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Mittheilungen 

1. des 

\ 

I Vereins 

[ für die Geschichte und Alterthumskunde 



ERFURT. 



/'5- 



OK 



C'eoDLiur;;! 



Worneburg, Beiträija zur tbürinaiäslien öeactiiahte, — BTctneV",' 
I'elcrskloater m Erfurt. — Erl&ndaen, Baiträjte zum Potarekloater. 
— Wernebnrjf, über das Erfurter StarltsiBjjal. — v. Tettsu, 
ubersi cht! iahe ZusammeD Stellung der in Erfart und dessen Umgebung 
gefundenen vorgeschichtlichen Gegenstaade, 



:^j:21 



EKPÜRT. 1883. 
Selbst-Verlag des Voroins. 

In ConmiHlos lie[ Cstl VilUcct. 



m 



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Mittheilungen 

dflB 

Vereins 

fOr die Geschichte und Alterthumskimde 



ERFURT. 



(■':BODL:UDi<)- 



■V 

Elftes Heft. •^■i!iOL.ij.>> 



EBFVBT, 1883. 
Selbst-Verlag des Vereins. 

il CkilTIllkiat. 



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Inhalts - Verzeichniss. 



iL Wernebnrg:, BeitrSga snr tbürinKiaoheii Qetobiohte I 

L Die Tenreltimg ThüringenB unter fräokigaheF BemobsU nsd 

bis lar Zeit der Lend^rftten 1 

II. Der Wirknngtkreia Hadftlg;aad'B, dei Königtboten Kartt dee 

Qronen - . . . 8 

III. Die Hertöge dar Thüringer 7 

IT. Die Ormfen von Wiaienbnrg ab Landgrafen tod Tliarii^ii . . 38 

B. Böolmer, dai Petenklorter an Erfurt (II. Folge) 67 

IT. Dia Elorter-Qeb&iide 67 

Beilage A. Inaoriptione« oanpanarum 164 

B. Pnblioandam über daa Terkaof 166 

C. Aemtar im Kloster 106 

D. Calandariom aad Nekrolog daa Kloitera 169 

E. Anrang atu d«Bt Nekrolog nach der vom Mönch Qallni 

Slus hinterUaienen Abschrift 160 

O. Erlandien, einige Beiträge reap. Bemerkangen cd der Sohrift 

des Herrn Major Böokner ftber die Peterakloeterkirohe . . . 180 

A. Wernebarg, &ber das Brfarter BUdUiegel 187 

T. Tettan, fibeniohtlicha ZnaemcaeiutellnDg der in Erfart and denen 

Umgegend gefandenen Torgesohiohtliahan Qeganat&nde ... 101 



DictizedbyGoOt^lC 



ubiGoogle 



Beiträge 

ZOT 

thüringischen (beschichte 



A. W«rneburg, 



I. 

Die Verwaltnns Thüringens unter fränkischer 
Herrschaft und bis aar Zeit der Land^sfeiL 

lieber die BtaatHche Verwaltung ThUringenB, nachclem es 
nm das Jahr 530 anter fränkische Botmäsaigbeit gekommen war, 
ist wenig bekannt; doch l&sst sich in dieser Beziehung bei voll' 
BtSndiger ZasanamenfaBBung nnd richtiger Würdigung der in 
verBchiedenen Schriften rorhandenen, auf uns gekommenen Nach- 
richten ein Eiemlich befriedigendes Bild entwerfen, wae ich im 
Folgenden verancben will. 

Es handelt sich dabei am das eigentliche Thüringen , daa 
Land zwischen dem Harz und dem Thüringer Walde, der Werra 
and der Unstrut; denn, daSB das Königreich Thüringen, desBen 
Untergang durch die Besiegang des Königs Hermenfried durch 
den FrankenkSnig Tfaeoderich herbeigeführt wurde, sich nicht 
s&dlioh über den Thüringer Wald hinaus erstreckte, habe ich an 
anderer SteUe *) nachgewiesen und dass der Theil jenes Reiches, 
der OsiliGh der Unstrot lag, den Sachsen zufiel, ist bekannt. 

*) Jahib&olker der Aoademie guneianfitkigar WiMsotohaftsn in Erfurt, 
Nsne Folge, Heft X. Daat jedenfallt im 8. Jshrhnndert die Qsgend iwisohen 
dem Tllüriiigerwald und dem Hain nicht dasa gehörte, ergiebt lieb ans 
dem im AbBchnitt III. Gesagten. 



,l:Ml,G00t^lC 



Ob vmä welche staatliche Einrichtangen Theoderich in Tbft- 
riogen traf, darüber ist nichts bekannt. Aber es lägst sich aas 
don vorhandenen Nachrichten and ans den damals obwaltenden 
Verhältnissen mit ziemlicher Sicherheit schliessen, dass er sich 
lediglich darauf beschränkte, die Thflringer Trene angeloben m 
lassen and ihnen einen jährlichen Tribat anfsaerlegen. Dass 
letzteres der Fall war, ergiebt ^ch ans Widakind's ÄnnaL Cor- 
bejens., aus dem Annalista Saxo (ad ann. 1003) und dem Chron. 
Dacam Bronsrieensiam (Leibnits, Script II. p. 15). Diram iat 
anzanehmen, dass die fränkischen Herrscher von Zeit sa Zeit, 
oder wenigstens jährlich einmal, Abgesandte nach Thüringen 
schickten, die den Trihat erhoben. Dabei werden sie sich fiber 
den Zustand des Landes and des Volkes nnterrichtet, was za 
i>rdnen war, geordnet and darüber ihrem Herrscher Bericht er- 
stattet haben. 

Dass im Uebrigen die fränkischen Könige in Thüringen die 
bestehenden Verhältnisse and Rechte nnverändert liesaen, folgt 
zanSchst aus der bekannten Thatsache, dass die bei den Thü- 
ringern übUchen Gesetze in Kraft blieben; ansserdem aber auch 
ans dem umstände, dass noch längere Zeit nach der Unter- 
jochnng der Thüringer die fränUsohen Herrsober immeor selbst 
dahin zogen, wenn es sich am bedentendere Ereignisse, nament- 
lich am die Dämpfong von Aufruhr und dergleichen handelte. 
Das würde nicht der Fall gewesen sein, wenn von den Franken 
eine besondere staatliche Organisation in Thüringra eingerichtet 
ein Stell Ter tfeter des Königs oder ein Herzog eingesebit werden 
wäre. Denn in diesem Falle wäre doch wohl einem solchen au- 
näohst die Au&echthaltung der Ordnong anbeimgeCallea ; darüber 
geben aber die Historiker nicht die geringste Andaatong. 

Es erscheint auch in Betracht der sonstigen Verhältaisae 
ganz erklärlich, dass bis zam Ausgange des sechsten J^ir- 
hunderts der oben beschriebene Zustand in Thüringen stattfand. 
Dieses Land war die äusserste Provinz des fränkiscbeu Beiobea 
im Osten, aasserdem bei seiner geringen Qrösse von weniger 
Bedeutung und es wurde deshalb demselben wol4 seitens der 
fränkischen Herrscher mindere Aufmerksamkeit zugewendet, da 
diese im Westen mit wichtigeren Angelegenheiten ToHanf zn 
thnn hatten und fränkische Edle wenig Keigong verspüren moch- 
ten, ihr Bciißneres Vaterland zu verlassen, um tu dem dlunala 



:. Cookie 



- s — 

qoch oDivirtlitielteD, van beidnücher BeviSlkenuig beTohnten 
TbKringen ücik niederznUaBen. 

Erst unter Chlotar II. (t 638) trat eice Äendoracg ein, in- 
dam dieser einen Statthalter, Eado, Über Äuatrasien, also aach 
Ober ThUringen emsetzte (v. Falkenstein , Thür. Chronik II. p. 
37) and die Qeaetze der Thüringer verbesserts und Tonnehrte. 

Der Name dieses Statthalters führt auf die Yarmothang, 
dasB es dieselbe Person irar, die demnächst, wie wir bald sehen 
werden, als Herzog Badnlf in Thüringen erscheint. In chrono- 
logischer Beziehang steht kein Bedenken entgegen; denn jener 
Herzog wird in der Qescbichte um das Jahr 648 als ein bejahr- 
tor Mann erwähnt. Er kann also nm 585 geboren nnd demnach 
sehr wohl von Chlotar II. als Major domns über Äastraaieo ein- 
geseUt worden sein. Anch ist nicht unwahrscheinlich, dass er 
in Thüringen, als der östlichsten, am meisten bedrohten frän- 
kischen Provinz, seinen Sitz hatte. Radulf war sogar ein thü- 
ringischer Dynast *). Da zu seiner Zeit die VerhältnisBe in 
Thüringen sieh schon mehr consolidirt hatten, die Zogabürigkeit 
dieses Landes aom fränkischen Reiche fester begründet war, so 
kann ea nicht auffallen, dass einem der Qrossen derselben die 
Statthalterschaft über Aostrasien anvertraut nnd er demnächst 
stim Herzoge — dux, welcher Ausdruck nicht im heutigen Sinne 
des Wortes, sondern als „Kriegsoberster, Heerführer" in Eriegs- 
AlUen anfzufassen ist — ernannt wurde. Dies geschah nach 
Fredegar'a Zengnisa (Chron. Cap. 77) durch Dagobert L, Chlo- 
tar's U. Sohn, den dieser im Jahre 622 als König von Anstra- 
sien einsetzte. 

Hag aber auch jener Bado mit dem Herzoge Badulf ideo- 
tisch sein oder nicht, gewiss ist, dass Badulf als Herzog in 
Thüringen eine bedeutende Rolle spielte nnd die fränkischen 
Herrseber mit ihm üble Erfabrangen machten. Denn Radolf em- 
pörte sich im Jahre 640 gegen den inzwischen auf den aostra- 
üscben Thron gelangten Sigebert II , so dass dieser gezwungen 
war, gegen Radulf za Felde zu ziehen. Der Ausgang dieses 
Zuges war für Sigebert wenig günstig nnd die folgenden Ereig- 
nisse beweisen, dass Radulf seiner Stellung nicht enthoben wurde. 
Denn wir finden in der Lebensbeschreibung Sigeberts II. die 



•} cfr. AtMchoitt III. 

Dictzedby Google 



Nachrichf , dasB dieser mahrare Jabre Bp&ter, all Sadnlf schon 
attersschwftch war, gegen die rebelliacheo Thfiringer sog and 
Bie wieder anterjochte. 

Die mit Radulf gemachte Erfahrung Bcheiat die Mutratisohea 
KSnige bewogen za haben, Eanfichst keine einbeimiseheii Dy- 
nasten als Staatsbeamte ncd Hersoge in ThOringen wieder ein- 
zQBQtzen, vielmehr wurde das Dacat ttber Thüringen einem her- 
vorragenden Manne (oder einem kfiniglichen Prinjsen) Übertragen. 
Ate solcher ist in der «weiten Hälfte des 7. Jahrhonderta der 
als Major domus in Anstrasien fongirende Fipin anzasebeu *). 
Kach ihm (f 714) erscheint Carl Martall als solcher, der in 
einem Schreiben des Papstes Gregor vom Jahre 718 aasdrOck- 
lieh als Herzog bezeichnet wird. Aus einem anderen Schreiben 
dosselben Papstes aas derselben Zeit Usst sich ein ziemlich 
sicherer Schlass aaf die damaligen Zastfinde in Thüringen ziehen. 
Dieser Brief ist an die Dynasten in Thüringen gerichtet (cfr. 
Tita Bonifaoü). Also diese hatten die Verwaltung des Landes 
in Händen anter der Leitnng des frSnkischen Major domna. 
Die Macht des Letzteren mochte aber in Tbfiringen wenig zar 
Gfihang kommen, da seine Thätigkeit im Inneren des Reiches 
dnrch wichtigere Angelegenheiten in Anspruch genommen worde. 
In den Aassenländem, in Baiem, Friesland, Alemannien, Schwa- 
ben und Sachsen sachte man sich vom fränkischen Joche frei 
za machen ; jedenfalls fanden nach in Thüringen derartige Be- 
strebungen statt, obwohl der Chronist (Hadrianns Valesiua) dies 
nicht besonders erwähnt. Da aber unter den Sachsen hier nur 
die in Nordthüringen sitzenden verstanden werden können, so 
ist anzunehmen, dass die ihnen benachbarten Thfiringer mit den- 
selben gemeinschaftliche Sache gemacht haben. 

Diese Herzoge über Thüringen aus fränkischem Stamme 
residirten nicht in letzterem Lande; sie zogen nur in Kriegs- 
fällen dabin. So bekriegte Carl Martell im Jahre 724 die auf- 
rührerischen Sachsen (in Nordthüringen), welche in Thüringen 
groBBen Schaden gethan hatten. Wohl aber hatten im Laufe 
der Zeit die fränkischen HerrBcher Eigengüter in Thüringen er- 



*} Wenn hiergegen eingewendet werden möchte, daia ni jener Zeit 
Gotbert nad Uetan Herioge in Thüringen gewesen stiSD, 
auf den naohfolgeuden Abtahnitt III. 



Dictzsdbv Google 



— B — 

worben *}, hatten alio wohl »uch BeAinte da, die mit bot V«r- 
waltnag des Ijuidea verweodet imrden, and jedenfalls hatten 
das«l)Mt auch &&nkiicbe Anüedelongen stattgefunden. Das 
geht aas einer ürkonde Cacl's des Qro«Ben von 775 hervor, in 
welcher es von der Stadt Htthlhaasen beisst, dasa dort Franken 
gewohnt h&tten ••). 

In der Mitte des 8. Jahrhunderts unternahmen Carlmann und 
Fipin wiederholt Züge gegen die Sachaen (in NordthUringen) 
and nach Thüringen; aber niemals ist dabei von einem Herzoge 
in TbOringen die Rede. Der vorberegte Zustand dauerte also 
fort bis auf die Zeiten Cari's des Orossen. (Ännal. Mettenses 
ad annnm 784.) Dieser erst ftthrte, als die Unterjochung des 
aSebaiachen Volkes im Wesentlichen gelungen war, «n strafferes 
R^iroent nnd eine geordnetere Staatsverwaltung dnrcb beson- 
dere Vertranenslente — KSnigsboten — auch in Thüringen «in. 
Einen Hersog gab er aber dem Lande nicht, sondern nur Grafen 
standen den einzelnen GanverbKnden vor. Ausserdem bestellte 
er besondere Beamte zur Aufsicht über den Handelsverkehr, 
namentlich an der östlichen Grenze, an. In Thüringen bekannt- 
lich Hadalgaad. (c&. Abschnitt II.) 

Aach unter Ludwig dem Frommen nnd Ludwig I. blieb es 
so. Erat in der IiKtte des 9. Jahrhunderts setzte letzterer wie- 
der einen Herzog — Tachulf — als Schirmherm gegen die Sor- 
ben (marohio Hmitis sorabici) ein, wobei unter Herzog, wie schon 
vorher bemerkt, nicht sowohl ein Landesfürst, als vielmehr ein 
Heerführer im Kriege zu verstehen ist Tachulf war ein ein- 
geborener Thüringer, wie auch seine Nachfolger und daraus darf 
geschlossen werden, dass nun die Macht der deutschen Herr- 
scher aus fränkiachem Stamme, die auch wohl in Deutschland 
residirten, in Thüringen fest begründet war. Tachulfs Nach- 
folger war Badnif, nach ihm kam Poppe, dann Conrad und end- 
lich Barchard., Nach dessen Tode (t 908) trat ein kurzes In- 
terregnum ein nnd dann übernahmen König Heinrich I. und 
seine Nachfolger selbst daa Ducat Über Thüringen. In letzterem 
traten die Qaugrafen wieder in den Vordergrund, während Ober 



•) BchnltM, Dir. DipL I p. 6. 
**} Wie dran die Ortaohattsn mit NsKon auf ■haaten- ttbarhaapt woU 



Google 



die fisüichflii Marken besondere Markgrafen geeetEt worden. 
Dieses VerbfittniBS dauerte, bis durch den Einzag des Oralen 
Lodwig des Bärtigen ein neaer stastliober Zastand in Tbflringen, 
die Verwaltung des Landes durch Landgrafen angebahnt wurde. 

U. 
Der Wirkungskreis Hadalgand*s, des Königsboten 
Oarl's des Orossen. 
Karl der Qroase stellte an den östlichen Grenzen i^neR 
Beiches drei Au&icbtsheamte an, von denen der eine, Werner, 
in Lorob stand, der andere, Audalf, in Franken mit den St^ 
tionsorten Forobheim und Begenshurg die Aufsicht hatte, der 
dritte, Madalgaud, In Thüringen mit dea Stationsorten Erfurt 
und Alaraestadt, oder, wie Knochenhaner, Geschichte ThBringens 
in der karolingischen und sächsiBchen Zeit, pag. IS, schreibt, 
Hallstadt, wobei er unter EaUetaiit den Marktflecken dieses ITa- 
mens am Main, eine Wegstande von Bamberg, versteht and da- 
mit die Meinung verbindet, Madalgaad aei Au&iohtsbeamter in 
Thüringen und Franken gewesen. Ein Blick auf die Karte 
zeigt, dasB diese Annahme anznlftssig ist Der Bezirk des Ma- 
dalgaud hätte dann, im Vergleich zu dem des Audulf, nicht nur 
eine ganz unverhältnissm&ssige Ansdebnnng gehabt, sondern er 
wäre auch durch den ThOringer Wald in zwei HiÜften getheilt 
gewesen, die ein Beamter scliwerlich äberwacben konnte. Nor 
im flachen Lande, unter Benatzung der Flüsse, nicht im Gebirge, 
wird der Handel zwischen den Slaven und ihren westlichen Nach- 
barn stattgefunden haben and da erscheint es ganz natürlich, 
dass, während Audulf den Main und die Gegend bis zur Donau 
überwachte, Madalgaud dies in Thüringen Mi der Gera nnd Un- 
strut that, und unter dieser Voraussetzung scheint es eben so 
natürlich, dasa als Stationsponkte für Madalgaad je einer am den 
gedachten Flüssen ausersehen war: für die Gera'Erfiirt and für 
' die noBtmt Allerstedtj dieser uralte thüringische Ort, aof den 
aacb die Schreibweise in dem bei Pertz Legea m. unter Nro. 1 
angeführten Codex bibl. reg. Paris, der Vorzug zu geben 
sein dürfte, ganz roUständig passt, nämlicb ,rAlaraestati" *). 

•) AUorstedt (MarMteds) koauat nrknsdUsk aehga im JalM 78S tot. 
(ZciUohr. d. Tereiu ffir Th&r, OosgL a. Alt«tl|.-Xa>4e s« Jaaa; II«M 
Folge, L p. 187. 



— 7 — 



in. 

Die Henöge der Thüringer. *) 

Bsdalf. 
Der erste gescUchtlich bekannte Herzog der Thüringer war 
Badtilf. Er wird ansdrücklich als Hersog der Thfiringer, von 
König Dagobert I. eingesetzt (Fredegar chron. c. 77) bezeichnet 
und war wohl ohne Zweifel ein thüringischer Dynaet. Wfire 
er ein Frank« gewesen, lo h&tte er sich wohl nicht gegen den 
frinkiflchen König Sigebert II. empSrt, wie er thataächlich im 
Jahre 640 that, nachdem er durch glückliche Kämpfe gegen die 
Sorben an Macht and Ansehen gelangt and dadorch übermüthig 
geworden war. Sein Todesjahr ist anhekannt. Genssler (Ge- 
■ohichte des frftnkisohen Gaaes Qrabfeld, I. p. 291) sagt, er sei 
bald nach 640 gestorben. Gründe hierfür giebt Genssler nicht 
and seine Angabe ist anoh sehr unwahrscheinlich. Denn einer- 
aeits ist anaanebmen , daas Radolf im Jahre 640 noch nicht be- 
jahrt war and andererseits scheint eine Stelle in der Lebens- 
besohreibong des Königs Sigebert dafür bu sprechen, dass Ra- 
dolf noch iKngere Jahre lebte. Diese Stelle laatet: Qoia com 
- «etate ei (Sigeberto) robar et induetria accrerit, non sntea ab 
inhnicoram insecutione destitit, quam superbiam eorum deminnitj 
et Thuingos, qü infrinctu Radolfi rebelies erant, sab jogo do- 
minü Buos victos et confusos reflexit Da Sigebert im Jahre 
040 ein lljlibriger Knabe war, aar Zeit der Unteijochnng der 
Thflringer aber w reiferem Alter stand, also doch wohl minde- 
stens 20 Jahre alt war, so wird die Unterjochung der Thüringer 
etwa um 646 erfolgt sein und da Badalf als infrinctus bezeich- 
net wird, so hat er damals noch gelebt. 

Viele Historiker (t. Palkenstein, TbUr. Chronik Seite 51 und 
SpKtere) halten jenen Herzog Hedan (I.), der um die Mitte des 
7. Jabrinuiderts labte, fttr einen Herzog der Thüringer und für 
einen Sohn Badalf s. Ersteres ist nicht anzunehmen, einmal. 



*) loh bemsrke gkna sUgeaisin, du« hier der Ansdrsck Benog (dox) 
inmar in dam, im Absohnitt L Hhon angedsnteten Sinne: Oberhsapt in 
SrispaafsIsgMlitften, HosifQluer, ib Ttrstsben isL 



:,G Gothic 



_ « _ 

weil Hedan nirgeads als Hersog der Thüringer bezeichnet wird 
and dann, weil er in Franken residirte, dort auch jedenfalls sn- 
BtUaig und begütert war; man müsste denn annehmen, daas er 
Herzog in Franken and in ThUt-ingen gerrea«- aei, eine An- 
nahme, die aber weder durch ein geBchicbtlichea Zeagnias unter- 
ettttzt wird, noch der Natur der Sache nach wahrscheinlich ist; 
denn da Franken and Tbüringea durch ein beträohtlichoa Qe- 
biige von einander getrennt sind, so eracheint ea unnatOrliobt 
dass die Verwaltnng beider Provinzen in der Hand, einpr Per- 
>on gelegen haben sollte, die dann einen sehr anagadehntsn 
GreniE-Tractas gegen die gefährlichen Einfälle der Slareo in daa 
fränkische Gebiet zu schützen gehabt hätte. 

Fllr die Annahme, dass Hedan (I.) der Sohn HadolTs ge- 
wesen Bei, beruft man sich auf die obronikale Nachricht, die 
sich in Ludwig'a Geschichte von WUrzbui^, pag. 983 findet, wo- 
nach Gozbert (von dem weiterhin die Bede sein wird) dar Sohn 
Hedan's (I.) und der Enkel Buodi'a gewesen sein soll (Goa- 
bertam ducem, qui Wurzeburgi eedem habuit, filinm fuisae 
Hedanis aenioria, qui foit filius Baodin), wobei a>an diesen Baodi 
mit Badnlf identificirt. Aber letzteres ist bei der Versobiedeu- 
heit der beiden Namen mindestens sehr bedenklich. 

In der zweiten Hälfte des 7. Jabihunderts lebte in Franli«i 
ein Herzog Gozbert, den ältere Historiker (v. Falkenstein, 1. o.) 
ebenfalls fUr einen Herzog der Thüringer und fUr den Sohn 
Hedan's (I.) nehmen. Es lassen sich diese Annahmen in keiner 
Weise begründen. 

Gozbert wird in der Vita St Eiliani (Ludwig, Geschieht« 
von Würzburg, p. 967) aoadrücklioh Herzog der Proviiri 
Franken genannt und residirte in Würzburg. Er Hess sich 
im Jahre 687 zur christlichen Religion bekehren and taofan, 
welchem Beispiele viele Franken folgten. Die Thüringer da- 
gegen wurden erst im Anfange des 8. Jahrhunderts dorob Boni- 
flacias cfariatianiairt, wenn auch vorher wohl schon einaelne Dy- 
nasten den christlichen Glauben angenommen haben mochten. 
Niif^ds wird Gozbert ala Herzog der Thüringer genuint und 
keine historische Thatsache spricht dafür, dass er es gewesen sei. 

Für die Annahme, dass Qozbert der Sohn Hedan's (I.) ge- 
wesen sei, beruft man sich auf die vorher schon angefahrte No- 
tis in den Erläuterungen au der Vit« Kiliani in Ludwiga .0«- 



:,G Gothic 



— 9 — 

schifte TOD W&nbtti^, Seite 983. Dieser stehet aber die an- 
dere Angabe entgegen (t. Falkenstein, 1. c, pag. 85), das« Hedan 
(I.) nnr dnen Sohn, Namens Sigebert hatte, der um 651 jung 
verstarb •). 

Wie mit Hedan (I-) and Gilbert, so verhält es sieh auch 
mit Hedan (II) Gozbert's Sohne: er kann ebcn&lls nicht aU 
ein Hersog der Thüringer angesehen werden **), sondern war 
Herzog in Frauken und der Erbauer der Kirche beatoe virginis 
Mariae zu, Würzbarg. (Ludwig, 1. o. p. 983.) 



*) Ton vie Eweifelbaftem Warthe dia bisrber beifigliohen chroniksUn 
Nachrichten fiberhiapt tmä , ergieht neb n. A. «neb darftai, diu in Kgil- 
wftrdi ViU Borcbsrdi erziblt wird, Immiui, dia Toobter H«du'a II. hsbs 
ihr SchloiR in WQribuTgp, du ne jure burtditkrio baiasMn, gegen du 
ScbloM Carbbnrg vartaiueht, wibrend derMlbo Sohriftttallar au •ndarer 
Stell« aSBt, Öubert — der doch der Vatar fiedin'a II. Min eoll — aei von 
«eioem Bedienten ermordat und win Sobn und dauen Angahörige and Ter- 
wmndte Beieu aa» dem Laude gejagt worden. — YiU Ki).: ■Fedatmiii, filinm 
ejoi (Oonbetti) populns Orientalinm Francornm (!) de regao eje- 

**) Aveh Berr FrofeeMr Eirohboff, in Heiner vor Enrxam eriohienenen 
Schritt oThSringen doch Herrn nndDrenland« p. S3, erklärt diäten Bedan — 
alio anoh detien Vorfahren — für Herzoge von Tbfiringen. Aber iob kann 
mich, gegenüber dem von mir oben Beigebrachten (cfr. auch Jahrbücher 
der SSnigl Actdemie geneinoBtcfger ^iMenechaften in Erfurt. Nene Folge, 
Beft X. pag. 101] nicht davon übaneugen, data dieae Anstcbt ricbtig iat. 
Herr Eirchhoff bemft aich daraaf, eineraeit«, daaa Bedan Qfiter in Thüringen 
beaeaaen babe, endereiMita, data Bedan seinem Sohne den ßlanniesnanien 
Thnringns gegeben babe. In Betreff dea erateren Pnnktea kann ich anf dae 
oben Oeaagte Terweiaen. Waa aber den aweiten Beweiagrnnd betrifft, ao 
Tormag ich ihn ala einen gewichtigen nicht in betrachten. Der Kgfnama 
Thnring war in jener Zeit üblich (efr. Sohannat, Trad. Fnid. p. 804, wo ea 
Iwiaat Nro. 86: HTurina de Saxonia- nnd Nro. 90: pEgo Dnnno de Saxonia») 
Wamn aollta alao Hedan nicht aach seinem Bobne den Namen Tnringne 
haben beilegen können, anmal er ja Beiiehnngeu in Thüringen halte? Aber 
darsna deaaen Eigenabhaft als fiontog tob Thflringen in folgern , halte ich 
doeh fir TaiwIJeh 1 

Wm wnaa man abrigani von dieaem Hedan? Aoaaar, dtaa er die ge- 
daohten awei UAnnden anageatalU haben aoll , niobta t Nicht «inmal , daaa 
tir QoMbtrVt Salm gawessa am, tat mit Siobeiiieit bekannti Und der aoll 
ms Henog ron Thüringen geweaen aein, dar den heiligen 'Willibrord bei 
dar Anabreitang dea Chriatesthoma kr&ftig aateratfitcte und jauem werth- 
ToUa B«ait>nng«n aas Dankbarkeit aoheiikte? Nicht einmal, daet « getaaft 
worden sei, wird berichtet! Im Uegentheil, man identifidrt mit il^ jsnen 



:.Cl.)O^Ic 



_ 10 — 

In BecBg «nf ihn beraft num rioli uf eine Crkonde *) ftoi 
dem Jahre 704, ftnsgestellt sa Wflnbiu^, dnrcfa welche er Oflter 
in Ärnetadt, Mahlber^ and Monra an den BiBchof '^Dibrord n 
Utrecht Bohenkt, indem man aoa diesen Beeitznngen Hedan'i 
achüesst, daea er Herzog in Thüringen gewesen sei **]. Aber 
■ohoQ ZeuBs (die DentBchen and die Nachbarstämme, pig. 357 — 
8Ö8 Änmerk.) hat darauf bingevieBon, dasa diese BegrOndnng 
anaoUnglich sei nnd da Hedan in jener Urkunde nar da dnx, 
keineiwega ala dax Tharingoram beseichnet ist, anch anderwSrta 
nicht li» Hercog der Thüringer Torkommt, so mnas am eo mehr 
angenommen werden, dass er Herzog in Franken war, weil« 
wie oben angegeben, sein Vater Gosbert tbatsächlicb 
ein solcher war. 

Nach meiner Ansicht ist der Haaptgnmd, der lu der An- 
sicht geführt liat, die genannten drei Personen wären Henoge 
der Thüringer gewesen, darin an sochen, daas man Franken als 
einen Theil des ehemaligen Königreichs Thfiringen ansah ***) 
und deshalb fllr dieses nnd Südthüringen (zwischen Harz and 
Loibe) eine gemeinschaftliche Verwaltung Toransaetxt«. 



Hedeniu, dtt — naob der Vita Bonihoü — mit einsm andern -inx* Na- 
mau Thsodbald in Khlimnuter Waiie gegen die Terbrütimg die Chriataa- 
thnme vorging nnd «war im Jahre 7381 AIn anoh da hiUe Franken noch 
■n TliOriiigan gebSrtl Dam kommt aber, und du iit doch von waaentlioli- 
■ter BadentoDg, da», «eiin Tliflringen an Anf«ng dei 8. Jehrbunderta noch 
■Sdlioh bia inm Main gereicht nnd daaelbgi Benoge gehabt bitte, ee TÖllig 
nnerUirlioh wir«, wie und wann di«*e« Qebiet aar Franoia orientalia, Fras- 
oonia, geworden w&rs I Darüber bitten doch die Clironiaten jener Zeit irgend 
eine fiotit bringen mBtaen. Daa iit aber nicht der Fall ! 

*) Daaa dieae Uiknnde höobat wmhraobainliob aneoht ist, habe ich in 
9. Heft« der Hittheitnngan dea Tersina fSr Qeaofa. eta. Ton Erfvrt, pag. 198 
an begrüaden T«mioht. 

**) Eine andare ürkoada itoUta Hedan II. im Jahre ns aaa. D«ah 
dieae icheoht «r sein Sohloai Hameln im Makiaeban Baalgaa <Bamal- 
b«^) an daa Stift Utrecht. (Daiaelbe 8ch1oe* gaUrt« wkaadlieh in Jahra 
777 dem Eaiser Carl dem Groasan. Daa OeeahleeU Badaa'k moM alao da> 
mala woU anigeibnban sein.) Aach dieae Orksada maokt den Bin- 
drnok dar Uaechtbeit in hohem Qrade. 

***) Dan diea nidit für richtig an halten aai, glaube ieh tm X. Hafte dar 
aeaan Folg« dar Jitebftoher dar Aoadeaiia g. W. an Erfnrt naebgewiaaen 



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— 11 - 

Thakulf. + 878. 

Ejioelienliaaer (pag. 26) meint, Thakalf dOrfe nicht kIb Her- 
zog der Thüringer bezeichnet werden, führt aber meinea Eracli- 
tens Nichts an, was diese Ansicht bekrSftigen könnte. Nach 
den Folda'er Annalen wnrde Thakalf im Jahre 849 vuo KSaig 
Ladwig mit einem Heere gegen die Böhmes geschickt and der 
Annalist nennt ihn dux Sorabici limitis. Daher war er eben so 
gat and in demselben Sinne Herzog der Tbürioger, wie setoe 
Nachfolger. 

Ueber ThaknIPs Herkunft ist Knocbenbaaer im UngcwiBseo. 
Er weist, and gewiss mit Recht, Scbaffarik's Annahme zurück^ 
dass Thakalf von slavischer Äbkanft gewesen sei and ist ge- 
neigt, Thakalf tfix einen 'm den Qrenzdistricten (zwischen Thü- 
ringen nnd dem Sorhenlande) angesessenen Dynasten zu halten, 
weil er — Thakalf — reichen Besitz aaf slaviscbem Boden ge- 
habt bähe. Letzteres nimmt Knochenhauer auf Grund einer im 
Kloster Fulda gemachten Aufzeichnung an, wonach Thakulf eine 
Schenkung an jenes Kloster macht, die durch eine Urkunde 
Heinrich U. im Jahre 1013 bestätigt wird. Nach beiden Schrift- 
alficken schenkte Tfaaknlf dem Kloster den District Sarowa 
,Jaxta Boemiam", nach der Urkunde de 1012 ausserdem noch 
den Ott Holzhansen. Auch wird Thakulf in der Klostemotiz 
,,comes de Boemia", in der Urkunde „comes de Boemenia" ge- 
nannt nnd man hat geschlossen, dass Boemia — Boemenia — 
Böhmen bedeute nnd Sarowe ein slaviecber District gewesen sei. 

Aber ich halte es flir verfehlt, unter Boemia oder (wohl 
richtiger) Boemenia Böhmen zu verstehen und zwar aus folgen- 
den Gründen: 

1) weil in damaliger Zeit für Böhmen nirgends anderweit 
der Aoadruck Boemia oder Boemenia *) gebraucht wurde, son- 
dern stets Behemia; 

2) weil nicht anzunehmen ist, dass der Verfasser der Klo- 
ster •An&eichnnng zweimal iti einem Schriftstücke eine anrich- 
tige Benennung — Boemia statt Behemia — angewendet haben 
sollte; 

3) weil ganz unerklärlich scheint, wie Thakalf zu der Be- 



*) Nvr ainmal k<n«t •Boennni« in den Anail. VM. bei dsB Jshrs 

B TOT. 



— 12 — 

BÜcbniing „Conifli de Boemia" d. h. Qn£ too oder aoi Böhmen, 
kommen aollte. Einen solahen hätte man doch anmSgUoh com 
„Grafen and BeHohUtKer der sorbüchen Mark" machen kSnnea. 
DaBU mtuste doch natorgemäas ein fränkiecber (thüringischer) 
Djnaai bestellt werden. In Betracht dessen ist aber 

4} kaum denkbar, dass ein thüringisoher DjnAst ganz in 
der Nähe von Böhmen, also tief in Feindesland, Beaitzongen 
gehabt habej aber selbst wenn es der Fall gewesen wäre, so 
würde es doch wunderbar sein, wenn er gerade diese Qttter 
dem Kloster Falda vermacht haben sollte. 

Das Sachverhältniss klärt sich meines Erachtens gans na- 
türlich anf, wenn man in ifimmeaia," das spätere ,3oinoBobiirg" 
(Boinebui^} erkennt. Die Barg wird damals (861) noch nicht 
gestanden haben. Boemia wird der Wohnsitz Thaknlf s gewesen 
sein, dessen Nachkommen dann die Burg nach diesem Wohn- 
sitee benannten. Demnach war Sarowe ein Landstrich neben 
Tbakulfe Wohnsite, Thakulf selbst ein thüringisch-hessischer 
Dynast Der Äasdruck „Sarowe" ist in jener Gegend nicht an- 
gewöhnlich. (Arnold, die Ansiedelungen und Waodemngen deut- 
scher Volksstämme , Seite 311, hat ein Samowe bei Marburg.) 
Saar ist auch meines Erachtens kein slavisches Wort, sondern 
entweder keltisch oder altgermanisch nnd bedeutet: Pappel *). 

Das in der Urkunde von 1012 erwähnte Hokbäosen ist 
wohl eine spätere Schenkung nnd dürfte identisch sein mit dem 
südlich von der Boineburg gelegenen Orte dieses Namens. 

Batalf. 
£r war der Nachfolger Thakolfi. Was Qber ihn an tagen 
ist, hat Enochenhaaer (1. o. pag. 29. 30) angegeben. 

Foppo. 879 — 892. 
Allgemein wird angenommen, dies der Hersog Poppo von 
Thüringen ein Mitglied des Babenberger Geschlechts gewesen 
sei. Und doch beruht diese Annahme auf einem Irrthume, auf 
einer Identificimng aweicr gleichnamiger Personen und es ist in 
der That auffallend, wie man bei den vorhandenen historischen 



•) ttr. JshrUeksr der ADsdemi« f. W. n Brfittt, mos Folgs, Heft Z. 
p. 147. 



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-. 13 — 

Kachrichten &ber beide Penonen za dieBsm trrtfanm gelangen 
konnte. 

Zwei zurerlftsaige ChrouiBten nntersclieideii ftlr eine Zeit, 
vo Zunamen noch nickt Qblich waren, nnd die sie seibat 
erlebten, jene beiden Poppe so gnt, wie möglich. In den 
Annal. Fuld. beiast es beim Jabre 

880: „Poppe comes et dax Sorabioi limitis", 
892: Poppe, dox Tbaringorum; 
und Regino hat beim Jabre 

889: Boppo, Tbur. dnx; nnd ebenso beim Jahrs 893. 
Das ist der eine Poppo. Und während der Zeit, als dieser Her- 
Bog der Th&ringer war, findet sich in den Annal. Fuld. beim 
Jahre 

882: Civile bellnm inter Saxones et Thnringos esoritur, ma- 
olünatiombua Poppone, fratre Henrici et Eginone Comi- 
tibns. (Annal. Fuld. a. Baw.). 
883: Iterom tntar Popponem et Eginonem diacordia com em- 
deli hello concrepat" (Annal. Fuld. a. Baw.) nnd: „Boppo 
et Egino, comites et daces Tbaringorum". (Annal. Fuld. 
a. anoD.) 
Das ist der andere Poppo, der ein Oxaf im Grabfelde war *). 
Die Qründe, welche ausserdem gegen die Identität des Grafen 
Poppo mit dem gleichnamigen Herzoge der Thüringer sprechen, 
aind folgende; 

1) Keiue Urkunde oder historiscbe Nacbrioht giebt ancb 
nor eine Andeutung dar&ber, dass die Babenbai^er Besitzungen 
in TbOringen gehabt hätten **) nnd es ist nicht glaublich, dass 
ein Graf, der gar keine Beziehungen zu Thüringen hatte, als 
Herzog der Thüringer oder Tielleicht besser gesagt, als oberster 
Beamter in Thüringen, beetellt worden aei. 

2) Nach den angeführten Annalisten fanden in den Jahren 

*} Was den Poppo betrifit, d«a Enochsulisiier (L o. p.- SB Anmsrk. 8) 
■nrUmt, so kemmt wal dieien htm niofata an, weil sr nieht näher beieiebBot 
wird. Da er aber «in Le^t de« Königa war, w Ut or woM vadsr der 
du, noeh dar oomes, die hier in Frage find, geweieii. 

"•) Ksoehenhanar (L e. p. B8} aagt merkwflidiger Weise: aWtr kennen 
kaine BeaUmngen der Babenbei^[er atuaerbalb Thflringei», antcenonmeo 
die im OraUalde*; nnd pag. BS— 8B; BTon Fappo'a Besitannc«! in ThO- 
riagen iat niehta bekannta. 



:,G Gothic 



— 14 — 

882 und 883 zwiadMn zwei Or«f^, deren wner all 1?o^^, 
Heinrich's Bruder, der andere &1b Egino bezeichnet werden, 
Zwistigkeiten statt, bei welchen Poppt) jedesiaal dei Unter- 
liegende war, ja sogar nach der Niederlage im Jahre 883 mit 
den wenigen Hftnnem, die ihm geblieben waren, entBoh. 

£nochenhauer nimmt diesen Poppo fUr den Yorsteher der, 
thüringisch 'BorbiBchsB Mark, den Herzog der Thüringer. -Aber 
iet ea wohl denkbar, daas dieser, dor im Jahre 880 die Slaven 
Tollstfindig besiegt hatte und im Jahre 833 -~ wie Knochen- 
baaer pag. 35 meint — nach höheren Zielen strebte, mit aineim 
anderen, oEFenbar wenig heirorragenden Qra&B in Zwistig- 
kaiten *) verwickelt gewesen und dabei denoassea unterlegen 
sein sollte, dass er sogar flüchtig werden masste?! Das halte 

*) Die Nsolirichteii tbw dieao Zwiatigkeltaa liiid'laidar mbr nnklar. 
In den AnnHl. Fnld. a. Baw. faebit «i : 

annp Sß3'- Citile beUom inter Bszobm et ThniingM exoritur, toaeUna- 

twnibas Poppona, fntre Beinrici et Eginone oomitibu, magna port 

clftds Poppo cum Tburingia inferior extilit. 
snno eS3-. Iternin Ibter fopponem et Eginonem diioordia com cmdeU 

bello conorepat, qaonun Poppo, pnmtantea Mlabat, iofMor «xtitit. 
Und in den AnnaL Fnld. a, snon. (welefae keiae besflcliehe fiatia 
ans dem Jahre 8B3 haben) wied getagt 

■nno 883: Boppo et Egino comitee et dneea Thoringonua iater h coiv-. 

fligentea, noo penoaa hominnm atrage« dabant; in qao conflicta Üoppa 

aoperatne rix cnin paacii viri« effagit, oaeleria omniboe occiiü. 
Meine Anrieht Bber dieia Nacbricbt bt folgende: Die Angab«, dua 
bei Sen fragliebes Streitigkeiten die Saohten betheillgt gameea eeiea, b» 
mfat entweder naf einem Irrthnm oder itt dahin aabnbieen, daae nnterden 
Qaohien dis in Mordthilringan , an der Oabwits der Uaitrat, augasswiw> 
Saobaen in ventehen lind, die vielleicht anfange einem der ttreitendes. 
Theile beigeitandeo hetten. Die streitenden Theile aber waren ThSringer 
nnd ee bat «ich iwieobeD dieteb am Streitigkeiten von untergeordneter Be- 
dentnng gebändelt: nm Febden, wie ne ja in den damaligen Ztitan niebt 
nngewöhnlieb waren. Eben m war ei damale anob nichta Seltene*, dais 
kämpf- oder abentanarliietiga Dynaetsa — jüngere DAbne ane OrafengeaebLaob- 
tara — eiob an answftrtigen Eimpfen batbeäligteii, wie ja aoob Uraf Hein- 
rieh, Fnwo'a Bmdar, gegen die äonnsnnen kämpft«, bo mögen dte fiin- 
kiacbea Qrafen Poppo (nicht aber der Uereog in Ibfiringsn} nnd Egino, 
fHnritig^nitmi in uäoringen angacettelt baben nnd traten dann ala Anführer 
dar ilraiteBdeu Pactaien auf. In dieeem äinm allein ereobeinen die Wort* 
das (Xmmiaten: >Boppo et Kgino eomitae et dnoet TharingOfOiaa erkiirUoh. 
Miobt Heraoge, eondern FObrer waren die beiden i^iafw. 



:,G Gothic 



- Ifi - 

ieh ftr DDinSgJioh; bin vülmelv der UeiaaDg, das* diMerPoppo 
jener Babenbe^er w«r, demeii Brader Heinrich rieb ab Feld- 
harr berObnit macbte, w&brend £gino ein Dynait von onter- 
geordnetex Bedostnog war. 

3) Gana entscheidend ist aber, dsss der Babenberger Graf 
Poppo im Jabre 889 sohon todt gewesen sein muss. Denn nach 
einer Urkunde ans dem Monat Mas dieses Jahres (Droake Nro. 
631) erscheint Foppu's Sobnj Ädelbrabt, als Qaagraf im Grab- 
felde nnd anter den Zeugen kommt kein Poppo vor. Dagegen 
ateht Poppo im Jahre 887 in einer Urkunde als Zeuge and ewar 
eiafaoh als comas. Eben so in einer Urknnde de 888 '), also 
SB einer Zait, wo in Thüringen der Herzog Poppo noch in voller 
Thätigkeit wul 

Ist demnach der babenberger Poppo nicht identisch mit dem 
Henoge der Thtlringer, so fragt sicbj welchem Ge&chlechte der 
Letatere angehörte. Und da ist mit bSobster Wabrscbeinlichkeit 
anaunehmeUf dass er ein Graf ans dem weimariscben Hause 
war. Denn 

1) war der Rufhaae Poppe nicht tmgewöbnlich bei den 
Grafen von Weimar. Im Jahre 965 gab es zwei Brüder, Wilhelm 
nnd Poppo (Enochenhaaer, 1. c p. 123) und im Jahre 1012 
kommt ein Graf Poppo, als Graf im Lupeuzgau, mit seinem 
Bruder Wilhelm vor (Dronke, 344). 

2) waren die Grafen von Weimar in Thüringen reich be- 
gütert und in der ersten HiÜfte des 10. Jahrhunderts in sehr ein- 
flnasrücher Stellung in Thüringen. Ist es da nicht höchst wahr- 
aeheinlich, dass dies noch «u £nde des 9. Jahrhunderts der FaH 
war nnd muss es nicht viel natürlicher erscheinen, dass ein Gh-af 
ans diesem Hanse im Jahre 679 ann Heraog der Thüringer und 

*) DJMSi Jalir iat bei Dnmke sDgegebau; Schalte« (Diplom&tiaoha Qe- 
•obiibte T. Henneberg L p*g. 15 Anmerk. nj bat S89, wu wohl aof waein 
Tenehes beniM. 

BeBlafig sei U« taemeM, itn Selniltai (L e. pag 13 Aiuaerk. y) in«, 
mm w iHt, Ont Uatorieli, dar Broder Peppo'i, Iwbe noob im Jahre 887 
•iae Drknnde siAgaiteHt. Dam war enUahiadan dssMii gleichnamiger Sohn. 
Beinrieh, der gegen dis Normait&ea iocht, war im Jahre 886 aobon gafaUea 
(KDochenhaDer pag. U) and man kann nioht aunabmen, diH dieie Angabe 
Bsriofatig aei, dem sonst masrta man annehmen, data Haiarich •an. ans dem 
Feldn^ gSR^a die Normannen in asin Vaterland nrflok gekehrt sei ; nnd 
das iat aadh alle» vorhandenen MaohrioUen nioht dar Fall gswassn. 



. Coo^^lc 



— 16 — 

Markgraf g^en die Sorben bestellt worden sei, alB ein Qnt ans 
dem Babenberger QeBchlechte, eamal ^eOrafen der tbttringisch- 
sorbiscben Hark, vor nnd nach Poppo, solche waren, die sa 
Thüringen gehörten oder wenigstens doch dort begütert, idso 
mit diesem Lande TerknUpft wareo. 

Uebrigens war im Jahre 889, also als Poppo noch Hersog' 
der Tbüringer war, der Sohn des Babenberger GrafeD Poppö,' 
Adelbert „procarator fisci regis Tersos Bohemiam". (Schultes, 
1. o. I. p. 13.) 

Damit fallen die Dedactionen bei Scbnltes (1. c. I. p. 17) 
nnd bei Eckard, (Histor. geneal. Marcb. Slisoens. 'p. S37 — 239) 
ofr. Enochenhaaer p. 1S2, und eben so die ErOrtemngen bei 
Enochenhanor selbst (pag. 33 — 40) Über den EinfiosB nnd die 
Haohtbestrebungen des Babenbei^^ Hatisee, fOr die sieb über- 
dies in den historischen Nachrichten nicht die geringste Be- 
gründung findet. Das SachTerbättniss dtlrfte folgendes gewesen 
sein: Heniog Poppo war Graf von dem nicht unbedeutenden 
Lnpenzgau oder richtiger wohl, vom Westgau •) und ein Vor- 
fahre der vorerwähnten Grafen Wilhelm und Poppo. Seine 
Qäebsten Nachkommen gehörten zu denjenigen Dynasten, die' 
dem König Heinrich I. beistanden, als dieser (914 — 915) die 
Grafen Burchard und Bardo aus ihrer Herrschaft, dem Gan 
HuBsitin, vertrieb und die Güter derselben an seine Gch-cuen 
vertheilte (Enochenhauer, 1, c. p. 59). So kamen die Nachkom- 
men des Herzogs Poppo nach Weimar, in den Gan Hussitin und 
in ihre demn&chstige Machtetellang. So erkUrt sich auch zugleich 
die Zosammengehöri^eit der Herrschaften Weimar nnd Eisenaeb. 

Burchard. 892—908. 
Enochenhauer (1. c. p. 44) erklärt diesen Barchard ftir einen 
fränkischen Dynasten, der eine Grafschaft im Qrabfelde ge- 
habt habe und beruft sich zum Beweise dessen auf Urkumdaa 
aas den Jahren 857, 866 und 908. Aber diesen Beweis halte ich 
nicht fttr zatreffend. In der Urksnde de 857 steht nnter den 
Zeugen allerdings ein comes Burghart und die Urkunde betrifft 
eine Schenkung im Grabfclde. Aber Gangraf im letztereh war, 
nach derselben Urkunde, Graf Christian. Ob und wo Barghart 



*) Wie stAter Heginwart (cfr. Enoofaenbaaer I. c. p. BS). 

iMtvGoOt^lc 



— 17 — 

Oangrsf war, ist nioht erBichtlicb; es kann daher selir woU an- 
Itesveifelt werden, ob dieser Burghart ans dem Geschleclite dea 
im Anfang des 10. Jahrhoiiderta lebenden Herzogs Barcbard war, 
atunal der üne ala Bargbart, der andere ala Barcbard geschrieben 
eracheint. Aber ea braucht ein aolcber Zweifel gar nicht erhoben, 
ea kann vielmehr zugestanden werden, dass beide G^enannte 
gtaichen Stammes waren. Aber nicht zozogeben vermag ich, 
d«M aie Gh-afen aua dem Qrabfelde waren. 

Es ist ja gar nichts Ungewöhnliches, dass Qrafen ans ver- 
■chjedenen, oft weit von einander gelegenen Gegenden als Zeogen 
In einer Urkunde erscheinen. Ganz dasselbe gilt von der Ur- 
kunde de 866. Dieselbe stellte Graf Hessi aas nnd Qraf Burg* 
hart erscheint unter den Zeugen. 

Der Name Burgbart oder Burchard ist anter den Dynasten 
der Frovins Franken angewöbnlicb. 

Was die Urkunde von 906 betrifft, so ist sie meines Erach- 
tens von Knocheohaaer unrichtig aasgelegt worden; deon es 
heisst darin nur, dass König Ludwig d. K- an Martin, den 
Caplan des Herzogs Burchard einen im Grabfelde gelegenen 
Ort geschenkt habe ond dass dieser Ort „in comitata aoi aenioris" 
liege. Uebrigens macht der Wortlaut jener Urkunde es einiger- 
maasen zweifelhaft, ob hier der Herzog Burchard von Thü- 
ringen gemeint sei. Es beiast dort: „quis hob (König Ludwig) 
per tapplicatiooes fidelium nostrorum Furcharti videlicet vene- 
rabilifs) comitis et Chaonrati fidelis ministerialis nostri ... cni- 
dam Purchardi (egregii ducis) capellano Martinas nuncupato... 
in pago Grapfelda in comitatu sni senioris". JedenfaUs war 
aber hiemach der Graf Purchart eine andere Ferson, als der 
Herzog Furchard and Ersterer war Graf im Qrabfelde, 
nicht der Herzog. 

Auch hatte der Herzog Burchard von Thüringen im Jahre 
908, als er auf der Höhe seiner Macht als Herzog stand, acbwer- 
licb ein Comitat Aber Knochenhaner fQhrt selbst Umstände an, 
die ihn bitten bedenklich machen müssen gegen seine Annahme, 
dass Barchard ein Gri^ aus dem Grabfelde gewesen sei. Kr sagt: 
1) (pag. 44) dass es auffallend sei, dass sieb in den Necro- 
logien des Klosters Fulda (bis zam Jahre 938) gar kein Graf 
Mameot Barcbard veneiohnet finde. Und das ist wohl sehr 
beachtenawerth; 



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- 18 - 

3) (p«g. 47) dasB dar Herzog Barchard gar kmSe BwietmngMl 
zn den BÜdliohen Ländern (das heüit dooh wohl, «n flanken) 
gehabt habe; und 

3) (pag. 44) daw dar feste and r ei ehe Beiita, den 
BnrchardB Söhne in Thüringen hatten, wohl aof den VatM 
Unweüe. Das ist doch woÜ mir so za verstehen, dass der 
Vater schon «nsebnliehen Besitz in Tbfiriogen gehabt habe. 
Nun ist aber durch njehti erwiesen and aaeh in keiner Weise 
wahrscheinlinA , dass ein Qraf des GrabfeMes im 10. Jahrhun- 
dert aasgedehnte BesitanngeQ im Hereen von ThOringea 
gehabt habe. 

Andererseits lassen sich recht erhebliche Momente daf& bei- 
bringenj dass Burchard ein thürit^sober Dynast war. 

Zunächst scheint es nicht so bedenklich, wie Knochenbaaer 
(pag. 44 Anmerk. 4) meint, den im Jahre 781 arkandlicb vor- 
kommendeu Burchard fttr einen Vorfahren des Herzogs Burchard 
zu nehmen. Dent König Karl bezeichnet ihn dort als „nobilissi- 
muB vir'', was dodi entschieden darauf hinweist, dass Burchard 
ein bedeutender Dynast war. Und dass er ein Thttriuger war, 
ist ebenfaHs aus der Urkunde zu schlieBBen, denn diese besagt 
dass Burchard in der TSihe von Vargola begtltert war *). Ebenso 
eine Urkunde de 785 (Schuhes, Dir. dipl. I. p. 6). 

Und es bat demnach entschieden die Annahme mehr filr 
sich, dass Burchard alri ein bedeutender Qangraf Thüringens 
zum Harkgrafen und Herzog der Thüringer ernannt wurde, als 
die, dass er als ein unbedeutender Graf im Grabfelde jene 
Würden erhalten habe. 

Die urkundlichen Nachrichten stehen meiner Annshme nicht 
entgegen. Eine von Burchard selbst ausgestellte Urkunde ist 
nicht bekannt. Dagegen ist er ea wohl, der in einer Urkunde 
aus dem Jahre 889 (Dronke pag. 288) unter den Zeugen stah^ 
und zwar als comes und ziemlich weit hinten. Er war damals 
noch nicht marchio. Die Urkunde betrifft eine Schenkung im 
Grabfelde, aber es wird ausdrücklich gesagt: „in oomitatu Adel- 
brahtes" und die Zeugen sind Grafen aus verschiedenen Gegen- 



•) Üad wsU Mich in dem beniuhbarten Gau Httitin, wo dsr Sohn 4« 
mogi Bnrclurd dtmnlchit sli Qsvpvf ersoheiat 



:,G Gothic 



- 19 - 

Aso, so dMS Burchard recht wohl ala ein tiiSrio^acher Graf mit 
betheiligt sein konnte. 

In einer Urkunde de 903 steht Barchard «le marchio unter 
den Gntfen. (KnoohenhaTier pag. 46 Änmerk. 2.) 

In einer Urkunde de 905 (Schannat, Trad. Fuld. pag. 221) 
■tehen nnter den Zeugen zwei Grafen Burchard; der eine im 
Anfang gleich nach den Grafen Conrad (von Angrarien and Hes- 
sen) nnd Gebhard (Ffalagraf im Ober-Rheingan) der andere fast 
am Ende. Srsterer wird anier Barchard sein, letzterer sein 
Sohn, der auch eine Crkande de 907 (Dronke Nro. 653} mit 
anterzeiebnet hat. 

In der vorerwfthnten Urkunde de 908 (Uon. Boioa 28. 100) 
wird Borehard als duz bezeichnet '*). 

Nach diesen Urkunden dttrfte, beilftufig bemerkt, za eohlies' 
■en sein, dass „marobio" der eigentfiche Amtatüel der Vorsteher 
der sorbischen Mark war und dass Letztere als „daoes" erst be- 
»eiidinet worden, wenn sie wirklieb einen Feldzug unternahmen 
oder aasgefOhrt hatten. 

Im Jal»re 993 ersehet Burchard als marchio und erst später 
als das **). 

Otto. 

Aflgemein und aaeh von Kioofaenhaner (1. c. p. 50 u. fetg.) 
wwd angenomnen, dass nach Herzog Burchard'e Tode der Sach- 
aanherzog Otto der Erlanohte an dessen Stelle getreten sei, ob> 
wobl man ihn (Knocbenbaaer pag. 56) nicht eigentlich als Herzog 
iet TbOiniger bezeichnen nnd auch nicht sagen kSnne, dass 
unter Otto schon Thüringen mit Sachsen vereint worden sei. 

Gegen diese Annahme musa schon deren geschraubte Fassung 
Bedenken erregen. Sie ist aber auch in der That unhaltbar und 
die daftr beigebrachten Qrände sind unzureichend. Als solche 
Gründe giebt Knecbenhauer au: 

•) üad sbea ao in den AnnsL Herst bei dsin Jsltre 909. 

**) KüMkonliaasr maint (L g. p, M Aniaflrk. B) es Mi wohl fSr di« Zeit 
der Hanoge von Th&rtngen ohsrkateriitieob, dus in den Urknadea die An*- 
drflok« »dtu, mar^o, oomes« nntenohiediloa gebrsnoht worden aeiea. Des 
halte iob nsoh den obigen Angaben fQr eine unrichtige Annahme, wohl nnr 
bsrrorgsgsngen tau der Heiaang, dan Otto (cfr. den folgenden Artikel) 
Qaograf ia ThOniigen and Poppo Orsf im Orabfelte gewasea asL 

2* 



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- 20 - 

1) Die Macht Otto'a habe schon ttber Suhiea hinamgagriffan 
and gerade nach Thüringen hin an Anadehnong gewoonen. Otto 
Bei in zwei thOringiscben Oanen Gangraf gewesen (pag. 50). 
Knochenhaaer beraft sich auf zwei Urkunden. In der einen, de 
877, werden die Orte Tennatedt and Erich als aar Qrofschoft 
des Qrafen Otto gehörig genannt; in der andern, de 897, heiast 
ea: „in pago Eichesfelden, in comitata Ottonia". 

Aber wodnrch wird denn irgend wie bewieaan, daea dieaer 
Graf Otto dieselbe Person sei, wie der Heraog Otto? Durch 
nichts I Vielmehr iat dies ganz onglaublich ! Denn wie sollte sich 
der m&chtige Sachaenherzog dazu veretanden haben, eine Gaa- 
grafechaft in Thüringen zu Übernehmen, während einfache Grafen 
(Poppe und Burchard) Herac^e daselbst waren? Hätte Otto wirk- 
lich echon Einäaaa und Macht ia Thttringen gehabt, so würde 
er aicher, und wohl auch mit Erfolg, nach der Herzogawürde 
doaelbst geatrebt haben, ala Herzog Ratnlf abgegangen war. 
Aber selbst angenommen, er wäre Gaugraf in Thüringen gewesen, 
so würde er in den obgedacbten Urkunden ganz gewiss nicht 
als ein&cher Graf, sondern als solcher and augleioh als 
Hersog bezeichnet worden sein; jedenfoUs wenigstens in der 
Urkunde de 897, wo Otto als Nachfolger seines Bradera das 
Herzogtbam Sachsen factisch übernommen hatte. 

Aach sagen die Historiker absolat nichts von einer Macht- 
Stellung Otto'a in Thüringen 1 Diese besagen nur, daaa Otto 
im Jahre 880 das Dacat von ganz Sachsen übernahm. 
(Widuk. I. 16.) 

2) Femer beruft sich Enochenhauer darauf, daaa Herzog 
Otto Abt des Klosters Herafeld geweaen aei. Aber was folgt 
daraas für Otto'a Machtstellung in Thüringen? Enochenhauer 
deutet aaf die bedenlenden Besitzungen des Klosters in Thüringen 
hin. Davon mag Otto pecuniäre Vortheile gehabt haben ; in wie- 
fern aber politiache? Üebrigens war nach der Urkunde dea Kö- 
nige Ludwig de 908 den Hersfelder Mönchen sugeaichert worden, 
dass nach Otto'a Tode keiner aus dessen Hanse wieder Abt von 
Hersfeld werden solle und zu dieaer VerlUigung hatte Otto aelbat 
den König veranloaat! Wie wäre daa möglich, wenn Otto aua 
seinem Verhältniase zum Kloater eine Macbterweiterung in Thü- 
ringen habe erstreben wollen? Knochenhaaer meint freilich, diese 
tfaohterwütarang Iwbe damala schon stattgeftmden, indem Otto 



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— 21 ^ 

l>ereit8 in die Stelle des Heraogi Bnrchard eingetreten gewesen 
sei. Aber wo sind die hiHtoriscben Beweise für diese Annahme? 
Sie fehlen so sehr, dass Knochenhaner (p. 55) selbst sagen mass, 
die Richtigkeit derselben stehe allerdings dahin. Aber ich meine, 
nun kann weiter gehen und sie f&r nnzulAssig erklären. Denn 
es ist nicht einmal mit Sicherheit zu erweisen, dass der Herzog 
Bnrchard zor Zeit der Aosstellang der gedachten Urkunde (Oc- 
tober 908) schon todt war. Einige Chronisten setzen Burchard's 
Tod in dos Jahr 908, andere in das Jahr 909. Kann es nicht 
sehr wohl sein, dass Bnrchard in der Schlacht 908 schwer ver- 
wnndet wurde, aber erst 909 starb? Aber gesetzt auch, er sei, 
wie Knochenhaner meint, am 3. Augnst 908 gestorben. Dann 
mflsste Otto's Ernennung zu Burchard's Nachfolger unmittelbar 
darauf erfolgt sein. Sollte ein so erhebliches Ereigniss von 
allen Chronisten mit völligem Stillschweigen Qbergangen sein? 
Das ist nicht wohl glaublich 1 

3) beruft sich Knochenhaner auf die bedeutenden Besitzungen 
Otto's in Thfiringen, kann aber daibr nichts weiter anftihren, 
als dass Otto WaUhausen besessen habe und dass ihm wohl 
ancb Kordbausen, Dnderstadt *) und Memlebeu gehört haben 
mSchten! 

4) Knochenhaner deutet auch (pag. 51) anf die Verheirathung 
Heinridb's, des Sohnes Otto des Erlauchten, mit der Tochter 
des Grafen Erwin von Merseburg hin : sie sei ein redendes Zeug- 
niss iUr das Streben des SachsenhersQgs nach einer festen Po- 
sition unmittelbar an der thiirisgischen Ch'enze. Dass Otto durch 
die Verheirathung seines Sohnes nach Hacbterweiterung gestrebt 
habe, mag nicht in Abrede gestellt werden. Aber daraus kann 
doch wohl nicht gefolgert werden, dass er der Nachfolger 
Bnrchards in Thüringen gewesen sei. Ich werde hierauf in 
dem folgenden Artikel über Herzog Heinrich näher eingehen. 

.5) Endlich sagt Euocbenbauer, der Streit Heinrich's, Otto's 
Sohn, mit König Conrad um Tbtlringen sei nicht erhlttrlioh, wenn 
nicht schon Otto zu bedeutender Macht in Thüringen gelangt 
gewesen sei. Aber ancb diese Ansicht, die durch keine hiato- 

*) DndsnUdt idiim doch wobl in SschMn gersohnat werden. Di« 
andern Orte logen sJle dicht sn der rtohaiMShan Gmua. ~ ~ ' 
Wsllhoiueni iit m bemerken, don eine Bnrg distea Nm 
Ugl efr, T. Wersebe, OsubMohreibong, psg. 10& 



:vCoOJ^Ic 



— 22 — 

rische TbatBaohe nnterstKtst wird, kann i«h oicbt ftlt richtig u- 
erkennen. N&herei hierüber werde iok in dem folgaBdeo-Artiksl 
über Herzog Hainrieb aogeben. 

Nach allem Gesagten halte ich es für onsweifelhaft, daa« 
Otto der Erlauchte weder Gangraf in Thüringen war, noch ein« 
beBOndere Macbtstellong *) daselbst hatte, insbasosderp nicht 
Herzog — weder rechtlich noch thataftchlioh — von Th&ringan 
war. Vielmehr halte ich dafttr^ dau er Markgraf der thOringiaeh- 
sächsischen Hark **) war und zwar aus folgenden sw^ 
Gründen : 

Erstens heisst es in der vorher aohon emrihntei^ von Kaiser 

Ämalf auigestellten Urkunde de 897 : „ atqoe Ottonis £delis 

marchioniB noatri in pago EHchesfelden, in comitato Otto- 
nis". DasB der leti^uiannte Otto nicht identisch sein kann 
mit dem gleichnamigen marchio, wie vielfach angenommen, folgt 
einerseits aas der Fassung der Urkonde^ die anderen Falla dooh 
wohl besagen mfisste: ,^n eomitatu dicti Ottonis" oder ,^comi- 
tatu ejnsdem marchioniB"; andererseits aus der ebenfalls vorher 
schon citärten Uricunde de 877, wo ee heisst: ,,in oomitatn Otto- 
nis", was beweist, dass dieser Otto nicht der Sachsanheraog 
sein konnte, denn der wSre Bioher nicht einfach als 
Gangraf bezeichnet worden. Ea gab alao zu jener Zeit 

*) Bein BittorUcer gitibl ucb nnr die mindota Andeutung flbar siiM 
Maefatatellniig Heriog Otto'a im eigeotliofaen Tfaürfngen; nameiitltch auch 
da nicht, wo doch dia antachiBdenite TentnlMnitig ditn geweMii win, 
nlmlich bai Otto'a Tod«. All« Chroniaten meldan Bin&oh, dar graiM Uenog 
der Sachten lei gsitoiban nnd lein Sohn Bainrioh habe naeb ihm das Her- 
(Ogtbnm Sachien SberaoinnieD. Ja der Cont Hegin. Mgt sogar b«im Jahr« 
912: ■üngarii itamm, nnllo reaiitente, Francikm st Tboringiam vutafemnt. 
Batto archiepitcop«! obüt, vir adeo Btrennoi st pradens, cni Beriganu soo> 
CMiit Otto, dux Baxonnm cbiit>. 

Wie wftra diaae Maehrioht mfiglich, wann Otto In ThüriBgan irgsad 
oiaa Machtitallnng , namantlich inoh in Besag auf dia Tertbaidigaiig ge- 
habt bitte? Enoohenhaaer (ptg. H) weist aUordiagt darauf Un, dass 
das Jahr 913 das Todesjahr Otto's sei. Aber das will mobt« bessgan. Dann 
wir wissen, ds4s Otto schon vorher die Oiens-Verthoidignng seinem Bohne 
fibertragen hatta. Dieser Anftrag nSsste sich doch selbstTorstindlioh auch 
anf Thfiringen beaogen haben, wenn Otto dort eine Maobtstellong gehabt 
hätte! 

**) Darunter verstehe ich intbeeoodeTC anch des HaiiBgBB, dar sa Nwd* 
thOringes gehörte. 



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swei Otto's; der eine war QaogMf In Sfidthllriiigeii, d. h. in dem 
Irfuide aviacben dem Han nnd dar Loibe, woaa aach der Qaa 
£}cWeld geborte, der andere war Uarkgraf und das kann nor 
Otto der £rlancbte geweaen eein. Dai folgt weiter »neb daraaa, 
da» Heinriok, Otto't Sohn, der Terher echoa mit seinem Yater 
gegen die J)alemincier gekämpft hatte, spiter im Aoftrage seines 
Vatera ge^eo die slaviacben Völker ra Felde aog. Dieae Elmpfe 
sind aber, da sie gegen die Dalemincier gerichtet waren, jeden- 
£aIU Ten Saobaea, d. h. von der thüringisch - aftohaiaohan 
Hark aoa erfolgt, imd ich kann Knochanbaner nicht beistimmen, 
der (pag. 54) aagt, die Sorge für den Krieg im Oaten sei die 
veaentUoba Angabe das tbäringiaohan Dncatea gewesen nnd 
Bersi^ Otto habe nach Borcharda Tode diese Anfgaba flber- 
nommen- Im Oegentheil, Tbfiringen, das den Kin&Uen der 
Sorben aaagesettt war, hatte dorch die Hersjige Poppe and 
Buobard biergegen aohon Sicfaerong erhalten. Knocfaenhaoer 
aelbat (pag- 47) giebt an, daaa aobon aeit dem Jahre 89S niehta 
mehr von Einfiülen dar Silben in Thüringen erwJtbnt werde. 

Aqs dieaem Umstände erklärt ea sich sngleioh, daaa nach 
Borcharda Tode mcbt aogleich ein Markgraf fttr Thttringan wie- 
der beatelit wurde nnd daaa es später nicht geachah, erkUrt 
■ieb gai>E «inllaoh ans der Tbataaohe, daas bald nach Bnrehards 
Tode TbQringen durch Bersog Heinrich erobert wurde. 

Baben demnach die Herzöge von Sachasn keine Rolle im 
eigentlichen TbQringen gespielt and war jener Graf Otto, der in 
den Urkunden de 877 and 897 ersobeint, nicht idendaoh mit 
dem Sacbsenheraoge Otto, so firagt aioh, wer Graf Otto war. 
Und diese IVage ist allerdings mit Hilfe der vorhandenen Naeh- 
ziebten nicht sicher an lösen. Wenn man aber erwSgt, daas der 
Ro&ame Otto in Thüringen bei dem Dynaeten-Geschlechte der 
Grafen von Weimar - Orlamttnde üblich war und kaom fon&ig 
Jabre aptter der Graf Wilhebn aas diesem Geaobleohte als Gh-af 
Ten Sadtbüringen erscbeint, dessen Grafengebiet das Elohsfeld 
mit nmfasate, so dürfte es mindeatens als vabrscbein- 
lieb anansehen aein, dosa der TOrgedachte Qraf Otto dem Haoee 
Weimar -OrlamOude angehörte. 



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— 24 — 

Heinrich. 

Belcaimtlich gerieth Otto'a des Erlauchten Sohn, Heinrich, 
nftch aeines Vaters Tode (912) in Streit mit EBnig Conrad L, 
weil Letzterer Jenem einen Theil der HaohtfilUe *) Tor«nthielt, 
die Otto inne giehabt hatte. Die Frage, was eigentlich der Ge- 
geoatand des Streites gewesen sei, hat zu mannigfachen firör- 
terongen Anlaas gegeben **). Enochenhanw (|>ag. Ö7) sogt in 
üeberainstimmimg mit den meisten neueren Foraohem darüber: 
„£b kann wohl nicht mehr dio Frage sein, dasa es sich am die 
thUringiaohe Frage bandelte, dasa di« Herrschaft in Thüringen, 
dem Zielpunkte der apKteren Angriffe Hainricha, ihm geaohmft- 
lert werden sollte. Man kann geneigt sein, das Fehlende nach 
Thiel2nar's Worten auf den Theil des Lehnhesitses bo beliehen, 
den Otto im Zusammenhange mit dem thüringischen Dncat — 
das wUrde die Zustimmung des Köuiga bei der Uebemahme vor- 
ausaetsen — an aich gebracht haben mochte: die nördlichen 
Ora£Mha£ten, die Otto seit langem besass, waren kainenfiillB der 
Oegenstaud des jetzt ausbrechenden Kampfes." 

Abeor diese Daduction ist anhaltbar. JCnoohenhauer geht 
Ton der VorausaBtaung aus, dasa Heinriclia Vater das Duoat in 
Thüringen gehabt habe. Daas diese Voranssetsnng unrichtig 
ii<^ habe ich in dem yorbergehenden Abaohnitte geai^ ; sie steht 



*) Die beiBglicbsD Stellen b«i den Chranisten Unten: Widnk. L 21, 
Igitnr patre pktriae et Tnsgno dnce Ottone defanoto, illuatri et mRgnifico 
filio Beinrico totiot SsxoniKe rsliquit dncatnm. Cnm antem ei Mtrat et sK! 
filii, ThuicmHug at Lindoiraa, aute patrem obieront, rex antem Coaradna 
com eaepe expartos eaiat Tirtatam novi dnoii, veritM aat ei tradan om- 
nem poteetatem patrii. Qno factum e«t, nt indignationem inonifaret 
totius exeroitni Sazonam. — Annal. Saxo beim Jahre 914. Otto magni- 
fions Sazonnm dnx vita ditoetüt. Rex vero Conradna Beinrioi Tirtntaia 
•aepe expertoa, veritoi e«t «i tradere omnem potaitatem patrü; ficts 
tarnen pro lande optimi dnoia multa locatu, m^ora promEiit Baxones vero 
nadabant doei boo, ai enm patamo bonore iposts rex non lianoraret, 
inTito ao qua« vellet obtinere poatat — Tbietm, L 4. Foit haeo Ottooa 3, Eal. 
Deobr. (912) mortno, Beinrioua jarenia in vacnnm auooedena, hetaditatem 
jnre et maximam beneficii partom {trataito regia ansoepit ex manere, at 
qnod ai defuit onm auia omnibna id aegra tolit, ao poit«a, aieot cnm tritioo 
lölinm , aio ex eo latentia odii file^ ezoreTit, 

**] Anaführlichei bietüber bat Waiti — Jahrbücher der dantaohea Ga- 
aohiobta, 1863, König Heinrich I., pag. 201 — gefaben. 



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— 25 - 

■bar Mtoh mit KnoohenliMiera eigenen Angaben über Otto'a Ver- 
hiltnüa la Thüringen in Widerapiucb. Denn diese lantea (pag. 
36): JAui kann in der Tbat Otto nicht schon Herzog der TbH- 
ringer nennen; man kann auch nicht sagen, daas bereits nach 
Borohards Tode die Tareinigong ThOringens mit Sachsen sUtt- 
gefimden habe ; die Verhältnisse waren erst ange- 
bahnt (?), noch sieht zum festen ÄbscblnsB gelangt." (!) 

Es kann sich also nicht um das Dncat Über Thüringen ge- 
handelt haben! Wäre das der Fall gewesen, so wäre nicht zn 
begreifen, warum die Chronisten das nicht klar aasgedrQokt 
haben sollten. 

Bevor ich aof die Frage nach dem Gegenstände des Streites 
eingehe, halte ich es itLr angemessen, die Lage eu erörtern, in 
der sich Heinrieb aar Zeit das Ablebens seines Vaters befand. 
Otto fibte schon zu Ende des 9. Jahrhunderts die markgräf- 
licben Functionen in den nordöstlich der Unstrut gelegenen 
Orenzlanden gegen die Slaven aus *). Er kämpfte dort gemcin- 
achaftlicfa mit seinem Sohne gegen die slavischeu Völkerschaften 
and übertrug späterhin Jenem diese KriegfUbrung selbständig. 
Hfünricb war also Heerführer unter der Oberleitung seines 
Vaters. 

Zugleich hatte er sich aber — um das Jahr 908 — mit der 
Tochter des Grafen Erwin von Merseburg verheirathet und da- 
daroh Ansprach auf dessen reiche Besitzungen im Hassegau er- 
worben. Aber das nicht allein, sondern er hatte auch durch 
■eine bedeatende und einnehmende Persönlichkeit eine domi- 
nirande Stellung and die Freundschaft der Bevölkerung in jenem 
Gaa erlangt **). Vom eigentlichen Thüringen ist dabei nirgends 
die Rede ***). Dass Erwin auch dort Besitzungen gehabt habe, 

*) cfr. die im Torigen Alichnitt angefOhrte ürkande de 897, in wel- 
cbar Otto als nsrokio beieichnat wird. 

**) Thistm. L 4. iiBponfM otnn oontaotsli ad HerMbnroh venit ; oranes- 
qae Tieinos coaToeau, qnis vir fnit illnitrü, UnU funiliaritate dbi »djumxit, 
nt quasi «nieam deligerent et nt domiuam honorarent' 

***) cEr. Enooheuhaaer pag. B7. 6S. Weim EnochenhaDer an araterer 
Stelle dieaan gewiaa lahr bamarkemwerthen ümitand dadarch erkläreo will, 
äMm das a&ohliicha StammaibewiiiBtaein die AutttsBaog der ChroaüUn be- 
atimmt haba ; das TerhiltniM des heimiiaben Benogi an ThSringen lai ihnen 
mr ala onwiclitig emhienen, m> halte ioh diese TsrmBtbDng Ar utun* 
liadg, amnal wean, wie doch Kooehenhaiier annimmt, gerade ThSringen 
der Osganstand dsa Strsitaa gaweaen wäre. 



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— 2« — 

dftvOQ wt niokti bekuint, and Au» «seh Bnarioli» Vater imi 
keinen erlieblich«n Beute noch auch eine Haclttstallang hatte, 
habe ich im vorigen Absohnitt nacbgewieien. Deehalb kasn bei 
dem Streite nnschen K6nig Conrad tmd Hersog Heinrich von 
dar ,,thflringiBChen Frage" nicht die Bede sein, mag man nnter 
diö»em Aosdrack mit Kooohenhaaer daa Duoa^ oder, wie Dttmm- 
1er *} meint, die vftterlieben Leben (in ThOringen?) varttehen. 
Wanun RolUen sich dann auch die Chronislan in dem einen, wie 
in dem andern Falle nicht dentlioher aoagedriktkt haben, nament- 
lich aber, wenn es aich um dae Daoat in Tbttringen gehandelt 
hKtte? Aber gerade in den Aosdrücken, die die Chroniatan 
branchen, finde ich den GegenbeweiB. Thietnar iprioht von 
einem benefioiiun d. h. im Staataleben: eine £hrenatelle. ^Widn- 
kind sagt, dw König habe dam nenen Heraoge nicht dia 
ganse UaohtfQlle geben wollen, die der Vater hatte nnd das 
ailehaiacbe Heer sei darüber entrüstet gewaaen, UndAnnal. 
Saxo, der sich ähnlich aosdrflckt, fltgt erläatemd hinan, dar 
Theil jener Machtf&lle , den der ESnig nicht auf Heinrich habe 
Qbertragen wollen, sei un Ehrenamt geweaen tmd als Orand 
f&r des Königs Verfahren geben beide letatsra ScbriftsteUer die 
Besorgniss desselben an, der junge Herzog, dessen kriege- 
rische Tflehtigkeit (virtatem) er erkannt hatte, kSnne ihm gefähr- 
lich werden. Dean ersobeiaen doch «nige Lehngüter in Thfl- 
räg^D gegenüber dar Bedeutung dea Heraogthnrns Sachsen in 
der That nicht ausreichend. Und wie sollte gerade das sKeh- 
siaehe Heer Aber eine solche Massnahme des Königs entr&stet 
sein? Uir scheinen alle Verhältnisaa gans entschieden daftr 
m sprechen, dass die GrenavertheidiguDg gegen Ostwi, alao 
gleichsam daa Marohionat, es war, welche der König nicht an 
Heinrieb so übertragen wollte, wie sie des Letateren Vater ge- 
habt hatte. Das war eine Machtbefagniss, auf Oroad deren der 
Lihaber jederseit leicht ttber ein Heer gebieten konnte nnd ea 
war auch itigleich ein ehrenvoller Auftrag ; er war aber auch 
um so bedenklicher in Heinrich's Band, als dieser ein Anseho 
ood eine Hachtflllle im Hassegaa erlangt hatte, die seinem Vater 
ucht lu Gebote gestanden hatte. Dem Heraog Otto brauchte 
König Conrad das Marohionat nicht an oehmen, denn diesv 



*i SMeUohta das ortfrlaUsAeB Beiohat U pag. Bfla. 

iMtvGoOt^lc 



— 27 — 

war b«i Conrftd'a Thronbeitet^&g ein alter Hann und d«r Köoig 
durfte ei um lo weniger thon, äs er durch Otto'a EinflusB den 
Throa arkagt hatte. Folgt laan dieser Auffaiuuig, dann erkl&rt 
•ich eineraeita, warum das sächBische Heer über Conrad's Ver- 
fahren entrOstet war: es batte unzweifelhaft ein Interesse daran, 
daas die Grenzvertheidigang dem Herzoge Terblieb: es erntete 
dabei Beute und Lorbeeren; und asdererseita erkltrt sich daa 
▼ Sllige Schweigen der Chronisten Qber Tb&ringsn 
M der BeaprMfanag dieser Angelegenheit 

WBl man hiergegen einwenden, dasa in dem zwischen Hein- 
ffioh and dem Könige, so wie dessen VerbOndeten , dem Era- 
Maebof Hatte yoa Mains, demnächst aasgebrocbenem Kampfe, 
•raterer in daa eigentliche Thttringen eingebrochen sei und es 
•fobert habe und das« er von I^ndprand beim Jahre 921 (Pertx 
SS. IX. p. 573) als dux Saxonnm et Thuringorum und vom 
AnnaL Saxo als Saxonam et Thoringorum dux prepoteno be- 
aaiohset wird, so iat darauf Folgendes zu erwiedem : dafBr, daas 
Heinrich in Thüringen eingefallen sei, um eine ihm dort zu- 
stehende Haoh^ die ihm TOrentbalten worden, zu erlangen, geben 
die Cfaroniatan, die ^esea Ereignies erzfthlen, dorchaua keinen 
Anhalt. Heinrich wollte lediglich seinen Qegnem, besonders dem 
EnUsohofe, aohaden. Deab^b bemKohtigte er sich dessen Be- 
attsongen in Sachsen und Thüringen. Indem er letzteres Land 
eroberte, schadete er zugleich dem KSnige und erweiterte ausser- 
dem allerdings seine Macht. Und was die Bezeichnang Heinricb's 
ak Herzig der Sachsen und Thüringer betrifft, so bezieht sie 
steh aaf eine apätere Zeit und erkUrt sich ans dem Umstände, 
daas Heinrich glücklich gegen den Eßnig focht und in Folge 
dessen acbliesalicb anch das Dncat über Thüringen erhielt 



DictizedbyGoOt^lC 



— 28 — 

rv. 

Die Orafen von Wlnsenburg als Laiu^crafon 

voQ Thüringen. 

9.1. 

Eisleitimjif. 

Die Frage, in welchem VerhältniBB die Gntfen von Winzm^ 

burg zu Thüringen gestanden haben and die eut («ÖsEng dieier 

Frage erforderliche Festetellang der Genealogie de« Qeschlecbtes 

jener Grafen, hat den HiBtorikem von je her Schwierigkeiten 

bereitet and ist noch nicht sicher gelöst, Eingehende Arbeiten 

darüber haben insbesondere Koken *) and Cohn **) geliefert und 

diese nehme ich als Grandlage tür die folgende &arterang. 

Den Tresentlichsten Anhalt f^ die Geschichte der Gnfen 
Ton Winzenhurg bieten die scbriftticben Aofiteiobnnngea des 
Abtea Reinhard des Klosters Beinhaasen. 

Ausserdem hat man sich hanptsächlich gestiltst aaf 

a. eine Urkande des Erzbisohofs Adelbert I. TOn Mainz Tom 
Jahre 1100 (richtiger 1112); 

b. eine Urkande jdes Königs Conrad in. vom Jahre 1144; 

c. eine Urkunde des Hersogs Heinrich des Löwen vom 
Jahre 116g, 

welche Schriftstücke ich demnächst fast vollständig so angeben 
werde, wie sie bei Leibnitz SS. Tom. I. pag. 705 abgedruckt 
sind, da es von Wichtigkeit ist, dieselben ihrem WortUote nach 
za beurtheileo. 



Die Schrift des Abtei ReinUrd. 

Sie lautet an den hier in Betracht kommenden Stellen : 
I. Ezike et Elle fratres et comites nohilea et praedivites 
erant, qui Reynehaeon et Liehen habitabaot. Sed Ezike com 
esset immature suo destitutus haerede, beatam Petram in Helm- 
wardishusen sibi constitnit heredem. Elle genuit quatnor filios, 
Conradum, Henricum, Hermannum et Udonem Hildenshemensem 



*] Bsitr^e nir mederaftohniehsii QMchiohts, Band L, BUdMhsiiD| 1888. 
**) FonohiiDS«n iiir denttcben Quohichle, Band Tl. pag. U7. 



,iz.dby Google 



— 29 — 

et dnaa SBu, Hathild et Eikence, quam Geroldaa de tmmen- 
hiuen clam rapiena {vaodia malta cum ea obtinoit. 

Sed cam ex ea nun haberet hseredem, Beinhardns prae- 
poütQB, qai et postea. HalberatadenBiB episcopas oinnis coemit 
et nepoti nio Foppcmi comiti de BUnckenburcb in nnpta con- 
trsdidit. Forro Conradus genut Beatricem, quae nnpeit Olgero 
comiti de Wartbike et gesoit Olricom. Henricns antem gennit 
Ueinebardum et Filigrimom et Eilikam et Adilheid abbatissas. 
UatbUd vero nnpait coidam Batto priacipi et genait Herman- 
nom de Winzenborch. Hie qoia patre BaTrns fnit, domui anae, 
qnua exatroxit, nomen de se indidit His tribas fratribns oomi- 
tibiu et Mathildi, communicato coneilio, placoit at locum anam 
principalem, (i. e. Beinbaoaen) und« originem doxerant, domino 
Dflo et perpatnae Tirgini Mariae et epeoiaKter aancto Christo- 
phoro martyri depntarent. Unde, qoia quatnor erant, totidem 
inilH canonicoB aacerdotea ordinanmt et praepoiitum eis, Sibol- 
dom nomine, inatitaermt. <^o defdnoto, com idem locna pro-* 
portioni comitia Hermanni integraliter cederet, de couaensn 
cohaeredum ordinem monasticnm ibi conatitnit et omnia, qnae 
bi^oit in ejoadeiu vülae marcha nibil inibi sibi reservans eo 
contradidi^ et quatnor manaia decimam totias marchae cambiens 
eccleaiaa contalit et ministerialibas aoia sen litoniboa ae vel aoa 
illoc oonferre, ai liberet, indulait. Henrico antem comite Tiam 
aniTersae camia ingreBso, et filüe eois, Meinhardo scilicet et 
Fil^rimo, Wircebnrche ad coriom imperialem oBcisis, et inde 
in coenobinm nOBtriun tranalatiB at aepoltiB, Eilika abbatieaa, 
aoror ipaomm, qnidquid baboit in jam dictao villae marcba, 
pro romedio animamm eomm obtnlit et ad coenobiom noatmm 
faniliaritatia gratia annnatim venit et ibi per sex Tel octo menaea 
moram faciena non modicam caritatem &atribua exhiboit ita nt 
reliqnam dictae haereditatia portionem aancto Cbristophoro mar- 
tyri conttdisaet, ai dominus Udo epiacopna ejus patruna aua 

eam snbtilitate non piaeveniaaet 

Demam Reinbardiun Halberatadenaem episeopom pro spe 
largae dotationia vocavit, qü monasterinm jam dictum con- 
aeorana, duabua aylTuIia, qoaa a Qeraldo emevat, donavit minna 
confereaa , quam comea sperarerat. Poatremo clanstmm de 
plaga aostrali, propter loci angostias in partem aquilonarem 
tnuuforri et oomplicari feoit et eodeaiaa Reinboldnm de Helm- 



Dictzedby Google 



— so — 

wardMhtuon monacbom praefecit, qoo lulnto in acftlwUm ttuun 
revocato et io »bbstem electo , jun dictu co w fratram elee- 
tioDs me de eaatico laetitiae ad fletom Miaeriae UBmnBit «t ordi- 
DBtione dommi Kogantini arohiepiicopi eenioriB Ädilberti] no- 
men i«iisi abboÜa BeyoehaBensiB coenobü mihi indigno indidit. 
His ita patratis, in Bavariam abüt-et ibi moriens, aoi panperea 
omni Bolatio deatitotoa reliquit. Nam doo parvali ejas filii Hen- 
ricBB et Hermanniu, qaorum alter imnatura et miaera mMle 
defimotofl et apad noB ett Bepulttu, alter, at notam e&t, oeoiaiaB 

paraai prodease looo potnertin^ nao pbiB nocaenmt 

Prasterea ad Bapplementnm iaofMae mea« cnram populärem 
a domioia meia archiepiscopia tan Adilberto Beciore et joniere, 
qoam Henrioo mihi et BaeoeaaDribaa meia indnllam et eedeaiae 
neae perpetuam immoDitatem et eleotiorns Ubertatem, basno 
oonfirmatam acoepi. Dominus qaoqoo CSoaraduB BMaanonim 
res aecnndaa monetae percBBBnram, telooÜ nmm, nua^iaram 
inatitotioBem inuminitatam meBaateno mee eoatnlit. 

§.3. 
Ueber d«B Werth ier Selvift lea AAtu Oevüurtt 

Koken (1. o. pag. 3—8) wkl&rt die Scibrift doa Mtea Bein- 
hard für echt und ghnbwürdig. Cehn (L c.) dagegen tritt dje- 
aar Anaioht niobt vOlÜg bei und es iat daher erferderHefa, deaeen 
Bedmkan zo erörtern. 

Cehn, der (1. c pag. 566 Anmerk. 6) annimmt, der Abt 
Beinbard habe im Jahre 1168 noch gelebt — eine Annahme, 
deren UnanUasigkeit ich dernnSobet dartben werde — »gt, der 
Bericht dea AbteB sei (pag. 566) weder genas noch TollstXndIg 
and ^tirirt dieae Annahme aan&chBt im allgemeinen d adu r ch , 
daea Beinbard nach Börena^en (pag. &44) Über cnne ihm fem* 
li^ende Zeit bericlrte, wtd iährt weiter »peoi^e Pnskte «n, in 
wdcben der Abdwrieht antichtig snn aelL Waa «imftcbst di« 
von Cohn verBOcbte allgememe 'BegFtadimg der Ann^une, daae 
Beinbards Bariobt nngenaa «ei, betrifft, a» iat daranf an erwidern, 
daaa Bmnhard iwor aeinan Bericht all hoobbejahrter ttaam ge- 
aobrieben bat, aber, wie der Lahalt and die FaBsong dieaea Be- 
tiohtea aweifelloa aigiebt, mit völliger Kbirbeit Qber.daa, wm er 
bat aagen wollen. Und daa aind keineswegp Dinge aua einer 
ihm , dam Abte, ionUiegaaden £eit and eben ao imäg bendkea 



izcdbvGoOglc 



— 91 — 

wiAe Kadfflohteki a/aS HSnnHgen. Reinhard ist, wie ich dem* 
nftchet naohweiMii werde, nicht lange nach dem Jahre 1152 ge- 
«tortMD, alao kaum 40 Jiüire nach der Stütung des Klosters, 
d«n er bis an sein Lebensende Torgestandea bat. Er hat also 
Aber keine ihm fernliegende Zeit geschrieben and noch weniger 
»■oh HitoQDsagen. Denn er berichtet Qber Scbenkongen an das 
Kloster; diese sind aber gemacht worden, wllhrend Beinhard der 
Vorsteher des letateren war. Et berichtet ferner Ober den 
Stifter des fflosters, den er persönlich gekannt hat Ist es da 
woU glaablich, dass Beiiüiard, dar in der Abaicht sehiieh, der 
Nachwelt die Wahrheit anfanbewahren , von dem Cohn selbst 
^lag. 566) aag^ er sei nit den FamüiaDTerhftltniaien des Kloster- 
■tifiars „so ▼«Iraat" gewesen, ist ss, sags ich, glanblich, dass 
er Sber (Ue btcksten Angehörigen disaes Stifters, die er, aom 
Thail wenigstens, aseh noch persönlich gekannt bat, schlecht 
unterrichtet gewesen aeia soUta? Diese Annahme wSre nwc %n- 
lässig, wenn sie durch Bpeoielle Nachweise tinwiderleglicb dar- 
gethsn wOrde. 

Sehra wir, ob Herrn Cohn dieser Nachweis gelungen ist. 

Zmiichst maofat Cohn (pag. 544) dem Äbte den Vorwarf, 
«r haj>« Ittier den GroBsonkel des Grafen Hermann I. t. Winzen- 
boig, Esike, awichtige Angaben gemacht, da dieser Eaike bald 
naeb dem Jahre 1000 als Greis gestorben sei. Aber wie kommt 
Cohn au dieser Behaaptang? Weil er vermathet, dass der 
fiaika des Reinhard and jener Graf Ekkihard, der da« Kloster 
Helmershaosen stiftete, ein und dieselbe Person seien, d. h. mit 
mderea Worten, Cohn stellt in Abrede, dass es einen Grafen 
£iike gegeben habe, der der Bmder des Grossvaters Hermanns 
I. T. Winienbaeg gewesen sei. Aber mit welchem Rechte that 
Cohn dies? Wenn ein Ekkihard (gleichviel aas welchem 
Stamme) *) das Kloster Helmershaasen stiftete and zwar ver- 
anlasst darch den Tod seines Sohnes, so ist das doch kein Hio- 
demias, dass ob spiller einen Grafen Ezike **) von Reinhausen 
gqgebea hab% der, weil er seinen Erben verlor, dem gedachten 
Kk>ster eine Sohenkmng maehtel Kann die Ärmlichkeit 

*) Wshmfcsialioh OId Qnf von AsnanihttMU , efir. Leibiiits Soript. L 
|S(. 538, «D «s bsliii Jahre 1016 hsi«ti in prmemtia EkkUiardi et UadoM 



**) Cohn (psg. U4) nMint, -Esikon loi au ains sadsre Form flr ttU< 

,:. Google 



— 32 — 

beider Vot^änge ein genügendes Metir sein, die Gluabwärdig* 
keit Reinhards zu verdftchtigen and ihn eines starken histo- 
riechen Fehlers zu zeihen? Und stark wäre dieser Fehler in 
der That, da Ezike gar nicht so lange 7or der StiAung des 
Klosters Reinhausen noch gelebt haben mnss, weil, wie ich 
späterhin darlegen werde, ein Neffe dieses Ezike der Stifter 
des letztge dachten Klosters wart 

Cohn macht (pag. 544 wohl unter Hinweis auf pag. 533) 
dem Abte weiter den Vorwnrf der UnvoUetändigkeit, weil Letz- 
terer in seinen genealogischen Aofzeichnongen nicht jenen Qrar 
fen Conrad v. Winzenbnrg erwähne, der urkundlich in den Jah- 
ren 1132, 1124 nod 1147 vorkommt. Dagegen ist zu bemerken, 
dase Reinhard nicht die Absicht hatte, Ober alle SprÖsslinge dea 
Reinbausener Grafengescblechtea Angaben zu machen, sondern 
Über die Stifter und Wohlthäter des Klosters. Und zu diesen 
gehörten die Orafen von Winzenbnrg nicht, wie ich 
demnächst nachweisen werde. 

Sind demnach Cohn's Einwendungen gegen die Reinbard'- 
sche Schrift nicht stichhaltig und mass man vielmehr Koken'a 
gOnstigerem Urtheil über den Werth jener Schrift beitreten, so 
bleibt es sehr merkwürdig, dass sowohl Koken ab Cohn dis 
Angabe Reinhards ganz nnerörtert gelassen haben, die, bei ob«^ 
fläohlicher Betrachtung, am meisten anfechtbar erscheint, näm- 
lich die Nachricht, dass der Klosterstifter, Qraf Hennaon, mit 
awei kleinen Knaben, Hermann und Heinrich, nach Baiem ge- 
gangen sei, wo der eine im jugendlichen Alter gestor- 
bbn, der andere, wie bekannt (sagt Reinhard), später ermordet 



kard. Aber dag^en sprechen dia Angaben in der Tita Heinwaroi (Laib- 
niti L) gans entachieden. Dean naoli dieaeii lebten gleühieitig (am lOlB) 
and nnabbängig von einander ein Orof Jükkibard (L c psg. B28) , ein Graf 
Ekkika de AsUu (pag. 58J) und ein Qraf Eiico (pdg. BS2), £■ iet hternaoh 
undenkb&r, du« der Verfaiier der Tita Meinwerci die Namen Ekkihard, 
Ekkika und Eiico als gletohbedentend abwcohselnd gebntnoht habe. Und 
veno sie — nich Cohn — in dem N»m«n«*eneiohaiiM mm tl. Bande der 
SoriptorM als gleichbedentand n«t>en sinaadar geetatlt sind, so halte ioh 
daa eben für einen Irrthum. 

Dnd pag. 648 kommen die Grahs Siegfried nod Eiioo TOr, von denen 
Enterar wohl rin Qtaf too Bomenebnrg war, da bei diasein OeMUeobta 
damala der Rofiiame Siegfried Oblich war; letiterer aber ist fOr ainMi 
Qrafan tod Reinhansen nt erachten. 



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— 33 - 

worden lei. Wenn man annimmt, dasa jener Elostenti^r der 
Graf Hermann I. von WinBenborg geweiea sei, so ersoheint 
jene Angabe des Abtes im Widerspruch mit den geachichllicben 
Tliatsachen, denn Hermann I. von Winzenburg hatte thataäch- 
lieh zwei Söhne Namens Hermann und Heinrich, die beide in 
das ToUe Uannesalter traten und es ist, wie gesagt, 
nicht wohl zu verstehen, wie die bisherigen Kritiker der Rein' 
hardsehen Schrift dies haben unerörtert lassen können! Ich 
werde weiterhin (g. 7) nachweisen, dasa den Abt anch in dieser 
Beiiehang kein Torwarf trifft 

§.4. 
Die LebwueH dea Abtes Rfliikard. 

Wie vorher erwähnt, nimmt Cobn an, der Abt Reinhard 
habe im Jahre 1168 noch gelebt nnd ich habe diese Annahme 
bestritten; ich gebe hierfür die nähere Begründung. Cohn st&tzt 
sich auf jene bei Leibnitz (I. c. pag. 706) abgedruckte Urkunde 
Heinrich des LSwen vom Jahre 1168. Ich -wcrie aber demnächst 
nachweisen, dsss diese Drkaade gefklscht ist. Aber es ISsst 
sich aach anderweit dartbttn, daas Reinhard nicht wohl bis zum 
Jahre 1168 gelebt haben kann. Er wurde bei der Stiftung des 
Klosters Reinbansen als Abt eingesetzt. Diese Stiftung ist in 
das J^ir Uli oder 1112 zn legen. Es ist nicht zu vermuthen, 
daas Reinhard zu jener immerhin bedeutenden geistlichen Würde 
in sehr jugendlichem Alter gelangt sei, znmal ans der Fassung 
seines vorher besprochenen Berichtes über das Kloster geschlos- 
sen werden kann, dass er nicht aus einem vornehmen Ocschlecbte 
entsprossen War. Setzen wir sein Alter zn der Zeit, wo er Abt 
wurde, nur auf 35 Jahre, so würde er bis zum Jahre 1168 ein 
Alter von mindestens 92 Jahren erreicht haben I Aber wir haben 
in Reinhards eigenen Angaben noch ein weiteres Kittel zur Be- 
stimmang seiner Lebenszeit. Er sagt nämlich ausdrücklich, er 
habe unter den Erzbischöfen Adelbert I. und II. und Heinrich 
functionirL So hätte er sich nomöglich ansdrUcken können, 
wenn er bis zum Jahre 1168 gelebt hätte; denn Erzbischof Hein- 
rich starb 1152 nnd bis zum Jahre 1168 sassen von da ab noch 
die Ersbischöfe Arnold, Eonrad I. und Christian I. auf dem era- 
InschoBichen Stuhle zu Mainz! Vielmehr folgt aus jener Be- 
merkung Reinhards, dass er am 1153 gestorben sein musa. 

8 . 



^ 34 - 



Betraclitiin^ der Folgernngen , die ans der Sclrift des 

Abtes Beinliard gezogen worden sind. 
]) AUgemeiQ wird anf Qnmd der BeiohardBclien Schrift ap- 
genommsD, daaa der Graf Honuann von Wiuzenbo)^, d^ Bein- 
hard in aeiner Sobrift beiUnfig erwäbnt, der Erbaaar der 
Winzenborg gewceen sei. Und docb giebt jene Scbrift, genau 
besehen, hierzu nicht die geringste Veranlaasung. Veigleicht 
man Koken hierüber, der den Gegenstand (jpag. 14) ausitihrlich. 
behandelt, so ergiebt sich, dais lediglich die Vermuthung Wenk's, 
der Gemahl der Gräfin Mathilde von BeinbauBen sei ein Graf 
von Wiodebei^ geweaen, d^n gelehrt bat, in dem Namen 
Winzenbarg eioe Veronstaltnng des Nunena Windenberg (rich- 
tiger Windeberg) zu erblicken, so wie die Angabe hei Reinhard, 
dasB der obgedachte Graf Hermann eine Burg erbaut und bei 
der Namengebung fnr dieselbe sich von der Erwägung habe 
leiten lassen, daee aein Vater ein Baier gewesen sei, mit dem 
Namen Winzenburg zu combiniren. 

Aber dieae Deduction ist onhalthart Zun&chst ist gar nicht 
erwiesen, dasa WenVs Yermathung richtig ist; vielmehr lassen 
sich dagegen Bedenken erheben; dodi wQrde es hier zii weit 
fuhren, näher darauf eänangehen; es ist das auch filr den vor- 
liegenden Zweck nicht erforderlich, denn es giebt genug ander- 
weite Gründe, die gegen obgedachte Deduction sprechen. 

Reinhard aagt: „Hie (H. de Winzenburg) quia patre BaTrus 
fuit, domui suae, quam exstruxit, nomen de so indidit". Wie 
h&tte Reinhard sich eo ausdrucken können, wenn Hermann seine 
Burg nach dem Familiennamen seines Vaters — Windenburg (!) 
— benannt hätte I Hätte Reinhard da nicht ganz einfach sagen 
mttasen „t^ula patre Windebergensis fuit". 

Und wie kann ein Unbefangener aus Reinhards gedachten 
Worten herauslesen, dass Graf Hermann eine Burg erbaut und 
sie Windenburg genannt habe, da wir bistoriaoh sicher wissen, 
dass ein Theil der Winzenburg — ein Anbau — Baierberg 
hiesfl, wir also hier das „Haus", welches Hermann von Winzen- 
burg erbaute und es nach der Herkunft seines Vaters be- 
nannte, klar und ganz der Erzählung Roinliarda entsprechend 
vor una habenl (cfr. Cobn, 1. c. pag. 564.) 



:,G Gothic 



— 36 — 

und wer hätte denn soart yeranlassung gehabt, eis Hans, 
einen Ban bei der 'Wiseenbaig aaszofübreti nnd ibn Baierberg 
%n nennen, wenn sieht Hermann, der Sohn eines bairischen 
Dytuurten? 

Man htt, wie gesagt, gemeint, Winzenbnrg sei eine provin- 
■ielle Venuutftltnng des Kamens Windeberg. Aber daf^ hätte 
man doch Beispiele ähnlicher Namensänderungen anftihren sollen, 
denn aa sieh ist die Sache aehr anwahrscheinlicb. Aber selbst 
wenn man hiervon absehen will, so miuste tnao doch in den 
Schriften ii^nd eine Andentang finden, wann und wie jene 
NamensTerftnderung sich herausgebildet hätte *}. Das ist aber 
flieht der Falll Im Gegentheil, man findet immer unzweifelhaft 
in Urkanden den Ausdruck Winzenburg. So schon im Jahre 
1112 (cfr. Koken, Vorrede pag. X.). Dem gegentlber fällt nicht 
ins Gewicht, was Koken pag. 19 sagt, dass in Dodechim appen- 
diz ad Mariani Scoti Chronicon vorkommt: „Hcrmannus comes 
de Vintenberg". Das ist Viel mehr als eine Namensvenmstaltung 
eines späteren Schriftstellers, wie sie auch anderweit genag vor- 
kommen, in erachten. Auch ist durch Nichts zu erweisen, dass 
es sieh hier am eia« Verunstaltung des Wortes Windeberg 
bandle. Im Gegenfheil, es ist oCFenbar viel wahrscheinlicher, 
du« Wintenberg **) fKr Wiozenberg steht. 

Zu alledem kommt, dass die Wtnzenbarg schon lange vor 
Herniana I. bestanden hat; es folgt dies schon aus dem oben 
Qesi^^n: dass Hermann die Bai erbarg an die Winzen- 
burg baat«. Es folgt dies femer daraus, dasa Hermann sich 
n«cb der Winzenbnrg nannte — nicht nach der von ihm erbaa- 
ten Baierbarg ; und es ergebt sich endlich aus der Kachricht in 
den Hildesheimer Annalen beim Jahre 1038 (Koken pag. 83), 
wonaeh damals die Winzenburg (wahrscheinlich als ein Besitz- 
thnm der Grafen von Bomeneborg) schon bestand. Koken ver* 



*) Nuh Koktm, ps^. 84, liegt im PüntSDthnin Bluikenburg eine Bnrg> 
mm« Hameu WitUNnburg «nf dam äergs Windst Wenn n dem läcfariHcben 
Dialaat« antipriobe, sw Winds Wims «■ mwfaait, n mOstta doch jener 
Bog Winseberg boinenl Dia Be&eDnaiig Wimsenburg hat alio mit dam 
BargBamen gar nicbU n than, iit vielmehr ein AaidrDok ron nlbitstin- 
digar Bedentang. 

**) DodeohiD hat beim Jahre IISO: Bermanntts de TiDunburg statt 
Am aonat fibUchen WiBBMbar^ 



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- 3S - 

auclit dleBen Beweisgrund abzulehnen, indem er faervorliebt, daal 
bei dem Ännsliata Saxo in der bezüglichen Stalle nicht Winü- 
burch, BOndem Vvidmidibarch *) stehe. Aber warum sollte der 
sächsische Annalist in diesem Falle mehr Glauben verdienen, 
als die Hildesheimer Annslen (cfr. Cohn pag. 567 !) and warum 
sollte das nirgends anderweit vorkommende und nirgends, anzu- 
findende Vvidmidibarch richüger sein, als das Winciburg der 
Hildesheimer Annalen — ans denen der sächsische Annalist 
wahrscheinlich copirtel 

3. Allgemein hat man ans der Reinhurdscbea Schrift ge- 
folgert, Oraf Hermann I. von Winsenbarg sei der Stifter dea 
Klosters zn Reinhaaaen. Diese Ansicht ist meines Erachten» 
aus einer befangenen Beartheilang der Beinhard'sohen Schrift 
hervorgegangen und ich werde weiterhin erklttren, wi« diese Bt* 
fangenheit entstanden ist. Ich meine, wenn man Boiohard's An- 
gaben vorurtheilsü-ei betrachtet, so muss man gerade aus der 
Fassung derselben achliessen, dass Hermann von Winsenbd^ 
onmSglich der Kloaterstifter sein kann. 

Reinhard sagt (cfr. §. 2) im Eingänge, er beabsichtige in 
getreuer Erzählung Über das Geschlecht der Orilnder der 
Kirche (des Klosters) zu Reinhausen Nachricht au geben und 
zählt nun vier BrUder und zwei Schwestern aus dem vornehmen 
und sehr reichen Geschleohte der Grafen von Reinhausen auf, 
wobei er beiläufig, gleichsam in Parenthese, erwähnt, dass die 
eine Schwester, Mathilde, einen Sohn gehabt habe, Hermann, 
welcher Herr der Winzenburg gewesen sei. Dann sagt er, diese 
drei Brüder — er lässt offenbar den Bischof Udo von Hildes- 
heim hier ausser Betracht — grilndeten iu Gemeinschaft mit 
ihrer Schwester Uathilde in Reinhausen ein Canonicat and ale 
der Vorsteher desselben demnächst starb, richtete Graf Hermann, 
zu dessen Erbe jenes Gebiet (worauf das Canonicat errichtet 
war) gehörte, unter Zustimmung seiner Mitarben ein Kloster ein. 
Wie kann nach dieser Fassung jener Klosterstifter der Graf 
Hermann von Winzenburg sein? Woher sollto dieser das Gebiet 
in Reinhausen, aof weTchem das Canonicat errichtet war , ererbt 
haben? Wer sollten seine Hiterben dabei gewesen sein? Hätte 
nicht nnbedingt Reinhard ~ wenn er nicht seine Hittheilnng 



*) Bei Psrti.S. Tl. stslit statt dsnsn Vimidibirk, 

I iMtvGoOt^lc 



— 37 — 

vöUi'g Tuklw Uasen woDte — sagen m&aBen, als er den Klosteiv 
Stifter beaeiobnen woUte, „comes Hennannas de Winxenburg", 
ftatt bloa ,/;omeB Hermanniu"? 

Und ferner, wenn Hermann I. von Winzenbarg der Kloster- 
Stifter gewesen wSre, wie hätte Reinhard dann sagen können, 
jener aei demnichst nach Baiem gegangen mit zwei kleinen 
Sehnen, von denen der eine frühzeitig starb, Angaben, die mit 
den bekannten historischen Thatsacben in entschie- 
denstem Widersprach stehen! 

Und wie hätte Beinhard weiter s^en kSnnec, darch den 
Weggang des Elosterstifters nach Baiem seien das Kloster and 
deaaen Bewohner in trostloser Lage zurDckgelassen worden, 
wenn der Winzenbnrger der Klosterstifter gewesen w&re^ da 
deaaen Famibe ja damals in vollem Flor stand nnd es unbegreif- 
lich wäre, dass sie das Kloster, wenn es ihr Werk gewesen 
wäre, aaf einmal ohne jede Stütze gelassen bStte. 

Die Geschichte ergiebt nirgends, dass die Grafen tod Win- 
senbnrg sich fttr das Kloster Beinhansen besonders geneigt nnd 
wohltbätig erwiesen hätten. Und das ist ebenfalls ein Beweis, 
dass sie demselben nicht nahe standen, geschweige dessen Stifter 
waren. Sie sassen aof der Winzenburg — wie sie za dieser 
gekommen, ist anbekannt — nnd hatten, so viel sich ermitteln 
Usst, weder an Beinhausen noch an Liehen TheiL 

Weiter ist aber aooh durch keine geschichtUobe Thatsaohe 
zn erweisen, dass Hermann I. von Winzenbarg vom Jahre 1112 
an in Baiem gelebt habe and dort im Jahre 1122 gestorben sei. 

Hernuum I. von Winzenbarg war im Jabre 1109 als kaiser- 
licher Gesandter in Hom, war auch im Jahre IUI noch dort 
bei dem Kaiser (Urk. Heinrichs V. de Uli; Beg. Nr. 3060) und 
im Jabre 1112 am Hofe Heinrichs V., den er bis dahin wohl 
gar nicht verlassen hatte (Koken, Vorrede pag. X.) im Jahre 1121 
mit Herzig Lothar von Sachsen auf einem Feldzuge g^ea Htin- 
ster *). Aber ich gehe noch weiter; ich behaupte, Hermann I. 
war es auch, der nach dem Jahre 1124 das Landgrafen - Amt in 
Thüringen erhalten bat. Koken freilich bezieht die bezüglichen 



*) KokBn, pagr. 3(, msitit, dai lei Hermtui n. gvwmia. Aber das ist 
niQht wohl anconduuen, da dieser im Jahre 1138 orkandlioh sooh sls apasr* 



Dictzedby Google 



— 38 — 

(c£r. §. 7) NachriohteD auf Hermann II. Aber stichbaUlge OiOud« 
bringt er dafür niobt bei; er wird jsu dieser Annahme nw ge- 
leitet, weil er meint, Hermann I. eei im Jahre 11^ is BuBani 
gestQrben. Das ist aber keineswegs erwiemo. Denn d]e Nach- 
richt in der Chronik des Klosters Nenbnrg, aof die sich Koken 
(pag. 18) beruft: „Hennannas comei provinoialia de Saxonia *) 
obiit" **) kann als ein Beweis nicht angesehen wetdml Warum 
soll dieser sächsische Graf der comes HermanBos de Winsen- 
burg gewesen sein? Ich werde später (§. 7) oacbwaisen, wet 
er war. Hier habe ich nur anzugeben, dass Hermann H. von 
Winzenburg im Jahre 1123 kann dem Knabenalter entwachsen 
war. Penn er kommt in diesem Jahre, wie vorher (Kote *) 
schon angegeben (cfr. auch Kokea pag. 36) noch ata „pner" ivor. 
Einem in so jugendlichem Alter stehenden Qrafen wird aehwer- 
lieh der Kaiser Lothar ewei wichtige Aemter ausserhalb aeinei! 
engeren Heimath anvertraut haben. Daan kommt aber, dass in 
einer Urkunde vom Jahre 1124> lUs letater Zeuge, hmter dem 
Grafen von Lare Hermann von Winseoborg als einfacher 



*) ■Comet de Saxonit« war fBi ürafen hs dem Siobunluda eioa »lifc 
nnge wohnliche BensDnang. So s. B. wird im Skmpatrinnm beim ishn 1,180 
der enf Vennleining HennannB von WinEenbnrg ermordete Orkf von Lnejcen- 
heim «oOmei de SiToni» geouiDt. In analoger Weise sracheinen die Gra- 
fen von Schwutburg, ron Qlelehen n. i. w. ali comiteB de Thoringis. 
Wunm bIm) eollten die Neabnrger HGnobe den siu Suhien gekommenen 
Grafen nioht dmaoh benennen ? Und wann diea mit dem ZuatM aprorilioUiiB 
geeohieht, lo üt daiaof nioht betonderM Qewietat tn legen. Die HSaobe 
TerBtanden wohl wenig ron den engeren aäohüehan poUtiaeliea, Yarhilt- 
ninen. Üebrigeoa war ja auch kein Winienborgar oomea provineiKlii in 
Ssohien nnd auf Thnringen kann doch der Ansdrnck namöglüth besogen 
werden. Ee handelt (ich hier eben am einen läohiiBDhen Oaagraftao, der 
g»r kein Wincenborger iitl (ofr. §, T.) 

**) Koken (pag. 35) ideatüloirt damit einen ebealkb im Jahre 1139 
gsctorbenen Orafen Hermann, dsi Advooat des K l o st wi PormbMli war. 
Aber das ist doch lediglich eine Veimathm^l Wsnun eolHe oioht gleMi- 
seitig mit jenem oomM de Sazenia BaOllig anoh ein Oraf von Formbaeh 
oder Windaberg gelebt haben, der Hermann hie« nnd lofUlig anoh im 
Jahre 1122 starb I 

Ist aber jene Termnthong nicht haltbar und war der gedachte efteb- 
■isohe Graf nicht Hermann L von Winaenbn^, so fiUt atioh die Fo%aning, 
die Koken (pag. 21) ans Miner Termathnng tieht: das« die OemsUin Hec- 
mann'a von Winsenbnrg Hedwig geheiiien habe. 



:,G Gothic 



— 39 — 

Graf ateht. Wftre dse möglich, vean dieser Hermann die 
Landgrafschaft in Thüringen bis zum Jabre 1130 inne gehabt 
hotte? OewiBH nicht! Und daram muse eben jener Hermann, 
der dieses Amt bekam, Hermann I. *) gewesen sein. Und 
daraas &lgt dann weiter, dass dieser Hermann nicht im Jahre 
1132 gestorben sein kann ; vielmehr ist dessen Todesjahr unbe- ' 



*] Kokan freilieh nimmt (pag. 48) Banunn IL t&r den Uilisber dar 
Ermordong d«* Elrafen Bnrchard von Luooa und meint, entorer ■ei nuh 
dem Tode det Eaiaen Lothar durch König Conrad , der lein Qfinnar gs- 
weean, m alle seine Aemter (1) und Würden (?) wieder eingeMtit worden. 
Aber für dieae Annahme giebt die Gaaohiohte keinen Anhalt. Der Graf 
BenBaan'««D WInMBbtrrg, der naok tlST bfi llBf voi^nrnt, wird diseh 
kein Herkmal obarut<»i«iTt, am d«v. n lolgrtii «Ib«, «r lei der frflher 
Tom Eaiier Taratoeiene. (cfr. anch §. 7} Allerdingi heieit es in dem Chro- 
nicon Engelhnaii pag. 1099 beim Jahre 1130: «Nam ante« terra Thuringia« 
tuit enb comite de Winienborg, HermannQa aotem, oomei ibidem, qnia 
ooeidit dominnm Bnam Ddonem Marehtooem, faotnt rena Ueaae majeatatii, 
m£dü«a onm esitro ImpetUeri'et ito ftiit reeoadliatna. Iste oome« poet> 
qnam non eetaavit a tynnnide, cum nxore ano impraegnata, qoam prion 
dimisn dnxerat, a miaiatarialibn Elildeilieimeiiiii dioegaeeot gladio trana- 
Tarbarmtna ett in leoto III. KaL Febr. anno domini 11G3.> 

Aber Engelhu vermengt hier — wie daa bei diesem Sobriftatelier aach 
anderweit Torkommt — Begebenheiten atia Tertohiedenen Zeiten. Aach 
war diaeer Cbroniat, der im Ifi. Jahrhundert «ohrieb, omweifelhaft mit den 
Familien -VerhUtniaaeu der Winzenbarger nicht niher bekannt. 

Gans anders enihlen die in diesem Falle gewiss gUnbwQrdigeren AonaL 
Hagdebnrg. (Pertz, Script. XTI. p. 1S3.) Da wird beim Jahre 1180 die Qe- 
Bchichte von der Abselinng Herroaan's ron Winsenburg gegeben und beim 
Jahre I1G3 die Ermordung des nGrafen Hermann'* ron Winaenbarg« ohne 
irgend einen Zotatt, dose m siob in beiden Fällen um ein und dieselbe 
Person handelte. 

Koken kommt anch, indem er Hermann II. t&r den im Jahre IIBO TOm 
Baiser Yerstoesenen hUt, durch den Umstand in Verlegenheit, dass die 
Ontar des Veratossenen nicht suf desien Bruder Heinrich übergehen. Er 
nimmt deshalb (pag. 33} an, dass vorher schon eine Tbeiluug der G&ter 
unter den Brfldern durch Todtheilnng stattgefunden habe. Aber diese An- 
nahme ereoheint ura deswillen anndässig, weil nach dem Jahre 1180 die 
beiden Brftder wiederholt in Drknnden bald alt Grafen von Flesse, bald 
als Grafen von Winienberg ond bald als Grafen von Asleberg vorkommen 
(cfr. g. 7) Bei Todtheilnngen w&re dies nicht wohl möglich, da dann der 
Abgefundeoe, der Natnr der Sache entsprechend, den bisherigen Familien- 
Samen ablegt und sich nach einem der ihm >ogefallenen QSter genannt 
haben würde. 



izcdbvGOOgle 



— 40 — 

könnt, er mnss aber bia nach 1130 gelebt haben nnd ei ist iehr 
wahrBcheinlich, dass er dann, nach aU dem Unheil, das über ihn 
kam, als Gefangener oder in Stille and Znrtlckgeiogenheit ge- 
storben ist. 

Nach allem Gesagten war Hermann I. von Winienborg eine 
hervorragende Persönlichkeit. WKre er daher der Stifter des 
Klosters Reinhaosen gewesen, so hfitte der Abt Reinhard seiner 
entschieden anders gedenken müssen, als mit der nnbedeotenden 
Bemerknng, er habe ein Haus gebaut and dies nach seines 
Vaters Vaterlands benannt! *) 



Ceber die Unaekei , wdeke ia» HIafrentekM der fieiikud- 
■ekes Sekrift renalint kskei. 
Wenn es richtig ist, nach dem, was ich im vorigen Ab- 
schnitte angegeben habe, dass man die Reinhardsohe Schrift 
miss verstanden hat, so liegt die Frage nahe, wie doa hat ge- 
schehen können? Und daraaf antworte ieh: Weil man jene 
drei Urkunden fOr ecbt genommen, die sich speoiell auf das 
Kloster Reinfaaasen beziehen nnd die sich bei Leibnitz a. a. O. 
abgedruckt finden **). Diese Urkunden aber bezeichne ich als 
geHllschte und werde dies im Folgenden beweisen. 

*] Koken isgt (pag.SO) der Orsf Ueginberd von Forrabseh(I] nndWinde- 
berg, den er kIi den Ttter Hermknn't I. tdd Winienbarg betrsohtet, sei 
im Jahrs t066 ermordet worden. Demnsoli mSMta Hermann I. von Winui^ 
borg etwa im Jahre 1060 geboren «ein. Er «Ire alao im Jahre 1139, wo 
er naoh Koken (psg. 91} in bairiiohen Urkunden mit seinem Bohns Bemann 
vorkommt, 6i Jahr slt und ■oomei proriuoiaea (doob jeden&lU in Baiem) 
gewesen and h&tte ds den Namen einee Grafen von Windebarg gelBhrt, 
w&hrend er im Jahre 1112 sli Qraf roa Winsenbnrg dai Klotter Rein- 
hsotan gestiftet haben loll 1 Alle* dai reimt lich doch tehwer inaammen t 
Das Wahn ist eben, da« die Wiudaberger in gar keiner Bexiehong in den 
Grafen von Beinhsnieo gettaoden hsbsn nnd dasi die Annshma einet aol. 
ohen TerhiltnisMi nur dnroh Wenk'i — ich mSohte ssgaa uigiaokliohe — 
Combination der Namen Windeb«]^ imd Winunbnrg hervorgarnfen worden 
ict («fr. übrigens §. 7.) 

**) Bsiliofig sei hier bemerkt, dAs es ein Irrtbnm von Enoobenbaner 
itt, wenn ar (Geioh. Thflr. rar Z«t des ersten Landgrafenhansoa pag. 00) 
jenen oome« Bermannoa de Thnringia, der in einer (Jrkonde Eaiter Hein- 
rich* V. de IIU (Qndenns, Cod. dipL I. pag. 893) vorkommt, ßr eine« 
Winienborger nimmt, wie Waits schon naehgewieeen hat (Fersohoogen 
snr daatsobea Owobtohte XIT. psg. SO.) 



■..,.. Cookie 



— 41 — 

1. Die erate Urkunde ]«ntet bei Leibnits im Auanige *) : 
In nomme Mnotae et indiTidtue TriDitatia. Ädelberttu 
Dei grfttim Mogantinaa archiepiscopnB et sedie «poitoUeae le- 

gsto» **).... notam esae Tolomoa qnod HarimsitlHM 

pstri«e c(»neB suii hteredibos «»tipalaiitibas , videlioet Udone 
HildeDesheiiaenBe epiacopo et fratre bdo Conrado conite, coe- 
DobiQni moQMÜcfl profesBioniB in Reioehasen ano patrimenio 
oom omnibtu aois inibi pertinentÜB in bonoFe Banctae TVinitatia 
et b. Huiae perpetaae vii^ntB aanctiqae Ghriatopbori mai^ria 
dotavit, et Reinhardom Halberstadensam e{»scopiiiB ipanm de- 
dioare a nobia impatravit .... ad haeo ipae somes H. et 
Beatrix eomiteasa de Wardbike, »vuncnli ani Conradi comitis 

filia .... adjecit Hajos rei testee 

■nnt Beinhirdas, Halberatadenaia epiaoopaa, Udo Hildeneriiei- 
menÜB epiacopaa, Thietmama , Helmwardiaharcenais abbas, 
Beinboldna jam diotae ecolesiae (i. e. BeinhaaeDaiB) praepoaitna 
.... Herimannaa patriae comea qai et ümdator et filii ejus 

dno Heinriona, HerimaBnoa pueri Datum in Jim dicto 

eoenobio B«inbasenae III. Non. Decembr., die consecrationiB 
ejudem. Acta aont baeo anno domioioae incamatioiua UC 
Indiet XD. 

DftM dioBe Urkunde unecht ad ***), scheint mir ans folgen- 
den Gründen nnsweifelhaft: 



■) Tdlatiodig Kbg«draokt ift «ie bei hojtot, Bittoi. oomitom Ebent«i- 

nBnrinm pag. 17, nnd bei Huenberg, hiitor, eoclea. Gmndenheimenaü p. 152. 

**) nfr. dia gelUBobte Utknnde bei Btompf, Aot» Hogimtiiia, pag, 6. 

***) Um Uneobtlnti bat ueb tohoa Bolbe in aeinem Werke: Era- 

JüwAti Adalbart I. and Eiiur Beisrieh V.,'.welobn ioh nacbtr&gliob kennen 

galamt habe, dargathan. 

Kolba'i GrOnde eind in konon Worten: 
1) Die Jabraendil 1100 mui faiich aein, weil Adelbert damali noch niobb 
Lacat war. 

S) Dia Jahrenahlen 1111 nnd 1113 kSnnen nicht angenommen wardan, 
wiil Adalbart In dieaer Zeit nieht in Bainhannn geweean lein kann. 
8) Andb kein« andara JahrMsahl (1119, 1114, 112i) kann ■ 



4) Anoh der Inhalt der Urkunde (pricht fBr deren CneohtheiL Inabe- 
aondare dia ron Adelbart getroffenen BeeÜmmongsn , die derart aind, wie 
ein HiBobcf de «nam Kloater nicht geben konnte, namentliob die Verleihnng 
dar potaatai ligandi et eolvandi. Anoh aagt Abt Bainhard in eai&er Gto- 
eofaidile dar Qrfindnng dea Kloeten, daea er vom Erabiaobof Adalbart uA 



:,G Gothic 



a) Die ürkoad« Etß im Jabre llOO' auagnteltt B^n, was im 
Hinblick auf den Inlialt nnmöglicb iat, Trie Bchon Sefcultes (Dir. 
dipl. I. pag. 231) naohgewiesen hat. Schaltes findert die Jahr- 
mwM in 1111, was aa sich gans riclitig sein mag, aber was be- 
T«cbtigt ihn dazu? Im Doonmente hat doch wohl 1100 geatuiden. 

b) Die ladiction irt fdaob, wie ebenfalls Bcbon Schultet a. 
a. O. herrorgebohen hat 

o) Der Enbischof nennt eich in Aet Utkiinde pftpAticher 
Legat Diese Wftrde bat Adelbert I. aber erst im Jahre 1119 
erlangt (Stumpf, Acta Mogant pag. XXXV.) 

Die Urkande iat famer flb- nnecbt za erachten: 

d) Weil darin Graf Hermann, der venDeintHehe KIosteretiJAer, 
„patriae comea'' genannt wird und zwar, wie allgemein ange- 
nommen wird, in Beiing aaf Thfiringen. Zur Zeit der K)e4ter- 
attftung, die nm 1112 erfolgt sein wird, hatte noch keinWinsen- 
bnrger eine landgrfifliohe WUrde, geschweige denn im Jahre 
1100. 

e) Weil in der Urkunde der Bischof Udo and dessen Bpdder 
Conrad als die Erben des Grafen Hermann beseichnet werden. 
Des Letitwen &ben waren aber seine briden Söhne ßeJüricb 
und Hermann. 

f) Weil die Urkande im Kloster Reinbansen ansgestelU sein 
soll. Es ist nichts davon bekannt, dass Ersbischof Adelbert I. 
jemals persönlicb dort gewesen ist Wäre das der Fall gewesen, 
so hätte der Abt Reinhard es gewiss in seinem Berichte nlobt 
unerwähnt gelassen. Dort wird aber nur gesagt, doss Reinhard 
durch Ordination des Erzbi8cbo& als Abt eingesetst worden sei. 

Vei^Ieioht man das Docnment mit dem Reinhardscben Be- 
richte, 10 kann man nicht zweifelhaft sein, dass ersteres ein 
lediglich auf letzteren gegrQndetes Machwerk ist, dessen ziem- 
lich ungeschickter Verfertiger in Terbältnissmässig später Zeit 
gelebt haben mass, da er, in unrichtiger Auffassung des Rein- 
hard' sehen Berichtes, den Grafen von Winzenburg als den 
Kiosterstifter annimmt und ihn, den Thatsaohen widersprechend, 
als comes patriae bezeichnet. 

Kolbe I. c. setzt die Zeit der Anfertigung dieser Urkunde 

dessn Msobfolger anr die eora popnlsris, dis Inmanitit nsd die WsU- 
frsihait fllr das Klofler empfkngen habe. 



:v Google 



_ 43 - 

in du 12. oder 13. Jahrhiutdert und fithrt eine Urkunde de 
1284/85 JLD, bfli derm Aiufertignng di« eben bosproobene Ur- 
konde de 1100 lobon TOrbimdeD gewesen sein masB. 

2. Die zweite UrkondB Isatet naob Leibnit« Script. L pag. 
706 im Aosznge; 

la nomine .... Cunradus divina clamentia Romanoram 

£ex seoundoB Notnm ease volamus, reverende 

AbbAj Beinbude, Bein^aseaais oomobii, quod noi ob inter- 
ventnm et petitionem oh&riasimi ac fidelisaimi noetri Wibaldi 
venerabilis sbbotia Stabolensia, cujas Tu emiditor et magiater 
foüti, Begise Maj^statiB privUegia confirmamua libertatam et 

immanitatem praedicto loco Tao et omnibaa posBeasio- 

niboB, qaae tarn a Comita Canrado, quam a fratr« ipsius Udona 
HildaneabeimanBi qnondam Bpiacopo, qoi ejnedem venerabilia 
ßoenobii primi conatractoreB fdere, nee non ab ioclitae reoordar 
ttooia Herinunno, patriae Comite, vel etiam ab Ellika Abbateasa 

teateBque, qui affuernnt, anbter- 

nctui feoimna, qaornm oomina baec aant: Henricas Mogunt 
Archiepiaoopos, Buvo WormatienaiB Epiacopns .... Adilbertiis 
Uvclüo de Brandabarg, Cornea Herimannua de Wintenburg ot 
&ater ejiu Heniiam, Ludowicaa Landgravius de Tyring. Anno 
dominioae incanationis HCXLHII. Indicb VII. Kegnante Do- 
mino Canrado Bomanomm rege II. Anno vero Biegni ejus VII. 
Data apnd Herafeldam XVII. Eal. Not. in Cbristo feltciter. Amen. 

S%T nneobt *) batte iob bi« aoa folgenden Qründen: 

a) Ala Erbauer dea Elostera werden darin Graf Conrad nnd 
daiaea Bruder, der Biaobof Udo, genannt, was nacb dem Bein- 
bard'scben Berichte unricbüg ist; 

b) «rrsgen die Worte „ab inclytae recordationis Herimanno, 
patriae Comite" Bedenken. Denn da Hermann „patriae Comea" 
genannt wird , so köante nur Harmann I. - von Winzenborg ge- 
meint aain ; auf dieaen möchte aber der König die Worte „in- 
cljtae reeordationia" scbwerlich angewendet haben, da er in 
Folge der Ermordung dea Grafen Burobard von Lncca in Un- 
gnade — wenn auch bei dem Vorgänger Conrad's — geratben 
war. 



*) Btiaaft, in dsa Fonohnngen inr denttchen Q«gohiobtfl, XIT. pag. 621, 
nkXtit na fBr eobt. Absr wenii die« aaoh richtig ist, ao indartei niohts 
aa naiiMD Dodaetionea. (ofr. g. 5 nnd 7.) 



:vCoOJ^Ic 



— 44 — 

e) unter d«r am 17. November 1144 sa Henfald «oogefer- 
tigten Urkunde Bt^ien ala Zeugen: AdilbertBB Marchio de Bnn- 
deaboig. Cornea Herinumniu de WinBonbarg et £r»ter ejtu 
Hemiens. LndowicuB LuidgniTias de Taringie. 

Nim findet aioli (Chideniu Cod. dipL I. peg. 1&7) eine eben- 
fidle an Bersfeld, ood nrar am 16. November 1144 — aUo am 
▼ orbergebenden Tage — von Etoig Conrad ansgefer^t« 
onverdSobtige ürkaade, anter der dieaelbeD oben genannten Zeu- 
gen atebeiij aber in folgender Weiee : Albertna Morcbio (also ebne 
den Znaatz: de Brandenburg) Ladowicas Provineialis Cornea, 
ipaiaa loci Advooatos. Hennannos Cornea de Winxenbnrg et frator 
eJQB Henricna. Bier stebt alao der Landgraf vor dem Qrafen 
von Winaeobiirg, wie das auch aeiner Wttrde entaprechend iat. 
Anch sehreibt aich Ladwig niebt Landgravina. ObwoU ea eicb 
hier um nieht allsa erhebücbe üntoraebiede bei ' den Zeugen- 
unterachnflen in beiden ürkanden banä^, ao mnaa ea doob fb 
kaum glaabileh erachtet werden, daas die Zeagen, ein and die- 
selben Peraonen, binnen viemndswanzig Standen mit a<dchen 
Unteraobieden ihro Unterachriften voUzc^en haben aoUten. Viel- 
mehr dOrfte die Yenniitbong gerechtfertigt aein, dasa die Ur- 
konde vom 17. November ein nach dem Maater der vom 16. No- 
vember gefslachtea Docament iat, bei dessen Anfertigung man 
einige Abänderungen in den Zeugenonterachriften voigasommon 
hat, die man ttar anverfkngbch hiolt 

Zar Heratallong dieaea Docamentea wird die Stelle im Rräi- 
hordaohen Berichte Veranlaaaong gegeben haben, wo von den 
Chinstbexeigangen die Rede ist, die KSnig Conrad dorn Kloster 
erwieaen habe. 

Es ist ja bekannt, dasa gerade an Gunsten von KltSatem 
oft fiJsche Docnmont« angefertigt worden (oh. Stampf, Acta 
Hognnt. p. XXXin.) and selbst bei Leibnits, L e. pag. 706 
findet aich der Hinweia auf ein solches, indem dort ein angeb- 
lich vom Erzbischof Heinrich von Uaina im Jahre 1157 aoa- 
geateUtea Docament erwähnt wird. In dieaem Ji^re war aber 
nicht Heioricb, aondem Arnold I^bischoF. 

3. Die dritte von Heinrich dem Löwen aasgeatellte Urkunde 
laatet im Aaezuge bei Leibnitz I. pag. 706: 

. . . Notum esse volnmus, quod noa pro reverentia Da 
atqae amicissimi nostri Reinbardi, primi Abbatis interventn, 



— 45 - 

coeDobinm in KeinhoseD cnm omnibua pertiaentiis aais in nostra 
jarisdiotioiie comtitutam, io defensioiÜB nostrae et haeredoiu 
Qostronim aingolar« niuDimentam recipimns, et onmia bona, 
qaae pis devotione ab anteoessoribas mq parentibas noatrU 
vel altU Dei fidelibiis . . . coUat» ennt, vel impoaternin con- 
ferenda .... confirmemus . ■■ • oentum videlioet maiuoi, 
qaoa Herimaoniu Frovincialis Cornea' .... obtoltt .... et 
(post nolta alia) dimidintn manBam io BeiDhoieo, quem pro 
•ninui Ladolfi mater Cotnitia Herimanni junioris co&talit eto. 
Haec autem facta sunt anno dominicae iacamaüei^B MCLXVUL 
IV. Tioü. Janü, isdict XU. HeinricaB Cariaa Frotonotariiu 
recognoviC 
Diese Urkunde halte ich hauptsächlich aaa swei OrfiDden 
fOr onecbt: einmal, weil darin der Abt Reinhard als noch lobend 
aofgefOhrt wird (cfr. das vorher im §. 4 Gesagte) and zweitene,, 
weil von dieser Urkuode in dem Beiohard'scheo Berichte, nichts 
erwftbnt inrd. Dort ist lediglich gesagt, dass der Abt attf den 
Raul Heinrich« des LOwen eine bessere Verwsltung der Eloster- 
gflter eiagei^hrt habe. Aas dieser Bemerkung hat man wahr- 
scheinlich Veranlassung genommen, den obgedachten Schutzbrief 
ansnfertigen zur Slcberstellung und Verherrlichung des Klosters 
nnd awar ist die Anfertigong wohl in ziemlich später Zei^ etwa 
im 14. Jahrhundert, erfolgt, da der Verfasser als nicht besonders 
vertraut mit den historischen Verhältnissen der Zeit, auf welche 
sich die Urkunde besieht, erscheint. 

§.7. 
ÜBbefu^ne Betraelitaag der Beinliard'selieB Schrift 

Sieht man. Ton den vorher besprochenen Urkooden ab und 
betraebtet den einfachen Wortlaut des Reiuhard'Bcheq Berichtes, 
so meine ich, moss man aus der Angabe, dass drei QebrUder 
Qrafen von Reinhausen,- Conrad, Heinrich und Hermann, mit 
ihrer Schwester Mathilde ein Canonicat stifteten und Graf Her- 
mann sodann daraus ein Kloster machte, notbwendig BchliesseD, 
dass der Gründer des Klosters einer der drei Brüder 
war, also Graf Hermann von Reinhansenl Und bei die- 
ser Annahme tösen sich alle historischen Schwierigkeiten. 

Hermann von Beinbauaen war. jener Graf Hermann, der im 



.Cooj^lc 



- 4« — 

Jabra 1106 *) nefa Air das Kloster Helmeraluwseii bsnrfUite. 
DafHr Kfaetot mir die Bezeichnmig des Orafen : „vir Tanerabilis" 
entselüedeD bo sprochen, die doch auf einen Haan in TO^erfiok- 
teren Jahren, und ein solcher war Hermann Ton RtnnhaoseB da- 
mda, eher passt, als auf einen jnngen Mann, wie Hennann von 
Wificenborg an jener Zeit war. 

DerseHM Hermann TOn Reinhansen war es derai auch, der 
am das Jahr 1113 eich nach Buem zar&ck log. Wanun er 
dies tba^ wamm er vorher sein ganses vatei^hes Erbe an mil- 
den Stiftungen verwendete, darttber giebt die Geschichte keine 
Anskanft; aber jedenfalhi hat dieses Voi^eben mefats besonder« 
Änfiallendes. Denn da Hennann in seiner Heimath keinen Be* 
flits mehr hatte, so konnte nnd mosste er anderswo seinen Wohn- 
sifai nehmen nnd da luum es nicht auffallen, dasa er an söner 
Schwester nach Baiem ging. 

Wie sollte dagegen Hermann von Winsenbnrg an einer soI' 
dken Answanderang gekommen sein, er, der seinen festen Starnrn- 
sHb in 'Sachsen hsttte, der damals in der Kraft der Jahre stand 
nnd iioh an krt^erischen nnd polttisoben Handlnngen beÜtei- 
ligtel (cfr. pag. 37.) 

Hermann tos Reinhansen moas es aach gewesen sein, der 
nach Reinhards Bericht später nach Baiem ging nnd iwe! sehr 
junge Söhne, Heinrich and Hermann, mit dabin nahm, von denen 
der eine onerwacbeen an Siechthnm starb, der andere ermordet 
worde. Diese tetstere Angabe bei Reinhard hat man anf Her- 
mann U. TOn Winzenburg bezogen. Wenn man aber erwSgt, 
dasB Reinhard nicht einmal angiebt, welcher von den 
Brüdern an Siecbtbnm starb, welcher ermordet 
wurde, und wenn man in Betracht zieht, dasa Hermann U. 
von Winsenbnrg nikundlicb im Jahre 1144 mit seinem Bru- 
der Heinrich erscheint **), so steht das doch in zu greltera 
Widerspruche mit Reinhard's Bericht, wonach der eine der &&•■ 
der „unerwachseD, elend" stu-b und im-Kloster Reinha^nsea 
begraben wordel Aber auch der andere muss lange TM 
1162 getSdtet worden sein, sonst bfttte Reinhard nicht wohl sagen 
können, dass jener, eben wegen seines Ablebens, dem Kloiter 



*) Cohn , L o. psg. 614 Anmerk. 8. 
**i Ondewur, Coa. dipL I. psg.-lB7. 



Dictzsdbv Google 



— 4? — 

wsnig li«l>e nüisen köonenl FreÜtoli haben wir über den TmI 
jenes nach Reinhard'« Bericht ermordeten Grafen keine ander- 
weite geschichtliche Kachrichtj' aber Ober wie viele tthnUche 
Ereigniase mangeln solche Nachrichten und wie bäafig waren m. 
jmer Zeit solche Todesfälle ! Warum sollte da nicht aaeh «in, 
offenbar anbedeatender , Graf von Reinhaqsen so sein Ende ge- 
fimdeD haben? Högliob wäre allenfaUa nur, dass Reinhard Her- 
mann II. von Winzenburg, der im Jahre 1152 ermordet wurde, 
mit dem Sohne Hermaon's von Reiohaus^ verwechselt hat Elr- 
wägt man dazu, dass, wie Cohn *) nacl^ewiesea hat, Hennsnn I. - 
von Winzenborg nicht zwei, sondern drei Söhne, Hennann, Hein- 
rich und Conrad, hatte, die urkundlich noch im Jahre 1138 an. 
Leben waren, so ist es nnzweifelhaft, dasa der nach Bsiem aus- 
gewuiderte Graf nicht Hermann I. von Winzenborg gewesen 
sein kann, sondern daas es Hermann von Reinhausea war. 

Und auf diesen iat endlich auch die Na^richt in der Chr»- 
oik des Klosters Iteabavg ■um Jahrs 1122: Hennaanas ««nea 
provincialis de Saxonia obüt" za beziehen und sehr -woU an- 
wendbar. Wäre Hcyrmann von Winzenborg gemeint, so ivftrde 
dieser, «Is eine hervorragende PsnsÖnliclikeit, wohl mit atdnem 
recbten Namen benannt worden sein. Dass dieser abrigens 
nicht schon 1122 gestorben sein kann, wird sich ans dem Fol- 
geaden ergeben. 

Ich bin nämGch, wie ich vorher, %. 5, schon angegeben habe, 
der Meinntig, dass Hermann L derjenige Winaenborger war, 

*) L o. ptg. 68S Anmerk. B und pig. B43. AofUleiid bleibt immerhin, 
diai in den von Colin oitirten Urkunden Hwohl Hermsnn I , th Conrad 
tmd Hermann I[,' nicht mit dem Znnamea de Winunburg erscheinen. Da 
Oi>Bt«d im Jahre 1122 sie Erwachaener aaftntt, alio doch wohl miadetteni 
30 Jahre alt war, w maae er um 1100 geboren eein. Nimmt man an, diu 
MOS Tater damaLi 28 Jabre att war, lo mau dieser nm 1077 gelwreo leia. 

Ich halte es übrigeng aach für nicht nnwahncheinlioh, dasi Hermann I. 
■elbit einen Bruder, Namene Conrad, hatte. In der Eriäblang von der 
Schlacht am Welfesholfe [Anaal. Pegav. ad annnm lllEi) ereoheinen nämlich 
all herrorragende Kämpfer im lichiitchen Heere swei firnder: Conrad und 
Hermann, in denen wohl Winsenborgar tu erkennen sein dürften. Ist das 
richtig, daaa können diese nnr Hermann I. nnd ein Bmder deeielbea ge- 
wetea (ein. Denn an Uermann tl. kann om deawillen nicht gedacht «er- 
den, weil dieser nrknndlich noch im Jahre 1123 als ■pnen vorkommt. 



:,G Gothic 



— 48 - 

d«r Landgraf in Thtkringan war und im Jahre 1190 dieBW Wfirda 
entaeUt -wurde *). 

Hermaim Z. mnss, da Beine Matter Mathilde sicher im Jahre 
1088 schon erwacfaaen war, etwa um diese Zeit, wenn nicht 
aehon firUher (ofr. §. 7) geboren sein. Et stand also im jogend- 
Uohen Mannesalter, als er im Jahre 1109 als kaiserlicher Oe- 
sandter nach Rem ging nnd im Jahre 112t mit Hersog LoUiar 
SU Fdde zog and stand in der vollen Hanneskrafi, als ihm 
nach dem Jahre 1124 das Landgrafenamt über Thfitingen Uber^ 
tragen wurde, wülwend damals sein gleichnamiger Sohn, wie ich 
vorher naohgewieaen habe, urkundlich als „puer" erscheint. 
Und demnach war es auch Hennann I., der im Jahre 1130 die- 
ses Amtes und aller seiner WElrden und Lehen entsetzt Qnd als 
CMangener des Kaisers nach Blankenbnrg geführt wnrde. Die 
Winzenbnrg aber wurde TuUständig zerstört Seitdem hSrt man 
von Hermann L nichts mehr und es hat die Annahme nicbts 
BfldeBkliofaes, jdass er in der ZarOt^gesogenheit gestorben iat 
(cfr. §. 5). 

Koken fralioh bezieht (pag. 25 u. folgende) die angdtkhrten 
Begebenheiten auf Humaon IL Aber ich habe vorhw, §. 6, 



*) Disser Heinong ist inek Stampf (ForMbnngsn rar dentschsn 6e- 
■obicbt« XIT. pag. 621}, sber am gana andsrea ÜrOndoo, denen iah nieht 
■oiDitiinmeii TSnnag. Stumpf bamft aicb saf die -~ TOrher im ^ 8 be- 
■proohenen — Urkunden de 114i nnd 1168, die er fSr echt nimmt, und 
meint, Hermann I, «ai lolion nm 1118 Landgraf von Thflringen geworden. 
Andereneiti h&lt Btnmpf aber saob die Urkunde de« Abti Reinhard (cfr. 
§. 8) ihrem weeentlioben Inhalte nach far richtig. Zn diesem waeentlÜiea 
Inhalte ist aber doch wohl die Angabe tu rechaan , dasa jener Qraf Her- 
mann, der das Kloster ni Beinhaiuea stiftete, bald naofaher nach 
Baiern ging and dort itarb. Wie kann er demnach I^ndgraf in 
Thüringen geweien aain? Dnd wie könnte e« ron ihm, aU «olohem, in der 
Chronik dce Elotten Menbnrg heiNen: nUermanunt, oonea prOTinoialis da 
Sazonia, ebfltw? Dazn kommt, dais die tfaDringieohe Qaiohiohte in der 
Zeit von Uli bli 1124 auch nicht einmal eine Andentimg darüber enthUt, 
dus die Winienbnrger darin eine Bolle getpielt hätten l In jener Zeit war 
die herrorragendste Fer»J}nlicbkeit in Thüringen Qraf Lndwig der Springer, 
von dem die Qoncker Chronik beim Jahre 1093 lagt: «00 tempore oomea 
Lndowioni hnio principabatnr prorinciae«. Uad endlich , wie könnte Her- 
mann I. von Wiaienburg bei der Theilnahme an dem Feldinge det Benoge 
Lothar gegen MQntter Im Jahre 1131 aU einfacher Qraf beceiohnet sein, 
wenn er Landgraf von Thüringen geweien wfire? 



:,G Gothic 



— 49 — 

snsflihrlicli nBchgewieien, daas dies nnzuläBBig aei. Dftgegen ist 
BS aehr wohl denkbar, dMS EermanD 11., der keinen Theil 
SQ eeiaes Vaters Vergehen hatte, demnächst wieder in 
den Beeits der Winzenburg, nach der er sich nannte, kam. 

Nimmt man dies an, so schwinden alle die Schwierigkeiten, 
die sich herausstellen, wenn man in dem vom Kaiser entsetsteo 
nnd gefiuigenea Winzenbarger Hermann 11. erkennt, Schwierig- 
keiten, die Koken anefUhrlich besprochen ond zu heben gesucht 
Eiat, jedoch meiner Meinung nach keineswegs QberEeugend. 
Nach Koken (pag. 48) soll Hermann 11. nach Kaiser Lothar's 
Tode (1137) durch König Conrad DI. wieder zu Gnaden ange- 
nommen sein und nicht allein seine vorigen Aemter und 
W&rden wieder erbalten haben, sondern sein Änsehn und seine 
GOter sollen sogar noch betrSchtlicb vermehrt worden sein. 
Aber fOr dieee Behauptung vermag Koken keine einzige That- 
sacbe anzuführen und sie ist an sich in hohem Grade nnwahr- 
Bckeinlichl Hfttte der vorher gefangene Hermann bald nach 
1134 alle seine G&ter wieder erhalten, so müaate doch darunter 
vor Allem auch die Winisenburg gewesen sein und es ist nicht 
absosehen, warum er von da an nicht seinen Familiennamen 
wieder angenommen, sondern sich urkundlich Graf von Plcsse 
genuint haben sollte? Aber wir wissen ja, dass die Wiazenburg 
nach dem Jahre 1130 an das Bisthnm Hildesheim übergegangen 
war, welches die Borg wieder aufbauen und sie später, erst 
mehrere Jahre nach 1134, dem Gh-afen Hermann wieder zu Leim 
6«b'). 

Daraus folgt, dass Conrad HI. dem Winzenburger weder 
alle seine Güter, noch seine Würden zurückgab! Ganz anders 
und ganz einfach stellt sich die Sache, wenn man an der von 
mir vorher aufgestellten Annahme festhält, dass Hermann I. der 
im Jahre 1130 vom Kaiser entsetzte und gefangene Landgraf 
war, auf den dann auch die Urkunde de 1129 (Koken pag. iib; 
V. Heiuemann, Cod. dipl. Anhalt I. Nro. 201) zu beziehen ist, 
wo er als Landgraf erscheint. 

Nach seinem Falle tritt sein Sohn, Hermann II., der, wie 



*) Koken ptg. 68 beroft sich dabei auf eiae Urkanda des Bischofs 
B«Bkaid TDD Hüdathaiin da UM; sber Hermsua mau die Burg frälier 
«rkagt haban, da er noh soboii 1144 danaoli baneimt. 



:,G Gothic 



- 60 - 

vorher erwSlint, nach Allem, wu wir wissen, an Beines Vnteri 
Vergehen nicht betheiligt war, in der Geschichte aof. Er tu: 
damals etwa 24 Jahre alt, also erwachsen and wird dunnaoh 
aoch schon einen Theil der väterlichen Güter im Besitie gehabt 
haben nnd diese werden ihm bei seines Vaters Falle nickt ent- 
zogen worden sein. 

Za diesen GStem gehörte die Herrschaß Plesse *). Nach 
dieser nannte sich Hermann II. im Jahre 1139 (Schulte«, Dir. 
dipl. II. pag. 9). Im Jahre 1140 erscheint er als Graf von Win- 
aenborg (Schalte« II. pag. 18). Da moss er also wieder in den 
BesitE der Winsenborg gekommen sein. Wenn es dagegen in 
einer Urkande des £rabischofs Heinrich von Haina de 1144 
(Gadenos Cod. dipl. I. pag. 160) heisst: „Henrico oomite et 
Herimanno fratre ipsius, de Flösse", so kann das nnr di^n ver- 
standen werden, dass es heissen soll: Graf Heinrich von Flease 
und sein Bruder Hermann. Dena dass Letaterer der Winaen- 
burger war, ergiebt sich aus der vorher erwähnten Urkunde 
König Conrads vom 16. November 1044, wo nnter den Zeugen 
ateht: „Hermannus comes de Winzenburg et frater ejus Hen- 
ricas". Hier mnsa zu dem letateren snpplirt werden : ^de 
Pleese". 

Fasst man alles dies sosanuneo, so ist ea gaoi erklärlich, 
dass Hermann II. nrkandlich im Jahre 1151 (Koken, pag. 65; 
Gadenns, Cod. dipl. I. pag. 205) als princeps dives et praepo- 
tens" bezeichnet wird und als Graf im Leingaa (Koken pag. 58) 
und als Schirmvoigt von Korvey, Gandersheim und Ringelheim 
erscheint. 



*) Dtas di« Wiiuenbnrger sadi Grsfon tos Atle oder Ailabnrg g 
Hien, wie Koken meint, ronii ich nuh dem Obigen beiweifeln. Dun 
kommt, daH in der vits Heinwerci wiederholt ein Qrftf Ekldka von AiUn 
gleiahceitig mit einem Grafen EMoo, der jedenfall* ein Qrkf von Beinhaosen 
iit, vorkommt, die in keiner engeren Verbindung mit einander in itehaa 
■oheiaen. (Leibnitc, Script. I. pag. 583 nnd 586.) Nach Koken (pag. 49) 
kommt im Jahrs 11S9 nrknndlioh vor: ■Marobio üerinannu et frater 
eju oomei de Atlebnrga. Da non nach Obigem Hermann von Winienbarg 
im Jahre 1189 als einfacher Oraf von Pleue vorkommt, im Jahre 1140 ak 
einfacher Graf von Winienbnrg, in letzterem Jthre aber anch ein marchia 
Berrasnnni (Scholtes, Dir. dipl. IL pag. 17), dieiBr aber doch jedeaEalla 
ideniiioh mit dem gleichnamigen marchio da 1189 sein matt, sp kaoa n 
meiaei Ersohteni nnmögliob der Winseoborger g 



:,G Gothic 



— 51 — 

Daaa kommt, und das halte ich für gsns enticheidend, dasi 
kein Chronist, der von der EnDOrdnng HermuiDs im Jahre 1152 
berichtet, sagt, der Ermordete lei der frUfaere Landgraf, der 
vom Kaiur aiUr CHiter entsetzte and in Gefangenschaft gelegte 
Winseoborger gewesen I Und eben so wenig enthält die Ge- 
schichte auch nor eine Andeatang, dass der abgeseilte Lud- 
paf wieder sa Ehren gelangt b« t 

§.8. 
Die Wluflibiir£«r all Ludgrifra m Tkfiringiii ind 

Markgrafen tob Mewa. 
Dase das Gesclilecht der Winzenborger eine Zeit lang das 
Laadgrafenamt in Thüringen gehabt hat, wird jetzt — nnd ge- 
wiss mit Recht — allgemein angenommen (cfr. pag. 48). Denn 
die AnnaL Erphesf. (Pertz S. S. VI. pag. 538), deren Verfasser 
den betr. Verhältnissen und Begebenheiten nahe stand ^ sagen 
xam Jahre 1130; „Burchardus comes Luchenhetmensis dolo 
domini mii Hermann!, principalis comitis de Thnringia, occi- 
ditur; ob qnod idem Hermannus a rege Lothario deponitor et 
eomM Lnodewicns pro eo constitnitor" ; and keine andere Nach- 
riebt steht hiermit in Widerspruch. 

Aber nicht zwei *) Winzenbui^er , Hermann I. and IL, hat- 
ten nach einander dieses Ijandgrafenamt, sondern nar Hermann I., 
wie ieh vorher nachgewiesen habe. Ich hebe in dieser Besle- 
hong nodmi^s hervor, worauf ich im §. 5 schon hingewiesen 
habe, dasa Hermann U. in einer Urkunde vom 7. December 
1124 als einfacher Graf, anter den Zeugen hinter dem Gra- 

*} oCr. KaoobeiÜHwer, Qssoh. Tbür. nr Zeit äer sntan Landgrabo, 
psg. 89. 

Aach Stnnipf (FortohoDgea nir deaticben GescIuDlite , XIT. pag 623) 
nimiat diea an, indem er Mgt: aDer Sohn ist ebsn in den Batits dar Qfiter 
wie Wirdsn des Tster* eingSMtit wordena. Danach mSsste Hermann U. 
aber Mhon im Jahre 1123 — als nach Stompri, freilich nnrichtiger, Hei- 
niuf , Hermann L itarb — Landgraf geworden «ein. Aber ßi dieee An- 
nakuM fehlt die BegrOndoag. Vielmahr ergiebt eioh am den im §. B an- 
gefOhrtea Urkunden, dan Hermann II. damal« noch ein Knabe war. 

y. Gieaebreebt (Qeich. d. dentseb. Kaieeraeit, IV. pag. 86) hUt auch 
Uenoann IL tir den Landgrafen von ThOringeu, denn er nennt Ihn den 
ju^eB Hermann. JedenbUs gebt er dabei anoh Ton dar Annahme aoa, dsM 
Hermann L im Jahre Uid Terstorbsn m. 



K>«^lc 



— 52 — 

fen Ludwig von Lare vorkommt. Dat wäre ganc niiBrkl&rlich, 
wenn Hermami II. dami^ Landgraf geweseD wäre. 

Was den Zätpunkt betrifft, in welchem Hermann I. die 
Landgrafenwilrde erlangte, so Ittsst er sich nicht ganz sicher 
feststellen. Daaa es aber erst nach dem Jahre 1134 geschehen 
sein muss, ergiebt sich unaweifelhaft aas den Nachrichten, die 
wir über Hermaon's Beleihang mit der Uark Heiasen im Jahre 
1123 haben und die ich demnächst näher besprechen werde. 
Wäre er damals schon Landgraf gewesen, so wäre dies von den 
Chronisten sicherlich nicht unerwähnt geblieben nnd Hermann 
hätte wohl aach in seinen Kämpfen nm die Mark kräftiger auf- 
treten können. Mir sch«nt die Annahme am meisten fttr sich 
za haben, dass Hermann ilaa Landgrafenamt in Thüringen vom 
Kaiser als Entschädigung erhiel^ weil er die Mark Meissen fak- 
tisch nicht behielt. Aas der kurzen Zeit, während welcher Her> 
mann die Landgrafschaft hatte, erklärt es sich denn auch, dass 
man keine Nachrichten Über seine Wirksamkeit findet. 

Schliesslicb komme ich zu der Frage über daa. Verbältniss 
der Winzenburger sur Hark Meissen. Stampf (1. c. pag. 622) 
nimmt an, Hermann I. und U. wären nach einander Markgrafen 
gewesen und zwar Hermann I. schon von 1114 ab, weil in die- 
sem Jahre orknndlich ein marchio Hermannoa de Saxooia er- 
scheine *}. Wer der gewesen, vermag ich allerdings aach nicht 
anzugeben **). Dass er aber ein Winienbnrger gewesen sei, 
dagegen sprechen die historischen Nachrichten ganz entschieden. 
Ich will kein Gewicht auf die vorher (pag. 47 Anmerkung) ge- 
gebene Nachricht legen, wonach Hermann I. an der Schlacht am 
Welfesholze Theil nahm; dagegen verdient die Stelle in dem 
Annal. Saxo ad 1 1 1 6 Beachtung : „Moguntinua vero et Colonienais, 
Trajcctensis, Halberstadensis et Paderbornensis episcopi, abbaa 
Corbeicnsis, dux Liuderus, comes Herimannus Rhenum trau- 
seunt". Hier wird also Hermann einfach als Gri^ bezeichnet. 
An Hermann U. kann nicht gedacht werden, denn der war da- 
mals noch ein Knabe. 

Gans entscheidend aber scheint mir die im §. 5 schon sn- 

*} loh finde in den tod Stampf dtirtsn UrWodea den Harkgrateo 
Uermiuiii nor einmal (Reg. Nro. 3111) mit dem Zaiatse nde 8uonis>. 

**) In den AnnaL Hagdebnrg wird bei dem Jahre Iltl ein msrohio 
Heremanana in outro Badhoo, in pronneia Hortanowe gsaannl. 



..C.oo^lc 



— 63 — 

gegebene Kftchri(äit, wonach HerniAnn im Jabre 1121 als Feind 
dea EaiaerB mit dem Heriog Lothar den Feldzng gegen Mün- 
■ter mitmachte. 

Hier wird cv einfoob Qtn£ von Winaenbnrg genannt. Das 
wfire doch wohl nicht geschehen, wenn er Markgraf gewesen 
wäre, zomal von Meiaeen^ wo damals noch HeioricK Ton Eilen- 
barg Markgraf warl Stampf (L o.) kommt aber selbst in Ver- 
legenheit, indem er Hermann L als Markgrafen vom Jfabr 1114 her 
annimmt, denn er vermag nicht auszufinden, welche ' 
Markgrafschaft Hermann gehabt habe! Er versucht 
deshalb die Vermatbang, es habe eine TheUung der Stark Meis- 
SQD statigefimden and die eine Hftlfte, die anter der Bezeicb- 
Dung „marcfaa orientalis Saxoniae" bekannt sei, habe Hermann I. 
von Winaenbmg und nach ihm sein Sohn inne gehabt Aber 
von einer solchen Theilong ist nichts bekannt; eben so wenig 
davon, daas im Jahre 1123 nar ein Theil der Mark Meissen 
an einen Winaenbnrger (nach bisheriger Annahme an Hermann 
II.) verliehen worden sei. Die bezüglichen Nachrichten darüber 
boten im Sampetrinam bei dem Jahre 1123: „Heinricas marohio 
jonior obiit, pro qno imperator binoa marohiones constitnlt, 
Wigbertom qaendam praedivitem et comitem Hermannum de 
Winaenbnrg. Sed et Adelbertns et Conradua comitea de Sazonia 
dnoii Lutfaarii ceteroromqne Saxonum freti anxilio depulais 
ilKs, loca eortun pariter Btqne dignitates invadimt". Bier 
iat also gar nicht angegeben, welche Hark jeder der neaen 
Haikgrafen erhielt Aber es ergiebt sich ans der weiteriiin 
angegebenen Stelle in dem Sampetrinam, daes Hermann von 
Winzenboig die Mark Meissen bekonunen hat (cfr. aach t. Oiese- 
brecbt, Gesch. d. dentachen Kaiseraeit, Braanschweig 1877 HL 
pag. 1329). Aof alla Fälle aber kann nicht, mit Stampf, gefolgert 
wöden, das« eine Theilang schon im Jahre 1114 
■tattgefanden habe. 

Ein anderes Bedenken, welches sich fUr diejenigen heraus- 
stellt, die annehmen, der im Jahre 1123 mit der Mark Meissen 
beliehene Qraf sei Hermann IL von Winzenburg gewesen , näm- 
lich das, dasB dieser Hermann damals noch in eehr jngendlichem 
Alter stand (c&. §. 5), übergebt Stampf mit Stillschweigen. Da 
gegen sacht v. Giesebrecht (1. c. pag. 969 u. 1229) es dadaroh 
an beseitigen, dasa er annimmt, Hermann habe die Mark anter 



— 54 — 

der Sobutagewalt Wigberta, dos Mark^afen in der Oatmuk and 
Laoaiti, gehabt. Aber abgeaeben davon, dsas es sohwer glaab- 
licb iat, der Kaiser habe noter den damaligen Zeitverbftlt&isaett 
eine Markgraftchaft an einen kaum dem KnabeniUter entwacb- 
seoen Grafen gegeben, so wäre doch wObl von den Gesohicht- 
scbreibem eine Andentang aber ein aolchea Verhftltniaa gegebeh 
worden. Ans diesen geht aber im Oegenthail hervor, daaa Wig- 
bert Sir eich selbat, dem Herzog Lothar von Saehaen g«genttber, 
genag au thon hatte. Ja, ans der vorher angefahrten St^e im 
Sampetriniun ergiebt aich sogar deotüeh, daas sowohl Wigbert 
als Hermann bald von Lothar aas der Mark Heiasen VEHrtrieben 
worden und ihre Äemter nicht behielten. Daher erkl&rt ea sich 
aacb, dasa in der Zeit von 1123 bia 1180 kein marohio Her- 
nunnoa vorkommt, der als Winaenburger zu deuten wttre. Und 
darum eracbeint es mir als das Natürlichste, das VerhUtnias des 
Hermann von Winsenburg zur Mark Meiaaen dahin aufzafassen, 
dasa er die letztere faktiaoh nur ganz knrae Zeit inne gehabt 
hat, vom Kaiser aber, der sie ihm verliehen hatte, nnd ier den 
von Lothar eingesetzten Harkgrafen Conrad nicht anerkannte, 
de jure als Harkgcaf angesehen wurde. 

Von dieaem Gesichtspunkte ana wird es denn auch erkiür- 
lieh, wenn es beim Jahre 1130 im Sampetrinum (Cod. 2) heiaat: 
„Burchardoa comea Lachenheimensis dolo domini aui Hermanni 
principalie comitis Thuringiae et Misnensia marohio occiditor, 
ob quod idem Hermannus a rege Lothario deponitur et ooAea 
Ludewioaa pro eo conatituitur et comes Conradns de Witin pro 
eodem Hermanne marcbio conatitaitnr in Misna", Die Worte 
sind nftmBch nicht anders zu verstehen, als dahin, daaa Hennann 
der Marli^afenwürde , die er in Folge der kaiserlichen Emen- 
nui^ de jure hatte, vom Kaiser aelbat nun entkleidet und ao- 
gleioh von letzterem Conrad von Wettin, der biaher schon die 
Mark Meissen faktisch inne hatte, ala Markgraf ane^annt wurde. 

