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Full text of "Mélanges biologiques tirés du Bulletin de l'Académie impériale des sciences de St. Pétersbourg"













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BULLETIN 

DE 

L'AOADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES 

DE 

ST. - PÉTERSBOURG. 



Tome XIL 



(Avec t planches.) ^^J 



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St.-PETERSBOUUG, 1888. 

Commissionnaires de l'Académie Impériale des sciences: 
à ST.-PÉTERSBOURG: à RIGA: ' à LEIPZIG: 

MM. Eggers & CO M. N. Kymmel; Voss' Sortiment 

et J. Glâsounof; (G. Haessel) 

Prix: 2 R. 60 Cop. arg. = 8 Mk. 60 Pf. 



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Imprimé par ordre de l'Académie Impériale des sciences. 
Septembre 1888. C. Vessélofsky, Secrétaire perpétuel. 




Imprimerie de l'Académie Impériale des sciences 
Vass.-Ostr., 9® ligne, Ks 12. 



TABLE DES MATIERES. 



Pages 

Prof. C, E. V. Mercklin. Über ein verkieseltes Cupressi- 
neen-Holz aus der Tertiärzeit, aus dem Kjäsan'sclien 
Gouvernement. Auszug aus einem Briefe an Hrn. 
Akademiker Maximowicz 1 — 11 

IV. Wedenski. Die telephonischen Erscheinungen am Her- 
zen bei Vagusreizung 13— 16 

A. FamiDtzin. Über Kieselsäuremembran und geschichtete 

Myelingebilde 17— 20 

Beitrag zur Entwickelung der Sclerenchymfasern 

von Nerium Oleander. (Mit einer Tafel.) 21 — 29 

Dr. Alex. Bun^e, Naturhistorische Beobachtu-ngeri ;«Bd/ .'"- 
Fahrten im Lena-Delta. Aus Briefen an de'n 'Akade- 
miker L. V. Schrenck 31 — 107 

Tli. Pleske. Zur Vogelfauna der Insel Ternate. Nach 

Sammlungen des Dr. Fischer bearbeitet 109 — 140 

Dr. A. Strauch. Bemerkungen über die Schlangengaftun^ - 

Elapomorphus aus der Familie der Calamariden 141 — 211 

A. iVikoIski. Bemerkungen über einige Fische des Bal- 

chasch-Beckens 213—216 

A. Tarenetzky, Über Sehnenretinacula und dieselben span- 
nende Muskeln auf dem Bücken des menschlichen 
Fusses 217—230 

Dr. AI. Bunge. Bericht über fernere Fahrten im Lena- 
Delta und die Ausgrabung eines angeblich vollstän- 
digen Mammuthcadavers. Aus Briefen an den Aka- 
demiker L. V. Schrenck. (Mit einer Karte.) 231—309 







— IV — 

Pages 

Vi, Welikij. Über die Lymphherzen bei Siredon pisciformis. 

Vorläufige Mittheilung 311—312 

Dr. AI. Blinde. Brief an den beständigen Secretär der Aka- 
demie über den Gang der von der Akademie veran- 
stalteten Polar-Expedition 313 — 318 

M, Bog'daeow. Kurze Bemerkung über Plasianus Koma- 

rowii n. sp 319—320 

L. PogoshelF. Über die Nerven in den Enden des Musculus 

sartorius 321 — 324 

A. Morawitz. Zur Kenntniss der chilenischen Carabinen. . 325—414 

C. J. Maximowicz. Diagnoses plantarum novarum asiati- 
carum. VI. — Insunt stirpes quaedam nuperia Japonia 
detectae 415 — 572 

A. FamintziD. Über Knospenbildung bei Phanerogamen. . . 573 — 575 

Rf. Warpacliowski. Eine neue Form von Opalina 577 — 579 

V, Blanchi. Über einen neuen Würger aus der Untergat- 

tuDg Otomela {Otomela Bogdanowi) 581—588 

A. FàmiDtzin. Über Knpspenbildung bei Phanerogamen. 

(Mit einer Tafel) 589—597 

V, Blanchi. Zur Ornis der westlichen Ausläufer des Pamir 

und des Alai 599—683 

N. Wai'pachowski. Notiz über die in Russland vorkommen- 
den Arten der Gattung Phoxinus 685—690 

^. Warpachowski. Über die Gattung Hemiculter Bleek. 

und über eine neue Gattung Hemiculterella 691—708 

Chrapowitzki. Über die Synthese der Eiweissstoffe in 

chlorophyllhaltigen Pflanzen. Vorläufige Mittheilung. 709 — 712 

C, J. Maximowicz. Diagnoses plantarum novarum asiati- 

carum. VII. (Mit ^ Tafeln.) 713—934 



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TIRES DU 



BULLETIN 



DE 



L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES 



DE 



ST. - PETERSBOURG. 



TOIME XII. 

Livraison 1. 



(Avec une Planche.) 



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St.-PËTERSBOURG, 1884. 

Commissionnaires de l'Académie Impériale des sciences: 

à ST.-PÉTERSBOURG : à RIGA: à LEIPZIG: 

MM. Eg^ers & C M. N. Kymmel; Voss' Sortiment 

et J. Glasounof: (G. H a es sel.) 

Prix: 30 Cop. arg. = 1 Mk. 



Imprimé par ordre de l'Académie Impériale des Sciences. 
Octobre 1884. C. Vessélofsky, Secrétaire perpétuel- 



Imprimerie de l'Académie Impériale des Sciences. 

(Vass,.-Ostr., 9^ ligne, J^ 12). 



CONTENU. 



Pages 

Prof. C. Ë. V. iMercklin. Über ein verkieseltes Cupressi- 
neen-Holz aus der Tertiärzeit, aus dem Kjäsan'schen 
Gouvernement. Auszug aus einem Briefe an Hrn. 
Akademiker Maximowicz 1 — 11 

]\f, Wedenski. Die teleplionischen Erscheinungen am Her- 
zen bei Vagusreizung 13 — 16 

A. Famintzin. Über Kieselsäuremembran und geschichtete 

Myelingebilde - 17— 20 

Beitrag zur Entwicklung der Sclerenchymfasern 

von Nerium Oleander. (Mit einer Tafel.) 21—29 

Dr. Alex, ßun^e, Naturhistorische Beobachtungen und 
Fahrten im Lena-Delta. Aus Briefen an den Akade- 
miker L. V. Schrenck 31 — 107 



5ÎOÎC 



4 Octobre 1883. 

lb 

Über ein verkieseltes Cupressineen-Holz aus der Ter- 
tiärzeit , aus dem Riäsan'schen Gouvernement. 
Auszug aus einem Briefe an Hrn. Akademiker 
Maximowicz. Von Prof. C. E. von Mercklin. 

Wie bald ich nachgekommen bin Ihrer dank ens- 
werthen brieflichen Aufforderung: ein Stück verkie- 
selten Holzes, vom Präsidenten unserer Akademie, 
Grafen Tolstoi, aufgelesen auf Feldern im Gouv. Rjä- 
san, Distrikt Michaïlov, und jetzt im Besitz des bota- 
nischen Museums der Akademie befindlich, in Augen- 
schein zu nehmen, werden Sie bereits erfahren haben, 
und aus den hier folgenden Zeilen mögen Sie ersehen, 
dass mein Interesse für die Palaeo-Xylophyta noch 
ganz rege ist, wenn leider ich auch der ausreichenden 
Mittel zu ihrer oft sehr mühevollen mechanischen Be- 
arbeitung gegenwärtig entbehre. Mit Berücksich- 
tigung dieses letztern Umstandes und der in Palaeon- 
tologicis überhaupt liegenden Schwierigkeiten mögen 
denn auch die nur spärlichen und meist problema- 
tischen Aufdeckungen an den uns überlieferten ver- 
steinerten Zeugen vorweltlicher Veg-etation aufgenom- 
men werden. 

Mélangea biologiques. XII. 1 



— 2 — 

Ich brauche wol nicht vorauszuschicken , dass sich 
Ihre Vermuthung, an diesem Kieselholze einen Reprä- 
sentanten der Coniferen vor sich zu haben, evident 
bestätigt hat, und blieb mir nur übrig auf mikrosko- 
pisch-anatomischem Wege zu versuchen auszumitteln, 
zu welcher Gruppe, Gattung und etwa Art dieses fos- 
sile Holz gehören möge — eine Aufgabe, welche bis 
auf den letzten Punkt, die Bestimmung der Species, 
zu lösen gegenwärtig immer schwieriger wird, trotz 
der viel zahlreicher gewordenen Forschungen auf dem 
Gebiete histologischer Merkmale und Differenzen bei 
Gattungen und Arten, bezüglich ihrer Holzstructur. 
Auch der Darvinismus hat in dieses Feld der Unter- 
suchungen, wenn es sich um den Begriff von Genus, 
und namentlich um Anerkennung des Charakters der 
Species handelt, nicht geringe Bedenklichkeiten hin- 
eingestreut. 

Unser verkieseltes Holzstück, von etwa rechtecki- 
ger Gestalt, einen mächtigen Splitter von c. 30 CM 
Länge, ohne Spuren von Rinde, Mark, Aesten, auch 
ohne Bohrlöcher, 12 CM Breite und 6 CM Dicke 
(Radial-Durchmesser) darstellend, ist von schmutzig 
graugelblicher Färbung, und sieht, seinem Äussern 
nach, Coniferenholz recht ähnlich. Auf den Längs- 
Spaltungsflächen erkennt man mit unbewaffnetem Auge 
mehr oder weniger genau parallel laufende Schichten 
(Jahres - Lagen) , auf dem Querbruche, schon bei 
schwächster Lupen- Vergrösser ung sichtbare, jenen 
entsprechende Abschnitte concentrischer Zonen (Jah- 
res-Ringe) von 1 — 5 MM Dicke, (auf einem Radius 
von 4y2 CM Länge wurden 32 derselben gezählt), 
durchzogen von sehr zahlreichen, beinahe wellig hin 



— 3 — 

und wieder, an einzelnen Stellen jedoch stark einge- 
knickten Markstrahlen. Andere Elemente des Holzes 
kommen bei makroskopischer Betrachtung dieses Hol- 
zes nicht zum Vorschein. 

Was den Process der Petrification dieses Holzes 
anbelangt, so war, wie bei so vielen Bäumen aus der 
Tertiär-Zeit, eine Silicium-Verbindung die das Holz- 
gewebe durchdringende , wahrscheinlich gleichartig 
imbibirende Substanz, wobei die Structur der Zellen, 
auch der feinern Configuration ihrer Wandungen, fast 
vollkommen erhalten blieb, später das Ganze, sehr 
allmählich erhärtend, in eine glasharte, in dünnsten 
Splittern durchscheinende bis halbdurchsichtige Masse 
verwandelnd. Es ist wahrscheinlich, dass dieses Holz 
sich vor der Petri ficirung in einem nassen, stellen- 
weise schon verrottetem Zustande befunden habe, 
einem gewaltigen Drucke ausgesetzt war, wodurch die 
fast zickzackförmigen Einknickungen der Markstrah- 
len, im weicheren Frühlingsholze mit gleichzeitiger 
Verquetschung der Zellen dieses letztern hervorgeru- 
fen wurden. Die silificirende Substanz selbst hat an 
vielen Stellen ein unregelmässiges, fein punktirtes 
oder gekörneltes Aussehen. Ob dieses immer durch 
sehr kleine, mit Luft gefüllte Räume, oder durch feste 
Körnchen, Staub -Theilchen? verursacht wird, habe 
ich nicht mit Sicherheit ermitteln können, doch scheint 
mir das Letztere das Wahrscheinlichere und Häufigere 
zu sein. Besonders auffallend ist dieses punktirte Aus- 
sehen an den später zu erwähnenden, scheinbar nicht 
gewöhnlichen, dem Holzgewebe eignen Bildungen die- 
ses Holzes. 

Obgleich eine compacte Kieselmasse, hat unser Pe- 



trefact eine nicht geringe Spaltbarkeit vermittelst dün- 
ner Meissel von Stahl in der Längsrichtung, parallel 
mit den Markstrahlen, beibehalten. Ein Zerfallen in 
feinste Nadeln, wie es dem Asbest eigenthümlich und 
auch an einigen fossilen Hölzern vorkommt, ist an die- 
sem Kieselholze nicht wahrzunehmen. Bemerkenswerth 
und für die Darstellung von mikroskopischen Präpa- 
raten von Bedeutung stellte sich der Umstand an die- 
sem Petrefacte heraus, dass es durch Wasser und an- 
dere Flüssigkeiten gleichsam noch imbibirbar ist, und 
daher Splitterchen desselben in einen Tropfen gebracht, 
unter dem Mikroskop bei 200 — 300 fâcher Vergrös- 
serung fast so durchsichtig wie dünnes Glas erschei- 
nen. In flüssigen canadischen Balsam, möglichst frei 
von Luftbläschen, gebettet, erschienen dieselben Split- 
terchen, auch bedeutend klarer. Diesem Umstände 
habe ich es zuzuschreiben, dass mir die Untersuchung 
eines verkieselten Holzes, und namentlich des zu be- 
schreibenden, zum ersten Male ermöglicht war, ohne 
aus demselben die so viele Zeit und Mühe raubenden 
Schliff-Präparate anfertigen zu müssen, ich mich be- 
gnügen konnte mit glücklich in den drei erforderlichen 
Richtungen abgespalteten oder abgesprengten feinen 
Plättchen, welche in Mandelöltröpfchen gelegt, als mi- 
kroskopische Objecte sich brauchbar erwiesen. 

Übergehend zum Detail der Untersuchung sei vor- 
her bemerkt, dass unsere gegenwärtigen systematischen 
Bestimmungen und Benennungen von fossilen Stamm- 
resten, — bleiben wir zunächst nur bei den Conife- 
ren stehen — , auf mikroskopisch -morphologischem 
Wege, nach ihren Holztheilen allein, (die zugehörige 
Rinde ist sehr selten miterhalten) und natürlich basirt 



auf Analogie der entsprechenden Gewebe lebender 
Bauniarten, wohl sich häufig den Gruppen, Gattungen, 
einige wohl auch den Arten der letztern unterordnen 
und anschliessen lassen, sogar mit einigen derselben 
zuweilen identificirt worden sind, dass jedoch bei aller 
Analogie und scheinbaren Identität, der Mangel der 
Rinde an den fossilen Reste, derartige Bestimmungen 
mehr oder weniger problematisch und verfrüht erschei- 
nen lässt, den Besitz vollständigeren Materials erfor- 
derlich macht und eine vollständigere speci eller e Kennt- 
niss des Holzkörpers jetzt vegetirender Bäume zur 
Bedingung stellt. Wenn die auf dem bisherigen Wege 
erhaltenen Resultate, mitgetheilt durch kurze Diagno- 
sen, nicht von Detail-Abbildungen, Messungen und 
Zählungen an gewissen Elementartheilen der Gewebe 
begleitet werden, bei Bearbeitung neuen Marterials die 
Original-Exemplare früherer Bestimmungen nicht zur 
Ansicht vorliegen, so wird die Sicherheit im Wieder- 
erkennen oder in der Auffindung neuer constanter 
Differenzen in hohem Grade geschwächt, wenn nicht 
gar Beides unmöglich gemacht. Diese Unsicherheit 
und Unreife der botanischen Bestimmung fossiler Reste 
erreicht natürlich in denjenigen Fällen einen noch viel 
höheren Gràd, wo Theile wie Blätter, Bltithen und 
Früchte , nur auf makroskopisch - morphologischem 
Wege erkannt und bestimmt werden können. Nach 
dieser Vorbemerkung ist auch der Werth der Ergeb- 
nisse meiner früheren paläontologischen Untersuchun- 
gen sowie der hier folgenden zu beurtheilen. 

Unser verkieseltes Holz besteht aus den für die 
Coniferen charakteristischen Tracheiden mit getüpfel- 
tenr, in Längsreihen gestellten Poren, mit den Tra- 



— 6 — 

cheiden in derselben Längsrichtung verlaufenden ein 
fachen Harzgängen und aus sehr zahlreichen beide 
unter fast rechtem Winkel kreuzenden, einfachen Mark- 
strahlen. Ob in demselben noch ein viertes Gewebe- 
Element vorkommt, wenn auch nur sporadisch und 
mit den Tracheiden parallel, bleibt noch genauer zu 
ermitteln übrig. Die Tracheiden sind, bis auf die we- 
nigen der Herbstholz-Zone entsprechenden, dünnwan- 
dig, im Querschnitt polygonisch, meist 5 — 6 eckig, 
dagegen die Tracheiden des Herbstholzes sehr dick- 
wandig, im Querschnitt meist 4 -eckig und 5 — 6 Mal 
kleiner als die ersteren. Die Tüpfel der Tracheiden 
stehen auf den den Markstrahlzellen zugekehrten 
Wänden immer nur in einer Reihe, und nur auf den 
breitesten des Frühlingsholzes kommen dieselben stell- 
weise zu zweien neben einander vor, bilden auf kur- 
zen Strecken zwei Reihen. Sie berühren sich nicht, 
sondern stehen in ungleichen Abständen von einander 
entfernt, sind rund mit innerem fast rundlichem Pe- 
rus. Zuweilen lassen sich an diesen Tüpfeln 3 con- 
centrische Kreise unterscheiden. Auf den andern 
Wänden der Tracheiden kommen meist viel kleinere 
Tüpfel, unregelmässig gestellt, nicht spärlich vor. Auf 
dem Radius verschiedener JahresschicHten wurden 
8 — 17 Tracheiden, ihre ganze Dicke ausmachend, ge- 
zählt, von denen 4 — 7 den äussersten Theil (Herbst- 
holz) der Schicht bildeten. Einfache Harzgänge sind 
reichlich vorhanden und befinden sich vorzugsweise 
im Herbstholze. Sie erscheinen, wo sie am Deutlich- 
sten zu Gesicht kamen, kurzgegliedert, auf dem Quer- 
schnitt fast regelmässig 4-eckig, kleiner als die sie 
umgebenden Tracheiden, und ihr Inhalt, häufig in 



— 7 — 

Tropfenform, ist graugelblich gefärbt. Das Mark- 
strahlen-Parenchym ist sehr reichlich vertheilt, seine 
einzelnen Strahlen sind , wie bereits angegeben , an 
einzelnen Stellen im Frühlingsholze von der geradlini- 
gen Radialrichtung abgelenkt, zickzackförmig einge- 
knickt und ihnen entsprechend auch das von ihnen 
durchsetzte Holzprosenchym verquetscht, ein sehr ver- 
worrenes Maschwerk darstellend. Diese Verunstal- 
tung, an fossilen Hölzern nicht selten beobachtet, 
dürfte mächtigem Drucke während ihres durchweich- 
ten Zustandes zugeschrieben werden. Auch in den 
Zellen der Markstrahlen ist eine nicht selten Tropfen 
ähnlich geformte Masse zu erkennen, welche nach 
Analogie mit den jetzt lebenden Coniferen zu urthei- 
len, ursprünglich harzartiger Natur gewesen sein mag. 
Auf den Radialwänden dieser Zellen, die etwa der 
Breite von 2 — 3 Tracheiden mittlerer Grösse gleich- 
kommen, befinden sich sehr kleine nahezu elliptische 
Poren, zu 2 neben oder über einander gestellt auf die 
Breite einer schmalen, zu 4 im Rechteck stehend, auf 
die Breite einer breiten Tracheide. Die Höhe der ein- 
zelnen Markstrahlen variirt sehr bedeutend, von 2 — 
15 Zellen am Häufigsten, über 20 Zellen selten, 24 
Zellen hohe wurden nur ein Mal aufgefunden, ob noch 
höhere vorkommen, kann nur durch Vergleich vieler 
Präparate, aus verschiedenen Stellen des Holzes ge- 
nommen, entschieden werden. Was jenes oben als 
fraglich bezeichnete vierte histologische Element in 
diesem fossilen Holze betrifft, so giebt zur Annahme 
der Existenz desselben Veranlassung das Auftreten 
von im Frühlingsholze sichtbarer, mit weitem Lumen 
versehener, sehr dünnwandiger, gegliederter röhren- 



— 8 — 

förmiger Bildungen, deren Querdurchmesser den der 
breitesten Tracheiden bedeutend übertrifft, deren Wan- 
dungen keine besondere Structur zu besitzen scheinen, 
und die von einer fast durchsichtigen, reichlich durch 
Körnchen (?) punktirten Substanz erfüllt sind, welche 
vielleicht einstmals schleimiger • Beschaffenheit war, 
gegenwärtig Silicium -Masse ist. Sowol Vorkommen 
als Deutung dieser Bildungen , vielleicht nur sehr 
grosse, einfache Harz -bereitende Parenchymzellen- 
Reihen, ist mir auch jetzt nicht sicherer geworden. 
Erwähnt habe ich derselben schon in meinem Palaeo- 
dendrologikom rossicum Seite 61 und 62, auch daselbst 
auf Tab. XV Fig. 2 und 5 gezeichnet. Im Text ist 
leider fälschlich Tab. XX citirt worden. 

Durch die dargelegte mikroskopische Analyse wird 
diejenige Gruppe der Goniferen, zu welcher der Baum 
gehört, von dem unser verkieseltes Holzstück herrührt, 
mit einiger Sicherheit angezeigt. Weder die Gruppe 
der Abietineen, noch eine von den wenigen, nur vor- 
läufig zu den Cupressineen gezählten fossilen Gattun- 
gen, von denen bis jetzt in Russland Repräsentanten 
aufgefunden worden sind, können als Typus für unser 
Kieselholz angesehen werden. Alle anderen Gruppen, 
bis auf eine, stehen zu ihm durch die Structur ihrer 
Holztheile in entfernterer Verwandtschaft. Es nähert 
sich am meisten dem Typus jetzt lebender Gupressi- 
neefij und dürfte in die von mir als Juniperinium be- 
zeichnete Untergruppe und daselbst zur Gattung Gu- 
pressinoxylon am Passendsten zu stellen sein. Über 
den temporären Werth dieser Gattung habe ich. mich 
vor längerer Zeit (Palaeodendr, ross. p. 72 et seqq.) 
und noch vor Kurzem (Mikroskopische Untersuchung 



— 9 — 

einer Braunkohle vom Saissan-Sce, im Bulletin der 
Akad. Tome XL) ausführlicher ausgesprochen. Es 
stimmt unser fossiles Holz mit dem von mir beschrie- 
benen und abgebildeten Cupressinoxt/lon erraticum 
(Falaeodendr. ross. pag. 60. Tabb. XIV. XV.) bis auf 
scheinbar kleine Abweichungen, treffend überein, wess- 
halb ich auch nicht anstehe den hier beschriebenen 
Findling unter diesem Namen unter die Palaeo-Xylo- 
phyten Russlands aufzunehmen. 

Ein gleichfalls verkieseltes Holzstück derselben 
Baumart ist, wie ich vermuthe, von Herrn M. Kren- 
dow^sky aus dem geologischem Museum der Univer- 
sität Charkow beschrieben und mit Abbildungen be- 
gleitet worden {OnacaHie OKaMentjibixt AepoBseBT» co- 
ÖpaHHbixT) npeHMymecTBeHHO na wrt Poccia. I. CTp. 27. 
<^Hr. 9-^11. XapbKOBi> 1880), und soll aus der Ter- 
tiärformation im Saratowsch. Gouv. herstammen. So 
schätzenswerth es ist, dass der Wissenschaft, in Herrn 
Krendowsky, nach fast 25-jährigem Stillstande der 
Untersuchung Russischer fossiler Hölzer, ein neuer 
Bearbeiter derselben erwachsen ist, ebenso freudig 
berührt es mich, dass er in seinen bis jetzt erschiene- 
nen Arbeiten eine grössere Anzahl der von mir be- 
stimmten fossilen Arten von Neuem untersucht, wie- 
dererkannt, unter gleicher Benennung aufgenommen, 
und für dieselben die geologische Formation, in wel- 
cher sie aufgefunden, anzugeben im Stande ist. In Be- 
zug auf Cupressinoxylon erraticum sind dem genann- 
ten Verfasser an zweien fossilen Holzstücken, welche 
er unter dieser Benennung aufnimmt, einige Bedenken 
entstanden durch die in ihnen nie über 1 5 Zellen ho- 
hen Markstrahlen, die stets einreihigen Tüpfel und 

Mélanges biologiques. XII. 2 



1 



— 10 — 

die das Herbstholz bildenden, höchstens bis auf 8 im 
Radius vorkommenden Tracheiden. Da ich jedoch in 
der oben citirten Beschreibung dieser Species die 
Tüpfel als pori 1-rarius hiseriales^ die Höhe der Mark- 
strahlen als radii medulläres e cellulis 5 — 25, rarius 
25 — 35 bezeichnet habe, an dem gegenwärtig von mir 
untersuchten Holzstticke dieser Art meistens nur 2 — 
15 Zellen hohe Markstrahlen, und die Tüpfel nur 
sehr selten zu 2 nebeneinander auf den Tracheiden 
gefunden habe, im Übrigen jedoch eine grosse Über- 
einstimmung mit Gup^essinoxylon erraticum vor- 
herrscht, selbst bis auf jene eigenthümlichen röhren- 
artigen Bildungen, so bleibt nur als Unterschied der 
Krendowski'schen Exemplare von den meinigen 
seine Angabe (1. c. pag. 29) bestehen, dass an den 
seinigen im Holze nicht zahlreiche Markstrahlen vor- 
kommen sollen, an den meinigen von mir angegeben 
wird: radiis medullaribus creherrimis. Wie diese Dif- 
ferenz zu bemessen ist, kann nur durch Vergleich ung 
der im beiderseitigen Besitz befindlichen Exemplare 
dieses Namens entschieden werden. Einstweilen bin 
ich der Ansicht, dass Krendowsky seine Exemplare 
ganz passend unter der Bezeichnung Cupressinoxylon 
erraticum aufgeführt hat. 

Über einige andere Diiferenzen zwischen den von 
Krendowsky und mir mit gleicher Benennung be- 
zeichneten fossilen Hölzer aus den Gattungen Pinites 
und Cupressinoxylon bietet sich hoffentlich bald Ge- 
legenheit das zur Ausgleichung Nöthige zu bemerken, 
desgleichen auch über die von C. Schröter (Untersu- 
chung über fossile Hölzer aus der arctischen Zone. Zü- 
rich 1880) mit einigen im Palaeodendr. ross, beschrie- 



— 11 — 

benen gleichnamigen Holzarten. Endlich bleibt auch 
noch der Erörterung vorbehalten die von Dr. H. Con- 
wentz neu aufgestellte Gattung Bhi^ocupressinoxylon 
(in: Die fossilen Hölzer von Karlsdorf am Zobten, 
Danzig 1880), sowie auch die Beschreibung einiger 
Coniferenhölzer, welche von Joh. Felix in seinem 
Vortrage: Über die versteinerten Hölzer von Fran- 
kenberg in Sachsen (Sitzung vom 9. Mai 1882 der 
Naturforschenden Gesellschaft zu Leipzig, besonderer 
Abdruck Jahrg. 1882), und in seiner Inaugural-Dis- 
sertation: Studien über fossile Hölzer, Leipzig 1882, 
geliefert worden sind. 



(Tiré du Bulletin, T. XXIX, pag. 243—250.) 



20 Décembre 1883. 
1 Janvier 1834. 

Die telephonischen Erscheinungen am Herzen bei Vagus- 
reizung, Von N. Wedenski. 

(Aus dem physiologischen Laboratorium der St. Petersburger Univer- 
sität.) 

Von einem theoretischen Gesichtspunkte aus schien 
es mir von Interesse zu prüfen, ob der N. vagus nicht 
irgendwelche elektrische Erscheinungen im Muskel- 
system des Herzens hervorbringe. 

Die galvanometrischen Versuche am abgeleiteten 
Herzen des Frosches Messen bei dem Stillstande nach 
Vagusreizung nichts anderes wahrnehmen, wie ein Ver- 
schwinden jener Schwankungen des Herzstromes, wel- 
che die periodische Thätigkeit des Herzens begleiten. 
Ganz dasselbe beobachtete ich galvanometrisch auch 
bei einem Stillstande, der durch rasches Abkühlen 
oder Erwärmen des atropinisirten Herzens, d. h. wenn 
die Hemmungswirkungen des Vagus ausgeschlossen 
waren, hervorgebracht wurde. 

Nachdem ich ferner die telephonische Methode in 
dieser Richtung angewandt hatte, gelang es mir bei 



— 14 — 

der Vagusreizung folgende eigenthümliche Erschei- 
nungen wahrzunehmen. 

Leitet man den entblössten Herzventrikel eines 
Hundes durch zwei eingestochene Nadeln ^) zum Tele- 
phon (zwei für das binauriculare Hören angeordnete 
Telephone) ab, so hört man bei jeder Herzsystole ein 
kurzes und characteristisches Geräusch. Dasselbe 
scheint viel Aehnlichkeit mit- dem direct vermittelst 
des Ohres durch die Brustwand hörbaren ersten Herz- 
tone zu haben und trägt insofern nichts Neues zu der 
streitigen Frage bei, ob die Herzsystole als eine Zuk- 
kung oder als ein kurzer Tetanus betrachtet werden 
muss. 

Reizt man hingegen den N. vagus mit schwachen 
Strömen, welche die Pulsationen nur verlangsamen 
(ein gewöhnliches Schlitteninductorium bei massiger 
Reizfrequenz), so beobachtet man im Telephon eine 
Reihe von kurzen, mit den Herzperioden zu- 
sammenfallenden Tönen, deren Höhe derjeni- 
gen des Inductoriums entspricht. 

Diese telephonische Erscheinung kann ihrem ganzen 
Character nach für nichts anderes, als für einen Mus- 
kelton erklärt werden, und da die Höhe desselben mit 
der Frequenz der künstlichen Reizung stets zusam- 
menfällt, so könnte man diesen Muskelton noch mit 
dem Namen eines «künstlichen Herztones» bele- 
gen. Ich brauche kaum hinzuzufügen, dass der Ur- 
sprung dieser künstlichen und somit auch derjenige 



1) Diese einfache Ableitung ist für die telephonische Beobach- 
tung der raschen Wechselströme zulässig (We den ski. «Die tele- 
phonischen Erscheinungen am Muskel bei künstlichem und natür- 
lichem Tetanus». Archiv für (Anat. u.) Physiol. 1883. S. 213.) 



~ 15 — 

der natürlichen Herztöne, ebenso wie der telephoni- 
schen Muskeltöne überhaupt, in den Actionsströmen 
der Muskeln zu suchen ist. 

Wurde die Reizung verstärkt, so dass das Herz 
stillstand, so war während der, Ruhe Nichts Wahr- 
nehmbares zu constatiren. 

Nach der Atropineingabe (in die Vene), folglich nach 
der Lähmung der hemmenden Vagusfasern, brachte 
die Reizung bei jedem Grade der Stärke den perio- 
disch eintretenden und verschwindenden künstlichen 
Ton, und zwar in der reinsten Form hervor. 

Ist hingegen das Thier ziemlich stark mit Curare 
vergiftet, so dass der N. vagus keinen Herzstillstand 
mehr bewirkt, so bleiben die künstlichen Töne bei 
jeder Stromstärke aus und man nimmt jetzt nur die 
natürlichen Geräusche ohne jede merkliche Aen = 
derung wahr. 

Der letzte negative Erfolg mit den früher erwähnten 
positiven (am atropinisirten und normalen Herzen bei 
schwacher Reizung) zusammengestellt, deutet, wie mir 
scheint, sehr bestimmt darauf hin, dass man einigen 
Vagusfasern eine Art motorischer Wirkung 
auf das Herz zuschreiben muss. Zugleich damit 
müsste man annehmen, dass diese Fasern, der bekann- 
ten Eigenthümlichkeit ihres Endapparates (Herzmus- 
kels) gemäss, bei einer anhaltenden Erregung perio- 
disch wirksam und periodisch wirkungslos bleiben. Zu 
Gunsten dieser Meinung könnte ich einige Andeutun- 
gen aus den cardiographischen und manometrischen 
Untersuchungen (Schiff, Gianuzzi, Panum, Klug, 
Schmiedeberg, Heidenhain, Gaskel, Pawlow), 
anführen. 



— 16 — 

Von einer eingehenden Discussion dieses Gegen- 
standes, ebenso wie auch einiger anderen, in meinen 
Versuchen enthaltenen Hinweise (z. B. hinsichtlich 
der tetanischen Natur der Herzcontraction, inwiefern 
der künstliche Herzton doch gewiss ein Teta- 
nuston ist) werde ich jedoch einstweilen absehen, mir 
die specielle Beantwortung der Frage vorbehaltend. 



-o-oJ<>Jo«— «— 



(Tiré du Bulletin, T. XXIX, pag. 289—291.) 



24 Avril -oo>i 

Ober Kieselsäuremembran und geschichtete Myelin^ 
gebilde von A. Famintzin. 

Die Untersuchungen über Gebilde verfolgend, welche 
Üebergangsformen zwischen organisirten Körpern und 
den Krystallen darstellen, habe ich eine, ihren Eigen- 
schaften nach, der organisirten sehr nahe stehende 
Membran aus Kieselsäure erzeugt und die Bildung der 
Schichten an Myelingebilden studirt. 

Ich stellte die Kieselsäurememban in folgender Weise 
dar: ich Hess 50 CG. des käuflichen flüssigen Natron- 
glases in 5 CG, concentriter Salzsäure tropfenweise 
fallen und brachte die so erhaltene Lösung auf den 
Dialisator. Nach 48 Stunden waren sowohl das Chlor- 
natrium als die Salzsäure aus der Lösung fast spurlos 
verschwunden. Ich goss nun die Lösung in dünner 
Schicht auf Quecksilber, wo sie, der freiwilligen Ver- 
dunstung überlassen, zu einer glashellen, vollkommen 
durchsichtigen Membran erstarrte, deren Gonsisteuz, 
je nach dem Grade des Wasserverlustes, von der gela- 
tinösen bis zu der des Glases variirte. Die so erhal- 
tene Membran verkleinerte sich äusserst beträchtlich 
an der Luft-; ins Wasser gebracht, zeigte sie dagegen 
eine ganz deutliche Quellung (bis 5 pGt.), obwohl sie 

Mélanges biologiques. XII. 3 



— 18 — 

dabei bei Weitem ihre früheren Dimensionen nicht 
erreichte. Mittelst schwacher Kalilösung konnte ein 
viel grösseres Aufquellen hervorgerufen werden, nach 
welchem aber gewöhnlich eine vollständige Auflösung 
der Kieselsäure folgte. 

Die Kieselsäuremembran zeigte sich den organischen 
Gebilden, der Zellenmembran und den Stärkekörnern 
noch in den zwei folgenden Eigenschaften ähnlich: 

1) sie diosmirte wie eine pflanzliche Membran und 

2) verhielt sich gegen Fuchsin und Carminlösung der 
letzteren gleich, indem sie das Fuchsin mit Begierde 
einsog und sich damit intensiv färbte, gegen Carmin- 
lösung sich dagegen vollkommen indifferent verhielt. 

Demnach kann jetzt das Aufquellen im Wasser nicht 
mehr als den organisirten Gebilden allein gehörendes 
Kennzeichen angesehen werden ; aller Wahrscheinlich- 
keit nach ist es dagegen als eine allen colloidalen Kör- 
pern zugehörige Eigenschaft zu betrachten. 

Im Jahre 1869 hatte ich schon an den amylum- 
artigen Gebilden des kohlensauren Kalkes nachge- 
wiesen, dass ihre Schichten nicht durch Apposition, 
sondern durch Differenzirung der Substanz, nach voll- 
endetem Wachsthum, zu Stande komme. In jüngster 
Zeit hat Hansen dasselbe an anderen Sphärokry stall en 
beobachtet und dabei die Schichtenbildung als eine 
spätere wiederholte Krystallisation beim Erstarren der 
Sphärokry stalle gedeutet. 

Alle bis jetzt, über Schichtenbildung, angestellten 
Beobachtungen sind an solchen Substanzen gemacht 
worden, welche, als Sphärokry stalle, öfters eine mehr 
oder weniger ausgesprochene krystallinische Structur 
aufweisen und, unter Umständen, zu ausgebildeten 



— 19 — 

Krystallen heranwachsen können. Ich habe daher, in 
der letzten Zeit, Beobachtungen über Schichtenbil- 
dung an myelin artigen Gebilden angestellt und bei 
ihnen ebenfalls die Schichtenbildung nicht durch Ap- 
position, sondern durch Differenzirung ihrer Substanz 
beobachtet. Diese von Virchow entdeckten Gebilde 
sind von mehreren Forschern seitdem untersucht und 
abgebildet, die Art der Schichtenbildung ist bis jetzt 
aber noch von Niemandem untersucht worden. 

Diese Beobachtungen lassen sich indessen leicht an- 
stellen. Es genügt einen Tropfen käuflicher Oelsäure 
mit wässrigem Ammoniak zusammenzubringen um so- 
fort sowohl verschiedenartige cylindrische Auswüchse, 
als auch gesonderte Kugeln aus dem Oelsäuretropfen 
heraustreten zu lassen. An beiden Arten von Gebilden, 
welche anfänglich gewöhnlich ungeschichtet erscheinen, 
kann man Schritt für Schritt diese Schichtenbildung 
durch allmählige Zerklüftung in concentrische Lamellen 
verfolgen. Diese Schichten sehen denen der Zellen- 
membran und der Stärkekörner vollkommen ähnlich; 
sie können, je nach Umständen, lange Zeit unverän- 
dert bleiben, oder aber theilweise, manchmal sogar 
vollkommen, wieder in eine homogene Masse zusammen- 
fliessen. 

Die Schichtenbildung mittelst der Differenzirung 
einerseits der Sphärokrystalle, andererseits der zähen, 
halbflüssigen Myelinmassen bringt unwillkürlich auf 
den Gedanken, dass möglicherweise die Lamellen (im 
Sinne Strasburger's) der Zellenmembran und der 
Stärkekörner auf dieselbe Art entstehen. In der letz- 
ten Zeit wurde von mehreren Seiten auf die Schich- 
teubildung durch Apposition in der Zellenmembran 



— 20 — 

und den Stärkekörnern hingewiesen; dagegen liegen, 
meiner Ansicht nach, keine zuverlässige Beobach- 
tungen über Lamellenbildung vor. Es lohnt sich, den 
oben dargelegten Untersuchungen nach, nochmals in 
dieser Hinsicht die Zellenmembranbildung zu unter- 
suchen, und ich bin jetzt beschäftigt verschiedene 
stark verdickte Zellen darauf zu prüfen. 



(îiré du Bülleliu, T. XXIX, pag. 414-416.) 



^ Mai 1884. 

Beitrag zur Entwickelung der Scierenchymfasern von 
Nerium Oleander. Von A. Famintzin. 

(Mit einer Tafel.) 

Die letztens der Akademie über Schichtenbildung 
der amylumartigen Körper des kohlensauren Kalkes 
und der Myelingebilde eingereichte Notiz habe ich mit 
der Bemerkung geschlossen, dass den von mir erhal- 
tenen Resultaten zufolge es wohl der Mühe lohnt die 
Entwickelung der Zellwand an pflanzlichen Objecten 
nochmals einem eingehenden Studium zu unterwerfen; 
ich fügte hinzu, dass ich beschäftigt bin an einigen dick- 
wandigen Zellen zu prüfen ob nicht wenigstens die La- 
mellen (im Sinne Strasburger's) durch Spaltung der 
Membranschichten entstehen. 

Zwei Ansichten stehen sich wie bekannt schroif ge- 
genüber. Nach Nägeli, Hofmeister und Sachs soll 
die Zellmembran (und die Stärkekörner) durch Intus- 
susception in die Dicke wachsen ; die Schichten dage- 
gen durch Spaltung der zu einer gewissen Dicke ange- 
wachsenen Membran in Schichten von verschiedenem 

Mélanges biologiques. XII. 3* 



— 22 — 

Wassergehalte, vorgehen. Strasburger ^),Palladin^) 
wollen dagegen das Wachsthum durch Intussusception 
vollkommen streichen und behaupten, dass sowohl die 
Schichten, als auch die Lamellen durch Apposition ge- 
bildet werden. 

Eine vermittelnde Stellung wird von DippeP) ein- 
genommen, nach dessen Untersuchungen eine jede 
Schicht durch Apposition entsteht, in die Dicke da- 
gegen durch Intussusception wächst. lieber die Bil- 
dung der Lamellen spricht sich Dippel nirgends mit 
Bestimmtheit aus. 

Zum Gegenstande der Untersuchung habe ich die 
Sclerenchymfasern von Nerium Oleander gewählt, 
welche schon seit lange die Aufmerksamkeit der Bota- 
niker, durch die an ihnen scharf ausgeprägte Streifung, 
auf sich gelenkt haben. Es wurde zuerst von Nägel i*) 
ihnen eine grössere Aufmerksamkeit geschenkt, weil 
er in ihnen eine éclatante Bestätigung seiner Lehre von 
der Zusammensetzung der Membranschichten aus vier- 
seitigen Areolen von verschiedenem Wassergehalte zu 
sehen glaubte. 

Ich habe die Entwicklung der Membran dieser Scle- 
renchymfasern Schritt für Schritt verfolgt und will 
hier im Kurzen die erhaltenen Resultate mittheilen : In 
den zwei jüngsten Internodien ist die Membran der Scle- 
renchymfasern dünn und nur aus der primären Schicht 



1) Strasburger Ueb. d. Wachsthum u. d. Bau d. Zellhäute. 1882. 

2)najiJiaÄHHt BHjTpeHHeM-B CTpoeHin H cnocoo-fe yTOJimeniH 
KJitTO^Hoil o6o.io^KH H KpaxMajiBHaro sepna. 1883. 

3) Dippel. Die neuere Theorie über die feinere Structur der 
Zellhäute etc. 1878. 

4) Nägel i. Sitzungsb. d. kgl. bayer. Ak. d. Wissenschaft. 1864. 



— 23 — 

zusammengesetzt, wie es klar an der Fig. 1 zu sehen 
ist; die Mitte der Figur wird durch das Sclerenchym- 
faserbündel eingenommen ; die ihn umgebenden, mit p 
bezeichneten Zellen gehören dem Rindenparenchym an. 
Erst in dem dritten Internodium werden secundäre 
Schichten angelegt. Hier ist mir zum ersten Male der 
grosse Unterschied in der Dicke der Membran dieser 
Zellen aufgefallen, den sie darstellen je nach dem man 
sie auf Querschnitten, oder auf gelungenen Längs- 
schnitten beobachtet : auf Querschnitten erscheint die 
Membran, bis zum fast vollständigen Verschwinden 
des Zelllumens, verdickt (Fig. 2); sogar an solchen 
Internodien, in denen erst einzelne der Sclerenchym- 
faserzellen secundäre Schichten angesetzt hatten, sahen 
letztere stark verdickt aus (Fig. 6). Auf Längsschnitten 
dagegen, welche demselben Internodium entnommen 
wurden, und der ganzen Länge nach unversehrte Scle- 
renchymfasern enthielten, konnte man sich dagegen 
vergewissern, dass die secundäre Schicht eine verhält- 
nissmässig geringe Dicke besitzt, und dass der grösste 
Theil der Zelllumen vom protoplasmatischen Inhalte, 
in dem viele Zellenkerne zu sehen waren, eingenommen 
wird (Fig. 3 u. 4). Es leuchtet daraus ein, dass Quer- 
schnitte keine normale, sondern nur stark aufgequollene 
Bilder der Membran der Sclerenchymfasern darstellen 
und daher als unbrauchbar zu verwerfen sind. Bemer- 
kenswerth ist, dass die Sslerenhymfasern dasselbe auf- 
gequollene Ansehen gewähren, wenn man Querschnitte 
aus Nerium, ohne vorher mit Wasser zu benetzen, ins 
Glycerin oder Alkohol bringt. Die Verfertigung der 
Längsschnitte, welche äusserst dünn sein müssen und 
dabei mit undurchschnittenen Sclerenchymfasern ver- 



^ 24 •— 

sehen würden, ist äusserst lästig. Daher war es mir 
von grossem Nutzen, als ich ein Mittel fand diese 
Schwierigkeit zu umgehen. Es gelang mir ganz ähn- 
liche den auf gelungenen Längschnitten erhaltenen 
Bildern zu erlangen, als ich dicke, der Axe des Inter- 
nodiums parallele Blättchen in einer kalten Chromsäure- 
lösung einige Minuten lang maceriren Hess. Die Scle- 
renchjrmfasern konnten dann leicht mittelst Nadeln aus- 
einander genommen werden; dann wurde dieChromsäure 
vollkommen durch Wasser ausgewaschen und die iso- 
lirten Sclerenchj^mfasern in Glycerin aufbewahrt. Die 
so behandelten Screrenchymfasern zeigteii ein ganz nor- 
males Aussehen; ihr Inhalt, mit den Zellenkernen, war 
äusserst deutlich zu sehen und war nicht im Mindesten 
contrahirt (Fig. 3, 4 12). Die primäre Membran blieb 
dabei völlig intact, wie ich mich an macerirten Quer- 
schnitten überzeugen konnte. Es wurde durch die 
Chromsäurelösung nur ein vorübergehendes Erweichen 
der die Sclerenchymfasern verbindenden Zwischensub- 
stanz erzielt, denn es genügte das mit Chromsäure be- 
arbeitete Präparat einige Stunden lang im Wasser liegen 
zu lassen, um ihm seine frühere Festigkeit zu verleihen. 
Das Auseinanderzerren der Sclerenchymfasern gelang 
mir sogleich nach der Behandlung mit der Chromsäure- 
lösung, am Besten beim Zerfasern des Präparats in 
dieser Flüssigkeit. In dieser Weise sind alle unten zu 
beschreibenden Präparate erhalten worden. 

An einigen Sclerenchymfasern waren schon im 
dritten Internodium zwei secundäre Schichten zu un- 
terscheiden. Mit dem Alter des Internodiums wurde 
die Schichtenzahl grösser; ob sie durch Apposition oder 
Intussusception gebildet werden lasse ich dahingestellt; 



— 25 — 

es ist mir bis jetzt, wie ich weiter zeigen werde, mir 
gelungen die Heranbildung der Lamellen aufzuklären. 
Im vierten Internodium erscheinen die Sclerenchym- 
fasern bedeutender verdickt, als in dem dritten ; in ihrer 
Membran sind manchmal dennoch keine Schichten zu 
unterscheiden (Fig. 5), oder zwei (Fig. 7 u. 8) oder 
drei (Fig. 9); alle diese Zellen sind einem und dem- 
selben Internodium entnommen. 

Diese Sclerenchymfasern sind noch gänzlich von der 
Streifung entblöst, letztere erscheint gewöhnlich erst 
im fünften Internodium (Fig. 13); hier ist aber immer 
nur ein Streifensystem zu sehen, welches den äusseren 
Schichten gehört; die letzteren werden in spiralige, 
breite Bänder aufgelöst. In nächstfolgenden 6ten und 
7ten Internodien erscheinen diese breiten Spiralbänder 
in eine grosse Menge ganz enger Streifen gespalten 
(Fig. 11 a). Ausser diesem Streifensystem, welches aus 
Spiralbändern, die auf der dem Beschauer zugekehrten 
Seite, wie es schon Dippel angegeben hat, immer von 
der linken nach der rechten Seite hin nach unten ge- 
richtet sind, wird schon im fünften Internodium, eine 
dem Streifensj^stem innen anliegende Membranschicht 
sichtbar, die ihrer ganzen Länge nach mit einer grossen 
Menge von Querfalten bedeckt erscheint; es gewährt 
den Anblick, als ob diese Schicht aufquelle und, keinen 
genügenden Raum für ihre Ausbreitung vorfindend, 
sich in Querrunzeln zusammenfalte (Fig. 13 a). Diese 
Querfalten bleiben im 6ten, 7ten und theilweise auch 
im 8 ten Internodium noch erhalten und verschwinden 
gewöhnlich erst zur Zeit des Erscheinens des zweiten, 
inneren Streifungssystem, welches, wie es schon Dippel 
gezeigt hat, den innersten Verdickungsschichten eigen 

Mä'langos biologiques. XII. 4 






— 26 — 

ist ; es ist nach Innen von der mit Querrunzeln bedeckten 
Schicht gelegen. Nach dem Erscheinen des inneren 
Streifensystems 5 welches wie das äussere zuerst aus 
breiten Bändern besteht, welche sich erst später der 
Länge nach in eine grosse Menge schmaler spalten, 
verschwinden die Querfalten allmählich vollständig? so 
dass vollkommen entwickelte Sclerenchymfasern nur die 
bekannten zwei Streifungssysteme aufweisen (Fig. 10). 

Es hat also sich durch meine Untersuchung nicht 
nur die Angabe von Dip pel, dass die beiden Streifen- 
systeme verschiedenen Membranschichten gehören, be- 
stätigt, sondern es hat sich auch herausgestellt, dass 
sie zu verschiedenen Zeiten angelegt werden. Im Winter 
untersucht, zeigten die Intern odien, die sich im vorigen 
eJahre gebildet haben, mit nur einem Streifungssysteme 
versehen; erst mit dem Erwachen der Vegetation im 
Frühling konnte das Erscheinen des zweiten , inneren 
Streifen systems in dem ältesten der vorjährigen Inter- 
nodien constatirt werden; mit fortschreitender Vege- 
tation zeigte sich das zweite Streifensystem allmählich 
auch in den nächst oberen Internodien. In den von 
mir untersuchten Exemplaren von Nerium Oleander 
hatte sich also im ersten Jahre nur das äussere Streifen - 
system gebildet, das innere erst in der darauffolgenden 
Vegetationsperiode des nächsten Jahres. 

Die Schichten, deren Zahl bis auf 4 bis 5 sich steigern 
kann, sind anfangs ilirer ganzen Dicke nach solid und 
einförmig; die Lamellen erscheinen erst später in der 
Weise, dass eine Schicht in der Mitte ihrer Dicke auf- 
gelöst oder in der Art gelockert wird, dass man an der 
Stelle der Schicht gewöhnlich zwei, durch einen hellen 
Zwischenraum getrennte Lamellen erblickt (Fig. 10); 



— 27 — 

seltener wird eine Schicht in mehr als zwei Lamellen 
gespalten (wie in Fig. IIa und ß), wo aus einer Schicht 
3, mit der Zeit wahrscheinlich 4 Lamellen gebildet 
werden. Die Auflösung der Schichten in Lamellen ist 
besonders leicht an solchen Präparaten zu beobachten, 
in denen die Schichten stellenweise noch solid, stellen- 
weise aber schon in Lamellen aufgelöst erscheinen 
(Fig. 10, 11). Man sieht auch ganz klar an Schichten, 
deren jede sich nur in zwei Lamellen gespalten hat, 
dass kein sichtbares Aufquellen dabei stattfindet, da 
die Entfernung der äusseren Ränder der beiden La- 
mellen der Breite der soliden Schicht meistentheils 
entspricht (Fig. 10). Da die Lamellen in den Scleren- 
chymfasern erst in fortgeschrittenen Entwickelungs- 
stadien an der Stelle der Anfangs soliden Verdickungs- 
schichten erscheinen, so unterliegt es, meiner Ansicht 
nach, mehr keinem Zweifel, dass in den Sclerenchym- 
fasern von Nerium Oleander die Lamellen nicht 
durch Apposition, sondern durch Spaltung der 
Vcrdickungsschichten gebildet werden. 

Was die Entstehung und die Heranbildung der 
Schichten anbetrifft, so will ich diese Frage als noch 
streitig betrachten; ich will aber doch hier schon be- 
merken, dass ich dennoch geneigt bin dasDickenwachs- 
thum einer jeden secundären Schicht, welche es bis zur 
Spaltung in Lamellen aufweist, nicht durch Intussus- 
ception, sondern mittelst Apposition neuer Moleküle 
auf der Innenseite der älteren erklären; es scheint 
mir die Annahme des Dickenwachsthums durch Intus- 
susception sehr gewagt zu sein und zwar aus denselben 
Gründen, die ichfürdieEiweisskrystalloide in meiner Ab- 
handlung über Krystalle und Krystallite angeführt habe. 



— 28 — 

Zum Sclilusse will ich in wenigen Worten meine An- 
sichten über das Dickenwachsthum der Zellmembran 
kurz zusammenfassen : 1) jede Verdickungsschicht 
wächst in die Dicke durch Apposition, indem neueCel- 
lulusemoleküle der inneren Fläche der Schicht sich an- 
setzen; 2) die Lamellen entstehen durch Spaltung der 
Schichten; 3) über die Art des Entstehens einer jeden 
secundären Schicht, ob durch Spaltung einer älteren 
früheren, oder durch Apposition bin ich nicht im Stande 
Bestimmtes auszusprechen. 

ErkläruDg der Abbildungen von IVerium Oleander. 

Fig. 1. Querschnitt durch einen Sclerenchymfaser- 
bündel des zweiten Internodiums, wo die letzteren nur 
eine primäre Membran besitzen. Die mit p bezeich- 
neten Zellen gehören dem Rindenparenchym an. 

Fig. 2. Querschnitt eines Sclerenchymfaserbündels 
aus dem dritten Internodium; die angelegten secun- 
dären Schichten erscheinen gequollen und nehmen fast 
den ganzen Zellraum ein. 

Fig. 3 und 4. Sclerenchymfasern aus dem dritten 
Internodium, durch Maceration in Chromsäure isolirt; 
man sieht in ihnen den nichtcontrahirten Inhalt und die 
Zellkerne. 

Fig. 5, 7, 8, 9. Sclerenchymfasern aus dem vierten 
Internodium. 

Fig. 6. Eine Sclerenchymfaser aus dem zweiten In- 
ternodium quer durchschnitten , aus einem Bündel, wo 
nur wenige Fasern eine secundäre Schicht angelegt 
haben. 

Fig. 10. Halbschematische Abbildung einer mit 



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— 29 — 

zwei Streifciisystemen und Lamellen versehenen Scle- 
renchymfaser aus dem achten Internodium ; im oberen 
Theile sind nur die beiden Streifensysteme, im unteren 
nur der optische Durchschnitt der in Lamellen sich 
spaltenden Schichten abgebildet. 

Fig. IIa. Eine Sclerenchymfaser aus dem sechsten 
Liternodium; man sieht an ihr ein Streifensystem, die 
gefaltete Membran im unteren Theile der Zeichnung; 
in dem oberen ist der Zellinhalt (a) und die theilweise 
in Lamellen sich spaltenden Schichten (5, c, c d[ d) ab- 
gebildet. 

Fig. 1 1 ß stellt die linke Seite der vorigen Zeichnung 
stärker vergrössert, um die Details klarer sehen zu 
lassen. 

Fig. 12. Sclerenchymfaserenden aus dem dritten 
Liternodium. 

Fig. 13. Eine Sslerenchymfaser aus dem fünften 
luternodium; man sieht das einzige äussere Streifen- 
system aus noch breiten Bändern bestehend und da- 
runter die gefaltete Schicht; im oberen Theile sind die 
Schichten im optischen Durchschnitte dargestellt. 



(Tiré du BuUetiu, T. XXIX, pag. 416—422.) 



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■«^4^ 1884. 

9 September 

Naturhistorische Beobachtungen und Fahrten im Lena- 
Delta. Von Dr. Alex. Bunge. Aus Briefen an den 
Akademiker L. v. Schrenck. 

Sagastyr, den 18. (30.) März 1884. 

1. Zoologische IVachricIiten ans dem LenoDelta^). 

Von Säugethieren habo ich zu dem, was ich im ver= 
gangenen Jahre geschrieben, im Ganzen wenig hinzn= 
zufügen. 

Lemminge wurden mir im Laufe des Frühjahres 
1883, sowie in diesem Jahre mehrfach zugetragen; im 
Ganzen sind sie nicht häufig. ImWinter(Januar — Mai) 
sah man nur selten Spuren von ihnen, und auch im 
Sommer traf ich sie nicht häufig an. Dass sie aber im 
Winter unter dem Schnee, namentlich wo sich stärkere 
Ansammlungen finden, ihr Wesen trieben, glaube ich 
aus dem Gebahren unseres Hundes schliessen zu kön- 



1) Die von Hrn. Dr. Bunge in diesem Abschnitt seines Berichtes 
mitgetheilten Beobachtungen schliessen sich unmittelbar an diejeni- 
gen an, welche er uns im vorigen Jahre von Sagastyr zukommen 
Hess und die unter dem Titel: «Naturhistorische Nachrichten ans 
der Polarstation an der Lena -Mündung» im Bulletin de l'Aca- 
démie (T. XXYIIT, p. 517 — 549; Mélanges binlog. tirés du Bull. 
T. XI, p, 581— 622). veröffentlicht worden sind. Sehr. 



— 32 — 

nen, welcher, nachdem er einige Zeit gehorcht, sehr 
graciöse, aber zugleich höchst lächerliche Sprünge auf 
dem Schnee ausführte, in denen man die Absicht er- 
kennen konnte, die harte Schneeschicht zu durch- 
brechen; ich konnte, auch wenn ich mich auf den 
Schnee hinlegte, nichts vernehmen. Sehr auffallend 
erschien es mir, dass ich, z. B. im Februar dieses wie 
des vergangenen Jahres, gleichzeitig Exemplare mit 
Winterfell und solche mit dem schönen Sommerfell, 
in welchem sie gleichfalls bei M id den dor ff abgebil- 
det sind, erhielt. Die ersteren hatten die monströse 
Krallenbildung, bei den letzteren fehlte sie vollkom- 
men; ob es sich um verschiedene Species handelt, habe 
ich nicht einmal zu entscheiden versucht, doch wird 
es nicht schwer fallen, aus dem von mir gesammelten 
Material darüber in's Klare zu kommen. Die Exem- 
plare mit Winterfell waren häufig fast ganz weiss, zeig- 
ten nur eine leicht bräunliche Färbung der Ohr- 
gegend und einen ganz schwachen , schwärzlichen 
Rtickenstreifen. Wenn ich zu solchen Thieren mit 
monströser Krallenbildung — ich erhielt einige lebende 
— ein grosses Stück harten Schnees in den Behälter 
legte, so arbeiteten sie sich mit bewundernswerther 
Geschwindigkeit vermöge ihrer Krallen durch den- 
selben durch, indem sie einen Kanal ausmeisselten, 
durch welchen sie gerade durchpassten. Das dabei 
verursachte Geräusch ist ein vollkommen gleichmässi- 
ges, gleich dem beim Drechseln eines nicht zu harten 
Stoffes wahrgenommenen; die einzelnen Schläge der 
Pfoten hört man nicht, so rasch folgen sie aufeinander. 
Die Thiere sind sehr böse und vertheidigen sich un- 
ter lautem schrillen Quieken lebhaft mit den Kral- 



— 33 - 

len der Vorderpfoten, indem sie sich anf die Hinter- 
beine setzen (wobei sie einen sehr würdigen, aber zu- 
gleich komischen Anblick gewähren), und mit den 
Zähnen. Ungestraft macht sich ein Hund selten an 
einen Lemming, wenn auch der Kampf immer nur ein 
sehr kurzer ist; einen Biss in die Lippe erhält er 
jedenfalls. 

Am 18. (30.) August sah ich auf der Insel Stolbowoi, 
in der Lena-Mündung, einen Hasen (Lepiis variabilis); 
er verschwand mir aber, ehe ich etwas unternehmen 
konnte, um seiner habhaft zu werden, aus dem Ge- 
sicht, und ich konnte ihn trotz längeren Suchens nicht 
mehr auf diesem, freilich nicht ganz kleinen Felsblock 
finden. Ich erfuhr bei dieser Gelegenheit, dass Hasen 
nicht ganz selten auf den Deltainseln angetroffen wer- 
den. Aus Bulun erhielt ich einen Schädel zugesandt. 
Die Jakuten des Delta benutzen das Fell der Pfoten, 
nachdem sie es mit Ellernrinde braun gefärbt, zur 
Verzierung der Fellkleider der Frauen. 

Noch über einen dritten Nager, wohl den interessan- 
testen, will ich einige Worte hinzufügen, nämlich über 
den Tarbagân {Arctomys — ich kann eben nicht ein- 
mal die Species hinzuschreiben). Am 17. (29.) Au- 
gust 1883 sah ich einen etwa 30 Werst östlich von 
der Lena-Mündung; er sass auf den Hinterpfoten vor 
seiner Höhle, in welcher er, ehe ich noch einen Schuss 
auf ihn abgeben konnte, verschwand. Sein Lockton 
besteht in einem schrillen, lauten Pfeifen, in kurzen 
Pausen wiederholt. Vergebens bemühten wir uns, ihn 
durch Räuchern aus seinem sicheren Felsloch, in wel- 
chem wir ihn, gar nicht tief unter der Oberfläche, 
wüthend fauchen hörten, herauszutreiben. Der Ver- 

AIelang63 biologiques. XII. 5 



— 34 — 

breitungsbezirk dieses Thieres geht also bis an's Eis- 
meer, wenn wir das Delta als Inseln auffassen, bis fast 
7272° n. B. ! Das Interessante und Räthselhafte des 
Winterschlafes erreicht bei diesem Thiere seinen Höhe- 
punkt. Wie mich Jakuten an der Lena versicherten, 
kommt der Tarbagân im Frühling erst dann zum Vor- 
schein, wenn der Schnee geschwunden ist, also Ende 
Mai oder Anfang Juni (a. St.), und nach dem ersten 
Schnee im Herbst, ungefähr Mitte, wohl auch An- 
fang September (a. St.), findet man keine Spuren mehr 
von ihm. Nur 3 oder — hoch gerechnet — sy^ Mo- 
nate frisst und bewegt sich das Thier, die übrigen 
SYg — 9 Monate liegt es in ewig gefrorenem Boden, 
der in den Monaten November bis April eine Tem- 
peratur zwischen — 20 und — 30° C. besitzt, ja viel- 
leicht eine noch niedrigere, da wir annehmen müssen, 
dass der Stein, als besserer Wärmeleiter, schneller als 
Erde oder Sand die Temperatur der Luft annimmt, 
und hier bei uns beträgt die Temperatur in 40 Cm. 
Tiefe im Winter (November bis April) zwischen — 20 
und — 30° C. und darüber, in 160 Cm. jetzt (Februar) 
— 20°2 C; die Höhle schien, wie gesagt, nicht tief 
zu sein. 

Die wilden Schafe habe ich im Jahre 1883 wieder- 
gesehen am 17. und 18. (29. und 30.) August, aber 
leider eben nur gesehen. Ich traf sie auf der nach Norden 
vorspringenden, äussersten Spitze des rechten Lena- 
Ufers, gegenüber der Insel Stolbowoi, wo sie nicht sel- 
ten sein sollen. Ich will auf sie in meinem Bericht 
über die Fahrt nach Cap Bykow zurückkommen. Aus 
Bulun erhielt ich einen Schädel, offenbar von einem 
jungen Weibchen, zugeschickt. Neuerdings habe ich 



— 35 — 

erfahren, class ein Tungiisen-Starosta (Ältester) zwei 
Tliiere für mich erlegt hat; dieselben seien bereits 
nach Bulun abgeschickt. Hoffentlich erhalte ich sie 
bald, um sie präpariren zu können ; ich möchte beide 
Felle und wenigstens ein Rohskelet aufbewahren. 

Rennthiere zeigten sich auf der Insel Sagastyr 
im vorigen Frühjahr zum ersten Mal am 22. März 
(3. April) und wurden von da ab häufig gesehen. Über 
die Art und Richtung ihrer Wanderung habe ich nichts 
erfahren können. Im Sommer werden sie im Delta von 
den Jakuten beim Durchschwimmen der Stromarme 
erlegt (ein sehr aufregender Anblick!); sie schwimmen 
vortrefflich, mehrere Werst weit. Auf nähere Mitthei- 
lungen über die Jagd etc. muss ich bei den engen 
Grenzen, die ich mir bei Abfassung des vorliegenden 
Berichts zu stellen genöthigt war, verzichten. 

Der Delphin, von welchem ich im vergangenen 
Jahre schrieb , erwies sich als Delphinapterus leucas 
(jakutisch: helpgd, ö'^jihiri). Am 5. (17.) Juli erschie- 
nen sie in grosser Zahl im Fluss bei der Insel Sagas- 
tyr; allenthalben sah man die gewaltigen weissen Lei- 
ber in schwungvoller Bewegung über der Oberfläche 
des Wassers erscheinen und wieder verschwinden. Ehe 
wir noch ein Boot ausrüsteten (wir beabsichtigten sie 
zu schiessen), waren sie bereits zum Meere zurück- 
gekehrt. Am 7. (19.) Juli Morgens hat Hr. Jürgens 
sie oberhalb des Dorfes Ketach beobachtet. 

Vom «schwarzen» Eisfuchs, wie ihn die Jakuten 
nennen, habe ich ein Exemplar gesehen; das Thier 
war im November gefangen, mausgrau. Sein Fell wird 
vier Mal theurer bezahlt als das eines gewöhnlichen, 
w^eissen Eisfuchses (1 — V/^ Hub., also 4—6 Rub.). 



— 36 — 

Das Fell, das ich sah, war in so schlechtem Zustande, 
dass es sich nicht lohnte es aufzubewahren; ich habe 
nur das Kopfstück behalten. 

Seit einiger Zeit sind wir im Besitz eines leben- 
den kleinen Eisbären; die Jakuten hatten wieder ein 
altes Weibchen erlegt ^) , das mit dem Jungen sich 
noch in der Winterhöhle befand. Letzteres wurde uns 
schwer verwundet gebracht, erholt sich aber gut und 
fängt bereits an uns durch seinen jugendlichen Über- 
muth und beständig wachsenden Appetit lästig zu wer- 
den, so dass wir es nicht länger im Zimmer werden 
halten können, wo es uns viel Spass machte. 

Bevor ich zur Aufzählung der von mir beobachteten 
Vögel schreite, will ich Ihnen in kurzen Worten über 
den Eintritt des Frühlings referiren, da die Ankunft 
der Yögel damit so innig verknüpft ist. 

Die Durchschnittstemperaturen der Frühlingsmo- 
nate auf Sagastyr sind Ihnen aus den übersandten meteo- 
rologischen Tabellen bekannt: März — 31°5, April 
,— 20?7, Mai — 8?! und Juni -*- 0°89 C. (Alles n. St.). 
Eine Temperatur über 0° wurde zum ersten Mal am 
Morgen des 1 6. (28.) Mai (nach 250 Tagen !) abgelesen, 
und an diesem Tage wurden Zugvögel (Gänse, Möven), 
bis dahin nur vereinzelt, in grösserer Menge beobach- 
tet. Nach diesem Tage fiel aber die Temperatur noch un- 



2) In einem früheren Briefe, vom 11. (23.) November 1883, schrieb 
uns Dr. Bunge, dass ihm die Jakuten am Tage seiner Rückkehr von 
Bulun nach Sagastyr (7. Nov.) eine grosse alte Bärin brachten, die 
sie 40 Werst vom letztgenannten Orte erlegt hatten und von welcher 
er ausser dem Schädel zwei schöne, 5 Cm. lange Embryonen erhielt, 
die er, nachdem sie zuerst in Chromsäure gehärtet worden, in Wein- 
geist aufbewahrt. Sehr. 



— 37 — 

tor — lO^C, und häufig herrschte arger Schneostnrm, 
gegen welchen ich öfters Tringa- Arten und andere 
Strandläiifer ankämpfen sah. Einen traurigen, unge- 
wohnten Anblick gewährte eine Schaar von Tringa 
alpina (?) , die bei einer Temperatur von mehreren 
Graden unter 0° im Schnee sass; ehe ich mich ihnen 
nähern konnte, flogen sie in der Richtung SO weiter. 
Trat schlechtes Wetter ein, so verschwanden alle 
Vögel vollständig, um, sobald es erträglicher wurde, 
wieder zu erscheinen. Was ich Ihnen im vergangenen 
Jahr über eine hier etwa zu beobachtende Zugrichtung 
geschrieben , hat sich , denke ich , bestätigt. Das nie- 
drige Hin - und Herstreichen der Vögel in den ver- 
schiedensten Eichtungen hat mit der Richtung des 
Zuges nichts zu thun. Dass häufig die Flugrichtung 
N — S beobachtet wurde, hat darin seinen Grund, dass 
die Vögel von der südlich gelegenen Insel Ketach 
über den von W — verlaufenden Strom nach Sagas- 
tyr flogen , um eben hierher zu gelangen ; anderer- 
seits ist die Flugrichtung — W durch den Strom 
bedingt, an dessen offenes Wasser und höheres Ufer 
sie sich hielten. Nur einige Male sah ich Vögel hoch 
in der Luft , in Keilform angeordnet {Tringa alpina^ 
suharquata) oder in kleinen Schwärmen {Harelda gla- 
Cialis^ dispar)^ von OSO nach WNW ziehen; Harelda 
glacialis aber auch in derselben Art genau von N nach 
S (bei gutem Wetter !). Das sind die einzigen Angaben, 
die ich in Betrefi" der Zugrichtung machen kann. 

Die Schneedecke war zu jener Zeit häufig dicker 
als im Winter, ja es konnte eigentlich nur dann von 
einer solchen die Rede sein, weil im Winter allent- 
halben das Moos der Tundra zu sehen ist, damals aber 



— 38 — 

in Folge mehrfacher Schneefälle bei stillem Wetter 
sich eine wirkliche Schneedecke gebildet hatte ; sobald 
aber die Sonne ein wenig wirken konnte, erschienen 
in der Tundra sogleich schneefreie Stellen. 

Am 25. Mai (6. Juni) konnten die ersten Veränderun- 
gen im Fluss wahrgenommen werden ; in der Nacht vom 
24. auf den 25. Mai stellte sich im Fluss, statt des bis- 
herigen salzigen Wassers, süsses ein ; das specifische Ge- 
wicht desselben fiel plötzlich von circa 1 ,01 6 auf 1 ,002. 
Der Salzgehalt des Wassers im Flusse hatte seit dem 
Herbst beständig und allmählich zugenommen ; das spe- 
cifische Gewicht desWassers war von ungefähr 1,0 00 (bei 
-f- 13° R.) auf 1,016 — 1,020 gestiegen (es wechselte, 
je nachdem Ebbe oder Fluth herrschte), offenbar in 
Folge dessen, dass die Stromarme des Delta bei ihrer 
Einmündung in dasselbe ganz oder fast bis auf den Grund 
zufrieren. Die Dicke des Eises erreichte 6 Fuss. Die 
Wassermasse der Lena, die ja im Winter geringer ist, 
findet ihren Ausweg durch einige wenige Arme, haupt- 
sächlich wohl durch den beim Gap Bykow mündenden 
(Bykowskaja Protoka). Gleichzeitig mit jener Abnahme 
des specifischen Gewichts des Wassers konnte ein 
Steigen desselben constatirt werden, welches sich in 
einer Hebung des Eises bemerkbar machte, ohne dass 
das letztere barst. Etwa 30 Schritt vom Ufer erhob 
sich das Eis kuppelartig, so dass man wie auf einen 
kleinen Hügel hinanging. Die Partie, wo das Eis sich 
nicht gehoben hatte, entsprach den flachen Stellen, wo 
das Eis bis auf den Grund reichte und mit diesem fest 
verbacken war; auffallend war die Zähigkeit undElasti- 
cität dieser dicken Eisschicht. Das Wasser war unge- 
fähr um 2' gestiegen. Am 27. Mai (8. Juni) meldeten 



— 39 — 

uns Jakuten: «das Wasser kommt», und in der That 
konnten wir vom Dache der Station südlich vom Dorfe 
Ketach dunkele Stellen auf dem Flusse bemerken, von 
welchen sich kleine Nebelwolken erhoben. In der Nacht 
vom 27. auf den 28. Mai barst das Eis auf dem der Sta- 
tion gegenüberliegenden Ufer, Wasser trat aufs Eis und 
Möven stellten sich in grosser Zahl ein. Endlich brach 
am Vormittag den 28. Mai (9. Juni) auch bei der Sta- 
tion das Eis und das Wasser sprudelte stark aus dem 
entstandenen, dem Ufer parallelen Riss hervor, das 
nicht gehobene Eis und allmählich auch niedrige Par- 
tien der Insel überfluthend. Mit dem Wasser wurde eine 
grosse Menge Fische hervorgespült (wir sammelten in 
kurzer Zeit über zwei Pud ein!), die starke Sugilla- 
tionen zeigten. Hatten sie diese erhalten , während 
sie durch den Riss getrieben wurden , oder kann der 
Druck, dem sie unter dem Eise ausgesetzt waren (ich 
denke derselbe muss ein sehr bedeutender sein!), als 
hinreichende Ursache zur Entstehung derselben ange- 
sehen werden? Das Wasser stieg nun täglich langsam 
fort, immer grössere Theile der Insel, wo sie niedrig 
ist, überschwemmend, und erreichte eine Höhe von 
ungefähr 5 — 6' über dem gewöhnlichen Stande (ge- 
nauere Messungen konnten damals aus verschiedenen 
Gründen nicht angestellt werden). Die gehobene Eis- 
decke in der Mitte des Stromes blieb stehen und wurde, 
erst allmählich mürbe gemacht, durch die Wellen des 
umgebenden Wassers zerschlagen. Am 12. (24.) Juni 
war eine starke Bewegung im Eise zu bemerken, am 
13. (25.) Juni zerschlug ein frischer Südost die letzten 
Eisreste. Unterdessen war auch der Schnee in der 
Tundra vollständig geschwunden. 



.>F"fi 



— 40 — 

Am 17. (29.) Mai fing ich das erste Insect, eine 
kleine Diptère, und am 2.(14.) Juni sah ich die ersten 
Poduren in einer Schneespur; ich hatte mich früher 
vergebens nach ihnen umgesehen. Da ich hier eben 
bei den Insecten bin, so möchte ich gleich Alles, was 
ich von ihnen zu sagen habe, einschalten; es ist nicht 
viel. Ausser jenem Bombjxiden, von welchem ich Ihnen 
im vorigen Jahre schrieb, habe ich weder im Delta, 
noch am Festlande irgend eine Lépidoptère gesehen. 
Von dem erwähnten Bombyciden habe ich einige Exem- 
plare aus Puppen erhalten können, die im Frühling häu- 
fig (in Cocons) auf dem Moose zu finden waren; die mei- 
sten waren jedoch von Schlupfwespen angestochen. Von 
Coleopteren habe ich einige Carabiden und Halbflüg- 
1er einsammeln können. Hymenopteren waren imsüd 
liehen Theile des Delta — auf Sagastyr habe ich keine 
bemerkt — und am Cap Bykow, wenn die Sonne schien, 
häufig zu sehen, aber des heftigen Windes wegen gar 
nicht zu fangen; nur einmal gelang es mir einer Hum- 
mel habhaft zu werden, aber auch sie ging mir ver- 
loren. Die Mücken, die im südlichen Theile des Delta 
zur Plage werden, wie sowohl Hr. Jürgens im Juni 
als auch ich im August erfahren haben, kommen auf 
Sagastyr gar nicht zur Geltung : Kälte und heftiger 
Wind fesseln sie an den Boden, wo man sie, nament- 
lich an geschützten Orten, häufig in grosser Zahl eine 
elende Existenz fristen sieht. (NB. Pediculus vestimenti 
ist im Sommer keine Seltenheit, besonders wenn man 
nrit Autochthonen zu thun hat.) So viel über die In- 
secten. Von Süsswasser- Crustaceen habe ich in 
den kleinen Seen der Insel Sagastyr fünf Arten erhal- 
ten können und endlich im Meere an der Nordküste 



— 41 — 

unserer Insel einige -Exemplare von Idofhea entomon 
gefangen; das Wasser war damals dort vollkommen 
süss. Ich habe sie auch später in den Stromarmen des 
Delta, sogar ganz in der Nähe der Insel Stolbowoi (in 
der Lena-Mündung), wieder angetroffen. 

Am 17. (29.) Juni fand ich die ersten blühenden 
'PÛ8inzen{Chrysosplenium, Dr aM, Rhododendron [?]), und 
damit hatte der Sommer seinen Anfang genommen. 
Bald war die Tundra an einzelnen Stellen bedeckt mit 
blühenden Pflanzen, so dass man sich in einen Garten 
versetzt glaubte. Schön darf man sich aber den Sommer 
hier nicht vorstellen: fast beständiger starker Wind 
stört jede Beobachtung, die Augen thränen, feiner 
Sand wird vom Winde schmerzhaft in's Gesicht ge- 
trieben, leichtere Gegenstände werden einem aus der 
Hand gerissen und über die Tundra fortgeführt, und 
oft haben mir beim Botanisiren die Hände ärger ge- 
froren, als im Winter. 

In den ersten Tagen des Juli (a. St.) wird es still 
in der Tundra, d. h. man sieht fast gar keine Yögel, 
Alles brütet oder mausert; nur Möven, Làrus argen- 
tatus,glaucus und canus, seltner ein Schwärm von-S'om- 
materia spectahilis oder Phalaropus rufescens lassen 
sich sehen; PlectropJianes nivalis und eine kleine Em- 
beriza findet man allenthalben, und die Colymhi lassen 
ihre vielfachen Laute hören. 

Im Nachfolgenden will ich nun die von mir beob- 
achteten Vögel in chronologischer Reihenfolge, d. h. 
in derjenigen, in welcher ich sie beobachtet, aufzählen 
und bei jedem gleich hinzufügen, was ich im Laufe des 
Sommers über denselben habe erfahren können. Die 
im Delta gebräuchlichen jakutischen Namen füge ich 

Mélanges biologiques. XII. 6 



— 42 — 

hinzu. Viele derselben stimmen mit den von Midden- 
dorff in anderen Gegenden erkundeten vollkommen 
oder fast überein; andere sind offenbar onomatopoetisch 
gebildet, nach den Lauten, die die Vögel hauptsäch- 
lich von sich geben {kolit^ tschorit^ tschitgujük); noch 
andere sind dem Russischen entnommen. 
1. Lagopus albus (jak. kurpässjka, an der Lena cha- 
rekapH; letztere Bezeichnung für Lag. alpinus?). 
Wie ich bereits im vorigen Jahre schrieb, bleibt 
dieser Vogel während der dunklen Zeit nicht hier 
(ich sprach damals irrthümlicher Weise von Lagop. 
alpinus) j sondern zieht sich in die Berge und bewal- 
deten Gegenden zurück. Im vorigen Jahre sah ich 
ihn zum ersten Mal am 5 . (1 7.) Januar, also noch vor 
Wiederkehr der Sonne, und von da ab häufig. In die- 
sem Jahre erschienen die ersten Schneehühner spä- 
ter, wenigstens konnte ich am 9. (21.) Januar an 
den Lieblingsplätzen der Thiere keine Spuren fin- 
den; erst am 28. Januar (9. Februar), nach einer 
längeren stürmischen Zeit, fand ich Spuren und den 
Vogel selbst. Am 7. (19.) April 1883 wurde mir 
ein Männchen gebracht, das bereits Spuren begin- 
nender Federung zeigte: am Halse brachen braune 
Federn durch, und etwas später, am 30. April (1 2. 
Mai), am 4. (16.) Mai, sah man sie häufig in der 
Frühlingstracht: Kopf und Hals braun, im Übri- 
gen weiss, während die Weibchen noch ganz weiss 
waren. Am 29. Mai (10. Juni), wo ich 5 Exem- 
plare schoss, waren die Weibchen schon recht 
bunt. Das Männchen traf ich in der Frühlingstracht 
noch am 20. Juni(2. Juli). Am 7.(19.) Mai waren 
sie in vollem Balzen. Am 23. Juni (5. Juli) wurden 



— 43 ~ 

mir 5 Eier gebraclit. Am G. (18.) Juli fand ich ein 
Nest mit 11 (!) Eiern (ich hatte von den Jakuten 
gehört, dass mehr als 7 nie vorkämen!). Am 16. 
(28.) Juli erhielt ich zwei noch nicht Mgge Junge, 
und am 25. Juli (6. August) fand ich eine Kette 
mit recht grossen Jungen (etwas grösser als eine 
Wachtel); im Kropf der Thiere fand ich nur 
Mücken. Im Winter ist der Kropf strotzend mit 
Weidenknospen gefüllt. (5 Bälge, <S und juv.) 

2. Falco gyrfalco? (jak. hont), möglicherweise F. can- 
dicans (Balg vorhanden). Im Frühling 1883 erhielt 
ich ein junges Weibchen, das ein Jakute in der Eis- 
fuchsfalle gefunden; wahrscheinlich war es bereits 
im Herbst hineingerathen. Auch einen 

3. Falco peregrinus (jak. muksogôl), der auf dieselbe 
Weise umgekommen war, erhielt ich, und, nach dem 
abgeschlissenen Gefieder zu urtheilen, glaube ich 
annehmen zu dürfen, dass es unser zahmer Falke 
war, von welchem ich Ihnen in meinem vorigen 
Bericht schrieb. 

4. PlectropJianes nivalis (jak. tuluk) sah ich zum ersten 
Mal am 24. April (6. Mai) Morgens; andere woll- 
ten ihn noch früher gesehen haben (11., 19., 20. 
April a. St.). Von da ab wurden Schneeammer häufig 
vereinzelt und paarweise bei der Station beobachtet; 
so am 4. (16.), 5. (17.), 7. (19.) Mai, am 15. (27.), 
nach längerer Pause, am 16. (28.) zahlreich. Die 
Zugrichtung war WSW — ONO, jedoch offenbar 
abhängig vom hohen, zum Theil schneefreien Fluss- 
ufer. In der Nacht vom 22. auf den 23. Mai (3. — 4. 
Juni) sangen sie sehr schön ^ desgleichen am 29. Mai 
(10. Juni) in grosser Zahl. Am 15. (27.) Juni ent- 



— 44 — 

hielt das Nest 6 etwas angebrütete Eier, während 
am Tage vordem im selben Nest nur 5 Eier vor- 
handen waren. Ich möchte hier darauf aufmerksam 
machen, dass die Eier eines Nestes aller Vögel 
hier immer ein verschiedenes Stadium der Bebrü- 
tung zeigen ; offenbar besorgt das Weibchen nicht, 
wie bei uns^ zuerst das ganze Gelege und fängt 
dann an zu brüten, sondern bebrütet von vorn 
herein die ersten Eier und legt dabei die übrigen. 
Sasse es nicht immer auf dem Neste , so würden 
die Eier auch sicher erfrieren. Am 6. (18.) Juli 
waren bereits Mgge Junge zu sehen. 
6. Änser albifrons (jak. cMs oder nüglük, russ. Jca- 
sarka). Am 7. (19.) Mai wollten Jakuten bei Bor- 
chaja (circa 15 Werst südwestlich von der Station) 
einen Schwärm gesehen haben, der wohl dieser Art 
zugeschrieben werden muss, da sie — von grauen 
Gänsen — fasst ausschliesslich hier im Norden des 
Delta beobachtet wird. Desgleichen wollten Jakuten 
in den ersten Tagen des Mai a. St. im Lena-Thal 
und am 8. (20.) Mai auf der Fahrt von Bykow zu 
uns Gänse gesehen haben. Am 14. (26.) Mai flo- 
gen sie mehrfach einzeln oder paarweise an der 
Station vorüber ; am 1 6. (28.) Mai zogen sie in gros- 
ser Menge vom frühen Morgen an in den verschie- 
densten Richtungen, zuweilen in kleinen Schwär- 
men bis 10 Stück; 9 Exemplare wurden geschossen. 
Die Grösse der einzelnen Thiere ist, unabhängig 
vom Geschlecht , eine sehr verschiedene , doch 
glaube ich mich nicht berechtigt, einige kleinere 
Exemplare für A. Temminckii zu halten : der weisse 
Stirnfleck hat zwar bei verschiedenen Exemplaren 



— 45 — 

eine verschiedene Ausdehnung, niemals jedoch eine 
solche, wie sie Middendorff für A, Temniinckii 
angiebt. Am 11. (23.) Juni wurden die ersten 
Nester gefunden, einzelne bereits mit 4 Eiern. In 
den ersten Tagen enthielt das Nest gar keine Du- 
nen; nur einige Blätter und Moos sind zur Aus- 
polsterung verwandt. Am 12. (24.) Juni waren sie 
meist beim Neste zu sehen. Am 16. (28.) Juni wa- 
ren einige Eier bereits stark bebrütet , andere 
schienen durch Frost gelitten zu haben. Am 24. 
Juni (6. Juli) sass das Männchen noch beim Neste. 
Am 2 6 . Juni (8. Juli) sah ich häufig kleine Schwärme 
von Gänsen ostwärts ziehen, offenbar lauter Männ- 
chen, die sich zum Mauserplatz begaben. Ein sol- 
cher befand sich auf der östlich von Sagastyr be- 
legenen Insel Trinae-tardéh. Am 10. (22.) Juli traf 
ich sie mit Jungen auf Sagastyr an ; im südlichen 
Theile des Delta, bei Chas-chata, waren schon 
früher Junge gesehen worden (desgl. von Cygnus). 
Am 16. (28.) Juli erhielt ich ein Junges, das ich 
.abbalgte. An demselben Tage hielten die Jakuten 
ein Gänsetreiben ab, wobei sie in wenigen Minuten 
1000 Stück erschlugen, nachdem sie sie sehr ge- 
wandt in keilförmig aufgestellte Netze getrieben. 
Am 25. August (6. September) Abends verschwan- 
den die Gänse; nach einigen Tagen aber, am 31. 
August (12. Sept.) und 1. (13.) September, wur- 
den wieder einige gesehen. Endlich sah ich noch am 
14. (26.) September ein Exemplar, vielleicht ein 
krankes Thier. 
6 und 7. Cygnus musicus und C. Bewickii (jak. kubä). 
In den ersten Tagen des Mai waren Schwäne auf 






— 46 ^ 

der Lena unterhalb Bulun gesehen worden; des- 
gleichen am 8. (20.) Mai zwischen Bykow und Sa- 
gastyr, im Delta, aber welcher Art? Aus der Ent- 
fernung beide Arten zu unterscheiden ist nicht 
leicht. Später im Sommer habe ich federnde Männ- 
chen oft näher betrachten können und glaube, dass 
wenn man, abgesehen von der Grösse der einzelnen 
Exemplare (auf die Zahl der Schwanzfedern konnte 
ich gleichfalls nicht achten, da sie gerade mauser- 
ten), die Schnabelfärbung als charakteristisch zur 
Unterscheidung der beiden Arten annimmt, man 
alle Übergänge vom ausgesprochenen C. musicus 
zum unzweifelhaften C.Bewickii ûndenkdinn. Eine 
Anzahl von Schädeln habe ich aufbewahren kön- 
nen. Im südöstlichen Theile des Delta scheinen sie 
häufiger zu sein als im Norden. Die Jakuten ja- 
gen den federnden Männchen in ihren kleinen Bö- 
ten (Wetken) so lange nach, bis sich das ermüdete 
Thier ergiebt, worauf ihm der Hals gebrochen wird. 
Auf Sagastyr beobachtet: am 23. Mai (4. Juni) 
C. Bewickii^ vorüberfliegend; am 26. Mai (7. Juni) 
C. musicus; am 28. Mai (9. Juni) G. Bewickii 
(Diagnose nur auf der Grösse beruhend!); am 29 
Mai (10. Juni) desgleichen, paarweise vorüberflie- 
gend. Am 16. (28.) Juni und auch an früheren Ta- 
gen sah ich mehrfach Schwäne in nordöstlicher 
Richtung fliegen (paarweise und bis 6 Stück zusam- 
men), aber auch umgekehrt. Ich habe bereits früher 
angedeutet, dass dieser Flugrichtung, was den Zug 
der Vögel anbetrifft, kaum eine Bedeutung zuge- 
schrieben werden kann. Wie mich Jakuten, die auf 
den Neusibirischen Inseln gewesen waren, mehrfach 



— 4.7 — 

versicherten , kämen dort weder Schwäne noch 
Gänse vor. Am 16. (28.) Juni wurden mir einige 
stark angebrütete Eier gebracht, und am 20. Juni 
(2. Juli) fand ich ein Nest mit zwei stark ange- 
brüteten Eiern einige Werst nördlich von der Sta- 
tion, auf Sagastyr. Das Nest war ziemlich hoch aus 
Moos aufgeführt und mit einigen Federn ge- 
polstert. Am 26. Juni (8. Juli) waren mehrfach 
Schwäne in kleinen Schwärmen zu sehen. Im süd- 
lichen Theile des Delta traf ich öfters Pärchen mit 
Jungen; so am 27. Juli (8. August), desgleichen 
am 3. (15.) August, mit grossen Jungen, die ich 
schoss und die einen schmackhaften Braten gaben. 

8. Gygnus olor. Unter den Schwänen, die in den ersten 
Tagen des Mai beobachtet wurden, befand sich 
offenbar häufig auch diese Art. Ganz sicher habe ich 
es nicht constatiren können, da leider kein Thier 
geschossen wurde, doch versicherten mich unsere 
Leute wiederholt, dass dieThiere einen «schwarzen 
Kopf (Höcker auf dem Schnabel?!) und einen rothen 
Schnabel» gehabt hätten; auch fiel mir am 16. 
(28.) Mai ein Paar durch seine Flugart auf, durch 
die es sich , wie besonders auch durch die ganze Hal- 
tung, von den andern Arten unterschied. Am 20. 
Mai (1. Juni) wurde ein C. olor sitzend aus ge- 
ringer Entfernung beobachtet. Nach dem 23. Mai 
(4. Juni) wurden keine Exemplare, die dieser Art 
zugeschrieben werden könnten, mehr gesehen. 

9. Larus argentatus. Am 9. (21.) Mai Morgens wur- 
den einige Exemplare bei der Station vorüberflie- 
gend gesehen; einige Hessen sich in der Tundra 
in der Nähe der Station nieder. Desgleichen am 



— 48 — 

14. (26.) Mai Abends. Am 16. (28.) Mai sah ich 
sie häufig auf Sagastyr, Ketach, Bulun (im Delta, 
gegenüber Ketach) und Borchaja, und von da ab 
täglich. Hier, auf Sagastyr, ist es die häufigste 
Mövenart. Am 12. (24.) Juni sah ich Nester mit 
1 — 2 Eiern. Am 6. (18.) Juli fanden wir Junge, 
doch weiss ich nicht, ob es nicht vielleicht L. glau- 
cus war; die Alten beider Arten stiessen gleich- 
zeitig verzweifelt auf uns. Am 14. (26.) Septem- 
ber wurde diese Move zum letzten Mal ge- 
sehen. 

10. Larus glaucus (jak. , wie die vorige Art, chopto). 
Zuerst am 16. (28.) Mai und von da ab täglich 
gesehen. Am 16. (28.) Juni sah ich ein Nest mit 
drei Eiern. Es lag auf einer kleinen Erhöhung der 
Tundra, die offenbar schon längere Zeit als Nist- 
platz benutzt wird; das Weibchen vertheidigte es 
energisch. Am 29. Juni (11. Juli) fand ich ein 
Nest mit zwei stark bebrüteten Eiern; ein drittes 
Ei im selben Nest war ein Gänseei; das Junge wäre 
wohl nach einigen Tagen ausgekrochen. Am 14. 
(26.) September sah ich die letzten Möven dieser 
Art, häufig junge. 

1 1 . Charadrius squatarola (jak. JcoUt) glaube ich am 
16. (28.) Mai gehört zu haben; am 29. Mai (10. 
Juni) habe ich ihn mehrfach gesehen und gehört; 
am 31. Mai (12. Juni) häufig gesehen, 1 Exemplar 
geschossen; am 1. (13.) Juni mehrere Exemplare 
geschossen. Am 12. (24.) Juni wurde das Nest mit 
einem Ei gefunden; am 22. Juni (4. Juli) und 23. 
Juni (5. Juli) erhielt ich je 2 Eier. Im südlichen 
Theile des Delta schien diese Art seltner zu sein. 



— 49 — 

Auf Tumuss-Bykow schoss ich ein junges Tliier 
am 9. (21.) August. 

12. Emberiza spec. (?) (jak. mahäptschi). Dieselbe Art, 
die ich im vorigen Jahre aufführte (ich habe sie 
nicht bestimmen können). Am 17. (29.) Mai habe 
ich sie zum ersten Mal gesehen und von da ab, 
sobald das Wetter günstiger war, täglich; so am 
23. Mai (4. Juni), am 29. Mai (10. Juni) häufiger, 
sehr scheu, am 31. Mai (12. Juni) häufig, 3 Exem- 
plare geschossen. Am 22. Juni (4. Juli) erhielt ich 
zwei, leider zerbrochene Eier. Am 5. (17.) Juli 
wurde mir ein bereits flügges junges Thier ge- 
bracht; am 6. (18.) Juli sah man junge häufig. 

13. Anser segetum (jak. chongör-chäs). Unter 35 Gän 
sen, die am 22. Mai (3. Juni) auf Sagastyr ge- 
schossen wurden, befand sich ein Exemplar dieser 
Art; unter allen sonst geschossenen und von den 
Jakuten geschlagenen habe ich sie im Norden des 
Delta nie mehr angetroffen. Dagegen war sie häufig 
im südlichen Theile des Delta und machte aus- 
schliesslich die Ausbeute der Jakuten beim Gänse- 
schlagen bei Simowjelach (Bykow) aus; dort traf 
ich keine einzige A, albifrons unter den getödteten 
an. Während meiner Fahrt nach Bykow traf ich 
sie im südlichen Theile des Delta (in der Nähe der 
Insel Stolbowoi) noch mausernd an. Später, vom 
2. (14.) August an, sah ich sie meist in südöst- 
licher Richtung ziehen ; nur einen Schwärm sah ich 
in's Lena-Thal einkehren. 

14. Larus ehurneus (?). Am 22. Mai (3. Juni) sah ich 
in der Entfernung zwei Möven fliegen, die sich der 
Grösse , Flugweise und dem Geschrei nach von 

Mdlangos biologiqaes. XII. 7 



— 50 — 

allen mir bekannten Arten unterschieden ; sie schie- 
nen vollkommen weiss und bedeutend kleiner als 
L. canuSy aber grösser als L. Sahini zu sein. 

15. Galidris arenaria (jak. talerchadsclii) habe ich am 
23. Mai (4. Juni) im Schnee sitzen sehen und ge- 
schossen. (Balg, $.) 

16. Colymhus septentrionalis (jak. koghäs). Soweit ich 
erfahren, hier die einzige Colymbus-Art. Am 24. Mai 
(5. Juni) wollten die Leute diesen Taucher gesehen 
haben. Am 29. Mai (10. Juni) zeigte er sich in klei- 
nen Schwärmen auf den kleinen Seen und Hess 
seine mannigfachen Laute erschallen ; ebenso am 
1. (13.) Juni. Am 4. (16.) Juni erhielt ich ein 
Exemplar, das sich in einem Netz verfangen hatte. 
Am 29. Juni (11. Juli) fand ich ein Nest mit zwei 
Eiern auf einer kleinen Insel (von wenigen Fuss 
im Durchmesser) eines Sees; die Eier lagen im 
feuchten, hartgetretenen Moose. Unter ganz glei- 
chen Bedingungen fand ich ein Nest mit einem 
stark bebrüteten Ei am 4. (16.) Juli. Bis in die 
ersten Tage des September hinein waren sie be- 
ständig zu hören und zu sehen; dann verschwan- 
den sie. 

17. Lestris parasitica (jak., wie die folgende Art, ne- 
chatä) wurde am 25. Mai (6. Juni) zum ersten Mal 
gesehen; von da ab war sie häufig, wie die folgende 
Art. Am 29. Mai (10. Juni) fing ein Thier einen 
Plectrophanes und verspeiste ihn gemeinschaftlich 
mit einer anderen Raubmöve derselben Art. Sie 
begleiten die Menschen in die Tundra und lassen 
sich gleich bei den Gänsenestern nieder, von denen 
man die brütenden Thiere fortgescheucht hat. 



— 51 — 

hacken die Eier auf und verzehren den Inhalt. Im 
südlichen Theile des Delta war sie seltner, am 
Festlande gar nicht zu sehen. 

18. Lestris Biiffonü, Am 17. (29.) Juni fand ich ein 
Nest dieser Raubmöve mit 2 Eiern. Es bestand 
aus einer Vertiefung im Moose, die mit einigen 
dicken Grashalmen ausgelegt war. Die Alten flo- 
gen schreiend in der Entfernung umher, während 
ich das Nest ausnahm , stiessen aber nicht auf 
mich. 

19. Bernida torqiiata (jak. cJiarenM, russ. nämok) habe 
ich zuerst am 26. Mai (7. Juni) gesehen und von 
da ab häufig; sie soll jedoch hier nicht brüten 
und wurde nach dem 12. (24.) Juni nicht mehr 
gesehen. Am 28. Mai (9. Juni) wurde das erste 
Exemplar geschossen; am 29. Mai (10. Juni) ge- 
schossen und häufig gesehen, in kleinen Schwär- 
men hin- und herstreichend ; am 30. Mai (1 1. Juni) 
2 Exemplare geschossen; am 12. (24.) Juni noch 
in Schwärmen fliegend gesehen. 

20. Oidemia nigra. Am 26. Mai (7. Juni) habe ich sie 
vorüberfliegen sehen. Einen Monat später sah ich 
drei Enten, die die vorhergehende Beobachtung 
zu bestätigen schienen; ich war aber meiner Sache 
doch nicht gewiss, ob es sich nicht um Oidemia 
fusca handelte. Im Herbst erhielt ich von einem 
Jakuten den ausgestopften Kopf eines alten Männ- 
chens, welches er vor langen Jahren im Netz ge- 
fangen hatte. Die Jakuten haben keine Benennung 
für dieses Thier. Es heisst, es sei sehr selten. 

21. Lanis canus (jak. chopto). Am 26. Mai (7. Juni) 
gesehen ; sie ist hier seltner als L. glaucus und na- 



— 52 — 

mentlicli L. argentatus. Auf Tumuss-Bykow schoss 
ich ein junges Tliier (flügge) am 10. (22.) August. 

22. Charadrius morinellus. Am 27. Mai (8. Juni) sali 
ich einen Vogel vorüberfliegen (bei starkem Winde 
mit Kälte), der mir dieser Art anzugehören schien. 
Später habe ich ihn im nördlichen Theile des Delta 
in diesem Jahre nicht mehr gesehen, wohl aber 
im südöstlichen Theile, in der Nähe von Simowje- 
lach, am 6. (18.) August. 

23. Sommateria spectaUlis (jak. turJcdn). Vom 29. Mai 
(10. Juni) an wurde dieses schöne Thier täglich ge- 
sehen und mehrfach geschossen; am 30. Mai (11. 
Juni) war es in grossen Schwärmen an den ofi*enen 
Stellen zu sehen, 1 Exemplar wurde geschossen; 
am 31. Mai (12. Juni) wurde ein Pärchen ge- 
schossen. Am 12, (24.) Juni wurden Nester mit 
1 — 2 Eiern gefunden ; die Thiere hielten sich 
paarweise. Am 15. (27.) Juni sah ich mehrere 
Nester und in einigen bis 7 Eier ; die Männchen 
hielten sich in der Nähe der Nester. Am 24. Juni 
(6. Juli) fand ich noch Nester mit 4 Eiern. Am 
26. Juni (8. Juli) sah ich die Thiere mehrfach in 
kleinen Schwärmen, Männchen und Weibchen, 
aber auch paarweise beim Neste (mit 5 Eiern); 
am 6. (18.) Juli grosse Schwärme, nur von Weib- 
chen gebildet, bis 30 und mehr Stück. Off"enbar 
werden sehr viele Nester zerstört (Feinde : Men- 
schen, Eisfüchse, Raubmöven). Am 13. (25.) Juli 
sah ich ein Männchen noch in seiner hübschen 
Frühlingstracht. 

24. Harelda glacialis (jak. ämelde). Am 29. Mai (10. 
Juni) sah ich diese Ente in kleinen Schwärmen 



— 53 — 

hoch in der Luft von nach W und von N nach 
S ziehen; allenthalben war der charakteristische 
Lockruf zu hören. Am 30. Mai (11. Juni) erschien 
sie häufiger, bisweilen sehr hoch fliegend, nur am 
Lockruf erkennbar, von N nach S ziehend. Am 5. 
(17.) Juni wurde ein Weibchen geschossen. Da die 
hier geschossenen männlichen Exemplare nicht ganz 
mit den mir bekannten Beschreibungen überein- 
zustimmen schienen, habe ich einige Exemplare 
(2 5 und 1 2) aufbewahrt. Am 11. (23.) Juni 
wurde das Nest mit 4 Eiern gefunden ; es war mit 
schwarzen Dunen ausgepolstert. 

25. Harelda dispar (Sommateria Stellen^ jak. ähios). 
Am 29. Mai (10. Juni) mehrfach in Schwärmen bis 
20 Stück gesehen, niedrig dahinstreichend , aber 
auch, wie die vorige Art, hoch fliegend, in den- 
selben Richtungen. Am 5. (17.) Juni wurde ein 
Pärchen geschossen. Am 12. (24.) Juni sah ich 
diese Ente in Schwärmen von 10 — 20 Stück. Am 
22. Juni (4. Juli) wurden mir 2 Eier zugetragen. 
Selbst habe ich das Nest nicht gefunden. 

26. Larus leiicopterus (?). Am 29. Mai (10. Juni) glaube 
ich ein Thier dieser Art gesehen zu haben; es 
mag jedoch ein Irrthum gewesen sein, da ich ein 
anderes Mal gleichfalls diese Art zu erkennen 
glaubte und erst, als ich es geschossen, meinen 
Irrthum einsah; es war L. glaucus. 

27. Larus Sahini (jak. tyrächa; das y wird kaum aus- 
gesprochen). Am 29. Mai (10. Juni) mehrfach ge- 
sehen und 1 Exemplar geschossen; am 31. Mai 
(12. Juni) häufiger, 2 Exemplare geschossen; am 
17. (29.) Juni häufig bei den Seen in der Nähe 



— 54 --- 

der Station; das Nest nicht zu finden. Am 23. 
Juni (5. Juli) wurden mir zwei angeblich von L, 
Sahini stammende Eier gebracht. (L. Sahini wird 
von den Jakuten mit ary-tyrächa^ d. h. Insel-Tyr., 
bezeichnet, im Gegensatz zu Sterna macrura, die 
als köl-tyrächa, d. h. See-Tyr., unterschieden wird.) 
Sie stimmten jedoch mit einem am 22. Juni (4. Juli) 
erhaltenen, leider zerbrochenen, Ei nicht über- 
ein, das gleichfalls L. Sabini angehören sollte, 
und ich kann nicht entscheiden, ob sie nicht viel- 
leicht der folgenden Art angehören; die Entschei- 
dung wird jedoch später nicht schwer fallen. Am 
26. Juni (8. Juli) sah ich sie in Schwärmen bis 
20 Stück an Wasserlachen, die nach dem Hoch- 
wasser zurückgeblieben waren. Im südlichen Theile 
des Delta ist sie selten; ich habe sie jedoch auf 
Chardach-ary (circa 100 Werst südlich von der 
Station) gesehen. 

28. Sterna macrurü (jak. tyraclia). Am 29. Mai (10. 
Juni) geschossen. Im Norden des Delta im Ganzen 
selten, im Süden häufiger. 

29. Tringa alpina (jak. taler chadscM). Am 29. Mai (10. 
Juni) geschossen (auch früher schon hatte ich mehr- 
fach Tringen gesehen, aber nur in der Entfernung 
rasch vorüberfliegen, so dass ich die Art nicht 
recht angeben kann); am 30. Mai (12. Juni) mehr- 
fach gesehen. Auf Chardach-ary schien sie zu 
nisten; ich schoss dort ein Exemplar am 28. Juli 
(9. August). 

30. Tringa Temminckii (jak. taler chadschi). Zwei Exem- 
plare geschossen am 31. Mai (12. Juni). 

31. Strepsilas interpres (jak. tschipü). Am 31. Mai (12. 



— 55 — 

Juni) geschossen; auch schon an früheren Tagen 
beobachtet. Nistete auf Sagastyr und vertheidigte 
das Nest verzweifelt gegen Larus und Lestris, 

32. Strix nivea (jak. salgödöi) Hess sich am 31. Mai 
(12. Juni) um Mittagszeit in der Nähe der Station 
nieder; am Abend setzte sie sich auf die Wind- 
fahne; sehr scheu. Am 26. Juli (7. August) scheuchte 
ich eine von einer jungen Gans auf. 

33. Tringa sitbarquata (jak. tschorit) Am 1. (13.) Juni 
in kleinen Schwärmen. An den folgenden Tagen 
habe ich sie vielfach gesehen und geschossen. Spä- 
ter im Sommer traf ich sie gar nicht mehr an. 

34. Phalaropus rufescens {Pli. platyrhynchus , jak. pi- 
tjok, nïïTëK'L). Die häufigste Strandläuferart auf Sa- 
gastyr. Am 1. (13.) Juni paarweise; am 5. (17.) 
Juni sah ich wieder ein Pärchen (in der Zwischen- 
zeit war ungünstiges Wetter!). Sie sind sehr zahm. 
Am 17. (29.) Juni waren sie in vollem Balzen. Da 
sie sehr wenig scheu sind, kann man sie aus einer 
Entfernung von nur wenigen Schritten gut beob- 
achten. An jedem kleinen See finden sich ein oder 
mehrere Pärchen. Sie schwimmen gut. Die viel 
lebhafter gezeichneten, grösseren Weibchen spie- 
len vollkommen die Rolle der Männchen bei den 
übrigen Vögeln: das Männchen ist timid, die Weib- 
chen sind eifersüchtig, in fortwährendem Streit mit 
anderen, machen den Männchen den Hof etc. An 
demselben Tage fand ich auch das Nest mit einem 
Ei. Es besteht aus einer flachen Vertiefung im 
Moose. Das Weibchen sass gerade auf dem Nest 
und erschien, fortgescheucht, sehr gleichgültig, 
als ich das Ei fortnahm; das Männchen, das etwa 



— 56 — 

5 Schritt davon sass, zeigte wenigstens eine geringe 
Unruhe. Am 20. Juni (2. Juli) sah ich bereits 
Schwärme von Fh. rufescens, die grösstentheils aus 
"Weibchen zu bestehen schienen, aber auch noch 
Pärchen; am 26. Juni (8. Juli) traf ich Schwärme 
von über 100 Stück, die fast ausschliesslich von 
Weibchen gebildet schienen. Unter sechs aus ei- 
nem Schwärm geschossenen Exemplaren befand 
sich nur ein Männchen; auch konnte ich sie aus 
nicht zu grosser Entfernung betrachten und be- 
merkte nur selten ein Männchen. 

35. Tringa minuta (jak. taler chadscM). Die einzige 
Tringa- Art, die auf Sagastyr von mir nistend an- 
getroffen wurde. Zuerst gesehen am 1. (13.) Juni. 
Sie fliegen beständig, schwirrend, gleich Fleder- 
mäusen, hin und her, wobei sie ein trillerndes, 
ununterbrochenes Pfeifen erschallen lassen. Am 
24. Juni (6. Juli) fand ich das Nest mit 3 Eiern: 
es war eine Vertiefung im Moose, mit einer etwa 
einen Zoll dicken Schicht vorigjähriger Weiden- 
blätter ausgelegt. Am 12. (24.) Juli fand ich im 
Moose zusammensitzend drei Flaumjunge, die erst 
wenige Tage alt sein konnten. (Balg vom $ undjuv.) 

36. Machetes pugnax. Am 5. (17.) Juni gesehen; sehr 
scheu; soll auch schon am 4. (16.) Juni gesehen 
worden sein. 

^7. Anas glocitans (jak. marodü). Am 6. (18.) Juni 
wurde ein Männchen geschossen, und von dann ab 
wurden sie häufig in Schwärmen bis 30 Stück, die 
ausschliesslich aus Männchen zu bestehen schie- 
nen, gesehen, wenigstens wurden nur Männchen 
geschossen. Offenbar waren esThiere, die zur Mau- 



— 57 — 

serung höher nach Norden gezogen waren, nach- 
dem die brütenden Weibchen zurückblieben. Da- 
für sprechen auch die Spuren beginnender Fede- 
rung, die ich beim Abbalgen bemerkte. Das Weib- 
chen, sagten mir die Jakuten, soll bisweilen an- 
getroffen werden, nie aber brütend. Am 11. (23.) 
Juni wurden zwei Männchen geschossen. 

38. CJiaradrius fiilvus Qsik. koUt). Im nördlichen Theile 
des Delta selten; auf Sagastyr nicht brütend; am 
12. (24.) Juni gesehen. Viel häufiger scheinen sie 
im südlichen Theile des Delta zu sein, wo Ch. squa- 
tarola seltner ist. Auf der Fahrt nach Bykow habe 
ich sie häufig getroffen. Am 30. August (11. Sep- 
tember) schoss ich einen auf Sagastyr, ein sehr 
fettes Exemplar. Am 9. (21.) September, wo wir 
schon ziemlich starken Frost hatten, sah ich wieder 
einige Exemplare in der Nähe der Station, an den 
Ufern der kleinen Seen. 

39. Lonis Bossu {L. roseus). Am 26. Juni (8. Juli) traf 
ich ein Pärchen dieser hübschen, seltenen Move 
in einem Schwärm von Larus argentatus^ glaucus^ 
canus und Sahini^ an einer Wasserlache, und war so 
glücklich beide zu schiessen ; das Männchen unter- 
schied sich äusserlich durch eine dunkelgraue Fär- 
bung auf den Flügeldecken vom Weibchen. Ho- 
den und Ovarien waren auffallend unentwickelt und 
klein. Die Jakuten sagten mir, dass diese Move 
sehr selten sei; sie nannten sie gleichfalls tyracha. 

40. CJiaradrius curonicus (jak. tschugujuk) schoss ich 
am 31. Juli (12. August) auf Jakow-belkiöi (circa 
20 Werst nördlich von der Insel Stolbowoi) und 
sah ihn später mehrmals im südlichen und süd- 

Melangea biologiques. XII. 8 



— 58 — 

östlichen Theile des Delta. Unter den mich beglei- 
tenden Jakuten kannte nur einer den Vogel und 
nannte ihn mit dem oben wiedergegebenen Na- 
men ; sie versicherten mich einstimmig, dass er bei 
Sagastyr nicht vorkäme, 

41. Aquila spec. (?). Im südlichen Theile des Delta und 
am Festlande habe ich mehrfach Adler gesehen, 
aber immer nur in grosser Entfernung, so dass ich 
die Art nicht angeben kann ; sie sollen in den Ber- 
gen nisten. 

42. Motacilla alba, var, lugens sah ich bei Simowjelach 
am 8. (20.) August; am 17. (29.) August schoss 
ich 2 Exemplare am Festlande, ungefähr 40 Werst 
östlich von der Insel Stolbowoi. 

43 . Lagopus alpinus (jak. hirpassjka) ^Sih. ich zum ersten 
Mal auf Tumuss-Bykow, in der Nähe des Platzes, 
wo das Adams'sche Mammuth gefunden worden 
war. Später habe ich dieses Schneehuhn häufig 
am Festlande getroffen, namentlich um die Gipfel 
der Berge. Es ist sehr scheu. 

44. Saxicola oenanthe. Am 10. (22.) August auf Cap 
Bykow; desgleichen am Festlande am 14. (26.) 
August. 

45. Anthus spec.{?). Am 10. (22.) August sah ich mehr- 
fach einen Pieper auf Tumuss-Bykow, konnte aber 
seiner nicht habhaft werden {Ä. cervinus?), 

46. Cypselus spec.{?). Am 10. (22.) August flog am 
Mammuthplatze Adams' ein Cypselus hin und her. 
Ich kam leider nicht dazu, einen Schuss auf ihn 
abzugeben, so viel Mühe ich mir auch gab. Er war 
kleiner als C. apus, auf der Oberseite dunkelgrau 
gefärbt, unten weiss. 



— 59 — 

47. Corvus Corax (jak. ssoor) sali ich am 15. (27.) Au- 
gust am Festlande (Aiigardam) und mehrfach da- 
selbst am 16. (28.) August. Er soll bisweilen in's 
Delta kommen. Im Herbst (Ende October und An- 
fang November 1883) sah ich ihn wieder in Bulun 
und Kumaksur, wo ich auch ein Exemplar erhielt. 
Er soll die ganze dunkle Zeit über dort bleiben. 

48. Btiteo lagopus sah ich mehrmals am 17. (29.) und 
18. (30.) August auf den Bergen östlich von der 
Insel Stolbowoi. 

49. Falco peregrimis (cf. JVs 3). An denselben Stellen, 
wie die vorhergehende Art. Dort fand ich auch das 
Nest, aber an einer unzugänglichen Stelle. Auf 
Stolbowoi traf ich ihn gleichfalls an. 

50. Garrulus infaustus. Ende Januar dieses Jahres 
wurde mir ein Exemplar (in getrocknetem Zu- 
stande) gebracht, welches ein Jakute im vorigen 
Jahre mit dem Pfeil in der Nähe von Siktjach 
(unterhalb) erlegt hatte. Über die Zeit, wann es 
erlegt wurde, konnte ich nur erfahren, dass es 
nach Wiederkehr der Sonne geschehen sei. 

Von einigen der hier angeführten Vögel habe ich 
Federläuse und Entozo en aufheben können. Desglei- 
chen habe ich einige Embryonen erhalten, von denen 
ich gern mehr eingesammelt hätte. Will man aber die 
Eier erhalten , so muss man auf Embryonen verzich- 
ten und umgekehrt; ausserdem kann man (nach dem, 
was ich zu Anfang gesagt, s. unter Pledroph. niv.) nie 
das Bebrütungsstadium vorher bestimmen, so dass man 
auch von Eiern, die in grösserer Menge vorhanden 
waren, wie z. B. Gänseeier, eine grosse Anzahl unnütz 
zerschlägt und dadurch dem Tisch eine in jener Zeit 



— 60 — 

sehr erwünschte Abwechselung entzieht. Von Säuge- 
thierembryonen habe ich ausser den beiden Eisbär- 
embryonen, von denen ich Ihnen schrieb, noch zwei 
vom zahmen Rennthier erhalten. 

2. Fahrt nach Gap Bykow. 

Am 26. Juli (7. August) Nachmittags brach ich, von 
unserem Kosaken und fünf Jakuten begleitet, von der 
Station auf und erreichte um Mitternacht des 28. auf 
den 29. Juli (9. — 10. August) Chardach-ary (circa 1 00 
Werst südlich von Sagastyr), die Insel, bis zu welcher 
Hr. Jürgens im Juni gekommen war und auf welcher 
er sich einige Zeit zu magnetischen und kartographi- 
schen Zwecken aufgehalten hatte. Von hier aus und 
auch schon früher sind die Berge des Festlandes sicht- 
bar. Die Vegetation ist hier bereits bedeutend üppi- 
ger, wenn dieser Ausdruck überhaupt gebraucht wer- 
den darf, als im nördlichen Theile des Delta. Alle 
Pflanzen wachsen kräftiger, die Weiden bilden biswei- 
len ein dichtes Gebüsch, das an einzelnen Stellen Knie- 
höhe erreicht. Namentlich aber waren alle Pflanzen 
viel weiter vorgeschritten: Vieles fand ich hier ver- 
blüht, was ich auf Sagastyr noch in Blüthe oder Knospen 
zurückgelassen hatte. Auch traten einige neue Arten 
auf, die mir auf Sagastyr nicht begegnet waren (I)él- 
■pMnium, Gnaphalium), Am 29. und 30. Juli (10. und 
11. August) setzten wir unsere Fahrt fort und erreich- 
ten um Mittag des letzteren Tages die Südspitze von 
Jakow-belkiöi, der südlichsten Insel an der Turaatskaja 
Protoka linkerseits. Vom Festlande und der Insel Stol- 
bowoi, die jetzt deutlich zu sehen war, trennte uns 
nunmehr nur noch eine grosse, circa 20 Werst breite 



— 61 — 

Wasserfläche, die durch ganz niedrige Saudbänke un- 
terbrochen wird. (Eine Photographie mit dem Blick 
auf's Festland von hier aus habe ich bereits übersandt.) 
Worin der Unterschied der Bezeichnung ary und 
helkiöi für die Inseln besteht, habe ich nicht recht er- 
fahren können. Häufig liegen ein ary und ein helkiöi 
desselben Namens nahe bei einander, so z. B. Chardach- 
ary und Chardach - belkiöi , und es scheint, als ob die 
kleinere Insel mit dem Worte helkiöi bezeichnet wird. 
Oft aber schien es mir, als ob mit dem Worte helkiöi 
eine Insel neueren Ursprungs (nach der darauf befind- 
lichen Vegetation zu urtheilen) bezeichnet wird. Eine 
bestimmte Eegel habe ich, wie gesagt, nicht finden 
können. Ausser den Bezeichnungen ary und helkiöi 
wird noch eine Anzahl anderer gebraucht. So wird 
z. B. mit dem Worte hertémae offenbar ein niedriges, 
sandiges Anhängsel einer Insel benannt. Ferner be- 
gegnet man Inselnamen mit der Endung ssiae oder 
ssissae (ssis oder ssiae wurde mir in's Russische mit 
«chrebet», Gebirgszug oder Rücken, übersetzt). Diese 
letzteren Inseln sind meist sehr gross und hoch, z. B. 
Ssobossiae (deutsch: Karaussen- Insel oder Karaussen- 
Höhenzug). Endlich giebt es Inselnamen, die sich auf 
dagh endigen; sie scheinen mehr für bergige (felsige) 
Inseln gebraucht zu werden, z. B. Solurdagh (die Insel 
Koteljnoi). Man findet diese Bezeichnung aber auch im 
Delta, z. B. Konghordagh (deutsch: Gänseinsel), — 
eine Erdinsel, wie alle anderen, die aber hoch ist (circa 
75 — 100') und, aus der Entfernung gesehen, kleine 
Gebirgsformen zeigt. Andererseits aber trägt eine ganz 
niedrige Insel etwas südlich von Sagastyr den Namen 
Ambardagh. Kurz eine feste Regel für die Anwendung 



— 62 — 

aller dieser Bezeichnungen ist schwer festzustellen. 
Höhere Erdhügel, die sich auf einer Insel erheben, 
tragen die Bezeichnung bulgunjak, z. B. Chardach- 
bulgunjak auf Chardach-ary, Oigalach - bulgunjak im 
westlichen Theile des Delta, auf dem Wege von Sagas- 
tyr nach Bykow, u. dgl. m. 

Während der ganzen Fahrt war uns nichts Erwäh- 
nenswerthes begegnet ; nur einmal trafen wir zwei Ja- 
kuten, die sich auf der Rennthierjagd befanden. Immer 
hat man dasselbe Bild vor Augen : niedrige Sandinseln 
oder etwas höhere (10 — 20' hohe) Torfufer, die im 
Einstürzen begriffen sind. Steigt man aufs höhere Ufer 
hinauf, so hat man den Blick über die braune Tundra 
mit ihren vielen, kleinen und grösseren Seen, bisweilen 
Sanddünen, und in dieser Gegend sieht man häufig 
Jurten oder Balagany, Holzgerüste zum Aufhängen 
der Fleisch vorräthe , Fuchsfallen etc. Das Thierleben 
war zur Zeit unbedeutend und einförmig: Larus-Arten, 
seltner Lestris und Sterna, einige Strandläufer, bis- 
weilen grosse Schaaren von Gänsen, seltner Schwäne; 
das ist Alles, was man von Vögeln zu sehen bekommt. 
Rennthiere sahen wir häufig in grösserer Entfernung; 
sie sind sehr scheu. Seltner trifft man Lemminge oder 
Eisfüchse an. 

Die Breite des Stromarmes wechselt zwischen ei- 
ner halben und einer Werst. Man darf sich jedoch 
nicht vorstellen , dass ein Stromarm für sich , bei 
der Lena- Mündung (der Insel Stolbowoi) beginnend, 
durch das Delta fliesst und sich in's Meer ergiesst; 
alle Stromarme bilden untereinander ein grosses Netz- 
werk, das bei höherem Wasserstande noch complicirter 
wird, da alsdann sonst trockene Betten mit Wasser ge- 



— 63 — 

füllt sind. Es ist ein Gewirr von Kanälen, deren Anfang 
und Ende gar nicht zu bestimmen ist; nur für einige 
grössere Stromarme könnte das geschehen. Alle diese 
Kanäle umschliessen eine ungeheure Zahl von Inseln, 
die sämmtlich Namen tragen. Es wäre ein sehr zeit- 
raubendes Unternehmen, eine genaue Karte des Delta 
aufzunehmen, und dabei wäre es im Ganzen zwecklos, 
da dieselbe nur für eine kurze Zeit ihre Richtigkeit 
behalten würde. Wie Hr. Jürgens bereits geschrie- 
ben, haben wir hier die Verhältnisse ganz anders vor- 
gefunden, als sie auf der Karte angegeben waren, und 
das kann Niemanden wundern, der sich einige Zeit im 
Delta aufgehalten hat. Die Zahl der Stromarme ist 
eine viel grössere, als sie auf der Karte angegeben ist. 
Die Lena mündet, nach Erkundigungen, die Hr. Jür- 
gens eingezogen hat, mit 50 Stromarmen in's Meer. 
(Wo Danenhauer die Zahl 112 her hat, die wir im 
«Kronstadtskij Westnik» von 1883 gelesen, ist uns 
nicht bekannt.) 

Der Grund dieser Veränderungen ist in dem fort- 
währenden Einsturz der alten und Wiederaufbau 
neuer Inseln zu suchen. Wenn man an einer belie- 
bigen Stelle im Delta die Tundra betritt, so er- 
scheint dieselbe in eine Unzahl unregelmässiger, ver- 
schieden grosser Polygone eingetheilt, deren Ränder 
höher als die Mitte sind. Zwischen den Rändern je 
zweier solcher Polygone befindet sich eine schmale 
Furche, die gern von Lemmingen, auch wohl von der 
jungen Entenbrut als Weg benutzt wird. Diese Furche 
entspricht einem tief in die Erde eingreifenden Riss, 
der mit Eis ausgefüllt ist. Durch beständig nachfolgen- 
des und gefrierendes Wasser wird der Riss immer brei- 



— 64 — 

ter und breiter. Während des Hochwassers und über- 
haupt während des ganzen Sommers stürzt das Ufer 
in grossen, den eben beschriebenen Polygonen ent- 
sprechenden Stücken ein. Bisweilen bleibt an Stellen, 
wo das Stück vor Kurzem abgefallen ist, die das letztere 
von dem zurückbleibenden Ufer trennende Eisschicht 
am Ufer haften, und es sieht auf den ersten Blick so 
aus, als wenn es sich um eine von Erde oder Torf 
überlagerte Eisschicht handelt; es fällt jedoch nicht 
schwer, sich davon zu überzeugen, dass es nur eine 
Auflagerung ist, die in der vorher angegebenen Weise 
durch allmähliches Einsickern von Wasser in den einmal 
entstandenen Riss sich gebildet hat und nach dem Ab- 
fallen eines Erdblockes zu Tage getreten ist. Ausser 
jenen breiten, schon an der Oberfläche bemerkbaren 
Rissen, ist der ganze Boden von kleinen Rissen durch- 
zogen, die sämmtlich mit klarem Eise ausgefüllt sind. 
Beim Ausgraben der für unsere Baulichkeiten nöthi- 
gen Gruben stiessen wir fortwährend auf solche Eis- 
adern, und das laute Krachen im Erdboden, namentlich 
im Herbst bei zunehmendem Frost, spricht dafür, dass 
die Spaltbildung immer fortgeht. Es scheint mir klar, 
dass ein so präparirter Boden leichter der Zerstörung 
anheimfällt, wenn er mit fliessendem Wasser in Be- 
rührung kommt, auch dann, wenn er gerade nicht in 
grossen Stücken abfällt. 

Noch ein Factor bei der Veränderung der Form 
der Deltainseln muss hier berücksichtigt werden — 
der Wind Wenn man einmal solch' einen Sand- 
sturm , wie ich ihn auf der Insel Jakow-belkiöi er- 
lebte, beobachtet hat, so kann man nicht daran zwei- 
feln, dass dem Winde eine grosse Rolle bei der 



— 65 — 

Umbildung des Delta zugeschrieben werden muss. 
Und der Wind ist ein fast beständiger. Die Sand- 
massen, die er führt, sind gewiss ganz kolossale: er 
schüttet ganze Seen zu, so dass man sie gar nicht be- 
merkt und unversehens in den weichen Triebsand ein- 
sinkt, zum Glück nicht tief, denn unten ist Alles gefro- 
ren. Namentlich aber beeinflusst er die Stromrichtung 
in den Flussarmen durch stellenweise Versandung der- 
selben (ganz abgesehen von den Sandmassen, die die 
Lena selbst führt) und lenkt die Hauptstärke dersel- 
ben bald auf diese, bald auf jene Insel, den Einsturz 
bald beschleunigend, bald verlangsamend. Je näher der 
eigentlichen Mündung der Lena (bei der Insel Stol- 
bowoi) sich eine Insel befindet, desto rascher muss sie 
Veränderungen erleiden, da einmal das Wasser hier 
viel wärmer und zweitens der Anprall im Frühjahr ein 
viel mächtigerer ist. Stieg bei uns auf Sagastyr das 
Wasser nur einige Fuss, so waren auf Jakow-belkiöi 
deutliche Anzeichen vorhanden, dass es dort zu Zei- 
ten um mindestens 20' höher stand als damals, da ich 
dort war. Die Temperatur des Wassers steigt bei 
Sagastyr bis über -+■ 12° C, eine Temperatur, die 
jedenfalls nicht im Delta erreicht wird, oder bei län- 
gerem Verlauf eines Stromes innerhalb des Delta er- 
halten bleiben könnte; bei Jakow-belkiöi muss die 
Temperatur im Sommer noch bedeutend höher sein. 
Wasser, Kälte und Wind sind also beständig thätig 
die Form des Lena-Delta zu verändern, und die Fort- 
schritte dieser Kräfte sind in die Augen springend. 

Doch ich muss zu meinem Zelte auf Jakow-belkiöi 
zurückkehren; ich glaubte nur die vorhergehende Be- 
trachtung zum besseren Verständniss einiger weite- 

Melanges biologiques. XII. 9 



— 66 — 

ren Stellen in meinem Berichte vorausschicken zu 
müssen. 

Auf der südlichsten Spitze von Jakow-belkiöi muss- 
ten wir für's Erste bleiben, da wir hier ausgedehnte 
Sandbänke zu umfahren hatten, uns in die Wasser- 
fläche hinauswagen mussten, und bei dem augenblick- 
lich frischen Winde konnten wir mit unserem Boot 
die Fahrt nicht unternehmen. Leider wurde der Wind 
(0) immer stärker und artete zuletzt in vollständigen 
Sturm aus, der sehr unangenehm und störend wurde, 
da er viel Sand führte. Überall dringt der Sand ein, 
in die Kleider, die Gewehre, die er zum Schiessen un- 
tauglich macht, namentlich aber schlägt er schmerz- 
haft in's Gesicht, so dass man die Augen nicht öffnen 
kann, und nur im Zelte findet man einigermaassen Schutz. 
Drei Tage hielt uns der Wind hier auf. So lange er 
nicht gar zu heftig war, brauchte ich zum Glück nicht 
unbeschäftigt zu sein; ich peilte auf die Berge des 
Festlandes und einige andere Punkte, botanisirte, nahm 
einige Photographien auf, und auch die Bennthierjagd 
bot einige Abwechselung, aber leider keinen Erfolg, 
Am Abend des 1. (13.) August legte der Wind sich 
endlich, und um 1 Uhr Morgens des 2. (14.) August 
wurde es so still , dass ich die Leute weckte , um auf- 
zubrechen ; um 722 Uhr kam es zur Abfahrt. Wir fuh- 
ren zuerst gerade nach Süden, gingen dann, immer 
mehr östlich wendend, um die Sandbänke und langten 
um 6 Uhr, ein wenig von den Wellen geschaukelt und 
bespritzt, da der Wind inzwischen wieder frischer 
wurde, auf der östlich von Jakow-belkiöi gelegenen 
Boran-belkiöi an. Dies ist die Insel, auf der die Lei- 
chen De Long's und seiner Gefährten gefunden wur- 



— 67 — 

den. Teh liess hier für einige Zeit Halt machen, theils 
um die Leute sich ausruhen zu lassen, theils um stil- 
leres Wetter abzuwarten , da wir auch von hier aus wie- 
der über eine grössere Wasserfläche zu fahren hatten. 

Die Jakuten' erwiesen sich als vortreffliche Reise- 
begleiter. Trotzdem dass sie oft angestrengt zu ar- 
beiten hatten, das Boot viele Stunden lang, in knie- 
tiefem Wasser watend, ziehen (bei einer Lufttempera- 
tur von nur wenig über 0°) oder angestrengt rudern 
mussten, waren sie doch immer in der besten Laune, 
schwatzten und lachten; nie hörte das lebhafte, oft an 
Gezänk erinnernde Gespräch auf, und dabei handelte 
es sich immer um die allergewöhnlichsten Dinge. So 
wie wir irgendwo gelandet waren, um zu rasten, war 
auch schon das Zelt aufgestellt, ein Feuer angemacht 
und die Theekessel drangesetzt; Theetrinken geht über 
das Essen und immer demselben voraus. Einer der 
Leute fuhr sofort mit seiner Wetka (einem kleinen 
Boote) ab und stellte Netze aus ; während der ganzen 
Fahrt versahen sie uns mit frischen Fischen (Sterlet 
und Mukssun). 

Den Platz, wo die Leichen der Amerikaner gefunden 
worden waren, konnte ich von hier, wo wir gelandet 
waren, zu Fuss nicht erreichen; ein kleiner, aber tie- 
fer Stromarm (S — N) theilt die Insel in zwei Theile. 
Am Nachmittag wurde es stiller und wir fuhren 
weiter. Wir schlugen den Weg durch das Delta ein, 
nicht den durch die Bykowskaja Protoka (die östlichste 
und breiteste, längs dem Festlande), welchen ich, als 
näheren, vorgezogen hätte. Ich gab hierin den Jaku- 
ten nach, die sich im Delta besser zurechtzufinden vor- 
gaben; sie wollten allmählich in die Gegend gelangen, 



— 68 — 

durch welche der Winterweg von Tumat nach Bykow 
führt. Ich hatte das nicht zu hereuen, da ich mir so, 
wenn auch nur flüchtig, einige Theile des Delta an- 
sehen konnte. Längs der Bykowskaja Protoka und dem 
Festlande gedachte ich zurückzukehren. Vorher aber 
legten wir an dem Orte an, an welchem De Long und 
seine Gefährten gefunden wurden, etwa zwei Werst öst- 
lich von dem letzten Landungsplatze. So wenig hier zu 
sehen war, einen so erschütternden, traurigen Ein- 
druck machte es auf mich. Wenige Schritte vom hohen 
Ufer befand sich die Feuerstelle : halbverkohlte Bal- 
ken und in der Umgebung angebrannte Decken und 
andere Kleidungsstücke; aus der Asche suchten die 
Jakuten zerbrochene Brillengläser etc. heraus. Wäh- 
rend sie da umhersuchten, nahm ich eine Photographie 
des Platzes auf und peilte. Dann fuhren wir rasch wei- 
ter. Nach einer Fahrt von zwei Stunden in ostsüdöst- 
licher Richtung befanden wir uns in einem Gewirr 
grösserer Liseln von derselben Beschaffenheit wie 
die früheren. Als ich auf einer derselben ausstieg, 
um wieder zu peilen, sah ich ausser dem Stromarm, 
in welchem wir fuhren, kein Wasser; derselbe hatte 
eine Breite von 5 — 600 Schritt. Am Abend kamen 
wir, jetzt in rein östlicher Richtung weiter fahrend, 
bei der Insel Bootolu-ssissae an. Der Name sagt Ihnen 
bereits, dass es eine hohe Insel ist: die höchste Stelle 
mag wohl 100 Fuss über dem Wasserspiegel sein, Sie 
ist jedenfalls viel älteren Ursprungs als alle Inseln, die 
ich bisher gesehen habe. Dafür schien mir die Flora 
zu sprechen ; ich fand hier mehrere Arten, die ich bis- 
her nicht angetroffen {Oxytropis u. a.) und die mir erst 
am Festlande wieder begegneten. Sie besteht aber eben- 



— 69 — 

so wie alle Deltainseln aus Erde oder Sand, mit darauf- 
liegender, im Ganzen geringer Torfscliicht, wovon ich 
mich in einigen Schluchten überzeugen konnte^ nur 
am Ufer findet man kleine Steine, die überhaupt im 
südlichen Theile des Delta viel häufiger werden als 
im Norden, wo sie, wie ich Ihnen im vergangenen 
Jahre schrieb, eine grosse Seltenheit sind. Am selben 
Abend fuhren wir noch weiter, mussten aber wegen 
eingetretenen Nebels bald landen, da die Jakuten mein- 
ten, dass man sich leicht verirren und dadurch viel Zeit 
verlieren könne. 

Am 3. (15.) August fuhren wir bald in engen, bald 
in breiteren Kanälen, vom Winde (W) begünstigt, oft 
unter Segel, schnell weiter und erreichten am Abend 
den Ort Krestjach , den Sie auf den Karten als astro- 
nomisch bestimmten Punkt angegeben finden. Als wir 
uns von Ost her den vier kleinen Jurten näherten, aber 
noch etwa eine Werst weit von ihnen entfernt waren 
(wir hatten wieder Sandbänke zu umfahren), roch der 
eine Jakute Rauch ; aus den Jurten aufsteigenden 
Rauch konnten aber weder die Jakuten noch wir sehen 
(oxT) Tbl qopTTj, KaKTï SB'fepb qycTij sanaxT), d. i. ach du 
Teufel, wie ein Thier wittert er den Geruch, meinte 
der Kosak). Dieser Umstand versetzte die Jakuten 
in die grösste Aufregung; er sprach dafür, dass der 
Ort zur Zeit bewohnt sei. Sie ruderten aus allen 
Kräften, und bald landeten wir. Die eine Jurte war 
in der That bewohnt von Weibern und Kindern; die 
Männer waren auf Jagd und Fischfang ausgegangen. 
Nun gab es ein Begrüssen und Schwatzen ohne Ende, 
Die Unterhaltung und Freude wurden noch lebhafter, 
als eine halbe Stunde nach unserer Ankunft der Sohn 



— 70 — 

einer alten Frau anlangte und zwar nach langer Ab- 
wesenheit, aus Kumaksur an der Lena. Nun ging es 
an ein Erzählen , das bis spät in die Nacht hinein 
dauerte. Der junge Mensch hatte viel zu berichten 
(unter Anderem auch Trauriges, — ich erfuhr hier 
zuerst vom Ausbruch der Pockenepidemie in Bulun), 
mindestens wie bei uns einer, der von der Ausstellung 
in Paris zurückgekehrt ist ^). Die Redseligkeit der Ja- 
kuten ist bekanntlich gross. Dafür spricht schon die 
Begrüssungsform «kapsae», nicht etwa: «was hast du 
zu erzählen», sondern kurz: «erzähle». Zu erzählen hat 
er sicher etwas, und das Publicum ist ein dankbares; 



3) Über die hier erwähnte Pockenepidemie schrieb uns Dr. Bunge 
in einem seiner früheren Briefe, vom 10. (22.) Februar dieses Jahres, 
Folgendes: «Ich darf hier nicht unterlassen, auf einen sehr trauri- 
gen Umstand aufmerksam zu machen. Hr, Jürgens hat bereits mit 
der vorigen Post, ich weiss nicht, ob nur an den Gouverneur von Ja- 
kutsk oder auch nach Petersburg, geschrieben, dass eine Pocken- 
epidemie uns in unangenehme Nähe gerückt ist. Im Sommer und 
Herbst wüthete sie in Bulun und raffte fast die ganze jakutische Be- 
völkerung dahin. Als ich Ende October vorigen Jahres dort war, war 
sie so ziemlich erloschen. Da brach sie plötzlich in Bykow (Simo- 
wjelach) aus, durch einen Kaufmann Sannikow verschleppt, der 
dort starb, und bis jetzt sind bereits 40 Personen gestorben, fast die 
Hälfte der dortigen Bevölkerung, und neue Erkrankungen haben 
noch nicht aufgehört. Leicht ist es möglich, dass sie auch hierher 
übertragen wird, da doch bisweilen (die Post kommt über Bykow zu 
uns) Verkehr stattfindet, wenngleich wir alle möglichen Vorsichts- 
maassregeln in Ausführung bringen lassen. Wie nun der Isprawnik 
von Werchojansk, Hr. Ipatjew, schreibt, ist auch an anderen Or- 
ten des Werchojansker Kreises die Epidemie aufgetreten; er giebt 
keine an, ich hörte aber auch von Ustjansk sprechen. Bei der Le- 
bensweise der Jakuten — viele Menschen gedrängt in einer Jurte — 
und ihrer Indolenz wird der Krankheit erst dann ein Ziel gesetzt, 
wenn sie, wie wir das in Bulun gesehen haben, tabula rasa mit den 
Menschen gemacht hat. Dasselbe wird wohl in Bykow erfolgen, und 
in Ustjansk kann es ebenso gehen. Die russische Bevölkerung lei- 
det weniger, besonders aber leiden die Jakuten und Tungusen». 

