswert, desiderabilis: begirliche (aus- 
erivählte) steine, W — B Js. 54, 12. geben wil ich dir die begirliche 
erde (das Land des Verlangens , das ersehnte Land), das uberclare 
erbe der here (exercituum) der heiden, W — B Jer. 3, 19. 

be-girlich Adv. 1. mit Begierde lüstern, 2* inständig, ein- 
dringlich: bitte wir euch b., Igl. Stb. II 102 c. 

begirimge = begerunge stf. Verlangen: grosze b., grosze lib 
haben sie zu uns, Sol. 66,1. nim von mir die b. (concupiscentias), 

29.24. verterb mein b. mit deiner suszikeit, 30,1. die werlt ist 
voller strick der b. , b. des fleisches und der äugen, 30,16—20. so 
wirt ersetet alle begirung meines hertzen, Sol. 32,37. Sol. 92, 36. 
aber das gemeine gemischte volk — braute in der begirunge des 
vleisches, W— B I 143c. (Num. 11, 4). 

begnaden sivv. ein Privileg erteilen : Chr. v. Traut. 35. 

begnädunge stf. Privileg (bei Lexer nur 2 Belege): oder sie 
werden die b. Verliesen (Privilegium amittere), Const. II 4, 5. Traut. 
Chr. 4. 14. 

be-gnügde* (= genüegede) stf. Genüge, Befriedigung: von 
der begnugde dez, herczen rett der munt (aus der Fülle des Herzens), 
T— B Luk. 6,45. 

be-gniigeu (begenüegen, be-nüegen) swv. genug haben: der da 
hat dem wirt gegeben und im gegnugt (bis er genug hat), T — B 
Luk. 19, 26. Matth. 25, 29. von den dingen , der in begnüget , Luk. 
21,4. wie manige mietling begnugent brotz, Luk. 15,17. di e 
under in gieng (subintravit, ist dazivischen gekommen), daz, di misstat 
begnügt (überhandnehme), Römer 5, 19. wan neur begnüg eur ge- 
rechtikait nit iner den (nicht vollkommener sein ivird als) der schriber 
und Phariseer, ir get nit in daz, reich der himel, Matth. 5, 20. 

be-gnüglich* Adj. hinreichend groß, reichlich: si habent ez, 
(daz, leben) begnugclich = damit sie das Leben haben überreichlich, 
T— B Joh. 10, 10. ain b. menge, Btb. 14, 1. er macht ein begnug- 
lichez, wort, Btb. 11, 1. 

be-gmig-sam* stf. Überfluß, Fülle: wan von der begnugsam 
des herczen redet der munt, T — B Matth. 12, 34. 

be-gniitftler* Adj. reichlich: si (die Ältesten des Rates) gaben 
begnugtleren schacz den hutern (den Wächtern des Grabes viel Geld), 
T— B Matth. 28, 12. 

iK'-tfiiiitfiing* stf. Hülle, Überfluß: ich kum zu euch in be- 
j gnugung de/, segens Kristi, T— B Römer 15, 29. di b. der gnaden, 
Römer 5, 17. 



56 be-grabmige — behabeu 

be-grabunge stf. Begräbnis: das sie in ein rechte e treten 
(an Stelle der bisherigen freien Liebe) und ir b. betten auf den 
heiligen steten, Böhm. Chr. 32. 

be-grebde stf. Begräbnis: an dem tag meiner begrebd, T — B 
Job. 12, 7. 

be-grebnis stf. Grabstätte*, Chr. Traut. 64. = Bestattung der 
Toten: es würde uns messe, bigrebnisse nidergelegt und benomen, 
Stb. Brüx 379. zur kirchen und begrebnus belayten, Igl. Stb. V 
177b. 

be-grebtnis* stf. Begräbnis: kost die b. 28thahler6w.gr., 
Eg. Chi-. 715. zu irer begrebtnus, 542. 550. 

begreifen stv. II umfassen, in Worte fassen, ergreifen, in 
sich fassen, mit dem Eid bekräftigen: ob sie in in ichtes irresales 
begreifen mochten, Hier. 12, 21. ob mich ein slaf begriffe, 10,17. 
nu mus ich dich b. , gut = amplectar te bonum, Sol. 2, 20. = in 
sich fassen: Chr. v. Traut. 128. das si (die Briefe) in allen iren be- 
greiften (dem Inhalte nach) untuglich sein und furbas niere kein 
kraft noch macht haben, Mind. Egerl. 22. die geezeugen müssen das 
b. mit irem ayd, Igl. Str. 300. wie im gescheft begriffen ist (wie 
es im Testament steht), Igl. Str. (71) S 337. di gewaltigen be- 
griffent (Druck: begriffen t) ez, (daz, reich der himel), T— B Matth. 
11. 12. 

begreifung stf. 1. Umfang, 2. Inhalt, 3. Verständnis, ^Macht- 
bereich*: 1. hantfesten in allen iren meinuugen und begriffungen, 
Stb. Brüx 225. 2. Chr. v. Traut. 128. 168, 25. 4. Selig sei der herr, 
der uns nicht gegeben hat in b. irr zen (in captionem dentibus 
eorum), Sol. 43,28. 

begrüez,en stov. 1. begrüßen, 2. zum Zweikampf herausfordern, 
3. gerichtl. ansprechen. 3. Chi", v. Elbogen, S. 10, 3. di mülner sullen 
die herren des rats begrüssen und bitten, Igl. Stb. V257c. 

begimtnusse* = beginstnus stfn. Anfang: Und wann die 
laduuge ein beguntnusse und ein grund ist der ordenunge des 
rechten, so sullen wir dovon als von dem furnemigisten teile von 
ersten besehen, Const. IV 2, 1. 

begürten swv. begurte, begurtet u. begurt, umgürten, erfassen : 
den gurtel der kunige entloset er und begurtet mit einem stränge 
ir lenden, W— B Job. 12, 18. ain ander begurt dich, T— B Joh. 21, 18. 
betrachte, — wie ich mit swaere bin begurt, Wh. v. W. 1081, de* 
herre, mit sinnen begurt (mit Verstand begabt), alsüs stunt sin ant- 
wurt, 3875. solich angest in begurte dö man in ze dem töde fuorte 
Alex. 18377. der lip mit jämer was begurt, 9320. liute unde lanl 
mit solichem jämer wurden begurt, 4081. mit leide b. 2044. mit 
strites antwurten sul wir ir craft b., 12189. ob nü iuwer höht 
geburt der gote sippe hsete begurt, 10678. 

behabeu swv. (sieh auch anbehaben) behaupten, festhalten 
gerichtliche Klage oder Forderung gewinnen: Brunn Str. 38. Wei 
dem andern ein ross, das her im vervangen hat , anbehabt , der mag 
die eisen und den czaun czu demselben rosse nicht behabeu, Igl 
Str. 92. das hernach geschrieben stet in einem geoffenbarten ge 
tichte, die in kriechischer czungen und puchstaben sint behabei 
{abgefaßt), W B IV 174a. Esther 10, Anm. her muss es behabei 



be-haft — behalter 57 

auf dem creuze (durch einen Eid), das her das (ihm anvertraute) 
swert verloren hab , Igl. Str. 196. mit derselben hantfest mag her 
nichtesnicht b. noch beczugen, 67. er gebärt (benahm sich, schenkte 
so reichlich), als er niht behaben wolt, Wh. v. W. 1617. unser 
frouwe (die Wirtin) an uns ir pris behabet hat, 1671. Er behabt 
sinen Stollen mit recht, Igl. Bgr. U— B 15. der den ganch enphangen 
hat von erste, der behabt sin recht daran also, das sin ganch 
pi dem ersten von den schephen gehawen wiert, Igl. Bgr. U — B 5. 
wer das — ercz — pehaben schol, U — B 24. Holofernes behabte 
(obtinuit, bemächtigte sich) alle stete u. alle woner der erden, W— B 
Judith 3, 7. sie waren behabt mit (ergriffen von) micheler vorcht, 
T — B Luk. 8, 37. er wolde ouch den selben knaben (des Bess^ls 
Sohn) — die lant b., Alex. 17624. 
be-haft s. be-heften. 

behage stf. (auch behege) Gefallen: sie waren wol in sime 
behage (= waren von ihm gut aufgenommen), Wh. v. W. 5014. den 
wirt zu belügen, ist vlt, der werdekeit behage, 2681. 

behagen swv. gefallen mit Dat., md. auch mit Acc: allen den 
herren er (sin rät) behaget, Wh. v. W. 6021. ob dir gerechtigkeit 
behaget, Hier. 84, 25. Es behagt den eldisten auch , das ein ieder 
perkmann sein recht gancz in gemessen pergen, in lehen und in 
lehenscheften behalde, Const. III 1, 9. was heute richter und 
scheppen behaget, das missevellet in morgen in einer semlichen 
geschieht, Const. I 5, 8. das ich behage vor dir (ut placeam coram 
Deo) W— B Ps. 55, 13. 

be-halden, be-halten stv. red. 1, 1 für sich behalten, bewahren, 

bewirten, einhalten, vor Gericht erhärten, gewinnen: der kunig wirdet 

nicht behalden (gerettet) mit seinem reichtume noch mit kreften, 

Hier. 29, 13. dasselbe ist nur der einige weg, domite man das 

himelreich beheldet, 43, 8. wann in diesem heutigen tage alle seine be- 

gerunge behalden hat Jeronimus (seine Wünsche erfüllt gesehen), 102, 12. 

ab der perkmeister das dorste b. auf dem cruez mit seinem eide, Igl. 

Bgr. 117, 2. ein sotan eigenknecht ist genant von b. (a servando), 

Const. IV 12, 2. Und ist es, das iener, der geladen ist, als oft 

geschieht, laukent, das di ladunge czu im nicht komen sei, so mag 

der lader das behalden mit seinem eit an cz weiffei, Const. IV 2, 2. 

| die urborer sollen — alles perkvolk vor allen unrechten unschadhaft 

■ behalden u. beschirmen, I 2, 1. I 4, 2. als der perkmeister der ersten 

•leiunge bekant hat und es auch mit seinem eide behalden hat, Igl. 

i Bgr. 34, 3 u. 4. Polimites vor milte niht behielt, Alex. 3136. — 

tretten: o her, macht uns behalten (rette uns), T— B Matth. 8,25. 

J14, 30. dein treue hat dich gemacht behalten (dein Glaube hat dir 

{geholfen), Matth. 9,22. die andern macht er b., sich selber mag er 

nit machen b., Matth. 27,42. Luk. 23,35. verstecken: do nam die 

junckfraw Gutte an sich ein kappe und behilt sich hinter dem alter 

MAltar) Böhm. Chr. 42. Kochan behilt sich under einem stein, 34. 

be-halderin s. be-halteriu. 
t behalter stm. Beobachter, Halter, Bewahrer, Erlöser, Vormund, 
\Ort, wo Fische gehalten iverden, Chr. v. Elbogon 97. 24. Jhesum den b. 
Ilsrael, T— B Btb. 13,23. des behalters Jhesu Kristi, II. Petri 2,20. 
wir paiten des b. unsers Herren, Philipper 3, 20. ein b., der da ist 



58 be- halterin — be- heften 

Christus, Luk. 2, 11. Götz, unsers b., Titus 3, 4. got, mein b., Luk. 1, 47. 
ein gewer b. der werlt {wahrhaftig der Heiland der Welt), Joh. 4, 42. 

be-halterin stf. Schützerin, Retterin: schara ist ein behalderin 
der sselikeit. Ales. Anh. 1526. 

be-haltig, be-haldig Adj. verborgen gehalten: eine behaldige 
turstikeit = fidueiam repositam, Sol. 22, 32. sein fraw — sol 
behaltig sein alles des (es behalten), das er hat und gebrauchet czu 
tische und czu pette, Igl. Stb. II 139 c. ob wir daran (dem christl. 
Glauben) behaltic sin (daran festhalten), Wh. v. W. 5816. 

be-halt-lich* Adj. schützend, Rething bringend: der tilgende 
taete — die wären im b., Alex. Anh. 101. 

behaltnusse stf. (= behaltnisse): nach behaltnusse meiner 
gelubde = meinem Gelübde geynäß, Hier. 151, 1. mit behaltnusse 
des rechten (aequitate observata) , Const. IV 18, 9. si sullen das 
wasser in seiner b. behalden (in reeeptaculo), II 3, 7. 

be-halt-sam* stf. Rettung, Heil: daz in got geh di b. durch 
sein hend, T— B Btb. 7,25. die b. ist in diesem, Btb. 4, 12. Offenb. 
7, 10. Römer 10, 10. der Juden misstat ist ain b. den haiden, Römer, 
11, 11. daz, dise b. Götz ist gesant den haiden Btb. 28, 28. daz, du 
seist zu ainer b. unez an daz, end (Grenze) der erd, Btb. 13, 47. ich 
pitt euch zu enphachen di speiz, um euer b., Btb. 27, 34. heut ist 
gemacht b. disem haus. Luk. 19, 9. allez, fleisch sieht die b. unsers 
Gotes, Luk. 3, 6. b. ist von den Juden (das Heil kommt von den 
Juden), Joh. 4, 22. daz, hörn der b., Luk. 1, 69. enphacht den heim 
der b., Eph. 6. 17. geben wissentheit der b. = Gewißheit des Heiles, 
Luk. i, 77. mein äugen, die habent gesehen dein b., Luk. 2, 30. daz, 
erbe der b., Juden 1. 14. 2. 3. 9, 28. daz, Evangelium ewer b.. Eph. 
1, 13. zu der b. durch den glauben, IL Timoth. 3, 15. daz, mir diez 
kamt zu der b. (zur Seligkeit gedeihen wird), Philipper 1, 19. 1,28. 
2, 12. nu ist gemacht b., Offenb. 12, 10. 

behaltung stf. Erhaltung, Behauptung, Behälter, schützender 
Ort, Schutz: meres stram mit aller irer b., Ack. 11, 1. die erde unde 
alle ire b. ist auf unstettigkeit gepawet 51, 8. bei behaldung seiner 
sele, 01m. Stb. 84. bei b. u. vorlast irer seien, Olm. Stb. 76. aber 
die behaldunge (Inhalt) des briefes was die, so das allen landen 
luint wurde, das bereit weren die Juden zu nemen raehunge von 
iren veinden, W — B Esther 8, 13. czu pesser Sicherheit und'] 
pehaltung diez meins gescheffts (Testaments), Igl. Stb. V 41c 

be-hanthaben* swv. einhalten, daran festhalten: als alle handl 
und aussaezung in dieser stat Olomuncz bei irer aussaezunge und ge- 
wonnenen behanthabt werden, Olm. Stb. 132. S. 103. 

be-hausen s. be-hiisen. 

be-hausuns* (be-hüsunge) stf. Wohnung: Eger. Achtb. II 170 
190. 196. 157. 202.' 216. 221. 

be-heften swv. Prät. behafte, Part, beheftet, behaft, umstricken 
fesseln, begaben: daz, vordertail des schiffes belaib beheftet = bliel 
unbeweglich stecken, T— B Btb. 27, 41. behefte mich, herre zu deiner 
vorchten, Hier. 22. 17. er (min vater) hat bi lebelicher kraft eine; I 
forsten tochter mir hehaft (mich mit ihr verlobt), die ich nach sinn 
töde nam, Wh. v. W. 6632 f. vil Beheni wein von im behaft (ge ! 
fangen worden) Dal. 60, 27 (21, 54). 



be- hegen — be- helfen 59 

be-hegen swv. hegen, als Eigentum schützen, in Anspruch 
nehmen: wann er mit sulcher sach des gutes icht beilegen mug oder 
gclmlle, Igl. Str. 232. 

be-heg-lich, be-hegelich Adj. wohlgefällig: iuwer rät — 

sint wöI behegelich, Wh. v. W. 1768. ,bene' das saget behegelich, 

; b. gevellet wol, 4322. do ist in der nasen der ruch verzimmert zu 

beheglicher senftigkeit alles lustsames u. wunnsames riechens, Ack. 

Ij 39, 5. wenn mir mein b. zeit und der libe tag meiner seiden itzund 

I komen ist (mein Sterbetag), Hier. 18, 18. wie b. auch dem al- 
[ j mechtigen gote sulche predige sei , 24, 27. das er b. sei der gnade 

seines kuniges, 42,6. wer sulch opfer b. dem almechtigen gote, 

II 49, 23. die reichen leben in beheglichen (= behaglichen) suzzen tagen, 
I 56, 15. gewinne dir behegliche wort, domite allermeniclich geleret 
{ werde, 70, 12. hochfart u. geitikeit nicht beheglich sein dem al- 
j mechtigen gote , 107, 8. als dir behegleich gewest ist (complacuit), 
1 Sol. 25, 25. behegleiche senftikeit der ruch (odorum suavitates) 54, 9. 
I als dir b. was (placuerit), 63, 18. als das langest beheglich gewest 
I; ist, Const. I 7, 22. Was einst b. gewest ist, das sol furbas nicht 
: missehagen, 1115,2. so das es sei beheglich (placabilis), W — B 
I Lev. 19, 5. das beheglich ist in den ougen unsers herren, Deut. 12, 28. 
I das beste wil ich tun, was im b. ist, Judith 12, 14. das es niuge 
I beheglichen gesein (placabilis), Lev. 22, 29. got mache in euch be- 
1 heglichen {gewogen), Gen. 43, 14. in beheglicher czeit (tempore 
;f placito, zur Zeit der Gnade) hab ich dich erhört, Js. 49, 8. got be- 

hegenleich zu sein (placere) Sol. 87, 2. daz, behegleich sei dem smack, 
(■75,7. 69. einen solichen (vormund), der do meinen kindern und der 
.1, ganzen gemein tugleich und behegleich wer, Igl. Stb. III 149a. 
i' imantz, der in nicht b. were — aus der stat Urlauben, Elbog. Chr. 
\ 108,40. 

beheglichkeit = be-hege-licheit stf. Wohlgefallen, Willkür, 
nj eigenes Ermessen, Gefallen: damit czu tun u. czu lassen nach der 
iijjb. ires willens, Igl. Bgr. 53,7. unsere unverdrossen diuste mit stetir 
■>\ biheglichkeit u. wolgefallen, Stb. Brüx 379. daran erezeigt ir uns 
-<[! sonderliche b. u. wolgefallen, Mind. Egerl. 36 u. 69. daran ir sunder- 
=: liehen unserm gnedigen herren dem Römischen u. Behemischen künige 
jjiigrosse b. und danknemkeit tut, Mind. Egerl. 46. unsern fruntlichen 
i "(linst in steter beheglichkeit zuvor, Igl. Rspr. V S 51. unser b. stete 
zuvor VI. 

Beheim stn. Böhmen: Beheim ich bescheid alsus: ,be' das 

.t;diutet beatus ,heim' domus oder mansio, das sprichet ouch ze diute 

so; ein eigen hüs u. staetiu wonunge, Wh. v. W. 4353if. kunig czu 

Beheim, Sol. 1,3. kunig czu Behem, Igl. Bgr. L T — A Einl. do berg- 

'i .werk fanden wart in Behemen u. in Merhern, D I R I Einl. Der 

Name kommt bekanntlich von den kelt. Bojern; ihre Nachfolger, die 

i \germ. Stämme Böhmens, übertrugen ihren Name?i Bajo-varii = Be- 

> \wohner des Landes der Bojer (Baia), auf Bayern. 

be-liiUi' stm. Ausflucht, Voncand, Chr. Traut. 127. 

be-helfeii stv.1,3 behülflich nein, rejl. als Hilfe brauchen: das 

man in keinen andern ader andere denn unsere kunigliche macht 

ader an unsern camerer furpas beruften u. behelfen sal (ut — appelletur 

provoceturve), Const. I 5, 10. kein gewouheit mag die deupheit be- 



60 be-heltnusse — be-hendig-keit 

helfen, II 2. 13. an dem tage des heiles bin ich beholfen gewesen 
dir (auxiliatus sum tili) , W — B Js. 49, 8. sich auf etwas behelf en 
= sich darauf berufen, Chr. Elbog. 17, 27. behelfen mit dem rechten, 
Igl. Rspr. I. das dasselbe Hause unser offen Hause sein soll, uns 
davon, daraus u. darein zu behelffen zu unsern nötten wider alle 
unsere veinde , Mind. Egerl. 17. sunder das si uns und im (dem 
underkamerer an unser stat) geroten u. beholfen sein, Urkb. Aussig 
139. wer im dazu beholfen ist, Stb. Brüx 93. 

be-heltnusse = behaltnisse stf. Erhaltung, Wahrung: alle 
dise ding wollen wir, das si mit b. des rechten gepessert sullen 
werden (juris ordine observato), Const. IH 1, 7. die unsers rechten 
b. nicht achten (nostri juris observantiam), IV 1, 2. äne des rechten 
b. ader widerprengunge ader des rechten minnermige (sine jure 
retinendi, recuperandi aut minuendi, in 9, Einl. des rechten b. ist an 
dem, das einer gebrauche der silbergruben, als vor geredt ist, III 9, 1. 

Beheiuer-land stm. Böhmen: Böhm. Chr. 84. 

behemiseh Adj. böhm. (vielfach = tschechisch) Albrecht wolde 
die pebemischen czungen gar vortilgen, Böhm. Chr. 101. Ottokar II. 
sagt: ich wil machen, das man auff der prucke czu Präge kein p. 
wort wirt hören, 92. p. czunge Vorrede zur Böhm. Chr. 

be-hende Adj. geschickt zu brauchen, schnell von leibl. Gefügig- 
keit u. geistiger Eignung: Wo hat ie werkman gewurket so behendes 
und reiches werkstucke — als eines menschen haupt? Ack. 38, 15. 
darin (im menschen) alle behende werk, alle kirnst u. meisterschaft 
mit Weisheit sint gewirket , 39. 16. Arismetrica — der zal behende 
ausrichterin, 40, 16. ein prediger behender worte, ob er sein predig 
nicht bestetiget mit tugentlichen werken, der ist nur ein wind, 
Hier. 25, 25. die behenden weisen leute, 224,24. b. hantwerk, 
Const. II 3, 5. 

be-hendigen swv. (einhändigen, Gr. Wb. 5, 318): der teufel 
sein strick verborgen hat nicht allein in werken des fleisches — 
sunder auch in geistlicher Übung u. hat bebendigt (hat in der Hand) 
die selben sein strengen stricke, Sol. 47, 6. antwort — bei ein — 
langsamen boten b., Eg. Chr. 1162. 

be-hendig-keit stf. Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Schlauheit, 
List, Ausflucht: der capitel sint 34. darinn man hübsches sinnes ge- 
tieftes b. wol findet, Ack. 1, 5. er hat die Schilde irer (der Ketzer) b. 
mit feuriger kraft des gelauben verbrennet, Hier. 4, 3. dennoch mochte 
ich solche wunderhaftige b. mit nichte zu worte bringen, Hier. 
117, 13. wir widerweren auch aller alder gewonheit sotane b. (sub- 
tilitatem), Const. IY 20, 12. etwenne helfen alle b. der leute nicht, 
das man das wasser oben ausezihe, H 4, 1. Dorumb so sein vil b. 
(subtilitates) von den eitern funden, wie man dasselbe wassei 
ubertawer u. überwinde, die alle tage von den newen behendec- 
lieber gebessert werden, H 3. 5. so geet uns sere czu herezen 
di b., die gewonheit und irresal, di di fursprechen haben, Igl. Str 
299. solche b., di der leut ungeluk suchet noch gibt kein hülfe de) 
worhait noch der gereebtikeit (daß nämlich der furspreche, ehe ei 
sich zu etwas anderem wendet oder sich berufen hat. keinen Fuf 
wegrühren dürfe). 299. Igl. Rspr. VI S 55. wie ein rat auf in ertihtei 
b. noch seinem leib, ere und gut gestanden, Elbog. Chi'. 81, 46. 



be-hendig-lich — beide -samt 61 

be-hendig-lich Adj. u. Aclv. geschieht, genau: das mark meiner 
wurtzel besihestu behendicleicher (subtilius), Sol. 37, 1. 

be-hern sivv. mit Heeresmacht überziehen, erobern: Nabuchodo- 
noser streit wider Arphaxat und beherte in (obtinuit eum, ivard 
seiner mächtig) auf ainem grossen velde, das do heisset Ragau, W— B 
Judith 15. Und Holofernes steig über alle ire casteln und beherte 
alle gemawerte stete (obtinuit omnem munitionem) , Judith 2, 12. 
Gutam er gresunt hebert {eroberte er, ohne daß sie verletzt wurde) 
Dal. 98, 6 (42, 32). 

be-herten. swv. Prät. be-herte, -harte, Part. -hart, sichern, 
behaupten, bekräftigen, durch Kampf erzwingen: ob Wenczlab 
desselben geltes icht lieher sei czu b. und czu behalden mit seinem 
eigen briete, Igl. Str. 259. S. 153, 3. (über den Stabreim Gr. R — A 
S7ff.). das ir wellent beherten ir lande den pris, Wh. v. W. 
7301 f. sie wolden mit striten b. da^ sie im niht wurden diensthaft, 
Alex. 5970. ir behert (beraubt) mich nicht der eren min, 596. 

beninisch Adj. böhmisch: ir haus, gelegen in der Behmischen 
gassen (= Böhmgasse), Igl. Stb. 111199 a. 

behm-gasse swf. Name einer Gasse: in der pehmgassen, Igl. 
, Stb. V 98 a. 

be-holzen, be-hülzen swv. mit Holz versehen : ein ersam rath 
; hat dem galgen lassen new beholtzen, Eg. Chr. 332. 
behrn s. bern. 

be-hüllen swv. bedecken: dein gewant, mit dem du behullet 
I wast, mit nichte vor alder nam das ab, W — B Deut. 8, 4. sie behulte 
:ez, (daz, hundel) da mite, Trist. 4585. 

be-hüllunge* stf. Bedeckung, Überschattimg: in der behullunge 
deiner vlugel, W — B Ps. 35, 8. 60, 5. kein b. ist der verlust (nulluni 
'■■ est operimentum perditioni), Job 26, 6. 

be-bülzunge* stf. das Versehen mit Holz, Holzlieferung: auch 
Jsol inen die notdürftige b. zu irem pergwerke aus unsern Traut- 
inawischen (— kaiserl.) weiden — umb den gebürlichen waldzins 
ilervolget werden, Traut. Ohr. 253. vgl. berg-vreibeit. die wält 
{ weide) und b. (werden als Regalien aufgezählt), Traut. Chr. 
jjll3. 126. 

be-hurt s. bu-lmrt. 
be-hürten swv. s. buhurdieren. 

be-huseu sivv. 1. mit einem Haus versehen, 2. ansiedeln: 1. vil 
lierren er behüste do, Alex. 26128; 2. die hiez, er b. dar (in Theben), 
liilex. 3828. 

be-hüten (be-hüeten) swv. bewahren, beschützen, vorsichtig 
mein, verhindern: so behut (halte) di gepot, T — B Matth. 19,17. alle 
link hab ich behut (beobachtet, befolgt), Matth. 19, 20. 

bei Präp. mit Dat., md. auch Acc: du kennest nit golt bei blei 
ij'Htc/ii Gold von Blei unterscheiden), Ack. 46, 2. 

beident-, bedent-, beideu-halben Dat. als Adv. auf beiden 
Reiten: silbergruben sollen zu dem minsten 1 perglachter von einander 
entfernt sein, also das peidenhalben der runpaum sich gemachsamleich 
i |nuge umbkeren, Const. II 1, 4. 

beide-samt Abd. beide zusammen: paid-samt mit einander 
W— BIII 36 d. 



62 beierisch — bein-gewand 

beierisch Adj. Bayrisch: in den peierischen walt, Böbra. Chr. 
41. Dal. 106, 5 (46). 

bei-ge-stendig (= bi-ge-stendec Adj.) sin = beistehen, adesse, 
Igl. B. S 193. 

bei-graft (=bi-, be-graft) stf. Begräbnis: in dem tage der 
b., Hier. 95, 17. 96, 4. Saut Eusebius b. — zu banden nenien {in 
der Schrift besprechen), 150, 4. ein igleicb man bat vrei wilkor zu 
kisen sein b., wo er will, Prag. Bb. 110. keine beygraft haben 
(sepulturas carere), Igl. B. 43. das recht der beigrafte, W — B Gen. 
23, 4. czureisset ewer gewant und gurtet umme euch sekke u. 
claget vor der peigraft Abners, Kön. II 3, 31. als ein faules as 
wirstu nicht haben geselleschaft mit in noch halt in der p., Is. 14. 20. 
in p. eines esels wirt er begraben , Jer. 22, 19. und geben wirt er 
die posen umme die p. (pro sepultura), Is. 53, 9. des fürsten bigraft, 
Alex. 27216. beczalen die peygraft, Igl. Stb. V 149 b. ob sie mein 
hausfraw ir beigraft nicht hie wolt haben, III 153b. czu meiner 
peigraft, V 95 a. das sie zu den heiligen (in der Nähe der Kirche) 
beigraft hetin, Dal. 80, 21 (32, 38). 

bei-gürtel (= bi-gürtel) stm. Geldkatze: wer das habe gelegt 
in unser b., W — B Gen. 43, 22. der richter ruckte im (dem Diebe) 
einen b. aus dem pusen mit Pfenningen, Igl. Str. 271. er bette gelt 
gesehen in einer peigurteln (also hier sicf.), 271. pfennige in dem 
bigurtel sin, Dal. 55, 35 (18, 84). 

beihel (= bihel) stn. Beil: du bist gewesen ir hamer, ir 
amboz u. ir b., Hier. 66, 17. 

bei-lager, -leger (bi-leger) stn. Beilager : den 3. jan. 1586 hat i 
Augustus, churfürst zu Sachsen, sein b. gehalten, Eg. Chr. 705. dises 
keyserliche b. 3. des hern Hansen ehlichen beilegers, Traut. Chr. 109. 

beilde* (= bilde) stn. Beispiel, Bild: böz, beilde, Joh. v. Igl. 
5. Gebot. 

bei-leiftig* Adv. ungefähr: hett die herren b. 1000 fl ge- 
standten, Eg. Chr. 171. 

bein (= bin, bin) stswf. Biene: Von den peinen. Ein schwärmen- 
der Bienenschwarm, der sich in des Nachbars Hof oder Haus nieder- 
läßt, gehört dem, der ihn zuerst fängt, Prag. Bb. 133. 

bei-namen (= bi-, be-namen) Adv. im vollen Sinne des Wortes, 
namentlich binamen (fürwahr) ez, ist erbermeclich, swä zwei geliebe 
also scheident sich, Wh. v. W. 4113. beinamen = insbeso7idere, Hier. 
171, 30. ein warhaftiger cristen, b. ein priester und ein geistlichei 
man — sal nur got besitzen, 42, 16. das wir dich und dein heiligen 
und b. unsern heiligen St. Ieronimus also loben müssen, 129, 6. laser 
vil guter gebete und b. den salter 137, 12. ander dinge b. was in 
nach dem tode widerfaren was, 145, 13. allermeuniclicben und b 
hinge leute, 202, 8. b. ein leben von seinem stollenhaupt, Igl. Bgr 
76,4. 

beinen-wald s. bienen-v. ald. 

beiu-gespan* stn Fußspange; beingespan, achsilgespan u 
vingerlein u. armgespan und kettelein (periscelides), W — B Num 
31, 50. 

bein-genaud stn. Beinbekleidung, er tet von im die vinger 
lin und sin bein° - ewant, Ales. 26034. 



bein-schretig — beiten 63 

beiu-scbretig (bein-schroetec) Adj. den Knochen verletzend, bis 
auf den Knochen gehend: painschretige wunden, Igl. Stb. V 37c. 82 d. 
199 d. 271c. 

beiuzig (mhd. beinzigen, aus bi-einzig) Adv. einzeln, einzig, 
Chr. Eger 1020, in letzterer Bedeutung im Egerl. noch heute als 
bainzi. 

bei-scbaft (bi-schaft) stf. belehrendes, Beispiel, Fabel: b. gab 
ich euch, T — B Joh. 13, 15. gib dich selb in ein peischaft {erweise 
dich als ein Vorbild) guter werk, Titus 2, 7. bis ain peischaft (im 
Druck fälschlich perschaf, ebenbiid 11. Bibel) der getreuwen in dem 
wort, I. Timoth. 4, 12. in den trubsalen, di ir erleidt zu der pei- 
schaft (in ein exempel IL Bibel) dez, gerechten urtails, IL Thess. 
1,5. neint bischaft (ein Beispiel an) des ubeln ausgang, Jak. 5, 9. 
si sint gemacht in pischaft zu enthaben di pein des ewigen feuers, 
Judas 1, 7. 

bei-slafen (subs. Inf. bi-slafen) stn. Beischlaf: das du ge- 
brouchest meines beislafens, W — B Gen. 38, 16. die vrowen, di do 
man derkant haben in beislafen, die erwurgit. — Aber die meide 
und alle wlpliche iuncvrowen, die behaldet euch, W — B Nuni. 31, 
17 u. 18. 

bei-släfunge (= bi-släfunge) stf. Beilager: der do was vor- 
weser über die b. des kuniges, W — B Esther 2, 14. 

bei-slag (=bi slac) stm. Abfall beim Schlagen, schlechte, nach- 
geschlagene Münze: bei allerlei muntz beisiege und bei weihe un- 
weib müssen wesen, Ack. 47, 13. 

bei-sorge (= bi-sorge, bei Lex. nur md. Belege.) stf. Be- 
sorgung, Fürsorge, Seelsorge, was schon ist, das ist mit teglicher b. 
swere zu halten, Ack. 30, 21. Besorgnis: auch weren sie ohn alle 
b. und gewehr auf die grentzen gegangen, Traut. Chr. 208. 

bei-spel (=bi-spel) stn. Parabel, Gleichnis: zu einem b. der 

| vorsmehunge und der ungehorsamkeit, W— B Esther 16,24. und ouf 

hub her sein b. u. sprach (assumpta parabola sua dixit), Num. 23, 7. 

| nam ein b. und sprach, Num. 24, 3. nemende sein b. (assumens para- 

bolam suam), Job. 27, 1. 

bei-spild* stn? exemplum: zu einem beispilde, W — B Num. 
5, 21 u. 5, 27. 

bei-stendig ( = bi-stendec) Adj. beistehend, behilflich: alle 
gotes zirung- sol b. wesen, wider euch zu wurken, Ack. 10, 13. bei- 
stendiger aller bedürftigen, 58, 1. der etat b. u. gehorsam sein, Igl. 
Str. 190b S 108. imand vor gerichte mit seinem eide b. sein, Igl. 
B. 33. der stat b. und gehorsam sein, Igl. Stb. II 107 a. 107 b. Elbog. 
Chr. 28, 2. 28, 7. 43, 2. 77, 42. 

bei-stendiger (bi-stender) stm. 1. Augenzeuge, 2. Helfer: 2. nahen- 
der b. = Gott, Ack. 58, 1. 

beiten (= beiten) swv. zögern, warten, einem Frist geben: 
ibeit des blinden, Sol. 7, 29. Wes beitestu? worumb bekerest du nicht 
klein hertz in besserunge gegen gote, Hier. 37, 19. kume schire und 
lass dein beiten, 63, 5. gleicherweis als ein mitling seines werkes und 
: seiner arbeit ende beitet, also beite ich dein, 75. 12. gerechten ge- 
Irichtes b., 81, 18. wir waren beitende eines sulches urteiles, 147, 25. 
nicht langer des beitet, ir gebt im kristenliches reht (Taufe), Wh. 



64 bei teil — be-jac 

v. W. 3277. seiner czeit Leiten, Const. 1 5, 1. wir wollen nicht, das 
die smide oder ander arbeiter auf ein vierteil jars und etwenn mer 
oder minner beiten ires vordienten lones , I 15, 3. durch peiten des 
lones, IV 18, 1. es entaugt nicht czu p. do, do nicht hilft das , des 
man gepeitet hat IV 11, 5. si (die fursprechen) sullen nicht dovon 
schaden nemeu, dovon sie pilleich Ion b., IV 4, 11. darinne nicht zu 
p. ist, II 1, 7. das nach ordenlicher saczunge iderman seiner czeit 
p. sol, das er in seinen Sachen ein gut antwort habe, 15, 1- Igl. Str. 
40. Prager Str. 103. beite dornach ander siben tag, W — B Gen. 8, 10 
u. 12. Judith 10, 6 u. I 79b. Beit, wider beit, beit, wider beit, Sol. 
94, 28. wir beiten sein , wenn er kura von der hochzeit, Sol. 94, 35. 
das du auf dem ufer des himelischen landes unser beitest, Sol. 97, 35. 
baitend T — B Job. 5, 3. Luk. 1, 21. bait wir eins andern, Luk. 7, 19. 
do ir Paulus beite zu Athen , Btb. 17, 16. du beides (hast zu er- 
warten) ein gros ubil, Dal. 74, 28 (30, 19). 

beiten, biten (mhd. biten) stv. II warten, zögern wes biten 
wir? Wh. v. W. 7121. was mugeu wir biten? ja sult ir mit mir 
riteu vür die geerten herzogin, 6290. 

beitler (biutelsere -er) stm. Beutelmacher, Lederarbeiter ; einer 
der durchbeutelt, durchsiebt, ein b., der die orgel alhie gemacht hat, 
Chr. Traut. 50. 

beitsche s. peitsche. 

beitunge stf. Verzug, Verzögerung , Erwartung: du herr, bei- 
tunge Israhel, Sol. 58, 35. und was ist newr mein beitung? Sol. 
94, 29. gab und Ion ir b., Sol. 99, 40. ir peitunge was sich worden 
(periit exspectatio eorum), W — B Ez. 19, 5. wo ist nu dorumme 
mein p. (praestolatio) , Job. 17, 15 u. Gen. 8, 10. vor vorchten vor 
der baitung. T — B Luk. 21, 26. ain fraizlich paitung dez, urtails, 
Judeu 10,27. 

bei-vellig* Adj. zustimmend, anhänglich: mich dahin zu 
notigen, in des beifelliger [zu werden] Elbog. Chr. 78, 18. 

bei-weilen (bi-, be-wilen) Adv. bisiceilen: ob mich b. wider 
meinen willen ein slaf begriffe, Hier. 10, 16. b. wart ich erczornet 
über mich selben, 11, 10. 24, 15. du twingest sie b. zu sunden, 53, 26. 
wann b. so schrei er mit grausamigen antlutz, 137, 21. 116, 14. 

bei-wesen (= bi-wesen) stn. Anwesenheit, Beisem. Gesellschaft: 
Es ist sitte, das man die leut, die den tot vorschult haben, für 
gericht pringt u. in irem b. urteil über sie spricht, Olm. Stb. 89. 
in b. des herrens Endres Lederer, Elbog. Chr. 69, 26. 

bei-wesung* stf. Anivesenheit, Gegenivart : in b. und vorjehung 
Bernhartz von Schonpergk, Elbog. Chr. 2, 1. 

» beiz*, peiz* stm.? Leinwand, Byssus: di here — nachvolgten 
im auf weissen rossen, gevasset mit weissem peiz reinen (vestiti 
byssino albo et mundo), T — B Offenb. 19, 14. 

bei-zeichen (= bi-zeichen) stn. 1. Symbol, 2. Gleichnis, 3. Be- 
deutung: vom munde zu munde rede ich zu im und offenbar nicht 
durch ratsal und beiezeichen (figuras), W — B Num. 12, 8. 

beiden sivv. beizen: er beizje der stat so nähen, Alex. 3407. 
er reit beiden mit dem valken sin, Trist. 1137. 

be-jac, -ges stm. Beute, Errungenschaft, Vorteil, Geschäft: 
Vil diner wirde bejac mir suo^e in minem herzen lac, Wh. v. W 



be -jagen — be- klagen 65 

1054 f. ein sinnig berze gap ir rät, das trahte üf weltlich bejac, 
739 f. ie üf dem ros ein barnesch lac vollen guot vif ritterlich bejac, 
3158. aldar sie kämen durch bejac und nämen, swaz, sie fnnden, 
5505. da bite ich umb der nar b., 4953. ein lieplichez, kosen — git 
dicke bi hohem mvvote pin und doch an Minden bejac, 7064 ff. üf 
prises bejac riten, Alex. 18593. Alex. Anh. 768. 

be-jageu swv. erbeuten, erringen; refl. sich beschäftigen, sein 
Leben erhalten, das ich habe von mir diu flnht bejaget mit miner 
unzuht (ich hätte durch mein ungebührliches Betragen dich von mir 
getrieben), Wh. v. W. 1104 ff. = verfolgen, Chr. Elbogen 91, 28. ritter- 
lichen pris den muoz, ich nimmerme b., ob ich dir unrecht welle 
sagen, Trist. 361. 

be-jechen, be-jeken stv.1,1 mit G. bekennen, beichten, zu- 
gestehen: begehent ir sund, T — B Matth. 3, 6. der mein begicht 
(sich zu mir bekennt) vor den leuten und ich begich sein vor meinem 
vater, Matth. 10, 32. si giengen alle, daz, si beiechen (bei der Volks- 
zählung), Luk. 2,3. er begache und laugent nit, Joh. 1,20. 

be-jechung* stf. Bekenntnis, wir behalten (lasset uns fest- 
halten an) di unbeweglich begechung unser Zuversicht (Hoffnung), 
jT — B Juden 10,23. di begehung des mundes wirt getan zu der be- 
| haltsam, Römer 10, 10. in den tagen der begehung (der Schätzung, 
: Beschreibung , professionis) , Btb. 5, 37. begich gute begehung (be- 
t kenne eine gute bekanntnucz XI. Bibel) I. Tim. 6, 13. 6,14. 

be-kennen siuv. erkennen, bekannt machen, zu eigen geben, refl. 

izur Erkenntnis kommen: Je grosser lieb zu b., ie grosser leit zu 

lemperen lieb, Ack. 16, 18. Es ist offenbar, wer im rechten (vor 

\Gericht) bekennet, den hat man für den, der überwunden ist, Const. 

IV 10, 1. wer im rechten bekennet, muss 1. czu seinen rechten jaren 

kommen sein. 2. williclich u. unbetwungen b. 3. wissende u. nicht 

jkon irrsal der sachen b. 4. wider sich b. 5. im gerichte. 6. vor 

peinem richter. 7. in kegenwortikeit seines widersachen ader des 

schaffers. 8. von einem sichern ding ader sicher grosse. 9. von dem 

Klinge, dovon die clage ist, Const. IV 10. 

be-kent-lich (be-keune-lick) Adj. erkennbar, bekannt: alle dinc 
I — sint dir b. und wissentlich, Alex. Anh. 21. das doch der arman 
In keinerlei weise bekentlichen (zugibt) Elbog. Chr. 71. 

be-kent-nusse = bekantnisse, bekentnisse stfn. Bekenntnis. 
mFür den Beklagten belastendes B. hat nur in den oben unter bekennen 
i ingegebenen Fällen Gültigkeit, Const. IV 10. 

be-keren sivv. hin-, umwenden, verwandeln, zu einem Glauben, 
Ii6-, anwenden, in den früheren Zustand bringen: ertznei, zu b. 
Inenschleiche gebrechen, Sol. 54, 20. = zur widerkar (s. d.) bringen, 
■ 3hr. v. Eger 1143. bekert, abgetragen und gewandelt = gebüßt, 
1.143. sich umwenden: Ihesus bekert sich und sprach, T — B Luk. 
|153, 28. si funden den stein bekert (weggewälzt) von dem grab, 
, j juk. 24, 2. do ich waz, bekert. als ich mich umgewendet, Offenb. 1, 12. 
be-kerung stf. 1. Krisis einer Krankheit, 2. Bekehrung, 3. Lehre, 
*!f. Vergütung: so euch nit abtrag und b. von mein son beschech, 
\ aüsst ir euch — beclagen, Eg. Chr. 1144. 2. an Saut pauls tag Be- 
; :erung, Eg. Achtb. II 118. 

be-klagen swv. über oder gegen einen kl., Chr. Traut. 1C5. 

Jelinek, Wörterbuch. 5 



66 be-klagunge — be-kumern 

be-klaguuge stf. (Diefenb. gl. 164 lamentatio) Klage, querela: 
weune beclagunge hat er in mir fanden, W — B Job. 33, 10. 

be-komen s. be-kumen. 

be-komern s. be-kumern. 

be-koinerung stf. (Lesart nach Cod. E für underwinden) = 
Inangriffnahme, Const. II 1, 2 u. 3. S 119, 19 u. 24. 

be-korn sicv. schmecken, kosten, kennen lernen (mit Gen., Acc. 
oder Nebensatz) prüfen, versuchen mit Acc: bekoret sint unser veter 
ftentati sunt), W— B Judith 8, 21. das er dich bekorte (tentaret), 
Deut. 8, 2. zagheit er nie bekorte, Alex. 4644. da von (infolge der 
Ermordung so vieler) manic herze bekort jämer, der im e was un- 
kunt, 8314. sulch jämer wir nie bekorten, als wir von im horten, 
Ernst 3487. do er ez, het bikort (den Wein mit Galle gekostet hatte), 
T— B Matth. 27, 34. er het b. da^ wa^er, Joh. 2, 9. di bekoren nit 
meins abentessens, Luk. 14, 24. nit enrurt noch bekort noch begreift 
alle dink, di da sint in der verderbung. Kolosser 2, 22. wir haben 
gelobt — uns, nichtz ze b., bis daz, wir Paulus derslugen, Btb. 
23, 15. di nicht b. den tod, Matth. 16. 28. daz, di genad Götz bekort 
den tod um all. (den Tod für alle erleide), Juden 2, 9. di habent auch 
bekort di himilischen gab, Juden 6, 4. 

be-korunge stf. Versuchung: Nicht soltu vorsuchen deinen 
herren gote, als du vorsuchet hast an der stat der bekorunge (in 
loco tentationis). W — B Deut. 6, 16. b. durch den krieg (wegen des 
Zankes) der kinder von Israel (tentatio propter jurgium f. Isr.), 
Ex. 17, 7. jene aber, die b. nicht empfangen haben (qui tentationem 
non susceperunt) sint gestoret von dem storer, Judith 8, 24 f. Nu 
hab ich bißher nit gehört, wo man dergleichen kuckenfleisch genomen 
hab, imand kein b. gescheen sei (s. widerkar), Chr. Eger 1143 (Ver- 
gütung, Schadenersatz), ob di b. ist heiig und der samnung = wenn 
aber die Erstlinge heilig sind, so ist es auch die Masse, T — B 
Bömer 11, 16. 

be-krenken swv. schwächen, verletzen: liht, das kein vinster- 
nusz bekrenkt, Sol 31, 33. 

be-krien swv. beschreien, laut preisen: bekriet schone und 
beschrit wart des fürsten höchgezit, Trist. 511. 

be-kumen, (be-konien) stv. I, 2 kommen, gelangen, sich er- 
eignen, erholen, zu statten kommen, biz, daz, wir dir bekomen sten 
(vor dich kommen), Wh. v. W. 2122. swar sie vor e bekämen (wohin 
sie früher auch immer gekommen sein mögen), 5011. Ist aber, das 
dem antworter kein meldunge ader beschirmunge bekumpt noch, 
hilf et (Xisi competat), Const. IV 7, 6. das in ruch und gemach davon 
bekume (quod — ipsis proficiat ad quietem). I Torr. 8 41. auch 
bekumpt es wol der urborer bescheidenheit (discretioni urbariorum 
convenit), I 4, 8. II 2, 10. dovon, das alle dink gleich bekumen dem l 
gerechten u. dem ungerechten (aeque eveniant), W — B Prediger 9, 2. 

be-kumeru, bekomern md. für be-kümbern, bekumberi) 
sivv. belästigen, in Not bringen, in Arrest setzen, beschäftigen, siel 
mit eticas b., es pflegen: die — röubsere — den walt bekumberi 
beten, Wh. v. W. 5901. freude, leit, vorcht und hoffnung, die vier 
alle weit bekümmern, Ack. 33, 2. mit gebrechen ist bekummerl 
aller leut anstal. Ack. 43. 2. Darumb so sei wir so sere bekommen 



be- legen — be-lenten 67 

mit dir, 48, 15. dann wart, das dn nit bekomert werdest mit 
afterrew, 3, 14. ich bekumer mich mit der red (loqnutione implicar), 
Sol. 6, 1. der ist mir ein wint, der die oren beknmert, Hier. 25, 26. 
In grausamen vorchten der nachtgesichte, so der slafe pfliget czu 
b. die leute, W — B Job 4, 13. dorumb das der undercamerer mit vil 
gescbäften, das lande berurenden, bekümmert was, Olm. Stb. 132. 
S 105. Wenn imand hoffenunge bat czu dem perkwerk — so under- 
windet er sich einer breiten u. bekomert ein stat in einem freien 
fehle, ein grübe zu machen, Const. II 1, 3. S. 119, 32 nach E. Er 
hat das mit der stat prif zu Präge und anderwo bekumert an unser 
wissen, Igl. Str. 235. werfet von euch alle uberkerunge, in der ir 
euch habt bekümmert (qnibus praevaricati estis), W — B Ez. 18, 31. 
die vorte sint b. und die pfuczen sint enczunt mit fewer (vada 
praeoccupata sunt), Jer. 51, 32. sie bekümmerten den vort des Jor- 
danis (besetzten die Furt), Richter 3, 28. Holoernes b. alle ire creisse 
von Cilicia uncz bis czu den enden Jafet, Judith 2, 15. Und alles 
gesinde Effraims schrei und b. die wasser und den Jordan uncz bis 
czu Bethara (= Bethbera), Richter 7, 24. alle waren sie bekümmert 
von dem wein (fatigati a vino), Judith 13,2. vinsternüsse haben 
sie b. (fatigaverunt) , Judith 9,7. do Wlasta het daz, lant be- 
kommert, Dal. 46,21 (14,5). anlangen, beteidingen, aufhalden, 
bekümmern, Stb. Brüx. 293 u. 227. bekumert von dem unrainen 
Geist, T — B Mark. 1, 23. di mit unkenschen gedanken ir hercz 
bechumern, Job. v. Jgl. 10. G., alle di ier sinne damit b. als alle 
die davan gern boren reden 6. Gebot. 

be-legen sivv. bergm. ein Bergwerk mit Knappen belegen: das 
er es — das ort — zu rechte belegen mag, DIR 23a, 10. legten 
wir nicht heuer dar, si (der munczmeister u. andere) wolden von 
meines herren des kunigs wegen die orter selber mit heuern belegen, 
ilgl.Bgr. 53,21. 

be-legunge stf. Belagerung: werden wirt sie — die stat — 
Jin ein b., W— B Ez. 4, 2 u. 4, 7. 

be-leiben s. be-liben. 

be-leibliuc s. bleihling. 

be-leilmng* stf. Überbleibsel, Rest: si hüben auf die b., T — B 
[Matth. 14, 20. 

be-leichtcn s. be-leuchten. 

be-leiten swv. geleiten, Geleite geben: wie er an siner wider- 
Ivart von der kristenheit beleitet wart mit mangem fürsten lobesani, 
|Wh. v. W. 5548. wirt is not sein — in zu beleiten, Stb. Brüx 352. 
Iden herren sie beleiten zu schiffe, Trist. 1558. wer hat in beleitet 
liier, Alex. 20509. den (meister, sun oder tochter eines meisters) 
Nullen alle maistern und gesellen zur kirchen und begrebnus belayteu, 
[gl. Stb. V 177b. 

be-lernen* sivv. belehren: welche werden wissen zu defen- 
llieren ohne mein b., Igl. Ms. 25. Bei L. belernunge = Belehrung 
aus Thiir. Rd. 

be-leuchten (be-liuhten) swv. beleuchten, erhellen: wachs kaufen 
II— die obgemelte mess czu beleuchten, Igl. Stb. V 164a. 

be-Ieuten (be-liuten) sivv. mit Geläute bekanntgeben: die 
lljlocke — dormite die wecbter auch solten das l'euwer b. , Traut. 



68 be-liben — be- nennen 

Chr. 143. ich — habe dieses fewer beleutet mit der ratkglocken, 
167. 

be-liben, bliben stv. II. in gleichem Zustand bleiben, unter- 
bleiben, tot bleiben, übereinkommen*: so sein alle rete u. die eldisten 
doran mit einander beliben, das — , Olm. Stb. 57. snnderlichen sein 
auch die rete mit den eidern doran vestiklichen b., 58. 61. 62. 

be-ligen stv. 1,1, liegen bleiben, dabei bleiben, tot bleiben, 
trans. belagern: Sloss Karlstein, das iczunt belegen ist, Aussig 
Ukdb. 177. ' 

be-listigung* stf. (von be-listen = durch List erreichen): Über- 
listung, er wird die stat wider einnemen durch b. wider geschrieben 
freiheit, Ch. Traut. 120. 

be-lue* Seeungeheuer: die argen b. die ritt er zugen sie in 
den se, Alex. 21 569. ipomites und b. mangem manne täten we, 
22375. 

beizen swv. propfen, einnisten lassen: er palczte dy Tutschin 
gewaltlich (begünstigte) Dal. 161, 20 (71, 18). 

be-iueiligunge* stf. (von be-meilegen = beflecken) Befleckung, 
contagio: die leute mit semlicher bemeiligunge vorunreinet, W — B 
Num. 19, 18. 

be-melden* sivv. erwähnen: die bemelt funtgrueb, Igl. Mutg. 
11 u. 24. die bemelten partheien, die b. Stollen, Igl. Bgr. 111. das 
sol ihme bemelt u. verriebt werden, Traut. Chr. 3. 

be-melt = obengenannt : des b. Schaczl, Igl. Stb. III 326 b. der 
b. Wenczlaw, di b. margareta, III 325 a. 

be-meltlich* Adj. angeblich, Chr. Traut. 126. 

ben s. pen, Chr. Traut. 139. 

be-nachten, be-nahten swv. über Nacht bleiben, übernachten: 
da benähte üf der ouwe daz, her, Alex. 23152. einem b. einem nächt- 
licher Weile geschehen: die noch was ein maget, als ir benachtet 
noch betaget were der dinge ichtes icht, da von man brüt den 
briuten spricht, Trist. 869-872. 

bendel stm. Band, Binde: ein roter pendel (vitta coccinea) 
W — B Ps. (=VB 126 b). die zusamenbant ein iacintisch pendil, das 
sie sich claffende icht wekilten u. wurden bewegit von einander 
(daß sie nicht loshingen und voneinander verrückt würden), W — B 
Ex. 39, 19. 

bendlein (= bendelin, bendel) stn. Bändchen, Binde: mit 
iacinthischen b., Ex. 28, 28. 

be-neben Adv. und Präp. seiheärts, zur Seite: b. im zöcli 
man daz, sine (ros), Alex. Anh. 1931. 

be-nemen stv. 1,2 wegnehmen, entziehen, berauben, refl. siel 
entledigen: der schar der hüfe die zal benam, nieman sie kund« 
erahten, Alex. 6236. das du im das leben hast benomen, Böhm 
Chr. 98. 

be-neniung stf. Wegnahme : bey der pen der b. aller wirdikei 
(Entziehung aller Würden) Eg. Chr. 1125 S. 303. 

be-nennen sivv. meist rückumlautend = bestimmen, anberaumen 
verheißen, zueignen: auf einen benanten rechtistag vorladen, Igl 
Bgr. 107. 1. aller fürsten lant wären zuo zinse im benant (ver 
pflichtet). Alex. 900. diner kröne sin benant vil fürsten (untertan] 



benent-lich — be- mimen 69 

Alex. 121-11. wa^ im fürsten wären b. — die wurden besant, 26751. 
waz, im boten wirt gesant den sint die trinkvaz, b. (zum Geschenk 
bestimmt), 26404. 

be-nennung* stf. (guter) Ruf, Ruhm: swelhe da sint guter b. 
(bonae famae), T— B Philipper 4, 8. 

benent-lich Adv. mit ausdrücklichen Worten: reichen und 
geben b. 500 gülden reinisch, Traut. Chr. 94. 

be-nentnusse stn. (bei Lexer nur aus Freiberger Rechts- 
denkmälern belegt) : noch der czal der b. = iuxta numerum vocabu- 
lorum, ihrer Namen), W — B Num. 26, 53. 

be-nimen (wohl das mhd. beneimen) swv. festsetzen, bestimmen, 
verheißen: umb kees u. eier, den armen leuten zu der abentspeis 
benimpt u. bestelt, Olm. Stb. 73. 

bennig Adj. im Banne befindlich, geboten oder verboten unter 
Androhung von Strafe, Chr. Eger 1108. 

be-nötigen* (be-noeten) swv. zivingen: des wir benotigt, ew. 
k. mt. zu clagen , Elbog. Chr. 107, 3. ir mitburger also nit b. (be- 
drängen) 102,18. sunder sich benotigt, di von Elpogen zu smehen, 
118, 10. 

be-ncetung* stf. Bedürftigkeit, Notlage: der armenleut b. zu 
wegen (in Rechnung zu ziehen, berücksichtigen) Eg. Chr. 1140. 

bensei stm. — pensei, pinsel, Pinsel: darüber brün wol 
stende brä, als sie mit dem bensei da ze wünsche sin gestrichen, 
Wh. v.W. 1506 ff. 

be-nug Adj. b. thun = genügen, er hat damit seinem ampt 
nicht benug getan , Chr. Elbogen 76, 29. so ist — dy gros schuld 
und angst (Bedrängung durch Feinde) auf unsern nacken gewachsen, 
nit wissen noch betrachten kunnen, wie dy benug zu tun, Chr. v. 
Eger N. 1123 S. 300. 

be-migen subst. Inf. stn. Genüge: das einem itczlichen Rechte 
und ein b. geschee, Olm. Stb. 146. Christus, unser liber herr, Petro, 
seinem Vicario, antwort czwa swert czu benugen off erden: das ein 
swert geistlicher u. das ander werntlicher ordenung, Olm. Stb. 76. 
das den armen kranken mit essen, mit trinken und mit dem leger 
ein b. geschee, 73. dem Spruche ein b. tun, Elbog. Chr. 39, 2. 

be-nugen, = benüegen swv. genug haben, zufrieden sein: benugt 
sein, Chr. Elbogen 16, 17. 64, 1. 71, 30. 78, 1. 105, 16. b. = genügen, 
nachkommen : 39, 2. 

be-nügig Adj. b. machen = zufriedenstellen, befriedigen: wie 
wol wier ihme umb die kaufsumma — durch Versicherung b. gemacht, 
Chr. Traut. 67. Elbog. Chr. 78, 7. 

beuüg-lich*, -en Adv. genügend, in zufriedenstellender Weise: 
Ib. u. notturfticlich geantwort, Eg. Chr. 1072 S. 261. 

be-niimen md. für be-nuomen swv. namhaft machen, urkundl. 
'.verheißen: der lehenschefter freue sich des rechten, das im der lehen- 
Iherre benumet und bescheidet (quod sibi concessor dixerit deputandum), 
Const. III 5, 16 S. 191. ein stete stunde des tages b. ader bescheiden 
(assignare) , III 5, 13. so haben wir beiden teilen des einen be- 
numpten tag gelegt vor uns in Rat zu komen, Olm. Stb. 132 S 105. 
ho sal — die geltschult dem Closter czu sent Bernhardin czum Baw 
— gevallen — dorczu sie es benumpt u. beschaft (vermacht) haben, 



70 be-quemlich — be-rede 

155. ein gesworen des rates, der dorczu benumet (bestimmt) ist, den 
slussel haben sal, 49. in irem benumten (dedicato) heiligen ampte, 
W — B Par. I 25, 1. das er benumte in ir teil (ut traderet), Estber 2,9! 
die er im benumet hette zu einer tochter (quam sibi adoptaverat* 
in filiam), Estber 2, 15. die Sterke irr bende der gewalt irr abtgoter 
benumende (robur manuum suarum idolorurn potentire deputantes, 
zuschreibend), Estber 14, 8. die selben benümpten personen, Eger Str. 
13. benumen = namhaft m., Cbr. Elbogen 25, 11. 25, 21. 26, 15. er 
hat bekannt und benumet seiner eelicben frawen — 200 prager muncz, 
Igl. Stb. II 169a. 

be-quemlieh Adj. passend, aequalis geeignet, nütz: Du strafest 
mit rede, die dir nicht b. ist, W — B Job. 15,3. der eit b. ist, die 
kriege zu entscheiden, Const. IV 9, 1. ob das b. sei unserm gemein 
nueze — daselbst einen Stollen zu messen, II 5, 1. was unserm ge- 
meinen nueze allerbequemlichst, 114,10. darnoch in den wirdigen 
bochezeiten sol man die perkmeister mit einer bequemlichen Steuer 
und hülfe, nicht mit ereze, sunder mit pfennigefn] trösten I 7.22. 

ber sivm. Bär: und her giengen czwen peren (tirai) aus dem 
walde, VT— B Kön. IV 2.24. 

be-rainen* die Grenzen ziehen, -bezeichnen) siev.: weide, wisen 
- mit allem dem, das darezu beraynet ist u. in denselben reinen 
begriffen ist, vorleiben u. reichen, Mind. Egerl. 17 (a. 1389). 

be-rainung s. be-reiimng. 

be- rasten* r. raste, reste siov. ausruhen, rasten: ouf dem 
beraste der geist (super quos requieverit spiritus), W — B Num. 
11, 26. 

be-räten stv. red. 12 1. (v. rät Rat) = überlegen, anordnen, reji. 
mit sich zu Rate gehen, 2. (v. rät = Vorrat, Lebensunterhalt) aus- 
rüsten, unterhalten, mit etwas versehen. 2. wan er (Gott) reich ist 
zu beraten allermeniclich, Hier. 59, 15. er (Gott) sol uns noch be- 
raten, er ist noch hoher gäbe rieh, Wh. v. W. 5399. nicht anders 
wir da häten, sus wären wir beraten (so schlecht ausgestattet), 6683 f. 
die beriet man des toufes sä, 7768. also mich got vor diser stat 
diser zweier süne beraten bat (mir beschert), 7492. sit ich von der 
guoten schiet, diu mich der zweier süne beriet (sie mir gebar), 
6613. ist das euch got berett (iciedcr Ertrag vom Bergbau gibt), 
Igl. Bspr. IV. 

be-rauchen swv. beräuchern: dar nach berouchte er (Alex.) den 
sarc (Achills) mit wirouch und mit mirre, Alex. 4994. 

be-raumen, -re innen, -reimen* (von rümen Platz machen, iveg- 
räumen, weichen) swv. festsetzen, bestimmen: Chr. Traut. 150. 191. 
204. 249. 262. 270. dem grossen grenitzsteine, den er itzt b. lesst, 
Traut. Chr. 150. 

bere s. berg. 

bere s. berre. 

be-rechten (=be-rehten) swv. vor Gericht aussprechen, aus- 
machen, richten, verurteilen, hinrichten: daselbst sol er (der Er- 
mordete) berechtund werden, Chlum. 1 6. 

be-rede* stn.? stf.? Vereinbarung, Bedingung (der Übergabe): 
dorauff worden die pered geleutert und gelobten (die Gefangenen) 
recht gefencknis ; Eg. Chr. 1185 S. 356. 



bereden — be- reiten 71 

bereden swv. für jemanden Zeugnis ablegen: wen er einen un- 
schuldigen nicht bereden wil — u. er sein unschult wol weis, Joh. 
v. Igl. 5. 

be-red-leute st. PI. (von bereden mündl. festsetzen, beweisen 
durch Eid oder Kampf sich verteidigen), Zeugen einer Vereinbarung: 
die b. oder hochczeitleut, die dan czwischen in ein berednus ge- 
macht haben. Olrn. Stb. 151. 

be-redmis (= beredmisse) stf. 1, Verabredung, Vertrag, 2. Reini- 
gung, Entschuldigung: 1. ein obeschrift ous unserm register der b. 
mit dem Libak, unserm mitpurger, Igl. Str. 323 S 234. auff suliche 
b. (Versprechen), Igl. Bgr. 80, 2. ein berednus gemacht, Olm. Stb. 151. 
2. Quod Martinus expurgatiouem homicidii habere non potest sibi 
impositi de iure hoc est vulgariter dicendo: Martin mak kein be- 
rednus habin, Brunn Str. I 730 S. 336. — 1. von wegen einer Verlust, 
dorumb er mit ir ein freundlich b. thun hat, Igl. Stb. V 195 d. ein b. 
u. ainung gemacht ist, V217d. III A 99b. ein b. von einer rinnen 
wegen, III A 158a. 111133a. ein freuntliche berednus und ein 
ganz ewigs gemecht, III 206 d. also hield er mit Adams hausfraw 
ein b. (Versuch einer gütlichen Beilegung ihres Rechtshandels), 
III 39 d. 

be-redunge stf. Verabredung, gütliche Beilegung, Beweisführung, 
Anspruch: das er keine clage oder b. getun mag (questionem 
movere), Const. II 3, 11. wie im die selbig schuld über die b. seiner 
schuldiger (= Schuldner) nicht beczalt ist, Igl. Bgr. 93, 3. was wir 
mit iuch in b. haben = verabredet haben, Stb. Brüx 257. het er b. 
(Unterredung) mir gegeben, sin oheim mochte noch hiute leben, 
Ernst 1183. 1216. 

be-reinen s. be-rainen. 

be-reinung* stf. Schlichtung eines Rechtstreites: den dingen 
gutliche rw geben, bis es zu beraynung komen mag, Eg. Chr. N. 1170. 

be-reit Adj. = bar: bereites gut, Brunn Str. II 231. II 175. 
derstet der clager auf den antwurter b. Pfenning mit einem rechten, 
II 231. wer selgeret wil machen an seinen lesten czaiten, der schol 
das nicht an erbe und an eigen [tun] sunder an bereitem gelde 
II 175. nur um b. gelt, Prager Str. 117. berait pfenning vorpieten, 
Igl. Str. 97. siebenthalb und dreissik schok grosser phenning Prager 
muncz und czal, die wir von in perait emphangen haben, Budw. 
Urkb. 445. mit bereytem gelde nach gewonlichem kauffe czu 
beczalen , Stb. Brüx 178. umb b. gelt hingeben , Eger Str. A XV 12. 
— 20 schock gross, die ich im hie berait hab müssen beczalen, Igl. 
Rspr. V. das er berait im das beczalt hab, Igl. Stb. 111326a. 
18 seh. gr. bereites geldes, 11164 b. beczalen mit gutem beraitem 
gelt, III 133 c. ich vermeld beraiez (bereitetes) malcz czwai prau, Igl. 
Stb. V 269 d, bar bereit geldt, Traut. Chr. 159. 

be-reiten (mhd. be-reiten) swv. rüsten, benachrichtigen, kennen 
lehren, berechnen, herzählen, Rechenschaft ablegen, mir ist leit, daz, 
ich den menschen hän bereit (geschahen), Alex. 11242. 

be-reiten (= be-riten) stv. II reiten auf (einem Weg, Pferd), 
angreifen, einholen durch Reiten, bergm. durch Umreiten abgrenzen*: 
Wer do spricht, das im ein erbehaftig stolle gelegin si, ab is sin 
not were, der sal bewisen mit siner hantfesten, das im dorezu be- 



72 be- reit -schaft — berer 

rethen (II: bellten) adir gegebiu si DIR 14. Gewöhnlich — nicht 
notwendig — erfolgt durch diese Bereitung, circum-equitando , die 
Verleihung eines Erbstollen und „Erbes" (im engeren Sinne) oder 
„Erbgebirge" = Felder, deren Größe im bes. Fall bestimmt wird 
(oft mehrere gemessene Berge samt Überscharen , Const. 113,8), in- 
dem der oberste Regalbeamte u. eine Abordnung des Rates auf den 
Berg ritten u. die Grenzen bestimmten, die verlochsteint (Const. 
II 3, 12) ivurden, Zycha I 215 f. vgl. auch I 233 Anm. 22. czu bereiten 
u. ezn weisen die reynen, die — etwenn geschahen und gereinet 
wurden. Mind. d. Egerl. 19. 

be-reit-schaft stf. Zubereitung, Ausrüstung, Gerätschaft, bares 
Geld: als sie (die Kaufleute) ze dem se «sohlen u. b. koufen wolden, 
"Wh. v. W. 5454. er kam ze lande mit b. und mit phande, Alex. 1244. 
an b. uf den velden niuwan von gezelden nämen sie also kreftic 
guot, 14421. manegen rubin — saeh man üf dem borten dar, da 
die b. ane hienc, der des werden lip bevienc, 12297. der küne- 
ginne ich hän beschaft (vermacht) alle min b., 26998, sie mochten 
siden oder braten, ab sie die b. häten (etwas zu braten hatten), 
Ernst 3544. das niemant umb deheine b. noch umb dehein 
gelt spilen sol, Prag. Str. 18. das ein knecht seime herren verstolen 
hat von b. an kleinot und auch an gewant wol auf 70 schocke wert, 
Igl. Str. 271. kauffen b. zum gemerck, Tgl. Ms. 19. kaufmanschaft 
um b. kaufen. Eger Str. A XY 11. es sol niemand dehein b. guidein 
grosse phennige oder halber noch deheinerlei muncze — verkaufen 
noch geben — umb merunge (Zinsen) auf 'deheinerlaie frist, Eger 
Str. XV 2. al mein beraitsckaft mitsambt aller und jeglicher meiner 
und irer geltschuld, Igl. Stb. Y 275b. das sie bei irer muem des 
Margreta Wenczl parchanterin czu Igla gar nichsnicht hat weder 
in peraitschaft noch an geltschuld noch an klayneten, V 153 c. die 
b. Überantwort und verreicht (ausgefolgt), V 180c. was ich hab an 
b., das schaff ich meiner hansfrawn, III 30 c. 100 gülden in b. 
Y 31 a. in b. las ich 60 gülden, Y 67 d. 

be-reitunge stf. Bereitung: an die b. (praeter praeparationes) 
iener manne, die bekümmert hette die gevenknüsse (quos occupaverat 
eaptivitas\ W — B Judith 7, 2. Rüsttag*, der Tag vor dem Sabbat h: 
ez, was die beraitung, di da ist vor dem samstag (= Karfreitag), 
T — B Mark. 15, 42. an dem tag nach der Beraitung (karfreitag 
11. Bibel), Matth. 27, 62. ez. was di b. (karfreitag 11. Bibel), Job. 
19. 31. um di b. der Juden (von des karfreitags wegen 11. Bibel), 
Joh. 19,42. 

be-remfteln* (vgl. Lexer u. Schnuller Bagr. Wb. rampfen, 
raffen, rampfel = habgierige Person) sicv. berauben, Chr. Traut. 
118. 

be-röngen (bei L. nur belegenen, beregnon, W. v. Eh. 51, 25. 
berengen. H. v. N. 362) sivv. besprengen: di berengt asche (cinis 
aspersus), T — B Juden 9, 13. 

be-rennen stov. berante, berant = begießen, laufen lassen, 
bestürmen, angreifen: swseret im daz, iht, ob er mich daz, ros 
berennen (— mich reiten) siht, Wb. v. W. 3192. 

berei' (bei L. nur in ge-berer) stm. Erzeuger, PI, Eltern: 
sun, gehorsamt den perern, T— B Kolosser 3. 20. 



be-respen — berg 73 

be-respen (berespen, berefsen) siuv. tadeln: Und Jhesus berespt 
in und der tenfel gieng ans von im, T — B Mattb. 16, 17. Jhesns 
berespt in (den unreinen teufel), Luk. 4, 35. er berespt si (di tenfel), 

4, 41. er b. den wint, 8, 24. er b. den unreinen geist 9, 42. 9, 55. 
welcher von euch b. mich der sund, Joh. 8, 46. wir werdeu b. vom 
herren, I. Korinther 11, 32. mit was berespent di, di da widerstent 
der warheit, IL Timoth. 2, 25. dorum si wurden berespt von im mit 
aller turstikait, Btb. 6, 10. di sundern berespe vor allen, I. Timoth. 

5, 20. ze b. alle die ungengen, Judas 1, 15. b. dese geurtailte, Judas 
1,22. ir werd berespt von der e als di obergeer (Übertreter), Jak. 
2, 9. si mochten nit b. seine wort vor dem volke, Luk. 20, 26. si 
berespten sie (di iunger), Luk. 18, 15. Peter begond in zu b., Mark. 
8, 32. Herodes wart b. von im um Herodiadem, Luk. 3, 19. meister, 
berespe dein iunger, da^ si swigen, Luk. 19, 39. di b. in, daz, er 
swige, Luk. 18, 39. er b. si, er gebot daz, si dicz keinem sagen, 
Luk. 9, 21. di geselschaft berespete si, daz, si swigen, Matth. 20, 31. 
Matth. 16,22. Epheser 5, 11. di ich lieb hab, di b. ich und kreftig 
si, Offenb. 3, 19. 

be-respuuge stf. Tadel: in der b. dez, Herren, T— B Epheser 
6,4. er hett di b. in seiner tobheit, empfing die Strafe für seinen 
Unsinn, IL Petri 2, 16. 

be-reuen, be-reweu, beriuwen stv. III. mich beriuwet ein 
dinc = bereue es, bin betrübt darüber) reuen, dauern: Es — beräwe 
in, das er den menschen het gemacht in der erden (paenituit eum), 
W — B Gen. 6, 6. mich rewet, das in habe gemacht, Gen. 6, 7. nicht 
es in berawen hat, Jer. 20, 16. daz. nie keinen man berau , betrübte, 
Alex. 1637. 

berg stm. Berg: wider, gegen, ze berge empor: er begunde — 
die hende uf gegen berge heben — gegen den lüften, Alex. 10528. 
Bergm. ein für Bergbau durch Abbauwürdigkeit des Erzes und das 
nötige Maß geeignetes Gebiet, Feld oder Berg. Beim Bergmessen 
wird im Igt. Bergt: ein maßwürdiger Metallgang, seiner Längen- 
ausdehnung, dem „Streichen" nach aufgeteilt, Einzelunteryiehmungen 
zugeteilt, die ihn nach der Richtung seines Falles zu verfolgen 
haben. Zu Seiten seiner Salbänder im Hangenden und im Liegenden 
wurde Feld von bestimmter Ausdehnung, die Vierung, zugegeben. 
Das Iglauer Grubenfeld war demnach ein gestrecktes Feld mit 
ewiger Teufe nach dem Fallen des Ganges. Als Vierung ivurden, 
einerseits um die Beivequngsfreiheit für den Abbau, andererseits um 
die — besonders in Iglau und vorzugsiveise im Hangenden vor- 
handenen — Quertrümmer einzuschließen, beigegeben: 3 l l 2 Lanen 
(Lehen) im Hangenden und 1 Lane im Liegenden: Unde wo ein 
berg oder Stollen funden wirt oder ausgearbeitet wirt, da schol man 
inne haben auff das hangende vierdhalb lehen und auff das ligende 
ain lehen (zu je 7 lachter, Klafter) die höe und die teufe in gleicher 
masse (altitudo et profundum in aequali statura), Igl. Bg. U — A § 2. 
Und swo ein perch funden wirt oder ein Stolle wiert angenomen, 
der pehabt czu recht an sinem haugunden vierthalbe lehen und an 
seinem ligunden ain lehen [hoch] und tief in gleicher weise, U — B 
§ 2. — Deutscb-Broder Recht (69) — So ist von ersten czu wissen, 
das ein iczleicher gemessen perg beheldet siben lehen in die slihte 



74 berg 

(gerichtes in die lenge nach des ganges cznge E) und das hangende 
hat vierdhalb lehen und das ligende hat nur ein leben, und iczleiches 
lehen beheldet in im siben lachter, Const. II 2, 1. — Unde ein 
iczlicher stolle beheldet das recht, das ein gemessen berg hat uff 
sin hangendes und uff sin ligendes: uff sin hangendes vierdehalb 
(vier Ib) lehen und uff sin legindes eins (ein halp F.), DIR §5,2. 
Das Bergmaß, die Längenausdehnung nach dem Streichen des 
Ganges, betrug 7 Lehen {oder Lernen von je 7 lachter, Klafter) also 
4'J Klafter: nämlich 3% Lanen oder 24 l ' l2 Klafter nach den 2 Seiten 
vom Birnbaum. Entstanden ist dies Maß tvohl so, daß an die — 
als Mindestentfernung zweier Schürfe verlangte — Ausdehnung von 

1 Lehen nach 2 Seiten noch je ein und an diese, so auf 3 Lehen 
erweiterte, Fundgrube noch je 2 {die sogenannten 4 endeisten) Lehen 
angeschlossen wurden. Nachdem mindestens 2 der Stadt geschworenen, 
denen das Vermessmigsrecht zustand, den Gang des Muters geprüft 
hatten, ob er im Stollenort mindestens 1 Klafter auf der Sohle und 
3 lt Klafter hoch anstehe, dann entweder selbst das Erz angeschlagen 
hatten oder, wenn sie nicht sachverständig waren, es in ihrer Gegen- 
wart hatten anschlagen lassen und versiegelt nach dem Schmelzgaden 
oder der Hütte gebracht hatten, wurde es daselbst geprüft, ob es 
maßwürdig sei, d. h. ob es 1 j i Marie Blicksilbers (einen vierdung 
gutes geplicktes Silbers) nach Deckung der Hüttenkost gebe. Sie 
können auch mehrere Gänge in demselben priifen und einen maß- 
loiirdigen darunter suchen. Auf künftige, erhoffte Maßwürdigkeit 
einzugehen, ist ihnen nach den Const. II 2, 12 streng verboten. Die 
7 Lehen werden nun mit der Schnur vom Runbaum aus (DIR 
§ 13, 3. Const. II 2, 3 u. Igl. Bgr. N. 4) — unter mehreren Gängen 
desselben Finders von dem aus, von welchem dem Bergwerk alle 
Notdurft geschieht {gefördert, Wasser entzogen und Wetter gebracht 
wird: von dan alle fordemus aus und inget, Igl. Bgr. 6, 7) — gemessen. 
Wenn der Aufschluß durch einen Stollen erfolgte, so wird von der 
Fundstelle an gemessen, (Igl. Bgr. U — A 5, U — B 12). 

An die 7 genannten Lehen (lanei principales der Const, = ge- 
messener Berg im engeren Sinne) wurden dann nach beiden Seiten 
je ein Königs-, ein Bürger- und ein Herrenlehen gemessen Wenn 
aber bergfreies Feld {infolge von zu nahen Bergwerken auf dem- 
selben Gang) gegen beide Stollenörter zu fehlt, so verlieren zunächst 
nur die von den äußersten Nebenlehen an Maß 1 ) Wenn aber die 
Lehen (3Va) zwar nach einer Seite sich ergehen und hier noch berg- 
freies Feld sich anschließt, nach der andern aber nicht Platz ist, so 
sind detn Finder alle Lehen nach der einen und im Anschluß 

2 Königs-, 2 Bürger- und 2 Herrenlehen zu messen {diese Neben- 
lehen heißen dann wohl auch „Sechslchen"). Hierbei ist nach U — A 
und B von der Grenze des hindernden Berges, nach den Const. und 
DIR § 13, 7. Igl. Bgr. N 7. 8. 9 von der Fundgrube aus zu messen. 
Was zwischen dieser und dem Nachbarberge bleibt, wird — mit 
Ausnahme von . J /2 Klafter neben dem Schacht für die ungestörte 
Arbeit — zur Überschar. Doch gibt es eine solche zwischen 2 Berg- 

x ) Was aber unter 2 Lehen {—lWeJtr) bleibt, wird nicht ver- 
messen, sondern Überschar. 



berg 75 

werken auf verschiedenen Gängen (also im Hangenden, bzio. Liegen- 
den) nicht. Die Nebenlehen, ztdetzt Igl. Bgr. N 51 im Jahre 1419 
envähnt, kommen im 15. Jh. ab, Zycha I. 209—224. Belege über die 
Vermessung a): 

Wer einen neuen perk vindt, dem sal man messen siben leben 
uff paide Seiten, dem herren kunige ein lehen auf beide seilen und 
ein purgeriehen. (Mangelhafte Übersetzung von: mensurentur ei 
septem lanei, ex utraque parte domino regi unus, ex utraque parte 
burgensibus unus), Igl. Bgr. U — A § 3. — Der einen newen perck 
vindet, dem scliol man mez,en siben leben, itwedertkalb dem 
kunige ein leben u. itwederthalbe den burgern einez,, U — B § 3. 
Das Fehlen der Herrenlehen (an diesen Stellen) erklärt sich ivohl dar- 
aus, daß die Igl. Bergwerke auf königl. Grunde waren u. die 
Künigslehen eben die Herrenlehen waren. — man misset ikweder- 
balben der funtgruben vierdebalb leben, donacb an iczlicber siten ein 
konigesleken (dem kunige ein leben III) unde dornoch ein purger- 
ieben (abteslehenla) unde ein berrenleben, DIB, §13, 6. — Ab- 
weichend auch im Deutschbroder B. (07) : ex utraque parte mensure- 
tur domino regi laneus, postea Henrico et fratribus suis primo dictis 
(also das Herrenlehen), postea iuratis laneus (also erst jetzt das 
Bürgerlehcn) sicut regi. — Man sol auch messen einem iczlichcn perge 
vierdhalb lehen an icleichem teile (allenthalben, das ist auf beide 
stoluort Cod. E) an czu heben mitten in dem wirbel des rumpaumes. 
Darnach sol man uns (= dem Könige) messen ein lehen gleicherweis 
und ein purgeriehen und ein berrenlehen, Const. II 2, 3. — b. Messung 
nach einer Seite: Wo man einen perk messen scbol u. bindert das 
dann das purgeriehen (== Ende eines andern Berges) also das er czu 
dem minsten vierdhalb leben nicht bebalden mak, so schol di egenante 
masse (die 7 Lehen) des newen pergis sich anheben in der greniczen 
und czil des (fremden) purgerlehens, und also beheldet er die rechte 
masse : siben lehen, darnach dem herren kunigen czwai lehen und den 
gesworen schullen sie czwai lehen messen (= Bür geriehen), Igl. 
U — A§ 13. — Swo man einen perch mezen schol, das es der purger 
lehen hindert, daz er zu dem ministen vierthalb lehen nicht mag 
gehaben, die vor genant maze schol man anheben czu ende der purger 
leben und also pehelt er sin recht mäze der siben leben; darnach 
meze man dem kunege czwei lehen und den purgern czwei, Igl. 
U— B§21. — Mag sich dise masse (7 Lehen -f- Nebenlehen) nicht 
irgehen vor andir bergmassen, so misset man diese lehen alle an einer 
siten noch einandir. Unde was czwischen dem nufange unde den 
bergen (der perge hohen, Cod. B., der purger len, Cod. M.) ist oberig, 
das heisset man ein obirschar, DIR §13,7. — Mag aber di mase 
nicht gereichen durch die nehekeit eines andern gemessen perges 
auf peide Seiten (oder stolnorter, Cod. E) als vor geredet ist, so 
sol man auf eine seiten (ein stat oder stoln E) alle siben lehen mit 
sampt künigslehen, purgeriehen u. berrenlehen mit allen seinen 
rechten peide in hangendem und ligendem messen, Const. II 2, 4. — 
Sint dem malen und sich die masse an peiden seiten nicht ergen 
mag, so schal man czu der funtgruben anheben u. schol den gewerken 
all ir lehen an einer seiten (auf ein stoluort EF) nach einander 
messen, Igl. Bgr. N 7, 3. — Seit Ende des Mittelalters wird in Sachsen 



70 berg 

wie in Böhmen nach dem doppelt so großen Wehr ( = 2 Lehen) 
gemessen, das wohl urspr. in Schlesien und zwar 1342 zuerst im Gold- 
berger Recht vorkommt. Eine Fundgrube wird jetzt zu 3 Wehren 
= 42, die „endeisten Lehen" (jetzt die „nächsten u. andern Maße") 
zu je 2 Wehren = 28 Klaftern gemessen; statt der 7 Lehen (=49 
Klafter) gab es jetzt 7 Wehre (ä 2 Lehen) also 98 Klafter. Die 
Breite betrug jetzt S^a Klafter ins Hangende und 3 l / 2 ins Liegende, 
ausschließlich der Gangesbreite. Auch konnten — wie früher schon 
in Schlesien und Ungarn — auch mehr oder weniger enrlelste Lehen 
geliehen werden. Das Budolfinische Patent von 1604, Art. 6 stellte 
das alte 7 Lehenmaß doch mit der neuen „Vierung" wieder her, Zvcha 
I 213-215. 

Der so gemessene Berg muß mindestens so abgebaut ic erden, daß 
alle erschroteten Erze angegriffen und nicht etwa verzimmert werden 
(Const. 1 11, 2) it. daß in den 7 Lehen mindestens mit 3 Schächten 
(je einem in der Fundgrube und in den endeisten Lehen), in jedem 
Lehen wenigstens mit 3, in jeder Lehenschaft mit 1 Ort gebaut 
werde: Ein islick perch in siben lehen geteilt sebol czu reebte czn 
dem ministen haben drei scheebt und in iglichem leben drie orter 
u. in islicher lebensebaft ein orte und mag niebt furpas petwungen 
weiden , Igl. U — B § lü. Buwet der nufenger di sebin lehen mit 
drien schechten, (nämlich-^) vuntgruben unde czwei endilste lehen, 
der urbarer mag in nicht hoher gedririgen, ein lehen mit drien 
ortern, eine lehenschaft mit eime orte, DIR §14,2. — Es behagt 
den eldisten auch, das ein ider perkman sein recht gancz in gemessen 
perge, in lehen u. in lehenscheften bebalde, wer es, das di gewerken 
eins gemessen perges alle siben lehen mit drein silbergruben aus- 
pauten, aber die lehen, die vorlihen sein umb unser sicher eigen- 
schaft. wie man die nennet, mit einer silbergruben u. mit drein 
ortein, di lehenschaft mit einem orte nure gepawet werde. Aber die 
newen leute sein vil behender — und mithengen, daz ein iczlich 
lehen sol ausgepawet werden mit seiner eigen silbergruben u. mit 
so vil ortern, als vil do werden mugen an schaden der ge- 
werken, Const. III 1. 9 u. 10. Dieses „unverhüllte Baubbausgstcm des 
Wenzelschen Gesetzes" dürfte aber praktisch unbeachtet geblieben 
s< in. Zycha I 313. 

3. bedeutet berg das als zu geringhaltig aufgeschüttete Gestern, 
Halde. Wenn dieses nicht jedermann zur Durchsuchung auf etwaigen 
Meinen Gewinn (den cloppern) überlassen, sondern bergm. Verarbeitung 
wieder zugeführt wird, ist es urbar-pflichtig : Ein man czuhet perk 
aus einer gruben u. schüfet den auf ein halden u. wil di clopper 
auf der selben halden nicht lassen kloppen u. vurt den selben perk 
czu niul u. melt u. arbeit in selber; u. dorum wil der urbarer urbar 
von der selben balden nemen, wanne her wil in niht vorwissen, er 
schütte auch erez auf di selben balden. Entscheidung: wanne her 
die halden den clopfern werte, ber schol von rechte urbor davon 
geben, Igl. Bgr. N 18. — was in got in den vier lehen beschert, es 
sei erez, kiz. perk ader gang, das do phennig gilt ader gelden mag 
— hier wohl sonstu-ie brauchbares Gestern, Igl. Bgr. 51,11. 

4. = Kuttenberg: So er im pergk gefangen gesessen ist, Igl. 
Str. (60) S 328. Do czog Albrecht auf der Pehem schade und legerte 



berg- bau -recht — berg-buch 77 

sich mit macht vor dem Pergk. — sie derwerten den Pergk und 
Kollen {Kolin) Böhm. Chr. 100. 

berg-bau-recht stn. hauptsächlich das Recht, Bergteile zu besitzen, 
kam allen Stünden: Herren (z.B. 2 Pfalzgrafen vom Rhein am Igl. 
Bergbau beteiligt) Rittern, Bürgern, Bauern und Knechten; auch 
nicht gesessenen und bis 1568 ivohl auch den Juden zu, bis diesen 
der Aufenthalt in Kuttenb., Joachimstal und allen böhm. Bergwerken 
verboten wurde. Bergbeamten wurde öfters, z. B. 1573 allen zu 
Joachimstal das Mitbauen verboten, doch bald wieder erlaubt, da 
diese lieber ihre Ämter niederlegten. Das b. besteht 1. an Neufängen 
im Schutz der notw. Schürf- und Ausrichtungsarbeiten, 2. an 
gemessenen Bergen, 3. an Erbe im eng. Sinne = gemessenen Feldern 
von im einzelnen Falle zu bestimmender Größe, 4. selten an (un- 
gemessenen) Distriktsfeldern, 5. Suchstollen in wassernötigem Gebirge, 
6. Erbstollen (für Abfuhr von Wasser und Einfuhr von Wind). 
Schur ferlaubnis in bergfreiem Feld, auch Vereinbarung mit dem 
Grundherrn braucht man bald nicht, doch darf man an fremde 
Schürfe nicht näher als 1 (seit der Kuttenb. Ref. von 1579: 3 1 ^) 
Klafter heranrücken, um das Umdrehen des fremden und eigenen 
Runbaumes zu ermöglichen, Zycha I 202 — 9. 

Bergbaufreiheit s. bergfreiunge. 

Berg-behörde a) regalherrliche, beziehungsweise grundherrliche: 
1. der bergmeister, als magister montium de Igla in einer Urkunde 
von 1227 bezeugt, oberster Beamter des legi. Grundherrn des Igl. 
Bergwerkes, noch U — BS 16 u. 17 erwähnt, verschwindet bald, iveil 
bloß grundherrlich, 2) die urbarer, die öfters auch münezmeister 
genannt werden, 3) berghofmeister in Kuttenberg, 4. seit 1528 (ohne 
lange Dauer) „oberster Berghauptmann", 5. Urbarschreiber und die 
von ihnen ernannten Schreiber, 6. die obersten Steiger 7. mar(c)- 
scheider. In den Immunitäten werden nur der bergmeister und 
zehentner — nach Vergleich von 1534 gemeinsam vom Guts- und 
Regalherrn bestellt — . 

berg-buch stn. Die schon nach dem ältesten Bgr. U — A u. 
U — B 1 D I R 1, 18 über Verleihungen ausgestellten Handfesten, be- 
kräftigt mit dem Siegel der Bergbehörde und der Stadt, (in dem 
Schemn. R. nur der Stadt) werden in Iglau seit der 2. Hälfte des 
14. Jh. in das, nach Art der Gerichtsbücher — unter Zeugenschaft 
des mitwirkenden Rates — geführte Bergbuch eingetragen, das beioeis- 
kräftig ist, während seit DIR III § 3i schlichte Verzeichnungen der 
verleihenden Beamten ausdrücklich — und darnach auch Freib. 
R — B § 42 — für unkräftig erklärt xcerden. Die Annaberger 
(von 1509) und darnach die Joachimstaler B. 0. faßt dann die 
Eintragung ins Bergbuch als primär und die den Parteien erteilten 
Handfesten als Abschriften auf, so daß alles, was nicht in den 
2 Büchern (1. für neue und 2. für wiederaufgenommene Zechen) 
steht, als unkräftig erscheint. Kenntnisnahme der Eintragungen 
steht jedermann zu, Zycha 1297 f. leiunge nach des perges pueb, 
Igl. Bgr. Nr. 45, 4. ein achteil — verschrieben in das bergbuch vor 
dem bergmeister, 89, 2. noch irem bekentnusse u. des puches laut, 65. 
beweisen mit pergs puch ader des pergs hantveste, 91. Vereinbarung 
= wilkur, eingetragen in des pergs puch, 40. 52. 53. Verlesung der 



78 berg- eisen — berg-gericht 

bewarung aus dem statbuch von wegen des Stollens, N. 69a (a. 1552). 
ein teil der schuldiger {Gläubiger) di do hatten in des perges puch, 
Igl. Str. 231 u. 232. bergbuch,' Igl. Str. 232. 291. 327. 329. 332. ein 
stuften, die in das pergepuch pracht ist, Igl. Rspr. 1 1, S. 35, ein 
abschritt us unsers pergspuch, Epr. V. 

berg-eisen stn. = ferruin montanum, Werkzeug zum Steine 
brechen, Const. I 12, 10. schlegel und b., Chr. v. Traut. 148. Nach 
Agricola B. 111 ist es 9 „Quärfinger" lang, 1 '/s breit, 1 dich. 

berg-emmer* stm. auf Weinbergen üblicher Eimer, Chlum. 
YIII 26 s. unter berggenosse. 

berg-erb-lehen stn. perg erblehen, Cod. H. bergisch erb- 
lehen, I). erbbergwerkeu, E. Const. II 2, 15 s. erbgebirge. 

berg-genosse swm. Geschworener auf einem Weinberge: Wer 
do verkauftet oder kauftet, wo man den Perkmeister nicht gehaben 
mag, so mac ein Percgenoss leihen und aufnemen, er geb nur dem 
percmeister sein recht, Chlum. VIII 3. ein Perc-Emmer — scholl 
gehemmet sein nach der Percgenossen Rat und schol sein gibig und 
gebig zu nemen u. zu geben. Chlum. VIII 26. Perckmaister u. sein 
Perckgenosse, Chlum VII 8. Ir percmeister und ir perc-genoz,z,en, 
habt ir das recht besessen, so well wir rügen das percrecht und das 
gepirges recht, Chlum. VII 1. 

berg-gericht stn. Gericht in Bergiverksangelegenhciten. Nach 
Zycha I S. 321 — 326 : 1. Verfassung. Das ordentl. Berggericht setzt 
sich aus einem Richter (s. bergricuter) u. den Berg geschworenen 
(s. diese), im Bedarfsfälle unter Zuziehung der Stadt geschworenen 
zusammen: wann des not ist in grossen Sachen, so sullen die 
geswornen des pergis di gesworn der stete und eldisten aus dem 
folke czu in rufen, wan was man forschet von vil leuten, das 
vindet man dester leichter, Const. I 5, 7. In jüngerer Zeit fällen 
nur mehr die Stadtgeschworenen das Urteil, so in Iglau nach dem 
Spr. Nr. 92, so in Kuttenberg nach Igl. Bgr. Nr. 49, 11 u. 53,23. 
Bas Richter amt fällt dem Urbarer bzw. — in Kuttenberg regelmäßig 
dem Münz- oder Hofmeister zu, an deren statt — wie in einer 
Urkunde von 1311, Emier III N. 31 — der Kämmerer oder auch der 
Unterkämmerer des Königs in dessen Stellvertretung den Vorsitz 
übernehmen kann. DIR § 23 a, 2 heißt es: Es sol auch kein urborer 
noch kein bergmeister berggerichte sitzen, er hah czum miusten 
czwen schopphen dobei czu seinen geswornen amptleuten. — Const. 
I 4. 4 : Wir seczen ouch — das weder di urborer weder der richter, 
den si seczen, kein perkgerichte hegen oder besiezen sullen, es sein 
denne czu dem miusten czwen scheppfen kegenwortig. 

Neben dem ordentlichen Gerichte fungiert nämlich in gering- 
fügigen Sachen das Gericht des vom Urbarer an seiner statt mit 
Zustimmung der Gewerken des Berges einzusetzenden Bergrichters, 
(Const. I 4, 4 s. oben und DIR § 15, 2 : kein urbarer hat das recht, 
einen richter czu seczen uff einem berge an der gewerken willen) 
und das des Bergmeisters, die beide wenigstens mit 2 Berg- 
geschworenen besetzt sein sollen (DIR § 23 a, 2 u. Const. I 4, 4 s. oben 
und Const. I 7,20: Czu irem (der perkmeister) ampte u. gerichte 
gehört auch, das sie kleine widerdrise, do nicht blut vorgossen ist, 
di geschehen sein in den steten, die in bevolen sein, di niugen si 



berg-gericht 79 

richten czwischen iren undertanen. Si gehört auch an di gewalt, 
czu richten von den lehenscheften, es were denn, dass die sache so 
swer und gros were ader wer czwischen furtrefi'lichen leuten, so 
gehört die sache an grossem richtstul. Der Bergrichter, zuletzt 
Const. I 6 genannt, verschwindet im XIV. Jh. Von diesen Gerichten 
geht die Berufung an das ordentl. Berggericht. Auch die organi- 
sierte Knappschaft führte zu einer gewissen Rechtsprechung der 
Aeltesten. 

2. Zuständigkeit a) sachliche. Die Berggerichte sind ausschließ- 
lich kompetent in edlen Bergsachen und zwar nach dem Brünner 
Schöffenbuch, R. I. 478 (Rössler S. 219 fi\) nbi rnontana sita sunt, et 
non ibi, ubi domini — montanorum — habitare consuerunt. Auch 
der König nimmt hier sein Recht, Igl. Bgr. N. 22, 3 : Des gibt sich 
der kunig, der monezemeister u. der hofmeister czu den scheppen 
des berges czura Chutten urteil, also das sie ein recht nach irein 
gewissen und eide darüber sohlen sprechen, Aveme das 32. eines 
gemessen berges angehöret mit rechte. — Bergsachen sind jene 
Zivilsachen, die „ursprünglich von bergwergks wegen — herkomen", 
Igl. Bgr. N. 107, 2. so : Schuldklagen um Samkost oder um Lidion, 
Klagen auf „Kluft u. Gänge", Metall, Streitigkeiten aus dem Kaufe 
von Bergteilen, um aberslich oder um gechrecz oder um semlich 
dink — schol man auf dem perge — nicht in der stat gerichte — 
vor dem perkrichter oder vor dein munezmeister von recht taidingen, 
Igl. Bgr. 105. Ferner vgl. Freib. Str. XXXVII 5 u. Schneeberger 
B. 0. v. 1479 § 1, 2. Außerdem gehören hierher „kleine" Frevel, bei 
denen es sich nicht um den Tod eines Menschen handelt: Wiert 
aver einer wunt oder erslagen, der richter von den pergen nimpt 
wol mezer und swert; die grose pueze gehöret dem richter an von 
der stat, Igl. U — B 28. Ein itlich bergmeister hat auch das recht, 
das er alle unfuge, die mit Worten oder mit wereken an seiner 
gruben u. in den vier wentten seiner kauwen gescheen, selber mag 
richten und nindert anderswo dar schibenn, an allein wunden und 
todtschlege ; wann ime der frevel gepusset wirt, so sol er sie furbass 
an den marektrichter weisen, die sach zu volfurn u. zu volenden, 
DIR § 23a, 5. Den flüchtigen Täter, soll er 3 mal vorladen und 
dann im Marktgerichte beschreibenn u. auch öffentlich verzelen 
(= ächten) lassen 23a, G. Czu irem (der bergmeister) ampte u. 
gerichte gehört auch, das sie kleine widerdrise, do nicht blut vor- 
gossen ist, die geschehen sein in den steten, die in bevolen sein, die 
mugen sie richten czwischen iren uudertanen, Const. I 7, 20. Wir 
tailen euch — czu einem rechten, das der perkmeister umb dibe, 
wunten, plutrunst oder ume ander sache, di in der gruben oder in 
der kauwen oder an der tailstat geschehen, czu richten hat, Igl. 
Bgr. N. 106, 2. Nach den angeführten Stellen u. DIR 23 a, 3: ein 
itlich bergmeister hat gewalt alle clag zu richten, die vor ime 
beclagt werden, um teil, si sein erbelich oder verlihen, umb alle 
anspräche, es sei umb kauffe, umb mutunge oder glubde und auch 
umb kostvorsaumnusse — gehören vor den Bergmeister; auch Zivil- 
klagen aus Teilkäufen, Versprechen um Kostverlegung und aus 
Lehenschaften ; vor den Bergrichter aber — für den später auch der 
Bergmeister tritt — alle Sirafklagen. b) Die örtliche Zuständigkeit 



80 ber-gewand — bgrg-bauer 

umfaßt das ganze Bergwerksrevier in Zivilsachen, dagegen in Straf- 
sachen nur soiccit, als der Frevel in der Grube, Kaue oder Teilstatt 
geschehen ist, DIR 23 a, 5. Const. I 7, 20. Igl. Bgr. N. 106, während 
im übrigen, soweit der Berg reicht, das Stadtgericht richtet, U — B 27. 
„Verzählunq" auf dem Berg zielt t die durch das Stadtgericht nach 
sich, DIB 23a. 6. 

Verfahren wie beim Stadtgericht. Der Versuch der Const. das 
fremde Prozeßverfähren einzuführen, ist mißglückt. 

Die Zeugenschaft steht zu: um kost von tailen auf perkwerk 
— einem gesworen perkmeister oder gesworn perkscriber, Igl. Bgr. 
N. 113, umb munczgelt — einem geschworen sebriber, der muncz- 
sebriber ist u. der muncz gesworen bat, Nr. 115. Steiger, butleut 
und ander amptleut — haben — niebt verrer kraft czu besagen 
denne also verre, als ir ampt geet, und an der stat, do si ir ampt 
begen und üben u. tuen schulleu, Nr. 116. das man einem manne 
umb di selbe kost (von Bergteilen) nicht dorf vuergepieten, er sei 
gesessen oder nicht, sunder alle tag vurt mau in wol vur den 
richter; und wes in der perkmaister oder der perkscreiber (gruben- 
schreiber E) uberezeugen, das schol er alezuhant mit phenningen 
oder mit guten phanden vorrichten, Nr. 114. Nach D I R 23 a, 4 hat 
der pergmeister auch zu gestatten aller glubte und aller saezunge u. 
willekur u. allerbande rede, di vor ime gescheen, mit vollen rechten. 

ber-gewand* stn. Kleid, varender habe u. pergewandes und 
kleinote uuderwant sich der vrawen sweher ires mannes vater, 
Igl. Str. 269. 

berg-grube* swf. Bergwerk, bergmännischer Einbau in die 
Erde, ob Stollen oder Schacht, zumeist argentifodina: czu gemeinem 
nueze der perkgruben, Const. I 9, 2. 

berg-gezauwe* stn. Bergbaugerät, einfaches Werkzeug für 
Bergbau: was denne unter der masse gelassen wirt in den berk- 
geezawen (berggeezeug E), es sei eiserein oder holezein, das pleibt 
allesampt den newen vindern (= in instrumentis montanis), Const. 
II 2, 7. Bei Veith, Bergicb. Gezau, Gezäu, Gezeu belegt aus Mathesius 
„Sarepta" 1571 Nürnberg; Döring, Sachs. Bergreyhen, II 60 u. 
Bergordn. f. d. Churfürstenthum Köln 7,25 und Brassert: Bergord, 
der preuß. Lande, 617 = Gezäh(e), jedes Werkzeug, das der Bergm. 
bei seinen Arbeiten gebraucht. 

berg-gut* stn. = Bergteil: das — Ffricz Ruswurm ettlichen 
leuten auf ire bergkguter geliehen, die sie im für seiu schuld in das 
pergkpuch verschrieben haben, Igl. Bgr. N. 93, 3. 

berg-haubtman stm. regalherrlicher Oberbeamter in Bergwerken 
außerhalb Kuttenbergs (in diesem an seiner statt der berghofmeister. 
An ihrer Spitze steht seit 1528 bis etwa 1534 als oberstes Organ 
der zentralen Bergwerksverwaltung der Traut. Chr. 45 genannte 
Christof von Gendorf, oberster perghauptman in Behaim, dann jedoch 
wieder der oberstmünzmeister. 

berg-hauer stm. Berghäuer: die Kuttenbergischen b., Traut. 
Chr. ein berghewer, Eg. Cbr. 413. — wohl verlesen für berg (= taubes 
Gestein): ir (der gewerken vom Korn) wasser, perkhauer und all 
andre furclrung zu demselben gemessen perg zur Gersten ist aus- 
gangeu, Igl. Rspr. 



berg-herre — berg-kost 81 

berg-herre sicm. Gewerbe: dieselben (Akk.) vingen die pergk- 
herren alle auff einen tag. — und mussten doch ire tochter den 
pergklierren sonen geloben czu geben, Böhm. Chr. 102. 

be'rg-kost(e) stf. Kosten des Bergbaues usw. 1. für die Berg- 
arbeit. Da es zumeist kapitalistisch beteiligte, nicht persönlich selbst 
arbeitende Gewerken waren, heißt der für die, diese Arbeit ver- 
richtenden Lohnarbeiter zu zahlende Lohn „gemeine pergkost" 
(communis expensa montana), Const. 17, 15; 1115,7 in dem Sinne, 
daß sie von jedem Gewerken für die auf seine Teile kommenden 
Arbeiter, nicht aber, als ob sie von allen Gewerken gemeinsam für 
alle Arbeiter zu bezahlen wäre. Darum werden diese mit Lohn- 
forderungen nicht an die Gewerkschaft, sondern an die partes, pro 
quibus laboraverint, gewiesen, zahlt ursprünglich jeder Gewerke seine 
Lohnarbeiter beim wöchentl. Gedinge aus, später (in den böhm.- 
mühr. Quellen zufällig nicht belegt, in Sachsen nach der Schneeberger, 
B. 0. v. 1479 § 8 u. v. 1492 § 10, im Schwarzwald durch die Münster- 
thaler B. 0. schon 1372 bezeugt) der Gewerkschaftsbeamte, aber nur 
die Arbeiter, für die er von den einzelnen Gewerken den Lohn er- 
halten, andere muß er mit Lohnforderung an den säumigen Gewerken 
weisen. Die Annaberg - Joachimst. B. 0. ordnet erst bestimmt den 
Lidion unter die allgemeinen (= gemeinsamen) Auslagen der Gewerk- 
schaft ein. 

Um den Lohn kann 1. wenn die Pfennige verdient d. h. nach 
Bestätigung durch die Aufsichtsorgane die Schichten voll verfahre)! 
wurden und außerdem 2. der Löhnungstermin eintrat, wenn aber 
nach Freib. B. R.-A. § 17 „die gewerken vor dem bergmeistere — 
willekurn, ire kost zu wurffen czu geben (= zu zahlen, wenn ein 
bestimmter Betrag aufgelaufen) adir uftage" (== bestimmte Termine) 
dann, wenn unter Erfüllung von 1. dieser Betrag oder 'Termin er- 
reicht ist, geklagt werden „um Teil". Nach einem vor der Vollver- 
sammlung der Geiverken, später (D I R § 22a, 1 und im jüngeren, 
Freib. R) vor dem Berggericht in mehreren Terminen [um „Erbteile" 
nach DIR 22a, 1 in 3 gedingen — raitungen — , um Lehenschafts- 
teile in 3 Tagen nacheinander, DIR § 22 b ; Mahnklagen können 
nach Vereinbarung der Geicerken nach § 22 c entfallen] durchgeführten 
Verfahren wird durch diese Versammlung oder Gericht der wegen 
Kostver säumung beanspruchte Bergteil dem klagenden Arbeiter — 
ohne Rücksicht auf die Höhe der Schuld, (Const. I 7, 15) eingeant- 
u -ortet, den dieser nun zu verlegen hat und wohl häufig, da ihm 
hierzu das Geld fehlt, verkauft. Doch kann er, wenn der Teil z. B. 
die Forderung nicht deckt, auf ihn verzichten u. für seine Forderung 
wie für jede andere Schuld den Gewerken pfänden lassen, da dieser 
mit seinem ganzen Vermögen haftet u. sich auch nicht durch Auf- 
geben seiner Stellung als Gewerke der Verpflichtung entziehen kann, 
sondern trotzdem schuldig bleibt; Igl. Bgr. N. 78 heißt es daher: 
welick man sein teil auflesset des mittwoches vor mittag, der dorffe 
nicht gelden die koste der selben wochen, es were denne, das er vor 
etwas schuldig were. — 

Nur um „bergkost" kann auch Erz (= die Ertragsquote des 
mit dem Lohn säumigen Gewerken) gepfändet (verboten) werden s. 
verbieten u. Kommerimg: Is enmag auch kein mau des andern erez äff 

Jelinek, Wörterbuch. g 



82 berg-kost 

dem berge vorbitten adir vorsprechen uinine keine schulde, wenne 
alleine unime die sammekoste der gewerken, DIR §21. Hoch um 
gemeine pergkoste ist czimlich idem arbeiter, ercz vorpieten und 
hindern an allen eit, Const. III 5, 7. die perkmeister — sulleu mit 
grosen fleise behüten, das man nimant um keinerlei schult sein ercz 
hinder nur umb gemein pergkost (samenkost an der gruben E), 
Const. I 7. 15. — Freib. R.-B. § 35, Sehern. B. B. (17). — Diese Kom- 
mer ung geschieht durch den Bergmeister durch Hineinstecken eines 
Pflockes in die bei der Erzteilung dem Gewerken zufallenden 3Ietcdl- 
häufchen. 

b. Kosten für den gemeinschaftlichen Aufwand, Herstellung von 
Maschinen wie Förderungs- u. Wasserhebungswerken, Windfärujen, 
Einstellung von Treibpferden u. dgl., Bezahlung der gemeinsamen 
Amtleute. Ferner wurde für edle gemeinschaftlich: Leder, Seile, 
Kübel, Eisen. Unschlitt u. dgl. angeschafft. Zur Bezahlung dieser 
Auslagen muß ein gewerkschaftlicher Verlag bestanden haben. Erst 
in der Xeuzeit hatte dieser auch den Arbeitslohn auszuzahlen. 

Der Beitrag zu diesem Verlag war im wöchentl. Gedinge zu 
zahlen oder durch T 'fänder sicher zu stellen, 3 malige Versäumnis 
führt den Verlust des Bergteiles herbei: Ist das iemant tail hat an 
eim gepirge u. auzerhalb laudes ist (offenbar aber auch einer im 
Lande) versäumet sein bestellet 1 oder sein püeger drei gedinge, das 
er seiner cost darezu nicht geit (nicht engibet B. engibet M.) er 
verleust sein tail mit rechte, DIR 28. Was man phant umb diselbe 
kost verseezet, di mak der perkmaister oder der perkscreiber oder 
die gewerken alezuhant an alles aufgepot hin czu den Christen oder 
hin czu den Juden vorseezen, Igl. Bgr. X. 78 a. Um Kost versetztes 
Erb — schol er in drin tagen losen. Tut er des nicht, an dem 
virden tag mag man das selb erb verseezen, vorkaufen oder di kost, 
do er es vur verseezet hat, darauf gewinnen, wie man mag. X. 78 b. 
— Nach jüngerem sächs., über Joachimstal nach Böhmen ver- 
nüanzten Hecht wird die Zubuße vierteljährig gezahlt u. aus den 3 
Gedingen eine Frist von 4 Wochen; doch scheint es in Kuttenberg 
beim alten Brauch geblieben zu sein. 

Nach Versäumung dieser 4 wöchentlichen Frist wird nach sächs. 
Becht u. Schneeberg B. 0. v. 1492, Schreckenb. Entw., Annaberger 
u. Joachimsth. B. 0. auf Grund eines vom Schichtmeister vorgelegten 
Berichtes der Teil durch Ausschreibung aus dem Gegenbuch u. Ein- 
tragung ins „Betardatbuch" zugunsten der Gewerkschaft entzogen, 
die ihn veräußern oder den gehorsamen Geiverken zuteilen kann. 
Seit 15G0 so für ganz Böhmen vorgeschrieben. 

Der säumige Gewerke haftet auch nach Aufgabe des Teiles mit 
seinem gesamten Vermögen für Kost in der vom geschicorenen Berg- 
meister oder -Schreiber bezeugten Höhe, Spr. 113 u. 114. Wer seinen 
Teil nach Mittwoch Mittag aufläßt, haftet für die Kost der ganzen 
Woche, Igl. Bgr. Nr. 78: welich man sein teil auflesset des mittwoches 
vor mittag, der durfte nicht gelden die koste derselben wochen, es 
were denne, das er vor etwas schuldig were. — Auch hier ist Erz- 
verbot, Kommerung, gestattet. 

Beule Arten von Kost (a und b) mußten unter allen Umständen, 
auch wenn das Bergwerk noch nicht ertragfähig war, gezahlt werden. 



berg-lachter — berg-ineister 83 

Erst seit Ende des Mittelalters war dies bei einigen Zechen nicht 
mehr nötig, seit nur der Reingewinn u. zwar in Geld — bei Aus- 
beutezechen — ausgezahlt wurde, andere keiner* abwarfen — „sich 
verbauten" d. h. gerade die Kosten deckten, während atif Zubuß- 
sechen sogar darauf gezahlt wurde. 

berg-lachter* = berc-kläfter, ein Langenmaß beim Bergmessen, 
s. lachter, nach Schemu. Bgr. Wagner 165 = 3 Ellen der Stadt. 

berg-leute s. berg-liute. 

berg-Iich, berg-leich* Adj. zum Berge gehörig: mit wasser 
und mit ander perkleicher notdorfft, Igl. Bgr. 53, 4. das im mit 
perkleichem rechten gepuren mag, 40, 6. mit pergleicher arbeit, 
47, 2. 51, 1. welchen man in den obgenanten leben — mit berklicher 
arbeit begriffe und funde, 51,10. nu hab ich di lehen ettliche czeit 
mit berkclicher arbeit gebawet, Igl. Stb. V 10 b. als nimand von 
fremden perkwerken zu uns kumen ist mit offen durchsiegen mit 
berklicher arbeit, Igl. Rspr. VII. man sol und mag in einem freien 
mit perklicher arbeit arbeiten, di weil nicht ein durchslag geschieht, 
Igl. Rspr. VIII. der lehen mit berklicher arbeit zu geniesen, 
Igl. Stb. V 11c. 

berg-liute, berg-liite, -leute st. PI. dis sint di pergrecht, di 
— von den burgern von der Igla u. von den eldesten bergluten 
bestetiget u. beschriben sin — , DIR I. Einl. purgern u. perkleuten, 
U— A, Einl. 

berg-man stm. PI. berg-leute, jeder, der sich mit Bergbau 
beschäftigt, sowohl Gewerke als Bergarbeiter, Knappe und alle für 
das Bergwerk arbeitenden Handwerker, das wir (= lehenheuer) 
und ain iczleich perkman dester sicher u. dester pas gepawen 
reuigen, Igl. Bgr. 40, 1 (S. 352, 6) u. sonst. 

berg-meister stm. a) regal- oder grundherrlicher oberster 
Beamter, magister montium, in einer Urkunde von 1227 in Iglau 
neben dem Urbarer bezeugt, ist als königl. oberster Beamter des auf 
königl. Grund gelegenen Iglauer Bergtverks, nicht als Lokalbeamter 
des Regalherrn zu betrachten. Sein Amt fiel in Iglau als grund- 
herrlich bald der neuen Bergwerksverfassung zum Opfer, zuletzt 
erwähnt Urk.-B § 16 u. 17. Seitdem versteht man in Iglau unter 
b. den Gewerkschaftsvorstand. In Freiberg ist der b. zunächst 
Leiter des dem Landesherrn gehörenden Freiberges und wird zum 
obersten regalherrl. Beamten; in Schemnitz (schon Seh. Bgr. 1) durch 
die Stadt ernannt. In Iglau erscheint im 16. Jh. (so Edikt von 
1586) als Bergmeister, in Kuttenberg als Hofmeister, 1586 als Ober- 
bergmeister ein oberster regalherrl. Beamter. 

b) Seit in Iglau und Kuttenberg die Geschäfte des regalherrl. 
Bergmeisters, an den ursprünglich ihm untergebenen Urbarer über- 
gegangen, also in der Blütezeit des Bergbaus, versteht man in 
Böhmen und Mähren unter Bergmeister den von den Gewerken aus 
ihrer Mitte gewählten Geiverlcschaftsvorstand. Er mußte wenigstens 
1 32 Teil haben: Di gewerken nemen einen bergmeister, wen si 
wullen, also das derselbe teil mit in habe czum minsten ein czwei- 
unddrissigteil; unde wer an des urbarers statt ist, der sal im den 
eit geben, DIR § 13, 9. Und dovon so gepiten wir vestielich u. 
seezen, das kein perkmeister nur aus den gewerken des selben perges 

6* 



84 berg-meister 

— erweit sul werden, der czu dem niinsten ein czweiunddreissigteil 
in dem selben perg babe. Und demselben snllen di nrborer den eit 
staben, das er uns und den gewerken alle trewe getreulich beweise, 
Const. I 7. 2 u. 3. Diese Bedingung fällt durch die Joachimstaler 
B.-O. Art. 15. 36. 38 weg. Nach Igl. Recht darf keiner zugleich bei 
zwei Gewerkschaften Berg-meister sein: — unser angeboren mildikeit — 
hat gesaczt mit diesem gepote unczubrochlich czu halden. das kein 
perkmeister meer ampte ader mer meisterschefte denn einis haben 
sol; wann wo er czu in peiden eilet, do vollendet er keines wol, 
Const. 17, 23. Nach sächs. Quellen (Schneeberger B.-O. v. i477 §2. 
Annaberger u. Joachimstaler ß.-O. Art. 37) darf er jedoch bis zu 6, 
aber beieinander liegende Gruben verwalten. Nach dem Schreckenb. 
Entwurf § 13, Annaberger u. Joachimst. B.-O. Artikel 36 ist er zu 
einer Kautionsstellung verpflichtet. Frauen sind 1604 Rudolf. Pat. 
Art. 1 von diesem Amt ausgeschlossen. Die Bergm. ursprüngl. die 
ersten Aufnehmer eines Bergwerks, Bergleute, die dieses durch ihre 
Initiative, Opfer an Arbeit und Geld emporgebracht und daher unter 
den Gewerken die erste Stelle einnahmen, ■ — später Schichtmeister 
genannt, wurden dann einer Schar von Beamtenaspiranten ent- 
nommen, die nur ihre Versorgung suchten; sie werden mit Wochen- 
lohn, in älterer Zeit außerdem mit Festtagsgeschenken bezahlt: idem 
bergmeister sol man alle wochen siben grossen rechen, als das 
langest beheglich gewest ist den eidern; dornoeb in den würdigen 
hochezeiten, als gewonleich ist, noch dem gewinne der silbergruben, 
den si vor sein, so sol man si — mit einer bequemlicben Steuer u. 
hülfe, nicht mit ereze. sunder mit pfennigen trösten. Const. I 7, 22. 
Joach. B.-O. Art. 15. Vgl. Schneeberger B.-O. 1492 §5- Schreckenb. 
Entw. § 58. Er hat den Urbarem den Eid zu leisten: Das kumet 
dan davon, das ein itzlich bergmeister den eidt entphahen muss von 
den urborern und swern muss offenbar, alss wol des kuniges nutz 
und der urborer alss seiner gewerken zw fudern u. zu werben u. 
iren schaden zu wenden, DIR §23(a), 9. demselben (bergmeister) 
sullen die urborer den eit staben, das er uns u. den gewerken alle 
trewe getreulich beweise, Const. I 7, 3. 

Zu seinen Pflichten gehört die ökonomische Verwaltung der Zeche, 
weshalb er mindestens einmal in der Woche das Grubengebäude zu 
besehen hat u. nach dem wöchentl. Bericht der Hut- und Zimmerleute 
usw. das Nötige zu verfügen hat: Und ab er nicht allewege, so sol 
er doch eins in der wochen selber in die silbergruben steigen, di 
im bevolhen sein; es wer denn das in ehafte not hinderte, und sol 
doselbst, was gebreebsam ader irresam ist, getreulich pessern, Const. 
I 7, 4. Und sol von der arbeit der (^zukünftigen wochen mit seinen 
amptleuten vorbesehen u. schicken u. in allen sacben sein ampt czu 
nuez der gewerken redlichen üben, also das er in der silbergruben. 
di im bevolhen ist, nichtesnicht ungeordiniret dohinden lasse, I, 7. 5. 
Es ist auch für in czu tun aller koste rechnunge, dass man nicht 
unnueze czerung habe ader nueze ader notige czerun^e nicht under- 
wegen lasse, I 7, 19. Vgl. auch Joach. B.-O. Art. 39. 40. 42. 48. 54ff. 
Nach außen, insbesondere bei Anweisung verliehener Lehenschaften. 
Teilveräußerungen , Verpfändung der Zeche u. im Prozeß vertritt er 
die Gewerkschaft: Es mag auch kein man kein lehenschaft belegen 



berg-meister 85 

in keiner gruben, er entpfa si van dem bergmeister; der sol im dan 
geben ein gesworn man, der das ort beschawet, ob es ledig lige und 
abpawe, und vindet er es dan also, das er es czu rechte belegen 
mag u. das es der czeche nicht schedelich ist, so mag er es belegen 
u. pawen an hindernnsse, DIE §23a, (10). Auch ist das ein recht, 
das kein bergmeister auff keinen andern tag noch umb kein ander 
eigenschafft imand icht leiheun sol vil oder wenig, dann als di ge- 
wercken gesetzet u. ime gebotten haben zu verüben. Leihet er icht 
anderss und kumet des zu krige und entpfallen im di gewercken, 
sein leihen hat nit kreffte. Wer aber das, das van ungewinne di 
eigenschafft zu swer wurde und der tag zu kurtz den lehenhawern 
u. das di zeche davan verwüste, so sol der bergmeister di gewercken 
besenden uff einen genannten tag u. manen, das si beide eigenschafft 
u. tag also setzen und kiseu, da man umb gepawen muge, oder sol 
es selber in gebitten zu hauwen, das di zeche icht verwüste. Thuu 
si dan das nicht, so sol es der bergmeister bringen an di urborer, 
DIR § 23 a, 8 u. 9. si sullen i'urpas nindert vorleihen leben ader 
orter an der gewerken sunderlicbe laube noch über das czil, das in 
diselben bescheiden haben, sonst sol das mit rechte kein kraft haben, 
Const. 17, 7. kein b. soll kein teil in allen lehenscheften, do si 
vorleihen, sich annemen czu pawen. Was wider dise unser saczunge 
getan wirt, das sol darben alles rechten und aller tat; verfeilet aber 
der b. in disem gepote, so sol man in smehlich abseczen u. sol 
nimmer czu keiner meisterschaft ader ampte auf dem gepirge hoffe- 
nunge haben. Allen Gewinn, den der Bergm. vom Verleihen von Lehen- 
schaften zum Schaden der Freiheit des Gebirgs hat, sol der camerer 
czwifach (vom, Bergmeister u. den Gewerken) als pusse antworten 
in unser camer, Const. I 7, 8. Indem man, gestützt auf dieses Becht 
der Verleihung von Lehenschaften durch den gewerkschaftlichen Berg- 
meister Iglaus, das auch in das Freiherger Bergr. aufgenommen ist, 
diesen Bcrgm. (Iglaus) mit dem regalherrlichen Freibergs identifizierte, 
glaubte man 1482 in Freiberg fälschlich an die Notwendigkeit des 
Eingreifens des regalherrl. Bergm. bei Begründung von Lehenschaften 
und so entstand unter ausdrücklicher (mißverständlicher) Berufung 
auf das Iglauer Bergrecht daselbst ein l'rozeß. 

Die Vertretung der Gewerkschaft durch den Bergm. beim Prozeß 
lehren die meisten Sprüche des Igl. Bgr., bei Verpfändung der Zeche, 
Joach. B.-O. Art. 62. Der b. soll besehen, 1. das den, di under in 
arbeiten, recht Ion u. zu rechter czeit vorgolden werde — ader in 
di teil, umb di si gearbeitet habeu, czueigen; 2. das man nimaut 
umb keinerlei schult sein ercz hinder, nur umb gemein pergkost, 
Const. I 7, 15. 3. das man nur den Frzscheidem, Bulgenmachern u. 
den, di di czeit u. stunden künden, alleine lone mit ercze, Const. 
I 7, IG. 4. das der Ion für die Arbeiter ausreiche, domit si sich 
generen mugen, I 7, 17. 5. er soll die warheit erfarn von aller ge- 
legenheit des gepirges alle wochen von den hutleuten, czimmer- 
leuten usw. u. besehen umb holcz, eisen, strenge usw., 17,18. für 
im ist rechnuuge czu tun aller koste, I 7, 19. 