Bei alle dem kann aber aas den von mir entwickelten GrOn- 
den inuner nur an Hermann I. gedacht werden I Hermann IL 
iat weder Land- noch Markgraf gewesen. 



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— 65 — 

§.9. 
Staambanm der Grafen von Reinhanien nnd WinieDbnrg. 



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Das Peterskloster zu Erfoit 



IT« Sie Klette;, ig@%i£te. 

(FortMtnuig der AbschnitU L — IIL in Heft X.) 



Das Kloster-AreaL 

Zu den wohlerwogenen Anordnungen, welche CaiBer Hein- 
rich I. tär die LandesTertheidignng gegen die ungarischen Raub- 
horden ins Leben rief, machte sein Nachfolger Otto I. den Zu- 
sstSj daiB nicht nur die Städte^ sondern auch die KISster ■) 
rieh gegen die Verwüstungen, mit denen ein nnvermathet heran- 
stOrmender, nur zu Pferde angreifender Feind das Land heim- 
suchte, in landesüblicher Art schützen sollten. Wurde daher 
um die Mitte der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts die Stadt 
Erfort mit einer ans Qraben, waltartigem Erdaufwurf und dichten 
Heckenbepäanzungen bestehenden Landwehr umgeben, so lässt 
sich wohl annehmen, dass der auf der Anhöbe in unmittelbarer 
Nftfae liegende Wohnsits einer geistlichen Corporation in diese 
Landwehrbefestigung der Stadt mit hineingezogen ward, deren 
Stelle seit der Mitte des 11. Jahrhunderts eine von Thürmen 
flankirte und mit Zinnen gekrönte Ringmauer einnahm. 

Das innerhalb dieses Mauerringes liegende Areal der Abtei 
erstreckte sich fast über die ganze Anhöhe , auf deren Plateau 
in prachtvoller L^e sich mit der Zeit ihre stattlichen Gebäude 
als eine malerische Zierde der Stadt erhoben. Im Norden and 
Westen von der hier im Bogen über die Anhöhe hinlaufenden 
Ringmauer begrenzt und von dieser durch den Mauerweg ge- 
trennt, breitete sich dasselbe auf dem ganzen südlichen Ab- 
hänge bis binab zur Lauengasse aus, während die Südost- und 

') HiiMsli S. Wigberti, oap. 6, bei Ferti, Boriptores IT. pig. 230. 

r,.:„ . COO^^IC 



— 58 — 

OstabdachuDg nur zum Tbeil in aeisem B«BitB war, da hier die 
am Foase liegenden Häuser der Sdiilderar (am Fallloch) and 
des Rnbenmarktes mit ihren angrenzenden (Härten den unteren 
Theil der Büschong inne hatten. DieeeB Eiemlich bedeutende 
Areal tbeilte ein tdd Süden nadi Norden &brender Weg in 
zwei grosse Abschnitte; dersslbe stieg von der Nordgrenze des 
Severihofes, da wo die Strasse der Schilderer mit der Laaen- 
gasse Eusammenstiesa und nach der Zumaaeroug des Lauen- 
thores (1308) sich die westlich führende grosse Handelastrasae 
nach dem BrOhl sbkWeigte (ungeflüir 80 — 90 Schritte westlich 
des bisherigen Fallloohs}, die Anhöhe hinauf, überschritt das 
Plateau und mündete in den an der Kingmauer entlang laufen- 
den Mauerweg ein, der seinerseits in östlicher Sichtung nach 
dem inneren Andreastbore, and in südlicher Richtung nach dem 
Lauenthora hinabführte. Von diesen beiden Abschnitten nm- 
£[i8Ste der östliche den ganzen Komplex der Klostergebäude, der 
Kapelle St Annae und der Kirche, an deren Ostseite der äussere, 
für die Bestattung der Klosterverwandteu , deren Frauen und 
Conversen ') bestimmte Begräbnissplatz mit der Kapelle Cor- 

■) Bei dam den Klöitern in Mherar Zeit n Theil wardanden iroMeii 
ZiuproA TOn Leate» sUer Stftode und jtdw AUers, ftnden üoh nntor 
dieaen nele, welche eben nur mit der Arbeit ihrer Hkids and mit ihren 
körparliahen Er&ften sich dem Kloster nfltilioh machen konnten. In die 
Oemefntokilt der Brflder als LwBsbrfidar (Uici fratrai, convorai) anfgenom- 
msn, bildetsn na ein HittelgUad iwitohan dan MOsohen nnd dar pnAiMD 
Walt, und wuen nicht lUain in allen BtBeken an die Sloatarotdaang , aoa- 
dan &aah & ihr Leben an den Orden gabnndan. Bei der AnBUmng 
von Bauten, bei der Urbarmaohong nnd Bebannnx ron LÄndareian landan 
die meiBUn ila Hkudubeiter nnd Tagelöhner eine angemeiiene Beeehftftignng, 
w&hrsnd den geeigneteren Peraönliohkeitao der Betrieb im Ackerhofe, in 
der Ufihle nnd in dar hftnfig mit dieaar ferbandenen Bftokerei anrartraot 
«omk. 

In apUarar Zeit , wo eich die Zt3il dar Laianbrftder weaentlieh varmin- 
dart hatte, gingen dieie Basobiftiguigen wann nieht ginslioh , so dooh nun 
grönten Theil an die Eloaterrarwandteo (Eamiliaree) aber. Dieaa nahmen 
in dar klösterlichen Bangordnnng eine tiefere Stufe all die LuanbrSder 
ein ; ne wohnten mnnerhalb der Claiunr , hatten an den guten Verkan daa 
Kloaten Thait und arhielten mit ihren Frenen nwh dem Tod« ein B egrlfc- 
niia anf dam Kloatarkinhliofe; bei Torgerfiditeat Alter saUoasan ata liah 
hftafig enger ui dai Kloater an, ftbargaben demialben ihr Eiganthnm ^id 
traten dann als WohltUtter in den Oeniiai der kUatarliohtn aamrinsohatt 



— 89 - 

poria ChriBti aagrenate, ferner eine an dem Torgenannten Wege 
den sftdliehen Abhang Bich hinabeiehende Hänserreihej den so- 
wohl vor der Nordseite des Kloeters, als aach auf dem Ost- 
abhange sich ausbreitenden Elostergarten , an welchem sich im 
Sttdon ein Weinberg aureihete; d^egen enthielt dar westliche 
Abschnitt einen, den ganaen sUdlichen Abhang einnehmenden 
Weinbe^, «n dessen Ostgrenae eine zweite Reihe Hättser nebst 
der Kirche S. Leonhardi lag, femer das anf dem Platean sich 
aoachlieeseiide Allodium „zum grünen Hagen" und, wiederum 
im AnsoUius, den Acker- oder Wirthschaftahof. 

Ausserdem basaas das Kloster in der Vorstadt eine, zwischen 
dem inneren und ftnsaeren Uoritzthore von der Gera gelriebene 
Hohle (die PetersmOhle), sowie einen im Brühl liegenden Garten. 

Die Kirche. 
Als im Jahre 1060 die Refermirung der in letzter Zeit, na^ 
eigenmfichtiger Beseitigung der klösterlichen BescbränknogeD, 
in Bwasgloser. Weise lebenden geistlichen Corporation angeordnet 
worden war, traten die zu diesem Behuf von auswärts heran- 
gezogenen Benedictiner-MöQobe in den Besitz des gesammten 
Areals ihrer Vorgänger and übernahmen daher auch die vor- 
handenen Gebäude. Diese bestanden ohne Ausnahme wob! nur 
in Holzbauten, zu denen die in der nächsten Umgegend liegen- 
den Waldungen ein ebenso bequem zu erlangendes, als an sich 
vortreffliches Material geliefert hatten. Ihre Detailconetruction 
mag im Vergleich zu der landesüblichen Herrichtang besserer 
bürgerlicher Bauten wohl nur unerhebliche Abweichungen ge- 
teigt haben, die indess bei der Kirche vielleicht in der Weise 
sich zu erkennen gaben, dass man zum Aufban ihrer üm- 
fassungswände lediglich starke Balken verwendete, welche über- 
einaudar gelegt und hinreichend unter einander befestigt wor- 
den '). Abgesehen von dem auf der Änh6be herrschenden 

') Zwei iatersMsnte Beüpiel« tolober aar aus Hole oonstniirten Kirelmi, 
deren Erbsniuig allerdingB in den Anfuig dw 16, Jahrfannderta täilt, sind 
noeh gsgsuwftrtif in iwei Mshluiiiohen Dörfern vorhinden nnd in dea 
■MittbeilvBsaa ätr k, k. CommiMion snr Erfimohong nnd ErhaUnng dsr 
Baodankmsle, Wien, ZVU. Jahrgang, pag. XXXiX.- TeröSentliebt wordm. 
— YargL SBOh J. Ktmerup, die Holikirglifln Dinemaiks im UitMaHer, in 
dsB BHtocirei de la sooieÜ] rojale des Antiqntirea in Noid. Nonr. 8ar. 
1869, psg. 30: 



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Wasaermuigel ist haapUKchlich in dieser Buurt di« Venut- 
laasimg za Hochen, dass du Kloster bei den in den JiJiren 1068 
und 1079 wüthenden Bränden vollständig in Äsche gelegt wurde. 
Ob hierBof die Kirche in ihrer froheren Weise äberhanpt 
wieder hergestellt ward, oder ob man schon jetst den Ent- 
BchlosB fsaste, cUeselbe nach ermöglichter Besohaffnog der er- 
forderlichen Mittel später in Stein nuÜEafUbren und sich daher 
bis zu diesem Zeitponkte mit einem provisorischen Oratorium 
begnUgte, darfiber ist in keiner Quelle eise Andeutung auf- 
zufinden. Dagegen heben zwei Clironisten ausdrücklich hervor, 
dass an ihrem über 20 Jahr ap&ter unternommenen Neubau ge- 
hanene Quadersteine verwendet wurden. 

Dieser Klosterkirche, eu welcher Äbt Bnrobard llOS den 
Omndstein legte *), deren Ueberreste bis anr Höhe des Krana- 
gesimaes der Seitensciiiffe noch jetzt vorhanden sind und das 
Material zu der nachstehenden Skizze geboten haben, war eine 
Pfeiler -Basilika mit Qaerschiff, deren beide Seitenschiffe &ber 
die Vierung hinaus bis zu dem gerades Cborschluss fortgeführt, 
und deren Kreuzarme auf der Ostseite mit je einer halbrunden 
Apsis versehen sind. 

Der aus gehauenen Quadern aafgef&hrte Bau, wozu das 
Material in einem sehr festen, grobkörnigen Sandstein den See- 
bergen bei Gotha entnommen ward, bat im Innern nachstehende 
Abmessungen: 

Länge des Mittelschiffes = 229' Geaanmitbreite d. Schiffe = 58' ' 
do, der Seitenschiffe = 230* Breite des Hittelschiffes = 29}' 
do. des Qaerschiffes = 102' do. der Seitenschiffe = lOJ' 
do. des Querschiffes = 291' 
VerhältniBB der Breite der Seitenschiffe an der des Mittel- 
schiffes = 1:3, 
die Mauerstärke beträgt Sf, an dem Westgiebel und den hier 
auf der Nord- und Südseite angebrachten VoraprÜngen 
jedoch 4}'. 



•) Chron. Ssmp. — Niool. t. Siag. {wg. S81. — Erphirdianu satiqui- 
tatom TSriloqniu. bei Uencken, 1. o II. Band, giebt anoh don Tag dar 
GnindaainlagDiig, VI. Idoi Fobmftrii (B. Febr.) an, was jadocb im Vargl«ioh 
mit dam Chion. Susp, eine Venreohselvag mit dem Tai« so aatn sohaiBt, 
an walobem Abt Bnrofaard di« Weihe erhielt. 



:,G Gothic 



— «1 - 

Das IGttelacfaiff wird aof jeder Seite von den Nebenschiffen 
durch 13 Btarke Pfeiler geBcbieden, welcbe mit Ärkadeobögen 
überspannt waren, anf denen sich die Mauern des Mittelschiffes 
erhoben. Die Pfeiler sind darchgfingig, jedoch mit Ausnahme 
der im Qnerschiff liegenden Fläche, auf der Oet- und Westseite 
nüt einer angelegten, schlanken '^^ Säule veraehen, deren Kapi- 
tale einen starken, den Arkadenbögen nntergelogtcn halben 
Rnndstab *) tmgen, und lassen sich ihrer Form nach in vier 
Qroppen abtheilen. Von diesen sind zwei Qmppen, deren 
Qaerprofil eines Thüls ein Rechteck, anderen Tbeils zwei qaer- 
übereinander gelegte Rechtecke zeigt, östlich nnd westlich der 
Viernng auf je drei Paare s^mmetriach in der Weise vertheilt, 
daas je einer der ersten zwischen zwei der letsteren steht. An 
diese schliesst sich in westlicher Richtung die dritte Gruppe, 
welche, dorch sechs Paar vertreten, an dem quadratischen Quer- 
profil auch auf der dem Mittelschiff zugewendeten Seite nnd 
swar innerhalb einer gerundeten Nische eine angelegte */( SSuIe 
besitst. Den Beschluss macht im Westen die Tierte Gmppe, 
welche ans einem Paar sehr starker Thnrm- Pfeiler besteht, die 
hinerbalb einer grösseren gerundeten Nische swet Hatbsäolen, 
ansaerdem aber auch noch drei volle Säulen aufweiaen, zwei anf 
der Seite des Mittelschiffes nnd eine in einem dem Seitenschiff 
zugewendeten reohtwinklichen Einschnitt 

Dem Gmndriss xu Folge war sowohl am West- wie am 
Oat-Ende der Seitenschiffe ein Tbarm-Paar projectirt, von denen 
indesB der Aufbaa der ersteren, welche der SubstructJon nach 
die höheren werden sollten, aus unbekannten Gründen ganz 
imterbbeben ist *) nnd selbst von dem baneifrigeo Abt Günther I, 

') DiSM Angabe Ut ladigÜDh einer von Bellermann gafartigten per- 
speetimalwn Aiuöoht estnommBn ; dugldchen antorgelogte Wnlate (Bund- 
aUbt) ßaim nch in dor Vorhalle der Benediotioer- Kloster -Kirche Ftnlin* 
■all« (aas dsm drittan Tiertal doi 13. Jahrhonderts). (Puttriolt, Denkmale 
iat Baakanrt des Uittotslter« in Saefaseii, I. Bd. 1. Abtbl.) IndcM wäre 
aaoh mdglich, dsss statt der Wallte, reohtwink liehe Gurte den Arkaden- 
bagan nntargalegsn hUtan, wie ee in dar Benadiotiser-Kkwter-Kirohe n 
HanMMa (au dam iweitan Tiertal de« 18. Jahrhonderts) der Fall war, 
deraa PfsUar-Constmotion Tis) Aahnliohkait mit der dar Paters -Kloitar* 
Kirohe hat (Knftlar, kleine Bohriften I. pag. 174. — Fnttrieh, Denkmale 
im Bankonst des Hittalaltars in Sachsen, 1. Bd. 2. Abth.) 

■) Chron. Sampet bariolitst, daas 1391, V. Idos Jnaü (9. iani) am Tor- 
abend das PflngittSatas der Bliti in den Altar der Eapalla Aller Heiligen 



in der «weiten Hälfte des 15. Jehrbunderts onbeaobtet geluMn 
wurde; diese West-Thürme findet man eben bo wenig auf dMi 
ftltesten uns übrig gebliebenen Abbildungen '') itngegeben, als 
in den cbronicalen Aufzeichnungen jede Andeutung fehlt, die 
etwa einen späteren Abbrach vermuthen lassen. Wurde dnroh 
diesen onterlässenen Aufbau der Zweck der Tfaürma aof die 
beiden östlichen conceutrirt, so gestattete es deren Substraction 
t)an leider nicht, ihnen in einem fortlaofenden Steinban die ftkr 
die Weet-Tbilrme veranschUgte HShe zu geben und man sah 
sieb daher im Verlauf des Baues xa dem allein übrigbleibenden 
Aasknnftsmittel genöthigt, das oberste Stockwerk nebst Spibn 
lediglich als Holaban aufzuführen. 

VoD den drei Eingängen nur Kirche kann nur dem S&d- 
portala des Querscbiffae ein architektODischer Wertb beigelegt 
werden, obsobon auch hier die grösste Eioiaohheit vorherrsoht 
and die Qliederung nur in reohtwinklicher Brechung der Linien 
besteht; der im nördlichen Giebel des Quersohiffes ans dem 
Ereo^auge eiomündende Eingang ist lediglich eine schmnok- 
lose rundbogige Thär, und bei dem in seinen Dimensionen be- 
deutenden Westportal muee es uneotschieden bleiben, ob sein 
Ohertheil aerstört wurde, oder ob es seine Bedeatong scbon 
frühzeitig durch die hier angefUgte Abtswohoung verk>r und 
deshalb vielleicht gar nicht zur Vollendung geluigte. 

Das Mittel- und Qnerschiff, sowie die westUcbe Hxlfte der 
beiden Seitenschiffe waren ursprOnglich allem Anschein nach 
mit einer flachen, in Felder getheilta Holcdeoke Tersehen *). 

eingeaohlftgen habe, welche MiipeT teitudine inter tnnet inferiorasB noh 
befand; iNiooL t. Siegen tagt psg. 857 ff.: dua dieie Kapelle »in fius 
cenobiin lag, weloher Ort du «Puadieta geasnot wird i Ohmik Samp. ed. 
Stübel verlegt dieee Kapelle "inter torrai gnperitvei*, waa oSlanbar nnriiAtic 
iit. An* diecen Angaben laut lioh der SohluM dehen, daae der Hita weU 
eher in die Thöima selbet, al< in die iwiiohen ihren beiden Btookwarken 
befindliche Kapelle oiDgeeohlagen habea wOrde, wann entere Uwrhanpt 
Yorbandm gaweeen wftren. 

') VergL die von J. H. Dedekind 1676 in einer neoen Anflage gadrackte 
Aneiaht der Stadt aoe dar Vogelsohan, deren Entitehnng iodeM in im 
Ende dea 16. iahrhnnderta £d verlegen iit. (Im BeiiU des Stadtratba a, 0. 
Harm Karl üamnanD.) 

■) Die hier genannten Theile det Kirobenrsninet erhielten erat am UM 
ra^ 16M dne in Uols oonstroirte. gewölbte Decke. 



:,G Gothic 



EÜn direeter Beweis dafür läast rieb allerdinga nicbt beibringan ; 
allein ea ist wohl mebr ala wahncbeinlicb , daaa man hier eine 
gleiche Constraotion zor Änwandong brachte, wie bei dem 60 
Jahre später begomteneD Steiabaa der CoIiegiaÜdrcbe Beatae 
Mariae Virginia, für welche durch eine cbrooikale ÄufMich- 
nnng *) eine flache Felderdecke (laqaeariom) nachgewiesen wird. 
Dagegen sind in dem südlichen SeitcnBchiffe an der inneren 
Wandflftchfl der Umfaaaangamaoer öatlich und westlich der Vie- 
rang, dort awisohen dem Scheidbogen and dem Thnnn, hier bis 
Eom dritten Pfeiler noch deutliche Sparen (nlimlicb die unterste 
Lage von Wölbni^steinen) TOrbanden, dass die Östliche Hälfte 
dar Abseiten mit einem Tonnengewölbe eingewölbt war, welches 
der EShe seines Anaataes an Folge über den Arkadenbögen be- 
gann und aaf beiden Seiten auf einem Geainia auflag, daaaen in 
neuer Zeit grundloa stattgeüindenQ rohe Abarbeitung aichtbar iat. 
Ausaerdem beaaaa auch der awisohen den beiden projectirten 
WeattbBimen liegende Baum ein Oewölbe, dessen breite Kreaz- 
gorte eiaeraeits in einer Höbe von ciroa 16' aof dor Gesims- 
platte der Thurmpfeiler aufsitzen, wogegen es auf der andere 
Seite (an dar Qiebelwand) au jeder Audentang fehlt, in welcher 
Weiae hier deren Auflage bewerkstelligt ward; dieser eingewfilbte 
Raum bildete eine Vorhalle fur Kirche, das Paradies, welche 
den BOasenden beim Kircbenbesuch als Aufenthalt angewiesen war. 
Beachtenswerth ist das' unverkennbar aelbstbewusste Streben 
des Baumeisters, den Maaermassen und atarren Wandfläoben 
durch Gliederungen Leben und Ausdruck zu verleiben, nicht 
minder aueh die oooseqnent durchgeflÜirte strenge Ein&chheit, 
welche sich in der Form der Ornamente zu erkennen giebt, sich 
nur anf geometrische Constructionen beschränkt und diese durch 
scharfe Frofilimog aar vollen Wirkung bringt Es kann daher 
nicbt befremden, wenn man an den noch vorhandenen Hauern 
auch nicht die geringste Soulptur vorfindet, welche eine aym- 



•) ChHRL Ssmpet barishtat mm Jahre 1388, dm am TII. Kai. Jnlii 
(36. itad) in dar Baailioa Bestae Hariae Virg. oin -pner icoUna a sumai- 
tata laqaearii ante «ommnm altars super iltnd Upideam fandamentiun 
oormenia, gegen alle meiuchliaha Toranniobt am Laben geblieben lei. — 
VergL anoh A. Beyer, Korce GaMbicht« der ätiftaldrche Beatae Hariae Tir- 
gini« an Erfnrti Mittbeilnngen dei Vereins für die Geaoh. n. Allerthnmikd«, 
an Erfnrt, Heft 71. pag. 193. 



idby Google 



— 64 — 

bolifiche oder etyliairte DorBtellaog enthält, and weh vielmehr 
der Gedanke kandzugeben scheint, die Einfachheit, welche dnrch 
die Reform (1060) im Klosterleben eingeiUhrt worden wu, auch 
auf das nea zu errichtende Gotteshaus kd übertragen. 

An den äasieren Wandfl&chen Ton geringerer Änadehnong, 
z. B. an den Seiton der ThUrme und dea Qaeraohiffoa aeigen 
sich nur vertiefte Mittelfelder, die dnrch pilastorartiga Voraprfioge 
(Liaenen) an den Ecken begrenzt werden ; dagegen aind diese 
Flächen bei gröaserer Auadehnong, 2. B. am südlichen Seiten- 
Bohiff, oorreapondirend mit der FfeilersteUang im Inneren, in der 
unteren Hftlfte durch gleiche pilaaterartige Vorsprünge in mehrere 
Abtheilongen getheilt, denen sich in der oberen Hälfte mittelst 
einer Absohrägnng noch stärker vertiefte Felder aDscfaliessen, 
welche seitwärts durch kräftige, auf jenen Voraprflngen ruhende 
Halbaäulen begrenzt werden, oben mit einem scharf profiürten, 
auf Consolen mheaden Rundbogenfriea abschliessen und in ihrer 
Mitte mit Fensteröffnungen versehen sind; am Chor ond an den 
Absiden fallen im unteren Tbeile die pilaaterartigen Vorsprünge 
weg, weshalb hier die Halbaäulen auf einMn keilförmigen Unter- 
satz rohen, dessen senkrechte Vorderfläche die Form eines 
Faralleltrapezes hat 

Eine auagedehnte Anwendung fand die steil ansteigende 
attische Baae — zwei Rundstäbe durch Flittchen mit der zwischen- 
liegenden Hohlkehle verbunden; sie ist nicht allein am Fnss- 
gesims der äusseren Wandfläcbe, sowie am Fuss sämmtliclter 
Säulen und Ffeiler, aondern auch ala KSmpfergesims am Fortal 
in der südlichen Giebelwand dea Querschiffes und »n den im 
Chor atühenden Ffeilem anzutreffen, auch als Gurtgesima aoheint 
sie sich an der Auaaenseite des Choraohlusaes zwiachen den 
beiden Thürmen befunden eu haben und selbat als Verzierung 
findet sie sieb an den geringen Ueberrestea der Soheidbögen in 
der Vorhalle, sowie an der Fenatergewandung der aUdlicfaen Apais. 

Eine nicht weniger ausgedehnte Verwendung ward dem bald 
mehr, bald weniger Überhängenden Würfelfriea zugetheilt; dieaen 
trifft man an als Verbindungeglied zwischen dem Rundbogenfries 
und dem weit ausladenden, von zwei Rundatäben mit zwiacheu- 
liegender flacher Hohlkehle gebildeten Eranzgesims '"), — als 

■■) Am Krantgonmi de* SeitetuobiffM wetUiub dei Quereoliiffei fohlt dar 
tmtwe Bonditab. 



r,„izMt,G00t^lc 



— 66 — 

Qortgenms im Mitt«lacbifF Über den Arkadeobögen "), an den 
Kämpfern der grossen Thnrm -Pfeiler nnd in der rechtwinkligen 
Umrahmang des Tympannm am Süd portal. 

Die Säulen besitzen ohne Ausnahme das schwere schmuck- 
lose Wfirfelcapitäl, dessen einzige Verzierung in einer doppelten, 
vertieften, halbkreisförmig geführten Schwiege besteht, während 
die Baae mit der einfachen Ecknase (nicht Eckknolle) versehen ist. 

Da die Maoer des nördlichen SeitensclnfFes die Rückwand 
für daa angrenzende KlostergebSude bildete, so fehlen hier nicht 
nar die Gliederungen, sondern auch die Lichttiffnungen , indess 
deutet eine augenscheinliche, rohe Abarbeitung an ewei, is ent* 
sprecLesder Höhe liegenden Steinlagen darauf hin, dass hier 
ebeafUls der Würfelfries angebracht war, jedoch mit dem Kranz- 
gesims in späterer Zeit bei Erhöhung des anliegenden Oebaudes 
besflitigt ward ; vielleicht geecbah dies in der zweiten Hälfte des 
15. Jabrhnnderts, wo wesentliche Veränderungen an den Kloster- 
gebftuden vorgenonmien worden. 

Leider muss die Frage: in welcher AasdebnoDg diese Oi> 
nanente auf das Hittelscbiff, die Giebel nnd ThUrme übertragen 
wurden, oaertedigt bleiben, weil ror dem Abbrach dieser Tfaeile 
in des, dem verhängnisevollen letvten Brande von 1813 folgenden 
J^iren weniger die ungünstige» Zeitverfaältnisse *''), wobi aber 
der Mangel an einem richtigen Verständnifis für den Werth der- 
gleichen mittelalterlicher Banten die Schuld tragen, dass der 
Nachwelt weder durch Schrift noch Bild da» jetzt Fehlende ver- 
ständlich u-balten blieb. Die vorhandenen Abbildungen geben 

■*) Ntoh der von BellsnnBiui gefertigten pDrapeotiTuchen Annoht. 

•*) (Der 1874 verstorben« Btadttath K. Hsrrmftnn «niUte, äaa» naoh 
der Btomnng ävt Citadelle (naok dem ersten Puiaer Frieden) die för die 
Heratellang der Citftdelle miMgebeoden Persönlichkeiten, denen an der Er- 
haltung einer Kirche innerhalb denelben wenig gelegen war, aich vielmehr 
berifert hätten , waa irgend bau^lig nnd dem EingturE drohend erechien, 
m&glicht raacb ta beaeitigen, ehe von Berlin eine Ordre getandt werden 
möchte, da« die Kirohe erhalten werden tollte. Ee sollte eben den ÄnBchein 
haben, all verlohne e« sich nicht, mehr und sei kanm möglich, die Kirche 
in ihrer vormaligen Qeatalt wieder anfanrichten. Ali apüter einmal der 
ksmtiiimige König Friedrich Wilhelm IV. die Kirohe beaah, itampfte er beim 
AubSck des Proviantmagaaiiu , in welohe« sie verwandelt worden war, nn- 
willig mit dem Fnne auf die Erde; n enählte ein Angencenge, der da- 
malige QymnMialdiiektor Q. &shöbr. U. W.) 



DiizMtvGoOt^lc 



zwar eine ohne Zweifel duikenswertba, aber doch nur «Ugameiaa 
Uebersicht und können bei ihrem auBaehlieaalich UndschftfUichen 
' Charakter ttir eine Beurtheilung der architektonisohen Formen 
nicht in Betracht kommen. 

In gleicher Weise wie bei anderen frahromaniachen Banten 
machen aich aach hier hinsichtlich der technischen Behandloag 
dieselben EigenthUmlichkeiten bemerkbar: so deuten die Kasserst 
schmalen Figuren auf eine sorgfältige Bearbeitung der eioaelnen 
Werkstücke; ferner lässt sich aus dem Fageasohnitt am Rnnd- 
bogen- und am darüber liegenden WürfelAries deatlioh ersehen, 
dass diese Ornamente an den bereits festUegenden Quadern 
heraaegearbeitet worden *'), dagegen fehlt es an einem sichezn 
Anhalt, ob dieses Verfahren auch bei der HersteiloBg der Halb- 
s&ulen zur Anwendung kam; endlich liefern mehrere HenmBgui 
den Beweis, dass man selbst innerhalb klünarer, abgegrenater 
Fl&ohea die. horieontale Eintheilang dersdben tär oongraente 
Formen, z. B. fUr den KandbogenMes, nur oberflKchlich atufilhrta. 

Abgesehen von dem NichtTorhaadenaein einer Krypta, velohe 
im allgemeinen bei Klosterkirchen nur selten vorkommt und 
dann häufiger aus einer früheren Zeit stammt "), verdienen noch 
folgende in der Anlage herTortretende EigenthOmliohkeitea eine 
Beaohtnng: der gerad geschlossene Chor mit dan bis in seinem 
Abschluss fortgeiührten Seitansc^ffen nnd die Drei-Pfeiler-Orappe 
mit ihren in gebogenen Nischen stehenden */« - Sioleo. 

Für die erstere ist eine Eiowirkong des Klosters Hinohan, 
dessen 1083 gegründete nnd 1091 gewaihete Kirche St Fetri in 
diesem Paukte mit der Kirche des Erfurter Peterskloatera tlbei^ 
einstimmt, um so wahrscheinlicher, als der Bauharr der letateren, 
Abt Burchard, dieser segensreichen Koltaratätte Schwabens ent- 
stammte und seine Bildung dem dortigen Abte Wilhelm ver- 



■ ■) Ein nicht minder lolilagendes Beiapiel in dietsr Bsnehang lisfera 
dis Sonlptnren vom TjmpaDnm der goldenen Pforte im Dom in Freibur^, 
welober in den Jahren 1160 bis 1190 erbsnt worde. 

'*) In der Kloataikirohe m Branweiler, vor 1080 begonnen, erfolgte lOfil 
die Weibe der Eryptsi in der 1080 {ti gegründeten Abtei Limburg an dor 
Haardt ward die Krypta 1086 Tollaodet; die Klosterkirche lu Osadsrafaeim 
erbielt nach dem cweiten Brande (1078), Ende des 11. oder Anbng daa 13. 
Jahrhonderts, eine Krjrpts; Kloster Laaoh, 1113 begonnen, bwittt snter 
dem Oat(diore der Kirche eine Krypta. 



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^ 6? - 

dsnkte *'); Sfllbat (Br die Annahme, da» jene Kirche fOr die 
Geummt-Anlage anserer Kirche ^b Vorbild gedient habe, spricht 
die wenn aaoh nicht abaolate, s* doch annähernde Ueberein- 
BÜmmoDg einiger Abmessungen des Qmndrisses ".) 

FOr die in der „Eonsttopographie Deutschlands" von Dr. 
Lots verzeichnete Angabe, dass der Chor jetzt gerade ge- 
schlossen, mithin frUher eine Apsis vorhanden gewesen sei, bietet 
die wohlerhaltene Aussenseite keinen Anhalt; in derselben be- 
finden sich nicht allein noch gegenwärtig drei, dem ]£ttelacbifiF 
ongebörige romanische Fenster, sondern auch von dem üeber- 
binden einaelner Qaaderlogen des Mittelschiffes nach den Seiten- 
schiffen kann man eich dentliob überzengen. Allerdings ISsst 
sich nicht lengnen, dass ea anfPallend erscheint, wenn gerade an 
dieser Stelle in der Breite des Mittelschiffes, zwischen den 
ThSrmen, im Fassgesims die über der Abscbrägnng angebrachte 
attische Base gänzlich fehlt, sich dagegen ganz anerwartet über 
den vorerwähnten drei Fenstern als Gurtgesinu an einigen 
Steinen vorfindet, bei denen es freilich zweifelhaft ist, ob ihre 
jetzige Lage als die oreprUngliche angesehen werden darf, wo- 
gegen es nicht so ganz anwahracheinlich ist, dass ihnen erst hei 
Ümgeatidtnng der 1813 aosgebrannten Kirche zn einem Magazin- 
gehKnde diese Stelle angewiesen wurde. 

Zur Krklilrnng der anderen EigenthUmlichkeit muss man die 
tiblicbe innere Einrichtung derjenigen Kloster- und Stifts-Kirchen 
in Betracht ziehen, die im Laufe der Zeit auch ünen Ffarrdienst 
übernommen hatten, obschon nrspiünglich den Mönchen die Seel- 
Boi^e in Bezug auf die aasserbalb des Klosters wohnenden Laien 
nicht gestattet und die Kirche, anfangs eben nur „Oratorium" '^), 
selten „ecclesia" genannt, lediglich für die gottesdienstlichen 
Verrichtungen der SLIosterbewohner bestimmt war. Demzufolge 
baute das Kloster resp. Stift zuweilen fUr diesen Pfarrgotteadienst 
eine besondere Kirche; Uess sich dies aber nicht bewerkstelligen, 
so wnrde fttr denselben doch eine besondere Abtheilung der 



■*) OslI Stan, Neorolo([iDm. pag. II. 

**) Yergl Chriitmann, Otsehiclite dei Elottere Hinehtn, pig. 07 n. BK. 
' Krieg Ton Hocliraldeii in Hone'a Anieiger fBr Sande der dentMiheD Tor- 
■it 1. Jahrgang. 1B3&. pag. 3G9. 

■') Bflgala St Senedioti. oap. B3. 



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Klosterkirche mit einem eigenen Altar benatst '^). Im letste^ea 
Falls war der Östliche Theil der Kirche aaB&ohliesslich für den, 
dorch die canonischan Horen sehr atugedehnten, täglicheo Chor- 
dieoBt der Conveotnalen bestimmt and bildete die eigentliche 
Kloster- resp. Stiftskirche, in wetcher der ConTent angeatärt 
seinen kirchlichen VerpSichtungen obliegen konnte, während der 
weatlichg Theil dem Kircbenbeancbe der Laien überlassen blieb, 
TOD diesen nicht Oberschritten verdeo durfte und daher die I^aien- 
kircbe genannt wurde **). 

Bevor dem Lettner die architektomsohe Trennang beider 
Räome KUgetheilt ward and wo in späterer Zeit derselbe aber- 
hanpt nicht Torbanden war, vertrat ein Gitter, aufgehängte 
Teppiche, einige nach dem Chor hinauf fOhrende Stufen oder 
die nach der Mitte der Kirche verlängerten FlUgetwände der 
Cborstühle diese trennende Schranke, vor welcher h&uSg ein 
Altar, der Laienaltar, stand ""). Aach die Abtei St. Petri hatte 
eich höchst wahrscheinlich mit der Zeit einem Ffarrgottesdienste 
fttr eine kleine Gemeinde anterzogen "), deren grösserer Theil 
um die Hitte des 12. Jahrhunderts die Faroohie S. Leonhardi 
bildete und ftü* welche kura nachher auch eine demselben Hei- 
ligen gewidmete Kirche erbaut wurde, während der kleinere 
Theil noch fernerhin als Parochie S. Petri in den Zinsre^stem 
des Klosters genannt wird. Für diesen Laien-GotteBdienst saheint 

'■) Orgin für chrittliobe Entut 1858. psg, 0t. 

'*) Enaeer, der chriatliolie Eirchenbsa. Bonn 1851. n. pag. 62. 

■*) Bia Eom Jabr« 1667 bcfknd rieh in d«r Benediktiner- Abtei -KirolM 
ni Branweiler vor den Ghontnfen ein AlUr, der tiim QotteidiBnit fSr die 
Lkien diente. (Orgui fär obriitliohe Knngt, IBIit, piig. II.) — Vor dem 
Cbore nnd in der Uitte der Ciatercienaer-Kloatei- Kirche n Loooud etsnd 
der Laienaltu nnd zvar geoan anf der Hälfte der LfcDgenaohie, (Mittel- 
alterliche Bandenkmala NiBderBAchseni, 11. psg. 293 n. 297, Taf. 70. 71. 73.) 
— In der Kirche der Cittercienier-Abtei Hanlbronn war vor dem rom«- 
nifchen Lettner der Laienaltar angebraofat. (OentMhM Knnatblatt vod P. 
Eggtn, 1866, pag. 433. — Dr. £. Panlni, die Ciiteroieiuer-Abtei Hanlbronn, 
Stnttgart 187R.) — In der Fraoenkirohe tu München etand noob im Jahre 
1668 der fOr den Pfsrrgotleedienat beatimmte Altar 8. Cmoia vor dem Chor 
in der Mitte der Kirche. (Sigbart, die Fraaenkirohe in MSnofaen, pag. 89.) 
^ Ib der Ciatercienaer- Abtei la Eberbaeh im Bheingan befand lioh in der 
Mitte der Uirobe der Altar S. Cmoii. (Denkmäler aw MaaaaD, 8 Heft p. a».) 

**) Ob aie denielben bei ihrer iweiten Oifindang im Jahre 1060 mit 
ftbeniommen hatte, bleibt dahingestellt. 



DicltzsdbvGoOt^lC 



— 69 — 

der in der Uitte der Kirche Btehesde Altar S. Barbarae **) be- 
ctimmt gewesen zu seio, welcher oUerdiDgs erst 1348 za Ehren 
dieser Heiligen geweiht ward *"). £b ist daher sehr wahracheiir 
lich, daas ßlr die bei der dritten Ffeilergmppe angewendete 
Constmction die Äbaicht vorlag, mit derselben die Änsdebnong 
der Laienkircbe aach architeotonisch ansKsprKgeD **}; am Sst- 
licheu Ende derselben erhob sich dann im Mittelschiff der Altar 
der bl. Barbara, dem Bicb nach Osten, in Form eines griechischen 
Kreozes, die Klosterkirche anschloas. 

Der Name des Meisters, welcher diesen schSnen, im streng 
romanischen Style errichteten Bau leitete, ist nns leider nnbe- 
kannt and wenn es auch nicht mimöglicb erscheint, ihn in dem 
Laienbrader Ditmar za vermutfaen, welcher als Erbauer der 
gleichzeitig mit der Kirche errichteten Kapelle St. Annae genannt 
wird *^), so ist för diese Annahme doch nirgends eine chroni- 
kale Anfseichnang zu finden. 

GeJbrdert darcfa fromme Spenden der dorcb Handel und 
Qmndbesitz bereits za einigem Wohlstand gelangten Stadt -Qe- 
Bcblechter '*),'deren irdische Güter dem neuen Gottoshause aus 
religiöser PietKt möglicherweise um so reichlicher zuflössen, als 
zu dieser Zeit Erfurt überhaupt nur noch ein Frauen-Kloster '"') 



") Nieol. T. Si^M, 1. c. pag. M8. 

") Qall. SUii, CollKtio, pag. 707. 

■*) Id der Eiiche dei CisterdenBer-E leiten raLocciini (nordöiUioh von 
Uinden) findet mui eiae ähnliche BTcfaiteotoniicbe TreDnuDK der Eloater- 
und Lkienkirche. (Uittelalterliche Baudeukmale Niedenaohieca , II, 293 n. 
S97.) Eine gleiche Alwioht wird man in Panlinielle den nur in dem weet- 
liotaen TheUe der fiirche vorhsiidenen leehi BKnlenpaaren insohreiben dfir- 
Ebd (Fnttriob, L o. I. Abthl. I. Basd), aowie. in des Eirobe der BanediktinsN 
Abtei Orou 8t. Mftrtin ed Eöln den beiden weltlichen Pfeil erpasren, an deren 
dem Hitteliehiff angewendeten Fläche die Balbiinle fehlt, welche sn dem 
(in fiatüober Riobtnnp} nftcbitfblgenden PfUlerpaare nnd an den beiden 
Pfeilern in der Tianrng angebracht iit 

'•) Oall. StaM, Necrologinm , pag. 26 n. 888. 

**) Niool. T. Biegen, pag. 36S. 

•^) Da« mit der Kirohe BeatM Hariae Virginia bii tarn Jahre 1128 oder 
1134 anf doraelben kleinen Anhdbe nnterhalb dai Petenkloeten stehende 
Benediktiner- NonneDkloater wird in dem Briefe dai Presbyter Liadolfm, in 
welchem dereelb« die TJebertngnng der Reliquien des hl. BeTemi dnroh 
den Haiuischen Enbiachof Otganu naoh Erfurt berichtet, bereiti inm J^ire 



— 70 — 

besatB tmd in der Peterakirche dea ersten Steinban zar Ehre 
Gottes entstehen sah, — war derselbe, wenigstens in seinem 
. Sstlioben Theile, in sechs Jahren so weit gediehen, dass er noch 
von dem angeblich besonderen Gönner des Klosters, dem Hain- 
ser Ersbischof Bathard (f 1109 2. Mai) durch eine feieiiiche 
Weihe dem Cbordienste übergeben werden konnte "). Dem 
Abte Barchard war es dagegen nicht vergönnt, das von ihm 
begonnene Werk vollendet zu sehen. Wegen Verweigerung will- 
kGrlich geforderter Gelder bei dem Ersbischof Ädelbert I. in 
Ungnade gefWen nnd von diesem im Jahre 1116 sogar seines 
Amtes entiioben, sah er sich genöthigt, die Stätte seiner Th&tig- 
keit za verlassen, und erst anter seinem zweiten Nachfolger, 
dem gleichfalls im Kloster Hirechau gebildeten Abt Wernher I. 
(1127 — 1138) fand die Beendigung des £irchenbaues statt, ohne 
dass ßir die Zeit eine n&here Angabe mitgetbeilt wird '"). 

Wenige Jahre später, 1142, VII. Idus Maji (9. Mai), ward 
Kirche and Kloster abermals von einer Feuersbrunat beimge- 
sucht "), welche in der Stadt entstanden, sehr wahrsoheinlicb 
dnrcb Vermittelang der auf dem südlichen Abbange stehenden 
beiden Beiben kleiner Häuser, auch über die Abtei sich ans- 
breitete. Wiewohl der hierdurch verursachte Schade als sehr 
beträchtlich bezeichnet wird und dieser vorzagaweise auf die 
noch immer in Holz construirten Elostergebände, sowie anf den 
werthvollea Inhalt der Sakrist^ nnd des Archivs zn beziehen 
ist, so kann an dem Quaderbaa der Krcbe nur der Verlast des 
Daches und eine immerbin erhebliche Beschfidigang der flachen 
Holedecke eingetreten sein. Die Bemerkung eines Chronisten ^*), 
dass wegen fehlender Mittel die Kirche fünfzehn Jahre lang ohne 
Bedachong geblieben sei, ist in Bezug auf ihre Richtigkeit sehr 
in Zweifel an ziehen. Aas anderen Notizen ergiebt sich viel- 



666 erwkhni nnd ■nnotimonisliam Altnm monsiteriDm« genannt. (Jtßi, 
Bibliothsoa rsram gormuiioftriuD, Tom. 111. psg. 617.} 

•■) Nicol. T. Siegen, psg, 831. 

**) NiooL V. Biegen, psg. 808. — QkU. Stasa, CoUsotio pag. 646 nljt 
awtifioatione qnoqne monaitsrii Uborans ex leatii et qiiadratii Upidibu 
perfidens^ 

>o) Cbron. Sampet. — Kiool. t. Siegen, psg, 819. — Annalei Q. Petri 
EiphsdiirdeiiMfl, bei Perts, 1. o. ZYI. geben dsn fl> Idns Ifaiji an. 

*') NiooL T. Siegsn, pag. S18. 



:,G Gothic 



— 71 — 

mehr, dasa man wenigstens fKr den Chordienat aaf die mßgUctst 
rasche WiederberBtellnng der Kirche bedacht Trar; denn schon 
1143 XVI. K^. Jnlii (16. Joni) wird die Consecration zweier 
Ältfire Tollzogeo, welche in den Seitenschiffen des Chores zu 
beiden Seiten des Hoohaltares lagen '*), wogegen freilich erst 
1147 XVI. Kai. Jnlii (16. Joni) die feierliche Weihe der Kirche 
durch den Mainzer Enbischof Heinrich I. unter AsBistens der 
BiscfaSfe Ditbmar von Verden , Qethard von EichstSdt und Sig- 
frid von Wfirzbni^ stattfand >■). Der 16. Jnni (das Fest S. S. 
Aarei et Jastinae) ward auch als Festtag der Kirchweihe bei- 
behalten, bis ErEbischof Heinrich H. von Mainz denselben 1387 
aof den Sonntag Quasimodo geniti (den ersten Sonntag nach 
Ostern) verlegte **), sehr wahrscheinlich ana dem Grunde, weil 
die Feierlichkeit wegen der Zwischenkunft des höheren Festes 
St Trinitatis einer Veriegong unterworfen gewesen war '"). 

Mannigfache auf den Bestand and die Hebung der ökono- 
mtscben Verhältnisse störend einwirkende Ursachen mögen Ver- 
anlassimg gewesen sein., dass erst in der Mitte des 13. Jahr- 
hunderts die Vollendnng der Thürme in Angriff genommen und 
auf den Steiobaa der drei unteren Stockwerke ein in Holz con- 
Btmirtea oberstes Stockwerk aufgesetzt ward. An dem Thurme, 
in welchem die grösseren Glocken hfingen, begann diese Arbeit 
1246 XVII. Kai. Maji (15. April), die im nächsten Herbst mit 
der Anbringung einer Zinnbedeckung an der Spitze beendet 
ward "); an dem anderen Thnnn, welcher die kleineren Glocken 



>*) QalL 8tMi, CollMsUo etc. pag. 7(». 

■ s) Chmn. BuapeL — Nieol. t. Siagen, pig. 831. — Ännolas S. Petri 
ErplMst., bsi Perti, 1. o. XYL 

**) CbroB. Bnopot. 

**) In der CiftMoIenier - Abtei in Eberbaeli im BheingKn ward die sm 
St, IM ItBt stattfsAmdane md an diMsm Tage sach in der Folge gefeiert« 
Weib« der Kirobe (freilich liemliolt spät) in den enten Jahren dea IB. Jabr- 
hnnderta detli^b laS den sweiten Sonntt« naeh Oitem fett^eaetxt, weil 
dieaa FeierHebkrit dnrch die ZwiMhenknnft der böberen Feste: Einmal- 
Eünt, Fflngrten and Fitmlainbnem , Öfters hatte Terlegt werden müuen. 
(TergL Denkmiler ana Nanan , S. Beft p«g. 4.) 

**> IMO ZVU. Kai, Haji inohoata eat atmotnra lignei edificii in tnrri, 
■U naiorea eampan« pendent, in nonte SL Petri et in antnmpno atanno 
opwta et eoiisanmata eet Chron. Bampet. — 

Abb 4sr Aabaii^ang de« Hkol. v. Siegen pag. 4(8: Eodem anno (1478) 



..C.oo^lc 



— 72 — 

enthielt j fand dieser Änfbao jedoch erst 1254 statt '''). Der 
letztere erlag zweimal, 1334 am Sonntag vor d^n Feste lUler 
Heiligen (30. October) ^^) und 1835 am Vorabend des Festes 
SU Simonis et Judae (27. October) ^') der Gewalt einea Stunn- 
windes, worauf erst 1339 eine Emenerung eintrat "}, welohe 
ohne Angabe der OrUnde an beiden Thftrmen 1475 and 1477- 
wiederholt werden mosste *'), and an dem vorderen Tborm 
1613 theilweia noch einmal nöthig ward, weil am 14. Mai in 
Folge eines Blitzschlages die Spitze eine glücklicher Weise nicht 
weiter um sich greifende Brandachädigong erlitten hatte *'). 
Ein im Jahre 1291 V. Idus Janü *^) am Vorabend des 



factum fait ad S. Fetram ftrmarinm biva BKcriBtU ia oppoBitft torri, in qua 
majorea cunpane dependent contra altare S. Hartini, pro precioaii clenodiis 
•tque pTinoipalibvB priTilegüt . . . und mit Berücksiobtignng de* ümBtandu, 
dsB* die» Sakristei nur in dem nördlioken Seitanichift der Kirahs liegen 
konnte, geht hervor, daas dieier Tlinnn der nördliche war. — Wenn diese 
Annahme mit einer Bemerkmig dee Oallot Stau (Keorologinm, pag. 867) 
nicht übereinBtimmt, nach welcher 1777 die grösseren Olocken in dem grös- 
seren (?) Thnrme nntergebracht Äraren, dieser Tbarm durch eine andere 
Botii [Mecrologium pag. S87) als derjenige bezeichnet «ird, an welchem die 
Daiitelinng ein« vor einem Cbristnsbilde knieenden Uönahs sich befindet 
nnd diese letitere sich noch gegenwärtig am sfldliohen Tbnrm vmAndet, so 
kann diese Diflereni nur durch ein in der Zwisohenseit TSranlasitsa Um- 
hängen der Glocken ihre Erklämng finden. 

") Chran. Sampst 

■■) Chron. Sampet. 

■*) Chion. Sampet. — Der Papiercodex der Bibliothek in Hfinefaen 
(vgl Bibliotheca Eifortioa pag, 481 Kro. 840) giebt in seinem Fngmentam 
ex Chronicii civinm Erfordiensioin diesen Tag wohl irrUifinUali als den 
Sonntag nach dem Feste Aller Heiligen an. 

*") Chron, Sampet. 

•>) Niool. V. Biegen pag. 467, — Die handsohriftliohe Chronik. das Petei^ 
mönofas Jahann Encher bei Oalliis State, CoUeotia ete, pag. 070, giebt die 
Notiz , dast der Ban fiber den kleinen Qlocken ohne die dabei Tarabniohte 
Beköstigung 8A0 Schock gekostet habe. 

") Johann Encher, L o. pag 691. — Seebacb, ErffiirtiaolM Feoseohionik, 
pag. 14 §. 19 verlegt diesen Vorfall anf den 4. Hai. Diasa TanoUedanbait 
findet dadaroh ihre Erklärung, dass der ßregoriamsche Eidandet t(hi dam 
katholischen Elems sehr bald nach seiner EinOhmog angenommen ward, 
während dies von Seiten des Erfurter Magistnta erst im Jahre 17D0 statt- 
fand! (t. Palkenstein, Bistorie von Erffurtb, pag. ir>68.) 

•^) Chron Sampet. — Chron. SampeL bei MaaDkan giebt irrtlifimlich 
den Moiwt Joli an, in welchen du P&ngatfest niemals fallen kaim, — Die 



^.C00'^[C 



— 73 — 

Pfisgstfestea (9. Jani) in das Wertende der Eirohe emschl«gen- 
der Blitü liatte gläcÜicherweiBO nnr eine BescLädigUDg dea Al- 
tars in der über dem Paradies befindlichen Kapelle Allerheiligen 
and der anmittelbar angrenzenden Oi^el zur Folge; derselbe 
ünüall Triederbolte sich an demselben Orte während eines Qe- 
witters im Jahre 1430 am Feste ad vinoula Petri (1. Aagnst) **)^ 
wobei es den Anetrengnngen der Elosterbewohner gelang, den 
erst entstandenen Brand auf die Orgel zn beschränken *^). 

Für die gegen Feaersgefabr gesleberte Aufbewahrung der 
wichtigsten Privilegien und Wflrthvollsten Eirohengeräthe ward 
anter dem omsichtigeo nnd tbätJgen Abte Günther von Kord- 
haosen im Jahre 1473 in der Kircbe eine Sakristei eingebaut **), 
welcher am 9. September (dominica post featnm nativitatis Ha- 
riae) 1481 die feierliche Weihe diu-ch den Weihbiscbof Johann, 
Bischof von Syra, ertheilt wurde *''). Die Lage derselben be- 
zeichnet Nie. V. Siegen mit den Worten: „in opposita turri, in 
qua maiores campane dependent, contra altare S. Martini"; da 
eich nnn der Altar S. Martini im Chor, und zwar im nördlichen 
Seitenschiff befand *^), so kann die Lage der Sakristei füglich 

bandMhriftliohe Chronik dea Eoban Dolgen (Hariogl. Oolhaiacha Bibliothek) 
nnd ihr folgend dia Erftutitoha Fmer- Chronik von Seebaoh varlegan dieaa 
Begebenheit irrthDmlioh in die Kiroha Allerheüigen. 

*') fiicol. T. Siegen, pag. 868. 

*■) An« dem Wortlaat dar hieraof beiügliohan Notis des Bia v. Siegen 
kann auf ein« gröuere Anadehnung dea Bnndai, wia dieaelbs in den «Uit- 
tfaeihmgan dea Vereina f9r OsBchiohte nnd AlterUmiDakaiida von Erfnrt, 
Haft 8 pag. 24 n, 96m rflnnnthel wird, wohl nicht geachloaaen werden, Bätla 
■ieh ein Brand des Dsohatnhlea , ron Westen nach Oitan voraohteitend , bia 
Umt den Altar S. Barbaraa and daa hinter denuelben li«geiide Grabmal der 
Orafen von Gleichen , alao fiber die halbe L&nge dei ganaen Kirchenaobiffea 
sntreckt, so v&rde dies aioherlich den alten M5nehen im Gedächtniaa g»- 
blieben aein, von denen dem Cbroniaten dieaer Vorfall mitgetheilt wnrda. 

**} Nie V. Siegen, pag. 4BS, oEodem anno (1473) factum fnit ad 8. P»- 
tram «marinm aive aacristia in oppoaito tarri, in qaa maiora« oampana 
dependent contra altare 8. Hartini, pro preoioaia olenodiia st principalibos 
privilegüs, in qna aaoriatia dominoa abbaa com miniatris in aiunmia festavi- 
tatibna ae tndosre habet*. 

Daa •igentliobe Archiv nnd die Bibliothek befanden aioh aufolge einer 
anderen Hiitheiinng in einem Raums der ElMtergebände, der vom Krena- 
gange aoa einen Zugang hatte. (Qall. Stau, CoUeotio, pag. 688 n. 780.) 

*>) GftlL Btaas, CoUeotio, pag. 716. 

*') YergL die Altire der Kirche. 



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— 74 — 

nii^endawo anden sla in dem mm Chor gehSrenden und dem 
Qoericliiffe snutlchBt liegenden Theile dee nördlichen Seiten- 
Boliiffea EU •achen sein. Wenn aacb, nach Abztig der Ga den 
KirehendienBt am Ahar S. Martini za belassenden freien Dm- 
gebnng, der fOr jenen Einbau anter der maBsiven Wölbung -rer- 
wendbare Ranm von ungeßLhr 32 Fqhb rhein, Länge und 10 bis 
12 Fun Breite allerdings etwas bescbr&nkt erscheint, so war 
doch nnr an dieser Stelle die Möglichkeit vorhanden, ihm, wenn 
auch nur durch ein einaiges Fenster, das nöthige Licht zu ver- 
■ofaa£Fen. Der Einwand, dass die Sakristei ja auch westlich 
vom Quenohiff gelegen haben kfinne, hat keine Wahrscheinlich- 
keit fUr sieb, weil einerseits die noch unversehrt bestehende 
Mauer des nördlichen Seitenschiffes hier nicht die geringsten 
Merkmale für die eiforderliehen Fensteröffnungen aofweist, und 
es andererseits doch wohl anwabrBcbeinlich ist, dass diese lets- 
teren, dem Mittelschiff zugewendet, unter ein oder zwei ver- 
mauerten Arkadenbögen angebracht gewesen wären. 

Die noch von dem vorgenannten Prälaten im Jahre 1499 
begonnene **) und anter seinem Kachfolger, Johann Hottenbach 
von Siegen, 1505 weiter fortgesetzte Einwölbong der Kirobe ^") 
bestand in einer anf Kragsteine sich stützenden Holsconstmotiün, 
und kann sich vorläufig nur auf das Mittel- und Quenohiff er- 
streckt haben, während in der westlichen Hälfte der Seiten- 
Bclüff'e erst hundert Jahre später ein gleicher Holzbau ins Werk 
gesetzt wurde^ denn der Petermönch Johann Kucber sagt in 
seiner handsohriftliohen Chronik: Hie (abbaa Johann Hottenbaob, 
1503 — 1525) vendidit lapides ad S. Wigbertnm, quibos testndi- 
nari debebat tota eeoleda; hos lapides D. Gantbems oompara- 
vit *'), woraus hervorgeht, dass man zwar die Absicht hatte, 
ein Steingewfilbe aufzuführen, hiervon aber vielleicht aus bau- 
lichen OrUnden Abstand nahm, — und zum Jahre 1604 macht 
derselbe Chronist die weitere Motiz: abbaa (Valentinaa Hobr) 
daas partes in templo majori testadinari fecit asseribus, scilicet 
BUpra altare S. Michaelis, et altera e regione **), die nur anf 

**} Conrad Sbdls, ThüriBgiMk-JBrinrtiidie Ckronik, edit C. F. Bess», 
PH. WI. 

") lob. Koeber, L o. pag. 67«. 

») Qallu 8tan, CoUeotto, pag- 97i. 

") GaU. SUm, CoUeotio, pag. 688. 



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. — 75 — 

nna in Hob coiiBtniirte Einwölbnng der weBtlichen Hälfte der 
beiden Seitenschiffe sn beziehen ist, da die fistlicbe Hälfte der- 
selben von Haus aas ein massives Tonneugewölbe hatte, ancb 
der Altar S. Michaelis in dem westlioben Theile des aüdUehen 
Seitenschiffes sich befand *^). 

Gelegentlich der im Chor begonnenen ") EinwOlbang des 
Mittelacbiffes (um 1500) ward sehr wabracheinUch an der öst- 
lichen Oiebelmaaer ein grosses spitzbcgiges Fenster durchge- 
brochen, um dem Chor etwas mehr Licht zu verschaffen, als die 
kleinen romanischen Lichtfiffnaogen zu geben vermochten ''). 
Die Sohlhank dieses Fensters, welches sieb auf allen bildliuben 
DarstellnngeQ dentiicb angegeben findet, mnss in einer Höhe 
von mindestens 30 Fuss über dem untersten Rande des Fuss- 
gesimses gelegen haben, da In dem betreffenden, wohlerhaltenen 
arsprftnglichen Uaaerrest eine Spur derselben nicht wabrzoneh' 
men ist. Leider war schon 1689 in diesem Fenster das Mass- 
werk so stark beschädigt, dass man diese Ornamente ganz be- 
seitigte und in Folge des gänzlich veränderten Baugescbmackea 
nicht wieder ersetzte ••). 

Zu welcher Zeit die Errichtung des auf dem Mittelschiff 
angebrachten Dachreiters stattfand, bleibt nngewiss, chrooikale 
Nachrichten dar&ber sind nicht vorhanden und die nur auf einer 
Abbildung gegebene Andeutung ist zu verschwommen, als dass 

**) Eine illerding« etwtt notergeordneta Bastitignag, d>M die Ein- 
völbimg dM HitteUcfaiffu ans siner BoUcotutmotion bartand, Uut lish 
aneli au eiasr möDdlichan MitthelluDK dei Oärtnen Conrad BQrlich nehei), 
wslcher alt 12jähriger Knabe im Jahre 1813 bei den von den FranioBen 
auf dem Petenberge nntemommenen Tertheidignngi- Arbeiten betcbäftigt 
ward nnd den in Folge de« Bombardements entstandenen Brand dsi Kloalera 
vai dar Kirabe in der Hibe mit aasib. Auf Befragen eixUtlte dereelbe 
(1866), daas der ganu Himmel (dae Gewfilbe} dar Kirabe gebrannt habe, 
nach dem Brande weder Schott noch Steine , wohl aber Holt nnd Kohlen, 
aneh eine Menge giOHar Migel in der Kirche umherlagen, und die letzteren 
von ihm enuig anfgeanoht worden wären. 

**) Joh. Knober, L o. p^. 674. 

■*} Anoh in der romanischen Kirche der CieteroienMr-Abtei in Eber* 
baeh im Bhaingaa ward über drei kleinen mndbogican Fenitam dee gera- 
den CborsohhiMeB gegen dae Ende dea 11. Jahrhunderte ein grasMa spha- 
bogigea Fentter dnrohgebrochen, weil die frähere apaifsame Balanahtuf dea 
Cborranmea nicht mehr genfigte. (Denkmäler aoa Na— ■, 8. Haft pag. 18.) 

**] GalL Btaaa, CoUeotio etc. |iag. 804. 



:,G Gothic 



— 76 — 

hieraus eine Folgerang gezogen werden kannte; dass ein aolclies 
Glockenthürmchen indeBa vorhanden war, acheint ancli ans der 
Notiz des Mdncha Qallas Staas hervor zu gehen, nach welcher 
„im Schiff der Kirche zwei Glocken bfingen". 

Die innere Ausstattung der Kirche. 

Wenn von dem Kirohengebfinde an sich nur ein ootoU- 
atSndigea BUd gegeben worden konnte, ao überträgt aich dieaer 
Mangel in gleichem Grade ancb auf eine von der inneren Äna- 
stattang zu entwerfende Beschreibong , flu: welche die in den 
ohronikaleo Aufzeichnungen zeratreuten Notizen einen leider nur 
geringfügigen Anhalt bieten, aueaerdem aber auch abaolut gar 
nicbta uns erhalten geblieben ist. 

Ana dieaem Material geht hervor, dasa einigen Altären auch 
die Benennung „Kapelle" beigelegt ward ^^), ohne daaa dieselbe 
durch eine architectonieche Abgrenzung begründet geweaen 
wäre, welche vielleicht nur bei der Kapelle Omnium San- 
ctorum sich vorfand. Dieae Kapelle befand aich aa dem Weat- 
ende der Kirche zwischen den beiden projectirten, aber un- 
vollendet gebliebenen Thürmen, über dem masaiv eingewfilbten 
Paradiese "*), und aoU nach Angabe dea Micolana von Siegen 
(pag. 358) für Können bestimmt geweaen, über deren Anwesen- 
heit in dem doch auaacblieaalich ftlr Männer bestimmten Kloster 
man jedoch nii^^nds eine Andentong findet. Kapelle und Altar 
wurden 1231 XI. Kai. Julii (21. Juni) zur Ehre der hl. Drei- 
einigkeit, des hl. Kreuzea, der Jungirau Maria und Aller Heiligen 
durch den Biachof Wilhelm von Havelberg geweiht ^'). In der 
eraten Hälfte dea Ib. Jahrhunderte scheint aie eingegangen an 
awn, denn Micol. v. Siegen (pag. 358) führt an, daae nach der 
ihm von alt&n Mönchen gemachten Mittbeilnng diese Kapelle 

*') Die ainigen NebenalUrBD gegebene BeaaDnong «Kapelle« nheint 
dadurch entatiuden tn eein, dUB herabbftngende, an irgend einer Torriohtang 
befeitigte Teppioba entweder nnr kuf den beiden Beitea, oder anob an der 
Bflekeeite (vala Isteralia re*p. tria rala, anok oortinu} den Altar amgaban 
nnd gleiobeim kapellenartig lAiDbloHen, nm den oeletarirenden Priestw den 
■Urenden Blicken der Dmitehenden n entliehen, (Tergl. Da C«nge, Oloeaar. 
ad Tocem ■oortin».) 

*■) Chron. Bampet. snm Jahre 1S91. 

**) GalL Stan, CoUeotio, pag. 706. 



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— 77 — 

noch im Jahre 1400 hestanden habe; möglichenreiBe h&ngt diesöB 
Eingehen der Kapelle mit der dnrch einen Blitzschlag herbei- 
geführtea Zerstörung znsanunen, welcher am 1. Äuguat 1430 an 
dieaem Orte einschlug nnd eine erhebliche Brandbescbädigung 
der hier eteheodea groBsen Orgel zur Folge hatte; denn gerade 
aa dieser Zeit wurde den kirchlichen Angelegenheiten im Kloster 
sehr wenig Äofmerksamkeit geschenkt £rst unter dem Abte 
GOntfaer L fand eine Wiederherstellong der Kapelle statt, jedoch 
nicht an ihrer froheren Stelle, sondern vor dem Wostportale der 
Kirche in dem an dasselbe sich anlehnenden Gebäude, dessen 
obere BAome die Wohnung des Abtes bildeten ; die Consecration 
erfolgte 1472 am 3. November * ") zur Ehre der hl. Dreieinigkeit, 
der Jungfrau Maria and Aller Heiligen dnrch den Weihbischof 
Johann, Bischof Ton Syra (in Achaja) tmd ward unter Ansetsung 
dieeea jährlich an begehenden Festes auf den Sonntag nach 
dem Feste Aller HeiKgen mit einer 40tägigen lodulgenz auS' 
gestattet 

Von den in der Kirehe vorhanden gewesenen Altären ist 
uns ein von dem Mönch Helwig (am 1266) begonnenes nnd 
Bpiter dorch andere fortgesetstes VerxeichnisB erhalten ge- 
blieben "'), welches für die nachstehende Zusammenstellung 
eine am so werthvollere Qmndhige darbot, als sich im Uebrigen 
über diesen Gegenstand nur äusserst dürftige Notizen vorfinden. 

Der Hoch^tar (^tare priacipale) SS. Petri et Pauli, bereits 
von dem Maiusiachen Krabischof Ruthard (f 1109, 2. Mai) oon- 
secrirt <"), scheint bei der nach dem Brande 1142 angeordneten 
Einweifaung der Kirche am 16. Juni 1147 durch den Erzbischof 
Heinrich I. eine zweite Consecration erhalten zu haben, wobei 
die in dem sepnlchrum altaris unter der Marmorplatte befind- 
liehen versiegelten Reliquien in demselben Zustande vorgefunden 
wurden, wie sie von seinem Vorgänger daselbst deponirt worden 
waren. 

Der Altar S. Martini (de&tra turria oum testudine) , auf der . 

*■) 1472 ctnueormU o*t oipella cam altari extn portam pro bocpitibtu 
raicipieadis tertU feria pMt Omnimm Sanototmn (UalL StsM, Collectio, pag. 
71S.) — 1473 ooDilrnoU fuit oapalla Ojaninm 3uiotoram oiroa pottam oam 
doBU ibidem, [üio. v. Siegen, pag. 467.) 

•') QalL Stsa, CoUeotio, pag. 708 bis 719. 

**) Mio. T. Sivgan, pag. B31. 



idby Google 



— 78 — 

Evaagttlien- (Nord-) Seite neben dem Hochaltar; gev^t 114S, 
XVI. Kai. Jalii (16, Juni) zur Ehre der Hoi^eD Martiona, 
Blaflios and Qangolftu durch den Erzbitchof Heinrich I. 

Der Altar S. Hapgarethae (in sinistra saperiori tum), auf 
der Epistel- (Süd-) Seite neben dem Hochaltar; geweiht 1143, 
XVI. Kai. Jnlii (16. Juni) aar Ehre der hl. Jongfrau Maria, 
Margaretfaa und Ursula darch den ErKbischof Heinrich I. 

Der Altar S. Benedicti (in snperiori choro), 1147, wahr- 
Boheinliidi bei der in diesem Jahre stattfindenden Einweihang 
der Kirche, zur Ehre des hL Benedictos consecrirt durch den 
Bischof Ditmar von Verden, welcher dem Erzbischof Heinrich I. 
bei jener Festlichkeit asaistirte. Ein aus nnbekannten Gründen 
erfolgter, vielleicht durch eine Verlegung veranlasster neuer Auf- 
bau des Altars machte 1327, KaL Martii (1. März) eine abei> 
malige ConsecratioQ durch den Weihbiscfaof Ditmar, Bischof 
von Oabala (in Coelesyrien) nothwendig, worauf derselbe 1701 
„zur grösseren Zierde der Kirche" nochmals abgebrochen ood 
mit dem Altar S. Barbaras vereinigt wurde. 

Der Altar SS. triam regum Qn principaü arce (?) stnistre 
partis ecdesie °*), 13Ö1 in dominica Cantate (15. Mai) geweiht 
ZOT Ehre der hl. drei Könige nnd der hl. Sobolastica durch den 
Weihbischof Albrecht (Qrafen von Beichlingen) Bischof von 
Ippas (in Galilea). 

Der Altar SS. Cosmae et Damiani (inferias (?) altare in- 
feiioris arcis sinistris lateris) '*), 1351 in dominica Cantate (15. 
Mai) aar Ehre des hl. Cosmas, Damianns, CTriacas nnd Sebastian, 
geweiht durch den Weihbischof Albreoht, Bisuhof von Ippas. 

Der Aitar S. Elisabetbae (altere inferioris arcis dextre partit 
eoolesie), 1351 in dominica Cantate (15. Mai) zar Ehre der hl. 
Elisabeth und Margaretha, sowie des hL Enstachios geweiht 
durch den Weihbischof Albrecht, Bischof von Ippus. 

*■) In welcher Bedentnng; du Wort oarxi hier gebraoobt ist, blaibt un- 
enticfaieden ; wahnohvnlieh liegt hier, wie anoh in der Folge, ein Schreib- 
fehler vor nnd für iiarce> üt wohl richtiger ><arOD> cn aetien, womnter eiii 
AAadenbogen kn vetttehen ist, nnd ■principtlii arons' genannt wird, wenn 
er 10 der Tfernng liegt. 

■*) Tielleioht itt bier, wie bai dem naohfolgendea AlUr S. Eliubethae, 
f3i ■iDferiori richtiger Binterior« in leien nnd dann dSrften diese Altire 
in die beideD Apsiden ni verlegeu sein, welche allerdinga nicht namhaft 
genaoht sind, obaohon die Benennung napiii' keinsew^a nobekaant mi. 

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— M - 

Der AlUr S. Bwbarae (in medio eoclenia), im IKtteLiebiff 
und aaf der Mitte seiner Lftogenacbse ; geweiht 1348 in feeto 
baatonun apoito). Fetri et Pauli (29. Juni) zur Ehre der hl. 
Dreieinigkeit, dos hl. Kreozes, der Jungfrau Maria, des hl. 
Aegidios, der hl. Agnes und Barbara durch den Weihbischof 
Albreoht, Bischof von Ippns. Dass an dieser Stelle schon vor- 
her ein Attar stand, ist allerdings nicht gesagt, da aber bereits 
in froher Zeit mit der Kirche ein Ffarrgottesdienst verbunden 
war, so ist fiLr seine Existenz als Laienaltar vor Aeta Jahrs 
134S dne hohe Wahrscheinlichkeit vorhanden. An diesem Altare 
wurden, auf Anordnung des Abtes Härtung von Driford, seit 
dem Jabre 1423 für die verstorbenen Gtrafen von Gleichen nicht 
allein tägliche Messen, sondern auch in jedem Monat ein feier- 
liches Todtenamt (solennis memoria ona cum laminibus et palsn 
solempni) gehalten, wozu von einem nicht namhaft gemachten 
(trafen eine Stiftung von 200 GUlden gemacht worden war '*). 
Bei der von dem Äbte Adam Dahlan angebahnten Bestanration 
der Kirche wurde der Altar im Jahre 1678 gänzlich abgebrochen, 
nach der Südseite (dem südlichen Seitenschiffe) des Oottes- 
hauaes verlegt und am 32. Mai oonsecrirt "); eine nochmalige 
Weihe fsnd 1701, 23. Ootober, staU zur Ehre der hl. Barbara 
und Agnes, so^e des hl. Aegidius durch den Weibbtsobof Jo- 
hann Jacob, Bischof von Vera (in Nordafrika), weil der abge- 
brochene Altar S. Benedict! mit ihm vereinigt ward. 

Der Altar S. Thomae (in sinistra parte ecolesia contra capnt 
■epnlcri comitum de Glichen), 1316 in die SS. Gervasii et Fro- 
thaaii (19. Juni) geweiht zur Ehre der Apostel Thomas, Simon 
und Jnda, und des hl. Oswald durch den Weihbiachof Jobann, 
Bischof von Lavant (im sUdUoben Griechenland). 

Der Altar S. Cruois, 1147 zur Ehre des hl. EreuEes und 
der Heiligen geweiht durch die BischSfe Gebhard von Eicbstedt 



■*) Nie. r. Si^en psg. 408 und 43a — In eluor Crkonde vom 22. Joll 
1433 ranpriotit du Kloatar den Qntfmi Friedrioh und Adolf tdd QletolieH 
eine ewige SMienmeMe. (Zeiteohrift doa Tereini f3r UiBringische Oesohichts, 
JeaSf T. psg. 263.) Die Stiftong iit daher wohrsoheinlich von disMa beiden 
Gntea gemzoht worden, nn denen dei «retara 1436, der letrtera 14&8 sUrb- 
(VafgL den SUnrnbaam im 6. Heft der UitlheilaiigeD de« Vsreini f3r die 
GeiidL B, Alterthnmiknnds von Erfart.) 

«*) OalL Stssi, Colleotio, pag. 780 o. 781. 



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- 80 — 

und Sigfrid von Wörzborg *''). Seine araprÜDgUcbe L&gä ist 
nicht angegeben ; 1678 22. Mu findet infolge seiner Verlegung 
nach der Nordseita eine abermalige Weihe atatt '**), welcher 
1701 33. October eine nochmalige folgt bot Ehre des bl, Kreuzes 
and des Erzengels Michael durch den Weihbischof Jobann Jacob, 
Bischof von Vera, weil der abgebrochene Altar 3. Michaelis mit 
ihm vereinigt ward. . 

Der Allar S. Johannis (in sinistro laters), mit welchem die 
Benennang „Kapelle" verbiinden ist, war »ur Ehre dea Evan- 
gelisten Johannes und Johannes des Täufers geweiht. Eine Zeit' 
angäbe ist leider nicht vorhanden, indess scheint die Consecration 
gleichzeitig mit der des Altars S. Stephan! vollzogen worden 
zu sein. 

Der Altar S. Michaelis (in sinistra parte monasterü), geweiht 
1221 II. Idos Aprilie (12. April) znr Ebre des Erzengels Michael, 
aller Engel und Heiligen durch den Bischof Wilhelm von Havel- 
bet^; im Jahre 1701 wurde der Altar abgebrochen nnd mit dem 
Altar S. Cmcis vereinigt. 

Der Altar S. Stephani (in deztro latere), mit welcbem die 
Benennung „Kapelle" verbanden ist, soll 1113 XVI. Kai. JuHi 
(16. Juni) zur Ehre des hl. Stephan durch den Bischof Anselmus 
von Havelberg ") geweiht werden sein. Am 21. Mai 1678 er- 
hielt dieser Altar mit Oenehmigung des Mainzischen Erzbischofa 
die Consecration cur Ehre dea hl. Benedictus und der aeinem 
Orden angebSreoden heiligen Personen duroh den Abt Adam 
Dahlen ""•). 

Der Altar Omniom Sanctorum Martyrum (in paradiso in 

*'} Bsids Biacliöfe hatten dem Grcbisahof Bsinrioh L bei der sn 19. 
Jani deaselbaa Jshree volliogenen Weihe der Eirche saiütirt. 

<■) Qkll. SloH, ColleoUo, pag, 781. 

*') Dai Jahr nnd die Person atimmeii mit einander nicht Sbereio, da 
AnaelDtue von 1136 — 1164 Biacbof von Havelberg vor (verKl. Ebeling, die 
dentaehen BiaohAfe, I. 477). Wann man den Veranvh wagt, diesen Fehler 
iD oorrigiren und dabei ainerseita die Verrnnthang gelten i&nt, daw wohl 
weniger in dem Namen dea Uiiahob, als in der Jahriahl eine Dnricbtig- 
keit an aachen ict, andereraeitt wat die von Gail. Staat gleichaeitig angege- 
bene «TI IndioUon* einigen Werth legt, ao dürfte «ich vielleicht daa Jahr 
114S als du richtigere heranaatellen , in welchem auch avei anderen, im 
Chor errichteten AlUren die Conseoration ertheitt werde. 

T*) QaU. Staat, Colleotio, pag. 781. 



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- 81 — 

iexixm parte), 1316 XI. Kai. Septembrü (22. Aagiut) geweiht 
ZOT Ehre aller heiligen M&rtyrer, der 11000 M&rtyrer und des 
LL Chriatoph durch den BiBohof Berthold, dictua de Henneberg. 

Der Altar S. Matthaei (in paradiso), mit -welchem die Be- 
nennnBg „Kapelle" verbundea ist, wurde 1303, VI. Ka]. Maii 
(26. April) geweiht cur Ebre des Apostels Mattbfina, der abrigen 
Apostel und der hl. Dreieinigkeit durch den Bischof Ludolf von 
Minden. 

Der Altar S. Andreae (in dextxa inferiori torri), auf der 
Nordsette des Faradiesea, geweiht 1200 U. Kai Jomi (31. Mai) 
nur Ehre des Apostels Andreas ond Johannes doroh einen (nicht 
näher beseichneten) Bischof Ditericus. 

Der Altar S. Catharinae (in dextra [? siniHtra] inferiori turri), 
auf der Südseite des Paradieaei, mit welchem die Benennung 
„Kapelle" Torbonden ist, geweiht 1218 II. Kai. ApriUs (31. März) 
zur Ehre der hL Katbarioa, des Apostels Andreas und Aller 
Heiligen ^'). 

Ausser diesen Altkren waren noch Bwei vorhanden^ welche 
asflndlenderweise in dem genannten Verzeichniss nicht angegeben 
find 1 ^Hmli i't' 

der Altar S. Spirüas, an dem westlichsten F&iler der drit- 
ten Pfeile^[rappe auf der Südsedte ''^), 1406 von dem in hohem 
Ansehen stehenden Erfurter Btti^er Beinrich Bmn und seiner 
Fran, Wonne, gestiftet and mit 2^ riieimschen Gulden dotirt '' '), 
welober spftter, ohne nkhore Angabe des Qrundes, der Altar S. 
Bonifacii genannt wttrde ^*), sowie 

1') ■!& cwpeDa 8. Cstbsrinae prape ecolMiss juinma wsrd 1608 dar 
Abt VaUntin Mohr burdifft. (OftU. BtMi, Nsoiotogiiim, pag. 143). 

") Aa diuim Ffsilai btfindet üch noch gegenvirtig du Wappen dn 
Fsmilifl Bmn, umie die snf die Stiftung bczOgliohe luohrift in Deogothianher 
Hinukel: anno, dni . m°. CCCC*. VI. hat. er . hein...! brm. vods. frow«. 
wrne . tjn . eliohfl .| wirtynns . gebrwet . desen . DTwea . j slthsr . in . die . ere . des. 
hailigan.gailitis.Tiidfi.hat.du.aon.gevadeiiiLyt lerns.ewig.Mle.mMis.dM. 
»SB . a|Ie . tage . reqviom . isl . leia , Tber . de I Bon . slthar .| rode . mI . allo . tag .Tor. 
er.fariBee.|b«viia.Btffl.TBdB.wmen.>yaer.wer|t7B. Tode, alle . ;n« . eyldem, 
•eis . getTTwelichon , beten. 

1*) QftU. StsH, CoUeotio, p^. 761. 

'*] Nie. T. Siegen, pag. 406 ff. — Ffir die Angabe t. Falekeiuteia's 
(ThOringiaolia Cbronik, IL Bnoh, pag. 10S6), dua der Altar 8. Bonifaoil ipft. 
tar nach dem hL Jacobni benannt vnrde, haben neh aoderwaitiga Beweis- 
itaUsn nicht auffinden iaaian. 



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cter ÄJtar S. Jacobi, ir«lolier ia der N&b« der äUlohansotte» 
Begr&bDieistätte tag und in dessen Umgebung 1494 die Gh-Sfia 
Catbarioa von Gleichen, geborene Gräfin Ton Scbwarzbui^, be- 
erdigt ward '*). 

An .koatbaren Betiqnien besass die Eirofae eioen sehr 
reicbbaltigen Schatz Nicht mir waren brä der Oontecration ^er 
Altäre mebrere in jedes Sepiilonun depoairt wordm, In den 
Hocbaltar sogar über 100 Stück ''*), sondern auch ebiaelDe 
Wohkhäter des Eloatera waren TOrangsweise darauf bedacht ge- 
wesen, demselben dergleichen der Yerelinrag gewidmete Gegen* 
stände aiun Geschenk au machen. So überreichte aar Zeit des 
Abtes Pilgrim (1172—1192) der Propst Wolfram des Fraaen- 
klosters au Icbtershanaen dem PetertUoiter aus besonderer 
Hochachtotig einen höohst werthTollea Beitrag, atnn grossen 
TheJl aus dem &üheren Besitz des ggttesfÜrektigen Erabischofa 
Wiebmann von Magdeburg und' des Deoaas Siftid- desselben 
Erzstiftes berrUbrend, in einem kunstvoll aus Elfenbein gefertig- 
ten, reii^veTzierten BehältnisB aufbewahrt und' in Betreff- ihrer 
Abstammui^ urkundlich ^^) TWbiieft und- beriegelt, hatte nutil 
ihnen über dem Hochaltäre einen besonderen EhrenplatS' ange» 
wiesen '' ^). Auch tod einem früheren Conyentnalen der Abtei, 
dem Abte Tbeodericos des Klosters, au Verden (UT'?— 14S4) !•), 
wurde derselben ein sahlreieher. und bochgesch&tater Beiferag 
verehrt, welfdier ans dem durch ihrei Beliqnienscb&tce beiflhmtett 
Eirofaeii und Klöstem des Thaiuischen £41d's erworb«a woräen 
war **)■ 

Ueb^ i^s Vorhandensein alter Wandiva-laral Bpricl)t sich 
zwar kein Chronist, uu, da indess in äer eisten. Hälfte des 14. 
und g^en Kode des 15. Jahrhunderts dieses Sobrauckes in an; 
deren gottes dienstlichen Räumen des Slesters, sogar im Kreqis- 



") C«th«röa .■■. sepnlta Cait siro« sapnbliraia versni-sUsn-S. JmoU 
[Nio. T. Bi»qßn, pB|. 474) 

") Otll. StMK, CollQotio, Wt- 708 ff- «wdan. wXa diMB IMIqnisiL.aai* 
get&blt. 

*') Die TJrkdsde befindet noh im. Bants ^ai &aisgerielits-2atlit Herrn 
Snoluuibaalt bi.M^tAeberg. 

")..Hio. V. Siscen, p(«- Uft - Baiq. Thtutogia. sfuua,- 1. U. Üb I&. 

^•).ObU, 8Usi, Ksncologiun, psi^ 1B&. 

•») Mio. T. Siegen, p4g. 478. 



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gsuge ftQsJr&dJich gedacht frif d rtni mlbflt Aag 'SüAfort&i i&aV 
bebe Sporen noch gegenwärtig avfzaweifteti vernrAg, bO lässf 
noh vermatiMii, das» n« frUbnrsr Zeii- hertttbrenJe Wand- 
inalereien ssab in der Eirebs' nicht gefehlt bal>en. Koch in spS^ 
tvsT Zrat kAme» ««f VeranUssang de« Albta« Andreae Ludwig 
im Jahre 1596 ^') und Beines NachfolgerB, Valentin Mohr (1598 
— 1608), an vsrsöfaiadenea Orten' de» Eloster» Wandgemald« zur 
A Maf tt hi un gf . * *) ,. Obertreldie jedooii attras Nftheres nicht ver' 
latttef -bnd'dia neUr i^ahivcheiiiEcfa in za dieaer Z«^ beliebt Weiv 
denden StafiaUiildars beatandeii. 

£b«iBO fmtbebrflii mir jbder, anch der gei^ngftlgigirtea Noti^ 
über die öiadg^emäld/e dar Kirche, au{ deren'' Beschaffong die 
rei«be Abtoi wohl um so tirenigar Vcraicht geUiBtet hat, als 
■elbst die Fenatei^ des' EjeuKgaitgea seit äem- letzten Viertel den 
15. Jftbrfamdert« tau w Tor^reMohon Olaftmatereleu geechdlüüfct 
varan, daas ihnea der itmuttvsrständigfl , leinte ^älitt de* ßlo- 
•teva, PlacidaB'Miifb^ naoh seinw eig«neB AneBsg« gerK eine 
«ndera^ ihtem Werti» «ngeineMelWPe ätelte angfwidaen hätt«! '■*). 

Wi6 an ondemn' Orten ^*)/ 80' veraillasite aach bei den 
K)<Ht«rb«w^mai3i d^B Feteraberge» die bereits tot der Hitte 
du Id Jabritohdesta iii Thtbriui^tt nachgieahmte BonaiBpsiacei 
cäBO UmtrabdioDg äek kitfehlichen-'SnnvtsinneB', And mit. ib« in 
Verbladattg war «ine- Teränderte Anaobabilng binrichtlioh nfar»J 
ober alten hirohliehisn Einiichtting -beotübt, srat der aWeitev 
HftUie de« l?-- JahehoBderte. dat Innere der Kirche mabvfdelked 
Veiftaderutgto ta vhtenrerfeiL Die anfeprdahslose Einfuhhieit^ 
wdeba selbst in. den:PrfMbtveEken ft^herü Zeit nioht zu -Ter' 
kenneii Ut, gMbgte. nicht joehr 'nod masste nataentlich au bef 
vo i ' i wgewdea G«genst8Qdaa; einem prankendes Sobeine weioben; 
welcher den altem Sehö^fungea der bildendeB Ktläate' TöHig 
frend V».. IJb.o&.geechniaekloseriNaeb*iaatn>g der BenaitoffiBoe 
vecbreilete ai?h nach aod nach, ^ie herracbefide iio^o über die 
ganze innere AusBtattong der Kirche, leidM* nur zu biUifigaat 
der einen Seite eitlen Prsnfc. und Ueberladtnig in maa Tfaeil sehr 



*•) Job. Kncher, L c, pkg, 686. 
•') Gall. StasB, NBorologinm, jmff. 3», ■ 
") Flacid. Unth , L o. pag. 47 ff. ■ " ', 

■*) TergL s. B. Sigbart, die Praiieiiliirehi >u Uflaofcm.' Ihrnds^Bt 1868, 
W-ULlLv'..' ■.■■.•.■■.;■ 

* 

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— 84 — 

nnBolider InneHiohkeit, auf der Anderen Seite Bo)>*Ie Nttchtem- 
beit zur Schan tragend. Die Frage, ob die einselnen Nenerangen 
sich dem Gftnzeit liarmonisoli anfOgten, ob sie der Bonat ao Ober- 
aoB fingstUcb gewahrten WUrde der Kirche überhaupt oBtspnichen^ 
ward, wie bei allen ModeBacfaea, natttrlioh gar nicht in Betracht 
gezogen. 

Dan Anfang in dteaer, mit bewnndemawerthem Eifer begon- 
nenen und fortgeaetateo Beseitigung firtifaerer Herriichkeit maokte 
der Abt Adam Daklen im Jahre 1672, wo daa Innere der Eirobe, 
am dieselbe aus Marmor erbaat eracheinen an laaaen, mit einem 
weiaaen Anstrich Übersogen *') nnd tob dieaem traurigen Lei- 
cbentnche der Ealktüncbe vielleicht manches inhaltreiohe , tih- 
■cbon etwas Terblicheue Wandgemälde verdr&ngt ward; 1676 
wurde sodann Über dem Hochaltar ein, den Anforderungen dea 
neuen äeaohmaoka entsprechender Anftata nebat Tabernakel er- 
richtet, dem der aonst rerdienstvolle Prtiat gern noch grössere 
Dimensionen gegeben hätte, wenn nicht dadurch die Fenster in 
der Chorwand au sehr verdeckt worden wären **). Im TerUvf 
der fortgesetzten Bestanration, wobei 1678 der Altar S. Barbarae 
gänstich abgebrochen, nach der S&daeite (dem aUtUiehen Seiten- 
achifi) verlegt "^) und nebat anderen Altüen mit einem Anfsals 
im modernen Oeaohmaok versehen, der Abtsstnhl 1679 erneut 
und sogar vergoldet wnrde '*), entfernte man anoh die in 
der Kirche aufgehängten Schilde der in derselben srar ewigen 
Rahe beststteten Mitglieder der Gleiehenschen GFrafen - Familie 
nnd mehrerer Erfdrter Oeachlechter ■*). Abt Nioolana de Qon- 
vemoor (1682 — 1705) gab „zur grosseren Ziwde der Kirche" 
einigen Altären eine andere Au£stellang and dehnte die orna- 
mentalen Neuerungen aach aof daa Gehäuse der groaaen Otgel 
ana *"). Sein Nachfolger, Placidoa Caaaelmann (1705—1797), 
lieaa die Kirche von neaem anaweiaaen ' ') und onter dem Abte 

**) GslL Btan, RdUeotio, p>g. 779 111873 in tnonaatsrHi totnm tenplnm 
renOTSri fnoeplt, illad dealbmndo«. 

**] Dsf. Conen bei OslL Stau, Neoiologinm, peg. U9. « QalL Stias, 
Collectio, pig. 760. 

•') 0«11. SUm, CoUeotio, pag. 780. 

■•) ealL StsM, CoUeotio, psg. 781^ 

**) Sag. Conen, L d. SAB. 

•*) Plsotd. Htttk, L 0. p»g. 91. 

■■) Ani diese Swtaaration beaog sich eine iatainisoke InsebrSt,- wallkt 



.C".oo«^[c 



— 85 — 

Ofintber Jan (1738—1773) Trarden 1765 bu eiiler Eroeuerang 
diues Anstrichs und abemtaligen, jedoch nicht nfther detaillirte& 
Restaontion sogar die kunstfertigen Hftode italienischer Kttostler 
in Tbitigkeit gesetzt ■*). 

Der anbekannte Meister, wacher 1225 in der Stiftskirche 
Beatae Mariae Virpnis die erste Orgel aufstellte, scheint auch 
t6r die Abtei eis gleiches „bewnndemswerthea" Werk geliefert 
Ml haben, desBen feierliche Kiilnge 1226 am Vorabend des Oatei^ 
feste« vftbrend des Abendgottesdienstes tma ersten Male die 
Kirche erfilllten **). Dteaes Kunstwerk befand sich am Wost- 
ende der Kirche vor der Kapelle omnitim Sanctonan, wo seine 
Eflckwaod der hinteren Seite des Altars jener Kiq>eUe aiemlicb 
nahe lag, denn dorob den 1291 V. Idos Jaoü (9. Jani) hier ein- 
Bohlagenden Blits erlitten beide eine sehr erhebliche Brand- 
besobftdigung **). Dieses Unglück wiederholte sich bei gleicher 
VeranlassDng am Mitt^ des Festes „ad vincnla S. Petri" (1. 
Angost) 1430, und bei dieser annalistischen Motis wird binsn- 
ge&gt, dasB die Pfeifen der grossen Orgel vergoldet waren 
nad das ganze Werk aaf 1500 Gulden geschlitzt wurde *'). Ftlr 
eine im Jahre 1476 anagefUbrte Reparatur der „grossen Orgel", 
w^he 2333 Pfeifen zählte, wurden dem Meister Daniel von 
Hadenberg 70 Quiden gezahlt und ihm ausserdem alle benöthig- 
ten Materialien geliefert; aber schon 20 Jahre spKter irar das 
Werk wiederum so schadhaft geworden, dasa es fernerhin nicht 
mehr benatzt werden konnte ^'). 

Mancherlei nngflnstige VcTh&ltnisse , denen sich die Nach- 
wehen des Bauernaufstandes und die Folgen der seit 1524 er- 
heblich gestörten inneren Ordnung zngesellteo, mögen Veran- 
Uaaang gewesen sein, dass erst 1554 dem Meister Claus Kopf 
die Neuanfertigang des Werkes Übertragen wurde, welcher die 
Arbeit am 8. December begann und im darauf folgenden Jahre 



sn der Sfidwsad das Chorei Aber dam Bilda ainaa gdffaoiigtan Christas 
sBgabrsohfe war. (Sali. 8tan, fieorologiiuB , pag. 8(1.) 

*■) DisM BertMration basUtigte ein an dar Wand nntar dar iroaMH 
Drgal aagabraolitaa Chroaoitieboii. (OsU. Btsss, Naorologina, pa«. B61.) 

■■) Chron, Bampak 

•*) (%ron. SaBpaL 

■•} Nie T. Biagan, psg. 858. 

**) Nie T. Siflien, psg. 4M and »7. 



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- fig - 

•m 10. Aigiut baeadete *''). Hoch einmal erlitt diese Orgel 
eine dnrot BlitSBoliIag lierbeigeflibrta ZentSnuig, in dar Nacht 
Tom 14. snlD 15. Juni lSß8, aod auitb jet^t veranlaHtan nsb^ 
baiiDt gebliebene Gründe eine Pause von sdit Jabnn, elie man 
ihre Xmanernttg 1676 TDrodia ^^). 

la irelobeB Jahr die Besebaffiug en«a^ aweiten, le£glidi ftr 
den CfaoidieDet bestimmten Orgel zu fteriegen ist, lAsst aidi 
nioht ' Bacbweisen ; .1474 ist indess die kleine Orgel bereits 
Torhanden, denn dieselbe musate in dieMita Jahra oiMr Kepus^ 
tur onberworfen werdeii, wobei die Zahl dbr Pfeifen au£ 750 StOck 
vaid dar dem ICeieter Daniel von' Hadenberg gezablte Ariieitslohn 
■a 18 Qüldea angegeben iat °*). Auch dieses Wstk ward 1554 
durch ein neues ersetüt *°'), Arelcfaes in den Faatan neben der 
ölten Ot^l unter dem Scbwibbogen" aufgestellt wurdo '), jedoch 
s^on 1597, vielleiiiit auf Veradaasung dtt musikro^äadigea 
PrioFB (ipätoreti Abts) Valentio Mohr abermaia einam «»dem 
den Plata räumen musste; denn es wird angeführt, daas m die- 
Ben Jahre eine neue Orgel „neben dem Chor über dem' Altar 
6S. trium Regum" angefai^n and 1603 beabdat wurde *). Ana 
dieaea Angaben geht hervor, daea eiob dieiea Weck vor 1507 
mögliöhsrweiae im nördlichen, nach dieser Zeit abfer in dem' attd* 
liehen Querscbiff *) in der Mähe d&c Vierung befbnd und hiar 
in entapreobender H^e Über dorn genatutten Altar und am^ 
Hber den CUiorsttthlan *} angebraclit war, von wo aatwoder de^ 
Organist selbst oder ein beaondors daau ängeateUter äcfattlfe die 
VorgÜngia aäi HocbaltBr bequem fiberaehan konnte. 

*')' BaiLdMibriftUobe Chroaä dn Stadt Erfoit tOB HK0. ZMihariai Hogat 
(8. Eari Hemaann, BibUoblteca ürfurtiD», pa^ ;a8). — Wolf Waidbaob^ 
Anfzeiolintiiifeii , eingeachoben in ein Maniucript dei Agrifwla-Bibliatlicfc, 
Siebs H, Bejer'a bandtoJuülliolie Samininng bittrer nnbekawiter M&obriobtes 
[Stadtarohiv). 

••) Gall. Stasi, Colleotio, pag. 7B0. 
") Mie. T. ffiegoB, paff. 4U. 

'•*) Job. Knoher b« Gall. Staai, OoUaetie, pag. «80: •lOH Orgai^ 
itott npra introltnin eboria. 

>) Zaeh. HogaL Hierbei wM die Rertaw^aUi»! in dat Jahr 1IM& TM4agL 
<) QaU. Stasi, CoUeotio, pag. 68S n. $88. 

■) Der Altar SS. trium Bagom lag ain prinoipalt U«a linilMM partia 
acolaiie'. 

*) Gütige Hittheilong dei DomorgaalatM Qanok OUAa. ' 



.vGqo^^Ic 



— 87 — 

Bmde Orgeln WHfden 1681 mit neueb Blaaeb&lgeil ver- 
«oben ")) auf welcb« iocieBa ein 1702 BogefUhrter Neubao und 
deuen 1749 nÖÜiig werdende Keparatar bu beziebui ist "), hat 
•ich nicht ermitteln laMon. 

Ans einer TerfaEltnidBmässig ep&fen Zeit stammten die Chor- 
■ tahle («adilia sitb atalla), ftir deren Hetateilung der I^aie 
Hartong eine beeondere Schenkung gbmacht'^n haben bcheint ''), 
wodurch das Kloster in den Stand gesetzt ward, im Jahre 1385, 
also gerade zb einer Zeit, in welcher man eich in einer fintutziell 
sehr bedrängten Lage befand, die Kosten mit l71'/g Schock 
(Groaohen) in Aosgabe su Btellen "). 

Zar Qewinnnng einer anch nar oherflächlicbea Einsicht, itj 
welcher Ansdehnang die Kunst der Sonlptur in Stein und 
Bolz vertreton war, ist nns leider alles Material entzogen. Als 
grome BoUstatuen lassen sich nacbweiseof ein gekreuzigter 
Christus, Johannes, Maria und Maria Magdalena unter dem 
Krence, sowie die Apost«! Petrus und Paulus, ftir welche 1'4&9 
der Betrag von 22 Gttlden zur Verausgabung kommt "), ohne 
dasB etwas Näheres über die Art und Weise ihrer Verwendung 
aufgefunden werden kann; nach einer vom Maler Bellermann 
gefertigten Ansicht von dem Inneren der Kirche befanden sich 
swar ^toen tob Beiligen über den Ffeibrn an dein Wänden 
dea MUteUehiffes, wohin indess die vorgenannten wohl keine 
Verwendung gefunden haben dürften. Bierbei ist noch anzu- 
RSiren die Statne einer Maria mit dem Christuskinde auf dem 
rechten Arme, welche gegenwärtig in der Meuwerks- Kirche an 
der Ifordwand aufgestellt ist und zufolge einer unverbürgten 
Tradition ans dem Peterskloeter etamaien aoU '<*). 



*] QM. SMss, Oolleetio, p»g. 79B. — Dag. Conen, L o. p^. »8, verlegt 
diert Bofbatu itTiUtmtiob in das Jafar lfl7i. 

•} aandnhriftliehe Cbronik tob Cfariitian Beiobaidt. 

') E i tKBgii», laku, ^ni oorapamvit aadilia «caUaia« (Sali. 8tan, Ne- 
«toldgialn, psg. 989, TSneiahu» dar Bbnsfaotorni). 

■) hio. V. Biegen , pag. 408. 

•) Nte. V. Biegan, pSg. 481. — Dieae Btataen wtren ia dar Stad« HnU- 
baoMD gMar*t|rt mtitm [Jvk. Koobsr, 1. 0. pag. 679). 

<*) Dian Statne attttd bia ann Somnac 1873 nthan der Kenwerks- 
UnM ata dar Bidwaad du gMehnanirsa Klorter^&ode; bei der tu die- 
■ar Ztit im Saitga begrifllMmn, gröNtaatheils eibh auf eine Bemalnog dar 
Wandfläobaa beaohrlukendeB , imiern Baetaaration der Kirche wurde sie ia 



: CoOJ^Ic 



Von den O-rabeteinen, welche in grOBier Menge den 
Fnssboden der Kirchs bedeckten, ist uns kein eiiiHiger erholten 
geblieben, wohl aber dai Stein - Monnment einet Grafen von 
Gleichen, der in ganzer Figur zwisobe» Ewei Fräsen rteben«! 
dargestellt warde in einem Costttm, welches dem 13. Jahrhnndert 
TollBtttndig entspricht ■*). Die Hautrolief- Arbeit der auf Con- 
Bolen stehenden Figuren ist mit einem mSssig breiten Rand» 
umgeben, desBen vordere Flftobe mit der pUstiBohea Erhebung 
der Figuren in gleicher Höhe liegt. Ueber die Lage und ftUBsere 
BeBchaffenbeit dieser BegräbnisBBt&tte giebt naohBtebende chro- 
nikate Aufzeichnung eines ungenannten PetermOnchs hinreichende 
Aufklärung : 

„Eodem anno (1678) destractum est altare S. Barbare, 
quod atetit in medio templi ante sepalchrum comitis de 
Glichen, ouiM comitis lapiB Bepulohralis pOBt hoc altare 
ad duRB nlnas et amplius erat elevatua ac pulchris Btataris 
adomatuB ; translato altari ad sinistram latus, sepol- 



diMslbe venaUt und bemhlt, dagegen an ihrem fruheran Standorta ein« 
andere, in einem 'Winkel des katholuchen Waitenhaosefl aufgefondene Ha- 
donnon-Statne anfgeatellt. 

■') Abbildong bei Pnttrich, DenkmiJe der BankoBit dei HittaMtcn in 
BaohMn. AbtUg. IL Band IL Seotion Erfurt and in J. t. BebemAltMiMki 
Trübten daa HittaUltan , Abthlg. L Taf. 86. 

BeiSglioh der auf dem Orabttein dargeitellten PerMnen: Lambert das 
II. Qraf ron Gleichen (f 1327) , leiiier eriten Qemahliii , einer Grftfin von 
Orlaroüode, vnd seiner iweiten Gemahlin Sophie (t 1S47], sowie beiGglioh 
des Orabsteine selbst TergL den Aafsati des Herrn Oberfbntmelatera Weme- 
bui^: ■Oeachiohtliohes über die Grafen von Qleloheii« nnd sDiB Saga vam 
sweibeweibten Grafen von Qleiohena im 6. Heft der Mitthrilongen des Ver- 
eins f. d. Gesohiobte eto. ron £rfart, pag. 80—80 wid pSg. 76- SO. Za den 
hier angetthrten Beweisen gegen die Aniuihme des Heim Oh,-Beg.-Balln 
von Tettan (TOrgl, dessen Aofsatc nUeber die Qoellen sto. der EnUlang 
▼(m dar Doppeleke eines Grafen von Gleiohen* im 8. Haft dar Torgeaannten 
Hittbolnngen), naoh welcher die Entatehung das Grabsteins in das Bmto 
des IB. Jahrhunderte in verlegen sei nnd denuelban uAgliidienraiae der in 
der Kirobe das ehemaligen Sohottan-Hloaten sn Erfurt nook jetat vorhan- 
dene Grabstein des Walter von Gliaberg nnd seEiiar GemahUa ala TaaUld 
gedient habe (1. o. Heft 8 pi^. 90), — mdgs noch UuugeAbrt werden, daat 
dem Mittelalter eine aolohe Naebahnwig gaas fbm lag, wannglaidi bei dar 
Daratellang einiger tdbliaohen Penonu ein hargsbraohtar, dnoh die Kirshe 
gleiohsam geheiligter Typos faitgebaltaD worda 



:,G Gothic 



' obnun totam bamilUtam est, lapide lepaldirali in terram 
loOAto et jaona »an porU apertibilt deiuper facta." * '). 
Am dieser Notis ergiebt sich, daai jeoer Stein einer vier- 
eckigen Tamba, welche in einer Höbe von etwas mehr als swei 
EUen die Haaptbegräbmasstätta der Grafen moBchloss, aU Deck- 
stein diente, diese Tumba zwischen dem Ober ") und dem, in 
der Mitte der Kirche stehenden Altar S. Barbarae sieb befond 
und im Jahre 1678, also nt einer Zeit, in welcher zufolge der 
modemea Konatrichtung mehrfache Veränderungen im Innern 
der Kirche vo^enommen wurden '*), gleichzeitig mit jeaen 
Altar abgebrochen ward *'), worauf man die Deckplatte auf 

'•} QftU. Stau, Ctdleotio, psg. 780. 

■*} Hierbd iit sn bemerken, dui hier unter iChora nicht sllain der 
Srilioh dei Quenohiffei Hegende Tbeil der Eirofae, aondem sveh der tob 
den Cborstahlen vmaohlONena Kirahenranm , inithH) der eigefitlich kirdi- 
Uehe Chat n Tentehen ist; d» jener eof der Ortwite de* QuereohUTM b^ 
fiodlMhe Theil de* HiUelMU&iM eine in Kuinge Anidebnimg beaiUt, um 
Mueer dem Boohaltu nnd den kbgeMnderten SiUen f3r den Abt, Prior und 
Bnbprior, enoh für den loweilen 80 bis 40 Mitglieder tählendeu Convent 
und den oft ckhlrelohen Benioh fremder geiitücher W&identrSger nebit 
Ueriealem Gefolge eine hinreichende AuBshl Ton Chorsitten Bufsanelimen, 
#0 konnten die CboritSble nloht einmal «nf die Viemng betebrinkt bleiben, 
Inde rn reiohten wi±t «ahmheinlioh nwh Weetan bin sooh sin StOek Ibe* 
disMlbe binine. 

'*) Vergl- psg- 6S f. — Nicht unter dem Abte OSniher in der iweiten 
BUft« dei 15. JKhrhnnderta, wie in den Mittfaeilongen f. Geioh. o. Alter- 
tbonukde. von Erfart, Beft S, peg. 24, verrnnthet wird, sind derartige Ter- 
inderang«) in der KloeterUrahe Torganommsn worden, dSM dadeioh i lt we 
OrabnoaatiKBte nnd kirobliidia EinrioUnngsn giniUeh beeeitigt wordea 
wiren , wobl aber nnter dem Abte Adun DaUea in dar sweiten Bilfte 4** 
17. Jahrhanderta, Die Tom Abte Qüntber ia dar Eiiohe angeocdiMt« baa- 
Bshe TerlndeniBg betraf ledigliob daa 1499 bagoenene, in Hüls qoBstrairte 
fiewfilba des Hittabdliffea nnd den 1478 angeordnetea Einban einer Sakristei 

■*) Der im Petersklortst T«qienoinmaiw Abbmoh des AUara nnd dar 
Tnmba stakt kehMswegs varaiiii^ da. In dar Bwediktinar- Abtei- Kkake 
■n Sranwailar asttonte man l<ft7 daa im Cbor Btebanden Sarkophag der 
Stiftw und den tot den Choratofen stabenden Laienaltar, am den Chor as 
erweitern nnd den Boehaltsr tut den Anbliek freier sn legen. (Organ fBr 
DbriMlioba Knust, 1861, pag. 11.) — Im Dom in Limburg an dar Lahn be- 
ÜMd jieb TOT dem fioobaltar das Honsment des Orfinder«, Conrad'i, firafen 
des unteren Lahngaoss (f M8), (aioe auf S knnen SAnlen mbende Platte 
mit dar Portruitfiger des Teratorbenen , ems Arbeit ans der eratea BiUte 
das IS. Jahrhsudartt), wehdies Termutbliob im Jabre 1770 nsok dem u&rd- 



. Cooj^lc 



— 90 — 

derselben $tell«, wo die iWbs -geiituideti, 1b defi Fähboden 
eimenkle und mit einer bi^Eernen (Klapp-)Thtlr bsdeoktei damit 
Jedes fltrftaeheln der derflber binschreitenden Eirebebbe^oher 
▼ermieden verde; an dieser Stelle, „bei dem EKngftnge «dm Ckat 
nnd mit b^Üzemen Tbfiren bedeckt", ist jener Stein auch bi« 
Dun 19. August 1818 liegen geblieben, wo derselbe an^Bhobenj 
in die- Domkircbe geschaßt und daselbst an det inneren Wftttd 
des sfidlichen SeiteUBCbiffes aufgestellt wurde '*). 

Als Beispiel, dass Grabsteine sehen bei Lebzeiten ded Ver* 
Mdfbeaen angefertigt -wnrdeD, iBt der Stein des 1448 seines AmM 
entsetzten and 1451 gebt(»benen Abtes fiartUng Herling äbai' 
iUhrea, von dem gesagt irird, dass sein Grab mit einem Steine 
bedeckt wurde, den er sich bei Lebzelten selbst habe anfertigen 
Us^en "). Aach ist die Kotiz eicht uninteressant, dass Aebte, 
welche v»t ihrem Tode äa» Amt niedecgelegt hatten, in dw 
Weise auf ikren GrabsteiBen bäfUich dargestellt winrden, dAai 
«!e die Inful nicht ftof dem Kopfe, sondern in der Qamt tn^en { 
Bö der Abt Hermann von Etchelbom , welcher 1353 erbHndete, 
seinem Amte entsagte, 1357 starb und in der Kapelle S'. Annae 
begraben ward "). 

Von den manaig&ltigen (iwjttben und Gegenständen dea 
Kirobenaohmnokes flir den gotbesdisastStriian Oebraiteb; 
welche theils als Geschenke der Kirche dargebracht, theQs yOU 
dem. gespendeten haaren Qelde beschafft worden waren, stand 



liehen Krmflagsl TsrlaK* ward, weil ia dam (atnnntan Jdin dv klt« 
Bectaltkr »"bgAtoAtn imrde, vm «msm imubii, pMsfctigsren Pktä M 
AMohen; bsi djsser Tsriegnig dM UomuMiitM sotl die Mher ta ds^ 
Mlbsn TOrtasndea gtwMeiia Infobrift benitl^ «ordea sein. (F. H, MUM, 
BeltVftgs tor dralaotaen Kant- And QesohMtilcuide, Jshrr. I. p«g'. M^ 
Tat XI.} — Die Ttuuta des BnUsahob Qerlaoh -na Msä» (t ISfl), la itt 
lUtte der Viemng dar CUteroteBswAbtsi-KiMbe m Ertmob im Bbsingan, 
«ard bei d«T vom Abt* Trisotin von BanantlMl (f WlSf MnleraomMSDen 
KertMntion d« Klfehe st^broDhsa nnd an die nftffl ll Bfc« Obarwand tsf- 
tetit (DmkariUer sdb Hsshd, Heft 8, psg. S.) 

") t^tfntUDtin Bejw, Hsqs Gbranlk tob Sifart, yag. U8. 

<^') Nie, ▼. fiisgen, p. 42S. 

'•) Nie. V. Sivgui, pag. 888, — Aach BischAh, watm sis vor iürw On^ 
•eerstion feitorben mren, wurdea ia der WsltabMüeb dsi(K«rtriH, dm 
fhnftB die Hitra tnr Seit« (Und nnd aioht den Kopf badeeicte. (Wttlirt- 
iBageo det k. fc. Central-OamiiHMtou, 18S6 jug. M out |8«0 psg. Iti7.} 



.'.oo^Ic 



- 81 — 

itm KIoBtw, wenigsten« bis znr Zeit der aoliwediselwn Occt^ 
pfttion , eine überaue r^che Aaswahl ra Q«boto. Ans dem von 
dem MÖQcb Gallus Stftss BUBammengeBtellten VerzeichoisB sfimmt- 
tieher Woblthftter * *) kann man ereeben , in wcleher Manni^al- 
ti^eit irommer CMaabe und inbrünstige Sebnftucht naeh £U er- 
risgendem SeelenbetI dergleichen TemächtniBse anf den Altaf 
der Kirche niedergelegt bstten. Die atiD der WerkBfa« des 
Gotdsohmidta herrargeg»ngenen EuDEtTrerke , die kostbaren Vir- 
zeagaiase anslanäiecher Weberei, theils schon verarbeitet, tbeils 
all iMÜebig verwendbarer Stoff, die t-eichen Produkte der Stick- 
fconst, an denen Ferien and Edelsteine oft mit TerBchwenderischer 
SVeigabigkeSt angebracht waren, sowie die sorgsame Atbeit des 
kldsterlicbea Schreibers und Malers, findetman hierbei in glei- 
cher Weise vertreten, wie die- Hammerarbeit des Kupferscbmidts, 
das feine Linnengewebe des heimathltohen Webstuhles, die ntir 
mit farbiger Wolle mühsam ansgefllhrte Nadelarbeit, sowie die 
fk-zeagnisse der DmckerpreBse, nnd konnte der Ritter oder der 
Kriegemann dergleichen Opfergaben nicht ennögltcken, so be- 
stellte Cr daa Kloster znm Erben über das Eine, was er sicher- 
lich im BesitE hatte, über sein Streitross und seine Waffen, deren 
Verwertbnng' der Kirebe anheimgcBtellt blieb. Daaa man selbst 
▼Cd Seiten des BÜosters den zU dergleicfaen Spenden bereiten 
Wohlthftterinnen hin nnd wieder Rath und Aufinnnterung su Theil 
werden liess, bekundet eine Kotiz, welche der setner Zeit mit 
der Fortsetzung der Klosterannalen betraute Schreiber dem Abte 
Tfaeodoricns von Bmnheim gewidmet bat; dies^be beaagtt Auf 
VeMnlusimg dieses FMÜaten schenkte Sophia, «ne Gräfin von 
Oleicheo ••), dem Kloster 1S56 eine prachtvolle, mit Perlen und 



'*) 8««oU in e^L Btsn, Nsorologiam -ptg. 163 fF,, tta Meh in iattm 
CoUMtlo, pftg. 10» ff. 

") Oall. Stns, VwrglogMiD, pag. SBS. Du EloitM hat verAtofat, diMa 
Stiflv SopUa Biliar sa emnttshii da de aber in dm gensalog^laobsn Ta- 
baHsn nÜit MAatndsn war, dagegsn ia diesar Z^t aai der Oletohemehsn 
Familis aine Lnoia 1S88 al> AabtUsiii and «in« Etüabeth 1SA5 alt Nonne 
im' Kloster IchtanhaoMm, Hwie eiiM Oonetantis 1B9A als Nonne im Elostar 
Urnen genaniii werden , lo Termothet« man , du« eine dieser drei Franen 
den Tanfnamen Sophia geführt hat, den sie ta Polge der Ordemiregel bei 
ibror Eiokleidnng mit einem euderen vertauRelrte. ~ Maoh einer uideron 
Termathnng ward alt Spenderin der Inful die Orifin Sopfaie, die Hntter 
jener beiden Nonnen doe Ichtenhtowr- Kletten and Qemaliha dei Qraftn 



. Cooj^lc 



— 98 - 

EdelateiDen besetzte Infiil nnd Bioberiiob würde deiaiell>Mi aod 

mmncher Scbmnck fthnlicber Art zugewendet worden lein, wenn 
jener nicht ichon 13Ö8 daz Zeitliehe gesegnet htttte "). Von 
der Aafstellnng eines VerzeiofanisBez dieier EirchengerStite «m 
dem Qrande ganz abiehend, weil aas keiner Zeit ein Inventa- 
riam nns erhalten geblieben ist, möchten wir hier ntir einige d^ 
werthvoUaten noch namhaft machen: Das dreiüzche (d. b. in 
drei Sprachen geschriebene) Psalterinm und das silberne zwri 
Pfbnd schwere Buch (Heimon snper Apocaljpsin) , beides Gfr- 
zebenke des IchterBh&aaer Propstes Wol&am, der sich naauit- 
lich durch die besonders hochgeschfitzte Qabs von werthTollea 
Bsliquiea um das Kloster sehr verdient gemacht hatte und dafllr 
auf seine Bitte 1185 vom Abte Pilgrim in die Bruderschaft dez 
KloBters aa|genommen wurde '*); eine grosse vom Laiui Jo- 
hannes verehrte Monstranz im Wertha von 160 Fl. ■*); der an« 
Elfenbein gefertigte, mit goldenen BlAttem umlegte nnd mit einer 
goldenen Krümmung versehene Abtastab **), ein im Jahre 1611 
vom Abte Johann von Siegen verehrtes Oesobenk "); ein von 
der Laün Margaretha dargebrachter blaaer Mess- Ornat von da- 
mascenischem Gewebe '*); eine mit 120 Fl. bezahlte Bttcfase 
für die geweihten Hostien '"'), welche ein Johann, geboren im 
Dorfe Hottenbaoh, wohnhaft in Siegen und 1477 als Cosfratw 
des Klosters gestorben, 1470 in ehrerbietiger Devotion über- 

Hermann von Gleichen beteioliiiat, welcher eh aeiaem nnd Minsr Frza 
Beelenheil dem Fetersklotter im Jshre ISBB zoht Hnfon AckerUnd in der 
Flnr des Dorfet Ollendorf lobenkte. 

■■) Gsll. StBM, Neorologinm peg, 663 3.: »Brwlt is (Theodoriaai dtfasa) 
«z oelshri st nobiÜMims Branhemiomin jsm dsdnm extineU Eimilia orinn« 
da>, «t ni brentu regiminii, rexit antem moaMtsiiom vix per i znaos, 
^na nlteriorei oozatna impedinnet, plnr» forte (gosoemadi omzmenla sd 
angendsm divioi onltni majettatem nobia anpareaaent.' — Oisaa Infal war 
mit der Bzebatahonden , gleichWIa geatiokten Inaelirift TcrMhen: ■Auno 
Domini HCCCLVI. per Theodorionm abbatem praoursU st p«r mnoa nobilia 
doaiiiiae Sophiae de Glichen openta. Cordia amerosi sm nitrataa indiaiida 
serti apinoai Chriiti meritam reoolando «wtctass. 

'*) NiooL T. aiegen, pag. 838. -~ tLvn Tfantizgia saera, L 61 So. 28, 

■>} OalL Btaaa, Necrologiam, pag. 99B. 

**} Qall, StSH, Naorologinm, pag. 8fi& 

•■> Job. Bnoher, bei GzU. Stasa, OoliMtio, pag. 671. 

'■) Osll. aiaai, Neorcdoginm, pag. 166. 

*'} Theos pro veDorabili sscramaato. 



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_ 93 — 

rückte '"); swei silberne CandeUber, filr welche der 1696 ge- 
fttorbeno Stadtachreiber Dr. Leonhord Beyerbiioh 100 Imperialen 
legirt hatte **); ein goldener, nur bei grossen Feierlichkeiten in 
Qebraach ta nehmender Kelch, an welchem allein die konst- 
volle Arbeit 80 Imperialen kostete und der 1679 anter dem Abte 
Adam Dahlen beschafft worden war *'), sowie der im Chor 
bongende Kronleachter (oandelabnim in choro pendens), fllr den 
der Abt Andreas Gallas im Jahre l6ll 75 Fl. veraasgabte ■*). 
üeber die Qlocken, welche sich im Besitz des Klosters 
belanden^ sind nns zwar mehrfache Notizen erhalten geblieben, 
allmn ihrer UnvoUstAndigkeit wegen lassen sie sich nicht in hin- 
reichende Uebereinatimmung mit einander bringen. Ein vom 
Hönoh Gallns Stass anfgesteUtee Verseiobniss **) enthftlt zwar 
ausser Ifamen nnd Inschriften der im Jahre 1777 vorhandenen 
Glocken, anch den Ort ihrer Unterbringung, bei einem Vergleich 
mit den Anfseichnungen im Ohrenioon SampetrJnnm tmd de« 
T. Siegen machen sich jedoch XamensveTschiedenheiten bemerk- 
bar, die eben oor durch einen später veranlassten tmd nieht 
notirten Umgoss zu erkhlren sind. In einem anderen Verzeich- 
niaa, welches dar Foblihation fttr den im Jahre 1810 von der 
französischen Beglerung angeordneten Verkauf der Glocken bei- 
g^eben i«t, fehlen leider Käme nnd Gassjahr, dagegen sind 
Gewicht, Grösse nnd Ton angegeben '^). Ans einem Veigleich 
beider Verzeichnisse ergiebt sich ausserdem in der Ana^ der 
Glocken eine Differenz, denn die VerOffentliohung für den Ver- 
kauf fOhrt nur acht Glocken auf, denen noch eine (Ton A, 45 
Centner achwer and zu 1260 Thlr. abgeschätet) hinzuzuzählen 
ia^ welche vom französischen Kaiser der Kirche als Lärmglooke 
beJassen wurde und erst 1813 zerschlagen worden sein scrfl '*), 
— w&hrend in dem von Gallue Stass mitgetbeilten Veneicbnisa 



••] OdL SUu, CoUsetlo, psg. 7U. 

**) OsU. 3taM, Reerologiam, psg. :116. 

••) GsU. BtaM, CoUeotio, pkg. 785. 

■*) Johum Kocher, bei GalL 3Ui>, CoUectio, pag. 688. 

•*) In GaU. StSH^ Mwvologiimi, pag. 867 S. — S. Bmlags A. 

■■) EifsrUr IntelligMU-Blstt, 181<^ Hr. 11. — S. Bailsge B. 

'*') Fransöusehe Verwüittug;«! in der Stadt Erfnrt, BMondorer Ab- 
dnok SOS dam Tisrten Stack des 1. Bande* du Nameiis. Weinar, 181i 
(im Bsnts des gtadtratlii a. D. H«rm Karl Herrmium). 



:,G Gothic 



^ 94 — 

Tiarzeho Gtockoo angegeben werden; hietiucb .«ehernen' nMU 
der VoraqssetEmig^ daas lös »vx SKcul»risati(m dei Kloaten w 
^hre 1803 dftB gmuB Qelftitta no<ih, voUiUtodig erliBheii ,irar, 
von diesem Zeitpunkte ab bis sum . Aniasge des Jahtra 1810 
einige, Olackea boreftq anderweitig verwwidet worden- sft sinik 
Zu diesen darf vu» Tiellejqht die onter dem Äbte Qüntbar II. 
nmgegOBBOne Tii^hglook^ (campana nensalis) iKhlen, welche 
naob dem Da^!^ Isqerqdq kam, wo «ioh die am Thuma. dao 
Earcl)^.,nDcb gflgeqwJi4tig in Q«brancb bofindliohe Schfaigglecke 
diufl; da« Wappan d^a genannten ÄbtM nickt : aUein ala and 
494 fet^a^lfistiV fll<a|»msBi[l>.«onderD aocb sU jene TiBobghioka 
WT^iftr,: 

.. S^f|h den ABfaeiobnangen im Cbronioon Samptitrinnm wasen 
4i0' fP&^iWV ß^hon, m dem einen Tbonaa, die kieäneren n 
jam afii^nu. Thtn^na luitörgebracbt '^); bringt man di««e Am* 
gat)e awt d«r dM Q«llaB Stana in Vwbindnjng, bö ^abUrtait „Fe* 
tma",. ^jPanlaft? und' „ÄndrsaB" au 4^n griiaabnB Gloöke% 
ifBbfbO' d<lin..Än«ii^iii .naicb aoob als .die ftltoatem bia xiir Anfi 
b^lmi^g defi, I^pateivi' i»: Gebraäqb wareo. ■.,:■: 

, . Yf» äfßapa hait:difl Glook« „Betau", wcddie' ab dia grSasie 
liavp^fl^Ui wifd; ''), daV moiaM Uq^iBc^ betrafflam Ja Jdire 
;^7 for Ehre .dw AposteJfUrBtoB Von dem MeUer, HeidiaBiRan 
d6;Aobü]' g^piMan und in. der aweitan Hälft« da* Monat iSe^ 
^y^lieK. dflss^lben. Ji^ea TOa d«m Biaobof TheoderitAis '-aod 
ii{ai|mi^);^. geweiht *'),. aertpsaaig ai« aar grouen Betoübniaa 
dea.eoayqntB Bcb«iaa248 IH. Non. U^ (5. Hai) ^^). Bai dam 
nocb in d^mnelhw Jahre nntqniommenGB UAignas misaianB dwav 
d^rsßlb«». Weil,, wob) kl f'olge eisea Fehlara im.MaBteL/daaflfei 
täll ip. die Erdeäos«; ein ap&terer Veraneh Beferte dagegoi Mri 
9u£riBdei»t4llende)« Beiultat '"), welcher aeht wabvecbeialieh 
1255 m. Kai. Novembria {30. Octobef) zur Ehre dei^ bmlige» 
Dreieinigkeit und des ApostelfÜrateo ata^tfand *"), .äi^^naals 

'*) Chron. Sampet, ■. 3. 1348 and' 1251. 

>•) Chnm. SampeL, i. J. iS04. 

**) Chron. Simpet — Nio. r. Siägen, pftg. 366 giebt denlSamasFetnu 
anadröoUioh' an. 

••] ChTOb. Sampet. — Nie. r. Siegen, pag;. S&Y ugt SDadrücklioli,,dan 
aii' äl6oke ■Potnuii gosprongen (ei. 
• ■"Jlfio. T. SJBgon, p&g. 867. "* ' '^ _^'' 

•') Uiron. Bampat 



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^. dß ^ 

Iu4te der Coavent 1296 t/a Fwte AlW^^Uigsii (1- Kovember) 
da« ^Q^ainruigeii der Qlocke. zi^ betMag^a *'), worauf ein wif 
vielen Kosten verbaikdenar Neugiws, 1297 am Vorabend im» 
Festes laaun^abilitini Utttyrom (2. Xovember) *') erfolgte, 
wolchato jedoch erst 1304 in vigilis oct^ve auomptionU 9e»tf« 
Virginia (21. Äuguat) *^) die Weihe ^ Theil viird^ Diatav 
Qna« BQ^iqt, bifl Eor AuCh«buiig i«a Klostera TOrbiyideQ. geweaeit 
an Bein. 

Die Qlocke „Paalua" woide 1246 am Tage des Feates 
3- Leo^ardi (6. NoTbr-). ^0°^ Heister Seidinnciu de AfljUn 
gegossen **) nnd h^i sieb dem Aiucbein offih ii^ ihf9iß. nrr 
sprltngli^eD Qnaae bis fia Aa£löanng Ae% Qonvept« eihaltis. 

Pia GJiockft „Apigtreaa", gl^icbädts top 4ein vorgaiwmteft 
Mentor i2^ ly, Ral. NovembirJa (2?. Octobr.) ") geg©»en, 
zersprang am 27. April (in octava indulg«qtj<^ , noat^a?) **) 
1^4 *■');. i? dpm. fc.bon am 3. Juli, Qa ylffii,», S. üdaliiwf) des- 
B^ban Jabree voni ^ei^ter Theoderiqua distua JboniB vorg^nom* 
m^^ Un^E^as ' ») a^b^ipt si,e bia aar Sl^cijilariwtioii d^a Kloatarf 
in Thäftgb;eit geWiebcm m 'oni- 

FQr die kleinen Glocken laasen sich die vorbandenen Notii^eq 
m eii^ff, äMif ben ^mapfi^Bi^atellapg si^b* Terflisiganj, wMl bei 
i^e^ bfiqli^^ Vitb^B^Jf^Ucb nqtbweodig; gewondenef] Umgjwf 
die Mamen der meiaten ein« Umftn^^EU^ erlüteja b^bei). Z^ 
welcbfr Zeit die ep^aa derje^ie^ bcwcb^^ irnrdaii, dwüber 



*•} Chnn. Skpipet.. — Nie. t. SiegieD, psg. B69 ngt snadrDoklläli , Hu 
die Oloolcg ■PAtraii getprnngen ml. 

"iCbttA. Sampot — Da* Catondariaia dos PetsMUbater«' (in. Sali 
BtaM Noeralopnm) giebt dieaea Fest mm 8. NoraiqhsR an, in cUaiGabfir 
dämm das UarienfMtM iat m dagegen gar nicht anfgenommaB. la da* 
Ton Br. Stfibal verfaaaten Atugsb« dea Chroik Sanpat. iat diiM*» Tt^ fflr 
«tiahaa Ziidkonagal'a Baudlmob fftr aiigelieDde AiphiTare, pag> QSl ■ drei 
tanahiBdan» Zasai 30. Fatac, 6. Oklbr. and 8. Kovbr. angiabt) irrtbfiaU^ 
aatf/daa antan.dat gonamrtw Tb|« nrlagt imiiit». 

*■) Ghron. Sampat 

■*} Chron. Ssmpet. 

«») Ghno. SaavBb 

V) CbtoB.. auvat, Aaiakf.: iA Mt. ia oeUn:PMaliao, d. h. 4m nH 
einer Indnlgeoc Terbtuidena Fsat der Kirobweiba, welobea seit data Jatn 
1387 aaf den araten Sonntag nach Oatam anbaranmt wa^lm wATf ' 

**) Chron. Bampet. 

*') r - 



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- s« — 

geben die Cbrontsten nicht die geringste Äasknuft; da indeas 
kleine Glocken Qberbsapt fr&her als groaae in Gebrauch waren 
and die Zeit für die letsteren erst mit dem 13. Jahrhundert be- 
ginnt **), BO Uaat sieb mit zienlioher Sicherheit ansehmen, dasa 
aaoh die angesehene, mit anderen KlCstfim sowohl im SOden, 
wie im Westen in maanigfscher Verbindang stehende Abtei S. 
Petri sich bereits vor der Mitte des 13. Jahrhunderts im Beantz 
einiger kleinen Glocken befand *"). 

Zu diesen gehörte der „Benedictaa" , dessen Gass 1297 
wenige Tage nach dem 2. November bewerkstelligt ward ^*-). 
Im Jahre 1609 erfolgte ein Umgnss dieser Glocke *'), w^che 
aoffttlliger Weise in dem von Gidlus Btass anfgestellten Yer- 
■eiehnisB wiederum den Namen Benedictns ftlhrt, obschon aie 
svL Ehren des Apost^s Andreas gegossen und mit dessen Bilä- 
niss verseben wnrde. 

Ton den Übrigen können ans früherer Zeit eben nur 
folgende chronicale Notizen mitgetheilt werden, welche jedoch, 
vieDeioht mit alleiniger Ausname der „Soholastica", mit den An- 
gaben des Gallus Stass in keine Ueberemstimmong au bringen 
Irind. 

Am 7. October (in die SS. Sergü et Baebii) 1304 wurde an 
swei Meinen Glocken (sohellae) die Tanfe aar Ehre ät/t hl. 
Petronella und Scholaatica vollzogen *'). 

1385 befand' sich nnter den kleinen Glocken eine (n«biln 
campana) mit dem Namen „Nola" **). 

1339 unternahm der Abt Hermann von Eichelborn mit vielen 
Kosten den Ghua einer aeaen kleinen Glocke (novam chrilam 
procaravit) *^), nnd 

*■} OrgWi t- (duiatL Kntut, 1861, pag. «7. 

*o) Dia BenedMiiiw- Abtei in Fnlds befsnd sich lobon bei den Tod« 
Ihm Abtes Stnrm im Jttbre 779 im Beate voa Qlodieii (gkvgu), joa denn 
•I sUerdingi nicht erwieeen itt, ob diosdben gtgomiu «sreo. (BlgOis lUm 
MUHti Starmi, bei Perts 1. o. Soriptoree II. S77.) 

•>) Cbron. Stmpet. — Nio. v. Sieg., p»g. 869. 

■*) Oall. StSN, Collectio, pftg. C89, wo ein UmBraei der Qlo«As Bens- 
dletns angeführt, jedoch irrthfimlich in d» Jahr MIO gesetat wird. — TergL 
•Mb Bellte A. 

•>) Chnn. Sunpat 

•*) Ebnida. 

»•) Ebenda. 



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— 97 — 

1492 wftrd die 141 Ffbnd schwere Glocke ,^oliatmea" gp- 
goason •*). 

Von dem dnrch Blitzschlag am 14. Mo! 1613 entstandeneD 
Brande des hölzernen Oberbaues am vorderen Thnrme ") 
scheinen die Glocken nicht berührt worden za sein, da in dem 
von GalluB Stass gefertigten Verzeichniss nur Glocken von 
älterem Gusse namhaft gemacht werden. , 

üehar die Tonart, in welcher das Geläute gestimmt war, 
Usst aich hei der UnvoUständigkeit des Materials, der sich 
möglicherweise auch Ungenauigkeit zugesellt, leider nicht ein- 
mal eine Vermuthung «nfsteUen. Ob dasselbe erst durch die 
beiden 1609 und 1611 gegossenen Glocken eine solche Vervoll- 
stöndigang erhielt, dass es in der letzten Zeit seiner Tbätigkeit 
als ein „prachtvolles GelSute" von Zeitgenossen gerQhmt werden 
konnte, mag dahingestellt bleiben; um das Jahr 1600 scheint 
indesB die Harmonie noch etwas zu wünschen übrig gelassen zu 
haben, denn nachdem 1599 eine tUr die Andreas - Kirche be- 
stimmte 32 Centner schwere Glocke ^^) von dem bekannten 
Heister Möhring gegossen worden war und es sich heransstellte, 
doss dieselbe zu der Stimmung des Kloatergcläutes ganz vor- 
trefiflich bormonire, soll Abt Valentin Mohr dem Presbyterium 
der Andreas-Kirche mannigfache, wiewohl vergebliche Vorschläge 
fiir den käuflichen Erwerb dieser Glocke gemacht haben '"). 

Die von der französischen Finanz- und Domaincn - Kammer 
am 27. Februar 1810 vorgenommene Versteigerung von 8 Glok- 
ken ergab einen Ertrag von 5339 Thlr. **"); die Glocken selbst 
wanderten demnächst theils nach Nürnberg, theils nach Qotba. 
Von dem in letzterer Stadt wohnenden Käufer erwarb später 
die Gemeinde des Dorfes Siebleben die 1609 gegossene, 16 
Centner schwere Glocke „Andreas" und die 8 Centner schwere 
Glocke „Stephan". Diese, im Jahre 1861 durch einen Sprang 
anbnuichbor geworden, wurde 1862 einem Umgius unterworfen; 



■•} Nie. V. Siegen, psg. 193. 

*-<) GaU. StsM, Colleotio, psg. 691. Unter dem vorderen Thorme »cliaint 
der ■adlicbe gemeint in sein, weil dieier dem AofgugB cnm^Kloster n- 
olchst hg. 

'■} Ihr Ton sefawuikt iwisohen C ond Cia 

■■) Wahl, die Andreu-Kirofaa in Krfnit, psg. 14. 

**) Franiöniohe Venröttnngen ia der Stadt Erfurt, L o. 



:,G Gothic 



— 9« — 

jene, vor Oslers 1&73 gleichfalls darch eineB Sprang aoner Ote- 
braucli gesetzt, wurde noch ia demselben Jahre amgefgoasen. 
Von demselben Käufer erwarb die Gemeinde des Oorfea Mott- 
laben die 1563 gegossene, 17 Centner schwere Glocke ,^gatha" 
und befindet diese sich noch gegenwärtig im Besits derselben * ')• 

In Betreff des Orts der Anbringung für die U70 für 31 FL 
beschaffte Uhr mit Schlagwerk *>*) hat sieb nur so viel 
noch ermittelif lassen, daas dieselbe sich nicht an der Kirche, 
sondern am Klostergebäude befunden hat 

Zum SchlusB musB noch folgender Gegenstände gedacht 
werden, welche sich an der Aussenseite der BÜrcba TOrfinden. 

Zum Gedächtniss eines Massenbegräbnisses , welcbes w&h- 
rend der im Jahre 1382 herrschenden Epidemie nothwendig 
wurde, ist am Seitenschiff nnweit des stldlichen Krenzarmes 
nachstehende Steininschrift in vertieften neugothisoben Hajuskela 
angebracht : 

Anno Domini M.CCC.LXXX1I orta est pestilentia magna 

et facta est hie fovea magna in qua sunt sepulte trea 

sexagene et quindeclm hominum quorura anime requiea» 

cant in paoe amen. 

nebst einer Hand, welche aof den Ort hinweisen soll, an dem 

ausserhalb des eigentlichen Kirchhofes 195 Menschen in dem 

gemeinscbafUichen Grabe beerdigt worden '*). 

Eine durch die Einwirkung der Witterang leider sehr ver- 
blosste, anmittelbar aof dem Sandstein angebrachte Malerei im 
Tympanum des Sädportals, deren Umrisse jedoch die Darstellung 
noch mit hinreichender Sicherheit erkennen lassen, zeigt Kwi> 
sehen zwei Engeln, welche in knieender Stellung Weihraucb- 
f&sser, die Symbole der Varehntng und Anbetung, halten, eine 



*') Hkcb in Ort nnd StellB einguograBD Erkondignugaa dnroli de« f3r 
GIookBuknode ein r^;«! Jnterease EBigenden BohQl«r des hiBngsa QjmiiB- 
siama Qmtav Ecks Ijetct Frediger ia Hslle). 

••) Joh. Koober, bei Qsll. Stui, Colleotio pBg. 669. 

*■} Falkeiiit«iii, Bigtorie von Grffurth, pkg. 275, giebt swar den WorU 
lant der Inuhrift richtig an, ugt al>ec, ei wären 733 Uenechen in j«iMr 
Urnbe begraben worden. — AU man im Herbit 1664 für die Anlage der 
CitadeU- Befeiügiuig de« Fetereberges in dieier Q^^d den Graben bqb- 
BchBchtete, worden un iTnö TBaibiT "'"^ Menge MwaoheiigsbBine gefondan 
(Job. Caap. WeatermBUi ,' L c. foL &76). 



DictzsdbvGoOt^lC 



— 99 — 

mtaende Htria nüt dem CbristatkiBde auf ihrem Schosse dwr; 
ihr rechter Arm ecfaeint das Kind lo amfiusen, während sie in 
der linken Band einen randen Gegenstand hält, der sehr wahr- 
scheinlich ttLt einen Apfel anznsehen ist. Der in dieser Dar- 
Btellang liegende symbolische Gedanke ist ohne Zweifel anf die 
von Christo aasgegangene Erlösung von der SUnde ni beziehen, 
dessen Dogma in dem von Weihranohwolken umwallten Hess- 
opfer seine höchste religiöse Verehrang findet. Der in den Bild- 
werken des Mittelalters sehr hSnfig zur Anschaaung gebrachte 
symboBsche Znsammenhang zwischen dem Alten und Neuen 
Testamente, die eutschiedene Vorliebe, die alttestsmentlichen 
Begebenheiten Tom typologisehen Standpunkte ans als eine Hin- 
weisnag anf die Ereignisse des neuen Bandes anfzufassen, ist 
hier dnroh den Parallelismas zwischen der Geschichte des ersten 
Heaschenpaares und der Geschichte Jesu Tertreten, aber nur 
durch den Apfel symbolisch angedeutet. Im kirchlichen Sinne 
ist Christas der neue Adam, der Begründer eines neuen geistigen 
Lebens, welcher die Menschen von den Folgen der Sttnde er- 
löste, and Maria ist die zweite Matter des MenBchengescLleohtee, 
welche in ihrem Sohne das Vergehen der ersten Mutier tilgte. 
Wenn daher in dem Apfel, den Adern aaa der Hand der Eva 
erhielt, das Zeichen dw Verschuldung' liegt, so reicht dafftr das 
OhiistnsUDd der Maria wiederam im Apfel das Zeichen der Er- 
lösung für die sündige Menschheit **). — In Betreff des Alters 



s **) VergL WaniBl, ChriitlidM Symbolik. — Eine «elbat in d«n Detaili 
shnlicha Dantsllong war sIs SteiuMialplar früher im Tympsnnm des Portals 
ta der BtadUärdie sa Freibnrg %. d. Unttrat sajrabracht (iweitea Viertel 
das IS. JahrhiiiidsrU) nnd befindet lioh jetst *!• De^teia über der Treppe 
in dar Vorhalle (PaUrioIi, 1. o. II. Abtb. 1. Bd. Beetioa Freibar^, Ta£ 6). 
IhNMlb« gilt von dem Siegel dar Benediktiner -Abtei sd SeitenitAtten in 
Oestreieb nnter der Enns, 18. Jahrhnndsrt (?) (Jebrbacher der k. k. üentnJ- 
eoBuninioii, III, Bd. pag. 841 Abbildg.), — Am Tympanom dar goldenen 
Pixie des Dome in Fraibarg findet «icb al* Bteiosonlptiir sns den Jeliren 
IISD— 1180 sina fthnliriks Darst^ang; hier nrnfttet dia auf Mnem Throne 
■UandB Maria mit dam IJakan Anne du Chriitnekind, welehsi seine reobte 
Haad legnend empor gehoben hat, wthrend ihre Rächte einen mnden Ga- 
geoetand UUt; so beidsn Seiten dai Kopfei der Maria igt die Fleoke des 
Bc^CaatUdai mit den Braitbildera iweiar Engel snigetilUt, in deren Binden 
■iidt gleJohMli mods Oegautinde Itefindea. Harr Ed. Haeohler (der 
Dom ni Fraibarg, 1883, pag. II) hält den Gaganstand in d« Band dar 



. Cooj^lc 



— 100 — 

dieser MHlerei kann b«i ihrer onvoUflt&ndigeD Erlialtang nur dia 
Vermuthung auagesprochen worden^ dass die Arbeit noch im 
Ausgange des 13. oder im Anfange des 14. Jahrhunderts, viel- 
leicht gleichzeitig mit den WandmalpreicD in -der Kapelle Cor- 
poris Christi "^), entstanden sein dUrfte. Die radikalen, in 
einem stumpfen Winkel vertieften Ansmeiselungen in dem Het- 
ligeaschein , welche lediglich, aber wohlbedacht, zur KrEcogong 
eines roanDigfachen Beflexes der Vergoldnog angebracht siad, 
sowie die Eugelform der Ranchf^Bser mit niedrigem, etwu aas- 
geschweiftem, kegelförmigen Fasse deuten wohl noch auf die roma- 
nische Periode hin; dagegen bekundet die dem Christuskinde zo- 
gewendete, seitliche Neigung des Kopfes, sowie die Haltung der 
linken Hand der Gottesmutter, femer die auf den Faltenwurf sn 
besiebenden Linien an ihrer öewandang und der Schwung in 
den Flügeln der Engel auf eine dem Romanismus im Allgemei- 
nen fremde Auffassung, welche in ihrer belebteren Gestaltung 
einer späteren Zeit angehört. Nicht ohne Interesse ist die du 
Bild umrahmende Bordüre, in welcher man weder ein roma- 
nisches noch gothischea Element aufzufinden vermag, und der 
nach der Ansicht des Herrn Baurath Motbes ein arabisches Ho* 
üVf vielleicht die Stjlisirong eines arabischen Wortes zu Grunde 
za liegen scheint. Wenn hierzu, wie anzunehmen ist, der kl5- 
sterliche Malor eine Vorlage benutzte, wie dergleichen an Konst- 

Haria für eine Kngel (die Weltkngsl) nnd glaubt, öum die mndeo Körper 
in den Händen der Engel iwsi PUnetaa dantellen, wodnrok du Weltall 
angedeutet werde, welohea dnroh ChriiUun der Onada Gottse ÜMilhaftig 
werden «oU. BoUtss in diesen rnoden OegeniUndsn niobt Auah hier ApfU 
und WeihranohKaeer sa erblioken aeio? ~ Im 18, Bande (1866) der Hil- 
theiltmgan der k, k. CeDtraloomniMion pag. LXXVUI. ist ein kleiner Ha- 
rien-Klapp- Altar beaohriaben nnd abgebildet, welcher nsoh der Auicbt dea 
Herrn Dr. Frans Book au dun 14. Jahrbnadert ttamiDt. Die Fignrea sind 
au Wallrontahn gescknitten nnd lam Theil bemalt. Die mittlore Dsr^ 
Stellung ssigt die Madonna, aaC deren Sobosie, von ihrem linksn Aim ob- 
sohlnogen, dai Chriattukind itebt, welohea in dar linken Hand einen rotli- 
wangigen Apfel h&lt, wUirend die Beobte naofa eiaam Togal greift, den die 
Hntter in der rechten Hand hält — Der Sebwansnordena-Altar (nach 1484) 
in der 8. Qnmpert« - Kirche au Anspach enthält in seiner mittlaren Abtliei- 
Inng die Statae einer Madonna, deren reoble Hand dem Apfel ragewendei 
ist, den das auf ihrem linken Arme titsende Chriittukind bilt. (Bnd. v. 
Stillfried, AlterthSniBr o. Kunatdenkmale dst Hauses Htdiensoltem, AUiildg.). 
**) Vergl, die Beaobraibaiig dieser Kapelle. 



:,G Gothic 



— 101 — 

gegenstituden auch noch uns erhalten geblieb«n sind **), ao be- 
kacdet sicli doch bei ihrer Verwendung keineswegs ein gewisser 
Grad tod Erfindangstalent, da er die Constraction eines Winkel- 
Stückes, als Verbindangsglied zwiecheo der yorhandenen geraden 
nnd kreisförmigeQ Bildääohe vermied, und den im Bogen zu 
fährenden Theil, welcher doch wohl verkehrt stehen mnaete, in 
derselben Weise begann, wie an dem geradlinigen Thürsturze. 
Aach die beiden Zwickel der rechtwinklicben Umrahmung des 
Tjmpannm waren mit Malereien geziert, die jedoch bedeutend 
mehr gelitten haben, so dass nur noch einzelne Linien der Ge- 
wandung, sowie einige Spuren des farbigen Anstriches kenntlich 
geblieben sind. 

Eine östlich neben dem Südportale in die Manerääche ein- 
gesetzte, leider mehrfach beschiUligte Steinscnlptar enthält in 
einer spitzbogig geachloisenen und von einem, mit Krabben be- 
setzten spitsen Giebel überragten Nische das Bild des gekreu- 
zigten Christas; rechts vom Ereaze steht Maria nnd hinter ihr 
Johannes, links Petrus; ta beiden Seiten des Krenzstammes be- 
finden sich im Bogenfelde die Brustbilder zweier schwebenden 
Enget. In der Darstellung des Kreuzes als eines zwar von 
seinen Aesten be&eiten, sonst aber unbehauenen Baumstammes, 
dem jedoch zwei Aeste belassen wurden, welche in halbkreis- 
förmiger Biegung die Arme des Kreuzes bilden, ist der Gedanke 
symbolisch wiedergegeben, das dasselbe ans dem Banme des 
Lebens gezimmert worden sei; dessen Ursprung von der Le- 
gende bis auf die Vertreibung des ersten Menschenpaares aus 
dem Paradiese zurückgeführt wird. Dem Anschein nach befand 
sich am Fasse dieser Sculptur eine mit einem Gotteskasten in 
Verbindung stehende Geldspalte. 

Schliesslich £ndet sich an der Südseite des südlichen Thor- 
mes in vertieften Linien ein vor dem Krenze stehender Christus 
dargestellt, mit den Wundenmalen und der Domenkrone ver- 
sehen, mit dem Lendentuche umgürtet und in der Rechten eine 
Oeissel, in der Linken ein Ruthenbünde] haltend; vor ihm kniet 

•*] Eins UnlichB Bordnre befindet sieb all Zierband so ttnem roma- 
niMiliaji Speiaekelaba nebst Psteno im Scbstc« des StiftM S. Pstsr tu. Stli- 
barg, deren ADfarligimK dem Schlsiae des 12. Jshrhanderts ugeliören 
dflrft«. (Hittbeilungen der k. k. Centnlocinmiuioa, Wien 1668, TIIL Band, 
PH- 34 S.) 



:v Google 



— 102 — 

mit bittä&d erhobeuec HSndeu ein Uöticb, ddn ein Spracbbaiid 

umgiebt, irelcbes in TOrbemohoDd beugotbiBthen Mii|jUik«lD die 
Inaobrift: 

Cluist . gervche . zv . labioe . di . sele . der . begnbine . amen. 
entbält. Da sieb im Osten dea QaerBcbiffes, tun des Chor ber- 
umfOhrendj der ftuBsere Begräbnissplatz ac die Kirche aoBoblosB, 
80 Boheint die Fürbitte weniger auf eine bestimmte FarBoa, al> 
yielmebr auf alle daselbst cur Erde Bestatteten Bezug za haben. 
Für eine Bestimmung der Zeit, in welcher die Fertigung dieser 
DwBtellung, welche an sieh ohne jeden Konatwortb ist, ent~ 
Btuiden Bein kann, bieten Schrift und Bild nur einea allgemeineB 
Anhalt. Berücksichtigt man die in den Figuren auageaproobene 
freiere Bewegutig, an denen die dem RomanismuH eigenthilinliche 
Starrheit der Form tuad der Qewaodung nicht zu erkenoeD iflt, 
femer die Form des für die Inachrift IMBI beatimmteh Gegen- 
atsndes, dar eher ftir einen Fergamentatreifen, als für eine Tafel 
angesehen werden darf, sowie die deutsche Inachrift, deren 
Vorkommen selbst noch im 14. Jahrhundert zu den Seltenheiten 
gehört *''), BO wird die Arbeit mit gröseerer Berechtigung die- 
eem, als dem 13. Jahrhundert sugoschriebon iterden dürfen. 

Die Klostergeb&ude. 

Bei der Anlage der Elostergebände scheint die. in BÜdlicber 
Biehtang mit der Stadt bestehende Straesen- Verbindung in ao 
fern Ton Einfluss gewesen au Bein, als den auf dieaem alten 
Wege die Anhöhe hinauf steigenden Gläubigen die Kirche un- 
mittelbar in ihrer ganzen imposanten Ausdehnung vor die Angeo 
treten sollte, sobald sie auf dem Plateau angelangt waren. Die« 
Bern Zwecke entaprecheod war im Süden dea Kir(^engebltudea 
ein freier Fiats belassen vrorden, während ,a^ aeiner I^ordaeite 

**) Die in Erfort bekannt« Slieate denttobe Iniclrift behnd rioh Im 
F«terÄkMt« nnd batnf die im fmbn 1861 gMohehmw WidmatiK oinM 
AlUrB. {QalL SUu, Hwrolagiun , ykg. 3(7.) {ViriUioht ift wwfc aloB dem. 
•elben Jahre ein« Inichrift sni dor eh«m>ligen OuigolphakBpell« [jetat 
Victoria- Botet} im HnMum dsi Altertbama-Veraim.) 

Ah liierte deataohe Inaelirift Qbeihftapt wird bia jebrt dia ktif dem 
Grebstain dse 1^76 oder 127S geatorbanen Ulriob von Liobtenateia uge- 
aeheil (Blittlieilg. der k. L Central- Commimion , Jabrg'. 17 pag. CIL mit Ab- 
bildg. — Anseigar f&r Kund« dentwilier Torseit, 187!), pag. 287.) 



— 103 — 

3it Elostei^ebliade lagen. Die drei rechtwlnlclig aneinander 
BtosBenden Flügel derselben lehnten sich mit ihren beiden sUd- 
Uchen Oiebeln einerseits an die Giebelwsnd des nördlichen Qaer- 
flcliiffes, andererseits an die Nordwand des einen, nicbt zur VoU- 
endoDg gekommenen Weetthurmea. An der inneren Seite des 
aaf dieBfl Weise mit der Kirche gebildeten Vierecks lag der, 
das innere Coemeterinm naBchliessende Ereuzgang, dessen süd- 
licher Hügel sich unmittelbar an der Mauer des nCrdlichcn 
Seitenschiffes entlang zog. 

Ohne Zweifel lediglich in Holz konstruirt, wvirden sämt- 
liche Gebäude 106S and 1079 ein Raub der Flammen, und auch 
bei dem Brande im Jahre 1142 scheinen dieselben mit einem 
solideren Material noch nicht aufgeführt gewesen zu sein, da es 
sich nicht annehmen lässt, dass die Elostergebäude früher als 
die Xirche in Stein erbaut waren. Erat nach dieser Zeit und 
nachdem der durch den letzten Brand angerichtete Schade an 
dem bereits bestehenden Steinbau der Kirche wieder hergestellt 
war, mag man auch bei dem Wiederaufbau der Klostergebäude, 
wenigstens Dir das Erdgeschons, dem Steinmaterial den Vorzug 
gegeben baben, wobei der Kreuzgang aber noch immer ausge- 
schlossen blieb, dessen Holzbau erst im Jahre 1463 beseitigt 
wurde. 

För die den Bedürfnissen des Klosters entsprechende Be- 
stimmung der vorhandenen Räumlichkeiten lässt sich nur aus 
veracbie denen, aerstreuten Notizen im Allgemeinen der Schluss 
ziehen, daM 
1, iD dem grossen, den Kren^ang auf drei Seiten umscblies- 
aenden G«bäude: 
im dstUcben Flügel der Kapitelaaal nnd über demselben, 
mUbin in herkömmlicher Weise dem Chor mÖgUeltBt nahe 
liegend, das in früherer Zeit Statute nmässig keine Zellcn- 
. eüithnlang enthaltende Scblafhans (domitorinm), 
im ndrdlichen Flügel das Sommerrefectoriam, 
im westlichen Flügel das Winterrefectorium *^) and 
in der f^cke zwischen den beiden Refectorien die ConventS' 
küche zu suchen ist; 

") Sowohl du ■refeolorinm aestiYalei> wie äts ■refactoriam hiamtls« 
irird Eom Jahre 12d0 aoidrüokliofa namhaft gemacht (Cbron. Stmp.). 



.ODgIc 



— 104 — 

2. ftbgeeondert vod diesem (ikbSade, jedocb mit ihrem Ost- 

lieben Giebel an die Westseite der Kirche sich anlefa- 
nend, die Wohnung des Abtes lag, bei welcher die sQd- 
liehe Wand des anteren Stockwerkes An dieser Stelle die 
das Eloster umgebende Mauer sn vertreten hatte; und 

3. sich um das ganze Gebäude, und xwar von der an seinem 

Sstlichen FlUgel angebauten Kapelle S. Annae bis sor 
Abtswohnang, eine Mauer herumzog, an deren innerer 
Seite 
im Osten das zum Aufenthalt fiir altersschwache oder 

kranke Mönche bestimmte Gebäude (infirmarium), 
im Norden die Brauerei (brasatorium) und das die grosse 

Weinpresse (torcular) beherbet^ende Gebäude, . 
sowie im Westen das Gasthaus (domus hospitum) und die 

Kanzlei (domue scribae) angebaut waren, 
während in einem kurzen, südlichen AnschlusB an die Abts- 
wohnong der Eingang zum Eloster nebst der Zelle des 
Pförtners sich befand. 
Die Räumlichkeit dieser Gebäude muss bereits in der zwei- 
ten Hälfte des 13. Jahrhunderts gar nicht unbedeutend gewesen 
sein, da das Kloster um diese Zeit den Kaiser Friedrieh I. mehr- 
mals beherbergte, nnd dem Anscheine nach in noch ausgedehn- 
terem Hasse im 13. Jahrhundert, wo gleichzeitig König Kudolf I. 
und der Brzbischof Rudolf von Salzburg mit zahlreichem Gefolge 
die Gastfreiheit der Abtei während eines längeren Besuches in 
Anspruch nahmen. Auch mag schon in dem letztgenannten Zeit- 
raum t&i den Abt eine Sommer^ und Winter -Wohnung vorhan- 
den gewesen sein, da die erstere (estivarium abbatis), welche 
höchst wahrscheinlich mit der bereits angefahrten Abtswohnung 
identisch ist, im Jahre 1323 ausdrücklich genannt wird ***). 

Ueber die innere Einrichtung wird von einem Ohronisten 
die Uittheilnng gemacht, dass in den Jahren 1345 nnd 1346 von 
einem in der Halerkunst erfahrenen Meister der Kreozgang mit 
DarstelloDgen ans dem alten Testamente geziert wurde, welche 



**} Vers'- <liB ünterracfaDitKttcteii , valche in Betreff der «ngefeindaten 
Wahl dei Prion Tolkmar iniii Abt dea Klotters im Jahrs 1S33 geffihrt 
worden lind (Zeitschrift dea Tereias für thöriagisohe Uescbiohte o. Alter- 
thnmslnnde, Jen», IL psg. 6G). 



:v Google 



— 105 — 

lOgemeio Beifall fanden '">), •sowie daas unter dem Äbte Chrl- 
etian Kleingam (145) — 1458) das Refectorium eine Eiiirichtaiig 
erhielt, deren Bezeichnung: „(abbae) refectorium tabalavit" ''*), 
es zweifelhaft Iftest, was darunter zu verstehen ist; Tielleicbt ist 
hierbei eher an eine, an deo Wänden herumlaufende Holzbetdrä' 
dang, als an eine Dielung des Fusabodens zu denken, die mit 
Bücksicht auf die Zeit allerdings als ein seltenerer Luxas za 
betrachten w&re. 

Etwaige bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts zur Äaflf&hntDg 
gekommene bauliche Veränderungen sind nirgends angefahrt, 
dagegen haben die im Laufe der zweiten Hälfte des genannten 
Zeitabschnittea unter dem Äbte Günther von Nordhausen (14C8 
— 1501) unternommenen, zum Theil kostapieligen Umgestaltangen, 
in dem Hönche Nioolaus TOn Siegen, ^s Ängenzei^en, einen, 
wenn auch nicht auaflllirUchen , bo doch anerkennenswerttiMi 
Berichterstatter gefunden. 

Das Hauptaugenmerk dieses einsichtsvollen and tbstjgen 
FdÜaten war auf die Beseitigung des bisher noch immer in Holz 
constmirten Krenzganges gerichtet, um ihn als massiven, ein- 
gewölbten Steinban wieder aufzuführen und dieses Material auch 
tat die hiermit in Verbindung stehende Erneuerung des oberen 
Stockwerke in Anwendung zu bringen. In technischer und con- 
sbnctiver Sichtung mSglicherweise von dem Laienbnider Nico- 
laUB und dem Conventualen Jobann von Babenberg geleitet, 
welche zu jener Zeit als „lapioida notabilis et magistraÜs" resp. 
„notabilis stmctnarius" genannt werden ^'*), begann, ungeachtet 
der in Stadt und Land herrschenden Fest, die Arbeit im Jahre 
1463, wo bei den Ausgrabungen für die Fundamente das vom 
Erzbiscbof Heinrich II. von Mainz als Reichsvicar über Thürin- 
gen und Meissen gefilhrte Siegel aufgefunden wurde '"'). Der 
in seinem Öatlichen Flügel zuerst sich weiter entwickelnde Bau 
zeigte hier zehn grosse, nach dem kleinen Elostorgarten (dem 



*'] Nie. T. Siegen, pag. 886 und 867. — Chron. Sanpet. 

' ■ ) Nio. T. Siegen , pkg, 4S3. 

'■) Niv. V. Siegen, psg. 448 n. GOi^. 

") Nie. V. Siegen, pKg. 447. Eribiachof Ueinrich nar 1283 vom Bönig 
Rodolf L mit diesam Amte betisnt worden. Eine Abbildung dissea Siegels 
giebt Faickenitein , Historie TOq £r#nitii , pag. ISK. 



,1 ..jtvCooj^lc 



— 106 — 

Jünei-flii Coemeterini») fahrende Fenster '*) und mag vor dem 
Nordgiebel des Qnerschiffes der Kirche eine partielle Verbrei* 
teruDg nach Osten gehabt haben, da sich nur hiermit ftlr den 
Oonrent die Bedingung eines freien Zuganges snr Eircfao er- 
fnllen Hess, welch« lediglich mittelst der in jenem Nordgiebel 
vorhandenen ThOr mit dem Erenzgange in Verbindang stand. 
In Verbindnng mit diesem Bau stand die Vorlegung des 
Dormitoriums aas dem Setlichen nach dem westlichen FlQgel, 
sowie ein Umbau der lux den Abt bestimmten Winterwobnung, 
.die sich an das neue Dormitorinm antcbloss. Dies gebt aus 
einer Vergleiohimg folgender Angaben hervor: Als im Jahre 
1469 eine neue, der Jnngfraa Maria geweihete Kapelle **) im 
Dormitorinm errichtet ward, baut« man ,^n demselben Orte" 
auch eine nene Abtei '*), welche später die „kleine Abtei" ge- 
nannt wurde und eich als die Winterwobnung des Abtes ans- 
weist, zu welcher man 1681 eine ausserhalb hinauf fahrende 
Treppe anlegte, damit^ um su ihr eu gelangen, der Dnrehgang 
dorch das Dormitorium vermieden werde ^''). In der „klmnen", 
mit dem Dormitorium in ein und demselben PIfigel liegendem 
Abtei (in dormitorio nostro in parva abbatia) wohnte wSbrend 
der Anwesenheit des ELrEbiecbofs Anselm Franz von Ingelheim 
im Jahre 1680 dessen MarachaU, und da der gesammte Besuch 
in dem wesüicben Tbeile des Klosters antergebraoht war ^"), 
so kann aeit dem dritten Viertel des 15. Jahrhunderts das Doi^ 
mitorium nebst der umgebauten Winterwobnung t&r den Abt 
oben nur in dem oberen Stockwerke des wesÜichen FlOgela ge- 
legen haben. Andererseits richtete man im Jahre 1566 einen 
Theil des (früheren) Dormitoriums zur Aufnahme der Bibliothek 



") Mic T. Siegsn, pkg. 447. 

'*) ÜMb einer Angabe bei Gall. 8tus, Colleotio, psg. 706, soll diese im 
Dormitorinm gelegene Espelle sohon 1466 durch den Wefhbitohof Jokann, 
Bisohof TOD SjTA, inr Ehre der Jtmgfrsa Maris nnd der vier KirebeuT&tei 
geweiht worden lein. Die Angabe dea Nie. t. Siegen, psg. 449, dui der 
Biachof Johann von Speier die Weihe Tolliofren habe, beruht anf einem 
Irrlbnm; die betreffende Anmerkung eotliält dagegen die richtige Leieart: 
epiioopoi Syreniia; da es an jener Zeit einen Bisohof Johann von Speier 
nicht gegeben bat (vergl. Eheling, die deutechen Biacbdfe, II. 462). 

'■) Nie. T. Siegen, pag. 449 n. 457. 

") Oall. Stam, Colleqtio, pag. 79!. 

") QaU. Stasi, Collectio, pag. 78« U. 787. 



:,G Gothic 



— 107 — 

«ii^ wobei freilioEi nicht gana richtig gesagt wird, dMaetb« 'habe 
iber der Kapelle S. Ansäe gelegen ^'), dessen Lage ii» ÖetlEoben 
FIffigel aich aber dadurch bestütigt, und zum Jahre 1679 geschieht 
des „aken" Dormitoriume ausdrticklieh Erwfibnung mit dem Hin- 
niflftgan, dsss in demselben flir die KoTizen neue Zellen »hige* 
baat witrden, weil dergleichen vorher nicht vorbanden waren ''). 

Aach eine andere , schon frtther ttber dem Kreu^^ange bs* 
■Übende^ aber nicht näher zu lotu^ieireade , dem hl. LanrestiaB 
geweihte Kapelle wurde 1478 ganz neu wieder hergestellt **) 
and am 29. Deeember (in die 3. Tbomae Cantaariensis) dessel- 
ben Jahres zur £)hre der Heiligen Laorentins und Berohat^us, 
sovia der HeiHgcn Scholastioa, Apollonia, Fides uad Fetronella 
consCcrirt durch den Weibbiscbaf' Johann, Kechof von Syra *'). 

Dieser ganze „lUraraas kostbare" Bau des Kreuzganges, an 
welobem 18 Jabre gearbeitet worden war und auf den man an 
baaren An^gen 4000 Qülden verwendet hatte, fand 1480 seinen 
AbschlnsB "), worauf ihm der Woihbiechof Johann am 1. Hai 
(KaL Maji) 1481 die feierliche Weihe ertheilte und hierbei jedem; 
der wXhrend eines einmaligen Umganges im Kreuzgange fünfmal 
das Vater-Unser nnd ebenso viel mal das Ave Maria, oder den 
Psalm de profiindis nebst dem Täter -Unser und der Colleote 
fte die Verstorbenen beten wflrde, eine vierzigtägigs Indnlgens 
maiafaarte '*). 

Zu den hier unternommenen baulichen Veränderungen ge- 
hört noch die Herrichtung einer eingewSlbten Sakristei, welche 
als MO anter dem Dormitoritim liegender Einbau 1481 angelegt 
wurde and ansBoblieeslicb ftlr die Vorbereitangen za dem t^' 
liehen Gottesdienst bestimmt war ""). 



'*) Joh Knchsr, bei GsU. Stau, Collectio, pag. 6B8. — Bis in dieser 
Zeit eofaeint die Bibliothek mit dem ArefaJT Tsreitiigt geweieii n sein ; dieee« 
Mr ia einem, vom Kreni[aiige ans EBg&nf[Eoheii Banme aotergebracht 
(Oall. BIsM, Colleotio, pag. 807) nnri Jene wnrde Tom EreniganKe nteh dem 
Dormitorinm rerlegt. 