Sehr. 



— Ti- 
es unterbricht den Erzähler nur durch ein bestätigen- 
des «ssitti» oder «ae», und bisweilen erfolgt ein Ausruf 
des Erstaunens: «hau». Ich habe mir dann öfters das 
eben Gesagte übersetzen lassen, fand aber weder in 
der ganzen Erzählung, noch in der betreffenden Stelle 
etwas Staunenswerthes ; es handelte sich um die all- 
täglichsten Dinge. Einmal erschollen die Rufe des Er- 
staunens, immer lauter und lebhafter werdend, wäh- 
rend wir im Boote fuhren, und ich glaubte bereits, 
dass ein Unglück passirt sei oder was Schreckliches 
sich gezeigt habe, und was war's? Eine alte Felljacke, 
um die sich den ganzen Tag über kein Mensch ge- 
kümmert hatte, war von der Bank auf den Boden 
des Bootes gefallen! Später gewöhnte ich mich daran 
und achtete gar nicht mehr darauf. 

Der Ort Krestjach liegt auf der Insel Ssobossiac 
an der sehr breiten Protoka (Flussarm) Kyllach-chaja 
(d,. h. Rennthierhügel, von kyll^ KbiJit, das wilde Renn- 
tliier im Delta , und chaja der Hügel , — zugleich 
Benennung der nördlich von Ssobossiae gelegenen 
grossen Insel). Gern hätte ich von hier aus kleine Aus- 
flüge in das Innere von Ssobossiae und auch auf Chon- 
gordagh (nördlich gelegen) gemacht, deren Höhen mir 
sehr verlockend aussahen; aber mein eigentliches Ziel, 
Cap Bykow , lag noch weit , mir stand noch viel bevor 
und die Zeit drängte. Diese beiden Inseln sind inso- 
fern interessant, als auf ihnen Mammuthknochen ge- 
funden werden (vielleicht auch Knochen anderer Säu- 
gethiere?). Stosszähne sollen selten vorkommen, Weich- 
theile nie, und die Knochen sollen nie mehr fetthaltig 
sein. Ferner ist die Insel Ssobossiae insofern von In- 
teresse, als auf ihr in den Seen Karaussen vorkommen 



- 72 — 

sollen (daher auch der Name der Insel, ssoho = Ka- 
rauss), wie mich ein Jakute in Simowjelach versicherte. 
Er versprach mir auch einige Exemplare zu verschaf- 
fen ; als er aber im Herbst des vergangenen Jahres zu 
uns auf die Station kam, stellte er das Vorkommen 
von Karaussen daselbst vollkommen in Abrede. Was 
soll tnan mit solchen Menschen machen!? Vielleicht 
that er es nur, weil er sein Versprechen nicht gehal- 
ten hatte. 

Ich machte den jungen Jakuten willig, als Führer 
eine Strecke mit uns zu kommen, da es hier darauf an- 
kam, rechtzeitig aus der breiten Kyllachchaja-Protoka 
in engere Kanäle einzubiegen und den richtigen Weg 
einzuschlagen. Am anderen Morgen, den 4. (16.) Au- 
gust, fuhren wir weiter. Um Mittagszeit gelangten wir, 
östlich fahrend, zu dem Ort Borchaja (Erdhügel, nicht 
zu verwechseln mit dem Borchaja, das circa 1 5 Werst 
südwestlich von Sagastyr liegt; auch sonst trifft man 
diese Bezeichnung häufig), dem hohen Ende eines der 
Hügelrücken von Ssobossiae, das bis an den Strom reicht 
und eben stark im Einstürzen begriffen ist. Hier ste- 
hen einige zerfallene Jurten und befindet sich ein alter 
Kirchhof. Zwei Werst weiter östlich von hier, an der Ab- 
gangsstelle eines kleinen Kanals in südlicher Richtung 
(in welchen wir später hineinfuhren), waren Danen- 
hauer, Mellville etc. gelandet und dann auf die Jur- 
ten hin nach Borchaja gelangt. Hier hatten die Jakuten 
sie getroffen, und darauf hatten sie denselben Weg nach 
Simowjelach eingeschlagen, den auch wir in Zukunft 
verfolgten. Am Nachmittag fuhren wir in den oben 
erwähnten kleinen Kanal hinein, der die Kyllachchaja- 
Protoka mit einer weiter südlich gleichfalls in west- 



— 73 — 

östlicher Kichtiing verlaufenden breiteren Protoka ver- 
bindet. Er ist nur 60 — 70 Schritt breit, etwa 8 Werst 
lang und sehr flach, so dass die Leute stellenweise das 
Boot, im Wasser watend, über den Boden fortschieberi 
mussten. Ich ging zu Fuss voraus zu dem am Südende 
des Kanals belegenen Orte Kub-ajan (in's Deutsche 
tibersetzt — Schwanenbusen), wo sich einige gute Jur- 
ten fanden. Wir nächtigten und verbrachten auch den 
folgenden Tag hier; ein starker Sturm hinderte unsere 
Weiterfahrt. Mir kam der Aufenthalt ganz gelegen; 
ich konnte meine Pflanzen etwas trocknen (dazu eignet 
sich eine Jurte vortrefflich!), brachte meinen photo- 
graphischen Apparat in Ordnung etc. Die Jakuten be- 
nutzten den Aufenthalt, um — Karten zu spielen. Sie 
sind auch hier leidenschaftliche Kartenspieler, spielen 
verhältnissmässig sehr hoch, meist auf Schuld; Bezah- 
lung derselben soll jedoch Ehrensache sein. 

Am 6. (18.) August Morgens fuhren wir weiter, meist 
in südlicher Richtung, mit kleinen Abweichungen nach 
und W, und erreichten zu Mittag das Dorf Ssolajan, 
den augenblicklichen Sommeraufenthalt der Bewoh- 
ner von Ary-Bykow. Ich glaube Ihnen bereits ge- 
schrieben zu haben, dass es hier drei Orte mit dem 
Namen Bykow giebt: 1) das eigentliche Bykow, auch 
Simowjelach genannt, 2) Ary-Bykow, circa 10 Werst 
nördlich von Simowjelach, und 3) ein Dorf auf dem 
Cap Bykow (jak. Tumuss- Bykow). Nach kurzem — ' 
für die Jakuten viel zu kurzem — Aufenthalt brachen 
wir, mit frischen Lebensmitteln (Gänsen und Schwä- 
nen) versehen, wieder auf. Unser bisheriger Reise- 
gefährte aus Krestjach verliess uns hier; dafür aber 
schlössen sich uns drei Bewohner von Tumat (Ke- 

Melanges biologiqnea. XII. 10 



— 74 — 

lach) — Vater mit zwei Söhnen, die zeitweilig hier 
gewohnt hatten , — an , um mit uns zusammen die 
Rückreise nach Tumat zu machen. Die kleinen Knaben 
nahm ich in's Boot, die andern fuhren in Wetken ne- 
benher. Das Wetter war sehr unangenehm: Schneefall, 
Kälte, starker Wind. Am Abend erreichten wir den 
Ort Borular (zur Zeit unbewohnt), wo uns der Älte- 
ste von Ary-Bykow, Wassilij Bobrowski, mit dem 
Beinamen Kulgach (einer der für die Rettung der 
Amerikaner mit der Medaille Belohnten), erwartete. 
Er war von unserer Ankunft auf einem näheren Wege 
zu Lande benachrichtigt worden. Ich hoffte von ihm 
Einiges über den Ort, wo das Adams'sche Mammuth 
gefunden worden war, zu erfahren; er verwies mich 
aber auf den Ältesten von Simowjelach, Nikolai Scha- 
gra (auch S chagrin genannt), den ich im Winter vor- 
her bereits gebeten hatte Erkundigungen darüber ein- 
zuziehen, für den Fall, dass ich hinkommen sollte. 

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter, legten in 
Ary-Bykow an (das Dorf war augenblicklich nur von 
Gänsen bewohnt, die sich bei unserer Annäherung 
mit grossem Geschrei in's Wasser warfen und davon 
machten) , so wie an einigen anderen Orten , von 
denen aus ich Peilungen auf die mir bekannten Berge 
am Ufer machte (das geschah so oft als möglich wäh- 
rend der ganzen Fahrt), und am Nachmittag er- 
reichten wir Chastyr , den Sommeraufenthalt der Be- 
wohner von Simowjelach, etwa drei Werst westlich 
von diesem letzteren Ort. Einige Stunden nach uns 
traf auch Schagrin ein und machte mir die erfreu- 
liche Mittheilung, dass er nicht nur den Mammuthplatz 
kennt, sondern mich selbst dahin begleiten wolle. Die- 



— 75 — 

ser Mann, der mir ganz vortrefflich gefiel, ist leider, 
mit vielen anderen Bewohnern von Ary-Bykow und 
Simowjelach, ein Opfer der dort im November des 
vorigen Jahres ausgebrochenen Pockenepidemie ge- 
worden. 

Am folgenden Tage, den 8. (20.) August, brachen wir 
von Chastyr auf und fuhren zunächst nach Simowjelach 
hinüber. Hier mussten wir einen kleinen Halt machen, 
da es zu windig war, um die Überfahrt nach Tumuss- 
Bykow zu wagen. Die Breite des Stromes, wenn man 
das Wasser hier noch so nennen kann, beträgt circa 1-0 
Werst. Simowjelach ist nicht die äusserste östliche In- 
sel des Delta hier, wie das auf den Karten angegeben 
ist; weiter nach Osten schliessen sich noch Sandbänke 
und Inseln an. Die Insel ist nur wenige Quadratwerst 
gross, und das Dorf besteht aus 5 Jurten nebst Neben- 
gebäuden und einer kleinen Kirche. Ich verbrachte die 
Zeit bis zum Nachmittag mit Peilen und Photogra- 
phiren. Hier sah ich nach langer Zeit wieder einmal 
Motacilla lugens. Die Jakuten hatten keinen Namen 
für den Vogel; er gehört in die bei ihnen gerade 
nicht sehr grosse Kategorie tsclietscJiah (d. h, kleiner 
Vogel, nTamna). Am Nachmittag wurde es ganz still 
und wir brachen auf. Es waren einige hier im Delta 
so seltene und daher um so angenehmer empfundene 
Stunden der Windstille, die unsere Überfahrt begün- 
stigten ; die Leute waren ganz erstaunt über die Stille. 
Nach etwas mehr als zweistündigem angestrengtem Ru- 
dern legten wir etwa V/^ Werst südöstlich von der 
Nordspitze, Cap Bykow, an der Halbinsel an, ungefähr 
in der Mitte der Entfernung zwischen dem Cap und dem 
Dorfe Tumuss-Bykow. In der ganzen Zeit, wo ich mich 



— 76 — 

auf der Halbinsel aufhielt — bis zum 12. (24.) August 
Abends — war es des Windes wegen nicht möglich nach 
Simowjelach zurückzufahren, obgleich mehrfache Ver- 
suche gemacht wurden, da eine mir wichtige Sache, der 
Dreifuss meines photographischen Apparates, dort zu- 
rückgeblieben war; immer kehrten die Leute wieder 
zurück und sagten, dass die Überfahrt zu gefährlich 
sei. Einstimmig versicherten sie mich, dass es in der 
Wetka immer viel sicherer zu fahren sei als im Boot; 
das mag aber nur Gewohnheitssache sein. Ich habe 
mich übrigens nachher überzeugen können, dass die 
Leute hohen Wellengang durchaus nicht scheuten. All- 
jährlich fast sollen hier zwischen Cap Bykow und Si- 
mowjelach Unglücksfälle passiren; unter den Jakuten 
findet man sehr selten Leute , die zu schwimmen ver- 
stehen. 

Am Ufer angekommen, stieg ich an'sLand, schickte 
die Leute zum Dorf voraus und ging zu Fuss zur Nord- 
spitze. Das Erste, was mir am Ufer in die Augen fiel, 
war eine grosse, zwischen den am Ufer befindlichen 
Hügeln (ich komme auf dieselben später zurück) lie- 
gende Mammuthfibula, und etwas höher am Ufer lag 
der offenbar dazugehörige Humerus. Von der Nord- 
spitze übersende ich zwei Photographien {M 7 und 8)*); 
sie bieten ein charakteristisches Bild der Stelle, die ge- 
rade in Folge directen Anpralles der Wasser im star- 



4) Die Platten der hier und anderweitig im Berichte mehrfach 
erwähnten Photographien sind der hiesigen Geographischen Gesell- 
schaft zugeschickt, bisher jedoch noch keine Abdrücke von densel- 
ben gemacht worden, weshalb auch über das eventuelle Erscheinen 
der Photographien noch nichts Bestimmtes geäussert werden kann. 

Sehr. 



— 77 — 

ken Einstürzen begriffen ist. Auf den ersten Blick er- 
schien es mir, als ob die unten liegenden Blöcke ganz 
aus Eis beständen, ja, dass die die obere Schicht der 
Insel bildende Erdmasse gewissermaassen auf einem 
Eisfundamente ruhe; ich konnte mich jedoch bald da- 
von überzeugen, dass es sich nur um übereiste Erd- 
blöcke und Wände handelte. Das Eis muss auch hier 
auf dieselbe Weise entstanden gedacht werden, wie wir 
das bei den niedrigeren Inseln gesehen haben, durch 
Rissbildung, die zugleich den Einsturz beschleunigt. 
Leider konnte ich nicht an den Abhang hinabsteigen. 
Das Wasser tritt direct an die Wand heran, ist tief und 
die Wellen — es war unterdessen schon wieder windig ge- 
worden — brandeten mit gehöriger Gewalt an dieselbe. 
Nachdem ich mich an dem schönen Bilde — die unter- 
gehende Sonne beleuchtete das Ganze — satt gesehen, 
ging ich zum Dorfe zurück, wo ich in der Dunkelheit 
eintraf. Unterwegs stiess ich auf eine grosse Anzahl 
Gräber, nach hiesiger Art nur oberflächlich in die Erde 
eingefügte und über dieselbe hervorragende Särge, 
meist zerfallen; einen schön weiss geblichenen Schädel 
holte ich mir noch in der Nacht ab. Nach Aussagen 
der Bewohner von Bykow sollen die Gräber sowohl 
Russen, als auch Jakuten enthalten (über das Alter der- 
selben wussten sie nichts), so dass ich nicht angeben 
kann, ob der Schädel einem Jakuten, oder einem Rus- 
sen angehört hat; es wird die Entscheidung jedoch 
nicht schwer fallen. 

Am nächsten Morgen wollten wir zu dem etwa 30 
Werst südlicher gelegenen Mammuthplatze fahren, al- 
lein starker Wind (OSO, nach meiner Schätzung 12 
bis 15"' in der Secunde) hinderte uns daran, da wir 



— 78 — 

hier weiter in's Meer hinaus mussten, um Sandbänke 
zu umfahren. Ich ging am Vormittage, von einigen 
Jakuten begleitet, wieder zur Nordspitze, nahm Pho- 
tographien derselben auf, peilte und botanisirte. Am 
Nachmittage machte ich einen Spaziergang an die West- 
küste; dort war ich einigermaassen vor dem Winde 
geschützt. Hier fiel mir wieder die eigenthümliche 
Hügelbildung auf, deren ich auch früher erwähnte. 
Das wenig abschüssige Ufer, nicht einstürzend, ist mit 
mehr oder weniger hohen Hügeln (grösste absolute 
Höhe der einzelnen Hügel 20—25') dicht besetzt, deren 
Entstehung mir Anfangs nicht klar war. Erst als ich 
verschiedene Stellen der Halbinsel besucht hatte, schien 
es mir ganz unzweifelhaft, dass sie aus solchen gefro- 
renen Erdblöcken, wie sie an der Nordspitze liegen, 
sich gebildet haben. Hört der Einsturz an einer Stelle 
auf — in Folge der Hebung des Bodens, so dass das 
Wasser die Wand nicht mehr direct trifft, oder Ände- 
rung der Stromrichtung in Folge von Versandung (wie 
weit hier im Delta das von K. E. v. Baer aufgestellte 
Gesetz über Abtragung des einen und Ablagerung am 
anderen Ufer der Ströme gilt, scheint mir nach dem 
über die Veränderungen im Delta oben Gesagten schwer 
zu entscheiden; dass es zur Geltung kommt, unter- 
liegt keiner Frage; es ist jedoch möglich, dass die 
übrigen dort aufgeführten Ursachen der Verände- 
rung die Wirkung der durch Rotation der Erde her- 
vorgerufenen Thätigkeit des Wassers überwiegen) — 
so zerfallen die gefrorenen Erdblöcke allmählich, in- 
dem sie aufthauen, und bilden abgerundete Kegel, die 
sich allmählich mit Vegetation bedecken. Den Vor- 
gang können Sie auf den Photographien M 7 und 8, 



— 79 — 

]\& 5* (zu diesem Bilde ist noch eine weiter folgende 
Erklärung nöthig), J2 10 und J\s 6 (und anderen) in 
der hier angegebenen Reihenfolge deutlich verfolgen; 
auf dem letzten Bilde (K?. 6) lässt sich im Hintergrunde 
in undeutlichen Umrissen noch die Wand erkennen, 
aus der die Hügellandschaft allmählich hervorgegangen 
ist. In der Umgebung eines dieser Hügel fand ich 
wieder Mammuthknochen (Zähne sollen auch hier nur 
selten gefunden werden): Fibula, Scapula, Humerus, 
Ulna, Carpalien und Metacarpalien, endlich eine grosse 
Anzahl von Wirbeln, wahrscheinlich alle von ein und 
demselben Thiere, offenbar einem jungen Exemplare; 
die Epiphysen waren getrennt. Der Humerus stak 
noch in der Erde und ragte aus der Spitze des Hügels 
hervor, circa 75' über dem Wasserspiegel. Ich ging 
wieder bis zur Nordspitze, konnte aber auch hier nicht 
an die Wand ankommen ; die Brandung war heute sehr 
arg. Wenngleich man von Tumuss-Bykow einen un- 
begrenzten Blick über das Meer hat, auch schönen 
Wellenschlag, so macht das Ganze doch nicht den Ein- 
druck des Meeres; es fehlt Vieles: der Meeresgeruch, 
der Salzgehalt — das Wasser ist vollkommen süss und 
zeigt Strömung — und das Vorhandensein von Mu- 
scheln und anderen Seethieren. 

Bevor ich zur Beschreibung meiner Fahrt zum Mam- 
muthplatze, sowie des Platzes selbst schreite, möchte 
ich einige allgemeinere Bemerkungen über die Halb- 
insel Bykow vorausschicken. Die jakutische Bezeich- 
nung ist, wie bereits mehrfach erwähnt, «Tumuss»- oder 
«Tumul-Bykow», was so viel wie Cap Bykow heisst. Die 
Bezeichnung «Tamut», die Midden dor ff angiebt, ist 
gar nicht bekannt; wahrscheinlich ist er nicht richtig 



— 80 — 

benachrichtigt worden. Eine Verwechselung mit dem 
Worte «Tumat» ist kaum anzunehmen, da dieses nur für 
die im äussersten Norden des Delta liegenden Dörfer 
(Ketach, Borchaja etc.) gebraucht wird. Die letztere 
Bezeichnung wird vom russischen «tuman» (Nebel), 
das auch in's Jakutische übergegangen ist, abgeleitet: 
die ersten hierher gelangenden Jakuten hätten sich im 
Nebel verirrt, so erzählen die hiesigen Bewohner, und 
danach den Ort benannt. 

Die ganze Halbinsel (die schmale Verbindungsstelle 
mit dem Ufer soll von derselben Beschaffenheit sein, 
wie die Theile, die ich gesehen habe) ist ein grosser, 
gefrorener Erdklotz. Von Steinen findet man nur am 
Ufer kleine, mehr oder weniger abgerundete Stücke, 
die, wie auch auf den Inseln des Delta, von Weitem 
durch Wasser und Eis dorthin verschleppt sind. Unter 
ihnen finden sich Carneole, Steinkohlen, Sandsteine, 
Eisenkiese, wie allenthalben an der Lena. Die Ober- 
fläche der Halbinsel ist uneben; mehrere von nach 
W verlaufende Höhenzüge sind durch in derselben 
Richtung verlaufende Niederungen von einander ge- 
trennt. Das Ufer erreicht bei den letzteren eine Höhe 
von 20 — 30'. Wo die Höhenzüge an's Ufer treten, 
bilden sie wenig vorspringende Caps, die mehr oder 
weniger im Einstürzen begriffen sind, zeigen zum Theil 
steile Abhänge, zum Theil allmählich ansteigendes 
Ufer mit Hügelbildung, die dort, wo das Ufer niedrig 
ist, vollkommen fehlt. Im Profil, vom Meere aus, würde 
also die Halbinsel, so weit ich sie gesehen, etwa fol- 
gendes Bild gewähren: 



— 81 — 




DorfTùmuB-Bi/KOu,-' 

CapB i/iuiW 



/L 



Steile Abhänge, zum Theil mit Eis bedeckt. 

^î Allmähliche Steigung mit Hügelbildung, 

(^ Abgerundetes niedriges, nicht über 30' hohes Ufer. 
a = Wasserspiegel. 

In der ersten Niederung, beim Dorfe Bykow, steigt 
der Boden von nach W an, so dass die Westküste 
bei Weitem höher ist; sie zeigt auch Hügelbildung. Das- 
selbe schien mir auch für die anderen Niederungen zu 
gelten. Innerhalb der niedrigen Partien findet man 
nur selten kegelförmige Erhebungen. Allenthalben auf 
der Halbinsel , auf den Höhen sowohl als in den Nie- 
derungen, befindet sich eine grosse Anzahl von Seen, die 
zum Theil reich an Fischen {tschir) sind. Nirgends auf der 
Oberfläche der Insel findet sich Treib- oder Noahholz, 
noch habe ich Spuren von Muscheln finden können. 
Treibholz fand sich nur nahe am Wasser (Bild 9 und 
10). Die höchsten Stellen (3. Cap, Bild 10, und der 
Mammuthplatz) erheben sich nach ungefährer Schätzung 
etwa 200 Fuss über dem Wasserspiegel. Wo frische 
Einstürze zu Tage treten, zeigt die Erde deutliche 
Schichtung (Bild 4). Ist der Absturz einige Zeit der 
Luft exponirt gewesen, so ist die Schichtung durch 
drüberfliessendes Wasser verwischt. Die Erde enthält 
viel vegetabilische Reste. Alles das scheint mir dafür 
zu sprechen, dass es sich um eine Ablagerung aus dem 
Wasser und zwar aus süssem Wasser handelt, dass 

Mélanges biologiques. XII. 11 



— 82 — 

also die Halbinsel Tumuss-Bykow ebenso zum Delta 
gerechnet werden muss, wie die nördlich gelegenen In- 
seln des Delta; es ist ganz dieselbe Bildung wie die 
früher erwähnten höheren Inseln. (Eine Erdprobe^ die 
ich mitgenommen habe, wird vielleicht dazu beitragen, 
hierüber endgültig zu entscheiden; ich habe sie noch 
nicht mikroscopisch auf etwaige animalische Reste un- 
tersuchen können.) 

Die Vegetation der Halbinsel ist dem entsprechend 
fast vollkommen derjenigen der höheren Inseln gleich, 
nur fand ich noch einige Arten, die ich dort nicht 
angetroffen , so namentlich eine Betula (der B. nana 
sehr nahestehend), eine Potentilla, Ruhus Chamae- 
morus (von der ich früher bei Krestjach nur ein Blatt 
gefunden hatte), letztere gerade blühend am 9. (21.) 
August; zur Reife gelangt die Beere hier nicht; bei 
Kumaksur an der Lena, das nur wenig südlicher liegt, 
wohl. 

Am Morgen des 10. (22.) August Hess der Wind 
nach und wir konnten um \/^ß Uhr Morgens abfahren. 
Die Hauptrichtung der Fahrt lag längs der Küste, nach 
SSO, doch hatten wir häufig Sandbänke zu umfahren, 
wobei angestrengt gerudert werden musste, da der 
Wind inzwischen wieder frischer wurde (SSW). An 
einzelnen Stellen konnte das Boot auch längs dem Ufer 
gezogen werden; dann ging ich zu Fuss. Um Mittags- 
zeit kamen wir beim dritten Cap, circa 20 Werst süd- 
lich vom Dorfe Bykow, an und machten Halt. Auf dem 
Bilde 10 ist dasselbe wiedergegeben; die Aufnahme 
fand nahe vom Wasserspiegel aus statt. Obgleich der 
Einsturz, der früher jedenfalls ein viel stärkerer ge- 
wesen ist — wie die Hügel anzeigen , die bereits Zeit 



— 83 — 

gehabt haben, sich zum Theil mit Vegetation zu be- 
decken, — hier seit langer Zeit aufgehört hat, so ist 
doch noch immer eine Bewegung der Erde am Abhänge 
zu bemerken; der ganze Abhang ist, wo sich nicht 
gerade Hügel befinden , mit einer circa einen Fuss 
dicken , nassen , zähen , lehmigen Erdschicht bedeckt, 
die allmählich, gleich einem Lavastrom, über den ge- 
frorenen Boden zum Wasser hinabgleitet. Bisweilen ge- 
räth, während man darin herumwatet, eine grössere Par- 
tie in's Gleiten und man muss unwillkürlich mit, nur 
darauf bedacht, das Gleichgewicht zu erhalten, bis man 
an eine festere Partie, einen Hügel, angetrieben wird und 
hier festen Fuss fassen kann. Der eigentliche Absturz 
ist hier nur circa 20 — 25' hoch (im Hintergrunde des 
Bildes sichtbar, circa Vg Werst vom Punkte der Auf- 
nahme des Bildes entfernt), zum Theil mit Eis be- 
deckt; auf letzteres komme ich noch zurück. Hier 
fanden wir, ausser vereinzelten Mammuthknochen, auch 
Knochen kleinerer Säugethiere, Zweihufer, welche die 
Jakuten gleichfalls für Mammuthknochen hielten; es 
war jedoch nicht schwer, sie von ihrem Irrthume zu 
überzeugen, worauf sie mir sehr behülflich im Ein- 
sammeln der Knochen wurden. Wie ich Ihnen im 
Herbst schrieb, glaubte ich annehmen zu können, Kno- 
chen von drei Arten Zweihufer gefunden zu haben; 
jetzt sind mir in Betreff der Zahl der Arten Zweifel 
aufgestiegen, da diese Angabe grösstentheils auf die 
Grössenunterschiede basirt war, weil mir alle Literatur 
und jedes Vergleichsmaterial fehlte, bedeutende Grös- 
senunterschiede aber bei Zweihufern schon durch die 
Verschiedenheit des Geschlechts hervorgerufen sein 
können. Immerhin jedoch hoffe ich , dass ein oder das 



— 84 — 

andere Stück nicht ohne Interesse sein wird. Leider 
finden sich fast nur Extremitätenknochen vor; nur 
einen halben Unterkiefer mit conservirter Zahnreihe 
habe ich erhalten können. 

Um 3 Uhr Nachmittags gelangten wir zum Platz, 
den mir die Jakuten als denjenigen bezeichneten, wo das 
Adams'sche Mammuth zum Vorschein gekommen war. 
Das Ufer, das, wie bereits früher erwähnt, im Allgemei- 
nen eine südsüdöstliche Richtung beibehält, verläuft 
hier eine kurze Strecke in östlicher Richtung, auf diese 
Art eine Bucht bildend, in welcher eine ungeheure, 
geschichtete Treibholzmasse abgelagert ist (Bild 9, 
nicht sehr gelungen, aber vielleicht doch brauchbar; 
Menschen auf dem Treibholz und unsere Zelte im Vor- 
dergrunde geben einen Maassstab). Wie mich die Ja- 
kuten versicherten, liegt das Treibholz hier unverän- 
dert, so lange sich Menschen erinnern können, ja 
Schagra meinte sogar «seit Noah's Zeiten»; jetzt 
steige das Wasser nie so hoch, dass zu dem Treibholz- 
felde, dessen Oberfläche sich etwa 10 Fuss über dem 
Wasserspiegel befand (das Ufer ist hier sehr niedrig, 
allmählich aus dem Wasser aufsteigend), noch weiteres 
Holz zugeführt werde ; nur dicht am Ufer könnten noch 
Balken abgelagert werden. Vom Wasser ist das alte 
Treibholz durch einen Landstreifen getrennt. Das Was- 
ser in der ganzen Bucht ist sehr seicht, 1 — P/g' tief, 
und wechselt selbstverständlich je nach Ebbe und 
Fluth. 

Längs der in östlicher Richtung (274°) verlaufen- 
den Uferstrecke erhebt sich in einer Entfernung von 
2 — 300 Schritt vom Wasser ein senkrechter Absturz 
(Bild 2), der an seiner höchsten Stelle circa 200 



— 85 — 

Fuss über den Wasserspiegel emporragt. Der Ab- 
sturz selbst ist 29 Arschin hoch, an einer der höch- 
sten Stellen; die Erhebung vom Wasser bis zum Fuss 
desselben beträgt wohl das Dreifache. Die Strecke 
vom Wasser bis zum Abhänge steigt allmählich an und 
zeigt eine ähnliche Beschaffenheit , wie an dem früher 
beschriebenen Abhänge, — kleine Hügel und zum Was- 
ser sich fortbewegende aufgeweichte Erdmassen. Wie 
mir die Jakuten sagten, tritt die Wand beständig wei- 
ter in's Land zurück, und an der Richtigkeit dieser 
Aussage ist nicht zu zweifeln. In geringen Massen 
findet beständiger Einsturz statt, aber auch frisch ein- 
gestürzte grössere Massen kann man sehen (Bild ö**); 
desgleichen solche Stellen, die sicher bald einstürzen 
müssen (Bild 5"). Das Mammuth ist in dem vorde- 
ren (westlichen) Theile der auf Bild 2 abgebildeten 
ganzen Wand zum Vorschein gekommen , ungefähr 
an der Stelle, die in Bild 4 wiedergegeben ist. (Auf 
Bild 2 ist nicht die ganze Wand sichtbar; die Stel- 
len, welche die Bilder 5" und 5^ wiedergeben, be- 
finden sich weiter östlich, oder vielmehr ostsüdöstlich; 
das Ufer nimmt wieder seine alte Richtung ein und 
mit ihr die Wand). Früher hat an der Stelle, wo das 
Mammuth gelegen, ein Kreuz gestanden, dasselbe ist 
aber im Laufe der Zeit verschwunden. 

Der grösste Theil des Absturzes ist mit Eis bedeckt, 
nur an einzelnen Stellen tritt die Erde hervor und zeigt 
hier deutliche Schichtung. Es macht auf den ersten An- 
blick den Eindruck, als wenn die Eismassen ein wesent- 
licher Bestandtheil des Bodens seien , dass es sich um 
in die Erde eingelagerte Eismassen handelte; ich 
glaube mich aber vollständig davon überzeugt zu ha- 



— Be- 
ben, dass das Eis nur eine Auflagerung auf der 
Erde, so zu sagen eine secundäre Bildung ist, voll- 
kommen gleich denen, über die ich bereits oben ge- 
sprochen, eine Ansammlung von Wasser in den vorher 
gebildeten Spalten, wo es gefriert. Stürzt nun eine 
grössere Erdmasse ab, was gerade durch die Eisbil- 
dung in der Spalte bewirkt und befördert wird, so tritt 
das Eis zu Tage. Die Gründe, die mich zu dieser Über- 
zeugung führten, sind folgende. Nirgends, wo das Eis 
und die Erde sich berühren, kann man ein Übergreifen 
der Erde über Eispartien bemerken, immer das Gegen- 
theil. Am Rande der Eisfläche gelingt es nach kurzer 
Arbeit, auf Erde zu stossen; in der Mitte gelang uns 
das nicht, obgleich wir angestrengt arbeiteten und 
über 2 Fuss tiefe Löcher (uns stand nur ein Beil zur 
Verfügung) hineinschlugen. Wo Erde das Eis über- 
lagerte (ich fand auch einige solche Stellen, die sich 
aber zur Photographie nicht eigneten), konnte man 
deutlich erkennen, dass diese Lagerung in Folge des 
Einsturzes zu Stande gekommen war. So z. B. wird 
Derartiges zu Stande kommen , wenn die auf Bild 5" 
wiedergegebene, überhängende Erdmasse hinabstürzt; 
die Erde wird dann die sie jetzt von unten her aus- 
kleidende Eismasse überdecken. Ferner, wenn die 
Eismassen eingelagert wären , so müssten wir sie uns 
aus angesammelten Schneemassen entstanden denken. 
Diese müssten nothwendig eine horizontale Schich- 
tung zeigen, gleich der, welche wir in unzweifelhaf- 
ten Schneeanhäufungen neueren Datums finden (ich 
habe eine solche photographirt, Bild 11); nirgends ist 
aber eine horizontale Streifung sichtbar. Eine verti- 
cale Streifung ist bisweilen bemerkbar, sie ist jedoch 



— 87 — 

durch Risse und Überrieselung mit Wasser hervor- 
gerufen. Endlich möchte ich noch bemerken, dass 
nach genauerer Betrachtung der Gesammteindruck, 
den diese Eismassen hervorrufen, die Annahme einer 
Einlagerung derselben auszuschliessen zwingt. 

Das Eis selbst ist ziemlich klar, enthält aber Luft- 
bläschen. Ob es in seiner ganzen Mächtigkeit im Spalte 
gebildet wird und, durch Abstürzen der Erde einmal zu 
Tage gefördert, allmählich schwindet, oder, namentlich 
im Frühling, wo die dahinterliegenden Erdschichten 
eine sehr niedrige Temperatur besitzen, durch über- 
rieselndes Wasser verstärkt wird, wage ich nicht zu 
entscheiden. Schneeansammlungen aber tragen, aus den 
kurz vorher besprochenen Gründen, nicht zur Verstär- 
kung der Eismassen bei. 

Nach dem also, w^as ich auf Gap Bykow gesehen 
und Ihnen im Vorhergehenden kurz wiederzugeben 
bemüht gewesen bin, muss man annehmen, dass das 
Mammuth hier in der Erde abgelagert war. 

Obgleich ich bei der Abfassung des vorliegenden Be- 
richtes, wie Sie gewiss bemerkt haben, mich aller Re- 
flexionen nach Möglichkeit enthalte und mich darauf 
beschränke, Ihnen Thatsachen, die von Interesse zu 
sein scheinen, mitzutheilen, möchte ich mir doch dem 
Vorhergehenden eine kurze Betrachtung anzuschliessen 
gestatten. Es könnte nämlich scheinen, als ob ich aus 
dem mitgetheilten Befunde zu dem Schluss gekommen 
wäre, dass die Richtigkeit Ihrer Ansicht über die Art 
der Einbettung fossiler Thiercadaver in Nordsibirien 
zu bezweifeln wäre. Dem ist jedoch nicht so — vor 
Allem habe ich ja die Hauptsache, um das zu können, 
das Mammuth selbst, nicht gefunden — und ich möchte 



■A 



— 88 — 

hier kurz meine unmaassgebliche Ansicht in Betreff 
der Mammuthfunde im Bereich des Lena -Delta 
auseinandersetzen. Meiner Meinung nach rühren alle 
Mammuthreste innerhalb des Delta (die Halbinsel By- 
kow mit eingerechnet) von Cadavern her, die aus ihrer 
ursprünglichen Lage durch Frühlingswasser fortge- 
schafft worden sind. Dem entsprechend finden wir auch 
im Delta fast ausschliesslich vollkommen entfettete und 
grösstentheils vereinzelte Knochen. Auf den niedrigen 
Inseln finden sich gar keine Reste, weil diese Inseln, 
wenn ich mich so ausdrücken darf, zu oft umgearbeitet 
worden sind, wobei die Knochen immer tiefer und tie- 
fer abgelagert wurden. Die höheren Inseln, deren 
Zustandekommen, d. h. Nichtzerstörtwerden , wir uns 
hauptsächlich durch zeitweilige Änderung der Haupt- 
stromrichtung erklären können (auch der Mangel an 
Treibholz auf ihnen, so wie oben auf der Halbinsel 
Bykow, scheint dafür zu sprechen, dass zur Zeit, wo 
sie sich über dem Wasserspiegel erhoben, eine stär- 
kere Strömung, d. h. ein breiterer Stromarm, dieser 
Gegend gefehlt hat), haben die einmal eingeschlossenen 
Reste vermöge ihrer einmal erhaltenen Resistenz auf- 
bewahrt und fördern dieselben jetzt nur langsam zu 
Tage. Wenn nun auch in der Regel bei einer solchen 
Überführung der Cadaver die Theile derselben aus ihrem 
Zusammenhang gebracht werden, so könnte doch noch 
der Fall möglich sein, dass ein ganzer Cadaver in noch 
gefrorenem Zustande im kalten Frühlingswasser bis 
in's Delta geführt, hier in angeschwemmte Erdmas- 
sen eingebettet, die bald gefrieren, und so bis auf un- 
sere Tage mit den Weichtheilen aufbewahrt wurde. 
Der Fund eines ganzen Cadavers im Delta muss jeden- 



— 89 — 

falls als eine noch grössere Seltenheit betrachtet wer- 
den, als ein solcher auf dem Festlande. Der eigentliche 
Fundort, wo wir noch Neues in dieser Beziehung zu 
erwarten haben, sind die Flussthäler und Schluchten 
des Festlandes von Nordsibirien, wo wir uns ihre Auf- 
bewahrung in der von Ihnen beschriebenen Weise vor 
sich gegangen denken müssen. 

Nachdem ich mir am Mammuthplatze Adams', so 
weit meine Zeit es mir gestattete. Alles betrachtet, be- 
sonders das Verhalten des Eises zur Erde, photogra- 
phirt, botanisirt und mit Hülfe der Jakuten eine An- 
zahl fossiler Knochen eingesammelt hatte, brach ich 
am Nachmittage den 11. (23.) Aug. von dort auf und 
erreichte am selben Abend das Dorf Tumuss-Bykow. 
Am folgenden Tage hinderte ein starker Wind meine 
Weiterfahrt zum Festlande (Angardam), da wir auch 
hier wieder über eine breite Wasserfläche zu fahren hat- 
ten, die Bykowskaja Guba. Erst am Abend wurde es so 
weit still, dass wir an den Aufbruch denken konnten. 
Als wir die Nordspitze der Halbinsel umfuhren, erwiess 
sich der Wind doch noch recht störend, da er uns ge- 
rade entgegen, von West, bliess. Die untergehende Sonne 
beleuchtete malerisch die braunen Erdwände, die zum 
Theil mit Eis bedeckt sind; vor mir traten in dunkel- 
violetten Farben die Berge des Festlandes immer ver- 
lockender und deutlicher hervor. Ich konnte mich, wäh- 
rend wir nur in geringer Entfernung an der Nordspitze 
vorüberfuhren, endgültig davon überzeugen, dass es 
sich auch hier um eine Überkleidung der Erdblöcke 
mit Eis handelte; eine Landung war bei dem augen- 
blicklichen hohen Wellengange nicht rathsam. Hier 
konnte ich erkennen, mit welcher Sicherheit die Ja- 

Melaoges biologiques. XII. 12 



— 90 — 

kuten in ihren Wetken, deren eine ganze Anzahl mein 
Boot begleiteten, fuhren; ruhig und taktmässig senkt 
sich das Doppelruder in's Wasser, und nur bei den 
allerhöchsten Wellen setzt der Insasse für einen Au- 
genblick mit dem Rudern aus, seine ganze Aufmerk- 
samkeit auf die Erhaltung der Balance richtend, dann 
fährt er ebenso ruhig fort zu rudern, und das kleine 
Boot gleitet wie eine Move über die bewegte Wasser- 
fläche hin. 

Nach etwa P/gStündigem Rudern landeten wir an 
einer Insel Ohara -ary (d, h. die schwarze Insel) und 
etwas später an einer zweiten Insel, Daschka-ary, die 
von der ersten durch einen schmalen Kanal getrennt 
wdrd. Hier nächtigten wir. Die beiden Inseln scheinen 
mir auf den Karten nicht angegeben zu sein, da sie 
südlich vom Hauptmündungsarme, der Bykowskaja Pro- 
toka, liegen. Es war so hell, dass ich von beiden aus auf 
mir von früher her bekannte Punkte peilen und so ihre 
Lage bestimmen konnte. Die Inseln scheinen mir nicht 
ganz neuen Datums zu sein (Flora, alte Gebäude etc.). 
An ihrer Stelle findet sich auf den Karten nur eine 
Sandbank angedeutet. Nördlich von diesen Inseln, sag- 
ten die Jakuten, sei der Strom am tiefsten und reis- 
sendsten. Hier war auch der Dampfer «Lena» in die 
Mündung seiner Taufmutter eingedrungen. Am ande- 
ren Morgen verliessen uns unsere Begleiter aus Si- 
mowjelach und Tumuss-Bykow und wir wandten uns 
dem Festlande zu, das wir am Nachmittage erreichten. 
Bald darauf, in der Nähe eines Berges, machten wir 
Halt. 

Ich muss gestehen, dass ich mich sehr getäuscht 
fühlte, nachdem ich mich einige Zeit am Festlande 



— 91 — 

aufgehalten hatte. Ich hatte gehofft hier tief einschnei- 
dende Gebirgsbäche, schöne Profile und in ihnen Pe- 
trefacten, pflanzlichen sowohl wie thierischen Ursprun- 
ges, zu finden; als eine solche erschien mir die Gebirgs- 
landschaft aus der Entfernung. Von Alledem — nichts. 
Die Berge sind vom Wasser meist durch ein breites 
Tundravorland getrennt, und wo sie erreichbar waren, 
boten die kahlen, mit mehr oder weniger zersplitterten 
Schiefertafeln bedeckten Berge, die (so wenig ich auch 
meinen mineralogischen Hammer schonte) gar keine 
Petrefacten enthielten, nur wenig Interessantes. Die 
Nebenflüsse strömen ruhig in breiten, weit in's Land 
einschneidenden Thälern dahin; viele derselben waren 
fast ganz trocken und mit denselben Schieferstücken, 
die die Berge bedecken, ausgefüllt. Nur die Flora bot 
noch einige hübsche Sachen (obgleich das Meiste schon 
verblüht war und durch Frost gelitten hatte); so eine 
reizende kleine Corydalis , eine Saxifraga , mehrere 
Arten Oxytropis und einige Compositen, die ich auf den 
Inseln des Delta nirgends angetrofi'en hatte. Ein rei- 
ches Feld für seine Thätigkeit hätte hier ein Licheno- 
log finden können. Aber, wie ich Ihnen bereits im ver- 
gangenen Jahre schrieb, es hindert mich meine Un- 
kenntniss auf diesem Gebiete, auch nur mit einiger 
Kritik zu sammeln ; ich hätte mein ohnehin schon stark 
beladenes Boot mit ganzen Säcken von mit Flechten 
bedeckten Steinen belasten müssen, um nur einiger- 
maassen das hier Gebotene unterzubringen, und wahr- 
scheinlich nachher nicht die Möglichkeit gehabt, sie von 
der Station aus zu transportiren. So stand ich denn 
lieber ganz vom Sammeln der Flechten ab und tröstete 
mich mit dem non omnia possumus omnes. 



— 92 — 

Da ich hier gerade bei der Botanik bin, so möchte 
ich Ihnen in aller Kürze über meine Ausbeute auf die- 
sem Gebiete berichten. Seit dem Erscheinen der ersten 
blühenden Pflanzen auf Sagastyr hatte ich ununter- 
brochen das Einsammeln derselben auf der eben ge- 
nannten Insel, so wie auf einigen der zunächst liegenden 
fortgesetzt, und ich glaube kaum, dass mir auf Sagastyr 
irgend etwas Charakteristisches entgangen ist, wenig- 
stens konnte ich bei meiner Rückkehr von dem eben 
beschriebenen Ausfluge keine Art finden, die ich nicht 
schon früher meinem Herbarium einverleibt oder doch 
bemerkt, aber als noch nicht aufgeblüht stehen gelas- 
sen hätte. Während der ganzen Fahrt nach Cap By- 
kow habe ich auf den einzelnen Inseln und am Fest- 
lande botanisirt, dabei aber mein Augenmerk nur auf 
neu auftretende Arten oder solche, die mir früher nur 
in verkümmerten Exemplaren begegnet waren, gerich- 
tet; auf jeder Insel wieder alle vorhandenen Arten 
einzusammeln schien mir nicht nothwendig. Wie viel 
Arten das Herbarium schliesslich enthielt, kann ich 
Ihnen im Augenblick nicht angeben, doch werden es 
nicht unter 200 sein, unter ihnen eine Anzahl, die mir 
auf der Fahrt längs der Lena nicht begegnet waren. 
Über die zoologische Ausbeute während meiner Fahrt, 
die im Ganzen sehr gering war, habe ich bereits oben 
berichtet. 

So setzten wir denn die Fahrt längs dem Ufer ohne 
grössere Unterbrechungen fort; nur starker Wind mit 
Schneetreiben störte bisweilen. Der Schnee blieb na- 
mentlich auf den Bergen längere Zeit liegen und ver- 
änderte die Gleichförmigkeit der Gegend in angeneh- 
mer Weise. Einige der zunächstliegenden Berge bestieg 



— 93 — 

ich. Die Höhe derselben mag 5 — 800 Fuss betragen ; 
auf einzelnen nahm ich Messungen mit dem Aneroid 
vor. Nur auf wenigen Bergen lagen geringe Men- 
gen vorigjährigen Schnees. (Eine im Ganzen nicht 
sehr gelungene Photographie habe ich früher abge- 
schickt.) 

Am 15. (27.) August fuhr in grosser Entfernung 
ein Boot stromabwärts an uns vorüber. Ich schickte 
einen Jakuten mit der Wetka hinüber; es waren han- 
delnde Jakuten von Tumuss-Bykow, die aus Kumaksur 
zurückkehrten. Hier erfuhr ich zuerst, dass das Trans- 
portfahrzeug mit dem Proviant für unsere zweite 
Überwinterung auf der Station nach Sagastyr gegan- 
gen sei. 

Am 16. (28.) August hatten wir eine erfolgreiche 
Rennthierjagd. Vier Rennthiere wollten den mehrere 
Werst breiten Strom überschwimmen. Die Jakuten 
schnitten ihnen den Rückweg ab und erlegten drei 
mit den Spiessen im Wasser; das vierte Thier, das 
schwer verwundet das Ufer erreichte, brach erst bei 
der vierten Kugel aus dem Berdangewehr des Ko- 
saken (alle vier Kugeln hatten gut getroffen) zu- 
sammen. 

Am Nachmittage desselben Tages traf ich einen 
mir vom Winter her bekannten Tungusen, Portnjagin 
(seiner Herkunft nach ist er eigentlich Russe , seiner 
Lebensweise nach aber vollständiger Renn thier -Tun- 
guse, auch spricht er nur sehr gebrochen russisch), 
mit seinem Sohne, die hier ihre Eisfuchsfallen für 
den Winter revidirten. Der Sohn bewegte sich in 
einem so eigenthümlichen Aufzuge in der Tundra, 
dass ich mir zuerst gar nicht erklären konnte, was 



— 94 — 

sich eigentlich auf mich zu bewegte, besonders da 
die Luft in der Tundra stark vibrirte. Als er näher 
kam (ich war allein vorausgegangen), erinnerte mich 
der ganze Aufzug lebhaft an den Semilasso's in Im- 
me rmann's Münchhausen. Er selbst sass auf einem 
stattHchen Rennthierreitbollen , der nebst zwei ande- 
ren, hinter ihm hergehenden Rennthieren vor einem 
breiten Schlitten gespannt war; auf dem Schlitten lag 
eine Wetka und zu beiden Seiten des Schlittens ging 
je ein am Schlitten angebundener Hund. So bewegte 
sich das Ganze langsam und majestätisch durch die 
Tundra. Ich hatte hier nichts weniger als einen Men- 
schen erwartet. Auch Portnjagin, der, gleich nach- 
dem ich seinem Sohne begegnet war, auf einem Renn- 
thier angeritten kam, wusste von unserem Proviant- 
schiff zu erzählen: Tungusen hätten es bei der Insel 
Stolbowoi nicht ohne Scheu vorüberfahren sehen, ob 
es aber ein Dampfschiff oder ein Kajuk gewesen, hät- 
ten sie nicht entscheiden können; jedenfalls sei es mit 
Rudern fortbewegt worden. Leider verschwand der 
Sohn Portnjagin's sehr schnell in der hier etwas 
hügeligen Tundra und konnte nicht mehr zurück- 
gerufen werden; ich hätte gar zu gern eine Photogra- 
phie von seinem Gefährt aufgenommen. 

Auch am folgenden Tage trafen wir Menschen ; es war 
der bei der Rettung der Mannschaft der «Jeanette» mehr- 
fach genannte Verschickte Kusma J creme Jeff, der mit 
seiner Frau (einer Jakutin) und einem Jakuten nach 
Bykow , seinem zeitweiligen Wohnorte , fuhr. Er er- 
freute sich eines schönen Zeltes, das er von den Ame- 
rikanern erhalten hatte, und tractirte mich gastfreund- 
lich mit Thee, der lege artis mit Hülfe eines Samowars 



— 95 — 

bereitet wurde. Seine ganze Ausrüstung sprach für 
Wohlstand; auch ein hübscher Mortimer -Doppellauf 
fehlte nicht, gleichfalls ein Geschenk der Amerikaner. 
Der Mann hat einen sehr schönen Kopf, so dass ich 
mir gar nicht denken konnte, was für Vergehen die 
Veranlassung zu seiner harten Verbannung gewesen 
waren. Jetzt hatte er sichere Hoffnung auf, inzwischen 
in der That in Folge des Manifestes eingetretene, 
Erleichterungen seiner Lage. Von ihm erfuhr ich, dass 
der Vicegouverneur , Hr. Priklonskij, selbst den 
Transport zu uns geleitet habe. 

Am Abend desselben Tages umfuhren wir die nörd- 
lichste, vorragende Spitze östlich von der Lena -Mün- 
dung, und hier war ich so glücklich das zu finden, was 
ich suchte, eine petrefactenhaltige Schicht^). Ich habe 
Ihnen darüber bereits geschrieben und zugleich die Hoff- 
nung ausgesprochen, dass ein Geolog aus diesen Fossilien 
nebst den übrigen Steinproben ein Bild von den For- 
mationen an der Lena-Mündung erhalten dürfte. Be- 
reits weiter östlich, bei Krest-Tumuss (d. h. Kreuzcap), 
waren wesentliche Veränderungen in der Formation 
eingetreten; die Felsen traten näher an's Ufer und 
verschiedene krystallinische, bald grüne, bald weiss- 
liche Gesteine, letztere mit violetten Einsprengungen 
(Amethyst?), wechselten den eintönigen, grobkörnigen 
Schiefer ab. In der Nähe der petrefactenhaltigen 
Schicht schlugen wir unser Nachtlager auf. Als wir 
unser Abendessen kochten, sah ich (es dunkelte be- 



5) An dieser Stelle befand sich eine sehr starke Schicht vorig- 
jährigen Schnees, von welcher ich eine Photographie aufgenommen 
und mit der letzten Sendung abgeschickt habe. Der Schnee zeigt 
eine deutliche Schichtung. 



— 96 — 

reits stark) auf einem in einer Entfernung von etwa 
zwei Werst liegenden Berge mit steilem Abfalle zur 
Lena etwas sich bewegen und konnte mit dem Binocle 
deutlich drei Bergschaafe erkennen — das letzte meiner 
Ziele, die ich mir bei diesem Ausfluge gesetzt hatte. 
Am anderen Morgen früh machten wir uns zuerst dar- 
an, eine gehörige Anzahl von Petrefacten zu erhalten, 
was nicht ganz leicht war, da das Muttergestein (grauer 
Kalkstein) sich als sehr hart erwies. Etwa um 1 Uhr 
beendeten wir diese Arbeit, und nun konnte es an die 
Jagd gehen. Wir waren (der Kosak und ich, die Ja- 
kuten schickten wir mit dem Boot voraus) nur wenige 
Schritte in's Land hineingegangen, als ich vor uns, 
etwa in y^ Werst Entfernung, drei Schaafe sah. Wir 
entwarfen schnell einen Jagdplan, der sich in der 
Folge als gänzlich verfehlt erwies. Ich wollte mich 
von Süden her, wo ich mich einigermaassen decken 
konnte, an die Thiere anschleichen, war aber nur we- 
nige hundert Schritte gegangen, als, wie mir der Kosak 
später erzählte, die Thiere (es waren ihrer vier, — eines 
hatte gelegen) mit einem Satze den steilen Abhang, 
über welchem sie weideten, hinabgesprungen und in 
wenigen Sprüngen den gegenüberliegenden Bergabhang 
hinaufgeeilt waren. Dort sah ich sie hoch oben auf 
dem Berge erscheinen und wieder verschwinden; ich 
hielt sie aber für ganz andere Thiere, da ich unmög- 
lich annehmen konnte, dass die vorher gesehenen so 
schnell dahin gelangen konnten. Ich ging ihnen nach, 
konnte sie aber nirgends mehr erblicken. 

Von diesem hohen Berge eröffnete sich mir ein herr- 
licher Blick über die niedrigen braunenHügel hinweg auf 
das Lena-Thal. Weit, weit hinauf konnte ich den schö- 



— 97 — 

nen Strom, eben grell von der Sonne beleuchtet, zwischen 
seinen zackigen, blauen Ufern dahinströmen sehen, — 
ein mir ganz ungewohnter Anblick; nach Norden hin 
hatte ich den unbegrenzten Blick über das Delta. Ein 
mir bis dahin ganz unbekanntes Gefühl der Sehnsucht 
nach der Heimath und den Meinigen überkam mich 
plötzlich ; es kam mir so vor, als ob ich mich ganz nahe 
der Heimath befände. Und was war es denn auch ei- 
gentlich? Dort den schönen Strom hinauf, weit hinter 
den letzten bläulichen Bergen lag die Stadt Jakutsk, 
von da bis Irkutsk 3000 Werst und von Irkutsk nur 
noch etwas mehr als 6000 Werst und ich war da, wo- 
hin ich mich eben sehnte. Lange aber durfte ich mich 
nicht bei meinen Gedanken und der schönen Land- 
schaft aufhalten. Wir mussten wohl einsehen, dass wir 
ohne einen erfahrenen Tungusen, der die Gewohnhei- 
ten der Bergschaafe kannte, hier nur wenig ausrichten 
konnten. Die Zeit drängte, ich hatte den von mir ge- 
stellten Termin für mein Ausbleiben bereits über- 
schritten. Dazu kam, dass das Barometer stark zu 
fallen begonnen hatte und ich befürchten musste, gar 
zu lange hier zurückgehalten zu werden, da wir hier 
wieder über eine breite Wasserfläche zu setzen hatten, 
so gern ich auch hier auf den Bergen noch länger ver- 
weilt hätte. Rasch entschlossen stand ich auf und eilte 
über die Berge zu dem etwa 10 Werst entfernten 
Boote, gegenüber der Insel Stolbowoi, wo die Jakuten 
unserer Verabredung gemäss auf uns warteten. Nach 
wenigen Stunden fuhren wir zur Insel Stolbowoi hin- 
über, wo wir nächtigten. Auch hier wieder Enttäu- 
schung: schöne Profile, aber nirgends auch nur eine 
Spur von Versteinerungen. (Am rechten Lena-Ufer aber 

Mélangea biologiques, Xu. 13 



— 98 — 

fand ich noch eine mehrere Faden starke Schicht, be- 
stehend aus kleinen Steinen und einigen Bivalven, die 
von einer festen, cementartigen Masse zusammenge- 
backen waren.) Photographien von der Insel habe ich 
übersandt. 

Am andern Morgen fuhren wir zum Delta zurück, 
in welches wir bei der mir bekannten Insel Jakow- 
belkiöi unter heftigem Regen , wie ich ihn hier sonst 
nie mehr erlebt habe, einfuhren. Der Regen wieder- 
holte sich im Laufe des Tages noch einmal, so dass 
wir ganz durchnässt am Abend in Chas-Chata an- 
kamen. Als wir uns den Jurten näherten, bemerkten 
unsere Jakuten Welken am Ufer, und bald erkannten 
sie an den an denselben angebrachten Zeichen, dass 
Leute aus Tumat hier anwesend sein müssten. Kaum 
waren wir gelandet, als auch eine Anzahl Jakuten 
aus einer Jurte hervorsprang, lauter alte Bekannte, 
die der Kosak beim Kartenspiel (beim schlechten Wet- 
ter wohl verzeihlich !) überrascht hatte. Sie befanden 
sich auf der Rennthierjagd , die im Ganzen glücklich 
ausgefallen war. Nun ging's natürlich an ein Erzählen 
ohne Ende! Am folgenden Tage fuhren wir erst spät 
aus und nächtigten noch ein Mal, bevor wir in Sagastyr 
eintrafen, wo wir am 21. August (2. September) um 
1 1 Uhr Vormittags glücklich landeten. 

3. Nachrichten über Mammuthcadaver im unteren 
Lena -Gebiet. 

Noch hatte ich den vorstehenden Bericht nicht ab- 
geschlossen, als mich eine Nachricht traf, die mich 
veranlasste, einstweilen alle meine übrigen Beschäfti- 



— 99 — 

gungen bei Seite zu lassen und mich ihr zuzuwenden. 
Es handelt sich um nichts Geringeres als um einen 
Mammuthcadaver, und zwar im Delta, in nächster 
Nähe unserer Station , den uns die Jakuten bisher ab- 
sichtlich verheimlicht hatten. Das Resultat von Hrn. 
Jürgen s' und meinen bisherigen Nachforschungen nach 
Mammuthresten habe ich Ihnen in meinem früheren 
Berichte (1883) mitgetheilt. Was die Leute dazu ver- 
anlasst hat, uns den ihnen lange bekannten Fund zu 
verheimlichen, ist mir nicht ganz klar; wahrscheinlich 
befürchten sie in ihrer Gemüthlichkeit gestört zu wer- 
den. Der Starosta von Tumat beschuldigt seine Stam- 
mesgenossen, sie hätten ihm verboten davon zu sprechen, 
jene wiederum wollen davon nichts wissen u. s. w. Die 
Kenntniss vom Vorhandensein des Cadavers verdanken 
wir nur einem Zufall. Am 12. (24.) März dieses Jahres 
wohnte bei uns auf der Station (er war bereits einige 
Tage früher angekommen) der Schriftführer von Bu- 
lun lona Jegorowitsch Nowgorodow. Ich besprach 
mit ihm selbstverständlich wieder die Mammuthange- 
legenheit, bat ihn Nachforschungen anzustellen und 
den Eingeborenen die von der Akademie ausgesetzte 
Prämie in' s Gedächtniss zu rufen. Unter Anderem er- 
zählte er mir, dass er von einem Funde gehört habe 
(demselben, von welchem mir der frühere Schreiber 
von Bulun erzählte und worüber ich Ihnen schrieb); 
darüber müsse aber, meinte er, der hiesige Starosta, 
der auch gerade auf der Station anwesend war, Kennt- 
niss haben. Nach kurzer Unterredung kam es denn 
heraus, dass in der That ein Cadaver, nicht mehr 
vollkommen intact, circa 35 Werst von unserer Station 
läge, der den Jakuten bereits seit 27 Jahren bekannt 



— 100 — 

und zum Theil von ihnen ausgenutzt sei. Die Ge- 
schichte desselben ist kurz folgende. 

Der Cadaver wurde vollständig gefunden im Jahre 
1857 und damals der Kopf mit den Hauern abgetrennt 
und dem Kaufmann (früher Kosaken) Ssemen Grigor- 
jewitsch Schachurdin, der vor Kurzem gestorben 
ist, verkauft. Der damalige Isprawnik von Wercho- 
jansk, Worosheikin, später Polizeimeister von Ja- 
kutsk (jetzt in Krasnojarsk) , hatte davon erfahren 
und sogleich Nachforschungen angestellt. Ihm ward 
aber die fälschliche Antwort zugesandt, das Wasser 
hätte bereits den übrigen Cadaver fortgeführt, und 
damit war die Sache todt. Ich weiss nicht, ob Ihnen 
etwas von diesem Funde bekannt geworden ist. In 
Wirklichkeit liegt aber das Mammuth noch an seiner 
alten Stelle. Ich fuhr noch am selben Tage [12. (24.) 
März] in Begleitung Nowgorodow's zum Platze, wo 
das Mammuth liegen soll, erreichte ihn jedoch erst am 
folgenden Tage. Unser Weg führte uns in südwestlicher 
Richtung über Borchaja und Kaigalach. Vom letzteren 
Ort (der augenblicklich bewohnt ist) befindet sich der 
Cadaver in einer Entfernung von 12 Werst. Ich wollte 
mir wenigstens den Ort besehen, um zu erfahren, was 
unternommen werden könnte. Folgendes habe ich er- 
fahren können. Zum Vorschein war das Thier dadurch 
gekommen, dass das Frühjahrswasser einen Theil der 
Erdwand, in welcher es an einem Stromarme liegt, 
abgetragen hatte. Seine Lage, hiess es, hätte aber das 
Thier dabei nicht verändert; Kopf und Vordertheil seien 
erschienen, das Übrige läge bis jetzt fest im gefrorenen 
Boden, unverändert^ derKopf sei gleich abgetrennt wor- 
den. Wo er geblieben, weiss ich nicht. Der Cadaver liegt 



— 101 — 

im unteren Drittel einer circa 30 Fuss hohen Wand 
(am linken, westlichen Ufer der Protoka), die augen- 
blicklich mit einer tiefen Schneeschicht (von 5 Fuss bis 
2 Faden) bedeckt war, so dass ich ihre Beschaffenheit 
noch nicht anzugeben vermag. Im Frühjahr (d. h. Juni 
und Juli) soll das Wasser die Stelle vollkommen be- 
decken , und jetzt soll dasselbe auf dem Cadaver eine 
Schicht von einer oder einer halben Arschin Sand auf- 
geführt haben. Die Jakuten versicherten, dass ein Ver- 
schlepptwerden des Cadavers nicht zu befürchten sei; 
darauf ist aber nichts zu geben. Die Lage, in welcher das 
Mammuth gefunden wurde, sei folgende gewesen: das 
Mammuth hat auf der rechten S ei te gelegen, der Kopf 
und das Vordertheil seien höher gelagert gewesen als das 
Hintertheil ; derKopf hat zur Wand hin gelegen, das Hin- 
tertheil zum Wasser des Stromes, der an dieser Stelle 
aus einer nÖrdlichenRichtung in eine nordöstliche über- 
geht. Im Laufe der Zeit sind vom Cadaver entfernt wor- 
den ausser dem Kopf: die linke vordere Extremität nebst 
der Scapula, mehrere Rippen (aus den Knochen schnitzen 
die Jakuten Löffel), das Fell eines Theiles der linken 
Seite, ferner Stücke vom Fett und endlich Fleisch. 
Das Fell, hiess es, sei 4 Finger dick und mit dichtem 
Haar, etwas kürzer als Rennthierhaar, von gelblicher 
Farbe bedeckt gewesen; längere Haare, Mähne etc. 
wollen die Jakuten nicht bemerkt haben (das Fell wurde 
zu Hundegeschirren verarbeitet). Das Fett sei da, wo 
es mit der Luft in Berührung gekommen war, von 
gelber Färbung gewesen, in der Tiefe aber schnee- 
weiss (es wurde als Schmiere der Wetken benutzt). Das 
Fleisch endlich hat in den oberen Schichten eine blass- 
rothe Färbung gezeigt, in den tieferen aber sei es 



— 102 — 

schön roth wie frisches Fleisch gewesen ; zu essen 
hätten sie es nicht versucht. Die Eingeweide aber, 
meinten die Jakuten, und der ganze untere Theil des 
Thieres seien intact. Das ist auch Alles, was ich 
habe erfahren können; gesehen habe ich bis jetzt noch 
nichts. 

Hr. Jürgens und ich haben nun beschlossen, Alles 
daran zu setzen, um diesen kostbaren wissenschaft- 
lichen Schatz zu heben, und zwar soll die Arbeit 
gleich beginnen. Ich werde für die nächste Zeit ganz 
nach Kaigalach und zum Mammuthplatz übersiedeln, 
um die Arbeiten zu leiten. Die Jakuten haben mir 
bereits ihre Hülfe zugesichert und sind der Ansicht, 
dass die Aufdeckung auch jetzt keine gar zu grossen 
Schwierigkeiten bieten wird. Im Laufe des April sol- 
len die Arbeiten ausgeführt werden. Hr. Jürgens ist 
unterdess so freundlich, meinen Antheil an den mag- 
netischen Beobachtungen zu übernehmen. Sollte bis 
Ende April (dem Termin meiner projectirten Abreise 
von hier) kein befriedigendes Resultat erzielt werden, 
aber Aussicht vorhanden sein, in nächster Zeit ein 
solches zu erreichen, so könnte mein Aufenthalt hier 
verlängert werden, so dass ich noch bis in den Mai 
hinein die Arbeit werde fortsetzen können. Bleibt aber 
dann noch Einiges unentschieden, oder stossen wir auf 
zu grosse Schwierigkeiten , so muss die Arbeit , so 
schlimm das ist, bis auf den Herbst verschoben wer- 
den, und ich hoffe in diesem Falle es möglich machen 
zu können , noch einmal in's Delta zurückzukehren 
und die Arbeit im August, nach Schwinden des Hoch- 
wassers, vornehmen zu können. 

Vor Allem kommt es jetzt darauf an, die Stelle, wo 



— 103 — 

das Mammuth liegt, genau zu bestimmen ; die Jakuten 
kamen in Beziehung auf dieselbe überein, schienen 
aber ihrer Sache nicht ganz sicher zu sein. Ist das ge- 
schehen, so lasse ich den Schnee fortschaffen und mache 
mich dann an die Erdarbeit, welche wir mit Hülfe von 
Feuer auszuführen gedenken, mit Vorsicht natürlich. 
Meine Aufmerksamkeit hätte ich auf Folgendes zu 
w^enden. Erstens auf die Lage des Thieres, die nicht 
schwer zu bestimmen sein wird; an der Ursprünglich- 
keit derselben muss jedoch gezweifelt werden. Zweitens 
auf die Umgebung, wenn gleich auch dieser, wenigstens 
was die oberen Schichten anbetrifft, wenig Bedeutung 
zugeschrieben werden kann; die Beschaffenheit dersel- 
ben wird am besten ergeben, wie weit derselben Be- 
achtung zugewandt werden muss. Drittens aber, und 
das scheint mir in diesem Falle das Wichtigste zu sein, 
auf die Erlangung von Mageninhalt. Endlich viertens 
auf das Fell und die Behaarung. Von den Weichthei- 
len wäll ich Einiges zu conserviren suchen, und zwar 
in Alcohol, womöglich nach vorhergehender Härtung 
in Chromsäure ; letzteres muss wenigstens mit einzelnen 
kleinen Stücken geschehen. Auf's Skelet hingegen 
denke ich, besonders da es nicht vollständig ist, ganz 
verzichten zu können. So viel in Kürze über die aus- 
zuführende Arbeit. 



Sagastp-, den 13. (25.) April 1884. 

Am 6. (19.) x\pril traf eine Post auf Sagastyr ein 
und mit ihr fast gleichzeitig der Isprawnik von "Wer- 
chojansk auf seiner Inspectionsreise , begleitet von 
einem Kaufmann Solowjew. Ich wurde sogleich von 



'. -^r^ 



— 104 — 

Mostach, dem Orte wo ich die Arbeiten an dem, lei- 
der noch zu findenden, Mammuthcadaver leitete, ab- 
geholt. Bis dahin hatte ich 10 Tage hindurch mit 
11 — 12 Arbeitern, die mit grossem Eifer meine An- 
ordnungen ausführten, gearbeitet. Wir haben aber bis- 
her nur Schneearbeiten ausführen können (mit den Erd- 
arbeiten fing ich gerade an), die ich in grösserer Aus- 
dehnung, als ich ursprünglich annahm, anlegen musste, 
da die Jakuten doch nicht einig waren über die Stelle, 
an welcher das Mammuth liegt. Die Schneeschicht an 
dem betrefi*enden Abhänge erwies sich auch dicker, als 
ich Ihnen in meinem letztem Briefe schrieb, nämlich 
8 — 12' stark und darüber. Sie werden mir gewiss 
freundlichst nachsehen, wenn ich Ihnen Genaueres über 
die Arbeiten jetzt nicht mittheile, insbesondere da 
dieselben bisher von keinem Erfolge gekrönt gewesen 
sind; ich will nur erwähnen, dass die Schneearbeiten 
so gut wie beendet sind und zwar sich auf einen Raum 
erstrecken, der nach Angabe der Jakuten hinreichend 
ist, um das Mammuth zu finden. Dabei habe ich sie 
in der Art angelegt, dass Schneegestöber uns in kei- 
ner Weise stören, — unterirdisch oder vielmehr unter- 
schneeisch , wozu ich schon durch die ungeheuren 
Schneemassen gezwungen war. Ein Einsturz der unter- 
schneeischen Gänge ist nicht zu befürchten, da der 
Schnee eine ausserordentliche Härte und Festigkeit 
besitzt, so dass wir ihn an einzelnen Stellen in gros- 
sen Stücken mit Beilen herausschlugen. 

Am Sonnabend, den 7. (19.) April, früh Morgens 
traf ich in Sagastyr ein und verbrachte hier die Zeit 
mit meinen Collegen von der Station und dem Ispraw- 
nik von Werchojansk theils in Gesprächen über die 



- 105 — 

bevorstehenden Unternehmungen, theils in der Feier des 
Osterfestes, was ich um so ruhiger thun konnte, als ich 
in diesen Tagen doch keine Arbeiter hätte finden können. 
Am Montag hatten wir Scheibenschiessen mit Preisver- 
theilung , am Dienstag Vormittag Wettrennen der Ja- 
kuten auf Narten mit Hunden, wobei gleichfalls von 
Hrn. Jürgens Preise vertheilt wurden. Am Dienstag 
Nachmittag fuhr ich mit dem Isprawnik und Hrn. Jür- 
gens, die freundlichst auf meine Bitte eingegangen 
waren, zum Mammuthplatz, um die bisherigen Arbei- 
ten mit ihnen zusammen zu besichtigen und in Gemein- 
schaft mit den Jakuten zu bestimmen, was weiter vor- 
genommen werden müsse und könne. Das geschah denn 
auch noch am Abend desselben Tages, und es wurde 
beschlossen jedenfalls die Arbeiten fortzusetzen. Noch 
am selben Abend fuhren der Isprawnik und Solowjew 
weiter nach Bykow, Hr. Jürgens und ich kehrten 
nach Sagastyr zurück. Am Morgen den 11. (23.) April 
trafen wir hier ein , erholten uns einen Tag von den 
letzten Strapazen und machten uns dann an unsere 
Schreibereien, um die Post so schnell als möglich zu 
expediren. Übermorgen Nachmittag mache ich mich 
mit den Arbeitern nach Mostach auf, um gleichzeitig 
die letzte Schneearbeit zu beenden und die Erdarbeiten 
anzufangen. Wie der Erfolg und ob einer sein wird, 
Tiann ich jetzt natürlich nicht sagen; ich hoffe jedoch 
nicht nöthig zu haben, Sie des Weiteren zu versichern, 
dass ich Alles, was in meinen Kräften steht, thun 
werde. 

Und nun bleibt mir noch übrig, Ihnen eine andere, 
nicht minder freudige Nachricht mitzutheilen. Wäh- 
rend wir noch mit erfolglosen Arbeiten an diesem 

Mélanges biologiques. Xn. 14 



m 



— 106 — 

Cadaver beschäftigt waren, erfuhren wir von einem 
alten Kosaken Korjakin, der in Handelsangelegen- 
heiten sowie als Beamter in's Delta kam, von einem 
zweiten Mammuthcadaver, der, so weit ich bis 
jetzt habe erfahren können, von noch grösserem In- 
teresse zu sein scheint als der hiesige. Dieser Cadaver 
ist vor fünf Jahren , wo ihm die Stosszähne abgesägt 
wurden, am Ufer des Flüsschens Moloda, einem Neben- 
flusse der Lena etwas oberhalb Siktjach (also reich- 
lich 700 Werst von hier), zum Vorschein gekommen. 
Wie Korjakin von seinem Berichterstatter, einem Ja- 
kuten, erfahren, ist der vordere Theil des Körpers in 
der Mitte des steilen, aus Erde (?) bestehenden, hohen 
Ufers des Flusses erschienen und müsse sich in dieser 
Stellung noch bis jetzt erhalten haben. Alle näheren 
Nachrichten fehlen noch. Wir haben nun sofort Ko- 
rjakin sowohl als auch den Isprawnik von Werchojansk 
gebeten, auf der bevorstehenden Versammlung in Bu- 
lun, wo auch jener Jakute zu erscheinen hat, genaue 
Erkundigungen einzuziehen und uns das Resultat der- 
selben mitzutheilen. 

Wie sich nun Alles in Zukunft gestalten wird^ hängt 
von Umständen ab, die nicht vorhergesehen werden 
können. Habe ich bis zu meiner, jedenfalls bis zum 
Juli dieses Jahres erfolgenden Ankunft in Bulun hier 
mit meinen Arbeiten nichts ausrichten können, so wird 
es von den dort zu erhaltenden Nachrichten abhän- 
gen, ob ich zum August (früher können hier die Ar- 
beiten des hohen Wasserstandes wegen kaum begon- 
nen werden) hierher zurückkehre, oder bis Siktjach 
mit den übrigen Gliedern der Expedition fahre und 
den zweiten Mammuthcadaver in Angriff nehme. 



— 107 — 

Mir scheint aus Alledem hervorzugehen, dass Funde 
von Mammuthen gar nicht so selten stattfinden, dass 
aber das Bekanntwerden derselben durch das eigen- 
thümliche Verhalten der Jakuten sowohl als der hie- 
sigen Russen (ich meine hier hauptsächlich den alten 
Korjakin, in dessen Gegenwart ich meine Fragen 
über Mammuthcadaver bei unserer Durchreise durch 
Bulun stellte, und der damals schon von beiden Fun- 
den wusste, ohne ein Wort darüber zu verlieren) voll- 
ständig verhindert werde. Und den Grund weshalb, 
kann man gar nicht herausfinden ! 



(Tiré du Bulletin, T. XXIX, pag. 422—476.) 



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BULLETIN 



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Avril 1885. C. Vessélofsky, Secrétaire perpétuel. 



Imprimerie de l'Académie Impériale des Sciences. 
(Vass.-Ostr., 9« ligne, JVï 12). 



C \' T E N U. 



Pages 

Til. Pleske. Zur Vogelfauua der Tnsel Ternate. Nach 

Sammlungeu des Dr. Fischer bearbeitet - 1U9 — 14u 

Dr. A. Strauch, Bemerkungen über die Schlangengattung 

Elapomorphus aus der Familie der Calamariden ... . 141 — 211 

,A. Mkolski. Bemerkungen über einige Fische des Bal- 

chasch Beckens 213 — 210 



^ Octobre 1884. 

Zur Vogelfauna der Insel Ternate. Nach Sammlungen 
des Dr* Fischer bearbeitet von Theodor Pleske. 

Das zoologische Museum der Kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaften zu St. Petersburg erhielt in den 
Jahren 1880 und 1881 von Dr. Fischer, Officier de 
Santé de première classe auf der Insel Ternate, zahl- 
reiche Naturalien zum Geschenk. Unter den erhaltenen 
Objecten befand sich auch eine reichhaltige Vogelsamm- 
lung, in welcher viele Arten in prächtigen Suiten ver- 
treten und die Fauna der Insel ziemlich vollständig re- 
präsentirt war. Diese Reichhaltigkeit der Sammlung ver- 
anlasste mich auf eine nähere Bearbeitung derselben 
einzugehen, was m it Hülfe von Salvadori's Ornithologia 
della Papuasia et delle Molluche keine allzu schwierige 
Aufgabe war. Das erwähnte Werk hat der ganzen Ar- 
beit, was Plan, Nomenclatur, Reihenfolge etc. anbetrifft, 
als Grundlage vorgelegen und ist nur in ausnahraswei- 
sen Fällen zu Special -Werken gegriffen worden. Der 
Controlle wegen ist die Nummer des Hauptcataloges 
des Museums bei jedem einzelnen Exemplare in die 
Arbeit aufgenommen. Die Daten, so wie die Angaben 
über die Färbung nackter Theile, die Localnamen und 
die Notizen über Lebensweise sind brieflichen Mitthei- 

llelanges biologiques! Xu. 14 



— no — 

lungen des Dr. Fischer entnommen, welcher in äus- 
serst genauer "Weise bei dem Zusammenstellen der ein- 
gesandten Notizen zu Werke gegangen ist. 

Th. Pleske. 

St. Petersburg, den 29. September 1884. 

Ordo. Accipitres. 
Fam. Falconidae. 

1. Limnaetos Gurneyi (Gray). Salvadori, Ornith. Pap. et 
Molucc. I. p. 3. 

Ad. Koheba goenong itam, juv. Koheba goenong. 

a. 2 ad. 29. Apr. 1880 n. St. (K 9620); h. S semi 
ad. 29. Apr. 1880 n. St. (N?. 9621); c. (S) semi ad.? 
1879. (]V?. 9622). 

«Iris gelblicholivenbraun. Schnabel licht bläulich- 
«grau, zur Spitze hin schwarz. Wachshaut und Augen- 
«lider bläulichgrau, erstere auf dem Schnabelrücken 
amit einem Stich ins Gelbliche. Fusse hellgelb.» 

Alle drei Exemplare, die vollkommen mit der Be- 
schreibung Salvadori's übereinstimmen, sind auf Ter- 
nate erlegt. J\S 9622, dessen Geschlecht nicht bestimmt 
war, muss seinen Dimensionen nach ein Ç sein. 

Dr. Fischer berichtet Folgendes über die Art: 
«Der Vogel ist aufTernate einheimisch, kommt jedoch, 
namentlich im ausgefärbten Kleide, nicht zahlreich vor. 
Er horstet hoch im Gebirge an unzugänglichen Stel- 
len und nährt sich von Beutelthieren, Fledermäusen 
und Vögeln.» 

2. Pandion lencocephalus Gould. Salvadori, Ornith. Pap. 
et Molucc. I. p. 11. 
Koheba poetih. 



— Ill — 

a. S. 4. Febr. 1880 n. St. (JVîî 9623); h. $. 4. Febr. 
1880 n. St. (JVä 9624). 

«Iris hochgelb. Schnabel schwarz. Wachshaut und 
«Unterschnabelwurzel blaugrau. Fusse hellgelb.» 

Der weissköpfige Fischadler ist Standvogel auf Ter- 
nate. Er kommt daselbst nicht besonders zahlreich vor 
und nährt sich vorzugsweise von Fischen. 

3. Butastur indicus (Gm.). Salvador i, Ornith. Pap. et Molucc. 

I. p. 14. 

Koheba hoeriJc, 

a. S. 26. Nov. n. St. (JVr 9625); &. 9- 16. Febr. 1880 
n. St. (J\2 9626). 

«Iris hochgelb. Schnabel dunkel bläulichschwarz. 
«Wachshaut und Fusse hochgelb.» 

Der Vogel kommt auf der Insel Ternate stets vor. 
Anzunehmen ist jedoch, dass er daselbst w^ohl nur 
überwintert und zum Nisten nach Norden geht. 

4. Haliastur girrinera(Vieill.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. I. p. 15. 

KyJcendief. 

a, S. 26. Febr. 1880 n. St. (A^ 9627); h. S. 26. 
Oct. 1879 n. St. (M 9628)^ c. S. 9. Nov. 1879 n. St. 
(B 9629); d, 3. 23. Febr. 1880 n. St. (JVs 9630); e. 
$. 23. Febr. 1880 n. St. (JV2 9631); f, $. 23. Febr. 
1880 n. St. (J\?. 9632); g. ad. 1879 (Js 9633). 

«Iris bei den Exemplaren h und c dunkelbraun, bei den 
«übrigen röthlichbrann. Schnabel bei den Exemplaren 
«a und e oben gelblichgrau, unten bläulichgrau; bei den 
«übrigen bläulichgrau, mehr oder weniger in's Weisse 
«übergehend. Wachshaut weisslich und gelblich. Fusse 
«entweder gelb, gelblichweiss oder grünlichgelb.» 

Der Vogel hält sich gern in nicht zu dichten Ge- 



-■; Tj 



— 112 — 

holzen auf; so hat ihn Dr. Fischer z. B. mehrmals 
in Kaifeebaum-Gehölzen auf den zum Schatten dienen- 
den Bäumen angetroffen. Er ist auf Ternate einhei- 
misch, nicht besonders scheu und ernährt sich vor- 
nehmlich von Eidechsen, 

5. Hypotriorchis severus (Hors f.). Salvadori,Ornith. Pap. 

et Molucc. I. p. 33. 
Koheba itam. 
a. 1879 (B 9634). 

Ein schönes, altes Exemplar, das auf Ternate, wo 
er stets vorkommen soll, erlegt worden ist. 

6. Tinnunculus moluccensis Sohle g. Salvador i, Ornith. 

Pap. et Molucc. 1. p. 37. 
JBitjoe. 

a.5.1.Febr.l880n.St.(K9635); 6.2.1 I.März 1880 
n.St.(]\^9636);c. 1879 (A'f 9637); d, 1879 (JV?. 9638). 

«Iris braun. Schnabel bläulichgrau. Wachshaut, Au- 
«genlider und Fusse hochgelb.» 

Kommt zu jeder Jahreszeit auf der Insel Ternate vor. 

7. IJrospizias griseogularis(G. R.Gray). Salvadori,OrDith. 

Pap. et Molucc. I. p. 57. 

Das 5 Q>) führt den Namen Koheba mirrah: die Exem- 
plare d und/ Koheba und das Exemplar g — Koheba boerik. 

a. ?. 1879 (As 9862); b. S, 21. Dec. 1879 n. St. 
(j\^ 9863); G. (j\^ 9864), d. 5. Oct. 1879 n. St. Qè 9865); 
e. $. 20. März 1880 n. St. (JV« 9866); f. 1879 (J\2 9867); 
g. 10. Nov. 1879 n. St. {I?. 9868). 

«Iris gelb. Die Farbe des Schnabels schwankt zwi- 
« sehen dunkel bläulichschwarz und dunkel bleigrau. 
«Wachshaut und Fusse gelb.» 

Der Yogel kommt zu jeder Jahreszeit auf der Insel 
Ternate vor. 



— 113 — 

8. Tachyspizias soloensis(Horsf.). Salvador!, Ornith. Pap. 

et Molucc. I. p. 65. 
Koheba Icetjil 

a. S. 28. Dec. 1879 n. St. (JVs 9639). 
«Iris hochgelb. Schnabel bläulichschwarz. Wachs- 
«haut und Fusse hochgelb.» 

Der Vogel ist auf Ternate einheimisch, jedoch selten. 

Fam. Strigidae. 

9. Scops leucospilus (Gray). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. I. p. 74. 

Goroh. 

a, S, l.Nov. 1879 n.St. (K 9640); &. 2.(JV»9641); 
c.{K?. 9642);^. (K 9643); e. 5 juv. l.Nov. 1879 n. St. 
(A^ 9644). 

«Iris hochgelb. Schnabel bläulichgrau, an der Firste 
«roth. Fusse gelblichweiss.» 

Nach Dr. Fischer Nachtvogel, der auf der Insel 
Ternate einheimisch ist. 

Die fünf vorliegenden Exemplare, die vollständig 
mit der Beschreibung der Scops morotensis Schärpe 
in Salvadori, Ornith. Pap. et Molucc. I. p. 77 über- 
einstimmen, weisen andererseits darauf hin, dass Sc. 
leucospilus und morotensis artlich nicht getrennt wer- 
den können. Einerseits finden sich unter den 4 er- 
wachsenen Exemplaren die zwei Farbenvarietäten der 
Sc. leucospilus, nämlich die rostrothe und die dunkel- 
graue ebenfalls vertreten und scheinen diese Varie- 
täten nur durch das Geschlecht bedmgt zu werden, 
da nach den Geschlechtsangaben des Dr. Fischer die 
männlichen Vögel roth, die weiblichen dagegen dun- 
kelgrau sind. Andererseits variiren die Augenflecken 
auf den Scapularfedern, die durch ihren roströthlichen 

Melanges biologiques. XII. 15 



— 114 — 

Anflug ein specifisches Kennzeichen repräsentiren sol- 
len, bei den vorliegenden Exemplaren auch stark und 
sind bei den dunkelgrauen Individuen eher reinweiss 
als roströthlich zu bezeichnen. Die Färbung der Tarsi 
endlich kann auch als Kennzeichen nicht anerkannt 
werden, da unter den vorliegenden Exemplaren die 
Sprenkelung der Fusse eine sehr ungleichmässige ist, 
so dass einzelne Exemplare nach diesem Kennzeichen 
zu morotensis, andere zu leucospilus gezogen werden 
müssten. Das junge Exemplar e, welches unbedingt zu 
den alten Vögeln gehört, da es mit a an einem und dem- 
selben Tage erlegt und auch von Dr. Fischer als zu 
dieser Art gehörig bezeichnet worden ist, hat durch- 
aus ungefleckte Tarsi. Aus den angeführten Gründen 
glaube ich Sc. morotensis Schärpe als Synonym zu 
Sc. leucospilus Gray hinzuziehen zu müssen. 

10. INinox scutulata (Raffl.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. I. p. 80. 
Boerong hoeko. 

a, S. 16. Nov. 1879 n. St. (JVs 9645). 

«Iris hochgelb. Schnabel dunkelblaugrau, an der 
«Firste des Oberschnabels weisslich. Fusse hochgelb.» 

Nach Dr. Fischer ein, auf Ternate einheimischer, 
Nachtvogel. 

Ordo. Psittaci. 

Fam. Cacatuidae. 

11. Cacatua alba (Müll.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. I. p. 99. 
Katella. 

a. (Î. 2 1 . März 1880 n. St. (JV» 9582); 6. 2. (A^ 9583). 
«Iris braun. Nackter Augenring weiss mit schwachem 
«bläulichen Anfluge. Fusse schwarz.» 



— 115 — 

Der Vogel ist auf Ternate einheimisch und brütet 
daselbst in hohlen Bäumen. 

Fam. Psittacidae. 

12. Tanygnathus megalorhynchus (Bodd.). Salvadori, Or- 

nith. Pap. et Molucc. I. p. 129. 

Kalika. 

a. $. 19. Oct. 1879 n. St. Qi?. 9580); h. (J\s 9581); 
c. (J\^ 9595); d, (K 9596). 

«Iris weiss mit bräunlichgelbem Innenrande. Schna- 
«bel karminroth. Fusse braun.» 

Auf Ternate einheimisch. 

Fam. Trichoglossidae. 

13. Eos riciüiata (Bechst.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. I. p. 259. 

ParJcitji, 

a. 2. 4. Nov. 1879 n. St. (J^ 9578); h. (^. 9579); 
c. (JVs 6044); d. {}(?. 6045). 

«Iris braun, am Innenrande dunkler, zum Aussen- 
«rande hin heller werdend. Schnabel röthlichgelb. 
«Fusse schwarz.» 

Der Vogel ist auf der Insel Ternate einheimisch, 
nährt sich von Früchten und ist im wilden Zustande 
sehr scheu, gewöhnt sich aber eingefangen bald an 
den Menschen. 

14. Coriphilas placens (Temm.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. I. p. 303. 
ParJcitji Jcalappa. 

a. (?. 25. Febr. 1880 n. St. (JV° 9584). 
«Iris Orangeroth. Schnabel carminroth. Fusse zin- 
«noberroth.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch, jedoch sei- 



— 116 — 

ten; hält sich mit Vorliebe in den Cocospalmen auf 
und ist sehr scheu. 

Ordo. Picariae. 
Farn. Cuculidae. 

15. Cnculus canoroides S. Müll. Salvadori, Ornith, Pap. 

et Molucc. I. p. 328. 

Boerong Soewangi hesaar. 

a. 5. 20. Nov. 1879 n.St. (JVs 9646); h. c?. 19. Oct. 
1879 n. St. (M^. 9647); c. p 9648); d. (JVs 9649). 

«Beim Exemplare a ist die Farbe der Iris braun, 
«der Aussenrand derselben lichter, der Innenrand 
«dunkelbraun. Augenlider hochgelb. Schnabel oben 
«schwarz, unten hochgelb. Fusse hochgelb. BeimExem- 
«plare h ist das Auge dagegen hochgelb, der Schna- 
«bel schwarz und die Fusse ockergelb.» 

Der Vogel ist auf der Insel Ternate einheimisch. 

16. Cacomantis assimüis Gray. Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. I. p. 337. 

JBoerong Soewangi hetjil. 

a. CÎ. 27. Nov. 1879 n. St. (iNs 9650); &. 9- 27. Nov. 
1879 n. St. (J\^. 9651); c. Ç. 27. Nov. 1879 n. St. 
(J\?.9652); d,2. 30. Nov. 1879. (J\2 9654); e.(A^9655); 
f. (JVs 9656);^. {M 9657). 

«Iris bei den Exemplaren a,h, c rothgelblich; bei 
ad braun. Schnabel schwarz. Fusse hochgelb. » 

Nach Dr. Fischer kommt der Vogel auf der Insel 
Ternate stets vor und nährt sich von Früchten und 
Insekten. 

17. Eudynamis orientalis (Linn.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. I. p. 359. 
Kalao, das $. Boerong halao. 



— 117 — 

a, 5, 8. März 1880 n. St. (JVs 9658); h. (J) 1879. 
(B 9659); c. (J) (JV?. 9660); c«. $. 28. Apr. 1880 D.St. 
ÇKî 9661). 

«Iris carminroth. Schnabel hellgelb. Fusse bläulich- 
grau.» 

Kommt stets auf der Insel Ternate vor, ist jedoch 
selten; hält sich im Krüppelholze auf und lebt von 
Früchten. 

18. Centrococcyx médius (Müll.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. I. p. 375. 

Koesoe Jcoesoe itam. 

a. S. 26. Jan. 1880 n. St. (ffi 9662); h. 2- 30. Dec. 
1879 n. St. (JV2 9663); c. 1879. (JV^ 9664); 6?.(jVîî 9665); 
e. (A^ 9666); f. juv. (B 9906); g. juv. (JVs 9907). 

«Iris braun. Fusse und Schnabel schwarz.» 

Auf der Insel. Ternate einheimisch; hält sich im 
Krüppelholz auf. 

Für die Bestimmung der beiden jungen Vögel bin 
ich Hrn. Prof. Dr. Wilhelm Blasius in Braunschweig 
sehr verbunden. 

Farn. Meropidae. 

19. Merops ornatus (Lath.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. I. p. 401. 
Boerong salatan. 

a. S. 5. Apr. 1880 n. St. {}!?. 9667); h. S. 1879 
(JVS9668); c, 5. 5. Apr. 1880 n. St. (X?. 9669); d. $. 
(Jß 9670); e. (J2 9671); f. (Ar 9672). 

«Iris zinnoberroth. Schnabel schwarz. Fusse dun- 
«kelaschgrau.» 

Dieser Bienenfresser kommt nicht ständig vor, son- 
dern erscheint auf Ternate in den Monaten März, April 



— 118 — 

und Mai. Er soll sich von Insekten und angeblich 
auch von Früchten nähren. 

Farn. AIcedinidae. 

20. Alcyone pusilla (Te mm.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. I. p. 414. 
Badja oedang Jcetjil. 

a. S, 19. Apr. 1880 n. St. (J^ 9597). 
«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse dunkel asch- 
«grau.» 

Auf der Insel Ternate einheimisch aber höchst selten. 

21. Ceyx lepida. Te mm. (0. uropygialis G. R. Gr.) Salva- 

dori, Ornith. Pap. et Molucc. I. ^. 417. 
Badja oedang mirrah. 

a. (?. 5. Oct. 1879 n. St. (* 9598); h. (K 9599); 
c. (Mi 9600). 

«Iris braun. Schnabel und Fusse zinnoberroth.» 
Der Vogel ist auf der Insel Ternate einheimisch. 

22. Cyanalcyon diops. (Temm.), Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. I. p. 462. 

Badja oedang. 

a. S. 20. Jan. 1880 n. St. (Js 9601); h. S. 15. März 
1880 n. St. {M. 9602); c. S, 19. Oct. 1879 n. St. 
(JVs 9603); d, Ç. (unrichtig alsc5^ bestimmt) 9. Jan. 1880 
n. St. (JV2 9604); e. $. 29. März 1880 n. St. (JT2 9605); 
f. 5 juv. (unrichtig als c^ bestimmt), 16. Nov. 1879 
n.St. (JV2 9606);^. 2- 16. Nov. 1879 n. St.(JV» 9607); 
h. 5. 26. Jan. 1880 n. St. (K 9608); i. S juv. (un- 
richtig als 2 bestimmt), 30. Dec. 1879. (K 9609); 
j. 2. (JYp9610); h. 2- (A^ 9611). 

«Die Iris ist bei allen Exemplaren braun gewesen, 
«der Schnabel und die Fusse schwarz, bis auf das Exem- 



— 119 — 

«plar i, welches dunkelbläulichschwarze Fusse gehabt 
«hat.» 

Ich erlaube mir manche der Geschlechtsbestimmun- 
gen des Dr. Fischer für unrichtig zu halten, da alle 
Vögel mit der Beschreibung der Art bei Schlegel: 
Muséum d^Hist. Nat, des Pays-Bas. Tome III. Alced. 
p. 41 et sequ. sehr gut übereinstimmen und sich daher 
die Geschlechter ziemlich sicher constatiren lassen. 
Zwei der â {h. i.) unterscheiden sich dadurch von den 
übrigen, dass ihr weisses Nackenband einen intensiven 
ockerfarbenen Anflug aufzuweisen hat. Nach Dr. Fi- 
scher ist der Vogel auf der Insel Ternate einhei- 
misch und von dorther stammen auch alle verzeich- 
neten Exemplare. Am 29. März 1880 n. St. wurde 
ein Ei aus dem Weibchen e genommen; es ist weiss und 
hat eine Länge von 27""" bei einer Breite von 33"^. 

23. Sauropatis chloris (Boda). Salvadori, Ornith. Pap. et 
Molucc. I. p. 470. 

Radja oedang panteh. 

a. S, 22. Febr. 1880 n. St. iß. 9612); h. ?. 6. Jan. 
1880 n. St. (A^ 9613); c. 1879 (Ä« 9614); d. 1879 
(K 9615); e. (JV?. 9616). 

«Iris braun. Oberschnabel schwarz. Unterschnabel 
«an der Basis weiss, zum Ende hin schwarz; Fusse sehr 
«dunkel violet, fast schwarz.» 

Der Vogel ist einheimisch und hält sich in der Nähe 
des Strandes auf. Er soll minutenlang unbeweglich da- 
sitzen und auf Insekten lauern, diese dann im Fluge 
erhaschen und wiederum seinen früheren Sitz ein- 
nehmen. 



— 120 — 

Farn. Coraciidae. 

24. Eurystomus orientalis (Linn). Salvador!, Ornith. Pap. 

et Molucc. I. p. 508. 

Tjeh Tjeh 

a, 20. Oct. 1879 n. St. (j\i^ 9673), h, {It 9674); 
c. {^. 9675); d. (I^ 9676). 

«Iris braun. Oberschnabel braunroth und carmin- 
«roth, Unterschnabel carminroth. Fusse carminroth.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch. 

Farn. Caprimulgidae. 

25. Caprimulgus macrurus Horsf. Salvadori, Ornith. Pap, 

et Molucc. I. p. 528. 
Boerong toekang. 

a. J. 4. Apr. 1880 (B. 9678); h. 9. 2. Mai 1880 
{M 9679). 

«Iris braun. Schnabel lichtviolet, zur Spitze hin 
«schwarz. Fusse licht violet-fleischfarbig.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch, kommt jedoch 
nicht zahlreich vor und führt eine nächtliche Lebens- 
weise. 

Farn. Cypselidae. 

26. Collocalia esculeiita (Linn.). "Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. L p. 540. 

Boerong JDjai Icetjü. 

a. S. 10. Febr. 1880 n. St. (ß 9680); h. Ç. 10. 
Febr. 1880 n. St. {W. 9681). 

«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse grauviolet. » 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch, lebt hoch im 
Gebirge und legt sein Nest in Felshöhlen an. Dr. Fi- 
scher hat auch mehrere Nester des Vogels eingesandt, 
die hoch im Gebirge angelegt waren. 



— 121 — 

27. Collocalia fuciphaga(Thunb.). Salvador i, Ornith.Pap. 

et Molucc. 1. p. 544. 

Boerong Djai itam. 

a. S. 20. Oct. 1879 n. St. (K 9682); I. (.¥ 9683). 

«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse fleischroth.» 

Auf der Insel Ternate einheimisch. Da der Unter- 
schied zwischen der Collocalia infuscata Salvad. und 
der Collocalia fiiciphaga (Thunb.) nur im Vorhanden- 
sein der aschgrauen Btirzelbinde zu bestehen scheint, 
so glaube ich die Arten vereinigen zu müssen, da die 
zwei mir vorliegenden Exemplare, die unbedingt zu 
einer Art gehören, sich gerade dadurch unterscheiden, 
dass das eine die Bürzelbinde aufzuweisen hat, wäh- 
rend sie beim andern gänzlich fehlt. 

Ordo. Passeres. 
Fam. Hirundinidae. 

28. Hiruudo gutturalis Scop. Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. IL p. 1. 
Boerong Bjai. 

a. S. 27. Oct. 1879 n. St. (J\s 9684); h, S. 4. Nov. 
1879 n. St. (A's 9685). 

«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse dunkelviolet.» 
Auf der Insel Ternate einheimisch. 

29. Hirundo javanica Sparrra. Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. IL p. 3. 
Boerong Bjai. 

a.S. 11. Oct. 1879 n. St. (A1> 9686); l, 9- 11. Oct. 
1879 n. St. (J\2 9687). 

«Iris braun. Fusse und Schnabel schwarz.» 
Auf der Insel Ternate einheimisch. 

Mélanges biologiques. XII. ^^ 



— 122 — 

Farn. Muscicapidae. 

30. Monarcha inornatus (Garn.). Salvador!, Ornith. Pap. 

et Molucc. IL p. 14. 

MmiidjoeJ 

a. (5. 5. Oct. 1879 n. St. (JV?. 9693); h. S, 12. Oct. 
1879 n.St.(JV29694);c.(5.10.Nov. 1879 n.St. (12 9695); 
d. 2. 1879 (K 9696); e, (Ä> 9697); f. {M. 9698). 

«Iris braun. Schnabel und Fusse grau.» 

Kommt stets auf der Insel Ternate vor. 

31. Monarcha chaIybeocephalus(Garn.). Salvador!, Ornith. 

Pap. et Molucc. IL p. 30. 

BaiJcole oetan. 

a.S. I6.N0V. 1879 n.St. (JV2 9699); &. (6^) (J\^ 9700); 
c. (S) (M 9701); 6^. c? juv. (Ii 9702); e. $. 12. Oct. 1879 
n. St. QS?. 9703); f. ($) (J2 9704); g, (2) (J2 9705). 

«Iris braun. Schnabel schwarz, an der Basis grau 
«(c?), oder ganz schwarz ($). Fusse schwarz.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch und lebt im 
Walde. 

32. Sauloprocta melaleuca (Q. et Gr.). Salvador!, Ornith. 

Pap. et Molucc. IL p. 48. 

Baikole panteh. 

a. 2. 27. Nov. 1879 n. St. (K 9706); h, (Ä> 9707); 
c. ?14. Oct. 1879 n. St. (J\?. 9708); d. Qi 9709); e. 5 
juv. 9. Mai 1880 n. St. (J\« 9710). 

«Iris braun. Schnabel und Fusse schwarz.» 

Dr. Fischer berichtet Folgendes über diese Art: 
Der Vogel hält sich in der Nähe des Strandes auf und 
kommt auf der Insel Ternate zu jeglicher Jahreszeit 
vor. Sein Nest legt er vornehmlich auf Galelabäumen 
an, zuweilen über dem Wasser; so hat z. B. im Jahre 
1879 ein Paar dieser Vögel auf einer der Stangen am 



— 123 — 

Bugspriet eines der auf der Rhede vor Anker liegen- 
den Schiffe gebaut. Seinem Betragen nach kommt der 
Vogel den in Europa lebenden Bachstelzen am näch- 
sten. Seinem Gesänge nach gleicht er der Nachtigall 
und trägt sein Lied in der Nähe des Nestes während 
der halben Nacht vor, steht aber der Melodie nach 
sehr hinter derselben zurück. Er ernährt sich von In- 
sekten. Ausser den Exemplaren ist auch ein angefan- 
genes Nest vom 30. Oct. 1879 n. St. und ein Ei vom 27. 
Mai 1 880 n. St. zugesandt; es ist gelblichweiss,mit einem 
Kranze dunklerer bräunlicher und grauer Flecken am 
stumpfen Ende. Länge 21,25""", Breite 16""". 

33. Myiagra galeata Gray. Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. IL p. 75. 

Baikole Icetjil 

a. rT. 4. Mai 1880 n. St. (JV?. 9711); h, S. 24. Apr. 
1880 n. St. (J\îi 9712); c. (^^ 9713). 

«Iris braun. Schnabel grau, an der Spitze schwarz. 
«Fusse dunkelblaugrau.)) 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch, jedoch selten. 

34. Muscicapa griseosticta (Swinh.). Salvadori, Ornith. 

Pap. et Molucc. IL p. 80. 
JBoerong Jeanarie. 

a.(?. 16. Dec. 1879 n.St. (J\^ 9714); &. 10. Nov. 1879 
n. SL(A^9715); c. $. 12. Febr. 1880 n.St. (J\^ 9716); 
d. (». 9717); e. (^. 9718); f. (K 9719). 
«Iris braun. Schnabel und Fusse schwarz.)) 
Kommt auf der Insel Ternate stets vor. 

Fam. Campophagidae. 

35. Graucalus papuensis (Gm.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. IL p. 132. 
Boerong Minjah. 



— 124 — 

a. 9. 8. Febr. 1880 n. St. (JVs 9720); h, (B 9721); 
c. (!>. 9722); d. (K 9723). 

«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse dunkelgrau.» 
Ist auf der Insel Ternate einheimisch, jedoch selten. 

36. lalage aurea (Temm.). Salvadori, Oroith. Pap. et 

Molucc. II. p. 163. 
Tjoo-Tjoo-Tjitjoe. 
a. CÎ? 16. Oct. 1879 n. St. (K 9724); h, Ç.?. 16. Oct. 

1879 n. St. (B 9725); c. (K 9726); d. (K 9727). 
«Iris braun. Schnabel und Fusse schwarz.» 
Kommt auf der Insel Ternate zahlreich vor und ist 

nicht sehr scheu. 

Fam. Artamîdaé. 

37. Artamus leucogaster (Valenc). Salvadori, Ornith. 

Pap. et Molucc. II. p. 167. 
Boerong Djai poetih. 
a. 5. 22. Dec. 1879 n. St. (* 9728); b. 2. 24. Jan. 

1880 n. St. (JVîi 9729); c, S juv. 2. Mai 1880 n. St. 
{M. 9730). 

«Iris braun. Schnabel weissgrau bei den-Alten; asch- 
«grau mit einem Stiche ins violete beim Jungen , Fusse 
«dunkel aschgrau.» 

Kommt auf der Insel Ternate im Laufe des ganzen 
Jahres vor; nährt sich von Früchten und Insekten und 
hat in seinem Betragen Ähnlichkeit von Raubvögeln. 

Fam. Laniidae. 

38. Pacliycephala mentalis Wall. Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. IL p. 216. 
BaiJcole Koening. 

a. S. 24. Oct. 1879 n. St. (M 9731); h, 5.^29. Jan. 
1880 n. St. (JVs 9732); c. (5.(K 9733); d. c^. (JV2 9734); 



— 125 — 

e. c?juv. 31. Jan. 1880 n. St. (K 9735); f. c? juv. 18. 
Jan. 1880 n. St. {W 9736); g. $. 24. Oct. 1879 n. St. 
(JV?. 9737); /^. 5. 18. Jan. 1880 n. St. (JV» 9738); i. 
(A^9739). 

«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse dunkel violet; 
«bei den jüngeren Exemplaren ist die Färbung lichter.» 

Kommt auf der Insel Ternate stets vor. 

39. Pachycephala cinerascens Salvad. Salvadori, Ornith. 
Pap. et Molucc. II. p. 230. 
Tenues. 

a. 1879. (K 9740). 
Ist auf der Insel Ternate einheimisch. 

40, Pachycephala phaenota (S. Müll.). Salvadori, Ornith. 
Pap. et Molucc. IL p. 230. 

Baihole. 

a, c?.13.Apr. 1880 n.St. (JV« 9741); 6. $.28. März 

1880 n. St. (K 9742); c. 1879 (JV» 9743). 

«Iris lichtgelblich. Schnabel schwarz. Fusse licht- 
« fleischfarbig.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch, jedoch selten. 

Fam. Nectariniidae, 

41. Hermotiinia auriceps (G. R. Gr.). Salvadori, Ornith. 
Pap. et Molucc. IL p. 260. 

Tjoei itam: die 9 Tjoei aboe ahoe. 

a, S. 9. Nov. 1879 n. St. (ffi 9744); &. <S. 2.1SIov, 1879 
n.St.(:NR 9745); c. c?. 13. Apr. 1880 n. St. (JVx 9746); 
d. cJ. (Ki 9747); e. c?. (K 9748); f. c?. 2. Nov. 1879 n. St. 
(Wî 9757); g. S juv. (A^ 9749); h. cT juv. (K 9750); 
i. cî juv. 26. Jan. 1880 n. St. (JV?. 9751);^. c? juv. 21. 
Apr. 1880 n. St. {M. 9752); k. 9.21. Apr. 1880 n. St. 
(J\^ 9753); l. 9. 1879 (X?. 9754); m. 9. {^- 9755); n. 9- 
}. 9756). 



— 126 — 

«Iris braun, Schnabel und Fusse schwarz.» 
Kommt auf der Insel Ternate in Menge vor. 

Die schöne Reihe der Exemplare lässt auf folgende 
individuelle Schwankungen der Art schliessen : Das 
Grün der Kopfplatte bei den ausgefärbten Männchen 
ist durchaus nicht gleichmässig stark mit goldenem 
Anfluge versehen; die einen besitzen denselben in sehr 
geringem Grade, w^ährend bei anderen derselbe sehr 
intensiv ist. Das Exemplar c weist ferner auch Un- 
terschiede im Metallglanze der Kehle und des Bürzels 
auf, indem dieselben einen intensiven violeten An- 
strich besitzen. Bei den übrigen $ ist der Metall- 
schimmer durchaus gleichmässig. Die jungen $ unter- 
scheiden sich von den Weibchen durch das Vorhan- 
densein eines jederseitigen My stacal Streifens von me- 
tallglänzenden, violet- schwarzen Federn. Die schwarze 
Färbung des erwachsenen Yogels sprosst gleichzeitig 
auf dem Rücken, der Bauchmitte und den Flügeln 
hervor. 

42. Cyrtostomus frenatus (S. Müll.). Salvadori, Ornith. 
Pap. et Molucc. IL p. 265. 

Tjoei lehar itam, Ç Tjoei hoening. 

a. S 8. Oct. 1879 (B 9758); l. S. (JV?. 9759); c, S. 
(K 9760); c?. 0. 9. Nov. 1 879 (Jfs 976 1); e. 9. (jYîî 9762); 
f. $. (B 9763). 

«Iris braun. Schnabel und Fusse schwarz.» 

Ist auf der Insel Ternate sehr gemein. Zwei Nester 
und ein Ei, gefunden am 10. Oct. 1879 n. St. Das Ei 
ist weissgrau, zur Spitze hin heller, mit einem Kranze 
schwarzer Flecken am stumpfen Ende. Länge 16,5"'"', 
Breite 11,75"'". 



— 127 — 

Farn. Meliphagidae. 

43. Myzomela simplex G. R. Gr. Salvadoii, Ornith. Pap. 

et Molucc. IL p. 304. 
Tjoei. 

a. 6. 28. Jan. 1880 n. St. (JV« 9764); h. ?. 28. Jan. 
1880 n. St. (A^ 9765); c. 1879 (JVs 9766). 

«Iris hellbraun. Schnabel schwarz. P'üsse aschgrau.» 
Ist auf der Insel Ternate einheimisch. 

Farn. Pittidae. 

44. PUta maxima Forsten. Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. IL p. 378. 
Tohoka. 

a. 1879 (j\?. 9767), 

Ist auf der Insel Halmahera zahlreich vertreten, 
während ihr Vorkommen auf Ternate nach Dr. Fischer 
erst durch das vorliegende Exemplar constatirt ist. 

45. Pitta cyanonota G. R. Gr. Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. IL p. 402. 

ToJioko Ketjil. 

a, CÎ. 10. Febr. 1880 n. St. (^J! 9768); h 2. 5. März 
1880 n. St. {M 9769); c. juv. (K 9770). 

«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse grau.» 

Ist einheimisch auf der Insel Ternate und hält sich 
hoch im Gebirge auf. 

Fam. Sylviidae. 

46. Lociistella fasciolata (G. R. Gray). Salvadori, Ornith. 

Pap. et Molucc. IL p. 426. 

TiJc'Tik 

a. S. 4. Nov. 1879 n. St. (J2 9771); h. S. 4. Nov. 1879 
n.St. (JVî! 9772); c. ?. 13. Nov. 1879 n. St. (JVs 9773); 
d, (JV?. 9774). 



— 128 — 

«Iris olivenbraun. Schnabel schwarz. Fusse licht- 
« violet.» 

Auf der Insel Ternate einheimisch. 

47. Phylloscopus borealis (Blas.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. IL p. 428. 

Tjoei Pongo. 

a. S. 16. Nov. 1879 n.St. (JVs 9775); h, (Ä 9776); 
c. (A^ 9777); d. (ffs 9778). 

«Iris braun. Oberschnabel schwarz, Unterschnabel 
«hellgelb. Fusse fleischfarbig.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch. 

Fam. Motacillidae. 

48. Budytes viridis (Gm.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. IL p. 430. 

Boerong Tjina. 

«. ?. 5. Oct. 1879 n. St. (Ä 9779); &. ?. 9. Oct. 1879 
' n. St. (JV2 9780); c, {M 9781); d. (K 9782); e. (Äs 9783). 
«Iris braun. Schnabel und Fusse schwarz.» 
Kommt auf der Insel Ternate vor und sucht seine 
Nahrung auf dem Boden. 

49. Callobates melanope (Pallas). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. IL p. 431. 
Boerong Tjina. 

a. ?. 17. Oct. 1879 n. St. (^. 9784); h. Qé 9785). 
«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse gräulichroth.» 
Insel Ternate. 

50. Corydalla gustavi (Swinh.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. IL p. 432. 
Name unbekannt. 
a. J. 10. Nov. 1879 n. St. Ç». 9786); 6. S. 16. Dec. 

1879 n. St. (M 9787). 



— 129 — 

«Iris braun. Oberschnabel braun. Unterschnabel 
«und Fusse fleischfarbig.» 

Der Vogel ist durch den Jäger des Dr. Fischer, 
einen Eingebornen von Ternate, niemals gesehen oder 
geschossen worden. Dr. Fischer erlegte ihn, während 
er auf feuchtem, humusreichen Boden im Schatten von 
Kaffeebäumen umherlief, auf einer Höhe von 50 Fuss 
über dem Meere. 

Farn. Ploceidae. 

51. Munia niolucca (Linn.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. IL p. 434. 

5 — Gotolo, 2 — Gotolo aboe aboe. 

a. S. 22. Oct. 1879 n. St. (B 9788); b. (S) (JVs 9789) ; 
c. S.?. 22.0ct. 1879 n.St. (j\s 9790); (i. ($)(K9791). 

«Iris braun. Schnabel oben schwarz, unten bläulich- 
«grau. Fusse bläulichgrau.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch und zahlreich 
vertreten. Das Ei ist weiss, Länge 14"", Breite 10'""; 
das Nest gefunden am 20. Oct. 1879 n. St. 

52. Erythrura trichroa (Kittl.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. IL p. 442. 

Gotolo Idjoe. 

a. 6. 22. Oct. 1879 n. St. (J2 9792); h. J. 22. Oct. 
1879 n. St. (JVr9793); c. (J\^ 9794); d. (A^9795); e. 
(K 9796). 

«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse fleischroth.» 

Auf der Insel Ternate einheimisch. 

Fam. Sturnidae. 

53. Calornis metalIica(TemiTi.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. IL p. 447. 

Idie-Idie. 

Mélangea biologiques. XII. ■*■ » 



— 130 — 

a. c?. 9. Nov. 1879 n. St. (^ 9797); h. S, 28. Jan. 

1880 n. St. (K 9798); c. $. 31. Jan. 1880 n. St. 

(:N?. 9799); d. {$) (Jp 9800); e. iß) (JVs 9801); f, {S) 

{M 9802); g. cî juv. Q^. 9803); h. c? juv. 11. Febr. 

1880 n. St. (JVr 9804); L 5 juv. 28. Jan. 1880 n. St. 

(B 9805);i. 5. 12. Oct. 1879 n. St. (A^ 9806); ^. Ç juv. 

23. Jan. 1880 n. St. (B9807); I, ?. (A^ 9808); m. $. 

Ç^. 9809); w. 2. (K 9810). 

«Iris Orangeroth. Schnabel und Fusse schwarz.» 
Der Vogel ist auf der Insel Ternate einheimisch, 

lebt gesellig und fliegt schaarenweise nach Staarenart 

umher. Er hält sich auf Bäumen auf und nährt sich 

von Früchten. 

Farn. Corvidae. 

54. Corvüsorru Müll. Salvador!, Ornith. Pap. et Molucc. 

IL p. 483. 

Woka Wdka. 

a. S. 21. Febr. 1880 n.St. (Ä9811); &. (A^9812). 

cdris an der Innenhälfte ultramarinblau, an der Aus- 
«senhältte weissgrau. Fusse und Schnabel schwarz.» 

Kommt auf der Insel Ternate im Laufe des ganzen 
Jahres vor und unterscheidet sich in Lebensweise und 
Stimme keineswegs von den in Europa lebenden Raben. 

Ordo. Columbae. 
Fam. Treronidae. 

55. Ptilopus superbus (Temm.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. III. p. 6. 
a. S. 9. Oct. 1879 n. St. (]\s 7095); h. S. 1880 
(B 9869); c, Ç. 1880 (JVs 7096). 
Drei Exemplare, alle aus Ternate. 



— 131 — 

5(5. Ptüopus monachus (Reinw.). Salvadori, Ornith. Pap. 
et Molucc. III. p. 20. 

Pombo idjoe. 

a. S, 29. Febr. 1880 n. St. (JV» 7090); b. 5. 5. Oct. 
1879 n. St. (J\« 7091); c. S, 5. Oct. 1879 (J\^ 7093); 
d. 2. 1880 (J\^ 7092); e. S. 23. Nov. 1879 n. St. 
(K 9870); f. $. 18. Nov. 1879 n. St. (J\s 9871). 

«Iris gelb, zum Aussenrande hin orangegelb. Sclina- 
«bel graugrün; Fusse karminroth.» 

Ist nicht sehr scheu, aber im grünen Laube sehr 
schwer zu unterscheiden, so dass seine Anwesenheit 
nur durch Geräusch bekundet wird. 

57. Ptilopus ionogaster (Reinw.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. IIL p. 54. 
Dada woem. 

a, S. {M 7088). 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch. 

58. Megaloprepia formosa G. R. Gr. Salvadori, Ornith. 

Pap. et Molucc. III. p. 64. 
a, (5. 12. Febr. 1880 n. St. (K 7004). 
Von der Insel Ternate. 

59. Carpophaga perspicillata (Temm.). Salvadori, Ornith. 

Pap. et Molucc. III. p. 91. 
a, 24. Apr. 1880 n. St. ÇKî 7028). 
Ternate. 

60. Carpophaga basilica Sund. Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. IIL p. 96. 
a. 29. Apr. 1880 n. St. (M 7026). 
Ternate. 

Farn. Columbidae. 

61. Goluoiba iutermedia Strickl. 
Pomho. 



— 132 — 

a. 2. 11. Apr. 1880 n. St. (M. 9840). 

«Iris orangegelb. Schnabel schwarz. Wachshaut zur 
«Spitze hin schwarz, an der Basis weisslichgrau. Fusse 
«carminroth.» 

Eine verwilderte und geschossene Haustaube. 

62. Janthoenas albigularis Bp. Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. III. p. 120. 

Koem Koem idjoe. 

a. $. 1 3. Febr. 1880 n. St. (JVs 7002); h. S. 17. Febr. 
1880 n. St. {M. 9872). 

«Iris orangegelb. Vorderhälfte des Schnabels weiss; 
«Basis und Augenlider dunkel carminroth. Fusse dun- 
«kelcarminroth.» 

Kommt stets auf der Insel Ternate vor. 

63. Macropygia batchianensis Wall. Salvadori, Ornith. 

Pap. et Molucc. III. p. 136. 

IJcor pandjang. 

a. S, 23. Febr. 1880 n. St. (J^. 7054); h. Ç.* 16. Febr. 
1880 n. St. (JVh 7058); c. 2. (JVs 7055); d, $. 2. Nov. 
1879 n. St. (JVr 9873). 

«Die Iris ist dreifarbig: Der Aussenrand ist carmin- 
«roth und ein gelber Ring trennt ersteren von dem bläu- 
«lich-weissen Innenrande. Schnabel schwarz. Augenrand 
«braun. Fusse carminroth.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch. 

Fam. Gouridae. 

64. Chalcophaps indica (Linn.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. III. p. 173. 
Pomho tanah. 

a, S. 7. Aug. 1880 n.St. (B 7019); h. 1879 (Mi 9874); 

c. 1880 (Kî 9875). 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch. 



— 133 — 

65, Clialcophaps Stephani (Pucher. et Jacq.). Salvadori, 

Ornith. Pap. et Molucc. III. p. 178. 
a. 2. (JV» 7018). 
Ternate. 

Ordo. Gallinae. 
Farn. Megapodiidae. 

66. Megapodius Freycineti Q. et G. Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. III. p. 230. 

Mamoenga. 

a. $. 16. März 1880 n. St. (B. 9813). 

«Iris am Innenrande ockergelb, nach aussen hin 
«schwarz. Augenlider licht braunviolet, zum Schnabel 
«hin etwas mehr röthlich. Ohren orangeroth. Schna- 
«bel und Fusse schwarz.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch, jedoch sel- 
ten, so dass Dr. Fischer nur ein Exemplar erlangen 
konnte. 

Fam. Perdicidae. 

Ç7. Excalfactoria minima Gould. Salvadori, Ornith. Pap. 
et Molucc. III. p. 255. 

Ajam Jcoesoe Icoesoe. 

a. Ç. 21. Dec. 1879 (JV?. 9814). 

«Iris braunroth. Schnabel hellaschgrau, oben etwas 
«dunkler. Fusse hellgelb.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch, aber selten; 
im Laufe von anderthalb Jahren sah Dr. Fischer nur 
zwei Exemplare und schoss nur eines davon. 

Ordo. Grallatores. 
Farn. Rallidae. 

68. Amaurornis moluccana(Wall.). Salvadori, Ornith. Pap. 
et Molucc. III. p. 276. 
Sotie-Sotie. 



• j!^^ 



— 134 — 

a. 1879 (,1 9876). 

Ein auf Ternate einheimischer, jedoch seltener Vogel. 

Farn. Charadriidae. 

69, Charadrius faivus Gm. Salvadori, Orüith. Pap. et 

Molucc. III. p. 294. 

Snip. 

a. S. 19. Oct. 1879 n. St. {B 9891)1; h. S. 20. Oct. 
1879 n. St. (JV» 9892); c. $. 24. Oct. 1879 n. St. 
(M 9893); d, (JVs 9894). 

«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse schiefergrau. » 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch und kommt 
in Menge vor [überwintert w^ohl nur? Th. Pleske]. 

Farn. Scolopacidae. 

70, Tringoides hypoleucos (Linn.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. III. p. 318. 
Eoie. 

a. 17. Oct. 1879 (A^ 9895); h. (K?. 9896); c. {». 9897). 
«Iris braun. Schnabel schwarz. Fusse gräulich-grün.» 
Ist auf der Insel Ternate einheimisch. 

71, JVumenius variegatas (Sc op.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. III. p. 332. 

KromheJc. 

a. S. 27. Nov. 1879 n. St. (jYh 9898); 6. {1^. 9899). 

Ist selten, kommt jedoch zu jeglicher Jahreszeit vor 
und hält sich entweder am Strande oder auch auf feuch- 
ten Stellen im Krüppelholz auf dem Gebirge auf. 

Fam. Ardeidae. 

72, Demiegretta sacra (Gm.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. III. p. 345. 
SowiJco itam. 



— 135 — 

a. S. 22. Febr. 1880 n. St. (A^ 9876); h. $. 25. Febr. 
1880 n. St. (A^ 9877). 

«Iris gelb. Augenlider grasgrün. Schnabel oben dun- 
«kel schwarzbraun, unten gelblichbraun. Fusse gras- 
«grün, die untere Hälfte der Tarsen auf der Vorder- 
« Seite schwarz.» 

Auf der Insel Ternate einheimisch. 

73. Herodias torra (Buch. Harn il t.). S al va dor i, Ornith. 

Pap. et Molucc. III. p. 350. 
Sowïko poetih besaar. 

a, $. 22. Oct. 1879 n. St. (B 9878). 

«Iris gelb. Schnabel an der Basis des Oberschna- 
«bels grasgrün, sonst licht orangegelb. Fusse schwarz.» 

Ist auf der Insel nicht einheimisch und in dem 
Jahre 1879 zuerst von Dr. Fischer gesehen worden, 
nach einem lange andauernden Südwinde. 

74. Herodias garzetta (Linn.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. III. p. 354. 

Sowïko. 

a. $. 20. Oct. 1 880 n.St. (A?. 9879); 6. 1879 (JV?. 9880); 
c. (JV« 9881). 

«Iris gelb. Nackte Stelle vor dem Auge licht orange- 
«gelb, Basis des Unterschnabels grasgrün, Oberschna- 
«bel und Spitze des Unterschnabels schwarz. Fusse von 
«der Vorderseite schwarz, von derHinterseite grasgrün.» 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch, jedoch selten. 

75. Bubuicus coromandus(Bodd.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. III. p. 357. 
Sowïko. 

a. S. 28. Febr. 1880 n. St. (JVii 9882); h. 2. 28. Febr. 
1880 n. St. (JVî! 9883). 



— 136 — 

«Iris gelb. Schnabel und Augenlider dunkelgelb. 
«Fusse: Tarsen und Zehen schwarz, Unterschenkel dun- 
«kel grasgrün.» 

Auf der Insel Ternate einheimisch. 

76. Butorides javanica (Horsf.). Salvadori, Ornith. Pap. 

et Molucc. III. p. 359. 

SowiJco Jcetjil. 

a. 2. 2r. März 1880 n. St. (JVr 9884). 

«Iris gelb. Augenlider grasgrün. Schnabel schwarz, 
«an der Basis grasgrün umsäumt. Fusse olivenbraun.» 

Kommt stets auf der Insel Ternate vor und hält sich 
mit Vorliebe auf den feuchten Stellen im hohen Grase 
alang alang auf. 

77. Nycticorax caledonicus (Gm.). Salvadori, Ornith. Pap 

et Molucc. p. 372. 

Ad. SowiJco mirrah. juv. SowiJco boeriJc. 

a, 5. 3. Oct. 1880 n. St. (JVs 9885); h. $. 19 Oct. 
1880 n.St.(l°9886);c.$.19.0ct. 1880 n. St. (J\E 9887); 
d.Ç, 22. Oct. 1880 n.St. (j\]! 9888); e. 2 juv. 22. Oct. 
1880 n. St. (Js 9889.); f. $ juv. 29. Oct. 1880 n. St. 
(». 9890). 

«Iris gelb. Schnabel an der Basis grasgrün oder 
«grünlichgrau, die Spitze des ünterschnabels und der 
«Schnabelrücken schwarz. Fusse gelb oder grasgrün.» 

Ist auf der Insel Ternate nicht einheimisch, er- 
scheint selten und hält sich kurze Zeit auf. 

Ordo. Natatores. 
Fam. Anatidae. 

78. Tadorna radjah (Garn.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. III. p. 391. 
Gahoera. 



— 137 — 

a, S. 5. Apr. 1880 n. St. Qè 9815); b. S, 17. Dec. 
1880 n. St. (]\» 9841). 

«Iris weiss, leicht grünlichgelb angeflogen. Schna- 
«bel und Fusse licht fleischfarbig-weiss.» 

Das erste Exemplar stammt von der Insel Halma- 
hera, wo diese Ente in Bergströmen lebt. Sie wurde 
im Laufe eines Jahres von Dr. Fischer in Gefangen- 
schaft gehalten und paarte sich mit Erfolg mit einer 
zahmen Manilla -Ente. Auf der Insel Ternate kommt 
sie nur dann und wann vor, und es gelang Dr. Fischer 
erst später, sich des zweiten, wilden Exemplares zu 
bemächtigen. 

Fam. Pelecanidae. 

79. Fregata aqnila (Linn.). Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. III. p. 400. 

TjaJcalong. 

a, 2. 5. Febr. 1880 n. St. (K 9816). 

«Iris braun. Schnabel, AugenUder, Kehlhaut und 
«Fusse fleischroth.» 

Dieser Yogel hält sich hier in den Monaten Novem- 
ber, December, Januar und Februar auf und wird fast 
täglich, in ansehnlicher Höhe längs dem Strande zie- 
hend, beobachtet. Mehrmals bemerkte Dr. Fischer, 
dass sie sich in der Bai von Dodinga auf's Wasser 
niederliessen und dort umherschwammen. Ferner hat 
Dr. Fischer einen solchen Vogel auf einem hohen 
Kapok- Baume auf der Insel Ternate sitzen sehen. 
Seine Stimme ist «Kovak». 

80. FregataininorBriss. Salvadori, Ornith. Pap. et Molucc. 

III. p. 404. 
ö. 5. 10. Jan. 1880 n. St. (JVs 9817). 

Mélanges biologiques. XII. 18 



— 138- 

«Iris braun. Fusse schwarz. Schnabel fleischroth. 
«Kehlsack zinnoberroth.» 

Von dieser Art berichtet Dr. Fischer dasselbe, wie 
von der vorhergehenden. 

81. Microcarbo melanoleucus (VieilL). Salvadori, Ornith. 
Pap. et Molucc. III. p. 410. 

JBehelc laut. 

a. 2. 17. Oct. 1880 (JVr 9818). 

«Iris weiss. Schnabel gelb mit einem schwarzen 
« Sattel. Fusse schwarz. » 

Ist auf der Insel Ternate einheimisch , jedoch sehr 

selten. 

Fam. Laridae. 

82. Sterna bergii Licht. Salvadori, Ornith. Pap. etMolucc. 
III. p. 432. 

Ngaie oder Tjàkaïan Icetjil. 

a, S. 24. Oct. 1880 n. St. (JV« 9819); b. ?. 24. Oct. 
1880 n. St. (S^. 9820); c. 5. 18. Apr. 1880 n. St. 
(m 9821); d. 2. 25. Oct. 1880 n. St. {M. 9822); e. 
(JVp 9823). 

«Iris dunkelbraun. Schnabel gelb. Fusse schwarz, 
«beim $ (à) gelb.» 

Man sieht den Vogel ab und zu, besonders bei star- 
kem Winde, längs den äussersten Grenzen der Korallen- 
riffe auf- und niederfliegen. 

Fam. Procellariidae. 

83. PafjQnus leucomelas (Temm.). Salvadori, Ornith. Pap. 
et Molucc. III. p. 461. 
TjaJcaïang Jcetjil. 

a, S. 10. Juni 1881 (M. 9842). 
«Iris braun. Schnabel aschgrau. Fusse fleischfarbig.» 
Auf der Rhode von Ternate gefangen. 



— 139 — 

84, Puflinus sphenurus Gould. Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. III. p. 464. 
Tjdkdlang Jcetjil. 

a, Ç. 9. Juni 1881 n. St. (A^ 9843). 
«Iris braun. Schnabelspitze und Basis schwarz, sonst 
« dunkelviolet. Fusse licht fleischfarbig. » 
Auf der Rhede von Ternate gefangen. 

Farn. Podicipitidae. 

85, Podiceps tricolor G. R. Gr. Salvadori, Ornith. Pap. et 

Molucc. III. p. 470. 

Beheh 

a. S. 23. Nov. 1879 n. St. (JVp 9844); h. 2. 23. Nov. 
1879 n.St.(J\?. 9845); c. 2. 23Nov. 1879 n.St.(Ä» 9846). 

«Iris carminroth. Schnabel schwarz, an der Basis 
«zum Auge hin gelb. Fusse graugrün.» 

Der Vogel hält sich auf der Insel Ternate stets auf 
der «Lagune» auf. Ausser den Vögeln hat Dr. Fischer 
auch ein Nest und ein Ei eingesandt; letzteres ist 
gelblichweiss und hat eine Länge von 36'"'", bei einer 
Breite von 24,5"". 

Anmerkung. Zu erwähnen wäre noch eine Vogelart, 
welche sich in der Sammlung des Dr. Fischer be- 
funden hat und von ihm mit dem einheimischen Namen 
Melleo bezeichnet worden ist. Die Exemplare haben 
sich in der Sammlung der Akademie nicht erhalten, 
da sie unterwegs zu sehr gelitten hatten. Es ist an- 
zunehmen, dass der betreffende Vogel eine Megapodius- 
Art ist, da Salvadori für Ternate zwei Arten auf- 
führt, nämlich Megapodius Freycineti Q. et G. und 
Megapodius Wallacei G. R. Gr. Ersterer wird nach 
Salvadori von den Eingebornen von Ternate Malleo 



>J(! 



— 140— - 

genannt, letzterer Mamoa. Da nun Dr. Fischer den 
Megapodius Freycineti — Mamoenga nennt, so ist es 
wohl anzunehmen, dass er unter Melleo den Megapo- 
dius Wallacei versteht, dass also die beiden Bericht- 
erstatter den betreifenden Vögeln die entgegengesetz- 
ten Namen beilegen. Wer Recht hat, ist natürlich nicht 
zu ergründen. 

Für die Wahrscheinlichkeit meiner Behauptung 
spricht noch der Umstand, dass Dr. Fischer ein Ei 
des Melleo zugesandt hat, welches in einem Haufen Erde 
am 3. Oct. 1879 n. St. auf der Insel Ternate gefunden 
worden ist. Es ist hell sandfarbig. Länge 87'^, Breite 
55"^. 



-oo>©^c 



(Tiré du Bulletin, T. XXIX, pag, 519—540.) 



20 Novembre -i po^ 
2 Décembre 

Bemerkungen über die Schlangengattung Elapomor- 
phus aus der Familie der Calamariden. Von Dr. 
A. Strauch. 

Herr Dr. H. von Ihering, der sich in der bra- 
silianischen Provinz Rio Grande do Sul niedergelassen 
hat und sich mit dem Studium der dortigen Fauna be- 
schäftigt, hat die Freundlichkeit gehabt, mir durch 
Vermittelung des bekannten Naturalienhändlers Gustav 
Schneider in Basel einen grossen Theil seiner her- 
petologischen Ausbeute zukommen zu lassen. In der 
letzten seiner Sendungen, die ich vor ein Paar Mona- 
ten erhielt, fand sich neben vielem anderen Interessan- 
ten auch ein Exemplar einer ElapomorpJius- Art vor, 
die mir nach genauem Vergleich mit den Beschrei- 
bungen und Abbildungen aller bisher bekannten Arten 
dieser Gattung neu zu sein scheint, und die ich unter 
dem Namen ElapomorpJius Iheringi in den nachfol- 
genden Seiten beschreiben will. Um jedoch die an 
und für sich schon übergrosse Zahl von Beschreibun- 
gen einzelner Arten nicht noch um eine zu vermehren, 
gebe ich zugleich eine kritische Revision aller bisher 
bekannten Arten der Gattung ElapomorpJius und hoffe, 
dass diese Revision, so unvollkommen sie auch sein 

Melanges biologiques. XII. IS 



— 142 — 

mag, bei dem derzeitigen Mangel an einem ophiolo- 
gischen Gesammtwerke, jedem, der in die Lage kommt, 
Elapomorphus-Avten zu bestimmen, nicht ganz unwill- 
kommen sein wird. 

Der Namen Elapomorphus (von eXa^];, Namen einer 
Schlange ^) und fJt.opcpY] Gestalt) stammt von Wieg- 
mann und ist von ihm für eine Schlange vorgeschla- 
gen worden, welche in Schlegel' s Essai sur la Phy- 
sionomie des Serpens II p. 45 unter dem Namen Ca- 
lamaria Blumii beschrieben ist, und welche ihm ge- 
nerisch von den übrigen Calamaria-Arten verschieden 
zu sein schien; jedoch ist es mir nicht gelungen, trotz 
Durchsicht aller herpetologischen Arbeiten Wieg- 
mann's, in denselben den Namen Elapomorphus, ge- 
schweige denn eine Charakteristik der Gattung auf- 
zufinden, und ich vermuthe daher, dass es sich in 
diesem Falle um einen sogenannten Museums -Namen 
oder um einen Namen in litt, handelt, den Wieg- 
mann proponirt, seinen Correspondenten mitgetheilt, 
aber niemals veröffentlicht hat. In dieser Yermuthung 
werde ich noch durch den Umstand bestärkt, dass in 



1) Das Wort eXa^ fehlt im griechisch -deutschen Wörterbuche 
von Rost, nichts desto weniger ist es ein griechisches Wort, das nach 
Duméril undBibron(Erpétol. génér.VIIp. 1191,Note) in Nikan- 
der's Theriaca als Bezeichnung für eine Schlange vorkommen soll. 
In dem betreffenden Werke Vers 490 spricht Nikander in der 
That von unschädlichen Kriechthieren, eXoTraç, woraus aber ersicht- 
lich ist , dass der Name bei ihm elo^ lautet , ein Wort , das auch in 
den gewöhnlichen griechischen Lexicis als Bezeichnung für einen 
Fisch angegeben und bereits von Linné für eine Clupeiden- Gat- 
tung adoptirt ist. Das Wort eXa^» dagegen, das sich in dem Ono- 
masticon von Julius Pollux lib. VI cap. 50 gleichfalls als Namen 
eines Fisches findet, wird von Hase und Dindorf in ihrer Ausgabe 
des Thesaurus linguae graecae von Stephanus (III p. 779) für eine 
verdorbene Form von eXo^ erklärt, indem sie in Bezug auf die eben 



- 143 — 

Agassiz' Nomenciator als Autor für die Gattung Ela- 
pomorplms nicht Wieg mann, sondern Fitzinger an- 
gegeben wird, welcher letztere in der That der erste 
gewesen ist, der sich dieses Namens im Drucke be- 
dient hat, denn in seinem Systema Reptilium p. 25 ist 
in der (3ten) Section Teleophidia, in der ersten Fa- 
milie Lam^ro^/^es, die Gattung aElapomorphusWiegm.» 
aufgeführt und als typische Art dazu die Calamaria 
BlumiiSchlg, citirt. Nun enthält Fi tzinger's Systema 
Reptilium bekanntlich aber nur eine Skizze der von 
ihm vorgeschlagenen Eintheilung, d. h. eine endlose 
Reihe von Namen, über deren Bedeutung man sich 
höchstens aus der für jedes einzelne Genus und Sub- 
genus angeführten typischen Art einen ungefähren 
Begriff machen kann, und da von dem Werke über- 
haupt nur der erste Fascikel erschienen ist, der neben 
der eben erwähnten Skizze des ganzen Systems nur 
noch die Charakteristik eines Theiles der Saurier ent- 
hält, so sind alle übrigen Abtheilungen der Reptilien, 
und somit auch die Gattung Elapomorphus , ohne alle 
Charakteristik geblieben. 



citirte Stelle des Onomasticon von Pollux ausdrücklich bemer 
ken: «sed ubi manifestum est e scripturis librorum, delenda esse 
sXa^l> etc.» Wie dem nun auch sei, Schneider hat den Namen 
Elaps zuerst in die Wissenschaft eingeführt, und zwar bezeichnet 
er in seiner Hist. Amphib. fasc. II p. 289 damit eine Gattung von 
Schlangen, die er zwischen die Linné'schen Gattungen Coluher und 
Anguis stellt, und die sehr heterogene Arten enthält. Da jedoch 
als erste Art der Coluher lemniscatus L. aufgeführt ist, so wurde in 
der Folge der Name Elaps für diese Art und die ihr zunächst ver- 
wandten, d. h. für die giftigen Corallenschlangen adoptirt. Die Ähn- 
lichkeit, welche die Calamaria Blumii Schlg. in der Kopfform mit 
eben diesen Corallenschlangen besitzt, veranlasste wahrscheinlich 
Wiegmann, die für diese Art creirte neue Gattung mit dem Namen 
Elapomorphus zu belegen. 