Der Bergmeister ist endlich Richter (mit wenigstens 2 Berg- 
geschworenen als Beisitzern) in geringfügigen Sachen. Die Berufung 
von seinem wie des Bergrichters Gericht geht an das ordentliche 



86 berg - meister 

Gericht des Urbar ers (Münz- oder Hofmeisters in Kuttenberg): Es 
sol auch kein urborer noch kein bergmeister berggerichte sitzen, er 
hab zum minsten zwen schopphen dobei zu seinen geswornen ampt- 
leuten. Was si da miteinander urteiln, das hat volle crafft, es sei 
dan, das es imant straffe u. sich beruffe an das recht vor di urborer 
u. di scheppfen, und ob di schepphen selber ein urteil verschiben in 
ir morgensprach, DIR§23a(2). Ein itlich bergmeister hat gewalt, 
alle clag zu richten, di vor ime beclagt werden, umb teil, si sein 
erbelich oder verlihen, umb alle anspräche, es sei umb kauffe, umb 
mutunge oder glubde u. auch umb kostversaumnusse, DIR 23a (3). 
Der bergm. hat auch czu gestatten aller glubde und aller satzunge 
u. willekur u. allerhande rede, di vor ime gescheen, mit vollen rechten, 
23a, i. er hat auch das recht, das er alle unfuge, di mit worten 
oder mit wercken an seiner gruben und in den vier wentten seiner 
kauwen gescheen, selber mag richten und nindert anderswo dar 
schibenn, an allein wunden u. todtschlege; wann ime der frevel ge- 
pusset Wirt, so sol er si furbass an den marctrichter weisen, di sach 
zu volfuren u. zu vollendin, 5. Ist aber, das derselb schuldige vor- 
fluchtig wurdt u. vor dem b. dem gerichte nicht gesteet, er mag in 
wol drei raitunge lassen eischen u. in die echte thun. Wenne das 
geschieht, so sol man inne dann in dem rnaretgerichte lassen be- 
schreibenn u. auch verzelen öffentlich, D I R 23a 6. Wir tailen euch 
auch czu dem andern male czu einem rechten, das der perkmeister, 
um dibe, wunten, plutrunst oder ume ander Sache, di in der gruben 
oder in der kauwen oder an der tailstat gesehen, czu richten hat. 
Aber was ausserhalb auf dem leben oder auf dem gepirge ge- 
schieht, das schol der statrichter richten, N. 106, 2. Czu irem (der 
Bergmeister) ampte u. gerichte gebort auch, das si kleine widerdrise, 
do nicht blut vorgossen ist, di geschehen sein in den steten, di in 
bevolen sein, di mugen si richten czwischen iren undertanen. Si 
gehört auch an die gewalt, czu richten von den lehenscheften , es 
were denn, das die sache so swer und gros were ader wer czwischen 
furtreff liehen leuten, so gebort di sache an grossem richtstul (so 
sullen sie suchen das erste gerichte Gr.), Const. I 7, 20. Wer auch 
eczliche teil, von was Sachen das sei, auflest, der sol diselben auf- 
geben den pergmeistern , das si den, der si nemen wirt, in di teil 
weisen als recht ist, 1 7, 21 u. Const. III 8, 1. Zu seiner Unterstützung 
gestattet ihm das spatere Becht (Joach. Zus Art. 12 von 1525, Schmidt! 
S. 150 ff.) einen Jungen, nicht aber mehr zu halten. 

Doch sullen die kauffer gescheid sein in disem teile, das si czu 
voraus di gekauften teil in den newen runden, do kein perkmeister 
ist, czukant vor den gewerken in heissen aufgeben u. auflassen, 
von den vorkauffern, Const. III 6, 8. 

Wir wollen auch nicht, dass der pergmeister in allen sachen der 
lehenschefte. darinne er der erste geezeug sein muss, kein gerichte 
besiezen sol, wann nimand mag in derselben sache richter und 
geezeug sein, Const. Dil 5, 11. Die Ernennung der Berggeschworenen 
(Berg- oder Schichtmeister, Steiger, Schreiber, Zimmer- und Hut- 
hute) ist nach Ansicht der Iglauer nur dann ausschließlich Sache 
der Gewerken, wenn ihnen dies — wie in lglau — durch ein regal- 
herrliches Privileg geicährt worden ist: Spruch Nr. 101. Czu dem 



berg-ineister 87 

leczten teil wir euch: Haben di gewerken an irer hantvest, das in 
der herczoge das hat erleubt, das si scheppen seczen, so mugen si 
es wol getuen mit recht; also mugen auch di urborer, ob es in der 
herczog hat vorlihen. Ist des alles nicht, so hat der herczoge von 
rechte scheppen czu seczen oder weme her das von seinem gewalt 
empfilhet. Dies ist auch aus Const. I 5, 2 heraus zu lesen. 1530 hat 
Schlich die Freiheit, jene zu ernennen als Grundherr für Himelstein 
und Hauenstein, während den Zehentner der König unter Tragung 
der halben Besoldungskosten ernennt, (Zycha I 150). In Ferdinandei- 
schen Bergwerksvergleich von 1534 ist der Bergm. grundherrlich. Im 
Gegensatz zu lglau bildet sich in Freiberg das Amt des Berg- 
meisters, der hier auch — nicht ein Mitglied des Rates — ivohl als 
Redaktor des Freiberger Bergrechtes A erscheint, zum obersten regal- 
herrUchen Amt für das ganze Land, aus, das auch in den folgenden 
Jahrhunderten fortbestand, 1466 wurde für die Bergwerke außerhalb 
der Pflege Freibergs ein zweiter und ein Unterbergmeister eingesetzt, 
{Freiberger Urkuudenb. II N. 1048). Hier bleibt dies Amt von der 

— wie in Böhmen verpachteten Urbar und Münze getrennt. Zu 
Ende des 15. Jahrhunderts dringt in Sachsen (Annaberger B.-O. von 
1509 Art. 4 und danach in der Jochachimst.) das Verbot durch, daß 
kein Bergmeister über eine Grube, an der er selbst Teile hatte, 
rechtsprechen dürfe, 1589 ivird in Joachimstal bestimmt, daß er 
höchstens 4 Kuxe mitbauen dürfe, jedoch das Einschreiben derselben 
auf Frau und Kind verboten sei, doch in Kuttenberg drang dies 
nicht durch, da die Bergmeister und Beamten lieber auf ihre Stelle 
als auf das Mäbaurecht verzichten wollten. 

Nach der Joachimsth. B 0. Art. 29 soll der Bergm. schede- 
lichen Bau abschaffen u. nutzliche Baue angeben. Nach Art. 92 
fungiert er mit den gesworen u. andern unvordechtigen berkvor- 
stendigen statt der 4 Schiedsrichter bei blindem Durchschlag. 

In der Annaberger und darnach in der Joachimst. BO. wird 
Gedingarbeit uff ertz und in fundigen tzechen äne des bergmeisters 
willen ader sunderliche tzulassung verboten, (Zycha I S 301). 

Nach dem Schemnitzer Bergr. Punkt 2—5 wird der Bergmeister 
vom Richter und Rat ernannt und von des Königs Kammer besoldet. 
Nach Punkt 14 können Fristungen „von dem raate u. dem perck- 
maister ye 14 tag, als oft es not geschieht" erteilt werden, nach dem 
Göllnitzer B,. v. 1400 „ein viertel jar oder mer, (Zycha I 81 u. I 316). 

Einen in Ausübung seines Amtes trägen Bergm. sollen die Ge- 
werken, falls diese aber „mit seiner saumpnus u. irresal" einver- 
standen sind, die Urbarer absetzen u. „von in selber doselbist einen 
perkmeister czuhant setzen, Const. I 7, 6. 

c. ) = Hüter eines Weinberges: Der bergmeister hat solches 
(Einschreiben von Vieh in einen fremden Weinberg) zu verwandlen. 
Die Wandel (Geldstrafen) gehören dem Bergm. zu oder dem Dorf- 
richter, Chlum. 1 13 u. 14. Wir rüegeu, dass so viel das Berchrecht 
betreffend ein perckmeister u. czwen perekhgenossen erwehlet werden 

— die unter Eid Ruhe u. Ordnung auf den Weinbergen erhalten 
1*. Streitigkeiten daselbst schlichten sollen, Chlum. VII 1. so sullen 
di da (Weingärten) bawen, den ez der b. (der Frager Weingärten) 
vorlihet, Stadtb. v. Brüx N 108. die konige czu Behem mugen alle 



88 berg-ordnnng — berg-recht 

jar u. so oft des not wirt, einen b. seczen und entseczen, Stdb. Brüx 
N 108. Perckhinaister u. sein Perckhgenosse, Chlum. VII 8. Ir 
percmeister u. ir percgenossen habt ir das recht besessen, so well 
wir rügen das percrecht u. des gepirges recht, Chlum. VIII 1 u. 3. 

berg- Ordnung* stf. — Bergrecht: ich — mut — ein fund- 
gruben — u. einen erbstollen, der fundgrueben zu guet, mit aller 
irer gerechtigkheit nach laut der b., Tgl. Mutung N 13. 

berg-recht stsivn. Über das älteste deutsche Bergrecht, vgl. 
Zycha, Das Becht des ältesten deutschen Bergbaues bis ins 13. Jh., 
Berlin 1899; über das Igl. Bgr. Zycha: Das böhm. Bergr. des Mittel- 
alters auf Grundlage des Bergr. v. Iglau I und II, Berlin 1900, Vahlen. 

1. Iglau, das neben der slav. Burg Iglava als Sitz einer landes- 
fürstl. Praefektur und daher nach Jirecek (Cod. juris Boh. I S. 82) 
selbst als Haupt einer Provinz zuerst 1174 und zuletzt als solcher noch 
1214 erscheint, muß zwischen 1214 — 1227 von der Provinzialgerichts- 
barkeit eximiert worden sein, was in der Handfeste stillschweigend 
vorausgesetzt wird und aus dem sonst unbegreiflichen Fehlen eines 
Praefekten von Iglau in einer an die Iglauer sich richtenden Urk. 
r. 122? sich ergibt. Die dadurch erwiesene numerische und polit. 
Kräftigung der jungen deutschen Gemeinde ivar hauptsächlich eine 
Folge des bereits 1227 blühenden Bergbaues, in welchem Jahr König 
Ottokar 1. die Wahrung der Rechte des Petrus v. lamnitz vor allem 
dem Gerichte seines Iglauer obersten Beamten und der Igl. Berg- 
geschworenen empfahl, so daß das Igl. Bgr. bereits zu externer Be- 
deutung gelangt erscheint. Als oberstes Gericht in Bergsachen hat 
es Ottokar auch 1238 betrachtet und 1234 selbst in Iglau Recht ge- 
nommen. Als Weistim der Berggemeinde um die Mitte des 13. Jh. 
in die 1. Handfeste der Stadt (Ä) aufgenommen, setzt es eine — 
vollends wenn man es als ein in Iglau entstandenes Recht annehmen 
ivollte — sehr lange Entwicklung voraus. Mindestens muß man die 
Anfänge in die letzten Jahrzehnte des 12. Jh. zurückversetzen, wenn 
man auch seine Elemente als aus der Fremde übertragen wird be- 
trachten müssen. 

Für die Heimat der deutschen Kolonisten in Mühren zuerst 
bes. unter dem Markgrafen Wladislaw, 1197 — 1222, unter K. Otto- 
kar I. beziehungsweise Wladislaw, Heinr. v. Mähren, K.Wenzel I. 
(wohl bes. deutscher Bergleide) und Ottokar II. wird für ältere Koloni- 
sation (bis Anfang des 13. Jh.) hauptsächlich der Niederrhein ge- 
halten. Wenn sich auch (Tomaschek, Deutsches Becht in Österr. 
S. 80ff.) flandrisch-wallonische Elemente im Igl. Stadtrecht deutlich 
nachweisen lassenund die Kaufmannskolonie in Iglau wohl aus nieder-. 
rhein. Elementen bestanden haben mag, so weist doch Zycha, die 
vorherrschende Meinung, daß fränk. Bergbau und fränk. Bergrecht 
vom Rhein und Main ostwärts bis nach Schlesien, nordwärts bis an 
den Harz und über Meißen nach Böhmen, Mähren und Oberungarn 
gezogen sei, zurück, da den geringen Ähnlichkeiten zwischen dem 
Bergrecht des Harzes und dem Freibergs — das mit Iglau die 
größte Verwandtschaft zeigt — bedeutende, ja wesentliche Unterschiede 
gegenüberstünden. Er findet die Grundbestandteile des Igl. und Frei- 
berger Bgr. in den Alpenländern (bes. in Urk. über den Silberberg- 
bau um Trient 1185 — 1213, auf dem Zessenberg 1185 — 1216, den 



berg-recht 89 

Massanischen Statuten aus dem 13. und beginnenden 14. Jh.). Und 
wenn man schon die — iveü nicht erweisbare — 'Einwanderung 
deutscher Bergleute aus den Alpenlandern direkt nach Iglau nicht 
annehmen wolle, kämen die größtenteils den Alpenländern direkt oder 
indirekt entstammenden Bergleide des böhm. Bergbaugebietes zu- 
nächst in Betracht, da in den Sudetenländern mindestens seit 1213 
deutscher Bergbau im Anfang des 13. Jh. weit verbreitet war. Frei- 
berg könne man endlich zum mindesten mit demselben Recht als die 
Tochter wie als Mutterstadt Iglaus betrachten. Seine Bitte an 
Iglau um Mitteilung des Gesamtrechtes deute die Erinnerung an die 
Herkunft des Freiherger Hechtes an und war sicher nicht an die 
eigene Tochterstadt gerichtet. Der Ausbau des Bergrechts in Freiberg 
sei sicher auf derselben, den Alpenländern entstammenden Grund- 
lage erfolgt wie in Iglau, bis im 14. Jh. in Freiberg das kodifizierte 
Iglauer Bergr. aufgenommen wurde. — 

Ein Einfluß des — nach Ausweis vieler slav., vom Bergbau her- 
rührender Ortsnamen in den Sudetenländern und Oberungarn — ge- 
wiß vor und ivohl einige Zeit neben dem deutschen bestehenden slav. 
Bergbaues auf den deutschen, muß mit Bücksicht auf seinen primi- 
tiven, nicht in die Tiefe dringenden u. nicht gewerkschaftlichen Be- 
trieb für ausgeschlossen gelten, wie ja auch die technischen Aus- 
drücke des deutschen Bergbaues keinerlei slav. Einfluß zeigen. 

2. Nach der alten und allgemeinen Tradition (Teithner, „Versuch 
einer natürlichen und polit. Geschichte der böhm. und der mährischen 
Bergwerke", Wien 1780) begann der Bergbau Iglaus und zwar wie 
überall nicht durch bergm. Schürfen, sondern infolge eines zufälligen 
Fundes auf dem Altenberger Zug im W. der Stadt auf landesherrl. 
Grund, der „gefreit" d.h. jedermann zu Schürfversuchen und dem 
Finder gegen geivisse Leistungen zur dauernden Ausbeute überlassen 
wurde, hängt also nicht mit der kolonisatorischen Tätigkeit der bei 
Iglau begüterten Orden des hl. Johannes von Jerusalem und der 
deutschen Brüder zusammen, da sonst das Fehlen grundherrlicher 
Gerechtsame in den ältesten Stählten nicht verstündlich icäre. Geist- 
licher Besitz war hier an den Bergwerken nicht beteiligt. Beim 
Tausch der Iglauer Kolonie (nebst dazugehörigen Dörfern und Maut- 
stellen) gegen Trebitsch seitens des Markgr. Premgsl 1234 (1240 wieder 
landesfürstl.J war das Bergwerk nicht mit inbegriffen. 

3. Die Größe des Bergbaugebietes und der Bergmannskolonie bis 
zur Mitte des 13. Jh. ist unbekannt, ivar jedenfalls nicht bedeutend, 
sollen doch (Sternberg 1 S. 50) 1278 auf dem ältesten und be- 
deutendsten Kuttenberger Bevier (dem Kublik) mir 300 Bergleute 
angesessen gewesen sein. Der Ertrag muß gleichwohl trotz mäßigen 
Reichtums der Gänge, groß gewesen sein, da sich König Wenzel 1. 
bei seiner Aussöhnung mit seinem Sohne Ottokar, für die Über- 
tragung der Markgrafschaft Mähren als Gegenleistung nur den 
halben Ertrag der offenbar durch Silbereinlösung wichtigen Münze 
von Iglau ausbedang. 

4. Die Berggemeinde besaß selbständige Organisation und eigenen 
Wirkungskreis, die dem Landesfürsten geschworenen Grubenamtleute, 
Berg geschworenen, bildeten unter Vorsitz des Bergmeisters, des grund- 
und regalherrlichen Beamten des Landesherrn (bis in die Mitte des 



90 berg-recht 

13. Jh.} das regelmäßige Berggericht und setzen in Fragen der Ord- 
nung auf dem Berg Recht. Diese Beamten verteidigten die Rechte 
des Regalherrn, so die Stadtgeschworenen unter Vorsitz des landes- 
fürstlichen (Stadt-) Richters und die der Gewerken, die zugleich Bürger 
waren und mit der Kaufmannskolonie die Stadtgemeinde bildeten 
(s. gesworene der stat). Diese beanspruchen für die Bürgerschaft 
die Bürgerlehen und gegen das eigentl. Recht des Königs, daß diese 
sich nicht verliegen, ferner auch die Überscharen. Die beiden letzteren 
Ansprüche bekämpft Wenzel in den Const. II 2, 5 u. 6. 

5. Von höchster Wichtigkeit für die Entwickhing des Iglauer 
wie des Freiberger Bgr. ivar es 1. daß auf landesherrlichem Grund ge- 
graben wurde und dadurch ursprünglich grundherrliche Rechte des 
Landesherrn als regalherrlich aufgefaßt wurden und die ursprünglich 
vom Landesfürsten als Grundherrn erteilte Bergbaufreiheit gleichsam 
als vom Regalherrn geforderte Pflicht von jedem Grundherrn verlangt 
wurde. (S. Bergregal und bergfreiheit). 2. daß die Bergleute nicht 
Slaven, sondern Deutsche waren, die als mit voller Autonomie aus- 
gestattete Kolonisten ihrem slavischen Berg- und Landesherrn frei 
gegenüberstanden. Wie das „deutsche Recht" wurde bes. das Berg- 
recht als ihr persönliches, von ihnen selbst zu findendes Recht be- 
trachtet, nach dem zu leben ihnen grundsätzlich zugesprochen war, 
(Zycha I, 1—46). 

6. Verbrieft erscheint das Igl. Bgr. zugleich mit dem Stadfr. in 
der zwischen 15. — 24. Aug. 124!) unter Anwesenheit K. Wenzels I. und 
seines Sohnes Ottokar IL entstandenen Igl. Handfeste (U — A.). Aus 
dieser ging die verlorene Quelle des von den vier Söhnen Zmils von 
Licktenburg der Stadt Deulschbrod verliehene Stadt- und w Bergrecht 
v. 1278 (gedruckt von Sternberg, Jirecek, Bocck, Emier, Celakovsky) 
herror. 

Etwa zwischen 1265 — 1280 erfolgte auf Grund der Autonomie 
Iglaus, bekräftigt durch das Insiegel der Stadt die zweite, vom Stadt- 
rat veranlaßte, durch einige Verbesserungen und Ergänzungen aus- 
gezeichnete Stadthandfeste B. (U— B). 

Unter Weglassung des Stadtrechtes und der privilegialen Form, 
um einerseits eine verläßliche, mit der jüngeren Rechtsbildung über- 
einstimmende, viele praktisc/ie Fragen regelnde Grundlage für Ent- 
scheidungen zu haben, als auch als Gesamtiveisung an ansuchende 
Städte, ließ der Stadtrat, sicher nicht durch einen Regalbeamten, 
sondern durch den Stadtnotar (wie bei U— B) das DIR I. Fassung 
(§ 1 — 27 ) wahrscheinlich im letzten Jahrzehnt des 13. Jh. (in den 
Const. schon benützt) herstellen Original nicht erhalten. Die Ab- 
schriften stammen von dem nach Freiberg gesandten Exemplar her. 
Eine zweite Fassung des DIB (Ia) liegt vor in einer, wahrscheinlich 
als Rechtsweisung für eine fremde Stadt (wohl Kuttenberg) bestimmten, 
ivegen eines Formfehlers aber zurückbehaltenen, mit dem Bürgersiegel 
versehene Aufzeichnung. Sie enthält außer textlichen Abweichungen 
gegenüber 1 zwei Zusatzartikel. Ib ist eine icohl durch die Kutten- 
berger durch Umstellung der 2 Zusatzartikel und zahlreiche Ab- 
weichungen veränderte und selbst 1363 weitergegebene Form der von 
ihnen von Iglau an Stelle von Ia erhaltenen Fassung in einer Frei- 
berger Hs. Cod. Z. Sie zeigt wiederholt Benützung der Const. — 



berg-recht 91 

Die III. Fassung (in einer Brünner Hs. aus der Mitte des 14. Jh. 
und einer Iglauer Hs. v. 1370) zeigt, ohne Scheidung des Stadtr. und 
Bevor. 11 weitere Artikel und bildet die Grundlage für das jüngere 
Fr eib erger Bergt. — 

Const. Als erster und letzter suchte König Wenzel II. (1283 — 
1305) seiner Neigung für die Rechtswissenschaft folgend, auch iveil 
bei der weiten Verbreitung des Iglauer Bergrechtes , das diese so 
geheim hielten, die Lage günstig ivar, ein allgemeines Landesberg- 
recht zu kodifizieren, ließ sich etwa 1295 den magister Goczius von 
Orvieto, utriusque juris tarn canonici quam civilis professoreni ido- 
neum kommen and durch ihn die Coustitutiones juris met. Wen- 
ceslai II. oder eigentlich „jus regale montanorum" abfassen. Das 
Original scheint nicht erhalten zu sein und war ivohl (nach 15, 10) 
in der kgl. Kammer aufbewahrt, jedenfalls nicht den Kuttenbergern 
überreicht worden, nicht für diese allein, sondern montanis per 
regnum Bohemie universis waren sie bestimmt. Daher ist die Be- 
zeichnung der Const. als „Kuttenberger Bergordnung" (Wagner, A. 
Schmidt u. a.) unrichtig. Nach seibstgeivählter Systematik werden 
darin sämtl. Artikel des DIR I. Fassung (§1—27) verarbeitet; 
auch die Igl. Handfeste B oder auch noch A lag dabei vor. Zijcha 
vermutet, es sei zur Herstellung der Const. wohl den Iglauern ihr 
Recht abverlangt (entlichen) worden. Praktische, offenbar Kutten- 
berger Bergleute wurden zu einer Enquete zugezogen, wie zahlreiche 
Rügen gegen Praktiken der Urbarer, Bergmeister, Steiger, Metall- 
käufer und gegen Mißbräuche bei Muhmgen, Verleihungen usw. be- 
zeugen. Der König selbst nahm wohl persönlich Einfluß auf die 
Redaktion. In blumenreicher, etivas breiter lat. Sprache wird der 
Stoff möglichst systematisch geordnet, mit reichlichen Zitaten aus 
dem röm. Recht wie mit Arabesken verziert, im IV. Buch der erste 
Versuch einer Kodifikation des röm. -kanonischen Prozesses für ein 
tveltlichcs Gericht im Mittelalter gemacht. Die Abfassung fällt in- 
folge der Erwähnung des Regierungsantrittes Wenzels in Polen u. 
(II 4, 14) der Münzreform von 1300 zwischen 1300 und Wenzels Tod 
1305. Eine Wiener Hs. des 16. Jh. gibt das Jahr 1303 an. Trotz 
mehrfacher Reformversuche im KV. und XVI. Jh. blieben die längst 
veralteten Const. bis zur Einführimg des jetzt geltenden österr. Berg- 
gesetzes (von 1S54) in Kraft. 

Trotz der in den Const. wiederholt sich äußernden Eifersucht 
des Königs gegen den Iglauer Oberhof und dem Gebot, daß die Kutten- 
berger nicht an diesen, sondern an die kgl. Kammer appellieren 
sollten, beriefen sich diese nach loie vor selbst in solchen, durch die 
Const. entschiedenen Fragen nach Iglau, wo die Const. schon 1325 
bekannt und dann durch Johannes von Gelnhausen (als Stadtschreiber 
in Iglau zwischen 1390 bis 1404 tätig) ins Deutsche übersetzt wurden. 
Die Iglauer benützten jetzt für Entscheidungen und Rechtsmitteilungen 
vielfach die Const. und, noch 1589 wurde ein Prachtkodex mit lat. 
Text, deutscher und tschechischer Übersetzung von Joh. Hynconius dem 
Iglauer Stadtrat gewidmet. 

7. Verbreitung des Iglauer Bergrechtes, a) Entstehung des 
jüngeren Freiberger Bgr. Während in Freiberg zw. 1297 — 1307 
ein umfangreiches Stadtrecht zustande kam, gelang nur ein 



92 berg-recht 

mangelhafter Vorentwurf des Bergrechts und dem Bat des Berg- 
meisters folgend, sah sich diese berühmte meißnische Bergstadt zur 
Bitte an Iglau, der obersten Autorität in Bergsachen, um Rechts- 
müteüung offenbar bald nach 1307 gezwungen. Nachdem Freiberg 
schon vorher in den Besitz von DIR Ib gelangt war, erhielt es nun 
die III. Fassung und aus der Vereinigung des älteren Fr eiber ger 
Rechtes mit dieser entstand 1346 — 1375 das jüngere Freiberger Recht. 

b) Das Deutschbroder Stadt- und Bergrecht v. 1278, gegeben von 
den 4 Söhnen Zmils (wahrscheinlich des Erbauers der Feste Lichten- 
burg) — es gewährt die von ihrem. Vater gegebenen Rechte und Frei- 
heiten ..aueta et eniendata" — ist eine Bearbeitung einer älteren 
von Zmil v. Lichtenburg herrührenden, aus der lgl. Handfeste A 
hervorgegangenen Vorlage. Sie ist aus der lgl. Ü — A und nicht 
etwa aus einer allmählichen Zusammenstellung des in Iglau beob- 
achteten Brauches entstanden, wie die wörtliche Übereinstimmung u. 
vielfach noch gleiche Anordnung wie in U — A beweist (Zycha I 66 ff.). 

c) Dem Haber er Steig folgte mit der Eröffnung von Bergwerken 
u. Iglauer Kolonien auch das lgl. Bgr., seit 1255 Kuttenberg (auf 
landesfürstl. Grund wie in Iglau), 1261 (zuerst genannt) Kolin u. 
1289 Czaslau; in beiden letzteren, tcohl sicher Iglauer Kolonien, übt 
Iglau einige Zeit noch das Vermessungsrecht und bezog daher den 
Ertrag der Bürgerlehen ; 1272 erwirbt es das Vermessungsrecht über 
die Bergwerke in Ausk und in denen, die zwischen diesen und Iglau 
etwa aufkommen. 

Unter Wenzel II. wird die Neustadt apud Cbrudim antiquam mit 
lgl. Bgr. bewidmet. 

d) Über die Aufnahme des lgl. als allgemeinen Bergr. nach 
Schlesien vgl. Steinbeck I S. 53 ff. 1271 erhielt Troppau für die 
Bergwerke in Bensch von Ottokar das lgl. Bgr., 1273 erbittet sich 
das Kloster Kamenz vom Herzog Heinr. v. Münsterberg das böhm. 
= Iglauer Bgr. 

e) Das lgl. Bgr. bildet die Grundlage für das Oberungarns und 
damit für das gesamte ungar. Bergr. 

Im slav. Oberungarn, z. T. auch in Siebenbürgen iveisen zahl- 
reiche Namen wie Kutienberg , Schüttenhofen, Lukaivitz, Iglo, Neu- 
dorf (in der Zips. urspr. Iglahaza 1297), die beiden letzteren wohl 
von Iglau kolonisiert, Tajova (nach der Thaya) Rabenstein {xoohl 
nach Rabstei>i in Mähren;. Mittelberg (in Siebenbürgen, wohl nach 
dem bei Deutschbrod gelegenen gleichnamigen Berge) auf die Her- 
kunft dieser, besonders durch Bela IV. (1235 — 1270) nach Abwehr 
der Mongolengefahr begünstigten deidschen Kolonisten Ungarns hin. 
Das deutsche Schemnitzer Berg- und Stadtrecht in seiner jetzigen 
Gestalt beruht auf einer _ erst (kaum vor dem Ende des 14. Jh.) 
entstandenoi deutschen Übersetzung der Iglauer U — B und zwar 
Stadtrecbt Punkt 2 (lgl. U— B § 1), 3 (2—8. 10. 12), 4 (14), 5 (15 
bis 20, 23 — 26), der inhaltlich jüngere Teil des Bergr. neben originellen 
Satzungen ungefähr in gleichem Umfang eine Verarbeitung folgender 
§§ des lgl. Bergr. Punkt 3 (DIR § 15), 15 (19), 16 (25 u. 26), 17 (21); 
aus welcher Fassung des DIR dies stamme, läßt sich nicht genau 
feststellen, zwar fehlen die Zusatzartikel der II. und III. Fassung, 
doch liest es oft wie die III. 1327 erhielten die Kolonien des 



berg-recht 93 

Gründener Bodens das Iglauer durch Verleihung des Schemnitzer 
Bergr. an den Oberhof Göllnitz. Dann kam es hier selbst, mit Zu- 
grundelegung des Schemnitzer Bergr., um 1400 zu einer Aufzeichnung. 
Unter dem Namen Kuttenberger wurde das Iglauer Bergr. 1328 an 
Kremnitz verliehen und bildet so den Ausgangspunkt für die Krem- 
nitzer B von 1492 und 1512 und da auf den 3 genannten oberung. 
Bergrechten die ungarische BO. Maximilians v. 1575 beruht, so 
bildet das Iglauer Bergr. die Grundlage der ungarischen Berggesetz- 
gebung. 

f) Schon im 13. Jh. ivar der Grund zur Alleinherrschaft des 
Igl. Bgr. in den böhm. und zur Vorherrschaft in den angrenzenden 
Ländern gelegt, obgleich der Iglauer Bergbau sehr bald von dem uner- 
hörten Bergsegen Kidtenbergs locit übertroffen wurde und endlich ganz 
erlosch und damit die letzten Kenner des Bergr. verschwanden. Bas 14. 
Jh. brachte der Stadt den Vollgenuß der geiconnenen Autorität. 1303 
wird Symonsdorf im Czaslauer Kreis, 1311 Kolin, 1325 Schüttenhofen 
mit Igt. Becht bewidmet, 1331 Chotebof darin bestätigt, 1345 die Berge 
von Jamnitz für ihr Bergwerk in Schicken damit bewidmet und den 
Iglauern daselbst durch Karl IV. das Vermessungsrecht zugesprochen. 
Wohl manche Berggemeinde mag damit wohl noch bewidmet worden 
sein (so wohl Kuttenberg und Eile, doch ist von vielen nur der 
Becht szug nach Iglau nachgewiesen so von: Römerstadt, Beichen- 
stein, Mesritsch, Triesch, Sternberg, l'atlaun, Pilsen. Karl IV. sagt 
1345: de omnibus et singulis montanis cuiuscnmque metalli per to- 
tum regnum Bobemie in dubiis senteneiis ad civitatem Jglaviensem 
civesque ipsos pro babeuda vera et justa sentencia recurritur (Emier 
IV N. 1600, Zycba I S. 104). Um 1500 nennt der Bat selbst sein 
Gericht „das höchste reebt in diesem kuniglicben regimenth, Bgr. 
Nr. 92 u. 111 ; und 1514 sagen die Gewerken von Medl über Iglau: 
daß sie anderswo in diesem Lande nirgend Becht zu suchen toissen 
denn in Iglau, ivo für jedes Bergrecht im Königreich die Haupt- 
steile ist lind der Hauptsitz, Bgr. N. 86,2. Mit dem Niedergang des 
Iglauer Bergbaues und dem Übergang des Bergbaues in grund- 
herrlichen Betrieb erlahmte die rechtbildende Kraft; durch den 
Grafen Schlick, den Herrn von Joachimstal wird 1518 für sein 
Bergiverk im Konradgrüner Tal fast wörtlich die Annaberger BO. 
eingeführt und sie gewinnt immer mehr Boden in den böhm. Ländern. 
Bald überflügelte der Oberhof Joachimstal den Iglauer. Über den 
Kampf zwischen diesem neuen ^deutschen" (= sächischen) mit dem 
alten Iglauer -Kuttenberger, „böhmischen 1 ' Bgr. und die endgültige 
Regelung, vgl. Zycba I 113—123. 

Dis sin' di bergrecht, di von allirerst, do bergwerck funden wart 
in Bebemen unde in Herbem, von den burgern von der Ygla unde 
von den eldesten berginten bestetiget unde besebriben sin unde vor- 
sigilt mit der stad unde der burger ingesegil, ein iczlichem berg- 
manne czu vorlisen unde czu gewinnen DIR I geben wir (von 
Iglau) zu erkennen, das wir unser bergrecht allein im kunigreich 
czu Behm gebraueben u. mittailen, Igl. Bgr. N. 108. Lieber Herr, 
gerubt zu wissen, dass wir auf Eisenbergwerke kein Recht haben, 
sondern nur auf Gold und Silber, Igl.' Bgr. N. 86,4. Idoch so 
habe wir warbaffticleich vornomen, wie das ganeze perkrecht mit 



94 berg-regal 

der auslegunge widerigen sinnen vorirret und betrübet sei. umb das 
der leute gedecbtnuss krank ist — so seczen wir mit disein geböte 
ewicleicb czu weren, das die ur borer. die gesworn. die richtere und 
di perkmeister nicht anders richten sullen, denn als in unsern 
rechten begriffen ist, und mit guten siten, die nicht wider unser 
recht sein, pisher gehalden ist. Const. I 5, 8 u. 9. Darum b wir wollen 
in disem puch, das sunderleich heissen sal kunigs perkrecht, allen 
gebrechen des rechten erfüllen, und was do in dem alten rechten 
czweiffels ist gewest, das wollen wir pas entsliessen u. wollen ein 
leutere lere des perkrechten idem manne geben. Const. Einleitung § 3. 
Und darumb so mus man von ersten wissen, das das pergrecht ent- 
weder es ist, wi man ein ding gewinnet ader wi maus beheldet ader 
wi maus widerprenget ader wi maus minnert. Const. 111,1 Hier, 
hebet sich an das Privilegium des koniges Wenczlaw vom perkrecht 
czu deucze. Const. Überschrift in E. 

Uerg-regal. Das Igt Bgr. ist das älteste, das sich auf der 
Verbindung von Bergregcdität und Bergbaufreiheit, der Grundlage des 
modernen deutschen Bgr., erhebt. Während ursprünglich der Grundherr 
im Besitze der bergherrlichen Gerechtsame tear und der Staat nur ein 
Abgabenbezugsrecht besaß, ivurde aus letzterem ein kgl. Verleihungs- 
recht gegenüber dem Grundeigentümer (2. Form: Grundeigentümer- 
beleihung) und endlich 3. Einzelverleihung jeder Grube direkt an 
den Finder (Finderbeleihung). Zycha. ältestes Bergr. Abschnitt I — HI 
und VI. Das rasche Zusammenwachsen von Bergregcdität und Berg- 
haufreiheit wurde besonders dadurch gefördert, daß in Iglau (wie in 
Eile, Mähr. -Neustadt, Kuttenberg, Ireiberg) der Landes- zugleich 
Grundherr war, so daß die grundherrliche Beleihung des Finders 
als staatliche, die grundherrliche Aufsicht als staatliche Kontrolle 
aufgefaßt werden konnte. Die im Interesse des Königs (Erhaltung) 
i'itd der Bergleute (Nichterhöhung der Abgabe) gelegene Organisation 
des Bergbaues wurde dann auch auf Privatgründe ausgedehnt , die 
der Bergbaufreiheit anfangs widerstrebenden Grundherrn durch Anteil 
am Ertrag abgefunden. Die gänzliche Loslösung des Bergbaus vom 
Grundherrn erfuhr aber eine Bückbildung, so daß schließlich derselbe 
Zustand erreicht wurde wie im Sachsenspiegel, regale Belehnung des 
Grundherrn, der jedoch die bisherigen Formen der Finderbeleihung 
beobachten mußte, Vogtei des Grundherrn, die seit dem 16. Jh. 
keiner regalen Belehnung mehr bedurfte. U — A (Zycha, Ältestes Bgr. 
S. 78) tcahrscheiulidi für den Bereich eines, vom mähr. Landesfürsten 
gefreiten Berges niedergeschrieben, nennt wie V — B daher keinen 
Grundeigentümer, das Vcrleihungsrecht des Frbarers (§ 1) bezieht 
sich nur auf das gefreite Gebiet. Erst das DIB (§5, 6, 13 Herren- 
lehen, 25 und direkt 26) hat ein allgemeines, r egales Finderbeleihungs- 
recht zur Grundlage. Am schärfsten kommt die Regalität in den 
Const. II 2, 15 zum Ausdruck, ico das kgl. Gesetzgebiuigsrecht in 
Bergsachen auf das Kammereigentum an den Bergiverken gestützt 
wird. Schon vor TJ — A, schon 1227 habe)i die böhm.-mähr. Landes- 
fürsten das Bergregal ausgeübt, nicht ohne Widerspruch der Grund- 
herrn. Die Regalität war urspr. ein im Reich lä)igst überlebtes, im 
Osten noch lebendes Zehentbezugsrecht , dann Grundeigentümer- 
beleihung , dann in der 2. Hälfte des 13. Jh. durchgeführte Finder- 



berg-regal 95 

beleihung. (1258 hat der kgl. Beamte auf der Lichtenburger Herr- 
schaft Deutschbrod plenariara facultatem — porrigendi quoslibet 
raontes sive meatus, Emier Regesta ßoh. et Moraviae II N. 195). 
Sie ist in ihrer definitiven mittelalterl. Form keine tschechische Ein- 
richtung, sondern zum mindesten durch die deutschen Bergleute aus- 
gebildet, das Wort Urbar in der Sonderbedeutung „Bergwerksabgabe 1 ' 
bis ins 15. Jh. nur in den böhm. Ländern und den durch das böhm. 
Bergr. beeinflußten: Schlesien, Polen und Ungarn, erst seit dem 
15. Jh. auch anderwärts üblich. Übertragung des Regals durch das 
Reich an Böhmen scheint nicht stattgefunden zu haben. König 
Albrecht erhebt dem König Wenzel IL gegenüber Anspruch darauf, 
muß ihn aber nach dem unglücklichen Krieg von 1305 im Frieden 
ausdrücklich aufgeben. Durch die goldene Bulle Karls IV. ist das 
Bergregal den böhm. Königen dauernd gesichert. Eine bedeutende 
Einschränkung der Erträgnisse des Bergregals erfolgte seit Karl IV. 
durch Steuern (s. diese), Beschränkung des Silbereinlösungsrechtes der 
Krone, durch Fristungen und Bergfreiheiten, die fast die ganzen 
Bergwerke in grundherrliche Gewalt brachten. Mit dieser Entkräftung 
der staatlichen Macht in Böhmen bes. seit der 2. Hälfte des 15. Jh. 
ergreifen auch auf kgl. Bergwerken Bürgermeister und Rat der kgl. 
Bergstädte auch in Bergsachen die Jurisdiktion über die Bergleute 
und verdrängen z. Teil die unmittelbar regalherrliche Verwaltung 
außer in der Verwaltung der Urbar, so in Kuttenberg und Iglau, in 
welch letzterer Stadt alle Blutungen des 16. Jh. bei Bürgermeister 
und Rat angebracht werden. 

2. Rechte aus dem Bergregal: a) vorbehaltene Mineralien sind 
seit dem 13. Jh. unbestritten Silber und Gold, die niederen Metalle 
galten zwar als de jure dem König zustehend, doch wird an 
dieser Rechtsanschauung nicht festgehalten. In der goldenen Bulle 
Karls IV. werden als regal erklärt: universae auri et argenti 
fodinae atque minerae stanni, cupri, ferri, plumbi et alterius cuius- 
cumque generis metalli ac etiam salis, im Bergwerksvergleich von 
1534 werden „aus Gnade" die niedern Metalle und im Max. 
Vergleich auch Alaun, Kupferivasser und Schivefel den böhm. 
Ständen Überlasseti, 1556 zuerst von Ferdinand eine Verleihung 
auf Steinkohlen im Saatzer, Leitmeritzer und Schlauer Kreis er- 
teilt, b) Verleihungsrecht s. Verleihung, c) Aufsicht über die Pro- 
duktion nur zur Verhinderung einer Benachteiligung des Regalherm 
durch Hinterziehung oder Versäumung seines Anteils {durch Nichtbau) 
d) Finanzielle Rechte = Urbar im weiteren Sinne und zwar 1. Urbar 
im engeren Sinne (s. d.) = der 8. Korb des geivonnenen Erzes in 
natura. 2. 1 / 1C von den Lehenschaften (außer der Urbar von diesen, 
da Igl. Bgr. Nr. 23, 3 die Urbar der Königslane erwähnt wird, die 
also, wie regelmäßig, verlehenschaft war) außer von Lehenschaften in 
Bürgerlehen und in den sogenannten „Erbgebirgen", Const. I 16, 2 
und II 2, 15 und zwar 1 j iG von der Lehenschaftsförderung voriceg 
abgezogen, nicht etwa von der an die Verleiher der Lehenschaft 
abzustattenden „Eigenschaft" , da Const. II 2, 15 das 16tel auch in 
den lanei regales und superfluitates (Überscharen) gefordert wird. 
Vgl. Ig]. Spruch N. 17. 3. vorbehaltenes Abbaurecht an den 2 Königs- 
lanen (je einer zu beiden Seiten des vermessenen Berges an dessen 



96 berg-richter 

,.endelsten Lehen" anschließend und an den Überscharen, die nach 
U — A § 14 und U — B § 22 den Bürgern (Stadtrat), nach den 
Const. II 2, 5. non obstante Iglaviensi constitucione dem Begal- 
herrn, endlich nach der Joachimstaler B 0. von 1518 (aus der 
Annaberger von 1509 Art. 24 übernommen) je zur Hälfte den An- 
rainern zufiel. 4. MitbaurecM an jeder Grube (,,' 32 des Leihers", 
um das sich 1405 der König, der Münz- und der Kuttenberger Hof- 
meister, alle 3 als angebliche Leiher stritten, bis es dem letzten durch 
Entscheidung Iglaus zugesprochen wurde, und zwar ist es nicht Be- 
soldimg des Beamten, sondern ein Teil der Urbar. Man vgl. DIB, 
§13,1, Const. II 1, 5 und 112.15; über den Streit Spruch Nr. 22. 
5. Eine Schicht im Schmiedeneuntel (DIB §14.1, Const. II 2, 15, 
Spruch Nr. 20. 30, 5. 36, 2. IT— B § 10 und Const. III 1, 9.) seit nach 
Ausscheidung der Schmiede aus der Gewerkschaft und Entlohnung 
nach Art anderer Arbeiter, die Geicerken das früher den Schmieden 
zugewiesene Neuntel an sich zogen itnd den normalen Gewerkenteilen 
gleichstellten (Zycha, Ältestes Bgr. S. 103). Hie übrigen 3 Schichten 
des „Schmiedeneuntels" wurden nicht von sämtlichen Gewerken ab- 
gebaut, sondern veräußert und so von eigenen Geicerken abgebaid. 
e) Becht der Edelmetalle inlösung s. "Wechsel. Der Nutzen des Berg- 
regals, für den Kimig Wenzel Const. III 6, 13 dem Himmel mit auf- 
gehobenen Händen dankt, war bedeutend. Kuttenberg lieferte damals 
der legi. Kammer jährlich 10 000 Mark Silbers; König Albrecht ver- 
langt von König Wenzel die Urbar von 6 Jahren oder 80000 Mark. 
foerg-riehter stm. Bergrichter. Neben dem ordentlichen Gericht 
(in welchem der Urbarer, bezw. der Münz- oder Hofmeister oder statt 
dessen in Stellvertretung des Königs der Kämmerer oder Unter- 
kämmerer Bichter ist) füngiert in geringfügigen Bergangelegenheiten 
entweder der Bergmeister oder der Bergrichter mit ivenigstens zwei 
Berggeschworenen. Er wird an des Urbarer s Stelle von diesem mit 
Zustimmung der Geicerken eingesetzt. Kein urbarer hat das recht 
einen richter czu seezen uff einem berge an der gewerken willen, 
D I B 15, 2. Wir seezen auch, — das weder die urborer weder der 
richter, den si seezen, kein perggerichte hegen oder besiezen sullen. 
es sein denne czu dem minsten czwen scheppfen kegenwortig, 
Const. 14, 4: vgl. auch DIB 23a, (2). De> Bergrichter verschwindet 
(zuletzt Const. I 6) im 14. Jh. Vgl. berg-gericht. Er soll nach 
Const. 16: nicht recht gericht vorkeren; er soll sich mer halden 
nach des rechten geseezen denn noch seinem willen (1), eher einen 
schedlichen hinlassen als einen unschuldigen toten (2), sich samklich 
erpiten reichen u. armen gleich in iren notdurften; auch sol der 
richter gute siten haben u. Stetigkeit volkumener leute ; auch nimmer 
den, di de krigeu, seinen mut offenbarn mit seinem antlicze (3); 
er soll auch clug sein, das er alle dink, di vor im geschehen, lasse 
durch einen Schreiber von wort czu worte in ein puch seezen mit 
guter geezeugnusse der geswom, di do pei sein. Und czuvoraus 
sol er mit fieisse di urtel beschreiben lassen, di man geschoben hat 
in der gesworn morgensprache. Es sullen auch alle acta, als si 
sich han augehaben, pei im bleiben (4\ er sol an dem anfange, als 
er sich des gerichtes underwindet, für den perkscheppen sweren, als 
vor geredet ist vou den urboreru. u. sol alle die artikel. die in dem 



berg-scheppe — berg-schreiber 97 

eide der urborer begriffen sein, unczubrochenlich balden u. beschirmen 
(7) ab der ricbter mit imand sache bett, ader sein vater ader rauter 
ader prüder ader swester, so sol er — nicht czu gerichte siezen; 
wenn es ist schedlich, wo man under eim vordaebten richtere kriget 
(8). — teidinge umb aberslich, geebreez u. ä. — schol man auf dem 
perge vor dem perkrichter oder vor dem munezmeister taidingen, 
Igl. Bgr. Nr. 105. 

berg-scheppe, -scheppfe, -scheffe sivm. Bergschöffe s. Grimm 
D Wb. 1, 494f., jurati montanorum, die Grubenamtleute außer dem 
Berg- oder Schichtmeister mit dem sie (Steiger, Schreiber, Zimmer- 
und Hutleute) das (niedere) Berggericht bilden, welche dem Regal- 
her ni den Eid treuer Amtsführung geschivoren haben, Const. I 5, 2 
und Bgr. Spr. Nr. 65, 6 nimmt ihnen der Kämmerer oder die Schöffen 
{Stadtrat?) den Eid ab, nicht der Münzmeister, nach DIR 13,9. 
Const I 3, 3 und einem Kuttenbcrger Privileg von 1329 der Urbarer; 
denn die regalen Einnahmen hingen in hohem Grade ab, ob der 
Hutmann die Beiseiteschaffung noch nicht verzehnteter Förderung 
verhinderte, die Zimmerleute frische Anbrüche nicht verdecken ließen 
und dergl. Sie setzten in internen, die Ordnung auf dem Berg 
betreffenden Fragen Recht unter Vorsitz des Bergmeisters (U — A § 17 
mit U — A, Schluß der Bürgerfreiheiten) tmd fungierten als regelm. 
Berggericht. Die oberste autonome Rechtsetzung ivar aber in den 
Händen des Stadtrates unter Vorsitz des landesfürstl. Richters, die 
Berggeschworenen wirkten nur als Berater mit. Vgl. gesworene 
der stat. — U — A, Schluß der Bürgerfreiheiten: Darnach wollen 
u. gepieten wir, was di scheppfen unser stat und di perkscheppfen 
durch gemainen nuez schicken u. seezen, das schol von allen unvor- 
ruckt gehaldeu werden. — Igl. Bgr. Nr. 14 : doruber ward geteilt, 
das di scheppen von der stat (Czukmantel) u. nicht die scheppen 
von dem perkwerk czu dem purgeriehen recht haben. Di selben 
scheppen auch von der stadt schullen perge messen u. nicht di perk- 
scheppen. — Nach Const. 14, 2: alle urborer — sullen für unserm 
camerer u. für unsern pergscheppen offenlichen swereu — . ingesigel 
d. b. IV 14, 2. 

Die b. sorgen mit dem Urbarer für die Ordnung auf dem Berge, 
insbesondere den Lebensmittelverkauf (Const. I 3,7 ; 15,14) und üben 
bei Bauten baubehördl. Funktionen (Const. I 5, 15. Spruch N. 23. 
Nach Ansicht der Iglauer (Bgr. Spr. N. 101) ist die Ernennung der 
b. (Grubenamtleute) nur dann alleinige Sache der Gewerken, -wenn 
diesen wie in Iglau und Kuttenberg ein Privileg hierzu erteilt 
iv orden ist. 

berg-schreiber stm. a) regal- oder grundherrl. Schreiber, Unter- 
beamter der Urbarschreiber, von den Urbarem (Const. I 8,5) ernannt, 
besorgen die laufenden Aufschreibungen in den lokalen Urbarämtern 
auch die Verrechnungen der wöchentlichen Kost von Bauen der 
Urbarer. Nach der Joachimst. B 0., Teil 1, fungiert neben dem 
Zehentner als ein Unterbeamter ein Gegen- (Urbar-) Schreiber und ein 
Bergschreiber. 

b) gewerkschaftlicher = Grubenschreiber, der die Verrechnungen 
führt, Igl. Bgr. N. 78a. Um kost von tailen auf perkwerk mag ein 
gesworner perkmeister oder ein gesworner perkscriber (in E daraus 

Oelinek, Wörterbuch. I 



98 berg-teiding — berg-teil 

grubenschreiber korrig.) auf einen igleichen man wol gesten u. ge- 
czeugen, Igl. Bgr. Nr. 113. das man einem manne umb dieselbe kost 
nicht dorf vuergepieten, er sei gesessen oder nicht, sunder alle tag 
vurt man in wol vnr den riehter: und wes in der perkmeister oder 
der perkschreiber (E daraus grubenschreiber verbessert) uberczeugen, 
das schol er alczuhant mit phenningen oder mit guten phanden vor- 
richten, Spr. N. 114. Als underpergschreiber auf dem Kuttenberg 
des Peter Schobers von Igla czeiten u. grubenschreiber über sechs 
gruben pei her Thoma Wollfals czeiten ivar Johannes v. Geiln- 
hausen tütig, ehe er (1357— 1378) Registratur Karls IV. wurde. 

berg-teidiug sin. WemberggeruM: Die bergmeister sollen 
auch jährlichen 2 offene Perckthadung halten, eines am St. Georg, 
das andere an St. Lorenztag, Chlum. VIII: Wir ragen auch, dass 
czwei Percteiding schollen sein in einem jare, eines des nechsten 
suntages nach sent Jörgen Tage — u. dez ander des suntages vor 
sent Lorenzentage, Chlum. VIII 4. 

berg-teil sin. gewöhnt. kurz teil genannt, sind, wie Zycha, Alt. 
Bgr. S. 137 — 150 und 1238 — 252 gegenüber der älteren, neuerdings 
von Opet und Ermisch wieder aufgenommenen falschen Ansicht 
ausfuhrt, nicht reale, räumlich begrenzte Teile des Grubenfeldes noch 
ideale Teile des Berggebäudes — bei Nichtbetrieb z. B. auch gegen 
den Willen des Besitzers tritt Heimfäll an den Ilegalherrn ein. über- 
haupt entscheidet über Verwertung und Verwaltung der Grube die 
Majorität der Gewerken — sondern die aus dem gemeinschaftl. Zu- 
sammenwirken (Werken) der Gewerken hervorgegangenen Anteile au 
der Bergbauunternehmung, Ertragsquote, Mitgliedschaftsr öüe, heute 
Kux. Obgleich es räumlich abgegrenzte Teile des Grubenfeldes 
gab — die 6 Lehen: .-.'Königs-, 2 Bürger-, 2 Herrenlehen; in den 
7 Lehen selbst Lehenhäuern überlassene Teile — so haben diese 
doch mit den Gewerkenteilen nichts zu tun. Schon im 12. Jh. nicht 
bloß im Iglau-Kuttenberg-Freiberger Bgr. erweisen sich die Teile als 
ideale 1. weil sie [ l s , ' ie , J 32 ) durchaus nicht mit dem Grubenfelde 
(7 Lehen zu ? Klaftern, oder in Goslar 13, je 13 Fuß von einander 
abstehende Gruben) stimmt, 2. weil man sich nicht denken könnte, 
welcher reale Teil dem Verleiher ( ] 3i ) und Grundherrn C S2 ) zu- 
gesprochen würde, da die realen Teile doch sicher nicht gleichwertig 
und gleicherzhaltig sein könnten; 3. weil im Igl. Bgr. auch — dann 
ganz unerklärlich — Teile an Stollen vorkommen; 4. weil das Gruben- 
feld selbst durch Vergebung und Einziehung von Lehenschaften den 
Umfang beständig wechselte', 5. da die Förderung aus edlen, durch 
die Gewerkschaft selbst abgebauten Anbrüchen der Gruben icie auch 
die von Lehenhäuern eingehobenen Ertragsquoten {Eigenschaft) zu- 
sammengeschlagen und je nach Größe der Teile an die einzelnen 
Gewerken auf geteilt wurden und deshalb die Zuweisung eines einzelnen 
Raumes cm die einzelnen keinen Sinn gehabt hätte. Hie richtige 
Deutung der scheinbar für reale Teile sprechenden Stellen siehe 
Zycha I 242 — 244 („Vermietung" nach dem Freiberger Bgr. A § 2, 
locatio, conduetio, aussaezunge u. besteunge nach Const. III 0, 12, 
Verleihen DIB §24 eines Zweiunddreißigtels oder mehr, ferner über 
Const. I 15. 4 und Igl. Bgr. N. 90, 2). Hie Stelle DIR § 24 lautet: 
Ist das ein man siner teil iht vorlihet einem andern manne, is si 



berg-teil 99 

an bergen, Stollen, lehen adir lehenschaften — wenn dieser siner 
eigenschaft nicht engebit, er vorhast mit rechte sine lehenschaft. — 
Const. I 15,4: wenn einer sich um Arbeitslohn pfänden läßt, muß er 
tticht bloß die Pfändungskosten zahlen, sondern es sol sich der perk- 
raeister underwinden aller seiner teil, wo er sie hat, u. sol davon 
peide den smiden nnd auch den mitgewerken genug tun. Da können 
die Teile nur in derselben Grube gedacht sein, da der Bergmeister 
(Const. I 7, 23) dies Amt nur in einem Bergwerk versehen darf , doch 
sind deutlich Anteile am Schmiedeneuntel und andere Teile gemeint. 
Nach Igl. Bgr. N. 90, 2 hat ein Mann von einer Frau 1 j 1G einer 
Kiesgrube gekauft und für die ihr noch zu zahlende Summe von 
200 schock gross dieses und sein eigenes Sechzehntel verpfändet , da 
die Grube aber infolge eines {zur Erweichung des Gesteines) gesetzten 
Brandes verbrannte , borgte er sich vom Bergmeister Geld aus mit 
den Worten: vorleget mich mit gelde zu dem geweitigen von 
meinen teilen = borgt mir soviel, als auf midi mit meinen 2 / 16 zum 
Gewältigen der Grube kommt. Über Freiberger Bgr. A § 22. Frei- 
berger Urkdb. I S. 11. Trient R. Cod. Wang. S. 323 Note 68, S. 448 
aand 446) vgl. Zycha, Recht des alt. deutschen Bergb. 

2. Die Zahl der Teile betrug 4, 8, 16 oder 32 {auch im alpenl. 
Bergr. z. B. auf dem Berg Zessen, in Trient, doch kommen auf 
Zeiring in Steierm. 3, 6, 11, 12, 18 und 36tel, im Freiberger 1 / 3 
des Begalherrn vor) in Iglau sind jedoch diese Teile zusammen nur 
8 / 9 , da das Schmiedeneuntel außerhalb der Normalzählung steht 
(s. d.). — Viertel und das Schmiedeneuntel scheinen urspr. die Ein- 
heiten gebildet zu haben {nach Const. I 16, 2 soll die Ausbeute nach 
4 Schichten geteilt werden), doch müssen schon damals Zweiund- 
dreißigstel abgeteilt worden sein wie l l 3t des Verleihers und Grundherrn 
{Ackerteil) sowie die Abstimmung nach V32 beweisen. Diese Zweiund- 
dreißigstel und die 4 Schichten des Schmiedeneuntel bilden dann die 
Einheiten und also auch die Zahl der Gewerken. Bauen mehrere 
z. B. 1 / 38 oder eine Schicht des Schmiedeneuntels , so stellen sie der 
Gewerkschaft gegenüber nur einen Gewerken dar, als deren Vertreter 
der Veräußerer der Schicht oder des Teiles gilt. Für diese Unter- 
teile eines kleinsten (Vsa) Bergteiles {oder einer Schicht des Schmiede- 
neuntels) kommt seit 1327 (Emier III Nr. 1400) der Ausdruck Kux 
vor. Indem später diese Kuxbesitzer selbst die Bechte von Gewerken 
erhielten, erscheint deren Zahl auf 128 erhöht. Nach Agricola 
{1556) hätten patrum memoria metallici Snebergi primo diviserunt 
in 128 partes, welche Teilung dann nach Joachimstal und von da 
nach Böhmen übertragen worden sei. Die Nebenlehen erscheinen 
in Viertel und diese in deren Schichten geteilt (Emier m 31 ivird 
1 .ic in laneo civili genannt.) 

3. Verurkundung der Teile oder Bücher über die Mitglieder der 
Gewerkschaft kennen die Iglauer Quellen nicht. Mißbräuche, wie sie 
Const. III 6, 8. (etliche pose leaate sein gewont, das sie in neuen 
funden (die noch keinen Bergmeister haben) mer teil voi'kauffen, denn 
si doselbist haben — darumb soll sich der Käufer die gekauften 
Teile czuhant vor den gewerken in heissen aufgeben aa. auflassen 
vor den vorkaufern und Const. II 1, 13 wird aus demselben Grunde 
bestimmt: das der erste emphaher (eines Ganges) sol einen igleichen 

7* 



100 berg-teil. 

aus den gewerken mit seinen teilen nennen, u. sol auch keiner teil 
doselbist haben, denn den er hat genennet) gerügt werden, führten 
erst an der Wende des 15. und 16. Jh. in Sachsen zur Forderung 
der Bergbehörden: 1. nach erfolgter Beleihung ein Verzeichnis der 
Gewerken zu überreichen wtd 2. in einem Gegenbuch nur jene als 
Gewerken aufzunehmen, die bis zur ersten Rechnung Zubuße gegeben. 
Dasselbe gilt für spätere Teüveräußerungen. 

4. Die Art der Übereignung durch Auflassen und Einweisen 
läßt den Teil (wie heute den Kux) als unbewegliche Sache erkennen. 
Ob er auch als solche beim Erbgang behandelt wurde, muß unent- 
schieden bleiben. 

5. Der Teil ist unbeschränkt übertragbar und kann veräußert, 
auch ver- und gepfändet werden, ohne daß die Mitgeioerken es 
hindern können, während in der Goslaer Ordnung v. 1471 Verkauf 
und Verpfändung von Bergteilen an die Zustimmung des Rates ge- 
knüpft ist.,. 

Die Übereignung des Bergteiles infolge von Kauf (z. B. kostete 
1 , 6 der Grube auf dem Schusterplatz in Kuttenberg und Vi« an 
einem Biirgerlehen 1311 300 Schock Gr.), Tausch oder Schenkung ge- 
schieht durch Auflassung (Resignation) in die Hände des Vorstands 
der Gewerkschaft, der dann den Erwerber investiert, ei nieeist: Wer 
auch eczliche teil, von was Sachen das sei, auflest, der sol diselben 
aufgeben den perkmeistern, das si den, der si neinen wirt, in di teil 
weisen, als recht ist; ader der, den mau einweisen solde, sol der teil 
darben u. mag auch nicht bewern, das er ichtesicht rechtes habe, 
man hab si denne aufgeben u. sei darein geweiset, Const. I 7,21, wi 
neuen funden, wo kein Bcrgm. ist, soll dies vor den Gewerken ge- 
schehen, 16,8; wann weder der kauffer weder der geber[!] behalden 
kein recht in den gekauften ader gegeben teilen, di sein in denn 
vor dem pergmeister vor den vorkauffern ader gebern aufgeben, und 
mugen si nicht beclagen vor dem richter, wie wol si sie anreden 
mochten, umb das in di teil nicht aufgeben sein. _ Die Veräußerung 
mußte übrigens nach deutschreclitl. 11 eise durch Übergabe eines An- 
geldes bekräftigt werden, die den Charakter eines Wandels annehmen 
kann: Doch lassen wir si (kauffer ader vorkauffer bei Rückgang des 
Kaufes) äne wandel, es were denn iczund etwas hantgift darau 
geben; u. wenn das geschieht, der den kauf nicht halden wil, so sol 
vorlisen der kauffer das, das er geben hat, ist es aber der vorkauffer. 
so sol er es czwifach widerkeren, wiwol nichtesnicht von der hant- 
gift geredt ist, Const. III 6,5. 

Die Übereignung kann auch verbrieft werden, Igl. Bgr. Spr. 89,3. 
die daselbst 89,2 abgelehnte Ab- und Zuschreibung im Gegenbuch 
wird in der Joachimst. Bgr. gefordert, nur muß sie (Art. 94) 
taut Annaberger BO. innerhalb 4 Wochen nach Abschluß des Ge- 
schäfts geschehen, sonst ist der Gegner an den Vertrag nicht ge- 
bunden. Teile konnten auch gepfändet, jedoch nicht die Ausbeide 
verboten werden /Komerung), da durch letztere dem Gewerken der 
Fond zur Bezahlung der Kost entzogen worden wäre, der dadurch 
befriedigte Gläubiger sie aber schwer gezahlt hätte. Dies ergibt sich 
azis DIR 21. Const. I 7,15. III 5,7 und Schemn. Bgr. Punkt 17. Frei- 
berger Bgr. § 35 vgl. rorMeten. 



bergung — berg-vreiunge 101 

Der Bergteil war ferner ein gesetzliches Pfand für den Arbeiter, 
der für ihn gearbeitet hat, auch ein Objekt selbständiger Besteuerung. 
Spekulation in Bergwerkswerten; Verkehr mit Teilen, später Kux- 
kränzelei, brachte viele Mißbräuche mit sich. 

bergung* stf. = gemez,z,ener berg: in einem iczlichen gebirge 
das bergung haisset {Zusatz in Ib) mit namen nicht mer Stollen 
beschreiben sin weune czweier hande, D I R 2. 

berg- volk stn. Bergleute: pirgvolk im Hriesengrnnd, Tränt. 
Chr. 122. das b. uns geneme machen, Const. I 2, 1. I 5, 15. 

berg-freiheit stf. Bergbaufreiheit und Rechte eines gemessenen 
Berges, in welchem brief der her Christof Sylber ein ganze perg- 
freiheit verschrieben hat über das goldpergwerk zn Glesendorf, die 
grosse Pinge genant am Gülden Rehorn mit allen bergrechten, Traut. 
Chr. 227. ferner sollen auch alle inwoner und pawende gewerken 
sampt allen denen, die solchem perchwerke zu gutem handien mit 
zufürung allerlei victualien auf all unsern und des königreichs 
gründen inmassen ander pergstedte aller zolle, maut und aufläge 
frei und vor meniglich unvorhindert sein, 253. s. bergvereiunge. 
Als Ortsname: das stetlein die Birkfreiheit, Traut. Chr. 224. dem 
berckstettlein, genant die Pergfreiheit unterm Gülden-Rehorn am 
wasser Aupa gelegen, 227. zur kirchen auf der Bergfreiheit, 281 
(an einer späteren Stelle: in der Freiheiter kirchen, 282), 336. über 
die brücke zur Jungenpuchen, welches man itzt die Pirgkfreiheit 
nennt, 132. 

berg-vreiunge * stf. = Bergbaufreiheit. Die Umgestaltung des 
ganzen Landes zu einen einzigen gefreiten Berg hängt mit der 
Finderbeleihung zusammen. Das Interesse der Bergleute, sich der 
Willkür des Grundherrn zu entziehen, ging mit dem des Königs zu- 
sammen, durch Blüte des Bergbaues die Urbar zu erhöhen. Die 
Grundherrn wurden durch Vermessung der 2 Herrenlehen, das 
Ackerteil und l j s der Urbar mitinteressiert und entscluldigt. Die b. 
gelangt in der 2. Hälfte des 13. Jh. mit der Finderbeleihung zum 
Abschluß, bis sie wieder durch das Eindringen der grundherrl. 
Vogtei und deren Lostrennung von der regalen Finderbeleihung stark 
eingeschränkt wurde (doch weitaus nicht so wie in Schlesien) 
I. Pflichten des Grundherrn: 1. Schürfen und Gewinnen von Metallen 
ist jedem Bergmanne vom Grundeigentümer zu gestatten: wann 
imand hoffenunge hat czu dem perkwerk — so underwindet er sich 
einer breiten czu einer silbergruben czu machen in einem freien 
fehle, do idem manne umb u. umb czimlich ist czu arbeiten u. erez 
czu suchen, Const. II 1, 3. Nach Igl. Bgr. Nr. 26, 2 darf der Grund- 
herr nicht: vias et semitas de novo faetas vel faciendas ad dieta 
montana tendentes — inhibere. Wie es scheint durfte sogar auf 
dem unter Haies und Hof gelegenen Grund gegraben werden, in 
Kittenberg wurde in der Stadt selbst gebaut, (Sternb. I S. 52 und 
Igl. Bgr. N. 52,5 und 59,4 liegt das Bergwerk „zum prun in unsers 
herrn des kunigs haus"). Erfolglose Arbeit oder Auflassung des 
Baues verpflichtet nicht zur Wiederherstellung des früheren Zustandes; 
ivenigstens steht nichts davon in unseren Quellen. 2. Duldung der 
Anlage von Kauen auf 16 Hofstätten : Ein iglicher gemezner (newer) 
perk schol behalden czu recht sechezehen hovestet, U— B 9. Es ist 



102 berg-vreiuuge 

czu wissen, das ein iczleich perg in dem erbe, darinne er gemessen 
ist, äne imandes Widerrede 16 hofstete noch pergrechte beheldet u. 
also vil weit u, breit czn irer Viehweide, als ein mensche mit einem 
pogen eins geschisen mag, Const. II 3, 1. (Darüber) bescheide wir 
also, das di gewerken aus sechezen hofsteten mugen eine machen 
oder czwo oder mer czu fieischpenken, czu protpenken oder eine 
padestuben, das stet an in. Wil aber imant aus der maze der 16 
hofstete des vorgenanten gepeudes icht paweu, das mus her mit des 
hern gunst tun, des das gut ist, Igl. Bgr. Spr. 27. — bescheid wir 
also, das ein icklich gemessen perk schol 16 hofstete vrei haben; 
u. darinne mag man schenken pier, met u. wein. Und di schollen 
ordenieich gepawet sein pei der czeche, das mugen gewandern peid 
mit wegen u. sust an alle hindernisse. Und schullen haben czu 
irer viechweide um und umme sich also verre, als ein man mit einem 
pogen geschiessen mag von der czeche , Spr. N. 28 und 29, 3 und 4. 
Unde also vil gemessener berge legin in eins erbestollen marscheide, 
also manch sechezen hofestete [beheldet der stolle] £> I B 8, 2. Der 
tiefste Erbstollen sol als oft 16 hof stete behalden, als vil perge dem 
selben Stollen czugeschicket sein, Const. II 4, 24. 3. Gewährung von 
Hutweide bis Bogenschußweite im Umkreis, s. die obigen Zitate; 
4. Holz zu Schacht- und Stollenbautcn unter Tag hat der Grundherr 
<irm gemessenen Berg unentgeltlich zu gewähren, wenn er Widder 
besitzt. Igl. Bgr. X. 23,6; ferner D I B 26, 2. Von bergwerkes friheit: 
was dasselbige bergwerck holczes bedarff in den gruben, das sal 
im der herre nicht weren, er si geistlich ader werltlich. — Const. 
113,2: Darnoch von den weiden desselben erbes, darinne der perg 
gemessen ist, sullen die pergleute alles das umbsust nemen, das 
alleine notdurft in den silbergruben. Jüngere Igl. Sprüche (N. 26,3: 
wenn alles holez, des die bergleute dorfen in der gruben und in den 
Stollen under der erden u. ober der erden czu rinnen u. czu kawen, 
das sol in der herre geben. — Spr. 96. 2 : Aber der herre , auf des 
gute das perkwerk leit. der muss alles das holez, das man in di 
gruben darf u. czu den kauwen, geben, ab hers gehaben mag.) — 
ziehen auch den Bedarf für die Kauenbauten und für Holzkohlen 
für die Schmiede und Hütten in die Abgabepflicht des Gutsherrn. 
Im Bergwerksvergl. von 1534 wird wie im Igl. Bgr. die unentgeltliche 
Holzlieferung nur für ..Schächte, Fundgruben und Stollen, was sich 
zum Auszimmern unter der Erden gebührt 1 ' und „soviel sich auf 
des Herren Gründen das Holz erstrecken mag" gefordert, dagegen 
müsse das Holz zu Häusern, Schmelzhütten und zum Kohlenbrennen 
von den Gewerken gekauft werden doch zu einem billigen Preis, der 
allenfalls behördlich geregelt wird. 5. Freier Weg und Steg: be- 
stehende Wege dürfen vom Grundherrn nicht gesperrt werden, Igl. 
Bgr. X. 26, 2. — 6. Erst der Max. Bergwerksvergl. von 1575 verlangt 
vom Grundherrn Wasserfluß zu gestatten, durch Benützung der 
Privatwässer für Künste, Aufbereitung- und Hüttenwerke und zwar 
gegen Bezahlung. 7. Hütten = Erzmühlen und Schmelzhütten dürfen 
nach Igl. Bgr. ohne Entschädigung für Grundbenützung gebaut 
werden, wenn der Grundherr das Ackerteil erhält, sonst muß der 
Grund käuflich erworben werden. Bestehende Mühlen, die zu Auf- 
oereitungswerken umgewandelt werden, Zinsen weiter, wenn bisher. 



berg-vrid — bergwerks-vergleich 103 

Igl. Bgr. N. 26, 4. Zins von Kauen und Hütten und renale Ver- 
leihung von Hütten kommen in Böhmen erst spät auf. Weder die 
( 'onst. noch Karl IV. 1351, erst K. Wladislaw verfügt nach Sternb. I 
S. St über einen Hüttenzins in Kuttenberg. Nach dem Max. Berg- 
werksvergl. soll der Grundherr Poch- und Hüttenwerke enttveder 
selbst errichten und gegen Zins benützen lassen oder zinsfrei durch 
die Gewerken errichten lassen. 

Auch von den sraelczhutten, di gesaezt ader gepawet sein in 
dem selben erbe, si sullen von nimande getwungen werden, czins 
czu geben . wann di vorgäbe di heisst pergfreiunge , Const. II 3, 3 
(= haec praerogativa dicitur montanorum). — b'. Die angesessenen 
Bergleute genießen volle Freizügigkeit, Verkehrs- und Abgabenfreiheit 
ihrer durch mannigfache Privilegien auch von Abgaben an den 
Landesherrn befreiten Güter und unterstellen dem Gericht des Königs 
oder dessen, dem es der König empfiehlt: Insuper de judicio ipsius 
inontis et de aliis diversis, que sunt in monte, dominus ipsius terre 
se intromittit , Igl. Bgr. N. 23, 5, quia dicti montani possint resi- 
denciam capere in locis et emere necessaria, ubicumque videbitur 
ipsis melius expedire tarn diu, donec facultas ipsis aderit, ibi domos 
ediücare in montibus penes czecham, N. 26, 1. Der Erwerb von 
Bauerngütern icar ihnen gestattet und führte zur Erlassung der 
Besidenzp flicht. Durch den Bergioerksvergl. von 1534 tverden sie 
der grundherrlichen Gerichtsbarkeit und bäuerlichen Abgabenpflicht 
unterworfen, behalten aber ihre Freizügigkeit und freien Güter- 
verkehr. IL Bechte des Grundeigentümers: 1. die zwei Herren- bez. 
Abteslehen, 2. das Ackerteil, 3. Ein Drittel der Urbar, 4. erst spät: 
Ersatz für Bergschaden durch Haldensturz und Einschlagung von 
Bauen. (Vgl. darüber Zj'cha 1 176 — 193). 

berg-vrid, berc-vrit stm. sin.* Bergfried, Turm einer Burg, 
Alex. 10192. daz, berevrit sebiere was bereit, 10196. mit perfriden, 
W — B. Hohes Lied, 4, 4. ich wil seezen jaspensteyne deine perfride 
(ponam jaspidem propugnacula tua) Js. 54, 12. turmälinlicher Ele- 
fantensattel: ich hau vernomen — daz, vil helfande tragen vil berc- 
vride und daz, die sin wol beriht mit geschoz.ze, Alex. 19893. 

berg-werk* st«, meist gemessener berg, „gebirg", ,,silbergrube : ' 
genannt, Bergwerk: dem, der das perkwerk verleihet, U — A 16. Das 
die Urbarer mit wissen der scheppfen schullen das p. halden, U — A 
17. do si (die gewerken) das p. enphangen haben, Igl. Bgr. Nr. 32, 2. 
Und freimarkt sal ein iglich neugefunden bergwerk haben, N. 30 
und 32. 3. als ein gemeiner vorleiher — aller seiner p. — auf dem 
egenanten p. czu Pilsen, N. 29, 1. weg u. stege, die do gingen czu 
dem obgenanten b., N. 26, 2. aber betten die molen, e sie czu dem 
nuez des bergwerks gekart wurden, icht geezinset, denselben czins 
solden die bergleute auch leiden, N. 26, 4. wenn ir p. podenlos ist 
u. nicht sol hat, N. 47, 2 und sonst Traut. Chr. 253. 

bergwerks-vergleich, -vergleichung, a) Ferdinandeischer von 
1534, in tschech. Sprache abgefafst. Auf einer mangelhaften Über- 
setzung des Peter Stierba bertthen mehrere Drucke, so der von 
Schmidt I, S. 163 ff., vgl. Sternberg II, S. 244 ff. daselbst II, 235 ff., 
über dessen Geschichte, vgl. Steinbeck I, S. 158 ff.: 1. Die niedern 
Metalle (Messing, Zinn, Eisen, Blei, Quecksilber) tverden ganz dem 



104 ber-haft — be-richten 

Grundherrn überlassen; 2. auf bestehenden Gold- und Silberberg- 
werken fällt der halbe Zehent dem Grundherrn zu (der halbe und 
der „Wechsel" bleibt dem König), ihm auch die Vogtei und das Be- 
lehungsrecht gegen Anerkennung der Bergbaufreiheit, — nw der 
Zehentner und Silberbrenner soll des gemeinsamen Interesses wegen 
von beiden bestellt werden — , 4 Erbkuxe (= Ackerteil), Verpflichtung 
der Herrschaft, Holz zu Bauten unter Tag umsonst, über Tag zu 
einem {allenfalls behördl. zu bestimmenden) billigen Preis abzugeben. 
Ein beschränktes Aufsichtsrecht über Beschiverden der Bergleute 
gegenüber dem Grundherrn kommt dem König zu, der sich freie 
Hand vorbehält neuen Silber- und Goldbergiverken gegenüber. 
3. Bestehende Fristungen und Freiheiten bleiben bis zum Erlöschen 
in Kraft, dann findet der Yergl. Anwendung. Dieser wurde Landes- 
gesetz für Böhmen, für Mähren wurde durch Ferdinands General- 
begnadigung und Fristung der Bergwerke in Mähren von 1562 
(Schmidt 3, S. 12) der Zehent auf 6 Jahre ganz erlassen, grundherrl. 
Verleihung nach der Joachimst. BO. (1548) durchgeführt. Silber 
tmd Kupfer sollen in die Münze nach Frag oder Kuttenberg zur 
Einlösung abgeführt, Gold gegen 1 w. Groschen vom Lot frei ver- 
kauft werden dürfen, b) Maximilianischer von 1575. Der deutsche 
Originaltext gedruckt bei Schmidt 3, S. 293 ff. (vgl. Sternberg II, 
304 ff. und Steiubeck I. S. 180 ff.) Er ist eine Abänderung, besonders 
aber Ausführung von a). 1. Der König verzichtet nicht nur auf 
die Hälfte, sondern noch auf ein Viertel des Zehents für 25 Jahre; 

2. der Silbereinlösungspreis tcird bestimmt; 3. die 4 Kuxe seien nur 
dann der Herrschaft zu verbauen, icenn diese das zu Grubenbauten 
unter Tag nötige Holz wirklich besitzt, sonst nur 2; 4. Klagen gegen 
den Grundherrn sollten an den Obermünzmeister gerichtet icerden, 
der sich beim Scheitern von Vergleichsversuchen Belehrung beim 
Landrecht zu holen hat; 5. Die Freiheiten der kgl. Bergstädte 
werden bestätigt und bes. auf die Privilegien von Kuttenberg, Berg- 
reichenstein, Eile und Knin verwiesen. 1628 wird dieser Vergleich 
auf Mähren ausgedehnt. — a. 1580 Traut. Chr. 253. 

ber-haft Adj. I. fruchttragend , fruchtbar also der süez,e tou 
die erde bringet b., Alex. 1639. der lenze — die erde bringet b., 
8374. 2. schwanger von minne und rechter liebe kraft wart die 
frouwe b., Alex. 748. von des engeis worte kraft ein reine magt 
wart b., 2016; W. v. W. 683. 2785. 

be-richen (be riehen, be-richsenen) swv. beherrschen: von dir 
(Betlahem) get aus ein laiter (Führer), der da berichet mein volk 
Israel, T— B. Matth. 2, 6. do Poncius Pilatus bericht Jude (Land- 
pfleger von Judäa icar), Luk. 3, 1. 

be-richt stmf. 1. Bericht, Belehrung, 2. Einrichtung eines 
Hofes, Gerätschaften, 3. Vertrag, gütliche Beilegung, Versöhnung. 

3. die bemelt taylnng und bericht ist geschehen, Igl. Stb. V 
182 c. 

be-richten swv. Praet. berichte, Part, berichtet u. bericht, in 
richte bringen, ordnen, gestalten, bestellen, einen Streit schlichten, 
einen b. = unterweisen, versehen mit (Gen. der Sache oder doppelten 
Akk.) bezahlen, befördern, verleumden: wie man b. (es einrichten) 
müge , daz wir bliben bi eren , W. v. W 1755. daz er daz, lant biz. 



be-richt — be-richtunge 105 

her nach grözen eren hat bericht (verwaltet), 7665. dö gar diz lant 
was bericht nach kristen orden, 7835. die tische und sitze berihte 
man mit rehter phlihte, 1451 f. diu phert — heizet berihten sä, 6288. 
hab ich des, vrouwe, von in wer (die Gewähr einerseits), ob ich sie 
vür iuch bringe her, und sie berihtent iht, daz dekein übel an in 
geschiht? 6045. der (Krist) sol mit siner güete berihten ir gemüete, 
daz — = ihren Sinn so wenden, daß — 6735. die czwitracht be- 
teidingt und beriht sind, Stdb. v. Brüx N. 353. des toufes ich im 
berihte (gebe ich ihm), W. v. W. 3296. wenn er hatz angenomen u. 
selber beriht u. beczalt hat, Igl. Bgr. N. 80, 3. reflex. = sich in den 
rechten Stand setzen, ausrüsten, sich friedlich vergleichen, sich losmachen 
von (Gen.): und uns gutlich einten u. berihten, Mind. d. Egerl, S. 35. 
die sich richeit rlizzen in hoher schoenheit melde berihten sich ze 
velde, W. v. W. 7294. da (zur höchgezite) sollten zuo berihten sich 
al ir herren, 6972. daz ze der verte (Reise zum Hoftag) rilich im 
ieglich man berihte sich, 7005. er berihte sich mit richeit siten, 
7023. wol berichte sich der vremde rote gar mit ritterlicher koste 
ze dem turnei, 7286 f. Dornach berihtet er sich mit dem hl. leich- 
nam unseres herren (ließ sich „versehen"), Hier. 137, 7. manig mensch, 
das sich in dem latein nicht b., kond. Solil. 1, 14. durch eczlicher 
Sachen willen, daraus wir uns nicht kunnen b., Igl. Bgi'. 1,1. aus- 
rüsten: hei^ent sie sich berihten mit uns die hervart phlihten, Alex. 
2745. ze strite b. 7194, 23858. ze wer b., 11974, 4214. wol man 
sich berihtet sach, 4372. schif her b., Alex. Anh. 654. einen Zwist 
schlichten: da^ truwe ich schiere hän bericht, Trist. 2464. erzählen: 
da^ (mer von Tristan) — hat meisterlich berichtet Gotfrit von 
Sträub urc, Trist. 14. da^ sie in b. künde, wä von daz, wsere, Alex. 
25394. waz, wolt ir, her? des berihtet mich, Alex. 24531. 

be-richt part. Adj. ausgerüstet : tüsent man wol berihter schilde, 
Ernst 3079. wol berichter man, Alex. 2754. 

be-richter stm. = Ordner, Zurechtweiser, Friedenstifter, Ver- 
mittler: der (frage u. antwort) solt der wirt b. sin czwischen im u. 
dem gaste, W. v. W. 3359 f. 

be-richter s. brichtig. 

be-richtikeit stf. Schlichtung, Verständnis: ich hab gesehen 
u. gehört, daz man frouwen wisheit jach u. in b. vil sprach üf alle 
Sachen wol ze raten, die wile sie wirte häten, W. v. W. 1017. 

bericht-leut * st. Fl. Leute, die zwischen zwei Streitenden 
eine Versöhnung (bericht) gestiftet und Zeugen dieses Vertrages: Igl. 
Stb. III 151a; ill 135 a V 43 d. 

be-richtuiige stf. Verrichtung, Beilegung, Schlichtung einer 
Angelegenheit: an dem er der b (= Auskunft) gert, W. v. W. 5896. 
durch des willen wir gewilkurt haben czu einer b. darumb = einem 
Vergleich zugestimmt, Igl. Bgr. N. 53,21. die alle iren willen dorczu 
gegeben haben, das man soleiche b. czwussen in machte, das man 
das bergwerk also bewarte, das es nicht verturbe u. ungebawet 
blibe, N. 36, 1. umb alle ubelhandlung, ab die zu b. quemen, — an 
der puss hat der richter das czweiteil u. die scheppen das dritteil, 
Igl. Str. N. 276, S. 182, u. N. 308. ein berichtnng und taylung ist 
geschehen zwischen den waysen des Engelharts huetters seligen und 
dem Lorencz Brünner, Igl. Stb. V 160 a.; Eg. Chr. N. 1022. 



106 be-riechen — bern 

be-rieeheu stv. III. rauchen: daz, er in sein haus gangen ist 
und mit verslossuer türe und mit berochenen fewr — in begriffen 
hat, Eg. Achtb. II 11. 

berille, barille su-m. der Edelstein Berill. Brille, saphire 
und berillen, Alex. Anh. 2011. 

ber-lein* stn. Gebärmutter. Mutterschoß: swie daz, er ieczunt 
was vil nach hundertjerig und da^ perlein (Yulva) Saren tot {nicht 
gebärungsfähig). T — B Eömer 4, 19. 

bermie-lich Adj. = berme-lich, Erbarmen erregend. Ach tod 
deiner b. tat. Hier. S. 98. 8. 

benn-liehen Adv. Erbarmen erregend: do sach er gar b. u. 
weit umb sich, Böhm. Chr. 31. der sich b. (kümmerlich) genert, Dal. 
171,38(76). 

ber-müter (ber-muoter) stf. 1. Gebärmutter. 2. Bauchgrimmen. 
Kolik. 1. Worumme bin ich nicht in der permuter gestorben? 
W— B, Job. 3, 11. alles, das do auftut die p., Ex. 13, 12. der mich 
— iu der p. einen (statt eine = er allein) hat gepildet, Job. 31, 15. 
die voulen unreinen neczil, die do ausgeen von der mitte irr p. das 
Häutchen der Sachgeburt. Deut. 28, 57. und e du ousgiengest von 
der p., hab ich dich geheiligt, Jer. i, 5. 

ber-müter-munt stm. Öffnung der Gebärmutter. W — B.. 
Sprichw. 30. IG. 

hörn stv. 12 hervQrbringen, gebären, (Eier) legen, Frucht tragen: 
man sach e guldin eiger bern des künec Philippus henne, Alex. 1826. 
wä von die jär niht enbernt so sie die liute mangels wernt. Alex. 
8369. 

bern swv. schlagen, loshauen, betreten: Alexander wil sie also 
mit swerten bern. Alex. 7134. esil bern, Dal. 28, 19 (15 1. 

bern stn. das Losschlagen: üf sich ir uiigevüegez, bern sach 
man wol in beiden hern, Alex. 11871. 

bern stmf. aus dem slav. berna (tschech.) = Landesst euer : 
Daz die purger nicht pern schullen geben, daz die purger ge- 
maineu pern, der auf daz gantz lant was geslagen. tms habent geben, 
Brünner Str. II 158. Und czu dem erstenmal sag wier seu (die Brünner 
Bürger) vrei von allem pern u. von aller chunigssteuer, man nem 
seu gemeinlich in dem lant oder besunderleich — (von Dörfern. 
Meierhöfen. Ackern oder sonstigem Erbe) noch uns noch unsern erben- 
chainen pern noch chain chunigssteuer noch gemainleich noch be- 
sunderleich — nimmer geben schollen, Brunn. R. II 170 (K. Johann. 
Hdf. Prag 1319). Die Bürger Iglaus zahlen von ihren Besitzungen 
außerhalb der Stadt keine Bern, sondern bloß ihre Holden; purger. 
die außerhalb der Stadt Liegenschaften haben, müssen in der Stadt 
dafür Losung geben u. ouch dorum, das dyselben purger von den- 
selben czinsgelt nicht bern durften geben dem forsten noch in die 
hervart reiten, wiewol ir holden bern geben — wann sy nicht peren 
davan geben, sam dy pawren tun, Igl. Str. 192. Wir haben in (den 
Bürgern v. Aussig) an sulcher summen des bern das ist an den 
ezweinezig u. hundert marken, als oft man in die pliigt ufseezen, 
20 mark an iglicher summen abgelassen, ivelche dafür der Stadt 
Brüx zugeschlagen icerden sollen, falls aber diese Stadt die Mehr- 
zahlung verweigert, soll ihr yiederlagsreclit an Aussig übergehen, 



berride — be-rüfen 107 

Aussiger Urkdb. N. 121. die unrecht losuuge oder bern oder Steuer 
von leuten nemen, Job, v. Igl. 7; Chr. v. Eger N. 98; v. Traut. 157. 
auf jedes haus einer jeden Stadt in Bebein 3 schock houszsteuer oder 
bebrn oder ungelt, wie man es nennen mocht, in ein jar zu erlegen, 
193. 235. 328. berna = allgemeine Sammlung, collectio generalis 
traf zumeist den Bauer und Stadter, also jene, welche Zins zahlten. 
Der Adel zahlte von Gütern, welche er selbst bewirtschaftete oder 
für seinen Unterhalt bewirtschaften ließ, keine Berna. Sobald er 
das Gut emphgteutisch vergab, also zinsbarmachte, icard es auch berna- 
pflichtig, Mitt. d. Vereins f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen XV r , Lit. 
Beilage S. 41 (in einer Anzeige von Jos. Emiers, Ein Bernaregister 
des Pilsner Kreises von 1379). b. = kgl. Steuer, von allen Unter- 
tanen gemeinsam entrichtet, Linke S. 298. 

b6rn.de pari. Adj. v. bern (stv. 1, 2) absol. oder mit Gen. her- 
vorbringend, fruchtbar: Willehalm der voller tugend bernde, W. 
v. W.^489. 

bern-stübe * swf. Amtsstube, in der die Bern auf die einzelnen 
Steuerträger verteilt oder eingehoben wird, Chron. v. Eger N. 49. 

be-rochen s. be-riechen. 

berrej perre (= bere) stswm. aus gr.-lat. pera ein sack- 
förmiges Netz, egerländ. noch als bea: do hat man lassen fischen 
mit perren u. mit henden, Chr. v. Eger N. 193. 

berschaft s. beischal't. 

bersch-büchse* (bühse) swstf. Jagdgewehr : mit des Möllings 
perschpuchsen, Eg. Chr. N. 903. 

bertecht, bartocht, bartecht Adj. bärtig: betwinge wir und 
drucken untter uns die bertechten pocke (wenne sich die manne 
noch heidenischer gevvouheit bilden und trugen alle lange perte, 
Böhm. Chr. 8. undirtenig wir uns den purn (Bauern) schir unde[r] di 
partatin bock? Dal. 33, 25 (8, 27). 

berting stm. Klosterbruder, do singen die pertinge daz, tor 
zu. Böhm. Chr. 42. 

be-rubsamlich* Adj. Ruhe, Versöhnung bringend: gutwillige, 
freuntliche und b. verainigunge und berichtung, Igl. Stb. V 52 b. 

be-rüchen, be-ruochen sivv. m. Akk. pflegen, sich einer Sache 
annehmen: damit der bach berucht (gepflegt) sei. Taiding v. Fried- 
berg 6. di beruchten Stephan = sorgten für seine Bestattung, T— B. 
Btb. 8, 2. die wunden wurden da gebunden nach ir not beruochet, 
Ernst 4007. 

be-rüchtung von berüchtigen stf. die Tätigkeit, durch die 
man einen in üblen Ruf bringt, Chron. v. Elbogen 76, 31. 76, 37. 

be-rüfen (be-ruofen, herliefen) stv. V. u. swv. zusammen- 
rufen, proklamieren, schelten, tadeln, refl. appellieren: Wollt ir 
mich von meiner clag schrecken, des beruf ich mich mit euch an 
gott, Ack. 51, 1. Von sulchen beswerungen mag man sich redlichen 
berufen: ab der richter imand czu dem rechten heischet an dem 
heiligen tage ader wenn nicht gericht ist; ader ab er die mase über- 
tritt, wenn er rechtens helfen sol; ader ab er des rechten nicht 
helfen wil und in ähnl. Dingen. Die alte Gewohnheit, daß man 
sich b. müsse, e sich der richter umbkert czu andern Sachen und 
daß man nicht getar ein fuss von danne ruren, wird verworfen; denn 



108 be-rüfunge — beruft 

ist das nicht genuk, das er von der stat nicht gee. ee er urteil 
strafe ader wenn er seinen willen darczu tut offenlich? Const. IV 
20, 11 und IV 20. 21: ab der, der sich berufet, er sei denne mit 
ehafter not behindert, seine berufunge innewendig vier wochen nicht 
vollendet, so sol man in für den haben, der sich nicht beruftet hat, 
u. wider den er sich berufet hat, dem sol er genuk tun umb seine 
czerunge, die er redlich getan hat. — in Const. IV 20, 14 u. s. wird 
berufuDge nur an den König verlangt, sol man di sache alleine für 
unser kegenwortikeit prengen, IV 20, 3 : Auch noch perkrechte so 
sol der richter kein urteil sprechen, sonder er sol volfuren der 
scheppen urteil; u. übertritt er denne darinne di mase (an eime 
kleinen als wol als an eim grossen, IV 20, 4). ader besweret er 
ettlich teil, man mag sich redlich berufen. — das peide richter u. 
scheppen mit allem Heise sich bewaren sullen. das si imand, di vor 
in kriegen, nicht sache geben, sich czu beruften, IV 20, 4. Als oft 
man von dem urteil der urborer ader der gesworn ader von der 
richter gewalt oder von keiner beswerunge sich beruft, das man an 
keinen andern ader andere dann unsere kunigliche macht ader an 
unsern camerer furpas b. und behelfen sol; wann wir meinen u. 
setzen, das di perkrecht furpas mer nindert czimleicher pleiben denn 
in unser camer, Const. I 5, 10. Doch half dies nichts, denn nach 
wie vor berief man sich auf den Igl. Überhof in Bergangelegenheiten 
s. berg-recht. 

be-rüfunge stf. Berufung an ein höheres Gericht, Appellation. 
Über Art und Weise der b., Igl. Str. 299; wer die b. innerhalb der 
gegebenen Frist nicht vollführt, ohne durch ehafte Not gehindert zu 
sein, verliert das Recht dazu, Igl. Str. 325 und oben unter berufen. 
Wer das infolge der Berufung gefällte Urteil verwirft, zahlt 50 Mark 
Goldes Strafe, Igl. Str. 302. Er hat sein b. iczund leicht in czehen 
wochen adder mer nicht vollfurt. — der dem rechten nicht gehorsam 
ist gewesen, hat seine b. u. sein recht vorlorn , Igl. Str. 325. Noch 
pergrechte so ist die b. ein tat u. clage, di do begreifet ettleiches 
urteiles strafunge, domit imand unrecht besweret ist, Const. IV 20, 1. 
Formel der b.: her richter, das urteil, das die scheppen wider mich 
gesprochen haben, straffe ich u. wil ein pessers prengen von der 
>tat, von der ichs czu rechte prengen sol oder: ist das urteil ge- 
sprochen wider geschriben recht ader wider gewonliche ordenunge 
des gerichtes, dorumb so ist das urteil nisnicht, das wil ich redlich 
beweren u. beweisen. Const. IV 20, 13. TVer sich mit Unrecht beruft 
hat. muß auch, dem widersachen, als der richter schaczet, czerunge 
u. koste widerkeren, Const. IV 20, 15. H enn aber dem Beruf er recht 
gegeben icird, so sol der, der di beruffuuge erkennet [dem, der das 
urteil gestraft hat] auch di czerunge heissen widerkeren u. man sol 
auch widerruffen alles, das noch der redlichen berufunge gescheen 
ist czu schaden dem, der sich berufet hat, wan als lange die b. 
stet, so ist nichtesnicht czu vernewen, IV 20, 16. die b. ist nichtes- 
nicht. di man tut, ee man besweret ist, IV 20, 8. nimande sol sein 
eigen wille czihen darczu, das er sich berufe, sunder notige notdurft: 
wann di b. sol nicht schirmunge sein arger list u. poser täte, sunder 
ein hülfe, di unschult czu beweisen, IV 20, 10. 

beruft pari. Adj. = berühmt. Chron. v. Eibogen 93, 23. 



be-rugiichen — be-sagen 109 

be-rüglichen Adv. in Ruhe, Traut. Chron. 92. 

be-rügt part. Adj. unangefochten: das der Veit kursner deu 
Jörgen teuffl, kursner ein berugten man schol lassen bleiben, Igl. 
Stb. III 327 b. 

berureu sivv. erwähnen: das obin berurte sloss Brux, Stadtbucb 
v. Brüx N. 341. 

be-rür-lich* Adj. berührbar. dem man sich nähern kann: ir 
babt euch nit genacbent zu dem berurlichen (Berge, sondern zu 
einem brennenden) feur, T— B Juden 12, 18. 

bereinige stf. 1. menstruatio , 2. Geburt*, Entstehung: das in 
allen sacben eines zurrüttung des andern berung sei, Ack. 50, 16. 

ber-vrit, berg-f'rit 1. hölzerner Belagerungsturm auf Rädern, 
2. zur Verteidigung gebauter, gewöhnt, steinerner Turm: s. berg- 
vrid. 

be-saclieu swv. einrichten, beiverkstelligen: si darüf wislich 
sunneu, wie sie die stat gewunnen, das besachten mit einander, Alex. 
Anh. 593. ein vürste — die nahthuote besachte, Alex. Anh. 529. 

be-sage stf. 1. Wortlaut, Inhalt, 2. Anklage. 2. der besage 
mag er sich entschuldigen, Prag. Rb. 86. nach besag eines artikels 
eines konigl. briefs, Traut. Chr. 129. 146. 265. 

be-sage stm. swm. den valschen besagen Verleumder, W — B. 
Psalm 71 (72), 4. die menige der valschen besager, Job. 35, 9. der 
besager geczeugnus, Igl. B 46. 

be-sagen swv. 1. beklagen, anklagen: wesait man = Angeklagte 
Brunn. Recbt (38) (39), 118; wiert iemant pesait um ein totslag u. 
welle sich unschuldigen, II 38. Ist das iemant besait wiert um ein 
totslag u. sich des bechent, er hab die chraft mit chraft vertrieben, 
da^ ist notwere seines leibes , II 8. Die vor sulchem gerichten die 
armen sele besaget hatten, Hier. 220, 2. er mag es wol beczewgen, 
beweren u. b., Igl. Str. I, S. 362 oben. Welich leben di (geswornen) 
besagen (beschuldigen), das si di nechsten lehen trenken mit irem 
wasser — D I R I § 6, 2. her besagte seine brüder umb eine böse 
sünde gegen seinem vater, W— B. Gen. 37, 2. das ir die mass czihen 
lasset, wenn si wirdig fluiden u. besagt ist, Igl. Bgr. N. 11, 1. u. 
wanne her (der Hirte) yniant besagt (beschuldigt), Igl. Str. 42. vor 
dem hohen gerichte b. (coram majori iudicio accusare), Igl. B 17. 
hören die scheppen von yn selben (ohne Aufforderung durch den 
Richter) icht in dem markte oder in dem leithause unnucze rede, 
di von einer leichtikeit geschit, do haben si nicht recht, einen man 
dorumb zu besagen; idoch sehen sie unczucht, rauffen, slahen oder 
wunden, da haben sie craft czu besagen, Igl. Str. I, S. 358 u. macht 
der geswornen czu b. u. rügen (accusandi potestatem), Const. IV 11, 8. 
von dem selben (in dem zu messenden Gang gehauenen) silber baben 
sie besaget u. auch czu irem eit genuinen, das man pilleich einen 
perk messen schulle, Igl. Bgr. N. 5. Das selbe ercz ging abe in der- 
selben czeit, das es czu der mas nicht wart besaget, N. 5, 3 und 
N. 5, 4 und 5. Steiger, hutleut u. ander amptleut nicht verrer kraft 
haben czu besagen (= Zeugenschaft zu geben) denne also verre, 
als ir ampt get, Igl. Bgr. N. 116. das gesworen marscheider also 
vinden u. b. auf iren eit, N. 76, 5; di Steiger sprachen: wenne wir 
haben über der erden nicht czu b. sunder in der gruben, N. 64, 2. 



110 be-sagen — be-schatzen 

sint dem malen u. die scheppen das wasser besebeii u. besaget betten, 
N. 66j 1. das di selben amptleut geseben u. besaget. — als her 
besehen u. b. ist, N. 63, 4. het aber imaut in besaget (verklagt, ver- 
leumdet), Ernst 965. wer in gegen inch besagt hat, 998. dar umb 
snlt ir sie niht b. (beschuldigen), Alex. 16120. daz, si fanden, do 
von si in besagten , T — B Lnk. 6, 7. Job. 8, 6. si begunden in b., 
Luk. 23,2. 23.10. um was sache er wer besagt, Btb. 23, 28. 24,2. 
daz, ich euch bin ze b. bei dem vater, Joh. 5, 45. Moyses ist der euch 
besäet. Job. 5, 45. wenn er mich und dich dem kunige besaget, 
Böhm. Chr. 52. 

be-Sager stm. Ankläger: so dein b. kument, T— B Btb. 23, 35. 
24, 8. 25, 16. 

be-sagunge stf. Anklage: Und do (vor Gottes Gericht) der 
unfletigen teufel b. lange geweret bette, Hier. 219, 23. b., W — B 

111 85 c. valsche b. = calumnia, W — B Deut. 28, 29. czeuch 
verre von valseher b., Js. 54, 14. Das ist die stat der besuchunge 
(visitationis) alle valsche b. (lauter Unrecht) ist in ir, Jer. 6, 6. ab 
ein gefangener von unrechter b. des neyds — eingepracht wer, 
Olm. Stb. 89. sie (die Gefolterten) werden oft ir selbs u. anderer 
unschuldiger leute morder mit unrechter b. ebenda, nit Avellst 
enphachen di b. (nimm keine Klage an) wider den prister, T — B 
Timoth. 5, 19. 

be-ssemen swv. besäen: über ire besaamde felder zu treiben 
(näml. Vieh), Eg. Chr. 1199 S. 376. nicht die besaambte felder ver- 
wüsten. S. 377. 

be-samt, be-saiiinient. be-sampt 1. Adj. ganz: mit gantzer 
meiner besampter kraft (tota mente mea). Sol. 35, 6. besamment 
beid naturen (utramque ereaturam), 83.27. 2. Adv. in gleicher 
Weise: deine gab, die du itzunt besampt (pariter) freunden u. 
feinden gibst. 55.3. der (hl. geist) von in beiden b. entspreusset, 
86, 16. 

be-samung stf. Versammlung Igl. Stb. V 256b. 

be-sarkeu s. be-serken. 

be- Satzung stf. 1. Befestigung. 2. Besetzung eines Teiches mit 
Fischbrut, 2. ein ablass (eines Teiches) haben auf ein gleiche b., 
Igl. Stb. Y 39 d. nach der besaezung des gerichtes, Eröffnung der 
Gericldsverhandlung, Igl. Stb. V 10c. 

be-saufen (be-süfen) stv. III. einsinken, versinken, ertrinken. 
trans.* verschlingen*, einschlürf ev*: di erd tet auf iren mund 
und besof den floz,, den der trakk liez, von seinem mund, T — B 
Offenb. 12. 16. der tot ist besoffen {verschlungen) in oberwindung, 
I. Korinther 15, 54. 

be-schaffen stv. IV. erschaffen: wan seine (des himels) genade 
uns b. bat, Const. III 6, 13. die Juden gelauben an einen got, der 
himel u. erd b. hat Joh. v. Igl. 1. sie. = heißen: wir haben unserm 
pfleger — befohlen und ernstlich beschafft zu genanten Czedwitzer 
und seinen gutern mit ernst zu greifen, Eg. Chr. 1175. 

be-schaffuug stf. = Geschöpf. Es wurde gefressen — ein 
iglich lebendig b. di ander, Ack. S. 11, 11. 

be-sehatzen swv. )>tit. schwerer Steuer. Kontribution, Lösegeld 
belegen; nach Zahl und Wert anschlage?^, um daz,, daz, si mich be- 



be-sckauwen ■ — be-scheidenheit 111 

raubt babeu und beschatz ich (schätze ich) — 100 scbock, Eg. 
Aclitb. I 23. den künic und alle die er gevienc beschazt der hoch- 
gemuote, Alex. 23903. ir (der Gefangene?)) weih und kindlein be- 
schaczt werden, Eg. Chr. N. 1123, S. 300. 

be-schauwen swv. betrachten erspähen: wie die Sachen ge- 
handelt u. beschawet werden, des solt du uns underweisen, Mind. 
d. Egerl. 81. 

be-schauwung stf. Betrachtung: mit den ringeln in beschawung 
(aus conteniplationum suarum) verbergen die Cherubim u. Ser. das 
autlutz vor dem, der do sitzet auf dem hohen stul, Sol. 80, 31. b. 
der wunden durch die geswornen, Ig]. Str. (62). Wenn ein ver- 
wundeter nicht durch die geschworenen Schöffen seine Wunden be- 
schauen läßt, verliert er seine Rechtsa?isprüche; ebenda. 

be-sehediger* Stm. Schaden-, Unruhstifter: straßrauber und 
b., Eg. Chr. 1162. 1187, S. 358 f. 

be-schehen stv.il geschehen, durch höhere Fügung sich er- 
eignen : an einem morgen ez beschach, W. v. W. 5536. das uns dise 
reuplich beschedigung — gancz unbesorgt und unbewart bescheen 
und begangen, Eg. Chr. 1141. 

be-scheide stf. Bestimmimg: mit der b., daz — Eg. M. U. 6. 

be-scheidekeit s. be-scheidikeit. 

be-scheiden part. Adj. bestimmt, deutlich, verständig : erberige, 
b. leute = personae idoneae et discretae, Const. IV 2, 15. wen 
senden wir dar — der wese so bescheiden (klug), W. v. W. 6023 f. 
Chron. Traut. 124. 

be-scheideu stu. V. 1. trennen, schlichten, 2. zuweisen durch 
Schiedsspruch, 3. durch den Richter, 4. durch Testament: 2. Erbteil, 
wer di mit clage wil gewinnen vor kost, di ime darauf wirt b. von 
den ratleuten, DIR 22 a 1. b. tage = termini : Schol ymand einen 
man vorprengen zu b. tagen, der umb ungerichte beclaget ist, stirbt 
er di weill, man scholl den toten vorprengen u. ist domit ledig, 
Prag. Rechtsb. 126. do beschiet mau in peiderseit einen tag, Igl. 
Str. 251. — 3. ich bescheide meiner muter 10 schock auf mein haus, 
Igl. Str. 324, S. 235. ein gut, — das ein piderman — vor totpet- 
leuten beschaiden hat, 300. si wold sich an dem, des ir prüder be- 
schiden hat, nicht lasen genügen, 233. seine dink schaffen u. be- 
scheiden, 247, S. 140. Joseph in der tröume beschied, Alex. 11390. 

be-seheideuheit stf. 1. Verstand, kluges Handeln; 2. Ver- 
pflichtung; 8. richterl. Entscheidung; 4. Bedingung; 5. Was zur 
Befriedigring eines Bedürfnisses hinreicht. 1. b. behelt die lust 
bei gemach, Ack. 29, 12, sorge u. b. wonten stet an irem (meiner 
Fraxi) hofe 15, 5. alle Weisheit, alle b., Hier. 73, 12. din wiplich b. 
(Klugheit) W. v. W. 1114. auch bekumt es wol der urborer l>. 
(discrecioni urbariorum convenit), Const. I 4, 7. wir piten euer lt., 
das ir uns des weiser machet, Igl. Str. 170. wir piten euer vor- 
sichtige b. mit ganczem üeisse, das ir uns des weiser machet, 252 
u. s. Und mein b. (mansuetudo) hat mich gemeret W — B Kön. II 
22,36. — 3. Begent die b. (=fügt euch meiner Entscheidung) Ack. 
29, 7. — 4. di urbarer, den wir unser urbar in einer b. (certis con- 
dicionibus) u. umb ein sichern genis gelassen haben, Const. I 4, 7. 
aller dinge b. sint da (in Tyrus) mit namen u^ geleit, Alex. 9593. 



112 be-scheidenlich — be-scheude 

die b. dein zorue staete vorwesen sol, Alex. Anb. 1324. inäz,e mit b.. 
Trist. 69. 

be-seheidenlieh 1. Adj. bescheidlicb Cod. E für bescheiden 
hülfe tun Const. I 7, 16 = hinreichende. 2. Adv. die eigenschaft 
sal in den hantfesteii — mit allen Unterscheidungen (bescheidlicb 
= distincte) geleutert werden, Const. II 4, 12. andir lehen — gefallen 
{fallen zu) deme, der recht dorczu hat also b. : den urbarem koniges 
lehen, den herren ir lehen, den burgern ir lehen, DIR 5, 1. si haben 
gelihen also b., daz si in den selben leben czwene schacht nider 
schullen sinken vertiklich noch des hofmeisters u. der steiger rat, 
Igl. Bgr. N. 45. 4. — liehen: das das craft sulle haben also be- 
scheidenlichen (unter der Bedingung, mit der Bestimmung), das an 
irem geschefte des koniges nucz u. des gebirges furderunge offinbar 
irscheinen möge, DIR1. slüz,z,ele glich den slüz,z,eln, die er ge- 
drücket vant alhie in da^ wachs b., Trist. 5981. 

be-seheidikeit* stf. Klugheit: wie er das mit listikait u mit 
beschaydikait aus dem Hainzen gepracht hat, Igl. Str. (60) S. 327. 

be-seheiuen swv. zeigen, zu erkennen geben, mit Acc. der 
Sache, Dat. der Person. Und man im bescheinte, was Krist der 
name meinte. W. v. W. 362f. die vor die vlucht bescheinten (sich 
stellten, als ob sie flehen), die karten wider die antlicz u. sterclich 
widerstunden, W — B Richter 20, 41. ja enweiz, ich, waz, ez, meinet 
oder waz, ez, uns bescheinet, Alex. 662. dem küng er (Daniel) be- 
scheinte, waz, ieglich wort meinte, 955. er im bescheinete, waz, die 
sendung meinete 1853, min sin dir daz, bescheinet, waz, der troum 
meinet 7751, er weinende bescheinet der großen sünde missetät, 
Leg. 341. den (frouwen) sie dienst mit triuwen hetten bescheinet 
(erwiesen), Alex. 3658. 

be-sehemen swv. in Schmach bringen, verletzen: wann die 
ordnuuge der vornuuft wirt bescheint (confunditur), Const. I 2, 4. 
er beschemte (warf ihm spöttisch vor) des konigs son mit dem pade, 
Böhm. Chr. 52. 

be-sehemige s be-sehoenung. 

be-sehern stv. 1 2 (ich beschir, beschar, PI. beschären, beschorn) 
kahl scheren: das hat bescher her czuhant an demselben tage seiner 
reiniguuge, W — B Num. 6, 9. 

be-seheten (be-schatewen) swv. beschatten: die kraft des 
Höchsten beschettent dich. T — B Luk. 1. 35. 

be-schetigen swv. obumbrare: beschetiget (beschirmt) hastu 
über mein houbet, W— B Ps. 139,8. 

be-sehetigung stf. Schatten, obumbratio: bi dem — vater der 
licht — nit ist di vorwandelunge noch di b. der stunden (vicissi- 
tudinis obumbratio = ein Schatten von Wandel), T — B Jak. 1, 17. 

be-seheude (be-schiude, be-schouwede) stf. Anschauung, Anblick, 
Angesicht, wir underweisen unser herczen in seiner (gotes) be- 
scheud, T— B I Brief Joh. 3, 19. dein gepet und dein almusen sint 
ufgestigen in gedenkung in die b. gotz, Btb. 10, 4. dein almusen 
sint kumen in gedenkung vor der b. Gotz, Btb. 10, 31. nu sei wir 
all gegenwertig in deiner b., 10, 33. in der b. Gotes, Btb. 4, 19. ich 
fursach den Herren zu allen zeiten in meiner b., Btb. 2, 25. in 
seiner b. (verlesen besehend), Epheser 1. 4. in der b. euer aller (vor 



be-schickunge — be-schoenen 113 

euren Augen, wie ihr alle sehet), Btb. 3, 16. er macbt gnad got in 
der b. aller, 27, 35. von der b. dez, ratz,, 5, 41, dise schickten si vor 
di b. der boten (stellten sie den Aposteln vor) und betend legten 
sie in auf die hend, 6, 6. er gab im (Josef) Weisheit in der b., 
Pharaonz, 7, 10. in der b. der kirchen III. Brief Joh. 1, 6 in der be- 
sehend seiner junger, Joh. 20, 30. in der b. seinez, tronz,, Offenb. 1, 4 
u. 20, 12. in der b. des Lames, Offenb. 7, 9. in der b. Götz, 8, 2. 

be-schickunge* stf. Vermächtnis, letzter Wille: Jaromir er- 
mante in (den bruder) an sulche teilunge und b., di ir bruder 
Sbitynhnyew tat, Böhm. Chr. 49. 

be-schidunge* stf. Verfügung bei der scheidunge (Tod), letzter 
Wille, Testament: er tet ein redlich b. an seinen leezten czeiten, 
Igl. Str. 324, S. 235 , 248. des pergs puch, do der frawen — b. red- 
leich beschriben u. bewart ist 291, S. 197. di b. besecz ich mit 
euch 247, S. 141, 326. 328. das sie Averen totpetleut irer beschidung 
= Testamentszeugen 289 c, ob ir beder eleicher vater hernach mit 
kainer b. oder mit kainen prieffen ir erbtail, das her ir (bei ihrer 
Hochzeit) vorgelobt hat, anders imant vorschriben oder vorgeben 
muge, 248. der beruffte — totpetleut als vil, als er der bedurfte, 
czu seiner beschidung, 305b. di b. ist auch nie vor kainem rat — 
gelautmert noch bewart worden, 300. das das ir leezte b. wer, 
236, S. 132; 263, S. 163 u. S. 162. mein swiger hat mit wolbedachtem 
mut ein b. getan vor zweien gesworn scheppen, Igl. Rspr. IV. seines 
swehers b. ( Vermächtnis), IV. ein furmund etwen frau Angnesen b. XII. 

be-schinden stv. I 3, Part, beschunden und sui. beschindet, 
1. schälen, enthäuten, 2. berauben, spoliare m. Acc. und Gen.: ir 
werdet b. die egipten = spoliabitis Aegyptum, W — B Ex. 3, 22. die 
nakten hastu beschunden des gewandes, Job. 22, 6. das arme povil 
haben sie beschunden = vulgum pauperem spoliaverunt, Job. 24, 9. 

be-schirmer stm. Beschützer : ich bin dein b., W— B Gen. 15, 1. 

be-schirm-rede* stf. Verteidigungsrede, exceptio: Idoch an 
gevere czu vorsteen, so ist ein igleich b. ein ausgenomen rede 
genannt, wann in der b. meint er seines widersachen willen un- 
kreftig machen, Const. IV 7, 1. 

be-schirmunge stf. Schutz, Verteidigung: als die namen der 
b. und Widerrede mancherlei genannt sein, Const. IV 7, 1. so mag 
der antworter furlegen sein b., IV 7, 2. das auch wir unser b. u. 
Widerrede dester fürsichtielicher geordinieren IV 2, 3. aber von den- 
selben steten, die zu b. den vluchtigen werden ausgesundert (quae 
ad fugitivorum subsidia separantur), W — B Num. 35, 13. wer di b. 
(im Druck fälsch: beschrinnung) virluset, den rad er virkuset, Dal. 
26, 5 (4, 9). 

beschit-, be-schiet-brief* stm. v. be-schit, -schiet stm. u. be- 
schiden, bescheiden. Testament: mit dem beschidbrieff, da anhanget 
das grosser insigel der stat, Igl. Str. 305 b. der b. laut den fur- 
munden als lauge, unez das der junge kumpt czu seinen vornunftigen 
iaren, czu iren guten treuen, 290 u. 305. 

be-schoenen stvv. beschönigen, schön machen, sich von einem 
Verdacht reinigen: Einer, der mit Brandlegung gedroht, jedoch nicht 
dabei ertappt worden ist, mag sich selbsibender beschöuen, Igl. Str. 
B. 49. beschonter ausrede bedarf wol schuldiger man, Ack. 20, 9. 