**) Oan. Staai, CoUectip, pag. 78S. 

*■) Hie. T. Bieten, p«g> 4S7, setat die Reitaaratioi) der Kapelle iS das 
Jehr 1476, Joh. Kncher, 1. o., pag. 070 dagegen in das Jahr 1473. 

■') 0«n Stam, OtHIecUo, pag. 712. 

■■) Nie. V. fliegen, pag. 4S8. 

■*) QalL Staw, Coüeatio, pag. 71B. 

*■) Nie. T. Siegen, pag 469, 



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— 108 — 

Obsobon es ketnem Zweifel unterliegt, duB der nen ent- 
■t&odene Kreuzgang scbon durch seine architectoniichen Formen 
dem Kloster zur besoDderen Zierde gereichte, bo war doch der 
FUn des Abtea QOntber toh Nordhaasen für diesen Liebbng 
seiner Bautbfttigkeit biermit noch nicht erschöpft, und weil er 
hSchst wabrscbeinliob auf einen Ersatz der alten WandgemSlde 
bedacht war, deren Beschädigung durch den Bau nicht gut hatte 
Temüeden werden können, so lieferte in den Jahren 1475 bis 
1485 die kunstfertige Hand des Klosterbruders Conrad von 
Scbmalkatden die schönen, gemalten Olasfeneter, welche d«n 
Kreuigang noch bei der Äafbebuag des Klosters schmtlckten *'), 
Auch dem Fussboden scheint eine besondere Aufmetksamkeit 
geschenkt worden zu sein, da man diese Arbeit auf dem Grab- 
stein des Verfertigers oder Wohlthfttars bemerkt hatte, welcher 
im Krenagange bei dem Cspitebaale lag, dessen InBchrift '*} 
jedooh scbon 1777 nicht mehr TollstHndig erhalten war. In wal- 
cber Art der Malerei die Bilder aasgeftihrt waren , welche Job. 
Georg Leackfeld im Jahre 1700 bei einem Besuche des Feters- 
klosters im Kreuzgangc nnd in der Kapitelstube sah, ist nicht 
erdchtlich; da dieselbe indess nach seiner Aussage „eine anti- 
qnit4 nicht mit sich führen", so darf nuui vermuthec, dass die 
genannten Darstellungen: König Dagobert, ein Bischof Rigibertns 
von Mainz (?) , der Erzbischof Heinrich I. von Mainz und der 
hl. Benedictus eher für Tafelbilder als fUr Wandmalereien %a 
halten sind und aus neuerer Zeit stammten ^^). 

Die znr Unterbringung von allerlei Vorräthen vorhandenen 
Kellerränme erwiesen sich mit der Zeit als unzureichend; es 
wurde daher 1482 und 1483 unter dem Winterrefectorinm ein 
neuer grosser Keller nebst zwei kleineren Kellern ausgegraben " *) ; 



**) PUcidu Hnth, 1, o. psg. 47. — Nie. t. Sisgen, pag. BOS, nscbt hiar- 
von imr keine ipesislle Angtbe, esgt aber: sConTadiu de Smslksldia fait 
feDeitrftrina et aliai inrentiToi in laboraadcM. 

■'] Anno domini 1473 Babertua Wen{[eiidinten (Werynfiabwii)) 

.... preMDB pavimentum Gall. SUw, Neorologinin , pag. 8G2. 

'*] Lenckfeld, Anliqnitatea Bartfeldanaei , pag. 75 f. 

") Nico). V. Siegeo, pag. <69. «Itein (1462) fsotom fait oeUariora mag- 
Dum anb dormilorion, — Joh. Eucher, 1. o. pag. 671. «Hdo (1183} et a^ 
qoenti anno inchoatom ert noram odlariam sab ambitu nn nfeotorw 



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— 109 — 

ferner veraDloaBte eine boBonderB reiche Weieernte, zu deren 
I^gerang alle disponiblen Räume herangezogen werden miiasten, 
im Januar 1679 die Einwülbung eines biBber nur mit Holz ein- 
gedeckten Kellers *"), und 1680 war man genJitliigt, zur Ver- 
bessemng des Luftzages in einem Weinkeller, welchem die Be- 
nenoung „sepalcbrum domini" beigelegt war, ein in den Kreuz- 
gang aUBmündendea Kellerloch durchznbreohen "'). 

Die an den Westgiebel der Kirche sich anschliessende, mit 
der Front nach Süden gerichtete Wohnung des Abtes erhielt 
sehr wahrscheinlich eine Erweiterung durch einen Keubau, wel- 
cher „bei dem Eingange in das Kloster und Qber dem, das 
RShrwasser ansspeienden Löwen" 1470 zw Atufilhrang kam **), 
wShrcnd bei Gelegenheit der Verlegung der Kapelle Omnium 
Sanctorum vor das Westportal der Kirche im Jahre 1472 das 
iätft bereits bcBtebtnde QebSnde dem Anscheine nach einem' 
umbau unterworfen wurde "). Vielleicht entspricht es der 
Wirklichkeit am nächsten, wenn man sieb am diese Zeh die 
ganze Abtswohnung als zwei, unter einem rechten Winkel sn- 
sammenstossende Flügel ▼•retellt, und an der gegen Südwesten 
gerichteten Ecke als erkorartigen Vorbau die „neue runde Stube" 
XU suchen hat, zu deren Erbauung Abt Günther von Nordhansen 
1492 aeine Erlauhniss ertbeilte **). 

Bezeichnend ftlr die strenge Handhabong der Klostcrdisci- 
plin, welche seit dem Beitritt zur Bursfelder Congregation (1446) 
im Peterskloster wieder eingeführt worden war und die Abt 
QOnÜier selbst noch im vorgerückten Alter mit allen ihm zu 
Gebote stehenden Mitteln ai^oht zu erhalten bestrebt blieb, 
ist der im Jahre 1492 unternommene Bau eines sehr festen Qe- 
Qbigniases, in welchem ungehorsame und widerspenstige Conventa- 
mitglieder "') zn der nöthigen Einsicht gelangen sollten, sich in 
allw Demuth den bestehenden Klosterregeln wiederum gehorsam 
zn onterwerfen. 

•") GslL StsM, ColleoUo, p^. 784. 

••] ObIL 8tus, Colleotio, p^. 790. 

*<} Nio. T. Siegen, pag. 419. 

*■) Nie T. Siagen, pag. 467. 

**) Nio T. Siegen, pag. 491. 

*') Nio. T. Siegen, pag. 490. — Joh. Knoher, 1, o. pag. 673, noht der 
Anordnnng einen anderen Zweck oDtenalegen , da er berichtst: «completa 
mnt tria obsarraciila de Upidiboi qnadntit pro rebeUibus mstiois«. 



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— 110 — 

In welcher AasdebDong zq dieser Z«t die gMamnten Elo- 
stergebäade an RäumUohkeit gewoaoen huttoa, erhellt dkrana 
duB, mit Hinzu aiehung des „grünen Hagens" und das WirtL- 
sohiftahofes, die zu den Ordanskapitoln sich TersainraBlnden 
anaw£rtigen Prälaten mit ihren CapUnui und Dienern, sowie 
ungei^r hundert Pferde in denselben ein gaatliches Untere 
kommen finden konnten *"). Auch aa der Äbttwohnui^ macht 
•ich eine BaumvermehraBg dadurch bemerkbar^ dasa dieielbe 
ausser dem Äbte auch einen fr&haren Canonicas am Stifte HanS, 
Johann Mylb&cb, aufsanohmen vermochte, welcher 1491 fireiwiUtg 
auf sein« Frihande Terniehtote, sich in das Peterskloster anrSok- 
gezogan und seine Wohnung daaalhst auf cögsna Kosten sioli 
hatte ciarichten lassen *'). 

Einen grtisseran Neaban vor dem westlichen Flfigel des 
HaoptgabSudes scheint die, onmittelbar an die Unterwerfung dsr 
Stadt im Herbst des Jahres 1664 sich anacbliesseiide, fast zwai- 
monsfliflhe Anwesenheit des Entbiscfaofs Johann Philipp von 
Schanboro im Kloster veranlsast au haben. In dem Zeitraaae 
Too aber zweihundert Jahren, in welchem die seit 1479 awi- 
schen KnraiainB and dem Rath der Stadt Erfart sich entwickeln- 
imx Sireitigkeitea den Mainziecben KircheniUrsten von ThOrin- 
gens Hauptstadt fem gebalten hatten *^), war in den Anforde- 
rnngen an WohnQugabedfirfiiissBn nnd Wohnlichkeit eine weaent- 
Kohe Veränderung eingetreten. Als daher im Herbst 1664 der 
Erabischof znm ersten Male wieder einen feierlit^en Einzog 
hielt nnd mit zahlreichem Gefolge nach altem Herkommen die 
Qastrrcundschaft des Peter^osters auf längere Zeit in Ansprach 
nahm '"*), nussten die vorhandenen Räume dem hohen Besuch 
in einer solches Ansdehnung aar VerfOgung gestellt werdan, 
dass dem Convent nur ein kleines, bei der Kttcbe gelegenes 
Gemach als Speiaeraom and fUr die Nacht nur ein Theil de« 
Dormitoriums belassen blieb "**). 

■*) Mic. T. Siegen, pag. 467. 

*') Mio- V. Siegen, psir. 481. 

'■) S«itder Anweienheit des ürabiiubob DieLrieh, Sclienkca ton brbscfa, 
im Jshrt 1440 bstte bis 1664 keiner Miaer Nufafolger midid tiiiDg in 
JCrfart gelulteti — OadenDe, lliatori« KrfurteuU, psg. U5. 

<•) Ton '-^ Oetobar bis ^ Daoemb«. (t. TsUav, die ttedvotion ron 
Erfurt, pag. 382 and S6S) 

'■*) Dtgdb. Conen, l o, pag. fiW n. 6(7. 



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— 111 — 

Bei der ziemlicli sicheren Äossicht sof den eich von nun 
an öfters wiederholenden hohen Beaach und durch das Bekannt- 
werden mit den gesteigerten Aoforderungen an eine ebenso be- 
queme, wie stand esgemässe Uaterbringong desselben, niobt min- 
der aber auch durch den Abbruch des „grUnen Hagens", welcher 
bei der CitadellbcfcstiguDg des Fetersberges dem Kloster ver- 
loren ging, sowie durch die KUcksicht fUr den ConveDt, den- 
selben in solchen Zeiten nicht wieder auf die besobeidenstea 
Bfiomlichkeiten beschränken za mlUaen, mag der kluge Abt 
Adam Dahlen bewogen worden sein, dem erkannten Uebelstaode 
durch eine entsprechende Vermehrung and Einricbtupg der 
R&ome abxuhelfen. Es ward daher 1679, im Hinblick auf den 
ToraassichtUchen Besuch des Erzbiichofs Karl Heinrich ven 
Metternich '), vor dem westlichen Flügel des Hauptgebändes 
eine neben dem Gasthause und der Canzlei (vermutblioh zwi- 
■chen diesen beiden Gi.bSnden und der Abtswohnung) liegende, 
mit einer kleinen Pfotto versehene Mauer abgebrochen nqd hier 
ein neues Qebäude mit Tliorfahrt aufgeführt, welches im Erd- 
gesohoss zn Stallungen für Pferde, io seinen oberen BAumen za 
Wohnungen eingerichtet wurde '), nnd sehr wahrsoheinlii^ einer' 
seita mit der Äbtswobnung, andererseits mit dem westlichen 
Flügel des Haaptgebüudes in Verbindung stand. Qleichaeitig 
zu einer zweckmässigen Unterbringang der Novizen and lun 
dieselben während der Anwesenheit eines hohen Qastea von dem 
nnvermeidlicb „geräuschvollen Treiben des Gefolges auf dem 
Hofe" mSgUchet fem zu halten, ein Thoü ') des alten, im oberen 
Stockwerk des öetUcben FlQgels gel^^oen Dormitoriama mit 
ZellBO versehen, die hier bisher noch nicht vorhanden waren '). 
IndesB auch dieser räumliche Zuwachs scheint sich noch nicht 



■) Der am 9. Jannu 1679 itattgefundaDeii W*hl Sari SeütriobB ■um 
Erabvchof folgte lohon ain 36. September deuelben JbIum sein Tod. 

*) GkU. Stus, Collectio, pag. 783. 

') Ein anderer Theil war aett 1B66 bweita inr UnterbringiiDg der 
Bibliothek verwendet. OaU. Stau, CoUeotio, pag. 688. 

*) Oall. Stasi, Collectio, pog 785, Yergleioltt nun die Banntanng der 
vorhandenen Bänmlichkeitan, ao waren die Novisen biabsr im nördliaben 
FlSgal ontergehraobt, und wenn man iür die aeaen Zellen deraelban «ina 
mÖgUctut rnhige La^e wiinacbte, lo wnrde dieaer Anfordernng durofa eine 
entiprech^ude Einrichtong an der öttliohen, dem InfirmariBm ingowandateii 
Seite dea alten Dormitoriama am geeigaetaten aataprocbea. 



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— 112 - 

ala ausreichend ervieaen zu haben, dean bei dem achtw5chent- 
licben Besuch dei EnbiBchofa Anselm Franz von iDgelheim im 
Jahre 1680 ") massten demselben für seine Person doch noch 
einige in der Abtswohnung gelegene Zimmer eingeräumt werden, 
obtchon ausser der Winterwohnung des Abtes (parva abbatia), 
weiche der erabischfifliche Marschall bewohnte, aacb noch das 
Winterrefeclorium aar Unterbringung der Q&ete mit herangezogen 
worden war '). HSglicherweise liegt in dieser, selbst jetzt noch 
periodisch sich heransstellenden räumlichen Unznlänglichkeit der 
Ctrund, dass man im folgenden Jahre (1681) an der nordwest- 
lichen Ecke, „iihar dem Brnanen nnd vor der Küche", einen 
Anbau ani&gte, welcher eine beizbare Wohnung für den Celle- 
rarios des Boosters enthielt ''). Ein in gleicher Weise ausge- 
dehntes BedUrfnisB an gastlichen Räumen wie im Jahre 1680 
m^ eingetreten sein, als sich derselbe Kirchenltbrst, infolge des 
räuberischen Einfalls der Franzosen in die Pfalz, Tcranlasst sah, 
seine Metropole bu Terlaesen nnd mit dem Beginn des Jahrea 
1CS9 ^) im Petersklostor eine gastfreundliche Aufnahme zu su- 
chen, selbst das Archiv des Erzstiftes zeitweilig in demselben 
gesichert unterzubringen '). Jedenfalls sind auch fOr den in 
dem letzten Decennium des 17. Jahrhunderts unternommenen 
Umbau der Abtswohnung, wobei der an das Westportal der 
Kirche anstossende Flügel 1694 '■), der andere, mit der Front 
nach Westen gerichtete, dagegen erst 1699 in Angriff genommen 



*) Vom i: Mü bii j^ Juli. (Gall. btati, CotlMtio, psg. 786 n. 788. Dm 
hier Torhaiid«BeD, »Im im PetenUoator nnajohoBtsn ZaitaDgtben lind dem 
Qragoriuiüchen Kalender aatDOmroaa.) 

•] UftlL SUm, CoLlectio, pftg. 786 ff. 

') Ebendm, pag. 7B3. 

•} Am ^J^-!?^^^ (V. Falokenstain, Hütorie von Erffarth, pog. lOÖS.) 

") GiU. SUh, CoUeclio, pag 804 n. 807. uTotnm arohivinm mogna- 
tinetiM, quod adhnc ulvam ereptum faerat, tino ad nottrum monuteriam 
tnnalatam fait, ttetitqna partim in nottro archivio in ambitn, parlim in 
nna parte ambitos verau ecolMiam, qaae pars Dtrimqoe occIum fasrat, nn- 
dunm, qnod inibo rooipi non poterat, retro niminnm altare sc oampanUe 
looatom erat«. 

■*) Sigitmand Frieae, L o. pag. 1397 v. 1402 berichtet, data diäter Ban 
in den beiden Jahren 1699 u, 1694 atattgefiinden habe. 



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- 113 - 

Tara "), eben nur die anf dei^Ieichen Beauche zu nebmendaQ 
Rficbsichten maasgebend geweaen. Das Gebäude atammte aug 
den siebziger Jahren dea 15. Jahrbunderta , war mithin keines- 
wegs so alt, dass, aeibst bei einem Fachwerkbau dea oberen 
Stockwerks, baaliclie Bedenken eine darchgreifende Restau- 
ration *■) veranlasat haben eolltea. Lag also die Abaicht vor, 
dnrcb diesen Bau die Wohnlichkeit der RSume zu verbeaaem, 
theils Etim Vortheil des eigenen Bewohnera, theils uro in dieaer 
Beziehung den WUnachen der etwaa verwdhnten Qäste nach 
MSglichkeit Rechnung zu tragen, so blieb dem Kloster für die- 
ses Entgegenkommen die volle Anerkennung aeinea kurfilrat- 
hchen Oönners leider veraagt. Welche (3rQnde hierbei zur Oel- 
tung gelangten, ist nicht eraichtlicb; nur soviel iat gewiss, dasa 
Erzbisohof Lothar Franz von Schönborn, ala er im Sommer dea 
Jahres 1696 * ^) einige Wochen in Erfurt verweilte, dem Kloster 
die Unterbringung seines (Gefolges ilberliess und ftir seine eigene 
Beberbergung dem, auf dem Petersberge bereits entstandenen 
Commandaatnr-Qebäude den Vorzug gub **), dessen Bäume 
einen, wenngleich engbemessenen, ao doch prachtrollen Blick 
auf difl Stadt gewährten, welche sein Oheim vor 33 Jahren mit 
Hilfe französischer Kriegevölker dem Mainzer Erzstifte untor- 
worfoD hatte. 

Da die im Laufe des 18. Jahrboadorts im Kloster entstan- 
denen Aufzeichnungen theils verloren gegangen sind '^), theils 
sich eben nur auf Personal -Angaben beachränken, so befinden 
wir uns über die in dem genannten Zeitraum etwa vorgctkomtne- 

•>) QklL Stua, CoUeclio, pKg 814 n. 833. 

■*) Oall. Stau, Collectio, psg. 8i2. nAbbatia >nprm patenm (? fontem) 
e fandamentii erectm eita, 

■') Vom !L/"4 bis -^-f^- (Falokonatein , HUtorie von Erfurt, pm. 
10B7. — Seriptoni Renim Uogantiscsrnm, Toi. I. Her. HoganL libri qainqoe 
Nicolai Sarmrii, tortgesetst nnd bersusg^eben von Qeorg Ghrittisn Johannpp, 
Fiankfort am Hain, 1733 pag. 987.) ~ IrrthSmlicb wird von Oall- »tu«, 
CoUactio, 1. 0. pag. B20, das Jabr 1697 und die Dauer de« Aofenthalta mit 
7 Wochen, aowie von J. G. Wastermaan, L o. foL 611, das Jahr 169Ö an- 
gagd)en. 

■«) GaU SlaM, OoUeetio, pag. 820. 

'*) Z. B. die handiobriftliDhe Chronik dea Pstermönchs Petrtu Friderioi 
luid die Abtschromk dea Uallot Staaa. 



iMtfCoot^lc 



— 114 — 

nen baulichen Veränderungen und Einrichtungen in grosser Un- 
kenntnias. Das Wenige, was in dieser Bezielinng zur Kenntniss 
der Nachwelt gelangte, ist einigen zerstreuten Notieen bu ver- 
danken, die zeitweise von einigen bürgerlichen Chronisten oieder- 
geschrieben wurden, von denen einer die Mittheilung macht, 
dass im Jahre 17ü5 ein Neubau des Dormitorinms und gleich* 
zeitig eine Vergrösserung des Bofectoriums stattfand '*). Eine 
andere Quelle ''') berichtet, dasa im Jahre 1706 die Seile des 
£IoBter8 gegen Abend zu bauen angefangen und zn dieaem Be- 
huf die Mauer abgebrochen worden sei. Dieser Bau hat daher 
in der Weise stattgefunden, daas durch HeranerUcken der west- 
lichen Mauer des Winterrefectorioms eine beabiiohtigte Vei^irSs- 
aernng desselben erzielt wurde, infolge dessen auch ein Äeil- 
weiser Neubau des darüber liegenden Dormitoriums auf dieser 
Seite eintreten musste. 

Von den übrigen hierher gehörenden Gebunden kann leider 
nur wenig berichtet werden. 

Das Gasthaus erhielt in den atebziger Jahren dea 16. Jahr- 
hunderts wahrscheinlich ein oberea Stockwerk (structora super 
atnbam hoapitum) durch die FUraorge des Andreaa Honhanpt, 
welcher in dem aäcularisirten Kloster S. Petri bei Meraebu^ 
Prior gewesen war, um daa Jahr 1570, mit reichlichen Geld- 
mitteln versehen, eine Znflnoht in dem Erinrter Peterakloster 
fand und hier hochbetagt am 7. Februar 1579 starb *^). 

Die Brauerei brannte am 30. Juli 1741 *") infolge einea 
Blitzachlages ab und ward nach einer über der ThUr angebracbtea 
Stein Inschrift in demselben Jahre wieder aufgebaut *°). 

In dem Gebäude, welches die Weinpresse enthielt, wurden, 
um mehr Licht zu erhalten, 1679 grössere Fensteröffiiungen 
durchgebrochen, auch die grosse Presse selbst, deren Beschaffung 



■ •) Chriit Beiohardt, Buidivhriftl. Chronik, (s. Karl Harrmaan, Biblio- 
tlieoa Erfartiu, pog. 131, Hr. 68.} 

■ ') J. Ch. Uotiobmftnn, Erfordia litarala, Erfurt 17i9, I. Band, pag. Sffi. 

■■) Qall. StaM, MscrologiQDi, pag. B n. 169. — Job. Knoher, L o. pag. 
686, nrlagt aeius Ankunft in Erfurt in daa Jahr 1577, 

'*) C. F. Sinnhold, TermehrtM EncomiDm Erfortinnm. V. lU. (Ma- 
nnsoript In der evangaliichen Uiniaterial- Bibliothek an Erfurt.) 

'*) Oall. Staat, Nsorologinni , pag. 341 S, Versocbnias der Inaohriftan, 
Nr, IW. 



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— 116 — 

bKcK der Änsicbt Sachverständiger nicht ontar 300 Imperialen 
möglich gewesen war, audeinaader genommen and durch vier 
kleinere Pressen ersetzt, weil ihrer beschwerlichen Handhabung 
wegen und bei der zuweilen geringen Anxahl der Höncb« es 
früher sich ereignet hatte, dass zur Förderang der Arbeit hin 
und wieder der ganze Coavent au der Fresse angestelit werden 
musste *'). 

Ob das Infirmarinm, eine allen Klöstern anentbehrliche 
Einrichtung, von Haus aus in einem besonderen G-ebäade sich 
befand, wie es zweifellos seit der zweiten H&lfte des 15. Jahr- 
baoderta der Fall war, lüsst sich aas den vorhandenen Notüen 
nicht entnehmen. Das Vorhandensein einer besonderen Kapelle 
im Infirmarium, welcher 1239 am 7. Äogust (VU. Idas Augnsti) 
vom Bischof Wilhelm von Havelberg bot Ehre der Apostel Jo- 
hannes und Matthäus die Weihe ertheilt wurde '*), giebt dafUr 
keinen sicheren Anhalt; auch die gleichfalls vereinzelte Notiz, 
dass anter der Administration Adam Dahlen's im Jahre 1450 
diese Kapelle abgebrochen worden sei '^), berechtigt noch niofat 
zu der Annahme, mit diesem Abbruch eine Verlegung des In- 
firmariums in Verbindung su bringen. Dagegen darf aas den 
Aufzeichnungen des Johann Kucher mit siemlicher Sicherheit 
der ScblusB gezogen werden, dass zur Zeit des Abtes QUnther 
von Nordhausen das In&rmarium als ein fUr sich bestehendes 
Qebäude vor dem östlichen Flügel des Hauptgebäudes lag, in 
welchem dieser Prälat 1470 ausser mehreren Verbesserungen 
auch eine Kapelle herstellen liess "*), deren Weihe in demselben 
Jahre zur Ehre der hl. Afra durch den Weihbischof Johann, 
Bischof von Syra, vollzogen wurde '^). 

Das „ziemlich unansehnliche Gebäude", welches auch die 
von der Regel des hl. Benedictus f^ jedes Kloster vorgeschrie- 

•■} OalL Stais, CcrflscUo, pag. 768. 

•>) OalL Stus, Collectio, pftg. 707. 

*') GaU. Btaw, CoUeoUo, pag. 707, Bandbemarkaug;. 

**) DU Not» dM Nie. v. Siegen, pag. 4ft7: ■oonrtnota foit oapaUa in 
iDfinnärio .... a. d. 1470-, llut über di« Lsgs dieser Kapelle ksinsn Zweifel; 
wenn daher in. den iiMittbeilniigen für die GMohiohte and Aitertbnmtknnde 
von ETforta , Heft 9, psg. 98, dieu Kapelle in die KlMtorkirohe nnd neben 
dem Altar S. Barbara verlegt wird, so bemht diese Anaahme wohl ant 
einem HiuTerständniu. 

'•) OaU. Stau, CoUeotio, pag. 669 mid 708. 



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- IIÖ - 

bmo Barbier- und fiadestube enthielt "*), ward unter dem Abte 
Johann Reiitar abgebrochen und an derselben Stelle 1564 ") 
nicht nur ein neues , sondern, angeblich auf Wunsch des Stadt- 
rathes, auch ein sohönee Haas mit vielen Kosten anfgefilhrt, 
damit dasselbe „der Stadt sur Zierde gereiche" "*). In dieser 
Herstellung gewöhnlich das „rothe Hans" '*) genannt, bestand 
das Gebäude bis zu dem am 20. Juli 1735 erfolgten theilweisen 
EinatuFE der Futtermauer an der linken Face des Bastions Phi- 
lipp '"). Hierbei ward auch der nördliche Thäil des Infirmarium 
in Mitleidenschaft gesogen, dessen Wiederaufbau, einer Stein- 
inschrift zufolge, erst 1740 *') nach beendeter Reparatur jener 
Fnttwmauer zur Ausführung gelangen konnte. 

Der Beschlass dieser Abtheilung möge den Hittkeilongen 
über die Wasserverhältnisse des Klosters gewidmet sein. 

Mit den AnbSben, die sich der Orden des hl. Benedictus 
seit seiner OrOndung mit besonderer Vorliebe zar Anlage seiner 
Niederlassungen ausw&blte, stand in sehr vielen Ffillen ein Man- 
gel an dem benötbigten Wasser in Verbindung, der sich auch 
bei dem Peterskloster auf sehr empfindliche Weise bemerkbar 
machte. Während dieses unentbehrliche Bedßrfniss den Stadt- 
bewohnern durch die äem nnd durch leicht herstellbare Brun- 
nen, dem Lohgerber-Gewerke sogar in einer, von einem Arm 
der G«ra abgezi^eigten Kaualfübrnng ") zur bequemen Ent- 

■■) SaguU a Beoedioti cap. B6. 

**) Dieiei Jshr, der Ti^ dar Qmndsteiolegang (4. Mai) and die noch 
im Herbit desBolben Jahres erTolgte Beendigung das Banes war in einer 
neben dem Eingänge angebrachten Ineehrift enthalten (Qftll. Stus, Ifeoro- 
logium pag. 90 nnd ftfiO). Dagegen tagt Johann Knoher (QalL StaM , Gol- 
leotio, pag. 6S3] der Bau habe 16S8 begonnen nnd lei bei dem Tode des 
Abtes Johann Eenter (28. Mira 168G) nooh nioht beendet gewsMn. 

») Job. Encher, 1. o. pag. 663. 

*■) OaU. State, Neorologinm, pag. 89 n. 8G0. Veneiohnio der Iniohriften, 
Nt. 194. 

■ ■) Forttetinng der Chronik dei Bamnel Friti dnroh Chriatian Keiobardt, 
pag. ISS. — Conitanlin Beyer, Nachtrag n der naoen Chronik von Erfurt, 
pag. 61. — Sigitmand Friete, Erlartiiohe Chronik, bringt tu pag. 3114 in 
einer oolorirten Federteiobnnng eine Antioht dietea Einatartea. 

"} Call. Stau, Heorologiam, pag. HO, Veraaichniaa der IniohrifUn, 
Sr. 194. Dieta Steinintohrift befand tieh an der, dar Btadt logmrendetaa 
gröMeran Pforte. 

"} Zu welcher Zeit die Anlage dietet KsdbIb, der hsnbigea Hirsoblaohe, 



— 117 — 

nalima and Benutzung geboten ward, musste ob dem auf der 
Aahöhe liegenden ELloster ooch im Anfange der dreisaiger Jahre 
dea 12. Jahrhunderts mittelet eines mtihsamen Tranaportea za- 
geführt werden. Zar Abhülfe dieses Uebelstandes richtete sich 
die Aufmerksamkeit des Abtes Wemher I. auf eine^ im Westen 
der Klosterhöhe am Rande des Bindersleber Plateaus entspringen- 
den Quelle ^ *), deren Wasser bisher unbenntst in einer allmählich 
gebildeten Schlacht der unterhalb der Stadt gelegenen Niederung 
sufiosa. So gebieterisch aiob auf der einen Seite diese ÄbhUlfe 
aufdringen musste, so konnte auf der anderen Seite filr die Aus- 
fttbrang dea beabsichtigten, mit vielen Kosten verbandenen Pro- 
jektes doch nur die Ueberzengnng massgebend werden, dass 
eine stetige, so jener Zeit sehr wahrscheinlich durch Bewiüdung 
des nmliegenden Terrains begünstigte Ergiebigkeit dieser Quelle 
dem wasserarmen Klosterareal den gesammten Bedarf ausroiofaeud 
sichere. Auf Grund dieser Ueberzeugung benutzte der Convent 
die seit ungef&hr einem Decenninm deutlicher hervortretenden 
Segnungen des Friedens und entscbloss sich, nach vielleicht 
kaum beendetem Kirchenbau, nicht allein zu den Ausgaben fOr 
eine ganz beträchtliche Anzahl bleierner Röhren, um im Jahre 
1136 das Wasser mittelst einer Über 700 rheinl. Ruthen langen, 
in dem abfallenden und wieder ansteigenden Terrain eingesenk- 
ten Böbrenleitung seinem Areal zuzufllhren '*), sondern er 
sebeate aach nicht die nicht minder kostspielige Erlangung von 

vottrvomnta ward, IkMt rieh nioht msbr nachweiMa. Die Urkunde des 
^Aiaobob Adelbert vom Jahre 1183, die im sogenanntas Binohbrahl lie- 
looden llO&rtea betreffend (ibgedraokt bei Igo*» Fsber, Abhaadlang &b«r 
die Preigitter. nnd FreiuntsD im Erfortiichea , pag. 71) giebt die Crialaoha 
sls bereits TOrbanden an. 

Binaiohtlieh der Umbildung dea Wortes ■Criilaobs« in *HineblaoheB 
TCrgL KiroUioff, die Altaiten Weittbämer der Stadt Erfurt, pag. 92. 

■■] Diew gegeavKrtig laweilen spärlioh fliessende Qnelle dea «Peter- 
brunensa liegt am oberen Aufgange das ■Itleinen Bomtlialeia nad nngefiüir 
100 Vom rb. höher all das Platean der Klooterböhe, Die offiselle Benennnng: 
» g roesae Bomthalii ist der Boblnobt beigelegt worden, in weloher dar vom 
Dorfe Bebmira berabkommende Bach abfliesrt nnd bis mm Jahre 1790 die 
alte Ootbaiiche Stra«M naob dem genannten Dorfe die Höbe hinsafnbrte. 
lArohiv dar fiönigl. Fortifioation.) 

>*J Cbron. Sampatr. — Di« bleiemen Bahren werden vom Obren. Sern- 
p«tf. b« der EfOUang der Belagemng der Stadt im Jahre 1S09 aatdrfiekHeli 
Rwäfant Ton dieien BAbren ist leider nicht das garingite Bt&ckcben te- 



>,oglc 



— tl8 — 

PriTilegien "), welche ihm Etir Sicheratellnng des nnternehmeiis 
unnmgänglioh cöthig and von der Stadt zq ertheilen waren, da 
die Loitnng unter der K&gmaaer und dem vorliegenden Qraben 
hinw^;fllhrte. Im Kloster ergoss sich daa Wasser aus dem Ra- 
chen eines ans Bronze gegossenen Löwen '"), der vielleicht als 
ein Oescfaenk der Grafen von Gleichen angesehen werden darf, 
in ein Bassin, von wo der Ueberschuss aller Wahrscheinlichkeit 
nach dem etwas tiefer liegenden Wirthschafitahofe Bugeflihrt ward, 
nnd von hier, natnrgeoi&Bs am Hanerwege entlang, nach dem 
(inneren) Andreas - Thore hinab und weiterhin der Gera zufloss. 



hinten geblielwn, so das« sioh ftber ihn Constniotioit stwss Beatimmtss nicht 
uifQbren lÄHt. Usn darf indeti vohl aonatunen, du« ed jener Zeit die Ber- 
■telloDg toloher Leitnngaröhren nach römuchan Mostergtüokan itattfond, 
deren ToThsndensein sm Rhain and in Schwaben damsU wohl noch nicht 
■D den Beltenbeiten geborte and daher den Elöstem nicht nnbekKimt ge- 
blieben var. War die* der Fell, «o wurde die K5hre in der Weise anga- 
fertigt, dsH man eine, in Form «inea langen und aohmalen Reohteckea ge- 
gossene BUiplatte ihrer L&nge naob am einen, im Qnamihaitt bimeoKrmig 
gestaltel«n Kern bog and die beiden, an dem spitseren Thetle des Kerns 
an einander atoieanden Känder auiammenlöthete. £iin an dam eisen Ende 
hergeatelltar , etwas erweiterter Eopf diente tur gegenseitigen Verbindoiig. 
Eine solche in dem Mtuenm an Wiesbaden aufbewahrte römitche ßlairöhre 
ist bei B" rb. Umfang, anMerhslb-a,90" hoch, 3,ST" breit nnd besitit eine 
Wandatirkfl von 0,38"; die Weite der R3bre würde demnach einer Kreis- 
fliehe von etwas über 9" Dorchmetser entapreoheti ; ihre Lftage sobeiat 
Bwisohen 8 and 4 ' in liegen. Die beiden leider nnr kimen Stucke rdmitoher 
Bleirfihren in der Ssmmlnng der Gesellschaft fftr nfltalicbe Fortchongen an 
Trier haben bei gleioUalls bimenfSrmig gestaltetem Qnersehnitt eine Wand- 
sUrke von nnr 0,18"; die Weite im Lichten betrigt bei der einen 3" und 
1^", bei der anderen 8" nnd 2,29", was einer Kreisfläche von nngefihr 
1,68" resp. 2,60" DarcbmesMr entspricht. — Ob die Angabe bei Plae. Hnth, 
L 0. pag. 90, dssa jede der eine Klafter langen BAhren 1 Ceatner «obwer 
gewesen sei, richtig ist, mag dahin gestellt bleiben; soTiel ist indew dnroh 
Beohnnng naohsaireiaen, dsss bei loDehaltnng dar Maasae von den Toran- 
gegebenan BGbrea im Hoseiun ra Wieabaden, jede 6 FnM lange Bahre an- 
geAhr C6 Pfd. wog, nnd demnach fBr die ganse Btreoke der Leitong (exci. 
der ftbargreifeaden Köpfe) mindestens 770 Centner Blei erfterderlloh waren. 

■') Job. Knoher, L o. pag. 646. 

>*) Samnel Frits, L o. pag. 864, Notia s. d. J. 1681. — Ein sna dem 
16. Jahrhundert atammendea itFragmentDm anonymae Gbronioae Erfur- 
tensisa enthilt die Notis: aDieaer Brunnen wird der Löwenhmnnen ganannt, 
weil daa Waner dem Löwen dnroh das Hanl Unft*. (Bibliothek der Stadt 
Leipiig. Cod. DXCIIL IbL Codex chartaceus saeoali XVL) 



— 119 — 

Obschon keine Notiz bIcIi direkt fibor die Lage dieses BaesiuB 
«Dispricfat, so lässt sich doch aus der Vorgleichung einiger Auf- 
leichnongen *'') der ScUuss ziehen, dass dasselbe vor dem 
Westflflgel des Hauptgebftudes , in der Kähe der Abtswohnung 
und vielleicht an der Mauer lag, welche sich zwischen dem Ein- 
gänge in das Kloster und dem Gaathause befand. Erst hundert 
Jahre nach Anlage der Röhrenleitung und nachdem man mit 
dem Torhandenen Wasserdruck möglicherweise n&her bekannt 
geworden war, gelangte zur grösseren Bequemlichkeit der Kloster- 
bewohner für einen Theil des Wassers eine Weiterfdbrung nach 
der Uitte des vom Erenzgange umschlossenen Coemeteriums 
sur Aitsftthmng, wo es sich als belebende Zierde der hier sorg- 
lich gepflegten kleinen Oartenanlage in ein grosses steinernes 
Becken (lavatoriam) ergoss, dessen Aufstellung am 1. Februar 
(EaL Febmarii) 1239 erfolgte, nachdem man den betreffenden 
Stein mit vieler Mühe herbeigeschafft hatte '^). 

Aufiallend spät und nach abermaligem Verlauf von mehr als 
einem Jahrhundert zog man, vielleicht angeregt durch die 1343 
und 1355 vom Ratbe vorsorglich angeordnete Erweiterung resp. 
Verstärkung der StraBsenbewässemng ^^), auch im Convent den 



") NiooL T. 8i^;sn, psg. 449. ■Tnae (H'O) fsots fiiit uova domai oiroa 
introitnm elautri anper leonent', und p«g. 461. «A. d. J. 1477 Erfordie sd 
S. Fetmm bot« fsit pars ambitiu luqDtt refectoriam et Tersoa sbbaoiam 
ÜTe fbntemi. 

'*) Chron. Sampet. — Hit wie visier Hfihe in frAherer Zeit der Trans- 
port groaser Lastan varbnaden war, darfiber giebt die von Zeitfnohi heraiu- 
lagebese ■Stollbergische Kirchen- und Stadt- Hiatoriea eine Andeutung, naoh 
wdohar int Jahre 148S ra dem Tranaport eines, för den nea erbanUn Chor 
der Kireha 8. Hartini in BtoUberg am Hars bestimmten Altamteines aai 
den Seebergen bei OoUia 34 Pferde verwendet worden, welche 8 Tage nnler- 
mga waren nnd wem der Abt von B. Peter in Erfart 4 Pferde geliebon hatte. 

'*) Im Jahre 1B43 wurde dorch Abiweignng dei heutigen FalllochwaMers 
vom Bergetrom, welche der Rath oberhalb de* im Brühl bei der Kirche 
S. Hartini extra liegenden Ciatendenger FraaenkkMtera veranstaltete, die 
Gemeinde S. Severi mit fiiessendem Waster versehen ond das in den Oe- 
■narnden S. Andreae, Servatii, Georgii nnd Hanritii bereit« vorhandene ver- 
■Urkt. (Afaachrift des Waaserbnohea im Stadtarchiv) Die in FalckenBteio's 
■iUitorie von Erfart« pag. 331 enthaltene und hierauf beaügliobe Angabe, 
ueh weleber dieaer Kanal mit dem Berg a trom identisch sein soll , beruht 
auf ainem aehr erheblichen Irrthnm , in den der Verfasser gar nicht ver- 
fsUsn konnte, wenn er nur die vom Bergetrom getrisbena Saokpfeifen-HflU«) 



V .ooj^Ic 



— 120 — 

Vortheil in Betracht, den eine jederzeit vorräthigo WftBBermeage 
sowohl fiir Trirthschaftliche Zwecke, als auch bei Feaersgefahr 
gewähre; dieser Erwägnng verdatikte ohne Zweifel die 1377 in 
der Brauerei gebaute, grosse, steineme Cistoriie (maximom do- 
lium lapideum) ihre Entstehung '"), eu deren Speisung das ab- 
fiiosseude Röhrwasser benutzt wurde. 

Kachdem bei ausschliesslicher Benutzung jener Quelle der 
Wasserbedarf des Klosters ungef&hr dreihundert Jabra hindurch 
hinreichend gedeckt worden war, scheint im Verlaufe der ersten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts eine Abnahme ihrer Brgiebigkeit 
eingetreten zu sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach durch all- 
mälige Äbholzung des Quellenterrains herbeigeführt, kann eben 
nur ein auffallend verminderter Zufluss des ROhrenwassers Ver- 
anlassung gegeben haben, dass man sich bewogen fond, dem 
unzweifelhaft schon fUhlbar gewordenen Uebelstande aof dem 
einzig übrigbleibenden Wege des Brunnenbaues abzuhelfen. Es 
wurden daher unter dem verdienstvollen Abte Cliristian Kleingam 
(1451 — 1458) weder MUhen noch Kosten gescheut, um „vor der 
KlosterkUche" den Bau eines „tiefen Brunnens" im festen Kalk- 
stein durchzuführen "), dem ungefähr dreiasig Jahre später 
noch ein zweiter zugesellt ward, dessen „kostspieliger" Bau im 
Jahre 1482 an einer epecicll nicht näher bezeichneten Stelle 
stattfand * "). Ob der zum Jahre 1485 angeführte Brunnanbaa" * ') 
auf die Beendigung des zweiten, oder auf die Herstellung eines 

froher dis »Mühle vor der langen Brücken, anoli -Bfti^er-- oder wHilbe 
Mfthlea genannt, beachtet hätte, daran Beataken schon im 18. Jahrhundert 
nrknndlioh bestätigt wird (Urkunde vom Jahre 1266 im FroviBBid - Arefai* 
so Hsgdeborg). — Hit dar im J^hre 18SS nntemommaBon Einleitang des 
DreieD-Bmnnan-'WmMera in die Ldber- und Aagntt-Taretadt (FalokemteiD, 
1. 0, pag. 2G3. — Chriatian Beichsrd, die Dreien-Bmimeii, Eifdrt 17U, pag. 
91), «nrde die anigedehnte, noch gegenwärtig beatehanda KanaUaimng der 
Strassen beendet. 

*■) NicoL V. Siegen, pag. 101. 

•■) NiooL V. Siegen, pag. Mi. 

*-) Nicol T. Siegen, ptg 469: -Anno domiai 1482 in moote B. Pelri 
Erfbrdise feosrant novnm et precioanm puteum in sHodioi. Di«*eT Brunnen 
iat lehr wabrtohainlich denelbe, welcher noeh g^^nwftrtiji: in dem Banhofe- 
gebände innerhalb dei Abichnitta« ewiichen Bution Michael nod Frani 
vorbanden ist; demnach sobeiot er in fröfaerer Zeit im WirtfaachaftriMife ga- 
leften zn haben. 

•') Niool V, Siegen, pag. 476, 



Dictzsdbv Google 



— 121 — 

dritten Brannflns zu belieben ist, lässt sich bei der äuBserst 
konen FaBsnng der betreffenden Notizen nicht entscheiden. 

TbeÜB durch räuberiscbe, auf Entwendung der Bleiröhron 
gerichtete Eingriffe, theila infolge von Verbessernngen nnd Er- 
weiteroogen der Befeatigungsanlagen eriitt die Wasserleitong 
einige Male Störungen; ersteree ereignete sich bei den beiden 
Belagerungen der Stadt im Jahre 1309 *'*) und 1375 *'), sowie 
auch im Jahre 1531 "), letzterea liess sich bei der schon in 
den dreisBiger und vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts nnter 
schwedischer Herrschaft unternommenen VerbesBerung der Be- 
festigung der Elosteranböhe nach der Feldseite zu, wobei das 
baationirte Tracee znr Anwendung kam *''), nicht gut vermei- 
den * ^) und gab , da der Rath mit der Wiederherstellong allzu 



**) Cbron. Ssmpet 

**) Joh. Rothe, L 0. pag. 638. 

'■) Eobu) Dolgan, L c — Joh. Knchsr, L o. p*K- 6^- ^'^ Wortb der 
sntwendeten Bleiröhren wird lo 90 Fl. to^geben. 

*') Die« boziebt lieh nicht allein »af den Ende Oktober 16S1 begonnenen 
Bau des Hornwerki, «ondern anoh »nf andere vor der alten Bingmaoer kdb- 
geffihrte fortificatoriiobe Anlagen, von denen daa innerhalb dieier Hauer 
liegende Elmterareal jedoch nicht berfihrt ward. Falokenatein, Hiatorie von 
Erifiutb, pag. 727, msobt inin Jahre 1687 folgende Angabe: -TOe Btadt- 
manero auf dem Feteraberi^ (d. h. die alte, aeit 1437 mit Torli^eodem 
Zwinger nnd Graben Teraebene Eiogmaner) ■«ohienen ihnen (den Schweden) 
an aohwaoh nnd in tcblecht, daher lieaaen aie dieaetben nooh mit einem 
Wall, Graben nnd Schanaeu mehr befeBtigen«. — Am Baation Martin befindet 
lieh ein St«n mit der Jahreszahl 1638 , welcher früher die BekrSnnng einea 
aDaapriDgendes Winkelt bildete and gegenwartig verkehrt aingemanert ist, 
M wie aaoh an dem rechten Bchnlterpankte dee Baationa Gabriel ein Krö- 
noDgaatain mit der römiaohen Majnakelinaohritt: DIB HARTINI ANNO IStS, 
welcher der nooh bestehenden Lage dee Schnlterpnnktea angehört, w&brend 
8 Fnaa weiter inrBck, an der rechten Flanke, nnd ebenao an der linken 
Flanke des nAchttgalegenen Baationa Hicbael, tioh ein ftiterer Scholterponkt 
dureh den noch TOrbandenen Eokrerband dentKcfa markirt Hierdorch wird 
Katekemtein'a Angabe in ao weit beatätigt, daaa an Ende der dreiseiger Jahre 
eine Erweiterang der Befestigung dee Peteraberges naeh dem bastionirtan 
Tracee atattfand, welche schon im Jabre 1648 einigen Abänderangen nnter- 
werfen wurde. — J. G. Weatermann, I. o. fol. 464 berichtet, daaa im Jahre 
1643 durch den Featcngaban der schöne ■Springbrunnen« im Peterakloater 
rerdorben ward. 

'*) Bamnel Frits, 1. o pag. 354, bemerkt mm Jahre 1681, dass bei dem 
Btn der groaaen Schimie (dei Uomwerks) auf dem Msinslacbem Gebinde viele 



.ogic 



— 122 — 

liuige cögerte, sn einer der vielen Klagen des Klosters Versn- 
lassQDg, welche durcli Vermittelang der kaiserlichen Restitutioni- 
Eommission im Jahre 1650 ausgeglichen worden ^<'). Aach bei 
der Belagerung im Jahre 1664 scheint eine Unterbrechnng der 
Wasserleitung stattgefiinäeo eu haben, da 1667 ihre Wieder- 
iostandsetzung erwähnt wird ^'). 

Nooh gegenwärtig wird das Quellwasser des Petersbnumens 
dem Petersberge vermittelst einer Röhrenleitang sogeftlhrt. Die 
ursprünglich bleiernen Rdhren sind freilich ISngst verschwunden 
und im Laufe der Jahre durch hölzerne, in neuerer Zeit über- 
wiegend durch eiserne Röhren ersetet worden. Anch der bron- 
zene Löwe, dessen Raohen das Wasser im Kloster entströmte, 
ward 1631 von den Schweden entwendet und das Hetidl auf der 
Langenbrücke verkauft "), weshalb in der Folge ein aus Steiu 
gehauener Löwe die Function eines Wasserspeiers fibomehmen 
musste ^*). 

Von den mit der Wasserleitnng in früherer Zeit in Verbin- 
dung stehenden GegenstSndea ist nur das im Jahre 1239 im 
Coemoterinm aafgesteOte steinerne Wasserbecken der Xachweli 
erhalten geblieben und hat, nach einer kleinen Wanderung nach 
der Steigerhöhe, seinen Weg, wenn auch nicht zum Kloster, so 
doch sur Stadt glücklich wieder zurück gefunden, nm gegenüber 
dem Ausgange der Uarktstrasse an der Ostseite des Friedrich- 
Wilhelms -Platzes eine Aufstellung angewiesen zu erhalten. Bei 
der, auf Betrieb des Präsidenten der kaiserlich königlichen Fi- 
nanz- und Domainen-Kammer, v. Reach, im Frühjahr 1811 aus- 
geführten Anlage der Kapoleonshöhe '") hatte man das Wasser- 
becken nach der Steigerhöbe gebracht in der Absicht, dasselbe 
an dem unteren Rande der nach der Stadt gerichteten, durch- 
geschlagenen Lichtung aufzustellen und mit einem Springbrunnen 



toböue WaiorelwD und Qaittsnbinins snigerodet und die bleiernen BAhren 
dar Dsob dam Peteriberge fahrenden WssaerleitnDK Koige^rkben wurden. 

**) Varftlaich de« Abtei >n S. Petar weffon de« Aquaedactni mit dem 
Bath, d. d. Erfart den SO. Jsnnu 1660. (FalckeDitsin, Hiatoria von Erfinrth, 
PK. 768). 

■0) Dagob. Conen, L o. pag. 6B7. 

>■) Samnal Fritt, 1. o. psg. 8U. 

*'i Job Hsarit. Qadenoi, Biitori« ErfnrtenBis, Dndsntadt 1676, pag. 39. 

") CoDit. Beyer, Nene Chronik .von Erfurt, pag. MU 



:, Google 



— 123 — 

sn veneben, welcher ron dem auf der Höhe vor einem aui Hola 
gezimmerten Tempel &tigelogteii WasBerreserroir geBpcist wer- 
den «ollte *'). Die vorhandene WaBsormenge erwies sich indesa 
alB onznreicheßd , das Projekt an sich wurde bei den tut die 
(nmEJtaische Herrschaft ungünstigen Eriegsereignissen der Jalire 
1812 and 1813 nicht weiter verfolgt, selbst der ganzen Herrlich' 
keit auf der NapoleonshOhe machten die preussischen Blokade- 
trappen am 1. Novcmbor 1813 ein in Flammen anftodemdes 
Ende *"), und das Bassin blieb nun, längere Zeit vergessen, an 
Ort und Stelle anbeachtet liegen. Als jedoch im Jahre 1831 
die von einer gemischten CommiBsion geleitete vollständige Pia- 
nirung der, darch das Bombardement vom 6. November 1813 
zwischen dem Rubenm&rkte und den beiden Stiftskirchen ent- 
standenen Brandstätten und die daraus hervorgegangene Anlage 
des jetzigen Friodrioh-Wilhelms-Platzes zur Ausführung kam "), 
erinnerte man sich jenes BasBins, beschloss dasselbe seiner alten 
Bestimmung, wenn auch auf einem anderen Standpunkte, wieder 
KurQckzugebea und verscbaflFte ihm zu diesem Behuf an der 
oben angefOhrteu Stelle eine angemessene Aufstellung. 

Von den beiden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts 
angel^^en Brunnen wird der vor der IrUheren Klosterkücbe ge- 
grabene noch gegenwärtig benatzt und befindet sieb in dem 
mittleren Theile der grossen DefensionB-Kasome; die Benutzung 
des anderen, Über welchem jetzt das innerhalb des Abschnittes 
zwischen Bastion IH. (Michael) und V. (Franz) liegende Bauhofa- 
gebände steht, ist dagegen zur Zeit sehr eingeschränkt. 

Der Vollständigkeit halber ist hier noch Folgendes hinzu- 
zufiigfln: Obschon das Kloster einen Theil seines RSbrwaBsers 
an die aaf dem Petersberge gamisonirende Besatzung abgetreten 
hatte, so mag derselbe doch zur voUständigon Befriedigung ihres 
Wasserbedarfs nicht hinreichend gewesen sein ; man beabsicb- 

••) ÜBtige MittheilQDg des Stadtratba a. D. Herrn Karl Hemnanu. 

**) CoMt. Beyer, Hone Chronik, pag. 689. 

'•) MotizoD de* Stadtraths Pohls. — Erfurter Adrenblatt 1831, Nr &0 
and 63. ■— Am 17. November 1829 feierts die Bürgersohaft anf dietem 
Platss das 26jUiriga Bepernngs-JabiläDm de* Königs und anf Omnd einer 
Ksbinatsordre vom 30. Fsbraar 1633 arbiBlt dwMlbe die BeuennUDK- 
Friedriab-WilhBlmB-FlaU. (Notii de« Btadtrathi Pohls. — Allgameine thfi< 
ringifche Vaterlandikonde, I. Band, pag. 306.) 



:,G Gothic 



— 1^4 — 

tigte daher im Jahre 1671 eine „hinter der Bni^' entapringende 
Qaelle, womit vielleicht der sogenannte Bonifocins-BraDnen ") 
gemeint ist, dem Petersberge mittelst einer zweiten Röhreuleitang 
sasaflthron. Der volletändSgen ÄaefUhruDg des Projektes schei- 
nen jedoch uogttiiBtige TerrBinverhllltnisse in Verbicdung mit 
einem onzureichenden Wasserdruek hindernd entgegen getreten 
SU sein, wodurch der Eommandaot sich Teranlust Auid, d«- 
selbe nicht weiter zu verfolgen '*). 

Die Kapelle S. Annae. 

In den annalistiscben Äafzeichnungen wird diese Kapelle 
unter zweierlei Namen aufgeführt, ursprünglich und nachweie- 
bar bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts nur nach der Jung* 
irau Maria benannt ^'), scheint erst infolge des im Jahre 1469 
unternommenen Neubaues einer Kapelle S. Mariae im neuen 
Dormitorium *"} die Benennung nach der Mutter Marias, der 
hl. Anna, beliebt worden zu sein **). Um jeder Verwechselung 
vorzubeugen, bediente man sich in der Folge zu ihrer Beaeicb- 
nung beider Namen gleichzeitig (capella S. Mariae sive [modo, 
nunc] S. Annae), von denen der letztere schliesslich der allein 
gebräuchliche blieb. 

Das Qebände lag nördlich vom Chor der Klosterkirche und 
war mit seinem westlichen Ende entweder in den östlichen Flü- 
gel des grossen Gebäude-Vierecks eingebaut oder an demselbeo 
nur angelehnt, so dass die Klosterbewohner vom Kreuzgaoge 

>^> Dieie Qvelle liagt inf dem, naoh dam |rroM«n Borntbsle (der alten 
StraiM nach Gotha) siob sbbdKAeniden Abbsnge de« Bindersleber Flateaiu, 
nogelUir in gleiohsr Höbe mit der Torderen Front dar Cyriaoibiirg iiad 80 
Sohritt lüdlioh ein« Feldw^M, welcher auf der SOdseite der Sindenleber- 
Cbsniiee dem gleiahnsmigen Plataka safaiirt; mt entapringt in einer kleinen, 
mit einigen Pappeln und Weiden betettten Terrunvertiefang, betitzt gegen- 
iribrtig nur eine Kuaent geringe Ergiebigkeit und liegt höobttena 2B Fum 
böber ai» da« FUtein des Fetenberga«. 

") Dagobert Conen, 1. o. pag. C67. 

•*) Cbron. Sampet, id den Jahren 1290, 1837 nnd 1843. 

<>) Niool. V. Biegen, 1. o. -p*^. 4*9. 

**) Die von Niool. t. Siegen bei mehreren, der Zeit vor dem Jabre 18U 
angehörendan Ereigninen gebnaohle Benennong naob der hl. Anna iit aar 
al« ein von ihm gemwibter ZoBits in den aai data (%ron. SampoL ent- 
I Nachrichten n betiacfatan. 



DictizedbyGoOt^lC 



- m - 

Ana in das kleine OottealiKiis gelangen konnten "), irKbrend 
ein sweiter, an der SUdaeite angebrachter Eingang *"), zu dem 
man aof einem über den äaaseren Friedhof **) führenden Weg 
gelangte, den Laien den Besuch des in der Kapelle abgehaltenen 
Gottesdienstes gestattete. 

Unter dem Abte Bnrchard begonnen nnd von dem I^ien- 
bnider Ditmarus als Meister geleitet ■"), f^llt ihre Erbannng in 
die Zeit des Baues der Klosterkirche. Schon in dem , auf Bur- 
chards Amtsentsetzung folgenden Jabre war sie soweit vollendet, 
daas unter der Administration des späteren Abtes Ripertus, 1117 
VIII. Kai. Äugnsti (25. Juli) ihr und dem Altar die Consecration 
mr Ehre der Jungfrau Maria durch den Ersbischof Adelbert 
von Mains ertheilt -wurde **). 

Der die Klostergebftude im Jahre 1143 verheerende Brand 
lian höchstwahrscheinlich auch die Kapelle nicht unverschont, 
indess beschränkte siuli ilur Schade bei ihr, ebenso wie bei der 
Klosterkirche, wohl nur auf den Verlust des DachstnhleB und 
der flachen Holsdecke. Das Vorhandensein der letcteren vor 



■*] Die Angsbe; »cspella Beste Msrie VirKinia ia ainbita noitro, 
modo B. Anas- (Abtchrift dei Zimregiitera Tom Jshre 1413 bei QalL StsM, 
HecrologiDiii , pag. M6), sotrie: nJohannM Uanreld, lacellsnai upsllo 8. 
Amm in noitro pariatiliDi (am du Jahr l&OO, bei üall. SUu, Neero- 
loginm, psg. 76}, dfirfen tiir diese loosle Einriehtosg all Bekg angesehen 

*"■] Dieser Eiogaitg wird von Qall. Stasi, Neorologinm , pag. S8S, ani- 
drScklicb angeflUirt. 

■*) Die Lage dieeei allgeiaeitien Begr&bniasplatiea im Oitan der Kloiter- 
kirehe, wie dies such bei anderen Kläatam, a. B. in Pforta dar Fall war 
(Coraaen, Alterthfimer und Eoiutdaiikmsl« des Kloatan B. Hsrtin and der 
LaBdeaialmle aar Pforte, pag. 206), und iwar iwiacheo der Kapelle S. Annae 
and dem spkter erwihtiten öleieheoMhen Hofe, ergfebt aiah mit Berfiok* 
•iehtigiiiig der looalen Terlültiiisse soi den Motiien, nach weloban eiaige 
Bpitapkian lin coematerio penei eapellam S. Anoae- (Qatl. Btaaa, Nuorolo- 
giom pag. SSS), sowie in der Parooliia 3. Petri eine Ctvi« [dar nachmalige 
ÖMckantobe Hot) ■ein» coemeteriama (QalL Stasi, Mecrologinro , pag. 470, 
Zinsregiater vom Jahre 1866) angeffihrt weiden. 

•') Oall. StsM, Meerologinm, pag. 36. •Ditmami, oonvarms inb R. D. 
^bste Borehardo, bic cotiitnuit noellnm, oUm dietam B. Hariae T., nunc 
8. Annas, eto. obüt 24. Hartii Anno?« 

■•) Qall. Stam, ColleoLio, pag. 706. — Hiool. v. Siegen, pag, 398, giebl 
«a: aar Ehre der Jangfraa Üaria tmd ibier Uatter, der U. Aana. 



:,G Gothic 



— 126 — 

dem ßrande, sowie ihre Wiederherstellang nach demselbeo lüast 
sich aus einer chrODikalen Notiz schliesBen, nach welcher der 
KlosterschUler ßudiger, der am 2'i. Juni 129? mit der BefeBtiguog 
des Strickea für eine in der Mitte der Kapelle Längende Lampe 
beschäftigt war, in Folge eiDea Versehens von den Balken ab- 
glitt und (darch die vorhandene Oeffnung in der Decke) auf 
den Fussboden herabstürzte *"). 

Die Errichtung zweier Seitenaltäre , von denen der aof der 
Evangelien - Seite (in dextra parte basilice S. Marie) dem bl. 
Nicolaus, Remigius, BasiÜus und Servatins, und der auf der 
Epistelieite (ia sinietra parte ejusdem eccleaie) der hl. Maria 
Magdalena, Agatha und Caecilia gewidmet war, soll 1182 XII. 
Kai. Julii (20. Juni) deren Consecration durch den Bischof Ha- 
bertuB von Havelberg veranlasst haben '^). 

Schon diese Zunahme der Altäre deutet darauf bin, dasa 
die der jungfräulichen Ootteamutter geweihte Kapelle bei den 
Gläubigen in hohem Ansehen stand, dem einen sichtbaren Aus- 
druck zu geben das Kloster durch mannigfache Spenden unter- 
stützt ward. In noch höherem Grade spricht sich dies aber aus 
durch den Anbau eines kleinen Chores, welchem 1290 die se- 
quenti S. Bonifacii (6. Juni) in Gegenwart des Erzbischofe Ru- 
dolf von Salzborg, durch dessen Weihbiscbof Conrad, Bischof 
von Lavant, die Weihe ertheilt wurde " *), deren feierliche Voll- 
ziehang zu den besonderen Urchlichan Festlichkeiten gehörte, 
welche während der Anwesenheit König Rudolfs I. im Kloster 
stattfanden. Auch durch die Ausführung von Wandmalereien, 
sowie mit der Schenkung einiger Teppiche (cortinae) '°) lieas 



■'J Sicol, V Siegen, pag. 870. 

■■} Gkll. ätua, Colleotio, pag. 706. -~ Zeit und Peraan sind nioht aber- 
einstiminend , ds Haberlm von 1160 — 1176 Büobof von HsTslberK war. 
(Vergl. EbeliDg, deottobe Biicböfa, IL 477.) VoransgeMUt, dui lioli bei der 
von Uall. Stut gleiobuitig sngegsbe&aa oXV. Indiotio« kein Sobraibfehlar 
eing esc blichen bat, dürfte diaM Weibe naileiobt ricbtigar in das Jabr 1167 
an vorlegen sein. 

*■) ChroD. Simpet. 

'") Dq Gange, QltMnr, «Cortina Mt ornamentnin flcclMiamm tsI taber- 
nacaloram, gicut vela depiota, qoae in Uteribna altariom nupendimtitr, ne 
sftoerdo« sdipectn cironmitanlinm oonfuodatnr«. Mit RQokaiobt auf die Zeit 
lind hier nnter neortinae« diejenigen, oftmak reioh Dmamentirten Tappiobe 
EU veiileben, welche an irgend einer VoiriobUuv an dea beiden Seitsn da* 



— 127 — 

6> sicH eio Göaner der Abtei, Abt Tymo vom Kloster Hombtu^ 
(f 1316) angelegen sein, für die inoere AuBBchmlickung der Ka- 
pelle Sorge zu tragen, welche er sieb ala letzte Rubeatätte aus- 
enräblt hatte '")■ 

Ffir die Errichtung dee vorbanden gewesenen Dachreiters, 
in welchem zwei Olocken untergebracht waren ""), hat sich eine 
Zeitbestimmung nicht ermitteln lassen , dagegen wird um 147<j 
die Erneuerung der Orgel ^^) und 1494 eine im Inneren vor- 
genommene Restauration angeführt, wobei auch auf die Anbrin- 
gung von Wandmalereien Bedacht genommen ward ''*). Im 
Uebrigen entziehen sich die einfachaten, auf Abmessungen und 
sonstige bauliche Einriclitungen beztlgUche Fr^en leider jeder 
Beantwortung. Darf man einer, vom Ingenieur Welsch im An- 
fange des 18. Jahrhunderte angefertigten fortiäcatorischen Zeich- 
nang ''^), die allerdings von Fehlem nicht freizusprecbea ist, 
einigen Glauben schenken, ao hatte der Grundriss der Kapelle, 
mit AuBSchlnsB des Chorea, keine grösseren Abmessungen als 
der der Kirche S. Leonhardi. 

Das vielartige Hiasgeachick, von dem das Kloster schon 
durch die kirchliche Spaltung im 16. Jahrhundert, vorzugsweise 
aber während der schwedisohen Occupation heimgeaacht ward, 
lies« in aeinen Folgen auch die Kapelle nicht unberührt. Gegen 
den Ausgang des 17. Jahrhonderts be£uid sich nicht nur ihre 
innere Ausstattung, sondern auch der ihr zugetheilte Kirchen- 
dienat in so erheblicher Vernachlässigung, dasa hierdurch ein 
Conventami^lied zu dem Entachluss bewogen ward, mit allen 
ihm zu Gebote ateheoden Mitteln auf eine Wiederberstellung der 
früher an diesem Ort stattgefundenen Verehrung der Himmels- 
königin hincttwirkeo. In geschickter Weise und weder MQhen 
noch Widerwärtigkeiten scheuend, sachte daher Pater Franciscus 



Altar« berabbiogsD und disien eapflllenartlg »bicUoaien (v^ lateralU), 
Tiellsicht anch die drei Teppiche (tri» veU}, welohe in glsiohar Weise nicht 
nur sn beiden Seiten, lODdarn »ach hintar dem Altar angebracht waren. 
(TergL Bock, Oeechichte der litargisohen Qew&nder, IlL pog. 91 ff. 

") QalL Stasi, Mecrologinm, pag, 837. 

**) Gal). Staas, Necrologinm , pag. 869. 

'*) fiiooL V. Siegen, peg. ifiö. 

■*) MieoL T. Bi^en, pag. 497. 

'•) Diese Zeiobnaog befindet «ioli in k5nigL Ftwtifioations- Arohiv. 



:vC00J^IC 



— 128 — 

KempflHich (f 1721) ancli ausBerhalb der KloBtermAaern den 
Sinn fSr die Pflege des Mariencnltua eu heben and das daftlr 
rege gemachte InteresBe auf die kleine, vod ihm vorsngBweise 
ins ÄQge gefasste Marienkirche seineB Klosters hinsuleiteii. 
Seine Bemühungen blieben auch nicht unbelohnt Nach einiger 
Zeit war nicht nur das Innere der Kapelle wieder in wfirdiger 
Weise hergestellt and mit den zum Gottesdienst erforderlichen 
GerSthen auegestattet, sondern auch durch Legate vieler Wohl- 
thäter daf&r gesorgt worden, dass das kleine Qotteshaus ferner- 
hin seine Bedürfnisse aus eigenen Mitteln bestreiten konnte. 
Dessenungeachtet scheinen sich dieselben in sehr bescheidenen 
Qrenzea gehalten bu haben, da von dieser Zeit ab von den 
vielen Marienfesten doch nor zwei, Maria Heirnsnchnng and 
Maria Geburt, bei einer zahlreich versammelten Menschenmenge 
durch einen in der Kapelle abgehaltenen Gottesdienst gefeiert 
wurden "). 

Mehrfech nnd auweilen mit besonderer Vorliebe als letzte 
Ruhesttttte aasersehen, die sich schon 1216 der Priester Ger- 
wicuB, Pleban »n der Parachial- Kirche S. Pauli, im innigen 
Glauben an die gnadenreiche Fttrsprecherin vor dem Throne 
dea Weltenrichters, fttr sich vom Kloster erbeten und durch 
eine reiche Schenkung erworben hatte ''''), vermochte der Fnaa- 
boden der Kapelle manchen interessanten Grabstein ^*) und die 
Auasenwand einige reichsculptirte Epitaphien ''*) aufzuweisen, 

'■) OkU. Statt, Heorologinm, pig. B8. 

") NiooL T. Biegen, pag. 849. 

*•} Gall. Sti.M (t 1780) hat noch dia wohlarhtitenan Orabateine von 10 
Aebten dei PeterBklottac* geMhcn, welobe in dem ZeitraDme voa 1991— 1461 
geitoiben nnd in dieier Kapelle beerdigt worden waren (QaU. Stan, Neoro- 
loginm, pag. SOÜ-SSS.) 

'*) Von die«en Kpitiphien enthielt dai eine die Dantellung des im 
(larten von Uethaemtne betenden Chriatm, einer vorlinfig noch unbekannten 
Familie gewidmet; dai andere du tlitd de« Welten rtchtere , dem 1883 m- 
■torbenen Tilo t. d. Sachsen und (einer in demietben Jahre gettorbenen 
Pfau, Agnes, gewidmet ; dai dritte eine UarBtellniig dei gegeittellen Chriitoa, 
dem 188t geitorbenen Eberhard Markmeiiter nnd seiner 1S79 gestorbenen 
Kran, Hermen t r udig , gewidmet. 

AntMrdem befand liob über dem in der Bfldwaad angebraobteu Kin- 
gange ein Steinbild, welohee die Haria mit dem Cbrittnaldnde daratelltei 
ibr cur Btchlan kniete der Abt Ripertae nnd anr Linken der Laienbrnder 



— 129 — 

welche «her alle ohne Ausnahme mit denen in der Klosterkirche 
Torhandenen das gleiche Geschick des Unterganges getheilt 
haben. 



Die Kapelle Corporis Christi 

Die Sage legt dieser, in früherer Zeit dem hl. Blasios ge- 
weihten Kapelle ein sehr hohes Älter bei ^'>) und hält dieselbe 
sogar fQr das älteste, in Thüringen errichtete Qotteshaus **). 
Glaabwürdige chronikale Aofzeichnangen sprechen sich indess 
hierüber ebenso wenig ans, als sie über Stiftung und Erbauung 
des gegen Ende des 13. Jahrhunderts sicherlich vorhandenen 
Gebäudes eine Andeutung enthalten; das Chron. Sampet. lüsst 
dasselbe sogar ganz unbeachtet und erwähnt seiner nicht ein 
einziges Mal. 

Mit Hülfe verschiedener reicher Spenden im Osten der 
Klosterkirche auf dem äusseren Friedhofe ^') erbaut, wurde 
sie um das Jahr 1302 einer nicht näher erläuterten Reparatur 
unterworfen, mit welcher duroh die Fürsorge des Couvea- 
tnalen Henricus de Auch ein an den inneren Wandäächen 



Ditsoaros, ■bqu u^ellae aedificatOTB. (OaU. Stssi, NBoroloKiiiiii , pag. 
S88— SS6.) 

>*) GalL StM*, fiecrologioni , pag. SS8, giebt ihr die Benenniuig : ■per- 
Tetuatom «aceUnm S. Blani, modo Corporis Clirieti>. — Lambert! annale* 
b« Port«, L c Script III. , pag. S3, Anmkg. 

■■) yei^l. Falokenstein, ThQringitohe Chronik, I. p»g. 218. — Erphor- 
dianna Ajatiquilatnm Vuiloqous bei Menoken, L o. II. pag. 164. — Wenn 
gl«icih die von Falckenatein mitgslbmlta Enihlnng, dua mn der Kapelle 
Ctvporis Chriiti eine Xistenie angebraoht gewoMn sei, welche in dar Zeit, 
wo die Qara aoob ein aobiffbuee Wassei* war, den Sobiffem als Biohtpnnkt 
in der Nacht gedient habe, als Sage in betraohUn iit, m l&sit rieh doch 
das TOD ihm beiweifelta Torhandensein einer vobx Klempner gefertigten 
Iiatame auf die banliohe Einrkhtaag räur BTodtenlenohte« nrüokfflhren, 
in welehec mm Ged&ohtnin der Entschlafenen ein -arme Seelenlicht* wäh- 
rend der Naehtuit brennend eritalten wurde. (Ott«, Handbnoh der Uroh- 
liohen Kuutacoh&ologie, 4. Aoflage, pig. 261. — ißttbeihingeii der k. k. 
Central -Conuninion, Wien IB63, 7. Jahrgang, pag. S17 B- — Weingärtner, 
System des ohriitliohen Thormbanu, Qöttingen 1860, §. 6b S.) 

•*) Qall. Stasi, Hecrologinm, pag. &S. ■Me^om MHpori« CbtiaÜ in 
nostro eoemeterü». 

9 

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- 130 — 

aasgeführter Gemäldeichmnck Terbunden war *'). Diessr ent- 
hielt die mit Inschriftea Teriehenen Bildniiae mehrerer Peraooes 
beiderlei Geschlechta, welche sich nicht allein um die Kapelle, 
sondern auch um daa Kloster ein besonderes Verdienst erworben 
hatten. Aus einem uns erhalten gebliebenen Verzeichniss dieser 
Bilder '*), unter denen an vornehmster Stelle snch das des 
Königs Dagobert nicht fehlte, ist ersichtlich, dass neben dem an 
der Westseite angebrachten Eingange ein Thnrm sich erhob, 
Bu welchem aas dem Inneren der Kapelle ein Zugang TorbandeD 
war; auf diese Notia beschränkt sich aber anch alles, was Über 
ihre bauliche Einrichtung bekannt geworden ist 

Die angeflihrte Restauration mose eine Eiemtich durchgrei- 
fende gewesen sein, da sie eine Conaecration des Altars ver- 
anlasste, welche 1304 XVII. Kai. Jolü (15. Juni) der Bischof 
HenricuB (von Ennland) '*) zur Ehre des hL Kreuzes, Blutes 
und Leibes Christi vollzog **). Auf den genannten Tag (das 
Fest S. Viti) war auch anfänglich die Feier der Eircbweihe an- 
beraumt, welche aus gleichem Grunde wie bei der Klosterkirche 
im Jahre 1369 den 22. Mai (feria tertia post diem saactae Pente- 
coates) durch den Weihbischof Albert, Grafen von Beiohlingen, 
Bischof von Ippus, auf die Oktave des Trinitatisfestes verlegt 
wurde *'). 

Nicht ganz nnwahrscheinlich ist es, wenn man mit dieser 
Weihe die Umwandlung der Benennung des GebHudes in die 
Kapelle Corporis Christi in Verbindung bringt. Wenn auch die 
Verehrung der Hostie, des Symbols des Leibes Christi, dorch 
ein besonderes Fest erat 1311 durch eine Bulle des Papstes 
Clemens V. eine weitere Verbreitung erhielt, ao war dasselbe 
doch schon 1264 durch eine Bnlle des Papates Urban IV. ange- 
ordnet worden, und obscfaon nach dessen kurz darauf erfolgtem 

*■) QiXL StaH, NMroIopam, pag. 58. Hearioni da AUoh war spltar 
Piior und itarb ISU^ den 3a Mai. 

■*) GaU. SUm hat diaMs, dwa Neoiola«»« pag. «8—849 baigangU 
VeneichoiM wolil nioht am eigener AoMhanoag der Bilder mtworfaB, 
•ondtm aai eitwr ihm in Oebote stebandan QoeD* in Abaohrift geiMmKeii, 
da er erst I7M , also fOnf Jahr naoh dem Einatnn dar Kaprila das kHMar- 
liebe OelibdQ ablegte. 

■•} Kooh, die &fiirter Weihbnditis, L e. Tl. 6i. 

>•) QalL Staw, CeUeotio, pag. 714. 

•') Qall. Stau, Colleolio, pag. 714. 



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- läl - 

Tode aeiner Anordnimg eine weiteo« Folge nicht g^eben wurde, 
die Feier sogar ganz anterblieb ^''), bo ist es docb immerhin 
möglich, dass das PeterskloBter von der älteren Bulle Kenntniss 
erhalten hatte und der restaurirten Kapelle schon im Jahre 1304 
die Benennaiig Corporis Christi beilegte. Diese Annahme ge- 
winnt an Wahrscheinlichkeit dadurch, dass unter den erwähnten 
Bildern, deren Entatehong doch wohl als gleichzeitig angenom- 
mea werden darf, sich auch das des Flebans Reinoldas von Be- 
ringen befand, welcher die Kapelle mit einer Stiftang sa dem 
Zwecke bedachte, damit in derselben jährlich das Fest Corporis 
Christi feierlich begangen werde. 

Nachdem -der Altar im Jahre 1387 von dem Convents-Mit- 
gliede Andreas Hunold mit einem Antipendium beschenkt wor- 
den war '"), tritt die Kapelle in den cbronitalen Aufzeichntingen 
drei Jahrhunderte hindurch vollständig in den Hintergrund. 

Bei der Anlage der Citadellbefestigung des Petersberges 
war aie in Gefahr, ganz beseitigt zu werden, and es bedurfte 
der dringlichsten VorBtellungen des Abtes bei der Mainzer Knrie> 
am sich in den Beeita einer erzbischöäichen Verordnung zu 
setzen, wodurch dem den Festungsbau leitenden Commandanten, 
Oberst Schutz, die Weisung ertheilt ward, bei der Linienführung 
der Enceinte anf die Erhaltung des Gebäudes Rücksicht zu 
nehmen '"). Trotzdem schwebte dasselbe, so lange sich die 
linke Face des Bastions Philipp im Bau befand, in steter Gefahr, 
nngeachtet der angewendeten stützenden Vorrichtungen, bei 
einer etwa erfolgenden Abratschung in den Graben hinab zu 
stürzen, weshalb man anch im August 1680 den Abbruch des 
Altars vorsorglich anordnete °*). Was diesmal mit Aufbietung 
aller Vorsichtsmassregeln glückUcherweise noch abgewendet 
worden war, das trat unerwartet 1735 dennoch ein, wo der am 
20. Juli durch anhaltenden Regen veranlasste theilweise Einsturz 
der vorgenannten Festungslinie erat die Ablöauog der Kapelle 



■■) ffiagfll, Handbueh dsr ohrüUioh-kicalilielMD Alterthflmor, 11. IBl, 

**) GsU. Stus, NecroloKinm , pag. 8. aAndreu Hnnold (Hnndolff) oom* 
psntvit Ubnlam altaris in sMello corporis Ghriatiii. — Dn Csnge, QloMu, 
•d TOoan: tabula lUtuii, iitioa qnH altari inperponitar, wd es, qnte soUda 
at fignrii excnksta ipn altari praetenditora. 

»} fiaU. aUM, OoUMtio, pig. 764 f. 

*■) QaU. StsM, CoUeotio, pkg. 769. 

9* 



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— 132 — 

vom Tiinrm zur Folge hatte nad am 23. Juli d«n vSlli^eti Eiu- 
Btnra der eratereD nach eich 20g **). 

Uebar den erneuten Aofbau ") kaoo ana Mango! an Material 
eine nfihere Mittheilung nicht erfolgen und selbst die Ermitte- 
lunga - Versacbe haben sich vergeblich erwiesen, ob die Kapelle 
schon vor dem Jahre 1813 beseitigt ward, oder w&hrend des 
Bombardements bei dem Brande des Klosters mit diesem gleich- 
zeitig der ZerstSrnng anbtim fiel. Änf einem, Ton fransOsischeD 
Offizieren im Jahre 1813 entworfenen Armimiigsplan ") des 
Fetersberges ist die Kapelle nicht angegeben und hiemach darf 
man sich der Annahme Eaaeigen, dass sie, gleichseilig mit dem 
an die Gemeinde Dittalstedt geschenkten Thonne, schon 1811 
abgebrochen worde. 

Die Farochie und Kirche S. LeonhardL 

Der TOD der Kordgrenze des Severihofes in nördlicher Rich- 
tung die Anhohe hinauf fUhrende Weg ist ohne Zweifel sehr alt 
nnd bestand als kürzeste, wenn auch etwas steile Verbindung 
mit der Stadt sicherlich schon zu der Zeit^ als die auf jener 
Anhöhe liegende klösterliche Niederlassung sor Abtei S. Petri 
und Pauli (1060) umgewandelt wurde. Ob auch die zu beiden 
Seiten dieses Weges stehenden H&user zu jener Zeit bereits 
vorhanden waren, l&sst sich nicht nachweisenj dagegen scheint 
die Abtei dieselben von Hans ans, weil sie auf ihrem Areal er- 
baat waren, auch als ihr angehörend nnbeanetandet betrachtet 
und für ihre Insassen einen Pfarrgottesdienst in der Kloster- 
kirche eingerichtet zu haben. Von diesem letzteren wurde das 
Kloster durch die 1149 vom Erzbischof Heinrich I. errichtete 
Farochie S. Leonhardi *') dem Anschein nach nur xum Theil 
be&eit, denn ausser derselben bestand nach dem Zinaregister 
des Klosters *') noch im Jahre 1366 eine Farochie S. Petri, 
welche die auf der Ostseite des vorerwähnten Stnfenwegea lie- 

■*) FortietsDiig der htndsahriftliohen Chronik des Samuel Friti dnrcli 
ChrittJan Kaichardt, pag. 188. 

*)} DominilniB, Erfurt und du Etfartisohe Qabiot, L 113. 

■*) OieMT Plan befindet Bioh im Kfinigl Forti£oatioB».AroUv, Lit B, Hr. 8. 

*•) Fluid. Math, 1. 0. pag. 27. 

■*) Eina Abiahrift diMei Zinsregiiten findet nah bei GalL StSM, Ileoco* 
loginm, psg. 470 ff. 



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— 133 — 

genäen dreScelin HSoier uiofaaite, von Aenen eine Rone an den 
im Osten der KloBterkircha eingerichteten Begräbnissplatz an- 
grenzte, irfthrend anf der Westseite achtsehn Hänser die Paro- 
chie S. Leonhardi bildeten, welche sich nach oben bis an das 
AQodtom ,^am gr&nen Hagen" erstreckten nnd nach onten bis 
an die Lanengasse ausgedehnt zn haben scheinen *^). In spä- 
terer Zeit mag eine Yereinigong beider Gemeinden stattgefunden 
haben, denn Nicol. t. Siegen ") giebt zum grossen Brande im 
Jahre 1472, bei welchem höchatwahrscheinlich beide Häuser- 
rühen in Äsche gelegt wurden, die Xotiz, dass die Farochie 
S. Leonhardi abgebrannt sei and macht eine Farochie S. Petri 
nicht nam h aft. 

Diese die Änh5fae sich hinaufziehenden Gebäude bildeten 
in ihrer Holzconstmction *'), mit Zinselwänden , Brettei^ebels 
und Sohindelbedaohungen bei jedem Brande, welcher in dem 
am Fasse der Anhöhe sich aasbreitenden, gleichfalls sehr feaei^ 
gefährlich gebauten, städtieohen Hänsercomplexe aufloderte, eine 
höchst bequeme Uebertragung der Feuersgefahr nach den auf 
dem Flateaa liegenden Gebäuden, nnd die in den Jahren 1079 
nnd 1142 das Kloster selbst schwer heimsuchenden Brandschäden 
bl^n sehr wahrscheinlich in dieser Vermittelung ihren Gnmd 
gehabt Obscbon diese Häuser auf dem seit alter Zeit dem 
Kloster xugehSrigen Grund nnd Boden standen, so gehörten 
obne Zweifd mehrere derselben zu denen, von deren Bewohnern 
der Bath in einer doch wohl zu weiten Ausdehnung seiner 1281 
erlassenen Verordnung: bürgerliches Gut nicht in die todte 
Hand kommen zu lassen "*), im Jahre 1293 das „Herdgeld" 
«nforderte nnd in Folge dessen mit dem Convent in Streitig- 
keiten gerieth, wobei er der Immunität des Klosters. sogar so 

*'') Der Ansicht dM Abtes Flscidni Mnth, L o. psg. 28, nuh welober 
auch H&DMr suf dem Bnbenmsrkte inr Faroobie 8. LMnbsrdi gehört haben 
K>UeD, Ksgt wohl sie Irrthnm id Grande, da rieh atu den Terrechten dar 
Stadt Tom Jslire 1693 der Naobwtie fBtaren liest, dew eimmtliehe Qabinde 
auf dem Rabeanarbte der Oemeiade S. Andreae magehftrten, 

*■) Nie T. ffiegen, pag. 460. 

*■) Nooh naob dem groeMn Brande im Jahre 1472 war wonigatena ein 
Theil dieeer Oebiade so leioht gabant, daie bei einem sm 1. Min 1683 ein- 
getretenen Sturm Bwai Binssr bei S. Leonhardi ■toh Grand ans der Erde 
gerueen warden. (Shiahold, Termehrtee Enoominm Erffartinnm, IV, pag. 97). 

■*') Die betreffende Urkunde befindet eieli im Stadtarcliiv. 



Coo^^lc 



— 134 — 

weit m nahe trat, dasi er vorgab, jene Abgabe nicht ^em Ttn 
den genannten HSasern, BOndem ancb von BanuntHeben Kloeter- 
gebXndeD fordern kq kennen '). Nachrickten fiber den Aiugang 
das Strates aind nicht vorhanden; indoBs scheint der Roth aor 
Aofrechthaltcng seiner Verordnang in der Folge geeignete Haaa- 
regeln ergriffen Ea haben, da sieh anter dem 25. Hin 1332 
Friedrich von Witzleben, Ritter and Herr an E^enbnig, ver- 
pflichtet, dai Hau and den Hof auf dem Petersberge, welche er 
vom Magister Hermann von Aliob flir 23 Mark mit BevilUgi^; 
und VergODSt des Raths käuflich erworben, nnr an einen Bflrget 
wieder zu verkaufen, welcher städtische Lasten trägt *). 

ÄD sich von untergeordneter Bedeatang ist die Im Jahre 
1350 vom Convent unternommene Anlage der Steiostofen '), 
mit denen der etwas steile Weg zwischen den beiden HSnsor- 
reihen der Qemeinde S. Leoohardi zur f^leiohternng des Ver- 
kehrs versehen wurde. Erwägt man aber, dass dieser Bau mit 
den daza erforderlichen Vorbereitaogen wohl sohwerlicb inner- 
halb des Zeitraams von einem Jahre zur YcJlendung gelangte, 
dass femer zn derselben Zeit das Stift S. Marifi mit dem am 
25. März 1349 begonoenen Bau des neuen Chorea *) besohäft^ 
war, und in den beiden Jahren 1351 und 1^2 der Radt zur 
grässerdn Sichemng der in der Landwehrbefestigung der Vor- 
städte vorhandenen Eingänge den Bau mehrerer Thorthtirme 
ausführte "), so kann man eine gewisse Verwunderung nicht 
unterdrücken, wie dies alles zur Ausführung gelangen konnte in 
einer Zeit, wo auf dem ganzen Thttringerlande der Druck einer 
pestartigen Krankheit lastete, welche ebenso wenig plötzlich auf- 
trat, als plötzlich wieder verschwand und im Jahre 1^0 so viel 
Opfer in Erfurt hinwegraffte, dass allein anf dem zu einem 
MasseobegräbniBB auaersehenen Kirchhofe des Dorfes Neuae am 
rothen Berge angofähr zwölftauaend Menschen in elf Graben 
zur Ruhe bestattet wurden '). 

Als beacbtenswerth ist nur die oben aagefftbrte Kurie her- 

■) Cbron. SampeL 

>) AbMhrift dar ürkoDde im Stadtatohiv. 

*) Chrtm. Ssmpet, 

*) Btaininiobrift an der SOdseite det Chors*. 

*) AuMug BUB den BaarscluiaDgeii das Batlis iai Stadtarohfv. 

*) Cbron. fianpat. 



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— 135 — 

▼<vsiiliebeD, welche nach dem ZinaregiBter vom Jahre 1366 ein 
Conrad von Appolda bewolmtfl and mit einem an dae Kloster 
SB eotrichtenden MichaelisBinH von 6 Solidi betastet war. Als 
die Grafen von Gleichen das ihnen als Sobirpivögten zustehende 
Becht der ,^astfreien Herberge" im Kloster in immer grösserem 
Haaase missbrauohten , bei ihrem öfteren Einreiten rilckBicbtalos 
daa in der Kttche bereitete Mittagsmahl ßir sich und ihr Gefolge 
in Besohlsg nahmen, der Convent dagegen nach beendeter Messe 
oor leere Schfisseln and Krüge im Refeetorinm vorfand tind da- 
her 1373 das Recht der &eien Einkehr fbr Menschen und Pferde 
dem Grafen mit 400 Mark Silber abkaufte, so überwies er ihnen, 
damit dergleichen ungebetene Gäste das Kloster überhaupt nicht 
mehr betreten sollten, jene Kurie als Herberge ''), welche von 
diesem Zeitpunkte ab der „Gleichensohe Hof" genannt 
wurde. Nachdem gegen das Ende des 15. Jahrhunderts die 
frilher zwischen der Abtei und den Grafen bestehenden Verhält' 
nisse sich weientlioh geändert hatten, sodass letstere selbst 
die ihnen unbeanstandet belassene Berechtigung der Beerdigung 
in der Klosterkirche ^) nach dem Jahre 1500 nicht mehr benutzt 
lu haben scheinen '), wurde die Kurie als Lehn solchen Bär- 
gern tthertrageo, die sich bereits im Besits Gleichenscher Lehns- 
guter befanden. Man findet daher, dasi 1491 am Freitage vor 
Pfingsten Erhard von der Sachsen mit «einem ganzen Haushalte 
in den „Gleiohenechen Hof" eingezogen ist nnd bis an sein 
Lebensende (1505) in demselben wohnte, sowie dass in dem 
zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts Hierooymus von der Sach- 
sen (t 1548) mit demselben belehnt wurde nnd 1605 David 
Macke mit seinem Weibe diese freie Wohnung zur Nntzniesaung 
besass ■•). 

'} NiooL V. SieKsn, psg. 807. — In QaU. SUai, Collectio, p^. 7G9 wird 
biniiigafngt: ■qaam cnriam ipri oomitei debent ootutrnere ac in esae oonser- 
vatea. — Hiermit wird die in Zachsnaa Hogel^ Chrtoub pag. 426 gegebene 
HittheiluaK widerlegt, woanoh die Orafeu schon Mit lOH im Betiti diwer 
Curia gswMen wären. 

•) NicoL V. Si^^n, 1. n. pag. 102. 

•) Da* nlatit in der EloBterkirohB beerdigte Mitglied der Gleiohen^Khen 
Ofafonfsnilie war dsr am 1. Juni 1600 gestorbene Qraf Earl, Herr m Blan- 
kenheiiL (Gall. Stau, Kearologinm , pag. 27&. Yeneiobnin der Qrabateia- 
, Mr. 79). 
>*) Sagittarins, Qeicbicbte der Grafiahsft Qleiohen, pag. 18 S. Dia be- 



:,G Gothic 



- 13« - 

Ein ftoderea hier noch sa erwähnendes Gebäude ist der 
Oetreide-Speicher (granarinm) des Kloetera, welcher mit 
Bwei oder drei Häusern der Farochie S. Leonhardi, Ton denen 
das eine „zum SchlQssel" genannt wurde, sehr wahrBcheinlioh 
«wischen der Kirche 8. Leonhardi and dem ÄUodiam „zum 
grünen Hagen" lag. Zn dieser Localisimog geben folgende 
ohronicale ITotizen eine hinreichende Berechtignng: 1470 findet 
der Baa eines neuen Hauses „ad davem prope LooDbardom" 
statt "), welches nebst drei aDgrensflnden Baulichkeiten, dem 
mebrerwähnten Zinsrogister zufolge, schon 1366 in der Farochie 
S. Leonhardi genannt wird; bei dem grossen Brande im Jahre 
1472 verbrennen dem Kloster in dem Hanse „snprs claTcm" 
900 Malter Gletreide **) und bei der Ankunft des apostolischen 
Legaten, des Bischofs Bartholomäus, am 5. Aagust (Kon. Ai^sti) 
1484 png ihm der Abt an der Spitze des Convents bis zum 
Hause „ad clavem" entgegen ■*). Ueberdies dürfte «ich ftlr die 
Anlage eines Kornspeichers das 'Plateau auch wohl geeigneter 
gezeigt haben, als der Abhang der AohShe. 

Die Kirche S. Leonhardi, am oberen Rande des süd- 
lichen Abhanges und in südlicher Kichtung dem Westende der 
Klosterkirche in einer Entfernung von ungefähr hundert Schritt 
gegenüber liegend, für die kleine Gemeinde gleiches Namens 
bestimmt, bildet im Grundriss ein Rechteck tod höchst beschei- 
denen Abmessungen "). Ihr schmuckloser Steinbau, an wel- 
chem noch gegenwärtig die an den Seitenmaaern vorhandenen 
kleinen, nmdbogigen Fensteröffnungen an die romanische Bau- 
periode erinnern, ist höchst wahrscheinlich am di« Hitte der 
zweiten Hälf^ des 12. Jahrhunderts usternommeD worden, da 
am 3. Kovember 1185 (?) der Altar die Weihe zur Ehre des 
Erzengels Michael und aller himmlischen Tugenden durch den 



treSeaden NotiieD Tardaskts denolbe den ibm tob Geor^ BalthsMr nm 
Milwits ngettellteti Hitthoilaugen. (YergL den Sammelbaad dM Q. B. t. 
UilwiU im 8t»dtMchiT). 

■■) Joh. TfDchar, 1. o. psg. B69. 

") MiooL T. Siegen, pag. 4M. 

•■) Memorabilia Nicolai ilu Egn monsohi B. Patri, bei Oall. Stais, 
Gallwtio, pag. 838. 

< *) Diemlben betragen iti der l.ings angeOIir 70 Fum rt. vaA in der 
Breit« 80 Fun. 



DictizedbyGoOgle 



— 137 — 

Biftcliof Habertas Ton Harelbet^ erbalten faftbfln soll * ''}. Ot>- 
Bchon die Kirch« seit der Emchtang der Parochie durch deo 
ErzbiBcbof Heinrich I. dem Kloster incorporirt war und dieses 
auch jederzeit einen Beiner Priester als Seelsorger an derselben 
angestellt hatte, so wnrde ihm doch znr Zeit des Abtes Theodo- 
riciu von Zimmern (135S — 1376) nnd als der HSnch Benricus 
Ooyiutz (t 1368) die Functionen eines Bectors (plehanus sea 
paroehns) versah, dieses aaBBchliesaliche Recht von Seiten des 
Propstes des S. Marien -(Dom-)Stifte8, Ditmaj von Hnckenthal, 
streitig gemacht, indem dieser die Behauptung aufstellte, dass 
beide Tbeile abwechselnd das Patronatsrecht auszuüben hätten ' *). 

In Folge des 1297 III. Kona^Martü (5. MSrz) *'') am Fasse 
der Anhebe ausbrechenden Feuers und der, durch die ruchlose 
Brandstiftung am 19. Juni 1473 in den Parochieen SS. Hariae 
nnd Severi wütbenden Flammen wurden die Hänser an dem 
Steinstufen -Wege in Asche gelegt und hierbei scheint auch die 
Kirche nicht verschont geblieben zd sein. Wieder hergestellt, 
mit einem schlanken Dachreiter gesiert and uro 1476 mit einer 
neuen Orgel versehen "), verblieb das kleine Ootteshans seiner 
Bestimmung noch zweihundert Jahre. 

Eine Aendemng trat erst ein, als der Erzbiichof Johann 
Philipp von Scbönbom, nnmittelhar nach der im Herbst des 
Jahres 1664 durchgesetzten gewaltsamen Unterwerfung der Stadt, 
die Citadellbefeatigung des Fetersberges unternahm und hierbei 
die Häuser der Parocbie 3. Leonbardi, auch der Oleichensche 

■■) OsUd* SttiH, CDllectio, pag. 709, giebt Hr diese Wsiha das Jalir 
1166 mit dem Zsaftti'. ■indiotiona III." an; da Biaebof HnbertM TOn HaTd- 
b«v (116D— 1176, — EbeUng, die dentwhen BüohSfe, L pag. 477) jedoeh 
1186 bereit* g«atorben war, lo wird mit Berfickriohtigong der angegebeaen 
Indiction die Weihe wohl riohtiger in du Jahr 1170 in Terlsgan Bein. 

Ob der im Chnn. Sampet. erwSbDte Altar S. Leonhardi, dewsn Con- 
•ecration 1290 am Tage des hl. Bamabss (11. Juni] dnreh den Salibnrger 
Weihbitchof Conrad, Btichof von Lavant, erfolgt«, in disM Kirohe lo rer- 
legen ist, mui wagen Mangels niberar Angaben nnantaohiaden bleiben. 

■*) GaU. Staat, Neorologinm, pag. bS. — Zaittobrift daa Tereiaa t&r 
thüringische Oeaobichte. Jana. V. pag. 2BS f. Hier wird dar Propst Am 
Marien-Stiftes Ditmar von Meokebtck genannt nnd der Streit in die Jahre 
ISSfi— 68 goMUt 

< ') Chnm. BanipeL -— NiooL t. Siegen, pag. 869 giebt UI. Non. M^i an, 

■*) BicoL T. Siegan, pag. 455. 



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_ 138 — 

Hof, geopfflrt werden mnBBtea. Bn den sckon «a sefaat«» 
Tage (^ October) drcIi der Kapitulation beginnenden Vorarbei- 
ten wurde am ^ October der Abbruch mehrerer Häuser und 
die Beaeitigung der die Anhöbe hinaufiübrenden Stdnitu&n in 
Angriff genoauaen **). Aof diese Weise verBchwand allmälich 
die kleine Psrochie, ohne dass das Eloater eine Entschädigung 
dafOr erhielt, nur die Kirche blieb erbalten und wurde ichon 
au jener Zeit in ein Zeaghatu umgewandelt '"), zu welchem 
Zwecke das (^ebSude auch gegenwärtig von dem Militair-Fiskaa 
noch benutzt wird. 

Das Ällodiam „zam grOnen Hagen**. 

Ueber die Lage dieses aasserhalb der Elaoanr übenden 
Qebtades ertheitt der Abt Plaoidas Uuth Auskunft und berich- 
tet, dasselbe sei an der Stelle eu suchen, wo zu seiner Zeit die 
knrmaiQEiBche Hauptwache auf der Festung lag *'). Diese be- 
fand sich auf der Westseite des Klosters , ungeßihr in der Ver^ 
Ungemng der Stldfront der Abtswohnung und 30 — 40 Schritt 
von deren Westfront entfernt *'). 

Die Entstehung des Gkb&udes ist unbekannt; es onterliagt 
indeas keinem Zweifel, dass dasselbe in der 3. Hälfte des IS. 
Jatu-hnuderts bereits vorhanden war. Während der Anwesenheit 
de« Königs Rudolf I. im Jahre 1S90 wurden nSmlich seine Töob- 
ter, Jutta, Königin von Böhmen, und Agnes, Herzogin von Saoh- 
Ben, welche das Reichtoberhaupt sn einem Besuche zu sich ein- 
geladen hatte, mit ihrem weiblichen Qefolge ausserhalb der 
Klaosor in dem „pomerinm" des Klosters untergebracht **); es 
ist daher ein Fehlgriff wohl nicht zu besorgen, wenn man in 
dem späteren AUodinm „zum grünen Hagen" jenen , mit einem - 



>•) ▼. Tstten, die Bodoetion von Etfort, pag. M3. 

••) QaU. 8tmM, Neerolopnm, pag. 81. — Caq). Fri«dr. Binabold, vsr- 
neinrtM Enoominm Erfortinam, II, Bd Anhang, psg. Itt (Hsnukript in 
der «TangsliMihea Hiniitarial- Bibliothek an Erfurt), ugt, daii diese Um- 
wandinng im Jahre 1677 geaebehcui «ei. 

■>) PItcid. Math, L o. pkg. S9. 

■'i Ans dem Mhsr SDgsfabrten fransösuohen PUae «atnwimeii. 

*•) Chron. Sampel. 



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— 139 — 

Geläade in Varbmdong stoheaden Obitgartea „pomGrium" wie- 
dar erkmnt. 

Die Benesnaiig „zum grQDen Hagen" kommt in den Aontt- 
lan erst za Anfang dei 16. Jahrhanderta vor "), wo der mehr 
wehklage als wisssnacbaftlich gebildete Abt Härtung tod Dri- 
fbrd es angemessen fand, seine Wobanng aas der Abtei in 
du genannte Geb&ade za verlegen, um daselbst ausserhalb der 
Kloostir ein vom kldeterlichen Zwange mfigUohst tmbelttstigtes, 
■einen weltlichen Neigungen mehr entsprechendes Leben ftUiren 
sn können. Za dieser Zeit eine etatttiche Kurie (solempnis 
eoria) genannt, bestand dieselbe vielleicht schon jetzt ans Kwei 
hintereinander liegenden, dnrcb einen Hof von einander getrenn- 
ten Oebftadea, welche von den am 19. Juni 1472 in der Paro- 
chie S. Leonhardi die Anhöhe sich hinauf schlSogelnden Flam- 
men glftcklicberweise verschont blieben and auf Ewei Holz- 
schnitten ans dem Ende des 16., resp. ans dem Anfange des 
17. Jahrhunderts deutlich erkennbar sind >"). 

Seit der im Jahre 1446 durchgeführten EloBterreform seiner 
alten Bestimmung, als Herberge f^ vornehmere Qfiste so dienen, 
wieder snrUckgegeben , trat dem ferneren Bestehen des Gebäu- 
des die Citadellbefestignng des Petersberges störend entgegen, 
in deren Verlauf daaselbe dem Kloster ohne Ersatz entzogen 
und abgebrochen wurde "), 

Der Wirthschaftshof. 

Eine allen Klöstern nothwendige Etorichtung war der Wirth- 
Bcbafts- oder Ackerhof. Bei dem Peterskloster enthielt derselbe, 
mit Ausnahme der Brauerei und der Weinkelterei, alle Erforder- 
nisse, welche mit den wirtbachaftlichen BedUrfniasen des Klosters 
in Verbindung standen. In demselben waren der geeammte 
Viebstand, die Vorräthe an Heu, Stroh und Fntterkrttntem , ao- 

■•) Nieol, T. Siegen, peg. 407. 

■*] J. H. Dedekind, Annäht dar SUdt Erfort aas der TogBlsahsn. (Im 
Bents d«a Stadtntha a. D. Herrn Karl Hernnsno). — HotKMterielofis , in 
qoa iBilgDiniD aliqnot Honasterionun Fsmilise 8. Bensdieti ia Gormania, 
origin« eto. desaribontiir etc. Ant<fre B. P. F. Cuolo SteDgelio, ejuadem 
Ordinia Monasterii 8S. Udairfoi et Afrae AngoHsa Vindalieomm Frofe«0. 
Angvitae Yiudelioomin 1619. (Känigl. Bibliothek an Dresden.) 

■•) Dagob Conen, 1, d. pag H8. 



:,G Gothic 



— 140 — 

wie dia mannigfacheo Gerlthscliaften dar Anfnclit einet Ver- 
walters (magiater cariae] '^) anvertraut, hier wurde das fOr die 
Elosterkttcbe benSthigte Geäflgel gesücbtet nnd TOn einer „Eitae- 
mutter" '*), welche in der Regel die Frau des Verwalters 
war "), die Milchwirthachaft and Käaebereitung *") mit aller 
Sorglichkeit in Betrieb erbalten; ancb aar aetbatändigen Ana- 
flihning der vorkommenden Eisenarbeiten und des Hafbescblage« 
t&r Pferde und Eael *') scheint eine Scbmiede nicht gefehlt za 
haben. 

In den Annalen der früheren Zeit wird dieser Oekonomiehof 
niemals erwfthnt; dies geschieht «rat zum Jahre 1519, wo in 
Folge eines zur Nachtzeit in dem Pferdestalle aaagebroohenen 
Feuers, welches ancb dem Kloster höobst gefährlich zu werden 
drohte, der ganze Äokerhof in Aache gelegt wurde and nicht 
aliein einige Pferde, sondern auch der Verwalter (pater domas) 
nnd der Schmied mit verbrannten '^). Ein gleiches UnglQck, 
jedoch von geringerem Umfang, traf das Gehöft am 17. Novem- 
ber 1583, als durch die Unacbtaamkait der Knechte eine mit 
Getreide angeiÜllte Scheune in Flammen aufging *'). 

*") nddericua, dooatiu, \M9, qoi fnerat din in Alich in mllodio n^iitter 
evriaa, et ■nnilitn io aUodio in ointaU extra monatterinni ete. {OalL 
BtaM, NecTologiam, psg. 1B7). 

*■) DisM Benennnng kommt im 16. Jahrhondert vor. (TergL die Pro- 
lakollB att* dem Jahre I6S9, a]i Beilage Nr. 6S rar Antwort de* Batliei d. d. 
IB. Juli 1694 auf Mine vom Saiser d. d. Frag, den U. April 1(104 verfi^t« 
Temrtheiloug in Bebvff der vom Eribiiohof Wolfg^ang beim küerL Kfunwifir- 
gerioht eriiobeDe Elagepankte.) 

**] Katharina, laioa, mater OBriae allodii nottri in ointate, qnaa eam 
räo nio habuit nmiram oonfratemitatem , onm qno et dedit ootoginta 
florencw. OaU. Stasi, HeoroloiciBm , pag. 308. 

") Kite ward ia den KlStteni liamlioli viel verbrancht, da er den 
Behln« jeder Mahlteit bildete. (Tergl. JvL Wegalar, das Kloster Laaeh, 
Bonn 1864, psg. 64;. 

*■) Mit den sehr hinfig in Klöttem oder in deren Soiaen, %. B. anf 
dem bei Sobernheim an der Nahe gelegenen Disiibodenberge, anfgefnadenen 
kleinen HnfeiMa waren niaht Pferde, KndMm Esel besoUagen, welche als 
Lsattbiers trühw eine snigedehote Vsrwsndnng &aden. 

■*) Joh. Kncher, 1. o pig. 676. — Eob. Dolgen, 1. o — Sebastian Knn- 
ratb, Chronik von Erfort, in der k5iflgl Bibliothek m Dresden, L IbX — 
Chronioon Erphordiense, in d«r königl. Bibliothek ra Dresden, L 198a. — 
Als Datnm wird fiberall »Hittwooh in d«r FastOD» angegeben. 

*') £ob. Uolgen, L c. 



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— Ul — 

Aach dieaes Beaitztham muBBte dem WiIIbd ioa ErzbiBchofs 
Johann Philipp bei der Citadellbafestigusg dea Petersbergea 
som Opfer gebracht werden, wofUr jedoch dem Kloster von dem 
non in Er&irt gebietenden Oberherm eine Arealentschfidigang 
zn Theil ward. Zu diesem Zwecke wurde in dem geachoss' 
freien berrschofllicfaen Kornhofoj welcher sieh ausserhalb der 
alten Ringmauer, aof dem früheren Begräbnissplatze der Jaden, 
vom inneren AndreaBthore biB zom inneren Moritzthore aus- 
dehnte ■*), der in Qartenl&nd ^*) bestehende westliche Tbeit 
»bgesweigt, sodass das dem KloBter bestimmte, etwas anregel- 
mifrig gestaltete Grandstllck von nngefiihr 4 Acker Flächen- 
inhalt westlich Ton der Andreaaatrasse , nördlich von der (gros- 
sen) Ackerfaofgasae , fiatlich von dem herrsohaftlichen Komhofe 
und sSdlich von der alten Ringmaaer begrenzt wurde *'). 

Der Abbrach der Wirthschaftagebände und ihr Wiederanf- 
baa auf dem neuen Areal scheint nicht sogleich notbwendig ge- 
worden zu Bein, da es dem Ersbischof zonächst darauf ankam« 
eio gegra die Stadt gerichteteB Bollwerk bu besitzen, demzufolge 
saerat aof dieser Seite die Befestigangsanlagen zur AuafOhrong 
gelangten, mit denen man in den beiden, zunächst aof das Jahr 
1664 folgenden Decennien vollauf zu thnn hatte '''). Indeaa 
Eand sich doch Bchon 1676 der Abt Adam Dablen veranlasst, 
die erheblichen Kosten nicht zu scheoen, welche der Ban eines 
neuen Oe^ideBpeiohera ^anarium) aof dem für den kOnftigen 
Wirthschaftshof bestimmten Orondstück verursachte. Das Hb- 
herige, swisohen der Kirche S. Leonhardi und dem „grünen 

'*) NhIi der im Jahre 1166 erfolgten tweitaa Yertreibmig der Joden 
MH der Btadt hatte der Rath lof dem jüdiiohea Begr&bniMplatte einen 
uegeo Komhof angelegt and «nf demselbeii in den Jahren 1466 — 1467 ein 
gtona» nuMi?«« KorohaoB erbant, velohea in »einer onprüngliolien Geatalt 
noeh gagenwirtig von dam k&nigL Proriknt-Amte alt Speicher benntit wird. 

") Dagob. Conen, L c. peg. MB. 

") Oebinde- and Qrandatüok-NaohweiraDg dea kfinigl. FroviAiit-Amti. 
— Die von 1774 bii in die nenere Zeit fortgeführten Yerrechten der Stadt, 
in doMD der AckerboF dei Kloeten 8. Petri in der Oeneinde B. Manritii 
nnter Mr. 96b anfgefährt iit; die dabei stehende epitera Hmamer mam 
wohl 3993 nnd nicht 2998 heiuen. 

■') Im Jehre'1680 war der Ben im Bastion Philipp im volleit Qsage 
(Ball StaM, CoUectto, peg. 789) und 1687 beginnt der Baa dea Bastion Frana. 
(äaU. Sta«, Colleotio, pag. BOl. - J. C. Weatsrmaan, 1. o. foL WS). 



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- U2 — 

Bagen" gelegene KoruhaoB bot »war den Befeatigongtarbeiten 
keineBweg* ein Eindemisa , allein der Commandant, Oberrt 
Scbüts *^), deüBen besonderer Gtmat and Oowogenbeit sich das 
Kloatar aUem Anaehetn nach nicht za erfreoen hatte, verweigarte 
demselben die Abfuhr des verkauften Getreides dnroh das neae 
Featungethor unter dem Voxwande, dass er diese Vorräthe fOr 
die Beaataung besser gebrauchen könne; daher fand es dar Abt 
gerathen, um den aus dergleichen frillkUrlichen Zumuthnngen 
entatehenden Unannehmlichkeiten Tonanbeugen, einen nicht xa 
tnnderDden Aoaw^ einsoacblagen und baute einen neuen Kom- 
Speicher auf dem Areal an der Ackerbofgasae ^ ^). Etwas aptttar 
erfolgte in der Mitte des Grundstlickes die Errichtung eines 
anderen , wahrscheinlich aar Wohnung füx das Wirthsehafb- 
peraonal bestimmten Öebäadea, welches jedoch anter dem Abte 
Nicolaos de OoaTemeor im Jahre 1693 wieder abgebrochen und 
am Eingange zu dem Areal von neuem aafgebant wurde. Die 
gleichzeitige Harstellang einer neuen Scheune and verschiedener 
Ställe deutet darauf hin, dase nm diese Zeit die voUatändige 
Verlegang des Wirthaohaftahofes nach der Ackerho%aaae statt- 
gefunden hat *"). 

Bei der im Jahre 1808 verfilgten Sftoalarisation des Eioatera 
giog der Ackerhof in den Beaita des Fiakua aber, welcher den- 
selben durch Verpachtung auf 6 Jahr nntzbringend verwerthete. 
Ifach dem 1809 erfolgten Ablauf dieser ersten Fachteeit beab- 
sichtigte zwar die französische Finana- und Domainen-KMomer, 
welche unter der fransösischen Hernchaft die Verwaltung der 
fiscalischen Qttter übernommen hatte, eine abermalige Verpacb- 
toDg **), da sich jedoch dieselbe nicht ermöglichen liess, so 
wurde das Besitzthum von der genannten Behörde, auf Grund 
einer kaiserlichen Verfolgung vom 12. Joti 1810, durch eine Fu- 
blication vom IS. August deaselben Jahres sum öffentlichen Ver- 
kauf gestellt **). Aus dieser Bekanntmachung geht hervor, dass 
auf dem Grundstück folgende Baulichkeiten sieh befanden: ein 

*•) Obertt SoUti bshnd iloh vom Min 1674 bii sora Jumar 1080 ab 

itt Erfurt (J. C. WevtorBUtu , 1. o. lU. 69B n. flOO). 
'•) Dagiob. Conen, L c. 619. 
•) esU. Stau, OoUeotio, pag. Sil. 
•:) Efforter lotoUl^tut-BhU, 1809, Mr. 60. 
'■) Erhrt« lutaUigSBs-Blatt, 1810, Nr. 67. 



:,G Gothic 



— 143 — 

Kwei«tock%M, steiaeraea Wohnbans, ein Pferde- tud Kuh-St^l, 
ein KweiBtöcldger Schafetall, ein dreiBtöckigea Fniolitbaw, ein 
Bweistöckiger SchweinestaUf eine einaUickige Scheone und ein 
KweietSck^e Tanbeubaas, an die Mch ein vorderer Qartan von 
l*/a Morgen und ein hinterer Garten von */, Morgen Flttchen- 
Inhalt anaohloeeeD. Baarea Geld, und darauf kam ea den fran- 
söüacbeo Behörden haaptaäobUcb an, war indeas so jener Zeit, 
wo unter dem fortdauernden Drucke der fremden Oberfaerrscbaft 
der B&^eretaod erhebliche finanaielle BeeintrttohtigaDgen eü er- 
dulden hatte, aiemlich selten. Die AuffordaroDg blieb daher 
mnch erfolgloa und es bedurfte einer nochmaligen, nnter dem 
10. November 1810 erlassenen Verßffentlichang **), ehe aich ein 
annehmbarer Käufer fand, in dessen Privatbesitz 1811 **) daa 
AxBsi ftb" den Kaufpreis von 5000 Thaler *") überging. 

Vier Jahre später, nachdem Erj^irt wieder an die Krone 
Preueeen snrückgefallen war, wurde das angrenzende berrschaft- 
Hehe Komhof-Magazin-Orundstfick mit allen darauf befindlichen 
Gebinden, anf Grund des Conferenz - ProtokoÜB vom 24. Jannar 
1815, dorcb die damals mit der Vertheilung der Militair-Yer- 
waltonga- Lokale beauftragte Conuniesion dam königliohen Pro* 
viant-Amte zor alleinigen Benutzung überwiesen. Anfangs ge- 
nügten demselben allerdings die vorhandenen Räumlichkeiten; 
im Laufe der Jahre machte indess der erweiterte Betrieb eine 
Vergrässernng des Areals höchst wünscheuswerth, und da diese 
dnroh einen Ankauf des benachbarten früheren Klostarackerhofs 
sich in zweckentsprechender Weise bewerkstelligen liess, so 
knüpfte man mit dem dereeitigen Besitzer Unterhandlungen an, 
in Folge deren das Grundstück im Jahre 1844 für 10,000 Thh-. * ■>) 
vom kbniglicheo Hilitair-Oekonomie-Departement erworben ward 
und in den Besits des Proviant - Amtes überging. 

lEt diesem Ackerhofe ist ein anderes, auch in der Acker- 
ho%asae, aber auf ihrer Kordseite gelegenes und dem Peters- 
kloeter gleichfalls zogehSrendes Grundstück nicht zu verwechseln, 

") Erfurter Intelligeni-BIatt, 1810, Nr. 96. 

<*) Dia seit 1774 bis in die nenere Zeit fortfreAbrten T«rrecltten. 

*■) Ofltigfl HitthailnnK dei Herrn Wilh. Holsdorf, der seiner Zeit mit 
der Familie des neuen Boeitten, Qeorg Seianoh Khige, OrBanisten an der 
Andreailcirehe , nihor b^annt war. 

*•) Qebtada- vnd Gmndct&ok-KadiwfliaiuiK des königl. ProTiant-Amtes, 



:.C()OJ^IC 



— 144 — 

welches von demselben erat nach der Varlegung des Äckerhofes 
auf das neue Areal käuflich erworben wurde und sieh 1774 in 
■eisern Besitz befand. Unter der Nonuner 2998 in den Yer* 
rechten eic^etragen, bestand dieses 166 Quadrat -Bathen grosse 
Besitsthum in Qartenland, welches nach der Sftcolariaation des 
EloBters verpachtet ward und laat Kaofcontraot vom 23. Jnni 
1829 f^ 450 Thaler in den Besitz des königlichen FroTiant- 
Arates tiberging, welches auf demselben im Jahre 18S3 die %xa 
Unterbringung von Batthfutter bestimmte grosse Scheune Na> 
mero 3 and 4 erbaate *''). 

Der Weinberg und der Klostergarten. 

Diese beiden ziemlich grossen GnindstUckef von denen dw 
Flficheninbalt des letzteren zu 9 Acker *') angegeben wird, 
gingen dem Kloster gleichfUls bei dar Citadellbefestigung des 
Petersbei^es verloren. Das Ausroden der Weinreben begann 
bei den bereits am zehnten Tage (^ October) nach der Kapita- 
lation der Stadt (j^ October) in Angriff genommenen Vorarbei- 
ten, schon am ^ October 1664 *•). 

FUr den Verlast des Weinberges ward die Abtei durch den 
Antheil an einem bei dem Dorfe Tiefthal gelegenen, zu den 
Munziscfaen Besitznngea gehörenden Weinberge entschädigt. 
Von der einen H&Ifte dieses Grondstückes stand dem Pfarrer 
in Witterda eine in Weintranben zu leistende Zehntenabgabe 
zn, wogegen dieser verpflichtet war, dem Besitzer eine Martins- 
gans ZQ verabfolgen. Da nun der Erzbischof im Besitz eines 
Antbeils verblieb, so wurde dem Kloster, obschon ihm der 
Traabensdne zugefallen war, doch die Oans unter allerlei Winkel- 
aUgen von Seiten des Mainzischen Beamten vorenthalten und 
wanderte aUjäbrlich in den Mainziscben Hof, bis auch dieser 
bischöfliche Antheil unter dem Abte Günther Basting (1773— 
1794) gegen Abtretung der ,3^esselhufe" eingetauscht wurde '"). 



«*) Akten dee Msgistrata. — Qebinda- und Gnuids((lok*N«oliweimj)g 
dfli königL FroTiaot -Amtes. 

*■} Cagob. Conen, L c. psg. U9. 

**) T. Tettan, die Bedaotiou von Erfurt, pag. M3. 

■o) Dsgob. Coneo, I C pag. BIS a. btö. 



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— 145 — 

Von dem Qarten verblieb dem Convent nar ein kleinei, 
dreieckig abgegrsiizteB Stück, welobes sich an die Nerdseite der 
KloBtergeb&nde anlehnte. Als Entsohädigang ftir den verloren 
gegangenen Theil sollte demselben der zwischen dem inneren 
Johannisthore and der Qera liegende Cbaben (Zwinger) Über- 
wiesen werden. Darob nicht n&her mi^etheilte, dem Kämmerei- 
Director Dresanas zur Last gelegte Intrigaen wnrde jedoch die- 
ser erzbiachöäiche Bescheid rückgängig gemacht and an Stelle 
des Zwingers, welcher dem Kloster zum Gartenbau sehr er- 
wünscht gewesen war, erbielt dasselbe die Fischereigerechtigkeit 
in der Gera oberhalb der Stadt angewiesen. Hierbei wird von 
dem Berichterstatter die Bemerkung hinzugefügt, dass, wenn 
nun einmal in dieser Weise die Entschädigung stattfinden sollte, 
den WOnsohen dea Klosters dieselbe Berechtigung unterhalb 
der Stadt mehr eotaprochen hätte, weil es sieh bereits im Besitz 
der Fischerei vom Weichbilde der Stadt bis zum Dorfe GKspbrH- 
leben befond, auch einen Theil der Fischerei ionerhalb der 
Stadt, wahrscheinlich zwischen der inneren Ringmauer bei S. 
Horiz and der Klostermüble , von einem Herrn von Gerstenberg 
gekauft hatte, und durch den Hinzutritt dieser Berechtigung in 
dem dazwischen liegenden TheU der G-eia die Beaufsichtigang 
des gesammton FiscbwasserB einheitUoher hätte betrieben wei^ 
den können **). 

Die Klo8teriDQhl& 

Ueber die erste Anlage der ElostermUble , welche zmschen 
dem inneren und äusseren Moritzthore auf dem linken Ufer der 
Qera lag, sind wir ebenso wenig unterrichtet wie über alle 
anderen in and ausBcrhalb der Stadt vorhandenen MUblen, da 
dieselben fUr die alten Chronisten einen viel zu geringfügigen 
Gegenstand bildeten, um darauf bezügliche Notizen in ihre Auf- 
zeichnui^en aufzunehmen. 

Ursprünglich nur eine MehlmÜhle, wurde ihr in der Folgo 
eine Oelstampfmiihle hinzugefügt, welche der ersteren gegenüber 
auf dem Damme stand und von derselben durch dos Uahlwasser 
getrennt 4ar. Die Oelmühle, ebenso wie bei einigen anderen 
Ueblmüblen der Stadt, nur ein kleines lediglich das Stwnpfwerk 

•■] Itagob. Conui, L o. iMg. H9 a. 660. ,^ , 



— 146 — 

enthalteades Gebäude, ist bereits im 14. Jalirhundert vorhanden, 
donn in einer Äbacbrift dce Zinsregieters des Klosters vom Jahre 
1366 wird bei Bczeichnuog der Lage von Gärten die grosse 
MUble und die kleine Mühle des Klosters namhaft gemacht ''^). 
Bei dem nach einem anhaltend starken Regen am ä. August (am 
S. Coliax * ') - Tage) 1491 eingetretenen Hochwasser, in Folge 
desson das Wasser in der wilden Q^ra die Ufer bedeutend über- 
fluthele und durch Anstauung innerhalb der äusseren Moritz- 
biigen eine erhebliche Ueberschwemmung der Vorstädte herbei- 
fUhrto, erlitt das Gebäude eine beträchtliche Beschädigung, deren 
Roparatur auf dreihundert Gülden veranschlagt wurde **). Zwei- 
hundert Jahre später sab man sich jedoch veranlasst, dasselbe 
vollständig abzubrechen und im Jahre 169ä von Grund aus neu 
wieder aufzubauen '^^). Ziemlich spät erhielt das kleine Areal 
eine Vergrüssornng durch den im Norden an die Milhle angren- 
zenden Garten, welcher im Jahre 1679 vom Kloster erworben 
wurde ^''). Ob mit der Mühle auch ein Backhaus verbunden 
war, darüber fohlt jede Andeutung, dagegen gebt aus einzelnen 
Notizen horvor, dass für die Leitung des Betriebs in der Mühle 
sowohl geeignete Latenbriidor als Klosterverwandte Verweadang 
fanden. In späterer Zeit, ob nur zeitweilig oder fortdauernd, 
lässt sich freilich nicht nachweisen, scheint die Mühle verpachtet 
gewesen zu sein, was aus folgenden Angaben gefolgert werden 
darf: im Jahre 1589 ergriff der Rath gegen diejenigen Kloster, 
welche sich weigerten, ihre um Erfurt liegenden Güter zu ver- 
rechten (versteuern), wie dies von Seiten der Bürger geschah, 
kleine Repressalien und verfügte unter anderen, dass der Müller 
in der Petersmühle seinen Zins in des Eaths Kornhaus abliefern 
solle "^j, und im Jahre 1615 wurde der Petersmüller vom Ratho 
gefänglich eingezogen, weil er den Biereigen (den brauberech< 
tigten BUrgern) „von ihrem Malze zu viel gestohlen hatte" ^*). 



<") QslL Stau, Neorologium, psg. 170 ff. 
*■) Oteiohbedeatond mit 3. Cyritcns. 
•*) Conrtd Stolle, 1. o. pig. m. 
*') OalL Stus, CoUeotio, ptg. BSI. 

**) Qail auis, Colleolio, pag. 789. * 

>') J. C. Waatermtnn, 1. o. fol. 260 f. 

"i Ebenda, fol. 88). — Die Elortermnble bBaasa du Prinlegiam, für 
du in der Pergunanter - Oun liagsnds Brftiiliwu de« AndrMi-Viwtds du 



— 147 — 

Wührend die OetmfiUe scbon 1780 an PrivatperHonen über- 
Lusen worden zu sein scheint ''), ging die Mehltn&hle erst im 
Jfthre 1803 bei der Aufhebung des Klosters in den Besitz des 
Fiscns aber und wurde sieben Jabre später von der franzü- 
siscbeo Finanz- und Domainen-Kammer durch eine vom 18. Aa- 
gnat 1810 datirte Bekanntmachung, gleichzeitig mit dem Acker- 
hofe, Kom öffentlichen Verkauf gestellt ^°). Demzufolge erhielt 
die gesammte Htthlenanlage mit dem angrenzenden Qarten im 
Jahre 1811 in dem Fabrikanten Johann Gottlieb Rothatein einen 
nenan Besitzer *'), welcher die vorhandenen Baulichkeiten voll- 
stindig abbrechen Ueas und an ihrer Stelle 1812 ein, zu einer 
Baomwollgam - Spiimerei eingerichtetea , neues Fabrikgebäude 
aufführte in der Absicht, durch diese Anlage die inlindiaclio 
Industrie zu heben *'), da infolge der vom Kaiser Kapoleou 
angeordneten Continentalsperre die Einfuhr der englischen Bauni- 
wollfabrikate plötzlich onterbrochen worden war "*). Für das 
Fundament und den Sockel dieaea Gebäudea wurden die Steine 
des noch vorhandenen Thurmes der früheren Kirche S. Mauritii 
verwendet, welcher dem Fabrikberm von der kaiserlichen Do- 
mainen-Kammer zum Abbruch geschenkt worden war "*). 

Der Garten im Brühl 
Dieses Qrundatlick lag ansserbalb des inneren BrUhler- 
Thorea und zwar zunächst der alten Ringmauer, zwiaclion der 
Straaae und dem Bergstrom ""). Aach von ihm l&sat sich ein 

Hkli in schroten. (Erfurtiscber StaftU-, Adreaa- nnd Nvshrichten- Kalender 
pro 176S, Muiiuoript im Beaiti de* SUdtntUu ft. D. Herrn Kul Heirmann.; 

'•) VorgL die wit 1774 bia aaf die neaere Zeit ftn-tgeführten Vsrreohten, 

•>) Erfurter Intelligenc-BUtt 1810, Nr. 67. 

* ') YergL die seit 1774 bis aef die neuere Zeit [ortgerührten Vorrechten. 

*■} Gütige MittheilDng de« EiMnbaha - Direotots and Stadlrattu «. D. 
Herrn Kul Hemnuin. 

■ 9) IK« Einweihnng det Fabrikgebäude« fand am S. Angnsl 1812 statt 
[Baadsohriftlicfae Erfurter Chronik dei Hoapitalpfarrerq Rudolph. — Conat. 
Bejer, Neu« Chronik von Erfurt, pag. 485.) 

•*) Hotisen des Stadtrath Fohle auf der letaten Seite der -ProtoooUe 
dar Aelteeten in der Gemeinde 3. Manritii, 178U (im StadtarchiT]. 

*•} In den mehrmalt genannten Terreohten vom Jahre 1774 igt dasselbe 
in der Gemeinde Hartini extra Nr. 111 resp. unter der späteren Nummer 
3164 ao^aführti gegenwärtig liegt es in dem von der KdnigL üewehrfabrik 
aüurenommenen Areal. 



— 148 — 

Nachweis nicht ftihreD, zu welcher Zeit das Kloster in i 
Besitst gelangte. 

Seit vielon Jahren yorpfändet, ward das Areal im Jahre 
1680 vom Convent wieder eingolüst, der gleichseitig der Strasse 
zon&ohet ein neues H&ub auf demselhen orbaote '"^). Die Ver- 
rechten vom Jahre 1774 geben zwei aaf dieaem Besitathum ste- 
hende Häuser an und fUhren diese ala „Wasohbäuser" des Klo- 
sters auf. Nach der Aufhebung des letateren scheint der Garten 
rerpachtet und ein Haus vermiethet worden au aein '''), bis 
später beides durch Verkauf in bürgerlichen Besite überging. 

Die letzten Schicksale der Klostergebäude. **) 

Nach der SScularisaUon der Abtei blieb es denjenigen der 
zweiundswanzig Conventualen, welche eins Anstellung als Wel(> 
geistliche nicht fanden, oder in einen ihnen zusagenden Wirkungs- 
kreis des profanen Lebens nicht übertraten "), Torl&u6g noch 
vergönnt, in den Klostei^ebänden, welche man zmTÖrdorst ander- 
weitig nicht zu verwertben wusste, die ihnen anagesetate Pen- 
sion ''") ruhig genieaBen zu dürfen. Erst bei der mit dem Aus- 

••) QalL Stui, Colleotio, pag. 7B8. 

*'] Erfurter InteUigem- Blatt, 1809, Hr. 24. 

■*) Die biana benntiten Notüeu liad thsiU der •Nenen Chronik von 
Erfarta von Conatantin Beysr , theils der handicbrifllichen Chronik dei 
UoipitalpfsrrerB Badalph, theila den Acten du königl. Fortificaüons-Arohiv'a 
ontDommen, tn deren Einsicht der lagenieor-OßiKier vom Plati, Herr Oberat- 
lieutenant v, Q^yl, in höchst dankentwerttaer Weise seiner Zeit die Erlaubnisa 
ertbeilte. 

■*) Tod den CooTeDtaalen , welche sich eine andere Lebenntellaiig 
wählten, haben nor zwei ermittelt werden können: Bemhud Hellmog and 
Doctor Kiealing; der erstere war bis 1808 Ticar in Erfurt, sodaan Caplan 
in Oross-Bartloff anf dem Biohsfelde nnd wurde 1818 Pfarrer in der Kirche 
S. Lanrentii in Erfort, wo er am 29. Juni 1839 starb. (Sirobenbncb der 
genaoDteo Eirohe ) Der andere war ein gebr beliebter und gesohickter Arat 
nnd starb io Folge des in Erfurt granirenden Nervenfiebera am 13. Febraar 
1614. (Handschriftliobe annaliBtiaohe Anbeichnongen des tlospitalpfarrera 
Bndolph.) — Ein dritter, ndephonms tlesae, stand intetit, ohne mit einer 
geistlichen Function betraut zu sein, im Qenasse der Fr&bende eines Cauo- 
nicos am Domstifte nnd starb den 8. Februar 1824. (Eircbenbnch des Dome.) 

'*) Unter der franiöaiaahen Oocupatioo ward ümen diese Pension freilich 
sehr verkünt and 1612 sogar gans entzogen, 



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— 149 — 

brach des Kricgea gegen Frankreich in Verhindang Hteheoden 
Annimog des Petertberges ward vom KommAndanten , Major 
vOD PrOschenk, am 22. September 180G der Antrag an den Ma- 
gistrat gestellt, die im Kloster noch wohnenden fllnf Mönche 
anderwärts ontemibringeD, worauf diesen am 30. September die 
Weisung ' anging , sich in der Stadt Privatwohnungea sa be- 
sorgen. 

Dar von Prenssen unglücklich geführte Krieg ward durch 
die Uebei^abe der Featong Erfurt an die französischen Truppen 
am 17. Ootober 1806 auch fUr die Klostorgebftade verbfingniss- 
volL Hatten die prensaiBcbeD Behörden dem gesammten Kloster- 
Inventarium bisher nur wenig Beachtung geschenkt, so waren 
die finutsöBiaaben Beamten nun um so eifriger bemüht, dasselbe 
der kaiserlichen Finani- und Domainen- Kammer, welcher das 
gesammte herrschaftliche Besitzthum daroh ein kaiserliches De- 
cret vom 4. August 180? einverleibt wurde, nutzbringend zu 
machen. Dagegen gestattete man den wenigen noch übrig ge. 
btiebenen Conventualea , ihre Wohnungen im Kloster wieder zu 
beziehen, die sie erst im Juli 1812 abermals zu verlassen an- 
gewiesen wurden. Was irgend verkäuflich war, wurde in Geld 
omgewandelt So wurde das prachtvolle, jedoch nicht mehr 
ganz vollständige Qeläute am 27. Februar 1810 meistbietend 
verkanA ""), nachdem ein früherer Conventuale, der spätere 
Canomcas des Domstiftes, Ildephonsas Hesse, dasselbe auf eigene 
Kosten noch einmal hatte ertönen lassen, and sich dafür des 
stiUen Dankes manches patriotischen BBrgers versichert halten 
dorfte "). Die Uhr mit Schlagwerk erwarb so derselben Zeit 
die Gemeinde S. Andrea. Die Feuerheerdplatten aus der Küche 
kamen am 18. Februar 1811 unter den Hammer und die eine 
dw beiden Orgeln erstand am 1. August desselben Jahres die 
Gemeinde m BUasleben. Aus besonderer Huld ward 1810 die 
Kloster - Bibliothek als ein kaiBerlichea Geschenk mit der Uni- 
versitäts - Bibliothek vereinigt und 1811 der Thnrm der Kapelle 
Corporis Christi der Gemeinde zu Dittelstedt zum Geschenk 
gemacht, welche denselben vorsichtig abtragen und an ihrer 



^•) XMiiTter InteUiffsni' Blatt, IBIO, Nr. U. Bsilkge; ■. nnten 8. 16& I. 

II) CütigB Hiltheilnng des Stadtrfttha a. D, Herrn Karl Uerrmaim and 

das Ffarr«n an der 8. Severi-Kirobe, Herrn Direktor Christoph Uncks, 



oo^^lc 



— 150 — 

Kirche wieder aufbauen lieaa. Nur die RQcIcaicht auf eine viel- 
leicht erforderlich werdende militairiache Benutsung der Krcbe 
und der KlostergebSude scheint dieselben vor einem Verkauf 
sunt Abbruch gerettet eu haben. 

Um die Gebeine einiger noch im verflossenen JahrhuDdwt 
in der Kirche beigesetzten Verstorbenen anderwärts ' su beet^ 
digen, wurden am 16. August 1813 die betreffenden Qrabct&tten 
geöfinct und bei dieser Gelegenheit auch die des zweibeweibteD 
Grafen von Gleichen ; der das Grab deckende, iu den Fnssboden 
eingesenkte, durch zwei EolzthUren geschätzte Stein lag am 
Eingangs zum Chor und erhielt nachher einen Platz im Dom 
an der Wand des südlichen Seitenschiffes. 

In Folge der auf den Schlachtfeldern bei Leipzig von den 
Alliirten errungenen Siege und der hierauf eintretenden Verfol- 
gung der immer weiter nach Westen sich zorOckziehenden fran- 
zösischen Armee begann am 35. October 1813 die Blokade 
von Erfurt durch prenasiscbe und rassische Truppen. Das von 
diesen am 6. November unternommene Bombardement des Pe> 
torsberges hatte zwar nicht den erwünschten Erfolg, war aber 
loider dio'Veranlaasung, dasa am Abend des genannten Tages "") 
die Klosterkirche in Brand gerieth. Obschon der französischen 
Besatzung an der Erhaltung derselben, in welcher bedeutende 
Quantitäten an Heu, Stroh und anderen Vorräthen aufgespeichert 
lagen, viel gelegen sein musste, so waren doch die obwaltenden 
Verhältnisse für eine Einsohränkang des ausgebrochenen Feuers 
tbatsächlich höchst angttnstig. Ungeachtet die Büi^erschaft mit 
dem Löschen der gleichzeitig in Flammen stehenden BSuser- 
gruppen am Fusse des Petersberges vollauf in Anspruch ge- 
nommen wurde, so war dennoch ein Theil derselben mit Lösch- 
geräthscbaften aller Art auf den Berg geeilt, fand aber keinen 
EinlasB in die CitadeUe und musate, das regste Uitleid in der 
patriotiachen Brust, mUssig znschanen, wie Kirche and Kloster 
innerhalb dreier Tage bis auf die nackten Mauern ausbrannten. 
Wunderbarer Weise blieben die Spitzen mit dem obersten, in 
Holz construirten Stockwerk der beiden Tbfirme von den Flam- 
men verschont '•). 

I ■) Erfnrt enter franiöiiaolier Obarhernohaft, DeatscUand 1814, pag. 196. 

'*) Ofitige Mitth«ilai>g eine« AngeniBageii, dM Seilanneistars Chriatoph 

Weisse. — Tergl, eins Tom Haler Dombsim angefertigte oad Jetat is 



— 151 — 

Kachdem seit der Hittc des Monats Mai 1814 die prcnss!- 
achen Tmppen vom Petersberge wiederum Besitz gcnommon 
hatten, wurden die Ruinen der Klostergeli&udo, mit Ausnahme 
der den Einsturz nicht drohenden BaaÜchkoiten , welche zum 
Theil der Artillerie vorübergehend noch als Laboratorinm dien- 
ten, in den Jahren 1815 — 1820 nach und nach abgetragen, dor 
Schutt BOT HinterftÜlnng des 1815 anfgemanerten unteren Ab- 
BchnittB zwischen dem Bastion Michael (Nro. 3} and Bastion 
Franz (Nro. 5) Torwendet und im Jahre 1828, wo der Bau der 
grossen Defensions-Kaseme begann, auch die letzten Ueberreste 
beseitigt '*). 

Die Mauern des Mittel- und Querschiffes, die Ärkadenbögcn 
nnd ThUrme der Kirche wnrden gleichfalls in den Jahren 1816 — 
1818 bis zur Höhe des KranzgeeimscB der SeitenBcbiffe abge- 
tragen, die branchbaren Quadersteine theils 1818 zum Bau dos 
massiv herzustellenden Wehres vor dem Schmidtstadter - Thore, 
theils mit mehreren alten Grabsteinen 1816 — 1819 zum Bau der 
Einlas Bschlousse bei dem Eintritt der Qera in die Stadt verwen- 
det '*"), und die stehenbleibenden, immer noch biB zn 37 Fnss 



Zimmer d« Oberbärgermeüten aufbewahrte Äqaarelle der genmmlen 
ürandstättan, Eine Naohbildang dieBea BildeB in Stickerei , eine kniutrolle 
Arbeit der verw, Frau LaabliDg (f 1863) ist van deren Tochter, Fran Ca- 
roline K6hleF in Cobai^, dem Erfarter GeBohicbts- und ÄltertbamsTereine 
i;etcbenkt worden, ond befindet sich im Hnaenm des Vereini. 

") (Vergleiche oben B. 66 Anm. 13 9ber die anf^ebliohe Banfälligkeit 
der Üeberreete. Ü. W.) In einer Arbeit de* Infenienr - Lientenants Bern- 
bardi, welche im Jahre I8d2 entstand imd die hiatoritohe Entwlekelnng 
(1er Befeati^ng von Erfurt behandelt (Archiv der königl. Fortifioation], 
iit die Anaioht ansgeaprochen , dass von den Eloaterranmen noch ein Heller 
vorhandes sei, welcher ni der genannten Zeit vom königl, Artillerie - Depot 
ala ADfbewahntngMFt tir Bleivorrftthe benutit vnrde. Dieeer an sich nn- 
bedentande Kellerranm liegt in der Mibe der Spitxe des Baationa Philipp nnd 
kann, da lämmtliche KtoatergebAnde ohne Aomahme aof der Nordieite der 
Kirche aich befanden, wohl keinem derselben angehört haben ; dagegen iit ee 
nicht nnwabracheinlich, data er einem Gebinde dee bei der Anlage der Cila- 
delle-Befeitignng Abgebrochenen nßleicbenschen llofea- augehörte. Im Jahre 
ITSfi befand aioh jener Keller unter einer Marketenderei , nelrhe in dieser 
Zeit abgebrochen wurde. (Sigismund Friese, Erfurtiache Chronik, pag. 2114, 
■. iJibliotheca Erfurtica, pag. 126, Nr. 74], 

") Bei niedrigem Wasserstande und gater Belenchtung Uiten sich an 
einigen auf der Bohle der Schleuste liegenden Steinplatten die ia früherer 
Zeit anf Qrabtteinen gebräuchlich gewesenen Scnlptoren noch erkennen. 



.Cooj^lc 



— 152 — 

hoben Haaero und Pfeiler im Herbst 1818 znr HarBtellong eines 
grossen Magazins benntat, welches 1820 dem königlichea Pro- 
viant-Ämte übergebes, im Jahre 1827 mit einer Bombenbalken- 
Cecke eingedeckt ward, welche man auf korse Zeit im Not. 
1850 mit Massen von Erde bedeckte. 

In Folge stürmischer Zeitereignisse war die alte, einst be- 
rühmte Benedictiner- Abtei seit ihrer Sttcularisation mit raschen 
Schritten ihrem voUständigen Untergänge entgegen gedrängt 
worden, dessen Beschlnes anter den Schrecken eines Bombar- 
dements zu einer er^eifenden Katastrophe sich erhob, üeber 
700 Jahre hatten die allmälich zu einem stattlichen Complex her- 
angewachsenen Klostcrgebäude, sowie das einfache, demohner- 
achtet aber imposante Gotteshaus finedlich von der Höhe aaf 
die unterhalb sieb ausbreitende Stadt herabgeblickt und mit 
spitzen Thürmen und schlanken Dachreitern eine hervorragende 
Zierde derselben gebildet Ein kurzer Zeitraum hatte genügt, 
um diese Anhöhe ihres schönsten Schmuckes zu berauben. Das 
Kloster war gfinzlich yerschwunden und seine Kirche zu einer 
unschönen Masse herabgedrückt worden. 

Noch einmal hatte es den Anschein, als oh &ber der ehe- 
maligen, dem Äpostelförsten geweiht gewesenen Basilica ein 
gUnsliges Qestim aufgehen sollte. Bei einer gelegentlichen An- 
wesenheit des kansteinnigcn Kronprinzen von Preossen (1839?) 
in Erfurt stattete derselbe auch den gut erhaltenen Ueberresten 
der Kirche einen Besuch ab und ward hierbei zu der Absicht 
bewogen, dieselbe in alter Schönheit s^tgemSsa zu einer Gar- 
nisonkirche wieder auszubauen. Der Plan gelangte indess nicht 
zur Ausführung und leider blieb dadurch der Stadt eine' male- 
rische und arohitectonieche Zierde auf immer (?) entzogen ''"'). 

Gegenwärtig ist das frühere Bestehen der Benedictiner- 



") cutige Hittheüang des StsdtrstbB s. D. Herrn Eul Hemnuin. (s. 
S. 66 Anm. 13. Im Aug. 1683 beriohtiKte der Uin.-Diractor der Abth. fQr 
ünterrichtBweMB, Barr Gah. Ob.-Beg.-Bath Oreiff, die Rninan, und bald 
nsoh ihm kam Herr Qeb.-Bath von Debn-RoUirfllBBr nach Erfark Du 
Sofaiokial das Booocco- Altars im Dome itt, wie e« sobeint, dnrcb diew B»- 
nohtlgimgeii entachieden, aber die t,a dieie BMicbtigoDgea geknQpften 
Heffoungen dsr Erfortsr auf btldigen WiederanfbaD der ehrwSrdigen Eloater- 
kirohB Üe Hilitär-Bimnltaskircfae werden wsbrBcbeinlicb nicbt in EtfOlliuig 
gelienl H. W.) 



Dictzedby Google 



— 153 — 

Abtei dem QedäcbtmsB des grösBten Theils des Publikums so 
ziemlicli snUch wunden. Die militairische Absperrnog der forti- 
ficatorioclien AolageD hat mit dazu beigetragen, dass nur Wenige 
die Ueberreste der ehemaligen Kloatorkirche in dem grossen 
Proviant-Magazin suchen und finden. Selbst der noch alljährlich 
nm erstflD Sonntage nach Ostern auf dem freien Flatse „vor den 
Oradeo" (dem südlichen Theilo des Friedrich-Wilbelms-Platzes) 
abgehaltene Krammarkt, obschon unter dem Kamen „Peter- 
kinness" im Volke wohl gekannt und zahlreich von ihm besucht, 
ist weder durch seine Lage, noch durch seine Umgebung geeig- 
net, die Gedanken auf seinon Ursprung hinzuleiten und in ihm 
einen alten Gebrauch zu erblicken, welcher, wie anderwärts so 
such hier, das Kloster mit all seiner Herrlichkeit überdauert 
bat. Anden war es freilich in frütierer Zeit, wo am Feste der 
Peterskircb weihe zahlreiche Schaaren frommer Gläubiger nach 
der Anhöhe strömten, um der Indulgenz theilhaftig zu worden, 
die mit dem Besuche der Kirche an diesem Tage verbunden 
war, nachher aber an offenen Verkaufstischen und fliichtig auf- 
geschlagenen Buden, welche den unmittelbar an die Südseite 
der Kirche angrenzenden freien Platz zu einem Jahrmarkt um- 
gestalteten, sich leiblich zu stärken, mit kleinen Einkäufen zu 
versehen und bei den damals eben so wenig wie jetzt fehlenden 
Seh aub einstig ungen bis zum Abend vergnüglich auszuharren. 
In richtiger Erwägung der Sachlage, dass einer solchen momen- 
tan zusammengeströmten Volksmenge in Befriedigung der ge- 
wöhnlichen Lebensbedürfnisse nach Möglichkeit Vorschub gelei- 
stet werden müsse, hatten die klugen Mönche diesen Markt 
veranstaltet, bei dem ja auch das Kloster seine Einnahme fand, 
nicht allein in dem von den Verkäufern zu entrichtenden Stand- 
gelde, sondern auch im direkten Verkauf kleiner Heiligenbilder, 
welche die eigenen, mehr oder weniger knnstgeübten Bände an- 
gefertigt hatten. Eine Aenderung in diesem Herkommen ver- 
ursachte die Anlage der Citadell-Befeatigung in der Weise, dass 
der Jahrmarkt (nach 1664) zeitweilig einmal auf dem Severihofo, 
sodann auf dem Rossmarkte abgehalten wurde ''^). Einige Jahre 

>*) Im Jshre 1665 ward die PeterBkirinesB Kof dem Severihofo (CMp. 
Fried, tünnhold, VermAhrtee Encomium Erfurtinum , Bd. IL Anbuig, ptg. 
143) nnd im Jabio 1668 anf dwn Boamnarkte (Sisgm. EViese, L o. pag. ti04) 
■bgehalten. 



DictizedbyGoOt^lC 



— 154 — 

später, nachdem die seine Vertreibung verftulaBBendeD Erd- und 
und Mauerarbeiton an den Bastionen Kiüan , Leonbard und Phi- 
lipp beendet waren, erhielt er seinen alten, in seiner Umgrenzung 
nun etivas veränderten Platz wieder eingeräumt; erst nach Auf- 
hebung des Klosters ward ibm zwei Decennicn hindurch aber- 
mals der Rossmarkt angewiesen, von wo er infolge unzureichen- 
der Räumlichkeit im Jahre 1824 nach dem Friedrieb -Wilhelms- 
Platze verlegt wurde ")• 



I n B er i p t ion e s cam p a n ar um. 
In tun-i majori snnt Ires campanae. 
Petris. Petrus Deo Trino nos commcndato bcnigno. 
Panlns. Laudos date mecum, Paulus sum, laudo XFum "). 
Andreas. Anno Dni MCCCLIIII (1354) fusa est hec campana 
snb Tbeoderico abbate. 
Discedant plane mala singula te rogitante 
Pctri germane isto vase sonant. 

In minori sex jtendent campasae, 
Benedietns (?). Anno miUesimo sexcentesimo nono (1609) 
in honorem S. Andreae apostoli Andreas Oallus 
d. g. abbas S. Petri Erfordiae **). 



**) Aobeichnnngen des StadtaekreUtira Diener. («. Earl nomnsDn, 
Bibliothecm Erfnrtina, pkg. 13B, Kr. 93). Ans Qallna Staat, Anhang Eur Ab- 
■obrift dea Nacreloginm v. 3. 1777. 

■*] Wahnohflinlioh die der Klcwtarkirohe im Jahre 1810 ali Feoei^look« 
belanene, 46 Centner sohwere Glocks. 

"'] Diese Qlocke ward nach 1810 von der Gemeinde dea Dorfea Siebe- 
laben bei Gotha erworben, wo sie ein Sprang; vor Oatem 1878 nnbranohbar 
■•ftchte, infolge deiaen ihr ümgan erfolgte. Sie inhrt« nicht den Ntmen 
■Benediotua* , eondem den Namen vAndreftaa, wie diel biu dem an der- 
aelben angebrachten Bilde dea bl. Andreas nnd ihrer Inaohrift hervor^oB: 
■Anno milleaimo aexoentMimo nono in honorem S. Andreae apoetoli Andrea« 
Galloa dei gmtia abbaa 8. Fetri in Erpborilin h, cam, oonf. f. Herman 
KoDigk in ErSbrt hat mich gegoBsen, dorch daa Felrer bin ich geflotten, 
anno 1609. Qottea wort bleibet ewig.* 



DictzsdbvGoOt^lC 



— 155 — 

AgßiM, Id honorem S. Agatae anno domini 1563 fusa 
est baec campana Bub abbate Jobaone Reuter 
gosB mich Eckhard von Brunswick. 
StepkUBS. Addo miUeBimo sexceDtesiino nndecimo (1611) 
■ab regimine reverendi admodnm in Xpo V. ac 
D. Andreae Gslli. 
Durch das Fener bin ich geflossen, 
Hermann Königk hat mich gegossen, 
Ich heis S. Stephan. 
Suetu (?). Anno 1494 

Scholastica est nomen ejus. (?) 
SehvlMtiM. } 

BeMdietu movr. S ^'^' 

In capella S. Annae duae pendent. 
In navi ecclesiae similiter 2. 

mtima est campana mensatis sub rev. dorn. Gnnthero Q. 
abbate refusa anno 

Beilage B. 
Erfnrter loteUigenz-Blatt, 1810, Nr. 11, Beilage. 
Pablicudin. 

Auf höchsten Befehl der kaiserlieb - kfiniglicb - Franiösischen 
Domainen -Behörde soll das Geläute auf dem hiesigen Peten- 
berge in dem ehemaligen Benedictiner- Kloster öffentlich an den 
Heistbietenden verkauft Verden. Es besteht aus folgenden 
Glocken : 

1. Eine ■ 80 Centoer schwer, 72 Zoll weit im Diaueter, 60 

Zoll hoch und im Ton C. (Petras) «*). 

2. Eine, 25 Centner schwer, 55 Zoll im Diameter, 48 Zoll 

hoch, Ton gis. (Andreas.) 

3. Eine, 17 Centner schwer, 51 Zoll weit, 36 Zoll hoch, 

Ton F. (Agatha.) 

4. Eine, 16 Centner, 48 Zoll weit, 38 Zoll hoch, Ton fis. 

(Andreas). 

5. Die grosse Messglocke, 8 Centner, 27 Zoll weit, 30 Zoll 

hoch, Ton unbestimmt. (Stephan.) 

■') Die hl Klammern beigefBgten Hamen dsr Glocken dnd ati wn Er- 
linnngi-Temich der Anieige in betraobten. 



:,G Gothic 



— 156 — 

6. Die Mittel-MoBsglocke, 7 Centnor, 3S Zoll wrät, 30 Zdl 

hoch, Ton H und C. 

7. Die kleioe Mewgtocke, 3 Co&tner, 28 Zoll woit, 23 Zoll 

hoch, Ton ? 

8. £ine dergleichen, 2'/« Centaer, 26 Zoll woit, 21 Zoll hocb, 

Ton Cis. 
Haaptbedingungen des Vorkaufa, 1 — 7. 
etc. etc. 
Der Tag des Verkaufs unter Äuisicht dos Bentmeisters 
Feldmann und eines Ratbs der Kammer ist auf 

den 27. Februar Morgens 10 Uhr 
festgosetzt. Der Zusohlag geschieht bei Lichtausldscbed an dem 
zuletzt Bietenden und an dem Orte, wo die Olooken häugm». 
Erfurt, den 6. Februar 1810. 

Erfurt-Blankeuhaynsche Kriegs* und Domainen-Eammer. 
gez.: T. Bosch. 

Beilas» C. 
Aemter im Kloster S. Petri in Erfurt 

Parochas castrensis in hnjate fortAÜtio. 

Cellerarius. 1223. 

Administrator feudi Bischoffcrodonsis. — Adm. curiae Alacenais 

— In EochBtodt — Curiae oostrae in Alacb. — 
OeconomuB in allodio noBtro suburbano propc portam S. Andreae, 

Tolgo in dem Ackerhofe. 
Lector. 
Infinnartas. 

Conoionator summi tcmpli ad B. Virginem (um 175C^ (um 1780). 
Granarins. 
Calinarins. 

(Granarius und Culinariue kommen im 18. Jahrhundert 
in einer Person vereint vor.) 
Refectorarins. 
Lotarae praefectus. 

(Refectorarius und Loturae praefectus kommen im 18. 
Jahrhundert in einer Person vereint vor.) 
Sacrista major. 

Cellae cerevisiariae praefectus. 
gubcellerariuB. 1266. 



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— 15» — 

Magister novitioram ertheilt den Novizen und den ProfesBcn bi» 

Enr FrieBterwöihe Unterricht. (MotBcbmann I. 462.) 
Sacrista minor. 
CelUe vinariae praefectuB. 

(Magister novid. sacriBia minor und cellac vinariso prac- 
fectaa kommen im 18. Jahrhundert in einer Person vereint 
TOr.) 
Oi^^anista. 

Viniceltarias, ein ans Winkel im Rheingan gebürtiger. 
Sacellaniu, im 14. Jahrhundert 
Procnrator monaeterÜ, im 14. Jahrhundert 

(Albert Hottermaon ist 1^5—58 Prior und 1360—64 Pro- 
cnrator. 
Albertos de Drifordia ist cuatos und nachher Procuratoi. 
. 1363 — 64. 
Bertholdas de HUnfeld ist 1301 Procnrator.) 
Custos. — 1249. 1224. 

Promotor singularis con&aternitatis de sacratissimo Corde Jesu. 
ConfesBOr, confesBarius. 

(Balthasar de Northusen stirbt 1494 [22. Mars] als Prie- 
ster und Beichtvater des Klosters Novi Operis. 
Conrad Zaph, f 1506, war lange Jahre confesaor noni- 

Qregoritts P&chler von Hirschan war seit 1466 mehrere 
Jahre confessor im Nonnenkloster Oberweimar, nach- 
her in Jena. 
Johannes de Wireburg, 1495, Confessor des Nonnen- 
klosters im Brühl [Nie. v. Sieg. pag. 503]. 
Gerhardns de Berka [f 1495], Confessor der Nonnen des 

Klosters S. Cyriaci [Nie. v. Siegen pag. 504]. 
Nicol. T. Siegen [f 1495], confessor moniallum, pag. 443, 
confessor sororum S. Martini, pag. 482, im Jahre 1489.) 
Cantor. 1207. 
PraefectUB culinae. 
Camerariud. 1200. 
Coenarios. 1206. 1309. 
Hospitalarins. 1220. 



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— 158 — 

Magiater fabricfte. 

(£rh«rda8 Qerhardi de Ulleboo 1438. — Hartongus 1420. 
— Henricns Mayen 1399, — ■ Hermaim Suevas 1301. — 
JohanneB FraBckenhuBen 1434. — Jobaanea Emelobon 
1416. — Reinbardaa 1413. — Sebaatianas de Snltsa 
prof. uDter Abt Güntber, f 1484 10. October an der 
Peat.) 
Decanua, Cantor, Scholasticas sind bei Kapiteln and Stifitam nur 

Dignitäten. 
Magiater curiae in allodio Alacenai. 
Sacellanna. 

(Hartungus tat Sacellanus abbatia GUntheri I. [2. H&lfte 

vom 15. Jahrhundert]. 
HartmannaB de Tudelatedt, aacellanua Johannia de Brao- 

heim abbatia, 1301. 
HenricaB de Beringen, aacellanaa des Abtee Volkmar, 

1328. 
Hermann de Lacu, BacellanuB d. Abtea Hermann von 
Kichetborn [1S37~53].) 
Capellauaa. (Joh. de HUnfelt Capelianna dea Abtes GUnther I. 
aiul nachher Capallanna oapellse 8. Annae [Nie t. 
Si^en pag. 404].) 
Procorator aea Cellerarioa. Hermann de Nordhanaen vor 1445 ; 

verwaltet daa Amt 40 Jahre. 
Snbprior et senior conventoa. 
Prior in praepositara Helmstadiensi. Vorsteher (Archidiaconas) 

in dem Sprengel Hclmatädt (Adam DaUen). 
Magiater et lector fratrum juniomm (als Doctor der Theologie 

und Professor). 
Saperior. 

Cuatos et vestiariaa. (Nico!, t. Siegen.) Kicol. y. Siegen nennt 
aich selbst bibtiothecariua eive armarius et custoa, pag. 384. 
Praefectus cellae vinariae. 
Magiater boapitalis. 1207. 
Fideliator (pag. 404) 1408 Johannes de Salveldt 
Costos sive aacrista. — (Balthasar von Nortbnsen, Nie. v. Siegen 
pi* K8-) 



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— 169 — 

Aier (alomiiuB lemiiiarii) 1323 (25), 1280 (52), von 10 Jalren 1306 

HaDrlon* da Johann«) 

Iliülianua. 

(68), von 10 Juliren 1858 (106), 1297 (127), 1308 (51), 

HleoUn* Bndigmi Borioiu da Tulli 

1349 (52), 1351 (52), 1369 (130). 

n«rlBM da TüHenbarg. nanrlcni da Halohendoil. SlgtbKdu LOlnUn, 1(1 Jiüin, 
Anfimg de> 16. Jubrh. 

Magister Bertoldus roctor puerornm nostrorum aU Zeage in einer 
Urkande tod 1271, mit welcher Eckehard, Pleban zu Vanem, 
dem Kloster 3 Malter Korn und Gerste jälirlichen ZinBes 
ftir das Heil Beiner Seele überweist. (Abscbrift d. Urknode 
bei Gall. Stass, Collectio pag. 943.) 
Scriptor. HenricuB Wunne aus Salza, profeasuB 1424, f 1440, 
ein gewisBonhafter Schreiber verschiedener knnst' 
reicher Ritaalbilcher. 
Jobann Mühler, prof. unter der Ädministratur des Ab' 
tea KU Barsfelde, Johann, f 1463 2. September an 
der Pest ; ein erfahrener Schreiber der Ritaalbücher. 
Johann de Mintzenburg junior, ein erfahrener Schrei- 
ber librorum chcralium, war 1492 Prior in Ootzich. 
Nicolaas de Egra, prof. unter Abt Günther I., ein er- 
fahrener und äeissiger Schreibor verschiedener Bü- 
cher; t als Senior des Conveuts 1501 7. August; 
Sammler von wichtigen Aufzeichnungen von 1434 — 
1496 (Erphurtina 79). 
Rudigeras de Venlo, prof. unter Abt GUnther L, ein 
erfahrener Schreiber der ChorbUcher; f 1705 1. Ok- 
tober an der Pest; Compilator des Syllabua bene- 
factoram (Erphurtina 80). 
Waltherua Franke, f 1349 10. Januar. 

ntüuf^ D. 

Calendarium und Nekrolog des Klosters. 

Der Mönch Rudolf fertigte auf Veranlassung des Abtes Rudigerus 
1142 das Calendarium an, vielleicht beendete er das kuust- 
reich geschriebene Buch in diesem Jahre, welches zu den 
wenigen werthvollen Gegenstfindcn gehörte, die aus dem 
am 9. Hai 114J stattgefundcnen grossen Brande gerettet 
wurden. 



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— 160 — 

Zieht mao in Betraoliff, dass ein flolches Bach keines- 
wegs in ein paar Monaten geBchrieben ist and daBs in dem- 
selben der 1. Januar den Sonstagsbuchstaben Hlhrt, was 
mit dem Jahre 1142 nicht übereinstimmt, so liegt die An- 
nahme nicht allzufem, dass dasselbe 1139 begonnen und 
1142 beendet wurde. Ob hierbei schon Aufzeichnungen 
filr das Nekrologium gemacht wurden, lässt steh mit Sicher- 
heit nicht feststellen; doch scheint es der Fall gewesen zn 
sein, da Sterbetage aus vergangener Zeit ohne Angabe der 
Jahreszahl vorhanden sind. 

Der Mönch Helwicus, Kaplan in der Kapelle St. Annae, schrieb 
das Necrologium 1266 sehr sauber auf Pergament. Ob Sür 
diese Arbeit das vorgenannte Calendarium benutzt wurde, 
ist nicht gesagt. 

Um die fernere Fortsetzung des Mecrologinms machten 
sich verdient: 

RudigeruB de Venlo, im Jahre 1485. 

Johann Kucher, um das Jahr 1630. 

Columbanus Fugger. 

Gallus SlasB, f 1780. 

Bernhard Hellrung, t 1839 als Pfarrer an der Kirche S. Lanrentü, 
welcher in der von Gallua Stasa gefertigten Abschrift des 
Necrologiums einige leider sehr kurz gefasste Nachträge 
binzaiUgte. 



Beilage E. 

Auszug aus dem Necrologium des Klosters, 
welches der Mönch Gallus Stass uns in einer Ab- 
schrift hinterlassen hat 

Der Mönch Rudolph schrieb auf Veranlassung des Abtes Rudi- 
geruB 1142 das Calendarium "'). Dioaes kunstvoll ge- 
schriebono Bach war eins der wenigen WerthvoUen Gegen- 
stände, die bei dem Brande 1142 am 9. Mai gerettet war- 

' ') In diesem Cftlandariam fallt der I. Januar auf einen SonaU^ (hier- 
auf iet kein Oewioht id legen); dies stimmt mit dem Jahre 1113 nicht 
fiberein, vOrd« aber mit dem Jahre 1189 im EinUang stelMB. 



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— ISl — 

den. (Vorrade zar Abschrift das NecrologiamB durch den 
Mfinch QaUuB Btwa »*). 

Der Laieafarnder Ditmarua wird als Erbatior der Kapelle S. Ännae 
genannt, unter dem Abte Burchard. [1101 — 1116]. 

Bie EinweihuDg der Kapelle erfolgte unter dem Abte 
fiipertufi 1117 VIU Kai. Augnsti (25. Jali). 

Oer Mönch Wemheros wird ans dem Convent 1157 zum Abt in 
das KloBler Gerode gewählt. 

Der Manch HelwicuB, Kaplan aa der Kapelle S. Annae, schrieb 
1266 das Necrologium des Klosters sehr saaber "') auf 
Pergament [Angabe in der Vorrede zur Abschrift des 
Necrc4ogiums durch den MSnoL Gtallus Btass.] 

WaltheruB Franke, f 1349 10. Januar, als Schreiber genannt. 

I^orioB Daniel de Heiligenstadt, profesa. 1418 (?), mehrere Jahre 
Procurator (?) und Cantor. f ? soll ein gOBchiokter Schrei- 
ber und Zeichner gewesen sein. (Angabe des Placidua 
MttÜi.) Nicoi. V. Siegen, pag. 503, asgt: ein guter Sohreiber 
der Chorh&oher. 

Heoricns Wunne aas Saiza, professus l'^4, f um 1444, als ge- 
«iseenbafter Schrdber verschiedener konatreioher Ritnal- 
bücbec genannt. 

Nicolaas Kraatheim, war LicentiBt der Theologie und Plehan an 
der Kirche S. Michaelis. Bei einer ihm drohenden Lebens- 
gefahr tbat er das Gelübde, sich dem Kloster zu weihen. 



**) Compftret in fronte (oeorologü) Cslenduium vetas, vetas icribo, 
atpot» jam MMulO Xtl. a Redolpbo, noitri ooenobii monufao, juma Bndig^eri, 
iVti a rMtanrfttione momuterii per Sigsfridnm I. uehiepisoopiim Mognotinnm 
abbstia, pulebarrime in membraiiB exarBtum , me mter pkscsa ejna generis 
reliqaiae, qnibiu vorox flunnift pepercit, nobii anpentca. 

*■) Nee lilentio praeteraandna sedalaa ilie eBceltuius S. Anose so nostras 
coo^gationia moDBchns Hellwicni , qai anno verbi iocaniali 1966 terse in 
mnuhrank exantom nobia nliqnit necrologiain ; qoem&dmodam RndigeniB 
de Venlo ejnadem nobiionm institnti ooenobita anno Chrliti 1486 praeter 
alia BolB f Uae «oaa moDDiBeiita, rsgulam 8«. Patria nostri Benodieti, nna cnm 
rabjeolo, qno in praetena ntämu, neorologto, in oodice itidem membranaoeo 
eleganter icripten), poiteritati donavit. 

Dieaem Hellwig dürfen auch die AnfEeichnnngen tm Sampetrinnm an- 
geacbrieben werden, welche in daa letxte Viertel dea 13. Jahrbunderta fallen, 
wo dar Aufenthalt des Böoig> Bndolf I. im Jahre 1390 and der Bhtaioidag in 
die Capelle Omniam Saactoroni mit groaaer Aosfäbrliohkeit beaoltrieben «ad. 