— 144 — 

Das Verdienst, die in Rede stehende Gattung gehörig 
umgrenzt und charakterisirt zu haben, gebührt den Ver- 
fassern der Erpétologie générale, und zwar haben Du- 
méril und Bibron dieselbe wegen der bei allen da- 
hin gerechneten Arten vorhandenen hinteren Furchen- 
zähne in ihre Unterordnung « OpistoglypJies » gestellt 
und mit den Gattungen Homalocr anion, Stenorhina und 
Erythrolamprus in eine besondere Familie aStenocepha- 
liens» vereinigt. Abgesehen von der systematischen 
Stellung, die, wie überhaupt das ganze, ausschliesslich 
auf den Zahnbau begründete Schlangensystem der Erpé- 
tologie générale, eine ziemlich verfehlte war, ist die 
Gattung Elapomorphus sehr scharf und gut gekenn- 
zeichnet und enthält ausser der Galamaria Blumii 
Schlg. noch die Galamaria D^OrUgnyi Seh lg., so wie 
4 ganz neue Arten (E. flavotorquatus , E. tricolor, E, 
hilineatus und E. lemniscatus), die sämmtlich einander 
sehr nahe verwandt sind und aus Süd- Amerika stammen. 

In Günther's Catalogue of Colubrine Snakes fehlt 
die Gattung Elapomorphus ganz, und zwar nicht etwa, 
weil der Verfasser sie nicht anerkannt und die Arten 
in andere Genera vertheilt hat, sondern weil zur Zeit, 
als der Catalog abgefasst wurde, im British Museum 
überhaupt keine Repräsentanten derselben vorhanden 
waren. Nur ganz am Schlüsse des Catalogs, wo Dr. 
Günther Nachträge zu dem von Gray edirten Cata- 
logue of Snakes giebt, beschreibt er auf p. 276 eine 
neue Gattung ElapocephaUis, die er auf eine von Gray 
irrthümlich als Abastor erythrogrammus {Galopisma 
erythrogrammumLsitY.) bestimmte Schlange begründet 
hat, und belegt diese Schlange mit dem Namen Ela- 
pocephalus taeniatus. Diese neue Gattung stimmt nun 



— 145 — 

vollkommen mit Elapomorphns überein und Dr. Gün- 
ther hat sich nachträglich auch selbst von der Iden- 
tität beider Genera überzeugt und zugleich mitgetheilt, 
dass sein ElapocepJialus taeniatus von dem längst be- 
kannten Elapomorphus Blumii Seh lg. specifisch nicht 
verschieden ist ^). 

Nächstdem hat Jan die Gattung Elapomorphus in 
seinem Elenco sistematico degli Ofidi p. 38 und 39 und 
in der Enumerazione sistematica delle specie d' Ofidi 
del gruppo Calamaridae ^) behandelt, dieselbe aber in 
etwas anderem Sinne aufgefasst, als die Verfasser der 
Erpétologie générale; während nämlich in dem letzt- 
genannten Werke die in Rede stehende Gattung, wie 
schon bemerkt, ausschliesslich süd-amerikanische Ar- 
ten enthält, hat Jan auch zwei afrikanische Schlangen 
hinzugezogen, von denen die eine von Auguste Du- 
ra ér il*) unter dem Namen Elapomorphus gabonensiSj 
die andere von Reinhardt^) als Urohelus acanthias be- 
schrieben worden ist. Beide Schlangen stimmen, bis auf 
die Färbung und Zeichnung, so wie einige unbedeu- 
tende Differenzen in der Pholidose, vollkommen mit 
einander überein und unterscheiden sich von den süd- 
amerikanischen Elapomorphus- Arten durch die Stellung 
des"' Nasalschildes, welches bei ihnen nicht, wie gewöhn- 
lich, an das Rostrale angrenzt, sondern von demselben 
abgerückt erscheint, und zwar dadurch, dass das je- 
derseitige Internasale sich zwischen das Rostrale und 

2) Ann. and Mag. Nat. Hist. 3^ ser. IX p. 57. 

3) Archivio per la Zoologia, l'Anatomia e la Fisiologia II p. 
41 — 48. 

4) Archives du Muséum d'hist. nat. X p. 206. 

5) Videnskabelige Meddelelser fra den naturh. Foreuing i Kjö- 
benhavn for 1860 p. 229. 

Mélanges biologiques. XII. 1«^ 



— 146 — 

Nasale vorschiebt und mit dem Isten Supralabiale der 
entsprechenden Seite in directer Berührung steht. Du- 
méril, der dieser eigenthümlichen Lage des Nasalschil- 
des in seiner Beschreibung nirgends erwähnt, lässt 
sich zwar eines Weiteren über die Differenzen aus, wel- 
che seine Schlange von den Elapomorphus- Arien darbie- 
tet, entscheidet sich aber schliesslich doch dafür, dass 
diese Differenzen nicht wesentlich genug sind, um die 
Creirung einer besonderen Gattung zu rechtfertigen, 
und stellt die Art in das Genus Elapomorphus, freilich 
mit der Bemerkung: «ce n'est pas sans hésitation, que 
je place, à la suite d'espèces américaines, un serpent 
d'Afrique»; Reinhardt dagegen ist entschiedener zu 
Werke gegangen und hat für seine Art ein neues Ge- 
nus, ürohelus, begründet, das sich von Elapomorphus 
eben durch die höchst auffallende Lage des Nasalschil- 
des unterscheidet. Jan, der die Zusammengehörigkeit 
der beiden eben besprochenen afrikanischen Schlangen- 
Arten sofort erkannt und sie in der Gattung ür obelus 
vereinigt hat, zieht diese Gattung nichts desto weniger 
als Subgenus zu Elapomorphus, während es meiner An- 
sicht nach richtiger sein dürfte, sie als besonderes Ge- 
nus gelten zu lassen, denn ich bin durchaus der An- 
sicht, dass selbst scheinbar geringfügige Abweichun- 
gen, vorausgesetzt, dass sie constant sind, zu generi- 
schen Merkmalen erhoben werden müssen, sobald die 
Gattungen, die dadurch entstehen, mit geographischen 
Gruppen zusammenfallen, wie es z. B. hier der Fall 
ist, wo die Urohelus - krten afrikanisch sind, während 
alle echten Elapomorphus- Arten, deren Fundort mit 
Sicherheit bekannt ist, ohne Ausnahme aus Süd- Ame- 
rika, resp. Mexico, stammen. 



— 147 — 

Nach Ausschluss der beiden afrikanischen Arten, die 
ich , wie schon bemerkt, als einer selbstständigen Gat- 
tung, üroheluSj angehörig ansehe, zerfallen die übrig- 
bleibenden, also die echten, ElapomorpJius- Arien nach 
Jan in 4 Gruppen: die Iste Gruppe enthält die Arten, 
welche 2 Internasalia und 2 Praefrontalia besitzen, bei 
denen folglich die Oberseite der Schnauze, zwischen 
dem Frontale und Rostrale, mit 4 Schildern gedeckt 
ist; bei den Arten der 2 ten Gruppe sind die beiden Prae- 
frontalia zu einem einzigen Schilde verschmolzen, so 
dass bei ihnen die Oberseite der Schnauze, zwischen 
dem Frontale und Rostrale, 3 Schilder (1 Praefrontale 
und 2 Internasalia) zeigt; zu der 3ten Gruppe rechnet 
Jan die Arten, bei welchen jederseits das Internasale 
mit dem Praefrontale zu einem einzigen Schilde ver- 
schmolzen ist, deren Schnauze also auf der Oberseite, 
zwischen dem Frontale und Rostrale, überhaupt nur 
2 Schilder, (die Peters als Internaso-Praefrontalia be- 
zeichnet), trägt, und die 4te Gruppe endlich enthält 
eine einzige Art, die hinsichtlich der Schnauzenschil- 
der mit den Arten der 3ten Gruppe übereinstimmt, d. h. 
gleichfalls nur 2 Schilder, sogenannte Internaso-Prae- 
frontalia, besitzt, sich aber durch den Besitz eines jeder- 
seitigen Frenalschildes auszeichnet^). Diese 4te Gruppe 



6) Bei Jan folgen die 3 ersten Gruppen in umgekelirter Reihen- 
folge auf einander, so dass die typische Art, die Calamaria Blumii 
Seh lg., in seiner 3ten Gruppe steht, während es doch einmal ange- 
nommen ist, die Eeihenfolge der Arten in jeder Gattung mit der 
typischen Art zu beginnen. Ich habe daher als Iste Gruppe die- 
jenige bezeichnet, welche die typische Art enthält, und bin folglich 
genöthigt gewesen, die Reihenfolge der Gruppen umzukehren, was 
aber ausserdem noch in so fern viel natürlicher ist, als auf diese 
Weise die Arten mit Internaso-Praefrontalschildern an's Ende kom- 
men und sich direct an die Untergattung Elapomojus, die gleichfalls 



— 148 — 

fasst Jan als besonderes Subgenus auf und belegt sie 
mit dem Namen Elapomojus, im Gegensatze zu den 
beiden anderen Untergattungen TJrdbelus und Elapo- 
morphus s. str., unter welchem letzteren Namen er die 
3 ersten Gruppen zusammenfasst. Diese 3 ersten Grup- 
pen, also Jan's Untergattung Elapomorphus, sind ganz 
vorzüglich charakterisirt und unterscheiden sich scharf 
und sicher von einander, die 4te dagegen, die Unter- 
gattung Elapomojus Jan, scheint mir nicht haltbar zu 
sein, und zwar nicht etwa, weil ich die An- oder Ab- 
wesenheit eines Frenalschildes für ein zu geringfügiges 
Merkmal halte, sondern weil ich mich überzeugt habe, 
dass in dieser Gattung das Frênaie') anomaler Weise 
auch bei solchen Arten vorkommt, denen es sonst ab- 
gesprochen wird. Gewöhnlich steht bei den Schlan- 
gen, denen das Frênaie fehlt, das Praeoculare mit 
dem Nasale in director Berührung und das ist auch 
bei den meisten Elapomorphus- Arten der Fall, jedoch 
keineswegs bei allen, denn bei E. D^Orhignyi D. et B. 
und E. assimilisB^einh. drängt sich das jederseitige In- 
ternaso-Praefrontalschild und bei E, mexicanus Gnth. 
das jederseitige Praefrontale mit seinem seitlichen 
Theile zwischen Praeoculare und Nasale hinein und 
steht mit dem 2ten Supralabiale in Contact; diese An- 
ordnung hat aber durchaus den Anschein, als wenn 
hier ein Frênaie vorhanden, aber mit dem Internaso- 
Praefrontale, resp. Praefrontale, verschmolzen ist, und 



durchi den Besitz von Internaso - Praefrontalschildern ausgezeichnet 
ist, anschliessen. 

7) E.scalarisWu eh. besitzt auch jederseits ein Frenalschild , je- 
doch kommt er hier nicht weiter in Betracht, da er höchstwahr- 
scheinlich gar nicht in diese Gattung gehört. 



— 149 — 

da man sowohl von E. D^Orhignyi, als auch von E. 
assimilis und E. mexicanus gegenwärtig nur je ein 
Exemplar kennt, so könnte es leicht sein, dass mit 
der Zeit Exemplare dieser Arten gefunden würden, 
bei welchen dieser zwischen Praeoculare und Nasale 
vorgeschobene, mit dem 2ten Supralabiale in Berüh- 
rung stehende Theil des jederseitigen Internaso-Prae- 
frontale, resp. Praefrontale, als selbstständiges Schild- 
chen abgetrennt wäre, die somit ein besonderes Frênaie 
besässen. Ausserdem liegt mir aber auch ein Exemplar 
des E. Blumii Seh lg. (^9, 2547) vor, bei welchem auf 
der rechten Seite der hintere Theil des langen Nasal- 
schildes als besonderes selbstständiges Schildchen ab- 
getrennt ist, welches natürlich nur als Frênaie gedeu- 
tet werden kann. Unter solchen Umständen scheint 
es mir wohl richtiger, die 4te Gruppe Jan's ganz ein- 
zuziehen und die einzige zu derselben gehörige Art, 
den E. dimidiatus Jan, mit den Arten der 3 ten Gruppe 
zu vereinigen, mit welchen sie in der Beschilderung 
der Schnauze, wie schon bemerkt, vollkommen über- 
einstimmt. 

Somit würden die echten Elapomorphus- Arten je 
nach der Zahl der die Oberseite der Schnauze decken- 
den Schilder in 3 Gruppen zerfallen, die sich scharf 
und sicher von einander unterscheiden und von Cope^) 



8) Proc. Acad. Philadelph. XIII p. 524. Hier führt Cope auch 
die Arten auf, die in jede der 3 neuen, von ihm creirten Gattungen 
gehören, und darunter auch einen jB.o/j^msR ei nh., der in die Gat- 
tung Elapomorphus s. str. gehören soll. Eine Art dieses Namens 
existirt aber meines Wissens überhaupt nicht, und ich vermuthe 
daher, dass Cope den E. assimilis 'Reinh., dessen er nicht gedenkt, 
in Folge eines Versehens als E. affinis aufgeführt hat, nur gehört 
dieser E. assimilis nicht in die Iste, sondern in die 3te Gruppe, 






— 150 — 

auch bereits zu besonderen Gattungen erhoben wor- 
den sind: die Arten der Isten Gruppe, die 2 Inter- 
nasalia und 2 Praefrontalia besitzen und zu denen 
auch die typische Art, die Calamaria Blumii Schlg. 
gehört, belegt Cope mit dem Namen Elapomorphus 
s. Str., die Arten der 2ten Gruppe mit 2 Internasalen 
und 1 Praefrontale nennt er Fhalotris und diejenigen 
der 3ten Gruppe, die durch den Besitz von 2 Inter- 
naso - Praefron talschildern ausgezeichnet sind, bilden 
bei ihm die Gattung Apostolepis. So wenig man sich 
auch mit einer so weit gehenden Splitterung der Gat- 
tungen, wie sie hier von Cope vorgenommen wird, ein- 
verstanden erklären kann, so lassen sich doch die 3 
Namen, da sie einmal gegeben sind, nicht einfach ig- 
noriren und ich schlage daher vor, dieselben zur Be- 
zeichnung der 3 Gruppen, also in subgenerischer Be- 
deutung, beizubehalten. 

Jan behandelt in seinen beiden Arbeiten, dem Eleuco 
und der Enumerazione, im Ganzen \0 echte Elapomor- 
phus- Ai'ten, nämlich die 6 in der Erpétologie générale 
charakterisirten, 2 von Reinhardt entdeckte, die un- 
ter den Namen E. lepidus und E. assimilis beschrieben 
worden sind, und 2 ganz neue, E. accedens und E, di- 
midiatus, welche alle sich in der Weise auf die 3 Grup- 
pen oder Subgenera vertheilen, dass je 3 in die Iste 
und 2te und 4 in die 3 te Gruppe gehören. Da jedoch 



a\ao nicht zu Elapomorphus s. Str., sondern zu Apostolepis Co 'pe. 
Dagegen gehört die 2te von Reinhardt heschrieheneJElapomorphus- 
Art, der E. lepidus, in die Iste Gruppe oder in Cope's Gattung 
Elapomorphus s. Str., während Cope sie in seine Gattung Apostole- 
pis, also in die 3te Gruppe stellt, und es ist daher augenscheinlich,' 
dass diese irrigen Angaben einfach auf einer Namen-Yerwechselung 
der beiden Reinhardt'schen Arten beruhen. 



— 151 — 

Jan sowohl in den beiden oben citirten Arbeiten, als 
auch in seiner grossen Iconographie générale des Ophi- 
diens stets nur solche Arten berücksichtigt, die er 
selbst zu untersuchen Gelegenheit gehabt hat, so ent- 
hält seine Aufzählung keineswegs alle zu jener Zeit 
bekannten Arten dieser Gattung, und zwar fehlen bei 
ihm nicht weniger als 4, nämlich E. reticulatus Ptrs|, 
E. Wucheren Gnthr, E, Scolaris Wuch.^) und E. 
mexicanus Gnthr, von denen die beiden Günther- 
schen Arten in die Iste, die beiden anderen in die 2te 
Gruppe gehören. 

Nach dem Erscheinen von Jan's Elenco, also nach 
dem Jahre 1863, sind noch drei hierhergehörige Arten 
beschrieben worden, nämlich E. nigrolineatus Ptrs, 
E. erythronotus Ptrs und E. coronatus Sauv. ^^), die 



9) Diese Art unterscheidet sich sowohl durch die Zahl der Su- 
pralabialia, die bei ihr jederseits 8 beträgt, als auch durch die in 
17 und nicht in 15 Längsreihen angeordneten Schuppen in sehr 
auffallender Weise von allen übrigen Elapomorphus - Arten und da 
bei ihr auch der Kopf deutlicher von dem kurzen gedrungenen 
Rumpfe abgesetzt sein soll, so wäre es nicht unmöglich, dass sie in 
eine der anderen , einander sehr nahe verwandten und zur Zeit noch 
keineswegs gehörig von einander geschiedenen Gattungen dieser 
Familie gehört. In der Zahl der Schuppenreihen stimmt sie mit 
Elapotinus Picteti Jan überein, besitzt aber ein opistoglyphes Ge- 
biss, während die Gattung Elapotinus Jan durch ein aglyphodontes 
Gebiss ausgezeichnet ist. Übrigens würde das Gebiss noch kein Hin- 
derniss abgeben, den Elapomorphus Scolaris Wuch. in die Gattung 
Elapotinus zu stellen, da ja bekanntlich auch in der Gattung Coro- 
nella Arten mit glatten (C austriaca h amr. und Cgirundica Daud.) 
und mit gefurchten (C. cucuUota D. et B. und C. hrevis Günther) 
hintern Zähnen vereinigt sind, nur kann diese Frage selbstverständ- 
lich nicht ohne Untersuchung des Originalexemplars, das sich im 
British Museum befindet, entschieden werden, wesshalb die Art bis 
auf Weiteres in der Gattung Elapomorphus verbleiben muss. 

10) Hr. Sauvage nennt seine Art Elapomorphus {Elapomorphus) 
coronatus und man könnte daher glauben, dass sie in die Iste 
Gruppe gehört, die Cope mit dem Namen Elapomorphus s. str. be- 



'■X* 



— 152 — 

sämmtlich in die 3te Gruppe gehören. Zu diesen 17 Ar- 
ten kann ich , wie schon bemerkt , noch eine neue , E. 
Iheringij hinzufügen, so dass also die Gattung Ela- 
pomorpJius, in dem Sinne, wie ich sie hier gefasst, ge- 
genwärtig im Ganzen 18 Arten entiiält, die sämmtlich 
aus Süd-Amerika, resp. Mexico, stammen und von de- 
nen 5 in die Iste, 6 in die 2te und 7 in die 3te Gruppe 
gehören. 

Innerhalb der drei Gruppen unterscheiden sich die 
einzelnen Arten theils durch leicht in die Augen fal- 
lende Differenzen in der Kopfpholidosis, theils aber 
auch nur durch die Färbung und Zeichnung; da jedoch 
diese letztere bei morphologisch naheverwandten oder 
selbst übereinstimmenden Arten eine sehr verschie- 
dene zu sein pflegt, so ist eine Verwechselung der Ar- 
ten kaum möglich, zumal sich fast immer auch in der 
Form der einzelnen Kopfschilder, oder auch in der Ge- 
sammtform des Kopfes mehr oder weniger auffallende 
Differenzen constatiren lassen. Ganz über allen Zwei- 
fel erhaben ist jedoch die artliche Selbstständigkeit 
bei vielen Arten schon desshalb nicht, weil von den 
meisten bisher nur sehr wenige Exemplare, von 12 
Arten sogar nur je ein einziges, zur Untersuchung ge- 
langt sind. Die Gründe, wesshalb die Elapomorphus- 
Arten in Sammlungen bisher so selten sind, lassen sich 
natürlich schwer eruiren, möglicherweise vermehren 



legt hat; dieselbe gehört aber in die 3te Gruppe {Apostolepis Cope) 
und der scheinbare Widerspruch in der Nomenclatur erklärt sich 
einfach daraus, dass Hr. Sauvage sich nicht auf die Cope'schen 
Gattungen bezieht, sondern auf die 3 von Jan in der Gattung Ela- 
pomorphus unterschiedenen Subgenera, nämlich Elapomorphus, Uro- 
helus und Elapomojus, über die ich mich oben bereits eines Weite- 
ren ausgesprochen habe. 



-~ 153 — 

sie sich nur in geringer Zahl, wahrscheinlicher dürfte 
es aber sein, dass sie eine verborgene Lebensweise 
führen und daher seltener gefangen werden. Schliess- 
lich möchte ich noch auf eine merkwürdige Erschei- 
nung in dieser Gattung aufmerksam machen, dass sich 
nämlich bei Arten aus verschiedenen Gruppen dieselbe, 
oder doch nahezu dieselbe Färbung und Zeichnung 
wiederholt: so sind z. B. E, lepidus Reinh. aus der 
Isten und E. coronatus Sauv. aus der 3ten Gruppe ein- 
ander in der Färbung und Zeichnung ausserordentlich 
ähnlich; die gleiche Erscheinung wiederholt sich bei 
E. Blumii Seh lg. aus der Isten und E. nigrolineatus 
Ptrs aus der 3 ten Gruppe, so wie bei E. tricolor D. et B. 
aus der 2ten undE. assimilis Reinh. aus der 3tenGruppe 
und ebenso stimmen auch E. Iheringi m. aus der 2 ten 
und E. erytJironotus Ptrs aus der 3ten Gruppe in der 
Färbung und namentlich Zeichnung fast vollkommen 
mit einander überein. 

Gattung Elapomorphus Wiegm. in litt. 

Der Kopf flachgedrückt mit mehr oder weniger 
stumpf zugerundeter Schnauze und vom Rumpfe gar 
nicht, oder kaum merklich abgesetzt, der Rumpf cy- 
lindrisch, am Bauche mehr oder weniger stark abge- 
flacht, der Schwanz verhältnissmässig kurz und conisch. 
Das Auge sehr klein mit runder Pupille. Das jeder- 
seitige Nasalschild gross, namentlich lang, und stets 
ungetheilt. Die Schnauzenschilder je nach den Gruppen 
verschieden, bald 2 Internasalia und 2 Praefrontalia, 
bald 2 Internasalia und ein einziges Praefrontale, bald 
endlich 2 Internaso-Praefrontalia, die aus der Ver- 

Melaugua biologiques. XII. 20 



'^ 



— 154 — 

Schmelzung des jederseitigen Internasale mit dem Prae- 
frontale derselben Seite entstanden sind. Das Fron- 
tale und die Parie talia von gewöhnlicher Form. Das 
Frenalschild fehlt fast immer. Stets nur 1 Praeoculare, 
dagegen bald 1 , bald 2 Postocularia. Temporalia nach 
den Arten verschieden, bald 2 (hinter, nicht über ein- 
ander), bald ein einziges, oder endlich auch ganz fehlend. 
Jederseits 6 Supralabialia mit Ausnahme des E. me- 
xicanus Gnthr, der 7, und des E. Scolaris Wuch., der 8 
solcher Schilder jederseits besitzt. Das Mentale stets 
von den Inframaxillaren getrennt, indem, wie bei den 
meisten Ophidiern, das 1-ste Infralabiale der rechten 
Seite mit dem gleichnamigen Schildchen der linken in 
Berührung steht. Jederseits 7 oder 8 Infralabialia, 
von denen die 4, oder häufiger die 5 ersten mit den 
Inframaxillaren in Berührung stehen. 2 Paare (bei 
E. dimidiatus Jan 3 Paare) von Inframaxillarschil- 
dern. Zwischen dem hinteren Paar dieser Schilder und 
den Abdominalschildern finden sich 5 — 6 Querreihen 
von Kehlschuppen. Die Körperschuppen, im vorderen 
Rumpfdrittel in 15 (bei E. Scolaris Wuch. in 17) 
Längsreihen angeordnet, sind glatt, sehr glänzend und 
ohne ein Spur von Endporen. Die Abdominalia, von 
gewöhnlicher Breite, variiren je nach den einzelnen 
Arten in der Zahl zwischen 158 und 266, mit Aus- 
nahme des E. Scolaris Wuch., der nur 128 — 130 
Abdominalia besitzt. Das Analschild ist meist getheilt, 
seltener einfach und die Subcaudalia erscheinen paarig. 
Das Gebiss ist opistoglyph, d. h. die hinteren Zähne 
im jederseitigen Oberkiefer sind gefurcht. 

Die 18 zur Zeit bekannten Arten dieser Gattung 
gehören sämmtlich der westlichen Hemisphäre an, und 



— 155 — 

zwar bewohnen 17 verschiedene Theile Süd-Amerika's, 
während die 18 te in Mexico einheimisch ist. Nach 
der Zahl der Schnauzenschilder lassen sie sich, wie 
schon bemerkt, in die 3 nachfolgenden Gruppen un- 
terbringen : 

I, Gruppe. Arten mit 2 Internasal- und 2 Praefrontalschildern. 

( = Elapomorphus s . str . Cope.) 

Die 5 Arten dieser Gruppe, die einander sehr nahe 
verwandt und hinsichtlich ihrer specifischen Selbststän- 
digkeit z. Th. noch keineswegs sicher gestellt sind, 
unterscheiden sich durch folgende Merkmale von ein- 
ander : 

Die Zahl der Supralabialschilder beträgt jederseits 
Ä) 6, von denen das 2te und 3te mit dem Auge in 
Berührung stehen. Von Postocularschildern jeder- 
seits 

a) 2 vorhanden. Ein helles gelblichweisses Hals- 
band 

a) ist bei Exemplaren jeden Alters stets deut- 
lich vorhanden 1. ^. Blumii. 

!^) fehlt durchaus, statt dessen kommt bei jünge- 
ren Individuen in der Parietalgegend eine 
breite gelblichweisse Querbinde vor, von wel- 
cher bei ausgewachsenen keine Spur übrig 

bleibt 2. E. Wucheren. 

h) nur ein einziges vorhanden. Die Parietalregion 

1) mit einer breiten gelben Querbinde geziert. 

3. E. lepidus. 

2) eben so gefärbt, wie der übrige Kopf, ohne 

Spur einer hellen Querbinde 4. E. accedens. 

B) 7, von denen das 3te und 4te an das Auge grenzen. 

5. E. mexicanus. 

1. Elapomorphus Blumii Schlegel. 

1837. Calamaria Blumii Schlegel. Essai s. 1. Phy- 
sion. d. Serpens I p. 133. II p. 45. 

1849. Äbastor erythrogrammus Gray. Catal. of Snakes 
p. 78. 



— 156 — 

1854. Elapomorphus Blumii D. et B. Erpétol. génér. 
VII p. 841, IX p. 358. 

1855. Elapomorphus Blumii Guichenot in: Castel- 
nau. Expéd. d. l'Amer, d. Süd. Rept. p. 56. 

1858. ElapocepJialus taeniatus Günther in: Wieg- 

mann's Archiv f. Naturg. 1858 I p. 243. 
1858. ElapocepJialus taeniatus Günther . Catal. of Co- 

lubrine Snakes p. 276. 
1862. Elapomorphus Blumii Jan. Archivio perlaZoo- 

logia etc. II p. 45. 
1865. Elapomorphus Blumii J an et S or àeUi. Iconogr. 

génér. des Ophidiens. Livr. XIV pi. III. f. 1 . 
Diese und die folgende Art, die beide durch den 
Besitz von 6 Supralabial- und 2 Postocularschildern 
jederseits charakterisirt sind, stimmen in der Pholi- 
dosis fast vollkommen mit einander überein und lassen 
sich lediglich durch die Färbung und Zeichnung un- 
terscheiden. Nun ist die Zeichnung zwar bei beiden 
Arten, je nach dem Alter der Exemplare, mehr oder 
weniger beträchtlichen Abänderungen unterworfen, 
dennoch lässt sich E, Blumii sehr leicht und sicher 
an seinem hellen, gelblichweissen Halsbande erkennen, 
das bei allen Exemplaren, welcher Altersstufe sie auch 
angehören mögen, stets deutlich vorhanden ist. 

Morphologische Merkmale. Der Kopf breit, flachge- 
drückt mit kurzer stumpfer Schnauze. Das Rostrale 
klein, die Internasalia etwa um ein Drittel kleiner als die 
Praefrontalia und von trapezoidaler Gestalt, die Prae- 
frontalia sechseckig, aber von irregulärer Form. Das 
Frontale fünfeckig, bei jüngeren Stücken sechseckig, 
indem die Vorderseite in sehr stumpfem Winkel ge- 
bogen erscheint, und dabei etwa so gross, wie das In- 



— 157 — 

teniasale und Praefrontale der einen Seite zusammen« 
genommen. Das jederseitige Nasale ist ziemlich gross, 
gleicht einem liegenden, mit der Spitze nach hinten 
gerichteten Dreieck und steht mit dem Praeoculare 
der entsprechenden Seite in Berührung. Letzteres ist 
polygonal und nur unbedeutend grösser, als jedes der 
beiden jederseitigen Postocularia. Die beiden jeder- 
seitigen Temporalia sind wenig länger als breit und 
dabei entweder gleichgross, oder das hintere ist etwas 
grösser. Hinter dem jederseitigen Temporale posterius 
findet sich, wenigstens bei den 5 mir vorliegenden 
Exemplaren, noch ein besonderes Schildchen, das so- 
wohl in der Grösse, als auch in der Form mit den 
eigentlichen Schläfenschildern übereinsimmt, aber nicht 
als Temporale gedeutet werden kann, da es an das 
hintere Ende des Parietale angrenzt, also schon in der 
Occipitalgegend liegt. Das Iste jederseitige Suprala- 
biale grenzt an das Nasale , das 2 te an das Nasale ^^), 
das Praeoculare und das Auge, das 3te an das Auge und 
das Postoculare inferius, das 4te an das eben genannte 
Schildchen und an das Temporale anterius, das 5te 
an das Temporale anterius, zuweilen aber auch an beide 
Temporalia, und das 6te an das Temporale posterius. 
Das Mentale ist klein, die Inframaxillaria sind lang 
und schmal und dabei diejenigen des hinteren Paares 
etwas länger, als die des vorderen. Von den 7 jeder- 
seitigen Infralabialen stehen die 5 vorderen mit den 
Inframaxillaren in Contact und dabei ist das 5te am 



11) Bei JM« 2547 unserer Sammlung, welches, wie schon bemerkt, 
auf der rechten Seite anomaler Weise ein Frenalschild besitzt, 
grenzt das rechtseitige 2te Supralabiale nicht an das Nasale, son- 
dern an das Frênaie, das Praeoculare und das Auge. 



— 158 — 

grössten. Die Schuppen bilden im vorderen Rumpf- 
drittel 15 Längsreihen. Die Zahl der Abdominalia 
schwankt zwischen 169 und 188, das x\nale ist ge- 
theilt und die Subcaudalia bilden 25 — 43 Paare. 

Färbung und Zeichnung. Das grosse Exemplar JV° 1487 
unserer Sammlung, das wohl ausgewachsen sein dürfte, 
weicht in der Färbung und Zeichnung von den übrigen, 
beträchtlich jüngeren, nicht unwesentlich ab und will 
ich es daher hier apart beschreiben. Die Oberseite al- 
ler seiner Theile ist hell bräunlichgelb, die einfarbige 
Unterseite gelblichweiss. Der Kopf zeigt auf der Ober- 
seite zahlreiche, ganz unregelmässig geformte und ge- 
stellte, kleinere oder grössere, schwarze oder schwärz- 
liche Makeln, unter denen jederseits 2 besonders in's 
Auge fallen, nicht bloss durch ihre beträchtlichere 
Grösse, sondern auch durch die Intensität ihrer Fär- 
bung. Die eine derselben umgiebt das Auge und zieht 
sich bindenförmig auf das 2te und 3te Supralabiale 
herab, und die andere deckt als schräge, vom Hinter- 
rande des Auges zum Mundwinkel ziehende, allerdings 
ab und zu unterbrochene Binde den Oberrand des 4ten 
und 5ten Supralabiale, den Unterrand des Temporale an- 
terius und fast das ganze letzte Supralabiale. Sonst 
sind die Supralabialia ebenso gelblichweiss gefärbt, wie 
die Infralabialia , von denen die 4 vordersten jeder 
Seite mit je einer grossen schwarzen Makel geziert 
sind. Im Nacken findet sich ein sehr deutliches schma- 
les Collare von gelblichweisser Farbe und hinter dem- 
selben beginnen die 5 dunkeln Längsbinden, von denen 
die 3 mittleren das Collare durchsetzen und sich mit 
der dunkeln Färbung des Kopfes vereinigen. Die Mit- 
telbinde, die bei unserem Exemplar, im Gegensatze zu 



— 159 — 

den Angaben der Erpétologie générale, am intensivsten 
gefärbt ist, verläuft auf der mittleren oder vertebralen 
Schuppenreihe und reicht bis zur Schwanzspitze. Die 
jederseitige äusserste Binde zieht sich, auf der jeder- 
seitigen viertletzten Schuppenreihe verlaufend, gleich- 
falls bis an das Schwanzende fort, die jederseitige in- 
termediäre dagegen, die zwischen Aussen- und Mittel- 
binde auf der jederseitigen Cten Schuppenreihe (von 
den Bauchschildern aus gerechnet) verläuft, ist "nicht 
bloss viel weniger intensiv gefärbt, sondern hört auch 
bereits an der Basis des Schwanzes auf. Jede dieser 
beiden intermediären Binden ist von der Aussenbinde 
durch eine sehr hell bräunlichgelb gefärbte Binde 
getrennt, welche auf der jederseitigen 5ten Schuppen- 
reihe (von den Bauchschildern aus gerechnet) verläuft 
und nur die Mitte der betreffenden Schuppen ein- 
nimmt, deren Seitenränder dunkelbraun gefärbt sind, 
wodurch diese helle Binde ganz besonders deutlich 
hervortritt. Die 3 äussersten Schuppenreihen jeder 
Seite sind in der vorderen Rumpfhälfte ebenso hell 
gefärbt und ungefleckt, wie die ganze Unterseite, zei- 
gen dagegen in der hinteren Rumpfhälfte eine sehr 
feine dunkle Umsäumung. 

Die 4 jüngeren Exemplare unserer Sammlung, von 
denen das kleinste (J^ 6233) etwas über 19 Ctm. und 
das grösste (Ar 1415) 28 Ctm. lang ist, weichen von 
dem eben beschriebenen grossen besonders durch die 
Färbung und Zeichnung des Kopfes nicht unbeträcht- 
lich ab , stimmen aber unter einander , bis auf die 
bald stärkere, bald schwächere Intensität der beiden 
intermediären Längsbinden, vollkommen überein. Der 
Kopf ist bei ihnen oben dunkel schwarzbraun ge- 



— 160 — 

färbt, mit Ausnahme der unteren Hälfte des jeder- 
seitigen Sten, 4ten, 5ten und z. Th. auch 6ten Su- 
pralabiale, die weisslich erscheinen, und der Schnau- 
ze, die auf weisslichem Grunde unregelmässig schwarz- 
braun gefleckt ist. Das gelblichweisse Collare ist sehr 
deutlich und wird in der Mitte dadurch unterbrochen, 
dass die mittlere Rückenbinde dasselbe durchsetzt und 
sich mit der dunkeln Färbung des Kopfes vereinigt. 
Die Oberseite des Rumpfes zeigt auf sehr hellem, bräun- 
lichgelbem Grunde die 5 Längsbinden, die aber schär- 
fer begrenzt und auch dunkler gefärbt sind , als bei 
dem ausgewachsenen Exemplar. Von diesen 5 Binden, 
die von einander durch je eine Schuppenreihe getrennt 
sind, reichen die mittlere und jede der beiden äusser- 
sten bis zur Schwanzspitze, während die jederseitige 
intermediäre, die bei einzelnen Exemplaren nicht nur 
heller gefärbt, sondern auch weniger scharf begrenzt 
ist (und an den von Schlegel beschriebenen Exem- 
plaren sogar ganz fehlt), schon an der Schwanzbasis 
aufhört. Endlich findet sich bei einem Exemplar 
(K?. 2547) auf der jederseitigen vorletzten Schuppen- 
reihe eine allerdings häufig unterbrochene und nach 
hinten, gegen den Schwanz zu, undeutlicher werdende 
Längsreihe von kleinen schwarzbraunen Makeln, deren 
jede die Mitte einer Schuppe einnimmt. Die Unter- 
seite aller Theile ist einfarbig gelblichweiss, und nur 
am Kopfe finden sich kleine schwärzliche Flecken, 
unter denen je einer auf dem jederseitigen 5ten In- 
fralabiale besonders deutlich hervortritt. Wie man aus 
der von Jan veröffentlichten Figur ersehen kann, 
kommen aber auch Exemplare vor , bei welchen auf 
jedem Bauchschilde, in der Nähe des Aussenrandes, je- 



— 161 — 

derseits ein schwarzer Punkt steht, so dass also der 
Bauch jederseits eine Längsreihe kleiner schwarzer 
Punkte zeigt, die sich auch auf die Unterseite des 
Schwanzes fortsetzen. 

Maasse. Unser Exemplar X". 1487, allem Anscheine 
nach das grösste, das überhaupt bekannt ist, hat eine 
Totallänge von 94,7 Ctm., von denen 2 Ctm. auf den 
Kopf und 7,4 Ctm. auf den Schw^anz gerechnet werden 
müssen. 

Habitat. Die beiden Originalexemplare dieser, wie es 
scheint, häufigsten Elapomorphus- Art befinden sich im 
Reichsmuseum zu Leiden und stammen aus der brasi- 
lianischen Provinz San Paulo. Die übrigen in Samm- 
lungen vorhandenen Exemplare sind gleichfalls brasilia- 
nischen Ursprungs, jedoch ist bei keinem derselben 
der genauere Fundort bekannt oder angegeben. Übri- 
gens scheint die Art eine weite Verbreitung zu haben, 
denn das Pariser Museum besitzt auch ein oder meh- 
rere Exemplare aus Guyana. 

2. Elapomorphus Wucheren Günther. 

1861. Elapomorphus Wucheren Günther. Proc. zool. 

Soc. of London 1861 p. 15 c. fig. xyl. 
1861. Elapomorphus Wuchereri Günther. Ann. and 

Mag. Nat. Hist. 3. ser. VII p. 415. c. fig. xyl. 

Wie schon bemerkt, unterscheidet sich diese Art 
von E. Blumii, mit dem sie in der Pholidosis nahezu 
vollkommen übereinstimmt, durch den Mangel des gelb- 
lichweissen Collare, variirt aber sonst je nach dem Al- 
ter sehr aufi'allend in der Zeichnung des Kopfes, der 
bei jüngeren Individuen in der Parietalgegend mit ei- 

Melauges biologiques. XU. 21 



— 162 — 

ner breiten gelben Querbinde geziert ist, während bei 
ausgewachsenen von dieser Binde auch nicht eine Spur 
mehr übrig bleibt und die ganze Oberseite des Kopfes 
dunkelbräunlich gefärbt erscheint. Die Vereinigung 
zweier so verschieden gezeichneten Schlangen in eine 
Art ist selbstverständlich nur dann gerechtfertigt, wenn 
Übergangsformen zwischen beiden vorkommen, und es 
steht zu vermuthen, dass der sei. Dr. Wucherer, 
der diese Schlange erbeutet und von dem das British 
Museum zwei jüngere Exemplare derselben erhalten 
hat, solche Übergangsformen beobachtet haben wird. 
Übrigens ist meiner Meinung nach die Zugehörigkeit 
der beiden in Rede stehenden Formen zu einer Art 
noch keineswegs über allen Zweifel erhaben, denn das 
grössere der beiden mir vorliegenden Exemplare der 
akademischen Sammlung lässt in der Parietalgegend 
durchaus keine hellere Färbung wahrnehmen, die man 
etwa als letzten Rest der gelben Querbinde deuten 
könnte, sondern besitzt im Gegentheil gerade an der 
Stelle, wo bei dem kleineren die Querbinde steht, eine 
wenig scharf begrenzte dunkle Makel. Aber auch an 
der von Dr. Günther gegebenen xylographischen Skizze 
des Kopfes eines alten Individuums ist von einem Hei- 
lerwerden der Parietalgegend, dessen in der Beschrei- 
bung erwähnt ^wird, nichts zu bemerken, sondern der 
Kopf erscheint auf der ganzen Oberseite einfarbig braun. 
Somit scheint mir der directe Beweis für die Zusam- 
mengehörigkeit der beiden so verschieden gezeichneten 
Schlangen noch keineswegs geliefert, da ich aber bei 
dem mir zu Gebote stehenden Material die angeregte 
Frage weder in positivem, noch in negativem Sinne 
zu entscheiden vermag, so adoptire ich bis auf Weite- 



— 163 — 

res Dr. Günther's Ansicht und sehe die beiden For- 
men als verschiedene Altersstufen des^. Wucheren an. 
Morphologische Merkmale. Der Kopf mit kurzer, stumpf 
zugerundeter Schnauze ist breit, sehr flachgedrückt 
und zeigt auf dem Scheitel bei dem grossen Exemplar 
unserer Sammlung eine deutliche, die ganze Länge der 
Parietalia einnehmende Vertiefung, welche bei dem 
jüngeren Exemplar viel schwächer angedeutet und nur 
auf dem hinteren Drittel der genannten Schilder zu 
erkennen ist. Das Rostrale ist klein und erstreckt sich 
nicht auf die horizontale Fläche der Schnauze. Die In- 
ternasalia klein, viereckig, bilden zusammen ein regu- 
läres Trapez, dessen hintere Parallelseite fast doppelt 
so lang ist, wie die vordere, an das Rostrale grenzende. 
Jedes der beiden Praefrontalia ist etwas breiter, als 
lang , von unregelmässiger , viereckiger Form und na- 
hezu doppelt so gross, wie jedes der beiden Interna- 
salia. Das Frontale ist ein Sechseck mit sehr stumpfer 
Vorder- und spitzer Hinterecke und etwa so gross, wie 
das jederseitige Internasale und Praefrontale zusam- 
mengenommen. Das jederseitige Praeoculare ist grösser, 
als jedes der beiden jederseitigen Postocularia, von de- 
nen zugleich das obere beträchtlich grösser ist, als das 
untere. Das jederseitige Temporale anterius ist kaum 
länger, aber an seinem hinteren Ende nur etwa halb 
so breit, wie das Temporale posterius. Von den 6 jeder- 
seitigen Supralabialen grenzt das Iste an das Nasale, das 
2te an das Nasale, das Praeoculare und mit seinem 
schmalen oberen Hintertheile auch an das Auge, das 
3te an das Auge und das Postoculare inferius, das 
4te an den ünterrand des eben genannten Schildes und 
an das Temporale anterius, das 5te an beide Tem- 



— 164 — 

poralia und das 6te an das Temporale posterius. Das 
Mentale ist klein, die Inframaxillaria lang und schmal, 
die des hinteren Paares bei dem ausgewachsenen 
Exemplar etwas länger, bei dem jüngeren dagegen 
etwas kürzer , als die des vorderen Paares. Von 
den 7 oder 8 Infralabialen, die bis zum 5ten suc- 
cessive an Grösse zunehmen, stehen die 5 vorderen 
mit den Inf ram axillaren in Contact. Die Schup- 
pen bilden im vorderen Rumpfdrittel 1 5 Längsreihen. 
Die Zahl der Abdominalia schwankt nach Dr. Gün- 
ther zwischen 181 und 208, das Anale ist getheilt 
und die Subcaudalia in 32 — 47 Paare angeordnet; 
von unseren Exemplaren besitzt das grössere (JVs 1486) 
181 Abdominal- und 33 Paar Subcaudalschilder, wäh- 
rend bei dem kleineren (K 1488) die Zahl der erste- 
ren 204, der letzten 36 beträgt. 

Färbung und Zeichnung. Unser grosses Exemplar, das 
eine Totallänge von etwas mehr, als 78 Ctm. besitzt 
und wohl ausgewachsen sein dürfte, ist auf der Ober- 
seite hell gelblichbraun, auf der untern nur wenig 
heller. Der Kopf zeigt auf dem Scheitel eine grosse 
dunkle Makel, die das Frontale und die Parietalia 
einnimmt, den Vorderrand des ersteren und die Sei- 
tenränder der letzteren freilassend. Von jedem Auge 
zieht ein dunkler bräunlicher Streifen nach vorn und 
unten über der Mitte des 2ten Supralabiale und ebenso 
ist auch hinter dem Auge eine dunkle bräunliche 
Binde vorhanden , die sich über das untere Posto- 
culare, den Unterrand der beiden Temporalia, den 
Oberrand des 4ten und 5ten und fast über das ganze 
6te Supralabiale ausdehnt. Ausserdem finden sich 
auch auf der Schnauze unregelmässig geformte und 



— 165 — 

gestellte dunkle Makeln, die aber ebenso wenig, wie 
die vorhin erwähnten Binden, scharf begrenzt sind, 
sondern mehr verschwommen erscheinen. Auf der 
Oberseite des Rumpfes sieht man 3 dunkelbraune 
Längsbinden, von denen die mittlere auf der vertebra- 
len, jede der seitlichen auf der viertletzten jedersei- 
tigen Schuppenreihe verläuft. Keine dieser 3 Binden 
ist continuirlich , sondern jede besteht aus einzelnen 
Flecken, welche die Spitze der betreifenden Schuppe 
einnehmen und wenig scharf begrenzt sind. Die Cen- 
tralbinde hört bereits auf der Schwanzbasis auf, wäh- 
rend die seitlichen sich bis zur Schwanzspitze fort- 
setzen. Die Unterseite ist ganz einfarbig, nur am 
Kopfe finden sich ganz unregelmässig geformte und 
gestellte dunkle Makeln, die besonders auf den jeder- 
seitigen 4 vordem Infralabialen und auf den Infra- 
maxillaren des vorderen Paares gross und deutlich er- 
scheinen. Bei dem kleineren Exemplar, das 40 Ctm. 
lang, also etwa nur halb so gross ist, wie das vorige, 
zeigt der Kopf in der Parietalgegend eine breite, 
scharf begrenzte Querbinde von gelblich weisser Farbe ; 
diese Binde deckt nicht nur die Parietalschilder bis 
auf den äussersten Vorderrand und das äusserste hin- 
tere Ende, sondern auch die Hinterecke des Frontale 
und dehnt sich jederseits bis an den Rand der Ober- 
lippe aus. Vor der Binde ist der Kopf schwarzbraun, 
wird aber gegen die Schnauzenspitze hin etwas heller, 
dabei erscheinen die Seiten des Rostrale, eine Makel 
auf der Verbindungsstelle des jederseitigen Isten Su- 
pralabiale mit dem Nasale und der Unter rand des 2 ten 
und 3ten Supralabiale genau so hell gefärbt, wie die 
Unterseite des Thieres. Nach hinten besitzt die Parietal- 



— 166 — 

binde einen breiten schwarzbraunen Saum , der 3 — 4 
Querreihen von Schuppen einnimmt und aus dessen 
Mitte die centrale, gleichfalls schwarzbraune Dorsal- 
binde ihren Ursprung nimmt; diese Binde ist conti- 
nuirlich und setzt sich bis zur Schwanzspitze fort, 
während die jederseitige Lateralbinde hier noch weni- 
ger deutUch erscheint, wie bei dem ausgewachsenen 
Exemplar. Die Unterseite aller Theile ist einfarbig 
gelblichweiss. 

Maasse. Unser Exemplar 3 1486 besitzt, wie schon 
bemerkt, eine Totallänge von 78,3 Ctm., von denen 
2,1 Ctm. auf den Kopf und 7,8 Ctm. auf den Schwanz 
kommen. 

Habitat. Dr. Wucherer hat diese Art in mehreren 
Exemplaren am Flusse Ilheos in der Gegend von Bahia 
gefangen; unsere Exemplare stammen gleichfalls aus 
Bahia und sind im Jahre 1840 von dem damals dort 
lebenden Apotheker Luschnath acquirirt worden. 

3. Elapomorphus lepidus Reinhardt. 

1860. Elapomorphus lepidus Ueinh dir dt. Videnskabe- 
lige Meddelelser 1860 p. 239 t. IV. f. 6 — 9. 

1862. Elapomorphus lepidus Jan. Archivio per la 
Zoologia etc. II p. 46. 

ISß 6. Elapomorphus lepidus Jan et Sordelli. Ico- 
nogr. génér. des Ophidiens Livr. XIY pl. III f. 2. 

Diese Art unterscheidet sich von der vorigen, mit 
welcher sie in der Pholidosis, bis auf einige ganz un- 
wesentliche Differenzen in der Form einzelner Kopf- 
schilder, vollkommen übereinstimmt, nur durch das 
jederseitige einfache Postoculare und durch die grös- 
sere Anzahl der Abdominalschilder, welche bei ihr 234 



— 167 — 

beträgt, während sie bei jener 208 nicht übersteigt. 
In der Färbung und Zeichnung gleicht E. lepidus den 
jüngeren Exemplaren des E. Wucheren so vollständig, 
dass man im Zweifel geräth, ob denn die geringen Ab- 
weichungen in der Pholidosis auch wirklich genügen, 
um beide Arten zu trennen, und da von E. lepidus 
zur Zeit erst ein einziges Exemplar bekannt ist, so 
wäre es in der That nicht unmöglich, dass man später, 
wenn mehr Exemplare zur Untersuchung gelangt sein 
werden , genöthigt sein wird , beide Formen mit ein- 
ander zu vereinigen. 

Morphologische Merkmale. Das Rostrale klein, kaum 
auf die horizontale Fläche der Schnauze hinaufragend. 
Die beiden Internasalia gleichfalls klein und von un- 
regelmässig viereckiger Form ; die beiden Praefronta- 
lia fünfeckig und dabei wenigstens dreimal so gross, wie 
die Internasalia. Das Frontale, ein reguläres Sechseck 
mit stumpfer Vorder- und spitzer Hinterecke, ist nur 
wenig grösser, als jedes einzelne der beiden Praefron- 
talia. Das jederseitige Praeoculare ziemlich gestreckt 
und grösser, als das jederseitige Postoculare, das aber 
gleichfalls unregelmässig fünfeckig ist. Von den 6 je- 
derseitigen Supralabialen grenzt das Iste an das Na- 
sale, das 2te an das Nasale, das Praeoculare und an 
das Auge, das 3te an das Auge und das Postoculare, 
das 4te an das Postoculare und das Temporale ante- 
rius, das 5te an das eben genannte Schild und das 6te 
an beide Temporalia. Diese letzteren sind etwa gleich- 
hoch, aber das vordere mindestens um ein Drittel län- 
ger, als das hintere. Das Mentale ist sehr klein, von 
den 7 jederseitigen Infralabialen stehen die 5 vorderen 
mit den Inframaxillaren in Contact und dabei sind das 



■,.--^: 



— 168 — 

4te und 5te am grössten und nahezu gleichgross. Die 
Inframaxillaria sind ziemlich breit und die des verde- 
ren Paares beträchtlich grösser, als die des hinteren. 
Die Schuppen bilden im vorderen Rumpfdrittel 15 
Längsreihen. Die Zahl der Abdominalia beträgt 234, 
das Anale ist getheilt und die Subcaudalia bilden 31 
Paare. 

Färbung und Zeichnung. Auf der Oberseite (im Leben) 
gelblichroth , längs der Rückenmitte leicht bräunlich 
angelaufen, unten einfarbig gelblich. Der Kopf ist in 
der Parietalgegend mit einer breiten gelben Querbinde 
geziert, welche ebenso, wie bei den jüngeren Exem- 
plaren von E. Wucheren^ die Parietalschilder, mit 
Ausnahme ihres äussersten Vorder- und Hinterrandes, 
und die Hinterecke des Frontale einnimmt und sich 
seitlich bis an den Lippenrand erstreckt. Vor der Binde 
ist der Kopf schwarz, bis auf die Labialia, die grössten- 
theils gelblich gefärbt erscheinen; nach hinten ist die 
Querbinde ziemlich breit schwarz gesäumt und von 
diesem Saume, der etwa 2 Querreihen von Schuppen 
einnimmt, entspringt eine dunkle Längsbinde, welche, 
die mittlere oder vertébrale Schuppenreihe deckend, 
sich bis an die Schwanzspitze fortsetzt. Jederseits von 
dieser Mittelbinde und durch 2 Schuppenreihen von 
ihr getrennt, sieht man noch eine dunkle Längsbinde, 
die aber sehr undeutlich ist und auch nicht bis zur 
Schwanzspitze reicht. Die Unterseite ist, wie schon 
bemerkt, einfarbig und nur auf dem Mentale und den 
jederseitigen 3 vorderen Infralabialen sieht man einige 
kleine dunkle Flecken. 

Maasse. Nach Reinhardt beträgt die Totallänge der 
Schlange 57,5 Ctm., von denen 1,1 Ctm. auf den Kopf 



— 169 — 

und 4,9 Ctm. auf den Schwanz abgehen; Jan, der 
dasselbe Exemplar untersucht hat, giebt dagegen die 
Totallänge nur auf 54 Ctm., die Schwanzlänge aber 
auf 5,4 Ctm. an. 

Habitat. Das einzige bekannte Exemplar dieser Art 
hat der verstorbene Reinhardt im östlichen Theile 
von Minas Geraës bei der Fazenda Feijao cru in der 
Gegend von Arrayal de Bicudo erbeutet. 

4. Elapomorphus accedens Jan. 

1862. Elapomorphus accedens Jan. Archivio per la 
Zoologia etc. II p. 46. 

Von dieser Art hat Jan leider keine Abbildung ge- 
geben, sondern sie nur ganz kurz charakterisirt, so 
dass es schwer hält, sich ein ürtheil über die speci 
fische Selbstständigkeit derselben zu bilden. Nach ihm 
stimmt sein E. accedens in der PhoUdose vollkommen 
mit E. lepidus überein, besitzt namentlich ebenso, wie 
dieser, jederseits nur ein einziges Postocularschild und 
unterscheidet sich von ihm nur durch die Färbung 
und Zeichnung des Kopfes, der in der Parietalgegend 
einfarbig schwärzlich erscheint und keine Spur der 
gelben Querbinde erkennen lässt. Da das einzige be- 
kannte Exemplar des E. accedens um 14 Ctm. kleiner 
ist, als E. lepidus^ so ist nicht daran zu denken, dass 
beide Arten etwa in ähnlicher Weise, wie es bei E, 
Wucheren der Fall ist, verschiedene Altersstufen einer 
und derselben Art bilden, hingegen halte ich es für 
durchaus nicht unmöglich, dass mit der Zeit, wenn sich 
die Zahl der Postocularia etwa als variabel ergeben 
sollte, der E. accedens sich als die wirkliche Jugend- 
form des E. Wucher eri und die gegenwärtig für den 

Mélanges biologiciues. XII. 22 



' If' >-*T- 



— 170 — 

Jugendzustand dieses letzteren gehaltene Form als mit 
E. lepidus identisch erweisen könnte. Jan's Vermu- 
thung dagegen, dass nicht bloss sein E. accedens, son- 
dern auch der E, lepidus nur Varietäten des E. Blumii 
sein könnten, scheint mir durchaus unbegründet, denn 
die letztgenannte Art ist, wie schon bemerkt, durch 
den steten Besitz eines gelben Collare sicher gekenn- 
zeichnet. 

Morphologische Merkmale. Jan hat die Pholidosis die- 
ser Art nicht ausführlich beschrieben, sondern sich 
darauf beschränkt, anzugeben, dass sein E. accedens 
hinsichtlich der Kopfschilder dem E, lepidus sehr 
nahe kommt und ebenso, wie dieser, nur ein einziges 
Postocularschild jederseits besitzt. Sonst ist nur noch 
die Zahl der Abdominalia und Subcaudalia notirt, und 
zwar beträgt die erstere 184, die letztere 45, so dass 
also die in Rede stehende Art in dieser Hinsicht nicht 
unbeträchtlich von E. lepidus abweicht und mehr mit 
E. Blumii übereinstimmt. 

Färbung und Zeichnung. Die Oberseite hellbraun, die 
Unterseite röthlich. Das Rostrale, die Internasalia 
und die Praefrontalia sind schwarz gesäumt, die Pa- 
rietalia und der Nacken erscheinen schwärzlich und 
der Rumpf ist mit 3 ziemlich deutlichen dunkelbrau- 
nen Längsbinden geziert, von denen die mittlere am 
breitesten ist und auch bis zur Schwanzspitze reicht, 
während die seitlichen schmäler sind und nach hinten 
zu undeutlicher werden. Die Unterseite ist, bis auf 
einige schwarze Flecken auf dem Mentale, den vorde- 
ren Inframaxillaren und den jederseitigen 4 vordem 
Infralabialen, durchaus einfarbig. 



— 171 — 

Maasse. Die Totallänge des ïhieres beträgt 40 Ctm., 
die Länge des Schwanzes 6 Ctm. 

Habitat. Das einzige bisher bekannte Exemplar die- 
ser Art befindet sich im Museum zu Stuttgart und 
stammt aus der Gegend von Bahia. 

5. Elapomorphus mexicanus Günther. 

1862 Elajpomorphus meocicanus Günther. Ann. and 
Mag. Nat. Hist. 3. ser. IX p. 57 pi. IX f. 1. 

Diese Art ist nicht bloss in dieser Gruppe, sondern 
überhaupt in der ganzen Gattung die einzige, welche 
jederseits 7 Supralabialia besitzt, von denen das 3 te 
und 4te an das Auge grenzen. 

Morphologische Merkmale. Die Internasalia sind sehr 
breit, aber aufi"allend kurz, so dass ihr Querdurch- 
messer den Längsdurchmesser um das Vierfache an 
Länge übertrifft. Die Praefrontalia sind beträchtlich 
grösser, etwas breiter, als lang und stehen seitlich mit 
dem 2ten Supralabiale der entsprechenden Seite in 
Contact, so dass das jederseitige Nasale und Prae- 
oculare von einander getrennt sind. Das hexagonale 
Frontalschild ist gross, grösser, als das Internasale 
und Praefrontale der einen Seite zusammengenommen. 
Über die Lagerungsverhältnisse der 7 jederseitigen 
Supralabialia sagt Dr. Günther nur, dass das 2 te an 
das Praefrontale, das 3te und 4te an das Auge und 
das 7te, das am grössten ist, an das kleine Temporale 
posterius ^^) grenzt, und da leider keine Abbildung des 



12) In Folge eines Druck- oder Schreibfehlers ist in Dr. Gün- 
ther's Beschreibung gesagt, dass das 2te kleine Temporale zwischen 
dem Parietale und dem «eleventh labial» liege, während es «se- 
venth labial» heissen muss. 



— 172 — 

Kopfes von der Seite gegeben ist, so kann ich über 
das Verhältniss der Supralabialia zu den seitlichen 
Kopfschildern auch nichts Genaueres mittheilen, ver- 
muthe aber, dass dieselben in analoger Weise, wie bei 
den übrigen Arten dieser Gruppe gelagert sein wer- 
den, d. h. das Ite wird an das Nasale, das 2te an das 
Nasale, das Praefrontale und das Praeoculare, das 3 te 
an das Praeoculare und an das Auge, das 4te an das 
Auge und das Postoculare, das 5te an das letztgenannte 
Schildchen und an das grosse vordere Temporale, das 
6te an das eben genannte Schild und das 7te endlich 
an beide Temporalia, das vordere und das hintere, 
grenzen. Das einfache Praeoculare ragt nicht auf die 
horizontale Kopffläche hinauf und die beiden jedersei- 
tigen Postocularia stehen mit dem grossen vorderen 
Temporale in Berührung. Das Mentale ist klein und 
die Inframaxillaria des vorderen Paares sind nur we- 
nig grösser, als diejenigen des hintern. Von den In- 
fralabialen, deren Zahl nicht angegeben ist, erscheint 
das jederseitige 4 te am grössten, grösser, als die 3 vor- 
hergehenden zusammengenommen, und dabei stehen, 
soweit sich aus der Abbildung des Kopfes von der Un- 
terseite entnehmen lässt, auch nur die 4 vordem je- 
der Seite mit den Inframaxillaren in Contact. Die 
Schuppen bilden im vorderen Rumpfdrittel 15 Längs- 
reihen; die Zahl der Abdominalia beträgt nur 158, 
das Anale ist getheilt und die Subcaudalia bilden 52 
Paare. 

Färbung und Zeichnung. Oben bräunlich -olivgrün mit 
3 schwarzen Längsbinden, von denen die mittlere sehr 
schmal, fast linienförmig ist und auf der mittelsten 
oder vertebralen Schuppenreihe verläuft; jede der 



— 173 — 

seitlichen Binden bestellt aus 2 schwarzen Linien, von 
denen die untere die Mitte der vorletzten, die obere 
die Mitte der drittletzten jederseitigen Schuppenreihe 
einnimmt. Im Nacken 2 kleine gelbe Makeln und eine 
ebenso gefärbte Querbinde auf dem vorderen Theil der 
Schnauze. Die Lippen mit einem schwarzen Fleck un- 
ter dem Auge. Die Unterseite sämmtlicher Theile ein- 
farbig gelblich. 

Maasse. Totallänge 30,8 Ctm., Länge des Kopfes 1 
Ctm., des Schwanzes 5,3 Ctm. 

Habitat. Das einzige bekannte Exemplar dieser Art, 
das sich im British Museum befindet, stammt aus ei- 
ner nicht näher bezeichneten Gegend von Mexico. 

II. Gruppe. Arten mit 2 Internasal- und 1 Praefrontalschilde 

( = Phalotris Cope). 

Zu dieser Gruppe gehören im Ganzen 6 Arten, die 
sich durch folgende Merkmale von einander unter- 
scheiden : 

Die Zahl der Supralabialia beträgt jederseits 
A) 6, von denen das 2te und 3te mit dem Auge in Be- 
rührung stehen. Die Schuppen im vorderen Rumpf- 
drittel in 15 Längsreihen angeordnet. Das Rostral - 
Schild 

I) steht mit dem Praefrontale in directer Berührung, 
so dass die beiden Internasalia einander nicht be- 
rühren, sondern zur Seite geschoben sind.. Q.E. hilineatus. 
II) ist von dem Praefrontale durch die beiden, an ein- 
ander grenzenden Internasalia getrennt. Die Un- 
terseite von Ruijarpf und Schwanz ist 

a) weiss I.E. tricolor. 

h) schwarz, welche Farbe 

1) auf die Bauchschilder beschränkt ist. Die 
Oberseite des Rumpfes mit 3 breiten schwar- 
zen Längsbinden geziert S.E. lemniscatus. 

2) sich auch auf die Flanken ausdehnt. Die 
Rückenmitte 



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— 174 — 

a) weiss mit einer schwarzbraimen, am Nak- 
ken keulenförmig beginnenden und bis 
zur Schwanzspitze reichenden Längsbinde 

geziert 9. E. reticulatus. 

ß) einfarbig röthlichgelb 10. JS. Iheringi. 

B) 8, von denen das 4te und 5te mit dem Auge in Be- 
rührung stehen. Die Schuppen im vorderen Rumpf- 
drittel in 17 Längsreihen angeordnet 11. JE?. Scolaris. 

6. Elapomorphus bilineatus D. et B. 

1854. Elapomorphus bilineatus D. et B. Erpétol. gê- 
ner. VII p. 839, IX p. 358. 

1862. Elapomorphus bilineatus Jan. Archivio per la 
Zoologia etc. II p. 44. 

1865. Elapomorphus bilineatus Jan et Sordelli. Ico- 
nogr. génér. des Ophidiens. Livr. XIV pi. II. f. 1 . 

Unter den Arten dieser Gruppe zeichnet sich E, bi- 
lineatus dadurch aus, dass bei ihm das Rostralschild 
mit dem Praefrontale in directer Berührung steht und 
daher die beiden Internasalia von einander getrennt 
und zur Seite geschoben, dabei natürlich auch klei- 
ner sind, als bei den anderen Arten. 

Morphologische Merkmale. Das Rostrale ist auffallend 
gross, liegt mit seiner grösseren hinteren Hälfte auf der 
horizontalen Kopffläche und berührt mit seiner Spitze 
den Vorderrand des stark in die Quere gezogenen ein- 
fachen Praefrontale. Die Internasalia klein, von drei- 
eckiger Gestalt und durch das Rostrale von einander 
getrennt. Das Frontale fünfeckig und wenig länger, als 
breit. Das jederseitige Praeoculare fünfeckig und so 
gross, wie die beiden Postocularia der einen Seite zu- 
sammengenommen. Von den beiden jederseitigen Tem- 
poralschildern ist das vordere halb so breit, wie das hin- 
tere, aber nur wenig länger. Von den 6 jederseitigen 



— 175 — 

Supralabialen grenzt das Iste an das Nasale, das 2tc 
an das Nasale, das Praeoculare und das Auge, das 3te 
an das Auge und an das untere Postoculare, das 4te 
an das eben genannte Schildchen und an das Temporale 
anterius, das 5te an beide Temporalia ^^) und das 6te 
an das Temporale posterius. Das Mentale klein, die 
beiden Paare der Inframaxillaria ziemlich gestreckt und 
an Grösse kaum verschieden und von den 7 jedersei- 
tigen Infralabialen stehen die 5 vorderen, die succes- 
siv an Grösse zunehmen, mit den Inframaxillaren in 
Contact. Die Schuppen bilden im vorderen Rumpf- 
drittel 15 Längsreihen. Die Zahl der Abdominalia 
beträgt 218, das Anale ist nach Duméril und Bi- 
bron einfach, Jan dagegen stellt es als getheilt dar, 
und die Subcaudalia nach den Verfassern der Erpéto- 
logie générale in 22, nach Jan in 21 Paare angeordnet. 
Färbung und Zeichnung. Die Grundfarbe der Ober- 
seite aller Theile ist ein bräunliches Gelb, der Un- 
terseite gelblichweiss. Der Kopf ist, bis auf seinen 
vordersten Theil, sowohl oben, als auch unten schwarz 
gefärbt. Jederseits auf der Oberseite des Rumpfes und 
Schwanzes findet sich eine tiefschwarze Längsbinde, 
welche die Grenze zwischen der 4ten und 5ten Schup- 
penreihe, von den Bauchschildern aus gerechnet, ein- 
nimmt und sich bis zur Schwanzspitze fortsetzt. Jedes 
Abdominalschild zeigt in der Mitte seiner Basis eine 
breite viereckige Makel mit zugerundeten Hinterecken, 
erscheint also schwarz mit breitem hellem Aussen- 



13) Bei dem einzigen bekannten Exemplar dieser Art ist auj 
der rechten Seite das 5te Supralabiale anomaler Weise mit dem 
Temporale anterius verschmolzen, wie aus der vortrefflichen Zeich- 
nung Sordelli's in Jan's Iconographie zu ersehen ist. 



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— 176 — 

rande. Auf den Subcaudalschildern beschränkt sich 
die schwarze Farbe auf den Innern Theil der Basis, 
so dass also die Mittellinie des Schwanzes, in welcher 
die Schilder an einander stossen, schwarz gefärbt ist 
und das Aussehen einer nach beiden Seiten gezackten 
Binde darbietet. 

Maasse. Totallänge des Thieres 34,8 Ctm., Länge 
des Kopfes 0,9 Ctm., des Schwanzes 2 Ctm. 

Habitat. Das einzige bekannte Exemplar dieser Art 
befindet sich im Pariser Museum und ist von D'Or- 
bigny in der Argentinischen Republik, speciell in der 
Provinz Corrientes, erbeutet worden. 

7. Elapomorphus tricolor B. et B. 

1854. Elapomorphus tricolor D. et B. Erpétol. génér. 

VII p. 837, IX p. 358. 
1862. Elapomorphus tricolor Jan. Archivio per laZoo- 

logia etc. II p. 44. 
1865. Elapomorphus tricolor J slu etSordelli. Iconogr. 

génér. des Ophidiens. Livr. XIV pi. II f. 2. 

Diese und die 3 folgenden Arten unterscheiden sich 
von E. hilineatus durch die Contiguität der Internasa- 
lia, stimmen mit einander in der Pholidosis aber, bis 
auf einige, wenig wesentliche Differenzen in der Form 
und den Lageverhältnissen einzelner Kopfschilder, fast 
vollkommen überein, so dass sie nur durch die Färbung 
und Zeichnung, so wie z. Th. auch durch die Physio- 
nomie, d. h. durch die Form des Kopfes, der in eine 
bald spitzere, bald stumpfere Schnauze ausläuft, von 
einander zu unterscheiden sind. Was nun den E. tri- 
color anbetrifft , so ist derselbe schon auf den ersten 
Blick leicht zu erkennen, da er eine einfarbig weisse 



— 177 — 

Unterseite aller Theile besitzt, während bei den 3 fol- 
genden Arten die Unterseite entweder ganz, oder doch 
zum grössern Theile schwarz gefärbt erscheint. Seine 
Schnauze ist, soweit ich nach Sordelli's vortrefflicher 
Abbildung in Jan's Iconographie urtheilen kann, zwar 
weniger spitz, als diejenige von E, lemniscatus, aber 
doch lange nicht so stumpf zugerundet, wie bei E. re- 
ticulatus und E. Iheringi, 

Morphologische Merkmale. DasRostrale klein und kaum 
auf die horizontale Kopffläche hinaufragend; die anein- 
ander grenzenden Internasalia verhältnissinässig gross 
und etwa so lang, wie breit. Das Praefrontale bildet 
ein reguläres Sechseck, an welchem die vordere, an 
die Internasalia, und die hintere, an das Frontale und 
die Supraorbitalia grenzende, Seite am längsten und 
zugleich gleich lang sind. Das Frontale von massiger 
Grösse stellt ein Fünfeck dar, gleicht aber einem mit 
der Spitze nach hinten gerichteten, gleichschenkligen 
Dreieck. Das jederseitige Praeoculare ist einfach ^*) und 
steht mit dem Nasale in Contact. Die Zahl der Post- 
ocularia beträgt jederseits 2, jedoch kommen nach 
Duméril und Bib ronanomalerWeise auch Exemplare 
mit nur einem Postoculare jederseits vor, wie solches 



14) An dem von Jan abgebildeten Exemplar ist auf der rechten 
Seite des Kopfes das 2te Supralabiale verbildet, indem sich vom 
obern hinteren, sonst an das Auge grenzenden Theile dieses Schil- 
des 2 unregelmässige, kleine Schildchen abgetrennt haben, die ihrer 
Lage nach etwa als Pseudopraeocularia zu deuten wären. Ausser- 
dem sind an diesem Stück auf derselben Seite auch das 4te und 5te 
Supralabiale mit einander zu einem ziemlich langen Schilde ver- 
schmolzen, so dass also hier die Zahl der Supralabialia, nicht wie 
auf der normalen linken Seite 6 . sondern nur 5 beträgt. Endlich 
scheint an demselben auch das rechte Nasalschild anomaler Weise 
getheilt zu sein. 

Mélanges biologiques. XII. 23 



-^ 178 — 

auch aus den Abbildungen in Jan 's Iconographie zu 
ersehen ist, wo in beiden Seitenansichten des Kopfes 
nur je ein einziges, in der Oberansicht aber jederseits 
2 Postocularia gezeichnet sind. Von den beiden jeder- 
seitigen Temporalschildern ist das vordere, mit den 
Postocularen in Berührung stehende, beträchtlich 
schmäler, als das hintere, dafür aber um etwa ein Drit- 
tel länger. Die Lagerungsverhältnisse der jederseitigen 
6 Supralabialia sind die gewöhnlichen, d. h. das Ite 
grenzt an das Nasale, das 2 te an das Nasale, das Prae- 
oculare und an das Auge, das 3te an das Auge und 
das untere Postoculare, das 4te an das eben genannte 
Schildchen und an das Temporale anterius, das 5te 
an beide Temporalia und das 6 te an das Temporale 
posterius. Das Mentale ist ziemlich gross, von den 
jederseitigen 7 Infralabialen stehen die 5 vorderen 
mit den Inf ram axillaren in Berührung und zugleich 
ist das 5te unter allen das grösste. Die beiden Paare 
der Inframaxillar Schilder diiferiren kaum an Länge 
und sind verhältnissmässig ziemlich breit. Die Schup- 
pen bilden im vordem Rumpfdrittel 15 Längsreihen, 
die Zahl der Abdominalia variirt zwischen 212 und 
216, das Anale ist getheilt und die Subcaudalia in 
22 — 26 Paare angeordnet. 

Färbung und Zeichnung. Die Oberseite des Rumpfes 
und Schwanzes ist einfarbig ziegelroth; der Kopf ist 
oben schwarz mit Ausnahme der vorderen Supralabia- 
lia, die gelblichweiss erscheinen und einzelne ganz 
unregelmässige, bräunliche Makeln zeigen. Gleich hin- 
ter dem Kopfe findet sich ein weisses Halsband, das 
etwa 5 Querreihen von Schuppen einnimmt und von 
einer grossen viereckigen schwarzen Makel gefolgt ist. 



— 179 — 

welche letztere sich über 9 Querreihen von Schuppen 
ausdehnt, jederseits bis an die Bauchschilder reicht und 
am Vorderrande leicht gewellt ist. Die Unterseite 
aller Theilc, so wie die äusserste Schwanzspitze sind 
einfarbig weiss und nur auf den Infralabialen und den 
Inframaxillaren finden sich ebensolche bräunliche Ma- 
keln, wie auf den Supralabialschildern. 

Maasse. Die Totallänge des grössten Exemplars im 
Pariser Museum beträgt nach Duméril und Bibron 
93,8 Ctm., von denen 2,3 Ctm. auf den Kopf und 
5,4 Ctm. auf den Schwanz gerechnet werden müssen. 

Habitat. Das Pariser Museum besitzt 2 oder vielleicht 
auch mehr Exemplare dieser Art, die sämmtlich von 
D'Orbignyin der Gegend von Santa Cruz erbeutet wor- 
den sind; wahrscheinlich ist unter diesem Namen Santa 
Cruz de la Sierra in Bolivien gemeint, eine Ortschaft, 
aus welcher D'Orbigny sehr viele Reptilien -Arten 
mitgebracht hat, und ich vermuthe daher, dass Jan's 
Angabe, die Art stamme aus Santa Cruz in Chile, auf 
einem Irrthum beruhen wird, zumal es mir auch nicht 
gelungen ist, auf den mir zu Gebote stehenden Karten 
von Chile einen Ort dieses Namens zu finden. Ausser- 
dem kommt diese Schlange auch in Paraguay vor, wo- 
her Cope^^) ein Exemplar erhalten hat. 

8. Elapomorphus lemniscatus D. et B. 

1864:. Elapomorphus lemniscatus D. et B. Erpétol. 

génér. VII p. 840, IX p. 358. 
1862. Elapomorphus lemniscatus Jan. Archivio per la 

Zoologia etc. II p. 45, tav. VI f. 4. 



15) Troc. Acad. Philadelph. XIII p. 524. 



— 180 — 

1866. Elapomorphus lemniscatus Jan et Sordelli. 
Iconogr. génér. des Ophidiens. Livr. XIV pi, 
II f. 3. 

E. lemniscatus gehört zu den Arten mit schwarzer 
Unterseite, unterscheidet sich aber von den beiden fol- 
genden dadurch , dass bei ihm die schwarze Färbung 
auf die Bauchschilder beschränkt ist und nicht, wie 
bei jenen, ununterbrochen auf die Flanken übergeht. 
Ausserdem besitzt diese Art eine verhältnissmässig 
sehr stark zugespitzte Schnauze, die in der Form ei- 
nigermaassen an die Schnauze von E. erythronotus, 
E. flavotorquatus und E, dimidiatus erinnert. 

Morphologische Merkmale. Das Rostrale ist ziemlich 
gross und ragt mit seinem hinteren Drittel auf die ho- 
rizontale Schnauzenfläche hinauf. Die Internasalia von 
Mittelgrösse und etwa so gross, wie die Supraorbitalia, 
von unregelmässig viereckiger Form und an einander 
grenzend. Das Praefrontale doppelt so breit, als lang 
und sechseckig mit fast abgerundeten hinteren Ecken. 
Das Frontale ziemlich klein, fünfeckig, aber die Ge- 
stalt eines gleichschonkligen, mit der Spitze nach hin- 
ten gerichteten Dreiecks nachahmend. Das jedersei- 
tige einfache Praeoculare, das mit dem breiten Nasale 
in Contact steht, ist fünfeckig und fast so gross, wie 
die beiden jederseitigen Postocularia zusammengenom- 
men. Das jederseitige vordere Temporale, das an beide 
Postocularia anstösst, ist lang und schmal, das hintere 
wenig breiter, aber nur halb so lang. Die 6 jeder- 
seitigen Supralabialia sind in der gewöhnlichen Weise 
angeordnet, d. h. das Iste grenzt an das Nasale, das 
2te an das Nasale, das Praeoculare und an das Auge, 
das 3te an das Auge und das untere Postoculare, das 



— 181 — 

4 te an das eben genannte Scliildchen und an das Tem- 
porale anteriiis, das 5te an das vordere und das 6te 
an das hintere Temporalschild. Das Mentale ist zwar 
klein , aber in die Länge gezogen. Von den 7 jeder- 
seitigen Infralabialen grenzen die 5 ersten, die succes- 
siv an Grösse zunehmen, an die Inframaxillaria, von 
welchen letzteren das vordere Paar deutlich länger 
ist, als das hintere. Die Schuppen sind im vorderen 
Rumpfdrittel in 1 5 Längsreihen angeordnet und die 
Zahl der Abdominalia schwankt zwischen 192 und 
202, das Anale ist nach Duméril und Bibron ein- 
fach, nach Jan getheilt und die Subcaudalia erschei- 
nen in 21 — 29 Paare angeordnet. 

Färbung und Zeichnung. Der Kopf ist schwarz und 
nur das Rostrale, ein Theil des jederseitigen Nasale, 
die an den freien Mundrand grenzenden Parthien 
sämmtlicher Labialschilder und einzelne Stellen auf 
den Inframaxillaren erscheinen in grösserer oder ge- 
ringerer Ausdehnung gelblich gefärbt. Hinter dem 
Kopfe findet sich ein weisses Collare, das 2 — 3 Quer- 
reihen von Schuppen einnimmt und nach hinten einen 
fast doppelt so breiten schwarzen Saum besitzt. Von 
diesem Saume gehen drei breite schwarze Längsbinden 
aus, deren jede eine ganze und 2 halbe Schuppenreihen 
einnimmt, und die sich bis zur Schwanzspitze fort- 
setzen, auf der Schwanzbasis aber sowohl mit ein- 
ander, als auch mit der schwarzen Farbe der Unter- 
seite zusammenfliessen, so dass diese Gegend des Kör- 
pers von einem schwarzen Ringe umgeben ist, der sich 
etwa über 9 oder 10 Querreihen von Schuppen aus- 
dehnt. Sämmtliche Schilder der Unterseite sind gleich- 
falls tiefschwarz, jedoch besitzt jedes derselben einen 



— 182 — 

hellen Aussenrand, mit Ausnahme des Anale und der 
vorderen Subcaudalpaare , da hier der obenerwähnte 
schwarze Ring liegt. Die Zwischenräume zwischen 
den 3 schwarzen Längsbinden, so wie zwischen diesen 
und den schwarzen Bauchschildern erscheinen einfar- 
big weisslich öder gelblich. 

Maasse. Das grösste bekannte Exemplar dieser Art, 
das sich im Stadtmuseum zu Mailand befindet, misst 
52 Ctm. bei einer Schwanzlänge von 3,5 Ctm. 

Habitat. Das Originalexemplar im Pariser Museum 
stammt von Ch. Darwin's Reise in Süd-Amerika, je- 
doch ist der Fundort desselben nicht genauer bekannt; 
die beiden Exemplare im Stadtmuseum zu Mailand 
sind nach Jan in Chile, in der Gegend von Santa Cruz 
gefangen worden , jedoch vermuthe ich , dass auch 
hier, ebenso wie hei E. tricolor, unter diesem Namen 
Santa Cruz de la Sierra in Bolivien zu verstehen sein 
wird , zumal die Art auch in östlicheren Theilen von 
Süd -Amerika beobachtet worden ist, namentlich in 
Paraguay, woher das British Museum ^^), und in Uru- 
guay, woher das Basler Stadtmuseum") je ein Exem- 
plar erhalten haben. 

9. Elapomorphus reticulatus Peters. 

1860. Elapomorphus reticulatus Peters. Berliner Mo- 
natsberichte 1860 p. 518, tab. f. 2. 

Der verstorbene Peters, dem man die Kenntniss 
dieser Art verdankt, bemerkt, dass dieselbe dem E, 
lemniscatus am nächsten steht, sich von demselben 



16) Ann. and Mag. Nat. Hist. 3. ser. XII p. 349. 

17) Müller. Erster Nachtrag zum Katalog der herpetologischen 
Sammlung des Basler Museums p. 27. 



— 183 — 

aber, abgesehen von der verschiedenen Farbenverthei- 
lung, schon durch das doppelte Analschild unterschei- 
det. Nun scheint aber das Analschild heiE. lemniscatus 
bald einfach, bald getheilt vorzukommen, wenigstens 
geben, wie schon bemerkt, die Verfasser der Erpéto- 
logie générale dasselbe als einfach an, während Jan 
es an den Exemplaren des Mailänder Museums ge- 
theilt gefunden hat, und so dürfte denn dieses Merk- 
mal bei der Unterscheidung der beiden in Rede ste- 
henden Arten schwerlich maassgebend sein. Es be- 
schränken sich somit die Unterschiede auf die aller- 
dings sehr différente Färbung und Zeichnung, so wie 
auf die Form der Schnauze, welche letztere bei E. 
lemniscatus spitz zugerundet, bei E. reticulatus dagegen 
sehr stumpf zugerundet erscheint, wodurch der ganze 
Kopf eine völlig andere Form erhält. 

Morphologische Merkmale. Das Rostrale breit, aber 
niedrig, ragt nur wenig auf die horizontale Schnauzen- 
fläche hinauf. Die beiden Intern asalia von trapezoi- 
daler Form, kaum so gross, wie die Supraorbitalia, 
und mit ihrem ganzen Innenrande an einander gren- 
zend. Das Praefrontale fast doppelt so breit, wie lang, 
mit fast bogenförmigem Hinterrande. Das Frontale 
breit, nur um ein Viertel etwa schmäler, als lang, bil- 
det ein reguläres Fünfeck. Das jederseitige Praeocu- 
lare, von polygonaler Gestalt und kaum kleiner, als die 
beiden jederseitigen Postocularia zusammengenommen, 
steht mit dem breiten Nasale in directer Berührung. 
Von den beiden jederseitigen Postocularen ist das 
untere etwas grösser, als das obere. Die beiden hinter 
einander stehenden Temporalia jeder Seite sind an 
Länge kaum von einander verschieden, nur ist das 



-T,^-.;:.';^:.7:grgS^ 



— 184 — 

vordere etwas schmäler, als das hintere. Von den je- 
der seitigen 6 Supralabialen steht das Iste, das auf- 
fallend kurz ist, mit dem Nasale, das 2te mit dem 
Nasale, demPraeoculare und dem Auge, das 3te mit dem 
Auge und dem Postoculare inferius, das 4te mit dem 
eben genannten Schildchen allein, das 5te mit beiden 
Temporalen und das 6te mit dem Temporale posterius 
in Berührung. Das Mentale ist ziemlich gross, die 
Inframaxillaria des vorderen Paares um ein Viertel 
etwa länger, als die des folgenden, und von den jeder- 
seitigen 7 Infralabialen, die bis zum 5ten successiv 
an Grösse zunehmen, stehen die 5 vorderen mit den 
Inframaxillaren in Contact. Die Schuppen bilden im 
vorderen Rumpfdrittel 15 Längsreihen. Die Zahl der 
Abdominalia beträgt 197, das Anale ist getheilt und 
die Subcaudalia stehen in 32 Paaren. 

Färbung und Zeichnung. «Kopf, Bauchseite (mit Aus- 
nahme des Afterschildes) und Seitentheile schwarz- 
braun, Bauch-, Schwanzschilder und Seitenschuppen 
weissgerändert, Halsband und Rückenseite weiss, mit 
Ausnahme einer schwarzbraunen, am Halse keulenför- 
mig beginnenden Längslinie, welche bis zur etwas zu- 
sammengedrückten Schwanzspitze geht, und der Basis 
des Schwanzes, welche ebenfalls schwarzbraun ist.» 
Mit dieser Beschreibung, welche ich mit des verstor- 
benen Peters eigenen Worten wiedergegeben habe, 
steht die beigefügte Abbildung in so fern etwas im 
Widerspruch, als die dunkle Rückenbinde das weisse 
Collare durchsetzt und sich mit der schwarzen Kopf- 
zeichnung vereinigt, also keineswegs keulenförmig am 
Halse, sondern im Gegentheil linienförmig am Hin- 
terkopfe beginnt. 



— 185 — 

Maasse. Totallänge 31,8 Ctm.; Länge des Kopfes 
0,8 Ctm., des Schwanzes 3,6 Ctm. 

Habitat. Das einzige bisher bekannte Exemplar die- 
ser Art stammt aus Brasilien, jedoch ist der genauere 
Fundort desselben nicht bekannt. 

10. Elapomorphus Iheringi n. sp. 

Trotz der nahen Verwandtschaft, die zwischen dieser 
Art und dem E. reticularis besteht, halte ich beide 
dennoch für specifisch verschieden, weil sie nicht bloss 
durch die Färbung und z. Th. auch Zeichnung, sondern 
auch durch die Form des Kopfes von einander abwei- 
chen, welcher letztere bei der in Rede stehenden Art 
in eine noch beträchtlich stumpfere Schnauze ausläuft 
und zugleich auch bedeutend stärker flachgedrückt, ja 
auf dem Scheitel sogar ausgehöhlt erscheint. 

Morphologische Merkmale. Der Kopf mit auffallend 
kurzer, sehr stumpf zugerundeter Schnauze ist breit 
und nicht bloss flachgedrückt , sondern zeigt auf der 
Oberseite einen sehr stark ausgesprochenen Längsein- 
druck, der sich über das Frontale und den Innenrand 
der beiden Parietalia erstreckt. Das Frontale ist klein, 
mit geradem Vorderrande, die Internasalia ebenfalls 
klein, von unregelmässig viereckiger Form, bilden 
zusammen aber ein reguläres Trapez, dessen lange 
Parallelseite nach hinten gerichtet und etwa doppelt 
so lang ist, wie die vordere, mit dem Hinterrande 
des niedrigen Rostrale in Berührung stehende. Das 
Praefrontale ist siebeneckig, um die Hälfte etwa brei- 
ter, als lang und von seinen 7 Ecken ist nur die 
jederseitige äusserste, die sich zwischen das Nasale 
und das Praeoculare einschiebt (ohne jedoch beide 

Malaugüfl biologiques. XIL. 24 . 



-m' -.'>3 



— 186 — 

Schilder von einander zu trennen), spitz, die 5 ande- 
ren aber stumpf. Die Parietalia haben die gewöhn- 
liche polygonale Form und sind auch, wie immer, die 
grössten unter allen Kopfschildern. Das jederseitige 
Nasale ist im Verhältniss zu seiner Länge ziemlich 
breit und enthält in seinem vorderen Drittel das kleine 
Nasenloch. Das jederseitige Praeoculare ist fünfeckig 
und grösser, als jedes der beiden viereckigen Post- 
ocularia jeder Seite. Das vordere Temporale ist mehr 
als doppelt so lang, wie breit, das hintere um ein Drit- 
tel kürzer, aber etwa doppelt so breit. Von den 6 
jederseitigen Supralabialen grenzt das Iste an das 
Nasale, das 2te an das Nasale, das Praeoculare und 
das Auge, das 3 te an das Auge und das Postoculare 
inferius, das 4te an das genannte Schildchen und an 
das Temporale anterius, das 5te, das am grössten ist, 
an beide Temporalia und das 6te an das Temporale 
posterius und an die Schuppen der Isten Querreihe. 
Das Mentale ist klein und dreieckig; die beiden Paare 
der Inframaxillaria sind lang und schmal, dabei etwa 
gleichgross und stehen mit den 5 ersten jedersei- 
tigen Infralabialen in Contact, von welchen letztern 
aber nicht das 5te, sondern das 4te am grössten ist. 
Die Schuppen bilden im vorderen Rumpfdrittel 15 
Längsreihen. Die Zahl der Abdominalia beträgt 211, 
das Anale ist getheilt und die Subcaudalia stehen in 
29 Paaren. 

Färbung und Zeichnung. Der Kopf ist auf der Ober- 
seite schwarz, mit Ausnahme einiger ganz unregelmäs- 
sig gestellter und geformter Flecken auf der Schnauze 
und auf den Supralabialschildern. Gleich hinter dem 
Kopfe findet sich ein sehr helles, fast weisses CoUare, 



— 187 — 

das 2, höchstens 3 Querreihen von Schuppen ein- 
nimmt und von einer viereckigen schwarzen Makel 
gefolgt ist , die sich über 3 Querreihen von Schuppen 
ausdehnt und nicht nur mit der schwarzen Färbung 
der Flanken in Verbindung steht, sondern aus seiner 
Mitte noch eine kurze schwarze Linie nach hinten 
entsendet. Diese Linie liegt auf der mittleren oder 
vertebralen Schuppenreihe und besteht aus 6 schwar- 
zen Makeln, die nach hinten zu immer kleiner werden 
und von denen jede eine Vertebralschuppe einnimmt. 
Die Mitte des Rückens, d. h. die 5 mittleren Schup- 
peîireihen und die Hälfte der jederseits darangrenzen- 
den, ist einfarbig orangegelb (im Leben wahrscheinlich 
roth) und diese Farbe setzt sich auch auf die Ober- 
seite des Schwanzes bis zu seiner Spitze fort, ist aber 
auf der Schwanzbasis in ganz ähnlicher Weise unter- 
brochen, wie bei E. lemniscatus und E. reticulatus. Die 
Unterseite des Kopfes ist gelblichweiss, auf der Un- 
terlippe und den Inframaxillarschildern unregelmässig 
schwarz gefleckt, und die Kehle zeigt eine rhombische 
schwärzliche Makel, die dadurch entsteht, dassjede 
Kehlschuppe, bis auf einen schmalen weissen Rand, 
schwarz gefärbt ist. Die Flanken, d. h. die jederseiti- 
gen 4 äussersten Schuppenreihen und die Hälfte der 
darangrenzenden Dorsalreihe, sind schwarz gefärbt, 
nur zeigen die einzelnen Schuppen sehr feine weisse 
Ränder, welche letzteren an den Schuppen der jeder- 
seitigen äussersten Reihe etwas breiter erscheinen, 
namentlich da, wo die Schuppen an die Bauchschilder 
angrenzen. Die schwarze Flankenfärbung geht, wie 
schon bemerkt, an der Schwanzbasis auch auf die 
Oberseite über, so dass diese Gegend schwarz gefärbt 



— 188 — 

ist, und zwar dehnt sich der so entstandene schwarze 
Ring über 7 — 8 Qiierreihen von Schuppen aus. Das 
Anale ist weiss, die Subcaudalia dagegen schwarz, je- 
doch ist das äussere Drittel eines jeden Subcaudale 
weiss gefärbt und da die innere Hälfte jeder einzelnen 
Schuppe der angrenzenden äussersten Reihe gleich- 
falls weiss gefärbt erscheint, so entsteht an jeder Seite 
des Schwanzes eine, so zu sagen, gefiederte, d. h. nach 
beiden Seiten gezackte Binde von weisslicher Farbe. 
Die äusserste Schwanzspitze ist orangegelb. 

Maasse. Totallänge des Thieres 64,2 Ctm. Länge 
des Kopfes 1,3 Ctm., des Schwanzes 5,2 Ctm. 

Habitat. Das einzige mir vorliegende Exemplar die- 
ser Art ist, wie schon bemerkt, von Dr. H. von Ihe- 
ring, dem zu Ehren ich die Art auch benannt habe, 
im südlichen Brasilien in der Provinz Rio Grande do 
Sul bei Taguara do Mundo novo gefangen worden. 

11. Elapomorphus scalaris Wucherer. 

1861. Elapomorphus scalaris Wucherer. Proc. zool. 
Soc. of London 1861 p. 325. 

1862. Elapomorphus scalaris Wucherer. Ann. and 
Mag. Nat. hist. 3. ser. IX p. 318. 

E. scalaris besitzt zwar gleichfalls zwei Internasa- 
lia und ein einfaches Praefrontale , weicht aber sonst 
so ziemlich in allen Beziehungen nicht bloss von den 
übrigen Arten dieser Gruppe, sondern überhaupt der 
ganzen Gattung ab ; so besitzt er 1 7 Längsreihen von 
Schuppen und nicht 1 5 , wie alle übrigen Arten ; fer- 
ner beträgt die Zahl seiner Supralabialia jederseits 8, 
von denen das 4te und 5te an den Augapfel grenzen, 
während bei den übrigen Arten nur 6 (bei einer 7) 



— 189 — 

Supralabialia vorkommen, von denen das 2te und 3te 
(resp. das 3te und 4te) mit dem Augapfel in Berüh- 
rung stehen; alsdann ist die Zahl seiner Abdominal- 
schilder eine auffallend geringe, denn sie beträgt nur 
128 — 130, während bei keinem der übrigen Gat- 
tungsgenossen weniger als 169 Bauchschilder beob- 
achtet worden sind; endlich muss auch der Habitus 
ein völlig verschiedener sein, denn Dr. Wucherer 
sagt selbst: «This species differs from others in the 
shape of its head, which is distinct, in having a shor- 
ter body, broader ventral shields . . . .», stellt die 
Art aber trotzdem in die Gattung Mapomorphus, weil 
«the dentition and coloration are very similar». Nun 
ist die Bezahnung hier in keiner Weise maasgebend, 
denn es finden sich bekanntlich fast in jeder Familie 
der Unterordnung A^emiopMdia Arten mit opistogly- 
phem Gebiss, und hinsichtlich der Zeichnung ist es 
mir, off'en gestanden, absolut unerfindlich, welche Ela- 
pomorphuS' Art Dr. Wucherer im Sinne gehabt hat, 
als er die «Coloration» für «very similar» erklärte, 
denn meines Wissens giebt es in der ganzen Gattung 
keine Art, die auch nur eine entfernte Ähnlichkeit 
mit dem qu ergebänderten E. Scolaris besässe. Alle 
diese auffallenden Differenzen veranlassten mich, schon 
weiter oben die Ansicht auszusprechen , dass diese Art 
wahrscheinlich aus der Gattung Elapomorphus zu ent- 
fernen und einer der andern, nahe verwandten Gattun- 
gen der Familie Calamarida einzuverleiben sein würde ; 
ich möchte aber noch weiter gehen und die Vermu- 
thung aussprechen, dass E. Scolaris höchst wahrschein- 
lich überhaupt gar nicht in die in Rede stehende Fa- 
milie gehört. Zu dieser Vermuth ung bin ich durch 



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— 190 — 

Untersuchung einer kleinen brasilianischen Schlange 
(K?. 3957 unseres Museums) geführt worden, welche ich 
als XenophoUs Braconnieri Ptrs^^) hestimmt habe und 
welche sowohl in den morphologischen Merkmalen, 
als auch in der Färbung und Zeichnung vollkommen 
mit der von Wucherer gegebenen Beschreibung sei- 
nes E. Scolaris übereinstimmt und nur darin abweicht, 
dass bei ihr das Nasenloch zwischen 2 Schildern, einem 
vorderen breiteren und einem hinteren sehr schmalen, 
liegt. Nun befindet sich aber der grössere Theil des 
Nasenlochs in dem vorderen breiten Nasale und nur 



18) XenophoUs Braconnieri hat der selige Peters (Berliner 
Monatsberichte 1869 p. 441, tab. f. 3) auf eine kleine Schlange un- 
bekannten Fundorts begründet, die er von dem bekannten Natura- 
lienhändler B ou card mit der Bezeichnung Elapomorphus Bracon- 
nieri gekauft hatte und die eine so eigenthümliche Kopfbeschilde- 
ruDg zeigte ; dass er sie zum Typus einer neuen in die Familie der 
Bipsadida gehörigen Gattung, XenophoUs, erhob. Diese Schlange 
besitzt nämlich in der Praefrontalregion, d. h. zwischen den Inter- 
nasal schildern einerseits und dem Frontale und den sehr hoch hin- 
aufragenden, mit letzterem in Contact stehenden Praeocularen an- 
dererseits, 3 in einer Querreihe liegende Praefrontalia , von denen 
das mittlere ziemlich gross, jedes der seitlichen aber beträchtlich 
kleiner ist. Eine so auifallende Anordnung der Praefrontalia findet 
sich, wie schon Peters selbst bemerkt, bei keiner anderen Schlan- 
genart, und es liegt daher wohl die Vermuthung nahe, dass man es 
in diesem Falle mit einer zufälligen Theilung eines bei normaler 
Ausbildung einfachen Praefrontalschildes zu thun habe. Diese Ver- 
muthung hat sich denn auch vollkommen bestätigt, denn das oben 
citirte Exemplar JV« 3957 unserer Sammlung, das durchaus in jeder 
Beziehung mit der von Peters gegebenen Beschreibung und Abbil- 
dung übereinstimmt, besitzt nur ein einfaches Praefrontale , das 
aber genau dieselbe Form hat, wie die 3 Praefrontalia des Original- 
exemplars zusammengenommen. Sieht man nun von den 3 Praefron- 
talen und dem getheilten Nasale, welches, nebenbei bemerkt, in der 
von Peters gegebenen Abbildung , im Widerspruche mit der Be- 
schreibung, als einfach gezeichnet ist, ab, so wird ein Vergleich der 
Beschreibungen von Elap)omorphus scalaris und von XenophoUs 
Braconnieri wohl jedem die Vermuthung aufdrängen, dass beide 
Beschreibungen sich auf ein und dieselbe Art beziehen. 



— 191 — 

ein kleiner Theil seines Oberrandes wird von dem 
hinteren schmalen Nasale begrenzt, so dass man bei 
oberflächlicher Betrachtung, namentlich von der Seite, 
leicht den Eindruck gewinnen kann, als läge das Na- 
senloch in einem einzigen Schilde, Ich vermuthe nun, 
dass Dr. Wucherer das sehr schmale hintere (oder 
obere) Nasale übersehen und dasselbe für das Inter- 
nasale genommen hat, mit welchem letzteren es in der 
Form Ähnlichkeit besitzt und dabei so gelagert ist, 
dass es mit seinem ganzen Innenrande an dasselbe an- 
grenzt, also leicht als dazugehörig angesehen werden 
kann. Selbstverständlich ist das meinerseits nur eine 
Vermuthung und die Frage über die Beschaffenheit 
des Nasalschildes bei E. scalaris kann natürlich nur 
durch Untersuchung des Originalexemplars im British 
Museum entschieden werden. Da mir nun dieses Ori- 
ginalexemplar augenblicklich nicht zugänglich ist, so 
bin ich genöthigt, die fragliche Art bis auf Weiteres 
in der Gattung Elapomorphus zu lassen, und gebe hier 
eine, so weit möglich, wörtliche Übersetzung der von 
Wucherer veröffentlichten Beschreibung, wobei ich 
mir jedoch, der Conformität wegen, erlaubt habe, die 
einzelnen Kopfschilder mit den von mir adoptirten 
Benennungen zu bezeichnen, die bekanntlich von de- 
nen der englischen Autoren etwas abweichen ^^). 

Morphologische Merkmale. Der Körper von massiger 
Länge, fast cylindrisch; der Bauch abgeflacht; der 
Schwanz kurz. Der Kopf von massiger Grösse, vom 
Rumpfe abgesetzt, mit flachem Scheitel; die Mund- 



19) Die englischen Zoologen bezeichnen bekanntlich die Inter- 
nasalia als anterior Frontals, die Praefrontalia als posterior Fron- 
tals und das eigentliche Frontale als Vertical. 



X-'. 01-...'-.--K^ 



— 192 — 

spalte voD massiger Grösse; das Rostrale dreieckig, 
die horizontale Kopffläche fast erreichend, umgebogen, 
concav, mit leicht vorgezogenem Unterrande. Zwei 
Internasalia und ein Praefrontale , die ersteren klein, 
fast dreieckig, von vorn nach hinten sehr schmal, das 
letztere sehr gross; ein Nasale, in welchem das grosse 
Nasenloch sich befindet, das lateral gestellt ist. Das 
Supraorbitale klein; ein Praeoculare und 2 Postocu- 
laria; das erstere gross und hoch, bildet mit dem Fron- 
tale eine kurze Sutur ; das Frênaie länglich ; das Fron- 
tale von massiger Grösse, fast dreieckig; die Parieta- 
lia gross, hinten auseinandertretend; ein Temporal- 
schild (zuweilen 2 hinter einander) grenzt an das un- 
tere Postoculare. Jederseits 8 Supralabialia, von de- 
nen das 4te und 5 te an den Augapfel grenzen und 
das 7te am grössten ist. Das Auge von massiger Grösse, 
sublateral, mit runder Pupille. Die Schuppen rhom- 
bisch, nicht gestutzt, glatt, von gleicher Grösse, ohne 
Endporen und in 17 Längsreihen angeordnet; unter 
den Schwanzschuppen sind einige wenige in der mitt- 
leren Reihe etwas grösser. Der hintere Zahn am läng- 
sten und gefurcht. Zwei Paare von Inframaxillar- 
schildern. 128 — 130 Abdominalia und 34 Paare von 
Subcaudalschildern. 

Färbung und Zeichnung. Die Schnauze und die Ober- 
seite des Kopfes braun, blau irisirend und unregel- 
mässig schwarz gefleckt; die Lippen weiss; die Ober- 
seite des Rumpfes und Schwanzes schmutzig ziegel- 
roth; längs dem ganzen Rücken verläuft eine schmale 
schwarze Längsbinde, welche die mittlere oder verté- 
brale Schuppenreihe einnimmt und sich fast bis an die 
Schwanzspitze erstreckt; jederseits von dieser Binde 



— 193 — 

steheu kurze schwarze Querbinden, die nicht immer 
mit einander correspondiren. An den Seiten des Rum- 
pfes findet sich eine Längsreihe sehr schmaler, fast 
linearer schwarzer Flecken. Die Unterseite ist ein- 
farbig gelblichweiss. 

Maasse. Das grössere Exemplar hat eine Totallänge 
von 32 Ctm., von denen 1 Ctm. auf den Kopf und 
4 Ctm. auf den Schwanz gerechnet werden müssen. 

Habitat. Beide bisher bekannten Exemplare dieser 
Art stammen aus der Gegend von Bahia, und zwar ist 
das grössere bei Cauavieras, das kleinere, das sich im 
British Museum befindet, bei Matta de S. Joao, we- 
nige Léguas südlich von der Stadt Bahia, gefangen 
worden. 

III. Gruppe. Arten, bei denen jederseits das Internasale mit 
dem Praefrontale zu einem einzigen Internaso-Prae- 
frontalschiide verschmolzen ist. 

{= Apostolepis Cope). 

Die 7 Arten dieser Gruppe unterscheiden sich, wie 
folgt, von einander: 

Vondenjederseitigen 6 Supralabialen grenzt das 6te 

-4) an das Parietale, ebenso auch das 5te, da Tempora- 
lia gänzlich fehlen. Von den jederseitigen 7 Infra- 
labialen stehen 

1) die 4 vorderen mit den Inframaxillaren in Berüh- 
rung und dabei ist das 4te das grösste. Die Un- 
terseite des Rumpfes einfarbig weisslich. 12. E. D^Orbignyi. 

2) die 5 vorderen mit den Inframaxillaren in Berüh- 
rung und dabei ist das 5te am grössten. Die Un- 
terseite ebenso, wie die Flauken, schwarz, die 
einzelnen Schilder und Schuppen weiss gerandet. 

Id. E. erythronotus. 

.Melangoa biologiques. XII. 25 



■-'t^-r:!! 



— 194 — 

B) an ein Temporal schild. Jederseits 

a) zwei Postocularia. Kopf mit breiter gelber Parie- 
talbinde 14. E. coronatus. 

b) nur ein Postoculare. Das Temporalschild 

1) ist von dem Postoculare getrennt, indem das 
5te (oder auch das 4te und 5te) Supralabiale an 
das Parietale der betreffenden Seite herantritt. 
Das Nasalschild 

a) steht mit dem Praeoculare in Contact, dabei 
sowohl das 4te, als auch das 5te Supralabiale 
an das Parietale anstossend. Die äusserste 
Schwanzspitze gelblich. Der Rumpf auf der 
Oberseite 

x) einfarbig, ohne alle Zeichnung. , 15. E. flavotorquatus. 
xx) mit 5 schwarzen Längsstreifen geziert. 

16. E. nigrolineatus. 

ß) ist von dem Praeoculare getrennt, da das je- 
derseitige Internaso-Praefrontale mit seinem - 
seitlichen Theile an das 2te Supralabiale her- 
antritt; dabei nur das 5te Supralabiale mit 
dem Parietale in Contact. Die äusserste 
Schwanzspitze schwarz 17. E. assimüis. 

2) steht mit dem Postoculare in Berührung und 
ist dabei so gross, dass keines der Supralabia- 
len an das Parietale herantreten kann. Jeder- 
seits ein Frenalschild 18. JB. dimidiatus. 

12. Elapomorphus D'Orbignyi Schlegel. 

1837. CalamariaD^Orhignyi S chle g el.Essdàs.l. Phy- 

sion. d. Serpens I p. 130, II p. 30. 
1848. Calamaria Dorhignii Guichenot in: Gay. Hist. 

fisica y pol. di Chile. Zool. II p. 73. 
1854. Elapomorphus Orlignyi D. et B. Erpétol. génér. 

VII p. 834, IX p. 358. 
1862. Elapomorphus D'Orbignyi Jan. Archivio per la 

Zoologia etc. II p. 43. 
1865. Elapomorphus B^Orhignyi Jan et S or del li. Ico- 

nogr. génér. des Ophidiens. Livr. XIV pl. I f. 2. 
Diese und die folgende Art sind in der ganzen Gat- 
tung die einzigen, denen Temporalschilder gänzlich 



— 195 — 

fehlen ; von einander unterscheiden sie sich sowolil 
durch die Färbung und Zeichnung, als auch durch die 
Lageverhältnisse der Infralabialia, indem bei E. D^Or- 
hignyi jederseits nur 4 Infralabialia mit den Inframa- 
xillaren in Berührung stehen und dabei zugleich das 
4te das grösste ist, während bei E. erythronotus , wie 
bei allen übrigen Arten dieser Gruppe, 5 Infralabialia 
an die Inframaxillaria grenzen und zugleich das 5te 
am grössten ist. 

Morphologische Merkmale. Das Frontale mit stumpf- 
winklig geknicktem Vorderrande ist kleiner, als jedes 
der beiden Internaso-Praefrontalia, welche mit einem 
Vorsprunge ihres Aussenrandes sich zwischen das Na- 
sale und Praeoculare einschieben und mit dem 2ten 
Supralabiale der entsprechenden Seite in Berührung 
stehen. Von den jederseitigen 6 Supralabialen grenzt 
das Iste an das lange Nasale, das 2te an das Nasale, 
das Internaso-Praefrontale , das Praeoculare und das 
Auge, das 3te an das Auge und das Postoculare, das 
4te an das Postoculare allein, und die beiden letzten 
an das Parietale, wobei aber freilich das 5 te mit seiner 
vorderen oberen Ecke auch das Postoculare berührt. 
Das letztgenannte Schildchen ist fünfeckig und etwa 
um die Hälfte grösser, als das viereckige Praeoculare. 
Das Mentale ist klein, die Inframaxillaria des vorderen 
Paares erscheinen etwas länger, als diejenigen des hin- 
teren ; die jederseitigen 7 Infralabialia nehmen bis zum 
4ten successiv an Grösse zu , so dass das 4te das 
grösste ist, und zugleich stehen auch nur die 4 vorde- 
ren derselben mit den Inframaxillaren in Berührung. 
Die Schuppen bilden im vorderen Eumpfdrittel , wie 
gewöhnlich, 15 Längsreihen. Hinsichtlich der Zahl von 



.^ 



— 196 — 

Abdominal- und Subcaudalschildern differiren die An- 
gaben der Autoren, trotzdem von dieser Art überhaupt 
nur ein einziges Exemplar bekannt ist, dennoch eini- 
germaassen; so zählt Schlegel 264 Abdominalia und 
30 Paar Subcaudalia, nach Duméril und Bibron be- 
trägt die Zahl derersteren 260, der letzteren 37 — 38 
und Jan endlich giebt 266 Abdominal- und 38 Paar 
Subcaudalschilder an. Das Anale ist getheilt/ 

Färbung und Zeichnung. Oben und an den Flanken leb- 
haft ziegelroth, unten schmutzig weiss und ebenfalls 
einfarbig. Der Kopf oben schwarz , bis auf den vorde- 
ren Theil der Schnauze und einen Fleck auf dem je- 
derseitigen 4ten Supralabiale, die weiss erscheinen; 
dabei zeigt die äusserste Spitze der Schnauze eine 
schwarze Makel, welche den grössten Theil des Ro- 
strale bedeckt. Im Nacken findet sich eine breite, et- 
wa 5 — 6 Querreihen von Schuppen einnehmende, vier- 
eckige Makel von schwarzer Farbe, welche jederseits 
fast bis an die Bauchschilder reicht und von der schwar- 
zen Kopfzeichnung durch eine weisse, sich über etwa 
4 Querreihen von Schuppen ausdehnende Querbinde 
getrennt ist. Die äusserste Schwanzspitze ist hell ge- 
färbt, aber vor derselben findet sich ein breiter schwar- 
zer Ring, der sich über 7 — 8 Bauchschilderpaare 
ausdehnt. 

Maasse. Nach Schlegel ist das Exemplar 38,5 Ctm. 
lang, bei einer Schwanzlänge von 4,5 Ctm., Dumé- 
ril und Bibron geben die Totallänge auf 43,3 Ctm. 
an, wovon 0,9 Ctm. auf den Kopf und 4,9 Ctm. auf 
den Schwanz gerechnet werden müssen, und nach Jan 
endlich besitzt dasselbe eine Totallänge von 42 Ctm., 
wobei der Schwanz 5 Ctm. misst. 



— 197 — 

Habitat. Das einzige bisher bekannte Exemplar die- 
ser Art, das sich im Pariser Museum befindet, ist von 
D'Orbigny in einer nicht näher bezeichneten Gegend 
von Chile erbeutet worden. 

13. Elapomorphus erythronotus Peters. 

1880. Elapomorphus erythronotus V e ter ^. Berliner Mo- 
natsberichte 1880, p. 222. 

Wie schon bemerkt, unterscheidet sich diese Art 
von E. D^Orhignyi, mit welchem sie in dem Mangel 
der Temporalschilder übereinstimmt, sowohl durch die 
gänzlich abweichende Färbung und Zeichnung, als 
auch dadurch , das bei ihr nicht 4 , sondern 5 jeder- 
seitige Infralabialia mit den Inframaxi Ilaren in Berüh- 
rung stehen, wobei auch das 5te das grösste ist. 

Morphologische Merkmale. Das Frontale ist sechseckig 
und etwa eben so gross, wie jedes der beiden Inter- 
naso-Praefrontalia einzeln; jedes dieser letztern drängt 
sich mit seiner äussern Ecke zwischen das Nasale und 
Praeoculare hinein, scheint aber das 2te Supralabiale 
nur ausnahmsweise zu erreichen, wenigstens giebt Pe- 
ters an, dass das Nasale und Praeoculare mit einan- 
der in Berührung stehen, und die gleiche Anordnung 
findet sich auch an unserem Exemplar, aber nur auf 
der rechten Seite, links dagegen tritt die äusserste 
Spitze des Internaso Praefrontale ganz deutlich an das 
2te Supralabiale heran. Das Rostrale ist aufikllend 
gross und ragt mit seiner hinteren Hälfte auf die ho- 
rizontale Kopffläche hinauf, ähnlich wie bei E. flavo- 
torquatus. Von den 6 jederseitigen Supralabialen grenzt 
das Ite an das Nasale, das 2 te an das Nasale, das 
Praeoculare und das Auge (bei unserem Stück auf der 



— 198 — 

linken Seite auch an das Internaso-Praefrontale) , das 
3te an das Auge und das Postoculare, das 4te an das 
Postoculare und Parietale, das 5te und 6te an das 
Parietale, das 6te mit seinem Hinterrande jedoch auch 
noch an ein besonderes, ziemlich grosses Schildchen, 
welches die Nackenschuppen um mehr als das Dop- 
pelte an Grösse übertrifft, den dreieckigen Raum zwi- 
schen Parietale und dem letzten Supralabiale ausfüllt, 
aber nicht als Temporalschild gedeutet werden kann, 
da es zu weit nach hinten, bereits in der Occipitalre- 
gion liegt. Das jederseitige Postoculare ist kaum grös- 
ser, als das Praeoculare, welches letztere nach vorn, 
gegen das Nasale (bei unserem Stück) in eine scharfe 
Spitze ausläuft. Das Mentale klein, von den jedersei- 
tigen 7 Infralabialen, die bis zum 5ten successiv an 
Grösse zunehmen, stehen die 5 vorderen mit den In- 
framaxillaren in Berührung; diese letztern erscheinen 
lang und schmal, die des hinteren Paares etwas länger, 
als die des vorderen. Die Schuppen sind im vorderen 
Rumpfdrittel in 15 Längsreihen angeordnet. Die Zahl 
der Abdominalschilder variirt zwischen 244 und 251, 
das Anale ist getheilt und die Subcaudalia bei beiden 
bekannten Exemplaren in 28 Paare angeordnet. 

Färbung und Zeichnung. Der Kopf ist auf der Ober- 
seite schwarz und dabei fliesst die schwarze Färbung 
mit einem gleichfarbigen queren Halsband zusammen, 
auf dessen Vorhandensein nur daraus geschlossen wer- 
den kann, dass auf beiden Seiten des Kopfes und Hal- 
ses, hinter dem Mundwinkel, eine kurze, schwarze, 
quergestellte Makel, das Ende des Collare, auf die 
Unterseite des Thieres herabsteigt. Die Oberlippe ist 
gelblichweiss , jedoch erscheint der obere Theil des 



— 199 — 

jederseitigen 2ten, 3ten, 5teii und 6ten Supralabiale 
schwarz. Das Nasale gelblichweiss, bis auf einen brei- 
ten Umkreis des Nasenlochs selbst, der schwarz ge- 
färbt ist. Die Unterseite des Kopfes erscheint gelb- 
lichweiss und zeigt zu beiden Seiten der Kehlfurche 
einzelne kleine, ganz unregelmässig gestellte, schwärz- 
liche Makeln. Die Mitte des Rückens, d. h. die 5 
mittleren und die Hälfte der jederseits darangrenzen- 
den Schuppenreihen, ist hell bräunlichgelb, an ganz 
frischen Exemplaren, wie Peters angiebt, ziegelroth. 
Die seitlichen Körperschuppen schwarz mit gelblich- 
weissen Rändern, jedoch erstreckt sich am Halse die 
schwarze Färbung anfänglich auf 2^1^, darauf auf SYa 
und sehr bald auf éVg, d. h. auf sämratliche seitlichen 
Schuppenreihen; ebenso reduciren sich die hellen 
Schuppenränder, die anfänglich, besonders auf der je- 
derseitigen äussersten Schuppenreihe, sehr breit sind, 
sehr bald auf einen ganz feinen Saum. Hinter dem 
schwarzen Halsband finden sich, wenigstens an unse- 
rem Exemplar, 3 ganz kurze schwarze Längsstreifen, 
von denen der mittlere auf der vertebralen, d. h. mitt- 
leren Schuppenreihe steht und mit dem Halsband nicht 
zusammenhängt, während die seitlichen auf der jeder- 
seitigen 3 ten Schuppenreihe (von der Vertebralreihe 
aus gerechnet) verlaufen und mit dem Halsbande in 
unmittelbarer Verbindung stehen; diese 3 Streifen, 
die man als den Beginn eben so vieler Längsstreifen 
ansehen muss, sind aber, wie schon bemerkt, äusserst 
kurz und dehnen sich nur auf 2 , höchstens 3 hinter 
einander liegende Schuppen aus. Die Kehlschuppen sind, 
wie die ganze Unterseite des Kopfes, gelblichweiss und 
dieselbe Farbe haben auch die Bauchschilder, nur zei- 



^.'^-J-SQi 



— 200 — 

gen sich bereits auf dem 4ten dieser Schilder 2 schwarze 
Flecken , die sich auf den folgenden allmählich immer 
mehr und mehr in die Quere ausdehnen und den gros- 
sten Theil der Abdominal- und Subcaudalschilder ein- 
nehmen, so dass auf den ersteren nur die Mitte und 
der äussere Rand, auf den letzteren der Rand hell 
bleiben. Das Analschild ist einfarbig gelblichweiss. 
Das Schwanzende erscheint, bis auf die äusserste gelb- 
lichweisse Spitze, schwarz, und zwar nimmt die schwarze 
Färbung auf der Oberseite des Schwanzes eine etwa 
doppelt so lange Strecke ein, als auf der Unterseite, 
wo sie auf die 7 letzten Schilderpaare beschränkt ist. 

Maasse. Unser Exemplar, das grösser ist, als das 
Originalstück im Berliner Museum, hat eine Totallänge 
von 59,5 Ctm., von denen 1,2 Ctm. auf den Kopf und 
6 Ctm. auf den Schwanz entfallen. 

Habitat. Das Originalstück stammt aus der Gegend 
von San Paulo in Brasilien, unser Exemplar (K 5822) 
ist in derselben Provinz , und zwar in der Gegend von 
Ypanema, westlich von San Paulo, erbeutet und im 
Jahre 1882 von Hrn Dr. 0. Staudinger acquirirt 
worden. 

14. Elapomorphus coronatus Sau vage. 

1877. Elapomorphus {Elapomorphus) coronatus Sau- 
vage. Bull. d. 1. Soc. philomatique de Paris. 7""' 
série. I p. 110. 

E. coronatus ist in dieser Gruppe die einzige Art, 
welche jederseits 2 Postocularia besitzt, sonst stimmt 
er in den morphologischen Merkmalen fast vollkommen 
mit der nächstfolgenden Art, dem E. flavotorquatus, 
überein, unterscheidet sich aber sowohl von dieser, als 



— 201 — 

auch von allen übrigen Arten der in Rede stehenden 
Gruppe durch die gänzlich abweichende Färbung und 
Zeichnung des Kopfes, die sehr an diejenige von E. 
lepidus erinnert. 

Morphologische Merkmale. Das Frontale ziemlich gross 
mit fast geradem Vorderrande. Jedes der beiden In- 
ter naso - Praefr ont alia schiebt sich mit einem Vor- 
sprunge seines Aussenrandes zwischen das Nasale und 
Praeoculare ein, ohne jedoch das 2te Supralabiale zu 
erreichen, so dass also das Nasale und Praeoculare ein- 
ander doch berühren. Jederseits 6 Supralabialia, von 
denen das 2te und 3te mit dem Auge in Contact sind. 
Über die Lageverhältnisse der einzelnen Supralabia- 
lia ist leider nur angegeben, dass das Ite an das Na- 
sale, das 2te an das Nasale, das Praeoculare und das 
Auge und das 3te an das Auge (und wohl auch an 
das untere Postoculare) grenzt, da jedoch Hr. Sau- 
vage ausdrücklich bemerkt, dass seine neue Art in 
der Pholidosis, bis auf die Zahl der Postocularia, mit 
dem E. flavotorquatus übereinstimmt, so wird wohl die 
Lage der 3 letzten Supralabialia dieselbe sein, wie bei 
der eben genannten Art, d. h. es werden auch hier das 
4te an das untere Postoculare und das Parietale , das 
5te an das Parietale und das 6te an das Temporale, 
das als klein bezeichnet wird, grenzen. Das Mentale 
ist klein, die InfralabiaHa dagegen werden als gross 
angegeben, sind also wohl ähnlich beschaffen, wie bei 
E. flavotorquatus, Die Schuppen im vorderen Rumpf- 
drittel in 1 5 Längsreihen angeordnet. Über die Zahl 
der Abdominalia und Subcaudalia, so wie über die Be- 
schaffenheit des Analschildes fehlen leider jegliche 
Angaben. 

Mélangea biologiques. XII. 26 



- -'1 



— 202 — 

Färbung und Zeichnung werden von Hrn Sauvage, 
wie folgt, beschrieben: «Corps de couleur uniforme, 
orné le long du dos de deux lignes étroites de couleur 
brune; une large bande transversale de couleur jaune 
vif s'étendant depuis le niveau du bord postérieur de 
l'oeil jusqu'au milieu de la réunion des mâchoires, li- 
mitée en arrière par une bande brune; partie anté- 
rieure de la tête brune, à part le bout du museau qui 
est jaunâtre». 

Maasse. Totallänge 41 Ctm., Länge des Kopfes 0,9 
Ctm., des Schwanzes 6,2 Ctm. 

Habitat. Hr. Sauvage sagt von dem einzigen ihm 
vorliegenden Exemplar «provenant sans doute de l'A- 
mérique du Sud», woraus sich entnehmen lässt, dass 
der genauere Fundort desselben nicht bekannt ist. 

15. Elapomorphus flavotorquatus D. et B. 

1 86 4. Elapomorphus flavotorquatus D. et B. Erpétol. 
génér. VII p. 836, IX p. 358. 

1855. Elapomorphus flavotorquatus Guichenot in: 
Casteinau. Expéd. d. TAmér. d. Sud. Kept. p. 
55. pi. X. 

1862. Elapomorphus flavotorquatus Jan. Archivio per 
la Zoologia etc. II p. 43. 

1865. Elapomorphus flavotorquatus Jan et Sordelli. 
Iconogr. génér. des Ophidiens. Livr.XIVpl. If. 3. 

Die Hauptmerkmale, durch welche sich E. flavotor- 
quatus von den nächstverwandten Arten dieser Gruppe 
leicht und sicher unterscheiden lässt, bestehen, abge- 
sehen von der Färbung und Zeichnung, in dem Vor- 
handensein eines einzigen jederseitigenPostoculare, das 
mit dem Temporale nicht in Berührung steht, in der 



— 203 — 

Contiguität des Nasale und Praeoculare und in der auf- 
fallenden Grösse des Rostralschildes. 

Morphologische Merkmale. Das Frontale mit fast ge- 
radem Vorderrande ist kaum kleiner, als jedes der bei- 
den Internaso-Praefrontalia. Das Rostrale ist auffallend 
gross und mit seinem hinteren Drittel auf die horizon- 
tale Schnauzenfläche hinaufgprückt. Von den 6 jedersei- 
tigen Supralabialen steht das Iste mit dem Nasale, das 
2te mit dem Nasale, dem Praeoculare und dem Auge, 
das 3te mit dem Auge und dem Postoculare, das 4te 
mit dem Postoculare und dem Parietale, das 5te mit 
dem Parietale und Temporale und das 6te mit dem 
Temporale allein, dem es auch an Grösse gleichkommt, 
in Berührung. Das Postoculare ist kaum halb so gross, 
wie das Praeoculare, aber ebenfalls unregelmässig fünf- 
eckig. Das Mentale ist klein, die Inframaxillaria ha- 
ben gleiche Länge, nur sind diejenigen des vorderen 
Paares, besonders in ihrem vorderen Theile, etwas brei- 
ter, als diejenigen des hinteren. Von den jederseitigen 
7 Infralabialen stehen die 5 vorderen mit den Inframa- 
xillaren in Berührung und dabei sind das 4te und 5te 
am grössten und etwa gleich gross. Die Schuppen er- 
scheinen im vorderen Rumpfdrittel in 1 5 Längsreihen 
angeordnet. Die Zahl der Abdominalia beträgt 250, 
das Anale ist getheilt und unter dem Schwänze finden 
sich nach Duméril und Bibron 27, nach Jan dage- 
gen 29 Schilderpaare. 

Färbung und Zeichnung. Oben und an den Flanken hell 
zinnoberroth , unten gelb ; letztere Farbe bildet im 
Nacken zugleich eine ziemlich breite, hinten schwarz 
gesäumte Quer binde. Der Kopf ist auf der Oberseite 
schwarz, zeigt aber sowohl auf der Schnauze, als auch 



— 204 — 

am Lippenrande grössere oder kleinere gelbe Flecken, 
von denen die 6 grössten ganz symmetrisch angeordnet 
sind, nämlich einer auf dem jederseitigen letzten Supra- 
labiale, also am Mundwinkel, einer hinter dem Auge 
auf der Grenze zwischen dem jederseitigen 4ten und 
5ten Supralabiale und einer auf dem jederseitigen In- 
ternaso-Praefrontale. Das letzte Schwanzviertel ist 
gleichfalls schwarz, die äusserste Schwanzspitze dage- 
gen gelb gefärbt. 

Maasse. Nach Duméril und Bibron beträgt die To- 
tallänge des Originalexemplars 50 Ctm., von denen 
1,2 Ctm. auf den Kopf und 4 Ctm. auf den Schwanz 
kommen. Jan, der dasselbe Exemplar untersucht hat, 
giebt die Totallänge nur auf 47 Ctm. an, bei einer 
Schwanzlänge von 4 Ctm. 

Habitat. Das einzige bekannte Exemplar dieser Art, 
das im Pariser Museum aufbewahrt wird, hat Graf 
Cast ein au in der brasilianischen Provinz Goyaz er- 
beutet. 

16. Elapomorphus nigrolineatus Peters. 

1869. Elapomorphus nigrolineatus Peters. Berliner 
Monatsberichte 1869 p. 439. 

Diese Art stimmt mit der vorhergehenden in der 
Pholidosis, bis auf das beträchtlich kleinere Rostral- 
schild, fast vollkommen überein, weicht aber in der 
Färbung und Zeichnung so sehr von derselben ab, dass 
an eine Vereinigung beider nicht zu denken ist. 

Morphologische Merkmale, Das Frontale ist wenig grös- 
ser, als jedes der beiden Internaso-Praefrontalia. Von 
den 6 jederseitigen Supralabialen grenzt das Iste an 
das Nasale, das 2 te an das Nasale, das Praeoculare und 



— 205 — 

das Auge, das 3te an das Auge und das Postocularc, 
das 4te an das Parietale (und wohl auch an den Hm- 
terrand des Postocularen), das 5te an das Parietale und 
Temporale, das 6te an das Temporale, welches letztere 
von länglicher Gestalt ist. Das jederseitige Postoculare 
kleiner, als das Praeoculare. Die Inframaxillaria des 
vorderen Paares sind länger, als diejenigen des hinte- 
ren; von den jederseitigen 7 Infralabialen stehen die 
5 ersten mit den Inframaxillaren in Contact und dabei 
ist das 5te am grössten. Die Schuppen bilden im vor- 
deren Rumpfdrittel 15 Längsreihen. 260 Abdominalia, 
ein getheiltes Anale und 26 Paar Subcaudalia. 

Färbung und Zeichnung. «Bräunlichgelb mit 5 schwar- 
zen Längsstreifen, die beiden breitesten jederseits auf 
der vierten und fünften, eine schmälere längs der 
Rückenlinie, und eine linienförmige auf der zweiten 
(oberen) Schuppenreihe jeder Seite verlaufend. Der 
Kopf oben fast ganz schwarz, nur auf dem Rostrale, den 
Internaso-Praefrontalia und dem ersten Supralabiale 
mehr bräunlichgelb und an den Seiten ein dem 3 ten 
und 4ten Supralabiale gemeinschaftlicher gelber Fleck. 
Die ganze Unterseite mit Einschluss der Unterlippe 
schmutzig gelb, nur das Schwanzende, mit Ausnahme 
der äussersten Spitze, schwarz.» 

Maasse. Totallänge 37,5 Ctm., davon gehen auf den 
Kopf 0,8 Ctm. und auf den Schwanz 2,7 Ctm. 

Habitat. Das einzige bekannte Exemplar ist vom Ber- 
liner Museum als angeblich aus Guinea stammend an- 
gekauft worden, doch spricht der selige Peters die 
Vermuth ung aus, dass es «wie alle verwandten Arten» 
in Süd -Amerika gefangen worden sein wird. 



^^s^yw^^^i^WW^Wm 



— 206 — 
17. Elapomorphus assimilis Reinhardt. 

1860. Elapomorphus assimilis Reinhardt. Videnska- 
belige Meddeielser 1860 p. 235 tab. IV f. 1 — 5. 

1862. Elapomorphus assimilis Jan. Archivio per la 
Zoologia etc. 11 p. 43. 

1865. Elapomorphus assimilis Jan et Sordelli. Ico- 
nogr. génér. des Ophidiens. Livr. XIV pi. I f. 4. 

E. assimilis unterscheidet sich von denjenigen Ar- 
ten dieser Gruppe, bei welchen das jederseitige einzige 
Postoculare von dem Temporalschilde getrennt ist, 
sowohl dadurch, dass bei ihm das, jederseitige Inter- 
naso-Praefrontale seitlich bis zum 2ten Supralabiale 
herabreicht und das Nasale vom Praeocularen trennt, 
als auch dadurch, dass nur das öte, und nicht, wie 
bei den beiden vorhergehenden Arten das 4te und 5te, 
jederseitige Supralabiale mit dem Parietalen in Be- 
rührung steht; endlich ist auch die Färbung und Zeich- 
nung eine durchaus andere. 

Morphologische Merkmale. Das, wie gewöhnlich, sechs- 
eckige Frontale besitzt einen fast rechtwinklig ge- 
knickten Vorderrand und ist kleiner, als jedes der bei- 
den Internaso-Praefrontalia, welche sich mit einem 
seitlichen Vorsprunge zwischen das Nasale und Prae- 
oculare einschieben und mit dem 2ten Supralabiale 
der entsprechenden Seite in Contact stehen. Von den 
6 jederseitigen Supralabialschildern grenzt das Ite an 
das Nasale, das 2te an das Nasale ^^), das Internaso- 



20) Bei dem typischen und zugleich einzigen bisher bekannten 
Exemplar dieser Art ist das rechte Nasalschild etwas kürzer, als 
das linke, und es grenzt daher auf der rechten Seite nur das Iste, 
auf der linken dagegen das Iste und der vordere Theil des 2ten 



— 207 — 

Praefrontale , das Praeoculare und das Auge, das 3te 
an das Auge und das Postoculare, das 4te,an das 
Postoculare allein, das 5te, das zugleich am höchsten 
ist, an das Postoculare, das Parietale und Temporale 
und das 6te an das Temporale, so wie an ein hinter 
diesem liegendes Schild, welches man als Temporale 
posterius deuten könnte. Das Postoculare, ein unre- 
gelmässiges Dreieck, ist etwa doppelt so gross, wie 
das viereckige Praeoculare. Das Mentale klein und 
die Inframaxillaria des vorderen Paares wenig grösser, 
als diejenigen des hinteren. Von den jeder seitigen 8 
Infralabialen stehen die 5 ersten, die successiv an 
Grösse zunehmen, mit den Inframaxillarschildern in 
Contact. Die Schuppen im vorderen Rumpfdrittel in 
15 Längsreiheu angeordnet. Nach Reinhardt beträgt 
die Zahl der Abdominalia 265, das Anale ist getheilt 
und die Subcaudalia erscheinen in 33 Paare angeord- 
net, Jan dagegen giebt für dasselbe Exemplar nur 
240 Abdominalia, ein getheiltes Anale und 34 Paar 
von Subcaudalschildern an. 

Färbung und Zeichnung. Rumpf und Schwanz im Le- 
ben auf der Oberseite schön roth , auf der Unterseite 
gelblichweiss und einfarbig. Der Kopf schwarz, bis 
auf eine weissliche bogenförmige Querbinde, welche 
die Internaso-Praefrontalia und das jederseitige Nasale 
einnimmt, und einen eben so gefärbten Fleck hinter 
jedem Auge, der sich über das 3te, 4te und einen 
kleinen Theil des 5 ten Supralabiale ausdehnt und auch 



Supralabiale an das Nasalschild, wobei die linkseitige Anordnung 
als die normale anzusehen sein dürfte, weil auch bei allen übrigen 
Arten dieser Gattung stets ein Theil des 2teu Supralabiale mit dem 
Nasale in Berührung zu stehen pflegt. 



— 208 — 

auf die Unterseite des Kopfes übergeht, wo er auf das 
4te und 5te jederseitige Infralabiale beschränkt ist. 
Hinter dem Eopfe findet sich ein weissliches Hals- 
band, das etwa 4 Querreihen von Schuppen einnimmt 
und von einer grossen schwarzen, gleichfalls 4 Quer- 
reihen einnehmenden Makel gefolgt ist, welche letztere 
sich aber nicht auf die Unterseite erstreckt, sondern 
nur 13 Längsreihen von Schuppen einnimmt, so dass 
sowohl die Abdominalia, als auch die jederseits an 
dieselben grenzende letzte Schuppenreihe gelblich- 
weiss erscheinen. Das Endviertel des Schwanzes, die 
äusserste Spitze mit einbegriffen, ist schwarz gefärbt. 

Maasse. Reinhardt giebt die Totallänge der Schlange 
auf 53 Ctm. an, von denen 1 Ctm. auf den Kopf und 
4,9 Ctm. auf den Schwanz entfallen. Jan dagegen 
behauptet, das Exemplar habe eine Totallänge von 
nur 49 Ctm., wobei 5 Ctm. auf 4en Schwanz gerech- 
net werden müssen. 

Habitat. Das einzige bekannte Exemplar dieser Art, 
das sich im Museum zu Kopenhagen befindet, hat der 
sei. Reinhardt in der brasilianischen Provinz Minas 
Geraës erbeutet, und zwar bei der Fazenda Capäo dos 
porcos, westlich von der Serra do Espinhaço. 