Jelinek, Wörterbuch. Q 



114 be-schoenunge — begchüten 

be-sekoemmge stf. Beschönigung, Vorwand: das uiebt mit b. 
des czimleicheu unezimliches getan werde, Const. I 7, 8. Ist aber die 
sache emploset, so mag mau si mit sotaner b. (nicht loie in Hs. H. 
und im Druck benehniunge) nicht widerprengen = velamento tali 
(die Behauptung, man habe sich geirrt) nullatenus restauretur, IV 
10, 8. sie haben auf ein b. (zum Schein) mit rossen den roubern 
lassen nacheilen, Traut. Chr. 346. nun tat ich in nicht wol ver- 
trawen, wann si mochten esz darumb an mich pracht haben zu einer 
beschemig (wohl für b.), das sie es iczund nicht thun betten wollen 
und dorumb zu konigk gesant, Elbog. Chr. 159, 30. 

beschreiben stv. II 1. aufzeichnen, 2. schriftlich festzetzen, 
durch Urkunde überweisen, 3. schriftlich kommen heißen, 4. ver- 
bannen. 1. wenn (da) du in deinen henden mich beschriben hast, 
so lis diselben schrift u. heile mich, Sol. 7, 6. 2. Das sint die recht, 
die den nufengern beschrebin sint, DIR I § 13. was in beschriben 
u. Torlihen ist, DIR III 30. weme des koniges gewaldiger liher — 
icht vorlihet — u. beschribet das , das craft sulle haben — D I R 1. 
vgl. auch Chron. Traut. 5. 4. echten lassen u. b., Brunn R II (5). 
wiert iemant um ein totslagf beschriben, der beleih an allen under- 
laz iar u. tag von der stat II 40. 3. die man besenden u. beschriben, 
W. v. W. 1212. die schuld hab ich lassen b. (schriftlich zusammen- 
stellen) auff einer czedl, Igl. Stb. V 273 b. 

be-schreien (beschrien) stv. II. u. stv. (Praet. beschrei, — schre, 
— schrite; Part, beschrien, — schrirn, beschriet, — schrit) 1. ins 
Gerede bringen, 2. beklagen, beweisen, 3. verkündigen, 4. bes. vom 
Beschreien der Übeltäter, Grimm Wb. I 1595. 5. Durch Schreien er- 
füllen: 1. so ein feuer in einem haus auskumbt über das dach u. 
das es beschriren (darüber Lärm gemacht) ward, der ist dem richter 
an alle gnad 1 schock (wandel, schuldig) Taiding, v. Friedberg 21. 
kombt aber der Landtrichter nicht darzu (zu einem ehrenrührigen 
Wortwechsel auf der Straße) u. beschreit solches nicht, so sollen die 
wandel sie ihrem gruutherrn u. ihrem verordneten Richter heimb- 
tragen in sein haus, Chlum. I 38. 4. b. eines Diebs mit 13 pferden, 
Chron. Traut. 326. 5. das die vierwinkel von ir kain (keinem der 
Kinder) ie beschrien sein — das sie die vierwinkel nicht beschrigen 
haben, Igl. Str. 263 S. 160, die Lebens- u. Erbfähigkeit des neuge- 
borenen Kindes wird darnach beurteilt, I. Grimm R. A. 75. be- 
kriet schone und beschrit wart des fürsten höchgezit, Trist. 511. 
durch boten wart ein hervart beschrit — üf ein geleite zit, Ernst 
3861. 

be-schröten stv. V. Praet. beschriet, behauen, beschneiden : alle, 
die do beschroten sind in einen schöpf (am Haupte geschoren), W — B 
Jer. 9, 26. Job — zureis sein rock u. beschrit sein houbt, Job. 1, 20. 
ob dem weib ist lesterlich (schimpflich) zu beschroten oder zu be- 
schern (daß ihr die Haare geschoren werden), T — B I. Korinther 
11,6. 

be - schüten, be-sekuten sivv. 1. begießen, beschütten, 2. be- 
decken, 3. überwältigen, 4. beschützen, 5. befreien, 6.* durch Auf- 
schütten eindämmen, einen Teich anlegen: wann si die kern = und 
new teich bei Pistau beschütt und beseezte (mit Fischbrut), Igl. Stb. 
111183 c. 



be-schutz-gelt — be-setzen 115 

be-schutz-gelt styi. (v. beschütz stm. Beistand, Schatz) Be- 
zahlung für Schutz. Ein dorf gibt 4 schock groschen czu b., Stadtb. 
v. Brüx N. 196. 

be-schutzunge stf. Schutz: uiider schatten meiner b. = sub 
umbra culininis mei, W — B Gen. 19, 8. 

be-sehen stv. I 1. erblicken, 2. betrachten, untersuchen, 3. be- 
denken, 4. besorgen, für jemand sorgen, 5. mit acc. und gen. {der 
Sache) mit etwas versorgen, 6. refl. sich umsehen. 4. daz er (der 
amptman) bessehe die stete, daz man darinne vaste hete alle gesetze 
unde reht, W. v. W. 4101 f. Wann es ist gut in disem teile {beim 
Erzverbieten), das man armen leuten besihet (providere), di ettwenne 
nicht purgen gehaben mögen u. haben andere wo nicht czu nemen, 
domit sie ire teile pawen u. vorkosten nur von dem selben ercze, 
Const. III 5, 6. so meinen wir unsere perkleute leuterlich u. gene- 
diclich czu b. (providere), das iderman an des andern schaden in 
seinen greniczen genuk habe III 6, 13. 6. doch er sich wol under 
in besach, W. v. W. 7235. 

be-seligen* swv. beare, glücklich machen: des himels — gnade 
— uns beseliget hat, Const. III 6, 13. 

beseme, besme swm. be'sem stm. Besen, Zuchtrute, daz, 
haus — gereinigt mit pesemen und gezirt, T — B Matth. 12,44. 

be-senden swv. rück umlautend = kommen lassen: die man b. 
u. beschriben, W. v. W. 1212. ir herren sie wolde b., 6373. sin 
herren mit briefen er besande, 64. Käedin was besaut, Trist. 332. 
die wurden alle besant, 516. roten, die er mit brieven mohte be- 
senden, Alex. 9913. do besauten wir den alten rat und baten sie, 
das si uns underweisten des Urteils, Igl. Rspr. I. 

be-serken, -sarken swv. in den Sarg legen: Isöt — gebalsemet 
und beserket wart, Trist. 6590. 

be-setigen swv. satt, zufrieden machen, besetiget sein = zu- 
frieden sein, Chron. v. Elbogen 72, 18. 87, 41. 93, 7. 

be-setzen siuv. rückunü. 1. b. mit Menschen bevölkern. 2. Pächter, 
Lehensleute z. B. auf ein Gut setzen. 3. ein Gericht zusammensetzen. 
4. bestimmen, durch Zeugen feststellen*. 5. umlagern, festhalten. 
6. eine Sache mit Geld = es darauf antuenden. 7. einem etwas ver- 
machen. 8. Ersatz zusagen: 4. Das bekenntnuss besaczten di von 
der scheunn u. auch der hofimaister mit meinen herren den scheppfen, 
Igl. Bgr. N. 6, 2. das b. der bergmeister von den sechslehen mit uns u. 
dem hofmaister, N. 57, 6. mit den das auch besaczt wer, N. 63, 1. 
ich besecz das mit ewern gnaden, das sie sich an kainerlei ge- 
czeuknuss geczogen haben, N. 40, 2. er beseczt is (das der erbstollen 
nicht gebaut worden) mit den schepphin, DIR I. 9. Secht, ir herren, 
hie hab wir vor haissen beseczen czu der masse, Igl. Bgr. N. 6, 2. 
Do besaczten die vorgenannten — des rates u. des perkspuch be- 
kenntnuss, N. 40, 7. sein recht kundigen u. offenlich b. vor etlichen 
gesworn, Const. II 1, 7. das mit geczeugnusse beseczen, II 2, 3. des 
clagers ungehorsamkeit rügen u. besaczen {fälschlich f. besagen), 
Const. P7 3, 1. Dag wart besaczt mit den scheppen , Igl. Str. 245. 
247, S. 141. das besaczte Petir mit den scheppen , 229. wann sie 
die teich beschütt und beseczte {mit Fischbrut), Igl. Stb. III 183c. 
das sie den teich mit einander in gleichen teil b. nüczen und ge- 



116 be-setzunge — be-släfen 

niessen sullen, V 38 d. so scliullen sie den teich b. und des geniessund 
sein zu gewin und zu verlust, V26b. 

be-setzunge stf. wenn nicht = besitzunge, Besitz, dann das 
durch Zeugen Erhärtete: ir leib u. gut u. ire b. beschirmen. Igl. 
Bgr. N. 98. 2. b. eines teiches (mit Fischbrut), Igl. Stb. III 328 b. 
328 c. s. be-satzung. 

be-sez,z,en part. Adj. 1. besessen (vom Teufel). 2. belagert. 
3. angesessen, begütert. 2. umb Medatem sie in mante und al der 
besehen schulde, daz, er in (den Belagerten) gsebe hulde. Alex. 15082. 

be-sichern swv. sichern, fest, sicher machen: auf di stras leute 
zu besiebern die strass — schicken, Elbog. Chr. 61, 3. das new 
gleyt zu geleiten und b., 61, 14. 

be-sicherung* stf. Sicherung: b. und bereitung der Strasse. 
Elbog. Chr. 61, 31. 

be-sicht stf. Umsicht, Sorgfalt, Begutachtung*, Prüfung*: 
auf das sulchs (ihre Klagen über Bedrückung) zu besieht und rainung 
komen. Eg. Cbr. 1170. 

be-siehtigung stf. Begutachtung, Prüfung: domit das (die 
Klagen über Bedrückung) zu b. komen und dorinn gruntliche er- 
farung mag gehabt werden, Eg. Chr. 1183. 

be-sinnen stv. I 3 und sw. 1. nach-, ausdenken. 2. zur Er- 
kenntnis bringen. 3. mit Überlegung begaben : freuden, die menschen- 
hertze nie und nimmer mag b. , Hier. 38, 7 und 148, 26. dein al- 
mechtikeit so gross ist. das si kein creature gesagen noch b. mag, 
82,10. das solche zirheit (Sehn uck) menschliche vornunf t mit nichte 
b. kan, 122. 17. wer ditz swache. zurgenkliche leben recht besinnet, 
104, 2. der wol besinnete Tristan, Trist, 133. 

be-sitzen 1. stv. I, 1. besitzen: e der krieg angehaben ist, so | 
sol man fragen ab er (der antworter — Geklagte) das ding besieze, 
u. spricht er, das er das ding besieze, das er nicht besiezet, der 
denn den krig doruber mit im heldet, der wirt vorurteilt dem clager 
czu aller seiner nochvolge u. schaden ader als vil der clager sweret 
in dem kriege, Const. IV 6, 7. Leukent aber der antworter, das er 
nicht besieze das ding u. doch dasselbe angesprochen ding besass, 
so twinget man in nicht furpas des clagers pittunge oder anspräche 
czu antworten, sunder daran wirt er vorpuset, das auf den clager, 
der do bewert, das der antworter das gepeten ding besiezet, di 
besiezunge desselben dinges mit des richters macht geleitet und ge- 
wechselt wirt. wie wol er nicht bewert, das das ding sein sei, 
wann di gerichte sullen nicht czu gespotte sein , IT 6, 8. 2. fest- 
sitzen (im Sattel) küm man in besitzen sach, Alex. 9064. 3. sivv. 
hinsitzen, gericht b. — Gericht halten: Der richter frag offenlich 
von den geswornen, ab man an dem tage u. die stunde des tages 
muge czimlich czu (unnötig ergänzt) gericht siezen. So urteilen die 
gesworen, den tag u. die stunde czimleich sein, gericht czu sein 
umb das es kein heilig tag ist noch auch die stunde zu spete 
Const. IV 4, 5 u. ö. Igl. Bgr. u. Str. 

be-sitzimge stf. Besitznahme, Aneigmmg , Besitz, czu seine] 
b. — ad possessionem suam, W — B Lev. 25, 10 u. Const. IV 6, 8. 

be-släfen stv. red. V. = beschlafen: ist das ein man — di« 
hausvraw seines nesten nicht beslefet (non violaverit), W — B Ez. 18, 6 



be-slie^en — be-standigkeit 117 

be-sliez,en stv. III. umschließen, gefangennehmen, aus-, zu-, 
beschließen, enden: er beslo^en Johannes, T— B Luk. 3,20. 

be-slie^unge stf. Einschließimg: b. des himels armonei, Beiwort 
für Gott, Ack. 56, 11. dise clausel u. b. = haec clausula, Const. II 5, 10. 

be-smiren (mhd. be-smirwen) swv. beschmieren: der mensch ist 
ein besnüret binstock, Ack. 36,8. 

be-sneidunge stf. (be-snidung) Beschneidung, Vorhaut: David 
brachte ire (der 200 Philister) b. = praeputia, W— B Kön. 18,25 
und 27. 

be-sniten Part, von besniden (zurecht schneiden Gewand und 
Worte), zugestutzt: sohlen wir euch, als ir schreibt, darum ersucht 
haben, wer villeicht dergleich besnytener antwort (voller Hinter- 
gedanken) von euch begegnet, Eg. Chr. N. 1162, S. 336. 

be-sorg stm. Besorgnis, Vermutung: wie wol ich des kein be- 
sorgk noch wissen ewers posen willens gehabt, Eg. Chr. 1168. zu b. 
des Hussen predig immer einzureissen, 29. 

be-sorgeu siuv.refl. vermuten: Do besorgten sie sich, das leicht 
die vocher in den wagnern (einem Bergwerk) nicht czuslahen weren 
(zugemacht) , Igl. Bgr. N. 63, 2, S. 423, 15. ein iklich sich seibin be- 
sorge und sich nach willin karge ! Dal. 35, 33 (9, 10). nit besorgt 
(unerwartet), Eg. Chr. 1142. 

be-sorgunge stf. Besorgung, Obsorge: grosze b. haben sie umb 
uns = magnus est effectus dilectionis eorum erga nos, Sol. 65, 40. 

be-sprechen stv. I, 2 mit Akk. der Sache : verabreden, besprechen ; 
Akk. der Person: anreden, beschuldigen, refl. sich beraten: sinen rät 
der fürste besprach ze den er triuwen sich versach, Alex. 10563. 

be-spurzen* sivv. anspeien: si begond in zu bespurczen, T — B 
Mark. 14, 65. si bespurczten in, Mark. 15, 19. 

be-stän, be-sten stv. IV. 1. stehen, zurückbleiben: und die arche 
bestund auf den armenischen pergen (requievit), W— B Gen. 8, 4. — 
2. auf etwas stehen, es besetzen. 3. zugefroren sein. 4. feindlich 
angreifen, bes. von Krankheiten und Leidenschaften. 5. etwas auf 
sich nehmen, wagen. 6. mieten, bestehen: als Mieter, Pächter ein 
Gut übernehmen, Chron. Traut. 120. 7. eines dinges b. = es erwerben. 
8. bestanden sin m. G. oder Akk., zu etivas, einer Zahlung, Buße 
verpflichtet sein, etivas verwirkt haben: er ist bestanden mit 
9 marken , D I R II 29. er ist bestanden czehen march , Brunn. R. 
II 49. dem richter, II. 206. darumb ist er b. dem richter mit 
60 Schillingen (stabit judici in pena 60 solidorum, Igl. Str. B. 34. 
wer sich berüfft unbillich an die obriste herrschaft, der ist bestanden der 
pusse czehen phunt, 35. der ist dem richter b. mit 72 hallern, Igl. 
Str. 159. so sal er seins hals bestanden sein, Stdtb. Brüx N. 108. 
der im mit der sache bestanden (unterlegen) ist, Igl. Str. I, S. 362. 
4. unwiz^ende er in ein huote (Hinterhalt) kam, von der er 
wart bestanden (angegriffen), Alex. 24 081. 

be-stand stm. 1. Bestand. 2. Waffenstillstand. 8. Pacht, Miete, 
Chron. v. Traut. 94. 

be-stand-brief stm. Pachtvertrag, Chron. Traut. 92. 

be-stand-gelt stn. Pachtgeld, Chron. Traut. 94. 113. 126. 

be-standigkeit (= be-stsetec-heit): zu ewigwährender b. sind 
die siege! angehängt worden, Urkdb. Aussig N. 44. 



118 be-stand-jar — bestellen 

be-stand-jar stn. Mietsjahr nach ausgang dieser b.; in disen 
6 b., Chron Traut. 94. 

be-stands-leut st. PI. Pächter Mieter, Traut. Chr. 93. 

be-stand-iveise Adv. pachtweise, Traut. Chr. 246. in b. 
ebenda 107. 

be-staten swv. Praet. bestatte, Part, bestatet, bestat: 1. an 
eine Stelle bringen. 2. gestatten. 3. venvenden. 4. pachtweise über- 
lasseil. 5. Kinder ausstatten, verheiraten. 6. euphem. begraben: 
5. W. wart wolgemuot, daz, er ze werden dienste hat siniu werden 
kint bestat, W. v. W. 6413f. bestatet ein man kinder bei leben- 
dingen leibe mit genanter margengabe, wanne derselbe man hernach 
stirbet, ob her halt an gescheit (Testament) vurscheidet, di bestatten 
kinder haben mit den unbestatten nicht erbtail, Igl. Str. 61. wenn 

— unsere bürger — ir kint bestatent oder begebent in orden oder 
wenn ein priester sein erste messe singt — so soll nur Vater, Mutter 
und Geschwister zu ihm gehen und ihn beschenken, Eger Str. A IV 1, 
B 19. 5. nach ir stiegen hohen art wart bestat daz, werde wip (mit 
Heiratsausstattung), Alex. 3839. 6. Er hat auch freieu wilkür, wo 
man in b. schulle, daz, man in bestat, Brunn. B. II 32. 

be-stseten swv. md. besteten, Praet. bestatte, Part, bestaetet, 
bestset, 1. festmachen, 2. bestätigen, 3. festsetzen, 4. Sicherheit für 
etwas leisten, 5. mit Beschlag belegen, 6. verheiraten, 7. aufspüren 

— Wild: 2. aus (form u. weise, inhalt) unser alten geschrieben u. 
bestatten bergrechten, Igl. Bgr. N. 77, 1. 12,1. 92,1. 111. bestaten, 
Chron. v. Elbog. 64, 36. besteten = bestätigen, gestatten, 65, 2. wart 
dicz (die Ehe) zwischen in beiden mit triuwen und mit eiden be- 
stetet, als iz, solde sin, Trist. 653. 

be-stechen stv. 12 einen Erzgang treffen, Erz im Gange ab- 
hauen zur Prüfung der Maß Würdigkeit: das der pergmaister — u. 
seine gewerken ercz czu der mas (= maßwürdiges) bestochen hatten 
noch gehaiss des hoffmaisters u. der obristeu steiger, Igl. Bgr. N. 11, 1. 
Do füren — die obristen steiger — furpas mit einander u. quamen 
auf die orter, do man hatte bestochen czu der masse, N. 6, 2. Der 
gang wart bestochen, noch — beschlagen, zur hutten gefurt ge- 
worcht u. bewart als recht ist, N. 52, 1. die czwen gesworn scheppen 
besahen den gang, das der under sich und für sich bestochen was 
als recht ist, Igl. Rspr. VII. 

be-steer * stm. Pächter, Mieter, Übernehmer einer Lehenschaft, 
conductor im Gegensatz zum hinlasser (locator): der richter sal be- 
sorgen, das er dem besteer schirme u. halde alles, das er (der hin- 
lasser) gelobt hat, Const. III 6, 15. der b. sol sich furschen, das er 
in keinen sacken das recht der besteunge (conductionis) czubreche 
ader das er kein recht des bestanden dinges nicht erger mache ader 
nicht gehenge, das es erger werde. III 6, 15. Wer eine Vereinbarung 
übertritt, ist es ein besteer, so ist er vorvallen von allem seinem 
rechten, das er aus der besteunge begriffen hat, III. 6, 15. und wann 
das czil des hinlasseus vorgeet, so ist alles recht des besteei's vor- 
loschen, III 6, 16. 

bestellen swv. rückimil. = besetzen, belegen mit Bergleuten: 
die tiffen [aufgelasseneyi] lehen habent unsere urbarer bestalt (deren 
Bau verfügt) u. czihen das wasser in den Stollen, Igl. Bgr. N. 71, 1. 



be-steller — be-steunge 119 

be-steller stm. bevollmächtigter Vertreter eines am Bergbau 
nicht persönlich teilnehmenden, meist abwesenden Gewerken : schaffer 
der koste (des den Gewerken vertretenden Lohnarbeiters), die man 
heisset besteller, Const. 1 14, 4. Auch ist das recht, das kein b. von 
sin selbis vorsüraenisse, is si an koste adir au andern dingen, nimant 
(seinem Vollmachtgeber) siner teil nicht vorwirken adir vorlisen mag, 
DIR 1 20. Ist das iemant tail an eim gepirge hat und auszerhalb 
landes ist, versäumet sein b. oder sein pfleger drei gedinge, daz er 
seiner cost darczu nicht geit, er verleust sein teil mit rechte, 
DIR II 28. 

be-stendicheit stf. Treue, Festigkeit: wollten sie ire unschuldt 
durch b. ires gemutes u. sterke ires leibs mit einem Kampfe {Zwei- 
kampf) beweisen, Mind. d. Egerl. S. 71. 

be-stendig Adj. 1. beständig, dauerhaft, 2. erwachsen: 1. auf 
die rede, das sulche falschheit nicht b. sei, so kuin der warheit 
trostlich zu hilfe, Hier. 154, 24. der 3. munch ist noch b. (noch nicht 
davongelaufen), Eg. Chr. 910. 

be-stendler* stm. Vertreter! s. be-steller: das wergelt u. alle 
unrechte gaben , die in (= sich) vormals die foyt ader ire b. zuge- 
zogen haben, die sein nu abgenommen worden, Olm. Stb. 80. 

be-stentuüsse stf. Status, Zustand: uusers gemeinen nutzes 
b. halden wir wol (statum nostrae rei publicae sustentamus, Const. 
IV 9, 3. und ratvragten in ubir irs wesens b. = super statu suo, 
W — B Richter 20, 27. (mhd. bestendnisse = Befestigung, Be- 
kräftigung). 

be-stetigen swv. .<?. oben bestän u. be-st?eten, dis sint die berg- 
recht, die von den burgern v. der Ygla u. von den eltesten berg- 
luten bestetigt u. beschrieben sin u. vorsigelt mit der stad unde der 
burger ingesegil, D I R I Einl. Werne des koniges gewaldiger liher 
mit rate der burger u. der geschworn von der Igla icht vorlihet 
unde bestetiget under seinen ingesigel unde under dem i. der stad 
v. d. Igla beschribet, D I R I, 1. veste u. gancz ist das gerichte, das 
von den meisten geurteilt u. b. wirt, Const. 1 4, 4. Bestetige mich, 
herre got Israhels (confirma me), W — B Judith 13, 7 u. 9. die (Jo- 
hann u. Elisabeth) man do beide bestetigt czu konig, Dal. 234, 7 
(106). an ewer k. g. (Mathias) als an einem bestetigten konig der 
Romischen kirchen, Elbog. Chr. 151. 42. 

be-stetigung (bestsetigunge) stf. Bestätigung, dauernde Ein- 
richtung:* dasz sal also von in und allen iren erben zu ewigen 
zeiteu ein b. sein und gehalten werden, Elbog. Chr. 10, 18. 

be-stetnüsse stf. conventio, Zustimmung, Bestätigung : gedinge 
u. b. di nemen recht (pacta e conventione legem suscipiunt. Const. 
III 1, 15. gedinge nemen recht u. saczunge aus der b. (Cod. D., 
vestenusse H), II 11 und 13. 

be-stetung (= be-stsetunge) stf. Bestätigung: Sotane b. bewere 
wir also, das dovon kein schade gescbeh unser urbar, Const. II, 1, 10. 
b. des böhm. Königs durch den deutschen König, Dal. 175, 21 (78). 

be-steunge stf. conductio, Miete: Ist aber das der, der genant 
(die Höhe der Miete anzugeben) nicht wil ader mag das Ion aus- 
sprechen, so ist die b. für nichtesnicht sam für kein geschaczt Ion, 
u. dasselbe recht behaart uns in aussaczung - e u. b. u. hat auch 



120 bestin — be-sulgen 

fuge u. stat iu kaufen u. voikaufen, Const. III 6, 12. b. werden in 
einer gleichnusse kauffs u. vorkauffes beredet, ist das iener u. diser 
in die b. u. aussaczuuge übereinkommen nacb der saczunge des 
kauffs ader lones, wan äne lön kein b. hat furgank, III 6, 12. von 
allen seinen rechten, das — der besteer — aus der b. bestanden u. 
begriffen hat, III 6, 15. Wenn beim Ausgang einer b. (Miete einer 
Zeche) gewonnenes Erz nicht ausgezogen ist, so meinen die einen, 
daß es den besteern bleiben solle, andere, daß diese kein Recht mehr 
darauf hätten, die dritten sagen, es müsse zur offenbaren Teilung 
kommen zwischen besteern u. hinlassern. Darauf die Const. : Ist aber 
daz, das ercz derselben wochen. in der sich endet die hinlassunge, nicht 
ausgeczogen ist, nur dasselbe mugen die besteer (verbessert aus 
hinlasser, das hier alle Hs. haben) czu in fechsnen (cziehen E). 
was aber erczes von der vodrigen wochen vor dem geendeten czil in 
der silbergruben pleibet. das haben sie vorlorn — si weren denne von 
ehafter not gehindert es aus zu ziehen, Const. III 6, 18. s. auch gedinge. 

bestin, bästin Adj. von Bast: sin taschin, di was pestin. Dal. 
29, 4 (5, 46). si strickten im einen pesten straugk an den hals, 
Böhm. Chr. 34. er hing in — mit einem pesten stränge 34. 

be-stotzen = bestürzen, bestorzen (md.) sivv. umstürzen, ein- 
stürzen, umwenden: si funden do einen gank, der sich gesaczt hat 
von dem hangenden in das ligende u. funden den bestoczten fünf 
vierteil lank und eines lachters tiff, Igl. Bgr. N. 6, 2. 

be-stözen stv. III. 1. bearbeiten, glätten. 2. vollstopfen. 3. an- 
fahren, schelten. 4. verstoßen. 2. ohne das, was mit nage behafft 
u. mit erdt bestossen, Chluni I 59. 3. waz, in der meister an gerief 
oder erkliche bestiez,, Alex 1675. 

be-streminge* stf. (vom sivv. beströuwen, bedecken, bestreuen): 
her vorwandilte mit b. (aspersione) der aschen seinen munt u. 
seine ougen. W— B Kön. 11120,38. 

be-striekung* stf. Faselung (mit einem Strick): in gefengk- 
liche haft und b. komen, Eg. Chr. 1191. 

be-stümeln sivv. verstümmeln, obtruncare: Welcher den andern 
des marktages wunt — dem bestuml man die hant, Brunn. R. 
II, 62. wan sie mich bestümelt sehen, Alex. 15 533. so wir be- 
stümelten lip heim brengen, Alex. 15589. 

bestung = best?etunge stf. Befestigungen Festmachung , El- 
bogener Chr. 61, 9. 

be-stürzen sivv. umstürzen ; umwendend bedecken; bestürzt machen; 
refl. sich stürzen* : di swein bestürzten sich in dem mer, T — B Matth. 8, 32. 

be-siichen, be-suochen swv. nachsehen, durchsuchen, besuchen: 
wer des niht geloubet, dise rede er besuoche in herzogen Ernstes 
buoche, Alex. 25101. und do er alles das besuchte u. vant nichtes- 
nicht. do sprach her, W — B Gen. 31,34. 

be-suehuuge (= besuochunge) stf. visitatio: deine b. (Heim- 
suchung) hat behütet meinen geist, W — B Job. 10, 12. in der czeit 
irr b., Jer. 8, 12. an alle b. unser crom er iununge u. bruderschaft 
(ohne ihr Mitglied geworden zu sein\, Olm. Stb. 132. S. 100. 

be-sulgen von sol, Pfütze) mhd. gewöhnt, besolgen, besoln 
swv. besudeln: den potich mit blute besulget (truncum suo sanguine 
volutatum). "W— B Judith 14,4. 



be-sunder — be-tagen 121 

be-sunder Adv. abseits, unter vier Augen : diu f ürstin — eines 
tages in b. nam u. spracb, W. v. W. 6534. 

be-swserden* = be-swseren, betrüben, unangenehm sein: die bete 
(den ersten Angriff' in der Schlacht machen zu dürfen) künde b. von 
Atheniä die werden, Alex. 3297. di bete {den ersten Streich gegen 
die Feinde führen zu dürfen) künde beswserden Atheniä die werden, 
Alex. 3297. 

be-swseren, be-sweren swv. rückuml. 1. belästigen, 2. betrüben, 
3. drückendes, ungerechtes Urteil fällen gegen einen. 2. dö gedähte 
ich, ich möhte dich b. mit den leiden mseren, W. v. W. 5256. 3. be- 
sweret er (der richter) ettlich teil, mau mag sich redlich berufen, 
Const. IV 20, 3 u. s. — Werde besweret (gravida) fundeu, W — B V 196 d. 

be-swsernusse stf. Bedrückung: wie wol sich die vom Elbogen 
irer beswernus an die k. mt. (= mayestät) — erclagt, Elbog. Chr. 
106, 21 f. zu schaden und b. uns u. der urbar, Const. I 21, 1. 

be-swserunge stf. 1. Bedrückung, Grund zur Klage, gravamen: 
zu grossem schaden u. beswerunge uns u. der urbar, Const. I 21, 1. 
si sullen aller ufsecze u. beswerunge überhaben sein, Igl. Bgr. 
N. 51, 8. arbeit, unselde, b., Hier. 65, 8. keine b. wirt uns an dem 
losse (nulla erit in pretio difficultas), W — B Num. 20, 19. des un- 
geltes u. des lantpernes u. aller anderer b. frei und ledig sein, 
Stadtb. v. Brüx N. 108. man enweis nicht von der alden b. (traurige 
Lage Böhmens nach Pr. Ottokars II. Tod). Const. II, 5, 9 ; bes. von 
ungerechten Urteilen: das er nicht so leichte in eins andern b. ge- 
czeugnusse füre — in gravamen al terms proferat f als am testimonium, 
Const. IV 11, 7. man berufet sich — von b. der gesworn scheppen, 
ab si wider das recht unrecht urteil sprechen, Const. IV 20, 2. als 
oft man von keiner b. sich berufft (a quocumque gravamine, I 5, 10. 
Prager Str. 80, 125. 93. 135. Brunn. R. II. 177. das ist mir ein gros 
b., sulichs czu leiden von meinem aigen kindt, Igl. Stb. V 215 a. 
sulche unsere b. zu verhören, Elbog. Chr. 107, 5. bei der b. (Ver- 
hängung) der excommunicacion Eg. Chr. 1125, S. 303. solche b. 
= Interdikt, 1129. 

be-sweichen s. beswicnen. 

foe-swern stv. IV. mit swv. Praes. beschivören: Notenkunst mit 
irem süssen gebeten, mit irem starken besweren, Ack. 41, 12. 

be-swerunge stf. Verschwörung, coniuratio (v. swern, stv. IV. 
mit sw. Präsens), gepotscheftet wart Daviden, das Achitofel wer in 
der b. mit Absalon W — B Kön. II. 16, 31. Ob ich b. habe gehabt, 
wider meinen herren u. habe in vorterbet, welcher hat dise alle 
geslagen (si ego coniuravi) , IV 10, 9. Athalia schrei : Ein b. ! ein 
b.! Kön. IV. 11, 14. 

be-swicken stv. II. trans. hinter gehn, betrügen: dö sie (Evä) 
der tiuvel besweich und sie listeclich ersleich, Alex. 10251. 

bet stn. (auch bett) 1. Ruhebett, Feld-, Gartenbeet (zu biten 
urspr. liegen) : ein halb bet von rein (= Rain), Rüge v. Pröhl N. 23. 
24. nu wollen — die von Eger — auf den gutern pet nemeu, das 
da unrecht ist, Mind. d. Egerl. S. 77. körn auf czwain schock petten 
— u. zu der sat 2 strich gersten, Igl. Stb. III 193 c. 

be-tagen siuv. Part, auch beteit 1. tagtn, Tag werden. 2. er- 
scheinen, zu teil werden. 3. die Zeit den Tag hinbringen, erleben. 



122 bet-brief — bete-liche 

4. mit Akk. der Person jemandem erscheinen als Glück oder Un- 
glückstag. 5. widerfahren. 6. vorladen. 7. festsetzen. 8. sich b. 
= altem. 9. Bit males in vröude nie betaget — sit er mich nach 
im hie ellendeclichen lie, W. v. W. 6855 f. so sin wir saeleclich be- 
taget (so ist es für uns ein glücklicher „Hoftag" 7119 f. 2. u. 5. 
swenne mir der selten tac betaget, daz, mir getrfiwet würde ein 
maget, Trist. 1073. ein schoene maget, daz, mir so schoene nie be- 
taget in herzen noch in ougen wart 1084, in wart dö vröuden me 
betaget, wan ob sie beten erjaget tüsent hirze oder tüsent swin, 
3589. die noch was ein maget, als ir benachtet noch betaget were 
der dinge ichtes icht, da von man brüt den briuten spricht, 669 — 872. 
8. sie ist der järe wol betaget volwachsen und schcene genuoc, 3870. 
Isöt vol wachsen unde wol betaget, 98. — ir wellet die (Gefangenen) 
b. (ihnen einen Gerichtstag ansetzen), Eg. Chr. 1186, S. 357, di ge- 
fangen uff purgschaft zu b. und mit in vor ewer königliche gnade 
zu tagen furkumen, 1165. het ir mich vor lengest derhalb betagent 
(vor Gericht gefordert), 1159. 

bet-brief stm. Empfehlungsschreiben: umme einen petpryeff ein 
purger schol geben einen grossen dem Schreiber, Igl. Str. 258 b. ein 
b. mit der scheppen sigel, 258 a. 

bete-haus, böt-haus (= bete-hüs) stn. jüd. u. heidn. Tempel, 
oraculum. W — B. s. ubervorniren ; des betehüses wercman, Legende 685. 

be-teidigung stf. 1. Verabredung. 2. Rechtsstreit*, Fehde*. 

2. das wir mit den hern von Plauen in b. steen (in Fehde begriffen 
sind), Eg. Chr. N. 1088. 

be-teiding* stn. stf. (gerichtliche) Verhandlung und deren 
Entscheidung: dordurch der bethedingk zuruckt wurde (der Aus- 
gleich gebrochen), Elbog. Chr. 153, 16. 

be-teidingen (aus be-tage-dingen) swv. 1. verabreden, unter- 
handeln, vertragsmäßig feststellen. 2. in einen Vertrag einschließen. 

3. gerichtlich anklagen: 1. was berett u. beteidingt worden ist, Mind. 
d. Egerl. 72. Er ist beteidingt uf hüten (heutigen?) dinstag noch 
Egidy im 53. jar der minneren zal (1453) zcu abekomen der Juden 
u. judinen, zu Rochlitz u. zcu Brüx sitzende, daß die gefangenen Juden 
für ihre Befreiung 650 fl. rhein. zu zahlen hätten. Stb. v. Brüx. 292. 
anlangen, b., aufhalten, bekümmern, Stb. Brüx N. 293. Wie sich 
Sachen handeln u. b. Averden, Olm. Stb. 84. 2. so hän ich einen vride 
genumen und beteidinget dar in alle, die hie mit iuch sin, Trist. 2471. 

beteidings-iiian*, betedings-man* stm. Vermittler: der ein 
b. gewest ist des frides czwischen — ewern herrn, iuch u. uns uff 
peile parteien, Stb. Brüx N. 257. 

be-teidung = be-teidiguuge stf. Verabredung, Abschluß eines 
Vertrages, Chron. Elbog. 1, 1. weder die bethadigung, weder den 
fride, Stb. Brüx N. 325. 

betelei stf. (von betelen sivv.) Die Bettelei, mendicitas, W — B 
V 110c. 

betel-geld stn. Armengeld, Traut. Chr. 283. 

bete-llch Adj. bittend, icorum zu bitten ziemt: gutliche pett- 
liche pett und ersuchung, Eg. Chr. N. 1154. 

bete-liche, -en Adv. wie zu bitten ziemt, bittend: als si uns 
betlich ersuchen haben lassen, Elbog. Chr. 57, 20. 



betel-vür — be-trägen 123 

betel-vur* stf. das Betteln: Falls ein Mann, der seiner Frau 
„ir morgengab bescheiden" ohne seine Schuld in Not gerät, sollen 
ire frnnt sie anweisen mit bete u. nicht czwingen, das sie ire 
morgengab verkaufen oder versetzen lasse, das sie mit sulcher Steuer 
die betelfur vermeiden mugen (= ne mendicare compellatur) Prager 
Rb. 111. jnra Iglav. art. 2 p 208. 

bet-gewand, -gewendlich s. bette-gewand, -gewendlich. 

be-tichten swv. (Praet. be-tihte, Part, be-tihtet, be-tiht) schreiben, 
dichten, ersinnen, in einem Gedichte erzählen: der sant Jeronimus 
wirdigkeit gancz beschreiben oder b. iuuge, Hier. 17, 3. sein arbeit, 
domit er des kochwirdigen sant Jeronimi leben beuchtet u. be- 
schriben hat, 230, 23. daz, mer — so blüende hat betichtet meister 
Gotfrit von Sträzjburc, Trist. 13. 

bet-läutung stf. Das Lauten zum Gebet: so einer in der 
quatemberwochen am mitwochen oder freitag u. sambstag, auch am 
freitag durch das ganze jähr — früh vor b. in den feldern zu äzten 
{weiden) begriffen wirt, soll wandel geben ein schock, Taiding v. 
Friedberg N. 47. 

bet-lein s. bette-lein. 

be-traehten swv. 1. bedenken , erwägen. 2. dadurch finden. 
3. behandeln: das pose, das er hette betrachtet (ausgedacht) wider 
die Juden, kerte wider in sein houbt, W— B Esther 9, 25. Einen 
grawen roc u. zwene schuo nach gebüres ahte mir, lieber Munt, 
betrachte = (suche mir zu verschaffen), W. v. W. 449. denn die 
czeit u. stunde leiden nicht, das man sich volliclich bedenken u. 
b. muge (deliberandi consilium), Const. IV 2, 3. — 3. Julius betracht 
(behandelte) Paul menschlicher ding (human), T — B Btb. 27, 3. 
auch ein grosse forcht und b. (subst. Inf.) müssen haben mit wachen, 
zirckelln torhüten u. andern, Eg. Chr. 1123, S. 300. 

be-trachtung stf. 1. Trachten nach chva.fi. 2. innere An- 
schauung. 3.* Vorsorge für: das stet in der geschefftleut henden, 
das sie ein b. tun im und sein vorf ädern umb irer sei selikeit, Igl. 
Stb. III 328b. 

be-tragen swv. auch stv. IV. 1. sich nähren, seinen Unterhalt 
haben: des (zu pflügen) pflac er unde was sin site, wan er betruoc 
sich da mite, Schretel, 304. 2. sich vertragen * : wer aber sach , das 
sich der rosenmülner ader sein nachkomen mit in nicht mochten 
betragen, Igl. Stb. V 168 b. so sie sich miteinander nicht mochten b., 
V106b, 180 b. 

be-trägen swv. unpers. mit Akk. der Person, G. oder über m. 
Akk. der Sache: 1. verdrießen, überdrüssig werden. 2. nicht gelüsten 
nach: wolt iuch nicht betragen miuer rede, so wolt ich brechen den 
kriec, W. v. W. 3928 ff. In den selben tagen begonde got b. (taedere) 
über, Israel W — B Kön. IV. 10,32. mich sol des nicht b., ich en- 
welle ez, gegen im wägen, Alex. 1655. 2309. lät iuch des nicht b., 
ir enwellent sagen mir, 4046. ob in des niht beträgete, daz, er 
mich ichtes vrägete, Trist. 813. du wilt in iezu vrägen, solde es in 
ouch b., 994. so vil — gevräget, daz, mich sin halt betraget, 2294. 
sint daz, nu hie betraget mich (da es mir hier langweilig ivird), 4286. 
daz, iuch des welle b. , Alex. 1529. durch sie (diu wip) in des niht 



124 be-treten — be-twang 

beträgte, 8214. dem sag ichz, äne b.. wie mich dise rede si ankörnen, 
27600. der künic und die künegin durch geselleclich gewin mer 
dan durch b. an irm bette lagen, 3013. 

be-treten stv.il treffen, überraschen: dö betratten di — den 
fursten, Böhm. Chr. 85. 

be-triegunge stf. Trug. Versuch zu betrügen: in dem jüngsten 
tagen kument spotter in b., T — B II. Petri 3, 3. 

be-tvüben swv. trüben, verdunkeln, schwärzen, betrüben, turbare: 
do di Syren wurden betrübet , "VV — B Kön. IV 7, 15. und ob si alle 
werden betrübt (Anstoß nehmen) an dir, ich wirde nimer betrübt, T — B 
Matth. 26,33. dicz betrübt euch (gibt euch dies Anstoß)? Joh. 6, 62. 

be-trüber (= be-trüebsere) stm. turbator, Störefried : unnucze 
storer u. b. unsers perkwerks, Const. 1 15, 1. 

be-trübnus stn. (--- be-trüebenisse stfn.), Betrübnis: du die 
freud u. ich das betrupnusz, Sol. 6, 25. hoffnung in meinem b. (in 
omni tribulatione mea), Sol. 2, 19. 

be-trübsal (betrüebesal) stn. Ärgernis: T— B Luk. 17,1. 

be-trübsalunge* stf. Kummer, tribulatio: betrupsalunge hat 
uns begriffen , W — B Jer. 6, 24. in b. des murmelns ist deine lere 
in (in tribulatione murmuris doctrina tua eis), Js. 26, 16. noch 
werden sie vrucht tragen in b. (in conturbatione), Js. 65, 23. 

be-trübimge (= betrüebunge) stf. contritio: die betrubunge 
der tochter meines volkes, W — B. Klagen, Jer. 3, 48. 

be-trugnuss = betrügnisse stf. Falschheit: gemalte b. wird 
der Mensch genannt, Ack. 36, 15. 

bets , betschir (mhd. pitschier Zimr. ehr. 3. 565, 4. petschat, 
betschat aus slav. pecet) stn. Petschaft, Siegel: Traut. Chron. 142. 
ein pets mit ainem hierschen, Igl. Stb. V 149b. 

foet-tafel* stf. (v. beten) oraculum, propitiatorium, W — B 
Ex. 35, 12. ouch machte her ein gnadentafel, das ist ein betetafel, 
Ex. 37. 6. David ratvragte die pettetafel (consuluit oraculum), 
Kön. II 21, 1. guideine gehemerte cherubim czu beiden Seiten der 
betetafel, W— B I 79 d. ir nebil u. ir rouch bedecke die bettafel, 
Lev. 16, 13. 

bette-genosse (= bette-genöz,) stm. Bettgenosse: wol im, den 
du so mit reinem betgenossen begäbest, Ack. 43, 16. Trist. 4837. 

bette - geselle sivm. Bettgenosse: die lieben bettegesellen, 
Trist, 5429. 

bette-gewand stn. Bettzeug: das petgewant, darauf dieselbe 
ist gelegen, Igl. Stb. III 52 c, unterpett und b., V 150 c. 

bette-gewendlich* stn. Bettzeug: ein rock u. pettgewentlich, 
Igl. Stb. V 148 c. 

bettelein stn. 1. kleines Bett. 2. Beilager*: 2. daz, wir geen 
nit in petleinen (im cubilibus, Schlafkammern) und in unkeuschen, 
T— B Römer 13. 13. s. pötel. 

bette-stat stf. Bettstatt. Schlafstätte: W— B Lev. 15, 4. 15,5. 

bette-zieehe swf. Bettzieche: küssen und pettezihen, Igl. Stb. 
III A132a. 

bet-vart (= bete-vart) stf. Bittgang, Wallfahrt: Prag. Rb. 62. 

be-twang (= be-twanc, be-zwanc, -ges) stm. Bedrängnis, Un- 
gemach, Chron. v. Eger N. 1093. 



be-twengen — bevelh-haber 125 

be-twengen sivv. in Bedrängnis bringen: das herze was be- 
twenget (beklommen) , W. v. W. 1936. ir herze bleip b. von der 
hingen löuwen klän, die daz serlich grifen an, W. v. W. 2094 ff. 

be-twingen stv. I 3 bedrängen, beengen, einschließen, der Frei- 
heit berauben: wann die keiserliche recht u. des gemeinen volkes 
recht di sein betwungen mit kraft (leges et plebiscita per vim sunt 
coactae), Const. III 5, 12. 

be-twungeliche, -en Adv. gezwungen, unfreiwillig: solden sie 
im dienstes jenen, da^ müeste betwuDgelick geschehen, Alex. 18850. 
nit b., wan williglich, T— B I. Peter 5, 2. 

beuchil (= biuchel, -in) stn. kl. Bauch, ventriculum: die 
schulder u. das b. des ochsen, W — B Deut. 18, 3. an ir biuchel, Trist. 706. 

beugel*, beigil* stn. ringförmiges Gebäck: prezel und beugel 
pachen, Traut. Chr. 137. prezen oder beigel, 138. 

beulich (biulich) Adj. und Adv. zum Bau geeignet; im gutem 
Zustand: das schlosz mit dechern, thoren usw. — in ihren costen 
bewlich halten, Traut. Chr. 93. die papirmühl peulich halten, 94, 1. 

beutel (biutel) stmn. Beutel, Tasche, Trist. 1530. 

beuteler, beutler (biutelsere) stm. Beutelmacher, Taschner: 
Eg. Chr. 1039. 

beuten (mhd. biuten) swv. erbeuten, Beute machen. Sie betten 
bei Wirzperg gepeut, Buch der Gebr., S. 230. Chron. v. Eger N. 1079. 

be-vähen, be-vän red. stv. V. umfassen, begreifen in sich, er- 
fassen, mit Furchen einfassen: swaz der himel bevät und alles, daz 
die erde hat, W. v. W. 2850. der zal driu tüsent bevienc (betrug), 
Alex. 12111. die jämer gröz, bevienc, 16 960. waz, uus noch strites 
ie bevienc, daz, ez, uns sseliclichen gienc, 21409. dö sich die vogel 
liefen ze tal, sie beviengen den se überal, 21 712. 

be-valteu stv. red. V zusammenfalten, umstricken, auffallen*, 
kümmern'*: den herren wenic des bevilt, daz er in vor im halten 
sach, W. v. W. 3246. 

be-varen stv. IV. (bei Lexer nur: de meist in der werlde 
bevarn weren, Chr. 7, 264,5) erfassen, ergreifen: die das erb b. der 
ewigen selikeit (qui haereditatem capiunt salutis), Sol. 65, 4. 

be-velh stm. (f.) 1. Übergebung, 2. Obsorge, 3. Befehl*-, befehlich 
aus der kamer, Traut. Chr. 207. ausser vorwissen und schriftlichen 
befehlich, 94 Z. 4. ein befehlich des erzherzog Ferdinands ist ge- 
komen, 114. 

be-velhen stv. 13 md. bevelen überlassen, übergeben, anver- 
trauen, begraben, anheimstellen, ein Geschäft übertragen: Ist abir, 
das er des nicht gehabin mag, deme die eigenschaft (einer Lehen- 
schaft) geboret, so sal er sie usteilen mit wissen eines gewerken u. 
sal sie etweme befeien, DIR 24. bevelhent iuch dem segel niht 
(verlaßt euch nicht auf das Segel, sondern rudert), Alex. 4463. b. 
der erde (begraben), 9161. er wart bevolhen der erde, 23788. man 
bevilhet sie (die an Krankheiten Verstorbenen) ouch der erden, 2208. 
sie bevelhet die selbig narung gaucz u. gar irm sun dem Jocuben 
Schausichselber, Igl. Stb. V 193 a. 

bevelh-haber* stm. Bevollmächtigter, Beauftragter: dem land- 
vogt ader seinen bevelhlhabern, Eg. Chr. 1194. deme von Gendorf 
oder seinen befehlichhabern, Traut. Chr. 114. 



126 be-velhnüsse — be-vridunge 

be-velknüsse stf. Auftrag, Befehl: seintteiimalen dem Fr. 
Ruswurm u. seinen gewerken die drei czechen u. ein Stollen — auff 
fürstlicher genad verschaffen u. bevelhnus durch den bergmeister ver- 
liehen sein, Igl. Bgr. N. 83, 2. aus b. des vaters, 85,4. das keiu 
burger weder inwoner des gastes hab noch gut in befelnuß enphahe 
in sulcher mas , das er im das vorkaufte, sunder das der gast sein 
gut selbs handl u. vorkaufe, als er recht hat, Olm. Stb. 55. wie wol 
wir — der sach halben in sunderheit kain b. (ausdrücklichen Befehl) 
haben, Eg. Chr. 1134. 

bevelhs-brief * stm. schriftlicher Befehl: ein b. an dise dörfer, 
huldung oder mansglüb zu thun, Traut. Chr. 75. 

be-velkunge stf. Auftrag, ein b. der Schikoc Nikuschin — von 
irer messgewant wegen, Igl. Stb. III 218c. noch ir b. (in ihrem Auf- 
trag), Eg. Chr. 1148. 

be-vesten swv. befestigen, bestätigen: disen — brieff mit unser 
majestat ingesigel b., Igl. Str. B. S. 194. sie befestenten ire treue 
unter einander, Böhm. Chr. 10. 

be-viln swv. unpers. mir bevilt ein dinc oder meist eines 
dinges, — mir ist dessen viel oder zuviel, bin dessen überdrüssig: 
der kost (des Aufwandes) sol uns nicht beviln, W. v. W. 1225. helfe, 
der in (Gott) nicht bevilde, Alex. 6694. umb sünde, der in niht be- 
vild, 7717. die Beier ir bevilte, wie man sagt sie sin mute (ironisch), 
12269. daz, er solde machen von golde nach im gröz,e bilde und in 
des niht bevilde, 26994. des begunde ouch dise b., sie vorchten die 
melde, Ernst 2910. wenic dich des bevilde, wä man gegen hurtec- 
licher tjost solde komeu mit richer kost, Alex. 27434. sines gevertes 
mich bevilde, 5767. dar umb in (Midas) siner tage bevilt (wurde 
seines Lebens überdrüssig) : im wären esels oren gezilt, 5903. künec- 
licher milde niht in bevilde, Alex. Anh. 1406. der arbeit niht sol 
beviln mich, Anh. 105. ez, — was der volle dez, (ez.z,ens) bereit, als 
sie des wolde niht beviln, Anh. 2073. wirdikeit dich niht bevilte, 
Alex. 13796. ob dich sin niht bevilt, so ervar die wärheit, Trist. 
3991 ; W. v. W. 3246. 

be-vliez,eu stv. III fließend, bedecken, umfließen: er vant die 
bluomen befloz^en (mit Tau benetzt), Alex. 7223. 

be- vordem swv. vorfordern, zitieren: etliche, die da regieren, 
befördern u. straffen, die andern, welche geregiert, befördert u. ge- 
straffet werden, Igl. Ms. 24. 

be-vreien (= be-vrien) swv. befreien: wie unser befreite (be- 
stätigte] Schulordnung vermag, Igl. Ms. 27. 21. 11. 

be-vriden swv. Schutz und Friede verschaffen: einen lantman 
die czwene ze herren wolten hän, daz, sie der bevritte, W. v. W. 3921. 
der sin lop ie wol bevritte vor unprise, Alex. 27322. du wirdest si 
in — und auswendig befriden in deinem frid (pacificare), Sol. 98, 26. 
das selb czinsgelt b. von der stat, ob si losung dovon gebeD, das ist 
ein kranke bevridung, Igl. Str. 192. umzäunten: Brunn. R. I. 479. 
den weg über die prucken beczaunen und befriden, Igl. Stb. II 170. 

be-vridunge stf. (Einzäumimg) An der oben bei bevriden 
zit. Stelle, Igl. Str. 192 ist ivohl eher bevriunge zu lesen = Be- 
freiung. Beilegung eines Zwistes: darmit es zu b. und vorgleichung 
komen möchte, Traut. Chr. 302. 



be-vrunt — be-wegen 127 

be-vrunt* Adj. mit großer Verwandtschaft: Etczlichen wein- 
herren merkliches verterben doraus erginge u. liemlicben den armen 
u. unbefrnnten, die durch die pas habunden u. pas befrunten domit 
(daß mehrere Weinbesitzer zu gleicher Zeit den Wein „uf getan u. 
geschenkt" haben) gedrungen u. beswert wurden, Olm. Stb. 53. 

be-vüren* sivv. (vgl. Schmid, Schwab. Wb. 209) das letzte 
Reinmachen durch den Maurer beim Gipsen, Traut. Chr. 170. 

be-w»ren s. beweren. 

be-warn swv. bewahren, verschließen (einen Brief), behaupten, 
festhalten, verhüten, refl. sich inacht nehmen, vor dem Urteil sich das 
Berufungsrecht sichern: der fursprech — stund auf u. hat sich be- 
wart czu dem urtail, Igl. Bgr. N. 47, 5. geltschuld im statpuch 
b. Igl. Stb. V 26 b. — an manheit der bewarte, Alex. 10998. 

be-warunge 1. Sorgfalt, 2. das bewarn der Ehre durch Zu- 
sendung eines Fehdebriefes, praeservantia, «3. Wahrung eines Rechtes*: 
meine herren (scheppen) — die Verlesung der bewarung aus dem 
statbuch von wegen des Stollens ervarn haben, Igl. Bgr. N 69 a. 

be-wegen stv. II Prät. bewac und bewuoc nach, 14 refl. mit 
G. sich abivenden, entschlagen, verzichten auf: er durch Krist sich be- 
wac gar hoher wirde, der er phlac, W. v. W. 2758. hoher koste sie 
sich bewac (ließ es sich was kosten), 7028. trächeit sich die be- 
wägen, Alex. 4466. Sturmes sie sich bewägen, 2510. der sich 
stürmens da bewuoc, 5280. daz, volk sich strites gegen im be- 
wuoc, 5211. daz, herz sich zagheit bewac, 4032. der ie zagheit sich 
bewac, 5490. Polimites muost sich des riches bewegen, 3134. er 
was verwunt so sere, daz, er sich immermere strites und ritterschaft 
bewac, 3617. die sunne het schines sich bewegen, 3504. alles des 
huses wirde und sines gemaches zirde — der herre in hervart sich 
bewac (verzichtete auf), 6223. sie heten doch lebens sich bewegen 
(jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben) , dar umb siez, — torsten 
gewägen, 9576. — sich aufs Gerateicohl wozu (mit oder ohne G.) 
entschließen: er bewac sich daz, er rüeren began — an der tür der 
kemenäten, Trist. 2776. daz, sich daz, volc des bewigt , daz, sie die 
veste wellen geben, Alex. 1582. ich hau mich doch des bewegen, 
daz, ich wil strites gegen ihm phlegen, 2267. daz, er strites sich 
gegen dem bewac, 2475. der künec sich des bewac die naht er in 
harnasche lac, 3529. die sineu Aväm noch so bewegen, daz, sie doch 
strites wolden phlegen, 3619. Thebäner heten sich bewegen, sie 
wolden mit im (Alex.) strites phlegen, 3177. Eschinus wolde 
|| tjostierens phlegen gegen dem fürsten bewegen (den kühnen), 3582. 
er bete sich des gegen in b. er wolt daz. länt verderben, 2497. alleine 
ich ritens mich bewac, 5763. gegen den — die Sturmes phlegen — 
ich mich hän bewegen, 10830. Alexander, der sich des bewac, mit 
her die stat er al uinbe lac, 5967. Alexander sich bewac durch die 
wunden wolt er bliben (zu Theben), 3934. ze büwen er (der künic), 
sich bewac ein hüs, 4816. er sich des bewuoc, er wolde den eidem 
rechen, 3142. wol dir, die sich minne gegen dir bewigt, 3453. daz, 
paradis dem gebirge (Kaucasas) nähen ligt, daz, ez, sich rüerens dar 
an bewigt (daß es angrenzt), 4534. si bewugen (nötigten) in sagent: 
herr, beleih mit uns, wan es ist abent, T — B Luck, 24, 29. (hier 
wohl ein vereinzelt st. Prät. zum sivv. bewegen, bewegen). 



128 be-weg-lich — be-werlich 

be-weg-lich (Adj. auch be-wegenlich): beweglich, von fahrender 
Habe: in allen irem beweglichem gute, W— B Judith 15,8. 

be-weglich* Adj. v. bewegen sivv. bewegend, bestimmend. 
Traut. Chr. 124. 264. 

be-weglichkeit (mhd. nur be-wegelicheit Secund., 428), stf. Ver- 
änderlichkeit, Wechsel: das auch sulche teiding in ewig czeit durch 
b. herczenlicher trew u. liebe — behertet sein u. bleiben mögen, 
Stb. Brüx. N. 349. 

bewegnus (= be-wegenisse) stf. Bewegung, Entschluß, Beweg- 
grund: er hat von aigen b. kremerey ausgelegt, Olm. Stb. 132 
S. 101. 

be-wegunge stf. Bewegung, Beiz; Augenblick (infolge 
schlechter Übersetzung von momentum): euch ist nit ze kennen di 
zeit oder di b. (Stunde, augenblick 11. Bibel), T — B Btb. 1, 7. 

be- weiden (= beweidenen siov. nur: piweidinöter depasta, Gl. 
Virg. 1, 26) b. werden sie (die Hirten) euch in kunst u. in lere = 
pascent vos scientia et doctrina), W — B Jer. 3, 15. 

be-weinen sivv. beweinen, refl.. über etwas weinen : des sich arm 
und reich grosz beweint, Elbog. Chr. 18, 9. 

be-weisen, (bewisen). 1. anweisen, m. Gen. belehren. 2. be- 
weisen. 8. bezahlen. 4. als Lehen überweisen. 5. verpfänden, got 
sol ir noch bewisen mich = soll mir den Weg zu meiner Frau 
weisen, W. v. W. 6646. als A ich der rede bewiset bin (ivie ich er- 
fahren habe) , 3353. got Amön bewiste im ein krüt, Alex. 22 997. 

be-weisung (be-wisunge) stf. Schuldschein, Hypothek: wer b. 
hett auf der frawn Ela haus, das er die für uns precht, Igl. Rspr. 
XIII. 

be-wellen stv. I 3 in oder um etwas wälzen, ringsumgeben; 
versehen; besudeln, beflecken: von seiner aigen geitikeit abgezogen 
und bewollen (verlockt, gereizt), T — B Jak. 1, 14. hassent den be- 
wollen rok, der da ist fleischlich, Judas 23. 

be-wellung* stf. Umstrickung, Fessel: ich sich dich — in der 
b. der ungankeit (in den Banden der Ruchlosigkeit), T — B Btb. 8, 23. 

be-werben stv. sivv. ? hat er (der neue Meister) also ausgeweist 
und auch dorczu bewerbt hat und aufgenomen wirt, Igl. Stb. V 28c. 

be-weren (=bew8eren) swv. rückuml., bewärte, bewseret, be- 
wärt; bewähren, erproben, di ochsen ze beweren, T — B Luk. 14, 19. 
1617 ist auf einhelliges erkennen beweret worden — die nei (neue) 
bewerte Iglauer weiß Phillipp Hagers von Nürenbergk, helt 25 
reimen. — Hab ich einen thon — bewehret, Igl. Ms. S. 17. der 
wäre dink beweret (qui verum deierat, auf die Wahrheit schwört), 
W — B Prediger 9, 2. erhärten, dartun: pewert er (der aus Notwehr 
einen erschlagen hat) das selb sibent bewerlicher manne u. das under 
den siben ein gesworner schephe sei, so wirt er gar unschuldig, 
Brunn. Str. II 8. ferner II 4, 7, 8, 9, 10, 13, 21, 32, 185, 198, 209. 
Es kumpt u. geschieht auch oft, das man b. mus das in gerichte — 
furgelegt ist, Const. IV 11 E. geltschult vormal in dem andern stat- 
puch bewart, Igl. Stb. Y26b. 

be-werlich Adj. zu billigen, probalilis. b. man, Brunn R. H 8. 
rationabilis : Davon so bewern wir mer den sinn der newen leute 
in disen Sachen, der mer bewerlich ist, Const. IH. 1, 11. 



be-werunge — bez,z,ern 129 

be-werunge (= be-wrerunge) stf. Beweis, Bestätigimg der 
Wahrheit: ich gelobe in guten treuen mit b. des gegenwärtigen 
briefes, Mind. d. Egerl. S. 23. als die ernstliche b. schein worden ist 
(prout evidentissimum apparuit argumentum) an dem grossen kunige 

— Herrn Ottacker (IL), unserm liben vater, Const. II 5, 9. Die b. 
ist eines czweifel haften dinges redliche lauterunge — vor dem richter 
in des widersachen kegenwortikeit, Const. IV 11, 1. die b. geschieht 

— mit geezeugen, mit offenbaren briffen, mit hantvesten, mit dem 
eide u. mit rechter vorwenunge, IV 11, 2. den gehört an die b., 
der das ding geben hat, nicht den, der sein leukent, IV 11, 3. alle 
b. noch der beschreibunge der heiligen romischen keiser sollen sein 
an alles czweifels lauter und schon sam daz, clare licht IV 11, 6. 
wer do fordert ettwas dinges, der sol mit im prengen seine b., 
IV 11, 17. ferner IV 17, 1 u. s. 

be- willen* Adv. mit Zustimmung: auserhalb b. desselben 
meisters, Igl. Stb. V 177 b. 

be-willigen swv. 1. icie nhd. 2. refl.* sich bereit erklären*: 
2. wie das ich mich gegen den herrn gewerken auf dem bergw. 
Hangenstein bewilligt hab, das ich in ir hutten u. gruben ver- 
sargeu soll, Igl. Bgr. N. 80, 4. haben wir auch uns gutwillig darzu 
bewilliget und bekant, Traut. Chr. 47. 

be-willigung stf. Einwilligung, Vereinbarung: ein b. ist ge- 
schehen von einer fridmawer wegen, Igl. Stb. V 277a. 

be-winden stv. 13 1. umwinden, umivickeln, 2. bekleiden, 3. um- 
stricken: daz, kint hiez, sie (Jokaste) b. mit sideuen tuochen linden, 
Alex. 2883. des orses (Pücival) gebeine b. mit s. t. 1. und vüegen 
in ein grap, 23545. 3. dester mer wirt der mensch bewunden mit 
vinsternusz der sunden (involvitur), Sol. 44, 26. 

be-whigen*? stv. 1 3 führen: er wart bewungen von dem geist 
in di wüst, T — B Luk. 4, 1 {wenn kein Lesefehler vorliegt). 

be-wisen s. be-weisen. 

be-wust* stf.? Kenntnis: 6n eines räts willen u. b., Eger. Str. 
C. 73. ohne b. unserer obrigkeit, Igl. Ms. S. 9. der clage — über 
ein rat zum Elpogen hinter ir bewust (ohne ihr Wissen) gescheen, 
Elbog. Chr. 73, 15. mit erbitung sulch ihrer und unserer bewust 
{was ihnen und uns bekannt ist), Elbog. Chr. 55, 7. es geschähe ohne 
b. eines erbarn rathes, Eg. Chr. 13 S. 20. 

be-zaunen* {von zun, zoun stn. Zaun) swv. mit einem Zaun um- 
geben : den weg (über die prucken über die Igla czu Fustorff ) sal 
, « die gemein von fustorff von beiden seiten beczawnen und befriden 

• und vormachen, als oft es not wirt, Igl. Stb. II 170a. 

be-zeihen, -zihen stv. II beschuldigen: als er in und sein weip 
, dieberei beezigen (Hs. bezogen) hat, Igl. Stb. V 18d. 

bez^ern swv. 1. verbessern, 2. vergrößern, beschleunigen, 3. rechtl. 
' m. Dat. vergüten, entschädigen, 4. büßen, für etwas Strafe leiden: 

• j sint dem malen und sie unvorezugen das urteil nicht gepessert (= 
: „gestraft") haben, als ein recht ist, so ist iederman mit der höchsten 

• puse vervallen; wen wer eines Urteils nicht volgen wil, der sol es 
I pessern an der stat {sogleich), tut her das nicht, her mus das urteil 

leiden, Igl. Bgr. N. 65, 7. 

Jelinek, Wörterbuch. O 



130 bez^erunge — bier-eigen 

bez^erunge stf. 1. Besserung, 2. Buße, Strafe, 3. bes. Wer- 
geid. 4. Düngung eines Ackers: 2. 72 phenninge und (?) in b. oder straf. 
Taiding v. Friedberg 1. das gut, das do beisset pesserung, des mag 
ein man dem andern nicbt verpieten {mit Verbot belegen) an allain 
umb erstandnes guet, das ber in der purger tavel hat geschriben, 
Igl. Str. 95. di b. gevellet dem forderer, Igl. Str. 181. ist das im 
b. wirt gesaczt (pretium impositum), W — B Ex. 21, 30. 2. Ersatz, 
Brunn. B. (235). so scbol er {der Besitzer des Viehes) daz selb tier 
dem gelaidigten menseben czu pesserung geben, Brunn. B. II, 235. 
ich tu pez,z,erung von guetem gemuet für mich (will mich verant- 
worten), T — B Btb. 24, 10. do si beten enphangen di pessrung 
(Bürgschaft erhalten hatten) von Jason, Btb. 17, 9. 1. zu des ge- 
peudes pesseruuge, des tempils gebt — das gelt — wider = ad in- 
staurationem templi reddite — peeuniam, W — B Kön. IV 12, 7. 3. 
Wergeid: Igl. Str. I S. 356 oben; es fällt an den Forderer, 181, an die 
Kinder des Getöteten und nicht an seine Verwandten, 281. De in- 
terdicto peeuniae, dietae pesserunge. quod peeunia, quae in compo- 
sitione homieidii vel alterius casus, qui vulgarita „pesserung" dici- 
tur, dari debet, interdici non potest, Brunn. R. 1 393. 

be-zeugnus stn. (beziugnüsse) Zeugnis: Do borten wir 
scheppfen das b., Igl. Bgr. N. 67, 6. 

be-zücht (mhd, bi-ziht stf. stm.? stn.? Beschuldigung, als er 
aber solcbs bezücbts fort leugbar war, Traut. Chr. 31. 

be-zucken, be-zücken swv. 1. über einen plötzlich kommen, 
überlisten, betören, 2. schnell wegziehen, 3. Worte schnell sprechen: 
1. so das sie vordruckten in dem gerichte den armen — u. die waisen 
beezuckten (pupillos diriperent), W — B Js. 10, 2. 

be-zunget * part. Adj. beredt: Wer mer spräche kann denne 
eine u. schal einen aid sweren, der schol in der spräche sweren, di 
her allerpeste kan u. in der er allerpeste beezunget ist, Igl. Str. N. 22. 

bidenien swv. beben, zittern: er begont ze pidemen und zu 
derschrecken, T— B Mark. 14, 33. 

bi- derbe (auch be-derbe, mit Hochton auf 1. oder 2. Silbe) 
tüchtig, angesehen, brauchbar, nütze: lustsam, fro u. wolgemut ist 
ein man, der ein biderbes weip hat, Ack. 43, 7. schonten wir nicht 
der biderben frawen, von den unbiderben künden wir vielmer 
singen u. sagen, 45, 19. mit piderben leuten überwunden, Eger Str. 
A XV 8. 

bi-derben s. bidern. 

bider-man stm. Ehrenmann : das gelt — wer nicht sein, sunder 
eines bidermannes, Igl. Rspr. V. S. 54. 

bidern, bi-derben, biderben swv. nützen, gebrauchen: auch hat 
sie geschafft ein kessel czu unserm spital, den sol man zu andern 
dingen nicht pidern weder nüczen wen czum päd den armen leuten, 
Igl. Stb. III A 137 b. 

bienen-wald, * bene-wold* stm. hohle Bäume mit ivilden 
Bienen zur Bienenzucht, Böhm.-Kamnitz Linke S. 296. 

bier stn. Bier: wein und hier (sicera, „berauschendes Getränk") , 
T— B Luk. 1, 15. 

bier-eigen* Adj. biereigen oder die kleine Gemeinde icurden 
in späterer Zeit die alten Bürger v. Böhm.-Kamnitz genannt, da 



bier-glocke — bilder 131 

das alte Bürgertum an den Besitz eines brauberechtigten Erbgutes 
geknüpft war. 67 Hofbesitzer gehörten hierzu. Die später Zuge- 
wanderten erhielten nicht mehr dieses Vollbürgerrecht u. bildeten mit 
jenen zusammen „die ganze (auch die große) Gemeinde'' . Die (bier- 
eigenen) Vollbürger haben die ganze Administrativgewalt der Ge- 
meinde, sind persönl. frei, haben nie eine Robott zu leisten, besetzen 
das Gericht als Bürgermeister oder Schöffen, haben das Recht eines 
innungsmäßigen Betriebes eines Gewerbes sowie das Recht, Handel 
zu treiben, Linke S. 295. Die andern („Gärtner" und „Häusler") 
haben der Bürgerschaft Geschoß zu zahlen, das Marktrecht und 
können sich durch 6 Wahlmänner an der Wahl der 6 Stadtältesten be- 
teiligen, von ihnen zahlen die G. der Herrschaft jährt, „etzliche Zins 
u. Hafer", die H. müssen ihr jährlich 2 Tag mit Schneiden u. l x j 2 
Tage mit Grashauen robotten, während 3. die Bauern auf den 
Dörfern, die als Nebeneriverb Müllerei und Bienenzucht im Bienen- 
wald treiben, ursprüngl. frei waren, außer den Abgaben dem Grund- 
herrn Grundzins in Geld und Getreide und gewisse Robott leisten 
mußten, Linke S. 296. 

bier-glocke (auch bir-, pir-glocke) swf. Glocke zur Bezeich- 
nung der Sperrstunde der Wirtshäuser: über die p. im leitbaus 
sitzen, Eger Str. C 66. des nabtes nach der p., C 67. es war ver- 
boten, nach der b. an ein offens Hecht auf die Gasse zu gehen oder 
hier sich aufzuhalten, in den Wirtshäusern zu trinken oder zu 
spielen, Traut. Chron. 211. 

bier-glöeklein stn. kleine Bierglocke: das b. zu leuten, Traut. 
Chr. 197. 

bier-haus stn. Bierschenke: hader in einem piherhause bei 
nacht gescheen, Elbog. Chr. 69, 11. 

biet stfn. Gebiet: der schol überall in des chuniges piet vor- 
czalt (geächtet) sein, Brunn. R. II 61; Dal. 80, 3 (32, 20). 

bieten stv. III (bisweilen Inf. hinten und hüten) anbieten, 
darreichen, strecken, gebieten, in Acht und Bann tun, reß. sich wider- 
setzen: die Persän buten sich ze wer, Alex. 9014. daz, er sich ie 
gegen der herte bot, 11006. der roc sich an der lenge bot (er- 
streckte sich) nicht verrer dan unz üf die knie, Trist. 1178. ez, 
muoz, mir immer vüegen not daz, ickz, iu ie so guot gebot (es so 
gut mit Euch gemeint habe), Alex. 20403. der muoste liden die 
selben not, die man e sinen geverten bot, 3646. 

bieter, piter stm. Avsucher, einer, der ansucht, daß ihm ein 
„Berg" gemessen iverde, Const. 112, 11. 

bigraft s. beigraft. 

bilbis (bilbiz,, bilwiz.) m. f. n. Kobold: und die bilbis und die 
zauberin können vor uns (dem Tod) nicht bleiben, Ack. 8, 15. 

bilde stn. 1. Bild, Gebild, Werk der bildenden Kunst, 2. Glocken- 
mantel, 3. Menschenbild, Gestalt, 4. Art, 5. Vorbild, Beispiel: O du 
lichte lampe suzzes bildes, Hier. 15, 2. 6. das ich b. geb deiner 
allersenftigisten suzzikeit (ut exemplum tribuam), Sol. 49, 29. 

bilder (= bildsere) stm. 1. Bildner, 2. Vorbild: ungleicher 
bilder aller menschenantlitz, Ack. 56, 14. O du lichter b. aller tugend- 
licher geduld, Hier. 15, 2. uncz bis do her ist der pilder des briefes 

9* 



132 bildhauer — bitterkeit 

(exeniplar epistolae), W — B Estber 13, 7 Ann. Das ist der pilder 
dises briefes des kuniges Artaxersis Esther 16 Einl. 

bildhauer* stm. Bildhauer: rueister Wolf, püthawer, Eg. 
Chr. 900. 

bild-, bilde -sam Adj. [bei Lcxer „bildsam"] vorbildlich*: 
traget brinnunde licht in ewern kenden bildsames lebens, Hier. 54, 7. 
sulcher heiligen bildesamen leben volgen, 128, 9. die sich seines hl. 
bildesanien lebens gebessert hetten, 156, 19. 

bildunge stf. Bildnis, Gestalt: auch besunder das nach b. 
dises valles (unter Einwirkung dieses warnenden Beispiels) nimant 
seinen eigen kreften furbas gelauben wurde, Hier. 212, 14. 

bilwiz, s. bilbis. 

bin md. Präp. mit Dat. aus bi, be und in = innerhalb: daz 
sie wider kaemen bin dem jär, W. v. W. 5274. bin der zit, Alex. 
26 317. 

binden stv. I 3 binden, fesseln, verpflichten: der rat (Vertrag) 
were gepunden mit 100 schocken grosser pfennig, Igl. Str. 243. min 
sorge ich hohe binde, Alex. 23396. 

binsen-strauch* (mhd. binez,, bin^ stm. und swf. und struch 
stm.) = Binsenstrauch, scirpus: mag nu gegrunen der pynsenstrauch 
an veuchte oder mac gewachsen ein gestrute (carectum, Riedgras) 
äne wasser, W— B Job. 8, 11. 

birgen s. bürgen. 

birgig* Adj. bergicht, montuosus: in den b. steten, W — B 
Jer. 33, 13. 

birgesch Adj. bergicht: Aber erst so phlegen sie czu machen 
in dem fuse des perges Stollen in dem pirgeschem gepirge (= bergichtem 
Bergbaugebiet), das man das trenkende wasser unden ausfure, 
Const. H 4, 1. 

birg-yolk, -yreiheit s. berg-volk, -vreiheit. 

biret stn. Barett: das swarcz und das braun biret, Igl. Stb. V 149b. 

bischaft s. beischaft. 

bischof , -res stm. 1. Bischof. 2. pontifex: 2. Joachim aber, 
der höchste pischof von ierusallem, W — B Judith 15, 9. Caiphas — 
der was pischof (Hoher Priester) des jares, T — B Job. 11, 49. 

bisch-, bis-tiiom stn. bischtumer u. der bischofe wesen, 
Hier. 216, 7. 

biter stm. Ansuchet-* besonders um Vermessung eines Berges: 
man sol alles recht u. alle vorsichtikeit in des personeu als in dem 
ersten piter halden, Const. II 2, 11. s. auch bieter. 

biterin* stf. Weib, das zum Einladen der Gäste herumgeschickt 
wurde: den piterin. so die zu ersten messen einsegen ader zu einer 
leich ader hochzeit biten, Eger Str. C 42. 

bittel (auch Mittel) = bütel stm. Gerichts-, Polizeibote, Büttel, 
Traut. Chr. 286. 

bittelei*, büttelei* stf. Amtsstube des Büttels, Arrest (?), 
Traut. Chr. 285. 286. der zum rathman gewählte Baier sagt: ob 
ich auch heut swaeren werde, steht bein mir, ist doch die büttelei 
den huuden nicht gebauet, 163. Eg. Chr. 815. 

bitterkeit stf. Bitterkeit, Leid: beleiben in swacher sündiger 
b., Hier. 5, 7. 



i 



bitt-lefse — blaten-geier 133 

bitt- leise* swf? Wortspid mit wiclefitae ivie anfangs die 
Husiten auch genannt wurden: gelobt sei dein narn durich die bitt- 
lefsen. Holienfurter Husitenvater unser. 

bittimge stf. (Lexer nur: oranien D F G 398c) Bitte, bes. um 
Recht: das der clager nicbt durch unrichtige u. irresarae pittunge 
ader forderunge willen von dem teidingen des gerichtes getrieben 
werde, Const. IV 6, 2. Mein p. u. mein gepete sint dise (petitio et 
preces), W— B Esther 5, 7. ist, das der kunig meine p. erfüllet, 
Esther 5, 8. die sich am rechten gegen in noch ires rechten b. nicht 
wollen genügen lazsen, Mind. des Egerl. 24. 

biuchel s. beuchel. 

biutel s. beutel. 

biuwen (buwen, bouwen, biuwen) unregelm. st. siv. v. intr. 
das Feld bebauen, als Bauer leben; angesessen sein, icohnen; trans. 
bebauen; bewohnen. Part. sw. gebüwet, gebouwet, st. gebftwen, 
gebiuwen, gebouwen: den man größer wisheit jach, da^ sie die mit 
triuwen lange heten gebiuwen (gehegt, gepflegt, besessen hätten), 
Alex. 2235. er hiez, sie nach ir triuwen da (an der Stätte des zer- 
störten Theben) phlegen unde biuwen (sich ansiedeln), Alex. 3830. 

blab (blä, -wes) Adj. blau (in der Farbensymbolik = treu): 
Hoer noch ein wunder plab! si snitin in ouch di nasin ab, Dal. 
149,34 (67,39). 

bläb-slac, -ges* (aus blä, -wes blau und slac, -ges) stm. livor, 
blaue Flecken verursachender Schlag: und von seinen plabslegen sei 
wir gesunt worden , W — B Js. 53, 5. umb plabslege dem selbschol 
(dem Verletzten) einen vierdunk, dem richter u. den scheppen ein 
vierdunk, Igl. Str. 181; und 257 b; 20 peul u. plabsleg, 10, S. 59. 
| einen blawen slack, 28. ein plabslack, 40. plauschlag, Brunn. 
K. I 267. ein plabslag under den äugen, Igl. Stb. V 153 b. 

bladecken s. wladeke. Chron. v. Elbog. 24,7. 24,31. 

bla?jen, bleen Praet. blsete, bläte, Part, geblset, geblän. trans. 
und refl. aufblähen, eigentl. und bildl.: ir geist, in dem sie sich 
bieten (tumebant) gegen im, W— B Richter 8, 3. 

blaue Adj. blinkend, glänzend, weiß, schön: der edel wise von 
alter blanc, W. v. W. 4395 und 7192. daz, er denne rite gein dem 
blanken lande hin, Trist. 4213. 4289. 

blas stn. brennende Kerze: vor minen herren was enzunt ein 
starkez. blas, Alex. 26418. 

blase-, bläs-balk stm. Blasebalk. Ein blaszbalk tvird der 
Mensch genannt, Ack. S. 36,12. doch sivm.* PI. blasebalgen: Traut. 
Chr. 36. 41. 50. s. bor-kirebe. 

blä-slac s. bläb-slac. 

blat (PI. blat, -e) stn. Blatt, Laub: die linde — mit esten 
und mit blaten gap vollen wint und großen schaten, Trist. 1157. 

blate, plate (aus mlat. plata) swf. 1. Platte 2. eiserner Brust- 
harnisch. 8. Mönchsglatze, Mönch: 2. laut u. leute mit Schilden, 
platen (thoraeibus) u. swerten beschirmen, Const. IV 4, 10. 

blaten-geier* stm. glatzköpfiger Geier: Radisslaw — begunde 
Sent Wenczlaw plattengeyer czu nennen uud sein domit czu spotten 
durch seiner andacht willen, Böhm. Chr. 28 (mit höhnischer Anspielung 
auf die Tonsur der Geistlichen). 



134 bläter — bliaut 

bläter (= blätsere) swf. Blase, Blatter, Pocke: pustula, W — B 
Lev. 13, 2. 

blat-vüz, (blate-vuoz,) stm. Plattfaß, sagenhafter, mißgestalteter 
Mensch : die blatf uoz,e, Ernst 3885. 

blä-Tverk s. blö-werk. 

blech stn. Blattchen: bedecke mit ereinen blechern (laminis 
aeneis), W— B Ex. 27, 6 und 28,38. 

blech-hant-sehüch stm. Igl. Stb. III 112b auf der strazse nam 
die kursen u. plechhantschucb, Eger B. d. Gebr. 225. 

bieg* wohl be-leg stn. Pflasterung: 5 seh. g. sullen gefallen zu 
dem pleg pey der langen prucken, Igl. Stb. III 152 d. czu dem pleg 
vor unser frawn thor, V 204b. von dem gelt schaff ich ein pleg 
czu machen under dem cziglteich, so ver es wendt (das Geld reicht), 
V 154c. 

blecken siev. Prät. blacte, blähte tr. sehen lassen, zeigen, intr. 
sichtbar werden, sich zeigen, da vor (vor der Stadt) des veldes 
wenic blecket, mit gezelden ez, was bedecket, Alex. 3338. 

bleibling* stm. (von bliben, be-liben; dazu leibe stf. äleibe) 
stf. Überbleibsel: in die bleibelinge deiner speise (in reliquias eiborum) 
W — B Ex. 8, 3. die b. der unkeuscher, die prister der seckten der 
gotinne cybile, die do waren uberbliben in den tagen Asa, seines 
vaters. vortilgte her, Kön. III 22, 47. nicht lies her in ir kein b., 
Jos. 10. 37 und 39 (1 225 c). heil sint worden die b. des volkis, 
Richter 5, 13. aber die kinder Israels erslugen alle b. der stat in dem 
swerte, Richter 20, 48. Vorbrüe die b. in dem vewer, Ex. 29, 34. die 
wort des puches, die do gesant hat Jeremias, der profete von ieru- 
salem, zu den bleiblingen der alden der hingefurten, Jer. 29, 1. Heile, 
herre, dein volke. die b. Israels, 31, 7. Ferner Job. 18, 19 u. III 70c. 
72 b. 91 d V 22 a u. s. 

bleibung (be-libunge nur aus Rudolst. r. s. 208 belegt) stf. 
Überbleibsel*, Best* di pleibung der brechung- (reliquias fragmentorum, 
die übriggebliebenen Brotstücke) , T — B Mark. 6, 49. er nam di 
beleibung und gabs in, Luk. 24, 44. streit mit den pleibungen 
(reliquis. den übrigen) von irem samen. Offenb. 12, 17. 

bleien s. blien. 

blei-hutte * (von bli, -wes, -ges stnm. u. hätte) sivstf. Bleihütte : 
der die pleihuteu ,.zu den Räuden" dreistunt jär u. tag inne gehabt 
hat, Igl. Bgr. N. 100, 2. 

blei-wäge (= bli-wäge amussis) stf. Bleiwage: Umme di pleiwag 
bescheid wir euch also, das di gehört di herschaft (Grundherrn) an, 
Igl. Bgr. N. 32, 1. statera plumbi, Bestimmungen über ihren Ge- 
brauch, Igl. Str. 179. 

bleue (= blaewe) stf. durch Schlagen entstandener blauer Fleck, 
livor: die plewe u. der zuswolne slak, W — B Js. 1, 6. 

bleuen, blöwen (=bliuwen) stv. 111 —schlagen, bleuen: den 

nac sach man den alten werden bliuwen üf di erden, Alex. 10426. 

Eger Chr. N. 104. haar oder flax lassen blowen, Taiding v. Friedb. N 43. 

blezen* Iterativ, v. biegen stev. blöken von den Ziegen, W — B 

nil33d. 

bliant (blialt, bliät) stm. golddurchicirkter Seidenstoff, bes. von 
purpurbrauner Farbe: ir mantel was ein bliant. Trist. 4480. 4584. 



blic — blüen 135 

blic, -ckes stm. Glanz, Blick, b. der bliczen, W— B P8. 
134,6. 

blicken (Prät. blicte, blihte) sivv. blicken, ausstrahlen, glänzen: 
wi ein cron wolt aus Merbern b., Dal. 64, 33 (24, 4). 

bilde stswf. Steinschleuder: üz der stat uz einer bilden swief 
der mangen meister einen stein, Alex. 970'2. Alex. Anb. 691. 

blieii Adj. aus Blei, wie aus Blei, (mit Blei) beschwert: daz, 
im was sam ein blien berc, Trist. 5284. 

blikze (mhd. blicze, blikize) swm. Blitz: unser herre gab 
donner und bagil u. laufende plikczen ouf die erde, W — B Ex. 
9, 23. ous dem vewer ein plickcz gende, Ez. 1, 13. in die gleichnisse 
des glenczenden b., Ez. 1, 14; Ps. 143, 6. ein ungewitter mit 
dondern und blixen, Chr. v. Traut. 61. 179, s. blix. 

blindikeit, blindec-heit stf. (meist md. Quellen) Blindheit. 
mein b. wirdet erleuchtet, Hier. 61, 21. 65, 19. der b. begert ich, 
Sol. 17, 1. nicht anders ist b. wenn beraubung des lihts, 13, 20. ist 
nicht kunst (scientia) sunder b. 11, 3. oberstes liht, das (Acc.) kein 
b. vervinstert, 31, 32. du hast erleuchtet mein b. — we der b., das 
ich dich nicht sach, 82, 15. 82, 8. we der b., in der ich nicht mocht 
des himels licht beschawen, 89, 35. 

blix swm. s. blikze, Blitz, Traut. Chr, 61, 179. 

blixen = blikize swv. blitzen, Traut. Chr. 61, 168. 

bloch stm. PI. bloch, blöcher, Block, dickes Brett, Bohle, eine 
Falle, Trist. 2881. 2702. 2707. 

bloede Adj. 1. gebrechlich, schwach. 2. zaghaft, etwas er- 
schrocken : als Gabriel die reinen bloeden sach = die über die erste 
Ankündigung erschrockene Maria, W. v. W. 2910- unwerlich und 
bloedez, volc, Alex. 20820. blöde, unvermüglich, schwach eine lange 
zeit, Traut. Chr. 118. 

bloedikeit stf. 1. Gebrechlichkeit, Schwäche. 2. Zagheit: mischte 
dine gotheit zu menschlicher b. Legende, 62. — 2. Dal. 52, 15 
(17, 16). 

blö-werk stn. (aus blä) Blau-, Kobaltwerk, Eger Chr. N. 363. 

blöz, Adj. nackt, entblößt, enticaffnet, nichts als, bloß, mit G. 
frei von, beraubt: da von sie wurden lebens blöz,, Alex. 8341. 

blöz,-leich, Möglichen (= bloez,-liche, -en) Adv. 1. unverhüllt, 
offenbar. 2. gänzlich: 2. das her im des erbes plosleich abtreten 
scholle, Igl. Str. 230. wenn sich die egenanten zwen perkmaister 
desselben priefs mitsampt den sechslehen ploslichen hatten vorzihen, 
Igl. Bgr. 53, 15. 

blne stf. (von blüejen swv.) Blüte: in der besten plue fiel eine 
solche gehling gefrust ein, Eger. Chr. N. 28. 

blüen (= blüejen) swv. auch rückuml. intr. blühen, trans. blühen 
machen, als Blüte tragen: ob sie (die verfluohten) der walt noch 
künde blüen, wir suln sie doch mit strite müen, Alex. 9947. sie 
wolde daz, blüende blüemelin irs blüenden magettuomes wern, 
Trist. 702. wä blüende wort? 2. daz. (mer von Tristan) — so 
blüende hat betihtet Gotfrit von Sträz,burc 12 f. wol geblüemet und 
wol geberlt ist siner (Gottfrieds) blüenden vünde kränz, 34. üz, 
blüendem sinne, 20. rechte als der rösen würfe dar, sus bluoten in 
der stunde die wort üz. sinem munde, 1305. und in der blüenden 



136 blüine — blüt-suchtig 

czeite was es (Frühlingszeit). W — B Gen. 48, 7. in dem manden der 
b. czeit (mensi verni teniporis), Ex. 34, 18. 

blüme, bluouie sivmf. Blume, Blüte, bildl. das Schönste seiner 
Art: wol dir werdiu Nazaret, din name ze diute ein bluome stet, 
W. v. W. 2826 f. (Beim hl. Bernhard in der 1. Homilie, Super missus 
est, IL p. 35 der Ausgabe von Mabillon Paris 1667 bei Fr. Leon- 
hard heißt es: Xazareth interpretatur flos. In der bluomen (Nazaret) 
wolt ein bluome (Christus) uns ze heil werden geborn u. von rose 
äne dorn und in der bluomelichen zit (hierin vom hl. Bernhard und 
den sonstigen Berichten abiceichend), W. v. W. 2835 ff. als die blum, 
die do wechset auf dem paum , Sol. 8, 19. Geleidigt wirt er sam 
ein weingarte in der ersten blumen seine[r] trauben u. als der ol- 
paume, vorwerfende seine blute, W — B Job. 15, 33. 

blümen (= blüemen) sicv. mit Blumen schmücken , verherr- 
lichen: die dernert wurden in geblümten tuchern. die um- 
mehelsten die kot (qui nutriebantur in croceis, amplexati sunt 
stercora), W — B, Klagen Jer. 4, 5. 

blümen-, bluonien-krenzelin* stn. kleiner Blumenkranz, Trist. 
3765. 

blund Adj. blond: die blunde Isot, Trist. 49. 281. 1423. 2336. 
2356. 3007. 3055. die bele blunde Isot. 199. 785. 3259. u. s. zu 
Isöten der Wunden belen üz, Irlant, 127. 

blnnderu s. plündern. 

blnot G. blüete u. bluot PI. blüete stf. Blüte. Wenne so es 
dennoch ist in der blute, noch wirt nicht abgerupft mit der hant, 
vor allen wurczen vordorrt es, W — B Job. 8,12. 

blut-runs, -runst (= bluot-runs, -runst) stmf. blutige Wunde: 
Ist daz ein mait oder ein ersam weip mit czurissem gewant u. 
pluetruns chlait u. nicht czeugnusse hat, der, da sie auf chlait, der 
mach sich unschuldig mit 2 czeugen, chlait sie aber an czurissens 
gewant u. an pluetruns, so unschuldigt sich ener allain auf dem 
chreucz , Brunn. R II 41. Ist , das imand auff den andern ain b. in 
dem gerichte erstee, so gefeilet dem selbeschol (dem Verwundete?!,) 
1 2 mark u. dem richter u. scheppfen 1 j i , Igl. Str. B. 76; Igl. Str. 171; 
10 S.59; 28 S. 40. umme plutrunst: '^niark dem selbschol, dem richter 
16 gros, den scheppen 8 gross, 257 b. czu richten über plutrunst u. 
andere Sachen, die in der kauwen oder an der teilstat gesehen, hat der 
bergmeister, Igl. Bgr. X. 106. ein plutrunst an dem haup [t], Igl. Stb. V 
161b, 210 d. 37 d. auf den lenden ein b., V 153 a. welicher andern 
haup ein plutrunst gehabt hat, V153b. ein wunden am haup als 
ein b., Y181a: 182 b. ettlich b. under dem angesicht, V82d. neben 
der painschretigen wunten ein b., V 37 c. 

blüt-sueht (= bluot-sucht) stf. Menstruation: siben tage wirt 
sie unrein noch den tagen der abscheidunge der blutsuchte, W — B 
Lev. 12, 2. 

blüt-suchtig Adj. menstruata: Ist das ein man zu einer b. 
vrowen nicht enget (ad mulierem menstruatam non accesserit), W — B 
Ez. 18, 6. als ein uureinikeit der b. vrowen, Is. 30, 22. ire tragenden 
vrowen u. ire b. sie anruren (de sacrifieiis eorum foetae et menstru- 
atae contingunt, Baruch 6, 28. 



blüt-vergie^er — boll-werk 137 

blut-vergie^er (= bluot-vergie^er) stm. Und derfullet ist die 
erde mit plutvorgisern (sanguinibus), W— B Ez. 9, 9. di der fursten 
rechte echter und blutvorgisser waren, Böhm. Chr. 54. 

bliit-flus (= bluot-vlöz,) stm. Blutfluß, Menstruation: welches 
weip, so das mened widerkumet (inense redeunte) hat den Aus des 
blutes, W — B Lev. 15, 19. ist das der man mit ir breutet in der 
czeit des blutfiusses, Lev. 15, 24. 

boben-e (md. auch boven) Adv. und Praep. m. Acc. oben, ober- 
halb : wer dorinne erbeitet hoben dem wassir, der mus das thun mit 
willen des Stollen u. einer gewerken, DIR I. 4, 3. 

bochnicze*, puchnieze* (wohl nicht aus der Form bochenz 
für vochenz (e) swstf. Art Kuchen oder Weißbrot, sondern aus dem 
tschech. bochnik) stf. Laib: Las mich, des pite ich, an ein teil der 
priesterschaft, so das ich esse ein bochnicze brotis (buccelam panis), 
W — B Kön. 12,36. legen wil ich vor dich ein puchnicze brotis 
(buccelam panis), so das du essest u. werdest wider stark, Kön.I 
28, 23. 

bock-stolle* (icohl aus boc, -ckes stm. Bock und stolle swm. 
Stütze, Gestell, Pfosten, Fuß) swm. Fuß eines Holzbockes (Bauge- 
rüst), hölzernes Gestell, die schwilbogen ausgeschlagen, die bockstoln 
genant, Traut. Chr. 170. 

bodein, podem stm. Boden, Faßboden, Faß, Eger Str. AXIII2. 
B. 37 und St. Z. 4. von iedem poden (Faß) icenn man in der zeit 
v. Walpurgen tag bis auf send Michels tag schenkt, zahlt man 
1 pfunt haller, Eger Str. AXII2. das schlosz mit den dechern, 
thoren , podemen — bewlich halten, Traut. Chr. 93. 

bodemen* swv. mit Boden versehen? man sal auch kein inerl- 
eisen einniten in kein neues reisslos, sunder es sol recht gepodemt 
sein u. dorczu gefidert u. gelott u. in keinerlei mas vorsmit, Olm. 
Stb. 117, 1. 

boden-los (= bodem-lös) Adj. bodenlos, von einem Bergwerk, 
das keine Sohle, Wasserscige hat : u. das der ander freischacht b. ist 
worden, Igl. Bgr. N. 5, 2. wenn ir perkwerk podenlos ist u. nicht sol 
hat, N. 47,2. 

böge swm. 1. Bogen als Waffe, 2. Halbkreis, 3. Regen-, 4. Sattel- 
bogen. 1. davon meine ich nicht ze hoffen in den bogen meiner 
naturlichen Vernunft, Hier. 5, 23. beim Weinstock*: wann einer be- 
griffen würd in Weingarten, der pögen aufhieb, klareben abschnitt 
usw., Chlum. 1 12. 

bogen-ort* stn. Setzlinge von Weinstöcken. Wer grub stocke 
oder pogen-örter aufczug u. von dem votter abschneidet, im czu 
frumen u. dem Weingarten zum schaden, er verkauff sie oder secze 
sie an ein andre stat, wirt er begriffen damit, so ist er des halses 
vervalleu u. gehört auf den rost, Chlum. VIII 16. 

bole sivf. Brett, Bohle: zwelf kerzen gröz, alsam die boln, 
Ritterf. 162. 

bolle sie f. kugelförmiges Gefäß: was mochs (kannst) tu mit 
deinem swerte czuhawen? Do sprach er: „einen holen (tschech. 
zrnov = Mühlstein, Böhm. Chr. 50. 

boll-werk (bol-werc) stn. Bollwerk: die mawern mit schroten, 
bollwerken und sturmfeuern — befestigen Hessen, Eg. Chr. 86. 



138 bord — botech 

bord s. bort. 

borgen swv. worauf (G.) acht haben, Nachsicht haben in Be- 
ziig auf (G.), anvertrauen, borgen, entlehnen, schuldig bleiben, unter- 
lassen: sie begunden einander borgen siege und gelten ungezalt, 
Alex. 3598. 

bor-kirehe stf. die Emporkirche: es wurden gebaut — die 
blasebalgen auf die purkirche (Kirchenchor) , Traut. Chr. 36. die 
blasebalgen über das schüllercbor auf die porkirche gebaut, 41. die 
blasebalgen waren auf der purkirchen und rumpelten gar zu sehr, 50. 

borse (= burse) stswf. 1. Börse, Geldbeutel, 2. best. Summe 
Geldes, 3. gemeinschaftl. zusammenlebende Genossenschaft und deren 
Haus, 4. Kosthaus vieler Studenten, geben einen groschen aus 
unserr borsen (des Konventes vom Kloster ^Yaldsassen) , Eger Str. 
M. U. 4. 

bor-stube* swf. hochgelegene Stube, zu der eine Treppe hinauf- 
führt : b. über dem frauenzimmer, Traut. Chr. 148. 230 

bort stmn. Rand, Schiffsrand, Bord: üf des waz,z,ers bort da 
stet ein linde wolgestalt, Trist. 4682. üf des kiles bord (auf Deck 
des Schiffes), Ernst 3361. 

böse, boese Adj. böse, schlecht, gering, wertlos: in (Darius) 
bunden die argen losen üf einen wasren bösen, Alex. 16 430. 

boesern swv. intr. schlechter werden, trans. schlechter machen: 
wie die rede der kunige werden geposert (depraventur) , W — B 
Esther 16. 7. 

bös-tieit stf. malitium: vil b. = multa malitia, W — B Gen. 6, 5. 
wenne es ist posheit = nam scelus est. Lev. 18, 23. 

bosse, posse swm. Bildwerk, Relief: sie (eine geschnitzte 
Tafel, das jüngste Gericht darstellend) ist mit fein golde inwendig 
in der föllung, die possen vergoldet, (vgl. bosseln: Grimm Wb. 1264, 
Schmid Schwab. Wb. S. 87, Vilmar kurhess. Id. bosseln): Traut. 
Chr. 35. 

hosten-, posten-brief* stm. Aushängeschild der Meistersinger: 
Den Anschlag oder postenbrieff, an welchem der garten sampt den 
alten 12 meistern u. den 7 güldenen pforten von schönen Ölfarben 
u. mit goldt gemalen, gestehet in allem p. 14 sch(ock), Igl. Ms. S. 12. 

bot stn. Angebot*: das pot was verre von dem rechten kaufe 
sam er um das bot nisnicht wiste (woste H) = exhibitionis illius 
ignarus, Const. I 21, 1. Gebot: Moyses vernam aldä die zehen bot, 
Alex. 11448. laut, das dem konig u. den von Eger stund zu pot, 
Eg. Chr. 1068. 

böte f. (Fremdwort aus dem Tschech. bota) Stiefel, Schuh : die 
boten sullen mit drote geheft sein u. sullen uberstempt sein czu 
baiden Seiten bis an die spicz. 01m. Stb. 113. 

böte swm. Bote, Bevollmächtigter, Apostel: dicz sint die namen 
der 12 poten, T— B Matth. 10, 2. 

botech, potich stm. Rumpf Leib: Und wenne ire fursten zu- 
samengelaufen zu dem geczelde Holofernis u. vinden in, den potich, 
in seinem pette, mit blute besulget, so wirt vallen vorchte auf sie 
(eum truncum), W— B Judith 14, 4. Vgl. auch leichnampotich. 

botech, -e stm. swf. = Bottich: Von klein potigen u. klein kübel 
1 helbling, Budw. Urkb. N. 477, S. 252. 



bötel — botzen 139 

bötel (bettelin?) stn. kleines Bett, Liegerstatt: er hat sich ver- 
pflicht die frau Lilleichin ir lebtag in dem selben haus czu halten 
mit einem pötl, Igl. Stb. V 84 b. 

boten-briefe-trager* stm. Diser (Fehde-) brife ist uns geant- 
wort worden von einem siechten b., Stb. Brüx N. 257. 

boten-bröt stn. Geschenk für die Überbringung einer Nachricht. 
Ist das her (ivenn er) alleine ist, ein gut potenbrot (gute Botschaft) 
in seinem munde , W — B Kön. II 18, 25. dem ich muste geben das 
p. = mercedem pro nuntio), Kön. II 4, 10. ein vilguot b., Ernst 
1999. Trist. 2176. 5292. Alex. 1168. 

boten-biicli stn. Apostelgeschichte. T — B. 

bot-heit* stf. Botschaft er atnt, Amt eines Apostels: um daz, ich 
gewon der pothait in dirr keteu (legatione fungor in catena), daz, 
ich turre gereden, als ez, mir gezimt, T — B Epheser 6, 20. wir ge- 
wonen der pothait (legatione fungimur) in Kristo, IL Korinther 5, 20 
und 12, 12. di stat der pothait (des apostelamts 11. Bibel), Btb. 1, 25. 
durch Kristum wir enphiengen di genad und di pothait, Römer 1, 4. 

bot-m£ez / igkeit stf. Untertänigkeitsverhältnis: herschaft, schlosz 
u. stadt Trautnaw — mit freiheiten, gerichten, potmesigkeiten, 
Traut. Chr. 65. 66. 

bot-schaft stf. 1. Botschaft. 2. Gesandschaftsbericht. 3. Voll- 
macht. 4. dem ordentl. Gericht nachfolgende Gerichtssitzung: durch 
ire erbere volmechtige b., Stb. Brüx. N. 225. an botscheften — be- 
müht werden, Prager Str. 130. 

bot(e)-schaften, -scheften sivv. verkünden, melden: Und ge- 
gepotscheftet wart Sisare, W — B Richter 4, 12. so das ich euch p. 
seine wort (nt annunciarem) Deut. 5,5. ich wil b. herrn Pharao 
I49b. IV 126b. 127d. 128c. 132a. Do wart gebotschepft Abraham 
Gen. 22, 20 

botwarei, potwarei* stf. (vgl. das tschech. Schimpfwort pot- 
vora) Verleumdung: Calumpnia ist ein falsche furlegunge ader ein 
unrechte hinlegunge, die er wissentlich erdacht hat, das heisset czu 
deucz potwarei, Const. IV 9, 2. Der eit umb die warheit ist also, 
wenn einer swert, das er in guten trewen nicht mit p. clagen u. 
antworten wolle (non calumpniandi animo), IV 9, 2. Von ersten soll 
der clager swern, das er nicht mit p. den krieg anhebe sunder er 
glaube, das er seine gute sache habe — das er sich meine mit keiner 
p. czu beschirmen, IV 9, 4. Wir meinen czu stillen die potwerei — 
Nu meine wir denselben irrsal (daß nämlich ein Geklagter, ehe er 
des 1. Rechtsluindels ledig, den Kläger nicht wieder klagen dürfe), 
der manche potwerei bedecket — mit unser Weisheit czu pessern, 
IV 7, 6. das wir allewege — die unschuldigen — unvorseret be- 
halden für aller p. u. unrecht, IV 9, 3. domit wir meinen czu stillen 
die potwerei vil krigischer leute, IV 7, 6. (mhd. botwar stm. und 
botwarn sivv. schmähen). 

botwareier, = mhd. botwarer stm. Verleumder: Es ist 
auch für czu sehen mit fleisse, das nicht die unschuldigen leute — 
mit versprechen und vorpieten ires erczes von etlichen potwareieren 
unpillich betrübt werden, Const. III 5, 6. 

botzen* (ivohl aus borzen = intumescere, anschwellen vgl. 
Grimms Wb. u. blitzen), swv. Knospen treiben, ins Kraut schießen: 



140 brä — braut-messe. 

ist das er iu (den Weingarten) nicbt angreifet zu Burhen (!) mit dem 
Wein-Messer, so ander leut baben zugehawt, daz, der wein poczet, 
so hat er den Weingarten verloren, Chlum. VIII 33. 

brä stsivf. PL brä und brawen (sw.) brän Wimper, Braue: 
darüber brün wol stende brä, W. v. W. 1506. 

brach stm. Gekrach. Lärm: von ir tjost der spere crach und 
inanic tambüren brach, Alex. 12864. daz, der tambüren brach man in 
der owe nibt wol vernam, 9058. 

bräch-mäne, pröch-iuän swm. (-mänöt stm. ) Brachmonat, Juni, 
Siban: Aber es was die czeit des dritten menedis, der do genant 
ist Siban, den wir nennen den prachmanen, W— B Esther 8, 9. des 
manden Siban, den wir nennen brachman, Baruch 1, 8. das gancz 
monat juny, den prochman, Eger. Chr. N. 1136. brachmon, Traut. 
Chr. 168. 176. 193. 210. 218. 225. 226. 231. 305. 311. 325. 

bracht, braht stm f. Lärm, Geschrei: dö was von tambüren 
gröz, braht, Alex. 5269. büsinen braht was da groz, 6053, so biutet 
sin (des brunnen) wal mit duz,z,e braht, 9810. üf dem wal albereit 
des heres braht, 12345. so gäben ir büsinen braht, 14864. des 
hörn es b., Alex. Anh. 405. die vogel huoben ir süez,en b., Alex. 4576. 

Bramburgk = Brandenburg, Böhm. Chr. 93. 

brand-schettig* Adj. brandig, prantschettigen oder ratigen 
weitzen, Traut. Chr. 137. 

brand-stat stf. Brandstätte: die prantstat frev und ledig auf- 
geben, Igl. Stb. III 207b. 

brange s. prange. 

brant-weüi (brant-win) stm. Branntwein: kein gast zum b. 
sitzen sol, Traut. Chr. 248. 

brasen (prasem) stm. ein kostbarer grüner Stein (mittellat. 
prasius), Alex. Anh 2093. 

brat-markt stm. s. brot-markt, Saazer Urkb. S. 49. 

brau (briuwe) stn. Gebräu: beraicz inalcz czwai b., Igl. Stb. V269d. 

brausen s. brüsen. 

braut (brüt, auch briut, brout) stf. Verlobte, neu Vermählte, 
junge Frau; Beischläferin: ob sie des willen were ein brüt da be- 
darf man Tristant iren trat nicht vil umbe vrägen zwar, Trist. 
837. ir muoter baut sie nach der briute site die mit namen was 
ein brüt, 853. di noch was ein maget als ir benachtet noch betaget 
were der dinge ichtes icht, da von man brüt den briuten spricht, 
869 — 872. Isöt die brüt, 928. du salt min erweite brüt immer vor 
allen wiben sin, Ernst 238. 

braut-lauf (=brüt-louf, -louft) stmfn. Vermählungsfest, iveil 
einst ein Wettretinen um die Braut stattfand; hier stf.: von der 
pr. oder hochzeit wegen — zu kirchen gen, Eger Str. A I 3, B 8. 
brautlauft, T — B Luk. 14, 8. Joh. 2, 1. der da macht b. seim sun, 
Matth. 22, 3. zu der b., Matth. 25, 10. mugent den di sun der 
prautlauft gevasten, diweil der preutigam ist mit in ? Mark. 2, 19 
(die Hochzeitleute filii nuptiarum). zu den brautlauften, Luk. 20, 35. 
di b. des Lammes sint kumen, Offenb. 19, 7. 19, 9. 

braut-messe* (von brüt und messe stf., auch stv.): niman schol 
die messe, die man b. heiszet, mer vrumen oder erczeugen zu 
sprechen oder zu singen, Eger Str. AIS. 



braut-schaft — brech-haus 141 

braut-schaft (= brüt-schaft) stf. Vermählung: Und bies ein 
Wirtschaft gar ein grosse bereiten allen fursten u. seinen knecbten 
umme die zusamengebunge u. umme die prautscbaft Hester, W — B 
Esther 2, 18. einen man aus iren früuden u. ous irr p. gesellen (de 
pronubis), Judith 14, 20. gebt sie im czu einer housvrowen u. 
[machen] czusanien mit einander b. (et iungamus vicissim connubia), 
Gen. 34, 9. das sie machten p. (matrimonia), Esd. I. 9, 14. der p. 
= desponsationis, Hohes Lied 3, 11. 

breche stf. 1. Flachsbreche. 2. ein dieser ähnl. Strafwerkzeug*, 
Eger Chr. N. 370 U. ö. eine Vorrichtung, in der Personen wegen 
gewisser Vergehen zur Strafe der öffentl. Beschämung ausgesetzt 
wurden: es ist die breche alhie auf dem kirchhof gebawet worden, 
Traut. Chr. 313. er lisz ein b. bauen neben di pforte zur strafe der, 
so got lesterten und schendeten 30, der her pfarher — hat lassen 
eine b. auf dem kirchhof bauen vor die, so gott lesterten oder vor 
die huren und buben, vor haderleute, es sei fraun oder man, 183. 
unten, er ist in der prechen gestanden die gantze frue predig aus, 
404. 463. drei tag in der prechen stehen, 370. 223. 290. 

brechelen* stn. Flachsbrecheln, Taiding v. Friedb. N. 60. 

brechen stv. I 1 intrans. 1. entzwei brechen, zerbrechen. 
2. aufhören. 3. gewaltsam plötzlich vordringen. 3. an die würme 
begund er b., der er vil ze tode sluoc, Alex. 23070. 4. sich verbreiten, 
trans. 5. brechen, pflücken, losbrechen, losreißen, befreien. 6. unter-, 
abbrechen, stören. 7. schlichten, beilegen. 8. Versprochenes nicht 
leisten (brechende bürgen). 9. ungültig machen. 10. zerstückeln 
(Güter zerlegen). 11. reime b. durch Reim verbundene Verse syn- 
taktisch trennen. 12. daz, zil b. darüber hinaus vordringen. 13. sich 
bemühen um, sich zuwenden. 14. unpersönlich: mangeln. 4. Tholo- 
meus daz, swert durch den lewen stach, also der künic sich von im 
brach, Alex. 25794. 5. doch er die ougen von ir brach, Alex. 
23464. 6. Taxillis den strit dö brach den Pörus üf sich entwichen 
sach. Alex. 20005. er lie sie biten, das ir dehein sin sitzen breche, 
bis er guote nacht in sprseche, W. v. W., 1650. dirre troum den 
släf ir brach W. v. W., 2096. 7. wolt iueh nicht betragen miner 
rede, so wolt ich b. den kriec (eueren Streit schlichten), W. v. W. 
3928. — 9. het er si (di beschidunge) wellen anders tun, er wer 
wol mechtig gewesen den brieff (Testament) czu prechen und einen 
andern machen, Igl. Str. III. 326. 

brechen stn. 1. das Brechen. 2. Gebrechen, Mangel: du findest 
b. und eitelkeit darinnen, Ack. 52, 19. 

brechen-hal», -halben Adv. mangels (nur aus Chr. 5. 26,28): 
Des zu urkund hab ich — den bürgemeister zu Brux gebeten, das 
her sein insigel — an disen brief hat gedruckt, des ich iczunt ge- 
brauche brechenhalben des meinen Stb. Brüx N. 294. 

brecher stm. der etwas bricht: herre Tot, aller e brecher, 
Ack. 18, 5. 

brecherin* stf. Flachsbrecher in: einer b. hat man alle Tag als 
Lohn zu geben 8 pfenge, Traut. Chr. 252. der flachs war entbrant, 
den die b. an ofen gelegt hatten, 336. 

brech-haus* stn. Haus zum Flachsbrechen: das b. ist abge- 
brannt, Traut. Chr. 300. 



14:2 brechunge — breiten 

brechunge stf. Brechung, Ungültigmachimg, Widerlegung: 
kegeurede des antworters ist der fordernnge (des clagers) b. und 
widertreiben, Const. IV 7, 1. — abgebrochenes Stück: daz, da was 
überbliben von den brechungen (Brotstücken), T — B Matth. 15, 37. 
12 korb vol der b., 14, 20. di pleibung der prechung, Mark. 6, 43. 
in weicherweis si in beten derkant an der b. des brots (an der Art, 
das Brot zu brechen), Luk. 24, 35. 

bregeln, pregeln* stn. ein verbotenes Spiel, Eger Str. A 
XIII, 2. 

Wehen stv. 1 1 und swv. 1. plötzlich und stark leuchten, strahlen, 
funkeln. 2. laut schallen. 1. es erscheint den ougen ein brehender 
(A. behender) schein von der höh und von dem antlutz deines lihts, 
Sol. 91, 2. er sach in üz, iu allen b. (hervorleuchten), Alex. 13601. 
von gezierde liehtez, b., 12330. üf shne helme sach man b. von 
gesteine rieh zimierde, 5688. er sach uz, manegem venster b. manegen 
munt rösen glich, 14554. manegen liebten stein man sach wol bi 
der naht darinne (im guldiuen hüs) b., 20981. vier listen sach man 
drinne (in dem mantel) b., Trist. 4486. — die mit ir liehtem glaste 
her in min herze vaste kan so wunnenclichen b., Trist., 4547. der 
vröuden brehende sunne, 1367. Jsöt quam — recht als ein morgen- 
röt und als ein brehender sunnenschin Tristanden in daz, herze sin, 
786. die were kumen ein morgenröt gein jener brehenden sunnen, 
4441. hie schein golt gein brehendes goldes schin 899. als ein 
brehendez, golt vil clär daz, paradis erlüchte gar, Legende 269. da 
von ein brehender (durchdringender) smac geschach (von der gerte) 
554. — 

brehen stn. Glanz, Schimmer: zeit mit zwei knoufen guldin 

— die buten den ougen solichez, brehen, Alex. 4009. die eröne — 
gap von liebte solichz, brehen, daz, ich küm mohte üf gesehen, 5137. 

— doch schöz, sie underwilen ein b. im mit spilenden ougen, Trist. 
5860. ir roeselechter wangen b. gap den rösen widerglast, 4390. mit 
ir spilenden ougen b. tet sie kunt, 5262. — 

breiden s. briden. 

breite, -en stf. 1. Breite, breiter Teil. 2. großer Acker: wenn 
imand hoffnnnge hat czu dem perkwerk, so underwindet er sich 
einer breiten und bekomert ein stat in einem freien felde, ein grübe 
czu machen (so in D, bereiten H) Const. II 1, 3. In wiesen soll 
einer sein braiten suchen czu St. Georgen tag, aber im acker — in 
der brach; so aber einer sein breite suchen wolte zu St. Michailis 
tag u. seinen nächsten wolt schaden thun, so sol er wandel geben 
dem richter 6 groschen, Chlum. IV 40. Den weg auf die mühlen 
gen Mitzmans — soll der müller suchen in des Burger braiten, IV 47. 
sein breidt in dem feldt — sol man suchen — 14 tag vor u. nach 
St. Georgi, V 22. welcher seine braidten, ess sei zu felde oder zu 
Weingarten, suchen will, soll dasselbe thuen czu rechter weil u. 
zeith, als 14 tage vor u. 14 tage nach St. Georgi III 12. 

brei-orber s. breu-urbar. 

brei-tag s. breu-tag. 

breiten Praet. breite, Part, gebreitet, gebreit swv. 1. breit 
machen. 2. weithin bekannt machen. 3. refl. sich ausdehnen, anwachsen. 
1. sit din (werlt) unstete uns also verleiten, daz, uns kan jämer 



brera — breu-knecht 143 

breiten, Alex. 27492. 2. das sein beiliger name gebreitet u. ver- 
kündet werde allermeniglicb , Hier. 4, 6. wie erwirdigen got seinen 
namen gemacbet u. g. hat in alle dise werlde, 96, 21. herr, icb bit 
dicb, das es — das himlisch licht, — g. werd u. das es aus dir ge- 
breitet werd , Sol. 91, 8. 3. sein lob — sein er — haben sich durch 
alle laut gebreitet, Hier. 96, 25. es sei, das sich das perkwerk breite, 
Const. I 9, 1. 

brem, -e swm. Bremse, Stechfliege: brenien die valten tot 
(töteten) liute und vihe mit strenger not, Alex. 11413. 

bremen swv. verbrämen: verkert gebrernt auf schwarz gelw, 
auf gelw schwarz, Traut. Chr. 318. 320. 

bren* m. (mhd. brenne stf. Feuer, Flamme, Lichtschein, radius: 
gleicherweis als der bren des mersterns (stellae maris radius) unser 
ougen alleweg derleucbtet, Sol. 97, 19. 

bren-bi'ief* stm. schriftliche Androhung der Brandlegung, 
Traut. Chr. 282. 

bren-gadem stn. Schmelz-, Brennhütte; besonders zum Silber- 
schmelzen: in dem prengadem, Igl. Bgr. N. 102,2. 

brengen s. bringen. 

bren-lin s. brimne-lin. 

bresten stv.il brechen, reißen, bersten: das swert brast ent- 
zwei, Alex. 9446. 

brest-hal'tig* (= brest-haft) Adj. bresthaft, mangelhaft: ein 
siechheusel, darin 18 presthaftige menschen, Eg. Chr. 103. 

bret-kloz* (-tzes) stm. n. Baumstrunk, aus dem Bretter ge- 
sägt werden sollen: brettklaetzer feilen und schelen, Traut. Chr. 242. 
viel holz feilen zu bawen und brettklaetzer, 255. 

bret-miile (bei L. nur aus C D S belegt) stf. Sägemühle: Traut. 
Chr. 60. 

bret-sneider (-snider) stm. Besitzer einer Sägemühle: Eg. Chr. 679. 

bret-spil stn. Spiel auf dem Brett : Eger Str. B 28. 

breuch-lichen* Adv. üblich, in Brauch: wie bein voriger 
pfandsherschaft ist b. gewest, Traut. Chr. 148. 

breuen (— briuwen, brüwen u. brouwen, Praet. brou, PI. briuwen, 
Part, gebriuwen, gebrouwen) stv. III (Bier) brauen: die prewer 
sollen aus einem ganczen malcz nicht mer als 8 vas gemeins pirs 
prewen, Olm. Stb. 122. 

breuer, prewer (= briuwer) stm. Brauer, braxator: den 
prewern soll man kein kost oder trank sondern 10 gross u. einen 
czuber treber dem meister, von einem prew gemein pirs u. von 
einem prew aldes pires ader merczens 14 gross u. dem meister einen 
czuber treber. Vom malczmalen eines gemeinen malczes sol man 
10 pfennig geben, Olm. Stb. 122. 

breu-, brau-haus (briu-hüs) stn. Brauhaus: Igl. Stb. III 120b. 
IV 243 b. V 29 a. 101c. 103 a, Olm. Stb. 97 c. 

breii-hof* (briu-hof) stm. Brauerei und deren Hof: ein weg — 
zu geen oder czu faren durch sein breyhof, Igl. Stb. V 91a. 

breu-holz* stn. Holz zum Bierbrauen: Egerholz (= auf der 
Eger geflößtes), preuholz ader prenholz soll man nicht auf dem 
Markt oder den Gassen liegen lassen, Eg. Str. C. 50. 

breu-knecht stm. Braugehilfe : Eg. Achtb. II 67. 