— 162 — 

Kr trat daher in das Kloiter der Angiutmsr ein, da er 
hier aber seinei ko weit vorgerückten Alten wegen nach 
znrfickgel^^tem Probejahr wieder aotlasBen ward, &nd er 
unter dem Abte Härtung Herllng Anfitahme im Peters- 
kloflter, Bod starb 1463 an der Pest. 

Harlong Reyner, profesBiu unter Abt Chriitian Kieingam, wird 
cur Befbrtnation in ein änderet Kloater geiendet. 

Bemhardas Ritterfeid wird anter denuelben Abte Christian Kiein- 
gam 1456 zur BeformatioD nach dem Kloster an Bamberg 
geschickt. 

Conrad de Homburg wird anter Abt Christian Kieingam aar 
Reformation in das Kloster Haidboig (im Heraogthnm 
Hatberstadt) entsendet 

Jobannes Leubing, professna onter Abt Christisn Klungam, aar 
Reformation in das Kloster an Bamberg und an Waisaen- 
barg entsendet 

Jobannes H&hler, professos anter der Administratar des Abtes 
za Borsfclde, Johann, — f 1^33 2- Septhr. an der Fest; 
ein erfahrener Schreiber der Ritoalbüoher. 

Theodoricas Spiscopos (Bischof) ans Weissensee, Hamster der 
freien Künste, tritt im bereits vorgerückten Alter in das 
Kloster; f 1463 an der Pest 

Micolaas de Zimmern, proCssBOS unter Abt Günther L, ward 1464 
Abt des Klosters Qerode ; f 1487, wird auf seinen Wonach 
im Feterskloster in der Kapelle S. Aonae vor dam Altar 
S. Mariae Hagdalenae begraben. 

Jobaonoa de Conatantia, ein durch Tagend and wahre Betigton- 
tät ansgezetchneter llano, ward nach dem Tode des 
Pater Conrad 1462 ^*) tum Prior des Klosters erwählt 
Hierauf znr Reformation in mehrere fflSster entsendet, ward 
er Pior im Kloster Scbwaraao ( am Hain ) ood 1485 
Prior und erster Reformator im Kloster za Hönohenrode 
(bei Coburg). 

Georg Kestner de Oppenheim, ein Mann von reicher Erfikhmng 
and bewährter Tagend; ward 1477 Prior, war die rechte 
Hand des Abtes GUnther I. und ihm ein strenger Gebfllfo 

*•) Ccrand Alber sw Pranken, wird 1489 Prior md ttbtit 1468 18. 
Aagut an d«r Post. 



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— 163 — 

bei der Einfthrnng der klÖBterlicben Beform, nach den 
Regeln der Borsfetder Congregstion ; f 1497 19. December. 

Der Laianbnider NicoIauB, ein in der Steinmotzkunat wohl er- 
fithrencr Mann; f 1467 8. Febr. tn Folge eines unglück- 
lichen Falles in die gefüllte Braupfanne. 

Johannes Emeleben, magister fabricae f a. 1416; vixitjam 1388. 

Georg Erbor, war ein Mann von ausgezeichneten KenntniBBen 
nnd Beator der Schule in Coburg; er giebt diese Stelle 
auf und tritt 1460 in das Petersklosterj stirbt aber im noch 
nicht zurückgelegten Novizenjahre. 

Jobannes Kaikar, professus anter Abt Oftnther I., wurde 1475 
Prior im Kloster S. Ludgeri za Verden, sodann Prior nnd 
epllter Abt im Kloster S. Nicolai ta Brauweiler. 

Jobum Winzenheimb , professas unter Abt Christian Kleingam, 
ward Abt in Kloster zu Aurach (monasterii Aiirabiensis — 
im Bambergischen) und nachher Oeneral-Commissarins und 
Inapeotor der Nonnenkloster in den DiScesen Mainz, Bam- 
berg nnd WOnsborg. 

Theodoricus "^) de Trajecto (Utrocbt),' professus anter Abt 
(Hnther I. — hatte auf der UniversitSt zu Kfiln das Baoca- 
lanreat erworben. Wegen seiner barvorragenden Qeistee- 
gaben ward er wenige Jahre nach seinem Eintritt in das 
Kloster Koyizenmeiater, sodann Prior des Klosters, — und 
1477 Abt im Kloster S. Ludigeri zu Verden, sehr wahr- 
scheinlich auf Veranlaasung des Abtes [Adam von Escb- 
w«lerl za S. Martini in Oöln, welcher seit der Reformaüon 
des Klosters und nach dem Kücktritt des seitherigen Abtes 
(1474) die Administration des Klosters Verden Übernommen 
hatte. (Sagittar. Gloichessohe Geschichte. Anhang.) In 
dieser letaten Function sammelte er in Köln mehrere werth- 
ToUe Reliquien, die er dem Paterskloeter libersandte. Auf 
einer Reise zu einem Ordonskapitel nach Krfurt begrif- 
fen, ward er in MUhlhausen von der Pest befallen, ge- 
langte noch nach Erfurt in das Peterskloster, f hier 1484 
25. Juli *'*) und ward in der Kirche vor dem Altar S. 
Bonifacii begraben. 

■') Bsgodoro. (Sagitttr. Oleiohentclte OMohlohte. Anhang.) 
••)SD. A-agust. Neorolog. »ahaniuib Vind. litt. 11., sneh 0. Stais, 
CoUeetio, pag. 82S. Nr. 9 Hemorkbilia NiooUf de Ügr*.) 



I ..A^l^oot^lc 



— 1«4 — 

Henricns MoUtOir, sob Erfurt gebilrtig] profeuiu unter Abt 
GÜBtber I., war eine ZeitUog sabcelUrios, NicoL t. Siflgen, 
pag. 502, später Subprior itn ffloster, wurde 1487 ofoih 
dorn Tode Nicolft^s' von Zimmern »im Abt im Kloster 
Gerode erwäblL 

Johannes Heiden de Bercka, Magister artium and CoU^tat der 
HimmeUpforte ^ ward 1-187 Uönch; darch den Äbt Thotnaa 
des Klosters S. Johannis za Bergen -bei Hagdabat^ dahin 
als Novizenmeiater beruCea, ward er bieranf Prior im Kloster 
S. Georgii bei Naamboif . uqd aodann ^ ') Abt im Kloster 
Homburg bei Langensalza, wo er 1511 stirbt 

Conrad Otto Pfefferkorn, aus Erfiirt gebOrtig, profeaa^s 1477, 
ein Mann von . berrorragenden Geistesgaben, wird 1486 
Protest im Nonnenkloster au Icbtttrshausen , föbrt daaelbst 
nicht ohne Gefahr fUr seii^ L^ban dip BäefonnstioD nach 
den Regeln der. Biurafelder Congregation ein, — war nach- 
her Subcellarioa im Peteraklostar, ward 1492 ziir V^ltation 
nach Kloster Qoseck gesendet, wo er sam Abt erwählt 
ward und 1495 den 23. September atirbt. 

Jobannes Mttblbaoh (Myhlbach)« Dr. der Theologie, Oanonicna 
an der Kirche B. H. V. und Pf ofessor an der Universität, 
ein Mann von ansgeaeiobnetar Geiehrsamkait, res^nirt in 
berwta vorgerOcktem Alter auf seine Präbende und wird 
Mönch im Petfirskloater, wo et die Stelle ala Lector seiner 
Professur vorzog; t 1493 d. Man. 

Nicolaos de Salfeld, professa« 1493, ward Prior im Kloster' Hom- 
burg und nachher im Kloeter an Oldisleben. Er soll ein 
barOhmter Arzt und Botaniker gewesen sein **). 

Gerlachns de Clivia, prof. unter Abt Günther; f 1507 15. Juli ••). 

Johann Scfaellbach; war Amtmann (aatrapa) des Grafen von 
Gleichen in Tonna, legte unter Äbt Günther t. das klöster- 
liche Gelübde ab, und ward 1483 als erster Reformator nach 
dem Kloster zu Oldisleben entsendet. 



••) 1606. Nio. T. Sieg., ps«. &M. 

**) Nuh Angabe dei Plaaidu Hnth. — Hioolau r. Slegea, ptg. 601 
Ugt: er aei ein TOraQgliolier Qlrtnsr and guter Maturdootor geweMn. 

!_') QalL Stssi. — Niool. t. aiegen, pag. SQS sagt: war lange Zeit bos- 
pitaWw and rector borolegii, . , 



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— 165 - 

Petnu de Anab, stu Hflsaen getrthrtig, war geheimer Rath des 
Ctrafen von Stolberg, sowie aach R&tb des Orafen von 
Sobwanbnrg, and genoes die r^ehe Pfrflnde der Parocbie 
in Heringen. Detnobneraohlet entsagte ef der Welt und 
ihren Ehren, und trat 1486 als Mönch fn das Petersktoeter. 
Hit Rö«kaicbt koS aeise feins geaeUaahaftliobe Bildong und 
Beine Gewandtheit in geachllftlioben Angelegenheiten ward 
er bald nach seinem Eintritt in das -Ktoltter, dessen Dia- 
oiplin er ei&Hg bafolgte, als Probst in das Nobnenkloater 
sa Jena and später am 1493 ") iA gleicher Eigenschaft 
in das Nonnenkloater aa Oberwefanar entsendet; f 1504. 
3< Angaat. 

Paolaa, profeasos anter Abt Qtlnther I., kam 1492 als Prior in 
das Kloster aa FeUdorf "*), (1} Stande von Hildborg- 
haasen). [Veilsdorf.] 

Aotonioa Hübeler, wird 1402 aar Eini^hrang der Reformatioff 
naoh der Barsfelder Congregation nach Kloster Ooseck 
entsendet, war daselbst Iftnger Zeit Cantor and Novisen- 
meister nnd ward später Abt in Mariazell. 

JtdiamiaB Aari&ber de Blichenroda, professns unter Abt Christian 
Kleingam, wird 1400 aar Reformation n das Kloster sa 
Q-erode entsendet, wo er 1466 Prior wnrde. 

H^ingiaa de E^beck, profesaas nnter Abt OUntber I., wird cor 
Einfthrnag der Reformation in das Kloster za Paderborn 
und naohher in das Kloster zu ümershausen entsendet. 

JohMines de Hognntia wird auf Grsnchen des Erzbischolä von 
Kaina 1484 zor Einfllhnuig der Reformation in das Kloster 
an Seligenstadt geschickt, f daselbst 149<j **). 

GregoriuB Pfiohler de Hirsaa und Bartholomaeus, profeesus anter 
Aht Gflnther I., werden 1463 zur Reformation in das 
Kloster an Gerode, und später in das an Bamberg entsendet. 

Johannes de Xanten, wird auf Ersuchen des Abtes zu S. Martin 
in K&hi 1475 dorthin abgesendet, um in diesem Kloster die 
Reformation einzufahren; von hier ward er nach üjeligen- 
atadt entsendet, wo er starb "*). 



*■) Miool. V. Biegen, pag, 4U. 

**) Teiladorf, 1) Bt. ▼on Hildborgbauen. 

■*) Bmuu ouilor at ■orintap. Hin. vnn Sla^__, i—g. 

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**) Teiladorf, 1) Bt. ▼on Hildborgbauen. 

■*) Boaaa oanlor et eoriptor. Nie von Bisgen, pag. 001. 

••) Kto. fOB 8le««B, pag. MO. 



Fridericas Eirshüm, wird onter Abt QtQth«r sur R^omuitioti 
in das Kloster eo Fegaa eotsendet 

Johannes Vach, ward cor EinOlfarosg der Refanuatiwi in das 
Kloster Homburg enlBeadet, ward uaehher 1480 Sabprior 
im Feterskloster. 

HeoricuB Gotzig, profesaas unter Abt Güjitbtt 1-, wird BOr Re- 
formation in das Kloster Hombui^ ebtsotdet. 

Adam von Esohweiler ^*). 

Conradaa Escbenberg de Grana (oder Kranftob) aacb Conrad 
Kranacb genannt, prof. soter Abt-Günther I., ward 1498 
zur EinfUhrong dw EM'onnatton in das Kloatör Umersbansen 
entsendet. / 

Michael Qleuohler, professDs unter Abt Christian EJeingam, untof 
Abt Günther I., sur Einfllhmng der Reformation in ein 
anderes Kloster entsendet 

Christian Engel, professas unter Abt G&stber I., wird aar Ein- 
fithmng der Reformation naoh den Kloster Mönchenroda 
entsendet. 

Christian de Isenaco, wird aar Einßibrung dar Reformation nach 
dem Kloster Oerode entseodet, ward sodann Pricv iA 
Kloster Hombai^, dann wieder naob Erinrt auriiaUMmfen 
and stirbt 1484 im Peterskloster ■^). 

Gerhardus Inemar de Bercka, war Magister Artium und CoL- 
legiat an der Himmelspforte , trat aber anter Abt Gftnther 
L in den Benediotiner-Orden ; f 1495 an der Fest. 

KicolauB Hottenbach de Siegen, Bruder des BpStereo Abtes 
Johann Hottenbach de Siegen; trat 1466 da N oviaa, in das 
Kloster, legte 1467 in die Hfinde des von ihm hodigaehrten 
Abtea GOntber I. Profess ab, war 1470 Priester, bekleödetie 
hierauf lange Zeit das Amt eines Custos und VestiariuB, 
ward 1493 da Prior ßir das Kloster Homburg gew&hlt, 
scheint dieses Amt jedoch nicht angetreten zu haben, wurde 
hierauf als Reformator and Prior nach dem Kloster Reins- 
dorf (an der Unstrot bei Nebra) entsendet, g^el sich aber 
hier in Mitten einer Schaor verwUdeter Mlfnche und in 
Folge der seinem Amte daraus erwachsenden Schwierig- 

*■) Ssgittsr. GsBoUehte d. Gr. von Qhiobea, Zofaln 

*T} Er «sr ein gntsr Schreiber nnd Prediger; Niool, i, BiefSB, pag. BOl. 



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— 167 — 

kdtdn io wenig, daas er iiicli achon nach 9 Monaten wieder. 
nach Erfbrt znrückrnfeD liesB. Hier begann er H94 seine 
Kloater-Cbronik and starb 1495 14. November an der Pest, 
«ehr wabracbeinlicb im 51. Lebeasjahre. 

Rudigerus de Venlo, profess. nnter Abt Qfinther I., wird als ein 
erfahrener Schreiber der ChorbOcher genannt, setzte 1485 
das Nekrologinm des Klosters fort *^), schrieb die Ordens- 
Begels S. Benedict! ab nnd hinterliesB noch andere Be- 
weise seiner GescbicUichkeit; f 1495 1. October an der 
Pest 

Johanne« de Wintsenburg jnnior, ein er&brener Schreiher der 
Chorbflcher, ward 149S Prior in Ooseck "*). 

NicoIaDB de Egra, profeeBus nnter Abt QUnther T. Sammler von 
wichtigen Auf Zeichnungen von 1484 — 1496; f als Senior 
des Convents 1501 7. August. 

Caspar Stfirmer de Grefensee, profeasus 1494, f 1515 15. Aug. ""•). 

Ewald Bertulf, aus Erfurt gebürtig, professus unter Abt Günther 
I., ward zur Einführung der Reformation nach Kloster 
Goseck entsendet, später wieder zurUckgerofen ; f 1524 
18. Februar •»"). 



*■) Q. Sts«, NMroI<9. Torrede, pag. XIV. — Ein Annng stu dsm von 
Bodigsr 1486 fCMbriebenn (*1m wohl nen sngelegteo) Neorologiom , wwd 
TOD dem Olmfitasr DMuherrn Grafen Frans Oianini gemuht, welcher nm 
1700 in Selmatädt itndicte nnd bei Beanohen von Bibliotheken Aneifige ans 
deren Huinscripten ftnlegte. Du Hanoioript be&nd sich apÄter im Betits 
dei H. GDbemislaekretun Cerrooi in Bränn und ist jetct im mähriiohen 
Landesarohir in Brfinn (Antwort dei Torttandoi des genannten Archivs 
auf eine rem Erfurter Alterthnma-Terein ireiohehene Anfr^e. Die«e Ant- 
wort ist dstirt: Br&nn, 9. Jnli 1B71.) Der in Abschrift mitgetbeilta Aonng 
iat TOD geringem Werthe, stimmte luireilen mit den Angaben de« von 
OelliH Btats geachriebenen SjUabos Benefftotonm wörtlich fiberein, zeigt 
aber anoh einige Abweichangen nnd enthllt nnr 18 Namen und Angsben, wie 
sie im genannten Syllabna angeführt sind. (YergL Zeitschrift dea Vereine 
ffa fbfiring. Gesobioht«. Jena, IT. 461. Anml^ ) 

**) Optimna et preoionis aoriptor. NiooL y. Bt^en, pag. GOl. 

*<") Er eoll ein geschickter Schreiber nnd Zeichner geveeen sein. (An- 
gebe det Abte* Placidna Mnth.) [Vielleicht nach Oallns Oawald Bibliothekar. 
N. T. 8., pag. e04.] 

••} Ihm wird daatelbe LobortheiH. NicoL T.Bieg., p^. 60S, betUtigte 



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— 168 — 

Gallua Oswald de Ulma, prof. 1469, «in SromianT and beccbei- 
dener Matm, f 1520 16. Januw *°'). 

Conrad de Scbmalkalden, profssBui 1475, ward 1485 hu ElnfQb- 
ruDg der Reformatioii ic das KlMtar Mönohenrods bei 
Coburg estaendet; f 1ÖI4 9. Juli ii» PeteraUoster ^<"), 

HeriDaDn de Nordhiuen, älterer Bruder dea Abtea Qfintkor I., 
war mit demaelben gleicbseitig ala Oblate in das Kloster 
gekommen. Bekleidete schoa unter Abi Obristian da« Amt 
einea Frocoratora (seU cellerariuB) des Kleatera ""), waa 
er 40 Jahre hindurch verwaltete. Er Bammelte aeit dem 
Antritt dieiea Amtes alle Notieen &u den Ton ibm aiiee< 
legten Zinsregiatem , die er am Vorabend dea Pestes S. 
Michaelis ( 28. Septbr. } 1452 beendete. Nachdem aein 
Bruder Abt geworden war, war er es, der durch aetne 
Tortrefflicbe ökonomische Verwaltung der Klostergüter nicht 
allein die aa den ausgedehnten Bauten erforderlichen Mitt^ 
herbeischaffte, sondern auch viclcB verbesserte und hier- 
durch zur Hebung der wirthschaftlichen Verlialtniase wesent- 
liche Verdienste sich erwarb. — Erneuerung des Allodiums 
in Hochstedt *'"); Ankauf von Erbziusen, Einrichtung 
der Fischerei in Gispersleben. — Hochbetagt starb er 1494 
20. Juli, im 55. Jahre seines PrieBteramtes , und ward vor 
dem Chor begraben. 

Johannes Sartor de Minsenbnrg *"*) senior, war 1491 Probst 
in der Probetei Cella an der Werra und , wie es scheint 
seit 1492 "'), Nachfolger des Herrmann von Northnsen 
im Amte eines Procurators des Klosters, dem er mit be- 
sonderen Nutzen vorBtand; f 1503. 



">*) Anoh dieaer, der Bibliothekar um 1495, war bernbnt. Nioolana 
T. SisKSn pag. 602, als geHhiokter Schreiber nod Zsicbner. 

■0'^) Denelbe mU 1476 — 14B& die gemalten QlaBfeiuier im Kretugange 
gefertigt haben; Angabe dei Abtee Plaoidui Math. Nicol. v. Siegen be- 
at&tigt di«aelbe. 

">*) Sein Torginger Benrieu Emetain war in Folge der EinfShnuis 
der Beformation aoa dem Eloitervarbande uiagetreten, obeohoB er. bereite 
im vorgerückten Alter (tand. (Q. St) 

"*) Srändlidie Beatanntion dai Allodinmi im Urfailt (Orphal) hinter 
Ataofa. (Niool. t. Siegen, pag. 461.) 

"*) Anderwärt« Hintienberg genannt, 

'") Vgl. Mittfaeilnng dei thürg. üohs. Verein« Hall«, Till. Ueft^^gpa^ 



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— 169 — 

Chiütopfaonia, ans dam Kloster xu Fulda. Atu BegeiBtwaiig 
ftir die Bunfelder RefoimatioQ goht er ibit OenehtDigung 
Beines Abtea in das Feterskloater, legt hier 1497 nochmaU 
das Gelübde ab, wird 1518 aur Seformatioa nac^ dem 
Kloster zo Breitoogen gesendet» daselbst tarn Abt erwäblt 
und stirbt 1541. 

Johannes Bunfeld ward onter Abt Jobanni» de Siegen 1531 als 
Prior in das Slostw za Hehnersbusen (3 Heilen von Casael) 
erwfthlt ••»). 

Ewaldns Wircebni^ensis , professns 1489, wird aar Reformation 
unter Abt Johaonee de Siegen in ein anderes Kloster ent- 
sendet (war ein guter Schreiber und lange Zeit Vorebiger, 
wird 1511 Prior und f 1524 24. Juli. N. v. S. pag. Ö03.) 

Caspanu, professus 1490, unter dem Abte Jobannes de Siegen 
aar Reformation in verschiedene Klöster entsendet. 

Henricns Bartell ans Heiligenstadt, professos 1558, wird 1571 
(unter Abt Gerard Zinngraf) Abt im Kloster an Rafenstein 
(2 Meilen östlich ron Heiligenstadt) wo er die in den un- 
ruhigen Zeiten von den Mönchen abgelegte Klostertracbt 
wieder einführt. 

Joachim Roll, Oonventnale des Klosters zu Hersf^d, tritt 1582 
in das Petersklöster , und wird hisraaf Abt im Kloster zu 
Hersfeld ; f 1607 im Monat März, (unter Abt Johann Zenner) . 

(Christophorus Bnrohard, Canoniens iind Cantor S. Severi; f 
1612 und vermacht dem Kloster seine Bibliothek, nnter 
Abt Andreas Gallus.) 

Jobann Kucher '*'), nm 1630, macht sich um die Fortsetzung 
dar Anfzeichnangen im Kecrotoginm des Klosters -verdient. 



13t. — Bsrtor hatte diese« Amt lebon 1489 inae, sb leine Sobweater CIsrs, 
die Wittm dm Johsna SUts in BnUbaob , rtsrb, (Byllabiu beBeftotornm 
in Heorolo^ moustsrü & Pst. et Pauli in Oallns Stasi, Nsenloginm 
Honst Hftix.) 

■'■) Er war mr Zeit N. v, B. sIm Kegfln Ende dos 16. Jahrhnndwts 
Khellas («spelUniu) ds* Abtes Qünthsr I,, und naohbsr Kapellan an der 
Kapelle S. Anns« ; Sin. v. 3. psg. Ö04. 

*'*) Dar Nsme Joh. Kasher nnd die Jabreai^ I6B0 und in dem In- 
ballnerseiobniaa an Q. Stasi Colleotio gana deatliob angegsbsn. Maeh «iser 
Angabe auf dam TitelUstte dieaat Abaohhtt lebte er nnter desi Abt Jobaaa 
Benningins, dw 1627—63 dem Kloster vorstand. 



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— 170 — 

Dagebertu Conen tritt 1661 ab Nonse em, letBtet (16fö) unter 
dem Abte AdamiiB Dablen Profesa ***), raaclit eicli durch 
ebronicale Anäeiahnangen verdient, die er nach den Er- 
sthfaingen «Iter Mönche aas der Zeit der schwedischen 
Oecnpation, sowie nach eigener Wahmehnrnng ans den, 
der Erobernng der Stadt durch den Etzbischof Jobann 
Philipp folgenden Jabren, niederschrieb ; t leider schon 1679. 

Colunbaoas Fngger " * ) macht sich am die Fortsetzung der 
Aafzeicbnnngen im Necrologiam des Elosten verdient; 
(unter welchem Abte? fehlt.) [Angabe anf dem Titelblatte 
der Abschrift des Gallus Stase.) 

Jacobns Stieffken aas Rfaeinsberg in Westpbalen gebürtig, pro- 
fessna 1666', Doctor der Theologie nnd Professor an der 
UniTerettAt, mehrere Jahre Lector der Theologie nnd Philo- 
sophie im Kloster, f 1700 18. Decembcr, im 60. Lebons- 
jiUire (anter Abt Kicolaus de Gonremenr). 

Haurus Böding, ans Bittberg in Westpbalen gebürtig, Doctor 
der Theologie and Professor an der UnivcrBitSt, Lector 
and NoTisenmeister im Kloster (anter Abt l^colans de 
Goovemenr). 

Petras Friddrici aas Jtiich gebOrtig, profaesas 1672, erbieh 1692 
das Bacoalsnreat der Theologie , war Lector und Noviaen- 
meister merst im Kloster zn Stablo (in Bellen), dann im 
Kloster za Corvei, hierauf im Kloster zn Erfurt, wo er zu- 
lotst das Amt des Priors bekleidete. 

Er war der Erste, welcher nach Micolaus von Siogen 
auf Orand alter historischer Documente die Annalen des 
Klosters vervollständigte und das grosse Chronicon San- 
petrense zusammenstellte. Ein eifriger Förderer der littera- 
risohen Studien stiftete er, damit dieselben aacb naob seinem 
Tode im Kloster fortblUben möchten, aus den durch eigene 
littararisohe Arbeiten erworbenen Erspamissen, mit Ge- 
nehmigang des Abtes Placidua CasBelmann und des ganzen 



"•) War 1871 HoTiBcnMBfiter. (0, Btua Colleetio, psu. 777.) 
'"] In den Texte dei Neorologiatas iit denelbe nicht ftnfgenommen ; 
wshrMkoittlioh war er gar nicht Hönoh dM Erfurter Petenkloiten , dk ihn 
OaUsi BU« prof|[Mmi>) Bambergemte nennt. — 1879 nib flnem Beptembrii 
isortau a>t nostsr Bcriba tsnior Johsones Kirdtsner. (Q. Btaw OoUeetio, 
pag. 788.) 



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— i7i — 

CoüTents, ein Legat voD 200 Imperisleti (GoIdgtkldeD), da- 
mit TOD den jährlichen Zinaen Bücher fär die BibUothek 
angeaehaSi werden soUtes; | 1730 3. Jani, in 67. Lebens- 
jähre. 

JoaephoB Stieffken aus Bheinsberg in Weatphalen gebürtig; war 
Dr. der Theologie and Frofeaflor aa der Univetsität,' päpst- 
licher Notar (protonotarina npoatoHcus) , Loctor der Philo- 
sophie nnd Theologie im KloBter an Fulda, Verden, Gerode 
nnd coletat an Er&rt, wo er aach das Friorat bekleidete. 
Er starb 1746 S3. Hfira im 75. Jahre seines Allere , nach- 
dem or mit grosser Geduld die mit dem Alter sieh ein- 
stellenden körperlichen Leiden ertragen hatte. 

Carl Trautwein, ans Erfurt gebürtig, erwarb sich um das Archiv 
nnd dessen BinricbluHg unter dem Abte Plaeidns Caseel- 
mann mehrfache Verdienste, und verToUstfindigte mit vie- 
lem Flusse die Annalen des Klosters; — ausser einigen 
religiösen Schriften sammelte er auch mehrere oekono- 
mische, physikalische, medioiniBohe und botanische Be- 
obachtungen. Er starb 1750 im 66. Lebensjahre. 

Andreas Dietrich, BeTerangenriB-Westphalua, unter Abt Placidos 
Casselmann ; Doctor der Theologie nnd Professor an der 
Univecsität. f 1740 5. Mai im 54, Lebensjahre. 

Bomaans Schwabenhausen, aas Stadt Worbis gebürtig, professus 
172?. Rastlos thfitiger Mann in allen ihm übartragenen 
Obliegenheiten, beschäftigte er sich in seinen Hussestundon 
mit der Anfertigung von Sonnenuhren. Er starb 1744 
17. Februar im 41. Lebensjahre. 

Otto GroBwitaki, ans Hocbheiro bei Erfurt gebürtig, profeBBOs 
172R (unter PlackluB Casselmann), Baccalaarens der Theo- 
logie und Novizenmeister, Bibliothekar; ein durch Sittlich- 
keit, Frömmigkeit und GelchrBamkeit ausgezeichneter Mann, 
• Verfasser mehrerer theologischer Schriften und einer Zu- 
sammenstellung der hervorragenden Männer des Feters- 
klosters. Er unterstützte den Abt Plaeidns Casselmann 
in der von demselben angeordneten neuen Einrichtung 
der Klosterbibliothek, starb aber leider schon 1743 im 45. 
Jahre seines Alters. 

Robert Weinrich, aus Stadt Worbis gebürtig, professus 1723; 
ein Mann von auBgezeichoeten GcistesgabeD. Theologe 



— 172 — 

Jurist, Dichter und ▼msfl^dics' Frediger, t 1707 13. Mo- 
Tember im 69. LebeDsjftbre. 

FUcidi» Jorduu, «as Glmcbeiuteiti raf dem EichaMde gabürtie, 
profeuna 1733; Doctor der Theologie, Lector und Noräon- 
meuter dei Kbwten. f 1778 fiS. MSra im 64. LebenqahKi. 

iMdonu de Lwombe, Hogmra*, profeemB 1744, war KbÜothekar, 
trieb mit Tieler Liebe historiBcbe Stadien, eaohte ufrig 
nach ^ten Doeomenten und ' schrieb dieeelben ab. Er 
untamahm eine Anfaeidmang der Kloster -Annalen, wurde 
aber in dieier Arbeit dnrcb den Tod onterbroehen , dem 
er durch da* Scbarlaobfieber erlag, 1751 25. Septomber im 
30. Lebenajabre. 

Galhif Staas, aas Ifatna, geb. 1723 9. JaouM-, profeasos 1740, 
war Kbliothekar, aammelte viele Hiaoellaneen snr Chronik 
des Elostera ; aar VerroUständigang des Nekrologinrns und 
aar Corrector etwüger irriger Angabeo bediente er sich 
nach eigener Angabe mit vielem Erfolge der von Herr* 
mam von IforUmseti angelegten CopidbQaber nnd Zina- 
regiater, sowie der iBBchriften auf Grabateinen. f 1780 
I. ApriL Et fertigte eine Abaebrift des Calendarinra und 
Kecndopam des Klosters an and versah dieaelbe mH eSner 
Vorrede, welche, sehr scbwfilstig abgefasst, doch einige 
interesaaate FeraonalnatiKen enthalt (1777). Der Vel<bleib 
der Oripnalien ist noch nnermittelt 

Er Bchrieb auch eine Abtaahronik, welche bia zam Abte 
Gtlnther Baeting reichte, wahrsoheinliob manche interes- 
aaote Noüaen aas dem 18. Jahrhundert enthielt (fftr diesen 
Zeitraum ist nnr sehr wenig vorhanden), deren VerbMb 
bis jfltat aber noch nicht auagemittdt tat (vergl. Necro- 
logiam pag. 42, aach 66). 



BeiUse F. 

Uebe«- die Verfaaser der filteaten Klosterannalen 
fehh die und jede Nachricht; ob der MSnch Rudolf ■), welcher 
um 1142 das Calendariom sobrieb, Bowie der um 1266 genannte 



*) Die Annslei S. Petri ErphMfardenMi, «alohe tioh in der Bibliothek 
dsa Grtbo toh Sobönborn so Pommenfelde befiadon und bei Feit«, Honn- 
laenfa Gennsnlae bktorics XTL mit dar Bessiolmaiig Codex I, mitgathnlt 



- 178 — 

Helwiciu, wetchw das Nekrologinm dos Kloiteri begonnen haben 
BoU, und der nur im Allgemeinen als Soriptor be«eiohnete Kloster- 
brnder Waltheras Francke (f 1S49) einen Antheil an den hu 
Chronicon Sampetrinnm «ithaltenen Anfceichnungen haben, IlUst 
sich nur matbtnaasen; daesso bleibt es dahingestellt, ob spätere, 
nach dem Jahre 1355 abgefasste Notiaen, den als gewissenhafte 
nnd erfahrend Sobraiber genannten Conventnales , Hünrioh 
Wonne (f 1440) and Johann MüUer (Molitor) (f 1463) ange- 
Bcbrieben werden dürfen '). 

Der erste uns bekannte Verfasser der durch Compilatioa 
und ans eigener Änsohaauag entstandenen Klosteranaalen ist 
Micolatu Hottanbaoh de Siegen, welcher dieselben in den bnden 
Jahren 1494 and 1495 niederschrieb und seit 1467 dem Elostel 
als Conventuale angehörte, leider sJme schon l'töS 14. NoTcm- 
ber, sehr wahrscheinlich wenig Über 50 Jahr alt, durch die Pest 
hinweggerafft wurde. Qleichaeitig mit ihm sammelte Nicolaas 
de Bgra (f 1501 7. August) wichtige Aufaeichnungen aus den 
Jahren 1484 — 96, denen sich die Continuatio bnjus Chronici (des 
Nicolaas de Siegen) per monaohnm anonymom S. Petri, sowie 
di« bald mehr, bald minder aasfÜhrlichen obromcalen Notiaen 
d« Johann Kooher (am 1630) und des Dagobert Conen (f lei- 
der schon 1679) aasohloasen; die letateren, nach 1661 nieder- 
geschrieben, enthalten, aaf Qrund der dem Schreiber von dteb 
USnchen mitgetheilten Erlebnisse, kurze Darstellongen ans dar 
Zeit der schwedischen Ocoupation, sowie in Folge eigener An- 
schaoong, nicht uninteressante, lediglich das Kloster betnffende 
MittheilungBD aus der Zeit nach Broberong der Stadt darch den 
Erabiachof von Mains , Johann Philipp. 



Bnd, enthalten pag. 18 tum Jshre IISO die offenbar snf den Schreiber 
Bong hkb«nde Notii: -R. diacoani ordinstnrn in dar l. Abtbülang bis 
«ua Jahre Hii nnd in der 3, Abtheilang bii tum Jahre 1U9 psg. 10 nm 
Jahre 1140 «ioe gleiobe Notli: *R. presUter erdinatar*. Eicnnben: Die 
Jener Zntsohrift IIL 87. 

') Hierbei kum die mfibsame Arbeit des lax^jikrigra Celleraritis Ber- 
mann Ton NorthoBen (f 1194) nicht nnerw&hnt bteiben, welche in eiaer, 
im Jshre 1152 beendeten ÄQ&teUung dar Eloater-Zinf-Regitter bestand, da 
tie, wenn such keinen vollatändigen , so di>ch UieilwsiMn Einblick in die 
dunsliges ökonomisohen Verhältniue des Kloitere gMtsUen, 
aber anoh mehrfach eingegtrent« Pertenalaaebriohten enthalten. 



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— 174 — 

Kaoli der im Nekrologiam antbaltenen Angabe aoU nach 
Nioolaiu Ton Siegen Petras Friderici (t 1720 3. Jnni) der errte 
geweMo sein, welcher (nach 1672) al« eifriger Fßrderer litera- 
riacher Studien alle Torhandenen bistoriioben Docnmente und 
Notizen benutzte, nm sie dem von ihm gescbHebenen grossen 
Ckronicon Sampetrinnm einanverleiben , aber dessen Verbleiben 
alle bis jetst angestellten Nachforschungen au keinem befriO' 
digeaden Resaltate gefShrt haben. Derselben Quelle zafolge 
haben sich im weiteren VerUofe des 18. Jahrhunderts die Con- 
ventualen Otto Oroswitzki (f 1743), Carl Trantwein (f 1750) ') 
imd Isidorus de Laoombe (f 1754) nm chronicale Anfiietch- 
nangen rerdieot gemacht, die mit denen des Gallns StssB (f 
1780) und den firgftnaungen des leisten Abtea, Placidne Math 
(t 1821) ihr finde erreicbten. 



Beilige 6. 

Honasteriologik, in qua inmgnium aliquot Honasteriorum 
FainUiAe S. Benedicti in Germania, Origines etc. desoribantur 
eta. Aaotore B. P, F. Corolo Stengelio, ejusdem Ordinis Mo- 
nasL SS. Udalrici et Afrae Augustae Vindelicornm Professo.*-^ 
Augastae Vindalicorum MOCXIX. (Königl. BibI, in Dresden. 
Bist. ord. Beligios. 72.) 

Biegale Monasterium S. 3. Petri et Paali Apostolorun situni 
iil Tharingia in celeberrima civitate Erphordensi mens editns 
Qstondit. Fuodatnm fnit dseentis fere annis post Ordinis S. Be- 
nedicti initium ; illudque cwutrazit «c fandavit Dagobertas FVrb- 
corum Res Hüdeberti Regis filius A. C. D CCVII, dum virente 
et in GallÜB (?) regnanto parente regnaret in Thuriogia, Francta 
Orientali et Hassia. Anno autem Domini M. LIX. Siffridus Ar- 
chiepiscopuB Moguntinus, prios Abbas FoldenBis Oanonicis, iqoi 
aliquamdiu locam bono oooupaverant, .expnlais; disciplinan Ho- 
nasticam, quao antea viguorat, instauravit, et Uonssterinm hoc 
Ortlini Benediett reetitnit. Dum vero pancia post annis aedificia 
bujas MonaBterii antiqaa partim flammis consumpta fuissent. 



') Auf 8«ita 5Sl des Mekrotogitmu ««){t Oallna Stau, dut or die vom 
Aem Prior d«a Pat«nUoaten, Cmrl Trsutweia , verfugte Ühronogrsphifl ver- 
vehrt, erweitart and bi« cain Jsbra 1778 fortgewUt habe. 



:vC00J^IC 



— IIb — 

partim ob etractarae vetaitatem oorraiaBent, Borcbardaa Abbas 
A. C. M. C. III. et antUB aliqaot sequentibuB Dovnm ex fdods- 
mentia coastroxit monaBterinm. 

In hoc MonaBterio a tempore fundationii plorimi aanctitate 
et doctrina insignes TÜri claraeniDt; inter soa fuit Rnthardna 
hajoB eccleflise Abbas, pOBtea Mognntinäe ledis XXIV. Ar- 
cliiepiBcopas, Elector vero VIII. Creatns A. C. U. LXXXVIII. 
ex bac vita deceasit A. C. M. C. IX. 

Qnod ad MoDasterÜ Btractnram attioet Boiendam, exterias 
exigtuun esse apparentiam, aa praater tsmplam, dam mooa cod- 
Bceoditar, apparere : interiaa antem ubiqne esae omatam at aedi- 
fioiia et piotüis. 

Stractaraa aaot talea. 

A. *) Eat major Ecclesia. 

B. Duafi turrSB in extramitate Cbori. 

C. CboruB, qni rflHqoÜB SanotOTom, pctoria, et candelabnB 
bene est omatas. 

D. Saoellam 8t. Ännae Bepnltnrae fratrum dapotstam. 

E. Sacellom CorponB Christi in oaemeterio ooUocatam, cen- 
aetor primam Tharingiae temphmi. 

F. Atritim templi: vulgo Daa ParadeiBS. 
Q-. Viaxqaae dncit ad portam Monastarii. 

H. Diversa aedificia; vnlgo Der grüne Hagen. 

L Templiun S. Leonardi, qaondam Paroefaia in deacenaa 

moatia. 
K. Domns pro panperibas coQBanguiaeU Fratmm. 
L. HoBpitiom Comitom a Schvarabarg. 



Beilage H. 

Antiquitatea quae in pervetuato Sacello S. Blaaii, modo 
Corporis Christi, oUm Tisebantar. 
Ad coram evangelü effigies *) cbriatiaoiaBimi regia Franco- 
conun, fundatoris noBtri, cnm hac circomacriptione : 



*) Dia ZeiohttQof dei Kloatan (Taf. I.) «ntUlt dia bai neb 
ErUaternttg gebranohlen Buohitalien. 

*) Ob dioM Bilder in Windmalerei oder Tafalmalarei bestanden, ist 
nicht gesagt — Im Sohloste Kulitelo in Böhmen aind beide soa dem S. 
Viwtel des 11. Jahrhunderts vertreten. — Die hier gensaatau Penonm 
hsbeo alle vor dem Jfthre 1800 gelebt. 



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— 17ß — 

DagobartoB rex Franoonun. 
Ego dedi bonc nODtem et loenm com omniboB, qtue 
habui in Thuringia S. Petro et monach», qnoa ibi- 
dem sabstitai. 
Acta Bunt heo anno dni DCCVt. 
Sab effigie Dagoberti regia binae aliae Tianntor media corporis 
. atatura« bac ouin epigraphe: 

Andreas abbas hujoB loci. 
Rttdolplius arohiepiacopuB Salisboi^nBiB *). 
Ego (Andreas) reformsTt Organa aaepios, et oampanas 

rasliorari. 
Memento mei (Rudolpbi) Deus in bono et ne deleas mi- 
serationes meaa, qaaa feci et fecissem bnic loco, ei 
vixisBem. 
Secunda efSgies in eodem oornu evangeUi 
, . . Sifiridas arohiepäacopiu Moguntinus. 

Ego errats correxi mOQachicuniqne habitnm, qoem jam- 
dadatn '') deletum inveneram, per Doi gratiam cum 
omnibtu libertetibas prioB ^) habitis restitni. 
Acta sunt bec anno dni H. L. VIII. 
EfBgies sequentea huic Bnbjioiuntor 
Comes Albertus de Tbnna. 
Tamno sacerdos de Thnoa. 
, E^o omni» nea mobilia dadi S. Petro valentia ceatam libras. 
Ego procuravi anam missam omni die pro salote animae 

meae dioi ad aummnra altare. 
Conradas archiepisoopna Mogantinos. 

Ego cemens, timorem dei esae In hoc looo, infulam pro 
Bjolepmitate abbatibas eoram indalsio "), et confraterni- 
tatem mihi et meis snccessoribus dari apud eos rogavi. 
Acta BOnt haec anno Domini M. C. XCIII. 
Priori Bubatabant tres aliae imagines. 
Richa imperatrlz, conjos LotbarÜ. 
Romanas rex Butbenus. 



*) VergL hierin Sunpetrinam v. J. 1290. 
■>) Quem ibi jamdiu. (0. 3ti. Fol. pKg. €13.) 
■) >pria«* fehlt. 



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— 177 — 

RadolphoB diut Carinthiae ' *). 

Per Dei gratiam obtinuimuB, at hie in eocIeBia i 
aariuB nostgr in perpetanm peragator^ com pia devotione. 
Acta sunt baec anoo domini M. C. XXX. 
*6lli cancelloB in eodem destro tatera tren aeqaentea 
' effigies: 

^ Minorita (archiepisoopas HogantinoB ordinis 

s^ Q bajus loci transtali dedicationem ad Bo- 

om, et gratias multiplicavi In bonorem Dei. — 
iiaec anno domint M. CC. LXXXVU. 
i'apa nonoB. 
um eonsensu omnium cardinalium hune locom sta- 
osBe liberum, et ") ab omü perturbatione securum 
-t quietam in nomine Domini. 
Acta Bunt haec anno Domini U.CCJCXVII. 
GerorduB archiapiscopuB MogaDtinns. 

£go praedeceiBomm meorum aeqaeos vestigia, pro utili- 
tate loci bujuB, quidquid ab oia Btatutum est, oonfirmaTi, 
vel qaod nogleetom innoTavi. 

Acta Bunt baeo anno domini M.CC.LXXXXV. "). 
Ad corna epistolae iatra cancelloB. 

RatbarduB arcbiepiscopuB Mogontinus. 

Hunc locom mihi dilectam Bub protectione Moguntinae 
aediB recepi, omniaque privilegia eorum renovavi, et 
Cellam prope Werrbam 8. Petro donavi. 
Acta Bunt baeo anno domini M. C. V. 
Sabtas banc cernitur 

HetnricuB WarmiensiB epiacopas. 
VolmaraB abbas hujoB loci. 

Spem in alio nunquam babui, praeter in te Dominel qui 

iraBceris et propitius eris. 
Ego (Volmarus) plantavi vineam in Tieffentbal pro salate 
animae meae. 
Secanda effigies siniBtri lateris. 

HenricoB arcbiepiaeopuB Moguntinna. 

'■} Kam im Angut 1290 kiuii SöniK Badalf I. nach Erfdrt (3ampetr.). 

") Mt- fahlt. 

") WtAl Owhard IL, 138»-1806. 



Dictzsdbv Google 



— 178 — 

Ob fsvorem firatram hio Deo militkntiom consecran hoo 
monasterinm tribas mihi öpiscopis cooperantibm, et anni- 
Tcnarinm menm hie inatitni perageadnm. 
Acta sant haec an'iio domini M.C.XLVII. 
Sabtaa eandem 

ReiDholdas plebanas in Beringen. 
Dittmams miles in Bnasleben. 

Ego procoravi featam Corporis Christi bic io bco peragi 

solemniter. 
Ego ad atmctonun bajna capalUe dedi veates a Rege 
RomiHiorum mihi data* lai^ter. 
Tertia efSgies siniBtri lateris oom hac inscriptione: 
BuroharduB abbas. 

Ego fni primni fnndator (post incendinm et incinerationem 
primi monasterü) faajas monastcrü, quod construzi 
XVIII. annis. Reliqaam reliqoi meia ancceaaoribua 
aedifioandnm. 
Aota sunt haee anno donüni H.C.III. 
Infra hanc oemebantur aequeotes: 

Gerhardui Ottermaun (Hottermann). 
Heinrioaa de Gotha, noster lonltetna '^). 

Pro pOBsibilitate noatra dedimna ad stmctarsm haJQS 
capallae pro animabua nostria, Qt memoria noatri (?) bio 
jngiter habeator. 
Extra cancelloa ejaadem lateris: 

ErwinUB senior oomea de Qleicben. 

Ut Dens peccatis meis indotgeat, et aoime mee aetar- 
oam reqniem tribuat, S. Petro et suis monachii pradiam 
in Walachleben benevole oontnli et donavl **]. 
Wemeras abbas hnjus loci. 

Ego penoriam aqoae hie invomens, com magno labore 
et expenais pro mei (?) memoria in perpehtum babenda 
aqoam dactilem comparavi. 
Ego fiii monachoH ^rsanwiensia. 

Acta aont haec anno domini U.O.XXXVL 
His sabjiciebantnr dimidiae ono ordine ses 



") War 1388 in Bsth. (Kiiohbof^ Erfurt im 18. Jsbrh. pH< »>■) 
'*) ZoMts. O. StsM foL pag. 6BI. Ana» M. C. ZCIL (litt). 



~.(X)glc 



— 179 — 

fingelbertas N 

Lobhardas sacerdoa. 
Hago de Cimmir <*). 
Gontbenu de Ikaene. 
Hargaretba lUcbelae. 
Bertrandia de Glichen. 

Memorare, quae sit nostra substantia domine! et qnia 
noD vane constitaisti omnes filios hominain, et ne in per- 
petaam obÜTiBcaris ooBtri domiae deas noster. 
In pariete ostü mtnorie, sive in ascenBU turris viBebaatar trea 
aeqQentfls iconea: 
Rex OäiocaruB Bohemorum. 

Farns Talente ego percepi, fratres hujas loci esse boUi- 
citoa de memoria animariun, unde eis transniiBi octoginta 
marcaB argenti ad anniTeraariam meum peragendom. 
Acta Bont baec anno domtni M.CC.LXIV. 
Ad dextram regia 

RicharduB Dotarioa domini Mogontini. 

HnjoB negotii nonüns et adminiatrator ftä, at diea anni- 
varBarias obitua mei bic in perpetuum cum pleno officio 
peragator. 

Acta aunt baec anno domini U.CCXXVIII. 
Ad sinJBtram reg^B 

Wolffgangaa praepositos IcbterahauBen. 

Praeter alia plurima donatia in omatu et rebaa aliis, 
ego tbesaantm reliquiarum super aonun et topaaiou 
pretiosam donavi huic loco. 
In eodem pariete varanB oBtiam majas 
Soror Meza mooialis. 
HettrigiB nutter ejuB. 

Noa pro ammo cenau ad lamiuaria hajuB capellae et 
anniTeraariam nostrum dedimaa plus quam XL tale&ta, 
nnde orate fideliter pro nobia. 

■ •) War 1298 im Kath (Sampetr.), Bohon 1S88 in Tnantaa ganamit 
(Kinhhofi; Erfurt im la. Jahrb. pag. IM). 



ictze^c^ Google 



Einige Naobträge reap. Bemerkungen 

zu der Schrift des Herrn Major Böokner 

über die Fetersklosterklrohe. ") 

Der verewigte Verfasaer hat auf zwei EigaDthilmlicIikGiten 
aafmerksam gemacht, welche sich an der Petersklosterkiruho 
ändea, nämlich auf den plattgescbloBsenen Chor, das 
einzige Beispiel dieser Art in den Bächsisch - thiiringiscben Lan- 
den aus frühro manischer Zeit, und auf die westlichen Pfeiler der 
Droipfeilergruppe, welche das LängsschifT vom QuerschiEF trennt. 

In Bezug auf crsteres ist die Vermuthung ansgeBprocben, 
dasB die Choranlage aus romanischer Zait abstamme and zwar 
aus den Jahren 1103 — 1109. Dies ist wirklich der Fall. Von 
den Beweisen hierfür liegen aasser den sohoo gegebenen noch 
zwei andere vor: 

1) Wir wissen, dass die Kirche von 1103 — 1144, also wäh- 
rend der Amtsperiode von Aebtea erbaut ist, welche aas Hirsan 
in Schwaben stammten (Burchard 1101—1116; Werner 1127 — 
1138). 

In den •chwäbisch-altemanniBchen Qegenden finden wir aber 
häuSg pUttgescbloasene Chöre und ist dieser Umstand ohne 
Zweifel bei dieser Kirche von Einfluss gewesen. Die Erbauer 
haben die Idee einer plattgeschlossenen Choranlage aus Schwaben 
mitgebracht und in Thüringen verwirklicht. 

2) Den entscheidendsten Beweis liefert uns der Steinschnitt 
an der (Östlichen) Chorseite. Nicht allein die horizontalen Lager- 
fngen ziehen sich in gleicher Höhe von den beiden TbUrmen 
Über den Chor bin, sondern es ist auch in vertikaler Bichtang, 

■ *) (Im Sommer 1882, noch vor der Anwetenhoit der Herren Oobeimea- 
rUheMin. Dir. QraifF und von Dahn-BothfelMr in Erfurt (liehe oben S. 153 
Anm. 77) hatte nnaer Verein anter Führung dee Barm Zeiobeolehren 
Krnipa die Peterakirohe betehen, %m t. JdU [Tharinger Zeitang vom 11. Jnli 
168i) und in einer dtranf folgenden Versammlang des Tareins Herr Architekt 
Erlandien «eine uf gaauea Ueetungen bemheadan Zeiohaaagen and 
Reitanrfttionen der Ptttarekiroha vargalegt und erläutert Denelbe hat den 
hier mitgetheilten Anfuiti vorfant, welober die Ergkninngen la der obigen 
Daratellang Böokner'e 8. 66 ff. (S. 123 dai SepantUbdruoka] giebt und wohl 
rerdiant, dar Sobrift Böokner'a heigegeben in werden. B. W. 



.Cooj^lc 



— 181 — 

binstcbtiich der Stosafugen also, ein richtiger Stein- Verband vor- 
banden. Das Cbormittelsobiff springt gegen die Cborseitensohiffe, 
welcbe an ibrer östlichen Seite zagleicb den Unterbau der Tbürme 
bilden, nm 0,36 m zarück nnd die Stein schichten greifen dem- 
entsprechend zahsschntttformig ineinander. Es ist dies derselbe 
Steinschnitt, wie er sieb an allen andern grösseren Einsprangen 
findet. Flügelsteine sind nirgends verwendet. Da es nnn be- 
kanntlich einer gnten Bankonstmktion widerspricht, dass man 
eine nene Mauer zahnschnittförmig an eine alte setzt '"'), da es 
überhaupt in unserem Falle dem Haarer gar nicht möglich sein 
würde, Quadern von 20 — 40 Ctr. Qewioht, wie sie hier vorkommen, 
bei so minimalen Fugen (4 — 5 mm) in angegebener Weise und 
haltbar, zu versetzen, so muss der Chor plattgeschlossen ge- 
wesen sein. Wie man auch geneigt sein möge, einen apsisartigen 
ChorschlusB anzunehmen, stets müsste man sehen können, oh die 
durch die entfernte Äpsis entstandene Oefibung „zugemauert" 
ist oder nicht. 

Dass diese einfache Thatsache nicht schon früher, nament- 
lich auch in der Architekturgcschichte , bekannt geworden ist, 
moBB ich mir damit zusammenhängend erklären, dass die Er- 
laubnisB zum Besuch oder gar zu einer Aufnahme nnd Unter- 
suchung der Kirche wegen der Befestigungewerke bis vor kurzer 
Zeit Bchwer erlangt werden konnte. 

Was die westlichen Pfeiler der Dreipfeilergruppe anbelangt, 
so iBt zu bemerken, dass deren Qrundriss gegen den der übrigen 
Pfeiler verändert ist and zwar muss dies schon in romanischer 
Zeit, während des Baues der Kirche, geschehen sein. Es geht 
dies ans Folgendem hervor: Jeder dieser Pfeiler bildet im Qrund- 
risB ein Kreuz, dessen Kern quadratisch ist und dessen Arme 
um je 0,37 m in der Längsrichtung und um je 0,33 m in der 
Breitenrichtung angesetzt sind. Der quadratische Kern hat aber 
dieselbe lichte Entfernung von seinen nächststehenden qaadra" 
tischen Pfeilern, wie sie bei allen übrigen Pfeilern vorhanden 
ist, nämlich 3,51 m. Hieraus folgt, dasB der Grundplan verän- 
dert ist, denn man hätte jedenfalls auch hier dieselbe lichte Weite 
von 3,51 m and nicht 3,51 — 0,37 = 3,14 m zwischen dem ganzen 

> ' ) Wsil in der neuen Mauer Bisse entstehen «firden in Folge des 
HSrtebdiwindens. 



:vCoOJ^Ic 



— 182 — 

fraglichen Pfeiler and den luiiaolutvtehenden obwalten Usaen, 
wenn dieser Pfeiler anprßngUob in der Weise, wie er jebt ist, 
projektirt gewesen wSre. Dass jene VerSndemng noch in roma- 
niflcher Zeit> während des Baues, geschehen sein nnus, beweist 
der Steinsctmitt' Die Lagediigen sind mit denjenigen der sodem 
Pfeiler in derselben Höhe abgeglichen nnd im üebrigen haben 
wir einen ähniicben, aahnschnittfSnnigen Steinrerbaad, wie er 
sich in der obenerwibnten Weise am Chor befindet 

Als Grund dieser Verftndemng denke idi mir, dasa diese 
Pfeiler Klosterkirohe and Laienkircbe m trennen bestimmt 
waren. Der HSnohschor ging bis aimi Qnerschiff und dieser 
Baum war gross genng, nm 40 bis 50 ChorstOble, in je swei 
Reihen auf jeder Seite, aufnehmen za kennen. Der Chor war 
mitbin in das eigentliche Schiff zuröckverlegL Vielleicht folgte 
man in dieser Hinsicht einer Tradition, welche sich aoa dev 
idtchristlicben Basilika ergab, denn auch hier lag ja der Chor 
im Mittelsdiiff. Der Qbrige Theil der Kirche, also der ügent- 
liche Chor, der hohe Chor, diente zw Festeskirche , wie icli 
diesen Bsom nennen machte. Das Kloster war nämlich ver- 
pflichtet, den Kaiser nnd andere hohe Herren bei ihrem häufigen 
Anfsntbalte in Erfurt aufzunehmen and zu bewirthen. Wahr- 
Bcheinlicb erhielten die Mönche als Entschädigung bierf&r Güter 
nnd Ländereien, nm ans deren Ertrage die vielen Festlichkeiten 
zu Ehren der Oäste beatreiten zu können. Die bei diesen Ge- 
legenheiten stattfindenden amtlichen nnd Urcblichen Handlangen, 
B. B. eine Eröfinang des Reichstags, eine Conaecration, epiriten 
üch in dieser damals gröaeten Kirche, welche vieUeicht auch 
das gröaate Gebäude Erfurts war, ab. Aach der Faesfall Hein- 
richs des Löwen vor Kaiser Friedrich I., die Verlobang der 
Töchter Rodolphs von Habsburg, hatten hier statt. Za derartigen 
Handlangen, sowie zu höchsten kirchlichen Festen war der 
eigentitche Chor aufgespart, während die Alltagakirohe der 
Mönche im Schiff lag. 

Aaf Seite 65 ist erwähnt, daas die baBilikalen Obormaaem 
wahrscheinlich nor mit einem einfachen, fortiaufenden Friea de- 
korirt gewesen seien. L. F. Hesse, welcher jedenfalls die Peters- 
Uoaterkirche noch vor ihrer Zerstörang selbst gesehen hat, sagt 



..C.oo^lc 



— 183 — 

dag^en in seinem Werke über FaalinzeUe '") wörÜich: „Auf 
den SSnlei) des SohiffeB wölben sich halbEirkelnmde Bogen, auf 
welchen die Mauer mbt, die daiselbe von den Abneiten trennte, 
aich boob über diese letztere emporhob und die gerade Decke 
dea Schiffes onterstHUte. Auch hier ist wenig Schmuck, nur 
einige BIStteraierrathen ; etliche Kämpfer aber und die Streifen, 
welche lothreoht über jeder S&nle sich erheben and oben über 
dem Bogen mit einem wagerecbten Streif zasammentreffen ond 
mit ihm sich vereinigen, haben eine Zierrath, die aus Würfeln 
besteht, in verschiedenen Reihen übereinander, mit gleich gros- 
sen Vertieinngen wechselnd, angebracht; wie sich auch in der 
Kirche anf dem Fetersberge za Erfurt findet". 

Bezieht man letztere Bemerkung auf den vorhergebenden 
ganzen Satz, so waren die einzelnen Arkadenbögen rechtwinklig 
von einem Würfelfiries umrahmt, wie wir ihn am Südportal noch 
heote, sowie an ähnlichen Stellen in der Kirche zu Hirsaa 
treffen. 

Femer ist auf Seite 62 gesagt, „dass es die Substmctionen 
der Osttbürme nicht gestattet hätten, ihnen in einem fortlaufen- 
den Steinbaa die täi die WestthUrme veranschlagte Höhe zn 
geben, und dass man sich daher im Vorlaufe des Baues ge- 
nöthigt gesehen hätte, das oberste Stockwerk lediglich aus Holz 
heraustellen". Nimmt man aber die Höhe der Westäiürme incl. 
Helm auf ca. 50 m an — h&her können sie aus ästbetiBchen Grün- 
den kanm projectirt gewesen sein — und setzt dieselbe Höhe, ob- 
gleich dies schon wegen des viel kleineren Glrnndrisses unstatt- 
haft wäre, für die Osttbürme, so ergiebt sich, dass jeder Qua- 
dratcentimeter des Grundrisses der zu Tage tretenden 1,10 m 
starken Thnrmmaner nur ca. 9 kgr zu tragen hat, während 
Sandstein erst zerdrückt wird, wenn er mit 500 bis 700 kgr pro 
qcm beansprucht ist. Die eigentlichen Fundamente sind mithin 
im Stande, eine noch viel grössere Last aufzunehmen, als pro- 
jectirt sein konnte, und an den Substmctionen hat es ^so jeden- 
faUs nicht gelegen, dass die Vollendung der Thürme in Stein 
nnterbKeben ist Der Grund hierfUr mass vielmehr im Nicht- 
vorhandensein der Geldmittel gesucht werden, was auch sehr 

<') GsMhiohte des Klosters PaoÜiiselle Tim L. F. Beise, Bndolstsdt 
ISlfi, Seite 26. 



idby Google 



— 184 — 

wabrBcbeinlich iat, wdOD man an die häufigen Beraubungen darch 
Brand und Krieg denkt, welchen das Kloster ansgeBetst war 
und wodurch daBselhe öfters in Geldverlegenheiten kam. 

Die HanptmaaBse der Kirche in Metern, wie sie sich bei 
ein«r von mir vOTgenomtnenen genauen Aufnahme ergeben haben, 
sind folgende: 

Innere Msaste: 
Länge des Hittelsobiffs 70,77, Breite desselben 9,45. 
„ der SeitensohifFe 72,13, „ derselben 3,25. 
„ „ Chorseitenachiffe 14,85, Breite derselben 3,25. 
„ des Qaerschiffes 31,98, Breite desselben 9,18. 
Durchmesser der Apsiden (an den beiden Östlichen Hanem des 
Qaerschiffs) 4,08. 
Pfeiler im Schiff: 
Orundriss 1,12 im Quadrat, Höhe von der Unterkante der Basis 

bis zur Oberkante des Kapitals 5,78. 
DnrchmeBser der daran befindlichen DreiviertcUäalen 0,31. 
Höhe der Basis incl. unterer Platte: 0,54. 

„ des Kapitals 0,33, Breite deBsolben 0,38. 
Abstand der Pfeiler im Lichten 3,51 und von Mitte au Mitte 4,63. 
St&rke der Mauern 1,10 und an den Westthürmen 1,35. 

Aeassere Maasse: 
Orundriss der Wasttbürme 7,45 im Quadrat. 
Breite der Westfa^ada 22,36. 

Vorsprung der WesttfaUrme gegen die Seitenschiffe 0,98. 
Breite des Querschiffes 11,38. ' 

„ der Ofitthürme 6,00, Länge derselben 4,95. 
Vorsprung derselben gegen die Seitenschiffe 0,52. 

„ „ „ den Chor 0,36. 

Höhe des Langhauses und des Chorea von der Unterkante des 

FuBsgesimaes bis aur Oberkante des Hauptgesimses 8,46. 
Höhe des Fussgesimses 1,04. 
Abstand der Lisenen von Mitte zu Mitte 4,65. 
Breite derselben 0,45. 

Durchmesser der Dreiviertelsäulcben 0,22 und am Chor 0,17. 
Höhe derselben von der Unterkante Basis bis zur Oberkante 
Kapital 2,56. 
Höhe der Basis 0,28, Höbe des Kapitals 0,23. 
Breite desselben 0,31. 



DictizedbyGoOgle 



— 185 — 

Änsladnng des Hauptgesimses vom Kapital «iH io horizontaler 

Bjchtnng gemeasen 0,42. 
Höbe desselben in vertikaler Richtung 0,70. 
Lichte Weite der Fenster am Langhause 1,03, lichte Höhe 2,18. 

„ „ „ „ an den Weetthörmen 1,03, „ „ 2,30. 

„ „ des SUdportalB 1,70, lichte Höhe 2,63. 

Otto ErisndMn, 



[Eines merkwürdigen Fandes sei hier noch gedacht, welcher 
im Herbste des Jahres 1882 in der nördlichen Mauer der Peters- 
kirche, fast gegenüber dem Hanpteingange der ihr parallel Uu- 
fenden DefenBionekaaeme, gemacht worden ist Als man in diese 
Wand eine Thflr brechen wollte, fand sich in BruBthShe eines 
Mannes ein in die innere Wand horizontal eingesenkter Balken 
Ton 1 Mtr. Länge, 0,15 Utr. Breite und 0,10 Mtr. Dicke, fast 
ganz verfault nnd vielfach von Holzwürmern durchfreBsen , der 
ursprttnglich länger gewesen sein mnss ; denn es waren viel kleine 
faule HolzBtUcketi in der Höhlung und diese selbst erstreckte 
sich, als man sie sondirte, nach jeder der beiden Seiten hin zwei 
Meter weit Dazu waren beide Aussenseiten der nördlichen 
Wand glatt, aber im Innern war in die Quadersteine eine Höh- 
lung gebaaen, an welcher sich auch Ueberreste von MSrtel be- 
fiuiden, am den Balken aufnehmen zu können. Es fragt sich 
nun, wozu dieses Holz bestimmt gewesen sein mag? Zar Re- 
liquie konnte es nicht bestimmt sein, weil man es nicht her- 
ausnehmen und auch, weder von der innem Seite noch auf der 
Anssenwand, sehen konnte. Das Wahrscheinlichste bleibt immer, 
dass es ein Ueberrest von dem Holzbau der früheren Kirche 
gewesen sei, der aus dem Brande der Klosterkirche ' ') gerettet 
worden war und dass dies geweihte EoU gleichsam als Schatz 
und Talisman in den Bau hineingelegt worden ist. Jedenfalls 
ist das Holz also Über 800 Jahre alt Es wird jetzt im Huieam 
des Erfarter Alterthnms - Vereins aofbewahrt. fl. W.] 



'*) Dieser Brand fknd im Winter von 1079 sof 1080 statt, als Hein- 
rieh IV. Dsoh i«r Selilaoht von Flodigbeim nsob Erfort gekommen war 
nnd die Stsdt fflr ibre Anhingliohksit an den Enbisehof von Mains bfts- 
■n Uws. 



:vCoOJ^Ic 



ubiGoogle 



Deber das Erfiirter Stadtsiegel. 



Im enten Hefte der BfittheiluBgen des Vereins für die Ge- 
schichte nnd Alterthumskonde von Erfurt hat HemnanD eine 
aosfÜhrlichfl Beschreibiuig des Stadtsiegels von Erfurt gegeben, 
die Deutung des Rades in jenem Siegel aber nicht sor Ent- 
acheidong gebracht. Ich gebe im Nachstehenden eönen weiteren 
Versach zur Lösung der Frage &ber die Bedeatong des Erfurter 
Rades, das mit dem im Siegel der EnbischOfe von Huni 
identisch ist. 

Zunächst bemerke ich, dass nach meiner Ueberaeagnng 
dieses Rad uraprOnglioh ein secbsspeiohiges war. Damit stimmt 
auch Herrmann (L c. pag. 4) überein und es kann nur auf einem 
Zu&lle beruhen, dass das iUteste bekannte erEbischöäiche 
Radaiegel, wie Hermann an anderer Stelle (pag. 18) angieht, 
acht Speichen zeigt. Dies erklärt sich meines Erachtens da- 
durch, dass abgesehen davon, dass jenes Siegel Tielleicbt nicht 
wirklich das älteste gewesen ist, der Stempel dazn in einer Zeit 
(Mitte des 13. Jahrhimderts) hergestellt ist, wo die ursprüng- 
liche Bedeutung dieses Wappe&seicbens schon nicht mehr be- 
kannt war, am wenigsten dem Verfertiger des Stempels. Es 
ist ja eine unleugbare Thatsacbe, dass Ober die Bedeutung eines 
Wappenzflichens nioht selten in verhältnisemässig kurzer Zeit 
selbst die Eigenthttmer des Wappens in Unkenntniss geriethen, 
und eben ao, dass Stempelatecher aua gleicher Unkenntniss, ja 
sogar aus WillkDr oder Leichtsinn ganz unmotiTirte Veränderun- 
gen an den Wappenaeichen Toroahmen. 

Was die Bedeutung des Rades betrifft, so neigt sich Herr- 
maan (L o. pag. 14) der Ansicht za , dass das Rad mit dam aaf 



.oogic 



— 188 — 

Ziegetsteicen gefundenen aechBapeicliigen Radzcichen der 22. 
römiBcbea Legion identisch sei, welches ein ErzbiscLof zu Ge- 
sicht bekommen und als Wsppenbild unter der symboliscben 
Bedeutung des cumts dei angenomnicn liabe. „Der Erzbischof, 
sagt Herrmann, „der, wie der Papst, auch pontifcx maximuB 
genannt worden sei^ nahm an, daaa er vorzugsweise vor anderen 
geistlichen SMrsten sum' auriga ourrus doi, zom Wagenlenker, 
berufen sei, und so vereinigten sich geschichtliche Ueberlieforung 
und christliche Anschauung, am das Rad zum erzbischöäichen 
Sinnbilde zu machen." 

Diese Deutung hat aber, abgesehen davon, dass meines 
Wiiaens nicht nachgewiesen ist, die Erzbischöfe von Mainz hät- 
ten sich jene Qualität als Wagenlenker beigelegt, das erhebliche 
Bedenken gegen sieb, dass sich danach der Erzbischof gleich- 
sam fiber den Papst gestellt haben würde, was schwer zu glau- 
ben ist 

Eine andere Deutung haben, wie Hemnann (pag. 12) an- 
töhrt, Ajrmaan und nach ihm Colland dem Rade gegeben, in- 
dem sie meinen, es sei ursprunglich kein Rad gewesen, sondern 
ein Kreuz mit einem darUber gelegten Androaskrcaz , beide mit 
einem Ringe umgeben, ein altes Ghristonzeichen, wie man es 
öfters als Weihungszeiohen in Kirchen antreffe. Diese Deutung 
kommt meines Eraohtens der Wahrheit näher, aber fOr richtig 
kann ich sie um deswillen nicht halten, weil die beiden über 
einander gelegten Kreuze ein achtspeichiges Rad ergeben. 

In neuester Zeit endlich hat Will (Mainzer Regesten pag. 
XXXVIII.) als höchst wahrscheinlich hingestellt, das Rad habe 
aich aus einem heraldischen Kreuze, das man mit einem Nim- 
bus (Ringe) umgeben habe, entwickelt. Das halte ich aber um 
deswillen für entschieden anzulässig, weil nicht abzusehen ist, 
wie aus einem solchen Kreuze sich ein sechsspeichigcs Rad 
bättfl bilden können. 

Nach meiner Ansicht, au der ich durch eine Abbildung im 
1. Bande von Lindenschmit's Handbuch der deutschen Alter- 
thamskunde gekommen bin, ist unser Rad aus dem labarum, 
dem Monogramm Christi — ein grieohisches X mit senkrecht 
darüber gelegtem P — hervoigegangen. Jene Abbildung, die 
sich aaf Onibsteinen der Franken aus der Zeit nach der Ein- 
fOhmog des Chriatentbains öfter neben der Inachrift findet, stallt 



— 189 — 

das labunm von einem mehr oder weniger breiten Bioge um- 
geben vor nnd gleicht, da die Schleife des P aehr klein dar- 
gestellt ist, ganz auffallend einem Rade. 

Das Monogramm Christi wurde bekanntlich seit Gonatantio 
dem QroBsen auf der rothen Kriegsfahne der Rfimer angebracht, 
der nrspr&nglich selbst der Käme labarum beigelegt war, wel' 
eher dann auf das Monogramm übertragen wurde. Liegt da nicht 
die VermuthuDg nahe, dass die Erzbischöfe von Hains, die ja 
suaser groaaen Kirohenfltraten auch mächtige weltliche Herren 
waren und als aolcbe ihre eigenen Trappen hatten, dass diese 
Ersbiacböfe ein dem römischen labaram nachgebildetes Kriega- 
banner annahmen, ein Banner, daa auf rother Flilche jenea hoch- 
heilige und darum gerade für einen QrosscD der Kirche beson- 
ders passende radähnliche Zeichen, daa, wie ich vorher er- 
wähnte, bei den Franken nach Annahme dea Cbristentbams in 
Qebrauch war? Daa Wappenbüd dea Banners wurde aber be- 
kanntlich auch anderweit angebracht, z. B. auf den bemalten 
Schildern der Soldaten, wie ja auch in Erfurt die älteaten uns 
erhaltenen Daratelluogen dea ßadea aioh auf Sohlatenschilden 
befinden. Je maaaenhafter aber die Doratellung des Wappen- 
bildes erfolgte und gewiss oft durch wenig gebildete, mit der 
wahren Bedeutung des Zeichens nicht bekannte Künstler, um 
Bo leichter war eine Verßilschung desselben im Laufe der Zeit 
möglich and diese konnte nur zu der Figur eines Rades fOhren : 
Der Hersteller des Bildes brauchte nur die kleine Schleife des 
P zu Übersehen. 

Diese Erklärung der Entstehung des mainzischen Rades 
findet noch dadurch eine Stütze, ja, ich glaube aagen zu dürfen, 
Bestätigung, daas die ältesten vorhandenen Mainzer Hünseo, die 
mit Sicherheit als solche bestimmt sind *), das Monogramm 
Christi zeigen. Es sind deren zwei, die ich im Münzcabinet zu 
Mainz besichtigt habe. Die ältere ist ans der Zeit Kaiser Con- 
r&d'a IL (1024 — 1039) und zeigt auf der einen Seite das Kaiaer- 
bild, auf der andern daa Monogramm (in einer Form, welche die 



*) Drei andere Hüncen im HuDEer Kfthiiiet (I. i/2. 8b So nnd 8d dai 
Kstalogt, welche deutlich du Uad Eeigon, lolleii vom Enbiichof Wilhelm 
<958— 968) atammen, eioe Beitimmimg;, die entechiedeu f»laah ist. 



:,G Gothic 



— 190 — 

Schleife des P niclit erkennen IfiaBt) innerhalb einer Figur, die 
in ganz einfachen Strichen ein GebSnde darstellt *). 

Die andere, aas der Zeit Hemrichs IV. (1056 — 1106), ist ganz 
ähnlich} das Monogramm läsii aber die Schleife des P dent- 
lioher erkennen **). 

Zwei andere MUnaoi desselben Cabineti, die dem Erzbischof 
Lupoid aas dem Hause t. Schönfeld (1201 — 1208) zugeschrieben 
werden, zeigen den Uebargang des Monogramms in das Rad, 
denn man siebt auf denselben den Ersbisobof m Pferde und 
daneben ein sechsspeichiges Bad. Hieraus geht zugleich hwvor, 
dass schon ziemliob lange vor dem Jahre 1264, aus welchem 
das älteste bekannte arsbisohöfliche Radsiegel stammt, das Bad 
als Wappenzfliohen der Erzbischöfe in G^brauoh gewesen ist 
und zugleich, dass es ursprünglich ein sechsspeichiges Rad war, 
wie ea auch sein mässte, wenn es, wie wohl nicht zu bezweifeln, 
aas dem Monogramm Christi hervorgegangen ist. 

*) CappS) die Hansen der deobchsn Esiaer und KöDige. Dreiden 1848. 
psff. » Nr. 4SS. 

•*) Cvpp^ )• 0. pag. IIB Nr. 646. 



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üebersichtUche Zusammenstellniig 



in Erfart nnil dessen Umgegend gefnndenen 
vorgeschichtlichen Gegensttnde. 



Eid Vortrag 
gsbftltm im Tenin fUr die OflMUohte VBd Altartlwmkmids Ton Erfurt 



W. Froih. V. TottHL 



D,i.,.db, Google 



Inhalts- Verzeichniss. 



Vorbemetking ' ■. .,' I93 

I. innerhalb der UmfoMangavälle von Erfart gefnndeoe Qegenstände 196 

Exeicierpl&ts ftm Jalinagraben 197 

Okrtenitrawe , 198 

II. In am aUdUacbeu Feldmark 199 

fiothenberg 199 

Ilrersgehofeii 204 

■ 'Vop dem AndintfsUitfre ■...■, 206 

Nsasohmidatedt 211 

StädtiMtaM Kronkenfaine '' '.:.:...:. 212 

Vor dem AnpuUparke 2U 

III. Im aüdöstlicben Tbeile der Erfarter Qageacl 317 

Waltorsleben 219 

IV. Im flordosten von Erfort beleg;ene Qegend 330 

Tippaoh-EdeUwiuan 221 

LütEenBömmera ...'..'.; 226 

V. Die Büdwestlioh von Erfart belegene Gegend 337 

Miihllwrg 227 

ttieobleben 229 

Tl. Die nordwastlioh von Erfurt belegene Qegend 335 

Qitpenleben Kiliani 2SB 

Andialeben 23a 

Nenenbeiligea ; 2S9 

VII. Unbekannt in nelobem Tbeile der Dmgegend Erfarti 3W 

Uebereichtliobe Byatematisohe Znsammeoitellang 341 



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SJtnn man auch nicbt gerade bebanpten, dass in der £rfnrter 
Oegoad eine ganz ungewöhnlich grosse Zahl prähistorischer Ge- 
genstände zu Tage gefordert oder doch wenigstens eine Stätte 
entdeckt sei, welche einen bedeutenden Reichthum an Alter- 
ihümem dargeboten hätte, wie dies in manchen anderen Gegen- 
den von Deutschland, namentlich denen, wo die Römer die 
Sporen ihrer Berrschaft zurückgelassen, der Fall gewesen j so 
ist doch immer noch die Anzahl gross genug, am es als eine 
nicht ganz uninteressante Aufgabe erscheinen zu lassen: einen 
Versuch zu machen, sie in Qbersichtlicher Weise zusammen zu 
stellen und so gewissermassen einen Abschlass von den bis- 
herigen Ergebnissen vorzulegen. Es dürfte sich vielleicht hier- 
bei ergeben, dass die hiesige Gegend denn doch nicht ganz so 
arm an Funden ist, welche der vorgeschichtlichen Zeit ange- 
hören, wie man in der Regel annimmt Zugleich möchte eine 
solche Uebersicht geeignet sein, wenigstens einige, wenn auch 
unsichere, Lichtstreifen in das Dunkel zu werfen, welches die 
Urzeit der hiesigen Gegend bedeckt, und als Schema zu dienen, 
um das, was etwa die Zukunft noch zu Tage fordert, in daa 
bisher Entdeckte einzureiben und mit ihm systematiach zu ver- 
arbeiten. Vielleicht ist die Hoffnung auch nicbt zu kühn: dass 
ein derartiger Versuch dazu beitragen wird, von neuem das 
Interesse für diesen Gegenstand zu beleben, es in weiteren 
Kreisen zu erwecken, die Aufmerksamkeit für alles dahin ge- 
IiSrende zu schärfen und dem Eifer: das was der Schoss der 
Erde zu Tage fordert zu erhalten, ihm eine dauernde Stätte za 
gewähren und es fllr die Wissenschaft nutzbar zu machen, neue 
Nahrang zu geben. 

Es ist nicht zu verkennen: dass die Existenz unseres Ver- 
eins in der in Rede stehenden Beziehung bereits bisher von 
sehr wesentlichem Etnfiuss gewesen ist und seine Gründung ge- 
wissermassen eine Markscheide bildet. Es sind ja auob schon 
vorher hierher gehörige Funde gemacht, veröffentlicht and Ga- 

, .".Google 



— 194 — 

getiBtand der BeBprecba&g geworden, doch irar dies immer nur 
▼ereinzelt und dem ZafftUe zu verdanken. Durch unseren 
Verein varde aber ein Kern geschaffen, an welchen sich alles 
uikiystalliairen konste. Man kann dreist behaupten: dasa, 
während bis dahin das Interesse fUr die vorgeschichtlichen 
Schätze der Erde das Monopol einzelner Gelehrten war, es 
seitdem das Gemeingut aller Schiebten der Bevölkerimg gewor- 
den ist. Unter den vielen Verdiensten, welche sich Dalherg am 
Erfurt erworben, ist nicht das kleinste, dass er es war, der zu- 
erst diesem Gegenstand seine Äuimerksamkeit zugewendet hat. 
Was damals geschah, blieb aber im Schosse der hiesigen Akade- 
mie der Wissenschaften vergraben, gelangte höchstens noch zur 
Eenntnise der wenigen Gelehrten, welche von den Denkschrif- 
ten jener Einsicht nahmen; in das Volk ist davon wohl nichts 
gedrungen. Dieses für die Sache zu interessiren , bleibt aber 
die Hauptsache. Denn Ackersleute und Tagelöhner sind es fast 
allein, welche in die Lage kommen, Ueberreste der Urzeit zu 
entdecken. 

Aas der nachfolgenden Uebersiebt wird sich ergeben: dass 
die mehr als ein hatbos Jahrhundert umfassende Periode von 
Dalberg bis zur Gründung des Alterthumsvereins in der in Rede 
stehenden Beziehung fast ganz unfruchtbar gewesen ist, während 
von dem letztgedachten Zeitpunkte ab fast kein Jahr verging, 
wo nicht der eine oder der andere Fund an das Licht des Tages 
getreten ist. 

Dass man in früherer Zeit diesem Gegenstande so gar keine 
Aufmerksamkeit zugewendet hat, bleibt um so mehr zu be- 
dauern, als, der Natur der Sache nach, je tiefer zurück in die 
Vergangenheit, um so grösser die Zabl der gelegentlich gemach- 
ten Funde gewesen sein muss und durch Nichtachtung und 
Mangel an Aufmerksamkeit gewiss unendlich viel zu Grunde 
gegangen ist. Es ist fast als ein Wander zo betrachten, dass 
überhaupt noch so viel bis auf unsere Tage gekommen, nament- 
lich seitdem die Eisenbahn und Kunststrassenbauten, so wie die 
Gemeinheitstheitungen und Grandstücka-Zusammenlegungen red- 
lich das Ihrige dazu gethan, um alle Spuren der Vorzeit zu Ter- 
wischen, insbesondere die Grabhügel einzuebnen und mit ihrem 
ganzen Inhalte dem Untergange zu weihen. 



:,G Gothic 



— 19B — 

Bei dner übersichtliolien ZnsaioineDBtellung der geschicht- 
lichen Fände kann man entweder die Art der Fundstlicke, oder 
die Zeitfolge der £ntBtebuDg derselben , ergeblich daa ethno- 
graphische VerhältnisB, oder aber die topographische Lage der 
Fondorte als Qrundlsge fUr die Anfzählnng wählen. Das erst- 
gedachte Verfahren würde den Nachtheil mehrfacher Wieder- 
holungen mit sich führen, da Gegenstände gleicher oder ähn- 
licher Art den verschied eneten Fondstätten entnommen aind. 
An einen chronologiachen Faden die Uebersicht anzareihen, er- 
scheint nicht durchführbar, weil eich die Zeit der Entstehung 
in den meisten Fällen gar nicht, in den übrigen wenigstens 
nicht mit apodiktischer Gewissheit feststellen lässt. Die gleiche 
Schwierigkeit würde eintreten, wenn man die Funde nach den 
Völkern ordnen wollte, von denen sie muthmasslich herstammen. 
Es bleibt daher nichts übrig, als eine Anordnung nach der 
Oertlichkeit Eine solche wird in dem Machstehenden versacbt 
werden. Die innerhalb der, freilich hin und wieder neaerdings 
bereits verschwundenen UmfasaungawäUo von Erfurt gefundenen 
Altertbümer werden den Anfang machen, denen die in der städ- 
tischen Feldmark und dem von dieser eingeschlossenen Dorfe 
Ilversgehofen entdeckton folgen sollen. Hierauf werden die im 
Erfurter Gebiete auf dem rechts der Gera belegenen Theile 
desselben gefundenen, und zwar zunitchst die ün südlichen, dann 
die im nördlichen Abschnitte, aufgeführt werden. In einer 
gleichen Reibenfolge sollen die, welche der linken Geraseite ent- 
stammen den SchluBs hildon. Ich werde mich dabei nicht immer 
ganz strenge auf die politischen Grenzen dos gedachten Gebie- 
tes, namentlich die heutigen, beschränken, sondern hin und wie- 
der auch Gegenstände erwähnen, welche ausserhalb des Erfurter 
Kreises, sei es auch selbst im benachbarten Auslände, entdeckt 
worden sind, wenn sie aus einem oder dem anderen Gesichts- 
punkte in Beziehungen zu diesseitigen Fundstücken zu stehen 
scheinen oder zu deren Erläuterung benutzt werden können. 

Uebrigens soll am Schlüsse dieser topographischen Ueber- 
sicht der gemachten Funde versucht werden: die Ergebnisse 
derselben in einer systematischon Anordnung zu resümiren. 

Nicht wenige der Alterthümor, welche in dem Nachfolgenden 
ihre Erwähnung finden werden, sind in unseren Besitz gelaugt 
and in onserem Museum aufbewahrt. Die nachfolgende Auf- 



.oogic 



— 196 — 

x&hlang und nKhere Angabe der Umstünde, unter denen üe ent^ 
deckt wurden, kann daher gewissermassen eIi Commentar so 
einem Inventorium Über daaselbe dienen. 



I. Wenn innerbalb der Umfaasnngswälle der Stadt keine 
Fände von grCsserer Bedeutung gemacht sind, eo ist dies dorch- 
auB erklärlich. £8 lässt sich hieraas keineswegs folgern: daas 
der Boden daselbst niemals prähistorische Ctegenstände in seinem 
Schosse gehegt habe, sondern vielmehr nnr, dass solche bei dem 
Ausschachten der Fundamente zu den gegen 4000 Gebäuden, 
welche ßrftirt in sich enthält, bereits der Erde entnommen, aber, 
da man dergleichen Oegenständen damals keinen Werth bei- 
legte, weggeworfen, ergeblich, so weit sie etwa ans Metall be- 
standen, in den Sohmelztiegel gewandert sind. Es ist weniger 
au Terwusdem, dass so wenig auf uns gelangt oder zu unserer 
Kenntnisa gekommen ist, als dass sich doch immer noch einer 
oder der andere bezügliche Gegenstand findet. Ea ist dies denn 
auch meist nur bei Gelegenheit von Erdarbeiten an bisher nicht 
mit Häusern besetst gewesenen Stellen geschehen. 

Das was zu unserer Kennt&iss gelangte, ist Nachstehendes 
gewesen. 

Als im Jahre 1828 Hirschlacbe Nr. 1798 (jetut Hirsch- 
lachufer Nr. 5) in dem bisherigen Dr. Hartang'schen Garten 
von dem Erwerber, dem Zimmermeister Machleid, die Funda- 
mente zu einem neuzuerriohtenden Wohnhaase gelegt wurden, 
stiesB man etwa 24 Fuss unter dem Niveau der Strasse auf ein 
kl^nes enges Gewölbe, in welchem sich mehrere Thongeflisse 
von sehr roher Arbeit, dem Anscheine nach Trinkgefässe , vor- 
fanden. Dieselben gelangten, so weit sie nicht durch die Un- 
aufmerksamkeit der Arbeiter zerbrochen waren, in das Museum 
des evangelischen Waisenhauses, sind aber bei dessen Brande 
zu Grunde gegangen. 

Als in dem Hofe der Elemm'scfaen Brauerei (Anger Hr. 
23) um 1850 ein nea« Brunnen ausgeschachtet wurde, fand man 
in der Tiefe von 16 Fuss ein Hirschgeweih von ungewShnliober 
Grösse. Diese tiefe Lage lässt darauf schliesaen, dass man es 
mit einem Gegenstände, wenn nicht aus der DilaviaUeit, doch 
wenigstens der Zeit vor der Grandang der Stadt bu thon Iwt. 



.C".oo«^[c 



— 197 — 

Bei dem DurcliBtecbcn des Walles am Schmidtgtedter 
Tbore bebafs des Baues der ThuringiBchon EiaenbabD ward in 
dem den Kern des Watles bildenden Schutte eine bronsene 
Streitaxt gefunden, desgloicbea im Kloeteigange eine Bronze- 
nadel, die in den Besitz des Goldarbeiters Apell gelangt ist 

Als im Jahre 1860 «uf dem bisher zum Foppe'Bchea Garten 
gehörig gewesenen Platze WalkmUhlgasse Nr. 12 das Peter- 
seim'sche Haas gebaut wurde > fand sich in erheblicher Tiefe 
eine kleine Urne, wohl ein Tbr&neDgefkss , und ein Fragment, 
anscheinend der Henkel einer grSaseren Urne, dieselben sind in 
die Sammlung unseres Vereins gelangt. 

Das letztere ist auch im Betreff eines im Jahre 1866 auf 
Neuerbe gefundenen Bruchstückes eines mit einem Loche zur 
Äufiiahme eines Stieles versehenen steinernen Streithatnmers der 
Fall gewesen, ebenso wie der im BrUble gefundenen Ämmons- 
hömer, desgleichen in Betreff einer J869 in dem Hause Malz- 
gaase Nr. 3 (früher 1716, Blichner'Bche Brauerei zwischen Malz- 
und Uarkgrafengasse) gefundenen Urne, und einer hei Gelegen- 
heit der Legung der Canalisationsröhren in der Nabe des Hauses 
Schlössergtrasse Nr. 9 (der Mohren -Apotheke) gefundenen 
eiaemen Axt. £ine eben _ solche im Jahre 1881 ebendaselbst 
zwei Fass unter dem StrasaenpBaster gefundene, ist in die 
Sammlung des Dr. Zschiescbe gelangt 

Bei der nach der Entfestigung von Erfurt 1880 behufs Ein- 
ricbbiag eines Exercierplatzes vorgenommenen Einebnung des 
Walles «wischen dem Jaliusgraben and dem Glacia in der 
Nähe des BrUhlerthores stiess man 3 bis 4 Fuse unter der Ober- 
fläche des gewachsenen Bodens auf eine bedeutende Menge al- 
terthOmlieber Gegenstände , die vermathen lassen : dass sieb 
hier in vorbiBtorischer Zeit eine Wohn- und BegräbnisBBtätte be- 
funden habe. Es waren dies insbesondere Menschen- und Thier- 
knochen, Hirsch- oder Rennthiergeweibe, Bmchstllcke von Thon- 
gefässen sehr prinütiTer Arbeit, eine Nadel von Knochen, eine 
Anzahl ringfbrmiger fauBtgrosser , auch noch gröBserer Steine, 
die in der Mitte eine Röhre zeigten, welche, da diese OeSnungen 
zu eng waren, um einen Stiel hineinstecken za können, bo dass 
sie nur einen Riemen oder einen dünnen Strick aufzunehmen 
vermochten, nur zum Beschweren der Netze beim Fischfang 
oder der Fäden beim Spinnen, als Spinnwirtel, gedient haben 



..C.oo^lc 



— 198 — 

können. Auch diese Gegenstände sind in unsere Sammlung ge- 
langt. Es waren aber, noch bevor die Sache zu unserer Kennt- 
nies gelangte und die Äufgrabung anter Theilnahme von Mit- 
gliedern unseres Vereins fortgesetzt wurde, sebr vielo Knochen, 
anter ihnen ein ganzes menschliches Gerippe, eine grosse Än- 
Eahl von Schalen und UmenfüBse von Thon gefunden, die man 
jedoch, weil man sie für werthlos hielt, wieder vergraben hatte, 
ohne dass die Stelle, wo dies geschehen, genau bekannt war. 
Ein menschlicher Schädel war von den Arbeitern zerschlagen 
worden. 

Da Gegenstände aus Metall gar nicht gefunden sind, ao 
haben wir es hier wohl mit einer Culturstätte ältester Zeit zu 
thun. 

EiDigermasseD zweifelhaft erscheint es: wie weit die von 
der LöberbrUcke bis zu der Neuwerkskirche sich erstreckende 
ehemalige Begräbnissstätte hierher gehört ; denn man weiss, daas 
auch in christlicher Zeit sich hier ein Kirchhof, welcher der 
Tbomasgemeinde angehörte, befunden hat, es fragt sich aber: 
ob dieser nicht an einer Stelle angelegt ist, die bereits den vor* 
christlichen Bewohnern der Gegend zur Begräbnissstätte gedient 
hat. Die ganze Strecke zwischen den angegebenen Endpunkten, 
welche gegenwärtig den oberen Theil der Gartenstrasse bil- 
det, insbesondere die zwischen der Löberstrasse und der ehe- 
maligen Hamsterburg, deren Stelle jetzt das von Aug. Lueins 
erbaute Wohnhaas Nr. 32 einnimmt, ist nämlich in ihrem Unter- 
gründe mit menschlichen Geheinen angefüllt j es ist fast kein Ge- 
bäude dort neuerdings erbaut, bei dem man nicht beim Ansschach- 
ten der Fundamente auf solche gestossen wäre. Insbesondere ist 
dies auch der Fall gewesen, als behufs der Canalisation und der 
Wasserleitung zwischen der Generalsteuerinspektion und dem 
Glockenthurme der Nenwerkskirche die Rohren gelegt wurden. 
So ist auch, als vor einigen Jahren auf dem Surbcr'scheD Grund- 
stücke an der Löberbrilcke die Fundamente zu einem Keller 
gelegt werden sollten, eine grosse Anzahl menschlicher Gebeine 
gefunden worden. Einige, namentlich die oberen, haben zwischen 
vermoderten Brettern gelegen, meistens ist aber keine Spur von 
einer Einsargnng wahrzunehmen gewesen, so dass die Leichen 
offenbar ohne weitere Zutbat in die zu ihrer Aufnahme bestimmt 
gewesenen Grube gelegt waren. Hierbei lagen dieselben in 



— 199 — 

meiirereo Schichten über einander, so dass eine regelrechte Ba- 
stattnng, wie solche seit der Einführung des Christenthunui Üblich 
gewesen, wohl keineafalls stattgefiinden hat. Noch augenßÜliger 
hat Bich dies gezeigt: als vor etwa 20 Jahren auf detUEelben 
Grnndatücke eine Senkgrube angelegt worde, denn man ist hier- 
bei auf flinf Schichten von Qerippen, von denen die eine über 
der andern lag, geetossen. Unter den bei dem erstgedachten 
Bau gefundenen noch gut erhaltenen Schädeln charakterisirt sich 
einer, der deshalb in unsere Sammlung au%enommen ist, durch 
eine angewöhnlich niedrige und nur allmKblicb aufsteigende 
Slini ; er hat also einem Bracbykephalen angehört imd weist 
auf den Typus hin, der, wie man meistens annimmt, den ürbe- 
wohoera Europas, d. b. demjenigen Volksstamm, welcher vor der 
Einwanderung der Indogermaoen dasselbe bewohnte, eigen ge- 
wesen ist So sehr diese Umstände darauf zu deuten scheinen, 
dass wir es hier mit einer Statte zu thun haben, welche auch 
bereita in TOrchristlicher Zeit zu Begräbnissen benutzt ist, so 
lassen jene doch anch eine andere Deutang zu, nämlich die: 
dass diese etwas primitive und summarische Begräbnisswoise 
üch aus einer der grossen Peatepidemien herschreibe, von denen 
Erfurt mehrfach heimgesucht worden ist. 

In dem Husenm nnseres Vereins befindet sich auch ein 1874 
bei dem Bau eines Hauses auf dem Fischersando gefundenes 
ausgebShltes Stück eines Hirschgeweihes, das mit Schnitzereien 
versehen ist und unzweifelhaft als Griff eines Werkzeuges ge- 
dient bat. Es ist freilich nicht unmöglich, dass dasselbe aus 
einer späteren Zeit als der prähistorischen stammt 

n. Von den zwar noch in der Feldmark von Erfurt, aber 
ausserhalb der Umwallung gemachten Funden ist der früheste 
genauer bekannt gewordene der, welchem der damalige kur- 
maiuzische Statthalter Karl t. Dalberg, der nachmalige Fürst- 
primas, eine ausführliche, am 16. December 1776 in der Acade- 
mie gemeinnütziger WisBenschaf^n von ihm vorgetragene Ab- 
handlung gewidmet hat. (Abgedruckt in : Acta Academiae elector. 
Moguntin. quae Erforti est, ad ann. 1776 pag. 219—250). — Die 
Fundstelle ist nicht genau bezeichnet, es kann aber keinem 
Zweifel unterliegen, dass sie am Rothenberge gelegen hat, 
da bemerkt wird: dass das Qef&ss, dessen Beschreibung den 
Hauptgegenstand des Vortrages bildet, im August des genannten 



.Cooj^lc 



— 200 — 

Jahres auf einer Anhöbe unweit Erfurt in einer Thongrube ge- 
funden sei, als die Arbeiter beschäftigt geweeeo wären, Thon 
fOr die nahe belegene Ziegelbiltte zu fordern, da eine solche sich 
damals in Erfurt nirgends anders wo, als am Fasse des genann- 
ten Berges befand. 

Die Fundstätte lag i Fusa unter der BodenoberSftche^ aber 
nicht in der nur 2 Fusb tiefen Dammerdeschicht, sondern im 
wirklichen Thonlager. Der Fund bestand in einem runden, 7 Zoll 
im Durchmeeaer wetten, 3 Zoll 3 Linien hoben kübelartigen Qe- 
fasse, einem s. g. catinus, mit kreierundem Fusee, von rothge- 
&rbter Erde schwach gebrannt, mit Basreliefs, theils menschliche 
Figuren, theils Tbiere und Thierköpfe darstcllond, über denen 
ein ornamentirtea Band hinlief, einem dem 2. oder 3. Jahrhun- 
derte D. Chr. entstammenden Werke römischer Arbeit, und aus 
einer Anzahl thierischer halbverkohlter Knochen, welche in dem 
Gefässe lagen. Früher waren bereits an derselben Stelle viel- 
fach mit Asche gefUllte Urnen, die aber als werthloa angesehen 
und Dicht aufbewahrt waren, auch Stücke von Bronzegerath- 
sohaftCD, so wie ein SchlUssel, hin und wieder auch Münzen ge- 
funden worden. 

Dalberg bat sich ausser Stande erklärt, die Umstände an< 
zageben, welche einst dazu Veranlassung gaben, dass das Ge- 
fäss dort niedergelegt wurde; denn dass es nicht zufällig dort- 
hin gekommen, geht aus dem Umstände hervor, dass ea sorg- 
faltig mit einer Kalksteinplatte bedeckt war. — Die in dem- 
selben befindlich gewesenen halbverbrannten Thierknochen lassen 
aber doch wohl kaum einen Zweifel darüber, dass es sich nm 
die Ueborreste eines Opfers handelt. Abbildungen von den go- 
fundenen Gegenständen sind der gedachten Abhandlung beige- 
fügt; wo joue verblieben sind, ist nicht zu ermitteln gewesen; 
wahrscheinlich sind sie während der französischen Herrschaft 
mit manchem anderen, was die Academie besessen, entfremdet 
worden. 

Bereits am Anfange des vorigen Jahrhunderta waren auf 
dem Rothenberge bei der Ackerbestellung einzelne Alterthümer 
aas vorchristlicher Zeit gefunden, da sie aber von den Findern 
für wertblos gehalten waren, so wurden sie mit Ausnahme einiger, 
den Kindern als Spielzeug übergebener steinerner Streithämmer, 
deren einer in der weiter unten näher zu erwähnenden Abhand- 



Dictzedby Google 



— 201 — 

long dei Dr. J. Nie. Weiaamsiitel alias Scluieäder abgebildet ist, 
weggeworfen. Als an demselben Orte etwa nm 1760 von den 
Erfiirter Ziegelbrennem Thongruben eröffnet worden, fanden 
sich hierbei so viele Urnen vor, dass der Hänfen ihrer Scherben, 
wie Weiasmantel sich ausdruckt, einem verlasBenen Töpfermaikte 
ähnlich sah. Dieselben waren nämlich von den Arbeitern , die 
sich Qberzengen wollten : ob sie nicht etwa EottbarkMten ent- 
hielton, zerschlagen ; io der That ward auch in einer dieser Urnen 
anter andern ein silbernes dosenartiges mit einem Drahte von 
gleicbem Metalle umwundenes Gefaes gefunden, das dem Safamelii' 
tiegel eines Goldschmieds aohoim fiol. Weissmantel nahm hier- 
aus Veranlassung, die dortigen Ackerbesitner anfaufordern, auf 
dergleichen Fundstücke ihre Aufmerksamkeit zu richten und von 
allem Vorkommenden ihm Mittheilung zu machen. So wurde 
ihm denn im Herbste 1781 em bereits zerbrochener Aschentopf 
überleben, der eine grosse Anzahl verbrannter Knochen pnd 
eine silberne Armspange enthielt. Als Dalberg hiervon Kunde 
bekam, trug er Weissmantel auf, an jener Stelle, dem Westab- 
hange des Rotbenbcrges, auf seine Kosten Nachgrabungen vor- 
nebmon zu lassen. Diese wurden in der Zeit vom lö. bis 31. 
M&rz 1782 in der Art angestellt, daes man eine Fläche von 130 
bis 140 Quadratfuss genau durchsuchte, wobei ein vollstftiMiiges, 
ausgedehntes Leichenfeld aufgedeckt wurde. Nachdem man die 
unter der Ackerkrume befindliche Lehmschicht fortger&umt, traf 
man auf ein ohne jedes Bindemittel aus theilweise grösseren 
Steinplatten, meist Kalkbracbsteinen, hergestelltes Pflaster, das 
so kunstvoll angelegt war, dass es bin und wieder gewölbeartige 
Höhlungen bildete. Unter dieser Steinlage wurde eine grosse 
Anzahl von Urnen von theilweise erheblichen Dimensionen ge- 
funden, die aämmtlicb verkohlte Menschenknooben enthielten. 
Sie waren meistens nur an der Luft getrocknet, nur wenige am 
offenen Feuer, keine im Brennofen gebrannt Sie befanden sich 
zum Theil in mehreren Schichten über einander, woraus sich 
scbliessen lässt, dass diese Stelle von mehreren Geaerationen 
als Begrfibnissfeld benutzt ist — Neben den Urnen lagen mehr- 
fach grossere nur wenig vom Feuer angegriffene mensohliche 
Gebeine, so unter andern der Schädel, sowie die Arm- und Bein- 
knochen eines Meascben, die sorgsam neben einander gelegt 
waren and fast gar keine Spuren des Feuer« zeigten. Aach «ü 



.oogic 



TollstSndigeij anmittelbar, also ohne Sarg oder Steinkammer in 
die Erde gebettetes^ Skelett wurde gefanden. Sonstige Gegen- 
■tKnde, die in der N&he der Urnen lagen, waren; zwei Stein- 
hämmer, zwei längliche anf den zwei kfirzeren Seiten abgerun- 
dete Opfereteine, eine Anzahl von kleinen runden, in der Mitte 
durchbohrten Steinen, die wahracheinlich aus sehr hart gebrann- 
tem Thone bestanden und als Ferien oder als Sohleadersteine 
gedient haben mögen, Stücke gewundenen Metalldrahts, ein 
kleines Werkzeug von Knochen, ein Instrument von Eisen, das 
fttr einen Schlüssel gebalten worden ist, aber, aus der Abbil- 
dung SU schliessen, wohl eher als Agraffe gedient haben mag, 
eine Metallnadel, iwei eiserne Messerklingen, einige MetallpIatteDj 
anscheinend von Bronze, endlich ein mit vielen Löchern ver- 
sehenes Blech. Das Vorkommen einer unverbrannten Leiche 
neben den Asohennmen giebt der Vermuthnng Raum, dass der 
VolksBtamm, welcher einst seine Verstorbenen hier der Erde 
übergab, neben der Todtenverbrennung die Sitte der unmittel- 
baren Leichenbestattung gehabt, und die erstere vielleicht nur 
den Vornehmen oder doch wenigstens nur den Freien hat an 
Tbeil werden lassen. 

Am Fasse des mehrerwShnten Berges, in der Richtung von 
Oispersleben Viti, etwa 300 Schritte von dem gedachten Aas- 
grabnugsterrain entfernt, hat sich ein tweiter Begr&bniss|ilatz 
gefunden. "Bier lag Qerippe an Gerippe, jedoch umgeben von 
Stücken verfaulten Holzes, anscheinend Rester ehemaliger Särge 
oder von Brettern, auf welche die Leichen gelegt worden. — 
Dass wir es hier mit einem christlichen Eirofahofe zu thun haben, 
ist aber doch nicht sehr wahrscheinlich, weil, wenigstens in ge- 
schichtlicher Zeit, so viel sich hat ermitteln lassen, hier oder 
in der "Sähe nie ein bewohnter Ort gelegen hat. 

Eine ausführliche Kachricbt von den vorerwähnten Aub- 
grabongen und deren Ergebniss hat Weissmantel uns in seiner 
in den Actis Academiae electoral. Moguntin. scientiaram ntilium, 
qaae Eriurti est, ad ann. 1782 et 1783 abgedruckten Abhand- 
Inng: Historische Nachricht von deutschen Urnen und Alter- 
thttmem ansgegraben bei Erfurt, mit 1 Kupfer, hinterlassen. 

Gleichfalls auf dem Rothenberge werden später nocb 3 
bronaene gewnodene Armringe, von denen der eine 4 ZoU 4 
Linien der zweite 4 Zoll 3 Linien im DurchmeBser weit, der 



dritte nur noch in einem BrnchBtücke vorhanden war, so wie ein 
Stück Silberdrahf, anscbeinend Fragment eines Schmnckea oder 
eines GerSthes, gefundeo. Sie gelangten gleichfalls in den Be- 
sitz Dslbergs und sind auaftihrlich besprochen in einer Abhand- 
lung Hereis: üeber einige in der Gegend ron Erfurt gefundene 
Alterthümer mit historischen und kritischen Erläuterungen. Mit 
einer Kupfertafel, Erfurt 1787, 4" (auch abgedruckt in den Act. 
Academ. Erfurt, ad ann. 1786 et 1787). — Die VeranUssasg za 
dieser Abhandlung gab eigentlich ein ähnlicher 4 Zoll 3 Linien 
weiter Armring, der aus den Händen des Finders gerottet wurde, 
i^B er eben zu einem Pfeifenkopfbeschlage verarbeitet werden 
sollte und von dem sich nur feststellen Hess, dass er etwa 3 
Stunden von Erfurt gefunden sei. Aus der völligen Ueberein- 
Stimmung, welche alle diese Armringe, so wie einer, welober im 
Steiger gefunden war, in der Arbeit zeigten, echliesst Herol, 
dass aie s&mmtlicfa aus einer und derselben Werkstätte hervor- 
gegangen sein mässten. Ob solche eine römische oder eine ger- 
manische gewesen sei, w^t er nicht mit völliger Zuversicht zu 
entscheiden, doch neigt er sich der Ansicht zu: dass wir es 
hier mit des s. g. Blutringen der Kelten za thun hätten. 

Der Rotheberg ist eine so reiche Fundstätte vorgeschicht* 
lieber Gegenstände gewesen, dass solche mit dem AnfgefOhrten 
noch nicht erschöpft gewesen ist, vielmehr sind auf dem dort 
belegenen Gmudstflcke des Sanitätsraths Dr. Axmann beim 
Lehmgraben für die Ziegelbrennerei in einer Tiefe von mehreren 
Füssen unter der Bodenoberfiäche noch mehrfach Steinbeile ge- 
funden worden, so 1876 eins von Nephrit, das sich in nnserer Samm- 
lung bofindet. Drei Streitbämmer und vier Engeln, auf welche 
man 1880 stiess, sind in unserer Versammlung vom 21. April v. J. 
näher besprochen. Ausserdem ist eine nicht unbedeutende An- 
zahl von Alterthilmern , namentlich einige sehr schöne polirto 
Steinbeile, Steinhämmer, Urnen, Schleuder- nnd Schleifsteine, 
Feaersteingeräth , Bohrzapfen von Steinbämmem, Knochenwerk- 
zeuge, Webegewichte, Spinnwirtel, eine Lanzenspitze nnd ein 
Armring von Bronze, der Bsckenzahn eines grösseren, wenig- 
stens jetzt in der hiesigen Gegend nicht mehr vorkommenden 
Thiers, wohl eines Urs, n. dergl. m. gefanden, die sieb in den 
Sammlungen des Sanitätsraths Dr. Azmann and dea Dr. Zscbiesche 
befinden. Es hat den Anschein, dass dort einst eine Wen^statt 



..C.oo^Ic 



— 204 — 

existirt habe, in welcher Steinwerkseoge angefertigt wordeo. 
De&D unter den Oegenständen, anf die man dort geetosaen, sind 
auch, wie bereits bemerkt, einige Steinhämmer, welche noch dio 
Zapfen zeigen, die die Stelle der Löcher einnehmen, wie lolche 
aar Aufnahme eines Stiels in den Stein eingebohrt worden. 

Wie es soLeint, Ist der Schatz an Alterthümern, welchen der 
Retheberg in seinem Schosse bii^t, noch immer nicht gans 
vollstündig gehoben. Im Jahre 1881 fand man dort einen 
jedenfalls der Steinzeit angehfirenden mesokephalen Sch&del und 
eine Urne, so wie eine Münze von Kaiser Augustas, welche in 
die Sammlang des Dr. Zschiesche gelangten, and 1S83 in den 
tieferen Schichten des Hergels den Stosszahn eines Mammuths 
(Elephas primigentus), welcher sich in den Händen des Ziegelei- 
besitzers Sahlender befindet 

Da das Dorf Ilversgehofen in der Nühe des Rothen- 
b«rg«B liegt und seine Feldmark von der städtischen um* 
schlössen ist, so mag ein dort aufgedecktes Leichenfetd gleich 
hier seine Erwäbnnng finden. An dem nördlichen Ausgange des 
genannten Dorfes, rechts von dem am Fasse des Rothenberges 
vorbei nach Hittelhaasen führenden Wege, auf dem früher Hecken- 
nttUersoben Grundstücke, worden im Berbste 1871 bei Ero&ung 
einer Sandgrube 6 bis 7 Leichenstätten blosgelegt. Dieselben 
bestanden in etwa 3 Fass breiten', 6 Fuss langen and 4 Fuss 
hohen Tiereckigen Gruben, welche oben mit einer dünnen locke- 
ren Bodenschicht bedeckt, auf den drei anderen Seiten aber von 
dem natürlichen, aus einem Gemenge von Kies und kleinen 
Kieselstüoken , die fest verbunden sind, bestehenden Erdreich 
eingeschlossen waren, abo, abgesehen davon , dass sie der Ober- 
fläche viel näher lagen, etwa die Form der heute üblichen Gräber 
hatten. Ausgefüllt waren sie mit einer mürben, schwarzen 
Hamaserde, welche sehr scharf gegen den sie umgebenden Boden 
absticht und als oharakterietisohes Merkmal der Grabstätte dient 
In jedem dieser Löcher fanden sich Menschenknochen und Thon- 
geÄtsse, die aber beim Herausnehmen in Scherben aerfielen. 
Nur eine kleine Urne, etwa von der Grösse eines Tintenfasses; 
versiert mit vertieften Funkten in regelmässigen Kreisen, ist 
onversehrt geblieben. Sie befindet sich in meinem Besitze. Ein 
Schädel ist, so weit sich hat ermitteln lassen, nur in einer jener 
Qrubwi Torgefanden, and auch dieser hat nicht erlangt werden 

..-..Google 



— 206 — 

kennen, da er von den Arbeitern als Trertfaloa weggeworfen and 
wieder mit Steinen bedeckt war. QerSthe von Hetall, Stein 
oder Knochen sind nicht gefunden. Die Tbonge&aBe aoUen in 
ihrem Innern nichts als Erde entbalten haben. Sie waren ans 
einer grobkörnigen Masse gefertigt und nur an der Lnft ge- 
trocknet. Es befand sich darunter ein flaches, tallerartiges 
Stück, yielleioht die Bodenäfiche einer Urne ; die fibrigen Scher- 
ben xeigtenjBämmtlich bald eine stirkere, bald eine scbwfichere 
Wölbung. Die Steine, welche das die Gruben nmacfalieBsende 
Erdreich bildeten, bestehen meistens in vom Tfatiringer Walde 
herrührenden Qeschieben, doch befinden sich auch einzelne da- 
runter, die, gleich den erratischen Blöcken, auf ekandinaTischon 
Ursprung deuten. Dia Knochen waren, wie sich aus dem An- 
gefahrten ergiebt, ohne mrklicbe Steinkammem , so wie ohne 
steinerne oder hölzern« SXrge unmittelbar in die Erde und zwar 
mit den Häuptern nach Norden und den FUssen nach Sflden 
auf dem Rücken liegend, eingebettet gewesen. Ausführlich be- 
sprochen ist der Fond in unserer Versammlung vom 26. Decbr. 
1871. Eine Partie der Eäiocben und Urnenscherben ist ia unser 
Musenin aufgenommen. 

Ein fthnlichea Leichenfeld aus Torchriatlicher Zeit wie das 
•beo beachriebene nnd das am Rothenberge ist auch vor dem 
Andreaathore aufgedeckt worden. In der daaelbat, unfern 
der Stelle, wo sich früher der Weg nach Marbacb von der nach 
Qiapersleben Kiliani führenden Kunststrasse abzweigte, auf dem 
OrundstÜcke des Oekonomen Siering liegenden Lehmgrube stiess 
man in den Jahren 1873 und 1874 mehrere Fuaa onter der 
OberflScfae in dem fast steinharten und strengen dankelgelben 
Lehm auf Nester von schwarzer humaareicher Erde, in welchen 
sich Knochen und Urnenscherben fanden. Diese Nester bilde- 
ten in ihrem Profile ein flaches Kreisaegmeot, in welchem über 
einem horizontalen Boden sich ein Bogen befindet, so dass beide 
zusammen eine nischonartige Höhlung bilden. Die Länge der 
Qrnndfläche beträgt 6 Fuas, stimmt also mit der QrSsae eines 
erwachsenen Menschen, die Höhe des Segments 2*/, Fnss. Die 
Breite der Höhlangen war Tom gegen 5 Fuas, verkürzte sich 
aber weiter nach hinten bis auf etwa 2 Fnas. In einer derselben 
fand aich ein noch Tollkommen erhaltener Menaohenscbftdel vor, 
bei dem sogar thoilweise noch die Zähne vorhanden mrai. Er 



— 206 — 

war TOQ den Arbeitern als werthloB fortgeworfeo und bereif« 
wieder mit Erde bedeckt, wurde aber auf meiae Veranlassung 
wieder aasgagraben und befindet sich gegeDWärüg« ebenso wie 
zwei andere daselbst gefundene Schädel, in unserer Sammlung. 
Er bat anscheinend einer JliDßereQ Person woiblichen Qescblech- 
tes angebfirt. Seine Form ist in faobem Grada cbarakteristiscb, 
indem die Stirn angemein niedrig, der Gehirnkasten aber schmal 
nad langgestreckt ist. Auch er scheint daher einem Individaum 
des Volksstammes angehört zu haben, welcher nach der ge- 
wöbnlicbon Annahme vor der Einwanderung der Indogennanen 
die hiesige Gegend bewohnt hat and dessen Ueberbleibsel sich 
jetzt in Europa in dem höehsten Norden, in den Lappländern^ 
findet — In den übrigen Nischen haben sich nur theiü mensch- 
liche, theils thieriache Knochen, ein Thongcfäss in Form einer 
Patene, ein kleineres Tbongef^ss, ein Schabmesser von Feuer- 
stein, viele BrncbstOcke von Gewissen, die aus einer grobkörnigen 
Masse angefertigt und anscheinend nur an der Luft getrocknet 
waren, sowie Holzkohlen gefanden. Da die Knochen keine Brand- 
Bpuren zeigten, so hat der Volksstamm, welcher einst seine 
Todten hier niederlegte, nicht zu denen gehört, bei denen dio 
LeiohenverbrenuoQg tlblich war. Er hat sieb aber auch eben 
so Wenig der Steinkammem oder Holzkisten bedient, vielmehr 
seine Abgeschiedenen unmittelbar in die Grube gelegt, auch 
ohne die Stelle durch einen darttber aufgeworfenen Hügel zu be- 
zeichnen. — Bei einer später aufgedeckten ähnlichen Nische 
fand sich, wie als Zugang bu derselben, ein gleichfalls von 
schwarzer Erde ausgefüllter unterirdischer Gang, der geeignet 
scheint, es erklärlich zu machen, wie es möglich gewesen ist, 
in dem gewachsenen Lehm die Qrabkammern anzulegen. 

Wie Ihnen bekannt ist, sind ins besondere auf Anregung 
das Dr. Zscbiesche, der auch seinerseits 1879 and 1383 dort 
Thierknochen , Thonecberbon und zum Schaben oder Schneiden 
geschärfte Knocbenwerkzeuge, Spinnwirtel aus Thon, Schleif- 
steine, KornquetBchen , sowie Hache Lehmstilcke, welche reihen- 
weise gleichmässige Vertiefungen zeigten, gefunden hat, am 25. 
November 1881 Seitens unseres Vereins Nachgrabungen an der 
fraglichen Stelle veranstaltet worden. Hierbei fand sich, dasa 
der Bodon der nischonartigen Höhlungen theilweiss mit Feld- 
steinen aasgelegt war, welche meistens deutliche Sparen einer 



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— 207 — 

EiDwirkaDg doa Feners an sich trugen; der Übrige RitniQ w«r 
ausgefällt theils mit erdiger, theils mit reiner ÄBche, io welcher 
sich noch Stückchen verkohlten EoUea erkennen liessen. Ein- 
gebettet in diese Asche lag eine grosse Menge von Topfscher- 
ben, sowie Tbierknochen mannigfacher Art, von denen einige 
die Sporen von Brand an sich tragen, andere, wohl Eum Zwecke 
der Markgewinnnng, zerschlagen waren. Ausser. den Topfscher- 
ben worden an Kunetprodukten noch verachiedene pfriemen- 
artige Werkzeoge von Knochen und ein Spinnwirtel aas Theo, 
dagegen kein Gegenstand aus Metall gefunden. Alles dies deu- 
tet dahin, daes wir es hier mit einer Wohnstätte der Urbewobnar 
der lüeeigen Gegend, die einer Zeit angehörten, wo die Be- 
nutzong der Metalle zar Anfertigung von Werkzeugen und Waf- 
fen, sowie die Herstellung der ThongefUsse vermitteUt des 
Brennens noch unbekannt waren, zu thun haben. Kur zun 
Tiieil werden die Löcher aar Bestattung der Leichen, vorauga- 
weiae werden sie zur Bereitung der Speisen, als Küchenherde, 
gedient haben; hierauf weisen besonders die zahlreichen Scher- 
ben, die angebrannten und die gespaltenen Thierknochen. So 
erinnert das Ganze lebhaft an die s. g. Kjökken - mödding 
(KQchenabiUUe), die sich nicht nur in Dänemark, sondern auch 
im nördlichen DeutschUnd, in der Nähe des Ostseesb'andeB , so 
namentlich in der Nähe von Tolkemit in Westpreussen und in 
den Dünen der kurischen Nehrung gefunden haben and als 
Wohnplätze ans der Steinzeit angesehen werden. Aach sie 
bestehen ans vom Sande bedeckten Nestern ans schwarzer hn* 
moser £rde and enthalten Scherben von onzähligen zerbrocb»- 
nen Gefiusen, Knochenbrnchstöcke , sowie Trümmer von Stein- 
instramenten und Knochengeräthen. 

Andererseits ist die Vermathang ausgesprochen, dass wir 
es bei den vor dem Andreasthore gemachten Entdeckungen mit 
Vorrathskammern za than haben, welche von den Urbewohnem 
za der Zeit angelegt sind, als das ganze Thal der Gera noch 
von den Flathen bedeckt war und sich hier die Cbenze dea 
trockenen Landes befand, eine Vermuthung, die aber doroh die 
vorgefundenen Spuren von Feuer wenig onterstütat wird. 

Vollständig ausgebeutet ist übrigens auch dieser Fundort 
auf keinen Fall. Noch im April 1883 wurde wieder eine Grab- 
stätte der obenbeschriebenen Art au^edeckt, in welcher sich 



. Cooj^lc 



unter andern der obere, etwa einen Fubb im DarchmeBser hal- 
tende Rand einer Urne von Tbon vorfiind, der leider, als die 
Bache an meiner Keantniss gelangte, von einem Unbefugten 
sertrttmmert war, BodaBS ich nur noch Fragmente, sowie einige 
Stücke von aas einer stark mit Stroh gemengten und daher 
auBBerordentlich leichten Lehrnmasee, die wohl urBprQngliofa zur 
Bedachung einer H&tte gedient hatte, habe retten können. 

Bei dem Ansheben der Erde behnfs Legung dcB Funda- 
mentes EU dar WaBaeratation des Bahnhofs der Nordhaa- 
aen-Erfnrter Eisenbahn Btiessen am 25. März 1869 die 
Arbeiter auf ein menschlichaB Gerippe, deBsen Schädel jedoch 
so morsoh war, dass er beim HerauBnehmen in kleine Stilieke 
aerbrach; fester waren die Knochen, obwohl so zart, dass sie 
anscheinend einem weiblichen Kfirper angehört haben müssen. 
Der Kopf lag in der Richtung nach Sonnenantergang. Auf der 
Bmat stand eine tiefe, mit vier Fassen versehene ThoDsehale. 
Sie wid* sehr sanher gearbeitet, fast vrie nen und an der Ausboo- 
aeite mit Verzierangen versehen, welche drei Reihen bildeten. 
Die oberste bestandr aus zwei '/g Zoll von einander abstehenden 
FaralleUinien , deren Zwiachenraam mit vertieften Funkten ans- 
geßmt war; die mittler« Reihe zeigte gleichfalls zwei Linien, 
die "/is ^<^'' ^'"^ einander entfernt hinliefen, nnd in deren in- 
nerem Raome Iftnglicbe \^recke mit glatter Fläche nnd Felder 
mit verüoften Punkten wechselten. Die nnterste Reihe war der 
oberBten vülUg gleich. Ans der RegelmäBBigkeit der Ventie- 
mngen Hess sich schliessen, dass die Schale nicht ans freier 
Hand, sondern unter Anwendung einer Form angefertigt sei. 
Das dazu benntzte Material bestand in einem mit feinen Sand- 
körnern gemischten Thon. Das Gefitss hatte einen fadrhigen, 
sehr fernen Ueberzng, der aber durah Einwirkung der Zeit - 
einen sobw&rzlit^en Ton angenommen hatte. 

. £iB grösseres Ejoicfaenfeld ist bei dem Bau der Thüringer 
CiMobahn etwas diesseits des OaBthanses zur goldenen Henne 
(Neusobinidetedt) swiflchen den Nammersteinen 183 mid 185, 
nngefiihr in der Q-egend, wo einst das Dorf Schmidstedt gestan- 
den, au%edeckt worden. 

Als im Jahre 1844 mit dem Aussohachten des dortigen 
grossen Üänsohoitts begonnen Würde, Btiess man nicht nor auf 
wae gross« Zaid Ton menschlichen Gerippen, sondern auch auf 



.Cooj^lc 



KiiiiBtgog«UBtäDde, wie Tbonperlen, silberne Ringe n. s. w. Es 
wurden hierauf sorgfältige Äufgrabaagen unter der Leitung des 
£iseababndirektora Hemnann voi^enommen. Zu diesem Behafe 
wurde auf einer Fläche von einigen Qnadratruthen die oberite 
Bodenschicht abgehoben. Hierbei fand sich etwa sechs- Fubb 
unter der Oberfläche eine Reihe von Gerippen, deren jedes etwa 
zwei FuBS von dem nächsten lag, in der Bichtaog von Morgen 
nach Abend, die Kopfe nach Osten, Männer-, Weiber- und 
Kindergerippe unter einander. Sie tagen auf dem RUcken in 
einer Schicht von blauen Letten. Zwischen ihnen fanden sich 
eiserne, messerartige Oeräthe, die aber so von Rost zerfreaaen 
waren, dass sie beim Herausnehmen zerbröckelten, nebm den 
Köpfen Ringe aas dünnem Silberdrabt, die jedenfalls als Ohr- 
ringe gedient, und in der Halsgegend mit farbigen Streifen ver- 
sehene Thonperlen, sowie Stückchen Bernstein und Perlmutter. 
Besonderes Interesse bot ein Schmuck , der sieb an einem Ge- 
rippe fand, dessen feine Knochen darauf hindeuteten, dasa es 
einem jungen Mädchen angehört habe. An beiden Seiten des 
Schädels, in der Gegend der Ohren, lagen zwei silberne, mit 
Glöckcben oder Berlocken aus Silberblech versehene Ringe. 
Die Berlocken bestanden aus zwei halben, vierseitigen Pyra- 
miden, die in der Mitte aneinander atiessen, an der Spitze ein 
Oehr hatten, in denen kleine Glasperlen eingelöthet and deren 
Mittelfl&chen mit filigranartig gewundenem SUberdrahte verziert 
waren. Mitten auf der Brust lag eine Schnur Thonperlen, in 
deren Mitte sich ein ähnliches Berlook fand. 

An den Kopfenden einiger Gerippe waren runde, hölseme, 
mit einem eiaemen Bügel and zwei eisernen Reifen versehene 
Eimer eingegraben, deren Inneres aber nichts anderea als blauen 
Letten enthielt Bei einem der Gerippe wurde ein kleiner 
Schleifstein aus feinem Sandstein, sowie eine Pfeilspitze, bei 
einem anderen eine Messingplatte nebet einem gröaaeren und 
einem kleineren bronzenen Blatrioge, bei einzelnen Gerippen 
aach eiaeme Sporen, im Ganzen neun Stück, vorgefunden. 

Alle dieae Gegenstände wurden zunächst an das hiesige 
Gymnasiam zarAufbewabrung unter Vorbehalt des Eigenthums- 
rechts der Thüringischen Eisenbahn -Gesellschaft, abgegeben, 
gingen aber später (1865) ebenao wie eine gleichCaUs dort go- 
fuadene Hirnaohale, diese als ein Geschenk dea Herrn Apell, 



.Dgic 



— 210 — 

in aneera SammluDg über. DieBelbfls bestehsn gflge&wSxtig in 
2t) eilberoeii Ohrringea, 3 silbenieii Berlocken, 5 Sohnfiren Per- 
len von ebensoviel Qerippcn, einer Partie einzelner Perien 
einem grosseren und einem kleineren bromieae» Ringe, einer 
kleinen Hessingplatte mit einer aae verscblangcnen Linien be- 
stellenden Zoichnung, drei Schleifsteinen, einer lYeilepitze, zwei 
Messern and 9 Sporen von Eisen, 9 StUck eisernen Reifen, end- 
lich einer Partie vermoderter hölzerner Gof^sse. 

Was diese letzteren betrifft, bo findet sich ein Analogen 
dazu in angeleüchsischen Gräbern. Tbomas Wright bemerkt in 
seinem Werke Über die Eircbböfe der Angelsachsen : „Es ist 
eine andere Hausgerttthscbaft vorhanden, die besondere Beach- 
tung verdient und sich in den kentischen SachsengrSbem nicht 
selten vorfindet. Ich meine einen Eimer, von welchem, da er 
meistens aus Holz gemacht war, selten etwas anderes fibrig tet, 
als die Reifen and andere eherne oder eiserne Zagaben. — Der 
Oebraach dieser Eimer ist Gegenstand vielfacher Conjcctaren 
nnd sehr widersprechender Meinungen gewesen; aber ich neige 
mich zu dem Glauben, dasa er dasjenige Geftss war, welches 
die Angelsachsen Faet oder Fess nannten und dass er die Be- 
stimmung hatte, den Meth, das Bier oder den Wein, welchen 
die Zecher gemessen wollten, in ihre Trinkschalen zu ftthren." 
Es mag dabin gestellt bleiben, ob diese Ansiebt richtig oder ob 
nicht vielmehr, als man den Todten bei der Beerdigung den 
Eimer znr Seite stellte, der Gedanke leitend gewesen sei, den- 
selben^ ebenso wto anderweit Ross, Waffen and Sklaven, dio 
Trinkgescbirre mitzugeben, um sieb ihrer im jenseitigen Leben 
bedienen za können. 

Die an und neben menschlichen Gebeinen befindlich gewe- 
senen Gegenstände machen es, trotz der Abwesenheit von Ur- 
nen, selbst aller Fragmente von Thongeßlssen , wohl answeifet- 
baft, dass mau es mit einem prttbistorischen Funde za thnn 
habe, wenn auch aus einer späteren Zeit, etwa dem 6. oder 7. 
Jahrhundert n. Chr., da nach der Erklärung des Prof. Fraas die 
Schmucksachen auf die Uerowingische Zeit weisen, viele Fand- 
stilcke, so namentlich die Perlen, viel Aefanlichkeit mtt den 
weiter unten za erwähnenden aus Bischleben darbieten and 
offenbar diesen gleichzeitig sind , mitliin in die Zeit des Küscr 
Justinian fallen. Doch will ich auch nicht verschweigen, dass 



— 211 — 

die Aiuicht aasgeeprocheti wordao ist, dass wir hier den Kirch- 
hof des im dreiasigjäbrigen Kriege wtist gewordenen Dorfea 
Schmidfitedt Tor ans haben and die Bestattung in der blossen 
Erde einer FoBtefudemie suztischreihen sei, es namentlich die 
Leichen von Juden wären, denen man den Schmuck und die 
Übrigen Dinge mit ins Grab gegeben. 

Bei den Ansschachtangs ■- Arbeiten aaf dem Salzberg- 
werke BÜesa man in ziemlicher Tiefe auf einen Gegenstand, 
der angenfloheinlich einer Periode augehört, die der letzten Oe- 
staltODg der Erdoberfläche TOransgegangen ist. Er war stein- 
hart, rund and länglich, ähnlich einer Deichselstange und hatte 
ans Länge von zwei bis drei Fnss. Der Obersteiger Wolter, 
der dessen Vorzeigung im Alterthomsverein veranlasste, hielt 
ihn ftir eine versteinerte Schlange, nach dem Gutachten des 
Sanitätsratha Dr. Asmann gehört er jedoch dem Pflanzenreiche 
an. Er ist später an die Ober- Bergbehörde abgeliefert und so 
ia eine aoswärHge Sammlung gekommen. 

Im Johanaisfelde sind 1879 einige der Steinzeit ange- 
börige GegonataDde, namentlich Topfscherben und Knochen ge- 
fonden, die in den Besitz des Dr. Zschiesche gelangten. 

SSne 1882 im Krämpferfelde gefundene Urne von un- 
gebranntem Thone, etwa '/a Fobs hoch, vortrefflich erhalten, 
die unter der Bedeckung mit einem starken Steine gelegen 
hatte, ist von dem Finder, dem Oekonomen Rothe, unserem 
Vereine geschenkt. 

Bei den Planirnngsarbeiten auf der Anenschanze 1879 
worden in der Höhenlage dea gegenwärtigen Niveaus drei von 
4 Centimeter dicken Gipsstiicken hergestellte BinfaBsungen von 
1,50 Meter Länge, 0,80 Meter Breite und 0,40 Meter Höhe vor- 
gefunden, in denen menschliche Gebeine li^en. Die letzteren 
worden ebenso wie die Gipssteine wieder verscharrt, da die 
Arbeiter sie fUr werthlos hielten, auch wurde die ganze Arbeit 
bald wieder eingestellt, weil die damit Beauftragten sie in der 
lässigsten Weise betrieben. In einem in der Neuen Erfurter 
Zeitung Kr. 85 und 86 erschienenen Aufsätze wurde die Ange- 
gelegenheit zur öffentlichen Konntniss gebracht und von deren 
Bedaction der Magistrat aufgefordert, weitere Nachgrabungen 
Tornehmen sn lassen. Der letztere ist jedoch dieser Auffor- 
derung nicht nachgekommen, indem er der Aosicht war, daas 



— 212 — 

der Erfolg zu anaicher sei, tiU dua ea lohne, Kosten sn Tar- 
wenden. 

Als im Jahre 1878 mit den Flanirangsarbeitan behob Her- 
stellung de B Platzes, anf welchem das neue städtiBohe Kran- 
kenhans erbaut werden sollte, begonnen ward, stiess man 
westlich von der Stelle, wo nachher das Kesselbaus errichtet 
ist, auf sieben neben einander liegende Grfiber, darunter drei, 
die eine Länge von 1,66 Meter hatten, in denen die Gerippe 
von Erwachsenen lagen, und vier welche Eindergerippe ent> 
hielten. Sie hatten eine grosse Steinplatte als Unterlage, eine 
eben solche als Deckstcin, w&brond sich «wischen beiden eine 
Einfassung von kleineren Steinen befand. Die Skelette l^^n 
mit den Köpfen naoh Mittag, mit den Füssen nach Hittemaobt. 
Oeräthe oder Schmucksachen sind nicht dabei gefanden. Dia 
Gebeine sind nicht aufbewahrt. 

Aach im Sommer und Herbste 1881 sind aaf dem Platae 
des neuen Krankenhauses Gräber aufgedeckt, das eine bei Zie- 
hung eines Grabens behafs Anlage der Wasserleitung südlich 
von dem Hauptgebäude, das andere bei Flaniraug der Strasse 
dicht vor dem Kesselhauae, etwa l'/a Meter unter der Boden- 
oher6&cbe. In beiden Fällen lagen die Gerippe unmittelbar in 
der £>de, ohne daas sich Holzasche oder eine aonstige Spur 
von Feuer zeigte. Im ersteren Falle hatte jenes keine gerade 
Richtung, vielmehr waren namentlich die Beine eingesogen. Die 
RicbtuEg des Kopfes war gegen Abend. Der Schidel ist in 
unsere Sammlung gelangt Er gehurt den Oolichokepbalen an. 
Es sollen dabei Urnenacherben gefunden sein, doch sind solche 
nicht aufbewahrt ; nur ein Stück wurde noch von mir angetroffen 
und za unserem Museum abgeliefert. Das Skelett Hess erken- 
nen, dass der, dem es angehört, ein Mann von wenigstena jetst 
nicht mehr gewöhnlicher Grösse gewesen sein müsse, denn die 
Dimensionen der noch vorhandenen Knochen wiesen auf eise 
Gesammtlünge von mehr als sechs Fusa. Jn dem anderen Falle 
war der Schädel durch einen Spatenstich lertrümmert und es 
wurde nur noch ein grösseres Stück, die Unterkinnlade, gefun- 
den, bei welcher die Kleinheit der Zihne am so auffallender 
war, als die Länge der Arm- and Beinknooben auf einen Er- 
wachsenen deutete. Ein bereits früher daselbst ausgegrabenes 
Skalott von bedenteoden Dimensionen ist von dem Bagiernngs- 



— 213 — 

Medicioalrath Dr. Bichter in seinen noch erhaltenen Theileti zu- 
sunmengesetzt. Die Maese der einzelnen Knocden, so weit sie 
noch bestimmt werden konnten, waren folgende: Länge des 
wagerechten Theils des Sch&dels von der Stirn nach dem Hinter- 
hsnpt 0,18 m, kleiner Qaerdarchmesser 0^15 m, grosser 0,15; 
senkrechter Durchmesser von der Mitte des OebSt^angeB (die 
Unterkinnlade fehlt) 0,10 m. Von dem rechten Schulterblatte 
war nur ein Bmchstfick mit Oelenkfläche und Rabenfortsctzung 
orfaalten, auseerdem das Schlüsselbein und nur wenige Rippen. 
LBnge des rechten Oberarms 0,31 m, der Speiche (ulna) 0,29, 
des Radins 0,355 ; vom linken Oberarme sind die unteren Theile, 
die Speiche und der Radius, ebenfalls erhalten. Der rechte 
(wabracheinlich weibliche) Backenknochen mit flacher Schaufel 
ist 0,22 m laug; TOm heiligen Beine sind nur 0,09 erhalten, der 
Uotertheil zerstSrt; der rechte Oberschenkel ist 0,46 m lang 
ond misst von der Höhe des Ctelenkkopfes bis zum Trochanter 
major 0,086; am rechten Schienbein fehlt die untere Qelenk- 
flSche; das Vorderbein ist in zwei Stücke zerbrochen, die obere 
Oelenkfläche fehlt; der linke Oberscheukel ist 0,46 m lang, das 
linke Schienbein 0,383. Ausserdem war nur die Hacke (cal- 
csnens) mit verhärteten Rudimenten der ÄchilleaBehne erhalten. 

Aach sonst noch ist man bei Ausgrabung der Fundamente 
SU der gedachten Anstalt noch im letztverflossenen Herbste 
mehrfach auf menschliche Gebeine, Bruchstücke von Thonge- 
Gissen nnd Thierknochen gestossen. Die Orabstellen bestanden^ 
ahnlich wie die vor dem Andreasthore und bei Ilversgehofen, 
ans mit schwarzer Dammerde gefüllten horizontalen Löchern 
innerhalb des Lehmbodens. Die meisten gefundenen Gegen- 
stände sind als worthlos weggeworfen, doch sind durch Ver- 
mittelang des Magistrats zwei Schädel, eine kleine Urne von 
nur an der Luft getrocknetem Thone, zwei Hirschgeweibe, das 
eine von mehr als gewöhnlicher Grcisse, vielleicht einem Riesen- 
birscbe angehörig gewesen, das andere etwas kleiner von einem 
Edelhirsche, in dem sich ein längliches viereckiges Loch befin- 
det, dessen Zweck jedenfalls die Einfügung eines Stiels gewesen, 
so dass wir es hier offenbar mit einem Werkzeuge zu thun 
haben, in unsere Sammlung, einige andere dort gefundene Ge- 
genstände in die des Dr. Zachiesche gelangt, nach dessen Gnt- 
aohteo die gefundenen Schädel zu den Dolicbokephalen gehören. 



vtoj^lc 



— 214 — 

In dem Theite der Erforter Flur, der frOher die Feldnuurk 
deB I>orfeB Daberstedt bildete, ist eioe kleine Urne gefunden, 
die als ein Qescltenk des Kaufmanns Bellennaitn in unsere 
Sunmlung gelangt ist Letzteres ist anob in Betreff eines, aller- 
dings bereits so ziemliob in einzelne LameUen, die Fiscbschuppen 
ähnlicb sehen, zerfallenen Sto&szahns eines Ifammaths, welcher 
auf dem Grundstücke des Fabrikanten Hennigs, Schmidtstedter 
Flur 2a, unmittelbar vor dem Schmidtstedter Xfaore ge- 
funden wurde, der Fall gewesen. In unserer Sammlung befindet 
sich auch ein kleiner vor der Villa gefundener, anscheinend 
einem verweltlichen Thiere angehörig gewesener Zahn. 

Fines in der Kachbarschaft des Stelgerwaldes gefun- 
denen bronzenen Armringes von 5 Zoll im Durchmesser nod 
3'/) Linien Dicke, übrigens den am fiothenbcrge entdeckten 
vollkommen ähnlicb, so dass er anscheinend aus derselben Werk- 
statt hervorgegangen wie diese, gedenkt, wie bereits erwähnt, 
Eerol in seiner oben ausgeführten Abhandlung Seite 6. 

Nachdem bereits früher von dem Dr. Zsohiesche in dem 
Hohlwege vor dem Augustaparke einzeln einige alterthüm- 
liche Gcgenst&nde, namentlich eigenthümlicb behauene Steine 
sowie zum Schaben und Schneiden geschärfte Knochen aufge- 
funden waren, wurde im Sommer 1882 in dem dem gedachten 
Parke gegenüber liegenden Grundstücke der varwittweten Eaof- 
mann Faoline Bauer beim Ausschachten der Erde behufs Lesung 
der Fundamente zu einem zu erbauenden Wohnbause eine toU- 
ständige ehemalige Wohn- und Begräbnissatätte au^edeckt. 
Es fanden sich nämlich etwa 2 bis 3 Fuss unter der Boden- 
oberfläche eine sehr grosse Menge von Menseben • und Thier- 
knochen, Gerätben von Knochen und Stein, Steinwaffen, da- 
runter mehrere Beile, deren eines eine runde Vertiefung be- 
hufs Befestigung eines Stieles zeigte, eine sehr zierliche Pfeil- 
spitze von Feuerstein, Steinmeisel, Wetz- und Reibestcine, von 
welchem letzteren zwei besonders dadurch das Interesse er- 
weckten, dass sich darauf und zwar sowohl auf dem zum Keiben 
benutzten rundlichen Steine, wie auf dem flachen länglichen, 
welcher die Widerlage gebildet hat, Spuren der darauf ser- 
riebenen rothgelben Farbe finden, endlich eine grosse Menge 
von allerdings meistens zerbrochenen Urnen j von den letzteren 
haben jedoch zwei ans den Scherben beinahe voUstaadig wieder 



.C".oo«^[c 



^ 215 — 

SDMinmengei^ werden köaneo, deren eine ringsum von eioetn 
durch eine vielfach verscbluDgeno Spirallinie gebildeten Orna- 
mente eingeüust ist. An ob mebrere einzelne Umcnecherben 
tragen Sptiren von duicb Eindrücke bergeBtellten Verzierungen 
der mannigfiwbeten Art. Das BmchstUck einer ziemlicb flachen 
Schale «oigt dergleichen sogar BOwohl auf seiner inneren wie 
auf seiner ÄaBHenseite. 

Die Hasse der Knochen ist ein« so bedeutende gewesen, 
dasB die Arbeiter grosse damit angefüllte 3äcke in die Enochen- 
mfiblen gebracht haben. Die an dieser SteUe bestatteten 
Uenschen mttsaen von erhebUcber Grösse gewesen sein, da e. B. 
die Scfaenkelknoohen die Dicke eines starken MannesarmoB ge* 
habt haben. Sparen von Särgen oder Steinkanimem haben sich 
nicht gezeigt, so dass mithin die Todten, wie dies auch bei 
den Qbrigen alten Begräbnissstfitten in der hiesigen Qegend 
meistena der Fall gewesen, unmittelbar and unverbrannt in den 
Erdboden gelegt sind. Doch haben sich neben jedem Skelette 
Urnen, ergeblich Scherben von solchen, gefunden. 

Eine Partie Umensoherben, von denen zwei mit Oesen ver- 
sehen sind, ist von mir in unsere Sammlang abgeliefert worden, 
eine noch vollstSndig erhaltene grSsssre Urne hat der Arbeits- 
mann Strecker an sich genommen. Das Material der Urnen 
bildet ein ziem^ch feinkörniger Thon, der offenbar weder in 
einem Brennofen noch an einem offenen Feuer gebrannt, son- 
dern nur an der Luft getrocknet ist, aber dessen ungeachtet 
grosse Härte beBitzt. 

Bei weitem der wichtigste und grSsste Theil der auf dem 
Bau ersehen Grundstücke gefundenen Alterthümor ist in die 
Sammlang des Dr. Zschiesche gelangt Es sind dies nachstehende : 

1) Etwa 20 grössere oder kleinere, in der Mitte concav 
sasgehöUte, theilweise abgebrocheBc dünne Steinplatten (Porphyr, 
Sandstein und Conglomerat) , die wohl meistenB zum Zerquot- 
Bchen der Getreidekömer, einer, wie bereits erwähnt, znm Zer- 
reiben einer Farbe, wie die noch daran haftenden Spuren von 
Ocker darthun, gedient haben. 

2) An Steinwerkzeugen einige Meisel und das Stück eines 
Hammers von Serpentin- oder von Probieratein, endlich ein stein- 
artigos Stück Ockererde, das offenbar zur Bemalung gedient 



,iz.dby Google 



— 216 — 

hat, da Beine Farbe geoaa mit dep Sparen auf der erwähnten 
Steinplatte fibereinsdnimt. 

3) An Knoch enger fithen ein ktlnBtlich zagespitetes Ende 
eines Birscbgeweilies nnd der Kern dos Homes eines Kindes, 
der Grösse nach zu urtheilen, eines Aneroclisen oder Wisents. 

4) Eine sehr grosse Anzahl von irdenen Ocräthen, meistena 
allerdings in Scherben, von denen sich jedoch einige, wie be- 
reits erwähnt, haben zuBBmmenfQgen lassen, so dass sich die 
oreprüngliche Form der Urnen, denen sie angehört haben, er- 
kennen läsat. Auch der an ihnen befindlichen VerzieruDgen, so 
wie dauB sich keine Spar dea Brennens an ihnen zeigt, ist schon 
gedacht. Ein Henkel iat offenbar Nachbildung eines GeBiehtes 
mit zwei Hörnern auf der Stirn, von denen das eine abgebrochen 
ist. Die Augenhöhlen, die Nase und der Mund sind durch Ein- 
drficken mit den Fingern gebildet 

5) Zwei Thonkegel, welche in der oberen Hälfte dorchbobrt 
sind, die nach der Annahme einiger Forscher zum Beschweren 
der Netze beim Fischfang, nacb der anderer, der Garne b«m 
Weben gedient haben; femer eine Anzalil von durchbohrten 
Thonkugeln, Spinnwirtel, wie man aicfa deren noch Jetzt \a 
manchon Gegenden z. B. in Schlesien bedient. 

6) Eine Anzahl Thierknochen , theils zerschlagen, tbeila ge- 
spalten, um das darin enthaltene Mark zn gewinnen. Auffallend 
durch seine Grösse ist das Schalterblatt eines Hornviehs, an- 
scheinend eines Auerochsen. 

7 ) Drei Menschenschädel ; sie zeigen die mesokepliale 
Form. Die Gerippe, denen sie angehört haben, hatten ihre 
Lage mit dem Kopfe nach Morgen, den linken Arm auf der 
Brust, den rechten an der Seite ausgestreckt; neben jedem 
Skelette stand eine kleine Urne. So wie an anderen ähnlichen 
Begräbniesstätten war das Erdreich, was zunächst die Leichen 
umgeben hatte, schwarz gefUrbt. 

Wenn diese Skelette nun auch darthun, dass sich hier 
einst eine Begräbnissstätte befand, so lassen doch auch die ge- 
spaltenen Thierknochen, besonders aber die in so grosser Menge 
vorhandenen Gefässscherben erkennen; dass sich neben der- 
selben einst ein menschlicher Wohnsitz hier befunden haben 
muss. Obwohl das Fehlen aller Metallgeräthe nnd Sohmnck- 
gegenstände schliossen Utsst, dass man es hier mit einer tebr 



:,G Gothic 



— 217 — 

frühen Zeit, mit einor Periode zu than habe, wo die Urbewohttei* 
auch noch nicht einmal in Handelsverkehr mit weiter in der 
Cttltar vorgeschrittenon Völkern getreten waren, eo denten doch 
die Gegenstände, welche znm Zerquetschen des Getreides, so 
wie zam Spinnen and Weben gedient, darauf, dass die Mensoben, 
die hier dereinst ihren Wohnsitz gehabt, sich nicht mehr auf 
der allerantersten Stufe der Gesittang befunden haben kSnnen. 

Menschen geh eine sind auch auf dem dem Baoersofaen an- 
grenzenden, dem Commerzienrath Stürcke gehfirenden Grund' 
Stücke bei der Äufgrabung tär die Fundamente zu einer bo 
erbauenden Villa gefunden. Auch sie haben in nur geringer 
Tiefe gelegen. Da aber neben ihnen weder Steingerftthe noch 
Urnen, wohl aber ein paar Kanonenkugeln gelegen haben, so 
rubren sie wohl von der letzten Belagerung von Erfurt her, wo 
von der Festung ans dieser Punkt, auf den, wie ermittelt ist, 
die Belagerer Geschütze aufgestellt hatten, beschossen sein wird, 

in. Unter den Umgebungen Erfurts hat der südöstliche, 
recht« der Gera belegene Theil des Erfurter Landkreises die 
geringste Ausbeute an prähistorischen Gegenatfinden geliefert. 

Am ausgiebigsten hat sich noch die Flur von Bfissleben 
gezeigit, in welcher mehrboh AlterthUmer gefunden sind, so auf 
dem Abhänge des südlich vom genannten Dorfe belegenen H6- 
henzngB auf dem Grundstücke des Schuppen Mciling beim Pflü- 
gen «nige vortrefflich gearbeitete und erhaltene Steinbeile von 
Serpentin ; ferner in der zwisohen Büssleben nnd Urbioh befind- 
lichen Hohle, wo, als der Bauergntsbesitzer E. Wagner einen 
ihm bei der Separation zugefallenen, bisher w&aten Fleck urbar 
mochte, ein Gh^b aufgedeckt ist, in welchem siäh ein hidber 
MenschenschSdel, das Gerippe eines Pferdes nnd vier Beile von 
Serpentinstein befanden, von welchen letzteren eines, sehr sohSn 
gearbeitet nnd nur wenig beschädigt, mit einem Loche znm 
Durchstecken eines Stiels versehen war, zwei andere, ein grös- 
seres ond ein kleineres flaches dagegen mit Spalten, welche 
den Zweck hatten, den Griff einzuklemmen; das vierte, spitzer 
nnd dünner als die andern, war am hinteren Ende, in welchem 
sich anscheinend ein Loch befunden, abgebrochen. 

In der Flur von Windischbolzfaausen wurde 1883 bei 
dem Aasheben der Moorerde ans einer Vertiefung, welche in 
froheren JahrbuDderten «in Teich ausgefOUt haben aoll, dn etwa 



: Cooj^lc 



— 218 — 

«in Zoll hoher ovaler Stein gefoBden, deBaon eine Seite nieht 
ohne ein gewisiea kOostleriacfaea Geecbick za einwn metuicli- 
liehen Antlitz ansgearbeitet worden iat, wJÜirend die andere 
noch die arsprOnglicbo rohe Form seigt. Ob derselbe ein b«d- 
niaofaas Idol gebildet hat, mius dahin geatellt blühen; jeden&Us 
geheint er aas Torcbriatlioher Zeit bersutammen. Er ist all 
Geschenk des Entdeokers, des Gutsbesitzers Wisset, in nosere 
Sammlang gelangt. Eine ebendort gefundene rümische Münze 
von Kaiser Trajan ist von dem Genannten an den Dr. Zsohiesche 
gekommen. 

In dem Willr5der Forste oberhalb SchOnthat wurde 
1880 etwa in einer Tiefe von vier Fuss beim Ausroden eines 
Baumos von den HolBhauem Friedrich Lahr aas Egstedt and 
Bembard Hertel aus Urbich ein bronzener Kelt gefunden. Der- 
selbe zeigt auf der einen Seite eine abgerundete Sehneide, auf 
der anderen einen vierkantigen, an der Spitze abgestumpften 
Dorn, auf dessen beiden, die Seitenflächen des Kelts bildenden 
Seiten sich Rillen befinden, die in Vertiefangen endigen und 
jedenEalls den Zweck hatten, einen hölzernen Stiel au&onehmen. 

"Rin in der an die Willr&der Forst grenzenden Flur des 
Dorfes Beohstedtwagd gefundenen Steinhammer befindet 
üoh in dem Museum unseres Vereins. 

Aach auf der gleichiaUs unfern der genannten Forst ge- 
legenen Hieohbeimer Höhe ist 1876 ein Kelt au^cefunden, 
der von dem Finder, dem Schüler der Erfurter Umdwirthsohaftr 
lieben Schule, Oschmann, unserer Sammlung geschenkt Ist 

Ein aebr interessanter Fund wurde 1869 in der Flor von 
Höbisburg,' unfern des von dort Iftnge dem rechten Geraofer 
naoh Holsdorf führenden Weges beim Ackern gemoobt, der in 
unserer Versaounlang vom 16. November 1869 ausführlich be- 
sprochen ist. Er bestand in einem Bronzegefliss , das einem 
niedrigen Eimer glich. Es ist von eebr dünnem Bleche und 
offenbar weder gegossen noch gewalzt, sondern gehämmert und 
daher ohne Sporen einer Lotung. Nur der dazu gehörige BUgel 
ist sUriter und möglicher Weise gegossen. Wir haben Mar 
anscheinend ein Produkt der umbriechen Eunstthlttigkeit vor 
uu, der ältesten, die ihres Weg nach Deutschland fand und 
die der Gründung Roms noch vorausging, einen jener Bronse- 
«nw oder fironaecysten, sitaUe wie die italienisohen QflehrtcBi 



..C.oo^lc 



— 219 — 

sie za nefiDen pflegen, welche die alten GrSberfeMer in Um- 
brien, namentlich in der Oegend von Bologna, in ao grosaer 
ZabI bergen and von denen aioh auch mebrfacb Exemplare in 
unseren nördlichen Gogenden, bo in der Nähe von Lttbeck, im 
Hanno versoben nnd in einem Hoore in der Provina Posen ge- 
fanden haben. Das Geßlss wird in ooserer Sammlung aof- 
bewahrt. — Eine gleichfalls in der Feldmark von Höbiaborg 
gefundene Bronzefibnla befindet eich in dem Besitse des Qold- 
arbeiteri Äpell. 

In der zum Dorfa Waltersleben gebfirigen Flor nnd 
zwar etwa eise Viertelstunde westwärts von diesem Orte, hart 
»n der Höbiaborger Grenze, an einer noch jetat „der todte 
Mann" genannten Stelle, stiees im Herbate 1881 der Oekonom 
Sobald auf einem ihm in Folge der Separation zageßJleaea 
OrnndstUcke beim Ackern etwa 3/^ Fubs anter der Bodenobar- 
fläche auf zwei Grabstätten; dieselben waren mit rie>ig«a, 
schweren Kalksteinplatten bedeckt, etwa ein Meter tief, und 
riagaum sorgßlltig mit Steinen ausgelegt. In dem einen Grabe 
fand sich ein ToUetäudigeB Skelett, an dessen rechtev Schalter 
eine wohlerbaltene, einen Fuss hoho, thönome, ge&llig gefonnte 
Urne, die beim Anklopfen eines hellen Ton bÖren lieaa, and 
an dessen Fassende eine kleinere zerbrochene Urne stand ; 
ausserdem fanden aich zwei Armspangen und zwei kleinere 
Ringe, beides von Bronze und zwei ziemlich gut erhaltene Schä- 
del doliohokepbalor Form vor. Die bronzenen Armringe sind 
an einer Stelle offen und durch kleinere zoUstarke Binge ver- 
banden. An dem einen derselben hängt mne 18 Centimeter 
lange Nadel, die wohl dazu gedient haben wird, das den Körper 
bedeckende Qewand zusammen za halten. — 

Aufgedeckt sind bis jetzt vier Gräber; anter den darin ge- 
fundenen Skeletten befindet sich das eines etwa seohaeba Jahre 
alten Hädobena, das eines etwa siebzehnjährigen Jünglings und 
das eines bejahrteren Menschen. Anscheinend sind auf dem 
fraglichen Grundetlicke noch mehrere Grabstätten vorbanden, 
da der frühere Besitzer sich erinnert, beim Ackern verschiedent- 
lich auf grosse Steinplatten gestoasen zu aein. — Das dritte nnd 
das vierte der gedachten Gräber wurde am 6. November ej. 
von dem Dr. Zachiesche aufgedeckt, wobei deraelbe einen grös- 
seren Bronzerii^ mit geachlifi'eiiem Stein, kleinere Ringe, eim. 



. Cooj^lc 



— 220 — 

Hftlskette^ eine Bronzenadel and üeberreite einer Armspange 
nebst eioem Scbftdel, bei welchem keine anderen Knochen sa 
bemerken waren, aofhnd. Nach einer Mittheilung in der „ThQ- 
ringer Zutung" (Nr. 27 (Or 1881) bat der SehiUd dem Dr. 
Zgchieeohe ansaer einem der Skelette einen bronxenen, eigen- 
thilmlich geicrmten Ohrring mit grünblau Bohimmemdem Steine, 
der jedenfalls der obenerwähnte ist, und einen mohrfoch gewun- 
denen Fingerring überlaeaen. 

Ein in der Flur des an Waltersleben grenzenden Sachsen- 
gothaiachen Dorfes Roda, und zwar an dem Wege, der von 
diesem Orte nach Erfurt führt, da, wo der Steigerwald aufhört, 
von dem Qoldarbeiter Apell gefiindoner Bronzekelt befindet sioh 
in dessen Besitze. Aach in dorn auf der entgegengesetzten 
Seite an Waltersleben grenzenden, gleichfidls gotbüschen Dorfs 
E i B eh 1 e b e n , sind altertbümliohe Gegenstände , namentliob 
Stetnwe^Lzenge , gefunden. 

ly. Aas dem rechtsseitig der Gera belegenen nördlichen 
Thetle' des Landkreises Erfort sind , abgesehen yon den bereita 
besprochenen, in den Feldmarken von GHspersleben Viti (West- 
ahfaang des Rothenborges) und Ilvorsgehofen , prlüiistorische 
Funde nicht sa unserer Kenntniss gelangt, wohl aber aus einigen 
angrenzenden, jetzt zum Orossherzogtham Weimar gehörigen 
Orten und der Feldmark des gothaischen Dorfes Weminga- 
hausen. 

So ist in der Flur des am Nordabbange des bereits mehr- 
fach erwähnten Rothenbergos belegenen Dorfes Hittelhansen 
ein vorgeschichtliches Leichenfeld von beträchtlicher Ausdeh- 
nung entdeckt Eine bei dieser Gelegenheit su Tage gekom- 
menen Pfeilspitze von Feaerstein gelangte in den Besitz des 
Dr. Zschieecbe. Ehendaaeihst hatte man schon frQher beim 
AnsBchaohten eines Brannens zwei Urnen, in deren einer eine 
metallene Soheere, in deren anderer drei Pfeilspitzen lagen, 
gefunden. Dieselben kamen in das Museum des hiesigen evan- 
geli sehen Waisenhauses. 

In dem angrensenden Dorfe Nöda befindet sich ein Bflgel, 
desaen Form mit ziemlicher Bestimmtheit darauf deutet, daes 
er ktlnstlioh aufgeschüttet worden and von dem wohl anzunehmen 
ist, dasB Bein Inneres Ueberbleibsel der Vorzeit in sich sohlies- 
B«n wird. Da w aber aof seiner Spitse mit Bibunen besetst 



..C.oo^lc 



— 221 — 

iai^ hst eine Anfgrabnng nicht vorgenommen Verden können. 
Dagegen sind im Jahre 1881 einige prSfaistorlsohe Gegenitüode, 
so Fetiersteinwerkzeage, Spinnwirtel von Thon, Umenacherben 
and Tbierknochen dort gefunden und in den Besiti des Dr. 
Zscbiesche gelangt. 

Sehr wfi OB ebene werth erscheiat es, dass be> den gleich&lla 
auf dem Nordabhange des Rothenbei^a in der Feldmark des 
weimariacben Dorfes Stotternbeim belegenen ErdhUgelgr&- 
bero baldigst eine kunstgerechte Äufgrabang stattfinde, nament- 
lich weil der eine, bereits geöffnet, sicher in nSchster Zukunft 
-rerachwinden wird. Es sollen dort Skelette zu Tage gekom- 
men sein. 

Eine Anfgrabung nach allen Regeln der Kunst ist bei einem 
al^ermaniBchen Grabhügel auf dem Falmberge bei Vippach- 
EdelbauBen, etwa zwei Meilen nordöstlich von Erfurt, nach- 
dem die dasu erforderlichen Mittel von der weimarisohen Re- 
gierang bewilligt waven, 1869 von dem Professor Dr. Elopfleisch 
so Jena bewirkt worden. Dieser H&gel hatte den stattlichen 
Umfang von 70 Meter, bei einem DurohmeBser von 26 Meter 
and einer Höbe von 3 Meter. Auf dem natürlichen F^senboden 
desaelben fand sich ein etwa 10 Meter langes and 6*/, Meter 
breites Steinpäaster, sof welchem die Leichen verbrannt waren, 
wie die vielen Kohlen und Aschenroste zwiaoben den vom Feuer 
stark gerötbeten und geschwärzten Steinen darthaten. ' Auf dem 
künstlich zobereiteten Fassboden über dem Steinpflaster befan- 
den »ich im Mittelpunkte der ganzen Anlage die Knocbenaber- 
reate zweier Menschen, das von Steinen umsetzte, Feuerspuren 
an Bioh tragende, aber vollständige ßkelett einer Frau; »a ihrem 
Haupte in einer zerquetschten Urne eine Partie verkohlter Men- 
Bchenknochen, wobl ein Theil der irdischen Ueberreste des Ge- 
mahls, der eigentlichen Hauptperson, dem zu Ehren die ganze 
Anlage errichtet war und den im Tode zu begleiten die treue 
Gattin mit einem stattlichen Gefolge sich nach der damaligen 
Sitte freiwillig dem Flammentode geopfert hatte. Um Skelett 
und Urne herum lagen viele Stücke zerschmolsener Bronze, 
darunter eine noch wohl erhaltene Brosche (Fibula), Beste an- 
derer Nadeln und eines medaillonartigen Schmuckes, sowie eines 
bronzenen verzierten Qefasses. Zur Linken des Skeletts be- 
fanden sich drei verzierte leere Urnen, jetzt durch den Druck 



.Cooj^lc 



— 222 — 

der auf iiman lastaDden Erde etwas cerdrilokt, nreprtlngliob wohl 
mit Speisen and Qetr&nken zur Zehrang aaf dem Wege in das 
jenseitige Leben gefüllt geweseo ; d^s volUtfindige Oorippe eines 
Bosses , dam nnr der Kopf fehlte, da man diesen beim Leichen- 
mahle den Göttern selbst darbrachte, während das Fleiseh Ton 
den Personen, weloha dem Todtenopfar beiwohnten, Taizehrt 
wnrde. — Anf der reohten Seite das weibliohen Skeletts fan- 
den sich in einer ans kleinen Bruchsteinen gebildeten Einfas- 
■ong Knoohen eines Hannes, wobl die der Hauptperson, die 
in dar Umo nicht mehr Plata gefunden hatten. In weiterer Pe- 
ripherie umgab, wohlgeordnet, die aufgeführten Oegenst&nde 
ein Kranz menechlicher Gebeina, jedenfalls Ton den Dienst- 
mannen herrilhrend, die beim Leichenmahle geopfert waren, 
um ihren Herrn bei seiner Rmse in dos Jenseits zu begleiten. 
Sie bestanden aber nur in Theilen des Körpers von den Hüften 
abwärts, indem nach damaliger Sitte die Oberkörper den Flam- 
men Überliefert waren. Ueber der ganaen Fläche des kfinst- 
liohen Bodens mit dem Skelette und den Urnen lagen zahlreiche 
Scherben der Gefässe, die zum TodtenopferroaUe gedient and 
die mau dem Herkommen gemäss zertrümmert hatte, damit sie 
nicht zu profanem Gebrauche benatat werden k&mten, unter 
ihnen auch die Raste üner reichverziertea römischen Schaale 
(patera) aus der Kuserzeit. — Ansserhalb der kUnstlioh zu- 
gerichteten Grabstätte in der Peripherie des Hügels, aber etwas 
niedriger, 1^ noch eine AnEahl trefiUeh erhaltener menschlicher 
Skelette. Von solchen wurden dreizehn ausgegraben; die Zahl 
wird im Ganzen aber grösser gewesen sein, da einige dort ste- 
hende Bäume, welche man schonen wollte, die vollständige Aas- 
hebni^ hinderten. Es waren jenes sicher die Resta des treuen 
Gefolges, das sich freiwillig dem Todte geweiht hatte, um ■«- 
nem Herrn in dem Saale W^allas zur Seite an eein,- während 
die niederen Dienstmannen sich mit untergeordneten Himmels- 
rämnen begnügen mussten. Die einzelnen Skelette waren teils 
mit Steinen umsetzt, theils bloa in die Erde gebettet; neben 
ihnen lagen Qefäsasoberben , ein Bemsteinring , ein Feuwetein 
messer, eine Pfeilspitze von Feuerstein, ein Paar bronzene Ohr- 
ringe, eine Gürtelaohnalte , eine Pfeilspitze von Knochen, ferner 
Tbierknochen vom Opfermahle, auch Menschenknochen, welche 
Brandspnren zeigten und wohl Kriegsgefangenen angehörten, 



..C.oo^lc 



— 223 — 

die za Ehren des hier beatatteten HfitiptlnigB dem Feaertode 
geweiht worden. 

Die ganze Anlage gewährt einen neaen Beweis da^, dasa 
bei einem und demselben Volke gleichzeitig LeichenTerbrennnng 
und Beerdignng Sitte gewesen, sowie: dass Ger&tbe von Stein, 
Knochen und Metall neben einander TOrkommen, diese Qegen- 
»tände also ao sich noch nicht ausreichen, um eine scharfe 
Scbeidelinte zwischen aofeinander folgenden Zeiträumen su bil- 
den. (Elopfleiscb Ansgrabnngs-Beriobte ans TbOrtogen I. Weim. 
1869. S. 3-10). 