18. Elapomorphus dimidiatus Jan. 

1862. Elapomorphus dimidiatus Jan. Archivio per la 

Zoologia etc. H p. 47. 
1865. Elapomorphus dimidiatus Jan et Sordelli. Ico- 

nogr . génér . des Ophidiens. Livr . XIV pl. HI f. 3 . 
E, dimidiatus^ für welchen Jan eine besondere Un- 
tergattung Elapomojus begründen zu müssen glaubte, 
unterscheidet sich von allen übrigen Arten dieser 



-^209 — 

Gruppe nicht bloss durch den Besitz eines jederseiti- 
gen Frenalschildes, sondern namentlich auch dadurch, 
dass bei ihm das Temporale mit dem Postoculare in 
Contact steht und folglich keines der Supralabialia an 
das Parietale herantreten kann. Ferner besitzt diese 
Art, nicht wie alle übrigen 2, sondern 3 Paare von In- 
framaxillarschildern, jedoch könnte diese Eigenthüm- 
lichkeit, da man von E. dimidiatus bisher nur ein einzi- 
ges Exemplar kennt, möglicherweise auch auf einer Ano- 
malie beruhen ; endlich ist auch die Färbung und Zeich- 
nung eine eigenthümliche , doch erinnert die letztere 
im Ganzen sehr an die Zeichnung von E. erythronotus. 
Morphologische Merkmale. Das sechseckige Frontale 
ist gross , wenig länger, als breit und stimmt in der 
Grösse etwa mit jedem der beiden Internaso-Praefron- 
talia überein. Das jederseitige viereckige Frênaie ist 
eben so gross, wie das Postoculare und letzteres wie- 
derum etwas grösser, als das Praeoculare. Das jeder- 
seitige Temporalschild, welches an das Postoculare 
grenzt, ist sechseckig, gleicht aber einem Dreieck, 
dessen nach vorn gerichtete Spitze abgestutzt und des- 
sen Basis zweimal winklig geknickt ist, hat also eine 
etwa beilförmige Gestalt. Von den 6 jederseitigen 
Supralabialen grenzt das Iste an das Nasale, das 2 te 
an das Nasale, das Frênaie, das Praeoculare und das 
Auge, das 3te an das Auge und das Postoculare, das 
4te, das eine ungefähr dreieckige Form hat, an das 
Postoculare und das Temporale, das 5 te, das ausser- 
ordentlich niedrig erscheint, an das Temporale und 
das 6te endlich gleichfalls an das Temporale, so wie 
an ein besonderes , ihm an Grösse gleichkommendes 
Schildchen, welches den Raum zwischen dem Parietale, 

M«luig«s biologiques. JUL 27 



— 210 — 

dem Temporale und dem letzten Supralabiale ausfüllt. 
Das Mentale ist klein, die Inframaxillaria erscheinen 
in 3 Paare angeordnet, von denen die beiden vorderen 
gleichgross, das hintere aber etwas grösser ist. Von 
den 7 jederseitigen Infralabialen stehen die 5 vorderen 
mit den Inframaxillaren in Contact und dabei sind das 
4te und 5te am grössten und nahezu gleich gross. Die 
Schuppen stehen im vorderen Rumpfdrittel in 15 
Längsreihen. Die Zahl der Abdominalschilder beträgt 
246, das Anale ist getheilt und die Subcaudalia stehen 
in 26 Paaren. 

Färbung und Zeichnung. Der Kopf ist auf der Ober- 
seite schwarz, und zwar fliesst die schwarze Farbe mit 
dem gleichfarbigen CoUare zusammen, welches letztere 
jederseits hinter dem Mundwinkel auf die Unterseite 
herabzieht und sich daselbst mit einer dreieckigen, 
mit der Spitze nach vorn gerichteten, den grössten 
Theil der Kehlschuppen und der Inframaxillarschilder 
deckenden, gleichfalls schwarzen Makel verbindet. Die 
Labialschilder, sowohl die oberen, als auch die unte- 
ren, sind gelblichweiss, wie die Grundfarbe der ganzen 
Unterseite. Die Mitte des Rückens, d. h. die 5 mitt- 
leren und die Hälfte der jederseits darangrenzenden 
Schuppenreihen ist hellgelb, aber nicht ganz einfarbig, 
da jede Schuppe an ihrer Basis eine etwas dunklere 
Stelle zeigt. Die seitlichen Körperschuppen sind schwarz 
und besitzen sehr feine helle Ränder. Die Unterseite 
ist im vorderen Rumpfdrittel einfarbig gelblichweiss, 
weiter nach hinten zeigt jedes Abdominalschild jeder- 
seits eine grössere oder kleinere schwärzliche Makel, 
das Anale ist einfarbig gelblichweiss und die Subcau- 
dalia schwärzlich mit breiteren oder schmäleren gelb- 



— 211 — 

lieh weissen Rändern. Der Schwanz, dessen äusserste 
Spitze weiss ist, besitzt vor derselben einen schwarzen 
Ring, der etwa 6 Querreihen von Schuppen, resp. 
5 Paare von Subcaudalschildern einnimmt. 

Maasse, Die Totallänge der Schlange beträgt 58 
Ctm., der Schwanz misst 4 Ctm. 

Habitat. Das einzige bekannte Exemplar dieser Art 
befindet sich im Stadtmuseum zu Mailand und stammt 
aus einer nicht näher bezeichneten Gegend Brasiliens, 



-OOXȔ< 



(Tiré du Bulletin, T. XXIX, pag. 541—590.) 



~ Décembre 1884. 

Bemerkungen über einige Fische des Balchasch- 
Beckens von A. Nikolski. 

Während meiner diesjährigen Reise an den Bal- 
chasch-See und in das Ssemiretschenskische Gebiet 
gelang es mir, eine nicht unbedeutende Anzahl von 
Fischen zu sammeln, von denen die folgenden von In- 
teresse sein dürften. 

Schizothorax Kolpakowskii n. sp. ^). 

Seh. argentato similis, sed radiorura in pinnis pecto- 
ralibus et ventralibus numéro majore ; longitudine 
fissurae ventralis dimidiam distantiam inter basin pin- 
narum ventralium et initium pinnae analis super- 
ante; pinnis ventralibus fi ssuram ventralem et radiis 
pinnae analis posterioribus basin pinnae caudalis attin- 
gentibus 

P. 1.19 V. 1.10 D. 3.7 An. 3.5. C. 19. 
Lin. lat. ~ 96. 

Diese neue Art steht dem Schmthorax argentatus 
sehr nahe, unterscheidet sich jedoch von ihm durch 



1) Diese Art ist dem General - Gouverneur des Steppengebiets 
General-Lieutenant G. A. von Kolpakowski gewidmet. 

Mélanges biologiques, XII. 27 



— 214 — 

eine grössere Anzahl von Strahlen in den Brust- und 
Bauchflossen und durch einen viel längeren Bauchspalt, 
der bei dieser Art mehr, als die Hälfte des Zwischen- 
raumes zwischen den Bauchflossen und der Afterflosse 
einnimmt, während bei Seh. argentatus die Länge des 
Spalts weniger, als die Hälfte dieses Zwischenraumes 
beträgt. Die Bauchflossen reichen bei der neuen Art 
bis zum Anfang des Spalts, während die Afterflosse 
mit ihrem Ende den Anfang der Schwanzflosse berührt, 
was ebenfalls bei Seh. argentatus nicht der Fall ist. 

Die Länge des Kopfes ist 5 mal in der Länge des 
ganzen Körpers enthalten; der Durchmesser des etwas 
länglichen Auges ist einem Siebentel oder Sechstel der 
Kopflänge gleich. Da der Oberkiefer sehr wenig über 
den Unterkiefer hervorragt, so ist der Mund fast end- 
ständig. Die vorderen Barteln reichen bis zur Mitte 
des Abstandes zwischen ihrer Basis und dem Vorder- 
rande des Auges, während die hinteren Barteln den 
untern Rand des Auges nicht berühren. Die Lippen 
sind schmal und nicht fleischig. 

Die Brustflossen sind von der Länge der Afterflosse. 
Im üebrigen gleicht Seh. KolpakowsMi vollständig dem 
Seh, argentatus. Die Farbe der lebenden Exemplare 
ist oben dunkelolivfarben, der Bauch und die Lippen 
sind goldgelb, der obere Theil des Kopfes dunkelgrün. 

Ich besitze zwei Exemplare dieser neuen Art, von 
denen das eine, aus dem Hi, 455 m. m . misst, während 
das andere, aus der Lepsa, eine Länge von 390 m. m. 
erreicht. 

Schizothorax argentatus Kessler. 
Da die Beschreibung dieses Schizothorax von Kess- 



— 215 — 

ler^) auf Grund der Untersuchung von nur zwei sehr klei- 
nen Exemplaren angefertigt worden ist, so stimmt die- 
selbe mit erwachsenen Exemplaren dieser Art nicht 
überein. Aus diesem Grunde erlaube ich mir zu dieser 
Beschreibung einige berichtigende Angaben zu ma- 
chen, die ich bei Untersuchung von Exemplaren von 
410 m. m. Länge aus dem Balchasch und von 475 
m. m. Länge aus dem Ili erhalten habe. Der Durch- 
messer des Auges ist 6 — 7 mal in der Länge des Kop- 
fes enthalten, welche höchstens Ys der Totallänge aus- 
macht. Die Färbung des Körpers ist nur bei jungen 
Exemplaren silberweiss; bei Exemplaren von 400 m. m. 
Länge ist dieselbe dunkelolivfarben und geht bei 
Fischen aus dem Balchasch- See bis ins Schwarze über. 
Bauch und Lippen goldgelb; der obere Theil des Kop- 
fes dunkelgrün, welchem Umstände die kirgisische Be- 
nennung dieses Fisches Kok-bass-balyk (grünköpfiger 
Fisch) zu verdanken ist. Die Kirgisen am Balchasch 
nennen ihn kara-balyk, d. i. schwarzer Fisch. 

Der Übergang in der Färbung, vom Silberweiss bis 
zum Schwarz, geht, wie ich an einer grossen Anzahl 
frischgefangener Fische an Ort und Stelle zu beobach- 
ten Gelegenheit gehabt habe, durch folgende Farben: 
milch weiss, weisslichblau , hellolivfarben und dunkel- 
olivfarben. 

Ein Exemplar dieser Art in meiner Sammlung, aus 
dem Ili, unterscheidet sich durch relativ grössere Schup- 
pen; seine Seitenlinie ist f| 92. 

Die Nahrung dieser, wie auch der vorigen Schizo- 



2) HsB-fecTiü ÜMnepaTopcKaro 06iu,ecTBa JlroÖMTeaeä EciecTB. 
T. XI. Bun. 3. 1874 r. 



J^^.?v^ 



— 216 — 

tharax- Art besteht aus Insecten und Pflanzen. Er laicht 
im Balchasch im Mai-Monat. 

Schizothorax aksaensis Kessler und Seh. Tarimi 
Kessl., die im Flusssystem des Tarim entdeckt wor- 
den sind, habe ich jetzt auch in den Flüssen Lepsa 
und Ili nachgewiesen. Der von mir mitgebrachte Seh. 
Tarimi gehört zu derselben Varietät, welche von Oberst 
Przewalski im Juldus gefangen worden ist. 

Perca Scbrenckii Kessler. 

Die jungen Exemplare dieser Art (bis 130 m. m. 
Länge) sind von weisser Farbe mit 1 3 schwarzen Quer- 
streifen, die, je jünger das Exemplar, desto deutlicher 
sind. Im Baskan-See und in stehenden Flussarmen 
des Ili kommt von diesem Barsche eine vollständig 
schwarze Varietät vor. 

Ausser diesen Fischen habe ich noch Diplophysa 
lahiata Kessl. in den Flüssen Lepsa und Ili, und D. 
Strauchi Kessl. im Ili gefunden. 

St. Petersburg. 1884. 



(Tiré du Bulletin, T. XXX, pag. 12—14.) 



Mmm BIOLOGIQUES 



TIRES DU 



BULLETIN 



DE 



L'ACADÉMIE IMPÉKIALE DES SCIENCES 



DE 



ST. - PETERSBOURG. 



Tome ÎII. 

L I V RA I SO N 3. 



(Avec une planche) 



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St.-PETERSBOIRG, 1886. 

Commissionnaires de l'Académie Impériale des sciences: 
à ST.-PÉTERSBOURG : à RIGA: à LEIPZIG: 

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et J. Glasounof; (G. Haessel.) 

Prix: 60 Cop. arg. = 2 Mk. 



, ,■ J -'^ -^s-ïi 



Imprimé par ordre de l'Académie Impériale des Sciences. 
Février 1886. C. Vessel of sky, Secrétaire perpétuel. 



Imprimerie de l'Académie Impériale des Sciences. 
(Vass.-Ostr;, 9® ligne, JVJ 12.) 



CONTENU. 



Pages. 

A, Tarenetzky, Über Selinenretinacula und dieselben span- 
nende Muskeln auf dem Eücken des menschlichen 
Fusses 217—230 

Dr. AI. Bunge. Bericht über fernere Fahrten im Lena- 
Delta und die Ausgrabung eines angeblich vollstän- 
digen Mammuthcadavers. Aus Briefen an den Aka- 
demiker L. V. Schrenck. (Mit einer Karte) 231—309 

W. Welikij. Über die Lymphherzen bei Siredon ^pisciformis. 

Vorläufige Mittheilung 311—312 

Dr. AI. ßnnge. Brief an den beständigen Secretär der Aka- 
demie über den Gang der von der Akademie veran- 
stalteten Polar-Expedition 813—318 

M. Bogdaaow. Kurze Bemerkung über Plasianus Koma- 

rowii n. sp 319—320 

L, Pogosbeff. Über die Nerven in den Enden des Musculus 

sartorius 321 — 324 

A, Morawitz. Zur Kenntniss der chilenischen Carabinen . 325— 414 



:^ 



I Avril 1885. 

Über Sehnenretinacula und dieselben spannende Muskeln 
auf dem Rücken des menschlichen Fusses. Von 
Prosektor A. Tarenetzky. 

Schon seit langer Zeit war mir bei der Präparation 
des Fussrückens ein häufig vorkommendes und zuwei- 
len sehr scharf ausgesprochenes, glänzendes, fibröses 
Band aufgefallen, welches ungefähr in der Gegend des 
Os cunéiforme I die Sehnen des Musculus extensor 
hallucis longus und hrevis quer überbrückend, am in- 
neren Fussrande endet. Geflissentlich angestellte Unter- 
suchungen an 102 unteren, männlichen Extremitäten 
(51 Paare) ergaben einige Resultate welche ich nicht 
für uninteressant halte im Folgenden mitzutheilen. 

Auf dem Rücken des Fusses kann man drei Fascien 
annehmen. Die oberflächlichste ist ein verschieden- 
schichtiges Bindegewebe, in welchem die subcutanen 
Gefässe und Nerven ihren Verlauf nehmen. Die zweite 
Fascie {Fascia propria) bildet die directe Fortsetzung 
der Fascia cruralis, welche, nachdem sie auf der Vor- 
derfläche des Cruro-tarsalgelenkes das Ligamentum 
cruciafum gebildet hat, allmählig schwächer werdend, 
gegen die Finger herabzieht. Diese zweite Fascie ist von 
sehr ungleicher Mächtigkeit und Zusammensetzung, 

Mélanges biologiques. XII. 28 






— 218 — 

in dem einen Falle bildet sie eine einfache Bindege- 
websschicht, in dem andern ist sie in ihrem ganzen 
Verlaufe bis zu den Fingern mit quer und schief zie- 
henden, glänzenden, fibrösen Fasern durchwebt, welche 
letztere entweder die Fascie gleichmässig durchsetzen, 
oder auch durch ihre grössere Anhäufung an bestimm- 
ten Stellen gewissermassen eine Wiederholung des Li- 
gamentum cruciatum auf dem Fussrücken vorstellen 
können. Man könnte an der Fascia propria drei Schich- 
ten unterscheiden, welche jedoch in jedem Zwischen- 
raum zwischen den Muskeln oder Sehnen continuirlich 
unter einander zusammenhängen. Die erste Schicht, 
welche gleichzeitig auch die stärkste ist und die fib- 
rösen Ausstrahlungen des Ligamentum cruciatum ent- 
hält, bedeckt die obere Fläche der Sehnen des M. ex- 
tensor digitorum communis longue und hallucis lon- 
gus und ausserdem die Muskelfläche des Extensor hal- 
lucis und digitorum communis hrevis, soweit letztere 
nicht von den langen Sehnen bedeckt ist. Die mittlere, 
rein bindgewebige Schicht verbindet die allmählig di- 
vergirenden Sehnen des Extensor digitorum commît- 
nis longus unter einander. In dieser Schicht kommen 
nicht selten sehnige BtindeP) vor, welche in der Gegend 
hinter den Capitula der Metatarsalknochen schief von 
einer Sehne zur anderen gehen, um entweder direct in 
die nebenliegende Sehne überzugehen oder sich in der 
fibrösen Scheide der Sehne zu verlieren. Diese Zwi- 
schensehnen kamen bei meinen Untersuchungen nur 
zwischen den drei äusseren Sehnen des Extensor digi- 
torum communis longus vor. Eine dritte, selten scharf 



1) He nie. MuskeUehre. 1855. p. 278. 



— 219 — 

ausgesprochene Schicht der Fascia propria ist eine bin- 
degewebige Lamelle, welche die Sehnen des Extensor 
longus von der Muskelfläche des Extensor communis 
hrevis und hallucis hrevis scheidet. 

Die dritte oder tiefe Fascie des Fussrückens {Fascia 
profunda) würde auf dem Tarsaltheile durch das Peri- 
ost der Knochen und durch eine schwache Bindege- 
webslage vorgestellt werden, welche stellenw^eise durch 
Sehnenfasern des Extensor digitorum communis hrevis 
verstärkt wird. Auf dem Me tatar saltheile des Fuss- 
rückens nimmt die Fascia profunda den Charakter ei- 
ner wirklichen, festen Fascie an, welche die Zwischen- 
knochenmuskel bedeckend, theils die Ossa metatarsa- 
lia ebenfalls deckt, theils sich mit dem Périoste der- 
selben verbindet. An allen Stellen, an denen auf dem 
Fussrücken nur Sehnen liegen, verbinden sich die Fa- 
scia propria und profunda untereinander, theils durch 
einfaches Bindegewebe, theils durch festes, fibröses 
Gew^ebe in Form der später zu beschreibenden Fascien- 
bogen. An den Seitenrändern des Fusses verschmelzen 
ebenfalls beide Fascien und setzen sich an die betref- 
fenden Knochen an. 

Wir haben somit drei verschiedene Zustände der 
Fascia propria unterschieden, in dem ersten ist sie mit 
Ausnahme ihres hinteren Theils (Lig. cruciatum) rein 
bindegewebig, in dem zweiten ist sie in ihrer ganzen 
Ausdehnung mit festen, glänzenden, quer verlaufenden, 
fibrösen Fasern durchsetzt, endlich in dem dritten con- 
centriren sich diese fibrösen Faserzüge an bestimmten 
Stellen und nehmen , verstärkt durch selbstständige 
von den Knochen ausgehende Fasern die Form dreier, 
mehr oder weniger scharf ausgesprochnen Bogen an, 



- 220 — 

welche die auf dem Fussrücken verlaufenden Seimen 
überspannen und durch gewisse an die Knochen tre- 
tende Scheidewände für die einzelnen Sehnen getrennte 
fibröse Kanäle bilden. Ihrer Lage nach entsprechen 
die fibrösen Bogen im Allgemeinen einer Linie, welche 
die Basen sämmtlicher Ossa metacarpalia untereinan- 
der verbindet. Sind die Bogen gut entwickelt, so kann 
man dieselben in drei Abtheilungen trennen. 

Die äussere Abtheilung besteht aus queren Fasern 
der Fascia propria im Verein mit anderen fibrösen 
Fasern, welche von der Dorsalfläche der Basis des 
Metatarsale III nahe dem lateralen Rande und von 
der Basis des Metatarsale IV ihren Anfang nehmen. 
Das auf diese Weise gebildete, platte Faserbündel setzt 
sich fächerartig verbreiternd an den äusseren Rand der 
Basis des Metatarsale V. Die mittlere Breite seines 
Anfangstheils beträgt circa 0,5 Cnt. seines Ansatzes 
circa 10 Cnt., seine Länge wechselt zwischen 0,5 — 
3,0 Cnt. Verstärkt wird die äussere Abtheilung häufig 
durch Sehnenfasern des Ansatzes des M, peroneits ter- 
tius und durch Sehnenbündel des M. peroneus hrevis. 
In dem auf diese Weise geschaffenen Räume zwischen 
der Dorsalfläche der Basis des Metatarsale IV und 
theilweise des V und dem eben beschriebenen fibrösen 
Bogen verlaufen zwei oder drei Sehnen, regelmässig die 
zum fünften Finger gehende Sehne des M. extensor 
digitorwm communis longus und die zum vierten Fin- 
ger gehende Sehne des M. extensor digitorum com- 
munis hrevis; minder regelmässig befindet sich unter 
dem Bogen der Ansatz der Sehne de^M. peroneus ter- 
tius und zwar in dem Falle, dass der Ansatzpunkt des- 
selben weit nach vorn gerückt ist. Durch diese äussere 



— 221 — 

Abtheiluiig der Fascia propria wird speziell ein Aus- 
gleiten der Sehne des Extensor digitorum commiints 
longus zum fünften Finger nach innen auf die Basis 
des Metatarsale III verhütet und überhaupt die ge- 
nannte Sehne etwas von den übrigen desselben Mus- 
kels nach aussen abgezogen. Der Bogen kann durch 
die Contractionen des M. peroneus hrevis nach aus- 
sen gespannt werden. Dass die Anwesenheit dieses 
Bogens nicht ohne Einfluss auf die Sehne des Ex- 
tensor digitorum cnmmunis longus ist , beweist das 
Auftreten eines kleinen, circa 1,6 Cnt. langen Schleim- 
beutels, welcher sich an dieser Stelle, die genannte 
Sehne unter dem Bogen umfassend, häufig vorfindet. 
Unter den untersuchten 102 Extremitäten war der 
äussere Bogen in 18 Fällen beiderseits stark ent- 
wickelt, in drei weiteren Fällen nur auf der rechten 
Seite. Der accesorische Schleimbeutel um die Sehne des 
Extensor digitorum communis longus zum fünften Finger 
kam beiderseits in 1 3 Fällen , nur rechts in 4 Fällen 
vor. Interessant ist, dass analog dem Spannmuskel 
des später zu beschreibenden inneren fibrösen Bogens 
ein ähnlicher Muskel auch an dem äusseren auftreten 
kann. Dieser Muskel fand sich nur in einem Falle 
an einer rechten Extremität, er war dargestellt durch 
ein starkes, 2,2 Cnt. langes, und 0,4 Cnt. breites be- 
sonderes Muskelbündel des M. extensor digitorum com 
munis hrevis. Das Bündel nahm seinen Anfang zwi- 
schen den Muskelzacken zum dritten und vierten Fin- 
ger und setzte sich sehnig theils an den Anfang des 
äusseren Bogens von Metatarsale III, theils an die das 
Spatium interosseum III bedeckende tiefe Fascie. Der 
auf der Basis des Metatarsale liegende accessorische 



— 222 — 

Muskelbauch spannte gleichzeitig den äusseren Fascien- 
bogen nach hinten und aussen und in derselben Rich- 
tung auch die tiefe Fascie. 

Analog dem ebenbeschriebenen äusseren fibrösen Bo- 
gen bildet zuweilen die Fascia propria auf den Basen 
der Ossa metatarsi vermittelst eines zweitenBogens eine 
mittlere Abtheilung für die Strecksehnen. Dieser mitt- 
lere Fascienbogen ist selten gut ausgebildet, er ent- 
hält die drei zu den drei mittleren Fingern gehenden 
Sehnen des M. Extensor digitorum communis longus 
und die beiden zum zweiten und dritten Finger zie- 
henden Sehnen des Extensor digitorum communis bre- 
vis. Die selbstständig von den Knochen entspringen- 
den Fasern dieses Bogens nehmen ihren Anfang von 
der oberen Fläche der Basis des Metatarsale IV und 
setzen sich hauptsächlich an die Basis und den hinte- 
ren Theil des Körpers des Metatarsale II, theil weise 
verweben sie sich mit der im Spatium interosseum I 
liegenden tiefen Fascie. Zuweilen verschmilzt der in- 
nere Ansatz dieses mittleren Fascienbogens mit dem 
von der Basis des Metatarsale II seinen Anfang neh- 
menden inneren Bogen. In anderen Fällen fehlt die 
Trennung zwischen dem äusseren und mittleren Bogen 
(zwei Fälle beiderseits). Stark entwickelt fand sich der 
mittlere Bogen überhaupt nur in zwei Fällen und zwar 
beiderseits. In einem dritten Falle ging der äussere 
Fascienbogen bis zur Basis des Metatarsale III und 
enthielt die Sehnen des Extensor digitorum commu- 
nis longus zum fünften und vierten Finger und die des 
hrevis zum vierten und dritten Finger, wobei die Seh- 
nen des langen Fingerstreckers Schleim scheiden be- 
sassen. Der mittlere Fascienbogen ging hierbei vom 



— 223 — 

Metatarsale III zum II. und enthielt die Sehnen des 
Extensor dig. com. longus zum dritten und zweiten 
Finger und die Sehne des hrevis zum zweiten Finger, 
zwischen dem Bogen und den beiden Sehnen des Ex- 
tensor longus lag ein Schleimbeutel. 

Die durch den mittleren Fascienbogen tretenden 
Sehnen des Extensor longus sind nicht durch besondere 
Schleimscheiden von ihm getrennt; auch die unter 
dem Ligamentum cruciatum liegende und für die Seh- 
nen desselben Muskels bestimmte Schleimscheide geht 
nicht weiter als 2,5 — 3,0 Gnt. vom Rande des Liga- 
mentum cruciatum nach vorn. Eine Ausnahme machte 
eine rechte untere Extremität, an welcher die Sehnen 
des Extensor longus zum zweiten und dritten Finger 
in eine gemeinschaftliche, die Länge der Basis des Meta- 
tarsale besitzende Schleimscheide eingeschlossen war. 

Während die beiden bisher beschriebenen Fascien- 
bogen doch nur verhältnissraässig selten zur Beobach- 
tung kommen, kann der dritte innere Bogen mit vollem 
Rechte zu den fast normalen Erscheinungen gerechnet 
werden. Yon der Dorsalfläche der Basis des Metatar- 
sale II und III mehr gegen den vorderen Rand hin 
entspringen zahlreiche sehnige Fasern, welche vereint 
und verstärkt durch die mittlere Fascie quer über 
den Fussrücken nach innen verlaufen, um sich, fächer- 
förmig ausstrahlend, unmittelbar nach innen vom An- 
sätze des M. tibialis anticus an das Os cunéiforme I 
anzuheften. Der hintere Theil des Fächers strahlt 
theilweise auch in den unmittelbar vor dem inneren 
vorderen Schenkel des Ligamentum cruciatum liegen- 
den Abschnitt der mittleren Fascie aus, während ein 
ïheil der vorderen Fasern des Fächers sich ausserdem 



— 224 — 

mit der den M. abductor hallucis bedeckenden Plantar- 
fascie verbindet. Bei der Präparation ist der innere 
Sehnenbogen leicht als scharf umschriebenes fächer- 
förmiges und glänzendes Band zu bemerken, welches 
in vollkommen transversaler Richtung die zum ersten 
Finger tretenden Strecksehnen überkreuzt. Während 
die ungefähre Länge des Bogens circa 4,0 Cnt. aus- 
macht, wechselt seine Breite zwischen 0,4 — 0,7 Cnt. 
am Anfange und 1,0 Cnt. am fächerförmigen Ansätze. 
In dem zwischen dem Fascienbogen und den Basen 
der Ossa metatarsalia gebildeten Baume verlaufen die 
Sehnen des M. extensor halhicis longus und hrevis 
und des M. tibialis anticus^ ausserdem die Vasa dor- 
salia pedis und der Nervus peroneus profundus. Selten 
ist unter dem Bogen die Sehne des Extensor hallucis 
brevis von der des longus durch ein fibröses Septum 
getrennt, das Gleiche ist zuweilen auch für die Ge- 
fässe und Nerven der Fall. Unmittelbar vor dem vor- 
deren Rande des Bogens befindet sich ein rundliches 
Loch in der Fascia media, durch welches ein Anfangs- 
ast der Vena saphena interna mit der Vena dorsalis 
pedis communicirt. In zwei Fällen trat der innere 
Ast ^Q^ Nervus peroneus profundus noch hinter dem 
Bogen durch die Fascie , ausserhalb und über dem 
Bogen nach vorn verlaufend. Die Bedeutung des inne- 
ren Fascienbogens scheint darin zu bestehen , dass 
derselbe die unter ihm verlaufenden Sehnen des ersten 
Fingers gegen die Knochen drückt und das Ausgleiten 
derselben nach aussen verhütet. Unter den 51 von 
mir untersuchten Paar Fusse war der innere Bogen 
an 3 1 Paar mittelstark oder stark entwickelt, an 8 Paar 
war er, obgleich schwach, doch noch nachweisbar, in 



— 225 ~ 

einem Falle fehlte derselbe links , an 1 1 Paaren bei- 
derseits. Auch an jungen Subjecten mit schwach ent- 
wickelter Fascie war der Bogen gut darzustellen. 

Der innere Fascienbogen gewinnt insofern grösseres 
Interesse, weil derselbe einen ihm eigenthümlichen 
und häufig vorkommenden Spannmuskel besitzt. Dieser 
Muskel wird repräsentirf durch eine zwischen Exten- 
sor haUiicis brevis und Extensor digitorum communis 
hrevis liegende Portion des letzteren Muskels, welche 
als schmale, anfangs horizontal, dann vertikal gestellte 
Sehnenplatte ihren Anfang vom vorderen oberen Rande 
des Calcaneus unmittelbar vor dem Sinus tarsi oder 
zuweilen auch aus letzterem selbst nimmt. Die An- 
fangssehne dieses überzähligen Muskelbauches ist circa 
2,0 Cnt. (1,2 — 2,8) lang und ungefähr 0,5 Cnt. breit. 
Sie verwandelt sich in einen platten, spindelförmigen 
Muskel von sehr verschiedener Länge und Breite, je 
nach seiner Entwickelung und Theilung. Der Muskel 
ist entweder einfach vorhanden oder derselbe theilt 
sich noch hinter der Basis des zweiten und dritten 
Metatarsale in zwei oder drei Portionen, welche ver- 
schiedenartig enden. Sind drei Portionen vorhanden, 
so kann der Muskelbauch eine Länge von 5,0 — 6,0 
Cnt., eine Breite von 1,0 — 2,0 Cnt. und eine Dicke 
bis 0,7 Cnt. erreichen. In einem solchen Falle geht 
die innere Portion^ sich in eine platte, 0,5 Cnt. lange 
und breite Sehne verwandelnd und quer nach innen 
verlaufend, au den inneren Fascienbogen und verwebt 
sich mit den Fasern des letzteren. Diese innere Por- 
tion zieht durch ihre Contraction den Bogen nach 
hinten und aussen, macht den beiden Sehnen des Ex- 

Melaugea biologiques. XII. 29 



— 226 — 

tensor hallucis longus und hrevis das Ausgleiten nach 
innen unmöglich und hindert das Abheben derselben 
vom Cunéiforme. Die mittlere Portion des Muskels 
verwandelt sich auf der Basis des Metatarsale II in 
eine lange und schmale Sehne , welche auf dem Meta- 
tarsale herablaufend sich theils an den Innern Theil 
der Kapsel des Metatarsophalangealgelenkes des zwei- 
ten Fingers, theils an den Innern Rand der Basis der 
ersten Phalange des zweiten Fingers ansetzt. Die Sehne 
dieser mittleren Portion (Indicator) geht entweder un- 
ter dem inneren Bogen nach vorn oder liegt nach 
aussen von demselben; seltener setzt sich die Sehne 
des Indicator direct an das Metatarsale II oder ver- 
schmilzt mit der zum zweiten Finger ziehenden Sehne 
des Extensor digitorum communis longus. Die dritte 
äussere Portion des überzähligen Muskelbauches setzt 
sich fleischig an die Basis des Metatarsale II und III 
und verschmilzt ausserdem mit der tiefen Fascie im 
Spatium interosseum 11^ seltner I und spannt diese 
die Mm. inter ossei externi deckende Fascie. In zwei 
Fällen verwandelte sich die dritte Portion des Spann- 
muskels in einen überzähligen Kopf des M. interosseus 
externus I und II, 

Bei Vorhandensein des inneren Fascienbogens exi- 
stirt gewöhnlich auch der überzählige, zwischen Ex- 
tensor hallucis hrevis und digitorum communis hrevis 
liegende Muskelbauch. In 12 Fällen fehlte der Muskel 
bei Existenz des Bogens, in 9 weiteren war der Muskel 
nur auf einer Seite vorhanden, er kommt also zusam- 
men mit dem Bogen in der Hälfte der Fälle zur Be- 
obachtung; bei einseitigem Yorkommen scheint er 



— 227 — 

häufiger an der rechten Extremität entwickelt zu sein. 
Nur als Spanner für den Innern Fascienbogen fand er 
sich an einem Paar Fusse, nur als Indicator einmal 
beiderseits und einmal links, nur als äussere Portion, 
d. h. als Spanner der tiefen Fascie in 3 Fällen. Als 
Spanner des Bogens und der tiefen Fascie war er in 
12 Fällen theils beiderseits, theils einseitig zu sehen, 
als Spanner des Fascienbogens und Indicator in 5 Fäl- 
len, alle drei Portionen waren vorhanden in 7 Fällen. 
An beiden Füssen ein und desselben Subjects kann 
der Muskel theils congruent, theils verschiedenartig 
vorkommen. Der M, indicator mit oder ohne die übri- 
gen Portionen kam in 14 Fällen zur Beobachtung, in 
7 Fällen beiderseits und in weiteren 7 nur auf der 
rechten Seite. In einem Falle bestand an der linken 
Extremität der Extensor digitorum communis hrevis 
aus zwei Schichten, einer oberflächlichen, welche die 
gewöhnlichen Strecksehnen abgab, und einer tiefen, 
unmittelbar auf den Torsalknochen liegenden. Letz- 
tere bestand aus zwei Portionen, einer inneren stär- 
keren, welche zum inneren Fascienbogen und in die 
tiefe Fascie des Spatium inter osseum I ging, und einer 
äusseren, welche ebenfalls mit der tiefen Fascie des 
Spatium interosseum III verschmolz; zwischen den 
beiden tiefen Portionen befand sich ein 0,2 Cnt. brei- 
ter Zwischenraum. 

Der anomale M. indicator ist ein längst bekannter 
Muskel, Henle giebt an, dass derselbe sich oft, Krause 
dass derselbe sich selten vorfindet; nach dem ersten 
Autor geht seine Sehne an den zweiten Mittelfuss- 
knochen oder in den Grosszehenrand der zweiten 



— 228 — 

Zehe^). Die übrigen zwei von mir untersuchten Va- 
riationen des zwischen Extensor haUucis longus und 
hrevis vorkommenden überzähligen Muskelbauches, be- 
sonders die Bedeutung des innern Theils als Spanner 
eines besonderen Fascienbogens sind, so viel mir be- 
kannt, noch nicht beschrieben. Die einzige Notiz, 
welche hierher Bezug hat, findet sich bei Merkel^), 
welcher in einem Falle einen mit dem Extensor hol- 
lucis hrevis an dessen lateralem Rande entsprungenes 
Muskelbündel beobachtete, welches über den Muskel 
medianwärts verlief und über der Sehne des Extensor 
haUucis longus in die Fascie des medialen Fussrandes 
ausstrahlte. 

Auf die Bedeutung der bisher beschriebenen Fascien- 
bögen als Sehnenretinacula und ausserdem die des in- 
neren für die Fixation der Gefässe und Nerven des 
Fussrückens wurde von mir schon mehrere male hin- 
gewiesen. Die stärkere Entwickelung und das häufigere 
Auftreten des inneren Retinaculum im Vergleich zum 
äusseren oder mittleren scheint darin seinen Grund 
zu haben, dass wegen der morphologischen Stellung 
der Daumenknochen die zu denselben ziehenden Streck- 
sehnen, besonders die des Extensor haUucis hrevis 
unter einem stärkeren Winkel von hinten nach vorn 
und von aussen nach innen sich an den ersten Finger 
begeben. 

Die Reibung, welche die unter dem innern Fascien- 
bogen verlaufenden Sehnen durch denselben erleiden, 



2) He nie. Handbuch der Muskellehre des Menschen. 2te Aufl. 
1871. p. 315. 

3) Merkel. Citat bei Henle. 1. c. p. 315. 



— 229 — 

ist der Grund nicht nur der Fortsetzung der unter 
dem Ligamentum cruciatiim befindlichen Schleimbeutel 
nach vorn , sondern auch des Auftretens an dieser 
Stelle von zwei neuen. Abgesehen davon, dass in Aus- 
nahmefällen der Schleimbeutel des Tibialis anticus 
bis zum ersten Tarso-Metatarsdgelenk reichen kann*), 
befindet sich unter dem Bogen ein Schleimbeutel um 
die Sehne des Extensor Jiallucis longus und eine zweite 
um den Extensor hallucis hrevis. Der Schleimbeutel, 
welcher die Sehne des Extensor hallucis longus unter 
dem Ligamentum cruciatum deckt, begleitet diese Sehne 
gew^öhnlich unter den inneren Bogen und endet unge- 
fähr auf der Mitte des Metatarsale I. Nach den Un- 
tersuchungen von J e r m 1 a j e f f ^) endet dieser Schleim- 
beutel in Yg der Fälle 1,5 Cnt. oberhalb der Articulatio 
metatarso-phalangea hallucis , selten (7^^) geht er bis 
zum Phalangealgelenk. Beim Fehlen des Bogens sah 
ich die Synovialscheide dieser Sehne nur bis zum hin- 
teren Rande des Cunéiforme I gehen. In 13 Fällen 
beiderseits, in 4 nur rechts und 3 nur links befand 
sich unter der Sehne des Extensor hallucis longus auf 
dem Cunéiforme I und auf der Basis des Metatarsale I 
ein besonderer tiefer Schleimbeutel, welcher nur aus- 
nahmsweise und zwar einmal beiderseits und zweimal 
rechts mit der Schleimscheide dieser Sehne commu- 
nicirte. Ein weiterer Schleimbeutel unter dem inneren 
Fascienbogen umgiebt nicht selten die Sehne des Ex- 



4) Bouchard. Essai sur les gaines tendineuses du pied. Strass- 
bourg. 1856. p. 17. 

5) EpMOjraena. CHHOBiajiBHfcixrb BjraraJiHiu,axi> ctohm. C.IIeTep- 
oyprt. 1872. p. 10. 



— 230 — 

tensor hallucis hrevis; er fand sich in 22 Fällen bei- 
derseits und in 4 nur links. Gewöhnlich liegt derselbe 
auf dem Cunéiforme I oder auf der hinteren Epiphyse 
des Metatarsale I oder auf dem Gelenk zwischen bei- 
den; seine Länge ist gering (1,0 Cnt.) und entspricht 
der Breite des inneren Bogens; in einem Ausnahme- 
falle sah ich denselben bis zur Articulatio metatarso- 
pMlangea hallucis gehen. 



~0Or9i00- 



(Tiré du BuUetin, T. XXX, pag. 219—227. 



H|4^ 1885. 

5 Mai 

Bericht über fernere Fahrten im Lena -Delta und die 
Ausgrabung eines angeblich vollständigen Mam- 
muthcadavers. Von Dr. AI. Bunge. Aus Briefen 
an den Akademiker L v. Schrenck. 

(Mit einer Karte.) ^) 

Sagastyr, September und Oktober 1884. 

Am 28. Juni (10. Juli) trennte ich mich von Hrn. 
Jürgens, auf der Insel Mostach, in nächster Nähe des 
Mammuthplatzes , bis wohin ich ihn auf seiner Rück- 
reise begleitete. Wir hatten hier einen Tag verweilt, 
um mit einem Starosta der Rennthiertungusen , Taras 
Ssawin wegen einer Tour in den nordwestlichen Theil 
des Delta, die ich bis zum Beginn der Arbeiten am 
Mammuthcadaver auszuführen beabsichtigte , Rück- 
sprache zu nehmen. Das war geschehen, Hr. Jürgens 
brach mit der ihn begleitenden Mannschaft der Station 



1) über die früheren Fahrten des Hrn. Dr. Bunge im Lena- 
Delta und die dort erhaltenen Nachrichten von einem angeblich 
vollständigen Mammuthcadaver, welche ihn zu den im nachstehen- 
den Bericht besprochenen Ausgrabungsarbeiten veranlassten, siehe 
seine unter dem Titel: «Naturhistorische Beobachtungen und Fahr- 
ten im Lena-Delta» im Bulletin der Akademie (T. XXIX, p. 422 bis. 
476; Mélanges biolog. tirés du Bull., T. XII, p. 31—107) veröffent- 
lichten Mittheilungen. Sehr. 



— 232 — 

und einer Anzahl Jakuten auf, nach Süden, ich kehrte 
mit einem Kosaken (Semjon Korj akin) zurück nach Sa- 
gastyr, das ich am Abend desselben Tages erreichte. 
Die nächsten Tage vergingen rasch unter Vorberei- 
tungen zur bevorstehenden Excursion. 

Die eigentliche Veranlassung zu meinem längeren 
Verweilen im Delta der Lena war, wie ich Ihnen bereits 
im Sommer mitzutheilen mir erlaubte, das Aufsuchen 
eines Mammuthcadavers , das im Frühling leider ohne 
Erfolg betrieben wurde, im Sommer aber nach Aus- 
sage der Jakuten möglich war. Da nun aber die Arbei- 
ten wegen des hohen Wasserstandes nicht gleich be- 
gonnei! werden konnten, ein niedrigerer Stand aber vor 
Ende Juli nicht erwartet werden konnte, so wollte ich 
die Zeit bis dahin mit einer Excursion in's nordwest- 
liche Delta nützlich ausfüllen. Gerade hierher war eine 
Tour in mehrfacher Beziehung wünschenswerth und 
interessant. Im Frühling a. c. hatte Hr. Jürgens nord- 
westlich von Sagastyr zwei Punkte astronomisch be- 
stimmt und dabei gefunden, dass das Delta sich bei 
Weitem weiter nach Norden erstreckt, als auf den frü- 
heren Karten angegeben war. Lag auch der nördlichere 
der beiden Punkte auf einer nicht sehr grossen Insel, 
Dunai, so ging doch aus den Aussagen und Zeichnun- 
gen einiger Jakuten hervor, dass das Ufer der den 
nordwestlichen Theil des Delta bildenden, grossen In- 
sel (auf den alten Karten : Xanra^naxcKin xpe6eTi>) bis 
in die Nähe derselben reichte. Näheres hatte Hr. Jür- 
gens, da er die Fahrt dorthin noch auf Narten machte 
und Alles unter Schnee und Eis lag, nicht consta- 
tiren können. Dazu war ein längerer Aufenthalt, als 
er Herrn Jürgens möglich war, und zwar im Sommer 



— 233 — 

no th wendig. Ferner hatten wir gehört, dass in jenem 
Theile des Delta Mammuthfunde gemacht worden seien 
und dass auch jetzt ein im westlichen Theile des Delta 
wohnender Rennthier-Tunguse einen Ort mit einem Ca- 
daver kenne, zu welchem er alljährlich hinfahre, um 
sich Theile desselben zu verschiedener Verwendung 
abzuholen. Endlich hoffte ich hier wenigstens etwas 
von Meeres-Fauna und -Flora erhalten zu können, da 
das Meer hier tiefer als im östlichen Theile, etwa bei 
Sagastyr, und auch salzhaltig sein sollte, und wollte 
mir überhaupt von der Beschaffenheit dieses Delta- 
theiles aus eigener Anschauung ein Bild verschaffen. 
Der Verabredung gemäss sollte ich zu Boot bis Turach 
fahren und von dort mit Rennthieren längs der Küste 
nach Norden gehen. Anders, meinten die Jakuten, sei 
das Ufer gegenüber der Insel Dunai nicht zu erreichen. 
Am 3. (15). Juli waren wir mit unseren Vorberei- 
tungen (Brotbacken, Zwiebackbereiten etc.) fertig, aber 
heftiger Sturm, der fast während unseres ganzen Auf- 
enthaltes auf Sagastyr andauerte, hielt uns an diesem 
Tage noch zurück. Des Sturmes wegen war auch keiner 
der Jakuten, auf deren Beistand wir bei Ausrüstung 
unseres Bootes gerechnet hatten, zu uns gekommen. 
Am Nachmittage wurde es stiller und wir begannen, da 
auch jetzt Niemand kam, unser Boot selbst in Stand 
zu setzen. Etwa um 3 Uhr Morgens des 4. (16.) Juh 
war Alles fertig, unsere Sachen im Boot verladen, und 
ich fuhr, vom Kosaken und einem kleinen Jakuten? 
knaben, den ich bereits früher mit mir nach Sagastyr 
genommen hatte, begleitet, zunächst nach Borchaja 
(c. 12 Werst südwestlich von Sagastyr), wo wir der 
Verabredung gemäss Arbeiter für die weitere Fahrt 

Mélanges biologiques. XII. 30 



— 234 — 

treffen sollten. Unter frischem Ostwinde, bei gleichzei- 
tigem starken Schneefall, erreichten wir in wenigen 
Stunden Borchaja, gerade bei Beginn eines argen Stur- 
mes, der uns hier zwei Tage zurückhielt. Von den ver- 
sprochenen Arbeitern fanden wir keinen vor. Überhaupt 
waren hier fast ausschliesslich Weiber vorhanden; die 
Männer waren schon seit einiger Zeit fort und offenbar 
durch den anhaltenden Sturm verhindert zurückzukeh- 
ren. Es fanden sich jedoch zwei Leute, ein Erwachsener 
und ein Knabe, die sich bereit erklärten, uns bei der 
Weiterreise behülflich zu sein, bis die versprochenen 
Arbeiter zu uns stiessen, was jedenfalls unterwegs ge- 
schehen sollte. Am Morgen des 6. (18). Juli war das 
Wetter soweit erträglich, dass wir aufbrechen konnten. 
Unsere Fahrt ging unter Rudern gegen den Strom nur 
langsam vorwärts; eine Zugleine konnte ich erst später 
erhalten, da ich sie nebst einem Segel, das uns nach- 
her als Zelt dienen sollte, im Frühling einem Jakuten 
in Kaigalach in Verwahrung gegeben und bei meinem 
letzten Aufenthalte daselbst (auf der Rückfahrt von 
Mostach) unterlassen hatte, sie mit mir zu nehmen. 
Erst am Abend erreichten wir Kaigalach. (Ich möchte 
Sie bitten, die Reiseroute nach den von Hrn. Jürgens 
und mir angefertigten Karten verfolgen zu wollen ; ich 
übersende die meinige bei nächster Gelegenheit Hrn. 
Jürgens; sie liegt hier bereits fertig vor mir.) Kurz 
vor diesem Orte trafen wir einen der versprochenen 
Arbeiter; er entschuldigte seine Verspätung mit den 
Stürmen der letzten Zeit. Kaigalach, das vor einer 
Woche bei unserer Durchreise noch sehr belebt war, 
stand vollkommen leer; nur ein halbverhungerter Hund 
war hier, den ich auf Bitte der Jakuten bis zum nach- 



— 235 — 

steil bewohnten Orte mit mir nahm. Alle Leute waren 
an den Stromarm gefahren, längs welchem wir zunächst 
unsere Fahrt nach Turach zurücklegen sollten. Der- 
selbe verläuft, aus einem nach Westen fliessenden und bei 
Turach mündenden Stromarm entspringend, von WSW 
nach ONO und mündet etwas unterhalb des Mammuth- 
platzes in den Stromarm, der von hier nach Borchaja, 
resp. Sagastyr führt. Er bildet somit eine Querstrasse 
zwischen den grossen Stromarmen, die bei Turach ei- 
nerseits und Tumat andererseits münden. Er ist stark 
gewunden, schmal und an einzelnen Stellen so flach, 
dass er später im Sommer sogar für Wetken nicht pas- 
sirbar ist. Die Strömung (W — 0) ist sehr gering. Bis 
zur Einmündung dieses Stromarmes fuhren wir noch 
am selben Tage und machten dann Halt für die Nacht, 
auf circa 30' hohen , dünenartigen Sandhügeln , am 
nördlichen Ufer der Mündung. Der Ort trägt den Na- 
men Oest-Toerdé. 

Am folgenden Tage, d. 7. (19.) Juli, hielt uns starker 
Südwestwind von der W^eiterfahrt ab; gegen Strom und 
Wind konnten wir mit Rudern nicht vorwärts kommen. 
Ich schickte einen Jakuten zu Fuss voraus, damit er 
uns das Zugseil besorge, und beschäftigte mich den Tag 
über mit Peilen, Botanisiren etc. Gegen Abend wurde 
es stiller, und wir fuhren, ohne den abgesandten Boten 
abzuwarten, mit manchem Aufenthalte langsam vor- 
wärts. Einen längeren Aufenthalt machten wir beim 
Orto-Toebé-Bulgunjak. Ich habe bereits in einem frü- 
heren Briefe der Bulgunjaks kurz Erwähnung gethan. 
Hier, im westlichen Theile des Delta, besonders w^eiter 
nach Turach hin, sind dieselben ausserordentlich häufig 
und unterstützten mich wesentlich bei Aufnahme der 



— 236 — 

Reiseroute. Es sind das isolirte, plötzlich aus der Tun- 
dra hoch über dieselbe sich erhebende, mit einer von 
der Umgebung etwas abweichenden Vegetation be- 
deckte Erd- oder Sandhtigel. Die Höhe des Orto-Toebé- 
Bulgunjak beträgt nach einer, freilich nicht sehr ge- 
nauen Messung 70' 9'^ Er hat gerade ein besonderes 
Interesse (obgleich ich eigentlich mehr, nämlich fossile 
Knochen, wie bei Tumuss-Bykow, von ihm erwartete), 
da er ein Profil zeigt und so einen Blick in die innere 
Beschaffenheit der Bulgunjaks gestattet. Der dicht 
vorüber fliessende Fluss zerstört ihn mehr und mehr. 
Auch dieses Profil zeigt derartige Eisbildungen, wie bei 
Tumuss-Bykow die Abhänge sie besitzen, nur in viel 
geringerem Maassstabe. Der Hügel ist zum grössten 
Theil aus Sand gebildet, welcher eine deutliche von 
SSO nach NNW geneigte Schichtung zeigt. Nach NW 
hin lehnen sich an den Sand gleichfalls geschichtete 
Erdmassen an. Der Sand enthält keine mit blossem 
Auge erkennbaren organischen Reste, wie überhaupt 
der Sand im Delta, wo er stärkere Anhäufungen bil- 
det, von solchen frei ist; in niedrigen Sandpartien fin- 
det man häufig eingelagertes Treibholz. Die Erde aber 
enthält ausser reichlichen Wassermoosen (an einer 
Stelle circa 30 Fuss über dem Wasserspiegel, von circa 
20' Erde überlagert) eigenthümliche, intensiv blau ge- 
färbte, leicht zerfallende und zerreibliche Körper, deren 
Ursprung ich mir noch nicht recht* erklären kann ; ich 
habe sie noch nicht mikroskopisch untersuchen können. 
Möglicherweise sind es aber Vogelexcremente , die 
durch chemische Vorgänge die oben erwähnte, intensiv 
blaue Färbung angenommen haben. Das Zustande- 
kommen der Bulgunjaks kann man sich auf verschie- 



— 237 — 

dene Weise denken. Am wahrscheinlichsten erscheint 
mir, dass es Reste grösserer Erhebungen sind, wie wir 
sie später im nordwestlichen Theile des Delta sehen 
werden, von denen der grösste Theil im Laufe der Zeit 
durch Wasser abgetragen wurde. Dafür scheint mir 
das Vorkommen einiger Pflanzen auf ihnen zu sprechen, 
namentlich einer Potentilla, die ich sonst nur auf den 
Höhenzügen im nordwestlichen Theile des Delta und auf 
Tumuss-Bykow gefunden habe, und einer Pedieularis- 
Art, die in der ganzen Umgebung des Bulgunjak nicht 
anzutreffen war. Dass die Bulgunjaks ursprünglich Ab- 
lagerungen aus dem Wasser sind, dafür sprechen wohl 
ganz unzweifelhaft die Schichtung und die in der Erde 
enthaltenen Wassermoose. Ich habe im Herbst eine 
Photographie des Orto-Toebe-Bulgunjak aufgenommen 
und Erd- und Sandproben zu späterer Untersuchung 
eingesammelt. 

Um 6 Uhr Morgens den 8. (20.) Juli erreichten wir 
eine bewohnte Jurte, bei welcher wir Halt machten. 
Ich erhielt hier das Segel und das Zugseil, mit dessen 
Hülfe wir bereits die allerletzte Strecke zurücklegten. 
Hier wohnte mit seiner Familie ein alter Jakute, von 
dem ich Ihnen, glaube ich, bereits früher geschrieben 
habe, da derselbe namentlich als Kenner des Mammuth- 
platzes bezeichnet wurde; sein Name ist Stepan Go- 
gol ew. Es gab nun allerhand zu besprechen: ich hatte 
für die Auffindung des Mammuths bis zu meiner Rück- 
kehr eine meinen Geldmitteln entsprechende Beloh- 
nung in Aussicht gesetzt; der Alte beabsichtigte in 
nächster Zeit ganz in die Nähe des Mammuthplatzes 
überzusiedeln und seine Nachforschungen zu begin- 



— 238 — 

nen, sobald ein niedrigerer Wasserstand es gestattete, 
was er in der Folge auch ausgeführt hat. 

Hier trafen wir noch einen zweiten Arbeiter (die bei- 
den Leute aus Borchaja entliess ich), und mit Hülfe 
zweier kräftiger Jakuten und der Zugleine setzten wir 
am Abend unsere Fahrt bei Weitem schneller fort. 
Gegen Mitternacht waren wir beim Ingyr-Bulgunjak, 
Kurz vor diesem bildet sich der Stromarm , auf dem wir 
bishergefahren waren, aus zwei Armen, einem von Süden 
herkommenden, breiteren, mit stärkerer Strömung , die 
er auch bei seinem weiteren Verlauf nach Norden bei- 
behält, und einem schmalen, fast stromlosen, von Westen 
herkommenden, auf welchem wir unsere Fahrt fort- 
setzten. Der erstere trägt den Namen Starik-Tabeläch, 
der andere Samin-Tabeläch (Tabeläch == Fluss). 

Der Ingyr-Bulgunjak steht in einiger Entfernung 
vom Ufer des Flusses und hat ungefähr dieselbe Höhe, 
wie der Orto-Toebe-Bulgunjak, von dem er sich äusser- 
lich nur dadurch unterscheidet, dass er sich \n zwei 
deutlich ausgesprochenen Stufen von ziemlich gleicher 
Höhe erhebt. Von oben sind, ebenso wie vom Orto- 
Toebe-Bulgunjak, nur deutlicher, die Berge des Fest- 
landes sichtbar. In der Nähe des Bulgunjak herrschte 
ein reges Vogelleben: allenthalben sah man Gänse und 
zwar hier beide Arten gemeinschaftlich {Anser alhifrons 
und Ä. segetum); Schwäne waren nicht selten (besonders 
häufig in der Umgebung des Orto-Toebe-Bulg.), aber 
sehr scheu: auf den Tundraseen schwammen Schwärme 
von Harelda glacialis , Sommateria spectdbüis^ die ich 
an diesem Tage zuerst mit Jungen sah, und, seltner 
als diese beide Arten, Anas glocitans, von der ich hier 
auch das Weibchen beobachtete; auch Lanis Sahini 



— 239 — 

und Sterna macrura waren nicht selten an den kleinen 
Seen zu beobachten; Strandläufer {Tringa minuta, al- 
pina, suharquata, Galidris arenaria, besonders häufig 
Phalaropus riifescens und Charadrius squatarola) gab 
es in der Tundra in Menge; an den sandigen niedrigen 
Stellen des Ufers Hess sich nicht selten Charadrius 
curonicus sehen und hören. Auf dem Bulgunjak selbst 
hauste ein Schneeeulenpaar , das von verschiedenen 
Les^m-Arten (L. pomarina, parasitica^ Buffonii) auf's 
Fürchterlichste maltraitirt wurde, sein Missgeschick 
aber mit Würde ertrug. Bisweilen Hessen die Lestris 
auf kurze Zeit von den Schneeeulen ab , um sich mit 
einer wahren Wuth auf eine herbeifliegende Move, 
Larus argentatus oder glaucus, zu stürzen, wobei sie 
lebhaft von einem Strepsilas interpres unterstützt wur- 
den, bis die Move mit einem heiseren, verzweifelten 
Schrei das Weite suchte. Kurz, die ganze Luft ertönte 
von den mannichfachsten Vogellauten , zu denen noch 
besonders die öolymhi beitrugen. 

Wir fuhren die Nacht über längs dem Samin-Ta- 
beläch weiter und erreichten früh am Morgen den 
Ort Chastyr, den Sommeraufenthalt des Starosta Ta- 
ras Ssawin, dessen weidende Rennthiere wir bereits 
von Weitem erblicken konnten, sowie einiger Bewoh- 
ner von Tumat. In den Monaten Juni und Juli ist 
diese Gegend von einer grösseren Zahl der Bewohner 
von Ary (Turach) und Tumat bewohnt, die sich hier 
mit Fischfang in den sogenannten Ajany (aaubi), klei- 
nen, viele Seen untereinander verbindenden, oft weit 
aus der Tundra herkommenden Nebenflüssen, beschäf- 
tigen. Es wird hier hauptsächlich einer der schmackhaf- 
testen Fische des Delta, der Tschir (jakut. auch mu- 



— 240 — 

gur) gefangen. Über die Beschaffenheit der Ufer des 
Stromarmes ist nur wenig zu sagen : abgerissene Torf- 
ufer (circa 10' hoch), auf Erde oder Sand mit einge- 
lagerten Balken ruhend, wechseln mit niedrigen, nur 
unbedeutenden Graswuchs tragenden, feuchtsandigen 
Strecken; weiterhin abseits erstreckt sich endlose, nie- 
drige Tundra, aus der die Bulgunjaks gleich kleinen 
Inseln hervorragen. Sie prangte zur Zeit im vollsten 
Blüthenschmucke, der mir namentlich hier auffiel; man 
geht geradezu auf einem in allen Farben schimmern- 
den bunten Teppiche. 

Die Rennthierherde Taras' ist nur klein und reichte 
lange nicht aus, um uns zur Tour nach Norden die nö- 
thige Anzahl von Reit- und Lastthieren zu liefern. Er 
war uns aber insofern sehr behülflich, als er die Ver- 
mittelung mit einem reichen Rennthierbesitzer, dem 
Starosta von Turach, Andrei, der sich weiter west- 
lich aufhielt und bis zu welchem er uns begleitete, 
übernahm. In Chastyr wurden wir auf's Liebenswür- 
digste empfangen, mit Rennthierzungen, getrocknetem 
Rennthierfleisch und Knochenmark, endlich mit delica- 
ter frischer Jukkola aus Tschir bewirthet, und nach- 
dem wir uns gestärkt und ausgeruht, fuhren wir um 
2 Uhr Nachmittags in Begleitung von Taras längs dem 
stark geschlungenen Samin-Tabeläch weiter. Es gab 
hier eine grosse Menge Gänse, unter denen gerade 
grosse Aufregung herrschte, da eben die Jungen aus 
den Eiern schlüpften; allenthalben sah man die Alten 
mit 3—4 Jungen umherschwimmen — bisweilen aber 
auch kleine Schwärme von bereits mausernden Männ- 
chen, von denen wir sowohl mit FHnten als auch Ta- 
rass mit Bogen und Pfeil einige erbeuteten, — von 



— 241 — 

Möven [L. glaucus und argentatus) verfolgt, die sich 
ein Junges nach dem anderen aus dem Wasser holten 
und verschlangen; so flink tauchen aber die kleinen 
Thierchen, dass die Möven nicht selten vergebens nach 
ihnen stiessen. Etwa um 7 Uhr Morgens des 10. (22) 
Juli erreichten wir eine Jurte auf der Insel Arangas- 
tach, einer hohen Torfinsel mit grossen Seen, wo wir 
Halt machten. Kurz vorher trafen wir einige Jakuten 
aus Ary, von denen einer Herrn Jürgens in der Nähe 
der Insel Stolbowoi getroffen hatte und mir einen Gruss 
von ihm und günstige Nachrichten über den Verlauf 
seiner Rückreise brachte; sie waren im Begriff zur Jagd 
auf mausernde Gänse, die jetzt begann, zu fahren. 
Hier kamen wir in breiteres Fahrwasser, zunächst in 
den starkströmenden, breiten Tschereoi-Üessae (Üessae 
= grosser Fluss), in welchem wir jedoch nur eine kurze 
Strecke gegen den Strom zu fahren hatten, um dann 
durch einen kleineu Verbindungsarm in den gleichfalls 
breiten Pronja-Üessae zu gelangen, dessen starke Strö- 
mung unserer weiteren Fahrt sehr förderlich war. Die- 
ser Stromarm trägt später, nachdem er von Norden her 
einen Arm des Tschereoi-Üessae aufgenommen, den 
Namen Tscherkoi-Üessae, bis zum Meere hin. 

Unterdessen war es sehr warm, ja uns sogar heiss 
geworden : ich las um 1 Uhr Mittags auf Arangastach 
am Thermometer -*- 21?0 C. ab, eine Temperatur, die 
mir weder früher noch später im Delta begegnet ist. 
Eine Menge Insecten zeigten sich, von denen mir einige 
eine willkommene Beute wurden, andere aber uns Al- 
len zur schrecklichsten Plage gereichten, wie ich sie 
selbst während der Fahrt auf der Lena nicht erlebt, 
nämlich die Mücken. Im Süden bemerkte ich einen 

Mélangea biologiques. XII. 31 



— 242 — 

stärkeren Höhenzug, den Büs-chaja (Eishügel), der 
mir ähnliche Eisbildung zu zeigen schien, wie die Ab- 
hänge auf Tumuss-Bykow. Wie die Jakuten erzählten, 
stürzt auch dort die Erde ein (ein starker Stromarm 
fliesst längs dem Höhenzuge hin), und es kommen Mam- 
muthknochen zum Vorschein. Gern hätte ich dorthin 
einen Abstecher gemacht, aber Mangel an Zeit zwang 
mich von allen Nebenunternehmungen abzusehen, be- 
sonders da ich nicht wusste, wieviel Zeit die Tour in 
das nordwestliche Delta in Anspruch nehmen würde. 
So setzten wir denn um 2 Uhr Nachmittags unsere 
Fahrt auf dem Pronja-Üessae schnell fort, die nur durch 
die Peilungen einigen Aufenthalt erfuhr. Die Mucken- 
plage steigerte sich mit jeder Stunde. Die einzelnen 
Stiche der Thiere waren so schmerzhaft, wie ich es 
früher nie erfahren hatte; sie verursachten ein Gefühl, 
als ob mit der Pincette kleine Hautstücke herausge- 
rissen würden. Netze schützen im Ganzen wenig, stö- 
ren dafür aber ungeheuer bei jeder Beobachtung und 
Beschäftigung. Bald sind Nacken und Ohren dick ge- 
schwollen, unangenehme Pulsation stellt sich ein, und 
endlich ist man nur noch von dem Gedanken beseelt, 
so schnell wie möglich ein Obdach zu finden, wo man 
vor den Plagegeistern Ruhe hat. Ein solches fanden 
wir endlich am Abend in den Jurten von Joennach, zu 
denen wir, von dem Tscherkoi-Üessae abbiegend und 
längs dem Joennach-Ajan (einem kleinen Verbindungs- 
arm) nach Süden fahrend, gelangten. Der Joennach- 
Ajan verbindet den Tscherkoi-Üessae mit einem gleich- 
falls breiten Stromarme mit starker Strömung, der je 
nach der Gegend, in welcher er fliesst, die Namen Bus- 
chaja-Üessae oder Joennach-Üessae, letztere Bezeich- 



— 243 — 

nung auch weiter unterhalb, trägt. Nachdem wir uns 
hier ein wenig erholt und gespeist hatten , setzten wir 
uns wieder in Bewegung, um sobald als möglich den 
Ort Bulgunjak (auf dem gleichnamigen Hügel, gewis- 
sermaassen dem Bulgunjak xa^' £Hs//]v, gelegen, ob- 
gleich er sich weder durch besondere Höhe, noch durch 
etwas Anderes von den übrigen auszeichnet), wo wir 
den Starosta Andrei treffen sollten, zu erreichen. Die 
Nacht war warm (15 — 16° C.) und still, und die Mü- 
ckenplage steigerte sich beständig. Anfangs führte ich 
meine Peihingen noch von Zeit zu Zeit aus, allmählich 
aber musste ich von ihnen abstehen, es wurde ganz 
unerträglich! Eine empfindliche Lücke in meiner Auf- 
nahme entstand dadurch nicht, da ich von Bulgunjak aus 
eine ganze Anzahl bereits feststehender Punkte sehen 
konnte. Während der raschen Fahrt in der Mitte des 
Stromes blieben wir, obgleich es vollkommen wind- 
still war, wenigstens einigermaassen von Mücken ver- 
schont. Der folgende Tag 11. (23.) Juli schien noch 
heisser werden zu wollen als der vorhergehende: als 
wir zu Fuss vom Flusse, w^o wir unser Boot zurück- 
liessen, zum Dorfe Bulgunjak gingen, brannte die Sonne 
auf uns herab; allenthalben flogen Schmetterlinge, Hy- 
menopteren etc. umher, ein ganz ungewohnter Anblick; 
einige gelang es mir einzufangen (namentlich häufig 
war eine Art Argynnis). Die Luft war von einem köst- 
lichen Blüthenduft erfüllt. Oben vom Hügel, an dessen 
Südende das Dorf lag, hatte man einen prachtvollen 
Überblick über die ganze Umgebung: viele Seen, zum 
Theil mit Eis bedeckt, entferntere Höhenzüge im Sü- 
den, überragt von den jetzt wie in nächster Nähe her- 
vortretenden , blauen Bergen des Festlandes, die an 



— 244 — 

vielen Stellen starke Schneeansammlungen zeigten. 
Mir kam es vor, als wäre ich plötzlich aus dem Nor- 
den in ein südliches Klima ^versetzt worden! Leider 
konnten wir uns an all' dieser Herrlichkeit nicht er- 
freuen, ja, ich war froh und einzig darauf bedacht in 
einer der Jurten einen Schutz gegen die mitleidslos 
auf uns einstürmenden Mücken zu finden. Bald nach 
unserer Ankunft säuberte ein frischer, kühler West 
die Luft von diesen Plagegeistern, von denen wir auch 
weiterhin verschont blieben ; mit ihnen aber verschwan- 
den auch fast alle anderen Insecten. 

Der Starosta Andrei war gerade nicht auf Bul- 
gunjak anwesend; er hielt sich einige Werst weiter 
südlich auf. Einer der mich begleitenden Jakuten er- 
klärte sich jedoch gleich bereit, ihn von unserer An- 
kunft zu benachrichtigen, und wir benutzten die Zeit 
bis zu seiner Ankunft dazu, uns durch Schlaf zu stär- 
ken. Als ich um 6 Uhr Nachmittags erwachte, war 
Andrei eben angelangt und mit ihm eine ganze An- 
zahl Tungusen. Wir schritten nun schnell zur Be- 
sprechung der bevorstehenden Tour, und nach wenigen 
Worten erklärte sich der Alte bereit, die nöthigen 
Menschen und Rennthiere stellen zu wollen; die Preise 
wurden fixirt, unser Gepäck besichtigt, um die Zahl 
der Packrennthiere zu bestimmen, und nachdem gegen- 
seitig einige Gastgeschenke überreicht waren, brachen 
wir wieder zu unserem Boote auf, um das nun nicht 
mehr entfernte Turach zu erreichen. Dort sollte ich 
den Führer für die weitere Tour finden, einen gewissen 
Afonassij Winokurow, den ich bereits früher mehr- 
mals gesehen und als gewandten, anstelligen Menschen 
und leidensthaftlichen Rennthierjäger kannte. Dorthin 



— 245 — 

sollten auch am folgenden Abend die nöthigen Renn- 
tbiere mit zwei Tungusen kommen. Wir fuhren nun 
zunächst eine kurze Strecke längs dem Chargy-Tabe- 
läch (= flacher Fluss), auf welchem wir Bulgunjak er- 
reicht hatten, um bald darauf wieder in den hier schon 
viel breiteren Joennach-Üessae zu gelangen, der sich 
etwas weiter unterhalb mit dem Tscherkoi-Üessae ver- 
einigt, worauf dann der Strom den Namen Tscherkoi- 
oder Syllibit (= Zusammenfluss)- oder einfach ülachan 
(= gross)-Üessae trägt. An dieser Vereinigungsstelle 
tritt von Süden her ein Höhenzug (circa 50 — 60' hoch) 
an das Ufer hinan, an welchem ich, leider wieder ver- 
gebens, nach Knochen suchte; dasProfil zeigte geschich- 
tete Erde und Sand. Wir setzten über den Tscherkoi- 
Üessae (das Wetter war wieder etwas stiller ; mein Boot 
war nur 22' Solang, 5'3''breit, flach und stark beladen, 
— ich konnte also nicht viel riskiren) und kehrten in 
schmale, nördlich parallel dem grossen Strome verlau- 
fende Kanäle , längs denen wir um circa 3 Uhr Mor- 
gens, den 12. (24.) Juli, Turach erreichten, wo unsere 
Ankunft nicht geringe Aufregung hervorrief. In einer 
zur Zeit unbewohnten, sauberen Jurte machten wir es 
uns bald nach Möglichkeit bequem. 

Der folgende Tag verging mit Ordnen unseres Ge- 
päckes, das jetzt in eine auf Rennthieren transportable 
Form gebracht werden musste. Dann führte ich hier 
von einigen Punkten Peilungen aus, wobei ich nament- 
lich meine Aufmerksamkeit auf die Berge des Festlan- 
des richtete, die mir bei der weiteren Tour von Nutzen 
sein konnten. Gern hätte ich noch einen Ausflug weiter 
nach Westen, zum Meere hin, gemacht und dadurch 
meine Aufnahme zu einem gewissen Abschlüsse ge- 



— 246 — 

bracht, aber die Befürchtung, an Zeit zu kurz zu kom- 
men (die Tungusen in Biügunjak meinten, dass ich 
für die bevorstehende Tour 20 Tage brauchen .würde, 
was ich als äussersten Termin für meine Rückkehr nach 
Sagastyr annehmen musste), zwang mich davon abzu- 
stehen. Auch reichte mein Proviant kaum für eine 
Tour von 20 Tagen aus. Ich hatte deshalb mit den 
Führern die Abmachung getroffen, dass sie sich selbst 
zu verproviantiren hätten, ich aber ihnen nur Thee und 
ein^eringes Quantum Zwieback zu demselben zu ver- 
abfolgen hätte. Endlich musste ich darauf bedacht sein, 
von meinen gerade nicht reichlichen Geldmitteln eine 
genügende Summe für die Arbeiten am Mammuth- 
cadaver und meine Rückreise zu erübrigen. Alle diese 
Gründe drückten der weiteren Reise einen gewissen 
Stempel der Hast auf und waren die Ursache , dass 
Manches nicht mit der Genauigkeit und Sicherheit 
ausgeführt wurde , wie es wünschenswerth erschien. 
Hier erfuhr ich auch, dass jener Tunguse Jegör (mit 
dem Beinamen Kuti), der von einem Mammuthcadaver 
Kenntniss haben sollte, leider wenige Tage vor meiner 
Ankunft mit einer Anzahl Bewohnern von Turach nach 
Norden, «zum Meere» gezogen sei; es sei jedoch mög- 
lich, dass wir ihn auf unserer Tour träfen. Am Abend 
waren die Rennthiere in Turach. Wir sahen sie bereits 
früher einen Stromarm nach dem andern durchschwim- 
men; der Aufbruch wurde aber wegen Nebels bis zum 
folgenden Morgen verschoben. 

Am nächsten Morgen herrschte grosses Leben in 
Turach: unter endlosem Geschrei verluden die Weiber 
(das ist eigentlich ihr Geschäft, und meine Führer woll- 
ten deswegen wenigstens ein Weib mitnehmen, was 



— 247 — 

ihnen aber abgeschlagen wurde) unser Gepäck ; ich 
machte zu allgemeiner Befriedigung eine Reitprobe. 
Dann brachen wir auf, 5 Menschen (3 Führer, der 
Kosak und ich) mit 15 Rennthieren (10 davon mit 
dem Gepäck belastet). Wir gingen in nordnordwest- 
licher Richtung vorwärts, über bald feuchte, bald 
trockene Tundra , sandige Partien , zwischen vielen 
kleineren und grösseren Seen hindurch. Nach etwa 
ly^stündigem Ritt trafen wir zwei vorausgeschickte 
Jakuten aus Turach an einem See, mit Wetken. Ich 
brauche hier abwechselnd die Bezeichnungen Tungusen 
und Jakuten, ohne dazu hinlänglich berechtigt zu sein: 
im Allgemeinen werden im Delta die Rennthiere be- 
sitzenden Bewohner Tungusen genannt, während die 
Hundebesitzer als Jakuten bezeichnet werden ; spe- 
cifisch jakutische und tungusische Gesichter (in den 
allgemeinen Zügen, wie sie Middendorff auch an- 
giebt) findet man aber unter beiden; auch ist die 
Trennung in Hunde- und Rennthierbesitzer nicht durch- 
führbar (die Bewohner von Turach sind z. B. meist 
sowohl das Eine, wie das Andere). Zwei Reiter stiegen 
nun von den Rennthieren ab, letztere wurden vor die 
Wetken gespannt und diese einige Werst weit über die 
Tundra bis zu einem grossen See transportirt, längs 
welchem die beiden Jakuten wieder zu Wasser bis zu 
einem Stromarme fuhren, über den wir etwas später 
hinübersetzten; dabei sollten sie uns behülflich sein. 
Beim Stromarme angelangt, wurde das Gepäck abge- 
laden und zunächst die Rennthiere unter lautem Zu- 
rufen (Nachahmung von Hundegebell) über den Strom 
getrieben , den sie schnell durchschwammen ; dann 
wurden die Sachen und endlich wir selbst in Wetken 



— 248 — 

liinübergesetzt , die von hier wieder nach Turach zu- 
rückkehrten. Kurz vorher hatten wir bei einem Bala- 
gan einige Narten gefunden, von denen wir eine in 
Besitz nahmen; zwei Rennthiere wurden vor dieselbe 
gespannt und ein Theil der Sachen auf dieselbe ver- 
laden. Bald setzten wir unseren Ritt fort (das Wet- 
ter war kalt, -+- 3° C, windig (NW.) und regnerisch) 
und erreichten gegen Abend eine Urassa (kleine Jurte) 
an einer tief in 's Land einschneidenden Meeresbucht 
mit stark salzhaltigem Wasser und gewaltigen Treib- 
holzmassen. Der Ort hiess Chàtera-Jama (Jama, aus 
dem Russischen, die Grube, weil hier eine Wolfsgrube 
stand, ein aus horizontalen Balken aufgeführter gros- 
ser Kasten mit einer Öffnung oben, über welcher die 
Lockspeise für den Wolf angebracht war). Kurz vor- 
her zogen wir über einen bedeutenden Höhenzug, der 
sich zwischen zwei Seen, dem Dandach-Köl und Aehä- 
lach-Köl (Bärensee, köl = See) hinzieht, von denen 
ersterer zum Theil mit Eis bedeckt war, welches sich 
im Zerfall befand und dem Winde entsprechend im 
südöstlichen Theile des Sees stand. Von diesem Höhen- 
zuge aus konnte man die Berge des Festlandes sehen : 
der Nebel aber, der sich auch jetzt nur wenig lich- 
tete, hinderte mich Peilungen auszuführen. Ich hoffte 
das am folgenden Tage thun zu können. Die Bulgu- 
njaks hatten wir gleich beim Beginn unseres Rittes 
der hügeligen Beschaffenheit der Tundra wegen aus 
den Augen verloren. In Turach hatte ich dem Füh- 
rer Afonassij (die beiden anderen verdienten die- 
ses Epitheton nicht, da sie beide in Folge frühe- 
rer Augenentzündungen, die Leucoma zurückgelas- 
sen hatten, fast ganz blind waren) in Betreff der wei- 



-—249 — 

teren Reise zu wissen gegeben, dass es mir darauf 
ankäme, so schnell als möglich die Meeresküste zu er- 
reichen und längs dieser bis zur Insel Dunai hinzu- 
ziehen, was er für ausführbar hielt. Er erklärte sich 
auch gegen die Ansicht der Tungusen in Bulgunjak, 
die behaupteten , man müsse das nöthige Holz zur 
Feuerung w^enigstens für 3 — 4 Tage mit sich neh- 
men, da nirgends Treibholz zu finden sei, und versprach 
uns so zu führen, dass wir stets das nöthige Holz fin- 
den würden, was er auch bestens ausführte. Meinem 
mehrfach geäusserten Wunsche, noch näher zum Meere 
zu gelangen, begegnete er immer mit dem Einwände, 
das sei nicht möglich, Wasser hindere. Es war das so 
zu verstehen, dass es uns in der That nicht möglich 
war, genau längs der aus einer unendlichen Zahl weit 
vorspringender, durch tiefe Buchten von einander ge- 
trennter Caps gebildeten Küste zu ziehen; dazu hät- 
ten wir Monate gebraucht. Auf eine genaue Aufnahme 
der Küste musste ich auch schon deshalb verzichten, 
weil mir aus Mangel an Material (Holz) und Zeit nicht 
möglich war, die nöthigen Signale zu errichten. Ich 
musste mich darauf beschränken, in einiger Entfernung 
vom Meere, das wir nicht selten sahen, hinzuziehen 
und gelegentlich aus den mir bereits bekannten Berg- 
spitzen den Ort, an welchem ich mich befand, mit 
freilich nicht grosser Genauigkeit zu bestimmen. Und 
auch dieses konnte ich nur eine Zeit lang, so lange 
die Berge noch sichtbar blieben und bei vollkommen 
klarem Himmel, thun; in letzterer Beziehung aber ge- 
staltete sich das Wetter für hiesige Yerhältnisse äusserst 
garstig. Mancher mag sich hier über die Nothwendig- 
keit, Holz zur Feuerung zu finden, besonders im Juli, 

Mélangea biologiques. XII. 82 



— 250 — 

wundern, und gewiss wäre es möglich, sich ein oder 
das andere Mal mit einem kalten Abendessen zu be- 
helfen; man muss jedoch bedenken, dass die Tempe- 
ratur in der ganzen nächsten Zeit nur wenige Grade 
über stieg und dass wir nicht selten Nachtfröste 
bis — 4"^ C. und fast täglich Schneefall bei beinahe 
ununterbrochenem Winde, um nicht zu sagen Sturme, 
hatten. Einem Tungusen oder Jakuten aber scheint 
ein Nachtlager ohne Feuer geradezu undenkbar, und 
ich selbst lernte bald die für die Erhaltung der 
Gesundheit vielleicht unumgängliche Nothwendigkeit 
desselben kennen. Es ist gar nicht zu beschreiben^ 
was für ein Wohlbehagen über Einen kommt, wenn 
man nach einem anstrengenden Tage, im Zelte, vor 
Wind, Schnee und Regen geschützt, am Feuer seinen 
Thee trinkt und dem baldigen Essen entgegensieht. 
Wer hierin unter Umständen nicht vollständige Be- 
friedigung und Entschädigung für manche Entbehrung 
findet, der sollte sich nicht auf Reisen im Norden ein- 
lassen ; auf wissenschaftliche Resultate muss man, nur 
gar zu oft, vollständig verzichten, denn es giebt hier im 
Ganzen erbärmlich wenig zu beobachten und nament- 
lich zu sammeln. Zu beachten ist, dass wir offenbar 
im Sommer gegen Kälte viel empfindlicher sind (wir 
Alle auf der Station von Sagastyr haben das empfun- 
den); im Herbst hört diese Empfindlichkeit von selbst 
auf. Es scheint mir das auf einer durch eine Ideen- 
association hervorgerufenen Enttäuschung zu beruhen : 
wir verbinden mit dem Begriff «Sommer» auch den 
der Wärme, und darin sehen wir uns bitter getäuscht 
(von einem diese Empfindlichkeit hervorrufenden Haar- 
wechsel muss doch beim Menschen , denke ich , ab- 



— 251 — 

gesehen werden!). Ich trug während dieser Reise be- 
ständig meine Dacha (Rennthierpelz mit Eisfuchs ge- 
füttert), unter ihr eine mit Schafsfell gefütterte Leder- 
jacke und über der Leibwäsche ein wollenes Hemd 
etc. und habe bedeutend ärger unter der Kälte gelit- 
ten, als auf Winterfahrten bei — 20 bis 30° C. und 
darunter, wo ich häufig nicht mehr auf dem Kör- 
per hatte ^). Bei längeren Fahrten freilich muss man 
sich wärmer kleiden. Auf der Station setzten wir uns 
im Winter versuchsweise, unbeschadet und ohne eine 
unangenehme Empfindung zu verspüren, Temperaturen 
von — 40° bis 50° C. aus, freilich nur für einige Mi- 
nuten, wobei der Oberkörper nur von einem baum- 
wollenen Hemde bedeckt war. 

Der Morgen des 14. (26.) Juli war trübe und 
nebelig. Unser Führer rieth für's Erste nicht aufzu- 
brechen, da er sich im Nebel nicht zurechtfände. Bald 
fing es auch an zu schneien. Mir war der Nebel in- 
sofern sehr unerwünscht , als ich auch heute die beab- 
sichtigten Peilungen nicht ausführen konnte. War mir 
auch die Richtung unseres Zuges und die Entfernung 
von Turach einigermaassen bekannt, so hätte ich doch 
gern eine genauere Bestimmung des Ortes gehabt. 
Allmählich klärte sich der Himmel ein wenig auf, wir 
fingen an an den Aufbruch zu denken. Während des 
Verladens der Sachen wurde es immer klarer, und ich 
entschloss mich, trotz des Abrathens der Führer, die 
der Ansicht waren, dass die Berge des Nebels wegen 



1) Bei meiner Rückkehr aus Sagastyr (im November 1884) futr 
ich fast ununterbrochen bei Quecksilberfrösten. — ja, die Tempera- 
tur fiel bis — 52° C. — ohne wärmer gekleidet zu sein, als oben 
geschildert. (Irkutsk, den 2./14. Febr. 1885.) 



— 252 — 

nicht sichtbar seien, auf den Höhenzug, den wir 
gestern passirten, zurückzugehen, um zu peilen. Ich Hess 
die übrige Karawane vorausziehen, nur einen Führer 
mit zwei Rennthieren beim Lagerplatz bleiben und ging 
zu Fuss auf den etwa eine Werst entfernten Hügel. 
Meinen Entschluss hatte ich nicht zu bereuen : die ganze 
Bergkette des Festlandes war deutlich sichtbar, und 
ich konnte meine Peilungen ausführen. Aus denselben 
ging deutlich hervor, dass wir, wenn ich die von den 
Tungusen angegebene Entfernung von Turach (3 Köss 
= 30 Werst) mit in Betracht zog, uns schon am Ende 
des gestrigen Tages auf Terrain bewegt hatten , das 
auf den alten Karten mit Meer bezeichnet war, und 
noch 2 Tage gingen wir in nordwestlicher und nörd- 
licher Richtung vorwärts ! Ich kehrte nun schnell zu dem 
auf mich wartenden Tungusen zurück , und nach etwa 
einstündigem, forcirtem Ritt (im Trab, sonst geht 
es in scharfem Schritt), den ich gut bestand, er- 
reichten wir die Anderen. Über das Reiten auf Renn- 
thieren ist schon so viel geschrieben worden, dass ich 
darauf eigentlich nicht einzugehen brauche ; ich 
möchte nur hervorheben, dass diese Art der Loco- 
motion für den Anfänger nicht wenig angreifend ist. 
An das Balanciren auf dem nur lose angebrachten 
Sattel, der auf dem vordersten Theil des Rückens, 
fast auf dem Halse ruht, gewöhnt man sich, besonders 
mit Hülfe eines langen Stockes, mit dem man sich 
beständig oder gelegentlich (beim Übergang über 
kleine Gewässer) auf den Boden stützt, bald. Durch 
das Geweih wird man, dank seiner nach vorn gerichte- 
ten Stellung, im Ganzen wenig molestirt; nur bis- 
weilen, wenn das Thier den Kopf zurückwirft, erhält 



— 253 — 

man einen immerhin sanften Schlag, da das Geweih in 
dieser Jahreszeit mit weichem dichtstehendem Haar, 
besonders an den Enden, bedeckt ist.. Auf die Dauer 
wird aber das Sitzen ohne Steigbügel sehr angreifend; 
namentlich die Oberschenkel ermüden, und es stellt 
sich in denselben ein ganz unterträgliches, schmerz- 
haftes Ermüdungsgefühl ein, dem man durch Zufuss- 
gehen, besonders gegen Ende des Tages (nach c. 12- 
stündigem Ritt!), nur auf kurze Zeit abhelfen kann. 

Unser Weg führte uns, wie bereits gesagt, nach 
Nund NNW, eine Zeitlang sogar vollständig nach W; 
mehrmals konnte ich das Meer in einer Entfernung von 
4 — 5 Werst sehen. Am Nordende des Tonoldö-Sees 
(Tonoldö-Köl) machten wir einen kurzen Halt. (To- 
noldö ist hier die gemeinschaftliche Bezeichnung für 
die tief einschneidenden Meeresbuchten; Tonoldo-Köl 
bezeichnet einen See, der nur durch eine unbedeutende 
Niederung vom Meere getrennt ist und bei höherer 
Fluth salziges Wasser enthalten soll.) Hier wie auch 
kurz vorher konnte ich wieder peilen. Dann ging es rasch 
vorwärts. Am Abend kamen wir zum Flüsschen Turcha- 
nach, das mit zwei Mündungen, die ein Cap gleichen 
Namens zwischen sich fassen, in 's Meer mündet. Am 
Ufer desselben, wo sich wieder eine grosse Menge 
Treibholz befand, machten wir Halt. Es war bitter kalt 
geworden; ich las bald nach unserer Ankunft (c. 11^' 
p. m.) am Thermometer — 2°0 C. ab. 

Da ich eben des Treibholzes erwähnte, von dem ich 
hier am folgenden Tage eine Photographie aufnahm, 
so will ich hier einige kurze Bemerkungen über dasselbe 
hinzufügen. Treibholz findet sich hier entweder an den 
Meeresbuchten selbst, bisweilen in sehr grossen An- 



— 254 — 

Sammlungen (das Feld bei Cbatera - Jama dehnte sich 
bei einer Breite von 3 — 400 Schritt und einer Dicke 
von 3 — 5' einige "Werst weit aus), oder in den Nie- 
derungen, die sich bis zum Meere hin fortsetzen, wie 
das Ufer des Turchanach-Flusses, oder endlich an 
Seen, die zeitweilig mit dem Meere in Verbindung 
stehen, wie der Tonoldo-Köl. Weiter vom Meere ab in 
der Tundra findet sich gar kein Treibholz. Nirgends, 
auch mehr in der Mitte des Delta, wo sich das Treib- 
holz stets an den Ufern der Stromarme findet, habe 
ich es in grösserer Höhe als c. 20' über dem gewöhn- 
lichenW^asserspiegel getroffen. Auf Mostach, in der Nähe 
des Mammuthplatzes, ergab eine genauere Messung 
eines Treibholzgürtels 16' über dem Wasserspiegel für 
den unteren und 17'8" für den oberen Rand; ein dünner 
Streifen ganz schwachen Treibholzes befand sich noch 
höher, in 21' über dem Wasserspiegel. Hier, meinten 
die Jakuten anfangs, steige das Wasser im Frühling 
noch so hoch , und bei starkem Wellenschlag würden 
kleinere Stücke zu der eben angegebenen Höhe von 21' 
hinaufgeworfen; später änderten sie ihre Meinung und 
schrieben den oberen Gürtel der Einwirkung der 
«Sintfluth» zu, ja, einer ging sogar soweit, ein be- 
arbeitetes Stück, auf welches ich bei der Befragung 
besonders mein Augenmerk gerichtet hatte, als von 
der Arche Noah's stammend ausgeben zu wollen. 

Überhaupt sind sie sehr schnell bereit, die Herkunft 
des Holzes auf Noah's oder gar Adam's Zeiten zu ver- 
schieben. Letzterem wird sogar zugemuthet, da ihm ja 
keine «Sintfluth» behülflich war, die Balken eigenhän- 
dig aus dem Wasser gezogen zu haben, Sie kamen 
aber immer in einige Verlegenheit, wenn ich sie auf 



— 255 — 

bearbeitete Bretter etc. aufmerksam machte, die sich 
häufig sowohl am Meere, als auch an den Stromarmen, 
aber freilich nur an den untersten, dem Wasser zu- 
nächstliegenden Th eilen der Ansammlung finden. Sie 
sind stark abgerieben, die Ecken stark abgerundet, 
aber die Bearbeitung ist immerhin deutlich erkennbar. 
Einzelne stammten unstreitig (z.B. jenes oben erwähnte 
Stück auf Mostach) von alten Lena-Barken her, eben- 
solchen wie diejenige, auf welcher wir die Fahrt nach 
Sagastyr zurückgelegt hatten. Machte ich dann die Ja- 
kuten darauf aufmerksam, so hiess es entweder : ja, bis 
hierher kommt das Wasser bisweilen, oder ich erhielt so 
aberwitzige Antworten, wie die, von der ich vorhin ge- 
sprochen. Auf die Aussagen der Jakuten ist in dieser Be- 
ziehung gar nichts zu geben. Der untere Rand der Treib- 
holzfelder- oder Gürtel, namentlich der grösseren, liegt 
immer nur wenige Fuss (höchstens 10') unter dem obe- 
ren, wo das Holz sich in einem viel stärkeren Grade 
der Verwitterung und des Zerfalls befindet. Wo sich 
Treibholz an Stellen findet, bis zu denen nach bestim- 
ten Aussagen der Jakuten oder nach unserer, freilich 
nur zweijährigen Erfahrung das Wasser im Frühling 
jetzt nicht steigt, da liegt es entweder an leicht nach- 
weisbaren alten Stromarmen, oder in der Mitte nie- 
driger Inseln, wie z. B. auf Sagastyr, nur wenige Fuss 
(5 — 10) über dem höchsten beobachteten Wasserstande 
im Frühling. Wenn man also auch aus der starken Ver- 
witterung des Holzes in den höheren Schichten, aus der 
Abwesenheit von bearbeitetem Holz in diesen und der 
Anwesenheit desselben in den unteren Schichten allein, 
so wie aus dem Vorkommen von Treibholz an jetzt 
vom W^asser nicht mehr berührten Stellen auf eine He- 



— 256 — 

bung des Bodens in letzter Zeit scliliessen kann, so ist 
dieselbe doch nur eine sehr geringe Ja, es wäre immerhin 
möglich, dass im Laufe einer grösseren Reihe von Jah- 
ren einmal ein ungewöhnlich hoher Wasserstand mit 
gleichzeitig starkem Wellenschlage das Holz bis zu 
den jetzt scheinbar vom Wasser nicht mehr erreichten 
Plätzen getrieben habe. Nur genaue, eine Reihe von 
Jahren hindurch fortgeführte Messungen am Meeres- 
ufer, in der Nähe von Treibholzablagerungen, könn- 
ten über diese interessante Frage entscheiden lassen. 

Das meiste Treibholz liefert die Tanne {Pinus Ahies, 
wohl auch P. picJita) und die Lärche (Larix sibirica)', 
nächst ihnen die Kiefer (P. sylvestris) und einige Salix- 
arten; in dritter Reihe folgen dann Pappeln (eine der 
Pop. tremula nahestehende Art, die auf der Lena ganze 
Bestände für sich bildet, oder mit den oben genannten 
Bäumen gemeinschaftlich vorkommt) und Birken, von 
denen die abgelöste Rinde häufig in die Augen fällt. 
Stärkere Stämme der Pappel sind besonders geschätzt, 
weil aus ihnen die besten Wetken gefertigt werden. 
Früher, meinten die Tungusen auf meine Frage, seien 
auch andere, seltnere Hölzer gefunden worden, was 
wohl so zu verstehen ist, dass dieselben in der That 
sehr selten sind; dass die grossen Treibholzlager wirk- 
lich ganz abgesucht seien, ist wohl kaum anzunehmen. 
An das Treibholzfeld bei Chatera-Jama wurde neues 
Holz beständig vom Wasser hinzugeführt; es mag das 
übrigens auf einem durch Änderung des Windes und 
des Wasserstandes hervorgerufenen Wechsel des Ortes 
der Ablagerung in der Bucht selbst beruhen. 

Am folgenden Morgen, d. 15. (27.) Juli, sollten wir 
früh aufbrechen, da der nächste Lagerplatz, wo wir 



— 257 — 

wieder Treibholz finden konnten , weit entfernt war. 
Als wir bereits mit dem Aufladen der Sachen beschäf- 
tigt waren, bemerkte unser Führer Afonassij mit sei- 
nen bewundernswerthen Augen (dieselben waren immer 
ein Gegenstand des Neides des Kosaken, der auf seine 
eigenen nicht ohne Grund stolz war ; beide Leute sahen 
mit blossem Auge Rennthiere, wo ich mit dem Binocle 
nur wenn mir die Stelle bezeichnet wurde etwas sich 
Bewegendes wahrnehmen konnte) in grosser Entfernung 
einen Reiter, der schnell auf uns zugeritten kam. Es 
war dies Einer aus der Gesellschaft, die mit dem früher 
erwähnten Jegör (Kuti) zusammen nomadisirte. Ein 
zweites Rennthier führte er an einer Leine mit sich; 
es war das ein dressirtes Thier, deren sich die Tungu- 
sen zum Anschleichen an die wilden Thiere bedienen. 
Er erzählte, dass die Übrigen von der Gesellschaft sich 
ebenfalls auf dem Wege hierher befänden, dass Kuti 
schwer krank sei, möglicher Weise den Ort nicht mehr 
lebend erreichen würde etc. Ich beschloss in jedem 
Fall zu warten. Während ich auf einem Höhenzuge in 
der Nähe unseres Lagers Peilungen ausführte, sah ich 
von Süden her über den nächsten Höhenzug die ganze 
Karawane erscheinen und auf unser Lager zuziehen. 
Sie bestand aus c. 20 Personen, Männern, Weibern, 
Kindern, mit etwa 50 — 60 Rennthieren, auf denen 
ein Theil der Sachen verladen war; der andere Theil, 
sowie eine Anzahl Wetken wurde auf Narten geführt. 
Das Ganze gewährte ein buntes, lebendiges Bild, das 
ich durch eine Photographie zu fixiren suchte. Kuti 
selbst lag auf einer Narte und war in der That 
schwer krank, wenngleich augenblicklich keine Lebens- 
gefahr vorhanden war. Er litt an einem argen Ge- 

Mélauges biologiques. XU. 33 



— 258 -- 

lenkrheumatismus (Rheumartritis deformans, mit Herz- 
affection), der ihn schon seit längerer Zeit an jeder 
Bewegung hinderte; er hatte augenblicklich offenbar 
hohes Fieber, seine Extremitäten waren kühl und der 
Puls kaum fühlbar. In diesem Zustande wurde er noch 
bis zum Herbst in der Tundra umhergeschleppt, wo 
ich ihn in der Nähe von Borchaja am 1. (13.) Sept. 
traf. Es war immerhin noch möglich, mit ihm ein 
Verhör wegen des Mammuthcadavers , von dem er 
wissen sollte , anzustellen ; aber auf alle meine Fragen 
versicherte er hoch und theuer, unter beständigem 
Sichbekreuzigen, wobei er von seinem Weibe (einer be- 
kannten Schamanin) unterstüzt wurde, nie etwas von 
einem Mammuth gewusst zu haben. Ich war grausam 
genug, an sein Sterbestündchen zu appelliren; es half 
aber Alles nichts: wenn er etwas wüsste, so würde er, 
so krank er wäre, mit mir kommen und den Platz 
zeigen etc. Da war nun Nichts zu machen. Auf seine 
Bitte verabfolgte ich ihm ein wenig Thee, Tabak 
sowie einige Medicamente (Chinin, Morphium), die ich 
gerade zur Hand hatte, und wir brachen auf. Nach 
einigen Wersten konnte ich die Gegend wieder über- 
sehen, und da ich befürchten musste, dass ich auf dem 
weiteren Marsche die Berge des Festlandes nicht 
mehr sehen könnte, was auch dieTungusen bestätigten, 
unser nächster Lagerplatz aber schon an der Nordküste 
der Insel lag, so wollte ich wenigstens einen Punkt auf 
einem der Caps der Westküste, die hier gerade am wei- 
testen nach Westen vorspringt, bestimmen und beschloss 
daher, so unangenehm auch noch ein weiterer Aufent- 
halt am heutigen Tage war , mit dem Führer Afonassij 
und dem Kosaken nach einem Cap zu reiten, die übrige 



-- 259 — 

Karawane aber voraus ziehen zu lassen. Die Tungusen 
schienen nur ungern auf diese Änderung eingehen zu 
wollen. Zur Erklärung des letztern Umstandes muss 
ich erwähnen, dass sich überhaupt unter allen Delta- 
bewohnern, mit Ausnahme des mehrfach genannten 
Afonassij, der die Führung gleich übernahm und 
meisterhaft ausführte, eine gewisse Antipathie gegen 
eine Expedition zur Insel Dunai bemerkbar machte. 
Sie schützten alle möglichen, zum Theil begründeten, 
zum Theil unbegründeten Ursachen vor, die die Aus- 
führbarkeit derselben unmöglich oder wenigstens sehr 
schwer machten, und auch jetzt schienen sie die Reise 
möglichst schnell beendigen und sich" ihrer Aufgabe 
entledigen zu wollen. Glücklicherweise sind sie gut- 
mütliig und fügsam und widersetzen sich nie den An- 
ordnungen, wenn dieselben nur ausführbar sind. So 
zogen wir denn in westsüdwestlicher Richtung auf den 
nördlichsten der drei den gemeinschaftlichen Namen 
Turchanach-Tumul (Tumul =Cap,Turchanach, Adjecti- 
vum von Turchan = Eiderente, rara, Sommateria speda- 
hilis) tragenden Caps, von welchem aus ich zum letzten 
Mal Peilungen, die mit den früheren zusammenhin- 
gen, ausführte. Dieses Cap sprang gerade etwas weniger 
vor als die nördlich und südlich gelegenen, muss aber 
immerhin eines der am weitesten nach Westen vor- 
springenden gewesen sein. Den weiteren Verlauf der 
Küste bezeichnete Afonassij einerseits nach SSO, an- 
dererseits nach NO. Die Höhe des Caps war bedeuten- 
der als die der zunächtsliegenden , etw^a 50' über dem 
Meeresspiegel. Der Strand sowie das äusserste Ende 
des Caps war sandig, das Meer vollkommen flach. 
Soweit ich mit dem Binocle sehen konnte, zeigten sich 



— 260 — 

schmutzige, offenbar festsitzende Eisschollen, einzelne 
Treibholzstämme ; irgend welches Leben fehlte voll- 
ständig: keine Muschel^ kein Vogel am Ufer. Nach 
kurzem Aufenthalt zogen wir wieder unserer Karawane 
nach, die wir nach wenigen Stunden einholten; die Leute 
hatten bald Halt gemacht, da sie sich nicht mehr zu- 
recht fanden. Nun ging es in aller Eile in fastununter- 
brochenemMarsche vorwärts bis 12 Uhr Nachts. Um 
10 Uhr Abends stellte sich starker Nebel ein, der 
uns häufig hinderte, unseren rasch vorauseilenden 
Führer zu sehen. Er selbst versah sich in der Richtung : 
wir waren zuweit nach Nordwest gegangen, änderten 
darauf unseren Curs, gingen gerade nach Ost, über 
endlose, unbewachsene Sandflächen, auf denen nur ei- 
nige Rennthierspuren sichtbar waren, und gelangten 
endlich an eine tief in die Insel einschneidende , nach 
Norden offene Meeresbucht, den Chastyr-Tonoldo, wo 
wir Treibholz fanden und unser Nachtlager aufschlugen. 
In einer Entfernung von c, 8 Werst nach Nord, im 
Meere, war die Insel Erkogor sichtbar. Der Nebel war 
geschwunden, die Temperatur betrug — 2°0 C. 

Wir schliefen lange in den Tag hinein und brachen 
erst spät von hier auf. Da wir aber fast ununter- 
brochen fortgingen — nur einige Flüsschen, über die 
wir zu setzen hatten, verursachten einigen Aufenthalt, 
— so legten wir an diesem Tage doch eine gehörige 
Strecke zurück und erreichten den in Aussicht genom- 
menen Lagerplatz am Arangastach-Tonoldo, einer der 
vorherigen ganz ähnlich gebildeten Meeresbucht, in 
ostnordöstlicher Richtung und c. 25 Werst Entfernung 
vom letzten Lager am Chastyr-Tonoldo. Die Beschaffen- 
heit der Gegend, durch die wir von Turach an gezogen 



— 261 — 

waren, war eine höchst einförmige: ein niedriger, 
brauner, mit Moos und Flechten bewachsener Höhen- 
zug hinter dem anderen, getrennt durch feuchtere, 
bisweilen (für hiesige Verhältnisse) üppigen Graswuchs 
tragende Niederungen. Die Höhenzüge — die höch- 
sten mögen sich 60 — 70' (einige wohl auch ansehn- 
licher?) über den Meerespiegel erheben — enden am 
Meere in den mehrfach erwähnten Caps, und hier 
lässt sich erkennen, dass sie fast ausschliesslich aus 
geschichtetem Sande gebildet sind; nur eine dünne 
Torfschicht bedeckt sie. Was ich Ihnen im ersten Jahre 
über die Torfbildung schrieb, gilt also für diese Insel, 
deren südwestlichen Theil ich nur, und zwar im Winter, 
zu Gesicht bekam, nicht. Die starke Torf bildung hängt 
offenbar mit den Überschwemmungen zusammen: je 
höher das Wasser im Frühling an einer Stelle steigt, 
desto stärker ist dort auf den Inseln, die gerade keinen 
starken Sanduntergrund haben, die Torfbildung; also 
stärker, je näher zur eigentlichen Mündung der Lena, 
bei der Insel Stolbowoi, schwächer, je näher zum 
Meere hin. Es fällt nicht schwer, das zu verfolgen. Des- 
gleichen ist eine Schichtung des stark erdhaltigen Torfes 
deutlich zu erkennen. Allenthalben findet sich eine grosse 
Anzahl kleiner Seen , die sich bis auf die äussersten 
Enden der Caps hin erstrecken; sie haben ganz nie- 
drige Ufer. Grössere Seen, die meist fischreich sind, 
wie z. B. der Dandach -See, trifft man seltner an. 
Das Ufer der letzteren erinnert an die Beschaffenheit 
der Meeresufer an den Caps, ist hoch und ebenso 
sandig. An der Nordküste zeigen die Höhenzüge meist 
eine von S nach« N gerichtete Anordnung. Die Nie- 
derungen zwischen ihnen erstrecken sich demnach 



— 262 — 

in derselben Richtung. In ihnen verlaufen, bisweilen 
aus einem der grösseren Seen entspringend, stark ge- 
schlängelte und eine Menge kleinerer Seen unter ein- 
ander verbindende Flüsschen, die sich in die Meeres- 
bucht ergiessen. Für einige dieser Flüsse habe ich die 
Namen erfahren können. Nach den Erzählungen eines 
Jakuten schien es mir wahrs ".heinlich, und auch Herr 
Jürgens schien dieser Ansicht zu sein, dass die Nie- 
derungen alten Strombetten entsprächen. Wäre das 
der Fall, so müsste sich irgendwo an ihnen Treibholz 
finden. Letzteres findet sich nur in nächster Nähe des 
Meeres; im ganzen Inneren der Insel ist nirgends 
Treibholz anzutrefi*en. 

Die Vegetation ist, was Phanerogamen anbetrifft, 
eine meist sehr dürftige. Je weiter man nach Norden 
vordringt, desto armseliger wird sie. Lange schon ver- 
misste ich den Blüthenreichthum der südlichen Tundra. 
Hier aber fand ich wieder jene Potentilla, die ich auf 
dem Orto-Toebe-Bulgunjak angetroffen hatte, worauf 
zum Theil meine Yermuthung, dass der Bulgunjak ein 
Ueberrest eines der eben beschriebenen Höhenzüge sei, 
beruhte. Das Wenige, was hier blühte, hatte durch die 
letzten Fröste gelitten. Sehr üppig war aber hier an 
einzelnen Stellen der Flechtenwuchs. Namentlich reich- 
lich waren die Arten vertreten, die von Rennthieren 
gern gefressen werden; schon bei einem ganz kurzen 
Aufenthalte könnten die Rennthiere so viel zu sich 
nehmen, dass sie sich zum Wiederkäuen hinlegten. 
Auch die Fauna ist eine armselige, und mehrmals fielen 
mir die aus dem Tagebuch citirten Worte Midden- 
d or ff 's ein: «die Tundra ist leer, zum Verhungern 
leer». Freilich , Rennthiere sahen wir nicht selten. 



— 263 — 

aber meist in grosser Entfernung, und unsere Jagden 
auf sie blieben ohne allen Erfolg ; man könnte unseren 
ganzen Zug eine erfolglose Rennthierjagd nennen. 
Mangel an Zeit, ungünstiges Terrain und grosse Vor- 
sicht und Scheu derThiere, die sich stets Stellen aus- 
suchen, von denen sie die Umgebung vollkommen 
übersehen können, waren die Hauptursachen der Er- 
folglosigkeit unserer Jagden; von den wenigen, auf 
grosse Entfernung abgegebenen Schüssen konnte kaum 
etwas erwartet werden. Wir hatten nach den Er- 
zählungen der Tungusen viel mehr Rennthiere er- 
wartet. Sie wunderten sich auch nicht wenig über die 
Abwesenheit derselben und meinten die Ursache in den 
häufigen Wolfsspuren zu finden. Über den «Zug» der 
Rennthiere glaube ich Ihnen früher bereits Einiges 
raitgetheilt zuhaben, möchte hier aber noch kurz das, 
was ich namentlich im letzten Jahre habe erfahren 
können, hinzufügen. Im Allgemeinen ist im Frühling 
innerhalb der Delta eine Bewegung von W nach 0, 
im Herbst eine in umgekehrter Richtung zu be- 
obachten. Zugleich aber findet im Frühling eine In- 
vasion vom Festlande her statt, wohin sie im Herbst 
zurückkehren. Gälte das Letztere für sämmtliche wäh- 
rend des Sommers sich im Delta aufhaltenden Thiere, 
so könnte mau eine Erklärung für den Zug darin finden, 
dass sich die Thiere der Verfolgung der Mücken und 
Rennthierbremsen zu entziehen suchten, was ihnen 
gewiss an den windigen, kühlen Mecresufern gelänge 
(die Larve der Rennthierbremse ist den Deltabe- 
wohnern gut bekannt, kommt aber ihrer Meinung nach 
nur bei den vom Festlande in's Delta gelangten Thieren 
vor). Aber es findet auch ein Zug aus den eben be- 



— 264 — 

schriebenen Gegenden, in welchen sie sich den ganzen 
Winter über in grossen Mengen , mit den Wölfen zu- 
sammen, aufhalten und in welchen sie im Sommer 
sicherer als irgendwo anders vor allem Geschmeiss 
wären, auf die östlichen Inseln statt. Die Jakuten 
erklären den Zug in der Weise, dass die Tliiere, wenn 
im Sommer ihre eigentliche Flechtenweide zu trocken 
werde, dem auf den niedrigen Inseln wachsenden 
«weichen Grase» nachgingen. Mir scheint aber auch 
dieser Grund nicht zutreffend, da erstens der Zug 
früh im Frühling (Ende März) schon beginnt und 
zweitens der Graswuchs in den Niederungen hier oft, 
namentlich in den südlicheren Theilen, üppiger ist, als 
ich auf den weiter östlich gelegenen Inseln gesehen 
habe. Wir müssen auch hier wieder zu jenem uner- 
klärlichen Wandertriebe zurückgehen, dem ja auch 
der Mensch häufig in nicht ungewöhnlichem Grade 
unterworfen ist. Oft trägt er lange schwer an diesem 
zum Theil unbewussten Triebe, der sich unter dem 
Zwange der Verhältnisse manchmal in scheinbar un- 
sinnigen Unternehmungen Luft zu schaffen sucht, bis 
er endlich Gelegenheit findet, demselben in zweck- 
bringenderer Weise Befriedigung zu verschaffen. Was 
aber die Tundra namentlich öde erscheinen Hess, 
war die Abwesenheit oder wenigstens Seltenheit aller 
Vögel; nur einmal trafen wir einen Schwärm mau- 
sernder Gänse {A. segetum und alhifrons gemeinschaft- 
lich), von denen wir eine Anzahl schössen. Gänse 
und Eiderenten, die im südlichen Theile häufiger 
waren, bildeten während der ganzen Fahrt den Haupt- 
bestandtheil unserer Mahlzeiten. Sonst sieht man nur 
einige Vögel, ganz vereinzelt {Lärm glaucus, argen- 



— 265 — 

tatus, Lestris parasitica, Ckaradr. sc^iiatarola, Galidris 
arenaria, Tringa minuta) , und gerade dieses vereinzelte 
Vorkommen, der eintönige Schrei oder Pfiff einzelner 
erhöht nur die Einsamkeit und Oede der Tundra. — 
Nach dem, was ich früher über die Temperatur gesagt, 
muss jedes Insectenleben von vorn herein fast voll- 
kommen ausgeschlossen werden. 

Am folgenden Tage, d. 17. (29.) Juli, hielt ein unan- 
genehmes Schlack wetter mit frischem Winde uns bei 
Arangastach zurück. Ich ging auf den Vorschlag der 
Tungusen, etwas besseres Wetter abzuwarten, bereit- 
willig ein, da wir von hier bis zur Insel Dunai nur 
noch eine Tagereise und von dort bis Borchaja etwa 
4 hatten, unsere Tour also schneller zu beendigen Aus- 
sicht hatten, als ich anfangs annahm. Wir schützten 
uns im Zelte nach Möglichkeit gegen Kälte und Nässe, 
und um uns die Zeit zu vertreiben, veranlasste ich 
Afonassij, der mir vom Frühling her — während der 
Arbeiten am Mammuthplatz — als guter Märchenerzäh- 
ler bekannt war, uns eines von seinen Märchen zu 
erzählen, was er gern that. Die Erzählung nahm fast 
den ganzen Tag in Anspruch, wobei ich mich für 's 
Erste an den Ausrufen des Erstaunens seiner beiden 
tungusischen Zuhörer ergötzte. Am Abend Hess ich 
mir kurz den Inhalt des Märchens wiedergeben und 
habe es nachher auf Sagastyr in möglichst genauer 
Übersetzung niederschreiben lassen. Es ist werth 
weiter bekannt zu werden, spricht für eine ausser- 
ordentlich lebhafte Phantasie der Jakuten, und bei 
Gelegenheit werde ich mir erlauben Ihnen dasselbe 
zukommen zu lassen. 

Am 18. (30.) Juli brachen wir auf und erreichten, 

Mélaugas biologiques. XII. 34 



— 266 — 

anfangs in rein östlicher, ja sogar südöstlicher Richtung 
fortgehend, um das Flüsschen Ossuk oder Ohuk zu 
umgehen, zeitig das Cap Ossuk, östlich vom gleich- 
namigen Flusse, gegenüber der Insel Dunai, die von^ 
hier aus deutlich sichtbar war. Von hier aus musste 
ich versuchen, einige Peilungen auszuführen; auf die 
zunächtsliegenden Caps zu gelangen, war nur mit gros- 
sen Schwierigkeiten und Aufenthalt möglich. Leider 
hatte ich mich, wodurch die Excursion nur um ein 
Weniges vertheuert worden wäre, aus Unkenntniss der 
Verhältnisse hier, nicht mit einer Wetka versehen ; 
auf ihr hätte ich leicht die zunächstliegenden kleineren 
Inseln und Caps, ja sogar die Insel Dunai selbst er- 
reichen und viel genauer vermessen können. Die von 
einer nur kleinen Basis aus ausgeführten Peilungen 
auf die entfernten Inseln ergaben nur kleine Winkel. 
Das Flüsschen Ossuk, ein viele kleine Seen unter 
einander verbindendes Gewässer, hat insofern Interesse, 
als es die Grenze zwischen den Gebieten Tumat und 
Ary (Turach) bildet : östlich von demselben stellen die 
Bewohner von Tumat ihre Fuchsfallen längs der Küste 
auf, westlich die Bewohner von Turach. Hier, auf 
Ossuk, erwies sich nun, dass meine Tungusen ganz 
ohne Proviant waren; sie hatten mit Sicherheit darauf 
gerechnet, dass wir Rennthiere erlegen würden. Das 
hatte nun freilich nicht viel zu sagen, da ich ihnen 
vorläufig von meinem Proviant ein wenig abtreten 
konnte, später aber, im schlimmsten Falle, konnten wir 
eines von unseren Rennthieren schlachten , wozu sich 
die Leute freilich schwer entschlossen hätten, beson- 
ders da es nicht ihre eigenen Thiere waren. Indessen 
hätte uns hier leicht etwas passiren können, was uns 



— 267 — 

dieses Rückhaltes beraubte: bei unserer Ankunft auf 
Ossuk hatten wir auf zwei Rennthiere , eine Kuh mit 
einem Kalbe, Jagd gemacht; die Thiere gingen in's 
Meer, das auch hier ganz flach war, und verschwanden 
schliesslich, von einander getrennt, auf einer kleinen 
Insel. Am folgenden Morgen, ganz früh, sah ich das 
junge Thier am Ufer jener Insel und hörte es seinen 
grunzenden Lockton austossen, achtete aber nicht wei- 
ter darauf und legte mich wieder hin. Als ich etwas 
später erwachte, waren alle unsere Rennthiere fort, 
und zwar war, wie uns der zurückgebliebene Tunguse 
sagte — die beiden anderen waren auf die Suche ausge- 
gangen — das kleine Thier die Veranlassung dazu ge- 
wesen. Solch' ein von der Mutter getrenntes Kalb, er- 
zählten die Tungusen später, werde den zahmen Renn- 
thierheerden häufig bei Weitem gefährlicher als ein 
Wolf: in der Hofi'nung, unter den zahmen Rennthieren 
die Mutter zu finden, eilt es auf sie zu; diese aber 
halten es für ein wildes Thier und ergreifen die Flucht, 
das Kalb eilt ihnen nach, und so geht es in wilder 
Jagd ad infinitum über die Tundra ; eine ganze Heerde 
gehe bisweilen unwiederbringlich verloren. Der Wolf 
dagegen fängt ein Thier ab, damit ist die Hetze be- 
endigt, und man findet die Thiere bald wieder. 

Das sah nun schlimm aus, und ich machte mich be- 
reits auf eine kleine Fusstour nach Borchaja gefasst. 
Den Tag über führte ich meine Peilungen aus und 
besah mir die Gegend: ein ganz öder, unbelebter Strand, 
mit der elendesten Vegetation. Ausser kleineren Eisschol- 
len, die zum Theil an's Ufer geworfen waren, zum Theil 
weiter im Meere festsassen, bemerkte ich hier noch in 
einer Entfernung von c. 8 Werst ein zusammenhängen- 



— 268 — 

des Eisfeld, welches das Meer vollkommen zu bedecken 
schien und sich nach NW und NO hin, soweit ich mit 
dem Binocle sehen konnte, unbegrenzt fortsetzte. Ich 
komme auf dasselbe später noch ein Mal zurück. Zu 
Mittag kam einer der Führer mit einem Rennthiere 
zurück, ritt aber gleich wieder auf demselben fort, 
nachdem er es gesattelt hatte, um dem anderen zu 
helfen. Erst spät am Abend wurde ich durch den Ruf 
des Kosaken: «ij^yxT,» erfreut; alle Rennthiere bis auf 
eines waren eingefangen. Auf meine an Afonassij ge- 
richtete Frage, ob er sehr hungrig sei, antwortete er: 
die Angst hätte ihn daran gar nicht denken lassen. Um 
so besser mundete jetzt ein in fröhlichster Stimmung 
eingenommenes Abendessen. Die Tungusen hatten mich 
ursprünglich so verstanden, dass mit der Besichtigung 
dieses Punktes der Küste unsere Excursion beendigt sei, 
und wünschten von hier quer durch die Insel nach 
Borchaja zurückzukehren. Mir lag jedoch noch daran, 
einen Meerbusen, von dem es namentlich wahrschein- 
lich war , dass er der Mündung eines alten Strom- 
armes entspräche, zu besichtigen; auch hoffte ich im- 
mer noch etwas tieferes Meer und dort wenigstens 
etwas von der Fauna desselben finden zu können. Unser 
nächstes Ziel wurde also der etwas weiter östlich ge- 
legene Iwan -Tonoldo, an welchem wir aber wegen Man- 
gels an Treibholz nicht lagerten; wir blieben an dem 
zunächst westlich gelegenen Meerbusen, der den Namen 
Chargy-Iwan-Tonoldo (= flacher Iwan-Busen) trägt. 

Als wir am folgenden Morgen unser Lager verlies- 
sen, meinte Afonassij: Ossuk sei ein böser Ort, nie 
hielte man sich hier auf, ohne dass etwas Unangenehmes 
passirte. Wir konnten in der That froh sein , dass 



— 269 — 

wir so mit dem Schreck davonkamen, ja wir wurden 
noch in der angenehmsten AVeise überrascht, als wir 
nach einem Marsch von ^c. 10 Werst unser 15tes 
Rennthier in der Tundra liegend und ruhig wiederkäuend 
fanden. Am Abend erreichten wir das Südende des 
Chargy-Iwan-Tonoldo. Über die durchwanderte Strecke 
lässt sich kaum etwas sagen: ein Hügelzug hinter dem 
anderen, an steileren Abhängen noch Ansammlungen 
von Winter sclinee , einige kleine Flüsschen, die uns 
bisweilen zwangen, nach Süd zu ziehen, um eine Fürth 
zu finden, — das war Alles. Von unserem Lagerplatze 
aus konnte ich wieder eine zusammenhängende Eis- 
fläche, bedeutend näher dem Ufer als bei Ossuk, er- 
blicken, die ich mir gern aus grösserer Nähe besehen 
wollte. Zugleich Hess ein höherer Wellenschlag erken- 
nen, dass dort das Meer etwas tiefer sei, und ich be- 
schloss daher noch einen Tag zu opfern und das Cap 
zwischen den beiden Iwan- Buchten genauer zu be- 
sichtigen. Die Entfernung von unserem Lager bis zur 
Nordspitze des Caps betrug c. 4 Werst. 

Am folgenden Tage, d. 21. Juli (2. Aug.), brach ich 
also mit dem Kosaken und Afonassij, auf Rennthieren 
reitend, auf und erreichte bald die Nordspitze des 
Caps. Von hier aus konnte ich mit dem Binocle das 
Eis genau betrachten: es war eine zusammenhängende 
Eisfläche, die sich unbegrenzt nach Nord ausdehnte; 
nur an einzelnen Stellen zeigten sich ganz geringe Auf- 
thürmungen (Topocbi), deren Zustandekommen durch 
Sandbänke veranlasst zu sein schien. Diesem Eise ist 
nicht die Bedeutung eigentlichen Polareises zuzu- 
schreiben; es ist nur Wintereis, das bis jetzt noch 
nicht aufgethaut war. Das lange Stehenbleiben des Eises 



— 270 — 

spricht für eine sehr geringe Tiefe des Meeres: das 
Wasser friert bis auf den Grund, jnd in Folge dessen 
kann ein Wellenschlag, der dasselbe zertrümmerte, 
nicht zu Stande kommen. Näher zum Ufer aber 
schwindet es schon deswegen schneller, weil es hier 
dünner ist, und ferner, weil es von dem vom Ufer auf das- 
selbe herabströmenden Frühlingswasser, welches Sand 
und Erde mit sich führt, wodurch die Einwirkung der 
Sonnenstrahlen gesteigert wird, überschwemmt wird. 
Noch stand das Eis, trotz des frischen Windes, voll- 
kommen fest; der Führer aber meinte, dass es in diesen 
Tagen («etwa um den Iljin-Tag», d. i. d. 20. Juli 
a. St.) vom Wasser zerschlagen werde. Beständig 
vom Eisfelda sich ablösende Schollen, die dem Ufer 
zugetrieben wurden, schienen diese Angabe zu be- 
stätigen. Nachdem ich eine Photographie der Küste 
mit dem Eise aufgenommen, besah ich mir den 
Strand näher und fand hier endlich, was ich so lange 
gesucht hatte , — einige Meeresthiere : zwei Arten 
Bivalven und einen Coelenteraten, auf dem Sande auf- 
sitzend; endlich auch einige Tange, wie mir scheint, 
zwei, vielleicht auch gar drei Arten, in eben so vie- 
len Exemplaren. Von Vögeln sah man hier wenig- 
stens Eiderenten in grossen Schwärmen im Meere 
sitzen oder umherfliegen. Endlich konnte ich von 
der Höhe des Caps die Insel Dunai und zwei kleinere 
Inseln, auf die ich zwei Tage vorher gepeilt hatte, 
wieder, wenn auch nur undeutlich, sehen und so diesen 
Punkt, freilich sehr ungenau, mit der früheren Ver- 
messung in Verbindung setzen. Das Wetter, das am 
Morgen erträglich war, wurde am Nachmittag sehr 
unangenehm: die Temperatur fiel unter 0°, ein eisiger, 



— 271 — 

starker Nordwestwind trieb eine Schneewolke nach 
der anderen über die Gegend, Schnee mit Sand ge- 
mischt fegten über die hartgefrorenen feuchten Sand- 
flächen und hinderten mich häufig die Augen zu öffnen. 
Das waren unsere Hundstage! 

Ganz erstarrt, aber höchst befriedigt über die ge- 
lungene, erfolgreiche Excursion, kehrte ich am Abend 
zum Zelte zurück. Nun war es hohe Zeit unsere Reise zu 
beendigen : abgesehen davon , dass wir nur noch spär- 
lichen Proviant hatten und mehrere unserer Rennthiere 
sich während der Hetze auf Ossuk stark beschädigt hat- 
ten und so hinkten, dass sie untauglich waren, musste ich 
befürchten zu den Arbeiten am Mammuth zu verspäten, 
da mir, um einige Vorbereitungen zu denselben auszu- 
führen, noch ein Aufenthalt auf Sagastyr bevorstand. 

Unser Aufbruch am folgenden Tage, d. 22. Juli 
(3. August), dauerte länger, da, wir von hier ausser 
unserem Gepäck Brennholz und Zeltstangen mitnehmen 
mussten, denn auf dem weiteren Wege in den nächsten 
Tagen, quer durch die Tundra, war nirgends Treib- 
holz zu finden. Unser Weg führte zunächst längs dem 
Ufer des Iwan - Tonoldo , dann dem gleichnamigen 
Flüsschen entlang, wobei ich mich davon überzeugen 
konnte, dass der Iwan-Tonoldo sich von den übrigen 
Buchten nur dadurch unterscheidet, dass er etwas 
tiefer in die Insel einschneidet. Bald setzten wir über 
das Flüsschen Iwan und zogen den ganzen Tag in süd- 
östlicher Richtung durch hügelige Tundra mit pracht- 
voller Rennthierweide , passirten noch einige Bäche 
mit prachtvoll klarem, grünlichem Wasser und lagerten 
am Abend an einem kleinen See. Der Ort hiessUlach- 
Bahâ (= Ende des Wassers , der Gewässer?). An 



— 272 — 

unserem nächsten Lagerplatz sollten wir wieder Holz 
finden, und ich war sehr gespannt auf dasselbe, da wir 
von dort bis Borchaja und somit bis zum nächsten 
Stromarme noch c. 20 Werst zurückzulegen hatten. Ich 
sah mich aber sehr enttäuscht, als wir am Abend des 
23. Juli (4. August) am grossen Mugur-Köl (Mugur- 
oder Tschir-See) Halt machten und hier anstatt Treib- 
holz eine alte Wolfsfalle vorfanden, deren Balken jetzt 
allmählich von den Vorüberziehenden verbrannt wer- 
den. Das Holz zu derselben ist, ebenso wie das zu eini- 
gen hier aufgestellten Fuchsfallen, vor langen, langen 
Jahren auf Narten vonWeitem hierher gebracht worden. 
Am folgenden Tage zogen wir in rein östlicher 
Richtung fort, und bald schon erblickte ich die Kirche 
von Borchaja, das wir zeitig am Nachmittag erreichten. 
Kurz vorher trafen wir am Ufer einer Niederung, die 
im Frühling unter Wasser steht, die ersten Treibholz- 
stämme an. Obgleich im Dorfe keine Spur von Leben 
zu bemerken war, ging der Führer doch zu Fuss vor- 
aus, während wir warteten, um, falls doch Menschen 
und damit auch Hunde vorhanden waren, letztere 
sicher anbinden zu lassen, da sie sonst den Rennthieren 
gefährUch werden. Bald gab er, indem er auf eine 
Jurte stieg, das Zeichen, dass wir ruhig kommen 
könnten. Kein Mensch, kein Hund befand sich im 
Dorfe. Das war schlimm genug: es brachte mir min- 
destens einen starken Aufenthalt. Die nächsten, zu 
Lande erreichbaren bewohnten Orte befanden sich 
südlich eine starke Tagereise von hier, an jenem 
Stromarme, auf welchem wir unsere Fahrt begonnen 
hatten; Kytach aber oder sonstige bewohnte nähere 
Orte waren nur zu Wasser erreichbar. Von einem 



— 273 — 

Signal durch Feuer oder Rauch konnte auch nichts 
erwartet werden; ersteres liess der beständige Tag, 
letzteren der beständige Wind aus der Entfernung 
nicht sichtbar werden. An Fahrzeugen fand sich hier 
nur ein Boot und eine Wetka, beide in so irrepa- 
rablem Zustande, dass mit ihnen nichts anzufangen 
war. Endlich, nach langem Suchen, fand sich noch eine 
zweite Wetka, auf welcher Afonassij nach einiger Re- 
paratur, wenn das Wetter stiller werden sollte, es 
unternehmen wollte, Kytach zu erreichen, unsere An- 
kunft zu melden und Leute mit einem Boote zu uns zu 
schicken. In einer guten Jurte machten wir es uns 
nun nach Möglichkeit bequem und genossen die Wohl- 
that eines Aufenthaltes unter einem festen Dache am 
wärmenden Kamin, was wir 12 Tage entbehrt hatten. 

Am folgenden Morgen zogen zwei Tungusen mit 
den Rennthieren fort; Afonassij erklärte noch einige 
Zeit bei mir bleiben und mit nach Sagastyr kommen 
zu wollen. Aus Birkenrinde, ein wenig Butter, die er 
sich ausbat, und reichlichem Speichel braute er einen 
Höllenbrei, den er nachher im Munde zu schwarzen 
Ballen zusammenkaute, um damit sein Fahrzeug zu 
kalfatern. Bis zum Mittag war diese Arbeit glücklich be- 
endigt , und da der Wind nachliess, machte er sich rasch 
auf den Weg. Am Abend bereits sahen wir ein Boot mit 
4 Ruderern sich Borchaja nähern, und wenige Stunden 
darauf fuhren wir nach Sagastyr ab , das wir wohlbe- 
halten am Morgen des 26. Juli (7. Aug.) erreichten. 

Die Resultate dieser Excursion sind vorzugsweise 
auf kartographischem Gebiete zu suchen. Sind sie 
auch nur lückenhaft, so wird durch dieselben immer- 
hin ein Beitrag zur Kenntniss des Delta geliefert, der 

Mélanges biologiques. XII. 35 



— 274 — 

namentlich als Ergänzung zu der von Herrn Jürgens 
durch astronomische Bestimmungen constatirten wei- 
teren Ausdehnung des Delta nach Nordwest einigen 
Werth erhält. Die von mir hier entworfenen Karten 
übersende ich gleichzeitig ^). 

Die Ergebnisse auf zoologischem Gebiete sind nur 
unbedeutend; auf die wichtigeren habe ich bereits im 
Laufe der Referates hingewiesen ; nähere Details 
über Vögel finden sich im Verzeichniss der im Jahre 
1884 beobachteten Thiere. Die Pflanzenausbeute ist 
gleichfalls gering, schon weil es mir am nöthigen Pa- 
pier, die Pflanzen unterzubringen, mangelte, da eine 
erbetene Sendung nicht eintraf; ferner ist die Flora 
eine höchst einförmige, immer und immer wieder alle 
dieselben Arten, die ich bereits im vorigen Jahre ge- 
sammelt hatte. Was ich neu angetroffen, habe ich un- 
terbringen können. 

Meteorologische Beobachtungen hatte ich, soweit es 
die Umstände gestatteten, während der ganzen Zeit 
fortgesetzt. Vollständig konnten sie schon insofern nicht 
sein, da mir kein Barometer zur Verfügung stand ; ferner 
aber war ich nicht einmal im Besitze einer Uhr, und 
mit dem Compass Hess sich, der Bewölkung wegen, 
die Zeit nicht immer bestimmen; oft konnte ich die 
Zeit nicht einmal annähernd richtig bestimmen. Denn- 
noch könnte das gesammelte Material als ein kleiner 
Beitrag zu den bisher auf der Station ausgeführten 
Beobachtungen gelten, da wenigstens die Temperatur- 



1) Eiuen gemeinschaftlichen Namen trägt die von mir umreiste 
Deltainsel (auf den alten Karten Changalachskij Chrebet) nicht; die 
Jakuten bezeichnen diese Gegend mit dem Worte Sister (Plurale 
von sis, der Höhenzug, xpeöeTi.). 



— 275 — 

beobachtungeil, wenn auch nicht regelmässig angestellt, 
zu zwei vollen Jahren ergänzt werden. 

Leider war bei meiner Rückkehr nach Sagastyr der 
Starosta mit den übrigen Jakuten, die Herrn Jür- 
gens nach Bulun begleitet hatten, noch nicht zu- 
rückgekehrt; seine Rückkehr musste ich aber jeden- 
falls abwarten, da ich fast ganz ohne Proviant war. 
Aus Bulun wollte mir Herr Jürgens Alles zu mei- 
nem Aufenthalt Nöthige übersenden. Wenn auch für 
mich und den Kosaken noch für einige Zeit genügend 
vorhanden gewesen wäre, so hätte ich doch den Arbei- 
tern so gut wie nichts abtreten können; bei allen unse- 
ren Unternehmungen aber unter Mithülfe der hiesigen 
Bewohner war Verabfolgung einigen Proviantes (Thee, 
Mehl, Zwieback, Tabak) einmal angenommene Be- 
dingung. Ich musste also ruhig warten, und zwar recht 
lange, was mir sehr schwer fiel, denn ich befürchtete 
für die Arbeiten am Mammuthcadaver, deren Umfang 
mir ja vollkommen unbekannt war, nicht genug Zeit 
bis zum Eintritt des "Winters übrig zu behalten. Wir 
hatten in dieser Zeit sehr heftige Stürme und mehr- 
fach starkes Gewitter, wie es im vorigen Jahre nicht 
beobachtet worden war. Diese hatten auch die iVnkunft 
der Jakuten verhindert. Glücklicherweise traf am 30. 
Juli (11. Aug.) eine Post ein, die mir Herr Jürgens 
aus Kumaksur, wo sie ihn getroffen hatte, übersandte; 
sie brachte mir einige Briefe und Zeitungen vom März 
und April, die mir meine Unruhe und Ungeduld zu 
bezwingen halfen. 

Erst am 6. (18.) August traf der Starosta ein und 
mit ihm der nöthige Proviant. Am 7. (19.) August 
brach ich mit den Arbeitern nach dem Mammuth- 



— 276 — 

platz auf der Insel Mostacli auf, wo unterdessen auf 
meinen Wunsch für mich eine geräumige ürassa er- 
baut worden war, von welcher ich am 8. (20.) Au- 
gust Besitz nahm und in der ich mich häuslich nie- 
derliess. Die Jurte hatte in der Entfernung von circa 
Yg Werst vom vermuthlichen Mammuthplatz errichtet 
werden müssen, da wir an Ort und Stelle durch Sand- 
wehen sehr gestört worden wären und in der Nähe 
kein Treibholz zu finden war. 

Ich wurde hier vom Candidaten zum Golowa, Con- 
stantin Muchaplejew, mit dem ich bereits im Früh- 
ling den Platz besichtigt hatte, empfangen; er hielt sich 
hier mit einer Anzahl anderer Jakuten auf, um denRenn- 
thieren aufzulauern, deren Rückzug nach Westen jetzt 
begann. Desgleichen wohnte hier der alte Jakute Ste- 
pan, der mir bereits im Frühling als hauptsächlicher 
Kenner des Mammuthplatzes bezeichnet wurde. Endlich 
fand sich auch unter den von mir angenommenen Ar- 
beitern einer, der das Mammuth vor langer Zeit einmal 
gesehen hatte. Am Morgen des 9. (21.) August besich- 
tigten wir den Platz. Obgleich ich demjenigen, der 
das Mammuth bis zu meiner Ankunft hier findet, eine, 
freilich nur geringe Belohnung ausgesetzt hatte, hatten 
fast gar keine Nachforschungen stattgefunden; nur an 
einigen Stellen waren unbedeutende Gruben in den Sand 
gegraben worden. Auf den Platz einigten sich die beiden 
vorher genannten Personen vollständig übereinstim- 
mend : derselbe befand sich 60 Schritte südlicher von der 
Stelle, die ich im Frühling vergebens durchsucht hatte. 

Die Beschaffenheit des Ufers hier war folgende: 
wie ich Ihnen bereits im Frühling dieses Jahres mit- 
theilte, erleidet der im Allgemeinen die Richtung 



— 277 — 

S—N einhaltende Strom hier eine mit der Convexität 
nach West gerichtete Krümmung. Ein wenig unter- 
halb verbindet er sich mit einem von SO herliommen- 
den, zweiten Stromarm, um dann, nach Aufnahme noch 
eines dritten von Westen her (desselben, längst welchem 
ich nach Turach fuhr), etwa 2 Werst unterhalb, gemein- 
schaftlich bis zur Insel Sagastyr zu fliessen, wo sie 
sich mit der grossen Tumat-Protoka verbinden. Im 
Verlaufe der obenerwähnten Krümmung ist das Ufer 
hoch, sandig, zeigt eine horizontale Schichtung und ist 
oben mit einer nur dünnen Erdschicht bedeckt, die 
eine geringe Vegetation (meist Gramineen) trägt. Die 
Höhe des Ufers beträgt 30 — 31' über dem gewöhn- 
lichen Wasserspiegel. An dieses abschüssige Ufer 
schliesst sich zum Flusse hin eine flache, fast horizon- 
tale Bank, in einer Breite von 12 — 16', die zum 
Wasser hin mit einer kleinen Stufe schliesst, deren 
Höhe, je nach dem sehr veränderlichen W^asserstande 
(Ebbe und Fluth treten regelmässig ein !), grösser oder 
geringer ist. Von hier aus senkt sich der Boden all- 
mählich zur Mitte des Flusses hin, so dass das Wasser 
bei besonders niedrigem Stande bedeutend zurück- 
tritt. Bisweilen, bei hohem Wasserstande, wurde der 
äusserste Rand der Bank vom Wasser überspült. Der 
höchste, dem Abhänge zunächst gelegene Theil der 
Bank lag 2%" über dem gewöhnlichen Wasserstande. An 
der Uebergangsstelle von der Bank zum Abhänge lagen 
grössere, von oben herabgestürzte Erdstücke, die mit 
Hülfe von Sand eine kleine Stufe bildeten, ehe der 
eigentliche Sandabhang begann, und an dieser Stelle, 
in etwaö'?'' über dem Wasserspiegel, waren dieStoss- 
zähne des Mammuths im Jahre 1857 oder 1858 zum 



— 278 — 

Vorschein gekommen. Ich glaube bereits in meinem 
Bericht vom Frühling erwähnt zu haben, dass das 
Mammuth auf der rechten Seite, mit dem Kopfe zum 
Abhänge hin gewandt, gelegen hat, während das 
Hintertheil zum Flusse hin gerichtet war. Den Platz 
aber, wo man jetzt zu suchen hätte, bezeichneten 
die beiden genannten Jakuten bedeutend näher zum 
Ufer hin, am äussersten, dem Wasser zunächst gele- 
genen Uande der Bank, entsprechend dem Umstände, 
dass das einstürzende Ufer allmählich zurückgetreten 
war. (Eine schematische Profilansicht der Ortsver- 
hältnisse so wie der später ausgeführten Arbeiten, die 
ich hinzufüge, wird zur Veranschaulichung des Ge- 
sagten beitragen). Um das Thier zu finden, hätte man 
nicht tief zu graben : bis zur gefrorenen Erde brauche 
man nicht zu gehen; es läge jedenfalls wenigstens zum 
Theil darüber. Falls es aber gefunden werde, müsse 
man um dasselbe bis zur gefrorenen Erde und in die- 
selbe hineingraben, dann einen hölzernen Kasten um 
das Thier in die Erde versenken, um den Raum vor 
eindringendem Wasser zu schützen, da der Platz nur 
wenig über das Niveau des dicht vorüberfliessenden 
Flusses sich erhob etc. Das Alles ergab sich ja wäh- 
rend der Arbeit. Die Hauptsache war nun, den Ca- 
daver, zu finden, und dafür schien alle Aussicht vor- 
handen zu sein, da der von den Leuten bezeichnete zu 
untersuchende Raum von nur geringer Ausdehnung, 
c. 15 Schritt längs dem Ufer, war. Fände sich das 
Thier hier nicht, meinten sie, so sei es vom Wasser 
fortgeführt worden. Begrenzt wurde der zu durch- 
suchende Raum einerseits durch das Wasser, anderer- 
seits durch das steile sandige Ufer. Dass der Cadaver 



— 279 — 

vom Wasser fortgeführt worden sei, schien unwahr- 
scheinlich, erstens schon weil der Cadaver einmal hier 
so lange Jahre gelegen hatte, zweitens aber auch weil, 
falls er auch jetzt im Herbst in vollkommen unge- 
frorenem Boden läge, er zur Zeit des Hochwassers, das 
nur eine kurze Zeit andauert, zum grössten Theil 
in gefrorenem Sande liegen müsste. Die ganze übrige 
Zeit des Jahres hindurch ist der Stromarm hier nur 
sehr unbedeutend, hat fast gar keine Strömung, und 
nur bei starken Winden kommt ein erheblicher, auf 
das Ufer aber nur unbedeutend einwirkender Wellen- 
schlag zu Stande. Während des Hochwassers muss 
aber die Einwirkung des Stromes auf das hohe Ufer 
keine ganz geringe sein, da das Wasser hier, wie ich 
mich durch Messung des Treibholzes überzeugt habe, 
16 — 17' über den gewöhnlichen Wasserstand steigt. 
Es konnte daher möglich sein, dass das Ufer im Laufe 
der Zeit weiter zurückgetreten sei, als die Jakuten an- 
nahmen, und dass das Thier jetzt bereits unter dem 
Wasserspiegel lag. Dieser von mir geäusserten Ansicht 
stimmten aber die Jakuten keineswegs bei: so weit, 
meinten sie, könne es noch nicht vorgerückt sein. Ich 
komme darauf im Verlauf der Arbeiten zurück. 