144 breu-ineister — brief-leute 

breu-ineister (briu-meister) stm. Bräuer: Eg. Acbtb. II 47. 

breu-pfanne (briu-phanne) sivstf. Braupfanne: sie darf nicht 
gepfändet werden, Igl. Str. 108. 

breut (= brüt, Nebenform briut, Gen. briute) stf. Verlobte oder 
Neuvermählte, Braut, junge Frau, Eger Chr. 416. 

breu-tag* stm. Tag, an dem jeder einzelne Melzer sein Bier 
zu brauen hat: di gemain hat nicht gewilligt, die heuser zu zer- 
tailen und ferner breitage darauf zu geben, Traut. Chr. 285. 

breute-gam (= briute-gome, -gume, -goume) sicm. Bräutigam: 
mein b. , dem ich mich behald (cui me servabo) , Sol. 12,13. hime- 
lischer b., 2,9. ein b. des blutes (sponsus sanguinis) bistu mir, 
W — B Ex. 4. 25 u. 26. aufheben wil ich (auferain) von euch — die 
stimme des preutegumes u. die stimme der prout, Baruch 2, 23. 
preutigam (= Christus) , T— B Matth. 9, 15. her briutegum und 
iuwer brüt, Trist. 4957. 

breute-labe s. briute-labe. 

breuteln s. brütein. 

breuten (= briuten) sicv. intr. sich vermählen, beiliegen, trans. 
eine zur brüt machen, beiliegen: Wer do preutet mit seines vetern 
housvrowe u. enplecket die schemde seiner magschaft, tragen sullen 
sie beide ire sunde, an kinder sullen sie sterben, W — B Lev. 20, 20. 
die tochter Salphaad — preuten (Praet.) Maala u. Thersa (uup- 
serunt*), Num. 36, 11. Breuten sullen sie, wem sie wollen, nur 
alleine den leuten ires geslechtes, das icht vormischet werde die be- 
siczunge der kinder Israhels von gesiechte in gesiechte, Num. 36, 
6 — 7. der sich meiligt mit breuten (qui polluitur coitu), Lev. 15, 33. 
mit allem vihe saltu nicht b. noch meilige dich mit im, Lev. 18, 23. 
wer mit einem rinde oder einem schaf preutet, Lev. 20, 15. wer do 
p. mit einem wibe in dem flusse des blutes (in fluxu menstruo), 
Lev. 20,18. Wer do b. mit einem vihe. des todes sol her sterben, 
Ex. 22, 19. 

breutunge* stf. Vermählung: nicht geneme dem pande der p., 
W— B II 29 c. 

breu-urbar* stfn. Ertrag, Abgabe vom Brauen, Brauzins: 
1000 taler geborgt, vom breiorber und mülnutzuugen solch gelt wieder 
zu erlegen, Traut. Chr. 283. 23. 

brichtig* Adj. (von berihten ausrichten, verleumden), Übeln 
Rufes: mit bösen oder gar brichtigen leuten gemeinschaft haben 
Dreiding von Politz, 19. 

bridel s. britel. 

briden stv. II. flechten, tveben, nur das Part, geboten nach- 
weisbar: sperlachen, die meisterliche warn gebriten, Trist. 883. 
phellel mit spseher kunst gebriten üz, siden, Alex. 12882. 

brief, -ves stm. Brief Urkunde: Sotane prieff mit ingesigeln 
u. der geczeugen underschrift, den ist in gerichte u. auswendig des 
gerichtes wol czu gelauben, wann sie nicht geschabt sein an vor- 
dachter stat, das ist: an dem datum ader dem eigennamen ader an 
geltczal, wan an sotan steten merkt man leichte die falschheit des 
priefs, Const. IY 14, 3. 

brief-leute* st. PI. Zeugen eines schriftlichen Testamentes: 
die weil (so lange) ich das obgeschriben gescheffte nicht vorwurffe 



brief-vaz, — bringen 145 

und briefleut verender oder verkere, so sol das gescheffte furgang 
haben, Igl. Stb. III 153 d. 

briei'-vaz, stn. 1. Brieftasche. 2. Spruchband, Pergamenttafel 
in kleiner Schachtel auf der Stirn und am linken Arm befestigt, 
enthaltend Teile des mosaischen Gesetzes II. Mos. 13, 1 — 10. 13, 11 — 16. 
V. Mos. 6, 4—9 und 11, 13 — 21 von den Juden getragen (gemäß) 
V. Mos. 6, 8, griech. Phylakteria. sie weitern ire b., Matth. 23, 5. 

briererei (bei L. brieveri nur aus Ost. W. 127, 37 als Abgabe 
für gerichtliche Urkunden) stf. Urkunden* über verbriefte Rechte: 
ausgesagt neben ihrer alten maiestet und verbronnenen brieferei 
und uralten begnadungen, Traut. Chr. 4. 

brimmen stv. 13 brummen, brüllen: der teufel als ein brimmender 
leb sucht, wen er fress, Sol. 64,38 u. Hier. 22, 1. die ketzer rasten 
über in als die brimmenden leben, Hier. 12,5. als ein lebe, der in 
zorne briramet, 153, 18. b. werde wir alle sam die pern (ursi), 
W — B Js. 59, 11. do erschein ein grimmer iunger lewe brimmende 
u. lief im enkegen , Richter 14, 5. Noch im so brimmet der laut, 
donen wirt er in der stimme seiner grosse, Job. 37, 4. czurnende u. 
brimmende vrisset es (das Boß) die erde, Job. 39, 24. drewende mir 
hat er gebrummen wider mich (knirschet gegen mich) mit seinen 
czenen, Job. 16, 10. 

bringen, brengen unreg. swv. Praet. brähte, Neben f. breiigen 
besonders md. 1. bringen v. einem Ort zum andern, aus einem Zu- 
stand in den andern, 2. inne (-en) b. m. Gen. inne werden lassen, 
kennen lehren, 3. ez, umbe einen b. = sich um ihn verdient machen, 
4. zutrinken, 5. beweisen. 1. mochte sie sin gewesen unverdäht, dar 
waere vollic ein küssen hräht lieplich an ir werdiu kind, W. v. W. 
6390. ich bin zu niht braht (ad nihilum redactus sum) , Sol. 6, 32. 
12,32. 13,2. got bescherte (in) ercz; u. brachten denselben gank 
czu hoff u. empfingen den gank vom hoffmaister u. begerten der 
mas, Igl. Bgr. N. 6, 1. nemen den gemessen perg u. den prengen 
heraus an den tag u. den auch nemen mitten vom runpaum u. den 
wider under sich brengen, N. 55, 1. das er die mas sol nemen 
mitten von dem runpaum u. sal die prengen under sich, N. 56,7. 
sie prachten genge u. auch silber czu hoffe (meldeten die Maß- 
würdigkeit von Silbergängen beim Hofmeister an) u. gerten 
der mazze (verlangten daher, daß ihnen ein Berg gemessen werde), 
N. 117, 1. 5. Lehenhäuser einer „erblich verliehenen" Lehenschaft 
beklagen sich, sie würden von dem neuen Bergmeister, Steiger und 
Schaffer so drangsaliert, alzam hette wir uns vorpost (verschlechtert 
in der Erfüllung unserer Pflicht), das, ab got wil, niemant auf uns 
brengen mag, Igl. Bgr. N. 39, 2. Dänes Perseum brähte (zeugte), 
Alex. 6985. sine wort er gegen mir brähte (richtete an mich), Alex. 
5156. so wollen wir euch mit dem rechten von einander bringen 
(euern Streit rechtlich beilegen), Igl. Rspr. V. der marscheider sol 
: di masse nemen mitten vom rumpaum und solt di under sich bringen 
! und sol im sein recht geben under der erden als obir der erden, 
; Igl. Rspr. I. ob man das mittel von dem rumpaum hinab sulle 
bringen bis uff den gank und von danne im under der erden sulle 
geben sein recht uff das hangend, II. das ir di masse sullet nemen 
1 mitten von dem rumpaum und sullet die under sich pringen uf den 

Jelinek, Wörterbuch. 10 






146 brinnen — bruch 

gank und von daime sol man messen uff das bangend vierdhalb 
leben, II. 

brinnen stv. 1 3 brennen, glühen, leuchten: zwo kerzen ob ir 
brunnen, Trist. 691. 

britel, bridel stm. Zügel: daz. plut gieng aus von dem see 
uncz, czu dem pritele (bisz zu den zäumen XL Bibel) der rozze T — B 
Offenb. 14, 20. 

briute-labe stf. Frühstück der Neuvermählten nach der Braut- 
nacht: Karsie — gap in beiden — zu briutelabe stiure ein petit 
menscbiure, Trist. 857. 

briuteln (briutenj sivv. sich vermählen, beiliegen, trans. eine 
zur brüt machen, ihr beiliegen, refl. sich wie eine Braut oder junge 
Frau schmücken: Di sun dirr werlt bruteint, werden geben zu den 
prautlauften , T — B Luk. 20, 34. di da werdent gehabt wirdig der 
auferstendung di bruteint nit {werden weder verheiratet werden noch 
heiraten), Luk. 20, 35. 

brcede, bröde Adj. gebrechlich, schicach: von dirre broeden 
werlt, Trist. 33. 

broedikeit, broedec-heit stf. Schwäche, Gebrechlichkeit: des 
leibes brodikeit, Hier. 10, 3. 

brogen sivv. sich erheben, in die Höhe richten; groß tun, 
prunken: die burger sere brogten, Alex. 3577. die heiden sach man 
vaste brogen, 14034. 

brosem(e), brosine stswf. Brosame, Krume: auch die welfel die 
essen unter dem tische von den prosmen der kinder, T — B Mark 7, 28. 

brost-winde s. brust-winde. 

brot-bauk stfm. Brotbank, Brotladen : Cristans des Plarers prot- 
pank ward Gertrewten geaigent, Igl. Str. 58. über ir pratpenk ein 
gewelbel machen, Igl. Stb. V257d. 

brot-ez,z,e sivm. Diener, Gesinde: Ein gedingetir protess be- 
heildet mit seinem aid seines lidlons an ein quentein einen vierdunk, 
das seint 14 grosse. Und wann der p. sein lidlon derstet oder mit 
seinem aide behabt, so schol im das der herre bei sunnenschein des- 
selben tages gelten. Beweist aber sein herr selbdritte, das her im 
sein lidlon gegolten hat, her geneust sein. Gibt er ihm für die 
Bezahlimg ein Pfand, das gibt der protess am andern tage mit 
recht hin an aufgebot, Igl. Str. 199 {vgl. Str. v. Wiener- Neustadt, 
v. Meiller S. 114. 174). das ein knecht u. ein p., der sich wol ent- 
halden hat u. seines herren eigen {Leibeigener) nicht ist, seinem 
herren wol mag gesten (Zeugenschaft geben), Igl. Str. 41. sie müssen 
es beweisen mit erbern leuten, das sie gedinget u. brotessen sein 
gewesen, Igl. Str. I S. 366; Igl. Str. 111. er sei denne sein p. oder 
sein geborn wrunt (= frunt), Prager Str, 42. ir erben noch ir 
brotessen nor ir gesellschaft, Eger Str. A XV 4. 

brot-markt stm. Brotmarkt: das sie (die Bürger von Saaz) 
schulen und mugen in der wochen ein tag freien bratmarkt haben, 
Saazer Urkb. S. 49. 

brot-mez.z,er* stm. Brotmesser : mit aim brodmesser gestochen, 
Eg. Achtb. II 218, 219. mit eim prottmeßer — ermordt hat, II 213. 

bruch stm. PI. brüohe 1. Bruch, Biß, bes. bergm. in Gegen- 
satz zu freiem Feld und gemessenem Berg. 2. bildl. Bruch, Mangel, 



brüch — brüen 147 

Vergehen. 3. b. legen = Hinterhalt legen, 4. b. machen = Hinter- 
nisse in den Weg legen. 1. in freiem felde, in gemessen ge- 
pirge und in den brachen, die man im bescheiden und reichen sol 
(in rupturis), Const. II, 4, 11 und 12; 113,12. er erbeite also, das 
er die berge unde die brache icht risse, die dem Stollen beschriben 
sin, DIR 4,4. Was brach ist, das in seiner marscheide lit, 14,3. 

brüch, bruoch s. bruoch. 

brüchig Adj. wort-, treu-brüchig, gebrochen, gebrechlich: bruchig 
u. etwie vil mit sunden vant ich — die leute — alle, Ack. 42, 18. 
Und in welcher sache er daran brucheck wurde, Eger. B. d. Ge- 
brechen S. 238; wer pruchig und ungehorsam were, Elbog. Chr. 
68, 9. wan das selbe thor alt und pruchig wird, Igl. Stb. III 157c. 

brücken sivv. eine Brücke machen, überbrücken : wanne er mit 
heiliger seiner lere dir gebrucket hat über den grausamen Aus dises 
tobendiges meres, Hier. 108, 9. 

bruck-gelt stnm. Brückenabgabe, -geld: prukgelt, Olm. Stb. 51. 

bruck-tor* stm. Tor in einem Brückenturm oder in der Nähe 
einer Brücke: vorm prucktor beyn Schrancken, Eg. Achtb. II 125. 

brüder-haus (bruoder-hüs) stn. Haus zu einer Stiftung für 
arme Brüder in Christo : Juden — und b., Eg. Chr. 103 S. 66. 

brüderkeit* stf. brüderliches Einvernehmen, gute Freundschaft: 
zu erhalten — lieb und gunst auch b. — auch zu weiteren Steiger = 
und aufnemung ihres handtwerks, Traut. Chr. 244. 

brüder-schaft stf. Die lieb der b. (caritas fraternitatis , die 
Bruderliebe) beleih in euch, T — B Juden 13, 1. b. der Meistersinger, 
um deren Begründung in Iglau durch Jacob Pukane und Jonas 
Zeidler, 2. Apr. 1571 angesucht ivard, Igl. Ms. S. 7. 

brüder-son stm. Sohn des Bruders: er hatte vier b., Böhm. 
Chr. 75. 

brüder-teil* stmn. Erbteil eines Bruders: wie der Bernhart 
des Janes b. hab gehabt in allen stücken, Igl. Stb. IV 19a. 

brüder-tochter* stf. Agnyska, des Wenczlab Tramplers b., 
Igl. Str. 294 S. 202. 

brüel stm. beivässerte buschige Wiese, Brühl: das grosse 
Schüssen — hat — angehoben uf dem Pruel und wiesen, Eg. 
Chr. 626. unterhalb der Burg in Eger Chr. N. 104. 

brüen (= brüejen, brüen) swv. brühen, setigen, brennen: einen 
durch die czen pruen, Olm. Stb. 58. wenn der czuchtiger ausserhalb 
der stat Olomuncz imantzt pruet oder radpricht, 58. wo man ein 
tuch vail vint, da har czu genumen ist, daz schol man pruen, Brunn. 
R. II 108. intrans. brennen: Wir wellen auch daz, das alle jar auf 
send Lucaztag ein schene wandilkerz van neun pfundin wachsis, wol 
gemolt mit varbe, mit golt u. mit silbir schon gecziert, schol aus 
der czech geopfert werden czu der kirchen auf der huele, also daz 
sie bei der kirchin beleiben schol u. schol bruen czu grossin hoch- 
czeiten, Prag. Mz. 4. (-So richtig nach Ad. Patera und Ferd. Tadra 
„Das Buch der Prager Malerczeche, Prag 1878 gegen brünin bei 
Pangerl, Quellenschriften f. Kunstgesch. 13. B.). wenne vewer in 
meinem grimme ist enczunt; über euch wirt es bruen (ardebit), 
|W — B Jer. 15,14. uncz bis ewiclichen wirt es bruen (ardebit), Jer. 
17, 4 u. Js. 10, 16. trans. : mache wir czigel und b. sie in dem fewer, 

10* 



1-48 bruet — buchen 

W — B Par. I 14.12. bruende knoten = Feuerbrände, durch welche 
die Stadt Brüx hätte angezündet werden sollen, Stb. Brüx N. 379. — 
s. auch ver-bruen. 

bruet (bruot) stf. durch Wärine Belebtes, Brut: pruet der hecht 
und andere fisch soll man nicht fangen oder soll sie wieder aus 
dem Netz ins Wasser werfen, Olm. Stb. 121 b, Igl. Str. 203. 

brügel stm. Prügel, Knüttel: schlag mit einem brügl. Eg. 
Achtb. II 217. 

brunft stf. Brand. Brunst: der hirz was nicht in der rechten 
brunft, Trist. 2402. 

brunne sicm. Quellwasser , Brunnen: die brunnen der wasser, 
Sol. 2, 34. 

brünne-lin stn. Brünnlein: er hat zuvor das wasser (zur Wasser- 
leitung) vom brenlin (wohl brünlin) in der Aldenstadt bein der 
stigen abgewegen herein bein der obermühl, Traut. Chr. 124. 

brunn-ländl-wiese* stf. Taidiug von Friedb. N. 58. 

brunst stf. 1. Brennen, Brand, 2. Hitze, Glut, 3. Glanz, 4. 
Brunstzeit, 5. Begeisterung: 2. in der b. und in der bekorunge und 
in den grebern der gelust habt ir gereiczet den herren, W — B 
Deut. 9,22. 1. in der grossen b. (Brand der Stadt), Eg. Chr. 5 
S. 12. 7. 4. dieselbe zeit was der der furste in der b. (der Hirsche), 
Böhm. Chr. 54. 

brunung* stf. Das Verbrennen: der erde (die nur Dornen und 
Disteln hervorbringt) volendung wirt in b. (ihr Ende ist Verbrennung), 
T— B Juden 6, 8. die b. des vewers W— B Is. 10, 16. 

brüsen su-v. brauchen : daz, nü der brate suste und in der hitze 
brüste. Schretel 221. 

bruoch stf. Hose um Hüfte und Oberschenkel: hemde und b., 
Alex. 16733. ein frawenpelcz mit prüchen von neyn lampfein, Igl. 
Stb. Y220d. 

brüstel stn. Verkleinerungswort von Brust, W — B Lev. 7, 31. 
segen der b. u. der beuche, Gen. 49. 25. sie druckte sie (die ver- 
schränkten Arme) üf ir brustel, Trist. 713. 

brust-winde* swf. Armbrustwinde: ist ein knabe von 11 jaren 
zu der b. gegangen und aus unfürsichtigkeit ist er mit der brost- 
winde an schlaff geschlagen worden, das er in 3 stunden bald ist 
gestorben, Traut. Chr. 297. 

brüimge * stf. Brennen, Glut : sie (die ere = Herrlichkeit) wirt 
pruen als die prunnge des vewers (combustio), W— B Js. 10, 16. 

büc s. buoc. 

büch-druckerei * stf. Bücherdruck: im 1440 jar erfand Jo- 
hann Gutenberger die gewaltig schone und grosse kunst der b. zi 
Strassburg, Eg. Chr. N. 32. 

büehel s. btthel. 

buchen (= bochen swv. pochen, trotzen, plündern) sivv. zer 
trümmern, zerschlagen, bes. feste Plätze brechen: so gedroht u. ge 
bucht haben — wird stat und laut verboten, Eger. Chr. N. 43 u 
556. izt das Neustättl von den von Eger gebucht und gewunnei 
worden, 155. sie hat in den markt und den mairhoff gepucht. Elbos 
Chr. 158, 33. 



büchen-stock — buckler 149 

buchen -stock* stm. Strunk einer Buche: do stehet in der 
au wen ein b., Traut. Chr. 207. 

biich-halter* stm. Buchführer: Christoff Schaff er, ir kaiserl. 
maj. b., Traut. Chr. 306. 307. 309. 

büch-kamer (= buoch-k.) f. Bibliothek, W— B III 86d. 

biich-meister = buoch-m.) stm. librarius: Schriftgelehrter die 
Schreiber u. die p. des kuniges, W — B Esther 8, 9. 

buchs-baum (= buhs-boum) stm. aus lat. buxus, Buchsbaum: 
das man von loden, penver u. von puchspouni chain gelait auf der 
prucken nicht neinen sol, Prag. Str. 47. 

buclis-bauineiii* Adj. aus Buchsbaum: b. holcz, W — B Js. 30, 8. 

büchse st. sivf. die brif aus der puchsin neinen {hier zum Losen 
verwendet, Prag. Mz. 11. Geschütz: ist ein grosse puxen gössen 
worden, Eg. Chr. 108. 

büchsen-kugel* sie f. Gewehrkugel: ein büchsenschifter — hat 
die schlosser zu Trautnaw geleret die büxenkugeln gissen, das man 
kau 5 schösse (Schüsse) iu eine büchsen auf einander laden, Traut. 
Chr. 229. 

büchsen -meister stm. bombardarius, der das Schießen mit 
einem Geschütz leitet, Traut. Chr. 229 ; Eg. Chr. 1023. 

büchsen-pulver stn. Schießpulver: ein fessel b. , Brüx Stb. 
N. 178 (a. 1422). 

büchsen-sckiez,en* stn. Schießen mit Gewehr oder Geschütz: 
1389 ist das puxsenschissen durch einen munch erfunden worden, 
Eg. Chr. 142. 

büchsen-schifter* stm. Erzeuger von Büchsenschäften, Traut. 
Chr. 229. 

büchsen-stein stm. steinerne Geschützkugel: das sie die b. zu 
der stat fürten, Eg. Chr. 1025 S. 210. 

büchs-lein stn. kleine Büchse: da hat er ein kurtz puchßlein 
in seckel bei im tragen — und also nach den wechtern geschossen, 
Eg. Chr. 917. 

büch-stabe (= buoch-stap, -bes) stsiom. noch iclichen czungen 
u. ihren puchstaben, W— B Esther 8, 9. 

buchung, puchung* stf. Plünderung, Zerstörung, Eger. Chr. 
N. 556. (mhd. bochen, buchen plündern). 

bücken swv. Brät, buete, biegen, bücken: bi dem (boesen 
hirten) der wolf sie bücket, Alex. 5822. 

buckel stswf. 1. halbrund erhabener Metallbeschlag in der 
Mitte des Schildes, Schildpuckel: der oberiste Steiger nam das zu 
seinem eide, das die marscheide in dem puckel — das die gerechteste 
marscheide were, Igl. Rspr. XVII. 

buckerani, buckerän, buggeram stm. steifes aus Ziegen- oder 
Bocksharen geivebtes Zeug: buckeram den 12 knehten wart gesniten, 
W. v. W. 3581. 

buckler (= buckelsere, -er) stm. Schild mit einem Buckel: 
sein leichnam ist recht als gegossne puckler, W — B Job. 41,6. mein 
p. u. hörn meines heiles, Kon. II 22, 3. der p. deiner helfe u. das 
swert deiner eren, Deut. 33, 29. alle die vorkouften p. , Kön. III 
10,15. 300 deiner p. ous vorsuchtem golde (peltae;, Kön. III 
10, 17. wer zu solchem kriege oder gevechte chumt mit einem 






150 bude — bulgen-büz,er 



pugler oder mit einem schilt usw. — der sol das panzer usw. losen, 
Prag. Str. 41. persönl. = Schildmacher: Wir wellen, daz. dehein 
wremder man — ■ sich czu Prag seczen schol, der platner-, puchler- 
oder hehnerhantwerk ze wurchen, er bab denn der stat recht em- 
pfangen u. wirt purger, Prag. Str. 30. 

bilde (= buode) stswf. Hütte, Zelt, Bude: Benadab aber voller 
w eines trank in seiner buden, W — B Kön. III 20, 16 u. Esdras II 
8, 15 u. 16. sult wonen in den b. (in umbraculis, Laubhütten , Lev. 
23, 42. G-epawet hat er als die milve (tinea) sein hous u. als der 
hutman seine puden, Job. 27, 18. Ey wie schoene sint deine b. Ja- 
cob u. deine geczelt Israhel (tabemacula) , Nnm. 24,5. vorlasen 
wirt die tochter Syon die puden (umbraculum, Schattendach) in dem 
Weingarten, Js. 1,8. ir buoden beströuwen und florieren, Trist. 
3406. 

bilden sicv. schlagen, klopfen: uff daz, velt sie vaste budeten, 
sie raubten unde ludeten, Ernst. 785. 

blieben sivv. Prät. buoz,te, bessern, ausbessern, befreien von; 
vergüten, Buße leisten: einen b. = ihn bestrafen, des (Liebes- 
schmerzes) enmohte ir wip noch man geblieben (stillen) wen her 
Tristan, Trist. 4620. man sagt uns von des meien süez,en, waz. die 
sorgen kunnen b., Alex. 3898. kumer b., 10826. 27825. sit wir 
müez,en alle sterben und des geblieben nieman mac wenne got, 
26200. daz, man missetat den armen und den eilenden ader den 
unbefrunteu puessen und pessern solt, Olm. Stb. 60. Elb. Chr. 64, 4. 
s. auch zuo-büez.en. 

bü-haft Adj. bestellbar (Acker) bewohnbar, beivohnt, in bergm. 
Betrieb * : findet er (der Urbarer mit 2 Schöffen) den erbstollen nicht 
b., so soll er ihn verleihen, wem er will, D I R I. 9. 

bühel stm. Hügel, perg und buchel, T — B Luk. 3, 5. auf dem 
pühel zu dem waczkenreut . Eg. Achtb. II 10. ein b. auf der hut- 
weide, Eg. Chr. 103. 

bühurt, behurt stm. Ritterspiel, bei dem Schar in Schar ein- 
dringt, W. v. W. ein wunneclich bühurt, Trist. 924. dö nu der b. 
zurgie, 935. sich halten in dem behurt, Alex. 19058. tanz, behurt, 
ritterschaft, Ernst 5493. 

buburdieren, behurten siov. einen bühurt reiten: dö wart 
nach der minne gir behurtet uf der minne schilt zu rechte vuoge 
gezilt, Alex. 737. W. v. W. 3631. 

bulge sie f. Ledersack: du her, der das wasser in die luft als 
ein bulg gspunden hat (colligasti mare in aere quasi in utere), Sol. 
90, 21. di di pulge (st.) machen u. pessern, Const. I 7, 16. (refec- 
tores bulgarum). 

bulgeu-büz.er, pulgen-busser, bulgen-macher* stm. Arbeiter 
zur Herstellung lederner Säcke und Sammlung des Erzes in 
ihnen: Wir wollen auch, das kein silbergruben, auch ab erb- 
schaft (erblich E) sei, ein sunderlichen pulgenmacher ader pusser 
haben sulle, sunder den allein, den die urborer dem ganczen perk- 
werke gemeinlich anseczen u. geben, das nicht durch mancherlei 
ampt willen schände u. irrsal enstee. Der selbe sol einen eit sweren, 
das er sein ampt getreulich u. vollecleich volfure. Den wollen wir 
auch, das er begäbet werde mit ercze, Const. 1 17. Außer ihm, 



bu-man — bürg 151 

Bergmeister (== Scbicbtmeiser) Steiger, Hutmann u. Metallteiler, 
werden später „heuer u. erbeiter" verpflichtet (und zwar dann der herr- 
schafft) czimliche eydespflicht czu thuen. Dies führte dann zur Ein- 
führung des obrigkeitl. Dienstverhältnisses, (ZychaI302, Anm. 28). 
Nur sie, wie die Metall- teuer u. -scheider können mit Erz belohnt 
werden, erst später (Joach. BO. Art. 42 u. Zusatz -Art. 3 u. 8 von 
1525) mit guter münze. 

bu-iuan stm. Bauer: Alex. 25336. 25367. Schretel 319. 324. 
346. 348 u. s. bauman. 

bim, büne stf. 1. Erhöhung des Fußbodens durch Bretter, 
Bühne. 2. Decke eines Gemaches. 3. Verschlag z. B. auf einem 
Schiff. 4. Brett, Latte. 3. die obristen Steiger vor den scheppen 
bekant han, das man ein pun vunden habe in einem haspel czu den 
Wagnern (einer Zeche), die den wint gehindert hat an seinem czuge, 
Igl. Bgr. N. 63, 5. 

bündisch* Adj. in einem Bündnis stehend, verbunden: 
bundische fürsten, Eg. Chr. 80. — 1552 hat sich Augspurg disen 
puntischen fürsten (Joh. Friedr. herzog zu Sachsen u. dem lantgraf 
aus Hessen) übergeben, 87. 

Imune 1 ich rase nicht ein bunne (: wunne) , = nicht im 
geringsten, Trist. 5399. 

bunt, -des stm. 1. Fessel. 2. Verband einer Wunde. 3. Zu- 
sammengebundenes. 4. Bündnis und Verbündete, Vertrag*: das alle 
obgeschribene rede, punde, stucke u. artickel — stete, gancz u. un- 
vorruckt von uns gehalden sullen werden, Mind. d. Egerl. S. 49. 

buoc, -ges PI. büege stm. 1. Obergelenk des Armes, Achsel. 
2. Obergelenk des Beines, Hüfte. 3. Obergelenk des Vorderbeines, der 
Bug bei Tieren, z. B. bei Pferden, Trist. 1750. 

buode s. büde. 

buoz,-vellec s. bii^-vellig. 

buo^-vlec s. büz,-vlec. 

burd stm. = burdo, Bastard von einer Eselin und einem 
Pferd: verleihe mir deinen knecht, so das ich oufhebe die pürde 
czweier purden (burdonum) von der erden, W — B Kön. IV 5, 17. 

bürde stf. und swf. Bürde, Last: under der bürden, W — B 
Ex. 23, 5. Das sint die purden (onera) der süne Caath. Num. 4, 15. 
worumme hastu ouf mich gelegt die pürde alles dises Volkes, Num. 11, 
11 u. 17. 

bürdel (bürdelin) stn. kleine Bürde, Last, Bündel: alles, das 
ich ir in ein pürdl eingepunden habe u. das p. ist in meiner truhe 
verslossen, Igl. Stb. V 265b. 

Iburg (= burc, Gen. Dat. bürge, ebenso PI. Burg, Schloß, castra) 
stf.: auszerhalb den bürgen (extra castris), W— B Lev. 4, 12. von 
pforten czu pf. durch die mitte der pürge (castrorum), Ex. 22, 27. 
' ge herein in die pürge (in castra), Lev. 14, 8. das do was in den 
pürgen, Ex. 19, 16. u. 17. 

bürg* stswm. PI. mit und ohne -er: Eunuch, Diener (ivie 

\ mhd. burc- man stm.) u. ous der stat nam er einen purk (eunuchum), 

der was probest über die streitenden man, W— B ? , under die hant 

Egei des purges (eunuchi), der do probist u. hutman ist der kunig- 

lichen vrowen, Esther 2, 3. czwen bürge u. diener, der schenke u. 



152 bürge — burger 

der pecke, Gen. 40, 1. einen ous den purgern, Par. I 28, 1. II 18, 8. 
czwen purge des kuniges die waren pfortener u. sasen an der ersten 
swellen des palast, Esther 2, 21. Holofernes — sprach czu Vagao dem 
purgen, Judith 12, 10. 

bürge (mhd. auch borge) auch parig, sivm. Bürge: also das 
ein gelt des andern purge scholde pleiben, u. wanne er ir nicht 
enget), so were das voder (die frühere Rate) verlorn an alle wider- 
red, Igl. Bgr. N. 9(). 1. wie er für in parig sei worden seinem herrn 
umb 12 s. Igl. Str. (56) S. 323 u. 324. (73) S. 340. die parigenn — 
hatten sollen das pfant drei vierczehen tag noch einander vor dem 
rechten auffbitten, dornoch mit ewern rat u. wissen verkaufen, u. 
wann sie nu das verkauft haben, dann so sullen sie dem Tochauer 
(Pfandgeber) den kauf anschuhen. Will dieser es dann um die 
Summe selbst kaufen, gut; wenn nicht, soll es verkauft werden und 
aus der dafür gelösten Summe der Bürge bezahlt werden; falls aber 
hierzu die Summe nicht hinreicht, so muß der Pfandgeber dem 
Bürgen den Rest dazu zahlen, bleibt aber etwas übrig, so ist es 
diesem auszufolgen, (56) S. 324. das er im ein parig ist worden 
für den Niemcze v. Hodicz um ein ressin, (58) S. 325. dafür hat 
im der bemelt pfarrer czu parigen geseczt sein swager, den Jacub 
Reindler, Igl. Stb. V 105a. die hernoch geschriben parigen, 92d. 
di birgen (= bürgen) für Zahlung des Lehrgeldes, Traut. Chr. 141. 

bürgel stm. Bürge, Brunn. R. II 14. 20. 35. 37. 212. 213. ein 
gelt soll dann des andern purgel sein, Igl. Stb. III A 159 b. III 199 a. 
von der geltschuld wegen, dafür er mit dem Peter Hassko puigl sein. 
Igl. Stb. III 128a. 111206c. 

bürgel-schaft stf. Bürgschaft: welcher purger innerhalb der 
statmauer 50 pfunt wert hab — der bedarf chaines purgelschaft, 
Brunn. R. II 2. auch sullen si di hab mit des rates zur Iglaw wissen 
den kindern vorpurgeln und nach der purgelschaft sullen si die hab 
erst einnemen, Igl. Stb. III 57 a. 

burgen-recht* stswn. (vgl. mhd. burgen-hant obligatio et 
cautio fideiussorum, Halt. 196). die purgen begerten purgenrecht 
(Recht der Bürgen), Igl. Str. 249. das urume gelt kain man purgen- 
recht mak vurgeczihen, den sunder her sal saczehant antwurten, 
sam iener tet, vur den her purge ist worden, 184. der Bürge für 
eine Schuld hat kein b., sondern er soll sogleich antworten, aber 
um Wunden und Unzucht, da hat er 3 mal 14 Tage, 184. Bürg- 
schaft für eine Mark für das Verbleiben durch Jahr und Tag in 
der Stadt bei Erwerbung des Bürgerrechtes, 195. Bürgschaft mit 
gesamter Hand, 249. die Bürgen müssen sich für den entwichenen 
Schuldner ins Gefängnis stellen, 330. der Bürge für einen ent- 
wichenen Totschläger kann im Gefängnis mit eisernen Handfesseln 
gehalten und soll mit i \ i Brot und einem Krug Wasser versehen 
werden, 224. Bürgschaft zur ungeteilten Hand (2e). für eine Geld- 
schuld, 279 (58). für die Mitgift (dos), 282. Verpflichtung des 
Bürgen, (56. 64). 

biirger (= burgaere, -er) stm. Bürger : deiner purger (civium) 
"VV — B Lev. 19, 18. weme des koniges gewaltiger liher mit rate der 
burger unde der gesworn von der Igla icht vorleihet , D I K 1, 1 
u. s. o. 



bürger-lehen 153 

bürger-lehen stn. = Schöffenlehen. Wie der König hat der 
zur Zeit der Vermessung eines Berges amtierende Schöffenrat (Stadt- 
geschworenen) den Anspruch auf je ein (= 2) Nebenlehen zu beiden 
Seiten der Fundgrube des Finders (b.): Wer einen newen perk vindt, 
dem sal man messen siben leben uff paide [ Seiten], dem herrn 
kunige ein lehen auff paide seiten u. ain purgeriehen , U — A 3. 
Der einen newen perch vindet, dem schol man mezen siben leben, 
itwederthalp dem kunige ein lehen u. itwedertbalbe den purgern 
einez,, U — B 3. Abweichend Deutschbroder Recht (67): ex utraque 
parte mensuretur domino regi laneus, postea domino Henrico et 
fratribus suis primo dictis, postea juratis laneus sicut regi. (Vgl. 
Zychal, S. 69) — DIR 13, 6: Also das recht irgeht, — so sal man 
allirerst messen. Den messern gebit man sebin Schillinge der 
kurczen. Unde misset ikwederhalben der funtgruben virdehalp 
lehen, donoch an iczlicher siten ein konigeslehen (III dem kunige 
ein lehen) und dornoch ein burgerlehen (Ia abteslehen) unde ein 
herrenlehen. — Const. II 2, 3 : Mau sol auch messen einem iczlichen 
perge vierdhalb lehen an iczleicbem teile, anczuheben mitten in dem 
wirbel des rumpoumes. Darnoch sol man uns (dem König) messen ein 
lehen gleicherweis und ein purgeriehen (ein Lehn den Bürgern der Stadt ; 
End.) u. ein herrenlehen. — Auf die Anfrage, ob die statscheppen 
ous dem Czukmantel oder die perkscheppen, di auf dem perkwerk 
sint, purgeriehen behalden u. perge schullen messen, erfolgt in Igt. 
Bgr. N. 14 die Entscheidung: das die scheppen von der stat und 
nicht die scheppen von dem perkwerk czu dem purgeriehen recht 
haben. Di selben scheppen auch von der stat schulleu perge messen 
u. nicht di perkscheppen. — Igl. Bgr. N. 15: Den purgern von 
Troppau — ist getailt czu einem rechten: das das purgeriehen die 
scheppen, die czu der czeit scheppen sint, so man einen perk misset, 
von rechte angehöret, u. diselben scheppen underwinden sich des 
selben purgeriehen u. pawent es mit ir selbes guet; und was ge- 
winnes und nuczes dovon gevellet, das ist ir besunderlich und nicht 

1 1 der stat gemeinklich. — Außerdem beziehen die vermessenden Rats- 
mitglieder Sportein : 7 Schillinge der kurczen , U — A 4 u. U — B 4. 
DIR 13, 6; abweichend Deutschbrod. R: quatuor solidi; Const. II 2, 14: 

ir | czwelf grosse phennige , die do gelten ein vierdung gewonliches 
Silbers — Igl. Bgr. Spr. N. 9: wer di purger let, ob sie nicht messen, 
der schol die kost geldin u. czerung. — 

Die Verwertung der b. erfolgt entweder durch eigenen Bau (s. 
oben Spr. N. 15 und Const. II 3, 10) oder durch Verkauf (Const. III 

n|i 6,2: Ab es auch geschee, das der kauffer gelaubte, das er kaufte 
etliche teil in einem purgeriehen u. der vorkauffer vorkauft in einem 
aptes- (also Herren-) lehen — so ist der kauf nichtesnicht) oder Ver- 
lehenschaftung : Darnoch gevellet uns (als Urbar) 1 / 16 in aller lehen- 
schaft — ausgenomen alleine die purgeriehen u. pergerblehen, von 
den man kein sechczenteil geben sol, IL 2, 15. 

Während Igl. Bgr. N. 15 ausdrücklich entschieden wird, der 
Nutzen des Bürgerlehens sei der scheppen, die czu der czeit scheppen 
sint — besuuderlich und nicht der stat gemeinklich, wird er durch 
Vertrag Wenzels IV. mit den Kuttenbergern v. 1401 (von purger- 
iehen) den burgern, perkleuten u. der gemein des berges czun Chuttn 



154 bürger-lehen 

zugewiesen, und so erscheint auch in der Hds. des Klosters Czedlitz 
und der Stadt Kuttenberg von 1418, Igl. Bgr. N. 51, 11 die gemeine 
des egenanten bergs hiezu berechtigt. Wahrscheinlich sind so, nach 
Wegfall der Herrenlehen aus den b. die „Kuxen der Gemein" ent- 
standen, s. auch uberschar. Die Kuttenberger Schöffen erhielten 
durch einen Gnadenbrief v. 13S6 (Schmidt 1, S. 133ff., Celakovsky II, 
S. 774) besonderes Anrecht auf alle erblos erstorbenen Berggüter. 
Über die Forderung der Iglauer, daß Bürgerlehen sich nicht verliegen : 
Burgerlehen, di in desen bergen (II, Ia u. III: den pergen des Stollen) 
legen, die vor benant sin, habin das recht, wo der rase czubrochen 
ist, das sie sich nicht vorlegin mögen (== durch Nichtbau zu neuer 
Verleihung verfallen), DIR 6,1; ereifert sich Wenzel II. in den 
Const. 113, 9; da ja nicht einmal Königslehen gegen das Verliegen 
geschützt seien: Und dovon, als oft furpas die purgeriehen also lang 
czeit ungepawet bleiben, das sie uns schuldiglich czugeteilet werden : 
so gepite wir, das von den selben lehen als von andern gerichtet 
sulle werden; wann wo ist dieselbe redlikeit, da ist dasselbe recht 
czu seczen u. czu machen. 

Die Iglauer Schöffen hatten das Vermessungsrecht und damit 
Anspruch an die Bürgerlehen und jene Sportein auch in Kolin 
{zuerst 1261) und Czaslau (1289 genannt), offenbar Igl. Kolonien, 
und anfangs wohl auch in Kuttenberg und Detäschbrod (hier 
höchstens bis 1278) ferner seit 1272 in Ausk und allen zwischen 
diesen und Iglau zu vermessenden Gruben. Dies letztere von 
K. Ottokar 1272 den Iglauern erteilte Privileg (Emier II 770) wurde 
von Karl IV. 1345 aufrechtgehalten ( — quod — montana argenti 
in Usk super fluvio Losnicz mensurare sive emensurare — ausmessen — 
et ibidem civium laneos, qui purgeriehen vulgariter nuncupantur, 
habere debeant) und auf alle Gold-, Silber- und sonstigen Bergwerke 
im Umkreis von 4 Meilen um die. Stadt gegen Mähren zu, bes. auf 
die Ggldgrubeyi in Schicken ericeitert. 

Über die Rechte der Stolner in den b. s. erb-stolle und 
stollen-hieb. 

b. können, da sie, nach DIR 6,1 wenigstens, sich nicht ver- 
liegen, nur mit Zustimmung der Bürger zu einem „Erbe" verhand- 
festet werden, s. erbe. Im Bürgerlehen wird l j ia , sedecima in laneo 
civili, offenbar von einem Verkauf des Lehens durch die Schöffen 
herrührend, 1311 erwähnt, Emier III, N. 31. 

Wohl mit der Aufhebung der b. hängt {wie viele Fristungen 
aus Böhmen aus dem 16. Jh. zeigen) zusammen, daß von den Ge- 
werken 2 Kuxen 1. für den Gottesdienst und die armen leut, so von 
dem perkwerch schadhafft werden, 2. zu gunsten der Gemein, nach 
dem Max. Bergiverksvergl. 2 I'reikuxe für Schulen, Kirchen und 
Spitäler von jedem Gold- oder Silberbergwerk frei gebaut werden; 
und erwartet wird, daß von den niederen Metallen die Stände frei- 
willig ad pios usus etwas spenden. Ein Teil dieser Erträge fließt 
dann der Knappschaft zu; dazu kommt als 2. Fond {zuerst in Sachsen, 
anfangs >/ 2 Groschen wöchentlich, dann 7 Groschen vierteljährig 
von jeder Grube (Quatembergelder) und dieser dient zu erhaldung 
der geschwornen u. ander gemeins bergkwergks nodturfft 1. Joach 
B 0. Art. 45. II 51. H 52. Vgl. Zycha I 311 f. 






bürger-meister — burg-recht 155 

bürger-ineister stm. B., magister civium: der b. von der stat 
wegen, Igl. Str. 188. allewege über 4 wochen sullen di scheppen 
einen andern b. seczen, dem der alte Rechnung zu legen hat 189 u. 
Olm. Stb. 82. 

bürger-meister -Schaft* stf. das Amt eines Bürgermeisters: 
itczlicher burgermeister, so sein b. ausget, gibt itczlichem Stotreitter 
6 gross, Olm. Stb. 82. die 4 ratmannen alein vorwesen die b., 77, 
S. 50. 

foürger-recht stn. Bürgerrecht und die daraus sich ergebenden 
Pflichten und Abgaben: wie man purgerrecht empfahen sal: wer b. 
wil gewinnen, der schol dem richter 2 grosse pfenning geben czu 
Urkunde u. scbol purgen seczen für eine mark, das her jar u. tag 
pei der stat übel u. gut leiden wolle, u. dem statscbriber einen 
grossen phennink in czu schreiben. Igl. Str. 195. Verlust desselben 
durch Fischkauf außer der Stadt 203 in dem perkrechte, in den 
geistlichen rechten und purgerrechten, Const. IV 10, 3. 

bürger-stolle swm. ein von einem Bürgerlehen benutzter Stollen: 
Von purgerstollen. Ist das di purger dornach oder wer der ist, 
seinen notdürftigen Stollen hat (— benützt), den mak er mit dem 
vierden taile der koste ausarbaiten u. also beheldt er in {seine Be- 
nützung), Igl. U — A 12. 

bürge-, barig-schaft stf. Bürgschaft : das di purgen der purge- 
schaft mögen nicht ledig gesein, Igl. Str. 249. ein ieder , der erib 
u. aigen hat, kan sich damit ledigen u. seiner parigschaft ein ge- 
nügen thun, wann ein ieder mag sich mit pfandten aus dem thurm 
ledigen. Wil er sich aber nicht ledigen noch auspurgen, so sol er 
siezen so lang, unez das er sich frei u. ledig mach, es sei mit gelt, 
mit pfänden ader mit parigen (Bürgen), (64) S. 331. für eine Schuld 
(56, S. 323. 58. 59, S. 326.) die parigschaft sol sein auf aller seiner 
narung , Igl. Stb. V 157 c. sie der parigschaft halben an schaden 
halten, V 151 d. 197 a. 

bürge-tor stn. Burg-, Stadttor: Artus zuo dem b. reit in, 
Trist. 2533. 

burg-gräve (— burc-gräve swm. = 1. Burggraf, Alex. 2660. 
2. Statrichter. 3. Eunuch * Kämmerer, W — B Kön. IV 25, 19. 

burg-güt* stn. Gut, zu dem eine Burg gehört: Elbog. Chr. 
10, 43. 

burg-herre swm. 1. Burgherr, Lehensherr. 2. Eunuch* : 2. dem 
purekherrn Pharaonis, dem rittermeister (eunucho Ph., magistro 
militum) , Gen. 37, 36. der p. Pharaonis , der hermeister (prineeps 
exercitus), Gen. 39, 1. 

burg-leben stn. Burg als Lehen für die Verteidigung eines 
festen Platzes: die mühlen, so zum bureklin gehörig, Traut. Chr. 246. 

bürg -recht stn. 1. hier: jus et bonum emphyteuticum, das 
\ Gut und der Zins, Brunn R. I 117. = Erbzinsgeld, census 
I hereditarius , dieses soll nicht heimlich, sondern vor Richter und 
] Schöffen aufgegeben werden , Igl. Str. 50. es hört auf, wenn der 
. Herr 3 Jahre hinter einander weder Zins noch Pfänder dafür er- 
1 halten und das Gut wird ein freies Erbe des Herrn : Das ist auch 
. hie getaut : vindet ein man drei iar noch einander umb czins , der 
im in 3 jaren von seinem purkrecht scholt sein gevallen, nicht 



156 burg-stadel — buteche 

pfandes, gener vorleust das p. und der herre underwindet sich sein 
czu einem erb 54, übereinstimmend Brunn. R II 236, fügt aber hinzu: 
er solle vor Gericht offenbaren, das er um seinen czins phant hab 
gesucht u. habe sein nicht funden. — Wer do nimpt b., der selbe 
ist des neher erbe czu keufeu denn ein ander, Igl. Str. I, S. 370 u. 
b. oder erbczinsgelt aufgeben u. empfahen, 50. umb den czins, den 
Prokop Paier auf der Taubenmül hat in purkrecht weise , Igl. Stb. 
III 206 a. sie haben aufgeben in purkrecht recht einen acker, IV 210 c. 
er hat vom Peter Ledrar aufgenomen in purgrecht weis den hoff, 
genant Stohlershoff, V 161c. 2. Bürger-, Stadtrecht: welcher unser 
purger von uns czihen will u. sein purkrecht aufgeben wil, der 
schol drei vierczehentag in dem gericht urlaup nemen, Prager Str. 99. 
p. eniphahen (nach 3 Jahren) ebenda, ein jeder burger mit einem 
ganzen burgrecht, Taiding v. Friedberg N. 54. DIR III § 39. 

burg-stadel stm. suburbana. imterhalb der Burg gelegener 
Stadtteil, Traut. Chr. 210. 

burg-stal st?i. Standort einer Burg und diese selbst, Eg. Chr. 
1060. 

burg-vrid stsivm. 1. Burgfrieden. 2. Weichbild* einer Stadt, 
Traut. Chr. 138. es sol auch im burgfriedt zu Trautnaw niemand 
umb lohn bachen, es sei dan ein beck, der die zeche halten thut, 139. 

burn* stot;. refl. sich zutragen, geschehen: sich burt czu einen 
czeiten, das ich ein lediger vreier knecht was, Igl. Str. 237. 

burnen (md. für brinnen, brennen) sivv. versengen, verbrennen: 
er sach sin laut b. und verhern, -Ernst 1513. 

bursner stm. (bei Lexer nur: = bursarius aus Voc. 1482), 
Igl. Bgr. N. 51, 11 werden im Kloster Czedlicz neben Abt, Prior, 
uuderprior, keiner, ein bursner (Nicolaus), pfortner, prediger, pfarrer 
erwähnt. 

burse, burseli stsu-f. Börse, Beutel, gemeinschaftliche Kasse, 
zusammenlebende Genossenschaft, Haus der Studenten, diese selbst: 
er hat ein häufen lose pursch an sich genomen tag und nacht ge- 
panketiert. Traut. Chr. 53. 

bürtig Adj. gebürtig. Eg. Chr. 420. 565. 661. 

büsauue (= büsine, busüne) swf. bisw. st. Posaune: als ein 
schallende busaune, Hier. 13, 11. 

büsauner (— büsinsere, büsunsere stm. Posauner: unczen sie 
in der stat Luthaw czwen pusawern — ließen ufpusawnen, Olm. 
Stb. 44, S. 240. 

busch (= husch, bosch) stm. bosche swm. auch mit Umlaut: 
1. Busch, Gesträuch. 2. Büschel. 3. Gehölz, Wald. 1. iu der mitte 
des busches, W — B Ex. 3, 2. püsche der ecker = virgultum agri, 
Gen. 2, 5. 

buschet (= buscheht) Adj. buschicht: püschet oder äne poume, 
W— B Xum. 13, 21. 

busine swf. auch Posaune : man vernam von vil büsinen luten 
schal, Alex. 3466. 7853. 

büte s. bütte. 

buteche (botech, -e stm. sivf. und büte (n) bütte sivstf.) Bottich: 
daz, wa^er üz, den butchen viel in rinnen guot von silber gröz,, 
Ernst 2460. 



bütel — buz,-vlec 157 

bütel stm. 1. Gerichtsbote, Büttel: Von den rechten des butels : 
Ein gesworn bot bat kraft 1. eines furgebotes czu gesteen. 2. vom 
richter gesant in eines burgers haus, eines gastes gut daseibist czu 
verbieten, aber den gast selbir mag man nicht verbieten, sondern 
man sal in für den richter füren. 3. der Bürger, in dessen Haus 
das gut verboten ist, braucht es nicht innehalden, dann muss es der 
b. czum richter füren. 4. wen er einen, der um unezucht, raub oder 
um semleiche bosheit beklagt ist, dieses vorhält und der Betreffende 
ihm entflieht und der Bote dies mit Zeugen beweisen kann, so gibt 
sich der Entflohene schuldig, der Richter kann ihn darum ver- 
bannen: verczelen. 5. wer im geantwurt wird um schult, der ant- 
wurt dieweilen nimand anders umb kein schult u. umb kein sache. 
6. er kann bezeugen, ob er imant furgeboten oder ob er imant hat 
verboten in der herberge oder in einem haus; er kann dann auf 
die Frage des Richters Zeugenschaft geben, Igl. Str. S. 362/3. der 
p. = gesworn pote, 194. Regelung seiner Bezüge, 183. ordinatum 
est, quod preco cuilibet homini pro decem et octo hallensibus (12 
= 1 groschen) iusticiam potes facere et de pignore providere, pro 
quo sibi a reo tantum duo parvi denarii cedent seu solvi debent, 
183. von des pütels lone von des gevangen twegen, Igl. Str. B. 48. 
umb der putell Ion, Prag. Rb. 17. wenn ein putel einem vergepeut 
in das gericht, dem sol man geben einen haller ze Ion und in ehaften 
dingen czwen u. nicht mer, Prag. Str. 74. dem b. muß der Ge- 
fangene für jeden Tag und Nacht 1 Schilling haller geben, Eger 
Str. XVII 1. 2. Herold: hies schreien einen b. (praeco), W — B Gen. 
41, 43. Ex. 32, 5. und ein b. der schrei under allem here, Kön. III 22, 36. 

bütelei s. bitelei. 

buter sivfm. Butter: b. u. milch, W— B Gen. 18,8 u. VB.lllb. 
den tonnen mit buttern, Stb. Brüx N. 346. vrischer butern gnuoc, 
Schretel 157. 

biitte (büte, bütte, büten) swstf. Gefäß, Bütte: das bir noch 
auf den bütten stund, Traut. Chr. 276. 

büwen mhd. auch biuwen, bouwen unregelm. st. und sivv.: er 
vergap ir ungevuoge mannicvalt den, die mit in den walt büweten, 
so daz sie äne vär vür sie gemeine ksemen dar, W. v. W. 6399 ff., 
(vgl. Ecke L 115. Wolfd. 1564, den Wald durchziehen?) — 

büz,, biuz, stm. Schlag, Schmiß: der ouch sin ros mit hurte nam. 
mit püz,e er an den fürsten kam, daz, beide ros kämen nider, Alex. 20192. 

büz,-vellig (buoz,-vellec) Adj. der Strafe verfallen, Budw. Urkdb. 
N. 477. 

bitterer, pusserer (büez,er) stm. Büßer: 1259 komen die 
i. pusserer (Geißler) in das lant, die gingen mit nackten rucken und 
hiben sich mit peiezhen (Geißeln), Böhm. Chr. 90. 

büz,-vlec* (von büe^en swv. undvlec, Gen. vleckes stm., vlecke 

hwm.) stm. Flicklappen: die sneider sollen nicht kursenwerk under die 

i rocke sneiden noch arbeiten wedir pußflecke noch anderlei, Olm. Stb. 103. 



c 



siehe K und Z. 






158 dachs — darm-gicht 

D 

dachs (dahs) stm. Dachs: stille swigeude als ein dachs, Trist. 
5907. 5927. 

daehs-vel * stn. Dachsfell, -pelz, T— B Juden 11, 37. 

dagen swv. (mit G.) schweigen von etwas: hiemit wart der 
msere gedaget. Trist. 1412. stille swigen und dagen, 1297. 

damasten* Aclj. aus Damast {Zeug aus Damaskus) ein rots 
damaskens par ermel, Igl. Stb. 181 d. 

dank PI. denke stm. Denken, Gedanken; Wille, Geneigtheit, 
Absicht; Dank; Preis bei einem Wettstreit: des habe nieman keinen 
danc (hoffe nicht) daz, er ie gesaehe ein hüs also wsehe, Alex. 22680 
wer mir hoch zu dangk (sehr loillkommen), Elbog. Chr. 161, 32. 

dank-neine (= dank-nseme) Adj. 1. mit Dank angenommen, 
angenehm, willkommen. 2. mit Gen. dankbar. 3) nur aus Myet. 
und Berth. belegt: der (antwort) wir von seinen gnaden dankneme 
seint, Stb. v. Brüx N. 379. 

dank-nemend pari. Adj. dankbar; zu Dank verpflichtet: di 
des d. gen uch sein, Eg. Chr. 1080. 

dank-nemkeit (dancn£emec-heit) stf. Dankbarkeit: daran ir 
sunderlichen unserm gnedigen herren dem Komischen und Behe- 
mischen künige grosse beheglichkeit u. d. tut, Mind. d. Egerl. 
S. 46. den man ist mein lob berait, di do sint wirdig dancnemikeit 
l&eiHanka falsch: dauchmenichait, bei Jiricek falsch : danchmenichait), 1 
Dal. 43, 5 (11, 50). 

danne-ker(e) stf. das Fortgehen: die mit im d. gegen Dario 
heten über mer, die mit ihm gegen Darius ziehen sollten, Alex. 
4298. 

dannenhero* =mhd. danne, -en 1. von da weg. 2. kausal: daher: 
2. d. auff solche unerweisl. beschuldigung die ordentlichen merker j 
ein widerruf u. schriftlichen abtrag (Abbitte) von gedachten 3 
Jüngern begehret, Igl. Ms. 20. 

darauf-legen sivv. Spesen für etwas vorstrecken: was sie auf 
den wein d. und darleien mit furlon und kostunge, das sie das wider 
uff heben, wenn die wein vortan {verkauft) werden, Igl. Stb. II 121 d. 

Dariäne m. Untertan. Krieger des Darius, Alex. 5870. 

darben sivv. 1. darben. 2. m. Gen. entbehren: was wider dise 
unser saczunge getan wird, das sol darben alles rechten und aller 
tat, Const. I 7, 8. das es schade sei der freiheit alles gepirges, das 
si derselben lehenschefte mit recht darben sullen, Const. I 7, 8. 

darlegung* stf. (wie mhd. dar-legen stn.) Aufwand, Kosten, 
Chr. v. Elbog. 12, 16. ein bergwerk-bauhaftig mit d. und kosten 
muss gehalden werden, Igl. Bgr. N. 93, 3. das sollen sie paide mit 
einander auf gleiche d. pawn und machen, Igl. Stb. V 43 a. aufsein 
eigene d., 111329a. auf sein eigen gelt und d., m 193a. 133b. 
329a. V69b. 25c 155a. 197b. 

darm-gicht stn. bei Lexer nur aus Hpt. 9, 386. colica Vocab. 
1482). Darmgicht : do — bestund in zuhand die d. also gar swindic- 
lichen, das er auf seinem heimelichen gemache alles sein gederme 
alzumal vorlos und starb, ee denne er von dem heimelichen gemache 
schid, Hier. 211, 3. ligen gemut (geplagt) von dem d., T— B Btb. 28, 8. 



I 



daume — denk-zetel 159 

daume (düme) swm. Daumen, große Zehe: ouf die doumeu 
der rechten Hant und des fuz,es, W — B Lev. 14, 25. 

daum-elle (dum- eile) stf. Maß von der Spitze des Daumens 
bis zum Ellenbogen („etwas wenigs mer als ein halbe Wienisch 
eilen", Schm. Fr. 1, 807): czwu doumellen u. ein halbe, W — B. I 
79c, d. III 38b, d. Id. 300 douraelen sol haben die lenge der archen 
u. 50 d. ir breite u. 30 d. hohe (cubitorum), Gen. 6, 15. man sol 
merken, dass 32 doumellen machen ein sail, 9 sail lang u. 2 sail prait 
unnd ein schritt machen ein lechen, Brunn. R. I 479, S. 223. gröz,e 
swin gezanet wol dümellen lanc, Alex. 21663. 

daust* Adv. da außen, Eger Chr. N. 1186. 

dauz,en (da uze, düz,e) Adv. draußen, Traut. Chr. 234. 355. 

decht-nuss stn. (— dsehtnis stf. ) cogitatus: Gros des rates 
u. unbegreiflichen des dechtnusses (incomprehensibilis cogitatu, Bei- 
wort für Gott, W— B Jer. 32, 19. 

deck-beil* stn. Zimmermannsbeil: er hat auf in geworfen mit 
einem d. und in getroffen aufs swert, Igl. Str. (68) S. 334. 

deck(e) -sal stn. velamen, Schleier, Hülle, Bedeckung: di har 
sint ir (dem weip) gegeben, zu aim decksal, T— B I. Korinther 11, 15. 
dicz selb d. (Hülle über Mosis Angesicht) pleibt underoffent in der 
lecz (bei der Lesung) dez, alten geczeug (Bundes), II. Korinther 3, 14. 
so si werdeut bekert zu dem Herren, daz, d. wirt abgenomen, II. Ko- 
rinther 3, 16. di indirsten teil des decksals = in das Innere hinter 
dem Vorhang, Juden 6, 20. di ubunge des decksals der gewand 
(indumenti vestimentorum cultus = in gesuchtem Anzug), I. Petri 
3, 3. durch daz, decksal, daz. ist durch sein fleisch, Juden 10, 20. 

degen stm. männliches Kind, Knabe; Held, Glaubensheld: 
Moyses der gotes degen, Legende 431. 

degen slm. Dolch, Degen: das er mit einem degen durch einen 
ätich ermordet hat — , Eg. Achtb. II 221. ein beslagner degen, Igl. 
3tb. III 326 b. 

deiberei stf. Diebstahl s. deube, -erei, Stb. Brüx N. 352. 

deichsel-wagen (= dihsel-w.) stm. Wagen mit Deichsel, Gegen- 
satz, encz-wagen für ein Zugtier) : Und wer am freitag nach mitten- 
ag ausfurt kaufläwt oder furleut oder pauern, di aus einer meil 
iein, di schullen geben von einem d. 1 pfennig u. von einem enczwagen 
L helbling, Budw. Stb. N. 477. für die maut cze Brunne, die auf 
las haus Spilberch gehört, gibt der einczwagen : für getraide, holtz, 
preter, eysen, stahel; aier, kes, waltobs, wilpret 2, für obs, saltz 4, 
für mähen (Mohn) oder maltz, honick im vaz,z,e, plai oder czin, 
■;hupfer, wein, tuech, gesalzen vische, wiltwerch oder was die chursner 
mgehoret, wachs, wolle 6pfenning, der deichselwagen das Doppelte, 
3rünn. R. II 147—152. 

demnach Konj. ferner, demnach, Chr. v. Elb. 17, 14. 50, 28. 

demutikeit s. diemutikeit. 

denken sw. unregelm. Prät. dähte, Part, gedäht: Umme dise sache 
iahe ich gedecht (cogitavi) mit mir sprechende, W — B Judith 10, 13. 

denk-zetel* (zedele, zedel, zetel stswf. m. n.) Blatt mit Auf- 
zeichnung von Ereignissen, Gedenkblatt: Memorial oder denckzettel, 
vasz sich in diesem jar — hat zu Trautnaw zugetragen und er- 
Tangen, Traut. Chr. 217. 



160 derb — deuberei 

derb Adj. ungesäuert; substant. —ungesäuertes Brot: der tag 
der derb (ungehefelten brot der wirt genennet der ostertag 11. Bibel), 
T— B Luk. 22, 1. 22, 7. Btb. 12, 3. Mark. 14, 12. da was daz, ostern 
xind di derb (di ungeseuerten ding 11. Bibel), Mark. 14, 1. wir wirt- 
schaften — in den derben der lauter und der warheit = lasset uns 
Feste feiern — mit dem ungesäuerten Brot der Lauterkeit und 
Wahrheit, I. Korinther 5, 9. gerainigt den alten hefel, daz, ir seit ein 
newe besprengung als ir seit derben (icie ihr denn auch ungesäuert 
seid), I. Korinther 5, 7. 

derfter-drin* stf. Hure (Nach Vilmar hessisches Id. 478 von 
därchen umherschlendern und Trine {?): der bürgermaister — lisz 
mehr dan zehen gute d oder huren etc. von Trautnaw wegweisen, 
Traut. Chr. 105. 

derme stn. PI. dermer, Gedärm, Eingeweide auch, in übertragener 
Bedeutung: Des biten wir durch die dermer deiner barmhertzikeit, 
das du geruchest zu heilen, das du geschaffen hast (per viscera 
misericordiae tuae), Sol. 62, 39. dorumme sint betrübet meine dermer 
( viscera) über in, W— B Jer. 31, 20. wenne bewegt wurden alle seine 
dermer über seinen bruder, Gen. 43, 30. 

derre = darre sie f. Gestell, Vorrichtung zum Dörren: Wier 
gepieten — daz vurbas chain derre der malcz in der stat schol sein, 
Brunn. R. II 26 u. 76. 

derren swv. 1. austrocknen. 2. Malz dörren: 1. das ein groser 
derrender wint wete die ganeze nacht, W — B Ex. 14, 21. 

deub stm. Dieb, Igl. Str. 271, B 90. 

de übe (= diube, diuve, md. dübe) stf. 1. Diebstahl. 2. ge- 
stohlene Sache: 1. Von dem, der besagt wirt umb raub u. d., wenn 
das gestohlene Gut nicht bei ihm gefunden wird, so kann er sich 
bei der 1. Beschuldigung durch einfachen Eid, bei der 2. selbdritte 
reinigen, beim 3. mal muss er leiden der besager geezeuknuss, Igl. 
Str. B 47. Unelich kinder, pfaffenkinder, kompfenkinder, spilleut- 
kinder, die roub u. deub haben abgelegt, den gibt man kein wergeld 
noch holbes, Prag. Rb. 175. nicht tu deube, W— B Ex. 20. 15. die 
deub u. roube abgelegt haben, mögen keinem man an seinen rechten 
gehulfen, Prag. Rb. 99, 190. 2. Ob einer deup oder raub offenbar 
hat gekauft, 184. 271. der abir den andern tac seinen deube oder sein 
raup under eim andern vindet, der das offenbar gekauft hat, 184. 
ist daz iemant an deube begriffen wiert, daz 40 pfenning wert ist, 
den schol man hahen; wirt er awer an minner begriffen, so schol 
man in nicht hahen: man schol in vuren zu der schraiat (Pranger, 
Lasterstein) u. schol in merchen mit einem gluenden eisen, Brunn. 
R. II 19. 119. hat der dieb nicht, das her vor die deub gebe (pro 
furto reddat) W — B Ex. 22, 3. "Wirt ein dieb gefangen mit einem 
d., das sich gein 12 pfennig zihe, dorumb sol man in villen und 
schornen u. prinnen durch das wange u. sal im die stat vorpieten; 
begreift man in czu dem andern mall mit deube u. sieht das geprant 
czeichen an im, so hat er vordient den galgen umb das vorstolen 
gut, Prag. Rb. 181, 4. 

deuberei (= diuberie) stf. Diebstahl: Wer d. tut in dem an- 
czunden, das da wert ist 60 haller, der ist häens wert. Igl. Str. B 50. 



deubheit — deutsch 161 

der mit raube, mit name oder mit deubrey umgeet, Buch der Ge- 
brechen S. 239. s. auch deiberei, Brüx. Stb. 352. 

deub-heit* stf. Diebstahl: deupheit hegen (furtum perpetrare), 
Const. II 2, 13. aus deupheit volget kein recht sunder die pusse — 
das heilige recht, das die d. vorbeut, 112,13. nach keiserlichen 
rechten ist deupheit ein trugenhaftiges czuczihen eines fremden 
dinges, die Undankes des herren geschieht ebda, von der deupheit, 
Prager Bb. 178. diephait, Brunn. B. II 217. du solt nicht stelen 
oder deubhait begen, Joh. von Igl. 7. 2. gestohlene Sache mit sulcher 
deupheit. Igl. Str. 271. 

deubliche, -en (= diep-liche-en) Adv. in diebischer, heimlicher 
Weise: ich bin deuplichen abgetragen von der hebräischen erden 
(furto sublatus sum), W — B Gen. 40, 15. wirt einem man sein pfert 
deuplich oder rauplich genomen, Prag. Bb. 182. wen er es deuplich (in 
diebischer Absicht) verleukent hat, 190. im sei dasselb phant vorstoln 
oder enphuert oder eintragen (= entragen) deupleich, Brunn. B. II 118. 
Von vihe, das d. geslagen ist (de furtiva mactatione pecorum): wer 
ain ochsen oder ku oder varch oder sotans d. slehit — er mac sich 
selbdritter entschonen, Igl. Str. B. 88. wer garben, welcherlai sat 
daz ist, von fremden eckern gewaldicleich odder d. (furtim) nimpt, 
wirt er begriffen; dem, des der akker ist, schol er antworten mit 
ainem virdunge; wirt aber imant des nachtes begriffen in sotaner 
täte, man sal in als einen deup vorpüssen, Igl. Str. B. 90. er wolde 
dasselbe silbir entpfurt haben d. unserm herren dem keiser, Igl. 
Bspr. XVI. 

deub-sträfen* sivv. des Diebstahls beschuldigen, furti arguere: 
do deubstrafe mich umbe, W— B Gen. 30, 33. 

deuehten* swv. = dünken, Traut. Ch. 222. 303. 

deuen (= diuwen, diuhen, tiuhen, den win diuhen, keltern) 
swv. : Dew ein wenik furpas den wein (digere paulisper vinum 
„tue ihn von dir!"), W— B I Kön. 1, 14. 

deute s. diute. 

deutsch, deutz (diutsch) Adj. deutsch: die hantveste, — die 
meister Johannes v. Geilnhausen czu deucz gemacht hat, Igl. Bg. 
U — A Einl. Hier hebet sich an das Privilegium des koniges Wencz- 
law vom perkrecht czu deucze, Const. Einl. E. Hier — die m. Jo- 
hannes v. Geilnhausen, etwenn keiser Karls (IV.), kunigs czu 
Behem, Schreiber, iczunt statschreiber czu der Igla, üs dem latin zu 
deucz gemacht u. geschriben hat, nach Kodex D. das buch — czu 
deutscher czung bringen, Sol, 1, 12. das von diser deutschen schrift 
manig mensch getröstet werde, Sol. 1, 13. 2. subst. ein Dewtczer, 
den ßewczhen, Igl. Str. 163. der erste deutzsch tihtere zu latine 
geschriben fant, Ernst. 2050. dicz erhal in diutsche lant obir al, 
5122. 5163. daz, spricht zu diutsche also, 5444. do man gen dewczen 
Brod (Deutschbrod) get, Igl. Stb. IV 242 d. das deutschhaus oder 
deutsch orden, Eg. Chr. 103, S. 65. alhier im deutzschen haus, 398. 
30 fl deutzsche bezahlung, 826. die deutzsche litania zu halten, 
Traut. Chr. 176. so jemand — ichtis (etivas) von denselben obge- 
nanten gütern gekauft frei aber in deutzschen rechten, aber ver- 
endert das selbige deutzsche recht in denselbigen gütern, 20. 

Jelinek, Wörterbuch. 11 



162 deutschen — dienen 

deutschen (= diutschen) sivv. ins Deutsche übersetzen: Hi 
hebent sich an die perkrecht (Const.), die meister Johannes von Gel- 
hausen gedeutschet hat, (Const. Einl. nach G.) so — hab ich das ege- 
nante buch gedeutschet, Sol. 1, 18. 

deutsch-kaus* stn. Haus des detitschen Ordens, Eger. Chr. 103. 

deuwen s. deuen. 

diamant(e) stsivm.: darinn mein steter herter d. ist czubrochen, 
Ack. 7, 9. 

dichtikeit* stf. Härte, Hartherzigkeit: um dihtikeit eurez, 
herczen gestat euch Moyses ze lassen euer weip, T — B Matth. 
19,8. 

dicke stswf. Dichte, Dicke, dichte Schar, dar nach criegt er 
in die dicke, Alex. 15259. 

dicken swv. dick werden, dick machen, refl. sich verdichten: 
Über den houfen der steine werden gedicket seine czweige (den- 
sabuntur) W — B Job. 8, 17. 

die s. diech. 

dieberei* stf. Diebstahl: dyberei, Mind. des Egerl. S. 38. Eg. 
Chr. 582. 776. als er in und sein weib d. bezigen hat, Igl. Stb. 
V18d. 

dieb-heit stf. s. auch deub-heit, 1. Diebstahl, 2. Gestohlenes: 
Wer mit d. begriffen wirt, — mit der waren tat uberwint man in. 
— bei dem man aber nicht d. vindet u. der ee wol [sich] ent- 
halten hat, der beret sich wol, wiert er um d. angesprochen, Brunn. 
B. II 217. Wer d. mit wissen halt II 218 von iren diephaiten 
(diebstalen 11. Bibel), T— B Offenb. 9, 21. 

dieb-lich, diep-liche Adv. diebisch, heimlich: das stele wir d. 
armen leuten, Hier. 48, 4. recht sam diepliche (furtive), W — B Job. 
4,12. sie haben 6 pferd rewblich und dieplich genomen, Eg. Cr. 
1072 S. 261. si di bruk diplich undirhibin — do das bemisch her — 
quam uf di bruk, aldo zcubrach er der ruck, Dal. 197,22 (89) die- 
selben czeit villen die Peyern diplichen in das lant, Böhm. Chr. 89. 
sein gut dipleich und rewpleich genumen hat. Eg. Achtb. III. das 
sein d. und r. abtruncken und abgessen hat, II 11. 

dieb-licker-weis Adv. mir mein gut d. beraubt, Eger. Chr. 
N. 1188. 

diech, (G. diehes PI. diech, -her) stm. Oberschenkel bei Mensch und 
Tier: er schoss im durch sein d. durch u. durch u. das ross under im 
czu tode, Igl. Str. 325. ir beide diech, ir beide knie an ir biuchel 
druckte sie, Trist. 705. wurme, gröz, als eines menschen die, Alex. 
22785. 

diehel stn. Oberschenkelchen: wart etzlicher verruct ir schöz, 
daz, ir daz, diehel erblecte blöz,, Alex. 6878. 

dieft s. diepht. 

dielen s. dillen. 

diemutikeit, demutikeit stf. Demut: das öl rechter dimuti- 
keit in den lampen ires hertzen — nicht behütet hatten, Hier. 23, 6. 
das wir auch also werden von unserer demutikeit ervrewet, W — B 
Judith 8, 17. 

dienen swv. 1. dienen, aufwarten bei Tisch, sich betätigen in 
Gottes-, Herren- und Frauendienst, 2. zu Dienste tun, 3. Gegendienst 



dienst — diez, 163 

leisten. 3. Das ir das tut unvorczoglich , das wolle wir kegen euch 
dinen an allen Sachen, da ir unser czu bedurft mit rechten trewen, 
Igl. Bgr. N. 1, 5. 

dienst, dienest stmn. 1. Dienst, Gottes-, Lehendienst: in das 
d. des geczeldis, W — B. Ex. 39, 40. das biten wir — durch unsers 
armen dinstes willen, Igl. Bgr. 39, 11. 2. Knechtschaft, servitus: der 
dinst ist ein saczunge noch des Volkes recht, domit imand wider die 
natur einem fremden herren undertenig wirdet. Sie wird auf die 
ursprüngl. Kriegsgefangenschaft und Abstammung von Gefangenen 
zurückgeführt. Und ist czu wissen, das in dem dinste allewege 
volget die gepurt noch dem leibe ader pauche, dovon sie komen 
sein. Darnoch ist ein ander dinstikeit, wenn ein mensche under 
czweinczig iaren sich umb Ion lesset vorkauffen, Const. IV 12, 2. 1. 
Es sein auch andere knechte, die uns dienen in trewen, die sein 
nicht eigen sunder von dinste dinstknechte. Ebenda ich bin sin 
dienst, er sant mich her, wir sin unglich ich und er, Alex. 26365. 

dienstbarkeit (dienestbserekeit) stf. 1. servitus, 2. Dienst*; 
2. warinne ich euch angeneme d. weisz zu erzeigen, thu ich gerne, 
Elbog. Chr. 17. 

diensthaftig Adj. zu Dienst verpflichtet: die uns d. sein 
(familiaritate coniuncti) , Const. IV 12, 14. aller d. erden (terrae 
servienti), W— B V118a. 

dienstikeit* stf. Dienstbarkeit, Lohndienst s. oben dienst, 
Const. IV 12, 2. 

dienst-knecht stm. (freier) Knecht: ander knechte, — die sein 
nicht eigen (eigenknecht) sunder von dienste d., Const. IV 12,2. 
Ludwig Keßler, d. zu Treuntz , Eg. Achtb. II 215. 185. d. Michels 
H 101. 

dienst-lich Adj. dienstbar, -beflissen: wo ich solches widerumb 
mit unterthänigkeit dienstlich sein kann, Igl. Ms. 3. 

dienst- visch stm. Fisch als Abgabe z. B. für eine vischenze 
(Fischereirecht): die bürg zu Eger hat einkommen alle wochen ein, 
und in der fasten 2 d., Eg. Chr. 104 S. 68. 

diepht f? Diebstahl, nit tu d., T— B Matth. 19, 18. 15, 19. 
Luk. 18, 20. 

diern(e) s. dirn(e). 

diet (md. auch dit) stfnm. Volk, Leute, stm. Mensch, Kerl: 
Wie manigerlei heidenischer diet hat deine gute in deinem sun 
Jeronimus gesampnet, Hier. 8, 1. wider alle ungelaubige diet hat 
er ritterlichen gevochten, 225, 15. von heidenischen diet, 229, 27. 
er wolt sich von dem lande stein, das gerlich al die diet verheln, 
W. v. W. 416f. das volk er alles wol beriet nach ir recht die varnde 
diet (= beschenkte die Fahrenden), 1628 f. das ich al der diete mit 
voller macht gebieten kan, 6952 f. di vil ungehiure diet (Alexanders 
Heer), Alex. 2459. swarz geverwete diet, 9762. die israelischen 
diet, Legende 442. der werkle dieten gebieten, Alex. Anh. 1673. 
di ungestalten diet, Ernst 4455. 2769. clagt in (Rudolf v. Österr.) 
nit, ir bemisch dit! Dal. 219, 36 (99). 

Diet-rich von Bern: Dietr. v. Pern, Ack. 49, 1. 

diez,* stf. Traufe? Wasserablauf? michel sal haben czu dem 
halben melczhaus die halb diezz und den halben prun, Igl. Stb. III 176 b. 

11* 



164 diesen — ding-haus 

diesen stv. III schmettern, rauschen; in die Höhe steigen, an- 
schwellen: daz, di Tutschiii durch er {ihre) gegent dieziu (strömten, 
tschech. postüpili), Dal. 141, 24 (63, 90). 

dil stswf. swm. Brett, Diele: träme und veste diln, Alex. 18717. 
dö die Drücke was bereit und mit den diln gar beleit, 18724. 

dillen swv. mit Dielen, Brettern, Decken: die dielen oder 
brethe seind über sein grab gedielet worden unter der fraw pfarrin 
gestüle, Traut. Chr. 347. 

ding (dinc, -ges) stn. Ding, Sache, Gerichtsverhandlung, Ver- 
trag : gehegtes d. = versammelte Gerichtssitzung, Traut. Chr. 70 und 
s. häufig z. B. Igl. Bgr. N. 67, 1. was vor dem Gericht ausgemacht 
(gedingt) wird, heißt ding, dann auch die Versammlung selbst. 
echte d. (nur 1442. 1449. 1495. 1477 und 1484 erivähnt, bis 1477. 
elich d. dann eding, eheding, Gerichtssitzung, meist einmal des 
Jahres unter Anwesenheit eines Vertreters der Obrigkeit, während 
der Wahlen vorgenommen und über Beschicerden einzelner gegen 
Korporationen, über Vorlagen der Grundobrigkeit u. dgl. verhandelt 
ivurde. Sämtliche Dörfer mußten hiezu ihre Vertreter schicken; loar 
hiezu noch eine zweite Sitzung nötig, so heißt sie after-ding, Linke 
Böhm.-Kamnitz S. 300. ivas im d. (vor den vier Bänken) verhandelt 
wird, hat Kraft und Macht, S. 301. er lies dem kaufmanschatz 
czu dinge gepiten u. — clagen um sein taglon, Böhm. Chr. 77. 
ding = Leinwandzeug: das leinan ding, Igl. Stb. V80c. was von 
leinem ding ist, das ist versperrt, V 49 b, 51 d. kain weip sol arbaiten 
praite leinmet sunder smale ding, V 28 c. 

düig-bank stf. Gerichtsbank: vor gehegter d., Stb. Brüx X. 441. 
das vor unser gehekte d. komen, Igl. Bgr. N. 89, 1. 

dingen sivv. intrans. 1. Gericht halten. 2. vor Gericht reden, 
verhandeln, seine Sache führen, vor Gericht unterstützen. 4. appel- 
lieren. 5. einen Vertrag schließen, trans: 6. vor Gericht laden. 
7. durch Verhandlung festsetzen. 8. ausbedingen. 1. der vursprech 
dingte im alle seine recht, Igl. Str. 236. 245. Igl. Bgr. N. 5, 3. 59, 2. 
46, 2. 52, 1 u. 3. Do dingte in der f urspreche alle ir recht — u. iaget 
nach dem bekenntnuss, N. 6, 1. eiu vursprech, der dingt uns alle unser 
recht N. 118, 2. der herczog wart do dingen (versprach, tat Gelübde), 
daz, er (der hl. Apiollinaris) geruchte in zu bringen czu Pehem uz, 
den bandin, Dal. 132, 29 (59, 94). 8. in der Bedeutung mieten (ivie 
Myst.): einen gedingeten knecht schol man nicht slahen, Igl. Str. 
157. daz, man ain urtail hat gedingt („berufen") an den herczogen 
(Albrecht den Lahmen v. Ost.), Hf. Br. einen gesellen dingen und 
seczen — an der herbrig czu dem vater (Herbergsvater), Igl. Stb. 
V 177 a. 

diug-haus (dinc-hüs) stn. 1. Gerichts-. 2. Rathaus. 3. Synagoge. 
4. Consistiorium. 5. Halle bei einer Kirche, atrium: da namen di 
ritter des richters Jhesuin in dem dinkhaus (in praetorium), T — B 
Matth. 27,27. in den hof des dinkhauses, Mark. 15,16. Joh. 18,28. 
18, 33. Philipper 1, 14. 5. Und di alter (Altäre) , die gemacht hette 
Manasses in den czweien diukheusern des tempils (in duobus atriis) 
unsers herren, die czubrach der kunic, "W— B Kön. P7 23, 12. Ste 
in dem dinkhause des houses unsers herren , Jer. 26, 2. und das 
grossere d., sinewel von dreien czeilen gehowner steine u. einer 



dinne — dorf 165 

czeile mit gehobiltem holcze, Kön. III 7, 12. uncz bis an das grosse 
d. (atrium maius) , Kön. III 7, 9. das inner d. des kuniges , Esther 
4, 11. sie stunt in dem d. des kuniclichen houses, Esther 5, 1 ; ferner 
Par. II 4, 9. II 20, 5. in dem d. des kerkers (in atrio carceris), 
Esdr. II 3, 25. 

dinne Adv. darinnen, Chr. v. Elbog. 31, 13. 

dinsen stv. I 3 gewaltsam ziehen, zerren, reißen: etslich (der 
ämei^en) ein lemmel nach ir dans, Alex. 23 138. 

dirn (== diern, -e, dirn, -e) stswf. ich sun deiner dirn (ancillae 
tuae), Sol. 90, 27. der dirn (ancillae) tu semelichen, W — B Deut. 
15, 17. und ich wil ousgeen mit meiner d. (abra mea), Judith 8, 32. 
ich habe eine d., das ist Bala (famulam Balam), Gen. 30, 3. di dirn 
(Tochter des Jairus) ist nit tot, T— B Mark. 5, 40. 5, 41. Matth. 9, 24. 
9, 25. der dirn (Herodias), Matth. 14, 11. Mark. 6, 22. eine von den 
dirnen des obersten phaffen, Mark. 14, 66. di dimutikeit seiner dirne 
(Mariens), Luk. 1,48. wir sein nit sun der dirne (der Magd), wan 
der freien, Galater 4, 31. 

dirte (= dritte) Ordnungszahlwort. Hektor was der dirte suon 
— des Parmenio, Alex. 4603. der dirte tac, 6624. 

dirnel, diernelin, diernel stn. kleines Dienstmädchen, Mädchen : 
der garten sol gefallen auf mein dierndl ursl, die ich bey mir czeich 
und halt, Igl. Stb. V 103 d. das dürndl [kleine Tochter), V 32b. 

disputieren 1. swv. disputare: Und her disputierte über die 
holczer von dem cedirpoum, der do ist auf dem libaniscben perge, 
Kön. III 4, 33. 2. stn. Ist nu wider den menschen mein d. (disputatio 
mea), so das ich pillichen nicht sulle betrübet werden, Job. 21, 4. 

distel stmf. Distel: dorner und disteln wirt sie dir tragen, 
W— B Gen. 3, 18. die d. lasset sie (die segensz des todes) stän, 
Ack. 24, 16. 

diute stfn. Deutung, Erklärung : iu ze diute sagen, Alex. 165. 
22236. 

doben (= da oben, doben) Adv. da oben : doben uff dem slosse 
lassen, Stb. Brüx N. 343. 

dol, -e stf. das Leiden: nach wachenden kumbers dol der 
guoten was in släfe wol, W. v. W. 2086 f. da^ si banlichen dol liten, 
'Legende 482. da^ ir herre leit strites dol, Alex. 14262. werlt, ditz 
■ ist ein bitter dol, 27365. 

donder (auch doner, toner, donre, dunre) stm. Donner, Traut, 
i Chr. 64. 179. 

donder-streich * stm. Blitzschlag: ein d. hat auch in pulver- 
t türm geschlagen, Traut. Chr. 230. 

dönen (= doenen, dönte) swv. singen, spielen auf einem Instru- 
'. \ment, tönen, donnern*: und über sie wirt her in den himeln donen 
i (tonabit), W— B Kön. I 2, 10. 

doner-döz,* stm. Donnerschlag: ein weinen also grö^ als ein 
i heller d., Alex. 27068. 

doner-schric* (Gen. schrickes) stm. Donnerschlag: als ein 

$ strenger d. — wart den vinden nach gejagt, Alex. 14191. den er 

was e ein meigenplic, den ist er nü ein d. ze sehen in ir ougen, 27 518. 

dorf stn. Dorf: das d., Schretel 43. er ligen sach ein schoene 
:-: (f.?) d., 41. 



166 dorf-grenitz — drei-leich 

dorf-grenitz stf. Dorfmark, Traut. Chr. 205. 

dorf-schaft stf. Dorf, -gemeinde: es sampnet sich alle d., Hier. 
170, 8 u. 11. 

dorf-vride stm. Dorfeinfriedung: Von wegen des dorffridtes, 
dass ein nachbahr den andern verfrieden soll zu rechter zeit — thete 
aber ein viech schaden — da soll sich kheiner rechnen an dem viech. 
sondern derselbige, der den fried nicht gebessert hat, soll des ent- 
gelten, Chlum. II 13. 

dorns-, dors-tag stn. Donnerstag, Traut. Chr. 63. 71. 80. 147. 

dörpel-heit (dörper-heit) stf. bäurisch-rohes Benehmen: den, 
die sich dörpelheite Schemen und tragen zuhtbseren siten, Alex. 
18886. 

dosewist = do seibist, da, Igl. Rspr. I. 

döuwunge stf. Verdauung: ez, der d. hceret zuo (trägt bei), 
Alex. Anh. 577. 

döz, stm. Schall, Geräusch (von (diesen): tambür und pusinen 
gröz,, gäben do schalbseren döz,, W. v. W. 1420 f. mit schalbserem döz,e, 
1537. rotumbel gröz, gäben ungevüegen döz, Alex. 21840. in 
schallebteren döz.e, Alex. Anh. 451. der schal so michel und der döz,. 
Trist. 1270. 

draejen swv. Prät. dräte, drsete, drete, sich drehend bewegen, 
wirbeln: daz, die sträle guldin hin drete von dem helme sin, Trist. 
2072. 

dräte Adv. schnell, eilig: W. v. W. 1734, sin ors unmäz,en d. 
lief., Alex. 18988; Alex. 10015; Trist. 438. 1474. 6774. Dal. 19, 2. 
drot (: gotj, 20, 7. drot (: morginrot), 21, 26. gebot: drot, 24, 38. 
25,1. 

drei-ding* stn. eine Art Dorfgericht. Im namen gottes hab 
ich dreiding gehöget, im n. g. geb ich dreiding widerumb auf, 
Amen. Schluß des Dreidings von Politz. Im Braunauer Länd- 
chen fanden sich noch im 18. Jh. Dorfgerichte unter dem Namen 
„Dreidinge" lebendig; daß diese in einem gewissen Zusammenhang 
mit dem 3 mal im Jahr abgehaltenen Gerichten des 13. und 14. Jh. 
der Klosterbauern von Braunau u. Politz stehen, ist wahrscheinlich, 
Schlesinger, Deutschböhm. Dorfweistümer Mitteil, des Vereins für 
Gesch. der Deutschen in Böhm. XV S. 174. Über Dreidinge in 
Schlesien vgl. „Kurtzer Unterricht von dem nunmehr veralteten u. 
verloschenen, aber doch hochnützlichen u. Gott gefälligen Dreydinge 
usw., Görlitz 1582, Liegnitz 1595 u. Leipzig 1615. 

dreies s. dries. 

drei-gekrönt* Adj. mit dreifacher Krone: des babstes stule 
mit seiner dreigekronten infel wer wir (=der Tod) nun gewaltig. 
Ack. 9, 8. 

drei-gerüdert * Adj. mit drei Ruderbänken: noch kein gros 
dreigerudertes schif (trieris magna) czihen wirt durch es. W — B Js. 
33, 21. s. auch dril-geriidert. 

drei-leich (=dri-lich. drilch) Adj. dreifach: d. in den personen 
u. einen in dem wesen (trinum quidem in persona, sed uuum in 
essen tia), Sol. 87, 14. drileichs in den personen u. ein in der wesung, 
101, 3. 



drei-lig — drischel 167 

drei-lig, dreiling (= drilinc, -ges) stm. bestimmtes Maß, 
= 24 Eimer: ein dreilig bier und vier seidlein wein, Traut. Chr. 
228. einen halben Dreiling wein, Igl. Str. (59) S. 326. einen dr. 
weins, 278. 317, S. 229. ein runder Holzblock von bestimmter Länge. 
ein dreiling holz ist ein wer, 50 ist ein zal, 50 zal ist ein tausent, 
Traut. Chr. 250. 

drei-seitl-kendl * stn. 3 Seitel haltende Kanne, Igl. Ms. 16. 

dreinel stm. Balke, Riegel, Keule: er ist czu geloffen mit 
ainem d. u. haben also den Steffen — niedergeschlagen, Igl. Str. (76) 
S. 343. 

dreng-lich Adv. in Bedrängnis: etlich armleut gefangen — 
und die d. und gefencklich gehalten — werden, Eg. Chr. 1123 
8. 300. 

dresekunge stf. (bei Lexer nur aus Br. H 7, 95) das Dreschen: 
Die tochter Babilonis ist sam ein tenne czu der czeit ir d. (triturae), 
W— B Jer. 51, 33. 

dreunge stf. (von drsejen unregelm. swv.) Drehung s. bei 
sliez,unge. 

dreu (==drouwe, dreuwe, droe, drön) stf. Drohung, Traut. 
Chr. 50. s. drö. 

dreu-brief* stm. Drohbrief: Traut. Chr. 214. 282, s. drö- 
briet. 

dreuwen (= dröuwen) swv. drohen: dein hruder drewet dir, 
W-BI26d. 

dreu-rede (= dröu-rede) stf. Drohung: Es sal auch nimand 
von richter ader scheppen sich beruffen mit d. (= wenn diese ihm 
ein schlechtes Urteil in Aussicht stellen), was schadt des richters 
arge meinung, ab die werk der ungerechtikeit niebt nochvolgen, 
Const. IV 20, 9. 

dreuer, dröwer, dröer, droer stm. Droher, Traut. Chr. 211. 281. 
282. 275. 323. 324, s. dröer. 

dries, dris Adv. dreimal: dries sie den sanc sungen, Alex. 
Anh. 1840. 

dril-gerudert Adj. d. schiff = Triere: kumeu werden sie in 
d. schiffen von dem lande ytalia (in trieribus de Italia), W — B 
Num. 24, 24. 

dringen stv. 13 1. flechten, weben. 2. zusammendrücken, drängen. 
3. zu höherer Abgabe, Leistung nötigen. 4. verdrängen. 5. trans.: 
sich drängen. 3. der urbarer mag in nicht hoher gedringen (mit 
mehr Ortern den Berg zu bauen) als: 1 lehen mit drien ortern, eine 
lehenschaft mit eime orte, DIR 14,2. 4. ab si nicht neher sein, das 
sie haben in gewer u. in gewalt, czu hesiezen u. czu beherten, be- 
halden sein — wenn das sie die junkfrawe u. die fraw mit der clag 
davon gedringen mugen ader schullen, Igl. Str. 305. 5. daz dringen 
{Hinzudrängen) die guote da wolde Tiden äne zorn, W. v. W. 
1533 f. 

drinn*? Teichname: umb den newen teich auf Zaisawer grünt, 
drinn genannt, Igl. Stb. III 232 a. 

drischel stf. Dreschflegel, tribula. W— B Par. I 21, 23. PI. 
sw. die drischein. 



168 drischuffel — druckform-setzer 

drischuflfel, drüschuffel (= mhd. drischüvel) stnm. (auch 
kämt, der drischüwl nach Gr. Wb. 3. 431 zu dreschen, weil am 
Eingang des Hauses auf der Diele gedroschen wurde). Türschwelle, 
Urnen: Er kniet uf daz, drischowel in der kirche, Dal. 76, 10 (30, 75), 
76, 16 (30, 81). wer den schaden wil vermidin , der sol den vingir 
bei der tor dem drischowel nit legin vor, wen er in zcusmuckt 
(zerquetscht) 192, 9 (85, 122). ez, fugit nit den fingir zcu legin 
czuschin (zwischen) tor und d. regin, 117, 5 (52, 35). di unib ein 
druschouwel kregtin (stritten) , 24, 6 (3, 19). undir dem Petrech 
(Ortsname) ein drisschowel glich, 32, 21 (7, 44). durch daz, dris- 
schowel do wart di stad gnant Prag (Tschech. praha, volkseti/molog, 
gedeutet als Schivelle), 32, 22 (7, 45). droschowel, 32, 27 (7, 50). Und 
der fürst wirt got anpiten über dem drischschuffel der porten u. 
wirt ausgeen (super limen portae) , W — B Ez. 46, 2. der fürst — 
wirt steen auf dem drüschuffel (in limine) der innwendigen porten, 
Ez. 46, 2. wasser auf ensprungen under dem drüschuffel des hauss 
(in latus templi dextrum), Ez. 47, 1. 

drö (drö, drouwe) stf. Drohung: den argen was sein rede ein 
dro, Wh. v. W. 4048. 

drö-brief* stm, Drohbrief, Traut. Chr. 282. 

dröer stm. Bedränger, Bedroher: es haben die hern von Traut- 
naw ihren droer gefangen bracht, Traut. Chr. 211. 323. des drowers 
Gorge Santmans knechte — haben einem bauer 100 taler ge- 
nomen, 281. 

dröeri, dröerei, dröore* stf. Drohung, Traut. Chr. 31. 83. 281. 

drom* stn. Tuchrest. Sed frusta, volgariter dromer, ad civi- 
tatem Olomuczensem reducere non debent, sed in illis foris vendere, 
cui possunt. Fremde Tuchmacher dürfen in der Stadt Olm. selbst 
nicht Tuch ausschneiden, Olm. Stb. 93a 3 u. 9. s. drum. 

dromede (= droinedär) stn. Dromedar: die uberflussikeit der 
camelen wirt dich bedecken, die dromeden der lande Madian u. Effa, 
W— B Js. 60, 6. 

dros s. droz,z,e. 

drossdrani* stf. Wasserablauf kanal {vielleicht aus dror stm. 
Sumpf, trör stm. n. her abtropfende Flüssigkeit, got. driusan, herab- 
fallen und dram stm. Gewoge; oder zudräni(e) stsiom. Balken oder 
rame, reme swmf. Stütze, Rahmen): Die schüdt in der d. , so einer 
seinen Gründt di schütt nicht wird machen und durch wasser ein 
schad gescheh, so ist der schuldig wandel, Chlum. IV 50. 

drotz-lich s. traz-lich. 

drower (= dar-obe, drobe) Adv. darüber, Brunn. Str. II 206. 

droz,z,e siom. stsiuf. Schlund, Kehle: der Dorink (Thüringer) 
sneit dem konige vil snel ab sin dros unnd sin kel, Dal. 216, 34 (98). 

drucken, drücken swv. 1. drücken, bedrängen. 2. auspressen. 
3. coire bei Vögeln. 4. ein Buch drucken. 1. si dructen an daz, 
fremde her (rückten an das Heer heran), Alex. 3623. mit stürme er 
an die stat dructe, 5276. du siehst daz, dich di geselschaft druet, 
T— B Matth. 5, 31. 

druckform-setzer* stm. Setzer in einer Druckerei: Traut. 
Chr. 255. 






drum — durchgraben 169 

drum stn. PI. drum, -er Endstück, Ende, Stück, Splitter, 
Tuchrest (Zoll hiervon auf der Prager Brücke): Item de usione, 
quantum drum dicitur, IUI gros, Prag. Str. 7, S. 8. hoffnung aller 
drümer der erden (omnium finium terrae = Gott), Sol. 87, 33. 97, 36. 

druinel- Schlager* stm. Trommelschläger: Bartel Weisz, d., 
Traut. Chr. 330. 

drumen, drinnen swv. in Stücke schlagen : dö wart — ir herten 
schilt von in gedrumet, der man sie blöz, sach riten, Alex. 14288. 

drümlein stn. Demin. von drum: 1. Haarlocke. 2* Tuchrest 
siben slaier und drei drümlein, Igl. Stb. V 149 d, etliche tuech u. 
druemlein (Tuchreste), V 279c. III drumlen, V 281b. 

drunzel, drunzil (mhd. auch trunze, trunzel) stn. gebrochenes 
Sperrstück, Speersplitter: die drunzilen Stuben — in die luft, Trist. 
1746. durch sin houbt daz. drunzel bort, Alex. 13938. 

drüsse (= druos stf. drüese swf. Drüse, Beule) ; drusse Drüsen- 
geschwür, Pestbeule: das dir gott di drusse gebe, Elbog. Chr. 105, 1. 

drüz.z,el stm. Gurgel, Schlund, bei Tieren auch Rüssel, Schnauze: 
den keisir der kunig uf der stet ruckt bi dem druszil und greif im 
an den ruszel, Dal. 187, 2 u. 3" (83). 

düchtig (mhd. tühtec, -ic) Adj. tüchtig, brauchbar, edel und 
fein gesittet: Du fragest, war zu wir duchtig sein und waren, 
Ack. 24, 4. 

düiup-lächter* (aus düme swm. Daumen und lächter md. für 
läfter, kläfter fn. Klafter der Bergleute, ein Längenmaß von 4 
(dum-) eilen; so helt ein dumplochtern 4 elen, Traut. Chr. S. 190, s. 
daumelle. 

dupeln s. gedupelt. 

dünken unregelm. sivv. (Prät. dühte, später dauhte, Konj. 
diuhte, Part, gedüht) scheinen, dünken: sie gedauchte, das 1000 pferd 
und me noch in reuten, Böhm. Chr. 36. 

dunten (= dä-unten) Adv. d. = da unten, Traut. Chr. 281. 

durch-echten (durch-sechten) swv. verfolgen, subst. Inf. — stn. : 
den antwurten (übergeben) sie euch in durechten, T — B Matth. 24, 9. 
den wirt alz, inichelz, d., Matth. 24,21. nach den d., 24, 29. so daz, 
d. und die iagung wirt gemacht, zehant wirt er betrübt umb daz, 
wort, Matth. 13, 21; Mark. 13,24. die Juden — derwekten ain d. 
wider Paulum und Barnabam, Btb. 13, 50. tailhaftig in dem d. und 
in dem reich, Offenb. 1, 9. wir derleiden daz, d. und enthabens = wir 
erleiden Verfolgung und dulden es, I. Korinther 4, 12. 

durch-gen (auch durch-gän) stv. red. unregel. durchdringen: 
Durchgents liht, beit des blinden = lux, quae transis, exspecta 
caecum, Sol. 7, 29. 

durchgenge - stelle * stf. Ort mit zollfreier Warendurchfuhr: 
ein marktfreie d., welche mit einem namen genennet wird New 
Trautnaw auf der Aupen, die iczund unser ist, Traut. Chr. 17. 

durch-gengig Adj. laxus, penetrabilis, pervius, durchdringend: 
ewiges wort, das durchgengiger ist wenn kein durchsneidents swert, 
Sol. 2, 24. 

durch-graben stv. IV. grabend durchbrechen : auf die rede (damit), 
das im sein haus nicht d. wurde, Hier. 21, 20. 



170 durch-gründen — durch-slag 

durch-gründen swv. bis auf den Grund dringen, ganz er- 
gründen : der erden tief durch irdisches guts willen d., Ack. 52, 7. 

durch-komen stv. 1 2 bis zu den abgebauten Lehen vordringen : 
der czweier schacht ainer d. ist u. gevertiget ist also, das man dor- 
mit arbeit allez,, das not ist czu den lehen, Igl. Bgr. N. 45, 5 u. 8. 
vom tag ist kain schacht d. in die vorgenanten lehen, die wir uber- 
varen haben, Nr. 45, 6. 

durch-legen swv. 1.* ganz und gar bedecken. 2. mit Zierrat, 
Edelsteinen besetzen. 1. aller gaz,z,en wege man hat mit riehen 
tuochen durchleit, Alex. Anh. 1975. 

durch-leuchtig (= durch - liuhtec) Adj. alles durchstrahlend, 
helleuchtend, berühmt, durchlauchtig): das die kirche erleuchtet 
wurt mit irem durchleuchtigen scheine, Hier. 223, 2. ir durchliuhtec 
mündelin — sie dem fürsten bot, W. v. W. 747. rubin gar durch- 
liuhtic rot, Alex. 9380. der durchleutigen fursten, Igl. Bgr. U — A 
Einl. dem durchleichtigisten, grosmechtigen — fursten u. herrn 
Heinrichen herezogen czu Sachsen, Igl. Bgr. N. 108. 

durch-leuchtigkeit (= durch-liuhtec-heit , eontemplatio) stf.: 
aber unser d., die allewege wacht czu gemache der undertenigen 
= sed nostre serenitatis provisio semper invigilans commodis sub- 
jeetorum), Const. I 7, 22. 

durch-liuhtic s. durch-leuchtig. 

durch-lustig* Adj. höchst erfreulich, höchst beglückend: Ir 
hapt sie hin mein d. augenweide, Ack. 6, 14. 

durch - nechtig -liehen (= dur-nehtec-lich von dur-nehte, 
-nahte) Adj. vollkommen: das verre wurkende gehören (Gehör) 
gar d. mit einem dünnen feile vergittert zu prufung u. unterscheit 
mancherlei süsses gedones, Ack. 39, 1. 

durch-pelzen* (von beizen, pelzen sw. aus tat. impellitare, 
pelzen, pfropfen, wie durch-phlanzen = völlig bepflanzen) sivv.: ge- 
pflanezet hab ich meine weingerten u. habe sie durchpelczet (con- 
sevi arboribus), W — B Prediger 2, 4. 

durch-reinig (= durch-rein) Adj. man (vergl. durchreinigen 
permundare, Evang. M. 3, 12). ganz rein: d. äugen, purgatissimi 
oculi. Sol. 92, 6. 

durch-slag stm. 1. Das Durchschlagen, 2. Durchlöchern. 3. die 
Öffnung, um das zurückgehaltene Wasser abzuleiten (bergm.). 4* bes. 
Herstellung einer offenen Verbindung zweier Bergtverke oder eines 
Bergwerkes mit einem Erbstollen unter Tag. 5. Küchengerät zum 
Durchseihen. 6. Spitzes Werkzeug von Eisen oder Stahl. 

4. Da im Gegensatz zum heutigen Bergmaß (vertikal von den 
Enden des über Tag gezogenen Maßes in die Erde) früher das 
Grubenmaß vom Streichen und Fallen des geliehenen Ganges ab- 
hängt, kann es kommen, daß, „wo andere enploste genge von einem 
hauptgange ader verlihen massen am tag genug ferne von einander 
weren und doch in der teufte tzusamne fielen". Ein solcher Streit 
kann nicht durch Markscheidekunst, sondern muß durch einen Rechts- 
satz entschieden werden und zwar hat der Altere im Feld den Vor- 
zug vor dem Jüngeren, der die Vierung (das Grubenmaß) des Alteren 
leiden muß. Das Alter im Feld wird durch die Verleihungshand- 
feste erwiesen: Wo lehen czu krige ligen kegen einander, wie vil 



durch-slag 171 

er sein, u. eine die krigent, in sei mer und e vorlihen, und der 
leiher oder der urbarer, der in di leben vorlihen hat, ist lange vor- 
varn (tot oder weggezogen), do si sich wellent anezihen (auf den sie 
sich berufen wollten), welche danne ir hantfesten weisen, domit sie 
wollen volvarn, di eldeste und di e geschriben ist, di beheldet ir 
recht und was in beschriben ist u. vorlihen, D I R 30. Pauwent 
czwaierlei gewerken pei einander, di peiderseit hantvesten haben 
über ir lehen und durchslabent sie czu einander und werdent darum 
czu krige, welcher dann die eider hantvesten hat, dem schol man 
sein recht e geben deune dem andern, Igl. Bgr. N. 43 u. N. 44. Auf 
Grund solcher schriftlichen Zeugnisse ivird geteilt czu einem rechten, 
das man dem eidern gemessen berge zu der Mawer u. allen seinen 
lehen ir recht nach des zuges lenge uff das hangende u. uff das 
ligende geben sol, N. 51, 12. als wir clag u. antwort und auch des 
pergspuch abschrifft gehört u. vornomen haben, so taile wir czu 
ainem rechten, das man dem eitern perge von Sent Jürgen ee (als 
dem vom prunne) geben schol u. messen schol; hat dornach der 
perkmaister von Sent Jürgen dem p. vom prunne icht czu schaden 
gehawen, das pesser er noch dem rechten, Nr. 52, 6. 

b) Recht des Enthauens. Auf rasches Vordringen in die Tiefe 
ist dadurch eine Prämie gesetzt, da/s, wer eher zur Stelle ist, auch 
im fremden Felde Erz hauen darf bis 1. er mit dem auf demselben 
Garige rechts oder links angesessenen Nachbar durchschlägig xoird 
(„offener Durchschlag") oder 2. gegen seinen Bau auf dem Hangenden 
oder Liegenden von dem auf einem fremden Gang angesessenen 
Nachbar Einspruch erhoben wird („blinder Durchlag"). Im 2. Fall 
braucht der Einspruch Erhebende den Durchschlag nicht abzuwarten. 

b) 1. Da naturgemäß ein Gang zuerst nach dessen Streichen 
abgebaut wurde, konnte es sich lohnen, dem auf dem selben Gange 
angesessenen, entgegenarbeitenden Nachbar durch rasches Vordringen 
was ab zu geivinnen, während dieser natürlich an der bedrohten 
Stelle rasch entgegenarbeitet ; denn mit erfolgtem offenen Durchschlag 
(wobei es in älterer Zeit sehr gewalttätig herging) endet das Recht 
des Enthauens. Beide Teile müssen nun abivarten, bis die Ge- 
schworenen die Markscheide weisen. (Nach andern Quellen z. B. 
der Kremn. BO. Art. 9 kann ohne Markscheidung sofort weiter 
gearbeitet werden, so daß jeder dem andern 3 / 4 Klafter fernbleibt, 
nach der steir. B 0. v. 142-1, Plattner S. 24, danu, wenn „der Durch- 
schlag in ödes Gestein geschieht"): Ist das bergleute nebin einandir 
arbeiten, is sie an bergen, lehen adir lehenscheften, einer mag dem 
andern enthauwen unde angewinnen sines berges unde sines erezes, 
so meiste er mag, bis das si kegin einandir durchslahen. So das 
geschit, so sullen si denne beide den durchschlag rümen, bis das die 
gesworne doczu komen unde einen iczlichen bescheiden, wo er in 
dem sinen mit rechte erbeiten möge an hindernisse, D I R 19 (Schemn. 
Begr. (15); Freiberger Bgr. B. § 34. mit dem Zusatz hinter rümen: 
iczlicher l l t eines lochtirs, Schemn. B. (8): 3 U eines lochters). In 
Igl. Bgr. N. 52, 2 sagt der bergmeister von Sent Jürgen: ich glaub 
ewern genaden wol, das ir nimant in mein perkwerk sent so lang, 
unez das wir mit durchsiegen czusammen komen. Darnoch in 
kurezer frist machten sie czwischen denselben perkwerken (v. Sent 



172 durch-slag 

Jürgen u. vom prunne) ainen durchschlag — , da sagt der Bergm. 
vom prunne: es ist gescheen ain durchslag czwischen den perkwerken 
czum prunne u. czu Sendt Jürgen (3). Entscheidung: das man den 
eitern perge von Sent Jürgen ze geben schol u. messen schol, hat dor- 
noch der perkm. v. Sent Jürgen dem p. vom prunne icht czu schaden 
gehawen, das pesser er noch dem rechten, 52, 6. — Es fuget sich 
czu czeiten, dass ein offen durchslack geschach czwischen 2 gemessen 
pergen, die czu häuf durchslugen. — Do behauten die Steiger, das 
sie durch den durchslak gevaren weren czu ainer gruben in, czu der 
andern wider aus, Nr. 45, 1. ein d. ist geschehen zwischen den — 
pergwerken, dem Schechtel u. den Kaufleuten, N. 46, 1. als si — ir 
gepeude gevurt haben, pis si mit einem offen durchslage kumen 
sein in ander leben und in marscheider darczu gegeben sein, die 
haben ein steende marscheide gegeben peiderseit, Nr. 8, 1. d. 
czwischen send Jürgen u. dem perkwerk czum Goldsmiden, N. 3, 1. 
d. vom himelstoss czu den Wagnern, 5, 2. W. Kauffmann — u. 
Andres Plumel mit iren gewerken — hatten czu tedingen von ains 
durchslag wegen, der czwischen iren pergwerken gescheen ist, 
N. 60, 1. ferner N. 40, 2: N. 50, 1 u. 3; 53, 12 u. 13; 55, 1; 64, 1, 63. 
ob der dorchslag aus dem schacht in den obristen alden Schacht 
komen sei oder nicht N. 6,2. sie haben uns vorgeleget wie ein d. 
czukumen wer aus irer gruben in di gruben genant czum Schirmer. 
— Der vorsprech der gewerkeu von den Schirmern sprach: Es 
geschach, das ein d. czukumen scholde, des si sich vorsahen, 
czwischen in u. den Wagnern u. gingen czu den oberesten steigern 
u. paten di durch eins rechten willen, das si ir diner mit in in ire 
grübe sentten ader selber mit in vuren: si vorsehen sich, es were 
ein d. czw. in u. deu Wagnern gesehen, das her dorezu vure u. 
sehe, das kein unfuge icht geschehe. — Noch dem kurczleich do 
wart durchslagen. — Do sandten di oberisten Steiger ir gesworn 
diner in peide gruben u. enphalhen den, das sie best eilten und 
ouch dopei weren, das von des durchslages wegen kein unfuge icht 
geschech. Di selben vuren in peide gruben czu dem d. u. sahen, 
dass der wint entwer ging u. sein czuge nicht redlich hette, wider 
hiher noch dorthin, und das der d. auch dennoch nicht czu was 
geweit. — Sie bekommen von den oberisten Steigern den Auftrag: 
das sie die vocher in paiden gruben, di den wint gehindern mochten 
an seim czuge, czuslahen scholden. — Igl. Bgr. N. 63, 2. Obige Be- 
stimmungen über den „Krieghau'' gelten auch für Lehenschaften u. 
selbständige Lehen. Nach Freib. Bgr. § 12 werden die des Markgrafen 
und der Markgräfin aktiv u. passiv vom Enthäuten ausgenommen, 
b) 2. Da der Bau auf dem Sangenden oder Liegenden von 
zufälligem Erzvorkommen in sogenannten Nebentrümmern abhing 
und daher von de>i Mitbewerbern ein Entgegenarbeiten nicht ver- 
langt werden konnte, wurde über einen solchen Streit anders ver- 
fügt. Das gegenüber der ideellen Markscheide in „blindem" Durch- 
schlag gewonnene Erz bleibt dem Eingedrungenen bis zum Wider- 
spruch, (Joach. B 0. Art. 92. sali doch das ertz, so vor dem vorbott 
gehauen ist, dem bleiben, der es gehawen), von da an kann u. soll 
zivar weitergearbeitet, das gewonnene Erz bis zur Austragung des 
Streites durch reale Abgrenzung der Abbauberechtigungen sequestriert 



durch-slag 173 

werden (mit der huete pehalten, reservari sub custodia, U — B 26. 
vorpurget werden, also das is wedir einhalb noch anderhalb gefalle, 
bis das is das recht entscheide, DIR 15, 1. Und das ercz, da3 in 
der czeit aufgehaben wird, das sol man legen czu einem gemeinen 
manne, das, wen der krig ende hat, das maus denne gebe dem teile, 
das gewunnen u. gesigt hat, als das recht heischet, Const. 1 10, 2. 
Die Abgrenzung nimmt eine Kommission (3 von den Parteien und 
einer von der Bergbehörde zur Wahrung der Regalrechte bestimmt) 
vor, deren Mitglieder dürfen an keinem der streitenden Bergwerke 
teilhaben, später (Joach. B 0. Art. 92) der Bergmeister sampt den 
geswornen und andern unvordechtigen bergkvorstendigen. Die Er- 
mittlung der rechten Markscheider soll erst vom Basen aus mit 
Schnur und Winkelmaß versucht werden, falls dies nicht gelingt, ist 
der blinde in einen offenen Durchschlag zu verwandeln und dann 
zu messen. Der ältere Berg kann (Recht der Vierung) verlangen, 
daß ihm zuerst gemessen werde. Auf die festgesetzte Markscheide 
muß der Enthauende zurückweichen. Das vom Widerrufe bis zur 
Vollendung des Streites gewonnene, sequestrierte Erz fällt dem zu, 
in dessen Feld es gewonnen worden, wenn in dem des Gegners, sind 
diesem dafür die Kosten zu ersetzen: Und ist in keinem Stollen 
oder perge an dem teil, daz da heizet hangendes oder liegendes, 
ercze, oder ob es funden wiert, da man an czwifelt, weder es uz 
der siben lehen mase si oder darinne, und peidenthalben ein griec 
under den gewerken ist, wer daz pehaben schol, so schol man darczu 
chiesen drie frume man, di ir entweder an keinem teile angehorent, 
und den vierden darczu von der urburer teil, daz die vier man oben 
an dem rasen ein winkelmaz nemen u. recht pesen, ob man den 
krieg czwischen in muge czufuren (verrichten E.). Mac des danne 
also nicht gesehen, so muz man die czwene genge czusamenvarn 
mit einem durichslage, unde schullen die vorgenanten vier man, die 
dar czu gekorn sint, aver (abermals) ein winkelmaze cziehen, u. 
swie si ez danne perichtent, also schol ez stete peleiben, Igl. Bgr. 
U — B 2-4—25. Buwet ein mann uff dem hangenden adir uff dem 
leginden, also das man nicht enweis, ap is czu dem berge gehöre 
adir ein frihes si, das sal man drien gemeinen mannen geben uff 
iren eit, dem virden von des urbarers wegen, also das ir keiner do 
teil habe an dem gebirge. Di sullen obene uff dem rasen di snure 
czihen von dem höchsten der genge. Mögen si is gescheiden, is sal 
craft habin. Mögen si is nicht gescheiden, so sal man von den 
gengen der sebin lehen einen durchslag faren an die nuwen genge. 
Wenne is denne das recht gebit mit der snure unde mit dem winkel- 
masse, des ist das ercz usw., DIR 15, 1. n. Const. 1 10, 1. 

c) Ein Bergwerk oder selbständiges Lehen, das durch mangel- 
hafte Wasserhaltung ein anderes zu ertränken droht, sei es durch 
offene Durchschläge (nur dann im Freiberger Bgr. B. § 27) sei es 
durch natürliche Klüfte und Spalten, kann dem mit Ertränken be- 
drohten auf Verlangen von dessen Gewerken nach 3tägiger Klage 
von der Bergbehörde und Bezeugung durch Geschworene zugeeignet 
werden (Igl. Bgr. N. 66). 

d) Umgekehrt hat eine, durch Durchschlag oder sonstwie 
eine andere vom Wasser befreiende Grube Anspruch auf eine 



174 dnrch-slag 

(wohl der des Erbstollen entsprechende) „Eigenschaft" , Const. II 
3, 12: Wir seczen auch, das alle erbsilbergruben — nichtesnicht 
rechtens auswendig der mase ader reine in den bruchen ader in 
was andern dingen in behalden ader czuczihen sullen, nur die 
eigenscbaft von den perkwerken, die ertrinken wollen, di ir wasser 
ausczihen, ausfuren u. austrucken mugen. — Igl. Bgr. N. 68, 2: 
Wiwol czwischen den gruben czu den goltsmiden u. czu dem stain 
nicht offen durchsieg sint gesehen — so teil wir euch czu einem 
rechten: es sei kluft czwischen den gruben oder ganezer stein, sint 
dem mal und der herezog das perkwerk also gelihen hat (wo es 
treugete, do scholt es eigenschaft nemen), und s. d. m. das di gruben 
czu den goltsmiden der grübe czu dem staine wasser benimt, es 
gesche durch klufte, die man gesehen mag oder durch risse oder 
veule oder durch eczlich ander sache oder seig, der menschlich ge- 
siebte nicht wol gemerken inak, dennoch schol die grübe czu dem 
staine der gruben czu den goltsmiden von recht eigenschaft geben. — 

e) Durchschlügig verbundene Bergwerke müssen den natürlichen 
Wetterzug gegenseitig didden und dürfen ihn nicht durch Windfänge 
verkehren Igl. Bgr. N. 63 : die gewerken czu der gruben czum Wagner 

— haben uns vorgeleget, wie ein durchslage czukumen were aus 
irer gruben in die gruben genant czum Schirmer, u. sprachen, wi 
der wint sein czuge kreftiglich gewunen bette durch den selben 
durchslag in di Schirmer u. do ausgangen wer. Nachdem die Ge- 
swornen Steiger einen haspel (in der Grube der Wagner) funden, 
der do vorkleibet u. vorpunet was, den lisen si aufprechen u. offen 

— so das der wint sein czuge kreftigklich wider aus den Schirmern 
in di Wagner gewunnen hat u. in den selben haspel ausgangen hat 
u. noch get — N. 64, 5: Als di oberisten Steiger bekant haben, das 
si gesehen haben, das der czechenwint aus dem kunigeslehen u. 
durch di lehen, di do geboren czu dem gartin, sein czok vertigkleich 
ungehindert durch den durchslag gehabt hat u. gangen ist in di 
gruben czu den Querczin u. doselbist czu irem schachte ist aus- 
gangen u. der perkm. u. s. gewerken von den Querczin dornach 
wintfeng gesaezt haben, di den wint wider hinder sich in des gartin 
lehen getriben haben — : das der selb czechenwint aus deme kuniges- 
lehen u. durch die lehen, di do gehorent czu deme gartin, sein czug 
schol haben durch den d. ungehindert in di Quercze u. czu irem 
schachte aus — u. taile di wintfeng. di man dornach geseezt hat 
von den Querczin, das di faul bleiben schullen. ■ — 

f) Spat entstand das Hecht auf entgeltliche Benützung eines 
fremden Schachtes zur Fahrt, einmal schon Kremn. B 0. Art. 21; 
Hangenst. B 0. v. 1542 Art. 23. Schmidt 1, S. 333 und auf unentgeltl. 
Verwendung erschroteter fremder Grubemvasser. Vergl. Zycha I §24: 
Rechte der Bergwerke gegen einander. 

d. eines Erbstollen in eine czeche: Des haben di selben den 
stollen wider angegriffen, di in vor füren, u. sint gevarn mit einem 
offenen d. in das selbe perkwerk u. gerten eines rechten („eigen- 
schaft") von in. — Entscheidung: Beweisen di gewerken, der der 
stolle ist, mit einem rechten, das her ir erbstolle ist und si mit 
offenem d. in das perkwerk komen sint, so teil wir dem stollen sein 
recht, Igl. Bgr. N. 74. — das hat der gesw. marscheider genumen 



durch-slahen — durch-wunden 175 

auf seinen ait, das her (der erbstolle) von der rechten wasserseig in 
virdebalben lehen hat erreicht ir lehen u. vorschroten, aber der d. 
der ist auswendik virdelhalb lehen czukomen. — Finden 4 gesworn 
inarscheider (von ihnen einer von der urborer wegen), die weder am 
Stollen noch dem Bergw. zum Steine Teile haben dürfen, das der 
stolle in vierdelhalben lehen auf dem hangenden durchslagen hat u. 
nicht alleine irrechent u. verschroten hat die lehen czu dem stein, 
u. besagen das auf iren ait, so schullen di von dem stein ir wasser 
in den Stollen sturczen u. dem Stollen ein sibendes geben, Igl. Bgr. 
N. 73. In N. 74 lautet die Entscheidung: di weil der von dem erb- 
stollen dem anderu, der vor da gepawet hat, mit offen durchsiegen 
nicht wasser benimet noch wint pringet, das her in czu keiner 
aigenschaft von rechte nicht getwingen mag. — Ferner N. 72. 76, 5. 
ein d. in die uberschar czum pawern (Grube in Kuttenberg) Igl. Stb. 
V 10 b. d. vom Czappenschen zu Sent Mertein, Igl. Kspr. I. 

Wann ein Neufänger mehrere unter Tag durchschlägig ver- 
bundene Gruben verschiedenen Rechtes besitzt, kann er von den mit- 
bewerbenden Findern genötigt werden vor der Bergbeh. auf dem 
Hundbaum zu schwören, daß das maßwürdig befundene Erz wirk- 
lich aus der im deshalb zu messenden Grube stamme. U— B 7, 
D I R 13, 5. Const. II 2, 6 s. neuf äuger. 

Wenn Lehenschaften auf Nebentrümmer verliehen werden, so 
dürfen die Lehenheuer nur bei „unbedingten'' Verleihungen auch 
nach dem Durchschlag in den Hauptgang weiterarbeiten, bei „be- 
dingten", (Const. III 1, 12. III 2) müssen sie beim d. vom Bau ablassen. 

Feuersetzen zur Mürbemachung des Gesteins ist nur bei Durch- 
schlägen nicht gestattet, Massan. Statut. 6. 

durch-slahen stv. IV. 1. durchprügeln. 2. durchbohren. 
3. schlagend durchbrechen: 3. pauwent — gewerken u. durchslahent 
si czu einander, Igl. Bgr. 43 f= einen durchslag machen, das der stolle 
auf dem hanguuden in 3 1 / a lehen durchslagen habe in die lehen czu 
dem steine (= mit d. eingedrungen) DIR I. 19. — 4. mit Metall- 
schmuck versehen : ein cleit — mit gulde wol durchslagen, Ernst 2618. 

durch-sneiden (-sniden) stv. II. zerschneiden, verwunden, bildl. 
mit Schmerz durchdringen: ewiges wort, das durchgengiger ist 
wenn kein durchsneidents swert, Sol. 2, 24. 

durch-spehen* sw. kundschaftend, spähend durchstreifen: do 
durchspehten sie die erde, W — B Num. 13, 22. 

durch-vart stf. Durchfahrt, Durchgang : Nu thue auf die d. 
meiner oren (penetralia) , Sol. 2, 23. der gestirne durchvart , Trist. 
230. durch dieselbe d. (durch das thor des melzhauses) sal der 
Michel Besniczer faren, Igl. Stb. III 151c. 

durch - veucliten (-viuhten) sw. durchnässen: sein gepeine 
werden durchveuchtet (irrigantur), W — B Job. 21, 24. 

durch- vomieren* (von for-, furnieren swv.) ganz mit Furnieren 
bedecken, W — B s. sliez,ung. 

durch-wieren swv. mit Gold oder Edelsteinen durchlegen ge- 
bende-gezieret und durchwieret, Trist. 4509. 

durch-wunden swv. ganz verwunden (nur aus Wack. pr. 99, 7. 
Gr A 3, 238. 1351) durchwundet hat er meine lenden (convulneravit 
lumbos m.) W— B Job. 16, 14. 



176 dur-echten — e 

dur-echten s. durch-sechten. 

dürft stf. Bedürfnis, Not: „Wann dich du (— dö) ein keisir 
zcu höbe (= hove) rufit, so brenne eine mil (Meile) um dich mit 
raube dürft, Dal. 99,6 (42,64). 

dürft Adj. nötig, notwendig: daz. im nit was dürft, T — B 
Joh. 2, 25. Matth. 6, 8. es ist dürft, daz. die trubsal kumen, Matth. 

18, 7. den gesunden ist nit dürft des arczt, Matth. 9, 12. 

dürftig', dürftig Adj. Arm, bedürftig: dürftiger, totleicher = 
miser et mortalis , Sol. 8, 16. wan sie des dürftig sein , Igl. Stb. 
III 55 d. 

dürftig-heit stf. Unglück, Not: an dem tage der besuchunge 
u. der grosen durfticheit, W — B Js. 10,3. kumen wirt ouf dich d. 
(miseria), Js. 47, 11. dem was leide über ire d. (hatte Mitleid mit 
ihrem Elend), Richter 10, 16 ferner II. B. 14b. VI. IIa, 52b. 

dürkel Adj. durchbrochen, durchlöchert, mangelhaft*: d. ist 
din (der werlt) triuwe, Alex. 27315. 

dur-nechtig (dur-nehte, -nahte, -nehtec, -nahtec) Adj. voll- 
kommen, woran nichts auszusetzen ist: nach durnechtiges meisters 
siten, Trist. 19. d. in Jhesu Kristo, T — B Kolosser 1, 28. der wille 
Gotes — wolgevallender und durnechtiger, Römer 12, 2. dorum seit d. 
alz, euer himlischer vater ist d. , Matth. 5, 48. ob du wilt sein d., 

19, 21. ein d. volk, Luk. 1, 17. ein ieglicher sei d., Luk. 6, 40. 

durnein (dürnin) Adj. von Dornen: ain d. krön, T — B Mark. 
15, 17. 

dürre (auch dürre) Adj. dürr, trocken, mager: bei trüben ge- 
trank, auf dürrem ast, betrübet — bleib ich u. heul an unterlasz, 
Ack. 5, 4 vgl. Wolfr. Parz. 57, 10 ff. 

dürsten, dursten unpers. swv. dürsten: laz. dich nach sinem 
sun durstin (sei ihm gewogen, hüte ihn wohl!), Dal. 59, 16 (21,11). 
im vient si wurden durstin und kurn in czu vurstin, 218, 25 (99). 

dürsten, dursten sivv. unpers. Prät. durste dürsten, verlangen: 
helden, die sich dürsten län nach ritterlicher tat, Trist. 1310. 

durstig (turstec) Adj. kühn: keiner was durstig in zu fragen 
von des hin (wagte, ihn darum zu fragen), T — B Matth. 22, 46. 

duz, (G. duz.z.es) stm. Schall, Geräusch: also kreftigen duz,, da 
mit daz. waz,z.er tet val durch daz. bilde hin ze tal, Alex. 25254. ein 
waz.z.ervluz. gap gar sturmlichen duz,, Alex. Anh. 606. so biutet 
sin (des brunnen) wal mit duz.ze braht, Alex. 9840. 



E 

e (= e, ewe) stf. 1. endlos lange Zeit, Ewigkeit. 2. Gewohn- 
heitsrecht, Recht, Gesetz. 3. bes. Norm und Form des Glaubens. 
4. Altes und Neues Testament. 5. Ehebund. 1. von ewen zu ewen 
immer mere, Legende 878. 2. in meiner e oder nicht (in lege mea), 
W — B Ex. 16, 4. in der e unsers herren , Lev. 5, 17. sein sullen si 
alle (unser Hab und Gut) under deiner e, Judith 3, 4. Als di e ge- 
sprochen hat: was du wild, das man dir tue, das tue andern, das 
gehört dorczu, Igl. Str. S. 356 oben. 3. er da leben solde, swelcher 
e er wolde (christl. oder heidnisch) , W. v. W. 6474. die geloubent 



eben — eben-starc 177 

an den höben got u. geloubent der e, als er gebot, 5807. „nü sagent 
des kristen e u. wie iuwer gloube ste", 5812f. lepte diz volc nach 
unser e, (= christlich) ich wolde hie wesen, 5410. der bischof gap 
überal die e, er lerte sie des kriuzes segen, 7788. fürstlich recht, 
nach kristen e gesegent, 7802. do treit er kristen e. sin orden 
tsete in lihte we (weil ihr noch Heiden seid), 6870 f. nach Kristes 
e getouft, 6827. daz wir unser e verkürn = unser Christentum 
aufgeben sollen, 3458. 4. got gebot in der alden e, Joh. v. Iglau 
4. Gebot, noch der e, di du gegeben hast unsern vetern in dem 
fewer, Sol. 68, 20. Mag aber der, der den schaden getan hat (Fuß, 
Hand, Nase oder sonst ein Glied einem geraubt hat) des geldes 
nicht gehaben, so rieht mau nach der E oder nach dem rechten, ain 
aug um das ander, haut um haut und also um die andern gelider, 
Brunn. R. II 9. 4. daz, uns wil triben von der e, die der werde Moise 
üf Sinai dem berge nam, Alex. 72i5. 5. Ich bin vormalen in der 
lieben lustigen ee gewesen, Ack. 42, 14. herre Tot, aller e brecher, 
Ack. 18, 5. wer seinen sun oder tohter verlobt oder zu e gibt, 
Eger Str. XVI. 1. das si an di rechtin e tretin (und nicht mehr 
Vielweiberei pflegen), Dal. 80, 20 (32, 37). 

eben, -e Adj. glatt, gerade gleich, gelegen* , passend*, ent- 
sprechend: wie mir das fugsam u. eben ist, Stb. Brüx N. 335 und 
Elbog. Chron. 2, 19. 35, 22. daz, die rede sin inuge sinen worten eben, 
Alex. Anh. 1691. 

eben, -e Adv. 1. gleichmäßig, paßlich. 2. bequem. 3. genau, sorg- 
fältig. 4. gleich. 1. das phert — gie snelles zeltens eben, W. v. W. 
7096. 3. allez, des sie muote, daz. stunt so ordelich und eben, 4111. 
er vaz,t — die wort — eben in sinen muot, Alex. 25945. 4. da (im 
himel) er gewaltecliche eben here und eben riebe sitzet ze sines 
vaters hant. W. v. W. 3069. so mereke die stat gar ewen (genau), 
Böhm. Chr. 59. 

eben-bilde stn. Ebenbild, Abbild, Vorbild: vielleicht gedenken 
(die Ratsherrn von Elbogen), mit dem ebenbild zu setzen (ein 
warnendes Beispiel zu geben), das sich ander meiner gnedigen hern 
anhengung (seine Anhänger) zu sein schew sullen entpfahen, Elbog. 
Chr. 72, 3. 

ebene stf. Ebene: ein teychtl, ligund hinter sand Johannes in 
der eben, Igl. Stb. IV 245b. ein teich, gelegen in der eben, V83a. 

eben-gröz, Adj. gleich groß, ebenbürtig: mir an adel ebengröz,, 
Trist, 5752. 

eben-her Adj. gleich vornehm, gleich herrlich: der im was wol 
ebenher = ebenbürtig, W. v. W. 3787. 3069. 

eben-hoehe stf. Belagerungswerkzeug, das in gleiche Höhe mit 
der Mauer bringt, Alex. 2515. 14965. er machen hiez, e., di er 
hiez, an die burc mit schiffen leiten, 9236. ietslich e. behielt driu 
gaden, 9243. sie vielen üz, der e. dar üf (üf die müre), 9485; Alex. 
Anh. 690. guter ebenhoe viere, Ernst 1399. 

eben-krist (auch -kristen stswm.) swm. Mitchrist: desselben 
bistu schuldig zu geweren deinen ebeucristen, Hier. 48, 25. das wir 
got lib haben sullen — und dorezu unsern ebencristen, 55, 19. 

eben-starc Adj. gleich stark: sin ros e. und vollenhoch was 
ez, zu mäz,e wol dem man, Trist 1644. 

12 

Jelinek, Wörterbuch. 



178 eben-teuren — echt(e) 

eben-teuren (eben-tiuren) swv. in gleicher Höhe (als der Wert) 
Bürgschaft leisten : Will er (wer im Streit um die gewer unterlegen 
ist) denn hinwider teidingen, so scbol er dem, der di gewer erstanden 
bat, den Weingarten ebentewren und clag denn, was er well, mit 
also vil erbe oder mit bereitem (baren) gelt als tewer als der Wein- 
garten ist, Cblum. VIII 22. 

ebenthure, ebentiure s. aventiure: nacb der e. sage, Ernst 
4281. als mir die ebenthure swur, 148. 

ebenunge stf. 1. Atisgleichimg, Versöhnung. 2. Ebene*: 2. ouf 
der e. u. velden der stat Jericho (per plana atque campestria) W — B 
Jos. 4. 13. czu der erden der e. (ad terram campestrem), W — B IV 
B 129c, ferner II 2a, III Ib. in den gepirgen und in der e. (in 
montanis et in planitie), Jos. 11, 2. 12, 8 u. 18, 18. do di e. ergie 
(Übergabe der Stadt), Alex. 24582. 

ebich (ebech, ebich) Adj. verkehrt, böse: das under gen berge, 
das ober gegen tale, das ebich an das recht hat die meiste menig 
Volkes gekeret, Ack. 51, 11. 

e-brechen stn. Ehebruch: das eprechen ist vorborgen W — B 
Num. 5, 13. begriffen an dem e. (in stupro), Num. 5, 13. 

e-brechen swv. ehebrechen: sie haben ge-ebrecht in die hous- 
vrowen irr vrunde (moechati sunt in uxores), W — B Jer. 29, 23. 

e-brecher (= e-brechsere) stm. Ehebrecher, moechus, W — B 
Lev. 20, 10. 

e-brecherinne (e-brsecherinne) stf. Ehebrecherin, adultera, 
W— B Lev. 20, 10. 

ebrecher-turni stm. Turm, in dem Ehebrecher gefangen ge- 
halten wurden: ehebrecherturm, Eg. Chr. 675. 787. 804. 

e-brechtig* Adj. ehebrecherisch: gesiecht ubelz, und eebrechtigz,, 
T— B Matth. 12, 39. 

e-breehunge stf. Ehebruch: deine e. = adulteria tua, W — B 
Jer. 13, 27. der beget di eprechung, T— B Mark. 8, 38. 10. 11; 
Matth. 15. 19. 

ebtei stf. = abtei, Eg. Achtb. II 198. 

ebtissine, eptisehinne* stf. Äbtissin: Böhm. Ch. 46. 

echt (md. für e-haft) stm. 1. Gesetzmäßigkeit. 2. eheliche 
Geburt: 1. ob er sein recht und sein echt icht pilleicher geweren 
muge. Igl. Str. 229; 261 S. 157; 153 b. ob er sein recht u. sein 
echt mit seinen amptleuten u. mit seiner marscheid — behalden 
mug, Igl. Bgr. X. 44, 2. erstanden recht u. echte — erstanden und 
erclagt haben, Mind. des Egerl. S. 73. für echt, Elbog. Chr. 76, 33. 

echte-ding (im Gegensatz zu afterdinc, Nachgericht) stn. (md. 
aus ehaft dinc) ordentl. Gericht, Judicium legitimum. Böhm.-Kam- 
nitz, Linke S. 300 f. 