In dem närdlich von Vippacb-Edelhaaaen, hart an der 
preuBsisohen Grenze, etwa «ae Stunde östlich von Sömmerda 
belegenen, gleichfalls weimarisoben Dorfe Orlishansen, das 
einer jedoch sicher nnbegrOndeten Sage nach von einem in 
beidttiachar Zeit dort verehrten Gotte Orl oder Orla seinen Na- 
men haben soll, ist im Jahre 1839 ein nicht unwichtiger Fand 
gemacht. Es liegt dort neben einem Querthale des Höhenzuges, 
der bei Werningahausen beginnt und nach Bnttelstedt zu ver- 
läuft, eine vorspringende Landzunge, daa „Wenigefeld" oder 
„hinter dem Birnbäume" genannt, die, bia sie in Folge der Se- 
paration eingeebnet wurde, eine halbeiförmige, etwa 1500 Fnss 
lange, nach Innen 2 bis 3, nach Aussen 4 bis 5 Fuaa hohe, 
wallartige Erhöbnng trug, welche mit der Hauptfront nach Mit- 
tag gerichtet war und wahrscheinlich von den alten TbSringem 
als Yerschanzung, vielleicht in ihrem Kampfe mit den Franken, 
angelegt ist. Hier stiess man beim Ackern, etwa einen Fuss unter 
der Bodenoberflfiche , auf eine Steinplatte und, nachdem solche 
abgehoben worden war, auf ein etwa einen Fuss im Durchrndsscr 
weites, dreiviertel Fuss hohes, balbkugelfbrmiges ThongefSss, 
in welchem zwanzig bronzene Bttgel oder offene lUnge and acht 
Steinmoiset — also auch hier Bronze- neben Steingorttthen — 
lagen. Da das GefÜss nicht nur, wie der rote Brach zeigte, 
im Brennofen gebrannt, sondern auch mit einer dunkelfarbigen 
Glasnr fiberzogen war, ao wird der Fund wohl aus einer Zeit 
herrühren, wo die Kultur bereits etwas weiter vorgeschritten 
war. Einige Bruchstücke dieses Gefässes — das Uebrige war 
als werthloB von den Arbeitern weggeworfen — ' sowie zwölf 
jener Ringe und vier Steinmeisel, von denen der eine sich 
durch besonders sorgfältige Arbeit aaszeicbn^, sind in den 



.v)0^[c 



— 224 — 

Besitz des £Uenbabn - Direktors Herrmann, der diesem Gegen- 
stände, sobald er davon Eenntniss erhielt, eine eiDgefaeode 
UntersQchung zuwendete, und mit den übrigen von diesem ge- 
sunmelten Altertbfimern in unser Huseam gelangt 

Bei jener Uutersnobang kam zur Spracbe, dass in der näm- 
lichen Flar, als bebofs AusFührung der Separation Gräben ge- 
sogen worden, eine Anzahl alter Gräber aufgedeckt sei. Die- 
selben bestanden in konisch behauenen Steinplatten, unter wel- 
chen Gerippe lagen, von denen nichts mehr zu erlangen gewesen 
ist Dass sich an diesem Platze früher menschliche Wohnungen 
befiinden, wird dadurch wahrscheinlich, dass sie noch jetzt den 
Kamen „die alte Stadt" ißhrt. — Auf einer dritten in Orlishau- 
sener Flur belegenen Stelle, einem Httgel, der Vogeleberg ge- 
nannt, wo der S^e nach eine Burg König Heinrich des Vogel* 
stellers gestanden, sind von Weimar aus vor längerer Zeit 
Machgrabungen veranlasst, bei denen aber nichts als Reste von 
Grundmauern und eiiüge menschliche Gebeine gefunden ist 

Nicht sehr entfernt von dieser Gegend, bei dem in der 
Mähe von Beichlingen belegenen Dorfe Harrae wurde das in 
unserer Sammlung befindliche dreiseitige Beil aus Jadeit ge- 
fnoden, das für so interessant gehalten ist, dass man einen Ab- 
gusa davon für das ethnologische Museum zu Dresden hat an- 
fertigen lassen. 

Ein etwas apokryphischer Fund ist in dem gleich£alls in 
der Mähe von Sömmerda belegenen gothaischen Dorfe Wer- 
ningsbansen gemacht Dort stiess der Torfstich -Aufseher 
Gräaser am 17. Juli 1824 in einer der dortigen Torfgruben in 
einer Tiefe von mindestens acht Fuea auf eine grosse Fichte, 
die in der Achtung von Suden nach Norden lag. Als man 
solche mit grosser Anstrengung fortgeräumt hatte und auf den 
Grund des Torflagers, wo die sogenannte Lende anlängt, ge- 
langt war, fand man an der Stelle, wo die Baumworzel gelegen 
hatte, ein rundes, mit einer Prägung und einem viereckigen 
Oere versehenes Stück Metall, anscheinend von Zinn, 2'/, Zoll 
im Darchmesser. Auf der einen Seite erblickt man einen bär- 
tigen Kahlkopf Bwisohen den Buchstaben li. W., auf der andern 
in awei Zeilen die Inschrift: „biUiario Woudano". Die Prägung 
ist in Hantrelief, die Uedaille also jedenfalls gegossen. — 



..C.oo^li. 



- 285 - 

Dm Original wurde nebit einer Über die Auffindung von 
dem AmtscommiBsair SilberBohtag au^enommenen Urkunde an 
die Kanzlei des Grundherrn von Wemingshausen , des FUreten 
von Hohenlohe-Langenburg, Besitzers der Grafschaft Gleichen, 
za Ohrdruf abgeliefert, von dem Direktor Krügelstein, dem 
verdienten Geschicbtsachreiber Obrdrufs, aber behufs Abgabe 
eines Gutachtens dem thüringisch- sächsischen Alterthumsrereine 
EU Halle Übersendet. Hier ist sowohl Medaille wie Urkunde, 
ohne daas das Gutachten abgegeben worden, sparloB verschwun- 
den. Glücklicherweise sind jedoch vor der Ablieferung nach 
Ohrdruf von der MedaiUe einige Abgttaee in Zinn angefertigt, 
deren einer in den Besitz des Kisenbahn- Direktors Hemnann 
und so in unsere Sammlung gelangt ist. — Ueber die Umstände 
der Auffindung kann kein Zweifel obwalten, da dieselben amt- 
lich and durch vollen Glauben verdienende Zeugnisse festgestellt 
sind; desto räthselbafter ist aber das Fnndatflck selbst, da die, 
wenn auch alterthümlichen , doch offenbar lateinischen Buch- 
staben, mit der auf die Zeit des Heidenthums, in welcher der 
Gott Wodan verehrt wurde, deutenden bildlichen Darstellung 
nnd den Worten der Inschrift nicht zu harmoniren scheinen. 

Geringeres Interesse bieten einige andere in dem Torfmoor 
von Wemingshansen gemachte Funde dar. Am 14. Juni 1827 
stiesB man in einer mehr als acht Fuss unter der Bodenober- 
fiäche befindlichen Schicht, die aus Waldmoos, Laubwerk, Zwei- 
gen, Fichtenzapfen, Holzkohlen und Holzasche besteht und auf 
dem lettigen und kiesigen Untergründe ruht, auf einen grossen 
Ficfatenslock , dessen Wurzeln einen Durchmesser von zwei 
Fuss hatten, unter welchem die Knochenüberreste eines urwelt- 
lichen Bindes lagen. Der Schädel desselben ist in das herzog- 
liche Museum zu Gotha gelangt. 

Am 20. August 1828 traf man, gleichfalls beim Torfgraben, 
nachdem eine 3'/i Fuss mächtige obere Erdschicht weggeräumt 
und 1 Fuss tief Torf abgestochen war, auf einer mit einer 
StünumfasBung versehenen Quelle auf 7 Stück 3 Fubs lange 
und '/, Fuss breite Balken von einer Eichengattung, die jetzt 
in jener Gegend nicht mehr vorkommt, nnd die in der Weise 
geordnet waren, das« ein Querriegel, der sich gleichfalls dort 
fand, sie verbinden sollte. (Vide: Einiges Über das Vorkommen 
meuBchlicber Wohnungen, welche sich in den Torfgruben bei 



.oogic 



WerningBhftaHen gafimden haben. Ällgem. Anzeiger oder Na- 
tionalzeituQg der Deotsclien 1829 3. 1714.) 

In der Flur der nordöstlich von SSmmerda im Kreiso 
Weissensee belegenen Commende Griefstedt Bind mehrf«ch 
Reste Torweltlicher Thiere gefnnden. Der BackKahn eines Harn- 
mnths von sehr erheblicher Grösse ist durch den ehemaligen 
Pächter des Gnts, den Oberamtmann Ulrich, in meinen Besitz 
gelangt. 

In dem gleichfalls im Kreise Weissensee, jedoch im nord- 
westlichen Tbeile desselben, liegenden Dorfe LUtzensömmern, 
und zwar aaf der FInr des v. Hansenschen Gutes, westlich vom 
Dorfe, wurde 1882 ein sehr bedeutendes Leichenfeld aufgedeckt. 
Es fanden sich wohl 60 and mehr Skelette, die reihenweise 
nebeneinander unmittelbar im Erdreiche lagen, nur so tief, dass 
die Pflugschar sie gegenwärtig, wo in Folge der Einführung der 
Rühenkultur etwas tiefer gepflügt wird wie in früherer Zeit, 
hatte bioslegen können. Neben denselben standen Urnen, die 
aber, so weit sie noch erhalten gewesen, von den Arbeitern, 
welche hofften Werthgegenstände in ihnen, zn finden, zertrttm- 
mert wurden. Einige Fragmente derselben, so wie einen Feaer^ 
stoinkem, hat der Gutsbesitzer Boutin in unsere Sammlung ab- 
geliefert. *) 

Auch bei einer im Oktober 1882 besonders zu diesem 
Zwecke vorgenommenen Nachgrabung haben sich ausser Schä- 
deln und sonstigen Henschenknocben nur Umenbruchstacke odA 
in der oberen Hälfte durchbohrte Lebmcylinder voi^efunden. 
Die Stellen wo die Begrabenen lagen, waren auch hier dadurch 
kenntlich, dass die sie umgebende Erde eine gegen den gelben 
Lehmboden scharf contrastirende schwärzliche Färbung ange- 
nommen hatte. Die Urnensoherben zeigen die roheste Form; 
sie waren von verschiedener Dicke, nach innen zn schwärzer, 
nach aussen gelbweisslich , einige dünnere unter ihnen hatten 
einen matten Glanz. Es befand sich unter denselben ein Go- 
fUssBtUck mit einem Henkel, auf welchem, jedoch sehr rohe blos 
durch Eindrücke mit den Fingernägeln hergestellte, Verzierui^n 
wahrzunehmen waren. 



*) Anf demsolben Felde Eudea Arbeiter das Herrn Amtmann Sohöna- 
tnann im April 18B8 ein Stäok Antimonglana , welches vom Barse dorthin 
gebracht aein ku», da es sohon im 14. Jahrhondert rognlinisoh hergeitelll 
toi in der Medioin g^traocht wurde. Dr, B. Weissenborn. 



— 227 — 

V. Unter den m dem links der Gera belegenen Theile der 
Umgebong Erfnrta gemachten Funden ist wohl der intereasan- 
teste der eines rersteinerten Menechen in Mühlberg. Die 
FandBtelte war ein Steinbrach , der sich mitten im genannten 
Orte in dem zum Gehöfte des Landwirths Cbr. Friedr. Beck 
gehörigen Baiungarten befindet Das Terrain besteht zunächst 
der Oberfläche aas einer gegen 1 m starken Lage Dammerde. 
Unter dieser liegt eine 1 bis 1^ m mlLcbtige Bank von einem 
■ehr wenig porüaen Tuffstein, der eine solche Festigkeit hat, 
dasB er nur mit dem grössten Kraftaufwsnde gebrochen werden 
kann und wegen seiner Eärte und Schwere sich nur zu Dm- 
faoBimgsmauem und anderen Massenbanteo, nicht aber zum 
Aomianeni von Faofawerk eignet £r besteht aas ungleich 
groaaen Klötzen, die dnrcb schmale Spalten getrennt sind, in 
welche beim Brechen Keile eingetrieben werden. Unter ihm be- 
findet sich, meist durch eine Lage gelber griesiger Erde, soge- 
nannter Tnfferde, bin und wieder aber auch blos durch einen 
leeren Baum von ihm getrennt, eine gleichfalls etwa 1 bis 1} 
m starke Schicht von einem leicht brechbaren sehr porösen 
Tuffstein, welcher vielfach zu baulichen Zwecken verwendet 
wird. - — 

Unter dieser letzteren Bank nnn stiess man in den ersten 
Tagen des Angnst 1873 beim Brechen von Steinen in einer 
Tiefe von etwa 5 m unter der Bodenoberfläche auf das Gerippe 
eines Moonea, noch so vollkommen erhalten, dass selbst alle 
Extremitäten vorhanden waren, aber von dem Blalksinter, wel- 
chem der Tuffstein seine Entstehung verdankt, so imprägnirt, 
dast die Gebeine steinähnlich geworden waren. Es befand sich 
in wagerecbtar Lage, mit dem Kopfe nach Norden und den 
Füssen nach Süden. Seine Länge betrug mehr als 2 Meter, 
deutete also auf einen Mann von einer, wenigstens gegenwärtig, 
nicht mehr gewöhnlichen GrÖHse. Die Steinmasse hatte sich 
derartig um den Körper herum gelegt, dass dieser auf das ge- 
naueste darin abgeformt war, in ähnlicher Weise wie der Gyps 
eine abzugiessende Skulptur umachliesst. An dem Kopfende 
stand eine irdene Urne, welche, da man d^ei nicht mit nöthiger 
Vorsicht zo Werk« ging, beim Aufaehmen zerbrach and dann 
ein Spielzeug der Kinder wurde, von der aber noch eine ziem- 
liche Anzahl von Scherben bei der von mir an Ort und Stelle 



— 228 — 

vorgeaommeDen Untersacbung vorhanden war, welclie auf ein« 
nicht anerhebliohe OtÖbbs dea Oeßtssea soUieBBen liaBsen, und 
welche ergaben, daea dieBes weder in einem Ofen noch über- 
hanpt am Feuer gehrannt, aondem nur an der Luft getrocknet 
Bei. Werkzeuge oder Schmucketticke hat man nicht gefonden. 

Sobald etwas von diesem Funde in der Gegend bekannt 
wnrde, atellten sich zahlreiche Besucher ein, die den versteiner- 
ten Menachea in Augenschein nehmen wollten. Viele derselben 
brachen Bich ein Enöchelcheo ab, um ea cum Andenken aofieu- 
bewahren. Eine öffentliche Aufforderung aar Rückgabe blieb 
erfolglos. So besteht denn der in den Beaita unserea VereinB 
gelangte Ueberrest nur aas Bruchstücken, doch befindet sich 
glüoklichar Weise unter diesen der noch leidlich arhalteno 
Schädel, aus welchem sich ergieht, dass der einstige Träger 
desselben zu den Dolichokephalen gehört habe. 

In demselben Steinbruche sind früher versteinerte Blätter 
gefunden, die einer Baumgattung angehört haben müssen, welofae 
sich jetat in der fraglichen Qegend nicht mehr findet and dort 
überhaupt ganzlich unbekannt ist. 

Es scheint dieser Umstand darauf zu deuten, daaa daa in 
Rede stehende Skelett derselben Zeit entstammen möge, wie 
das Mammnth, dessen in dem Museum zu Ootba befindliches 
Q^rippe anter gans gleichen geognostischen Verhältnissen in 
dem SüBswasserkalke von Borgtonna gefanden worden ist, nnd 
das in Stein verwandelte Skelett, welches man in neunter Zeit 
in einem Steinbruche im Eremsthale nnweit Eremsmünater, neben 
Resten des Höhlenbären und Gefäsaacberben primitivster Arbeit 
entdeckt hat Jedenfalls musa eine anaehnliche Baihe von Jahr- 
hunderten dazu gehört haben, bia die lose Erde, mit welcher 
die Leiche einst heBcbilttet wurde, in Stein verwandelt ward 
and bis zu einer Mächtigkeit von 5 m aufwachs. 

Ein gleichfalls in der Flur des Dorfes Mühlberg gefdndenes 
Steinwerkzeag befindet sich in dem Besitze des Schulzen Beck. 
Auch in dem angrenzenden Orte Wandersieben ist einzeln 
ein Steinmeiaael gefunden. 

Eine fast unerschöpfliche Fundgrabe prähistorischer Oegon* 
stände bildet der Höhenzag, der aof der linken Seite das Oera- 
thal begrenzt and sich von Biacbleben, daa zum Herzogtham 
Gtotba gehört, tlber daa bereita wieder preaaaiaohe Dorf Hooh- 



..C.oo^lc 



beim bis an das am Fasse der Cyriaksbnrg sich hinziehende 
Bornthal erstreckt and bis dahin als der Flass auf sein gegen- 
wbüges Bette beschränkt ward, die GTrenze des trockenen 
Landes gebildet haben wird. 

Am Fasse dieser Höhe, in der Flar von Bischleben, dicht 
bei der Blaaschen Ziegelei, worden 1835 im Lehmboden in einer 
Tiefe von drei Fnss das vollständige Gerippe eines aasgewach- 
■enen Henschen, dessen Kopf nach Morgen gerichtet war, ge- 
Atnden. Die Knochen waren brilchig and hatten ein schwärz- 
liches Ansehen; auch bei dem Kopfe hatte sich der antere 
Theil, die Kinnlade, von dem oberen gelöst Derselbe wnrde 
flbrigens gleich den sonstigen Knochen sofort wieder vergraben, 
so dass eine nähere Untersucbang nicht hat vorgenommen wer- 
den kennen. — In der Nähe von jenem, so dass er die Backen- 
knochen nmfasste, lag in einer Tiefe von kaam zwei Fnss ein 
bronzener (nach anderer Angabe silberner), mit Windungen 
versierter and mit einer Art Bötteberschloas versehener Ring, 
der stark von Grünspan angelressen war und wohl dem dort 
Bestatteten als Halsring gedient hat Es hing an ihm eine sehr 
zierlich gearbeitete silberne Perle. 

Bei Fortaetzang der Arbeit kamen in einer Tiefe von zwei 
bis drei Fass mehrere gut erhaltene and verkalkte Gerippe, 
regelmässig theils neben- theils antereinander liegend, sämmt- 
Iteh mit den Köpfen nach Osten oder doch, and dies vorwie- 
gend, Südosten in dem mit salpeterh altigen Streifes durchzoge- 
nen Lehmboden, welcher nai* da eine schwärzliche Färbung 
angenommen hatte, wo gerade eben eine Leiche bestattet war, 
gleichsam eingekittet, enm Vorschein, welche alle sorgßlltig 
aasgegraben warden. Die Länge derselben betrug bei den 
grösseren 5 bis Ö'/i Fass. Bei mehreren von ihnen fanden 
sich Gegenstände von Metall, Thon nnd Gtas. Es waren dies 
namentlich ein Fingerhut, ein zerbrochener Ring von Metall, 
ein StQck Metall, anf dem eine Figur eingravirt war, eine Perle 
von Glas and Moswk, eine dergleichen von Stein, eine andere 
von gewöhnlichem Glase, ein Fingerring nebet dazu gehörigem 
Fingei^lenke. Die drei Perlen lagen in der Nabe eines Thon- 
gefässes, welches jedoch von den Arbeitern zerschlagen war, 
das eine sehr eigenthttmliche Form hatte, da es anf zwei gegen- 
fiberstehenden Seiten eine viereckige, auf den beiden andern 



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eine abgernudete OrondS&cbe zoigte, und das tod ansMii dan- 
kelgrän, im Innern roth war. Steine oder Spnrea von Oewdl- 
ben, die zur Aoinabme der Leichen hätten dienen können, fan- 
den sich eben bo wenig wie Bretter, Asche oder HolskoUen, 
so dasB es nicht zweifelhaft erscheinen kann, daas jene unmittel- 
bar und ahne vorherige Verbrennong in dw Erde bestattet 
sind. Da die Grössen der Gerippe verschieden, die Knochen 
theils stärker tbeils schwächer, einige Hirnschalen dicker, an- 
dere dünner waren, so sind hier offenbar Personen venehie- 
denen Alters and Geschlechtes beerdigt worden. 

Der neben der gedachten Ziegelei sich erhebende Berg 
fuhrt noch jetzt den Namen „der Windeberg", sowie der an 
dessen Fasse fliessende Bacb den ,jder Windebaoh"; es ist 
daher nicht unwahrscheinlich, dass einst Wenden, die, wie be- 
kannt, bevor die stavische Berölkerang von den Deatschen 
anrückgedrängt ward, die hiesige Gegend inne gehabt and an 
die noch jetzt viele Ortsnamen (Windischholzhausen, Windischen- 
bemsdorf, Windischengrün, Windischenlaibaoh, Windiacban- 
gülenreuth, Windischbaig, Windischletten, Windisobleaba n. a. 
m.) erinnern, dort gewohnt und an der fraglichen Stelle ibro 
Begräbnis Bst&tte gehabt. Auf slavische Abstammung weist 
auch die eigenthümliche Scbädelbildung. Die Stirn ist hoch, 
der Vorderkopf schmal, in den Schläfen bedeutend eingedrfickt 
und lang , der Hinterkopf dagegen nnverhältnissmäasig gross 
und rund; die Backenknochen stehen aoffallend hervor, ebenso 
die Kinnladen. Merkwürdig ist os', dass man nicht eine Leiobe 
gefunden, bei welcher auch nur ein Zahn gefehlt hätte. Die 
Aagenböblen waren eher klein als gross, während das letitere 
bei den Nasen der Fall gewesen zu sein scheint. 

Die gefundenen Gegenstände gelangten meistens durch Ver- 
mittelang des Generalstener-Inspektions-Sokretairs Blank, einea 
Meiningers, in den Besitt des Bennebergischen altertfaamfor- 
schenden Vereins. 

Bei einer später fortgesetzten, diesmal kunstgerechten, Aua- 
grabung wurden fast bei jedem Gerippe silberne Kinge von 
verschiedener GrCsse, zum Theil noch mit Silberdraht amspon- 
nen, silberne Fingerringe von angletcher Breite, theils mit 
tbeils ohne Verzierungen, Perlen von Silber, von gewöhnlichem 
Glase, von Glasmosaik and Perlmutter, sowie andere Gegen- 



:.C00^[l 



— 231 — 

stftnde VOD Ohs, auch oin Würfel von Knochen oder Elfenbein 
Torgefunden. Die grösBeren Ringe lagen stets in der Nähe des 
Halses. In der Gegend der Hand fanden sich hei vielen Lei- 
chen Messer von verschiedener Länge (2'/t I^'b 6 Zoll ein- 
schliesslich des Heftes) and Breite (■/> bis 1 Zoll), deren Spi- 
tzen znm Theil scharf zuliefen, znm Theit abgerundet waren. 
Der Rost hatte dieselben meistens so zerfressea, dass sie beim 
Herananehmeo in kleine Stacke zerfielen. — Ferner fand sich 
eine runde, 3Vt Zoll Umge und *li Zoll dicke eiserne Speer- 
spitze, eine Anzahl grosser, gewundener Reifen von gleichem 
Metalle, welche 8^/4 Zoll im Durchmesser hatten und *|^ Zoll 
stark waren, die oberhalb der Köpfe lagen und daher wohl als 
Kopfiringe gedient hatten. 

Nachdem die herzogliche Regierung zu Q-otha durch Mit- 
theilongen in öffentlichen Blättern von der Sache Kunde er- 
halten, fUhlte sie sich veranlasst einzuschreiten, was die Folge 
hatte, dass die Äusgrabungs - Arbeiten etwas ins Stocken ge- 
riethen; doch ist später, namentlich bei einer von dem Consi- 
storial - Assessor und Direktor des Herzoglich Qothaiscben Mu- 
seums HoErath Ewald, nnd dem Archivratb und Bibliothekar 
Dr. Möller am 30. Mars 1843 vorgenommenen Nachgrabung 
noch eine Anzahl von Gerippen und bei diesen ein fiacher 
silberner Ring von 2'/t Zoll im Durchmesser, ein schmaler sil- 
berner Fingerreif, ein kleiner silberner Bing von ■/■ Zoll Darch- 
messer, der in einem am Kopfe einer Leiche stehenden, stark 
ausgebauchten, irdenen Qeßisse von €'/■ Zoll Breite und 3 Zoll 
Höhe lag, ein grosser gewundener eiserner Ring von 8 Zoll 
Durchmesser und '/^ Zoll Dicke, zwei Hälften eines kleinen 
Messers u. a. m. gefonden. 

Diese Gegenstände sind meistens in den Besitz des herzog- 
lichen Musenms za Gotha gelangt; ein Verzeichniss derselben 
wird in: den Beiträgen zur Geschichte des deutschen Alterthnms, 
herausgegeben von dem Hennebergischen alterthumforecbenden 
Verein. Lieferung V. S. 97—100 mitgetheilt Es befindet sieb 
unter jenen Gegenständen auch eine barbarisirte MUoze des 
Kaisers Justinian I. (527 — 565), wodurch das Alter des Fundes 
auf die zweite Hälfte des sechsten Jahrhunderts, eine Zeit, wo 
diese Gegend wenigstens theilweise von Slaven bewohnt war, 
festgestellt wird. 



DictizedbyGoOt^lC 



— 330 — 

eine abgeimdete GnindflSche zti^ ^<< "^SlLhe von Bisch- 
kelgrOn, im Innern roth w- ^-^"^^ Steinmeisel Topf- 

ben, die »nr Ao&ah- '„^V^*" also wohl emer 

den «ich ebeT. ,. ..7-;- -gähnte, entdeckt. Anf 

Bo dass ea .>V ->> ^ "''J, i«» "^«'' EiBenbahn- 

bar und ^-r ";t^'%^'''°" ^°™'' g^'^ö^en. Die 

■ 3 T) .<-'"1I- -,,'^'V^^nern zum Thongraben benutzt 

theiis B .^\":'-i,^'^ . , „, 

j .-' - >^ avg ^^^ voi^edachten Höhenzages, in 

j '■•' ''*jac-^'^Bi( ''"^ mehrfach prfihistoriBche Gegen- 

.•^jiT'' *X'"'*6are"'t* '"' Jahre 1754 der StoBszahn eines 
fH' h^foi^" htot^"- J^^raelbe gelangte in den Besita dea 

/ ^"^tr^ ^k'öIio'' MuaenroB, bei dessen Brande er zu 

t-nT^ ef^ngtaelbe Schickaal traf zwei andere, ähnliche 
''"i^^^äiS i»"^ ^^^ ^^ ^^^ Grundstücke des Landwirths 
^W* ^'^ feefo"^"^ """^ ^'*'* *'*'" Eisenbahn-Direktor Herrmann 
Sfeb'^ 'j^og det Waisenhauses übergeben waren. Der letzi- 
jtr ^""'paad gab mir und einigen anderen Alterthamsfrennden 
«r^^'f -aog «" einer näheren, an Ort und Stelle Torgenomme- 
f^^^gfsuchnng und Kachgrabung. Es fand sich dabei: dass 
o^" (ig^rlicli ^0^ »in im Dilavium eingebettetes, Tollständiges 
'"^^^uthskelett gelegen habe; die noch vorhandenen Enochen- 
M waren aber sc brüchig, dasa sie beim HeraosLeben zer- 
jTeJei)- ^'^ ^^"^ aufgefundener Mammuthknochen ist aber, eben 
^ ffie ein 1871 im Eies in einer Tiefe von fünf Fusa unter 
jer Erdoberfläche gefundener Steinbammer in unsere Sammlung 
gekommen. — Etwa hundert Meter von dar Fondatelle der 
]tfsmmuthknocben haben sich in den Über den dortigen Stein- 
brüchen lagernden, ftinf bis zehn Meter starken Eiesschichten 
mehrfach angeschwemmte aber vollständig verkalkte Hirsch- 
geweihe und ganz vorzüglich erhaltene Zähne von Raubfischen 
gefanden. Aach ein in meinem Besitze befindliches sogenauntea 
Ammonshom von bedeutender Orösee (der grössere Durch- 
mesaer sechs, der kleinere fünf Zoll), das in der Mitte künat- 
lioh durchbohrt iat, ist in dem Höhenzuge in der Kähe von 
Hochheim gefunden worden. 

Beiläufig mag erwähnt werden: dass auch in den Fluren 
der auf dem westlichen Abhänge des vorgedachten Höhenzuges 
gelegenen gotbaischen Orte, so in Dietendorf, Ingers- 



.Cooj^lc 



— 233 — 

leben, HolBdorf and MoUchleben einzelne prätiiatoriBcbe 
Gegenatande — Steinmeiael, Topfscherben , Tbierknochen a. 
dergl. m. — gefunden sind, welche theilweise in den Besitz 
des Dr. Zschiescbe gelangten. 

VI. Einige auf der Fortsetzung des die Gera auf der lin- 
ken Seite begleitenden Höhenzuges, nördlich vom Bomtbalc, 
1873 in der Feldmark von Alach gefundenen QegenBtKnde, 
namentlicb ein Steinwerkzeug und Umen-BmcbetDcke, sind durch 
den Revisor Pause in unsere Sammlnng gelangt und in unserer 
VerBammlnng vom 16. December 1873 nSber besprochen. In 
jener befindet eich gleichfalls ein im Jahre 1854 zu Zimmern 
sapra gefundener metallener Armring. 

Von gröaeerßr Bedeutung ist die Aufdeckung eines Leichen- 
feldes in der Flur von Gispersleben Kiliani. Es geschah 
dies im Jahre 1869 auf einem westlich von der vom genannten 
Orte nach KQbnhausen führenden Eunststraese belegenen Grund' 
stQcke, auf dem s. g. kleinen Rothenberge, bei Gelegenheit der 
AnsBchacbtung eines Einschnitts zur Anlage eines durch die 
Separation nothwendig gewordenen Eulturweges. Die Leichen 
lagen ziemlich auf der Kuppe des Böiges, etwa 2 bis 3 Foss 
unter der Oberfiäche. Nach der Versicherung des Maurers 
Hagedorn, der die Arbeiten leitete, sollten bis zum 15. Febr. ej., 
wo die Lokalität von einigen Mi^Uedem unseres Vereines in 
Augenschein genommen ward, schon etwa 20 menschliche Ge- 
rippe gefiinden sein, eine Zahl, welche jedoch der Gutsbesitzer 
Lange -Kästner, der die Arbeitsstätte mehrfach besucht hatte, 
für etwas zu hoch gegriffen erklärte. Bei jener Besichtigung 
worden noch mehrere in Stücke zerbrochene Schädel sowie eine 
Partie anderer Gebeine, die, da sie schon längere Zeit dor Luft 
auegesetzt gewesen, steinhart geworden waren, vorgefunden. 
Andere Knochen worden im Beisein der Kommission aufgedeckt. 
Alles äbrige war bereits mit der aasgeschschteten Erde abge- 
fahren. Die Skelette hatten weder iu Steinkammem noch in 
hölzernen oder sonstigen Behältnissen, sondern unmittelbar in 
der Erde gelegen und zwar nicht auf dem Bücken, sondern 
gleichmässig auf der linken Seite, mit nach Erfurt zu, also nach 
Mittag, gekehrtem Gesichte, theilweise mit eingezogenen Knieen. 
Ein noch gut erhalten vorgefundener Schädel charakterisirte sich 
dttrcb ein ungewöhnlich niedriges Stirnbein; der an der Beaicb- 



.Cooj^lc 



— 234 — 

tigung theilnelimeDda SanitÜtsrath Dr. Axmatm erUäite ihn für 
den eines Kindes, da daa Stirnbein noch nicht verwachsen sei. 
An Geräthen ist nichts als eine Partie Umenscherhen, die maa 
aber nicht aufbewahrt hatte , nnd ein sehr schön gearbeitetw 
Steiomeisel von SerpentioBtein , der in dem Genicke eines der 
Gerippe gelegen hatte, gefunden. Er ist in unsere Sammlnng 
gekommen. Einen eben solchen, der bereits früher dort aufge- 
funden war, hatte der Besitser des Grundstücks Straube an sich 
genommen. Letzteres ist auch der Fall in Betreff eines vor 
einiger Zeit an derselben Stelle gefundenen steinernen Krenses 
gewesen, das eine Inschrift enthalten haben soll und das der 
Eigenthtimer za einer Thürschwelle hat verarbüten lassen. Es 
ist aber sehr wahrscheinlieh, dasa dieses Kreuz eben so wenig 
wie ein bei Anwesenheit der Kommission gefundenes Fragment 
eines Einscblagmessers in irgend welcher Besiehnng za dem 
lieichenfelde steht. In unserer Versammlung vom 13. Juli 1865 
ist über den in Rede stehenden Fond ausführlich benähtet 
worden. 

Auch auf der nordwestlich von dem kleinen Rotbenberge 
zwischen Gispersleben and Tiefthal belegenen a. g. Ereyen- 
burg, einem Vorberge der Schwellenburg, ist ein ans der Stein- 
zeit berrahrendes Leiobenfeld entdeckt worden. Ueber- den Ver- 
folg der dort vorgenommenen Ausgrabung, bei welcher sich ein 
menschliches Gerippe so wie ein Streithammer aus Knochen, 
wahrscheinlich von einem Rennthiergeweih , der mit eingegra- 
benen conoentrischen Ringen verziert ist, vorfand, wurde von 
dem Eisenbahn direktor Hemnann in unserer Versammlung vom 
31. Januar 1871 ansführlieh Bericht erstattet. Der Streithammer 
befindet sich in anserer Sammlnsg. 

Bei einer im Jahre 1881 auf der Schwellenburg selbst 
von dem Dr. Zschiescbe vorgenommenen Ausgrabung hat die- 
ser Ueberreste eines riesigen Menschen gefunden, dessen linkes 
Schienhein 0,41 m (gewöhnlich 0,39 m) lang war, nnd der einem 
dolichokephalen Volksstamme angehört hat. Daneben wurden 
Topfscherben , Tbierknochen, Werkzeuge von Knochen ood 
Fenersteinmesser gefunden. 

BinzeUunde sind in dem weiter unterhalb im Qeratbale ge- 
legeueo Dorfe Elxleben gemacht, so ein Stünhammer (im 



..C.oo^lc 



— 235 — 

Besitie des Dr. ZscliieBobe) and ein Steinmeisel (in dem das 
Ziegelflibesitzers Busch zu Bischleben.) 

Zu den im G-erathiJe selbst gefundenen Oegenständen ge- 
boren einige eiserne Hufeiaen, welche in der Flor von KUhn- 
h aas es bei der Ziehung eines Grabens in einer Tiefs tod 
10 Fass KU Tage gekommen sind. Wenn man beracksiobtigt, 
dass sich der Boden dort durch Aufscbtremmung in einem Jahr- 
hundert etwa um einen halben Fuss erhöht, so deutet jene Tiefe 
auf ein Alter von etwa Ewei Jahrtausenden, also die Zeit, wo 
die Römer bis in die hiesige Gegend gedrungen sein sollen. 
Die Lage der FandetUcke hereobtigt ku dem Schlüsse, dasa sie 
von einer Scbmiedewerkstatt herrühren. 

Ein Tie] höheres Interesse bieten die auf der Feldmark von 
Andisleben gemachten Funde. Daselbst Btiesson im Jahre 
1854 auf dem Grundstücke, welches damals dem Schiedsmann 
Job. Vollrath zugebörte, demnächst in den Besitz der Wittwe 
Schütz gelangt ist und östlich von der von Erfurt nach Gebeaee 
föbrenden Eunststrasse, an diese anstossend unfern vom genann- 
ten Dorfs gelegen, die Einwohner Karl und Friedrich Schneegass 
beim Eröffnen einer Lehmgrube etwa 2 Fuss unter der Ober- 
6äcbe auf ein thönemes Gefass. Einer der Arbeiter zerschlag 
dasselbe aas Unvorsichtigkeit in viele kleine Stücke und es kam 
hierbei eine Anzahl darunter gelegener Bronzesacfaen zu Tage. 
Die Gegend, in welcher der Fundort sich befindet, ist vollstän- 
dig eben; von Hügeln, natürlichen sowohl, wie solchen, die man 
als von Menschenhand aufgeworfen ansehen könnte, ist nicht die 
mindeste Spur vorhanden. — Schon früher sind in derselben 
Feldlage, insbesondere beim Ausbau der erwähnten Kanststraase 
hin und wieder kleine Urnen mit Asche, Knochen, angeblich aacfa 
Münzen gefunden worden, was zu der Annahme geführt hat, dass 
in der Urzeit dort eine Begräbnissstätte gelegen habe, and man 
daher hoffen könne, bei sorgßiltiger Durchforschung jener Flur 
noch weitere Ueherbleibeel des Alterthums zu finden. 

Es hat mich dies veranlasst, an Ort und Stelle nähere Er- 
mittelangen ansuatellen. Das Ergebnise derselben ist das nach- 
stehende gewesen. 

Der Arbeiter Friedrich Scharf hat zu drei verschiedenen 
Malen beim Ghraben Ij bis 2 Fuss unter der gegenwärtigen Erd- 
oberfiädie an der Qrenia zwischen der homoien Ackererde 



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— 236 — 

nnd der dessen Untergrund bildenden Lebmacliicbt , mit der 
nnteren Hälfte in die letztere eingegraben, Töpfe gefunden, 
welcbe mit den jetzt gebräucbliohen grosse Aehnlichkeit halten, 
nur dass sie sieb nach oben zu bedeutend verengertOB. Sie 
hatten etwa '/i Fuss im Durcbmeaser und eine Höhe von 1 Fass. 
In denselben fanden sich Knochen, die so gut erhalten waren, 
dass man die Q«lenke noch deutlich erkennen konnte, aber so 
fein, dass man sie für die von Kindern halten musste, ausser- 
dem verschiedene Gegenstände von Bronze, die aber so stark 
von Grünspan zerfressen waren, dass sie beim Herausnehmen 
in Trümmer zerGelen, endlich auch dänne Metallblättcben , an- 
scheinend von Silber, aber gleichfalls so von der Oxydation an- 
gegriffen, dass sie bei der ersten Berllhrnng zerbröckelten. Die 
Form von Geldstücken haben solohe jedoch nicht gehabt, wie 
sich denn überhaupt nicht hat feststellen lassen, dass wirklich 
je dort Münzen gefunden sind. — Einmal ist man beim Lehm- 
graben auf zwei ziemlich grosse, offenbar künstlich neben ein- 
ander gelegte Steinplatten gestossen; da es aber sehr bedeutende 
Arbeit erfordert haben würde, dieselhen emporeubeben , so hat 
man nicht untersucht, ob sich unter ihnen Gegenstände befän- 
den, und es vorgezogen, an einer andern Stelle eine Lehmgrube 
zu eröffnen. Es würde aber wohl möglich sein den Ort wo jene 
Steine liegen wieder aufzufinden, wie es denn auch in der Ab- 
sicht liegt, dass Professor Klopfletscfa zu Jena, der von der 
historischen Commission der Provinz Sachsen mit der Auf- 
deckung der in dieser vorhandenen prähistorischen Reste be- 
auftragt ist, die Gegend von Andisleben einer genaueren Unter- 
suchung unterwerfe nnd an geeigneten Stellen Kacbgrabnngen 
anstelle. 

Die bei der Eingangs gedachten Gelegenheit gefundenen 
Gegenstände sind nachstehende: 

1) Das, wie oben erwähnt, zertrUmmerte Thongeftes. Die 
Stücke desselben zeigen nur eine schwache Krümmung, wie 
sie der Gestalt einer Schale entspricht, so dass sie einer sol- 
chen, nicht aber einem Topfe oder einer Urne angehört haben 
müssen, massige Haltbarkeit, eine rothe Färbung an der Aussen- 
seite, dagegen einen dankein Bruch im Innern. Das Qeftss 
ist von einem ziemlich feinen Tbone angefertigt, anscheinend 
nicht im Brennofen , sondern an offenem Feuer gebrannt und 



..C.oo^lc 



- 237 — 

nach dem Brennen mit ainem Ueberzuge von rother Fwrbe rer- 
•eben, der leicht abblättert. 

2) Ein spiralförmig mit Draht umwickelter Stift mit einem 
rimdeo Knopfe an dem einen Ende, von welchem ein bUgel- 
förmiger Drabt nach dem andern hingeht, wo aicb wahrschein- 
lich früher ein ähnlicher Knopf befunden hat. An die Mitte dou 
Stifta ist ein gekrümmter Dom augesetst, der am AnBchluis- 
ponkto mit einem grösseren, aaf jeder Seite aber mit zwei klei- 
neren randen Knöpfen versehen ist. Es kann kaum einem 
Zweifel unterliegen, dass dies Geräth eine Gewandnadel (Fibala) 
ist, zu welcher arsprünglich noch eia breiteres Blatt oder eine 
Spange gehört bat, die an einer kleinen, noch jetst in der Mitte 
der Spirale sichtbaren Spitze angelöthet gewesen tst und dazu 
gedient hat, in eine am entgegengesetzten Ende befindliche 
Hülse den Dom hineinzustecken und so das Gewand zu halten. 

3) Zwei Stücke berlockenartigen Schmuckes. Sie besteben 
aas sechs kleinen Kugeln, vier in einer Ebene, die beiden an- 
dern oben und unten, die an einem in der Mitte befindlichen 
Körper haften; an der oberen Kugel ist ein starkes 0er, ver- 
mittelst dessen das Ganze an einer Kette hängt Doch ist die 
Kette des einen Stückes vom Oere getrennt Der Durchmesser 
der KUgclchen ist 4 Linien. Die ganze Berlocke ohne das Oei' 
ist 1 Zoll, das letztere ö Linien lang; die lose Kette bat 30 
Glieder und eine Länge von 4 Zoll, die andere von 2 Zoll bei 
22 Gliedern. 

4) Eine grössere Kette nebst drei dazu gehörigen Haken. 
Jene besteht aas je zwei kleineren, mit einander verbundenen 
Gliedern, die an der Seite, wo sie aneinanderstoasen, von einem 
Wolate umgeben sind und auf der entgegengesetzten kleine 
Knöpfchen zeigen. Durch die in ihnen befindUchen Oeffnungen 
geben grosse Knge, welche gerade nur so viel Spielraum haben, 
dass noch eine Bewegung möglich ist Ein solcher grosser 
King verbindet stets zwei Paare der kleineren Glieder. Der 
noch erhaltene Theil der Kette enthält sechs kleinere Olieder- 
paare und ebensoviel grössere Ringe, von deren äassersten aber 
eine Hälfte abgebrochen ist Ausserdem fanden sich noch fünf- 
zehn einzelne Stücke, theils ganze grössere Ringe, tbeils Frag- 
mente von solchen, bald mit, bald ohne die kleineren Glieder- 
paare, mehr oder weniger durch Schmelzung aas der Form ge- 



: CoOJ^Ic 



bracht, vor. — Vod den Haken ist der grössere sehr sieriicb; 
er hftngt mit einem 0er itn einem grossen Ringe, auf dessen 
en^egengesetzter Seite sioli noch ein kleines Qliederpaar, was 
dem an der Kette gleicht, befindet, so dass es als unzweifelhaft 
angesehen werden moss, dass die vorgedachte Kette nnd der 
Haken snsammengehören. Der letztere enth&lt znnfichst dem 
Oere ein breites Stück, das aof jedem Ende einen Knopf und 
in der Bßtte eine vierkantige, mit vertieften Linien amzogene 
Erhöhung hat; daran schlieset sich eine Einaiehang, an die 
letatere ein Wulst. Der eigentHebe Haken verjüngt sich all- 
mftblicb nnd ist von zwei Doppelreifen eingefasst. Das Ende 
der Spitze ist kantig, nach answ&rts gebogen nnd mit zwei 
kleinen Kugeln verziert. Die Läogenausdebnnng vom 0er bia 
zur Umbiegung der Spitze betr&gt 6, die grösste Breite l'/a 
Zoll. — Die beiden andern Haken siod kleiner und einfacher. 
Der eine, besser erhaltene, aitst nicht an einem grossen Knge, 
sondern haftet an einem kleineren GUederpaare jener Kette; 
die ftnssere Spitse ist sehr stark nach aussen gebogen und 
gleicbCAllB mit zwei kleinen Kugeln verziert; der andere ist 
jenem ähnlich, nnr dass er in noch höherem Qrade die Ein* 
Wirkung des Feuers zeigt und da, wo er an dem GUederpaare 
gesessen, abgebrochen ist. 

5) Endlich fanden sich noch einige Stücke zusammen- 
geschmolzener Bronze, auf die das Feuer in dem Maaase ein- 
gewirkt halte, dass die ursprüngliche Form nicht mehr genau 
zu erkennen war, die aber feineren Gegenständen, wie die 
Kette ist, angehört zu Laben scheinen. 

Die Beantwortung der Frage: zu welchem Behufe die noter 
3} und 4) Bufgeföhrten Fnodstücke gedient haben mögen, würde 
einfacher sein, wenn man etwas ganz Gleiches bereits anderweit 
in einem altgermaniscben Gtrabe gefanden hätte. Dies ist aber, 
so viel sich bat ermitteln lassen, nicht der Fall, obwohl mancher- 
lei Stücke, die eine gewisse Aehnlichkeit darbieten, gefunden 
worden sind. Am wahrscheinlichsten ist es, dass das Gehänge 
einen Theil eines Pferdegeschirres gebildet hat. Aus Tacitaa 
(Germania oap. II) ist bekannt: das« die Germanen viel anf 
Pferdeschmuck gehalten nnd dass solcher namentlich za den 
Gegenständen gehört habe, welche ein bei den Fürsten beaoii> 
dem beliebtes Geschenk bildeten, sowie (ibid. cap. 27): daaa 



hftufig mit der Leiche auch das LeibroBs, gewiss also auch 
dessen ÄasrOstnag, den Flammen Übergeben wurde, wie sieb 
denn aach vielfach in altgermasiBchon Ghilbern dergleichen vor- 
gefunden hat. 

DasB wir es mit einem Werke römischer Technik za thon 
haben, kann man mit ziemlicher Bestimmtheit annehmen. Nicht 
nur dentet hieraaf die Form, die weder archaiBtiscb , wie bei 
dar etruriachen ist, noch den eigenthtlmliohen Typus der kel- 
tischen ond germamsohen Arbeiten an sich tritgt, sondern auch, 
und zwar diese gane besonders, die Composition des Materials, 
das aus Kupfer und Blei besteht , während sich , namentlich die 
Ktrosker und die Kelten, stets des Kupfers und Zinns znr Her^ 
Stellung des Erzes bedient haben. Auch ist festgestellt, daas 
die Bronze, in welcher das Kupfer mit Blei legirt ist, ohne 
Aoanabme einer späteren, in der Technik schon TorgeBchritte- 
neren Zeit angehöre. 

Dem Direktor LindenBchmidt sind ilbrigens die beBchrie- 
benen FundstUcke so wichtig erschienen, dass er AbgQaae tos 
denselben Air das Mainzer Museum hat anfertigen lassen. Die 
Originale befinden sich in meinem Besitze. 

Wenn ich hier noch eines Fandea gedenke, der, streng 
genommen, nicht hierher gehört, da dar Fundort ausserhalb 
des Kreises liegt, welcher den Gegenstand dieser Mittheilungan 
bildet, so geschieht dies weniger seiner Reichhaltigkeit oder 
Eigentbttmlichkeit wegen, als weil er die Veranlassung zu einem 
1776 von Heinr. Aug. Frank in der hiesigen Akademie der 
'Wissenschaften gehaltenen und in, deren JahrbtLchern (Acta 
Academiae scientiar. qoae Erfarti est ad ann. 1777 pag. 177 bis 
200 mit 1 Kupfertaf.) abgedruckten Vortrage gegeben bat, auch 
damals die FundstUcke in den Besitz der Academie gelangt sind. 

In dem etwa zwei Stunden nördlich von Langensalza be- 
legenen Dorfa Neuenhailigen pflügte ein Bauer beim Ackern 
einen Dolch aus; als ihn dies zum weiteren Nachsuchen ver- 
anhuste, ümden sich noch elf dergleichen. Nor einer von diesen 
war aus einem Stücke gearbeitet; bei den übrigen war der 
metallenoe Qriff mit kleinen Nttgeln an der Klinge befestigt 
Welcher Art dies Metall gewesen, ist nicht gesagt, doch ist 
kaum za bezweifeln, dass es Bronze gewesen, da angeführt ist, 
daes es mit OrUnspan überzogen gewesen eei. Die Qriffe waren 



..C.oo^Ic 



— 240 — 

theils gewunden, tbeils gtatt, einige mit Linien versiert; die 
Ehingen zweischneidig, '/« ^Ue lang, die Spitsen abgenmdel. 
AaBaerdem wurden etwa 60 keilionnige Werkseuge (Kelte), ein 
Armring, eine auf beiden Seiten zugespitste, in der Mitte and 
auf beiden Rändern geriefte Hacke mit einem Loche, durch das 
ein Stiel gesteckt werden konnte und eine Röhre, die fllnfmal 
in gleichmässigen Abatändeti mit je fOnf Reifen verziert war, 
gefunden. 

Alle dicBO Clegenstände lagen in einer gewiBien Ordnong; 
swei grOsBere von ihnen, ein Dolch, welcher an Länge die 
Übrigen um das Doppelte übertraf, und die Hacke in der Mitte 
von den andern Stücken im Kreise nmgeben. 

Auf demBelben Grundstücke, aber in einiger Entfernung 
von dem vorerwähnten, wurden zu anderer Zeit zwei menach- 
liehe Armknochen, an deren jedem 7 bis 8 Brouzeringe steckten, 
gefunden, von denen aber nur vier in den Besitz der Academie 
gelangten, da die übrigen zu Schuhschnallen und Kaffeelöffeln 
verarbeitet waren. 

Auch schon früher waren in jener Gegend mehrfach Har- 
niBche von Bronze oder Eisen gefunden, die man gleichfalls zu 
Geräthachaften verarbeitet hatte. Merkwürdig ist die grosse 
Menge römischer Münzen, welche man in derselben Gegend ans- 
geackort hat — einmal eine ganze Wanne voll — so dass es 
bei den Frauen Üblich wurde, dergleichen als Schmuck zn 
tragen und sich häufig dergleichen in den Klingelbeuteln fanden. 
Eine silberne, die der Academie zuging, war von Kaiser Äntonin; 
es scheint aber, dass dieselbe in keiner Beziehung zu den vor- 
erwähnten Funden gestanden. Die letzteren will Frank den 
Cimbem beimessen. 

VII. Zum SchluBse muBS ich noch einiger Gegenstände ge- 
denken, von denen es nur bekannt ist, dass sie in der hiesigen 
Gegend gefunden sind, aber nicht, in welcher Feldlage, so dasa 
■ie sich nicht in der zur Anwendung gekommenen Reihenfolge 
haben unterbringen lassen. 

Es Bind dies: ein Streithsmmer von einer sehr harten Stein- 
art in dem Museum des orangeÜBchen Waisenhauses (vid. Ver^ 
zeichnias der Kunat-Sammlungen im Museum des evangelischen 
Waisenhauses S. 88 Nr. 120) und eine grosae Urne in unserer 



:, Cookie 



— 241 — 

Sammhuig, rfiokücliÜicb deren Herknnft man nur weies, dasa 
sie im Weünariaoben gefunden worden. 



Fassen irir nun die aacblicben ErgebnisBe der Torstebenden 
Nacbricbten überiicfatUch und systematisch zusammen, so muss 
BUTörderst eingeräumt werden: dass, so grOBs auch die Menge 
der Fnnde sein mag, sich doch keiner darunter befindet, dorch 
welchen sich mit völliger Sicherheit die Existenz des Men- 
schen in der Diluvialperiode nachweisen läsat Ein hoher 
Qrad der Wahraoheinliobkeit spricht aber allerdings bierfllr bei 
dem Mliblberger versteinerten Manne. Minder zeugen hierfUr 
vielleicht noch seine Umwandlang in Stein, die 15 Fbss mäch- 
tige Sohicht eines theilweise aeb- festen Conglomerates, die sich 
über ihm gebildet hat, und die Spuren einer wenigstens hier 
gegenwärtig verschwundenen Flora, wie, dass unter gane glei- 
chen geognostischen Verhältnissen anderswo vorwaltliche Thiere, 
namentlich das Mammuth, gefunden sind, so dasa man wohl zu 
dem Schlüsse berechtigt ist : dass jener Mensch gleichzeitig mit 
diesem existirt habe. — Zweifelhi^r ist es, ob die im Torf- 
moore von Wemingshauaen gefundenen klinatlicb bearbeiteten 
Hölzer einer in der hiesigen Gegend nicht mehr vorkommen- 
den Baomgattnng gleichfalls aus jener Periode stammen. Da- 
gegen sind Bonatige Funde aus der Diluvialzeit oder doch 
wenigstens dem ältesten iS'luvinm, neben welchen keine Sporen 
einer gleichzeitigen Existenz des Menschen eich gezeigt haben, 
nicht Briten gewesen, bo die Mammuthsreste , die am Rotben- 
berge, vor dem Schm-dtstedter Thore, bei der Villa, in Hocb- 
heim and zu Griefstedt gefunden sind, das Geweih eines lUesen- 
hirschas von der Elemmschen Brauerei, das vorweltliche Rind 
von Wemingshausen, die Backenzähne eines Urs vom Rotben- 
berge und die Ämmoniten vom Brttbl und von Hochhetm. Aach 
der auf dem Salzbergwerke gemachte Frtd dUrfte hierhin zn 
reebnen sein. 

Viel zabirächer sind die Ueberbleibael ana der Steinzeit, 
tbeils in Steinwaffen, theile in Steinger&tben bestehend. Hierhin 
gehören die Fände von Nenerbe, dem Rotbenberge, dem Äugnsta- 
parke, von Mittelfaaoaen , Büealeben, Bechatedtwagd, 'Eiachleben, 
Orlishaoaen, Harras, Mühlberg, Wandersieben, Hocfaheim, Dieten- 
dorf, Alocb, Gispersleben Kiüani, der Sohwellenbarg and Etz- 



CdO^^lc 



— 242 — 

leben. Wie weit dieselbeD der paläolithiBchen, Trie weit aie der 
neolithisclieii Periode angehören, hat sich nicht überall genau 
feetstollen lassen ; von den meisten derselben, so namentlich von 
dem Btissleber Funde ist aber das letztere unswerfelhaft. Hervor- 
zabeben sind hierbei insbesondere die Beile von Nephrit (Rothen- 
berg) und Jadeit (Harras), Steinarten, welche in der hiesigen 
äegend in oatürlichem Zustande nicht vorkommen, sodann das 
bei Windiachbolzhaoscn gefundene Idol. 

Seltener ist man auf Qeräthe aus Knochen gestosaen, 
doch gehören hierhin die auf dem Rotbenberge geladenen Werk- 
zeuge, das zu einem Handgriffe verarbeitete, mit Schnitzerei 
versehene Hirschgeweih vom Fiscbersande , das sugespitzte 
Hirschgeweih vom Äugustaparke und der mit concentrischen 
Ringen verzierte Streithammer von der Erayenborg. 

In die Periode, wo man sich znr Anfertigung von Waffen, 
Qerütben and Schmucksachen des Metalls, namentlich der B r o ns e 
bediente, gehören Funde vom Sohmidtatedter Thore (Kelt), 
Eloetergange (Bronzenadel), auf dem Bothenberge (Armringe, 
wohl B. g. Blutringe) bei Neuschmidtstedt, Schönthal (Kelt), aaf 
der Riecbheimer Höhe (£elt) , bei Möbiaburg (Bronxecysta), 
Waltersleben, Roda (Kelt), Orlishausen (Broneeringe), Biachleben, 
Zimmern supra, Andisleben (Pferdegeschirr), Neuenheiligen 
(Dolche, Kette, Armring) und Vippach-Edelhaosen (Schmuck- 
sachen, verziertes OefiisB). 

Die Verwendung des Eisens w.'d vertreten drrch die in 
der Schlösseretrasse gefundene eiserne Axt, den Schlttseel 
(Agraffe) vom Rothenberge, die Sporen von Neuschmidtstedt, 
die Scheere von Mittelhauseo, die Messer, Pfeilspitze und Kopf- 
ringe von Bischleben, die Hufeisen von Ktthnhausen, welche 
letztere der Vermnthung Raum geben, dasB sich dort einst eine 
Schmiedewerkstatt befunden. 

Man kann hiernach annelzien: dass die Funde vom Rothen* 
berg, von Neuschmidtstedt i:nd von Bisct'eben in die epfiterc 
Metallperiode, wd neben der Bronze auch Eisen verweadet ward, 
die übrigen vnn Bronzegegenständen dagegen in die frühere, 
die eigentliche Bronzezeit, zu setzen sind. 

Silbersachen, im wesentlichen Schmuckstück«, haben 
sich gefunden auf dem Rothenberge, zu Neuichm-dtstedt, auf 
dem Platze des städtisoben Kranken'iaases, zu Bisobleben and 



..C.oo^lc 



— 243 — 

AndiGleben. Auf GogODstSiide von Gold iet man nirgoods gc- 
Btossen. 

Tlionge fasse in Topf-, Urnen- tmd Schalenfonn , odor 
doch Brnchstttcke von solchen, sind nicht nur vielfach einzeln 
vorgekommen, sondern haben auch einen grossen Thcil- aller 
anderen Fnnde, namentlich die von menschlichen Gebeinen bo- 
gleitet. Das erstere ist der Fall gewesen in der WalkmUhl- 
gssse, in der Malzgaase, im Krämpfer Felde, za Daberstedt 
n. s. w. Bei weitem die meisten dieser Gegenstände rühren aus 
der ältesten Periode der Thonindustrie, wo die Gcfilsse blos aus 
der Hand and ohne Anwendung einer Drehscheibe gefertigt und 
nicht im Brennofen, selbst nicht einmal an einem offenen Feuer 
gebrannt, sondern nur sn der Lufl getrocknet wurden. Sie sind 
daher von aussen sowohl, wie im Bruche, schwarz mit meist 
dicken Wandungen, aus einer grobkörr^gcn , aus Thon und 
Sand gemischten Masse. Unzweifelhaft sind sie Produkte des 
heimischen KanstHeisses. Eine Aasnahme hiervon bildet die 
auf dem Rothenberge gefjndene mit Basreliefs versehene Schale, 
die anbedenklich als eÄe rBmische Arbeit angesehen werden, 
and anr als Beutestück oder im Wege des Handels hierher gc 
langt sein kann. Ob auch die auf dem Nordhäoser Bahnhofe 
gefundene omamentirte Schale, sowie die von Andisleben in 
diese Kategorie gehören, mag dahin gestellt bleiben. 

Tbongeräthscbaften sind nur zusammen mit Uober- 
resten von Uenschen aufgedeckt, wie am Juliusgraben , auf dem 
Rothenberge, vor dem Andreasthore und am Aagustaparke, and 
bestehen fiberwiegend in Spinnwirteln. 

Holsgeräthe werden nur darch die bei Keuschmidtstedt 
gefnndeneu Eimer, sowie durch die zum Einsargen der Leichen 
verwendeten Bretter in dem am Westabhange des Bothcnbcrges 
belegenen Begräbnissplatzc vertreten. Die durch einen Quer- 
riegel verbundenen Etchenbalken aus dem Werningshäuser Torf- 
moor können wohl kauTH hierher gerechnet werden. 

Die Zierrathen und Schmucksacben bestehen thoile 
in Perlen von Thon (Rotbenberg, Nensobmidtstedt) , von Stein 
(Augnstapark, Bischleben), von Glas (Bischleben), Bernstein und 
Perlmatter (Neuschmidtsledt, Bischleben), theils in Nadeln, 
Ringen, Broschen, Berlocken und Fibeln von Silber (Bischleben, 
Neaschmidtstedt) und Bronze (Bothenberg, Vippach-Edethansen), 



— 244 — 

BO wie in BemsteioriDgeD (VippAcb - Edelhaasen). Den Zier- 
rathen musa aucK der Andielebener Bronzefund sugerechnst 
werden. 

Münzen sind gefunden am Rothenbeige ( von Kiüser 
AagnstuB), in WindischbolKbausen (Kuser Trajan), Neuenhei- 
ligen (Euser Äntonin) und Biacbleben (Kaiser Juetinian I., bar- 
barisirt). Die bei Wemingshaueen gefandeoe Medaille mit dem 
BildnisBe Wodans kann, wenn man aacb alle Zweifel an der 
Ecbtheit bei Seite läset, nur als ein Ämulet betrachtet werden. 

Gehen wir nun von den einzelnen Prodokten menscblicber 
Hand and Kanst zu den Wohnsttltten über, so können, der 
natürlichen BeBchaffenheit der Gegend nach, weder za Woh- 
nangen benutzte Höhlen noch Pfahlbauten hier vorkommen, iön- 
dern nur solche, welche in flachem und auf festem Lande ge- 
legen haben. Als solche kann man mit ziemlicher Sicherheit 
die Fundstätten am Juliusgraben, auf dem Bothenberge, vor dem 
AndreaBtbore, am Augustaparke und die s. g. Alte Stadt bei 
Orliahaueen ansehen. Denn hier sind Überall Gogenatände ge- 
funden, die nicht den Veratorbenen in ilas Grab mitgegeben zu 
werden pSegten, wie Spinnwirtel (Juliusgraben n. s. w.) Qaetsch- 
steine (Augustapark), ja selbst Bruchstücke der Lehmbedacbnng, 
mit welcher einst die Wohnungen versehen gewesen sind (An- 
dreasthor, Angustapark). Auf dem Rothenberg mnas sogar eine 
Fabrikatätte von Steinwaffen befindlich gewesen sein, wie 
die an den Stellen, in welchen Löcher anzubringen waren, mehr- 
fach noch stehenden Zapfen darthun. Eben so deutet das am 
Augustaparke neben einer Beibeplatte gefundene SttLck Ooker- 
erde darauf, daes wir es hier mit einer ehemaligen Fabrikstfitte 
zu thun haben. 

Von BingwäUen, die aas prähistorischer Zeit herrlihreo, 
hat sich nur ein Beispiel gefunden, zu OrlishauBen. 

DasB die Art der Bestattung eine mannigfache gewesen, 
hat sich auch hier gezeigt. Doch sind freietehende Steinkam- 
mern, eben so wie b. g. Riesenbetten, mit einem Steinkranae 
umsetzte Hügel, die im Innern eine oder mehrere St^nkaramem 
enthalten, hier nicht vorgekommen, wohl aber einige Fälle, wo 
die Bestattung in zu diesem Bebufe künstlich aufgeworfenen 
Grabhügeln stat^efunden hat, die also nach der gewöhn* 
lieben Annahme der Eisenzeit angehören, so zu Nöda, Stottern- 



beim und Vtppscli-Edelhausen, an welchem letzteren Orte wir 
ieden&Us das Grab einea Färsten oder Häuptlings vor qdb 
haben; in Steinkammern, die eine Urne bergen, anf dem 
Grundstücke am Hirachlaolinfer, und am Kothenberge — wo dio 
Urnen scbichtenweise nnter einem, theilweiae gewölbten, künst- 
lichen Steinpäaster lagen, eine BegrKbniasstfttte die noch be- 
sonders dadurch interessant ist, dass neben Knochen und Asche 
verbrannter sich auch anverbrannte Leichen vo^elnndea haben ; 
— in Steinbetten auf der Aaenachanze, zu Waltorsleben, zu 
Orlishausen und anf dem Terrain des nensn städtischen Kranken- 
hanses. Ein Beispiel von einem Urnanbegräbnisa ohne 
Steinkammer bietet Andisleben, während auf dem Nordhäuser 
Bahnhofe sich auf der Brust einer anverbrannten Leiche eine 
reich omamentirte Tbonschale gefunden hat. 

Bei weitem am häufigsten sind Begräbniaaatättcn in Reihen- 
gräbern vorgekommen. Hierher gehören inabesondere die 
zwischen der Löberbriicke und dem Neuwerkskloster, so wie 
die am Fusse des Bothenberges aufgedeckte — bei welchen 
beiden es jedoch dahin gestellt bleiben masa, wie weit sie be- 
reits in die christliche Zeit hineinreichen — die zu Ilveregehofen, 
vor dem Andreasthore, zu Neuschmidtstedt, wo Steinplatten den 
Leichen als Unterlage gedient haben, im Terrain dea neuen 
städtischen Krankenhauses, am Augustaparke , zu Mittelhausen, 
Lützenaömmem , Biacbleben, Gisperaleben Kiliani und auf der 
Krayenburg. Die meisten dieaer Beibengräber dUrfted dem 4. 
bia 8. Jahrhunderte, der Völkerwanderungsperiode, angehören; 
nur wenige unter ihnen sind vor die Eisenzeit oder noch früher 
anzusetzen. 

Der gröeste Tb eil der aufgezählten Fundstätten befindet 
sich auf den Abhängen dea Höhenzuges, welcher auf beiden 
Seiten den Lauf dea Gerafiussea begleitet und der in der Urzeit 
sehr wahrscheinlich daa Ufer dea Strombettea, welchea daa ganze 
gegenwärtige Thal, wenn auch nur als Sumpf einnahm, gebildet 
bat, oder auf Hügeln, die, wie der groaae and kleine Rotheberg, 
die Scbwellenburg und die Krayenburg, einzeln aus jenem her- 
vorragten. 

Die Zeitperiode, welcher die Funde angehören, läaat 
sich nur so weit feststellen, als die jüngateu derjenigen ange- 
hören müssen, wo nach der Völkerwanderung die von den 

izcdbvGoOglc 



— 246 — 

GeTDumeo verlassene hiesige Gegend von Slaven eingenommen 
war. Dies ergiebt sich aus der zu Bisohleben gefandenen Münze 
aas der Zeit JostinianB und aus den ZierratheD, namentlich Per- 
len, wie sie nur in alavischen Gegenden vorkommen. In die 
gleiche Zeit dUrfte der Neuschmidtatedter Fand xa setzen sein. 
Die übrigen deaten Cast ausnahmslos aof eine frühere Zeit. 
Unterstützt wird diese Annahme dadurch, dasa dio orh^tenen 
Schidel überwiegend mesokephal sind; nur der Walterslebener 
(aus der Bronzezeit), der Mühlbergcr und der von der SohweDon- 
bürg gehören in die Klasse der Dolichokephalen , ein in der 
Gartenstrasse, und der vor dem Ändroasthore gefundene in 
die der BrachjkepluUen. 



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D,i.,.db, Google 



Jahres-Bericht 

du 

Ten für die tetiictite Md AlterttmnisliQnde toq Erfurt 

m das Jabr 1880|81 

io der Geaeral-Versammliuig vom 18. Oktober 1881 

Torge tragen 

T<n den TortitzeBden das VoratandM. 



Seit iob zum letzten Male die £hre hatte, Ihnen, boch- 
verehrta Anwesende, einen , wenn ich mich so ausdrücken darf, 
RechnongsabschlusB Über unsere Thlltigkeit und Alles, was sonst 
auf unser Vereinsleben Bezug hatte, Torsutegen — es geschah 
dies in der General -Versammlung vom 24. August v. J. — ist 
im Grunde nur ein Umstand eingetreten, der in unteren Denk- 
büchem eine etwas hervotrsgende Stelle einzunehmen verdient. 
Es ist dies die Herstellung einer Stätte, in welcher Denkmäler 
der Vergangenheit, die ihrer Grösse and ihrem Gewichte nach 
nicht gut in unserem Museum aufgestellt werden können, welche 
aber doch vor dem Untergänge zu bewahren, wenn auch nicht 
immer ihr Eunstwerth und ihr historisches Interesse, doch die 
Pietät, welche wir unseren Altrordern schulden, gebietet, unter- 
gebracht, vor weiterem Verderben, namentlich dem zerstörenden 
Kinfluee der Witterung bewahrt und in einer Übersichtlichen 
Reihe zusammengestellt werden können. Ich spreche von der 
in einem der Höfe des grossen Hospitals getroffenen Einrichtung, 
Über die Ihnen bereits mehrfach hier Mittheilung gemacht wor- 
deo, die zwar noch keineswoges als vollendet und zum völligen 
AbschlusB gelangt bezeichnet werden kann, die aber doch we- 
wgstens die dringendsten Anforderungen erfUltt, eine sieben 

1* .v)OJ^Ic 



IV 

Orondlage z\x dem, w&b nocb zu thon ist, und gewissermassea 
eine sweite Abtheilacg unsareB MosflomB bildet. Auch hier iat 
HUB die hiesige Stadtbehörds, und Damentlicb der ComnÜBsarias 
derselben, Herr Stadtscholrath Vorbrodt, mit der liebens- 
wttrdigsten und fördemdetea Bereitwilligkeit entgegen gekommen. 
Diesen allein Tordanken wir es, wenn wir so weit gelangt sind, 
and ich nehme daher gern Veranlassung, dies hier dffenttich 
ansEospreohen und denselben im Namens des Vereins den tief- 
gefttbhen Dank absuetatten. 

Im Debrigea hat unser VerMOsleben sieh in den gewShni- 
lieben Bahnen gehaken and der Verein so gut und so weit es 
die Verhältnifise irgend gestatteten, die ihm gesteckten Ziele su 
erreichen gesai^t Versammlungen haben stemUch regelmisaig 
ia jedem Monate stattgefunden, wie die weiter unten n&her aaf- 
BoÄihrende Uebersicbt der gehaltenen VoftrJige dartbun wird; 
nor in den Tagen des Hochoommerfi haben wir, wie auch in 
früheren Jahren geschehen, die Zusammenkünfte aas&Uen lassen, 
da dann stets ein grosser Theil der Mitglieder unseres Vereins 
fem von Erfurt weilt, wir also auf einen niw sehr spSrlicben 
B«tocb ans ge&sst machen m&ssten. Ein nenes — das aebst« 
— ' Heft unserer Mittheilungen ist im Iianfe des Jahres arsobie- 
nen und bereits in Ihre Hände gelangt Es ist diesmal etwa« 
BtKrker aasgefallen als gewöhnlich, da es aasser swei Jahres- 
berichten und den Verseicbnissen der Erwerbangen und Ge- 
schenke, drei grossere Aufsätse — den von dem Major BOok- 
ner Vihei das hiesige Peterakloster, die Beiträge des Oberferst- 
meisters Werneburg zur tbfiringiaoben Gesobicbte, sowie die 
zweite Abtbeilang von meinen Begesten der Grafen von Oleichen 
— enthält loh hoffe, dass wir in der Lage sein werden, aoch 
im laufenden Jahre wieder ein Heft der IKttheilungen der Oef- 
fenUiohkeit au übergeben. MateriaUen dam sind theilweise be- 
reits gegenwärtig rorhanden. 

Wenn sich nach allem diesem der Vorwurf; dass unser Ver- 
einsleban im Bückschreiten b^p^ffen sei, nicht würde begründen 
lassen, so kann man doch aueh nicht behaupten, dass eiob ein 
wesentlicher Fortschritt kund gethan habe. Nach wie vor halten 
sich die Bewohner der zum FUrstanthnm Erfurt gehörenden aos- 
w&rtigen Orte von answem KreiBe fem, obwohl unsere Thätig- 
keit Btch auf ^ese eben bo besieht, wie auf die Stadt seibat, 



und obwobl Bich unter denselben sicher so Uancber befiode^ 
der nicht ohne Interesse tOr die Ver^^ngonheit seine' Helmatb 
and seine Vorväter sein dürfte; nach wie Vor werden, ansere 
Versammlnogen nur schwach oder doch nnr mfissig beeacht — 
eine Ausnahme bildete nur die, wo der Appellationsrath Z&^ke 
über die Schickaale Friedrichs v. d. Trenk sprach, wo wir ge- 
nOthigt waren, den Raom zn Ireohseln, damit alle Anwesende 
Platz fänden — , namentlich aber fehlt es gar sehr an solcfaMi, 
welche bereit wfiren, Vorträge za halten, oder nns Beitrüge tu. 
unserer Zeitschrift zu liefern. Die Zahl der aktiven MitgUedur 
iat noch immer eine so beschrKnkte , dass wir fast ausnahmslos 
dieselben Namen immer und immer wiederkehren sehen. 

Einen Funkt, auf welchen im letzten Jahre unsere Thätig- 
keit mehr als frtlher gerichtet gewesen ist, möobte i<^ aber 
noch erwähnen ; es sind dies die Ausgrabungen TOn Ueberresten 
der Vorzeit. Wie Ihnen bekannt ist, hat der Verein hierfca eine 
für unsere Verhältnisse nicht ganis unbedeutende Sumnie be- 
willigL Von dieser ist aber bis jetzt nur ein kleiner Theil vep- 
braucht, da die Besultate der Aafgrabiingen — ' auf dem Sieriog- 
•chen Ghmndst&cke vor dem Andreasthore und auf dem Qrund- 
Btüoke, wo das neae Erankenhans erbaut wird' — nicht voa der 
Art gewesen sind, dass sie die Fortführungen als räthUch hätten 
erscheinen lassen. Anch fUr den zu Nachgrabungen bei Mütus- 
barg ausgesetzten Betrag hat sich bis jetzt die beabsichtigte 
Verwendong nicht ermöglichen lassen. 

In der Zusammensetzong des Vorstandes des Vereins sind 
seit der ErstatlUDg des vorjährigen Berichts Veränderongon 
nicht eingetreten. Herr Rittergutsbesitzer Buhlers, welcher 
an Stelle des aus Gesundheits-BUcksiehten abgetretenen und 
demnächst verstorbenen Stadtrath Metz die Geschäfte des Eas- 
senfKbrers übernommen, yerwaltete schon damals dieses Amt, 
and Herr Lehrer E r u 8 p e , der nach dem statntenmässigen 
Turnus damals hätte ausscheiden müssen, wurde wieder ge- 
wählt. 

Die Zahl der wirklichen Mitglieder unseres Vernns ist, ob- 
wohl manche derselben entweder^ wie der Major Rochs und 
der Kaofmann Peifer, die zn den regelmässigsten Besnobem 
unserer Versammlungen, der erstere auch £u den Vortragenden, 
gehörten, durch den Tod abgemien sind, oder in Folge VwüUf^i 



:. Cookie 



VI 

Ton Erfort ihre MitgÜedscliaft aufgegeben Iiaben, fast ganz die 
frübere geblieben, da jener Verlnat darch den Eintritt neoer 
Hitglieder ausgeglichen ist. Den Geldbeitrag haben im ver- 
floasenen Jabre 159 entrichtet, während zar Zeit, aU ich den 
voijahrigen Bericht epatattete, die Mitgliederzahl 160 betrag. 

In dem Personal der Ebrennitglieder ist keine VerSndernng 
MUgetrften, dagegen haben wir eins anserer correspondirenden 
Mitglieder, den Geheimen Jnstizrath Hichelsen zu Einl, der 
wfthrend der Zeit seiner Jenensiachen Professar mehrfach an 
nneeren Arbeiten theilgenommen , nnd sich darch einige seiner 
Schriften — über den Mainzer Hof nnd Ober die Hathsverfas- 
sdQg von Erfurt im Hittelalter — wesentliche Verdienste um 
die Geschiobte nnswer Stadt erworben hat, durch den Tod ver- 
loren. Neue correspondirende Mitglieder zu ernennen bat sich 
keine Gelegenheit dargeboten. 

unsere Samminngen haben sich durch Funde zwar nur in 
geringem Masse, aber ziemlich reichlich durch Scbenknngen 
Termehrt. Es ist wohl keine Versammlung vorüber gegangen, 
in welcher nicht dergleichen zu verzeichnen gewesen w&ren. 
lob nehme gern Veranlassung, dies hier dankbar anzueikenneu- 

Die im Laufe des letzten Jahres gehaltenen Vortrüge sind 
nachstehende gewesen. 

Am 24. August 1880 berichtete, nachdem von mir der Jahres- 
bericht Toi^etragen und die etatoteumfissige ErgEnzungswabl des 
Vorstandes vorgenommen war, der Herr SchriftfÖhrer Über den 
Aasflug der zu Berlin abgehaltenen Anthropologen-Versammlung 
nach dem Spreewald und die dort bewirkten Aufgrabungen. 

Am 13. September ej. fand eine Besichtigung der Severi- 
kirche statt, wobei Herr Pfarrer Oppermann eine Darstellung 
der Geschichte dieser Kirche und des damit verbunden gewe- 
senen CoUe^atstiftes gab nnd Herr Lehrer Eruspe das Bau- 
liche und die dort befindlichen Eunstdenkmfiler erliuterte. 

, Am 22. September ej. ^d ein Gleiches in Betreff der Bar- 
ftssorkirche statt. Ein Vortrag des Herrn Pfarrers Win kl er 
gab die auf deren Geschichte, sowie auf die des Frantiskaner- 
Klosters, dem sie bis zur Reformation angehört hat, bezüglichen 
Momente, während auch hier Herr Lehrer Eruspe die dort vor- 
handenen Konstverkfl Torf&hrte nnd besprach. 



vn 

Am 26. Oktober ej. folgte auf einige k&rsere HittlieilaDgen 
des Herrn Babbiners Csro, des Herrn Lehrers Kraspe ynd 
meineraeits , die erste Abtheilang eines Vortrages des Herrn 
Ijehrer Ney: EiBtorische W&ndemng tod Arnstadt nach Ilmenau. 

Die Versammlung vom 23. November ej. wurde ausgeftUIt 
durch ^en Vortrag des Herrn Oberforstmeisters Werneburg 
nber den Ort, an welchem die alte Landfrrafenba^ Schanenbarg 
bei FriedricIiErode gelegen gewesen ist, und durch einen Bericht 
des Herrn Dr. Zschiesche über die Aufdeckung eines Qra* 
bfls ans vorhistorischer Zeit auf der Schwarzburgisoben Domaine 
Greasaen, sowie über weitere Funde in der Sieringschen Lehm- 
grabe vor dem Andreasthor. 

In der Versanimlting vom 14. December ej. setzte derselbe 
diesen Bericht fort, nachdem wettere Nachgrabungen auf Kosten 
des Vereins an der gedachten Stelle vorgenommen waren. Hier- 
auf las Herr Lehrer Ney die zweite Ahtheilung seiner SchiU 
Amng einer Reise von Arnstadt nach Ilmenau. 

In der Sitzung vom 25. Janaar 1881 trug Herr Realschul' 
lehrer Hesse den ersten Theil einer Abhandlung über den 
Thüringer Zehntenstreit und dessen Bedeutung für das Verhält- 
niss des Mainzer Stuhles zu den grossen Abteien in Thüringen 
ond der Thüringer Dynasten zu Kaiser Heinrich IV. vor. 

In der Versammlung vom 15. Febrnar c. beendete derselbe 
diesen Vortrag, nachdem zuvor Herr Realschullehrer Boxber- 
ge r über die Urtypen zu Schillers R&ubern, and einige Worte 
zur Erinnerung an Lessing ans Veranlassung von dessen hun- 
dertjfthrigem Todestag gesprochen. 

In der Versammlung vom 15. Mfirz hielt der Herr General 
Bauer einen Vortrag über die Kriegskunst der Qriocben und 
Römer. 

Id der Versammlang vom 26. April o. schilderte Herr Ap- 
pellationsgericbts-Ratfa Zacke aas Magdeburg die Schicksale 
fViedricbs von der Trenk, insbesondere desBen Gefangenschaft 
in Hagdeborg, wobei er aus Familienpapieren entnommene Mit- 
tbeilangen darüber, wie es den 1760 als Unterp&nd flir die Sei- 
tens Preasseos der Stadt Erfurt auferlegte Contribution von 
600000 Rtb. in die Gefangenschaft geitlhrten Geissein ergangen, 
voraoaschickte, 

Dictzedby Google 



TOI 

In dei Vwaamihluag vom h Jisi trup ieb sdbUt das Anten 
Tbeil einer überaicbfliohen ZusamDenatellucg der id BrfbH nd 
deBien Um^gsnd gefandenen vorgeli6hiohdiobeii OegeaaUlitda 
vor. 

In der VectamtDlaDg vom 5. Juli o. witfde dieitt Vortr^ 
beendeti wonfiohst Herr Lehror IiTey WlUe'a Anttobt ftber die 
gohteibnog dei Namdsl deb b. Boni^Rciiu mittheilta und be* 
sprhdik 

In d«r VersbcotnlnDg vom 30. ÄQgost c. gab Herr ProflBBBor 
Sohvm «ua Hslld etna U«beriiobt deigenigsn Momente «u 
daib. Lebet] dee Ämploniiui Ratit^gkde BwkA, wdoha nah au 
yotizen in den zu deaeen Bibliothek gehörig gswesebeB Bticllflni 
ei^eben. Demnächst wurde der Herr Vortragende zum Vertre- 
ter unseres Vereins auf der dieejährigan Vereanunlung des Ceo- 
tralvereins der deutschen Oeschichts- und ÄltertbamsTareine, 
dia fUr die Tage vom 11. bia 15. September c. nach FranUart 
s. H. auageschriebea war, erwählt. Wie der in dej;' ersten Fla- 
naraitzuDg dieser Versammlung am 13. v. M. von dem Sekretair 
dea GesatnmtvereiDa , RechtsaDwalt Wörner aus Darmstadt, 
erstattete Oeachärtsbericht ergiebt, bat Herr Professor Schum 
auch wirklich als unser Delegirter an , der qu. VärsammlaDg 
theilgenommen. Derselbe bat sich hierbei nicht nur bei den 
Debatten beiheiligt, sondern auch in einer der Sectionen das 
Amt des Vorsitzenden iune gehabt. 

Aus dem Vorstehenden ergiöbt sich, dass die beutige dia 
14. Sitzung una^reB Vereins seit dem 24. Aaguat T. J. tat, ao 
daaa das Hei^ommen: in jedem Monat einmal easammen tu 
kommen, genau inne gehalten ist. Den AugehöHgQo dar Ult- 
glleder i6t stets dar Beanch der VersamntiiB{geii veratattbt ge- 
weAen, es ist von dieser Vargtinstigang aber nnt selt«a Ib wfln- 
schenawerther Ausdehnung Gebrauch gemacht. 

Dici BecfailUng über die'Kftds« ansarea Vereine pro 1880 ist 
bneits im Januar des laufendeo JahroB von dem Hwnt Bdah* 
nDdgB&brer eicgereiobt, .demnSdbat von data Heim KahiilitniA 
Fitoher ravidirt nod, da eieb hierb« niefate su -erfnhenk ga* 
&Aden, dechargirt . .' • 

Es ergiebit «ich ail« derselben, daaa die iEinnahMeQ Ober- 
haupt 628,67 Mark, worunter 477 Mark lanfaädB' B*fttftg« dar 
Mitglieder und 74,78 Mark Kapitalzinseo, betragen Mhmk Die 



:vC00J^IC 



ts. 

AsbgBbeti bellefen sieh anf 541,63 Kirk, und zWat Itestudeil 
tolobfl iü 30 Mark BeSoldnAg des VereiiiBdieners , 25,30 KbA 
fltr Anscbftffbngen zar Termehrnng unserer SantDlangen (gegen 
45 Mark des Etats), 180,45 Mark för Herstellung der Vereitis- 
schrift (gegen 450 Mark des Etats), 52,52 Mark Insertions - <Je- 
bfihren (etatsintlsB^ 60 Hark), 2T,25 Mark Porto, Bucfablcder* 
lohn und Copialien (Etat 60 Mark), Beiträge zu. anderen OeAell- 
scbaften 14 Mark (Etat 14,50 Mark), Vermehrung des Vermögens 
150 Mark, wofifa- der Etat nicbts angesetzt hatte, insgemein 
21,75 Mark (etatstuässig 31,50 Mark). Es waren daher, obwohl 
150 Mark anr Vermehrung des Stammvermögena verwendet wor- 
den, doch 190,37 Mark gegen die etatsmässige SoU-Äasgabe 
erspart Es mttssen hierbei aber nocfa einige von Ihnen extra- 
erdinair bewilligte Summen in Betracht gezogen werden. Ea 
sind dies 00 Mark flir die Einrichtung des Museums und den 
Traneport der Sachen in das neue Lokal nnd 20 Mark fOr Äas- 
grabungen. Verwendet für diese Zwecke waren aber bis anm 
Jahresschlüsse nur resp. 39,10 Mark und 1,25 Mark. Auch hier 
ist daher die wirkliche Ausgabe hinter dem bewilligten Betrag 
nm 39,65 Mark zurückgeblieben. Der Eassenbestand , welcher . 
in das laufende Jahr bioUber genommen worden, hat sich hier- 
nach auf 87,05 Mark belaufen. Sie werden aus dem Vorstehen* 
den entnehmen; dass die Ergebnisse der EasseuTerwaltung de« 
Jahres 1880 nicht nur durchaas zofriedenstellende sind, aondem 
sogar als glänzende bezeichnet werden können. Das Vermögen 
des Vereins betrug am Beginn des Jahres 1880 2259,49 Mark, 
am ScbtuBse desselben 2424,15 Mark, es hatte sieb also in des- 
sen Laufe nm 164,66 Mark vermehrt. Unter jenem war eine 
Obligation der grossherzoglich Badeaschen Fr&mien-Anleihe von 
1867 angekauft fOr 316,10 Mark, die nach dem gegenwärtigen 
Coorae aber mehr als noch einmal so viel werth ist, nnd 2021 
Mark Gfnthaben bei der hiesigen städtischeo Sparkasse. 

Anträge, welche Abänderungen der Statuten cum Gegen' 
Stande haben, sind von Seiten des Vorstandes nicht zu stellen, 
falls daher solche nicht etwa aas Ihrer Mitte eingebracht wer- 
den, wird demnächst sofort zu der statutenmässigen Ergänzungs- 
wahl des Vorstandes geschritten werden können. Nach dem 
eingefäbrten Turnus sind es diesmal der Herr Schriftf&hrer und 
i«b seil»*, welche die Beihe des Äassoheideni trifft. 



:,G Gothic 



Bevor wir ftbar zu diftsem Geschäfte Bchreiten, liegt mir 
noch die angenehme Verpflichtung ob: aJlen denjenigen, welche 
aich in dem letztverlanfenen Jahre am nsseren Verein verdient 
gemacht, sei dies durch das Halten von Vorträgen oder auf 
sonstige Weise, öffentlich innigen Dank abzustatten. Dieser 
gilt auch insbesondere den Herren Mitgliedern des Vorstandes, 
namentltch dem Herrn Schriftführer, der dnrch di« von ihm tlber 
unsere Sitenngen für die öffentlichen Blätter gelieferten Berichte 
ans fortwährend in naher Berührung mit dem Publikem erhält 
and die Nfitslichkeit unserer Tbätigkeit von Zeit an Zeit in 
dessen Qedächtniss zurftckroft, sowie von dem Herrn Rech- 
nungsfUhrer, dessen OeschäftsfUhmog , wie Sie aus dem Voraof- 
geßihrten entnommen haben müssen, eine so musterhafte gewe- 
sen und so sehr den Vortheil unseres Vereios gefördert hat, 
dass es deren besonderer Hervorhebt)ng nicht bedarf. 



DictizedbyGoOt^lC 



Jahres-Bericht 

dM 

Us ilr ilie Wollte und ierthnskiiiile toe Erkt 

fQr das Jahr 18Sll82 

in der General -Vereammliing vom 26. September 1882 

rorgetra^D 

Ton dem VorsitEeDden des Vorstandes. 



Als icb Kam letzten Haie die Ehre hatte, vor IbDen, ver- 
ehrte Anwesende, ein Bild von ansereni Vereinaleben anfznrollen 
— e» geschah dies in der Qaneral - Veraamnilnng vom 18. Okto- 
ber V. J. — , bezeichnete ich es als das wichtigste Ereigniss, 
welches in demselben im Laufe des letztverfloBsenen Jahres ein- 
getreten, daSB es uns gelungen sei, für die in nnseren Besitü 
gelangten oder ans anvertrauten grösseren Steindenkmäler ans 
der Vorzeit einen Platz zu gewinnen, wo sie, ohne fernerer Be- 
schädigung ausgesetzt zn sein, aufbewahrt werden könnten. Es 
war dies durch deren Aufstellung an den den Haupthof des 
grossen Hospitals umschliessenden Mauern geschehen. Leider 
zeigte sich aber bald, das« nnaere Absicht dadurch nur in nn- 
Yollkommenem Masse erreicht sei. Denn wenn jene Denkmäler 
auf diese Weise auch gegen absichtliche Beschfidigang durch 
Menschenhand gesichert waren, so fand dies doch nicht in glet- 
chem Masse gegen die statt, welche durch Unbilden seitens der 
Witterung ihnen zugefügt wurden. Nicht nur trafen sie dort 
die von den Dächern der umschliessenden Gebäude herabfliea- 
seuden atmosphärischen Niederschläge, die in sie eindrangen 
nod bei einem später eintretenden FVoste sie zu schädigen tat- 



.oogic 



m 

mochten, sondero bb stieg saob di« Feachtigk«it dei Bodens in 
ihnen in die HOhe , so dass sie sich bei einer Toi^enommenen 
Besichtigang in ihren unteren Theilen vollständig mit einem 
gr&nen Ueberzag bedeckt fanden, der die Arbeit des Bildhaaers 
zu zerstSren drohte. Es schien daher notbwendig, eine andere 
Einrichtung zn treffen, wenn sie wirklich vor dem Verderben 
gesichert werden sollten, um dies letztere za erreichen, wnrda 
bei dem Magistrat darauf angetri^ec , Alaiga im Innern des Ho- 
spitals, insbesondere in dem b. g. Steinbanse, befindliche R&nme, 
die gegenwärtig an Privatpersonen venniethat sind, disponibel 
zu machen and iUr die Aafstdlong nicht nur der in nnsorem 
Besitze befindlichen Denkmäler, sondern auch der, welche der 
Stadtgemeinde selbst gebSren and die eine noch viel grössere 
Bedentang, snm Theii ancfa einen höheren Koiutwerth haben 
als jene, zar Zeit aber noch mehr als sie allen Unbilden der 
Wittening aasgesetzt sind, einrichten zn lassen. Der Magistrat 
ist in der entgegenkommendsten Weise anf die Sache eingegan- 
gen und hat, wenn anch nicht dem Wortlant nach, aber sicher 
in einer viel zweckmässigeren Weise, als vorgeschlagen war, 
den Antrag genehmigt, indem er die zwei langen Schnppen, 
welche den Hospitalbanhof aaf der Morgen- and Kittagaseite 
einscfaliessen , für den gedachten Zweck eingeräumt hat. Kann 
man diese Behältnisse anch nicht gerade elegant nennen, so 
erfttlles sie doch vollständig den Zweck. Sie bieten so viel 
Waadfläche, daas alles Vorhandene mit der gröBsten Bequem- 
lichkeit darin nntergebracht werden kann, sie sind von nnten 
dorohaus trocken und schützen gegen die Niederschläge von 
obenj auch sind sie verscbUessbar , so dass kein Unberufener 
EU ihnen gelangen kann. Es bleibt jetzt nur noch übrig, die 
Aofstellung za bewirken mnd, so weit dies noch möglich ist, 
äi% auaammen gehörigen Bruchstücke an einander zu fügen. 
I^ behalte mir vor, so bald dies geschehen ist, Sie, verehrte 
Aüwesende, davon in Eenntniss zu setzen und zur Besichtigung 
»issuladen. Zwar ist der Transport der uns gehörenden Denk« 
näler von dem grossen Hofe des Hospitals nach den vorer- 
wähnten Schuppen und die Aufstellung in den letzteren, mit 
der Aofwendong einiger Kosten verbanden, aber Sie werden 
kainea Anstand nehmen, sich mit deren, Üebemahme anf unsere 
£Msa einverstanden zu erklären, da Sie, als aoerst von Herrn 

.....Cookie 



tSeieheulehrer ^Eraepe die Unsnb'^HchkeiteQ des gegenvUrfigeB 
Knatandes zur Sprache gebracht worden, die Nothmtidigkeit 
eioer Beseitigimg dereelben anerkaiiDt haben. Ich nehme gern 
VeranlaBsnng, bei dieser Oelegenheit dem Magietrate, der 
aach diesmal in so freundlicher Weise unseren WUnschen Ge- 
hör geschenkt bat, insbesondere anch dem CommiBsariuB deuel- 
ben, Herrn Stadtbaorath Spielhsgen, im Namen des Vereini 
Dank bq sagen. 

Im Uebrigen hat unser Vereinsleben keine ausaergewöhn- 
lichen Ureigniase aufzuweisen gehabt. Wir haben die Zäeie -des 
Vereiai, ao weit es die Verhfiltniase gestatteten, au erreichen 
geaacht. Die Zahl der atattgefimdenen ZnaammenkfinftQ iat ao- 
gar eine etwaa gröaaere gewesen, als in früheren Jahren. Eib 
weiteres Hdft unserer Zeitschrift ist awar im Laufe des verfloa' 
Moen Jahres nicht ersohieoen, was sich dadurch einigermasaen 
rechtfertigt, daas das letste, das sehnte, wagen eeiner ungewöhn- 
Üehan Stärke eine Ueberschreitang der beeüglicben £tatipoBi- 
lion herbeigeführt und es nöthig gemacht hat, diese Hebaiu» 
gäbe m5gli«hst dorch E^spamisa wieder ausEUgleichen; iBdeaaeo 
ist jetzt ein neues Heft in der Vorbenätnng und wird, da der 
Draok bereits begonnen iat, im Laofe dea bevorateb^nden Ver- 
einvjahrea in Ihre Blinde geUngen. 

Wepn hiernach aoch anf keine Weise unsere VereinsUijitigT 
hnt BOckachritte gemacht oder auch nur Zeichen des Stillptan* 
des kand gegeben hat, ao kaqn man doch «ach ein grösaerM 
Entfalten deraelhen nicht behaupten. Nach wie vor hält die 
Z^ df)r Iditglieder sich in bescheidenen Grenzen, werden die 
YersammlnogeQ meist ngr spärlich besucht, bleibt jede Bemä- 
hungj die Bewohner der übrigen zum ehemaligen Fürstenthum 
fMurt gehörigen Orte, denen also unsere Forschungen und Be- 
strebungen ia gleichem Masse zu Oute kommen, Rir die Mit- 
gliedschaft unseres Vereins zu gewinnen, ohne alles Erfolg. 

Auch die Seite unserer Aufgaben, welche sich auf die Auf- 
aacbnng der noch im Schosse der Erde ruhenden prähistorischen 
Gegenstände beaieht, hat im Laufe des letzten Jahres keine 
Gelegenheit gehabt, in Thätigkeit zo treten. Es ist awar in 
Anregung gekommen , die Aaegrabangen atrf der Feldmark des 
froheren Dorfes Sehmidstedt, welche gelegentlich der beim 
Eisenbsbnban zu Tage gekommenen Fondat&cke von igm T«r* 

r.,,A..:. Google 



XIV 

Btorbenen Birektor Herimana begonnen worden wen, wieder 
anfzunehmen ; indess bedarf diese Angetegenbeit nocb einer 
näheren Erwägung und Beschlussfassung von Ihrer Seite. Nener- 
diugs sind in der Nähe des Augastaparkes prlLhistorische Qegeo- 
Btandfl gefunden, über welche Ihnen demnäcbat nähere Utttbei' 
lungen zu machen ich mir vorbehalte, indessen ist der Verein 
als solcher dabei nicht betheiligt gewesen. — Der Beacbliu« 
wegen VeranBlaltung von Nachgrabungen za Höbiaburg hat aich 
bis jetzt wegen nicht zu beseitigender Hindernisse nicht aos- 
f&hren lasBen. 

Die Zahl der ordentlichen UiigUeder unseres Vereins hatte 
im Rechnungsjahre 1880 159 betragen, von diesen gingen durch 
Tod, Versieben oder sonstiges Ansscheidan 21 ab; nea biiua 
traten 1881 elf, so dass also die Mitgliederaahl auf 149 harab- 
ging; augenblicklicb beträgt sie etwa 140. Bei den £hren- Mit- 
gliedern JBt im Laufe des letzten Jahres überhaupt keine Ver- 
änderung, bei den korreipon^irenden Mitgliedern eine solche 
nur in so weit eingetreten, als der Professor Dr. Alfred Kirch- 
hoff zu Halle, der bisher ordentliches Mitglied, war, in die 
erstere Kategorie versetzt ist. 

In dem Bestände der MitgUeder des Vorstandes ist gleich- 
falls keine Veränderung eingetreten, da in der Qeneral-Ver- 
Sammlung vom 18. Oktober v. J. die beiden Mitglieder, welche 
nach dem statutonmässigen Turnus die Reihe des Ausacbeidans 
traf — dies waren der Herr ScbrifUÜhrer nnd ich seUiat ~- wie- 
der gewählt worden sind. 

Die in den Vereins -Versammlungen gehaltenen Vorträge 
nnd verhandelten gegenstände sind nachstehende gewesen. 

In der vom 18. Oktober v. J. ward zunächst von mir der 
Jahres -Bericht fUr 1880/81 vorgetragen nnd die Voratandswahl 
vorgenommen, demnächst aber von Herrn Major Seidel Über 
Carl von Dalbergs geselligen Verkehr mit den Bewohnern von 
Erfurt und seine Tafelrunde gelesao. 

In der Versammlung vom 9. November v. J. machten zu- 
vörderst ich und der Herr Scbriftfilhrer einige kürzere Mitthei- 
lungen über resp. in Waltersleben und bei dem Bau des neuen 
Krankenhauses aufgefundene alte Grabstätten, worauf Herr Leh- 
nr NojT einen Vortrag über die £rlebai«ge «inu Skfiuten, 

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XV 

Wendelin SohloBBera, wfihread er sich ale Sclave in CotuUntinfi 
befand, hielt. 

In der Versunmlong vom 23. November v. J. berichtete ku- 
nSchst Herr Dr. Zschiesche ober den Walteralebener Fand; 
Herr Major Seidel fabr eodann in seinen Mitthailnngen Über 
das Laben in Erfurt eu Dalbergs Zeit, auf Qrond der von Coa- 
■tantin Beyer geführten Tagebücher, fort. 

In der Versammlung vom 6. December v. J, hielt Herr 
Pfarrer Oppermann, nachdem vorher die Angelegenheit we- 
gen Erricbtaag eines FroviuEial-Maseums heimischer Alterthümer 
in Halle besprochen war, einen Vortrag über den Erfurter Oe- 
BchiobtSBchreiber , Vicar des SeveriBtiftes , Eonrad Stolle, 
nnd sein Memoriale. 

In der Versammlnng vom 17. Janaar d. J. kam ein Schrei- 
ben des Coadjntora von Dalberg an die Erfurter Ffarrbaapt- 
leate cor VerleBung, wonäohst Herr Zeichenlehrer Kruspe 
nber eine Wanderung zu den Qrabdenkmälern gefeierter Erfur- 
ter sprach, wobei derselbe allgemeine Bemerkungen Über Beer- 
digoDgen auf gemeinsamen Grabstätten u. dergl. m. voraas- 
schickte. 

In der Versammlung vom 31. Januar c. hielt Herr Major 
Seidel seinen dritten Vortrag über das Lehen der Erfurter zu 
Ausgang des 18. Jahrhunderts und zwar diesmal speciell Qber 
die grosse Fronleichnams - Procession auf dem Anger im Jahre 
1789 und die damit in Verbindung Btebenden dreitSgigen Volks- 
feste. 

In der Veraammfung vom 28. Februar c. sprach Herr Oe- 
neralmajor Bauer über die Mittel, welche die Römer anwen- 
deten, um ihre Herrschaft über die eroberten Provinzen au 
sichern, insbcBondere über die von ihnen zu diesem Zweck an* 
gelegten Befestigungen. 

Die Angelegenheit wogen der Erricbtong eines Frovinzial- 
MoBeums kam auch in der Versammlung vom 25. Ayril c. zur 
Sprache, won&chst Herr Major Seidel den Hauptvortrag: Hand- 
sohriftliche Tagebuch - Keminiaaeuzen über Dalberg and die Er- 
furter Geseliscbaft im Sommer 1789, insbesondere über das 
Vogelschiessen vor dem Löbertbore, hielt. 

In der Versammlung vom 9. Mai c. sprach Herr Bareaa- 
Tonrteber Hartang über die in Erfurt befindlich geweseoeit 



..C.oo^lc 



ßAäer, Herr Zoioheolehrer Krasps abw dM ]l(eamrl»klcwtflf 
aas Veranlsasung des zur Zeit Btattgefbndenen Äbbrootts JM- 
a^boo, inäbwoDdsra dan darin befindliob geweie«« Npnnsn-Od- 
ikngnfBi. 

Am 20. Jnnl d. J. iaeit Herr Rabbiner Dr. CarO WIM* 
Tortrag über die Babbiuer-STiiodfln iia Deutaobland im 14. ood 
15. Jahrhondert, namenttich die Erftirter äynode tqh liSij 
woraof der Herr SchriftfUbrgr nocb siniga Mittheilvnge« ttber 
di» in BerÜD in den HosatoD April und Mai d. J. sta^eofoii- 
deae beraldipoh-iphragiatiscli-genealogisoh« AnMteUaog qvwbt«. 

In der VerBaBaotlang vom S. Augovt c. wurden einige V9n 
hier au* aar Torgedaohten AuasteUiuig gelieferte G^eaat&pda^ 
nachdem solche vorher in dem Archivzimmer apr BfT'iy^tiCffg 
Aosgeatellt gevßBan, b^prochpn, wonäcbyt Herr Ai'o|>He)(t Er- 
landsen seine Zeichnungen, Fiine u. s. w. von dar ^ii^^b^ 
des ehem^igen Klosters auf dem Fetersberge, d«re|i Benob- 
tigong seitens der Vereins -UitgUeder ngter F&hrvng des ^^ern 
2eiebeDlehrers Kruape vorher am 4. Jnli c at«ttg(rfand^ 
Toraeigte und erlfiutarte. 

Die in dem Vorstehenden mehrfach erwähnte £inri^it9ng 
«ines Provinaial-MuBBums ist leider noch injuner qicbt a<W Ab- 
seUuss gelangt Wie Ihnen erinnerlicb #ein wi^d, h^en di« 
Provinzialstände, nachdem auf Anregufig unperes Verai^ qqd 
einiger anderen gleichartigen Gesellschaften die Safhe w^ dofB 
v<Hrigi6n Frovinaial - Landtage noobio^U ert 3orathang gelmtgt 
war, sowohl die zar ersten Einrichtung als die zur Fortf&hrmig 
und Unterhaltung eFforderllcheii Gelder tm», d^n ' Ijütteln der 
Froviiu bewilligt, nunmebr stieas aber die Besitaergr<eifuK ^V 
fiilber von dem königlichen Ministerium ^u dies^qi Zwecl^^ b«- 
wiUigten Lokals in der s. g. ßeeiden^ zn BaUo auf Hindfiraiias^ 
da inzwischen desaen anderweitige V^wendnng in Ansiioht 
genommen worden war. Ich hoffe jedoch: data auch diese 
Schwierigkeit siqh beseitigen li^ssjsn and sohliasqlich di« Al^g«- 
legenbeit sn dem gewünschten Abschlfisa gelangen wtfd. 

Unsere eigenes Sammlung^ haben durch vielfache « ftiun 
Theil raeht werthvolle Qeschenke, «ach im Laufe des Utftw 
Jahres, wieder nicht unerheblich zagcpopunep. loh k«nn diev 
Gel^^beit nicht vorüber geben lassen, obfiß d«n (jteai«|iwik- 
gabem npcbinfJa den innigstw QH^ im Kwien 4« TcmMu 



tu HLgm. Ein Tfaail der wicfattgsten Gagenatttnde tmserea Mn- 
Monu wurde bei Gelegenheit der kftriliah stattgefintdenen Äo- 
weeenibait Sr. Kfloigl. Hoheit des OroBabersoga von Weimar ia 
dem eUdtischen Archive aa^eBtellt und -von dttnaelbeu mit 
groseem Ititereue in ÄageoBchein genommen. 

Der in den Tagen vom 26. bis 29. ▼. U. in Kassel ab- 
g^altanen 31. General-Yflnammlung des Gesammt-yereins 
der dentschan Oeschichts- nnd Älterthoms-Vereine habe iob als 
Ihr Delegirter beigewohnt. Iah behalte mir vor^ Omen ttber den 
Gang and die ErgebnisBe der Yerhandlongen domnJlchBt einige 
Hittbeifauigen an machen. 

Die Angebogen der AGtglieder sind aaoh im letatrerfiosse- 
nen Jahre dnrobgängig aa unseren Versammlungen zagelaBsec. 
E» wQrde sehr erwünscht gewesen sein, wenn von dieser Er- 
Unduiss in noch höherem Masse, als es der Fall gewesen, Ge- 
bnmßli gemacht wäre. 

Die Becbnnng Über die Kasse woseres Vereins fto 1884 ist 
von dem Herrn fiachnangsitthrflr reohtiaitig eingereicht vnd 
anoh baruts reridirt and, da sieh nichts zu erinnern gefonden^ 
dechargirt. 

Et ergiebt sieh aas derselben, dass der Bestand unseres 
VermSgeas um etwas abgenommen hat Seine Veranlassong 
fiadet dies einzig and allein darin, dass, wie schon oben er- 
wftbnt worden, das letzte Heft unserer Zeitschrift nngewöhnlicb 
stark aoBgefalleB ist und daher die Hwetellungs' Kosten dessel' 
ben hSher zu stehen gekommen sind, als ttrsprOnglich angenom- 
men war. An sich kann dies gewiss ans nicht atiin Torwnrfis 
gcveicken, Tielmehr bleiben wir in dieser Art der Eandgabnng 
onaarar Vereins -Th&tigkeit noch immer hinter sehr vielen and»- 
na Vereinen zortlck. Die gedachten Kosten haben betoigen : 
Or den Drock 7&3^5 Mark, ftlr das Einbindea 60 Mark, au- 
satnmen idso 8(^,ä5 Mark, w&hrend in dem Voranschlage nur 
500 Mark voTgeaehen waren. Um die Mehrkosten an decken, 
hat ein Betrag von 350 Mai^ von onserem Gamben bei der 
stidtisohen Sparkasse entnommen werden müssen ; der Best ist 
SH dem vorhanden gewesenen Baarbestaade gedeckt. Andere 
bei AnEstelloDg des Etats nicht vorgesehene, aber von Ibnea 
besonders bewilligte Ansgaben waren; ftlr den Transport der 
giOsseren Steindenkmüler nach dem Hospitalhofe 9,40 Mark, fUr 



xvm 

BttlMetatnng bei Einrictitmig dei Muaetims H Uwk, fyr Aoa- 
gntbiug einefl Skelettes 1 Mark, fUr die Anfertigung der Ab- 
schrift von einem Hftnaacripte 18 Huk; die übrigen Aasgabe- 
PoBittonen aeigen nicht sor keine Etats - Uebersobraitaagen, 
sondern sogar, wenn auch nicht gerade erhebliche, Erspamiflee. 
Ebenso haben die Einnahme-Positionen: BeitrKge der Mitglieder 
nnd fUr den Verkauf von Vereine-Schriften mehr gebracht, als 
der Etat angesetzt hatte. Im Gänsen hat im Jahre 1884 die 
Einnahme incl, eines Bestandes von 87,05 Mark 9%,18 Uark, 
die Ausgabe 983,70 Mark betragen. Es ist mithin ein Bsar- 
bestand von 1,48 Mark in der Kasse Terblieben. Das Ver- 
mögen des Vereins besteht zur Zeit in einer Partial- Obligation 
der Ghrossheraoglich Badenschen Prämien-Anleihe im Kominal- 
Betrage von 316,10 Mark (im Coorswerthe von 406 Mark) nnd 
in 1671 Mark Sollhaben bei der städtischen Sparkasse. Lets- 
teres wird sich im Laufe dieses Jahres nicht aobedeatend wie- 
der erhöhen, da, wie schon bemerkt, die Zahlung von Drnck- 
kosten fOr unsere Zeitsobrift diesmal ganz unterbleiben wird. 

Der Etat Itir 1883 ist entworfen; er balancirt in Ejosahm« 
und Ausgabe mit 509 Mark. 

Auf Abänderung der Statuten benUglicbe Anträge werden 
unsererseits nicht gestellt; falls daher nicht etwa «as der Hüte 
der Versammlung solche gemacht werden sollten, kann draa- 
nftcbst sofort au der Neuwahl zweier Vorstands-Hitglieder in 
Stelle der nach dem statatwriscben Turnus Anascbeidenden — 
es sind dies der Herr Oberforstmeister Wernebarg nnd der 
Herr Lehrer Ney — geschritten werden. 

Noch bleibt mir die angenehme Pflicht, allen denen, welche 
im Laufe des letztverflossenen Jahres &e Zwecke des Verena 
gefördert haben, namentlich den Herren Iffit^edem des Vor- 
atwides, insbesondere dem Herrn Schriftführer and dem Herrn 
EasBenverwalter, sowie denjenigen Herren, welche dniioh das 
Halten van Vorträgen unsere Zuaammenk&nfte so belehren! nnd 
genuesreich gemacht haben, im Namen des Vereins auf das 
herzlichste zu danken. Mögen sie in diesem Danks nnd in dem 
Bewasstsein, ein schönes und edles Werk aaeh Kräften geför- 
dert zu haben, ihren Lohn finden. 

Die statutenmässig ausscheidenden Mitglieder wurden wie- 
der gewählt. 

u-cdtv Google 



Jahres-Bericht 

dM 

Ten I3i die Eescliiclite id Mertlmiskiide m MA 

fSr das Jabr 1882|83 

in der Geaeral-Venammlung vom 25. September 1883 
Ttn den Tordtiendfli det Tontaidet. 



Breigniiae, welche von entscheidender Bedeutattg f&r oiuer 
Vereinalebeo gewesen wären, haben sich, seitdem tch zam lets- 
teo Mala Ihnen, verehrte Anwesende, Über dasselbe Bericht er- 
stattet — was gerade vor einem Jahre, am 26. September pr. 
geschah — nicht angetragen. Wir lind nach wie vor bemOht 
gewesen: die unserem Vereine gestellten Ziele, theiU durch die 
in dessen Versammlungen gehaltenen Vorträge nnd gemachten 
Uittbeilnngen , theils wo sich sonst daan Veranlassung bot, na- 
mentlich auch dorch Beantwortung der seitens der hiesigen 
Stadtbebörde an ans über aof die Qeschicbte nnd Topographie 
Erfurts besOgliobe Gegenstände gestellte Fragen, au erreichen. 
AnknSpfeDd an meinen vorjährigen Bericht, bemerke ich noch: 
dasa die Aufstellung der unserem Vereine gehörigen oder dem- 
selben aar Anfbewahmng abergebenen grösseren StejndenkmtÜer 
neben denen, welche sich im Besitae der Stadtgemeinde befin- 
den, in dem a. g. Banhofe des grossen Hospitals inzwischen 
stattgefunden hat, und dass dieselben dort einen Plata gefunden 
haben, an welchem sie wenigstens vor den ungünstigen Ein- 
wirkongen der Witterung gescbütst nnd nicht mehr der Gb&br 
dea Unterganges ausgesetit sind. 

,.KGooglc 



Im Uebrigen hat onaer Vereinslebeo aicli in dan bisberigen 
Chrenzen bewegt. Die Zahl der atattgefundenen ZasammenkOnfte 
ist etwa der der frttbereD Jahre gleich gewesen ; wie sonet hat 
wShrend des Herbstes, Winters und FrUhlings im AllgemeineD 
regelmftssig in jedem Monate eine Veraammlong stat^^fonden, 
wogegen während der Sommermonate auch diesmal eine Pause 
atattfand, da die Erfahrnng lehrt, dass während dieser Zeit stets 
ao viele Vereins - ICi^eder von Er&rt abwesend sind, dass die 
VersanmlangeQ dann immer nbr eine geringe Zahl von Be- 
■Qoham zlthleD. Obenein nahm im Monat Ängnst und der aftchst 
vorhergegangenen Zeit der Lutherfestaug , demoKohst die bevor- 
stehende Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers in anseren 
Manem so vollständig alle Oemüther in Ansprach, dass Niemand 
Sinn and Interesse für andere OegMistände übrig behielt - 

Unsere BemOhungen, dem VerMBB eine weitere Anadehnong 
zu verscbafiFoD^ namenljioh eina gritpe«*« Zahl von Mitgliedern 
fllr ihn zu gewinnen, sind nach wie vor erfolglos geblieben. Es 
ist dies sehr niederdrückend, insbesondere wenn man wahrnimmt, 
wie in Orten von viel geringerer Einwohnerzahl als Erfurt, and 
die bei weitem nicht eine so reiche und internsante Yergangen- 
heit haben, eine viel regere Betbeilignog stAttfindet und die Zahl 
der Vereins - Mitglieder nicht nur relativ, sondern selbst absolnt 
eine viel erhebliohere ist wie hier. Insbesondere haben sieh die 
Bewohner der flbrigen, zom ehemaligen Erforter Qebiete gditt- 
rigen Orte, obwohl unsere Tfaitigkett ihnen eben so an gste 
kommt, wie den Bewohnern der Stadt, fortdaaemd dnrobaaa 
ablehnend verhalten. Mao wird nachgerade die Hoffnung aof- 
geben m&ssen, dass es gelingen werde, in dieser Beiiehang eine 
Wandlong tum Besseren heAeieufttbren. 

Der Oeoeral- Versammlung des Oentral - Vereins 4er deat- 
schen Oeschichts- und Alterthoms-VermiM habe ich anob dies- 
mal in Vertretung unseres Ver^ns beigewohnt. Sie hat am 96. 
bis 29. V. M. und zwar in Wormi stat^efianden , da von den ia 
der vorigen Q-eneral-VersammloDg la Cassel in Aussig genoi»- 
menen Orten sieb Ansbach and Ai^bui^ ablehnend verhalleB 
hatten, während die Verhältnisse in München so lagen, daas 
etwa in dieser Besi^ung zu thaende St^uitte von Haut« aas 
nicht ohne Bedeakeo schienen. Ueber die Ergebnisse der Worm- 
»er Versammlung werde ich mir erlaaben, Ihnen demnicbat 



nAbwe BCttheilaDg sa maohea. Für iu nfiohste J«hr ist Ueis- 
sao «im Teriammlungaort gewfthtt, von dem «choo jetzt eine 
entgegenkotnmende ZuaBge vorliegt. 

Die sich auf die ZutogeflirdeniDg der noch im SchoBse der 
Erde befindenden präbiatorischen Schütze bezügliche Seite der 
Aufgaben unseres Vereias zü realisiren, bat sieb im Terfloeaenen 
Jahre aosser der aaf einem GMlberfelde bei LUtzensÖmmem 
Toi^eDommeneD, fiber die nnser dabei anwesend gewesener Herr 
Schriftfttbrer in der Versammlung vom 15. ITovember t. J, be- 
richtet bat, und deren -Ergebniss kein besonders reiches gewe- 
sen, keine Oalegenheit dargeboten. Vergebens haben wir bis 
jetzt darauf gehofft, dass FrofesBor Klopffleisoh au Jena, 
der von der historischen Provinzial - Kommiasion d^r FroTina 
Sachsen beaoftragt ist, in der letzteren in kunstgerechter Weise 
diese Äasgrabungen Torzoaehmen, und der insbesondere die 
Andislebener Gegend hierfür ins Äuge gefasst bat, sieh zu die- 
sem Bahufe bei ans einstellen werde. 

Die Sammlungen unseres Vereins haben auch im Laufe des 
letztrerflossenen Jahres so manchen nicht unwichtigen Zuwachs, 
inabeeosdera auch durch Geschenke erhalten, obwohl solches 
vielleicht nicht ganz in dem Masse geschehen ist, wie in einigen 
früheren Jahren. 

Was die Zahl der Mitglieder betrifft, so sind bei der der 
Ehren-, sowie der der korrespondirenden im Laufe des letzten 
Jahres Veränderungen nicht eingetreten. Di« der ordeatlicben 
hatte ultimo December 1881 149 betragen, zu denen im Laufe 
des Jahres 1882 8 nea hinsotraten, während in Folge Todes, 
VarzäehAns oder freiwilligen Aastritts 16 abgingen. Es blieben 
also 141. Seitdem bat der Abgang, aus gleichen Veranlassungen, 
12, der Zugang durch Neneingetretene 6 betragen, die Zahl der 
ordentlicben Ui^eder belauft sich daher gegenwärtig auf nicht 
mehr als 1S5. Unter denen, welcbe wir verloren haben, sind 
einige sehr empfindliche Verluste, so der des Gymnasial-Direk- 
tora Dr. Dietrich und der des Geheimen Joatüraths Zacke, 
welche letztere aacb, seitdem er nicht mehr seinen WoHnsitz 
unter ans hatte, unserem Verein noch immer inniges Interesse 
widmete i)od, wie Ibnan noch erinnerlich aeju wird, nicht sehr 
lange yfir tpin&fo Hinscheiden hier einen aehr. interessaDten 
Vortrag —'i üJj^.duj.Öe&ngflnBßhaft Friedrich» von der Trßpclf 



.v)OJ^Ic 



xxn 

— gehalten bat Aach das ÄasBcheid«ii doe Genenda Baner, 
in Folge Beines YerEUges nach Caasel, masi als fllhlbarer Ver- 
last fitr anaeren Verein angesehen werden, da derselbe ttnaeren 
Bestrebongen rege Tbeilnabme gewidmet nnd uns mehrfach 
durch gediegene Vorträge erfreat bat. 

Auch im letEtTerflossenen Jahre Ist den AngohSrigen der 
Hitglieder zn allen Vereins-Versammlangen der Zutritt frei- 
gestellt worden , doch ist hiervon nur in ziemBah beschränktem 
Masse Qebraach gemacht. 

Die in den Vereins • Sitzungen znr Verhandlang resp. som 
Vortrag gekommenen G-egenstfinde sind naehstebende gewesen: 

In der Versammlung vom 26. September v. J.^ trag icb'aa- 
nfichst den Jahresbericbt pro 1881/83 vor, worauf die Keawahl 
der ausscheidenden Vorstands -Uitglieder vorgenommen wurde. 
Es folgten demnächst HittheÜangen fiber die Qeneral-Versamm- 
Inng ZD Kassel, aber den auf dem Bauer'schen (Srundstacke am 
' Augastapsrke gemachten prähistoriaoben Fond, sowie ttber ein^e 
frühere, ähnliche, welche bei Bischlehen und Neaacbmidatedt 
gemacht worden sind. 

In der Versammlnng vom 18. Oktober pr. hielt der Herr 
Realgymnasial-Lehrer Dr. Anermann einen Vortrag Aber atäd- 
tiscbes Leben und Treiben im Hittelalter, während Herr Lehrer 
Krospe Mittheilungen machte über die von dem gegenwärtigen 
Konservator der Kanstdenkmale in Freussen, Geheime Regie- 
rnngs-Rath von Dehn - Rothfelser vorgenommene Beetch- 
tignng der hiesigen Bauwerke nnd sonstigen Gegenstände mittel- 
alterlicher Kunst. 

In der Versammlung vom 15. November pr. wurden zunächst 
die vom Professor S c h u m herausgegebenen Facsimiles von 
Handschriften der Amplonianischen Bibliothek besprochen, so- 
danu ward von Herrn Dr. Zschiesche ausführliche Mitthei- 
lang aber die in seinen Besitz gelangten, vor dem Aagnstaparke 
gefundenen prähistorischen Gegenstände gemacht; wonäohst von 
dem Herrn Schriftführer Aber die anf einem Gräberfelde bei 
L&tzensömmern vorgenommenen Ausgrabungen berichtet ward. 

Den Hauptgegen stand der Versammlung vom 19. December 
pr. bildeten Hittbeilungen ans einer von dem Fräulein Eva von 
Arnim dem Verein geschenkten Handschrift, dte Beschreibnng 
einer im Jahre 1782 von sinem ungenannten Gelehrten unter- 



xxm 

nommenen Reise darch Thäringen , den der Tom 80. Janaar o. 
die Biographie des PfarrerB Ka»par Fr. Loisine, des bekannten 
YerfaBsera der Jngendaclirift Gumal nnd Lina, des Lebens des 
Eoban HeflBQB, der moraliscben Bilderbibel a. s. w., woraafHerr 
Zeiohenlebrer Ernspe noch über die HauptstQcke der Harien- 
lagende sprach. 

Ebenderselbe erlfiaterte in der Versammlung vom 22. Fe- 
bruar c. den von dem Professor Eberlein in Nfimborg für 
das Mittelfenster des Chores der hiesigen Marienkirche angefer- 
tigten Carton, welcher die Hanpisceaea ans dem Leben der 
Ibria vorführt, wonächst der Herr Schriftfährer den Schloss 
der Biographie des Kaspar Fr. Lossias gab. 

In der Versammlung vom 6. April c. hielt Herr Oberforst- 
meister Wernebarg einen Vortrag über thüringische Städte- 
irappen. 

In den Versammlnngen vom 26. Mai and 36. Jani sprach 
Herr Dr. Einert aas Arnstadt über den Humanisten Crotos 
Robianas, zur Züt der Einboloog Lothere seitens der Universi' 
tit Erfnrt 1521 Reotor derselben; doch ist diese, zum Theil aus 
bisher nnbenotsteo Quellen gesobitpfte Biographie leider nnr bis 
ao dem Zeitpunkte berabgeföbrt, wo Crotas Rabianus von Er- 
fort schied. 

Es wird von Ihnen, verehrte Anwesende, am henUgen 
Abende die statatenmSsdge Neuwahl aweier Mitglieder des Vor- 
staades vorsunehmen sein. Vor zwei Jahren hatte der Tomas 
des Ausscheidens den Herrn Schriftßihrer und mich, im ver- 
äoaaenen Jahre den HerrnOberforstmeister Wernebarg upd 
den Herrn Lehrer Mej getroffen, es sind diesmal also usaer 
Herr Rechnungsführer and Herr Zeichenlehrer K r a s p e die- 
jenigen, welche an die Reihe kommen. Ich werde Sie bitten, 
sobald ioh meinen Vortrag beendet habe, die bezügliche Wahl 
zu bewirken. 

I>ie Rechnaog über die Euse unsere» Vereins pro 1883 ist 
rechtaeitig von dem Herrn Rechnangsfilhrer eingeliefert, von 
dem Herrn Kaozleirath Fischer revidirt und, da sich nichts 
zu erinnern gefunden, dechargirt. 

Ifach Ausweis 'deVselb^n "hat der' Venhögen's-Zustand sich 
um etwas verbessert Es hat dies aber nicht sowohl darin sei- 
nen Grund: daas oosere Einnahmen gestiegen wttren, Bondern 



.Cooj^lc 



sxzv 

d«u bei einem AsagAbepoiteo, dem f&r HertteUni^ dar Yerüiu- 
•obrift, die Iit-Aoagabe sabr erbeblicb binier dem VoraniobUg 
xarück geblieben ist EU r&brt dies dftber, dftss in Folge tos 
alleriei ÜmiUtndes, die einzeln aofaaftlbren bier sa weit fäbren 
Trttrde, daa oeoeate Heft onserer Mittheilnngen nocb niobt snr 
Ausgabe gelangt ist and daber ancb noch keine Druck- nod 
Bacbbinder-Eoatan an aablen gewesen sind. £U ist geganwftrtig 
jedocb im Dmck vollendet und es wird daher auch die Ver- 
theilong in der nächsten Zeit erfolgen. 

Die Rechnung ergiebt, data die Einnabsae betragen hat: 
42D Uark an Mitglieder -Beitrlgen, 52,68 Hark Ar varkwifte 
Vereinsschriften , 107,01 ICark Zinsen von Wertbpapierau eio. 
Hierzu 1100 Uark, die bebnfa Ankaof von Effektes von der 
Sparkasse erhoben sind, and 1,48 Uark beim Jriira» - Anfang 
vorhandener Baarbestand, giebt eine Gesammt- Einnahm« von 
1681,17 Mark. 

Die Ausgabe hat betragen: 4b Maik Besoldungen, 28^ 
Mark für Vermehrnng und InatandhaUnng der Hammhingaii, 18,50 
Mark fttr Vereinsschriften , 69,82 Mark Insertioni - QebQbren, 
15 Hark Beitrüge an den Oesammtverein and fBr dessen Korr»- 
spondeoE-Blatt, 28,70 Mark Porto, Bnchbinderlohn and EopiaHea, 
1381,75 Mark zur Vermehrung des Kapital - Vermfigens ; Ins- 
gemein 13,50 Mark, ftlr Auigrabe-Arbeitao 9,80 Hark. Es hat 
daher die Aasgabe überhaupt 1600,27 Mark betragen, n dass 
ein Baarbestand von 80;90 Mark am Jahresacfalaas in der Kasse 
verblieben ist. 

Unser Kapital - Vermögen besteht anr Zeit in einer Partial- 
obligation des OroBshercoglicb Badenscben n-ftmien-Anlehens, 

angekauft zu seiner Zeit fBr 315,10 Hark, 

2 Stück Ungarischer 5procenL Gold-PrioritiUen, 

angekauft mit 1122,00 - 

Bestand bei der städtiacheo Sparkasse .... 821,00 - 

dazu der Kassenbestand wie oben 80,90 - 

Summa 2339,00 Uark. 
Am 1. Januar 1882 betrug das Vermögen des 

Vereins 1988,00 - 

Dasselbe hat sieb also im Lanfe des verflosaeneD 

Jahres vermehrt ni^ 351^00 Uadc 



,:„l,;cdtvG00^Ic 



XXV 

Ea "kman jedoch ketnem Zweifel anterli^ea: da» die ha- 
fende EimiJihme dteBea Jabrea in dioBem Jahre, wo wieder die 
Draokkoatca tür ein Vereiosbeft zu Bahlen sein werden, in kri- 
aer Weise diza aasreiohen werde, die Änagaben aa decken, 
sondern dass es nöthig sein wird, auf unser Soll bei der Spar- 
kasse aorücksagreifen. Dagegen wird es nicht erforderlich sein, 
BB einer Realisimng der in nnserem Besita befindlichen Papiere 
m schreiten. Es erscheint daher als eine durchaus dem Ltiter- 
flsse unserer Kasse entspreohende Massregel, dass wir 1100 
Hark aus der Sparkasse entnommen und dafür filnfprooentige 
Staats-Effekten im Betrage tob 1200 Mark angekaoft haben, 
denn es erwächst uns dadurch -ein jährlicher Zinsgewinn tob 
37 Hark. 

Antarige snf Äbfinderang der Vereins- Statuten sind wiaer«r> 
seit» nicht so stellen. Sollten solche auch aus der Mitte der 
Versammlung nicht gemacht werden, so können wir demnächst 
sofort Eor statotenrnftseigen Ergänaungswabl des Vorstandes 
achreiten. Der noch auf der Tagesordnung befindliche Qegen- 
atand inTolvirt nicht sowohl eine Abändenisg, als eine Ergän- 
zung resp. Auslegung der Statuten. 

Znm Schluss bleibt mir noch die angenehme Verpflichtung, 
allen denen, welche im Laufe des verflossenen Jahres dain bei- 
getragen haben, die Zwecke unseres Vereins an erfOlleo, Bieinen 
warmen Dank in dessen Namen zu sagen. Dieser gilt sowohl 
allen Oeechankgebern , wie denjengan Herren, welche dnroh 
Vortrftge in unseren Versammlungen uns belehrt und unterhalt«! 
haben. Sodann aber auch den Herren Mitgliedern des Voralan- 
das, insbesondere dem Herrn Schriftführer, der fortgefahren bat^ 
durch die Veröffentlichangen über die Gegenstände unserer Ver> 
Sammlungen das Interesse fUr unseren Verein nah und fera 
wach n erhalten, sowie dem Herrn Kassenführer, der mit moater- 
haftar Sorgfalt ond Umsicht, und einer nicht hoch genug annu- 
erkennandeo Hingabe den wahrlich wenig angeoebmen Oesobtf- 
ten aflines Amtes obliegt. 



Bei der biennf TorgenotntaaBeD Et^äMtmgfwaU dee Vor* 
Standes wurden die Aassobeidenden, Herr Zeiohenlehrar Krsepa 
ood Hen Qatfbesitaer Bahlera, wiedar gewählt. DefgleielwB 



>,oglc 



XXVI 

wurde besofalosaeti : dMa ea in Betreff der Bedaktion der Zeit- 
schrift des Vereint bei dem bisherigen VertafareD, nach wel- 
chem solche lediglich Sache des Yontandes ist, aaeh kfinfiig 
■ein Bewenden behalten solle. 



Jahres-Bericht 

das 

Tem Ar die EesstiictitB miI iertltiiMe tob Erfort 

fQr das Jabr 1883|S4 

in der General -Versammlong vom 28. Oktober 1684 

Torgstngen 

von dw Torsitceadei dei Tontudea. 



In dem letitrerfloasenen Jahre ist lein ümatand eingetre- 
ten, der von besonderer Bedentang fttr anser Vereinaleben ge- 
wesen wllre oder einen erheblichen Einflnas anf dasselbe hätte 
anatlben k&nnen. 'Wir sind zwar nicht in nnaerer Thitigkeit 
aurick gegangen, haben namentlich nach wie vor etwa alhnooat- 
lioh eine Zusammenkanft gehalten, in welcher auf nnaeren Wobn- 
ort, deaaen Vergangenheit oder gegenwärtige Zustände beaüg- 
liehe Angelegenheiten besprochen sind, ea läset aich aber auch 
nicht behaupten, dass irgend ein Äofachwung nnaerea Vereins 
nnd «ioe Erweiterung der ThStigkeit desselben stattgefiinden 
habe. So bedaoerlioh diee sein magj ao liegen döch einmd die 
VerhUltniaae ao, dass sich in dieaer Besiehung nichts thun Itaat 
Namentlich sind alle Bemühangen, die Bewohner der Orte, welche 
zam ehemaligen Qebiete der Stadt Erfurt gehören und denen 
d»ek «ninre Bemflhnngen in gteichem Masse gewidmet sind, wie 
diMier 'leihet, an ans heransusiehen und vor Tbeitnahme to nn- 
BWen Arbeiten -cn bewegen, erfol^loa geblieben, und werden ea 



:. Cookie 



xxvn 

wenn niclit ganz besondere Umstilnde eintreten, aoofa kflofdg 
bleiben. Ebeo bo tat die Zahl der Mitglieder nnserea Vereine 
unter dar eigentlichen Bfii^erschaft eine nur sehr geringe, wäh- 
rend man doch annehmen sollte, dass hier am meisten Interesse 
für die Vergangenheit Erfurts sich finden mQsBte, da sie recht 
eigentlich in dem hiesigen Boden wurselt, und Viele unter ihr 
sind, deren Vorfahren seit unvordenklichen Jahren Erfurt ftD- 
gehOrt und theilweise in dessen Geschichte eine Rolle gespielt 
haben. Bei weitem die Mehrzahl der Mitglieder nnserea Ver- 
eine gehSrt dem Stande der Beamten an, die nur ihr Beruf hier- 
her geführt hat, die derselbe vielleicht morgen wieder abruft, 
und deren Interesse für den hiesigen Ort und dessen Vergangen- 
heit doch nie ein so anmittelhares und tiefgehendes sein kann, 
wie bei den eingeborenen de schlechtem. So unerfreulich diese 
VarhSltnisse sind, so ist es doch nicht eben schwierig, sie su 
erklftren, es wflrde uns dies aber hier su weit fahren. Eines 
gewissen Schamgefühle kann man sich aber nicht erwehren, 
wenn man die Mitgliederzahl unseres Vereins mit der so man- 
ches anderen vergleicht, der seinen Sitz in einem riet kleineren 
Orte hat, und der bei weitem nicht auf eine so bedentende and 
int«re8sante Vergangenheit earflckblicken kann, wie Erfurt, und 
der doch eine viel grossere Mitgliederzahl hat und Ober viel 
bedentendere Mittel verfllgen kann, wie wir. Wie zutreffend 
daa vorstehend Bemerkte ist, eigiebt sich namentlich daraas: 
daea aooh in dem letztverflossenen Jahre die Zahl der ordent- 
lichen Hi^lieder unseres Vereins wieder etwas zurückgegangen 
ist Am Anfange des Jahres 1883 hatte solche nämlich 141 be- 
tragen; von diesen gingen im Laufe desselben in Folge Todes, 
Fortzages, freiwilligen Ausscheidens oder Streichung wegen ver- 
weigerter Zahlung der Beitrüge 14 ab, neu hinzu traten dagegen 
nur 7, so dass sich ihre Anzahl beim Anfang des laafenden 
Jahres auf 184 reducirte. Die seitdem vorgekommenen aenen 
Annahmen werden sich mit dem durch einige TodesfBlIe herbei- 
geftlhrten Abgang etwa decken. Bei den Ehreo-MItgliedem, 
sowie bei den korrespondirenden Mitgliedern sind im Laufe des 
letzt7er6ossenen Jahres Veränderungen nicht eingetreten. 

Dem Theile der unserem Verein gestellten Aufgabe, der 
sich aaf die Zatagefllrdernng der noch im Schosse der Erde 
befindlichen üeberreste der Urzeit bezieht, haben wir vmt in 



:. Cookie 



xxviu 

widmen neaerdings kein« Oelegenbeit gehabt. Wie Ihaeii be- 
kanst, wird darauf gewartet: dass der von der biatoriiohaB 
Pronnsial-Kommiisioii mit der Leitung der Aiugrabangeii im 
der hiengen ProviiiE beanftrHgta ProfoBBOr Dr. Klopfflflisch 
in Jena sich zn diesem Bebafe bier einfinde. Die« i^t bis jetst 
Biobt geacbeben, es ist daza auch TorlHafig wenig Anssicbt vor- 
haaden, da der Genannte aar Zeit dorcb die ibm gleicbfalla 
tbertragene Leitung der Ansgrabtmgen in den sKcbsisch-eme- 
■tinisohan landen voUanf in Ansprach genommen ist und des- 
halb auch sein Verbttltniss za der historiscbun KommiBsion der 
Proviaz Sachsen wenigstens einstweilen bat gelöst werden mOs- 
sen. Es wird TorUnfig mehts übrig bleiben, als sbsuwarten, 
bis es dieser gelangen sein wird, eine andere fOr den gedachten 
Zweck geeignete FersSnliohkeit za gewinnen. 

Die Sammlangen unseres Vereins haben nach in dem Laofe 
des verflossenen Jahres, namentlich durch Geschenke, manche 
nioht ganz unbedeutende Vermebrong erhalten. Eins der be- 
deutendsten derselben ist eine aas einer groBBen Anzahl von 
StUoken bestehende Sammlung von Münzen, die manche Selten- 
heit enthält, und von Frau Bentiere Friederike Lieban, gebo- 
renen Sobnabel, nnserem Vereine Übereignet ist, and die ich 
dernnScbst Übergeben werde. Ich ergreife mit Freoden diese 
Gelegenheit, om dieser so wie den Übrigen Gesohenkgebam im 
Namen des Vereine hier öffentlich Dank lu sagen. 

Es sind im Laufe des letzten Vereinsjahres neun Versamsb 
hingen abgehalten, so dasa, mit BerBckaichtigung des Umstan- 
des: daas in den SommMmonaten in der Regel die Zaaammen- 
künfte KUB&lIen, im Durcbechnitt wie biaber etwa aof jeden 
Monat eine Versammlung getroffen hat. Die darin verhandelten 
Gegenstände sind nachstehende geweBen. 

In der Veraammhing vom 27. September v. J. wurde von 
mir der JahreB-Bericbt fOr 1882/^ abgestattet, nnd über die 
Verhandlungen in der za Wonna abgehaltenen Gei^eral-VorBamn^ 
hutg dfls Central -Vereins der deutschen Oeschichts- und Akei- 
ihnms -Vereine berichtet, sowie der Antrag des Geheim«a Be- 
gierunge - Baths Klewitz: wegen Herausgabe einer Kopie des 
HflrianBcheo Planes von Erfurt' besprochen. 

In^dbr VeKeammlong vom 9. November v. J, trqg dor Herx 
SobiiAAl^w den Bericht «ines fl^ddentBolkeu KoiyMpondewten 



(iraluwlb«iitliek Rochana), über die PhyiiogBonie Am Stadt £r- 
fort, ihrer G^ftnde, sowie ihrer Bewohner and Bewoh&eriiuien 
sor Zeit des Farismenta im Jahre 1850 vor, der ao manohe Ud- 
riofatigkeiten und schiefe ürtheile enthielt, die enr RiehtigatelloBg 
aufforderten. Hieran schlesaen eich MittheUangen des Herrn 
Eduard von Hagen über den der hiesigen Stadt Termachtea, 
sa jenar Zeit öffeoüich aoi^estellteii künstlmsohen l^achlaat 
d«B MbIots Kerl;, oder, wie er nrsprttngUch hiess, Mehrlioh. 

In der Versemmlang vom 27. November ▼. J. berichtete Aer 
Herr SohriMbhrer über eine in Ocuneiaechaft mit dem Herrn 
Bittergotsbentssr Boatin anf der Feldmark von WalteralebeD 
vorgeDommeoe Än^abxing. Nachdem noch einige voa dem 
Heim (Jeheimen Ratb Elewitz gestellte Antrftge besprochen 
waren, hielt Herr Archivar Dr. Beyer den Hanptvortn^ fU»er 
die kaltarge Bchicfatlich interessanten Willröder Jagden und Ge- 
saadtaohaAa - fieisen von Magistrats -MitgÜedem , haaptsiohlicb 
abar über die Festlichkeiten, welche die Stadt 1617 bei OelegeU' 
heit der Anwesenheit des Heisogs Johann Casimir von Sachsen* 
Coburg veranstaltet hat. Schlieealtch sprach Herr Rabiner Dr. 
Kroner über hier anfgefondene Fragmente alter hebrftiacber 
Handachrifien. 

In der Versammliing vom 22. Januar c. machte Herr Dr. 
Zaohiesche Mittheilang über die Ergebnisse der leteten aa 
Waltersleben voigenommenen Aasgrabungen, sowie über die 
von ibm beaochte Stätte , anf der einat die Trettenbnrg bei Ge- 
beaee gestanden, wShrend Heir Major Seidel den Hanptvortrag 
über die Anka&pfdng der Beaiehangen Schillers and Cbarlotteua 
von Lengefeld mit den Statthalter Karl von Dalberg, die 1789 
doreh Karoline von Daohröden vermittelt worden, hielt 

Dieaer Vortrag wurde von ebendemselben bis lur VermlLb' 
Im^ Sohillers in der Veraammlung vom 7. JAStn d. J. for^eaetat. 

In der Versammlung vom 8. April c. hielt Herr Oberfont« 
naeiater Wernehnrg einen Vortrag über das Haas lom Tor* 
nier and über die dasselbe einst bewohnt kabniden PotrinarJ 
Famiben v. d. Morthen and v. d. Margarethen. 

In der Versanunhmg vom 27. Mai d. J. sprach Herr Bureau* 
Vorsteher Hartang Über den Tofelsohmack des £!rfarter Ma- 
gistrats, ttber den Erfiirter Weinban nnd Über die mit der Flur 
ven Erfiirt vereinigteii Waiebbilder einiger wttat gewordwMB Ort». 



".ooj^lc 



In der VM-Munmliuig vom 19. Ängnst c. beriolttet« H«n 
Lehrtir Erotpe Ober den Gang und gegeawirtigen Stand der 
Yerhandlaagea wegen Errichtang eines neuen HoohftltareB im 
hiesigen Dom, sowie der Herr Schriftführer Qber eine Versomm- 
long des Hohanleabener Gescbiohts- Vereins, tn welcher er Theil 
geDommen, worauf ich mit der Mittheilang einEelasr Abeobnitte 
«OS meinen Beiträgen zu einer vergleichendea Topographie und 
Statistik von Erfurt begann ^ womit ich in der Vwaammlung 
vom 19. September c. fortfahr. 

Auch in dem verflosseneD Jahre ist den Angehörigen der 
Vereins-Uitglieder su allen YerBammlnngen der Zutritt verstattet 
worden. Es w&re zu wUnscher gewesen, dass von dieser Vor- 
gfinstigDng in ausgedehnterem Harr« Gebrauch gemacht worden 
wire, wie geschehen ist 

Die Rechnung über die Kasse naseres Vereins für das JsLr 
1883 ist rechtzeitig von dem Herrn KassenfUhrer gelegt und 
nach erfolgter Revision dorch den Herrn Kanzleirath Fischer, 
bei welcher sich nichts wesentlidies zu erinnern gefanden hat, 
dechargirt worden. 

Was das ErgebnisB derselben betrifft, so hat die Einnahme 
9^,87 Mark betragen, worunter sich aber 80,90 Mark Bestand 
ans dem Vorjahre befand. An Beiträgen der Mitglieder sind, 
genaa wie der Etat dies angenommen, 399 Mark, an Zinsen 
98,87 Mark, für den Verkauf von Vereinssobriften 16,80 Mark 
eingenommen. Von der Sparkasse haben 360 Mark aufgenom- 
men werden m&ssen, um die Ausgabe von 967,41 Mark sa 
decken. Den Hauptbetrag in dieser letateren machten die Ko- 
sten der Herstellong des letzten Heftes unserer Zeitsohrül, die 
sich auf 738,70 Mark and zwar auf 691,70 Mark Drodckosten 
und 47 Mark fUr das Hefton belaufen haben. Vorgesehen im 
Etate waren nur 500 Mark; dieser Betrag hat sieh aber nicht 
isna halten lassen, weil das Heft nicht unftrheblich stärker ans- 
getallen ist, wie Anfangs angenommen war. Der nächst bedeu- 
tende Posten besteht in 89,30 Mark Buehbinderlohn. Ea berakl 
dies darin: dass die ans von anderen Vereinen in Aaatanseh 
zugekommenen Blätter, um sie brauohbftr zu machen, haben 
gebunden werden müssen. Es ist dies eine Auegabe, die in 
ähnUcber Art nicht wiederkehren wird nnd zu der Sie Ihre zns- 
drOokliobe Genehmigung ertheilt haben. B^ den ttbrigen Aus- 



XXXI 

gabepostan ist der VoratiBchlag nirgends oberBcfaritten Worden. 
Das Vorbamerkta erklärt es aber aaBroichend, daas es nSthig 
gewesen ist, unser Sollhaben bei der Sparkasse am 360 Mark 
aa TenniDdem, und daes der Bestand anserei Verm^ecs von 
2370 Mark aof 1876,76 TAaxk, iUbo am 453,24 Mark berabgegan- 
gen ist and die Beobnung noch mit einem Vorsobasse des Herrn 
Kaaaeafllhrera von 12^ Mark abgeschloBsen hat. Es mag dies 
niobt gerade erfreulich sein, aber der Zweck nnsereB Vereins 
iat ja nicht der: Kapitalien zu Bammeln, sondern der; Mr die 
Kenntniss der Vei^angenhnit Erforts zu sorgen, and lediglich 
diesem Zwecke haben alte jene Äasgaben gedient. Zu einer 
Beeoignisa fOr die Zukonft ist noch dnrcbsua keine VeranlaBBOug 
vrabanden, da, wie sich aus dem Vorstehendet) ergiebt, der 
Bestand unseres Vermögens noch immer ein nicht nnbedentender 
bleibt Uebrigens habe ich bereits in meinem TorjfibrigeQ Jah- 
res-Bericbte Ihnen mi^etfaeilt: dasa wir ans in der Nothwendig- 
keit befluiden, um die Kosten dea Druckes des elften Heftes 
ooserer Zeitschrift zn decken, einen Theil unseres Sollhabans 
bei der Sparkasse zu verwenden, und Sie haben sich damals 
mit dieser MasBregel einverBtanden erklärt. 

Der Etat ftlr das laufende Jahr ist zu seiner Zeit festgestellt 
und balanchrt in Einnahme und Auegabe mit 483 Mark. 

Das nächste Heft unserer Zeitschrift ist aagenblicklicb im 
Drucke begonnen. Es wird namentlich meine Beiträge zur ver- 
gleichenden Topographie und Statistik von Erfurt enthalten. 
Die Kosten werden diesmal nur massig Bein, da die Einrichtung 
getroffen ist: dass die Abhandlung gleichzeitig in den Jabr- 
bQcbern der hiesigen Akademie der Wissenschaften erscheint, 
letetere in erster Stelle die Druckkosten trägt, und unser Ver- 
ein zu diesen nnr im Verhältnisse der Zahl der Exemplare, 
deren er für seine Hitglieder und die OeBchichta- Vereine, mit 
denen er in Schriften -AuBtHuach steht, bedarf, beizutragen bat. 

In dem Personal des Vorstandes sind im Laufe des letzt- 
verflossenen Jahres Verändernngen nicht eingetreten. Am beu- 
tigen Tage wird dagegen von Ihnen die Wahl zweier Mitglieder 
desselben vorzunehmen sein, indem nach Bestimmung der Sta- 
tuten diesmal der Herr Schriftföhrer und ich ausscheiden. 

Anträge auf Abänderung der Vereins - Statuten sind von 
unserer Seite nicht zu stellen, wenn daher nicht etwa dergleichen 



xxxs 

kU8 Ihrer Kitt« in Actrag gabraebt wwdfln» so wird BMh Baen- 
digong dieuB maiaea Vortragt» «ofort sur ErgKasangfwalil du 
Torvtaades gesohritten wwdac kffnned. 

Et bleibt mir nur noob die angenehiae Varpffiehtong sn 
erfOlleii: allen decen, die im I^nfe dea Terflosseasn Jahre» snr 
Erfüllung der Zwecke unBerat VerMna, sei ei dnroh Haltung 
von Vartrlgen, dnrch Bereioherang nnserer Samodangen oder 
auf sonstige Weise beigetragen haben, itffanüich Dank an sagen. 
loibesondere gebührt solcher dem Herrn SobriftfOhrer, welehw 
fortgefahren bat, durch Berichterstattung Qber unsere ThUigkeH 
in den affentliohen BlUttem das Interesse Air den Verein rege 
EU erhalten, und dem Henm KasseniUbrer, der sein wenig dank- 
bares Amt mit gleicher Hingebung nnd Sorgfalt verwaltat ba^ 
wie in früheren Jahren. 

loh flohliesse mit dem Wnnsoha und indem ich die Hofibmng 
aosspreobe: daas snch künftig eis glückbringender Stwn Ibor 
unserem Verein leuchten und ihm den Weg erhelleo mSge, asf 
welchem er am sichersten and sobneUsten das ihm gesteckte 
Ziel SB «reichen im Stande ist 



DictizedbyGoOt^lC 



ErwerboDgen des Vereins seil Aofans 1881. 



A. Büober und gedruckte AoBSclmitte. 

1. Frbr. von Bberstein, die Fehde MaDgold'a von Eberateia 
gegen Nürnberg 1516—22. Dresden 1879. Von dem Herrn 
VerfaBter in mehreren Exemplaren geschenkt (ßir die Hit- 
glieder des Voratandes). 

2. s — k) Eine Anzahl Schriften and Broschüren (Erfurteosis) 
von Herrn Buclibändler £. Weingart: a) Mejfart, Bild- 
niss eines wahren Studenten. Erfurt 1634. 4. — b) E. D. 
Lenz, von der Genogthuung Jesu Christi, Frkft. n. Leipsig 
1780. — c) Dr. Job. B. TrommsdorfTs LebensbeBchreibung, 
E. 1839. — d) T. Sybel, über das Beichagrundgeseta der 
17 Vertranensmänner, Marburg 1848. — e} E. Frensdorff, 
Jos. Toa Radowitz, Leipzig 1850. — f) J. Ä. K. Rothmaler, 
Erinnerung an B. Pröller, E. 1855. — g) t. Oldersbaoaen, 
Verhandlungen Über den Baa eines neuen Ratbhauses, E. 
1856. — h) Weingärtner, Worte am Grabe W. ESbers, £. 
1866. — i) Denkmal auf Volk's (Ludw. Clarus) Grab, E. 
1869. — k) K. K. Emmrich, Ueberei':ht über die geognosti- 
achen Verhältnisse SUdtyrolB. Jena 1846. 

3. Dr. Caro, der Talmud und die UniverBität Erfurt. AufsatB 
auB dem „JüdiBchen Literaturblatt" 1880 Nro. 45 — 47. Ven 
dem Herrn Verfasser. 

3a. J. Jecbeake) Caro, ein Vierteljahrhondert Blädtiscber Ver- 
valtang (BUrgerm. Em. Wagner's). Dirscban 1880. Von 
demselben. 

4. C. Ä. Noback, Qeographiscb-topograpbiscbe Beschreibang 
des Regierungs- Bezirks Erlurt. Erfurt 1841. Von Herrn 
Frankenfeld jun. 

m 

Dictzedby Google 



xxxiv 

5. Katalog der Berliner astbropologiioben ÄassteUnng Ton 1880, 
mit Snpplemest. Von Herrn Direktorial - AuiBtent Voss 
in Berlin. 

6. Paulig's Oeacbiobte des 7jährigen Kriegei. Von Herrn 
Hoflieferant Blechachmidt. 

.7. Die heil. Schrift, dentach tod Grynäae. Von Herrn 
Reg.-Sekr. Ganther. 

8. a) ond b) Herold, Organ des Vereins fUr Heraldik, Bphra- 
^stik und Genealogie. Jahigg. 10 u. 11. Berlin 1879. 80. 
Von Herrn Hoflieferanten Blechachmidt. 

9. Würzbargische Urkunden, Nro. 1 — 97 (gedraokt). Von 
Herrn Apell jun. 

10. Z. Becker'B Noth- und Halfebfichlein ftir Banerslenta. 
Mildheim 1788. Von Herrn Isid. Moos. 

11. ErackrUgge's Stadt- und Landbote vom 28. März 1846. 
Von demselben. 

13. Oeorg Wilh. tod der Lage, die TollatSndigen Acta von 
der ThQriDgiBchen Sändfluth von 1618. Weimar 1730. 4. 

' Von Herrn Uhrmacher Wigand. 
18. a) n. b) Erfurter Kalender von 1796 und 1801. Von Herrn 
Uhrmacher Adam. 

14. (Stadtratb Pöble), die Erlebnisse der jüngsten swansig 
Monate. EHurt, Ende Okt. 1849. Von Herrn Ober-Reg.- 
Rath V. Tettau. 

15. a. Seebaob's Erfurter Feuercbronik. b. ThOringisober Ge- 
schicbtskalender auf 1763, noch 1808 als Haushaltungsbaob 
beoutat. Von Herrn Bentier G. Reichart. 

16. Dr* Gotth. Tetzlaff, flbar die von ihm onterBUcbtan Holz- 
reate in den Gräberfunden von Leubingen. Halle 1881, Inan- 
gnral-DisBartation. Von Hm. Prof. Dr. DUmmler in Halle. 

17. TOQ Malverstadt, Regesten der Erabisohöfe von Mains, 
n. Theil. Magdeb. 1881. Von Herrn Landeadirektor Graf 
Winaingerode zu Meraeburg, im Namen dea ProriDsial- 
AupK^nsses der Provinz SaohBcn> 

18. Konrad StoUe's Chronik, herausgegeben von Hesae, Ar- 
ohivrath in Budolstadt, mit beigeschriebenea Lesarten ana 
dar einzigen (Jenaer) HaDdacbiiftj von Herrn Prot A. 
Kircbhoff in Halle. (Siehe unten B. N. 14 S. XL.) 



tä Sadolphi'8 Gotha diplomatica. 2 Bde. Gotha 1717. 18. 
Hit Gtleichensteins genealogucben Tabelleo. Von Herrn 
Eiaeobahn- Sekretär Zieglar iD Elherfeld. 

20. E. HartuDg's Erfiirter AdreBsbach Tür 1882/83. Hit dem 
neaen Stadtplane. Von dem Heransgeber. Anf dem bei- 
gefügten Stadtplane hat Herr Stadtbauratb Spielhagan äie 
neuen StrasBennamen ausaerhalb der Thore eintragen l^sen. 

21. Alfr. Kirch hoff, Thüringen doch Hermundurealand. Leip- 
Eig 1882. Von dem Verfasser. 

Die beiden folgenden Schriften wurden von dent 
Schriftführer des Vereins, Prof. H. Weissenborn, wel- 
chem dieselben dedicirt sind (b. Härs 1882), geschenkt: 

22. a) Prof. W. Schum, Panegyrikus anf Erzbischof Adolf von 
Httoster. 1882. (Dedicationaschrift.) — b) Rob. Boxber- 
ger, Briefwechsel Herder's und Qötbe's, Festsebrift sam 
&. Hftrz 1882. 

23. Gedicht an Napoleon den Grossen, Erfurt zum 15. Augnst 
1809. Von Herrn Töohtersohul - Lehrer Gresaler sen. 

24. Gedicht auf den Divisions - General von Loebel, bei seinem 
Scheiden von Erfurt 1880. Von Herrn Isid. Ho ob. 

25. (C. y, Dalberg*«) Betrachtungen Ober die UniTersität Von 
Herrn Antiquitätenhändler Beck. 

26. ^änälon, demonstration de I'eziBtenoe de Dien. 4. ädit. 
Amsterdam 1715. Von Herrn Sahlender jun. 

27. Verzeiebniss der Kunst- nnd Naturalien - Sammlungen im 
Uuseum des evangelischen Waisenhauses. Erfurt 1863. Von 
Herrn Lehrer Kott. 

28. Lehrer Ney, Humorisüscber Vortrag bei dem Feste der 
freiwilligen Jäger- Compagnie am 18. Juni 1863. Von dem 
Herrn VerfasBer. 

29. a — d) Schriften aus dem Nachlasse des Herrn Generals von 
Httnehow: a) Deutsehe Lieder tUr die Landwehr des 3. 
Departements der preussischen Provinaen «wischen Rhein 
und Elbe und Weser. — b) Gedichte an König Priedricb 
Wilhelm lU. 1813; c) desgl. an die Kronprinzessin Elisa- 
beth 1825; d) AbschiedsgrusB an den Kegierungs-Schulrath 
Haha 1826. S&mmtlioh gedichtet von Herrn Geh. Rath 
Wamebqrg. Von der verw, Fraa Generalin von HUochow, 
geb. Werneburg. 



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xxxvi 

SObt— c. a) Knrieaaes EnoBt- imd Firbebnch. 4. Aofl. b) Qn- 
deoas Hiatoris ErfortenaiB, Daderstadt 1645. c) NennULgige 
ÄndachtoUbong, Pri^ 17&9. Ton Herrn AL Strecker in 
Hocbheim. 

31. Pastor Dr. BSrwinkel's Luther in Erfurt. Vom Herrn 
Ver&Bser (bei Qclegenheit dei Luther- Bazara geschenkt). 

32. EorflirBt Johann Georg's von Sachsen Marschregiment, er- 
lassen 1691. Von Herrn Spediteor Brandt 

33. s) Weidner, Gläubiger Kinder Gottes Creutzechule , oder 
viersig Betrachtungen, Augsp. 1778. b) Der christliche Ln- 
theruier. KirchenhiBtorien von 1370 an. Von Herrn Stu- 
dent Hergt. 

33c. Erfurter Festgedichte; von einem Ungenannten. 

34. Alte Erfortensia, kirchlicher Anzeiger von 1755 und 1769, 
Baths - Trans itns n. a. und Festgedichte u. a. Von Herrn 
Bachhändler C. Villa r et. 

3Ö. Dr. Lehmann, Vortrag tiber die Wichtigkeit einer voll- 
ständigen Bearbeitang einer deutschen, bezw. thüringischen 
Landeskunde, gehalten auf dem 2. deutschen Qeographen- 
tage zu Halle, in der Osterwoche lt<82. 

36. Prof. KritB, GratulationB-Frogramm bu Direktor Strass' 
Amtajnbilfium 1843. 4. Von Herrn DiaconuB Maieier. 

37. SammloDg landesherrlicber Edikte für das Fürstenthnm 
Halberstadt a. a. preassische Verordunngen. Von Herrn 
Cantor Heise in Gangloff- Sommern. 

38. Keonzehn Eistebener Kalender von 1751 an. 

39. Pastor Dr. Bärwinkel'B Vortrag über den reli^ösen Werth 
von Frit« Reuter's „Ut mine Stromtid". Von dem Herrn 
VerfasBer. 

40. Ortmann's Iföbra, der Stammort Dr. Martin Lotbers. 
Von demselben. 

41. Pastor Rud. C. LossiuB „Biographische Skizzen auB dem 
Leben unserer Eltern, M. Ch. Theod. und Frao Chr. Mar- 
garethe Lossius", Erfurt 1803; Fast. Caspar Fr. Lossius Grab- 
rede bei Martha Chr. Carolina Lossius 1806, und andere die 
Familie speciell betreffende Gedenkschriften. Von Frl. Aug. 
Lossius, Tochter des Verfassers Rud. L. 



:,G Gothic 



xxxvn 

42. e) Fraih. von Eberstein in Dresden, „Urkundliche üfacb- 
trftge za den geschichtlichen Nachrichten von dem Ge- 
schlechte Eberstein auf der Rhön". IV. Folge. Dresden 
1883. b) Beigabe sa den Urk. Nachr. o. s. w. 1863. Von 
dem Herrn Verfasser. 

43. Ubnba, 4. Th. Von einem Landwirth in Schmtra. 

4t. Second annaal Report of Bureau of Sthnology ot the Seore- 
tarr of the Smithsonian Institution 1880—81, Washington 
1883. Von dem reich dotirten Institut durch Vermittelang 
ihres Agenten, des Herrn Qeneral • CoosuU Dr. Felix Fltt- 
gel in Leipaig, eingesandt. 

46. Bilderheft zum 5. Heft der Bchriften des Badischen Alter- 
thumevereins , entfa. die römischen Baoreste eines alten Klo- 
sters za Baden-Baden. Von Herrn Hoflieferanten und Kom- 
missionsrath Bleohschmidt. 

46. a) Zusammenstellang der in den nordischen Hoseen auf- 
bewahrten Alterthiimer. b) Publikation Ton ethnographisch 
interessanten Abbildungen. Von dem Heransgeber Herrn 
Haceliua in Stockholm. 

47. BItttter des Cotta'schen Horgenblattes aus d. J. 1850, mit 
Bochau's Korrespondenzen über die Physiognomie von Er- 
furt in der Parlamentszeit 1850, Von Herrn Buobhllndler 
£. Weingart. 

48. Neue Erfurter Zeitung von 1817. Von Herrn Lehrer Ney. 

49. Erforter Intelligenzblatt von 1816. Von Herrn OilU. 

50. Stumpfs Schweiz erchrenik. Zttrich 1606. 4. Von Herrn 
Eisenbahn - Sekretair Ziegler ans Elberfeld. 

51. a— g) Bücher aus dem Nachlasse des Buchbindermeieters und 
Antiquars Schäfer: a) Summarischer Bericht, wie der lu 
Erffurt gewesene Ober -Vierherr M. Vclcmar Limprecht ver- 
schuldet, dass er am 20. Novembris Anno 1663 mit dem 
Schwert Öffentlich hingerichtet worden. Ans denen Origin^- 
Actis trewlicb gezogen und an Tag gegeben. Erffurt Ge- 
druckt bei Johann Georg Hertzen im Jahre 1663. — b) 
Wahrer Abdruck derer Schriften , welche in der gewesenen 
HSncfas-Zellen des theueren Mannes Gottes Herrn D. Mar- 
tin Luthers, in dem Augustiner Kloster zu Erffurt, darinnen 
jetzo das Evangelische Waysen-Hauss in, in gevierdten 
Abtheilungen an den getäffeiten Wänden angemaUet »a be- 



r,.:„ ... Google 



xxxvm 

findet]. Auf vieler Lieblwb«r toBtftadigeB Bsgefann mm 
- Druck verfwtiget im Jahr Christi 1718. — c) Ghtttlieb Hbiii- 
rich äroiffeDbalini hintM-laiiena noch nngedmckte kleine 
Sohriften. 1790. — d) DaakwUrdigkeltMi der Sudt Worbis 
und Umgegend. 1818. — e) MoBecgeil, Liebenstein and 
die neoMi Ärkadier. 1^. ~- f) Dm gepriessene Preussen. 

— g) Be;«r, der Dom va Erfurt. 1S67. 

69. UarticiaB, Lexicon etymologicum et Bacram. Fol. Von 

Herrn KommUeiooB-Rath Blecbscbmidt 
58. VDrstermata van Oyen, Dictioanaire nofailiaire, Repertoire 

des g^n^alogieB et docnments g^n^ogiqueB, qul bb hxiavent 

daUB la bibliothique , leg eoÜections et' les arohivea de l'au- 

tenr. La Haye 1884. Von dem Herrn HeraUBgebor. 
54. Eine BnefBamrotting de« Geb. Batbs Dr. Christof too der 

Strassen, herausgegeben von Prof. Opel (in Halle). Von 

Herrn Ober-Reg.-Ratb Bennig. 
&b. Eans^werbtiche Pablikationen von Herrn Haaelius in 

Stockholm. 

56. a) n. b) Oeh. Ratb von Wnssow, Aber die E^battong der 
Denkmäler in den CtilturBtaaten der Gegenwart 1. o. 2. Bd. 
Berlin 1884. (Erkauft.) 

57. Annoal Beporte of tho Smitiisonian Institution fttr 1880/81 
und 1882. Washington. Mit reichen und irerthToQen ethno- 
Idgiacben nnd arcba6ologiBchen Abbildongen. 

58. V. Folge: Urkondliche Kaohträge au den geBohiolitUchen 
Nachrichten von den Freiherm von Eberstein. Berlin 188&. 
Von Herrn L. F. Freib. von Eberstein (io mehreren 
Exemplaren). 

59. a) n. b) Alte ErAirter Drucke: a) H. J. J. WitaoheU 
dankbares nnd heiliges Hera u. s. alB Anna Jost Reinbotben 

— Terbranat wurde. Erfurt 1727, ~ b) Bericht und Send- 
schreiben von dea bertlhmten 1000 Jahren a. e. w. £rfnrt 

' 1998. 4. Von Harm Oberlehrer Boxberger. 

60. Ausschnitt der G«rmania, XVHI. (XXX.) Jahi^ng, S. 192- 
202: Mittelhochdeutsche Bussmahnangea und Ersiblungen 
über daa Sündhafte des Tancea, aus einem „LibelluB de 
penitenoia" in der Erfiirter Haadscbrift, FoL Nro. 22, BL 
122 — 130. Abgeacbrieben und gesohenkt von Herrn Prof. 
Bartaob io Heidelberg. 



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61. OaiteT Ä. Sedier, Modem« Wappesknnat. Winke Bit 
StMts- nnd st&dtische Behörden n. a. w. lYankfiirt «. H. 
bei W. Sommel 1885. Von dem Herm Verleger ain- 
geasadt. 

62. Babb. Dr. Th. Erooer, FeatBohrift zur Einweihung der 
■eaeo Synagoge in Erfiirt «m 4. Sept. 1884, aof Wonaoh 
der Oemeinde-Collegien verfsaat. Von dem Bnu Ver&iaer. 

B. Bilder und Handsohriften, Karten, Urkunden. 

1. 3 Photographien der Wtode und ihrer HoUTerzierangen 
aus dem 16. Jahrhundert im Silber & Eennann'aßhen Fabrik- 
gebäude und Wohnhause am Junkersand. Von dem gegen- 
wärtigen Besifeer Herm Droge. 

2. a) HandschriM. Verzeicbnias der Mitglieder des Erfurter 
KongreueB 1808. b) Veraeichoiia der Mi^lieder d«a Er- 
furter Parlaments nnd ihrer Wohnungen 1850. Von Herrn 
Bareau-Voriteher Härtung. 

3. Conat Beyer'a Karikaturen zum Todtentaoae (naoh Hol* 
bein'achen Motiven). Von Herrn Antiquitätenhändler Beck. 
Am Scbluae iat ein Qemälde der Umgebangen der Augaatinar- 
kirohe mit dem Grabmale Pastor lütaohl'a (Vaiera dea be- 
rOhmten Philologen) angeheftet. 

4. Essenwein's (Director des QermaniBchen Muaeuma in ZTOm- 
berg) Carton zb einem Glasfenater; Geachenk dea Herr* 
Dr. von Weiaaenbach, zn dessen Werk „Ton der Glaa- 
malerei, ihrer Geschichte o. s. w." es die Titelminiatur bildet. 