Am Nachmittag desselben Tages begannen wir, 
voller Hoffnung auf baldige Kesultate, mit 5 Arbeitern 
— der Kosak, der die ganze Zeit über fleissig mit- 
arbeitete, war der sechste — die Arbeit. Wir gruben 
zunächst nahe dem Ufer eine etwa 2 Faden lange und 
einen Faden breite Grube, an der Stelle, wo nach An- 
gabe der Jakuten hauptsächlich etwas zu erwarten 
war. Den herausgegrabenen Sand Hess ich zum Flusse 
hin, in das Wasser hinein aufwerfen, einmal um einen 



— 280 — 

bei höherem Wasserstande schützenden Wall zu er- 
halten, und dann auch um auf diese Art das Ufer 
weiter zum Flusse hin vorzurücken und so neues Ter- 
rain, das vielleicht später zu durchsuchen wäre, zu 
gewinnen. Wir drangen nicht tief in den Boden ein, nur 
etwa zwei Fuss; tiefer zu graben, meinten die Leute, 
sei nicht nöthig. Ich hatte für's Erste nichts dagegen, da 
sie ihrer Sache so sicher zu sein schienen. Der Boden, 
in welchem wir arbeiteten, bestand aus grobkörnigem 
Sande, in welchem kleine Stücke Torferde, vom oberen 
Rande des Abhanges herstammend, eingelagert waren. 
Da wir hier nichts fanden , legten wir am folgenden 
Tage neben der früheren, mehr nach Norden hin, eine 
zweite Grube an, zwischen beiden einen kleinen Zwi- 
schenraum von c. 2 Fuss lassend, um nicht durch das 
in der früheren Grube unterdessen angesammelte 
Wasser gestört zu werden. Derartige Zwischenräume 
konnten bei der Grösse des zu suchenden Objectes die 
Genauigkeit unserer Nachforschungen nicht weiter 
beeinflussen. Im Grunde der Gruben sammelte sich, 
wie gesagt, Wasser. Die Menge desselben, so wie die 
Geschwindigkeit, mit welcher dasselbe eindrang, hing 
selbstverständlich von dem jeweiligen Wasserstande 
ab. Doch war es immerhin möglich durch Ausschöpfen 
mit Spännen das Wasser zu entfernen und so die Ar- 
beit zu erleichtern und mehr in die Tiefe zu fördern, 
was namentlich späterhin geschah. Nur wenn wir 
schon sehr nahe dem gefrorenen Boden waren, wurde 
die Arbeit sehr schwierig. Es kam dann darauf an, 
die Stelle möglichst schnell definitiv zu untersuchen, 
da das stark hereindringende Wasser die lockeren 
Sandwände der Grube zum Einsturz brachte und so im 



— 281 — 

Moment das eben Geleistote wieder vernichtete. Unter 
gleichzeitigem Ausschöpfen und eifrigem Graben Hess 
sich jedoch der ganze Boden bis zum gefrorenen hin 
genau durchsuchen und besichtigen. Da wir nun we- 
der in der zweiten , noch in einer dritten , südlich 
von der ersten angelegten Grube etwas fanden, so 
Hess ich am 11. (23.) August die früher augelegten 
Gruben bis zum gefrorenen Boden vertiefen. Die Ja- 
kuten gingen höchst ungern an diese Arbeit, schon weil 
sie schmutzig und nicht leicht war, dann aber auch, 
weil sie dieselbe für vollkommen zwecklos hielten. 
Wir fanden auch dabei nichts, und nun hielten es die 
Leute für nothwendig, zunächst näher zum Abhänge 
hin zu suchen. Auf mein Bemerken, dass mir eher eine 
Besichtigung des Bodens zum Flusse hin oder viel- 
mehr schon im Bereiche desselben, unter dem Wasser- 
spiegel, nothwendig erscheine, erhielt ich die Antwort: 
dort Hesse sich nichts erwarten. Bei dem augenblick- 
lichen Wasserstande war dort die Arbeit auch kaum 
oder nur mit sehr grossen Schwierigkeiten (Anlegung 
von Holzkasten etc.) möglich. Ich behielt mir jedoch 
vor, bei niedrigem Wasserstande dort jedenfalls nach- 
zusuchen. Ich hoffte, dass, falls der Cadaver unter 
dem Wasserspiegel läge, sein Ort sich durch Auf- 
steigen von Fetttheilchen, die sich an der Oberfläche 
des Wassers in der bekannten Weise (durch Regen- 
bogenfarben etc.) kenntlich gemacht hätten, verrathen 
würde, und richtete, namentlich bei stiHem Wetter, 
meine Aufmerksamkeit auf die Wasserfläche. Es er- 
folgte aber gar nichts Derartiges; auch Gase sah ich 
niemals dem Sande entsteigen. 

Mélangea biologiques. XII. 36 



— 282 — 

An den folgenden Tagen setzten wir nun unsere 
Arbeit in der Weise fort, dass wir zwei einander pa- 
rallele Reihen von Gruben, eine am Wasser, die andere 
am Abhänge, anlegten, indem wir sowohl nach Nord, 
als nach Süd vorrückten. In allen Gruben gingen wir bis 
zum gefrorenen Boden, auf welchen wir am Abhänge 
in 2' 8'' bis 3', am Ufer in 3' 9" bis 4' stiessen. Wenn 
unser bisheriger Misserfolg auf einem Irrthum der Ja- 
kuten in Betreff des Platzes beruhte, so mussten wir, 
auf diese Art weiter suchend, allmählich das Thier 
treffen, falls es im Bereiche des früher beschriebenen, 
flachen, sandigen Saumes lag. Im Wasser selbst aber 
hätte man nur dann eine Arbeit beginnen können, 
wenn die Lagerstätte sicher bekannt war. Suchen 
konnte man dort nicht, und die von den Jakuten stricte 
ausgesprochene Ansicht, dass es unter dem W^asser 
nicht liegen könne, Hess mich für's Erste von der 
schwierigen Arbeit, die dazu nöthig gewesen wäre, ab- 
stehen. Ein Irrthum war indess immerhin möglich und 
denkbar; hatten doch die Leute im W^inter den Platz 
um 60 Schritt weiter nördlich bezeichnet. Besondere 
Kennzeichen für den Ort fanden sich auch jetzt nicht. 
Auf meine Frage, woran sie den Platz erkennen zu 
können glauben, antworteten sie: «eben am Orte 
selbst». Das Ufer trug aber im Verlaufe einer be- 
deutenden Strecke kein irgend hervortretendes Merk- 
mal. Ferner hatten sich hier einige Knochen (ein W^ir- 
bel und eine Rippe) gefunden, die der alte Stepan 
vor vier Jahren hier einmal deponirt haben wollte ; es 
war aber doch mehr als wahrscheinlich, dass dieselben 
durch Wasser, von Menschen oder Thieren aus ihrer 
Lage verrückt worden seien. Einer meiner Arbeiter 



— 283 — 

hatte ja vor drei oder vier Jahren an einer 185 Schritt 
weiter nördlich oder viel mehr nordöstlich am Ufer 
gelegenen Stelle eine Rippe und daneben eine tiefe, 
frisch gegrabene Grube gefunden. Auf dieser Mit- 
theilung beruhte auch noch ein Theil meiner Hoffnung, 
das Thier zu finden: ganz unmotivirt konnte jener 
nicht mehr zu ermittelnde Mensch doch nicht gegraben 
haben! Den Ort bezeichnete der Arbeiter genau an der- 
selben Stelle, wie im Winter. Soviel konnte auch ich er- 
kennen: hier waren deutliche Zeichen in kleinen Erhe- 
bungen am oberen Rande des Abhanges vorhanden. 

In der oben angegebenen Weise setzten wir die 
Arbeit bis zum 16. (28.) Aug. fort. Ich muss geste- 
hen, dass mir diese Zeit nicht ganz leicht fiel. So 
lange eine Arbeit einen , wenn auch nur geringen Er- 
folg bietet, findet man Befriedigung in derselben; man 
tröstet sich mit der Ungunst der Umstände, die ein 
«Mehr» verhinderten. Wenn aber gar nichts erzielt 
wird und zugleich die Aussicht auf die Erfüllung eines 
sehnlich gehegten Wunsches, etwas sicher Erhofftes 
täglich mehr und mehr schwindet, dann erscheint 
Einem Alles düster im Leben; jeder Spatenstich wurde 
mir zur schweren Last, — es ist ja Alles vergebens! 
Die Jakuten hatten bereits am dritten Tage alle Hofi*- 
nung aufgegeben : das Wasser hätte das Thier fortge- 
schwemmt, meinten sie. Kam dazu noch ein Tag, 
wo hoher Wasserstand unsere ziemlich rasch fort- 
schreitende Arbeit vollkommen störte, dann wurde die 
Stimmung eine ganz unerträgliche. Sollte ich wirklich 
ganz unverrichteter Sache von hier fortziehen müssen?! 
In dieser Stimmung konnte ich mich des Gedankens 
nicht erwehren, dass die Leute doch vielleicht den 



— 284 — 

eigentlicheû Ort aus irgend welchen Gründen absicht- 
lich verheimlichten, obgleich es mir kaum denkbar 
schien, dass sie so indolent seien, ruhig eine vollkom- 
men zwecklose Arbeit ausführen zu können, oder dass 
der ehrwürdige alteStepan mich zu hintergehen ver- 
suchte; er schien wirklich nach bestem Wissen und 
Gewissen zu handeln. An dem oben genannten Datum 
erklärten zwei der Arbeiter nicht länger bleiben zu 
können, — ihre Familien seien ohne Ernährer, sie müss- 
ten nach Hause zurück. Der Candidat Constantin, 
der schon am 10. (22.) Aug. Mostach verlassen hatte, 
versprach mir sofort noch Arbeiter zuzuschicken, da 
mir schon damals eine grössere Zahl von Arbeitern 
nothwendig erschien; bisher war aber Niemand ge- 
kommen. Zugleich erfuhr ich an diesem Tage, dass 
sich nicht weit von hier ein Jakute, Ssemenkan, auf- 
hielt, von dem es hiess, dass er vor vier oder fünf 
Jahren noch dasMammuth gesehen habe. Im Frühling 
darüber befragt, hatte er freilich jede Kenntniss vom 
Cadaver in Abrede gestellt. Da ich ihn damals aber 
nicht selbst befragt hatte, wollte ich jedenfalls die 
Möglichkeit, es jetzt thun zu können, nicht vorüber- 
gehen lassen. Ich beschloss also, von den zwei mir 
noch übrig bleibenden Arbeitern (den Alten konnte ich 
kaum als Arbeiter rechnen) einen nach jenem Jakuten 
Ssemenkan zu schicken, mit der strengen Weisung, 
ihn unbedingt zur Stelle zu schaffen. Der Überbringer 
dieses Auftrages bat sich denselben schriftlich und mit 
einem Siegel versehen aus, obgleich weder er, noch 
der, dem er denselben übergeben sollte, zu lesen ver- 
stand. Dies Papier erhielt er. Den nach Kytach zurück- 
kehrenden Arbeitern schärfte ich ein, den Candidaten 



— 285 — 

oder den Starosta zu schleuniger Übersendung von 
Arbeitern zu veranlassen. Auch sie baten sich ein mit 
einem Siegel versehenes Papier aus, das sie gleichfalls 
erhielten. Den letzten Arbeiter schickte ich auf Fisch- 
fang aus, da an diesem Orte kein Fang stattfand und 
wir bereits einige Tage den Genuss frischer Fische 
vermissten. Am Morgen des 17. (29.) Aug. fuhren 
alle in verschiedenen Eichtungen ab. Ich selbst be- 
nutzte die Pause, von der ich nicht wenig in Betreff 
einer Hebung der sehr trüben Stimmung erwartete 
und worin ich auch keineswegs getäuscht wurde, zu 
kleinen Excursionen auf den Orto - Toebe - Bulgunjak 
und andere Orte in der nächsten Umgebung, botani- 
sirte, führte noch einige zur Aufnahme der Gegend 
nöthige Peilungen aus, während der Kosak sich ganz 
der Jagd hingab, was ich ihm gern gönnte: die Gänse 
fingen gerade an zu ziehen. Diese Abwechselung war 
eine höchst wohlthuende. 

Die beiden Schriftstücke verfehlten ihre Wirkung 
nicht: am Abend des 18. (30.) August traf der Jakute 
Ssemenkan bei uns ein und am 19. (31.) Aug. der 
Starosta von Tumat, freilich ohne Arbeiter. Es seien, 
meinte letzterer, eben beim besten Willen keine Ar- 
beiter zu erhalten, alle seien ausgefahren, um ihre 
Fuchsfallen zu revidiren ; die wenigen , die in Kytach 
verblieben , hätten vollauf zu thun , um die nöthige 
Nahrung für die Weiber und Kinder zu schaffen; der 
Fischfang fiele sehr spärlich aus etc.; nach einiger Zeit 
würden Leute zu haben sein; er selbst wolle jetzt 
auch seine Fuchsfallen in Ordnung bringen, dann aber 
für einige Zeit hierherziehen und bei den Arbeiten 
helfen. Mir war seine Ankunft jetzt gerade in einer 



— 286 — 

Beziehung sehr lieb: der Jakute Ssemenkan hatte 
mich versichert, dass er von dem Orte, wo das Mam- 
muth liegt, keine Kenntniss habe; er hätte nur, zufällig 
hier vorüberfahrend, bei den hier befindlichen Jurten 
einen anderen Jakuten getroffen , während derselbe 
gerade seine Wetka mit Mammuthfett schmierte; die- 
ser Jakute hätte behauptet das Fett bei den Jurten 
gefunden zu haben (im Frühling hatte er dieselben 
Aussagen gemacht); damals gerade hätte sich zu ihnen 
der Starosta von Tumat gesellt, — er könne das Ge- 
sagte bestätigen. Gerade der Starosta aber war es ge- 
wesen, der mir den Ssemenkan als einen, der den 
Mammuthplatz kenne, bezeichnet hatte; ich konnte 
also von einer Confrontation der beiden etwas erwar- 
ten. Es schien mir undenkbar, dass von den dreien 
sich keiner bemüht hätte wenigstens nachzusehen, von 
wo das Fett herstammte und ob nicht für ihn etwas 
Brauchbares zu finden sei ; dass das Mammuth hier 
lag, war allen dreien bekannt gewesen. Beide, der 
Starosta und Ssemenkan, behaupteten nun, dass sie 
sich in der That nicht weiter nach dem Mammuth 
umgesehen hätten, und der Starosta motivirte seine 
früheren Aussagen in Betreff Ssemenkan's damit, 
dass er, nach dem, was er damals gesehen, habe an- 
nehmen müssen (ebenso wie ich jetzt !), sie hätten das 
Fett selbst vom Mammuth genommen; damals habe 
er sie nicht weiter gefragt. Da war nun nichts zu 
machen; ich kam um keinen Schritt vorwärts. 

Obgleich ich während dieser Pause nichts, was 
meine Arbeit hätte fördern können, erfahren, gingen 
wir doch am 20. Aug. (1 Sept.) mit neuen Hoffnungen 
und frischen Kräften (der Starosta blieb einen Tag 



— 287 — 

liier, und ich erhielt einen tüchtigen Arbeiter aus Tu- 
rach) an dieselbe. Die kleine Abwechselung hatte 
günstig auf uns gewirkt. Wir arbeiteten in der früher 
angegebenen Weise, mit 2 Reihen Gruben, fort, jetzt 
nördlich von dem von den Jakuten bezeichneten Orte, 
während wir früher mehr nach Süden vorgerückt wa- 
ren (c. 60 Schritt = 140' vom Ausgangspunkte). Am 
21. Aug. (2. Sept.) Abends stand das Wasser so niedrig, 
dass ich es versuchen konnte näher zum Wasser oder 
vielmehr schon im Bereich desselben zu graben. Ich 
Hess nun drei Gruben anlegen : eine genau der Mitte des 
bezeichneten Platzes entsprechend, eine nördlich und 
eine südlich von ihr. Bis zum gefrorenen Boden vor- 
zudringen, gelang es uns nicht; der lockere Sand 
stürzte zu schnell ein, und das Wasser sammelte sich 
so rasch, dass wir es nicht ausschöpfen konnten. Wir 
drangen aber reichlich über 3 Fuss in den Boden ein, 
tiefer, als es die Jakuten für noth wendig hielten. Vom 
Mammuth zeigte sich keine Spur, und somit schwand 
wieder eine Hoffnung, der ich nicht wenig Raum ge- 
geben hatte. Diese in dritter Reihe angelegten Gruben 
wollte ich bei nächster Gelegenheit, ebenso wie die bei- 
den früheren, nach Nord und Süd weiter fortsetzen. 
Sollte mich hoher Wasserstand daran hindern, so wollte 
ich hier nach einer längeren Pause und schon nach 
Eintritt stärkerer Fröste, etwa Ende September oder 
Anfang October a. St., die Arbeit wieder aufnehmen. 
Während des höheren Wasserstandes blieb mir jetzt 
nur übrig, an jenem 185 Schritt weiter nördlich ge- 
legenen Platze, dessen ich früher erwähnte, zu suchen. 
Fand sich auch dort nichts, so musste das ganze Ufer 
von dort an bis zu den bereits ausgeführten Arbeiten 



— 288 — 

durchsucht werden. (In diesem Räume befand sich 
auch die Partie, welche ich im Frühling, was die Ent- 
fernung vom Abhänge anbetrifft, ganz an der richti- 
gen Stelle untersucht hatte; Spuren der Frtihlings- 
Arbeiten fanden wir später beim Graben.) Mit dieser 
Arbeit begannen wir am 22. Aug. (3. Sept.) und leg- 
ten nun, ein wenig weiter nördlich von jenem zweiten 
bezeichneten Platze (wo sich wieder nichts fand!) be- 
ginnend, Grube bei Grube dicht am Wasser an, immer 
bis zum gefrorenen Boden gehend. Da der Saum hier 
schmäler war, so genügte eine Grube, um denselben 
vollständig zu durchsuchen. Ich sah die Arbeiten jetzt 
vollkommen gleichgültig an, erwartete kaum mehr 
etwas von denselben und Hess sie nur ausführen, um 
Alles gethan zu haben, was in meinen Kräften stand. 
Am 24. Aug. (5. Sept.) erhielt ich zwei Arbeiter 
aus Kytach, und am Abend desselben Tages kamen 
noch drei ausTurach hinzu; ich hatte jetzt wenigstens 
das Angenehme, die Arbeit rasch fortschreiten zu 
sehen. Unterdessen waren beständige Minustemperatu- 
ren eingetreten; in der Nacht vom 24. auf den 25. Aug. 
a. St. hatten wir bereits ein Minimum von — 7*^5 C. 
Die kleinen Tundraseen waren mit einer Eisschicht 
bedeckt, die einen Menschen trug, und wir mussten, 
bevor die Arbeit mit der Schaufel begann, eine mehrere 
Zoll dicke, gefrorene Sandschicht mit Hacken durch- 
schlagen. Diese niedrigen Temperaturen hinderten in- 
dess die Arbeit keineswegs ; die Arbeit ging täglich 
rasch fort (ein früher Eintritt des Winters konnte 
mir nur erwünscht sein, da mit demselben niedriger 
Wasserstand eintritt, in der Übergangszeit ist der- 
selbe meist ein hoher), und am Abend des 25. August 



— 289 — 

(6. Sept.j vereinigten wir die Reihe der neu angelegten 
Gruben mit den früheren. Das ganze Ufer war in einer 
Ausdehnung von 245 Schritt (circa 560') bis zum ge- 
frorenen Boden durchsucht, über 80 Gruben waren 
gegraben worden, — Alles vergebens! 

Ich war augenblicklich unentschieden, was ich nun 
thun sollte: die weitere Arbeit bis zum Winter ver- 
schieben, niedrigeren Wasserstand abwarten, oder die 
sehr schwierige Arbeit mit Caissons im Wasser be- 
ginnen. Da es noch zu früh am Tage war, um die 
Arbeiten zu schliessen , und ich gerade über grös- 
sere Arbeitskräfte verfügen konnte, so wollte ich, ob- 
gleich das Wasser nicht besonders niedrig stand, noch 
einen Versuch machen, im Bereich des Wassers gra- 
ben zu lassen. Durch die aufgeworfene Erde war, wie 
ich bereits früher erwähnt, das Ufer ein wenig vorge- 
rückt worden, und bei raschem Arbeiten konnten wir 
immerhin tief genug eindringen, bevor wir vom Wasser 
gestört wurden. Ich Hess also nördlich von den drei 
am 21. August in dritter Reihe angelegten Gruben 
noch zwei neue graben. In der den früheren zunächst 
angebrachten Grube, etwa 4' von denselben und eben 
so weit von den zum Abhang hin gelegenen, stiess, als 
wir bereits etwa 3 Fuss tief eingedrungen waren und 
die Ränder der Grube beständig einstürzten, das eben 
Geleistete wieder vernichtend, einer der Arbeiter auf 
etwas Hartes. Wir glaubten zuerst, dass es ein Stück 
Treibholz sei, wie wir sie nahe am Wasser nicht selten 
im Sande getroffen hatten; es zeigte sich aber bald, 
dass der harte Gegenstand eine bedeutendere Aus- 
dehnung hatte. Ich Hess nun die kräftigsten Arbeiter 
hier mit vereinten Kräften möglichst rasch graben, 

Melanges biologiques.. XIL 87 



— 290 — 

während einige andere mit Eimern beständig das ein- 
dringende Wasser und den zerfliesslichen Sand aus- 
schöpften, und es gelang mir in einem Augenblick 
einen Wirbel und neben demselben einen grossen 
Knochen zu erkennen! Ich glaubte also einen Theil 
der bereits von Weichtheilen entblössten Wirbelsäule 
und zwar den Lendentheil mit einem Stück des 
Beckens gesehen zu haben. 

Unser Jubel war unbeschreiblich! Aus der reinen 
Freude der Jakuten konnte ich deutlich ersehen, wie 
unrecht ich ihnen mit meinem Verdachte — den ich 
sie übrigens nicht merken Hess — dass sie den Ort 
verheimlichten, gethan hatte. Als der Kosak am fol- 
genden Tage dem alten Stcpan, der am 24. August 
(5. Sept.) fortgezogen war, um ein wärmeres Quartier 
aufzusuchen, von unserem Erfolge erzählte, hatte sich 
der Alte mit Thränen in den Augen beständig be- 
kreuzigt. Da das Wasser stark im Steigen begriffen 
war, die Leute sehr ermüdet waren und jetzt eine 
Arbeit ganz anderer Art beginnen musste, so schloss 
ich die Arbeiten für diesen Tag, und wir verbrachten 
den Abend in der heitersten Stimmung ^). 

Meine Erwartungen hinsichtlich des Grades der 
Erhaltung des Cadavers hatte ich, nach dem, was ich 
seit dem Frühling allmählich gehört und gesehen, stark 



1) Die Jakuten hatten sich also, was die Lagerstätte des Mam- 
muths anbetraf, in der Richtung vom Abhänge zum Fluss nur um 
circa 4' versehen, in der längst des Flusses um circa 10 Schritt 
(vergl. das Folgende über die weiteren Arbeiten). Während des 
Grabens trafen wir, wenn der gefrorene Boden biosgelegt wurde, 
häufig auf Partien reinen klaren Eises. Man konnte sich jedoch 
stets davon überzeugen, dass dasselbe blos senkrecht verlaufende 
Spalten im Sande ausfüllte. 



— 291 — 

herabschrauben müssen. Wie ich Ihnen bereits im 
Frühling mitzutheilen mir erlaubte, waren gleich bei 
Auffindung des Cadavers der Kopf und die linke vor- 
dere Extremität, letztere, wie die Jakuten behaupte- 
ten, mit der Scapula — was sich jedoch in der Folge 
als nicht richtig erwies, da sich sowohl die proxi- 
malen als die distalen Epiphysen beider Humeri vor- 
fanden — abgetrennt und dem Kaufmann Schachur- 
din übergeben worden. Ebenso waren damals bedeu- 
tendere Theile des Felles der linken Seite, einige Rip- 
pen etc. vorgenommen worden. Seit jener Zeit (1857 
oder 1858) scheint der Cadaver ein allgemeineres 
Interesse für die Jakuten verloren zu haben; nur ab 
und zu war einer oder der andere hingekommen, ohne 
dass die übrigen etwas davon wussten oder weiter 
darauf geachtet hätten, und hatte sich Theile dessel- 
ben genommen. Der Ort ist ein im Ganzen recht be- 
suchter, da hier, wie ich schon früher erwähnte, im 
Herbst (also gerade zur Zeit des niedrigsten Wasser- 
standes) ein starker Wechsel der nach Westen hin zie- 
henden Rennthiere über den Fluss stattfindet. Später 
(im October!) erfuhr ich, dass etwa vor zehn Jahren der 
Cadaver sehr offen dagelegen hatte, und damals sollen 
sowohl Menschen, als auch Hunde und Eisfüchse den- 
selben stark benutzt haben. In demselben Jahre ist 
wieder eine Extremität oder vielmehr der distale 
Theil derselben — welcher, habe ich nicht erfahren 
können — einem Kaufmann Ljapunow (derselbe ist 
unterdess gestorben) übergeben worden. Diese Ex- 
tremität, erzählten die Jakuten, ist mit kurzem, dich- 
tem, sammetartigem Fell bedeckt gewesen. Dass das 
Thier im Übrigen mit einem dichten Pelz bedeckt war, 



— 292 — 

habe ich gleichfalls raitgetheilt. Auf meine Frage, ob 
das Thier bei starker Kälte hätte leben können, z. B. 
hier im Delta, meinten die Leute: reichlich, besser als 
ein Rennthier. Spuren weiterer Zerstörung des Cada- 
vers hatte ich bei unserer Anwesenheit hier im Juni 
(mit Herrn Jürgens) getroffen; ich fand damals ein 
Stück eines Wirbels (die linke Hälfte eines Brust- 
wirbelbogens), welches Herr Jürgens mit sich nahm. 
Dasselbe hatte durchaus nicht die Beschaffenheit fos- 
siler Knochen , war leicht , — kurz wie der Knochen 
eines vor nicht gar zu langer Zeit getödteten Thieres. 
Aus der leichten Trennung vom Wirbelkörper konnte 
man auf das jugendliche Alter des Individuums, von 
dem es stammte, schliessen. 

Jetzt, bei meiner Ankunft, waren mir gleichfalls ein 
fast vollständiger Wirbel und einige Rippen, darunter 
auch eine der rechten Seite, abgegeben worden. Dieser 
letztere Fund hatte mich früher besonders beunruhigt: 
ich hatte gehofft, dass wenigstens die rechte Seite 
intact sei. Da wir nun aber in der dem Abhänge zu- 
nächst liegenden Grube, obgleich wir bis zum gefrore- 
nen Boden vorgedrungen waren, nichts gefunden hatten, 
ich aber nur wenige Fuss weiter zum Flusse hin Theile 
der Lendenwirbelsäule und des Beckens erkannt zu 
haben glaubte, so musste ich annehmen, dass von dem 
Vordertheile des Thieres überhaupt nichts oder nur 
sehr wenig noch übrig sei. Meine ganzen weiteren Aus- 
sichten beruhten nun darauf, dass die rechte Becken- 
hälfte und die sie umgebenden Weichtheile, namentlich 
das Fell, zum Theil in gefrorenem Boden lägen und 
sich gut erhalten, zugleich aber einem Theile des In- 
haltes der Eingeweide zum Schutz gedient hätten. 



— 293 — 

Am 26. Aug. (7. Sept.), Sonntag, fand keine Arbeit 
statt; hoher Wasserstand hätte uns auch gehindert. 
Alles stand unter Wasser. Wir genossen den Feiertag 
und benutzten denselben zu einer Rennthierjagd, die 
von Erfolg gekrönt wurde: vier Thiere wurden von 
den Jakuten im Flusse mit Lanzen erlegt. Bei der 
Theilung erhielt ich ein mir sehr willkommenes Quan- 
tum frischen Fleisches. Am Abend kehrte der Starosta 
zurück, und ich konnte nun mit ihm das Nöthige für 
die bevorstehende Arbeit besprechen. Da ich noch der 
Ansicht war, dass mindestens der hintere Theil des 
Cadavers im Zusammenhange vorlag, so beabsichtigte 
ich um denselben einen wasserdichten Holzkasten in 
die Erde zu versenken, geräumig genug, um einigen 
Menschen innerhalb desselben Bewegung zu gestatten, 
um so vollkommen ungestört bei jedem Wasserstande 
die Arbeit fortsetzen zu können. Dazu brauchte ich 
aber tüchtige Holzarbeiter. An dem Starosta, der sich 
schon früher bereit erklärt hatte zu bleiben, fand ich 
einen; einige andere sollten noch aus Kytach herbei- 
gezogen werden. Da die Arbeiten allem Anscheine nach 
noch längere Zeit in Anspruch nehmen dürften, mein 
Proviant aber stark zusammengeschmolzen war, so be- 
schloss ich den Kosaken zur Beschaffung neuen Pro- 
viantes nach Sagastyr zu entsenden, w^obei er zugleich 
in Kytach die nöthigen Arbeiter auftreiben und mit 
ihnen zusammen zurückkehren sollte. Am nächsten 
Morgen, d. 27. Aug. (8. Sept.), fuhr er in einem Boot, 
mit zwei Jakuten, die gerade vorüberzogen, ab. Wir 
wollten unterdessen mit den nöthigen Vorarbeiten, Be- 
schaffen von Holz etc. beginnen. 

Ein ausserordentlich niedriger Wasserstand an die- 



— 294 — 

sem Tage überhob uns der in Aussicht genommenen 
schwierigen Arbeiten. Das Wasser stand drei Fuss un- 
ter dem gewöhnlichen Stande. Wo sonst knieetiefes 
Wasser war, konnten wir heute ruhig graben. Dieser 
günstige Umstand musste schnell benutzt werden. Wir 
machten uns sofort mit grosser Spannung an die Arbeit 
und legten ohne Mühe die Knochen frei. Gross war 
aber meine Enttäuschung, als wir statt zusammenhän- 
gender Knochen nur einzelne, aus den verschieden- 
sten Körpertheilen stammende Stücke durcheinander 
geworfen fanden. Zwar hatte ich richtig gesehen : ein 
Wirbel lag oben auf und dicht daneben die vollkom- 
men erhaltene linke Beckenhälfte, allein ausserdem fan- 
<\ en sich einige Epiphysen, darunter die proximale des 
linken Humerus, Stücke von Diaphysen, 2 Rippen. Alle 
Stücke , namentlich die den Diaphysen von Röhren- 
knochen angehörenden, trugen deutliche Spuren von 
Beilhieben. Zwischen den Knochen aber fanden sich 
ausser zahlreichen kleineren und grösseren Fettpar- 
tikeln, einige Bindegewebsfetzen und — mehrere rund- 
liche, braune Körper von der Grösse kleiner Kartof- 
feln, die ich auf den ersten Blick für kleine Stücke 
Torf hielt, die sich jedoch bei näherer Betrachtung we- 
sentlich von diesem unterschieden. Die Jakuten erklär- 
ten dieselben ohne Weiteres für Faecalmassen , woran 
zu zweifeln kein eigentlicher Grund vorlag, obgleich 
Sicherheit darüber erst durch eine genaue mikrosko- 
pische und chemische Untersuchung verschafft werden 
konnte. Immerhin boten sie mir eine kleine Entschä- 
digung für die anfängliche bittere Enttäuschung. Es 
war nun klar, dass diese Knochen hier von einem Men- 
schen hingeworfen waren, dass dieses nicht die eigent- 



— 295 — 

liehe Lagerstätte des Mammuths war. Dieselbe musste 
sich aber in nächster Nähe befinden, und es kam da- 
rauf an, den niedrigen Wasserstand zu benutzen. Das 
Alles suchte ich den Jakuten mit meinem Kauder- 
wälsch (Russisch, mit jakutischen Brocken!) klar zu 
machen, was mir glücklicherweise auch vollkommen 
gelang, denn sie hatten sich an meine Art, mich ver- 
ständlich zu machen, allmählich gewöhnt. Wir hatten 
bisher nur die linke Beckenhälfte gefunden; die rechte 
musste, so hoffte ich, noch in der Tiefe, vielleicht im 
gefrorenen Boden liegen. Traf das Letztere nicht zu, so 
war freilich überhaupt nur wenig oder eigentlich nichts 
ausser Knochen mehr zu erwarten. Der vollkommene 
Schwund sämmtlicher Bandmassen liess auch auf eine 
ebensolche Zerstörung der Haut schliessen, wie dick 
dieselbe auch gewesen sein mag. Die Resistenz der 
ersteren ist keineswegs geringer als die der Haut an- 
zuschlagen, und ich musste bedenken, dass ein junges 
Individuum , dessen Haut noch zarter war, vorlag, 
wofür alle Knochenreste sprachen. Wir gingen nun 
zunächst in die Tiefe, bis zum gefrorenen Boden, auf 
den wir hier in 4' 10" bis 5' unter dem höchsten 
Wasserstande stiessen, ohne irgend etwas zu finden. 
Dann begannen wir die Grube in verschiedenen Rich- 
tungen zu vergrössern, wobei im Laufe des Tages noch 
einige Knochenstücke, darunter die distale Epiphyse 
des rechten Humerus, zu Tage gefördert wurden. Die 
rechte vordere Extremität war also auch vollkommen 
zerstört. Bisher hatte sich aber noch nichts von der 
rechten hinteren Extremität gefunden. Die Jakuten 
versicherten mich, dass ein grosser Knochen, ja sie 
deuteten an, dass es die rechte Beckenhälfte sei, sich 



— 296 — 

schon seit Jahren in Kytach befände. Früher hatte ich 
davon nichts gehört. 

Der niedrige Wasserstand dauerte glücklicherweise 
auch am folgenden Tage, d. 28. Aug. (9. Sept.), fort. 
Wir durchsuchten nun zunächst das Terrain südlich 
von der gestrigen Grube, dort, wo ich bereits früher 
eine hatte anlegen lassen, wo wir an diesem Tage 
aber bei Weitem tiefer in den Boden dringen konn- 
ten; es fand sich aber nichts. Dann gingen wir auf 
die nördliche Seite hinüber, und hier förderten die 
Schaufeln aus einer Tiefe von drei Fuss unter dem 
höchsten Wasserstande — nach welchem allein ich 
hier ein Maass nehmen konnte — schwärzliche Sand- 
massen, in denen Haare, Fett und Bindegewebsfelzen 
enthalten waren, zum Vorschein. Wir hatten nun un- 
zweifelhaft die Lagerstätte des Mammuths gefunden. 
Etwas höher fanden sich vorher noch einige Knochen, 
darunter die distale Epiphyse des linken Femurs, 
die proximale Epiphyse des rechten Humerus und 
ein Stück der distalen des linken Humerus. Wir gin- 
gen nun mit grösster Vorsicht an die Besichtigung 
jener schwärzlichen Massen, indem wir das herein- 
sickernde Wasser sich in einer Vertiefung ansam- 
meln Hessen, um so einigermaassen im Trocknen ar- 
beiten zu können. Es erwies sich, dass dieselben in 
einer einige Zoll dicken Schicht angeordnet waren, 
die zum grössten Theil , nach oben sowohl wie nach 
unten, aus schwärzlich gefärbtem Sande bestand, in 
deren Mitte sich aber eine dünne Lage einer intensiv 
schwarzen, zerreiblichen organischen Substanz, mit 
Haaren , Fett und Bindegewebstheilen untermischt, 
befand. Ausser diesen eben genannten Bestandtheilen 



— 297 — 

bemerkten wir in der Schicht auch deutliche vegetabi- 
lische Reste, in Form kurzer Hälmchen, die an ihren 
Enden die malmende Wirkung der Zähne erkennen zu 
lassen schienen. Mir erzählte nachher der alte Stepan, 
dem ich diese schwarzen Massen zeigte, dass er, mit 
einigen Anderen, bald nachdem das Mammuth gefun- 
den war, aus dem Inneren des Thieres ein rundliches, 
sackartiges Organ (Magen, Blinddarm?) hervorgeholt, 
aus welchem, nachdem sie die dünne Wand desselben 
durchschnitten, schwarze, «pulverartige» Massen sich 
entleert hätten ; diese haben , seiner Meinung nach , 
durch Wasser über den Boden ausgebreitet, die schwarze 
Färbung hervorgerufen. Die übrigen Jakuten erklär- 
ten gleichfalls die schwarzen Massen für Magen-, resp. 
Darminhalt, indem sie beständig aufdie oben erwähnten 
vegetabilischen Reste hinwiesen. Ich glaube jedoch, dass, 
abgesehen von diesem Ursprung, die schwarze Färbung 
zum grössten Theil durch zersetzten Blutfarbstoff her- 
vorgerufen sei, sowie durch zerfallene Fellmassen, de- 
ren Anwesenheit durch die Haare und Bindegewebs- 
fetzen unzweifelhaft bewiesen wird , wenngleich die 
verhältnissmässig geringe Menge der Haare vermuthen 
lässt, dass die Hauptmasse des Felles fortgenommen 
war, vorausgesetzt, dass die Angabe der Jakuten in 
Bezug auf die Dichtigkeit der Behaarung des Mam- 
muths richtig war. Doch fanden sich auch bisweilen 
ganz verfilzte, dickere Haaransammlungen. Die Dicke 
der Haare war eine ausserordentlich verschiedene: 
von der dicken Borste bis zum seidenweichen lockigen 
Wollhaar waren alle Übergänge vorhanden. Die Länge 
derselben war aber nicht bedeutend: mehr als 7'' lange 
habe ich nicht getroffen. 

Mélanges biologiciaes. XII. 38 



— 298 — 

Im Laufe des Tages beuteten wir die hier angelegte 
Grube vollkommen aus. Alles werthvoll Erscheinende 
wurde sorgfältig aufgehoben. Der für's Erste untersuchte 
Raum, in welchem sich die dunklen Massen fanden, maass 
in der Richtung vom Abhänge zum Fluss 4', in der Rich- 
tung des Flusses c. 6'. In letzterer Richtung dehnte 
sich die Schicht nicht weiter aus. Den dem Abhänge 
zugewandten Rand der Grube erreichte sie gleichfalls 
nicht, sondern hörte, allmählich abblassend, kurz vorher 
auf. Dem entsprechend hatten wir auch in der näher 
zum Abhänge hin gelegenen, früher angelegten Grube 
nichts gefunden. Weiter zum Flusse hin aber setzte 
sie sich fort, und hier musste auch die Arbeit wei- 
ter geführt werden, wenngleich wenig von dersel- 
ben erwartet werden konnte, ja, befand sich die rechte 
Beckenhälfte in Kytach, sogar so gut wie gar nichts. 
Liess ich tiefer, unter der Schicht graben, so wurden 
keinerlei dem Mammuth zuzuschreibende Reste mehr 
nachgewiesen ; der Sand war vollkommen rein. 

Das jedenfalls wichtigste Resultat der beiden letz- 
ten Tage waren jene vermuthlichen Reste von Darm- 
oder Mageninhalt. Sicheren Aufschluss über dieselben 
kann nur eine genaue kritische Untersuchung liefern, 
die hier auszuführen mir selbstverständlich ganz un- 
möglich ist. Mit blossem Auge glaube ich in einigen 
jener Hälmchen Theile von Gramineen erkannt zu ha- 
ben. Gerade diese Familie ist auf der sandigen Höhe 
über dem Mammuthplatz reichlich vertreten (ich hatte 
etwa zwei Wochen vorher alle hier vorkommenden Gra- 
mineen eingesammelt!), und es ist immerhin möglich, 
dass von dorther die Pflanzentheilchen stammen. Ein 
Vergleich mit den am ersten Tage gefundenen com- 



— 299 — 

pacteii fraglichen Faecalmassen wird hierüber ent- 
scheiden, nachdem zuerst constatirt worden, dass die- 
selben in der That Faecalmassen sind. In letzterem 
Falle aber können sie nur dem Mammuth angehört 
haben. Wahrscheinlicher erscheint es jedoch, dass jene 
festen, vegetabilischen Theilchen in der That Reste von 
Darm-, resp. Mageninhalt sind, die durch die Haare des 
zerfallenden Felles aufgehalten wurden, wobei die fei- 
neren Massen zugleich mit dem Blutfarbstoff den Sand 
darüber und darunter imprägnirten und schwarz färbten. 
Sämmtliche Knochen habe ich aufbewahrt. Sie 
werden im Laufe des Winters nach Bulun gebracht 
werden (ich konnte sie leider selbst nicht mit mir 
nehmen), und von dort können sie, falls es nöthig er- 
scheinen sollte, weiter transportirt werden. Das We- 
nige, was ich an Weichtheilen gefunden, habe ich in 
Chromsäure gehärtet und in Alcohol aufbewahrt. Be- 
sonderer Werth ist denselben nicht zuzuschreiben. 
Aus der Haare etc. enthaltenden Schicht habe ich 
eine Anzahl von Stücken sogleich gefrieren lassen, und 
in diesem Zustande sollen sie nach Petersburg abge- 
sandt werden. Die leichter zerfallenden Theile der 
Schicht wurden in einem Kübel gesammelt, und nach- 
her habe ich aus dem Sande die Haare, vegetabili- 
schen Reste etc. mit Wasser herausgespült. Der auf 
diese Weise erhaltene fragliche Mageninhalt ist bei 
der Untersuchung in letzter Linie zu berücksichtigen, 
da das Gefäss, in welchem ich den Sand sammelte, 
trotz einiger Vorsichtsmaassregeln doch nicht ganz rein 
gewesen war (es hatte früher Salzfleisch enthalten, und 
mir selbst sind unter den Mammuthresten ein Stück 
eines Lorbeerblattes und ein Pfefferkorn aufgestossen ! j. 



— 300 — 

Am folgenden Morgen, d. 29. Aug. (10. Sept.), hin- 
derte uns ein hoher Wasserstand die Arbeit fortzu- 
setzen. Die Gruben standen bis zum Rande unter 
Wasser, die aufgeworfenen Wälle waren eingestürzt. 
Bei der geringen Aussicht auf weitere Erfolge glaubte 
ich für's Erste von der schwierigen Arbeit mit Holz- 
kasten etc. abstehen und lieber einen niedrigeren Was- 
serstand abwarten zu dürfen. Am folgenden Morgen, 
d. 30. Aug. (11. Sept.), stand das Wasser noch be- 
deutend höher, und wir konnten in aller Ruhe den 
Feiertag, Namenstag S. M. des Kaisers, begehen: eine 
Rennthierjagd wurde für den Nachmittag in Aussicht 
genommen. Zum hohen Wasserstande kam ein anderer 
Umstand, der mich meine Pläne vollkommen ändern 
Hess: wir hatten nämlich in der Nacht eine Tempera- 
tur von — 10° C; es hatte allen Anschein, als ob der 
Winter beginnen wolle, auf dem Flusse fand starke 
Eisbildung statt, und damit trat die beste Zeit für die 
Rennthierjagd ein. Am Nachmittag dieses Tages be- 
obachtete ich hier ein Rudel von 35 Stück, die leider 
kurz vor dem Fluss Kehrt machten und wieder nach 
Osten hin verschwanden, (Alle Wechsel waren gut 
besetzt, und kaum ein einziges der Thiere wäre ent- 
ronnen, falls sie den Fluss zu überschwimmen ver- 
sucht hätten.) Da nun jene in Aussicht genommenen 
guten Holzarbeiter zugleich auch die besten Renn- 
thierjäger waren, so hätte ich, wollte ich gerade jetzt 
die Arbeit fortsetzen, entweder sie von einer für ih- 
ren Lebensunterhalt nothwendigen Beschäftigung ab- 
gehalten, oder mich der Unannehmlichkeit ausge- 
setzt, dass jene Leute, mit der Nothwendigkeit der 
Jagd sich entschuldigend, — in den beiden letzten 



— 301 — 

Jahren war die Jagd sehr ungünstig ausgefallen — 
einfach nicht gekommen wären, in welchem Falle ich 
bis zum definitiven Gefrieren der Ströme hier ohne 
Arbeiter hätte warten müssen, ohne etwas Wesentli- 
ches leisten zu können. Dazu musste ich befürchten, 
dass der Kosak, falls die Eisbildung noch zunahm, 
nicht mehr hierher zurückkommen könnte, ich also 
fast ohne Proviant hier verweilen müsste. Ich beschloss 
also die Arbeiten bis zum Eintritt stärkerer Fröste, 
etwa Ende September a. St., aufzuschieben, wo ich 
zugleich auf niedrigen Wasserstand rechnen konnte. 
Als ich meinen Entschluss den Jakuten klar gemacht, 
fand derselbe vollkommene Anerkennung: in nächster 
Zeit würde, meinten sie, ein fast beständig hoher Wasser- 
stand anhalten und die Beschäftigung sehr verhindern. 
In der That hatten wir in den beiden früheren Jahren 
während der Eisbildung meist hohen Wasserstand ge- 
habt. Es kam nun darauf an, keinen Augenblick zu ver- 
lieren und der Ankunft der Anderen zuvorzukommen. 
Obgleich das Wasser am folgenden Morgen, d. 31. 
Aug. (12. Sept.), nicht hoch stand, beschloss ich 
doch jedenfalls aufzubrechen, was auch, nachdem ich 
eine Photographie des Mammuthplatzes aufgenommen 
hatte, ausgeführt wurde. Wir fuhren jedoch ziemlich 
spät ab, da das Verladen der Sachen Zeit nahm, 
und kamen erst in der Nacht in Borchaja an , wo 
ich den Kosaken mit den bestimmten Arbeitern vor- 
fand. Guter Rennthierzug hatte sie hier zurückgehal- 
ten, da eine grössere Menge von Jägern sehr erwünscht 
war. In den letzten Tagen waren in der nächsten Nähe 
von Borchaja 29 Rennthiere erlegt worden. Überall sah 
man Blutspuren, volle Töpfe und fröhliche Gesichter. 



— 302 — 

Nach kurzem Aufenthalt brach ich wieder auf, sah 
mich aber eine Werst unterhalb Borchaja genöthigt 
wieder umzukehren, da Eis den Fluss vollständig sperrte. 
Alle Versuche, dasselbe zu durchbrechen, waren ver- 
gebensi; erst am folgenden Tage hob ein starkes Stei- 
gen des Wassers diese Sperre auf, und in der Nacht 
vom 2. (14.) auf den 3. (15.) Sept. traf ich auf der 
Station Sagastyr ein. 

Den Kosaken hatte ich in Borchaja zurückgelassen, 
damit er in der Rennthierjagd eine Entschädigung für 
die ihm nicht wenig schwere letzte Zeit fände, und da 
er zugleich den Jakuten behülflich bei der Jagd war, 
konnten wir auf einen berechtigten Antheil an der 
Beute rechnen , der mir mindestens erwünscht war. 
Leider hatte aber die Jagd von jetzt ab gar keinen Er- 
folg mehr. Zu meiner Bedienung wurden mir zwei 
Knaben zucommandirt; alle Erwachsenen waren mit 
der Jagd beschäftigt. Bis zum vollkommenen Gefrie- 
ren der Strom arme dauerte es noch längere Zeit: wär- 
meres Wetter trat ein, worauf eine längere Zeit der 
Eissperre folgte, während welcher kein Mensch zu uns 
kommen konnte, was übrigens auch keineswegs nöthig 
war. Erst am 18. (30.) Sept. kam das Eis vollständig 
zum Stehen, und am 20. Sept. (2. Oct.) kam der erste 
Jakute zu Fuss, wohl nicht ganz ohne Gefahr, zu uns 
nach Sagastyr. Am 22. Sept. (4. Oct.) kehrte der Ko- 
sak zurück. Ich hatte die Zeit mit dem Niederschrei- 
ben vorliegender Zeilen und Kartenzeichnen einiger- 
maassen nützlich ausgefüllt. 

Am Tage nach meiner Ankunft auf Sagastyr wurden 
mir zwei Stücke von der rechten Beckenhälfte des Mam- 
muths gebracht: die halbverkohlte Schaufel und der 



— 303 — 

horizontale Ast des Os pubis mit dem entsprechenden 
Theile der Gelenkpfanne,— beide Stücke vom Fehlenden 
durch Beilhiebe getrennt. Der Jakute, bei dem sich diese 
Stücke fanden, wollte vor 4 oder 5 Jahren die rechte 
Beckenhälfte noch in toto bei einer etwa 5 Werst vom 
Mammuthplatz entfernten Jurte angetroffen haben, zu 
welcher ich bereits früher, durch die Aussagen des 
Jakuten dazu veranlasst, einen Boten geschickt hatte, 
um mir das dort Vorhandene überbringen zu lassen. 
Ich erhielt damals nur ein Bruchstück der Diaphyse 
eines starken Röhrenknochens (der linken Tibia?). Da- 
mit war nun auch die letzte Hoffnung, noch etwas We- 
sentliches vom Mammuth zu finden, geschwunden. W^enn 
ich nun doch noch einmal die Arbeiten aufnahm, so ge- 
schah es nur, weil nach Ansicht der Jakuten Stücke des 
Felles vorhanden sein müssten (was mir sehr fraglich 
schien !) und weil ich mich durch Auffinden eines deut- 
lich kenntlichen Skelettheiles von der vollständigen 
Zerstörung der rechten hinteren Extremität (an der 
übrigens gar nicht zu zweifeln war) überzeugen wollte. 
Nach dem bisherigen Befunde, aus den verschiedenen 
Diaphysensplittern , ging dieselbe nicht mit vollkom- 
mener Sicherheit hervor; eine Epiphyse aber war bis 
jetzt nicht gefunden. 

Am 30. Sept. (12. Oct.) fuhr ich wieder nach Mos- 
tach, um die unterbrochene Arbeit von Neuem aufzu- 
nehmen. Von der Kälte wurden wir im Ganzen nur sehr 
wenig unterstützt (der Boden war nur 1 Vg Fuss tief ge- 
froren, und nur wo sich hoch aufgeworfene Erdmassen 
befanden, war die gefrorene Schicht etwa 3 P^'uss stark), 
wohl aber durch den sehr niedrigen Wasserstand : der- 
selbe war, die etwa fussdicke Eisdecke nicht mitgerech- 



— 304 — 

net, um circa 2^/^ Fuss niedriger als der niedrigste im 
August (am 27. u. 28.) beobachtete Stand ; genaue Mes- 
sungen waren durch ziemlich bedeutende Schnee- und 
Eismassen verhindert. Nach Forträumung der letzteren, 
Hess ich nun zunächst die früher untersuchte Grube 
bioslegen, und von ihr aus gingen wir allmählich zum 
Flusse hin vor. Schichtweise entfernten wir zuerst eine 
etwa %' starke compacte Eismasse, dann die gefrorene 
Erde (ly/ stark, — das war die schwerste Arbeit) und 
gelangten so zum feuchten Sande, in welchem wir in 
IV2' Tiefe die schwarze Schicht antrafen. Mit mög- 
lichster Vorsicht verfolgten wir nun diese Schicht in 
derselben Weise wie früher in der Richtung zum Flusse 
hin um 1 4' weiter von der Stelle , wo wir im August 
aufgehört hatten. Die Breite der Schicht betrug hier 
8 — \2\ In der ersten Richtung hatten wir, mit den 
früheren vier Fuss, die Schicht 18' weit verfolgt. Im 
Ganzen war also die schwarze Schicht (die durchschnitt- 
liche Breite derselben mit 9' angenommen) in einer 
Ausdehnung von 162 d' durchsucht. Wir fanden auch 
hier wieder Haare, Fetttheilchen und jene vegetabili- 
schen Reste. Ausserdem kam noch eine Rippe in den 
höheren Theilen der Grube zum Vorschein. Auffallend 
war es, dass nirgends kleinere Extremitätenknochen 
angetroffen wurden, und ich glaube daraus schliessen 
zu müssen, dass alle distalen Enden der Extremitäten 
in toto vom Platz geschafft worden waren; für zwei 
Uess sich das ja constatiren. An einer vollständigen 
Zerstörung aller Weichtheile, das Fell mit eingerechnet, 
konnte gar nicht mehr gezweifelt werden. Von jenen 
nicht mehr zu ermittelnden Plünderern war auch das 
Letzte zerschlagen und zerstört worden. Näher zum 



— 305 — 

Flusse hin wurden die Haare, Fetttheilclien etc. immer 
seltner, und zuletzt förderten wir nur noch schwärz- 
lichen Sand zu Tage, dessen Färbung ebenso wie im 
obersten Theile der Grube (zum Abhänge hin) an In- 
tensität immer mehr und mehr abnahm. Es handelte 
sich hier also offenbar nur noch um durch Zersetzungs- 
producte imprägnirtenSand; wir waren schon über die 
eigentliche Lagerstätte hinaus, deren Dimensionen 
wohl vollkommen dem Cadaver eines jungen Thieres 
entsprachen. 

Soweit war die Arbeit am 4. October gefördert (am 
dritten war in Folge hohen Wasserstandes, wobei 
das Wasser unter dem Eise hervortrat, wenig ge- 
leistet worden). Am Abend dieses Tages fing das 
Wasser wieder an stärker zu steigen, und am 5. (17.) 
Oct. war die ganze Grube mit 3' tiefem Wasser ge- 
füllt. Wollte ich nun die Schicht weiter zum Flusse 
hin verfolgen, so konnte das erst nach einiger Zeit 
geschehen, da auf eine baldige stärkere Unterstützung 
durch Kälte gegen das Wasser nicht zu rechnen war. 
Trotz Temperaturen von — 26° C. fand auch in der 
offenen Grube nur sehr geringe Eisbildung statt. Bei 
dem vollkommenen Mangel an Aussicht auf irgend 
welchen Erfolg, glaubte ich von weiteren Opfern an 
Zeit und Geld abstehen zu müssen und schloss daher 
am 5. (17.) Oct. die Arbeiten definitiv. Am selben 
Tage fuhr ich nach Sagastyr zurück. 

Ich möchte mir nur noch einige Worte darüber 
hinzuzufügen gestatten, wie und wann der Cada- 
ver hierher gelangt sein könne. Unter den Jakuten 
herrschten über die Herkunft desselben drei Ansichten, 
an welche sich diese Betrachtung anknüpfen lasst : die 

Melanges biologiques. XII. 39 



— 306 — 

Einen meinten, dasThier sei aus dem sandigen Abhang 
herausgespült worden und von oben heruntergefallen; 
die Anderen, es hätte dort, wo es gefunden wurde, 
auch ursprünglich gelegen und sei dadurch, dass der 
Sand allmählich fortgespült werde, zum Vorschein ge- 
kommen. Eine dritte Ansicht endlich ging dahin, dass 
das Thier in demselben Jahre, in welchem es gefunden 
wurde, vom Wasser («vom Eise») aus der Lena herbei- 
geführt worden sei. Vom wissenschaftlichen Stand- 
punkte aus betrachtet, wäre also nach allen drei An- 
sichten das Thier vom Wasser herbeigeführt worden, 
da es den beiden ersten nach in geschichtetem Sande, 
einer auf feuchten Wege entstandenen Bildung, ge- 
legen hatte. Damit kann die Frage, wie der Cadaver 
hergekommen sei, vorläufig als beantwortet betrachtet 
werden. Schwieriger ist die Beantwortung des «Wann», 
und ich möchte mich hier darauf beschränken, nur 
darauf aufmerksam zu machen, dass der Umstand, dass 
der Cadaver gerade an der am weitesten nach Westen 
vorspringenden Partie der Krümmung des Stromarmes 
lag, der letzteren Ansicht einigen Halt giebt; solche 
Stellen sind zur Ablagerung schwererer Körper (d. h. 
von fast gleichem specifischem Gewicht wie das Was- 
ser, für Holz gilt das nicht!) am geeignetsten. Über 
das Alter der Sandansammlung könnten vielleicht die 
Angaben, die ich über das Treibholz gemacht, sowie 
die mikroskopische Untersuchung des Sandes (eine 
Probe habe ich genommen) einigen Aufschluss geben. 



— 307 — 

Irkutsk, Februar 1885. 

Es bleibt mir jetzt nur noch übrig, Ihnen in kur- 
zen Worten etwas über meine Rückreise von Sagas- 
tyr mitzutheilen. Am 15. (27.) October brach ich in 
drei Narten von der Station auf. Anhaltende Schnee- 
gestöber, tiefer weicher Schnee, unebenes Eis (Topocbi) 
und offene Stellen in der Lena waren der Fahrt sehr 
hinderlich. Wir hatten den geraden Weg, an der In- 
sel Stolbowoi vorüber, gewählt. Schon in Chas-Chata 
musste ich eine Hülfsnarte annehmen , die uns bis 
Kumaksur begleitete. Einzelne Fahrten waren , da 
wir häufig lange Strecken bei argem Schneewetter zu- 
rücklegen mussten, recht angreifend. Die Temperatu- 
ren waren auffallend hohe: am 18. (30. Oct.) las ich 
in der Nähe der Insel Stobowoi — 1°8 C. ab, und am 
selben Tage war bei Kumaksur Regen gefallen, der eine 
harte Kruste auf dem Schnee gebildet hatte , so dass 
das Fahren noch schwieriger wurde. Am 20. Oct. 
(1 . Nov.) erreichten wir Kumaksur und erst am 24. Oct, 
(5. Nov.) Bulun. Für die letzte Strecke musste ich einige 
Narten mit Rennthieren annehmen, da die armen Hunde 
gar nicht mehr vorwärts kamen. Nach zweitägigem 
Aufenthalt, der mit Besprechungen wegen der bevor- 
stehenden Expedition ausgefüllt wurde ^), brach ich 
wieder auf, und zwar hatte ich mich entschlossen nach 
üstjansk zu fahren, um dort endgültige Erkundigun- 
gen wiegen der Überfahrt nach Kotelnoi einzuziehen. 
Bis Tas-Tumuss fuhr ich nun noch mit dem Kosaken 
zusammen; von dort schickte ich ihn mit dem Gepäck 



1) Dr. Bunge hat hier die von der Akademie der Wissenschaf- 
ten geplante Expedition nach den Neusibirischen Inseln im Auge, 
die seiner Führung anvertraut werden soll. Sehr. 



. : • ■'-,*' 



-j-^ 



- 308 — 

voraus nach Werchojansk und fuhr selbst mit einem 
Tungusen nach Ustjansk, wo ich am 3. (15. Nov.) ein- 
traf und auf's Liebenswürdigste vom Kaufmann Mi- 
chailo Michailowitsch Sannikow aufgenommen 
wurde. Es wurde sogleich nach dem erfahrensten Pro- 
myschlennik in Betreff der Neusibirischen Inseln ge- 
schickt, der wiederholentlich auf allen drei Inseln ge- 
wesen war. Der folgende Tag verging rasch unter Be- 
sprechungen, Practisiren und gastfreien Bewirthungen. 
Das wichtigste Eesultat der Besprechungen war, dass 
die Überfahrt nach Kotelnoi auf Rennthieren nicht nur 
möglich, sondern sogar in jeder Beziehung vortheilhafter 
sei. Ich komme darauf später zurück. Am Nachmittag 
des 5. (17.) Nov. fuhr ich von Ustjansk ab und kam nun 
in die Waldregion, die ich bisher nur gestreift hatte 
und bereits 2 Jahre und 4 Monate vermisste. Wie ge- 
noss ich die schöne, hügelige Waldlandschaft und das 
stille Wetter, obgleich es anfing kalt zu werden. Mein 
Alcoholthermometer war mir leider vom Sturm auf Sa- 
gastyr zerschlagen worden, und ich war dadurch häufig 
nicht mehr in der Lage die Temperatur zu bestimmen; 
oft brauchte ich mich nur davon zu überzeugen, dass 
das Quecksilber im Thermometer in meinem Reisesack 
gefroren war. Als wir über das Kular- Gebirge gingen, 
wurde ich noch einmal an die Polargegenden erinnert. 
Am 1 1. (23.) Nov. traf ich, wenige Tage nach Ankunft 
des Kosaken, in Werchojansk ein und fand die freund- 
lichste Aufnahme im Hause des Isprawniks, Charlam- 
pij Nikolajewitsch Ipatjew, der uns zwei Mal auf 
Sagastyr besucht hatte. Leider fand ich hier weder 
Briefe noch Geld, dessen ich im höchsten Grade be- 
nöthigt war, vor; es wurde aber eine Post erwartet, 



- 309 — 

und ich beschloss dieselbe abzuwarten. Am 1 6. (28.) Nov. 
schickte ich den Kosaken wieder voraus nach Jakutsk, 
um den Hrn. Gouverneur von Jakutsk nicht länger 
auf Nachrichten von mir warten zu lassen. Am 20. 
Nov. (2. Dec.) Abends kam endlich eine Post an und 
brachte mir — nichts. Am folgenden Tage setzte ich 
mich wieder allein in die Narte und fuhr nach Jakutsk. 
Bei meiner Abfahrt zeigte das Thermometer — 52°C. 
Die Tour von Werchojansk nach Jakutsk ist schon so 
häufig beschrieben worden, dass ich über dieselbe zu- 
nächst füglich schweigen kann. Am 1. (13.) Dec. Mor- 
gens um 1 Uhr traf ich in Jakutsk ein und genoss die 
Wohlthaten, die Einem eine Stadt bieten kann. Ich 
blieb hier bis zum 12. (24.) Dec, länger, als ich eigent- 
lich wollte, und auch dann wurde es mir nicht leicht, 
mich der Liebenswürdigkeit und Gastfreiheit der Ja- 
kutsker zu entziehen. Früh Morgens den 13. (25.) 
Dec. fuhr ich von Jakutsk ab und traf am 27. Dec. 
(8. Jan.) in Irkutsk ein. 



(Tiré du Bulletin, T. XXX, pag. 228—282.) 



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A. BURöe Mammulhausgrabui>|è im Lenadelia 




Dfst Toei-d 
höhere Stuu{fiùget 



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MAMMUTHPLATZES 

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V ■• : itriti^f (,m IfeiH^icho rf«i Wnxsn-.^) 

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tKgt0itfatHfiHie/t*iaf Ufiff Zfi\iirtMungxf>rotiurir enthnli^tilr .Srhteht 
fuf Miiffrt, ttttfch niti^etrort^te h'tni^ hr*^viyrtitfr*i 
g g Ufr^'itmf und ^'/uss-fiad^ti 

jr dr''l*UUft . weffhr»- tXX^ drmjetti^tn rlltmfru^tt 
yy Xandlnufft auf , Un, höhten t'f'e*' 
. . . .VM/<<-r ,tn,/ A,Aiir/ur/,t un Ocwhrt 

M»4wJttHtA tff t'HitSMc/tfn ê'itMen nnd Zoften 




tnri^e Jurte im ffvrhst S^ 
t ffcrrn Jdf^fis rrrif/iteir Ma/ait 



Manfjniithplalj.V' //Y ■ % o '"" 



hMl-i/ rfltiimm/anri im .liigiis: 
tlHmisHlannWnr Wiwo-/^'/ im.Jii.i 

Sta/it/ Ä«v ,VMA. ' 



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lUMor». X«» « 



^ Mai 1885. 

Über die Lymphherzen bei Siredon pisciformis. Vor- 
läufige Mittheilung von Wladimir Welikij. 

In meiner Arbeit vom vorigen Jahr, dieselbe Frage 
anlangend, hatte ich die Überzeugung ausgesprochen, 
dass, wenn man den Versuch mit dem Aksalotl bei 
günstigeren Verhältnissen anstellt , es möglich sein 
wird, eine grössere Anzahl von pulsirenden Lymph- 
herzen als acht an jeder Seite zu beobachten, was sich 
jetzt wirklich als Factum erwiesen hat. Wurde beim 
Durchschnitt der medula oblongata besondere Sorg- 
falt darauf verwandt, dass die Blutung möglichst ge- 
ring ausfalle, so gelang es mir jedesmal die gleichzei- 
tige Pulsation von mehr als vierzig Lymphherzen zu 
beobachten, welche alle längs dem sulcus lateralis lie- 
gen, zu zwanzig an jeder Seite. Ihre Grösse ist ziemlich 
verschieden , sie sind am grössten vorn und hinten am 
OS ilei und nehmen ab in ihrer Grösse nach der Mitte 
des Körpers zu; ausserdem finden sich noch zwei sehr 
grosse unter dem Schulterbeine. Die dicht an jedem 
von diesen Herzen anliegende Seiten vene bildet jedes- 
mal so zu sagen, einen Halbkreis, der das Lymphherz- 
chen umschlingt. Die Form dieser Lymphherzen ist oval 
oder birnförmig. Jedes von ihnen ist etwas länglich 



— 312 — 

ausgezogen und mehrere zulaufende und ablaufende 
feine Lymphgefässchen münden in dasselbe ein. Die 
einen führen ihm die Lymphe aus den verschiedenen 
Gewebetheilen zu, zwei von ihnen verbinden es mit 
dem breiten Längsgefässe des Lymphsystems und ein 
kurzes, seitlich auslaufendes und in den angebauchte- 
ten Venenrand einmündendes Gefässchen bringt es mit 
derselben in Communication. Sowohl dieses Gefäss- 
chen als auch das Lymphherz sind dicht bis zur Ein- 
mündung in die Vene mit feinen, anastomosirenden, 
quergestreiften Muskeln bedeckt. Innerlich sind diese 
Lymphherzen mit Endotel ausgefüttert, der mit dem- 
jenigen der Lymphgefässe vollkommen identisch ist. 



Ï>«»<CK>- 



(Tiré du Bunetin, T. XXX, pag. 341—342.) 



:i^:\ 1885. 

1 Septembre 

Brief des Dr. AI. Bunge an den beständigen Secretär 
der Akademie über den Gang der von der Aka- 
demie veranstalteten Polar-Expedition. 

Werchojansk, d. 31. Mai (12. Juni) 1885. 

Ein ganz auffallend später Frühling hält uns bis 
jetzt in Werchojansk zurück; der Fluss ist noch immer 
nicht aufgegangen und anhaltende Nordwinde mit star- 
ken Nachtfrösten (in d. Nacht vom 29. (10.) auf 30. 
Mai (11. Juni) — 7° C.) scheinen diese Verzögerung 
noch verlängern zu wollen. So schlimm nun auch eine 
Verzögerung an und für sich ist, so bringt sie doch 
der für diesen Sommer in Aussicht genommenen Ex- 
pedition keine wesentlichen Nachtheile. Alle Nachrich- 
ten, die ich über die Fahrt auf der Jana bisher habe 
einziehen können, lauten so günstig, das ich eine glück- 
liche und erfolgreiche Fahrt anzunehmen mich vollkom- 
men berechtigt fühle; allenthalben, wo Leute an der 
Jana wohnen, sind dieselben benachrichtigt worden 
und angewiesen, uns die nöthige Hilfe zu leisten. 

Melanges biologiques. XII. 40 



.»' >r;X^ s.: 



— SU- 
Leider sehe ich mich genöthigt Ihnen, Ew. Excel- 
lenz, über einen höchst unangenehmen Vorfall, von 
dem Ihnen übrigens vielleicht schon früher Einiges zu 
Ohren gekommen sein mag, Bericht zu erstatten. Ein 
Theil des Transportes unserer Sachen, den ich aus 
Jakutsk nach Werchojansk expedirte, ist in der Nähe 
von Jakutsk beraubt und der Führer desselben bei 
dieser Gelegenheit erschlagen worden. Die Nachricht 
hiervon erhielt ich erst hier in Werchojansk durch 
ein officielles Schreiben Sr. Excellenz des Herrn Gou- 
verneurs von Jakutsk. Dieser Verlust ist nur insofern 
schlimm, als unter den geraubten Sachen sich ein 
Kasten mit Gewehren befand und unter diesen 4 Ber- 
dangewehre und ein Revolver, sämmtlich der Krone 
gehörig, die von der Lenaexpedition auf die jetzige 
übergegangen waren. 

Der Gewehre wegen habe ich sogleich dem Gouver- 
neur geantwortet und hoffe, dass Falls die geraub- 
ten nicht ausfindig gemacht werden, dieselben durch 
neue aus Irkutsk ersetzen zu können ; sie sind uns für 
die Expedition auf Kotelny unumgänglich nothwendig. 
So empfindlich auch der Verlust an Lebensmitteln 
und einigen eisernen Instrumenten (Beilen, Schaufeln 
etc.) ist, so kann derselbe doch keineswegs den Gang 
unserer Expedition beeinflussen. 

Unsere Thätigkeit hat unterdessen, trotz der ungün- 
stigen Witterungsverhältnisse ihren Anfang genommen. 
Am 4. (16.) Mai brach mein Gefährte, Baron Toll, von 
hier auf, um die Verhältnisse an der oberen Jana in 
Augenschein zu nehmen, was uns bei der Durchreise 
durch jene Gegenden der argen Fröste (bis — 38° C.) 



— 315 — 

und des tiefen Schnee's wegen nicht möglich war. Am 
26. Mai (7. Juni) kehrte er von dieser Expedition, 
die er reitend ausführte, hierher zurück; er war bis 
zu einem 380 Werst von hier gelegenen Puncte vor- 
gedrungen. Unterdessen war ich hier mit den Vorbe- 
reitungen der weiteren Expedition und Excursionen 
in die Umgebung beschäftigt. Unsere Sammlung ver- 
grössert sich täglich. An Säugern sind eine Anzahl, 
theils als Bälge mit dazu gehörigen Schädeln, theils 
ganz in Spiritus aufbewahrt. Desgleichen habe ich so- 
wohl als Baron Toll von Vögeln Bälge hergestellt; 
dem Zuge der Vögel, der hier ein recht lebhafter war, 
schenkte ich besondere Aufmerksamkeit. Von Repti- 
lien ist bisher Nichts erbeutet worden, dagegen stellte 
die Classe der Amphibien ganz wider Erwarten zwei 
Repräsentanten, einen urodelen und einen anuren. Der 
letztere scheint mir mit der bei v. Midden dor ff abge- 
bildeten Rana vollkommen identisch zu sein, der erstere 
aber, ein Salamandrine, scheint ein hohes Interesse zu 
verdienen; ich habe ihn noch nicht näher bestimmen 
können, wenn mir das überhaupt möglich sein könnte, 
will jedoch seine Lebens- und namentlich Fortpflan- 
zungsverhältnisse nach Möglichkeit genau erforschen 
und dann zugleich mit einigen Exemplaren Herrn Akad. 
Strauch einen Bericht über diese wahrscheinlich neue 
Species zukommen lassen. — Von Fischen konnte bis- 
her selbstverständlich nur sehr wenig erbeutet wer- 
den. — Reichlicher ist die Ausbeute an wirbellosen 
Thieren , namentlich an Insecten und Eingeweidewür- 
mern. — Auf dem Gebiete der Botanik konnte, den 
hiesigen Verhältnissen entsprechend, bisher nur wenig 



:fi^,K^^?^ 



— 316 — 

geleistet werden; ich habe bisher nur eine blühende 
Pflanze (eine weisse Pulsatilla) gefunden; dagegen hat 
Baron Toll während seiner Excursion und schon frü- 
her hier höchst interessante Facta auf dem Gebiete 
der Geologie und Palaeontologie constatiren können, 
über die er jetzt vorläufig Herrn Akad. Schmidt und 
später in seinem Bericht referiren wird. 

Über den weiteren Fortgang der Expedition erlaube 
ich mir Ihnen, Ew. Excellenz, Folgendes zu berichten. 
Sobald der Strom aufgegangen ist, die bereits im Win- 
ter bei meiner Durchreise bestellten Boote herbeige- 
schafft und in Stand gesetzt sind, breche ich von hier 
auf, um zunächst die Mündung der Adytscha zu errei- 
chen; von dort gehe ich reitend diesen Strom hinauf, 
und besichtige ihn sowohl als seine Nebenflüsse nach 
Möglichkeit; die Rückfahrt wird zu Wasser gemacht. 
Unterdessen geht Baron Toll längs des Dolgulach zu 
Pferde hinauf, womöglich bis ins Quellengebiet über- 
schreitet dann die den genannten Strom vom Bytantai 
trennende Scheide und kehrt längs diesem Flusse, 
je nachdem es die Verhältnisse erfordern, reitend oder 
zu Boot, bis an seine Mündung zurück, wo er mit mir 
zusammentrifft. Dieser Modus musste desswegen gewählt 
werden, weil einerseits die Erforschung der Neben- 
flüsse der Jana nicht nur erwünscht ist, sondern auch 
durch das Programm erfordert wird, besonders der 
Nebenflüsse zur Lena hin; andererseits aber ein Hin- 
aufgehen zu Boot der starken Strömung wegen in al- 
len Nebenflüssen der Jana unmöglich ist. — Ein gros- 
ses Boot mit einem Theil des Proviantes, unter Füh- 
rung eines Kosaken mit zwei Arbeitern j schicke ich 



— 317 — 

unterdessen auf die Hälfte des Weges nach Ustjansk 
voraus: was während des Hochwassers geschehen 
muss, da später ein so grosses Boot nur mit Schwie- 
rigkeiten oder gar nicht den Weg längs der stellenweise 
sehr flachen Jana finden könnte. Über die Ausführung 
dieser Pläne werde ich, falls es möglich ist, berichten, 
jedenfalls aber nicht später als im Herbst dieses Jahres. 

Von der Mündung des Bytantai an setzen wir un- 
sere Reise gemeinschaftlich fort. 

Wenn ich auch dieses Mal keinen Kostenanschlag 
"^und Bericht über die bisherigen Ausgaben hinzufüge, 
so geschieht das nur desswegen, weil ich zu dem Ko- 
stenanschlage aus Irkutsk kaum etwas hinzuzufügen 
habe. Einiges stellte sich theurer heraus, anderes billi- 
ger; während sich der Transport und unsere Fahrt nach 
Werchojansk theurer erwiesen, als ich annahm, sind 
sämmtliche Lebensmittel, hier und in Irkutsk billiger, 
als man mir im Winter angab. Über die bevorstehen- 
den Ausgaben bin ich im Augenblicke ebensowenig im 
Stande zu berichten wie früher und erlaube mir nur 
darauf hinzuweisen, dass ich für den Fall, dass die 
Fahrt mit Hunden nach Kotelny bewerkstelligt wer- 
den müsse, der jetzt eingetreten ist, einen Kostenan- 
schlag übersandt habe. 

Zum Schluss möchte ich mir erlauben Ihnen, Ew. 
Excellenz, mitzutheilen, dass ich doch möglicherweise 
gemeinschaftlich mit einem Kaufmanne die Fahrt nach 
Kotelny unternehmen werde. Vorläufig ist Alles in der 
Schwebe. Sind auch die pecuniären Vortheile nur ge- 
ringe, so bieten sich doch sehr grosse andere, über 



— 318 — 

die ich berichten will, sobald sich etwas von meinen 
Plänen realisiren sollte. Vorläufig erlaube ich mir Ew. 
Excellenz nur mitzutheilen, dass der Name des Mannes 
Step. Nie. Charitonow ist und dass er sowohl, wie 
sein Bruder, welcher der einflussreichste Kaufmann im 
Mündungsgebiete der Jana und Indigirka ist, sich 
eines guten Rufes erfreuen. 



-cKjJ^^OO- 



(Tiré du Bulletin, T. XXX, pag. 342—346.) 



^Mai 1885. 

Kurze Bemerkung über Phasianus Komarowii n. sp. 
Von Prof. M. Bogdanow. 

Diagn. Ph. similis Ph. colchico et Ph. persico, sed 
differt colli parte posteriore et làteribus viridi-nigris, 
magis viridescentibiis ; ingluvie et pectore rubro-au- 
rantiacis, plumis singulis margine cupreo-rubro lato 
instructis; abdomine medio cupreo-fusco; uropygio et 
supracaudalibus laete rufescentibus; plumis singulis in 
corporis lateribus aurantiacis, fascia lata terminali vi- 
ridi- nigra ornatis. Tectricibus alarum sordide albis. 

Herr N. A. Sarudny brachte diesen Fasan aus 
Aschabad, wo er im Winter auf dem Markt erworben 
wurde, mit. Wahrscheinlich kommt diese Art in He- 
rat und im Lande der Ssaryk-Turkmenen, im Süden 
des Gebirges Kopet-dagh, vor. Dem Wunsche des Hrn. 
N. A. Sarudny gemäss, benenne ich diese neue Art 
zu Ehren des General -Lieutenants A. W. Komarow, 
welchem Herr Sarudny zu besonderem Danke ver- 
pflichtet ist für die bereitwillige Hülfe, die er ihm 



-lii 



— 320 — 

während seiner Reise im Transcaspi-Gebiete zu Theil 
werden Hess. Von einer detaillirten Beschreibung die- 
ser Art sehe ich einstweilen ab, bis ich im Besitze 
einer grösseren Anzahl von Exemplaren sein werde. 



>oJ;©^o-o- 



(Tiré du Bulletin, T. XXX, pag. 356} 



29 Octobre -i o o e 
1885. 



10 Novembre 



Über die Nerven in den Enden des ,, Musculus sarto- 
rius". Von L Pogosheff. 

Die letzten Arbeiten Bremer's, die neues Licht 
auf die Nerveneleraente der Muskeln geworfen und 
den Impuls zu neuen Forschungen im Gebiete der 
Histiologie des peripherischen Nervensystems gegeben 
haben, veranlassten mich, die Nerven und deren En- 
digungen in den beiden Enden des Musculus sartorius 
beim Frosche zu untersuchen. Kühne ^) behauptet, 
keine Nervenelemente in diesen Enden auf einer Strecke 
von Ys der Länge des ganzen Muskels gefunden zu 
haben, und die Zusammenziehungen, die er unter der 
Einwirkung des electrischen Stosses und anderer Rea- 
genzien bemerkte, schienen ihm nur eine neue Bestäti- 



1) Arch. f. Anatom, u. Physiol. 1859. S. 564. 
Mélanges biologiques. XII. 41 



— 322 — 

gung der selbstständigen Reizbarkeit des Muskelstoffes 
ohne Mitwirkung von Nerven zu sein. Zu ganz gleichen 
Resultaten gelangte auch Holmgren^). 

Diese Eigenthümlichkeit, die den Musculus sartorius 
von anderen Muskeln unterscheidet und das Dasein 
ganzer Antheile Muskelstoffes ohne Nerven zulässt, 
erscheint mir sehr räthselhaft. Ich vermuthe daher, 
dass nur die Unvollkommenheit der Methode die bei- 
den genannten Gelehrten daran gehindert hat, Nerven 
in dem Muskel zu entdecken. 

Ich konnte nur mit grosser Mühe mein Ziel errei- 
chen, denn, ungeachtet der sorgfältigsten Bearbeitung 
der Muskeln im Verlaufe von 7 Monaten, gelang es 
mir nicht, zu einem entschiedenen Resultate zu kom- 
men. Ich erhielt nur marklose Nervenfasern, welche 
ihr Ende in den Gefässen und im Perimysium fanden. 
Endlich glückte es mir, Muskeln mit Nervenendigun- 
gen zu entdecken, nämlich an Präparaten, die im Ver- 
laufe von 3 — 4 Monaten bearbeitet waren. 

Diese Nervenendigungen tragen vorzüglich einen 
gemischten Charakter, d. h. sie bestehen aus mark- 
haltigen und marklosen Nerven. Hier findet man zwei 
Typen von Nervenendigungen: 1) Endbüschel; 2) For- 
men, die, zwischen den ersteren und den Endplatten 
stehend, schon von Bremer entdeckt und dolden- 
förmig genannt worden waren. In allen Nervenendi- 
gungen trifft man auch marklose Nervenfasern. Dabei 
finden sich an den Enden des Musculus sartorius aus- 
schliesslich marklose Nerven, aber in einiger Entfer- 
nung treten überaus feine, markhaltige Nerven mit 



2) Centralbl. f. die med. Wissensch. 1864. JVs 12. 



— 323 — 

einer kleinen Quantität von Myelin auf (die Nerven 
der zweiten Kategorie nach Bremer). 

Bei meinen Untersuchungen folgte ich der Methode 
Bremer's; anfangs bearbeitete ich kleine Stücke 
Muskel mit 257otiger Ameisensäure -Verdünnung bis 
zur Durchsichtigkeit, dann während 15 — 20 Minuten 
mit einer iTotigen Goldlösung und nachher wieder 
während 24 Stunden im Dunkeln mit der erwähnten 
Ameisensäure. Dann wurden die Stücke während wei- 
terer 24 Stunden in eine Mischung von gleichen Thei- 
len Wasser und Ameisensäure gebracht und endlich 
mussten die Präparate in einer Mischung von 207otiger 
Ameisensäure und Glycerin liegen. Zuweilen wurde 
diese Methode geändert und statt Au Gig die l%tige 
Mischung der Auflösung von Au Gig und GdGlg genom- 
men, wobei ich die besten Präparate erhielt. 

Gbwohl ich Frösche zu verschiedenen Jahreszeiten, 
im Winter , im Frühling und im Sommer benutzte , so 
blieben die Resultate doch immer gleich; dabei waren 
die Frösche gross, so dass die Länge des Musculus 
sartorius 30 — 35 mm. erreichte. 

Von der grössten Wichtigkeit war auch der Um- 
stand, dass die Stücke des Musculus sartorius weniger 
als Ys des ganzen Muskels betrugen. Zu diesem Zwecke 
maass ich bei soeben getödteten Fröschen die Länge 
des unpräparirten Muskels und nachdem von den En- 
den desselben Yg abgenommen war, schnitt ich mit 
einem scharfen Scalpel Stücke ab, die 1 mm. kürzer 
waren, als die genannte Länge. 

Meine Untersuchungen ergaben folgende Resultate: 
1) Die Nerven dringen bis zu den beiden Enden des 



— 324 — 

Musculus sartorius des Frosches vor und bilden dort 
charakteristische Nervenendigungen. 

2) Die Nerven sind hier zweierlei Art: markhaltige 
in einiger Entfernung von den Enden des Muskels, 
marklose an den Enden selbst. 

3) Die Nervenendigungen erscheinen in der Form von 
Endbüscheln oder sie sind doldenförmig. 



(Tiré du Bulletin, T. XXX, pag. 381—383.) 



^ Décembre 1885. 



Zur Kenntniss der chilenischen Carabinen. Von August 
Morawitz. 

Das zoologische Museum der K. Akademie der 
Wissenschaften verdankt dem Herrn General A. von 
Kraatz-Koschlau in Wiesbaden eine grössere Anzahl 
chilenischer Carabinen, welche Sendung schon im 
Sommer dieses Jahres eintraf. Die genauere Durch- 
sicht der in unserem Museum vorhandenen chilenischen 
Carabinen glaubte ich indessen zunächst aufschieben 
zu müssen, weil ich annehmen durfte, dass Herr Gene- 
ral A. von Kraatz-Koschlau selbst ein so unge- 
wöhnlich reiches Material, wie es ihm direct aus Chile 
zugekommen war, einer eingehenden, ausführlicheren 
Besprechung unterwerfen würde. Und diese Annahme 
hat sich auch als keineswegs unbegründet erwiesen. 
Durch die zuvorkommende Freundlichkeit des Herrn 
Verfassers sind mir «ergänzende Bemerkungen zu 
Dr. Gerstaecker 's Monographie der chilenischen 
Carahus-Arten» zugegangen, als Separat- Abdruck aus 
der Deutschen Entomologischen Zeitschrift (XXIX. 

Mélanges biologiques. XII. 41* 



— 326 — 

1885.HeftII. p. 417—436), noch vor dem Erscheinen 
dieses Hefts der genannten Zeitschrift. 

Herr General A. von Kraatz-Koschlau hat nach 
dem ihm zugekommenen Material nur «ergänzende» 
Bemerkungen zuA. Gerstaecker 's in der Linnaea 
Entomologica (XH. 1858. p. 417 — 458) erschienenen 
Arbeit «über die chilenischen Arten der Gattung Ca- 
räbus» gemacht, die in dieser Arbeit niedergelegten 
Daten einer Kritik aber nicht weiter unterworfen; ja, 
auch die von Gerstaecker erörterte Synonymie der 
Arten, als feststehend und richtig wiedergegeben, gar 
nicht besprochen. In Wirklichkeit sind jedoch die An- 
gaben über die Synonymie der chilenischen sog. Carahus 
in Gerstaecker's Arbeit zum Theil durchaus falsch, 
zum Theil aber auch unvollständig; desgleichen sind 
einzelne, einander zwar sehr ähnliche, indessen sicher 
specifisch verschiedene Arten als Formen einer und 
derselben Art von Gerstaecker beschrieben worden, 
wie aus den nachfolgenden Angaben ersichtlich. Von 
grossem Interesse sind aber unzweifelhaft die von Herrn 
General A. von Kraatz-Koschlau in präcisester 
Weise mitgetheilten, sicheren Angaben über den Fund- 
ort der einzelnen Formen, welche Angaben für eine 
sichere Deutung der in früherer Zeit beschriebenen 
Arten als von grösster Wichtigkeit sich erweisen, 
während in Gerstaecker's Arbeit nur eine Art als 
von der Insel Chiloë stammend, die übrigen aber ganz 
allgemein als in Chile vorkommend aufgeführt werden, 
und auch bei denjenigen Arten, für welche von dem 
ersten Beschreiber der Fundort genau genannt war, 
hat Gerstaecker diese Angaben unberücksichtigt ge- 
lassen, —ein Uebelstand, welcher darin seine Erklärung 



— 327 — 

findet, dass in früherer Zeit überhaupt alle Angaben 
über den Fundort möglichst verallgemeinert wieder- 
gegeben wurden. 

Die chilenischen sog. Car abus hat schon vor Jahren 
Solier (Studi Entomologici. 1848. p. 58. — Gay Hist, 
de Chile. Zool. IV. 1849. p. 123.) als Gattung Gero- 
glossus von den übrigen Carabinen gesondert, welche 
Gattung jetzt wohl so ziemlich allgemein als durchaus 
berechtigt anerkannt worden ist. Eine der zu dieser 
Gattung Geroglossus gehörigen Arten, von der Terra 
del Fuego, ist schon vor mehr als hundert Jahren von 
Fabricius (Syst. Entom. 1775. p. 238. 13.) als Ca- 
rahus suturalis beschrieben worden, welche Art auch 
von Olivier (Ent. III. 1795. JVs 35. p. 33. 31. t. 6. 
f. 71.) gleichfalls nach einem, vielleicht dem einzigen 
damals bekannten, Exemplar der Banks'schen Samm- 
lung beschrieben und abgebildet worden ist. Diese Art, 
welche allmählich mythisch geworden war, wurde erst 
im Jahre 1838 von Hope (Tr. Ent. S. Lond. II. p. 128.) 
als wieder aufgefunden erwähnt und gibt Hope, ausser 
einer Angabe über die Grösse, sy^" nämlich, über diese 
verschollene und wohl Allen damals unbekannte Art 
leider nur die im Systema Entomologiae von Fabri- 
cius gegebene Diagnose und Beschreibung wörtlich 
wieder, was ein grosser üebelstand insofern ist, als 
eine von Hope selbst beschriebene, anderweitig aber 
schon abgebildete Art einen, wenn auch nur geringen, 
Anhalt gegeben hätte zu einer sicheren Deutung der 
vier andern, von Hope gleichzeitig beschriebenen, 
chilenischen Carabinen. Hope hat sich auch nicht ein- 
mal veranlasst gesehen, die später als irrig erwiesene 
Angabe von Fabricius, dass der Kopf bei Gar abus 



— 328 — 

suturaUs nämlich glatt sei, zu corrigiren, und so kommt 
es, dass gleich darauf Guérin (Rev. Zool. 1839. 
p. 297. 6.) eine bronzefarbene Abänderung derselben 
Art für eine neue Art gehalten und als Garahus Beichei 
beschrieben. Eine ähnlich gefärbte Ceroglossus-Form 
beschrieb bald darauf auch Solier (Gay Hist, de Chile. 
Zool. IV. 1849. p. 124. 1.), welche a. a. 0. als Gero- 
glossus Valdiviae aufgeführt wird, wobei übrigens 
Solier selbst die Vermuthung ausspricht, diese chi- 
lenische Ceroglossus- Art sei «acaso una senalada varie- 
dad del G. suturalis^), Solier scheint aber die Hope- 
sche Beschreibung des C Valdiviae gar nicht ge- 
kannt zu haben, da in Gay's Historia de Chile diese 
Beschreibung, mit der richtigen Seitenzahl, auch bei 
der als Geroglossus cMlensis aufgeführten Art citirt 
wird. Noch viel wahrscheinlicher ist es indessen, dass 
das Citat bei der als Geroglossus Valdiviae bezeichneten 
Art, mit der falschen Seitenzahl 129, von demjenigen 
herrührt, der die Correctur besorgt; dagegen scheint 
den Zusatz «C. cMlensis var. Esch.» Solier selbst 
gemacht zu haben, da diese Bemerkung sich auch bei 
Geroglossus indiconotus findet. Denn Solier (1. c. 
p, 124.) beschreibt die drei von ihm unterschiedenen 
GeroglossuS'F ormen als «très especies, que quizâ son 
solo variedades notables de una sola». Dass aber bei 
der Herausgabe von Seller's Bearbeitung von anderer 
Seite einzelne Aenderungen gemacht und namentlich 
auch die Namen der von Solier beschriebenen Arten 
geändert worden, dies geht unzweifelhaft schon daraus 
hervor, dass die im Atlas zu Gay's Historia de Chile 
mitgetheilte Abbildung des Geroglossus Valdiviae eine 
Art darstellt, welche Solier gar nicht gekannt und 



— 329 — 

überdies auch nicht einmal eine entfernte Aehnlichkeit 
mit der a. a. 0. als Ceroglossus Valdiviae beschriebenen 
Art hat, worauf ich weiter unten noch zurückkommen 
werde. Solier beschreibt, abgesehen von einem ab- 
normerweise mit vier kurzen Kettenstreifen versehenen 
Exemplar von der Magelhaensstrasse, welches Solier 
(1. c. p. 125.) als var. a aufführt und welches unzwei- 
felhaft zu C. suturalis gehört, die chilenische Cero- 
glossus-Form nach Exemplaren von Calbuco, welche 
durch «interstitiis suturaque costatis, primo, quinto et 
nono latioribus, subinterruptis, saepe nigro-macu- 
latis» ausgezeichnet waren, und hat offenbar dieselbe, 
auch durcl\ bedeutendere Grösse, 2iy2 — 24y2millim., 
sich auszeichnende Form General v. Kraatz-Kosch- 
lau (1. c. p. 435.) auch von der Insel Chiloë kürzlich 
erhalten und als Ceroglossus suturalis var. chiloënsis be- 
sprochen, so dass das Vorkommen einer dem (7. suturalis 
entsprechenden Form in Chile gar keinem Zweifel 
mehr unterliegen kann. Blanchard (Voy.au pôle sud. 
Zool. IV. 1853. p. 41. t. 3. f. 8—11.) hat mehrere 
Färb en Varietäten von der Magelhaensstrasse, von 15 — 
20 millim. Länge, erwähnt und abbilden lassen, und 
führt auch schon den von Guérin beschriebenen Ca- 
rdbus Reichei als synonym an. Diese in den Sammlungen 
noch immer ziemlich seltene Art, von welcher ich nur 
die zuletzt erwähnte kupfrige Farbenabänderung kenne, 
erscheint unter den Ceroglossus- Arten schon durch die 
Färbung der Beine sehr ausgezeichnet, und ist es mir 
daher durchaus unklar geblieben, warum Ger staecker 
die von Solier gegebene, recht genaue Beschreibung 
der chilenischen Form gar nicht citirt; vielleicht 
hatte übrigens Gerstaecker Bedenken wegen der von 

Mélanges biologiques. XII. ^2 



t ■"■,'*? 



— aSO- 
Solier als «subinterruptis» bezeichneten Kettenstreifen, 
während nach Gerstaecker (1. c. p. 437.) bei G, sutu- 
ralis die Sculptur der Flügeldecken unter allen chi- 
lenischen Caraben am prägnantesten sich darstellt, die 
Kettenstreifen nämlich «deutlich in Glieder aufgelöst». 
Aber jedenfalls durfte die von Soli er als in Chile einhei- 
misch angegebene sog. Carabus-F orm in einer speciell 
über «die chilenischen Arten der Gattung Carabus» 
handelnden Arbeit nicht unerwähnt bleiben, auch wenn 
sie im Augenblick nicht hätte gedeutet werden 
können. — Bei dem Männchen des Ceroglossus suturalis 
sind das 6*^ und 7*^ Fühlerglied an der unteren Seite 
gekielt, der Kiel des 6*^^ kurz, auf die hintere Hälfte 
dieses Gliedes beschränkt, der des 7^^^ nur wenig länger. 
Der Forceps erscheint vorn fast gerade, hinten massig 
gerundet, gegen die Spitze allmählich verjüngt und 
hier abgerundet. 

Die erwähnte chilenische, in Gay's Historia de 
Chile beschriebene Ceroglossus -Form hat^ General 
V. Kraatz-Koschlau, wie schon erwähnt, als 
C. suturalis var. chiloënsis bezeichnet, welcher Name 
indessen, um Irrungen zu vermeiden, durch ancudanus 
zu ersetzen sein dürfte, um so mehr als diese Form in 
ihrem Vorkommen nicht auf die Insel Chiloë beschränkt 
ist, sondern nach Soli er auch auf dem gegenüber 
Hegenden Festlande vorkommt^). Der Gebrauch eines 



1) Ich schlage den Namen ancudanus deshalb vor, weil ich kei- 
neswegs völlig davon überzeugt bin, dass diese chilenische Cara- 
binen-Formin Wirklichkeit nur eine Varietät des Ceroglossus suturalis 
ist, und nicht vielmehr eine besondere, dem C. suturalis nur nahe 
verwandte Art, wenn ich selbst solche Exemplare auch noch keines- 
wegs gesehen habe. Die von General v. Kraatz-Koschlau er- 
wähnte Sculptur der Flügeldecken stimmt ganz mit den Angaben 



— 331 — 

bereits vergebenen, wenn auch in Synonymie ge- 
brachten, Namens muss stets vermieden werden; der 
Name cMloënsis ist aber in diesem speciellen Fall, selbst 
zur Bezeichnung einer Varietät, ganz unstatthaft, 
weil der von Hope (Trans. Ent. S. Lond. II. 1838. 
p. 128. 3.) beschriebene Carahus chiloënsis, der von 
Darwin auf der Insel Chiloë gefunden worden ist, von 
Gerstaecker durchaus mit Unrecht als identisch mit 
den von ihm fälschlicherweise als C, Buqueti aufge- 
führten Formen erklärt worden ist, welche, nach Ge- 
neral V. Kraatz-Koschlau's Zeugniss, auf der Insel 



vonSolier überein, aber nach Solier, insbesondere nach einem 
Vergleich der Angaben über die beiden andern von ihm beschriebenen 
Ceroglossus-Arten, sind bei der chilenischen Form sämmtliche con- 
vexe Streifen stärker erhöht als bei C. suturalis, vor der Spitze nicht 
undeutlich und in Körnchen aufgelöst, sondern regelmässig, die 
Seiten der Flügeldecken gröber gekörnt, der abgesetzte Seitenrand 
selbst breiter, die Naht nicht dachförmig erhöht, sondern wie die 
übrigen convexen Streifen gewölbt, die erste die Naht nach aussen 
begränzende Furche «es mas ancho que los otros y parece 
compuesto de dos surcos mezclados» eine Angabe, welche auch bei 
der zlweiten, von Soli er beschriebenen, jetzt als Ceroglossus gloriosus 
allgemein bekannten Art sich findet, woraus geschlossen werden 
muss, dass bei der chilenischen angeblichen Suturalis-F orm der 
erste Kettenstreifen, trotz seiner Breite, dennoch weiter von der 
Naht entfernt ist als bei dem genuinen, von der Magelhaensstrasse 
stammenden Ceroglossus suturalis. Die Grössenangabe in Gay's 
Historiade Chile: Long 4—6"^; lat. 3'", ist ein Druckfehler, welcher 
nach General v. Kraatz-Koschlau's Angaben corrigirt werden 
muss. Der von Solier mehrfach genannte Ort Calbuco, auf alten 
deutschen Karten auch entsprechend der Aussprache Calvuco, ist 
offenbar zu Ehren des in den fünfziger Jahren um Chile hochver- 
dienten Präsidenten Manuel Montt in Puerto Montt umgenannt 
worden, während die bei Solier gleichfalls oft genannte Stadt 
S. Carlos gegenwärtig Ancud heisst, unter welchem Namen noch im 
vorigen Jahrhundert die ganze Insel Chiloë verstanden wurde. Die 
erwähnte chilenische Ceroglossus-Form kommt an beiden Ufern der 
Bay von Ancud vor; wenigstens ist vorläufig kein Grund vorhanden, 
Soli er 's Angabe als zweifelhaft anzusehen. 



:-'-\>-V>-^^^î^ 



— 332 — 

Chiloë gar nicht vorkommen. Da die kurzen Hope- 
schen Beschreibungen wohl nur Wenigen zugänglich 
sein dürften, so gebe ich zunächst die Hope 'sehe Be- 
schreibung vollständig wieder: 

«Carahus chiloënsis: Ater, capite thoraceque viri- 
dibus; elytris striato-punctatis, aureis et marginatis. 
Long. 10"'. lat. sy/'. Habitat in Chiloë. Darwin. 

Praecedenti (sc. C. Valdiviae) affinis at minor. 
Antennae quatuor articulis primis piceis, reliquis pubes- 
centibus. Caput viride. Thorax subcordatus, atro-vi- 
ridis, quasi vermibus erosus, linea media longi- 
tudinali sub lente parum distincta, marginibus ele- 
vatis, subviridi-auratis. Elytra striata, puncta- 
tissima; sutura elevata, nigricanti, apice subabbre- 
viata, punctisque oblongis triplici série elevatis, in- 
terstitiis subrugosis. Corpus subtus atrum, pedibus 
concoloribus». 

Nach einem genauen Vergleich der in dieser Be- 
schreibung enthaltenen Angaben, kann es gar keinem 
Zweifel unterliegen, dass Hope dieselbe Art vor sich 
gehabt, welche Gerstaecker (1. c. p. 425. 1. t. 4. 
f. 1 .) als C. psittacus beschrieben und abgebildet, nach 
einem gleichfalls von der Insel Chiloë stammenden, 
einzelnen Männchen. Färbung und Toment werden bei 
dieser Art sich genau eben so wechselnd erweisen, wie 
bei dem ähnlich tomentirten G. sybarita^ welcher nach 
General v. Kraatz-Koschlau (1. c.p. 417.) «eine in 
jeder Beziehung, auch hinsichtlich der Ausdehnung 
und Dichtigkeit des Toments der Flügeldecken ausser- 
ordentlich wechselnde Art» ist; ja, bei welcher ein- 
zelne Exemplare die Flügeldecken völlig befilzt zeigen, 
var. tomentosus Kraatz-Koschlau, während bei an- 



— 333 — 

dern, auch von General v. Kraatz-Koschlau (1. c. 
p. 421.) erwähnten, vonGéhin als var.caZt;ws bezeich- 
neten Exemplaren keine Spur von Toment auf den 
Flügeldecken vorhanden ist! Und welchen Farben- 
wechsel gibt General v. Kraatz-Koschlau (1. c. 
p. 419.) vom G. syharita an, von welchem ihm freilich 
viele Hunderte von Exemplaren vorgelegen. Und endlich 
welche Mannigfaltigkeit in der Art und Weise, wie die 
Kettenstreifen auftreten: als ganz gewöhnliche, von 
denen der übrigen Ceroglossus- Arten im Ganzen nicht 
abweichende, bei denjenigen Exemplaren, denen das 
Toment fehlt und so auch bei der genuinen Form mehr 
oder weniger ausgebildet auf der nicht tomentirten 
Basis der Flügeldecken, «dagegen auf den befilzten 
Theilen als bunte, Vg his % millim. breite Bänder». 
Man muss diesen, bei der einzigen sonst noch bekannt 
gewordenen , tomentirten Ceroglossus-Art, constatirten 
Wechsel in der Färbung und in der Tomentirung und 
der davon abhängigen verschiedenen Ausbildung der 
Kettenstreifen im Auge behalten, bei einem Vergleich 
der Hope'schen Characteristik des G, cMloënsis und 
der von Gerstaecker gegebenen Beschreibung des 
G. psittacus. Aus letzterer will ich nur Einzelnes be- 
sonders hervorheben: Thorax nach hinten stark herz- 
förmig verengt, die Oberfläche mit wurmartig ge- 
wundenen Runzeln, die zu beiden Seiten der Mittel- 
linie etwas breiter, glänzender und zum Theil schwärz- 
lich erscheinen, dicht bedeckt. Bei G. cMloënsis ist 
der «Thorax subcordatus, atro-viridis, quasi vermibus 
erosus». Von den im Ganzen als «subrugosis» von 
Hope bezeichneten Zwischenräumen der Flügeldecken- 
streifen, eine bei chilenischen Carabinen sonst nirgends 



— 334 — 

beobachtete Sculptur, konnte Gerstaecker nichts 
Sicheres angeben, weil bei seinem Exemplar, mit Aus- 
nahme der Naht und des Randes, die ganze Flügel- 
deckensculptur von dichtem sammetartigem Toment so 
verdeckt war, dass selbst die gewöhnlichen Punkt- 
streifen nur bei seitlicher Ansicht erkennbar waren, 
aber der vom Toment frei gebliebene Seitenrand des 
G. psittacus ist auch nach Gerstaecker «mit zahl- 
reichen Körnchen, welche hin und wieder zu Quer- 
runzeln zusammenfliessen, bedeckt». Die Naht, nach 
Gerstaecker, «vorn bis zum ersten Kettenstreif er- 
weitert», läuftauf der Abbildung des G. psittacus nach 
hinten zu unbestimmt aus. Hope nennt sie bei G. chi- 
îoënsis «apice subabbreviata», — wieder eine bei chi- 
lenischen Carabinen sonst nicht weiter beobachtete 
Eigenthümlichkeit. Hope sagt endlich nur von seinen 
G. chiloënsis und insularis von den Seiten des Hals- 
schildes «elevatis», und auch in der Abbildung des 
G. psittacus erscheinen die Seiten des Halsschildes im 
Ganzen aufgebogen, aber Gerstaecker führt in der 
Beschreibung des G. psittacus nichts von den Seiten und 
dem Seitenrande des Halsschildes an und bezeichnet 
letzteres einfach als «glänzend grün gerandet», während 
Hope bei G. chiloënsis das Halsschild «marginibus 
elevatis, subviridi-auratis» beschreibt; im Gegensatz 
zu G. psittacus sagt aber Gerstaecker von G.syharita 
(1. c. p. 427.) «der Seitenrand verdickt, schmal 
aufgeworfen, tief schwarz», was bei allen übrigen 
chilenischen Carabinen auch stattfindet. Sind aber die 
Seiten des Halsschildes bei G. chiloënsis-psittacuSj ab- 
weichend von allen anderen Geroglossus- hrien, wirklich 
im Ganzen aufgebogen? Dies lässtsich vorläufig natür- 



— 335 — 

lieh nicht mit Sicherheit behaupten, aber nach dem 
hier Dargelegten kann es trotzdem gar keinem Zweifel 
unterliegen, dass Hope's Carabus chiloëmis und Ger - 
staecker's Carahus psittacus zu einerund derselben Art 
gehören, welche sich durch ganz besonders schlanken 
Bau auszeichnet, insbesondere durch die langgestreckten 
Flügeldecken, deren Schultern gar nicht vortreten, 
indem die Rundung der Seiten gleichmässig zur Basis 
sich fortsetzt. Da das einzige Männchen des C, psittacus 
sich im Berliner Museum befindet, so wäre es möglich. 
Genaueres über den Bau des Halsschildes dieser Art 
zu erfahren und ebenso über die Bildung der Fühler 
des Männchens, welche wahrscheinlich einfach sind, 
d. h. kein Fühlerglied an der unteren Seite gekielt. 

Ein dem C. psittacus ähnliches Exemplar, nur mit 
längeren Flügeldecken, hat Reed(Proc. Zool. S. Lond. 
1874. p. 53.) im National-Museum von Chile gesehen. 
Leider hat Reed über dieses Exemplar nichts ange- 
geben, so dass auch die Zugehörigkeit zu G. psittacus 
nicht sicher ist, ja, von vornherein unwahrscheinlich 
erscheint. Denn «the specimen in the Museum was 
taken many years ago in the Cordillera Pelada, in Val- 
divia; and although I have searched assiduously in the 
same locality, I have not been able to obtain more». 

Zu derselben Art gehört möglicherweise auch der 
von Hope (Trans. Ent. S. Lond. II. 1838. p. 129. 4.) 
beschriebene : 

((Carabus insularis: Niger; pedibus concoloribus, 
antennis basi piceis. Long. 10'"; lat. 3y/". Habitat in 
Chiloë sub putridis arboribus. Darwin. 

Statura G. suturalis. Fere totum corpus supra 
nigrum, pedibus concoloribus. Antennae quatuor primis 



^:%i 



— 336 — 

articulis piceis, reliquis pubescentibus. Caput nigro- 
viride. Thorax erosus, lateribus elevatis. Elytra 
striato-punctata, nigra, sutura elevata nitida, subtiliter 
punctulata. 

Obs. — It is probable that this species may be a va- 
riety of the foregoing. In sculpture, however, it differs 
in many points; both males and females vary in colour. 
The most characteristic varieties were found in different 
localities, beneath decayed logs of wood, in the small 
islet behind Chiloë». 

Reed (Proc. Zool. S. Lond. 1874. p. 53.) führt nach 
Gerstaecker 's Vorgange Hope's C. chiloënsis als 
Synonym bei den auch von ihm als G. Buqueti aufge- 
führten Formen an, und gedenkt (1. c. p. 55.) des ihm 
unbekannten Carahus insularis mit dem Zusatz: «The 
type of this species is in the collection of Mr. G rut, 
who considers it a variety of C. Buqueth^ was vielleicht 
so zu verstehen ist, da^s Mr. Grut, im Besitz der 
Hope'schen Typen, ohne die von Gerstaecker als 
C. Buqueti beschriebenen Formen zu kennen, Hope's 
C, chiloënsis einzig und allein auf Gerstaecker 's Be- 
hauptung hin als identisch mit Gerstaecker's C. Bu- 
queti gehalten, und so vielleicht in Wirklichkeit nur 
die Identität der beiden genannten, von Hope als ver- 
schieden beschriebenen, Arten behauptet. Denn von 
C. insularis, gleichfalls mit einem «Thorax erosus, la- 
teribus elevatis», sagt ja schon Hope selbst, dass er 
möglicherweise nur eine Varietät des C. chiloënsis sei. 
Aber die Angaben, welche Hope über C, insularis im 
üebrigen macht, sind zu different, um die Identität der 
beiden erwähnten chilenischen Carabinen-Formen schon 
jetzt als erwiesen annehmen zu dürfen, namentlich 



— 337 — 

wenn man im Auge behält, dass Hope den C.insularis 
als im Habitus mit G. suturalis übereinstimmend an- 
gibt, ganz abgesehen von der ganz anders beschriebenen 
Flügeldeckensculptur. Beide von Hope unterschie- 
denen Formen stammen von der Insel Chiloë, aber 
wahrscheinlich aus dem Süden derselben. 

Die von Gerstaecker (1. c. p. 426. 2. t. 4. f. 2.) 
als Carahus syharita beschriebene und abgebildete Art 
ist von General v. Kraatz-Koschlau (1. c. p. 417 — 
421.) nach so reichhaltigem, in dem nordwestlichen 
Theil der Insel Chiloë gesammeltem Material be- 
sprochen worden , dass ich hier auf diese ausführliche 
Schilderung einfach hinweisen kann. Hervorheben will 
ich nur, dass auch bei den unserem Museum zuge- 
kommenen Exemplaren zwischen Naht und erstem Ket- 
tenstreifen bald nur ein vertiefter Streif, bald aber auch 
zwei deutlich gesonderte, neben einander parallel verlau- 
fende vertiefte Streifen vorhanden sind und so zwischen 
Naht und erstem Kettenstreif ein deutlich ausge- 
prägter, convexer Limes ^) deutlich sichtbar wird. Schon 



2) Das Bedürfniss die convexen und vertieften oder auch nur 
aus gereihten Punkten bestehenden Längsstreifen der Flügeldecken 
der Cardbinen in den Beschreibungen scharf und klar hervorzu- 
heben, ist schon lange empfunden worden, eben so das Bedürfniss 
verschiedener Bezeichnungen für die, die Punkt- oder vertieften 
Streifen sondernden, häufig in regelmässiger Wiederholung ver- 
schieden ausgeprägten Längsstreifen. Dr. G. Kraatz (Deutsch. Ent. 
Z. 1878.) hat sich zu wiederholten Malen mit dieser Frage be- 
schäftigt, aber der von ihm zur Bezeichnung der Zwischenräume 
der Punktreihen oder vertieften Streifen schliesslich vorgeschlagene 
Ausdruck vLineae» hat keinen Anklang gefunden. Schon Solier (in 
Gay's Hist, de Chile. Zool. IV. 1849. p. 125.) bezeichnet die Ketten- 
streifen als «Primarii». Der Erste, der das Erforderniss, die in ge- 
wissen Abständen sich wiederholenden und gleichartigen Streifen 
der Flügeldecken der Carahinen scharf auseinander zu halten, aus- 
gesprochen, scheint aber Bonelli gewesen zu sein. In seinen Ob- 
Mélauges biologiques. XII. 43 



— 338 — 

aus General v. Kraatz-Koschlau's Darstellung geht 
hervor, dass Ceroglossus sybarita im ganzen Bau mit 
den seit G erst aecker's Monographie ganz allgemein, 
indessen durchaus mit Unrecht, als C. Buqueti be- 
zeichneten Formen am meisten übereinstimmt, und 
weist auch die Bildung der Vorderfüsse und der Fühler 
des Männchens auf diese Verwandtschaft hin, indem 



servations entomologiques empfiehlt Bonelli (Mém. prés, à l'Acad. 
de Turin IV. 1809—1810 (1811). p. 49) die Ausdrücke: nCaténulesr> 
für die Kettenstreifen, « Côtes » für die Mittelstreifen zwischen den 
letzteren und «Lignes» für die Streifen zwischen diesen beiden. Aber 
auch diese Bezeichnungen haben als unpractisch und morphologisch 
unrichtig keinen Anklang gefunden, obgleich Bonelli im Wesent- 
lichen Recht hatte, dass nämlich die erwähnten, sehr oft verschieden- 
artig ausgeprägten und in gewissen Abständen sich so auch wieder- 
holenden, erhabenen Längsstreifen der Flügeldecken scharf ausein- 
ander zu halten seien. 

Da keine einzige der in Vorschlag gebrachten Bezeichnungen 
sich bewährt, so schlage ich für die erhabenen Streifen den Ausdruck 
Limes vor, wo jede Verwechselung mit den vertieften Längsstreifeu 
fortfällt. Limes j itis, m., wird von den Lateinern für den Eain oder 
die Gränze zwischen Aeckern gebraucht, von Tacitus aber auch für 
Gränzwall, endlich aber auch ganz im Allgemeinen für Weg, und kann 
man sich die Flügeldecken der Carabinen so vorstellen, als wären 
viele neben einander verlaufende Wege vorhanden, die bald durch 
tiefere Furchen gesondert erscheinen, bald aber auch dicht anein- 
anderstossen. Ich schlage vor, den Ausdruck Limes so aufzunehmen, 
dass man ihn unverändert braucht, auch im Plural unverändert, 
wie wir ja auch von Problemen, Prismen u. s. w. sprechen, ohne die 
Endungen, conform den im Lateinischen und Griechischen gebräuch- 
lichen, zu ändern. Wir erhalten so einen kurzen, bezeichnenden 
Ausdruck. Die Kettenstreifen und die ihnen morphologisch gleich- 
werthigen, auch wenn sie nicht in Kettenglieder aufgelöst sind, 
können heissen Limites primarii s. costales, Costallimes;die meistens 
genau in der Mitte zwischen diesen befindlichen, Limites secundarii 
s. intercostales, Intercostallimes; die zwischen diesen beiden be- 
findlichen aber CoUimites, Nebenlimes; und endlich, wo zwischen 
den drei genannten noch fernere, (von Kraatz inconsequent auch als 
tertiäre von den haupttertiären unterschiedene) Streifen vorkommen. 
Interlimites, Zwischeulimes. Wir erhalten so kurze Ausdrücke, 
welche auch morphologisch das Richtige ausdrücken. Bei einer andern 
Gelegenheit werde ich noch ausführlicher darauf zurückkommen. 



— 339 — 

die Vorderfüsse schmal sind und, wie bei den genannten 
Formen, auch an den Fühlern das fünfte bis siebente 
Glied längs der unteren Seite wie angeschwollen er- 
scheinen, das sechste und siebente fast der ganzen 
Länge nach mit einem rundlichen Längswulst ver- 
sehen, welcher an dem basalen Fünftel erst ver- 
schwindet, während auf dem vorhergehenden Fühler- 
gliede dieser Längswulst sich nur an der End- 
hälfte befindet. Der Forceps ist aber breiter, und 
erscheint vor der Spitze hinten weniger schräg, 
daher auch die rundliche Spitze selbst etwas breiter 
ist. 

Ueber den gleichfalls im nordwestlichen Theil der 
Insel Chiloë vorkommenden Ceroglossus speciosus, 
welchen Gerstaecker (I.e. p. 438.9. t. 4. f. 3.) nach 
einem einzelnen Weibchen beschrieben und abgebildet, 
macht General v. Kraatz-Koschlau (1. c. p. 421 — 
423.) gleichfalls so ausführliche Mittheilungen, dass 
ich nach den wenigen mir vorliegenden Exemplaren 
über Sculptur und Färbung nichts hinzuzufügen habe. 
Ich halte indessen Gerstaecker's Ansicht, dass diese 
Art dem C. suturalis am nächsten verwandt sei, durch- 
aus nicht für so unrichtig. Der Bau des Halsschildes 
ist sehr ähnlich wie bei C. suturalis^ die Flügeldecken 
dagegen fast wie bei Ceroglossus indiconotus, welchen 
letzteren Gerstaecker mit Hope's C. Darwini ver- 
wechselt. Ceroglossus speciosus steht gewissermaassen 
in der Mitte zwischen den beiden genannten Arten. 
Entsprechend der von Gerstaecker geäusserten Ver- 
muthung, hat das Männchen eben so stark erweiterte 
Vorderfüsse wie C. suhiralis, die Fühler sind dagegen 
einfach, d. h. von den Gliedern derselben ist keines an 



^-v^^^/jjp 



— 340 — 

der unteren Seite gekielt. Der Forceps ist, wenigstens 
bei dem einzigen mir vorliegenden Männchen genau so 
gebildet wie derjenige des Männchens von G, suturalis. 
Erwähnen will ich nur noch, dass Reed (Proc. Zool. 
S. Lond. 1874. p. 55.) bereits eines Exemplars dieser 
Art gedenkt, welches mit Gerstaecker's Beschreibung 
vollkommen übereinstimmt, «except in the colour of 
the elytra, which is golden-coppery like that of the 
head and thorax». 

Zwei Arten zeichnen sich unter den chilenischen 
Carabinen aus durch ihre rein cyanblaue oder dunkel- 
blauviolette Färbung: die eben genannten G. Darwini 
und (7. indiconotus. Was zunächst den G, Darwini an- 
betrifft, so gibt Hope (Trans. Ent. S. Lond. II. 1838. 
p. 129. 5.) von demselben folgende Beschreibung: 

iiGarahus Darwini: Cyaneus; elytris striatis, tho- 
race elytrisque aureo-marginatis ; corpore subtus nigro- 
cyaneo. Long. ll'^^;lat. 3y/'Mlabitat in Chiloë. Darwin. 

Antennae fuscae, quatuor primis articulis piceis, 
reüquis pubescentibus. Caput cyaneo-viride. Thorax 
punctulatus, longitudinali linea fortiter impressa, la- 
teribus auratis. Elytra pun ctato- striata, cyanea, 
punctis obsoletisimpressis, triplici série ordinatis, 
marginibus auratis, splendidis. Corpus infra nigro- 
cyaneum; pedibus nigricantibus, tibiis intermediis 
auricomis». 

Diese Art scheint als solche bis jetzt vollständig 
verkannt worden zu sein. Die Beschreibung, welche 
Gerstaecker (1. c. p. 435. 7.) von der von ihm als 
G. Darwini angesehenen Art gibt, scheint sich nur auf 
Geroglossus indiconotus zu beziehen. Nur das von Ger- 
staecker (1. c. p. 436. Anmerkung 1.) erwähnte, an- 



— 341 — 

geblich missgebildete Weibchen gehört sicher zu G. Bar- 
wini und hat Gerstaecker von den beiden erhabenen 
Längsstreifen, welche zwischen Naht und erstem Ket- 
tenstreif sich befinden, den äusseren für den Ketten- 
streifen selbst gehalten, welcher daher auch bei 
diesem Exemplar «ganz schmal und verkümmert» sich 
darstellte. Dr. G. Kraatz (Deutsch. Ent. Z. 1878. 
p. 325.) hat gleichfalls beide Arten vor sich gehabt. 
Denn von den von ihm unterschiedenen Varietäten ge- 
hören I. B. sicher und III. wahrscheinlich zu dem 
echten Ceroglossus Darwini^ die übrigen dagegen un- 
zweifelhaft zu Ceroglossus indiconotus, General A. v. 
Kraatz-Koschlau (Deutsch. Ent. Z. 1885. p. 426— 
428.) hält beide Formen scharf auseinander, betrachtet 
sie aber als Rassen einer und derselben Art, welche er 
unter dem Namen G. Barwini ausführlich bespricht. 
Der von General v. Kraatz-Koschlau schliesslich 
für die Chiloë-Rasse eventuell in Vorschlag gebrachte 
Name hicostiilatus erweist sich als hinfällig, da Hope 
ja keine andern Exemplare als die von Darwin auf der 
Insel Chiloë gesammelten hatte. 

Für die Deutung der Hope'schen Art ist eben die 
Angabe des Fundorts «Chiloë» ganz besonders wichtig. 
Die Angabe der Grösse mit 1 V^ weist auf eine grössere 
Art hin, aber Gerstaecker scheint von G. indiconotus 
(falso Banvini) eben so grosse Exemplare gehabt zu 
haben, wenigstens gibt Gerstaecker die Grösse mit 
9^2 — 11^^^ an, wenn nicht letztere Angabe Hope ent- 
lehnt ist oder nur auf das erwähnte, von Gerstaecker 
in der Anmerkung besprochene Weibchen zutrifft. 
General v. Kraatz-Koschlau gibt die Grösse der 
Chiloë-Exemplare für das Männchen mit 2472 — ^VYg, 



•.¥ç'S^ 



— 342 — 

für das Weibchen aber mit 267^ — 2973 ^illio^. an; für 
die Exemplare vom Festlande dagegen oder dem Cero- 
glossus mdiconotus für das Männchen mit 21 — 2 5, und 
für das Weibchen mit 24V2 — 26 millim. Ich führe 
diese gewiss richtigen Grössenangaben nur deshalb an, 
weil ich keine gleichgrossen Ceroglossiis JDarwini und 
mdiconotus bisher gesehen habe; die in unserem Mu- 
seum vorhandenen C. indiconotus, worunter ein paar 
aus älterer Zeit, sind sämmtlich kleiner als die drei 
CeroglossusDarwini unsere?, Museums. Die H ope 'sehe 
Beschreibung gibt im Uebrigen keinen Anhalt zu einer 
sicheren Deutung, doch möchte ich auf die von Hope 
über die Färbung gemachte Angabe aufmerksam 
machen: Violett schimmernde Exemplare hat Hope 
jedenfalls nicht erwähnt. Die Kettenstreifen, welche 
Hope «punctisobsoletisimpressis» bezeichnet, sind bei 
den mir vorliegenden Geroglossus mdiconotus durch 
grössere Grübchen markirt und wenigstens die äusseren 
«deutlich in Glieder aufgelöst», wie auch Gerstaecker 
(1. c. p. 436.) angibt, wenigstens für einige Exemplare, 
und ebenso erwähnt auch Gerstaecker (1. c. p. 435.) 
der ins Violette fallenden Färbung. General v. Kraatz- 
Ko schlau scheint seine Untersuchungen vorherrschend 
bei Lampenlicht gemacht zu haben, weshalb ihm dieser 
Unterschied in dem Farbenton entgangen zu sein 
scheint. Jedenfalls gehören die Exemplare, welche 
unser Museum Herrn General v. Kraatz-Koschlau 
verdankt, beiden Arten an und zeigen auch die von 
mir vorstehend erwähnten Differenzen in der Färbung 
und in der Ausprägung der Kettenstreifen. Nach diesen 
Exemplaren gehören die von General v. Kraatz- 
Koschlau als (7. JDarwini besprochenen von dem 



— 343 — 

südchilenischen Küstenstrich bei Puerto Montt in 
der Provinz Llanquihiie stammenden Exemplare zu 
Ceroglossus indiconotus ^ die auf der Insel Chiloë 
gesammelten aber ohne Ausnahme zu Ceroglossus 
Darwini. 

Ceroglossus Darwini ist nach dem mir vorliegenden 
Material rein cyanblau, ohne Spur von violetter Fär- 
bung, lieber die abweichende Färbung der Ränder 
u. s. w. sind Hope's und General v. Kraatz-Kosch- 
lau's Angaben zu vergleichen. C. Darwini ist ungleich 
robuster, dabei in beiden Geschlechtern, namentlich 
aber im weiblichen, gestreckter als C. indiconotus, der 
Kopf ist auffallend grösser , stärker gewölbt , mit sehr 
dickem Halse, und ragen in Folge dessen die Augen 
seitlich etwas weniger vor. Die Sculptur ist gröber, 
insbesondere die Runzelung, doch weniger gedrängt, 
namentlich in der Mitte des Halses und der Stirn, wo 
in Folge dessen keine Schwielen zur Bildung kommen. 
An den Fühlern sind die sieben letzten Glieder, ähnlich 
wie bei Ceroglossus gloriosiis^ dichter befilzt, welcher 
letztgenannten Art C. Darwini im Habitus überhaupt 
am ähnlichsten ist. Die Fühler sind überhaupt, im 
Vergleich zu C. indiconotus^ als dick zu bezeichnen. 
Das Halsschild ist ungleich gestreckter als bei C indi- 
conotuSj weniger gewölbt, namentlich flacher zu beiden 
Seiten der Mitte, und es ist daher auch die Mittellinie 
breit und seitlich nicht so scharf begränzt, und auch 
der seitliche Eindruck vor dem Hinterrande ist ganz 
verloschen, während diese Eindrücke bei C. indiconotus 
innen ziemlich markirt erscheinen, ähnlich wie bei 
C. speciosus und suturalis. Die Punktirung des Hals- 
schildes ist gröber, auf der Scheibe aber sehr spärlich, 



•^^T^^s*^^ 



— 344 — 

und es fehlt auch der bei C. indiconofus deutliche 
Längskiel vor der Mitte des Hinterrandes vollständig; — 
übrigens ist letzteres bei andern Arten variabel, daher 
ist vielleicht dieses Merkmal auch hier ohne Bedeutung. 
Der aufgeworfene Seitenrand des Halsschildes ist aber 
bei C. Darwini entschieden dicker und höher als bei 
(7. indiconotus. Die Flügeldecken erscheinen bei C, Dar- 
wini gestreckter und deutlich flacher als bei G. indi- 
conotus^ die Schultern abgerundeter, nach hinten zu 
etwas mehr zugespitzt, die verdickte Flügeldeckennaht 
nach aussen etwas abschüssig und weniger scharf be- 
gränzt, da die Flügeldecken längs der Naht gleichsam 
abgeflacht sind; zwischen ihr und dem ersten Ketten- 
streifen nicht ein, sondern, wie bei C. gloriosus^ zwei 
Limes, welche nach vorn unregelmässig werden, 
während nach hinten der innere dieser Limes ver- 
schwindet, aber der erste Kettenstreif ist überall fast 
doppelt so weit von dem Nahtwulst entfernt als solches 
bei G. indiconotus der Fall ist. Die Furchen der Flügel- 
decken erscheinen überdies flacher, die in denselben 
befindlichen Punkte weniger zahlreich, auch die Limes 
sind weniger gewölbt, der ganzen Länge nach mit 
grossen nach hinten zugespitzten, abgeplatteten, glän- 
zenden Körnchen besetzt, während die Flügeldecken 
im Uebrigen matt erscheinen, jedenfalls weniger 
glänzend wie die Naht, während bei G. indiconotus 
Naht und Flügeldecken hinsichtlich des Glanzes keinen 
Unterschied zeigen. Die Limes sind ferner bei G. Dar- 
wini vor der Spitze ganz undeutlich und verworren , 
und auch am Seitenrande nach aussen von dem dritten 
Kettenstreifen eigentlich nur durch die gereihten ab- 
geplatteten Körnchen angedeutet, bei G, indiconotus 



— 345 — 

dagegen als deutlich erhabene, zusammenhängende 
Streifen vorhanden. Die Unterseite ist bei G, Barwini 
glatt, auch die vorderen Hinterleibssegmente, und nur 
mit ein paar vereinzelten Punkten besetzt. An den 
Seiten der hinteren Segmente sind dagegen einzelne 
Punkte und zu beiden Seiten der Mitte befindet sich 
je eine Gruppe gedrängterer Punkte. 'Bé.C.indiconotus 
sind die Episternen der Hinterbrust meistens und die 
ganzen Seiten des Hinterleibs immer dicht und grob 
punktirt und zieht sich diese Punktirung auf den hinteren 
Abdominalsegmenten als ein zusammenhängendes Band 
grober Punkte nach innen, wo es sich nach hinten zu 
erweitert; die Mitte selbst ist aber auch hier glatt. Die 
Beine, namentlich die Fusse, sind bei C. Barwini ro- 
buster als bei C. indiconotiis, beim Männchen sind in- 
dessen die Vorderschenkel unmerklich dicker als beim 
Weibchen, während sie beim Männchen des G. indico- 
notus ganz auffallend angeschwollen erscheinen, ähnlich 
wie bei den Männchen von G. speciosiis und (7. suturalis. 
Während beim Männchen des G. indiconotus die Vor- 
derfüsse ähnlich wie bei den beiden letztgenannten 
Arten stark erweitert sind, erscheinen sie beim Männ- 
chen des G. Barwini ungleich schmäler, nur massig 
erweitert, etwa so wie bei dem Männchen des G. glo- 
riosus. An den Fühlern des Männchens von G. Barwini 
sind ferner das sechste, siebente, achte und weniger 
deutlich auch das neunte Glied an der unteren Seite mit 
einer nach aussen etwas bogig gekrümmten Längskante 
versehen und nach innen von dieser geglättet. Beim 
Männchen des G. indiconotus ist dagegen nur am sechsten 
und siebenten Fühlergliede eine Spur dieser Kante 
undeutlich wahrzunehmen. Der Forceps des Männchens 

Mélangea biologiques. XII. 44 



''■T. 



— 346 — 

von G. indiconotus ist ähnlich demjenigen von Csutu- 
talis und speciosus zur Spitze allmählich verjüngt, 
hinten dicht vor der Spitze etwas stärker convex, die 
Spitze selbst ziemlich breit und abgerundet und nach 
vorn etwas umgebogen; bei dem Männchen von C. Dar- 
wini ist der Forceps an seiner hinteren Seite deutlich 
ausgeschweift, die Spitze selbst daher schmäler vor- 
gezogen, gerade vorstehend. Das letzte Rückensegment 
des Männchens von C. indiconotus ist ferner auf seiner 
hinteren Hälfte mit groben Punkten dicht besetzt, bei 
C. Barwini dagegen hier ungleich feiner punktirt, in 
der Mitte glatt, welche Glättung in Form eines spitzen 
Zipfels fast bis an den Hinterrand reicht. Nach allem 
hier Dargelegten kann ich mit der allgemein getheilten 
und auch von General V. Kraatz-Koschlau als richtig 
angenommenen Ansicht, dass Geroglossus Barwini und 
Geroglossus indiconotus nur Formen einer und derselben 
Art sind, nicht übereinstimmen. 

Die Diagnosen beider Arten dürften lauten: 
Geroglossus Barwini: Major, cyaneus, lateribus vi- 
ridi-vel aureo-marginatus, antennis crassioribus , arti- 
culis 5 — 11 densius pubescentibus, capite crassiore 
thoraceque medio sublaevigatis, hoc disco late sulcato, 
elytris parum convexis, inter suturam, externe obso- 
letam, et catenam primam planiusculis , limitibus du- 
obus, opacis, minus profunde late striatis, limitibus 
minus convexis, omnibus granulis deplanatis seriatis 
dense obsitis, catenis saepe obsoletis, vel vix vel solum 
tertia foveolis minus profundis indicatis. 

cî. Pedum anteriorum femoribus minus incrassatis, 
tarsis anguste dilatatis, antennarum articulis 6 — 9 
subtus carina incurva instructis. 



— 347 — 

Habitat in insula Chiloë. 

Geroglossus indiconotus: Minor, cyaneo-violaceus, 
capite minus crasso, collo angustiore, thoraceque 
densius punctatis, hoc disco acute sulcato et postice in 
medio cannula instructo, antennis tenuibus, elytris 
convexis, profunde striatis, striis dense punctatis, li- 
mitibus convexis , hinc inde granulis minutissimis 
postice puncto impresso conjunctis vel solum punctis 
impressis seriatis obsitis, catenis foveolis latio- 
ribus saepissime distinctis, inter primam et sutu- 
ram externe abrupte terminatam limite unico, ceteris 
aequali. 

(3. Pedum anteriorum femoribus valde incrassatis, 
tarsis late dilatatis, antennarum articulis sexto et 
septimo subtus cannula vix conspicua. 

Habitat in Provincia Llanquihue. 

Auch die von Solier (Gay's Hist, de Chile. Zool. IV. 
1849. p. 127. 3.) beschriebenen Exemplare des Gero- 
glossus indiconotus waren auf dem Festlande bei Cal- 
buco, dem jetzigen Puerto Montt, gefunden worden. 
Die von So lier gegebene genaue Beschreibung lässt 
übrigens gar keinen Zweifel zu, dass Solier in Wirk- 
lichkeit nur diese Art vor sich gehabt. Hinsichtlich 
der Flügeldeckensculptur und ihrer Variabilität ver- 
weise ich auf die von General v. Kraatz-Koschlau 
(1. c. p. 426.) gemachten Angaben, nach welchen sich 
die vorher von Dr. G. Kraatz (Deutsch. Ent.Z. 1878. 
p. 325.) gemachten Angaben über Doppelstreifen 
als irrig und übertrieben erweisen. G er s ta eck er ge- 
denkt der vertieften Punkte, welche dicht hinter den 
kleinen, oft kaum wahrnehmbaren Körnchen der con- 
vexen Streifen sich befinden, gar nicht, und doch fallen 






— 348 — 

diese vertieften Punkte, wenigstens bei den mir vor- 
liegenden Exemplaren des G. indiconotus, ungleich mehr 
auf als die erwähnten Körnchen. Bei der von Dr. 6. 
Kraatz unter II besprochenen Varietät sind die ver- 
tieften Punkte auf den CoUimes sehr gross, fliessen 
stellenweise zusammen und lassen den ganzen Collimes 
netzartig erscheinen, aber Dr. G. Kraatz geht gewiss 
zu weit, wenn er von Doppelstreifen bei seiner Varietät 
spricht. Dagegen ist aber auch der secundäre Limes 
auf seiner vorderen Hälfte hin und wieder netzartig 
aufgelöst und erscheinen die in solcher Weise netz- 
artigen Limes überhaupt breiter und flacher als bei 
der gewöhnlichen Form. Ich kenne aber vorläufig noch 
zu wenige Exemplare, um darauf weiter eingehen zu 
können. 

Durch den gesammten Körperbau, die Anwesenheit 
zweier feiner convexer Streifen zwischen Naht und 
erstem Kettenstreifen, welche übrigens beide auch un- 
regelmässig und in einzelne Körnchen aufgelöst sein 
können , durch die verhältnissmässig dicken , dicht be- 
filzten Endglieder der Fühler, die beim Männchen 
gleichfalls nur massig erweiterten Vorderfüsse u.s. w. 
schliesst sich dem C. JDarwini die von Solier (Gay's 
Hist, de Chile Zool. IV. 1849. p. 126. 2. coleopt. 
t. 2. f. 1.) zuerst beschriebene und abgebildete robus- 
teste Ceroglossus-T ovm an, von welcher von Solier 
beschriebenen Art Gerstaecker (1. c. p. 429. 4. t. 4. 
f. 6.) eine Varietät als Carahus gloriosus benannt und 
beschrieben, weil der Name chilensis schon vorher 
von Eschscholtz für eine andere Ceroglossus- Art 
gebraucht worden war. Von dieser, von Solier be- 
kannt gemachten Art sind gegenwärtig alle von ihm 



— 349 — 

erwähnten Varietäten wiederum aufgefunden worden, 
und erweisen sich Gerstaecker's Vorwürfe, Solier 
habe mehrere chilenische Arten mit einander ver- 
wechselt, als durchaus unbegründet. Ja, wenn Ger- 
staecker sich die Mühe genommen hätte, Solier's 
ausführliche Beschreibung zu lesen, so hätte er in der 
Beschreibung gefunden, dass Solier das Halsschild als 
«parece mas corto, aunque a veces tan angusto como 
en los C. Valdiviae (suturalis) é indiconotus» schildert 
und von den Flügeldecken angibt «el primer surco es 
mas ancho, mas difuso y parece compuesto de dos 
surcos». Solche Exemplare, wie sie Solier gehabt, 
sind jetzt mehrfach beobachtet und sind von Geh in, 
laut General A. v. Kraatz-Koschlau's (1. c. p. 430.) 
Zeugniss, diejenigen Exemplare, an welchen sich der 
innere Limes als schmale Leiste noch erhalten, als 
Var. unicostulatus bezeichnet worden. Auch die im 
Atlas zu Gay's Historia de Chile (Coleopt. t. 2. f. 1.) 
mitgetheilte Abbildung lässt gar keinen Zweifel auf- 
kommen , dass sie zu (7. gloriosus gehöre und zwar zu 
derjenigen Form, welche gleichmässige, stark er- 
habene Limes hat, wie sie Solier in der Diagnose als 
typisch hervorhebt, und ist diese Form, wie ich aus 
General v. Kraatz-Koschlau's (1. c. p. 430,) Mit- 
theilungen ersehe, von Géhin als Var. Pradieri be- 
zeichnet worden. Gerstaecker (l. c. p. 432.) citirt 
diese Abbildung und auch die S olier'sche Beschreibung 
bei dem von ihm als Garabus Valdiviae beschriebenen 
Ceroglossus Buqiieti, wogegen aber der in der Abbildung 
deutlich hervortretende robuste Körperbau, insbe- 
sondere das breite, vor den Hinterecken ausge- 
schweifte, einfarbig grüne Halsschild, die sich gar nicht 






— 350 — 

bemerkbar machenden Kettenstreifen, endlich aber 
Soli er 's genaue Angaben über die Sculptur der Flü- 
geldecken durchaus sprechen. Gerstaecker kannte 
übrigens nur solche Exemplare, bei welchen die Costal- 
und Intercostal limes stark erhöht und schwärzlich ge- 
färbt, während die Nebenlimes niedriger und metallisch 
glänzend waren, welche Exemplare Solier alavar. ß. 
besonders hervorhebt. Gerstaecker betrachtete über- 
dies die in der Höhe alternirend wechselnden Limes 
der Flügeldecken der letztgenannten Varietät als be- 
sonders characteristisches , specifisches Merkmal 
seines Carabus gloriosus, wie es übrigens auch von 
Dr. G. Kraatz (Deutsch. Ent. Z. 1878. p. 326.) ge- 
schehen, trotz Solier's gegentheiliger Angaben über 
die Variabilität der Sculptur der Flügeldecken dieser 
Art, wodurch Gerstaecker sich eben auch veranlasst 
sah, Solier's durchaus richtige Angaben über die 
Veränderlichkeit der Limes der Flügeldecken bei 
dieser Art als irrige hinzustellen und die von Solier 
erwähnten Varietäten auf andere Arten zu beziehen, 
ohne irgend welchen genügenden Grund dafür angeben 
zu können. 