Seht (e) stf. (ähte, sehte) Verfolgung, Acht: Swer der ist, 
der an disem brief (das Egerer Achtbuch) geschriben wirt mit 
gericht und mit rechter urteile, der ist in des riche^ echte und in 
des landes echt und auch in der stat echt. Swer der ist, der an 
den brief geschriben wirt, der kan davon nicht kumen an des richters 
wort und an der purger wort, di zu dem rate gehorent, und an des 
schribers recht, Eg. Achtb. I Einl. die in echt komen und in die 
echt bracht werden, II Einl., II 1. 2. 3., in die echt braht wirt mit 



echten — eder-mal 179 

volge (Zustimmung) der scheppfeu hie zu Eger. II Einl. um gült u. 
echte fride u. geleit geben, Eger. Str. B 34. wer aber, das der, der den 
schaden (an Weingärten) tete, bei tag oder nacht hinqueme, so sal 
man in einheischen (vor Gericht laden), kommt er nicht, so sal man 
in echten u. in die echte tun nach recht der stat czu Präge, Stb. 
Brüx, N. 108 u. Eger. Chr. N. 1067. 

echten (= ähten, sehten) swv. verfolgen, ächten, in die Acht 
tun: Dozelbinst hat mau geecht von deme seibin totslag Joeoff 
Scherczfeld, den richter doselbinst zeu Meystersdorf, Böhm.-Kamnitz 
Stb. N. 88; Linke S. 301; Stb. Brüx 108; Chr. v. Eger N. 1068 
s. vorzelen. den groszern (von den Fröschen) er mit virslinden 
(Verschlingen) echt, Dal. 123, 7 (55, 81). 

echter (= aehter, ehter) stm. 1. Verfolger, Feind. 2. die Acht 
vollziehender Söldner. 3. Geächteter. 1. schedlicher ächter aller 
weite, fraissamer morder aller leute, ir Tot. Ack. 1, 8. ire veinde 
u. ire echter (persecutores) W — B Esther 9, 16. In swes gewalt ein 
echter begrifen wirt und weiz, daz er ain echter ist und in ein- 
nimmt mit ezzen und mit trinken und mit allen dingen, derselb 
hat daz recht, daz der echter hat, Eg. Achtl. I Einl. In wes gewalt 
ein echter begriffen wirt u. weis, das er ein echter ist u. in ein- 
nimmet mit e^^en und mit trinken — der hat daz recht, daz der 
echter hat, Eg. Achtb. II E. Albrecht, der Pehem echter, Böhm. 
Chr. 101. die der fursten rechte echter und plutvorgisser waren, 54. 

ecke (mhd. auch egge) stswf. stn. 1. Schneide einer Waffe. 
2. Ecke, Kante, Winkel. 3. acies*, de qua sectores — secant 
metallum: der stolle heisset auch di czeil ader linie ader di ecke 
(H, acke D.) von der die hewer erez hawen, Const. II 4, 2. 

eckecht, ecket Adj. eckicht: die gros eckett kanell, Igl. Stb. 
in 112 b. 

ecker-lenge* stf. (bestimmte) Länge eines Ackers: da wer noch 
ein ziemlich e. bis zum des hern Silbers granitz, Traut. Chr. 71. 

ecke-stein stn. Eckstein eigentl. und bildl.: e. u. vestenunge 
der heiligen christenlichen kirchen, Hier. 15, 4. 

edel (e) stf. edle Abstammung , edle Art bi iuwer edele ich 
iueh man, Alex. 6962. was; hilf et edle, waz, hilfet guot? Alex. 7789. 

edeling stm. Sohn eines Edelmannes, offte wirt einer ein e. 
genant von seines gutes willen, Böhm. Chr. 41, 85. 

edelkeit (edelec-heit) stf. Adel, Vorzug: umb das die e. ader 
adel im selber ein recht seezet (Versprochenes nicht zu geben, wäre 
unedel) Const. III 7, 1. nu wolde got — den boum lobesam der 
heiligen edelkeit nicht läz,en darben, Legende 783. und oft straft di 
armut di gebursche edelkeit (oft sucht bäuerliche Armut den Adel 
heim, = sinkt adelige Herkunft infolge von Armut zum Bauerntum 
herab), Dal. 96, 16 (41, 17.) 

edeinen (mhd. gewöhnlicher ätemen) siov. atmen: auf die red, 
das der mensch geedemen mocht, hastu im gegeben di lautrikeit 
der luft, Sol. 54, 4. 

ederein* (von ader stswf. Ader, Sehne, Nerv, Bogensehne) 
Adj. sehnig: e. strenge, W— B Bichter 16, 7. 

eder-mäl* (e mäles) Adv. ehedem, einst, einmal: wer edermal 
geswigen het, der scholde ewikleichen sweigen, Saazer Urkdb. S. 100. 

12* 



180 e-ding — ehaft 

e-ding = echt ding, Böhm. Kanin. Stb. 

effen (Praet. afte, efte, Part, geaffet, geeffet, geffet) sivv. 
äffen, narren: swaz so gerne triuget, effet unde liuget, daz sie 
wesen dem gehaz, W. v. W. 5793. ein mensche leuget, das er effe, 
di is hören, Joh. v. Iglau, 8. Gehot. din maget — also efte Käedine 
mit irem zouherküsselin? Trist. 6084. 

eifern (auch avern, ävern) swv. 1. wiederholen, er eeuerte 
(replicavit) alles, das im unser herre hette gepoten, W— B Nmn. 27, 23. 
2. eine Sache gehässig toieder vorbringen, tadeln. 3. rächen: also dass 
keine parthei furbass — sulcher verlauffunge der andern in arg, noch 
rachsal nimmermer geanten noch geeffern sullen mit worten noch mit 
wercken — 6n alle argelist u. geverde, Mind. Egerl. S. 79. die sach 
in rachsal nimmermer geantten noch geeffern sol, S. 73. noch enwollen 
wir alle obgenannte sache u. czwitrechte — nimmermer geeffern noch 
handeln in keiner weise ön geverde, S. 48. sie geloben dies — nicht 
anten noch effern in keinem argk., Elbog. Chr. 75, 11. 3, 17. dis — 
hinfur nimermer anden, effern noch rechen, sunder das als eine ab- 
getane sach — halden, Eger. Chr. 1089. 

egel sivf. Blutegel: der egeln sint czwu tochter, W — B Spr. 
30, 15. 

e-gelübede stfn. Ehegelöbnis: den 25. may solle die Frantz 
Junckhern Urschl mit dem Jörg Albrecht des ehegeliebts halber vor 
das geistlich recht zue Regenspurgk stehen, Eg. Chr. 844. 

eger-holz* stn. von der Eger angeschwemmtes oder auf ihr 
geflößtes Holz: e. oder ander prennholcz ligen laz^en, Eger Str. A 
XII 1, C 50. 

egerisch* Adj. zu Eger gehörig: alle e. dörfer, Eg. Chr. 69. 
bei der e. kantzlei 69. die Egerischen geschlechter 101. zwen e. 
bawern, 49, S. 37. die e. soldner, 35. 36. der egerischen feinde, 43. 
egerische entrunnene burger, 48. di egrischen burger, 12. uf 
mainung, das si egrisch weren, 1162. di e. nonnen, 714. 840. im 
e. craiß, 728. 

Eger-leite* swf. (lite swf. Bergabhang, Halde) Egerufer: Nu 
rügen wir unsere gemein auf der Egerleiten neben der Eger 
herauf bis an der stat gueter, Rüge v. Prahl, N. 37 u. 43. 

ehaft Adj. gesetzmäßig, ehaft ding = ordentl. Gericht s. echte 
ding und ding, Gegensatz afterding: der aidpfermig beträgt czwen 
haller pregisser u. in ehaften dingen 4 haller u. nicht mer, Prag. 
Str. 73. der butel Ion ein haller u. in ehaften dingen zwen, Prag. 
Rb. 17. welcher man dem andern pfant sezt varendes gutes (Faust- 
pfand) — das sol ein man aufpieten dreu (3) gericht oder in ehaften 
dingen zu einem mall, 23. ehaft, ehaftige not — causa legitima, 
Brunn. Str. I 472 u. tl 191. pro causis legitimis absentiae, quae 
vulgariter „eehaft not" dicuntur, 1472. ehaftiger not sint vier: di 
erst heisset die herrennot ; di andere haisset Siechtum, der siech nicht 
tugleich wirt an geczeuge; das dritt ist venchnusse; das vierd ist 
waz^ernot ; u. ierret ein man der vier sach aineu, daz er ze rechtem 
tag vur gericht nicht chomen mag (kann), wiert urtail wider in 
getailt, das hat nicht chraft, II 191. der sechs ehaft not, die hie 
geschrieben sint: 1. eines landes furste oder sein gewaldiger camerer, 
der mag ein igleiche sache wol gehindern. 2. fewer oder uberig 



ehaftig — eid 181 

-Wasserflut. 3. gemeinen landes urleug. 4. gevenknusse oder raub 
auff demselben wege. 5. natürlicher siechtum, der nicht logenlich 
wiert angeczogen. 6. eines vaters oder eines elichen weibes tot, 
Igl. Str. S. 365. in kein eehafte not daran nicht gehindert hat, Igl. 
Str. 325; 36; I S. 358, Bgr. N. 93, 2 u. Const. IV 2, 3. Auch ob imand 
aufgehalten wurde von e. not, Const. I 7, 13. verhindert mit e. not, 
Const. II 3, 11 : wer sich außer durch e. n. gehindert, nicht inner- 
halb 4 Wochen beruft, verliert das Recht dazu, Const. IV. 20, 21. 
eehafte beruffunge an oberisten richter, Const. IV 4, 18. eehaftig be- 
schirmunge (s. helfrede), Const. IV 4, 14. Wer aber von gebrechen 
wegen oder sust von ehaftiger not nicht mit seinem eigen leibe 
mochte ausczihen, der solde das beweisen vor dem rate, Prag. 
Str. 64. e. sache (legitima causa) : ob si (die Gewerken) über di 
14 tage bei den ersten in smiden lassen, dornach so mugen sie von 
in nicht weichen äne e. sache, Const. I 15, 11. wan den posen vor- 
poten sein alle eehaftige Sachen czu handeln, Const. I 5, 4. wenn 
man beweiset eehafte sache, dovon er nicht kegenwortig mocht sein, 
so soll man in widerprengen genczlich czu ganczer sachen an alle 
minnerunge; wann von allen rechten u. gesetcze entschuldiget di 
twingende notdurft, Const. IV 4, 14. — das gericht ist eine ehaftige 
tat (actus) dreier personen, das ist: des richters, des clagers u. ant- 
worters, Const. IV 4, 1. der als contumax verurteilte clager sol in 
eehaften czerungen (expensis legitimis, Gerichtskosten) vorvallen 
sein, Const. IV 4, 16. Ob einer den marktbach ohne ehafte not u. 
ohne verlaub auskehret, — den sol man strafen an leib u. gut, 
Taiding v. Friedberg 3. — von ehafter sache wegen, Igl. Rspr. XV. 

ehaftig Adj. ehaft s. dieses. 

ehebrecher-turm s. ebrecher-turin. 

eke-geliebt s. e-gelübede. 

ehe-halte (= e-halte) sivm. der das Gebot eines andern hält, 
zu ihm in einem Vertragsverhältnis steht, Dienstbote: die ehehalten 
s= Dienerschaft, Eger. Chr. N. 1197. 

eke-leiblich* (= e-lich) Adj. ehelich, aus gesetzmäßiger Ehe 
stammend: e. Sohn, Eg. Achtb. II 222. 

eher (auch äher) stn. Ähre : siben eher, die wuchsen aus einem 
halme voller getreides, W — B Gen. 41, 5 u. I. B 76 c. zerreiben di 
errecher, T— B Matth. 12, 1. 

ehern (mhd. auch ahern) sivv. Ähren lesen: Wo hastu geehert, 
W— B Ruth 2, 19. Ruth gienc sit ehern uf da^ velt, Alex. 11487. 

ei (Gr. eies, eiges PI. eier, eiger) stn. das Ei: die friuntschaft 
ist enzwei, ir stet mir niht vür ein ei, Alex. 20418. guldin eiger 
Alex. 1826. hei^ent in varen die eiger czern, 3254. 

ei, eiä Interj. Verivunderung, Freude ausdrückend: eiä, werder 
Willehalm, W. v. W. 1984. eiä, Willalm, min amis, 1134. eiä guot 
sselic wip, 2443. eiä süe^er junger man ! 6166. eia, herre, und möht 
da^ sin, 6248. eiä, wol üf! wes biten wir? 7121. 

eid stm. Eid: Über ihn handelt, Const. IV. 17: in allen sachen, 
wo bewerung nicht ist, do vorricht man den krieg mit dem eide u. 
volget noch an der bewerunge stat. — so verhenget der richter in 
gerichte peiderseit den eit ader ein teil dem andern mit laube des 
richters. — die sache, die mit dem eide vorricht ist, von meineits 



182 eide — eidem 

wegen wirt si nicht widersprochen; aher des übertreten der heilikeit 
und ere des eides ist got genug recher, IV 17. 1. — von wem der eit 
geheischen wirt, der richter twinget in, das er mus entweder gelden 
ader sweren, doraus kise er eins 2; keines von beiden zu tun ist 
offenliche schände 3, ist es das er nicht sweren wil, so sol im der 
richter nicht rechtens helfen 4, ist es, das der clager sweret, so 
verurteilt er {der Richter) den antworter, der nicht sweren wil, der 
antwurter, gilt er, so ledigt er in, gilt er nicht, so vorurteilt er in 
5, der eit, ein widertat kriege czu entscheiden, iverde oft in un- 
gehöriger Weise verweigert, der heiligen czeit czu schonen 6, darum 
soll an bestimmten feiertagen das ordenliche gerichte, in dem der 
eit gehört, — nicht halden 7. Auch mag der teil, wider den di 
geezeugen gefuret, ah er wil, in (diesen) den eit ablassen (erlassen), 
Const. IV 12, 17. ratent mir in trewen in geswornes eides weise, 
Ack. 42, 13. ein offenes ayd (n.), Eger Chr. N. 312. wann der 
munezmaister kein eid czu geben hat weder steigern noch scheppen, 
sundern der camrer von unsers hern des keisers wegen oder die 
scheppen, Igl. Bgr. N. 65, 6. Der Kläger kann dem Beklagten nur 
mit Erlaubnis des Richters den Eid nachlassen, Igl. Str. 7. der 
Richter kann beide ohne Rücksicht auf einen unter ihnen geschlossenen 
Vergleich zum Eide nötigen, wenn er den Verdacht hegt, daß sie 
diesen getan, um ihn um sein Strafgeld zu bringen 8, jeder soll in 
der Sprache schwören, die er am besten versteht (s. bezunget) 22. 
Form des Eides wegen Raub: spoliatore in medio bancorum judici- 
alium, ligatis mauibus posito, actor (scilicet spoliatus) jurabit super 
caput et comam eius, quod in vulgari dicitur: auf seinem köpf und 
auf seinem schöpf, quod in strata publica spoliaverit ipsum rebus 
suis; sie eum deus adiuvet et omnes saneti; alii autem sex testes 
eius actoris jurabunt in cruce, quod viderunt, quia eum spoliaverit 
rebus suis 27; bei Verwundungen, Wunden die bestimmte Namen 
haben, sollen dabei genannt teerden z. B.: der kamperwunden, der 
mir Konrad schult geit an dem toten, der bin ich unschuldick, das 
mir got also helf u. das cruez und alle gotes creueze 28. Ein- 
wendungen gegen den Schivörenden müssen gemacht werden, bevor 
er die Finger zum Schwur aufhebt 30, ein gewalthaber schwört: 
Wes Konrad meiner hausvrawen, meinem knecht oder meinem gewalt 
schult geit, der ist si oder her unschuldick; das mir got helff u. 
das cruez u. alle gots creueze 31, der Kläger soll den Wert der ihm 
zur Aufbewahrung übergebenen, von ihm verlorenen Sache eidlich 
angeben 156. Wer dem ihm vorgeschriebenen Eid andere Worte 
zufügt, der fällt mit dem Eide (eepiseat, dubitat, snabet) 318. 
Reinigungseid (jur. purgationis) (20), Formel (21) 31c = der in 28, 
Form des Zeugeneides (23), unter Eid gegebene Zeugenschaft der 
totpet-, ring-, leitkauf-, schiedleute haben nur Jahr und Tag, ins 
Stadtbuch eingetragen aber für ewige Zeiten Beioeiskraft (23.) 

eide (mhd. neben egede häufig) swf. Egge, W — BIII25b. 

eidem stm. 1. Schiciegersohn. 2. Vater der Frau, Schwieger- 
vater. 1. W. v. W. 7018. 7032. 7118 W— B Bichter 15, 6. redte czu 
seinen eidemen (ad generös suos), Gen. 19, 14. der vater der hingen 
vrowen sprach czu seinem eidem, Bichter 19, 5, der aine der selben 
frawen aidem ist, Igl. Str. 306c. Hensel des Borwolfs eidem 190b. 



eiden — eigen-dienst 183 

des selben marines aiden, 81. unserm eideme, Stb. Brüx 478. 
Chr. v. Elbogen 77, 45. 78, 5. irem eidem Tristanden, Trist. 855. 
aidem, Eg. Achtb. I 43, aitem 17, aiden 1159. 202. 104. 57. von 
seins aidems wegen II 104, eidem II 1. eidin Dal. 93, 7 (39, 48). 

eiden swv. 1. schwören. 2. in Eid und Pflicht nehmen. 3. be- 
schwören: 2. wenn er sie eidet, Igl. Str. I S. 358. die frane mit dem 
rechten hoher treiben und eiden, Igl. Espr. V. 

eid-genosse 1. Schöffen, jurati, gesworn Bürger, Prag. Rb. 88. 
«onjurati = die andern scheppen, Const. I 5, 4; Igl. Bgr. N. 1, 1; 
N. 34, 3 u. 5. 53, 22. 51, 5. Igl. Str. B. 27. Igl. Str. 269. 2. Eideshelfer, 
Prag. Rb. 88. der euern eitgenossen gewalt gezigen hat, Igl. 
Rspr. XIV. 

eid-pfenning * {wie eit-schilling) stm. Abgabe an den Richter 
für die Eidesabnahme: denarium juramenti, umb die aidpfennig, 
wer do swert in dem gericht; als er gesworn hat, soll er für das 
creucz czwen haller pregisser legen u. in ehaften dingen 4 haller 
und nicht mer, Prag. Str. 73. eydpfennig und schonpfennig gehören 
allein dem richter, Igl. Str. 276 S. 182 u. S. 180. 

eigen Adj. eigen, Gegensatz zu vri, eigenes feuer s. eigenfeuer ; 
aigen gut = Eigentum, Brunn. Str. II. 186. 219. 

eigen stn. Eigentum, bes. ererbtes Grundeigentum: erb u. aigen 
Liegenschaft, liegendes Vermögen, Brunn. Str. II 226. 228. 229 gesessen 
mit erb u. eigen, II 192. 226 handelt: von erbe u. von aigen, wi 
iz erbe von vater u. von muter auf das ander gesiecht. — Von erb 
und von eigen: ain igleich man mag aus seinem erb wol venster 
machen in gemain gassen, aber in seines nachpawrs hoffe mag er 
nicht venster machen, er hab iz, dann mit seinem urlaub, Brunn. Str. 
II 229. das ein hof und ein eigen leit nahen pei unserm perge, 
Igl. Bgr. N. 25, 1. 

eigen unregelm. v. mit verschobenem Praet. zueignen, rechtlich 
zusprechen: Welich lehen di (gesworne lüte) besagen, das si die 
andern trencken, di sal man czu den andern {dadurch gefährdeten) 
«igen in drien tagen, di heissen dri lange schicht. Also gewinnet 
■ein gemessen berg den andern , ein koniges lehen ein burgerlehen, 
ein burgerlehen ein herrenlehen u. dasselbe wedirumme, D I R 6, 2. 
so auch U— B 16, U — A 8 den perk, der da hindert, dem perge 
aufgeben, der da gehindert ist, mit dem rechten, Const. II 3, 7 
u. 10 Bgr. N. 66, 3. 67, 7. sind fdem malen und di scheppen ge- 
sehen haben das wasser gen von dem vreien stein {ein Bergwerk) in 
den alten stein {ein 2. benachtbartes Bergw.) u. das besagt haben 
uf iren aid, so schol man die grübe und di lehen von dem vreien 
stein aigen czu den lehen von dem alten stein in dreien tagen, das 
heisset drei lange schicht, N. 66, 3. das sie die kost beczalet oder 
■er must die teil {Bergteile) hin aigen, Igl. Rspr. IV. 

eigen-dienst* stmn. Servitut: Die egenanten dinste, man saget 
di eigendinst {vorher waren erwähnt das Recht: durch deine silber- 
gruben das wasser czu leiten oder ercz oder etwas anders ausczufuren 
ader wint durch deine in meine silbergruben ein czu prengen), ab 
si geordent mugen werden an eines andern offenbar hindernusse, so 
gepieten wir, das si furpas durch gemeines nuczes willen und bei 



184 eigen-knecht — eigen-schaft 

behaldunge aller irer teil von nimande vorpoten sullen werden. 
Const. IV 6, 6. 

eigen-knecht stm. leibeigener Knecht: ein sotan e. ist genant 
von behalden (servus dicitur a servando), Const. IV 12, 2. 

eigen-kraft stf. Befähigung: er gab dem ein 5 phunt, dem 
andern 2, dem andern 1, eim iegleren nach seiner eigenkraft, T — B 
Matth. 25, 15. 

eigen-liehe, -en, eigent-lieh* Adv. 1. als Eigentum, als oder 
wie ein Leibeigener, mit namentl. bestimmter Beziehung. 3. genau: 
3. deine sele — wesfr alle dink e., Hier. 80, 6. eygentlich = genau, 
Chr. v. Elbogen 24, 35. 

eigen-schaft stf. 1. Eigentum, Besitz, [dem lehen entgegen- 
gesetzt). 2. Eigentümlichkeit. 3. Unfreiheit, Leibeigenschaft. 4. ge- 
naue Angabe, Nachricht über etivas. 4. bergm. proprietas*. be- 
stimmte Quote* vom gewonnenen Erz a) an einem Erbstollen, b} 
einer lehenschaft an die Lehenherrn, c) aus einer Teilmiete, d) an 
entwässernde Gruben ohne Erbstollen. 

1. zu rechter ewiger eigenschaft, Aussiger Urkb. N. 29. 2) "Wann 
oft als man die eigenschaft der worter merkt (proprietas verborum 
attenditur), so vorleuset man den sinn, Const. III 6, 4. u. ist eine eigene 
e. der czweier Stollen (proprie proprium), das si das wasser ausfureu u. 
den wint einfuren sullen ader si heissen nicht stollen, Const. II 4, 1. — 
3. in e. (als Leibeigene) gedien iuwer kint, W. v. W. 3839. hast mich 
von e. erlost, redemisti me de servitio, Sol. 33, 37. Eigen was ich, di 
eigenschaft hett ich liep, servus eram et servitutem amabam, Sol. 
16, 38. 4. und in welchen Sachen ein rate czweifelte u. uff gancze 
e. nicht kumen mochte, Olm. Stb. 89. den geordenten, gefreiten und 
ungefreiten, welcher aigenschaft sie sein (wessen Leibeigene sie 
seien) , Eg. Chr. 1125, S. 303. 4 a) Zuerst erwähnt 1258 , Emier II 
N. 195. Eine Abgabenquote, regelm. l / 7 von jenen Gruben entrichtet 
an den Erbstollen, die Erz vor Ort haben. Erbstollen habin das 
recht : fert man mer stollen denne einen czu eime gebirge, welchir 
der allertiefste ist, der beheldet sein recht unde die eigenshaft, 
D I R 8, 1. beweiset der stollenmeister mit seiner hantvest. das im 
der herczog den stollen czu einem erbstollen vorlihen hat, und 
wanne di scheppen bekant haben, das er treuget (Wasser entzieht) 
24 lochter, so teil wir czu einem rechten, das das tifist dem stollen 
stollenrecht (== e.) schol geben, Igl. Bgr. N. 71, 2. di vir gesworen 
marscheiden (czu dem minsten 3 erber man von ewern wegen u. 
den vierden man von der urborer wegen), also das ir keiner weder 
an dem stollen noch an dem lehen czu dem steine tail habe — 
schullen des stollen gevert beschowen, und vinden di, das der stolle 
in vierdehalbem lehen auf dem hangenden durchslagen hat und nicht 
alleine irrechent (erreicht) und verschroten hat di lehen czu dem 
stein, und besagen das auf iren ait, so schullen di von dem stein 
ir wasser in den stollen sturczen u. dem stollen ein sibendes geben, 
N. 73, 2. Doruber wart also getailt. 1. ist das, das der erbstolle, 
nachdem und sein hantvest spricht, auf seinem rechten gevert vur 
sich, hinder sich oder under sich in di lehen czu dem stein durch- 
slagen hat und 2. ist das aber, das der stolle auf dem hangunden in 
vierdehalben lehen oder auf dem ligunden in einem lehen durch- 



eigen-schaft 185 

slagen hat, und das gesworn marscheider also vinden u. also besagen 
auf iren ait — in beiden Fällen so tail wir czu ainem rechten nach 
der hantfest u. nach perkwerkes recht, das di lehen von dem stein 
ir wasser in den Stollen sturczen schullen u. deme Stollen ein 
sibendes geben, Spr. N. 76, 5. N. 68, 1 u. 2. N. 77, 2 u. 3; 
Const. II 3, 12. Das sächsische Recht (Freiberg. Bergr. B § 10, 
Schneeb. B 0. 1487 § 7, Annab. B 0. 1509 Art. 89) gewährt nur 
1 I 9 und so auch die Joach. B 0. v. 1518 Art. 89. Über das 
Recht auf e. von dem unter der Wasserseige gewonnenen Erz be- 
stimmt die 2. Joach. B 0. v. 1541, daß wenigstens das halbe Neuntel 
zu geben sei. Für den Fall der Wiederaufnahme eines alten Stollen 
ermäßigt die Kuttenb. Beform v. 1579 die e. auf 1 j 12 , wenn er aber 
durch ganzes Gestein weitergetrieben wird, soll die e. wieder 1 / 9 sein. 
Stollen aber, welche die Erbtiefe (10 Lachter vom Rasen an) nicht 
erreichen, erhalten keine e., (Joach. BO. Art. 88), doch sei (nach 
einer dem Herrn v. Rosenberg 1519 erteilten Auskunft von Anna- 
berg) der regalherrl. Bergmeister verpflichtet „ein ziemlich Steuer zu 
der wasserseig zu machen". Von dem in einer Lehenschaft gehauenen 
Erz haben die Lehenhäuer die e. an den Erbstollen zu geben: Di 
lehenhower — di schullen eigenschaft geben den stollenmaistern u. 
ouch den gewerken (diesen di e. 4 b), von den si di lehenschefte 
enphangen haben, Igl. Bgr. N. 38, 4. 

Außer der e. hat der Erbstollen noch das Recht, von der ihm 
benützenden Grube für die in ihr liegende Teilstrecke des Stollens 
1 j i der Batikosten zu verlangen („Recht des vierten Pfennigs") s. 
erbstolle. 

4b) Die an die Gewerkschaft von den Lehenhauern für Über- 
lassung des Abbaurechtes zu entrichtende, je nach der Schätzung des 
erwarteten Erzes höhere oder niedere ( l j. 2) 1 / 3 usw.) Quote der 
Ausbeute : 

Diselben lehenschefte vorleihet man mit mancherlei weise: 
etwenn umb halb teil des gewinnes, etwenn umb das 3. teil ader 
umb das 4. ader umb das 5. teil u. also für sich und under sich, 
nachdem als di silbergrube fruchtper ist und als si sich miteinander 
bereden, Const. III 1, 2. 

Das '/ig, das der König (s. urbar) von Lehenschaften außer in 
Bürgerlehen und sogen. „Erbgebirgen 1 ' bezieht, ist nicht 1 / 16 von der 
e. (da nach Const. 112, 15 der König dies l /ie auch von den ohne- 
hin ihm gehörigen Königslehen und Überscharen verlangt, also von 
sich selbst verlangen würde), sondern von der Gesamtförderung der 
Lehenhauer vor Abzug der e. Igl. Bgr. N. 17, 2 entscheidet aus- 
drücklich: das di gewerken das selbe (verlangte) achteil von der 
eigenschaft dem kunick nicht schuldick sind czu geben. — Vgl. 
Zycha I 167, Anm. 105. Königslehen und Überscharen wurden regel- 
mäßig entweder veräußert oder an Lehenhäuer gegen e. abgegeben: 
Igl. Bgr. N. 23 (mit der Verbesserung und Deutung Zychas in der 
Anm. dazu. Const. III 1,3: Und das dester grosser eigenschaft 
von unsern (Königs) lehen u. uberscharn uns erstee, so wollen wir, 
das man si hinlasse ewikleich ader als lange czeit si es genisen 
mugen, di das aufnemen, also das si dovon allerminst lassen sullen, 
wann der vorleust sein handvesten (hier über die Verlehenschaftung), 



186 eigenfeuer 

der do nicht gebrauchet der gewalt, di im geben ist. — Vgl. ferner 
ercz- teuer und lehenschaft, steiger mugen (falls nicht der berg- 
meister oder die hutliute an seiner stat) di egenanten orter u. lehen- 
schefte mit laube der urborer vorleihen richtigen arbeitern umb di 
groste e., als sie mugen u. auf kurczer czil, das nicht unser perk- 
werke in keinem teile leer u. ungepaut bleibe, Const. I 9, 3. Ist es 
aber, das under mancherlei pauleuten, di das feit pawen, alsotan 
gedinge ( Vertrag) geschieht, das, wem von ersten ein perg gemessen 
wirt, da di andern umb ein sicher e. pei iren lehenen pleiben, 
Const. I 15, 12 u. II 1, 11. teil an hespeln oder an lehenscheften, 
di furbass umb ein junge e. sind vorlihen, DIR 22b. Ein Gedinge 
(Vertrag) lautet dahin: das die egenanten perkmaister von Sent 
Andres u. sein gewerken schullen an den selben ortern haben in 
den sechslehen, davon geteidingt ist, von allem dem, das uns do got 
beschert, czwu Schicht an der e. auf ir paider gelt u. kost czu 
pawen, Igl. Bgr. X. 53, 12. wir haben in darumb (weil wir kein 
eigen furderung = Weg zum Erzfördern haben), czwu schicht an 
der e. lassen widerfaren durch irer (von uns mitbenutzten) hespel 
willen ; N. 53, 21. 53. 5 u. 40, G. 

Während die Hauptgewerken für Förderung des vom Hauptbau 
her die Lehenhäuer bedrängenden Wassers zu sorgen haben, müssen 
bei Lösung der Zeche durch einen Erbstollen die Lehenhäuer die 
Stollensteiier (*/, später 1 j 9 ) zahlen, Igl. Bgr. N. 38, 4 u. Freib. Urkdb. 
II S. 49. — 

4 c) heißt eigenschaft das enüceder in einer fixen Summe (Ion, 
merces) oder Ausbeutequote (Const. III 4, 1) bestehende Entgelt für 
das von einem Teilbesitzer erworbene Ausbeuterecht seines Teiles, 
gegen die Verpflichtung, den Teil an Stelle des Gewerken zu ver- 
bauen. Diese e. fällt natürlich nicht der Gewerkschaft, sondern den 
bestimmten, seinen Teil vermietenden Gewerken zu: 

Const. III 4, 1: Dornach sein eczliche einliczige lehenschefte, ab 
einer allein ader auch nur czwene aus den gewerken ire teile vor- 
leihen czu pawen umb ein genant teil des Gewinnes (= e.) — 
DIR 24: Ist das ein man siner teil icht vorleihet eim andern manne, 
is sie an berge [n], Stollen, lehen adir an lehenscheften, unde ist 
das jener, der sie czu lehenschaft emphfangen hat, siner eigenschaft 
nicht engebit, ir sie vil ader wenig, er vorhast mit rechte sine lehen- 
schaft. Ist abir, das er des nicht gehabin mag, deme di eigenschaft 
geboret, so sal er sie usteilen mit wissen eins gewereken unde sal 
si etweime befeien. Domete beheldet er sin recht unde sine lehen- 
schaft. — Die Vermietung erfolgt der Gewerkschaft gegenüber auf 
Gefahr des Teileigentümers, sie geschah wohl stets nur auf Zeit und 
führte bei Nichtzahlung der Eigenschaft zum Rückfall des Teiles an 
seinen Vermieter ; in späteren Quellen erscheint sie nicht mehr. — 
di gewerken — sint gesessen auf das hangende — und haben etleich 
eigenschaft gegeben, Igl. Bgr. N. 75, 1. 

4 d) Eigenschaft = Abgabe an eine, die eigene vom Wasser 
befreiende (s. treugen) Grube, wohl gleich der an den Erbstollen zu 
zahlenden, Const. II 3, 12 u. Igl. Bgr. N. 68. 72, 2. s. bei durch-slag. 

eigen- veuer stn. Feuer im Haus, Herdfeuer im Gegensatz zu „einge- 
legtem" s. einlegen, Eger. Chron. 54; Elbog. Chr. 3, 39; Traut. Chr. 122. 



eilende — ein-gehörunge 187 

eilende (= ilende) Adj. eilend, schnell geführt: durch einen 
seltsamen und eilenden krieg, Eger Chr. 83. 

eilunge stf. Eile, festinatio , W — B V. 46 c. 

eimer (einher, eimer, emmer) stm. Eimer: gelasen wart das 
los in den e., das do hebräischen heisset phur, W — B Esther 3, 7. 

ein (e) Adv. einsam, allein, frei von (G.): Ernst der valsche 
eine, Ernst 585. 

einander erstarrter Acc. oder Dat. 1. einer dem andern. 
2. m. e. = sumraatim : der pergrichter sal auch mit einander das 
recht gehen (summatim jus reddere), Const. I 6, 3. 

ein-beslahen stv. IV. versperren: das her — den selben wint 
einbeslagen u. czubereit hette in czu grossem schaden, Igl. Bgr. N. 64, 1. 

ein-bewilligen* swv. reft. einivilligen, zustimmen: alsdan hat 
sich — Christofen einbewilliget, Traut. Chr. 96. 

ein-bilden (= in-bilden) swv. einprägen: si wolten solcher 
reden alle — wol einbilden und dieser reden die zeit ihres lebens 
wol eingedenk lassen sein, Chr. v. Traut. 205 (unten). 

ein-binden stv. I 3 dem kinde etwas e. = als Patengeschenk 
geben, Eger Str. C 25. 

ein-binden stn. Büchereinbinden? : czu dem heiling crewz (ehe- 
maliges Kloster in Iglau) schaff ich all werchzeug czum einpinten, 
Igl. Stb.V 149 b. 

ein-bläsunge stf. Das Einhauchen, inspiratio : die e. des al- 
mechtigen gibt die vornunft (intelligentiam dat) , W — B Job. 32, 8. 

ein-born part. Adj. eingeboren, unigenitus : Crist, sinen zarten 
sun einborn, Trist. 6880; Legende 57. W. v. W. 2953. 

ein-brengen unregel. Zw. = einführen: wint durch deine in 
meine silbergruben einczubrengen (inferrej, Const. IV 6, 5. 

eincherlei (von einic, einch) = irgend ein, Chr. v. Elbog. 2, 16. 
20,9. 34, 11. 46 usw. 

einec s. einig. 

einen swv. einigen, vereinigen, gütlich schlichten: ir swager 
hat die sach zwischen in freundlich gemittlt und geaint, Igl. Stb. V 
167 c. 43 d. di czwitracht gericht und geaint, 84 c. 41 d. 202 c. refl. 
sie mochten sich — wegen der marscheide nicht geainen, Igl. Rspr. 
XVII. sie schullen im davon czinsen, als weit sie sich mit einander 
ainen, Igl. Stb. V 25 c. die sach freuntlich verricht und geainet, IV 209 b. 

einest (= eines, eins) Adv. 1. einzig und allein. 2. noch ein- 
mal: 2. Ack. 32, 6. 

ein-gang stm. das Eingehen, Eintritt, Eingang, Einschlag ins 
Gewebe: di maister — sollen auch nach handwerksbrauch ihre ein- 
genge und zusamenkunft haben, Traut. Chr. 174. 

ein-, in-geben stv. I 1 übergeben: dieselbe brive soll er uns 
— antwortten u. eingeben, Mind. d. Egerl. S. 33. dem marcgraven 
zcu Missen haben wir (Wenzel IV.) slos u. stat zcu Brüx befolen 
u. ingegebin, Stb. Brüx N. 187. 

eingecht (wenn nicht verlesen für einoete) stf. Einöde; wann 
di veste an einer aingecht (tschech. u püsci) was gelegiu und ge- 
macht, Dal. 91, 28 (31, 1). 

ein-gehörunge* stf. Zugehör: slosz und margt Valkenaw und 
Heinrichsgrun mit aller ein- und zugehorung, Elbog. Chr. 9, 8. der 



188 ein-gemuot — einig-heit 

stad Lichtenstad, den Monchof mit aller irer ein- und zugehorung, 
9, 27. 

ein-sreuiuot Adj. und Ädv.* einträchtig: do sprach daz, volc 
e. Alex." Anh. 1661. 

ein-giez,ung (in-giez,unge) stf. Eingebung, Eingießung: e. böser 
rethe, Elbog. Chr. 14, 15. 

ein-griff* stm. Eingriff in die Rechte: das im nicht sulicher 
e. (in die Rechte der Mündel) geschehen were, Igl. Bgr. N. 85, 3. 

ein-halp (Adv. auf die, der) einen Seite, DIB, 15, 1. s. ander- 
halp. 

ein-heiius (= in-heimisch) Adv. daheim: als er nit e. gewesen, 
Chr. v. Eger N. 1195. 

ein-heischen* von in und heischen, eischen {auch red. Prät. 
iesch) siov. vor Gericht laden: so sal man in (den Beschädiger 
eines Weingartens) e., komt er nicht, so sal man in echten und in 
di echte tun nach recht der stat czu Präge, Stb. Brüx X. 108. 

ein-hellig Adj. und Adv.* einhellig, übereinstimmend, T — B 
Btb. 7, 56. si komen ainhellig zu im, Btb. 12. 20. si warn teglichz, 
volenden ainhellig im tempel, Btb. 2, 46. si hüben uf e. di stimme 
zu dem Herren, Btb. 4, 24. si warn alle e. unter di (in der, 11. Bibel) 
Torlauben Salomons, 5, 12. 

ein-hendlicht* Adj. einhendig: die hat nur eine band; man 
nennet sie alwege die einhendlichte Anna, Traut. Chr. 37. 

ein-liorn (stmn. einhürne swm.) stswm. 1. Einhorn. 2. Nas- 
horn; 3. Büffel. 3. einhornes horner (rhinocerotis) sint deine 
horner, W — B Deut. 33, 17. des stereke gleich ist dem einhorne, 
Num. 24, 8. wil nu der einhorn dir dienen oder wirt er wonen czu 
deiner crippen? des Nachts an deiner Krippe bleiben? Job. 39, 9. 
wierstu nu pinden die einhornen (sw.) zu amen deiner stat (= ad 
arandum loro tuo, kannst du den Büffel binden am Seil bei der 
Furche?). Job. 39, 10; u. absteigen werden die einhornen mit in 
descendent unicornes cum eis, Js. 34, 7. 

einicht Pron. indef. irgend ein: ohne — ainichtes Weigerung, 
Traut. Chr. 125. 

einig (= einec, einic) 1. einzeln, vereinzelt. 2. einzig. 3. irgend- 
ein*. 4. einträchtig*: 1. ja hat der einige man manic tüsent heiden 
von ir (der heiden gotte) dienste gescheiden, W. v. W. 5803. ver- 
einzelt, Chr. v. Eger N. 1115. 2. das selbe ist nur der einige weg, 
domite man das himelreich beheldet. Hier. 43, 8. hast nicht vor- 
tragen deinem einigen sune durch mich = non pepercisti unigenito 
filio tuo propter me. W— B Gen. 22, 12 u. 16. sweret nicht bei himel 
noch bei erden oder sust mit einigem eide. Hier. 58, 22. 4. er soll 
sich gesren der ganzen gesellschaft friedlich, üblich, einig u. wol ver- 
galten, Igl. Ms. S. 23. 

u eiuiger-lei* Adj. von irgend einer Art: von allerlei methalen 

Metallen), wo sich der e. auf gedachten gründen ereugeten (zeigten), 

L'raut. Chr. 126. mich des zu im nicht versehen oder einicherlei 

; n irgend einer Beziehung) pesorgt, E°\ Chr. 1177. 
( ' einig-heit (= einec-heit) stf. 1. Einzigheit. 2. Einheit, Einig- 
, -it. 3. Einsamkeit: 2. wanne er manchen sunder czu e. des gelaubens 
.erbracht hat, Hier. 92. 2. mein unselikeit, di mich von deiner e. 
widt ' 



einig-liche — ein-leiten 189 

(ab Imitate) — in einen val zustrewet hat, Sol. 32, 26. 3. du hast 
lip di e. (solitudinem) und ich di vild (multitudinem), Sol. 6. 13 
u. 21. 

einig-liche, -en, einecliche, -en Adv. einzig, in einem fort: 
er sach stete u. einecliche dar, Trist. 2637 und 3433. einikleicher 
Igl. Str. 143, falsch gedruckt statt: der seihen paider eyn ikleicher 
<== jeder von beiden) schol es vorpussen mit einem halben vierdung. 

ein-komen, -kumen (in-komen) stv. 1 2 einlangen, eintreffen: 
ir last das urtail einkumen (es fällen), des ich euch habe gefraget, 
Igl. Bgr. N. 5, 3. 

ein-komen stn. die Ankunft; das Vorfallende*, tvas geschieht*: 
das ir uns — grundiges einkomen — vormeldet, £g. Chr. 1207. 

ein-la^en, -lassen stv. V refl. sich gestellen*, begeben zu: 
Traut. Chr. 142. 

ein-legen* swv. dem Kinde Geld als Taufgeschenk, Eger. Str. 
A VII 1 u. B 16. aufnehmen, Traut. Chron. 138. ins recht e., Traut. 
Chr. 157. die Klage bei Gericht vorbringen, einzahlen, 249. fewer 
einlegen = brandstiften, Chr. v. Elbog. 3, 39. wir wollen dich darum 
straffen und als unsern mitburger einlegen (gefangen setzen) 67, 34. 
disen hern einzulegen (in den türm) 117, 18. hat in e. (gefangen 
nehmen) wollen, 102. 82, 30. 82, 34. gnante hern in thurm gefäng- 
lich e., 121, 17. gefencklich e. lassen, Eg. Chr. 1169. investieren, 
einführen den Bischof in seine Kirche : uncz das — bischolf Johannes 
in sein kirchen mit grossen eren eingelegt u. uff seinen bischolfs- 
stul gesaczt ward, Olm. Stb. 54 S. 35. si hat ein prüf über di selb 
mark für czeiten eingelegt (hinterlegt) zu dem rat, Igl. Stb. III A, 
133 b. dieselbigen derffer (Dörfer) freyen und in die landtaffl ein- 
legen als landes recht ist, III 194 a. 

ein-leger stn. in der Rechtssprache „Einlager", Bürgschaft: 
da das gelt ader das einleger den vorgeschoben Juden verczogen 
mochte werden, sundern wir globen si czu beczalne, das si uns 
danken sullen, Stb. Brüx N. 126. 

ein-leger stm. (bei Lexer nur belegt: 1. Landstreicher Oest. 
w. 137,16. 2. Weineinleger, Weinheber, NP. 241; Tuch. 76, 10) 
Bürge: als einlegers (ivenn nicht vom stn.) recht u. gewanheit ist, 
Stb. Brüx N. 126. 

ein-left, -lift Ordnungszahl = 11. in der aindlefften stund vor 
mittag, Igl. Mut. 7. 

ein-leiben* (in und üben, vgl. mhd. in-libunge incorporatio) 
swv. eintragen : di zusag (daß die Meisterringer Schule halten dürfen) 
in euer statpuch e. lassen, Igl. Ms. 5. einverleiben: so haben wir 
genedigist bewilligt obberürten auszug aus bemelten briefen — in 
diesem unsern brief einzuleiben und zu confirmieren, Traut. Chr. 86. 
87, 316. 

ein-leiten (= in-leiten) swv. 1. einführen. 2. zu etwas bewegen. 
3. übergeben*. 1. di praut geet zu kirchen zum einlaiten (so in 
der Hs., im Druck einleuten), Eger. Str. C 10 (wie Usch. 376 die 
preut inlaiten da selbs [in die Kapelle] bei Lexer) wir in den 
brif — eingeleit u. geantwort haben, Stb. Brüx N. 348. des einlaiten 
und den kirchgang der sechswöchnerin, Traut. Chr. 324. 



190 ein-leiten — ein-sage 

ein-lich Adj. und Adv. in eins geflochten oder gewebt, ein- 
heitlich, einig: an disen drin ein einlich got ist din sin nnd kein 
got mer dan du einer, Alex. Anh. 64. 

ein-litzig (= ein-lütze, -lützec) Adj. einzeln, einfach : einliczige 
lehenschefte (concessiones particulares) = Teilmiete, Miete von Berg- 
teilen, Const. 1114,1 s. unter eigenschaft, 4c.) einzeln: Traut. Chr. 
315. u. der czihe herabe czu einem einliczigen streite (ad singulare 
certamen), W — B Kön. I 17, 8. eillitzige weiber {alleinstehende), 
Traut. Chr. 315. 

ein-lützec s. ein-litzig. 

ein-inachen (in-m.) swv. das mel bei den pecken e. u. bei in 
pachen, Eg. Str. C. 106. 

ein- inaner* stm. Einsammler von Strafgeldern: einfodrer u. e. 
des wandel, Eger. Str. C 124 b. 

ein-neinen (in-nemen, Krone 23256 und Anm.) stv. 1 2 über- 
nehmen: meines herren des chuniges prieff — den ich eingenumen 
hän u. ouch in meiner gewalt hän, Budweiser Urkdb. 476. si haben 
bechent, das sie ir eribtail gancz und gar eingenomen und ent- 
pfangen haben, Igl. Stb. V 168 b. das er gelt czu trewer haut (als 
Testamentsvollstrecker) eingenomen hat, V 45a. 

ein-neniunge (in-nemunge nur aus Mz. 3, 58 s. 53 bei L. belegt) 

stf. 1. Einvernahme der Urkunden und Zeugen. 2. Abnahme des 

Eides, Eroberung: für uberfallunge und e. der stad, Elbog. Chr. 

62, 36. 62, 35. als sulche gelubde und e. der eid (Eidesabnahme) 

von gnanten hern gescheen ist, 19, 16. 

einöde, einrede, emoete, einöte stf. Einsamkeit: der da was 
in der ainod mit dem engel, T— B Btb. 7, 38. 

ein-nöten (= in und nöten, noeten sw. Praet. nöte, Part, ge- 
noetet, -notet, -noet, -not) hier mit Gewalt investieren: kunig Wencz- 
law — derwelte ouch (gegen Joh. v. Lewtmusche=Leitomischl), den 
er nach steter anhaltung u. ubung seiner frunt ie mit macht u. 
gewalt in die besiczung einnoten wolt — , Olm. Stb. 54, S. 35. 

ein-räten* sin. ein verbotenes Spiel um Geld, Egej Stb. A XIII 2. 

ein-red (in-rede nur aus Narr. 111, 27 belegt) stf. Einwand, 
Eeplik: nachdem meine herren e. u. widerred vernommen, Igl. Bgr. 
N. 69 a. 

eins Zahladv. einmal: eins in der wochen soll der Bergm. 
mindestens in die Gruben steigen, Const. I. 7, 4. 

ein-sacker* stm. Einsacker: Do sint in dem munde zen, alles 
leipfuters teglich malende e., Ack. 39, 7. 

ein-sage stf. (nur Halt. 1030 u. Vilm. 185) Einwand, Einspruch: 
der da irgend eine e. hat oder dasselbe nicht wolt helfen, Traut. 
Chr. 162. 293. 350. 

ein-sehaffen* swv. gewinnen: das sloss ober Brux, das sollen 
wir zwischen hie u. diesen nehesten weinachten in auch e. und 
bestellen, Stb. Brüx N 135. 

ein-schuldigen* (mhd. nur schuldigen, schuldegen mit be-, 
ent-, un-, ver- = beschuldigen) swv. gerichtlich mit einer Schtdd- 
f orderung auftreten: dorumb (um rückständigen Lohn) sich die 
arbeiter (hauer, haspler u. a.) in steten u. dorffern einschuldigt 
haben, czu in klagen u. recht begern, Igl. Bgr. N. 79. 



ein-segen — eintrechtikeit 191 

ein-segen* stn. Einsegnen: von e. in die orden, Eger Str. 
Überschr. C 18, zu e. in der pfarr geste haben, C 24. zu hochzeiten, 
e. oder sust, C 43. 

ein-sidel stm. Einsiedler ich schaffe den ainsidln czu der 
heiligen drivaltikeit (im Wald bei Kremehiik) ein tuch, Igl. Stb. 
V 266 a. 

ein-sit Ach. auf der einen Seite: burc unde stat einsit wären 
bi dem grözen se, W. v. W. 1921 f. 

ein-slag* stm. 1. Einwand; Zusatz, Einlage. 2. verfälschender 
Zusatz, „Einschlag": 1. als ir uns — geschriben habt mit vil ein- 
slegen und auszugen (Ausflüchten?), hän wir verlesen, Eg. Chr. 1142. 
nimancz sol auch an einem tuch kein ortphunt oder e. zu machen 
bei dem prant, Igl. Stb. III 186 a. 

ein-slahen* stv. IV. her gm. ein leben oder schacht e. = seinen 
Abbau beginnen: mit derselben rat (eines gesworn scheppen u. gesw. 
ambtmannes von der Stadt, die ihm das Bürgerlehen überlassen hatte) 
slug er (Ticz) ein burgerlehen ein in dem hangenden — später do 
slug Ticz ein andern schacht ein in dem ligenden, den nam er auch 
ein burgerlehen, Igl. Bgr. N. 51, 4. mit der scheppen rat slug er 
ein burgerlehen ein in dem hangenden. — er slug einen schacht ein 
in dem ligenden, Igl. Stb. V lOd. — nymancz (kein Tuchmacher) 
sal auch einsiahen oder einarbeiten staubwolle noch faseth bey dem 
prant s. ein-slag), Igl. Stb. III 186 a. 

ein-spenniger, -spänniger (ein-spennec = einrüsse) stm. Knecht, 
der für sich allein mit einem einzigen Pferd in Dienst tritt, öfters 
in Eger Chron. z. B. 708. 408. 

ein-streiehen* (von streichen siv.) einfügen, „einstreichen": einen 
swalbczagel ader scharstrich soll der Schlosser nicht einstreichen, 
es sei dann, das er in wolt beseczen ader ansporen, Olm. Stb. 117, 1, 
techn. noch üblicher Ausdr. aus der Schlosserei = einen Schwalben- 
schwanz am Schlosse „einstreichen". 

ein-trag vgl. mhd. in-trac, -ges stm. Nachteil, Schaden, Ein- 
wand, Widerspruch, das haben die vorgenanten meister und pecken- 
gesellen gelobt u. vorheissen bei trew u. eren zu halden an allen 
eintrag {Widerspruch), Olm. Stb. 101. an uns und sonst mennig- 
lichs irrung, eintreg und Verhinderung, Traut. Chr. 113. 

ein-tragen* stv. IV. widersprechen: Gaukelweis tragt ir mir 
vor, unter valsch tragt ir mir ein, Ack. 14, 14. Ist den Got ungeng 
(böse, XI. B.) der da intrait (eintraget, XI. B.) den zorn? wenn 
er straft? T— B Römer 3, 5. 

ein-trechtig * Adj. einträchtig: Es hilf et etwen mer ein ein- 
trechtiger kleiner häufe denn ein gros volk, das sich hin u. her 
czuteilet, Const. 1 5, 4. dise reise, der wir e. worden sin (zu der 
wir uns beide entschlossen haben), Trist. 4020. — 1315 war Ludwig 
der Bayr mit antrechtigen rath aller des reichs stende zum Römischen 
kaiser erwälet, Eg. Chr. 10 S. 15. 1273 wurde graff Rudolph von 
Habsburg mit antrechtigem rath und beschluss fast aller des 
heil. Romischen reichs churfürsten u. fürsten — zu einem rom, 
kaysser erkieset, 7 S. 13. 

eintrechticlich* Adv. in Eintracht, Const. I 5, 4. 

eintrechtikeit* stf. Eintracht, Const. HI 7, 3. 



192 eint- weder — ein-val 

eint-weder Pron. aus eindeweder, einer von beiden mit folgen- 
der Teilung, oder, Ack. 29, 1. 30, 16. 32, 16. 

einunge stf. 1. Einheit. 2. Übereinkunft. 3. Bündnis, freunt- 
lich Verrichtung und ainung zwischen in gemacht, Igl. Sth. V 278 d. 
ein herednus und ainung, "V 217 d. 3. das di purger ire punde u. e. 
vesticlichen balden, Const. I 5, 16. Si mugen auch furpas czu im 
in die e. nemen, wen si wollen, der sie der e. (zum Schutz des 
Landfriedens) duncket nucz sein, Mind. d. Egerl. S. 42. aus ist 
geredt worden, daß an dem rate der e. (Bündnis zum Schutz des 
Friedens in der Umgebung) eilf siezen sullen: 2 aus dem lande, 
Elbogen, 3 v. Eger (von König Wenzels wegen), 2 von herezog 
Ludwigs u. herezog Johannsen v. Peyrn wegen, 3 von den marc- 
grafen u. des lantgrafen von Duringen wegen u. einer von der von 
Svvarczpurgk wegen, sie sollen 3 jar bestehen 6n alle aufsagunge, 
und falls sie nicht von Wenzel oder einen der Fürsten und Herrn 
„aufgesagt" , gekündigt werden, sollen sie wieder so lang bestehen, 
aufgesagt l l t Jahr, S. 43. ein ganeze e., also das an einander ge- 
treulichen getroffen u. geraten sein schullen, S. 39. 1. di einunge 
deiner drivaltigkeit ist nur allein ir selber bekennet (bekannt), Sol. 
79, 2. 2. einunge auch vereinigunge, czusamenung, czusamengeluben, 
streikartige, Vereinigung der smide , conspirationes , Const. I 15, 8. 
Zunft : wir wellen, daz, vuerwaz (= furbas, fortan) in der Stat czu 
Brunne nicht ainung schullen sein, denn sunder alle marekttag 
mugen alle chaufleute, von welcher stat si sein, mit irem kaufschaez 
vreileich czu der stat cziehen, awer an andern tagen mugen die 
liut, di pei der stat gesessen sint, im kaufschaez in der stat ver- 
kaufen, Brunn. R. II 161. die mit betrachtung (Andacht am Feier- 
tag) nimmer kein rue noch ainunge haben, Jon. v. Igl. 3. 

ein-val stm. (in-val, -lies) 1. Einfall. 2. Einfall in den 
Brunnenkasten. 3. feindl. Einfall. 4. Eingriff in jemands Recht, 
rechtlicher Einsjjruch. 5. Zivischenfall, Interregnum. 6. zufälliger 
Gedanke. 7. Instinkt, wie euch die unsern zu Tirstein einfeile 
tun und machen an weiden, Mind. des Egerl. S. 76. keinerlei klage 
noch einfeile tun, S. 73. auch globe wir, vor ander einfeile, da das 
gelt ader das einleger den Juden vorgeschrieben werden, sundern 
wir globen, si czu beczalen, Stb. Brüx N. 126. daz, si dobei behalten 
wurden an einfeil und an alles teiding, Olm. Stb. 108 a. die smid 
sollen in (den slossern) dorinnen (im Schmieden eiserner Fenster- 
gitter, Türen und „panthen") kein ainfal thun, 118. in iren handel 
einfeil zu machen nicht gestatten, 132 S. 99. 5. was do einfalles 
und czufalles ist (ivährend des Prozesses auftauchende Fragen z. B. 
ob dieser oder jener Zeuge zu vereiden sei u. dgl.) werden entschieden 
durch undersprechende urteile, Const. IV 18, 5. So hat das gepirge 
(Weinberg) daz recht, daz man ungemanet schol varen ein meil von 
dem gepirge an allen einvall (Widerspruch), Chlum. VIII 32. darein 
in niemands ainfal noch irrung tun sol, Igl. Stb. III A 168 b. wo ir 
(meiner frau) mein e genanter bruder in dem ob geschriben ge- 
scherte ein ainfal machen wurde, so tet er meiner zelen einen grossen 
slag, Igl. Stb. III 64 c. domit zu tun und zu lassen an ainfal und hinder- 
nus, III 137 c. da sein elter sun darein (daß er sein Haus seiner Frau 
zuschreiben ließ) chain ansprach noch kain ainfal tun sol, III 135 a. 



ein-valdig — ein-werfen 193 

ein-valdig, -feltig Adj. (= ein-valtec, ein-valt) einfach: Aber 
Jakob was ein e. man (vir simplex), W — B Gen. 25, 27. ein ein- 
veldiger man, Job. 1, 1. einvaldige wunden: wer sich um ein- 
voltigeu wunden unschuldigen will, der schol selbdritter enprechen 
auf dem chreuz, Brunn. B. TJ 47 u. 51. e. ait, II 39. einf eidig 
Schreiber, die allein die koste der gruben beschreiben in mancherlei 
steten E, einfeltige liut, Schreiber usw., G Const. I 8, 5. 

ein - v aldiglich, ein-felticlich, -feldiclich Adv. einfach, 
schlicht: ich bitt euch, das ir meine rede einfeldiclich uffnement, 
Igl. Bgr. N. 51, 1 u. 4. N. 40, 2. e. teidingen, N. 59, 1. wiert ober ain- 
volticleich auf im geclait (wird er nur von einem ohne Zeugen an- 
geklagt) er (des Hausfriedensbruchs, haimsuchung, Angeklagte) mac 
sich unschuldigen auf dem chreuz , Brunn. B. II 39. ainvaldiklich 
antworten, Igl. Bspr. I. 

ein-valdikeit stf. Einfalt, Einfachheit: wenne des gerechten 
e. vorspottet man, W — B Job. 12, 4. die worheit ist ein freundin 
der einveldikeit ( simplicitatis ) , Const. IV 11, 11. in guter e. 
IV 10, 3. 

ein- vallen (in-vallen) stv. red. V. in recht e. = vor Gericht 
kommen: Wer czu Vrbaw in recht einfeldt, derselbig soll es zu 
Vrbaw mit recht vorenden, Chlum. I 69. 

ein-valt, -e stf. Einfachheit, Einfalt: in der e. meines herczen, 
W— B Gen. 20, 5. 

ein-varen, -varn stv. IV. bergm. 1. einfahren von den Bergl. 
in die Grube. 2. trans. z. B. einen Stollen in eine Grube, Berg 
treiben. 1. wan die hewer einfarn, Const. 1 12, 5. 2. Do wart ein 
-erbstolle eingevarn in ein dertrunk(n)e czech, Igl. Bgr. N. 74, 1. 

ein-vln^ (= in-fluz,, -^es) stm. 1. Einfließen. 2. übertr. Ein- 
fluß. 3. Ansteckung. 2. gancz wurkender e. alles gestirnes, Ack. 
56, 14. 

ein-vordrer* stm. der Strafgelder, wandel, einzieht, Eger. Str. 
C 124 b. 

ein-forieren* (mhd. forier = franz. fourrier stm. Quartier- 
macher) swv. einquartieren: das man die fursten (1389) auch in vor- 
steten und gartenheusern e. müssen, Chr. v. Eger N. 16; Chr. 
Traut. 327. 

ein-wachsen stv. IV. ein teil über den andern claghaftigk ein- 
gewachsen (klagbar geworden), Eg. Chr. 1196. 

ein-weisen svw. in die „gewer" einführen, Igl. Bgr. N. 62, 5. 
wie sie das bergwerk erlangt und mit recht eingeweiset sein umb 
ir lidlon, N. 80, 2. er ist in die regierung und vorwaltung der — 
kaiserischen dörfer — eingeweist worden, Traut. Chr. 311. 

ein-weisung (= in-wisunge) stf. Eintragung des Pfandrechtes 
auf ein Bergwerk wegen rückständigen Arbeitslohnes, Igl. Bgr. 
N. 79, 1. Einführung in die „gewer" : der e. wäre copien ewer pergs- 
buchs N. 92, 1. 

ein-werfen* stv. I 3. zu jemandes Schaden ins Werk setzen, 
inicere: vereinunge, di etliche aus den erczkaufern wider unsern 
gemeinen nucz — eingeworfen han, Const. 121,1. sie werfen 
{wenden) uns also vil artickl ein, das sich doraus niemant vor- 
richten kau, Igl. Bgr. N. 39, 10. 

Jelinek, Wörterbuch. 13 



194 ein-werren — eisenhalte 

ein-werren * siov. verwickeln, verpflechten: Wer ist der ein- 
wendende die sinne in unvomunftige rede? W — B Job. 38, 2. 

ein-wonunge* stf. (in-wonunge icie Myst.) das Verweilen: 
We mir, das mein e. (incolatus meus) also derlenget (prolongatus) 
ist, Sol. 94, 24. 

einzen-pferd * stm. Einspänner, einzen (Adv. Dat.) = einzeln 
vor einen Wagen gespanntes Pferd: dnos equos vetriores, volgariter 
Aynczenpfert, Igl. Stb. III 62 c, s. einz-wagen. 

einzig Adj. einzeln : als in unserm register zu einczigen 
(detalliert, im einzelnen) bezeichnet ist, Eg. Chr. 1163. 

einzig Adv. einzeln, Eger. Chr. 1163. Tische — nimmer mit 
einander, sunder czu eizig verkaufen, Olm. Stb. 121b, 2. 

einz-wagen stm. einspänniger Wagen: Wer Blei, Zinn, Kupfer 
xisw. führt, der gibt von e. 6 und von dem deichsehvagen 12 phennig 
(als Mautgeld am Spielberg), Brunn. R. II 147 — 152 17 mal), welicher 
encz-wogen wein fürt, der schol zu hut geben 1 phennig, Budw. 
Urkb. N. 477, s. auch deichsel-wagen. 

eis-bau* stm. Eisbrecher an einem Wehr: die herren von 
Znaimb sollen den eissbau bei dem mühlgraben machen lassen. 
Chlum. V. 

eischen sicv. auch red. Prät. iesch, Part, geeischen, mit un- 
org. h — heischen mit Dat. oder Acc. der Person. 1- von jemanden 
etwas fordern, mit Acc. der Sache. 2. mit Acc. der Person: vor 
Gericht laden. 1. wann unser herre allermeniclichen {die ihr nicht 
durch Predigen vom Sündigen abgehalten habt, von euch) vordem 
wil u. von ewern henden hertiklichen eischen, Hier. 27, 7. nicht me 
davon eischende, verlangend, Prag. Str. 77. als die rechichait (Recht) 
haist oder aischt, Brunn. R. II 6. daz sie von chainen kaufschacz 
derselben purger czu Brunne maut aischen oder vodern, U 169. 
2. vorladen: Brunn. R. II 132. den flüchtigen Angeklagten kann der 
Bergmeister wol 3 raitunge lassen eischen u. in die echte tun, 
DIR 23a, 6. euer vater wai^, was euch ist dürft, e den ir im 
eischt, T — B Matth. 6, 8. der da eischt von dir, dem gib, 5, 42. 
eischt und euch wirt gegeben, 7, 7. ein ieglich, der da eischt, der 
enphencht, 7, 8. ob im sein sun eischt prot, gibt er im den einen 
stain? 7, 9. aisch von mir, was du wilt, Mark. 6, 22. was aisch 
ich ? 6, 24. zuhant iesch sie mit eilen sagent, 6, 25. Sathanas hat 
euch geiescht, das er euch reitert als den waiczen, Luk. 22, 31 r 
Joseph von A. — iesch den leip Jhesus, Mark. 15, 43, er iesch ein 
tavel, Luk. 1, 63. aischent das er werde gekreuczigt, 23, 23. 

eischunge stf. Vorladung, inquisitio, gerichtliches Verhör: Brunn. 
Str. H 132. 

eisen-berg stm. Eisenbergwerk: unser e. (montana nostra ferri), 
Igl. Bgr. X. 82, 1. 

eisen-gezeuge* stn. Eisengeräte, eiserne Werkzeuge: aks und 
alles e. wart nicht gehört in dem house, do das wart gepowet, 
W— B Könige in 6, 7. 

eisen -halte (isen-halte sie f., -halt stn.) eiserne Beinschelle, 
Fußeisen: er behut enezamt di fuz,z, mit eisenhalten (fuz,eisen XI. 
Bibel), T— B Luk. 8, 29. 



eisen-huot — eit-oven 195 

eisen-huot stm. Kopfbedeckung aus Eisenblech: Igl. Stb. III 
112 b; Brüx. Stb. N. 244. 

eisen-smid stm. Eisenschmied: der e. mit der veilen hat 
geworcht in gluten und in hemern hat er das gebildet, W — B 
Is. 44, 12. 

eiserein (iserin, isenin) Adj. eisern, aus Eisen: das man sie 
mit eisereinen keten halden muste, Hier. 228, 8. vorzeichent — mit 
einem eisereinen griffel, W — B Job. 19, 24. Franz Oderin, perk- 
meister zum Eisrein Waczlab (Name einer Fundgrube), Igl. Rspr. 
VII. VIII. 

eis-lich (auch eges-lich) Adj. u. Adv. schrecklich, furchtbar, ab- 
scheulich: daz, schretel — was gar eislich getan. Schretel 189, das 
eisliche kunder, 71. er was swarz und e. getan, Alex. 25922. 

eis-lich (eis-, eges-liche, -en) Adv. schrecklich, abscheulich: er 
rief eislich und lüte gnuoc Schretel, 318. 

eis-meister* stm. Peter eysmeister, Olm. Stb. 95 c. 

eisner (isener calipsor, DFG 90c) stm.: Eisenhändler: der 
eisner gibt 1 Pfennig Marktgeld, Budweiser Urkb. N. 477. 

eitel Adj. (itel) : ein eiteler man wirt in die hochvart erhaben, 
W— B Job. 11, 12. 

eitel-bar* (— itel) Adj. eitel, unfruchtbar: ein eitelbars ert- 
reich, das an deinen segen nicht begrünt u. niht frucht bringt, 
Sol. 40, 20. 

eitelkeit (itelkeit) stf. 1. Nichtigkeit. 2. nichtige Dinge. 
3. Eitelkeit, Hochmut. 1. wenne er kennet wol der leute e., W — B 
Job. 11, 11. 2. si haben mich gehindert in iren eitelkeiten (in vani- 
tatibus suis), Deut. 32, 21. 

eitel -lieh, -en, eitelleich Adv. vergebens, ohne Grund: 
Vorchtet nu nicht Job eitellichen got (frustra), W — B Job 1, 9. e. 
(vane) habe ich vorezert meine sterke, Is. 49, 4. du scholt nicht in 
eitel oder eiteleich enphahen den namen deines gotes, Joh. v. Iglau 
2. Gebot. 

eiter stn. Gift, besonders tierisches: daz, aiter aspudiez 
Schlangengift, T— B Bömer 3, 13. 

eit-genosse s. eid-genosse. 

eit-loch* stn. Einmündung des Hauskanals in einen anderen: 
so es sich aber begeb, das aitloch czu räumen, so sullen sie ir ait- 
loch fertigen bis in der stiefft aitloch, darnoch sullen sie alle drei 
miteinander das aitloch fertigen, Igl. Stb. V 242 a. der michel sal 
ein aitloch füren durch di mawer des Andres in sein e. doch dem 
Andres an schaden, III 176 b. wen das gerind verfault der durch 
das wasser geet aus dem teich czum Ranczern — ein anders zu 
machen oder ein attloch (aitloch) frai zu machen, V 32a. von dem 
e. das do get von des penanten Merbat melczhaus daz, sol der 
offtgenant Merbat fertigen unez an das attloch, daz, da vom hoff 
darein tritt, 111121a. 

eit-oven stm. Feuerofen : daz hew des ackers, daz, heut ist und 
morgen wert gelegt in den aitofen (clibanum), T — B Matth. 6, 30. 
si legent alle trubsal in den aitofen des feuers, Matth. 13, 42. 13, 50. 
seine fuz.z, gleicht dem messiug als in dem aitofen prinnent (dem im 
Ofen glühenden Glanzerz), Offenb. 1, 15. 

13* 



196 eit-pfennig — el-lende 

eit-pfennig s. eid — . 

eit-czucht (= eit-zuht auch adich, aduht aus aquaeductus stf. 
cloaca, Kanal; Wasserleitung): es sei umb mauern, czeun, eidt- 
czuchten, wasserrinnen, prunnen, Olm. Stb. 131. 

ek-lypsis (griech) stf. Verdunkelung eines Sternes : e. daz, heisset 
ein gebreche, Trist. 239. 

e-kone swf. Ehefrau: sein ekon, T — B Offenb. 19,7. 21,9. 
Zacharias u. seine ekone Elisabeth Luk. 1, 5. meine e., 1, 18. 

eider-, elter- vater stm. Großvater: wenn noch ein erbling da 
ist, den is angestorben ist von seinem eldervater u. von seinem 
evater, Igl. Bgr. N. 100, 1. 

ele s. eilen. 

elend s. el-lende. 

elephant (elefant, elfant) stm. stn* Elefant: er reit ein schoenez, 
e., Alex. 13073. von unkraft daz, e. viel, 13116. 

e-lich Adj. 1. gesetzmäßig. 2. ehelich. 1. als einem rechten 
u. elichen berkmeister, Igl. Bgr. N. 51, 11. als rechten u. e. ratleut, 
N. 53, 12. in iren elichen rechten sult nicht wandern (nee in 
legitimis eorum ambulabitis), W — B Lev. 18, 3. ein ewiges eliches 
recht (legitimum sempiternum) wirt das in ewern gesiechten, Num. 
18, 23. die elichen recht = leges , Lev. 26, 45. an irn elichen man 
(Ehemann), Trist. 301. zu einem elichen wibe 508. e. ding Böhm.- 
Kamn. Stb. Das Gericht in dem von der Krone nach deutschem 
Hecht kolonisierten Dorf Tschepem bei Brüx wurde Judicium 
principale, puta plebiscitum oder gewöhnt Elychding genannt, 
es lebte in den Brüxer Dörfern als Weistum bis ins 18. Jh. 
fort. Den deutschen Ehedingen oder gehegten Gerichten sind 
die tschech. unter dem Namen, soudy zahajene nachgebildet, 
Mitteil, des Vereins f. Gesch. d. Deutschen in Böhm. XV S. 173—175. 
s. ehaft. 

eilen (=elne, ein, elline, eilen stf., ele, eile) sivstf Elle: unrecht 
eilen oder gewicht , Eger Str. B 38. ein hemde (linea, Seil) von 
12 elen ummegab die peide seulen, W — B Kön. HI 7, 15. er zilt 
daz, sper wol elen lanc, Alex. 13907. 

eilen stn. auch ellent, Mut, Mannhaftigkeit sus (so manchen 
Heiden zu töten) im sin menlich eilen riet, W. v. W. 3710. das volc 
ir eilen priset 5941. die süeze wert geherte an ir amis e. merte, 
Alex. 13868. nach hoher wirde sin eilen strebt (ranc), 191. 10011. 
prises und eilen in nie verdroz,, 19387. ir menlich e. — erswingen 
wellen, 12 233. die e truogen menlich e., die sach man sich zegelich 
stellen, 16567. rehter e. ein blüender cranz wser du fürste üz,er- 
welt, 13802. den fürsten ellens riche, 10975. 15814. den e. vesten 
den unverzagten gesten, 5835. 3575. 18860. ir eilen so gebot, daz, 
sie einander täten we Ernst, 1390. di ellens riehen, 2327. die 
ellens snellen, 2315. 

ellen-bernde* part. Adj. Kraft verratend, kühn: mit ellen- 
bernder tat, Alex. 10928. 

el-lende md. enlende (auch enelende) stn. 1. Fremde, 2. Leben 
in der Fremde, 3. Not, Elend: 1. eilende hat mit kumber phlicht, 
e. git senelichen muot, W.v. W. 5309. daz sich der tiure Wende 
sus gap in das e. (in die Fremde zog), 4142. diu werden kint, diu 



el-lende 197 

noch in e. sint, 4703. in e., 6523. 6527. dö ir uns in e. liezent 
(des Herren beraubt, also in der Fremde), 7667. erwirp uns ein 
guot ende froelich üz. diesem e., 7914. tumpheit min witze ruorte, 
dö ich sie in e. fuorte, 2723. hei kindes geburt die seligen martrin 
hiesz wir räumen das kurtz schonende eilende, Ack. 19, 16. eilend 
bawen alle leut auf erden, 30, 4. die unser vorvaren in das betrübt 
elend vorjagt haben , Elbog. Chr. 110, 20. von der stat vorteilt in 
das e., Brunn. R, IT, 6. dise tilgende wellent e. hän, W. v. W. 3437. 
durch sin selbes e. da^ der zarte — ■ krist — durch uns leit, Ernst 
3273. der wigant in enelende gotes hülfe fant, Ernst 3658. en- 
lende: Laz mich nicht furbas in Adames eilende meines vaters, 
Hier. 63, 16. hastu mich widerbracht von sulchem enlend (de exilio), 
Sol. 33, 37. wir, der leben (Dasein) ist in dem enlend (in exilio), 
97, 3. di von dem enlend zu dem land kumen sint (de exilio ad 
patriam), 95, 24. in das enlende (exilium), W — B Esdr. I 7, 26. vor- 
weisunge des enlendes, Sirach 29, 30. 

el-lende enlende (auch enelende) Adj. 1. der in oder aus der 
Fremde ist, fremd. 2. unglücklich, elend: 1. er für aus derselben 
stat u. wart eilender auf der erden, Hier. 200, 3. er ist hier eilende, 
W. v. Wenden 3209. wie der werde mich allhie in diser stat 
eilende lie, 7150. von mangem eilenden man, den ich nach im 
gevräget hän, 6860. die e. geste, 5209. die e. herren, 5223. die 
e. = fremden Pilger, 4457. swie so sie e. (in der Fremde) sin und 
sus in armüete varn, 5055. bilgerin oder eilender man, 4289. Ist 
das ein gast oder ein pilgeren oder eilender man in der stat vor- 
terwet wiert, den schol der richter u. der wiert auch vor die gesworn 
an der vreunt stat vordem als recht ist, Briinn. R. II 106. II 210. 
Der richter mag auch einen totschlag an einem eilenden (fremden) 
menschen wol fodern mit rechte, doch die besserung (wergeld) sollen 
die scheppen iar u. tag innehalden, ab imand queme, der dem toten 
mit magschaft habe czugehort, Igl. Str. I, S. 356. einem eilenden 
menschen, der nicht stathaft ist, soll der richter einen vursprechen 
schaffen ebenda, ein eilende vrowe, W — B Ruth 2, 10. mit der 
hulf, dass wir ein einige elende (für sich allein) stat sint und 
ausserhalb des konigreiches ligen, Eger. Chr. N. 1115. eines iglichen 
enleuden mannes sache, Igl. Str. 114. eines enlenden mannes wort, 
188. hoffenunge wirt er des eilenden (egeno), Job. 5, 16. doch swaeret 
mich min ellendez leben, W. v. W. 5241. o wie gar eilend und wie 
gar unselig sind dieselben, Hier. 207, 13. er meinet, er well meine 
eilende sei mit im zu füren in das ewige leben, 18, 24. er was 
eilend oder verre lange zeit, T— B Luk. 20,9. er für ellent in 
ein verre gegent , Luk. 15, 13. dein same der wirt elende (heimat- 
los) in eim fremden land, Btb. 7, 6. an mir enlenden (Heimat- 
losen), Trist. 341. von diesem enlenden man , 1273. enlender gast 
dicz landes, 4829. 4890. der vröuden enlende, der trostlöse Marke, 
6726. die enelenden jungen, Ernst 3789. daz. er ein enlende ge- 
mayne frawen vom leben zum tode bracht habe, Eg. Achtb. II 53. 
frö fuoren die genenden, die gotes eilenden, Ernst 3176. dö nam 
der e. (Darius) Alexanders hende, Alex. 16809. Philipp an des 
eilenden (fremden) herberge er reit, 250. einen eilenden knecht, 
den friczen, des Schroters viheknecht, Eg. Achtb. n50. her wecket 



198 eilen declich — en-boeren 

ous der aschen den enlenden (egenum de pulvere suscitat), W — B 
Kön. I 2, 8. ein elender u. ein armer (egenus et pauper), "W — B 
Ps. 71 (72), 13. dem eilenden u. dem armen Ps. 40, (41) 2. 35, 14. den 
enlenden (egenum), Spr. 31, 9. heil wirt er machen den eilenden 
(egenum) Job. 5, 15. zu unterscheiden davon: en-lende = incola. 

ellendeclich, -en Adv. 1. in der oder in die Fremde*, 2. jämmer- 
lich: 1. dinen honen art, din cläre geburt e. hän ich verfuort (in 
die Fremde), W. v. W. 1969. äne tröst er dannen gie ellendec- 
lichen, 6230. e. län, 6857. 

ellen-riche (ellent-riche) Adj. gewaltig, tapfer: der e. Tristant, 
Trist. 6235. die ellensriche gesellen, Alex. 19531. mit elentricher 
hant, Rf. 259. 

ellent-haft Adj. tapfer, kühn: Wilhalm sin brot verdienen sol 
noch mit ellenthafter hende, W. v. W. 3374. ritter guot, e. gemuot, 
3335. wip tuont wesen e.. wip sint an vinden sigehaft, 1268. 5937. 
von manegen eilenthaften man, Alex. 18827. bi e. muote, 18843. 
dem e. man, 18971. 19726. mit e. wer, 19670. mit e. wer sach 
man sie strit einander geben, 20164. 16643. mit siner e. hant, 10957. 
11969. mit e. hende, 27357. e. tat, 11907. 17488. 18185. e. helt, 
19394. e. kneht, Ernst. 1300. der e. Tristant, Trist. 6445. ritter e., 
2279. e. herze, 70. sin e. vreche jugent, Trist. 2004. mit e. hant, 
2012. 2054. 2119. der degen e., 2046. 

ellent-haft Adv. kräftig: die zwene in menlicher kür so e. sich 
werten, W. v. W. 5514. 

el-lent-lichen Adv. in die Fremde: durch den (krist) ich e. 
var, W. v. W. 2698. 

el-lich, al-lich Adj. allgemein: es ist ir ellich site, Trist. 2952. 

elmerlin (= almerlin, almerl), stn. kl. Schrank, Kästchen, 
Traut. Chr. 234. 

el-schleger* stm. Öl-müller, Traut. Chr. 60. 

einänuel: E. der name bewiset ,mit uns got', Alex. 11753. 

einer (= emier, einber) stm. einhänkeliges Gefäß, Eimer: von 
idem emer honigs qeben Käufer und Verkäufer (außer den Bürgern) 
1 Pfennig, Budw. trkdb. N. 477. 

emeral (amiräl) stm. Kalif, Fürst: manegen tiuren emeral, 
Alex. 23862. 

empf s. ent-v. 

einzig (emz,ec) Adj. beständig, beharrlich: daz, mir ist — 
emsigen smerzen meim herzen, T — B Römer 9, 2. 

en-beiz,en (= en-biz,z,en) stv. II essend oder trinkend genießen: 
Weliches tages ir der frucht empeissent, des todes wert ir sterben, 
Ack. 24, 1. dö der künec von Frankrich in einem tiergarten wolde 
enbiz,en, Rf. 65. dö si heten enbiz,z,eu, T— B Joh. 21, 15. 

en-bern, -binden, -blecken, -bloez,en, -brechen s. ent-. 

en-bor, -e Adv. 1. in der , in die Höhe, vor Adj. u. Adv. 
steigernd, manchmal = gering: enborlang darnach (nicht lange 
nachher), W. v. W. 1021 u. 2089. dar nach was enbor lanc, Alex. 
1684. 2051. 26389. 

en-boeren sivv. erheben, = nhd. empören: ab sich darinne (im 
slosz von Elbogen) Unwille wolt entporen, den zu unterkomen, Elbog. 
Chr. 114, 9. 



en-brechen — ende-lichen 199 

en-brechen stv. I, 2. intr. hervorbrechen, (mit Dat. oder von) 
abfallen, loskommen, trans. befreien, refl. sich losmachen: wie ich 
mich verhalten und von in entprochen mucht, Elbog. Chr. 78, 44. 
es wer denn, das er sich von in noch irer stat gewonheit und wil- 
kür gescheiden und entsprochen (wohl verlesen für entprochen) hette, 
Eg. Chr. 1108. er wolde sich also von dem keiser mit hobescheit 
enprechen, Böhm. Chr. 69. 

en-bürn sviu. in die Höhe heben, erheben: wir suln in zcum 
herczogtum entpurn, Dal. 121, 30 (55, 32). 

ende stnm. Ende, Ziel: wann die ende des gepotes (fines man- 
dati) sein fleislig czu halden, Const. I, 7, 7. er huop sich des endes 
(schnell) dar, Alex. 539. 2492. und sein bede an den gehen end 
gestorben, Eger Chr. 97. 

en-decken (auch ent- decken, Prät. endacte, endahte, Part. 
endecket, endaht) sivv. aufdecken, entblößen, offenbaren: die (Geißler) 
indektin di rück — und slugin sich mit geissiln, Dal. 199, 22 (90). 

ende-haft, -haftig Adj. zu Ende kommend, abschließend, 2. 
bestimmt, e. tag, dies finalis, peremtoria, Igl. Str. 263, S. 164. das 
im heute ein endehaftir tag her bescheiden ist czu gewinne u. czu 
vorhast, 263, S. 163. er scholde in ein endehafte czeit gelegt u. be- 
nant haben (== Termin) , Igl. Bgr. N. 64, 2. u. 3. das endehaftige 
urteil (definitiva sententia), Const. IV 18, 6. 

endel Adj. Snp. endlist (= endelöst) äußerst: dieselbe endlist 
stuff, Igl. Bgr. N. 53, 17 u. 18. endeiste leben sind die die 4 (Je 2 
zu beiden Seiten von den ursprüngl. 3 Lehen um den Runbaum) 
äußersten Enden der Siebenlehen, an welche sich zu beiden Seiten je 
1 Königs-, Bürger- und Herrenlehen (die Sechslehen) anschließen, Igl. 
Bgr. do ich abgesneit das endliste teil (Zipfel) deines mantils, do wold 
ich nicht recken meine hant in dich, W — B Kön. 1 24, 12. lege das 
ouf das endliste teil des rechten oren (auriculae), Lev. 14, 25 u. 28. 

ende-, end-lich (= ende-, endec-lich) Adj. 1. schließlich, letzt. 

2. endgültig. 3. zum Ziel führend, eilig. 4. tüchtig. 2. ist inen 
aber kein entlich autwort wurden (endgültiger Bescheid), Elbog. 
Chr. 95, 24. zu entlichen entlauf pleiben, Eg. Chr. 1177. doch ist 
ein entlicher anlass durch die herrn, laut und stete gemacht worden, 
der k. mt. wider den Türken gelt und ein stewer zu geben, Elbog. 
Chr. 101, 14. 4. du letil (Lotter), du schelkel, bist endlich u. frum 
vom vater und mueter, khüm her czu uns, Igl. Str. (68) S. 333. sie 
erwiste so fürstlichen sich, aller sache so endelich u. satzte so 
ordelich daz laut — , W. v. W. 4114. wan wir in langer czeit 
zu Behem nit endliches (Tüchtiges) hän geschafft, Ack. 5, 14. 

3. nicht bis endlich zu zürnen (ne sis velox) W — B Prediger 7, 9 u. 
V 183b. = häufig: durch die endlichen sigenunft (propter crebras 
victorias) Par. 

ende-lichen Adv. 1. endgültig. 2. eilends: ist daz den heiden 
leit? „frouwe, endelichen ja, W. v. W. 4535. da keren wir e. zuo 
(in diesem Lande bleiben wir endgültig), 5419. czwen purgen (eu- 
nuchi), des cuniges — twungen in (Amam) endlichen (cito) geen 
czu der Wirtschaft, die die kuniginne hette bereitet, W — B Esther 
6, 14. u. endlich (confestim) giengen sie, Lev. 10, 5. recht als 
ein pach, die do endlichen hinczeuhet in den gründen (qui raptim 



200 enden — enges-, 

transit in convallibus) , Job. 6, 15. = cito, festinato, W— B II 3 a. 
JJI62a. IV 128 a. Y48a. 130 c den lieben toren endelicb hiez. sie 
von dannen beben sich, Trist. 5509. 

enden swv. (Praet. endete, ante), vollbriyigen, endigen : e der böte 
von im gie, mit der rede er ante gar, als im sin frouwe sante dar r 
W. v. W. 7299. mit snellem gedinge (Vereinbarung) er ante = be- 
stellte 2 Plätze im Schiffe, 2317. Und von •welchem seinem ricbter 
das gerichte angehaben ist, do seibist sol es auch geendet werden, 
Const. IV 4, 18. daz, sich daz, viur ante und an schaden vergienc- 
Alex. 22216. 

enderunge, anderunge stf. Wechsel, Veränderung: ab sich in 
den selbigen ichtes a. der dinge ergebint, Elbog. Chr. 153, 15. 

ende-schaft stf. Beendigung, Elbog. Chr. 84, 15. nochdem die 
gehabt zwitracht ir e. erlangt 47, 26. 

end-krist (Ende-krist) stm. Antichrist: daz, der Endkrist kumt,. 
T— B 1. Brief Joh. 2, 18. 4, 3. 2. Brief 1, 7. 

en-eben Adv. und Präp. mit G. D. Akk. in gleicher Linie, 
neben: do daz, tier e. hat, da mit ez. ez.z,en mac, dar er tjost sieb 
bewac, Alex. 

en-gän, -gen s. ent-gen. 

en-gegen-Tvertig, Adj. gegenwärtig, gegenüber: er ist hie 
engegenwirtig, T— B Joh. 11, 28. 

engelisch Adj. bei L. nur aus W. v. Rh. 265, 27 belegt: den 
engelisch gewalt in dem himel furht = quem contremiseunt in coela 
angelicae potestates, Sol. 90, 15. die da brächten engelischen schin 

— mit in in, Trist. 561. 

en-gelt stm. Ersatz, Grimm WB III 541 pretium: het ich für 
die gut, die rein — engelt mit iren hindern in reinen, vesten ge~ 
Valien! Ack. 12, 5. 

en-gelten stv. I 3 mit Gen. bezahlen, vergelten, kaufen, wofür 
büßen müssen, durch einen zu Schaden kommen: Es gehört uns auch 
an, das niemand unsers perkwerkes engelten sulle (ne abutatur) r 
Const. I 7, 10. gegen den (man) ir engultent nie iuwer kintheit, 
W.v.W. 986. 

engen swv. {Praet. anete, engte, Part, geenget, genget) be- 
engen, in die Enge treiben, einschränken: daz sie frönden rümes enget, 
W. v. W. 2092. 

en-genzen swv. zerbrechen, zerstören, zerreißen: 4 tuch von 
Bruchsal, ein entgeneztes, 5 Mechlisch u. 2 entgenezte (angeschriittene), 
Stb. Brüx N. 226. 

engerl (engerlin) stn. kleiner Anger, weibliche Scheide: daz, 
ez, (daz, -waz,z,er) hin uf vil vaste spranc hin an daz, engerl also zart 

— aldä die brünen bluomen stän — und als daz engerlin wart naz, — , 
Trist. 3779. 

enges-, engest-lich Adj. Angst erregend, gefährlich, schreck- 
lich: dö kam ein engeslicher man, — der het borsten als ein swin r 
Alex. 22591. der man was als engeslich getan, daz, er in sach durch 
wunder an, 26017. die frouwen truogen engeslich gewant (nämlich 
Kampfrüstungen), 21997. ein tier — ez, was sere engeslich einem 
ipomites gelich, 22023. Daniel — in der werlde Spiegel sach vier 
engestlicher tiere, 21 075. manec engestlicher sweiz, (Angstschiueiß), 



enges- 



ent-bern 201 



18550. ein engestlichez, her, 13244. vor aller engestlicher not, 4. 
got dich — lat für sin engstlich gericht, Dal. 217, 7 (98). 

enges-, engest-liche, -en Adv. in Gefahr bringender, Angst 
erregender Weise: er sach gegen im strichen freisam und enges- 
lichen vil nätern, Alex. 23240. die rede, die mir so engstlichen lac 
(dem Plan, mich zu ermorden), 18289. engestlich ez, uns stät (wir 
schweben in Gefahr), Ernst 3220. Alex. 27810. 

en-gesten s. ent-gesten. 

en-ginnen stv. 1 3 aufschneiden, öffnen, Bresche schießen: 
die uz,ern (Belagerer) die müre engunnen, da von sie die stat ge- 
wannen, Alex. 3691. 

eninkel, enikel stm. Enkel, nach Wack. eigentlich der kleine 
Großvater, dagegen D W B 3, 485 f. : derselben chinder chint , die 
eninchel haissen, die sint an der andern sipp, Brunn. R. II 226. die 
schar irr nechsten vründe u. irr eninkel, W — B Job. 21, 8 u. V 197 c, 
Igl. Str. 305 a u. b. 

enink-, enik-lein (= eninklin Demin. von eninkel) stn., Igl. 
Str. (71) S. 338 m. dem knechtlein, meinem e., Igl. Stb. III 59c. 

enkel stn. Knöchel am Fuß: gecleidet mit einem langen rocke 
bis auf das enkel, W — B Kön. II 13, 18. das wasser gieug mir unczt 
an die enkchel, Ez. 47, 3. so gienc in biz, üf daz, enkel daz, har, Alex. 
22 115. er gink in dem blude und bis an di enkil wude, Dal. 138, 3 
(62, 28). 

en-leich (= anelich) Adj. ähnlich: die du — in allen Sachen 
gleich u. enleich den engein gemacht hast? Sol. 21, 12. 

en-lende (= in-lende) swm. Inländer, incola, W — B Ps. 119, 6. 
incolatus, Ps. 119, 5. 

en-phahung stf. das Empfangen, Aufnahme: do di tag seiner 
e. (Aufnahme in den Himmel) wurden derfullt, T — B Luk. 9, 51. 
welchez, wirt di e. (Aufnahme) neuer (anders als) daz, leben von 
den toten, Römer 11, 15. zu empfahung die Ungrische krön, Traut. 
Chr. 10. 

en-phenden sivv. als Pfand in knspruch nehmen: nicht betrübe 
dich umb sulche ketzerei, di sich enpfendet hat (ausgegangen* ist) 
von schedenlichen leuten, Hier 132, 5. 

enpheng-nisse stf. stn ? Abgabe vom Verkauf einer Sache; 
Übergabe, Einführung in die gewer (investitura) ; Schwangerschaft: 
meren wil ich dein ungemach und deine emphenknusse, W — B 
Gen. 3, 16. 

enphetten (ent-pheiten) Prät. enphette swv. entkleiden: daz, 
er enphette sich, Trist. 4904. Tristan hete sich enphettet, 3083. 662. 

en-sament, en-samt s. enzamt. 

en-slingen s. ent-slingen. 

ent-bern stv. 1 2 ohne etivas sein, entbehren, darauf (Gen.) ver- 
zichten: wenn ich dein enbir (dum de solo careo), Sol. 5,22. iedoch 
unsanft ich din enbir, W. v. W. 977. Wer imant mit knottle siecht 
odir mit dem har wider die erden wirft oder mit fussen tritt, der 
schol der haut emperen = sie verlieren, Igl. Str. 10 S. 59. der herr- 
schaft ich enbsere (auf die H. verzichtete), W. v. W. 7599. ob dich 
min lip vermidet und din zu vrouwen enpir, Trist. 177. leide 
msere er vernam, der er gerne hete enborn, Alex. 1767. 20111. 



202 ent-bindeu — ent-einigen 

ent-binden stv. 1 3. 1. losbinden, lösen. 2. entbinden, 3. trop: 
erklären: swaz die zwelfe vinden (für die Gemeinde gesetzt, ver- 
fügen), daz sie daz mit ihte enbinden, W. v. W. 3884. daz, ich kan 
e. ee oder die weissagen, T — B Matth. 5, 17. der da enpindet einez, 
von disen minsten gepoten, 5, 19. enpand (entheiligte) den samstag, 
Job. 5, 18. ir enpindt diesen teinpel und ich derste in nach 3 tagen, 
Joh. 2, 19. durch den die prinnenden himmel werdent entpunden, 
JJ. Petri 3, 12. daz, hinderteil des schiffes wart enpunden (zerschellt) 
von der sterk des meres, Btb. 27, 41. 

ent-blecken swv. Prät. enblacte sichtbar machen, entblößen: Noe 
wart truncken u. wart enplecket in seiner buden, W — B Gen. 9, 21. 
die schemde — soltu nicht e., W— B Lev. 18, 7 — 17 ö. so das enplecke 
ir schemde (ut revelet turpitudinem eius), Lev. 18, 6. enblecket 
ligen, Alex. 11282. 

ent-, en-bloezen (en- blossen, md. entblößen) sivv. Prät. en- 
blöz,te, Part. enbloez,et, enblöz,t: entblößen: ewer houbt solt ir nicht 
entplössen, W — B Lev. 10,6. entblosen wil ich mein swert (es 
zücken) , Ex. 15, 9. Wo sein (des Richters) antlicz sein mut (Ge- 
danken) emblosset (verrät), Const. I 6, 3. ist aber die sache emploset 
= der Prozess zu Ende (causa decisa), Const. IV 10, 8. enblosset 
euch des alden sundigen menschen , Hier. 50, 18. 

ent-, en-brechen stv. 1 2 intr., 1. losbrechen, 2. entgehen m. 
Gen., bes. von der Klage freigesprochen werden, trans. 3. anbahnen, 
öffnen, 4. erlösen, 5. refi. sich befreien. 2. Um ein blutruns oder 
einen plauslag under den äugen, do ein schramme oder ein mail 
nach pleibet, des man sich schämen muss, da schal ein man um 
enprechen sam um ein kamperwunden, sonst da enpricht ein man 
slechtleich um mit sein eins hant, Igl. Str. 147. selb dritter en- 
prechen, Brunn. R. II 47. umb das di vom Clingensmid den von 
jungen Kaufleuten der ersten clag umb den durchslag noch nicht 
enprochen sein , Igl. Bgr. N. 67, 9, derer entbrochenen unterthanen 
(die sich ohne Erlaubnis der Obrigkeit von der Herrschaft ent- 
fernten), Dreiding v. Politz 30. ein iecleich unser purger ist einem 
iecleichen spilman enprochen mit zwain Schilling hallern, der kurzen 
Schilling, nicht höher schol er in an bereiten (baren) gelde gaben, Eger 
Str. A II 2. VI. 5. welches daz ander ansprichet umb ein e., emp riebt 
daz mit dem rechten, daz angesprochen wirt, Eger Str. A VI 5. 
5. sich e. auf dem creuz, Brunn. R. II, 47. 48. das sie sich der clag 
enprechen mit dem rechten, Igl. Str. 294 S. 202. mocht her sich 
aber mit einem rechten von im eutprechen, — , 245 S. 139. wirt 
er fluchtig u. empricht sich von dem boten, I. S. 362 ein burger, 
so er nimmer burger sein u. sich von hinnen czihen wil, mus sich 
mit eines rates willen u. wissen Urlauben u. entbrechen, Eger Str. 
C. 79. 

ent-eigenen* swv. berauben: Enteigent habt ir mich aller 
wunnen, beraubt lieber lebtag, enpfreit micheler eren, Ack. 12, 3. 

ent-einigen* swv. refl. sich entäußern: also e. u. eussert sich 
unser herr burggraf guter, Mind. d. Egerl. 83. der guter wegen, der 
sich der — fürste geeussert u. entenigt hat — der soll er sich noch- 
mals entenigen u. eussern 73. Eger. Chr. N. 1067. 



ent-erben — ent-halsen 203 

ent-erben swv. 1. enterben. 2. mit Gen. berauben. 3. refl. 
sich von der Herrschaft ausschließen. 4. mit Gen. eines Dinges 
beraubt sein : biz sie (die lantherren) einander gar verderbten u. ir 
herschaft sieb enterbten, W. v. W. 3790. sie (die lantherren) beten 
sieb enterbet gar, 3798. 

ent-gan, -gen unregelm. red. Zw. entgehen, entkommen, fehlen: 
so in (den frowen) die wirte entgiengen, W. v. W. 1022. enken, 
Dal. 103, 5 (44, 73). 

entgegen -leuten* (Muten, Prät. lüte, Part, gelütet, geliut) 
swv. mit Glockengeläute eynpfangen : man hat im (dem neuen Pfarrer) 
mit der grossen glocken lenger dan ein halbe stund entgegengeleuttet, 
Traut. Chr. 178. 

ent-geltnisse, ent-keltnisse = ent-geltnus stf. (äne e. = un- 
entgeltlich) an seinem rechte einem czu entkeltnisse komen = zu 
statten kommen, Igl. Str. 263 S. 164. Vergütung : Elbog. Chr. 2. 

ent-gesten swv. 1. entkleiden. 2. abziehen von: do sie heim 
komen in die stuben und engesten und auszogen, do flos das (an 
ihnen gefrorene) plut von in, Böhm. Chr. 74. in derselben nacht 
entgesten sich die Beham in ein cristenlicben fride, 60. 

ent-haben swv. bleiben, warten; fest, ruhig halten; geduldig 
ertragen; refl. sich aufhalten; sich enthalten: er enthab den einen 
herrn und versmecht den andern, T — B Matth. 6, 24 ; Luk. 16, 13. 
er enthabt (geduldet, 11. Bibel) den ungesichtigen als gesechent, 
Juden 11, 27. zu enthaben (erleident, 11. Bibel) die pein des ewigen 
feuers, Judas 1, 7. wir starken sullen enthaben di krankhait der 
sichen (wir Starken müssen die Gebrechen der Schivachen tragen), 
Bömer 15, 1. Got entbabt (ertrug) die vaz des zorns, Römer 9, 22. 
von welchem siechtum er waz, enthabt (mit welcher Krankheit er 
auch behaftet ivar), Joh. 5, 4. Ire äugen wurden in enthabt (waren 
gehalten), daz si sein nit derkanten, Luk. 24, 16. daz, er wurd ent- 
habt (befreit) von der helle (der Todesnacht), Btb. 2, .24. — daz, ir 
euch entbabt (enthaltet) vor den geoppherten dingen der apgot, Btb. 
15, 29. enthabt euch (verweilet) hie und wacht mit mir, Matth. 26, 38. 
diu ougen sie eine stunde niht enthaben künde, so daz sie aber 
an in sach, W. v. W. 5655. 

ent-habunge stf. 1. Statthaftigkeit: wir gedenken der lieb und 
der e., I. Thessalonicher 1,3. 2. Langmut: in der enthabung Gots 
(in sustentatione Dei), Römer 3, 26. 3. Zuversicht : ob wir behalten 
den anevang seiner e. (anfängliche Zuversicht) vest unez an daz. 
end, Juden 3, 14. 4. das Wesen: daz er (Krist) sei ein pild seiner 
e. (Ebenbild seines Wesens), Juden 1, 3. — 5. Enthaltsamkeit: in der 
wissenhait di e., in der e. di gefridsam, II. Petri 1, 6. — 6. Besitz, 
Gut: ein beleibent e., Juden 10, 34. der gelaub ist ein e. der ding, 
11, l. die da het verzert alle ir e. an den erezten, Luk. 8, 43. 

ent-halden s. ent-halten. 

ent-halder s. ent-halter. 

ent-haldung s. ent-haltung. 

ent-halsen, ent-helsen swv. enthaupten: man enthalset in 
(den in Bigamie Lebenden), Prag. Rb. 204. si inthelstin si mit ir 
gut, Dal. 209, 20 (93). 



204 ent-halten — ent-laden 

ent-halten stv. V. : 1. absol. : stillhalten. 2. m. Acc. auf-, zurück- 
halten. 3. Bewirtung und Schutz gewähren, refl. 4. sich aufhalten. 
5. festhalten. 6. behaupten. 7. mit Gen. von etwas sich zurück- 
halten. 1. verczeuch u. enthalt u. bisz nicht zu snel, Ack. 3. 13. 
sweig, enthalt 20, 4. an entheldin, Elbog. Chr. 153, 21. 2. Was 
ist mir, das mich des enthelt (detinet), Sol. 94, 24. 3. schützend 
lenken, regieren, erhalten: entheltst du micht nicht, so kum ich 
wider zu nicht, Sol 28, 4 u. 13. 28, 20. ich enpfand nicht, das du mich 
enthieldest bis an die czeit 38, 28 u. 31. so wer ich anderweit 
gevallen, du hest mich denn enthalden (nisi me sustinuisses) r 
40, 38. du, herr, hast mich dir enthalten und hast mich dir u. 
mir behalten (regebas), 41, 18. in, der mich entheldet (regit, 
= Gott) 76, 35. Du, der entheldest die weld in der Weisheit des 
hl. Geistes, 102, 16. durch den alle dink beschirmt, enthalten (sub- 
sistunt) u. enquickt werden, 87, 25. 6. wie lang sie (die Geschöpfe) 
sich enthalten (erhalten), Ack. 14, 1. ein prot-ess, der sich wol ent- 
halden hat u. seines herrn eigen nicht ist, Igl. Str. 41. wanne got 
ofte sich entheldet u. vortreget (schont) den sundern gar zu langen 
fristen, Hier. 29, 28. nicht enthalde dich, eile u. ledige mich, 63, 22. 
das ich mich des enthild, das hastu gepoten, Sol. 41, 15. hie stet 
min man, nach dem ich mich e. hän 24 jär, W. v. W. 7498. er 
gefenclich angenomen und enthalten (gefangen gehalten) wirt, Elbog. 
Chr. 73, 27. 

ent-lialter stm. Erhalter, salvator: mein schirmer, mein e., 
mein zuflucht, Hier. 90, 2. Jeronimus ist ein e., beschirmer u. lerer 
gewesen, 225, 20. er ist ein e. der gerechtikeit, 98, 17. 

ent-haltnus stf. 1. Aufenthalt. 2. Zurückhaltung: 1. wie er 
mit ettlichen seinen heifern sein e. in meinem gebiet u. herrschaft 
hab. Eg. Chr. 1152. 

ent-haltung, -haldung stf. 1. Enthaltsamkeit. 2* Aufführung, 
Lebenswandel. 2. die brief seiner gepurdt, lerjar, auch erbarn ent- 
haltunge (Sittenzeugnis), Igl. Stb. V 176 d. der do wil maister (Tuch- 
machermeister) werden und das hantwerk treiben, derselbig sal briff 
und kunschaft pryngen seiner gepurt und seiner enthaltung von den, 
do er vor ist gewesen, III 184 c. 

ent-hauwen stv. V. 1. loshauen. 2. losmachen, bergm. einen 
andern erczes e. = in fremdem Grubenfelde Erz hauen: einer mag 
dem andern e. u. angewinnen sines berges u. sines erczes, so meiste 
er mag (bis es zum Durchschlag kommt) DIEL 19. des erczes 
haben sie uns vil enthawen in unser lehenschaft, Igl. Bgr. N. 39, 4 
(sogenannter ,.Krieghau"). 

ent-hebigkeit* stf. Enthaltsamheit. T— B Galater 5, 23. 

ent-helsen s. ent-halsen. 

ent-hoffen* swv. erhoffen, erwarten: des wir doch e., Eg. Chr. 
1123 S. 299. 

ent-keltnisse s. ent-geltnisse. 

Ent-krist (= Ente-, Ende-krist) stm. hier swm. Antichrist, ge- 
deutet als der am Ende kommende Christus, bei des Entchristen 
czeiten. Joh. v. Igl. 1. — I. Joh. 2, 18. 4, 3. — IL Joh. 7. 

ent-laden stv. IV. 1. entladen, ausladen, mit Gen. 2. befreien. 
3. berauben, werltl. fröude ist ein swere bürde, der unser vater 



ent-lauf — ent-reden 205 

sant Jeronimus nu entladen ist, Hier. 101, 5. wan er itzund des 
todlichen gewandes e. ist, 17, 19. so trotziger Worte — so ein rat 
wol billig von dem orte van im entladen (verschont hätte bleiben 
sollen) El bog. Chr. 82, 40. des hat ein rat sunabent dar nach geben, 
si sulcher reise zu entladen (ihnen zu erlassen beschlossen), wen si 
mit in gericht (ausgeglichen) seien, Elbog. Chr. 96, 32. do wir sulchs 
(solcher Beschimpfung unseres Bürgermeisters) pillich entladen von 
im gewest, 105, 10. in verhoffung, seines notrechtens wider unsere 
freiheit und altherkomen gewonheit entladen (zu sein), 111, 23 f. wir 
beten ewer gnads uns rechtens zu entladen (es uns zu erlassen, mit 
unserem Herren zu rechten), 50, 1. 

ent-lauf* stm. Ausgang einer Sache, (endgültige) Erledigung: 
zu entlichen entlauff — pleiben, Eg. Chr. 1177. 

ent-ledigen (en-ledigen) swv. freimachen aus Fesseln, Ver- 
pflichtungen welch mensch — sein sei enledigt in der hell (eripiat 
de manu inferni), Sol. 61, 38. 

ent-lehen, -lehenen swv. entlehnen, auf Borg nehmen: wer ent- 
lehent (mutuo postulaverit) W — B Ex. 22, 14. 

entlehent-inäl * stn. Vergeltung, Entgelt: widergeben daz, e. 
den vetern = ihren Eltern Entgelt leisten, T — B I. Timotheus 5, 4. 

ent-leiben (ent-liben) sivv. entleiben, töten: das er sein eeweib 
— entleibtt, ermordtt uud umbbracht hat, Eg. Achtb. II 204. 

ent-leuchten (ent-liuhten) swv. erleuchten: di erd wurd ent- 
leucht von seiner (des engeis) wunniclich (Herrlichkeit, gloria), 
T — B Offenb. 18, 1. den geist der Weisheit — zu e. di äugen ewerz, 
herzen, Epheser 1, 18. ein licht entleucht (erstrahlte), Btb. 12, 7. 
an dem abent des samstags, der da entleucht (erschien), Matth. 
28,1. 

ent-lich s. ende-lich. 

ent-liden swv. dimembrare, zergliedern, losmachen: nicht lasz 
mich vorbasz mer entlidet werden in vil glider, Sol. 101, 16. 

ent-, en-loesen sivv. losmachen, lösen : diu cläre nicht enlösete, 
swan sie von im kösete, W. v. W. 4243 f. 

ent-nacken, nacten smw. entblößen: nimer tac in des verdröz,, 
er enwurde richer wät entnact u. mit der armen wät bedact, 
W. v. W. 570. 

ent-neinen stv. 1 2 entfernen : Das di gotleich suszikeit al dise 
gegenwurtig pitterkeit endnimt (tollit), Sol. 56, 25. dem du ent- 
nimpst erhebunge seiner äugen (abstuleris) 30, 23. von dem du ent- 
nimpst begirung des fleisches, 30, 26 u. 29. so er (der mensch) went, 
er süll sten, so wirt er entnumen (colliditur), 9, 20. 

ent-nichten, ent-nihten swv. zunichte machen: des wart an 
wiben entnihtet vil fröiden, Alex. 11830. der veinde craft er gar 
entnihte, 13238. 

ent-nücken, -nucken (auch ent-nicken) swv. einnicken, ein- 
schlafen : diu guote mit släfe was entnücket, W. v. W. 2074. 

ent-reden swv. verteidigen, durch Beden frei machen, von 
einer Anklage durch Beweis, purgare: der antwurter entredet sich 
{gegen die Ansprache seines Hirten um Lohn im Betrage von mer 
als einem virdung) baz, auf dem creucze, denn in der clager mit rechte 
überwinden muge, Igl. Str. S. 369 u. Diomedes entrete sich dö, 



206 ent-rednüsse — ent-scheiden 

Alex. 18529, e. er sich begunde, 26-173. des welle er sich entreden 
so, Ernst 999. 1089; Elbog. Chr. 90, 29. der keiser mit bet gegin 
den furstin entret (entschuldigte sich), Dal. 73, 15 (29, 30). 

ent-rednüsse stf. Reinigung vor Gericht, Brunn. R. II 21. 

ent-reiten (ent-riten) stv. II reitend entfliehen: diebe, welche 
dem kloster 2 rosz hatten entriten, Traut. Chr. 52. 

ent-retten swv. retten, eine belagerte Stadt entsetzen: das die 
marggrafen ungeverlich helfen sollen das — sloss Karlstein — zu 
e., Aussig. Urkdb. N. 177. wir haben die burger und stat entrett 
und behalten, Elbog. Chr. 148, 17. 

ent-richten swv. 1. aus der rihte bringen, die Lage da- 
durch verschlimmern oder verbessern. 2. in Unordnung bringen. 
3. schliclden, entscheiden, entricht sein = erfahren haben: als si des 
von in entricht sein, Olm. Stb. 54 S. 34. 

entrisch Adj. altertümlich, befremdlich* unheimlich*: die stark- 
waltigen leben (Löwen) in entrischen wustungen, Ack. 13, 17 und 
Anm. 

entsage-brief stm. Fehdebrief, Eg. Chr. 1072 S. 261. 

ent-sagen swv. 1. Freundschaft auf und Fehde ansagen refl. 
sich befreien, auch vor Gericht. 1. er enkunde dem herzen nicht 
entsagen, ez, wolte in ze jämer jagen, W. v. W. 2726 f. das ir — 
an entsagen, mich also gefordert hapt, Ack. 21, 4. 2. lanc ist der 
walt, daz sie der aller, die sie jagen, in der wilde sich gar entsagen 
(ihnen entkommen), W. v. W. 5929 — 31, mit swserlichen leiden wie 
sich entsagt der heiden, dirre antwürte sage, 855. Dimus möhte 
sich ouch so mit mir der schult entsaget hän, (von der Anklage da- 
durch befreit haben, daß er die Schuld auf mich geschoben hätte), 
Alex. 18531. so hset ir entsagt (mir Fehde angekündigt), 18996. 
wie sie den mannen entsagten, Böhm. Chr. 9. do entsagete die 
tochter dem vater und die swester dem prüder, 9. do wolde der 
kaiser den pehemischen fursten e., 67. darumb entsage dir ich 
auff dein Leben, 39. es ist beszir, das wir lebin, dan das sie uns 
also intsagin, Dal. 54, 27. 

entsaint s. enzamt. 

ent-satiln, -satelen swv. (nur aus Wwh. 232, 5 var.) ent- 
satteln: fürte in in herwerge u. entsatilte die camelen, W — B Gen. 

24, 32. 

ent-satzunge* stf. Ankündigung der Fehde: Stb. Brüx X. 257. 

ent-schaft s. ende-schaft. 

ent-scheid (ent-sehit, -des) stm. Bescheid, Entscheidung: wollet 
unsers entscheids warten, Elbog. Chr. 30, 8. 

ent-scheiden (mhd. auch ent-schiden) stv. red. und stv. II. 
1. unterscheiden. 2. rechtl. entscheiden. 3. auseinandersetze?i , be- 
scheiden: 1. zorniger man kau nicht e., Ack. 29, 13. die auf erden 
sassent under der gestirne umbgenge u. entschieden die planeten, 

25, 9. 2. ab uns der erbberr doraus mochte e., noch unser clag und 
noch irer antwort Igl. Bgr. N. 39, 6. das ich euch daraus e. schol 
N. 39, 9 u. Olm Stb. 130. 3. er hette gerne gefraget imanden, der 
in dieser dinge entscheiden hette, Hier. 93, 3. alsdan wert ir ent- 
scheiden werden, Elbog. Chr. 50, 2. der (rat zu Eger) sal sie des 
entscheiden, 63, 35. 



ent-schichten — ent-setzen 207 

ent-schichten sivv. einen Streit schlichten, Entscheidung treffen: 
Chr. v. Elbog. 109, 9. di schuster u. die sol-sneider haben uns uf 
peiden teilen gepeten, das wir si e. sulden mit einander, Olm. Stb. 
110a. die deutschen u. behem. schuster haben gebeten, sie doraus 
(ihren Streitigkeiten) zu entscheiden u. e., 130. czu entscheiden u. 
paide widerpartei zu entschichten, 132, S. 99. 

ent-schickunge stf. deordinatio. noch sulchen bereden u. ent- 
schickungen, Stb. Brüx. N. 227. 

ent-schid (ent-schit, -des) stm. Entscheidung, endgültiger Be- 
scheid: alsdann durch mich — nach billichem und entlichem ent- 
schied gehandelt sal werden , Elbog. Chr. 73, 9. ein rechtlichen e. 
— gerne halten, 106, 30. bei rechtspruchen und entschiden — gne- 
diglich bleiben lassen, 124, 8. er hat bemisch den entschied zwischen 
den hern und burgern geret, 36,12. des zu urkundt ist diser ent- 
schiede gleichlauts gezwifacht, denen vom adel einer und dem rathe 
der stat Eger der ander, Eg. Chr. 1196 S. 370. er wird die stat — 
widerumb zu einigkeit und entschiedt der herrschaft bringen mit 
ahlösung der pfandschaft gegen der herrschaft, Traut. Chr. 119 unten. 

ent-schidung (ent-scheidunge) stf. Entscheidung: verschobener 
urteil e. und erfarung, Elbog. Chr. 59, 22. der hern der cron recht- 
liche e. 106, 36. 

ent-schonen sivv. reinigen von einem Verdacht, einer Anklage: 
sich selbdritte e., Igl. Str. B 88. 

ent-schuchen (= ent-schuochen) swv. die Schuhe ausziehen: 
hous des entschuchten (discalceati), W — B Deut. 25, 10. 

ent-schul dünge stf. (nur aus Hpt. 18. 78. 212) Entschuldigung: 
ab imand aufgehalten wurde von ehafter not — den sol allein di 
not e. helfen, Const. I 7, 13. 

ent-schumphieren swv. besiegen: von ungestalt vil tieren 
mugen sie uns e., Alex. 12436. daz keie entschumpfieret was, Trist. 
2225. 

ent-, en-schüten swv. befreien, eigentl. die schüten = Wehren 
der Belagerer zerstören: der entschutet von aller gäbe seine hende, 
W — B VI 35a. die itzund alles bösen entschutet sint (exuti), Sol. 
95, 32. enschute dich von dem staube W — B Js. 52, 2. das sloss 
Karlstein, das ieczund belegen (belagert) ist u. die leute, die doruff 
belegen sint, zu entschutten u. zu entsetzen, Aussig. Urkdb. N. 177. 
damit mein son und die fromen leut entschütt (von der Belagerung 
befreit) mochten werden, Elbog. Chr. 152, 12. 

ent-schütunge stf. entschüttung = Befreiung, Chr. v. Elbogen 
148, 25. 

ent-setzen swv. Brat, entsatzte, -satte, Bart, ent-setzet, -satzt, 
-sat. 1. absetzen, 2. aus dem Besitz bringen, berauben, 3. ent- 
setzen, befreien, 4. außer Fassung bringen. 2. ir hawer durch sie 
entseczt u. ausgetriben ist, Igl. Bgr. N. 62, 5. die eine parthei sol 
die andere nicht mit gewalt (wie häufig beim „Durchschlag") sunder 
mit Ordnung des rechten doraus füren u. entseczen, N. 62, 5. er hat 
uns armen leuthen an unsern eren entsetzt, rat und gemein trew- 
lose vorreterische boswicht geschulten, Elbog. Chr. 107, 30; Eger. Chr. 
1185 S. 355. Fehde ankündigen* : wie her Wilh. v. Ilburg üch entsaczet 
u. doch kein schult zu üch nicht enhat, Stb. Brüx N. 257. die von Lawn 



208 ent-setzung — ent-sliez,ung 

haben uns (v. Brüx) entsaczet u. geschreben — wir wollen neben 
hern Girziken von Podiebrad ewer feind sein, N. 257. ein entsaczet 
brife = Fehdebrief ebda. 

ent-setzung stf. 1. Furcht, Scheu, 2* Beeinträchtigung , Ein- 
buße an Ansehen: 2. also hat sich die sach erhalten, viel red, vil 
nachrede, gespot und e. eim rath durch di hofischen, Elbog. Chr. 
37, 35. 

ent-seuberkeit* (von mhd. entsüvern s. ent-seubern) stf. Un- 
sauberkeit, Unreinigkeit : greber vol totenpein und aller enczeuberkait, 
•T— B Matth. 23, 27. enpflichent den enczeuberkaiten, II. Petri 2, 20. 
Epheser 5, 4. Offenb. 16, 15. trunken von dem wein ir e. (ihrer Un- 
zucht, de vino prostitutionis eius), Offenb. 17, 2. enczoberkait der 
apgot, Btb. 15, 20. mit wollusten der enczuberikait, II. Petri 2, 13. 

ent-seubern (ent-süvern) swv. verunreinigen: daz, czu dem 
mund insget, daz, entczeubert nit den menschen, T — B Matth. 15, 11. 
daz, in mag e., Mark. 7, 15. 7, 18. 7, 23. daz, di pfaffen des samcz- 
tags e. den samcztag in dem tempel und sint an schult, Matth. 12, 5. 
si gingen nit in daz, dinkhaus, da^ si icht wurden enczeubert, Joh. 
18, 28. manig werdent enczeubert durch sei, Juden 12, 15. petent 
oder weissagend mit bedecktem haupt, der enczeubert sein haubt, 
I. Korinther 11, 4. er hat enczeubert dise heilige stat, Btb. 21, 28. 
kain ding enczeubertz, get nit in si (di stat), Offenb. 21, 26. der 
da ist enczeubert, der enczeuber sich noch, Offenb. 22, 11. 

ent-seubung* stf. Unreinigkeit: in der abseczung der ent- 
czeubung {Ablegung körperlicher Unreinigkeit, carnis depositio 
sordium), T— B I. Petri 3, 21. . 

ent-seuften* sivv. do für der unschuldig man von Nazareth 
auf die rede (= damit), das er den leuten desselben landes ent- 
senften mochte, (ihrem Gerede zu entgehen) u. für gleicherweis als 
zu einer Zuflucht alles seines heiles nach Bethlehem, Hier. 159, 25. 

ent-sitzen stv. II intr. /. aus der ruhigen Lage kommen, 2. 
sich einem gegenüber behaupten, 3. sich entsetzen, furchtsam ent- 
weichen : wir mugen unsern feinden alhie wol entsiezen , Böhm. 
Chr. 2. 4. trans. und refl. fürchten, erschrecken vor: 4. ein urteiler 
waz, in einer stat, der got nicht enforcht und den menschen nit 
entsage, T — B Luk. 18, 2. ob ich got nit forcht noch den menschen 
nit entsieze, 18, 4. 

ent-släfen stv. red. V. einschlafen, auch übertr.: wann sie (die 
Reichen) in reichtum u. in wollusten entslaffen sint, Hier. 28, 7. 
tr. sivv. einschläfern das der zank und widerwill zwischen euch 
gestillt, entschläft u. geendet sei, Aussig. Urkb. N. 44. 

ent-sliez,en stv. III. 1. aufschließen, öffnen, 2. erklären, 3. 
refl. sich ausbreiten: das er (Hier.) die heiligen schrift leuterlichen 
entslossen hat, Hier. 4, 11. das in hebräischer czungen stet ge- 
schriben, mit ganezen trewen hab ich entslossen, W — B Esther 10, 
Anm. zu 2. 3. u. 4. Urloup die boten nämen, ze dem keiser sie 
wider kämen, die wisen äne verdrießen horte man e. der kriechen 
willen unde wort, als sie sie heten vernomen dort, Alex. 10902. 

ent-sliezung* stf. Schlußfolgerung: Do von bleibt die e., das 
alle dink, di niht gemacht sint, niht gut sind, Sol. 13, 34. 



ent-slifen — ent-vähen 209 

ent-slifen stv. II entgleiten, entfallen: ob mir der tac ent- 
slifet und mich die naht begrifet, Trist. 4649. Alexanders güete 
entsleif {da er zornig wurde), Alex. 2055. daz, in strites muot ent- 
sleif, 14772. der engel — er (Jakob) einen begreif, da von im 
saelde niht eutsleif, 11322. er bat alle sine man daz, sie zwivel 
wolden lan und zagheit entslifen, 12769. mir ist doch fröide ent- 
sliffen, 10919. swie mir sselde si entsliffen, unsselde mich hat be- 
griffen, 14337. 

ent-slingen stv. 1 3 intr. sich ausbreiten, mit Dat. sich los- 
winden, refl. sich aufrollen: dar üz, enspruugen und über die erd 
enslungen — die gertel (3 Bäume) einer eilen lanc, Legende 420. 

ent-spenen swv. entwöhnen, mit Gen. von etwas abwendig 
machen, trennen: liebes entspent, leides gewent hapt ir mich, 
Ack. 17,7. 

ent-sprechen stv. 12 freisprechen, Elbog. Chr. 78, 44. sich los- 
sagen, Eg. Chr. 1108. wohl verlesen für entsprochen s. en-brechen. 

ent- sprießen stv. III 1. entsprießen, entstehen, 2. trans. e. 
machen, aufschließen: der hl. Geist von in beiden entspreuszt, Sol. 
86, 16. an des houbt oder part entspreusset die ousseczikeit, W — B 
Lev. 13, 29. e. wirt ein stern von Jakob u. entsteen ein rute von 
Israhel, Num. 24, 17. 

ent-spriez,imge * stf. der Ursprung, das Hervorgehen: des hl. 
geistes entsprisunge von dem vater u. von dem sune, Hier. 117, 7. 

ent-springen stv. 13 1. entfließen, 2. hervorspringen, 3. ent- 
rinnen, 4. erwachen aus: 1. an der clären fürstin juugen noch 
deine was entsprungen daz wip ze dem herzen schicket eben, da 
von sie nar den kinden geben, W. v. W. 2009. Als ein red ent- 
sprungen ist worden auf den Hannsen Peschl, wie er des nachts mit 
ainer laiter auf der gassen gegangen sei u. die selbig laiter an ain 
haus angelaint, Igl. Stb. V 102b. 

ent-stän, -sten stv. IV. hier 1. aufstehen, sich erheben, 2. ent- 
stehen, werden: 1. entsteen wirt ein rute von Israhel (cousurget), 
W — B Num. 24, 17. Und do si waren auf dem acker, do entstunt 
Cain gegen Abeln, seinem bruder, u. vorterbte in, Gen. 4, 8. sam 
den clagern wider di antworter di pitunge oder forderuuge ent- 
standen sein (petitiones proditae), Const. IV 7, EM. 

ent-tragen stv. IV. entziehen, entwenden, ivegtragen, Traut. 
Chr. 259. 

ent-tün, en-tün (entuon) unregelm. Zw.: sich lossagen, los- 
machen: das sich die [von] Elpogen des Hisserls enthun, mit im 
nichts zu schicken noch zu schaffen haben, Elbog. Chr. 85, 15. 

ent-urlauoen* swv. verabschieden, entlassen: der rat — hat 
das Hecht — einen zu burger aufzunehmen und zu e., Elbog. Chr. 
66, 31. 

ent- Valien, en-, em-pliähen , -phän stv V 1. bergm., einen 
Gang oder Berg verlielien erhalten, meist = Lehen erhalten: aber 
di czum 2. 3., czum vierden male u. also furpas genge enphahen, 
den sol man in igleichen teil der silbergruben nur ein halb lehen 
messen mit den vorgenanten underscheidungen, Const. II 1 , 10 u. 13. 
refl. * entstehen*, toerden*: darumb sich teidiuge enpfangen haben, 
Igl. Bgr. 53, 13. uncz an die czeit, das sich emphenget u. aufstünde 

J el iuek , Wörterbuch. 14 



210 ent-väher — ent-vremdung 

diser lichte tag - , sant Jeroiiiruus. Hier. 3, 20. in meinem kalden leibe 
enphenget sich teglichen der unkeuschheit snode und unbederbe 
bicze, 10, 21. 

eiit-vaher, emphaher stm. Empfänger, bergm., wem zuerst ein 
Gang oder Berg gemessen und verliehen wird: der den gang von ersten 
empiiehet — der erste emphaher sol einen igleicben aus den gewerken 
mit seineu teilen nennen, u. sol auch keiner teil doselbist haben, 
denn den er hat genennet, Const. II 1, 13. 

ent-vallen, en-, empfallen stv.V 1. entfallen, 2.rn.Dat. ver- 
loren gelien, 3. als Zeuge versagen, nicht helfen, 4. mir emphelt das 
urteil = verliere den Prozess, Gr. Wb. 5, 325. einem e. = im 
Prozeß gegen ihn gewinnen * : 3. das im sein beweisung. di her mit 
der stat puch haben wolde, gar enpfallen ist, Igl. Str. 242b. Als 
sich Jessk an czeugen geczogen hat u. im diselben czeugen em- 
pfallen (fälschl. steht empfalhen) sint, diselben teiding hat er ver- 
lorn u. kein puss dorczu, Igl. Bgr. N. 118, 3. Leihet er (der berg- 
meister) icht anders (als die Gewerken xoollten) u. kumet des zu 
krige u. entpfallen im di gewerken (stimmen sie ihm nicht zu), sein 
leihen hat nit creffte , D I R 23 a, 8. 4. dem das urteil emphallen 
(gegen den es ausgefallen) was, Igl. Str. 325. ab eine einem umb 
die ee ansprech und er ir mit recht entpfiel, so sol dieselbe auch 
5 jar aus stat und lant sein, Eger Str. C. 60. 

ent-vänusse, entpliänusse stf. Empfang eines Lehens (oder 
Bergmaßes) susceptio: die ordenunge der e., Const. II 2, 2. 

ent-veckteu, enpuechten stv. 12 (entgegen sein, sich ent- 
ziehen? Pass.) sich e. = heimlich davongehen: er wolde sich e., 
W. v. W. 420 (dieses Zitat fehlt bei L.). 

ent-veke-, enpfehe-, eupfeheu-lieh (= enphgehelich) Adj. 
1. empfänglich, 2. aymehmbar: 1. Dorumb bekenne ich dir, herre mein 
got, das du mich geschepfet hast enpfeheleich der Vernunft (capacem 
rationis), Sol. 22, 16. das du mich e. u. mugleich (fähig) machst, gotes 
sun zu werden (susceptibilem), 24, 8. hast mich e. gemacht sulcher weis 
eren, Sol. 23, 4. das die sei e. worden ist deiner majestat, 72, 33. 

ent-vreien, enpfreien* sicv. berauben: Enteigent hapt ir mich 
aller wunnen — enpfreit micheler eren, Ack. 12, 4. 

ent-vremden, empfremden sivv. entfremden, entziehen (m. Dat.): 
sie entvremdet sich (zog sich zurück) bis üf die vrist, daz die volge 
(Verfolgung) zergangen ist, W. v. W. 5978. daz er sich hat ent- 
fremdet mir (von mir getrennt), 4249. ir habt mir meiner seiden 
haft, mein auszerwelte turkeltaube arglisticlichen empfremdet = 
geraubt, Ack. 4, 13. das ein andir urbarer im das (die auf einen 
Berg mehrere Jahre nutzlos \errvandte Mühe und Arbeit) mit ge- 
walt emphfremden solde, DIR I. 18. also sullen sie auch dovon nicht 
lassen u. sich dovon entfremden von dem, das in vorlihen ist, Const. 
II 4, 5. das Privilegium der begnadunge wird von den genomen u. 
entfremdet, II 4, 5. 

ent-vremdung, enipfreni dünge stf. Änderung, Wechsel bes. 
des Gerichtes, alienatio judicii: alle e. u. wechselunge des gerichtes, 
die gescheen wider gute gewonheit u. wider gemeinen nucz u. ere, 
die widerufen wir, Const. III 8, 2. und darumb so leset man auch 



ent- weichen — en-twer 211 

nicht czugeen desselben dinges e. (bei einem bloßen Scheinkauf), 
wann es tank pas, was in der warheit geschieht, denn das gleisende 
erdacht ist (nämlich als ein plose und erdochte vorkauffunge 
= Scheinkauf), Const. III 6, 11. 

ent-weichen, -wichen (= entwichen) stv. II 1. entweichen, im 
Stichelassen, 2. um Platz zumachen, weichen, 3. abtreten, zedieren: 
wollest durch dones und reimens willen deinen sinnen nicht ent- 
weichen, Ack. 3, 11. ist darüber von dem rechten entwichen, Eger 
B. d. Gebrechen S. 220. ent-wichent iuwerm muote = laßt ab von 
Euerer Streitlust, W. v. W. 3828. 

eilt- weisen (ent-wiz.en) stv. II vorwerfen, tadeln: Do begund 
Jhesus zu e. drohen den steten, daz. sie nit heten gemacht puzz., 
T— B Matth. 11, 20. 

en-twelen, (entwalte, entwellet, en-twalt) swv. trans 1. zurück- 
halten mit Gen. oder Präp., 2. intr. sich aufhalten, zögern, ver- 
weilen: ir entwellen was unlanc, W. v. W. 7093. er entweit in der 
stat Nazaret, T — B Matth. 2, 23. 4, 13. er entweit da mit seinen 
iungern, Joh. 11, 54. meister, wo entwelst du? Joh. 1,38. Joh. 3, 22. 
Matth. 23, 21. di da entwellen in Jerusalem, Luk. 13, 4. daz, di 
vogel des himels mugen e. unter seinem schaten, Mark. 4, 32. di 
ir da entwellt in Jerusalem, Btb. 2, 14. 13, 27. e. in Charran, Btb. 
7, 2. 7, 4. daz. da entwellt in mir die sund , Römer 7, 17. 7, 20. ob 
der geist Götz entwellt in euch, 8, 11. di da entwelent auf der 
erd, Offenb. 6, 10. 

en-twelunge stf. (hei L. nur aus Oberl. 323) das Wohnen: es 
viel Babilon — und ist gemacht ein entwelung der teufel, T — B 
Offenb. 18, 2. di zil ir e., Btb. 17, 26. ain licht daz, entleucht in der 
e. des karkers, Btb. 12, 7. verkauften di besiezung und die e. (Hab 
und Gut), Btb. 2, 45. 

ent-wenden (Prät. ent-wante, -wände, Part, ent-wendet, -want) 
swv. 1. intr. m. Dat. entgehen, 2. tr. mit Dat. der Pers. entziehen, 
abwendig machen, 3. abwenden: 3. was wir haben mugen ewern 
schaden e. , das haben wir gern gethan u. noch thun wollen, Stb. 
Brüx. N. 257. der entwandten nam (s. d.) wegen, Eg. Chr. 1109. 

eiit-wenen sivv. entwöhnen, ablactare: bleibe, bis du in ent- 
wenest, W — B Kön. 1 1, 23. er wart entwenet, Gen. 21, 8. 

ent->venken (Prät. entwanete, Part, eutwenket), swv. ent- 
weichen, entgehen; untreu werden: von ir (der karrätschen) kunnen 
sie niht e., Alex. 12782. 

en-twer Adv. in twer in die Quere, hin und her: diu valsche 
ger doch vil wite vert entwer, W. v. W. 271. under in lief die 
msere mit vroelichem muote e. den äbent hin u. her, 7201. si 
sahen, das der wint (in der Grube) e. ging u. sein czuge nicht red- 
leich hette, Igl. Bgr. 63, 2 u. 63, 4. sin hant lief in dem strit e. hie 
mit stiche, dort mit slage, Alex. 13 616. er sach di sinen triben 
die Kriechen üf der ouwe e. (wie die Griechen die Seinen über die 
Au jagten), 14143. sie triben in hin und er sie her vaste üf Erbela 
e., 13386. nü lief sorge dö e., 12378. die äugest welzet umbe mich 
e., 12180. manege rede lief e. under in, 19145. minne und lust, 
die giengen e. under in hin und her, Trist. 761. 