5. Ein auf Pergament gesohriebenes Amulet für deD Knaben 
Joseph, Sohn der JenU. Von Beim Rabb. Dr. Caro (1881). 

6. Urkonde des Offizials dea Harienstifts von 1403: Proteata- 
tion des Proabyters NyeoUua hinter deme Steyidioffe gegen 
die Verleihung einer Vicarei in der AllerbüÜgenkjrcbe mu 
Heinrieh von TrefFart. Von Heim BAalachUler Brandt. 

7. Ein« Mappe mit Abbildungen. Voa Herm Adam. 

8. Ein Patbenbrief Ton 1798. Von E«rm laid. Mo es. 

9. Eün Amstädter Bürgerbrief. Von Hrn. Korbmaoher W^isa. 
10. Ein Brief Dalberg'a aua Mainz vom 7. Mai 17S7 an die 

Ober - PEarrhaoplleote von Er^trl, Dankschreiben filr Ihren 
' Glüokwaosch zur Eitheiliang der CoadjnterswUrde. Vct im 
venrittweten Uad. Dechend. 



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XL 

11. EinLehrbrief TOD 1780 anf Pergament; ▼ooHni.O. StSsteL 

12. EinBild des verstorbenen HerroDomproptteB Warsohmidt. 
Von Hfirra Literat nnd Fecbttseister Montag. 

13. Eine Handichrift des verBtorbenen Kollaborators EammBr 
(geb. 26. Febr. 1785). Von Herrn h. Montag. 

14. Handsohriftliche Ergtinzong der HeBBo'sohen Anigabe der 
Chronik (Memortale) Eonrad Stolle's (f 1505) ans dem 
(einzigen) Jenaischen Codex, abge schrieben von Herrn Prof. 
Alfred Kircbhoff, korrespondirendem AHtgliede des Ver- 
eins. Nebst einer sorgfältigen Vergleichung des schon ge- 
druckten Theils der Hesse'schea Ausgabe. Von Herrn Prof. 
Eirehhoff in Halle. (S. oben A. N. 18. S. XXXIV.) 

15. Eine Rnndschan über die Stadt Erfurt und die Um- 
gegend von dem höchsten Tburme des Domes, 1837 gemalt 
TOn Harm Amtsgerichtsrath Kuchenbnch (jetst inMUncbe* 
berg) nnd von demselben geschenkt; sie ist 3,12 m lang, 
1 m hoch und enthält auch die Darstellung der von den 
Thttnnen nnd Eirchdftohem , welcbe deshalb abgenommen 
werden kennen, verdeckten näheren Stadttheile. 

16. Bilder: a) des Kurftlrsten Johann Georg von Braadenborg; 
b — f) der Städte Magdeburg , Leipaig, Qnerfnrt, Weimar 
(1570) nnd des Martinsstiftes zu Erfurt Von Herrn Alois 
Strecker in Hochbeim. 

17. Fathenbrief, bedruckt und illamiuirt. Von Herrn Ahlborn. 

18. Pergament-Urkunde für einen Trompeter, mit 12 Siegeln 
bedrackt. Von Herrn Seyfart 

19. Besohreibnng einer Reise aus Quedlinburg durch den Ban 
nnd Thüringen nach Erfurt und Gotha. Von Frl. Eva von 
Arnim auf Heinrichsdorf bei Falkenburg. Vorgelesen in 
der VeraaDunlong des Vereins am 19. Deo. 1882. 

20. a) Bfld des noch vorhandenen Holskt^s, in welchem Graf 
Albreobt von Beinstein von den QaedÜnborgern 1336 — 38 
gefangen gehalten wurde, b) Abbildung seiner Streitazt, 
der Sporen und des Dolches. Von Herrn Reg.-Sekr. Linse. 

21. Ein königl. weatilÜiBoher Schuldschein über 50 Francs. Von 
Herrn Eantor Heine in Gangloff- Sommern. 

22. Lefacbrief dflB Eaatmann's Olbriofat Von F^. Wwe. Kellner. 
fö. Pathenbrief des Pf. Bnd. Lossius in Sebloss Tonndorf. 

Von seiner 78jtthiigen Tochter FrL Augnito Loasina. 



:vCoOJ^Ic 



XU 

24. PVuzönBoliß Äasigimte Ubor 500 Franc«. 
ISk Theologisch Licht, mit Sprächen und Btideni, Handschrift 
in Fol. Von dem RealgymnanaeteD Wilh. Hopfe. 

26. Earae Nachrichteo über Latbers Trauung, eine Hand- 
■chrifL Von Herrn Kantor Heine. 

27. Dr. med. Zscbiesche, Karte and Katalog der prähisto- 
rischen Fnnde im Stadt- und Landkreise Erfurt (^nacb dem 
Schema der deutsoben anthropologischen Gesellschaft). Hit 
einer photographischen und einer autographischen Abbildung 
prShistorischer Funde. Als Beitrag zu Prof. Fraai prShisto- 
rischer Karte von Deutschland verfasat. Von Heim Dr. 
Zscbiesche. 

28. Abbildung der «na Kapoleons Reisewagen 1815 erbeuteten 
Tasae. Von Herrn Kanzleiratb Fischer, Besitzer der 
Tasse. 

29. B. Hänel, Luther in Wort und Bild. Aus Rieh. Mftller's 
xylographisch- artistischer Anstalt in Leipzig. Von Herrn 
Kommissions -Ratb Btechschmidt 

30. Bild des Gennrals von Loebell. Von Herrn Landrent- 
meieter Kessler. 

31. Vermäcbtniss König Friedrich Wilbelm's HI. bqt seinem 
Scheiden (7. Juni 1840) und Erlass Känig Friedrieb Wil- 
belm's IV. vom 12. Juni 1840. Von demselben. 

32. Assignaten der fransösischec Republik, Von Herrn Eisen- 
bahn - Sekretair Ziegler in Elberfeld. 

33. a) Ein Manuskript, Martini Lagunae prefatio ad Cicoronis 
epistolas; b) ein Bild des Obelisken auf dem Anger (1814 
am 6. Janaar verbrannt). Von Frl. Schäfer, Enkelin und 
Erbin des Herrn Bucbbindenneisters und Antiquars S. 

34. Beschwerdescbrift der Gemeinde Straussfurt gegen 
den Schijseer und Pächter Bretacbneider an K&nig Ängaet 
Ton Polen im J. 1720. Von Herrn Depotfeldvebel Krftmer. 

35. Pietro Fioccbi, Grand albero genealogioo - storioo dei popoU 
Italiani, Hilano 1781; eine historische Karte von Italien in 
Form von Strömen wie in Dir. Strass' „Strom der Zeiten", 
EUr Uebersicbt der Theilung und Wiederrereinigung der 
einaelnen Gebiete der Halbinsel bis 1815. Von Herrn Can- 
tor Heine in GanglofE- Sönnaeni. 



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TT.n 

36. HuidioliTiftUolu BeHkieibiiiig der Greiue d» Watters- 
Icbiacfaea Qeriofats. Vod dem OrtsvorBtADde der 
Gemeinde Wsltersleben. (Origiool geaohankt; eine ge- 
trene Äbaohrift desselben wurde «n dessen Stelle von Herrn 
Dr. K. Beyer genommen and an den Herrn Stümlseii ge- 
undt). 

37. FUn von Berlin «ns dem Jftbre 1810: Von Herrn Land- 
rentmeistar Kessler. 

38. Gedieht des Herrn E. W. Lecbmann in Gotb» *nf den 

SchloBs dos JebrhnndertB. Von Herrn L. H. «ob Gotbe 
(£nkel des Ter&ssers). 

39. Stemmbenm der Herrmaun-Schellbornschen Familien 
in Erfurt, aar üebersicbt dar Berechtigten zur Dnfft-Sohell- 
homschen Familien - StiAang zusammengestellt. Von Herrn 
Stadtrath Tegetmeyer. 

40. Eine Handachrift in Sohmal-Felio, in SobweioBleder gebon- 
den, enthaltend den Raths-Transitos Consulum Erfurtenainm 
Ton 1500—1667. Von Herrn Sattlermeiater Dnfft aus der 
Lade der Sattler und Riemer. 

4t. Ein Erbzinsbuch Über des Herrn J. G. Dreschern Geld-, 
Obley- und Fracht - Erbzinsen von 1761. Von Herrn Eisen- 
bahn-Sekretair und Auktions - ComroissariuB Lax. 

42. Ein Eaufkontrakt über das Haus zum Rebstock 1840 {&x 
4735 Thlr.) von dem Vater des Herrn Lux. Von demselben. 

43. Zeicfanvng eines Grenzsteins auf dem Andreaafelde mit dem 
Wappen des FeterskloBters und der Jabrzahl 1723. Von 
Herrn Chr. Grau jun. 

44. Geb. Beg.'Batb Elewitz, die Special-Gemeinden von Er- 
furt and ihr Kampf ams Dasein (autographirt). Von dem 
Herrn Verfasser. 

46. Alte Familienpapiere der Familie Siegmand: nn 
Sohreibebuch (kalligraphisch), 7 Pathenbriefe , Urkunde f&r 
einen BarbinrlehrUng , Job. Chph. Silber, 1674, auf ^rga- 
ment Ein Heft erbauliche Betrachtungen. 

46. Ein faceimtlirter Abdruck der Nummer 1 des Hamburger 
Correspondenten vom 2. Januar 1731 (150jäbr. JabilAum). 
Von Herrn Bäckermeister Schenoka. 

47. Tonndorfer Baareohnungen, ans einem AktenatOcke 
abgeschrieben und dam Vereine mm Abdnok Hbersandt 



xun 

(üAe den Abdrnok Bd. XII. 3. SSI) Ton Herrn QymnuiAl- 
Lebrer Dr. Jäger in Duderstedt Er fand «e in dem Ham- 

»er Ingroasaturbnch Nro. 16 (Bl. XKIII"— XXVIK') de» 
königl. EraisarchiTs au Wttrsborg. Von Herrn Dr. Jügii. 

48. Lithtq^raphie von dem Erntefest in der Btü^er-YeraanuDlang 
an Erfart den 39. Juli 1847 (nach dem Ende der pOssen 
Koratheurung), Von Herrn Sekret&r Schneider. 

49. Ein Oelbild dea EuriUrsten von Maina Joseph Friedrioh 
Karl (von ErÜial), in Lehanigriiase. Vermäohtniaa des Ter- 
■torbenen Majora Herrn Rochi. 

30. a) Das Erfurter Kaths Gebartsaeogniss tOi den Barbier 
J. Chph. Silber, getauft 1646, vom 10. Juli 1674. — b— b) 
7 Pathenbriflfe. — i) Ein Heft erbanlicfae Betrachtungen in 
quer 8- — k) Yorschriften von Job. Andr. Siegmond (geb. 
2. Not. 1768). Von Herrn Eleidennachermeiater Pfeiffer 
Und seiner Gattin Martha, geb. Sigmund. 

O. Alterthümer, Hünzen, Ouriosit&ten. 

1. Zwei Caatagnetten. Von Hrn.RealgymnaBial-Lelirer Carlas. 

2. Eine Serviette, in v^cbe die Jahraabl 1729 eingewebt ist 
Von Herrn Eauftnana Wftofater. 

3. Eine Helena-Hedsitle von 1821 ßir die treuen Eampf- 
genoftaen Napoleons. Von Herrn Kaufmann Wächter. 

4. Abdruck einea Siegels, welches Qöthe darstellt (Qe- 
schenk von Schilter an Gstbe). Von Herrn Bureau-Vor- 
steher Härtung. 

5. Ein Hafeiseu ans den Hopfeschen Ffiansnngen auf dam 
Harbacber Wege vor dem Andreasthore. Durch Vennitte- 
luDg des Herrn Bachdruckerei • Besitzers Cramer. 

6. Ein StQck von einem Mammutfaaahn. Von Herrn Land? 
wirtb Wächter in Hochheim. 

7. BeÜefbild des Obertribunal-Ratba Waldeck. Von Herrn 
Isid. Moos. 

8. a — g) Sieben Denkmüncen ana dem Nachlasse der Ualerin 
Amalie Seidler in Weimar. Von ihrer Nichte, der venritt- 
weten Frau Töcbterscbul -Lehrer Bichter in Erfurt. 

9. Eine Standfignr Berthe ThorwaldaeDS. Voa deraelben. 
10. Väa Spiegel aus dem Nachlasse der Wittwe Fr. tod SefaiUer. 

Von derselben. 



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TTfT 

36. HmdiohriftUohe Beich^eibaiig der Greme Aa ' .*°<lt 
lebitchen Gerichts. Tod dam OrtarP^ Herrn 
G«meiiide Waltarileben. (Original gtf// 

treofl Äbsdirift daaselben wurde an Atm^ff/ v jhansa- — 
Dr. K. Bejer genoniBwn und an if'.^// ^ . eines Gri^ 
aandt). "vy' *" eiserner 

37. Plan TOQ Berlin ans dem Jabr.v^'^. 

rentmeiater Kessler. ..''''i' -'• Knochen und 

38. Gedieht des Herrn E. W. I-. >v'^^7 L.elunpyramide. 

Schlasa des Jahrhonderts . yy''- jrstein, gefunden in 

(Enkel des VeriaaaerB). , /i. Bfii^enneiater s. D- 

39. Stammbanm der Herr/;'// 

in Erfurt, inr Uebo'/y / .ogels, betr. den Thüringer 

homsoben Famili^^' / . von Holx. Von Herrn Pr. 

Stadtrath Tegf^y 

40. Eine Handscl; .der (1768), einen grabenden Bauer 
den, eotbal' ' ilerm Franz Röhm. 

von 1500 ^jienkopf mit Malerei and der Adresse: „Au 
Lade ^ ^^^ellen Reiase, in Arbeit bei dem HofgOrtler- 

41. Ein * ^d^ube in Weimar. (Gekauft.) 

O^ jj^tei Tiichtach mit eingewebten Darstellungen eines 
' ^ ^ nnd menscblicfaer Figuren nnd der wiederholten 
4? "'-^Joft: Vom Einge David — 1592. Von Hrn. Apell jtm. 
'^f'icsimile des Riese njadeitbeils (wahracheinlioh 
/^ 0( Mexiko) im ethnographischen Moseum ca Dresden. Ge- 
^(■henk dea Herrn Konservators Hofrath C. Hey er. 
^ gin preassiachea Halb-Thalerstttck, gefimden bei Ab- 
tragong des Kavaliers am Andreasthor. Von E. WobllQbL 
Hagistrat 
0], Ein Polymeter, mit Gebrancha-Anweisong, zwei nüt 
Zahlen bedruckte Brottchen in Form einea drehbaren Tis- 
kels, der auch als Lineal, Dreieck, Hassstab, Proportions- 
airkel nnd Logarithmentafel dienen kann. Von Herrn Lite- 
raten und Fechtmeister Uontag. 
31a. Bronaene Alterthfimer, gefanden anf dem Grundstücke des 

Herrn Pastor Luders. 
28. Ein groasea Skelett mit LsngBchfldel, beim Neubau des 
städtischen Krankenhauses gefunden. Von E. WobllSbL 
Hagistrat. 

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XLV 

ä3. Ein alterthflmlicher SohlOasel und eine kleine Schale mit 
knnen Fassen, gefdndeD auf dem Bittergate des Herrn 
Bontin in Ltttzensömoiern. 

24. £ine bronzene Nadel nnd andere Sobmackgegenatände, ge^ 
fanden auf dem Sehwald'scben Omndstttck „der todte Mann" 
bei Waltersleben. Von Herrn Dr. med. Zscbiescbe aaa- 
gegraben nnd dem Vereine überlassen. 

25. Zwei ScLfidel, gefunden beim Neubaa des stttdtisohen Eran- 
kenhaoseB. Von E. Wohllöbl. Magistrat 

26. Eine silberne Denkmünze zur Konfirmation. (Angekauft). 

27. Eine preuisische Huldigungsmiinze von 1803 mit dem Bild- 
nisse König Friedrich Wilhelms III. Von Herrn Pr.-Llentn. 
(jetzt Hauptmann) Buhlers in Hildesbeim. 

28. Denkmünze auf die Rhein-Eisenbahnbrttcke zu Köln mit 
der Reiteretatue des Kaisers. Von Herrn EiBenbafaB-Sekrei- 
tär Ziegler in Elberfeld. 

29. Ein preussiscber Viertelthaler von 1768. Von demselben. 

30. Ein 20 Centimes • Stück mit dem BÜdniss der Republik von 
1850 (vor dem Staatsstreich Ludwig Napoleons (III.)- 

31. Ein kleiner Stein mit aasgeschnittenem Gesiebt, gefunden 
in einem seit sehr langer Zeit zugeschütteten Teiche. Von 
Herrn Oekonom Wisser in Windischholzhaasen. 

32. Fände auf dem Grundstücke „der todte Mann" bei Walters- 
leben: a) eine kleine Metallkugel aus Messing; b) Scher- 
ben. Von den Besitzern Herren Oekonomen Qebr. Sehwald. 

33. Tabaksdose, aus Kokoanuss oder Hickorynnss gescbnitzt. 
Von einem Ungenannten. 

34. Braunes in Holz geschnitstes Kruzifix mit Einlage: Reli- 
qoie vom Gewände des Märtyrers Victor. Durch Vermitt- 
lung des Herrn Frankenfeld jun. (jetzt in Berlin), 

35. 7 alterthOmliche Schlüssel Von dem Schüler Kemper. 

36. a) Ein Mansfeldiacher Georgstbaler von 1609, gefunden bei 
dem Grundgraben zu dem neuen FostgebKnde. Von der 
kaiserl. Ober-Post-Direktion mit Genehmigung Sr. Ezc. des 
Staats- Sekretairs Stephan. — b) Ein gothaischas Drei- 
hellerstück. Von derselben. 

37. Eine kSlnisohe Münze und sieben kurheisiscba Denkmünzen. 
Von Herrn KohlenhSodler Man dt. 



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XLVI 

88. Ein brouener Denar des EaUere Oommodoi, gefonden in 
Bayantlud bei Eüln. Von Herrn Fabrikant H«Dniagi. 

39. Ein Stfick verBteinerteB Holz. Von Herrn Apell jna. 

40. a) □. b) Fände von einom Qr&berfblde bei Lützensömmeni : 
Scherben nnd ein Feaerateinkem. Von Herrn Rittei^ta- 
Beaitaer Boatin upd Professor Weiisenborn auf den 
Ton HanBon'schen R&beofeldern ausgegraben. 

41. Mausen. Von Herrn Sekretär Bachfeld. 

42. Alte bischöfliche Münze (Bracteate). Von Angeaborg in 
Oberbessen. 

43. Ein Balken von Eichenhola, 1 Meter hoch, morach und von 
WUnnem aerfreisan. In der nördlichea Seitenmaner der 
alten Erfnrter Peterakirche eingemauert gefunden, 1 Meter 
hoch in horizontaler Lage. 

44. Hüncen, meist ältere Pfennige und zwei silberne H&nzen 
von 1718. Von Herrn Kantor Heine in Gangloff-Sönmem. 

45. Fragment: Stein (untere Hälfte eines prähistorischen Stein- 
werkaengs). Von demselben. 

46. ThaumngsmÜBse aus dem Jabre 1S17 mit Angabe der Oe- 
treidepreise. Von Herrn Elempnermeiater Degenbardt 

47. Eine metallene Schale in erhabener Arbeit, darstellend ein 
Gdtterfest (Anfnabme von Herkoles und Psyche in den 
Olymp, wahrscheinliob nach Benvennto CeUini, der vielleicbt 
Zeichnungen von Bapbael aus dem Sagenkreise dsr Psyche 
benutzte). Von Frl. Clementine Heinemann, welche sie 
früher von dem Terstorbenen Qeh. Beg.-Rath Volk zum 
Geschenk erhalten hatte. Wahrscheiulicb ana Hsenburg 
odjer Hägdesprni^. 

4S. a) n. b) Funde im Baoer'scben Ornndatllok i a) Fragment 
eines Steinmessera j b) eine steraartige Veruerung von 
Mesüng. 

49f t^e kleine Urne, auf dem Kr&mpferfelde bei der Anasohacfa- 
tung auf der Besitzung des Herrn Rode gefunden. Von 
dem Herrn Grundbesitzer. 

50. Eine aerbroohene Urne nnd mehrere Lehmpatzen an« der 
Siering'achen Lehmgrube vor dem Ändreasthore. (Letztere 
Uebarraste des Lehmbewurfs an den ftheeten ans Fleohl- 
werk erbauten Hütten.) Von Harm Sieriag. 



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sxvtt 

51. Altes Flmtfln6chloaa mit Batterie. Von Eem R. Born. 

Sä. Zwei Singe, gefunden anf dem Prediger-Eirchbofe beim 
Grundgraben za d«m neuen Schulgebfiude an der Casino- 
briicke. Von E. Wobllöbl. Hagiatrat gegen geaetzliche Eot- 
sobädignng des Finders Uberwieiien. 

53. Fände bei Walteraleben (an der MöbiBbnrger Flnrgrenze) 
aof dem Felde des Herrn Landwirths Zaobar, ansgagraben 
von Herrn Rittei^uts • Besitzer Boatin and dem Sobrifl' 
fSbr«r: Soberben von Urnen and Pferdeknooben. 

54. Mehrere HUnzen: a) OeBterreicbiscbes Dreiesig-KresKer- 
st&ck von 1807; b) Denkmlinie anf den Dombrand za 
FVankiort 1867. Von Herrn Eisenbahn • Sekretär Ziegler 
in Elberfeld. 

55. Knochen ans den Steinbrüchen des Rotbenbergs (Bftoken- 
wirbel von einem Mammntb). Von Herrn Eandlangs-CommiB 
Sablender. 

56. Sieben Blätter Siegel, angeklebt. Von demselbeo. 

57. Ein plattgedrücktes Granaten-Fragment, beim Äbtragen des 
Sohmidtstedter Thoree in einem Schacht desselben geümden. 
Von Herrn Herrmano Fiedler. 

58. Ein alter Degen. Von Herrn Bergmann. 

59. Eine grosse Windfahne von Eisenblech mit den Jahres- 
zahlen 1437 and 1821 und dem Clemena-Milwtts'sohen Wap- 
pen aas der im Jahre 1853 abgebrannten Lacius'sobeu Fa- 
brik, dem vormaligen Sachsenhofe. (Nach Böckner's Ansicht 
dentet dies Wappen auf die Verbindung eines Frl. von Hil- 
witz mit einem Junker aus dem Sachsenhofe hin.) Von 
Herrn Christian Gran jnn. 

60. Eine badische DenkmQnse von Kupfer. Von Herrn Kastellan 
Aderbold. 

61. Eine fi^sche Goldmünze (Jeton oder Spielmarke) mildem 
Bildniss König Friedrich Wilhebus II. 1796, gefanden auf 
dem Feldwege nahe der Cyriaxburg. Von Herrn Unter- 
offizier Bommeis. (Von demselben wurden aacb meturere 
eigenthümlioh geformte Steine anf dem Fetersberge gefunden 
und geschenkt.) 

63. a) Ein Stück Harmor von den neuesten Ausgrabungen des 
Forum Romanum; b) ein Stück Lava vom Vesuv. Von 
Herrn Maschinen -Inspektor Geitel ans Italien mitgebraobti 



.oogic 



XLTIC 

63. Eine grosse Sammlniig Münzen (gegsn 370 Stfick), meist 
TOD Kupfer, tbeilweise sehr selten. Von der EVaa Wittwe 
LiebftQ. 

64. Sechs Stttok ronde gebrannte Lebmseheiben in Tbaler- 
form, gefaoden bei den Ausechacbtungen vor dem Ldber- 
thore. Von Herrn Ritteigutebesitzer Boutin. 

65. Ein SchlUaflelbaken. Von Herrn Apotheker Bnchols. 

66. Münzen. Von Herrn Cantor Heine in Gaogloff- Sömmem. 

67. Vier Zähne, gefunden beim Pförtchen. Von einem ünge* 
nannten. 

68. Der Griffel eines KaaseroU von Zinn, gefunden bei Oberbof. 
Von Herrn Direktor Frangenheim, welcher einen in 
Form und Zeichnung ganz übereinstimmenden im Berliner 
Antiquarium des dortigen Museums gesehen hat (Schrank V. 
Nro. 580). 

69. Zwei Goldmünzen: a) Facsimile einer grossen MOnse 
mit den Bildnissen des Kaisers Septimius Severaa und seines 
Sohnes Geta. b) £ine vergoldete DenkmClnse des Österrei- 
ohiscfaeo Grafen tod Ortenburg. Von Herrn Apell jun. 

70. Ein holländischer Doppeldukaten, im November gefun- 
den. Von E. Wohllöbl. Magistrat dem Vereine zur Auf- 
bewahrung Qbergeben. 

71. Eine Sonnenuhr zum Einstellen, Von Herrn Literaten und 
Fechtmeister Montag. Durch Güte des Herrn Dhrmachiin 
Qrundig mit Magnetnadel und Gewicht für den Pendel 
versehen, «elcher auch die Einstellung nach der PolhShe 
erm^licht 

72. a — c) Drei Denkmünzen auf die Reformation: a) Schmal- 
kaldische Artikel 1837. b) Aogsburgiscbe ConfeBsion 1830. 
c) Mersebnrger Einführung des freien Bekenntnisses 1843. 
Von Herrn Verwaltungsgerichts - Direktor N o b b e. 

73. Ein alterthümliches Hufeisen, gefunden auf dem Militär- 
Schiessstand Nro. 7 auf dem Steiger. Von Herrn Premier 
Lieutenant DöUe. 

14. Ein Sprengstück einer Bombe, gefunden auf dem Steiger 
(wahrscheinlich aus dem Jahre 1813). Von demselben. 



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3CtIX 

D. Erwerbungen von. Zeitsohrifteu, 
meist durch Tausch. 

1. Ältmärkischer Vereio (Salzwedel) 19. und 20. Jahres- 
bericht. 1879. 1884. 

2. Verein fiir Geschichte Berlin'a, Nr. 14—18. 1881—85. 
Schriften des Vereins Heft 18—21. 1881—84. MittbeiluDgen 
1884. 1885 (1 — 6). Chronik 18. 19. 20. 21. 1880—83. — 
19. 20. Stiftungsfest 1883. 84. 

3. Schriften des Vereins für die Geschichte des Bodensee's, 
10—13. HefL Lindau 1880—84. 

4. Uittheilungen des Vereins für die Geschichte der Deutschen 
in Böhmen XVm. 3. 4. XIX. 1—4. XX. 1—4. XXL 
XXII. Prag IÖ80-84. 19-21. Jahresbericht 18—21. Prag 
1880—83. 

5. Verein fUr die Geschichte der Mark Brandenburg. Mär- 
kische Forschungen 16. 17. 18. 1881. 82. 84. 

G. Jahrbuch der ListoriBcheu Gesellschaft des EünstlervereinB 
zu Bremen, 11. 12. Bd. IL Serie 1. Bd. 1880. 83. 85. 

7. Jahrbuch des Vereins für die Geschichte von Chemnitz 
IV. 18S2. 83. 

8. Correspondensblatt des Geeammtrereias der deat- 
sehen Geschichts- und Alterthums vereine, 29. — 32. Jahrg. 
Darmst. 1881—84. 33. Jalirg. No. 1—4. Berlin 1885. 

Sa. Deutscher Gärtnerverband (Rcdactcur Möller in Er- 
furt), Mitglieder-VerzeichniBS für 1883. 1884. DeuUche 
Gärtner ■ Zeitung Nr. 1. Erfurt 18^. Von dem Herausgeb. 

9. Erfurter Gewerbeverein, Jahresbericht fUr 1879. 80/81. 
82-84. 

9a. Erfurter Waisenhaus, Verzeichniss der Kunst- und Na- 
turalien-Sammlungen. Erfurt 1863. (Diese Sammlung wurde 
am 7. März 1872 durch Feuer beschädigt.) 

9b, Festschrift des Thfiringischen Feuerwehrtags in 
Erfurt, den 23.-25. Juli 1881. 

10. Frankfurt am Main, Verein für Geschichte und Alter- 
tbumskunde, Mittheilungen, VL Bd. 2. Heft. 1881. 

11. Ferdinandoum für Tirol und Vorarlberg, Zeitschrift. IL 
Folge, 26., 27., 28. Heft. Innsbruck 1882-84. 

12. Freiberger Alterthumsverein, Mittheilungen. 18 — 20. Heft. 
1881—83. 



13. Freibarg im Breisgau, Oesellachnft xar Beförderniig der 
^ Geschichts-, Altertbuma- and VoUEBkande, ZeiUcbrifl V. B. 

1. 2. 3. H. VI. 1. 1880—83. 

14. G-ermaDisches Nationalmaseum (in Nürnberg), An- 
zeiger fUr Konde der deutschen Vorzeit Jahrg. 1881. 82. 
83. — Anzeiger des germaniBchen Katioualoiaseums. I. Bd. 
1. Heft. — Mittheilungen aus dem germanischen Museum, 
I. 1. Jahrg. 1884. — Katalog der im germanischen Moseum 
befindlichen Olasgemälde aas älterer Zeit Nfimberg 1884. 

15. Mittheilangeo des Vereins für Hamburgiacbe Qeaohicbte, 
4—7. Jahrg. 1882. 83. 84. Zeitschrift IV, 1—4. 1879—83. 
£>. Karl Koppmann'a Vortrag am 10. Decbr. 1883. 

16. Zeitschrift dea Harzvereins tür Geacbiohte and Alter 
thomakunde. Jahrg. 14. 15, Register zu 1 — 12. Bd. 1882 
16, 1 und Scblossheft, 17,1—4. 1881-85. — D. Friedrich, 
Bnntglasige Ofenkacheln von Goslar, Wernigerode 1881. 

Hennebergische Geschichte, s. Scbmalkalden No. 64. 

17a. Hessen. Hanau, Mittheilungen des Hanauer Be. 
zirksTereins für HeBsiache GeacbichtB- und Landeskunde, 
No. 6. 1880, No. 9. 18S5. (Dr. G. Wolff und O. Dftbm, 
der römische Grenzwall bei Hanau. 4.) 

17b. HcBaen-Kassel, Mittheilungen des Vereins für besB 
sehe QeBchichts- und Landeskunde, Jahrg. 1883, 1 — 4. Vier- 
teljabrsheft. 1 884. Verzeichniss der Mitglieder. — Zeitschrift 
des Vereins fUr HessiBche GeschichtB- und Landeskunde, 
Vni. Heft 3. X., 1-4. 1879. 83. — Denkmal J. Winkel- 
mann'a. £ine ungekrSnte Preissobrift J. Gott&. t. Her- 
der's a. d. J. 1778, herausgegeben von Dr. Alb. Duncker. 
Dessen FeBtechrift zum 50. Stiftungstag. Kassel 1882. 84. 

17c. Heaaen-DarmBtadt. Archiv fOr hessische Geschichts- 
nnd Alterthumakunde XV., 1—3. Darmetadt 1880. 82. 84.— 
Quartalblätter dos historischen Voreine für das GroBsherzog- 
thum Heasen, 1880, 1—4; 1883, 1. 2. — Verzeicliniss der 
Druckwerke und Handschriften des hessischen Vereins. 1883- 

17d. Oberhessiscber Verein fUr Localgeschichte: 2. 3. Jah- 
resbericht. 1880;61, 82/83. Geachicbte uud BeBchreU>ung 
-von MUnzenberg. Giessen 1879. — Oberbessiaofaw Ge- 
Bcbicbtakalender ftlr 1883. 



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LI 

IS. MittfaeiloDgeii des Vereins filr Oescbicbte und Ältertbnnu- 

kande in Hohenzollem, XIV— XVII. 1880/81 — 1883/84. 
lonsbrack, siehe Ko. 11 Ferdinandeam. 
19. Mittheilangen des Vereins für Gescbichts- nnd Alterthnins- 

kunde zu KahU and Roda, II. B. 3. 4. H. IIL 1. Kahl» 

1882. 83. 84. 85. 
30. Bhenus, BeilrSge zur Oescbicbte des Mittelalters, berans- 

gegeben vom Lahnsteiner AltertbomsTerein , No. 1 — 6, 

1884. 
21. Neaes Laasitsiscbea Magazin. Bd. 57, 2. 58, I. 2. 59, 

1. 2. 60, 1. 2. Görlit« 1880—84. 
32. Beriebt des Leipsiger Moseams fUr Völkerkunde. 7. 

9—11. 1879. 81 — 83. 

23. Sobriften des Vereins ftir die Gescbichte Leipzig 's (vacat). 

24. Mittbeilangen des Oeschicbts- und AltertbmnsTereitis zo 
Leissnig. VI. Heft. Leissnig. 

Leyden, siebe Kederlanden, No. 34. 

35. Beriebt des Vereins fUr Lübeckische Qescbicbte and 
Altertbamskunde i. J. 1881. 82. Mittheilungen, 1. Heft Ko. 
1—12. 1883. 84. Zeitschrift des Vereins Bd. 4, 1—3. 1881. 
1884. 

36. MusenmsTerein fUr das FUrstentbum Lüneburg, 3., 4., 5. 
und 6. Jabresberichl. 1880. 81. 82. 83. 

37. FublieatioBS de la Section historique de Tlnstitot R. Q. de 
Lusembourg. XXXV. XXXVI. Annie 1881. 1883. 

28. Oescbichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, Mit< 
tbeilnngen des Vereins für Geschichte und Altertbamskunde 
des Herzogthnms und Erzetifts Magdeburg. XVI. — XIX. 
XX., 1. 1881 — 85. 

29. Zettsobrift des bistoriscben Vereins flir den Regierungsbezirk 
Marienwerder. III. H. 1879, Marienwerder, V. 1. 2, VL 
1881. 82. VIL Vin. 1883, X.— XII. 1883. 84. 

30. JabrbUcber tmd Jahresberichte des Vereins fUr Meklen- 
bnrgische Geschichte und Altertbnmskunde. 46 — 49. 
Jahrg. 1881 — 84. 

31. Mittbeilungen für Geschichte der Stadt Meissen. 1. Heft. 
1882. 

33. Bericht über die Tbätigkeit der Zentral -Kommission für 
wisseuscbafüicbe Landeskunde von Dentscbland, von Dr. 
Lehmann. München 1883. ^-~ ■ 



LH 

Milncheoer ÄltertbumsTerein, 8. Wtrtbnrg, No. 61. 
38. Annalen des Vereins für XasBauiscIifl Alterthumskunde 
und Geschichtsforschung. 16., 17. Bd. Wieebsden 1881. 82. 

34. HftndeliDgen en Mededeelingen van de Maatschappli der 
Nederlandsche Letterkonde te Leiden o. h, j. 1883. 
Levensberichten der afgestorvone Hedeleden. Leiden 1883. 

35. Verhandlungen des historischen Vereins ffirNiederbayern, 
XX. 3. 4, XXI. 1. 2. Landshut 1881. 80. 

36. Zeitschrift des historischen Vereins fUr Niedersacbsen. 
Jahrg. 1883. 84. Hannover. 

37. Mitteilungen des Vereins filr die Qcschichte von Nürnberg, 
2.-5. Heft. 1880—84. Jahresbericht über das 3., 4., 5., 6. 
Vereinsjahr. 1880 — 84. 

38. Historischer Verein von Oberbayern. Oberbayerisclies 

Archiv fllr valerländiBche Geschichte, XXXVII.— XLL Bd. 
2. H. 1876—84. — Der Ausschuss des historischen Vereins 
von Oberbayem an die Mitglieder, Mlinchen 1885. Samm- 
lungen des historischen Vereins von Oberbayern, 3. Abth., 
München 1884. 

39a. Historischer Verein für Oberfranken. 44., 45. Beriebt 
über Bestand und Wirken des historischen Vereins sn Bam- 
berg. 36-38, 1881. 82—84. 

39b. Historischer Verein fUr Oberfranken (Bayreuth), Ar- 
chiv ftlr Gescliichte und Alterthumekunda von Oberfran- 
ken, XV. 3, XVI. 1. Bayreuth 1883. 84. 

40. Verhandinngen des historischen Vereine ftr Oberpfala 
und Regensburg, 35., 36.— 38. Bd. Regensburg 1881—84. 

41 . Mittheilnngen des historischen Vereins an Osnabrück, 
XII. 1882. 2., 3. Nachtrag zu dem Verzeichniss. 1883. 8.5. 

42. Mittheilungen der geschichts- und alterthumsforeobenden 
Gesellschaft des Osterlandes, VIH. 3. 4, IX. 1. Alten- 
burg 1879. 82. 84. 

4S. Mittheilnngen des bistoriscben Vereins der Pfalz, IX.~-XII. 
Speyer 1880 — 84. 

44. Mitteilungen des Altertumsvereins sa Planen. 4. Jsfares- 
ßchrift auf 1883/84. Plauen 1884. 

45. Gesellscbaft für Pommerscbe Geschichte und Alterthums- 
kuade. Baltische Stadien, 31.— 34. Jahrg. Stettin 1881—84. 

46. Zeitschrift (tir Preussische Geschiohte und Landeakosde, 
XVin.— XXI. Berlin 1881-84. , - , 

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tni 

47. Jahrbtlcher des Vereins von Altertbamsfreanden im Rhein* 
lande, U.— LXXV. Bonn 1879. (Bd. UL— LVI. fehlen.) 

48. Neues Archiv fUr Sschsische Geschichte und Alter- 
thoroskande, I.— V. Bd. Dresden 1880 — 84. — (Vereins- 
schrift des Vereins ßlr Geschichte and Alterthumsknnde too 
Sachsen.) — Dr. P. Hassel and Graf Vitzthum von 
EckstSdt, Bur Geschichte des Türkenkrieges i. J. 1688. 
Dresden 1883. 

49. Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthnms- 
kiinde von Sangerhaaaen und Umgegend. 1. H. Sanger- 
hausen 1881. 

50. Schleiz, siehe Voigtländisoher AltertLumsforschander 
Verein. 

5t, Jahresberichte der Schlesischen Gesellschaft fttr vaterlKn- 
dische Cultur, Generalbericht ftir 1881. 82. 83. 

52. Zeitschrift des Vereins filr Geschichte und Alterthumsknnde 
Schlesiens. 16. — 18. Bd. Breslau 1882 — 84. 

53. Zeitschrift der Gesellschaft fiir Schleswig - Holstein- 
Lauenburgisohe Geschichte. Handelmann, der Frem- 
deniUirer im Schleswig-Hotsteinschen Mnsenm vatwlSudi- 
soher AiterthUmer zu Kiel. 1883. Desselben, die amtlichen 
Anagrabungen auf Sylt 1875, 77 und 1880. Kiel 1882. 

54. Zeitschrift des Vereins {Ür Hennebergiscbe Gesohichta und 
Landeskunde asn Sobmatkalden. I. Supplementbeft : 
Geisthirt, historia Smatcaldica, Heft I. II. Schmalkalden 
nnd Leipzig 1881. 83. 

Zeitschrift des historischen Vereins f^ Schwaben und Neu- 
barg (vacat). 

55. Archiv des Vereins für Geschichte und AiterthUmer 
der Herzogtbümer Bremen nnd Verden u. s. w. zu Stade. 
7. 8. 9. Bd. 1880. 81. — Bahrfeldt, Httnzen der 3Udt 
Stade. Wien 1879. - Das älteste Stader Stadtbuch. 1. 1882. 

55b. Ulttheilangen des historischen Vereins für Steiermark, 
30. 31. 32. Graz 1882. 83. 84. — Leopold von Beok-Wid- 
manstetter, ein Kunpf ums Recht. Ebd. 1884. — Beitr&ge 
sor Kunde steiermlirkiscber Geschichtsquellen. 18., 19., 20. 
Jahrg. Gratz 1882—84. — Festrede aus Anlass der 60jäh- 
rigen Eabsburgfeier von Dr. Krones, Ritter von Marchland. 
Gratz 1883. 



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UV 

56. TbÜriagisoh-Sftobsisober Verein f&r Erforschnog dei 
TaterlKndiacben Altertbums: Nene Mittbeiluiigen aus dem 
Gebiete bistorisoh-uitiqnariflcber ForscbaDgeo, Bd. XV. 2, 
XVI. Hall« 1882— S3. — Opel, Naamburg im sobm«l- 
kaldisoben Kriege, Featachrift zur Feier des 50j übrigen Be- 
Btehena des Vereins, 1873. 

57. Zeltsjuhrift dm Vereins für ThUringiBcbe Geeobicbte und 
AltertbuinskuDde. Neae Folge. I. (IX.) 3. 4. IL (X.) III. 
(XI.) IV. 1. 2. (XII.) Jena 1880—84. 

58. Ulm und Obersohwaben : MOnsterblftttor , im Auftrag des 
Münster- Com itÖB herausgegeben von Aug. Beyer and Friedr. 
PresaeL Ulm 1883. (Siebe ftucb Wärtembergische 
Vierteljshrsbefte.) 

59. Arohiv des historischen Vereine von Unterfranken und 
ABcbaflfenbnrg, XXV. 2. 3. XXVI. 1. 2. XXVII. Würzbnrg 
1881. B2. 84. — Jahresbericht fUr 1881. 82. — Lor. Fries, 
Gescbichte des Bauernkrieges in Ost&anken, II. 2. 3. lH. 
Würaburg 1879 — 83. 

60t Voigtl&ndischer altertbumsforsobender Verein zn Ho- 
henleuben and QeBobiobts- und altertomsforsohender Ver- 
ein za Schleiz, 50., 51-, 53., 53., 54. und 55. JiJiresbericbt. 
1879—84. 

61. Wartburg, Organ des Müncbener Altertiinmsvereins, 
Jabrg. VUI.— XII. 1 — 3. Mttoohen 1880—85. 

62. Zeitschrift Üx raterlfindischa Oescbicfate und Alterthums- 
künde Westfalens, 41. 42. Bd. MOoater 1883. 84. 

68. Berichte ond Mittbeilungen dee AltertbumsTereins zu Wien, 
Bd. 21. 22. 1882. 83. 4. Monatablatt 1884, 1—7, 1885, 2-3. 

64. Wttrttembergisobe Vierteljabrshefte f. Landeagescbicbte, 
in Verbindung mit dem Verein fUr Kunst und Älterthum in 
Ulm und Oberschwaben, dem WUrttembergiscben Altertbume- 
verein in Stuttgart, dem bistorisclien Verein fOr daB WOrt- 
tembergiacbe Franken nnd dem Sülchgaoer AltartbamBTersiD, 
. , beraasgogeben Ton dem königl. statiBtisoben Bureau. 
Jahrg. III. Heft 2—4. IV. V. VI. VII. Stuttgart 1880-84. 

64. Äntiquarieobe Q«aellacbaft in ZUricb (vaoat). 



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LV 



Nachtrag. 



A. Bfiekflr: 

61. Frhr. Leop. y. Borch, Beiträge zur RechtsgeBcMcfate dea 
Mittelalters, mit beBonderer Rtiokaicht aaf die Ritter und 
DienBtmannen fürstlicher and gräflicher Herkunft. Inssbruck 
1881. Von dem Verfasser. 

62. KoDgl. Vitterbets Historie 'Och Aotiquitets Akademiens Ma- 
DadBblad 1. — 8. 11. 12. Argängen. Stockholm 1872—79, 
1883 — 84. Von der k. Schwedischen Akademie d. W. 

63. Bror Emil Hildebrand och Haos Hildabraad Teck- 
ningar or Svenka Statens Historieka MuBeam 1. 2. Haftet, 
Stookh. 1873. 78. Von derBeiben. 

64. Br. £, Hildebracd Svenska Sigillar frao Hedeltiden. 
Stockh. 1., 2. Haftet. 1862. 67. Von derselben. 

65. La. Daae (Prof. der Geschichte), Kong Christiao I. Norsk? 
Historie 1448—1458. Eristiania 1879. Von der Uniyersit&t 
CfariBtiania. 

66. Bastian Dahl, die tstein. Partikel ut (gekr. Preisscbrift). 
Eristiania 1882. Von derselben. 

67. Dr. C P. Caspari, kircbenhiatorische Anecdota, nebst 
neuen Ausgaben patristiBcber and kirchlich mittelalterlicher 
Schriften. Christiania 1883. 

68. S. Laaobe, die Anämie. Christiania 1883. Von derselben 
(ebenso die folgenden bis No. 75). 

69. Alf. Tor p (Herausg. Sophus Bugge), die Flexion des Pali 
in ihrem VerhältnisB zum Sanskrit. Christiania 1881. 

70. M. J. Monrad, et kongeligt bryllapsom folkehoiüd. Christ. 
1881. Von derselben. 

71. Dr. L.B. Stenersen, Myntfundet fira Graeslid i Thydalen, 
(Festprogramm zur Verm&hlung des Kronprinzen.) Cfari- 

' 1 1881. 

A.Ob, Google 



LVI 

73. Dr. OuBl Storm, MoDamenta hiatorica Norvegiae; laüntke 
Kildeskrifter til NorgeB hiatorie i Uiddelalderen. EriBtianU 
1880. 

73. Hans H. Reuecb, Silurfosailer og presBeds Konglomerater 
Bergensakirene. Kristiania 1880. 

74. CM. Guldberg et H. Mohn, Etudee sur les moavementi 
de l'atmo Sphäre. Christi an ia. 

75. Beatyreren, tredle beretoing om bygde Kongsgaard. Chri- 
etionia 1882. 

76. Tb. Hiortdahlj kryataÜographisk-chemieke Udersogelaer. 
Cbriatiania 1881. 

Von Herrn Dr. Arthur Hazelius in Stockholm (siehe 
oben Ä. 46 und 55) hat der Verein erbalten: 

76. a— d) Minnen &an Kordiaka Museet, fonit Skandinaviak 

etnografieka aamlingen. 1., 2., S., 4. baftet Stockholm 
1882. quer Fol. 

77. DeBsen Le Mus^e d'ethnographie scandinave k Stockholm, 
fondä et dirigä p. le Dr. A. Hazelina. 2. Edition. Stock- 
holm 1879. 

78. a) u. b) Doeaen Samfundet för nordiska MoBeets främjande. 
Heddelandec 1882. 83. 

79. Programm zu einnm beabsichtigten Qebäade fSr daa Nor- 
dische Museum in Stockholm. Stockholm 1883. 



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Beiträge 

zu 

einer Tergleichenden 

Topographie und Statistik 

von 

ERFURT 



W. X A. Fretk. y. Tittai, 

Dr. Sha., Vlc<-Frl*<d<at d« Aaadn>l* , 1— ...r^. vi h.*— 



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Inhalts - Verzeicfaniss. 



Torbemarkuiigeii 1 

UmfknK der SUdt im Allgomftinoa 4 

TarAnderongaD im Innern 7 

AnzKlil der Geb&ade . . . 15 

B*aliohe Znitände , 19 

ZftU and Beeohftfienheit der SjtruBBD 38 

Eintheilung der SUdt . 27 

Nnmmerirong der H&oser . SS 

Yniiiiilnriiiinnii iii ilri niiiiriiiimnn ilm fllrieiinii 9i 

Banwerke 78 

BafeaUgnngen . , . , 77 

Thoro und Wtllthfirme 87 

Itmenthore 88 

Atueentbore . 9i 

Mioer- nnd W»lHb6nn6 9S 

Kirchliche Qebftnde, 

Eirohen nnd Kapellen 100 

KUMer Dnd Stifter .. 118 

AaBwftrtigen RlöBtem gehörige Udre 141 

B^ribniMstättcn 148 

OeSentUahe nicht kirchliche Oebind« Ibl 

WaaMTrerhältniiM . IBQ 

Hflhlen 187 

Einwohnenahl QberluQpt . 196 

VarhältniM der Zahl der Tode«Klle nnd Geborten in der der Lebenden 204 

Terhiltnin der Z>hl der nneheliohen Oebnrten in der der eheliehen . 207 

Verhältnis* der Civil- nnd der HilitarberSIkaning 906 

Verbiltniee der Tenohiedenen Stand« ... 311 

Mtunaterieohee TerhUtniM der TereoUedenen obriiUich^ Roligioni- 

parteien 214 

Zahl dei jüdiichen BeTÖlkerang ■ 218 



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y orbemerkongen . 



Was mir Knnächst Veraniluaang gegeben hat, die nachfol- 
gende Arbeit za aDternehmeB, wird in dem AbBchnitte, welcher 
Von den in der Benennung der Strassen und Plätze im Laufe 
der Zeit eingetretenen Veränderungen handelt, näher dargelegt 
werden. Ich hatte ursprünglich nur die Absicht gehabt: ein 
Holfsmittel zu schaffen, das geeignet wäre, einem rein praktischen 
Bedür&isse entgegen zu kommen, die Beschäftigung mit diesem 
Gegenstände hat mich jedoch allmählich weiter geführt und ist 
schUesBlioh zu einer vergleichenden Darstellung der Topographie 
Erfarts während der ganzen Zeit seines Bestehens geworden. 
An die Strassen und Plätte hat sich die Schilderung der räum- 
lichen Ansdehnung, welche die Stadt allmählich gewonnen, die 
Darlegung der in ihrem Innern eingetretenen Veränderungen, 
die Aufzählung der früher in ihr vorhanden gewesenen, jetzt 
nicht mehr exiatirenden baulichen Anlagen, insbesondere die 
Schilderung der gegenwärtig ja auch schon der Vergangenheit 
aogehSrigen Befestigungen angeschlossen, schliesslich habe ich 
die Untersnchung auch noch auf einige wichtigere Funkte der 
Statistik, insbesondere die Häuser- und Einwohnerzabi, die letz- 
tere sowohl im allgemeinen wie nach einzelnen Gesichtspunkten 
aosgedehnt. 

In zweifacher Beziehung bot mein Unternehmen einige 
Schwierigkeiten dar. Zunächst sind, namentlich für die älteren 
Zeiten, die uns zu Gebote stehenden Nachrichten, abgesehen 
davon : dass man sie erst von den entlegensten Seiten und nicht 
selten aus halb versteckten Winkeln zusammenholen mnss, so 
unvollständig, die Quellen so wenig zuverlässig und sich wider- 
sprechend, dass man sie nur mit grosser Vorsicht benutzen 
kann, sodann ist aber auch das Feld, auf dem ich mich versucht 
habe, ein bisher fast noch unbearbeitetes; mir ist wenigstens 
kein Werk bekannt, das mir ohne Weiteres als Vorbild zu die- 
nen geeignet gewesen wäre. £s hat sich daher auch noch keine 
sichere, allgemein recipirte Methode (Ür derartige Untersnohangen 



".oot^lc 



— 2 — 

feststellen köcoen. Ee giebt xwar Schriften, die sin dem mei- 
nen ähnlicheB Ziel Terfolgen, aber meist beschränken sie sich 
auf einzelne Zeitpunkte oder Zeiträume, ohne sieb auf deren 
Vergleichnng mit der Gegenwart einzulassen, theils, and dies 
gilt namentlich von einigen auf grössere Städte bezüglichen Wer- 
ken, wie den Schriften von Delaure und anderen Über Paris, 
von Ffihrmann, Hormayr und Schimmer über Wien, Fidicin, 
König, Küster und Wesselj über Berlin, Klose über Breslau, 
Hasche über Dresden u. a. m., sind dieselben überwiegend ge- 
schichtlich im engeren Sinne nnd nach Gesichtspankten geai^ 
beitet, die von den meinen weit abgehen und verfolgen so ab- 
weichende Zwecke, dass auch sie mir nicht einmal als Anhalts- 
punkt haben dienon können. Ein ähnlicher Gedanke wie meiner 
Arbeit liegt allerdings Tüppens historisch • comparativer Geo- 
graphie von Freussen und einigen ähnlichen Schriften sa Grunde; 
es ist aber doch ein sehr wesentlicher Unterschied: ob es sich 
um ein ganzes Land oder eine einzelne Stadt handelt Ich kann 
mir daher wohl, ohne mich dem Vorwurfe grosser Unbescheiden- 
heit auszusetzen, auf einige Nachsicht mit den grossen UnvoU- 
kommenheiten , welche die nachfolgenden Blätter an sich trBigeo, 
Kechnung machen. 

Als Hülfsmittel haben mir nicht nur die gedruckten, auf die 
Geschichte' und Beschreibung von Erfurt bezüglichen Werke, 
von neueren namentlich die Schriften von Kirchhaff und Hartunga 
Häuserchronik gedient, sondern es sind auch einige handsclurifi- 
liehe Materialien, so namentlich die Hogelsche Chronik (ich ci* 
tire nach dem in der Magistrats-Bibliothek befindlichen Exemr 
plare), die Chronik von Friese, die Collcktaneen von Qerstenberg, 
die Notizen aus den Freizjnsregistern der Stadt Erfurt betref- 
fend, Plätze, Strassen u. s. w. vom Arcbivrath Heinr. Beyer 
nnd die von Böckner gesammelten Nachrichten über die Befe- 
stigungen, die Tfaore und die Wasserläufe von Erfurt, benntst 
worden. Dessen ungeachtet wird meine Arbeit sicher — nnd 
davon kann niemand mehr durchdrungen sein als ich selbst — 
eine nicht geringe Zahl von Unrichtigkeiten sowie sehr viele 
Lücken in sich halten, ich hoffe aber: dass gerade ihre Verfif- 
fentlichnng dasu beitragen wird, ihre Richtigstellung und Ver- 
vollständigung herbeizutUbren , indem vielleicht der eine oder 
der andere, der von ihrem Inhalte Konntniss erhält, sich bewo- 



— 3 — 

geo finden wird: mich auf Verseben and Auslassungen aufmerk- 
B&m zu machen, und mieb so in den Stand zu setzen, sie zu 
berlcbtigen, ergeblicb zu vervollständigen. 

Wenn die nacbfolgenden Notizen, denn nur als eolcbe wollen 
aie gelten, einen wisBenBchaftlicben Wertb in Anspruch nehmen 
wollten, so würde die Reihenfolge und Anordnung derselben 
eine, wenn nicht streng chronologische, doch wenigstens eine 
nach festen Perioden abgegrenzte sein müssen. Dass eine solche 
nicht geradezu unmöglich sei, das bat u. a. Kirchhoff in seiner 
Schrift: Erfurt im 13. Jahrhundert, ein Oeschichtsbild , Berlin, 
1870, gezeigt. Aber um dies durch die ganze Zeit des Beste- 
hens der Stadt von deren ersten Auftreten in der Gesobichte 
bis ZOT Gegenwart durchzuführen, möchten doch die zu Gebote 
stehenden Quellen kaum ausreichen; auch erhebt meine Arbeit 
einen derartigen Anspruch nicht und jedenfalls würde die leichte 
Uebersicbtlichkeit und die praktische Brauchbarkeit darunter 
leiden. Die letztere wird sich viel leichter bei einer Anordnung 
nach den Gegenständen und bei diesen im einzelnen wieder 
nach alphabetischer Folge erreichen lassen. Ich werde dem- 
gemäsB, nachdem einige Bemerkungen Über den Umfang der 
Stadt im AUgemeincn vorausgeschickt worden, deren Eintheilung 
in verschiedenen Perioden, sodann die äussere Umfassung, also 
die Festungswerke, Mauern und Tbore, demnäciist die Strassen 
und öffentlichen Plätze besprechen, in dieser Beziehung mich 
jedoch auf die Aufzählung derjenigen beschränken, welche ent- 
weder nicht mehr cxistiren oder ihre Benennungen verändert 
haben, sodann zu den Bauwerken übergehen, zunächst zu den 
kirchlichen — Kirchen und Kapellen — Klöster und Stifter — 
aaawärtigen Klöstern gehörig gewesenen Höfe — dann zu den 
weltlichen und bei letzteren besonders der Mühlen und der mit 
diesen in inniger Beziehung stehenden Wasserverhältnisse ge- 
denken, aber mich auch hier, soweit dies ohne Beeinträchtigung 
der Verständlichkeit und Uebersichtlichkcit möglich ist, auf das 
beschränken, was entweder überhaupt nicht mehr vorhanden 
oder unter seinem gegenwärtigen Namen nicht erkennbar ist. — 
Den SchljiBS werden einige Untersuchungen aus dem Gebiete 
der Statistik, sowohl in Betreff der Bevölkärung im Allgemeinen, 
wie in Bezug auf die verschiedenen Stände und Religionsparteien, 
bilden. 

Dictzsd bv Google 



Umfang der Stadt tm Allgemeinen. 

Man kann mit alter WahrBcheinlicbkeit annehmen: dass der 
Anbaa des Ortes, der, als er zuerst, gegen die Hitte des S. 
Jahrhunderte, in die OeBchichte eintiitt, den Namen: Erpesfurt 
oder Erphesfurd, führte, in der Gegend des Dombergea und des 
Petersberges begonnen und sieb von hier, dem Lanfo der Oara 
folgend, gegen Osten und Süden ausgebreitet habe. Die Stadt 
Erfurt in ihrem apSteren Umfange bestand aber arsprünglich 
aus den beiden Orten: Sohilderodc, das am Fasse des Merwigs- 
berges oder wie er, nachdem auf ihm ein Kloster des Benedic- 
tinerordene zum heiligen Petrus erbaut worden, hiess: des Pe- 
tersberges, lag, und sich vom Andreasthore bis snm Friedrich- 
Wilhelmsplatze und der KrämerbrQcke erstreckte, und aus dem 
anf einer von zwei Armen der Gera, dem Brettstrom und der 
wilden Q«rB, eingeschlossenen Insel belegenen Erpesfiirt. Erst 
nm das Jahr 1200 wurden diese beiden Orte in eine Oemeind« 
vereinigt. Der Theil der Stadt zwischen der Krftmerbrttcke 
und der Jobannisstrasse ist erst später wie die Bebauung jener 
Insel entstanden und auf die Angabe Hogels, der ihn (Cbron. 
3. 36) in die Zeit Karts des Grossen setzt, ist wenig Gewicht 
zu legen. Als ein dritter Sladttbeil traten hierzu der Dombeig 
und der Petersberg, nachdem sie mit Kirchen und WohnhSnsem 
fUr die Geistlichen bebaut waren. — Als Landgraf Ludwig der 
Eiserne von Thüringen 1164 sngleicb mit den Manem von Er- 
furt drei unmittelbar an diesem belegene Dörfer: Bergbaasen, 
Rnstberg und Homburg zerstört, und diese nicht wieder herge- 
stellt, vielmehr deren Dorflage mit dem Stadtbezirk vereinigt 
worden, wurden auf dieser die Vorstädte, d. h. der zwischen der 
wilden Gera und dem äusseren Umfassangswalle belegene Theil 
der Stadt erbaut. Doch soll nicht behauptet werden, dass dies 
gleich nach 1164 vollständig gescbeheo sei, vielmehr erfolgte die 
Bebauung erst sehr allmählich und tbeilweise in viel späterer 
Zeit. Bogeis (Chron. S. 22) Angabe: dass schon zur Zeit des 



— 6 — 

FrankenkönigB Dagobert I. die JohamuBTorstadt bia zum nach- 
herigea AuguBtthore mit „Wohnungen angeßÜlet gewesen" uod 
die starke Bevölkerung derselben die Ctrttodang einer eigenen 
Kirche nSthig gemacht habe, verdient keinen Glauben. — Die 
älteste der Vorstädte war der Brühl, ein durch Entsumpfung 
fOr die Cultur erobertes Terrain, das sich in aeinem ursprüng- 
lichen Umfange auf der einen Seite bis zum Fusse des Dom- 
berges und zum Herrmannsplatse , anf der anderen bis zum Cj- 
riaxberge erstreckte. Doch bildete der Brühl bis zum Anfange 
des 14. Jahrhunderts gewissermaasen einen besonderen Ort, da 
er in Betreff seiner Verfassung von der eigentlichen Stadt voll- 
stKndig getrennt war und nicht unter dem Stadtrath, sondern 
unter dem erzbischöäichen Schultheissen im BrUhl (Scuttetus in 
Broleto oder Frurali, nicht plnrali, wie er missverständlich häufig 
genannt wird und von Friese [Chron. S. 20] wunderbarer Weise 
in Viel — der Scbultheiss in Viel, in plurali — verdeutscht ist) 
stand. Xocb im Jahre 1289 wurde er als ausserhalb der Stadt 
liegend angesehen (Kirobboff, WeisthUmer S. 26; Härtung, Häu- 
sercbronik I. S. 186). — Eben so bildeten die geistlichen Be- 
sitzungen auf und hinter dem Domberge, da sie gleichfalls von 
der Jorisdiction des Stadtraths eximirt waren, einen getrennten 
StsdttheiL — 

Eogels (I. c. S. 74) Angabe: dass Erfurt zur Zeit des Erz- 
bischofs Sieg&ied I. (1059 — 1084) 2b Pfarrkirchen gehabt habe, 
erscheint zwar etwas problematiscb , jedenfalls hat eich jedoch, 
wenn auch nicht der Umfang der Stadt vergrOssert, so doch 
wenigstens die Zahl der Bewohner und dem entsprechend der 
Wohnhäuser vermehrt, als Erzbischof Christian, indem er jene 
1170—1173 mit einer Mauer umfriedete, viele Einwohner der 
amliegenden ländlichen Ortschaften in die Stadt zog und ihnen 
Häuser eingab, zu welchem Zweck er seinen Weinbei^ auf dem 
Feteraberge dem Domstift abtrat und seinen Schultheissen Con- 
rad, Albrecht und Dietrich von Widdern, sowie dem Abte des 
Fetersberges auftrugt diese Stellen und Plätze mit Häusern zu 
besetzen, in denen die Ritter und Jnnker als erzbischöfliche 
Burgmänner wohnen sollten. 

Welchen Um&ng Erfart 1293 gehabt und welche Strassen 
darin damals vorbanden gewesen sind, kann man mit ziemlicher 
Bestimmtheit aas dem Freizinsregister von dem genannten Jahn, 



..Cdoj^Ic 



_ 6 — 

dem tiltesten was biB auf ods gekommen ist, erscben. Ea wer- 
den in diesem nacbeteheade Strassen nnd Plätse erw&hnt: der 
Brühl — Bei der h. Brunnenktrcbe — die LangebrCcke — die 
Lanengasse — der Graden — die alten Fleischbänke — die 
Fingerlingsgasse -~- Unter den Schilderem — der Rabenmarkt 

— Bei St. Andreas — die Fergamentergaue — Bei St. Horitz 

— Bei St. Qeorg — die AebtiBsinstraBse — Bei St. Michael — 
Bei Allerheiligen — Unter den Schwertfegem — die Breito- 
strasse — der Fischmarkt — Unter den Tacbachlitzern — Bei 
St. Martin intra — Bei St. Benedict — die Jadengasse — die 
Krautgasse nnd die Krautstege — Bei den Predigern — der 
Wenigemarkt — Bei St. Egidisn — der Sand — die Pilse — 
Bei St. Lorenz — die Lehmaansbrücke — Bei St. NicolaUB — 
Bei den Schotten — die Gotthardstraaee — die Hfütergasse — 
das Elend — die Johanniestraase — Beim Krämpferthor — Bei 
der Eanfinannakirche — Hinter Weissfrauen — Bei St. Äogustin 
(regulär.) — Bei St BarthotomSua — Bei St. Viti — der Efiae- 
markt — die Lolibank — Am Löberthor; aaaaerdem einige, 
deren Lage qicbt genau bekannt iet, wie: die MentelerstraSBe 
und Unter den Sattlern. — Aas dem Fehlen so mancher Kamen 
in diesem Verzeichniase darf man jedoch nicht schliesBen, dass 
die Strassen, die eolche föbren, damals noch nicht bestanden 
haben, eondem nur, dass sich zu jener Zeit in ihnen keine 
Grundstücke befunden haben, von denen Freizinsen zu entrichten 
waren. So hat anter andern der Anger gewiss schon eidstirt 
(wird 'doch schon in einer Urkunde von 1196 ein Tbirricua de 
loco qui dicitur Anger erw&hnt), er kommt aber erst in dem 
nächsten vorhandenen Freizinsregister, dem von 1321 vor. Das- 
selbe findet statt in Betreff der Weissengasse, der Waldengasse, 
der Fleischgasse, der Markgrafengasse, Bei St. Matthias, Bei den 
BarfUsscrn, Neuerbe, der Neustadt, der Futterstrasse, dem Neu- 
werk und Bei St. Pauli. Die ScblOaaergasse findet sich erst in 
dem Freizinsregister von 1350 erwähnt 

Es ergiebt sieb aus dem Voraufgeführten , dass Er&rt am 
Schlüsse des 13. Jahrhunderts, abgesehen von dem Brühl«, fSrm- 
liche Vorstädte noch nicht gehabt habe. In der That umschloss 
noch im 14. Jahrhunderte die Stadtmauer nur die nachborige 
innere Stadt; sie folgte der Wilden Gera von da ab, wo diese 
sieb vom Breitstrom trennte, beim Bosswehr, bis aiim EroDen- 



:. Cookie 



— 7 — 

bnrger Wehre, ging dann vom Moritztbore nach dem Andreas- 
thore, von diesem, nachdem die fiaasere Enceinte von dem 
letsteren bis zum Wassertbore in den Jabren 1375 bis 1380 an- 
gelegt war, den Fetersberg in sieb schliessend, bei dem Lauen- 
thore vorbei nach dem Krummen- oder Inneren Brliblerthore und 
■cbloBS sich endlich beim BoBswehre wieder an. — Wenn Vor- 
städte damals auch bereits existirt haben, so waren sie wenig- 
stens noch nicht in die Umfriedigung eingeRcblossen. Dies ge- 
schah erst im Lanfe des 15. Jahrhunderts, wo die zunehmende 
Bevölkerung derselben dies nStbig machte. 1426 und in den 
folgenden Jahren wurde die Strecke vom Lauenthore bis zum 
Wasserthore mit Thürmen und Qräben versehen. 1432 wurden 
der Zwinger im Brühl, die zwischen dem Krämpfer- und Johan- 
nisthore belegenen Grundstücke und das Kartbäuser Kloster, 
sowie die Earthänser Mühle der Stadt einverleibt, indem man 
sie mit einem Graben umschloss (Härtung 1. c. II. 318). — 1444 
fahr man mit jener Arbeit fort, indem die Strecken vom Löber- 
bis zum August- nnd vom letateren bis zum Kr&mpferthore mit 
einer Ringmauer nmgeben wurden. Seit 1471 endlich worden 
die gesammten VorstSdte mit in die Befestigung hineingezogen, 
indem man sie mit Wällen, Tbttrmen und Gräben versah. Seit- 
dem ist im Wesentlichen bis zu der neuerdings stattgefundenen 
Entfestignng der Umfang der Stadt unverändert geblieben. 

Veränderungen im Innern. 

Die in diesem Zeiträume eingetretenen Veränderungen haben 
sich, so erbeblicb sie auch zum Theil gewesen sind, auf das 
Innere der Stadt beschränkt. Sie wurden vorzugsweise durch 
(Ufl grossen FeuersbrOnste herbeigeführt, von denen Erfurt so 
vielfach heimgesucht worden ist. Kachdem unter andern 1246 
der grösfite Theil, 1291 aber wieder ein Drittel der Stadt, die 
ganze Strecke vom Neuwerkskloster bis zum Krämpferthore 
(Chronic. S. Petrin, ed. Stübel p. 126), 1395 ein Viertel aller 
Häuser, die Gegend zwischen der Kaufmannskirche und dem Lö- 
bertbore und 1416 der nördliche Theil der Stadt von den alten 
Fleischbänken unter den Schilderern bis zur Moritzkirche mit 
dem Bubenmarkte, der Pergamenter, Weissen- und Marbacher- 
Gasse, der Andreas -Servatü und Georgskirche zerstürt worden, 



:vCoOJ^Ic 



war wobl die bedeutendate Feaerabnmct, von welcher Erfurt 
heimgfliucht ist, die vom 19. Juni 1472 — sIbo in damaelben 
Jahre, in dem die Vorstädte in die Befestigung gezogen worden 

— da sie die halbe Stadt, allee wai zwischen der KrämerbrKcke 
und dem äusseren Brilblertbore , dem NeuwerkiUoster und dem 
Andreasthore sich an Häusern befand, in Äsche legte, der Dom 
und die Severikirche zerstört wurden und dem Wohlstände 
Erfurts eine Wunde geschlagen ward, die sich nie wieder ganz 
gesohloBsen hat, wozu der Umstand freilich sehr wesentlich bei- 
trug, dass auch femer die FeuersbrOnste nicht aufhörten, und 
allein das 16. Jahrhundert nicht weniger als 44 solcher von ge- 
ringerem oder grösserem Umfange mit sich gefOhrt and nur wenige 
Jahre ohne Brandschaden Terfloesen sind. — Dass bü dem 
Wiederaufbau der zerstörten Häuser mancherlei Veränderungen 
in der Bichtung und Äolage der Strassen vorgenommen worden, 
ist nicht bu bezweifeln, doch sind die Einzelnheiten nicht g«- 
nUgend bekannt Dies gilt auch von dem Brande i der sm 
13. August 1660 den Stadttheil auf beiden Seiten dtis Angers 
von der Scblösserstrasse und der ärafengasse bis zum Faast- 
gässchen und von der Bahnhofetrasae bis zur HohenthOrgasee 
vernichtete und gegen 200 — nach andern Angaben sogar 300 

— H&user, und unter ihnen du Beglerkloster, das Stottemhum- 
sehe Falais und die uralte Residenz der Ch-afen von Gleichen 
zerstörte. Es ist zwar eine längere Zeit bis zur Vollendung 
des RetabliBBemeutfi verstrichen, theilweise ist dies sogar erst 
im Anfange des 18. Jahrhunderts erfolgt, im Wesentlichen-scheint 
aber die Anlage der Strassen dadurch nicht erheblich verän- 
dert zu sein. — Doch bemerkt Scham (Erfurts VerblUtnisse auf 
der Schwelle der Neuzeit. Erf. Lutherfest-AImanach S. X.): 
dass es den Anschein habe, als wenn jene grossen Calamitäten, 
von denen die Stadt betroffen worden, schon auf eine etwas 
breitere Anlage der Strassen bei der Wiederherstellung hin- 
gewirkt hätten. 

In umfassendem Masse ist dies nach dem grossen Brande 
vom 21. October 1736 der Fall gewesen. Wenn man vor diesem 
von dem Qraden, dem jetzigen Friedrich -Wilhelms -Platze, in der 
Richtung der Fredigerkirche sieh begeben wollte, so kam man bei 
den gegenwärtig noch ezistirenden , damals aber vollstäadig mit 
Bäasem besetzten beiden Gassen, der Huners- (jetzt Hundorfs') 



and der Stanxengaase vorbei and durch eioe kurze Strasse : unter 
den (^ocken^esaern genaiiDt, zu einem ziemlioh uiBebnlichen 
Platze, dem £ndleiche, am Ausgaitge der Oroaaen Arche, nod 
einer engen Strasse: Unter den Kupferschmieden, die in der 
Oegend der Saokpfeifenmühle auf die Langebrilcke traf, welche 
frfiher ihren Kamen mit vollem Rechte trug, da die Strecke 
swischen dem Breätatrome and dem Bei^strome nicht. wie jetst 
mit Häusern besetst, sondern eine wirkliche BrQcke war. Anf 
der einen Seite hing dieselbe durch den Fleohtnerstand mit der 
Hondorfsgasse zusammen, während auf der andern eine namen- 
lose blos von Hintergebäuden gebildete Gasse in schräger Rich- 
tung nach dem Nonnensacke ging und eine dritte, die damals 
sehr enge und krumme Gasse anter St Paul nach der Predigei^ 
kircbe hinftthrte. Aus jener zweigte sich die S chatten wand- 
gaase ab, die zu jener Zeit viel breiter als gegenwärtig nnd 
gani mit Hänsem besetzt war and auf den Nonnensack sich 
öfhete, der auf der andern Seite durch einen hölzernen Steg 
und die Fleischbänke — die jetzige Femgasse — wieder mit 
der Langenbrücke in Verbindung stand. An dem Ausgange der 
an der Predigerkirche and den Predtgerhäusern yorbeiftthrenden 
Gasse: Bei den Predigern, die damals bedeutend enger war als 
die jetzige Predigerstraase, befand sich ein aberbautes steiner- 
nea Thor, das Heidenthor. Zwischen diesem nnd den Prediger- 
Pfarrhäusern ö^ete sich der Sonnenberg, eine schmale Gasse, 
die auf dem Predigerfaof mündete, und mit einem andern Gäss- 
chen: Hinter der Scheibe genannt, in Verbindung stand, welche 
sich in ziemlich gleicher Richtung von dem Ijangenstege, — 
der jetzigen SchlösserbrUcke — nach dem Töpfenmarkt hinzog. 
Der letztere, der einen nicht unbedeutenden Um&ng hatte, lag 
Tor dem erwähnten Heidentbore^ nahm also den südlichen Theil 
des gegenwärtigen Fischmarktes ein, mit dessen nördlichen, da- 
mala allein diesen Namen führenden Theile er durch eine korze 
Strasse in Verbindung stand. Von: „Hinter der Scheibe", da 
wo die damals schon nicht mehr gangbare Kirche Martini intra 
atand, ging eine ziemlich breite Oaase, Auf der Trolle, nach dem 
Rathbause zu nnd endigte in der Nähe der Gera. Dieser ganze 
▼orstehend geschilderte Stadttbeil zwischen Hundorfsgaase, dem 
Friedrich -Wilhelms -Platze, dem Hause zum Sonnebom (jetzt 
Oaatbof zam deutschen Kaiser) an der Ecke der Grossen - nnd 



oo^^lc 



— 10 — 

der Elemeo Ärcbe, der Marien-Hagdaleoen-Eapelle, dem Fisch' 
markte, dem JankereaDde, etwa der Uitte der Gnfeagasse, 
dem Breit- und dem Bergstrome, 205 Häaser uod zwei Kirchen, 
wurde um bei dem TOrgenaonten Brande vollständig t^ge- 
Xachert. Bai der Wiederbebauaog erhielt er eine durchgängige 
Umgestaltung. Die engen Gassen Terschwanden grossentheils 
ganz, die, welche man beibehielt, worden verbreitert. Die Gegend 
erhielt die Gestalt, die sie im Wesentlichen noch faente hat. — 

Seitdem ist nnr noch eine Feaersbrnnst Torgekommen, die 
erheblichen FinäuBB auf die Gestaltnug des StraeBennetzeB von 
Erfurt gehabt bat. Es war dies die durch das Bombardement 
am 6. November 1813 herbeigeführte; es wurden durch dieselbe 
121 GebSnde zwischen dem Graden, dem Dom and dem Feters- 
berge, sowie dem Andreasthore, mit der Strasse: Vor dem Gra- 
den, den FleischbllDkeo , dem Salzgäaschen , der Fingerlings- 
gasse, den Gassen : Unter den Schildern, Am FalUoch, Am Lap- 
penberge nnd dem Rubenmarkte zerstört Was in diesem Be- 
zirke vom Feuer verschont geblieben war, wurde behufs Siche- 
rung der Citadelle demolirt. Auch die schönen Wobnh&oBer der 
StifisgeiBtlichen hinter dem Dome brannten bei dieser Gelegen- 
heit ab. Bekanntlich ist dieser Stadtheil aeitdom nicht wieder 
mit PrivatwohnhSusern bebaut; der sUdliehe Abschnitt wurde 
znr VergröBBerung des Gradens, der nun den Namen Fried- 
rioh-WilhelmB-Platz erhielt, verwendet, der nördliche in eine 
Parkanlage, das Lnisenthal, amgescbaffen , die nenerdings den 
für die Gerichts -Verwaltung bestimmten Bauwerken hat weichen 
mOBBen. 

Von geringerer Bedeutung sind die Veränderungen, welche 
das Innere der Stadt in Folge einiger anderen Veranlassungen 
erCabren bat Eierhin ist zu rechnen, dass bei der UmschaSiing 
deB Fetersberges in eine Citadelle, in Folge deren dieser bisher, 
wie schon oben bemerkt, in die Enceinte eingescfaloBsene Stadt- 
theil von der übrigen Stadt völlig getrennt wurde, die auf dem 
der Stadt zugekehrten Abhänge stehenden H&oser abgebrochen 
worden, sowie dass durch die von den Schweden, während der 
Zeit, dasB sie im dreiBsigj ährigen Kriege Erfurt im Besitza 
hatten, vorgenommenen Veränderungen in der Befeeligung, der 
Theil der Biühlervoretadt, welcher zwischen dem naohherigea 
Koeseren Brfihlertbore und dem Cyriasberge tag, abgescbaitten 
ward. — , 



— 11 — 

Als 1733 TOD dem Statthalter v. Wareberg in der Mitte der 
Stadt ein gartenähnlicher Platz angelegt wurde, der damals mit 
Recht den Namen Hirschgarten erhielt, da er zor Aufnahme 
TOD Hirschen and ähnlichem Wilde dienen aoUte, mnasten die 
westliche Häuserreihe der Lohhank (jetzt Nenwerksstrasse) , ao- 
wie die östliche der Strasse: An der Ststthalterei (jetzt Regie- 
rungBstraBse), den Grund und Boden dazu hergeben. 

Von geringerm EinÖuss war die 1818 und 1619 erfolgte 
Töllige Beseitigung des die innere Stadt vom BrQhle bis zum 
KroDonburger Wehr umgebenden, dem Laufe der Wilden Qcra 
folgenden Zwingers, von welchem bereits 1756 die zwischen der 
Löber- und der Bahnhofatraase belegene Strecke zur Anlage 
eines botanischen Gartena benutzt ward, während nunmehr der 
grössere Rest zur Anlage der aas dem Innern der Stadt zu ent- 
fernenden Friedhöfe, kleinere Theile, zwischen der Läberstrssse 
und dem Neuwerke, und zwischen der Johannisstrasae nnd dem 
itronenburger Wehre zur Bebauung mit Wohnh&uaem verwen- 
det wurden. 

Bei der Anlage des Bahnhofes der Thüringischen Eisen- 
bsbn 1845 Torschwanden die Klopfgasse, die kleine Breiten- 
gasse und der Theil der Boeengasse von der Kittelgasse bis 
zum Walle; ebenso maaete eine Anzahl Hlluser der Martins- 
gasae and die Hainzerhof-Mohlgasse der Qewehrfabrik den Fiats 
rätuneo. 

Ana allem diesen ergiebt sich, dasa Erweiterungen der Stadt 
von der zweiten Hälfte dea 15. Jahrhnnderta bis zur Mitte des 
19. nicht voi^ekommen aind, and auch die Zahl der Wohn- 
gebände sich in dieser Zeit eher vermindert als vergrösaert 
haben müaae. Selbst die Brandstütten blieben erst lange Zeit 
nnbebant, wie z, B. der durch die Feaersbraost von 1660 zer- 
störte Theil der Schlösserstraaae erst 1716 auf Veranlaasang 
Boynebargs und nach einem von diesem eDtworfeoen Plane wie- 
der bebaut worden ist. Auch war zu einer Verm'bhrung der 
Wohnhliusor nicht die mindeste YeranlaBBung vorhanden, da 
weder die Zahl noch der Wohlstand der Bewohner eine Stei- 
gemng erfuhr. Dies fand vielmehr erst seit dem zweiten lieber- 
gange an Preassen statt. Doch verging aacb da noch eine 
längere Zeit, bis sich eine Vermehmng der Wohngelaase als 
ein Abhülfe forderndes Bedttrfniss herausstellte. Bis fast in die 



.oogic 



— 12 — 

Hitte des laufenden Jafarhundertt hatten die vorlianddnen auch 
fllr die angewacbaene Einwohnerzahl genügt. Erst von da ab 
aetgten sie sich nicht mehr ausreichend. Da, bq lange Erfurt 
Festung war, die Rayongeaetae eine Elrweiterung über die WsUo 
binauB Terboten , so mnsste man ssunäohst sich darauf beschrän- 
ken, die noch anbebauten Stellen der Torbandeoen Strassen mit 
Häusern zu versehen. Am dringendsten war die Wohnungi- 
notb bei den unteren VolksklasBen, da dir Zahl der Mietba- 
Wohnungen stets eine aiemlicb beschränkte gewesen war, in- 
dem fiberwiegend, wenigstens in den abgelegeneren Strassen^ 
die Eigenthttmer allein das ganze HauB bewohnten, waa eich 
ohne allzngrossen Luxus bei der fast durchgängigen Kleinheit 
der Gebäude durchführen Hcbb. Den Anfang mit der Neabe- 
bannng machte daher auch eine derartige Strasse, die Pfeifers- 
gasse in der JohannisTOrBtadt. Es ging jedoch auf diese Weise 
nur langsam vorwärts, da es an Frivatlenten , die aoereicliende 
Mittel tind Unternehmungsgeist besaasen, fehlte. Es traten da- 
her zwei Vereine zusanuneu, welche die Beschaffung von Woh- 
nungen t&r die unteren Volksklassen sich zur Aufgabe machten. 
Der eine von ihnen hat zu diesem Zweck die Steinstrasse nod 
die GrUnstraBse erbaut, während der andere sich Neoerbe zam 
Felde seiner Thätigkeit wählte. Nur wenig später fand die Be- 
bauung der Heuschenergasee , von da ab Wallstrasse genannt, 
und der Rasengaase, sowie der Schulgaase, jetzt der dem Brät- 
strom gegenüber liegende Theil der Comthurgasse, bis dahin 
der zum Comthurhofe gehGrige Garten, statt. 

Bald zeigte sich aber, dass auch die Vermehrung der Wofa- 
uungen lüt die besser situirten Einwohnerklassen ein Bedttrfnias 
sei. Da das Centrum der Stadt hierzu keine Gelegenheit dai^ 
bot, so mUBste man sich den von diesem entfernteren Gegenden 
zuwenden, welche noch zum Häoserbaa geeignete Stellen ent- 
hielten. Dies waren inabesondere die am Walle in der Mähe 
des ehemaligen Karthänserklosters , die KarthäaseratraasB und 
daa Karthttuaerufer , wie sie gegenwärtig faeissen, der Aosgang 
des Brühls und der Weg am Brfihlerwalle , sowie die Domgaaae 
and der dem Propsteigarten gegenüberliegende Tbeil der P&ffen- 
gaase (jetzt Stiftsgaase) , von jener bis aar Brücke über den 
Bergstrom, endlich die Hopfengasse, die Farbengasse, die BSsa- 
lebw- und die Ernstengasse. Von noch grösserer Bedeutang 



..C.oo^lc 



— 13 — 

war es, daHB der Botaniscbe Garten, nachdem einiga Jahre bin* 
durch ein ohne den geholten Erfolg gebliebener Versuch der 
Verwendung zu einer Qfirtnerlehranstalt gemacht war, 1863 par- 
cellirt und an Privatleute zur Erbauung veräueeert wurde. Die 
letetere erfolgte nicht nur m kürzeeter Frist, sondern es war 
auch die Folge hiervon eine erhöhte Bauthätigkeit in der Ver- 
längerung, der Ldbormauer. Beides zusammen erhielt den Namen 
QartenstrasBe. 

Von einer Bebauung dos grossen, von dem Walkstrome, 
der Wilden Gera und der Hirachlache umgrenzten fast nur 
Gärt«n entbaltendeu Dreiecks, dem Hirschbrtlbl, in grösserem 
Masse konnte so lange füglich nicht die Rede sein, als es nicht 
durch eine direkte Fahrstrasse mit der eigentlichen Stadt ver- 
bunden war. Als das letztere vermittelst der 1872 erbauten 
Wilhelm abrücke geschehen, wurde dieser Stadttbeil mit einer 
überraschenden Schnelligkeit vollständig bebaut. Die dort neu 
entstandenen oder doch erst jetzt rollständig mit Häusern he- 
seteten Strassen, die Wilhelms- und die LuiscnstrasBe , der Dal- 
hergs- und der Dammweg, die Burg- und die Walkmühlgasse 
bilden jetzt ohne Zweifel den, wenn nicht schönsten und interes- 
santesten, doch jedenfalls elegaotesteu und anmnthigsten Theil 
der Sudt. 

Eine vollständig veränderte Physiognomie bat Erfdrt erbal- 
ten, seit es aufhörte Festung zu sein, und namentlich seit 1878 
der grösste Tbei) des bisherigen Festungsterrains in den Besita 
der Stadtgemein de übergegangen ist. Sämmtliche Thore — 
augenblicklich allerdings noch mit Ausnahme des s. g. Ptörb- 
chens — sind verschwunden und an ihre Stelle Eingänge ge- 
treten, welche Erfurt fast das Ansehen einer Landstadt geben. 
Die Wälle sind wenigstens streckenweise eingeebnet; ihre gäns- 
Ijcbe Beseitignog hängt nur noch von der Entscheidung der 
Frage ab, wie weit der Festungsgraben behufs Abführung von 
Hochfluthen beizubehalten soi. — Kaum war die Eotfestigung 
ausgesprochen, als man mit grossem Eifer an die Bebauung der 
ausserhalb der W&Ue gelegenen Theile der Haupt-Verkehrsadern 
ging. Es geschah dies namentlich vor dem Andreasthore, wo 
die Auen-, die Berg-, die Blumen-, die Nordhäuser-, die MUhl- 
hftu B er Strasse , sowie die Strasse am Moritzwalle, mit einer Ge- 
sammtbäuserzabl von 51, die sieb beinahe täglich vermehrt, ent- 



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— u — 

standen, vor dem Johannisthore, wo die MagdeburgerstrftBae 
die Stadt jetzt nnmittelbar mit IlverBgebofen verbindet, eo daas 
daa letztere, abgesehen von der administrativen Trennung, nichts 
als eine Vorstadt von Erfurt ist, und in der LöborÖnr mit der 
Arnst&dter — der BaborBtädter — der Hochheimer — der Pfala- 
barger- und der SteigerBtrtLBse , die zusammen am Anfange die- 
ses Jabree bereits nicht weniger als 57 fast durchgängig sehr 
stattliche, theilweise palastartige Wohnhäuser enthielten, eine 
Zahl, die offenbar noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht 
hat. Wenn die Baathätigkeit vor den übrigen Thoren eine min- 
der erbebliche gewesen, so beruht dies in besonderen Verhält- 
nissen, so vor dem Schmidts tedter Thore in der Lage des Eisen- 
bahn - Güterbahnhofs. 

Die Anzahl der in den Jahren 1S50 — 1834 in Erfurt aea 
entstandenen Wohnhäuser beträgt 738; da sich die Zahl der 
letzteren in dem gleichen Zeiträume in einigen Strassen am 57 
vermindert hat, so reducirt sich die Zunahme im Ganzen anf 
681. Schon das Vorstehende ergiebt, dass diese sich in sehr 
abweichender Weise auf die vorschiedenen Stadtbezirke ver- 
theilt. Der zwölfte, der Rathhausbezirk , weist sogar eine ab- 
solute Abnahme, allerdings nur um ein Wohnhaus, auf; unver- 
ändert ist die Zahl in dem zehnten Bezirke (dem Brübler) ge- 
blieben, wo die am Brühler Thore, der Burggasse, dem Herr- 
mannsplatze, und der Holzheiengasse neu entstandenen Häuser 
eich gerade mit denen ausgleichen , welche in -der Martinsgasse 
and am Maiuzerhofplatz fortgefallen sind. Geringe ist die Zn> 
nähme (1) im siebenten Bezirke (Kaufmanns-), (3) im elften 
(Dom-), (5) im sechsten (Schotten-), am bedeutendsten war die 
Vermefarung im ersten (dem Löber-) Bezirke. Die Zahl der neu 
entstandenen Wohnböuser betrug hier 169, und wenn man da- 
von die 12 abzieht, welche in Folge der Anlage des Bahnhofes 
ia der Bosengasse, der Lubervorstadt und der Herrenbreiten- 
gasse fortgefallen sind, 157. Von jenen kommen 12 auf die 
Barggasse, 23 auf den Dalbergsweg, 9 aaf den Dammweg, 5 auf 
die Hopfengasee, 43 auf die Earthfiuserslrasse, 9 auf das Kar- 
thäaserufer, 30 auf die Luisenstrasse, 10 auf die Walkmühlgasse 
und 26 auf die Wilhelmatrasse. In dorn vierten (dem Johannis-) 
Bezirke betrug die Vermehrung der Wohnhäuser 84 — Grün- 
strasse 5 — Wallstrasse 30 — Kochlöffel 5 — Ffeiferagaase 13 



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— 15 — 

— SteinstrasEe 18. Im achten (BarfÜBBer-) Bezirke wui-den 60 
neue Wohnhäuser erbaat, yon denen mehr als die Hälfte (33) 
auf die Oartenetrasae kommt. Die im neunten (Neuwerks-) Be- 
zirke entetandenen 33 neuen Wohnhäaser kommen gleichfalls 
äberwiRgcnd (27) auf die GarlenstraBse. Von den im dritten 
(Erämpfer-) Bezirke neu errichteten 44 WohnhänserD treffen 28 
artf Neuerbe und 6 auf die WaBsergasse. Im zweiten (Schmidt- 
städter-) Bezirk vertheilt sich die Zahl der 19 neu bebauten Bao- 
stellan ziemlich gleichmässig auf die BüBBlebergaaae, die Ernsten- 
gaase nod die Neuegasse. In dem dreizehnten (Micbaelia-) und 
dem vierzehnten (Andreas-) Bezirke, in deren jedem sich die 
Zahl der Wohnhäuser um 13 Tormehrte, sind Nenanlagen von 
einiger Bedeutung nicht vorgekommen, vielmehr hat man eich 
darauf beschränkt, in den betreffenden Strassen einige bis dahin 
vorhandene Lücken auszufüllen und einige bisher wirtbschaft- 
lichen Zwecken dienende Gebäude in Wohnhäasor nmsuwandeln. 
Was das ausserhalb der WäUe belegene Stadtgebiet be- 
trifft, so hat seit IBbO die Zunahme der Wohngebände iu der 
Löberflur 84, in der Andreasäur 55, in der Johannisäur (Uagde- 
burgerstrasse , Storcbmübl- und PapiermUhlweg) 54, in der 
Schmidtstädterflnr 24, in der Erämpferflur 21 und in der BrOh* 
lerfiur 12 betragen. Besondere Strassenbenennungen haben diese 
noch nicht durchgängig erhalten. So weit dies geschehen (in 
der Andreas-, der Johannis- and in der Löberflur) ist das Erfor- 
derliche bereits oben vermerkt worden. 



Anzahl der Gebäude. 

So bedeutend nach dem Vorangefilhrten auch in neuerer 
Zeit die Zunahme der Wohnhäuser gewesen, so tragt sich doch 
sehr, ob ihre gegenwärtige Zahl die früherer Jahrhunderte er- 
reicht. Wenn man auch die Angabe, dass bei dem Brande von 
1472 6000 Gebäude eingeäschert wären, wonach, da der Brand 
doch nur ihre eine Hälfte betroffen hat, in der Stadt damals ca. 
12,000 Häuser vorhanden gewesen sein mUssten, als etwas apo- 
cryph ansehen touss — nach Hogel (Chron. S. 593) sind ohne 
Kirchen, Scheunen und Abseiten 2024 Hofstätten verbrannt, was 
wohl der Wahrheit ziemlich nahe kommen mag; — so lässt sich 
doch an der Richtigkeit der Nachricht, dass Erfurt um 1490 



.Cooj^lc 



— 16 — 

geg«ti 4000 Wofanliäuaer enthalten habe, kaum zweifeln. Die 
gegenwKrtige Anzahl von Bolchen würde also immer noch nm 
400 bis 500 gegen die damalige zortlckbleiben. Die genannte 
Zeit dürfte aber aach den Höhepunkt in sich enthalten; dann 
TOn da ab trat Erfurts Verfall ein. Die Ursachen, die diesen 
herbaigeflihrt, sind ja bekannt. Seitdem der Handel des Nor- 
dens Europas mit dessen Süden und mit dem Orient neue Wege 
eingeschlagen, hörte Erfurt auf ein Hauptstapelplatz für den- 
selben zu sein. Die Farbekräutor , Waid und Saflor, fUr deren 
Anbau und Vertrieb Erfurt bisher die Hauptstätte gebildet and 
denen es vor allem seinen Reichthum verdankte, wurden durch 
die überseeischen Farbehölzer vom Harkte verdrängt. Dazu kam 
die ebenso unsinnige als gewissenlose Verschwendung der öffent- 
lichen Qeider, die zuletzt zu dem sog. tollen Jahre führte, das 
dem Wohlstande Erfurts unheilbare Wanden schlag. Nicht nn- 
wesentlich war es auch, daas die Universität, die, so lange sie 
die besachteste Deutschlands war, eine reiche Quelle des Ver- 
dienstes für die Bewohner gewesen, seit dem sog. Studenten- 
lärm von 1510 und besonders dem FfaffenstUrmen von 1521 in 
ihrer Frequenz sehr erheblich zurückging and bald nur noch 
einen Schatten des einstigen Qlanzes zeigte. Schon im Jahre 
1513 war der Rath genöthigt, da viele Häuser and Qehöfte ver- 
Callen waren und nicht wieder hergestellt wurden, deren Wiedar- 
bebauaog anzubefehlen, weil sonst die Stadtkasse Einbusse in 
ihrer Einnahme erleiden würde (Hogel, Chron. S. 816). Die 
Einführung der Reformation, so heilbringend dieselbe auch im 
übrigen für Erfurt gewesen sein mag, hat doch anf dessen Wohl- 
stand eher einen nachtheiligen als vor th eilhaften Einäass aus- 
geübt, namentlich da sie gleich bei ihrem Auftreten den Baaem- 
krieg in ihrem Qefolge hatte. — Im 17. Jahrhundert kamen hier- 
zu die Leiden des dreissigjährigen Krieges und nach dessen 
Beendigong die inneren Streitigkeiten, die BohlieBslich zu dem 
Kampfe mit Kurmainz und zum Untergänge der, wenn auch 
nicht rechtlieh, so doch faktisch bisher genossenen Freiheit and 
Selbstständigkeit durch die sog. Redaction von 16G4 führten. 
Dazu traten epidemische Krankheiten — ohne Unterschied ihres 
Charakters meistens Pest genannt — die vom 15. bis zum Aus- 
gange des 17. Jahrhunderts mit nur kurzen Zwischenräumen 
unausgesetzt Erfurt heimgesucht und jedesmal eine grosie An- 



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- 17 - 

zaht Beiner Bewohner n. a. 1482 12,000 — 1597 ca. 8000 — 
1682 gegen 9000 for^erafft haben. Dai 18. Jahrhandert brachte 
den siebenjährigen Krieg, der in Betreff der Leiden, die er ftlr 
Erfurt in seiDeni Gefolge hatte, fast nur dtirch die Zeitdaaer 
dem dreissigjährigen nachetand. Es erscheint nur natfirlich, 
dass anter diesen Umatftoden ebenso wie die Zahl der Bewoh- 
ner, wie dies weiter nnten dargetban werden wird, anob die der 
Wohnstütten sehr erheblich abgenommen hat. Im Jahre 1620 
hatte nach den Verrechteo die Zahl der Häuser noch 3266 be- 
tragen, 1772 belief sich dagegen die aller Gebäude ' — nicht blos 
der Wohnhäuser — auf 3129, im Jahre 1793 auf 3136, unter 
denen aber 435 unbebaute Brandstätten waren. Die für 1811 
von dem kaiserlich französischen Intendanten Derismes be- 
arbeitete 3tatistiqne de la province d'Erfort giebt die Zahl der 
Wohnh&QSer in der Stadt auf 3023, der Scheunen auf 307, der 
Stulle auf 87, der durch Brand oder sonst minirten Hänser- 
stfitten auf 42&, der benutzten Kirchen auf 22, der ungangbaren 
anf 4, der Schulen auf 25, der iUr gewerbliche Zwecke dienen- 
den Gebäude auf 111 an; unter den Bauwerken waren 95 mas- 
BIT, 1297 bewohnbar (log^i^hles) , 1648 nicht bewohnbar (non 
logeables) — es soll dies jedoch wobi nur heissen: dass die 
ersteren mit Einquartirung haben belegt werden können, die letz- 
teren- nicht, da es nicht denkbar ist, dass eine so grosse Änsahl 
von Wohnhäusern überhaupt gänzlich unbewohnbar gewesen sei 
— 78 von Einquartierung befreit (exemptes de logements). — 
Dass in Folge der Zerstörung eines Tbeiles der Stadt bei der 
Belagerung von 1813 die Zahl der Privatwohnhänser noch wei- 
ter zurückgegangen ist, erscheint natürlich. — Kach der preua- 
Bischen WiederbesitEnahme betrug solche im Jahre 1818 nur 
noch 2783. Dies war aber noch nicht der niedrigste Stand. 
Denn nachdem sie sich 1824 auf 2769 und 1826 auf 2798 ge- 
hoben hatte, war sie 1827 wieder auf 2744, 1828 auf 2751, 1830 
auf 2735 und 1836 auf 2724 mit Einschluss von 35 Mühlen zu- 
rückgegangen. Die Zahl der nummerirten Grundstücke betrug 
damals zwar 3111, darunter befanden sich aber 84 Gärten, 53 
Baustätten, die meistens gartenmässig benutzt wurden, 91 Scheu- 
nen, 28 Kirchen, Kapellen und Thürme, 12 Brau-, Schutt- und 
Waarenhäuser und 118 öffentliche zu Staats- oder Gemeinde- 
zwecken bestimmte Gebäude. — Bei der Zählung von 1837 war 



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- IS - 

die Zahl der Prirfttwohnbäuser bis anf 2705 heruntergegangen, 
oeben welcher sich in der Stadt 21 Kirchen und Bethäaser, 22 
ScbalhSuser, 7 Waisen-, Kranken- and VerBorgungahäuser, 6 
Gebäude zur Oeschäftefilhrung der Staats- und Commnnal-Behör' 
den, 61 Dienstwohnungen für öffentliche Beamte und Geistliche, 
68 MilitärgebSude, 46 Fabrik statten, Mühlen und Frivatmagasine, 
592 Stftlle, Scheunen und Schuppen befanden. AnfangB 1843 
eählte man in der Stadt 2744 Vorderhäuser und 1588 Seiten- 
und Eintergobäude ; es gab damals also mindestens 1156 Wohn- 
häuser, die weder ein Seiten- noch ein Hintergebäude besassen. 
Für das Jahr 1843 ward die Zahl der überhaupt bewohnbaren 
GmodstÖcke, also nicht bloa der Priratwohnhäuser , anf 274t 
ermittelt. 

Daes von der Mitte des laufenden Jahrhunderts ab das An- 
wachsen der Bevölkerung genöthigt hat, auch die Zahl der 
Wohnhäuser zu vermehren, ist bereits oben ausgeführt. Im Jahre 
1667 betrug die Zahl der bewohnten Gebäude bereits wieder 
3017 — sie hatte also seit 1846 um 276 zugenommen — im 
Jahre 1871 — 3098, im Jahre 1875 — 3274. Es hatte sich 
also allein in der zuletzt erwähnten Periode die Zahl der Wohn- 
häuser um 176 oder um 5,,jg " vermehrt, jedoch noch lange 
nicht mit dem Wacbsthum der Einwohoerzah) in dem gleichen 
Zeitabschnitt Schritt gehalten, da dieses 10,, ^ ^ also beinahe 
das doppelte betragen hatte. Im Anfange des laufenden Jahres 
betrug die Zahl der Wohnhäuser 3579 (3313 innerhalb und 266 
ausser der früheren Umwallung) ; die Zunahme seit 1875 midiin 
303 oder 9,3» ". Da während des gleichen Zeitraums sich die 
Eiowohnerzahl von 47,942 auf 56,870, mithin um 8968 oder um 
18,, S vermehrt hat, so ist auch in dieser Zeit die Zunahme 
der Wohnst&tten, so bedeutend sie auch an sich sein mag, noch 
immer weit hinter der der Bewohner zortickgeblieben ; es kann 
also keine Verwunderung erregen, wenn die Bauthätigkeit noch 
keine Abnahme zeigt, und diejenigen, welche neue Häuser bauen, 
nach wie vor ihre Rechnung finden. 

Es kann dies um so weniger befremden, als der Zustand 
sehr vieler älterer Wohnhäuser ein solcher ist, dass dieselben 
weder einer grösseren Anzahl von Personen Unterkunft gewäh- 
ren können , noch sich zu weiteren Wohnräumen einrichten 
lassen. Unter den 1875 vorbanden gewesenen 3274 Wohnhänsern 



— 19 — 

waren 19, die von nur einer Person, 71 die von zwei Personen, 
112 die TOD drei Fersonen bewohnt wurden; 1509 Hänser waren 
überhaupt von nicht mehr als 10, 1166 von 11 bis 20, 351 von 
21 bis 30, 116 von 31 bis 40, 46 von 41 bis 50, 20 von 51 bis 
60, 24 von mehr als 60 Menschen bewohnt, unter welchen letz- 
teren flieh allerdings eins befindet, WeisBegasse Nr. 41, das 
Eckhaus mit der Andreasstrasse, was von nicht weniger ala 122 
Personen bewohnt war. — Die zahlreichste Categorie der Ge- 
bäude bildeten diejenigen (211), weiche von 8 Personen be- 
wohnt waren; zunächst (208) kam die mit 7, sodann (202) die 
mit 6 Bewohnern. Durchschnittlich kamen 1871 auf ein Wohn- 
baas 14, 1875 beinahe 15, 1884 beinahe 16 Personen. In älterer 
Zeit war die Zahl der Menschen, die durchschnittlich ein Haus 
bewohnten, noch viel geringer. 1777 beirag solche 4, 6; 179.1 
5, 4; 1811 6; 1818 5, 9. 

BauHcbe ZastäDde. 

Es hängt dies damit zusammen: dass in früherer Zeit, wenn 
auch nicht in der der BlUthe im 15. Jahrhundert, da damals, 
wie das weiter unten näher zu erwähnende Reisetagehucb eines 
mseischen Patriarchen von 1435 — 1437 ausdrücklich hervorhebt, 
sich Erfurt durch seine trefHichen steinernen Gebäude vor allen 
St&dten Deutschlands rühmlich ausgeseichnet hat, wie denn 
auch Hogel (Cfaron. S. 590) erzählt: dass bei dem grossen Brande 
von 1472 die Mordbrenner, da sie überzeugt gewesen, dass sie 
im Jobannisviertel und auf dem Anger an den steinernen Häusern 
der Janker nichts würden ausrichten können, sich darauf be* 
schränkt hätten, in den drei anderen Stadtvierteln Feuer an- 
zulegen, doch im allgemeinen die PrivatwohnbäUBer hier nur 
klein waren — oxistirt doch noch ein solches, das, obwohl zwei- 
stöckig, dennoch in seiner StraBsenfront nur ein einziges Fenster 
hat, — es ist dies das vom Volkswitz mit dem Spitznamen: 
das Handtuch, belegte, Karthäuserstrassc Nr. 6 — und dass ihre 
bauliche Beschaffenheit doch meistens eine sehr mangelhafte 
war. — So lange Erfurt, wenn auch nicht mehr im allgemeinen 
sich im Wohlstände befand, immer noch eine Anzahl wohlhaben- 
der Einwohner hatte, gab es noch so manchen, der seine Ehre 
darein setzte, ein stattliches, ent\veder von Quadern oder wenig- 



*' .oo^^lc 



stena maBaiv Ton gebrannten Steinen aafgeßlhrteB WohnltaBl 
sein lu nennen. „Die Hanptepochen der Stadt", sagt Benicke 
(Erfurt und die Erfurter im TbOring.-Erfnrt. Qedenkbncb der 
vierten Sttcular- Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst] 
„und die örtlichen Zastände in ihnen spiegeln sich klar nach 
ihrem Wesen und ihren Zeichen in der Keihefolge der Baujahre 
ab; der Zeitgeist zu Erfurt ist in dem Baustyle deutlich zu er- 
kennen: die Originalität der anrerwUstlicbenPatrizienrohnungen, 
der grandiose Baujstyl der nicht jüngeren Klöster, Kirchen, 
Stifter und Cnrienbautea. Der alte Erfurter lebte daheim und 
seinen Geschäften; die dazu bestimmten Räume nahmen den 
grössten Theil des Hauses ein; sein geselliges Leben fand er 
an öffentlichen Orten. Später wurden diese Räume leer und die 
Fremden minderten sich, dass in den Häusern fUr alles Ranm 
sei, nur nicht tut Menschen wohnlicher Gelass." 

Als der Verfall immer grössere Fortschritte machte, hörte 
auch die Bauweise, die das Ib. und 16. Jahrhundert charak-- 
terisirte, auf. Der omamentirte Holzbau, der namentlich in 
einigen Städten Niedersachsens so trefBicbe Werke geschaffen, 
ist in Erfurt nio heimisch gewesen. Was dasselbe aber aus 
älterer Zeit an massiven Privatwohnbäusern besitzt — und dies 
ist wenig genug, denn ihre Zahl betrug beim Beginne der neuen 
Baatb&tigkeit in der 'Mitte dieses Jahrhunderts, bei überhaupt 
oa. 2800 Wohnbäosem, nicht mehr als 37, also noch nicht den 
hundertsten Theil von jenen, und wenn, wie oben erwähnt, die 
Statistique de U provinoe d'Erfort {üt 1811 die Zahl der mas* 
siven Qebäude (en pierre) auf 95 angiebt, so kommt dies daher, 
weil in dieser Zahl die Kirchen und sonstigen Öffentlichen Ge> 
bäude mit inbegriffen sind — stammt fast durchgängig aas der 
Zeit vor dem Beginne des 17. Jahrhunderts her. Im Jahre 1843 
waren, obwohl damals bereits das Eindecken der Bedachungen 
mit Schindeln und Brettern untersagt war, noch etwa 100 mit 
Schindeln gedeckte Häuser aus älterer Zeit vorhanden. Noch 
bis tief in das laufende Jahrhundert hinein begnügte man sich, 
das Oerippe des Baus in möglichst schwachen Balken anfsu- 
(Ubren, und deren Zwischenräume mit Lehm, der durch HoIe- 
späne fes^ehalten wurde, auszufüllen. Bei dieser Bauweise — 
Bindewerk in Lehmstacken, wie sie in manchen Gegenden heisst, 
oder in Drempelwand, wie der eigentlioha Konstaasdruck ist — * 



— 21 — 

ladet in der Regel jedes höhere Stockwerk etwas weiter noch 
der Straase bu »qs, so dass die gegenUberBteheDden Häuser im 
VerhSltDiBB zur Höbe eich einander nfthem. Wenn die Gebäude 
in Erfurt trotz aUedem noch ein leidliches Aussehen hatten, so 
war dies nicht das Verdienst der Maurer, sondern der TUncher, 
die daher hier auch ein« eigne Zunft bildeten, während anders- 
wo deren Arbeit von den Maurern mit besorgt wird. Es war 
schon ein nicht unerheblicher Fortschritt, als in den vieraiger 
Jahren dieses Jahrhunderts die Bestimmang getroffen ward, 
daae die der Strasse zugekehrten Häuserfronten mit gebrannten 
Ziegeln oder Bruchsteinen ansgemuuert werden mUssten. Poli- 
zeilicher Seits anf Massivbau zu dringen, getraate man sich 
noch lange nicht und ebenso wenig tbaten dies die Baunnfer- 
nebmer von selbst. Zunächst beschränkte man sich darauf, um 
1855 Dachrinnen und Abfallröbren vorzuschreiben, während es 
bis dahin dem Regenwasser unverwehrt gewesen war, sich un- 
mittelbar von den Dächern anf die Vorübergehenden zu er- 
giessen and die Wände der Häuser aufzuweichen. Viel weiter 
ging auch noch nicht die Baupolizei- Ordnung vom 1. September 
1860; ein wesentlicher Fortichritt war es aber, als die Verord- 
nung vom 24. December 1672 die Errichtung von massiven 
Brandmauern ftir alle Neubauten und Hauptreparaturen vor- 
'schrieb; aber erst die Bauordnung vom 20. November 1879 ver- 
hmgte auch fiir die Dmfaseungsmaaern aller Qebände, mit Aas* 
nähme der einstöckigen und der mindestens 5 m von der Nach- 
barsgrenze entfernten zweistöckigen, sowie der Dachgeschosse, 
durchgängig den Massivbau. Noch in den Jahren 1873 bis 1875 
waren unter den 769 Neubauten, flir welche der polizeiliche 
Conaens ertbeilt ward, nur 14 in Massivbau, alle übrigen in 
Holzfachwerk ausgeführt worden. 

Obwohl hiemach der baoUche Zustand der Wohnhäuser in 
£>furt in der neuesten Zeit ein unendlich besserer geworden ist, 
als er bisher war, so ist er doch noch sehr weit davon entfernt, 
alle Wünsche, welche man, geschweige vom ästhetischen, auch 
nur vom techniscbeii, namentlich constructiven Standpunkte aus 
hegen könnte, zu befriedigen. Es rQhrt dies vorzugsweise da- 
her, weil hier sehr selten der Fall vorkommt, dass Jemand sich 
ein Hans baut, um es selbst zu bewohnen ; vielmehr werden bei- 
weiten die meisten Häuser von Speculanten errichtet, dio ihr 



izcdbvGoOgle 



angelegtCB Capital, sei es durch Verkauf, sei es durch Vermie' 
thung mögliclist hoch nutzen wolleo. Demgemäas wird jede 
nicht durchaus nothwendige Aufwendung tod Koiten vemiiedan 
und wenn deGsen ungeachtet neuerdings manche Häaser ent- 
standen sind, deren AeUBseres anspricht, so rUhrt dies daher, 
weil der Unternehmer glaubte, dass sich zu einem hfibachen 
Hause leichter ein Känfer finden werde, wie zu einem mind^ 
hübschen. In den Statistischen Mittheilungen aus dem Stadt- 
kreise Erfurt von Breslau S. 36 wird bemerkt: „Etwa fOnf 
Sechstheile aller Neubauten werden auf Speculation ausgeführt, 
was leider zur Folge hat, dass die architektonische Schönheit 
der Qebäude hintenangesetzt und nur darauf gesehen wird, mög- 
lichst viel bewohnbare Räume zu schaffen und hierdurch das 
QebSude leichter Tcrk&uflicb zu machen." 

Eine eigentlitimlicbe Ersobeinung bieten die Veränderungen 
dar, welche verschiedene Stadttheile in Betreff ihrer Vomehmhüt, 
wenn ich mich so ausdrücken darf, und ihres Vorzugs für gewisse, 
namentlich gewerbliche Zwecke in der öffentlichen Meinung im 
Laufe der Zeit erfahren haben. FOr die vornehmste 6egend 
der Stadt, die, wo die Patricier-Qeschlecbter, die Raths- und 
Un iv er sitäts - Verwandten ihre Wohnungen hatten, galt urspräng- 
licb die der MichaeliBstrasse , später die des Angers. Härtung 
(Häuser -Chron. Th. I. S. 104) ssgt: „Es ist vielfach selbst von 
Dr. Erbard ausgesprochen worden, dass die Erfurtischen Patri- 
zier hinter Allerheiligen gewohnt haben. Wir haben dieser 
Behauptung entgegen zn setzen, dass diejenigen Patrizier, welche 
uns vom Jahre 1493 ab bekannt sind, nicht hinter Allerheiligeo 
gewohnt haben. Diese wohnten vorzugsweise am Waidanger, 
der oberen Johannisstrasse, Futterstrasse , Hinterm Schotten, 
Filse, Schlösse rstrasse u. s. w. — Gleichwohl behaupten auch 
wir, dass die Häuser hinter Allerheiligen adlige PatrizierhäUBer 
gewesen sein müssen und zwar in einer sehr frühen Zeit, aus 
welcher uns leider keine Nachweise über die früheren Eigen- 
thUmer oder Erbauer dieser Häuser überkommen sind." 

Gegenwärtig gilt nicht mehr der Anger, sondern der frithere 
Uiracbbrühl — das sog. Geheimrathsviertel — und die Steiger* 
Strasse für die vornehmste Stadtgegend. — ■ 

Eine ähnliche Veränderung ist in Betreff des Hauptaitzes 
des Gewerbebetriebes und Handels eingetreten. lo älterer Zeit 



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war diea die StraBBenlicie, die von dem Oroasen Markte (dem 
Friedriek - Wilhelms - Platze) durch die Marktstrasae, die Erämer- 
brücke, den Wenigenmarkt und die Futterstrasse bie zur Johan- 
nieetrassfl ging. Hoget (1. c. S. 591) berichtet: dasa, als bei 
dem grosseo Braade von 1473 die HSaser aaf der Erämerbrilcke 
zarstört wiu'en, „darinneD ein grosseB Qut an Würze, Seiden, 
Sanunet und anderen Waaren verdorben sei, denn die reichen 
Krftmer von alten Zeiten her bis dahin alda and auf dem 
Wenigenmarkte herum wohnten und Handlung trieben". — Die 
Handwerker hatten in älterer Zeit ihren Hauptsitz in der Nähe 
des Graden«. An diesem befanden sieb die Fleischbänke, die 
Fingerlingsgasse, die Bänke der Goldschläger, der Schilderer, 
der Sattler, Radier, Sporer, Siebmacher, Eleinsohmiede, Salz- 
liöoker, Seiler und Beoherer oder Schmiede; mehr nach der 
Arche zu die der Hosonmacher, Oarköche, Topfongiesser und 
Pfannenschmiede (Friese, Chron. I. S. 229 b, 230). Gegenwärtig 
beginnt die Hauptlinie dos Verkehrs zwar auch am Friedrich- 
Wilhelms • Platze , sie theilt sich aber. Der eine Zweig geht 
durch die Marktstrasse, den Fischmarkt, die Neuastrasse und 
die Scblösserstrassa zum Anger. Der andere erreicht den letz- 
teren vermittelst der KettenstraHse, Lftngebrücke und Begie- 
rungsstrasae. Der Anger verbindet beide mit einander. Die 
Johaanisstrasse hat das Oiarakteristische, dass sich in ihr und 
ihrer Nähe die meisten Grossbandlungen mit sog. Landespro- 
daoten befinden. 

Zahl and BeschafTenhfit der Strassen. 

Erreicht schon die Zahl der Wohnhäuser in Erfurt trots 
ihrer Zunahme in neuerer Zeit noch immer nicht diejenige, 
welche es in der Periode seiner höchsten BlUthe hatte, so ist 
doch der Unterschied in der Zahl seiner Strassen, Plätze und 
anderen Öffentlichen Wege, die einen besonderen Namen fuhren, 
ein noch viel grösserer. Dieselbe hat nach Angaben, deren 
Richtigkeit kaum zu bezweifeln ist, früher 300 überstiegen. Im 
Jahre 1800 soll nach Arnold (Erfurt mit seinen Merkwürdig- 
keiten, S. 55) Erfurt 5 grosse Plätze, 30 Strassen und 315 oder 
320 Gassen und Qäaschen, die mit Wasserl&ufen versehen und 
gepflastert waren, gehabt haben, eine Zahl, die allerdings Erlivd 



,iz.dby Google 



- 24 — 

(Erfurt mit seinen Umgebungen, S. 159) für so hoch hält. Noch 
1836 betrug dieselbe , nach der damals vom Ifagistrate henuu' 
gegebenen Stacttbeschreibung 214, oder doch, da man hierrtm 
die 15 isolirt ausserhalb der WäUe belegenen EtabliBsementa ab- 
rechnen muBs, noch 199, während sie sich gegenwSrtig, trots 
der yermehrten Zahl der Wohnhäuser und der Entstehung ünw 
nicht unbedeutenden Zahl neuer Strassen auf lÖl beschränkt. 
Eine sehr wesentliche Veranlassung zn dieser, danach allerdings 
zum Theile nur scheinbaren Verminderung, bildet der Umstand, 
dass viele Strassentheila , die sonst besondere Namen gefllhrt 
haben, wie die Regierungsstrasse und die Neustadt, die Neu- 
werkstrasse und die Lohhank, die August- und die Bahnhof- 
strasse, die Rechen- und die JohannisstrasBe , die Löberstrasse 
und die Lßbervorstadt u. a. m. neuerdings unter einen Namen 
vereinigt worden sind. 

Uebrigens hat man sich gegenwärtig angelegen sein lassen, 
in ähnlicher Weise wie den Häusern, von denen sie eingefasst 
sind, auch den Strasaen selbst eine bauliche Verbesserung bu 
Theil werden zu lassen. Während frOher niemand die Bauenden 
daran hinderte, die Strassen so enge und krunun, mit so vielen 
Ecken und Winkeln, wie es ihnen gerade passte, anznlegen, 
erfolgt nunmehr auf Qrund des Gesetzes, betreffend die An- 
legung und Veränderung von Strassen und Plätzen, vom 2. Juli 
1875, die Festsetzung der Baufluchtlinie durch die städtische 
Behörde. Und dies beschränkt sich nicht auf die Anl^e von 
ganz neuen Strassen, sondern es ist auch für die schon vor- 
handenen ein Bebauungsplan festgestellt, der die Fluchtlinien 
bestimmt, welche bei jedem vorgenommenen Neubau inne ge- 
balten werden müssen, so dass man hoffen kann, dsse auch 
jene, wenn auch erst nach einer längeren Reihe von Jahren, in 
einen den gesteigerten Verkehrsanforderungen und der Sorge fix 
die Gesundheit mehr entsprechenden Zustand kommen werden, 
wie ihr gegenwärtiger ist. — Etwas ähnliches war ilhngens b» 
reits geschehen, als es sich um das Retablissement des durch 
die grosse Feuersbrunst von 1736 zerstörten Stadttheilea ban- 
delte; die Massregel wurde aber nur sehr zaghaft durohgafflhrt 
und blieb vereinzelt 

Von einer Pflasterung der Strasaen kommen schon in sehr 
früher Z«it Andentangen vor, doch mag dieselb« wohl erst atl- 



:vCoOJ^Ic 



— 25 — 

tnftbUg durchgefftbrt sein, da aelbst die FatterBtraflie, die doch 
in froherer Zeit eine der Tomehmeten Straaeen Erfiirti war, ond 
viele P&trizierhäiuer enttiielt, erat im Jahre 1550, zugleich mit der 
kleinen Bomgasse gepflastert worden iat (Hogel, Chron. S. 1063). 
Die Pflasterung des Harktea vor dem Graden and der Eraat- 
jotst Kreazgaaae, erfolgte 1551 (ib. 8. 1061), die des Baben- 
marktea 1556, dea Wegea zum Fallooh, sowie des BrüUa 1572 (ib. 
S. 1143, Frieae, II. S. 373). — Eine Straaaenbeleuchtnng wurde 
1515 eingeföhrt, indem der Rath, ala der Einzug der Eurftrsten 
Albert von Mainz bevoratand, in allen Gassen Laternen anfh&ngeD 
Ue8B (Friese, Chron. 11. S. 363; Schum, Verhältniase S. Xn.). 

Eine £igenthUnilichkeit der Bauweise Erfurts beatand be- 
aondera früher in der grossen AusaU schmaler Gftsschen, die 
hin ond wieder sich zwischen einzelnen Grondsttlcken befanden, 
Fenergassen, oder wenn sie nach emem fliessenden Gewässer 
führten, Wassergasaen genannt. Von den eigentlichen Oasseo 
unterschieden sie aich dadurch, daaa aie in der Kegel in der 
Strasseoflacht Tereohlosaen waren, mithin von dem öffentlichen 
Verkehr nicht benutzt werden konnten. Ihr Zweck war, bei 
Fenersbrttnsteu den Zugang zur Brandatelle zu erleichtern. Doch 
konnten sie- dieaen nur unvoUkommen erreichen, da sie meistens 
so schmal waren, daas sie nicht mit Spritzen befahren werden 
konnten. In der neueren Zeit hat aich die Zahl aebr Terringert, 
da viele von ihnen in daa PriTateigenthum der Kachbam tiber- 
gegangen ond verbaut sind. 

Einer anderen Eigenthtlmlichkeit, welche die Anlage der 
öffentiiehen Communicationen in Erfurt bis in die neuere Zeit dar- 
bot, mass hier noch gedacht werden: der Führten und Tritt- 
ateine. Seibat an Punkten, wo jetzt der Verkehr mit grosser 
Lebhaftigkeit zieh bewegt , wie an der Sohlöaaer - und der 
LangenbrUoke , hatte man ea einst fUr ausreichend gehalten, 
den FasBgängem durch eine Laufbrücke die Möglichkeit zu ge- 
währen, trockenen Fusses über den Fluss zu gelangen; die 
Fuhrwerke waren dagegen genöthigt, in neben jenen angelegten 
Fahrten von dem einen Ufer sich an das andere zu begeben. 
Der nrsprtkngliche Name der Schlöaaerbrllcke , der Langest^, 
weist auf diea Verbfiltniss hin; neben ihr iat die von. der Ecke 
des Jnnfcersandes nach der Rathbauagaaae führende Fohrt noch 
jetat vorhanden. Die Fuhrtmilhle hat von einer solchen ihren 



.oogic 



— 26 — 

Kamea erhalten. Ad einigen anderen Stellen, wie t. B. neben 
der zwischen der Mainzerhof- und der Peterastraase Über den 
BergBtrom führenden Brücke, die urBprÜngUoh lediglich für Fobs- 
gänger eingerichtet und erst 1270 Tom Capitel des Msrienstiftes 
mit Oenehmigung des Rathcs fUr Fuhrwerk psssirbar gemacht, 
neben der aber die FussgängerbrUcke bia in die seaeate Zeit er- 
halten war, femer zwischen dem Planchen und dem Fiocber- 
Muide, neben der RoasbrOcke, bei Venedig o. a. w., sind die 
Fahrten erat neuerdinga beseitigt. — 

Die Kanäle, welche früher beinahe alle Strassen durch- 
flosaen, befanden aich theilweise nicht an den Seiten derselben, 
sondern in der Mitte und hatten eine solche Breite, dass Wagen 
in ihnen fahren konnten, während sich an den Häuserreihen ein 
nur fUr Fussg&nger benutzbarer BOrgorsteig hinzog. Wie in 
Venedig konnte man in einzelnen Strassen blos im Wasser 
fahren, nur daaa dies nicht wie dort in Gondeln, sondern in 
Wagen geschah. Es fand dies namentlich auf dem Graden , wo- 
es aber schon in früher Zeit beseitigt ward, in der groasen 
Arche, wu der Kanal jedoch später einen Bohlenbelag erhal- 
ten hatte, der Allerheiligen-, Fergamenter-, Weissen-, Mar- 
baober- und Webergasse, sowie der Moritzgasse statt. In das 
Pflaster des Kanals waren über das Niveau des Wassers erhöhte 
breite Steine, sog, Trittsteine eicgefÜgt, welche dazu dienten, 
dasB die Fusagäuger ohne sich zu benetzen, von der einen Seite 
der Strasse auf die andere gelangen konnten. Erat in der 
neuesten Zeit ist bei der Umpfiasterung der gedachten Strassen 
diese Kinriohtung beseitigt, wie denn Erfurt jetzt überhaupt nur 
noch wenig offene Kanäle besitst und deren Zahl fortdauernd 
abnimmt 

In früherer Zeit waren die Ausgänge der Strassen mit einer 
Einrichtung versehen, dass sie mit starken eisernen Ketten über- 
spannt werden konnten, um sie im Falle von Tumulten ab- 
sperren EU können. Die erste Veranlassung hierzu soll KMser 
Rudolph I. gegeben haben. Hogel (Chron. S. 224) erzählt: 
„Der Stadtrath habe den heilsamen Bath, welchen ihm der Kaiser 
zum VaJet noch mitgetheilt, nicht hintenan gesetzt und, weil er 
nun in leidige Erfahrung hatte, wie sich bei einer solchen Menge 
Bürger ein gefährlicher Auflauf bisweilen erhübe, hin und wieder 
an den GasaeQ der Stadt grosse Steine aufrichten und lange 



- 27 — 

eieenie Ketten daran actunieden lassen, auf den Noth£aU den em- 
pörenden Herren oder Föbel die Gassen damit m sperren, daw 
sie mit Pferden nicht fortkommen und sonsten gehemmt werden 
möchten, wie man die geklammerten Steine mit ihren Ketten 
noch sieht." Noch im Jahre 1583 liess der Rath 25 derartige Ket- 
ten anfertigen and an die Gassen schmieden (Hogel, 1. o. S. 1175). 



Gintbeilang der Stadt. 

Die älteste Eintheilang der Stadt, abgesehen von der kirch- 
lichen nach Pfarrsprengeln , die, wie man in der Regel annimmt, 
1182 ins Lehen getreten ist, war die nach Gerichtsbezirken, 
und zwar waren die letzteren der des Borggrafen, die der hm- 
den Scholtheissen, der des Vogtes und der des Viathnms, sowie 
die des Hühlhäoser- oder Rosemanns- und des Trostgerichts. 
Einer näheren Angabe der Grenzen dieser Bezirke bin ioh über- 
hoben, da sich eine kartographische Darstellung derselben anf 
dem Plane befindet, welchen Kirchhoff seiner Schrift, die älteeten 
WeisthUmer der Stadt Erfurt, beigefügt haL 

An Stelle dieser Eintheilang trat später, als die Macbt- 
befugnisB des Raths erstarkt und das Gemeindelehen ein kraf- 
tigeres geworden war (1255 — 1310) eine solche nach Vierteln. 
Nach dieser zerfiel bis zur sog. Reduction von 1664 die eigent- 
liche Stadt zwischen dem Petersberge und der wilden Gera in 
vier Viertel : St. Johannis — St. Viti — St. Maria und St. An- 
drea, deren jedes wieder eine Anzahl Unterahtheilungen in sich 
Bchloss. Hierzu kamen dann noch die Vorstädte. Jeder dieser 
Bezirke hatte seit 1309 (Hogel, 1 c. 8. 274) einen Vormund oder, 
wie er später genannt wurde, Ffarrhauptmann — Jetzt würde 
man ihn Bezirksvorsteher nennen — an seiner Spitze. Diese 
Benennung hat wohl hauptsächlich zu der Annahme geführt, 
dass die vorerwähnten Specialgemeinden mit den Pfarrgemeinden 
identisch wären, während sie sich doch nur an diese anlehnten 
und von den in ihnen belegenen Kirchen ihre Ifamen erhalten 
halten, aber ihre Bestimmung eine durchaus ctvÜgemeindliohfl 
imd politische war, wie dies von dem Stadtrath Vollbanm in 
seiner Schrift: Die Specialgemeinden der Stadt Erfurt. Erfnrt 
1881, überzeugend nachgewiesen ist. Es gehörten aber nicht nnr 
minderwicbtige gemeinheitliche und polizeiliche Angelegenheiten, 



.oogic 



— 28 — 

wie die öffoitliche Armenpfi^e, die Unterhmltung der Öffentlicben 
Brnimeii, die FeaerlöschanaUlten und das Nitchtwesan lor Com- 
peteiu der Speci&lgemeinden reap. der Vormünder, sondem die 
letzteres bildeten Auch, wenigstens bis zur sog. Bedaction von 
1664, eine Art von Repräsentanten der Oesammtgemeinde , da 
■ie bei allen wichtigeren Angelegenheiten, über welche die 
Bttdtische Verwaltung zu beschlieBaen hatte, zu den Berathungen 
zugezogen worden und dann zusammen mit den im Regiments 
und den auaaer dem Regimente befindlichen Mitgliedern des 
Ratbes eine Versammlung bildeten, die den Namen: der Rath, 
die Käthe und die Vormfinder führte. 

Hit dar Beduction von 1664 hörte dies natürlich auf; sowie 
in Folge derselben die Gemeinde überhaupt ihre Selbstständig- 
keit einbüsste, so trat dies selbstredend auch in Betreff der 
Specialgemeinden ein; sie verloren die politische Bedeutong, die 
ihnen bisher beigewohnt. — ' 

Zu den Vorstädten gehörten damals tibrigene and noch 
Lange Zeit nicht nur die auBaerhalb der Umwallung, sondern alle 
ausserhalb der ursprünglichen Stadtmauern, die sich längs der 
Wilden Qera hingezogen hatte, belegenen Qrundatücke , sowie 
der fotthl, also nach gegenwärtiger Eintbeilung, der erste bis 
vierte und der zehnte Stadtbezirk. 

Was die oben erwähnten Untershtheilongen der vier Viertel 
der inneren Stadt betrifft, so beatand das Johannisviertel ana 
den Oemeinden Jobannia intra, St Nioolai, St, Qotthardi, St 
Mattbäi, St Egidii, St Lanrentii und Uercatorum intra; daa 
St Vitiviertel aus den Gemeinden St. Augnstini intra, St. Bar- 
tholomäi, St. Viti, St. Wigberti und Kovi operis; daa Marien- 
viertel aus den Gemeinden Beatae Uariae Vii^nia, St. Pauli, 
Omnium Sanctorum, St. Benedict! and St Martini intra; das 
Andreaa viertel aus den Gemeinden St Andreae intra, St. Hau- 
ritii intra, St. Michaelia, St Georgii, St. Servatü nnd St. Severi. 
— Später — doch geachah dies erat nach der Reduction, denn 
bis zu derselben hatten die Vorattjdte (Die vor den Tboren) 
getrennt von denen der inneren Stadt ihre besonderen Reprä- 
sentanten, ihre Vormünder, in den groaaen Bath zu stellen — 
worden die vorstttdtisohen Viertel mit denen der inneren Stadt 
Tereinigt, nnd es wurden in Folge dessen St. Jobannia extra 
nnd UercatonuD extra dem Johannisviertel, Aagastioi extra 



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nnd St Thomae (die vor dem Löbertliore und dem WssBerthore 
gelegenen OrundstQcke) dem Vitiviertel, Martini extra (der 
Brühl) dem Marienviertel, so-wie St. Ändreae extra und St. 
Haaritii extra dem AndreaBviertel zugeschlagen. Hierbei mag 
noch bemerkt werden, daes die Gemeinden Martini intra und 
Martini extra nicht wie in den übrigen ähnlichen FftUen, noch 
einer and derselben Kirche ihre Namen führten, erstere viel- 
mehr den ihren von der an dem Langenstege, der jetzigen 
SchlöBserbracke, belegenen Kirche Martini intra, die andere von 
der im Brühl belegenen noch jetzt vorhandenen Martinskirche, 
die damals zum Unterschiede von jeuer Martini extra genannt 
wurde, erhalten hat. — 

Die Bewohner der Häuser: Vor der Pforten, die Gegend 
des treoeo Bmnnens, wurden bei ihrer geringen Ässahl nicht 
zu einer besonderen Gemeinde constituirt , soadem der Thomas- 
gemeinde zugerechnet; auch Mauritii extra and Ändreae extra 
haben nicht lange als besondere Viertel bestanden; die erstere 
wird bereits bei der 1632 vorgenommenen Volkszählung nicht 
mehr erwtihnt. Nachdem auch St. Ändreae extra eingegangen 
war, betrug daher die Zahl der Specialgemeinden nur noch 28. 
Doch anch von den Gemeinden der inneren Stadt waren ihrer 
Kleinheit wegen schon im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts 
hin und wieder benachbarte combinirt, so St Georgii mit St 
Michaelis, St Benedict! mit St. Martini intra und St. Matthiae 
mit St Aegidii. Noch später — im 17. Jahrhunderte, worden 
bei der Abnahme der Bevölkerung mehrere der Gemeinden in 
eine Oberpfarr-HanptmannBchaft vereinigt, so St Servatii, St 
Michaelis and St. Georgii — St. Mauritii und St. Ändreae — 
St Gotthardi und St. Nicolai — St Aagustini intra und St 
Augustini extra — St Johannis intra und St. Johaonis extra 
— Meroatorum intra und Mercatomm extra — St Viti und St 
Wigberti. — Die ao ins Leben getretenen 18 Oberpfarr-Haapt- 
mannsobaften bildeten zwei Gruppen, indem aie in 11 grosse and 
7 kleine Gemeinden eiogetheilt wurden. 

Uebrigens wurden die Specialgemeinden auch unter der 
kurmainziachen Regierang im engeren Sinne, d. h. seit der Re- 
duction von 1664, als Stadtbezirke beibehalten und die Pfarr- 
haaptleute als Unterbeamte des Magistrats angesehen, welchem 
Verhältnisse es nur entsprach, dass durch die unterm 8. Mai 



..c.Cooj^le 



17l6 f&r dieeelben erlassene Instraction bestimmt wurde; dasa 
die Oberpfarrhauptleute nich mehr, wie dies bis dabin gescbeben, 
von den Gemeioden immer auf ein Jahr erw&hlt, sondern vom 
Rathe anf Lebenszeit angestellt werden sollten , weshalb sie zor 
Unters cbei düng von den auf ein Jahr gewählten (Unter -)Pfarr- 
hanptleaten im gewöhnlichen Leben eiseroe Pfarrhauptleate ge- 
nannt wurden. 

Die Verhältnisse der SpecSnIgemoinde blieben anch während 
der ersten prenssiachen Besitznahme nnverKadert, obwohl 1804 
den Pfarrhanptleuten ein Theil ihrer bisherigen Befugnisse ab- 
genommen und 1806 die Verringernng ihrer Zahl und die Ver- 
änderung ihrer Benennung in die: Viertels-Commissarien, ▼er- 
ordnet wurde, eine Bestimmung, die in Folge der kurz nachher 
eingetretenen kriegerischen Ereignisse nicht zur Ausführung ge- 
kommen ist. Dagegen wurde während der französischen Herr- 
schaft 1810 eine vollständige Umwälzung vorgenommen, indem 
die Stadt in zwei Hauptabtheilungen (arrondissements) , jede 
derselben aber weiter in sechs Unterabtheilangen (sectione) Bor- 
legt ward, die mit Ausnahme eines einzigen Falles, der sechsten 
Sectton des ersten ArrondissementB, der Brühler Vorstadt oder 
bisherigen Gemeinde Hartini extra, wo nach der natOrlichen 
Lage sich die Beibehaltung kaum vcrmeideu liess, mit der bis- 
herigen Eintheilung nirgends eine UebcrstimDiang zeigten. Fflr 
die Ober - Pfarrhauptleate , deren Anzahl in Folge dessen von 
18 anf 13 herabsank, wurde seitdem der Name Bezirkehaupt- 
leute ttblich. Diese Eintheilung wurde auch nach der «weiten 
preussischen Besitznahme eine Zeit lang beibehalten, nur mit 
der Hassgabe, dass die etwa mit der Soverigemeinde fiberein- 
kommende Section, nachdem sämmtliche dazu gehörig gewesene 
Qrundstficke bis anf ein einziges — die BergmQhle — durch 
das Bombardement vom 6. November 1813 zerstSrt waren, zu 
bestehen aufhörte. — Erst im Jahre 1826 wurde von der Stadt- 
behSrde im Einvernehmen mit der Hypothokenbohörde and unter 
Genehmigung der Regierung eine neue Eintheilung der Stadt 
and zwar in 14 Bezirke, die sich in ihrer Einwohnerzahl ziem- 
lich gleich standen, vorgenommen. Die alte Eintheilung in 
Speoialgemeinden wurde hierbei eben so wenig berücksichtigt, 
wie die im Jahre 1810 vorgenommene in Sectionen, vielmehr 
gaben die verschiedenen Arme des Geraflusses die Grenzlinien 



- 31 - 

ab, und die Z&blung erfolgte in der Weiee^ dasa sie von deesen 
Einäuas in die Stadt begann, !m zweiteo Bezirke dam Laufe 
der Wilden Gera abwärts folgte, der dritte eich an den zweiten, 
der vierte aber an jenen anschloas. Der Theil der Stadt 
zwischen der Wilden Gera und dorn Breitetrom umfasste dann 
in aufwärts dem Flusse gehender Reihe die fünf folgenden Be- 
zirke, während die fttnf letzten wieder abwärts links von dem 
Breitstrom bis zum Äusfiuss der Gera gingen. Da diese £in- 
theilung noch gegenwärtig besteht, so braucht hier nicht näher 
auf dieselbe eingegangen zu werden. Neben dieser Eintbeilung 
in Stadtbezirke besteht zwar noch eine solche in 20 Polizei- 
beztrke fOr die eigentliche Stadt und 3 Feldpolizeibezirke flir 
die BUBserbalb der früheren Umwallung belegenen Grundstücke, 
dieselbe Bchliesst sich aber an die Stadtbezirke an, nar mit 
der Massgabe, dass diese, wo die Zunahme der Bevölkerang 
es nSthig gemacht hatte (im ersten, zweiten, siebenten, achtes, 
neunten und zwölften) mit wenig abweichenden Grenzen in zwei 
Polizeibezirke gothcilt sind, während in den Vorstädten immer 
zwei Flnrbezirke (Löber- und Schmidtstcdter- — Krämpfer- und 
Johannis- — Brühler- ond Andreas-) einen Feldpolizeibezirk 
bilden. — Von den früheren Specialgomoinden bestehen awar 
einige noch, aber nur weil die Mitglieder sich im gemeinschaft- 
lichen Besitze von Vermögensstiicken befinden; mit der Ein- 
theilong der Stadt haben sie nichts zu thun. 

Noch hat es einige Bezeichnungen von Stadtthoilen gegeben, 
die mit der vorerwähnten Ein th eilung nichts gemein hatten. 
Dahin gehört unter andern der Käme : Judenviertel. Unter 
diesem begriff man die Gegend zwischen den Mühlstegen, dem 
Breitstrome, der Rathhansgasse und dem Töpfenmarkte bis tu 
dem Heidentbore. Doch beschränkten sich in alter Zeit die 
Jndenhäuser nicht auf diese Umgrenzung, vielmehr wohnten 
Juden auch von dem nördlichen Ende der ErämerbrDcke bis 
zur Lehmannsbrücke , wo jetzt der Kreuzaand ist. Hier lagen 
namentlich der Judenzoll, das Judenbad and die Fleischbänke 
der Juden (Friese, 1. c. I. S. 76; Kroner, Festschrift zur Ein- 
weihung der neuen Synagoge in Erfurt S. 12). 

Den Hamen Neustadt führte bis zum Schlüsse des 13. 
Jahrhunderts die ganze Gegend vom Rossmarkt bis zum WaBser- 



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- S2 — 

tbore and zor Hunsterborg ; da «ie erst dnrch Trockenlegung 
für die Bebauung mit Häuaem gewonnen war, so vrorde sie 
ancb: Auf dem Bruche, genannt. Nachdem 1198 das Kloster 
der regulirten Ghorfrauen des h. Ängnstin dorthin verlegt war 
und als neue Anlage den Namen des Neuen Werkes erhielt, ging 
dieser auch auf einen Theil jener Qegend über. 

Unter HirscbbrUhl (in den älteren Freiainsregistem lautet 
der Käme HerzbrUbl; in der Urkunde von 1265 Hirapruel) ver- 
stand man den Theil der Stadt, der von der Wilden Gera, dem 
Walkfltrome, der KarthAaseratraBse und der Hopfengaese ein- 
geschlossen wird. Die Benennung ist sehr alt, denn schon 12fö 
wurden die Bewohner des Hirschbrühls in einen Becbtsstreit 
Terwiokelt, weil sifl es vorgezogon, sich zur Nenwerkskirche zu 
halten, während sie, wenigstens die links der Hirschlache woh- 
nenden, bis dahin nach der Martinskirche eiogepfarrt gewesen 
waren. Er wurde damals, einschliesslich der Wittwen, von 22 
Haushaltungen bewohnt (Würdtweln, Dioecei. Mogunt. p. 218 
bis 221). Diese geringe Einwohnorzahl untorstUtat wenig die 
Annahme derer, welche daraus: dass sich in Erfurt in späterer 
Zeit eine so grosse unbebaute Fläche, wie der HirschbrOhl, 
innerhalb dar Umfassungswälte befunden, scUiessen zu müsaen 
glaubten : dass die Stadt frtlber eine sehr viel bedeutendere Ein- 
wohnerzahl gehabt haben müsse, wie in neuerer Zeit, dass bei 
der grossen Feuersbnmst von 1472 aber die dort befindlichen 
Wohnhäuser zerstört und nicht wieder hergestellt wären. Nach 
den uns überlieferton Nachrichten hat sich jedoch jede Feners- 
bmnst in südwestlicher Riohtung nicht weiter als bis zum 
Brüblertbore und snr Neuwerkskircbe erstreckt, und wenn der 
Hirschbrühl in der vorangegebenen Zeit nur von 22 Haushal- 
tungen bewohnt gewesen und nie eine eigne Kirche gehabt hat, 
so ist es auch sehr wenig wahrscheinlich: dass er 1472 voll- 
ständig mit Wohnhäusern besetzt gewesen sein werde. Viel- 
mehr spricht alles dafiir, dass bis auf die neueste Zeit diese 
Gegend nur eiuEslne, zerstreut liegende Wohnhäuser, insbeson- 
dere Gartenwirthschaften enthalten, im Ailgemeinen aber ledig- 
lich aus Gärten bestanden habe. Wenn dieselbe dessen un- 
geachtet mit in die Umwallung hineingezogen ist, so geschab 
dies wohl theils deshalb, weil diese Gärten meist Rathsherren 
und anderen oinfiussrüchen Personen gehörten, welche ihr Eigen- 



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- 33 - 

ttium gegen die damals so gewöhnlichen feindlichen Anfalle ztl 
schützen wUnscbten, theils weil man sich um eo eher so gegen 
einen Hangel an Lebensmitteln im Falle einer Belagerung sichern 
za können glaubte. Dennoch blieb der HirachbrUbl immer noch 
bis -vor kurzem ein merkwürdiger Stadttheil, der eine Eigen- 
thOmlicbkett von Erfurt bildete, und es wohl verdiente, dasa 
Dalberg, nach welchem der durch ihn fllfarende Hauptweg den 
Kamen erhielt, ihm seine besondere Vorliebe zuwendete. Was dio 
Bedeutung des Namens HirschbrUbl betrifft, so bemerkt Stialcr 
(SpracbschatE 251): „Hirschhriihl statio cervomm circa loca 
aqnosa et viigoltiB amoena." Man könnte sich versucht finden 
zu glauben : dass Stieler, obwohl als geborner Erfurter anzweifel- 
haft ein genauer Kenner der Erfurter Volksmnndart, sich doch 
hier im Irrtbum befindet. Es liegt nämlich die Annahme nahe, 
daas die erste Sylbe des Namens dieselbe sei, wie in Hirscli- 
lache und dass der letztere Name ursprtinglich Erislache go- 
lautet habe, unterliegt keinem Zweifel. Kria bedeutete aber 
in der älteren Sprache : Gebüsch , ßeisig (Orimm , Deutsch. 
Wörterb. Bd. V. Sp. 2330). Hirachlache oder Krislache ist da- 
her ein mit Buschwerk eingefasster Wasserlauf und Hirsch- oder 
Krisbrübl würde also eine sumpfige mit Buschwerken bedeckte 
Wiese bedeuten (dass Friese's (Chron. I. S. 3) Erklärung, ein 
Ort wo die Hirsche brüllten, nicht in Frage kommen könne, 
verateht sieb von selbst). Gegen die obige Annahme spricht . 
aber der Umstand: dass, wie schon angegeben, der Name des 
Hirschbrübls in älterer Zeit Herzbrübl gelautet hat, während 
die Hirschlache nie anders heisst als Krislacbe oder Kirslache, 
ao dass die erste Sylbe in beiden Namen gewiss nicht dieselbe 
ist, wie 2. B. in der Urkunde von 1263 Krzpruel nnd Kirso- 
lacbe neben einander stehen. Wemeburg (Beiträge S. 149, IbG) 
glaubt: dass bei Birschbrühl, ebenso wie bei Hirachlache, nicht 
an Hirsche, sondern an Kresse zu denken sei, und es sich um 
Stellen handele, wo Kresae wachse. 

Nommerirang der H&user. 

Während in Erfurt die Häuser bis dahin nur nach den be- 
sonderen Benennangen, die man ihnen beigelegt hatte, bezeich- 
net worden waren — eine Einrichtung, die es oft schwor genug 
gemacht haben mag, ein gesuchtes Grundatück aufzuündcn — 
wurden sie im Jahre 1690 mit Nummern versehen, und zwar ■ 



— M — 

hatte jede Specialgememcle ihre besondere Nummerfotge. Alle 
damals beatebenden 24 Oemeinden hatten zuaammen 4350 Natn* 
mern, za welcher Zahl aber noch 820 Grundstücke traten, wetcho 
neben der Hausnammer noch mit einem Buchstaben beceicfanet 
waren. Ueberhanpt gab es damals also in Erfurt 5170 mit be- 
sonderer Nummer versehene Grundstücke; doch waren dies 
nicht sämmtlich Wohnhäuser, vielmehr befanden sich darunter 
auch Banstellen, Scheunen, Gärten n. dergl. m. Nur die Kirchen 
und Plarrhiluser hatten keine Nummern erhalten. — Diese Art 
der HäuBemnmmerirang hat bis in die Zeit der französischen 
Zwischenherrschaft bestanden. Während dieser wurde 1810 zu- 
gleich mit der bereits erw&hnten Eintheilung in ArrondissementB 
und Hectionen jeder Strasse ihre besondere Nammerfolge ga- 
geben. Im Jahre 1826 kehrte man aber zu der früheren Ein- 
richtung, jedoch mit der Massgabe zurück, dass die Nummo- 
rimng durch die ganze Stadt durchgeftÜirt wnrde and von 1 bis 
SOÜO ging, wozu noch 19 nicht nummerirte vor den Thoren be- 
legene Etablissements kamen. Die Nummern begannon beim Ein- 
tritt der Gera in die Stadt aaf deren rechter Seite, so dass die 
Earthäusermilhle die Nr. 1 trug, gingen dann fort auf der rechten 
Seite der wilden Gera, ebenso wie die Nnmmem der Stadt- 
bezirke bis zum Austritt jener aus der Stadt (Nr. 800), hierauf 
rttckl&ufig in den Bezirken zwischen der wilden Gera nnd dem 
Breitatrom (Nr. 801 bis 2049, dem kathoHachen Wsisenhauae)^ 
dann wieder abwärts den FluBalanf in den links vom Breitstrom 
gelegenen Stadtbezirken (Nr. 2030 bis 3047, dem St Morrts- 
kirchbof). Die Nrn. 3048 bis 3050 fielen auf Grundstöcke ausser- 
halb der Umwallung. — Die fiansntimmem schlosaen sich un- 
mittelbar an einander, ao daes auf die eine Seite der Strasse 
zunächst nicht die gegenüberstehende, aondem die anstossende 
Qaerstraaae kam. — Ausser diesen Nummern, die sich auf die 
Gemeinde-Verwaltung bezogen, erhielt jedes Haua auch ein 
Schild mit der Nummer, die ea in dem Hypothekenbuche führte. 
In Hartunga H&nser- Chronik Tb. I. S. IV— LH findet sich ßr 
jedes Grundstück eine Zusammenstellung der damals stattfinden- 
den Nummerirung durch die ganze Stadt, der früheren Nnm- 
merimng naoh. Stadtvierteln und der ursprünglichen Eftnsei^ 
bezeichnnng nach Eigennamen und Bildern. Was diese letz- 
teren betrifft, so mag noch bemerkt werden ; dass Paulas Ctssel 



..C.oo^li. 



^ 35 - 

in seiner Schrift: Erfurter Bilder and BrÜnche. Erfurt 1S&9, 
einen Versnch gemacht hat, sie systeroatisch zo ordnen und 
ilirem Ursprange, sowie ihrer Bedeutung nach zu erklären. 

In neuester Zeit hat bekanntlich wieder jede Strasse ihre 
besondere Nummerirung erhalten. 

Veränderangen in der Benennung der Strassen. 

Jeder, der sich mit dor Geschichte Erfurts beaohifligt und 
Ewar nicht blos , wenn er bis auf die Quellen derselben zurück- 
geht, sondern schon wenn er nur fiberhaupt Werke, welche 
jene snm Gegenstände haben, einsieht, wird nicht selten anf 
Kamen von Strassen, Plätzen, Gebäuden n. 0. w. stossen, die 
jetzt nicht mehr gebräuchlich sind und deren Unkenntniss das 
VerstSndniss sehr erschwert Und nicht etwa, dass es sich 
bei den eingetretenen Namens -Verändenngen und Verschwin- 
den von Kamen immer um _ eine graue Vorzeit handelte, 
sondern es sind solche sehr häufig in ziemlich naher Ver- 
gangenheit eingetreten, so dass sie noch in unmittelbarer Be- 
ziehung zur Gegenwart stehen und doch bereits in dem Ge- 
dSchtniss der Mitlebenden zn schwinden beginnen. Es giebt 
augenblicklich in Erfurt freilich noch viele Personen, die es sehr 
wohl wissen, was es zu bedeuten hat, wenn die Namen Neustadt, 
Lohbank, Auguststrasse , Rossmarkt, Rechenstrasse a. s. w. ge- 
nannt werden, aber es finden sich schon jetzt unter den hiesigen 
Bewohnern nicht wenige — namentlich werden dabin die meisten 
erst neuerdings hierher gezogenen gehören — die kein Ver- 
stSndnisa bierfEtr besitzen. Und sobald nur noch eine Generation 
dahin gegangen sein wird, möchte die Kenntniss dieser Ver- 
hältnisse nur noch den Wenigen beiwohnen, die das Studinm 
der Vei^angenheit Erfurts eigens zum Gegenstande ihrer Be- 
schäftigung gemacht haben. Ein Hülfsmittel zur leichteren Orien- 
timng wird sich dann gewiss als föhlbares Bedürfniss zeigen. 
Ein solches lässt sich aher jedenfalls jetzt, wo wir den ein- 
getretenen Veränderungen theilweiso noch ziemlich nahe stehen, 
viel leichter herstellen als später, wo ein Menschenleben oder 
vielleicht ein noch längerer Zeitraum dazwischen liegt. Es er- 
schien mir daher nicht ohne allen Nutzen — und dies ist fOr 
mich der erste Anlass gewesen, dio vorliegnnde Arbeit ilber- 

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— 3S — 

baupt za anternehmen — einen Versuch kq mkchen, ein der- 
artiges HUlfsmittel darEabieten. Bis jetzt fehlt es aa einem 
solchen, wenigstens an einem, in dem sich mit Leichtigkeit das 
Gesaohte aof&nden liesse. Dies eu gewähren ist in den folgen- 
den Bl&ttera versucht worden. Ihr Zweck ist ein rein prak- 
tischer; aaf einen wissenschaftlichen Werth miteben dieselben 
durchaus keinen Anspruch. Wollten sie dies, so mUssten sie 
den Gegenstand viel aosfUbrlicber and tiefer eingehend behfin- 
deln; dadurch wilrde aber wieder die leichte Benutzbarkeit be- 
einträchtigt worden sein. — Noch auf einen Umstand möchte 
ich aufmerksam au machen mir erlauben. Hypotheken - Docu- 
mente, die in früherer Zeit aoBgestellt sind, aber noch jetzt 
ihre Gültigkeit nicht verloren haben, bezeichnen die verpflUi- 
deten Grundstücke natürlich nach den damals üblichen Strasseo- 
namen. Auch in diesem Falle kann ein Verzeichnias , wie es 
hier geliefert werden soll, möglicher Weise die Orientirong er- 
leichtern, und so einen praktischen Nutzen gewähren. 

Das« im Laafe der Zeit in der Benennung der Pl&tzc, 
Strassen und Gassen vielfache Veränderungen eingetreten sein 
müssen, lässt sich schon ans den früheren Abschnitten dieser 
Arbeit, namentlich dem über die im Innern der Stadt statt- 
gefandenen Veränderungen Angeführten schlieasen. Eine nicht 
geringe Zahl von jenen ist ganz verschwunden, manche haben 
ihren bisherigen besonderen Namen eingebüsst, indem derjenige 
der Strasse, deren Verlftngerung sie bildeten, auf sie mit über- 
tragen ist; bei noch anderen ist der Name abgeändert worden, 
weil der bisherige aus irgend einem Grunde Anstoss erregte, 
wie beispielsweise die Hose in Kirchgasse und die Pfiaffengasse 
in Stiftsgaase umgetauft wurden, als das deutsche Parlament 
hier zusammentreten sollte. 

In dem Nachstehenden sind nun alle diese, sowie die sonst 
eingetretenen wesentlicheren Veränderungen, und zwar des leich- 
teren Aaffindens wegen, in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt 
Dabei mag noch darauf ao&nerksam gemacht werden: dass es 
in früherer Zeit nicht Üblich gewesen ist, die Strassen- Benennung 
von verdienten Personen oder von sonstigen Eiigennamen her- 
zunehmen, dass vielmehr stets dazu entweder die örüiche Lage, 
beispielsweise eine benachbarte Kirche oder die Haaptboscbäf- 
tigQDg der Bewohner den Anläse geboten hat 



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— 37 — 

1. AebtiseiostrBBie (platca abbatiasa) leg in der P&- 
roehie S. Georgii. Sie kommt in den Freizinaregistern 12^ 
bis 1413 Tor. 

2. Allerheiligen, Hinter, jetzt AUerbeUigenstraiBe. 

3. Altestrftsse hioae frUher der Tlieil der Itarktatraaae 
TOD der Allerheiligen atrasse .and grossen Arche bis aom Bane- 
dictaplfttce. Sie flkhrte auch den Namen: Breiteatraase. 

4. Altreniaengfiaachen oder Raiaaengäascheo 
(Rnasengaaee) war eine achmale Gasse, zwischen dem: der Lap- 
penberg genannten Theile dea Rubenmarktes (jetzt Friedrioh- 
WUhelma- Platz) und den Sohilderem am Fallloche, die bei dem 
Bombardement von 1813 zerstört und deren Gnmd und Boden 
zur Anlage des Laisentfaals mit verwendet wurde. Sie hatte 
ihren Namen davon: dass aie besonders Ton sog. Ältreuaasn 
d. L Altäickem, die nur berechtigt waren schoo getragenea 
Scbnhwerk auszubessern, aber nicht neues anzufertigen, be- 
wohnt war. 

5. Andreaathor, Bei dem, hiess der Platz zwischen 
dem Rabenmarkte and dem Andreaathore , der jetzt zar An- 
dreasstraase gehört. 

6. Ändreaswall, Am. Die Gasse längs dem früheren 
Walle zwischen dem Andreaathore und der Wall- (jetzt Moritz)- 
gaase. Neuerdings ist ihr, nachdem der Wall abgetragen, aie 
verbreitert and auf der Nordseite bebaut worden, der Name: 
Am Horitzwalle, beigelegt 

7. Armenhaus, Bei dem. Die von der Erämpferatrasse 
nach dem Walle fuhrende Strasse, die jetzt Lindenweg heisst. 

8. Ar'tillerieplatz ist der Platz zwischen dem Friedrieb' 
Wilhelmsplatze und dem Bergetrome am Kanonensohappen , «of 
welchem sich das Kaiaorl. Postamt II. befindet. Die dortigen 
H&user werden jetzt »um Friedrich-Wilhelmsplatze gerechnet. 

9, Aschengrube, In der, vid. Korbgasse Nr. 123. 

10. Augustiner Kloaterhof hiesa der Platz zwischen 
dem ehemaligen Wigbertikloater and dem zur Regierung gehörigen 
Garten, auf welchem das jetzt abgebrochene Ezercierhaua atand. 

11. Auguststrasse oder Auguatgaaae, eigentlich Au- 
gustinergasse , hiess bis vor Kurzem der Tbeil der gegenwär- 
tigen BahnhofatraaBe von der AuguslbrUcke bis zum Anger. 
An dem der Brücke gegenüber befindlichen Ende lag früher 



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- 38 - 

das Angoatthor. Den Namen hatte sie von dem in ihr belegenen 
KtoBter der reguÜrten Chorherren AngostiDer-Ordena^ deweu 
Kirche die jetzige Reglerkircho bildete. 

13. Augustmauer, eine, namentlich in der Nähe der 
AuguststrasBe sehr schmale Qaase, die von dieser bis zur Löber- 
slraaae längs dem irUheren Botanischen Garten ging. Erst seit 
der ParcelUrung des letateren ist sie erweitert und vollständig 
bebant worden und hat den Namen Qartenstraase erbalten. 

13. Backen, Bei den gr&nen, oder: Bei den Orön* 
backen hiess die Qasae, welebe die Bahnhofatrasae mit der 
MUhlgasse verbindet. Die darin befindlichen Hftaaer werden 
jetzt zur letzteren gerechnet. 

14. Backhausmlikle, Boi der grUnen. So hieaa aonst 
der Platz vol- den hinteren Domatufen, der jetzt von eioer 
Qartenanlage eingenommen wird. 

15. Badergasse, jetzt Horagaaae, trug ihren Namen von 
dem in ihr befindlichen öffentlichen Badehause. 

- 16. BarfUsaern, Vor den, biesseo die Häoser der 
jetzigen Barfasseratrasse , welche der BarfUsserkirche gegenüber 
liegen. Die bei dem Gaethause: Zum grünen Schilde vorbei 
ftihrende Markgrafengaase bildete damals uamittelbar ihre Ver* 
l&ngerung. 

17. BarfUsaer Steinweg, Am, auch HiJbenapiegoI ge- 
nannt, hiessen die HSuscr von der BarfUsserkirche bis anm 
Neuwcrk längs dem Wigbertikloeter und bei der Begiemoga- 
straaae vorbei, jetzt BarfUseeretraise 15 — 17 und Anger 39 und 
40 (Härtung, Häuserchron. II. 254). 

18. Benedictsplatz. Der kleine Platz, in welchen die 
ErKmcrbrücke , Kreuzgaaae, Miohaeliaatraaae , Marktstraaae und 
MühlhofsgasBe mUndea; jetzt werden die ihn umachlieaaenden 
Häuaer theila zur HichaeÜaetrasse, theils zur Krämerbrücke ge- 
rechnet. Er führte den Namen von der zwischen dieser und 
dem Mühlstege an ihm belegenen Benedictakircbe , von deren 
Thurm der untere Tbeil noch vorhanden ist Vorher hatte d« 
Platz den Namen: Vor der Krämerbrücke (ante pontem mer* 
catorum). 

19. Berge, Hinter dem, hiess die Straaae, die »a dem 
der Stadt abgewendeten Abhang dea Severibergea hin führte, von 
dur BrUcke Über den Bergatrom bia zum Fiuae des Peters- 



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— 39 — 

borges. Qsgenwftrüg wird aie meist tod der FetersatrMae ein* 
genommen. 

20. Bettlershain, eine Reihe kleiner Häuser im JoIiad- 
msviertel neben dem Johanniekirchhof, beim neueo Thurm auf 
der andern Seite der Hirschlache, der Mauer entlang. Er war 
vermittelst der Korbgasse und einer Bteioernen Über die Hirscb- 
lacbe fuhrenden Brücke zugänglich. Nach Härtung (1. o. I. pag. 
XU.) hat jedoch die jetsst Kochlöffet genannte Strasse frUber 
Bettlershain gebeissen. 

21. Biltze oder Bulze (Bultza) ist die gegenwärtig Filse 
genannte StrasBo. 

22. Bliedengasse oder Bloydengasse, ging von der 
ÄadreaBBtraBBe bis zu St. Morite. Sie erhielt später den Namen 
Hundsgaaee und beisst jetzt Qlockengasse , welchen letzteren 
Namen sie von der an ihrem Ausgange in die Andreasstraase 
früher belegenen Sorge'sobe Glockeogiesaerei erhielt, an deren 
Stelle gegenwärtig ein Wohnhaua erbaut iat. Eine ähnliche 
Yeranlasaung bat auch ohne Zweifel der nraprilngliche Name 
gehabt, indem hier eine Werkstatt, in welcher BUden oder 
Bleiden, d. h. Apparate mit denen Steingeschoaae geachleudert 
wurden (Qrimm, Wörterbuch XI. Seite 99), aich befunden hat. 

23. Bliedenquergasae, später blos Quergasse genannt, 
heiast jetzt Glockenquergasse. 

24. Bockgasse oder Schafgaase. Die Verbindung zwi- 
schen der Hospitalgasse und dem Lindenwege. Sie hat, nach- 
dem neuerdings ibre Bebauung stattgefunden, den Namen Was- 
sergasse mit erhalten, den nraprilngtich nur ihre Verlängerung 
zwischen der Hospitalgasse und der Wilden Gera gafUhrt hat. 

25. Bocksgasse, ein GäsBohen zwischen dem Anger und 
der Hirachlacbe bildet gegenwärtig zusammen mit ihrer Fort- 
setzung EWiBchen der letzteren und der Gartenatrasae , der ehe- 
maligen groaaen Borngasse, die Lachagaaae. 

26. Borngasse, Grosse, war, wie eben angegeben, der 
Name der gegenwärtigen Laohsgasse von der Augustmauer 
(Gartenstrasse) bis zur Hirschlachc. 

27. BreiteogasBe, Grosse, die von dem Eohlenmarkt 
(jetzt Karthäuserstrasse) nach der Meisterei (gegenwärtig Theil 
des Thtlringer Bahnhofs) führende Gasae, die nunmehr, um einer 
Vcrwechaelnng mit der gleichfalls den Namen: Grosse Breiten- 



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— 40 — 

gAsse Atlircnden Verbindniig zwischen der Keaengasse and der 
Löbergcra vorzubeugen, Herrenbreitengasse genannt ist 

28. Broitenfjasse, Kleine. Sie fUhrte von der Nöuen- 
gasse nach der Elopfgasso. In Folge der Anlage des Thüringer 
ßahnhofes, zu welchem sie theilweise gezogen wurde, ist nur 
noch ihr Anfang sichtbar , welcher den besonderen Namen ver- 
loren hat. 

29. Breitestrasse { Plafea lata) oder auch : An der 
Strasse hiess früher der Theil der Marktstrasse vom Bmio- 
dictsplatz bis zur AllerheitigenstraBie. Vergl. Nr. 2.^2. — Zwi- 
echen ihr und dem Falloche befand sich die: Unter den 
Bßttnern, genannte Gasse. 

30. Breitenstufen, An den, oder Graden, war der Auf- 
gang vom Friedricb-WilhelniBplatz nach dem Dome ncd der 
Sovcrikirche. Er war in &fiherer Zeit auf beiden Seiten mit 
HSuscrn besetzt, während sich gegenwärtig dort nur auf der 
Nordseito die Lehrerwobnungen der Domgemeinde befinden. 

31. Brnche, Auf dem (In palude), lag bei dem Viti- 
khrchhofe an der Ecke der St. Vitikirche. Dass auch der ganse 
später Neustadt genannte Stadttboil ursprünglich jenen Namen 
geführt habe, ist bereits oben erwähnt. 

32. Brückchen, Bei dem, biess früfaer der Theil der 
Langenhrücko zwischen der RabenmUhle und dem Breitstrom. 

33. Brtthler Vorstadt, in frQherer Zeit auch der Stei- 
nich genannt, heisst jetzt Brühlerstrasse. In älterer Zeit er- 
etreckte dieselbe sich weit über das spätere Brttblerthor hinaos, 
indem sie bis an den Fuss des Cyriazberges ging. Erhard 
(Erfurt und s. Umgebung S. 161) giebt an; dass znm Br&hle 
im weiteren Sinne nicht blos die gegenwärtige Brühlerstrasse 
mit ihren Nebengassen, sondern auch die Mainserfaofstrasae bis 
zum Dombcrge und die Holzheienstrasse bis zum Rossmarkt — 
dem jetzigen Herrmanns platze — gehSrt bitten und in dieser 
Bedeutung der BrUhl die älteste Vorstadt Erfurts, jedoch, wenig- 
stens bis zum Anfange des 14. Jahrhunderts, in Betreff seiner 
Verfassung und Verwaltung von der eigentlichen Stadt voll- 
ständig abgetrennt, wie dies schon früher angeführt worden, 
gewesen sei, da er sich im unmittelbaren Eigenthome des Era- 
bischofs befunden und durch eigene Beamte, die Scholtheissen 
im Brühl, regiert ward. 