Solier hat diese Art auch ganz sicher nicht unter 
dem Namen Geroglossus chüensis beschrieben, wie in 
Gay's Historia de Chile gedruckt ist, sondern unter 
einem andern Namen, welcher jetzt natürlich nicht 
mehr festzustellen ist. Es geht dies daraus hervor, 
dass, entsprechend der Angabe «acaso una senalada 
variedad del G. siituralis» in Gay's Historia de Chile 
(Zool.IV. 1849. p. 125.), Solier (Stud.Entom. 1848. 
p. 57.) gleichzeitig die von ihm als Geroglossus chi- 
liensis (Es eh.) angesehene Art als fraglich zu G. sutu- 



— 351 — 

ralis gehörig erwähnt, und auf diese letztere Art 
passen auch die in Baudi' et Truqui's Studi Ento- 
niologici gemachten Angaben über die, nach Solier's 
(1. c. p. 62.) Mittheilung, von Cl. Gay und ihm neu auf- 
gestellte Gattung Ceroglossus. Es geht dies unzweifel- 
haft aus dem daselbst (1. c. p. 59.) mitgetheilten Ta- 
bleau }i?. 2 hervor, insbesondere aus den Angaben: 
«Tête sensiblement rétréci en arrière des yeux très 
saillants. Tarses antérieurs à trois ou quatre premiers 
articles fortement dilatés chez le mâle», während im 
Tableau ](?. 3 (1. c. p. 60.) letztere Bemerkung wieder- 
holt wird, bei der auf Ceroglossus bezüglichen Rubrik 
aber weiter gesagt wird: «quatrième article de ces 
tarses notablement dilaté et couvert en dessous de 
brosses de poils serrés». Die Angaben über den Kopf: 
die deutliche Einschnürung desselben und die in 
Folge dessen stark vorgequollenen Augen kommen 
der in Gay's Historia de Chile als Ceroglossus chilensis 
aufgeführten Art oder dem jetzigen Ceroglossus gloriosus 
nicht zu und der Corrector von Seller's Arbeit hat 
hier unzweifelhaft Aenderungen gemacht : für die erste 
von So lier als fragliche Varietät des C. sufuralis be- 
schriebene Ceroglossus- kvi^ welche So lier für C. chi- 
lensis gehalten, den Namen Valdiviae untergeschoben, 
bei der zweiten von. Solier beschriebenen Art aber 
den ertheilten Namen, wenn auch ganz unberechtigter- 
weise, unterdrückt und durch G, chilensis ersetzt^). 



3) Redtenbacher (Novara, Coleopt. 1867. p. 3. 27.) citirt 
«Blanchard in Gay's Historiade Chile», und ist es, wie wir weiter 
sehen werden, sehr wahrscheinlich, dass in der That Blanchard 
diese Aenderungen gemacht. Nur als Curiosum erwähne ich, dass 
Redtenbacher (a. a. 0.) Ceroglossus suturalis, chüensis, Darwini, 



— 352 — 

Wie dem aber auch sei, jetzt rauss diese Art Cero- 
glossus gloriosus heissen, obgleich So lier dieselbe mit 
den neuerdings erst wieder aufgefundenen Sculptur- 
und Farbenvarietäten bereits richtig beschrieben hatte. 
Wenigstens erwähnt General v. Kraatz-Koschlau 
(1. c. p. 429.) sämmtliche von Solier erwähnte Far- 
benvarietäten, auch Exemplare, deren Kopf und Thorax 
«schwarzblau, mit hellgrünen Rändern» und diese 
Ränder brauchen nur undeutlich zu werden, damit Kopf 
und Thorax ganz blau erscheinen, wie solche Exem- 
plare, bis jetzt wenigstens, Solier einzig und allein 
von dieser Art erwähnt. 

Exemplare des Geroglossus gloriosus mit gleichartig 
erhöhten Limes, wie mir nur ein paar vorliegen, sind 
nach General v. Kraatz-Koschlau (1. c, p. 430.) 
keineswegs selten, ja, üebergangsexemplare von dieser 
Form zu derjenigen mit schwächer erhöhten Neben- 
liraes scheinen sogar die Mehrzahl zu bilden. Ein aus 
älterer Zeit stammendes Männchen unserer Sammlung, 
mit gleichmässig stark erhöhten Limes, zeigt die drei 
Costallimes durch breite metallische Gruben vollständig 
unterbrochen und in Glieder aufgelöst. Ein anderes 
Männchen unseres Museums hat gleichmässige, wenig 
erhabene Intercostal- und Nebenlimes, welche sämmt- 
lieh metallisch sind, nur die Costallimes sind schwarz, 
etwas höher, aber nur sehr wenig breiter, und durch 
metallische Grübchen gleichfalls vollständig in Glieder 
aufgelöst; die beiden Limes zwischen Naht und erstem 



indiconotus, insularis und Buqueti — nach Vergleich einer langen 
Reihe von Individuen — für Localformen einer und derselben Art er- 
klärt, und zwar einer Art, welche einen grossen Theil der West- 
seite von Südamerika bewohntl 



— 353 — 

Costallimes sind bei diesem Stück in einzelne, kaum 
erhabene Körnchen aufgelöst, welche auch etwas ver- 
worren sind, die neben dem ersten Costallimes befind- 
lichen Körnchen übrigens etwas weniger verworren, 
weil die an diesen Costallimes stossenden vertieften 
Punkte längs gereiht erscheinen. Denn eine vollstän- 
dige Auflösung und Unregelmässigkeit auch dieser 
Punktreihe verbietet der anliegende Costallimes. Die 
Flügeldecken erscheinen hier, wegen der nur wenig 
erhabenen Körnchen zwischen Nahtwulst und erstem 
Costallimes, ähnlich wie bei (7. Darwini, abgeflacht. Da 
einige Sculpturvarietäten des C.gloriosus bereits benannt 
worden, so kann die letzterwähnte Form als Var. dorso- 
solutus bezeichnet werden. Hinsichtlich der Sculptur 
innerhalb des ersten Costallimes scheinen die von 
Solier beschriebenen Exemplare ähnlich denen der 
Var. dorsosolutus gewesen zu sein, die abgebildeten 
Exemplare haben dagegen auch neben dem Nahtwulst 
continuirlich zusammenhängende, convexe Streifen. 

Bei einem grossen Weibchen der Yar. Pradieri sind 
nach innen von dem ersten Costallimes die beiden 
schmalen Limes scharf ausgeprägt; zwischen den ein- 
zelnen Punkten des innersten vertieften Streifens be- 
finden sich aber überdies unregelmässige Höckerchen, 
welche deutlich längsgereiht sind und vorn auf kurzer 
Strecke auch leistenartig zusammenfiiessen. Das Vor- 
kommen einer Form mit drei Limes zwischen Naht und 
erstem Costallimes wäre darnach nicht ganz unwahr- 
scheinlich. Auch bei den Exemplaren der Var. dorso- 
solutus, bei welchen die erwähnten schmalen Limes 
zwischen Naht und erstem Costallimes ganz aufgelöst 
sind, sind stellenweise die einzelnen Körnchen drei- 

Mélanges biologiques. XII. 45 



"^v-^^ 



— 354 — 

reihig angeordnet. Bei diesen Exemplaren ist auch 
der Nahtwulst etwas feiner als bei der gewöhnlichen 
Form, welche unter den chilenischen Ceroglossus über- 
haupt den schmälsten Nahtwulst hat, woraus gefol- 
gert werden kann, dass der Nahtstreif, je mehr der- 
selbe von den anliegenden Limes an sich reisst, auch 
entsprechend dicker und breiter wird, wie dies an 
dem Nahtwulst von Ceroglossus syharita auch in der 
That deutlich sich darstellt. Bei dieser Art, wo hin 
und wieder ein deutlicher Limes zwischen dem Naht- 
wulst und dem ersten Kettenstreifen auftritt, kann 
man es ganz klar verfolgen, wie sich dieser Limes 
von dem Nahtwulst abspaltet. Gerstaecker (Linn. 
Entom. XIL 1858. p. 423.) hat daher auch voll- 
ständig Recht, wenn er von den Kettenstreifen be- 
hauptet, dass «ihre Lage stets dieselbe ist». Dr. G. 
Kraatz (Deutsch. Ent. Z. 1878. p. 321.), welcher 
Gerstaecker 's Auffassung als falsch hinstellt, hat es 
nicht in Betracht gezogen, dass der Nahtwulst bei 
den verschiedenen Ceroglossus- Arten bald mehr, bald 
weniger von den anstossenden Limes in sich aufge- 
nommen hat, in der Breite daher bei einzelnen Formen 
verschieden ist. 

Nach Solier kommt diese Art vor in Chile «en los 
bosques» der Provinzen Valdivia, Concepcion und 
Araucania, nach General v. Kraatz-Koschlau (1. c. 
p. 430.) ist diese Art aber «kein Wald- noch Gebirgs- 
bewohner und wird in der ganzen nicht bewaldeten 
Umgegend von Valdivia bis zum Fuss der höheren 
Vorberge in den meisten Jahren sehr häufig gefunden». 

Nach der mitgetheilten Abbildung im Habitus voll- 
ständig übereinstimmend und daher aller Wahrschein- 



— 355 — 

liclikeit nach nur eine Varietät des Geroglossus glo- 
riosiis ist der mir unbekannt gebliebene, von Reed 
(Proc. Zool. S. Lond. 1874. p. 54. t. 13. f. 4.) be- 
schriebene und abgebildete: 

((Geroglossus MocJiae: C. glorioso affinis, elongato 
ellipticus, modice convexus; supra subopacus, cupre- 
scenti-niger; elytris rubro-cupreis, sutura limboque 
laterali nigro-violaceis , interstitiis elevatis undique 
interruptis, alternis elevatioribus, corpore subtus cu- 
prescenti-nigro. 11 — 12"^ 

The thorax in this species is always narrower than 
that of G. gloriosiis, and rather more cordate in form, 
having its greatest width at a short distance from the 
anterior angles. The elytra are elongate-elliptical. All 
the depressed portions of their surface are opaque, 
without distinct striae; and the narrow raised inter- 
stices are interrupted by innumerable transverse im- 
pressions, which cause them to appear as rows of 
shining tubercles. The alternate interstices, however, 
are more continous. 

Var. In some examples the elytra are dark green in 
colour, \sith the suture and a lateral border coppery. 

Island of La Mocha, in lat. 38° S.» 

Es ist natürlich nicht gut möglich, ohne Exemplare 
dieser Geroglossus-Yorm mit G. gloriosus genau ver- 
glichen zuhaben, die Behauptung strict auszusprechen, 
dass die Mocha-Form nur eine Varietät der genannten 
Art sei. Aber da Geroglossus gloriosus vom Festlande 
überaus variabel ist, sowohl hinsichtlich der Färbung, 
als auch hinsichtlich der Sculptur , insbesondere auch 
der Sculptur der Flügeldecken, so wäre es immerhin 
möglich, dass auf isolirtem Terrain, wie es die kleine 



Z^: 



— 356 — 

Insel ist, auf welcher Geroglossiis MocJiae gefunden 
worden, eine noch weiter abweichende Form vorkomme. 
Eeed hat jedenfalls nicht ein einziges Merkmal ange- 
geben^ welches als Artmerkmal in Anspruch genommen 
werden könnte. Dass die von Eeed beschriebene Form 
nur eine Varietät der genannten Art sei, ist auch 
wahrscheinlich , schon aus der Lage der Insel de la 
Mocha in der Nähe der chilenischen Küste, ungefähr 
in der Mitte zwischen den Städten Valdivia und Con- 
cepcion, wo nach Solier's bereits erwähnten Angaben 
die jetzt als Ceroglossus gloriosus bekannte Art un- 
zweifelhaft vorkommt. 

Aus dem östlichen, von den Anden durchzogenen 
Theil Chiles, aus der Nähe der Stadt Villarica, hat 
General v. Kraatz-Koschlau (1. c. p. 431.) eine Cero- 
glossus -Form erhalten, welche als Abänderung des 
Ceroglossus gloriosus unter dem Namen Var. Villari- 
censis aufgeführt wird, in sehr verschiedenen Farben - 
Abänderungen. «Gestalt, Sculptur und Grösse der ty- 
pischen Art; Streifen der Flügeldecken hinsichtlich 
ihrer Stärke theils wechselnd, theils gleichmässig». 
«Besonders interressant ist sie aber dadurch, dass 
sämmtliche Sculptur-Erhebungen einschliesslich der 
feinsten Runzeln auf Kopf und Halsschild derartig fein 
geglättet sind , dass sie flammendes Licht scharf ab- 
spiegeln», lieber die Form des Halsschildes liegt leider 
keine Angabe vor; den als selbstständige Art beschrie- 
benen Ceroglossus carinulatus^ welchen Motschulsky 
(Bull, de Mose. 1865. IL p. 284.) durch «corselet 
allongé-ovalaire, presqu' également rétréci en avant et 
en arrière, sa partie la plus large vers le milieu» von 
C. gloriosus unterscheidet, erklärt indessen General 



— 357 — 

V. Kraatz-Koschlau (I.e. p. 430.) «auf einige jener 
kleinen nicht nennenswertlien Unterschiede basirt, wie 
sie bei jeder Art mehr oder minder zahlreich nachzu- 
weisen sind». Ich habe bisher keine Ceroglossus gloriosus 
gesehen, deren Halsschild in der von Motschulsky 
geschilderten Weise gebildet wäre und finde auch in 
General v. Kraatz-Koschlau's (1. c. p. 429 — 431.) 
Mittheilungen keine bestimmt darauf hinweisende An- 
gabe, doch glaube ich, dass Ceroglossus carimilatus 
mit Recht zu C. gloriosus gezogen wird , mit welchem 
ihn auch bereits Reed (Proc. Zool. S. Lond. 1874. 
p. 54.) vereinigt. Dagegen ist in unserem Museum 
schon seit Jahren eine Ceroglossus-F orm. vorhanden, 
welche die von General v. Kraatz-Koschlau hervor- 
gehobene Sculptureigenthümlichkeit zeigt, zugleich 
mit einer Form des Halsschildes, welche den von 
Motschulsky gemachten Angaben nahezu entspricht; 
nur ist das Halsschild entschieden vor der Mitte oder 
genau da am breitesten, wo dieses auch bei C. gloriosus 
stattfindet, es ist aber nach hinten zu gleichmässig 
verengt und nicht, wie bei genannter Art, vor den 
Hinterecken ausgeschweift. Dieses Männchen macht 
aber durchaus den Eindruck einer eigenen Art, welche 
ich, da mir die Identität mit der von General v. Kraatz- 
Koschlau als C. gloriosus Var. Villaricensis aufge- 
führten Form unwahrscheinlich scheint, nachstehend 
beschreibe als 

Ceroglossus pyrilampes: Capite pronotoque aequa- 
liter convexo dense rugoso-punctatis, hoc ante medium 
rotundato, postice aequaliter angustato, rugis superfice 
politissimis; coleopteris minus convexis, nitidissimis, 
apice rotundatis, margine laterali angustissimo , punc- 



— 358 — 

tato-striatis, limitibus latiusculis, convexiusculis, intra 
catenam primam limitibus duobus angustioribus. Pal- 
porum maxillarium articulo ultimo angusto, ad apicem 
parum dilatato. 

c?. Pedum anteriorum femoribus vix incrassatis, 
tarsis magis dilatatis, articulis 3? et 4! parura trans- 
versis. Antennarum articulis 6!, 7! et 8! subtus in- 
trorsum laevigatis et hic intumidis et externe quasi 
cannula incurva instructis, articulo 5! ante apicem 
carinulato. Forceps latiusculus apice breviore et la- 
tiore, minus producto. 27 millim. 

Ceroglossus Valdiviae Motsch. Bull, de Mose. 1865. II, p. 283. $. 

Das einzige mir vorliegende Männchen dieser Art 
ist dem C. gloriosus sehr ähnlich, aber im ganzen 
Habitus und im Einzelnen doch so abweichend, dass 
ich es als zu einer verschiedenen Art gehörig ansehen 
zu müssen glaube. Die Vorderfüsse sind ähnlich wie 
bei dem Männchen von C, gloriosus^ im Ganzen aber 
deutlich breiter, die Schenkel der Vorderbeine dagegen 
kaum etwas verdickt, während sie bei dem Männchen 
von C. gloriosus ein wenig angeschwollen sind. An den 
Fühlern sind das 6*^ , 7*^ und 8^^ Glied an der inneren 
Seite geglättet, diese Glättung nach unten zu wulstig 
erhöht und an der äusseren Seite scharf bogig be- 
gränzt; auch das 5*^ Fühlerglied erscheint an der 
unteren Seite vor der Spitze gekielt. Beim Männchen 
äe^ C. gloriosus sind die Fühlerglieder ganz ähnlich ge- 
bildet, die geglätteten Stellen aber schmäler, wulstartig. 
Der Forceps ist kräftiger, breiter, hinten stärker ge- 
rundet und vor der kurzen und abgerundeten Spitze 
nur schwach ausgerandet. Beim Männchen des G. glo- 
riosus ist die Spitze des Forceps länger, schmäler, die 



— 359 — 

hintere Ausbucht vor derselben ist etwas breiter und 
tiefer, ähnlich wie bei C. Darwini, nur ist der üeber- 
gang der hinteren flachen Rundung in die erwähnte 
Ausbuchtung weniger abgerundet, stumpf vortretend. 
Das obere abdominale Endsegment endlich ist grob 
längsrunzlig und mit groben länglichen Punkten da- 
zwischen, im Ganzen etwas glänzend; bei dem Männchen 
des C. gloriosus ist diese Sculptur ungleich feiner und 
dichter, weshalb auch das genannte Segment matt er- 
scheint. 

Der Kopf ist ähnlich wie bei C. gloriosus gebaut, 
doch etwas abgeflacht, die Seiten der Stirn nach vorn 
sehr wenig convergirend und vorn unter kurzer Rundung 
in den Clypeus übergehend; bei C, gloriosus erscheint 
die Stirn nach vorn mehr verschmälert, die Uebergangs- 
stelle zum Clypeus breit und stumpf gerundet und ist 
der Seitenrand der Stirn überdies vor den Augen ein 
wenig ausgeschweift. Die Runzelung ist dichter als 
bei C. gloriosus, die Punkte aber gröber, namentlich 
an den Seiten der Stirn über der Fühlerwurzel, und 
die bei C. gloriosus deutliche Wulstung des Seiten- 
randes erscheint ganz verwischt. An den Tastern ist 
das letzte Glied schmal, zur Spitze nur sehr wenig er- 
weitert, an den Kiefertastern nur sehr wenig mehr als 
das vorhergehende. Die Fühler dagegen sind eben so 
dicht tomentirt. Das Halsschild ist bei dem vorlie- 
genden Männchen 5 millim. lang und vor der Mitte 
nur öYg millim. breit, und ist nach vorn und hinten 
gleichartig, regelmässig verjüngt. Der aufgeworfene 
Seitenrand ist wulstig, nach vorn zu feiner und nie- 
driger, die Hinterecken fast halb so kurz wie bei 
C. gloriosus und gehen in einem flachen Bogen in den 



■ V -J'TJ' 



— 360 — 

Hinterrand über, welcher in der Mitte eine kleine, aber 
deutliche Ausrandung zeigt, vielleicht übrigens nur 
zufällig. Die Oberfläche ist sehr regelmässig gewölbt, 
vor dem Vorder- und Hinterrande nicht niedergedrückt, 
die Mittellinie fein aber scharf ausgeprägt, von der er- 
wähnten kleinen Ausrandung des Hinterrandes aus- 
gehend und erst kurz vor dem Vorderrande ver- 
schwindend. Der Seiteneindruck vor den Hinterecken 
ist ganz verwischt und läuft hinten schräg nach aussen 
in den Hinter Winkel aus; die ganze Oberfläche ist grob 
und dicht runzlig punktirt, die Runzeln gleichartiger, 
überall abgeflacht und wie abgeschliß'en , daher das 
ganze Halsschild eigenthümlich glänzend. Bei C. glo- 
riosus erscheint das Halsschild eher matt, trotzdem 
dass die Sculptur auf der Scheibe desselben gewöhnlich 
verwischt ist; es ist überdies vor dem Vorder- und 
Hinterrande gewöhnlich deutlich niedergedrückt, daher 
die Oberfläche unregelmässig; die Mittellinie ist auch 
vor dem Hinterrande abgekürzt, der eher leistenartig 
erscheinende, aufgeworfene Seitenrand vor den breiten 
und nach hinten v/eiter vorragenden Hinterecken 
deutlich geschwungen, der Seiteneindruck endlich innen 
schärfer begränzt, in gerader Richtung nach innen von 
den nach hinten vorragenden Hinterzipfeln, doch dicht 
an diesen, auf den Hinterrand auslaufend. Das 
Schildchen ist hinten in Form eines breiten, stumpfen 
Winkels begränzt; bei G. gloriosus erscheint das 
Schildchen hinten fast rechtwinklig, mit abgerundeter 
Spitze. Die Flügeldecken endlich erscheinen im Ganzen 
etwas flacher als bei C. gloriosus, der abgesetzte Sei- 
tenrand ist aber fast doppelt so schmal, die Schultern 
kaum angedeutet, und hinten sind die Flügeldecken 



— 361 — 

zugerundet, während sie bei Cgloriosus zugespitzt er- 
scheinen. Sie sind sehr stark glänzend; bei C, gloriosus 
dagegen eher als matt glänzend zu bezeichnen. Bei 
dem mir vorliegenden Männchen sind die Limes alle 
gleichartig, sehr flach gewölbt und breiter als bei 
C, gloriosus, im Uebrigen aber mit ähnlicher, nur ver- 
wischterer Sculptur, welche auf dem letzten Fünftel 
ganz unregelmässig und undeutlich, und nach aussen 
von dem dritten Kettenstreifen gleichfalls ganz ver- 
wischt erscheint. Die Unterseite ist ganz ähnlich wie 
bei G. gloriosus, die Punktirung auf dem Hinterleibe 
aber nicht so grob und gleichsam verwischt. Der In- 
tercoxalfortsatz des Prosternum ist breiter, gewölbter, 
nach hinten weniger verschmälert, hier auch im Ganzen 
nach oben etwas umgebogen und stumpf gerundet; bei 
C. gloriosus ist der Intercoxalfortsatz des Prosternum 
abgeflacht und nach hinten deutlich verschmälert. 

Die angegebenen Unterschiede zwischen C. pyri- 
lampes und G. gloriosus sind, meiner Ansicht nach, zu 
grosse, als dass es gerechtfertigt erscheinen könnte, 
diese beiden Geroglossus-Y ormen als Varietäten einer 
und derselben Art anzusehen. Auch Gerstaecker 
war G. pyrilampes nicht unbekannt geblieben; diese 
Art wurde von ihm aber nicht vom G. gloriosus unter- 
schieden: Vergleicht man nämlich das Endglied der 
Maxillartaster der Männchen von G, pyrilampes mit 
demjenigen der Weibchen von G. gloriosus^ so «zeigt 
sich die eigenthümliche Abweichung, dass es bei 
einigen Arten, z. B, G. gloriosus im weiblichen Ge- 
schlecht etwas breiter erscheint als im männlichen», 
wie Gerstaecker (1. c. p. 421.) als Merkwürdigkeit 
besonders hervorhebt, was aber sonst Niemand beob- 

Melanges biologiques. XII. 46 



- ïj 



— 362 — 

achtet, und welche Angabe überhaupt nur erklärlich 
erscheint durch die Annahme, dass Gerstaecker 
vielleicht ein altes, defectes Männchen des C. pyri- 
lampes als zu C. gloriosus gehörig angesehen und für 
eine genauere Untersuchung verbraucht, den gefun- 
denen Unterschied bei den übrigen, gut erhaltenen, 
wirklichen Männchen von C. gloriosus aber nicht weiter 
controlirt. Denn die Annahme, dass bei manchen 
Exemplaren des C. pyrilampes, in ähnlicher Weise 
wie bei C. gloriosus, die Limes der Flügeldecken 
alternirend stärker erhaben sein können, dürfte nicht 
unwahrscheinlich sein. Die von Gerstaecker (l. c. 
p. 429. 4.) gegebene Beschreibung ist unzweifelhaft 
aber nur nach Exemplaren derjenigen Art entworfen, 
welche jetzt allgemein als C. gloriosus bekannt ist, 
worauf die als «nur massig glänzend» angegebenen 
Flügeldecken, desgleichen die Abbildung derselben 
(1. c. t. 4. f. 6.) sicher hinweisen. 

Bei dem mir vorliegenden, aus der Provinz Concep- 
cion stammenden Männchen sind Kopf und Halsschild 
grün-goldig, letzteres mit schmalem rothgoldigem 
Rande, ersterer mit einem breiten goldenen Wisch 
jederseits nach innen und etwas vor den Augen. 
Die Flügeldecken sind leuchtend rothgolden, sehr 
stark glänzend, an den Seiten und zwar nach hinten 
zu in grösserer Ausdehnung schwärzlich purpurn, 
vorn ist die Basis und die Naht in sehr schmaler 
Ausdehnung lebhaft grüngolden. 

Dass diese von mir als C. pyrilampes beschriebene 
Form nicht identisch sein kann mit der von General 
V. Kraatz-Koschlau (1. c. p. 431.) als C. gloriosus 
var. Villaricensis erwähnten, glaube ich deshalb an- 



— 363 — 

nehmen zu müssen, weil bei letzterer Form «die Indi- 
viduen bei geringer Beleuchtung, in welcher andere 
gut geglättete Arten noch ihre Glanzfähigkeit zeigen, 
als fast glanzunfähig erscheinen». Ceroglossiis pyri- 
lampes dagegen hat geradezu wie Feuer glänzende 
Flügeldecken und übertrifft in dieser Hinsicht noch 
etwas die feurigsten Individuen des Geroglossus Val- 
divianus. 

Schon bei Besprechung des Geroglossus gloriosus habe 
ich beiläufig erwähnt, dassGerstaecker (1. c. p. 431.) 
den wahren C. Buqueti als C. Valdiviae beschrieben, 
wahrscheinlich hat aber Gerstaecker diese beiden, 
einander sehr ähnlichen Geroglossus- kxi^n als zu einer 
Art gehörig angesehen. Unter den Geroglossus- kriQw 
zeichnen sich diese dadurch aus, dass das zweite, dritte 
und vierte Ftihlerglied, an der Dorsalseite scharf ge- 
kielt sind, Leider liegen mir von den hier in Betracht 
kommenden Arten nur einzelne Exemplare vor. Da 
diese Arten einander sehr ähnlich sind, so gebe ich, 
so geringfügig das mir vorliegende Material auch ist, 
schon um die Synonymie erläutern zu können, von 
diesen Arten ausführliche Beschreibungen und zwar 
zunächst von dem jetzt wohl in den meisten Sammlun- 
gen vorhandenen 

Geroglossus Buqueti: Elongatus, capite lateribus 
aureo-maculato, collo crassiore post oculos vix con- 
stricto prothoraceque supra laete viridibus, rugoso- 
punctatis, hoc late aureo-cupreo-marginato; coleopteris 
convexis, aureo- cupreis, nitidissimis , suturam versus 
plus minusve viridi-micantibus, striatis, striis grosse 
punctatis, limitibus aequalibus, ante apicem irregu- 



— 364 — 

laribus, collimitibus punctatis, intra catenam primam 
limite unico. 24 millim. 

c?. Pedum anteriorum femoribus valde incrassatis, 
tarsis dilatatis, articulis secundo, tertio quartoque la- 
titudine paulo longioribus, antennis simplicibus. 

Carahus Buquetiha-p.deCsiSteln. Etud.Entom. 1834. p. 158. 6. ^. 
Cardbus chüensis Guér. Genera des Ins. 1835.Coleopt. pl.S.f. 1. J. 
Carahus Valdiviae G erst. Linn. Entom. XII. 1858. p. 431. 5. 

t. 4. f. 7. $. (exclus. $.). 
Ceroglossus chüensis var. fallaciosus Kraatz. Entom. Monats- 

bl. II. 1880. p. 56. 
Ceroglossus Valdiviae Kraatz-Koschlau. Deutsch. Ent. Z. 

1885. p. 423. pro parte. 

Durch die breit leuchtend rothkupfergolden ge- 
randeten Seiten des Halsschildes und die einfarbigen, 
brennend kupferrothen Flügeldecken, die nur bei seit- 
licher Ansicht einen grünen Schimmer zeigen, auf- 
fallend, möglicherweise aber in der Färbung auch 
variabel. Der Kopf hat jederseits vor den Augen einen 
goldig kupfrigen Fleck, der nicht über die Fühlerwurzel 
hinausreicht; die Seiten des Kopfschildes und der 
Oberlippe schimmern gleichfalls goldig oder kupfrig. 
Die Oberfläche ist stark gerunzelt^ die Punktirung da- 
her weniger deutlich, doch vorn auf der Stirn über die 
Runzelung vorherrschend und hier in der Mitte deut- 
lich gröber als an den Seiten, bisweilen aber auch 
verwischt, geglättet. In der Mitte des Scheitels be- 
findet sich ein langer, geglätteter Wulst, der sich vorn 
undeutlich gabelig theilt und mit zwei nach hinten 
convergirenden flachen schwärzlichen Schwielen der 
Stirne zusammenfliesst, welche nach vorn verschmälert 
ist und deren Seitenrand in stumpfem Bogen in das 
Kopfschild übergeht. An den Fühlern ist das zweite 
Glied der ganzen Länge nach, das dritte und vierte 



— 365 — 

bis über die Mitte scharf gekielt, die folgenden Glieder 
sind fein greis behaart. Das Halsschild ist beim 
Männchen deutlich breiter, beim Weibchen aber nur 
wenig breiter als lang, vor der Mitte am breitesten, 
bogig gerundet, vorn und hinten gleichbreit, die 
schwarze stark aufgebogene Seitenkante hinten kaum 
geschwungen. Die Punktirung ist auf der Scheibe des 
Halsschildes etwas zerstreut, nach den Seiten zu dichter, 
runzlig, die Mittelfurche ist scharf ausgeprägt, vorn 
abgekürzt, hinten geht von ihr aus ein gleichfalls scharf 
ausgeprägter Längskiel zum Hinterrande. Die Hinter- 
ecken sind kurz, zugespitzt und gehen in einem flachen 
Bogen in den Hinterrand über, der in der Mitte sehr 
flach gerundet erscheint. Das Schildchen ist breit 
stumpfwinklig. Die Flögeldecken sind ziemlich ge- 
streckt, stark gewölbt, mit stumpfen, gerundeten, doch 
deutlichen Schultern, der breite, scharf abgegränzte 
Nahtwulst schwarz, nach hinten zu häufig grünlich 
schimmernd, hinter dem Schildchen häufig eingedrückt. 
Zwischen dem Nahtwulst und dem ersten Ketten- 
streifen nur ein, nur wenig schmälerer Limes; die 
Kettenstreifen treten als solche wegen der grossen, den 
ganzen Streif unterbrechenden primären Grübchen 
deutlich hervor; von den drei zwischen ihnen befind- 
lichen Limes sind bei den mir vorliegenden Exem- 
plaren die seitlichen oder Nebenlimes etwas breiter 
und mit groben, namentlich nach hinten zu gedräng- 
teren Punkten versehen, während der mittlere oder 
Intercostallimes schmäler ist und durchaus unpunktirt 
erscheint; die kleinen Höckerchen sind nur spärlich 
und undeutlich, treten aber auf allen Limes vor der 
Spitze auf. Zwischen den granulirten Seiten und dem 



-■*5| 



— 366 — 

dritten Kettenstreifen sind noch drei, fast imbricate 
Streifen zu unterscheiden, die nach aussen an Breite 
abnehmen und vorn und hinten sich unregelmässig auf- 
lösen. Vor der Spitze gehen sämmtliche Streifen in 
unregelmässige grobe Runzelung über. Die vertieften 
Streifen sind ihrer ganzen Länge nach mit groben, 
dicht gedrängten Punkten versehen, welche nur nach 
aussen von den beiden äussersten Limes nicht mehr zu 
unterscheiden sind. Die schwarze Unterseite schimmert 
vorn eher bläulich, nach hinten zu mehr grünlich. Der 
Intercoxalfortsatz des Prosternum ist hinten gerundet, 
in der Mitte gewölbt, daher seitlich mit flachem abge- 
setztem Rande, welcher hinten sehr breit erscheint. 
Die Seiten der Hinterbrust hin und wieder mit ein- 
zelnen ganz verwischten Punkten ; die Seiten des Hinter- 
leibs sind dagegen mit tieferen Punkten, im Ganzen 
aber spärlich bezeichnet. An den Beinen schimmern 
die Schenkel bläulich, die Fusse sind dünn und schlank. 

Bei dem Männchen sind die Vorderschenkel weit 
dicker als beim Weibchen, deutlich angeschwollen; die 
vier ersten Fussglieder sind stark erweitert, das zweite, 
dritte und vierte ein wenig länger als breit, und er- 
scheint daher der ganze Fuss sehr gestreckt. Die 
Fühler sind einfach. Der Forceps ist zur Spitze all- 
mählich verjüngt, die Spitze selbst breit, abgestumpft 
gerundet, hinten vor derselben kaum etwas vortretend. 

Diese Art kommt, so viel bis jetzt wenigstens be- 
kannt ist, nur in der Provinz Valdivia vor. 

Es bedarf natürlich einer näheren Begründung, 
weshalb ich gerade diese Art als G. Buqiieti ansehe, 
da, seit Gerstaecker 's Arbeit, ganz allgemein eine 
andere unter diesem Namen verstanden wird. La- 



— 367 — 

porte de Castelnau (Etud. Entom. 1834. p. 158.) 
hat diese Art in folgender Weise beschrieben : 

iiCardbus Buqueti: Tête et corselet inégaux, fine- 
ment granuleux, d'un vert éclatant; corselet avec un 
sillon longitudinal au milieu, bordé latéralement d'un 
rouge métallique; écusson petit, obscur; élytres 
d'un rouge cuivreux éclatant, présentant de faib- 
les stries longitudinales ponctuées, et trois lignes 
longitudinales de points allongés et un peu élevés; 
dessous du corps d'un vert sombre; abdomen par- 
semé de points enfoncés; antennes et pattes noires». 

In dieser von Lap or te beschriebenen Art, viel- 
leicht nur weil am Schluss der Beschreibung auf die 
Möglichkeit hingewiesen worden, dass sie wegen 
«sa taille un peu plus petite (10''^)» als Männchen 
zum C. cJiilensis gehören könne, von welchem aber 
Eschscholtz überhaupt nur ein Männchen gekannt, 
glaubte Guérin (Genera des ins. 1835. Coleopt. pl. 3. 
f. 1.) den C, chilensis zu erkennen: «II diffère un peu 
pour la taille et la couleur de celui qu'a décrit Esch- 
scholtz; mais ces différences ne peuvent constituer 
qu'une légère variété». Guérin hebt es ferner aus- 
drücklich hervor, dass die von ihm als C, chilensis ab- 
gebildete und beschriebene Art dieselbe sei, welche 
als C. Buqueti beschrieben worden von Laporte de 
Castelnau: «Sa description étant trop courte, nous 
nous sommes assuré de ce fait en examinant l'individu 
qu'il a décrit dans la collection même de M. Buquet». 
Vergleicht man die von Guérin gegebene Abbildung, 
in welcher ausser der Grösse, Gestalt und Färbung die 
erweiterten, im Text sogar als «assez fortement dila- 
tés» bezeichneten Vordertarsen auffallen, so bleibt es 



-.. .T5"'»'ir->:-!^ 



— 368 — 

in der That unverständlich, wie Gerstaecker (1. c. 
p. 429. Anmerkung.) es besonders betonen zu müssen 
glaubte, dass die bezeichnenden Charactere der von ihm 
als G. Biiqueti beschriebenen Formen von Laporte und 
Guérin «treffend» hervorgehoben werden. Die nach- 
folgend als (7. Valdivianus und Monttianus aufgeführten 
Formen, welche Gerstaecker fälschlicherweise als 
C. Buquetiheschrieben, zeichnen sich, ganz abgesehen 
von den ganz schmalen Yorderfüssen des Männchens, 
durch die dichte Punktirung der Unterseite des Pro- 
thorax aus. Laporte sowohl, als auch Guérin sprechen 
aber nur von einer Punktirung des Hinterleibs, was 
doch nur möglich ist, wenn die Brust, abweichend von 
diesem, glatt war. Nur die zwölf Furchen, welche 
Guérin den Flügeldecken zuschreibt, scheinen Ger- 
staecker veranlasst zu haben, in dem G. Buqueti eine 
Form mit einer geringeren Anzahl Furchen anzu- 
nehmen. Aber Guérin hat die ausser sten, bei G. Bu- 
queti gerade sehr wenig entwickelten Streifen unbe- 
achtet gelassen, denn er sagt ausdrücklich «le bord des 
élytres est noir, fortement rebordé, et l'espace compris 
entre ce rebord et les dernières stries régulières 
de points enfoncés, est occupé par des granulations 
irrégulières». Und Gerstaecker beschreibt dabei die 
Furchen der Flügeldecken seines G. Buqueti nur nach 
Exemplaren des (7. Monttianus als «nicht deutlich punk- 
tirt», während sowohl Laporte, als auch Guérin die 
Punktirung der Furchen in der Beschreibung über- 
einstimmend erwähnen. Ton den Flügeldecken sagt 
ferner Guérin «leur suture est noire, large, plate et 
lisse, un peu rétrécie vers l'extrémité», und so er- 
scheint der Nahtwulst auch in der Abbildung, seitlich 



— 369 — 

scharf begränzt und von dem ersten Kettenstreifen 
durch einen kaum schmäleren Zwischenraum getrennt, 
der beiderseits durch eine schwarze, scharfe Linie be- 
gränzt ist, entsprechend den beiden Furchen, welche 
zwischen Nahtwulst und erstem Kettenstreif sich be- 
finden. Dagegen erscheinen in der Abbildung die Ket- 
tenstreifen stärker ausgeprägt als bei den mir vor- 
liegenden Exemplaren , aber da der Kopf in der Ab- 
bildung einen ziemlich dicken Hals und nur wenig 
vorstehende Augen zeigt, so glaube ich, nach allem 
Dargelegten, die von mir vorstehend beschriebene Art 
richtig als Ceroglossus Buqueti aufgeführt zu haben. 

Dr. G. Kraatz (Entom. Monatsbl. II. 1880. 
p. ^6.) hat als Ceroglossus chüensis var. fallaciosus 
offenbar dieselbe Form beschrieben: «Subtus virescenti- 
niger, capite thoraceque laete viridibus, distinctius 
aureo-marginatis , elytris convexis, cupreo-purpureis, 
suturam versus parum aut nullo modo viriditinctis, 
interstitiis distinctius aequaliter minus subtiliter punc- 
tato-striatis. 10'". Dem Valdiviae Hope scheinbar zu- 
nächst verwandt, aber merklich kürzer, die Flügel- 
decken nach hinten etwas mehr verbreitert und mehr 
aufgewölbt, glänzender, ihr Purpurroth viel stärker, 
der grüne Schein an der Naht bisweilen ganz ver- 
schwindend, ebenso ist der purpurrothe Band des Hals- 
schildes deutlicher, lebhafter, schärfer abgegräuzt. Im 
Uebrigen sind Bau und Färbung nur wenig verschieden, 
auch sind die drei mittleren Glieder der Vordertarsen 
des S ganz ähnlich gebaut. Der fallaciosus hat aber 
nicht die grob punktirte Unterseite des Valdi- 
viae, welche (bei fallaciosus) mit der des cMlensis über- 
einstimmt; ebenso die Sculptur der Flügeldecken. Ich 

Alelanges biologiques. XII. 47 



— 370 — 

möchte daher den fallaciosus als chilensis var. anspre- 
chen, der nach Gerstaecker sogleich an dem blauen 
Halsschilde etc. zu erkennen ist». 

Dass diese, von Kraatz leider nur ganz dürftig 
characterisirte, Ceroglosstis-Y orm mit der vorstehend 
als C, Buqueti beschriebenen Art identisch ist, glaube 
ich deshalb mit Bestimmtheit annehmen zu können, 
weil Kraatz als G.Valdiviae eine andere Art angesehen, 
welche ich nachstehend als Geroglossus Gerstaeckeri 
beschrieben, nach einem mir von Kraatz als G.Valdi- 
viae mitgetheilten Männchen. Es ist indessen auch 
möglich, dass Kraatz dieselbe Art, welche ich nach- 
stehend als G. Valdiviae beschrieben, zum Vergleich mit 
seinem G. chilensis var. fallaciosus herangezogen.Warum 
übrigens Kraatz die vom ihm beschriebene Form für 
eine Varietät des G. chilensis erklärt, ist mir um so 
weniger klar, als das Männchen des C. chilensis sowohl 
nachEschscholtz als auch nach Gerstaecker (I.e. p. 
434. t. 4. f. 12.) nur sehr wenig erweiterte Vorder- 
füsse hat, und es kann die etwas übereinstimmendere 
Sculptur der Unterseite des Hinterleibs doch unmög- 
lich für die Vereinigung von im Übrigen so verschie- 
denen Arten, wie es G. Buqueti {fallaciosus Kraatz) 
und G. chilensis sind, als genügender Grund erscheinen. 
Was Kraatz in der nicht ganz klaren Beschreibung 
anführt, passt jedenfalls noch am besten d^uiG. Buqueti. 
Ich vermuthe, dass Kraatz die letztgenannte Art, 
welche ja von Guérin für (7. chilensis ausgegeben wor- 
den ist, aus Paris unter letzterer Bezeichnung erhalten 
und daher auch als Varietät des (7. chilensis ansehen 
zu müssen geglaubt. Als 0. fallaciosus schickte mir 
Kraatz ein altes Exemplar des G. Buqueti und zwei 



— 371 — 

Exemplare der nachstehend als Ceroglossus Kraatzianus 
beschriebenen Art, von welcher letzteren Art ein drit- 
tes Stück auch als CValdiviae bezeichnet war, und als 
Männchen des letzteren, wie schon erwähnt ist, ein 
Exemplar des (7. GerstaecJceri, so dass ich annehmen 
muss, dass Kraatz sich leider nicht die Mühe genom- 
men, seine Doubletten genauer zu sichten. Die von 
Kraatz gemachten Angaben, namentlich aber die aus- 
führlicheren Bemerkungen über die Färbung des G. 
fallaciosus^ passen von den mir bekannten Ceroglossus- 
Formen nur auf C. Buqueti. 

General v. Kraatz-Koschlau (1. c.p.423 — 425.), 
von welchem ich ein Männchen des C. Buqueti als 0. 
Valdiviae erhalten, hält beide Arten für so wenig ver- 
schieden, dass er sie gemeinsam besprechen zu müssen 
geglaubt. Ich gebe zunächst noch die Beschreibung der- 
jenigen Art, welche ich glaube beziehen zu müssen auf 

Ceroglossus Valdiviae: Gracilis, elongatus, capite 
post oculos valde constricto prothoraceque longiore 
viridibus, lateribus cupreo-aureo marginatis et den- 
sius subtiliter punctato- rugosis ; coleopteris gibbosis, 
elongato-ellipticis, dorso opaculis viridibusque late 
aureo-cupreo marginatis, lateribus arcuatis, antice et 
postice valde-attenuatis , humeris nullis, punctulato- 
striatis, limitibus omnibus punctatis et granulatis, pos- 
tice usque fere ad apicem regularibus, intra catenara 
primam limite unico, angusto. Long. 25 millim. 

S mihi ignotus. Secundum Gerstaecker tarsis an- 
ticis fere ut in C. glorioso dilatatis, articulis 2° et 3? 
distincte trans versis. 

Caràbus Valdiviae Hope Trans. Entom. S. Lond. II. 1838. p.l28. 2. 



y"^w 



— 372 — 

CarahusValdwiae G er st. Linn. Entom, XII. 1858. p. 431. 5. t. 4. 

f. 13. $ (exclus. $). 
CeroglossusValdiviae Kr aatz-Koschlau Deutsch. Entom.Z. 1885. 

p. 423. pro parte. 

Obgleich mir nur ein defectes Weibchen vorliegt, 
so glaube ich diese Form dennoch für eine eigene, 
dem G. Buqueti übrigens äusserst ähnliche Art ansehen 
zu müssen, welche als solche angenommen werden muss 
wegen der von Gerstaecker sehr abweichend darge- 
stellten Vorderfüsse des Männchens. Von C. Buqueti 
unterscheidet sich C. Valdiviae durch die schlankere 
Gestalt, namentlich durch die in der Mitte des Rückens 
höher gewölbten, nach vorn und hinten stärker ver- 
schmälerten, an den Seiten bogig gerundeten, nach 
hinten schmal zugespitzten und an den Schultern völlig 
abgerundeten Flügeldecken.Der Kopf erscheint breiter, 
der Hals hinter den Augen stark eingeschnürt. Die Stirn 
ist abgeplattet, nach vorn verschmälert, die schrägen 
Seiten vor dem Clypeus weniger gerundet, der an 
diesen befindliche rothgoldene Seitenfleck geht ohne 
Unterbrechung auf das Kopfschild über und ebenso 
erscheinen auch die Seiten der Oberlippe etwas goldig. 
Die Sculptur ist ähnlich wie bei C. Buqueti, die Run- 
zelung aber feiner und es herrschen daher die Punkte 
vor, obgleich diese deutlich feiner sind als bei C. Bu- 
queti. Der mittlere Längswulst des Scheitels gabelt 
sich vorn sehr deutlich und unter breitem Winkel, 
die beiden divergirenden Aeste zum Vorderrande der 
Augen gerichtet, und befinden sich hier auf der Stirn 
keine Schwielen, sondern nur das rundliche Mittel- 
grübchen. Das Halsschild ist gleichfalls ähnlich ge- 
bildet, aber im ersten Viertel schon am breitesten 
und sehr wenig gerundet, und erscheint daher das 



- 373 — 

Halsschilcl nach rückwärts etwas stärker verschmälert, 
im Ganzen etwas gestreckter. Die Oberfläche ist we- 
niger gewölbt, der aufgeworfene Seitenrand weniger 
hoch, die Punktirung und Runzelung feiner und ge- 
drängter, die gleichfalls scharf ausgeprägte Mittel- 
linie reicht etwas weiter nach vorn, hinten befindet 
sich hinter derselben jederseits ein flaches Längs- 
grübchen und der bei G. Buqueti deutliche Längskiel 
ist durch eine breite und flache undeutliche Schwiele 
ersetzt. Die Flügeldecken sind zur Mitte hin stark 
gewölbt, matt, die stärker glänzende Naht hinter dem 
Schildchen nicht vertieft und nach vorn deutlich ver- 
breitert, der erste Limes sehr schmal, doppelt so schmal 
als der erste Kettenstreifen, die übrigen ziemlich gleich- 
artig, die primären Grübchen in den Kettenstreifen 
klein und nur der dritte erscheint hinten unterbrochen. 
Sämmtliche Limes sind punktirt und gekörnelt, die 
Körnchen hinten sogar sehr deutlich und längs ge- 
reiht, und zwischen dem dritten Kettenstreifen und 
den granulirten Seiten sind nur zwei Limes vorhan- 
den, die aber ungleich regelmässiger als bei C. Bu- 
queti fast der ganzen Länge nach zu verfolgen sind. 
Die Limes sind auch vor der Spitze regelmässig und 
deutlich, die vertieften Streifen dagegen der ganzen 
Länge nach nur sehr fein und etwas weitläufig punk- 
tirt. Auf der Unterseite sind die Seiten der Hinter- 
brust und des Hinterleibs deutlich punktirt, etwas 
gröber als bei C, Buqueti, und es sind auch die Epi- 
sternen der Mitteibrast mit deutlichen, wenn auch 
etwas feineren Punkten besetzt. Die Beine sind länger 
und noch etwas schlanker als bei C. Buqueti. 

Das beschriebene Weibchen stammt aus der Sols- 



— 374 — 

k y 'sehen Sammlung und war als in Valdivia gesam- 
melt etiquettirt. 

Dass ich diese Ceroglossus-F orm gerade als G.Valdi- 
viae aufführe, bedarf selbstverständlich einer ausführ- 
lichen Motivirung. Ich gebe daher zunächst die von* 
Hope (Trans. Entom. S. Lond. IL 1838. p. 128. 2.) 
mitgetheilte Beschreibung : 

«Carahus Valdiviae : Ater, capite thoraceque viridi- 
bus,elytris auratis, igne micantibus, marginatis, crenato 
sulcatis. Long. 1 2'^'; lat. 4y/^ Valdivia. Darwin. 

Statur a G. cMloënsis. Antennae fuscae, articulis 
quatuor primis piceis, reliquis pubescentibus. Caput 
viride, oculis prominentibus, atris. Thorax corda- 
tus, punctulatus, linea longitudinali fortiter impressa 
marginibusque lateralibus aureis. Scutellum nigrum. 
Elytra punctato-striata, sutura nigricanti, in medio 
disci virescentia, marginibus externis auratis, 
igne micantibus. Corpus subtus piceum. 

Obs. Found in the Cordilleras of Valdivia». 

Es ist natürlich sehr schwer, nach einer solchen 
Beschreibung sich eine sichere Vorstellung zu machen 
von der Art, welche Hope vor sich gehabt, und nur 
durch Vergleich der Beschreibungen, welche Hope 
gleichzeitig von andern chilenischen Carabinen ge- 
geben, ist es möglich, einige Klarheit zu erlangen. 
«Statura (7. cMloënsis» weist aber jedenfalls auf eine 
sehr schlanke Art hin. Von den Hope'schen Beschrei- 
bungen dürfte aber trotzdem diejenige des C.Darwini 
noch am ehesten einen sicheren Anhalt geben. Hier 
fällt zunächst der Umstand auf, dass Hope von der 
Sculptur der Flügeldecken bemerkt «punctis obsoletis 
impressis, triplice série ordinatis», bei C. Valdiviae 



— 375 — 

davon aber nichts anführt, und kann man daraus wohl 
den Schluss ziehen, dass bei C, Valdiviae die Ketten- 
streifen als solche sich gar nicht bemerkar machen. 
Da Hope ferner nur bei C. Valdiviae von den Augen 
«prominentibus» sagt, so muss angenommen werden, 
dass der Hals des Kopfes bei dieser Art stark einge- 
schnürt, die Augen daher auch mehr vortretend er- 
scheinen als bei den andern, von ihm beschriebenen 
Arten. Von den Flügeldecken des G. Valdiviae sagt 
endlich Hope «in medio disci virescentia, marginibus 
auratis, igne micantibus», welche Angabe über die 
Färbung auf das mir vorliegende Exemplar vollkom- 
men zutrifft. Bei C. Buqueti sind die ganzen Flügel- 
decken brennend kupferroth und im Ganzen stark 
glänzend, und haben dieselben zur Naht hin nur einen 
grünlichen Messingschimmer,der auch nur bei seitlicher 
Ansicht sich bemerkbar macht, und erweisen sich bei 
C. Buqueti die Kettenstreifen immer sehr deutlich mar- 
kirt, endlich sind aber auch die Augen noch weniger 
prominent als bei C. Danvini. Da Hope die Grösse 
seines C. Valdiviae mit 12'^' angibt, so sind damit die 
kleineren, ähnlich gefärbten chilenischen Carabinen 
bei einer Deutung der Hope'schen Art eo ipso ausge- 
schlossen, und es könnte, wie schon Gerstaecker (1. 
c^p. 433. Anmerkung.) erwähnt, nur noch C.gloriosus 
in Betracht kommen, und zwar solche Exemplare, bei 
welchen die Flügeldeckenstreifen gleichartig und gleich- 
massig erhöht sind, wie sie Ger staecker nicht vorge- 
legen. Aber C. gloriosus ist eine robuste Art und die 
Augen sind auch weniger prominent als bei C. Darwini. 
Aus den hier angeführten Gründen glaube ich Hope's 
Carahus Valdiviae mit Recht gei^ade auf die von mir 



— 376 — 

unter diesem Namen beschriebene Art zu beziehen, 
jedenfalls passen Hope's Angaben auf diese Ceroglossus- 
Form besser als ^uf irgend eine andere der bisher be- 
kannt gewordenen Arten. Die Seiten des Halsschildes 
sind bei dem mir vorliegenden Exemplar etwas schmäler 
und ungleich weniger lebhaft rothgolden gerandet als 
bei C, Buqueti, und auch dies würde zu Hope's An- 
gaben passen. Denn von dem Halsschilde gibt Hope 
nur an «marginibus aureis», aber nicht wie von den 
Seiten der Flügeldecken cdgne micantibus». Bei C.Bu- 
queti sind aber die Seiten des Halsschildes mindestens 
ebenso lebhaft glänzend brennend kupferroth geran- 
det als die Flügeldecken, ja, sie erscheinen sogar noch 
feuriger durch den Contrast mit dem im Übrigen dun- 
kelgrünen Halsschilde. 

Für die Selbstständigkeit der von mir als C. Valdiviae 
aufgeführten Ceroglossus-¥ ovm spricht insbesondere 
aber der Umstand, dass Gerstaecker {1. c. p. 433.) 
die Vorderfüsse des Männchens seines C, Valdiviae 
als noch stärker erweitert wie bei C. gloriosus be- 
schreibt, «das zweite Glied so lang als breit, die beiden 
folgenden ein wenig quer», und dem entsprechend (1. c. 
t. 4. f. 13.) auch abbildet, und da Beschreibung und 
Abbildung übereinstimmen, so wäre ein Zweifel an der 
Richtigkeit von Gerstaecker's Darstellung kaum ge- 
rechtfertigt. Da Gerstaecker's Angaben über die 
Färbung der Flügeldecken auf die beiden, als CBuqueti 
und Valdiviae unterschiedenen Formen zutreffen, so 
scheint es mir sehr wahrscheinlich, dass Gerstaecker 
zufälligerweise nur Männchen von G. Valdiviae und nur 
"Weibchen von C. Buqueti vor sich gehabt und wegen 
ihrer sonstigen Übereinstimmung als zu einer Art ge- 



— 377 — 

hörig angesehen. Denn bei dem wahren C. Buqueti 
sind die erwähnten Glieder der Vorderfüsse ganz un- 
zweifelhaft länger als breit, wenn auch nur sehr wenig, 
erscheinen aber trotzdem sehr lang gestreckt, nament- 
lich im Vergleich zu C. gloriosus und pyrilampes. Die 
von Gerstaecker (1. c. t. 4.f. 7.) gegebene Abbildung 
der Flügeldecken gehört aber unzweifelhaft zu G, Bu- 
queti wegen der im Ganzen nur massig gerundeten Sei- 
ten, der deutlichen Schultern, der geringeren Zuspitzung 
nach hinten, endlich der vor der Spitze undeutlichen, 
verworrenen Sculptur. Die Contour der Flügeldecken 
des von mir als C. Valdiviae beschriebenen Weibchens 
stimmt dagegen sehr mit der von Gerstaecker (1. c. 
t. 4. f. 1 .) gegebenen Abbildung des G.psittacus überein, 
nur sind die Flügeldecken im Ganzen länger, auf dem 
Rücken hochgewölbt und an dem Ende zugespitzter. 
Das bei G.psittacus von Reed (Proc.Zool.S.Lond. 1874. 
p. 53.) erwähnte Exemplar mit längeren Flügeldecken 
von der Pelada- Cordillère aus der Provinz Valdivia 
könnte sehr wohl ein dunkelgrünes Exemplar des wah- 
ren G. Valdiviae gewesen sein, welches Reed wegen 
der einigermaassen übereinstimmenden Färbung als zu 
(7. psittacus gehörig bezeichnen zu können glaubte. 

Dass einzelne Geroglossus-F ormen in der Färbung 
ausserordentlich variiren, ist gegenwärtig unzweifel- 
haft festgestellt, und es werden natürlich die von mir 
zwischen G. Buqueti und Valdiviae angegebenen Unter- 
schiede in der Färbung sich möglicherweise als zum 
Theil nicht stichhaltig erweisen. (7. Sw^ife^i dürfte aber, da 
ich mehrere ganz übereinstimmende Exemplare gese- 
hen, in der Färbung einigermaassen constant sich er- 
weisen, während G. Valdiviae eher variiren dürfte, schon 

Mélangea biologiciuea. XII. 48 






— 378 — 

wegen der auf den Flügeldecken deutlich auftretenden 
Doppelfärbung, Ich glaube daher auch, dass die von 
General V. Kraatz-Koschlau(l. c. p. 424.) erwähnten 
«hellgrün und in dieser Farbe bis schwarzgrün» vari- 
irenden Exemplare zu C, Valdiviae gehören, doch lässt 
sich dieses nicht mit Sicherheit behaupten, da General 
V. Kraatz-Koschlau die von mir als G. Buqueti und 
Valdiviae unterschiedenen For men, als zu einer und der- 
selben Art gehörig, auch nicht einmal als zu unter- 
scheidende Varietäten von einander gesondert, sondern 
gemeinsam besprochen. Die von General v. Kraatz- 
Koschlau (1. c. p. 425.), nach dem mir nicht zugekom- 
menen und bis jetzt auch noch nicht erschienenen 
Géhin'schen neuen Carabinen-Catalog, als Var. ma- 
gelhanicus P radier erwähnte Form dürfte G, Valdi- 
viae sein mit lebhaft grün gerandetem Halsschilde. Von 
Interesse ist jedenfalls die bei diesen Formen von General 
V. Kraatz-Koschlau (1. c. p. 424.) gemachte Angabe 
über die Sculptur der Flügeldecken, dass letztere näm- 
lich, ähnlich wie bei den meisten Exemplaren von G. spe- 
ciosus, bisweilen auch «schmale Streifen und breite 
Furchen» haben, wie sie Gerstaecker (1. c. p. 440.) 
von G. melanopterus beschreibt, eine Art, welche der 
Beschreibung nach mit G, Buqueti und Valdiviae sehr 
nahe verwandt sein dürfte und von welcher leider auch 
nur ein einzelnes Weibchen bekannt geworden. Behält 
man die Möglichkeit des Variirens der Flügeldecken- 
sculptur im Auge und desgleichen die geringe Bedeu- 
tung der abweichenden Färbung, so könnte die von 
General v. Kraatz-Koschlau (I.e. p. 435.) als Gero- 
glossus similis erwähnte Form sehr wohl zu der von 
Gerstaeckerals C melanopterus beschriebenen Art 



— 379 — 

gehören, doch sind die über Ceroglossus smiilis bis jetzt 
gemachten Angaben gar zu dürftig, als dass diese Form 
als beschrieben angesehen werden könnte. Von den 
Kettenstreifen des C. melanopterus sagt aber auch 
Gerstaecker (l.c.p.440.), dass sie «nur mit sparsamen 
und kleinen Punktgruben versehen, so dass sie nicht 
merklich in Glieder aufgelöst erscheinen», eine Angabe 
welche mit den «wenig unterbrochenen primären Strei- 
fen» des Ceroglossus similis sehr gut übereinstimmt. 

Reed (Proc. Zool. S. Lond. 1874. p. 54.) sagt von 
C. Valdiviae: «Small examples of this species resemble 
very closely robust individuals of C. Buqueti (Gerst- 
aecker); but they may always be distinguished by the 
perfectly smooth underface of the thorax. This species 
is, after C. Buqueti, the commonest Valdivian species». 
Reed hat aber wahrscheinlich mehrere Arten mit ein- 
ander vermengt. Denn ein gleichfalls aus Valdivia stam- 
mendes, kleines Ceroglossus-W eihchen aus der Solsky'- 
schen Sammlung erinnert in der That etwas an die- 
jenige Art, welche Reed nach Gerstaecker's Vor- 
gange für C. Buqueti gehalten. So misslich es aber 
auch ist, nach einzelnen Weibchen Beschreibungen zu 
geben, so glaube ich doch, schon der Vollständigkeit 
wegen, auch diese Form nicht unerwähnt lassen zu 
dürfen, zumal da sie anderweitig nicht bekannt zu sein 
scheint : 

Ceroglossus Reedi: Minus elongatus, capite post oculos 
valde constricto pronotoque crebre grosse punctatis, 
minus rugulosis, cyaneis, hoc linea media postice sulci- 
formi lateribus aureo-viridi et anguste rubre -aureo- 
marginatis, capite ante oculos viridi-aureo maculato; 
coleopteris breviter ellipticis, apice late acuminatis, 



— 380 — 

inflatis, laete cupreis, opacis, dorso parum viridi-mican- 
tibus, profunde striatis, striis dense punctulatis, limiti- 
bus valde convexis posticeque usque fere ad apicem 
regularibus, intra catenam primam limite unico, con- 
vexo. $. Long. 20 millim. 

(5. mihi ignotus. 

Mit G. Valdiviae nahe verwandt, aber klein, Kopf 
und Halsschild cyan-blau, ersterer vor den Augen mit 
einem grünlichen, nach aussen etwas goldig glänzen- 
den Wisch, letzteres an den Seiten lebhaft grüngolden, 
fein rothgolden gerandet. Die Flügeldecken matt 
kupferroth, auf der Scheibe grünlich schimmernd. 

Der Kopf ist hinter den Augen" sehr tief einge- 
schnürt, gerunzelt grob punktirt, die Sculptur vorn 
feiner, über dem Clypeus verwischt, und an den Sei- 
ten fein schräg gestrichelt, dazwischen mit einzelnen 
Pünktchen, die Schwielen des Scheitels und der Stirn 
ähnlich wie bei C. Buqueti^ doch mit tiefem, deut- 
lichem Längsgrübchen zwischen den Stirnschwielen. 
Die basalen Fühlerglieder weniger scharf gekielt, 
die Fühler überhaupt deutlich dicker, die Endglieder 
ein wenig dichter behaart. Das Halsschild ist am 
ersten Viertel am breitesten, kaum etwas breiter als 
lang, nach vorn zugerundet, nach hinten schräg ver- 
schmälert, längs dem Vorderrande mit einer deut- 
lichen, doch feinen Furche, am Seitenrande dick auf- 
geworfen, die Oberfläche ziemlich gleichartig flach 
gewölbt, grob punktirt, die Punktirung in der Mitte 
etwas feiner, nach den Rändern zu gröber, doch nur 
wenig runzlig. Die Mittellinie reicht vorn fast bis 
an den Vorderrand, nach hinten zu wird sie tiefer, 
furchenartig, hört aber vor dem letzten Viertel der 



— 381 — 

Länge des Halsschildes zugespitzt auf, wo die Runze- 
lung in der Mitte vor dem Hinterrande unregelmässig 
zusammenfliesst. Die Hinterecken sind kurz, zuge- 
spitzt und etwas nach innen umgebogen; der seitliche 
Eindruck vor den Hinterecken flach, doch deutlich, 
nach innen von den Hinterzipfeln des Halsschildes in 
gerader Richtung auf den Hinterrand auslaufend. Die 
Flügeldecken sind bauchig gewölbt, an den Seiten 
stark gerundet, mit kaum angedeuteten Schultern, vor 
der Spitze undeutlich ausgerandet, breit zugespitzt. 
Sie sind sehr tief gestreift , in diesen Streifen mit fei- 
nen, dicht gedrängten Punkten, die Limes gleichartig, 
stark gewölbt, der erste nur wenig schmäler, alle sehr 
regelmässig, auch vor der Spitze nicht verworren und 
mit nach hinten zu zugespitzten, einreihig angeordne- 
ten Körnchen dicht besetzt, w^elche Sculptur nach 
vorn zu undeutlicher wird und auf der Scheibe ganz 
fehlt. Die primären Grübchen und Körnchen sind 
klein, doch auf allen Costallimes der ganzen Länge 
nach deutlich vorhanden , auf dem dritten aber am 
stärksten entwickelt, namentlich nach hinten zu und 
diesen Costallimes in einzelne lange Glieder auflösend. 
Der Nahtwulst ist schwarz, nach vorn sehr allmählich 
und wenig breiter werdend und hinter dem Schildchen 
tief eingedrückt; er schillert auf dem Rücken grün- 
lich , vor der Spitze ist er aber wie die Flügeldecken 
matt kupferroth. Die Unterseite schillert vorn blau, 
an den Seiten des Sternum und in noch stärkerer Weise 
an den Epimeren des Prothorax grün, nach hinten zu 
geht der blaue Schiller allmählich in Schmutziggrün 
über. Die Sculptur der Unterseite ist ähnlich wie 
bei C. Valdiviaej die Punkte aber etwas weniger ge- 



. ■- •'4- ■^V*''^?!?®^ 



— 382 — 

drängt, die Mitte des letzten Abdominalsegments in 
grösserer Ausdehnung durchaus glatt. Der Intercoxal- 
fortsatz des Prosternum ist abgeflacht, nach hinten 
stark verschmälert und fast abgestutzt, an den Seiten 
breit gewulstet, die Randfurchen übrigens flach, nach 
hinten convergirend und hinten, schwächer und un- 
deutlich werdend, unter spitzem Winkel sich vereini- 
gend und bis in den Hinterrand des Intercoxalfort- 
satzes auslaufend. Die Beine, namentlich die Schie- 
nen und Fusse, sind sehr schlank, schwarz, an den 
Hinterschienen fehlt die Dorsalfurche vollständig, was 
bei den mir bekannten Ceroglossus- Arten sonst nur 
noch bei C. suturalis gleichfalls stattfindet. 

Wie schon erwähnt, aus der Solsky'schen Samm- 
lung, wo dieses kleine Ceroglossus -^^eihchen als aus 
Valdivia stammend bezeichnet war. Ob Reed übri- 
gens gerade diese Art auch gehabt, ist natürlich um 
so zweifelhafter, als es überhaupt nicht ganz klar ist, 
welche Art Reed unter C. Valdiviae verstanden. Denn 
aus Reed's Angabe, dass letztere Art um Valdivia 
nach der von ihm als C. Buqueti angesehenen Art, 
die häufigste sein soll, kann sehr wohl angenom- 
men werden, dass Reed die Form mit gleichartig ge- 
streiften Flügeldecken des C. gloriosus für G. Valdi- 
viae gehalten, was um so wahrscheinlicher ist, als 
Reed die Figur 1 der zweiten Tafel zu Gay's Histo- 
ria de Chile als zu G. Valdiviae gehörig ansieht. Die 
letztere Art kommt um Valdivia selbst nicht vor. Hope 
gibt sie als «found in the Cordilleras of Valdivia» an, 
und auch General v. Kraatz-Koschlau (1. c. p. 431.) 
berichtet über die von ihm unter G, Valdiviae ver- 
standenen Formen, dass das Habitat dieser, entfernt 



— 383 — 

von Valdivia, die Cordilleren der Provinz Valdivia 
seien. 

In der Färbung erinnert diese als C. Reedi be- 
schriebene Art an den weit grösseren G. chilensis, 
welchen ich aber leider nicht kenne, weshalb ich auch 
über diese, zuerst bekannt gewordene, chilenische 
Ceroglossus ' Art nur nach den Beobachtungen Ande- 
rer einzelne Mittheilungen machen kann. Esch- 
scholtz (Zool. Atlas. IL 1829. p. 9. t. 8. f. 7.) hat 
diese Art nach einem Männchen abgebildet und sehr 
genau beschrieben: «5 13'^' lang. Der langge- 
streckte schmale Kopf hat eine dunkelblaue fein 
runzlige Oberfläche. Das dunkelblaue Halsschild ... ist 
fein runzlig, hat eine feine abgekürzte Mittellinie, 
schwache Gruben in den Hinterwinkeln und sehr 
schmal aufgeworfene Seitenränder. Die Flügeldecken 
haben zusammen eine lang gestreckte Gestalt . . . 
und laufen am Ende in einen spitzen Winkel aus, . . . 
die Naht ist an der Wurzel breit und flach, . . . der 
erste Zwischenraum ist der schmälste, vorn und hin- 
ten abgekürzt; auf dem zweiten, sechsten und zehn- 
ten Zwischenraum bemerkt man noch eine Reihe weit 
von einander abstehender grösserer Punkte, die vor- 
züglich auf dem zehnten kleine Höcker vor sich 
haben. Die Beine schwarz; die vier unten mit Bür- 
sten versehenen Glieder der vordersten Fusse sind 
nur wenig erweitert, weniger als bei allen von mir 
untersuchten (Carahus-) Arten, aber ebenso gestaltet. 
Die schwarze Unterseite des Körpers schimmert blau, 
besonders am Halsschilde.» Diese Angaben aus der 
E seh seh oltz 'sehen Beschreibung glaube ich hervor- 
heben zu müssen. Blanchard (Voyage au pôle sud. 



— 384 — 

Zool. IV. 1853. p. 40. pi. 3. f. 7.) beschreibt die- 
selbe Art nach Exemplaren von 25 — 30 mill. Länge 
und obgleich er sie anfänglich richtig als «(?. chilien' 
sis» hatte abbilden lassen, so glaubte er doch diese 
Art im Text als Garahus Valdiviae aufführen zu müs- 
sen: «Les entomologistes ont beaucoup discuté pour 
savoir si elle était bien réellement distincte du Cara- 
hus chïlensis Eschscholtz (Zoologischer Atlas), dont 
elle diffère surtout au premier abord par sa belle 
couleur bleue (de la tête et du corselet); mais son 
prothorax est toujours un peu plus large et les stries 
des élytres beaucoup plus profondes». Darnach kann 
aber Blanchard den citirtenEschscholtz'schen Zoo- 
logischen Atlas gar nicht gesehen haben, sondern Blan- 
chard hat, irregeführt durch die bereits erwähnten 
Angaben von Guérin, dass die von Letzterem als G. 
chilensis abgebildete und beschriebene Art oder der 
wahre G, Buqueti sich nur wenig hinsichtlich der 
Färbung von dem von Eschscholtz als (7. chilensis 
abgebildeten Exemplar unterscheide, die erwähnte, 
vonLaporte de Cast ein au zuerst bekannt gemachte 
Art mit gesättigt dunkel grünem Kopf und Thorax für 
den wahren C. chilensis gehalten, wodurch Blan- 
chard sich aber auch veranlasst sah, die von ihm ge- 
meinte Art im Text unter einem anderen Namen auf- 
zuführen und zwar als Garahus Valdiviae, gleichfalls 
ohne Hope's ganz abweichende Beschreibung zu ken- 
ken, da sonst das Citat dieser Beschreibung nicht ohne 
Seiten- und Jahreszahl oder Angabe des Bandes an- 
geführt worden wäre. Die von Blanchard gemachte 
Bemerkung über die in Paris unter den Entomologen 
aufgetauchten Zweifel hinsichtlich derjenigen Art, 



— 385 -- 

welche Eschscholtz als C, cMlensis zuerst bekannt 
gemacht, sind insofern von besonderem Interesse, als 
diese Zweifel ganz ohne Frage auch auf die erst 1866 
erfolgte Herausgabe der Tafeln zu Gay's Historia de 
Chile maassgebend waren. Denn nur so ist es erklär- 
lich, dass die aller Wahrscheinlichkeit nach von Solier 
(Gay's Hist, de Chile, Zool. IV. 1849. p. 126. 2.) 
als Var. a. aufgeführte, in der Färbung dem C, cM- 
lensis allerdings nahe kommende Farbenabänderung 
der jetzt als G. gloriosus allgemein bekannten Art «ca- 
pite et prothorace plus minus ve coerulescentibus aut in 
totum coeruleis» auf der erwähnten Tafel gleichfalls 
als Geroglossus Valdiviae bezeichnet erscheint. Auch 
Gerstaecker ist der Meinung, dass von den Solier'- 
schen Beschreibungen keine, auch nicht einmal theil- 
weise, auf (7. chilensis gedeutet werden könne, die er- 
wähnte Abbildung wird aber von Gerstaecker (1. c. 
p. 435. 6. Anmerkung.) als unzweifelhaft zu G. chilen- 
sis gehörig bezeichnet, sogar mit dem Zusatz, dass die 
Abbildung diese Art ziemlich naturgetreu darstelle, 
aber nicht mit der dazu gehörigen Beschreibung über- 
einstimme, weshalb das Citat der letzteren wegfallen 
musste. Das hätte indessen kein Grund sein dürfen, 
die von Solier so genau beschriebenen Formen über- 
haupt gar nicht zu erwähnen. Denn schliesslich dürf- 
ten die ausdrücklichen Angaben eines Autors immer 
grössere Beachtung verdienen als Abbildungen, die 
gewöhnlich von Künstlern dargestellt werden, welche 
von dem abzubildenden Gegenstande nur ganz ober- 
flächlich Kenntniss nehmen. Obgleich mir nun keine 
Exemplare des G. chilensis vorliegen, so halte ich es 
doch für viel wahrscheinlicher, dass die nachträglich 

Mo langes biologiques. XII. 49 



.:-■ *^ 



— 386 — 

rait dem Namen G, Valdiviae versehene, in Gay's 
Historia de Chile mitgetheilte Abbildung nicht, wie 
Gerstaecker angibt, auf C. chüensis zu beziehen 
sei, sondern auf C. gloriosus und zwar, wie er- 
wähnt, auf die von So lier als Var. a. bezeichnete 
Varietät der letzteren Art. In der erwähnten Abbil- 
dung erscheinen nämlich Kopf und Thorax mit groben 
Punkten bezeichnet, die Fühler dick, die Naht der 
Flügeldecken an der Basis nicht verbreitert, ja, auf 
den Flügeldecken verlaufen neben der Naht sogar 
zwei, etwas schmälere Limes, entsprechend denen 
des G. gloriosus. Und gerade weil das abgebildete 
Exemplar eine von der gewöhnlichen ganz abnorme 
Flügeldeckensculptur hatte, indem auf jeder Flügel- 
decke, etwas hinter der Mitte, je zwei Anastomosen 
angegeben sind, kann man es als ziemlich gewiss an- 
sehen, dass dieses Exemplar ein G. gloriosus gewesen, 
mit dunkelcyanblauem Kopf und Halsschild. Denn 
auf den Flügeldecken kommen abnorme Anastomosen 
vor nur unter gleichartigen Limes, d. h. es verbinden 
sich die Costallimes unter einander oder auch die Col- 
limes eines und desselben Feldes. Sieht man nun in 
der mehrfach erwähnten Figur die beiden ersten Li- 
mes an als solche, welche den beiden bei G, gloriosus 
zwischen Naht und erstem Kettenstreifen vorhande- 
nen, gewöhnlich etwas schmäleren Limes entsprechen, 
so ist der dritte Limes der erste Costallimes, die drei 
folgenden die beiden hinten mit einander verbunde- 
nen und den Intercostallimes einschliessenden Neben- 
limes, dann folgt wieder der zweite Costallimes, wel- 
chem in ähnlicher Weise verbundene und den Inter- 
costallimes einschliessende Nebenlimes nach aussen 



— 387 — 

sich anschliessen. Gegen die Deutung dieser Figur 
auf G. chüensis spricht überdies der Umstand, dass 
das Halsschild sowohl vor dem Vorderrande als auch, 
und zwar in noch deutlicherer Weise, vor dem Hinter- 
rande deutlich eingedrückt erscheint, w^as bei G. chi- 
lensis nicht vorkommt, wohl aber bei (7. gloriosus. 

Bl an chard's Abbildung eines Weibchens, welche 
Gerstaecker gleichfalls bei G. chüensis anführt, ist 
offenbar missrathen, gehört aber sicher zu G. chüensis. 
Die Fühler und Fusse erscheinen nämlich schlank, der 
Kopf dagegen zu gedrungen, das Pronotum aber mit 
einer langen Mittelfurche, jederseits vor den Hinter- 
ecken mit offenbar zu schräg nach aussen auf die Hin- 
terwinkel gerichtetem Eindruck, die Flügeldecken, ent- 
gegengesetzt den Angaben in der Beschreibung, nur 
schwach gestreift, die Limes in weiten Abständen wie 
durch Querfurchen unterbrochen, die Naht nur auf der 
rechten Flügeldecke nach vorn undeutlich verbreitert, 
mit einem Wort die Abbildung ist unrein. Aber da 
ich Exemplare des G. chüensis, wie sie Eschscholtz 
und Gers ta eck er übereinstimmend beschreiben, nie 
gesehen habe, so kann ich mich auch nur mit einiger 
Reserve über diese Abbildungen äussern. Blauchard's 
Beschreibung passt aber am besten auf G. chüensis und 
kann auf G. gloriosus nicht bezogen werden schon we- 
gen der Fühler «légèrement poilues à partir du cinqui- 
ème article». Aus Blanchard's Beschreibung hebe ich 
hervor, dass der Kopf «avec quelques nuances plus 
vertes près des yeux» sei und das Halsschild «beaucoup 
plus large chez la femelle que chez le mâle, avec quel- 
ques reflets verts près des bords». Auch Gerstaecker 
gibt von dem Halsschilde an , dass es besonders beim 



-'^-■■v 



— 388 — 

Weibchen deutlich breiter als lang ist und führt auch 
von Kopf und Halsschild an, dass sie an den Seiten in 
der Regel lichter, zuweilen auch mit einem Stich ins 
Spangrüne seien, und kann daher wohl angenommen 
werden, dass die blaue Färbung an diesen Theilen 
durch Grün verdrängt werden kann. Die Grösse des C. 
chilensis wird von Gerstaecker mit 11 — 13^2 '^ange- 
geben. Die Flügeldecken werden von Allen überein- 
stimmend als mit tiefen Furchen versehen beschrieben, 
welche nach Eschscholtz mit einer Reihe von groben 
Punkten bezeichnet sind, nach Gerstaecker aber nur 
undeutlich punktirt erscheinen. Über die gewölbten 
Streifen oder Limes gibt Eschscholtz nur an, dass 
sie etwas breiter als die Furchen erscheinen, Ger- 
staecker nennt die Furchen eng, die Limes mit einer 
Reihe eingestochener und ziemlich dicht auf einander 
folgender Punkte besetzt. Blanchard, dessen Beschrei- 
bung Gerstaecker ignoriren zu müssen glaubt, be- 
schreibt dagegen die Flügeldecken «avec des stries 
profondes, ponctuées et interrompues irrégulièrement 
par des points; les intervalles convexes et ponctués 
d'une manière irrégulière». Aber in der von Esch- 
scholtz mitgetheilten Abbildung erscheinen die Flü- 
geldecken ungleich weniger tief punktirt gestreift als 
Gerstaecker (I.e. t. 4. f. 5.) die Furchen der Flügel- 
decken darstellt, so dass man annehmen muss, dass 
auch bei dieser in den Sammlungen, wie es scheint, 
sehr seltenen Art die Sculptur der Flügeldecken sehr 
variabel sei. Über die Sculptur der Unterseite von 
C. chilensis liegen nur Angaben von Gerstaecker vor: 
«Die Punktirung fehlt auf den Seiten des Thorax fast 
ganz, ist auf den Brust- und Hinterleibsseiten ziem- 



— 389 — 

lieh fein und durchweg zur Runzelung geneigt». Aus 
letzterer Bemerkung muss angenommen werden, dass 
die Punktirung des Hinterleibs dichter ist als bei 
den von Gerstaecker unter C. Valdiviae verstan- 
denen Formen. Goldene Ränder scheinen am Hals- 
schilde nicht vorzukommen, welches nach Gerstae- 
cker, nach hinten in fast gerader Linie verengt ist, 
in den besprochenen Abbildungen vor den Hinter- 
ecken aber deutlich ausgeschweift erscheint. 

Das einzige weibliche Exemplar unseres Museums, 
welches als C. chilensis bestimmt war und welches 
auch ich (Kaeferf. v. leso. 1863. p. 18.) wegen der 
bedeutenden Grösse, 28 millim. nämlich, des breiten, 
fein und dicht gerunzelt punktirten Halsschildes und 
der mit Gerstaecker's (1. c. t. 4. f. 5.) Abbildung 
übereinstimmenden Flügeldecken- Contour, endlich aber 
auch wegen der dichten und runzeligen Punktirung 
des Hinterleibs gleichfalls als zu C. chilensis gehörig 
ansehen zu müssen glaubte, ist, wie ich mich durch 
Aufweichen desselben überzeugt, ein unreifes, d. h. 
nicht völlig erhärtetes Stück und vielleicht auch nur 
deshalb an Kopf und Halsschild vollständig grün und 
so auch auf dem Rücken der Flügeldecken in grösserer 
Ausdehnung; am Seitenrande des Halsschildes und auf 
der Stirn vor den Augen ist aber nach dem Aufwei- 
chen schwacher, indessen deutlicher Goldschimmer 
hervorgetreten, was mich auch veranlasst hat, dieses 
Exemplar von Neuem zu untersuchen und namentlich 
mit dem mir früher unbekannten C. Buqueti zu ver- 
gleichen. Trotz- der hervorgehobenen Übereinstim- 
mungen mit C. chilensiSj halte ich dieses Exemplar 
jetzt doch für eine Yarietät des C. Buqueti^ welche 



' :-'«xv «^^ • 



— 390 — 

Art vielleicht eine weitere Verbreitung hat, da dieses 
Exemplar als aus Concepcion stammend angegeben 
ist. 

Die Vorderfüsse des Männchens von G. cJiilensis 
beschreibt Gerstaecker (1. c. p. 434. t. 4. f. 12.), 
entsprechend der Eschscholtz'schen Angabe, als 
nur wenig erweitert, «selbst nicht ganz so breit als 
bei G. gloriosus] das zweite und dritte ein wenig 
länger als breit, das vierte in beiden Durchmessern 
fast gleich, alle an der Basis deutlich verengt», und 
so erscheinen sie auch in der Eschscholtz'schen 
Abbildung, im Ganzen aber doch kaum etwas breiter 
als die Fusse der Mittel- und Hinterbeine. Reed 
(Proc. Zool. S. Lond. 1874. p. 54.) citirt die mehr- 
fach erwähnte, als Var. a von Soli er hervorgehobene, 
ähnlich gefärbte Form als zu (7. chUensis gehörig, 
aber auffallenderweise ohne der Abbildung, welche 
diese var. a aller Wahrscheinlichkeit nach darstellt, 
zu gedenken, und zwar ist nach Reed der G. chilensis 
«the most northern form of Garabus in Chili; it is only 
found, as far as I know, near the baths of Chilian». 
Darnach scheint Reed den Zoologischen Atlas von 
Eschscholtz gleichfalls nicht gekannt zu haben, denn 
Eschscholtz gibt ausdrücklich an, dass sein Exem- 
plar in der Nähe von Concepcion gefunden sei. 

Diejenige Art, welche Dr. G. Kraatz, wie schon 
erwähnt, für G. Valdiviae genommen zu haben scheint 
und welche unter Anderm auch durch die sehr dicht, 
grob und tief eingestochen punktirte Unterseite des 
Hinterleibs sich auszeichnet, ist eine durch Sculptur 
und Färbung sehr merkwürdige, dem G. Valdiviae in 
der Bildung des Kopfes und überhaupt im Habitus 



— 391 — 

nicht unähnliche Art, welche ich nachfolgend beschreibe 
als 

Ceroglossus Gerstaeckeri: Elongatus, capite cum 
coUo angusto pronotoque latiusculo, lateribus valde 
rotundato posticeque sinuato, rubro-aureo-marginatis, 
densius subtiliter ruguloso-punctatis; coleopteris hu- 
meris obtusis, elongatis, parum convexis, apice rotun- 
dato-acuminatis, laete viridibus, late rubre -cupreo- 
marginatis, parura nitentibus, profunde striatis, striis 
grosse punctatis, limitibus costalibus latioribus, medio 
foveis longiusculis seriatis magnis, antice tuberculo 
cuprino ornatis, intra catenam priraam limite unico, 
angusto. 

5. Pedum anteriorum femoribus incrassatis, tarsis 
dilatatis, articulis 2!, 3! et 4! fere quadratis. Antennis 
simplicibus. 27 millim. 

Lang gestreckt, wenig gewölbt, der Hals des Kopfes 
an den Seiten, desgleichen die Stirn bis zum Clypeus 
breit kupfrig rothgolden , der Clypeus und die Ober- 
lippe kupfrig golden, auf den Seiten der Stirn, kurz 
vor den Augen ist die Färbung am intensivsten, gol- 
digroth. Die Seiten des Halsschildes und der Flügel- 
decken sind breit goldig roth gerandet, auf letzteren 
beginnt diese Färbung nach aussen von dem äusser- 
sten Intercostallimes und reicht nach hinten , nur we- 
nig schmäler werdend, bis zur Spitze, wo sich diese 
Färbung längs der Naht nach vorn zieht und, allmäh- 
lich an Breite abnehmend, vor der Mitte unbestimmt 
verblasst. Kopf und Halsschild sind im Übrigen dun- 
kelgrün, der dritte Costallimes und die beiden nach 
aussen von diesem folgenden Limes messingfarben 
angehaucht, die grossen Grübchen ^uf den drei Costal- 



:-Vv- ^rCX-^?^C^ 



— 392 — 

limes vorn kupfrig und mit einem intensiv kupfrig 
gefärbten, ziemlich grossen Höckerchen versehen. 

Der Kopf ist hinter den Augen stark eingeschnürt, 
dicht und ziemlich grob runzlig punktirt, die Punkti- 
rung indessen überall deutlich zu unterscheiden, über 
dem Kopfschilde glatter, mit feineren und in die Quere 
gezogenen, spärlicheren Punkten, an den Seiten sehr 
fein, dicht runzlig punktirt. Der schwarze Längs- 
wulst des Scheitels gabelt sich vorn in scharf ausge- 
prägter Weise, die beiden Aeste dieser Gabelung ver- 
laufen divergirend nach vorn, wo sie, etwas schwächer 
und runzlig werdend, dicht vor den Augen in den Sei- 
tenrand der Stirn auslaufen. Das Mittelgrübchen der 
Stirn ist deutlich, ringsum die Runzelung sehr grob. 
Die Stirn ist breit , nach vorn nur wenig verschmälert, 
an den Seiten vor dem Clypeus undeutlich und flach 
gerundet. An den Fühlern erscheinen das zweite, 
dritte und vierte Glied der ganzen Länge nach deutlich 
gekielt, das fünfte und die folgenden spärlich und 
fein behaart. Das Halsschild ist bei dem vorliegenden 
Exemplar 4% millim. lang und fast genau in der Mitte 
am breitesten und zwar öYg millim. breit; es ist an 
den Seiten stark gerundet, dicht vor den Hinterecken 
aber deutlich geschwungen, die Hinterecken breit, 
sehr kurz. Die Oberfläche ist massig gewölbt, der 
aufgeworfene Seitenwulst schmal, die Punktirung und 
Runzelung fein und sehr dicht, nach den Seiten zu nur 
wenig gedrängter, die Runzelung aber etwas stärker. 
Die vertiefte Mittellinie ist scharf ausgeprägt, vorn 
befindet sich an derselben ein unregelmässig rund- 
liches Grübchen, hinten geht von ihr ein scharfer 
Längskiel zum Hinterrande aus. Die Eindrücke vor 



— 393 — 

den Hinterecken sind deutlich und verlaufen in gera- 
der Richtung nach hinten, wo sie nach innen von den 
kurzen Hinterzipfeln auf den Hinterrand auslaufen. 
Das Schildchen ist in der Mitte breit eingedrückt. 
Die Flügeldecken sind lang gestreckt, 18 millim. lang 
und OVg millim. breit, wenig gewölbt, an den Seiten 
massig gerundet, zum hinteren Ende gerundet zuge- 
spitzt, die Schultern stumpf abgerundet, indessen deut- 
lich. Die Flügeldecken sind tief gestreift, in den Fur- 
chen grob und dicht punktirt, die Costallimes fast 
doppelt so breit als die Nebenlimes, welche kaum 
merklich schmäler sind als die Intercostallimes , alle 
aber von gleicher Höhe. Während die Costallimes 
wegen ihrer grösseren Breite nur flach gewölbt sind, 
erscheinen die übrigen schmäleren Limes ziemlich 
stark convex, wodurch die Costallimes oder Ketten- 
streifen auf den Flügeldecken ohnehin scharf markirt 
sind, ganz abgesehen von den grossen, bereits erwähn- 
ten, primären Grübchen, welche etwas länglich er- 
scheinen, etwas schmäler als die Costallimes sind und 
diese daher auch nicht unterbrechen; vor der Spitze 
werden aber diese Grübchen undeutlich und sind hier 
eigentlich nur durch die kupferfarbenen Höckerchen 
repräsentirt. Diese primären Grübchen sind bei die- 
ser Ceroglossus-¥ orm auch dadurch merkwürdig, dass 
in ihnen, zu beiden Seiten des Höckerchens, längs 
gereihte grobe Punkte auftreten, und zwar in den 
Grübchen des ersten Costallimes in grösserer Zahl, 
am äussersten dagegen kaum angedeutet; dadurch 
wird aber der erste Costallimes absatzweise in drei 
Streifen aufgelöst, so dass es hier dann aussieht, als 
wären neben dem stärker gewölbten, nach vorn nur 

Melauges^biologiques. XII. 50 



m 



~ 394 — 

wenig breiter werdenden, intensiv schwarzen Naht- 
wulst zwei ganz schmale Limes dicht neben einander. 
Zwischen dem ersten und zweiten Costallimes fliessen 
an der Basis sämmtliche Punktstreifen zusammen, so 
dass hier eine durchaus unregelmässige grobe Punk- 
tirung vorhanden ist, welche sich auf dem Intercostal- 
limes unregelmässig gereiht nach hinten zieht, wo sie 
am Ende des ersten Drittels der Länge der Flügel- 
decken schwindet. Im Übrigen sind die Limes glatt, 
nach hinten zu treten auf ihnen flache, zugespitzte 
Körnchen auf, welche gegen das Ende der Flügel- 
decken deutlicher werden und auf den Intercostal- und 
Nebenlimes einreihig angeordnet sind, auf den Costal- 
limes aber etwas verworren, unregelmässig zwei- oder 
dreireihig erscheinen. Nach aussen von dem dritten 
Costallimes sind nur zwei schmale Limes vorhanden, 
dann folgt eine überaus dichte und feine Granulation, 
welche sich in fast gleicher Breite bis zur Spitze hin- 
zieht, wo der erste und dritte Costallimes, die auf ein- 
ander zulaufen und der schmale, neben dem Naht- 
wulst verlaufende Limes, sich gleichfalls in Körnchen 
auflösend, in dieselbe übergehen. Die schwarze Un- 
terseite schimmert vorn blau, an den Seiten des Ster- 
num und an den Epimeren des Prothorax, desgleichen 
an den Epimeren des Mesothorax grünlich , auf dem 
Hinterleibe dunkler, schwärzlich grün. Die Epister- 
nen der Vorderbrust sind auf der hinteren Hälfte mit 
tiefen, nach hinten zu gedrängteren Punkten versehen, 
desgleichen sind die Episternen der Mittel- und Hin- 
terbrust ziemlich grob, doch spärlich punktirt. Auf 
dem Hinterleibe sind die Seiten dicht und tief einge- 
stochen punktirt, die Punktirung vorn etwas feiner 



— 395 — 

und spärlicher, auf den drei letzten Segmenten als 
zusammenhängendes Band grober Punkte in einander 
übergehend, so dass die Mitte dieser Segmente dicht 
hinter der vorderen Aufwulstung derselben grob und 
dicht punktirt erscheint, auf dem Endsegment in fast 
doppelt so breiter Ausdehnung. Die hintere Hälfte 
der erwähnten Segmente ist in der Mitte dagegen 
glatt, das letzte vor dem Endrande jederseits mit un- 
regelmässig gereihten Punkten, welche sich an den 
Seiten nach vorn zu der übrigen Punktirung anschlies- 
sen. Der Intercoxalfortsatz des Prosternum ist nach 
hinten deutlich verschmälert, fast abgestutzt gerundet, 
längs der Mitte wulstig gewölbt, die diesen Wulst 
aussen begränzende vertiefte Furche nach hinten un- 
bestimmt in die hintere, breite Abflachung des Pro- 
sternum auslaufend. Die Beine sind schwarz, kaum 
bläulich schimmernd. Die Fusse der hinteren Beine 
deuthch dicker als bei C. Buqueti. 

Bei dem mir vorliegenden einzigen Männchen sind 
an den Vorderbeinen die Yorderschenkel deutlich an- 
geschwollen, die Fusse kaum schwächer als bei C, 
Buqueti erweitert, das zweite, dritte und vierte Glied 
derselben fast so lang als breit. Die Fühler sind ein- 
fach. Der Forceps ist ähnlich wie bei C. Buqueti^ 
im Ganzen aber schmäler, hinten regelmässig gerundet. 

Den speciellen Fundort dieser Ceroglossus - Form 
kenne ich leider nicht. 

Die andere, bereits erwähnte, von Dr. G. Kraatz 
gleichfalls raitgetheilte Art, von welcher unser Mu- 
seum ein Weibchen als C. Voldiviae, zwei Männchen 
aber als C.fallaciosiis erhalten, hat unter den mir be- 
kannten Ceroglossus- Arten die am wenigsten gewölbten 



<m 



— 396 — 

Augen und erinnert hinsichtlich der Färbung und des 
Glanzes der Flügeldecken am meisten an Ceroglossus 
Valdivianus oder die um Valdivia häufige, fälschlich 
als C, Buqueti bezeichnete Art, hat aber einen dicke- 
ren, hinter den Augen nicht eingeschnürten Kopf und 
ist auch sonst sehr verschieden. Dass diese Art wederzu 
C. Valdiviae^ noch zu C. fallaciosus gehören kann, 
welcher letztere der echte C, Buqueti ist, glaube ich 
vorstehend nachgewiesen zu haben, und führe ich sie 
daher auf unter dem Namen 

Ceroglossus Kraatzianus: Capite crassiusculo , ocu- 
lis minus convexis, prothoraceque subcordato grosse 
rugoso-punctatis , viridibus, late aureo-cupreo margi- 
natis, hoc disco cyanescenti-nigro, angulis posticis 
breviusculis, rotundatis; coleopteris aureo - cupreis, 
disco laete viridibus, nitidissimis, profunde striatis, 
striis grosse punctatis, limitibus convexis, aequalibus, 
limitibus costalibus foveolis punctiformibus seriatis, 
intra primum limite unico angusto, vix convexo. 23 — 
2372 lûillim. 

(5. Pedum anteriorum femoribus parum incrassatis, 
tarsis angustius dilatatis. Antennarum articulis 6!, 
7! et 8! subtus cannula incurva instructis interneque 
laevigatis, 5! subtus obsolete tenuiter carinulato. 

Kopf und Halsschild lebhaft grün , die Stirn jeder- 
seits an den Augen mit einem nur schw^ach ausge- 
prägten goldig schimmernden Wisch. Das Halsschild 
in der Mitte dunkel, fast blauschwarz mit grünlichem 
Schein, an den Seiten breit lebhaft grün und aussen 
ebenso breit schwach rothgolden gerandet. Die Flü- 
geldecken stark glänzend, auf dem Rücken lebhaft 
hellgrün metallisch, nach hinten und nach den Seiten 



- 397 — 

zu allmählich in Goldkupfern übergehend. Die Unter- 
seite ist grün glänzend, nach hinten zu etwas düste- 
rer, in der Mitte der Brust und des Hinterleibs 
schwarz; die Beine sind gleichfalls schwarz. 

Der Kopf erscheint sehr gedrungen und ist hinter 
den wenig gewölbten Augen nicht eingeschnürt, der 
Hals daher sehr dick. Die Stirn wird nach vorn zu 
nur wenig schmäler, der Seitenrand derselben ist vor 
den Augen etwas ausgeschweift und von hier ab sehr 
breit gerundet, flach gewulstet und etw^as aufgebogen. 
Die Oberfläche des Kopfes ist sehr grob gerunzelt, 
dazwischen mit deutlichen Punkten, der Längswulst 
des Scheitels durch Runzelung unterbrochen, ganz 
abgeflacht und geht nach vorn zu in die grobe Runze- 
lung der Stirn über; vorn ist die Stirn feiner, aber 
dichter punktirt, und fein querrunzlig. Die Fühler 
sind ziemlich dick, das ganze zweite und auch das dritte 
und vierte Glied an der Basis stumpf gekielt, vom fünften 
ab sind die einzelnen Glieder fein greis behaart. Das 
Halsschild ist um ein Viertel breiter als lang, vor der 
Mitte am breitesten und sanft gerundet, allmählich, 
doch sehr deutlich in schräger Richtung nach hinten 
und innen verschmälert, die Hinterecken als breite, 
flach abgerundete Lappen nach hinten sehr wenig vor- 
stehend. Die Oberfläche ist flach gewölbt, die Mittel- 
linie fein und nur schwach vertieft, hinten und vorn 
abgekürzt, oder vorn in eine flache Querfurche über- 
gehend, welche ziemlich dicht am Vorderrande des 
Halsschildes verläuft. Die ganze Oberfläche ist grob 
und sehr dicht punktirt, dazwischen überall gerunzelt, 
nach den Seiten zu nur wenig dichter. Der Seiten- 
randwulst nach hinten etwas dicker, die seitlichen 



— 398 — 

Eindrücke von den Hinterecken ausgehend, nach vorn 
umgebogen und gerade nach vorn fast bis zur Mitte 
des Halsschildes verlaufend, im Ganzen aber sehr un- 
deutlich. Das Schildchen ist der Länge nach vertieft, 
fein gefurcht. Die Flügeldecken sind massig gestreckt, 
die Schultern deutlich , doch stumpf abgerundet , am 
Ende gerundet zugespitzt, der abgesetzte Seitenrand 
ziemlich breit. Die vertieften Streifen sind scharf 
ausgeprägt, im Grunde sehr grob und gedrängt punk- 
tirt, die Limes ziemlich gleichartig, stark gewölbt. 
Die Costallimes der Länge nach mit kleinen Punkt- 
grübchen versehen, welche vorn ein kleines Höcker- 
chen führen, welche Höckerchen auf dem dritten Co- 
stallimes grösser sind und auch auf den andern nach 
hinten an Grösse zunehmen und schliesslich allein 
vorhanden sind. Die übrigen Limes sind glatt, hinten 
treten zugespitzte, flache Körnchen auf, welche, ein- 
reihig angeordnet, sich schliesslich dicht gedrängt fol- 
gen. Nach aussen von dem dritten Costallimes sind 
drei Reihen grober Punkte wahrnehmbar, welche nach 
vorn und hinten undeutlich werden und schliesslich 
verschwinden; da wo sie deutlich sind, erscheinen 
zwei schmale Limes mehr oder weniger deutlich ge- 
wölbt. Die Seiten sind fein und nicht sehr dicht granu- 
lirt, welche Granulation vor der Spitze mit den gro- 
ben Höckern, in welche sich die Limes hinten auflösen, 
zusammenfliesst. Nach innen von dem ersten Costal- 
limes sind zwei, dicht neben einander verlaufende 
Reihen grober Punkte vorhanden, der Raum zwischen 
denselben ist nur schwach gewölbt, stellenweise fast 
knotig verdickt. Der Nahtwulst ist auf der vorderen 
Hälfte abgeflacht, nach vorn sehr wenig an Breite zu- 



— 399 — 

nehmend und nach aussen nur durch seine schwarze 
Färbung von der im Übrigen metallischen Flügel- 
decke abgegränzt. Auf der Unterseite ist der Thorax 
glatt, die Seiten des Hinterleibs mit groben, fast gru- 
benartigen, vereinzelten flachen Punkten versehen, 
welche an den Seiten der vorderen Segmente entwe- 
der feiner sind oder auch ganz fehlen; oder es sind 
(beim Weibchen) die Seiten der ganzen Brust und 
der ersten Abdominalsegmente nicht glatt, sondern 
ziemlich dicht und fein und etwas verloschen punktirt. 
Der Intercoxalfortsatz des Prosternum nach hinten zu 
gerundet schmäler werdend, die Randfurchen gehen 
vor dem hinteren Ende in einander über oder sind 
ganz undeutlich. 

An den Vorderbeinen des Männchens sind die Vor- 
derschenkel etwas angeschwollen, die vier ersten Fuss- 
glieder aber nur sehr schmal erweitert, das zweite 
Glied ist etwa um ein Viertel länger als breit, das 
dritte in beiden Dimensionen fast gleich, das vierte 
endlich ein wenig breiter als lang. An den Fühlern 
das sechste, siebente und achte Fühlerglied an der 
unteren Seite mit einer nach aussen etwas convexen 
Leiste versehen und an dieser nach innen geglättet, 
das fünfte Fühlerglied ist der ganzen Länge nach fein 
und undeutlich gekielt. Der Forceps ist hinten massig 
gerundet und vor der Spitze flach ausgeschweift; vorn 
ist derselbe flach bogig ausgerandet , die Spitze selbst 
kurz und gegen das abgerundete Ende stark ver- 
schmälert. 

Es ist mir leider nicht bekannt geworden, in wel- 
chem Theil des chilenischen Ceroglossus-Gébietes diese 



V 



::fi^:'-'T*:-Zr*t'?t. 



— 400 — 

Art vorkommt; wahrscheinlich gehört sie aber auch 
zu den nördlichsten Arten. 

Es bleiben jetzt nur noch diejenigen Ceroglossm- 
Formen zu erörtern übrig, welche seit Gerstaecke r's 
Arbeit, wenigstens in Deutschland, ganz allgemein 
unter dem Namen Buqueti zusammengefasst wurden. 
Aber der Name Buqueti kann für diese Formen nicht 
verwandt werden, wie ich vorstehend nachgewiesen. 
Seitdem ich aber den Ceroglossus syharita kennen ge- 
lernt, welcher diesen Formen zunächst verwandt ist 
und, wie schon erwähnt, auch hinsichtlich der Bildung 
der Fühler und der fast einfachen Vorderfüsse des 
Männchens und auch in dem ganzen Habitus, ja selbst 
in derSculptur der Unterseite des Körpers, die grösste 
Übereinstimmung zeigt, glaube ich, dass es vorläufig 
das Richtigste ist, die hier in Betracht kommenden 
Formen als ebenso viele berechtigte Arten aufzufüh- 
ren. General v. Kraatz-Koschlau (1 c. p. 431 — 
435.), dem ein reichhaltiges Material zu Gebote stand, 
hat leider diese Formen, weil ein paar von ihnen zu 
den bekanntesten gehören und sich in fast jeder Samm- 
lung finden , als einer ausführlichen Erörterung nicht 
bedürftig angesehen, so dass aus seinen Angaben über 
diese Formen, welche er als Varietäten einer und der- 
selben Art ansieht, aber dennoch scharf trennt, eher 
der Schluss gezogen werden kann, dass diese in ihrem 
Vorkommen gleichfalls scharf getrennten Formen con- 
stante und daher auch als verschiedene Arten anzuse- 
hen seien. 

Ich führe von den hier in Betracht kommenden 
Formen zunächst diejenigen an, welche mir leider un- 
bekannt geblieben sind. Die eine von diesen ist die 



— 401 — 

von General v. Kraatz-Koschlau (1. c. p. 434.) als 
G, Buqueti Var. suhnitens besprochene. Bei diesem 
Ceroglossus suhnitens von Villarica sind Kopf und Hals- 
schild gleichmässig und stark gerunzelt, und auch die 
Unterseite ist grob und sehr dicht punktirt. Die dü- 
stere Färbung und die an der Oberfläche geglätteten 
Sculptur-Erhebungen, welche bei schräger Beleuch- 
tung einen spiegelnden Glanz haben , lassen diese Art 
mit keiner der anderen vereinigen; sie ist überdies 
auch wesentlich kleiner als die beiden allgemeiner 
bekannten Formen, deren kleinste Exemplare 22 mil- 
lim. messen. 

Die zweite, mir unbekannte Art ist der von Mot- 
schulsky (Bull. d. Mose. 1865. II. p. 284.) erwähnte 
Ceroglossus dorsiger: «Corselet étroit, cordiforme, an- 
gles postérieurs droits, saillants; élytres plus courtes 
que chez les autres espèces, (marquées chacune de 13 
stries fortement ponctuées); couleur de la tête et du 
corselet d'un noir bleuâtre, plus clair et vert sur les 
marges du dernier, qui ne sont nullement cuivrées; 
élytres d'un cuivré- rouge passant au vert sur le dos 
et vers la base, suture noire. 2 Long. Ty/'^; lat. elytr. 
3"'. Chili. Planche II. fig. 25.» Die von Motschul- 
sky citirte Abbildung scheint aber nie erschienen zu 
sein; ich habe sie wenigstens nicht auffinden können. 
Die Angabe der geringen Grösse, mit ungefähr 18yg 
millim. == 7^/^ engl. od. russ. Linien, macht es wahr- 
scheinlich, dass Ceroglossus dorsiger die von Reed 
(Proc. Zool. S. London. 1874. p. 53. t. 13. f. 5.) als 
Car abus Buqueti Var. elegantissimus bezeichnete Ce- 
roglossus-Form. ist, welche «was taken near Très Mon- 
tes (46° S.): Rather smaller and more slender than 

Mélangea biologiques. XII. ^*- 



-*^ '/«»'< 



-- 402 — 

the ordinary form; similar in colour except that the 
thorax is much darker, and its golden margin narro- 
wer or imperceptible. In form it is distinguished by 
the strikingly narrower thorax, the greatest width of 
which is near the anterior angles, whence the side 
are gradually sinuate-angustate to the base, the hind 
angles being remarkably acute. In some examples the 
chain striae of the elytra are very strongly marked, 
the oblong raised intervals of these striae being smooth 
and blakish.» Die erwähnte Abbildung stellt eine Ce- 
roglossus-¥ orm von kaum 20 millim. Länge dar, mit 
grünem Kopf und Halsschild, welches letztere klein, 
schmal herzförmig ist, mit rechtwinkligen, nach aussen 
etwas vorspringenden Hinterecken, ziemlich bauchigen, 
an den Schultern völlig abgerundeten, kupferrothen, 
auf dem Rücken grünen Flügeldecken von 13 millim. 
Länge und etwas mehr als 7 millim. Breite. Die Füh- 
ler erscheinen ziemlich kurz. Über die vertieften Strei- 
fen der Flügeldecken liegt zwar keine Angabe vor, 
aber da Reed bei (7. Valdiviae erwähnt, dass die von 
ihm als C. Buqutti angesehene Form um Valdivia die 
häutigste Art sei, so muss angenommen werden, dass 
Reed auch nur diese Form gekannt, bei welcher Kopf 
und Halsschild lebhaft grün sind, da er sonst schwer- 
lich den Thorax der Tres-Montes-Form als «much 
darker» angegeben hätte, während er in der Abbil- 
dung lebhaft grün erscheint, ebenso wie der Kopf und 
die Flügeldecken auf ihrer vorderen Dorsalhälfte. Da- 
her müssen auch die vertieften Streifen der Flügel- 
decken, ähnlich wie bei der bekannten Valdivia-Form, 
als deutlich punktirt angesehen werden. 

General v. Kraatz-Koschlau (1. c. p. 433.) glaubte 



-- 403 — 

als C. Buqueti Var. elegantissimus dagegen die um 
Puerto Montt vorkommende Form aufführen zu müs- 
sen , auf welche sich die unter dem Namen Carahus 
Buqueti gegebene Beschreibung von Gerstaecker 
vornehmlich bezieht, meiner Ansicht nach, me aus 
den vorstehend zusammengestellten Angaben ersicht- 
lich, ganz ohne Grund. Schon die Unterschiede in 
der Grösse lassen General v. Kraatz-Koschlau's 
Annahme als nicht richtig erscheinen. Ich nenne da- 
her die um Puerto-Montt, in der Provinz Llanquehue, 
vorkommende Form 

Geroglossus Monttianus: Latior, capite prothorace- 
que nigro-cyaneis, lateribus viridibus, hoc raro aureo- 
marginato, angulis posticis fere rotundatis, coleopteris 
cupreis ad suturam viridibus, parum nitentibus, pro- 
funde striatis, striis vix punctatis, catenis saepissime 
distinctis, latioribus, sutura in dorso nigra, Antennis 
minus dense pubescentibus; palporum maxillarium ar- 
ticulo ultimo ad apicem magis dilatato. 22 — 23 millim. 

5. Tarsis anticis angustis, vix dilatatis, articulis 
3^ et 4^ utrinque aequaliter angustatis, basi subito 
constrictis. Forceps minus acuminatus, apice paulo 
incurvus. 

Carahus Buqueti Ger st. Linn. Eat. XII. 1858. p. 427. 3. t. 4. f. 4. 

et 11. (exclus, exempl. capite thoraceque pure viridibus). 
Geroglossus Buqxieti var. elegantissimus Kraatz-Koschl. Deutsch. 

Ent. Z. 1885. p. 433. 
YdiY. jßunctulatus: Coleopteris distinctius nitentibus, lateribus et 

postice purpureis, striis distincte punctatis, limitibus punctu- 

latis, capite prothoraceque viridi-cyaneis, hoc aureo-marginato. 
$ . 23 V2 millim. 
Geroglossus chilensis Motsch. Bull, de Mose 1865. II. p. 284. 9 . 

Breiter und gedrungener als die folgende Ceroglos- 
SWS-Form, Kopf und Halsschild intensiv dunkel blau, 



— 404 — 

nach den Seiten zu grünlich; Flügeldecken kupferroth, 
auf dem Rücken grünlich, matt glänzend, der Naht- 
wulst auf der vorderen Hälfte schwarz. Der Kopf ist 
groh punktirt, in der Mitte spärlicher, wenig gerun- 
zelt. Das Halsschild breiter als lang, wie der Kopf 
grob punktirt, auf der Scheibe spärlicher und hier da- 
her glatter, nach den Seiten zu dichter und unregel- 
mässig querrunzelig. Die Hinterecken kurz, stumpf 
abgerundet. Die Flügeldecken sind tief gestreift, die 
Streifen im Grunde fein und undeutlich eingekerbt, 
dazwischen hin und wieder mit einzelnen, undeutlichen 
Körnchen; die Kettenstreifen ein wenig breiter als 
die zwischen ihnen befindlichen Limes, schwärzlich 
gefleckt und häufig in Glieder aufgelöst, der Nahtwulst 
zum Nahtrande hin höher, sämmtliche Limes mit einer 
unregelmässigen Reihe nach hinten zugespitzter Körn- 
chen, hinter welchen, dicht angedrängt, ein schwach 
vertieftes Pünktchen sich befindet. Die Unterseite 
schimmert etwas bläulich, am umgeschlagenen Seiten- 
rande der Flügeldecken flaschengrün. Die Punktirung 
ist fein, doch tiberall deutlich, das Prosternum auch 
in der Mitte punktirt und ebenso die hinteren Abdo- 
minalsegmente auf ihrer vorderen Hälfte. Der Inter- 
coxalfortsatz ist nach hinten etwas verschmälert, flach 
gewölbt. Die Fühler sind vom fünften Gliede an fein 
und nicht dicht behaart; an den Tastern ist das End- 
glied zur Spitze ziemlich stark erweitert. Beim Männ- 
chen sind an den Vorderfüssen die mittleren Glieder 
an beiden Seiten fast gleichartig zur Basis hin ver- 
schmälert und unter deutlicher Rundung in die stiel- 
förmige Wurzel übergehend. Der Forceps ist vorn 
vor der Spitze etwas stärker ausgebuchtet, die abge- 



— 405 — 

rundete Spitze selbst daher etwas nach vorn umge- 
bogen. 

Als Var. punctulatus glaube ich diejenigen Exem- 
plare unterscheiden zu müssen, bei welchen die ver- 
tieften Streifen der Flügeldecken deutlich punktirt 
sind, welche Punktirung nur an den äusseren Streifen 
verwischt erscheint. Auch sind bei dieser Form die 
Körnchen der Limes ganz fein, während die an ihnen 
befindlichen Pünktchen deutlicher wahrnehmbar sind. 
Kopf und Halsschild sind grünlich blau , nach aussen 
breiter grün, letzteres mit einem deutlichen Gold- 
rande. Die Flügeldecken stärker glänzend, auf dem 
Rücken weniger grün, nach aussen und hinten dunk- 
ler, purpurfarben. 

Diese Form ist bisher nur um Puerto Montt ge- 
funden worden. 

Die in der Provinz Valdivia vorkommende Form, 
welche gleichfalls eines berechtigten Namens entbehrt, 
nenne ich 

Geroglossus Valdivianns: Longiusculus, capite pro- 
thoraceque laete viridibus, hoc lateribus aureo-margi- 
nato, angulis posticis acutiusculis; coleopteris valde 
nitentibus vel nitidissimis, laete viridibus, aureis, cu- 
preis (vel nigro-cyaneis), profunde punctato-striatis. 
Antennis densius pubescentibus, palporum maxillarium 
articulo ultimo ad apicem minus dilatato. 2272 — ^^ 
millim. 

S, Tarsis anticis angustis, vix dilatatis, articulis 3^ 
et 4^ latere postico obliquis. Forceps ad apicem atte- 
nuatus, magis acuminatus. 

Carahiis Buqueti Gerst. Linn. Ent. XII. 1858. p. 428. (exempl. 
capite prothoraceque pure viridibus). 






— 406 — 

Ceroglossus Buqueti Kraatz-Koschl. Deutsch. Ent. Z. 1885. 
p. 431—433. 

Es ist dies die in den Sammlungen häufigste Cero- 
glossuS'Form. Von C. Monttianus unterscheidet sie 
sich durch schlankeren Bau , die rein grüne Färbung 
von Kopf und Halsschild , welches letztere am Seiten- 
rande, wie es scheint, immer golden gesäumt ist, wel- 
cher goldene Rand nach aussen allmählich eine roth- 
goldene Färbung annimmt. An den Seiten der Stirn 
scheint dagegen die goldene Färbung nur selten auf- 
zutreten und immer undeutlich zu sein. Die Flügel- 
decken sind sehr stark glänzend, in der Färbung sehr 
variabel, wie General v. Kraatz-Koschl au (1. c. 
p. 432.) ausführlich berichtet, der Nahtwulst ist auch 
vorn metallisch, nach innen zu unbestimmt dunkler. 

Der Kopf ist merklich schmäler als bei G. Monttia- 
nus, die Stirn nach vorn etwas mehr verengt, an der 
Übergangsstelle zum Clypeus weniger gerundet und 
nicht aufgebogen. Die Fühler sind deutlich dichter 
behaart, erscheinen daher etwas dicker; das Endglied 
der Taster zur Spitze gleichfalls erweitert, doch merk- 
lich weniger. Das Halsschild ist gleichfalls schmäler 
als bei C. Monttianus, die Hinterecken etwas nach in- 
nen und unten gekrümmt, an ihrer Spitze deutlich 
winklig und auch nach hinten etwas mehr vorragend; 
auch ist die Sculptur merklich dichter. An den Flü- 
geldecken ist der Nahtwulst flacher, breiter, nach 
vorn stark erweitert, die Kettenstreifen dagegen fast 
ebenso breit wie die übrigen Limes, die Furchen ge- 
wöhnlich grob und tief punktirt, die Limes mit gröbe- 
ren, doch spärlicheren Körnchen, die auf der vorderen 
Hälfte der Flügeldecken gewöhnlich ganz abgeflacht 



— 407 — 

sind oder auch ganz fehlen und hier nur durch die 
vertieften Punkte vertreten sind. Auf der Unterseite 
ist die Punktirung feiner, in der Mitte des Proster- 
num und des Hinterleibs ganz verwischt. Das Pro- 
sternum ist vorn deutlich umkantet, der Intercoxal- 
fortsatz ist breit, abgeflacht, hinten regelmässig ge- 
rundet. Beim Männchen sind die mittleren Glieder 
der Vorderfüsse an der hinteren Seite sehr schräg bis 
zur Wurzel, an der vorderen zur Basis weniger ver- 
engt, mit flacher Rundung in die stielförmige Basis 
übergehend. Der Forceps ist vorn gleichmässig flach 
ausgerandet, hinten in schrägerer Richtung zur Spitze 
verjüngt, die Spitze selbst daher etwas schmäler. An 
den Fühlern des Männchens sind das fünfte, sechste 
und siebente Glied stärker angeschwollen. Diese Ge- 
roglossus 'Form kommt, wie es scheint, nur in der 
Provinz Valdivia vor. 

Wenn ich die vier zuletzt erwähnten Geroglossus- 
Formen als ebenso viele, durchaus berechtigte Arten 
aufführe, so habe ich den Grund dafür, bevor ich auf 
eine Besprechung dieser Formen eingegangen, bereits 
angegeben. Ich gestehe aber zu, dass das mir vor- 
liegende Material ein nur geringes ist und dass ich 
von C Monttianus überhaupt nur ein Männchen habe 
untersuchen können. Es ist daher sehr wohl möglich, 
dass die angegebenen Unterschiede zwischen C. Mont- 
tianus und C. Valdivianus sich als bedeutungslos er- 
weisen können. Aber auch Gerstaecker (1. c. t. 4. 
f. 11.) bildet die Glieder der Vorderfüsse des einzigen 
Männchens, welches ihm damals bekannt geworden, 
mit gleichartigen, in die stielförmige Basis unter 
deutlicher Rundung übergehenden Seiten ab , nur er- 



-^[^%'^^-f^^^?ç^ 



— 408 — 

scheinen an dem mir vorliegenden Männchen des C. 
Monttianus die einzelnen Glieder zur Basis etwas 
mehr verschmälert. Auch die Färbung von Kopf und 
Halsschild scheinen bei den genannten Formen stets 
verschieden zu sein, wenigstens finde ich in General 
V. Kraatz-Koschlau's Darstellung keinen Hinweis 
darauf, dass bei der Valdivia-Form Kopf und Hals- 
schild auch anders gefärbt sein können als eben rein 
grün. 

Aus dem British Museum erhielt unser Museum 
vor Kurzem ein weibliches, sehr defectes, altes Exem- 
plar derjenigen Ceroglossus -Form, welche ich als C. 
Valdivianus bezeichnen zu müssen glaube, unter dem 
Namen Car abus Valdiviae Hope. Ich habe die Gründe 
angegeben, warum ich glaube annehmen zu müssen, 
dass Carahus Valdiviae Hope eine andere Art sei, 
und wenn ich hier nochmals diese Frage berühre, so 
geschieht es, weil über Hope's Arten in England doch 
wohl am ehesten Klarheit herrschen müsste. Denn 
schliesslich sind Deutungen alter Beschreibungen schon 
deshalb unsicher, weil es ja leider häufig genug der 
Fall ist,- dass der Autor selbst in den von ihm ge- 
brauchten Ausdrücken keineswegs consequent ist. Und 
so ist es auch Hope gerade in der Beschreibung des 
Carahus Valdiviae. Denn wenn von den Flügeldecken 
in der Diagnose gesagt wird «auratis, igne micanti- 
bus, marginatis, crenato-sulcatis», sie aber in der 
Beschreibung angegeben werden als «p une tato -stri- 
ata, sutura nigricanti, in medio disci virescentia, mar- 
ginibus externis auratis, igne micantibus», so erschei- 
nen sowohl Sculptur als auch Färbung der Flügel- 
decken in Diagnose und Beschreibung als sehr ver- 



— 409 — 

schieden angegeben. Dass aber Hope von den stark 
glänzenden Flügeldecken des C. Valdivianus den Aus- 
druck «micansö gebraucht haben sollte, ist wenig 
wahrscheinlich, da dieser Ausdruck nicht gebraucht 
werden kann, um etwas stark Glänzendes zu bezeich- 
nen. Auch müsste angenommen werden, dass die von 
Darwin in den Cordilleren der Provinz Valdivia ge- 
sammelten Exemplare eine Grösse gehabt, wie solche 
Exemplare sonst Niemandem zu Gesicht gekommen. 
Denn 12 englische Linien sind fast gleich 30 miliim. 
Die grössten Exemplare des C. Valdivianus, welche 
General v. Kraatz-Koschlau gesehen, erreichen 
aber nur die Länge von 27 miliim., und General v. 
Kraatz-Koschlau hat von dieser Geroglossus-Form 
viele Hunderte, an verschiedenen Localitäten gesam- 
melte Exemplare vergleichen können. Aber die Be- 
zeichnung, unter welcher das erwähnte Exemplar aus 
dem British Museum gekommen, dürfte immerhin 
Beachtung verdienen, da in unserem Museum ein ähn- 
liches Weibchen, mit nach hinten stark verengtem, 
herzförmigem Prothorax gleichfalls als C. Yaldiviae 
bezeichnet war. Legt man Gewicht darauf, dass nur 
die äusseren Ränder der Flügeldecken von Hope 
als feurig schimmernd angegeben werden, so könnte 
eigentlich nur C. melanopterus in Frage kommen, eine 
gleichfalls besonders schlanke und flach gewölbte Art, 
die einzige bis jetzt bekannte, bei welcher die Flügel- 
decken mit einem schmalen Purpursaum versehen 
sind. Aber alle diese Combinationen bleiben schliess- 
lich immer nur Vermuthungen, und wäre es, so lange 
über die Hope'schen Typen keine zuverlässigen An- 
gaben bekannt geworden, vielleicht das Richtigste, 

Melanges biologiques. XII. 52 



.- :s^^-:^M 



— 410 — 

den Namen Valdiviae überhaupt gar nicht zu brauchen. 
Ich halte es wenigstens für sehr wahrscheinlich, dass 
die von mir als C Valdiviae aufgeführte Form, trotz 
der nicht unbedeutenden Form- und Sculp tur- Ab wei- 
chungen, von C. Buqueti doch nicht specifisch ver- 
schieden ist, und es kann die von Gerstaecker (1. c. 
t. 4. f. 13.) gegebene Abbildung der Vorderfüsse 
des Männchens, welche für C. gloriosus zu breit er- 
scheinen, mit denen des C. pi/rilampes, von den mir 
bekannten Ceroglossus-Y ormen, aber am besten über- 
einstimmen, nach dem Exemplar gemacht worden sein, 
welches Gerstaecker (1. c. p. 421.) für eine genauere 
Untersuchung geopfert und nach welchem er auch die 
Angabe gemacht, dass das Endglied der Taster im 
männlichen Geschlecht schmäler sei als im weiblichen 
des C. gloriosus. Damit würde aber die Hauptstütze 
für die Artberechtigung der von mir als C. Valdiviae 
aufgeführten Form dem C. Buqueti gegenüber fortfal- 
len, und da der sichere Name Buqueti überdies älter 
ist als der unsichere, von Hope ertheilte, so könnte 
der Name Valdiviae einfach unterdrückt werden. 

Der Grund, weshalb ich schliesslich zweifelhaft ge- 
worden, ob die Unterschiede im Bau des Kopfes u. s. w. 
Artberechtigung begründen können, liegt in dem Um- 
stände, dass unserem Museum vor Kurzem ein paar 
Männchen des leicht kenntlichen G. gloriosus zugekom- 
men sind, welche hinsichtlich der Grösse des Kopfes 
von den gewöhnlichen Exemplaren ganz auffällig ab- 
weichen. Während bei dem einen dieser Exemplare 
der Kopf stark gewölbt, breit und dick angeschwollen 
erscheint, ist er bei dem andern eher abgeflacht, lang 
und hinter den Augen selir schmal. Um über den 



— 411 — 

etwaigen Werth der bisher benutzten Unterscheidungs- 
merkmale ins Klare zu kommen, müssen von allen un- 
terschiedenen Ceroglossus -Formen viele Exemplare 
mit einander genau verglichen werden. Wenn ich aber 
über unsere bisherige Kenntniss der Ceroglossus- 
Formen, obgleich mir nur ein geringes Material zu 
Gebote stand, schon jetzt ein ausführliches Referat 
geben zu müssen glaubte, so sah ich mich dazu vor- 
herrschend aus dem Grunde veranlasst, weil ich ge- 
rade aus General v. Kraatz-Koschlau's Darstellung 
die Überzeugung gewonnen, dass die im Ganzen spär- 
lichen, aber sehr zerstreuten Mittheilungen über die 
chilenischen Carabinen den Wenigsten zugänglich zu 
sein scheinen. Ich hoffe so Allen, welchen reicheres 
Material zu Gebote steht, die Möglichkeit zu geben, 
zur Kenntniss der chilenischen Carabinen gleichfalls 
Beiträge geben zu können. Da mir Herr General 
A. V. Kraatz-Koschlau weiteres Material in Aus- 
sicht gestellt, auch defecte Exemplare von allen ihm 
zugekommenen Arten zu einer eingehenderen Unter- 
suchung, so hoffe ich selbst, in nicht gar zu langer 
Zeit, über die Arten der Gattung Ceroglossus noch 
fernere Mittheilungen machen zu können. Aus diesem 
Grunde glaube ich auch auf die Frage , weshalb auch 
ich jetzt die Gattung Ceroglossus als berechtigt aner- 
kenne, zunächst nicht eingehen zu müssen. 

Innerhalb der Gattung Ceroglossus lassen sich vier 
Gruppen unterscheiden: 

1. Gruppe: Vorderbeine des Männchens mit stark 
angeschwollenen Schenkeln und stark erweiterten 
Fussgliedern. Die Fühler sind einfach oder einzelne 
Glieder an ihrer unteren Seite mit feinen Kiellinien 



^^■^Ç^^'f;-^7^^^'?W^ 



— 412 — 

versehen. Forceps etwas gekrümmt, zur Spitze all- 
mählich verjüngt. Nahtwulst der Flügeldecken glatt. 
An den Fühlern das 2te bis 4te Glied gekielt, am 
schärfsten bei G. Buqueti. In diese Gruppe gehören 
C. suturaliSj ancudanus, speciosus, indiconotus, Buqueti 
(Vaîdiviaé) , Gerstaeckeri und wahrscheinlich auch G. 
melanopferuSj similis und Beedi. 

2. Gruppe: An den Vorderbeinen des Männchens 
sind die Schenkel wenig dicker als beim Weibchen, 
die Fussglieder schwächer erweitert, an den Fühlern 
erscheinen das 6te bis 8te Glied an der unteren Seite 
innen geglättet, welche Glättung aussen in Form einer 
nach aussen convexen Kante scharf begränzt erscheint. 
Das fünfte Fühlerglied und auch das neunte bisweilen 
schwach gekielt, bisweilen aber auch ohne Spur sol- 
cher Kiellinien, sowohl bei C Darwini^ als auch bei 
(7. gloriosus, daher die feinen Kiellinien, denen sich 
nach innen keine deutlich abgegränzte Glättung an- 
schliesst^ wahrscheinlich überall variabel. Der For- 
ceps des Männchens ist hinten massig gerundet und 
hier vor der Spitze ausgeschweift, die Spitze selbst 
daher etwas abgesetzt, schmäler. Flügeldecken mit 
sehr schmalem Nahtwulst. Die Fühler sind dick, das 
dritte Glied noch deutlich gekielt, am schärfsten bei 
C. pyrilampes, das 4te an der basalen Hälfte und auch 
das 2te meistens nur undeutlich gekielt. Hierher ge- 
hören C» pyrilampes, Villaricensis , gloriosus und Dar- 
wini; bei letzterer Art sind die Vorderfüsse des 
Männchens am schwächsten erweitert. 

3. Gruppe: Vorderschenkel, Forceps und Fühler des 
Männchens wie bei der vorigen Gruppe, die Vorderfüsse 
aber noch schmäler. Flügeldecken mit breitem Naht- 



— 413 — 

wulst. In diese Gruppe gehört C Kraatzianus und 
vielleicht auch C. chilensis. 

4. Gruppe: Beim Männchen sind die Vorderfüsse 
ganz schmal, nur sehr wenig erweitert, die Vorder- 
schenkel kaum dicker als beim Weibchen, an den 
Fühlern das 5te bis 7te Glied verdickt, das 5te an 
der hinteren Hälfte, das 6 te und 7te fast bis zur Basis 
mit wulstiger, aussen scharf begränzter Glättung. 
Forceps hinten stark gerundet, unter plötzlicher Krüm- 
mung in die schmale Spitze übergehend, hinten, dicht 
an derselben, meistens ausgeschweift. Flügeldecken mit 
sehr breitem, meist bis an den ersten Kettenstreifen 
reichendem Nahtwulst, welcher aussen der ganzen 
Länge nach punktirt ist. Hierher gehören C. suhnitens, 
Valdivianus, MonttianuSj dorsiger, syharita und wahr- 
scheinlich auch (7. chiloënsis (psittacus) und insularis. 

Diese vier Gruppen scheinen mir sehr natürliche 
zu sein. Aber auch die den Männchen eigenthümlichen 
Merkmale müssen erst nach Untersuchung sehr vieler 
Exemplare völlig sicher gestellt werden. Es ist we- 
nigstens nicht abzusehen, warum der Forceps des 
Männchens nicht auch inviduellen Variationen unter- 
worfen sein kann. Bei den Angaben über diesen For- 
ceps der Männchen bin ich von der allgemein ge- 
bräuchlichen Bezeichnungsweise nicht abgewichen: 
der sog. vordere Rand ist aber in Wirklichkeit der 
ventrale und der hintere Rand der dorsale, die untere 
Seite ist die rechte und die obere die linke, beide 
Seiten des Forceps sind aber verschieden bei den Ca- 
rabinen, der Forceps ist nicht symmetrisch gebildet. 

Ausser den besprochenen Arten der Gattung Cero- 
glossus kommt von Carabinen, soviel mir wenigstens 



.-m 



— 414 — 

bekannt geworden, nur noch eine Art der Gattung 
Calosoma in Chile vor , nämlich G. vagam. Ich führe 
sie nur an, weil Redtenbacher (Novara. Coleopt. 
1867. p. 4. 28.) zweier dazu gehöriger Exemplare mit 
lichter gefärbten, braunen Flügeldecken gedenkt, wie 
solche anderweitig nicht beobachtet worden sind. 



-*o>©<« 



(Tiré du Bulletin, T. XXX, pag. 383—445.) 



Ëîmm ßiOLOfiiois 



TIRES DU 



BULLETIN 



DE 



L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES 



DE 



ST. - PETERSBOURG. 



Tome III. 

L I VEA I SO N 4. 



3Î*i< 



St. -PETERSBOURG, 1886. 

Commissionnaires de l'Académie Impériale des sciences: 

à ST.-PÉTERSBOURG: à RIGA: à LEIPZIG: 

MSI. Eggers & Co M. N. Kymmol; Voss' Sortiment 

et J. G lasounof; (6. H a easel) 

Prix: 45 Cop. arg. = 1 Mk. 50 Pf. 



-^.■r^i.t<\S 



Imprimé par ordre de l'Académie Impériale des Sciences. 
Avril 1886. C. Vessélofsky, Secrétaire perpétuel. 



Imprimerie de l'Académie Impériale des Sciences. 
(Vass.-Ostr., 9« ligne, ^> 12) 



CONTENU. 



Pagea. 

C. J. Maximowicz, Diagnoses plantarum novarum asiati- 
carum. VI. — Insunt stirpes quaedam nuper in Japonia 
detectae . 415—572 

A. Famiutzin , Über Knospenbildung bei Phanerogamen . . 573—575 



"-■'JP:^^. 



4 Février 1886. 

lb 

Diagnoses plantarum novarum asiaticarum. VI. — In- 
sunt stirpes quaedam nuper in Japonia detec- 
tae. — Scripsit C. J. Maximowicz. 

Clematis ovatifolia Ito^) (Sect. Flammula DC. Div. 
2. Maxim, in Mel. biol. IX, 588). Glabra pe- 
tiolis scandens, caulibus striatis; foliis bipinnatisectis 
jugis primariis 2 terminalique trisectis: foliolis petio- 
lulatis tenue coriaceis trinerviis subtus pallidis lanceo- 
latoovatis acuminatis integerrimis opacis; alabastris 
oblongis acutis, sepalis 4 albis oblongolinearibus pa- 
tentibus margine tomentellis , filamentis linearibus an- 
theras lineares breve apiculatas superantibus; carpellis 
circa 8 glabris oblongis apice attenuatis, cauda rufes- 
cente plum osa. 

In Japoniae insula Nippon, prov. Kii, in montanis 
Kumano, init. Augusti flor., Septembri fructif. (I to 
Tokutaro). 

Similis CL chinensi Retz., quae tarnen differt foliis 
semel pinnatisectis , segmentis concoloribus basi tan- 



1) Cl. Itô Tokutaro, Tenerabilis ItôKeiske nepos, mihi nuper 
plantas nonnullas misit, quibus passim nomina nova dedit. 

UeUnges biologiques. XII. 52* 



: V. ?xiT' ^;- -•■"'r:^?.?^^.' 



— 416 — 

tum trînerviis et carpellis ovatis pilosis. Reliquae par- 
tes conveniunt atque meiisurae fere eaedem. 

Cl, terniflora Benth. FI. Hongk. 7. in adnot. (lapsu 
calami ternifoUa) — nec DC. 

Japonia (hb. Sieb old), Liukiu {Ta shïro subdefl., 
mis. Tanaka). China: Amoy (Fortune: A. 89), 
Ningpo et ins. Putu (fide Forbes). 

Cl. Forbes in Journ. of bot. 1884, Septbr., spec, 
authentica in herb. mus. Britann. examinans, Cl. ter- 
nifloram DC. sjmonymam esse invenit Cl. rectae L. 
var. mandshuricae , Cl. ternifloram Benth. vero bene 
distinguendam a Cl. chinensi Retz, segmentis latiori- 
bus basi 5 — 7-nerviis, carpellis ellipticis. Quae igitur 
de Cl. terniflora DC. dixi in Mél. biol. IX, 596, ad 
duas species spectant: CL ternifloram Benth. et CL 
chinensem Uetz., ad posteriorem autem pertinent specc. 
omnia, praeter supra citata. 

Paeonia olovata Maxim. Prim. fl. Amur. 29. Rgl. 
Fl. üssur. n. 41. F. Schmidt, Fl. Sachal. n. 29. P. 
alUfloraM\({,VYo\. 197 et Fr. Savat. Enum. 1, 14 p.p. 
Ito Keiske, Nipon San buts shi. Musashi, 11^ 3. 
(fig. bona). 

In MandsJiuria orientali sylvatica ab Amur boreali 
usque ad Usuri superiorem et ejus affluentes, nec non 
circa Wladiwostok, sylvis frondosis atque mixtis hu- 
mosis, ubique parce, fine Maji flor., Septembri fruc- 
tif.; China boreali, ditione fl. Pekinensis (Tatarinow, 
Bretschneider); Japonia (herb. Lugd. Bat. s. n. jap. 
anishiariari P. albi florae ad mixta): montibus Hakone, 
init. Novbris. frf. (ipse, flor., Tschonoski, Savatier 
n. 31. fl. s. u. P. alhifl. fl. roseo), princip. Nambu 



— 417 — 

(Tschonoski, flor.); in graminosis circa Hakodate 
rarius, med. Novbri frf., Kumagatake silva frondosa, 
medio Julio fr. immat. (ipse). 