14* 



212 ent-wBrden — ent-wicht 

ent-werden stv. I 3 zunichte werden: einem e. ihm entkommen: 
der hirz den hunden gar unerloufen entwart, Trist. 2413. ir wsere 
entworden sorgen drö, Ernst 5275. er dancte gote der guoten vart, 
daz, er im also entwart, 1146. man solle sich verwaren, damit er 
anch nit entwerd (entkomme), Elbog. Chr. 136.35. er ist ent worden, 
128, 21. des nachts ist er entworden {entflohen), 100, 34. Dal. 87, 2 
(35, 23) : ist entwerd falsch gelesen für enwer (= en-wsere). 

eut-werfen stv. 1 3 auseinanderbreiten, zeichnen, malen, weben, 
gestalten, schreiben [Runen hinwerfen), einrichten, anstiften, refl. 
sich auf werfen, sich gestalten, sich einer Sache (eines dinges) 
entziehen : dö "\Vetzel diseii rät entwarf (darlegte, gab), Ernst. 3406. 
diu (Fortuna) unstete sich e wol entwarf gegen dem, den du hie 
vellest und dem töde gesellest, Alex. 6378. 

ent- werter* stm. aller ding ausrichter, visirer, e. u. abenemer, 
Ack. 58, 6. 

eut-wörferin stf. Prophetin: Ydromancia, in wassergewurke der 
zukunft e.. Ak. 41, 9. 

ent- wem u. ent-wern swv. einem etwas nicht gewähren, ent- 
ziehen, berauben: entweret aller freuden, Ack. 12, 1- seiner schult 
darben u. entwert sein, Eger Str. C. 84. welcher erb — nach toter 
haut — des Weingarten besitzer sein will, der schol es Urkunden 
mit einem pfening in dem percteiding; tut er das nicht u. vorlest 
das jar u. tag, so hat er sich selber entwert, Chlum. VIII 34. di 
(ohne des Vaters und der nächsten Verwandten Zustimmung heiraten) 
schuln auch entwert u. enterbet sein alle ir vater u. muter habe, 
Eger Str. A XIV 1. sint si frides von iu gern, des solt ir si niht e., 
Alex. 2540. ob ir in diser rede entwert, so wiz,z,et, daz, er an iuch 
strites gert, Alex. 5226. das ich meiner guter spoliert und ent- 
wehret werden soll, Traut. Chr. 100. 

entwerren, entwirren stv. 1 3 entwirren, in Ordnung bringen, 
verbotenes Gut frei machen, disbrigare: das wir sie der gelobede 
entwerrin an allen iren schaden u. geverde = entheben, uncz das 
her {der Gepfändete) es von jenem entwirret, der es hies vorpiten, 
Igl. Str. 194. die manschaft entwerren und ledig und frey machen, 
die er im verworren hat, Igl. Stb. III A 136a. Darnach entwar 
(säuberte) er kurczlich der herczog Behem rieh von den fromden 
aldo, Dal. 210, 33. so ist unser meinung nie gewesen, das des 
egenanten Frankengruners hausfraw an irer morgengabe, die sie an 
sulchen (vom König dem Forster gegebenen) gutern hat, keinerlei 
hindernuss ader schaden habe — ader der entwerret sein solle, Mind. 
d. Egerl. S. 28. 

ent-wesen stv. 1, 1 nicht (oder ohn etwas) sein, entbehren, über- 
hoben sein (Gen.): sie dücht, sie wseren großer sorgen e., Ernst 3640. 

ent-wicht gewöhnt, en-wiht, ni-wiht stn. nicht etwas, nicht, 
zunichte: Es (das Alter) ist zu allen Sachen entwicht (untauglich), 
Ack. 30, 13. dein clage ist e., sie hilfet dich nit , 14, 8. daz lieb, 
daz, man an kinden sieht dar engin (dem gegenüber) ist alle freude 
entwicht, Ernst 5372. daz, waz,z,er was sür und enwiht, Alex. 21536. 
bis er daz, laut bracht en wicht und in aschin virwandelt, Dal. 
198, 17 (89). 



ent-wilden — enzamt-erbe 213 

ent-wilden sivv. 1. entfremden , fremd sein lassen, 3. von sich 
treiben mit Dat., 4. refi. sich in verkappter Gestalt zeigen, 1. alein 
er entwildet wsere ir cläre sehenden ougen, ir herze spehte tougen, 
wan ez, in erkante, W. v. W. 5601 ff. 

ent-wischen, auch entwüschen* swv. entiveichen, scheiden, 
W — B IV 128 c. zn frue ist sie (meine Freude) mir entwünschet 
Ack. 17, 18. jenem die sele entwischte, Alex. 8346. 

ent- würk eil unregelm. »wv. zerstören, zunichte machen: wie 
Cresus mit Cyrö streit, — daz, er (Cyrus) in siges entworhte (be- 
raubte), Alex. 14365, daz, er (Davit) in (Uriä) eren het entworht 
(durch Verführung von dessen Frau Bersabe), Alex. 11570. er hete 
ervorht, ob sie ir kinsche wurde entworht durch ir scheene mit 
gewalde 10360. 

ent-wiischen s. ent-wischen. 

ent-ziehen, en-ziehen stv. III. intr. entgehn, vergehen; trans. 
und refi. entziehen: also kund er sie des e., daz, sie e jähen er wolde 
fliehen, Alex. 7347. 

ent-zücken sw. Prät. -zuckete, -zuete, Part, -zücket, -zuet, 
eilig wegnehmen, rauben; refi. sich losreißen, entschlagen: dö ir wart 
entzücket ir wunne vil und frönden hört, W. v. W. 2075. alzu schire 
hapt ir mir sie entzucket, die getrewen, die gehewren, Ack. 17, 18. 
ir habt mir den 12. buchstaben — aus dem aiphabet gar freisamlich 
enzucket, 4, 10. do mein stete housere mir so snelle ist enezucket, 
31, 12. 

ent-züuden, -zünten Prät. ent-zunde, -zunte, Part, -zündet, 
-zunt sivv. intr. zu leuchten (brennen) beginnen, trans. in Flammen 
setzen: diu (der werlde) zucker ie des smeckens pflac, daz, enzunte 
sin nächsmac, Trist. 6636. 

ent-zündunge stf. Brand: do si Sachen di stat irr enczunduiig 
(die Brandstätte Babglons), T— B Offenb. 18, 18. 

entz-weder = eintweder einer von beiden mit folg. Teilung: 
entweder — : drei jär, encz weder minner oder mer, Igl. Bgr. 
N. 42, 2. 

en-vollen Adv. im vollem Maße, tüchtig, ganz: er zeiste im 
sine wollen mit füstslegen envollen , W. v. W. 4767. envolleu an- 
sehen, Trist. 2567. 

eu-wicht s. ent-wicht. 

enzamt (aus in-sament) Adv. zusammen, zugleich mit; bei (zu) 
sich: diez ist mein lieber sun, in dem ich mir entzamt gefiel, T—B Matth. 
3, 17; Mark. 1, 11; Luk. 3, 22. do di geselschatt enezamt luffen, 
Luk. 11, 29. er e. rief di, Mark. 6, 7. er e. rief seine 12 iungern, 
Matth. 10, 1. ob mir e. gezeme zu sterben (zugleich mit dir), Mark. 
14, 31. in dem e. wol gefiel meiner sele, Matth., 12, 18. Maria 
behielt alle dise wort e. tragent in irem herezen, Luk. 2, 19. 2, 51. 

enzaint-alter* subst. Adj. Mitältester, consenior: ich e. und 
der gezeug der martern Krist., T— B I. Petri 5, 1. 

enzanit-erbe* swm. Miterbe: den enezamterben der gnaden 
des lebens, T— B I. Petri 3, 7. di haiden ze sein enezamterben und 
enezamt leiblich (Miteinverlcibte) und enezamt teilhaftig seiner 
gehaissungen, Epheser 3, 6. 



214 enzamt-erzogen — er-amen 

enzamt-erzogen* subst. Adj. Milchbruder, collactaneus: Manaen, 
der da was ain enezamtderzogener Herodis, Btb. 13, 1. 

enzaint-gelieh, -geleich* subst. Adj. Altersgenosse, coaequalis: 
di da ruffent iren enczaintgelichen, T — B Matth. 11. 16. vor deinen 
enczanitgelichen (mehr als deine Genossen), Juden 1, 9. 

enzaint-gevangner* stm. Mitgefangener: Aristarcus mein e. 
T— B Kolosser 4. 10. Epafras, mein e., Philenion 23. 

enzaint-knecht* stm. Mitknecht: slahen sein e ., T — B Matth. 
24, 49. 18, 28. 18, 31. von Epafrodito unserem liebsten e., Kolosser 
1, 7. ich bin dein e., Offenb. 19, 10. 22, 9. 

enzamt-ritter* stm. Mitarbeiter, Mitstreiter, cominilito: Archippo, 
uuserm e., T — B Philemon, 1, 2; Philipper 2, 25. 

enzamt-sitzend* part. Adj. am selben Tische mit jemand 
sitzend, Tischgenosse: Lazarus was einer von den enczamtsiczenden, 
T— B Job. 12, 2. 

euzamt-süekung* stf. Erörterung, Wortwechsel: do aber ein 
michel e. geschach, T — B Btb. 15, 7. 

enzamt- werker* stm. Mitarbeiter: Epfroditum, den bruder und 
e. und meinen enzamtritter, T — B Philipper 2, 25. daz, wir sin 
enczamtwirker der warhait. III. Brief Job. 8. 

enzamt-werkung* stf. Mitwirkung, Mithilfe: si predigten 
allenthalben mit der e. des Herren (Domino cooperante), T — B Mark. 
16, 20. 

enzamt-ivirker s. enzamt-werker. 

enzeubern s. ent-seubern. 

enzeuberkeit s. ent-seuberkeit. 

enzeubung s ent-seubung. 

enzrinzen* (Itvohl verlesen); hingehen er schult di ding in der 
gutigkait (in Güte) uch enzrinczen lasssen in masse mein swecher 
(wie mein Schwiegersohn) an uch begern und bringen hat lassen, 
Eg. Chr. N. 1154 S. 328. 

er Pron. der 3. Pers. erscheint in diesen Quellen überwiegend 
nach md. Weise als her. stm., subst. Pron. er. Mann, Männchen 
s. her. 

er (auch mhd. er, her, gekürzt besonders in der Anrede vor 
Namen für herre swm. : er Hase sal volle macht haben, Stb. Brüx 
N. 340. ern Hildebranden von Einsiedel — ern Ditterichen von Maltitz, 
Stb. Brüx N. 292. er Tristant, Trist. 292. 345. 358. 400. 1232. 893. 
nach den töde ern Moises, Legende 533. 

er-arbeiten swv. durch Arbeit ericerben: alles, das si mit ein- 
ander derarbeit haben, Igl. Stb. V74a. 

er-arnen srev. 1. ernten. 2. erwerben, verdienen. 3. entgelten. 
4. erretten: in das ewige leben, das er mir erarnet hat mit seinem 
teuren unschuldigen blute, Hier. 18, 26. das hab ich mit deheinem 
dinst derarnet (non praecesserunt merita mea), Sol. 25, 18. selig 
sind, di derarnet haben, das si zu dir got — kumen sind, 95, 21. 
di erarnet haben, das si zu so vil freuden kumeu sein, 96, 36. dö 
erholt maneger sur erarneten solt, Alex. 14075. solt ir erarnen so 
daz, wip. so wirt iueh ir minne alzuo swer. Ernst 552. Got der wirt 
erarnt mit sulchen opphern (promeretur Deus), T— B Juden 13, 16. 



er-augen — er-bauen 215 

er-augen (er-ougen, -öngen) sivv. vor Augen stellen, zeigen: 
eraugent ainander an allen diemutikait, T — B I. Petri 5, 5; s. auch 
er-eugen. 

erb-amnäz,ung* stf. Anmaßung der Rechte eines Grundherrn: 
befremd uns sulch erbanmossung nit wenig {daß der Gutsherr Georg 
von Zedwits die angrenzenden Bauern zwingen wollte, ihm zu 
scharwerken (Frondienst leisten), Eg. Chr. 1172. 

erb-ansprech * stf. (wie an-spräche, an-sprseche stf. letzteres 
im Zürich. B.) gerichtl. Anfechtung des Erbes (unvarender Habe) 
eines andern: Wer dem andern ein e. (wohl erb ansprech) machet 
u. nach der ansprach stille swiget jar u. tag — der mag hinnach 
das selb erb mit recht nicht angewinnen, Igl. Str. 47. 

er-bar, er-bsere Adj. (= er-bsere) der Ehre gemäß handelnd, 
edel, dann schmückendes Behcort: die ehrbare u. züchtige brüder- 
schaft der deutschen meist ersingkunst, Igl. Ms. 24. erwerg, erbar 
man, Brunn. R. II 9 u. 10. er pewer sein Unschuld selbander erberg 
man u. mit einem schephen, II 9. er bewer sein Unschuld mit 
funfe erbergn man, II 10. erber, als Titel, Chr. v. Eger N. 1080 
u. ö. als Zeugen sollen ins Gericht nur geführt werden: erberige 
u. bescheiden leute, Const. IV 12, 15. das warhaftig wesen unsers 
herren, dorinne alle unser erberige wirdikeit vorslozzen ist und 
immer ewiclichen bleibet, Hier. 141, 27. 200 frauwen erberiger 
siten, 174, 11. erbern weisen und üben freunde! Igl. Rspr. VII. 

er-bärkeit (er-baerec-heit) stf. Ehre: bei was erharkeiten — die 
vorfahren — gelebt und die stat geregieret, Eg. Chr. S. 4 und 5. 
die scheppen sullen mit aller erberkeit das gotlich gepot vorprengen, 
Const. IV. 18, 2. ewer e. (Gemeinderat, Stadtgeschivorene), Igl. Str. 
222. 223. 233. 245; Igl. Bgr. 5, 6. 29 u. s.; Igl. Rspr. III. halt euch 
nach ewer erberkeit, Böhm. Chr. 10. 

erbser-lich Adv. ehrenvoll: honeste: der sark dorczu was reichlich 
und erberlich bereitet, Hier. 229, 14. Wir seczen: alle perkleute, 
di unser mechtikeit zu richten hat, das si halten unser gepot dicz 
rechten, das si e. leben sullen, keiner den andern schedigen - 
Const. I. Vorrede, e. bestatten, Igl. Stb. V 151c. das gelt e. ent- 
lieht, V 148 b. fürte sie erberlichen zu irem vater, Böhm. Chr. 13. 

er-barmde, er-bermede stf. Erbarmen, Barmherzigkeit: er 
gedacht seiner derbarmd , T — B Luk. 1, 54. also gelaubent auch si 
nu nit an ewer derbarmd, daz, auch si begrifen die d., Römer 11, 31, 
ich bit euch durch di d. Götz, Römer 12, 1. verleich di d., des ich 
mich derbarme, 9, 15. nit begriffen di d., 9, 25. zu tun di der- 
bermde mit unsern vetern, (um unseren Vätern Gnade zu er- 
weisen), Luk. 1, 72. durch di ineder der derbermde, Luk. 1, 78. 

er-barmig (er-barmec, er-bärmic) Adj. barmherzig: erparmig 
sei wir dem posen, W— B VI 26 b. subst.: du bist barmhertziger u. 
erbarmiger (et miserator), Sol. 54, 24. 

er-bauen, ir-büwen (= er-büwen, -biuwen, -bouwen) unreg. 
sw. und stv., bauen, an-, aufbauen, bereiten, ausrüsten: leute, die si 
mit irm gelde erbaut (ihre Bergwerke betrieben) hetten, Igl. Bgr. 
N. 85, 2. dovon, das man eczliche berge u. Stollen in manchem järe 
nicht ezu nueze irbüweu mag, DIRI. 18. das er nachlässig sei u. 



216 erbe 

sich nicht erbauen könne = aufraffen, Dreiding v. Politz 13. 
reich erz wird erbauet (durch Bergbau gewonnen) werden, Traut. 
Chr. 119. 

erbe stn. 1. hint erlassenes Gut, Erbe allgem. erbe u. eigen 
Ererbtes und Erworbenes. 2. Grundeigentum im Gegensatz zum 
Lehen und beivegl. Habe. 3. Vererbung, Erbschaft. 1. immeriges 
versinken u. gefeile sei euch. Tot, zu erbe eigen gegeben, 
Ack. 7, 13. 2. aigen u. erb = Grundstück, Haus und Hof: 
in vremden erbe siezen, Brunn. R. II 192. aus seinem erb venster 
machen, II 229, ein hof, ein acker oder welcherlei erb das ist, Igl. 
Bgr. N. 25 a. Es ist czu wissen, das ein iczleich perg, in dem erbe 
(auf wessen Grund), darinne er gemessen ist, 16 hofstete nach perk- 
rechte beheldet u. also vil weit u. breit czu irer Viehweide, als ein 
mensche mit einem pogen eins geschiessen mag, Const. II 3, 1. Von 
den weiden desselben erbes, darinne der perg gemessen ist, sullen 
die pergleute alles das umbsust nemen, das alleine notdurft ist in den 
silbergruben, Const. II 3, 2. Dafür bekommt der Grundherr die 
2 Herrenlehen und das Ackerteil; s. diese u. berg-vreiunge. Ein 
um Bergkost versetztes erb schol er in drin tagen losen. Tut er 
des nicht, an dem virden tag mag man das selb erb verseezen, vor- 
kauffen oder di kost, do er es vur verseezet hat, darauf gewinnen, 
wi man mag, Igl. Bgr. X. 78b. erb u. aigen, — es sei vrei oder 
her hab es czu purkrecht, Igl. Str. 150. Her Käufer muß den Kauf- 
schilling früher zahlen, ah der Verkäufer das „Erbe" aufläßt, Igl. 
Str. 15. jener ist so lange verpflichtet die Satzgläubiger zu bezahlen, 
bis er den gezahlten Kauf Schilling zurückfordert oder, wenn er selbst 
früher Gläubiger war, die Innehabung des Erbes aufgibt; wer es 
dann vom Gläubiger übernimmt, auf den geht dieselbe Ver- 
pflichtung über. 83. TT o das erbe gelegen ist, da sol man antworten, 
91 (18c). Wenn einer sein Erbe vor Gericht aufgeben will, so darf 
er dies erst nach Austragung der darauf geltend gemachten An- 
sprüche in diesem oder nächst folgenden Gerichte tun, 46 (resignatio 
hereditatis). Die auf ein Erbe erhobenen Ansprüche müssen binnen 
Jahr und lag verfolgt werden (impetitio) 47. das Vermögen eines 
Falschmünzers, Selbstmörders und Verräters fällt der Gattin zu, 48. 
ein vor Bichter und Schöffen aufgegebenes, Jahr und Tag ohne An- 
spruch besessenes Erbe kann nicht mehr angesprochen werden, 49. 
wer einem andern ein Erbe zueignet, verliert alles Becht darauf 
(Appropriatio hereditatis) 52. Versetzung des Erbes, obligatio (57. 
63. 193). Von 2 Satzgläubigern erhält der den Vorzug, der sich das 
Erbe vom Bichter zueignen läßt, 56. der spätere Satzgläubiger hat 
das Becht, das Erbe zu verkaufen und dessen Bäumung zu fordern, 
wenn der frühere Satzgläubiger dem vorigen Eigentümer noch die 
Innehabung belassen hat, doch muß dieser dann mit seiner Forderung 
befriedigt merden, 57. 107. Wenn dem Gläubiger einer Brotbank 
oder eines Ackers die Nutznießung eingeräumt wird, so darf er sie 
nicht verkaufen sondern muß warten, bis ihn der Eigentümer be- 
friedigt, 58, jedoch soll nach strengerem Becht der bezogene Nutzen 
nicht als Abschlagszahlung gelten, 59. Ein Haus verbrennt dem 
Satzgläubiger, wenn er nicht den Brand ausnimmt, 63. Die Ver- 
setzung eines Erbes an Juden oder Christen darf nicht heimlich, 



erbe — erbe-herre 217 

sondern soll vor den Schöffen geschehen, 193. Versetzung eines Erbes 
vor dem Gericht, (41). Erwerb des Eigentums an einem Erbe 
erfolgt durch den ruhigen Besitz während Jahr und Tag, 60. Nach 
Tomaschek, Oberhof. — e. = Bergwerkseigentum, D I R I. 18. 

erbe swm. Nachkomme, Erbe, Igl. Str. 247. s. erbe-bergwerk, 
erbgebirge, erbrecht. 

erbe-bergwerk stn. = „Erbgebirge". Jedes Bergwerk (Grube 
oder Stollen), wird als in Erbpacht gegeben, verliehen mit Rück- 
fall an den Verpächter (den Landesherrn) bei Mißbrauch oder 
Nichtgebrauch, weshalb jedes regelmäßig verliehene Bergwerk (im Gegen- 
satz zu einer, seitens eines so Beliehenen erworbenen „Lehenschaft") 
„erbe" = dauernde Bergbauberechtigung heißt: Werne die urberer 
mit rate der gesworn us der stat zeunechst dem bergwerke icht vor- 
leben, is 8i an bergen, an Stollen, an lehen adir an lehenschaften 
unde das vorhantfesten undir irem ingesegil unde under dem i. der 
burger von der stat czu rechtem erbe, das sal craft haben, D I R 18. 
Doch kommt der Ausdruck: erbgebirge und erbe-bergwerk meist nur für 
erbe im engeren Sinne vor = Felder von fallweise bestimmter Größe, 
selbst mehrere Berge samt Nebenlehen und Überscharen, von allen 
Abgaben außer der Urbar befreit, und zwar vom Wasser schwer be- 
drängte Gruben, dessen Bewältigung große Kosten verursacht, Const. 
II 3, 8. Die Grenzen werden durch Lochsteine abgesteckt: Wir seezen 
auch, das alle erbsilbergruben mit rechter mas und greniezen (oder 
stufte E) redlich u. underscheidlich gemessen sullen werden, u. das 
si nichtesnicht rechtens auswendig der mase ader reine in den 
brachen ader in was andern dingen in behalden ader czuczihen 
sullen, nur die eigenschaft von den perkwerken, di ertrinken wollen, 
di ir wasser ausezihen, ausfuren u. austrucken mugen, Const. II, 3, 12. 
Wegen der außergewöhnlichen Bedeutung eines solchen Falles und 
wohl auch der Größe des Feldes, werden sie in feierlicher Weise vom 
obersten Regalbeamten und einer Abordnung des Rates umritten 
(erbe bereiten, Freiberger Urkdb. II S 9: montanam hereditatem 
debitis montanorum consuetudinibus et solemnitatibus circum equi- 
tando designandam) : Regelmäßig, aber nicht notwendig, wurde wohl 
ein Erbstollen bei der Verleihung zum Zwecke der Wasserlösuag 
„beritten", Zycha I 215 f. So aber ein erbe-bergwerk von wasser- 
nott oder van andern sachen also kostpar ist, das man die kost mit 
clage — an des bergwerkes schaden so lange nicht mag irbeiten 
(deren Zahlung abwarten kann), was willekur u. uff welchen tag 
die gewerken di kost mit gemeinem rate zu geben seezen u. be- 
scheiden, zu gewinne u. czu Verluste, mit ires bergmeisters ge- 
wissen (= Zustimmung), das hat wol crafft, und wer seine kost 
dan nicht engibet uff die czeit, der hat sein teil verlorn an alle 
Widerrede, DlR22c. von lehenschaften in burgerlehen und pergerb- 
lehen (bergisch erblehen D, erbbergwerken E) soll man dem König 
(als einen Teil der Urbar) kein sechezehenteil geben (wie sonst), 
Const. II 2, 15; vgl. auch II 3, 12. 

erbed s. erbeit. 

erbe-haft s. erb-haft. 

erbe-herre s. erb-herre. 



218 erbe- eigen — er-bern 

erbe-eigen stn. ererbtes Eigentum: das haus ist unser e.. Igl. Str. 
323. Agnes, des Gregerg Langkrogen diern, weliche im czu erib- 
aygen gegeben ist. bat becbennt, Igl. Stb. V148b. 

erbegen s. er wegen. 

erb-eid* stm. beschworene Erbuntertänigkeit: aus den selben 
erbeiden und glubden sullen sis ledig lassen, ETbog. Cbr. 36, 28. 

erbeit (arbeit, arebeit) stfn. Arbeit und das dadurch Erioorbene, 
Werk, Mühsal: do niissevil ir erbed god (beim Turmbau zu Babel), 
Dal. 1, 25 (19, 27). 

erbeiten swv. refl. sich anstrengen, bemühen, abhärten : er be- 
gunde sieb selbe erbeiten und an die stat die sinen leiten. Alex. 
9693. 

er-beiten (= erbiten so auch W. v. W.) stv. II abs. warten, 
erwarten m. Gen. (auch mit zuo): die beiden turren doeb in striten 
der kristen nibt erbiten, W. v. W. 4556. ir wiplich güete kume 
des erbeite (Praet.), das daz essen wart bereite, 5644. mit liep- 
licben sorgen erbeiten sie des morgen. 838. das man die (berg-) kost 
mit clage an des bergwerkes sebaden so lauge nicht mag erbeiten, D I K, 
22 c. ferner Chr. v. Elbogen 182, 30. des wendischen fursten der- 
peiten, Böhm. Chr. 58. 

erbeiter (arbeiter) stm. Arbeiter, Böhm. Chr. 39. 

erbeit- lieh (arbeit-lich) Adj. mühselig, qualvoll: ich will er- 
beitlicher not alle die mine ergetzen, Alex. 16206. 

erbeit-sam ( arbeit -sam) Adj. beschwerlich, mühselig: ein e. 
reichtum, abuudantia laboriosa, Sol. 32, 28. 

er-beiz,en (er-bei^en) swv. vom Reittiere absitzen (eigentl. es 
weiden lassen): üf die ouwe man sie brähte, da sie e. wolden, W. 
v. W., 1370. do diu siuz,e erbeiz,et , 1403. da erheizten vil der 
werden von den rossen uf die erden, 3987. der fürste — erbeiz,te 
nider vor dem hage, 6067. an ein gras mit allem gesinde erheizet 
was der alte werde grise, 7104. daz, sie gemein erheizten vor, 
Ernst 2605. swä ez, erbeite, da erbeiz,e ouch ich, Trist. 4321, die 
boten erbeiz,ten an daz, velt, Alex. 3993. 

erbel s. ermel. 

erbe-lös Adj. ohne Erben, ohne Recht des Erben» oder Yer- 
erbens : gedihtes des gar spehen bin ich ein erbelöser man , Trist 9. 

erben swv. Prät. erbete, arpte, Part, geerbet, gerbet, sich ver- 
erben : so erbet sein guet auf sein nechsten vreunt, Brunn. R. II 31. 
herren liebe enerbet niht, Alex. 19264. da^ (daß die verheerende 
Überschwemmung hereinbrach): villicht uf si geerbt um er (= ir) 
missetät, die si begingin ubir sat, Dal. 232, 21 (105). 

erbe-nöt stf. ererbte, ewige Not: ir erbenöt — was die minne. 
Trist. 2718. 

er-ber, er-berge s. er-brere. 

er-berkeit s. er-barkeit. 

er-berlieh s. erbser-lich. 

er-bermde s. er-barmde. 

er-bermie- liehe, -en (erbarmec- liehe, -en) Adv. erbarmend, 
mitleidsvoll: du erbarmtest e. über din creatüre dich, Legende 55. 

er-bern stv. 1 2 1. zum Vorschein bringen, aufdecken, 2. er- 
klären, 3. gebären. 3. diu werden kint von hohem arte erborn sint, 



erbe-schaft — erb-haltung 219 

W. v. W. 6544. al ir tuon u. ir gebär ist näcb hohem arte gar, dar 
uz, sie erborn sint, 6337. alle die recht u. alles das, das mir die 
Fronboferin — empfolhen hat n. dorczn sie mich erborn hat — die 
bornew (= vernew) ich und gib ir crafft, als ob ich die als heut 
tete, Igl. Str. 328 S. 245. 200 ritter von art vri von werden 
fürsten erborn (abstammend), Alex. 6197. 

erbe-schaft, erbe-spil, erbe-stolle, erbe-zeichen, erbe-zil 
s. erb-. 

erb-brief (erbe-brief nur aus Tucher belegt) stm. ein für den 
jeweiligen Eigentümer eines erbes (einer Liegenschaft) gültige Schuld- 
schein (oder Urkunde) : desselben Hansen (von Warnsdorf auf Schloß 
Trautenau) erbbriefe und übergaben und vogtai zu Trautnaw, Traut. 
Chr. 3, 5. 

erb-gang-stolle* swm. = erbstolle: aufgenomen die 5 mass mit 
eribgankstollen, Igl. Mut. 11. 

erb-gebirge* stn. im außerordentl. Ausmaß (selbst mehrere 
„zusammengeschlagene" Berge und Stollen samt allen Lehen, Lehen- 
schaften und Überscharen) gemessene Berge, montana hereditaria, 
= erbe-bergwerk s. d. : der — siechten Schreiber — ausseczung (Be- 
stellung) sol angehorn unser urborer (Acc. PI.), ausgenommen in 
erbgebirge (di do czu erbgruben schreiben E, erbgrubenschreibern G), 
doch das man darumb ratfragen sol die egenanten gesworn Schreiber, 
Const. 18,5. 

erb-geld* stn. ererbtes Geld, Darlehen auf ewige Zeiten: 10 
seh. czins des ersten gelts nach dem eribgelt, Igl. Stb. III 323b. 

erb-gericht* stn. G. unter einem Grundherrn bestellten Richter, 
Erbvogtei: Bis gegen Ende des 14. Jh. besaß Böhm.-Kamnitz ein e., 
denn der erste Vogt, den dessen Stadtbuch nennt, nennt sich erb-vogt 
v. Kamnitz, schon seine Söhne um 1402 nicht mehr, Linke S. 300. 

erb-gese^en* Adj. = „gesessen", hausansässig, Hauseigentümer 
in einer Stadt: under den — Eideshelfern — schullen czwen e. man 
sein in der stat, Brunn. R. II 38. 

erb-gewerke* sivm. Gewerlce eines vom Begalbeamten (nicht erst 
von Geiverken als Lehenschaft verliehenen) Bergwerks, im Gegensatz 
zu den lehenheuern, Const. I 1, 3. E., in den übr. Hs. bloß 
gewerke. erbengewerken lehen, Const. II 2, 15. 

erb-grübe* (-gruobe) stsivf. „Grube" in einem „erbgebirge", 
Const. I 8, 5 (Kodex E und G), s. auch erbsilbergrube. 

erb-grub-schreiber* stm. Schreiber an einer erbgrube, Const. 
I 8, 5 (Kodex G). 

erb-güt (erbe-guot) stn. Erbgut: ligende erbgüter, gerten u. 
ackerstück, Traut. Chr. 332. 

erb-, erbe-, -haft, -haftig Adj. bergm. 1. vererbbar: noch 
der erbleichen nochvolge czu reiten, so sein alle perkwerk erb- 
haftig, umb das si erben nachvolgen = vererbar sind, Const. II 4, 3. 
e. stolle = erb-stolle, Igl. Bgr. U— B 11; U— B 15; D IR § 4, 1 und 
§ 2, s. erbstolle. 

erb-haltung* stf. Erbuntertänigkeit: also haben bemelte hern 
fli k. stad Elbogen in der e. gehalten und besessen, di in doch umb 
ein gelt verpfant gewest, Elbog. Cbr. 7, 25. 



220 erb-herre — er-blecken 

erb-herre, erbtherr sivm. Grundherr: von unsern erbherrn, 
herren Jan v. Wartenberg, Igl. Bgr. 39, 1 u. 9. erbtherr Einl. zur 
Euge v. Pröhl und N. 1. 6. 7. über ihr Verhältnis zum Bergbau s. berg- 
vreiunge. ackerteil n. herrenlehen. sein Erbherrn Nickel pergier, Eg. 
Achtb. II 119. di weil ire (der Elbogener) forfaren den Slicken, noch 
keiner herschaft, snnder konigl. maiestet gesworen, irem naturlichem 
erbhern, Elbog. Chr. 41, 16. 44, 19. 48, 34. 

erb-liuldiing stf. Treueid: nu haben dieselben burger (von 
Elbogen) vor ewern k. g. als eim rechten konig zu Pehem e. getan, 
Elbog. Chr. 147, 40. 149, 25. 150, 23. e. sweren , 4, 9. 4, 12. 35, 37. 
König Wladislaw schreibt den Elbogenern: wollet hinfur nimauds 
e. thun und euch also halten, als ir uns als ewerm rechten natür- 
lichem erbhern und konig schuldig und pfiichtig seit, 19, 29. wie 
si (di gemein von Elbogen) hern Slicken erbhultung haben sweren 
müssen, 21, 22. sein gnad wolle si der e., di si in haben thun 
müssen, ledig zelen, 27, 2. 28, 28. 39, 7. 39, 23. 39, 35. 41, 18. 41, 27. 

42, 16. 44, 29. uns sulcher bezwungener erbhultung ledig zu lassen, 
40, 10. 40, 28. 41, 18. 13, 10. das si den von Swamberg an stat des 
konigs zu Hungern e. tun solden, Eg. Chr. 1108. 

er-bidemen sivv. erbeben: erpidemt ist die erde, W — B Richter 
5, 4 ; Könige II 22, 8. derpidempten sie liefen zusamen (erschrocken 
und 1. z.). T — B Mark. 9, 14. ich bin dersckrocken und derpidempt, 
Juden 12,' 21. 

er-biegen stv. III beugen, krümmen: etzliche von hinnen der- 
bugen sich durch die waz,z,er und stagen (stigen) über die mauer 
beim Kutlturmdl, Olm. Stb. N. 44. 

er-bieten stv. III. darreichen, ericeisen: wol siez, dem werden 
dö erbot (ließ es ihnen gut gehn) Alex. 10593. 21052. da wart ez, 
in erboten wol (ging es ihnen gut) 21 722. 11 935. die mit ir liebem 
Übe mirz so minnenclich erbot, Trist. 3933, 3686. 3960, 308. wen 
mirz, noch ie alhie erbot Jsöt die wizgehande, 3980. ietweders im 
die wirde erbot, daz. sie gein im gienge, 478. — der wirt ez, im 
guotlich erbot: er gap im bier unde bröt, Schretel 153. 

er-biten stv. 1 1. erbitten, durch Bitten erlangen, durch Bitten 
beivegen zu (Gen.); verurteilen*: er war — gemartert und zum 
schwerdt erbetten, Traut. Chr. 31. 

er-bittern sivv. trans. kränken, erbittern, intr. * bitter werden, 
schmerzen: mein pauch der erpittert (amaricatus est venter meus), 
T-B Offenb. 10, 10. 

er-bitnng* stf. Bitte, worum gebeten wird: haben di burger 
den hern gebeten, nicht also furzunehmen (vorzugehen), sunder di 
hern bei irer billichen erbitung zu bleiben, Elbog. Chr. 117. über 
sein rechtlich erpitung (berechtigte Bitte), 71, 36. 72, 7. 72, 19. bei 
sulchen glubden und pflichten und erpitung bleiben zu lassen, 

43, 21. 

erb-land stn. Erbland, Heimat: dö zugen sie zehant frcelich 
in ir erbelant, W. v. W. 7838. 

er-bleeken Brät, er-blacte, -blähte, Bart, er -blecket swv. 
sichtbar machen, sehen lassen, intr.* sichtbar werden, sich zeigen: 
daz, ir daz, diehel erbleckte blöz,, Alex. 6878. 






erb-lehen — er-b reiten 221 

erb-lehen stn. als „erbgebirge" verliehenes Lehen, Const. II 

2, 15 (bergisch erbleben Kod. D, pergerbleben H.). 

erb-Ielienschaf't stf. ursprüngl. lehenschaft, als „erbgebirge" 
verliehen: Wir tuen euern gnaden zu wissen von einer e. wegen 
— , das uns die lehenschaft erblichen vorlihen ist, Igl. Bgr. N.39, 1. 

erb-leute* st. PI. Erbuntertanen: ewer gnad (Sebastian Slick) 
sagt und wil, das wir ewre erbleuthe sein und kein andern, nu 
schreibt uns di k. m(ajestet) als seiner k. g(naden) erbleuthen, 
so können und mugen wir nicht zwene erbhern haben, Elbog. Chr. 
21, 22 f. 7,22. 

erb (e) -lieh, erbeclich Adj. vererbbar, als dauernder Besitz. 
1. Berge (oder Bergteile), insofern sie vom Regalbeamten verliehen 
sind, nicht Lehenschaften: teil, si sein erbelich oder verüben, DIR 
23 a, 3. so sal er (der Gläubiger) — seine vorpfante bergk-guetter 
hinfur erblich (als Eigentum) behalten, Igl. Bgr. N. 93, 3. 2. als* 
erb-gebirge, erbberg- werk: ander leut — haben lehen und lehensrecht 
erbklich enpfangen, Igl. Bgr. N. 38, 2 u. 4. do wart der vorgenante 
steiger, der uns die lehenschaft erblichen vorlihen hat, wider gesaezt 
zu einem steiger, N. 39, 4. 

erb-lichen Adv. als Erbe, vererbbar: e. besiezen, Igl. Stb. III 
68 b. der steiger, der uns die lehenschaft e. vorlihen hat, Igl. Bgr. 
39, 4 u. 39, 1. dasz man si mit erblichen eiden (eidliche Gelobung 
der Erbuntertänigkeit) und glubden verstrickt hat, Elbog. Chr. 36, 22. 
dauernd: die graenitzen, welche gemeiner Stadt erblichen zugeheeren, 
Traut. Chr. 130. 

er-blicken (Prät. er-blicte, -blihte, Part, -blicket) sivv. intr. 
erglänzen, erstrahlen, trans. erblicken: nach irn siegen sach man 
viur lieht üf der hohe erblicken ü^ ires helmes randen dicken, Alex. 
11879. 

erb-ling (erbe-linc, -ges) stm. Erbe: also das kain erbling nier 
plaib, Igl. Str. 308. wenn noch ein eiblink do ist, den is ange- 
storben ist von seinem eldervater, Igl. Bgr. N. 100, 1. 

erb-man stm. erblicher Dienstmann: der krönen czu Behemen 
gesessen e., Mind. d. Egerl. S. 45. 

erb-neme (erbe-neme) swv. Erbe : unsere erbin unde erbnemen, 
Stb. Brüx. N. 227. mit seinen erben oder erbnemen , Traut. Chr. 97. 
74. 75. 

erb-, erbe-recht sisivn. Recht eines erbgebirges (außer geiv ähn- 
liches Maß und keine Abgabe außer der Urbar, nicht einmal 1 l iG von 
Lehenschaften darin ist als Urbar zu entrichten): ein vorwustes 
bergwerk mag man hinlassen alleine umb das achtteil, der urbor, in 
erberecht. Und also mag man in erberecht hinlassen ein lehen 
alleine ader meer ader ein ganezen berg (sogar mehrere), Const. II 

3, 8. 

erbolgen part. Adj. von erbeigen, erzürnt: wirt uns daz, lant- 
yolk erbolgen, W. v. W. 6944. des si wir niht erbolgen, Alex. 6285. 
ir wolt mir sin e., 2679. den schalkhaften (Bösen) sit e., 1418. 

er -borgen swv. ausborgen, entlehnen: ich hab kein gelt, ich 
kan ouch keins erburgin, Elbog. Chr. 146, 16. 

er-breiten sivv. ausbreiten: nu musz erbreitet werden mein 
gesiht aus dir (dilatetur ex te), Sol. 92,21. 



222 erb-richter — erb-stolle 

erb-riehter stm. vom Grundherrn bestellter Richter, Erbvogt; 
vom Grundherrn abhängig, steht er an der Spitze des Dorfgerichtes. 
Sein Amt war hier an ein erbliches freies Bauerngut „das Gericht 1 ' 
geknüpft. Er hatte vor den übrigen Dorfbewohnern bedeutende Vor- 
rechte. Mathes Peschtzke und seine rechten Leibeserben erhielten bei 
der Belohnung mit diesem „Gericht" zu Dittersbach durch Sigmund 
v. Wartenberg das Hecht, frei „czu melzeu, brauen, zu sebeuken, zu 
schlachten u. zu backen" auch frei ..auf dem seinen basen mit 
horden zu schlagen u. zu stellen". Solche „erbgerichte" mit einem 
erbrichter an der Spitze sind bezeugt in den Dörfern um Böhm.- 
Kamnitz: Jonsbach, Windisch-Kamnitz, Gersdorf, Dittersbach, ein 
gemeinsames Dorfgericht hatten Markersdorf und Freudenberg. 
Diesen Dorfgerichten standen zu: Erbabhandlungen, Verfügung über 
Waisengut, dessen Schätzung und Verkauf, Verwaltung der Mündel- 
gelder, Schlichtung kleiner Streitigkeiten, Linke, Böhin.-Kamn. S. 302. 
e. zu Krinsdorf, Traut. Cbr. 59. 

er-brimmeu stv. 13 zu brummen beginnen: daz, — der ber vor 
zorne lüte erbrani, Scbretel 242. 

erb-samk-leieb * Adv. als erblicher Besitz: Und das lant gevelt 
auch zu pesiezung e., W— B Ez. 47, 14. 

erb-schade* sum. Schaden an Erbgut {Liegenschaften): Nur 
um czwairlai sebaden tuet man chlagern recht: daz, ain haisset e. 
u. das ander haisset gelopter schaden, der pewert ist, Brunn. Ell 
209. 

erb-schaft stf. 1. Erbschaft, 2. — erbgebirge*, vielleicht ist 
erbebaft zu lesen: das kein silbergruben, auch ab si erbschaft ist (erb- 
lich E., erbfuntgruben End.) ist, ein sunderlicben bulgenmacber ader 
pusser baben sulle {wohl aber eigene erbgrubenschreiber), Const. I 
17. also daz, siu herschaft niht ziuhet ze der erbeschaft {nicht zu 
einer erblichen lüerde), si wein in einen andern man, Alex. Anh. 
974. er spricht erbeschaft {erhebt Erbanspruch) üf diz lant, Alex. 
5220. 

erl>-sez,z,en* Adj. s. erbgesez.z.en: das si (dieCronier=Krämer) 
ire Sachen u. gerechtikeit mit sulchen erbern altsessen u. erbsessen 
genugsamlichen ausgeweist u. behalden haben, Olm. Stb. 132 S. 107. 

erb-silber-grübe* siostf. Silber grübe in einem „erbgebirge", 
Const. II 3, 12. 

erb-smid,* -des stm. Schmied für ein vom Regalbeamten ver- 
liehenes Bergwerk {nicht Lehenschaft) arbeitenden Schmiede, faber 
hereditarius : Aber den erbsmiden, di etwen gewin gehabt han, ab 
in der gewin abgangen ist (durch geringeres Erträgnis des Berg- 
baues), die lassen wir nicht das smidrecht aufgeben, Const. 1 15, 13. 

erb(e)-spil* stn. dauernder Liebesverkehr: Tristan und diu 
künegin (Isöt) die triben ir aldez, erbespil, Trist. 3029. 

erb-stat stf. 1. Erbstätte, 2. erbuntertänige Stadt*: seiner 
konigl. m. e., Elpogen. Chr. 48, 8. 66, 28. 107, 43. 108, 2. 

erb-stolle sivm. Bedeutimg: Erbstollen, auch erbehaftig stolle 
heißt im Gegensatz zum suchstollen und dem Abbaustolle?!., die ohne 
dauernden Zweck gewissermaßen in der Grube aufgehen, der e. nicht 
etwa davon, daß er mit einem erbe (erbgebirge) verbunden ist, 
sondern daß an ihm ein dauerndes Recht besteht, ivie wenn einer 



erb-stolle 223 

um den andern Erbe wird, Const. II 4, 3: Der erbstoll ist ein wasser- 
seige unter der erden, das man das aide gepirge trucken mache 
durch des erczes willen, das doselbst ertrunken ist. Er heist darumb 
ein erbstolle, sam das er ewig sei durch der laugen czeit willen, 
czu underscheid ander siech tes gepirges, di sein sam kurcze czeit 
kegen dem czu reiten (rechnen); aber noch der erbleichen nochvolge 
czu reiten, so sein alle perkwerk erbhaftig, umb das si erben nach- 
folgen. — Die Bedeutung von erbe in Zusammensetzung als „dauernd" 
zeigt Haltans Glossar: vocabulum erb in tali compositione non here- 
ditatem notat sed perpetuitatem et stabilitatem ut „Erbeinigimg". 
Zycha I 232, 20 verweist noch auf eribgewerke = Gewerke im 
Schemnitzer Recht (s. übrigens auch oben unter erbgewerke), auf 
die Erbschächt im Göllnitzer und auf die Erbstufen = dauernde 
Grenzzeichen unter Tag nach dem Bergbüchlein von 1519, Erblehen- 
schaften = dauernde Lehenschaften und daß also enterbter Stollen 
nicht einer sei, der sein „erbe" verloren, sondern einer, der zu be- 
stehen aufhört. 

In eim iczlichen gebirge mit namen nicht mer Stollen • be- 
schriben sin wenne czweier hande: der eine heisset ein suchstolle, 
der andir ein erbehaftig stolle , D I R 2. Es sein nur czweierlei 
stollen, der alle perkleute geprauchen: ein erbstolle u. ein such- 
stolle, Const. II 4, 1. 

Ursprünglich hieß auch der e. kurzweg stolle, so in der UrJe. v. 
1.258, Emier II N. 195. seinen späteren Namen e. erhielt er, iuie 
oben erwähnt, nicht von den, ihm wohl regelmäßig bei der Ver- 
leihung oder auch später (Freib. Bgr. B § 4) geerbten, verlassenen, 
ertrunkenen Gruben („erbe", „erbgebirge"); und nicht der aus deren 
Eigenbetrieb erzielte Gewinn, sondern die „Lösung" fremder Gruben 
und die dafür erhaltene Stollensteuer, eigenschaft bilden seinen 
eigentl. Zweck. 

b) Stollenfeld: Während ein e, in neuerer Zeit beliebig weit 
ins Gebirge getrieben werden kann und damit gegen alle Gruben, 
denen er Wasser benimmt und Wind bringt, gewisse Rechte erwirbt, 
wird in unsern Quellen von einer Begrenzung seines Feldes, einer 
Vermessung mit Abgrenzung durch Marksteine gesprochen: ein perg 
oder stolle, die da gemessen sein , U — A 7 U B 14. u. sol die mar- 
schaide geezeichent werden mit grossen steinen (reienstein E, rain- 
stein G, Lochsteinen End.) u. mit guter geezenkmusse der gesworneu 
u. ander frumen manne, der sachen czu ewigem gedechtnusse, Const. 
II 4, 12. 

c) Rechte des Erbstollen in dein bereits verbrochenen Teile des 
Stollenfeldes usio. 1. gegen Berge oder Brüche, die ihm „beschrieben" 
sind, „beschriebene Gänge", die ins Stollenfeld einbezogen worden 
und ohne ihn wahrscheinlich ertrunken wären. Solche Gruben können 
iveiter gebaut oder neu belegt werden, bis in eine von ihnen der e. 
in der Erbtiefe (= 10 Klafter vom Rasen an gerechnet) eingebracht 
wird. Von da an darf nur mit seiner Erlaubnis aber gegen die 
Entrichtung der „eigenschaft" — V, (in sächs. Quellen l j j der Aus- 
beute weiter gebaut werden: Brenget er abir sinen stollen an di 
stat, das er treuget anderhalbes lehens tiff adir czu dem minsten 
czehen lochter, so heisset is von rechte ein erbhaftig stolle. Alle di 



224 erb-stolle 

sebin lehin, die denne in der niarscheide legin, is sin vir gemessene 
berge ader minner, di namhaftig sin, adir was brucb ist, das in 
siner marscbeide lit, wer dorinne arbeitet boben dem wassir, der 
mus das tbun mit willen des Stollen unde siner gewerken, D I B 4, 3. 
Die wile aber der stolle nicbt treuget, also vor gesprochen ist, di 
wile erbeitet ein iczlich man wol also, das er di berge unde die 
bruebe icbt risse, di dem Stollen beschrieben sin, 4, 4. Und darnoch, 
wan di stolner iren Stollen czimleicb erbeben pei der wasserleite 
(wasserseige D) u. beben an czu arbeiten, czuhant so gewinnen sie 
ein sotan recht, das nimand an iren dank innewendig ires Stollen 
gemerken (in den reien ires stollen E) getar in ganczem rasen 
arbeiten, Const. II 4, 13. Und ist es, das der stolle also vil czunimpt, 
das er mit seiner kraft auf die teufe anderhalbes lehens ader auff 
(czum D) minsten auf czehen mass getrucken mag und den wint 
inleiten, so gewinnt er allererste den namen eines rechten stollen 
czu haben und nimand getar darnoch in den leben ader bruchen, 
die czu demselben stollen geboren, arbeiten über das wasser an der 
stolner sunderliche laube, 114,14. Und also lange er abnimpt also 
czu trucken machen, so mag iderman in den leben u. bruchen, idoch 
von gepote der urburer, umb u. umb arbeiten also verre, das di 
leben u. brache, di czugeschriben sein den stollen, mit nichte czu- 
ruttelt u. czurissen werden, wan man vorleiet den stollen nicht 
darczu, das di silbergruben , di do czu pawen tugen, wüste sullen 
werden, sunder was unnucze ist, das es czu nuczem pawe wider 
pracht werde, II, 4, 15. 

Der e. muß in dieser Tiefe durch offenen Durchschlag ein- 
gebracht werden: di wil der von dem erbstollen dem andern, der vor 
da gepawet hat, mit offen durchsiegen nicht wasser benimet noch 
wint priuget, das her in czu keiner aigenschaft von rechte nicht 
getwingen mag, Igl. Bgr. N. 72, 2. vinden di vier gesworn mar- 
scheider {darunter einer von der urborer wegen) , das der stolle in 
vierdehalben leben auf dem hangenden durchslagen hat u. nicht 
alleine irrechent u. vorschroten hat di lehen czu dem stein, u. be- 
sagen das auf iren ait, so schullen di von dem stein ir wasser in 
den stollen sturczen u. dem stollen ein sibendes geben, N. 73, 2 u. 
75, 5. Beweisen di gewerken, der der stolle ist, mit einem rechten, 
das her ir erbstolle ist und si mit offenen durchslag in das perk- 
werk komen sint, so teil wir dem stollen sein recht N. 74 s. eigen- 
sehaft. — von den leben wolde der stollemeister ein subendes haben, 
des wollen im di urborer nicht geben und sprechen, er möge kein 
erbstolle nicht sein, sind der stollemeister das tiefste wasser aus der 
czeche nicht wil halden in dem stollen — so sprechen di urborer, 
der berczog habe im (dem stollemeister) den stollen nicht vorligen 
(verliehen) czu einem erbstollen, her muge danne von rechte ge- 
haisseu ein erbstolle von perkleuten (d. h. nach Bergrecht), Igl. Bgr. 
N. 71, 1. — ein stolle, der an dem obristen lichtloch hat ein lachter 
dreisik — hat das recht, das ein erbstolle hat, N. 70 vgl. D I B § 4, 3. 
■ — si sein mit demselben erbstollen teuffer inkomen, denne sie aus 
dem freien, N. 46,2. erbstollen, eribstollen, Igl. Mutung N. 9. 10. 11. 12. 

Ein vom e. „verlassen", also im Freien, getroffenes, beschriebenes 
Bergwerk, icird ihm zwar nicht zugeeignet als „Erbe", doch erwirbt 



erb-stolle 225 

er daran das Bergbaurecht; tvohl auch — wie im Göllnitzer Bergr. 
v. 1400 nicht beschriebene Gruben, die aber zur Zeit, da der e. sie 
erreicht, ins Freie gefallen sind: Kumet ein erbestolle mit siner 
wassirseige an die genge der berge, die do vor benant sin, findet er 
ercz, alleine das doch in einem frihen si, man misset keine berge. 
Findet er abir ercz an gengen, di vor unvorschroten unde unvor- 
hawen sin, man misset im einen berg (uff sin hangendes 3Vaj uff 
sin legindes 1 leben, DIR 5, 2), also das er di sebin lehen beheldet 
in dem rechten, unde er sinen Stollen hat. Andir lehen, si sin des 
koniges adir der herren adir der burger gefallen deme der recht 
dorczu hat, also bescheidenlich : den urbarem koniges 1., den herren 
ir 1., den bürgern ir lehen, D I R 5, 1. Gruben, die ihr Wasser selbst 
halten konnten, brauchten nach älterem Recht den e. nicht benützen, 
U — A 12 (U — B 20) wird nämlich nur von „notdurfftigen Stollen", 
(si stollonem necessarium habuerint) gesprochen, dem außer der 
Eigenschaft der 4. Pfennig der Kosten für die in dem ihn be- 
nützenden Gruben gelegene Strecke zu geben sei, Const. II 4, 22 wird 
dem in ein Bürgerlehen eingedrungenen e. wohl der Stollenhieb aber 
kein weiteres Recht eingeräumt, es were denne, das di purgere den 
selben Stollen betten notig durch das wasser aus czu czihen u. den 
wint ein czulaiten. 

Nach jüngeren Entscheidungen aber (Igl. Bgr. N. 71, 2 u. 76, 5) 
bleibt es den Gewerken nicht freigestellt zu erwägen, ob eigene 
Wasserhaltung oder Stollensteuer vorzuziehen sei, sondern alle von 
einem e. angefahrenen Zechen, ja selbst solche, die tiefer als die 
Stollensohle lagen und ihr Wasser erst zum Stollen emporheben 
mußten, mußten ihn gegen Entrichtung der Eigenschaft und des 
„vierten Pfennigs 1 ' benützen. Damit verschwand die, jetzt unnötige 
Abgrenzung des Stollenfeldes. Rechte des e. sind 1. 1 / 7 der Ausbeute 
der durchfahrenen Gruben, Lehen usiv. = eigenschaft s. d. 2. der 
vierte phennig = 1 / 4 der Kosten der, auf dem ihn benützenden 
Bergwerke liegenden Strecke: Ist das die purger dornach oder wer 
der ist, seinen notdurfftigen Stollen hat, den mak er mit dem vierden 
taile der koste ausarbaiten u. also beheldet er in , U— A 12. Die 
burger oder swer si sin, di nuezen den Stollen mitsampt im, doch 
pehelt er das vierteil der kost czu sinem Stollen, der den Stollen hat 
angevarn, U — B 20. Unde di wile er (der e.) in dem lehen ist, di 
wile sal das lehen dem Stollen das virde teil der kost gebin. Das 
kumet dovon, das er im wasser benimet u. wint brenget, D I R 7, 2. 
Und als lange si denne mit dem Stollen in iren lehen harren, sulleu 
sie das vierde teil der koste (den vierdten Pfennig oder den 4. Theil 
des Unkostens, so auff das Stoll-Ort gehet, End.) den stolnern gelden, 
Const. II 4, 22. 

3. Stollenhieb. Bas ältere Recht (U— A 9 u. 10. 11. U— B 17. 18 u. 19.) 
gestattet den Stollenhieb nur mit Zustimmung der Gewerken, nämlich 
ihre Lehen und nur in der rechten Wasserseige und zwar nur 1 Klafter 
lang zu durchfahren und das dabei gewonnene Erz sich anzueignen: 

U — A 9 — 10: Wer do arbeitet in dem Stollen mit vorhenknusse 
des richters und der purger, und ist es, das sie czu dem gemessen 
perge oder purgeriehen kumen u. daselbst arbeiter vinden: äne ir 
Urlaub u. vorhenknuss volfaren sie nicht (9). Vorhengen sie aber 

Jelinek, Wörterbuch. 15 



226 erb-stolle 

czu der masse auf aine lachter, so volfaren sie, doch ausgenomen ir 
recht, das ist also vil er (der Erbstolner) mit seinem stollen in der 
purgeriehen über sich hewit ; u. was er des gemessen oder gewinnen 
mak, das heheldet er ledicleich (10). Also verre ab vor in dem 
egenanten leben ist gearbeitet, auch mitten in dem lehen mak er 
siezen auff das tiffe; und was er gewinnes mit mittelmessigem eisen 
under sich czu im geeziben mak, das schol im czu nutze gefallen (11). 
U — B 17—19: Und arbeitent iemant an einem stollen mit des 
richters gunst u. der purger u. des peremeisters u des, der die genge 
verleicht, und kumt an einen gemezen perch oder an ein purger- 
ieben u. vindet darinne arbeiten, er mac nicht hindurich gevarn an 
iren willen (17); ist aver, daz si im gunnent, so schol er varn einer 
lachter lanch, daz ez im doch an sinem recht nicht schade. Daz 
recht ist also, swaz er in der purger lehen mit sinem stollen über 
sich gehowen mac, u. swaz er des geniezen mac, daz pehelt er 
vreilich (18). Also ob in dem vorgenanten lehen e gearbeit ist, so 
siezet er ouch enmitten in dem lehen an das tiefist, und swaz er mit 
einer kraezen under sich geschaffen mac, daz gebort an sinen nuez (19). 

Nach U — A 11 u. U — B 19 dürfen also mir verlassene, nicht im 
Bau gehaltene Lehen und zwar auch Bürgerlehen, die ja wenigstens 
nach der Forderung der Iglauer (nicht der hiergegen eifernden Const.) 
sich nicht verliegen, durchfahren werden und zwar auch mitten im 
Lehen, also auch ohne mit der Stollensohle in gleicher Ebene zu 
liegen. Das junge) e Recht erkennt die Notwendigkeit, den Bau von 
Erbstollen zu fördern, an und darum heißt es, DIE, 7, 1: Kumet 
derselbe (e.) an ein burgerlehen (U — A 9 u. A 17 czu dem gemessen 
perge oder burgerlehen, Const. 114,20. ivie D I R nur burgerlehen, 
II 5, 6. richtig und klar „czu welchem lehen si komen mit ireni 
stollen, wie auch das Freiberg. Bgr. § 10. schlechtweg „gemessin 
lehen" sagt), das do buwehaftig ist unde nicht geerbit czu dem 
stollen, das burgerlehen mag im nicht geweren, er fert dorin unde 
dodurch also besebeidenlich: wenne er kumet in das burgerlehen, 
alz der stolle dar ist komen uf der sale (II Ia III mit dem Zusatz 
des stollen), mag er wol hauwen obir sich unde under sich also hoch, 
als er mit einer kraezczen gereichen mag; nicht mer nuezes niinpt 
er do. Und die Const. II 4, 20 u. 21 : Wann auch die stollner mit 
irem stollen komen czu dem purgeriehen, das man pawet, u. ist in 
nicht czugeeignet, an dank auch der purger so mugen sie eingeen 
mit rechte. Und was si in dem geen (also farende E) mit einer 
messigen czappen (schappen D, kraezen E) über sich czappen (sappen 
D, reichende hawen E) mugen, das ist ir, und was si aus der teufe 
gieicherweis gewinnen, das ist auch ir. 

Das Beeilt der e., das Lehen zu durchfahren, ist also nicht 
mehr an die Zustimmung von dessen Gewerken geknüpft, der Stollen- 
hieb genauer bestimmt. Noch genauer wird in der Joach. B 0. Art. 
87 das Maß auf 5 U Klafter Höhe über der Stollensohle und 1 / 2 
Klafter Breite bestimmt. Doch muß nach Art. 88 wie Igl. Bgr. 
N. 76, 6 der e. die Erbtiefe erreicht haben. 

2. Dem Stollen nicht „beschriebene", sondern „geerbte" Lehen 
sind mit ihm zu einem besonders begünstigten „Erbe" im engeren 
Sinne, erbgebirge (s. dieses) vereinigt. 



erb-Btolle 227 

d) Hechte des e. im „v/nverbrochenen Basen". Die Bergbehörde 
bestimmt, wieviel unterbrochenes Feld außer dem zur Stollenanlage 
erfordert, dem e. zugewiesen wird. In diesem darf vom Beginn des 
Stollenbaues keiner ohne seinen Willen einschlagen: 

Wo er denne sinen stollen angenomen, do hat er das recht, das 
nimant, wo der rase uuczubrochen ist, czvvischen sinem Stollen unde 
der marscheide insiczeu mag adir thar mit rechte an sinen willen, 
D I R 4, 2. — Und darnoch , wan die stolner iren Stollen czimleich 
erheben pei der wasserleite u. heben an czu arbeiten, czuhant so 
gewinnen sie ein sotan recht, das nimand an iren dank innewendig 
ires Stollen gemerken getar im ganczen rasen arbeiten, Const. II 

4, 13. Stößt der e. auf maßwürdiges Erz, so wird ihm ein Berg, 
mit Aufrechterhaltung der Nebenlehen, gemessen, von dessen 7 Lehen 
er alle Lasten eines Neufängers zu tragen hat. Nur wenn es nötig 
erscheint, erhält er besondere Begünstigungen: Kumet e. (der e.) 
mit siner wasserseige an die genge der berge, die do vor benant 
sin, findet er erez, alleine das doch in einem frihen si, man misset 
keine berge. Findet er abir erez an gengen, die vor unvorschroten 
unde unvorhawen sin, man misset im einen berg, also das er di 
sebin leben beheldet in dem rechten, unde er sinen stollen hat, DIR 

5, 1. Geschieht es auch, das die stolner newes erez vinden inne- 
wendig irer mas u. das doch auswendig den pergen u. lehen ist, die 
in czugeeigent sein u. iczunt langest gemessen sein, do seibist sol 
man in einen perg messen u. sol in czugeben unser (des Königs) 
lehen u. die burgerlehen, wann wir bestetigen nimand keinen stollen 
mit unsern nantvesten, wir nemen denn bevor aus unser u. unser purger 
recht, Const. II 4, 16. Aber in den siben lehen, di in ader czu dem 
perge von ersten gemessen sein, alles recht, das dem stollen vor- 
lihen ist peide in dem hangenden u. in dem ligenden, das behalden 
sie ledicleich, II 4, 17. 

Die Vermessung des e. geschieht wie die des Suchstollen. Ein 
Beispiel von 1303 bietet Urk. bei Sternberg N. 50, Emier II N. 1981. 
Die Grenzen werden verlochsteint. Eine über die Verleihung gegebene 
Hdf. enthält, was dem stolner „dorezu berethen („umritten") adir 
gegeben si", D I R 4, 1. Auch hier findet die Verleihung wie bei einem 
„erbe", „erbgebirge", durch Umreiten, „erbebereitung" statt. 

f) Verlehenschaftung von Flügelstollen: Es mugen auch die stolner 
innewendig der marscheide ires stollen einem andern stollen vorleihen 
umb das vierde teil gewinnes und mugen im, als si wollen, von irer 
eigenschaft bescheiden. Und das sprechen eczliche, das das ein 
rechtes gefertte sei der stollen (tercium genus, stollonum esse; heissen 
eczliche den dritten stollen ader die dritte underscheid des stollen, 
E. Gr.), Const. II 5, 7. 

g) Wenn es DIR 8, 2 heißt: 1. Unde also vil gemessener berge 
legin in eines erbestollen marscheide, also manch sechezehen hofestete 
beheldet der stolle u. Const. II 4, 24. u. als oft 16 hofstete, als vil 
perge dem selben stollen czugeschicket sein (czu geeignet E); ferner 2.: 
DIR 12: Also verre, also ein man mit einem bogen geschissen 
mag, also verret beheldet ein berg feldis (erbstolle veldes oder ein 
gemessener perk B., bergstolle veldes M.), doruff di berglute ir fihe 
spisen — und 3. DIR 11: Kein urbarer adir liher hat die gewalt, 

15* 



228 erb-stolle 

das er uff keinem erbehaftigen Stollen (II I a erbstollen) adir uff 
keinen sebin lebin geseczen möge einen bergineister adir einen smit 
adir einen stiger (II Ib mit Zusatz: nocb kein amptleut) an der ge- 
werken willen und Const. II 4, 19 : Wir setczen auch, das die ur- 
burer nocb nimand anders den stolnern nicbt seczen sullen sunder- 
liche scbreiber u. steiger nocb keine andere amptleute, sunder unsere 
gemeine Steiger sullen reckt czu steigen ban in allen silbergruben, 
di in unsern namen, das alles perkwerk recht gepauet werde, sullen 
fleissigleich czuseben. — Wenn ein stolle bestetiget wirt, der sal 
selbs das recbt des stollenmeisters dorinen haben (so nach EG.), 
es wer denne, das er mit seiner saumpnusse vordinte, so sal man 
nur einen andern ous den selben stollnern schicken und ordiniren 
(seczen u. machen Gr.). Noch keine andern erczscheider und pulgen- 
puser sullen si nicht haben denn di gemeinen gesworen ; so bedeutet 
dies, daß 1. jeder dem Stollen zufallende gemessene Berg seine 16 
Hofstätten behält (wie im Deutschbrod. E, (63). Jir. S. 206 Igl. U— B 
9, Igl. Bgr. N. 27 u. 28, 1) ebenso 2. seine Viehweide (ivie Const. II 
3,1; Igl. Bgr. N. 28,2; im Freib. Bgr. B § 14 ein bergstolle adir 
ein gemessin berg). Nach 8. ist der stollenmeister von und aus den 
stollnern zu ivählcn tcie der bergmeister von und aus den Oewerken, 
die übrigen Amtleute sind zugleich die des Berges. 

h) Bauhafthaltung und Enterbung der e. Da vom e. eine ganze 
Reihe von Gruben und Lehen in ihrem Bestand abhängen, hat er 
die Pflicht bei Verlust seiner Berechtigung, die Wasserseige im Stand 
zu halten und die Lichtlöcher (Richtschächte) zu fertigen: U — B15: 
Ein erbehafter stolle pehelt sein recht also: Ist daz der, der den 
stollen powet, sin wasserseige recht und redilichen (pescheidenlich 
L, bescheidenleichen E) uzfuret u. sine liechtlocher czu recht soubert 
u. in iaresvrist an sinen stollen howet u. nur ein lachter lanch howet 
u. arbeit, daz er mit den geczeugen (mit czweien g. E) pewisen 
mac, so pehabt er sinen stollen mit allen recht, DIR 10: Hebet 
(heldet III) er sine wassirseige uff adir fertiget sine lichtlocher (sein 
lichtloch recht sawert EF) unde hat in jare unde in tage ein lochter 
an dem heupte des stollen gefaren, das er (mit czweien Zus. in E) 
bewisen mag , nimant kan im in (seinen stollen II I a) mit rechte 
angewinnen (abgewinnen Ia), Const. II 4, 8: das aide recht — spricht, 
das wer durch ein gancz iar di mase für dem heupte seines stollen 
mit arbeit erfüllet u. volbrenget u. di roren ader rinnen des wasser- 
seiges furbet (furbas räumet E>) u. räumet u. das lichtloch wol aus- 
richtet, der sol mit allen rechten seinen stollen besiezen u. behalden 
ader an alle Urkunde u. lautperkeit (lautmerunge E) mus er des 
emperen; wann weder di stolner, weder andere perkleute dasselbe 
recht mit Urkunden mugen si nicht widerbrengen, das si iczund mit 
saumpnusse verlorn hän; wann nicht den saumigen sunder den ar- 
beitern kumpt esu steure das perkrecht, Freiberg. Bgr. B § 12; 2. 
Joach. B 0. II 102. Bei Erzfund müssen die Stolner entweder die 
Orter selbst belegen oder, um ihre Pflicht nicht zu versäumen sie 
verlehenschaften: ab die erbstolner erez vinden u. farn für sich mit 
dem stollen umb eine masse (eines lachters lang, End.), so vorleihen 
sie das erez, was nach derselben mas (demselben lochter E) czu 
vorleihen ist, ader si underweisen ire orter doselbist (oder das sie 



erbstolner — erb-teil 229 

die orter selber belegen E) ader unsere gemeine vorleiher sullen 
vorleiben alles, das czu vorleiben ist, das si vinden noch der (der- 
selben D) masse, Const. II 5, 8. 

Dem e. wird durch die Joach. B 0. Art. 89 der Bau mit „Ge- 
sprängen" (Stufen, durch die er in seiner Fortsetzung höher zu 
liegen kommt) bei Strafe des Verlustes der Stolleneigenschaft ver- 
boten und nur aus besonderen Gründen vom Bergmeister gestattet. 
Auch sollen alle, die in einer Zeche tiefe Stollenstrecken oder ander 
Örter auflassen, verbauen oder ver stürzen, gestraft werden, Joacb. 
B. 0. 28. 

Verdrängung eines e. aus allen seinen Hechten „Enterbung" 
durch einen neuen, tieferen, der jetzt an seiner statt das Wasser ent- 
zieht und Wind einbringt. Bestimmte Tiefe der Unterfahrung wird 
lange nicht gefordert: DIR 8,1: Fert man mer Stollen denne einen 
czu eime gebirge, welcbir der allirtiefste ist, der bebeldet sin recht 
unde di (an der Ib) eigenschaft. Const. II 4, 23 : so sol der tifste 
unde der do tifer truckent, sein recht u. sein eigenschaft für andern 
Stollen behalden (zitiert in Igl. Bgr. N. 77, 3). Freiberg. Bgr. B. § 11. 
Erst der Joach. Zus.-Art. 21 von 1525 und dann die 2. und 3. Joach. 
B 0. (II 97, bezw. 98) verlangen ein um 7 Klafter „saiger gericht" 
tieferes Einkommen des neuen Stollen. Nach den „Bergm. Redens- 
arten" unter „erbteuffe" beträgt die Enterbungstiefe „im sticklichten" 
gebürge" 7, im „flachen Felde" aber 3 l j 2 Klafter. 

i) Im 16. Jh. wurden in Iglau nach den Mutungen (Kod. D 
Folio 25) zioischen 1515 — 1577 zumeist auf der Bantzer Krim 
(Krümme) oder auf Pistauer Grund (gegen den „Alten Berg" zu) 
zumeist nur Gruben mit Erbstollen gemutet. 

erb-stolner* stm. stollonarii hereditarii, Bergleute, die an einem 
erbstolle arbeiten z. B. Const. II 5, 8. s. unter erbstolle. 

erb -sünde stf. 1. Erbsünde. 2. Sünde* an einem „Erbe" = 
liegender Habe-, Das absichtliche Zerbrechen der marscheide an dem 
acker wird mit 1 — 10 Mark gestraft ; wann mit semelicher missetat 
heget ein man erbsunde, die nach dem vater auff das kint u. dornach 
auf ander nachkomling erbet, Igl. Str. I S. 370. 

erb-teil, erib-teil stmn. 1. Anteil an Erbe, Erbschaft. 2. Berg- 
teil* an einem Erbe (Erbstollen, gemessenen Berg oder sonst an 
einem „Erbe" z. B. „Erbgebirge"). 1. er hat sich ires vatterlichen 
eribtails underwunden, Igl. Bgr. N. 85, 4. 2. Erbteil, wer di mit 
clage wil gewinnen vor kost (Bergbaukosten) , di ime darauff wirt 
beschaiden von den ratleuten, sein di teil an erbestollen, an ge- 
messen bergenn oder sunst an erbelehen, der muß darüber clagen 
3 raittunge vor dem bergkmeister u. den gewereken u. muß darnach 
boten nemen u. di kost heischen, als si vor ist beschriben, (1). Ist 
der anderswo gesessen, des di teil seindt, also das ine der bergmeister 
noch sein böte mit einem gewereken nicht gemanen mugen, so sol 
der bergmaister mit der gewerken gewissen di clage an di urborer 
vor den schopphen bringen; di sullen dan ir brieff darumb senden 
u. ine manen, di kost zu geben; gibet er ir dan nicht, so sein di 
teil verlorn an alle Widerspruch (2.) Hat er aber einen verweser 
uff dem berge, der sein ertzetpfeinige einnimet u. kost for ine gebet, 
u. ob das den gewereken wissenlich ist, das er ime sein teil hat 



230 erb-untertan — erd-bibunge 

entpfolben, darf man keinen brieff darumb sentten; man gewinnet 
sie demselben an mit vollen rechten, alß er selber da gegenwertig 
wer (3) DIE 22a 1—3. 

erb-untertan* Adj. einem benachbarten Gutsherrn unterworfen. 
Der Stadt Böhm.-Kamnitz, die noch 1608 „gemeine Stadt" genannt und 
der ..gemein Stadtrecht' zugesichert wird, wurde (8. Sept. 1674) auf Be- 
treiben des Grafen Kinski) von Kaiser Leopold 1. mit spitzfindiger 
Definition die Erbuntertänigkeit aufoktroiert und 1702 durch kaiserl. 
Sentenz bestimmt, daß sich Bürgerm. und Rat des Städtchens als 
„Bürgerin, und Bat des untertänigen Städtlein" Böhm.-Kamnitz zu 
nennen haben. Erst mit der Durchführung der Erbuntertänigkeit 
bürgert sich daselbst die Anschauung ein, daß jeder „Untertan" persön- 
lich zur Bobott verpflichtet sei, während früher mit dem Aufgeben der 
Bealität auch die an dieser haftende B ob ottp flicht gegen clen Guts- 
herrn erlosch. Seit der Mitte des 15. Jh., der Einführung der „Laß- 
briefe", konnte der Gutsherr durch Verweigerung des Abzuges eleu 
„Erbuntertänigen" an die Scholle fesseln, Linke S. 297 f. Bernhardt 
von Hryssenbürg — wollte, die personen von Trautnaw solten auch 
im grabe kniend wie andere pawern (als erbunterthanen) schweren, 
sie weigern sich, denn sie wären der 3. stand und weren inanni. — der 
burggraf hat ausgesprochen, das die von Trautnaw man weren und 
ihr kon. mai[estet] erbunderthane, daß sie daher stehendig schweren 
solten, Traut. Chr. 146. 

er-burn sivv. in die Höhe heben: ob in tat in kumer we, sie 
muosten sich e. als e, Alex. 17682. darumb di lantlute zeurntin und 
mit bet si derpurtin (brachten in Aufruhr), Dal. 203, 8 (92.) 

er-lmtig* Adj. erbötig, bereit: Privilegien, di wir gnuglich 
alzeit erputig gewest zu beweisen (vorzuzeigen), Elbog. Chr. 10, 14. 
42, 40. dergleichen er sich dann auch erpütig ist, Eg. Chr. 1166. 

erb-vogtei, erb-foitei stf. Erbvogtschaft, Gericht des Guts- 
herrn, Grundherrn, über die auf seinem Grund Ansässigen. Als 
dann dise Stat Olomuncz mit einer erbfoitai ausgesaezet ist, Olm. 
Stb. 80. die alte Trautnawische erbfoitei, Traut. Chr. 218. 

erb-wappen* stn. Erbwappen, Stammeswappen: schild, e. und 
die buchstaben uinb der umbeschrift, Stb. Brüx N. 152. 

erb(e)-zeichen stn. Erbwappen: sin (Tristands) e. dar üf lac, 
(an dem schilde), Trist. 1913. 

erb (ej -zil stn. richer habe überlast — ist mir gezogen erbezil, 
Alex. 5594. 

erb-zins stm. unablöslicher Grundzins: mit parem geld und 
nit an erbzinsen, Eger Str. C. 74. abtreten iren halben e. auff die 
padstuben, Igl. Stb. III A 136 a. 

erb-zinsgelt* stn. = Erbzins: e. aufgeben u. empfahen, Igl. Str. 50. 

erden-klöz, stmn. 1. Erdscholle. 2. Erdkugel: 1. seine erden- 
klose (glebae) sint golt, W— B Job. 28, 6. 2. des erdenkloszes pauwer, 
Ack. 56, 20. 

erden ■ knolle * swtn. Erdklumpen, Erdscholle: einen bald 
vallenden erdenknollen, Ack. 37, 3. 

erd-bibunge stf. Erdbeben: doner u. geludem u. e. u. be- 
trübunge, W— B. 






erd-bidem — eren-mantel 231 

erd-bidem, -e stswmn. Erdbeben, Traut. Chr. 197. 230. in Eger 
ist es (a. 1540) schivach, aber in Joachimstal ein starkes brüllen 
gewesen, daß die berghawer haben vor grosser sorgnuss ausfaren 
müssen, Eg. Chr. 74. 75. 

erd-bidinunge stf. Erdbeben: T— B Matth. 24, 7. Btb. 16,26. 
Offenb. 8, 5. 11, 19. 

erderunge* (von ortern, örtern in nhd. Bed. erörtern) stf. 
Erklärung, declaratio: die e. deiner rede, W — B Ps. 119, 13. 

er-diez,en stv. III. laut erschallen : der walt da erdöz,, Trist. 3568. 
des Ganges vluz erdiuzet lüten schal gegen Oriente ze tal, Alex. 
19311. 

er-dingen sivv. unterhandeln, Vertrag schließen: er wert in mit 
irdingen, das si nicht furbaz. gingen, Dal. 21, 30 (2, 41). 

er-donern* swv. donnern, intonare: Nu hastu erdonert mit 
groszer stimme in das innerst or meins hertzen, Sol. 82, 4. 

er-drücken swv. zu Tode drücken: Aber der vrowen sun starp 
bei der nacht; wenne slafende erdruckte sie in, W — B Kön. 1113,19. 
der tot, der in tausend weisen tegleichen die unseligen leut ertruckt 
(rapit), Sol. 9, 6. 

er-dimsten* (dunsten sivv. dampfen) sivv. e. werden = aestuare: 
wenne er gesetigt wirt, wirt getwungen (arctabitur), wird erdunstet 
(aestuabit), W— B Job. 20, 22. 

er stn. ere stn. (Wig. m.) Erz, Eisen: der stein, zurinnet von 
der hicze, wirt in ere vorwandelt (in aes vertitur), W — B Job. 28, 2. 
Ex. 27, 2. 

ere stf. Ehrerbietung, Verehrung; Ansehen, Ruhm; Ehre, Ehr- 
gefühl; Sieg, Herrschaft, Geivalt, personifiziert: vrowen Eren amis 
üz, erkorn, Trist. 61. als daz, eren wirt vermac, W. v. W. 309. 

erech-tag (= er-tag, erich-, erigtag) stm. Tag des Kriegsgottes 
Er, Eor, Hern, Dienstag: erechtag, Chr. v. Elbog. 26, 28. eritag, 
64, 32. eritztag, 126, 10. 

Ere -gerne gebildeter Eigenname (der die Ehre liebt): der hies 
pehemisch Cztyrad, duwcz Eregerne, Böhm. Chr. 13. 

erein (= erin) Adj. ehern : noch mein vleisch ist erein (aenea), 
W — B Job. 6, 12. derselben seulen houpte sullen werden guidein u. 
gründe (bases) erein, Ex. 26, 37. e. topfe, Ex. 27. 3. ein erein rein, 
Igl. Stb. V 172 c. 

er- eischen swv. 1. erfragen. 2. erheischen*, erfordern* : wie 
unser notturft eraischt, Chr. Eger N. 1123 S. 300. so sich aber eraischt, 
1106. 1164. 

eren (mhd. auch ern) swv. erte, geert oder stv. V. ier, gearn, 
garn ackern, pflügen, arare: Nicht soltu eren mit einem ochsen u. 
mit einem esil, W— B Deut. 22, 10. Helias vant Helizeum, den sun 
Saphat ernde (arantem) in czwelf iochen ochsen , Kön. III 19, 19. 
vgl. uberaru u. ubereckern, Brunn. B. I 479. 

eren-bsere auch er-ba?re Adj. der Ehre gemäß sich benehmend: 
der junge e., der edel Bisenburgsere mit namen Borae der ander, 
Alex. Anh. 124. 

eren -kränz stm. ehrender Kranz, Krone der Ehre, Ack. 6,, 4. 

eren-mantel* stm. Mantel der Ehre: do sant ir frau Ere 
einen e. und einen erenkrantz, Ack. 6, 4. 



232 eren-reich — er-getzen 

eren-reich (-rieh) Adj. reich an Ehren, ruhmvoll : der erenriche 
Tristant, Trist. 6421. der e. künec Artus, Trist. 1970. der e. 
Marke, 2453. der künec, der erenriche von Norwegen, Schretel, 77. 
empflogen ist mir mein erenreicher valke (durch den Tod meiner 
Ehefrau), Ack. 10, 2. 

eren-vest Adj. (schmückendes Beiwort in Anreden) ruhmreich: 
ehrenfeste herren, Igl. Ms. 8. ewer ernvest und herlichkeiten vor- 
fahren , Eg. Chr. S. 4. ewer ernvest (Bürgermeister und Rat) — 
ewer ernvesten und Weisheit zu eren, S. 5. einem emvesten rathe 
zu Eger, N. 7 S. 12. 

erer (auch erre, erre) Adj. Steigerung von er, früher. Die 
4 Schichten im Bergbau heißen in Iglau und Böhmen, Mahren: erer 
tagschicht, loser-tag-, erer nacht- und loser-nachtschicht. hat (habt ihr) 
das beweist mit scheppen, die auf dem perkwerk scheppen sint — , das 
es drei erer tagschicht ledig (ungebaut) ist gelegen, Igl. Bgr. 82, 2. 
neque in eisdem laboraverunt infra tempus, quod vulgariter dicitur 
drei erer tagschicht, 82, 1. 

er-eugen, er-eigen (= er-ougen, -öugen) sivv. vor Augen stellen, 
zeigen: den schacht sie gepawet haben, also lange, pis das in got 
etwas dereugent hette erezes, Igl. Bgr. N. 5, 3. wir verhoffen — 
unser freiheit — und rechtspruch zu erewgen (nachzuiveisen), Elbog. 
Chr. 43, 18. ferner: bergwerk — wo sich der einigerlei auf gedachten 
gründen ereigten — vorbehalten, Traut. Chr. 113. i26. 253, s. er-augen. 

er-gän, -gen stv. red. unreg. ; refl. zu Ende gehen, verlaufen, 
bis zu Ende reichen: die mass hett sich wol ergangen nach des 
ganges lenge, Igl. Bgr. N. 50, 1. den perg (sein Maß) czihen, als 
verre er sich dergen mag, N. 57, 4. nu hoff ich, er (der zu messende 
Berg) muge sich nicht ergeen von der ersten stuffen wegen, 57, 4. 
al min ungemach muoz, ergän — ich wil iueh ze einer muoter hän, 
Alex. 8905. 

er- geben stv. 1 1 trans. heraus-, wiedergeben; Rechenschaft 
geben; fahren lassen, in jemandes Gewall geben; refl. sich zeigen, 
sich strecken; sich ergeben; kraftlos niedersinken: daz, die beide beide 
sich mit valle ergäben uf den plan, Trist. 1753. 

er-gellen stv. I 3 aufschreien, ividerhallen: vil bellender hunde 
drö schadet harte deine, sunder daz, alleine daz, sie von ir bellen 
von siegen dicke ergellen. Alex. 1872. 

ergern swv. 1. verschlimmern, -schlechtem, 2. zum Bösen reizen, 
ärgern, refl. 1. schlechter icerden*, 2. Ärgernis nehmen an (Gen.): 
ab — ein ding — sich czukunftielick pessert ader ergert, der genies 
ader schade geet auff den, der es kaufft hat, Const. III 6, 1. 

ergerunge stf. 1. Verschlecliterung, 2. Ärgernis, Anstoß offen- 
diculum : 2. das Michol im (David) wer czu einer e. (in scandalum), 
W— B Kön. 1 18, 21 ; Ps. 68, 24. der da isset durch di ergerung (der 
da ißt, obgleich er Anstoß nimmt), T— B Römer 14, 20. an e., Btb. 
24, 16. 

ergest, ergist Sup. von arg: do di Lanttirn (— die von Lucko) 
ir ergistes sän (daß es ihnen schlecht ging), Dal. 62, 28 (32, 25). 

er-getzen (ergazte, ergetzet, ergazt Kausativ, zu ergeben) 
swv. 1. vergessen machen, 2. entschädigen, vergüten, m. Äcc. ge- 
xvöhnl. Gen. oder Satz, 3. erfreuen. 1. Du wilt, daz sie der muter 






er-getz-ligkeit — er-hebung-brief 233 

(deren Tod) ersetzet werden, Ack. 34, 1. ergötzen = 2. wettmachen, 
Eger Cbr. N. 1069. ir und al, die in der weide sin, ergetzent mich 
niht des herren min, Alex. 8960. 

er-getz-ligkeit stf. 1. Vergütung. 2. Belohnung : zur ehrlichen 
e. — etwas zusammengetragen — uns zu ertgetzen, Igl. Ms. 24. 

ergetzunge stf. Vergütung, Erkenntlichkeit, Belohnung: czu 
ergeczunge (im Text fehlerhaft ergeczeugunge, hier Unterstützung) 
desselben gepeudes (der Grube zum Czappenschu), Igl. Bgr. N. 11, 2. 
zu widerstattunge (der notdorfft der stat) u. auch etwas zu 
einer e. u. auch dadurch, das sich die handwercker u. die gancze 
armut in derselben stat mochte desterpass generen, Aussig. Urkdb. 
N. 147. 

er-giez,en stv. 111 ausgießen, in eine Form gießen, refi. sich 
verbreiten: ich dergiezze mich mit gedenken (ego in transitoriis 
animo diffundor, Sol. 5, 35. 

er-glesten (Prät. erglaste) swv. aufleuchten, glänzen: des 
morgens, dö die sunne ergleste, Alex. 6027. 

erg-lich, -en Adv. in böser Absicht: das silber des keisers 
muncze deuplich und erklich entpfremden, Igl. Rspr. XVI. 

er-graben stv. IV. künstlich in Stein oder Metall graben, 
gravieren: di dergrabenen pilde (sculptilia), W — B Jer. 51, 52. 

er-gralmüsse * stn. caelatura, das Gravieren, Steinschneiden: 
noch dem e. edler steine (caelatura gemmarii), W — B Ex. 28, 11 = 

ergrabunge stf. Gravierung: Und ein ergrabunge („Kolo- 
quinten") ouf dem lebs (labium) gienk uinme das mere, W— B 
Kön. III 7, 24; Par. II 2, 7 u. s. Und die e. was cz wischen den 
fugen u. czwischen den crönleinen u. den gelenken waren lewen 
u. ochsen u. cherubim, Kön. III 7, 28 u. 29. s. auch kele. 

er-haft Adj. ehrenhaft, glanzvoll: kunstreich, edel, erhaft, 
fruchtig, ertig und alles was lebet, musz von unser (des Todes) 
hende abwendig werden, Ack. 16, 2. — e. vielfach geschrieben für 
e-haft s. d. 

er-hähen stv. V erhän, erhienc, erhie, erhangen = er/mn^ren : 
als sie derhangen wurden, Hier. 173, 5. den — rauber — hat man 
derhangen, Igl. Stb. IV 18 a. mit dem seibin baste — erhink er 
sinen gevatir, Dal. 86, 6 (34, 101). 

er-hähemisse* stnf? Erwürgung, suspendium: Umb dicz dink 
hat erweit e. mein sele u. mein gepeine den tot, W — B Job. 7,15. 

er-hauwen, er-houwen stv. 1. aushauen. 2. stechen. 3. durch 
Hauen gewinnen. 4. refl. sich durchschlagen: ist der gank under 
sich derhauwen (verhawen E), das 2 reder u. me sckechte sind in 
das tiefste gevallen, Igl. Bgr. N. 75, 1. 

er-heben stv. IV. u. swv. das st. Part, auch erhän 1. erheben, 
erhöhen. 2. beginnen: der do sitzet auf dem hohen erhebten stul 
(solium elevatum), Sol. 80, 34. von dem milden Bolezlabin wil ich 
dirre red irhebin, Dal. 79, 15 (32). er erhuop sich manheit unde craft, 
Alex. 5665. sie niemer derhaben und uffgenumen hat wen als vil, 
als oben geschriben stet, Igl. Rspr. V. 

er-hebung-brief* stm. Stiftsbrief: als das in des vormelten 
Spitals e. alles begriffen ist, Olm. Stb. 72. 



234 er-hebunge — er-kennunge 

er-hebunge stf. (exaltatio nur DFG 214 a u. Evaug. L 1, 14 ; 
Br. st. 8a, Germ. 18, 97, Heiligsprechung, Dom. 66, 80). Erhebung, 
Aufschlagen der Augen, extollen tia: dem du entnimst e. seiner äugen, 
Sol. 30, 23. noch des heiligen creutztag der erhehung, Kreuz- 
erhöhung, Elbog. Chr. 106, 11. 

er-heischen (= er-eischen swv. Prät. auch st. iesch. Part, ge- 
eischen) sivv. erfordern: das si — so sich zu bürgerlichem wesen 
nicht erhaischt (paßt) zu gezenk und aufruer befleissigen , Elbog. 
Chr. 66, 25. 

er-hellen stv. 13 1. intr. ertönen. 2. trans. durch Geräusch 
aufwecken: 1. Und wenne der schal der busounen lenger erhillet u. 
zubrochner (et concisior) u. in ewer oren dirreiset, W — B Jos. 6, 5. 
die erde gegen — der trachen — ätem erhal., Alex. 21608. 

er-höehen, er-noehen swv. erhöhen, erheben: frewet euch und 
derhocht euch (frohlocket*), T— B Matth. 5, 12. 

er-lioehuMge stf. Erhebung; Selbstüberhebung, exsultatio: ieg- 
lich solichen derhochung (ivohl derhoehung) di ist übel, T — B Brief 
Jakobus 4, 16. 

erholen sivv. 1. einbringen. 2. Versäumtes nachholen, gut 
machen, bes. im Gerichtsverfahren. 3. erquicken. 4. refl. sich er- 
holen. 5. sich besinnen. 4. Ob her in versäumet an keinem (irgend 
einem) seinen rechten, das her sich des derholen mochte mit im oder mit 
eim andern (vorsprechen), Igl. Str. 227. es lautmeret auch der fur- 
sprecb, ab er sich vorsaume ader irre in der Sachen, das er dem 
selbschuldigen muge seine sache erholen und widerprengen, Const. 
IV 10, 5. da du erholtes dinen tot (fandst), Alex. 13826. 

er-holunge * (= holunge) stf. iteratio, restauratio juris vel 
revocatio verborum. Von der holunge. In allem aide mak icz- 
leicher mensch e. haben äne die banteidingen = erholunge habere 
potest nisi in judicio peremtorio, Igl. Str. B. 29. 

er-jeten stv. II Praes ergite = von Unkraut reinigen, das 
Gute vom Schlechten scheiden: sin herze losheit was erjeten, W. v. 
W. 3245. 

er-jungen swv. tr. u. refl. verjüngen: du erjungest mein grae 
har gleich dem adlar, Sol. 103, 22. 

er-kalten sivv. kalt werden (auch in übertragener Bedeutung) 
so derkalt di lieb maniger T— B Matth. 24, 12. 

er-kennen swv. erkante -kande; erkennet, erkant. in der Bed. 
beschlafen: Adam vorwar erkante Evam sein housvrowe; die en- 
phieng u. gebar Caj'n, W— B Gen. 4, 1; = verstehen, Sol. 1, 24. da^ 
ich iu rede tuo erkant, bekannt mache, Alex. 3221. 

er-kenner stm. Erkennen Nu muss ich dich erkennen, mein 
e., Sol. 1, 24. 

erkentnüsse stfn. Einsicht: kunst der e. (discernendi) under 
dem heiligen u. dem unheiligen, W — B Lev. 10, 10. die stad auf 
unser erkentnusz zu pesseru, Elbog. Chr. 46, 16. 

er-kenmmge stf. 1. Erkenntnis. 2.* Bekanntschaft, die Ver- 
wandten, (cognatio): Ge aus von deirn lant und von deiner der- 
kennung, T— B Btb. 7, 3. 1. got ze haben in di derkennung = die 
Erkenntnis Gottes festzuhalten, T— B Römer 1, 28. 



er-kerren — erkriegen 235 

er-kerren stv. I 3 einen lauten Ton von sich geben, aufschreien: 
der gast die swin e. hiez, und üf die erde läz,en, Alex. 21284. 

er-kiesen stv. III. erkös, 2. erküre, PL erkurn, Part, erkorn. 
1. erwählen. 2. gewahren. 3. ersinnen, erfinden. 2. ob sie (die 
messer mit der snur) die warheit nicht erkisen mugen, Const. 1 10, 1. 
sie ketten trost an in {den beiden Knaben) erkorn (gefunden), W. 
v. W. 5289. ein newer erkiester (stv.) rat, Traut. Chr. 91. 

er-kiesmig stf. Erwählunq, Wahl: e. des bürgermeisters, Traut. 
Chr. 92. 

er-klagen sivv. 1. durch Klagen kund tun. 2. dadurch erwerben 
vor Gericht. 3. gerichtl. belangen, bes. auf Schadenersatz: 2. er- 
standene recht u. echte — erstanden u. erclagt haben, Mind. Egerl. 73. 
daz, er siner sünden sich gein gote erclagete inneclich, Trist. 3168. 
ich habe mich also vom rechten genomen und mich des an die ober- 
keit — erclagt, Elbog. Chr. 77, 9. wie wol sich die von Elbogen 
irer beswernus an di k. m. erclagt, 106, 21. 

er-klautoen (v. klüben, klouben, kliuben) swv. pflücken, stück- 
weise auflesen und dadurch gewinnen : Alle dis rede von den czehen 
geboten, als si gescriben sint, hat bruder Johannes von der ygla 
gelesen u. erclaubt aus der hailigen schrift u. hie czu einander 
bracht, Job. v. Igl. 

er-klengen (auch erklenken, Prät. erklancte; Part, erklenget, 
erklenket) swv. erklingen lassen (machen): dort manic pusin unde 
hörn wart erklenget gröze mit schalbserem döz,e, W. v. W. 1537. 
floitirer u. rotsere die erclancten mange süeze note, 1426. al den 
werden bevom helle schalbseriu hörn manic meister do erklancte, 
1390. czuhant erclengte her die busounen ouf dem perge Effraim, 
W— B Kichter 3, 27. 

er-klengunge* stf. Das Erschallenlassen, das Erklingen, clangor: 
der tack der dirklengunge u. der busounen, W— B Num. 29, 1. 

erk-liche Adv. ekelhaft, unangenehm: waz, in der meister an 
gerief oder e. bestieg (unangenehm anfuhr), Alex. 1675 s. erg- 
lich. 

er-komen s. er-quemen. 

er-kösen swv. refl. sich besprechen, unterhalten mit einem: 
sie solten üs üf den plan die frouwen sich e. län durch ir sunder- 
lich gemach, W. v. W. 1571. güetlich ich mit im erkoste (nicht 
refl*), wol mich sin rede tröste, 6936. Und dorumme vortrage ich 
nicht meinem munde (non parcam) u. wil mich e. mit der pitterkeit 
meiner sele (confabulabor), W — B Job. 7, 11. 

er-kösunge* stf. Unterhaltung, eloquentia: mein e. dir nicht 
sei swer, W— B Job. 33, 7. 

er-krenken (= krenken) siov. auch rückuml., schwächen, zu- 
nichte machen : tut er des nicht, erkrenket (wohl zu lesen er krenket) 
sein recht damit, Chi. VIII 24. 

er-kriegen swv. bekriegen, erstreiten, mit Gewalt erringen: 
wer iht erkriegt, der het im daz., Alex. 27121. er Alehern alczumal 
irkrigt (eroberte), Dal. 166, 2 (73, 22). bis er sie (die stat) irkriet hette, 
Dal. 107, 25 (47,19). Herzog Meska erkriet di purk (pruk Jir.) czu 
Präge und das gancz lant bis zu Wischrad, Dal. (35, 11). 



236 er-krigen — er-leuchten 

er-krigen stv. II erlangen, ericerben: dö die (richtuom und 
ere) der man erkrigen hete — do brächen die este, Alex. 25948. ir 
habt den hoesten zu erkrigen, 25994. daz, er hat so hohen pris er- 
krigen, Ef. 43. sin hant beten im den pris erkrigen, Trist. 2055. 
Tholomeus (Ptolomäus) eren vil ercreic, Alex. 27149. 

er-külen (er-küelen) sivv., erkuolte, erküelet = abkühlen, sich 
erholen: das dirküle der sun deiner dierne, W — B Ex. 23, 12. 

er-külunge (erkuolunge) stf. Abkühlung, Erholung, Ruhe, 
refrigerium : das ist mein e., W — B Js. 28, 12. vinden werdet ir e. 
ewern seien, Jer. 6, 16. 

er-kimden swv. Prät. erkunte kundtun : si derkunten (meldeten) 
Jhesus, T— B Matth. 14, 12. 18, 31. 

er-kündiget* Part. v. erkündigen (= erkunden, kunt tun) 
Adj. = kundig, Traut. Chr. 12. 

er-lachen swv. auflachen: bie mit erlachte — Lifrenis, Trist. 
3888. 

er-län s. er-läzen. 

er-langen swv. 1. unvers. langweilen. 2. sich sehnen, ver- 
langen nach. 3. trans. erreichen: 3. wenn unser herr der kunig 
wol zu erlangen ist gewest, Igl. Bgr. 85, 3. dennoch mocht ich 
sein höchstes lob mit nichte Verlangen (genügend aussprechen) noch 
in keiner weis berüren, Hier. 5, 22. uns sol des wol erlangen, daz, 
wir lcesen unser gevangen, Alex. 19749. 

er-laub stmn. (= urloup, -bes) hier Erlaubnisschein*: das 
jemandt brieffe oder erlaube in des reiches forste geben weren, 
Mind. d. Egerl. 18. 

er-laufen (=er-loufen) stv. V. refl. sich zutragen, verlaufen: wi 
sich die sachen (Streitigkeiten) czwischen bis uf den heutigen tag 
e. u. ergangen haben, Budw. Urkdb. N. 354. tr. einholen: er hat im 
bei nacht sein sitz Codaw erlaufen (überfallen), Elbog. Chr. 15, 15. 

er-lä^en red. V.: erlassen, unterlassen: ir solt michs herre, 
e., solicher rede gegen mir mäz,en, Alex. 566. und michs ir miune 
doch niht erlät, 382. er erliez, seinen bruder czu einem fursten, 
Böhm. Chr. 25. 

er-ledigen sivv. frei machen: des volkes, das er erlediget hat 
(quem redemit), Sol. 99, 38. 

er-legen swv. niederlegen, stürzen; aus-, ein-, hinterlegen: die 
Schweitzer und des kayser Maxymyliany folck erlegten den Vene- 
digern alle ire macht, Traut. Chr. 34. 

er-lemen swv. lähmen, lahm machen: an fliegen und an henden 
erlernet, Alex. 21188. 

er-lengen swv. verlängern, zerzögern : Sol. 94, 25. 

er-lengern swv. verlängern, hinausschieben: das geleit 8 teg 
erlengert, Eg. Chr. 382. 

er-leschen stv. 1, 2 erlöschen (eigentlich und bildlich): das er 
den achten thag hernach todes erloschen, Eger. Achtb. II 207. 208. 

er-leuchten, er-liuhten swv. trans. erleuchten; sehend machen; 
intr. aufleuchten: zwen man in derleucbten gewande (in glänzenden 
Kleidern) T— B Luk. 24, 4. von ir zierde daz, velt erlühte, Alex. 
6137. 



er-leuchtikeit — ermen 237 

er-leuchtikeit* stf. (vom Adj. erliuhtec, glänzend), Erleuch- 
tung, luminatio: der aller liecht ein vater ist u. aller e. anevank, 
Const. I. Vorr. 2. ewer erluchtigkeit (Ernst und Albrecht von 
Sachsen) Elbog. Chr. 156, 1. 156, 2. 

er-leuterung* (von erliutern, erlütern) stf. Erläuterung, Aus- 
führung im einzelnen: was erleutterung den di herrn thuen, wollen 
wir, das ir euch zu beiden seit dar nach haldet, Elbog. Chr. 91, 20. 

er-lich Adj. berühmt, ehrenvoll: e. künec, Alex. Anh. 1214. 
e. kint, Anh. 2037. 6 erlicher Macedö (= Alex.) Anh. 1832. sie 
besatzten die tore mit erlicher ritterschaft Anh. 1810. 

er-liche, er-leichen Adv. ehrenvoll, prunkvoll: suntage u. feier- 
tag erlich feiern, solempniter, Const. IV 17, 7. wi erleichen wir 
leben mitten unter disem bösen gesiecht, Sol. 65, 25. erlicher sterben 
ich wirbe, den ob ich hinne verbrinne, Alex. 9316. enphaugen so e. 
ern wart noch so riebe in der starken Babilone, Alex. Anh. 1985. 

er-ligen stv. 111. erliegen. 2. ablassen. 3. durch Liegen zu 
gründe gehen: 3. ein alten erlegenen zech (durch Nicht-Bau er- 
trunkene Grube), Igl. Mut. 4. 

er-liuehten s. er-leuchten. 

er-loesimge stf. Erlösung: mein derlözung (liberator meus), 
Sol. 2, 16. si pat unsern herren, das er legte ire wege czu einer er- 
losunge seines volkes (ut dirrigeret viam eius ad liberationem populi 
sui) W— B Judith 12, 8. di derlosung seinez, volkes, T — B Luk. 
1,68. 

er-lüchtikeit s. er-leuchtikeit. 

er-lusten swv. ergötzen, erfreuen: mit aller meiner krefte, di 
sich in dir erlustet, Sol. 35, 12. dorin er sich mit got mit tifen 
sinnen suszicleich erlustet, 1, 7. 

er-manen siov. 1. ermahnen. 2. an etwas (Gen.) erinnern. 
3. antreiben: so dicke ez sie ermante, swan sie an in blickte — u. 
gedähte : ei wie dieser man glich dime friunt gebären kan, W. v. W. 
5605 ff. 

er-inannen sivv. ein Mann sein, werden, Mut fassen: Willehalm 
der ermante uf genäde er behaute, W. v. W. 2690. 

er-martern (martern) sivv. martern, peinigen: Howora — der- 
marterte den fursten pei dem allermeisten, Böhm. Chr. 34. 

ermec-heit, ermekeit, eruikeit (armec-, ermec-heit) stf. Elend, 
Armut: ermikait derleiden, entbehren: T — B Philipper 4, 13. ich 
waiz, — dein e., Offenb. 2, 9. ir höchst ermkait, IL Korinther 8, 2. 

ermel stm- Ärmel: ein pest par ermel und 7 stuk slayer, Igl. 
Stb. V 181a. ein rots damaskens par ermel und czwai grünseideue 
par e., V 281 d. ein rauchs par e., V 275 a. si (Zwingl und Müntzer) 
wären gewis, das inen weder schlissen noch schlagen schaden solt, 
sondern sie wolten alle kugel, die aus den puchsen auf sie geschossen 
wurden, one schaden in die erbl. auffallen, Eg. Chr. 55. 

er-melden swv. (Prät. -melte, -malte) angeben, verraten: habe 
ich dem treulossen und meinaidigen Huner Thoma eiu tag ermelt; 
ist aussen pliben, Eg. Chr. 382. 

erinen (Prät. armte) sivv. arm machen: got ermet morgen 
riehen man, Alex. 39. 



238 er-merken — er-reizen 

er-merken (merken) sivv. achtgeben, beobachten, beurteilen, 
erkennen: wollen wir (König Wladislaw v. Böhmen) in gnaden er- 
mercken, Eg. Chr. 1180. 

er-mördern (er-niorden, er-morderon, Prät. erinorte, ermurte) 
swv. ermorden: das er in also jeninierlich ermördert hat. Eger. 
Acktb. II 214. 

er-inoviereii (e. = baneken) swv. tummeln, refl. sich erlustigen: 
daz, er alle morgen — ze velde se niä^e reit — und sich ermovierde, 
Alex. Anh. 583. 

ern, eren stm. Fußboden, Tenne; stn. Erdboden, Grund, zu 
lat. area: sie hat kein beweisunge, das si in eime sulchen erne eine 
vreiunge sullen haben dorinne, Stb. Brüx X. 305. 

ern(e)st-lieke, -liehen Ädv. 1. gerüstet, kampfbereit. 2. mit 
Ernst, Eifer: 2. das gott in seinem wort ernstlichen geboten, das 
man den sabath heili" 1 halten sol, Igl. Ms. 7. wahrhaftig, wahrlich: 
T— B Matth. 23, 28. 26,24; Luk. 3, 3. 4,23. 6,33. 12,39; Mark. 
14, 21. e., der geist ist bereit, wan daz, fleisch ist krank, Matth. 
26, 41. e. der stein was gar gröz,, Mark. 16, 4. e., ein ding ist not- 
durftig, Luk. 10. 42. 19, 23. e. sie swigen, Luk. 23, 56. e. gewerlich 
sag ichz, euch, Matth. 5, 18. 13. 17. 

er-offen, er- offenen sivv. eröffnen, kundmachen: do wurden 
deroffeut alle dise wort, T— B Luk. 1, 65. 

er-offenung stf. Eröffnung. Offenbarung: geist der Weisheit 
und der e., T — B Epheser 1, 17. e. {Erscheinung) unsers herren 
Jhesu Kristi, I. Korinther 1, 7: Offenb, 1, 1. tag seiner deroffenung 
zu Jsrael, Luk. 1, 80. tag der e. des gerechten urtail Götz, 
Bönier 2. 5. 

er-quemen, erkomen stv. 12 erschrecken: sie so sere erquämen, 
Ernst 3690; Trist. 2841; Seth erquam. Legende 321. 

er-quicken (auch erkücken) swv. trans. und refl. neu beleben, 
vom Tode erwecken: und wist nicht wider derquicket (non respirabis 
ultra), unez bis du wirst vorwustet mit in (extermineris), W — B 
Judith 6, 4. 

er-quicker* stm. Neubeieber, Erquicker: gantz mechtiger e., 
aufhalter unde yernichter des wesens = Gott, Ack. 58, 5. 

er-rechen, er-recken Prät. errahte, erreckete swv. 1. erregen. 
2. erstrecken, ausdehnen, bewähren. 3. durch Strecken erreichen, er- 
langen, got wolt sin craft e., Alex. 11 142. ir eilen mit swerten 
errecken, 14067. 3. das si — erez derrechent haben, Igl. Bgr. 
N 5, 3 u. 5, 6. 

errecher = eher, äher stn. Ähre : T — B Matth. 12, 1. 

er-reglich* Adj. geeignet, zur Zustimmung zu bewegen: zu 
solcher ihrer erreglichen ansuchung (eindringlicher Bitte), Traut. 
Chr. 244. 

er-reiten* (v. reiten = rechnen, berechnen; auf zählen, bezahlen) 
sivv.: wer erreitet di spehenden vornunft der himel? Quis enarabit 
coelorum rationem ? W — B Job. 38, 37. 

er-reizen (er-rei^en) sivv. aufreizen: der czorn des herren 
wart erreiezet in das volk (concitatus), W — B Num. 11, 33. bis das 
sie (Drahomir) die heiden auf die cristen derreiezte, Böhm. 
Chr. 27. 



er-sam — er-schiuhen 239 

er-sain Adj. ehrenvoll, ehrbar, gut eingerichtet: di ersame erde 
terram egregiani, W — B Deut. 4, 22. das vas — das ersame (vas 
gloriose) W— B. Freu dich ersanier man eines reinen weibes, frewe dich 
reines weib ersames mannes, Ack. 12, 18. Ist das ersamer (so teurer) 
sun ist Effraini mir, ob es ist ein czartes kint (filius honorabilis) W — B 
Jer. 31, 20. bis eresam (esto gloriosus), Job. 40, 5. Herr burger- 
meister, e. weiser herr lgl. Mut. 16 a - c. ersamb, weiser herr burger- 
meister 17. den ersamen weisen herren burgermeister, eldisten 
u. geswaren, lgl. Bgr. N. 80, 1. den e. weisen herren rathmannen, 
scheppen u. geswarn 83, 1. 92, 1. 89, 1. 77, 1. ersamer, wol weisen 
gunner, 107, 1. den ersamen friczen Russwurm, 84, 1. mit dem 
ersamen Hansen, ewern mitgesworn, 83, 1. Daruinb bitten wir eur 
ersame Weisheit mit allen fleisse, 51, 5. euer ersamen fursichtigkeit, 
lgl. Ms. 6. ersamen weisen und liben freunde, lgl. Rspr. V. e. weisen 
u. lieben gunner IV, wir bitten euer ersam Weisheit, V. so bitten wir 
euer ersame Weisheit, III. e. weis liben frunde (= Bürgermeister und 
Rat), Elbog. Chr. 38, 23 ; lgl. Ms. 6. ersamer weiser gunster herr 
burgermaister, 3. e. w. g. gebietende herren, 3. 4. 5. 6. 8. ehrsame 
liebe herrn, 8. einem ersamen hochweisen rat, 3. zwen ersame des 
selben klosters muniche, Hier. 206, 17. 

er-samen* swv. ehren, glorificare: u. ersamen wil ich sie 
(glorilicabo) u. nicht werden sie vorswachen (attenuabnntur) W — B 
Jer. 30, 19. in dir werde ich geersamet, Js. 49, 3. alle die sie er- 
samten, Klagen Jer. 1, 8. 

er-samig Adj. = er-sam. die ersamige frauwe, Hier. 176, 7, 
176, 20. 177, 1. 184, 7. der e. einsidel, 221, 2. lernet ewer iungen 
tage mit ersamigen werken tugentlichen cziren, 194, 7. 

er-sam-keit (auch ersamecheit) stf. dignitas, honorificentia: 
kunigliche wird u. e., lgl. Str. B. S. 193. nu pit wir ewer e., lgl. 
Str. 247. als wir des czu ewerer e. guten vertrauen haben, Stb. 
Brüx N. 371. du e. unsers volkes (honorificentia populi nostri), 
W— B Judith 15, 10. ewer e. (Ratsherrn), Eg. Chr. 1081. 

er-schauwern* sivv. (von schür, -e, schour, -e stswm. Unge- 
ivitter, Hagelschauer), Vernichtung, Unwetter hervorrufen: erschawer 
mit den blitzen (fulgura coruscationem, Sol. 2, 31. 

er-scheinen swv. zeigen, beweisen: als er ez, (daß er sie liebe), 
wol erscheinete, Trist. 315. ein siufzen da erscheinete (zeigte sich), 
1491. die vrouwen ouch erscheinende wären clegeliche not, 6782. 

er schellen sivv. erschalte; erschellet, erschalt; ertönen lassen: 
wenne her e. wirt die busoune (cum coeperit clangere bucina), W — B 
Ex. 19, 13. die vogelin ir süez,en sanc erschalten üf dem rise, Alex. 
Anh. 539. mit Geräusch zerbrechen, spalten: Davit erschellet im 
(Goliä) sin hirne, Alex. 12976. 

er-schellunge* stf. das Ertönen, Erklingen clangor: ist aber, 
das die e. lenger u. mit vellen underscheiden (prolixior atque con- 
cisus) erhillet, so sullen sie bewegen die bürge (movebunt castra), 
W-BNum. 10, 5. 

er-scheuhen s. er-schiuhen. 

er-schiuhen, er-schiuwen Prät. erschühte, scheu machen: ob 
die unser ros erschiuwen, Alex. 12437. 



240 er-sckrecken — er-spiln 

er-schreekeu stn. (vonstv. erschrecken; er-sckrecke swm. nur 
Voc. 1482): Und ewer vorckte u. ewer erschrecken sei nher alle tir 
der erden, W— B Gen. 9, 2. 

er-schrecknus stn.* (erschrecknis stf. Jer. n. Vec. 1482) das 
Erschrecken: vor verebten des e., W — B Gen. 45, 3. 

er-schreck-sal* stn. Schrecken: do begriffe das e. gotes die 
umbligenden stete, W — B Gen. 35, 5. Und Isak erschrak mit grossem 
e., Gen. 27, 33. mit vorchten u. mit e. geiaget (tremore et metu 
agitati), Judith 15, 1. 

er-schreckimge stf. Schrecken, terror: W — B Jer. 31, 21. 

er-schreien stov. zum Rufen, Schreien bringen: er merke die 
zit — daz, er das swin erschreiet habe, Alex. 21274. 

er-sclirieken (er-schricte, -schrihte; erschricket, erschriht) sivv. 
trans. und intr. erschrecken: so dicke ez sie ermante, swan sie an 
in blickte, das sie vor liebe erschrickte, W. v. W. 5607. 

er-senürben* von schürfen, schürpfen) swv. durch Schürf auf- 
schließen, ein neu erschurbten gang (= neuer sehr otenen), Igl. Mut. 3. 

er-schüten {auch erschütten Prät. erschutte, erschotte) sivv. 
trans. und refl. erschüttern, schütteln: wann alles mein gebein 
derschutet sich u. vorkranken und mir meine fuzze, Hier. IG, 21. 

er-seten (= er-saten, -satten, setten) sättigen: dersetet werden 
wir mit solcher deiner susz, Sol. 58, 9. wenn ich es — das höcliste 
Gut — besitz, so wirt ersetet alle begierung meines hertzen, 32, 37. 
ich wirt ersetet, 3, 28. 

er-seufzen (er-siufzen) swv. ersüfzte, intr. aufseufzen: Tot 
bin ich und erseuftz (suspiro) noch dem Leben, Sol. 7, 23. er sach 
auf in den himel und derseufzt, T— B Mark. 7, 34. sin herz er- 
siufzete, Trist, 772. er ersüft, Alex. 13841. 

er-sitzen stv. 11 — 1. sitzen bleiben. 2. trans. durch Sitzen er- 
werben: ersessen angeezaigte gewehren u. gerechtikait eines erib- 
stollen — benemen. Igl. Bgr. N. 77, 3. 

er-slahen stv. IV. nieder-, zerschlagen, totschlagen, Part. 
erslagen = verzagt; wort e. = Worte ertönen lassen, refl. mit Schlägen 
angreifen : do er hört, daz, was erslagen der buregräve an untriuwen, 
daz, kund in lützel riuwen, Alex. 9158. nit derslah (du sollst nicht 
töten) T— B Matth. 5, 21. 

er-slahung* stf. Schlachtimg, Tötung: gefurt als daz, schaff zu 
der derslahung, T— B Btb. 8, 32. wir sein gemaz,t als di schaf der 
e. = wir sind wie Schlacht schaf e geachtet, Kömer 8, 36. 

er-sleichen, er-sliclien swv. schleiche7id an etwas kommen, 
überrumpeln : den sie (Minne) mit süez,er minne enphät und sin 
herze mit liebe ersuchet, der ist sselden immer gerichet, Alex. 3911. 

erslingen Adv. nach rückwärts, mit dem Bücken voran: letz- 
licli haben sie ein ströern man in des Juden cleiden angezogen und 
erszlinge zum fenster heraushangen lassen, Traut. Chr. 52. 

er-sneiden, er-sniden stv. II auf-, zerschneiden: al nach des 
wäpenrockes siten sin covertiur alsam ersniten, W. v. W. 7276. 

er-snellen sivv. ereilen, erwischen: pris e. Alex. 10940. 

er-spiln swv. spielen: in dem turney e. manigirlei, Dal. 188,15 
(84, 32). 



er-spiimen — ersten 241 

er-spiiineii swv. durch Spinnen erwerben: was sie clerspiimen 
ausserhalb — der arbeit, das sol ir sein, Igl. Stb. V 165 b. 

er-sprengen swv. ersprengete, ersprancte, 1. springen lassen. 
2. lossprengen, aufscheuchen. 3. auseinander sprengen. 4. beendigen. 