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_ 41 — 

S4. Brühlerwall, Am, hieea der Weg am Walle vom 
BrOhlerthore bis zur ScbutstburmBchteuse. AU man vor einigen 
Jahren anfing denselben mit Wohnhänsern zu besetzen, wurden 
diese der BrUbleretraBse Kugereolinet. Neuerdings, wo die plan« 
m&BBige Bebauung dieses gansen Stadttheils in Angriff genom' 
men worden ist, hat man, obwohl der Wall inzwischen ver- 
schwanden war, den Namen: Am Brtlhlerwalle wieder hervor- 
geholt. Doch ist eine früher unter demselben mitbegriffene 
Stracke f^ die Friedriohstragse verwendet. 

35. Bnlze (Bulza) ist der ursprüngliche Name der jetzt 
Pilse genannten Strasse, vid. Nr. 31. Sie gehört za den filteren 
Strassen Erfnrts, denn ein Conrad von der Bnlze kommt bereit* 
in einer Urkunde von 1251 vor. 

36. Borgsteg ist der eigentliche Name der im gewfihn- 
lichen Leben Vogetabrücke genannten Fussgängerbrücke Ober 
die Wilde Qera. Eine andere Burgsteg genannte Brücke befand 
sich im Brühle. Sie wurde, nachdem sie vom Wasser fort- 
gerissen worden, 1658 neu gebaut (Friese, 1. c. IV. S. 1137). 

37. Compterhof, Bei dem, hiess in früherer Zeit der 
Theil der jetzigen Comthurgaase von der Gotthardstrasse bis 
zum Breitstrom. Später führte er die Benennung: Hinter dem 
Sobildohen. Sein Drs^H^nglicher sowohl wie der gegenwärtige 
Name stammen von dem ehemaligen, dem Deutschen Orden zu- 
gehörig gewesenen, an der dem Breitstrom gegenüber befind- 
lichen Ecke liegenden Comthnrhofe her. 

38. Comtharsand hiess der Theil der Comthurgasse 
vom Comthurhofe bis zu der Angustinerstrasse. Er erhielt 
später den Namen Schnlgasse von dem neben dem Nicoluthurm 
erbauten Schulhause. 

39. Conventsgasse lag im St. Pauleviertel und ging 
zwischen der Nr. 6 und 7 der Prediger stresse in dra Richtung 
auf die Rumpelgasse. Bei dem Retablisaement des durch den 
grossen Brand von 1736 serstörten Stadttheils ging sie ein. 

40. Crucisgasse anch Eraatgasse genannt, jetzt Kreuz- 
gasse. 

41. Dalbergsbrüoke ist der Name der beim Pfbrtchea 
tiber den Festungsgraben führenden Laufhr^ke. Sie hatte den- 
selben erhalten, weil sie auf Dalbergs Veranlassung gebaut wor- 
den ist, nachdem dieser das bisher Unge Zeit verschlossen ga- 



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— 42 — 

balhine Naaethor (PfÖrtchen) fBr den Gebrauch dea Fublicums 
bfttte öffoen lauen. 

43. OeinhardtegasBe. Hogel (1. o. S. 4L2) and FrieBe 
(L c. S. 145 a) berichten: dau im Jahre 1361 die Brücke in der 
Deinbardtsgaese gebaut worden sei. £b iit jedoch nicht sti 
ermitteln geweseoj wo diese Gaste gelegen bat. 

43. Diebesgassö oder Bosengasse ist der. ursprilngUcbe 
Xame der gegenwärtigen Sterngasee, 

44. Diepsteg oder Oipstege kommt in den Freiains- 
regiBtem von 1324 a. s. w. als vor dem ErSnipferthore jenseitB 
der Hirscblache liegend Tor. Der Name lautet wobl aigeallich: 
der Tiefesteg. 

45. Dome, Hinter dem, hiess die StraBse, die am Dom- 
berge bin vom Artillerieplatüe bis eu der Stiftsgasa« fOhrte ; sie 
begriff also die jetzige Domgaaae in sieb und ist erst seit 1846 
auf der dem DomkreuzgangB - Gebäude gegenüberliegenden Seite 
wieder mit Häusern bebaut 

46. Domplatz wurde früher der Baum zwiaohen der Dom- 
oud der SeTerikirche genannt. UrBprfioglich war er der Fried* 
bof des Marienstiftes. 

47. Eimargasse, jetzt Eimergasse, biesa &tlher Meimai^ 
gasse und wird unter diesem Namen auflfUhrlicber besprocben 
worden. 

48. Elend ( platea Enelede trans KirBlaeam) biesa der 
Tbeil des an der inneren Stadtmauer binlUhrendan Wegea von 
der Johannisstrasse biB zum Kronenhurger Wehr. Jetzt wird 
£e SteUe meist von der Koblgmbe und der Weidengasse ein- 
genommen. (VergL Kircboff, Weisthümer S. 26 Anm. 118). 

49. Endleicb war der Name eines Platzes, welcher da 
1^, wo jetzt die Eettenstrasse , Grosse Arche, Faulstrasae und 
Langehrücke auf einander BtOBsen, Nachdem die ihn umgeben- 
den Bftaser durah die Feuersbrunst von 1736 serstärt worden, 
ging er beim Betablissement als Platz ein und wurde au den 
auf ihn mtUtdenden Strassen gezogen.- 

50. EngengassQ beisst jetzt Liliengasse. 

bl. Engengasse, Grosse, welche die Nenegaese und 
Löbei^era verbindet, führt, nachdem die vorwwähnte Gasse 
ihren Namen verändert, gegenwftrdg den: Eogengaase, ohne den 
Beisatz: Grosse. 



DictizedbyGoOt^lC 



— 43 — 

52. £ D g e Q g & 8 B I e i a iat der ältere Manie des sog. Teafels- 
gäasclieni oder, wie es jstat in der Kegel genannt wird, Fauat- 
gässcheDj der Verbindung der SchlfiBserBtrMie mit der Eleiaea 
Bornguse. 

53. FahnengasBe. Sie befand aicb in der Johuuüa- 
voratadtf doch iat ihre Lage oicbt genau zu ermitteln geweaen. 

54. Fallloofa, Am, Faulloch oder Tollloch (fona 
cUp|>eatorum> wedl aie am Ende der OaBse; Unter den Sohil- 
derem lag) hiesa die Stelle, wo der überdeckte Äbäuaa de« 
JdliuagrabenB ins Freie trat; es geachah dies beim sog. Petrus, 
an der nordwestlichen Ecke des Friedrich - Wilhehnsplatzea , da 
wo TOD diesem der Weg auf den Fetersberg fuhrt. In älterer 
Zeit kommt aie ala ein mit Häusern besetzter Fiats vor. Neuer* 
dinge ist das FalUocb gleichseitig mit dem aoa ihm abflieasen- 
den Kanäle cassirt 

55. Fingerlingsgaaae oder Fingerlergaaee (inter 
annulatorcB). Sie ging von der Nordaeite der am Domberge 
belegenen Fleischbänke, parallel mit der Nordseite des Qroasen 
Marktes (jetet Friedrich • Wilhelmsplatzea) bis sum Rubenmarkt. 
Sie kommt schon 1293 vor. Bei dem Bombardement von 1S18 
wurde sie zerstört und ihr Areal demnächst zu dem genannten 
Platze gezogen. Sie trug ihren Kamen davon, daaa liier die 
Goldachmiede wohnten, die mit Fingerlingen oder Fingerringen 
liandelten. DieKleine Fingerlingsgaase, später G-raden- 
gasse genannt, verband die Fingerlingsgasse mit dem Graden. 

56. Flecbtener Sand hiess sonst der Tbeil des Fiacher- 
sandes zwischen der Langenbriicke und der Hnndorfgasse. 
Er hatte dieee Benennung davon, daas auf ihm, wie ja auch 
theilweiae noch heutigen Tages, die Flechtener oder Korbflechter 
(Grimm, 1. c. III. 1740) wohnten. 

57. Fleischbänke. Hallen oder Buden, in denen die 
Fleischhauer ihre Waaren feilhielten, hat es in mehreren Gegen- 
den der Stadt gegeben. Die alten Fleischbänke befanden sich in 
der Kähe der St Fhib'ppus- und Jacobus- und der NicoUuakirohe. 
Die bis dahin nach ihnen genannte Gasse zwischen dieser 
Kirche nnd der Johannisatrasse eriiielt, als am das Jahr 1276 
die Augustiner Eremiten bei der ibnon eingeräumten Kirche 
St Philipp! et Jacobi sich ein Kloster baaten, den Nunen: 
Augoatinerstraase. — Andere, gleichfalls die alten oder auch 



— 44 — 

S. Hariae genannten FleiBehbänke befanden sich am grossen 
Markte, dem Friedrich - Wilbelmaplatie , -vor der AnhShe, aaf 
welcher die Severikircbe steht, Ewisohen der FingerliogegasBe 
und der Oasse: Unter den Schilderem. Die Gegend führte da- 
von den Kanen! Unter den FleischbAnken. Schon im Jabre 
1323 werden sie die alten Fleischbfinke in den Freisinsregistem 
genannt (antiquäo maoellae in par. S. Severi). Eine Abbildung 
von ihnen findet sich in Frieses Chronik II. S. 513 and in 
Fritz, Obren. S. 293. Im Jahre 1582 Hess der Kath sie durch- 
schneiden, damit man durchgehen und auf ihre Waare und Ge- 
wichte besser Achtung geben könne (Friese, I. c. S. 594). Auch 
sie wurden von dem Bombardement von 1813 betroffen und aur 
Vergrtisserung des Friedrioh-Wilhelmsptatzes verwendet. — Eine 
dritte Fleischbänke genannte Gasse bildete die VerhiDdnng 
zwischen der LangenbrUcke nnd dem Konnensacke. In den 
Freizinsregistern kommt sie schon 1350 vor. Gegenwärtig führt 
sie den Namen Femgaase. Der Steg, welcher von ihr nach 
dem Nonnensack hinüber führte, ist bereits 1364 erbaut worden. 
Die Langen Fleischbänke biese das Verbindnngsgässchen zwi- 
schen der Futterstrasse nnd der Eimergasse, ziemlich parallel 
mit der Östlichen Häuserreihe des Wenigenmarktes taufonci. 
Dasselbe ist zwar noch vorhanden, dient jedoch nicht mehr der 
ursprünglichen Bestimmung. — Von den an der anderen Seite 
der Erämerbrücke belegenen Fleischbänken wird weiter unten 
Bub voce: Jndenhot die Rede sein. 

58. Fleisohgasse. Von ihr wird, da sie die Fortsetzung 
der Gasse: Unter den Schilderen), gebildet hat, weiter unten 
gehandelt werden. 

59. Frauengasse vide Halbemondsgasae. 

60. Futterergasse (Platea pabnli oder pabulatornm) jetzt 
Fotterstrasae genannt, hat ihren Namen davon erhalten: dass 
die Futterer oder Futterhändlcr (pabnlatores), welche das Fferde- 
futter, namentlich den Hafer, verkauften, und allein befugt waren 
Fntterkaeten zu halten^ die jmviligirten Fnttsrhändier (Grimm, 
L 0. IV. 1078, I. 3), hier ihre Verkaufsstätten hatten. Uebrigena 
wurde die Fortsetzung der nördlichen Häuserreihe bis zur Erä- 
merbrücke, die jetzt zum Wenigenmarkt gehört, friUier mr 
FuUerslraBse mit gerechnet. 

£L Garten, Botaniseber. Ursprünglich hatte die medi- 



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— 45 — 

ciniscbe Facultfit der UniverBität einen am Erätnpferthore be- 
legenen Qarten zam bortne medicuB benutzt, im Jahre 1756 
wurde derielben aber Tom EnrfQreten Johann Friedrich Karl ein 
Theil des Stadtzwingere an der Angnstmaaer, däBsen Benatznng 
bis dahin m den Emolumenten des ersten Eammerraths gehört 
hatte, Bum Botanischen Garton überwiesen. Dieses Qrundsttlck 
hatte aber nur die Grösse von IJ Äcker und ging nur TOn der 
Löberstrasse bis etwa der Schafgasse gegenüber, wo sich das 
cbemieche Laboratorium bebod, das zu der nämlichen Zeit mit 
Bentttiang des Materials eines abgebrochenen Stadtmauerthur- 
mes erbaut worden. Da dieser Raum zQ beschränkt war, als 
daea er allen an ein solches Institut zu machenden Anspr&chen 
h&tte genügen können, so kaufte die Universität im Jahre 1809 
von der französischen Regierung noch dae 3j Acker enthaltende 
Ornndstück bis zur Bahnhofstrasse , das gleichfalls einen Theil 
des früheren Zwingers bildete, hinza. In diesem Zustande wurde 
der Botanische Garten auch nach der Aufhebung der Univer- 
sit&t erhalten, war aber bei dem geringen Nutzen, den er ge- 
wfihrte, eine grOBse Last für den Universitätefonds , der die sieb 
auf beinahe lOOO Kth. jährlich belaufenden Unterhaltungskosten 
zu tragen hatte. Die Regierung hielt es daher im Interesse des 
gedachten Fonds für zweckmässig, sich dieses Besitzes zu ent- 
ledigen. In welcher Weise dies geschehen, und dass dies die 
Veranlassung zum Entstehen des unteren Theiles der Garten* 
Strasse gegeben, ist bereits früher erwähnt worden. 

62. Gasse bei dem halben Giebel, die jetzt den Na- 
men: Langengasse, führende Verbindung zwischen dem Anger 
und der Fleischgasse. Sie hatte den Namen von dem Gast- 
hause : der preussische Hof, der nach seinem ÄeusBern im Volks- 
munde der halbe Giebel hiess. 

63. Gasse an der Mauer hinter der Hamsterbarg, 
führte apfiter den Namen Ltibermauer und bildet jetzt den oberen 
Theil der Gartenstrasse. Von der Hamsterbarg, die ihr den 
Namen gegeben, wird weiter unten in dem Abschnitte, der TOD 
den Bauwerken handelt, die Rede sein. 

62. Gekröse biess der früher unbebaute Platz längs der 
Gera, am sonstigen Ende der Burggasse. Wie Wemebnrg (Bei- 
träge zur Thüringischen und insbesondere zur Brfnrt. Gesch. 
in den Mittheilungen des Vereins für die Gesch. v. Erf. Heft X, 



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- 46 - 

S. 1S4) glaubt, muss der Name eigentlich Oekreeee laaten, in- 
dem er einen Ort bezeichne, wo viel Erease wichst Die von 
dem angegebenen Platze in der Richtung der Bnrggasse Ahrende 
BrKcke hiees: QekrÖBbrUohe, 

65. OekrÖBgaese aber die Gasse von die§er Brücke bis 
sar BrfihleretraBie, die gegenwärtig, bedeutend verbreitert, einen 
Theil der Bnrggasse bildet 

66. G-eorgskirchhof biesa der den 'HiurtQ der ehemaligen 
Oeorgakircbe umgebende Platz. Nachdem derselbe parcellirt nnd 
bebaut worden, haben die auf ihm stehenden HSaser den Na- 
men Georgsgasse erhalten. 

67. Gera, Auf der, ist der Name, den die jetzt Lüber- 
gers benannte Strasse in frQbereT Zeit gefllhrt hat. 

68. Giselmannsgasse oder Giiilmargasse Ug im 
Vierte) 8t Viti, anfem der Harkgrafengasse, und bildet jetzt 
einen Theil der Regiernngsatrasse. Sie wird schon in den Frei- 
zinsregistem von 1378 und 1416 erwähnt. 

69. Glockengieasern, Unter den. Die Verbindung 
zwischen dem Endleich nnd dem grossen Markte. Sie wurde 
beim Brande von 1736 zerstört Jetzt befindet sich hier die 
Eettenstrasse. 

70. Gotthard, Bei St, hiese &aher der Theil der jetzigen 
Gotthardstrasse zwischen der kleinen Schottengasse nnd der 
Johannis str a s s e . 

71. Graden, Vor dem. Graden, nach dem lateinischen 
Worte gradus, Treppe, hiessen die von der Ostseite zum Dom 
nnd zur Severikirche hinaufmhrenden breiten Stufen. Der vor 
denselben liegende Platz, der jetet die kleinere stidSstliche Hälfte 
des Friedrich -Wilhelmsplatzes bildet, hiess hiemach: Vor dem 
Graden, oder auch wohl nur: der Graden. Seine riehtige Be- 
nennung war aber die des Grossenmarktes. Er wurde firflher von 
einem Eaniüe durchschnitten der ans der jetzigen Domgaasn 
kam, sich etwa da, wo gegenwSrtig der Obelisk steht, in awei 
Arme theilte, von denen der eine dem Falloohe, der andere der 
Marktstrasse zufloss. An diesem letzteren lag das Zollhaus, 
der Galgen, der Gack oder Gackschapfen (der Pranger) nnd 
das Trillfaans. — Eine Abbildung des GradenS nach seinem Zu- 
stande im Jahre 1680 mit den beiden anliegenden Krchen in 
Fritz Chron. S. 169, 160. 



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— 4? — 

72. Graden, Vor dem kleinoren, (ante gradns tnino- 
ras) war der Name der Stelle, tod der aus die kleinere Dom- 
treppe fatnanfging. 

73. Grdnbacken, Bei den. Es ist dies das bereite nnter 
Nr. 13, da BeiaName auch in der Form: Bei den grünen Backen, 
Qblich gewesen ist, erwähnte VerbindungsgSsechen der Bahnhof- 
Btrasse mit der MUhlgasse. 

74. Hahaebacb, Auf dem, wnrde der Theil der Martina- 
gaase genannt, an dem sich gegenwärtig die Qewelirfabrik be- 
findet. Doeb bat diesen Namen auch ein in der Nähe der b. 
Brnooenkircbe befindliches Gässchen geführt 

75. Halbmond- oder FranengasBO. Sie ging vom 
Graden bis an die über den Bergstrom tUbreode BrUoke in 
der Richtnng auf den Fiscbersand, jenseita deren sie mit der 
HandorfsgBBse zusammen stiess. Ihre noch vorhandene östliche 
Häusereihe bildet jetzt die eine Seite des ÄrtUlerieplatzes, in 

. der sich das Kaieerl. Postamt IL befindet und die jetat zum 
Friedrich -Wilhelmsplatse gerechnet wird. Den Nameo Frauen- 
gaBse führte sie im 15. und 16. Jahrhundert davon: dass sich 
in ihr das weiter unten zu erwähnende Frauenhaus befunden 
hat. Nachdem dies eingegangen war, erhielt sie von dem an 
ihr belegenen Gasthause: Zum halben Monde, den Kamen Halb- 
mondsgasse. Zuerst hatte sie den: Meder- oder Metergasee 
geführt (Friese, I. c. I. S. 230; Beyer und Böckner, 1. c. S. 189, 
218). Nachdem ihre westliche Häuserreibe bei dem Bombarde- 
ment von 1813 zerstört war, und nicht wieder hergestellt wurde, 
entstand der dort jetzt vorhandene Platz. 

76. Hasengasse (Platea leprorum) hieas &-(iher die jetzt 
Stadentengasse genannte Verbindung der Micbaelisstrasse und 
des Krenzsandes. 

77. Hechelgasse war der Nnme eines den Anger, da 
wo dieser an die Neawerkatrasse stösst and die Hirscblache 
▼erbindenden Gäeschens, das eine Fortsetzung der Schafgasae 
bildet-nnd jetzt an dieser gerechnet wird. 

78. Hefengasse. Sie bildete die Verbindung zwischen 
dem Platse an der Judenschnle und dem Benedictplatze. Die 
zn ihr gehörigen H&nser sind gegenwärtig unter der Bezeich- 
nung HQbLstege mitbegriffen. 



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— 48 - 

79. Heller, Letzter, biessen dio Gebäude, die am £nda 
der Ungabeuren Qaaae, der jetzigen LuiseDetraBse , an den bei- 
den nacb der Kartbfiusermiililo t^brenden Stegen logen, gegen- 
wärtig Dammweg Nr. 1. Ibren Nunan führten sie, wenigatens 
in apSterer Zeit, einigarmasBen mit unrecbt, da die Nummerimng 
der Hänser, als sie durch die ganse Stadt ging, hier ihren Än- 
tang genommen hat. 

80. Heringern, Unter den, biesg eine kurze von der 
sfidlicben Ecke der Marktstrasse bis znm Fnedricb-Wilhelms- 
platE führende Strasse, weil in (rUherer Zeit die Heringsvei- 
kXufer hier ihren Stand gehabt hatten. 

81. Heuscbeuergssse oder Gasse nach der Heu- 
scheuer ist die jetzige Wsllstrasse. 

82. Heuschrecke, Auf der, die Verbindung zwischen 
der Taabengasse und der HQtorgasse, jetzt Schildgasse Nr. 5 
and 6. 

83. Hirschlacbe hinter Weiesfrauen fÜhrt'gegen- 
wärtig den Namen: Weiesfrauengasse. 

84. Hirschlacbe, Ober-, der TheÜ der jetzt den Na- 
men Hirscblschufer führenden Strasse von der Löberstrasse bis 
hinter die Görmersgasee, die Hfiuser Nr. 31 — 61 umfassend. 
Die Verbindung mit der Gartenstrasse ist erst seit wenigen 
Jahren hergestellt, 

85. Hirschlacbe, Unter-, jetzt HirschUcbufer Nr. 1 
bis iVi, von der Löberstrasse bis zur Kronengasse. 

86. HöfengfisBcfaan, Hefergfisschen &Üher , oder : 
Unter den Hefenyerkäufern genannt, war ein kleines die 
Fingerlingsgasse und die Gasse Unter den Schilderern am Fall- 
loche verbindendes Gässchen. In Folge des Bombardements 
Ton 1813 ist es verschwunden. 

87. Höhenspiegel ist schon oben Nr. 17 unter dem Na- 
men BarfQsser Steinweg besprocben. 

88. HobetbUrgasse. Das der Grafengasse gegenfiber 
vom Anger abgehende VerbindnogsgässchaD mit dem Hirsoh- 
Ischufer. Es wird gegenwärtig zur Eeilhaaergasse , deren Fort- 
setznng es bildet, gareebnet 

89. Hoheweg, der, (alta via) wird sieb im Judenvicrtcl 
befunden haben, da ein darin belegenes Hans einem Jaden ge- 
hörte. 



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— 49 — 

90. Bolzhanargiisae ist der uraprOngticIie Käme der 
gegenwftrtigen HolsbeienatrasBe. 

91. HolzBcheaer, Bei der, hiess der Platz am antera 
Ende des Oartens des Grosten Hospitftls, an welchen die 
oeoe von der Johsnnisetraeae nach dem Schlacbthauae führend« 
Bra«ke stösat. 

92. Hosengasse oder In derHoae ward bia zam Zvt- 
aammentritt des Erfurter ParlanieDta die jetzt den Namen: 
Kirchgaaae, fahrende Verbindung zwiacben der Comtburgasse 
tmd der AngastinerstraBBe genannt. 

93. Hoaenmachern, Unter den, eine zwischen der 
LangenbrUcke and der Arche gelegene Gaaae, die bei dem 
grosBen Braode 1472 zerstört wurde. 

94. Hoapitalgraben, An dem, hiesa früher der Theil 
der Krämpferroauer zwischen der MohreDkopfagaaae und der 
Heiligengrabesmülilgasse. 

95. Hügel, Auf dem, ehemaliger Käme der Bügelgaase. 

96. Hatern, Unter den (Platea pilatorum, Hutmacher- 
atrasse), jetzt Hutergasse genannt, hatte den Namen davon, dasa 
die Verfertiger von Hüten, sowohl für Ufinner als fär Frauen, 
bier ihre Verkaafastände hatten. 

97. Hundgasse. Es ist bereits unter Nr. 22 bemerkt, 
daas die orsprünglich BUedengasae, jetzt Glockengasse genannte 
Straaae, eine Zeitlang diesen Namen gefahrt hat 

98. Hundequergasae jetzt Glockenquergaaae. 

99. Honersgasae iat der uraprODgliche Name der Hun- 
dorf sgasae. 

100. Johannisthor, An der Haner bei dem, diesen 
Namen f^rte nicht nur die Jobanniamaaer von der Heiligen- 
grabeemOhlgasae bis zur JohanmBBtrasse , sondern auch deren 
Fortaetsnng Über die letztere Strasse hinaus bis an das s. g. 
Eflend, das gegenwärtig, wie bereits unter Nr. 48 angeführt wor- 
den, theilweise von der Eoblgrube eingenommen wird. 

101. Johannisthor, Vor dem, oder Jobannisvor- 
Htadt, ist der Tbeil der Jobaunisstrasao von der Johannia- 
brttcke, wo das innere Johannisthor stand, auf welches sich 
jener Mame bezog, bis zu dem jetzt auch abgetragenen änaaerea 
Johanniathore. 



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— 50 - 

102. JobanniBwall hiesB die Strasse läagi d«m Wall« 
vom äusseren Johannisthore bis za dem: Bei der HobsBohener, 
genannten Platae, wo aia an den Kr&mpferwall anstiesd. 

103. Judenhof oder Sohulhof biess der Platz am Breit- 
Btrom, wo jetBt die Jndenschole steht; doch iBt auch der alteo 
jUdiechen Begräbnissstätte vor dem Moritzthore dieser Name 
beigelegt worden. 

104. Judenhat (Platea judoornm.oder inter jadeos) hiess 
ein kleiner Platz oder vielmehr ein kurses Qässchen, daa zwi- 
schen der ErämerbrUcke und der Kraut- oder EreuzgasBe lag. 
Nach Vertreibung der Juden, die bis dabin dort ihre vier Fleisch- 
bänke gehabt, mietbeten die Fleischer diesen Platz von dem 
Ratbe, um daselbst ihrerseits Fleischbänke zu errichten und 
mussten hierfUr eine Abgabe zahlen, welche gleichfalla den Na- 
men Judenbut führte. 

105. Juristenschule, Bei der, wurde früher der un- 
mittelbar an die Brücke über den Berg ström s tossende Theil 
der Mainzerhofs trasse genannt. 

1U6. Kannengiessern, Unter den, war in der Aller- 
heiligenparochie belegen. 

107. Eäsemarkt (Forum caaeorum). Er kg in der Ge- 
gend des Neuenwerkes. Es befanden sich auf ihm u. a. die 
Häuser zum „Neuen Stern" und zur „Neuen Stube". 

108. Kästnern, Unter den. Baden, in denen die Käst- 
ner (Kaatenmacher, Tiacbler, vid. Stieler, S. 934; Grimtn, V. 
col. 2TM) ihre Waaren feil hielten. Sie lagen vor dem Graden. 

109. Kartbaus, Auf dem, war eine Bezeichnung, die 
früher der Strecke von der Karthäuser- bis zur LöberstrasBe 
gegeben wurde. Sie erhielt später den Namen: Rohlenmailt, 
und bildet jetzt einen Tbeil der Karthäuflerstrasse. 

110. Karthäuser Mfiblweg. Es war dies der früher 
meist unbebaute Weg längB dem Walle, der von der Kartbftaser 
Mühle, dem PfÖrtchen und dem Karthänser Kloster vorbei, bis 
zum Kohlenmarkte föhrte. Gegenwärtig trägt er den Namen: 
KarthäuBerstrasse. 

MI. KartbäuBer Steg jetzt Karthäuser Ufer. 

113. KartbäuserBtege, Vom, bis ans Karthaus, 
biess die jetzt von dem Hopfenberge, der da lag, wo sieb nun- 
mehr das katholische Krankenhaus und das Harienstift befinden, 



— 51 — 

Hopfengaiae genannte Verbindang zwischen di'in Karthäuser 
Ufer and der Karthäufieratraase. 

113. Katzengrube, die (Fovea dicta Catzengrabe). Sie 
Iftg Tor dem Graden in der Käte der Salzköten. 

114. Eaufmanns&trassej wurde bis in die ncaeste Zeit 
die dem weetlichen Giebel der Kaufmanarkirche gegenüber lie- 
gende Häuserreibe von dem Kuntze'echen Hanse bis zur Eimer- 
gtise, gegenwärtig Änger Nr. 73 — 79, genannt. 

115. Kerbgaase vid. Eorbgasse. 

116. Keaaelscbmieden, Unter den (Unter den KeBze- 
lern, Inter oaldariatorcs) kommt in den FreizinBrcgistcrn 1321 — 
1359 vor, ohne dass sieb daraus die Lage ergäbe; doch ist die 
BeBeichnang wohl identisch mit der: Unter den Kupferschmieden. 

117. Kirchhofgasse heisat das neuerdings erheblich ver- 
breiterte OäsBchen, was unfern der Ällerheiligenkirche die Markt- 
atrasse und die Allerheiligenstrasae verbindet. Es iithrte seinen 
Namen davon: dass es länge der Mauer des früheren Allerhei- 
ligenkirt^hofs ging. Im gemeinen Leben wurde es hin und wie- 
der eben bo wie das swiscben der Sctdösseratraase und kleinen 
Bomgaase: Fauatg&sschen, genannt 

11&. Kittel, Im, war der frühere Name der Kittelgasse. 

119. Elappe, Auf der oder die Klappe war ein mit 
einigen Stufen versehener, von dem Fallloche nach dem Severi- 
hofe ftfarender Aufgang, da wo sich gegenwärtig der Eingang 
zum Treitscbke sehen Keller befindet. Die Gegend vor dem Se- 
veriberge bei dem Fallloche und den Fleischbänken biess: An 
der Klappe. Daa Krnmmhaua lag daran. 

120. Kiopfgaase, früher ScballanergaESo genannt, die 
den letzteren Namen von den Schallauern, den Vorfertigern von 
Scbalott (chalon), einem feinen geköperten raachartigen wollenen 
Zeuge (vid. meine Rednction von Erfurt, S. 341) trug, lief pa- 
rallel mit der Neuengasse und dem Walle, zwischen beiden, von 
der Eittelgaase bis zum Spielberg, der jetzigen Babnhofstraase. 
Bu der Anlage des TbUringer Bahnhofes wurde sie zu diesem 
eingezogen. 

121. Kockspiegel ist der frühere Name der jetzt: Ta- 
sche, genannten Gasse. 

122. Koblenmarkt. Der zwischen dem Ktu-tbäuser Ufer 
und der LSberstrasse belegene Theil der Kartb&userstrasse. 



. Coo^^lc 



123. Korbgasae oder Eerbgasse, war der N«ma, wel> 
chen in einer apätereo Zeit die auf der OatsBite der Johsnois- 
Strasse cwischea dem Johanniskirchhof and der Jobannismauer 
befindliche Sackgasse trog, deren Häaaer nanmehr die Naramem 
128 — 131 der Johanniastrasse bilden. Frtlher biess sie: In der 
Aschengrube. 

124. Eornmarkt hiess sonst der zwiachea der Qross^i 
Arche und der Allerheiligenstrasse einerseits nnd dorn EViedricfa- 
Wilhelmsplatz andererseits belegene Thei) der Marktstrasse. 

125. KrfimerbrUcke, Vor der (Ante pontem mercato- 
mm), hiess frtlher der Benedictsplatz , wie bereits bei Kr. 18 
erwähnt ist. 

126. Krämpfer Thor, Vor dem, oder Kr&mpfervor- 
atadt hiess der zwischen der KrSmpferbrUcke , neben welcher 
einst das innere Er&mpFerthor stand und dem gegeowfirtig aach 
abgebrochenen äusBeren £rSmpferthore belegene Tbeil der Krfln- 
pforstrasse, jetet 20 — 59 derselben. 

127. Krämpferwalle, Am. Der längs dem Walle von 
der HoBpitalscheuer, wo jetat die direkte Verbindung mit dam 
Schlachthauae eingerichtet ist, bis zum Krämpferthore ßlhremde 
Weg. 

128. Kraut- oder Crucisgasse hiess früher die jetzige 
Erenzgasse (sie wird schon 1293 erwähnt), 

129. Kraut' oder Crucisstegen, Bei den, aber der 
jetzige Kreuzsand. Doch bat auch die jetzige Mttllersgassa in 
früherer Zeit den Namen: Kraut- aber aach den: WohlrdieD- 
gBBse, geführt. 

130. Krambnrg, In der, war der orsprttngliche Nam« 
der jetzigen Kronenburgsgasse, die in der nmtesten Zät durch 
eine Laufbriicke mit der Venedig genannten Strasse in Verbin- 
dung gesetzt worden ist. 

131. Krumbausgarten, Vor dem, faiese der Baum swi- 
Bchen dem grossen Markte (.Friedrich-Wilhelms-Platze) nnd den 
Severiberge, auf welohem sich die 60 Schusterbänka befanden. 
Der Name leitete sich von dem auf dem gedachten Berge ste- 
henden Krumhaiise, dar ursprünglichen erzbischöflichen Resi- 
denz, her. 

132. KapferhammermüblgasB« war der frttbere Name 
des längs der KUrtinskaaerne vom Bargstrom bis zur UutioB- 



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- 68 — 

guu ftUtrendeo GOatcheBa, daa Qoiunehr xu dieser gerechnet 
wird. 

133. KnpferscImiifldflD, Unter den (Inter cnprofabros) 
oder Unter den Plsttencrn (Brusthamiach - Verfertigem), war ein 
engea GäsBchen, daa von der StunEengasae nach dem Endleich 
ftthrte, £8 brannte 1736 mit abj der Ornnd nod Boden wurde 
beim Betablieaement mit zur Langenbrtlcke gezogen. 

134. Langeateg (Longae themae). Dieeen Namen oder 
den dea Ungeheurenategea (Vngehnren Stegen) wie aie in 
den ftlteren Zinaregiatem heisat, führte früher die jetzige Schlöe- 
aerbrUeke, and zwar mit Recht, da sie nur eine Fnaagänger- 
brficke war, neben welcher fUr Fuhrwerke eine noch wshrnehro- 
bare Fuhrt Ton der Ecke der SchlöaBeratraHBe und des Junker- 
aaodea nach der Rathhauagaase ging. Erat nachdem der Steg 
durch die Feuerabronat von 1736 zeratfirt war, wurde er ala 
FafarbrBcke wiederbergeatellt , damala jedoch nur theilweiBe und 
zwar mit zwei gemauerten Bogen. Ihre gegenwärtige Gestalt, 
wo sie ganz aua aolcben besteht, hat sie erst bei einem um 
1850 vorgenommenen Umbau erhalten. Die früher: Beim Lan- 
genstege, genannte Strasse Mldet jetzt einen Theil der Neuen- 
straaae. 

135. Lappenberg oder Beppenberg. Diesen Namen 
fährte die westliche Häuaerreihe des Kubenroarktes , zwischen 
der FingerliogBgaase und der Gasee; Unter den Schilderem. 
Nach den Verrechten bestand sie 1500 aus einer Reihe von 13 
an einander bSugeoden Hftnaerchen. Nachdem sie beim Bom- 
bardement 1813 zerstört worden, ward ihr Areal zur Anlage 
des Luiaentbales mit verwendet. 

136. Lanengaase (Platea leonum). Sie begann am ehe- 
maligen Lauenthore und fUbrte am Fuase des Peteraberges bis 
in die Nfthe des FalUochs, an die Stelle, welche den Namen: 
der Petrna, trug und wo die anf den Peteraberg in Allerer Zeit 
hinauf f&hrenden , 1350 angelegten Stufen begannen. Wie Här- 
tung in seiner Häuserohronik (Tb. II. S. 143) bemerkt: ergeben 
die GeacfaoaBhücher von 1493, daas sie dicht und zum Theil mit 
ansehnlichen Hänsern besetzt gewesen sein musa, indem daeelbst 
eine ziemliche Anzahl von llauabeBitzern, die meist dem Patri- 
ziat oder doch den besseren Stfinden angehörten, aafgefUhrt ist. 
Sie ward bei der Umwandlung dea Petersberges io eine Gita- 



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— 54 — 

delle 1667 zugleich mit dem Thore, von dem aie ihren Nunen 
führte, abgebrochen. 

1A7. Lniirentii, Bei St., oder Zn St. Lorenaen hiesa 
der Theil dnr SchlöBBeratrasBe toid Anger bis bot Püm: Den 
Namen: SctilösBergaase führte nur die Strecke von jener bis 
zum Langen Stege. 

138. Lehmans (Limmas-, Leomanni' oder Liinm> 
ricli8)brticke. Auf der, hiess die jetst xur Aagaatioerstrasse 
^■'hörende Häuserreihe zwischen der genannten Brücke and der 
Michaelisstrasse. Die Brflcke wurde im Jahre 1342, nachdem si« 
von einem Hochwasser zerstört war, steinern gebaut, die 
Strasse aber, die in den Freizinnregistem schon beim Jahre 1293 
vorkommt, 1447 gepflastert. 

139. Lingaden, die, d. i. VerkanfsteUen von Linnen. 
Sie befanden sich vor dem Bathhanse neben den Tuchaahlitzeni 
und bestanden aus zwei Leinwand bnden and drei Apoth«ken, 
d. i. Materialwaaren- Handlungen. 

1 40. Loche, Im, war in alter Zeit der Mama der LObei- 
Vorstadt. 

141. Löber (oder Löwer)brücke, Auf der, hieu dsi 
Theil der jetzigen Löberstraase von der ItöberbrQcke bia tnr 
Meuwerkstrasse. Er hatte seinen Mameo davon erbalten, daai 
die Lßber oder Lober, d. i. die Lohgerber (Grimm, Wörterb. 
Band VI. col. 1083) dort wohnten. 

143. Löber (oder Löwer)thor, Au der Uaaer bei 
dem, später Löbormauer genannt, war der Weg, der von 
der Löberstraase bis zum Neuwerke führte. An ihm la^ die 
Hamsterburg, weshalb er auch, wie bereits angeführt, den Na^ 
men: Gasae an der Mauer hinter der Hamsterburg, führte. In 
übrigen war er früher auf einer Seite unbebaut, auf der andern 
nur von Hinterhäusern oder Gartenzftunen begränzt nnd hat 
erst in neuerer Zeit die ihn einfassenden Wohnhäuser erhalten. 
Gegenwärtig bildet er den oberen Theil der Gartenstraaae. Doch 
ging er nicht an der jetzigen Stelle von der Löberstraase ab, 
vielmehr ist der gegenwärtige, tu der Richtung des onteren 
Tbeils der Gar tun Strasse belegene Darchachneidungspankt durch 
Abbruch eines Hauses (Nr. 1853 nach der abemaligen Z&UuDg) 
erlangt. Die frdhere Richtang ist aber noch erhalten; es ist 
dies die Gasse, welche von der Oartenitcasse Abgebt and die 



- 66 - 

LSberstruie «twa dem Qsstbaase zam achwanen Adler gegen- 
über trifft. 

143. Löbertbor, Vor dem, oder LSbervorstadt hiesa 
bis TOT EarEem der Theil def Löberstrasse von der Wilden 
Gera b» zn dem jetst abgebrochenen (aoaseren) Löbertbore 
(Nr. 8 — 57). Wie bereite unter 141 angegeben*, fUbrte sie in 
Klterer Zeit die Benennung: Im Loche. 

144. Lohbank oder Lohbankstrasae hioBs die vom 
Anger nach der Löberttraase führende Strasse, die gegenwärtig 
einen Theil <far ^eu werke Strasse (Nr. 1 — 10 und 50 — 52) bildet. 
Sie war nrsprQnglich voIIatSndig auf beiden Seiten mit Häusern 
besetst Der gröa»te Theil derer, welche die nördiiehe Flucht- 
linie bildeten, wurde aber, wie schon erwähnt, 1728 abgerissen 
om den Platz zu gewinnen > auf welchem der Hirscbgarten an- 
gelegt ward. Die Lobbank führte ihren Namen davon: dass in 
Ihr der auaac blies sUche Verkauf der Lohe stattfand und dasa 
sie, ebenso wie die anstoasende Löbergasse, von Lohgerbern 
bewohnt war, die eich zu ihrem Geschäftsbetriebe der vorbei- 
fliessenden Hirschlache bedienten. 

145. Luiaenthal war eine auf einem Theil dea Raumes, 
den die beim Bombardement 1813 zeratörten Strasaen eingenom- 
men, geschaffene Parkanlage, die sich vom Friedrich -Wilhelms- 
platze dem Fussa des Petersbergoa folgend bis zur Andreas- 
Htrasse bin erstreckte. Es befand sich in ihm ein kleiner Teich 
mit einem Inselchen, der Luiseninael. Nachdem der Platz Sei- 
tens der Stadtgemeinde an den JustizfiBkua verkauft resp. ver- 
tanscht worden, ist auf demselben das Landgerieht und Qerichta- 
geHlngniaa erbaut. 

146. Mainzerhofmühlgasse ging zwischen dem Nain- 
zerhofe und dem Mllitairholzhofe von der Mainzerhofstrasse 
bis zum Bergstrom. Gegenwärtig steht dort die Gewehrfabr^k. 

147. Mariengaaae. Sie lag vor dem Graden (Eirchboff, 
Erfiirt im 18. Jahrb. S. 68) und iat identisch mit der unter Nr. 
76 aufgeführten Frauen- oder Halbcnmondagnsse. 

148. Marien-Magdalenengasse ist der Name, den in 
i^terer Zeit von der darin befindlichen Marien -Magdalenen- 
Knpelle die jetzige Rumpetgaese geführt hat. 

149. ifarkgrafengaese (Platea marchionia) existirt zwar 
noch unter dem trüberen Namen, masa hier aber erwähnt wer- 



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- M — 

dcD, weil rie in verguigeiiw Zeit ai&e viel grSMore Aiudeknnng 
gehabt bat, di»t jetsige MantjdlgaHfl in aicb begriff, in die Bar- 
fKaientraase mftndat« ond eine anaebnHcbe Straaae war, ia der 
■nter «Ddern da, wo aicb jetzt die Reitbahn befindet, daa Gaat- 
bauB zun grüDen Schilde, daa im 16. und 17. Jahrhundert f&r 
das Tomebmete Gaathane der Stadt galt, Ug. 

150. Markt, der groaae. Ein Tbeil daa jetzigen Fried- 
rich 'Wilhelmsplatzes. D* er aocb den Namen: der Graden, 
führte, so ist seiner bereits Nr. 72 niher gedacht worden. Im 
Gegensatz zu ihm hiess der an der Krimerbrflcke gelegene 
Pinta der Kleine (Wenige-) Markt 

151. M&rtinsbrQhl, In dem, die jetzige BrQhleratrasse 
von der Martinagasse bis snr Bor^aase. Erbard (1. o. S. 161) 
behauptet jedoch: dass alles, was man jetzt nnter dem Namen. 
Brühl, Tersteht, frQher den Namen: Martinsbrfihl, gef&brt. 

1.52. MartinsgSsBchen lag tn der Nfthe der Kirche 
Martini intra, and verband diese mit der Predigerkirche. Sie 
wurde durch die Fenerebrnnst von 1736 betroffen und beim Re- 
tablissement beseitigt. 

153. Martinsgasse war ein früherer Name der Neaen- 
strasse von der in ihr befindlichen Kirche S. Martini intra. 

154. Meotlerstrasae (Strata der Menteler. Uenteler 
gleich Kleid erhandlet, TrSdler. Lexer, Mittelhocbd. Taschen- 
wörterb. S. 115). Sie kommt bereits im Freizinsregister von 
1393 vor, doch ist ihre Lage nicht nfiher bekannt. 

155. Meimergasse, Wie bereits Nr. 47 angeföhrt, hiess 
die jetzige Eimergasse ursprünglich: Meimergasse, MeigODbergei- 
gasse oder Meyenberggasse , auch Meinhartsgasse und hatte 
wafarsoheiolich von der Familie Mejrberg den Namen. Den 
gegenwärtigen scheint sie, nachdem sie 1216 bei einer Feuers- 
brunst zerstört worden, erhalten zu haben. 

156. MettengBBse oder Mettergasse hiess ein Giss- 
cben, das von dem Friedrich -Wilhelmsplatae ans zwisohen Nr. 
17 and 18 desselben in der Kicbtnng anf die Grosse Arche, da 
wo die Kleine Arche in dieselbe mlhidet, gefUhrt hat, ^arton^ 
I. c. I. S. XXXVIIt. Doch wird die Richtigkeit dieser Angabe 
Ton Beyer und Btlckner, Geschichte der StiftBkirchA B. H. V. 
S. 189 Anm. 3 in Zweifel gestellt) 



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— »7 - 

157. Hilohgatse war der Name, den bis io die neueBtil 
Zeit die Batbhausgaeae trng. Früher be&nd iich hier die PUtea 
Jadeonim. 

158. Histe, Äof dem, war der alte Name der Qottbsrd- 
■tnwsa von der ErfimerbrQcke bis zar Kleinen Schotten- und 
HoragaaBe (Nr. 27—38). 

159. USnchamarkt ist die ursprttngliche BeneoDong de« 
Wenigenmarktes. 

160. Mohrengasse jetat Hohrenkopfgasae genannt. 

161. Moritztharm, Vor dem, hiesa früher der Theil 
der Moritzgasse von der Hundsgasse (Glockengasae) bis snr 
Grossen Ackerhofsgasse. 

162. MUhlgasse war ein Name, der mehreren Gassen, die 
SU Hfiblen f&brten, insbesondere ancb der jetzigen Furthmflhl- 
ggase und Mittelmühlgasse, gegeben wurde. 

163. Mflhihof hiesB der kleine Flstz zwischen der Uarkt- 
Strasse und dem Mühlstege, dessen Häuser gegenwärtig zu dem 
letzteren gerechnet werden. 

164. Die Müblbofsgasae, bei welcher dies ebenso der 
Fall ist, ging von dem Benediotsplatze bei der Hefengasse (jetzt; 
An der Jadenschule) vorbei bis zum Mühlstege. 

165. Neidecke, Aaf der, hiess früher die Gasse, die 
vom Junkersande nach der Pilse flihrt und jetzt Bupprechts- 
gasse genannt wird. 

166. Neidhart oder Niedhart lag im Marienviertel in 
der Nähe der Stunzen- und Hundorfsgasse. 

167. NeuebrQcke. Diesen Kamen erhielt der Langesteg, 
nachdem er in eine FahrbrUcke verwandelt war. Erst später 
wurde er: ScUSsserbrücke genannt. 

1^. Neuegssse ist der Name, den die Hospitalgaaae in 
älterer Zeit geführt hat. 

169. Neustadt (Nova civitas) hiees bis zur neuesten Zeit 
der ThfliI der Reg:iemnge8traase von der Eichengasse und Langen- 
brficke bis zum katholischen Waisenhause und städtischen Ban- 
hofe, wo jetzt die WilbelmsbrUcke sich befindet (Nr. 14—69). 
— Es ist schon früher erwähnt: dass bis zum Jahre 1198, wo 
das Kloster der regnUrten Augnstinernonnen in diese Gegend 
verlegt wurde und den Namen: Neuwerk und die an ihm be- 
legene StraPte den; Neuwerkstrasaej erhielt, der gani« Stadt- 



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th»U swiicben BraiUtrom, LaogebrQcke, Hirscblaelie und Wilde 
Gar» : Nanstadt, genannt vorden ist. 

170. Noonensackj Auf dem, der jetat zur IfonaaB- 
gssse gerechneta kleine Platz swiecben dieser, der Schatten- 
irandsgaase nnd dem Xonnenatege. Er hat davon seinen Namen, 
dass, wenn nicht überhaupt da« Kloster der Magdalanen-Nonnen 
oder Weissfranen erst von bier anf den Anger verlegt ist, sich 
doch ein demselben gehöriger, unter der Aufsicht einiger Können 
stehender Hof hier befunden , nnd dasa der nach der Femgasse 
führende Steg nrsprÜDglicb nicht vorhanden war, der Fiats mit- 
bin eine Sackgasse bildete. Erst 1364 wurde lant Stadtrech- 
nung der Steg gebaut, der die Verbindung mit der Langan- 
brficke herstellte. 

171. Oberlöbern, Unter den, ist die auch Oberbirscb- 
lacbe genannte StrasBe, von der schon Nr. 85 die Rede war. 

172. Oelmfirktchen, Ein kleiner Platz, oder richtiger: 
eine Gasse, zwischen dem fMschersande und dem Bergslrome, 
parallel mit der LangenbrUcke. Er war nur durch die ihn um- 
gebenden GrundstUcke zugänglich nnd ist neuerdings parcellen- 
weise in den Besitz von deren Eigenthümern gekommen. 

173. Panl, Unt(;r St. Ursprünglicher Name der Pauls- 
stragse. 

174. Paulinergasse hiess die von der Paulsstrasse pa- 
rallel mit der Schattenwand sgasse in der Richtung auf den Breit- 
strom abgebende Sackgasse, deren Häuser jetzt die Nummern 
19 nnd 2ü der Paulstrasse tragen. 

175. PetermUhle, Bei der, biess der äusserste Theil 
der Morilzsasse von der Grossen Ackerhofegasse bis zum ehe- 
maligen Moritzthore. Seit das neue Schulgebäude hier errichtet 
worden, ist die lange durch die Festungswerke versperrt ge- 
wesene Communication wieder eröffnet. 

176. Pfaffengasse war bis zum Zasammentiitt des Par- 
laments im Jahre 1«50 der Name der Stiltsgasbe. 

' 177. Pfannanschmieden, Unter den. Eine Gasse 
awisohen der Arche und der LangenbrückR. Sie wurde bei 
dam grossen Brande 1472 zerstört. Unter Pfannensohmied oder 
Blbchatibmied verstand man das, was jetzt Klempner beiest 
(Fritsch, Wörterb. II. S. 49). 



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— 59 — 

178. Fforteogaise fUhrt gegenwärtig die Benennung; 
Stadeotenguse. Sie hatte den Naroeo von dem ttn ihr belege- 
nen CoUflgiam znr HimneUpforte. Früher hatte sie den Namen 
Hasengaaie gehabt {vid. Nr. 54). 

179. PUnchen oder Raben mfiblgasse biessen der kleine 
Plat« nnd die dieaen fortsetzende Oasse, die anf der Westeeite 
der Lange nb rücke , der MarBtalUgaese gegenüber, nach der Bo- 
henmfihle und vermittelst einer neben dieser erst nenerdingi 
caseirten Fahrt - nach dem Fiechersand fllhrten. OegenwKrtig 
tragen die dortigen Hftueer die Nummern: Langebrttcke 19 and 30. 

180. Platterem, Unter den, ist, wie bereits Nr. 1 33 be- 
merkt worden, gleicli bedeutend mit: unter den Eupferschmiäden. 

181. Predigern, unter den (Äpud praedicat eres), jetzt 
Prediger Strasse genannt. Sie gehörte mit zu den durch den 
Brand von 1736 zerstörten Strassen und wurde bei dem Reta- 
bliesement gerader gelegt und verbreitert. 

182. Predigerbof hieea früher der Platz vor dem an die 
Predigerkirchfl stossenden Schulhause und dessen Verbindung 
mit der Neuestrasse. Gegenwärtig gehören die darauf befind^ 
liehen Häuser zu dieser und bilden die Nummern 9—12 der- 
selben. 

183. Qnerchgasse. Die Verbindung zwischen der We- 
her- und der Hund(Glocken)gaBse, die jetzt den Namen: Gilocken- 
qaergasse führt. Querchgasse oder Quergasse hieas aber auch 
die jetzige Eichengaase, die anscheinend einem etymologischen 
Witz (von quercus — Eiche) den gegenwärtigen Kamen ver- 
dankt, wenn nicht, was wahracheinlicher ist, der alte lateinische 
Name: Platea quercus, im Volksmunde zu dem: Quergasse, ge- 
worden ist (Härtung, 1. c. I. S. 151). . , 

184. Rabenraühlgasse war, wie bereit« Nr. 179 erwftbot 
ist, die Fortsetzung des Plänchens. 

185. Rabmengasse oder Rähmengaese war der alte 
Name der f^atengsase, die ihn wohl daher lUhrte, weil dort 
die Rahmen der Tuchmacher, d. i. die Eum Aufspannen des Tu« 
cbea dienenden Gestelle, ihren Stand hatten. 

189. Raaengasse war der frühere Name der Eronen- 
gaaae; aaob hiess ein Tbcil der Wallgaase bia sa der neuer. 
ding« erfolgten vollständigen Bebauung so. 



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187. RflohenatraBse hieSB bis vor KnrEen die HSoeer- 
reibe zwisohen der Sterngaiae ond der KrämpferBtrauB , g^en- 
wftrtig Nr. 179—182 der Jobannisatrsise. In ftlterer Zeit Ahrte 
•ie den Namen : Hinter der KanfmaiinBkircbe, im Freisinsregister 
von 1413 den: RichingasM. 

ISS. BeinegaBse. Sie lag im Viertel St, AugaBtim in 
der Angnstvoratadt anfern der jetzigen ErnstengaBBe. 

189. BeinbardBgasBe (Flatea Reinbardi) befand aiob im 
St BarthoIomfiuBviartel Bwisohen der Lohbank and der Angoat- 
maaer. Mach Härtung (I. c. S. XXX.) iat bio die jataige Eeil- 
hanargaase. 

190. Reiasengftssoben ist bereits Nr. 9 unter dem Na- 
men : Altreuasengaaaa besprochen worden. 

191. Bittergasae hiess aonat die Oasae, welche die Aller- 
heiligen- und die Pergamenterstraaae verbindet nnd jetst den Na- 
men: Turniergasse f&hrt Sie hatte den frttheren von dem Hause : 
Zum Ritter, das zwiachen den Häusern Nr. 3 und 16 lag und 
unter welchem ein Thor hindurch führte, und endete neben der 
ehemaligen Servatiikirche (Pergamentergasse Nr. 36) (Härtung 
L c. I. 194; nach ibid. S. XXXIV haben jedoch nur die Hftuser 
6-15 der Tumiergasse — nach alter Zählung 2594 — 2603 — 
die Rittergasae gebildet. 

192. RSdenanger war der ältere Name der jetzt Riesen- 
anger genannten Strasse. 

193. Rohrgäsachen, jetzt Feuergaase, lag neben der 
ehemaligen Johanniskirche zwischen 140 und 141 der Johannis- 
straBse und führte am Johaoniskirchbof entleog bis zur Hirsoh- 
lacbe. 

194. Rosangaase. Sie hatte frdher eine grSsaere Länge 
als jetzt, da sie bis zum LSberwalle ging. Bei der Anlage des 
Thüringer Bahnhofes wurde der Theil zwischen der Eittelgaass 
und dem Walle (Nr. 135, 135a und 136 der alten Numerirung) 
BU jenem eingezogen. Auch die Stemgaaee hat früher den Na- 
men Roaengasse gefUhrt. Bass dieselbe auch Diebeagasae ge- 
hniBsen, iat bereite Nr. 42 angefahrt. 

195. BoBsmarkt, jetzt Hermaiinaplats. Er fthrte anch 
d«D Namen: Tanbenmarkt, weil hier in der Faatenieit ein Markt 
abgebaltsn ward, wo lediglich Tauben feilgehalten worden. Er 
wurde zwar 1556 gepflastert, doch muat das Pflaster wohl m«ht 



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AOBgedinert baten, da Äroold (1. c. S. 53) bemwrkt: dass im 
Sommer der schöne ebene Rasen dieses Platzes den Erfitrterin- 
nen zum Bleiobplatz diene. Er ist Ja snch gegenwärtig, bis auf 
die tlber ihn fllhrenden Strassen, nicht gepflastert, sondern mit 
Gartenanlagen versehen. 

196. Rnbenmarkt (Forum raparum oder rapularum) hiess 
eine aiemlich breite Strasse, die von der Marktstrasse bis snr 
Qrossen Ackerhofsgasse führte. Bei dem Bombardement 1813 
wurde die westliche Häuserreihe zerstört nnd nicht wieder aof- 
gebant, sondern zum Friedrich - Wilhelmsplatz und zum Lnisen- 
thal gezogen; die östliche gehört gegenwärtig theils za dem ge- 
dachten Platze, tbeiU bildet sie die Ändreasstrasse. Der Name 
wird davon hergeleitet: daas RUbsen dort verkauft worden sei, 
doch mag er wohl eher von: Rflben herstammen, worauf auch 
der lateinische Name deatet. 

197. Salzhäuser oder Salzköten biess eine Reihe klei- 
ner Häoachen, die sich vor den breiten Stufen (der Domtreppe) 
der Länge nach in den grossen Uarkt hinein erstreckte und in 
denen der Salzhandel betrieben wurde. Da dies zom Theil in 
Karren geschab, so war auch die Benennung: Salzkarreo, 
üblich. In dem Bauemaofrubr 1525 wurden diese Häusercheo, 
da sie kuHUrstlicbea Eigentham waren, zerstört und bei der 
Wiederherstellung 1530 auf die westliche Seite des Platzes v«r- 
legt, so dass hieraus eine eigene bei den breiten Stufen be- 
ginnende, am Fusse des Petersberges endigende Gasse entstand, 
welche, da sie den Namen Fleischbänke erhielt, schon anteor 
Nr. 58 besprochen ist (Erhard, S. 164). 

198. Sand, der, ist der frühere Name der jetzt Junker- 
saad genannten Strasse. Der Name: Sand, bedeutete in Erfurt 
wie in manchen anderen Städten überhaupt eine Strasse, die 
nur auf der einen Seite mit Häusern besetzt ist, auf der andern 
an ein Flossufer grenzt, wie ausser dem Junkersand der Fiscber- 
sand , der Krenzsand , früher auch der Flecbtener Sand und 
Comthnrsand, und kam von dem altdeutschen Worte: Saot, 
Ufer, Strand (Lexer, Mittelhochdeutsches Taschenwörterbnoh 
S. 156). 

199. Sattlern, Unter den (Inter sellatores), kommt in 
den Freizinsregistem 1293 — 1420 vor, doch ist die Lage nicht 
Migegeben. 



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200. Sohafgaase war eine Bezeichoung, die in lüt«rer 
Zeit der BookgaBse, jetst Waesergasie genannten Verbindnng 
der Bospitalgaiie mit dem Lindenwege gegeben wnrde. 

301. Schallaaergaase. Da diese später dun Namen 
Kiopfgaaae geführt hat, so ist sie schon Nr. 120 besprochen. 

202. Scheibe, üinter der, war eine enge Gasse, die 
vor dem Brande von 173ä in ziemlich gleicher Richtung mit 
dem Sonnenberge vor dessen Ausgang vorbei von dem Langen- 
stege (der SchlösserbrUcke) bis zum Ttipfenmarkt ging. 

203. Sohie Hshaus- Allee biess bis in die neueste Zeit 
die jetzige Amst&dtcr Strasse. 

20i. Schilde, Bai dem grünen, war sonst die Be- 
nenmag des TheÜes der Marstallgasse, der von der Laogebrftcke 
bia an den Breitatrom geht. Er hatte «einen Namen von der 
grünen Schildmühle. 

205. Schilderern, Unter den, oderUnter denScbil- 
leren (Inter clipeatores, oder Platea cliperatorum) hiesa eine 
Oaase, die parallel mit der Pingerlingsgasse vod den Fleisch- 
bftnken bia znn Bubenmarkt, der Pergamentergasse gegenüber 
ging nnd schon 1293 vorkommt. Ihre Fortsetzung bis zaxa 
Fallocb fllbrte den Namen : Fleiachgasse (Fleysgazze) (v. Nr. 59.) 
In früherer Zeit wurde auch die an Fusae des Sevcribergea 
fainfiihrende Strasse, in deren Mitte sich die FleischbSnke be- 
fanden, unter jenem Namen mitbegriffen. Derselbe achrieb sich 
daher: daaa die Schilderer, d. h. die Sattler, die Riemer und 
Lederachneider, welche die in alter Zeit aas einem mit Leder 
überzogenen Brette bestehenden Schilde feil hielten, hier ihre 
Verkaufs Stätten hatten. Die Gaaae brannte beim Bombardement 
1818 ab. Gegenw&rtig nimmt die Kastanien-Allee vor dem Land- 
gerichte ihre Stelle ein. 

206. Sohildchen, Vor dem, jetzt: Taabengasee. 

207. Schildchen, Hinter dem, ist jetzt der Theil der 
Comthurgaaae von der Taubeogasae bis zur Schüdgaase. Den 
Namen führte derselbe von der Schildchenmüble. Kr wurde 
auch: Trankgäsalein, geoanut. 

208. SchindebUhl war die frühere Bezeichnung der Jo- 
haDDiagera von der Baaengaase bia zur Ealkmühle. 

209. Scbindergasse hieaa früher die jetzige Herren- 
breitengaase, weil sich in ihr die Ueiaterei (Schinderei), bis an 



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deren Verlegung in das Boratbal, befaml, und zwar aalim diese 
die BüdweBtliohe Ecke am EarÜtäuBerwallcj die jetzt zum Tb&- 
ringer Bahnhofe gehört, ein. 

3]0. Schneidergaden. Buden, in denen die Schneider 
ihre Waarcn feil hielten, befanden sich auf dem Wenigenmarktfl 
unterhalb der Weiesgerber-Gaden (Hogel, Chron. S. 159). 

211. Schnepfergasse oder Schropfhergasse, auch 
SohrÖpfergasse, lag in dem Viertel St. Augustini extra in 
der Nähe der Emstengasse. Gegenwärtig nimmt die BüsBleber- 
gasse deren Stelle ein. 

212. SchottengassQ hieae der Theil der jetzigen Gros- 
Ben ScbottengaBse von der Futteratrasse bis zur Kleinen Scbot- 
tengatae und diese letztere. 

213. Schotten, Hinter den, wurde dagegen der übrige 
Theil der jetzigen Grossen SchottengaBBe von der Kleinen Schot- 
tengaaae bis zur JohannisstrasBe genannt. 

214. Schuhbänka oder Schusterhänke (inter cerdo- 
nes), d. h. Verkaufsstellen von Fuaebekleidungen, befanden sich 
an mehreren Stellen der Stadt so, ausser in der noch jetzt Schuh- 
gasse genannten Straase, auf dem Wenigenmarkte, dessen West- 
seite sie einnahmen (Kirchholf, Weisthumer S. 65 Anm. 127), 
am Fusse des Severjberges zwischen dem zum Kmmmhauae ge- 
hörigen Garten und der: Unter den Sohilderern, genannten GaBse. 

215. Schuhgasso hiesa ein kleines Qässcben zwiachen 
dem Gewandhauae auf dem Wenigenmarkte und der Futter- 
strasae. 

216. Schulgasse. Es iet bereits Nr. 38 erwähnt worden: 
dass der ursprünglich Comthursand genannte, dem Breitgtrom 
gegenüber liegende Theil der Comtburgaaae eine Zeitlang jenen 
Namen gefuhrt hat. 

317. Scbwanringagasae. Sie lag im Viertel St. Augu- 
stini extra, in der Nähe der Grossen Breitengaaae , wenn sie 
nicht vielleicht diese aelbst gewesen ist. 

218. Scbwertfegern, Unter den (Inter gladiatorea), 
lag in der Gegend der AUerheiligenkirche unfern des Schapphen- 
boms. Es befand aich darin das Haus zum rotben Löwen. 

219. Seilerhuden, Unter den, in den Freizinaregistern 
1321 — 1420 erwähnt (quae vocantar buden inter seyler), lagen 
vor dem Graden, der Ecke der Fiogerlingsgaase gegentlber. 



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220. Servatükircbhof lag an der PerguuentergaiM 
und wird jetzt theilweise von der Tiirniergasse eiDgeBommen. 

221. Sknihof (SchnUiof) war der Fiats vor der Synagoge, 
der Judenschule, welchen man paBairen musste, nm za dieser 
zu gelangen (v. Nr. 103). 

222. Sonnenberg oder Sonnenbergsgasse hiess eine 
Qaaae, die neben den Prediger -Pfarrhttusem von der Prediger- 
straBBo in der Bicbtung auf die ScfalttsBerbrilcke fßhrte. FrOher 
hatte sieb dort das Hospital, vor dessen Verlegung vor das 
Rrämpfertbor, befunden. Sie wurde beim Retabliuement des 
1736 abgebrannten Stadttbeils cassirt. . 

223. Sonntagsgaase biesa bis vor Earzem die Kwischen 
der Löbergera und der NeuengaaBe von der Balinhofsstraaae ab* 
gehende Sackgasae, die jetzt zu dieser gerechnet wird. 

224. SperlingegftBsohen ist der frühere Name der jetzt 
gewöhnlich Fauatgftsschen genannten Verbindung der Schlösier- 
Btrasae und Kleinen BorDgaaae. 

225. S p i e 1 b e r g (Spolwerich im Volksmunde) biesa bis 
ZOT Anlage dea ThUnnger Bahnhofes der Tbeil der BahnhefB- 
strasBe vom Bahnhofe bis zur Äognatbrücke. UrBprüngltch en> 
digte er an dem Spielberger- oder Äeusseren Augnsttikore, auch 
das Weimarsche oder Daberateter Thor genannt, durch dos die 
StrasBe nach- Stadtilm führte, daa aber bereits 1632 zur Zeit 
der scbwediscben Occnpation bei Anlage der Hoben BastioB 
und der Daberateter Schanze verscblosBen wnrde^ jedoch bis 
zum Jahre 1814, wo es abbrannte, fortbestand. Die ftnsserateo, 
nach dem. Walle zu belegenen Häuser der gedachten Strasse 
(die Nommem 327 bis 377 nach Klterer Zählung sind bu dem 
Thüringer Bahnhofe eingezogen worden). 

226. Spittelrasen oder Hnapitalraaen war der Tolki- 
Uiümliche Name des Hoapitalplatzes. 

227. Stattbslterei, An der, hiess früher der am Hirtoh- 
garten belegene Tbeil der Regierungsstrasse. Bevor die Woh- 
nung des kurmain zischen StatUialters in das zu diesem Zwecku 
1701 angekaufte Haua: Zum stolzen Knecht und die sieben an- 
deren hierzu erworbenen HSuser verlegt ward, wurde diese Qe- 
gend mit zur Markgrafengasse (Platea marcbionis) gerechnet. 
Dieselbe war damals' auf beiden Seiten bebaut, fünf auf der Sat- 
Ucben stehenden H&uaer wurden aber 1738 behufs Anlage des 



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HirBchgartene sbgebrocben. Die später, 1797, bei dessen Ver- 
«ndlang in einen Garten für die einheimische Flora vorgenom- 
len Yerfinderungen sind von E. Beyer in der Neuen Chronik 
Erfurt S. 288 und 289 aneftibriich beschrieben. 
?8. Statthaltereigarten. Er lag am Ende der Neu- 
ietzigen Regie rungs s trasse , wurde später zur Anlage des 
Friedhofes, ein Theil davon als Btädtischer Bauhof be- 
i Anlage der Wilhelm sbräcke aber ganz beseitigt and 
^ro befindliche Stadt mau er thurm abgebrochen. Das 
^rtig Klemmscbe Grundstück und die Gartenanlage ne- 
^ der Brücke sind Ueberreste des Statthaltereigartens. Er 
war 1717 angelegt, ein Theil des bisherigen Zwingers dazu ver- 
wendet, der durch den Kirchhof am Krummen Thore vergrSs- 
sert worden. Er enthielt ein schönes Lusthaus und war zwar 
dem Publikum geöffnet, aber mit einer Maner umgeben. Die 
über dem eisernen Gitterthor befindliche Inschrift lautete: 
Sitte, vide flores, fruotom Hd taubere noli. 

Fmcs taoi oonloa, Md oohibeto maniu. 
8i quid detnleris, videaa ne posn« Hqaatiir. 
Sit viduse satis quid Dorns hortns babett 
was Friese, der sie (Chron. V. S. 1604) mittheil^ so verdeutscht: 
Was hier in dieMm Qartsn ist, 

Schau an, doch lau es «tehan. 

Der StraP «otut nntarworfan bist, 

Begnüg dich mit dem Sehen. 

229. Steggasse ward die Verbindung des Hospitalstegea 
mit der Krämpfermauer genannt. 

230. Steinicbt, Auf dem, ist der Marne, den ursprUng- 
licb die Brübler Vorstadt oder wie sie jetzt heisst: BrUhler- 
atrase, fUhrte. 

231. Steinweg biess sonst der Theil der BarfÜsserstrasse 
vom Anger bis zur BariUeserkirche ; doch befand sich auch eine 
ebenso genannte Strasse im Brttble vor dem Krummenthore ; 
welcher von beiden der Berthold vom Steinweg, dar in einer 
Urkunde von 1212 vorkommt, angehört habe, mnas dahin ge- 
stellt bleiben. 

232. Strasse, An der (Strata), oder Breitestrasse (Lata 
strata), hiess in älterer Zeit die Marktatrasse vom Fischmarkt 
bis zur Grossen Arehe und Ällerheiligenstrasse (cfr. Nr. : 



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— ee - 

233. StnfflD, An den br«iteD, war die BflneoiinDg der 
Häuserreihe, die früher sich auf baidea Seiten der groiien zum 
Dome hin&uf führenden Treppe befand. Die letstere ist etwa 
um 1250 angelegt (Beyer a. fiöckner, 1. c, S. 170). 

234. Stansengasse. Der kleine Platz zwischen der 
LangenbrUcke und der StuozeDgaase , der jetzt zu der ereteren 
gerechnet wird, gehörte früher zu der letzteren. Er führte auch 
den }{ameii : das „Plänchen vor der langen Brücke", wie Beyer 
and Böckner l. c. S. 218 angeben. Dass diese Gasse irilber 
gan« mit Häusern besetzt gewesen ist, ward schon erwähnt 

235. Tasche, Die, hiess eine Sackgasse, die vordem von 
der Johannis Strasse zwischen Nr. 17 und 18 in der Richtnng auf 
den Friedhof des Schottenklosters ging und von dem an ihr 
liegenden Hause: Zur gäldenen Tasche, ihren Namen trug. 

236. Taubenmarkt. Dass diesen Namen einst der Ross- 
markt, jetzige ^ennannsplatz , gefUbrt hat, ward schon Nr. 195 
erwähnt. 

237. Teufe Isgäs sehen ist ein Name, welchen &über die 
jetzt meist Faustgässcben genannte ^Verbindung zwischen der 
SchlÖsaerstrasse und der Kleinen Bomgasse f&hrte. Wie bereits 
Nr. 234 angegeben, wurde sie auch Sparlingsgässohen genannt 
Bei dem vor einigen Jahren erfolgten Umbau des Hauses Schlös- 
serstrasse Mr. 14 ist sie auf der dieser zugewendeten Seite nicht 
unerheblich verbreitert worden, so dass die Sage : dass Dr. Panat 
mit einem beladenen Fuder Heu durch sie gefahren sei, jetzt 
wenigstens etwas an ihrer ünwahrscheinlichkeit verloren hat 

238. Thomas, Hinter St, ist der ältere Name der Eit- 
tetgaase. 

239. ThÜrmchen, Hinter dem, hiess der zwischen dem 
Wenigenmarkt und der Kleinen Sohottengasse liegende Tbeil 
der Gotthardetrasse. Da sie auch den Namen; Auf dem Miste 
geftihrt hat, so ist ihrer bereits Mr. 158 gedacht worden. 

240. Tapfe ngiessern, Unter den. Eine Qasse vor 
dem Qradei), die bei dem Brande von 1472 cerstört wurde. 

241. Töpfenmarkt, Auf dem, hiess ein vor dem Hei- 
denthor liegender , durch eine kurze Gasse mit dem Fiscbmarkt 
verbundener Plata, jetzt zwischen der Neaenstraaee , da wo die- 
selbe mit der Predigerstrasae zasammen trifft, and dem Rath- 
bause. Nachdem die darauf befindlichen Häuser bei dem Brsnde 



— 67 — 

von 1736 zerstört wsren, ging der Platz als solcher ein. Difl 
Nr, 1 der NeueDstraSBa steht auf einem Tbeila der Fläche, die 
er eingenommen. 

242. Trankgässlein ist ein Name, den sonst die: Hinter 
dem Schildchen, jetzt Comthurgasse genannte Gasse, auch ge- 
fahrt hat. 

243. Trolle, Auf der, war his zu dem Brande von 1736 
eine Oaese, die in schräger Richtung Ton dem Langenstege (der 
Schlösserbrücke) nach dem Rathhanse ging und in der Nähe 
des BreitBtroms endigte. An ihrem Eingange befand sich die 
gleichfalls hei jenem Brande zerstörte, damals aber schon seit 
einiger Zeit nicht mehr benutzte Kirche St. Martini intra. 

244. Tucbschlitzcrn, Unter den, hiess die nördlich 
vom Ratbhaase belegene Häuserreihe. Sie kommt bereits 1293 
in den Freizinsregistern vor. Es befanden sich darunter vier 
Apotheken, d. i. Materialwaaren-Handlungen. Doch hat es ancb 
auf dem Wenigenmarkte Tachschlitzerbuden (camerae pannici- 
darum) gegeben. Kirchhoff (WeisthUmer S. 64 Anm. 124) sagt; 
„Diese Tuchschlitzer-Gaden mtissen eine förmliche Qaese von 
zweireihigen Kaufmannsbudes auf dem Wenigen-Markte gebildet 
haben, etwa in oord-sfidlicher Richtang vom äbenvölbten Ost- 
eiDgange der Krämerbrücke unweit der Münze an bis gegen die 
Bttlze hin". Ein Theil dieser Kaufbuden gas se hiess „unter den 
Schneidern", ein anderer „unter den Kfirschnem" und wieder 
an anderer Stelle scheinen sowohl Kürschner als Schneider ihre 
Waare feil geboten zu haben. Unter Tuchschlitzem sind nicht 
Tnchh&ndler, wohin der noch jetzt gebräuchliche Ausdruck: 
Tncfaauaschnitt für Tuchhandlung zu deuten scheint, sondeni 
Verfsrtiger von Kleidern aus Tuch, also Schneider, zu verstehen. 
Du Cange, Qlossar T. III. K. I. p. 62: „Pannicidae, qui pannos 
aeinduut; sartores, taillenn nostris". 

245. Ungeheure Gasse war eine schmale, unbebaute 
Gasse, die ziemlich in rechtem Winkel sich biegend vom s. g. 
Letzten Heller (jetzt Dammweg 1) nach der Grossen Walkmühl- 
gaase (jetzt Wilhelmsstrasse) führte. Gegenwärtig nimmt, sehr 
verbreitert, die Luisenstrasae ihre Stelle ein. Härtung (1. c. II. 
S. 28} nennt sie Ungeheure Kriesgasse und stellt diesen Namen 
mit dem: Krieslache, d. i. Hirschlache, und dem Kriesbühl, d. i. 
EUrschbühl, zusammen and leitet denselben von dar grossen 



- es - 

Kiesfläcbe b«r, da die Gera, bei jedem Hochwasser auf dieaer 
Oegeod Eies abgelagert habe. Ob diese Etymologie aber zvt- 
trefieod sei, muBs dahin gestellt bleiben. Xach Grirams deat- 
scbem WSrterbnche Bd. V. Spalte 2330 bedeutet Eris soviel als 
Reisig. Ungeheure Erisgasse würde daher eine lange von Basch- 
werk eingefasste Qasae sein, und das ist sie in der That gewe- 
sen. Vergl. das oben Über den Namen: Hirscbbrilhl, bemerkte. 

246. Ungebeuresteg vid. Langesteg Nr. 134. 

247. Unterlöbern, Unter den, oder Unterhirscblachej 
jetzt Hirschlachufer Nr. 1—30. 

248. Viebgasse war die Fortsetzung der Nr. 86 erwähn- 
ten Hsfengasse bis zum Fusse des Petersberges. Sie ging pa- 
rallel mit dem Rabenmarkte und wurde bei dem Bombardement 
1813 einge&schert. Jetzt nimmt das Landgerichtsgebäude den 
Platz ein. 

249. Viti, Bei St., hiess sonst der zwischen der Langen- 
brücke uod der Malzgasse belegene Theil der Regierungsstrasse. 

250. Waidanger (Forum glastarium, auch atrium) ist der 
Name, den die jetzt blos: Anger, genannte Strasse ursprünglich 
und zwar daher führte : weil auf ihr der Waidmarkt abgehalten 
wurde. Bei der grossen Bedeutung, welchen der Anbau des 
Waids und der Handel damit einst für Erfurt gehabt hat, kann 
es nicht auffallen, dass die Hauptstrasse der Stadt ihm gewid- 
met wurde. — Dass die ehemalige Eaufmanaatrasse neuerdings 
dem Anger einverleibt worden, ward schoa Nr. 114 bemerkt 

251. Waidgasse oder Unter den Wettern ist der or- 
sprÜDgliche Name der Strasse, die jetzt irrthUmlich Weitergasae 
genannt wird. Sie hatte jenen Namen davon, dass sie vorzugs- 
weise von Waiterem, d. b. den Färbern, die sich des Waids 
zum Färben der Zeuge bedienten, bewohnt war. Es ist daher 
auch nicht als blosser Zufall anzusehen, dass sie auf den Anger 
stiess. 

352. Waisengasse oder Hündelgasee ist der eigent^ 
liebe Name der jetzt Weissengasse genannten Strasse, denn sie 
lautet im Lateinischen : Platea pupillorum (Qudenus, Hist. Erfurt, 
pag. 129; [Rössing] Gesch. der Stadt Erfurt, S. 41; Friese, 1. c. 
I. p. 181b). 

253. Waisenbaase, Bei dem Eatboliiohen, hiesB 

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— 69 — 

die von der Neustadt ^egiemngsstrasse) nach der BosabrQcke 
ftlhrende Straase. 

254. Walkmüblgaase, GrOBse oder Walkmühtfabr- 
^^S g'^S ^"B der Walkmliblfl bis znm DalbergBwege ond bildet 
gegenwärtig den zwiBchen diesem und der jetzigen Walkmübl- 
gasae belegenen Tbeit der WilhelmsetFaaae, sowie jene von die- 
ser Strasse bis zur Watkmüble. 

255. WalkmUhlgaase, Kleine, war eine jetzt nicht 
mabr existirende kleine Qaase, welche die Oroaae WalkmUbl- 
gaaae, von der sie etwa der Ungebeuren Oaaae gegenüber ab- 
ging, mit dem Dalbergawege verband. 

256. Walkmüblgasse, Lange, ging von der Qrossen 
Walkmilhlgaaae swiscben Wemera (jetzt Theater-) und Vogela 
Qarten nach dem Dalbergswege. Gegenwärtig befindet aiob dort 
der zwischen diesem und der Wilbelmsstraaae belegene Theil 
der Walkmablgaaae. 

257. Wallgasse bieaa früher der jetzt zur Horitzgaaae ge- 
hörige Straasentheil von der grossen Ackerbofsgasse bis zum 
Ändreaewalle. 

258. Waaserthor, Bei dem, wurde der länga der Wil- 
den Gera führende Weg vom Burgatege (Vo'gels Bracke) bis 
zum Karthäuserstege (dem Gerinne) genannt, den jetzt der Bei- 
chardtsplatz einnimmt. Dos Namen hatte das an ihm vor dem 
Burgstege belegene Wasaerthor gegeben. 

259. Wehlengasse oder Wählengaese (Waldgasse) 
ist der oraprUngliche Name der Waldengasae. Sie brannte 
1536 ab. 

260. WeideamUhle, Bei der, oder Unter den Wei- 
den heiaat jetzt Weidengaese. 

261. Weinfasegasse, dae jetzt zur Marstallgaase ge- 
rechnete Qässchen zwischen der Malzgasse und der Markgrafen- 
gasse. Es hatte wohl seinen Namen von dam Hause zum Wein- 
faas (St. Viti Nr. 69). 

262. Weiaafrauen, Hinter(Relro albas dominas), beiest 
jetzt: Mariengasse. Was gegenwärtig den Namen: Hinter Weiss- 
franen fÜbrt, wurde früher theils zum Bissenanger gerechnet, 
theila : Hirachlacbe hinter Weiaafrauen, genannt. Der Name rührt 
daher: dass das in der Nähe liegende Kloster, bevor es den 
UrBulinerinnen Überwiesen wurde, eich im Besitze des Orden« 



. Cooj^lc 



- 70 - 

d«r BfiBaerinnen S. Horiae MAgdalesas^ im gewStinlicben Leben 
VOD ihrer Tracht Weissfraaeo geoanat, befunden httt. 

363. WeiBBgerbergaden, Baden, in denen die Waibb- 
gerber ihre Waaren feil hielten, befanden sich auf dem Wanigen- 
markte über den Schneidei^aden (Hogel, I. c. S. 159). 

264. Weissgerbern, Unter den, biess bis in die 
neueste Zeit der zwischen dem Oeorgenkirobhof nnd Venedig 
belegene Theil der MoritzgasBe. 

265. Weitern, Unter den, vgl. Waidgasse Nr. 245. 

266. Werd- oder Wertplät» (Spatium dictum W«rt s. 
Wcrd) kommt im Freizinsregister von 1293 Tor. In dem von 
1.S32 heiast es: curia in spatio Werd inter judeos apud Crut- 
stege ; er lag also aili Kreozsaäde. 

267. Wiesengasse. Diese jetat nicht mehr existirende 
Gaese ging von der Hirschlache bie aar AugnBlmaner, zwiachen 
der Königshagener- und der Schafgasse und parallel mit diesen- 

268. Wigberti, Bei St., der längs der Wigbertikirche 
bingehende Theil der Regierungsatrasse. 

269. Wolfsweide oder Wolfs wüste (Schinderei) hiesi 
ein bis dahin ausserhalb der StadtumWallung belegener Plats, 
auf welchem 1372 das Karthäuser-Kloater erbaat wurde (Hogel, 
L c. S. 410). In die Stadt hineingezogen wurde er erst 1432. 

270. Wohlrabengasse oder Walrabengasse, die 
jetzige Müllersgasse. Da sie auch den Namen Erautgasee ge- 
führt bat, so ist ihrer schon Nr. 129 gedacht. 

271. Ziegen, Auf den, oder Ziegengasea ist der 
Name, den die Spiegelgasse früher flihrte. 

272. Zwinger. In ältesten Zeiten befand aiob in jeder 
Stadt, wo es die Oertlichkeiten irgend gestatteten, ein durch 
cwei in massigem Abstände parallel laufende Uauerb gebildeter 
Raum, in welohem im Falle eines feindlichen Angriffs die Ter- 
theidiger und die Vertheidigunge • Maschinen ihren Stand erbiel* 
ten. Dieser Zwischenraum hiess der Zwinger, in manohen Ge- 
genden: der Farohem, Nachdem die weitere Entwickelung der 
Belagerungskubst ihn nicht mehr fttr diesen Zweck värwendbsr 
gemacht hatte, wurde er überall der arsprllngticben Beatimmung 
entzogen und tbeils zn Baustatten, tbeils zu Gftrten Terwendet 
In Erfurt geachab zuntchst nur das letztere. Der Zwinger um- 
gab hier dqt die intKre Stadt, fblgte also dem Laofa der Wil- 



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— 71 — 

doD Oera vom RoBswebr bis zum Kronenbarger Webr. Als 
Vertheidigungswerk war er schon seit der Mitte des 15. Jahr- 
haoderts, wo die Befestigungswerke weiter binauBgesofaoben wa- 
ren, entbehrlich geworden, doch wurde er Uogere Zeit oar gärt- 
nerisch, nameatliDh zum GemUsebaa benutzt. Eine anderweitige 
Verwendung, wenigstens eines TheÜes, trat erst 1756 bei der 
Anlegung und 1809 bei der Erweiterung des botaniscben Gar- 
tens ein; demnäohst folgte 1818 die Anlage des Brlihler Kirch- 
hofs auf dem Tfaeile des Zwingers zwischen Breitstrom und 
Brühlervorstadt ; dann 1819 die des Augast-, ErSmpfer- und 
Jobaoneskirohhofs , wozu die zwischen der Bahnhofstrasse und 
der Jobannisstraase liegenden Theila genommen wurden. Die 
Strecken zwischen der Löberstraese und dem Karthäuseratege, 
zwischen dem Burgstege und dem städtischen Bauhöfe, sowie 
zwischen der JohanniBBtraase und dem Kronenbarger Wehre, 
wurden theÜB mit Wohnhüufiern besetzt, theils zu Zierg&rten 
verwendet. Jenes geschah, wie bereits Nr. 61 erwähnt ist, 
scbiiesslicfa mit dem Botanischen Garten. Der noch verbliebene 
Rest wird schwerlich dem gleichen Loose entgehen, wenn 40 
Jahre seit seiner Schtiessnng als Begräbnisepiatz abgelaufen 
sein werden. 

Bevor ich diesen Gegenstand ganz verlasse, möchte ich 
noch einige auf den ausserhalb der Wälle belegenen Tbeil der 
Erfurter Feldmark bezügliche Bemerkungen mir gestatten, ins- 
besondere einiger früher gebräuchlich gewesener Namen von 
Stellen und Plätzen gedenken, die jetet nicht mehr tlblich oder 
doch wenigstens nicht allgemein bekannt sind. 

Han kann mit Bestimmtheit annehmen: dass der Steiger- 
wald in alter Zeit etwas weiter von der Höhe binabgereicht 
bat, als gegenwärtig, dass die Ufer der Gera dichter mit Erlen 
und Espen — die ja der vom Bergstrom, der Gera und dem 
Festnngsgraben nrnsoblossenen Insel den Namen Esbach (Espe* 
cnm) gegeben — und Weiden bewachsen gewesen, alle der 
Stadt näher gelegenen Höhen mit Weingärten bedeckt gewesen 
sind, der Dreibrunnen lange nicht in seiner jetzigen Ausdeh- 
nung fUr den Gemüsebaa benutzt, nnd das Übrige tragbare Land 
aoter Hintenansetzung des Getreidebaues vorzugsweise der Oul- 
tur der HandelsgewKchse , insbesondere des Waids gewidmet 



.Cooj^le 



_ 72 — 

gewesen ist. (Scltam, Erfurts VerbllltiuBso sof der Scheide der 
Nenzeit S. XIII.) 

Im Einzelnen mag Naolisteliendei bemerkt werden : 

273. Aue hiess die unterhalb der Stadt auf der rechten 
Seite der Gera befindliche Ebene bis Über IlTersgehofen hinaus, 
die jetst das Johannisfeld genannt wird. 

274. Brathufe, Die, oder auch blos die: Hufe, war die 
ältere Benennung des zwischen dem Dreienbrunnen&bflass , dem 
Faeswege nach Hochheim und dem Eabach belegenen Flurtheils. 

275. Burggrabeo, Der, tag vor dem Ändreaethore. Es 
befanden sich an ihm Weingärten. 

276. CardioalstUck, Das. Ein vor dem tLnsseren Jo- 
hannisthore am Wege nach Ilversgehofen belegenes Orundstück, 
das 1813—1816 als Friedhof gedient hat. Die Qastwirthschaft : 
Zum Cardinal (Magdebui^erstrasse Kr. 49) hat davon ihren 
Kamen. 

277. Daberstedt — der ^teste Käme war Tubirstete 
oder Tabersteden und es soll, wie Friese, L c. I. S. bi angiebt, 
von dem Frankenkönig Dagobert I. erbaut sein and den Namen 
haben — war ein bei der Belagerung 1813 zerstörtes Dorf, an 
dessen Kamen noch jetzt die Daberstedter Schanze und neoer- 
dings die Daberstedter Strasse erinnern. Die Dorflage nehmen 
jetzt die Gärten zwischen dem Mangold'schen FelBenkeller und 
der Ferdin. Haage'schen Kunstgfirtnerci ein. Die zum Orte ge- 
hörig gewesene Feldflur ward theils der städtischen, theils der 
von Melcbendorf zugeschlagen. Daberstedt hatte zif^en s. g. 
Küchendörfem , d. h. den Ortschaften gehört, deren Eigenthom 
von Anfang an dem Erzbischof, nicht aber der Stad^emeinde 
zustand. Es befand sich dort ein in den Freizinsregistent von 
1321—1378 erwähntes heiliges Grab. Die Kirche war berwts 
von den Schweden abgebrochen und ihr Material zur Erbauung 
des Bollwerka vor dem Schmidtstedterthor verwendet Doch 
wurde sie 1714 neu aufgebaut (Friese, 1. c. S. ]&91). 

278. Gebinde, Mainzer, hiess das am Weetabhange des 
Petersbei^es zwischen den Wegen nach Bindereleben und nach 
Alach liegende Feld. Es gehört Jetzt theils zur Andreas-, theils 
ZOT Brilhler-FIur, und hat seinen Kamen davon: daea es ein 
Pertinenz des Mainzerhofes war; Gebinde aber bedeutet in der 
Ultereo, namentlich der in Erfurt ablich geweseneo, Sprache ein 



:,G Gothic 



— 73 — 

Flurstück (Grimm, Wörterb. IV. 1 Col. 1773). — Ä«8 ähnlichem 
Qronde biess auch ein am Fusse des Steigere, da wo sich gegen- 
wärtig die QartenwirthBchaft Flora befindet, beiagenea Grnnd- 
stfick: Mainzer Gebinde. 

279. Hernsberg oder Hernczberg war der nrsprfing' 
liehe Käme der jetzt Hirnziegenberg genannten Anböbe neben 
dem Mangold'achen Felsenkeller. Nach dem Freizinsregiater 
von 1293 befand sich auf ibr ein Weinberg. 

280. Höhenwinden war der Name cinea wüat gewor- 
denen Dorfes, das an der Nordgrenze der Erfurter Flar links 
von dem von Kerpsleben nach Schwerbom führenden Wege lag. 

281. Hoppenthal oder Hopfenthal, jetzt Hopfengmnd 
genannt, hatte seinen Namen davon: dass in früherer Zeit da, 
wo es in die Ebene tritt, ein Hopfengarten belegen gewesen ist. 

282. Meldenberg. Er lag im Brühle, der sich, wie schon 
bemerkt, früher bis an den Cjriaxberg erstreckt hat. Er war 
nicht mit Häusern besetzt, sondern enthielt nur Weingärten und 
andere Gärten. 

283. Napoleonsböhe, die jetzige Friedrich - Wilhelms- 
höhe. Im Jahre 1811 wurde, nachdem der Steigerwald, da, wo 
jetzt der Äuguata-Fark ist, abgeholzt war, auf einer künstlichen 
Erhöhung ein runder Tempel in griechischem Style, in dessen 
Innern eine Büste Napoleons aufgestellt war, errichtet. Drei 
durcb den Wald gehauene breite Gänge boten Aussichten über 
den Dreienbrunnen hinweg nach der Cyriaxburg — der Stadt 
und dem Fetersberg — und nach dem Ettereberge. Der am 
Fues der Höhe befindliche Platz war mit einem Springbrunnen, 
einer Grotte und Blumenpartien geschmückt. Bei der Belage- 
rung 1813 wurde am 1. November der Tempel angesteckt und 
brannte bis auf das ihm zum Fundamente dienende steinerne 
Gewölbe ab. Am 18. October 1814, dem Jahrestage der Schlacht 
von Leipzig, wurde hier ein grosses Volksfest gehalten und bei 
dieser Gelegenheit die Stelle feierlich eingeweiht und ihr der 
Name: Friedrich- Wilhelmshähe, beigelegt (Beyer, Neue Chronik 
S. 461, 539 und 584). 

284. Neneland, Das, biess früher das Flurstück zwi- 
schen der Steigercbanssee and dem hinter der Milchinsel hin- 
laufenden Grabe». 



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- u - 

285. Nensee war ein oingegangenee Dorf am Foese des 
Rotben Berges. Nnzezse nennt es das Chronic. San-Petrin. (ed. 
Stflbel, pag. 181) XuBesse der Erpbord, antiqait. variloq., Fal- 
kenstein (Histor. S. 226) : Neuaes oder Dionyeii Eircbbof nnterm 
Roäien Berge. Im FreiEinsregister von 1413 beiist es: Kuaesse 
anbtOB Herbei^e. — Bei dem grossen Sterben im. Jahre 1^0 
worden die in der Stadt von der Seuche Hingerafften hier begra- 
ben. Die Vicarei zu Neosea war dem Neuwerkskloster incor- 
porirt Die dortige DionysUBkirobe stand noch l&igere Zeit, 
nachdem der Ort wüst geworden war, 1535 auch ein daneben 
liegendes Hänseben, wo früher ein Einsiedler gewohnt, and in 
dem genannten Jahre ein Mörder ergriffen wurde (Hogel, 1. c. 
S. 983). 

286. Rabenstein, Der, tag an der Strasse nach Eersp- 
leben, da wo sich ein auf den Ringelberg führender, jetst ein- 
gegangener Weg von ihr trennte. Die Fläche, auf welcher er 
sich befand, wurde von einer runden, etwa 10 Fuas hohen Maner 
omschlossen. Im Jahre 1814 wurde dort zur Bezeichnung der 
ehemaligen Richtstätte eine Linde gepflanzt und eine steinerne 
Bank davor angebracht; dieselben befinden sich noch dort, an 
dem Eingang in das J. C. Schmidt'ache Oarten - Etablissement 
(Härtung, 1. c. H. S. 376). — In firUherer Zeit (zum erstenmal 
1327 erwähnt) hatte der Rabenstein sich im Hirachbrühl befun- 
den. In den Freizinsregistem von 1350 kommt auch ein lapls 
corvorum sub monte calibis, und 1359 VI. agri juxta Rabenstein 
et vocatur der Bcharlakensmantel vor. Dieser hat vor dem 
Augnstthore gelegen; denn es heisst daselbst: Mansns ante val- 
vam a. August, circa Scharlachensmantel und beim Jahre 1360: 
agri juxta Rabenstein et vocatur Scharlachenmantel ante val- 
vam S. August. — Der mens calibis lag nach einer Bemerkung 
im Freizinsregister von 1321 vor dem Krämpferthore , also da, 
wo aich später der Rabenstein befand. 

287. Rosenberg oder Rasenberg lag am Wege nach 
Eochheim über der SangerhausenmUhle. 

28S. Rosengaase hieaa aonst der Theil des vor dem 
Pförtchen bei der Milchinsel vorbei bia nach der Flora fahren- 
den Weges, welcher zwischen der BrDcke Über den Brunnenflnss 
der Milchinsel gegenüber und der Steigerchausaee Kegt. 

289. Sandgrube, Die alte. Sie befand sich reobtfl von 



..C.oo^lc 



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dem Wege, der von der Daberetedter Scbsnze nach dem Dorf« 
Daberstedt führte. 

290. Sandgrabe, Die neue, lag zwischen der alten 
Sandgrube und der Ämstädter Landstrasse, 

291. Scfamidstet (Sclmiedeetet), ein im dreissigj&h' 
rigen Kriege (1632) wllat gewordenes Dorf, lag etwas nördlich 
von dem Neusdimidstedt genannten QaethoFe auf einer jetzt Ton 
der Eisenbahn durchscbnittenen Stelle. Die Kirche wurde von 
den Schweden abgebrochen und deren Material ebenso wie das 
der Daberstedter Kirche zur Erbauung des Bollwerks vor dem 
Schmidtstedter Thore verwendet. Doch war sie schon früher 
ausser Gebrauch gekommen, denn 1554 verwendete der Rath 
die Glocken derselben zum Ersatz einer gesprungenen der 
Angustinerkirche. Die Flur wurde zur städtischen geschlagen 
und bildete das Schmidetedter Feld. An den Namen des Dor- 
fes erinnern noch gegenwärtig die der Schmidstedter Strasse 
und des Schmidstedter Thores. 

292. Sorge, Die, war der Käme eines einges&unten Wald? 
fleckes am südlichen und westlichen Abbange des Petersberges 
zwischen dem Juliusgraben und dem ausserhalb der Stadt vom 
Brtihler- nach dem Andreasthore ftibrenden Wege. 

293. Stade, Auf der hohen, hiess ein zum Mainzer 
Hofe gehöriges Grundstück vor dem Andreasthore. 

294. Steinbr&obe, Die, lagen am südlichen Abhänge 
des Cyriaxberges, wo sich gegenwärtig das Seservoir der atttdti- 
achen Wasserleitung befindet. Bei dem Umbau der Cyriaxbnrg 
1824 — 1831 wurden sie cassirt und ausgeßlllt — Ein anderer 
Steinbruch hatte in frllher Zeit (1350) nach Daberstedt eb ge- 
legen. 

295. Suiza, ein wttst gewordenes Dorf, das zwischen dem 
Rotbenberge und Schwerbom lag. Die Flar desselben bildet 
gegenwärtig die Snlze oder das Sulzer Feld. Der Schlftssel in 
der ThUre der darin befindlich gewesenen Kapelle exlstirt noch 
und befindet sich in Aufbewahrung bei dem Snlzer-Eohenwia- 
dener Hegemale. 

296. Todtenkbpf, Der, war der Käme eines Gtrund- 
stficks, das vor dem Karthauser Wehre zwischen der oben er- 
wllhoten Brathufe and dem Festungsgraben tag. — Ein BefMtl- 

.,.:. Cookie 



gangswark, du denselben Namen geführt bat, wird weiter unten 
Erwähnang finden. 

297. Tatelstedt oder Thatelestede ist der orsprüng- 
liobe Name des jetzt Dittelatedt genannten Ortes. Im FreiEins- 
r^ster tob 1361 : Kristine de Sangerhusen de agris in campis 
Tille Tutilstete prope Kongistul, in dem von 1381 : Henr. de Uel- 
chendorf de agris an dem Tutelsteter wege prope cmcem. (In 
Betreff dee Königstohla vid. Kruspe, Sagen der St. Erfurt II. 73.) 

298. Wawet, Wanweit, Wimwed, Wagd oder Wag- 
weide, Die, eine Benennung, die von einem angeblichen heid- 
niachen Gotte Wage hergeleitet wird, Uobb in der ältesten Zeit 
der Steigerforst nebat der vor ihm liegenden Ebene zwischen der 
Sobiessbaaaallee ond der Gera. (Faber, Abhandl. t. Freigütern 
u. Freizinsen S. 87.) Auch der SQdabhang des Höhenzuges wurde 
unter dem Namen Wagd mit inbegriffen, so Terstand man denn 
Kirchheim, Waltersleben, Rhoda, Möbisburg, Bechstedt, Wer- 
ningsleben und Egstedt unter den Dörfern : an der Wagd. Auch 
Bischofaleben (Bischleben) und Stedten flihrten den Beisatz: an 
der Wagd. Der noch heute übliche Name Becbstedtwagd erin* 
nert noch jetzt an dies Verhältniss. In späterer Zeit beschränkte 
man den Kamen Wagweide auf die Flur zwischen dem Steiger 
und der Stadt, auf der man 1324 begonnen hatte, den Wald 
auszuroden (Faber, I. c. S. 88). Es war dies der Platz, wo die 
Volksfeste begangen wurden, namentlich das Ziel des Walperts- 
zuges. Der Name: Steiger wurde früher nur dem südöstlich 
TOm Sobiesshause belegenen, mit Tannen bestandenen Tbeile 
des Waldes, insbesondere dem s. g. Tänncben oder TSnnicbt 
beigelegt, der jetzt der alte Steiger beisst. 

Banverbe. 

Wenn ich nunmehr auf die Aufzählung der in den Strftaaen 
nnd auf den Plätzen Erfurts befindlich gewesenen BauUcbkeiten 
fibergebe, erlaube ich mir wiederholt darauf hinzuweisen: dass 
iob nur solche erwähnen werde, welche entweder gar nicht mehr 
Torbanden sind oder doch sehr wesentliche Veränderungen er- 
fahren haben. Die Schilderung derer, bei welchen weder der 
eine noch der andere Fall stattfindet, bleibt den Topographien 
TOD Erfurt überlassen und ist unter andern auch Ton mir selbst 



~ 11 — 

r Schrift: „Erfurt ic seiner Vei-gangenbeit nnd Oegea- 
vart"j sowie in dem ftle Anhang den Statistiachen Mittheilnngen 
ang dem Stadtkreise Erfurt von Breslau beigefilgtea Aufsätze 
yersucht worden. — 

Ich werde zuerst die Befestigangsanlagen , di« ja jetzt im 
Altgemeinen auch der Vergangenheit angehören, sowie die Thore 
und Stadtthürme, sodann die kirchlichen Bauwerke — Kirchen, 
Kapellen, Kläater and auswärtigen Klöstern angehörenden Böfe 
— sodann die weltlichen, namentlich die einem öffentlichen 
Zwecke gewidmet gewesenen aufführen. Den Schluse soll eine 
ächilderang der früher hier bestandenen WasserrerhSltnisse 
hilden. 

BefestiRtmgen. 

Was die Befestigungsanlagen betrifft, so mag der Auffübmng 
einzelner Werke eine chronologische Uebereicht des Oanges, 
den die Befestigung von Erfurt im Allgemeinen genommen, Tor- 
aosgehen. 

Erzbischof Siegfried soll der erste gewesen sein, der 1066, 
1067 oder 1070 Erfurt vermittelst einer ateineraen Mauer und 
WarttbÜrmen befestigt hat, während bis dahin nur ein Graben, 
Lehmw&nde und Zäune den Schutz gegen feindliche Angriffe 
gebildet hatten. Diese waren es wohl, die aue den Zeiten des 
Königs Heinrich und des Erzbischofs Wilhelm (964) herrührten. 
Nach andern Angaben ist nur die von dem letzteren bereits be- 
gonnene Ummauerung von dem Erzbischof Siegfried fortgesetzt 
worden. Sei dem wie ihm wolle, so steht fest: dass zwischen 
1160 nnd 1165 Erfurts Mauern von dem Landgrafen Ludwig 
dem Eisernen von Thüringen geschleift sind; zweifelhaft bleibt 
jedoch: ob sie erst 1134 von dem Erzbischof Conrad wieder- 
hergestellt sind, oder ob dies bereits 1168 oder 1169 durch "Erz- 
bischof Christian geschehen sei (Kirchhoff, WeisthQmer S. 306; 
Vgl. Wemebnrg, 1. c. S. 181). 

Eine besondere Befestigung des Severiberges, der die Bi- 
schofsburg, die erzbisohöfliche Residenz, trug — also gewisser- 
masBen die Anlage einer Citadelle — hatte bereits Erzbischof 
Adelbert J. (1109 — 1137) bewirkt, nachdem er das bisher darauf 
befindlich gewesene Benedictiner-Nonnenkloeter 1123 auf den 
Cyrtaxberg verlegt hatte. — Reparaturen und Besserungen »n 



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den Haaern sind 1322, 1337, 1350, 1359 — 1360 und 1374 vor- 
genoDomeD. 1348 — 1350 worden die Mauer hiotar dem Peters- 
bei^e, sowie eia Thurm zwischen Ängust- und lidbarthor, 1351 
swei neae TbUrme vor dem Angustthor, 1352 zwei TliUnne zwi- 
■chen dem Kr&mpfer- und dem JohannistliOrQ , sowie einer vor 
dem Andreasthor, 1358 Basteien gebaut, 1374 aber die Hauer 
auf der Aussenseite des Petersberges vollendet und 1374 die 
Aassentbore angelegt, 1373 vor dem L&bertbore, 1378 vor dem 
Scbmidtstedter- , 1379 vor dem Krämpfertfaore der Graben ge- 
zogen, 1382 — 1392 der grosse Tborm vor dem äusseren BrObler- 
thore erbaut 

In diesem Zustande blieb die Befestigung ron ErJnrt im 
Wesentlichen bis zum Jahre 1432. Damals nahm die Stadt unter 
dem Vorwande des Schutzes gegen die von den Haasiten dro- 
hende Gefahr, in der Wirklichkeit aber, weil ein zwischen Kur- 
mainz und Kursachsen abgescbloseeneB Bündniss sie um ihre 
Freiheit besorgt machte, eine sehr erhebliche Erweiterung der 
Befestigung vor, indem man auch die Voratfidte in diese mit 
hinein zog. Es wurde in dem genannten Jahre von dem Fusse 
des Fetersberge« ausserhalb de« Mainzer Hofes und des Br&bls 
bis nach der Karthänser Mühle eine doppelte Mauer gezogen. 
1433 setzte man diese Arbeiten fort, indem man mittelst Aof- 
staaung des Wassers an der oben erwähnten Neuen Sorge einen 
Wassergraben von der Gera bei dem Hohenbrlihlerthore vorbei 
bis zum Lanenthore anlegte, auch auf der anderen Seite der 
Stadt das Andreastbor mit dem Horitzthore und das letztere 
mit dem Johanqisthore durch eine Mauer verband, die demnächst 
noch weiter, bis zma Krämpferthore und 1446 vom Spielberg 
bis zum Löberthore fortgefdtu-t wurde. 1444 ward das Johmnais- 
thor mit einem Rondel versehen, 1458 und 1459, als man sich 
gegen einen drohenden Angriff des Erebischofs Diether schützen 
EU mUssen glaubte, die sohmale Gera zwischen dem Moritc- und 
Johannisthore mit einem Thurmbogen Überspannt 1463 aber 
auf dem Johanniswatl zwischen dem Johannisthore und der 
Ziegetbütte ein Thurm erbaut. 

In den Jahren 1478 bis 1480 wurden die Festungswerke 
durch die Anlage einer Citadelie auf dem Cyriaxberge, auf dem 
sich bisher ein Nonnenkloster befunden, das nunmehr in dta 
Stadt verlegt ward, mit einem beträchtUoben Kostenaufwandes 



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der nicht wenig ditza beitrug, der Stadt die Schuldenlast auiza- 
bOrden, welche die HauptveranlaBanng zu dem b. g. tollen Jahre 
gab, vervollatändigt. Eine Uaner von gewaltiger Dicke — sie 
betrug 10 Fuaa -^ ttmacblosa ein Viereck, in deaaen Ecken sich 
feste Thürme befanden, von denen aber zwei, und gerade die, 
welche die Stadtaeite hätten beacbützen können, nicht vollendet 
wurden. AuBserdem beging man den FeLler: daas man den der 
Stadt zugekehrten Abbang ohne Mauern liess; in dem Glauben: 
daas die achwere Zogänglicfakeit in Folge von dessen Steilheit 
schon an und für sich hinreichenden Schutz gew&hre. 1514 
wurde der Bau der Mauer, die dem Hochheimer Wege gegen- 
flber steht, begonnen, 1528 der nördliche Thurm, 1534 die Hauer 
gegen den bedeckten Weg vollendet, 1530 der Brunnen ange- 
legt; das Kehlgebäude, das groaae Qebäude, welchea seine Front 
gegen die Stadt richtet, iat aber erst 1G04 erbaut. — 

1538 ward der Thurm mit zwei Gewölben und dem Waaaer- 
gebftade am Moritzthore, 1540 das Blockhaus zwischen dem An- 
dreas- und Johanniatbore errichtet, 1547 der Graben an den 
ScbntztbUrmen und der Walt bei der E^rthause verbreitert, 1552 
der Wall von dem Erämpfertbore bis zum Karthäuaerkloster an- 
gelegt und auf diese Weise die Enceinte der Stadt und der 
Vorstädte vollendet, aber im folgenden Jahre 1553 solche durch 
Erweiterung des Grabens am Neuenthore (dem Fförtchen) und 
von dem Karthäuserkloater bis zum Erämpferthore vervollstän- 
digt. 1585 wurde der Brückenkopf vor dem Erämpferthore an- 
gelegt, 1587 die neue Bastei am Spielherge, die s. g. Hohe Ba- 
atioD, begonnen und 1591 mit ihrem Thurme vollendet Im Jahre 
1606 wurde der obengedachte Wall verstärkt und erhöht und 
die Umfassongamauer der. Stadt, die bis dahin eine ungleiche 
Höhe hatte, an den niedrigeren Stellen erhöht, ao daaa aie nun- 
mehr von einem Thore bis zu dem andern gleich hoch war. 
1623 wurden nun auch die Wälle awiachen dem Löber- und dem 
Jobannisthore verstärkt. Ein Gleiches geschah zwischen dem 
Brfihler- und dem Andreasthore. Man begnügte sich jetzt nicht 
mehr mit dem Schutze, den die Enceinte gewährte, sondern ging 
auch an die Errichtung von Aussenworken. So wurde vor dem 
Lanentbore ausserhalb des Lauengrabens ein Hornwerk, 1624 
zwischen dem Feterabei^ und dem Andreasthore der Todtenkopf 
angelegt, 1630 und 1631 vor dem obenerwghhnten Walle ein« 



:vCoOJ^Ic 



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D«ue Katze (d. i. eine besonderB erhöhte Schanze, deren Zweck 
ist: die übrigen Werke von ihr aus zu beherrschen, ein Cavalier, 
Qrimm, Wörterb. Bd. V. Gol. 290) errichtet und 1631 mit dem 
Baue der grossen Schanze auf dem Mainzer Qebinde (vor dem 
Fetersberge am Marbacher Wege) begonnen. 

Sehr viel geschab für die Instandsetzung und Verst&rkung 
der Festungswerke von Erfurt während der schwedischen Occu- 
pation. — Gleich am Tage nach seinem Einzüge, am 23. Sep- 
tember 1631 , umritt König Giistav Adolf die ganze Stadt und 
die Cyriaxbnrg in Begleitung eines Festongsbaumeisters und 
ordnete selbst an: welche neuen Werke aufgeführt nnd was zur 
Ansbessemng und Verstärkung der schon v<)rhandenen durch 
Errichtung von Schleusen, Zugbrücken, Basteien u. s. w. ge- 
schehen solle. Es wurde denn auch sofort an die Ausführung 
gegangen. In den Jahren 1632 und 1633 erhielten die Gräben 
vor sämmtlichen Thoren Zugbrücken ; die Wälle vom Neuenthore 
bis zur Karthäuser Mühle, sowie vom Brllhler- bis zum Andreas- 
und von dem letzteren bis zum Johannisthure wurden noch 1632, 
die auf beiden Seiten des Schmidstedter Tbores 1633 mit Patli- 
saden versehen. Noch im letztgenannten Jahre begann man mit 
der Legung des Bollwerks vor dem Andreasthore, zu dessen 
Aufmauerung die Steine von der zu diesem Zwecke abgebroobe- 
oen Moritzkirche verwendet wurden. Gleichfalls 1633 wurde 
auch noch die Bedachung von dem Thurme am Andreasthore 
abgenommen und eine Batterie auf denselben gelegt, sowie das 
Rondel vor dem Spielbergthore verschüttet und dadurch das 
letztere ungangbar gemacht. Im Jahre 1633 ward der alte Brüh- 
lerwall durchschnitten und ein neuer Wall mit einer Eecarpe 
angefangen; 1635 der Eintritt des Bergstroms in die Stadt llber- 
vrfllbt. — 

Eine verdoppelte Thätigkeit entfalteten die Schweden, Dacb- 
dem sie durch den am 22. December 1636 zwischen der Stadt 
und dem General Banner abgeschloBsenen Accord von neuem 
in deren Besitz gelangt waren und dieselbe nun zum Stützpunkte 
ihrer Operationen in Thüringen machten. 1637 wurde der halbe 
Mond gegen das Rondel auf dem Daberstedter Berge aufgeftlhrt, 
das Bavelin vor dem Andreasthore angelegt, und ein gleiches 
neben der Zugbrücke vor dem Scbmidstedtertbore errichtet 
1640 ward die Cyriaxburg mit doppelten Faltisaden und vier 



— 81 — 

Erdfleschen mit zwiscbenliegendom GUcie, später ancb (1643) 
der dortige Brunnen mit einer spanischen Haube verseben, nm 
das Durchschlagen der Granaten zu verbiDdem. Der BrUhler- 
wall lief bis dabin bis an die CTriaxburg, an deren Fusse ein 
hoher Thurm stand, von welchem aus sie beacbossen werden 
konnte. Dieser wurde niedergerissen and der Wall weiter zu- 
rück verlegt bis zu der Stelle, wo bis auf die neueste Zelt daa 
BrUhler Thor lag, um die Burg selbständiger and weniger von 
dem Qeschicke der Stadt abhängig zu machen. 1641 wurde das 
bereits im vorhergegangenen Jahre begonnene Ravelin am Löber- 
thore vollendet, das Bavelin hinter der Karthäusermllble gebaut, 
der Moritxdamm begonnen, der im nächstfolgenden Jahre voll- 
endet wurde nnd das Löberthor verschanzt. 1643 und 1644 
vorde eine erhebliche Veränderung mit den Festungswerken in 
der Gegend des Lauentbores vorgenommen j der dort stehende 
schöne Tharm und die Mauer niedergerissen und dafür ein zwei- 
faches Bollwerk mit einer daewischen liegenden Coartine errich- 
tet, in dem letztgenannten Jahre auch am Petersberge ein neues 
Bollwerk erbaut, 1646 der halbe Mond am Ändreaswalle ausge* 
mauert, 1647 aber mit dem Bau des Bollwerks an dem Schmld- 
stedter Thor der Anfang gemacht, das erst 1649 zur Vollendung 
gelangte. Es ist dies das unter dem Namen: Schwedenschanze 
oder Schwedenbastion bekannte Befestigungswerk. Mit diesem 
scfaliesst die fieihe der während der schwedischen Occupation 
in der Umfestigung von Erfurt vorgenommenen Veränderungen. 

Im Wesentlichen sind dessen Festungswerke, abgesehen 
von den beiden Citadellen, bis auf die neueste Zeit so verblie- 
ben. Was in den Jahren 1663 und 1664, als man sich gegen 
die drohende Belagerung durch die kurmainzischen Truppen und 
deren Verbündete schätzen wollte, geschehen (es ist dies speciell 
in meiner Schrift: die Reductioa von Erfurt S. 206—209 auf- 
geführt — eine Ansicht von Erfurt mit seinen damaligen Befe- 
stigungs werken und der Belagerung in der Chronik von Fritz 
S. 366, ein Flau des Petersberges vor dessen Umwandlung in 
eine Citadelle in dessen Cosmographie) , isOohne nachhaltigen 
Einfloss geblieben. Tbeils waren es Werke, die, wie die Schne- 
ckenscbanze im Johannisfelde, die halbe Kartbaune vor dem Mo- 
ritBthore, die Reindarschanze an der Strasse nach Tieftbal, Qher-' 
baupt nur auf den Augenblick berechnet waren und nachdem 



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dieser vorSbei^egangen, von selbst veracliwsnden, tbeile wurden 
sie auch da, wo dieses nicbt der Fall war, demnäcbst wieder 
entfernt, wie die 1663 errichtete, am Nordabhange des Peters- 
berges unfern der Ändreasbastion Ewisohen der „Todtenkopf" 
genannten Bastion und der Batterie vor der Annfjokapelle bele- 
genen Studenten-Batterie, welcbe alle drei bei der Umwandlung 
des Peter aber ges in eine Citadelle beseitigt wurden. 

Hit der letzteren wurde gleich, nach dem Eintreten der s. g. 
Reduction, drei Tage nachdem Kurfürst Jobann Philipp seinen 
BioBOg gehalten, am 15. October 1664 begonnen und dieselbe 
mit solchem Eifer betrieben, dass 600 Arbeiter dabei beschäftigt 
wurden. Am 1. Mai 1665 wurde der erste Stein isu den Hanrer- 
arbeiten der Festungswerke gelegt. Die Grundlage von diesen 
bildete ein gegen Südwest rerlüngertes Pentagon, das von acht 
Bastionen eingeschlossen ward, von denen vier, St. Franoiscus, 
St. Philipp, St. Leonhard und St. Eilian gegen die Stadt, zwei, 
St. Öabriel und St. Michael, gegen die Auaaenseite gericbtet 
waren, die beiden letzten: St. Martin und St. Johannis sich da 
befanden, wo die Stadtseite sich an die Ansaenseite anschloss. 
(Ein Plan dieser ersten Anlage der Citadelle in Frita Cosmo- 
graphie.) Vor die Courtinen wurden die Baveline St. Änselmos, 
Lotbar, St Wilhelm und St. Peter gelegt. In der Richtung der 
Cjriaxbnrg, wo bisher die grosse Schanze sich befunden, ward 
ein Hornwerk errichtet, auf der entgegengesetzten Seite die Ba- 
stion am St. Andreaethore mit in die Befestigung der Citadelle 
gezogen. Zwei Thore vermittelten die Commnnication , das St. 
Petersthor auf der Stadiseite und das St Anselmithor auf der 
entgegengesetaten (meine Bednction von Erfurt S. 237— 24S), 
welches letztere seinen Namen von dem KorfUrsten Anselm Frans 
bekam, der durch dasselbe 1680 seinen Einzug in Eri'urt hielt 
Erst damals war der Festungsbau zum Abscblass gelangt Daas 
viele der bisherigen Befeetigungswerke , so die am ehemaligen 
Lauenthore, haben Platz machen mUssen, iat bereits oben ange- 
deutet worden. — Auf der C;riaxburg wurde 1703 eine massive 
Kaserne gebaut 

Im Uebrigen liess die Mainzische Regierang alles wie sie 
es voi^efunden. An der Enceinte der Stadt geschah nichts; 
dass 1704 auf Veranstaltung Boyneborgs die W&lle mit Bftumen 
bepflanzt wurden, erfolgte nicbt um die Befestigungsanlagen zu 



— 83 — 

TerbeBtern, BOndem tun den Einwohnern einen Promenmdenweg 
sn beschtffen. 

Als wKbrend des nordischen Krieges 1706 Erfurt ron einem 
Anfall der Schweden bedroht war, dachte man ewar an die Wie- 
derinstandaetzang der Festangswerke, sowie die Anlegung neuer 
Batterien, und es wurden auch :30000 Rth. hieran aaf die knr- 
fOrstliche Kasse angewiesen, dieselben scheinen aber, da die 
Qefahr sich bald wieder versog, nur tbeilweise zur Vsrwendong 
gekommen eu eeia, indem man sich darauf beschränkte, einige 
Batterien aufxnwerfen und Holzstämme xam Pallisadenbau heran- 
sufttbren. — Etwas ernster wnrde die Sache betrieben, als im 
siebenj&hrigen Kriege Erfurt bald yon preuasiscber, bald von 
feindlicher Seite gebrandschatzt wurde. 1757 worde die Daber- 
steter Sch'anae wieder hergestellt und Erdwerke am Patersbei^e 
angelegt, 1759 der gedeckte Weg und das Glacis, 1762 aber die 
Rarelins und das Homwerk auf dem Fetersberge in Stand ge- 
setzt. 

In diesem Zustande fand die erste preussische Besitznahme 
Erfurts Befestigungsanlagen. Es geschah während der Dauer 
TOQ jener fllr dieselben ebenso wenig, wie nachdem die Stadt 
onter französische Herrschaft gerathen war. Erst als 181S die 
Gefahr einer Belagerung nahe trat, sah man sich gezwungen, 
wenigstens den dringendsten Uebelstftnden abzuhelfen ; so wurde 
denn die Dabersteter Scbanxe in Stand gesetzt, der Brücken- 
kopf vOT dem Krämpferthore erweitert, die beiden Cavaliere an 
dem Austritt der Schmalen Gera aus der Stadt erhöht, der Wall- 
tbarm Nr. 9 (zwischen Pffirtchen und Löberthor) zur Vertbei- 
digang eingerichtet, der Nr. 12 (zwischen Löberthor und Spiel- 
berg) hergestellt and der Cavalier zwischen den beiden ThOrmen 
aaf der Cyriaxburg angelegt 

Bei der zweiten preussiscben Besitzergreifung befanden sich 
die Befastigangswerke in einem höchst mangelhaften Zustande; 
namentlich war dies bei der Citadelle Petersberg der Fall. 
Sftmmtlicbe Qebfiude derselben waren verfallen und kaum noch 
bewohnbar. Die Trümmer der dnrcb das Bombardement zer- 
störten, namentlich der Peterskirche, bedeckten die Zwischen- 
rttame. Das Dringendste war daher die Wiederherstellung des 
Petersberges. Mit ihr wurde bereits 1815 begonnen and seitdem 
Jahr vor Jahr fortgefahren; doch würde es hier zu weit fahren. 



— 84 — 

alle TorgeBOmtaeneii ÄrbeitSD einzeln namhaft eu machen. Nur 
mag erwähnt werden: daas 1828 — 1831 die dortige Defenstons- 
kaseme gebaut worden ist, wobei die noch atebenden Ruinen 
abgebrochen und der vor der ehemaligen Kirche belegene Platz 
volUtändig geebnet worden, sowie dass 1830 der Caralier Wil- 
helm neu gebaut worden iet. 

Die zweite Citadelle, die Cyriaxburg, deren Znetaud den 
damaligen Anforderungen der BefeBtigungskunat nicht mehr ent- 
aprach, wurde in den Jahren 1824 bis 1831 fast vollständig neu 
gebaut mit einem Eostenaufwande von mehr ala 200000 Rth. 
1824 — 1828 wurde die dortige Defeoaionakaaeme, 1826—1828 
das ans den beiden Tbürmea, der crenelirten Mauer und dem 
ErdcavalJer bestehende Kemwerk, 1828 — 1831 die vier Block- 
häuaer errichtet, von denen aber das an dem Abhänge naeh 
dem Hochheimer Wege zu stehende 1843 in ein defenaiblea 
Friedenspulvermagazin umgestaltet wurde, 1826 — 1829 das Gla- 
eis angelegt. Denen, welche die C;riaxburg vor der neuerlichen 
EntfestigUDg gekannt haben, wird erinnerUch sein: dasa sie in 
ihrer Art ein wahres Sohmnckkästlein war. 

Auch flir die Instandaetzang und Verbeaserung der Enceiate 
der Stadt, aowie fUr die Errichtung von Aussenwerken , ist vie- 
lerlei geschehen. Daa erste war, dass man mit der Anlage eines 
Glacis vorging. Dasselbe wurde bereits 1814 begonnen und ge- 
langte 1843 mit der Erhöhung auf der Andreasfront aar Voll- 
endang. 1816 wurde dem Jnliuatbutm ein neuer gemauerter 
Tambour vorgelegt^ 1818 erhielt die Bastion St. Andreas Flan- 
ken, deren linke 1830 au^emauert ward; 1841 — 1843 bekam 
daa ganze Werk ein hohes Revetement und einen freien inneren 
Ranm. 1818 und 1819 wurde vor der Auesenseite des Feters- 
berges unfern des Binderslebener Weges ein defensibles Frie- 
denspulvermagazin angelegt, daa 1831 durch die darum gelegte 
Brtibler LUnette verstärkt ward. 1819 wurde der Tambour hin- 
ter dem Schmidstedter Thore aufgemauert , 1820 das von den 
Schweden 1642 vor dem Läberthore angelegte Ravelin (u einem 
Brückenköpfe erweitert und das Rondel daselhat verheaaert, 1821 
der Thurm am Schmidstedter Thore zum Pulvermagazin einge- 
richtet; doch wurde derselbe erst 1832 bombenfest eingedeckt, 
1822 and 1823 wurde der Brückenkopf vor dem ebengenannten 
Thore erbaut, 1^7 — 1880 ein solcher vor dem Jobaanbthore 



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— 85 — 

angelegt; 1839 erhielt der vor dem ErÜmpfertfaere seine letzte 
Gestalt. Eid gleiches geschah 1833 rllcksichtlioh der Daber- 
stedter Schanze. 1835 wnrde die Äuenechanze angelegt, am als 
Uebangsplatz tut die seit 1832 hier gamisonireade Pionierabthei- 
Inng zn dienen; 1842 warde die Bastion St. Moritz grandlicb 
ansgebessert tind profilirt. 

Die letzten Arbeiten an den Befestigungswerken von Erfort 
wurden bei dem Ausbruche des Krieges von 1866 vorgenommen. 
Es wurden drei Anssenwerke neu angelegt. Die Schanze auf 
dem Himziegen berge hinter dem Mangoldscfaen Felsenkeller, die 
zwar bereits 1815 flUchtig begonnen, aber wieder gänzlioh ver- 
fallen war, erbaut, die Anenschanze sehr erheblich erweitert, 
nnd die Schwedenschanze unfern des Vorwerks Hau gerb ach 
zwischen dem Alacher und dem Binderslebener Wege angelegt, 
welche letztere noch jetzt vollständig erhalten ist, da sie als 
Pulvermagazin dient. Die Befestigung des Petersberges wurde 
durch Aufschüttung eines zweiten Glacis vervolUtändigt; in dem 
Festun gegraben am Andreasthore , in der Nähe des Pfortchens 
und links vom Schmidstedterthore wurden Caponiären erbaut, 
die Andrsasbastion umgebaut, mit einer Poteme und Kasematten 
versehen. 

Was seit dem 1. Oktober 1873, wo Erfurt aufgehört hat, 
Festung zu sein, bei dessen Befestigungsanlagen vorgenommen, 
ist in der der bisherigen Bichtung gerade entgegengesetzten ge- 
schehen. Was die früheren Jahrhunderte mit Aufwendung enor- 
mer Kosten und Anspannung aller Ej-äfte geschaffen, das wird 
nun mit, wenn nicht gleich bedeutenden, doch noch immer sehr 
beträchtlichen Mitteln wieder zerstört. Wie weit die Entfestigung 
Erfurts bereits gediehen, dessen Tbore, ThQrme, Wälle nnd Ba- 
stionen verschwunden sind, das brauche ich hier nicht ausfllhr- 
lieh zu schildern, da ea vor Augen liegt nnd allgemein bekannt ist. 

Bücksichtlich einzelner Befestigungsanlagen will ich nur noch 
Nachstehendes anfahren. 

1. Das Andreasravelin, unmittelbar vor dem Andreas- 
thore belegen, 1646 erbaut, bei der Belagerung von 1664 sehr 
stark beschädigt, wurde bei der Verwandlung des Petersberges 
in eine Citadelle, wie bereits bemerkt, in dessen Befestigung mit 
hineingezogen, nnd durch die Bastion St. Andreas ersetzt, die 
1841 — 1843 ihre letzte Gestalt erhielt. 



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2. Die Annen - K&pellen - Baitei Ug auf der AokMB- 
sflhe des Petersberges zwischen der Studantea-Bktterie und dem 
Andreas - Barelin. 

3. Bräbler Lünette, anfem des BrQhlerthorea an dem 
TOQ diesem ansserbalb des GUcis des Petergberges nach dem 
Andreaatbore ftibrenden Wege belegen, als Aussenwerk mit 
einem defensiblen Friedens - Polverroagazin 1819 angelegt, 1831 
Teratftrkt, ist neuerdings, nachdem der Flata in Privatbesita über- 
gegangen, eingeebnet und mit Villen bebaut worden. 

4. Juliuaburg, ein Befestigungstburm am Juliusgrabeo, 
der Mittelmühle gegenüber, ist 1545 erbaut, 1632 mit einem Ca- 
▼alier beschüttet, neuerdings aber bei Erweiterung der Gewebr- 
fabrik abgebrochen worden. Der dahinter liegende, jetzt gleich- 
falls abgetragene Wall war, augleich mit dem Juliasgraben, 1426 
— 1434 während der HusBiteaknege angelegt, um den hohen 
Brtlfalerthurm mit der alten Stadtmauer am Lanenthore in Ver- 
bindung zu setzen. (Nach Härtung, HSuserchroo. II. S. 374, ist 
die Anlage des Juh'usgrabens erst 1474 erfolgt) 

5. Löberrarelin lag ausserhalb des Löberthores rechts 
von der Arn Städter - Strasse. Es war 1642 von den Schweden 
angelegt und wurde 1820 au einem BrQckenkopf erweitert, wo- 
bei gleichzeitig eine Verlegung der genannten Strasse nnd 1821 
der Bau einer nach dem Pfbrtchen, der Milchinsel nod dem 
Steiger führenden Chaussee stattfand, weil der bisherige, dicht 
am Festungsgraben hinführende Weg durch die Anlage des 
Glacis cassirt war. 

6. Moritzschanze oder Horitzbastion. Sie lag am 
Ausgange der MoritzgaBse neben dem Moritzthore, da wo jetat 
das neue Schulgebftude steht. Sie war am 1640 angelegt and 
erhielt 1842 ihre letzte Gestalt. 

7. Petersberg. In Betreff der arsprünglichen Befestignng 
desselben, seiner Umwandlung in eine Citadelle, nnd der später, 
namentlich in preuBsischer Zeit vorgenommenen Baaten ist das 
Erforderliche bereits erwähnt worden. Hier mag nur noch be- 
merkt werden : dass in Folge der Entfestigung die Ravelina Wil- 
helm (vor den Bastionen Franz und Jobann) und Peter (vor den 
Bastionen Leonhard und Kilian belegen) bereits verschwunden 
sind, nnd neuerdings das Exercierhans von seinem bisherigeo 
Platze an der CasinoBtrasse dorthin versetat wordea ist. 



:,G Gothic 



— 87 — 

8. Schanse, Die grosse, wu ein 1631 angelegtes 
Anaseowerk des Petersberges vor dasseti Umwandlung in eine 
Ciladelle, swieclien dem Lauen- nnd dem Schanstbore (dem 
nachherigeo Anselmitbore). Sie nahm also etva dieselbe Stelle 
ein, wie nachher das Bornwerk. 

9. Schneckenschanze. Sie lag im Johannisfelde rechts 
von dem Wege nach IlTersgebofen auf dem jetzigen Exercier- 
platze. Als die Belagerung von 1664 drohte errichtet, verfiel 
sie nach derselben bald wieder. 

10. Spielberg, Der, später Hohe Bastion oder Rondel 
genannt, vor dem Spielbergstbore belegen, ist als Erdaufschflt- 
ttiDg dem Empfangsgebäude der Thüringischen Eisenbahn gegen- 
über, zur Zeit noch vorhanden, wenn auch schon der baldigen 
Zerstörung verfallen. Das Bondel ward an dieser Stelle 1587 — 
1591 erbaut und gleichzeitig eine Communication , die jedoch 
1032 durch Ausfüllung des Rondels von aussen her verschattet 
wurde, 1813 aber eine hölzerne Foterne zu einer ober den Gra- 
ben geschlagenen Pontonbrücke errichtet. Die Commnnica^on 
ward 1666 mit einem Tburme überhöht, der 1814 abbrannte und 
in Folge dessen ganz abgetragen ward. 

11. Todtenkopf, Der, hiess eine am Fusse des Peters- 
berges auf der Feldseite, an der Stelle, wo sich später das Ba- 
velin St. Anselmi befand, belegene Bastion, die 1624 (nach Böck- 
ner erst 1663) angelegt war. Bei der Belagerung von 1664 
überDabni, da dies die am meisten der Qefahr ausgesetzte Stelle 
war, die von den Studenten gebildete Compagnie, das Corps da 
guarde wie sie genannt ward, die Vertheidigung. Bei der Um- 
wandlung des Fetersbergee in eine Citadelle (1665) wurde der 
Todtenkopf in diese mit hinein gezogen. 

Thore und Wallthürme. 

Die Thore Erfurts zerfielen in zwei Kategorien, die inneren 
und die äusseren. Die ersteren befanden sich in der Stadt- 
mauer, als diese nur die eigentliche Stadt umgab und entstanden 
daher gleichzeitig mit derselben, angeblich im Jahre 964, die 
letzteren in der Umwallung, nachdem auch die Vorstädte in 
diese mit eingeachlossen worden. Die Innentbore sind meistens, 
da sie nach Erweititrung der Enceinte der Stadt, überfiÜBBig ge- 
worden waren, schon in früherer Zeit, die Äussenthora dagegen 



:,G Gothic 



erst neuerdings, seit der Entfestigang, Terscbwanden. Nor das 
die Stadt mit der Citadelle Feteraberg verbindende Petersthor 
ist noch in seiner frttberen Oestalt erbalten. — Da Tor dem An- 
dreastbore ebenso wie vor dem Lauenthore keine Vorstadt eiit> 
standen war, welcbo mit in die Umwallung eincaschliessen ge- 
wesen wäre, eo fielen an diesen Stellen Aussen- und Innentbor 
zusammen. Das Heidenthor befand sich. mitten in der Stadt. 

Einer gleichen Bezeichnung bediente man sich in Betreff 
der Brücken; auch hier unterschied man innere und äussere. 
Doob gab man urspriinglich den Kamen: AeusserethorbrUcke 
denen, welche die Verbindung zwischen der eigentlichen Stadt 
und den Vorstädten vermittelten, also denen über die Wilde 
Gera, im Gegensatz gegen die innerhalb jener, insbesondere 
über den Breitstrom fahrenden Brücken. Nachdem aber im 14. 
Jahrhundert die äussere Walllinie um die Vorstädte gelegt war, 
erhielten die Brücken, welche über den Festnngsgraben ftthrten, 
die Bezeichnung: der äusseren, während die, welche bisher so 
gebeiasen, nunmehr innere genannt wurden (Kirchhoff, Weis- 
tbümer S. 24). 

Die Innentbore 

waren 

1. Das AnguBtthor. Es lag am Ende der früheren 
Augnststiisse unmittelbar an der Über die Wilde Gera ßibren- 
den Brücke. 1337 erhielt es einen steinernen Thurm ; gleichzeitig 
wurde die Brücke von Steinen anfgeAlhrt. Es bestand aas zwei 
Thurmdurchfahrten , auf jeder Zwingerseite eine. Es ist erst im 
Jahre 1841 als das letzte der inneren Tbore abgebrochen wor- 
den, nachdem dies in Betreff der Pfeiler der inneren Durchfahrt 
schon 1839 geschehen war. 

2. Brühler Thor, Das innere, auch das Eramroe 
oder Martinsthor genannt, weil es mit einem im Bauernauf- 
ruhr zerstörten Bilde des H. Martin versehen war, lag zwischen 
der Mainzerbof- und der BrDhlerstrasse an der Stelle, wo sich 
jetzt auf der einen Seite die Gewehrfabrik, auf der andern der 
Eingang zum BrUbler Friedhof befindet. Eine Abbildung des- 
selben in Frieses Chronik, Tb. It. S. 423 und in der Chronik 
von S. Fritz, S. 168. Es ward 1447 im Bau begonnen, bei dem 
groaseu Brande 1472 vom Feuer zerstört, aber bald wieder her* 



:,G Gothic 



gestellt, 1479 (nach Friese, 1. c. I. 8. 163 schoD 1418) mit einem 
groaeen ninden Thnrm verstärkt und mit dem erwähnten Brast- 
bitde des h. Martin geschmückt. Der äussere Tburm und die 
denselben mit dem inneren Thore verbindenden Mauern wurden 
1717 behufs Vergrössernng des Statthaltereigartona , das übrige 
1839 zur Verbreiterung der Strasse abgetragen. 

3. DaB Heidenthor, ein UberbauteB steinernes Thcr, lag 
zwischen der PredigerstraBse und dem Fiscbmarkt (nach andern 
Angaben zwischen der: Hinter der Scheibe, genannten Gasse 
und dem Töpfenmarkt). Es soll seinen l^amen davon erhalten 
haben: dass es sich in der Mähe deB Judenviertcla befand und 
die Juden in damaliger Zeit als Heiden betrachtet wurden. 
Friese, 1. c. I. S. 76, sagt: Diesseits hatten sonst nur Heiden, 
nachmals Juden, und jenseits Christen gewohnt, daher ist es 
das Heidenthor genannt worden. Bei dem grossen Brande von 
1736 wurde es aerstart und nicht wieder hergestellt 

4. Johannisthor, Das innere. Es lag am Ende der 
JohannisBtrasse nach älterer Bezeichnung, vor der Johannis- 
brilcke neben dem Eingange zum Jobannis-Friedhofe. Es wurde 
12S6, nach Hogel (I. c. S. 197) erbaut, nach andern Angaben 
aber auf der innern Seite mit einem Thurm versehen, an wel- 
chem sich em Bild des b. Johannes nebst den vier Wappen der 
Stadt Erfurt und der ihr gehörigen Herrschaften befand, der 
jedoch erst 1448 vollendet wurde (Chronik des Härtung Kammer- 
meister und Mittheilungen des Alterthums' Vereins, Heft I. S. 30). 
Die vor dem Thore liegende Brücke wurde 1360 gebaut. Auch 
an der äusseren Zwingermauer hatte das Thor einen Thurm mit 
einer Durchfahrt. Als der ersterwähnte Thurm mit dem Thore 
□m 1810 abgebrochen wurde, ward das Bild des h. Johannes 
in die anatossende Friedhofsmauer eingelassen, in welcher es 
noch jetzt zu sehen ist. Es musa aich aber noch eine andere 
steinerne Bildsäule vor dem Thore befunden haben, denn in den 
Freizinsregistem von ]32ii und folgenden findet sich häufig die 
Bezeichnung: juxta lapideam statuam apud valvam S. Johannia 
intra Kirslacam, auch trans Eirslacam. 

5. Erämpferthor, Das innere, Erampenthor (Porta 
Erempferiaua , valva cramphonum, oder valva spaKmi) oder 
Erampenburgerthor, auch Eaufmannathor genannt. 
Ea la^ da, wo sich jetzt die Eingänge znm Elrämpfer' und Kam 



.oogic 



- 90 - 

Auguitfrisdhofe befinden, vor der ErILmpferbrücke. Es wurde 
1350 dnrcli eine Steinmauer mit dem in der Krämf^erToratadt 
bfllflgenen Servitenkloster verbunden. Die steinerne Brücke 
wnrde 1749 von einer Hocbflutb fortgerissen, aber noch in dem- 
selben Jahre wieder hergestellt. Es bestand aus zwei Tbürmen 
mit Durchfahrten, von denen der eine an der innem, der andere 
an der nasseren Zwingermauer seinen Stand hatte. Der innere 
Thortharm bestand noch 1693. Der Ursprung des Namens : 
Krämpfertbor ist bekanntlich Gegenstand einer wisBenschaftlicbeo 
Controverse gewesen, an welcher sich namentlich der Direktor 
Strackerjau aus Oldenburg und der Professor Eircbhoff bethei- 
ligt haben, die aber nicht au einem allgemein tiberzengenden 
Abschlüsse gelangt ist. (Mittheilungeo des Vereins fUr die Gesch. 
V. Erfurt, Heft VII. 8. 38—46. — Kirchhoff Weisthüra. S. 120 
Anm. 381.) Hierzu tritt noch die von Werneburg (1. c. S. 1S6) 
gegebene Erklärung, der aus dem Kamen: Krampenburger Thor, 
unter welchem das Krämpfertbor in der ältesten bekannten Ur- 
kunde, in der es genannt wird, der von Kircbhoff WeiethUmor 
S. 120 erwähnten von 1196, vorkommt, scfaUesst: dass neben 
demselben ursprünglich eine Burg gestanden, und dass der Name 
daher rühre: dass das Thor dieser Burg mittelst einer Krampe 
verschlossen worden sei. — Hierbei mag noch erwähnt werden: 
dass sich ein Versuch, die Entstehung des Namens Krämpfer- 
tbor zu erklären, bereits bei Hogel findet. Dieser gedenkt 
(Chron. S. 36) des Aufschwungs des Handels und der Gewerb- 
samkeit Erfurts in Folge der von Karl dem Grossen getroffenen 
Hassregeln, and wie sich daselbst allerlei Handelsleute und an- 
dere Gewerbetreibende niedergelassen, von denen nun die von 
ihnen bewohnten Stadttheile: Unter den Sohilderern, die Krftmer- 
brücke. Unter den Kaufmännern, „wie auch von den Krämpfem, 
d. i. den KrämfUhrern, die Krämpfergasse mit dem Krämpfer- 
tbore ihre Namen bekommen hätten". Was er anter Krämfüh- 
rem verstehe, sagt er allerdings nicht aosdrUcklich, er kann 
aber nur diejenigen meinen, welche einen Kram ßlhren, d. i. 
Eleinkrämer oder Höcker. — Frisch (Lexik. I. 343) kommt der 
Form: Krampf, für Kram nahe, indem er das Wort in dem 
Italienischen: comprare (kaufen), wofür das gemeine Volk crom- 
pare sage, damit zusammenstellt Grimm (Lexik. V. Sp. 2057) 
s. V. Krampe, hält dies nicht für richtig, behauptet vielmehr: 



:,G Gothic 



- ?l - 

^1 du Wort Ertlmpe oder Krempe, d. i. Höcker, ftuf ein alt- 
dentBchen: Erunpio, KrAmpo und Krampift, Erampa hindeute, 
mit KrSmpel, d. i. Trödel, xasanunenhXnge und mit Kram nichts 
au thun habe. Hiemach ivtlrde atao die Kr&mpferitrasae die 
von Höckern oder Trödlero bewohnte Strasse und daa Krämpfer- 
thor daa daran liegende Thor sein. — Auch Friese (Cbron. I. 
S. 4 and 12) halt den Namen: KrfimpfergasBe fUr gteichbeden- 
tend mit Krämergasae, was freilich nicht genan BUtre£feo würde. 
— Die UebersetaUDg in daa Lateinische : valva spaami, das Thor 
des. Krampfee, ist dann freilich eine sehr nnglUcklicbe, steht 
aber keineswages allein da, wie denn unter andnrn die lateini- 
aisobe UebersetEuog der Querch- oder Quergasse in Flatea qner- 
CDB, izk der Rückübereetzung in das Deutsche durch Eichengasae 
to^tr den nreprflnglichen Kamen verdrängt bat, und die an sich 
schon fehlerhafte Ueberseteung von Brühl in : in plurali, in : Viel 
Eurttck verdeutscht worden ist, oder weno man das altdeutsche 
Wort: Mere gleich feuchte Kiederung (Reischel, die orographi- 
Bchen Verbältnisse des Thüringer Centralbeckens, S. 36), wegen 
der Aehnlichkeit im Klange mit: mehr, im Lateinischen durch: 
pluralis, wiedergab (Arnold, Aaaiedelungen und Wanderungen 
deutscher Stämme, S. 513 und 516), woraus Wemeburg (1. c. 
S. 149) ea erklären will: daas man in Erfurt: im BrQble, durch: 
in plurali, Übersetzt habe. 

6. Löberthor, Das innere (Valva cerdonam, Lobger- 
bertfaor), lag Bwisoben der jetzigen Oartenstrasse und der Löber- 
brttcke. £s erhielt 1337 einen Tfaurm und eine steinerne Brücke, 
1348 eine gemauerte Contre esoarpe gleicb&lls mit einem Thurme; 
es hatte also zwei Tburmdurcbfahrten, auf jeder Seite des Zwin- 
gers eine. Im Jabjre 1804 wurden der 1592 errichtete Oberbau 
des Thores, der bis dabin zur Nachtwächter- Dienstwohnung ge- 
dient hatte, sowie die Thünne abgebrochen. In Betreff des 
Thores selbst ist dies erst 1819 geschehen. 

7. Moritzthor, Das innere, auch das Burgtbor ge- 
nannt. Ee lag am Ende der Moritzgasae, wo die grosse Ackw- 
hofgaase sof diese atfisst, nxben der früheren Moritxkirchej and 
überspannte die Strasse von dem Komhause, jetzt Proviantamt, 
bis zur Qara. Es ward 1540 mit einem Gewölbe versehen. Der 
daran befindliche Tburni, in welchem bis dabin der Wächter 
der Moritzgemeinde seine Wohnung gehabt, wurde 1786 abge- 



broohen. DsB Thor selbet war, wie «b seheint, Bchon Mher 
beseitigt. 

8. Wassertbor, Das. Dasselbe lag am Ausgange der 
Neawerkstrasse, zwischen dem Stadtzwinger, wo jetzt die G^ene- 
ral-Stener-Inspektion sich befindet, und der Neuwerkskircbe. 132S 
wurde neben demselben eine Brtlcke mit massiven Pfeilern, die 
zum Aufstauen der Wilden Gera eingerichtet war, und mit dem 
Gerinne der Hirschlacho erbaut, die ausserhalb durch den Wasser- 
thnrm, innerhalb durch die Hamsterburg gedeckt wurde. Die 
Brücke wnrde durch eine Hochflutb theilweise fortgerissen und 
in Folge dessen die Paas^e auf das Gerinne gelegt Auf der 
gewölbten Durchfahrt des Tfaores befand sich ein zweistöckiger 
Ueberbau, dessen unteres Stockwerk zur Nachtwächterwohnung 
diente. Derselbe wurde 1819 abgetragen, das Thor aber selbst 
erst 1825 nach der Erbauung des CasinogebKudes , der gegen- 
wärtigen General Steuer-Inspektion, abgerissen. 

Was. die 

Aensseren Thore 

betrifift, so bin ich wohl der Nothwendigkeit überhoben, deren 
Lage nitber zu besprechen, da dieselben mit Ausnahme des 
schon früher beseitigten Lauenthores und des theilweise noch 
jetzt erhaltenen Neuen Thores, erst in der neuesten Zeit in Folge 
der Entfestigung abgetr^eu sind und die Stellen, wo sie ge- 
standen, noch allgemein bekannt, zum Theil auch, da die WSlle, 
ewischen denen sie gelegen, mit Ausnahme derer am Brühler- 
und Ändreasthore im Wesentlichen noch bestehen, noch erkenn- 
bar sind. 

Die AuBsenthore, deren ohne das Lanen- und das Neuethor 
sechs waren, zerfielen zur kurmainzischen Zeit und zwar seit 
1709 in drei Eint&BBthore, die als Hauptthore angesehen wurden, 
das Brtlhler- oder Gothaische, das Erämpfer- oder Leipziger 
und das Löbei^ oder Arnstadter, und drei Nebenthore, das An- 
dreas-, das Johannis- und dse Schmidatedter- oder Weimarsche 
Thor. Lediglich durch die ersteren konnte man zu jeder Zeit, 
wenn auch nach Eintritt der Dunkelheit nur gegen Entrichtung 
eines Oeffnnngsgeldes, welches vor Mittemacht 9 Pfennige, nach 
Hittemacht aber des Doppelte betrug, passiren, doch erfolgte 
das Oefinen selbst dann nur für diejenigen, welche in die Stadt 



vollten; limaus gelassen aas dieser wurde nach T bor esscUusI 
überhaupt niemaad ohne Vorweis einer besooderen obrigkeit- 
lichen Erlaubniss. Wunderbarer Weise war die Stande, von 
deren Eintritt ab die Abgabe zu entrichten war, fUr die Einhei- 
mischen eine andere wie flir die Fremden ; so e. B. in der zwei- 
ten Hälfte des Decembers nnd der ersten des Januar fUr jene 
5 Uhr, für diese 4 Uhr Nachmittag (Arnold, Erfurt S. 14—17). 
Die drei anderen Thore blieben des Nachts gänslich geschlossen, 
was während der Standen des Qotteadienetes in Betreff sämmt- 
licher Thore stattfand. 

Im Einzelnen ist Nachstehendes zu bemerken: 

1. Das Andreastbor wurde 1375 zuerst mit einem Gra- 
ben angelegt, 1563 umgebaut, 1564 das Wappen Über der Durch- 
fahrt angebracht, 1597 Überwölbt und durch ein Rondel verstärkt. 
Bei der Belagerung 1664 wurde es sehr beschädigt, nach der 
Verwandlung des Petersberges in eine Citadelle aber 1687 weiter 
hiuaasgelegt, im Anscbluas an diese. Es bestand aus einem 
langen Gewölbe unter dem Walle, vor dem ein altes schadhaftes 
Portal mit jonisohen Säulen stand und einem JreiBtehenden Por- 
tal 1706 wurde das bisher daran angebrachte Erfurter Wappen 
abgenommen und durch das kurmainzische ersetzt (Friese, L c. 
y. S. 1519). 1817 wurde das Mauerwerk des Thorkavaliers er- 
hubt Die davor liegende Bastion, irüber Ravelin, die der Zeit 
der schwedischen Occupation ihre Entstehung verdankte, erhielt 
18^ ihre letzte Gestalt. 

2. Das Anseimitbor auf der der Stadt abgewendeten 
Seite des Petersberges, etwa an der Stelle des früheren Scbans- 
thores belegen, empfing, wie schon oben angeführt worden, sei- 
nen Namen nach dem Kurfürsten Aoselm Franz, als dieser am 
6. Mai 1780 seinen feierlichen Einzug in Erfurt durch dasselbe 
gebalten. Es wurde nur bei besonderen Gelegenheiten geöffnet, 
f&r gewöhnlich aber verschlossen gehalten. Bei der neuerdings 
atattgefundenen Entfeatignng des Petersberges ist es abgebrochen. 

3. Augusttbor, Das äussere, auch Dabersteter 
oder Spielbergstbor, im Volksmunde Spelwericbsthor 
genannt, durch welches in älterer Zeit die Strasse nach Stadtilm 
f&hrte, lag am Ausgange des Spielbergs, der jetzigen Bahnhof- 
strasBD, wo sich gegenwärtig die hohe Batterie befindet. Es 
wurde 1587 — 1591 mit einem Rondel, 1590 mit einem Tborttie, 



: Coo^^lc 



- Si - 

desBCQ tlolzwcrk bis an den Knopf 50 E^isb hoch war, Venehen. 
1632 wurde daa Thor durch VerachCIttang ungangbar gemacht 
Von den Fransoien ward »war 1813 eine hölzerne Foteme an- 
gelegt, die KU einer Über den FeBtungBgraben geschlagenen Pon- 
tonbrQcke führte, dieselbe ist jedoch bei dem Bau der Eisenbahn 
wieder beseitigt worden. 

4. BrUhlerthor, Das lassere, auch das Grönetbor 
genannt, wurde 1387 erbaut, nachdem 13S3 — 1392 ein grosser 
Thurm, der 78 Ellen im Umfang hatte und 76 Ellen hoch war, 
auf dem linken Ufer des Bergstroms, wo sieb gegenwärtig die 
Cbausaecbrilcke befindet, errichtet war, der den Zweck hatte, 
den vorliegenden Berg, der damals noch keine Citadelle trog, 
EU beherrschen. (Eine Abbildung des Thores nach seinem Zd- 
stande im Jahre 1631 in Fritzens Chron. S. 190.) 1633 rissen 
die Schweden diesen Thurm ein, „denn wenn ein Feind ftlr die 
Stadt kSme, so würde er den Thurm beschiesaen, bis er Aber 
einen Hänfen fiele, dass er also einen Oang in die Stadt hStte, 
da der Thurm den Oraben ausföllen werde". Man beschoss ihn 
caerst aus zwei Karthauoen mit 14 Scbfissen und da dies ohne 
alle Wirkung blieb, aus zwei Feuermörsero. Da man aber we- 
gen seiner Dicke und Festigkeit auch hiermit nichts ausricbtete, 
so ward ein Minengang hineingelegt, doch auch dies wollte an- 
fangs nichts helfen, bis znlctat der Thurm halb auseinander fiel, 
worauf er mit grosser Anstrengung und Gefahr Tollends abge- 
rissen ward. Es war eine unausgesetzte, etwa dreiwöchentliche 
Arbeit nötbig gewesen, um zu diesem Ergebniss zu geluigen. 
Nachdem noch in dem nämlichen Jahre die den Platz einnehmen- 
den Häuser abgebrochen waren, wurde in dem nächstfolgenden, 
1634, von den Schweden das nachherige BrUhlerthor, das damals 
den Namen des Neuenthors im Brtthl erhielt, gebaut, das mit 
seinem Vordertheile auf einem Pfablroste von l&O Pfttblen in 
5 Reihen stand. 1714 wurde das kurfUratliche Wappen mit eioer 
darauf: dass EuriUrst Johann Philipp nach der Einnahme Erfiirts 
1664 durch dieses Thor seinen EioEOg gehalten, bezüglichen In- 
schrift über der Einfahrt angebracht, das sich gegenwärüg in 
der Mauer des Benarysohen Qarten befindet und au «inem 
Wasserspeier eingerichtet ist. Das Brühlerthor war das erste 
Thor Erfurts, das, sobald dessen Entfestigong angeordnet war, 
sdion im Jahre 1873, abgetragen wurde. 



:,G Gothic 



- 06 - 

5. Jobanoistbor, Das änseere, bestand ans eineOl 
EreDEgewSlbe mit viereckigem Thorme, unter dem sieb eine 
spiubogige Darcbfahrt befand, und einer mit ScbieeBScbarten 
bewebrten Einfasaungsmauer. Ea ward 1375 angelegt — docb 
bebaupten Hogel (1. c. S. 552) und Friese (1. c. S. 127), dass 
es bereits 1347 beBtanden und mit einem Thurm, der eine 
Wficbterwobnung enthielt, versehen gewesen sei, 1381 ein Qe- 
wOlbe und zwei Flügel erhalten habe (ib. S. 439). — 1444 mit 
einem Graben und einem Kondel verseben, das am äasserea 
Ende einen runden Thurm hatte, der 1818 und 1819 abgetragen 
ward. Die gekrümmte Durchfahrt ward 1447 — 1448 davor ge- 
legt, der Brückenkopf erst 1827—1830 erbaut. 

6. Erftmpfertbor, Das äussere, bestand aus einem 
freistehenden Fortale, einer Einfassungsmauer mit Schiessschar- 
ten and einem auf einem Kreuzgewölbe ruhenden viereckigen 
Thurme. Es wurde 1375 angelegt, 1586 und 1587 neu gebaut 
und erhielt 1445 ein Rondel. Der Brückenkopf, der schon 1385 
zuerst als Tambour angelegt war, bekam 1829 seine letzte Ge- 
stalt. Der Thurm wurde 1817 bombenfest eingedeckt, 1828 aber 
bis auf zwei Stockwerke abgebrochen. 

7. Das Lauen- oder Löwen thor lag am Ende der Lauen- 
strasae an einer Stelle, die jetzt der Juliusgraben einnimmt, in 
der ersten Ringmauer der Stadt, wo sich diese vom Petersberjfe 
bei der Mainzerbofmühle vorbei nach dem inneren Brübler- oder 
Krummentbore zog. Seine Fundamente wurden noch aufgefun- 
den, als man vor einigen Jahren eine in Folge des Abbruchs 
der genannten Mühle nötbig gewordenen Beguliruug des Berg- 
stromufers vornahm. — Das Tbor hatte ursprünglich den Grafen 
von Gleichen, denen es als Zugang zu ihrem auf dem Peters- 
berga belogenen Hause diente, gehört, war aber von diesen 1235 
käuflich der Stadtgemeinde überlassen and ward 1303 oder, wie 
Hogel (L 0. S. 261) angiebt, 1308 durch Vermauerung für den 
Verkehr geschlossen; doch wurde fllr die Communication mit 
dem Mainzerbofe eine Pforte belassen, die 1589 mit einer neuen 
Thüre versehen ward. Zum Schutze derselben waren 1423 zwei 
ThOrme errichtet. 1632 wurde da« Thor tbeilweise abgetragen, 
bei der Umwandlung des Peteraborges in eine Citadelle nebst 
der Lanengagse 1667 gänzlich abgebrochen und das Terrain in 
dessen Befestigung mit hineingezogen (Härtung, Häuserchron. U. 



: Coo^^lc 



- 96 - 

S. 143. 143). — D&B Thor batte seinen Namen von dem an ibm 
angebrachten Wappen der Grafen ron Gleichen, dem gelOwten 
Leoparden (Eirchhoff WeiethUmer S. 26 Anm. 118). Eine Ab- 
bildung findet sich in Fritz Coamographie. 

8. Löberthor oder Löwerthor, Das äussere. Dar 
Thorm, unter welchem sich die Durchfahrt befand, und der ur- 
sprünglich drei Stockwerke hatte, ward 1375 erbaut, 1447 wnrde 
daa Rondel vor dasselbe gelegt. Die später damit vorgenom- 
menen Veränderungen, insbeaondere die bei Gelegenheit der 
Verwandlung des Ravelins in einen Brückenkopf 1826 — 1829 
bewirkte Verlegung der nach Arnstadt and nach dem Steiger 
führenden Wege, sind bereits früher erwähnt worden. Zur Ver- 
breiterung der CommunioatioD ward 1865 der nach dem gemaaer- 
ten Gange fährende spitzbogige Thorbogen nebst dem darüber 
befindlichen Gange mit spitzigen Thürmchen abgebrochen. Die 
Brücke ward 1866 mit einem eisernen Geländer und Tbore ver- 
sehen, die Zugbrücke 1873 in eine feste umgewandelt. 

9. Moritzthor, Das äussere, lag am Ausgange der 
Wallgasae (jetzt zur Moritzgasse gehörig) neben der grossen 
PatermUhle. . Es ward 1541 nebst einem Blockfaauae angelegt, 
in dessen westlichem Theile es sich befand und war nicht ein- 
gewölbt, wohl aber mit zwei spitzhogigen Thorbdgen sowie mit 
Falzen iÜr ein Tborgatter Tersehen. Der daneben über die 
Gera fahrende Gang war schon 1539 erbsnt. Der eine der den- 
selben einscbliessenden Thürme ist noch vorhanden. — Das 
Thor ward bereits im 16. Jahrhundert zeitweise, 1631 aber gänz- 
lich geschlossen, und das Blockhaus zur kurmainziscben Zeit 
als Zuchthaus, später, 1780 — 1789 als Lazaretb iUr die mainsi- 
sehe Besatzung benutzt. 

10. Das Neuetbor oder der Stumpfethnrm, gegen- 
wärtig das Pförtchen genannt, existirt zwar im wesentlichen 
noch jetzt, ist sogar, abgesehen von dem Feterstbore, daa ein- 
zige in Erfurt noch vorhandene Thor, darf aber doch, da die 
Frage seines Abbruchs gerade in der neuesten Zeit die GemU- 
tber vielfach beschäftigt bat and sich noch in der Schwebe be- 
findet, hier nicht mit Stillschweigen übergangen werden. — 
Ueber den Zeitpunkt der ersten Gründung des Thurmea, durch 
welchen die Passage gebt, stimmen die Naofaricbten nicht ühfr- 
ein, da bald 1440, bald 1470 dafür angegeben wird. Jedenfalli 



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- M - 

nnss lie spSter als 1433 stattgefunden haben, da erat in diesem 
Jahre mit der Anlage des Festungegrabens zwischen dem BrUhler- 
tbore und dem Karthänser - Kloster begonnen ist. Der Thurm 
war irüher höher als gegenwärtig, indem er vier Stockwerke 
hatte, und sogar der höchste anter allen WallthUrmen Erfurts. 
Zwischen ihm und dem Graben befand sich noch eine Mauer 
mit einer Tborbflnung, An deren Stelle trat 1553, lant der Über 
dem Ausgange nach der Grabenseite befindlichen Jahrzahl der 
Redan mit Foterne, dessen Abbrach ganz vor Kurzem statt- 
geAinden hat. Das Thor, das, wie noch jetzt sichtbar ist, frGher 
auch für Fuhrwerke practicabel war, ward gleichzeitig erweitert 
ni)d der anstossende Wall erhöht. Während der schwedischen 
Occnpation wnrde 1641 ein Ravelin am Geraflusse vor der Kar- 
thSaser- Mühle gebaut und 1646 ein Damm am Gerinne, das 
beim Thurme bisher über den Festungagraben ging und dann 
unter jenem sich fortsetzte, angelegt, um vermittelst desselben 
den Graben gegen die genannte Mühle aufstauen zu können. 
Während der Belagerung von 1664 wnrde das Thor gänzlich 
gescbloBsen und es blieb dies bis 1786, wo es auf Dalbergs 
Veranlassung wieder geöffnet ward, aber eine Einrichtung er- 
hielt, in Folge deren ea nur von Fussgängern benutzt werden 
konnte. Damals bekam es den Namen: Dalbergs PfÖrtchen 
oder schlechtweg: Fförtchen, während es bis dahin den des 
Neuen Thores oder des Stumpfenthurmes geführt hatte. Wäh- 
rend der französischen Herrschaft erfolgte am 12. März 1813 
eine neue Schliessung, die bis 1815 dauerte, in welchem letzte- 
ren Jahre die beiden oberen Stockwerke des Thurmas abgetra- 
gen wurden und die BrUcke eine andere Lage erhielt. 1861 
fand eine Erweiterung der durch das Fförtchen führenden Pas- 
sage in seiner inneren Ueberwölbung und seiner der Stadt zu- 
gekehrten Pforte statt. Den zweiten Zugang von der Stadtseite 
hat es erst in der neuesten Zeit erhalten, ebenso wie erst seit 
der Entfestigung die darin eingebaute Wachstube entfernt ist. — 
Welche Veränderungen neuerdings, namentticb in Folge der 
Vorbeifiihrung der Stadtbahn und der Anlegung einer Fahr- 
brücke über den Festangsgraben dort vorgenommen sind, bedarf 
hier keiner näheren Erörterung, da dies allgemein bekannt ist. 

11. Das Scbanzthor lag auf der Aussenseite des Peters- 
beides zwischen dem Todtenkopf und der Grossenscbanze, bei 



.ooj^lc 



deren Anlage es 1631 erbaut war and von der ob ■einen Nomen 
hatte. Bei der Umwandlang dea Fetersberges in eine Citadelle 
wurde es abgebrochen und es trat, wie bereits oben erwSbnt 
worden, an seine Stelle das Aneelmithor. 

12. Das Sohmidstedter- oder Weimarschethor, das 
den ersteren Namen von dem vor ibm belegenen, im dreiisig- 
jährigen Erlege wttst gewordenen Dorfe Schmidstedt führte, be- 
stand in seiner letzten Gestalt in einem langes dunklen GewSlbe, 
das in gekrümmter Linie unter dem Walle durchging, nnd eioem 
starken massiven Portale. Es war unter allen Thoren Erforts 
das längste. Es war 1351 als Thurm angelegt, dessen spits- 
bogige Durchfahrt nicht eingewölbt war, wurde aber 15S8 aU 
Gewölbe unter dem Walle durchgeführt, 1632 mit einem Tam- 
bour verseben, der 1819 aufgemauert ward. 1817 und 1818 ward 
die neue Brücke angelegt. Der am vorderen Ende des Thores 
stehende Thurm, welcher drei Stockwerke hatte nnd bis anm 
Gordonsteino 54 Fuss hoch war, wurde 1821 zum Pnlvennagaain 
eingerichtet, 1S32 bombenfest mit Balken eingedeckt, aber 1867 
ganz abgebrochen, doch blieben die Seitenmauem des Erdge- 
schosses als Frofilmauem zum Theil stehen. An Stelle seiner 
Hintermauer |ind Tborbogen wurde der zuletzt vorhandene vor- 
dere Thorbogen aofgefÜhrt, wobei der firUher am oberen Theile 
des Thnrmes befindlich gewesene, mit einem männlichen Kopfe 
in Bautrelief versebene Stein in denselben wieder eingemauert 
ward. — An der inneren ThoröSnung befand sich ein von einem 
Löwen gehaltenes Schild mit dem Wappen der Familie Nacke, 
da unter Uerbord Nacke, 1586 and 1589 Oberster Batbsmeister, 
der Bau zur AustÜhrnng gekommen war. 

Mauer- nnd Wallthürme. 

Dass auch die innere Umfassungsmauer arspriinglich strecken- 
weise mit Thürmen verseben gewesen sei, kann keinem Zweifel 
unterliegen; da dieselben aber nach Errichtung der äusseren 
Circumvallationslinie entbehrlich geworden waren, so sind sie 
wohl meistens schon in sehr früher Zeit beseitigt und es sind 
jetzt nur noch geringe Spuren davon erkennbar. Der eine die- 
ser ThQrme, der sich an der Reglermauer unfern de« Inneren 
Krämpferthores befand, wurde erst 1750 abgetn^en and sein 
aus Seebergtschen Quadersteinen bestehendes Material xnr Wie- 



..C.oo^lc 



— 99 — 

derberBtaUmg der Tor dem gedachten Tbore über die Wilde 
Qera führenden Brücke verwendet. (Friete, I. c. V. S. 2320.) 

Die in der äusseren Enceinte befindlichen ThUrme wurden 
dagegen bis zur Entfestigung erhalten und sind grOBseatheils 
noch vorhanden. Es gehören zn ihnen unter andern die beiden 
am Sinflusa der Gera in die Stadt auf beiden Seiten der 1631 
angelegtsn Schutzthnnuschleasse belegenen Scbutstthürme 
oder Sohöpsthnrnie, die 1450 erbaut waren, awischen welchen 
1657 ein Hans errichtet ward, und welche ihren Namen daher 
erhalten haben sollen, dass sie die Bestimmung hatten, den Wall 
gegen den Angriff des her einströmenden Wassers zu schützen. 
Die ^Scbutzthürme hatten früher drei Stockwerke, von denen das 
oberste während der fraazüsisohen Zwischenherrschaft, das mitt- 
lere 1869 abgetragen wurde, wobei das untere zu Hohltraversen 
umgewandelt ward. Neuerdings ist bekanntlich der eine Tburm 
ganz, der andere Jedoch bis jetzt nur theitweise abgetragen. 