A P. alhiflora, quacum commutatur, differt folio- 
rum teneriorum laciniis latioribus obtusis, flore duplo 
minore subclauso et seminibus baccatis. Sepala alba 
V. pallide rosea, filamenta rosea basi stigmataque pur- 
purea. Flos inodorus. Capsula matura intus rugosa 
lilacinorosea. Semina perfecta azureonigra baccata, 
carne tenui aquosa, succo atramentario , testa laevi 
atra, numerosa abortiva inaequimagna angulata coc- 
cinea. 

Podophyllum japonicum Ito, 

In Japoniae montanis Togakushi (Itô Tokutaro 
folium 1. et adumbrationem plantae florentis cum figg. 
analyticis misit). 

Ex hisce figuris incertum manet, an sit anthera lon- 
gitudinaliter aperta Diphylleiae, an valvatim dehiscens 
Podophylli. A Podophylli speciebus omnibus differt 
foliis ternatis, a P. peltato L. calyculo déficiente (?) 
calyceque ante petalorum expansionem caducis, a P. 
Emodi Wall, sepalis non 3, antheris aeque ac in planta 
americana anguste oblongis, a P. pleiantho Hce et 
P. versipelli Hce (in Journ. of bot. XXI, 175, 362) 
floribus singulis albis, neque pluribus sordide rubris. 

Florens palmare, caule pennam corvinam crasso 
basi squamis 2 (?) membranaceis fulto, apice diphyllo, 
foliis suboppositis , flore inter folia 1 quasi terminal!. 
E foliis duobus inferum tenuius petiolatum serius 
evolutum videtur, petiolo primum quam limbus duplo 
breviore, postea (flore subdeflorato) limbum fere duplo 

Mélanges biologiques. XII. 58 



■ , -■;«^-'^>,- --wg 



— 418 — 

superante. Limbus 3-foliolatus: foliola petiolulata, 
medium longius petiolulatum, omnia petiolulis longiora. 
Foliolum terminale cordatoorbiculatum leviter sub- 
quinquelobum lobo terminali passim trilobulato, 7-ner- 
vium, sub anthesi poUicare, plene evolutum 12 cm. 
longum totidemque fere latum, lateralia non v. vix 
minora, oblique cordatorotundata v. rotundatoovata 
5-lobata cum lobiilis 2 accessoriis versus basin mar- 
ginis exterioris, omnia cum lobis obtusa intégra mem- 
branacea subtus glauca. Pedunculus crassiusculus ca- 
lyce brevier. Flos erectus 6-sepalus (?), 6-petalus, al- 
bus, diam. 2 cm. Sepala ovata trinervia petalaque pa- 
tentia rotundata duplo breviora basi «nectariis» 2 pa- 
rallelis ovalibus instructa. Stamina 6 petalis opposita 
et breviora, filamento crasso inter nectaria locate flavo, 
anthera grisea lata .... Stigma germini brevi late tur- 
binate impositum amplum peltatum area terminali 
rotundata margine radiatim in lobos 6 contiguos di- 
viso. — Reliqua ignota. 

Podophyllum peltatum L. ? 

Nippon in alpibus (Tanaka, japonice Sankayo). 

Summitas speciminis florentis missa dubia est ob 
stamina tan tum 6. Cetera: foliorum indoles, floris 
insertio, stamina, stigma fungosum — omnino identica; 
pubes tamen paginae folii inferioris ad basin nervorum 
parcissima. 

Macropodium p^terospermum F. Schm. Fl. Sachal. 
113 t. 2. 

Nippon: prov. Senano in alpe Kumaga-take, flor. 
(prof. Yatabe; japonice Hakusen nadzuna). 

Spççies nunc florens lecta figurae plantae fructiferae 



— 419 — 

supra citatae simillima. Racemus sub anthesi fere 
aequilongus. Pedicelli sepala aequantes, utraque cum 
rhachi dense breve puberula. Sepala basi aequalia li- 
nearia obtusa viridia anguste albomargiiiata erecto- 
patula. Petala vix longiora alba, erecta, lamina utrin- 
que attenuata sepalis duplo angustiore, unguem filifor- 
mem vix superante. Filamenta filiformia, longiora pe- 
talis fere 2-lo longiora. Antherae lineares ochraceae. 
Glandulae 4 crassae amplae inter stamina. Stipes 
germine utrinque attenuato linearioblongo stigmate 
truncate sessili longior. 

Senehiera pinnatifida DC. 
Bonin-Sima (prof. Yatabe). 
Jam prius (Engl. Bot. Jahrb. VI. 58) innotuit S, 
integrifolia DC. in ins. Liukiu a Tashiro détecta. 

Polanisia viscosa DC. 

Liukiu: ins. Miyako juxta Formosam (Tashiro, 
1880 fl. c. fr.). 

Silène foliosa Maxim., a Franch. et Savat. I, 47. 
sub S. tatarica ß foliosa Rgl. enumerata sine loco 
natali speciali, nunc accepta e Yezo^ prope Otaru, 
Julio 78 fl. s. nom. Yezo mantema (mis. prof. Yatabe). 

Stellaria yezoënsis. Ultrapedalis caesioglauca, caule 
debili tetragono flexuoso atque panicula glaberrimis, 
foliis chartaceis ad bases costamque subtus pilosis 
margine parcius ciliatis, basi rotundata sessilibus cum 
opposito margine membranaceo junctis, sensim atte- 
nuatis acutissimis oblongolanceolatis margine undu- 
latis; cyma terminali pluriflora membranaceobracteata 
bracteis lanceolatolinearibus passim ore parce pilosis; 



— 420 — 

pedunculis pedicellisque elongatis patulis fructiferis 
deflexis, sepalis lanceolatis acutis l-nerviis late albo- 
marginatis, petalis nanis bipartitis laciniis linearilance- 
olatis subfalcatis, staminibus 10 inclusis, sty lis 3 (4, 
imo 5); capsula oblongoovali calycem fere duplo super- 
ante ad basin 6 ( — 10)-valvi; seminibus circiter 20 
late ovalibus compressis laevibus cinnamomeis. 

Yezo^ ad SMraoi, unde japonice Shiraoi hakobe, 2 
Aug. 78 fructif. (mis. prof. Yatabe). 

Proxima S. discolori Turcz., quae glabritie, foliis 
obtuse acuminatis cet. differt, affinis etiam S. chinensi 
Egl., a qua tarnen foliis baud acuminatoovatis, inflo- 
rescentia non alari, semine laevi atque pube distat. 

Folia 60:11 mm. magna. Sepala sub anthesi 2,5 
mm., in fructu 3,5 mm. longa. Capsula matura 6 mm., 
semina 0,5 mm. longa. 

Hypericum sensLwense. (Sect. Hypericum Spach) Simplex 
flaccidum glabrum , caule tereti inani tenui , foliis 
tenuibus subtus glaucis pellucide punctatis e basi ses- 
sili subcordata ovalioblongis obtusis; inflorescentia 
foliata 2 — 3-flora, pedicellis flore brevioribus, sepalis 
lanceolatolinearibus acutis petalisque triente longiori- 
bus obovatis nigrolineatis , staminibus 3-adelphis se- 
pala stylosque paulo superantibus , anthera cum glan- 
dula innata nigra, ovario ovoideo 3-loculari stylis 
sesquibreviori stigmate eapitellato. 

Nippon: prov. Senano alpe Kumaga-take, 27 Juli 
80 flor. (prof. Yatabe). 

Affine H. Senimvini m., sed oliganthum et sectione 
distinctum. 

Hypericum yezoënse. (Brathys Spach.) Humile sub- 



— 421 — 

simplex glabrum, caule lineis decurrentibus subqua- 
drangulo, foliis approximatis crebre et majuscule pel- 
lucide punctatis ellipticolanceolatis, ex axilla minute 
foliigeris, inflorescentia foliata terminali oligantha, 
pedicellis flore brevioribus, sepalis inaequalibus lan- 
ceolatis v. oblongolanceolatis corollaque duplo longiore 
parce nigropunctatis , petalis oblique obovatooblongis; 
staminibus circa 50 3-adelphis, anthera cum glandula 
nigra innata petala fere stylosque 3 aequantibus, 
stigmate punctiformi, ovario trisulco late ovoideo 1- 
loculari. 

Ye^o, circa Hakodate, 20 Juli 78 flor.(prof.Yatabe). 

Affine H. Kamtschatico Ledeb., quod nuper et ex 
Nippon in Togakuslii-yama lectum s. n. Iwa otogiriso 
a cl. Tanaka accepimus. 

GalopJiyllum Inophyllum L. Hook. Arn. Bot. Beech. 
60, 160. 

A Hookero et Arnott ex ins Societatis et Bonin 
enumeratur, ante oculos habeo e Bonin-Sima a, Wright 
fl. et fructif. lectum, arbuscula ramosa succo lacteo 
dictum, nee non frf. s. n. Yarabo a Yatabe missum, 
et e Liukiu, ad oppidum Napa-Kiang, in luco, fruticem 
modicum trunco recto formans (Dr. Weyrich, fl., 
Tashiro frf). 

Adincmdra Milletti Benth. et Hook. Gen. pi. I, 
183. Cleyera MiUettii Hook. Arn. Bot. Beech. 171, 
t. 33. 

Archip. Liukni ins. 0-sima (Tashiro, cum alab.), 
Formosa (Oldh.! n. 37 fr. mat., sine nom.), prov. Gan- 
toniensi^ montibus Pakwan (Hance! fl.). 

Fructus maturus indehiscens loculis 1 — 2-spermis. 



::'*-s.'/r îw*^-;?5*»7! 



— 422 — 

Setnina 2 mm. longa angiilatoovoidea, basi affixa, nigra, 
testa seriatim fossulis rotundatis sculpta. Ovula in lo- 
culis ovarii placentae convexae dense inserta, numerosa. 
Sepala interiora dorso margineque dense sericeopilosa, 
in fructu fere glabrata, praeterea margine fimbriis 
parcis carnosis breve subulatis instructa. 

Actinidia Lindl. 

Hujus generis apud autores e Japonia species 6 
enumerantur, e China 2, quibus nuper addidit subdu- 
biam tertiam {A, Bavidi) cl. F ranch et, et ex India 
2, e quibus fide Anglorum A. callosa Lindl. usque 
in Mandshuriam et Japoniam occurreret et A. Kolo- 
miktae synonyma esset. Omnes has species, sola A. 
Bavidi Franch. excepta, examinare potui. Constituunt 
series duas: alteram chinensem foliis subtus ovarioque 
dense tomentosis, alteram indicojaponicam foliis subtus 
viridibus glaucisve baud tomentosis. 

Seriei chinensis species 2 ^ 

1. A. Ghampioni Benth. Fl. Hongk. 26. Foliis 
ovatis acuminatis, peduncnlis elongatis multifloris, flore 
semipollicari. 

Hongkong! 

2. A. chinensis PI. in Hook. Lend, journ. bot. VI, 
303. Fol. rotundatis apice truncate subito breve mu- 
eronatis, pedunculis brevibus paucifloris, flore pollixîari. 

China media (Fort.!). 

Huic ex diagnosi valde similis videtur A. Bavidi 
Franch. PI. David. I, 57, e Kiangsi orientali. Calyx 
in fructu maximo lato ovali maximus persistens dicitur, 
in A. Championi hucusque indescriptus. 



-- 423 — 

Series indicojaponica ex mea investigatione species 
habet 5: 

a. Folia lucida chartacea. 

3. A. callosa Lindl. Nat. syst. ed. 2, 439. Glabra, 
foliis chartaceis lucidulis ellipticis basi acutis, cymis 
plurifloris, flore albo semipollicari, ovario conico dense 
rufotomentoso stylo stigmatibus brevibus acutiu- 
sculis, «fructu ovoideo sparse verrucoso». Dyer in 
Hook, f, Fl. Brit. Ind. I, 286. 

Himalaya temperata, a Garhwal ad Bhotan, fide 
Dyer. Ipse vidi e Nipalia a Rudge et e Sikkim a 
T. Anderson lectam, utramque florentem. 

4. A. strigosa Hook. f. et Thorns, in Journ. linn, 
soc. V, 55. Strigosohispida, pedunculo paucifloro, flore 
% poll. diam. Dyer 1. c. 

Himalaya: Sikkim (Hook. f.Th.), Khasia (Griffith! 
n. 57). 

Praeter characteres dates praecedenti similis, mihi 
non satis nota; equidem tantum ramornm corticem 
dense strigosohispidum video. 

5. A, arguta PI. in herb. Lugd. Bat. Glabra v. sub- 
tus ad axillas rufobarbata v. simul ad costam setoso- 
pilosa, foliis late ellipticis subito acuminatis basi subito 
acutis V. vulgo truncatis subcordatisve argute setoso- 
serrulatis; cymis plurifloris, flore viridialbo inodoro 
semipollicari; ovario fertili globose glabro stylo crasso 
brevi cum stigmatibus stellatopatentibus in fructu de- 
mum deciduo, fructu subgloboso laevi dulcissimo. Fr. 
Sav. Enum. I, 58. Miq. Prol. 203. F. S<îhm. Fl. 
Sachal. n. 90. A. cordifolia Miq. 1. c. TrochosUgma. 
a/r^^^a Sieb. Zucc. Abh. Munch. Acad. Ill, 727. 

Per totam Japoniam. Sachalin australi, in Mmi- 



— 424 — 

dshuria australi circa Wladiwostok et Portum Bruce, 
nee non in Schin-king (Ross!); China boreali, in mon- 
tibus a Pekino ad occidentem (Bretschneider). Japo- 
nice: Shira-kutschi vel Saru nashi. 

Quum in omnibus Actinidiis japonicis folia quam 
maxime variabilia sint, A. cordifolia Miq. vix varietas 
dicenda est: folia latiora leviter cordata, subtus ad 
axillas venarum omnium rufobarbata, serraturae den- 
siores. Talia exempla latifolia et simul macrophylla 
praesertim silvis umbrosioribus propria sunt, maxime 
macropbylla e Mandshuria vidi, ubi simul serraturae 
latiores minusque argutae. Pubes in nonnuUis secus 
costam subtus densa setosa primo obtutu valde pecu- 
liaris videtur, sed possideo ramos innovantes ubi adest 
in foliis inferioribus , in superioribus autem deest, 
barbulis axillaribus solis evolutis. 

Ludit foliis subtus glaucis (ad axillas eximie rufo- 
barbatis). Talem ex pro v. Idm misit Yatabe. 

Var.?rufa. A. rufa Miq. T, rufa Sieb. Zucc. 
Foliis minus argute serrulatis, sepalis rufotomentosis 
(in typo dorso glabris v. pilosis, margine ciliatis). 

Archipel. Koreanus (Oldh.! n. 94, <5), Japonia au- 
stralis: Osima (Wright! S). 

Fructu in hoc genere optimas differentias praebente 
floreque 2 ignotis, planta dubia manet, ex charac- 
teribus datis specie nondum sejungenda. 

b. Folia membranacea opaca. 

6. A, KolomiMa Msixim. Fl. Amur. 63. Foliis sub- 
tus secus nervös pubescentivillosis argute mucronato- 
serratis e basi cordata oblongis v. ellipticis subito cus- 
pidatis; pedunculis 1 — 3-floris ex axillis inferioribus 



— 425 — 

approximatis ramorum postea apice valde elongando- 
rum; flore albo odoro semipollieari ; ovario globoso 
glabro stigmatibus 12 — 16 inordinate patentibus ses- 
silibus turn caducis, fructu cylindricooblongo obtusis- 
simo dulcissimo. F. Schm. Fl. Sachal. n. 89. Prunus? 
Kolomikta Maxim, in Bull. phys. math. acad. Petersb. 
XY, 129. Kalomikta mandshurica Rgl. ibid. 219. 
Trochostigma Kol. Rupr. ibid. 261. Actinidia platy- 
2)hylla A. Gray! in Miq. Prol. 203. Fr. Sav. 1. c. 58. 

MandsJiuria orientalis sylvatica, ab Amur infer, 
usque ad limites Koreae sylvis acerosis frondosisque 
umbrosis frequens; Sachalin a Dui versus meridiem; 
ins. Te^o frequens (Small!, ipse); Nippon media 
(Tschonoski). 

Planta circa Hakodate a Wilford lecta, a herb. 
Kew. s. n. A. callosae distributa, componitur e ramulis 
florentibus A. argutae et A. polygamae, ilia ab eodem 
collectore in littore Mandshuriae lecta ad A. Kolo- 
mikta pertinet. 

I.A. polygama Miq. 1. c. Foliis subtus ad costam 
puberulis ad reticulum utrinque parce crasse setosis 
ellipticis acuminatis basi acutis mucronato-serrulatis ; 
pedunculis vulgo 1- rarius usque 3-floris secus ramos 
elongatos novellos axillaribus; flore albo pollicari sua- 
veolente; fructu calyce persistente fulto e cylindrica basi 
conico in stylum persistentem stigmata brevia erecta 
ferentem attenuato, acri. Fr. Sav. Enum. I, 59. F. 
Schm. Fl. Sachalin, n. 91. Trochostigma polygama 
Sieb. Zucc. 1. c. tab. II. f. 2. T. volubilis et J. re- 
panda Sieb. Zucc. 1. c. (haec, forma foliis latioribus, 
est simul A.polyg. ß. latifoliaMiq.), A.voluh.{qu2ie forma 
foliis angustioribus) Miq. 1. c. 204. Fr. Sav. En, I, 59. 

Mélanges biologiques. XII. 54 



— 426 — 

Per totam Japoniam in sylvis fruticetisque subal- 
pinis frequens; etiam in Tsusima (Wilford steril.); 
in Sachalin australi; in Mandshuria australi: insula 
Russki, sinu Possiet cet. — Japonice Matatabi. 

Pructus maturus a reliquis japonicis quum forma, 
turn colore flavescente nee viridi et gustu diversissi- 
mus. Sapor primum mucilaginosus , turn vero cito 
omnes ductus glandularum salivalium in ore inflam- 
mantur et saliva vehementissime diuque movetur. Fri- 
gore captus fructus inuocuus fieri dicitur. 

Haec atque praecedens folia in apice surculorum 
innovantium media aestate passim tota v. partim alba 
(v. tempore frigidiore autumnali demum rosea) format. 
Apud nos utraque frequenter colitur, Petropoli tamen 
semper tantum flores masculos profert. 



Schima Noronhae Reinw. Benth. Fl. Hongk. 29. 

Bonin-Sima (frf. s. n. Hime tsubaki misit prof. Ya- 
tabe), Liulciu s. n. J-dsliiyn mis. Tanaka); in China: 
Hongkong (Hance!), prov. Anwhei (Heude!). Prae- 
terea in Malacca (ex Benth.) et Java (Reinw.!). 

Ahutilon indicum Don. Benth. Fl. Hongk. 32. 
Mast, in Hook. f. Fl. Brit. Ind. I, 326. 

Bonin-Sima (Wright !,Yat ab e !) ; Hongkong (Hance 
ex Bentham), Formosa ad Tamsuy (Oldh.! n. 49 frf.). 

Hibiscus Manihot L. H. japonicus Miq. Prol. 207. 
Fr. Sav. En. I, 64 et 65. 

In Japonia eerte tantum cultus, e China, ut ajunt, 
introductus. 

Species a Miquel proposita,plantae tantum sesqui- 
pedali, foliorum laciniis basin versus attenuatis latiori- 



— 427 — 

bus superstructa, ne minime quidem a pi. indica differt, 
iibi folia similia in planta magis juvenil! semper evo- 
luta inveniuntur, v. gr. spec. Wallich! n. 1926. 

Hibiscus tiliaceus L. Cod. 5082. Bth. Fl. Hong. 35. 

Bonin-Sima (Wright!, Yatabe! s. n. Yama asa); 
Formosa^ Hongkong (Fort. n. 87, Wright!) et late 
distributus in tropicis omnibus. 

Var. H. HamaboSieh. Zucc. FI. Jap.1, 176.t.93. 
Foliis basi attenuata leviter cordatis v. truncatis bre- 
vius petiolatis, inferioribus latioribus quam longis, 
omnibus totoque frutice minoribus. Miq. Prol. 207. 
Fr. Sav. Enum. I, 63. Croton foliis subtus tomentosis. 
Thunb. Fl. Jap. 353. pi. obsc. n. 22. 

Kiusiu: in littore circa Nagasaki, frutex tripedalis, 
medio Julio fl., Septbri frf. (ipse) et ibid, ita ac per 
totam Japoniam cultus. 

Flores, fructus et semina omnino ut in typo, ita ut 
supersit statura minor et foliorum inferiorum forma. 
Sed vidi specc. Sandvicensia aequo breve petiolata, fo- 
lia basi attenuata etiam vix cordata, longiora tamen 
quam lata, omnino igitur transitum ad typum efficien- 
tia. «Pori lineares)^ supra basin nervorum folii trium 
subtus, quorum mentio facta apud DC. Prodr. I, 454. 
interdum adsunt tantum in nervo medio, interdum 
obsoleti sunt. In H. Hamabo nervo medio in foliis non- 
n Ullis etiam observantur, potius autem rimae videntur, 
interdum minus profunde sursum et deorsum conti- 
nuatae et in sulcum petioli abeuntes. 

Hibiscus mutabilis L. Cod. 5087. DC. Prodr. I, 452. 
Hook. f. Fl. Brit. Ind. I, 344. Thunb. Fl. Jap. 272. 
Miq. 1. c. Fr. Sav. Enum. I, 64. 



— 428 — 

China (Fort.! A. 119): Formosa ad Tamsuy (Oldh. ! 
n. 48), Liukiu (Wright! flore minore, foliis superio- 
ribus trilobis distincte regulariter crenatis); Japonia: 
ad Nagasaki et Yokohama cultus, fine Septembris flo- 
rens. — Ex De Candolle originis indicae^ ex Mas- 
ters in Fl. Ind. e China ortus arborescens dictus/for- 
tasse in Liukiu spontaneus. In Japonia herbaceus est, 
quotannis e radice truncos plures usque orgyales emit- 
tens, floribus tectos innumeris pallide roseis fundo pur- 
pureis. 

Corchorus acutangulus Lam. Benth. Fl. Hongk. 40. 

Liukiu, ins. Miyako(Tashiro! sub nom. jap. Tunaso 
modoki); China: Hongkong (Benth.), ad lacum prope 
Kiu-kiang (Shearer!), nee non in tropicis. 

Euodia Z/fl^marcÂ;mna Benth.Fl.Hongk. 59.cum synn. 

Liukiu (WrighV.): ubique ad ostium aestuarii Napa, 
arbor 3 — 4-metralis, Junio 82 fl. (Tashiro! s. n. jap. 
Awadan); China: Formosa ad Tamsuy (Oldh.! n. 61), 
Hongkong (Hance!, Wright!, Forbes!), Canton 
(Wawra! n. 501). 

Zanthoxylon planispinum Sieb. Zucc. 

Bene distinguendum a Z. alato Roxb. foliis 1 — 3- 
jugis (neque 3— 6-jugis), foliolis latioribus obtusis 
acutis V. breve obtuse attenuatis (neque caudatoacu- 
minatis), petiole baud v. anguste alato, aculeis magis 
compressis saepe multo latioribus. Tale, semper sibi 
simile, occurrit sponte in Japonia australi et media, et 
eandem plantam nuper accepi e Chinae pro v. Kiang-su 
(Feng-wang-shan, Majo 79 fl.) et in hortis Shanghai 
cultam Novbri 80 frf. (Forbes!). 

In China australiore vero, jam prope Amoy, verum 



— 429 — 

Z. (datum Roxb. crescere videtur, a Ha nee in Ann. 
sc. nat. 5 sér. V, 209 sub nom. Z. Bungei (non Plan- 
ch on) descriptum. 

Murraya exotica L. Bentli. Fl. Hongk. 50. 
Liukiu (Tanaka!). 

Aglaia odorata Lour. Fl. Goch. I, 173. Hook. Arn. 
Bot. Beech. 171, t. 34. Hiern in Hook. f. Fl. Brit. 
Ind. I, 554. C.DC.inA.DC.Monogr.Phanerog.I.602. 

Liukiu (Tanaka, fl. S s. n. jap. Moran); China 
australis!; India (Rojde!) horto Calcutt. culta (Wal- 
lich! n. 1235), Malacca, Ceylon, Java. 

Nostra specc. foliis 1-jugis gaudent, figg. vero 
comparatae bijuga ostendunt, in descriptione autem 
et 1-juga occurrere dicuntur. 

Euonymus Tanakae. Arbuscula sempervirens glabra, 
foliis chartaceis petiolatis ellipticis utrinque pi. m. 
(apice interdum subito brevissimeque) attenuatis subtus 
pallidioribus obsolete usque 8-costatis opacis, basi 
excepta serrulatocrenulatis cum mucrone adusto ap- 
presso tum deciduo in quavis crena; cymis multifloris 
folia subaequantibus v. superantibus, pedicellis longi- 
tudine florum, flore majusculo 4-mero albido, sepalis 
depresse semiorbicularibus purpureo denticulatis, pe- 
talis carnosis rotundatis, filamentis ipsi disco impositis 
antheram superantibus, stylo conico distincto, cap- 
sula 

Kiusiu, japonice Kokutengi (Tanaka!, Tashiro!) 

Huic proxima E. japonica Thunb. differ t foliis 

saepissime obtusis v. acutis distinctius crenatis 4 — 6- 

costatis, cymis magis multifloris ramis divaricatis nee 

patulis, flore duplo minore, sed structura floris fere 



''':^^zJr^ 



— 430 — 

eadem. Fructus hucusque ignotus fortasse alias diffe- 
rentias ostendet. E. crenulata Wall, differt pedun- 
culis trifloris et foliis subintegris. 

Folia in specc. 2 suppetentibus in altero fere ob- 
tusa subito acutata, petiolo 8 — 1 mm., lamina 60 : 40 
usque 75 : 35 mm. magna, in altero acuminata petiolo 
8 — 15 mm., lamina 35 : 15 usque 75 : 35 mm. Pe- 
dunculus communis secundariis sesquilongior et tum 
cyma divitior et flores pedicellis 5-i ordinis insidentes, 
vel pedunculis secundariis multo longior et cyma turn 
abortu 3 — 7-flora pedicellis 3-i ordinis jam florigeris. 
Calyx diam. 5 mm. Petala 5 mm. Anthera lutea di- 
dyma connective atropurpureo cum filamento crasso 
articulata et facile caduca. Ovula in loculo 2 — 3 hori- 
zontalia. 

Euonymus Tashiroi. Arbuscula glabra sempervirens, 
foliis chartaceis brevissime petiolatis ellipticis ovato-v. 
lanceolato-ellipticis obtusis v. breve obtuse attenuatis 
V. rarius acutiusculis tenuiter venosis subintegris v. 
basi excepta obsolete distanter crenulatis; pedunculis 
axillaribus solitariis v. geminis abortu 1-floris florem 
duplo superantibus; flore 4-mero albido, sepalis de- 
presse semiorbicularibus minute dense denticulatis, 
petalis orbiculatis integris v. denticulatis, filamentis 
styloque nullis ; capsula ... 

Liukiu (Tashiro 1882 flor.) 

Ex affinitate E.javanicae Bl. et JE. indicae Heyne. 
Prior abhorret foliis maximis oblongis, secunda petiolis 
elongatis, foliis acuminatis, pedunculis saepius 3-flo- 
ris, utraque flore 5-mero, petalis fimbriatis, filamen- 
tis styloque distinctissimis. 



— 431 -- 

Petioli 2 — 3 ram., lamina 48 : 20 usque 85 : 50 mm., 
costis primariis circiter 5 et inter illas totidem minus 
distinctis. Calyx 5 mm., petala 3 mm. 

Microrhamnus franguloides Maxim. Ehamn. or. 
asiat. 4, fig. 15 — 23. Ehamnella japonica Miq. Prol. 
218. Franch. Sav. Enum. I, 81. Berchemia congesta 
S. Moore in Journ. bot. XIII, 226 (ex descript. et 
loco natali). 

Stationibus adde: Kiusiu prov. Hiuga ad Miyako- 
nojo, Augusto 82 frf. s. n. japon. Nekonoshishi mis. 
Yatabe. China: Shanghai (Maingay ex Moore, 
Siebold! 1859, Forbes! flor.) 

Genus Microrhamni A. Gray a Bâillon, Hist. d. 
pi. VI, 82, quoad speciem americanam ad Condaliam 
Cav. ducitur, quoad speciem asiaticam vero non sine 
dubio ad Bhamnum ipsam (p. 52), verosimiliter ob 
solum habitum, qui Miquelium induxit generice 
sejungere sub nomine Bhamnellae. Habitus diffe- 
rentia tamen inter utramque Microrhamni speciem 
non major quam inter Rhamnos occurrit, characteres 
vero in utraque iidem et quum a Rhamno, tum a Con- 
dalia diversissimi, seil, sepala intus cristata, petala 
evoluta, discus crassissimus, putamen osseum crassum 
1-spermura. In Condalia vero sepala membranacea 
ecristata, petala nulla, folia integerrima, in Rhamno 
sepala ecristata, discus tenuis, drupa 2 — 4-pyrena 
pyrenis cartilagineis saepe dehiscentibus. Etiam nunc 
igitur censeo, Microrhamni genus cum ejus speciebus 
2 servandum esse. — Exempla Forbesi e Shanghai 
cristara sepalorum media longitudine dente distinctis- 
simo auctam habent. 



— 432 — 

Acer Tschonoskii. Foliis A. micranthi S. Z., racemo 
erecto 6 — 10-floro, pedicellis flore duplo v. triplo 
longioribus, petalis sepala parum superantibus utri- 
busque subobovatis, staminibus intra discum positis 
hypogynis, samarae loculis horizontaliter patentibus, 
alis triplo longioribus pi. m. incurvis oblique oblongis. 

Nippon: ex alpe Nikko (fructif. s. ii. jap. Isanoha- 
kaide et e Senano s. n. Ogarabana (cum A. spicato 
confuso) fructif. et fl. 9 commun. Tanaka. E prov. 
Nambu olim fr. immat. misit Tschonoski. 

In enumeratione mea in Mel. biol. X, 594. locum 
tenet in Divis. 2. florib. racemosis foliis lobatis et 
serratis, et juxta A, micranthum S. Z. 1. c. 598. po- 
nendum est. In Aceris monographia nuper inchoata 
a Pax in Engl. Botan. Jahrb. VI, 328. locum teuere 
videtur inter IV. Perigyna, sect. 12. Macrantha. Stdi- 
mina perigyna tamen, saltem in Macranthis, in solis 
floribus c? adesse videntur, ubi vero flores Ç noti bypo- 
gyna sunt. Sectionis nomen Macrantha infeliciter se- 
lectum, dum duae ejus species A. micranthum- et 
A. parviflorum nominantur et nulla e speciebus hue 
pertinentibus re vera flores magnos habet. 

Species proposita arete A. micrantho affinis, a qua 
sterilis non distinguenda. Imo pubes rufa in axillis 
costarum principalium subtus in utroque eadem, sed 
fortasse adest differentia in eo quod exempla pube 
copiosiore donata A. micranthi barbulas ad axillas ve- 
narum secundariarum formant, A. Tschonoskii vero 
pubes aucta secus totas costas principales ipsumque 
petiolum invenitur. Flores in racemo A. micranthi 
duplo saltem numerosiores (usque 20) et minores 
(4 — 4,5 mm. neque 5,5 mm.), petala oblonga sepala 



— 433 — 

rotundata plus duplo superantia. Samara A. niicrmithi 
10 — 13 mm. ala loculo continua et aequilata v. vix 
latiore, ad 4 mm. lata, loculi cum alis angulo obtu- 
sissimo patentes. Samara A. Tschonoskii 18 — 22 mm. 
longa, ala ubi latissima 6 — 8 mm. lata. 

Acer Sieboldianum Miq. 

Acceptis nuper exemplis floriferis e Mandshuria^ 
supellectilem meam denuo examinavi et specie! sat 
polymorphae varietates sequentes distinguo: 

a. typicum: pedunculis petiolis foliisque juvenilibus 
cinereotomentosis, lamina foliorum majuscula (7 — 
9 cm.) vulgo 11-loba v.-partita laciniis inaequaliter 
argute v. rarius incumbenter incisoserratis, pedunculis 
corymbum densiusculum multiflorum 2-lo v. plus 2-lo 
superantibus, flore flavescente, antheris virgineis pul- 
vereoscabris, samarae ala latiuscula versus nuculam 
3-lo breviorem valde angulatam ceterum laevemparum 
attenuata. 

Spontanea in alpibus Kiusiu interioris, culta in 
hortis Yedo. 

ß. mandshuricum: pedunculis petiolis foliisque pi. 
m. villosis tomentosisve, lamina majuscula (8 — 10 cm.) 
9 — 11-loba v.-fida laciniis patule incisoserratis, pe- 
dunculis corymbum laxiusculum aequantibus v. usque 
2-lo superantibus, sepalis purpureis, petalis flavidis, 
antheris virgineis laevibus, samarae ala nuculam 4-10 
superante ceterum ut in a. 

In MandsJiuria austroorientali. 

y. microphylliim: pedunculis petiolis foliisque villo- 
sis, lamina parvula (5 — 6 cm.) 7 — 9-fida laciniis ut 
in ß., pedunculis corymbo laxo plurifloro brevioribus 

Mélanges biologiqiies. XII. 55 



-- 434 — 

V. aequilongis, flore var. a., samarae ala basi duplo 
angustiore nuculam angulatam opacorugulosam pilo- 
samque 5-lo usque superante. 

Nippon montibus Hakone (Tschonoski fl. et frf.). 

S. toriiiosum: tortuosoramosissimum, pedunculis pe- 
tiolis foliisque pilosis adultis glabris, lamina parvula 
(7 cm.) 9 — 11-fida patule incisoserrata, pedunculo 
quam corymbus pauciflorus breviore, antheris virgineis 
laevibus, flore ceterum ut in a., samara. . . 

Hakone (Tschonoski fl. incip. cum folio 1 superstite 
vetusto). Hue fortasse Savat. n. 186 e Yokoska, fructu 
delapso, s. n. A.japonici^ ob ramos tortuosos et nodo- 
sos, nisi melius ad a. ob folia lobata. 

Characterem igitur e scabritie antherarum petitura 
in omnibus varr. non tam constantem inveni. Scabri- 
ties ilia e granulis flavis acutiusculis constans in an- 
thera dehissa vulgo obsoleta fit (granulis caducis?), 
sed non in omnibus floribus ejusdem corymbi observatur. 
Forma sepalorura (oblonga) et petalorum (rotundata 
undulata passim apice obsolete subtrilobata) atque ra- 
tio eorum in omnibus varr. eadem. 

Acer mandshuncum Maxim. 

Mandshuria austroorientalis : jugo inter ditionera 
rossicam et sinicam finitimo, circa fontes fl. Sedemi, 
non procul a limite Koreano, Junio 84 subdefl. Ç 
(M. Jankowski). Ligno incolae lignarii utunturv.gr. 
in curris conficiendis, ex coUectore. 

Eamuli 2 brevissimi nunc missi ex parte lignosa 
5 mm. et innovante 2 mm. longa constant, perulis jam 
delapsis, foliis 2 subtus pallidioribus et secus costam 
villosulis, reticulo utrinque prominente. Corymbus 



— 435 — 

terminalis 3-florus pedunculo coramuni 4 vel 10 mm., 
bracteis 2 hyalinis oblongis oppositis, pedicello termi- 
nal! nudo praecociore 30 mm., lateralibus e bracteae 
axilla ortis 25 mm. erectis firmis. Flores viridiflavi 
omnes fertiles, diam. 14 mm. Sepala oblonga obtusa 
7 mm., petala late obovata 8 mm., utraque reticulato- 
venosa. Discus crassus lobulatus extrastamineus et 
inter filamenta intrusus. Stamina 8 petala aequantia 
filamentis subulatis firmis antheris anguste oblongis 
laevibus ochraceis, dehiscentibus quidem sed ut videtur 
vacuis. Samara juvenilis petala jam fere 2-lo superans 
atropurpurea alls erectopatulis. Stylus stigmata 2 re- 
voluta subsuperans validus, nunc dimidiam alam exce- 
dens. Loculi ovarii rite axi approximatif angulo supe- 
riore interne ovulum appensum suborbiculatum foven- 
tes, excavatione basali nunc ne iudicata quidem. Sa- 
mara basi demum excavata evadit post fecundationem 
igitur, unde character hie non magni aestimandus vi- 
detur, et species haec locum prope A» nikoënse, quem 
in Mél. biol. X, 609 assignavi servare potest, in syste- 
mate Paxiano sect. 4. TrifoUatis (1. c. 326) inserenda. 

Dodonaea viscosa L. Hiern in Hook. f. Fl. Brit. 
Ind. I, 697. 

Bonin-sima (Yatabe steril.), Liukm (Tashiro, la- 
tifolia frequens, angustifolia tantum in ins. Miyako 
observata, utraque frf.). China: Formosa (Old h.! frf.), 
Fu- tschau (Dr. Augustinowicz frf.), ex adverse 
Amoy, in ins. Ku-luug-su (Han ce! flor.). In India et 
per tropicos. 

Turpinia pomifera DC. Prodr. II, 3. ß. nepalensis 
Hiern in Hook. f. Fl. Brit. Ind. I, 699. 



— 436 — 

Kiusiu: Satsuma, 23 Mai 79 fl. incip. s. d. Shôben- 
noki(Yatabe!), U-sima (Wright I flor.); China australi: 
Hongkong (Hance!, Wright, Forbes!), Yunnan 
(Hiern), India orientali! 

Oxytropis japonica. (Sect. Gaeciahia Bge.). Subacau- 
lis elongatocaudiculosa viridis, stipulis alte petiolari- 
bus obtusis 1-nerviis, foliolis 3 — 5-jugis linearioblon- 
gis subattenuatis planis supra glabris subtus pilosis; 
scapis folia aequantibus bifloris ; calycis tubulosi nigro- 
alboque pilosi dentibus tubo Vg brevioribus, corolla coe- 
rulea subduplo longiore, vexilli lamina orbiculari emar- 
ginata alas obovatas truncatas aequante carinam breve 
apiculatam superante; legumine obcompresso anguste 
oblongo utrinque subito acuminato membranaceo bre- 
viter inclusostipitato dependente dorso piano ventre 
medio bicostato 2-loculari sub 20-spermo. 

Nippon: Senano, alpe Komaga-take, 2 Aug. 80 flor. 
fr. immat. s. n. Oyama yendö mis. Yatabe 1884. 

Inter 0. revolutam Ledeb. kamtschaticam et 0. 
nigrescentem Fisch, orientalisibiricam. Prior differ t 
legumine stipitem aequante breve oblongo basi rotun- 
dato, stipulis reticulatovenosis, posterior stipulis con- 
natis, calyce nigrovillosissimo, ovario sessili, sed legu- 
men hujus nostro consimile. Omnes partes in his tri- 
bus sat similes et subaequimagnae, ita ut descriptione 
fusiore vix egeant. 

Zornia dipJiylla Pers. Benth. Fl. Hongk. 80. et in 
Mart. Fl. Brasil. XV, 80, t. 21, 22. Hook. f. Fl. 
Brit. Ind. II, 147. 

Sïkohu: prov. Tosa, japonice Sunashi mame (legit 
Makino , misit fructif. Y. Matsumura); China: Hong- 



— 437 — 

kong(Bentham), circa Macao (Vachell!),Amoj (For- 
tune! n. 96). Late distrib. per tropicos. 

Desmodium DC. 

species sinico-japonicae. 
Clavis specierum. 
Legumen altero margine integrum altero 
leviter crenatum. Frutex erectus orgyalis 
foliis 3-foliolatis foliolo terminali maximo 

{Sect Fleurolobium DC.) D. gyroides D C. 

Legumen utroque v. uno margine sinuatum 
et distincte articulatum. 2. 

2. Herba foliis pinnatis floribus roseis D. Oldhami 01. 

Folia ternata vel 1-foliolata. 3. 

3. Frutices erecti. 4. 

Suffrutices caulibus O saepe basi lignes- 
ceiitibus. 9. 

4. Folia 1-foliolata {Sect. Tteroloma Desv.). . .D. triqttetrum DC. 
Folia 3-foliolata. 5. 

5. Bracteae orbiculatae amplae persistentes im- 
bricatae flores tegentes {Sect. PhyUodium 
Desv.) 6. 

Bracteae elongatae parvae deciduae. 7. 

6. Legumen sericeovillosum articulis vulgo 3. . .D. elegans Bth. 
Legumen glabriusculum v. ciliatum articulis 

1—2 D. pulcheUUm Bth. 

7. Inflorescentia axillaris {Sect. Dendrolobium 
W. A.) 8. 

Inflorescentia terminalis, folia viscidula(5'écit. 

Catenaria Bth) I).lahurnifoUumT)G. 

8. Rami tereteSjfoliola obtusa late ellipticasub- 
tus aequaliter sericeopubescentia, articuli 

fere duplo longiores quam lati D. umbellatum DC. 

Rami triquetri, foliola acuminata lanceolato-. 
elliptica costis subtus griseosericeis, articuli 
aeque longi ac lati 2>. Cephalotes "Wall. 

9. Folia 1-foliolata. 10. 
Folia 3-foliolata. 11. 

10. Foliola rotundata D. retroflexum D C. 

Foliola oblonga D. gangeticum D C. 

11. Inflorescentia ramulos brevissimos terminans 
axillaris, caules procumbentes {Sect. Sagotia 
Wall.) 12. 

Inflorescentia terminalis {Sect. Desmodium 
propr. Bak.) 14. 



— 438 — 

12. Leguminis sutura superior recta. 13. 

Leguminis sutura utraque strangulata B. microphyUuml>C. 

13. Pedunculi mere axillares 3-flori D. triflorum DC. 

Pedunculi alii 3-flori alii racemosi D.heterophyllumBC. 

14. Microphylla folioHs obtusis, racemi brevius- 
culi. 15. 

Grandifolia foliolis attenuatis, racemi longis- 
simi. 16. 

15. Foliola membranacea D. polycarpum D C. 

Foliola coriacea JD.reticvUatum Champ. 

16. Legumen vix strangulatum pluriarticulatum 

articulis oblongis, caules foliati D. laxiflorum D C. 

Legumen usque fere ad suturam superiorem 
in articulos 2—3 partitum. 17. 

17. Caulis foliatus D.podocarpum DC. 

Folia apice caulis in pseudoverticillum ap- 

proximata D. Gardneri B enth. 

1. Desmodium gyroides DC. Prodr. II, 326. Baker 
in Hook. f. Fl. Brit. Ind. II, 175. 

China australi : prov. Canton ad Lo-fau-shan (Ford! 
fl.). Turn Himalaya: Nipal (Wallich!), Khasia (Grif- 
fith!), Sikkim (King!, Treutler!, Clarke!), Chota 
Nagpur (Clarke!), India occ. bor. (Roy le!); Sumatra 
(Korthals!). 

2. D. CepÄaZoifes Wall. Cat. Baker I.e. 161. Hance 
in Journ. bot. XVIII, 260. Dendrolohium Cephalotes 
Benth. PL Jungh. I, 218. 

China australis: prov. Canton (Hance!). India!^ 
Java!, Moluccae!, Madagascar! cet. 

3. D. umhellatum DC. Prodr. II, 325. Baker 1. c. 
II, 161. 

LiukiUj ubique in maritimis, frutex 3 — 4-metralis, 
Junio 82 fructif. (Tashiro !). Philippinae, India trans- 
gangetica, Polynesia cet. 

4. D. pulchellum Benth. Fl. Hongk. 83. Baker 1. 



— 439 — 

c. 162. Phyllodium pulcliellum Des v. in Journ. bot. 
Ill, 123, t. 5. fig. 24. 

Liukiu (Tashiro! fl.); China australis: Formosa 
(Oldh.! n. 164), Hongkong (Forbes!, Augustino- 
wicz), Whampoa et Canton (Hance!). Philippinae, 
archip. MalaicuSj India eis et trans Gangem. 

5. D. elegans Benth. 1. c. Dicerma el. DC. Prodr. 
II, 339. PhyUodiuni el. Desv. Benth. PI. Jungh. I, 
217. 

China australi (W. J. Hooker!): Whampoa (Han- 
ce!). Philippinis ad Manilam (Eschscholtz!), Java 
(Bentham). 

6. D. lahurnifolium DC. 1. c. 337. Baker 1. c. 163. 
Miquel Prol. fl. Jap. 234. Fr. Sav. Enum. I, 100. 
S. Moore in Journ. bot. XIII, 230. Hance ibid. XVI. 
9. Gatenaria lahurnifolia Benth. PI. Jungh. I, 220. 
Hedysarum racemosum Thunb. Fl. Jap. 285 et Icon 
ined.! Miso na oshi, miso kusa, Soo bokf XIV, 27. 

Kiusiu: circa Nagasaki in fruticetis frequens aliis- 
que \ocis, Nip2:)on: prov.Owari(Keiske!); China: prov. 
Canton (Hance), Kiu-ki an g (S.Moore). Turn in Hima- 
laya: Nipal!, Khasia!, Sikkim! alibique, Ceylon! Java! 

Thunbergii synonymon jam ob caulem frutescen- 
tem hue pertinere debet et icon inedita omnia dubia 
solvit. Obstant quidem verba: «leguminibus glabris» 
et «calyx pedicellique glabri», at serins legumina 
«laevia» cum illis H. viridiflori comparantur, ubi 
«aspera» dicuntur, it a ut «glabra» tantum lapsus 
calami considerandus sit. 

7. D. kiguetrum DC. I.e. 326. Benth. Fl. Hongk. 



— 440 — 

B3. Baker 1. c. 163. Pteroloma triquetrum Benth. m 
PI. Jungh. I, 220. 

Ohina australis (W. J. Hook. !): Macao (Vachell!), 
HongkoDg (Hinds!, Wright!, Forbes!); praeterea 
in tota India eis! et trans! Gangem, Java!, Ceylon!, 
Mauritio!, PMlippinis, 

8. D. laxiflorum DC. 1. c. 335. c. synn. (1825). 
Baker 1. c. 164. D. recurvatum Grab, in Wall. Cat. 
5717 (1828). Hedysarum recurvatum R o x b . Hort. 
Bengal. 57 (nomen), 1814. Roxb. Fl. Ind. Ill, 358 
(1832). 

Formosa ad Tamsuy (Oldh.! n. 161). Turn in Fhi- 
lippinis (Cuming! n. 681), Borneo, Java!, Pegu et 
India or. a Nipal! ad Kumaon! et in Deccan! 

9. D. podocarpum DC. 1. c. 336. Bak. 1. c. 165. 
a. indicum: caule paucifolio, racemis paucis, foliolis 

rotundatis. 

China australi: prov. Canton adLo-fau-slian(Ford! 
fl.) et centrali: Kiukiang (Dr. Shearer! frf.); Hima- 
laya: Nipal! Khasia!, Sikkim (T rentier!), Gurhwal 
(Falcon!. 444), parte occid. (Royle!). 

Ludit foliolis elongatis acuminatis: var, laxa Bak. 
D.laxumDC. — Vidi e Nipal, Khasia (Griîî. 1 1624,i), 
Sikkim (Clarke), Kumaon (Jameson). 

ß. mandshuricum: caule paucifolio, racemis paucis, 
foliolis quam in D. laxo minoribus obtuse attenuatis. 

üfa*^c?sÄwrm austroorientali: Wladiwostok, ad syl va- 
rum margines rarius, ins. Russki sylva graminosa fre- 
quens, Aug. fl., Septbri frf. (ipse). 

Flos roseus, vexilli basi alarumque apicibus satura- 
tioribus, unguibus albidis. 



— 441 — • 

y. japonicum: caule elongato polyphyllo, foliolis 
parvulis longioribus quam latis, racemis axillaribus et 
terminali numerosis paniculam amplam constituenti- 
bus. D. japonicum Miq. Prol. 234. Fr. Sav. Enum. I, 
100. Hedys. caudatum Thunb. FI. Jap. 286 et icon, 
ined.! (legumen ex descr. sublineare ferrugiueotomen- 
tosum, in spec. Thunb. florente tarnen ovarium tantum 
adest). Soo bokf. XIV, 25. 

Per totam Japoniam et valde ludens. 

Exempla magis oligophylla et simul grandifolia, ad 
indica appropinquantia, in australioribus frequentiora : 
Kiusiu: prope oppidum Karatsu (Buerger!), ad pedem 
vulcani Wunzen ad fontes fervidas (ipse), Simabara 
(ipse), circa Nagasaki (Oldh.! n. 351, Wawra! n. 
1334, ipse); Nippon: Yokoska (Savat.! n. 268), 
Yokohama (ipse). 

Typica polyphylla et parvifolia: Nagasaki, Aug. fl., 
Octobri M. (ipse, Wawra! A^scit.), Yokoska (Savat.!), 
Yokohama in lucis frequens, Aug. fl., Septbri frf. 
(ipse), Tokio s. n. Nusubito liagi (Tanaka!), Hakone 
(Tschonoski!), Hakodate in fruticetis vulgare, init. 
Aug. flor., med. Aug. frf., Arigawa cet. (ipse). 

Flos albidus apicibus alarum et interdum carina 
roseis. 

Foliolis pi. m. rotundatis: Nagasaki et Yokohama 
(ipse), Yokoska (Savat.!). 

10. D. Gardneri Ben th. in PI. Jungh. I, 226. 
Baker 1. c. 165. D. podocarpum Miq. Prol. 234, 
necDG. Fr. Sav.Enum.I, 101. 

In Fl. of Brit. Ind. adducitur tantum e Deccan 
(Wight) et e Ceylona (Gardner). Equidem vidi spec. 

Mélanges biologiques. XII. 56 



.< .-.->?« 



— 442 — 

Wight (n. 719 distr. Kew. s. n. B.podocarpi)^ Sikkim 
(Clarke! sub eod. nom.), Ceylon (T h wait es sub eod. 
nom. et ita in ejus enum., ubi D. Gardneri omittitur). 
Japonia: circa Nagasaki in sylvis lucisque varus locis 
frequens, Julio fl. incip. Septbri frf. (ipse, Oldh.! 
n. 349); Yokoska in fruticetis (Savat.! n. 267), 
Yokohama (ipse). 

Hue fortasse spec. nond. flor. e Formosa (Oldh.! 
n. 160), foliis solito multo brevius petiolatis foliolisque 
angustioribus (lanceolatis), racemo simplici, pedicellis 
calyce paulo longioribus. 

A praecedente optime distinctum foliis apice caulis 
aggregatis paucioribus amplioribus, racemo terminali 
longissirao subsolitario, pedicellis elongatis, flore fere 
duplo majore et legumine longe stipitato. Obviam 
fiunt quidem rarius individua quasi transitoria: ob 
pedicellos breviores floresve minores seu folia sparsa 
stipitemque leguminis breviorem, at talia multo melius 
pro hybridis quam pro formis intermediis sumenda. 

Proxime affine D, nudifloro DC. americano, quod 
praesertim differt flore majore fructusque articulis 
apice breve acuminatis. D, acuminatum DC. forma 
articulorum leguminis adhuc similius, sed pedicelli et 
stipes breviores potins D,p)odocarpi, a quo flore magno 
foliolisque subito acuminatis discrepat. Omnia quatuor 
calycibus obiter dentatis excellunt. 

11. D. Oldhami Oliv, in Journ. linn. soc. IX. 165. 
Miq. Prol. 234. Fr. Sav. Enum. I, 101. Hance in 
Journ. bot. XII, 259. 

Kiusiu: circa Nagasaki (Oldh.! n. 356); Nippon: 
Sagarai, ad rivulos (Savat.! n. 270), Yokohama in 

4* 



— 443 — 

iirabrosis ad sylvarum margines, Julio fl., Septbri frf. 
(ipse, Wawra n. 1564), Nambu (Tschonoski). 
China centrali: Kiukiang (Möllendorff ex Hance, 
qui tarnen pi. japon, non vidit). 

Unicum foliis pinnatis praeditum, praeter D. tine- 
forium Vieill. ex Neo- Caledonia, fide Hancei. Haec 
species (Vieill. n. 367! fl. frf.) tarnen valde diifert 
caule fruticoso foliato, inflorescentia densa breviuscula 
illam D. polycarpi fere aemulante, foliolis obtusis et 
articulis leguminis semirotimdis. 

12. D.gangeticum DC. 1. c. 327. Baker 1. c. 168. 
Benth. Fl. Hongk. 84. 

China australi: Hongkong (Forbes!), Canton 
(Hance!); turn in Mariannis (Guahanl), Philippinis 
(Cuming! n. 437), Celebes I^ Timor!, Java!, Tenasse- 
rim!, Deccan!, Sikkim!, India bor. occid.!, Africa trop.! 

13. D. retrofleximiBC. 1. c. 336. Baker 1. c. 170. 
Hance in Journ. bot. XVIII, 260. D. orhicidatum et 
D. rotundifoliimi Wall. Cat. Hedys, retroflexum L. 

China australi: in collinis circa Canton (Sampson!) 
et Whampoa non rarum (Hance!). Himalaya: Silhet 
(Wallich!). 

14. D. 2^olycarpum DC. 1. c. 334. Baker 1. c. 171. 
Benth. Fl. Hongk. 84. D. Buergeri Miq. Prol. 233. 
Fr. Sav. Enum. I, 100. 

Kiiisiu: circa Nagasaki (Oldh.! n. 353, ipse), cacu- 
mine graminoso mentis Kawara (ipse); China australi 
(W. J. Hook.! s. n. D. purpiirei), Hongkong (Wright!, 
Forbes!), Formosa (Oldh.! n. 163). Tum vidi e Phi- 
lippinis (Cuming! n. 845), Java, Sumatra, Banka, 



— 444 — 

Tenasserim, Ceylon, Deccan, Khasia et Sikkim, ins. 
Otaheiti et FidsM. 

Specc. japonica exoticis vulgo magis microphylla. 
Species affinis ex indicisD. concinno DC. et D. ru- 
fescenti DC, ex americanis D. lineato DC, D. gla- 
hello DC et D. ciliari DC • 

Var. trichocaulon Baker 1. c. 172: caule patentim 
piloso, bracteis majoribus. 2). trichocaulon DC 1. c. 
335. Hance in Journ. bot. XVIII, 260. 

China: prov. Canton (Parry ex Hance), Amoy 
(Hance!). India! 

15. D. reticulatum Champ, in Kew journ. bot. IV, 
46. Benth. Fl. Hongk. 84. Hance in Journ. bot. 
XVII, 10. 

China australi (Benth.): Hongkong (id.), Whampoa 
(Hance!). 

Praecedenti simillimum , sed paulo magis micro- 
phyllum, glabrius, foliis coriaceis, calycis laciniis acu- 
minatis nee acutis, foliolis subtus glaucis. Fructum 
non vidi, nee Benth a m bonum vidisse videtur, ita 
ut an differentiae adsint quaedam in fructu nescio. — 
Bentham 1. c. in herb. Zuccarinii specimen 1 e 
Japonia vidisse asserit, anne errore, pro praecedente? 

Formam foliis omnibus 1-foliolatis vidit cl. Hance 
ex ins. Hainan a Bullock lectam. Ex Hanceo folia 
inferiora pi. typicae etiam non rare 1-foliolata sunt. 

16. D. triflorum DC 1. c. 334. Baker 1. c. 173. 
Benth. Fl. Hongk. 83. 

Honkong (Wright ex Benth.). Late distributum 
per totam Indian !^ Ceylon!^ Philippinas !^ Mariannas!, 



— 445 — 

Moluccas/, nee uon Mexico!^ Surinam!^ Hait/j (Poi- 
teau!), Jamaicam (Swartz!). 

17. D.]i€tero2)hyllimDCA.c.^34:. Baker 1. c. 173. 
China (Baker): Formosa adTamsuy (Oldh! n.l62). 

Vidi e Java J Ceylon^ et crescit in utraque India orient., 
Philippinis et Mascarenis. 

18. D. microphjllumJyC. I.e. 337. Miq. Prol. 233. 
Fr. Sav. En. I, 100. Hechjs, mkrophjllum Thunb. 
Fl. Jap. 284. et icon ined.! B. parvifoUimi DC. 1. c. 
334. Baker 1. c. 174. Benth. Fl. Hongk. 84. Hedys, 
teneUiim Don! Prodr. fl. Nepal. 243. 

Kiusiu: circa Nagasaki frequens (omnes), prov. 
Osurai (Tashiroî), Nippon prov. Kii (Tanaka! s. n. 
makiye hagi, ex confus, cum Lesped, virgata). CJiina 
australi (Benth.): Hongkong (id.), Amoy (Fort.! A. 
118). Tum in arcliip. Malayano^ Ceylon!^ Deccanl, 
Nipal (Buchan.!), Kliasia (Clarke!), Kumaon! 

Species incerta. 

Desmodium aspectu D. oxyphylli DC, ut videtur 
sect. Bollinerae. H an ce in Journ. bot. XII, 259. 

China centralis: Kiu-kiang (ex Ha nee). 

Dicitur glabrum, foliola ovatorhomboidea, subtus 
reticulata venis subcoloratis, racemi parvi, laxi, sub- 
paniculati micranthi, calycis lobi brevissimi obtusi. 



Vicia venosa Maxim, var. cuspidata: foliis 3 — 5-ju- 
gis, foliolis lanceolatis sensim longe acutissime acumi- 
natis mucronatisque, floribus violaceis. 

Nippon: prov. Senano, s. n. Yebira fudzi fl. mis. 
Tanaka. 



— 446 — 

Vicia venosa in Sibiria oriental], Mandsliuria et Ja- 
ponia varus locis inter se remotis crescens Varietates 
plures foliorum forma florumque colore perdistinc- 
tas format^ e quibus haec sane satis discrepans. 

Foliola versus apicem petioli decrescentia, maxima 
58 : 14 mm., terminalia 40 : 9 mm. magna. Flos 
13 mm. longus. 

Galactia Tashiroi. Semper virens florens et fructifera 
volubilis ad axes omnes pilis crispis pubescens; stipulis 
stipellisque caducis liis brevisetaceis; foliis ternatis 
petiolo laminam superante, foliolis chartaceis laevibus 
superne glabris subtus dense gilvo-sericeotomento- 
sis, utrinque teuere subsexcostatis late ellipticis ob- 
tusis V. vix acutiusculis brève, terminali vix lon- 
gius, petiolulatis ; racemis folio longioribus interruptis, 
bracteis minutis lanceolatis caducis, floribus singulis 
V. geminis, calyce sericeo pedicellum apice minutis- 
sime scariose bibracteolatum superante 4-fido laci- 
niis linearilanceolatis acutiusculis summa ovata ob- 
tusa binervi; corolla purpurea fere duplo longiore 
vexillo oblongo truncate basi late brevissime unguicu- 
lato, carina recta obtusa alas oblongas superante ve- 
xillo breviore, staminé vexillari libero, ovario dense 
sericeohispido stylo incurve glabro; legumine piano- 
compresse linearisubfalcato laevi appresse piloso sub- 
octospermo stylo brevi uncinate, seminibus reniformibus 
compressis opacis atris hilo brevi oblongo concolore. 

Liukiu: maritimis circa oppidum Napa (Tashiro 
fl. frf. 1882). 

Proxima G. canescenti Ben th. e Texas, quae differt 
foliis utrinque incanis reticulatis réticule subtus ele- 



— 447 ~ 

vato superne impresso, foliolis ovalibiis v. obovatis, 
petiolulo terminali lateralibus multo longiore, stipellis 
persistentibus, legumine duplo minore longius uncinato 
basi sensim attenuato convexiore, semine vix reniformi 
parum compresse castaneo, 5 : 3 q. exc. mm. magno. 
G. tenuiflora W. A., indica, foliorum valde ludentium 
forma, indumento et consistentia membranacea magis 
distat, sed legumen minus quidem nostrae similius. 

Internodia 25 — 40 mm., petioli 3 — 4 cm., petiolu- 
lus terminalis 4 mm., foliola a 32:20 ad 27:19 mm. 
magna. Calyx 7 mm. Vexillum 11 mm., alae 8 mm. 
ungue brevi lineari, lamina supra auriculam basalem 
rectangulam transverse plicatula, carina 10 mm. un- 
guibus ut in alis, lamina quavis basi leviter attenuata 
brevius quam in alis auriculata plicataque, apice inter 
se libera. Filamenta 9 ultra medium connata aequalia. 
Antherae non visae. Legumen 50:8 mm., semen 
3,5 : 3 mm. 

Gajanus indiens Spr. Syst. Ill, 248. Baker in 
Hook. f. Fl. Br. Ind. II, 217. 

Liukiu (Tanaka). Distrib. ubique in tropicis culta, 
verosimiliter in Africa v. India orientali indigena. 

Rhynchosia minima DC. Prodr. II, 385. Baker in 
Hook f. Fl. Brit. Ind. II, 223 c. synn. 

Liukiu (Tanaka). Distrib. ab India per tropicos in 
Africam et Americam calidiores. 

Pongamia glabra Vent. Jard. Malm. t. 28. DC. 
Prodr. II, 416. Benth. Fl. Hongk. 94. Baker in 
Hook. f. Fl. Brit. Ind. II, 240. 

Uukiu: (Wright! frf.): Osima, Jul. 82 fl. (Ta- 
shiro!). China australi: Hongkong (Wright ex 



— 448 — 

Benth.), ad fl. Canton (Hance!\ Distrib. India orien- 
talij archipel. Malay ano, Australia boreali, Folynesia^ 
Mascarenis. 

Euchresta Horsfieldii Benn. in Horsf. PI. Jav. rar. 
148, t. 31. Hook. f. Fl. Brit. Ind. II, 248. 

Liukiu (Tashiro! fl. 1882); Formosa (ex Benth. 
et Hook. Gen. pi. I, 550), Java^ Himalaya: Khasia. 

Caesalpinia L. 

Species Sinico-japonicae. 

Legiimen aculeatiim (Subgen. GuilandinaBsi- 
ker). 2. 
» inerme {Snhgen. Eucaesalpinia Ba- 
ker). 3. 

2. Stipulae membranaceae integrae C. Bonducella Flem. 

» spiniformes bipartitae C. minax H ce. 

3. Arbor inermis C. pulcherrimu S w. 

Arbores v. frutices aculeati. 4. 

4. Folia paucijuga C. Nuga A i t. 

» multijuga. 5. 

5. Juga foliorum primaria secundariis numero- 

siora. 6. 
» secundaria primariis numerosiora C. Millettii H. A. 

6. Foliola acute ovata coriacea C. vernalis Champ. 

» oblonga. 7. 

7. Foliola subcoriacea angulo inferiori affixa. . . C. Sappan L. 

» membranacea media basi inserta C. sepiariaH oxh. 

1. G. Bonducella Fleming in As. research. XI, 159. 
Baker in Hook. f. Fl. Brit. Ind. II, 254. Guilandina 
Bonducella L. Cod. 3003. Benth. Fl. Hongk. 96. 

Bonin-sima (Wright!), Liukiu (Tanaka!); China: 
Hongkong (Wright!) et per tropicos. 

2. (7. minax Ha nee in Journ. bot. XXII, 365. 
China: prov. Canton (Graves ex Hance). 

3. C, pulcherrima Sw. Obs. 166. Baker 1. c. II, 
255. Poinciana pulcherrima L. Cod. 2988. DC. Prodr. 
II, 484. 



— 449 — 

LiuUu (Tanaka!). Ubique inter tropicos culta, vera 
patria ignota. 

4. a Nuga Ait. h. Kew. Ill, 32. DC. Prodr. 
II, 481. Benth. Fl. Hongk. 97. Baker 1. c. 255. 
Engl. Bot. Jahrb. VI, 64. C.chinensis Roxb. Fl. Ind. 
II, 361. Hook. Arn. Bot. Beech. 182 (cum ?). 

Archipel. Liwto(Tashiro!, Tanaka!), v.gr. Osima, 
China: Formosa circa Tamsuy (Oldh! n. 184), Hong- 
kong (Wright!); tum in Phüippinis^ India orient., 
Archip. MalayanOj Australia tropica et Polynesia. 

5. C. Millettii Hook. Arn. Bot. Beech. 182. Hance 
in Journ, bot. VIII, 313 (fructus descriptio). 

China australi (Hooker et Arnott): insula Lappa 
prope Macao (Hance). 

6. G. vernalis Champ, in Kew journ. bot. IV, 77. 
Benth. Fl. Hongk. 97. 

Hongkong (Wright!, Hance!), nee alibi. 

7. G. Sappan L. Cod. 2998. DC. Prodr. II, 482. 
Baker 1. c. 255. »Hance in Journ. bot. XVI, 10. 
Biancaea Sappan Todaro hört. Panorm. t. 3. 

CAma australi : ex ad verso Hongkong (Hance). Tum 
in India eis et trans Gangem, archip. Malayano, 

8. G. sepiaria Roxb. Fl. Ind. II, 360. Baker 1. c. 
256. Miq. Prol. 242. Maxim, in Bull. soc. Mose. 
1879, 9. Hance in Journ. bot. XX, 5. C japoniea 
Sieb. Zucc. Fl. Jap. fam. nat. n. 3. Franch. Savat. 
En. I, 114. C, crista Thunb. Fl. Jap. 179 (non L.) 

Japonia (Miquel!): Hakone, cacumine montium al- 
tiorum rara, fine Octob. frf. (ipse), Simoda (Wright!, 
Yolkin!), Kioto (Rein!), Amakusi (id.!), prov. Higo, 

Mélanges biologiques. Xn. 57 



— 450 — 

cacumine Higo-san, fine Junii fl., Kipon-san prope 
Kumamoto, fine Maji fl., circa Nagasaki in fruticetis, 
init. Maji flor. (ipse); China: Ningpo (Hancock!), 
prov. Hu-peh (Hance). Turn in tota India or.! et 
archip. Malay ano! 

Gleditschia L. 

Synopsis specierum cognitarum. 

Legumen tenue varie flexuosum et tortum, 
cum pulpa succosa inter semina. 2. 
» sine pulpa, rectum. 4. 

2. Inflorescentia brevis densa continua, floribus 
(5 et Ç fasciculatis, semina medio legumine 

disposita G. caspiea Desf. 

Flores ^ secus rhachin fasciculati, $ race- 
mosi. 3. 

3. Inflorescentia brevis, ^ densa, semina secus 
suturam leguminis superiorem disposita, parte 

asperma seminiferae aequilata G. Triaeanthos L. 

Inflorescentia utriusque sexus interrupta elon- 

gata, semina medio legumine disposita G. japoniea M i q. 

4. Legumen cbartaceum tenue breve 1 — 3-sper- 

mum. 5. 
» lignosum crassum polyspermum. 6. 

5. Legumen rotundatum 1-spermum G.monospermàW a,\t. 

» oblongum 2 — 3-spermum G.Jieterophylla Bge. 

6. Flores secus rhacbin fasciculati G. cMnensis Lam. 

ö racemosi longe pedicellati G. xylocarpa Hce. 

Obs. Gymnocladus Lam. statu florifero a Gledit- 
schia non distinguenda, excepta spinarum deficientia 
(Spinae tarnen et in Gleditschia interdum desunt), a 
Gleditschia legumine turgido pulposo seminibusque 
non vel vix compressis diversa habetur. At legumina 
seminaque G. chinensis et G. xylocarpae pariter tur- 
gida sunt, pulpa tamen in parenchyma siccum durum 
mutata. Unica igitur difi'erentia iliaque non absoluta 
manet spinarum defectus. 



— 451 ~ 

a. Legumina plana pulposa indehiscentia. 

1. GleditscMa caspica Desf. Hist. d. arbr. II, 247. 
Spinis validis ramosis, rliachi foliisque margiiie juven- 
tute pilosulis, foliis uni- vel 3 — 4-jugo-bipinnatis, fo- 
liolis 6 — 10-jugis majusculis reticulatis obsolete cre- 
imlatis oblique oblongis ovatooblongisve obtusis cum 
mucronulo caduco; inflorescentia brevi continua densa 
floribus fasciculatis subsessilibus , bracteis obsoletis; 
legumine palmari compressoplano toruloso pi. m. fal- 
cato pleiospermo ; seminibus medio legumine dispositis 
illiusque latitudine triplo usque 5-lo ^) minoribus late 
ovalibus duplo — triplo latioribus quam crassis. Le deb. 
Fl. Ross. I, 718. Boiss. Fl. Or. II, 631. 

Circa mare Caspium in australi parte: Talyschprope 
Lenkoran! et Astara!, prov. Ghilan! 

Foliola maxima 2:^/^ poll. Flos 5 mm. longus. Le- 
gumen usque 12:2 poll, magnum, pulpa dulci eduli, 
fide Hob en acker, Enum. Talysch, in Bull. Soc. Mose. 
1838 l2 IV, p. 351. 

2. G, triacanthos L. Cod. 7696. Spinis validis ra- 
mosis, innovationibus pilosulis turn glabratis, foliis unl- 
et 4 — 5-jugo-bipinnatis, foliolis 10 — 12-jugis superne 
glabris elevatoreticulatis pi. m. crenulatis oblique ob- 
longis obtusis cum mucronulo caduco; inflorescentia 
brevi S continua densa floribus fasciculatis, 9 race- 
mosa, floribus omnibus brevipedicellatis ; legumine pe- 
dali compressoplano falcato pleiospermo; seminibus 
secus suturam superiorem dispositis, parte leguminis 



2) Legumina recentia investigare non licuit, semina vero exsicca- 
tione valcle contrahuntur, ita ut nidus seminis ipso semine multo 
major. Sic 3-lo minora evadunt leguminis latitudine si nidum, 5-lo 
autem si semen respicis. 



— 452 — 

seminifera quam vacua aequilata, late ovalibus oblon- 
gisve 2-lo usque 4-lo latioribus quam crassis. Torr, 
and Gray Fl. N. Am. I, 398. A. Gray Man. 145. 
G. ferox Desf. Hist. d. arbr. II, 247. 

America borealis, a Pennsylvania ad Virginiam, Il- 
linois et versus austrum (A. Gray). Vidi e New- York 
(plantatam), Kentucky, Alabama, et cultam. 

Synonymen Desf. hue duxi ex specc. 5 olim a Spach 
datis horti Paris, ob inflorescentiam densam continuam. 
C. Koch Dendrol. I, 10. cum dubio G. cUnensi sub- 
junxit. 

Foliola majora 35 : 12 mm., in bipinnatis usque 
duplo minora. Flos S 4 mm., 2 5 mm. longus. Legu- 
men 260 : 20 — 35 mm., pulpa dulci. 

3. G. japonica Miq. Prol. 242, Spinis validis ramo- 
sis, petiolis rhachi foliisque margine puberulis turn 
glabris, foliis 1-, rarissime 2 — 3-jugo-bipinnatis, folio- 
lis 10-jugis majusculis reticulatis crenulatis oblique 
oblongis obtusis cum v. sine mucronulo minute; inflo- 
rescentia elongata interrupta, floribus ebracteatis bre- 
vissime pedicellatis c? fasciculatis Ç racemosis ; legumine 
spithamaeo compressoplano flexuoso torto bullatoque 
pleiospermo; seminibus medio legumine dispositis 
illius latitudine 3 — 4-lo minoribus late ovalibus pla- 
nis. Franch. Savat. Enum. I, 114, II, 327. 

In Japoniae australiens sylvis montanis: Nippon, 
circa Yokohama, jugo Hakone; Kiusiu alpe Inu-take. 
Japonice: saï-katsi-ibara , pulpa leguminum ad la van- 
dam telam adhibetur. China media: Shanghai (F. B. 
Forbes!) 

Foliola majora 40 : 15^mm., in bipinnatis 13:5 mm. 



— 453 — 

Flos 5 6 mm. longiis. Legumen 35 mm. latum, pulpa 
viridi acida farctum. 

* 1). Legumen lignosum turgidoplanum indehiscens. 

4. G. sinensis Lam. Diet. II, 465. Spinis conicis. 
ramosis robustis, innovatione parce pilosula cito glabra, 
foliis uni-rarius 2 — 3-jiigo-bipinnatis, foliolis 8 — 10- 
jugis majusculis reticulatis crenulatis oblique ovatis v. 
ovatooblongis subattenuatis mucronulatis; inflorescen- 
tia elongata interrupta floribus fasciculatis longiuscule 
pedicellatis ebracteatis; legumine vix palmari recto 
lignoso compresso laevi indéhiscente pleiospermo; se- 
minibus medio legumine dispositis illiusque latitudine 
3 — 4-lo minoribus late ovalibus compressis turgidis. 
Benth. Fl. Hongk. 100. G. macracantJia Desf. Hist, 
d. arbr. II, 247. (ex specc. h. Paris.). 

Chi7ta australi: Hongkong (Hance!, Forbes!), culta 
in India! et passim in Europa! 

Foliola majora 35:15 mm. Flos 3 mm. longus. 
Legumen cum sequente identicum et semina similia, 
sed neutrius matura visa. 

5. G, xylocarpa Hance in Journ. bot. XXH, 366. 
Spinis validis ramosis, rliachi pubescente, petiole foliis- 
que subtus juventute parce pilosulis; foliis uni-rarius 
2-jugo-bipinnatis, foliolis 4- (innovationum usque 6-) 
jugis majusculis reticulatis crenulatis oblique ovato- 
oblongis oblongisve attenuatis mucronatis mucrone 
tum deciduo; racemis elongatis interruptis ebracteatis, 
floribus longe pedicellatis; legumine palmari lignoso 
recto laevi compresso turgido pleiospermo, seminibus 
medio legumine dispositis latitudine ejus vix triple 
minoribus ovoideis parum compressis. G. sinensis^ ge. 



— 454 — 

Enum. Chin. n. 122., nee Lam. Turcz. Enum. Chin, 
n. 64. Gymnocladus Williamsii H ce. 1. c. 

In China boreali: circa Pekin (Bunge!, alii!, Wil- 
liams exHance), v. gr. Pan-shan(Bretschneider!), 
Shang-hai (Bullock ex Hance), prov. Schensi (Pia- 
sezki !). Leguminihus incolae saponis ad instar utuntur. 

Foliola in bipinnatis poUicaria, in simpliciter pin- 
natis usque ultra 3 -pollicaria, plus quam pollicem lata. 
Flos 8 mm. longus. Legumen ad 12 poll, longum, fere 
2 poll, latum. 

Neutram e speciebus Hanceanis hucusque vidi, sed 
descriptio Gymnodadi sub anthesi tantum autori notae 
exactissime in speciem a Bungeo olim pro planta La- 
mar ckii habitam quadrat, nee diagnosis G. ccylocarpae^ 
fructiferae tantum notae, aliter discrepat quam foliolis 
«coriaceis», quae in omnibus hujus generis speciebus 
versus fructus maturitatem multo firmiora, non tarnen 
coriacea fiunt. Si G. xylocarpa H ce. rêvera a nostra 
distincta evaderet, G. sinensis Bge G, Williamsii vo- 
canda esset. 

c. Legumen chartaceoplanum epulposum demum incomplete 

dehiscens. 

6. G. Jieterophylla Bge Enum. Chin. n. 123. Spinis 
acicularibus simplicibus v. basi breve ramosis, pube 
brevi molli sericea, foliis uni- et 2 — 3-jugO'bipinna- 
tis, foliolis superne glabris8 — 10-jugis parvulis laevi- 
bus integerrimis oblique ovalibus oblongisve obtusis; 
inflorescentia brevi interrupta, floribus subsessilibus S 
fasciculatis $ racemosis; legumine oblongo parvulo 
recto 2 — 3-spermo mature chartaceo subdehiscente; 
seminibus orbiculatis planis. Turcz. Enum. Chin. n. 65. 

Ditione Pekinensi non rara (omnes collect.) 



— 455 — 

Foliola in simpliciter pinnatis 20 : 8 mm., in bipin- 
natis 2 — 3-lo minora. Flos 3 mm. longus. Legumen 
55:20 mm., stipes 15 mm., maturitate epicarpium 
membranaceum nigrescit et fragile ab endocarpio tenue 
pergameneo ochroleuco hinc inde secedit. 

7. G. moyiosperma^ di\i. Fl. Carol. 254. Torr, and 
Gray Fl. N. Am. I, 398. Gray, Manual 145. G.tri- 
acanthos [3. (1-sperma) L. Cod. 7696. G.inermis Mill. 
Diet. (1759). C. Koch Dendrol. I, 9. 

America boreali: paludibus Illinois et versus meri- 
diem (autt. amer.), v. gr. Florida! 

Vidi tantum fructu nondum mature. Speciem in- 
signem amplius describere inutile puto. Legumen late 
ovale chartaceoplanum stipite duplo longius. 



Cassia glauca Lam. Diet. I, 647. DC. Prodr, II, 
495. Var. suffruticosa Koenig. Baker in Hook. f. 
Fl. Brit. Ind. II, 265. C. suffruticosa Roth, Nov. sp. 
213. DC. Prodr. II, 496. 

Liukiu (Tashiro); China: Futschau, culta (Dr. 
Augustinowicz). Sponte per Indiam orient, utram- 
que, archip. Malaicum, Polynesiam et Australiam tro- 
picam. 

Spiraea nipponica. (Sect. Chamaedryon, Ser. 2. Maxim. 
inActa h.Petrop. VI, 185). Glaberrima, ramis angula- 
tis, foliis subtus glaucis tenue 3 — 4-costatis reticula- 
tisque laevibus, innovationum . . . , ramulorum fertilium 
crebris orbiculatoobovatis v. late ellipticis obtusissimis 
integris v. apice tricrenatis; corymbis racemosis multi- 
floris ramulos foliates novellos numerosos terminanti- 
bus; petalis albis truncatoorbiculatis stamina circiter 



— 456 — 

20 subsuperantibus; folliculis vix exsertis parallelis 
apice reflexo stylo terminali coronatis; calycis fructiferi 
laciniis deltoideis erectis. S, media var. rotundifolia 
G. Nicholson in Gard, chron. 1885, 283, fig. 56. 

Nippon: Fudsi-yama, Niko, Shishibu (fl. et frf. mis. 
Tanaka et Yatabe). Japonice: Marubana iwagasa, 
kobano iwagasa, iwa shimotsuke. — Introducta in hor- 
tos europaeos a Siebold, fide Nicholson, sed- pi. 
cultam nondum vidi. 

Proxima 8. mongolicae m. in Mel. biol. XI, 216., 
quae diifert foliis subtriplinerviis angustioribus flori- 
busque minoribus, staminibus petala rotundata supe- 
rantibus, carpellis intus villosis stylo subinfraapicali. 
A S. media Schmidt longius distat staminibus brevi- 
bus, foliorum forma, folliculis vix e calyce erecto ex- 
sertis, neque calycem reflexum plus duplo superantibus. 

Specc.praesto sunt spithamaea, intervallis pollicari- 
bus ramulis fertilibus patentibus 2 — 3-pollicaribus 
obsessa. Folia in quodam ramulo 8 — 10, saepius 
intégra, petiolo 2 — 3 mm., lamina infimorum minorum 
8 : 6 mm., reliquorum 12:10 ad 16:12 mm. magna. 
Corymbi ipsa basi et interdum in pedicello infimo 
monophylli, rhachi Yg — 1-pollicari, pedicellis florem 
duplo V. in summis parum superantibus. Flos diam. 
8 mm., calyx fere 4 mm. Carpella matura 3 mm. et 
ultra longa, stylo demum deciduo parum breviora. 
Semina 2 — 2,5 mm. longa breve appendiculata, nucleo 
tereti linearioblongo 2 mm. usque longo, 0,3 mm. 
lato, testa arete appressa laevi. 

Saxifraga lycoctonifolia. {Sect, IsomeriaT orr. et Gray) 
glandulosopubescens, foliis pedatinerviis cordatoreni- 



— 457 — 

formibus supra glabris raclicalibus et inferioribus 
7- superioribus 5-lobis, lobis trilobulatis arguteque 
incisis et raucronatoserratis; paniculae laxae elongatae 
pedunculis 3 — 5-floris, pedicellis calyce brevioribus, 
calycis dentibus ovatis obtusiusculis sub anthesi tubo 
brevioribus petalisque oblongospathulatis exunguicu- 
latis erectis, starainibus 5 calyce brevioribus episepalis, 
ovario ad Vg adnato, stylis conicis subparallelis, semi- 
nib us . . . 

Nip2)on: prov. Senano alpe Komaga-take , 2 Aug. 
82 flor. mis. Yatabe s. nom. japonico Arashi gusa. 

Simillima S. aconitifolia Field, et Gardn. Sert, 
plant, t. 57 (quam ex Alleghany montibus a Gray et 
Sullivant, e montibus Carolinae a Buckley lectam 
vidi) diifert foliis rotundatis profundius lobatis paucius 
serratis, cymae ramis magis multifloris indeque mani- 
festius secundis, calycis limbo quam tubus breviore 
dentibus acuminato-deltoideis tubum sub anthesi ae- 
quantibus, petalis obovatis brevissime unguiculatis 
calycis limbo duplo longioribus. S. elata Nutt., a me 
non visa, diversa foliis rotundatis, laciniis calycinis 
acute lanceolatis, petalis (cuneatooblongis) calycem 
duplo superantibus. Gerte tamen hae très arete inter se 
affines, etsi americanae ad Boykiniam amandatae fuerint. 

Bipedalis. Folia radicalia majora petiolo spithamaeo 
lamina 9 cm. lata, 6 cm. longa. Stolones innovantes 
horizontales dense fuscohirsuti, internodiis longiusculis, 
quam in S, aconitifolia duplo crassiores. Flos viridis 
diam. 5 mm. Calyx imbricatus (ergo non Boykiniae). 
Stamina rarius 6, uno enim epipetalo. Placentae sub 
anthesi tenues, neque crassae ut apud Fielding et 
Gardner delineatae. 

Melangüs biologiques. XII. Ö8 



— 458 — 

Hydrangea sikokiana. Ramis ramulisque glabris, co- 
rymbo piano foliisque subtus pallidioribiis pubescen- 
tibus, his suboctocostatis late ellipticis ovatisve serratis 
versus apicem bi— sex-lobulatis lobulis late deltoideis 
subito cuspidatis; inflorescentiae laxiusculae plaiiae 
pedicellis florem superantibus ; calycis margine trun- 
cato, petalis acutis ellipticis duplo longioribus, stami- 
nibus longe exsertis, stylis 2 crassis, ovario infero; 
floribus sterilibus paucis sepalis 5 inaequalibus rotun- 
datis. 

Nippon australi: prov. Kii (ex adverse insulae 
Sikoku); japonice O-ai^isai i. e. Hydrangea magna. 
(Tanaka fl. et subdefl.). 

Huic valde affinis H, quercifoUa Bartr. bene di- 
stincta videtur ramis et rhachi rufoaracbnoideotomen- 
tosis, corymbo oblonge, foliisS — 6-costatiscostis valde 
inaequalibus (inferioribus validioribus et longioribus), 
lobis majoribus numerosioribus saepe jam a basi lami- 
nae incipientibus, calyce distincte obtuse dentate. 

Ex nomine japonico frutex v. arbuscula magna 
videtur, sed spec. 1 missum descriptionem completam 
non admittit. In ramulo ante oculos pars innovata 
foliifera 4 cm. longa, cum foliorum paribus 3 magni- 
tudine cito decrescentibus: petiolis 65 — 20 mm., 
laminis 11:9 cm. ad 65 : 45 mm. Folia adulta superne 
pilis appressis sat crebris adspersa. Pedunculus com- 
munis 3 cm. longus. Corymbus fere 8 cm. latus, radiis 
inferioribus 4 cm., tum post intervallum 2 cm. radiis 
4 approximatis 2 cm, longis cum terminali aequilongo, 
omnibus in radiolos parum breviores divises, qui pedi- 
cellos ferunt. Alabastra 3—4 mm. alta. Flos sterilis 
abortu 1 longius pedicellatus parvus (diam. 11 mm.). 



— 459 — 

Ilea chinensis Hook. Arn. Bot. Beech. 89, t. 39. 
Benth. Fl. Hongk. 129. Hook. f. Fl. Brit. Ind. H, 
408. 

Liukiu: ins. Osima (Tashiro!); China australi 
(Bentham): Hongkong (Hance!), Formosa (Oldh.! 
n. 108). 

Var. suhserrata: foliis pi. ra. pauciserratis serra- 
turis spinosomiicronatis. 

Xiiisiu: prov. Satsuma circa Kagosima; LiuJciii: ins. 
Osima (Tashiro); Formosa (Oldh.! n. 109). 

Drosera indica L. Cod. 2232. Hook. f. Fl. Brit. 
Ind. II, 424. 

Nippon: prov. Kadzusa (mis. Yatabe sub nom. 
Nagaba ishimotschiso); prov. Owari ad Okkawa, Tshita- 
gori (I to Tokutaro misit); China australis; India 
orient, a Ceylona per Deccan usque ad Chota Nagpur, 
India trans Gangem, Australia tropica, Africa. 

Bruguiera gymnorJiimhdim. 111. t. 397. Engl. Bot. 
Jahrb. VI, 63. Hook. f. Fl. Brit. Ind. II, 437. 

Liukiu: in maritimis Osima et Okinawa, initio Aprilis 
fl., Julio fr. immat. (Tashiro!, ex quo japonice Ohirugi, 
cortice utuntur ad rubrum tingenda retia piscatorum, 
lintea cet.). Late distributa per sylvas maritimas tro- 
picas orbis vetusti. 

Terminalia Catappa L. Cod. 7625. Hook. f. Fl. Brit. 
Ind. II, 444. Hook. Arn. Bot. Beech. 263. 

Bonin-sima (Wright!, Yatabe! sub nom. japonico 
Kurumi). Sponte in Malacca^ culta ubique in tropicis 
provenit. 

Syzygium buxifolium Hook. Arn. Bot. Beech. 187, 
Benth. Fl. Hongk. 118. 



— 460 — 

Japonia maxime australi: ins. Tanega sima (Tashiro!, 
ex quo japonice Adéku), Liukiu ins. Osima (Doeder- 
lein! steril.), Bonin-sima (Wright!. Yatabe!); China 
australi (Hooker et Arnott): Hongkong (Wright!), 
Futschau, montib. graniticis 1300 ped. s. m. seciis 
fl. Min (Augustinowicz), Amoy (Fortune! A. 93). 

Lagerstroemia subcostata Koehne in Engl. Jahrb. 
IV, 20. a. hirtella Koehne 1. c. 21. 

Liukiu: ins. Osima, in montibus, arbor magna, peta- 
lis albis et roseis,japoniceAkabura (Tashiro! fructif.); 
Formosa (Oldham!). 

Pyxipoma polyandrum Fzl. in Ann. Wien. Mus. H, 
293. Miq. Fl. Ned. Ind. I, 1060. Trianthema 
polyandrum Bl. Bijdr. 1137. DC. Prodr. Ill, 352. 

Liukiu, inmaritimis, Majo fl. fr. immat. (Tashiro!); 
China: prov. Cantoniensi (Han ce!), tum in ins. Mo- 
luccanis (Fenzl), Java (Mi quel), Timor (Dec ai s ne). 

Hydrocotyle L. 

Species sinicojaponicae. 

Mericarpia jugis primariis et secundariis 
evolutis. Planta majuscula ex omnibus nodis 
radicans et folia pedunculosque floriferos 

emittens ... H. asiatica L. 

Mericarpia jugis secundariis baud perspi- 
cuis. 2. 

2. Caulis Primarius ex omnibus nodis radicans 

et folia pedunculosque floriferos proférons. H. rotundifoUa Roxb. 
Caulis Primarius radicans ex axillis ramos 
foliates floriferos gignit. 3. 

3. Macrophylla, umbellae apice ramorum ag- 

gregatae multiflorae petiole multo breviores. H. javanica Thunb. 
Microphyllae, umbellae sparsae. 4. 

4. Foliorum sinus apertus H. Wilfordi m. 

» » imbricatoclausus H. ramiflora m. 



— 461 — 

a. Cauliflorae. 

1. U. asiatica L. Cod. 1903. DC. Prodr. IV, 62. 
Benth. Fl. Hongk: 134. Thunb. Fl. Jap. 116. Miq. 
Prol. 243. Franch. Sa v. Enum. I, 178. Oo tshidome, 
Soo bokf IV, 63. 

Japonia (Langsdorff!), ubique in australioribus 
frequens: Nagasaki (Old h.!, ipse), Yokoska (Savat.!), 
Yokohama (ipse), Nambu (Tschonoski!); Liukiu et 
^oniW'Sma(exBentham); China: Hongkong (Benth.), 
Formosa (01 dh.! n. 141) et ubique in tropicis et usque 
in Tasmaniam, Caput honae spei cet. 

Var.crispata: foliorum margine luxuriante crispato 
et irregulariter inciso in lobulos obtriangulos v. rhom- 
beos acute dentatos. 

In hortis Tokio rarius culta (ipse). 

2. H, rotundifoUa Roxb. Hort. Bengal. 21. Fl. Ind. 
II, 38. DC. Prodr. IV, 64. Hook. f. Fl. Brit. Ind. 
II, 668. H. nitidula A. Rich. Monogr. n. 35. fig. 33. 
DC. 1. c. 66. Miq. Prol. 243. E. sihthorpioides Lam. 
Diet. Ill, 153. Franch. Sav. Enum. 1, 178. TsUdome 
giisa. Soo bokf. IV, 62. 

Japonia australiore: Nagasaki (Oldh.! n. 292), 
Naga-yamainKiusiu, Hakone (ipse), Yokoska (Sava- 
tier! n. 482), Yokohama (ipse), Tokio (Tanaka!); 
China: Formosa (Oldh.! n. 139). Tum viài e Bengalia, 
Himalaya (Silhet, Darjeeling), Nilagiri, Ceylona, Au- 
stralia. 

Specc. japonica culta v. locis apertis frequentatis 
orta folia majora ad apicem petioli saepeque ad laminam 
pilosa habent, individua sylvestria locis desertis enata 
microphylla glabra foliis profundius divisis lobis tri- 



— 462 — 

dentatis gaudent; quae posteriora veram sistimt 
H. nitidulam Rich, et Hook. Exot. fl. t. 29. 

Inter plantam umbella petiole aequilonga et umbella 
subsessili (H. tenellam Don, Prodr. Nepal. 183, DC. 
1. c. 64), inter folia majora et minora obsolete lobata 
et fere partita tanti status intermedii, ut limites vix 
ulli stabiliendi sint. Ita et H. siUhorpioides Lam. non 
differre videtur et jam a Bentham (Fl. Austr. Ill, 
340, in adnot. ad H. liirtam) conjungitur. 

H. Batrachium Han ce in Ann. sc. nat. 4 ser. XVIII, 
220, quam eCÄmaCWhampoa, ab ipso Hanceo datam, 
Formosa, Oldh.! n. 140, et inter Sieberi fl. mixt., 
verosimiliter ex Australia^ vidi) cum planta japonica 
sylvestri aequo microphylla, formam sistit foliis ad 
basin partitis et apice petioli pilosis. 

b. Ramiflorae. 

3. H. javanicaThunh. Diss. 2, 415. t. 3. Hook. f. 
1. c. 667. DC. I.e. 67. Hance in Journ. bot. XXI, 
321. H. nepalensis Hook. Exot. fl. t. 30. Miq. Cat. 
mus. Lugd. bat. 40. Fr. Sav. En. I, 178. H. poly- 
cephala Wight, Prodr. 366. 

Japonia australis: Nagasaki, Naga-yama (ipse); 
CÄma australi : prov. Canton (Fab er ex Hance). Prae- 
terea vidi ex Assam, Nipal, Khasia, Sikkim, Kashmir, 
Decan, Ceylon et occurrit in archip. Malaico, Philip- 
pinis, Australia et Africa (Mozambique). 

Vera H, javanica foliorum lobos habet longiores acu- 
tos, nostra ad H. nepalensem pertinens breviores obtu- 
ses, sed posteriores in priores insensibiliter transeunt 
et in pi. nostra flores submasculi nulli inveniuntur, 
ita ut recte utraque in fl. Indica rejungatur. 



— 463 — 

4. H. Wilfordî. Ad apicem petioli et laminara subtus 
parcissirae setosa ceterum glabra, caule vetusto radi- 
cante aphyllo, ramis axillaribus innovantibus ascen- 
dentibus foliatis et floriferis; foliis opacis reniformi- 
cordatis obsolete 7-lobis lobis obtuse 3-crenatis cre- 
nulatisque, stipulis rotimdatis, pedunculis tiliformibiis 
petiolos saepe triplo superantibus, urabella multiflora 
subcapitata, fructibus compressis laevibus utrinque 
costatis. 

Nippon, circa Yokohama, et Ye^o, circa Hakodate, 
ubique in humidis vulgaris, caespites laxos elatiores 
formans, initio Julii fl. c. fr. (ipse), sine loco speciali 
sub nom. Yama tsliidome (Tanaka!); Korea: portu 
Chusan (Wilfordî). 

Modus cresceudi H, javanicae Thunb., H. ameri- 
canae L., H. densiflorae DC, H. geranioidis Rich., 
i. e. innovationes erectae v. ascendentes foliatae flori- 
ferae non repunt, nisi peracta fructificatione decum- 
bunt, tum radicantes fiunt et anno sequente ex nodis 
iterum innovant. Primo tantum aspectu H. sihthor- 
pioidem Lam., Rich. Mon. n. 31. fig. 8. in mentem 
vocat, nam haec pertinet ad seriem modo Crescendi di- 
versissimam^ ubi axis primaria reptans foliata et flo- 
rens est, et ad quam praeterea v. gr. ducendae H. ro- 
timdifolia L,, H. interriipta Mx., H. conferta Wt., H. 
leptostachy a Ui eh., H.mexicanaCh. Schl., H.Langs- 
dorffii DC, H. rununciiloides L. f., H, spicata Lam., 
H, vulgaris h., H. asiatica L. 

5. H. ramiflora. Glabra opaca, cauliculis vetustis 
radicantibus subaphyllis, hornotinis ramisque foliatis 
floriferis ascendentibus, foliis ob sinum imbricatoclau- 



— 464 — 

sum quasi peltatoorbiculatis obtusissime subseptemlo- 
bis quovis lobo obtuse tricrenato, stipulis amplis late 
ovatis fuscomembranaceis, pedunculis folia superanti- 
bus, umbella capitata multiflora, fructibus compressis 
marginatis laevibus utrinqne bicostatis. 

Yezo\ circa Hakodate in humidis vulgaris, floribus 
viridulis, init. Julii fl. c. fr. (ipse). 

Praecedenti simillima, sed foliis statim distinguenda. 

Adnot. ZT. vulgaris Thunb. Fl. Jap. 116. H. inter- 
rupta Sieb. Zucc. Fl. Jap. fam. nat. n. 422. Miq. 
Prol. 243. Fr. Sav. En. I, 177., ex Thunbergio in 
Japonia «hinc inde» crescens, igitur planta non rara 
declarata, a nomine post Thunbergium reinventa, 
botanicis indigenis pariter ignota, et in herbario 
Thunb ergii Upsaliae servato deficiens, e flora Japo- 
nica excludenda videtur. Quum species permultae a 
Thunbergio in Japonia indicatae in herbario ejus 
quoque desiderentur, Thunberg plantas quas pro 
vulgaribus habebat omnino non collegisse, sed tantum 
enumerasse, alias ex confusione schedularum vel lapsu 
memoriae perperam ut in Japonia crescentes indicasse 
videtur. Ita et H, vulgarem fortasse capensem tantum 
legerat. Veram H. vulgarem in Japonia provenire non 
verosimile, nam in Europa crescit a Lusitania et Sue- 
cid australi ad Hungariam, tum in Asia circa lacum 
Caspium in ditione Talysch et in Gapite honae spei in- 
venta est, stirps americana autem a botanicis loci nunc 
pro specie diversa enuntiatur. 

Species dubia. 

Qmd^ Hydrocotylechinensish. Cod. 1904. eaChina», 
a DC. Prodr. IV, 71. cum ? ad CranUiam lineatam 



— 465 — 

Nutt. ducta, praeeuiite Sprengel in Schult. Syst. 
VI, 355, de qua identitate tarnen Schultes in observ. 
annexa dubitare videtur. 



Sanicula satsumana. Foliis radicalibus trisectis, seg- 
mentais latissime rhombeis basi cuneata in petiolulum 
subito attenuatis obtuse serratis cum mucrone brevi 
serraturis imposito, terrainali longius petiolulato antice 
tri-, lateralibus valde obliquis 2 — 3-lobis lobis omni- 
bus obtusis; caulibus scapiformibus folia vix v. non 
superantibus; umbella 3 — 5-radiata foliis 3 — 5 oblon- 
gis raucronatis brevibus integris v. rarissime trilobis 
involucrata, radiis umbellulas 1 — 3 gerentibus, um- 
bellula centro florem femineum 1 sessilem, circumcirca 
flores masculos 3 — 5 pedicellatos ferente, floris raas- 
culi dentibus calycinis acutissime subulatis petala re- 
tusa superantibus, tubo calycis fertilis aculeis uncinatis 
tecto. 

Kiusiu: prov. Satsuma, in ipsa urbe Kago-sima, sub 
arboribus, Octobri 83 fl. legit Tashiro. 

Affinis S. lamelligerae Hce et S, tuber culatae m., 
ab utraque abunde diversa, a priore segmentis folii 
obtusis, umbellae radiis plus quam 2, involucri foliolis 
pluribus, fructu aculeato, neque parallele alulato; 
posterior magis distat foliis palmatipartitis, caule folia 
duplo superante sub umbella solitaria foliato, floribus 
fertilibus 3 — 5, fructu tuberculato aliisque signis. 

Perennis, radice fibrosa. Petioli 3 — 5 cm. Seg- 
mentum terminale 10 — 14 mm. latum et longum, pe- 
tiolulo 2 mm., lateralia 10 — 12 mm. longa et lata, 
petiolulis 1,5 mm. Radii 2 mm. longi radiolos sub- 
aequantes. 

Melanges biologiques. XII. ^^ 



— 466 — 

Carum hol opetalum. Perenne elatum glabrum, caule 
fistuloso striato ramoso, petiolis vaginalis vaginis ample- 
xicaulibus linearibus apice rotundatoauriculatis, foliis 
circuitu deltoideis biternatisectis, segmentis primariis 
mediisque secundariis petiolulatis, ultimis ovatis 2— 3- 
fidis et inciso-grandiserratis dentibus lanceolatis acutis 
apiculatisque, foliis summis 3-sectis; umbellis pliirira- 
diatis, involucris involucellisque oligophyllis phyllis 
subulatis ; calycis dentibus acute deltoideis persisten- 
tibus, petalis unguiculatis obovatis integris cum acu- 
mine brevi inflexo quam stamina brevioribus, stylopo- 
dio depresso; fructu ovalielliptico a latere compresse 
jugis anguste subalatis, valleculis 1-vittatis, commis- 
sura minute 2-vittata, carpophore bipartite. Ibuki 0eri, 
Soo bokf. V, 26. 

Nippon media: prov. Iwashiro monte Side-san, 13 
Aug. 79 fl. c. fr. fere mature (misit Y a tab e). 

A Caro differt quidem petalis non emarginatis et 
habitu potins Pimpinellam referente, sed ob vittas 
solitarias priori generi adjunxi. A cl. Bâillon (Hist, 
d. pi. VII, 118) jam Pimpinella cum Caro juncta est, 
verosimiliter recte. Quo magis tamen Umbelliferarum 
genera reducuntur, eo difficilior fit eorum distinctio: 
characteres diagnostici, post Benthamii revisionem 
saepe jam valde vagi, inopere Bailloni omnino desunt. 
Quotidie tamen formae inveniuntur inter quaedam 
genera hucusque sat bene distincta vacillantes eorum- 
quejunctionem suadentes. ItaBaillonium si sequimur 
mox tota familia e paucissimis iisque vastissimis nuUo- 
que limite circumscriptis generibus composita erit, nisi 
surget monographus, omnibus votis sane desiderandus, 
totum familiae systema novis principiis reconstruens. 



— 467 — - 

Spec, missura bipedale, radice déficiente. Folium 
inferius seorsim datum petiolo (cujus dimidium vagina) 
6 cm., lamina 17,5:15 cm. Petiolulus terminalis 7 cm., 
laterales 35 mm. Segmenta secundaria lateralia obliqua 
bifida 65 : 35 mm., terminale item 3-sectum segmentis 
petiolulatis: lateralibus sensim in petiolulum brevem 
angustatis et cum illo 95:40 mm. magnis trifidis, 
terrainali petiolulo 2 mm. lamina 90 mm. Foliorum 
superiorum lamina vaginae insidens, summorum ad 
segmenta 3 petiolulata tripartita incisaque reducta. 
Umbellae apice ramorum, numerosae, radiis 8 — 9, 
radiolis 10 — 15 involucella superantibus. Flores parvi 
albi roseo suffusi, diam. 2,5 mm. Calycis dentés in 
fructu conniventes. Antherae subquadratae. Styli sub 
anthesi brevissimi paralleli, in fructu recur vi accreti, 
sed stylopodium non excedentes. Fructus 4,5 mm. 
longus. 

Ortjptotaenia japonica Hassk. Retz. I, 1 1 3 (c. diagn. 
et descr. mediocr.). Foliis trisectis segmentis sessilibus 
incisoserratis indivisis, umbellis paniculatis 2 — 3-ra- 
diatis involucratis, umbellulis 2 — 4-radiolatis involu- 
cellatis, calycis dentibus acutis minimis. C. canadensis 
S. Z. Fl. jap. fam. nat. n. 424. A. Gray, Bot. Jap. 
391. Miq. Prol. 246. Hance in Journ. bot. Ill, 340. 
et 1867, 114. Fr. Sav. Enum.1, 182. Sison canadense 
Thunb. FL jap. 118. 

Per totam Japoniam frequens, nee non in Chinae 
pro v. Canton (ex Hance). 

Signis datis semper tute distinguitur a sequent e, 
cujus diagnosis erit: 

G. canadensis DC. Foliis trisectis segmentis saltern 



-j^ 



— 468 — 

inferiorum petiolulatis bi-trifidis et incisoserratis, um- 
bellis 3 — 5 -radialis radiolatisque , involucro nullo, 
involucellis setaceis, calyce obsoleto. 

Osmorhiza Raf. 

Carpellis caudatis optime distinctum genus a Myr- 
rhide, quocum a Bâillon jungitur in Hist. d. pi. VII, 
233. —Species § 1. apud DC. Prodr. IV, 232 (invo- 
lucris 3 — 5-phyllis) sequenti modo commode cognos- 
cendae: 

Folia bis trisecta. 2. 
» trisecta segmentis pinnatisectis. 4. 

2. Cauda mericarpio 6-I0 brevior 0. hrachypoda Torr. 

» » 2-lo brevior. 3. 

3. Fructus pedicello breviores, segmenta fo- 
liorum subito acuminata 3-partita serrata- 

que, styli continui breves 0. laxa Eoyle. 

Fructus pedicellos superantes, segmenta 
sensim acuminata tripartita et incisoserrata, 
styli patuli longiusculi 0. longistylis DC. 

4. Caudae mericarpio duplo breviores, fructus 
a pedicello distincti basi soluti, segmenta 
foliorum bijugopinnatisecta. 5. 

Cauda mericarpio subaequilonga, fructus 
a pedicello indistincti vulgo apice soluti, 
segmenta 3 — 4-jugo-pinnatisecta pinnati- 
partitaque acuminata , styli breviusculi, 
pedicelli fructum superantes 0. amurensis F. Schm, 

5. Pedicelli fructum superantes, segmenta fo- 
liorum obtusa V. acuta apice pinnatifida par- 

titave 0. japoniea S. Z. 

Pedicelli fructu breviores, segmenta folio- 
rum acuminata apice pinnatiloba-fidave ... 0. hrevistylis DC. 

Ex his in Asia orientali duae crescunt: 

1. 0, amurensis F. Schmidt in Maxim. FL Amur. 
129. Fl. Sachal. n. 194. 

In Mandshuria orientali montana sylvatica a Dshare 



— 469 — 

ad Amur il. secus jugum Sihota usque ad fontes fl. 
Wai-Fudin affl. aestuarii St. Olgae; ins. Sachalin. 

Planta americana, ab auctore (in fl. Sachal.) cum 
hac comparata, erat 0. nuda Torr., planta yezoënsis 
vero 0. japonica S. Z. Cum hac ultima habitum com- 
munem habet, sed folia magis divisa et fructus diversi. 

2. 0. japonica S. Z. Fl. jap. fam. nat. n. 431. Fr. 
Sav. Enum. I, 183. 0. longistijlis A. Gray Bot. Jap. 
391. Miq. Prol. 252. Chaeropliyllum aristatum 
Thunb.! Fl. jap. 119. 

Sylvis montanis per totam Japoniam; in Tsusima 
legit Wilford! 

Habitus 0. hrevistijlis DC. Segmenta foliorum infi- 
morum saepius rotundata sunt, superiorum acuta. 

Selinum longeradiatum. Pedale radice fusiformi, vaginis 
amplis dilatatis apice biauriculatis summis subaphyllis; 
foliis inferioribus trisectis circuitu deltoideis segmentis 
bipinnatisectis ultimis 3 — 5-partitis lacinulis lineariob- 
longis attenuatoacutis membranaceis transverse venu- 
losis; caule ramoso tereti; umbellae amplae subexin- 
volucratae radiis hinc puberulis umbellulas multiinvo- 
lucellatas 5-lo superantibus; calycis dentibus minutis 
acutis, petalis non emarginatis, mericarpiis late ovalibus 
jugis obtusis lateralibus alatis duplo latioribus, valle- 
culis 1-, commissura 2-vittatis. 

Kiusiu interiore monte Naga, cacumine gramine 
brevi obtecto, init. Octob. fr. fere mat. (ipse). 

Huic proximum S. Tilingia m. (Tilingia ajanensis 
Rgl. Fl. Ajan. n. 132 in Japoniae ditione Nambu a 
Tschonoski lecta) differ t vaginis exauriculatis, foliis 
minus divisis venulis transversis obscuris, lacinulis 



— 470 — 

ovatis V. obloiigis, umbellae minoris radiis umbellulas 
triplo superantibus, petalis emarginatis, mericarpiis 
multivittatis. 

Angelica multîsecta. Bi-quadripedalis ramosa, caule 
fistuloso striato superne cum vaginis umbellaque pube- 
rulo, vaginis dilatatis oblongis apice auriculato-obcor- 
datis omnibus foliiferis, foliis arabitu deltoideis infimis 
breve petiolatis reliquis sessilibus, inferioribus 4 — 
5-nato ternatisectis summis diminutis trisectis, seg- 
mentis ultimis ovatis lanceolatisve acutis basi breve 
cuneatis bi-trifidis incisoserratisque dentibus acutius- 
culis; umbellis longe exsertis centrali fertili lateralibus 
masculisexinvolucratis inaequaliter multiradiatis, invo- 
lucellis oligophyllis, umbellulis multiradiolatis; calycis 
limbo obsolete, petalis albis quam stamina brevioribus 
obovatis emarginatis cum lacinula acuminata brevi in- 
flexa, disco pulvinato, stylis elongatis recurvis, ovario 
fructuque parce puberulis, fructu ovato a dorso com- 
presse jugis alisque obtusis crassiusculis , valleculis 
1- commissura 2 — 4-vittata. 

Nippon: alpibus Fudsi-yama (ipse, Tsclionoski), 
Hakusan ad rivulos, et Ontake (mis. Yatabe). 

A congeneribus facile distinguenda foliis latissimis 
multisectis foliolis numerosissimis parvulis et vaginis 
omnibus foliiferis. 

Radix carnosa fusiformis ramosa intus passim cava 
atque septata. Caulis crassitie pennae cygneae. Folia 
infima sesquipedalia, petioluli omnes segmente sue bre- 
viores, segmenta inferiorum ultima 1 — V/^ pollicaria. 
Umbella centralis diam. semipedalis a ramis floriferis 
superata. Petala intus minutissime puberula. Fructus 



— 471 — 

vix 4 mm. longus, alis quam in reliquis Angelicis sub- 
angustioribus. 

Angelica koreana. (Sect. Ostericum Maxim, in Mel. 
biol. IX, 249). Caule striato farcto sub umbella sca- 
bropuberulo ceterum glabro; foliis membranaceis infe- 
rioribus tri- reliquis bi-ternatisectis petiolulis patulis, 
summis minutissimis in apice vaginae linearilanceolatae 
non inflatae, segmentis ultimis ovatis acutis subtrilobis 
incisoserratisque dentibus acutiusculis; umbellis 12 — 
20-radiatis, involucro oligo- involucellis pleiophyllis 
phyllis elongatis subulatis, radiis striatosulcatis hinc 
scabropuberulis, umbellulae multiflorae radiolis intirais 
brevioribus; dentibus calycinis deltoideis persistentibus, 
petalis albis brevissime unguiculatis orbiculatis emar- 
ginatis cum lacinula brevi obtusa denticulata; fructu 
subquadrato jugis dorsalibus angustissime lateralibus 
late alatis ala disco fere 2-lo angustiore, valleculis 
1- commissura 2-vittata. 

Ad Zoreae limites: locis lapidosis circa sinumPossiet 
sat frequens in pratis fruticetisque, med. Augusto flor., 
fine Septbris fructif. (ipse). 

A, polymorpha m., proxime af finis, differt vaginis 
lanceolatis inflatis, foliis tenuius membranaceis petiola- 
tis subrefractis bipinnatisectis , involucro submono- 
pbyllo, petalis obovatis, ala disco latiore; sed magni- 
tudo partium fere eadem. 

Peucedanum multivittatum. Pedale ad sesquipedale, parce 
ad petiolulorum apicem foliaque subtus pubescens, va- 
ginis foliorum inferiorum oblongis, superiorum ovatis 
V. rotundatis, omnibus membranaceis apice cucullato 
obtuse lateque auriculatis; catile striato fistuloso vix 



— 472 — 

ramoso 2 — 3-phyllo, foliis nervosis radicalibus longe 
petiolatis bis trisectis ambitu deltoideis, segmentis 
primariis petiolulatis, secundariis subsessilibus v. ses- 
silibus, omnibus ovatis acutis v. rarius rotundatis ob- 
tiisis in lobulos 2 — 3 incisis serratisque dentibus ova- 
tis apiculatis, caulinis superioribus vaginae insidenti- 
bus segmentis acuminatisangustioribus; umbella7 — 8- 
radiata radiis radiolisque inaequalibus intus fuscohispi- 
dulis, involucro nullo, involucellis nullis v. oligophyllis 
phyllis lanceolatolinearibus acuminatis; calycis denti- 
bus ovatooblongis obtusis persistentibus, petalis stami- 
na superantibus rotundatis brevissime unguiculatis pro- 
funde emarginatis cum lacinula emarginata involuta, 
disco depresso crenato, stylis brevibus patulis; fructu 
elliptico alato jugis dorsalibus nerviformibus, vittis 
tenuissimis passim ramosis numerosis sub valleculis 
jugis et ad commissuram, carpophoro bipartibili. 

Nippon media (Tschonoski,fl.) occasum spectante: 
prov. Kaga, alpe Haku-san, 8 August. 82 fl. c. fr. 
lectum mis. Yatabe. 

Species sui juris, habitu potius Pimpinellarum japo- 
nicarum, petalis et fructu convexo Peucedani, vittis 
numerosis Ferulae. 

Vaginae viridifuscae. Folia opaca nervis subtus pro- 
minulis, radicalia spithamaea, lamina 9 cm. lata, 7 cm. 
longa, caulinorum inferiorum 7 cm. longa, 6 cm. lata. 
Fructus 6,5 mm. longus, ala crassiuscula dimidium 
nucleum lata. Vittae tenuissimae, at distinctae, epi- 
carpio tenui extus bene visibiles. 

P. decursivum. Angelica d. Franch. Savat. Enum. 
I, 187. Porphyroscias d, Miq. Prol. 250. 



— 473 — 

Tota Nippon et Kiusiu in pratis et fruticetis fre- 
quens. 

ß. alhiflorum: floribus albis (nee atropurpureis). 

In Kiusiu interioris alpibus. 

Ob fructus marginem simplicem et alas duriores non 
est Angelica, sed Peucedanum; conf. Baill. Hist. d.pl. 
VII, 100, adnot. 5. Foliis et fructu breviore a P.lati- 
folio DC, oui ob habitum et characteres proximum, 

differt. 

» 

Ahelia R. Br. 

Synopsis specierum asiaticarum. 
Pedunculi laterales, ex axillis summis ramo- 
rum singuli vel in corymbum pluriflorum fo- 
liatura V. subaphyllum approxiraati, apice v. 
medio pedicellique apice bracteati. 2. 
Pedunculi terminales in apice ramulorum bre- 
vium lateralium v. terminalium biflori ebrac- 
teati, pedicelli apice bracteolati. 6. 
Pedunculus elongatus biflorus in bifurcatione 
ramorum A. adenotricha Hoe. 

2. Bracteae bracteolaeque foliaceae elongatae. 3. 
Bracteolae saltern ovatae minutae. Pedunculi 
et pedicelli evoluti. 4. 

3. Infloresceutia corollaque longe pilosa, folia 
acuminata lanceolata, calycis laciniae 5 subu- 

latae bracteolis vix longiores A. triflora R. Br. 

Infloresceutia breviter dense villosa, folia 
lanceolata, calycis laciniae 4 ellipticae, tubus 
bracteolis ellipticis brevior ^l.cor^/wbosaRgl.Schmalh. 

4. Inflorescentia foliata. 5. 

» aphylla multiflora (foliis flora- 
libus enim minutis bracteiformibus), calycis 
laciniae 5 spatliulatae corolla duplo saltern 
breviores, genitalia exserta A. chinensis R. Br. 

5. Bracteae bracteolaeque minutae deltoideae . . A. uniflora R. B r. 

» foliaceae elongatae, bracteolae minu- 
tae, calycis laciniae 5 spathulatae tubo corol- 
lino parum breviores, genitalia e tubo exserta..4. rupestris Li ndl. 

6. Pedunculi biflori tenues floribus sessilibus. 7. 

» biflori nulli floribus pedicellatis. . . A. hiflora T c z. 

7. Calycis laciniae 5 A. spathulata S. Z. 

» laciniae 2 (3—5) A. serrata S. Z. 

Mélangea biologiques. XII. 60 



— 474 — 
a. Pedunculi ex axillis summis laterales nunc corymbosoapproximati. 

1. Ahelia triflora R, Br. in Wall. PI. as. rar. 1, 14, 
t. 15. Frutex erectus elatus ramulis minute puberulis, 
foliis utrinque viridibus sub anthesi membranaceis 
laevibus, in fructu chartaceis sat dense supra impresse 
subtus elevato reticulatis ciliatis lanceolatis acuminatis 
integris (rarissime prope basin liinc v. utrinque 1-den- 
tatis); peduncuiis apice ramulorum in inflorescentiam 
plurifloram densam approximatis brevibus 3-floris, 
bracteis bracteolisque linearilanceolatis foliaceis, fiori- 
bus centrali cujusvis pedunculi sessili 1-, lateralibus 
breve pedicellatis 3-bracteolatis; calycis longe pilosi 
laciniis 5 subulatis corollae pilosae tubo cylindrico pa- 
rum brevioribus, limbo corollae parvo patulo, genitali- 
bus inclusis. DC. Prodr. IV, 339. Wight, 111.11,72, 
t. 12 I.e. Hook. f. et Thorns, in Journ. linn. soc.II, 
174. Lindl. Paxt. Fl. Gard. Ill, 93, t. 91. Brandis, 
For. fl. Brit. Ind. 257. Hook. f. Fl. Brit. Ind. Ill, 9. 

Himalaya temperata: a Kashmir ad Kumaon (ex 
Hook. f.). Yidi specc. ex parte occidentah a Royle, 
valle Chenab (Ellis fl.), Bahar (Duthie frf.), Kumaon 
(Wallich). 

2. A. corymhosaUgl. et Schmalh. in Act. h. Petrop. 
V, 608. Frutex dumosus ramulis numerosis dense ap- 
presse deflexopilosis, foliis aride chartaceis utrinque 
viridibus subtus pilosis sat dense elevatoreticulatis lan- 
ceolatis obtuse breve attenuatis rarius passim incisis; 
peduncuiis apice ramulorum brevium in corymbum 
pluriflorum arete confertis 2 — 3-floris pedicellis sub- 
nullis, bracteis bracteolisque foliaceis lanceolato-ellip- 
ticis his tubum calycinum superantibus; calycis laci- 



— 475 — 

nils 4 ellipticis, corolla utrinque pilosa vix calycem 
superante irifundibuliformi limbo parvo patente, geni- 
talibus inclusis. 

Turkestan: prope Taschkent (Krause), alpibus 
Alexandri (Fetisovv). 

3. A, chinensis R. Br. in Abel, Narrât. App. 377, 
c. tab. Friitex decumbens, ramulis tenuiter pubescen- 
tibus, foliis ciliatis supra pilosulis ovatis acutiusculis, 
inflorescentia multiflora subtricliotoma terminali, pe- 
dunculis bifloris medio minute bibracteatis , floribus 
sessilibuSj calyce basi 3-bracteolato limbi 5-partiti 
laciniis spathulatooblongis, corolla calyce duplo lon- 
giore anguste infundibuliforrai fauce imberbi limbo 
continuo quam tubus 5-lo breviore, genitalibus brevi- 
ter exsertis. DC. Prodr.IV, 339. A. Hanceana Mart, 
apud Hance in Ann. sc. nat. 5 ser. V, 17. ex ipso 
Hance in Journ. bot. XX, 289. 

China: prov. Kiangsi ad lacum Po-yang non procul 
a Kiu-kiang (Abel ex R. Br.), prov. Fokien ad Amoy 
in monte Lam-tai-wu (Hance), prov. Canton ad North 
river (Henry ex Hance in Journ. bot, XVHI, 261). 
Vidi fig. et descript. Brownii. 

4. A.rupestris Lindl. Bot. reg. 1846, t. 8. Frutex 
decumbens, ramulis calycibus corollisque minute pube- 
rulis, foliis utrinque viridibus subtus secus costam parce 
villosis V. glabratis subcoriaceis ovatis acutiusculis ser- 
rulatis serratisve, pedunculis bifloris apice ramorum 
approximatis in inflorescentiam foliatam multifloram pe- 
dicellisque brevissimis, bracteis foliaceis oblongis, brac- 
teolis minutis deltoideis; calycis laciniis 5 obovatooblon- 
gis tubo coroUae infundibuliformi parum brevioribus, 



— 476 — 

corollae limbo patente majusculo, genitalibus exsertis. 
Lindl. et Paxt. Fl. Gard. II, 130, f. 201. 

China: collibus Chamoo in rupibus, 1844 détecta. 
Verosimiliter ex parte Chinae aiistraliori , quia ex 
Lindleyo circa Londinuin hiemem aegre perdurât. 
Vidi cultam. 

5. Ä. uniflora RBr. in Wall. PI. as. rar. I, 15. 
Ramulis calycibus et corollis minute puberulis, foliis 
utrinque viridibus coriaceis subtus ad costam villosis 
ovatis acutis passim serrulatis, pedunculis 1 — 2-floris 
apice ramorum approximatis in inflorescentiam folia- 
tarn pedicellisque brevissimis, bracteis bracteolisque 
minutis deltoideis; calycis laciniis 2 (3) oblongis, co- 
rolla calyce duplo longiore late infundibuliformi fauce 
intus hirsuta, limbo patulo majusculo, staminibus in- 
clusis. Lindl. et Paxt. Fl. Gard. II, 145. fig. 208. 
Belgique hortic. Ill, 338. Lindl. in Bot. reg. 1846. 
sub tab. 8. Bot. mag. t. 4694 (excl. synon. A. ser- 
ratae S. Z.). 

China: prov. Fokien in regione theifera (Reeves 
ex R. Brown, Fortune qui vivam introduxit, ex 
Lindley). Vidi cultam. 

Spec, authenticum R. Browni, cujus adumbratio- 
nem cum corolla decerpta ex herb. Mus. britann. mihi 
liberalissime transmisit cl. F. B. Forbes, florae Si- 
nicae scrutator indefessus, a figura Hookeriana in 
Bot. mag. non parum quidem difi'erre videtur pedun- 
culis 1-floris et corolla duplo minore angustius infun- 
dibuliformi foliisque ovatis v. ellipticis subintegris, sed 
figura citata Lindleyi flores aequo parvos et minus 
late infundibuliformes foliaque vix serrata habet, ita 



— 477 — 

ut medium teneat. Pedunculi ex L in die y o quidem 
1-flori, sed in fig. ejus citata inferiores flores très ab- 
ortives gerere videntur, item ut a Hookero triflori 
passim occurrere describuntur. 

b. Pedunculi semper biflori apice ramulorum terminales. 

6. A. biflora Turcz. Enum. Chin. n. 93 in Bull, 
soc. Mose. X, 2, pag. 152. Subprocumbens, ramulis 
hornotinis appresse reverse pilosis, foliis utrinque ad 
costas margine superneque parce cah^ce saepeque co- 
rolla extus pilosis, foliis membranaceis ovatis lanceo- 
latis imo linearilanceolatis acutiusculis v. acuminatis 
integris v. serraturis paucis grandiserratis subconcolo- 
ribus laevibus; pedunculis bracteisque nullis, pedicellis 
distinctis, bracteolis minutis deltoideis v. rarius elon- 
gatis linearibus tripartitisve tum caducis; calycis laci- 
niis 4 oblongis tubo corollae auguste infundibuliformis 
parum brevioribus, limbo corollae intus pubescente, 
genitalibus inclusis. Maxim. FI. Amur. 472. Franch. 
PI. David. I, 151, tab. 11 (errore triflora signata). 
A, Davidii Hance in Journ. bot. VI, 329, XIII, 131. 

China borealis : in montibus ditionis Pekinensis 
(Kirilow!) ab urbe ad occidentem (Tatarinow!), v. 
gr. Po-hua-shan (Bretschneider!), Siao-wu-tai-shan 
ait. 3600—5000 p. s. mare (Moellendorff!), prope 
Jehol (David!). Mandshuria austroorientali : jugo 
finitimo non procul a Korea (M. Jankowski! fl. 1884), 
ins. Eusski (portu Deans Dundas) silvis montanis sep- 
tentrionem spectantibus sat frequens, usque 5-pedalis 
(ipse frf. 1860). 

Species sat variabilis formas duas bene distinc- 
tas praebere videtur: latifoliam foliis membranaceis 
vulgo fere integris et majoribus (A. hifloram Turcz.) 



■ "•■j^^ -"î*T^ 



— 478 ■— 

et angustifoliam foliis vetustis firmis saepe serratis et 
minoribus (A. Davidii Hance). Sed bracteolarum 
forma valde ladit et alii characteres diagnostic! pari- 
ter desunt. Ita exempla A. Uflorae typicae pekinensis 
bracteolas ovatolanceolatas v. rariiis lineares elongatas 
V. nonnullas deltoideas, mandshuricae semper deltoi- 
deas, Davidianain fig. Francheti tripartitas fructu 
parum breviores, in exemplis communicatis jam deci- 
duas, florentia A. JDavidi lineares rarissime tripartitas 
cum deltoideis intermixtis possident. 

7. A. spathulata Sieb. Zucc. FI. Jap. I, 77, t. 34, 
f. 2. Ramulis glabris, foliis ovatis v. rarius lanceolatis 
acutis V. subito acuminatis integris v. grandiserratis 
superne parce pilosis ciliatis subtus glaucis ad costam 
villosis; pedunculis tenuibus calycis tubo duplo saltem 
brevioribus, floribus 2 sessilibus basibracteolatis, brac- 
teolis minutis deltoideis; calycis limbo 5-partito laciniis 
oblongis linearibusve corolla basi cylindrica tum subito 
infundibuliformi minute pubente plus duplo v. triplo 
brevioribus, genitalibus e tubo exsertis. Miq. Prol. 
157. Franch. Savat. Enum. I, 205. A. serrata A. 
Gray in Perry's Exped. 313 (MeMiquel, cui var. ß). 

Nippon, in sylvis et in montibus, v. gr. Simoda 
(Williams et Morrow, Yolkin!),jugo Hakone (ipse), 
Yokoska (Savatier!, Mose ley!), Kanasawa (ipse). 

8. A. serrata S. Z. 1. c. 76, t. 34. Omnia praoce- 
dentis, excepto calycis limbo bipartito laciniis ovalibus 
V. ellipticis liinc 2-3-lobis-fidisve, corollaque calycis 
limbo duplo longiore. Miq. Prol. 156. Fr. Sav. En. 
I, 205, II, 391. Hance in Journ. bot. XX, 5. 

Kiusiu, in montibus frequens (Sieb old!, Buerger!): 



— 479 — 

Kawara-yaraa non procul a Nagasaki (Sieb old!), Miadzi, 
inter frutices, pi. tripedalis fl. lacteis (ipse), SiJcoku 
(Rein!); China: prov. Hupe et Sz-tchuen (Hance). — 
Japonice haec et praecedens: Tsukubane utsugi i. e. 
Diervilla quadrialoides, vel Ko tsukubane i. e. Qua- 
driala parva. « 

In icone Sieboldi flores quidem paulo minores 
quam in praecedente delineati, at corolla calyce toti- 
dem longior ac in altera, quod equidem in exeraplis 
numerosis non ita invenio. Siebold utramque prorais- 
cue crescere affirmât atque conspecificam habet, mihi 
utraque et geographice sejuncta apparuit et calyx 
Ä. spatliulatae constanter ö-partitus, in A. serrata 
rarissime, vulgo laciniis per 2 vel 3 connatis. 

c. Pedimculus elongatus 2-âorus in bifurcatione ramorum. 

9, A. adenotricJia Hance in Journ. bot. IX, 132. 
Ad ramulos hornotinos pedunculos bracteas calycesque 
glandulosopilosa , foliis utrinque dense subtus densius 
appresse pilosis ovatis acutis integris, bracteis foliaceis 
lanceolatis, floribus sessilibus, bracteolis . . . . , calycis 
laciniis 4 oblongis fructu triplo brevioribus. 

China boreali: ditione Pekinensi ad Jehol (David 
ex Hance). 

Species ob si tum pedunculorum in furca ramulorum 
elongatorum et pubem capitatam in genere anomala, 
floribus nondura notis. Inter pi. Davidi a Fran che t 
enumeratas (PI. David. I, 152) deest, sed quaerit 
Franc het anne sit eadem ac Lonicera Elisae F ranch. 
1. c. t. 12. f. 2. et folia pi. Han ce i ab ipso autore 
communicata conspecifica déclarât. Sed inflorescentia 
ex descriptione nimis aliéna videtur, ut jungantur. 

Adnot. Species 2 v. 3 americanae (genus Vesalea 



— 480 — 

Mart, et Gal. in Bull. acad. Brux. XI, 24), recte 
observante Decaisne in Van Houtte Fl. d. serr. II, 
sub tab. 5, ab Abelia non differunt nisi bracteolis non 
3, sed in A. floribunda Dne 1. c. 1 — 5, in A. coriacea 
Hem si. (in Biol, centr, amer. II, 4, t. 36 f. 1 — 5) 
binis. Inflorescentia pluriflora terminalis seriei nostrae 
primae. Pedunculi apice foliaceobracteati pedicellique 
evoluti. CoroUae incurvae elongatae cylindrico-infun- 
dibuliforraes, stamina inclusa, stylus subexsertus. Folia 
parvula quoad formam potius species chinenses refe- 
rentia, sed vel intégra v. regulariter serrata. 



Lonîcera emphyllocalyx. (Subgen. Chamaecerasus^ ser. 2. 
Maxim, in Mel. biol. X, 63) Ramulis petiolisque no- 
vellis pube minuta dense puisque longis hirsutis, foliis 
approximatis parvulis brevissime petiolatis ovatis utrin- 
que obtusissimis superne ad costam subtus ubique 
longe pilosis; pedunculis calycem superantibus dense 
puberulis, bracteis subulatis pilosis calyce sesquilon- 
gioribus, bracteolis crasse coriaceis in tubum obsoletis- 
sime bilobum connatis calyces liberos ovales glabros 
subsuperantibus, limbo calycino marginiformi, corolla 
intus et extus pilis longis hirsuta, tubo cylindrico basi 
gibbo limbo sesquilongiore laciniis oblongis, genitali- 
bus breviter exsertis glabris. 

Nippon: alpe Nikko (flor., Tanaka sub nom. jap. 
Kuromino uguis, ex quo nomine fructu nigro gaudere 
videtur). 

E nostratibus nulli, ex indicis L. tomentellae H ook. f. 
et Thoms. (Hook. f. Fl. Brit. Ind. Ill, 12) affinis, 
quam tamen non vidi. Ex descriptione* breviore omnes 
partes similes et subaequimagnae videntur, praeter 



— 481 — 

bracteas subulatas, nee anguste oblongas, bracteolas 
totum calycem tegentes, nee breves, et calyees liberos, 
nee in fructu eoaleseentes. 

Ramulus eommunicatus 75 mm. longus, eortiee 
vetusto laevi glabro nigrescente, innovationibus instrue- 
tus 2, altera basali brevi, altera terminali 25 mm. 
longa, utraque florifera. In hae foliorum paria 6 et 2 
juvenilia. Folia maxima (terminalia) 30 ; 20 mm., 
petioli 2 mm. Peduneuli 4 mm. vel breviores. Calyx 
2 mm., corolla 10 mm. 

Lonicera gracilipes Miq. var. glandulosa. Calyeis 
tubus densissime, peduneulus parcius pilis capitatis 
teetus, eoroUae tubus extus pilosus, stylus pilis paucis 
obsessus, petioli foliaque subtus ad costas appresse 
pilosa. 

Nippon media (fl, mis. Tanaka s. nom. jap. ügu- 
isu kagura). 

In forma typica folia vulgo glabra, ealyces et pedun- 
euli rarius passim pilo eapitato uno alterove instrueti, et 
folia vulgo minora; in var. proposita maxima 75:50 mm. 
et petiolus 8 mm. 

Biervilla Tourn. 

Species asiaticae. 

Calyeis limbus 2 — 3-partitus laciniis 2 — 3-lobis, 
corolla lutescens, antherae sub stigmate cohae- 
rentes, semina lanceolata apice basique lon- 
ge alata D. Middendorffiana Carr. 

Calyeis limbus aequaliter 5-fidus v. 5-partitus, 
corolla alba rosea v. fuscorubra, antherae li- 
berae. 2. 

2. Laciniae calyeis lanceolatae, corolla rosea, 

semina triquetra exalata D. florida S. Z. 

Laciniae calyeis lineares, semina alata. 3. 

3. CoroUae tubus e basi cylindrica subito late 
infundibuliformis. 4. 

Melanges biologiques. XII. 61 



— 482 — 

CoroUae tubus aequalis anguste infundibuli- 
formis fuscus v. initio virescens cum ovario 

et calyce pilosus, folia villosa D. floribunda S. Z. 

4. Glabrescens elata macrantha, corolla initio 

lactea turn rosea D. grandifiora S. Z. 

Pilosa, corolla rosea D. japonica DC. 

1. D. Middendorffiana Carr. Rev. hortic. 1853, 
306. 1854, 261, 1. 14. Van Houtte, Fl. d. serr. XI, 
t. 1137. S. Moojre in Journ. bot. 1878, 129 {var. 
Maximowicdi S. Moore). Galyptrostigma Midd. 
Trautv. et Mey. in Bull. phys. math. Acad. Pétersb, 
XIII, 220. Fl.Ochot. n. 162, t. 25 a. et b. Rgl. Til. 
Fl.Ajan.n. 143. Rgl. Gartenfl. 1857, t. 183. Maxim. 
Fl. Amur. n. 350. F. Schmidt. Fl. Amg. bur. n, 186. 
Fl. Sachal. n. 208. Wagneria Midd. Verschaff, in 
111. hortic. 1857, t. 115. 

Sihiria austroorientalis : circa Ajan (Tiling), ad 
sinus Mamga et Ujakon (Middendorff), ad ostium 
fl. Tugur (Or low); Mandshuria borealiorientali: mon- 
tibus Uda et Oghobi prope Nikolajevsk, circa De 
Castries; ins. Sachalmo vulgaris supra terminum 
Coniferarum (Glehn, F. Schmidt); Kurilis (flor.); 
Nippon: alpe Nikko (Tschonoski, Bisset!). 

2. D. florida Sieb. Zucc. Fl. Jap. I, 75 (1835). 
Carr. Rev. hortic. 1853, 309. Hance in Journ. linn, 
soc. XIII, 81. Calysphyrum floridum Bge Enum. Chin, 
n. 196. Weigela rosea Lindl. in Journ. hort. soc. I. 
(1846), 65, t. 6. Bot. mag. 4396. V. Htte. Fl. d. 
serr. Ill, 211. D, rosea Walp. Ann. I, 365. Franch. 
PI . David .1, 151. Weigela pauciflora D C . et TF. florida 
DC. in Ann. sc. nat. 2 ser. XI, 241. Galysph. paucifl. 
Bge in Walp. Repert. II, 450. Dierv. paucifl, Carr. 
Rev. hortic. 1853, 310. D, amabilis Carr. ibid. 305. 



— 483 — 

Planch, in V. Htte. Fl. d. serr. VIII, 287, t. 855. 
Bot. mag. 4893. 

Cfliina borealis: Pekini in hortis tantum (Omnes 
coll.), in montib. occidentalibus (Bretschneider), 
Jehol, in sylvis vallium altiorum (David!), Tschifu 
(Wawra! n. 1198), China media (Fortune! A. 25); 
Korea (Schlippenbach!), archip. Koreamis (Oldh.! 
n. 490), Mandshuria austroorientalis: sinu Possiet ad 
declivitates rupium littoris frequens, portu Bruce simi- 
li loco (ipse, frf.), ad fl. Sedemi in rupibus rarius 
(Jankowski, fl.). 

Planta nonnihil variabilis. Ilia e Korea et Mand- 
shuria, ad typum pertinens calyce 5-fido, densius, in- 
terdum etiam ad fructum, pilosa, filamenta basin versus 
pilosa habet ut typica, sed pili densiores et longiores. 
Spec, ex archip. Koreano Oldh. n. 490, a Miquel ad 
J), versicolorem ductum, mihi hue pertinere videtur ob 
folia concolora longius pilosa, qualia pi. Jcoreano-mand- 
shuricae propria, calyces limbi enim jam caduci. 

D. amahilis Carr. typo simillima, at speciosior, 
calycis limbo 5-partito laciniis linearilanceolatis di- 
versa, quoad patriam dubia, mihi videtur var. grandi- 
flora B. floridae et ob flores majores potius e borea- 
lioribus locis orta, fortasse ex hortis Pekinensibus. 

Ludit fl. albis: Weigela alba Carr. Rev. hortic. 
1861, 331, ex ipso autore tantum varietas dicta. 
W. Isalinae V. Htte. Fl. d. serr. XIV, t. 1445. 

Occurrit in hortis Belgii corolla alba roseostriata 
{W. amabiîis striata V. Htte 1. c. t. 1446, calycis 
limbus 5-fidus) et limbo albo lobo altero roseo. 

Semine majusculo exalato triquetro dense impresso- 
punctate optime ab omnibus diversa. 



— 484 — 

Planta ex Chinae prov. An-whei sub nomine D. 
japonicae a Hance in Journ. of bot. XX, 289 memo- 
rata, mihi ad D, floridae var, amaUlem ducenda videtuf, 
quia a Hanceo a D. versicolore S. Z., quam a me e 
Japonia acceperat, non distinguenda dicitur. 

3. D. grandiflora S. Z. Fl. Jap. I, 71, t. 31. D, co- 
raeensis DC.Prodr. IV, 330. Weigela cor. Thunb. in 
Actalinn.II, 331. et fig. ined.! Koreiutsugi.Ksiemi^i. 
Amoen. 855. Icon. ed. Banks, t. 45. D.japonica Mi q. 
Prol. 157 p. p. A. Gray, Bot. Jap. 392 p. p. et excl. 
syn. W. roseae. 

Nippon: Simoda (Alexander!, Yolkin), Hakone 
(Siebold!, Buerger!), Yokoska (Savatier! n. 549), 
Yokohama, in fruticetis frequens, Tokio culta (ipse), 
Tezo: circa Hakodate frequens et luxurians (ipse). 