2. manec heiden wert ersprancte (setzte in Bewegung) ir ros üf der 
ouwen ze eren des landes frouwen, W. v. W. 1393. die Kriechen 
wolden durch strit e., Alex. 12349. die ros sie vaste ersprancten, 
3628. manic rote lieht ersprancte, 12859. 

er-spürn swv. ausspüren, erforschen: Ist das die grundvesten 
der erden mugen werden erspuret under sich (investigari), W — B 
Jer. 31, 37. 

erst Sup. von er (auch noch erest, erist), des ersten 1. sobald 
als. 2. zuerst, vorher: 2. der same — sei denn des ersten in dem 
ertrich alczumal (gänslich) gestorben, Hier. 42, 21. 

er-stan s. er-sten. 

er-staten swv. ersetzen: was im an den 20 sh. abgeet, das wil 
er im derstatten, Igl. Stb. V 36b. 

er-statung stf. Erstattung, Ersatz: so wil ich des genomen 
Schadens e. und vorlegt haben, so hoch mag erkant werden (der 
Schaden berechnet wird), Elbog. Chr. 79, 16. 

er-stecken (erstahte; erstecket, erstaht) swv. ersticken machen, 
suffocare: ich begreif ir kinne u. ich ersteckte u. vorterbte sie 
(suffocabam), Kün. I 17, 35. die dorn — erstecken den samen, T — B 
Mark. 4, 7. trukait u. geitikeit ersteckent daz, wort, Mark. 4, 19. 

er-steigen swv. 1. aufsteigen machen. 2. durch Ersteigen er- 
obern. 3. ersteigen, durch höheres Angebot erwerben: 2. wie man 
uns (unsere Stadt) e. meinte, Stb. Brüx N. 379. 

er-steinen swv. zu Stein werden, verhärten, verstocken, vor 
Verwunderung erstarren: lip und herze ir wären ersteinet von der 
unmacht, Trist. 6529. 

ersten, erstän stv. IV. 1. intr. offen stehen. 2. sich erheben. 

3. auferstehen vom Tode. 4. entstehen; trans. 5. erwecken; 6. vor 
Gericht erwerben. 7. ertragen: erstanden gelt, Brunn. R. II 193. 
231. Ein armer man hatte auf einen scheppen gelt erstanden, 
Igl. Str. 105. Was erstandens gehles in der purgertavel stet, das 
mag ein man beweisen, das her es hab vorgolten, denne mit 
scheppen allain, 100. Was man schult erstet in den pantaidingen, 
das schol man gelten in drein tagen, und an dem virden tag so 
schol der richter pfandes darum helfen, 101. der purge (Bürge) 
schol auch in 14 tagen vorrichten, was man auf in derstet, 184; 
umme gelt, das her e auf in derstandeu hat, 186, umb gelt, das 
in tafel derstandeu stet, 56, 186. daz, sein bruder nem daz, weip 
und er erste den samen seinem bruder (soll ihm Nachkommen- 
schaft erwecken), T — B Luk. 20, 28; Mark. 12. 19. ich derste (mache 
lebendig) es an dene iungsten tag, Joh. 6, 39. ich derste in an dem 
iungsten tag, Joh. 6, 40. Lazarus den er het derstund , Joh. 12, 9. 
Got derstet euch einen weissagen von ewern brudern, Btb. 7, 37. 
3, 22. er derstet die toten, Matth. 10, 8. do er Jhesum derstund, 
13, 33 u. 13, 34. di Juden derstunden (reizten) und bewegten di 
sei der haiden zu dem zorn wider di bruder, Btb. 14, 2. der da derstund 
unsern Herren Jhesus Krist von den toten, Römer, 4, 24. Das clagten 

Jelinek, Wörterbuch. Iß 



242 §rsten-lich — er-swingen 

die Polen vor dein pabste über die Pebem und erstunden das recht 
über sie {bekamen ihnen gegenüber Recht), Böhm. Ohr. 44. 

ersten-lich * Adj. erstklassig, best: den auch Abraham gab den 
zehenden von den erstenlichen (besten 11. Bibel) dingen (den Zehenten 
von der vornehmsten Beute) T — B Juden 7, 4. 

er-st erben stv. I 3 absterben, sterben (Gen. causae): ob daz, 
waizenkorn nit derstirbt, T — B Job. 12, 24. 

er-sterben swv. Frät. ersterbete, erstarpte, töten: wie er in 
möht e., Alex. 26674:. den wolt er gar verterben und an dem libe 
e., 1016. er wolt daz, volc e., 2500. die fröide wiltu mit jämers 
site hiute an mir e., 10400. so wurde mit dir ersterbet vil künste 
und guoter sinne, 8486. sselde an den Kriechen ist ersterbet, 7071. 
daz, ir die vinde ersterbet, 7570. da sin (Christi) süez,e menschlich 
art — an dem criuze ersterbet wart, 4516. sit daz, er (Aleides) ist 
ersterbet, 3768. daz, ez, (das ros) me dan hundert der liute hete 
ersterbet, 1713. 

er-stickunge* stf. Ersticktes: daz, ir euch enthabt (enthaltet) 
vor dem blut und vor der derstikkung, T— B Btb. 15, 29. 

erstikeit (erstec-heit) stf. Erstheit, Anfang: auch wir selb, di 
da haben die erstikait des geists (die Erstlinge des Geists, primitias 
spiritus habentes), T — B Körner 8, 23. 

er-stinken stv. I 3 zu stinken anfangen, in Fäulnis über- 
gehen: dar nach irstunkin czwei tusint menschen vil drat, Dal. 
231, 27 (107). der rabe (Xoes) kam auf ein äs, daz, uf dem velde 
erstunken was, Alex. 11266. 

erst-ling stm. Erstling von Tier und Pflanze, primitiae, 
primogenita : die erstlinge, die sie geloben, die hab ich dir gegeben, 
W — B Isum. 18, 11. die e. von deinen rindern und deinen schafen, 
Deut. 14, 23. traget die garbe der eher, die e. euers snites, zu dem 
priester, Lev. 23, 10. in den erstlingen, Esd. DI 13, 31 ferner 
nil07ab, vil erstlinge getreides u. weines, 11172 a. 

er-strecken (Prät. erstracte, erstrahte) swv. ausdehnen, hinaus- 
schieben: wip verseret herze erstreckent ze höher steige rihte, 
W. v. W. 1263. 

er-süchen (er-suochen) swv. aufsuchen; von einem zu erfahren 
suchen, erforschen, ergründen: dersuch di schritt und sich, daz, der 
weissag nit aufstet von Galilee, T — B Joh. 7, 52. 

er-süchter* stm. Erforscher, Prüfer: sie wissen, daz, ich bin 
ain dersuchter, der herezen und der lanken (der Kerzen und Nieren 
erforscht), T— B Offenb. 2, 23. 

er-sundern* swv. trennen, absondern: die beiden Knaben waren 
ersundert u. ir wonunge underscheiden, W. v. W. 4725 f. 

er-süz,en (er-süez,en) swv. süß machen: Dein suszikeit hat 
sant Stephan di herten stein ersuszet (dulcoravit) Sol. 57, 26. mit 
dem tawe seines heiligen geistes ewer hertze dersussen, Hier. 69, 1. 

er-swarzen sivv. (nur icenig belegt) schwarz werden: Meine 
hant ist erswarezet (denigrata est), W — B Job. 30, 30. 

er-swingen stv. 1 3, schwingend in Bewegung setzen. _ 2. ab- 
streifen. 3. im Schivung erreichen : die umbe falsches frien in strite 
ir menlich eilen durch räche erswingen wellen, Alex. 12234. da 
erswungen sie ir lide an den burgseren sunder fride, Ernst 3027. 



er- tag — er-vseren 243 

er- tag, irtag stm. Dienstag: Eger Chr. N. 100. egerl. und in 
südd. Mundarten noch heute erta neben däinsta; au dem möntag, 
an dem ertag, an dem mittwochen, Eger Str. MU 2; Eger. Chr. 1025 
S. 210. 1030 S. 223; Traut. Chr. 87. an dem eritag, Elbog. Chr. 64, 32. 
eritztag 126, 10. 

er-teidingen* swv. durch Prozeß etwas erstehen, ein Recht 
darauf bekommen = ersten : Wie man vorlorn pfennige e. sal mit 
rechte, Igl. Str. 221. 

er-teilen swv. durch Urteil zuerkennen, verurteilen zu: Tristan, 
dem wart erteilet daz, rat, Trist. 3149. 

erte-reieli, ertreich, -rieh stn. (bair.-österr. verkürzt ert-rich) 
Erde, Erdreich : wie sie ackern das ertereich, Ack. 53, 16. du vindest 
noch vil reiner frumer frawen auf dem e., 16, 12. den tieren des e., 
37, 19. so das wisse alles ertreich, W — B Kön. 1 17, 46, = terra, 
Chr. v. Eger N. 1125 S. 302. 

ertig (ertec) Adj. von angestammter guter Beschaffenheit : kunst- 
reich, edel, erhaft, fruchtig, e. u. alles, was lebet, muss von unser 
(des Todes) hende abwendig werden, Ack. 16, 3. 

er-trachten sivv., ertrahte; ertrahtet, ertraht. 1. zu Ende 
denken, ergründen. 2. ersinnen: in richelicher ahte sinen heim sie 
im ertrahte, W. v. W. 7268. 

er- trinken stv. I 1, 3 austrinken, ertrinken, bergm. durch 
mangelhafte Wasserhaltung überschwemmte Zeche, Grube, Bergwerk. 
Es ist ein aldes dertrunkes perkwerk ledik gelegen manik iar u. 
mangen tak. Do wart ein erbstolle eingevarn in eine dertrunkene 
czech, do stund das wasser bis an den tag. Des wart die czeche 
durchslagen u. wart getreugen und wurden genge etleich czeit 
dorinne gehawen, Igl. Bgr. N. 74, 1. die grübe czu dem staine 
ertrank, nachdem und man das wasser in der grübe czu den golt- 
smiden auflies gen (sich sammeln ließ) N. 68, 2. in unser dertrunken 
gepirge, 76, 4. des Stollen maister quam in einen dertrunken 
schacht, 71, 1. erez, das ertrunken ist (submersum), Const. II 4, 3. 
Die Gewerken des mit Ertrinken bedrohten Berges können verlangen, 
daß ihnen nach 3 tagiger Klage vor dem Berggerichte die sie, 
tränkenden Lehen oder Berge zugeeignet icerden: si (die urborer 
sullen — wenn binnen 3 Tagen nicht Abhilfe getroffen ivird — di 
silbergruben mit dem wasser, das do trenket, den gewerken, die 
ertrinken wollen, czueigen, Const. II 3, 7. Welich lehen di (gesworne 
lute) besagen, das si di andern trencken, di sal man czu den andern 
eigen in drien tagen , di heissen drie lange schicht , D I R 6, 2 
U — A 8, U — B 16, Schemn. Bergr. 5. s. treugen, eigenschaft u. erb- 
gebirge. 

er-trücken, er-drücken. 

erunge stf. Verehrung, Ehrengeschenk: ein blech der heiligen 
erunge, laminam sacrae venerationis W — B Ex. 39, 30. si sauten 
seine poten hinwider lere und äne e. (sine honore) vorwürfen sie 
sie, Judith. 1, 11. einem czu liebnüsz u. erung icht senden, Eger 
Str. C. 3, 13. do ersten die herren Przyemisl mit gross erunge, 
Böhm. Chr. 7. 

er-vseren swv. (md. erveren, Brät, ervärte, Bart, ervseret: 
1. überlisten, betrügen. 2. in Gefahr bringen. 3. erschrecken. 4. be- 
iß* 



244 er-varn — er-volgen 

trüben, erzürnen: 3. der koufman wart ervseret, W. v. W. 5154; 
dö wart sie (Maria nach der Begrüßung durch den Engel) ervseret, 
ir meitlicli kiusche beswasret, 2820 f. er gedähte, daz sie ervaeret 
würde u. beswaeret, ob er ir die wärbeit sagte, 764 ff. was fürsteu 
in der werlde sin e. sieb des namen din, Alex. 14738. des solt er 
sieb nibt e., 7166. gäber antwurt im gebrast, wan sie bet des 
strites last des tages ervaeret, 14395. sie hete sin knnft ervaeret 
und also sere beswaeret, daz, sie volgten sinen Worten, 2581. — 
st* Prät.: und do derfur wir uns gar eigentlicb untereinander (wir 
erstaunten), Igl. Stb. II 80 b. 

er-varn stv. IV. 1. reisen. 2. unpers. widerfährt, icird zuteil; 
trans. 3. durchziehen. 4. treffen, erwischen, überfallen. 5. kennen 
lernen, erforschen, erfahren : 4. Des derfur der keyser die Pebera auf 
dem felde, Böbni. Chr. 68. 5. das die Steiger nicht umb falsch 
messunge, als anderswo derfarn ist (sicut visum est alias), her- 
noch gestrofet werden, Const. I 9, 4. refl.: ich hab mich des ervaren, 
Hier. 25, 13. Ich halde (dafür) in der warheit u. und habe mich des 
wol erfaren, 40, 16. u. do derfur wir uns gar eigentlich unter ein- 
ander u. derfuren under uns, das der Ulrich Lulleich — schuldig 
was u. schuldig ist, Igl. Str. 10, S. 60. 

er-varnkeit, * derfarnekeit* stf. Erfahrung: experientia, 
Const. 1 11, 3. 

er-farnusse (er-varnisse stfn. nur Voc. G20a belegt) stf. das 
mau dises rechten volle derfarnusse habe (plena experientia habeatur), 
Const. IV. 7, 1. 

er-varunge stf. 1. Durchioanderung. 2. Erfahrung. 2. Und 
do Aman — das mit e. (experimento) hette geprufet, W— B Esther 
3, 5 ; = Ausforschung, Erkundigung, Chr. Elbog. 53, 37. 58, 6. ver- 
schobner urteil entschidung und e. 59, 22. 147, 42. 

er-vechten stv. 1 2 erkämpfen, refl. sich abmühen um etwas : 
so tritt und erfaht sich auch der Pawle Holzfogl der 20 seh. groß, 
die darauf verschriben sind, Igl. Stb. III 195 b. 

er-veiz,ten swv. feist machen: daz, bercz diez volkz, ist der- 
faiz.t (verstockt), T— B Btb. 28, 27; Matth. 13, 15. 

er-vellen Prät. ervellete, ervalte, Part, ervellet, ervalt swv. 
zu Falle bringen; verführen; niederwerfen, erlegen; refl. sich durch 
einen Fall töten : an dem ervelten volke, Alex. 6676. stanc von den 
ervelten äsen, 3704. 

er-vinden stv. 13 1. ausfindig machen. 2. bemerken, erfahren. 
3. refl. gefunden werden. 4. ein Urteil finden: perait u. willig 
erfunden werden, Igl. M. 5 u. 6. 

er-vindung stf. 1. Findung (Fällung) eines Urteils, Ent- 
scheidung 2* Auffindung: 1. sintemal das si das noch k. m. 
(majestet) erfindung und recesz — gepawet haben, Elbog. Chr. 61, 22. 
— nach des hailigen creuzes e., Traut. Chr. 174. 

er-vliegen stv. III. im Fluge erreichen: die valken ervlugen 
mangen wilden ant, Trist. 1141. 

er-volgen swv. hier: die rechtl. Zusprechung eines Gutes er- 
langen: nimant tut dem andern unrecht, der sein pilleiches recht 
ersteet u. ervolget, Const. IV 7, 2. 



er-vollen — er-wegen 245 

er-vollen swv. 1. erfüllen. 2. befriedigen. 3. den Anspruch 
auf ein Gut genügend erweisen, es zugesprochen erhalten : 1. do ich 
von nimant ervollet wart = implebar, Sol. 32, 32. 

er-vorcht s. er-vürchten. 

er-vorschen s. er-vurschen. 

er-vreisen siov. 1. in Schrecken versetzen: vel stride (viele 
Kämpfe) wurden in Behem irvreiszt (durchgefochten), Dal. 130, 3 
(58, 50), wenn nicht erreiczt = erregt, zu lesen ist. 

er-vriesen, derfrisen stv. III erfrieren: ob die armen in 
frostes not derfrisen, Hier. 35, 5. 

er-vreuwunge* stf. Freude: ein iczlicher betrübter hat der- 
frewunge unter bekanten, Böhm. Chr. 4. 

er-vugen* (=vüegen, vuogen) swv. zusammenfügen, verbinden, 
wohin schicken; bewerkstelligen, ermöglichen, gestatten: desz sich her 
Sebastian willig erpewt zu erfugen, Elbog. Chr. 39, 9. 

er-vülen swv. vül, faul werden, faulen: als die blum, di do 
wechset ouf den paum u. zuhant erfulet (marcescit), Sol. 8, 20. 

er-vüllen swv. (md. ervullen) Trat, ervüllete, -vülte, Part. 
er-vüllet, -vült, -vult. 1. voll machen, erfüllen. 2. Befohlenes, Ver- 
sprochenes erfüllen: 1. nu meint der perkmeister zu Sent Andres, 
die zwai leben, die im apgangen sein auf das stolnort kegen Sent 
Jörgen, das man im die sulle derfullen auf den andern Stollen kegen 
den sechslehen werts, Igl. Bgr. Nr. 58, 6. das meinen gebrechen der- 
fullen werde des gute u. des volkomenheit, Hier. 2, 3. 50 seh. g. 
sol er im czuhandt entrichten in pargelt und das uberig sol er im 
erfüllen mit getraid mit riech oder mit gelt, Igl. Stb. V 199a. 

er-vüllunge stf. Erfüllung, Befriedigung: di kirchen, di da 
ist sein leip und sein derfullunge (sein Leib und die Fülle dessen, 
der in allem durch alle erfüllt wird), T — B Epheser 1, 23. unez daz, 
di derfullung (die Fülle) der haiden ingieng (ihr Übertritt zur 
christl. Kirche erfolgt ist), Römer 11, 25. von seiner d. emphiengen 
wir macht, Joh. 1, 16. 

er-vürchten unregelm. swv. Brat, ervorchte, Bart, ervorcht, 
intr. und refl. den Mut verlieren, sich fürchten, tr. befürchten; in 
Schrecken setzen: an den kemenaten was kost nicht ervorcht 
(gescheut) Ernst 2376. sie het ein crankez, ouge ervorht, sold ez, 
daz, haben gesehen von gezierde liechtez, brehen, Alex. 12328. 

er-vurschen (= er-vorschen) swv. erforschen, Elbog. Chr. 124, 16. 
erfurst, 31, 29. 32, 30 u. s. 

er-wallen stv. V. 1. in Wallung geraten. 2. aufkochen, sieden. 
3. überfließen: 3. sin ougen sus erwielen, daz im die treher vielen, 
W.v.W. 2732 f. 

er-wecken Brät, erwacte, -wahte, Bart, erwecket, -waht) swv. 
erwecken, erregen: sie wolden domit die Pehem czu streite e. (auf- 
reizen), Böhm. Chr. 100. 

er-wegen stv. 1 1 (Brät. md. nach IV. erwüc, erwügen) 1. in 
Bewegung setzen : ze den tafeln der herre erwegen schuof amptliute, 
die ir phlegen solten, W. v. W. 1299 ; refl. mit Gen. 2. auf etwas 
verzichten : der (meines Landes und meiner Habe) erwsege ich mich, 
e ich verkür diu clären kint, daz, süeze wip, 2719 f. 3. sich wozu 
entschließen: nü hsert, wes er sich het erwegen, 2027. er erwac 



246 er-wegen — er-werfen 

sich auch der buoz,e, Alex. 19823. diu küneginne, diu sich süez,er 
minue gegen dem herren hete erwegen. 4019. sie het sich alles des 
erwegeu, des er mit ir wolde pflegen. Trist. 757. der fürste sich 
erwegen hat, niht verre von einem bürgetor steic er al den sinen 
vor, Alex. 20580, ich het des genzlich mich erwegen daz, ich minne 
mit triuwen phlegen gegen im mit stseter liebe wolt, Alex. 20321. 
der sich durch pris hete e. daz, er torste gegen vinde riten menlich 
nach wirde striten, 11 094. er vermeint zu erbegen. si wider keiser- 
liche und konigl. Privilegien und verschreibung abzulesen, Elbog. 
Chr. 86, 35. die frouwe het sich kost erwegen (sich es etwas kosten 
lasse7i) W. v. W. 2271. 4. sich zu entziehen suchen: der sich der 
5 pfund (Strafgeld, Wandel) erwegen wolt, der scholl 20 pfunt haller 
geben, Eger. Str. A I 2, B 4. 

er-wegen sicv. 1. erregen, in Aufregung versetzen, zum Kampfe 
aufbieten: ez enwirt daz volc gar erweget unde daz diu lantschaft 
den hac zerbreche mit kraft, W. v. W. 5919 f., daran iu wol genüeget 
— baz dan ob ir het erweget al iuwer lant durch sie erreget, 6363 ff. 
die (Streiter) er verre hat erweget, Alex. 10687. daz, volc — ist ze 
strite durch in erweget, 10704. die roten — als die sin kraft het 
erweget und mit brieven mohte besenden, 9912. ein engel erwegete 
daz, waz,z,er, Legende 790. er wolte die gertelin niht e. von der 
stet, 623. aufrur gein denselben ewern hern zu e. , Elbog. Chr. 
122, 30. da sie hetin läge geleit und vil gutir czu dem tode irwegit, 
Dal. 44, 1 (12, 20). 2. anregen, anstiften, Elbog. Chr. 122, 30. 123, 28. 
124, 4. Ob zu a oder b zu stellen?: erewegen — zeigen, dartun, 
Chr. v. Elbogen 43, 18. refl. sich stürmisch bewegen, tosen: das sich 
erweg das mer (tonet mare), Sol. 2, 28. 

er-wegen pari. Adj. 1. entschlossen, unverzagt. 2. ausgezeichnet, 
erprobt: die beiden frö und erwegen, W. v. W. 160. uns komen dort 
die beide erwegen, Ernst 3067. vinde gar erwegen, Alex. 1739. 

er-welt part. Adj. (von. er-weln svw., erwalte, erwellet Part. 
er weit) = ausgezeichnet: einen sun mit namen Saul, ein erweiter u. 
ein guter, W— B Kön. 1 9, 2. 

er-welunge stf. Erwählung. {verlesen für entwelung (Wohnung), 
T — B Epheser 2, 22). di e. (das Hecht, die Ratsherrn zu wählen) sal 
bleiben bis auf weiter Schaffung — konigl. m., Elbog. Chr. 61, 29. 

er- wenden sivv. (erwante, -de, erwendet, erwant) 1. rück- 
gängig machen, abwenden. 2. mit Akk. der Pers. abhalten. 3. mit 
Dat. und Acc. entziehen. 4. refl. aufhören. 2. das sie den edeln 
Wenden nihte mohte erwenden noch ziehen von dem muote {seinem 
Vorhaben), \V. v. W. 1127. 1. Krist erwende mir die klage, die 
ich unergetzet trage, ob ich der triuwen rechte tuo, 67S0f. iedoch 
erwante in der jagt sin guotez, ros — daz, under im darnider viel, 
Alex. 20031. sin gemüete er senften wolde (Alex, hätte Philotas 
begnadigt), daz, erwante Aminctas 18383. 

er-werblich * Adj. durch Gewerbe erworben: dieweil sie (die 
becken) auch unter mir und meinen erben oder nacbkomen ihre 
erwerbliche nahrung auch gute überhaben künden und mochten — , 
Traut. Chr. 244 unten. 

er-werfen stv. 13 1. zu Tode werfen, steinigen. 2. gebären, 
fehlgebären : 1. mit steinen sol in erwerfen das volk (obruet), W — B 



er-wem — er-wüscheu 247 

Deut. 21, 21 ; Ex. 19, 13. ob ich nvt hinder mich springe, so erwerfen 
sie mich, Ales. 20598. der von der müre (von der Mauer herab) 
erworfen wart, 3695. 

er-wem swv. tr. und refl verteidigen, behaupten, sich erwehren: 
also erwerten und strafften die von Eger diesen iren feind, Eg. 
Chr. 35, S. 30. 

er-wildcn swv. 1. tuüd werden, verwildern. 2. refl. mit Dat. 
entfremden, von jemanden trennen*: 2. sol ich läzen dich und sol ich 
mich erwilden dir, W. v. W. 966. 

er-winden stv. 1 3 hier : ablassen : ich erwinde niht, ich vol- 
vüere diz kleit, als ez her ist geleit, W. v. W. 811. ich bit iuch, 
daz ir erwindent, 1039. nü du der (vart) wilt erwinden niht, 1.150. 
her Tristant niht e. wolde, er und sin swager kerten dar, Trist. 
1164. 

er-wirdig Adj. ehrenwert: Ir erwirdiger ritter suftzet u. klaget, 
Hier. 98, 21. seinen erwirdigen tod sagen, Hier. 17, 5. 

er-wirdigen sivv. (Part, mit und ohne ge-) 1. ehren, honori- 
ficare. 2. glücklich preisen, benedicere. 1. so hastu mich erwirdigt 
u. gehöht in allen creaturen , Sol. 52, 16. das du si erwirdigst mit 
deinem bilde, 53, 35. 2. darumb musen dich e. deine heiligen, 66, 38. 
dem (hl. Geist) wol zimlich ist, das er angebetet u. geerwirdigt 
werde 86, 30. den ich erwirdig mit allem meinem hertzen, 87, 16. 
den got, der himel u. erden geschaffen hat, den muszen e. himel u. 
auch erd, 88, 16. dich muszen e. alle creaturen, 90, 26. 

er-wirdikeit stf. du herr, unser e. = honorificentia, Sol. 66, 39. 
di ganz e. des menschen, glorificatio, 99, 31. 

er-wischen sivv. erwischen, ergreifen: Und also erwischte Saul 
sein swert und viel dorein, W — B Könige I 31, 4; Par. 1 10, 4. Phinees 

— erwischte ein swert, Num. 25, 7. er rackte ous seine hant u. der- 
wischte das swert, das her sluge seinen sun, Gen. 22, 10. do e. her 
sein swert, Richter 19, 20. Und do sie derwischten den kunig, do 
fürten sie in czu dem kunig von Babilon, Jer. 52, 9. Do derwischten 

— die szwen süne Aarons ire rouchvas, Lev. 10, 1. alczuhant er- 
wischten sie in u. erwürgten in in dem wege des Jordanes, 
Richter 12, 6 u. ob imant den andern bei seinem eelichen weip 
erwischt, ist das er sie beide toten wil, er ruf den richter u. den 
schepfen darzu u. slach durch sie beide einen pfall, Prag. Rb. 87. 
domit derwischte er (der Böhynenkönig) den keyser pei seinem goller 
und saczte im das messer an die keie, Böhm. Chr. 83. er hat von 
dem alter ein crucifix erwuscht, Eg. Chr. 13, S. 20. 

er- wundern swv. 1. Wunder tun. 2. refl. sich verwundern*: 
Ich erwunder mich der hoch des reichtums deiner Weisheit (ex- 
pavesco et obstupesco), Sol. 69, 18. 

er-wünsclien (Prät. erwünschte, Part, erwünscht) sivv. ivünschen, 
durch Wunsch verschaffen: da hielt der helt in strites ger als er 
erwünschet (durch Zauber festgebannt) wsere, Alex. 9357. menlich 
er üf die planie hielt als er erwunschet wsere, Alex. 3551. in größer 
zuht stunden sie und vroelich gebaeren, als sie da erwünschet wahren, 
Alex. Anh. 1890. 

er-wüscheu s. er-wischen. 



248 erze — er-zeigung 

erze (auch erze) stn. Erz. In Igl., Kuttenberg , Deutschbrod 
kurz am „Haberer Steig" war Säberbergbau, also Silbererz. Andreas 
Sterly in seiner Gesch. der kgl. Kreis- und Bergstadt Iglau sagt 
darüber, daß die Gänge in den Iglauer Gebirgen „meistens gegen die 
Mittags-(S), wenige nur gegen die Abendstunden (W) streichen. So- 
viel die Gesteine aus den alten und netteren Halden zu erkennen 
geben, habe das Erz aus hexaedrischem Eisenkies, pyramidalem 
Kupferkies, derbem tetraedrischen Kupferglanz, größtenteils aber aus 
hexaedrischem Bleiglanz, von rhombo ethischem Quarz und pris- 
matischem Baryt begleitet, bestanden. Agricola bemerkt, daß die 
Erze in den Iglauer Gebirgen nicht sehr reich an Silbergehalt 
waren, aber desto häufiger einbrachen. Indessen zeigten die Proben 
aus dem 17. Jh., daß damals ein Zentner Bleischlich im Durchschnitt 
über 2 Mark an Silber geliefert habe. — Das ercz der grübe czurn 
czappenscb.uk (in Kuttenberg) bat wochenleich gegolten bei 2 — 8 
marken, Igl. Bgr. N. 11,3. nach Ausweis des Urbarbuchs habe es 
20 und eine Woche 25 Mark getragen, ebenda, was in got ercz 
in denselben leben bescbert, es sei ercz, kiz, perk, gank ader wie 
das mit sunderleichen Worten benant mag werden, das pbennige 
gilt oder geben mag, davon scbullen sie unsrem berrn dem kunig 
dinen u. geben in seine muncz ain acbtail, das di urbar ist genant 
u. des leiers czwaiunddreissigtail, Igl. Bgr. N. 11, 2. — Maßwürdig 
ist das Erz in einem Gange, wenn das von mindestens zwei ge- 
schworenen Häuern oder unter ihrer Aufsicht daselbst gehauene, 
versiegelt zur Hütte geführte Erz und zwar „ein bitz (U — B 8), ein 
gebaufte bar-erezes (D I B 13, 3 EF) einen vierdung gutes geplicktes 
silbers über die buttenkost gibt, Vgl. maz,Tvirdig (U— B 8. DIB 13, 3. 
Const. II 2, 2. Spr. N. 1, 8. 2, 9. — Über Verteilung des gewonnenen 
Erzes, der Ausbeute, an die Gewerken s. erz-teiler. — Gegen be- 
trügerisches Verschleppen von Erz, um es der Urbar zu entziehen, 
haben die, zu diesem Zwecke vom Begalherrn in Eid genommenen 
geschivornen Grubenamtleute (bes. Steiger, Zimmerleute und vor allem 
der Urbarer) aufzutreten: Es sullen auch sich alle leute hüten 
fleissielich bei vorlisnusse aller irer teil, das sie kein ercz aufheben 
ader ausfuren, ee man in den. berg misset, an der urborer sunder- 
liche laube, Const. DI 1, 3. — Über das von Lehenhäuern am Ende 
ihrer Lehenschaft noch nicht aus der Grube geförderte, gegrabene 
Erz bestimmen die Const. III 6, 18 : Ist aber, das das ercz derselben 
wochen, in der sich endet die hinlassunge, nicht ausgeezogen ist, 
nur dasselbe mugen die besteer (= Lehenhäuer) czu in fechsnen; 
was aber erezes von der vodrigen wochen vor dem geendeten czil in 
der silbergruben pleibet (außer durch ehaft not gezwungen), das 
haben sie vorlorn. — Lonen mit ereze — soll man allein die bulgen- 
macher, erezscheider u. die, die czeit und stunden künden, Const. I 
7, 16. Doch muß dieses in unverhüttetem Zustand gegeben werden 
und so doch zur Einlösung gelangen. Später (Joach. B 0. Art. 42, 
Zus. Art. 3 u. 8 von 1525) müssen alle Löhne in guter Münze ge- 
zahlt werden. Das Trucksystem ivird hierbei bekämpft. 

er-zeigung stf. das Erweisen, ostensio: so must ich dein Ver- 
handlung mit vehdliche erzaigung zu widerstatung bringen (durch 
Fehde rächen), Eg. Chr. 118S. 



erzeneien — erz-kauf 249 

erzeneien (erzenien, erzenen, erzen) sivv. heilen: er hat ge- 
ertzeneiet alle gottes erweiten, Hier. 4, 8. 

er^enie stf. Arzenei: kein e. im tochte (half ihm), Trist. 6319. 
dem neuen siechtum newe ercztnei bereiten, Const. IV 7, 3. 

erzet-pfennig* stm. Erzanteil an der Ausbeute eines Berg- 
werkes: Hat er (der gewerke) aber einen verweser uff dem berge, 
der sein ertzetpfemiige einnimet u. kost for ine gebet, D I R 22 a, 3. 

er-zeugen, erziugen (mhd. er-ziugen) 1. machen lassen, bestellen, 
die Kosten wovon bestreiten. 2. hervor-, zustandebringen. 3. beweisen, 
bewähren. 4. durch Zeugen überführen. 1. brautmess — vrumen 
oder erzeugen durch sprechen oder singen , Eger Str. A 5. 3. daz er 
haz den goten treit, das erziuget an im diu kristenheit, W. v. W. 
5786 f. Is enmack ouch kein prüder dem andern mit nichte gesten 
noch mit im erczeugen ; noch ein vater seime kinde, D I R III 37. 

erziehen stv. III 1. herausziehen. 2. erziehen. 3. einholen, 
erreichen. 4. * hin und her zerren W. : her im sein elich weip frevelich 
u. smehlich erczogen (= „verczogen") hett, Igl. Str. 10 S. 59. die linde 
was erzogen mit sulcher pflege, da^ sie gap vollen wint und großen 
schaten, Trist. 1156. 

er-zittern (= er-zitern) sivv. ich bin derzittert u. bin erschrocken, 
Sol. 89, 32. 

erz-kauf stm. Eines der Urbarrechte der Regalherrn, zu- 
sammenhängend mit dem ausschließlichen Münzrecht ist das auf aus- 
schließlich Edelmetalleinlösung (Vorkauf, Wechsel, losunge cambium) 
durch den Landesherrn, der sich dadurch den nötigen Metallfond 
für die Münze schuf und durch die Verpflichtung, sich allein der 
Münze zu bedienen, Münzgewinn anderer zu hindern suchte. Obgleich 
das Hecht des Wechsels zweifellos viel älter ist (in Schlesien bestand 
schon 1203 ein her sogt. Brenngaden, bei dem alles Gold und Silber 
zum Kaufe angeboten werden mußte, Urk. bei Tschoppe -Stenzel 
S. 43 u. 278; für Freiberg: Str. VI § 5, 17 u. Freib. Bergr. A§9: 
das silber gehört in dy muncze czu Friberg) wird er in böhm.-mähr. 
Quellen zuerst Const. I 21,2 bezeugt: Darnach bestetigen wir den 
erczkauffern alles recht u. gerichte, das si in iren smelczhutten von 
alder bewerter gewonheit pis auf dise czeit gehabt haben, also das 
sie das gesmelczte silber czu wechseln in unser muncze prengeu 
sullen, Igl. Bgr. N. 97, 1 u. 3: quod quidque de metallo derivatur 
sive in molendinis principaliter — sive quacumque alia vice de 
accessorio, quod vulgariter krecz dicitur, debet in cambium presen- 
tari u., 97,7: quia aurum angulose cremantes et ad cambium non 
presentantes rapti et ut juris est convicti auro perdito domini regis 
gracie subiacebunt. — Die erzkaufer sind regelmäßig die Hütten- 
herrn, Const. I 21, 2: in iren smelczhutten. In der Verordnung 
Wladislaws von i486, (Sternb. Urkdb. N 88, übersetzt S. 217) heißt es: 
wenn jemand von den Erzkäufern die Hüttenarbeit nicht betriebe 
oder nicht verstünde, soll er nicht zugelassen werden. Sie bilden im 15. 
Jh. eine Zunft, in die (nach der eben erwähnten Verordnung Wladis- 
laivs), „nur gute u. wohlverhaltene Leute" aufgenommen werden 
durften. Deren Huf war wegen verschiedener Praktiken beim Erz- 
kauf kein guter. Gegen ihre Kartellierung zum Drücken des Preises, 
daß nach Verabredung immer der folgende weniger bietet als der 



250 erz-kaufer — erz-stein 

frühere: (Also wurden die rechten kauffer mit iener listikeit czweifel- 
haftig u. gingen iren weg ungekaufft, und di hingeber vor grosser 
vordrossenheit mussten sie ir ercz umb vil minner geldes, denn es 
wert was, vorkauffen, czu grossen schaden u. beswernusse uns u. der 
urbor u. des ganczen perkwerkes) wenden sich die Const. I 21, 1 und 
bestimmen: alle die das übertreten, der gut sol allesampt auch mit 
beezignusse poser täte an widerrufen in unser camer vervallen sein. 
Der von König Georg in einer Münzverordnung von 1469 (Stern- 
berg. N. 85, übersetzt S. 203) für Leute aus dem Herren- oder Ritter- 
stande gewahrte freie Silbericauf, aber nur zu eigenem Gebrauch und 
mit der Bedingung, es nicht wieder außer Landes zu verkaufen, 
wurde wohl vielfach mißbraucht, deshalb bedroht Wladislaw 1486 
alle, die Silber außer Landes führen und nicht alles in die Münze 
liefern mit höchster Strafe an Leib und Gut. Trotz einzelner Aus- 
nahmen, bes. im Anfang des 16. Jh., wird das regale Silbereinlösungs- 
recht energisch festgehalten und so auch noch in den beiden Bcrg- 
werksver gleichen (s. d.) ivie in der Rudolf. B 0. für Schlesien von 
1577 und für Glotz von 1578, (Steinbeck I S. 223 ff. u. 229). Der 
Nutzen des Landesherrn aus diesem Recht war, bes. im 14. Jh. in 
Böhmen ein bedeutender. Kuttenberg allein lieferte damals der kgl. 
Kasse jährlich mindestens 10000 Mark Silber, König Albrecht stellt 
an K. Wenzel IL. die Forderung, ihm entweder die Urbar auf 6 Jahre 
zu überlassen oder 80000 Mark zu zahlen. Die Iglauer Bürger 
und Pächter der Urbar für Böhmen und Mähren {hauptsächlich kam 
Kuttenberg in Betracht), Baldwin und Conrad, zahlten unter Otto- 
kar IL (Sternberg N. 33) für 1 Jahr 10000 Mark. 

erz-kaufer stm. Erzeinkäufer, Const. I 21, s. erz-kauf. 

erz-marsclialk stm. Erzmarschall: hern Ernsten auch herzogen 
zu Sachsen des hl. Eom. reichs e. und kurfursten, Elbog. Chr. 157, 21. 

erz-müle swf. Pochwerk zum Zerkleinern des Erzes, molen- 
dinum. In einem Vertrag von 1317 werden in Freiberg den Vögten 
v. Plauen als Grundherrn schrotambecht, di fieischbenke, brotbenke, 
schu-benke, badestoben u. erzmulen zugesprochen. In Iglau, kurz 
mülen genannt, gelten sie wie alle Kauen, 16 Hofstätte eines Berg- 
werks, für frei und sollen freien Markt haben. Doch dehnen die 
Iglauer hier ihr Privileg offenbar unberechtigt auf alle Bergwerke 
aus; denn sonst sind die Kauen zinspflichtig dem Grundherrn. Auch 
der Landesherr, offenbar als Grundherr von Bergwerken auf Königs- 
qrund, belegte sie (zuerst das Schrotamt) frühzeitig mit einem Zins. 
D I R 25. Const. II 3, 3. Igl. Bgr. N. 26, 4; 96, 1. Schemn. Bgr. 16. 
Treib. Bgr. B § 43. s. bergvreiunge und hofstat. 

erz-selialk stm. Erzbösewicht: gerich mich an dem ertzschalke. 
dem Tot! Ack. 18, 15. 

erz-scheider*: Die e. heissen, di do ercz zu kleinen stucken 
slahen u. scheiden u. auskirnen das gute von dem posen. Di sullen 
die bergmeistere u. gewerken kisen , di si kennen in die pesten 
sein, u. sullen irer arbeit genug tun mit erze, Const. 1 19. Erb- 
stollen — sullen keine andere erzscheider u. pulgenpusser — haben 
denn di gemeinen geswornen, Const. II 4, 19. 

erz-stein stm. erzhaltiger Stein, Erz: desselben ganges hab ich 
mir lassen gewinnen ein erzstain und hab den pracht meinem 



erz-teiler — essen-geld 251 

herren dem hofmeister und enpfing von im den gang und hofft, das 
er masswirdig wurde, Igl. Kspr. VII. 

erz-teiler* stm. Dem Regalherrn ivie den Getuerken geschivorene 
Grubenamtleute, welche die Ausbeute, das von den Gewerken ge- 
förderte Metall, zu teilen hatten. Ihre Tätigkeit schildert Const. I, 
16 : Von ersten vur alle dingen sullen sie legen der urbor das achte 
teil. Darnoch (von den übrig gebliebenen : / 8 ) das neunde smidteil. 
Czum drittenmale das sechczehende teil, das uns (der Urbar im 
weiteren Sinne) angepuret aus den lehenschaften (falls solche be- 
stehen), dann den Lehenhäuern den vereinbarten Anteil und was 
erübrigt (die „Eigenschaft") wird unter die Gewerken nach Vierteln 
weiter geteilt. Weren aher das Vi 6 u. die eigenschaft nicht da (also 
wenn es keine Förderung von Lehenhäuern gibt), czuhant nach dem 
neunden smideteil sol man das uberige erez, als vor gesprochen ist, 
in vier schicht teilen. Und sullen pei dem eide, den si uns haben 
gesworn, nicht mer ader minner in merikeit ader gutikeit des erezs 
weder durch neit ader gunst dem andern teile denn ein gerechtikeit 
gehen (2). Der daividerhandeln.de Teiler soll mit Schmach abgesetzt 
werden (3). Sie sullen haben korbe, domit man teilet, di gleich sein 
durch alles unser bergwerk u. di von alder gewonheit bewert sein. 
Und sullen auch die czeit und stunde der teilunge, als ir ampt an- 
gehört, mit allem fleis halden, also das nichtesnicht muge irer 
saumpnusse czugesachet werden (4). Sie sollen — wie die Bulgen- 
macher, die erezscheider u. di di czeit u. stunden künden — mit 
erez begabt, belohnt werden (5). — Jeder Gewcrke verfügt selb- 
ständig über den ihm so zugeiviesenen Anteil am erbeuteten Erz 
durch Verkauf an die Erzkäufer, die es „verhütten" und, soweit die 
Pflicht besteht, es an die Münze (Wechsel) einliefern, Const. I 21. 

es Dual von ir, schon mit Pluralbedeutung , Höflichkeitsform 
für du: es leigt = Ihr lüget, Igl. Str. (68) S. 333. 

eschern* siev. einäschern, sengen: er escherte im das laut wol 
halp, Böhm, Chr. 89. 

esel stm. Esel. Der Tod sagt zum Ack.: du bist zumal ein 
cluger esel, Ack. 27, 20. 

Esel-dorf * stn. aus E. weiser gotlink, Ack. 37, 8. 

eselinne, eslinne stf. (eselinne, eslin) Eselin, W— B Num. 22, 
27. 22, 32. di eslinge, 22, 23. 

esel-keuchel* stn. (v. kiuchel, doch dieses nur in der Bedeutung 
Küchlein von jungen Hühnern) junger Esel, pullus asinorum., W — 
B Js. 30, 24. 

esel-insezlg * Adj. einem Esel angemessen: ein eselmessig 
mülstein (mola asiuaria), T— B Matth. 18, 6. Mark. 9,41. 

eslerei stf. Torheit, Eselei: was taug sollich eslerei? Ack. 
16,1. 

esse stf. Esse, Feuerherd: in (zu) der steinen esse, Traut. Chr. 
241. 

esse-nieister* stm. Meister der esse (Esse, Feuerherd), Metall- 
arbeiter, Verfertiger, Urheber: nebeis, schauwers, regenbogens — 
einiger essemeister, Ack. 57, 2. 

essen-geld* stn, Haussteuer, Traut. Chr. 328. 



252 estelle — eussern 

estelle franz. Stern: a Testelle sente Maria sus wart daz, closter 
genant, Trist. 6804. 

Esto-inihi lat. Name eines Sonntags: vor dem suntag Estomilii 
(18. Febr.), Eg. Achtb. n 119. 

estreich, estrich = esterich von astricus, ostracus, ootgaxov 
Estrich, Fußboden von Zement oder Steinplatten, stm.: ein wenig 
der erden von dem e. des geczeldis las her dorein (mittet), W — B 
Num. 5, 17. Und her undervornirte das hous inwendik mit cedreinen 
getefil von dem e. des houses uncz bis an die höe der wende und 
bis an das obirgetefel, Könige m 6,15. ouf dem estreiche, der mit 
smaragdischen grünen mermelsteine was gestrewet (smaragdino et 
Pario Stratum lapide — pavimentum), Esther 1, 6. Trist. 2525. 

et (eht, et. oht, 6t) Adv. bloß, nur: der künec wolt et keren 
sinen haz an die stat, Alex. 3786. ist er et vor valsche vri, 1446. 

etes-lich, ezlich (ete-, et-, etes-lich) pron. Adj. irgend ein: 
über eczleiche czeit dornach, Igl. Bgr. >\ 34, 2. 

et-wan, et-wenn (ete-, etes — , et-wenne) Adv. etwan, bisweilen, 
dann und wann, Chr. v. Elbog. 23, 34. 36, 121. 2, 123. 38. vormals 
103, 23. etwenn, vormals, einst: meister Johannes von Geilnhausen, 
etwenn des keiser karls Schreiber u. iczunt czur Igla statschreiber, 
Igl. Bgr. U— A Einl. 

et-wer, et-iras, etz-was (ete-, et-, etes-wer, -wazj unbest. Fron, 
irgend einer, etwas: Ist es, das etwer anhept czu powen, Igl. Bgr. 
U — B 13. Hab ich nu gesprochen: brenget eczwas mir? W — B Job. 
6, 22. Und hab ich eczwas nicht gewost, das anweset mich, worumme 
habt ir enczogen den spruchen der Wahrheit ? Job. 6, 25. da bi 
(durch den Ring) er etiswes ermant wart, Trist. 768. 

etwe vil = ete -wie vil Adv. ziemlich viel, Chr. v. Elbogen 
30, 25. 

et- wie (ete-, et-, etes-wie) Adv. 1. irgendwie, ungewiß wie. 2. 
vor Adj. und Adv. verstärkend, ziemlich, sehr. 2. bruchig u. etwie 
vil mit sunden vant ich sie {die Leute) alle, Ack. 42, 18. u. meinet 
ich, etwi vil zu schreiben, Hier. 113. 8. Da pleib sie (die Grube) 
ligen abpeu etwi lang, das man ir nicht weidigen wohl, Igl. Bgr. 
90, 3. etwilang noch dem vorprinnen der grübe, 90, 2. Der paute 
die sechslehen auch etwilange czeit, N. 53. 8. 

etzen* swv. (auch atzen) speisen, nähren, Eger Chr. N. 1156. 

eugen (= ougen und öugen) sivv. vor Augen bringen, zeigen: 
ir wasser nicht eugent noch nicht flusset über streif noch über 
Strossen, Igl. Bgr. N. 66, 2. nachdem, als sich der gangk euget, 
Const. H 4, 2. 

eule (iuwel, iule) swf. Eule, W — B s. bei habich. 

eusrist (üssrist) Sup. von üz,er, ouz,er von üz,, äußerlich, aus- 
xcendig : ouf das eusriste teil seines rechten orn , W — B Lev. 14, 28. 

eiissern (uz,enen, uz,en, iuz,enen, iuz,en) refL m. Gen. sich ent- 
äußern, enthalten, trans. berauben: von euch (Tod) bin ich guter 
lebtag enterbet u. aller vrumbringenden rent geeussert, Ack. 4, 17. 
der guter wegen, die sich der fürste geeussert u. enteniget — der 
selben guter er sich nochmals entenigen u. eussern soll, Mind. d. 
Egerl., S. 73. wir — eusserten uns der nochgeschriben dorfer u. 
o-uter, S. 74. 



evangeliste — gäbe 253 

evangeliste sivv. Evangelist, Igl. Bgr. N. 39, 11. 

e-vater stm. rechtmäßiger Vater: den is angestorben ist von 
seinem eldervater u. von seinem eevater, Igl. Bgr. N. 100, 1. 

evern sivv. wiederholen, vorwerfen, rächen s. bei eifern. 

e-vraue, e-vrawe sivf. Ehegattin, Igl. Rspr. V. 

ewe s. e. 

e-weil) (e-wip) stn. Ehefrau, Eg. Achtb. II 204. 

ewig, ewich (ewic) Adj. ewig, von Abgaben und Stiftungen, 
die immer bestehen sollen: ewiger czins, Igl. Str. 242. 266. = Rente, 
Prag. Str. 109. ir man — beschiden bat czn getreuer hant einen 
ewigen prister, Igl. Str. 242. an sein maul u. czend mit ewicher* 
bant (vor vier Schöffen) geslagen bat, Igl. Str. (51) S. 320. 
An dieser Stelle ivohl von e und wicb, — bes Adj. geweiht, also 
Schwurhand, ein ewige mark czinses, die schol man kauffen frey 
und ledig von meinen gelassen gutern czum Spital in der vorstat, 
Igl. Stb. III 55 c. icb schaff auch ein ewige mark czins, die icb hab 
czu pirpamerbof („Birnbaumhof '") czu einem ewigen selgereth also, 
das mein sun der vorgenant die selb alle iar reichen schol Katherein 
mein hausvrawn, das si di selb mark geb durch mein sei willen 
noch irer gewissen, II 129 a. ewige mess als selgeret, Igl. Rspr. XII. 
Igl. Stb. 149 d. 

ewigilig* stn. (= ewangeli) Evangelium: als unser liber her 
Cristus selbst spricht in seinem Ewigilig, Olm. Stb. 77. 

exemplar-büch * stn. Stephan Hübners ganze historie — findet 
man klerlich im druck auszgegangen in mittel des exemplarbuchs, 
Traut. Chr. 185. 

ez,-ban* (von ez.z.en und ban 1. stfm. freier Platz in einer Flur, 
der zur Viehweide benutzt ivird, auch Erzicbbabn, Ätzbahn: in- 
mittentag seind verboten auf allen espan, damit man nicht hüeten 
solle weder küe noch schwein bei dem wandel 72 pfenninge, 
Taiding v. Friedberg 8 u. 20. 

ez,z,e-brot* stn. eßbares Brot, Traut. Chr. 196. 

ez,z,ende part. Adj. (= elende) 1. essend. 2. eßbar: 1. essen- 
des pfant, verpfändetes Vieh, D I R III 42. Ein e. pf . schol man 3 tage 
halten; lost man es danne nicht, so mag man es an dem vier den 
wol vorkaufen, Igl. Str. 109. 2. e. ding = Speisen: nichts von e. 
dingen in das pade tragen, Eger Str. C. 32. 

erlaube (ez.z,e-loube) sivf. Speisehalle, T — B Mark. 14, 15. 

ez,z,en-trager stm. Speisenträger: dapifer. Eger. Str. C. 11 u. 18. 

F siehe v 

G 

gäbe stf. Gabe, Schenkung: Das heisset eine gäbe, wann einer 
dem andern ein czimlich ding äne twang des rechten leuterlich u. 
mildicleich gibt, und wirt volpracht, wenn der geber seinen willen 
offenbart für frumen leuten. Und denn so gepurt dem geber die 
notdurft von rechte, das er die besiczunge wandel in des personen, 
der sie aufnimpt, Const. III 7, 1. gäbe unter den lebentigen, ebenda. 



254 gäbe-pfand — gampt 

So widerweren wir — die gäbe czwischen den eeleuten, von der 
erger u. ermer wurde ir eines nnder in, es were denn, das die gäbe 
bestetiget wurde mit tode ader todes wegen des gebers, III 7, 3. 

gäbe-pfand stn. Lösegeld des Gefangenen : von den gefangen g. 
nam aucb da der wigand, Ernst 879. 

gseber (geber) stm. Geber: unser not hat der g. riche bedacht 
vollecleche, Ernst. 2227. 

gabilöt stn. kleiner Wurfspieß: scharphe g. , Alex. 2463. — 
zehen tüsent mit gabiloten scharf, 6223. ein gabilötes swanc im 
durch den linken arm dranc, 9697. 13560. der Irkänen g., 13777. 

gadem auch gaden, (PI. gadem und gedemer) stn. Kammer, 
Gemach, Hier. 156, 28. 191, 11. daz, g. da sie lac diu künegin, 
Trist. 2709. 

gagen sicv. ivie die Gans schreien: die großen hüben dö die 
flucht u. gageten vil balde, Ernst 4243. 

geeke s. gech. 

ga?he-liche, -en Adv. ungestüm, heftig: daz, sie niht g. die 
vinde möhten ersuchen, Alex. 12363. s. gechling. 

gähen sivv. eilen, tr. durcheilen : dö den (zweiten Becher Weines) 
der schenke brähte, des ich auch von wege gähte (schaffte ihn 
eilends beiseite), Alex. 26396. hin gähte der kurteise, Trist. 1445. 
di winde weeten und gachten an daz, haus und es viel nit, T — B 
Matth. 7, 25. 7, 27. manig geselschaft gachten an in (eilten ihm zu), 
Luk. 5. 1. daz, si gachten an in, daz. si in rurten Mark. 3, 10. 

gähes* (nur in adv. Ausdr.: in allen gähen, stf.) Adv. 
schleunigst, W. v. W. 5088. der tot im daz, herze brach so gähes, 
Trist. 6398. 

galander stswm. Haubenlerche, Alex. 4581; Ernst 3522. 

galban stm.* (galban stn. eine Staude, Strauch, Mgb. 367, 5; 
Voc. v. 1482) galbanus, ein Wurm*: W— B Prediger 24, 21. 

gal-brunne (galg-brunne swv. Ziehbrunnen, weil die Stütze 
des Zieheimers einem Galgen ähnlich: Chr. v. Eger Js. 103, S. 65. 

galge swm. 1. Gestell über einem Zieheimer. 2. Galgen: 
2. venne ein mensch wirt gehangen an den galgen, W — B Deut. 
21, 22. 

galme* (galie, franz. galie, mlat. galeida) stswf. Buder schiff 
mit niedrigem Bord, Galeere: ein g. und ein barke, Alex. 4377. tif 
des küneges galinen, 4381. 4388. von der galinen er verwunt die 
erde (sclUeuderte seinen Speer in die Erde), 4475; Alex. Anh. 608. 
galinen und segeten sie wol berihtet heten, Alex. 24047. 

tralm (galm. PI. galme) stm. Schall, Ton: diner clage 
jämers galm — mich twinget in dem herzen, W. v. W. 1985 f. wiz,e 
lewen — begunden zesamme stoßen die houbt mit galme großen, 
Alex. 21654. iuwer worte frecher galm komt als der schür an die 
halm, 24511. 

gänien (gämen. meist goumen) sivv. 1. Mahlzeit halten. 2. W r ache 
halten. 3. acht geben auf (Gen.). 4. trachten nach. 3. der rede ist 
guot ze gamen, wie sie kämen zesamen, W. v. W. 4864 f. 

gampt* Schar: Do Sthir mit den Pragern gesampt gen den 
Lantmitern (denen aus Lucany im Saazer Kreis) ein vil ebin gampt, 
Dal. 56, 5 (19, 2). 



ganst-lich — gast 255 

ganst-lich* (von ganst stf. Wohlwollen) Adj. freundlich, wohl- 
wollend, g. an czu nenien (die Entscheidung gutwillig hinnehmen), 
Igl. Bgr. 93, 1. 

ganz Adj. sie sahen das wasser gen oder fliessen von dem 
„vreien stein" in den „alten stein" in offen kluften u. durch ganzen 
stein, Igl. Bgr. 66, 1. 

ganz-heit stf. Vollständigkeit, Vollkommenheit: einen guldinen 
cepterstap da mite er dem herren gap : siner rede ein gewisheit und 
ein volle g. (als Zeichen der Übergabe der Stadt), Alex. Anh. 1750. 
in der 1er, in g. (in Unsträflichkeit, in integritate), in keusch, T — B 
Titus 2 7. 

garbe stsivf. Garbe, W— B Deut. 24, 19. 

garbe-haus (vgl. bei Lexer gerwe-, garwe-hüs Sakristei, vesti- 
bulum und gerwe-müle, Mühle zur Enthülsung des Dinkels) stn. 
das feur — ist auskörnen in bittner Tinlins garbehaus vom flachsdern 
der Eimerin, Traut. Chr. 236, 7. 

garn stn. Garn, Faden: mit der unkeuschheit garn bestricket 
werden, Hier. 53, 1. St. Peter u. Andreas ir schif u. ir garn Hessen 
u. volgeten dem almechtigen gote, 31, 12. 

gart stm. Stachel, Treibstecken (auch bildlich): mit jaemerlichem 
garte schiere kerte der keiser dan gegen dem lande Bractän, Alex. 
14410. hert ist dir ze streiten wider den gart (es wird dir schwer, 
wider den Stachel auszuschlagen, contra stimulum calcitrare), T — B 
Btb. 9, 5. Btb. 26, 14. 

gart-brüder* Htm. Herumziehender Herrenloser, Krieger, Lands- 
knecht, die lantzknecht — welche man zum ersten blutszapfen 
nennet, diser gart brüder orden weret nach bis auf disen tag, 
Traut. Chr. 13. 

garte-eisen* stn. eiserner Stachel, aculeus: garteeisen waren 
in iren zegeln, T— B Offenb. 9, 10. 

gartian (gardiän) m. Guardian: bruder Hans, geweßener g., 
entloffen aus dem closter, Eg. Chr. 910. 

gar-zal* stf. Summe, Gesamtheit: Und Aduram was über die- 
selbe garczal dicz gesindes (super huiuscemodi indictione), W — B 
Kön. III. 5, 14. ausgenomenlich der g. (summa exceptaj, Par. II 9, 14. 
wenne du genimest die g. der kinder von Israhel, Ex. 30, 12. heb 
ouf die iarczahl (verschrieben für garczal) aller samenunge der kinder 
von Israhel durch ire mageschaft (Tollite summam — per cog- 
nationes), Num. 1, 2. 

garzün stm. (franz. garcon) Page, Edelknabe, W. v. W. 1334. 
Trist. 1160. 1209. 

gasse (gazze) swf. Gasse, platea, W — B V104d. 

gast stm. Fremder, ungesessene Leute, die in der Stadt keinen 
eigenen Herd haben und sich nur zeitweilig aufhalten, keine „Losung" 
zahlen noch sonstige Lasten der Stadt tragen, dafür auch nur Gastrecht 
genießen. Gesetzlicher Bürge für den Gast und seine Handlungen 
ist sein „gastgeb". Ihnen waren Verkaufsgeschäfte unter einander 
und mit ihren gastgeben und Wechselgeschäfte verboten, Prag. Str. 
LXXXVHI. Wer auch in der stat gerichte nicht ist gesessen u. 
kumet her zu markte in den czehen tagen (von hl. cruczes abent 
an 10 Tage war im Herbste Markt), der heisset ein gast, Igl. Str. 



256 gasten — gauch 

186. Er darf nicht Pfänder aus der Stadt wegführen, 110. wenn 
er einem Bürger eine Schuld nicht zu gehöriger Zeit zahlt, kann sich 
dieser an die Güter des Gastes in der Stadt halten, 96. loenn er 
einen andern Gast oder Bürger um Geld klagt, soll man ihm in 
3 Tagen eines vollen rechten helfen. Ein empfangenes Pfand soll 
er sofort und nur einmal aufbieten und am 3. Tage dann verkaufen, 
jedenfalls darf er es nicht aus der Stadt führen, noch einer, dem er 
es versetzt, wohl aber der, dem er es verkauft, er sei Bürger oder 
Gast, Igl. Str. 110. Der rat mit den eidern hat beschlossen — das 
man hinfur auch alhie czu Olomuncz den gesten nicht gestatten sol 
in der wachen meer denn einen tag am mittwoch zu vorkauffen, do- 
ran die geste handeln u. vorkauffen mugen, es sei einem gast ader 
einem inwoner vil ader wenig, Olm. Stb. 55. Sie sollen außer am 
Mittwoch in der Woche wein oder tunöl von gesten nicht kaufen 
wol aber von inwonern. Kein bürger oder inwoner soll für seinen 
gast dessen Hab und Gut verkaufen, sondern dieser soll es selbst 
tun. Die geste sullen sust in keinen herbergen ligen dann in gest- 
hofen. Mit ihnen sollen die inwoner keine gemeinschaft haben, 
wenn dadurch der statmaut u. andern genisen abgen möge, Olm. 
Stb. 55. sie was gedanken nicht ein gast, Trist. 695. Beivirtung*: 
seind hier gewesen : der her apt von Össigk, abt von der Töpel und 
der brobst von Kedischaw, haben zur gast gehabt die zwen Schmidel, 
Eg. Chr. N. 278. 

gasten (= gesten, Praet. gaste swv.) tr. zum Gaste machen, ver- 
gleichend beigesellen, refi. als fremd behandeln, entfremden) hier = 
Gast sein*, hospitari: wo er gastet, W — B V181b. 

gast-gebe swm. Gastwirt, Wirt: Es schol auch kein gastgeb 
mit seinem gast gemeinschaft (gemeins. Handelsgeschäfte) nicht 
haben bei 10 schok gros zu pus, Prag. Str. 117. 

gast-haus stn. Herberge, T — B Luk. 2, 7. 

gastung stf. 1. Beherbergung und Bewirtung von Fremden. 
2. Schmuck. 3. Gelage*, Festessen: 3. man sol von des newen 
pristers wegen kein g. oder Wirtschaft haben noch machen, Eger 
Str. C 22. Wirtschaft u. gastung geistlich oder werntlich, C 43. C 15. 
1. dieweil sie g. gehalten hat, Traut. Chr. 215. 

gastweis (gast-wise) Adv. als Gast: er quam czu einem unsern 
mitpurger in sein hous g., Igl. Str. 271. 

gate swm. Genosse, Gatte: das unter unvernunftigen tieren 
ein gat umb des andern tot trauret, Ack. 31, 20. 

gater mn. Gatter, Gitter als Tor oder Zaun: von eisern ein 
gatern, Olm. Stb. 117, 2. dar nach sach er einen gater. nach dem 
g. was ein tor, Alex. 24469. 24471. 24479. 1673. durch des gatern 
want, 1678. vür den gater, 1685. den gater kiez, er entstiegen, 
1696. üz dem gatern, 1699. 1664. 

gatten-hün* stn. (wohl = gater-henne: Henne, die auf das 
gater fliegen kann) dass wir banhüner (als Anerkennung und Zins 
für den Schutz, das Vogteirecht) sein schuldig von jedem haus eine 
in das Convent (zu Oblass) zu den faschang u. mehr gattenhüner 
zu den pfingsten, Chi. V 2. 

gauch (gouch) stm. 1. Kuckuck. 2. Bastard. 3. Tor, Narr, 
Gauch: 3. den ir da füerent als einen gouch, Alex. 3267. üppiger 



gaufe — ge-bau 257 

gauch, Ack. 42. 6. (Var. nach D). — 3. der Tutschir (Deutsche) si min 
gouch um czu laufin in der werlt, Dal. 149, 9 (67, 14). si tetin als 
di gouch und geisiltin sich auch {wie die Geißler), 200, 10 (90). ieder 
man tu als ein gouch und lege zcuhant sein wafin an, 164, 9 (72). 

gaufe (goufe) sivf. die hohle Hand: pfeffers ein goufen vol 
sant er dem kaiser Dario, Alex. 1948. 

gaukel-weis* (goukel-, gougelwise) Adv. in der Weise eines 
Zauberers oder Possenreißers: g. tragt ir mir vor, Ack. 14,14. 

gauuie s. giiine. 

gaum(e), gouiu (e) stf. prüfendes Aufmerken: daz, er da bi 
neme goum (beobachte), Legende 639. er nam des goum, 311. Alesan- 
ders tet des g., Alex. 20609. 26037. die Kriechen täten an im 
goume, 13254. also tet er der viude g., 13627. Ernst 4783. Tant- 
risel nam des küneges rosses goume unde hielt ez, bi dem zoume, 
Trist, 3559. 

gaumen (goumen) swv. 1. eine Mahlzeit halten. 2. Aufsicht, 
Wache haben, achtgeben auf, trachten nach (mit G.): sich, daz, wir 
des goumen, daz, wir uns nicht versoumen, Ernst. 2862. 

gaumer (goumel, goumer) stm. Aufseher, Hüter: das etliche 
huttreiter, gaumer, erczkauffer unserm gnedigen herren dem kunige 
sein silber empfurt und gestolen haben, Igl. Rspr. XL 

gausz PI. geusz (goufe, gauff, gauchs. gausz) swf. hohle Hand: 
sie (Muscowitische reuter) haben grosze geusz (PI.) foln pfeffer in 
die schusseln geschott und mit laffeln gesopt, Traut. Chr. 325. 

ge-bär stm. ge-bäre, -beere stfn. Gebärde, Benehmen: in un- 
kunden gebären einander hüten sie ir gruoz., W. v. W. 4869 f. mit 
hübschen gebären vil kleine sie wilten (hielten sie sich wenig auf), 
7043 f. in wiplichen gebären, wie sie gezieret waren, 1476. sus was 
auch ir (der kinder) g., W. v. W. 2065. er saget im alle die gebär, 
wie er zuo im was komen dar, Ernst 3815. ir gebaere nam sie war, 
"W. v. W. 2191. Diomedes warf sich in gebsere (stellte sich) als er 
unsinnic wsere und hielt sich ze dem phluoge, Alex. 18473. 

gebaeren swv. = gebären: alein er frö gebeerte, W. v. W. 
«77. 831. 

ge-bären sivv. intr. und refl. sich gebärden, benehmen, ver- 
fahren: han ich icht — ungleiches gegen euch geparet, Ack. 28, 15. 
ei wie diser man glich dime friunt gebären kan, W. v. W. 5609. 
wie man damite gebären müge, 5988. guot herre, wie gebäret ir so '? 
6574. ir gebärt, sam ir mir sit gehasz, 5711. werden ritter, wie 
gebäret ir so? 1707. nu gebarte (stellte sich) diu vil here, als ob 
sie sliefe sere, 900. mit semieichen (silbereinen u. guideinen) 
phanden sal man geboren sam mit andern pfänden, Igl. Str. I, S. 368. 
u. gink aus di selbe sache, wi her do geporte, Igl. Str. 265, S. 168. 
si vorpurgten in um eins u. um das ander peide, wie her gepart 
hatte, ebenda, die ruoten, die von got gepelzet wären und von 
Adam gebären, Leg. 632. 

ge-bau (gebiuwe, md. gebüwe) stn. Bauwerk, Gebäude, kollektiv : 
die gesworn — sollen auch besorgen umb das gepaw (D, gepeud H. 
u. s. = de aedificiis). das — die stat — mit gepawe wol gecziret sei, 
Const. I 5, 15 D., andere Hs., gepeude. 

J el inek, Wörterbuch. 17 



258 ge-bauwed — ge-berlt 

ge-bamved (gebuwede) stn. Gebäude: das er 1000 schock auf 
das g. desselbin, sloss (Brüx) legen u. vorbawen sol, Aussig. Urkdb. 
S. 181. 

ge-bauwerisch, ge - beuerisch (ge-bürisch, -biurisch) Adj. 
bäurisch : offt kumpt das adel in gepawerisch armut, Böhm. Chr. 41. 
merket, wie wir alle sind von gepawerischer art und alle von einem 
manne bekomen, 41. do stund er auf von der gepawerischen art 
und reyt mit in, 6. das g. volk, 3. aus meiner gepawerischen art 
wirf kumen ein gepurt (ein Sproß), 3. do sach ein gepewerisch 
meit, 41. vil gepawerisch volkes, 101. 

ge-pawer-rolk* stn. Bauernschar: sie namen vil gepawervolkes 
an sich, Böhm. Chr. 100. 

gebe swm. (nach Lex. nur in Kompos.) Geber: bistü (Krist) 
wärer fröuden gebe, so gip mir daz — , W. v. W. 2456. 

geben stv. II geben, übergeben, aufgeben: do gab er die flucht 
(floh er), Böhm. Chr. 98. den eid g., Igl. Bgr. 65, 6. 

ge-bende stn. Kollekt. zu bant, Bayid, Bandschleife, Fessel, 
Kopfputz, Stirn- und Wangenbinden : fif manic stolz gebende (Haar- 
schmuck) wart da erhaben (gesetzt) liehter kränz, W. v. W. 1557. 
under stolzem g. kam dar mannic roter munt, 7057 f. gar reines 
gebende (mundum muliebrem), W — B Esther 2, 9. 

gebe-pfand stn. Lösegeld für einen Gefangenen: er hett doch 
hinter im verlän an gefangen g., da er rumte daz, laut, Ernst 939. 
s. gäbe-pfand. 

ge-be'ren, gebern stv. 1 2 hervorbringen, zeugen: der samen wart 
geborn (ging auf) und dort (verdorrte), wan er het nit feucht, T — B 
Luk. 8, 6. Abraham gebar Isaac, Matth. 1, 2—16. du bist mein sun, 
ich gebar dich heut (sagt Gott über Christus) , Btb. 13, 33. do di 
sunne wart geborn (aufging, exortus est), Mark. 4, 6. als ab du von 
mir seist geborn (sagt der Kaiser zu Herzog Ernst), Ernst 460. 

ge-beren swv. * (= mhd. gebern stv. während das sivv. gebern 
nur schlagen heißt). 1. hervorbringen. 2. erzeugen. 3. gebären: 
2. Enoch geperte Yrad u. Y. geperte Manahel , W — B Gen. 4, 18. 
Adam geperte einen sun nach seinem gleichnusse u. noch seinem 
pilde, Gen. 5, 3. als er Seth geperte, Gen. 5, 4. Sarai — hette nicht 
gepert kinder, Gen. 16, 1. 

ge-berer stm. (nach den Belegen bei L. wohl md.) Erzeuger, 
Vater, W — B V 171 b. = Eltern : wan di sun Stent auf wider di 
geperer, T— B Mark. 13, 12. ir geperer, Luk. 8, 56. do sein g. heten 
ingefurt daz, kint Ihesus, Luk. 2, 27. dise dink sprachen sein g., 
Joh. 9, 20. Moyses wart verholn 3 moned von sein geperern, 
Juden 11,23. 

ge-berg stnm. Umschließung, Verhau, Versteck; Verheimlichung: 
wir fuogen uns in ein geberc etswä in daz, hole werc, Ernst 2583. 

ge-ber-lichkeit stf. (bei L. nur: natalitia DFG. 376a n. gl. 
261b) generatio; Leben: mein geperlichkeit ist hingenumen, W — B 
Js. 38, 12. 

ge-berlt part. Adj. mit Perlen geschmückt: wol geblüemet und 
geberlt ist siner (Gotfrit von Sträzburc) blüenden vünde kränz, 
Trist. 34. 



ge-berunge — ge-bilde 259 

ge-berunge stf. generatio: ire g. (PL), W— B Par. 11,29. ein 
g. vorget und ein g. widerkumet, Prediger 1, 4. in ewern geperungen 
und wonungen, Lev. 3, 17 u. V 2d. 

ge-beude, gepeude (ge-büwede) stn. 1. Gebäude. 2. bergm. das 
Abbauen* eines Bergwerkes, cultura. 3. das Bauen* von Häusern. 
2. pei seinem gepeude bleiben um l / 7 , Igl. Bgr. 65, 1. Wer auch mit 
gepeude in dem Stollen sein gelucke versuchen will, Const. II 4, i2. 
in dem gepeude des gepirges (Bergbau) saumpnusse gar schedlich 
ist, II 3, 11. Aber andere g. des feldes, als palde di ledig sein, so 
belehent man di, di es aufgefangen u. sich des underwunden haben, 
III 5, 15. recht von den lehenen vorleihen auch in dem g. des feldes, 
III 5, 14. 3. Sie sullen auch besorgen umb das gebeud , das man 
nichtesnicht paut in den offen Strassen u. wegen, I 5, 15. Und do 
sie beswerte der kunic von Egipten, u. sie in dem gepeude seiner 
stete (in aedificationibus urbium) in leime u. in czigeln hette under- 
tenik gemacht, do schriren sie zu irem gote, W — B Judith 5, 10. 
1. das die stat mit gepeude (Bauwerken) wol geczieret sei, Const. 
1 5, 16. das ander halbteil sol gefallen czum gepeude zu unserm 
Spital, Igl. Stb. in A 135b. 

gebig (= gsebec) Adj. annehmbar, bes. von Münz und Gewicht : 
der perkemer sol sein gibig u. gebig zu nemen u. zu geben, 
Chlum. VIII 26. 

ge-biet (= ge-biete stn. nur aus Apoll und Keller Erz.) stn. 
Gebiet: umb di stat u. das gepiet umb Brüx. — umb den ganczen 
gepiet czu Präge (also auch m.*), Stb. Brüx. N. 108. 

ge-biet, -e stnf. Befehl, Gebot: daz man der lantdiete mit 
voller gebiete gebot üf röuber varn, W. v. W. 5909. 

ge-bieten stv. III hier: gebieten, verfügen, verhängen: ab got 
geput über mich u. über mein erben also, das wir all abstürben, 
Budw. Urkdb. N. 476. 

ge-bietiger (ge-bietegsere) stm. Gebieter, Befehlshaber: vor der 
muter der heiligen cristenhait und iren gliedern und gepitigern, 
Eg. Chr. 1123, S. 300. 

ge-bietunge (ge-bietunge) stf. 1. Befehl. 2. Herrschaft, impe- 
rium*: 2. seist gehorsam seiner gepitunge, W — B Deut. 26, 17. 
groser in der g. (maior in imperio) , Gen. 49, 3. Arphaxad hette 
undertenik gemacht seiner g. vil heiden, Judith 1, 1. so das er alle 
erden seiner g. machte undertenik, Judith 2, 3. 1. Vasthi des kuniges 
Assueris g., das er durch die purge hette gepoten (imperium, quod 
per eunuchos mandaverat), nicht wolde tun, Esther 1, 15. Und in 
disem pilde alle housvrowen der fursten der Persen u. der Meden 
werden ringe wegen (parvi pendent) die g. irr manne, Esther 1, 18. 
Mein sint die gerechtikeite u. die gepitungen (justitiae et imperium), 
Js. 45, 25. 

ge-bilde stn. Gestalt, äußere Erscheinung: daß wir den 
Nürnbergern nicht dauernd freien Durchzug durch unsere Stadt 
gewährt haben, wird uns armen von unserm hern zum ergsten 
gepild (Vonvurf gemacht) und zu schaden furgenumen, Elbog. Chr. 
121, 31. 

17* 



260 ge-bitlich — ge-breche 

ge-bitlieh* Adj. aufgetragen: g. czius Tribut, etica wie hau-zins: 
Wo ist (zu ergänzen eine herde), die dir gegeben ist. das vich deines 
gepitlichen czinses der saczunge? W — B Jer. 13, 20 (pecus inclytuni 
tuum). 

ge-bleze* stn. Blasebalg, sufflatorium: Czurunnen ist das g., 
W— B Jer. 6, 29. 

ge-blickt* Adj. glänzend, gebücktes silber = Blicksilber, nach 
dem Silberblick beim Treiben genannt, da beim Schmelzen ( Treiben), 
wenn das Blei und andere leichte Metalle abgeflossen sind, der spröde 
Silberkuchen mit reinem Glanz (Silberblick) zum Vorschein kommt. 
Maßwürdig ist Erz und berechtigt zu der Forderung, daß einem ein 
Berg getnessen werde, icenn das unter Aufsicht zweier Stadt ge- 
schworener oder von diesen selbst gehauene Erz und zwar ein teilerbar 
in einer Hitze mindestens „einen virdunk gutes geplicktes Silbers über 
die buttenkost" gibt: Und ist das di scbepben nf iren eit nement, daz 
sie an dem tiefisten u. in dem Stollen solich ercze sehen u. lazen 
haben, daz ez der mase wert si, u. daz ez onch also versuecht si, 
daz sin ein hicz czu dem ministen einen vierdunk über di hutenkost 
gebe, so pehelt er sin maze mit dem recht, als da vor gesprochen 
ist, Igl. Bgr. U — B 8; DIR 13,3. — gibet des erczes ein teilerpar, 
das vor eine hicze hat geheissen, einen vierdunk gutes geplicktes 
silbers über die hutkost, — so ist es maswirdik. Igl. Bgr. N. 1, 9. 2. 9; 
Const. II 2, 2. II 5, 4. — vierczehen geplickte mark. Igl. Str. 301, S. 209. 

ge-blümede * stn. Redeschmuck: reden mit sulchem geblumede 
XL. so lustiger czirheit, Hier. 224. 1. 

ge-blümt part. Adj. v. blüemen schmücken, verherrlichen : seiner 
geblümten rede, Hier. 8, 5. mit geistlicher sussikeit seiner geblümten 
worte also durchveuchtet, 5, 1. geblüemet schone und hübeschlich 
was alle sine rede gar, Trist. 1302. 

ge-bogen part. Adj. umgebogen: zu einem zeichen — gebogene 
groschen, Igl. Rspr. Y. etlich gepogen gross weren gewesen under 
dem gelt, domit er es gezeichent hett, V. gepogene groschen zu 
einem warzeichen, V. 

ge-brauchen (ge-brüchen) sivv. auch refl. mit Gen. gebrauchen, 
genießen: wie sich derselbe vil vermessener — untate gebraucht und 
übet, Eg. Chr. 1184. gebrauchen die pauleute ires perkwerkes nicht 
— so verlieren sie das Recht darauf (nur Bürgerlehen verliegen sich 
nach der Forderung der Igl. — nicht aber der Const. — nicht), 
Const, HT 1, 6. 

ge- brauchung (= gebrüchunge) stf. Gebrauch, Genuß, Brauch: 
Von recht und alder guter geprauchung ist es alhie czu Olomuncz 
in ein gewonheit kumen, daz — Olm. Stb. 144. 

ge-breche swm. 1. Abgang, Mangel. 2. Krankheit: 1. der 
(solicher gerate) g. müet mich stfete (= nicht eine solche Tafel 
geben , aufstellen zu können) , W. v. W. 2659. hie twanc sie gros 
gebreche zuo (zu ihrem Räuberhandwerk), 5531. der nacht gebrechen 
(was alles in der Nacht fehlt) sei aller vergessen, Ack. 45, 17. wir 
wollen in disem puch allen gebrechen des rechten erfüllen, Const. I 
Vorr. 3. eclipsis — daz, heilet ein gepreche, Trist. 240. 2. Vvelchirlei 
g. ( Verletzung) er im hat getan, einen semlichen wirt her betwungen 
zu leiden (= Aug um Auge, Zahn um Zahn), W— B Lev. 24, 19. 



ge-brechlich — ge-bür 261 

der do gebrechen habe (maculam), Lev. 21, 21. 1. wie sich halten 
czwischen czweien Stollen g. (Rechtsstreit), Igl. Bgr. N. 111. daz, die 
wiz,gehaude Isöt iren gebrechen und ire not in iren sinnen achte, 
Trist. 988. 

ge-brechlich Adj. mangelhaft, zu gering: g. gäbe der narunge 
(zu kleiner Lohn) macht die diener czu dieben, Const. I 7, 17. 

ge-brech-sam Adj. 1. gebrechlich. 2. nicht hinreichend. 3* seine 
Pflicht versäumend: 2. g. — sint — die czungen aller leute, Hier. 
109, 28. 3. Sein sie (die stolner) aber g. (satimselig) in disen vorge- 
nanten dingen oder an etlichen derselben — so sein sie beraubt alles 
rechten , das sie hatten in demselben Stollen, Const. II 4, 6. 

ge-brechte stn. 1. Geschrei, Lärm, fragor. 2. lärmender Auf- 
zug, Gepränge: 1. Aber unser herre erschelte ein groses g. an dem 
selben tage über die philisten (intonuit fragore magno), W — B Kön. 
I 7, 10. 

ge-breme* stn. Verbrämung, Einfassung von Kleidern, Traut. 
Ohr. 318. 

ge-brest (e) stswm. Abgang, Mangel, Not, Fehler: wir sein 
getrost in allen unsern gepresten, T— B I. Thessalonicher 3, 7. 

ge-bresten stv.ll intr. zusammenbrechen, unpers. an etwas 
Mangel haben: daz, si icht g. (vergehen) an dem weg, T — B Matth. 
15, 32. im begond ze g. (geriet in Not), Luk. 15, 14. du geprastest 
nit (bist nicht müde geworden), Offenb. 2, 3. — du berichtest di dink, 
di da geprestent (ivas mangelt), Titus 1, 5. 

ge-brestig Adj. mangelhaft , gebrechlich: kainer was g. (arm) 
unter in, T— B Btb. 4, 34. 

ge-breten, ge-briten pari. Adj. (von briden stv. II nur im 
Part, gebriten, gebreten nachweisbar) verflochten, verknüpft, durch 
Dienst oder Lohn, Eger Chr. N. 1074. sonst gebroten, gewoben, ge- 
flochten: gewant, scharlachen rot undersniten, diu czwei von pbelle 
wol gebriten mit golt speehe gar geworcht, W. v. W. 1621. 

ge-bruch stm. Mangel: durch g. und abganck, Eg. Chr. 1140. 

ge-brüder (= gebruoder) m. PI. Gebrüder: ob czwene gepruder 
eines totpettes gesten mugen = Testamentszeugen sein können, Igl. 
Str. 269. das czwene g. mit einander nicht mügen sein scheppen, 
Igl. B. 38. Igl. Stb. V 148 a. 

ge-bündel stn. Bündel: ein g. ysop (fasciculum hysoppi) W — 
B Ex. 12, 22. 

ge-bunden (part. Adj. g. zeit = in der Recht und Gericht 
auf gewisse Handlungen beschränkt sind, Traut. Chr. 182. 

gebunge stf. das Geben, die Schenkung. Auch wenn der Geber, 
sobald er einmal vor frumen leuten seinen willen geoffenbart hat, 
etwas zu schenken, widerruft, dennoch so hat die g. volle kraft, Const. 
III 7, 1. 

ge-bür stn. was sich gebührt: dester lieber thun wir aller ge- 
bur, was euch lieb ist, Eg. Chr. 1170. 

ge-bür, -e stsicm. 1. Mitbürger. 2. Nachbar. 3. Dorfgenosse, 
Bauer : 3. nach gebüres ahte, W. v. W. 448. n. g. orden, 462. herren, 
gebüre u. koufmann, 6181. von arte ein rechter gebüre, Schretel 55. 
Alex. 3331. 3680. 



i 



262 ge-burg — gech-lich 

ge-burg* stn. wohl gebürg wenn nicht verschrieben: = gebirge, 
btrgm. für Bergbaugebiet: auf dem Wilantzer g., Igl. Mut. 21. 

ge-bürinne, -biurinne stf. Bäuerin: wi herczog Ulricb — ein 
gebuoru uam czu der e., Dal. 95, 33 (41). 

ge-burischeit (ge-biuriscbeit) stf. bäurische Art: die edel mit 
der g. gemischit stat, Dal. 96, 20 (41, 20). 

gebür-lichkeit stf. Wohlanständigkeit, Gebühr: wie wir uns 
weiter und verrer dorinne nach unser g. halden sollen, Eger. Chr. 
1142. wo wir auch ewern gnaden allzeit zu üb und gefallen in 
aller g. sein konten — teten wir das gerne, 1123 S. 301. 

ge-burn [md. für ge-bürn, auch geborn) swv. 1. tr. heben. 2. 
intr. und refl. geschehen, widerfahren, zuteil werden (mit Dat.). 
3. rechtlich zukommen, gebühren. 2. Wann es gepuret sich oft, das 
— , Const. in 1 Einl. als oft sich das geburen wirt, Igl. Bgr. N. 53, 2. 
"Wenn u. wie offt das geschieht u. sich in kunfftigen czeiten ge- 
buren wurdet uff czugen u. uf gengen, 51, 7. mannichmal gepurt 
sich auch, das leut miteinander zu schaffen haben von kaufs wegen 
varunder u. unvarunder hab, 01m. Stb. 148. Chr. v. Elbog. 143, 17. 
welcher ouch im gebürte ze jagen, Alex. 25085. wenn sich das ge- 
pure und geschehe, Igl. Stb. III 201b. 

ge-burt (G. ge-burt, ge-bürte) stf. 1. Geburt. 2- angeborner 
Stand. Herkunft bes. aus vornehmen Geschlecht. 3. Gebomes, Ge- 
schöpf, Nachkommenschaft, Sprößling: 1. in einer andern g. (in der 
widergeberunge 11. Bibel), T — B Matth. 19, 28. 3. von allen volken 
und gepurten {Nationen), Offenb. 5, 9. von manger edelen g. huob sich 
ein wuniclich buhurt, Trist. 923. Isöte, Isolden geburt, der wart er- 
teilet die hurt, Trist. 3143. so wirt iuch manige stunt min geburd 
{meine Nachkommen) kestigund mit einer isnern gertin, Dal. 29, 25 
(5, 67). ein gepurt, die do wirt aufsteigen pis in kungliches adel, 
Böhm. Chr. 6. der was Wladisslaws gepurt, Böhm. Chr. 22. lasse 
wir die furstenliche g. nicht me wachsen noch ire gesiechte auf- 
kumen, 34. wenne er seiner g. und Stammes was, 103. er — hat 
solches kind nicht für sein geburth nehmen wollen, Eg. Chr. 319. 
volkomene gebirt {von ehelicher Abkunft), Traut. Chr. 141. 

ge-burt-lick Adj. g. tag = Geburtstag, W — B Gen. 40, 20. 
noch irr gepurtlichen ordenunge (iuxa ordinem nativitatis eorum), 
Ex. 28, 10. T— B Matth. 14, 6. 

geburts-brief stm. Geburtsschein, Traut. Chr. 54. 

ge-buwede stn. Gebäude: ein g. und ein rieh palas, Alex. 
23419. 

gech (gsehe) stf. Eile, Schnelligkeit, Ungestüm: mit ainer 
micheln gech, T — B Mark. 5, 13. mit geche, Luk. 8, 33. si machten 
gech ainhellig an in = stürzten einmütig auf ihn los, Btb. 7, 56. 
do di gech der heiden und der Juden was gemacht mit iren fürsten 
(als die H. und J. sich mit ihren Vorstehern erhoben), Btb. 14, 5. 
s. gehe. 

gech-lich, gechling (gsehelich) Adj. ungestüm, heftig: in der 
pesten plue (Blüte) fiel eine solche gehling gefrust ein, Eg. 
Chr. 28. steil abfallend*: unter dem gehlingen gestaine, Traut. 
Chr. 30. 



gechling — de-denkunge 263 

gechling, gehling, -en (gsehelingen) Adv. ungestüm, heftig, 
plötzlich, T— B Mark. 13, 36. Btb. 16, 26. Luk. 19, 11. wenne ein 
mensch gehling stirb, Budw. Urkb. N. 445. "W — B Num. 6, 9. 
gebling gestorben, Eg. Chr. 813. 411. wir kumien des ieczund also 
gehlich nicht vinden, Igl. Rspr. XI. 

gecht (gsehede, gsehte) stf. Eile, Schnelligkeit: mit micheler 
gecht (mit großem Krachen), T — B II Petri 3, 10. 

ge^dagen sivv. 1. intr. schweigen. 2. mit Dat. einem ruhig 
zuhören. 3. ablassen von. 4. trans. verschiceigen: 2. iuwer bete 
sol ich g., W. v. W. 6477. 

ge-danc (-kes) PI. gedanke, gedenke stm. das Denken, der 
Gedanke: wurde denne deme sin gut gedenke benomen, so wurden 
ime böse eiligen, Ack. 34, 19. 

ge-dank-nisse* stn. das Denken: das er mit dem hl. zwelf boten 
sprechen muge, unser g. ist in dem himelreiche. Hier. 42, 26. 

ge-decktielich (ge-daechtic- liehe) Adv. in Erinnerung: das 
sie es g. halden = ut memoriter teneant, W — B Deut. 31, 19. 

ge-dßchtnisse (= gedseht-nisse , -nüsse) stn f. Andenken, Er- 
innerung: hebt her ouf das g. von der heilicheit opfer (tollet memo- 
riale de sacrificio), W— B Lev. 2, 9. vleissiclichen ervorsche der 
veter gedechtnüsse (diligenter investiga patrum niemoriam), Job. 8, 8. 
von kunig Johann seliger gedechtnüsse, Igl. Rspr. XI. mein man 
seliger gedechtnus, Igl. Rspr. V. ewer g[naden] sei frischer ge- 
dechtnusz, Elbog. Chr. 71, 6. 

gedechtnis-bücn* stn. Chronik: ich Simon Hüttel, beschreiber 
dieses gedechtniszbuches, Traut. Chr. 231. 

ge-deihen, ge-dilien (neben dem stv. ge-dihen, -dien, Prät. ge- 
dech, gedigen), swv. gedeihen, geraten: wir sehen oft vil der reichen 
— in grosse armut u. dornach in das spital g., Olm. Stb. 73. darnach 
ze vuoze sie gedigen = kämpften zu Fuß iceiter, W. v. W. 4676. 
der Kriechen macht was do gedigen an (beschränkt auf) Symachum 
und Mcänor, Alex. 19 568. do Mertel sulch zeugknusz entfallen und 
Fritzen das recht gedigen, ist Mertel mit zorn und schelten vam 
rechten geflohen und rechtfluchtig wurden, Elbog. Chr. 83, 32. di burk 
furbas nit gedieht (gediecht, Hanka, blieb unausgebaut. verlassen), 
bis daz herezog Ulrich rieht (regierte), Dal. 95, 9 (39, 111). sin du 
wild do mid gedichin und allein mid fromden richin (dich auf die 
Deutschen stützen willst), Dal. 148, 16 (66, 69). sint ich Got dem 
richin nit anders mag gedichin (Druck: gedeichin), ich wil den tod 
beitin und nit undirritin, 75, 1 (30, 28). 

ge-deihenusse, gedeinusse* = ge-dihenusse stf. das Gedeihen, 
durch ir (der jungen ungeraten bürgere), g. willen, Prag. Str. 21. 

ge-denken (= ge-denken) unregel. sivv. denken, ge-, ausdenken: 
gib einem gedanken, der dein gedenk, Sol. 3, 8. 

ge-denk-leich* Adj. wert der Erinnerung, memorialis: ein 
liepleichs u. immer gedenkleichs leben, Sol. 94, 6. 

ge-denk-nus, -nis stf. Andenken: unvorschampter boszwicht, 
ewer böse g. lebe u. taure hin an ende, Ack. 2, 8. czu gedenknis, 
Dal. 155, 14 (68, 80). 

ge-denkunge stf. das Gedenken: ire g. wider mich = medi- 
tationes, W — B Klagen Jer. 3, 62. diez tut in meiner gedenkung, 



264 ge-dense — ge-dinge 

T— B Luk. 22, 19. Mark. 14, 9. di g. des gelauben (= da ich mir 
jenen Glauben in die Erinnerung rufe, recordationeni accipiens eius 
fidei), II. Tiniotheus 1, 4. ich macht euer g. in meinen gepeten, 
Epheser 1, 16. daz, ich mach euer g. in allen zeiten, Römer 1, 9. 
sein g. werd gemacht wüst (falsch übersetzt): fiat commoratio eoriim 
deserta = ihre Wohnstätte stehe verödet), Btb. 1, 20. 

ge-dense stn. das Hin- und Herziehen, Gedränge, Haufen: 
der Hute kam gegen im ein gröz, gedense, Alex. 25167. 

ge-denue Koll. von darm stn. Gedärm: di senftikeit deines 
gederms = dementia viscerum tuorum, Sol. 103, 12. W — B Ps. 50, 12. 
Sirach 30, 7. 

gedigen, -e stn. Dienerschaft , bes. Dienstmannschaft eines 
Fürsten, Herkunft*?: wie sie erfüeren ir g., W. v. W. 5231 f. 

ge-dinge stn. 1. Gericht. 2. Vertrag. 3. Versprechen z. B. 
einer Zahlung. 4. verspr. Sache. Schuld oder Zahlung. 5. Be- 
dingung: 1. Do hegeten die urborer ein g. u. sossen ein gerichte,. 
Igl. Bgr. N. 66, 1. Ist das iemant teil [bat] an eime gepirge u. 
auszerhalb landes ist, versäumet sein besteiler oder sein pfleger drei 
gedinge, daz er seiner cost darczu nicht geit, er verleust sein teil 
mit rechte, D I R II 28. 2. gedinge u. bestetnusse di nemen recht,. 
= (pacta ex conventione legem suscipiunt), Const. III 1, 15. schuldig 
von gelubdes wegen entweder von gedingen ader gemechtes wegen (ex 
promisso aut ex pacto), IV 6, 5. In diesen kauften u. vorkaufen so 
nemen die g. (pacta) ein recht, darnoch als si peide teil bereden, 
III 6, 7. Darumb ist czu wissen, das die vinsternusse (Unklarheit) 
des gedinges u. berednusse pillicher schaden sol dem vorkauffer, der 
das geredt hat, denn dem kaufer, in 6, 3 a. Es ist auch gewonlich 
under den selben der genge vindern (= neufengern), di nocbbawern 
sein u. ire greniczen czusammen stossen, das si sotan gedinge halden : 
ab iener, dem von ersten der perg gemessen ist, das di andern 
pei iren lehen (die sie dadurch verlieren würden) umb eine sichere 
eigenscbaft, als si czwischen in machen u. besteen, pei in bleiben 
sullen; wann die g. nemen recht u. saczunge aus der bestenusse 
II 1, 11. Ist es abir das unter mancherlei pauleuten, die das feit 
pawen, also tan g. geschieht — das gedinge der gewerken — , 
1 15, 12. mit sulchem g. (tali pacto), Sol. 33, 35. mit sulchem gedinge 
er ante = schloß den Vertrag, mietete die 2 Schiffsplätze, W. v. W. 
2317 : Chr. v. Elbog. N. 1110. ein geding und gemeebt ist geschehen 
umb den newen teich, Igl. Stb. III 232 a. e^ geschach, daz, in der 
künec vride gesprach und liez, sie ze gedinge (Friedensschluß, Ver- 
trag) komen, Alex. 21797. sust (durch Auslieferung des Darius an 
Alexander) horten sie gedingen, also gerten sie ze hulden komen, 
15954. daz, dan allez, verturbe in stritlichem gedinge, 14403. daz, 
er sin g. enphinge (Bedingimg der Unterwerfung annehmen), Ernst 
4950. üf gedingen wil ich hieb, des innen bringen (ich will es euch 
genau erklären), Alex. 24631. macht ich den nit ein g. mit dir um 
ein tegleren phennig (habe ich denn nicht einen Pf. [= Denar\ 
Tagelohn mit dir vereinbart), T — B Matth. 20, 13. 

ge-dinge swm. stnf. Geda?ike, Hoffnung, Ante artschaft: sus 
wolt sie (die Wirtin) ir ringen ir muot (Schivermut, Sehnsucht) uf 
den gedingen — , = Fran Benes Schivermut mildern mit der Aus- 



ge-don — ge-erbet 265 

sieht auf — , W. v. W. 2490 f. wirst haben g., vorseezende die hoff- 
nuug = habebis fiduciam, proposita tibi spe, W — B Job. 11, 18. 
wan daz, der g. sie üf habete {die Hoffnung sie aufrecht hielt), Trist. 
6542. daz. was ir guot g. do = sie freuten sich, daß Alex, gut 
gelaunt war, Alex. 19150. gegen töde min gedinge waere vil 
ringe {mein Schmerz, sterben zu müssen, wäre klein), solt ich noch 
daz^ erwerben, daz, ich solde also {in ehrlichem Kampfe) ersterben, 
Alex. 18571. der bischof hette gedingin, er wolt daz, volk von heid- 
nisze gwoubeitin bringin, Dal. 80, 15 (32, 33). 

ge-don stf. Spannung, Anstrengung, Mühe: die burger täten 
im gedon, Alex. 22941. den burgern tet daz, viur so gedon und bot 
in so swache won, daz, sie vergäben manger wer, Alex. 9261. in 
tet daz, viur doch so g., daz. sie muosten da von sich der würfe 
mä^en, 9475. ouch täten sie dem Macedon mit strites tat also g., 
daz^ in da^ müete sere, 15404. dem werden Macedon mit würfen 
täten sie g., 20620. 

ge-doene stn. gedöne md. Gesang, Melodie: mancherlei süsses 
gedones, Ack. 39, 3. ir süezes gedoenes starken schal suoz.e gap die 
nahtigal, Alex. Anh. 569. 

ge-dranc, -ges stnm. 1. das Drängen. 2. Drangsal. 1. durch 
grossen gedrank des volkes, Hier. 228, 11. ' wi si wider ir freiheit 
und aussatzung unrecht und g. getan, Elbog. Chr. 25, 7. 26, 12. 

ge-dreieckt* part. Adj. dreieckig: ein g. semelbrot — collyri- 
dam, W— B Lev. 8, 26. 

ge- drei- tust* part. Adj. dreifüßig: g. topfe = chytropodes, 
W— B Lev. 11, 35. 

ge-drengnisse stn. Bedrängung: aus betrübten g. , Traut. 
Chr. 118. uns ist — etwas vast gedrencknus und ungutlichkeit — 
bescheen, Eg. Chr. 1072, S. 260. 

ge-driet part. Adj. {von drien swv.) dreifach: ir wesen do ge- 
driet schein geloubet, sie warn doch niuwan ein {Dreifaltigkeit), 
W. v. W. 6119 f. 

ge-drollen Part, von drillen stv. 1 3 drehen, abrunden: beide 
tag und nacht sin schilt gedrolliu Tutschir nasin {die den Deutschen 
abgeschnitten rvorden) vollin, Dal. 149, 38 (67, 43). 

ge-dupelt* part. Adj. doppelt, zwiefach: der eiste söhn heist 
mit einem gedupeltem namen Hans Florian Silber — mit beider 
grossvaeter namen getauft (a. 1578), Traut, Chr. 232. 

ge-dultikeit stf. gelassene Ertragung: diu vürnseme g., Alex. 
Anh. 1296. 

ge-erbe swv. immer PI. die Erben: seinen gewerken, iren g. 
u. nochkomelinge, Igl. Bgr. N. 59, 4. Procob Paier und seinen gerben 
geben und czinsen alle jar jerlichen zwu mark, Igl. Stb. III, 207a. 
111200 c. meinen geerbeu und nochkumligen, Traut, Chr. 60. min 
gerbin must got gedenkin, wolt er mit mir ungruz. schenkin und 
wolt mich arm machin, Dal. 189, 25 (85, 25). 

ge-erbet part. Adj. {wie geerbe Adj.) 1. irgendwo geerbet 
sein = dort angesessen sein, dort liegendes Vermögen {Erbe) haben. 
2. in ein „erbgebirge", „erbbergwerk" (mit bes. Vorrechten) ver- 
wandelt: 1. Wer richter in einer stat wil sein, der sal czu der stat 
ge,erbet sein; wenn ein semeleich richter ist fleissiger der stat ere 



266 ge-ewigt — gegen-rede 

u. nucz czu besorgen u. czu bewerben, wenn ein gast, Igl. Str. I, 
S. 355. Einem manne, der geerbet u. gesessen ist bei der stat, dem 
sal man vur daz gericbte lassen furgebieten zu einem male oder 
dreistund, dornoch die sacbe gros oder deine ist (unter 1 / 2 Mark 
1 mal). Aber der ungeerbet ist, dem gebeut man wol alle tage rar 
den ricbter, u. er sal antwurten alczubant, worumb man czu im 
claget, es sei denne, das er sieb mit bürgen vor gewiss macbet bis 
vur gerichte, Igl. Str. I, S. 354. zum ersten sal weder mag kein 
melczer noeb melczerknecbt, der in der stat nicht geerbet ist, pier 
legen, Olm. Stb. 97 c. 2. ein burgerleben, das do büwebaftig ist unde 
nicht geerbit czu dem Stollen, D I R 7, 1. Ferner Igl. Bgr. N. 117, 3. 

ge-ewigt part. Adj. (von ewigen 1. verewigen, dauernd fest- 
setzen. 2. legitimieren): zwang, von dem alle himelische ordenung 
ausz iren geewigteu angel uimmer treten mag = Gott, Ack. 56, 16. 

gegen-antwort* stnf. Ericiderung : Nicki Ungers g., Igl. Bgr. 
X. 83, 3. wir auch ire g. gescheezt u. gewegen haben, N, 92, 1. 

gege n-biet stn. Widerstand: wan daz, er gap strites g. = den 
Kampf aufnahm, Alex. 8165. die fuoz,genger solden warten, daz, 
sie heten strites g. (als Reserve, als Leibicächter des Königs Darius), 
Alex. 6212. 

gegen-dön* stm. IViederhall: heide unde velt alle mit gegen- 
döne erclungen, Alex. 6057. 

gegen-druin, -drumb* stn. eines der erzführenden Gesteins- 
trümmer im Hangenden: ich mueth u. beger meines gnedigen herrn 
freies als nemlich das g. nach dem tieffen stollen hinder der Michel- 
mül gelegen mit einer fundgrueben mit sambt den obernachsten 
masse u. ander massen, Igl. Mut. 5. — das g. auff dem gang, so her 
Vicenz treibt durch die stat 2, — das g. nach dem tieffen stollen 
mit einem erbstollen u. funtgruben, 14. 

gegenen, gagenen swv entgegentreten, begegnen: ist in der her 
bei Tonitz gegegent. Elbog. Chr. 92, 17. 

gegen-heit* (wenn nicht Schreibfehler für gegenwertigkeit) 
stf. = Gegemvart: gegenhait, Eger. Chr. N. 1197, S. 371. in vil 
gegenheiten (Gegenden) was ein grosse sintflut, Böhm. Chr. 105. 

gegen-louf* (nur Trist. = Entgegenlaufen) stm. das Zu- 
sammen-, Entgegenlaufen: Und nicht ist kein widersache noch poser 
g. (non est satan neque oeenrsus malus), W — B III. Kön. 5, 4. dö 
(bei Tristans Ankunft) wart der g. so gröz,, Trist 1269. 

gegen-näckber,* -nöckper sivstm. Nachbar auf der andern 
Straßenseite: der g. klag u. furpringunge, Olm. Stb. 132. heuser, die 
do vil enger denn irer g. heuser weren, 132, S. 99. 

gegen-niet stm. das Anstreben gegen etwas, das Gegenteil von: 
nü tet des valsches g. Alex. 2359. 

gegen-nutzunge * st^.i (den Unkosten gegenüberstehender) Er- 
trag: alle newe gepew and forberge beschrieben mit ihrem costen 
und der gegennutzunge*», Traut. Chr. 307. 

gegen-rede, kegea-rede stf. Entgegnung im Prozeß, Replik: 
als wir red u. g. vo/numen haben, Igl. Bgr. N. 51, 12. die kegen- 
rede (der antworter) äagen sich underweilen, das gerichte czu neigen 
ader nidern u. unde "weilen des clagers forderunge czu widertreiben, 
Const. IY 7 Einl. Cnd die k. (des antworters = Geklagten) ist als 



gegen-stüfe — ge-liegt 267 

vil gesprochen sam der forderunge brechunge ader widertreiben, 
Const. IV 7, 1. der antworter sol seine k. tun (reus exceptiones — 
opponat), IV 3, 2. 

gegen-stüi'e* ststvf. als Berggrenze gehauene Stufe und zwar 
im Liegetiden gegenüber der gewähnlichen im Hangenden: die 
marscheider schul] en die kegenstuffen an dem ligenden weisen, — 
wenne sie sich nicht mochten gerichten noch der ainen stuffen an 
dem hangunden, Igl. Bgr. N. 54, 1 u. 3. 

gegent, gegnöte, stf. Gegend, g. des meres = insula, W — B 
Js. 41, 1. 42, 12, gesehen habeu das die gegenten des meres (insulae) 
u. haben sich gevorcht, Js. 42, 4. in den gegnoten Hebron, Kön. IL 
2, 3. in deu gegnoten bei dem Jordan, Gen. 13, 12. in deinen 
gegnoten (in oppidis tuis), Deut. 12, 21. czweinczig gegnote 
(oppida), Kön. III. 9, 11. er gab Wladisslab in Lamiter gengt (Jir., 
geugt Hanka), Dal. 51, 17 (16, 13). 

gegen-wortic (-wertec, -würtec) Adj., W — B Deut. 5, 3. 

gegen-wortic-lieit, -wurticheit (-wertecheit, -wurtecheit) stf. 
Gegenwart, Anwesenheit, Zeitlichkeit (Myst.): bis in dise g. (ad 
praesens) W — B Kön. IV. 8, 6. an die g. des kindes (absente puero), 
Gen. 44, 34. die sache (beim Berufen, Urteilstrafen) für unser (des 
Königs) kegenwortikeit prengen, das wir erkennen, ob sie wol oder 
übel gerichtet sei, Coust. IV 20, 14. das ir (der urborer) ste tetrewe 
muge in unser g. mit wirdiger gunst pilleich gelobet werden, 
Const. I 3, 4. in k. aller gesworner (in der morgensprache), 
Const. I 5, 11. in beider teile kegenwurtikeit, Igl. Bgr. N. 55, 1. in 
k. des hoffmeisters, N. 47, 1. 50, 2. in k. beider teil, 57, 2. in k. 
beider bergmeister, 60, 1. tu wir czu wissen mit k. dicz prifs, Igl. 
Str. 252; Igl. Stb. III 55c. in gegenwortekeit beider teil, Igl. 
Bspr. V. 

gegen-wortes* Adv., (wohl verlesen für gegenwortic = an- 
wesend) di do g. waren, sahen und horten, Prag. Rb. 40. 

ge-gerbt Adj. tvohl gesetzt : Gramatica mit iren scharpfen unde 
wol gegerbten worten, Ack. 40, 9. 

ge-geter-venster* stn. Fenster guter, cancellus: Ochozias vil 
durch die g. seines mushouses (per cancellos coenaculi), das er hatte 
zu Samaria u. wart sochen, W — B Kön. IV. 1, 2. 

gegiter stn. Gitter: durch die g. (per cancellos), W — B 
Spr. 7, 6. 

gegnöt s. gegent. 

ge-hauset s. gehüset. 

gehe (= gaehe) stf. Eile, Schnelligkeit, Ungestüm: das man 
wider die g. des wassers in den silbergruben ein mittel leest sam 
die starke wende, di man striff heiset, Const. II 3, 6. s. auch gech. 

gehe (gaehe = gäch, -hes) Adj. jäh, ungestüm, schnell: der leute 
hiczigen gehen mut geczemen, Const. I 4, 6. Auch sullen di gesworn 
in den spruchen der urtail nicht czu gehe sein, I. 5, 6. 

ge-hecke (bei L. nur aus Ls. 3, 63 stn. Gehacke) stf.? Hecke: 
es was kein geponter weg darczu, sunder ein dicke gehecke und 
strewchecht was darumbe, Böhm. Chr. 38. 

ge-hegt part. Adj. von hegen siov. mit einem hac umzäunen, 
die Gerichtsstätte abschließen zum Gericht: gehegtes gericht, Igl. 



268 ge-heiligen — ge-hengen 

Rspr. XVII. in (vor) geheckter pauk, Igl. Bgr. N. 47, 1. 49, 4; Olm. 
Stb. 96. in gehektem dinge (versammelter Gerichtssitzung), Olm. 
Stb. 84. 

ge-heiligen stvv. heilig ic erden ; heilig machen: um si (für sie, 
die Jünger) geheilige ich mich = opfere ich mich, daß sie zum 
Apostolat geheiligt seien, T — B Joh. 17, 19. 

ge-heini, -e stf. Heimlichkeit, Geheimnis: seit der marscheider 
für euch kumen ist kegenwurtig des hofmeisters und des muncz- 
meisters in einer geheim (geheimer Sitzung), Igl. Rspr. IL 

ge-hei^ung* stf. Verheißung: di da sint sun der g., T—B Römer 
9, 8. dicz ist daz, wort der g.: nach disem zeit kom ich, Römer 
9, 9. so daz, zeit der g. genacht (kommt), Bth. 7, 17. 13. 23. 

ge-hellen stv. I 3 zusammenklingen, zu-, übereinstimmen: 
nimant gehellt (stimmt zu), T—B Galater 5. 7. nicht allein di si 
(solche Sünden) tunt, wan auch di di da gehellent den, di si tunt, 
Römer 1, 32. di da nit gehellen der warhait, 2, 8. enczamt gehellet 
den demutigen, 12, 16. da si nit waren gehellet (nicht einer An- 
sicht) und sich schiden , Paulus sprach ein wort, Btb. 28, 25. ich 
zustund (stand auch dabei) und gehal enczamt do und verwilliget 
darein, Btb. 22, 20. si gehullen der ungankait (Sünde), II. Thessa- 
lonicher 2, 11. wir gehullen sagent, Btb. 21, 14. alle di im gehullen, 
Btb. 5, 36; Btb. 5, 39. Joseph v. Arimathia gehale (verwilliget 
XL Bibel) mit dem rate noch iren werken, Luk. 23, 51. 

gelie-lich, -ling s. geeh-lich, -ling. 

ge-hellentlinif* Adj. zustimmend: di Weisheit von oben — ist 
gehellentlink des guten (ist dem Guten zustimmend), Brief Jacobus 
3,17. 

ge-hellig Adj. zustimmend: bis g. deim widerwirdigen = sei 
deinem Widersacher willfährig, T — B Matth. 5, 25. Saulus was g. 
seines (des hl. Stephan) todes: S. stimmte der Steinigung Stephans 
zu, Btb. 7, 59. 

ge-helhmg stf. Zustimmung: nit weit betrigen aiuander neur 
villeicht von der g. = entziehet euch einander nidit, es sei denn 
mit gegenseitiger Einwilligung, T — B 1. Korinther 7, 5. 

ge-hemmet* part. Adj.: der perkemmer scholl g. sein. Chi. 
VHI 26, s. Kehuinbt. 

gehen s. gen. 

ge-henc-nüsse s. ge-heng-nüsse. 

ge-henge* stn.? Türangel: die tür g. von silber di het, Alex. 
Anh. 2084. 

ge-hengen (Prät. gehancte) swv. 1. nachgeben, geschehen lassen: 
2. anhängen. 3. die Zügel hängen lassen: 1. die natür gehenget 
nicht, das widerzemige ding bei einander bleiben, Hier. 29, 2. nicht 
gehenget, das euer zorne bis auf der sunne nidergank wider eurn 
bruder were, 32, 15. got wolte nicht g\, das sant Jeronimus wirdi- 
keit vorborgen were, 118, 7. er bat si, das si im sundiger tat u. 
Unflates gunnen u. leiplichen g. (Beischlaf gewähren) wolte. 156, 25. der 
gehenge des nicht, das es im zu einem oren eingee u. zu dem andern 
ausgee, 174, 13. das sal man in nicht g. (permittere), Const. I 20. ab 
si dorczu nicht g. ad er die missetat nicht stete halden, III 1, 8. das er 
icht vordacht sei, das er darczu gehenge, IV 10, 9. der besteer soll sich 



ge-heng-nüsse — ge-heuer 269 

fursehen, das er nicht gehenge, das das recht der hesteunge erger werde, 
III 6, 15. der wold nicht g. seiner pete (acquiescere precibus), W— B 
Richter 11, 17. er g. nicht der pette des volkes, Par. II 10, 15. er ge- 
hengte in (acquievit eis), Par. II 24, 17. Und do Abram irr pete ge- 
hengte, do brachte sie Agar ir egiptische mait, Gen. 16, 2. Aber her 
wolde nicht g. irr pete, Kön. II 13, 14. er w. n. g. den pitenden, Num. 
20, 21. der wold in nicht g. (concedere), das si czugen durch sein 
lande, Num. 21, 23. Was ist das wort, in dem gehenget hat Ozias, 
so das er gebe di stat den Assiren, ist das unz in 5 tagen nicht 
kumet helfe, Judith 8, 10. Gee u. rate heimlichen der hebreinne, so 
das sie mit willen gehenge (consentiat) zu wonen mit uns, Judith 
12, 10. 2. das volk gehengte dem vride (acquievit pacto), Kön. IV 
23, 3. an einander wol gehengende (sibi consentientes), Sirach 25, 2. 
Jacob gehengte seinem willen, Gen. 29, 28. wolde mit nichte g. 
den bösen unczimlichen wercken (acquiescens operi nefario) Gen. 
39, 8. Atropos (die Parze) des wol gehenget , sie enbrichet (ver- 
kürzt) dir diner tage niht, Alex. 3740. den orsen sie gehancten 
5701. 

ge-heng-nüsse (meist ge-hanc-nüsse) stf. Zustimmung: ein 
gescheft (negotium), das mit der meisten gehenknusse bestetiget 
wird, Const. I 8, 3. Es ist auch offenbar, das in kauffen und vor- 
kauffen peider g. seiu schol, III 6, 2. In disen lehenscheften czeucht 
di bestetigunge u. g. hinder sich und wirt gegleichet dem gepote 
(ratihabitio retrahitur et maudato comparatur), III 5, 2 u. III 1, 8. 

ge-here (ge-hsere, koü. zu här nur Oberl. 501) stn. Haar: be- 
scheren dem nazareer von dem g. (caesarie) seiner heiligunge, W — B 
Num. 6, 18. 

ge-hert part. Adj. v. heren sivv. verherrlichen, schmücken: diu 
trinität gelieret ist, gelobet u. geeret, W. v. W. 2898 f. in hete der 
alte g. kurzewile vil geleret, Alex. 2905. die gezelt wären g. gröz, 
richeit daran gekeret, 3345. Aristotiles der g., 3748. 4103. um den 
hals und ze der brüste was er wol g., vil richeit dar an gekeret, 
5123. er was g. verre baz, dann des er vor in strite vergaz,, 12313. 
Alexander der wol geherte, 16868. doch horte man den geherten 
trcesten die verserten, 15359. in der gote palas, der do vil g. was, 
15440, s. heren. 

ge-heuer, srehiure (= ge-hiure, gehiuwer) Adj. woran nichts 
Unheimliches ist, geheuer, lieblich, angenehm, sanft: so stete u. so 
geheuer kam uus zu handen selten, Ack. 6, 10. alczu schire habt ir 
mir sie entzucket, die getrewen, die geheuren, 17, 19. gehiure: die 
gehiuren werden wol bedäht mit zühten sprächen guoten nacht, 
W. v. W. 1696 f. in (den gesellen) sante der gehiure richer kleinste 
stiure, 3392 f. des hcesten gotes gehiuren (= Christus), — der ein- 
horn wirt er genamet, 2951 ff. er gap der gehiure, der im was 
selbem tiure (gab ihr Trost, den er selber kaum besaß), 804f. lieber 
friunt gehiure, Trist. 353. die gehiure Isöt, 794. der helt g., Trist. 2038. 
2152. 2300. 3321. Artus, der künec g., 2253, 5617. die g. Brangame, 
4426. der Parmenois g., 1448. sine jugent die gehiuren die wil er 
aventiuren, 1451. so hübsche mere g. von schcener aventiure, 1259. 
der g. Adam, Legende 227. — Clitus der vil gehiure, Alex. 4621. 
der süez.e vil g., 6987. der g., (Alex.) 8774. 15750. 15778. 16175. 



270 ge-hez,zjg — ge-hor-samheit 

16860. die reine g., 14527. 17176. 18314. Köxä die gehiure, 26914. 
sin wäpenroc heten der vil gehiuren hende geworht, 7870. der un- 
gestalt und doch der gehiur beriet die wigande, Ernst 3697. 

ge - hez,z,ig (ge-haz,zec, -hez,z,ec) Adj. verhaßt : den sun der ge- 
hessigen (odiosae sc. uxoris) sol her erkennen den erstgepornen, 
W — B Deut. 21, 17. 2. feindl. gesinnt: ewer iclicher sal den andern 
so lip haben, das er g. sei den sunden, Hier. 32, 6. 

ge-hilze (mhd. auch geheize) stn. Schwertgriff: ein swert, das 
ist vor dem gehulze vorgolt, Igl. Stb. III 64c. Do machte her im 
ein swert, zu beiden Seiten scharf, das in der mitte hette ein ge- 
hilze (capulum) wol einer spannen lank, W — B Richter 3, 16. stäche 
im das — swert — in seinen bouch also vaste, so das das g. dem 
eisen nochvolgte in die wunde, 3, 21. u. 22. sines swertes g. — 
war abe gesprungen, Trist. 2170. 2198. 

ge-hindert* part. Adj. zum Gebrauch untauglich: ausgenummen, 
der do were einer gehinderten zungen, Igl. Rspr. X. 

ge-hiure s. geheuer. 

gehlich, gehling (g?ehe-lich) Adj. Adv. s. gechling. 

ge-hörde (md. für gehoerde) stfn. Gehörsinn: meiner g. (au- 
ditui meo), W — B Psalm. 50, 10. wer gelaubd unserm gehord (Ver- 
kündigung), T — B Joh. 12, 38. von der g. des glaubens (Annahme 
des Glaiibens, auditus fidei), Galater 3, 2. wer gelaubt unser ge- 
horde, Römer 10, 16. der gelaub ist von der g., wan di g. ist durch 
die wort kristi, 10, 17. sie abekeren di g. (das Gehör) von der war- 
hait, IL Timothens 4, 4. 

ge-hoeren, gehören (md.) swv. hören, m. Dat. h. auf, intr. mit 
Praep. zukommen, mit an und Acc. oder Dat. zukommen: da schullen 
weder bete noch genade vur gehörn, die Zahlung der Strafe (wandeis) 
aufhalten, Eger Str. A3 u. B 2. wir sein das lebende recht u. ge- 
hört uns an, in unserem kunigreiche recht czu seczen u. machen u.' 
das czu leutern, Const. I 5, 10. Maister, gehört ez, nit zu dir (liegt 
dir nichts daran), daz, wir verderben, T — B Mark. 4, 38. 

ge-hoerig (ge-hoerec) Adj. gehorsam, was angehört, verstanden 
ivird*: so unser dewtzsche sprach nit gehörig sein wil (man sie zu 
Prag nicht verstehen will), Elbog. Chr. 110, 30. 

gehör-sain Adj. gehorsam (mit Dat. der Person, Gen. der 
Sache): das ir in gehorsamer einickeit mit einander lebet, Elbog. 
Chr. 67, 5. unser demutig g. unterthenickeit ewern k. gn. als 
unserm rechten erbhern alzeit bereit, 92, 35. 

ge-hörsamen sivv. gehorsam sein: welche ewern als unserem 
gebot nich gehorschamen (so) wollten, Aussig. Urkdb. N. 44 (a. 1344). 
er gehorsamt euch, T— B Luk. 17, 6. wint und mer — gehorsament 
im, Luk. 8, 25. Matth. 8, 27. Mark. 4, 40. di geister g. im, Mark. 
1, 27. alz, ir zu allen zeiten habt gehorsament, Philipper 2, 12. sune 
gehorsament euren vetern im herren, Epheser 6, 1. knecht, gehor- 
sament dem fleischlichen herren, Epheser 6, 5. Römer 6, 12. 6, 16. 
si gehorsament nit al dem Evangelio, 10, 16. di im gehorsamten, 
Btb. 10, 7. 

ge-hor-sainheit* stf. Gehorsam: ich euch gepewt in der craft 
der heiligen g. und pei dem pann des gesprochen urtails , Eg. Chr. 
1125. S. 302. in der waren g. des stuls zu Rome, 1100. 



ge-hörsamicheu — geinzekeit 271 

ge-hörsamicheu* Adv. in Gehorsam, gehorsam: des hl. ewan- 
gelien warhaftige lere g. halden, Hier. 24, 7. 

gekorsainig-lich s. gehorsam- lieh. 

ge-hörsam-keit (ge - horsamecheit) stf. Gehorsam: umb stete 
gancze trewe u. volkomne g., Stb. Brüx N. 108. das er dem e ge~ 
nanten hertzog Fridrichen g., gelud (= gelubd) u. huldung tut, 
N. 189. 194 u. 181. 

gehorsain-lich, -iglich, f-en) Adv. gehorsam: si wollen sich 
gehorsamglich halten, Elbog. Chr. 69, 1. g. verdienen, 93,40. das 
ir euch dermassen gegen ewr herschaft gehorsamlichen verhaldet, 
39, 13. g. vordinen, Eg. Chr. 1148. g. verhalten, 1184. 

ge-hörsaniung* stf. Gehorsam : der g. zu dem rechten : „des 
Gehorsams zu der Gerechtigkeit", T— B Römer 6, 16. 

ge-host* part. Adj. mit Hosen bekleidet: ein ieder gesell ist 
schuldig und pfiichtig alle suntag noch essens czu dem vater (Her- 
bergsvater) in die herbrig erberlich gehoszt und geioppt (in an- 
ständiger Kleidung) czu komenn und 1 pfenning in die püchsen 
einzulegen, Igl. Stb. V 177 c. 

ge-hüge, gehügede, gehügde stf. 1. Gedächtnis, Erinnerung, 
Andenken. 2. Nachdenken, Erwägung: 1. ob deheiniu so gedähte 
daz ir gehügde brähte, W. v. W. il43. ob ich indert vinden kan in 
mines sinnes genüge rede, Trist. 27. 

ge-huldigen swv. refl. sich mit jemand auf guten Fuß stellen, 
sich befreunden: mit dem er sich gehuldigt (also bliben sie gute 
freunde, Böhm. Chr.) Dal. 72, 17 (28, 67). 

ge-liülfig (ge-hülfec) Adj. helfend: u. sal dawider nicht g. sein 
die aide rede der bergleute, Const. II, 5, 8. 

ge-hülze stn. Wald, Holzwerk, Eg. Achtb. II 222. das g. (des 
fürdachs) die pferde gar nahend erschlagen hett, Traut. Chr. 183. 

gehulze = gehilze s. d. 

ge-hunibt* part. Adj. (vgl. humbelt salz, ein Getreidemaß, 
Grimm Wb. 1, 754) wohl = geeicht: alle zehentschafft sollen gehumbt 
u. mit des herren oder des perckmaisters zaigen bezaignet sein, 
Chlum. VII 21 (der perck-emmer scholl gehemmet sein nach der 
perkgenossen rat u. schol sein gibig und gebig zu nemen u. zu 
geben, VII 26). 

ge-hurnet (= ge-hürnet) part. Adj. von hürnen swv. hurnte 
gehürnet, gehurnt. 1. mit Hörnern versehen. 2. auf dem Hörn 
geblasen: di sahen das antlicze Moysi gehürnet sein (cornutam), W — 
B Ex. 34, 35. 

ge-hüset part. Adj. (auch be-hüset von hüsen sivv. 1. sich 
häuslich niederlassen. 2. wirtschaften, haushalten. 3. beherbergen) 
= ansässig: ist er uns gehüset nä? W. v. W. 1498. s. auch hüsen. 

geil Adj. von toilder Kraft, mutwillig, üppig: sie wurden von 
siner gäbe geil (froh), Alex. 2343. min muot ist diner wirde geil 
(ich freue mich deines Ruhmes), Ernst 234. 

gein-bertig = gegenwertec Adj. gegenwärtig, vorliegend: g. 
(dieses) buch, Eger. Achtb. II Einl. 

geinzekeit* stf. Strenge, Härte: mit uberiger g. (zu großer 
Strenge), Const. I 2, 3 (Hs. K. für gepeinikeit). 