Zwischen dem Pfortehen und dem Löberthore befanden sich 
drei WallthUrme, deren erster 1447 erbaut war und 1817 mit 
einem Dache versehen ward. Der zweite war 1813 von den 
Franzosen zur Vertheidigung eingerichtet, wurde aber 1866 be- 
seitigt und an seiner Stelle eine Grabencaponiere errichtet. Zwi- 
schen diesen beiden geht die Thüringische Eisenbahn anter dem 
Walle durch. Der dritte ward 1817 ausgebaut 

Zwischen dem Löberthore und der Hoben Batterie beiand 
sich das s. g. Petzloch oder Betzloch (Bärengrube), das 
früher mit einem Tbnrme verschen war, der aber seinen Zugang 
nicht wie die meisten anderen WaUthtirme vom Wallgange, son- 
dern vom Fasse der Wallböschung hatte, dessen oberes Stock- 
werk 1815 abgebrochen, das untere aber mit einer Balkenlage 
und Erddecke versehen ward. Das Bärloch hatte früher zum 
Gefängniss gedient, war aber ein so schrecklicher Aufenthalt, 
dass es nur in ganz ausserordentlichen Fällen, so im Jahre 1664, 
seit circa 100 Jahren zum ersten Male wieder, als solches be* 
nutzt wurde (meine Rednotion S. 175). 

Zwischen Krämpfer- und Johannistbor waren vier Thürme, 
von denen zwei 1463, die beiden andern 1464 erbaut waren. 
Der erstere derselben ward 1861 abgetragen und dafür eine 
Caponiere in den Wallgraben gesetzt. Der zweite führte früher 
den Kamen: der Tborm hinter dem Spitale, der dritte den: hin- 



Google 



- i6ö — 

ter der ZiegelhÜtU, der vierte den: hinter dem Hotzhofe. Der- 
selbe wnrde 1883 vom Feuer beschädigt und in Folge dessen 
in seinem oberen Theile abgetragen. Einige andere sor Um- 
festignng gehörende ThUrme sind schon frtlher erwähnt worden. 



leb erlaube mir nanmebr Etir Aufzählung der einzelnen in 
Erfurt vorbanden gewesenen, aber im Laufe der Zeit entweder 
ganz verschwundenen oder dooh von wesentlichen Veränderungen 
betroffenen Bauwerke, einschlieselicb solcher, die ihre Bestäm- 
mang oder ihren Namen gewechselt, and daher in dem früheren 
nicht mehr erkennbar sind, überzugehen und zwar zunächst die 
f^ einen religiösen Zweck bestimmt gewesenen zu bespreohen. 

Eirohliohe Gebäude. 
Eirehen and Kapellen. 

Wenn auch die Zahl der Kirchen ia Erfurt im Verhältnisse 
zu seiner Ausdehnung und seiner Einwohnerzahl immer noch 
eine sehr erhebliche ist, so erreicht sie doch bei weitem nicht 
die früherer Zeiten. Damals war sie so gross, dass der Stadt 
nicht mit unrecht der Name : Klein Rom, beigelegt werden konnte. 
Als Grenzscheide kOnnen wir den Zeitpunkt der Eioftihrung der 
Reformation ansehen. Seit dieser ist auch nicht eine Kirche 
oder Kapelle neu gegründet, während gar viele eben so wie die 
Klöster und die auswärtigen geistlichen Stiftungen zugehörigen 
Anstalten eingegangen sind. 

Im Laufe des Mittelalters besass Erfurt drei Collegiatstifter: 
S. Mariae virginis (der Com) S. Severi und Zum heiligen Brun- 
nen (Sacri fontis); 28 nicht klösterliche Kirchen, 22 Klöster und 
geistliche Ordenshäuser , darunter 10 Manns- und 6 Jungfrauen- 
klöster, 2 Höfe geistlicher Ritterorden (des Deutschen- und des 
iJohanniterordens), 36 vielleicht auch noch mehr Kapellen, 12 
auswärtigen Klöstern zugehörige Höfe und 6 Hospitäler, zusam- 
men also mehr als 100 kirchlichen und religiösen Zwecken ge- 
widmete Gebäude, welche noch im Anfange des 18. Jahrhundert«, 
also zu einer Zeit, wo viele von ihnen bereits wüst geworden 
oder gar nicht mehr vorhanden waren, 11& Glocken hatten 
(Friese, 1. c. I. S. 4e). Hinzugetreten sind später nur nocli 
das Jcsuitercollegiuni und in neuerer Zeit die Versammlungs- 

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— 101 — 

lokale der &lt]utberiBchen und der spoetoHscben Gemeinde. Ge- 
geDwSrtig besitzt Erfart Überhaupt 22 Bauwerke fOr den Gottes- 
dienst. 

Die im Lanfe der Zeiten eingegangenen Kircben und Kapel- 
len sind nachstehende. 

1. Die St. Albanskirche lag dem Reglerkloster gegen- 
über neben dem inneren Äugastthore, an der Stelle, wo sieh 
gegenwärtig die Braodis-Mangoldache Brauerei befindet. Die 
Zeit ihrer Erbauung ist nicht bekannt, doch muss solche bereits 
vor 1125 stattgefunden haben, da Hogel (Chronik S. 90) bei dem 
genannten Jahre bemerkt: dass, als die ReglermSache sich in 
Erfurt niedergelassen, ihrem Kloster gegenüber an der Mauer 
eiD kleiner Platz gewesen sei, auf dem ein Reglerklösterlein mit 
seinem Eirchlein an St Albani gestanden habe. Das letztere 
gehörte, wie sich hieraus ergiebt, ursprünglich zu dem daneben 
liegenden Kloster der regulirten Chorfranen des h. Augnetin, 
wurde aber erhalten, als das Kloster 1198 abgebrochen nnd fllr 
die Nonnen ein neues GebKude am Wasserthore erbaut wurde, 
dem man den Namen des Neuenwerkes beilegte. Die Kirche 
wurde nach Einführung der Reformation in Erfurt von den Evan- 
gelischen in Besitz genommen, und von da ab (1525) nicht mehr 
iür den Gottesdienst benutst, aber erat während der schwedi- 
schen Besitznahme 1634 (nach Mülverstedt, Hierographia in den 
Mittheilungen des Vereins fOr die Geschichte von Erfurt, Heft 
III. 8. 172) oder nach 1647 (nach Härtung, Häuserchron. Th. II. 
S. 33, der sieb dabei auf die Collectanea Erfordiensia von Casp. 
Friedr. Lossiaa, p. 28, bezieht) abgebrochen and das Material 
zum Featungsbau verwendet. 

2. Annenkapelle. Sie lag neben der Kirche des Peteri- 
klosters und zwar an der Nordseite des Chores derselben, war 
1117 von dem Abte des Klosters, Rupert, eingeweiht worden 
und ging beim Bombardement von 1813 zu Grunde. — Eine 
andere, den nämlichen Namen föfarende Kapelle Ug in dem Hofe 
des AugQStiner Eremitenklosters und wurde als wQst 1291 vom 
Erzbischof Gerhard dem Kloster zum Abbruch überlassen, das 
dafür einen Altar St. Annae in seiner Kirche errichten und 1293 
die Deutschordenskirche S. Nicolai, in welcher die Kapelle in- 
corporirt gewesen war, entschädigen mnsste (MUlverstedt, 1. c. 
S. 165). 



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— 102 — 

3. Die St Bartholomftikirche. Sie ataod mit ihrer 
Langseite atn Anger zwischen dem noch Torhandenen Thurme and 
der Glrafengaaae und war durch einen Bau, unter dem eine die 
genannten beiden Strassen verbinäende Durchfahrt hinging, mit 
dem Hause der Grafen von G-Ieichen, deren Hofkirche sie war 
imd denen das Fatronat aber sie zustand, verbunden. Das Jahr 
ihrer Grändung ist nicht bekannt, muss aber in eine sehr frühe 
Zeit fallen, da die Kirche, wie das Chronicon San Petrittam 
(edid. Stube], S. 126) erzXhlt: bei dem grossen Brande im Jabre 
1291 (weder 1240, wie Falkenstein, Htstor. S. 88, noch 1270, wie 
Härtung, I. c. II. 8. 73, angeben) vom Feuer zerstört worden 
ist. Nach Hogels Chronik, S. 51, und Falkenstein, Histoiie S. 35, 
ist sie auch von dem Brande von 1472 mit betroffen, doch wird 
dies TOn Härtung, I. c. S. 74, aus gewichtigen Grfinden beswei- 
feit; auch erwähnt Hogel selbst, da wo er ausführlich daa auf- 
führt, was durch diese Feuersbrunst betroffen worden, 3. 590 — 
593, die BartholomSuskirche nicht, ebenso wenig wie Falken- 
stein, I. c. S. .^7. 338, bei derselben Gelegenheit. — Der Bau 
des Thurmes ist nach der daran befindlichen Inschrift 1412 be- 
gonnen worden. Nach Friese (I. c. S. 179a) hat man in diesem 
Jabre auch die Elirohe zu bauen angefangen, was schwerlich 
richtig ist. Die letztere hat sieb zwar bereits 1476 in einem so 
bedenklichen Zustande befanden, dass man an ihre Abtragung 
gedacht hat, sie wurde aber im Anfange des 16. Jahrbonderts 
wieder in Stand gesetzt. Doch ward sie, nachdem sie in Folge 
der Einführung der Reformation 1525 in den Besita der Evan- 
gelischen gelangt und ihre Gemeinde der BarfliBBerkircfae ange- 
schlagen war, and der Rath 1545 die kupferne Bedachaog hatte 
abnehmen und solche durch eine von Schiefer hatte ersetzen 
lassen, 1571 wirklich nnd definitiv geschlossen und bei dem 
grossen Brande von 1660 zerstört; die Rainen wurden erst 1715 
fortger&umt und an ihrer Stelle 1715 — 1717 die neuerdings in 
Privatbesitz tlbei^egangenen Pfarrhäuser der Barf&sser Gemeinde 
gebaut (Härtung, I. o. S. 72—97; Hfllverstedt, 1. c. 8. 172). 

4. Die Benedictikircbe. Sie lag am Ende der Krämer- 
brücke gegen den Fiachmarkt zu, an und zum Theii auf dem 
nach ihr benannten Benedictsplatze. Der Weg nach der ge- 
namiten Brücke führte unter ihr, ebenso wie unter der aof der 
entgegengesetzten Seite derselben liegenden Eg^dienUrohe mitteUt 



— lOS — 

aines Oewdibes, das so hoch war, dus «in beladeoer Wagen es 
bequem passiren konnte, biodarch. Das Jahr ihrer Ortlndnng 
ist nicht bekannt 1322 wurde sie der Harienstiftskirche inoor- 
porirt (Würdtwein, Dioecesis Hognnttna, p. 26 n. 233). Bei der 
groaeen Feuersbranst im Jahre 1472 brannte aie ab. Sie wurde 
aber wieder aufgebaut. Naoh der Reformation wurde sie niolit 
mehr zum Gottesdienst benutzt und ging in den Besitz der Pro- 
dige^emeinde über, welche sie nebst dem Tburme 1807 ßlr 40 
Rtb. an einen Privatmann verkaufte, der sie 1810 abbrechen liess. 
Der Thurm, der nach dem Brande von 1472 statt einer Spitze 
ein gewöhnliches Ziegeldach erbalten hatte, wurde von dem Er- 
werber nur tbeilweise abgetragen, die Plattform mit einem Gärt- 
chen and einem Gartenhause versehen, in welcher Gestalt er 
noch besteht Der Ffarrhof war nach dem Brande von 1472 
nicht wieder hergestellt, sondern die Stelle mit drei kleinen 
Häuschen bebaut (Härtung, L c. IL S. 51. 52). 

5. Die St. Blasiikapelle, welche an dem Orte gestan- 
den bat, „wo Jetzo das Stift S. Severi fundirt", soll das erste 
kirchliche Gebäude in Erfurt gewesen und nach dem Berichte 
einer geschriebenen Thttringiechen Chronik 596 die erste Messe 
in derselben gehalten sein (Friese, l c. S. 10r)h} Falkenatein, 
Histor. S. 10). Die sich noch gegenwärtig an der Severikirche 
befindliche St. Blasiuskapelle ist 1363 von dem Cantor Dr. At- 
bold gestiftet (Mülverstedt, I. c. S. 165). 

6. Die Bonifaciuskapelle liegt gleichfalls auf dem Se- 
veriberge an dem oberen Rande des Abhanges nach dem Fried- 
rieb- Wilhelms - Platze. Der Sage nach ist sie das älteste aller 
in Erfurt zur Zeit vorhandenen Gebäude und bereits von dem 
h. BonifaciuB, dem Apostel Thüringens, erbaut. Erhard (Krfurt, 
S. 206) vermutbet: dass sie die Taofkapelle sei, die Bonifacius 
vor Herstellung einer eigentlichen Kirche errichtet. Es ist je- 
doch wahrscheinlich: dass das Gebäude erat von Erzbiscliof 
Adelbert I., als dieser seine Residenz auf dem Severiberge mit 
Befestigungs werken nmgab und 1130 als erzbiBchÖflicbe Haua- 
kapelle gegründet sei. Das Gebäude ist zwar noch vorbanden, 
aber wohl, wenigstens in seinem oberen Tbeile, schwerlich in 
seiner ursprünglichen Gestalt, wie denn anch Hogel (t. c. S. 437) 
angiebt, dass bei dem grossen Brande 1374 die 8t Bonifacius- 
kirche mit drauf gegangen sei. Es ist jetzt ein tburmartigeB 



.Cooj^lc 



— 104 — 

Rechteck mit abgesttunpftem Satteldaohe, das bid kleines TbOrm- 
ohen trügt. Zum Oottesdienst wird es Bchon seit der Einffibraog 
der Reformation nicht mehr benutst, vielmehr dieot es zur Auf- 
bewahrung von dem Domatifte zugehörigen Gegenatänden (Har- 
tang, 1. c. II. 148. 149). Unter der Beaetmang: Bonifaciaa- 
kirche kommt, wie weiter unten bemerkt werden wird, die 
Serratiuskirche vor. 

7. Die Catharinenkapelle war awiichen dem Ordena- 
hofe der Deutschritter, der Comthurei, und dem Kloster der 
Augustiner Eremiten, bIho in der Gegend des jetzigen Martin- 
stiftes belegen und wurde 1318 Seitens des genannten Eloeters 
jtir die ihm afHlirte zur Abwehr der Fest geatiftete Bruder- nnd 
Scbwesterschaft S. Sebaatiani erbaut, wobei die Materialien der 
wÜBt gewordenen Kirche von Höhenwinden, welche die patrici- 
sehe Familie Hotennann zn diesem Zwecke geschenkt, Terwen- 
det wurden. Die Kapelle erhielt 1348 eine Schenkung, ging aber 
nach Aufhebung des Klosters ein (MüWerstedt, S. 1^. 166). 

8. Die Clementerie, eine dem h. Clemens und b. Justus 
gewidmete Kapelle, welche, vor das Übrige Mauerwerk vortre- 
tend, an den OstBügel des Domkreuzganges anstöest, die von 
dem Dompropste Dr. Heinr. Oerbstedt 14~)5 für 7 Bcneficiaton 
gestiftet war und 1461 von Erzbischof Dicther bestätigt wurde 
(WOrdtwein, 1. c. p. 289), existirt noch, wird aber nicht mehr 
zum Gottesdienst benutzt. 

9. Corporis Christi- oder Heilige Leichnams- 
Kapelle befand sich auf dem Fetersberga auf der Stidseite das 
Chores der Peterskircbe. Sie stand auf der gegen die Stadt 
gerichteten Bastion St Philipp nnd stürzte 1735, ala deren Fun- 
damente sich senkten, zngleicb mit dem auf dieser ruhuiden 
Manerwerke ein. Nur das Thürmchen blieb stehen. Sie wurde 
damals jedoch und zwar scbSner wieder hergestellt und diente 
ala Oamisookirche. Gänzlich zerstört wurde sie jedoch bei dem 
Bombardement 1813 (Falkenstein , Histor. S. 1021, Utilverstedt, 
1. c S. 165). Eine Abbildung der Kapelle, sowie eine auf deren 
Entstehung, die danach noch in die fränkische Periode fallen 
vTÜrde, bezUglicbe Sage, findet sieb hei Friese (Chron. I. S. 4«; 
Tei|;L Emspe Sagen I., S. 71). Auch die Ohrooik Ton Sam. 
Fritz hat Cbron. S. 133 eine Abbildung der Kapelle. 



:,G Gothic 



— 105 — 

10. S. CrnciB oder h. Kreuzkftpelle. Sie lag auf dem 
Erenzkirchhofe an der danach benannten CracJs- (jetzt Kreos-) 
oder Krautgasae. Es ist weder bekannt, wann sie gebaut ist, 
noch wsnn sie zu bestehen aufgehört bat (Erbard, 1. o. S. 217. — 
UmverBtedt gedenkt in seiner Uierographie ihrer gar nicht). 

11. Crucis- oder Ereuzkirche ist der eigentliche Name 
der gewöhnlich Nenwerkskirche genannten Kirche. Den letzte- 
ren Namen erhielt sie erst, nachdem sie dem 1198 dorthin ver- 
letzten Kloster der regolirten Chorfrauen des h. Augnstin Über- 
wiesen worden. 

12. Dreifattigkeits-Kapelle. Sie lag an der Michae- 
liskirche. Sie wird von DeminikuB, Krfurt I. S. 112, erwfthnt 
Im übrigen ist nichts von ihr bekannt. 

13. E gi d i e n - oder Äegidienkirche aach 1 1 g e n - 
kirche genannt. Sie lag am Ausgange der Krämerbrücke nach 
dem Wenigeninarkte , welche durch einen unter ihr durchgehen- 
den Schwibbogen mit einander verbunden waren, eben so wie 
dies auf der aadern Seite der Brücke bei der Benedictskircbe 
stattfand. Sie verdankte ihre Entstehung einer sehr frühen Zeit. 
132b wurde sie dem Schottenkloster incorporirt (Würdtwein, 1. c 
S. 28 n. 234), 1175 und 1292 brannte der damals wahrscheinlich 
in Holz aafgeiUhrte Bau nieder. Sie ward aber 1321, und zwar 
gleich der Erämerbrücke , in Steinbau wieder hergestellt. Mach 
EinfilhruDg der Reformation hörte ihre Benutzung zum Gottes- 
dienste auf (1525), sie gelangte in den Besitz der Evangelischen 
und es wurden die Eingepfarrten der KauFmanssgeoieinde zu- 
geschlagen. Nachdem sie 1582 eingestürzt war, erhielt sie 1609 
ihre letzte Qestalt. Nach dem Westfahschen Frieden verlangten 
die Katholiken die Wiedereinräumung der Kirche, der Restita- 
tionsrecess von 1650 entschied den Streit jedoch zu Gunsten 
der Evangfllischen. 1827 ist sie, mit Auanahme der oberen 
Stockwerke des 1334 gebauten Tburmes, welcher als Neben- 
glockenthurm von der Kaufmannsgemeinde beibehalten ward, 
dorch Kanf in Privatbesitz übergegangen. Der nach dem We- 
nigenmarkte zugehende Giebel ist im allgemeinen in seiner frü* 
heren Gestalt noch erhalten. Er zeigt die Eigenthilmlichkeit : 
dass ein Erker in Form einer Altamisobe die Stelle des Chores 
vertritt (Härtung IL S. 174—176). 



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-- loe — 

14. 8t. SlisAbetb-Espellfl. Sie lag in Atta Hofe d«s 
GtaorgentbalerhofeB und ivar im Jahre 1355 erttant worden. Bei 
dem grossen Brsndä von 1472 wurde aie zusammen mit diesem 
Hofe zarstSrt and scheint nicht wieder hergestellt zu sein. 

15. Gangloffskirche oder Kapelle. Sie lag an der 
£cke, welche die Babnhofstrasse mit der Schmidstedterstrasae 
bildet, wo gegenwärtig das zur Zeit als (jl«flohäftslooal fOr die 
EiaenbahnTerwaltung dienende Yictoriahotel steht. Hoget erz&hlt 
(8. 32), nachdem er die Erbaavng der St. Dioojsiikirche an 
Möbisbnrg durch des Franhenkönig Dagobertl. berichtet: „Ueber 
das, nachdem die Stadt Erfurt innerhalb 150 Jahren als so lange 
sie gestanden, dermassen an Inwohnern, so mehrentheils Acker- 
leute and ander gemein Volck gewesen, zugenommen, dass aaob 
das Johannisviertel der Stadt über der Gera mit Wohnungen 
war angeAÜlet and bis dahin, da jetzt das Augastthor stehet, 
die Leute wohnten; bei denen denn jtlngst die St. Ganglo£Fa- 
kirchfl, die jetzt noch vor dem Augustthore vorne Tor der 
Schmideteter GaBsen Hegt, von einer frommen Person war auf- 
gerichtet worden, fUr die Stadt, und von diesem Könige dotiret 
tind veraehen und war also die andere christliche Kapelle au 
Erfurt". Falkenstein, der (Histor. S. 10) dies nachschreibt, be- 
merkt zum Schluss: aie, die Gangloffkapelle, und die StBlasina- 
kapelle, waren also die zwei ersten geistlichen Gebäude in der 
Stadt. — Auch Friese (Chron. I. S. 4) setzt die Erbauung der 
Ganglo£Fkircbe in die Zeit des fabelhaften Königs Meerwig und 
beruft sich dabei auf ein altes Mannscript. Diese Nachrichten 
möchten jedoch schwerlich richtig sein. Wir wissen nur mit 
Sicherheit: dass die Gangloffskirche in ihrer nachberigen Gestalt 
1351, 1352 oder 1353 (Priese, 1. c. I. S. 136o, der sich dabei 
auf ein altes Hanuscript beraft) erbaut worden; ob aber schon 
frKher ein llhnliches Geb&ude dort gestanden, ist unbekannt. — 
In Folge einer zwischen dem Stadtrath und dem Propste des 
Reglerkloaters 1363 getroffenen Abkommens sollte tägHeher Got- 
tcsdienst in der Gangloffkirche durch einen besonders an diesem 
Zwecke gehaltenen Geistlichen stattfinden, was jedenfalls dAshalb 
geschah, weil die Reglerkirche nicht mehr alle dorthin E^nge- 
pfarrten za fassen vermochte, da allein schon die Gemeinde 
Angnstini eztra bei weitem die volkreichste Gemeinde Erfurts 
war und mehr als den zehnten Theil der geeammten Btidtiaeben 



..C.oo^lc 



— 10? - 

Bsvfilkening in sich fasste. Nach EinftlhraDg der Beformation 
(1535) h&rte jedoch der Gotteadieoet in der Oangloffkirche aaf. 
Im Jahre 1666 wurde sie zum Schullocale tür die Reglergemeinda 
beetinunt, und, nachdem die EinrichtungBknsten durch eine Col- 
lekte aufgebracht waren, am 1. Mai 1673 ala aolchea eingeweiht, 
bei welcher Gelegenheit den lÖO darin lafgenommenen Etndem 
1} Eimer Wein vom Stadtrathe verabfolgt wurden. Kachdem 
1813 die Regterkircbe durch ihre Verwendung zur Unterbringong 
von Gefangenen und Yerwnndeten dem Ootteadienste entzogen 
war, hielt die Reglergemeinde diesen in der GanglofFakapelle ab. 
Diese letztere warde jedoch, nachdem der Gemeinde zu gleichem 
Zwacke die Hoapitalkirche überwiesen war, ihrer früheren Be- 
atimmung zurückgegeben, und aie hat solcher auch bis bot Er- 
baunng des neuen Schulhauaes in der Gartenstrasse 1875 ge- 
dient, worauf sie durch Kauf in den Besitz dea Schneidermeistere 
König gelangte, der sie abbrechen liesa und an ihrer Stelle das 
erwähnte Victoriahotel erbaute (Härtung, I. c. II. S. 53. 53; 
Eruepe, die Sagen der Stadt Erfurt I. S. 36). 

16. Georgenkirohe. Sie lag an der Michaelisstrasaeo- 
und Georgengaesenecke , zwischen der ersteren and dem ooeb 
stehenden Thurm. ~~ Sie muas aehr alt gewesen sein, denn 
schon im Jahre 1066 oder doch wenigstens 1184 gab aie einer 
beaonderen Gemeinde den Namen. Wie Hogel (Chronik S. 118) 
erzählt: war neben ihr eine Kapelle und ein Kloster fUr Ctster- 
ciensermOncbe erbaut, aus denen, nachdem sie eine Zeitlang wQst 
gestanden, dann aber in ein Spital verwandelt worden, von den 
Nachbarn die dort aufbewahrten kirchlichen Ger&the heraus- 
genommen und anderweit verwendet wurden, was zu langwierigen 
Streitigkeiten mit dem dem nämlichen Orden angehörenden Klo- 
ster Fforta Anlaea gab, die erst dadurch beendet wurden, dass 
die Stadt einen an der LehmannabrOcke belegenen Fleck abtrat, 
wo der Ffortiache Hof erbaut wurde. Die G^orgenkircfae aelbat 
brannte im Jahre 1416 ab; sie wurde jedoch wieder hergestellt. 
Nachdem aie nach Einfllhrung der Reformation'1525 geschlossen 
worden war, gelangte sie 1530 in den Besitz der Evangelischen, 
in Folge dessen die Gemeinde mit der der Hichaeliekirche ver- 
einigt warde, nur wurden noch ab und tu, so im Jahre 158S, 
Leichenpredigten in ihr gehatten (Frieae II. 598). Der dazu ge- 
hörige, in der Weiasengasse belegene Pfarrhof brannte mit den 



..Cdoj^Ic 



— 108 — 

Tic«rienbfiBaerD 1535 ftb. 1560 vnrde am den Kirchhof was 
Müner gebftnt. 1619 diente die Eircbo Tor&bergehead «U Scbiil- 
geloiB. 1632 nach der Beeitznahme dnrch die Schweden wurde 
nie abgebrochen und das Material xum FeBtangsbao verwendet. 
Nur der laat einer daran bafindlichen Inschrifi 1388 erbaute 
Thnrm bliob stehen und iat noch gegenwärtig vorhanden. Der 
Kirchhof ist seit 1873 grösstentheils mit Privatwohnh&uaem be- 
baut (Hartunf, L c. S. 160—162). 

17. Qotthardakirche. Sie lag in der OottbardstraM«, 
wo jetzt die Häuaer Nr. IS und 19 stehen. Weder Ober die 
Jßntstehungszeit noch über die weiteren Schicksale dieser Kirche 
ist etwas Näheres bekannt. Wir wiasen nur: dass sie bereits 
1182 einen eigenen Pfarrsprengel gehabt hat, nach der Refor- 
mation in den Besitz der Evangelischen gelangt ist, zugleich 
aber und nachdem 1531 das Pfarrhaus abgt^brannt war, aufgehört 
hat zum Oottesdienst benutzt zu werden, indem die bisher dort- 
hin Eingepfarrten sich zur Johanniskirche hielten, daas von Sei- 
ten des Erzbischofs 1618 und 1600 erfolglos versucht ist, die 
Kirche f(lr den katholischen Gottesdienst zurück zu gewinnen 
und dass dieselbe noch 1740, wenn auch bereits als Ruine, ezi- 
stirt hat. Gleich nachher muss sie jedoch ganz abgebrochen 
sein. Dagegen wurde der Thurm noch erhalten; da aber dorch 
seinen baufälligen Zustand den Nacbbargrund stachen Gefahr 
drohte, so drangen deren Besitzer auf seinen Abbruch, der denn 
Auch 1858 erfolgt ist (Härtung, 1. c. II. S. 294—296). 

18. Gregoriikirche heisst eigentlich die im gewöhnlichen 
Leben nach den Kanfleuten, die vorzugsweise in der Nähe ihre 
Verkaufsst&tten hatten, in der Regel Kaufmannskirche genannte 
Kirche. 

19. Johanniakirche (S. Johannis praelatorum). 
Sie lag an der Ecke der JohannisstraBse und des Johanniakirch- 
hofs and zwar so, dass sich ihre Langseite an dem letzteren 
befand. Das Jahr ihrer Gründung ist nicht bekannt, doch fiiUt 
diese jedenfalls in eine sehr frühe Zeit, da gemeldet wird: dass 
die Kirche 1277 abgebrannt Bei. Wahrscheinlich ist sie damals 
wieder hergestellt worden. Hogels (1. c. S. 197) and Frieses 
(1. c. S. 74) Angabe: dass die Kirche in den näohsteo 25 Jahren, 
nachdem die Kirche S. Fbilippi et Jacobi den Augustinern ftber- 
gebeo worden (also circa 1291), tod Riehen, Dombenn in der 



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— 109 — 

L&ngengassen, daaelbat gegründet, Johannes dem T&ufef geweibt, 
und' dealialb die Kirche S. Johannis Praolatornm genannt sei, 
kann sich nur auf ihre Wiederb erste! lung nach dem Brande bc 
ziehen. Doch masa sie wieder in Verfall gerathen sein, denn 
1469 wurde ein Neubau begonnen, der 1486 zum Abechluss ge- 
langte and bei welchem laut einer Inschrift Magister Johann 
Gregorius als Baumeister wirkte. — Seit Einführung der Refor- 
inatioQ hörte der Gottesdienst in der Kirche auf (1525), indem 
die zur neuen Lehre Uebergetretenen sich von da ab zur Kirche 
des Augustiner Eremitenklosters hielten, welche denn aucb nach 
dessen Aufhebung formell die Pfarrkirche der Johannisgemeinda 
wurde, die bei der alten Lehre Verbliebenen sieb aber zur Ho- 
spitalkirche wendeten. Die Johanniskirche blieb zwar erhallen, 
diente aber seit dieser Zeit nicht mehr dem Gottesdienste und 
es wurde auch die 1676 Seitens der knrfilrBtlichen Behörden 
beanspruchte Ueberlaseung als Garmsonkirche von der Ge- 
meinde verweigert (Chr. Roichard, Continuation ad an. 1676), 
dagegen ward sie während des eiebenjfihrrgen Krieges als Fon- 
ragemagazin benutzt und sie wurde, nachdem sie während der 
französiechen Herrschaft 1811 zum Domainenfonds eingezogen, 
dann aber gegen Zahlung einer Reluitionssumme der Gemeinde 
überlassen war, im Jahre 1817 mit Ausschluss des Thurmes und 
des Kirchhofes von der Inspektion der Angustinerkirche ver- 
kauft and 1819 abgebrochen, der Platz, wo sie gestanden, aber 
mit Privathäusern besetzt. Der arbone 1469 erbaute Tlmrm be- 
steht nicht nur noch und wird als Nebenglockenthurm der Augn- 
stinergemeinde benutzt, sondern ist sogar in neuerer Zeit, da 
sein baulicher Zustand Gefahr drohte, einer volleUlndigen Wie- 
derherstellung unterworfen und mit einer Uhr vereehen. — Der 
Friedhof, der ursprünglich durch Mauer and Thor von der Jo- 
liannisstraaae abgeachlossen war, ein Umstand, aufweichen ge- 
BtQtzt die Augustinorgemeinde einen freilich erfolgloa gebliebenen 
Versuch gemacht hat, ihn dem öffcntlicheD Verkehre zu ent- 
ziehen, ist gegenwärtig bekanntlich theilweise zu der neaange- 
legten, nach dem Scblachthauae fahrenden Strasse verwendet 

20. Die S. Johannis Baptialae, S. Cathartnae, X 
lailtium virginum, Sanctique Hngonia Kapelle lag auf 
dem Salvatursberge neben dem Karthäuserkloster and ward 
gleichzeitig mit diesem 1380 eingeweiht. iSie ist wohl 1493 Ab* 



.ODgIc 



— 110 — 

gebrocbeo worden, als dort der Wall errichtet wnrde and des- 
halb eine theilweiee Verlegung der KloBtergebäade eifolgen 



21. KiliaDskapelle. S!e befindet nch in den Erenz- 
gangsgebäude des DomeB nnd bat ihren Zogang von dem säd- 
licfaen FlOgel des Kreuzganges. Die Zeit ihrer Orfindting ist 
nicht bekannt Hfitveretedt (1. c. S. 165) bemerkt nur: dau ue 
1533 erwfthnt werde. Si« existirt noch, wird aber nicht mehr 
xnm Gottesdienst, sondern zur Aufbewahrung von dem Marien- 
stifte Eugehörigen Qegenständan benutst. Während des neuer- 
lieben Reparatarbaaes des Domes hat sie den Steinmetzen als 
ArbeitssUtte gedient 

22. St Leonhardtskirche. Sie lag auf dem Peters- 
berge, auf dem der Stadt zugekehrten Rande, unweit der Stelle, 
wo gegenwärtig die Dienstwohnung des Vorstandes des Artillerie- 
depoU sich befindet. Im Jahre 1185 ward der erste Altar darin 
errichtet; sie war also wohl kurz vorher erbaut Ihr Pfarr- 
aprengel erstreckte sich auf den Bezirk von der Lauengasse bis 
einschliesslich des Rubenmarktes. 1289 (Würdtwein Dioeces. 
HogOBt. pag. 226) und wiederholt 1366 (ibid. p. 258) hatte Qber 
dessen Ausdehnung ein heftiger Streit sich entsponnen. — Von 
den Schillern, d. i. der Qegend, wo das frtlbere Dorf Scbilde- 
rode gelegen, ßihrten zur Bequemlichkeit der Eingepfarrten Stu- 
fen nach dem Kirchplatz hinauf. 1297 wurde die Kirche von 
einer Fenersbrunst betroffen, wogegen von dem Brande von 
1472 nur die am Abhänge des Berges stehenden Häuser zerstört 
worden. — Nach der Umwandlung des Petersberges in eine Ci- 
tadelle diente sie als Zeughaus, sodann der Besatzung als Gar- 
nisonkircbe. Erst 1790 wurde sie iOr den Gottesdienst ganz 
geschlossen und definitiv in ein Zeughaus verwandelt, als welches 
sie noch gegenwärtig dient, da sie wenigstens in ihren Umfas- 
suDgimaaern noch vorhanden ist 

23. Marienkapelle. Diesen Namen haben mehrere hier 
früher bestandene Kapellen get^lhrt, so die 1437 eingeweihte in 
dem alten Ratbhausej die selbstredend zusammen mit diesem 
abgebrochen ist, und die 1440 gegründete in dem kleinen oder 
Duderstädtischen Hospitale, welche im Wesentlichen noch jetzt 
besteht Eine andere, zur Kanfmannskircbe gehörige St Muien- 
KapeUe wird 1492, eine den ni^lichen Namen führende, die 



:. Cookie 



- 111 - 

KOm Predigorkloster gehörte, 1517 erwähnt. — fUne CapelU 
B. V. Mariae, qaae Donc Duucupatur annctum sepnlchruin , die 
im Jahre 1437 von dem Weihbiechofe Hermann von Mmdz ein- 
geweiht worde, gehörte dem Martioekloater. — Doch ist Näheres 
aber olle diese nicht bekannt (Mulverstedt, 1. c. &. 161. 166). 

24. Kapelle B. Mariae et omnium sanotornm stand 
Ewischen der Michaeliskirche and dem Hauso zum Krennbacken 
(jdtst Michaelisstrasse 10). Sie war 1505 von dem Flebanus an 
der genannten Kirche, späteren Weihbischof Dr. Johann Bonn- 
milcb von Lasphe, gestiftet worden. Sie ist noch vorhanden. 

25. Die Kirche S. Martini intra oder am Sonnenberge 
gehörte zu den ältesten Kirchen Erfurts. Sie lag ursprünglich 
auf dem Fisohmarkt, wurde aber 1385, weil sie baußillig gewor- 
den, abgetragen und da es dort auch so an Knam fUr einen 
Kirchhof fehlte, nach dem Langenstege (der Schlösserbrücke) 
verlegt (Kirchhoff, Erfurt im 13. Jahrh. S. 146. 147, wo die aus 
diesem Anlasse ergangene päpstliche Bulle mitgetheilt ist). Sie 
stand da, wo sich jetzt die Häuser Nr. 5, 6 and 7 der Neuen- 
straase befinden. Ihr hoher Thnrm, der 1415 erbaut ward und 
durch welchen, wie bei der ÄUerheüigenkircha , der Eingang 
zam Schiffe stattfand, war der Schlösserhrllcke zu gerichtet. 
Unter der Kirche befand sich ein gewölbter Durchgang von der 
einen Seite der Strasse zur entgegengesetzten (Bejur, N. Chron. 
S. 2). Drei Qassen fUbrten an ihr vorllber, von denen zwei, 
das Hartinsgässchen und der Sonnenberg, sie mit der Prediger- 
kirche, die dritte: Auf der Trolle, auch Marstallsgasse genannt, 
mit der Milchgasse (jetzt Rathhausgasse) verbanden. In der 
alten Kirche war 1249 ein Einbruch verübt worden, der zu der 
G^^ündang der h. Brunnenkirche Anlsss gegeben hat. An ihrem 
spftteren Standorte hatte sich bisher die St. Martjnskapelle , die 
zu dem Hospitale gehörte, befunden, und deren Rechte wurden 
nun sämmtUch anf die Martinskirche übertragen (Falkenstein, 
Histor. S. 176). Später, aber jedenfalls vor 1493, ward ihre Ge- 
meinde mit der der Benedictekirche vereinigt Nach Einffihmng 
der Reformation ging ihr Besitz an die Evangelischen Qber; sie 
kam jedoch bald ausser Benutzung; die Eingep&rrten worden 
der Predigerkirche zugewieeea 1693 wurde der Thurmknopf, 
welchen der Jäger des damaligen kurmainzischen Statthalters 
von Creutzen aus MathwiUen durchschossen hatte, emsoert 



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(Pri«8e, l. C. IV. S. 1396). — Bei dorn grossen Brande tod 1736 
wurde aie gänzlich zerstört, so dasa man die noch stehen ge- 
bliebenen UmfasBungemauem abbrechen mtiBBte. Ein gleiches 
geschah 1738 mit ihrem Thurme. — Wie die FrieBesche Chronik 
S. 2122 erzählt, musste man das kaum 6 Fuks tiefe Fandsmeot 
mit eisernen Kaulen und Schlägeln ausbrechen. Der Umfang 
betrug 24 Schuh auf jeder Seite und es wurden allein ans detn 
Fundamente 16 Schachtruthen Steine gewonnen (Härtung, 1. c. 
IL S. 187 — 190). 

- 26. Capella S. Martini consnlum Erfartensiam, 
auf dem Rathhanse Über der Zweiermannskammer belegen , zu- 
erst 1357 erwähnt, auch später unter Terschiedenen anderen Na- 
men (Capella praetorü nostri 1571, Capella senatus 1502 n. s. vr.), 
besonders von der Familie von Aamanstädt reich dotirt. £8 
wurde darin der jedesmalige neu eintretende Rath eingesegnet 
und Meeae gelesen. 1624 ging diese, vielleicht schon vorher 
nicht mehr benutzte Kapelle ala solche ganz ein, das Local 
wurde zur Aufnahme der Rathsbibliothek eingerichtet (Hogel, 
i. c. S. 1378; MtÜveratedt, I. c. S. 166. 167). 

27. Capella S. S. Martini, Nicolai et Annae anlae 
archiepiacopslis aive curiae archiepiscopalis wurde 
von dem Erzbischof Berthold 1500 auf dem Mainzerhofe gestif- 
tet, wobei die Einkünfte der alten wüat gewordenen Kapelle: Zu 
den vierzehn Nothhelfern, ihr zugewiesen wunJen. An ihrer 
Stelle erbaute Erzbiachof Daniel (f 15t*2) eine Kapelle S. Mar- 
tini, die 1861 abgebrochen ward, deren Vorderwand aber wieder 
aufgeführt iat, und noch jetzt an dem Matnzerhofpistz steht. 

28. Martinskapelle. Von der zum Hospitale gehörig 
gewesenen Kapelle dieses Namens iat bereits vorher, wo die 
Martinskirche besprochen ist, die Rede gewesen. 

29. St. H&tth&ikapelle. Sie lag, wie es scheint, vor 
dem Augnatthore in der Nähe des Reglerkloaters , welchem sie 
zugeLürte. Sie wird 1353 erwähnt; etwas Weiteres ist aber 
nicht über sie bekannt. 

30. St Matthiaskirche (nicht S. Mattbaeua, wie sie zu- 
weilen genannt wird). Sie lag an der gegen Norden gerichtetsD 
Ecke der Futter- und Johanniastrasse, wo Jclzt die Häuser Jo- 
hannisstraaae Nr. 8 und Futterstrasae Nr. 20 stehen. Sie gehürte 
zu den ältesten Kirchen Erfurts, war jedcnlalle 1181 bereits vor- 



- Uä - 

hsndeD. Iq Folge ihres hohcD Alters stürzte sie im Jahre 1600 
eis; sie wurde aber 1609 wieder hergestellt, damit nicht, wie 
gleichzeitige Bericlite besagen, die ihr zustätidigen ZinsgeßÜle 
verloren gehen mdchten. Der zu ihr gehörige Tharm war tod 
jenem Einstürze nicht mit betroffen; laut einer an ihm befind- 
lichen Inschrift war sein Bau 1437 begonnen. Die zur Kirche 
gehörige Gemeinde war zwar nur klein, da sie nur 56 H&aser 
nmfasBte, es gehörten zu den Eingepfarrten aber viele reiche 
Patrizierfamilien. Im Jahre 1618 gelangte die Kirche in den 
Besitz der Evangelischen und es wurde ihre OenioiDde der der 
Eaufmannskircbe zugeschlagen, nachdem sie schon seit Einfllh- 
mng der Reformation (1531) nicht mehr zum Gottesdienst be- 
nutzt war. Im Jahre 1757 wurde die Kirche als Militär- und 
1759 als Heumagazin verwendet (Beyer N. Chr. S. 42 u. 74). 
Auch zur Zeit der französischen Herrschaft diente sie theila als 
Fouragemagazin, theils als Kavallerie stall. 1811 wurde sie gleich 
den anderen nicht mehr gangbaren Kirchen als Domainengut in 
Besitz genommen und in öffentlicher Versteigerung zum Verkauf 
auBgeboten, Doch fand sich kein Käufer und die Kirche kam 
nach dem Aufhören der französischen Herrschaft wieder in dea 
Besitz der Ksufmannsgemeinde. Diese verkaufte dieselbe jedoch 
1S18, worauf zuerst der Thurm, dann auch die Kirche abge- 
brochen und die Stelle mit Privatwohnhäusem besetzt wurde- 
(Härtung, 1. c. II. 34 — 36.) 

31. Die Kircbe St. Moritz (St. Mauritii). Dieselbe lag 
in der Horitzgaase an der nördlichen Ecke der Venedig genann- 
ten Strasse. Sie gehörte zu den ältesten Kirchen der Stadt, 
doch ist das Jahr ihrer Gründung nicht bekannt Der Thurm 
war laut einer daran befindlichen Inscbrift 1505 von Miken Kau 
erbaut. Bei Einführung der Befoi-mation in Erfurt wurde die 
Kircbe von den Evangelischen in Besitz genommen, doch nur 
noch wenig zum Gottesdienst benutzt, wie sie denn auch zo dea 
kleineren Kirchen gehörte und in dieser Hinsicht etwa der Tho- 
maakirche gleich gestanden zu haben scheint. 1604 vereinigte 
ihre Gemeinde eich mit der der Andreaskirche. Im Jahre 1633 
wurde sie von den Schweden abgebrochen und ihr Material zur 
Aufmsucriing des Bollwei'kea vor dem Moritzthora verwendet. 
Ihr Thurm blieb aber damals noch erhalten und ist erat, nach- 
dem er 1811 den Fabrikanten Rothstein und Bemhudi zum Ab- 



C^ooj^lc 



- lU - 

brach ttberlMsen., wolche die Steine, bo wie die bis dftbin noob 
vorbanden gewesenen Altiirplatten der Kirobe, su der von ibnen 
an Stelle der grossen Petermüble 1812 errichteten Tuchfabrik 
(jetzt Berrmannsche Lederfabrik] verwendeten, abgetragen. Der 
zur Kirche gehörig gewesene Begräbnissplatz ist noch längere 
Zeit nach dem Eingehen der Kirche benutzt und noch gegen- 
wärtig vorbanden. (Härtung, 1. c. II. S. 157 — 1^9.) 

32. Nicoiaaskirche. Sie lag an der Ecke der Aogn- 
atinerstrasse und Camthurgasse neben dem jetzt noch vorhan- 
denen Thurme, da wo sich gegenwärtig das Nicolaiscbalhaas 
befindet. Der Zeitpunkt ihrer Gründung ist nicht bekannt. Je- 
denfalls bat sie bereits 1013 existirt, da eine Glocke derselben 
diese Jahrzahl trägt. 1288 trat der Propst des Marienstiftei, 
Graf Lambert von Gleichen, das Patronatrecht über sie dem 
Deutschen Orden, dessen Ordenshaas, der Comthurhof, dicht da- 
neben lag, ab. Der jetzt als Nebenglockenthonn der Jacobi- 
gemcinde benutzte Thurm ist 1360 gebaut; 1387 schlug der Blitz 
in denselben, ohne jedoch erbeblichen Schaden zu thun. Nach 
Einführung der Reformation in Erfurt 1525 hörte der Gottes- 
dienst in der Kirche auf, doch nur ftir kurze Zeit, da dieselbe 
1526 den Katholiken zurückgegeben wurde (Friese IL 439). If^ 
ward sie aber der schwedischen Besatzung zur Gamisonkircbe 
eingeräumt, nach deren Abzug jedoch restituirt. Da sie in Verfall 
gerathen war, so wurde 1694 ein tbeilweiser Neubau vorgenom- 
men; doch befand sie sich bald wieder in einem so üblen bau- 
lichen Zustand, dass sie 1744 (oder 1747) abgebrochen werden 
musste. Die Gemeinde wurde anfänglich der Jacobikircbe zu- 
gewiesen, da jene aber wegen deren grosser Entfernung 1789 
die Wiederherstellung ihrer eigenen Kirche verlangte nnd die 
kurf^stliche Regierung, auf welche, nachdem sie 1790 die Be- 
sitzung des Deutschen Ordens erworben, die Baupdicht Über- 
gegangen war, einstweilen keine Mittel hierzu besass, so ward 
1791 der Gottesdienst in die Kirche des näher belegenen Cy- 
riaxklosters verlegt. Seit der Aufhebung des letzteren ist die 
Gemeinde definitiv mit der der Jacobigemeinde vereinigt. (Här- 
tung, 1. c. 11. S. 289 — 292.) 

33. Die Passionis Christi- oder Oelbergskapelle 
lag neben dem Cyriaxkloster am Rubenmarkte. Sie war 1580 
gestiftet und hat noch 1633 bestanden. 



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- 116 — 

84. Paulakirche. Sie lag «q der Eoke der Pftulastruse, 
die luwb ibr den Namen bat, und der kleinen Arche neben dem 
jetat noch stebenden Tliurme. Ein Tbeil ibrer Area wird jetzt 
TOQ dam Predigerscbulbanse eingenommen. Nach der kleinen 
Arche au war der Bau abgernndet. Der Chor der Kirche lag 
nicht unerheblich tiefer als das Schiff. Sie moss vor 1181 ge- 
gründet sein, denn in diesem Jahre wurde sie cur Pfarrkirche 
erhoben. 1468 ward ein Neubau vorgenommen. Nach Einfüh- 
rung der Reformation in Erfbrt gelangte sie in den Besitz der 
Evangelischen, gerieth aber in Verfall, da sie nicht mehr anm 
Gtottesdienste benutzt ward, indem die Gemeinde leicht in der 
gerftnnigen Fredigerkirche Aufnahme fand. Bei dem grossen 
Brande von 1736 wurde die Kirche gSnzIich zerstört; die ftbrig 
gebliebenen Mauerreste brach man 1759 ab. Auch die Spitze 
des 1466 erbauten Thurmes wurde von den Flammen ergriSen, 
aber 1737 wieder hergestellt und um ein Stockwerk erhöbt. Er 
dient gegenwärtig der Predigergemeinde als Nebenglockenthorm. 
(Härtung, 1. c. II. 338—340. Eine Abbildung der Kirche in der 
Chronik von Sam. Fritz, S. 339.) 

35. Paulekirche (Hochmünster) war der ursprtingliche 
Name der nachberigen Severikirche, Diesen letzteren Namen 
erhielt sie erst, nachdem die Qebeine des h. Severus dabin über- 
tragen waren (Oppermann, Der h. Severus, S. 32. 38). Sie war 
die Kirche des nachher auf den Cyriaxberg verlegten Benedik- 
tiner-Nonnenklosters HochmÜDBter gewesen. 

36. Kirche Philippi et Jacobi apostolorum, ge- 
stiftet 1137 und vom Erzbischof Adalbert I. bestätigt, wurde 
1266 den Augustiner Eremiten, als dieselben neben ihr fttr sich 
ein Kloster erbauten, ilbei^eben und (Uhrt von da ab den Na' 
men: Aagustinerkircha. 

37. Salvatorskirche hiess die Kirche des Karthäuser- 
klosters, das seinerseits den Namen: Uons Salvatoris, führte. 
Es wird von ihr bei Besprechung dieses Klosters näher gehan- 
delt werden. 

38. Se verkapelle. Sie lag auf dem Petersberge, gehörte 
dem FeterskloBter (Dominikus, 1. c. I. 112) und wurde hei dem 
Brande 1813 mit zerstört. 

39. Servatinskirche. Sie stand an der Ecke der Per- 
gamenterstrasse und Tumiergasse, wo sich jetzt das ächulhaus 



oogic 



- 116 - 

Aar AndreBSgemeinde , Pergamentergagae No. 36, befindet. Ihr 
Kirchhof ist theilweise zur Turniergnese geEogen. Sie kommt 
ftBch siiwdilcn unter dem Namen: Bonifacinakirche vor. 
Die }lfiit ihrer GrUndung tat nicht bekannt, doch fUlit dieae je- 
denfalls in eine sehr frühe Perlode, da die Eirche bei der Ein- 
theilnng der Stadt in Pfarrgemeinden I18I oder 1183 bereits 
vorhanden wnr. Im Jahre 1416 brannte <ie ab. Bei der Feoera- 
brnnst von 1472 wurde sie dagegen, wie es scheint, aar beschä- 
digt. Ein gleiches war 1570 der Fall, wo sie von einem Blitz- 
etrahl getroffen wurde. Nachdem sie 1530 in den Besitz der 
Evangelischen gelangt war, wurde sie nicht ferner zum Gottes- 
dienst benntat, ihre Gemeinde vielmehr mit drr der Hiubaelis- 
kirche vereinigt, Sie war allmählich so verfallen, dass aus ihrer 
Mitte ein hoher Baum herauagewachsen war. Als sie aber in 
Folge ihrer Baufälligkeit 1701 theilweiae einatBrzte, machten die 
Katholiken Ansprtiche auf daa Eigenthum der Kirche, die sie 
S. Bonifaciunkirche nannton , und es liesa demgemäss die Dom- 
stiftsverwaltung einen Theil des Materials zur Benutzung bei 
dem Bau der h. Brunnenkirche abfahren. Da jedoch die Mi- 
chaelisgemeinde dartfaat: dnss es sich nicht nm eine Kirche des 
b. Bunifacins, sondern um eine solche des h. Servatins, dessen 
BtldiiisB in die Mtchaeliskirchn hinüber genommen und noch 
dort aufbewahrt sei, bandele und so ihr Eigenthumarecht nacb- 
wioes, mnsBte diese Gemeinde schadlos gehalten werden. Die 
letztere brach die Kirche 171<^ vollends ab, und erbaute anf 
deren Stelle drei Sohulbäuser , die 1838 dem Neubau des vor- 
gedachten Schulhauses haben weichen müssen. Die Angabe 
Mülverstedts (1. c. 8. 142), dass die Servatiuskirche 1683 mit 
'dem Thurm abgebrochen sei, muas daher auf einem Irrtbum be- 
ruhen. (Härtung, 1. c. S. 149 — 152.) 

40. S. S. Simonis et Judae-Kapelle war eine, 1223 
von ilem Er/bischof Siegfried If. bei dem Hospital, als dasselbe 
sich noch auf seiner ersten Stelle in der Nähe des F^schmarkles 
befand, geweihte Kapelle. 

41. St. Spiritus- oder Heitigegeiat • Kapelle (Ca- 
peila S. Spiritus exulum ante valvam spaami. Würdtwein Dioe- 
cesis Mognntin., p. 56) gehörte dem groaacn Hospitale. Sie be- 
fand sich an der Stelle, wo jetzt die Hospitalkirche steht, die 
«US ihr entstanden ist. 



Dictzsdbv Google 



— 117 — 

42. Cftpell« ad S. Vslentinum oenat HSne (pag. 271) 
das BOnat nntcr dem Kamen dea Valentinerhofea bekannte Qe- 
bKude, da« in der Nähe der BarfUBserkircbe lag, 1633 von den 
Regulirten Chorherren des fa. Äugnstin erkauft nnd mit zur Er- 
banang dea Wigbertiklosters verwendet warde. Sonst ist von 
dieaer Kapelle nichts bekannt. 

43. S. Viti- oder Veitaktrche. Sie stand an der Ecke 
der Begierungsstrasse and LangenbrUcke , wo sich der Gasthof, 
jetzt: der Rheinische Hof, früher: Zum Schlehendorn , genannt, 
befindet. Die Front war der Regierungsstraese zugewendet, der 
Therm stand vor der LangenbrUcke, au welcher der Weg durch 
eine anter der Kirche befindlichen Wölbung ging. Das Jahr 
ihrer QrUndung ist nicht bekannt, muss aber, in eine sehr frühe 
Zeit fallen, da bereits 1250 ihrer als längst bestehend gedacht 
wird. Gegen 1399 wurde sie durch Feuer zerstört. 1470 wurde 
ein Neobaa begonnen, wie eine am Thurmgewölbe beiindlicli ge- 
wesene Inschrift dartbat, doch scheint derselbe längere Zeit in 
Anspruch genommen zu haben, denn der Bau des Chores wurde 
erst 1494 angefangen und noch 1496 wurde ein neues Pfarrhans 
erworben, um den Platz, wo das bisherige gestanden, mit snm 
Kirchenbaa 2U verwenden. Die gänzliche Vollendung des Baues 
scheint sich aber nocb länger bingezogen zu haben, denn die 
vier in ihr Torbandenen Altäre wurden erst 1507 eingeweiht. — 
Nach Einfühntng der Reformation setzten sich die Kvangelischen 
in den Besitz der Kirche. Sie wurde aber 1571 geschlossen 
und seitdem nicht mehr zam Gottesdienst benutzt, obwohl noch 
bia 1716 Leichen darin beigesetzt worden sind, die Gemeinde 
wurde mit der der Barfllsserkirche vereinigt, zu welcher letzte- 
ren besseren Einrichtung l59l die Stühle dor Viliktrclie ver- 
wendet wurden. 1757 wurde diese aU Kriegsmagazin , später 
zur Aufbewahrung der Feuerspritzen benutzt. Im Jahre 1809 
wurde sowohl die Kirche, mit Ausnahme der noch neben der 
Küche des Rheinischen Hofes stehenden Sakristei, wie der 
Thurm abgebrochen, und an der Stelle der ersteren von dem 
Gastgeber Werner der erwähnte Gasthof gebaut Die Fialen, 
welche den Thurm geschmückt hatten, standen längere Zeit auf 
der Brüstung der vor dem Brühler-Thore Über den Bergstrom 
fÜhreoden Brücke, wurden von dort aber, nachdem sie um 1Ö55 
von muthwilligen Buben hinabgestürzt und theilwcioe ztrti'ilm* 



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— 118 — 

nert warsn, wieder entfernt. Der cnr Kirche gehfirige Friedbof 
lag hinter den HHaeem Langebrttcke Nr. SO— 32 and hatte durch 
dieie seinen Zugang. Er ist bia aaf die Deneste Zeit von den 
AnTTohnem als Bleicfaplata benatzt worden. (Hartnog, I. c S. 
819—225.) 

ElBiter ud Stifter. 

1. Daa Allerheiligen - Mannskloater, anch Aagn- 
• tiner - Hospital genannt. Ea lag hinter der Allerheiligen- 
kirche an der Stelle, wo sieh apäter daa Haua aur Engelaborg 
(jetzt Allerheiligen atraese "Sr. 20, daa zur Hofmannschen Tabaka- 
fabrik gehörige Fabrikgebäude) befand. Die Mönche gehörten 
anr Regel dea h. Auguatin. Das Eloater wurde, ao wie die 
Allerheiligenkirche, die wohl nraprangUch dessen Kirche bildete, 
von dem PreabTter Eckenbrecht und dem Vicedom Adalbert 
gestiftet, von dem Erzbischof Adalbert I. 1125 eingeweiht und 
vom Erzbischof Siegfned 1217 bestätigt. — Wie lange ea be- 
standen, ist nicht genan bekannt; snacheinend ist es noch im 
11. oder doch im Anfange des 15, Jahrhunderte eingegangen; 
feat atebtnur: daas daa gedachte Oebfiude, dessen treffliche Kel- 
ler jedenfaUs noch von dem ursprünglichen Bau herrDhren, sich 
bereita im Jahre 1493 in Privatbesitz befanden. (If&lverstedt, 
1. c. S. 163; Härtung, I. o. H. 8. 190.) 

2. St. Annenkloster. Von diesem Kloater ist nur be- 
kannt: dass die darin befindlich gaweaenen HSnche der Regel 
dea b. Fransiekus angehört haben, und daea desaen Scfantz- 
patronin die h. Anna gewesen iat. Zeit der OrOndung and der 
Aofbebung kennt man eben ao wenig wie den Ort, wo ea ge- 
atanden. Seine Existenz wird beinahe nur durch daa noch vor- 
handene Siegel, das die Umachrifl trägt: „S(igillnm) Frstmm S. 
Anne ordinia minorum in Erfordia" bezeugt (Mfilverstedt, L o. 
S. 16S). 

3. Daa Kloster der Aagastiner Eremiten. Es lag 
zwischen der nach ihm genanntes AngaBtineratrasse , der Kirch- 
gaasfl und der Comthurgaaae bei der zu ihm gehörig gewesenen, 
noch vorhandenen Augaatinerkirche , auf der Stelle, wo sich ge- 
genwärtig daa Martinetift und das evangelische Waiafluhaus be- 
finden. Einzelne Theile dieser Gebäude, wie nanlentliob der 
Kreazging, stammen noch von dem uraprflnglicbea Bau. — Di« 



— 119 — 

HSncbe des Äaga8t)aer>EremiteBkto8ters warden, oaclidem ibaen 
EnbiBohof Werner 1266 gestattet hatte, sieb in Erfurt Dieder- 
eutassen, nnd ihneB die 1131 gegrttodete und von Erzbtscbof 
Adalbert L bestAtigte Kirche S. Pbilippi et Jacobi apostolorum 
überwiesen, von dem Rathe 1276 förmlich recipirt (Kirchboff 
Weisthflmer S. 70 Änm. 137) und als sie innerhalb der Qotthards- 
Gemeinde einige H&Dser and andere Grundstücke angekauft, 
erbauten sie im EinverstSndniBB mit dem deutschen Orden, der 
die nahe belegene Nicolauskirche und den angrenzenden Com- 
thurhor besasB, und mit wesentlicher Beihillfe des Ralhs auf jenen 
Grundstttcken 1289—1324 ihr Kloster — nicht 1283, wie das 
Liber Cronicomm (Erfordiens.) heransgeg. yon Wenk Zeitschr. 
des Ver. f. thöring. Gesch. N. P. IV. S. 250 angiebt — . Das Ka- 
pitelhaas mit dem grossen Saale scheint jedoch erst kurz vor 
der Reformation errichtet und der Bau gewesen zu sein, auf den 
sich Luthers Mahnung an den Prior Johann Lange: er mSge 
sich nicht so sehr im Bau verstecken, damit es ihm nicht am 
Ende an Mitteln fehle, besieht Hogel Q- c. S. 862) nennt es 
ein hohes steinernes Haus neben dem Thore des Klosters, das 
zur Aufnahme fremder MSnche bestimmt gewesen sei, und setzt 
seine Erbauung in das Jahr 1516. Dass die Mönche bei dem 
Bau des Klosters das Material der 1291 wüst gewordenen Annen- 
kapelle benutzt haben, ist bereits früher erwähnt — 

Da bekanntlich Luther in diesem Kloster den frsten Grund 
EU der von ihm ausgegangenen Glaubenserneuerung gelegt hat 
und Enr Zeit des Beginns der Reformation Johann Lange, dem 
die Einftthrong des evangelischen Glaubens in Erfurt vor allen 
zu danken ist, damals Prior in jenem war, so ist es sehr erklär- 
lieh: dass die neue Lehre sehr schnell in demselben Eingang 
gefunden bat Nachdem das Kloster von sämmtlichen Mönchen 
verlassen war, nahm der Rath die Geb&ude in BesitE. Ifjßl er- 
richtete er darin ein evangelisches G^mnasinm; in dem Theil, 
welchen dieses nicht benalzte, fand das 1669 gegründete evan- 
gelische WaiBenhaus Aufnahme; auch wurden dem evangelischen 
Ministerium Geschäfts- nnd Bibliothekslocale dort eingeräumt. 
Diesem allem verdankte die Gebäudegruppe den Namen des 
evangelischen Zions. Bekanntlich ist der Theil, welchen das 
Gymnasium inne hatte, seit dieses 1822 in dem ehemaligen Ja- 
saitorcollegium Unterkunft gefunden, nachdem er fast f^aaz neu 



.ODgIc 



— 120 — 

ftofgflbftut worden, dem IfartioBtifit ttberwieaeo and wird jetst, 
Bowis der gleichfallB zu den Klostergebfitiden gehöriga Waid- 
boden, eu Schulzwecken benutzt, während das Wauenhaas 1872 
von einer Feaerabrnnet heimgesucht worden iat, wobei anter 
andern auch die der Sage nach einst von Luther bewohnt ge- 
wsBene Zelle zerstört wurde. Von den ferneren Schicksalen 
des Augustiner-Eremiteoordens in Erfurt wird weiter unten, wo 
von dem Wigbertikloster die Bede ist, gehandelt werden. 

4. Das Kloster der regulirten Chorfraaen des Or- 
dens des h. AugDStin lag ursprünglich in der Babnhofstraase, 
dem Kloster der regulirten Chorberro des h. Augustin gegenüber 
und fUbrte damals den Namen: Heiligegeistkloster. Die 
St. Albanskirche war seine KloBterkirche. Ks ward in der Hitte 
des 12. Jahrhunderts gegriludet, aber, wie Mulrerstedt (1. o. S. 
160) berichtet: Beiner ungeschützten Lage wegen, in die N&be 
des Wasserthores verlegt, wo ihm, nachdem der Neubau voll- 
endet war, der Name: Neawerk, beigelegt ward, unter dem es 
weiter unten ausführlicher besprochen werden wird. 

5. BarfUeser- oder Franziskaner-Kloster. Es lag, 
wie sich aus dem Möllers Beiträgen zur Qeschichte der Bar> 
flisserkircbe zu Erfurt, Erf. 1832, beigefügten Grundrisse ergiebt, 
zwischen der Barfüsserkirche und der Gera auf dem Flatsa, den 
jetKt die zum Realgymnasium nnd zur höheren TöcbterBcholo 
gehörigen Höfe und die letztere selbst einnehmen. Es bestand 
aus einem, auf der einen Seite von der Kirche, auf der gegen- 
überliegenden, von dem längs dem Flusse sich erstreckenden 
Langhanse, die durch zwei Quet^ebäude verbunden waren, deren 
jedes eine Kapelle enthielt, amsohlossenen quadratischen Kreuz- 
gange. In einem abgesondert, da wo jetzt das Realgymnasium 
■teht, belegenen Bau war der Eingang zum Kloster, das PfÖrtner- 
hauB. Auf der Südseite der Kirche befand sieb der Kirchhof, 
der durch eine Mauer gegen die Strasse abgeschlossen war, 
welche die Kirche grossentheils verdeckte und erst 1827 and 
1828 abgebrochen worden ist. 

Die Fratres minores ordinia S. Francisci liessen sich schon 
1222 (nach dem Liber cronicorum [Erfordensis] heransgegeb. v. 
Wenck, Zeitscbr. f. thüringiBche Gesch. N. F. IV. S.'280 bereita 
1221), also sehr bald nach der Stiftung ibreB Ordens , in Erfort 
nieder. Sie fanden suerit auf dem CTriaxberge, wo aie sich ein 



DictizedbyGoOt^lC 



— 121 — 

klamei HSiisclien banlso, üoterknoft, wurdeo aber 1225 tat 
pipatlicbe Empfehtusg in die Stadt selbst AnfgeDomme&, und 
bezogen hier zunächst ein vor dem inneren Kr&mpferthore an 
der Qera belegenes Kloster, das später, nachdem sie es ver- 
lassen, von den Serviten eingenommen worden ist, — das Liber 
croniconim 1. c. giebt an: wo sich nunmehr das Hans der Ans- 
satzkrauken befindet, was aber wohl nicht richtig ist — . Dort 
verblieben sie nur bis zum Jahre 1232, wo sie von dem Vitz- 
dum von Apolda behufe Erbauung eines Klosters einen Platz 
an dem rechten Qeraufer von der schönen Mühle am Langen- 
Stege (der SchlöBserbracke) bis zur grUeen Schildmdhle geschenkt 
erhielten (Bogel, 1. c. S. 122 und 133, nach Friese, 1. c. S. 44, 
der sich auf ein altes im Kloster aufbewahrtes Mannscript be- 
ruft, nur bis 1228, doch giebt er selbst, S. 47, das Jahr 1232 
als das des Umzugs an). Das von den Mönchen daselbst er- 
baute Kloster brannte jedoch bereits 1240 nieder, wurde ancb 
1291 von einer Feuersbrunst zerstört, beidemale aber wieder 
hergestellt. Der zweite Neubau war 1316 vollendet; doch war 
das Oebäude später wieder so verfallen, dass auf Veranlassung 
des berühmten Johann Cspistranus, der 1454 sich in Erfurt auf- 
hielt und selbst diesem Orden angehörte, eine nothwendig ge- 
wordene Wiederherstellung erfolgte. 

Nachdem aber die fiarfUaserkirche 1522 von den Evange- 
lischen in Besitz genommen war, wurde ir)94, als der letzte 
Mönch in demaelbcn verstorben, das Kloster aufgehoben. In 
Folge des Restitutionsedikts von 16^9 trat zwar der Franzis- 
kaner-Orden wieder in den Besitz der QebiLude, er wurde aber 
1636 von neuem daraus vertrieben und 1642 bis 1648 das Klo- 
ster gänzlich abgebrochen, das Material zu Festungabauten ver- 
wendet und auf dem Platze eine Schule für die BarHlsser-Tbo- 
masgemeinde erbaut. Der Orden that zwar nochmals, 1732 und 
1733, Schritte wegen seiner Bestitution, dieselben blieben jedoch 
erfolglos. Der Kreuzgang, der bei der Abtragung des Klosters 
verschont geblieben war , wurde während des siebenjährigen 
Krieges 1757 von den Franzosen zum Stroh- und Henmagasin 
verwendet und dabei vollständig zerstört. (Mülverstedt, 1. c. S. 
154. 155; Härtung, !. c. U. S. 321— 337; Beyer N. Chron. S. 45.) 

6. BegaiDeohaas. Es lag, nach der gewöhnlichen An- 
nahm«, in dem Sprengel der S. Paulskirche und wurde 1308 

.oogic 



— 122 — 

gegrUodet: aber wegen der bekaonten gegen dieae Congregatioa, 
nnd woht nicbt mit unrecht, erhobenen Baachuldigangen 1367 
vieder aufgehoben (Falkenstein Histor. S. 265). Die Freizins- 
regiater erwähnen jedoch bei den Jahren 1359 nnd 1360 ein 
dornns beginnaram conventoa in parochta S. Bartholomaei jaxta 
murttm; doch ist es möglich: dass dies ein Haus gewesen, das 
ausser seinem eigontltchen Conrente dem Orden gebort hat. 
Aehnlich mag es sich mit dem beim Jahre 1366 im Liber ofBcü 
cenarum S. Patri Erford. erwähnten ConventuB grieamm begi> 
narum in parocfaia S. Lconbardi, der 1369 als domas qnondam 
conventas bezeichnet wird (Eirchhoff, Erf. im 13. Jahrb. S. 160) 
▼erhalten haben. 

7. Benedictinerkloater auf dem Petersberge vid. Pe- 
terakloster Nr. 25. 

8. Das Benedictiner • Nonnenkloster. Seine nr- 
aprttngliche Lage war auf dem Severiberge (CircbhofF, Erfurt im 
13. Jahrb. S. 144), wo es von dem h. Bonifacins 743 gegrQndet 
worden war. FrÖachel (Kurzer Bericht vom h. Cyriaco, Erfurt 
1655) nennt die Grafen von Ravenewalde ale Fundatoren. Nach 
Friese, 1. c. I. S. 7, soll das Kloster sogar schon von dem Fran- 
kenkdnig Dagobert II. um 700 gestiftet sein. Doch erwähnt er 
selbst ib. S. 247 die Stiftung durch einen Grafen von Habens- 
wald. Werneburg, I. c. S. 176, setzt die Stiftung in das Ende 
des 8. oder den Anfang des 9. Jahrhunderts. Es führte damals 
den Namen: S. Pauli oder Hochkloster (Altomonasterium) 
und es gehörte zu ihm die bereits früher erwähnte S. Paals- 
kirche. Nachdem zu Ehren der dort aufbewahrten Gebeine des 
h. SeveruB das Collegiatstifl S. Severi um 1131 gegrändet war 
oder weil, wie Gudenua (Bist. Erfurt, p. 30), Friese (1. c. I. S. 
30a) und Dominikua (t. c. Th. I. S. 92 und 261) annehmen, En- 
biachof Adalbert I. seine auf dem gedachten Berge befindliche 
Residenz stärker befestigen wollte, wurde das gedachte Nonnen- 
kloster 1123 oder 1124 ausserhalb der Stadt auf den Cyriaxberg 
verlegt und ftlhrte von da ab den Namen: Cyriaxkloster, unter 
welchem es weiter unten ausführlicher besprochen werden wird. 

9. Bernhardiner - Nonnenkloster vide: Hartins- 
kloster. 

10. Collegiatstift zum h. Brunnen (Sacri fontis), 
Hannstifi nach der Ordensregel des h. Aaguitio, Die Wohnnog 

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— I2J — 

äet Canoniker befand ijeb neben der nocb vorbandenen b. BrnO' 
nenkircbe, die 1253 eiDem angeblicben WaDder zu Ebren erbaut 
war. Dab Stift bildete DrsprUnglich einen Äacex der Marien- 
kirche, bei welcher die Stiilaherren aU Vicare iimgirten. 1361 
erbob jedoch Erzbiachof Qerlach dasselbe zu einem Belbständi' 
gen Collegiatatifte , indem er ein Chorherren- Collegium bei ihm 
einsetzte und es mit Privilegien versah (Würdtwein Dioecee. 
Mognnt. p. 254 — 257). Das Kfarienstift reraonstrirte aber hier- 
gegen und erstritt auch echliesslicb ein obsiegendes Erkenntniss, 
worauf das Stift 1598 dem Marienstifte wieder einverleibt wurde, 
so dasB die Kirche fortan nur eine zu diesem gehörige Kapelle 
bildete. (MUlverstedt, S. I5l ; Erhard, I. c. S. 192; Hartnng, 1. c. 
IL S. 241—244.) 

11. Carmeliterkloeter Tide Marienknecbtskloster Kr. 20. 

12. Cyriaxkloster. Wie bereits oben erwähnt ist, er- 
hielt das Kloster der Benedictinerinnen , nachdem es von dem 
Severiberge auf den Cyriaxberg verlegt worden, den Namen 
Cyriaikloster. Ea wurde 1375 von den Truppen des Mark- 
grafen Friedrich zerstört, jedoch bald wieder hergestellt. Ale 
aber der Rath der Stadt 1479 zum besseren Schutze der letzte- 
ren den Cyriaxberg in die Befestigungswcrke hineinzuziehen 
nnd mit einer Citadelle zu versehen beschloss, verlegte er, nach- 
dem er sich die Erlaubniss dazu mit schwerem Qetde erkauft, 
das Kloster wieder in die Stadt. Zunächst wurde den Nonnen 
das Elendshaus in der Brühlervorstadt znr einstweiligen Unter- 
kunft Überwiesen, sodann kanfte der Bath den auf dem Ruben- 
markte der Andreaskirche gegeniibfr liegenden Volkenroderhof 
nebst einigen benachbarten Qrundat&cken und erbaute hier 1485 
bis 1488 ein neues Kloster (Falkenstein , Histor. S. 452), das 
durch einen Gang mit der ihm 1499 incorporirten Andreaskirche 
(Würdtwein Dioeces. Mognnt p. 266—269) in Verbindung ge- 
•etzt wurde (ibid. S. 426). (Nach Fröschel 1. c. haben die Non- 
nen bereits 1482 den Neubau bezogen, doch erscheint dies wenig 
glaubhaft, da der Volkenroderhof erst 1481 erkauft ist und sieb 
nur in den Stadtrechnungen von 1485 — 1488 die Kosten des 
Elosterbaues finden.) 

Bei der Verwandlung des Fetersberges in eine CitadeOe 
mnasten die Nonnen 1687 von neuem weichen, da ihr Kloster 
•Is den Festungswerken bu nahe liegend abgebrochen ward. 

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— 124 — 

'Et ytatia ftlr den Neubsa der FUts an der [jehmiDnibrnck« 
zwischen der Gera and der HtigelgasBe beetimmt, wo das Klo- 
ster bereits einen Oarton besass, an der Stelle, wo eicb frUber 
der w^at gewordene und deshalb 1363 von dem Ratbe ein* 
gezogene FfortiBche Hof befunden hatte, auf dem eine Schetute 
und später der städtiache Kornhof crbaot war. Dieser wurde 
noch im Jahre 1687 abgebrocheo und auf dessen Platze ein 
neues Kloster gebaut, und zwar so schnell, dass die Xonnen 
schon 1688 den Neubau beziehen konnten (Falkenstein, 1. c. 
S. 1052, 1053; nach Friese, 1. c. JV. S. 1394 im Jahre 1692). 
In diesem blieben dieselben bis 1806, wo das Gebftude nach 
der Schlacht bei Jena zum Militairlazaretb eingerichtet ward; 
diese Beatimmung verblieb ihm nicht nur während der fran- 
zösischen Herrschaft, sondern auch nach der zweiten preus- 
sischen Besitznahme, und wurde eine definitive, nachdem I8l9 
das Kloster aufgehoben und sein Vermögen zur Dotirung des 
Kirchen- und Schulfonds verwendet war. Die Gebäude sind im 
Wesentlichen noch die frtiheren. (MUlverstedt, 1. c. S. 159, 160; 
Härtung, I. c. H. S. 292, 299.) 

13. Dominikanerkloster vid. Fredigerkloster Nr. 26. 

14. Domstift vid. Marienstift Mr. 21. 

15. Franziskanerkloster vid. BarfUsserkloster Mr. 5. 

16. Heiligegeiatkloster vid. Ktoeter der regulirtea 
Chorfranen des Augustiner-Ordens Nr. 4. 

17. Jeeuitercollegium, das jetzige Königliche Gym- 
nasium. Es wird bei der Besprechung des Begterklosters aus- 
fahrlicher von dar ersten Niederlassung der Jesuiten in Erfurt, 
von der Verwandlung der ursprünglichen Kesidenz derselben in 
ein Collegium und dessen Verlegung, nachdem das ihnen ein- 
geräumte Kloster der regulirten Chorherren des h. Angustin 
durch den Brand von 1660 serstört worden, in ein Gebäude in 
der ScblöSBeretraaae , was Kurfürst Johann Philipp auf einem zu 
diesem Bebafe angekauften Theile der ehemaligen Stottembeim- 
schen Häuser erbaut, gehandelt werden. Da dieses Gebäude 
sich jedoch als nicht dauerhaft herausstellte, so wurde es nieder- 
gelegt und 1737 das noch jetzt vorhandene gebaut In Folge 
der Aufbebung des Jesuiterordens 1772 wurde das CoUegium 
säcularieirt und aus seinem Vermögen der Esjasuitenfoada ge- 
bildet Das Gebäude diente theils als Dienstwohnung des Direk- 



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tora dsa katbolischen GymnBitumB , tlieils als Leih- und Pfand- 
hauB, von 1813 ab aber zur Anfnabme der AngaitiDcrmfinchfl, 
die ihr ala Militairlazareth verwendetes Kloster hatten räumen 
lofissen, bis Kur Aufhebung des letzteren 1830. 1832 wurde das 
Colloginin dem nenerrichteten yereinigten Qymnasiam Übergeben. 
— Eine den Jesuitern zugehörige Weinstube befand sieb to 
dem gegcnUberlii'genden Hause, das bis vor kurzem die Dienst- 
wohnung des Ober- Poe tdirektors enthalten hat. 

18 Earthfiuser- oder Salvatorskloster (Mons Sal- 
vatnrin). Es lag zwischen der nach ihm benannten Eartbän- 
serstrasso und dem Festungswalle, wo sieb gegenwärtig die 
^en Namen Earthanse fllhr^nde Gastwirthscbaft befindet. — Es 
wurde als das erste Kloster des KarthäuBerordens in Thüringen 
1373 durch den Propst des Severistiftea Herbord von Spangen- 
berg und den Propst des Stiftes Dorla, Johann Ortbonis von 
Atdendorf als TestaaientB-Exekutoren des Johann von Hagen 
(ab Indagine), Priretera auf dem HOlfcnsbergc im Eichsfelde, 
gegründet, rucIi von Kaiser Elarl IV. 1375 mit einem Frei- 
heitsbrißfe begnadigt. Der Bau der Klostcrgebäude beginn noch 
1372, nachdem der Pfarrer der Thomaakirche, zu deren l^^prengel 
der Bauplatz bisher gehört, seine Genehmigung dazu ertheilt 
hatte (WürJtwein, !. c. S. 262, 270) und wurde 1380 vollendet. 
Die Stelle wo das Klostor errichtet ward, die Wolfsweide (Schind- 
anger), befand sich damals auBserbalb der Stadtumwallung und 
wurde erst 1432 in diese hineingezogen, wobei ein Theil der 
Gebäude verlegt werden musste. Das Kloster, das eines der 
reicbbegabtecti^n in Erfurt war, eine TochterniederUssung zu 
Crimitscbau im Königreiche Sachsen hatte, das Fatronat Über 
eine Anzahl von Kirchen und Kapellen besass, dem viele durch 
ihre Gelehrsamkeit berühmt gewordene Männer, so Jobannes 
de Indagine und Jacobus de Ctusa angehörten und das lf)05 
durch eine Anzahl benachbarter wQst gewordener Häuser er- 
weitert worden war, wurde wenig von der Reformation berUhrt. 
Zwar hatte der Rath es 1563 eigenmächtig occupirt und einen 
Theil seines Vermögens eingezogen, doch erfolgte die Restitution 
dpa Convents bald wieder. Auch die dem Rathe 1P33 von den 
Schweden, die ea vorher ausgeraubt, gemachte Schenkung des 
Klosters hatte keine Folge, da ea in Gcmässheit de» Prager 
Friedens von 1635 zurückgegeben werden musste. Eine Ab- 



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— IS« — 

bSlduDg der lam Kloster gehörigen Qeblad« va.% der Vogel- 
•cbau in dem Zustande um 1680 in dar Chronik det Sam. Friti, 
S. 30. 1703 wurde die alte Priorei, die Kellerei und die Kirche 
abg^risaen, der Hof vitireckig gemacht und ein zur Wohnung 
dei Priors und des Procuratora bestimmter Bau am Walle auf- 
geftibrt. — Nach der erRten preussiscben Besittnabme erfolgte 
am 23. März 1803 die Aufhebung. Das Vermögen ward cur 
Staatskasse eingezogen. Die Gebäude gingen in Privatbesitz 
über und es wurde xunächat in ihnen von dem Fabrikanten 
Bothstein eine Baumwollen - Manufaktur errichtet ( Beyer, N. 
Cbron. S. 319, 322). Sie brannten 1845 fast vollständig nieder, 
worden aber um 1850 sehr erweitert wieder hergestellt. Dabei 
wurden um 1860 auch die vielen kleinen nur sine Stube, Haus- 
flur und Kfimmercben enthaltenden Häuschen, welche die Zellen 
der Mönche bildeten und die, jedes mit einem Qärtchen, geson- 
dert von einander, den Kreuzgang umgaben, nur durch diesen 
mit einander in Verbindung standen und durch eine hohe Hauer 
ohne Tbtlren unter sich und von der Aussenwelt abgescblossen 
waren, zu grösseren Wohngelassen ausgebaut. Der zum Kloster 
gehörig gewesene grössere Qsrten wurde gegen 1660 vom Juatis- 
fiecua erworben, am ein Oerichtsgebäude auf ihm zu errichten, 
ging dann aber, als man wegen der grossen Entfernung vom 
Mittelpunkte der Stadt von diesem Plane wieder Abstand nahm, 
durch Tausch gegen den Regler Ackerbof in den Besitz der 
ThUringisoben Eisenbahn • Gesellschaft über, und wird jetzt von 
Dienstwohnungen fUr Beamte der Bahn eingenommen. — Ein 
zweiter dem Kloster gehöriger Garten, der Hopfenberg, befand 
sich auf der andern Seite der Strasse , wo jetzt das Katholische 
Krankenhaus und die Sebastianstiftung stehen. Aach eine Wein- 
schänke, jetzt die Häuser KarthäuserstrasBa 5ü und 56, besass 
das Kloster, zu deren Erbauung der Rath ihm 1424 eine Hof- 
statt abgetreten hatte. Von dem Kloster ist die im Jahre 1713 
in dem damals üblichen Barock- oder, wie man ihn gewöhn- 
lich nennt, neuitalieniachen Style erbaute Kirche in ibren Um- 
fassungsmauern namentlich in ihrer Fa^ade noch in ursprüng- 
licher Form vorhanden. Der 172(j erbaute grössere Thurm ist 
bei dem Brande von 1845 zu Grunde gegangen. (Mttlverstedt, 
L c. S. 158, 159; Beyer, Nachträge S. 114—176; Hartong, 1. c. 
IL S. 99— 115.J 



Dictzedby Google 



- 12? - 

19. t>aB Kloster HarieDgarten (de borto B. V. MarSae) 
lag vor dem inneren Krämpferthore in der Erämpfervoratadt, in 
der NKhe des Marienknecbtsklosters. Es war ein Konnenkloiter 
dee Cisteroienserordens, der Jungfrau Maria, später dem h. Mar- 
tinua gewidmet, wurde von Meister Heinrich Baaao, der dem- 
nächst erster Prior desselben war, 1288-1290 als Filiale des 
Klosters Bercka aus eignen Mitteln gestiftet, und erhielt 1291 
die erzbiBchöfliche Bestätigung, 1296 und 1299 aber Äblaasprivi- 
legien. Nach nur kurzem Bestände ward, wie MlUverstedt (I. c. 
S. 157) Tormuthet: wegen der zu grossen Kähe des Marien- 
knecbtsklosters , 1^03 oder 1310 der Convent auf Veranlassung 
des Erzbiscbofs Gerhard IL (Wflrdtwein, 1. c. p. 228. 229) in 
ein neben der Kirche S. Martini extra muros gebautes Kloster 
versetzt und, wie es scheint, das Mariengartenkloster wieder 
Abgebrochen, wenn nicht etwa — eine Frage, die sogleich näher 
besprochen werden wird — die Serviten in demselben Aufnahme 
ge fanden haben. 

20. Das Marienknecbts- oder Servitenkloster, 
anch Stephanskloster genannt. Fs lag in der Krämpfer- 
vorstadt, der Hospitalgasse gegenüber, wo eich jetzt die Kunst- 
gärtaerei von Platz und Sohn (Voigt und Siegling, Krämpfer- 
Strasse Nr. 55 und 56) befindet. — Ueber den Orden, zu wel- 
chem die Mönche, die es inne gehabt, gebort, herrscht einige 
Verwirrung. Hogel (Cliron. S. 41) sagt: „1233 Hessen sich die 
Carmeliter oder Marienknechte in Erfurt nieder und nahmen 
Kloster und Kapelle S. Stephani ad bortum vor dem inneren 
Krämpfertliore an der Gera, daa bisher die BarfÜsser inne ge- 
habt, ein." Im Widersprach mit sich selbst sagt derselbe jedoch 
S. 234: „In Kom aber war der Fachs Bonifacius VIII. auf den 
Päpstlichen Thron jüngst anno 1294 geschliechen und confirmirte 
heoer (1399) den Mönchsorden der Marienknechte, welche fol- 
gende Zeit bald auch gen Erfart kamen, und den Platz vom 
Ratb inne bekamen, da die BarfUsser Anfangs gesessen hatten 
an der Gera nehmlich vor dem Krämpfer Thor, da auch ihr, der 
Servitten, Kloster gestanden bat bis in die Jahre des Schwe- 
dischen Kriegs". S. 872 spricht er wieder von dem Carmeliter- 
oder Marienknechtskloster. Dagegen nennt Erhard (1. c. S. 2Ü3) 
die MOnche als dem Augustinerorden angehörig und auch Mül- 
verstedt (L c. S. 156) sagt: dass ihre Ordensregel die des h. 



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Augastin gewesen le), bemerkt dabei jedoch: 'einige geben Ö«r- 
melitarum and so beiait das Kloster za Anfang des 17. Jahi^ 
hunderts stets das Carmeliterkloetcr. Auch Friese, 1. c. S. 47a, 
nennt sie: Canneliter oder Marienknechte , dagegen ib. S. SOb 
Marienknechte oder Serriteii. Die Serviten oder Marienknechte 
(Ordo aervornm b. Mariae Virginia) sind aber ein besonderer, 
1232 gestifteter, 1254 vom Papste Alexander lY. bestfttigter Or- 
den und ebon so nach ihrer Tracht wie oaob ihrer Regel TOn 
den Carmelitem, die I20b gestiftet und 1224 bestätigt wurden, 
verschieden. Eben so wenig sind sie aber auch identisch mit 
den Augustinern und das Kloster könnte nur in sofern ein Augn- 
stinerkloBter genannt werden, als darin eine zeitlang die ans 
ihrem bisherigsn Sitze vertriebenen Augustiner - Eremiten eine 
einstweilige Unterkunft (1618 — 1631) gefunden haben. — Eben 
so gehen die Nachrichten darüber auseinander: welche Bestim- 
mung das in Rede stehende Kloster gehabt habe, bevor die Ser- 
viten davon Besitz genommen. Nach Falkenstein (TbOring- 
Chron. S. 1123) ist den Serviten 1311 ein Kloster vor dem 
Krämpferthore in der Vorstadt Übergeben, worin die Cisterzien- 
ser- oder Bernhardiner-Nonnen, die nunmehr in dem Brühl logirt 
worden waren, zuvor logirt. Auch Erhard 1. c. sagt: das Sat- 
vitcnkloster eoi an der Stelle des ehemaligen Nonnenklosters 
S. Stephani ad hortum Mariae gegründet und diese Ansicht wird 
ancb von Härtung, L c. II. S. 69, getheilt, der jedoch annimmt: 
dass die Nonnen in die Stelle der Franziskaner, die zuerst das 
Kloster inne gehabt, getreten wären. Dagegen sind nach der 
angeführten Stelle in Hogels und in Frieses Chroniken die Ser- 
viten die unmittelbaren Nachfolger der Franziskaner gewesen 
und MUlverstedt (I. c. S. 157) bemerkt ausdrilcklich : dass dai 
Cistercienser - Jungfrauenkloster Mariengarten genannt, nicht mit 
dem in seiner Nähe belegen gewesenen Marienknechtskloster 
verwechselt werden dürfe. Und diesem Ausspruche müsste mm 
beipflichten, wenn die von Hogel angegebene JahrtsabI 1233 
richtig wäre, wozu stimmen würde, dass, wie oben bei der Be- 
BprecboDg des BariUsserklosters angefUhrt worden, die Franzis- 
kaner 1232 ihr früheres Kloster verlassen haben, denn dass vou 
I28S bis 1^03 die genannten Nonnen dort ein eigenes Kloster 
besessen haben, steht urkundlich fest. Ist dagegen die Angabe 
Falkensteins : dass die Uebergabe dea Klosters an die Serriten 



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*- 129 — 

im Jfthre 1311 erfolgt soi, rinhtig, so erscheint es sehr wohl 
mög^ch: dass die Cisterzienser-NoDneD die nttchsten Naobfolger 
der Barfllsaer gewesen, und das Kloster erst, nachdem jene es 
1308 verUsKn, an die Serviten gelangt sei, eine Anoabme, die 
am müsten für sich zu haben scheint, da keine Sparen davon 
Torhanden sioJ, daas ausser dem nachherigen Servitenkloster 
sich noeb ein Kktster vor dem Erfimpferthore befanden habe. 
Mit der obigen Annahme stimmt auch die Nachriebt im Liber 
crooioarum (£rffordiena, , heransgegeb. von Wenck, Zeitschr. d. 
Vereins f. thUr. Qasoh. N. P. IV. S. 250): im Jahre 1310 wären 
die Nonnen, welche bis dahin ihr Kloster vor dem Krilmpfer- 
thore gehabt, vor das BrUhlortbor versetzt und hKtten dort die 
Uarienkneobte zu Nachfolgern gehabt. 

Die Serviten haben das Kloster bis in die Mitte des 16. 
Jahrhunderta inne gehabt Zwar waren die Mönche im Bauern- 
aotmhr vertrieben worden, doch müssen sie demnächst wieder 
iturttckgekflhrt sein, denn erst 1543 nahm, nachdem die Mönche 
adt dem letzten Prior Nicolans Brauer ausgestorben waren, der 
Ratb die Gebäude in Besitz und. das geringfügige Vermögen in 
Verwaltung. Nachdem derselbe aber verurtheilt worden war: 
den Augustiner- Eremiten ihr Kloster zurttckzngeben und er 
dtea nicht vermochte, weil er dasselbe zum Gymnasium verwen- 
det, abergab er diesem Orden 1618 Gebäude und Einkünfte des 
Servitenklosters. Die Augustiner wurden jedoch 1631 von den 
Schwaden vertrieben, welche das Kloster zerstörten und 1642 
daa zu dessen Bau verwendete Holz verbrannten. Nach des 
Colleetanais Erfordiensibus des Gasp. Friedr. Lossius pag. 28 
hat jedoch der Abbruch erst am 22. Marx 1647 stattgeinnden 
und es siad die Steine zum Festnngsbau verwendet worden. 
Die Augustiner erbauten sich demnächst, wie weiter unten an- 
gegeben werden wird, neben der WigbertikJrcbe ein neues Klo- 
ster. Das ärundstüok, auf dem das Servitenkloster gestanden 
und auf welchem sich, nach Mttlveratedt 1. c. 1679 ein Giess- 
bsue befanden bat (cf. Härtung, I. o. S. XI.), blieb jedoch im 
Besitze der Augustiner bis znr Aufhebung des Wigbertikloster« 
I8S0, und ging erst 1820 durch Kauf an den Kunstgärtner Platz 
Über, worauf die noch vorhandenen Ueberreste des Klosters ab- 
gebrochen wurden. Nur einige Mauern des alten Gebäudes sind 
für das neue benutzt nnd einige Sculpturon des ersteren diesem 
eingefügt (Härtung, 1. c. II. S. 69 — 72J. 



— 130 — 

21. CoUegiatitift zu St. Marien. E&i IfumMlift dw 
Onlenaregel des b. Bfloedict, hervorg^angen — naeh der g»- 
wöholichen Annahmfl, deren Biehtigkeit jedodi von Bejer nnd 
Böcknar, 1. & S. 126, in Zweifel geEOgen wird -~ ans der Ver- 
bindang iweier Stifiangen des fa. Bonifaoini, dea 748 fiandirton 
Benedietiner- Mannsklostera und dea MarienkloBtera, unter naeh- 
beriger Verwaodinng in ein Collegiatatift. Die Stiftabirohe — 
die Marienkirche oder der Dom — war bia asm Jahre 1181 £e 
einxige Pfarrkircfae der Stadt und blieb aacb, wenigatena bia 
znr Reformation, deren Haoptkirche. Da die Geschichte dea 
Stifta mit der der Kirche in enger VerbiadaDg ateht, und dieae 
bereits eben so aosfÜhrlich als anverlftsaig von Beyer und Bfick- 
ner behandelt nnd wenigsteoa die Kirche im wesentlichen noch 
in der früheren Gestalt vorhanden iat, ao bedarf es hier keiner 
weill&afigen Besprechung von jenem. loli will mich daher auf 
die Bemerkung beaofarAnken: dass das Stift mittelst Kahioats- 
ordre vom 24. Januar 1837 aufgehoben und aus deasen Vwmd- 
gen der fttr kirohliche nnd Schulawecke bestimmte Harienatifta* 
fonds gebildet ist (Breslau, Statistische Hittbeilnngeo S. 214 — 
217). — Von den Gebäuden ist wenigstens das, allerdings nach 
«einem vollständigen Verhlle erst 1844-— 1847 wieder hergestellte, 
jetzt meist als Sohollocal benntsta EreuagangsgebOude noeh 
vorhanden. Die in der PeleraBtrassa belegen gewesmen Cnrien 
der Stifteberren waren bereits frQher, theils beim BombardeaMat 
von 1613 aerstQrt, theils aas fortificatorisohen Bfloksiobten ab- 
gebrochen (MUlveratedt , 1. c. S. 147 — 150). — Bme Abbtldiuig 
dea Stifts mit seiner Umgebung um das Jahr 1661 fiadet sieh 
ia Frita Cosmograpbie. 

22. Harien-Üagdalenen-Kloster, vide Ursalinerinnsn- 
KloBter Nr. 33. 

23. Hartinakloster. Bs lag im Brtthl neben der Srohe 
S. Martini extra, mit der e« durch einen die Strasse flberspaih 
Banden Gang verbanden war und bildet gegenwärtig den Haapt- 
theil dar Martinikaseme. Es war ein Nonnenkloster. Die Non- 
nen gehSrton dem Cistercienser Orden nach der Hegel dea h. 
Bernhard an und werden daher bald Cisteraienseritinen , b^ 
Bernbardinerinnen, auch Omuesohwestem genannt. Sabotapafron 
war der hf Martin. Wie bereits oben ai^geben iat, hatte der 
Convent urspranglich das Kloster Mariengartaa vor Aam Krim- 



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— 131 — 

I^erthor« ion«, wurde aber, cscbdem ihm un 30. Mai 1303 die 
beraita 12G5 beBtAiid«ii« Kircfao S. Mardni extra moroe incor- 
porirt worden, in den Brühl versetzt und erhielt in Folge deBisD 
»einen nacbherigen Namen. Wenn Härtung (1. c. II. S. 124. 125) 
angiebt: dasa das Kloster 1291 erbaut sei, so soll aich dies wohl 
auf die ursprüngliche QrUndung vor dorn Erämpferthore besie* 
ben, da nach seiner eigenen Erktfimng (ib. S. 124) dia Verle- 
gung erat 1311 erfolgt ist. Das Richtige ist wobl: dasa, wie 
£rbard (I. c. S. 2u9) and Mulverstedt (1. c. S. 157) bericbteo: 
die Versetaung des Convents 1303 stattgefunden hat Die Ooti- 
mog des Klosters soll wesentlich deu Qrafen von Henneberg za 
verdanken sein, doch ist dasselbe stets arm geblieben. Bei der 
Fenerabrunst von 1472 brannte es ab, wurde aber 14ti3 wieder 
hergestellt. 16H2 wurden die Nonnen von den Schweden ver- 
trieben und die Gebäude arg verwüstet. Erst 1755 wurde die 
fast in Buineo liegende Kirche, bald darauf auch das Kloster 
seibat restaurirt. Nach der Schlacht bei Jena wurde dasselbe 
«la MiUtSrlaaareth verwendet und die Nonnen mussten sich in 
sin NebengebSude zurückziehen. 182U wurde dae Kloster sftcu- 
larisirt, das Qubäude, das durch einen nach dem Walle za neu- 
erbautea Flügel vergrössert ward, zur Kaserne bestimmt, die 
Eircbe zur Pfarrkirche erhoben, das VermSgen aber, so viel 
nach der Dotirung der letzteren usd der Pensionirung der Klo- 
sterfrauen Übrig blieb, dem Kirchen- und Scbulfonds überwiesen. 
24. Neuwerkskloster (Novi opcris) oder Kreuzklo* 
Star. lüs lag zwischen der Neuwark skiruhe, dem Klostergange, 
der Regi er ungs Strasse und dem ehemaligen Stadtzwinger. — 
Wie bereits frtlher bemerkt, befand sich das Kloster der rega- 
Ürtea Kloeterfiraueu von dem Orden dos h. Augustio ursprilog- 
lieh am Augastthore, dem ßeglerkloster gegenüber, wurde aber 
1198 der grösseren Sicherheit wegen an das Wasserthor verlegt 
nnd erhielt, während es bisher Ueiligegcistktoster goheissen, nun- 
mehr den Namen des Nouenwerks- oder S. Crucisklosters , den 
letzteren: weil die ihm zur Benutzung überwiesene Kirche die 
heilige Krenzkircbe war. £s bekam die Qenebmigung zur Ver- 
legung 1196 vom Erzbischof Werner, l'2i)0 einen kaiserlichen 
Schutz- nnd Freiheitsbrief von Kaiser Rudolf, und eine päpst- 
liche Qnadeobulle 1295 vom Papste Bonifacius VIII. Das Klo- 
ster ist mehrfach voni Feuei- zerstört worden — so nach Falkua- 



Cdo^^lc 



— 132 — 

stein (Riator. S. 121) 1239, and, nacbdem erat 1287 der Neobrntt 
TölKg zur Vollendung gelangt wv, wieder 1391, wo der grosse 
Brand, der einen bedeutenden Theil der Stadt in Aache legte, 
dort znm Ausbruch kam. Wenn das Kloster auch damids wie> 
der hergestellt worden ist, so muss es doch von neuem in Ver- 
fall gerathen sein, denn nach einer an ihm befindlich gewesenen 
Inschrift ist 1466 ein Meuban b^onnen, der 1473 roUendet war. 
Doch auch dieser hatte keine lange Dauer, denn in den Jahren 
1711 bis 1731 sehen sich die Nonnen genöthigt, einen Theil der 
Baulichkeiten nach dem andern abzubrechen und neu aufzufElh- 
ren. — Ueber die Situation jener kann ich mich auf die ansfBhr- 
lichen Hittbeilungen Kraspe's im Alterthnmavereine beziehen, 
denen eine bei Gelegenheit des Abbrucbs vorgenommene örtliche 
Untersuchung zu Qrunde gelegen hat 

Am 11. März 1819 wurde das reich begtUerte, von der Re- 
formation aowie den kriegerischen Ereignissen nur wenig be- 
rQhrte Kloster aufgehoben , sein Vermögen zur Fnndimng dei 
Kirchen- und Schnlfonda verwendet, das Qebltnde aber 1^0 zu 
einem, anfangs fDr beide ConfesBionen bestimmten, dann aber 
blos evangeliachen Schullehrer - Seminare eingerichtet and die 
Kunetachule sowie das Regierungaarchiv darin untei^ebracht 
Es ergab aich jedoch bald: daaa es zu dem ersteren Zwecke 
wenig geeignet, selbst geaundheitsge&hrlich sei; die Verhand- 
lungen wegen des Keabsues zogen sich aber bis 1879 hin. Ala 
das im ehemaligen Elostergarten an der Regierungeatraase er- 
baute neae Seminar fertig war, wurde 1881 daa Kloster abge- 
brochen. Erhalten iat aaaaer der Kirche nor noch daa aaf der 
anderen Seite des Kloaterganges belegene PropsteigebKudo, was 
jetzt dem Rentamte des Kirchen- und Scbull'onds zum OeaohKfti- 
locale dient. Die daneben belegenen Wirthscbaftageb&ude waren 
aber bereits am 1850 durch Verkauf in Privatbesitz Qbei^egan- 
gen. — Eben so war von dem in Form eines Rechtecks an die 
Kirche im Norden anschliessenden Kreuzgange, der mit dem an 
die Regierungsstrasse stossenden Klostergarten durch nnen 
schmalen dang verbunden war, zuletzt nur noch die westliche 
Seite vorhanden (Mfilverstedt , I. c. S. 160. 161; Hortung, I. c. 
II. S. 233—237). 

35. Peter- und Panlakloater oder daa B e n ed i c- 
tinerkloeter auf dem Peteraberge (Conventna montii 



- 133 - 

apOBtoIorom Petri et Paali), gewöhcliob Uos du Peterskloster 
(SampelrinuiB) genannt Es lag aof dem Peteraberge neben der 
in ihren UmfaiBungamauem noch jetzt Torbandeneo Kirche and 
bildete vor seiner Zeratärnng bei dem Bombardement von 1813 
mit seinen zw« stattlichon ThQrmen eine Hanptzierde der Stadt 
and in Folge seiner weithin sichtbaren Lage achon in grosser 
Farne dem Wanderer ein WahrKeichen von Erfurt. — 

Kach den eben so ausführlichen «U gründlichen Arbeiten, 
die Böckner dieaem Kloster gewidmet (das Feterskloeter zu Er- 
fnrt in den Hittheilangen des Vereins tut die Geschichte von 
Erfiirt. Heft X. S. 1 — US; vergleiche Werneburg, Beiträge zur 
thftrin^scb. und insbesondere zur Erfurt Geschiebte, ibid. S. 
158—164 a. 176) and den mehrfachen Besprechungen über das- 
selbe im Alter thnms vereine, insbesondere den Hittheilungen 
Kmspe's in diesem in Betreff der Lage der Klostergebäude, kann 
ich mich hier kurz fassen nnd auf die Bemerkung beschränken, 
dass die Erzäblang von der Stiftung des Klosters durch den 
Frankenkönig Dagobert im Jahre 706, so alt sie auch sein mi^, 
doch nur in das Gebiet der Sage gebärt und der angebliche 
Stiftungsbrief anecht ist (Wattenbaoh, Lambert von Hersfetd S. 
13 Anm. 1), dass vielmehr die früheste urkundliche Erwähnung 
erst in das Jahr 1104 fölk, und wie Erhard (Zeitschrift für Ar- 
chivkunde Bd. I. S. 31) dargethan: die Verwandlung des vorher 
daaelbat bestandenen Canonikerstiftes in ein Benedictiuerkloster 
erat in Folg« des BesohlnsBes einer vom Ersbischof Siegfried 
1060 in Erfurt gehaltenen Synode, erfolgt ist. Kirchhoff (Weis- 
thtlmer S. SOO) glaubt jedoeh: dass die Legende vom uralten 
Bestehen der Kirche St. Petri nicht ganz aus der Luft gegriffen 
sein könne; denn das dem Kloster vorausgegangene Stift sei ja 
in seiner Existenz vSUig beglaubigt und niemand wisse von sei- 
nem Anfange zu reden. Die alte Pfalzstfitte möchte der umfrie- 
det« Raum eines Stiftes, dann eines Klosters geworden, und so- 
gar lAanerreste der Känigapfalz in dem Peterskloster erhalten 
geblieben sein. — 

Die Aufhebung des Klosters wurd« sehr bald nach dem 
Uebergange Erfurts an die Krone Preussen, mittelst Kabinets- 
ordre vom 23. März 1803 verfingt, das bedeutende VeroBgen 
desselben wurde zur Staatskasse eingezc^n. Die Gebäude 
worden aber erhalten und während der fransösisohen Herrsohaft 



.Cooj^lc 



— 134 — 

msist ftlr militäriBobe Zwecke benutzt, bis na durch die Fenen- 
branst vom 6. November 1813 zarstört and ibrs Trammsr bü 
der PUnirnng des Platzes auf dem Plutefta des Berj;ea beseitigt 
worden (Malverstedt, 1. c. S. 152. 1Ö3; Hutong, I. c. II. 3. 129. 
189; Bejer, Nacbtr. S. 60—66). Bei der, bald naobdem die 
EntfeatigiiDg von Erfiirt angeordnet worden, arfolgtea BeseitigM^ 
eines Theils der Anlsgeti auf dem Petersbei^ , traf man in der 
Nllhe der Hauptwaobe auf gewaltige Mauerreste und einen Tharm 
mit 3 — 4 Meter dicken Wänden, die nur durcb Anwendung von 
Pulversprengungen fortgeräumt werden konnten und die wohl 
onsweifelbaft von dem ehemaltgen Kloster herrührten. Moob mag 
hier bemerkt werden: dass nach Hogel (Chron. S. 93) der Aus- 
änss der Wasserleitung, die das Petarskloster mit Wasser ver- 
sorgte, um de§willen den Namen: Lanenbrannen geftbrt bat, 
weil das Wasser ans dem Rachen einet aufgestellten Lowes mh- 
6oss, Bowie dass sich in Friese's Chron. iV. S. 1148 und 1201 
Abbildungen des Klosters von and nach deasea Dmwandlong in 
eine Citadelle, sowie V. S. 211Ö nach deta Zastaade im Jahre 
1735, als die Kapelle Corporis Christi einatOrate, und bei Frils 
(Chron. 3. 140), sowie in der Cosm<^aphie solche nach dem 
Zustande im Jahre 1661 , finden. 

36. Daa Prediger- oder Dominikanerkloster, aneb 
Pauline rkloster genannt, lag auf der Südseite der Predigerkirofae 
and nahm den Raum zwischen dieser und der Gera ein, ¥rieloi>e 
letztere das Kreuz gangsge bände jedoch nicht berührte. Das 
ehemalige Kapitelhaas ist, wenn aoeh vielfach nmgebant, noch 
vorhanden und wird jetet an Scfaulawecken banntat, naobdem 
es längere Zeit zum Schüttboden gedient hatte. Daa Kloster 
folgte der Ordensregel des fa. Domiaicus oder der Frediger. 
Scbutzpation war der fa. Johannes der Bvangeliat — Ala erster 
Stifter gilt Qraf Elger von Hohenstein im Jahre 120S; 1268 er- 
folgte eine Vei^ÖBsenmg des Oonvents, sowie ein um- und 
theilweiser Nenbau der Klostergebäade, nachdem der Rath 1366 
dem Kloster die Gasse, die zwischen seinen Gebäuden sich be- 
fand and bis aar Mühle am Langanstege ging, geschenkt hatte 
(Hogel, 1. o. S. 170). Eine ähntiohe Scheokui^ machten 12^ 
Oraf Heinrich von Qlei(^en, Vogt der Stadt, und Berthotd Viti- 
Aom von Apolda den Kloster (ibid. S. 173). Im Ji^re 1430 
ward« dasielbe dnrob einen Steg oiit dem wif der aadwen Seit« 



— 136 — 

d«r dart Ke^ endeo BarfÜBserkloster in Verbindiuig gesetzt (ibid. 
S. 510). Die KU jenem gebtfrige Kirche wurde gleich nach dar 
Refonn»tioa von den £vaogeliBcheti in Besiz ganomniei] und die 
berühmte Schule des SaveriBtifteB, an deren Spitze Eobsn Haa- 
aa» stand, in dag Befectorium dea Klosters „transferirt", doch 
erfolgte die Säcularisation des letzteren erst 1590, der theilweise 
Abbruch der Qebäude aber erst in der zweiten HtUfte des sieb- 
zehnten Jahrhunderts. Ein Orundriss derselben Tom Jahre 1664 
üt in Zacke „Ueber das Todtenbuch des Dominikanerklostera 
ond dia Fredigerkirche zu Srfurt Erf. 1861" mitgetheilt. 

27. Das Beglerkloater oder Kloster der regulir- 
ten Chorberreo des b. Augustin. Dasselbe lag neben 
der Reglerkijfcbe , die dessen Kirche war und von ihm ihren 
Namen trägt, an der Stelle, wo jetzt das Haus Bahnhofstrasse 
Nr. 6 steht. Der dazu gehörig geweaene Klosterhof ist das da- 
neben liegende Qrundatück der I. Thüriogiachen Bierbrauerei- 
Aktiengesellachaft, der s. g. Regler- oder Jesuiten- Ackerbof. 
Die Mönche gehörten zur Ordensregel S. Angustini de regula 
und wurden daher bisweilen auch Domherren genannt. Der 
Stifter ist nicht sicher nachweisbar, doch wird meist der Erz- 
biachof Adalbert I. (1111-1137) and 1117, 1131 (Liber eroni- 
conna [Erfordiensis] herauageg. t. C. Wenck, Zeitschr. des Ver. 
t ThOring. Gesch. N. F. IV. S. 249) oder auch 1135 als Stif- 
tongsjabr angegeben. 1289 wurde das Fatronat der Lorenzkircbe 
dem Kloster unirt und 1318 iscorporirt. Eben eo besass es das 
Fatronat Über die Kirche «u Becbstedtwagd , die Albanakircfae, 
die Gangtoffkirche, die Kapelle St. Uatthäi und ein eigenes Ho- 
apital. — Wie das Chronic. Sampetrin. (ad. StUbel p. 101) er- 
zählt: haben 1273 Bathsmeister und Kath von Erfurt mit der 
Gemeinde das Kloster der Augustiner zerstört und diese aus 
der Stadt vertrieben. Ob es sieb liier um das Kloster der re- 
gulirten Chorherren des Augastinerordens oder um das oben- 
erwähnte Allerkeiligenkloster , das gleichfaUa AugaatinBr inne 
hatten, bandle, wird jedoch weder hier, noch in der von Falken- 
stein (Hist. S. 111; cf. Lambert, Aeltere Gesch. u. Verl v. Erf. 
S. 71) erwähnten Urkunde, durch welche Erzbiscbof Werner die 
Elrfiuter wieder in Gnaden auinimmt, erwähnt. — Bei dem 
grosasn Brande von 1291, der den ganzen Stadttheil vom Neu- 
werkskloster bit zum Krämpferthore in Äsche legte (Falkonstein 



Dictzedby Google 



— 186 — 

HiBt. berichtet die Sacbe zwennal, das erstemal S. 88 b«tm Jahre 
1240, das anderenal S. 163 beim JaLre 1291, doch ist nur daa 
letztere richtig), brannte anch das Reglerkloster nieder, ea ward 
jedoch wieder hergeatellt. — Der Krenzgang warde 1374 ge- 
baut; der Fltlgel deaaelben, aaf dem die nördliche Empore der 
Kirche roht, iet noch vorhanden. — 

Nach EinftthmDg der Reformation in Erfurt wurde das Kld- 
ater um 1540 von dem Rathe aafgehoben und in derselben eine 
evangetiachc Schute errichtet, worauf die Manche es Terliessen. 
Der letzte derselbeD, Liboriue Ocheenkopf, starb 1580. Das 
Verfahren de« Raths wurde jedoch kathoHscherseits 1586 ange- 
fochten tind in Folge dessen mnsste derselbe 1606 auf kaiser- 
lichen Befehl das Kloster selbst restituiren, wftbrend die Kirche 
den Evangelischen verblieb. Das erstere wurde bieranf 1615 
vom Korfttrsten Jobann Schweikard den Jesuiten, von welchem 
Orden sich einzelne bereits 1580 in Erfurt eingefiinden und der 
■ich 1587 bleibend dort niedergelaseen , geschenkt, die Meranf 
1618 ihre seit 1602 in Erfurt bestehende Residenz in ein Colle- 
gium umgestalteten, das 1619 im gedachten Kloster seinen Sitz 
nahm. Bei der grossen Feuerebrunet 1660 brannte dies jedoch 
ab. Nur dessen Nebengebäude, der b. g. Ackerhof, und der ie 
die Kirche eingebaute FlUgel des Kreuzganges blieben erhalten. 
Das- Kloster ward nicht wieder hergestellt, vielmehr wurde tun 
1664 ein nenes Collegium des gedachten Ordens «uf ein«o sn 
dem durch denselben Brand wüst gewordenen Stottemheimacben 
E&usem in der SchlösserstraRse gehörigen BauplatiEe, den Kar- 
fOrat Jobann Philipp zu diesem Behnfe angekauft und ihm ge- 
schenkt batte, errichtet. — Der Ackerhof blieb bis zur Auf- 
hebung des Jeauiterordena 1772 in dessen Besitz, gelangte dann 
in den des Exjesnitenfonds, von welchem er an die 'Hiliriagiaebe 
Eisenbahngeaellschaft verkauft, demnächst durch Tausch an den 
Jnstizfiscus, schliesslich aber in Privatbesitz Qbergegangen ist 
(Mttlverstedt, 1. c. S. 153.) 

28. SalvatorsktoBter vid. KarthHDserkloster No. 18. 

29. Scbottenkloster oder Kloster zu den Schot- 
ten, welches in der grossen Schottengasse neben der ihm zu- 
gehörig gewesenen Jacobs- oder Schottenkirche stand, da wo 
sich gegenwärtig die KriegBschuls befindet, wurde der gewShn- 
*icben Annahnae nach, die sich bereits bei Lambert von Heraield 



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— 137 — 

findet, 1037 oder lOSß daroh Walter von Qlisbcrg ond desHeo 
Ghtttin Hedwig, geborne Markgräfiu tod Vohbnrg, gegründet. 
Wattenbach (Lambert v. Hersfeld, S. 39 Änm.) bat jedocb be- 
merkt: dais jene Angabe bei Lambert ein viel ap&terer, ans 
Erfurt stammender Znsatz sei. Walter aolle das Scbottenkloster 
daselbst 10S7 gestiftet baben und 1037 gestorben sein. Diet er- 
scheine aber sehr zweifelbaft, da sich ein Walter von Glisbei^ 
nrkandlicli nicht früher als 1280 nachweisen lasse, das Kloster 
komme jedoch bereits im Jahre 1211 nrkondHch vor. Eirohhoff 
(Erfurt im 13. Jahrb. S. 141) nimmt auch an: dass das Scbotten- 
kloster früher als das Peterskloster (1143) gegründet sei. Ist 
dies richtig, so kann wenigstens nicht Walter von Olieberg dei' 
Orfinder des ersteren gewesen aein. — 

Die Ordensregel der Mönche war die S. Benedicti oder 8. 
Jacob! Scotomm. Das Kloster erhielt 1198 ein kaiserliches Pii- 
vileginm, welches Kaiser Rudolf I. 12B5 bestätigte. Der grosse 
Brand von 1472 legte es in Asche; es ward aber 1510 wieder 
hergestellt. Im Jahre 1682 schenkte König Gustav Adolf es 
dem Rathe, der es veränsserte, nach dem Prager Frieden aber 
wieder cinlSseo und dem Orden zurückgeben musste. Da das 
KlostergebSude im Laufe der Zeit sehr in Verfall geratfaen war, 
so wurde 1727 (nach Friese, l. c. V. 3. 1547 im Jahre 1711) ein 
Neubau vorgenommen. Die Kirche desselben wurde 1744 der 
Nieolaigemeinde , deren eigene Kirche angangbar geworden, als 
Pfarrkirche überwiesen. 1820 ward das Kloster aufgehoben und 
dessen Vermögen dem Kirchen- und Schulfonds übereignet Das 
Klostergebäude ward, nachdem es bis dahin ku Montirungs- 
kammern und Mititär-HandwerksstStten benutzt worden, \fßb 
abgebrochen und an seiner Stelle die Kriegsschule gebaut (Mfll- 
verstedt, 1. c. 8. 162. 103; Härtung, 1. e. II. S. 177—179). - 

^. Servitenkioster vide Marienknechtskloster Mr. 20. 

31. Collegiatstift S. Severi. Die Wobnungen der 
Stiftsgeistlichen lagen dem Chore der Severikirofae gegenSberj 
aof der Höhe des der Stadt sngekehrten Abhanges des Severe 
berges,' stehen zum Theile noch und dienen als Pfsrrwohnungen 
für die Severi- and die Domgemeinde. — Daa Severistift war 
ein Msonsstift nach der Ordensregel des b. Augnstin. Die Zeit 
der Stiftoog ist nicht genau bekannt, nur steht fest: dass ea 
1 121 bereite bestanden hat. Es wurde nach der gewdbnlichM 



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— 138 — 

Aniuliffl« auf der Stulle, wo lich, wie W«iU oben sAb Kr. 8 
BTwähot worden, vorher das BeDedictmer-NooneDkloBter S. PaaU 
oder HochmUnster befunden, errichtet, nachdem die Qebeine 
dei h. Severua in der dortigen Kirche niedergelegt worden wa- 
reoj wie Beyer and ßöckoer, Gesch. d. SÜftskirche B. JA. T. S. 
168 glauben, hat ea jedoch seit unbekannter Zeit neben diesem 
Kloater dort bestanden. 1077, 1142 und 1472 wurden die StUiU- 
gebäade durch FeaerehrBnate seratört In der sweiten Hälfte 
dea 13. Jahrhunderts waren dieselbe» gänaticb in Verfall gera- 
then, lie wurden jedoch 1278 auf Veranlaasung des Erzbischofs 
Werner wieder hergestellt. — Während der schwedischen Besits- 
i^ahme ward 1633 das Stift den Evangelischen übereignet, nach 
dem Prager Frieden masste es jedoch den Stiftsgeistlichen sn- 
rBckgegeben werden. Nach dem Uebergange Erfurts an Prens- 
sen. wurde es 1803 B&cularisirt und sein Vermögen aur Staats- 
kasse eingezogen, soweit es nicht cur Dotirung der Severildrob« 
»1b Pfarrkirche verwendet werden musste (Mülverstedt, 1. c S. 
150. 151; Härtung, 1. c. II, S. 354 — 369). 

32. Stephanskloster vid. Marienknechtskloster Nr. 2a 

33. Ursulinerinnen^loster, anch das FransÖsische 
Kloster genannt Dasselbe lag bekanntlich am nSrdliohen 
Ende des Angers an der Ecke, die dieser mit der Hariengaaae 
bildet. Vor der Aufnahme der Uraulinerinnen in dasselbe be- 
fanden sich darin die: Weissfrauen, Marien-Magdalenen- 
Büaserinnen oder Pönler innen genannten Nonnen. Nach 
der gewöhnlichen Annahme hat deren Kloster arsprbnglich in 
dem Winkel einer Gasse awischen der Paolskirche, der Prediger- 
kirdie and der LangenbrUcke hart an der Gera gelegen, und 
jene Gasse, da sie keinen Ausgang hatte, also eine Sackgasse 
war, hiervon den Namen Nonnensack erhalten. Von dort aas 
wlren die Nonnen im Jahre 1194 nach dem neuen Klostar anf 
dem Anger übergesiedelt (Erhard, 1. c. S. 209; Härtung, L c 
IL S. 278; Dominikus, 1. c. I. S. 110). Beyer (Geschichte des 
Klosters der Uraulinerinnen, ehernes der weissen fVauen in 
Krfurt Erf. 1867, S. 11. 12) gtaabt jedoch: dass das Kloster 
von Anfang an auf seiner späteren Stelle gestanden, and dass 
es nicht mfiglich sei, genan festzustellen: in welchem Verhält- 
Bisse sich dasaelbe zu dem nur in «ner einzigen Uikund« von 
13&3 ausdrttcUioh erwähnten Coavente vd d«a Mona M Stck» 



.Cooj^lc 



— 139 — 

bafandeD and disaer vokl venigsr ein eigenes Eloiter, tX» ein 
QBtsr Anfnokt einiger Nonnen geBtsndeoer Oekonomiebof ge- 
wesen sei. Friese (]. c I. S. 153) erwähnt, das» der Rath 1371 
da» ConTeDtnslh«na auf dem Nonnenaacke illr SO Talent ver- 
kauft habe, wa> auch daraaf deutet: dasa daaeelbe kein wirk- 
liches Kloster gewesen sein könne. Eine pftpsttiche Bulla von 
133Ö sprieht nur von den Schwestern der Bttsaerinnen des Klo- 
sters ti. Uariae Magdalenas in Erfurt, giebt also keinen Anhalt 
in Betreff des Platzes, wo deren EJoster gestanden. Oewias iat 
ea aber: dass sieb 1246 das Kloster auf dem Anger befunden 
hat, da es von der damals (nicht 1240, wie meist angegebisQ 
wird, vid. Chronic. Sampetr. ed. Stabel p. 80) stattgefundenea 
Feuerabruuat, die den grüsaten Tboil der Stadt in Asche legte, 
mit serstört worden iat. Dooh eraoheint es nicht unmöglioh; 
dasa in Folge deaaen eine Verlegung stattgefunden hat, da es 
steh nur so erkiftren Iksst, dass die Stadt dem Kloater damals 
ein Haas geschenkt hat, welche Schenkung 1256 von dem Papste 
Alexander IV. bestätigt wurde, der anch 1258 die bieher &t die 
Können geltend gewesene Regel des h. Benedict in die weniger 
strenge des b. Angustin umwandelte und den ursprünglichen 
Zweck des Ordens: gefallene Mädchen an retten, soweit verän- 
derte: daaa nun auch andere Jungfrauen den Eintritt nicht mehr 
zo scheuen brauchten und das Kloster in Folge dessen eine 
Verpoi^ungsanatalt fUr die Töchter der st&dtischen Patrizier^ 
familien nnd des umwohnenden Landadels wurde. In dieser 
Weise bestand dasselbe bis zum dreissigjfthrigen Kriege, in wel-. 
diem es, namentlich während der Dauer der schwediaohen Ocou- 
pation, in vollständigen Vermdgens verfall und äasserate Noth 
verfiel, sodass zuletat die Zahl der Klosterfrauen bia auf vier 
geaunkea war. Da beschloss Kurfürst Johann Philipp 1667, 
ooter deren Zastimmung das Kloster ganz aufzuheben und die 
Oebäade dem behufs der Erziehung der weiblichen Jugend ge- 
gründeten, 1544 päpstlich bestätigten Orden der h. Ursula sa 
ttbergeben, infolge deasen die Anstalt zanächat mit fünf von 
Kitaingen hierher berufenen Nonnen besetzt wurde. In der 
Eigenschaft als Erziebungsanstalt iür die weibliche Jugend — 
and «war als Elementar - Mädchenachule , als faöbere Töchter- 
schule nnd als Pensionat fir junge Mädchen aas den höheren 
Ständen ohne Unterschied der Confession -~ bat das Kloster. 



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— 140 — 

bi* io die neaeite Zeit beitanden, anbertthrt von der 180S und 
ISiO atattgeAmdeDen Säoalariiation der KlSatar Erfdrte; ent 
1S79 erfolgte aeine Aufhebung, doch wurde es aocb da den bw- 
herigen ffonnen gestattet: das gemeiDaarae Leben in einem der 
Ktostergebäade fortzufahren. (MUlveratedt , 1. c. S. 161. 162; 
Härtung, I. c. U. 8. 276—282; Erhard, 1. c. S. 209.) 

34. Va]entinerhof. Er lag neben der BarfUaaerkirohe, 
auf Nr. 1&67 nod Wiperti 91 nach früherer Zählung, und vurde 
1653 von dem Ratbe gekauft und den Angaatmer-Eremiten aber- 
geben, um auf der Stelle ein Kloster su bauen ; ea befindet aicb 
auf dieaer dengetn&ss das frtlhere Wigbertikloeter. Hogel, wo 
M* beim Jahre 1373 die Grtlndung des Karthänserblosters ers&hlt 
(S. 434) bemerkt: „dies war der achte Mönchaorden in Elrfnrt, 
der Valentiner und der AntoniuabrUder au gesohweigen, die ihr« 
GonTentna and H5fe auch hier hatten, dieser ihr Hof war ein 
bttrgerHchee Haus, jenes Ihrea wurde endlich tod den Angnati- 
nerq bewohnt". Vergl. auch das oben ttber die CapeUa ad 8. 
Valentinnm bemerkte. 

35. Weisafrauenkloater Tid. Ursiüinerinnankloster 
Np. 33. 

96. Wigbertikloster. Der Augnatiner - Eremitenorden 
hatte die oben sub Nr. 3 erEftfalte Einziehung seines Klosters 
lieb keinesweges rahig geüallen lassen, vielmebr einen sehr ener- 
gtacben Widerspruch dagegen erhoben, und, nachdem er ein ob- 
aiegendea Urtheil erstritten, jenes RQokgabe gefordert. Der 
Bath konnte sieh hierzu aber nicht entscbliessen , weil ee in- 
zwischen zum Gymnasium eingerichtet war, übereignete dem 
Ordern aber statt dessen 1618 das damals TollstHndig wüst ste- 
hende Marion kneobta- oder Servitenkloster mit allen Einkünftas, 
die dem früheren Kloster zugestanden, und kaufte, nachdem 
jenes, an das die MSnohe noch eine Kapelle gebaut, 1636 T<m 
des Schweden gSnzlich zerstört war, und die Mönche einatweilen 
ein Unterkommen in dem Weissfranenkloster gefunden, 1653 den 
in der Nahe der Wighertikirche belegenen Vaientinerhof. Naoh- 
dein der Erzbischof nun auch noch diese Pfarrkirche, über deren 
Eigenthom 1582 zwischen den Evangelischen und den tUtbolikan 
ein durch kaiaerlicfaen Rocfataspmch von 1606 an Ungunsten der 
enteren entechiedener Streit entstanden war, und die infolge 
dessen den Katholiken hatte zurückgegeben werden aattaaen and 



:. Cookie 



— 141 — 

nnr w^rend d«r Scinredeiiseit 1633 — 1636 vorübergehend sieh 
wieder in dem Beehse der Eviuigeliscben befunden (Hartnng, 
1, c. II. 24b — 202), dem Orden cur Klosterkirche überwiesen 
batte, warde derselbe in Erfart vollatttodig restituirt. Nachdem 
der Plate noch durch 16 kleine, 1665 und 1666 dazn erworbene 
Privatbfiuaer am Barföiaersteinwege vergrössert war, erbaute der 
Orden nunmehr 1665 bis 16dö das im Wenentlichen noch jetzt 
vorhandene Kloster, das seinen Namen von der ihm zugewiese- 
nen Kirche erhielt. Nach der Einnahme Erfurts durch die Ver- 
bOndeten wurde 1814 dasselbe zu einem Hilitärhospitale eingö- 
riohtet; die Mönche mussten es verlassen and Canden eine einst- 
weilige Unterkunft in dem Leihhaase, dem ehemaligen Jesnitw- 
coUegium (Beyer, N. Chron. 3. 566). 1822 wurde da« Kloster 
aufigehoben , das Vermögen desselben zur Dotation des Kircben- 
und Scbnlfonda verwendet, das QebSude aber f&r militärische 
Zwecke benutzt. Gegenwfirtip befinden eich, nachdem die Qar- 
nisonachole aofgehoben und die jetzt Kriagaschute genannte 
DivisioDSBchule in das an der Stelle des ehemaligen Schotten- 
Uosters errichtete Oebäade verlegt iat, ausser der Dienitwoh- 
nang des Geietlicben an der Wigbertikirche, die Militürcasinos 
sowie Milit&r-HandwerkerBt&tten und Montirungskammern darin. 
VoUstAndig erhalten iat noch das grosse Refectorium, ein grosser 
Saal mit einem Plafond von vortrefflicher Stackarbeit von 1687. 
(Mälverstedt, I. c. S. 155; Härtung, 1. o. II. S. 253. 254.) 

AuwIU'tixM Klttstera nnd anderen f^lBtlichen CorporatioBen 
gehSreode Httfe. 

Da Erfurt während des Mittelalters sowohl in kirchlicher, 
wie politischer nnd socialer Beziehung die Metropole ThfLringeas 
bildete, so hielten es die in diesem belegenen Kldster ihrem 
Vortheile entsprechend, sich in steter Verbindung mit der Stadt 
dadurch zu erhalten, dass sie eine besondere, ihnen aasschlieaa- 
licfa gehörende Niederlassung darin gründeten. Dieselbe sollte 
namentlich daeu dienen, den Vorstehern und Conventualen der 
Klöster, wenn Geschäfte aie nach Erfiurt führten, Unterkunft au 
gewähren, die Boscbaffdng der LebenabedürfnisBe zu erleichtern, 
vor allem aber durch die Gewinnung dea städtischen Bürger- 
rechtes einen Schutz sowohl gegen die Raubritter als auch ge- 
gen Wegelagerer aus der Stadt selbst sich zu beschaffen. Dies« 



.oogic 



- 142 - 

Böffl falirteB den Nameo: FrobnbSfe, od«r, oament&ob wAan sie 
«inem Banedictinerkloiter angehörten, Eeinbafe (cnriae cellen- 
rü). Sie entstKuden meiat in 12. and Anfange d» 13. Jahrlinn- 
derta,- verloran aber mit der Zeit ihre Bedeotnng, kamen mit 
Anfhehnng der Klöster, eq denen aie gehSrten, in weltHchen 
Besitz und Bohlieaslich meistena in Privateigenthnm. 

Von dei^leiehen in Erfurt beatendeoen Nisderlaainngen sind 
insbesondere nachatehende bekannt: 

I. Der BUrgelerfaof. Er gehörte dem 11S3 gegrOndeten 
Benedictinerkloater BUrgel im OroaaherEOgthom Sachien-Weimar, 
and lag da, wo aieh gagenwBrttg das katholische WaiBechana 
befindet. Im Jahre 1348 hatte das Kloater Btlrgel den Hof an 
das Kloater Reinhardabrunn verkauft 

3. Der Cöltedaerhof, dem Benedictiner- Nonnenkloster 
SU Cölleda oder Köln in Thüringen gehörig, befand sich in der 
Menstadt. Er wurde von Seiten des Klosters 1367 an den Rath 
von Erfurt verkauft, und ku HiethwohDungen fttr Studenten ein- 
gerichtet. 

3. Der Comtborhof. Er lag in der Comthnrgasse , jetat 
das Baus Mr. 4. Das dazu gehörige Orundat&ck erstreckte aiob 
längs des Breitstroms bis in die Nfthe der Kicolauskirobe und 
stieas östlich an die zum Augustinerkloster gehörigen Gebinde. 
Er gehörte dem deutachon Orden und war, nachdem er nur 
kürzere Zeit selbstattlndig dorcb ein Mitglied des Ordena vei^ 
waltet worden war, abh&ngig von der Commeade Oriefstedt' 
(Anderson, Gesch. der deutschen Ordens - Commende Glri^tedt, 
S. 23). Er war aof einem 1381 von dem Kloster Reinbards- 
brunn erkauften Orundatttck errichtet und ihm die Micol«nskirche, 
deren Patronat der Orden tauschweise 1284 vom Marienatifte 
erworben hatte, incorporirt. Bia 1790 befand sieb der Comtbvr- 
bof im Beaitze des Ordena ; im genannten Jdbre aberliesa dieser 
ihn aber, am der Verpflichtung, die ganz veHUlene Kirche neu- 
bauen zu mOesen, enthoben zu werden, dem Kurf^stea von 
Haint. Der Hof diente nun bis 1855 dem Pfarrer der in die 
Kirche des Schottenkloaters verlöten Nlcolaaagemeinde zur 
Dienstwobnang , ging dann aber, nachdem für dieae ein beson- 
derea Pfarrhaus neben der genannten Kirche erbaut worden war, 
in Privaibesits über. Daa Oehüude iat im Weaentliohen noch 
erbalten; auf dem dazu gehörig gewesenen Garten aiud die 



- U3 - 

Hftater ComthTirgasiie Nr. 2 ond S erbaut (Mfllverstedt, 1. o. 3. 
184; Härtung, 1. c. I. 187, U. 289). 

4. Der Georgen thnlertiof. Er lag in der Mainserhof- 
•trasse Nr. 21, wo sich gegenwärtig die Artilleriekasemfl befin- 
d«t, und geborte dem Cistercienser-MöncbskloBter Oeorgentbal 
im Hertogtham Sacheen-Ootfaa. Da* Orundatück wurde 1217 
Ton dem Kloster gekauft, daa daselbat die St. Elisabetbakapen« 
errichtete. Das auf ibm erbaute Gebäude wurde bei der grossen 
Feiierabrunat 1472 eingeäschert, aber bald wieder hergestellt, 
wie eine Inschrift nnter einer Bildsäule dea h. Georg mit dem 
Lindwurme, die auf einem Brunnen stand, besagte. Nachdem 
im Bauernkriege das Kloster Georgenthal seratört war, nahmen 
die H&ncbe ihre Zu6ucht in dem Hofe, aber bereits 1533 setzte 
sich der Rath in dessen Boailsj er musste solchen jedoch 1553, 
da derselbe nur eine Pertinenx des von Sachsen säculariairten 
Kloatera bildete, an jenes abtreten. In Artikel 9 dea Leipziger 
Kecesses von 1665 wurde daa sächsische Eigenthum ansdrttck- 
iich anerknnnt. Bei der Tbeilnng der Sachsen -ernestiniscfaen 
LSnder kam der Hof suerst an Gotha, dann an Weimar, nnd 
er wurde nun die Wohnung des aächaischen Geleitsinspektors, 
d. h. des Beamten, der fttr die gehörige Entrichtung der Geleits- 
abgabe zu sorgen hatte. Während der franzSsischen Herrschaft 
wurde das Gebäude ziim Militftrlazareth verwendet. 1834 ge-. 
langte der Hof angleich mit dem Geleitsrecbte an die prenssi- 
sehe Regierung, die ihn bis 1860 als Montimngskammer benatzte, 
iba 1861 aber wegen seiner Bauf^Uigkeit abbrechen und das be< 
reita erwähnte Gebäude auf der Stelle errichten liess (Gersten- 
berg Novantiqua; Härtung, 1. o. J. 148 — 150). 

5. lohtershanaener Hof; derselbe lag in der Regie- 
rnDgaatrasse neben der St. Vitikirche und gehörte dem Oister- 
««naer- Nonnenkloster lohtersbausen im Hersogthnm Sacbsen- 
Gotha. Ein Weiteres ist dber denselben nicht bekannt. Eine 
curia prepositi in Icbiriobeshaeen hatte, nach dem Preizinsregt> 
Bter von 1293, in der Parochie S. Martini vor dem Graden ge- 
legen. 

6. Der Johanniterordenshof. Er war im Sprengt 
der St. Nieolaikirche belegen. Die Zeit seiner Gründung und 
der Name des Gründers ist nioht bekannt, doch ist der letztere 
weU der Orden selbst gewesen. Die Aofhebiing erfolgte durch 



:.C()OJ^IC 



— XU — 

Verkauf «n den Rftth im J&hre 1339 (MOlveratedt, 1. c. S. 164; 
Härtung, 1. c. II. S. 381). 

7. Mainserliof (Cnria episcopalis Erfordiensis) oder auch 
bloa: Zum Hof genannt. Er lag swischon dem Mainaerbofplats, 
der von ihm aeinen Namen bat, dem Bergetrom und der Main- 
zerhofmühlgaase, wo sich gegenwlirtig der Artillerie-Exercierplata 
and Pferdestall, sowie ein Tfaeil der Qewehrfabrik befinden, — 
Er gehört nur uneigentlicb hierher, da nicht eine ausw&rÜge 
geistliche Stiftung, BOndern der Erzbischof von Mainz ihn be- 
•aas, dessen Oekonomiebof er bildete. Ursprünglich hatte eich 
der letztere in dem Dorfe Hochheim befunden; er war aber, dft 
er dort feindlichen Angriffen zu sehr ausgeBstzt war, 1255 ood 
1256 nach einem zu diesem Behufs angekauften Grundst&ck im 
Brühle verlegt worden (Friese, 1. c. I. 3. 56c). Die daselbst 
aufgeführten Gebäude enthielten zugleich die Dienstwohnungen 
der ttrzbischöflicfaen Beamten, des Vicedoms, des Sieglers, der 
Schuttheisaen, der Amtleute, Richter, Zöllner u. s. w. Aach be- 
fand sich dort ein das Hundehaue geoanntes Gcfängnisa, das in 
den Streitigkelten zwischen der Stadt and dem Erzbischof eine 
Bolle gespielt hat. Bei der grossen Fenersbrunst 147^ brannte 
der Maiozerhof ab , wurde jedoch bald wieder hergestellt. Im 
Banemaufruhr wurden die H&user ausgeplündert und arg ver- 
wüstet. Nach der schwedischen Besitzsahme wurden die knr- 
^stlichen Beamten verjagt und es ward der Hof der Stadt 
QlMtrgeben; er musste aber 1664 restitutrt werden. 1696 wurden 
die bisher nur aus Holzwerk bestandenen Geb&ade abgonssen 
and in Massivbau wieder auigeflihrt. Die zum Hofe gebSrig« 
Mühle ward 1716 an einen Privatmann verkauft. — 1789wnrd«B 
die Qebfinde zum Lazsreth flir das zur Garnison gehörende kor- 
mainziscbe Contingent eingerichtet und auch w&hrend der fran- 
zösischen Herrschaft dienten sie als Milit&rfaoepital. Mach d«r 
swedten {tteussiscben Bedtzoabme kamen sie in den Besita der 
Stadtgemeiade , welche dieselben jedoch 1836 an den Hilitir- 
fisous verkaufte, der 1839 mit dem Abbroch der Hauptgebftade, 
sowie des daneben liegenden Thores begann, 1861 auch die 1859 
aurückgekaufte Mainzerhofmühle abbrechen und nur die Pferde- 
ställe und ein kleines Oekooomiegebände anfangs oOch stehen 
lieas. Gegenwärtig ist nur noch die in die Straasenmaoer «in- 
gefügte Vorderwaad der Kapelle mit einer loacbrift Toni' Jahre 



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- U5 - 

1504 übrig (Michelsen, D«r Mainzer Hof zu Grfnrt «m AuBgAßge 
des Mittelalters, Jena 1853; Hartang, ). c. I. S. 1(>8— 186, wo 
sich eine Abbildung des Oebfiades befindet, und 286). 

8. Die Oldislebenerhöfc. Das Benedictiner-HSDclia- 
kloster Oldisleben im QroBsherzogthum Sachsen-Weimar beeasB 
in Erfurt zwei Höfe, den einen in der Neustadt (jetzt Regierungs- 
Btrs8B6 Nr. 50 — 52), den es 1307, den andern vor dem Oraden, 
den es 1312 erkauft hatte. Dieselben gingen, nachdeni das Klo- 
ster 1^9 sftcularisirt worden war, ein. 

9. Der Paulinzelle^- oder bloa Z e 1 1 e r h o f , auch 
Scfawarzburgerhof genannt, lag nach Härtung (1. c. II. S. 
240) in der Neastadt, jetzt Regiemngsatraase Nr. ft3— 56, mithin 
neben dem vorerwähnten Oldisl ebener hofe (doch hat nach eben- 
demselben I. p. XXXIV. gerade umgekehrt der Oldislebenerho 
die Nr. 1038a und 1038b nach der früheren Nammerirang , jetst 
Regierungsstrasse Nr. 54. 55, der Panliozellerhof aber die Nr. 
2039 und 203da, resp. Nr. 50 — 52 eingenommen), nach andern 
Angaben (Friese, 1. o. I. S. 29e) auf dem, freilich nicht weit 
davon entfernten Rosemarkt (jetzt Herrmannsplatz). — Er ge- 
hörte dem Benedictiner- Mönchskloster Paulinzelle im Fiiraten- 
tham Scbwarzbnrg - Rudoletadt und war im Jahre 1110 von die- 
sem angekauft. Er war kein Freihof, wie die übrigen Kloeter- 
böfe, sondern dem Neuwcrkekloster lebnapflichtig. 1483 wurde 
er durch eine Feuersbrunst grosaentheila in Asche gelegt. Nach- 
dem das Kloster Paulinzelle 1525 im Bauemaufruhr zerstdrf und 
nm 1534 von dem Glrafen Heinrich XXXIV. von Schwarzburg 
Bäcularisirt worden, verödete der Zellerhof. Durch einen zwi- 
schen dem Orafen Günther von Schwarzburg und dem Karfür- 
sten Johann Friedrich von Sachsen, der 1543 einen erfolglosen 
Versuch gemacht hatte, eich gewaltsam dessen zu bemüchtigen, 
(Hogel, 1. 0. S. 1013) 1544 abgeachlossenen Tauachvertrag ge- 
langte er an den letzteren, sodann aa den Herzog von Sachsen- 
Weimar, der ihn aber, da er über die Qaalitfit mit dem Erfurter 
Ratbe, der selbst auf daa Eigenthum Anspruch machte (Hogel, 
1. c. S. 1017) in einen viele Jahre schwebenden Streit gerieth, 
obwohl in dem Artikel 9 des Leipziger Recesses vom ^_ Deobr. 
1665 sein Recht noch ansdrücklicb anerkannt wurde, und nach- 
dem der Hof 1590 durch eine Feaersbrnnst zerstitrt worden 
(Hogel, I. c. 3. 1340), nicht wieder herstellte, so dase derselbe 

10 ivAl'^lc 



- US - 

bis in den Anfing des 19. Jahrhunderta wtist liegen blieb and 
erat dann mit FriTatliäuBern bebaut wurde. 

10. Der Pfortasche Hof. Er befand aich in der Äuga- 
Btineratraase in der Ijäbe der Lebmannsbrficke swiaohen der 
Hfigelgasae und dem Breitstrom (ÄogaBtiDeratraeee Nr. 30). Er 
gebCrte dem Giaterzienaerkloater Fforta. an der Uaale. Dieaea 
hatte nicht lange nach aeiner Orfindung im Jahre 1098 in dar 
MichaelisBtrasse nahe bei der Georgenkircbe , da wo spätor daa 
jetzt abgebrochene Inquisitoriat stand (Hegel, 1. c. S. 118; Er- 
hard, 1. G. 3. 221), eine Niederlassung mit einer Kapelle gegrün- 
det, die aber im Anfange des 13. Jahrhunderts verödete und 
von den Anwohnern anageplündert wurde. Das Kloster verklagte 
hierauf die Stadt bei dem Papste auf Schadenersatz, der die 
Sache durch eine 1212 entsendete Commission untersuchen liesa 
und demnächst dem Rathe unter Androhung des Bannes au^ab, 
das Klostor klaglos zu stellen. Derselbe kaufte hierauf das oben- 
erwähnte Grundstück und übereignete solches dem Kloster 
(Friese, 1. c. I. S. 4?a — 43b). Die Ciateratenser Hessen jedoch 
auch diesen Hof wüst werden, worauf ihn der Rath kraft de* 
ihm zustehenden Heimfallrechtes 1363 einzog and eine Soheoer 
(Hogel, I. c. S. 413), später ein Korahaua auf der Stella errich- 
ten licBH. (Nach Mülverstedt, 1. c. S. 175, bat aich jedoch noch 
1416 das Kloster in dem Besitze dea Hofes befunden.) — Als 
die Nonnen des Cyriublosters aus ihrem bisberigen Kloater, 
das ans fortificatorisoheu Rücksichten bei Erbauung der Cita* 
delle FeterBberg abgebrochen ward, weichen muaeten, übereig- 
nete ihnen der Rath den früheren Pfortischen Hof and aie er- 
richteten, wie bereite oben erwähnt ward, daselbst ein neues 
Kloster, das gegenwärtige Garnison - Lazareth. (Hartoog, H. 
237—230.) 

11. Der Reiobardabrunnerhof. Er lag am Ende der 
Rflgierungastrasae Nr. 44, neben der nach dem HermanoBplats 
führenden Straaae und gehörte dem Benedictiner- Mönchskloster 
Reinhardabrunn im Herzogthum Sachsen-Gotba, welches im Jahre 
1181 einen Hof bei der LiepaDinisbmcha (der Lehmannsbrücke) 
erkauft, denselben aber 1281 an den deutschen Orden wieder 
verkauft und nunmehr, wie bereits oben sub 1. angeführt ist, 
von dem Kloater Bfirgel das vorerwähnte Grundstück erworben 
hatte. Im Bauernauftuhr wurde der Hof ver<*Ü8tet und verlas- 



- U1 — 

len, 1533 »ber als Pertineiiz dea Bäcularisirtea Klosters Rein* 
hardpbrunn tod dem KariUrateo von Sachseii reclamirt, und 
deaaeo RecLt auch in emem 1553 mit dem Rathe getroffenen 
Abkommen anerkannt und in Artikel 9 des Leipziger Recessee 
TOD 1665 Buadrticklich bestätigt. Der Hof ging hierauf in Privat- 
besitB über und befand sich . «uletst in dem dea Domherrn Lam- 
bert Wlebe, der ihn 1670 dem von dem KurfUraten Johann Phi- 
lipp 1665 gegründeten katholischen Waiaenhause achankte. Da 
diese Anstalt mit der Zeit in Verfall geratben war, so wurde 
sie 1781 aufgehoben und das Gebäude vermiethetj während man 
die Kinder einzeln zuverlässigen Peraoaen in Pflege gab. 1805 
kehrte man jedoch zu der früheren Einrichtung zurSck und 
diese besteht noch, nachdem die Leitung der Anstalt, die 1845 
den barmherzigen Schwestern übertragen war, seit 1877 wieder in 
weltliche Hände übergegangen ist. (Härtung, 1. c. IL S. 27 — 33.) 
12. Tempelberrncomtbarhof. Hogel giebt (Cbron. 
S. 89) an: dass die Tempelherren, als sie nach Erfurt gekommen 
wären, sich in das Spital Hinter Allerheiligen (AUerbeiliganstrasse 
Nr. 20, das Fabrikgebäude der Hoflfmann -Tricbelecben. Tabaka- 
fabrik) begeben hätten, allwo sie daaelbst ihr Vermögen ver- 
wabreten und S. 289: dass, nachdem der Tempelberrenorden 
durch Papst Clemens V. aufgehoben worden, die Templer ihren 
Hof zu Erfurt, das Haus hinter Allerheiligen, und was sie sonst 
da hatten, verloren hätten; wie sich denn jenes noch zu seiner 
Zeit in dem Besitze eines Bürgers befinde. Friese (1. c. L S. 
1019) sagt, nachdem er die Verfolgungen geschildert, welche 
die Templer erduldet : „also mussten sie auch in Erfurt ihre Häu- 
ser hinter Allerheiligen (den Sternberg, Windmühle, aus welchem 
Hause ein Gang oben hinüber über die Gasse in die Engelsburg 
gewesen) und alles was sie hatten verlieren". Härtung (1. c. L 
S. 196) glaubt aus jener Angabe, obwohl er zugesteht, dass eine 
Bestimmtheit hinsichtlich des Grundbesitzes der Tempelherren 
in £rfurt darin nicht vorliege, doch achliessen zu können: dass 
das Turnier der Comthurhof der Tempelherren gewesen aei, und 
dasselbe von diesem Umstände seinen Namen erhalten habe. 
Urkundliche Zeugnisse über eine Niederlaaaung der Tempel- 
herren in Erfurt sind nicht vorhanden und auf die Angabe Ho- 
gela möchte kein sehr grosses Gewicht zu legen sein, da der* 
selbe seine mangelhafte Sachkenntnies sehr deutlich dadurch 



- 148 — 

fennd giebt, daas er gleich darauf behauptet: d^x dentsche Orden 
Bei an« dem der TempelberreD bervorgegangen. Erhard (I. c. 
S. 175) bemorkt: An dem unteren Theile der Marktstr&Hse, dem 
Rathhanse gegenüber, nach der MichaelisstraBae zn, sollen vor 
alters die Tempelherren einen Hof gehabt haben ; eine Sage, flir 
welche sich jedoch so wenig als fflr die Anwesesheit der Tem- 
pelherren in Erfurt Uberhaapt ein historischer Beweis f&hren 
lässt. (Kruspe, Sagen der Stadt Erfurt I. S. 107.) 

13. Volkenroder Hof. Er lag an dem Ende der Kleinen 
Ackerhofsgasse (Kleine Ackerhofsgasse Nr. 6), die von ihm ihren 
Namen erhielt. Er wurde nämlich von dem Gietersicnser-Mönchs- 
kJoster Volkenrode im Herzogthnm Gotha, welchem er zugehört 
hatte, 1480 an den Ratb der Stadt verkauft, der ihn Kur Doti- 
rung der Nonnen des CyriaxkloBters , die, nachdem sie ihr Klo- 
ster auf dem Gyriaxberge hatten Verlassen mUssen, eine Unter- 
kunft in der Nähe der Andreaakirche gefunden, verwendete. — 
Der Hof fthrte soitdem die Beaeichnung: des Klosters Cyriaci 
Ackeirhof. Nach dessen Aufhebung Ist er in Privatbesitz ilbei^ 
gegangen. 

14. Zellerhof, vide Paulinzellerhof. 

Friese (1. c. I. 29e) erwähnt : dass auch' das (Benedictiner-) 
Stift zu Salfeld und noch andere Hüfa in Erfnrt gehabt hat- 
ten. Es ist aber sonst nichts davon bekannt, namentlich wo sol- 
che gelegen haben. 

BCKTilbniBUlittci. 

In Betreff der Begräbnissstütten mag hier nur Nachstehen- 
des angeführt werden. 

Ursprünglich waren dieselben unmittelbar bei den Kirchen 
belegen, so dass sie mit vollem Rechte den Namen: Kirchhofe, 
fährten. Nachdem in Folge der Eiofbhrang der Reformation 
mehrere bisherige Klosterkirchen zn Pfarrkirchen erhoben wur- 
den, und nun die Kirchhöfe dem gesteigerten RaumbedQrfmsa 
nicht mehr genügten, half man sich durch deren Vergrösserang 
vermittelst der Elostergärten , wie dies unter andern 1581 mit 
dem neben dem Kreuzgange belegenen Theile des Gartens dea 
Prr>digerklosters (Hogel, S. H71), sowie dem des Barfäsaerklo- 
Bters (Friese, I. c. II. S. 593) geschah. Der Kirchhof beim 
Netiwerkskloster diente nicht nur dessen Bewohnern, sondern 
auch der Gtfmeinde zur Begräbnissstütte und zwar nach einem 



— 14Ö — 

1731 getroffenen Abkommen nicht nar den Katholiken, sondern 
ftuch den Evangelischen j weshalb er durch einige weggerissene 
Häaser und einen Theil der angrenzenden Gasse erweitert wurde 
(Priew, 1. c. V. S. 1991). 1735 masste jedoch der Kirchhof für 
die Katholiken abgetrennt und mit einer besonderen Mauer um- 
geben werden (ib. S. 2114). — Ata nun aber 1813 in Folge der 
grossen Sterblichkeit in den Militärlazarethen die Kirchhöfe über- 
haupt grossentheils überfQllt waren^ ward durch eine Verordnung 
des franadeiscfaen QourerDements vom 26. Juni 1813 das Beer- 
digen in der Nähe der Kirchen and auf allen im Innern der 
Stadt belegenen Friedhöfen untersagt und angeordnet: dass die 
Beerdigangsplätze nach aussen verlegt werden sollten. Anfangs 
ward hierzu das schon oben erwähnte b, g. Kardinalsatück vor 
dem Johanniathore , und zwar zu zwei Drittheilen fUr die Evan- 
gelischen, and zu einem Drittheil fUr die Katholiken bestimmt. 
Da dieses sich aber in mancher Beziehung als ungeeignet er- 
wies, insbesondere im Winter die Beerdigung auf demselben 
mit manchen UnzutrKglichkeiten verbunden war, so wurde diese 
vom 9. December 1816 ab dort wieder eingestellt und, nachdem 
man zunächst die noch mit verwendbaren Plätzen versehenen 
BarfUsser-, Severi- und Schottenkirchhöfe einstweilen wieder in 
Benutzung genommoD^ beacblossen: dass die zwischen der inne- 
ren Stadt und den Vorstädten bel^enen früheren Zwinger tu 
Friedhöfen eingerichtet werden sollten. Dies geschah znorst 
vom 1. October 18I8 ab auf dem s. g. Statthaltereigraben, vom 
inneren BrUhlerthore bis zum Rossmarkt, dem Brähler-Friedbof, 
za vrelchem später noch der Brllhlcr-Schulgarten geschlagen 
warde, vom 1. Juni 1819 ab auf dem Krämpferzwinger zwischen 
der Krämpferstrasae and dem Hospltalstege , vom 14. August 
1822 «b «af dem Hospitalgrabeo zwischen dem Hospitalstege 
und der Johannisstrasse, dem Johannis - Friedhofe , und vom 
1. August 1830 ab auf dem Auguslzwingor zwischen der Bahn- 
hof- und der Kr ämpfer Strasse. (Hörn, Zur Charakterisirung der 
Stodt Erfurt, S. 386 — 388.) 

Bekanntlich hat sich neuerdings und zwar seit der Anwe- 
senheit der kriegsgefangenen Franzosen in Erfurt 1870 und 1871 
auch diese Fläche, obwohl sie mehr als 18 Slorgen in sich hält, 
als noch nicht ausreichend ftir die gestiegene Bevölkerung her- 
ausgestellt, und man ist, da das Vorhandensein von Begräbnit*- 



..C.oo^lc 



— 160 — 

stStten innerhalb der Stedt aach sotist mit manctien NaclitlieBeil, 
namentlich fbr die Geiandheit der Bewohner, ▼erbanden war, 
dazu geschritten: die genannten PriedhCfe am 16. October 1871 
xn acbliessen und einen neaen B^rSbniBvplats aonerhalb der 
Stadt, allerdiDgR wegen der damals noch geltenden Bayongeaetze 
in ziemlich betriLchtlicber Entfemong TOn derselben, «nanle^n, 
der an dem genannten Tage erfifinet wurde, nnd der, da circa 
50 Horgen dazn erworben sind, freilich wohl erwarten liaet: 
d«Bs er für längere Zeit «nareichen werde. In der Stadt selbst 
beateht jetzt nur noch ein Kirchhof, der des ehemaligen Utsb- 
linerinnenklosters , anf welchem aber nur dessen Bewohnerinnen 
beerdigt werden dürfen. 

Im einzelnen ist noch Nachstehendes anznfBhren. 

1578 wnrde der Schiessgraben vom Spitalstege bis zum 
EriUnpferthore zum Gottesacker gemacht, doch wurde, nachdem 
erst acht Personen darauf begraben waren, statt dessen der 
Garten des Uarienknechtsklosters zn diesem Zweck verwendet 
(Priese, 1. c. II. 8. 578). 

Der Kirchhof der Tbomasgemeinda lag nicht bei ihrer Kir- 
che, sondern in der inneren Stadt zwiachen der Löberatrasse 
und dem Nenwerkskloster, wo sich gegenwärtig der obere Theil 
der Gartenstraaae findet. Bei der Fnndamentirung der dortigen 
Hftaser and der Canaliaation ist man fast überall anf mensch- 
liche Gebeine geatoaaen. Bei dem an der Hamaterbnrg bele- 
genen Theile dea Kirchhofa wurde 1657 die eingefallene Hauer 
n engebaut. 

FOr die im BrQhle wohnenden Katholiken wurde 1735 swi* 
achen dem Krummen- oder inneren Brühlerthore und dem Bui^ 
atege ein Friedhof angelegt, mit einer Mauer umgeben und ein 
Crucifix darin errichtet. Der dortige evangelische Kirchhof war 
1717 in den Statthaltereigarten verwandelt. Die Gemeinde er- 
hielt dafür zam Friedhofe einen Garten, der sich im Besitze des 
Kleinen Hoepitala befand und ursprünglich zur Elends-Herberge 
gehört hatte. 

Der Hospitalgottesscker , anf welchem auch di« hingerich- 
teten Delinquenten begraben wurden, lag unter der O^riaxbnrg 
(Beyer, N. Chr. S. 521). — Der Soldatenkirchhof flir die öster- 
reichische Garmson in der Jobannivvorstadt in der Kth« der 
UUUerS' und der Pfeifei^asse, 



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- IBl — 

Der älteste Jadenbegräbnissplata Li^ vor dem Moritzthore 
(Hwtang, 1. c. I. S. 133). Er hatte, weil er dem BedürfDisse 
oicbt mehr genl^te, 1375 dnrcb den Änkanf eines StUckes vom 
Bliedeahofe erweitert werden mÜHeen (Eirchhoff WeistbUmer, 
S. 293). Wie bekamit, Bind jUdiacfae Leichensteine noch bei den 
neuesten PlaniruDgaarbeiten dort gefanden. Eben so bekannt 
ist: daas die Juden, nachdem ihnen der Aufenthalt in Erfurt 
wieder gestattet worden war, sich einen Friedhof vor dem 
BrQhlerthore zwischen dem Wege nach Hocbheim und dem 
Bei^atrome eingerichtet und, als hier kein Platz mehr vorhan- 
den war, denselben in die Löber&ur zwischen den christlichen 
Aassen ' Friedhof und das Scbieasbaaa Etablissement verlegt 
haben. 

OefiüsntUche nicht Idrohliolie Oebäude. 

1. AcconchirbauB, vide Entbindungsanstalt Kr. 21. 

2. Ackerbof, Benedictiner. Er lag zwischen der 
Hunds- (jetzt Glocken) gaaee und der grossen Ackerbofsgasae 
(Nr. 7), welcher er den Namen gegeben hat. Früher hatte an 
der Stelle das Bliedenhaue, d. h, das Zeughaus, in welchem 
man die Blieden, Maschinen vermittelst derer Steine oder 
FenerhrSnde auf die Feinde geschleudert wurden , aufbewahrte, 
gestanden. Dasselbe wurde, nachdem es nicht mehr za diesem 
Zwecke verwendet ward, dem Benedictinerkloster auf dem Pe- 
tersberg als Entschädigung f&r aeinen zum Festangsbau einge- 
zogenen Weinberg abgetreten und von diesem zum Vorwerk 

. eingerichtet (Frieae, 1. c. I. S. 93 q u. 95). Nach der Sftculari- 
sation des gedachten Klosters gelangte der Hof durch Verkauf 
an einen Privatmann. 1849 kaufte ihn der MilitKrfiacua zurück. 
OegenwSrtig nimmt aeinen Platz die Dienstwohnung der Beam- 
ten and der zum Proviantamte gehörige Gurten ein (Härtung, 
1. c. n. 8. 156). 

3. Ackerbof, C^riaci, am Ende der kleinen Ackerbofa- 
gaese belegen. Es ist seiner bereits bei der Besprechung des 
Volkenroderhofes gedacht worden. 

4. Anatomie, die, oder das anatomische Theater. 
Sie befand sieb in dem botanischen Garten der Universität und 
es war zu ihrem Bau einer der früheren Zwingerthfinne verweßr 
det (Dominikus, 1. o. I. S. 86). 



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— 152 — 

5. Arbeitshaus, Städtische 8. EsUgiD der Miehulis- 
Strasse Kr. 37, swischen der Studenten- und der FurthmOUgitHCi. 
Es war orsprUnglicb das Collegium majus der Universität, sowie 
das Collegtum der philosophischen Fakultät Xach Aufbebang 
jener wurde das in Stelle des 1787 durch Dalberg gegründeten 
Folizeihauses getretene stidtisohe Arbeitshaus, mit welchem eiDe 
Detentionsanatalt verbunden ward, hierher verlegt, und das Ge- 
bäude KU diesem Bebufe Seitens des Staates an die Stadt ab- 
getreten. Gegenwärtig befindet sich bekanntliob in dem Vorder- 
liause die städtische Ffandleibanstalt, im Seitengebäude dis bö- 
bera Bürgerschule. 

6. Badebäuser. GeäTentliche Badestuben gab es bekannt- 
lich im Mittelalter in jedem einigermassen bevölkerten Orte; 
auch in Erfurt sind deren, und zwar mehrere vorhanden gewe- 
sen. Ich kann mich bier auf den Vortrag, den Herr Vorsteher 
Härtung über diesen Gegenstand in der Versammlung des Er- 
furter Gesobichtsvereins am 9. Mai 18S2 gebalten hat, besieben. 
Danach hat sieb das älteste Bad unter der Krämerbrücke (MQfal- 
Steg Nr. 1) befunden, von welchem noch ein altes Gemäuer 
unter dem Benedictithurm übrig sein mag. — Für das vornehmste 
Bad galt aber das in der Badergasse (jetzt Homgasse). Ein 
drittes soll am Junkersande gestanden haben, vielleicht in dem 
am Langenstage (j<^tzt Schlösserbr ticke ) befindlichen grossen 
Gebäude, von welchem Grundmauern aufgefunden worden sind. 
Ein viertes muss im grossen Hospital gewesen sein, in dessen 
Rechnungen Bademeister aufgeführt werden. Ein fünftes lag 
hinter dem Domberge bei der Frohnbackhausmühle. Es wurde 
bei dem grossen Brande 1472 zerstört (Hogel, 1. c. S. 592). 
Kacb Eirchhoff (Erfurt im 13. Jahrb., S. 2S) hat sich auch in 
der Löberstrasse eine Badestube, die Löweratube, befnndea, die 
wohl identisch ist mit dem noch 1586 erwähnten Hanse: Zar 
alten Badstube auf der LöberbrUcke (Hogel, 1. c. S. 1184), eben 
so auf dem Rubenmarkte (Kirchboff, h c. S. 36} — in dem Kauf- 
maunsviertel ~ in der Schmidstedterstrasse neben der Ktipp- 
mOhle — in der Blejden- (jetzt Qlooken)gasse, sowie hütter 
d^B Dome bei dem Juristen-Collegium (Falkenstein Hist, S. 337; 
Hogel, 1. c. a. 1223). Hogel (1. c. S. 1098} erwähnt anob eine 
Badestube in: Unter den Sobildereni. — FOr die jtidisobe Be- 
völkerung existirte ein besonderes und zwar kalte« Jndenbad, 



DictizedbyGoOt^lC 



- 153 — 

Au nach der Vertreibung der Juden aua Erftirt 1504 von EsUer 
M&ximiliBD I. Beinem Eaazleisohreiber Bertbold Locher geschenkt 
wurde. Dasselbe befand eich an der Qera, Kreuzgasse Nr. 4 
(frigidum balnenm in der EnitgasBe). Ein zu ihm gehörig ge- 
wesener Träger ist noch vorhanden. Es ist vrohl das oämliohe, 
auf welches sich die Äeusserang Falkensteins (Uist. S. 126) : das 
Bad oder Teich der Jaden an der Qera, balnemn Judaeornm, 
sei verbrannt, bezieht. — 

In neuerer Zeit hat es in Erfurt nur Friratbadehäuser ge- 
geben, suletzt das Zinaerlingsche in der Ereuzgasse an der 
Gera, und das Naumannsche (Qartenstrasee 38a) an der Hirsoh- 
lache neben dem Gerinne, bis um 1852 das Aktienbad auf dem 
Friedrich- Wilhelms platze am Fallloobe und, als dies dem Bedürf- 
nisse und den gesteigerten Anforderungen des Publikums nicht 
mehr entsprach, 1879 das neue Aktienbad mit einer Schwimm- 
halle auf dem Herr mann splatze errichtet wurden. 

7. Ballhaus, Das, früher Universitäta • Ballhaus, 
war der Name, welchen das Haus Futterstrasse Mr. lü und 16, 
wo sich jetzt der Kaisersaal befindet, geführt hat, und der da- 
von hergenommen sein soll: dass der Universitäts-Tanz- und 
Bailetmeister Sommer seit 1734 (nach Friese, 1. c. V. S. 1391