272 geisselunge — geitigunge 

geisselunge* stf. Geißelung, flagellum, W— B V 171b u. Job. 
5, 21. Judith 7, 20. 

geistikeit (geistec-heit) stf. Geistiglceit, spiraculum, Odem: 
W— B Job. 33. 4 (u. Myst.). dez, g. ist üppig = dessen Gottesdienst 
ist eitel, T— B Jak. 1, 26. 

geistlich Adj. 1. geistlich. 2. fromm. 3. geistig: nacb geist- 
licher saczunge (kanon. Recht) etliche schult sein, ab man di nicht 
richet, so ist es schult, Const. I 5, 16. ich bin in zeitleichen, du in 
geistleichen dingen, Sol. 5, 34. 

geistlikeit stf. geistliches Leben, Frömmigkeit, geistlicher Stand: 
in der g. der engel (religione angelorum, im Dienst der Engel), 
T — B Kolosser 2, 18. nach dem gewissen gesleCht unsers (der 
Phariseer) ordens oder g., nach der strengsten Schule unserer Religion 
als Pharisäer, Btb. 26, 5. 

geitig (gitec) Adj. gierig, habgierig, geizig: ein geitiger sinnt 
(der Mensch), Ack. 36, 12. ein sulcher geitiger unseliger man stilet 
also manigen menschen, Hier. 48, 9. die werlt kan locken üf gitic 
vart, Alex. 27281. der tot ist ein gitic sac, 8350. wir werden nit 
gemacht geitik (lasset uns nicht lüstern sein nach — ), T — B Ga- 
later 5, 26. 

geitig-heit, geitikeit (gitec-heit, gitekeit) stf. Habgier, Geiz: 
Das gut bringet geruug und geitigkeit, Ack. 48, 7. etliche leute 
sind besweret mit geitikeit — , etliche mit unfletigen ungeschaften 
worten, Hier. 23, 18. wo nimmersatte g.'? nur allein bei den reichen, 
34, 27. in sulchen des namen prister u. munichen ist so gar uber- 
messig geitikeit gewachsen, — das si nur durch ire g. prister werden, 
46, 26 u. 27. di selben sind besessen mit grosser g., 47, 6. alle g., 
55, 25. hüt dich vor g., 70, 9. hochfart u. g., 107, 8. 178, 18. mit 
grosser g., Const. I 7, 22. 14,6. (geiczikeit, Kod. E), W — B Jer. 
8, 10. sie neigten sich gegen der g. (declinaverunt post avaritiam). 
Kön. I 8, 3. der künec bediutet die gitikeit, die des twinget den 
man, daz, er die siule betet an, Alex. 1002. die muoter aller schänden 
die leiden g., 1501. der turn (an dem römischen Palast der Viktoria) 
kemerer ist die leide gitikeit, Alex. 12544. euer geitikait (eure Be- 
gierden), T— B Jak. 4,1. ein iegleicher wirt vorsucht von seiner 
eigen g., Jak. 1, 14. sint si (di krieg) den nit von euer g., di da 
ritterscheftend in ewern gelidern, Jak. 4, 1. di kreuczigen ir fleisch 
mit den sunden und mit den geitikaiten, Galater 5, 24. darumb di 
sund reichsend nit in ewern totigen leib, daz, ir gehorsamt iren 
geitikaiten, Römer 6, 12. ich west nit di g. neur di spreche = ich 
hätte nichts von der Begierlichkeit gewußt, tcenn das Gesetz nicht 
sagte, du sollst nicht begehren, Römer 7, 7. dise enphiengen teglich 
daz. wort mit aller g. der suchende die schrift = sie nahmen das 
Wort mit aller Begierde auf und forschten täglich in der Schrift 
nach, Btb. 17, 11. 

geitig-licuen (gitec-liche, -en) Adv. gierig: wie sie der leute 
gut und arbeit gleich der hellen g. verslinden, Hier. 27, 23. 

geitigunge* stf. Geiz: durch die posheit seiner g. (propter 
iniquitatem avaritiae) bin ich erczurnet, W — B Js. 57, 17. 

geizekeit stf. Habgier, Const. I 4. 6 Hs. K. 



geiagt — ge-läz, 273 

geiagt, geieut s. ge-jaid. 

gejaid (ge-jegede, gejeide) stn. Jagd, Jagdrecht, Traut. Chr. 65. 
66. 67. 69. 113. 126. dovon, das er as von seinem geieide (de 
venationibus, Jagdbeute)*, W — B Gen. 25, 28. brenge mir von deinem 
geieide (de venatione tua) — wenne du etwas an dem geieide 
gevehest, Gen. 27, 3. I B 25 b c; Elbog. Chr. 10, 23 u. 7, 18. 

ge-kneufelt* part. Adj. geknewselte schue, Knöpfelschuhe, 
Olm. Stb. 113. 

ge-kochte* stn. das Gekochte: Gib mir auch von dem roten 
gekochte (de coctione hac rufa), W — B Gen. 25, 30. 

ge-koese (auch gekose) stn. Bede, Gespräch: die hahen hehutet 
dein g. (eloquium tuum), W — B Deut. 33, 9. czu ewern gekose er- 
hebet ire hercze, so das sie gedechtik sint, wenne hekoret (tenta- 
ti sunt) sint unser veter, so das sie geprufet wurden, oh sie werlich 
(vere) dienten irem gote, Judith 8, 21. mit den gekosen des hasses 
(sermonibus odii) Ps. 108, 3. die gekose ir lebsen (sermonem labiorum), 
Ps. 58, 13. 103, 34 u. ö. ous irem herczen werden sie dir vor- 
prengen gekose (de corde suo proferent eloquia), Joh. 8, 10. ab- 
genomen haben sie von irem gekose (abstulerunt a se eloquia), Job. 
32, 15. höre mein gekose, Job, dorumme u. alle meine rede vornim, 
Job. 33, 1. lassen wil ich wider mich mein gekose (dimittam ad- 
versum me eloquium meum), Job. 10, 1. ich wil seczen (ponam) czu 
meinem gote mein g., Job. 5, 8. 

ge-kretz* stn. „Gekrätz", „Kratz", auch heute noch = Metallab~ 
fälle beim Bearbeiten, besonders beim Schmelzen, um aberslich (ubers- 
lich E. G.) oder um gechrecz — schol man auf dem perge vor dem 
perkrichter oder vor dem munczmeister von recht teidingen, Igl. 
Bgr. N 105. 

ge-laden part. Adj. beladen: die ir arbait und seid geladen (die 
ihr mühselig seid und beladen), T — B Matth. 11, 28. 

ge-lage stn. Gelage, Gastmahl: die Behemen musten das gloch 
bei ein pfenning bezalen, (mußten es büßen, den Kaiser nicht ins 
Land gelassen zu haben), Eg. Chr. 83. 

ge-lsege stn. das Liegen, Lage, Verhältnis, Beschaffenheit: 
der vinde g. und ir wer, Alex. 11886. 

ge-langen swv. 1. tr erreichen. 2. unpers. lange dünken. 3. 
Verlangen, Sehnsucht nach etwas (Gen.) haben. 3., Elbogen. Chr. 89, 2. 

ge-lärt part. Adj. (von swv. leren, unterweisen) gelärter eid 
= vorgesprochener Eid: er hat dem haubtmann ein gelarten eid zu 
got und den heiligen gesworen, Elbog. Chr. 75, 23. 

ge-lauben (ge-louben, glouben) swv. glauben, refl. mit G. sich 
eines Dinges entschlagen, ablassen von etwas: die jager und die 
hunde sich geloubten der vorlornen jaget, Trist. 2417. daz, in (den 
Juden) sint gelaubt (anvertraut worden) di red Götz, T — B Römer 
3, 2. daz, er gleubte siner worte, Ernst. 536. sult ich dir der rede 
gleuben, 569. 

ge-laubig (ge-loubec, gloubec) 1. gläubig. 2. glaubxoürdig: 
disen gerechten gelaubigen man, Hier. 16, 15. 

ge-läz, stmn. 1. Verleihung. 2. Bildung, Gestalt. 3. Benehmen: 
al ir tuon u. ir g. er nach hohem arte maz,, W. v. W. 4996 f. mit 
richem geläze berihter sie üf die sträze, 5278 f. mit frechem ge- 

Jelinek, Wörterbuch. ]ß 



274 ge-läzen — ge-leichsam 

laze (s. frech) ; an ir g. höhen art sie kos u. wirdeclicheu ruom, daz 
si von grösein richtuom u. von grözer herschaft komen sint in ar- 
mut kraft, 2197 ff. die vinde im stritlichen geläz,e, Alex. 7266. Ei, 
werlt, dise unntäz,e diner lieblichen geläz,e ! (Gebilde), Alex. 27 310. 

ge-läz,en stv. V. sich benehmen, betragen, lassen, senden refl. 
sich mit etwas beschäftigen: war mich got geläz,e (wohin mich G. 
schickt), Trist. 3671. sie enwiste wie g., W. v. W. 638. 

ge-läz,en part. Adj. hinter-, zurückgelassen: ires vaters gelassene 
guter, Igl. Bgr. N. 85, 4. zu iungst kamen auch di glaz,zen meid 
(die 5 törichten Jungfrauen), T — B Matth. 25, 11. 

geld s. gelt. 

gelden (auch gelten) stv. 13 zurückerstatten, bezahlen: eine 
grübe u. hütte in Reichenstein wird verkauft auf bestimbte teg czu 
gelden, Igl. Bgr. N. 88, 1. 

geld- einlege -ledlin* stn. Geldbüchse: die g. (Sammelbüchse 
der Türkensteuer) sind vor alle kirchen zu setzen verordnet, Traut. 
Chr. 316. 

ge-lechter stn. Gelächter, Spott: ein g. hat mir got gemacht, 
W— B Gen. 21, 6. 

ge-legelich (nur = gelegen, Kirchenb. 642, 7) Adj. wohl „ge- 
legt" = bestimmt*: das sie ewrn gnaden czu gelegelichen tegen 
kumen, Mind. Egerl. S. 57. 

ge-legen-heit stf. 1. Stand der Dinge, Lage. 2. Beschaffen- 
heit. 3. Angrenzung: durch berge u. g. der wustunge, Hier. 11, 12. 
in di gruben varen u. besehen alle di g. der gruben, Igl. Bgr. N. i, 9. 
funtgrueben erstrecken nach g. der gang, Igl. Mut. 2. das si be- 
sehen die worheit aller g. (ut videant cum omnibus circumstantiis 
veritatem), Const. II 3, 7. die warheit von aller g. des gepirges alle 
wochen erfaren, Const. I 7, 18. von der gesworn g. (De officio 
juratorum), 1 5. Überschrift, besehen alle nueze u. g. des perk- 
werks, 13,1. Dovon so haben wir besehen fleissielich die g. auf 
beiden Seiten (consideratis utrisque circumstantiis diligenter), IV 17, 
6. die g. (circumstantias) der geezeugen soll der Richter zu erfahren 
suchen, IV 12, 9. sweren einen eit, umb alle warheit u. g. czu sagen, 

IV 8, 2. di artickeln und Ordnung verkeren — noch g. der czeit, 
Igl. Stb. V 256 c. di Ordnung endern und czuseezen noch g. der zeit, 

V 178 d. alle g. (gegenseitige Lage) der dörfer, wie weit eines vom 
ander gelegen, mit dem zirkel ausgemessen, Traut. Chr. 309. so weisen 
aus u. beezetigen das unsere heuser u. ire g.; wenn unsere cram- 
heuser enge u. klein ausgesaezt sein u. in grosse losunge u. geschoss 
— gelegt sein, Olm. Stb. 132 S. 101. 

ge-leger stn. 1. Lager. 2. Belagerung*: ob man an dem g. 
schaden nam , Mind. Egerl. S. 42. wer in dem g. (der belagerten 
Burg) petreten, Eg. Chr. 1185 S. 355. ir mayestat — schlugen ir 
g. (Lager) bei Mülesen in feld, 80. 

ge-legt part. Adj. g. tage = dilatoriae: alle gelegte tage (tege 
D. H.), ee der krieg angehaben ist, di sol man auch melden u. fur- 
legen, Const. IV 7,3. 

ge-leichen (ge-lichen) swv. convenire: wenn mugen sulche dink 
geleicht werden? Sol. 6, 8. 

ge-leichsam s. geliehsam. 



ge-leichsen — ge-lichsen-heit 275 

ge-leichsen s. ge-lichsen. 

geleichsen-heit s. gelichsen-heit. 

ge-leine* stn. (von geleinen sivv. refi. sich lehnen.) 1. Lehne, 
reclinatorium. 2. das Liegen, Hohes Lied 3, 10. in dem g. seines 
essens, 1, 11. 

ge-leit (auch geleite) stn. 1. Leitung, Führung. 2. Geleite. 

2. sicheres g. (salvus conductus), Igl. Str. 325. wer das g. überfüre, 
dem kost es den leip, Eger Str. 35. 

ge-leit-brief * stm., Igl. Str. 235. 

ge-leiten swv. geleiten, führen zum Schutz und dafür die 
Gebühr erheben, Elbog. Chr. 11, 3. 50, 19. 50, 30. 

ge-lende stn. Gefilde, Land: dö sie nü waren der stat so nahe 
üf dem gelende, Alex. Anh. 469. 

ge-lender stn. Lehne, Geländer, W — B V 126 a. 

ge-lenke stn. 1. Taille. 2. Falte. 3. Verbindung. 4- Gewandt- 
heit: daz hat ouch ein g. {Wendung zum Besseren) daz sich unser 
pris iht krenke, W. v. W. 1740 f. die anden fünfe (umbhenge) mit 
semlichen gleichen g. (nexu simili) sullen czu einander hangen, 
W — B Ex. 26, 3. ein eiserein gelenke ist dein hals (nervus ferreus 
cervix), Js. 48, 4. 

ge-leuben swv. wissen*, finden*: si (die menschen bei der 
sintfiut) gleubtin in selbir kein weg, Dal. 19, 14 (1, 12). 

ge-leub-lich (geloublich) Adj. glaublich, wahrscheinlich, gläubig: 
an glewblich Urkunde — clag gestaten, Elbog. Chr. 38, 32. 

ge-leufte (ge-loufe, nur wenig Belege bei L.) stn. Auflauf, 
tumultus, W — B Js. 17, 12. von irem gestreuse und g., Job. 3, 17. 

gelt', gelpf Adj. glänzend, von heller Farbe: üz, geifern marmel- 
steine ein grap, Alex. 11113. 12515. 

gelf, gelpf stn. 1. lautes Tönen, Fröhlichkeit. 3. Glanz, Pracht: 

I. in so richem gelfe vernam man nie anger noch die heide, Alex. 7844. 

3. sin kovertiur in wirde was von richem gelfe erdäht, Alex. 9389. der 
gote bilde — als der milde sie het erziuget von richem gelfe, 6161. 
die beiden — kämen in kostbserem gelfe ze Jerusalem vor die stat, 
W. v. W. 3603, 

ge-lich-sam* stf. Gleichnis: von dem feigbaum lernt di g., 
T— B Matth. 24, 32. er seit in auch ein g., Luk. 5, 36. 6, 39. 
er lert si manige dink in g., Mark. 4, 2, er sprach zu in in g., 
Matth. 22, 1. ein ander g. bort, 21, 33. 21, 45. warum redestu mit 
in in geleichsam? Matth. 13, 10. ir hört di gelichsam des seenden 
(vom Sämann), 13, 18. 13, 24. 13, 34. 13, 36. 

ge-lichsen, ge-lihsen, ge-lihsenen swv. heucheln: dez, gelauben, 
der in dir nit ist gelichsent (der ungeheuchelt in dir lebt), T — B 

II. Timotheus 1, 5. di sich gelichsenten gerecht = die sich stellen 
sollten, als seien sie gerecht, Luk. 20, 20. 

ge-lichsen stn. das Heucheln, die Heuchelei: di Weisheit von 
oben urteilt an g. (ist erstlich lauter, pudica), T — B Jak. 3, 17. di 
lieb an g. = die Liebe sei ungeheuchelt, Römer 12, 9. 

ge-lichsen-heit* stf. Heuchelei : inwendig seit ir vol geleichsen- 
hait und ungankait, T — B Matth. 23, 28. di andern Juden gehullen 
seiner gelichsenhait (verstellten sich mit ihm), Galater 2, 13. 

18* 



276 ge-ligen — gelt 

ge-ligen stv. II 1. darnieder liegen. 2. auf einen best. Punkt 
des Jahreskreises zu liegen kommen, fallen. 3. niederkommen ins 
Kindbett: diu vil gewsere mit frühte get also swsere, so ich hoffe, 
in kurczer zit daz sie zehant gelit, W. v. W. 1809. 

ge-lilgt part. Adj. (von liljen swv. mit Lilien versehen) = in 
Lilienform verfertigt: Und ouf die houht der seulen saczte her ein 
gelilgtes werk (opus in modum lilii posuit), W — B Kön. III 7, 22. 

ge-limpf (auch glimpf) stm. seit lö. Jh. sie. 1. angemessenes, 
artiges Benehmen. 2. freundl. Nachsicht. 3. Befugnis, Recht. 
4. guter Leumund. 6. höhnisches Benehmen, Spott: sunder schimpfen 
u. äne argen gelimpfen, so hän wir iueh also (zum Fürsten) erweit, 
W. v. W. 4020; Elbog. Chr. 79, 12. 86, 20. 141, 33 s. glimpf. 

ge-lit-schert* part. Adj. g. wunden = Wunden, bei denen 
Glieder abgehauen oder verstümmelt werden, ahd. lidascart, litschart : 
Von glitschert wunden. Ist daz ainer dem andern ein vinger absieht 
oder wunt oder was gelicze er vorwunt, das glitschert wunden haist, 
der geh dem richter 2 phunt u. dem wunten 5 phunt, Brunn. Str. 
II 10. Ist das er gesunt wiert an den wunden u. nicht glitschert 
wiert, so geit im der, der in gewunt hat, 2 phunt u. dem richter 
1 phunt, II 12. 

ge-loben, -lüben swv. geloben, versprechen, bürgen: dofür 
geloht hannus Eberl u. Stephan smid und entgegen hat gelobt des 
frantz Muckenprunner zum morgengab nach seiner tochter, Igl. Stb. 
III 120 a. als wir nimand gelobt haben noch nimand vorschriben 
sein, Igl. Rspr. XIII. dasselbe gelt haben si gelobt mit gesampter 
hant beczalen mit beraitem gelt auf den nächsten sand Jörgen tag, 
Igl. Stb. III 127 c. do gelubt der obgen. Joh. den obgen. seinen purgeln 
mit dem hoff hinwider si zu ledigen und unschadhaft machen an alles 
gever, III 210 d. sie — gehxben mit gesampter hant, Ulla. 175 a. 
dofür gelubden die obgen. vorweser die Spitalherren und denselben 
vorwesern gelubt der rat und ein iczleicher zukünftiger rate, III 192 d. 
er gelubt im für alle freiheit (des verkauften Hauses) IV 247 b. darzu 
so hab ich für denselben Niclas Vischer gelubt uf dem jarmarkt 
dem Balthasar Gros für XX seh. gross , die ich im hie berait hab 
müssen beczaln, wenn der Mclas Vischer her wider quem, das er 
im die beczalen solde, V. 

ge-lobed s. gelubede. 

ge-lobdnis s. gelubdnis. 

ge-lösen swv. los sein, los werden, einbüßen: nur di wil er di 
kost het (hielt man ihn in Ehren); und do er der gelost, acht man 
in [den Herzog) nit mer, Dal. 170, 31—33 (76, 21—22). 

ge-lot (ge-loete) stn. Gewicht: pussen — von unrechter eilen 
und umb unrecht gelot, Igl. Str. 276 S. 180. 

gel-siden (gel-sidin) Adj. von gelber Seide: ein slogier g., 
Rf. 135. 

gelt (G. geltes, geldes) stnm. 1. Bezahlung, Vergeltung, Ver- 
gütung. 2. Einkünfte, Rente. 3. Preis, Wert. 4. geprägtes Geld: 
1. reichen gelt er im (dem boten) lech, Ernst 389. ieslicher üf der 
minne gelt nam sin ros mit dem sporn, Tristan 1738. sin gelt der 
was riche, sin habe was gemeine, Alex. 183. dem do tödes Ion ze 
gelte gegeben wart, 9735. an der (meiner Tochter) du suez.es geltes 



gelten — ge-lübde 277 

Ion vindes und vil fröiden won, 10932. mit strites tat — buten die 
neide einander g., 13191. die mit strites gelde wol kunnen — 
pungieren, 12245. haben wir schaden vor genomen, des muge wir 
wol ze gelte komen, 11962. er jach sie müesten ir leben algelich 
ze gelte geben, 15036. 20508. da^ ewige leben sol er im ze gelde 
geben, 27596. mit gezelten herlich von tiuren gelten, 3974. 

gelten stv. 1 3 zurückzahlen, vergelten; erwidern; büßen, ent- 
gelten, zahlen, bezahlen; Rente bringen; etivas wert sein, kosten: 
doch e der werde wurde gevalt, er eine sich mit hunderten galt 
(verkaufte sein Leben), Alex. 13400. 

gelter (auch geltaere) stm. 1. der eine Schuld zu zahlen hat, 
Schuldner. 2. der ein Darlehen gibt, Gläubiger: 1. sein gelder, 
Igl. Str. S. 354. 2. der gelder (Gläubiger), Igl. Str. S. 367. gelter, 
der das Pfandrecht erworben hat, 107. 108. hat ein man vur das 
seine gelter, 86. wer dem pütel uinb eczleiche sache geantwort wirt 
oder seinem g. (suo debitori), Igl. Str. B. 40. ich wil im u. seinem 
gelter (hier die Witwe als Gläubigerin) ein sechczehenteil wider- 
geben, also das sie mir 100 schock grossen beczalen, Igl. Bgr. N. 90, 5. 
ob etlicher ist weis und gelter = weise und verständnisreich = wer 
die Weisheit in göttlichen Dingen richtig anzuwenden weiß, T — B 
Jakobus 3, 13. 

gelt-lich Adj. (nur g. pen = multa Voc. 1482) pecunialis: 
iuwer golt ich also nim niht üf geltlichez zil (als Bezahlung), 
niuwan daz ichz iu behalden wil, W. v. W. 2376. 

gelt-schuld stf. Schuld, Forderung: briffe, die uf geltschulde 
innhalden, Stb. Brüx N. 229. solche g. um kauffmansware u. pfembrt 
ist entsprungen, Igl. Bgr. N. 107, 2. 

gelt-zins stm. (nur Mich. M. hof 33) Zins in Geld im Gegensatz 
zu Zinshühnern und -eiern, Brüx. Stb. N. 196. 

ge-lübde (auch gelübede) stfn. Gelöbnis, Versprechen: der im 
schuldig ist von gelubde wegen, entweder von gedingen ader ge- 
mechtes wegen, Const. IV 6, 5. das er das gelubd hat getan u. vor- 
heisen, das er das vorgenante stoiort ken Görliczer gruben, das er 
das nicht anders weit treiben denn den gewerken zu frumen — , Igl. 
Bgr. N. 39, 4. Wenn einer wil dem andern gelubde um gelt tun 
vor im (dem Schreiber) oder erbe oder eigen verseczen, das g. sal 
er nicht beschreiben, sie bringen einen scheppen denne czu im, der 
das g. höre u. den er mit namen in der toffel beschreibe, Igl. Str. 
S. 362. Umb ein grosse sache u. auch umb ein gross gelobde hat 
scheppen geczeugusse nicht kraft, es sei denne, das sie der richter 
gesant habe oder dozu gebeten sein, Igl. Str. I S. 358. Wenne ouch 

fut ist dein gelubde (promissio, hier Versprechen), W — B Judith 11, 21; 
's. 55, 9. das geczeld des gelubdes (foederis tabernaculum), Num. 4, 4. 
gelubde habe ich mit in geslagen (pepigi foedus), Ex. 6, 4. do ich 
ingieng under si zu Damasch (Damascus) mit gewalt und mit dem 
gelubd (Auftrag) der fursten der pfaffen, T — B Btb. 26, 12. er hilt 
den lantlutin nit sin gelobde was ein wicht, Dal. 139, 10 (63, 4). 
der gefenknusz und gelubde ledig werden, Elbog. Chr. 25, 21. 
gefangne — auf gelubde ader purgschaft außgeben (freilassen), Eg. 
Chr. 1089. aus den selben erb-eiden und glubden (dem Erbherrn 



278 ge-lübdnis — ge-lustsamen 

geschivorenen Eiden) sulleu sie ledig lassen, Elbog. Chi'. 36, 28. das 
man sie mit erblichen eiden und glubden verstrickt hab, 36, 22. 

ge-lübdnis* stfn. Gelöbnis: unangesehen, das sie die pflicht 
und getrawickeit (Treue) globdnis u. huldung dem — konige haben 
getan, Elbog. Chr. 155, 24. 

ge-luber* (von gelüben swv. versprechen) stm. Verheißer, pro- 
missor: du — got — bist ein g. u. ein gelubd, Sol. 100, 14. 

ge-lübig* Adj. einer der etwas gelobt hat: sie sind mit band 
und mit munde an ein ander glubig wurden (haben einander gelobt), 
ab sie imands — notrechten wulde, eins das ander, als der adel di 
stat und di stat den adel nicht lassen, sunder an einander — hulf- 
lich und retlich sein, Elbog. Chr. 111, 38 f. 

ge-lübnis* stnf. Versprechen, Gelöbnis: wo — ein geselle er- 
funden würde, das er sich mit eines guten mannes kinde vorglübet 
(verlobt) hätte und seinen glübnis nicht nachkeme — , Traut. 
Chr. 173. 

ge-lücke, glücke stn. 1. Geschick, Glück. 2. Zufall. 3. Glücks- 
rad. 4. Beruf, Lebensunterhalt: 2. Seth in gelückes wege quam 
wider zu sinem vater Adam, Legende 395. 

ge-lücken (auch glücken) sivv. glücken; Glück haben: einen man, 
der in seinen tagen nicht wirt g. = qui non prosperabitur, W — B 
Jer. 22, 30. Und gelückende wirt im in denselben (prosperabitur), 
zu den ich es hab gesaut, Isaias 55, 11. wir sin gelich gelücket 
gar = in ganz gleicher Lage, Alex. 15 596. 

ge-luck-lich Adj. prosper: nichtesnicht wirstu gelukliches 
haben, W— B Jer. 2, 37. 

ge-ludem stn. Lärm (nach den Belegen bei L. wohl md.): do 
erhub sich ein gros g. in den purgen der Philisten u. wuchs meklich 
u. ie lenger, ie grösser (tumultus) W — B Kön. I 14, 19. von dem g. 
der hochfart (a strepitu pompae), W — B Jer. 47, 3. 

ge-lüppe stn. Giß, Zaubersalbe: wie Tristant wart mit g. wunt, 
Trist. 6723 ; Alex. 8063. 20 715. ze der brüst in einer schöz, mit 
g., 22934. 

ge-lust sttnf. (md. immer f., gelost Pass.) Begierde, Gelüsten, 
Freude: di in selig g. kumen sint (felici iucunditate adepti). Sol. 
95, 29. nach triuwen gelüste ir roter munt in kuste, W. v. W. 7505. 
Und die stat wart geheissen greber der gelust (sepulcra concupis- 
centiae), W— B Num. 11, 34. der samen der g. (semen coitus), 
Samenfluß, Lev. 15, 16 u. 22, 4. 

ge-lüstel stn. kleines Verlangen, Gelüsten: ob ein g. von herzen 
Tristande gät, Tristan 714. 

ge-lusten (auch ge-lüsten) sivv. Praet. gelüste, tr. sich freuen, 
unpers. mit Akk. der Person u. Gen. der Sache: an etivas Gefallen 
finden, mit Gen., Inf., Praep. oder Adv. : ist das dich — kost des 
fleisches gelüstet, W — B Deut. 12, 15. 

ge-lustigen swv. (nur DFG.) sich freuen: g, wirt in veistikeit 
ewer sele (delectabitur in crassitudine anima vestra), W — B Js. 55, 2. 
in iren unmenschlichen sunden hat gelustiget ire sele (delectata est), 
Js. 66, 3. 

ge-lustsamen* swv. (v. lustsam, lieblich, anmutig) erfreuen, 
oblectare, W— B V 177a; Prediger 2, 10; Sirach 16, 1. 18, 32. 27. 32. 



ge-niach — ge-inecht 279 

ge-mach stmn. 1. Ruhe, Wohlbehagen, Annehmlichkeit, Pflege. 

2. Zimmer, Wohnung: in solde geschehen gnot gemach (sie sollten 
gut aufgenommen iverden), W. v. W. 4991. das wir mit g. wesen 
= in Ruhe, 1686. wider hervür der fürste gie. die frouwen er hi 
gemache lie, 1449. das get uns czu herczen durch gutes gemaches 
willen des gepirges, Const. I 5, 2. unser durchleuchtigkeit — alle- 
wege wacht czu gemache der undertenigen, I 7, 22. ab unser nucz 
auf dem perkwerke — den suuderlichen gemache furgeczogen wirt, 
II 5, 9. als czimlich ist, das wir fleissig sein des gemaches unser 
untertenigen, I 5, 10. sie was wert, ob ir minneclich gemach von 
dem herren dö geschach, Alex. 3843. unz daz, die sunne gerte daz, 
sie ze gemache wolde gän {zu Raste, untergehen wollte), 5813. dö 
die sunne sich ze gemache stalt, 9831. do'er pilleich fride und g. 
scholt gehabt haben, Eg. Achtb. II 44. durch frides u. gemaches 
wegen, Mind. d. Egerl. S. 52. der selben gemech sol der Krzisane 
geprauchen die selben 2 jar frei und ledig, Igl. Stb. V106b. 

ge-machel stsium. Bräutigam, Gemahl: Joseph ir g., T — B 
Matth. 1, 19. iren lieben g., Elbog. Chr. 15, 21. 

ge-macliel(e) swstf. n. Braut, Gemahlin: Maria dein g., T — B 
Matth. 1, 20. 1, 24. in die archeu — nam der wise man zwei ge- 
mahel vogel, tier = Pärchen, Alex. 11257. 

gemack-sam Adj. bequem : da sie g. mugen gesein dopei, Const. 
17,9. 

sre-machsamc-lick* Adv. (von gemachsam), bequem, commode, 
Const II 1, 4. 

ge-msez.e s. ge-mez,e. 

ge-mech-lich, (-e, -en) Adv. 1. bequem. 2. mit Bedacht. 

3. langsam, allmählich. 3. drei Weinreben, die wurffen ous g. 
(paulatim) loup u. blute u. noch der blute sach ich die weiutrouben 
czeitigen, W — B Gen. 40, 10. die steine (Acc.) ousholern die wasser 
mit ubergussen gemeclichen wirt vorczeret (paulatim), Job. 14, 19. 

ge-mecht, -e stn. 1. Verfertigung. 2. Geschöpf. 3. Vermächt- 
nis, Testament. 4. gerichtl. Handlung und Abmachung, Verein- 
barung. 5. Zusatz zu einer Mischung: 2. du (got) mein macher 
u. ich dein gemecht (opus), Sol. 78, 11. Dein g. bin ich (plasma), 
6, 33. 4. recht, gesecze u. g. (statuta), Igl. Str. B S. 194. von 
puzze, wer ein rat oder gemechte prichet, Igl. Str. 187. welches 
— teil — der teidinge u. gemechtes übertritt, das sol getwungen 
werden von dem richter alle gerechtikeit czu tun dem andern 
teile, Const. III 6, 15. er sprach, wie das ein gemecht und 
wilkur gescheen sein czwischen den pergwerken czum Prunne und 
czu Sent Jürgen, Igl. Bgr. N. 52. 1. dem sol dicz g. nicht zu hülfe 
noch zu Steuer komen, N. 51, 9. darinne redlich g. u. wilkur ge- 
schriben sein, N. 57, 4. Dornach ein gemechte geschach, das di vom 
Thodel in (den Preiskowern) abtraten eines haspeis (einzelnen Schacht), 
der do genant ist czu dem Pirkner — sie paidirseit mit wilkur ein 
g. machten, N. 65, 1. u. diser rat u. dicz g. ist von den obgenanten 
ratleuten vorpunden pei trawen u. pei ern kegen peiden teilen — 
wer des gemechtes nicht enhild — , N. 53, 13. dem teil, das das g. 
helt, N. 40, 6. Da machten di scheppfen aines vollen rates ein aus- 



280 gemecht-leute — ge-mein 

sproch u. ein g., das in des perks puch geschriben u. gewert ist, 
N. 40, 2. die eidern mit dem rate haben das Weinschenken u. das 
g. (ihre Bestimmungen darüber) = N. 53) vorhort u. aigentlichen 
gewegen u. erkaut, das es not ist in sulcher mas zu halden, Olm. 
Stb. 60. das oben geschriben gemechte vom weinschetzeu u. Wein- 
schenken, 60. soliche satczung u. g. in frischen gedachtnuß haben, 63. 
Darumb so sein die hernach geschriben gemacht derdacht, derfuuden 
u. den fleischhackern aufgesatczt warden, 98. die (Tuchmacher — ) 
knappen heimleich under in vorboten u. ein g. machten, das den 
egenanten Niclasen Hebrl sein hausfrauen noch iren hindern nimaut 
ous in arbeiten solde, 96. ein geding und ein gemecht ist geschehen 
umb den newen teich, Igl. Stb. III 232 a. ein gemecht uud ein 
frundtleiche Verrichtung, III 194a. ein freye wilkur und ein g., 
III 194 c. ein frundtleiche berednus und ein gancz ewigs g. — umb di 
Tawbenmul , III 206 d. so indert eines aus in wider dicz g. tet — 
das er das nach erkentnus derselben berichtleut seinem herren sol 
verpüessen, V44a. ein g. über eine müle, 11140 c. 

gemecht-brief stm. Vertragsurkunde: abschrift eines geinecht- 
brives des erwirdigen herrn Abts. Igl. Stb. V 11 d. 

gemecht-leute* st. PI. Leute, die einen Vertrag schließen oder 
dessen Zeugen, Igl. Stb. III A 136b. die g. und mechtig uberleut 
= die Vertragschließer und deren Bevollmächtigte, III 193 d. 194b. 
des sint g. Johannes Lulleich, Janko Schonmelczer und ffrentzl 
Holcz, dis also czwischen paiden tailen vorricht haben, das der 
Ulreich Payr dem procop rechung getan hat und im geantwurt hat, 
alles was er iunen hat, III 119 a. 119 b. wir vorgenanten g. (Zeugen) 
11160a. 136b. 138b. g. (Zeugen) der fruntlichen Verrichtung, ITJ 
327 d. 

ge-mein Adj. allgemein, gemeinsam: g. urtail, sententia com- 
munis, Weist um: Und ist daz, daz ein vorsprech vor chlag u. vor 
antwurt noch ainem gemainen urtail vragt, Brunn. Str. II 200. 
Von den vier gemeinen, was macht sie haben, von alter herkumen 
ist, als oft ein rat gesaczt wirt, das im der selb rat uud die gancze 
gemeine vier erbere pidirwe manne, czwene uz, dem alten rate und 
czwene aws der gemeine, kisen sullen und den bevelhen der gauczen 
gemein notdurfft und nucz mit sampt den scheppfen czu besorgen — , 
Igl. Str. 190. Sie sind vielleicht ein Ersatz für die „Genannten" 
des Prager und der Babenbergischen Rechte ; im Prager und Brünner 
Recht sind „die gemeinen" unbekannt. Haind Ortwein, Nikusch — , 
parchanter und Hanus Elbil der vier gemein, Igl. Stb. III 39 b. im 
(Tristan) was ein gemeiner lip doch lieber wan ein ander wip, 
Tristan 279. 

ge-mein, -e stf. 1. Gemeinde. 2. Anteil, Gemeinschaft. 3. Ge- 
meindeeigentum: 3. das si haben ein gemein — , der hat sich 
Hanns Stocker underwunden u. hat di vorprochen (= den Rasen) 
u. ains tails mit weiden bestakt, Igl. Str. 292 S. 199. das si vor- 
puten, das di gemein u. der rasen icht vorruckt wurde furpas u. ver- 
pruchen. Ebda. Ein g. kann sich nicht verligen, S. 201. N. 266. 
S. 170. 

ge-mein (e) Adv. auf gleiche Weise, zusammen, insgesaynt: di 
kunig der erd, di da gemein unkeuschten mit ir (Babylon) = die 






ge-nieinec-lich — ge-melt 281 

K. der Erde haben mit ihr Unzucht getrieben, T — B Offenb. 18, 3. 
18,9. 

ge-meinec-lich, -en (gemeinliche -en) Adv. gemeinschaftlich, 
insgesamt: u. ander scheppen g., Igl. Bgr. 1, 1. rieh und arm waren 
do sin (Tristans) gemeineclichen vrö, Tristan 532. nu hat uns — 
der kunic geschriben, das wir gemeniklich unser eldisten zu seinen 
gnaden kumen sollen — , Igl. Espr. XII. 

gemein-eldester* stm. Ältester der „gemeinen'', Traut. Chr. 201. 

ge-mein-sanien stvv. 1. Gemeinschaft haben mit, teilhaben an. 
2. Unzucht treiben mit, beschlafen, 3. tr. und refi. vereinigen: 1. di 
Juden gemainsament nit mit den Samaritanern, T — B Job. 4, 9. er 
gemainsamt sich zu seim weip (wird seinem Weibe anhangen), Matth. 
19, 5. di got alsust gemainsamt, der mensch enscheid es nit, Matth. 
19, 6. gemainsament euch in den notdurftigen dingen der heiligen 
= an den Bedürfnissen der Heiligen nehmet Anteil, Eömer 12, 13. 
es ist verpannen ain man Juden ze g. und ze gen alz, zu eim 
fremden gesiecht = Tlir wißt, wie ein Jude es verabscheut, sich 
einem Fremdling anzuschließen, Btb. 10, 28. 

ge-inein- sanier* stm. wer Unzucht treibt mit jemand: den ge- 
mainsamern der manne (beschlafern der knaben, 11. Bibel, Knaben- 
schänder), T — B I. Timotheus 1, 10. I. Korinther 6, 10. 

ge-mein-samunge stf. 1*. Gemeinschaft. 2. Unzucht, forni- 
catio (bei Lexer aus der Bibel von 14S3). 1. die gemainsamung 
deins glauben, T — B Philemon 6. di lib Götz und di g. dez, 
heiligen Geistz, II. Korinther 13, 13. ist er (der kelch) nit g. dez, 
plutes Kristi, I. Korinther 10, 16. in der g. der brechung des protz, 
Btb. 2, 42. m 

ge-mein-schaft stf. 1. Gemeinschaft. 2. Gemeinde, mit steten 
gemeinsebaften u. knechten, Saazer Urkdb. S. 179. s. lantherre. 

ge-nieint* part. Adj. gesonnen: wen sein k. m. (königliche 
Majestät) ist nicht g. (willens) eyn czu seezn czu schaden ader 
missefal, Eg. Chr. 1127 S. 305. 

ge-meit Adj. 1. lebensfroh, vergnügt. 2. keck, tüchtig. 3. lieb- 
lich, schön: 3. den frouwen gemeit, W. v. W. 1633. mangiu frouwe 
clär u. gemeit, 7098. wan der knab hat ein gemaiters hüettl 
gehabt dann ich, Igl. Str. S. 265. Alex, der gemeit, Alex. 12109. der 
herre hübesch u. g., Trist. 1579. 1825. der helt g., 3387. er az, 
und tranc und was g., Schretel 174. 

ge-niel (= ge-msele) stn. Malerei, Verzierung: die becken 
haben die stellen (Verkaufsstände) mit gemehl (nach einer gezeich- 
neten Skizze) unterschiedenlichen lassen auszteilen, Traut. Chr. 193. 218. 

ge-melde (== ge-mselde) stn. Bild, Gemälde, Malerei, Prägung 
auf einer Münze : u. grub dorein (in die Holztüren) g. (Schnitzwerk) 
der cherubim u. die gestalt der hende (palmarum species) u. machte 
doruber g. gar hoch übertretende (anaglypha valde eminentia W — B 
Kön. III, 6, 32. 

ge-mellen (= ge-mahelen, ge-mehelen) swv. sich verloben, ver- 
mählen: so gezimt nit ze gemellen, T — B Matth. 19, 10. 

ge-melt part. Adj. genannt: den gemelten thon, Igl. Ms. S. 
17. an den gemelten tag, Eg. Achtb. IL 101. 



282 ge-mengt — ge-nade 

ge- mengt part. Adj. (vom swv. mengen) gewirkt, bunt: ge- 
mengter kunst (opere vario), W — B Ex. 36, 8. ein rational gemengtes 
werke (rationale opere polymito, einen Brustschild, künstlich ge- 
wirkt), Ex. 39, 8. einen gemengten rock (tunicam polvmitam), Gen. 
37, 3 u. 23. 

ge-merk (ge-merke) stn. 1. das Gemerk der Meistersinger: 
kauffen bereitschafft zum g. ; gehet es bei dem g. unrichtig zu, wie 
selbst die gewinner bekennen; Ja man acht auch keinen jungen 
gefreiten singer würdig, ein g. sehen zu lassen; so muß doch des 
tichters g., weil im das gesang bekandt, glat sein, Igl. Ms. S. 19. 
2. abgegrenzter, gemessener Raum: das nimant an iren (der stolner) 
danck innewendig ires stollen gemerken getar in ganczem rasen ar- 
beiten, Const. II 4, 13. umb greniczen u. gemerken, IV 5, 1. der 
acker mit rain u. mit gemerkhen, Brunn. St. I 479. des gemerkchs 
Emath (terminus) , W — B Ez. 47, 17. die gemärckh oder reinstein 
(Grenzsteine) ausrotten u. vertilgen, Chlum. III 4. wann einer ent- 
leibt wurde auf dem gemerkh (Grenze) — wo der merer theill hin- 
ligt, daselbst soll er hie berechtund werden, Chlum. I 6. Heinrich 
an dem gemerke was , Ernst 718. der keiser kam an das gemercke 
(Landes grenze), Böhm. Chr. 68. 

tremer-lich (jsemer-lich) Adj. schmerzhaft, jammervoll: daz, g. 
scheiden, Trist. 5511. 

ge-mez, stn. Strophengattung: Marcus Michko — ist durch 
alle 6 ordentliche gemeß geprobirt u. entlich auff erkenntniß gefreiet 
worden, Igl. Ms. S. 17. 

ge-niez, (ge-msez,e) Adj. 1. maßhaltend, mäßig. 2. angemessen: 
2. Tristan den zühten was geme^e, Trist. 2153. 

ge-mez^en part. Adj. (von niez,z,en stv. 1 1 messen, zuteilen, 
gehen) gemessener tag = Termin: Do wart gegeben ein g. tag, 
Igl. Str. 263 S. 162. 

ge-minne Adj. zugetan, liebreich, freundlich: Tristan was ie 
von kinde g. unde mitesam, Tristan 1228. 

ge-mirt part. Adj. von mirren sivv. : den geruchsamen gemirten 
poum (myrtum), Js. 41, 19. 

ge-muot Adj. gesinnt, gestimmt, wohlgefallend, lieb: dö sprach 
der reine gemuote man, W. v. W. 6151. „iuwer gitecliche girde, die 
ir nach fremden guote traget, iuch mir gelich gemuoten (gleichge- 
sinnt) saget" (so spricht ein Räuber zu Alex.), Alex. 24120. 

ge-muoten swv. begehren, verlangen, mit Dat. gefallen: daz sie 
ander wort geviengen (zu hören bekamen) die noch wol ir wipheit 
huoten u. nie krankheit (Schwäche) gemuoten, W. v. W. 1025. 

gen, gän unregelm. stv. V. gehen: g. zum hals = ans Leben 
gehen, Elbog. Chr. 24, 19. 

ge-nächenung* stf. Möglichkeit einer Annäherung, Zutritt: 
durch in (Christus) haben wir paid g. (zugang 11. Bibel) in aim 
geist zu dem vater, T— B Epheser 2, 18. 

ge-nade, gnäde stf. 1. Ruhe. 2. Behagen, Glück, Glückselig- 
keit. 3. Herablassung, Unterstützung. Gunst, Huld, Gnade. 4. Fuß- 
fall, um zu danken, ausgesprochener Dank: got, ich mache dir 
gnäde (ich danke dir), t— B Luk. 18, 11. Joh. 11, 41. er macht 
gnad = segnete, Matth. 15, 36. do er het gemacht gnad, er teilt 



ge-nad-sam — ge-nemekeit 283 

— di brot, Job. 6, 11. Mark. 8, 6. er nam den kelck und macht 
genad, Mark. 14, 23. Matth. 26, 27. auf g. sten s. sten. 

ge-näd-sam* Adj. gnädig, Gnade enthaltend: mit deinen genad- 
samen brifen, Hier. 99, 21. 

ge-nseme s. geneme. 

ge-nant Adj. Die „Genannten" bilden den größeren bürgerl, Rat 
und vertreten die ganze Bürgerschaft (s. gemeiner in lglau). Die 
alten Genannten (gewöhnt. 8) bildeten mit den Bürgermeistern den 
kleineren Rat, Prag. Str. 129. kein man, er sei schepfe oder ge- 
nanter oder gemainer, 129. genant gelt = bestimmte Summe, Eger 
Str. XV 5. 

ge-natüret part. Adj. von Natur aus beschaffen, geartet: Tristan 
mohte auch einen stern hän mit der künigin gemein, der g. nach 
im was (bald glänzte, bald trübe ivar), Tristan 257. genatieret, Traut. 
Chr. 55. 

genc-licli Adj. vergänglich: wie hinslichende und g. ist die 
werltliche minne, Tristan 6850. 

ge-necli-lich* Adj. nahbar, dem man sich nähern darf, accen- 
sibilis: ir habt euch nit genachent dem geneclichen feuer, T — B 
Juden 12, 18. 

ge-nedikeit (ge-nsedec-heit) stf. Wohlwollen, Gnade, Barm- 
herzigkeit, propitiatio (in W — B) = gegeben habe ich deine g. 
Egipten, der moren laut u. das lant Sabba vor dich (dedi propitia- 
tionem tuam Aegyptum etc. pro te, als Lösegeld für dich), W — B 
Isaias 43, 3. mit der hant, mit der er der g. czeichen (signum 
clementiae) beweiste, Esther 8, 4. 

genedic-licli, -en* Adv. gnädig, freundlich: mein rede ein- 
felticlich, g. und gütlich uffnemen, Igl. Stb. VIOa; W. v. W. 6475. 

ge-neig* Adj. geneigt, gewogen: bis geneig mir sunder = sei 
mir Sünder gnädig, T — B Luk. 18, 13. 

ge-neme, ge-nseme Adj. 1. annehmbar. 2. angenehm, ivill- 
kommen. 3. schön, freundlich. 4. geneigt, gewogen*: 3. wie 
liutsselic u. genseme, wie hübsch u. wie gezseme ist allez ir ge- 
bären, W. v. W. 5060ff. ez, was allez gezseme liutsselec unde ge- 
nseme, 6510. frouwe Bene diu gar genseme, 4302. die gensemen 
kindelin, 1959. 2. einen edel u. wol genemen tempel hastu denne 
gemacht dem almechtigen gote, Hier. 47, 20. wurket tugentlichen, 
diweil diese geneme zeit ist dem almechtigen gote, 56, 23. ein 
silberein genem vas (acetabulum argenteum), das do wug 30 und 
hundert schock scot (centum triginta siclos), W — B Num. 7, 25. 31. 
37. 67. die geneme hinde ( gratissimus hinnulus ) , Spr. 5, 19. des 
thimianischen weirouches, des genemsten unserm herrn (gratissimi 
thimiamatis), Lev. 4, 7. gäbe sol den nemer zu genemen (gern ge- 
leisteten) dinsten reiczen (ad grata obsequia), Const. III 7, 1. das sie 
(die urborer) — alles percvolk uns geneme machen sullen, I 2, 1. 
ich habe das geneme (bewillige, gratum habeo). das du bitest, 
W — B Gen. 30, 34. wie pergkwerksordnung genem helt, Igl. Mut. 15. 

ge-neniekeit (= ge-nsemec-heit nur aus, Berth. Kl. 241 = An- 
nehmlichkeit, Beliebtheit) stf. Ernst, gravitas, Ansehen, Autorität: 
Auch sol sein an den geczeugen, di man czuleset: wierdikeit, war- 
heit, g. u. gute siten, Const. IV 12, 9. 



284 ge-nende — ge-niez, 

ge-nende Adj. kühn, mutig, eifrig, sich sehnend nach: ein 
helt, inenlich und g., Trist. 1339. dem stolzen u. dem g., 4667. 
got der g., Legende 107. der g. (Äpelles), Alex. 11792. 24330. 
24735. 26373. di genenden hertecliches kampfes smide, 15246. 
daz, den g. begunde sere erbarmen, 21188. aucb weinet die magt 
g., daz, sie was eilende, Ernst. 2681. mutig, männlich: sines muotes 
der g. der böchgeborne Wende, W. v. W. 418 f. dem edeln wirt 
genenden, 256. 3208. 2359. der sücze wert genende, 3375. diu 
senfte geuende, 4299. 

ge-nendec, genendig Adj. — genende: Willalm was genendec: 
W. v. W. 886. der wirt was ein g. man, 3120. genendic (ivillig) äne 
wider kif {Murren) tun die beiden Knaben schwere Arbeiten, 4746. 
= mhd. genenne berühmt, nominatus: der genendigste (nominatissi- 
mus), W — B Par. I 20, 11. vornünftic und g. üf mauheit und üf alle 
tilgend, Tristan 1658. als die bracken üf der tiere vart waren g., 
22079. der oucb üf prises bejac g. (Adv.?) torste riten, 19771. 

ge-nenden swv. Prät. ge-nande, -nante, ge-nendet, genant intr. 
wagen, Mut fassen, sich erkühnen, sich entschließen : wisliche sie 
(di lantherren) genanten, bi zit sie wider wanten , W. v. W. 3801. 
Wiplich sie genante ir rät sie besante, 6818. Sin gotbeit durcb 
uns genante daz er den engel sante in die stat ze Nazaret, 2794. 
dem (Albänus in Norwege) erbot der herre alsus, daz an Krist ge- 
nanden (glaubten?) das volc gar von drien landen, 7745 f. Willalm 
der werte genante swaz im frouwe Bene sante, 7296. wenne, got, 
ich genende gerne an des gebot, Alex. 26202. daz, wir mit strit- 
licber not an sie g. durcb got, Ernst 2084. 

ge-nendic-lich Adj.* kühn, entschlossen, vertrauensvoll: daz, 
wir den Persän — sie abe erstriten mit genendielicber craft, Alex. 
21345. 

ge-nendic-lich, -e, -en Adv. kühn, entschlossen, vertrauensvoll: 
g. sie kämen, W. v. W. 3545. der wirt g. sprach, 2788. ein bürger 
zuo in g. sprach, 3819. 

ge-nendikeit stf. Kühnheit: er hielt sin bürgere wol und dabi 
doch in vorhte: sin g. daz, worhte, Alex. 14884. 

ge-net pari. Adj. (von nsejen, nsejete, näte, nsete, nähen, kunst- 
reich steppen und sticken): mit geneter kunst (opere plumario), 
W — B Ex. 26, 31, mit genetem werke, mit Stickereien, Ex. 26, 36. 

ge-nieten s. nieten. 

ge-niez,, geniez, stm. Benutzung, Nutznießung, Ertrag, Genuß, 
Genußsucht: der schol alles geniesses emperen (lucri expers erit), Igl. 
Bgr. U — A 16. di urborer, den wir unser urbar umb einen sichern 
genis gelassen haben (pro certa pensione, Preis), Const. I 4, 7. wo et- 
wenne genies gewesen ist (emolumentum), 1 15, 13. verkauffen umb ein 
genanten czins u. gnies (pensione), II 2, 16. der genies ader schade 
(einer gekauften Sache geht den Käufer an), III 6, 1. wann wo der 
genies ist, da sol auch di arbeit sein, III 1 15. Dorumb er (der 
statschreiber) über den gotczlon den hernach geschrieben geniß hat, 
Olm. Stb. 81. geniesz der Stadt = Ertrag, Traut. Chr. 93. wann 
wser nü min daz, minnecliche fröuwelin — daz, wurde an stelden 
min geniez,, Alex. 17014. di oucb mit des closter geniz (auf Kosten) 
czu Kunigssal begraben wart, Dal. 9, 6. 



ge-nie^en — ge-nüg-lich 285 

ge-nie^en stv. III. tr. inne haben und benutzen, mit Gen. von 
etwas Vorteil haben, darüber sein Hecht behaupten: tar sie das be- 
weisen mit einem rechten, si geneust sein, Igl. Str. 221b. manger 
varwe sin gewant genöz,, Alex. 5130. er sol auch der wisen und der 
pin (Bienen) genisen, Igl. Stb. III 321c. des halfenteils genisund sin, 
HI 328 d. 

genierlichen Adj. nutzbringend: di das den armen kranken g. 
anlegen, Olm. Stb. 73. 

ge-nist, genist stf. Heilung, Genesung, Rettung: da (in die 
lache) senkete ich mich in durch genist des lebens min, Trist. 1064. 
5615. 

ge-nist (e) stn. Nester: die grifen die man ofte zucten und in 
ir geniste ructen (in ihren Horst entführten), Alex. 25068. 

ge-nöte Adv. angelegentlich, eifrig, sehr: er gedächte ouch ie 
g. an sin ander Isöte, Tristan, 169. die reizten ie g. den helt üf 
niuwe ritterschaft, 1424. hie mite rief er g. der blunden Isöte, 5361. 

ge-nötig (== ge-noetec) Adj. dringend, eifrig: durch unfrides 
u. auch ander genotiger sache wegen, di uns u. unser gemeine iczunt 
anligen, — unser eidgenossen czu euch nicht senden mugen, Igl. 
Str. 332 S. 249 (u. 1415) N. 330. 331. vor unfrid und auch ander g. 
Sachen wegen, Igl. Rspr. III. ob sie — ires geldes am genotigisten 
notdurftig werden, Igl. Stb. V 167 c. 

ge-nöz,, -e stsivm. 1. Gefährte, Genosse. 2. mit Gen. oder Poss. 
= an Wesen, Stand, würde gleich : niht ist noch nie wart sin (Jesus) 
g., W. v. W. 2923. wisheit, der himel und erde genöz,, Alex. 8417. 

ge-nöz,en swv. gleichstellen, rechnen zu, zugesellen: man genozt 
in zu einen diebe, Chlum. VIII 17. 

ge-nucht stf. Genüge, Fülle : spise vil bereit von manger hande 
g., W. v. W. 156. da was alliu g. von kostlicher spise, 1547. daz 
er vogel, visch u. alle g., wtirme, tier u. alle frucht, sunne, mäne 
u. den tac — geschepfet hat, 3022 ff. 

ge-nucnt-sam Adj. reichlich, uberrimus: das brot des getreides 
der erden wirt genuchtsame, W — B Js. 30, 23. einen genuchtsamen 
ölpaum einen czirlichen u. einen fruchtpern (uberem) — hat genant 
der herre deinen namen, Jer. 11, 16. 

ge-nüge, md. genüge stf. Genüge, Fülle: nim si, herre, in die 
volkomen genüge, do genügt den minsten als den grosten, Ack. 
58, 10. wir mainen — an dem an uns gescheen — ein genug ge- 
west were, Eger. Chr. 1162. darumb di von Nurenbergk in ein 
genug gemacht, des ir slosz, stat und Warmpad den van Nurenbergk 
ein offnung sein sal zcu irer notdorf bei tag und nacht, Elbog. Chr. 
120, 2. 

ge-nüg (— ge-nuoc, -ges) Adj. genügend : die perkmeister u. ge- 
werken sullen errczscheider kisen u. irer arbeit genuk tun (satis- 
facere, bezahlen) mit ercze, Const. 1 19. 

genügen subst. Inf. : pflichtig czu verrechen u. ein g. czu thun, 
Igl. Bgr. N. 85, 4. 

ge-nüg-lich (= genüegelich) Adj. genügend: mit genuglicher 
rechnung, Igl. Bgr. N. 80, 4. mit genuglicher macht , Elbog. Chr. 
5,17. 



286 ge-nüglich — ge-räde 

ge-nüglich Adv. genügend: des g. erinnert worden, Eg. Chr. 
1070. 

ge-nüg-sam (genuocsam) Adv. Fülle habend, bietend, fruchtbar: 
genncsames landes (regio uberrima) ist, das vich czu weiden, W — B 
Num. 32, 4. sie sich des alles nach aus Weisung eines genügsamen 
revers kegen uns — verschrieben haben, Traut. Chr. 95. aus genüg- 
samen wichtigen Ursachen, 247 oben. 

ge-nüg-sam-keit (genuocsamecheit) stf. copia, abundantia, Fülle, 
Überfluß: ein itczlich g., di niht ist mein got, ist mir ein arniut, 
Sol. 32, 16. 

ge-niiksain-liche, -en Adv. genügend, zur Genüge: g. u. red- 
lichen sich ausweisen, Igl. Bgr. N. 83, 3. das sulche Sachen genuk- 
samklichen beschriben werden. Olm. Stb. 149. g. vermanet, Eg. Chr. 
1125 S. 302. N. 44. g. verbürgen, Elbog. Chr. 71, 30. 

ge - liük - tüunge (genuoctuounge) stf. Genugtuung, satisdatio, 
Vollmacht: kein schaffer (bevollmächtigter Vertreter eines Gewerken) 
mag gesein in eins andern dinge äne g. (sine satisdatione) , Const. 
IV 3, 3. 

ge-nutsain (ge-nuhtsam) stf. Fülle, Überfluß: nu wirt oft 
tewerung, do wirt (toohl verlesen für ivas) genutsam (Hanka, gemut- 
sam Jirecek) in dem lant (im tschech. Text: da wird im Lande 
Durst und bisweilen Hunger sein), Dal. 29, 2 (5, 44). 

genzen sivv. (nur aus Mgb. 355, 1 bei L.) ganz machen, wieder- 
herstellen: das recht, das eins (einmal) verloschen ist, mit der weise 
mag es nicht wider gegenczet werden (redintegrari) , Const. DZ 4, 8. 

genz-lichen (auch ganz-liche, -eu) Adv. ganzlich: „Wissent ir, 
wer der (Krist) ist?" er sprach: genzlichen ja, W. v. W. 5714. 

Geoinancia* stf. eine Art Orakel: — allerlei frag behende ver- 
antworterin (Beanhvorterin), Ack. 41, 7. 

ge-ordent part. Adj. (v. ordenen, ordenön sivv.) einem Orden 
angehörig: er sei lai-brister oder g. (= Ordenspriester), Eger. 
Str. C. 18. 

ge-orset part. Adj. beritten: wol georset unde starc geriten 

— kämen sie, Alex. 23867. 

ge-peinig-keit stf. Härte, Strenge: Die urbarer u. ire amtleute 
sullen nicht mit uberiger (überflüssiger) gepeinigkeit (grimikeit D) 
das volk besweren (austeritate), -Const. I 2, 3. 

ge-pöfel (gepöfel, gepüfel) sin. Eollekt. zu bovel, gemeines Volk: 
das g., Eg. Chr. S. 19 Anm. 1, S. 20. 

ger stf. Verlangen, Begierde, Sehnsucht: also was er in liebe 
ger (in Erinnerung an seine geliebte Frau), W. v. W. 3717. 

ge-rade, gerat Adj. schnell bei der Hand: in welches menschen 
munt der eide so gerade ist, der hat gar kleine bekenntnusse oder 
libe gen gote, Hier. 58, 24. 

ge-rade Stf. nd. iveibliches Gerät, Kleider als Erbe (Grimm. R. A. 
566 ff., Weinhold D. Frauen 133 f. Diz gehört zu der frawen grad 

— alles, das geworcht ist von golde u. von silber, daz zu der 
frowen gezird gehört, von vingerlin, furspan, taschen, schapeil von 
seiden (Druck: scheiden) geworcht, die vrowen pflegen zu tragen, 
schaf, gens u. anten u. hüner, kosten mit aufgehobin liden, pett u. 
phull, küssen u. lailachen u. tischlachen, umbhenk, sperlachen, rucke- 



ge-rsete — ge-rechtig 287 

lachen, tebech, twelin u. waipliche claider u. gewende, flachs u. 
pfanne, di man ausmitet, di gehören zu der gerot, becken, leuchter 
usiv., Prag. Rb. 159. ein wachskessel der gehört nicht zu dem erb 
(wohl Liegenschaß), sondern zu der grad, 158. die g. einer witwe 
zu Brüx soll an ire kinder beide mannes und weibes gesiechte noch 
irem tode zu gleichen teilen genczlich u. gar kumen u. gefallen, 
Stb. Brüx N. 157. von der gerade wegen (Erbschaft der g.) alle 
gerad u. alles das, das sich zu gerade cziehen muge u. dorczu 
gehört, von einer zu Brüx gesessenen, frau — kumen u. gefallen 
sol an iren eelichen man, doch sol man davon irer nechsten freundin 
noch der spinnel, die mit der stat leidet u. schösset (Steuern an die 
Stadt zahlt) zu voran — den besten mantel rock u. sleuer — geben 
u. antworten, Stb. Brüx N. 157. 

ge-rsete stn. 1. Rat. 2. Beratung. 3. Beirat. 4. Überlegung. 
5. Ausrüstung, Fülle, Reichtum: 5. von spise guot g., visch unde 
wiltbrsete, W. v. W. 5622 f. der mit nichte des vergaz, er schüefe 
in guot g., als man im bevolen hsete, 5637 ff. daz, er verrichten solde 
die wercman und er in taete volley gersete, Alex. Anh. 665. Haus- 
rat, Gerätschaft: den leuchter u. sein g. (utensilia eius), W — B Ex. 
30, 27. das geredte des heiligtumes, Par. I 9, 29. 

ge-raume (ge-rüm, -e) Adj. anberaumt in genug weiter Frist: ein 
gewissen tag — der geraume sei u. czu dem minsten 6 wochen habe, 
ivenn ein Mann, der ferne von der Stadt ist, vorgeladen werden soll, 
Igl. Str. I S. 355. wanne so sol man im einen so geraumen tag geben, 
Igl. Str. 117. 

gerben (gerwen, garwen) swv. 1. bereiten, zubereiten. 2. refl. 
sich rüsten, kleiden. 3. in Ertrag kommen. 4. geben: Grammatica 
— hilfet do nit mit iren scharpfen u. gegerbten Worten, Ack. 40, 9. 

gere, ger stsivm. 1. Wurfspieß. 2. Waldname. 3. meist stv. keil- 
förmiges Zeugstück, das unten an ein Gewand zur Verzieruug oder 
Erweiterung eingesetzt ist, so besetztes Kleidungsstück, Schoß, Saum: 
4. doch beidenthalp der fürste reiz gegen siner siten keren üz dem 
rocke einen geren, W. v. W. 1997. sie entslöz eine kiste, da sie 
den geren wiste, 4803. 4811. 4815. si halen (verbargen) gar ir zu- 
geworfen geren (Rockschöße), 5223. 6225. 6241. ietweder sit mit 
miner hant reiz ich einen geren abe, 6681. 6694. 

gerbe s. ge-erbe. 

ge-recher* stm. Rächer: got aller untat g., Ack. 18, 16. 

ge-rechthaftig* Adj. gerechtfertigt: di wirker der e di werden 
g. = die Vollbringer des Gesetzes werden gerechtfertigt werden, 
T— B Römer 2, 13; Luk. 18, 14. 

ge rechthaftigeu* swv. rechtfertigen: di weishait ist gerecht- 
haftigt von iren sunen = von Seiten aller ihrer Kinder, T — B Luk. 7, 35. 
er wolt sich selber g. und sprach, Luk. 10, 39. die offensunder di 
gerechthaftigten Got (bezeugten die Gerechtigkeit Gottes), Luk. 7, 29. 
allez, fleisch wirt nit gerchthaftigt vor im von den werken der e., 
Römer 3, 20. der da glaubt an disen, der wirt gerechtheftigt, Btb. 
13, 39. 

ge-rechtig* Adj. gerecht: di gerechtigsten aus allem volke 
kiesen, Const. I 5, 2. 



288 ge-rechtikeit — ge-reichen 

ge-rechtikeit stf. 1. Gerechtigkeit. 2. Rechtspflege. 3. rechtl. 
begründete Befugnis, Gerechtsame, Privileg. 4. rechtl. begr. An- 
spruch. 5. rechtl. gebührende Abgabe: wann die g. ist ein stetiger 
u. ewiger wille, idemmanne sein recht czu geben — das recht ist 
der g. nochvolge, Const. IV. 7, 10. wer die (Steiger, czimmerman 
oder hutman) straffet durch die g. mit bösen worteu an der kauwen, 
oder uff der teilstat — der ist bestanden mit 9 marken (3 für den ur- 
borer, 3 den gewerken. 3 den sachwalden = den selbscholn), DIR 
II 29. 2. das buch, darinne si (die bergleute (wäre g. des perk- 
werkes erkennen mugen, Const. Einl. 3. der erst (vinder eines neuen 
pergis) bleibt (1 lehen nach beiden seiten) in alle seinem rechten 
unde g., Igl. Bgr. U — A § 16. wie die selbigen paide parthei ir g., 
klag u. antwort gegen einander schriefftlich geseczt u. gemacht. — 
Caspar Freiberger u. Donat Starke, di dann in des Nikln Schumans 
von der Bresnicz g. u. lehen körnen sint und steen, mit sambt paiden 
partheien iren schriefftlichen gerechtikaiten u. briefen, hab wir — 
verlesen lassen, Igl. Bgr. N. 12. 1. Also seint der partei vermeinte 
g. (Rechtsanspruch) czu Schriften gepracht, 107, 1. wan es wer 
wider unser stat g. (Privileg), 109 u. 110. ir g., clag u. antwort, 
111. einen Schacht mit seiner g., Igl. Mut. 7. ain funtgruben u. 
einen erbstollen mit aller irer g., 13. 9. 10. 11. aufgenommen die 
drit mas mit aller g. 11. noch bergrechte verbriefte g. u. lehen, 
Igl. Bgr. 12, 2. derselbigen paiden partheien klage — u. antwort — 
mit sambt iren schriftl. gerechtikaiten u. brieffen — verhöret u. ver- 
lesen lassen, 13, 1. mit ihren schrifftlichen g., copien u. briefen, 92, 1. 
gewehren u. g. des erbstollen, 77, 3. all die heuser, die iecze sulicher g. 
(Berechtigung zum Weinschenken) gebrauchen und redlich hergebracht 
haben, die sullen zu ewigen czeitenn dorinn bleibenn u. nicht ander, noch 
inhalt der losungbucher, Olm. Stb. 63. — 5. dormith wir meinem 
gnedigen herrn seine g. (hier Zoll) entezogen, Stb. Brüx N. 305. sein g. 
der selben mawer, Igl. Stb. V. 261 d. ein kauf ist geschehen umb zu 
ein gangk — mit der hernoch geschoben g., also das sie beide — 
die fridwant zwischen dem gangk u. dem hoff mit einander pawen 
und pessern sullen auf gleichen teil, Igl. Stb. V 151 d. er gibt auf 
die bemelt wisen seinem swager in aller g., IV 247 c. Hanus — 
seinem bruder sol herausgeben für sein g., die er zu den vor- 
gemelten eriben hat, 15 seh. V 66 c. privilegia, brive und g., Elbog. 
Chi-. 12, 18. 

ge-rechtigunge : stf. Rechtfertigung, justificatio: meine g. 
lasse ich nicht, W— B Job. 27, 6. 

ge-reden swv. geredete, gereite, gerette, 1. reden. 2. geloben, 
versprechen. 3. einen Reinigungseid leisten. 2. Elbog. Chr. 39, 24. 
39, 41. 19, 23 u. s. Peschel u. sein vorsprech gerait u. gedait hat, 
Igl. Bgr. N. 44, 2. 

ge-redig (= ge-redec) Adj. beredt : Wann ich Eusebius nicht 
gerediger bin u. mir in gesprechikeit nicht zewet, so muzs ich 
kurtzlichen sagen — , Hier. 8, 22. Ich bin nicht geredick von gestern 
und von egestern u. sint dem male, das du hast gesprochen czu 
deinem knechte, ich bin gehinderter u. tregir czungen, W — B Ex. 
4,10. 

ge-reichen (ge-richen) s. reichen. 



ge-reinigen — ge-richt 289 

ge-reinigen swv. rein werden: Ich wil, gerainige. T — B Luk. 
5, 13; Mark. 1, 41. 

ge-reinigung* stf. Reinigung : g. = Waschen der Hände und 
Gefäße vor dem Gebrauch, T — BJok. 2, 6; Joh. 3, 25. opher um 
dein g, Luk. 5, 14 ; Mark. 1, 44. di tag der g. Marien wurden 
derfullt, Luk. 2, 22. 

ge-reisig Adj. zum Kriegszug gerüstet; dazu gehörig, beritten: 
wann der Pardus — mit mer dann mit 300 pt'erden, gereisigem 
tochtigem volk, von Behem herab geriten sein, Olm. Stb. N. 44. das 
bei uns sechsthalb hundert geraisige — einkomen, Eg. Chr. 1209. 

ge-reit, -e Adj. 1. auf der Fahrt begriffen. 2. umherschwärmend. 
3. bereit. 4. g. gelt = Bargeld : die morgengabe sei ir worden mit 
geraiten pfennigen, Igl. Str. 248. richter u. scheppen sollen in eines 
mannes gewalt gereite pfenning suchen, um den Gläubiger damit zu 
bezahlen, Igl. Str. fertig u. haar, Traut. Chr. 158. 169. 189. 215. 
285. als nach gebüres orden diz was gereit (bereit gemacht) worden. 
W. v. W. 462. 

ge-reite stn. 1. Wagen. 2. Axisrüstung des Pferdes, einzelnes 
Stück derselben. 3. Gerät, Trist. 1525. sin zoum und sin g. klär, 
Bf. 123. alle claider und geraitt, das zu meinem leib gehört, das 
schaff ich meinem sun, Igl. Stb. III. 30 d. 

ge-reit-sclial't, stf. 1. Ausrüstung. 2. Gerätschaft. 3. Bar- 
schaft: 1. si nämen mit gewaltes kraft diu phert u. alle g., W. v. W. 
5463. sie an g. noch hetten guotes volle crafft, Ernst 2013. 
ge-rete s. ge-rsete. 
ge-reuen s. ge-rhnven. 

ge-reune (= ge-riune) stn. heimliches, leises Sprechen, Geflüster: 
Zu mir ist gesprochen ein vorporgens wort u. recht sam dieplichen 
hat empfangen mein ore die ädern seines gereunes (venas susurri 
eins), W— B Job. 4, 12. 

ge-rich stm. n. Rache, Strafe: daz, an vinden diu g. gar 
nach diuem willen ge, Alex. 5452. kere an mich hiute din zornic g., 
8464. 

ge-richt, -e, stn. PI. -e, u. -er 1. Gericht, Gerichtsbehörde und 
-Versammlung. Gerichtsverfahren. 3. Urteil. 4. Rechtfertigung durch 
ein Gottesurteil. 5. Hinrichtung. 6. Gerichtsgeivalt. 7. Regierung. 
8. Hausrat. 9. Speise. 2. Das gericht ist eine ehaftige tat dreier 
personen, das ist des richters, des clagers u. antworters, Const. IV 
4, 1. Das ordentlich g. ist, wann der richter czu g. siezet auff dem 
dem gerichtstul in den vier benken also das da gesampnet sein 
etliche geworne u. andere, die czu dem g. geboren, IV 4, 4. Er frag 
offenlich von den geswornen, ab man an dem tage u. die stunde des 
tages muge czimlich czu gerichte siezen. So urteilen die gesworen 
den tag u. die stunde czimlich sein gericht czu siezen, und das es 
kein heilig tag ist noch auch die stunde czu spete (5). Und wenn 
das g. mit sotaner ordenunge geleget ist, so sal der richter, als 
gewonlich ist, gerichtes fride allen leuten gepieten, das sie schonen 
u. eren das gerichte mit czuchtigen siten, als laug es wert (6). — 
Das ausserordentliche gerichte ist, wenn man an gehegt pank (sine 
solempnitate) kleine Sachen richtet, die teglich bekomen, IV 5, 1. 
g. veiertage: tag noch dem ostertag u. auch alle suntage u. heilige 

Jelinek, Wörtorbuch. 19 



290 ge-richte — ger-lich 

tage, die die pfafheit in den kirchen gebieten erlich czu feiern, 
Const. IV 17, 7. Es sol auch der clager sam noch einer regeln noch- 
volgen dem gerichte, do der antworter ist, wann das urteil, das 
nicht von seinem richter gesprochen ist, das pindet nicht, IV 4, 17. 
9. du allerhöchstes gerichte, (Speise) allersussister smack, erwirdige 
speise, Hier. 87, 5. abtreten ir halp teil des hauses und halp teil des 
gerichtes, Igl. Stb. III A 136 b. Hanns, richter von Wielancz hat 
geschafft auf seinem gericht czum Wielancz, 30 seh. seinen dreien 
enyklein — das ander jalles das g. und alles das zu dem gericht 
gehört, darzu all sein narung unb hab farunde und unvarund — 
seiner tochter und seinem eiden, Igl. Stb. V 195 c. 

ge-richte stf. 1. Richtigmachung. 2. gerade Rechtung, g. Weg 
adv. immerfort oder geradewegs, heb ouf deine ougen in die gerichte 
(in directum), W — B Jer. 3, 2. 

ge-riehte Ädj. und Adv. (= gerihtes) gerade, direkt: wi er 
qujeme g. (geradenwegs) dar, Ales. 26 691. 

ge-riehtes Adv. geradewegs: so niust ir (Tod) gerichtes in die 
helle, Ack. 50, 4. 

ge-rickts-erlang* stm. Fällung des Urteils: daz, sie die vol- 
laist — nach g. nicht gelegt (erlegt) haben, Eg. Achtb. II 154. 

gerichts-peitsche * stf. Geisel als Zeichen richterlicher Geicalt : 
die gerichtspaitsche und das gerichtssigel überantworten, Traut. Chr. 
164, 152. 

ge-rigen stn. Koll. zu regen, starker Regen, Regenguß: weistu 
nu, wenne got gepoten hat dem g., so das er czeigte das liecht 
seiner wölken, W— B Job. 37, 15. in seinem (wohl seinen) gerigenen 
(PI. oder sw.?), in stillicidiis) Ps. 64, 11. 

ge-ringe Adj. leicht, behende: si scholden klug sein, risch und 
gering, Böhm. Chr. 9. 

ge-rinkelt* pari. Adj. mit rinke, ringge — Schnalle versehen: 
g. schue, Olm. Stb. 113. 

ge-rinne stn. Rinnsal: goz uz den krug in das gerinne (in 
canalibus) AV— B Gen. 24, 20. erfüllten die g., Ex. 2, 16. 

ge-riten part. Adj. beritten: gewäpent und starc g., Alex. 
21439. wol georset und starc g., 23867. 

ge-ritte (= ge-riute) stn. durch Reuten urbar gemachtes Land: 
das ist die rechte graenitz an diesem flösse hinauf durch gestritte 
und geritte bis an der Döberlin grenitz, Traut. Chr. 204. sie — 
haben das grenitzflosz (den Grenzbach) hienauf durch gestritte und 
geritt ausgereumbt bis zum grenzborn, 271. zwo tonen madiger 
hering begraben mit den geritten (?), Traut. Chr. 255. 

ge-rimven (Prät. gerou) stv. III. tr. betrüben : darnach uf der 
stet und in geraw sin sund (bei Hanlca fälschlich gesund, tschech. 
hfiecha. Sünde = wenn ihn seine Sünde reute), trost in got an 
der stund. Dal. 173, 5 (76, 7). 

ger-lich (auch garliche, -eu) Adv. gänzlich: sie jähen daz sie 
wolden län sich g. an den wisen man, W. v. AV. 1745. die kristen 
wären g. ervröut, daz sie ze helfe baten den fürsten, 3666. er wolt 
sich von dem lande stein, das g. al die diet verheln, 417. biz daz 
sie aller irer habe g. gestunden abe, 5367. wir wellen nach dem 
höchgelopten gote g. sten zu iuwerm geböte, 6264. daz sie von 



gerade — ge-rüet 291 

irretuom der heiden g. wolle scheiden, 6739. ez ist in g. unver- 
nonien = die Bewohner haben über meine Herkunft garnichts ge- 
hört, 7136. schäm ist aller fügende gerlich sich verrnugende, Alex. 
Anh. 1548. 

gerade part. Adj. v. gern swv. verlangend, sehnsüchtig nach: 
Willehalm der saelden g., W. v. W. 488. 

gerner Komp. v. gern, -e, Adv. dester geraer, um so lieber, Tgl. 
Str. 186. 

geromanicia stf. (== x^iQOfxavrda) Wahrsagekunst aus der 
Hand: G., nach hend u. nach deuten ires kreises hübsch warsagerin, 
Ack. 41, 11. 

gerstein (gerstin, girstin) Adj. von Gerste: das czehende teil 
gersteines meles einer mas, di do heisset sat (farinae hordeaceae), 
W— B Num. 5, 15. 5 gersteine hrot, T— B Joh. 6, 9. 

gerte stsivf. Rute, Zweig, Stab: hohen tröst — gap mir din 
süeze gerte (Maria), W. v. W. 7924. wer do sieht seinen knecht u. 
seine mait {Magd) mit gerten, W — B Ex. 21, 20. 

gertech vgl. (gertehe stn. Gartenanlage stn. virgultum: Und 
oufsteigen wirt er als ein g. (wie ein Reis), vor im, W — B Js. 53, 2 
(wold verschrieben für gertel). 

gertel, gerte lin stn. kleine Rute, Zweig, Schößling: Legende 
422. 435. 468. 485. 539. 551. 583. gertelin: 451. 521. 547. 578. 
610. 622. 

gertel stn. kleiner Garten: dem hannsen schaff ich das gertel 
und noch seinem tod sol es beleihen bei seinem altar, Igl. Stb. III 
325 d. 

ge-rüchen (md.), geruochen swv. 1. intr. mit Gen. oder Inf. 
Rücksicht nehmen auf, genehmigen, gewahren. 2. trans. wünschen, 
begehren: so geruochent ir erst mit mir gän, W. v. W. 6152. Jeroni- 
mus bat, das der richter seinem andachtigen sune geruchet zu geben 
die immer werende himlische freude, Hier. 220, 12. das ir uns do- 
raus gerucht entscheiden, — das ir die sach gerecht zu handeln, 
Igl. Bgr. N. 39. 11. das si mir u. meinen gewerken gerucht czu 
leihen, 53, 15. Ist das du geruchest czu hören, herre, meiner, so wil 
ich sagen die Wahrheit, W — B Judith 5,5. das wir zu sulchem 
kauften u. vorkauffen — ■ willen u. gunst zu geben u. die — zuczu- 
fügen u. zueigenngnediclich gerachten, Aussig. Urkdb. N. 138 (a. 1405). 
das ir uns gerucht mit dem rechten underweisen, Igl. Rspr. IV. ich 
bitt euer gnad, das ir gerucht euer eidgenossen überhören, V. 

ge-rücht (auch gerucht) stn. 1. Duft, Geruch. 2. Ruf, Nach- 
rede: 2. eines guten leumdes oder gerüchts, muß der sein, der in 
den Rat zu Olmütz gewählt werden soll, Olm. Stb. 64. 

ge-rüchlicken, -rüglichen, -rühlich Adj. in Ruhe, Traut. Chr. 
56. 90. 165. 205. 289. 350. sie dabei geruchlichen (ohne „Ansprache") 
u. ungehindert bleiben lassen, Stb. Brüx N. 124. aine hutte hab ich in 
gehabt — 6 jar geralich an alle anspräche, Igl. Bgr. N. 99, 1. ob 
ich nicht dieselben teil („Bergteile") mitsamb dem uberlauf geruch- 
lich (unangefochten) sol besiezen, Igl. Rspr. IV. 

ge-rüet, ge-rüt, ge-rühet part. Adj. (von geruowen), 1. ohne 
in seinem rechtl. Besitz durch „Ansprache" gestört zu werden: ob 
ire tochter u. die guter gerat u. an ansprach sullen sein, Igl. Str. 

19* 



292 ge-rufe — ge-schaft 

294 S. 202. g. gueter, 307. ich bin gerut gesessen maimich jar, 
309. 2. g. feuer = erloschen: Wenn einer wird gefordert (zu Ge- 
richt) aus seinem hauss bei geruhetem fewer zur näcbtl. zeit, Cblum. 
IV. 35. in gutem gerutem wesen (in Ruhe), Elbog. Chr. 74, 27. aus- 
geruht, mit frischen Kräften, aldä mit geruoten scharn kam der 
fürste schone gevarn, Alex. 8355. 2. ohne Arbeit und Beschiccrden 
in Ruhe lebend. 

ge-riife s. ge-ruofe. 

ge-runipil, gerümpfel stn. Lärm, Gepolter: deiner wasser ge- 
rumpil (cataractarum tuarum), W — B Ps. 41, 8. gerümpfel, Traut. 
Chr. 36. 

ge-rüne st. (Koll. zu ronej umgehauene Baumstämme: in jenes 
gerünes ende, da vindestü ein grüenez, pfat, Legende, 200. 

gerunge stf. Verlangen, Sehnsucht: das gut bringet g. u. geiti- 
keit, Ack. 48, 7. gröz gerunge des (nach der Taufe) hat er, W. v. 
W. 3284. wes der man g. hat (was der Mensch begehrt), Ernst 
3200. 

ge-ruofe stn. das Rufen, der Lärm: mache wir einen schal 
und ein g. Tristan, 2878. 

ge-ruot, ge-ruowet s. ge-rüet. 

ge-ruoren, -liieren sicv. in Bewegung setzen, berühren, intr. sich 
bewegen: davon si (die böhm. Herzoge) in einem schilt ein adlar gebilt 
in einem füre geruoren (tschech.: v. plamenem scite = in feuer- 
farbenem Schilde) mit rechte wol gefurin, Dal. 99, 11 (42,69). 

ge-rüstigt* part. Adj. ausgerüstet: mit 34 pf erden nach unsern 
vermögen zugeschickt und gerustigt an ewer k. g. (gnaden) hofe 
zu reiten, Elbog. Chr. 147, 16. 

ge-saint, gesainpt (auch ge-sament) part. Adj. vereinigt: g. 
hant = gemeinschaftlich, solidarisch : geloben aber vil leut ein gelt 
einem manne mit g. h. zu gebin, Prag. Rb. 11. also das di purger 
mit den beschuldigeten alle miteinander mit gesampter hant gelubet 
haben czu recht gesten vor dem camerer, wen her gepeut, Igl. Str. 
249. siben — scholdick 119 schock mit g. h. niemandes ausge- 
nomen, 272. Des globe wir egenanter selbschuldiger u. bürgen, wir 
u. unser erben alle mit gesampter haut, das sich unser keiner sal 
noch enmack mit seiner beczalunge u. anczal von deme andern 
scheiden, Stb. Brüx N. 126. die — pürgen — habeut alle mit samt 
im mit gesampter haut u. unverscheidenleich gelobt, Buch der Ge- 
brechen, S. 240. mit g. hant, Elbog. Chr. 75. 

ge-sang (ge-sanc, -ges stnm.) stn. Gesang, Lied. Eger Chr. 
N. 245. 

gesatz-ordnimg* stf. Rechtsordnung: alle polizei und gutte g. 
wirt — zerrüttet, Traut. Chr. 121. 

ge-ssez,e s. ge-sez,e. 

ge-schackzabeit part. Adj. schachbrettartig eingeteilt: g. stunt 
daz gemewer, Ernst 2026. 

ge-scliaft stf. PI. geschefte, geschaft. 1. Geschöpf. 2. Schöpfung. 
3. Beschaffenheit, Eigenschaft: 1. got — über alle g. gewaltec, W. 
v. W. 3559. der krefrige Jupiter, der aller geschaft ist die wäre 
wer, 4402. Krist ist vor aller g. («6er sie erhaben), 5722". got — 
ein gebieter aller geschafte gar, 5826. schepfer aller geschaft, 7695. 



g-e-schaft 293 

nach aller dinge g. (Schöpfung), Legende 28. got — hat erdäht 
aller g. (Geschöpf) , Alex. 10106. im was kunt wie rehte orde- 
nunge stunt aller dinge und ir g., 11125. aller vische g. , 11180. 
vogel, tier und alle g. , 18891. mit des wortes kraft gemacht 
sin alle g. , Alex. Anh. 46. di ungestalt g., Alex. 23182. dar nach 
(vom Nabel abwärts war das Kind) wunderlich gevar in manger 
tiere g., 23647. 

ge-scheft, -e (mhd. auch ge-scheffede, -schepfede) stf. 1. Ge- 
schöpf, Werk. 2. Beschäftigung , Geschäft. 3. Angelegenheit , Er- 
eignis. 4. Anordnung, Auftrag. 5. Testament. 6. gerichtl. Vertrag. 
7. euphem. = Genitalien: 1. sint dem anegeng der geschepft, T — B 
Mark. 13, 19. dir g., Juden 9,11 di newe g. (creatur 11. Bibel), 
Galater 6, 15. von der g. der werlt, Römer 1, 20. si dienten mer 
der g\ den dem schepfer, 1, 25. daz, drittail der g. in dem mer di 
stürben, Ofi'enb. 8, 9. dem (menschen) er gedähte aller siner ge- 
schephte fruht, Alex. 11 185. 2. an irem geschefte (das Verleihen von 
Bergen), DIR II. der messer gescheffte, Gonst. 1 10, 1, der steiger 
g. , I 9, 4. in seinem g. hindern, Igl. B. IL 4. auf soliche be- 
leih u. g., Igl. Bgr. 85, 1. solichs geschefft ires vatern — hab er 
vor einem rat — auffgesagt, 85, 2. — 4. auf g. und bevelch, Eger. Chr. 
1191. 5. Brunn. Str. II 31. 32. 176. 187. 225. unser mitpurger hat 
eiu redliche geschaft getan u. ist tot, Prag. Str. 125. das geschefft 
wirt nur durch den (Druck: dem) tod allererst bestetigt (erhält Rechts- 
kraft), Prag. Str. 135. Gieng aber derselbe ab an g. u. lies ein haus- 
frau u. ein kint, so sal die fraw an seinem gute haben ein dritteil 
u. das kint zwei teil, 103. wer aber, das ein man abgienge u. ein 
gescheffte tet u. kinder lies u. Vormunden het gemacht seines ge- 
schefftes (Testamentsvollstrecker) u. seiner guter; wer denne imand, 
der do Sprech, das im der tot man schuldig wer, derselbe mac die 
Vormunden um die schult ansprechen, 103. Stirbt imand äne haus- 
frawen u. erben u. hat sein gescheffte nicht getan — , Igl. B. 3. 
Ob her halt an g. vurschaidet, Igl. Str. 61. Beschait ein man mit 
vornunft u. mit wiczen sein guet vor erbern leuten, her sei sich 
oder gesunt, dasselbe g. hat kraft jar u. tag, es sei danne, das her 
es widerruff, 62. Es mochte aber das geschefte also gros sein u. als 
lank, man tete dem Schreiber pilleicher pas (denn 1 Groschen) von 
seiner muhe, 258 b. und er macht ein testainent ader gescheft for 
richter u. geschwornen bei gueter Vernunft u. wie er das schickt, 
so sol es ein furgank haben, Rüge v. Pröhl 13. so er aber verschiedt 
an g., 14. darnach an seinem totbet ein redlich g. getan hat, Saazer 
Urkdb. S. 101. das keine frau an irem totbette kein gescheffte tuen 
sal geistlich oder werltlich an ires mannes willen u. wissen, Stb. 
Brüx N. 157. Eger Str. 69. 70. 71—76. das selb g. der bemelten 
waisen vaters sei nicht krefftig gewesen, Igl. Bgr. N. 85, 6. er hat 
ein geschefte gemacht vor erbern leuten, ab got an im icht tet, das 
sich iczlichs wüste, woran czu halden, Olm. Stb. 143. geschaft, 
Elbog. Chr. 40, 27. gescheft, 37, 12. 55, 39. geschefte, 18, 16. 28, 10. 
29,35. = Gebot, Erlaß, Testament. 5. da er sterben scholde, da 
tet er ein geschefte, Saazer Urkdb. S. 100. daä ob geschriben g. 
volkumleich zu verpringen, Igl. Stb. III A 164 b. des gescheftes ge- 
zeug, II 102 c. III 57 d. 7. Phineas — durchstach sie (die Israeliten) 



294 ge-scheft-brief — ge-schicht 

an den stetin der geschefte (in locis genitalibus) , W — B Num. 
25, 8. Abner — slug in u. vorkarte das sper u. durch stach in bei 
dem geschefte (in inguine), Kön. II 2, 23. Joab stach in (Abner) 
bei dem g. ein in der rachunge des blutes seines bruders Azael u. 
her starp, II 3, 27. 

ge-scheft-brief stn. 1. geschriebenes Testament. 2. Befehls- 
brief: 1. den geschefftprieff, Igl. Str. III. 305 u. 325. noch des geschefts- 
briefs laut, Saazer Urkdb. 8. 100. denselben g., den er durch sein 
bete willen mit unserm statiusigel neben seinem insigel vorsigelt 
haben u. er denn dem erbern Hanussken Weigel zu getrewer hant 
ingelegt u. czu behalden geben hot, Olm. Stb. 143. 

ge-scheft-leute (-Hute, PI. von geschert -man = totbettleute) 
PI. = Testamentszeugen: der N. Elbl ist desselben haus mit andern 
g. ain gescheftman gewesen, Igl. Str. 323. Wenn gemeinikleich di 
leut machen gescheftleut durch des willen, das den hindern die 
narung verhalden würd, oder nicht durch des willen, das in di g. vertun 
oder in selbens verhalden sullen u. den hindern des iren nicht geben, 
323 S. 235. das sie meines ob geschriben gescheftes g. seien, Igl. 
Stb. III 55 d. 52 c. neben der g. gewissen (wie Testamentszeugen, 
wissen), 111138a. das si mein todpettleut und g. sein, 111224a. 

ge-seheft-man st»i. Testamentszeuge, Igl. Str. 323. Igl. Stb. V 
95 d. 

ge-schehen-heit stf. das Vorgefallene: noch g. (nach dem V.), 
Eg. Chr. 1177. 

ge-scheidic-lieh* Adv. vorsichtig, klug: Dorumb so ist doniite 
allewege g. (cautius) umb czu geen, Const. III 1, 17. 

ge-sckendig* Adj. schamlos: seinen unseligen geschendigen 
sun, Hier. 212, 2. 

ge-schendic-heit* stf. Schmach, Schande: damit wird Basan 
übersetzt, W— B Ps. 67, 23. 

ge-schepnüsse (= mhd. geschepfnisse, -schefnisse stn.) 1. Er- 
schaffung. 2. Geschöpf: Dicz sint die g. himels u. der erden, W — B 
Gen. 2, 4. 

ge-schicht (ge- schürt) stf. 1. Begebenheit , Ereignis. 2. Ge- 
schichte, Umstände. 3. Schickung, Zufall. 4. durch oder von g. = 
zufällig. 5. in aller der g. = bei alle dem: 3. Wir (der Tod) sein 
ein g., die alle leut feilt (zu Falle bringt), Ack. 23, 1. 4. von g. 
quam ein ander ungeslachter man in di kirchen, Hier. 160, 20. 161. 3. 
Von g. quame ich ouf den perk Gelboe (casu), W — B Kön. II 1, 6. 
Von g. ist das geschehen, Kön. I 6,9. Und ist, das imand v. g. 
(fortuito) und an has u. an veintschaft ichtesicht derlei tut, erledigt 
sol werden der unschuldige ous des rachers hende. W — B Num. 35, 22. 
5. in sulcher g. (icenn Gott an einem Sünder Langmut übt) war er 
zumeist zu fürchten, Hier. 30, 1. in der g. (in casu) sullen die kriger 
eintrechticleich drei gemeine man kisen, Const. I 10, 1. Der clager 
sol auch gescheid sein in der g. (in casu, in dem Falle), das er das 
ding forder u. heische mit allem seinen wesen, das dovon entsteet, 
IV 6, 3. II 2, 13. Wir lassen vil andern g. underwegen , die man 
casus heisset, IV 10, 3. diz was ein wunderlich g.: er wold 
ir beider haben nicht und wold ir beiden haben nicht und wold ir 
eine doch nicht län, Trist. 185. die wunderte — der seltenen g., 



ge-schicht-lich — ge-schoz, 295 

Trist. 2273. sie beten ez, für minne niht, niuwan vür leitlich g. 
(das die Frauen der Erschlagenen sich einen jeden mußten hingeben), 
Alex. 8722. sie lac doch in der g. , als oh die släfen solde , Trist. 
2712. got — hat in siner hende alle g. (alles Geschehen) beslo^en, 
Alex. 10115. dise mortliche g. (den an mir begangenen Mord), 
16823. noch enwest er (Philötas) der g. nmb sinen lieben vater 
niht (das sein Vater Permenio auf Alexanders Befehl ivar getötet 
worden), 18 229. von der hoehsten craf t kuint die g. (daß ich die Welt 
erobere), 22310. hie hcert wunderlich g. : die ros wolden vür sich 
niht, Alex. Anh. 473. die vinde keiner g. ze genäden nemen niht, 
409. unere wir haben immer mere dirre cranken g., 497. tot vil 
gelac von der g. (infolge dessen), Ernst 3117. durch die g. (deshalb) 
hän ich wider inch getan, daz ich iuch maget hän gelän, Trist. 1090. 
nie . — suliche g., (daß Silber außer Landes geführt würde) vormals 
geschehen sein, Igl. Rspr. XI. 

ge-schicht-lich* Adj. g. buch = geschiht-buoch , Buch der 
Geschichte, Jahrbuch: gegeben zu schreiben in die ierlichen geschicht- 
lichen pucher (annalibus traditum), W — B Esther 2, 23. 

ge-schicke stn. 1. Begebenheit. 2. Anordnung. 3. Vermächt- 
nis, Stiftung. 4. Gestalt, Bildung, Benehmen: 4. daz so liutsaelic 
u. so wünnesam noch so wol getan g. siner ougen blicke an menschen 
nie vernsemen, W. v. W. 5003 ff. 2. mit unser — gnedigen herren 
rate, geheisse, g. u. gepote, Mind. d. Egerl S. Egerl. S. 44. er- 
wünscht was ir (der schoenen vrouwen) geschicke, Alex. 23931. der 
mäler het in schöne gemälet — al sin g. u. sin gestalt, 17295. 

ge-schicket part. Adj. 1. gestaltet. 2. geordnet, gerüstet, 
fertig- 3. geschickt, passend, tauglich. 1. manegen wol geschickten 
lip, Alex. 20971. 

ge-schirre stn. 1. Geschirr, Gerät. 2. Übername für einen 
langen Menschen. 1. si liesen Zebeden iren vater in dem schif 
mit den geschirren (Fischereigeräten, Netzen usiv.), T — B Mark. 
1, 20. die roß in g. gangen, Eg. Chr. 574. 

ge-schloz, s. ge-sloz,. 

ge-schinachen Adj. schmackhaft, Traut. Chr. 136. 

ge-schol swm. 1 Schuldner. 2. Gewährsmann. 1. wem ein 
ros an wirt gevangen, der mag seinen kscholu wol gesteilen, u. 
wan das ros an den dritten kschollen chumpt, derselb schol iz 
behalten oder Verliesen, Brunn. Str. II 228. 3. Gläubiger*: was 
man dem geschollen noch schuldig wer (2 mal in) Chlum. IX, 

ge-schoz, (ge-schöz,, -schoz.) stn. 1. Geschoß. 2. Schußwaffe. 
3. Stockwerk. 4. Abgabe. 5. rheumat. Leiden. 4. g. u. losunge, 
mit den wir unser teil (eine Schicht im Schmiedneuntel) , die 
der urbor volgen, nicht besweren wollen, Const. II 2, 15. das 
das statvolk — desterpas sein g. der stat zu geben hab, Olm. 
Stb. 91. g. der Bürgerschaft an den Gutsherrn in Böhm.-Kamnitz, 
vom Rat auf die einzelnen Gemeindemitglieder verteilt und als 
ältestes, wahrsch. schon im 14. und 15. Jahrhundert, die Summe von 
17 Schock Gr. und 6 Pfennige und 69 Scheffel Rauchhafer als Bürger 
— und 2 Seh. 33 Gr. und 44 Scheffel Rauchhafer als Gärtner- 
geschoß gezahlt und zwar in halbjährl. Terminen zu Georgi und 
Galli entrichtet. Bis 1394 bezog der Gutsherr auch Zins vom 



296 ge-scho^-nemer — ge-selschaft 

Brauen, den Märkten, von der Badstube und die Ein- und Durch- 
fuhrzölle, Linke Böhm.-Kamn. S. 297. ire heuser — ligen in gar ge- 
wonnener losunge u. g., Olm. Stb. 132. unser cramheuser sein in 
gar grosse losunge u. g. gelegt, 132 S. 101. 2. trunken wil ich 
blutis machen mein geschoss (Pfeile, sagittas), W— B Deut. 32, 42. 
die g. des schalkhaftigen (die fenrigen Pfeile des Bösewichtes), T — B 
Eph. 6, 16. 

ge-scho^- neiner* (= gescho^aere) stm. Steuereinnehmer, 
exaetor: das geschrei des g. er nicht enhoret, W— B Job. 39, 7. 
Und si werden undertenik machen ire g. (subjicient exaetores suos), 
Js. 14, 2. 

ge- schrift stf. 1. Schrift. 2. Inschrift. 3. Schriftwerk. 
4. Schriftwechsel, Korrespondenz. 3. in mannigs weisen meister g. 
rindet man, Ack. 46, 9. ze lere der geschrifte (der hl. Schrift) wurden 
edel kint getan, W. v. W. 7826 f. denn ich wil ditz geschrifte geben, 
Alex. 21056. ewer konigl. gnad g. — hab ich enpfangen, Eger 
Chr. 1165. 

ge-schröten stv. V. zerschneiden, (Haare) scheeren: Ge- 
schrote dein bar und wirf es hin u. nim in die richte die clage 
(et sume in directum planctum), W — B Jer. 7, 29. 

ge-schüche (ge-schuobe, -schüehe) stn. Fußbekleidung, Schuh- 
werk: enpind da^ g. deiner fuz^. T-B Btb. 7,33; Job. 1, 27. in 
seinem geschühe, das do was an seinen fuzen, W — B Könige EU 2, 5. 

ge-schüde (ge-schuohede, ge-schüehede) stn. Schuhwerk, Schuhe, 
W— B I B 213 a. (Deut. 33, 25) u. V 34 d. nichten weit tragen da^ 
geschuebd, T — B Luk. 10, 4. zu enpinden den riemen seiner ge- 
schuebde, Luk. 3, 3; Mark. 1, 7. ze tragen sein di geschude, Matth. 

3, 11. 

ge-sehen stv. 1, 1 verstärkt = sehen: ein blinder munich — 
wart gesehender, Hier. 150, 17. di mit gesehenden ougen vallen und 
lebendik in die helle varn, Sol. 92, 4. 

ge-seiust* part. Adj. mit segensen, seinsen = Sensen, Sicheln 
versehen: 400 grö^ geseinste wagen: Sichelwagen: Alex. 21447. 

ge-sellec-licli Adj. nach Geselle?^ Art: mit g. kraft wesen so 
gar vereinet wir, W. v. W. 6146 f. 

ge-sellen swv. zum Gesellen geben, verbinden: der nü gegen 
töde was gesellt. Alex. 16755. 

ge-sellen-singschiil* stf. ist auf dem rathaus ein g. gehalten 
worden, Igl. Ms. S. 15. 

gesellen - weis Adv. als Geselle: auf dem handtwerch g. 
arbaiten. Igl. Stb. V 176 c. 256 c. 220 c. 

ge-sellinue (auch ge-sellin) stf. Freundin, Gefährtin, Geliebte: 
das wip, das du mir hast gegeben zu einer g., die bat mir gegeben 
von dem boume u. ich habe gessen, W— B Gen. 3, 12. mit iren ge- 
sellinen, Böhm. Chr. 12. 

ge-selschaft, ge-selle-schaft, 1. Vereinigung mehrerer, Ge- 
nossenschaft. 2. Handelsgesellschaft. 3. Kleidung mit Abzeichen. 
4. Freundschaft, Liebe. 1. u. 4.: ich wol weiz, das du in brüder- 
licher geselleschaft mit im gewesen bist, Hier. 112, 4. Es ist urbarem 
czu vorweisen schemlich, das si mit posen leuten umbgeen u. irer 
hülfe genissen u. czumal, das sie es haben mit heimlicher g. (quod 



ge-semptlich — ge-sicht 297 

non carent scrupulo societatis occultae), Const. I 4, 8. 2. Nu was 
ein ander piderman, der sprach, das her g. hette mit im gehabt an 
wainen (gemeins. Weinhandel), Igl. Str. N. 231. di geselschaft (das 
Volk) wunderte sich über seine lere, T— B Matth. 7, 28. 

ge-semptlicli* Adv. = mit gesamter haut: doch das der purgen 
(Bürgen) furberürt under zweien nicht g. geloben (um mit g. h. zu 
geloben, müssen mindestens 2 einig sein), Stb. Brüx. 292. 

ge-senften swv. lindern: das sie das böse ires hungers gesenften, 
W— B Gen. 41, 57. 

ge-serwe, geserb stn. Kollektiv zu sar (Rüstung), der Glücks- 
helm. Er soll vor Gericht schützen und der Sache des Trägers 
den Sieg verschaffe?!, Grimm Myth. 828. portacio experimentorum 
vulgariter dicendo otiosa delicias querens: sigstain, holer, wegwart, 
membranulaeque ad inoduni retis dispositae, in quibus, quandoque 
nascuutur pueri, et vocantur in vulgari geserb et caracteres et 
alia multa consimilia. — De membranis vero famant vetulae, si 
recipiantur IX vel ad minus V et habentur cum filo aureo et sericeo 
in ecclesia per novem dies, illo tempore, quo horae canonicae 
dicuntur per nonam et postea ferantur per aliquem ad judicem vel 
ad Judicium, ille obtinet causam suam. Advocati etiam consueveruut 
se munire sambuco et plantagine, ut vincant in causis, Brunn. Str. I. 
730 S. 337 und Einl. XCV1. 

ge-sez,e, gessez,e stn. Wohnsitz, Sitz, Stuhl, Besitztum: er hiez, 
ein gesäte machen, stark keten dar an smiden und die an die grifen 
widen (später das gestüele genannt), Alex. 24704. 24769. ein geses 
was gesetzt im himel, T — B Offenb. 4, 2. ain regenpog was in der 
Umhüllung des geseses, Offenb. 4, 3. ich sach geses (Stühle) und si 
saz,en auf si, Offenb. 20, 4. vor dem geses Götz, Offenb. 14, 3. 

ge-sez, (u. gesez,z,e) stn. Sitz, Wohnsitz, Besitztum, Lage: si 
karten wider in ire gesese (in jedes suas), W — B Richter 9, 55. Und 
der kunig sas ouf seinem trone in dem gesese des palast (in con- 
sistorio palatii), Esther 5, 1. Beide Belegstellen können auch zum 
vorigen Worte gehören. 

ge-sez,z,en (ge-sez,z,en) pari. Adj. wohnhaft, ansässig: wer der 
sei, der ein erb (liegendes Vermögen) hab in der stat, doz, zinshaftig 
ist oder z,inshaft sei, is das is pesser ist denn funfczig schock über 
den zins, so ist er gesessen u. auders nicht nach der stat recht, 
Prager Rb. 138. einen gesessen geczeugen nennen umb einen toten, 
Igl. Str. 149. her sei g. oder nicht, 85. Ist der anderswo g., des die 
teil seindt, DIR 22a. 2. gesessen zu — , Stb. Brüx N. 293. noch- 
pawern, die auf dem lant g. sein, Budw. Urkdb. N. 498. Ich Erhard 
Forster czum Neuenhause (Feste Neuhaus) — mit wonunge g., 
Mind. d. Egerl. S. 23. 30. 31. hier in der stat g., Olm. Stb. 64. do 
sprach ein Vormunde, der auf dem lande ist g., Saazer Urkdb. S. 100. 
die niülner, allenthalben g. umb die stat, Igl. Stb. V 257 b. 

ge-setze stn. Festsetzung, Gesetz: Und unser hercze sei vol- 
kumen mit unsern herren gote, so das wir wandern in seinen ge- 
seczen (in decretis eins) u. behüten seine gepot also auch heute, 
Kön. III 8, 61. 

ge-sicht stf. 1. das Sehen, Anblicken. 2. Anblick. 3. Traum, 
Erscheinung, Vision, Aussehen, Äußeres, Gestalt. 1. mit gesichte 



298 ge-sichtig — ge-slepp 

der ougen (inspectione oculorum) di weise u. den sinn diser be- 
swerunge — behalden, Const. IV 11, 4. 3. durch den troum in der 
nechtlichen gesiebt, W — B Job. 33, 15 in gesiebte (in visione) 
erscheine ich im. Num. 12, 6. er gab auch manigen blinden di 
gesiebt. T— B Luk. 7, 21. 

ge-sichtig Adj. 1. sichtbar, deutlich. 2. sehend. 1. daz, di 
gesichtigen wurden aus den ungesichtigen {daß aus Unsichtbaren 
das Sichtbare entstünde), T — B Juden 11, 3. 

ge-sidele stn. 1. Vorrichtung zum Sitzen, Bänke und Tische, 

2. Wohnstätte, Wohnsitz: mitten dar inne ist geworht ein g. von 
— helfenbeiu, Alex. 12558. 

ge-siger* stm. Sieger: der undir den gesigern als ein hörn dem 
einhorn irwirbit ruoin und guten leumt, Dal. 134, 15f. (60, 38). der 
manbaft g., 220, 8 (100). 187, 23 (84, 2). 

ge-sinde swm. 1. Weggenosse. 2. Gefolgsmann, Dienstmann. 

3. Hausgenosse. 3. Desgleichen mag auch ein herschaft einen 
gesind, das es gedingt het, vir woch vor autsagen, ob es sein nit 
haben wolt, Eger Str. C. 64. Doch ist wohl hier einem gesind, 
und zwar von stn. zu lesen = 

ge-sinde stn. 1. Gefolge, Dienerschaft wörtl. und bildl. 2. Kriegs- 
leute. 3. Gesellschaft, Familie, Geschlecht: das g. Ezri (familiae 
Esri), W — B Richter 6, 24. ir g. der volke (familiae populorum), 
Par. 1 16, 28. von dem das g. der Xamubeliten, Num. 26, 12 — 18 f. 
ein iglicher herre, er sei pose ader gut, so wirt er allewege 
geachtet, als er g. hat, Const. I 4, 8. 

ge-sinden siev. trans. und refl. 1. zum Gesellen oder Diener 
machen, aufnehmen. 2. sich in das Gefolge jemandes begeben: wiltu 
wesen wol gesindet (willst du gute Diener haben), Alex. 27931. 

ge-sinnet part. Adj. von sin, gesinnt: wo euch das g. wirt, 
(falls ihr wollt) uns das zu erkennen geben. Eger Cbr. 1170. 

ge-sippe swmf. (von Adj.) nahe Verwandte: Do sullen nahe 
gesippen nicht in eim rate sein, Const. I 5, 3. (Rubrum in D.) 

ge-sippe stn. * Verwandschaftsgrad*: die freunde von gepurt u. 
die freunde von weibes wegen pis auf das fünfte gesippe vorkeust 
man an dem geezeugnusse (usque ad quintum gradum), Const. P7 
12, 13. gegen freunde u. mage pis auf das fünfte g. (ad quintani 
consanguinitatis lineam) sullen fursprechen nicht gezwungen werden, 
daß sie vursprechen u. teidiugen, IV, 4. 10. I. 5, 4. 

ge-sippet, ge-sipt part. Adj. verwandt: die nechsten gesipten 
freunde, Elbog. Chr. 8, 10. 10, 34. 11, 1. 12, 27. 

ge-slackt Adj. wohlgeartet, fein, schön: kein g. ader geverbt 
gewant über die por nit decken, Eger Str. C. 38. nü tuot so wol, 
als iuwern tugenden si geslacht, Schretel 83. den helden gar ge- 
suchten, Tristan 6199. Tinas von arte edel und g., 4341. 

ge-slepp* stn. Gang in einem Bergwerk mit schiefer Ebene 
zur Erzförderung : sie haben furpas gefaren auff demselben Schacht 
ainen czenczel mit ainem geslepp, Igl. Bgr. N. 6, 1. in einem schacht, 
der was gesunken 6 lochter, — hatten sie gevaren ainen czenczel 
mit ainem geslepp durch ganezen stain unez czu ainem hespel, das 
was wol 4 lachter tief, Nr. 6, 2. do sie — waren in dem gesleppe 
Bethoron (in descensu Bethoron, Abhang von B.), W— B Jos. 10, 11. 



ge-sling — ge-stalt 299 

ge-sling, -slink stn. (icohl zu ge-slingen L.?) Gedärm und 
Fleischabfälle : g. in die roren stassen (= stoßen), Eger Str. C. 47. 

ge-sloz, (ge-sloz,) stn. Schloß, Burg: Wiewol sie (die Bürger 
von Olmütz) irem herrn (K. Wenzel) mit dem g. u. in werntlichen 
sachen treu u. gehorsam leisten, idoch wolden sie ire hende uff die 
pristerschaft nicht ousrecken noch sie czu leidigen gestatten, Olm. 
Stb. 54. etlich g. der veinde (Hussiten), N. 44 der herr vom g., Chlum. 
I 48. 49. 52. das bemelt gslos, Eger. Chr. 1188. 

ge-smeid (ge-smide) stn. Metall, -gerät (Waffen, Rüstung), 
Schmuck: das geschmeid, das den hindern czugepuret, Ig). Stb. V 
105 d. mein silbrein gevese und andre geschmeid, III 304 a. was 
des uberigen geschmeides gewest ist von silber, 11160b. silberein 
g., III 52 a. von silber g., gurtel ader patemoster, V 195 b. 

ge-snitz-werk* stn. Schnitzerei: solch vesperbilde zusambt 
dem öhlgarteu geschnitzwerg und bildwerk gestehet 20 seh., Traut. 
Chr. 36. 

ge-span stm. Gefährte, Genosse, Kompagnon: So mugen ouch 
die gespan und geselleschaft desselben krieges an gebot teidingen 
also doch, das der geselle ader die gesellen das ding stete halden, 
Const. IV 3, 4. 

ge-speist* stn. Proviant, Lebensmittel: Elbog. Chr. 137, 31. 

ge-spenge stn. Koll. zu spange, Spangenwerk: nam das g. der 
puckeln der eunielichen camelen, mit den man sie pfliget czu cziren 
(ornamenta ac bullas), W — B Richter 8, 21. 

ge-sperre stn. 1. Sparrenwerk, Gebälk. 2. Spange. 3. Saum: 
1. so mugen sie dachzimer und die gesper auf dieselben wantruten 
legen, Igl. Stb. III 193 b. er hat bewilligt — seinem nochpar in sein 
hausdoch die gespier czu roffen, Igl. Stb. V 238 d. 

ge-spert pari. Adj. (v. spern swv.) hastatus: gewapent eisen u. 
mit gespertem holeze (ligno lanceato), W — B Köu. II 23, 7. 

ge-spil* stn. Schauspiel: den 18. apr. 1585 ist das gespiel von 
der Rebeca — gehalten worden, Eg. Chr. 692. 

ge-spil, -e sivmf. Spielgevosse; Freund, -in: Und do sie gegienk 
mit iren gesellinnen u. m. iren gespilen, do beweinte sie iren 
magtum auf den pergen, W — B Richter 11, 38. 

ge-spreche (ge-sprseche) stn. 1. Sprechvermögen. 2. Unter- 
redung, Beratung. 3. beratende Versammlung. Die Schoppen gehen 
vor Fällung des Urteües an ein g., Igl. Str. 271. 

ge-sprechikeit* stf. Beredsamkeit: seiner (des Hieron.) g., 
seiner geblümten rede, domit er die heiligen schrift aus ebraischen 
u. krichischem gezung in latein bracht hat, inusz sich alle diese 
werlt wundern, Hier. 8, 5. 

ge-sprenge stn. 1. Sprengen. 2. Ansprengen, Einsegnung. 
3* Ort in der Kirche, wo das geschieht (?): czway pild macben 
lassen in die tafel (Altarbild) yn das gespreng (der Wenzelskapelle 
der Iglauer Pfarrkirche), Igl. Stb. V 152 b. 

ge-stalt 1. stf. 2. stm.*. Gestalt, Aussehen, Beschaffenheit. 
1. in W— B immer = facies : von der g. der Pbilisten, III B 15 c. 
v. d. g. des pogens, Ps. 59, 6. von der g. des vewers, Ps. 65, 10. 
nur: die g. des himmels = species coeli, Sirach 43, 1. mit traurikeit 
der g. = tristitiam vultus, Prediger 7, 4. die do waren gegen der g. der 



300 gestalt — gesten 

wustenunge (contra facieni deserti) u. gegen der sudnischen erden, 
Judith 2, 13. wider di g. des windes, Sirach 22, 21. so such ich 
nicht einen g. des leibs (speciem corporis), Sol. 74, 37. 

gestalt s. stellen. 

ge-stän 8. ge-sten. 

ge-stat (G.-des) stn. Gestade, Ufer: bei dem g. (des Sees 
Tiberias), T— B Matth. 13, 2. 13, 48. 

ge-steige stn. steile, Anhöhe, über die ein oder mehrere Wege 
führen: über das g. der scorpionen = per ascensum scorpionis, 
W — B Num. N 34, 4. gegen dem gesteige (contra ascensum), III 96 d 
u. Jos. 18, 18. das g. der gegent (per ascensum), IT 127 d. von dem 
g. der scorpen, Richter 1, 36. David czoch auf das g. der ölpoume 
steigende u. weinende mit bedaktem houbte u. gieuk mit paren 
füzen (clivum olivarum), Kön. II 15, 30. 

gestein-rulle * sie f. (von rulle, rolle swf. rotulus) Steingeröll, 
rupes: die waltesel steen in den gesteinrullen (onagri steterunt in 
rupibus), W— B Jer. 14, 6. 

ge-stellen swv. Trat, ge-stalte a) von stal (Stelle) 1. an einen 
Platz schaffen. 2. zum Stehen bringen, beilegen. 3. fangen. 4. ins 
Werk setzen. 5. aufstellen, ordnen. 6. refl. sich schicken, gestalten. 
7. trachten nach: b) von stal = Stall. 8. in den Stall bringen. 
1. = als Zeuge vor Gericht bruigen: den totpetman schol man g. 
und di scheppen schollen in dorezu twingen, das her sage, was im 
dorezu um gewissen sei, Igl. Str. 247. Also — er — seine geezeuknisse 
mit der stat priefe u. mit dem totpetman gestalt hat, 260 S. 156. 

gesten (auch ge-stän) stv. IV. gestuont; gestanden, gestän intr. 
1. stehen bleiben, stand halten. 2. sich stellen, hintreten, besonders 
vor Gericht. 3. absteigen vom Pferde. 4. mit Dat. zu einem stehen, 
helfen, bes. mit Zeugenschaft, trans. 5. aushalten. 6. zustatten 
kommen. 7. mich gestet — mich kostet. 1. da haben sie bein der 
badstuben — auf in gestanden (gelauert), Traut. Chr. 37. 2. also als 
der alt scheppe uns vrefvleich gestraft hat u. die czwene Steiger mit 
im u. nicht gestanden sein unvorrucket, als ein recht ist, Igl. Bgr. 
N. 65, 6. ist aber das der selbschuldige vorfluchtig wurdt u. vor 
dem bergmeister dem gerichte nicht gesteet, DIB 23a, 6. 1. sein 
widerparth Ffricz Buswurm noch seiner verwilligung nicht gestanden 
ist, Igl. Bgr. N 83, 3. Wenn dem antworter der clager nicht gesteet 
(vor Gericht erscheint), so der richter czu gerichte siezet, so mag er 
(der richter) sein uugehorsamkeit rügen u. besagen — wenn dies 
2 mal geschehen, kann der Geklagte den Richter bitten, das er mit 
urteil ledig werde u. enpunden von seiner clage gerichtes halben, 
Const. IY 3, 1. der ist (zu dreien malen eingeeischet von Frocoben) 
zu seinem rechten nicht gestanden, dorum hat man in in die echt 
getan, als den, der sein recht nicht hat, Igl. Stb. IY. 87 c. er ist 
czue dem rechten gestanden, IY 204c. — 4. 5. 6. ab in des die 
gezeuknus des hofmeisters gestund und bekent als ein recht ist, 
Igl. Bspr. YIII. das mir der brive über die leihung des gestet, Igl. 
Stb. Y. 10 b. des gestunden ir die heiratleut, Igl. Str. 233. ob im des 
diselbe beweisunge gestünde u. bekente, als ein recht ist, 259 S. 154 
u. Igl. Bgr. Nr. 67, 4. ab in die beweisunge des gestund, Igl. Bgr. 
N. 64, 1. wem den gesworn leute gesteent, DIB 23a, 10. Is en- 



ge-stift — ge-streuche 301 

inack ouch kein prüder dem andern mit nichte gesteeu noch mit 
im erczeugen noch ein vater seinem kinde, D I R III 37. ein protess 
(Dienstknecht) seinem herren wol mag gesten, Igl. Str. 41. Ist das 
mir — der Drive über die leihung des gestet, Igl. Bgr. N. 51, 2. dem 
der liher gestet, D I R 13, 4. das im die burger u. stat von Eger 
des rechten für dem lantgerichte — dem richter u. den mannen zu 
Eger nit gestunden, Mind. d. Egerl. S. 21; = zu gestehen: Chr. v. El- 
bogen 27, 9. 28, 31. 46, 25 usw. = gestehen, als Zeuge bekennen : dem 
sie zu schaden scholden gesten (gegen den sie zeugen sollten), Igl. 
Str. 34. das si der sache, do si um wolden gesten, heiratsleute weren 
gewesen, 34. Und was der hiert gestet, des schol er auf seinem 
stabe ainen aid sweren, das im got so helf u. alle heiligen, aber im 
selben mag der hiert nicht gesten, 42. ein hirt mag wol gesten um 
alle den geprechen, der an dem viech geschieht 42. — In morgeu- 
gabe gesteeu heiratleute pass dann totpetleute, 267 S. 170. er mag 
wol gesten u. geczeugen, Igl. Bgr. N. 113. ab des der gesworn 
Steiger gestet u. bekennet, N. 117, 2. Zu 2. ab der clager mit 
frevel nicht gesteet (vor Gericht erscheint), so sol man den antwurter 
enpinden von teidingen des gerichtes u. sol den clager an rechter 
czeruuge, die er getan hat von des kriges wegen, mit urteiln vor- 
urteiln, Const. IV 4, 15. — seinttmalln die waisen, noch ire geborne 
freunt nit noch bergrechten noch den tailen czu rechter czeit 
gestanden sein, verhoff Jan Sander, er sei den waisen aus angehegter 
ursach nichts verprlicht, Igl. Bgr. N. 85, 2. 7. ein zinnerne schissel 
u. ein seitlkendl — gestehet zusammen 2 seh., Igl. Ms. S. 15. das 
bildnus des hochberümpten poeten Hannß Sachsen von Nürnberg mit 
schönen Ölfarben gestehet 1 seh. 12 g. («. 1615, noch in lglau vor- 
handen), Igl. Ms. S. 15. 

ge-stift stn. Abfassung einer Erzählung, Stiftung eines Klosters ; 
stf. Stiftung, Festsetzung; stn. Vereinbarung*, pactum: die wort 
diez vrolichen gestifts, W — B Jer. 11, 3 u. 6. der mit gewaltiger 
haut der gote gestifte (die Gründung der Götter, das von den Göttern 
gegründete Theben) hete verbrant, Alex. 3966. 

gestift-altär* stm. Altar, vor dem einer Stiftung gemäß eine 
Messe zu lesen ist: auf dem g. — eine sehlmesse zu lesen, Traut. 
Chr. 349. 

ge-stin (auch gestinne) stf. Fremde: diust ein gestin, W. v. W. 
3977. die g. (Amazonen) dannen riten, Alex. 17610. 

gestreft s. ge-streift. 

ge-streift (ge-strifet) pari. Adj. gestreift : drei gestreffte hand- 
tuecher, Igl. Stb. V281c, 20 elen gestreffte leinbot, V 281 c, 265 d. 

ge-streng-heit, ge-strenkeit (bei Lexer gestrengecheit, Strenge, 
enthaltsame Lebensweise) stf. in der Anrede = gestrenger Herr: 
do sein g. (der hauptman zum Elbogen) beder teil red und antwort 
guuglich vernomen, Elbog. Chr. 84 14. 

ge-streng-lich * Adv. strenge, nachdrücklich: hirumb ich euch 
g. gepewt, Eger. Chr. 1125 S. 302 u. 303. 

ge-streuche * (Koll. von strüch) stn. Gesträuch: sie was nun 
kumen in dicke g. (strüchecht L. beides falsch übersetzt für: 
Gedränge = tschech. hüscie), Böhm. Chr. 15. 



302 ge-streuse — ge-sund 

ge-streuse (ge-striuz,e Koll. zu strüz.) stn. Strauß, Kampf, 
Handgemenge: ein volk, das — aller gesiechte eintrechtikeit mit 
irem g. (dissensione) czubreche. W— B Esther 13. 4. Aldo haben 
aufgehört die posen von irem g. (a tumultu) und gelaufte und sint 
do berastet, müde ir sterke (fessi robore), Job. 3, 17. 

ge-stritte,* ge-strüte* (= ge-strüteht) stn. Gebüsch: gestrute 
(carectum mit Riedgras und Binsen bewachsener Ort, s. binsen- 
strauch): mac gewachsen ein gestrute äne wasser, W — B Job. 8, 11. 
sie haben das grenitzflosz {den Grenzbach) hienauf durch gestritte 
und geritt (s. d.) ausgerenmbt bis zum grenzbron, Traut. Chr. 
271. 204. 

ge-stüele stn. Koll. zu stuol. geordnete Menge von Stühlen: er 
schuof ein g. unervorcht, — da die forsten solten sitzen, W. v. W. 115, 
man beriht {errichtete) ein g. dar, 1293. da ein g. was geworht, 
7179. manic g. riche, Ernst 2370. da er üz, dem g. (des tempels) 
trat, Alex. Anh. 2019. gestüelde, Alex. 24711. wart das new gestüle 
in der kirche gemacht vor der herren banck, Traut. Chr. 339. 

ge-stüppe stn. Staub und Staubähnliches; {bildl.) Nichtigkeit: 
daz. gestupp (de?i Staub eurer Stadt) — daz, schutt wir an euch, 
T — B Luk. 10, 11. schutt daz, g. von euren füz,z,en, Mark. 6, 11; 
Matth. 10, 14; Btb. 13, 51. si legten daz, g. (Asche) auf ir haubt 
und riefen wainent. Offenb. 18, 19. 

ge-stügt s. stücken. 

gest-weise (gast-wise) Adv. als Fremder, als Gast: das er were 
aldo g., W— B Gen. 12, 10. 

ge-suech (ge-suoch) stm. 1. Nachforschung,