Frutex 4 — 15-pedalis truncis pluribus brachii cras- 
sitie, macrophyllus, dense frondens, quam sequens 
minus speciosus ob frondem neque flores sub anthesi 
praevalentem. Pedunculi longiusculi vulgo distincti. — 
Legi semel in littore liraoso plantulas biennes tripolli- 
cares jam floriferas! 

Nomen D. coraeensis inaptum, quia species e Korea 
non innotuit, Kaempferum vero hanc Korei utsugi 
nominasse ex falsa interpretatione characterum sinen- 
sium demonstravit Siebold 1. c. 73. 

4. D.japonica DC. Prodr. IV, 330. Miq. Prol. 
157, excl. syn. plerisque. Weigela jap. Thunb. Fl. 
Jap. 90, t. 16. et in Act. linn. II, 331. Act. holm. 
1780, 137, t. 5 (ex DC). Nippon utsugi, Ksiemi^î. 
Am. 855 (verosimiliter). D. Jiortensis S. Z. Fl. Jap. I, 
70, t. 29, 30, 33, f. 2. 



— 485 — 

Japonia in montanis: Kiusiu prupe Kuma-moto in 
fruticetlsmontium, Nippon: Fudzi-yaraa sylvis vetustis 
lateris continentalis (ipse), Hakone (Moseley!), Yo- 
kohama, rara (ipse), Nambu (Tschonoski), Yezo 
circa Hakodate (ipse). 

A proxima D. grandiflora S. Z. in vivo statim distin- 
guenda: frutex minor (5-pedalis), folia quoque minora 
subtiis saltem dense pubescentia v. villosa, flores nu- 
merosiores, corolla minor ab initio rosea, pedunculi 
(non obstante tabula fl. Jap.) vulgo fere nulli, sed oc- 
currunt aequilongi ac in praecedente et usque 7-flori, 
quod obvenit praesertim in planta culta, quae simul 
folia subtus canescentivillosa habet et veram sistit 
D. hortensem S. Z. (Blume misit!). 

Haec var., D. hortensis S. Z., praesto est culta e 
Japonia (Buerger^ mis. Mi quel s. nom. D. floribundae 
var. hortensis), pariter culta e Nagasaki et Yokohama 
(ipse, varians fl. alhis) et sponte crescens ad Yokohama 
fl. roseo (ipse), e Yokoska (Savatier n. 548 s. n. 
D. floribundae). 

5. D. floribunda S. Z. Fl, Jap. I, 73, t, 32. Miq. 
Prol. 157 (excl. syn. D. hortensis S. Z.). Carr. 1. c. 
307. D. versicolor S. Z. 1. c. 74, t. 33. fig. 1. excl. 
syn. D. multiflora Lem. 111. hortic. X (1863) t. 380. 

Japonia (Siebold!, Blume!): Nagasaki, culta, 
Kiusiu interiore in fruticetis planitiei prope Miadzi 
(ipse). 

B, multiflora Lem. sistit hujus formam genitalibus, 
praesertim stylo, paulo magis exsertis. 

A. Gray (Bot. Jap. 392) iconibus tantum fultus 
conjunxit D. floribundam S. Z. et D. hortensem S. Z.^ 



— 486 — 

equidem comparatis exemplis autlienticis priorem et 
D. versicolorem S. Z. In hortis vero sub nom. D. ver- 
sicoloris habere soient D. japonicam, conf. Carr. Rev. 
hortic. 1853, 305. 



Adina glohiflora Sal. Parad. Lond. t. 115. Benth. 
Fl. Hongk. 146. Maxim, in Engl. Bot. Jahrb. VI, 67. 

Kiusiu: prov. Satsuma prope Kago-sima, prov. 
Osumi, sponte crescens, arborea, jap. Tani watarinoki 
(Tashiro!), China: Hongkong (Fortune! n. 119, 
Wright!, Forbes!). 

Bandia canthioides Champ. Maxim, in Mel. biol. 
XI, 791. 

Hucusque e Hongkong tantum notam, nunc in ins. 
Liukiu detexit Tashiro, flor. Majo. 

Diplospora viridiflora DC. Prodr. IV, 477. Benth. 
in Kew journ. IV, 195. Fl. Hongk. 157. 

Liukiu (Tashiro! s. nom. jap. Koffi modoki fr. juv.) 
China: Hongkong (Wright!, Hance!, Forbes!), coî- 
libus Pakwan supra Canton (Hance!). 

Psychotria elliptica Ker. Maxim, in Mel. biol. XI, 
797. et in Engl. Jahrb. VI. 67. 

Liukiu (Tashiro!). 

Hujus synonymon est, fide Tashiro, Aucubaephyl- 
lum liukiense Ahlburg in Bot. Zeit. 1878, 113, cu- 
jus descriptio nimis incompleta non nimis contradicens, 
exceptis tamen «petalis» patentibus caducis (nee co- 
rollae tubo brevi obconico), filamentis 4 disco (nee 
5 tubo) insertis et stigmate 5-partito(nec 2-lobo). Anne 
hae differentiae partim errores typographici v. gr. 



— 487 — 

staminum et stigmatis loborum numerus, partim for- 
tasse male observatae? 

Lasianthus Wallichii y^ight. Maxim, in Mel. biol. 
XI, 797. 

Liiikiu: insulis 0-sima et Okinawa (Tashiro! fl. et 
cum alab. s. nom. jap. Maruba ruriminoki). 

Glossocomia Don. 

Duae species in Asia orientali crescunt, inter se 
persimiles et saepissime confusae, verumenimvero signe 
gravi optime distinctae: 

1. G. lanceolata S. Z. Fl. Jap. I, 174, t. 91) sub. 
Campanumoea) Major, foliis margine setulosis ceterum 
glabris v. rarissime parce pilosiusculis, corolla late 
infundibuliformi-campanulata fundo corollae inter sta- 
miaa quinquangulo, seminibus late alatis opacis lac- 
teis. Miq. Prol. 123, 359, 366. G. hortensis Rupr. 
in Bull. phys. math. Acad. Pétersb. XV, 209. Tsiiru 
ninsin, Thunb. Fl. Jap. 353. pi. incert. n. 21. 

Per totam Japoniam frequens, in Mandshuria 
australiori, v. gr. ad Usuri medium, lacum Hanka, 
circa Wladiwostok; China boreali: in montanis circa 
Pekin, v. gr. Takiosze, monte Po-hua-shan cet. 

2. G. ussuriensis Rupr. et Maxim, in Bull. 1. c. 
Minor, foliis margine setulosis subtusque saepe pilo- 
sulis, corolla angustius infundibuliformi-campanulata 
fundo inter stamina quinquefossulato, seminibus apte- 
ris lucidis brunneis. Maxim. Fl. Amur. 184. G. lan- 
ceolata Rgl. Fl. üssur. n. 316. Ba sobu, Itô Keiske, 
Nihon san budz shi, Mino, III, 9. 

Nippon media (Tschonoski): Fudzi yama (Itô 



— 488 — 

Keiske), Hakodate (ipse), Mandsliuria, in desertis 
graminosis sylvisque frondosis lucidis frequens, ad 
Amur australem, totum Usuri fl., ad fl. Suifun et us- 
que ad limites Koreae. 

Scaevola Koenigi Vahl, Symb. Ill, 36. Clarke in 
Hook. f. Fl. Brit. Ind. Ill, 421. Hance in Journ, 
bot. IX, 202. Engl, in Bot. Jahrb. VI, 68. Sc. Lo- 
belia Benth. Fl. Hongk. 198. 

Liukiu (Doederlein fide Engler), Bonin-sima 
(Wright! frf., Yatabe! fl. s. n. Kusa tobera i. e. Pit- 
tospori herbacei); CÄma; Hongkong (Wright!), Prata 
island (Hance). Distrib. ad littora tropica utriusque 
orbis. 

Vaccinium lasiodiscus. (Sect. Eiwaccinium, ser." fl. 
sollt, axillaribus, A. Gray, Syn. fl. N. Am. II, 1 . p. 24). 
Ramulis obtuse angulatis, novellis filiformibus divergen- 
tibus cum foliis sub tus pedunculo totoque flore minute 
hispidulopuberulis, foliis parvis membranaceis 1-ner- 
viis laxe reticulatis sessilibus linearilanceolatis acutis- 
sime acuminatis versus basin obsolete crenulatis ; pedun- 
culis axillaribus bibracteatis flore brevioribus defloratis 
nutantibus, bracteis linearibus membranaceis ciliatis, 
calycis cum pedicello articulati tubo hemisphaerico 
dentibus 5 acute deltoideis duplo brevioribus, corolla 
urceolata ovali brève 5-dentata dentibus deltoideis 
patentibus, staminibus 10 filamentis subulatis ultra 
medium villosis antheram superantibus, anthera mu- 
tica loculis quam tubuli antice poro obliquo aperti 
duplo brevioribus, stylo tubum corollae fere aequante 
cylindrico disco tumido dense hispido umbonato im- 
posito, ovario 5-loculari. 



— 489 — 

Japonia: sine loci specialis designatione s. n, jap. 
Sunoki (varus Vaccinas communi) misit spec. 1. fl. 
Tanaka. 

Species sui juris, ex prima fronte Ghiogeni hispi- 
dulae non absimilis, a speciebus americanis jam fila- 
mentis villosis diversa, neque uUi aliae descriptae apte 
associanda. 

Ramus missus, a crassiore abruptus, 14 cm., bis 
dichotomus, dichotomia secunda novella cum ramulo 
novello accessorio infra dichotomiam unara. Folia in 
sicco nigrescentia, internodia duplo superantia, 12:4 
mm. ad summum magna. Flores ex omnibus axillis 
ramulorum innovantium inde a basi ipsa orti, folia 
aequantes Bracteae varia altitudine pedunculo in- 
sertae, mox utraque approximata, mox pi. m. remota, 
cito post antliesiu caducae. Calyx 1,5 mm., corolla 
6 mm. longa. 

Vaccinium praestans Lamb, in Trans, linn. soc. X, 
264, t. 9. Ledeb. Fl. Ross. II, 904. F. Schmidt, 
Fl. Sachal. n. 285. Maxim. Fl. Amur. 187. Iwa tsu- 
tsusi. Ito Keiske, Nihon shioku buts dzu setsu, I, 6 
(fig. opt.). 

Nippon: pro v. Senano sub nom. Iwa tsutsusi i. e. 
azalea rupestri mis. frf. Tanaka. Tum innotuit e 
Sachalin; Mandshuria borealiorientali a sinu Hadshi 
usque ad Nikolajewsk; et e Kamtschatka, 

Rhododendron Tashiroi. (Eurhododendron). Innovatio- 
nibus (foliis vix erumpentibus superne) rufosetosis mox 
glabratis, gemmae floriferae acute ovoideae setosoto- 
mentosae triseriatim imbricatae tegmentis ovatis post 
anthesin caducis, foliis apice ramulorum subternis co- 

Melanges biologiques. Xn. 62 



— 490 — 

riaceis discoloribus utrinque tenue subquadricostatis 
superneque impresse reticulatis laevibus glabris brevi- 
petiolatis ellipticolanceolatis subito breviter acumina- 
tis; floribus 2 — 3 umbellatis, pedunculis brevibus 
inclusis ebracteatis calyceque brevissime 5-dentato ru- 
fosetosis, corolla late infundibuliformi profunde 5-fida 
laciniis oblongis, genitalibus glabris, stylo stamina 
10 paulo superante corollam fere aequante, ovario 
ovoideo rufostrigoso 5-locuIari. 

In Japoniae australis ins, Tanega-sima (Tashiro! 
flor.) et fortasse in Liukiu ins. 0-sima, (Doederlein, 
sterile) si recte ex memoria hue refero nRh. spec, ex 
affin. Rh. ovati, sed pube setosa distinctum» Maxim, 
in Engl. Bot. Jahrb. VI, 64. 

NuUi e descriptis apte comparandum! Habitu non 
tam Eurhododendri quam Tsusiae, cui lubentius adnu- 
merarem et quam in mentem vocat foliis diminutis 
(3 — 10 mm. longis) paucis ad basin gemmarum folii- 
ferarum, sed gemmae floriferae perscrutatae minime 
folia novella sed tantum flores fovebant et unicam in- 
veni ubi extus arete approximata aderat gemma pro- 
pria angusta, e qua folia novella erumpere incipiunt. 
Ita absque dubio ad Eurhododendra pertiûet. Quoad 
folia ad Bh. ovatum PL paulo accedit, modo Crescendi 
in mentem vocat Bh. Seniawini m. (inter Tsusias). 

Foliorum lamina inter 20 : 13 ad 65 : 26 mm., pie- 
rumque 50 : 20 mm., petioli 2 — 7 mm. Pedunculi 
7 mm., corolla 25 mm. longa eodemque fere diametro, 
colore ignoto. Antherae ochraceae 1,5 mm., poris ro- 
tundis majusculis. Stigma subtruncato-capitatum ob- 
solete 5-lobum margine tenui elevate circumdatura. 



— 491 — 

Rhododendron pentaphyllum. (Sect. Azalea ^^er. 1. Ma- 
xim. Rhodod. 25). Elatum ramosissimum, foliisegem- 
mis propriis ad basin floriferae sitis, apice ramorum 
per 5 approximatis et patentibus late ellipticis basi 
brève in petiolum cuneatis apice acutis juvenilibus su- 
perne secus costam tenere puberam margineque cine- 
reopilosis adultis glabris utrinque subtus prominulo- 
6-costatis reticulatisque ; floribus praecocibus solitariis 
e gemma ortis ejusque tegmentis sub- 5 -seriatim imbri- 
catis fultis, pedunciilis exsertis calyceque 5-dentato 
(dentibus deltoideis acuminatis) glabris ; corolla rotato- 
campanulata 5 -partita laciniis obcordatis purpurascen- 
tibiis concoloribus, staminibus 10, ovario glabro. 

Kiusiu : prov. Osumi , cacumine m. Taka-kuma 
(Tashiro fl.) 

A Mhod. quinquefolio Bisset et S. Moore in Journ. 
bot. XY. 292, ex descriptione persimili, a me non viso, 
abhorret tamen sectione diversa, floribus non coaeta- 
neis, tegmentis intimis extima triplo excedentibus 
margine dense albociliatis, foliis nonrhombeis, pedun- 
culis vix mediam corollam (nee folia adulta 3 — 4 cm. 
longa) aequantibus, corolla duplo majore. Ipsi autores 
tamen de sectione dubitant. 

Spec, ante oculos 1 florens aphyllum, aliud sterile 
cum innovationibus valde juvenilibus Gemmae flori- 
ferae anguste oblongae tegmentis duplo latioribus et 
majoribus quam illa gemmarum folliiferarum , quae 
linearioblonga sunt. Folia adhuc omnia convoluta, sed 
explicata late elliptica. Pedunculi bracteis 2 — 3 linea- 
ribus fuscomembranaceis fugacibus obsessi. Corolla 
diam. 5 — 7 cm. 



— 492 — 

Lysimachia Tanakae. (Sect. II. Lysimastrum Duby). 
Reptans, praeter folia superne rufovillosa, foliis oppo- 
sitis petiolis laminam cordatorotundatam apiculatam 
dense ciliatam subtus crebre nigrolineolatam aequan- 
tibus; pedunculis axillaribus folio brevioribus erectis, 
calycis 5-partitilaciniis oblongis obtusiusculis elineatis, 
corollae fere ad basin 5-partitae laciniis oblongis ver- 
sus apicem parcissime lineatis, staminibus triplo bre- 
vioribus glabris filamentis ad medium connatis late 
subulatis, ovario parce piloso, stylo glabro corollam 
fere aequante. 

Nippon austroorientali: prov. Kii, japonice Miyama 
konasubi (Tanaka, fl.). 

Proxima L. Christinae Hce in Journ. bot. XI, 167 
a nostra differt glabritie, foliis immerse lineolatis, pe- 
dunculis folia aequantibus, calyce corollaque crebre 
lineolatis, staminibus duplo corolla brevioribus, fila- 
mentis glandulosis. L. Nummularia L. magis distat 
foliis brevipetiolatis rotundatis, pedunculis brevibus, 
calycis corollaeque laciniis ovatis, filamentis basi con- 
natis glandulosis et glabritie. 

Spec, missum spithamaeum apice radicans, caule 
filiform!. Internodia laminas foliorum duplo superan- 
tia. Calyx 5,5 mm., corolla lutea 10 mm. longa, 
stylus cum ovario 7 mm. 

Samolus florihundus H. B. Kth. Enum. II, 181. 
Duby in DC. Prodr. Till, 73. S. Valerandi var. 
americanus A. Gray, Syn. fl. N. Am. II, 1, p. 64. 

YezOj s. n. jap. hai hamabossu fl. c. fr. misit R. Ya- 
tabe, ex quo provenit etiam in Nippon prov. Kadzusa 
(ex adverso Yokohamae sita). Distrib. per Americam 



— 493 — 

utramque a Connecticut! et California australi! ad 
Chile ! et Argentinam ! 

Specc. japonica 4 missa in americana pernumerosa 
comparata optime quadrant, sed omnia ex axillis radi- 
cantia, quod tantum in californicis et borealiamerica- 
nis rarissime observavi. Species a S. Voter andi levio- 
ribus quidem signis, sed constantibus distincta et tran- 
situs nullos vidi: racemus laxior oliganthus, bracteo- 
lae minutae, folia subavenia tenuiora, flos duplo minor, 
petala capsulaque calycem parum superantia, pedi- 
celli graciliores longiores recti, neque saepissime ad 
bracteolas sursum geniculati. 

DIospyros Oldhami. (Eudiospyros A. DC.) Omnibus 
partibus praeter costarum folii axillas subtus barbatas 
demum nudas glaberrima, foliis membranaceis ovato-v. 
rite ellipticis basi obtusiusculis v. acutis apice acumi- 
natis, floribus S subternis racemosis petiolum sub- 
superantibus , calj^e campanulato 4-lobo lobis ovatis 
breve acuminatis, corolla calycem triplo superante ur- 
ceolatocylindrica 4-dentata dentibus rotundatis, sta- 
minibus 1 6 pluriseriatis, ovario minuto truncato gla- 
bro, floribus Ç . . . 

Formosa: Tamsuy (Oldh.! n. 36 s. n. ((Tetmstroe- 
miaceae n. gen,?» flor. incip.). 

Conferenda cum D, chartacea Wall., quam non 
vidi, ceterum primo aspectu similis D. Loto L., sed 
partibus floris glaberrimis et structura diversis dis- 
tincta. 

Parsonsia spiratis Wall. DC. Prodr. VIII, 402. 
Hook. f. Fl. Brit. Ind. Ill, 650. Hetigme javanica 
A. DC. I.e. 425. 



■■■',^5oyA>^P^ 



— 494 — 

Liukiu: in rupibus scandens (Small! «flores vi- 
rescentilutei»), ins. Okinawa (Tashiro!). Distrib. 
China, Ceylon!, India trans Gangem et eis Gangem 
in Silhet et Deccan, archip. Malaicus. 

Buddleia Lindleyana Fort. Maxim, in Mél. biol. 
X, 674. 

Liukiu: (Tanaka). Reliquis stationibus 1. c. adde: 
Shanghai (Forbes). 

Erythraea japonica. (Sect. Ill, Spicaria Gris.). Gaule 
stricto superne ramoso, foliis ovaliellipticis basi ro- 
tundatis apice obtusis, floralibus parum diminutis su- 
perioribus ellipticis acutiusculis, cymis spiciformibus 
basi dichotomis, floribus omnibus brevissime pedicel- 
latis 5-meris, corollae tubo infra stamina sito calyce 
breviore, parte supra stamina limbi lobos oblonges ob- 
tusos aequante, staminibus ad loborum basin attingen- 
tibus, antheris oblongis tilamento fere triplo breviori- 
bus, seminibus seriatim areolatotuberculatis. 

LiuMu: insulis 0-sima et Okinawa, in maritimis 
(A. Tashiro). 

Affinis E, spicatae Pers., quae differt foliis florali- 
bus diminutis linearilanceolatis, caulinis acutiusculis, 
tubi corollini parte infra staminum insertionem plus 
duplo illam supra stamina, hac limbum superante, an- 
theris plus duplo filamento longioribus dimidias corollae 
lacinias attingentibus, floribus sessilibus. 

Usque 30 cm. alta, basi aphylla, a medio ramosa. 
Folia caulina maxima 28 : 13 mm., floralia 8 : 3 mm. 
Calycis 9 mm. fere ad basin partiti laciniae lineares 
acuminatae. Corolla 13 mm. Semina immatura 0,2 mm. 

Adnot. E. centaurioides Hook. Arn. Bot. Beech. 



— 495 — 

266. cum syn. Chironiae cent. Roxb. Fl. Ind. I, 584., 
e LduJciUj mihi ignota. An eadem ac E, Roxhurghii 
G. Don Gen. syst. IV. 206 in Hook. f. Fl. Brit. Ind. 
IV, 102, ubi tamen de distributione ultra Indium 
nulla mentio facta est? 

Pterygocalyx volubilis Maxim. 

Yezo (Tanaka, japonice: hosoba tsuru rindou). 
Distrib. Mandshuria. 

Ex Clarke in Hook. f. Fl. Brit. Ind. IV, 106. 
Grawfurdiae subgeneri ejus Dipterospermo adscribenda 
esset, sed a speciebus tribus indicis enumeratis jam 
foliis membranaceis angustis et corolla eplicata differt. 

Ophelia Tashiroi. Glaberrima annua vel biennis, foliis 
1-nerviis ad vaginas nudis, inferioribus petiolatis ob- 
longoellipticis acuminatis, summis brevissime petiolatis 
anguste ovatis, caule robusto tereti apice in paniculam 
pyramidatam linearibracteatara Iaxis simam soluto, flori- 
bus majusculis paucis pedicello apice incrassato bre- 
vioribus 5-meris, calycis lobis deltoideis, coroUae par- 
titionibus oblongolinearibus acuminatis media longi- 
tudine macula obscura leviter biloba nuda instructis, 
filamentis subulatis, capsula ovoidea apice attenuata 
petala aequante, seminibus numerosis triquetris mu- 
ricatis. 

Kiusiu: prov. Osumi, japonice Hetsuka rindo (Ta- 
shiro, Octobri fructif., fl. ult.) 

Habitus peculiaris et characteres ab aliis Opheliis 
diversi. In alabastro 7 mm. longo maculae epipetalae 
vestigium nullum, adest tantum in flore adulte (14 mm. 
longo) nee ibi bene expressa: colore obscuriore et ma- 
culis minutis hieroglyphicis v. vermicularibus obscuris 



— 496 — 

plurimis picta a reliqua lamina tan tum distincta. Fo- 
liorum paria 4 — 5, maxima fere 6 poll, longa, 3 — 3% 
poll, lata, e quibus inferiora 3 — 4 basi caulis conferta, 
par unum in medio caule, reliqua jam bracteiformia 
angusta. 

Ophelia a Swertia habitu optime, characteribus vero 
vix ullis diversa, recte fortasse a Benthamio cum 
Swertia juncta est, nam characteres boni constantes 
non adesse videntur, ne in semine quidem. Examina vi 
semina in omnibus ubi matura observare contigit et 
inveni laevia in Ophelia macrosperma m. (Clarke), 
Ghirafa Gris, et purpurascente Don, Swertia muUicauli 
Don et Pleurogyne carinthiaca Gris., tuberculata 
in Ophelia florida Don, nervosa Gris., zeylanica Gris., 
bimaculata S. Z., Swertia Schimperi Gris., alulis 
crispulis subparallelis numerosis tectain/S'^(;er^m 
lactea Bge et petiolata Royle, late alata in Sw. 
perenni L., iherica Fisch, et speciosa Wall. In nulla 
tarnen tam acute muricata observavi quam in nostra. 

Ipomoea pes caprae Sw. DC. Prodr. IX, 349. 
Benth. Fl. Hongk. 238. 

Japonia: in maritimis pro v. Idzu, ins. Hatsisjo, ins. 
Kiusiu prov. Hiuga et Osumi, insulis Tanega-sima, 
Yakuno-sima, Yerabu-sima, Sitsito; LiuMu (ex Tashi- 
ro, jap. gun bai hirai gawo), J5owm-sma (Yatabe! 
nom. utshiwa kadsura); China: vidi e Formosa et ins. 
Hainan (Hancock!). Tum in tropicis fere ubique. 

Ipomoea reptans Poir. DC. Prodr. IX, 349. 

Liukiu (Wright!), China: circa Pekin culta in 
paludibus et locis siccioribus, folia sistunt olus sapidum 
(Bretschneider!). Per tropicos usque in African. 



— 497 — 

Formae duae : raicrophylla latifolia flore roseo, an 
spontanea? (a Wright lecta) et macrophylla angusti- 
folia albiflora (culta pekinensis). A plerisque autoribus 
flores quidem rosei dicuntur, Rheede (Malab. XI, 
107) intus albos extus purpurascentes describit, sed 
in libris sinicis (ex Br et sehn.) planta in China diu 
culta V. in nonnuUis provinciis spontanea albiflora 
dicitur. 

Ipomoea msw^ans St eud. Pharhitis insularis Choisy 
Conv. or. 57. DC. Prodr. IX, 341. 

Nippon australi: prov. Kii, Kiusiu: prov. Satsuma 
(Tashiro!), Liukiu: ins. Ö-sima (Wright!). 

Choisy radicem annuam dicit, nostra planta vero. 
ab A. Gray in scheda Wrighti ita nominata, planta 
robusta perennis radiée crassa elongata, caule tenaci 
pilis parois appresse piloso, foliis non cinereopubes- 
centibus, corolla alba purpurea v. coerulea. In Japonia 
aTashiro praesente certe spontanea dicitur. Dubitare 
licet igitur, anne nostra et Choisy ana (ex Polynesia 
orta) re vera conspecificae sint. 

Ipomoea hederacea L. Syst. XV, 207. Turcz. En. 
Chin. n. 147. Pharhitis hederacea Choisy, Conv. or. 
58. DC. Prodr. IX, 344. I, triloba Thunb.! Fl. Jap. 
86., Icon. ined. — nee L. Pharhitis tril. Miq. Prol. 25. 
Fr. Sav. En. I, 330. Ph. Nil Bge. Enum. n. 258. 
nee Choisy. Sieb. Zucc. Fl. Jap. fam. nat. n. 509. 
Eingo \u\goAsagawo Kaempf. Am. 856. Asagao, Soo 
bokf. IV, 18. 

Japonia: Kiusiu in fruticetislittoralibus (Buerger!), 
Yokoska saepe culta et hinc quasi sponte (Savatier), 
Yokohama, culta (ipse), China: circa Pekiu, ad vias 

Melaages biologiques. XII. 63 



— 498 — 

in planitie et montibus perfrequens (Dr. Bretsclinei- 
der!). In India vulgaris et ubique in tropicis et sub- 
tropicis occurrere dicitur. 

/. triloba Thunb. certe ab I. hederacea non differt, 
nam radix, aThunbergio quidem non collecta, etiam 
annua, ut patet e specimine in ejus herbario, in icone 
inedita delineato, ubi cotyledones adhuc persistunt. 
Radix perennis tuberosa autem de qua loquitur ad 
praecedentem speciem spectat, ab incolis etiam Asagawo 
appellatam/Reliqui characteres autem identici. 

I. hederacea L. aegre distinguitur a specie sequente, 
quacum jungitur a Clarke (in Hook. f. Fl. Brit. Ind. 
IV, 199): foliorum lobo terminali saepissime basi atte- 
nuate (neque dilatato), pedunculis tenuil)us brevibus 
1-floris (neque crassis elongatis saepe 3-floris) et co- 
rolla minore. Sed adest signum constans in seminum 
colore nigro (unde sinice Koku tsin) in I. hederacea^ 
albo (sinice haku tsin) in I. Nil Roth, ut ipse vidi in 
specc. a Dre Bretschneidero e Pekino missis. 

Folia plantae japonicae interdum ad nervös pallidius 
maculata. 

Species a hortulanis Japonensibus in deliciis habita, 
cultura diutina mirum in modum variabilis facta est, 
quam forma foliorum tam indole florum. Folia occurrunt 
tripartita lobis longe acuminatis, saepe iterum fissis 
in lacinias lineares. CoroUam vidi 5-petalam petalis 
ex ungue filiformi spathulatis et alio modo diversissime 
monstrosam, de quibus monstrositatibus tractant opera 
duo specialia cum multis figuris. 

Vera I. Nu Roth Catal. I, 36. Gonvolv. Nil L. Cod. 
1225. PharhitisNil Choisy, Conv.or. 57. DC.Prodr. 
IX, 343, ex Choisyo in tropicis ubique crescens, 



— 499 — 

Pckini ciilta (Bretschn.!, Tatarinovv!), seminibus 
albis ab I. hederacea distinguitur. 

Species delenda. 

Ipomoea kadsura Ch. Conv. or. 93. DC. Prodr. 
IX, 388. Thunb. Fl Jap. 350. pi. obsc. n. 6. sub 
Convolvulo, Karami kadsura^ Saisin, e genere et familia 
excludenda et ad Cocculum diversifolium Miq. ducenda 
videtur. 

Solanum verhascifoUum L. Cod. 1456. Dunal in 
DC. Prodr. XIII, 1, p. 114. Hook., Arn. Bot. Beech. 
202. 

Lhikiu (Tashiro!), China australi (Hook. Am.!): 
Formosa (Oldh.! n. 341), Hainan (Hance!) et per 
tropicos. 

Capsicum frutescensL. Cod. 1499. Dunal 1. c. 413. 
Osbeck It. 177. Lour. Fl. Coch. 158. 

Bonin-sima (Yatabe! frf.), China: circa Canton 
cultum (Osbeck). Vidi praeterea ex India (Wallich! 
n. 2642), San Jago capitis Viridis (Jaeger!) etc. 

Phy salis peruviana L. Cod. 1451. Dunal in DC. 
Prodr. XIII, 1, p. 440. Clarke in Hook. f. Fl. Brit. 
Ind. IV, 238. 

Bonin-sima (Yatabe, japonice Budo hodzuki). Ex 
America tropica orta inter tropicos ubique distribute 
culta et spontefacta. 

Physalis minima L. Cod. 1454. Dun. 1. c. 445. 
Clarke 1. c. 

Japonia: circa Yokoska locis cultis (Savatier!), 
Nagasaki in fruticetis ad Akano-ura (ipse). Distrib. 
India!, Africa! et Australia! tropicae. 

Specc. Savatieri integrifolia, mea foliis subcor- 



"^ . ^ 



— 500 — 

datis dentatis, plerumque simplicia macra v. raraosa 
ultra pedalia. Corolla parva, ex vivo albida aperfe 
campanulata, antherae luteae. 

Pentstemon frutescens Lamb, in Trans, linn. soc. X, 
259, t. 6. fig. 1. Ledeb. Fl. Ross. Ill, 222. Bentham 
in DC. Prodr. X, 321. A. Gray, Syn. fl. N. Am. II, 
1, p. 261. 

Te0o: monte Kumaga-take, japonice Iwa bukuro 
(mis. Yatabe), Kamtschatka!, Sibiria orientali prope 
Ochotzk (Kruhse! ex quo ludit flore azureo et albo), 
America, ad orasborealioccident. (Lewis): Unalaschka 
(Pallas! quo teste flos lilacinus). 

Specc. duo missa japonica reliquis magis microphylla 
et angustifolia, 

Torenia setulosa. (Sect. Nortenia Benth. in DC. 
Prodr. X, 409). Pilis subulatis rigidis ad caulem parce, 
ad petioles costas folii subtus laminamque super ne, 
nee non ad calycis dorsum setulosa, a basi ramosa, 
foliis brevipetiolatis ovatis v. superioribus cuneato- 
ovatis obtusis a medio pauciserratis, pedunculis axilla- 
ribus fructiferis calycem plus duplo superantibus, 
calyce ab initio profunde 5 -partite laciniis subulato- 
linearibus costatis costis 3 in pedunculum decurrenti- 
bus, corolla calyce sesqui tuboque longiore, appendi- 
cibus staminum anticorum brevibus capitellatis, cap- 
sula calyce vix breviore oblonga utrinque breve atte- 
nuata. 

Nippon: prov. Kii, inm. Natshi-san, japonice Shisobo 
urikusa (Yatabe). 

Aspectus Vandelliae sca&me Benth. atque magnitudo 
partium fere eadem, flores axillares nee racemosi et 



— 501 — 

calyx ab initio partitus etiam Vandelliae, sed calycis 
reliqua structura, nee non stigma bilamellatum Toreniae, 
hinc recte am. H an ce (in Ann. sc. nat. 4 ser. XIV) 
priorem posterioris sectionem déclarasse videtur. Affi- 
nis T. ^am/?orae Ham. (cf. Fl. Brasil. XV, t. 59, 
cum analjsi mala), quae differt glabritie, floribus spu- 
ria ex axilla racemosis, calyce sub anthesi 5-lobo, 
appendice staminum filiformi. T. ramosissima Vatke 
iisdem fere signis, tum pube molli copiosiore, calycis 
laciniis dorso alatis distat. 

Veronica Stellen Pall, in Willd. hb. Led. Fl. Ross. 
Ill, 247. DC. Prodr. X, 481. Cham, et Schlecht, 
in Linnaea, II, 557. 

Nippon: alpe Hakusan, japonice Hime Kuwagata 
(R. Y at a be); Sachalin: valle fl. Nituinai et ad ripam 
fl. Plyi (Mitzul!); Kamtschatka (Merkî, Peters!): 
littore orientali prope Lopatkam (Rieder !); Unalaschka 
(omnes!). 

Planta kamtschatica foliis lanceolatoellipticis v. 
ellipticooblongis minoribus proxime ad sachaUnensem 
accedit. 

Veronica Schmidtiana Rgl. Ind. sem. h. Petrop. 
1864, 22. F. Schmidt, Fl. Sachal. n. 325. 

Nippon: alpe Hakusan, prov. Iwashiro alpe Bandai- 
san, japonice Miyama toranowo (mis. R. Yatabe); 
Sachalin: ad Dui, Ktausipal (F. Schmidt!). 

Veronica Onoei Franch. Savat. En. II, 457. 

Nippon: prov. Kotsuke (Ono, fide Fr. Sav.), Se- 
nano: Asama (Yatabe!). 

Affinis V.murorum [^. glahriori m., sed caulis usque 
ad apicem radicans, pubes brevis, folia tenuiter den- 



— 502 — 

seque serrulata supra glabra, inferiora ovata, reliqua 
fere rotundata, racemi multiflori folio 2 — 3-lo longio- 
res, capsula obovata profunde obcordata calyce duplo 
longior crispule pubescens. Corolla ignota. — Abaucto- 
ribus cum F. officinali L. comparatur. 

Verbenaceae 

orientaliasiaticae. 

Phryma L. 

P. leptostachya L. Cod. 4367. Maxim. Fl. Amur. 
212, 475. Rgl. Fl. Ussur. n. 374. Miq. Prol. 32. 
Fr. Sav. I, 355. A. Gray, Syn. fl. N. Am. II, 334. 

Mandshuria orientalis: a jugo Bureico ad mare et 
ab Amur inferiore ad limites Koreae, jugis sylvestri- 
bus frequens ; Japonia tota in alpinis et subalpinis fre- 
quens; China: circa Pekinum in montibus, circa Kiu- 
kiang (Möllendorff!); tum in Himalaya: Nipal!, 
Khasia!, parte occid. (Royle!), America boreali atlan- 
tica ! 

Lanfana L. 

L. Camara L. Cod. 4541. Benth. Fl. Hongk. 268. 
Schauer in DC. Prodr. XI, 598. L. aculeata L. 
Hook. Arn. Bot. Beech. 205. 

Hongkong (Forbes!) culta (Augustinowicz!), Ma- 
cao in hortis (ex Hook. Arn.). Ex America australi 
orta. 

Lippia L. 

L. nodiflora Rich, in Michx. Fl. bor. Am. II, 15. 
Schauer 1. c. 585. Hook. Arn. 1. c. 205, 208. 

China australi (Vachell); Liuhiu (Hook. Arn.). 
OL. sarmentosa Schau. Fr. Sav. En. I, 357. 

Japonia, japonice Iwa dare so (Tanaka ex Fr. 
Sav.). 



— 503 — 

ß. repens Schau. 1. c. 586. 
Hongkong (Fortune! n. 50, deest in Benth. fl. 
Hongk.). Formosa, ad Tamsuy (Oldh! n. 38). 

Verbena L. 

F. officinalis L. Cod. 164. Thunb. Fl. Jap. 22. 
Hook. Arn. Bot. Beech. 268. Benth. Fl. Hongk. 
268. Miq. Prol. 29. Fr. Sav. Enum. I, 357. De- 
beaux, Florule du Tchéfou n. 152, fl. de Shanghai n. 
88. Schauer 1. c. 547. 

Japonia (Siebold!) australiori: Yokohama (ipse), 
Tokio, jap. Kuma tsudzura (Tanaka!), Yokoska (Sa- 
vat.!), Nagasaki (Oldh.!, ipse); Liukiu (Hook, et 
Arn.); Korea: portu Chusan (Wilford!); China: 
Tschifu!, Shanghai!, Amoy (Debeaux), Hongkong 
(Bent harn), Formosa (Oldh.!). Vulgivaga in calidio- 
ribus. 

V. sp. nova Hemsl. in Journ. of bot. XIV, 208. 
China centralis: Kiu-kiang(Dr. Shearer ex Hems- 

ley). 

Callicarpa L. 
Distinguitur in hoc genere inter cymas axillares et 
supraaxillares, et rêvera in nonnullis speciebus pedun- 
culi basis distincte cum caule conflata apparet, in aliis 
pedunculus usque ad basin liber, ubique tamen sub 
anthesi v. postea inter petiolum et pedunculum oritur 
gemma innovans et pedunculus supraaxillaris evadit, 
gradus vero elevationis supra axillam in quadam specie 
nonnihil variât, ita ut character hic solus ad distin- 
guendas species non sufficiat. Equidem pedunculum 
supraaxillarem dixi si basis ejus secus caulem distincte 
decurrit. 



— 504 — 

Calyx 4-fidus laciniis tubo longioribus. 2. 
» truncatus v. 4-dentatus. 3. 

2. Flores capitati, capitula globosa in cymas 
breves densas congesta , caulis petiolique 
fusoovillosissimi, folia , subtus dense tomen- 

tosa basi acuta apice acuminata maxima.. . . C. tomentosa W. 

Cymae pauciflorae densiusculae brevipedun- 

culatae, caulis folia cymaeque stellatotomen- 

tosa C. mollis S. Z. 

3. Cymae amplae valde multiflorae dimidiam 
laminam folii attingentes; dense stellatoto- 
mentosae. 10. 

Cymae parvulae pluri-v. multiflorae, petio- 

lum parum superantes. 4. 

Cymae subsessiles C. brevipes Hce. 

4. Oculo nudo glabrae, folia utrinque acumi- 
nata. 5. 

Pilosae v. tomentosae. 8. 

5. Petioli elongati, folia dense serrulata ampla 
impunctata, cymae petiolo duplo breviores v. 

ilium aequantes C. suhpuhescens H. A. 

Brevipetiolatae glandulosopunctatae. 6. 

6. Micranthae cymis Iaxis, stamina vix duplo 
corolla longiora antheris subquadratis, lobi 
corollae tubo duplo breviores. 7. 
Macrantha macrophylla , cymae axillares, 
lobi corollae tubo fere triplo breviores, an- 

tberae oblongae coroUam pi. duplo superantes C.japoniea Thunb. 

7. Microphylla, folia breve obtuse acuminata 
serrata, cymae supraaxillares pauciflorae, 

flores pedicellis 4-i ordinis inserti C. purpurea Juss. 

Macrophylla, cymae axillares, folia utrinque 
apice longe acute acuminata dense crenula- 
toserrulata, cymae valde multiflorae, pedicel- 
.lis 6-um ordinem nuncupantibus C. longifoUa Lam. 

8. Stellatotomentosae. 9. 

Pilis simplicibus hirsutissima, folia linearis 
oblonga valde acuminata basi subcordata mi- 
nute crenulata C.pilosissima m. 

9. Folia petiolata argute patentim serrulata 

basi attenuata v. rarius rotundata C.formosana Rolfe 

Folia subsessilia patentim serrulata basi cor- 

data , C. nibella Ld 1. 

10. Calyx glaber, flores parvi, folia serrata utrin- 
que attenuata C. Beevesii Wall. 

Calyx, stellatopilosus. 11. 



— 505 — 

11. Pedunculi graciles patuli, folia serrata utrin- 

que attenuata C.macrophyllaYent, 

Pedunculi crassi squarrosodivaricati, folia 

intégra' basi rotundata C. integerrima Champ. 

1. C. tomentosa W.Enum. h. berol. 158. Schauer 
in DC. Prodr. XL 647. Hook. Arn. Bot. Beech. 
205. Hance in Walp. Ann. Ill, 236. Benth. Fl. 
Hongk. 269. C. americana Lour. FL Goch. 88. 

China australi: Hongkong (o m ne s), Canton, Putoy 
cet. (Millett, Vachell). 

2. C. mollis S. Z. Fl. Jap. fam. nat. n. 526. Franch. 
Savat. Enum. I, 359. 0. Zollingeriana Schau. 1. c. 

640. Fenoki.Thunh.l FL Jap. 354, pi. obsc. n. 23. 
Japonia australiore frequens in fruticetis et sylvis, 

a Kiusiu interiore usque ad Yokohama, Tsusima(Wil- 
ford!), archipel. Koreano (Oldham!), japonice Yama 
murasaki v. in Kiusiu inter. Namainoki. 

3. (7. macrophjlla Vahl, Symb. HI, 13, t. 53. 
Schau. 1. c. 644. Benth. FL Hongk. 270. 

China australi (Bent h am): Hongkong (Fortune! 
n. 84, Forbes!), nee non in India orientali! 

4. C. integerrima Champ, in Kew journ. V, 135. 
Benth. 1. c. 270. 

China australi (Benth.): Hongkong (Wright!, For- 
bes!, Ford!). 

5. C. Reevesii Wall. Cat. n. 1830. Schau. 1. c. 

641. Benth. 1. c. 270. C. nudiflora Hook. Arn. Bot. 
Beech. 206 (fide aut. praeced.). 

China australis (Reeves! in hort. Calcutt. introd.): 
Hongkong (Benth.), Macao (Hance!), promont. Syng 
moon (Meyen), Canton (Millett), ins. Lappa (Va- 
chell). 

Melanges biologiques. XII, 64 



— 506 — 

6. G. rubella Lindl. Bot. reg. t. 883. Schauer 1. 
c. 645. Benth. 1. c. 271. C tenuiflora Champ, in 
Kew Journ. bot. Y, 135. 

China australi: Hongkong (Wright!, Forbes!), 
prov. Canton pluribus locis (Sampson!), tum in Hi- 
malaya: Khasia!, et Pendjab! 

7. C. formosana Rolfe in Journ, bot. 1882, 358. 
Formosa ad Tamsuy (Oldh.! n. 388, 389), nee non 

Philippinis (Cuming! n. 526). 

Diagnosis Rolf ei ad supellectilem pauperiorera con- 
fecta videtur, nam folia occurrunt et basi breve atte- 
nuata, cymae petiolo non semper 4-lo, sed vix 3-lo 
longiores, costae foliorum rarius utrinque 5, saepius 
9 — 10. 

8. C. pilosissima. (§ 2. **, Schauer 1. c. 643). Pilis 
setosis gilvis patentibus ad ramulos petioles cyraas et 
paginam inferiorem foliorum dense hirsuta, foliis 
brève petiolatis ex lineari oblongolanceolatis sensim 
longe acuminatis basi subcordatis obsolete serrulatis, 
superne pilis albidis brevioribus dense moUiter pubes- 
centibus; pedunculis petioles duplo superantibus, cy- 
mis divaricatobifidis densiusculis, calyce hispido ob- 
tuse dentate, corollae glabrae lobis tubo apice dilatato 
plus triple brevioribus, staminibus corollam stylum- 
que leviter bilobum triplo superantibus. 

Formosa (Oldham! n. 387. flor.). 

Similis C. angustae Schauer (Cuming! n. 1425) 
e Philippinis, quae tamen differt pube, folliis subtus 
incanis basi cuneatis, corolla extus tomentosa; nec 
non C. caudatae m., cujus diagnosin inserere liceat: 

C. caudata: Caule petiolis pedunculis foliisque 



— 507 — 

subtils gilvo floccosotomentosis , foliis superne caly- 
cibusque hispidulis viscidoque punctatis, foliis brève 
petiolatis e basi atteuuata linearilanceolatis sensim 
longeqiie caudatoacuminatis argute acuteque patu- 
loserratis, cymis cum pedunculo longitudine petioli, 
floribus numerosis dense aggregatis, calyce obsolete 
4-dentato, corollae duplo longioris glabrae lobis tubo 
late cylindrico triple brevioribus, staminibus corollam 
duplo superantibus, antheris subquadratis, stylo leviter 
bilobo stamina superante. — Foliorum lamina 100 : 18 
mm., petiolus 5 mm., cyma 12 mm. lata, calyx 1 mm., 
corolla 2 mm. 

Philippinae (Cuming! n. 1095 flor.). 

Folia C.pilosissimae petiole 5 mm., lamina 1 1 : 2 cm. 
Pedunculus 15 mm., cyma diam. 20 mm. Pedicelli 
calycem aequantes v. superantes. Calyx 1 mm., corolla 
2,5 mm. longa. 

9. G. suhpuhescens Hook. Arn. Bot. Beech. 305. 
Schauer 1. c. 646. 

Bonin-sima: ad colli um latera, frutex dumosus flo- 
ribus purpureis (Small!, Yatabe! sub nom. jap. 
Shima murasaki). Aliunde ignota. 

Species a Hookero et Arnott quidem inter mexi- 
canas describitur, sed a Hemsley in Biol, centr. 
amer. II. baud enumeratur, ex qua re patet, tantum 
confusione schedularum patriam Mexico indicatam, 
rêvera autem plantam e Bonin-sima allatam fuisse. 

10. G. longifoUa Lam. Diet. I, 562. Schauer 1. c. 
645. (excl. var. ß. et (7. japonica). G. lanceolaria Roxh. 
Fl. Ind. I, 395. 

Ghina australi: prope Canton (Han ce in Ann. so. 



--508 — 

nat. 5 ser. V, 233). Yidi e Philippinis^ Java^ Tenas- 
serim et Khasia. 

Schauer 1. c. cum C. longifolia Lam. conjungit 
C. japonicam Thnnh,, Bentham affirmât G. ameri- 
canam ab ilia interdum vix esse distinguendam, de qui- 
bus duabus confer sub sequente. Planta hongkongensis 
a Bentham G. longifolia var. hrevipes dicta sistit 
G. brevipedem H ce., de qua atque ejus differentia a 
G. longifolia vide infra. 

11. C.japonica Thunb. Fl. Jap. 60. Miq. Prol. 
30. Fr. et Sa vat. Enum. I, 358. C. longifolia a. 
suhglahrata Schauer 1. c. 645. 

Late diffusa per totam Japoniam. Ante oculos est 
e Nagasaki, Hiogo, Yokoska, Fudzi yama, Yokohama, 
Tokio (jap. Yabu murasaki, mis. Tanaka), Yezo au- 
strali ubi luxuriat et valde latifolia fit, Tsusima (Wil- 
ford!), Liukiu (Wright!). 

Fide Han ce 1. c. certe a G. longifolia h sun. distincta 
est glabritie omnium partium (excl. inflorescentia) 
foliisque late obovatooblongis apice longe caudatis. 
Me judice satis differt flore fructuque fere duplo ma- 
joribus, staminibus corollam 2-lo nee fere 3-lo supe- 
rantibus cymaque minus composita minusque divari- 
cata: ramulis 4-ti ordinis (nee 6-ti) flores ferentibus. 
Pubes utriusque furfuraceostellata , sed in G. japonica 
cito evanescit, in G. longifolia vulgo persistit. G. ame- 
ricana L. ab utraque jam pube ramosa patula fere 
araneosa vix unquam déficiente abhorret, floris mag- 
nitudine ac staminum exsertione cum G, longifolia 
consentit, cyma minore densiore cum G. japonica , sed 
ab hac pedunculo brevissimo indeque cyma quasi sub- 



— 509 — 

sessili distat. Antherae G. japonicae ab utraque diver- 
sissimae: loculi non contigui tola longitudine déhi- 
scentes, sed basi liberi attenuati hinc sinu distincto 
separat! et apice tantum quasi poro aperti. 

12. C. brevipes Hance in Ann. sc. nat. 5 ser. V, 
233. et in Journ. linn. soc. XIII, 116. G. longifolia 
var. hrevipes Benth. Fl. Hongk. 270. 

Ghina australi: Hongkong (Hance!, Wright! ex 
quo flores albi), prov. Canton (Hance). 

Cum Hanceo video: ramos flavido furfuraceo pu- 
besceutes, folia baud viscida distanter obiter serrata, 
cyraas fere sessiles, flores pauciores majores, antheras 
magnas partim tantum exsertas, fructus sphaericos 
piperiformes. In G. longifolia Lara, vero rami glabri, 
folia longiora intégra v. minute serrulata, recentia 
valde viscida, cymae laxioris pedunculi longiusculi, 
flores numerosiores triple minores, antherae late ova- 
les decuple minores, filamenta capillaria longe exserta, 
fructus apice planus plus duplo minor. 

13. G. purpurea Juss. in -Ann. mus. VII, 69. 
Schauer 1. c. 645. Miq. Prol. 30. Fr. Sav. Enum. 
I, 358. G. gracilis Sieb. Zucc. Fl. Jap. fam. nat. n. 
525. G. japonica var. angustifolia S a vat. Kwawi, 78. 
Porphyr a dichotoma Lour. Fl. Coch. 87, ex Schauer. 

Nippon australi: prov. Shima, jap. Ko murasaki 
(Tanaka), alii collectores et ipse tantum cultam inve- 
nimus; Ghina media (Fortune! A. n. 94) ad Kiu- 
kiang (Dr. Shearer!) et australi: prov. Canton ad 
West-river et prope urbem Canton (Hance!), collibus 
Lo-fau-shan (Ford!); GocMnchina (Loureiro). 

In insulis Bonin et Liukiu ex Hooker et Arnott 



— 510 — 

formae duae inventae sunt, dequibus autores sub dubio 
manserunt, aune hue pertineant. Ilia e Bonin foliis 
oblongolanceolatis sensim acuminatis, corymbis axilla- 
ribus, ilia e Liukiu foliis subrotundoovalibus subito 
acuminatis, inflorescentia ex axillis summis. In utraque 
folia juvenilia praesertim subtus farinosopubescentia, 
adulta glabra. 

Premna L. 

Stamina inclusa pi. m. didynama antheris ro- 

tundatodidymis. 2. 

Stamina longe exserta aequalia antheris ob- 

longis P. staminea m. 

2. Corymbus densus convexus pedunculis crassi- 
usculis, folia coriacea basi rotundata intégra 
V. passim grandiserrata, corolla calyce duplo 
longior lobis subaequalibus, stamina inferiora 

longiora , P. serratifoUa L 

Cymae compositae laxiflorae conicae pedun- 
culis omnibus gracilibus, folia membranacea, 
corolla bilabiata, 3. 

3. Stamina inferiora breviora, cyma conica, folia 

elliptica basi cuneata apice obtusa P. glabra A. Gray 

Stamina inferiora longiora. 4. 

4. Cyma conica elongata, folia utrinque acumi- 
nata vulgo paucigrandiserrata .P. microphylla Tcz. 

Cyma brevis subbemisphaerica, folia basi cu- 
neata apice obtusa vulgo intégra P. formosana m. 

1. P. serratifoUa L. Cod. 4535. Schauer in DC. 
Prodr. XI, 632. Benth. Fl. Hongk. 269. 

China australi: Hongkong (Hance!), Formosa 
(Oldham! n. 386), India eis! et trans! Gangem. 

Schauer banc vocat P. integrifoliam L., Hance in 
Journ. linn. soc. XIII, 116 vice versa secundam 
ducit ad P. serratifoliam et hoc nomen praeferendum, 
quia Linnaeus quaerit, anne hujus mora varietas 
sit ejus P. integrifolia. 

2. P. microphylla Turcz. in Bull. Mose. 1863, H, 



— 511 — 

217. (ex J\2 Fortunei citato). P. japonica Miq. Prol. 
29. Fr. Sav. En. I, 358. Hance in Journ. bot. XVI, 
111. Priva spec. Sieb. Zu ce. Fi. Jap. fam. nat. n. 518. 

Kiusiu: circa Nagasaki (Oldham!, ipse, incolis 
loci Haigara) v. gr. ad Himi et in Kawara-yama (Buer- 
ger!), prov. Higo monte Higo-san, alte supra mare 
(ipse), TsMsma(Wilford!); China australiore(Senia- 
win!, Fortune! A. n. 23): Ningpo (Hancock!). — 
Japonice: Hama kusagi (Tanaka!). 

In Japonia arbusculam 10-pedalem, pedem usque 
crassam sistit, in China ex Hancock fruticem 1 — 2- 
pedalem, hinc prior vera patria censenda. Exempla 
e China praeterea magis angustifolia foliis minus den- 
tatis floresque in vivo intense luteos habere dicuntur, 
nec pallide ochraceos ut in japonicis. 

Calyois dentés obtusi, superiores 3 breviores et 
minores. Corolla 6 — 10 mm. longa, in breviore limbus 
tubo parum, in longiore plus duplo brevior, labium 
superius truncatum lobos laterales labii inferioris ae- 
quans, lobus infimus major longior. Stamina medio 
tubo inserta, qui infra ilia pilosus, superiora ad fissu- 
ram inter labia, inferiora ad sinum inter lobos labii 
inferioris attingentia. Loculi antherae subglobosi. Crura 
styli aequalia. Drupa atra, putamen longitudinaliter 
eleganter verrucosum. 

Haec et duae sequentes seriem propriam consti- 
tuunt, inflorescentia laxa elongata, pedunculis omnium 
ordinum gracilioribus et glabritie distinctam. P. micro- 
phylla ex foliorum forma similis P. viburnoidi Wall., 
quae tarnen statim differt pube et inflorescentia con- 
vexa densiore. 



— 512 — 

3. P. glabra A. Gray(insched.). Fruticosa glabra fo- 
liis membranaceis ellipticis (obovatis ovatis v. ovato- 
lanceolatis) in petiolum brevem subito cuneatis obtusis 
integris, cymis conicis compositis Iaxis, pedicellis calyce 
brevioribus, calycis dentibus obtusis superioribus 3 mi • 
noribus, corollae triplo longioris bilabiatae limbo tu- 
bum calyce duplo longiorem aequante, labio superiore 
truncato, inferioris lobo medio majore, staminibus in- 
clusis supra medium tubum intus pilosum insertis su- 
perioribus longioribus, antherae loculis ovatis, styli 
lobis ovatis parum inaequalibus. 

Japoniae maxime australis ins. Yakuno-sima et Liu- 
kiu ins. Osima, in montibus (Wright! flor.). 

Frutex, ex coUectore, late ramosus 8 — 12-pedalis, 
floribus ochroleucis tubo intus lutescente. Folia lu- 
dentia magnitudine et forma, mensuris 110 : 55, 
80 : 50, 85 : 35, 70 : 25, 35 : 20 mm. Inflorescentia 
10 — 11 cm. alta, 4—6 cm. lata, pedunculorum (2 cm.) 
paribus utrinque 7 — 9. Flos 7 mm. longus. Corollae 
tubus latus extüs glandulosus brevipilosus. 

4. P. formosana. Glabra, foliis membranaceis obova- 
tis V. ellipticis obtusis v. acutiusculis basi in petiolum 
brevem sensim attenuatis vulgo integerrimis. rarius 
versus apicem obtuse parceque grandiserratis ; cymis 
compositis laxifloris late conicis subaequealtis ac latis, 
pedicellis calyce brevioribus, calycis dentibus obtusius- 
culis superioribus 3 minoribus, corollae tubulosae caly- 
cem 4-lo superantis labio superiore integro lobos late- 
rales labii inferioris aequante quam intermedins bre- 
viore, staminibus medio tubo intra ilia piloso in- 
sertis inferioribus longioribus labium inferius aequan- 



— 513 — 

tibus, antherae loculis subglobosis, cruribus styli breve 
subulatis inaequalibus. 

Formosa: Tamsuy (Oldham! n. 385 flor., s. n. Vi- 
tex spec). 

A praecedente forma foliorum et inflorescentiae sta- 
minibusque diversa. 

Petiolus 10 — 15 mm., lamina variât inter 70 : 35, 
90 : 35, 45 :'15 — 20 mm, Flos 8 mm. longus. Sta- 
mina superiora basin labii superioris attingentia. 

5. P. staminea. Innovans tomento stellato incana cito 
glabrata, foliis membranaceis ellipticis v. oblongoel- 
lipticis utrinque attenuatis basi sensim in petiolum 
brevem, versus apicem argute serrulatis, cyma com- 
posita plana laxa, pedicellis calyce glabro truncato 
4- nervi longioribus, corollae extus tomentellae intus 
glabrae calycem 3-lo superantis tubo lato subturbinato 
lirabum patulum 4-lobum subsuperante lobis rotun- 
datis 2 superioribus majoribus tenuioribus, stami- 
nibus aequalibus basi tubi insertis corollam sub- 
duplo excedentibus, antheris amplis oblongis punc- 
tis aureoglandulosis adspersis, stylo tenui longiore 
stigmatis lobis 2 rotundatis conniventibus , ovario 
2-loculari. 

Liukiu (Tanaka! flor,). 

Antherae forma et corollae lobis subaequalibus inter 
omnes notas excellons et anomala. 

Ramus ante oculos cortice laeviusculo albidoochra- 
ceo. Folia maxima petiole 7 mm., lamina 100 : 45 mm. 
concolore utrinque subquinquecostata costis arcuatis 
reticuloque distincte subtus vix prominulis sed obscu- 
rioribus, folia minora petiole 5 mm., lamina 50 : 20 — 

Melanges biologianes. Xn. 65 



— 514 — 

25 mm. Calyx 2 mm. latus et longus. Corolla 9 mm., 
genitalia exserta totidem. 

Qmelina L. 

G, chinensis Benth. Fl. Hongk. 272. 

Hongkong (Wright spec. 1 invenit, fide Bentham). 

Vitex L. 

Calyx truncatus denticulatus, folia margine 

Integra. 2. 

Calyx acute dentatus v. loljatus. 3. 

2. Glabra macrophylla, foliola 3 — 5 acuminata, 

panicula lata, flores et fructus par vi F. Loureirii H. A, 

Incanotomentosa , foliola (in nostro singula) 
obtusa obovata, panicula angusta thyrsoidea, 
flores fructusque magni V. trifoUata L. 

3. Incanae v. dense pubescentes macrophyllae, 
paniculae anguste thyrsoideae in inflorescen- 
tiam latam dispositae. 4. 

Glabra microphylla, foliola acute rhombea 
dentibus magnis mucronatis paucis, panicula 
angusta subsimplex V. Sampsoni He e. 

4. Foliola majuscula intégra v.-grandiserrata... V. Negundo L. 

» parvula profunda incisa F. iticisa Lam. 

1. V. Loureirii Hook. Arn. Bot. Beech. 206, 
t. 48. Schau. 1. c. 686. Benth. Fl. Hongk. 273. 
Hance in Journ. linn. soc. XHI, 117. V. heterophylla 
Roxb. Schau. 1. c. 686. Hce. in Ann. sc. nat. 4 sér. 
Symb. 11. Cornutia quinata Lour. Coch. 470. 

C^iwa australis : Canton (Millett), prov. Canton. 
(Sampson!), LoFaushan (Ford!), Hongkong (Hce!), 
Formosa (Oldh.! n. 384). 

Ex Hanceo glandulae peltatae luteae paginae ex- 
terioris limbi corollini in tab. citata baud expressae. 

2. F. trifoliaia L. Cod, 4638. Schau. 1. c. 683. 
ß. unifoliolata Schau. 1. c. Miq. Prol. 31. Fr. 



— 515 — 

Sav. En. I, 360. F. ovata Thunb. Fl. Jap. 257. 
Hook. Arn. Bot. Beech. 206, 268, t. 47. Debeaux 
Florule du Tchéf. n. 153. 

Japonia {Buerger \) Nippon: Nambu(Tschonoski!), 
ad Yokohama in littore (ipse), Kamakura (Savat.!), 
Hakone (ipse), Simoda (Yolkin!), prov. Sagami s. n. 
jap. Hama shikimi i. e. Skimmiae maritimae mis. Ta- 
naka), inter Kioto et Maidzuru Wakora (Doeder- 
lein!), Kiusiu circa Nagasaki in littore (Oldh.!, 
ipse). China: maritimis arenosis prope Tschifu (De- 
beaux), insulis prope Macao (Yachell), promont. 
Syng-moon (Meyen), Hongkong (Hinds!, Fort.! 
Forbesî), Formosa (Oldh.!), nec non Philippinis!, 
ins. Hawaii! et aliis, Mauritiof, Australia tropica. 

In regionibus nostris semper 1-foliolatum et con- 
stantissimum, in tropicis interdum in typum trifoliola- 
tum abiens. 

3. F. Negundoh. Cod. 4639. Schau, 1. c. 684. 
Benth. FI. Hongk. 273. Franch. PI. David. 232. 
F. cannahifolia Sieb. Zucc. FI. Jap. fam. nat. n. 520. 
Miq. Prol. 31. Fr. Sav. En.I, 360. Hemsl. inJourn. 
bot. XIV, 209. 

China: Pékin!, maritimis Tschifu, Chekiang, Kiangsi 
(David), Shansi, Honan (Debeaux), Kiukiang (Da- 
vid!, Shearer!), Ku-lung-su (Fort.!), Amoy (de 
Grijs!), Futschau!, Hongkong (omnes!), Formosa 
(Oldh.!); Japonia (hb. Lugd. Bat.!; fide Yonan-si 
inKwawi, translat. Savatieri, introductaet plantata): 
Yokohama et Nagasaki, frequens (ipse, japonice Nin- 
sin boku, Tanaka!). Distrib. India!, Phiîippinae/ ins. 
Malaicue! cet. 



— 516 — 

Vlania japonica non differt nisi foliis concoloribus, 
quae et in typo rarius obvia. 

4. F. incisa Lam. Diet. II, 605. Schau. I.e. 684. 
Deb. Fl. Tehéf. n. 154, de Tientsin n. 53. Bge 
Enum. Chin. n. 295. Turez. Enum. Chin. n. 164. 
Franeh. PI. David. I, 232. 

China boreali: eirea Pekinum in montibus, perfre- 
quens (Bunge!) nee non etiam in planitie et in alto 
monte Po-hua-shan (Dr. Bretsehneider!). 

Var. heterophylla Franeh. 1. e.: foliolis oblongis 
integris v. in eodem ramulo passim sinuatis v. profunde 
ineisis lobis integris. — Pekin (David). 

A speeie praecedente tantum foliolis minoribus et 
ineisis differre videtur, omnes vero reliquae partes 
eaedem, quam ob eausam a Benthamio conjungitur, 
a Sehauero tamen diversa habetur et geographice 
saltem bene eireumscripta invenitur. 

5. F. Sampsoni Hance in Journ. bot. VI, 115. 
China australis: prov. Canton (e diversis loeis a 

Sampson lectam misit Hance!). 

Clerodendrum L. 

Corolla infundibuliformis tubo longissimo 

{Sect. Sijphonanthus) CI. Siphonanthus K. Br. 

Corolla hypocraterimorpha pollice vix longior 
V. minor {Euclerodendrum). 2. 

2. Axilliflora foliis oblongolanceolatis. 3. 
Paniculae terminales. 4. 

3. Calyx truncatus vix dentatus CI. inerme R. Br. 

» acute 5-fidus 67. fortunatum L. 

4. Panicula compacta. 5. 

« laxa. 7, 

5. Parce breve strigosum, folia cordata grandi- 
dentata, panicula densa'capitata, corollae tu- 
bus limbum calycemque 5-lo superans C. foetidum Bge. 

Villosa V. tomentosa, corollae tubus calyce 

2-lo longior. 6. 



— 517 — 

6. Calyx amplus laciniis ovatis acuminatis, folia 

subcordatoovata acuminata C. canescens Wall. 

Calyx parvus laciniis subulatis, folia subcor- 

datorotunda acuta C.fragrans Vent. 

7. Folia esquamata. 8. 

» glandulis peltatis dense squamata. 11. 

8. Folia cordata v. cordatoovata, calyx amplus 
canostrigosus, corollae tubus Vg calyce longior. CI. infortunatum L. 
Folia basi cuneata. 9. 

9. Calyx aequalis, corolla semipollicaris. 10. 

» inflatus amplus, corolla ultrapollicaris, 
folia ovata subito cuspidata C. trichotomum Thunb. 

10. Panicula grandibracteata, calyx 5-fidus, folia 

ovatooblonga caudato-acuminata C. formosanum m. 

Panicula minute bracteata, calyx 5-dentatus, 

folia oblongoelliptica obtuse acuminata . .. . CcyrtophyllumTcz- 

11. Calyx 5-fidus parvus, corollae tubus calyce 

4-lo longior, folia cordatohastata 5 — 7-lobata. C. panicidatum L. 

Calyx 5-partitus, corollae tubus calyce 2-lo 

longior, folia cordata denticulata C. squamatum Vahl. 

1 . Clerodendrwn Siphonanthus R. B r. in Ai t. h. Kew. 
ed. 2, IV, 65. Schauer 1. c. 670. Hook. Arn. Bot. 
Beech. 205. 

China australis (Vachell), India! tropica, Java. 

2. CI. inerme R. Br. in Ait. 1. c. Schau. 1. c. 660. 
Hook. Arn. 1. c. 205, 268. Benth. Fl. Hongk.271. 
Volkameria inermis Lour. Fl. Goch. 471. 

China australi: Canton (Loureiro, Millett), Macao 
(Vachell), Whanipoa(Hance!), Hongkong (Wright!), 
Formosa (Oldham! n. 392 fl., 397 frf.); Liukiu 
(Hooker et Arnott, Tanaka!). 

3. CL fortunatum L. Cod. 4634. Hook. Arn. 1. c. 
Schau. 1. c. 671. Osbeck It. 228, 1. 11. G. castanei- 
folium Hook. Arn. 1. c. Schau. 1. c. 672. C, lividum 
Lindl. Bot. reg. t. 945. Benth. Fl. Hongk. 272. 
Schau. I.e. 673. C. pentagonum Hce. in Walp. Ann, 
III, 238. 



— 518 — 

China australis: Hongkong (omnes!), Whampoa 
(Hancel), Canton (Millett). 

Fide Seemann vera planta Linnaei, conf. Hance 
in Journ. linn. soc. XIII, 117. 

4. GL foetidumBge. Enum. Chin. n. 296, necDon. 
Schauer 1. c. 672. Bot. mag. 4880. C. Bungei 
Steud. Nomencl. VanHoutte Fl. d.serr.IX, t. 863. 

China: hortis Pekinensibus cultum (omnes!). 

(7. foetidum Don, Prodr. Nepal. 103, quod CL 
Buchanani Walp. Eepert. IV, 108, DC. Prodr. XI, 
672. Bungeano nomine quidem vetustius, Schauero 
mihique incognitum est. 

Planta quam ß. integrifolium dixit Hasskarl in 
Retzia I, 60, e Singapur in hortum bogoriensem intro- 
ducta, diversissima species videtur, sed a me non visa. 

5. CL canescens Wall. Cat. 1804. Schauer 1. c. 
665. Benth. FI. Hongk. 272. 

China australis (Reeves!): Hongkong, frequens in 
planitie (Benth a m). Extra Chinam non inventum. 

6. Cl. fragrans Vent. Jard. Malm. t. 70 (fl. sim- 
plici). Schauer 1. c. 666. Hook. Arn. Bot. Beech. 
205, 268. 

China australi (Hook. Arn.): Hongkong (Forbes!), 
Amoy sponte (Hance inschedis), Liukiu (Rook. Arn.). 
ß. pleniflorum Schauer. 

Formosa: Tamsuy (Oldh.I n. 394.) et toto orbe 
cultum. 

Schauer sub mr.ß. laudat Bot. reg. XXIV, 1838, 
41, quae flore simplici gaudet et ex Decaisne (in V. 
Htte Fl. d. serr. IX, 17 in adnot. ad C. foetidum) 
speciem propriam sistit, CL Lindleyi Dne, limbo co- 



-519 — 

, rollae minore, radice stolonifera facile propagatam atque 
Parisiis rusticam. Addit tarnen Planchon (in V. Htte 
1. c.) plantam Parisiensem ab ilia a Lindley in bot. 
reg. depicta differre flore inodoro et surculis innovan- 
tibus violaceovelutinis (d'un velouté de couleur violette), 
atque quaerit, anne et hic duae species lateant. Lindley 
vero de sua planta habet, tepidariam esse et primo 
gelu necatam. 

7. Cl. infortunatum L. Cod. 4633. Lour. Fl. Goch. 
471. Schauer 1. c. 667. GL viscosum Vent. Jard. 
Malm. t. 25. Hook. Arn. Bot. Beech. 205, 268. 

China australi (Vac h eil), Liukiu (Hook er et Ar- 
nott). India!, Ceylon. 

8. Cl. trichotomum Thunb. Fl. Jap. 256. Schauer 
1. c. 668. Sieb. Zucc. Fl. Jap. fam. nat. n. 521. 
Miq. Prol. 31. Fr. Sav. En. I, 359. Banks, Ic. 
Kaempf. t. 22. Seo Kusits vulgo Kmoggi, Kaempf. 
Amoen. 827. 

Japoniaj frequens arbuscula a Kiusiu usque ad 
Yezo australem, China media (Fortune! A. 45), 
Shanghai (Augustinowicz!) et australi, Formosa 
(Oldh.! n. 391). 

Debeaux (florule de Shanghai n. 89), qui ad fossas 
occurrere dicit, ait, plantam esse perennem 10 — 14jdm. 
altam: an nostra unquam ita occurrat dubito. 

9. CI. formosanum. (Sect. 1, § 5. PamcwWa, Seh au er) 
Ramis panicula parceque petiolis pube strigosa brevi 
tomentellis, foliis oppositis modice petiolatis membra- 
naceis opacis subtus paulo pallidioribus glanduloso- 
punctatis ad venas parce strigosopuberis et ad venarum 



— 520 — 

orîginem parcissime sqiiamatis cuneatoovato-oblongis 
sensim longe caudato-acuminatis; panicula terminali 
effusa amplissima, bracteis numerosis foliaceis petio- 
latis lanceolatolinearibus cymas cymulasque fulcien- 
tibus earumque pedunculos excedentibus, cymis iterato- 
trichotomis multifloris, flore parvo, calyce ipso brevius 
pedicellate acute 5-fido, corollae glandulosopunctatae 
tubo gracili brevi. 

Formosa (Oldham! n. 396 cum alab.) 
A praecedente multis notis discrepat. Cl. irichoto- 
mum non est glabrum, uti vult Schauer, sed ad eas- 
dem partes ut nostrum pube paleacea ochroleuca pu- 
bescens, folia longe petiolata latius ovata subito cus- 
pidata, panicula parcius bracteata bracteis ovatis cito 
caducis, cymae pauciores minus multiflorae, calyces 
coroUaeque duplo saltem majores, priores inflati penta- 
goni, corolla glabra, stigmatis crura brevissima. 

Petioli Cl. formosani lYa-poUicares, lamina usque 
8-pollicaris et 3 poil. lata. Calyx 8 mm., alabastrum 
vix rumpens 9 mm. longum, lobis corollae oblongis 
obtusis. Stamina 4 fauci inserta serius longe exserta 
stylusque longior glabra, antherae ovatooblongae basi 
bifidae, stylus apice brève acuteque bifidus. 

10. Cl, cyrtophyllum Turcz. in Bull. Mose. 1863, 
II, 222. ex descr. et JV?. Fort. cit. Cl. amplius Hance 
Advers. 34 in Ann. sc. nat. 5 sér. V. Franch. PI. 
David. I, 231. 

China: media (Fortune! A. 17), Amoy (de Grijs!), 
Kiangsi ad Kiu-kiang (David), ins. Chusan (Fort. 
IIA. s. n. Cl. trichotômi ex Franchet), ins. St. Jo- 
annis maris chinensis (Stewart! mis. Hance), For- 



— 521 — 

raosa (Old h.! n. 398), ins. Hainan parte boreali 
(Hance!), prov. Canton (Krone ex Hce). 

11. CL paniadatum L. Cod. 4636. Schauer 1. c. 
668. Hook. Arn. Bot. Beech. 268. G. pyramidale 
Wall.! Catal. 1882. 

lAukiu (Hooker et Arnott). Formosa (Oldham! 
n. 395). India trans Gangem et insulae, v. gr. Penang 
(Wallich!), Java. 

Planta formosana florere incipiens hue ducenda vi- 
detur, quamvis folia floralia indivisa, quae in iconibus 
et spec.malo Wallichii lobata sunt, et corollae tubus 
calyce duplo tantum longior, neque, ut a Schauere 
descriptus, calycem 4-lo superans, sed hoc sane ob 
corollam juvenilem. 

12. Gl. squamafum Vahl, Symb. II, 24. Schauer 
1. c. 669. Hook. Arn. 1. c. 205. Sieb. Zucc. Fl. 
Jap. fam. nat. n. 522. Miq. Prol. 31. Fr. Sav. En. I, 
359. Hance in Journ. bot. XVII, 13. Volkameria 
KaempferiJsiCci. Ic. rar. Ill, t. 500. Banks Ic. Kaempf. 
t. 58. Volk japonica Thunb. Fl. Jap. 255. Go too 
vulgo Go too giri, Kaempf. Amoen. 861. 

Ghina australi (Hooker et Arnott): ins. Hainan 
(Hancock!), in boreali! et in Japonia! cultum. India^ 
Mauritius! 

Ex Kaempfero in Japoniam introductum ex ins. 
Luzon et ex Korea, inde et ab indigenis Rjuke giri et 
Korei giri appellatur. 

Species dubia. 

Glerodendrumpumilum^^r, Syst. II, 759. Schauer 
1. c. 674. Volkameria piimila Lour. Fl. Coch. ed. 
Willd. 472. 

Melanges biologiques. XII. 66 






— 522 — 

China: Canton (Loureiro). Schaiiero ignotum. 

Ex descriptione Loureirii ad axillaria pertinet, 
folia lanceolata, corolla longa subaequalis 5-fida, sta- 
mina didynama exserta. 

Garyopteris Bge. 

De plurimis hujus generis speciebus jam antea trac- 
tavi, itaque satis erithic clavem analyticam omnium 
mihi notarum antemittere, sinico-japonicas vero bre- 
vibus verbis enumerare. 

Frutices, cymae pluri — v. multiflorae. 2. 
Suffirutices foliis ovatis, cymae 1 — 3-florae, lobi 
coroHae integri. 6. 

2. CoroUae lobus infimus integer. 3. 

» » » fimbriatus, cymae sub- 

confertae. 4. 

3. Cymae confertae, folia lanceolata acuminata a 

medio serrata C. Wcdlichiana Schau. 

Cymae laxiflorae, folia ovata brève acuminata 

a basi grandiserrata C. divaricata m. 

4. Calyx 5-fidus, folia cordatoovata v. ovato- 

oblonga grandiserrata C. incana Miq. 

Calyx 5-dentatus, folia lanceolata v. lineari- 
lanceolata. 5. 

5. Folia linearilanceolata intégra v. pauciserrata, 

fimbriae corollae 2 — 3-fidae C. mongolica Bge. 

Folia lanceolata incisopauciserrata, fimbriae 

corollae simplices C. tangutica m. 

6. Pedunculi 3-flori, calycis laciniae lanceolatae 

acuminatae C. terniflora m. 

Pedunculi 1-flori, calycis lobi ovati acuti C. nepetaefolia va. 

1. C. divaricata Maxim, in Mél. biol. IX, 829. 
Clerodendron div. Sieb. Zu ce. FL Jap. fam. nat. n. 
523. Miq. Prol. 31. Fr. Sav. Enum. I, 360. Kari- 
gane-sô, Soo bokf, XI, 40. 

Japonia (Siebold!, Buerger!, Tanaka! s. nom. 
jap.Hokake-sö): Yokoska(Savatier!), Hakodate (ipse), 
Korea: Söul (Dr. Gottsche! in hb. Engler). 



— 523 — 

2. G. incana Miq. Prol. 29. Nepeta incana Tliunb. 
FI. Jap. 244. Car. Mastacanthus Schauer 1. c. 625. 
Benth. FI. Hongk. 268. Fr. Sav. Enum. I, 357. 
Hance in Journ. linn. soc. XIII, 166. Barbula sinensis 
Lour. Fl. Goch. 444. Hook. Arn. Bot. Beech. 205. 
Mastacanthus sinensis Endl., Lindl. Bot. reg. 1846, 
t. 2. 

Japonia (Mi quel!, Tanaka!, jap. Dangiku): Naga- 
saki (Oldh.!, ipse), Yokohama (ipse); China: Canton 
(Millett), Macao (Vachell), Hongkong (Forbes!), 
Futschau (Augustinowicz!), Kiu-kiang (Shearer!), 
Amo}^ (Fortune!), alio loco reg. mediae (idem!). 

Ex H an ceo lignum Juniperi virginianae spirat. 

3. G, tangutica Maxim, in Mél. biol. XI, 301. 
Ghinae occidentalis prov. Kansu parte alte alpina 

(Przewalski!). 

4. G, mongolica Bge. PI. mong. chin. dec. 27. 
Franch. PI. David. I, 231. 

Mongolia austroorientalis: secus tractum mercato- 
rium (Bge!, Kirilow!), v. c. ad Iro (Tatarinowl), 
jugo australi finitimo Muni-ula et in territorii Ordos 
valle fl. Hoangho (Przewalski!), Ulaschan (David!), 
jugo Alaschan australi (Przewalski!). 

ß. serrata m.: foliis passim pauciserratis. 

Ghinae prov. Kansu ad Hoangho super., ait. 7 mill, 
ped. supra mare, jugo Nan-shan inter Mongoliam et 
Tsaidam finitimo (Przew^alski!). 

5. G. terniflora Maxim, in Bull. soc. natur. Moscou, 
1879, 40. 

Ghina occidentali: prov. Schensi et Kansu (Piasez- 
ki!), Hu-peh boreali (David!). 



— 524 — 

6. G, nepetaefoUa Maxim, in Mél. biol. IX, 830. 
et inBull. soc. natiir. Moscou, 1879, 40.. Franch. PI. 
David. I, 231. Teucrium nepet. Benth. in DC. Prodr. 
XII, 580. 

Giina media (Fortune!): Ningpo (Hancock!), ad 
lacum Ta-hu prope Shanghai (P'orbesl), prov. Hu-peh 
boreali (David). 

Sphenodesma Jack. 

S. unguiculata Schauer 1, c. 623. Hance in Journ. 
bot. XXI, 355. 

China australi: ins. Hainan, scandens in bambusetis 
ditionis Lai (Hance). Distrib. Tenasserim!^ Khasia! 

Ävicennia L. 

Ä. officinalis L. Cod. 4642. (sub A. tomentosa). 
Schauer 1. c. 700. 

China australi (Moyen) et in aestuariis orbis an- 
tiqui, V. c. India!, mari Buhro!, Australia! et alibi. 

Genus excludendum. 

Erythrostaphyle vitiginea Hcel in Journ. bot. XI, 
266, ex ipso, duce Oliver in litt., ibid. XII, 184. 
est Jodis species, inter Olacineas. — China australis, 

Platypholis gen. nov. 

Orohancheae. 

Calyx ebracteolatus antice et postice sectus, seg- 
mentis bilobis. Corolla breve lateque tubulosa, parum 
incurva, labiis brevibus erectis: superiore majore trun- 
cate, inferiore acute trilobo. Stamina 4 didynama 
exserta parallela recta, posticis longioribus. Antherae 
parvae connective adnatae loculis parallelis oblongis 
muticis. Stylus longitudine staminum longiorum, stigma 
capitatum. Ovarium basi nudum, placentis 4 parieta- 



— 525 — 

libus per paria approximatis. Capsula et semina ig- 
nota. — Caulis crassus brevis squamis ovatis v. obova- 
tis planis subcontiguis in bracteas majores abeuntibus. 
Spica ovoidea brevis densa. Flores e bracteis parura 
exserti majusculi. 

PI. Boninsimae. 

Bonin-sima (prof. Yatabe specc. 2. flor. misit). 

Genus affine Conopholi Wallr., quae differ! calyce 
antice tantum secto, postice 4-dentato, 2-bracteolato, 
corollae galea tuboque longiore incurvis, lobis majo- 
ribus, staminibus e galea non exsertis subaequalibus 
(superioribus tarnen et hic longioribus), antherarum 
loculis mucronatis basi divergentibus. Lathraea corol- 
lae tubo breviore calyceque ebracteolato congrua, ca- 
lyce 4-lobo, galea biloba, staminibus (posticis item 
longioribus) galeam aequantibus, antheris mucronatis 
barbatis, ovario antice cum glandula crassa disci cog- 
noscitur. Omnium propius genus videtur Boschniahia, 
calyce cupulato breve 5-dentato, staminibus inclusis, 
stigmate late bilobo, placentis bifidis tantum distinctum. 

14 — 16 cm. alta, 8 mm. crassa, basi ipsa dilatata 
tuberiformi. Spica 4 cm. alta et lata. Bracteae 20 mm., 
corolla 22 mm. longae, calyx bractea brevior. Stamina 
inferiora breviora galeam aequantia, superiora stylo 
aequilonga, 3 mm. galea longiora. 

Mosla Fordii. Spithamaea simplex pubescens griseo- 
viridis, foliis linearioblongis v. linearilanceolatis utrin- 
que acutis serrulatis; racemis terminalibus capitatis 
brevissimis, bracteis imbricatis inferioribus sessilibus 
reliquis subpetiolatis integerrimis longe pectinatocilia- 
tis ovatis ellipticisve cuspidatis calyce fructifero duple 






— 526 — 

aucto turbinato aperto brevioribus, pedicellis calyce 
subaequaliter 5-fido brevioribus, laciniis calycinis 
subulatis, corolla calycera vix duplo superante bis 
longiore quam lata exannulata, antheris cassis 1-locu- 
laribus; nuculis tubo calycino occultatis subglobosis 
obiter reticulatis, styli ramis brevibus subparallelis. 

China: prov. Canton, ad Lo-fau-shan (Ford! fl. frf.). 

Inter M. japonicam et M. chinensem ça., habitu, 
nuculis, antheris cassis prioris, corolla (tarnen tantum 
4 mm. longa) foliisque posterioris, bractearum forma 
puisque ab utraque distincta. 

Bracteae 4,5 mm., calyx sub anthesi sy^ mm., fruc- 
tifer 5 mm., corolla 4 mm. et ultra, nucula 1 q. exc. 
mm. Folia 23 : 4 mm., capitula 10 : 6 — 7 mm. magna. 

Nepeta subIntegra. (Sect, 2, Pycnonepeta § 2^ Ben th.). 
Elata fastigiatoramosa retrorsum pilosa, foliis parce 
pilosis longe petiolatis petiolis patenter pilosis, lamina 
subtus glandulis impressis punctata inferiorum corda- 
toovata obtusa, reliquorum oblongolanceolata acutius- 
cula, floralium flores aequantium subsessili ovata acu- 
minata, margine foliorum infimorum subregulariter 
grandicrenatoserrato dente terminali maximo, sequen- 
tium incisocrenatoserrato incisuris baseos majoribus 
omnibus patulis, summorum basi 1 — 2-serrato v. in- 
tegro; verticillastris densis floribusque subsessilibus in 
spicam terminalem elongatam densam vix basi inter- 
ruptam digestis, bracteis lanceolatis v. intimis lineari- 
bus acutis calyce longioribus v. aequalibus, flore parvo, 
calyce 15-nervio sursum longius piloso leviter incurvo 
ore obliquo 5-dentato dentibus acute deltoideis, corol- 
lae azureoviolaceae tubo vix exserto limbum aequante. 



— 527 — 

galea porrecta acute 2-dentata staminibus siiperioribus 
vix breviore, labio 3-fido lobis lateralibus ovatis acu- 
tiusculis intermedio majore truncatobilobo , nuculis 
(juvenilibus) laevibus. 

E Mongolia boreali orta dicitur, ubi circa Urga 
hieme 1883 semina legerat et iniserat Przewalski; 
floruit in horto Regeliano Julio 85. 

Affinitas cum nulla e notis bene expressa. 

Summitas ante oculos iy2-pedalis, tota graveolens. 
Petioli 35, lamina 50 : 20 mm. S pica principalis 1 3 cm., 
non incluso verticillastro remoto infimo. Verticillastra 
circiter 12 -flora. Calyx 4 mm., dentés infimi 2 vix 
minores subconniventes. Corolla 9 mm. extus ad 
limbum pilosa, intus in tubo parce pilosiuscula. Anthe- 
rae atrae. Styli crura acuta aequalia, antberas supe- 
riores non attingentia, inferiores superantia. Ovaria 
laevia, processu disci aequilongo lineari albo. 

Dracocephalum ppunelliforme. (Sect, 3. Moldavica 
Benth.). Ascendens vix pédale pilis aridis flexuosis 
pubescens, foliis parcissime versus basin serratis sae- 
pissime integris petiolatis (superioribus brevissime) 
ovatis inferioribus obtusis, reliquis acutiusculis, flora- 
libus imis oblongis basi orbiculatodilatatis, superiori- 
bus sensim orbiculatis breve subito cuspidatis ciliatis 
pilosisque; verticillastris confertis in spicam late ova- 
tam, calyce basi piloso margine brevissime ciliolato 
bilabiato labiis aequilongis: superiore 3-dentato den- 
tibus ovatis, inferiore 2-lobo lobis lanceolatis, omnibus 
breve mucronatis; corolla ampla calyce 3-lo longiore 
ad galeam erectam labium superantem apice cucullato 
emarginatam stamina tegentem pilosa ceterum cum 



— 528 — 

genitalibus glabra, lobo labii medio majore transverse 
orbiculato incisodentato , lateralibus ovatis integris, 
tubo parum inflato intus pilosoannulato. Utsubo gusa. 
Soo bokf, XI, 9 (foliis acuminatis paulo discrepans). 

Nippon: prov. Senano s. n. jap. Jindou sö(Tanaka), 
prov. Kaga monte Hakusan, s. n. jap. Tate-yaraa utsubo 
gusa (Yatabe). 

Typus proprius, nonnihil in mentem vocans Prunel- 
lam grandifloranij et paulo accedens ad D grandiflorum 
L., quod tamen adhuc nimis distat et aliae section! 
adnumeratur. 

Petioli inferiores 7 — 10 mm., superiores 2 — 4 mm., 
lamina inferiorum (minorum) 30 : 15 — 20 mm., supe- 
riorum (sensim majorum) a 55:35 ad 60:30 mm. 
Calyx 11 mm. ultra dimidium in labia fissus, 13-ner- 
vius ac reticulatus, purpureo suffusus. Corolla (pur- 
purea ?) 30 mm., annulo pilorum incompleto parcius- 
culo brevipilo. Stamina inferiora galea distincte, supe- 
riora vix breviora. Stylus stamina breviora aequans, 
lobis subulatis elongatis. 

Adnot. D. urticifolium Miq., jam habitu v. gr. 
stolonibus debilibus elongatis Gedronellam cordatam 
Benth. referens, ob antherae loculos paralleles a 
Dracocephalo removendum et Gedronella urticifolia 
salutandum est. 

Philoxerus Wrightîi Hook. f. in Gen. pi. Ill, 40 (nomen). 
Glaberrimus nanus caespitoso-ramosissimus et radicans, 
foliis carnosulis planis spathulatis axilla imberbi, ca- 
pitulis brevipedunculatis ramulos breves terminantibus 
paucifloris, flore opaco lacteo, bracteis bracteolisque 
parum minoribus hyalinis ovatis calyce fructifero plus 



— 529 — 

2-lo brevioribus, sepalis ovalibiis exterioribus 3-inte- 
rioribus 1-nerviis patulis in fructu subinduratis cari- 
natis conniventibus. 

Liukiu: in fissuris rupium (Wright! n. 240 fl. c. fr.): 
Ö-sima, rupibus maritimis rarus (Tashiro! nond. fl.). 

Ab omnibus speciebus a Hookero huic generi ad- 
judicatis differt bracteolis bractea brevioribus (nee 
longioribus) omnibus ovatis obtusis. Proximus videtur 
Ph, crassifoUo Kth., e Mexico et ÄntiUis, qui tarnen 
rhachi villosiuscula calyceque bracteas aequante abunde 
distinctus videtur. 

Caules fere spitharaaei in caespitemvix ultra 2 -poll, 
altum dispositi. Folia 7:3 mm. internodia 2 — 3-lo 
superantia. Capitula 5 — 7 mm. alta, circa 10 — 15- 
flora. Bractea 1% mm. bracteolis triente longior, om- 
nes 1-nerviae. Calyx sub anthesi turbinatus vix3mm. 
longus pedicello incrassato latior, fructifer 3,5 mm. 
pedicello subgloboso farcto et duro aequilongus, sed 
triente angustior, conicoconnivens , sepalis primum 
hyalinis medio subviridulis, tum totis albidis pellucidis 
cum margine hyalino angusto, interioribus angustiori- 
bus. Staminum columna tenerrima, parte connata 
filamentorum liberam aequante. Antherae flavae, vir- 
gineae oblongae, dehissae late ellipticae filamenti par- 
tem liberam fere deltoideosubulatam aequantes. Stylus 
stigmatibus acute crasse subulatis patentibus germi- 
neque orbiculato longior, fructu mature brevior et 
persistens. Utriculus compressus membranaceus calyce 
inclusus. Semen brunneum opacum testa membranacea, 
cum albumine centrali discoideo hinc medio parieti 
adnato. Embryo albidus cyclicus, radicula cotyledonum 
longitudine ac illis subcrassiore cylindrica acutiuscula. 

Melanges biologiques. XII. 67 



— 530- 

Atriplex arenaria Nutt. Gen. I, 198. Gray, Man. 
409. S. Wats, in Proceed. Amer. Acad. IX, 112. 
Hook, et Arn. Bot. Beech. 157. OUone aren. Moq. 
in DC. Prodr. XIII, 2, 107. 

Liukiu: ins. Miyako juxta Formosam (Tashiro). 
Distrib. America borealis! atlantica littoralis, Veracruz 
Mexici et Chile, ex Mo quin. E California quidem 
enumerant Hooker et Arnott, sed fortasse ex 
confusione patriae, nam in Bot. of California II 
omittitur. 

Asarum Forbesi. Fibris radicalibus crassis, internodiis 
abbreviatis, foliis membranaceis concoloribus longe 
petiolatis cordatoreniformibus ; calycis tubo campanu- 
lato intus elevatoreticulato, lobis ovatis laevibus, fauce 
extus baud constricta intus membranaceoannulata, 
filamentis basi adnatis, antherarum processu brevis- 
simo, stylis erectis teretibus supra stigmata lateralia 
bifidis cruribus obtusis arete continuis, ovario ultra 
semisupero. A. Blumei H ce. in Journ. bot. XX, 293. 

China: prov. Cliekiang, ad Meichi (Forbes et 
Carles!). 

Folia A. Sieboldi Miq., recte observante Hance, 
perigonii forma et magnitudo fere A, variegati A.Br., 
praeter annulum in fauce tubi qui, sicut reliqui cha- 
racteres florales. A, Blumei Duch. 

Petioli 135 mm., lamina in folio uno 67 mm. lata, 
58 mm. v. a basi sinus mensa 43 mm. longa, in folio 
secundo speciminis missi eaedem mensurae 120, 60, 
54, 41 mm. Pedunculus parte exserta 10 mm., calyx 
15: 10 mm., tubi parte libera 8 mm., lobis 4 mm. 
Styli ultra % tubi sub anthesi attingentes tota longi- 



— 531 — 

tudine stamina superantes. Antherae oblongae fila- 
mento duplo longiores. 

Piper L. 

Species sinico-japonicae. 

Flores hermaphroditi. Planta glabra foliis 
tenue membranaceis 5-nerviis ovatoellipticis 

acuminatis P. chinense Miq. 

Flores dioici. 2. 

2. Spicae oppositifoliae. 3. 

» axillares, folia cordatorotunda ampla. . P. Postelsianum m. 

3. Kamuli foliaque subtus pubescentia. 4. 
Glabrae. 5. 

4. Folia basi valde obliqua semicordata, spicae 

patulae P. puhertdum Bth. 

Folia profunde aequaliter cordata, spicae re- 

flexae P. sinense C. DC. 

5. Spicae utriusque sexus elongatae cylindricae, 
folia septuplinervia acuminata pi. juvenilis 
subcordatoovata adultae basi obliqua ovato- 

oblonga v, ovatolanceolata . P. Futokadsura Sieb. 

Spicae $ elongatae quam 2 niulto longiores. 6. 

6. Folia 5— 7-plinervia basi pi. m. obliqua. 7. , 

» oblongoelliptica penninervia P.officinarum C. DC. 

7. Folia oblonge- v. ovato - elliptica sensim acu- 
minata P. Hancei m. 

Folia orbiculato- v. rite ovata subito acu- 
minata P. sarmentosum Roxb. 

1. ? P. chinense Miq. in Hook. Lond. journ. bot. 
IV, 439. C. DC. in DC. Prodr. XYI, 1, 375 (inter 
spec, minus notas). 

, China (Millett in hb. Hooker, fide Miquel). 

2. P. Postelsianum. (Macropiper Bth. et Hook. f. 
Gen. pi. Ill, 129). Glabrum, foliis amplis longe petio- 
latis profunde cordatoorbiculatis subito breve obtuseque 
cuspidatis membranaceis 1 3-nerviis nervis subtus pro- 
minulis 5 mediis fere aequicrassis centrali usque in 
acumen producto reliquis ante marginem anastomo- 
santibus, petiole ultra Yg vaginante alis linearibus, 



— 532 — 

pedunculis geminis petiolo pi. duplo fere triplo bre- 
vioribus, rhachi inter flores pilosa, bracteis peltatis 
orbiculatis cucullatis pedicellatis, staminibus 2 (3 ?) 
filamento brevi insidentibus, loculis ovoideis discretis 
filamento brevioribus. Pothomorphe subpeltata Miq. in 
Hook. Lond. journ. bot. IV, 431 (ex JV?. coll. citato). 

Bonin-sima (Postels!, Hertens! n. 86, Yatabe! 
sub nom. jap. Taiyö futokadsura). 

Mi quel ob habitum sane ad Pothomorphen relegavit 
et sterile tantum habuit, nam flores in Pothomorphe 
hermaphroditi. Proximum P, guahanense C. DC. 
(Macropiper methysticum et M, latifolium Miq., fide 
Cas. DC.) differt foliis subtus ad venas ochraceohirtis 
duplo minoribus 9 — 11-nerviis sensim acuminatis, ala 
petioli breviore, spicis (Ç) singulis. 

Lamina 22 cm. lata et longa, sinu angusto 4,5 cm. 
alto, petiolus 7,5 cm., vagina 3 cm. Internodia petiolo 
breviora. Pedunculi 2,5 — 3 cm. Spicae 11 — 13 cm. 
longae, 3 mm. crassae, basi apiceque obtusae. 

3. P.puberulum'BQXiih. Fl. Hong. 335 (sub Ghavicd). 
P. arcuatum Seem. Bot. Herald, 415, — non Miq. 
? P. HongJcongense C. DC. 1. c. 347 (ex descr.) 

Honghong (Hance, ex Bent h am). Non vidi. 

C. DC. 1. c. 360. habet e Hongkong P. arcuatum 
Miq. in Seem. Herald, et de specie Benthami silet. 
Tum enumerat var. 8. triplinerviam e China (C all er y , 
fide Miq. Syst. 335). 

4. P. sinense C. DC. 1. c. 361. Ghavica sin. Champ, 
in Kew journ. bot. VI, 116. Benth. Fl. Hongk. 335. 

Hongkong (Hance!, Forbes!). 

5. P. Futokadsura Siebold in. Sieb. Zucc. Fl. 



— 533 — 

Jap. fara. nat. II n. 455. Miq. Prol. 303. Fr. Sav. 
Enum. I, 443. C. DC. in DC. Prodr. XVI, 1, 346. 
Piper foliis 7-nerviis Thunb.! Fl. Jap. 351, pl. obsc. 
n. 7. P. arcuatum var, Miq. in Ann. mus. lugd. bot. 
I, 135. 

Japonia (Mi quel!, Tanaka! sub nom. jap. kiuma 
(fol. latioribus) et Futou katsura (fol. angustioribus): 
circa Nagasaki frequens (Oldh.!, ipse), Nippon: Tokio, 
culta s. nom. Biwats (ipse), Kamon saki (Savatier!); 
Formosa, ad Tamsuy (Oldh.! n. 468 steril, sub hoc 
nomine missa). 

6. P. officinärum C. DC. 1. c. 356. Chavica ofßc. 
Miq. Syst. 256. 111. 39, t. 34. et in Lond. journ. bot. 
IV, 433. 

China (Millett, fide Mi quel), tum in Philippinis! 
Gelehe, Java!, Sumatra. 

7. P. Hancei m. Chavica leptostachya Hance in 
Journ. bot. VI, 301. 

China: prov. Cantoniensi (Sampson! 5 et 5 misit 
Hance); Liukiu (Tanaka! $): Ö-sima (Wright! 5 et 
fructif.). 

8. P. sarmentosum Roxb. Fl. Ind. I, 162. C. DC. 
1. c. 352. Chavica sarm. Miq. Syst. 242. Benth. Fl. 
Hongk. 335. P. fragile Benth. in Hook. Lond. journ. 
bot. II, 234. (a C. DC. 1. c. 358. e Nova Guinea 
seorsim inter multiplinervia enumeratum). Ch. heile 
Seem. Bot. Herald 415, neque Miquel. 

China australi: Canton (Hance!) et prov. Canton, 
(id.!, Sampson!), Hongkong (Hance!). 

P. heile L. a C. DC. 1. c. 359, fide Miquel ad pl. 



— 534 — 

Seemanni e Hongkong enumeratum, ex Bentham 
hue pertinet. 

Machilus Rumpb. 

Species sinicojaponicae. 

Folia subtus tomentosa. 2. 
» » glabra v. vix pilosula. 4. 

2. Folia basi rotundata obovatooblonga, panicu- 

lae laxae longe pedunculatae M, Grijsii Hce. 

Folia basi cuneata. 3. 

3. Tomentum villosum patulum, folia acute acu- 
minata, paniculae sessiles M. velutina Champ. 

Tomentum appressum, folia obtuse attenuata, 

paniculae pedunculatae M. Kdbu m. 

4. Folia coriacea. 5. 

» chartacea M. japonica S. Z. 

5. Gemma dorso ramulique saltem novelli tomen- 
tosa. 6. 

Gemma margine squamarum ciliata. paniculae 

folio breviores, ramuli glabri M. Thunhergi S. Z. 

6. Folia elongatolanceolata subtus secus venas 
parce pilosula, paniculae longe pedunculatae 

apice dense multiflorae ceterum laxae 31. oreophüa Hce. 

Folia basi cuneata obovatooblonga apice subito 
breve obtuse cuspidata glaberrima, paniculae 
totae laxae folia superantes M. rimosa Bl. 

1. M. Grijsii Hce. in Ann. sc. nat. 4 ser. XVHI, 
226. Journ. bot. XX, 38. Meisner in DC. Prodr. 
XV, 1, 504. 

China: prov. Canton. (Henry, ex Han ce), prov. 
Fokien (de Grijs, ex Han ce). 

Arborea. Folia 3^^ — 6% : V/^ — 2% poll, magna, 
petiolus 3 — 7-linealis. 

2. M. velutina Champ, in Kew journ. bot. V, 198. 
Benth. Fl. Hongk. 291. Meisn. 1. c. 39. 

Hongkong (Hance!), nee alibi inventa. 

3. M. Kobu. Ramis foliisque subtus gilvotomentellis 
demum glabratis, foliis novellis utrinque dense villo 



— 535 - 

rubiginoso, gemraaeque globosae tegraentis dorso to- 
mentosis, foliis longiuscule petiolatis ellipticooblongis 
V. ellipticoobloDgoovatis obtuse breve attenuatis su- 
perue opacis obsolete scrobiculatis, subtus turn dis- 
tincte elevatovenosis areolatisque, paniculis folio bre- 
vioribus tomentellis, drupa. . . 

Bonin-sima (Yatabe sterilem et florere incip. misit 
s. nom. jap. Kobu-kashi vel Kuro tetsu). 

Affinis M. velutinae Champ, et M. pubescenti Bl. 
(a me non visae). Prior paniculis sessilibus, tomento 
omnium partium patente villoso rufo foliisque acute 
acuminatis facile dignoscitur. Posterior ex descriptione 
foliis angustioribus supra immerse (nee prominulo-) 
costatis, subtus eveniis, brevius petiolatis chartaceo- 
coriaceis, paniculis folia aequantibus differre videtur. 

Folia minima petiolo 12 mm., lamina 93 : 28 mm., 
maxima petiolo 30 mm., lamina 130:45 mm., latis- 
sima petiolo 25 mm., lamina 130:70 mm. Gemma 
23 mm. alta et lata. Perigonium 4,5 mm. longum. 
Filamenta stylusque pilosa aequilonga, priera stami- 
nodia 4-lo superantia. Stamina in flore dissecto vidi 
fertilia 9, sterilia 6. 

4. M. rimosa Bl. Mus. Lugd. Bat. I, 330. Meisn. 
1. c. 42. Benth. 1. c. 291. M. Thunhergii Benth. in 
Kew journ. bot. V, 198, non Sieb. Zucc. 

Hongkong (Wright!), Formosa (Wat ter s ex H ce. 
in Journ. bot. XXI, 335), praeterea in Java!, Moid- 
mein (Lobb ex Meisner). 

A simillima sequente distinguenda tegmentis exte- 
rioribus tomentosis (neque tan tum ciliolatis), ramulis 
novellis ochraceotomentosis (neque glabris) et pani- 



— 536 — 

culis folia aequantibus aut superantibus (nee brevio- 
ribus). 

5. M, Thunbergii Sieb, et Zucc. Fl. jap. fam. nat. 
II, n. 704. Meisn. 1. c. 42. Miq. Prol. 127. Fr. Sav. 
Enum. I, 411. Engl. Bot. Jahrb. VI, 57. Laurus 
indica Thunb. Fl. Jap. 173, — non L. Tomu noU^ 
Kaempf; Amoen. 906. Ic. Kaempf. t. 50. 

Korea: portu Hamilton (Wilford!); Japonia: ad 
promontor. Nomo aestuarii Nagasaki et circa urbem 
(ipse, Oldh.!), Simoda(Yolkin!), Yokoska(Savatier!), 
Yokohama (Oldh.!, ipse); LiuJciu (Doederlein!), 
Formosa, ad Tamsuy (Oldh.! n. 450). 

Arbor dense frondens, 50 — 60-pedalis, pulchra. 
Folia vulgo obovatooblonga ludimt a lanceolatooblon- 
go in late ellipticum. 

6. MJaponica S. Z. 1. c. n. 705. Meisn. 1. c. 42. 
Miq. Prol. 127. Franch. Savat. Enum. I, 112. 

Japonia (Siebold!): Kiusiu interior e, ad Ko-isiwara 
in sylvis, circa Nagasaki, in sylvis umbrosis (ipse), 
Tsusima (Wilford!). 

Arbor 30-pedalis, 4 pedes usque crassa dicitur, 
incolis Kiusiu interioris eodem nomine Tabu noki ut 
praecedens nota. Gemmae M. Thunbergii. Folia subcon- 
colora, subtus ex sicco non glaucescentia videntur, ab 
illis M. Thunbergii consistentia chartacea et forma 
angustiore ab oblongolanceolato sensim acuminate in 
linearioblongum valde acuminatum ludente diversa. 
Flores fructusque iidem. An igitur tan tum M. Thun- 
bergii var. umbrosa habenda? 

7. M. oreophila Han ce in Ann, sc. nat. 4 sér. 
XVIH, 227. Meisn. 1. c. 504. 



— 537 — 

China: prov. Fokien (de Grijs, ex Hance). 

Dicitur arborea, foliis5 — 7 poll, longis, 1 — 1% poll, 
latis, petiolo subpollicari. 

Species dubia. 

M. ? longifoUa Bl. Mus. Lugd. Bat. I, 331. Miq. 
Prol. 127. Fr. Sav. Enum. I, 112. Engl. Bot. Jahrb. 
VI, 57. 

Liukiu (Doederlein, fide Engler), Japonia (hb. 
Lugd. Bat.!). 

Sterilis tantum lecta, quoad genus et imo familiam 
dubia, japonice ex Franch. Savat, audit Ao kasi: 
i. e. Quer GUS glauca. 

Ginnamomum sericeum Siebold. Miq. Prol. 127. 
Franch. Savat. Enum. I, 411. G. daphnoides Sieb. 
Zucc. Fl. Jap. fam. nat. II, n. 701. 

LiuUu (Tanaka! flor.), Japonia: ad Nomosaki 
(Buerger! in hb. Lugd. Bat.) et cultum (ipse). 

WiJcstroemia En dl. 
Species Sinicojaponicae. 

Folia omnia opposita. 2. 

» opposita et alterna parva acute elliptica 
subtus ramulique pilosula, capitula pluriflora, 
perigonii sericei luteopurpurei lobi tube triple 
breviores W. Monnida Hce. 

2. Racemi capituliformes apice caulis ramorum- 
que subsessiles inflorescentiam densam con- 
stituentes. 3. 

lidem pedunculati apice ramorum pl. m. elon- 
gatorum. 8. 

3. Rami crassi dense imbricatofoliati, folia obo- 
vata retusa glaberrima, limbus perigonii tubo 

triplo brevier W. retusa A. Gray 

Rami graciles virgati, folia acuta v. obtusa. 4. 

4. Lirabus tubo 2— 3-lo brevior uterque glaber- 
rimus, folia obtusa v. obtusiuscula ovalioblonga 
glabrata. 5. 

Mélanges biologiques. XII. 68 



— 538 — 

Limbus tubo 3 — 5-lo brevior uterque sericeus, 
folia (infer, passim exceptis) acuta. 6. 

5. Folia laevia paucicostata, flores albi W. indica C. A. Mey. 

» nervosa multicostata, flores luteovirides. W. viridiflora Meisn. 

6. Folia glaberrima laevia linearioblonga utrin- 
que acuta, limbus tubo 4 — 5-lo brevior, flores 

flavi W. Chaiïiaedaphne Meisn. 

Rami foliaque subtus pilosa v. sericea. 7. 

7. Folia laevia lanceolatooblonga utrinque acuta, 

flores lilacini W. ehinensis Meisn. 

Folia subtus reticulatovenosa densa ovata v, 
elliptica basi obtusa, flores tubo carnei limbo 
albi W' Ganpi m. 

8. Glabrae, capitula pauciflora, flores lutei. 9. 
Sericea, capitula multiflora, limbus tubo 4-lo 

brevior, folia ovata v. ovatolanceolata acuta . W. Sikokiana Fr.Sav. 

9. Capitula nutantia apice ramorum solitaria, 
flores viridilutei, folia anguste lanceolata 

acuminata, rami flexuosi W. nutans Champ. 

Capitula erecta laxe corymbosa, flores aurei, 

folia ovataacuta, rami ramulique brachiati recti. W. japonica Miq. 

1. W, Monnula Hce. in Journ. bot. XVI, 13. 
China: prov. Canton (Bullock, ex Hance). 

2. W. retusa A. Gray (in sched.). {Euwikstroemia 
Meisn.) Ramulis novellis pilosis dense imbricatofo- 
liatis, foliis brevissime petiolatis herbaceis glabris 
multinerviis obovatis retusis v. rarius ellipticis obtusis; 
capitulis terminalibus breve pedunculatis, perigonio 
pubescente lobis late ovalibus obtusis tubo brevioribus, 
ovario vertice piloso, squamis hypogynis Yg ovarii 
altis oblongis passim bilobis liberis. 

Liukm: in sepibus, frutex ramosissimus 4 — 6-pe- 
dalis (Wright!), ad Napakiang, ad latera collium fre- 
quens, a basi patule ramosus (Dr. Weyrich!); Bonin- 
sima (Yatabe! s. nom. jap. Awo ganpi). 

Valde affinis videtur W. rotundifoliae Dne. in Jac- 
quem. Voy. 146, ex insulis Polynesiae^ quae tarnen ex 



— 539 — 

diagnosi breviore diiferre videtur foliis late ovalibus 
utrinque obtusis (nee basi cuneatis) ovarioque glabro. 
Rami crassi, pulvinis crebris prominentibus. Petioli 
2 — 3 mm., lamina 40:20 ad 55:30 mm., vel in 
surculis novellis citius excretis laxiusque foliatis 
60 : 25 mm., nervis utrinque 10 — 12 et inter nervös 
venosa. Perigonium ex collectore viridiluteum, drupa 
late ovalis rubra 5 — 6 mm. Semen ovoideum nigrum 
lucidum testa Crustacea. Albumen membranae in mo- 
dum embryonem globosoovoideumradicula breve conica 
excepta circumdans. Cotyledones semiglobosae basi 
emarginatae, radicula brevissima. 

3. W. indica C. A. Mey. in Bull. phys. math. Ac. 
Pétersb. I, 357. Meisn. in DC. Prodr. XIV, 543. 
Hook. Arn. Bot. Beech. 68, 94, 209, t. 15. Daphne 
indica L. Cod. 2825. D. foetida Forst, in Linn. f. 
Suppl. 223. 

China (Osbeck, Vachell) occidentali: prov. Schensi 
secus fl. Han (Dr. Piasezki!, ex quo frutex parvus, 
floribus albis fragrantia Platantherae)', tum in Austra- 
lia et Philippinis, 

Specc. sinica a reliquis ante oculos flore duplo mi- 
nore recedunt, quem tamen variare statuit Meisn er, 
ceterum plantam, praeter piles strictes in apice ovarii, 
glaberrimam sistunt. Quoad floris colorem autores 
dissentiunt: Blanco in D. indica viridescentes , in 
D. foetida lutescentes dixit, Meisner utramque ad 
D. indicant duxit, Linnaeus in Capura purpurata L. 
a Meisnero etiam hue ducta purpureos habet. An 
hie plures species latent? 

4. W. viridiflora Meisn. 1. c. 546. Benth. Fl. 



— 540 — 

* 
Hongk. 297. W. alpina var, Benth. in Kew journ. 

bot. V, 195. Daphne cannabina Lour. Fl. Goch., fide 

Decaisne in Jacquem. Voy. 145. 

Hongkong (Hinds!, Wright! quo teste flores vires- 

centilutei, fructus lutescentiruber), Formosa (Oldh.! 

n. 456), turn in India (Falconer! n. 901), Chittagong 

et Singapur (Bentham). 

5. W. Ghamaedaphne Meisn. 1. c. 547. Franch. 
PI. David. I, 260. Passerina Chamaed. Bge. Enum. 
Chin. n. 326. Turcz. Enum. Chin. n. 174. Maxim. 
Ind. Pékin. 476, Ind. Mongol. 485. 

China borealis in lapidosis (Bunge!): circa Pekin 
(Kirilow!, David), montibus ab urbe ad occidentem 
(Tatarinow!) et septentrionem (Bretschneider!), 
Nankou (idem!, Wawra n. 1008!), Takiosze et alibi 
frequens, frutex 1 — 3-pedalis, floribus flavis suaveolen- 
tibus (Bretschn.) 

6. W. chinensis Meisn. 1. c. 546. Debeaux, flor. 
du Tchéfou n. 175. Franch. PI. David. I, 260. 

China (hb. Monac. ex Meisn.): prov. Shantung ad 
Tschifu (Debeaux), Kiukiang (David). 

Flores dilute violacei tum lilacini, fide Debeaux. 

7. W. Ganpi m. W. canescens var. Ganpi, Miq. 
Prol. 298. Franch. Savat. Enum. I, 405. Passerina 
Ganpi. Sieb. Zucc. Fl. Jap. fam. nat. II, n. 69^. 
Stellera Ganpi. Siebold, Syn. pi. oecon. n. 132. 

Nippon: Yokohama, frequens (ipse, Oldh.! cujus 
spec. n. 266. foliis lanceolatoovatis acutis insigne), 
Yokoska (Savatier!), Nambu, jugo Hakone (Tscho- 
noski!); Kiusiu: Tara- take non procul a Nagasaki 
(ipse), Kago-sima (Doederlein!). 



— 541 — 

W. canescens Meisn. habitu et floribus quidera 
simillima, attamen differre videtur foliis angustioribus 
et vulgo acutioribus, costis principalibus 6 — 8 (neque 
4 — 5), perig'onii tubo limbum minorem magis supe- 
rante, antheris ochroleucis sessilibus (neque fuscis 
filamento liber o brevissimo fultis), semine anguste lan- 
ceolato utrinque acuto (nee ovoideo basi minute api- 
culato, apice breve obtuse attenuate), drupa multo 
brevius calyce persistente inclusa obverse linearilan- 
ceolata apice tantum sericea majore, hinc nervo elevate, 
latere opposite nervis 3 spatio dilutiore separatis lon- 
gitudinaliter percursa (neque ovoideolanceolata obtusa 
tota sericeopilosa, hinc crista dilutiore sulcata notata). 
Var. pauciflora Fr. Sav. 1. c. II, 481. W^pauci- 
flora Fr. Sav. 1. c. I, 406. 

Nippon (Oldham! 1861 n. 266 vix fl., an e Yoko- 
hama?): Hakone, Senano (Savatier). 

8. W. sikoMana Fr. Sav. 1. c. II, 481. 
Sikolu (Rein! n. 77). 

Specc. Reini quae ante oculos sunt, flores delapsos 
nee fructus ullos super stites haben t, ita ut ad descrip- 
tionem autorum nil addendum habeam. 

9. W. nutans Champ, in Kew journ. bot. V, 195. 
Meisn. 1. c. 545. Benth. Fl. Hongk. 297. 

China australi: Hongkong (Wright!, Hance!), 
Canton (Fortune! n. 174), nee alibi. 

10. W.japonica Miq. Prol. 298. Fr. Sav. Enum. 
I, 405. Passerina japonica Sieb. Zucc. Fl. Jap. fam. 
nat. II, n. 695. Steiler a japon. Siebold, Syn. pi. oecon. 
n. 131. Biihia spicis ternis^ Thunb. Fl. Jap. 357. 



— 542 — 

Queria dichotoma Thurib. in Trans, linn. soc. II, 329. 
Icon. pi. Jap. dec. V, t. 1. 

Japonia (Siebold!, ex quo jap. Ki-mame, cortice ad 
chartam praeparandam adhibito): Nippon (Buerger!), 
Kiusiu: Simabara, vulcano Wunzen, frutex 3 — 4-pe- 
dalis digitum crassus, praesertim apice ramosus (ipse). 

Species distinctissima, neque W, virgatae Meisn. 
affinis, quacumcomparaverant Siebold etZuccarini, 
quae autem potius W. canescenti comparanda. 

Observ. Daphne Kiusiana Miq. Prol. 298. Fr. 
Sav. Enum.I, 405. Jamma Rintsjo^ Kaempf.! Amoen. 
844. ex mea opinione ad D. sinensem Lam. Diet. Ill, 
438. ducenda est. — In Japonia crescit non rara 
in sylvk Kiusiu, ubi sistit fruticem pauperem 4-pedalem 
flore albo fragrante. Praeterea sterilis lecta fuit in 
Yezo: arundinetis montium ad Idzi-no-watari (ipse, 
Albrecht!). In Europa colitur s. nom. D. odorae, e 
China olim introducta. A D, odor a Thunb. differt 
perigonii pubescentis laciniis late oblongis et foliis in 
planta spontanea angustioribus floreque minore, sed in 
planta culta flores majores fiunt, folia vero aequilata 
ac in D. odora. 

B, yezoënsis, a Fr. Sav. En. I, 404 tantum ex 
sched. hb. enumerata, a me descripta est in Rgl. 
Gartenflora, 1866. 34, t. 496, ubi comparationis 
causa adducuntur etiam diagnoses D. Kamtschaticae 
m. et D. Pseudomeserei A. Gray. 

Fagus japonica Maxim, (nomen) apud Nathorst in 
Bihang till Svensk Vet. Akad. Handl. IX, JV2 18, pag. 
8 in adnot. Foliis ellipticis basi obtusis v. acutiusculis 



— 543 — 

apice subito acuminatis iitrinque 8 — 10-costatis costis 
obscure in sinus vel passim versus dentés obsoletes v. 
distinctes tendentibus; pedunculis gracilibus amento 
utriusque sexus pluries longioribus, fructiferis cernuis 
fructum parvum 2 — 3-lo superantibus, involucri dehissi 
laciuiis patentibus nucula subduplo brevioribus dorso 
squamatis squamis acute deltoideis imbricatis apice 
tantum patulis. 

Ni2:)pon: iixgo Hakone et prov. Nambu (Tschonoski). 
Specc. flor. nonnuUa olim sub nomine F, Sieholdi 
distribui. 

Quoad foliorum for mam et magnitudinem simillima 
F. sylvaticae L. y. asiaticae DC, quae tamen, ut tota 
F. sylvatica, pedunculis crassiusculis amento ad sum- 
mum sesquilongioribus, fructu duplo majore, involucre 
nuculas superante, squamis ejus linearibus elongatis 
recurvopatentibus nuculaque duplo majore valde dis- 
tincta. Nervi foliorum in nostra vulgo numerosiores. 

Adnot Ad F. sylvcdicam L., cujus var. y. asiatica 
A. DC. in sylvis Ye^o australis frequens, ducenda est 
etiam 

Var. 8. Sieholdi m . Foliis ovatis basi subrotundis 
subcordatisve costis in sinus tendentibus, fructu var. -^. 
Fagus Sieholdi. Endl. Gen. pi. suppl.4, pars 2, p. 29. 
A. DC. Prodr. XVI, 2, p. 118. F, crenâki Bl. Mus. 
Lugd. Bat. I, 307. F. ferruginea Sieb. Syn. pi. oecon. 
n. 151. 

Nippon: in sylvis Nikko (Savatier!), Kiusiu inte- 
riore in sylvis montanis, incolis Bunna, arbor dicitur 
magna, 4 pedes usque crassa (ipse). — Fide Siebold 
jap. Bunanoki, lignum in prov. septentrionalibus ad 



— 544 — 

aedificandum fabricandumque adhibetur, ex fructibus 
exprimitur oleum. 

Foliorum forma tantum a reliquis varr. diversa 
indeque pro specie distincta iiequaquam habenda. 

Liparis japonica. Spithamaea vel ultrapedalis robusta, 
pseudobulbo ovato, vaginis 2 — 3 obtusis virescentibus, 
foliis 2 ellipticis oblongis v. rotundatoellipticis obtusis 
in petiolum latissimum brevem v. rarius laminam 
aequantem sensim v. subito attenuatis, scapo alatoan- 
cipiti folia duplo v. ultra superante; racemo laxo 
plurifloro, bracteis parvis pedicello ovarium aequante 
multiplo brevioribus, floribus virescentibus erectopa- 
tulis, phyllis perigonii membranaceis obtusis exterio- 
ribus ovatooblongis 3-nerviis, interioribus spath ulato- 
linearibus 1-nerviis subaequilongis, labello paulo bre- 
viore vix crassiore obovatosubquadrangulo basi sub- 
cordata columnam amplectente exappendiculato a medio 
reflexo ö-nervio antice crenato cum dente majore in 
medio, columna leviter arcuata basi latiore, rostello 
truncato in dentem depressotriangulum acutum stigma 
marginantem et ad dimidiam columnam decurrentem 
abeunte, clinandrio utrinque 1 -dentato, anthera depres- 
sohemisphaerica 2-loculari5 polliniis flavis per 2 in 
massas ovatas connexis liberis. Microstylis japonica 
Miq. Prol. 135. Fr. Sav. Enum. II, 21. Seitaka 
Sudzumushi, Soo bokf, XVIII, 70 verso, fig. B. 

Per totam Japoniam sylvis muscosis non rara; in 
MandsJiuria australiori : ad Amur australem in angus- 
tiis bureicis (Radde! 1857), jugo Sihota ad fontes fl. 
Wai-Fudin, insula Russki ex adverso Wladiwostok 
(ipse). 



— 545 — 

Arete affinis L. Uliifoliae Rich., sed minus elegans 
minusque in Japonia rara. 

Bulbophyllum inconspicuum. (§ 1. Lindl. Orcb. 48). 
Rhizomate elongato repente filiformi pseudobulbis 
remotiusculis oblongis 1-phyllis, folio brevipetiolato 
lamina oblonga obtusa basi attenuata coriacea margine 
revoluta 3-nervi ; pedunculo radicali altitudine pseudo- 
bulbi 1-floro 3-bracteato: bracteis laxiusculis membra- 
naceis acuminatooblongis summis 2 inter se florique 
approximatis; flore parvo ex sicco decolori, sepalo 
summo subtrinervi petalisque minoribus subbinerviis 
ovatodeltoideis acutis margine fimbriatis, petalis hj^a- 
linis sepalis membranaceis, lateralibus majoribus oblon- 
goellipticis obtusiusculis 3-nerviis integris, labello 
petala aequante ovato acuminato incurvo^intus crista 
validissima percurso, columna apice utrinque acute 
1-dentata, anthera minuta, stigmate amplo subqua- 
drato, pede columnae elongato attenuato incurvo cum 
labello articulato. Orchidea dubia 1, ded. Siehold, 
Miquel, Cat. hb. Lugd. Bat. 103. 

Japonia (Siebold! in hb, Lugd. Bat. s. nom. jap. 
Mugi-ran): Kiusiu monte Naga, in arboribus, cum 
Trichomane (ipse, ster. et fructif.). 

E speciebus micranthis 1-floris mihi notis paulo 
accedere videtur ad B. pygmaeum Lindl. ex Nova 
Zelandia (v. ster.), nimis tamen diversum. 

Eria japonica. (§ L Conchidium Griff. Lindl.). Foliis 
binis lanceolatis basi vaginantibus scapum 1-florum 
subsuperantibus, bracteis ovatis membranaceis parvis 
versus apicem et ad basin, flore lacteo parvo ad mentum 

Mélanges biologiqoçs. Xu. 69 






— 546 — 

pilosulo, sepalis petalisque oblotigis acutis aequalibus, 
labello purpurascente trilobo basi tricristato lobis late- 
ralibus erectis ovatis, terminali reflexo aequiraagno 
omnibus obtusis. Osa ran, bakukoku ran, Soo bokf, 
XVIII, 19. DendroUum reptans Fr. Sav. Enum. II, 
510, ex fig. citata. 

Nippon: provinciisaustralioribus(Savatier), Kiusiu 
prov. Hiuga in monte Kirisima et alibi frequens, trun- 
cos arborum caespitibus usque tripedalibus obducens 
(fide Inuma in Soo boku I.e.), ipse cultam Tokio vidi. 

E. pusillae Lindl. proxima, quae tarnen pseudo- 
bulbis giobosis, foliis basi attenuatis minoribus, bractea 
sub flore ampla acuminata, labello integro satis nimis- 
que differt. 

Rhizoma pennam corvinam crassum, pseudobulbis 
crebris oblongis striatis 15 mm. longis numerosis 
obsessum. Folia 3 — 4 cm. longa, 9 — 12 mm. lata, 
carnosula. Scapus 2 — 2,5 mm. Flos 10 mm. longus. 

Anoectochilus Tashiroi. (Odontochilus Bl.) Caule foliato, 
foliis viridibus brevipetiolatis ovatis acuminatis, racemo 
laxo paucifloro cum bracteis ovariis eas superantibus 
calyceque dorso articulatopilosis, petalis linearilanceo- 
latis falcatis sepalum summum rhombeoovatum triente 
superantibus et cum eo in galeam conglutinatis, sepalis 
lateralibus divaricatis elongate - dolabriformibus basi 
connatis, labelli sacco brevissimo intus utrinque cum 
appendice 2 — 3-partita, ungue longitudine laminae 
bipartitae (partitionibus oblique ovatis acutiusculis 
extus irregulariter denticulatis) lineari secus medianam 
bilamellato, margine longe fimbriate fimbriis utrinque 
8 — 9 subulatis laminae latitudine brevioribus versus 



— 547 — 

ejus basin decrescentibus, rostello acute bipartito 
patente. 

LiiiMu (Tashiro, misit Tanaka). 

Habitus Gijstopodis elongati Bl. Orch. Arch. Ind. 
t. 30, ûg. 1, a quo differt forma sepalorum eciliatorum, 
petalis cum sepalo dorsali non aequilongis, praesentia 
dentis deltoidei inter partitiones labelli, cristis in ungue 
labelli duabus. 

Spithamaeus. Petiolus 6 mm., lamina folii maximi 
5 : 3 cm. Racemus 6 cm. Perigonium ex sicco ruben- 
tivirens cum maculis parvis obsoletis, phyllis 1 -nerviis 
dorsali 5 mm., lateralibus connatis 15 mm., petalis 
6 mm., labello albo 16 mm. longis. 

Orchis Roborovskli. Rhizomate horizontali brevi stolo- 
nibus innovante, caule palmari diphyllo, foliis elliptico- 
lanceolatis obtusis cum apiculo, spica 2 — 3 -flora, 
bracteis flores superantibus, flore roseo, sepalis late- 
ralibus reflexis superius petalaque superantibus omni- 
bus ovatooblongis obtusis 4 — 5-nerviis, labello basi 
bicristato orbiculato antice breviter trilobo lobis ovatis 
obtusiusculis medio productiore, calcari conico labellum 
superante germen subaequante. 

Tangut (Przewalski, 1880). 

Huic proxima est Orchis Chusua Rchb. f. sic dig- 
noscenda: Tubere unico ovali, caule spithamaeo 
2-phyllo, foliis elongato-lanceolatolinearibus acumina- 
tis, racemo secundo 2 — 5-floro, bracteis flores majus- 
culos superantibus, sepalis petalisque 3 -nerviis ovato- 
oblongis obtusis sepalis lateralibus paulo majoribus, 
labello latiore quam longo basi carinato aequaliter pi. 
m. trilobo calcar cylindricum atque germen aequante. 



— 548 — 

Gymnadenia Ohusua Lin dl. Or eh. 280. — Nipal 
(Wallich!), Siklcim (Hooker fil.!, Elwes!). 

Orchis cydochila. Rhizomate e fibris elongatis villo- 
sis tenue carnosis, folio 1 radicali orbiculato v. orbi- 
culatoelliptico obtusissimo in petiolum cuneatoatte- 
nuato, scapo palmari, spica 2 — 3 -flora, bracteis flores 
roseos subsuperantibus, sepalis patulis 3-nerviis oblon- 
gis acutiusculis petala linearia 1-nervia superantibus, 
labello obovatorotundato erosulo indiviso calcar anguste 
conicum germenque subsuperante. Hahenaria cyclochila 
Franch. Savat. Enum.'II, 516. Gymnadenia spec. 
Miquel! Prol. 139. Gymn.n.sp.MiqA Cat.hb.Lugd. 
Bat. 102. Kamomeso, Soo bokf, XVIII, 46 (mala). 

Japonia (bot. japon, in hb. Franchet): Fadsiyama 
(Tschonoski!, Yatabe! s. n.jap. Ichiyo-ran), vallibus 
profundis Kiso yama (Inuma). 

Eadem species, ni fallor, delineata est apud I to 
Keiske, Nihon shioku etc. I, 35, sub nomine Itsiyo 
tsidori. 

Herminium alaschanicum. Caule foliato, foliis acumi- 
natis infimo oblongo reliquis linearibus summis subu- 
latis bracteiformibus, spica secunda densa, bracteis 
lanceolatis subulatis ovarium superantibus, ovario 
apice brevirostri inflexo erecto, floribus virentibus 
nutantibus, sepalo summo ovato subtrinervi, lateralibus 
lanceolatis 1-nerviis, omnibus obtusiusculis, petalis 
triente longioribus apice carnosulis pi. m. trilobis 
lobis medio lineari producto superiore dentiformi v. 
obsoleto inferiore lineari v. anguliformi - deltoideo, 
labello cuneato basi concave ad medium trilobo lobis 



— 549 — 

parallelis linearibus acutiusculis medio subbreviore, 
calcari scrotiformi distincto. 

Tangiit, in rupibus, alt. 10 mill. ped. s. m., rara, 
Mongolia australi: jugo Alaschan ad latera argillosa 
aperta, parce (Przewalski, 1873, 1880). 

Affine H. Monorchi R. Br., sed flores majores, calcar 
distinctius, labellum petalaque saepe triloba lobis pa- 
rallelis. — Adsunt tamen varietates duae: alaschanica: 
pedalis, petalis angulatis et calcari longiore, et tangu- 
tica: spithamaea, petalis manifeste trilobis. 

Tuber (tantum in pi. tangutica collectum) 1 globoso- 
ovale. Caulis basi vagina 1 tubulosa hyalina, tum foliis 
approximatis 2 — 5 instructus, quorum infima basi 
tubulosa vaginantia, reliqua sessilia. Imum oblongum 
breve acuminatum 40:10 mm., reliqua complicata 
sensim acuminata 70 : 6 ad 35:5 mm. magna, summa 
2— 4 sparsa. Spica 2 — 8 cm. Sepala 4,5 mm., petala et 
labellum 5,5 mm. Columna nana basi labelli adnata, an- 
therae loculis parallelis basi parum divergentibus, polli- 
niis caudicula brevissima, glandula ovali magna rostello 
piano depresse deltoideo margine tantum libero apposita. 

Herminium biporosum. Folio radicali oblongo obtuso 
3 -nervi cauli continuo basi tubulosa vaginante, scapo 
nudo apice laxe racemoso, bracteis minutis obtuse 
deltoideis pedicello brevi plus duplo brevioribus, flore 
viridi phyllis obtusis obsolete 1-nerviis: sepalo dorsali 
breviore late ovato cum petalis oblique anguste ovatis 
aequilongis galeam formante, lateralibus ovatoellip- 
ticis subobliquis labelloque vix longiore patentibus, 
hoc a latiore basi linearioblongo basi secus nervum 
utrinque poro rotundo marginato instructo, ovario 



y-j^.--^,' 



— 550 — 

obovoideo pedicellum duplo floremque fere totidem 
superante. 

Tangut: in viciniis lacus Kuku-nor (Przewalski, 
1880, spec. 1). 

Huic proximum H. gramineum Lindl. in Wall. 
Cat. 7413, Orch. 305, quod vidi e Nijml (Wallich!), 
India bor. occid. (Royle!, Falconer n. 1049!) differt 
folio lanceolatolineari acuminato multinervi, spica di- 
midium caulem occupante, bracteis lanceolatis acumi- 
natis germen ovatooblongum brève rostratum florem 
aequanssuperantibus, sepalis adapicem 1-nerviisovatis 
acutis aequilongis, petalis crassioribus longioribus le- 
viter falcatis subenerviis oblongolinearibus obtusis, 
labello rhornbeoovato attenuato sepala aequante media 
basi fovea rotundata ampla concava instructo inflexo 
(neque patente), stigmatibus 2. Sed magnitudo florum 
eadem. 

Exemplum quod praesto 5-pollicare. Tuberi singuli 
vestigium parvum carnosum. Vaginae laceratae 3 ad 
basin caulis. Lamina folii 30:7 mm. Racemus lYg-pol- 
licaris. Flores 6 cum apicalibus 2 abortivis internodia 
aequantes, diam. 5 mm., ovarium 2,5 — 3 mm. Stigma 
amplum rotundatum convexum. 

Platanthera interrupta. Tuberibus crasse linearibus 
elongatis divergentibus, caule ad bipedali alatoangulato 
plurifolio, foliis basi brève attenuatis subtubulosovagi- 
nantibus inferioribus ellipticis oblongisve acutis, sequen- 
tibus paulatim oblongolinearibus acuminatis, summis 
bracteiformibus , racemo elongato rarifloro, bracteis 
inferioribus longitudine florum, flore viridi odoro, peri- 
gonii phyllis 3-nerviis obtusis membranaceis, sepalis 



— 551 — 

majoribus: summo rotundatoovato breviore, lateralibus 
obliquis attenuatoovatis, petalis vix crassioribus sepala 
lateralia aemulantibus , labello baud longiore ovatoob- 
longo obtuso basi obtusissime auriculato, calcari tenui 
acuto germen superante, antherae emarginatae loculis 
divergentibus, rostello depresso obtuso. 

Kiusiu: Nagasaki (ipse, Oldh.! n. 842, a Miquel 
Habenaria japonica dicta), prov. Omura prope Sonnogi, 
prov. Higo monte Higosan (ipse). 

Ab affini PL mandarinorum Rchb. f. in Linn. XXV, 
1852, 226, Bot. Zeitg. 1878, 75 (cujus Synonyma 
Habenaria Keiskei Miq, Prol. 139. Platanthera Keiskei 
Fr. Sav. En. II, 31, Plat, oreades ß. macrocentron 
Fr. Sav. En. II, 514) satis distincta radice, foliis, 
racemo laxo et labello brevi. 

Platanthera ussurîensîs. Radix e fibris tenuibus cylin- 
dricis horizontaliter divaricatis, caule gracili 1 — 2-pe- 
dali supra basin 2-phyllo: folio infimo obovatooblongo 
obtuso, superiore oblongolanceolato breve acuminato, 
utroque basi attenuato et in vaginas tubulosas abeunte, 
foliis sequentibus bracteiformibus linearibus acumina- 
tis, spica digitali laxa multiflora, bracteis acuminato- 
linearibus ovaria aequantibus, floribus viridibus parvis: 
sepalis membranaceis 3-nerviis superiore rotundato 
lateralibus paulo longioribus ovatooblongis petala 1- 
nervia carnosa oblonga subsuperantibus, labello crasso 
patente papillose sepalis paulo longiore ovato et basi 
utrinque in lobulum depresse deltoideum dilatato 
apice obtuso, calcari rectiusculo ovario breviore, anthe- 
rae truncatae loculis discretis parallelis basi vix atte- 
nuatis, rostello deltoideo libero, processubus lateralibus 



',-.■»<» 



— 552 — 

incurvis quadratis profunde sulcatis glandulam oblon- 
gam caudiculae longiusculae recipientibus. PI. tipuloi- 
des var. y. ussuriensis Rgl. Fl. Ussur. n. 477, t. X, 
fig. 7 — ^9 (pess.). Franch. Savat. Enum. II, 32. 

Mandshuria: ad fl. Usuri (Maack!), Japonia 
(Tanaka! sub nom. jap. Oba tonboso), in Kiusiu: ad 
pedem vulcaniWunzen in fruticetis paludosis, Nippon: 
jugo Hakone (ipse, Savatier!), Yokohama, parce 
(ipse), alpe Niko (Yatabe!), prov. Nambu (Tscho- 
noski!), Yezo: sylvis graminosis circa Konoma et 
Siginope, nee non ad Todohiki (ipse). 

Ad eandem speciem fortasse pertinet Tonho so, Soo 
bokf, XVIII, 14, de qua dicitur flores virides inodores 
habere et ad pedem montium crescere, sed flores nimis 
magni delineati sunt. 

Similis PL flavae A. Gray (quam vidi e Connecticut 
ab Eaton, ex Alabama a Mohr, e Georgia a Beyrich 
s. n. Haben, calycinae n. sp.), sed haec distat foliis 
saepe tribus omnibus acuminatis, labello basi utrinque 
leviter obtuse auriculato apicem versus rotundato sub- 
dilatato, sepalis petalisque crassis latioribus (obovatis 
V. ovalibus), loculis antherae basi divergentibus, rostelli 
processubus lateralibus simplicibus pariter quadratis 
glandulam ovalem caudiculae latae brevissimae reci- 
pientibus, rostello crasso deltoideo incurve. Sed radix, 
florum magnitude, spica cet. eaedem. 

Adnot. Ad Platantheram? decipientem Lindl. per- 
tinet Gymnadenia Vidali Fr. Sav. En. II, 29, 512. 
Obinetsidori so, Soo bokf, XVIII, 52. — Lindley non 
sine causa de génère dubitavit, caudicula enim oranino 
deest imo in alabastro, ita ut segmenta angulata polli- 



— 553 — 

iiiorum libera in lociilo contineantur, quod iterum 
iterumque in individuis numerosis speciei per Japo- 
niam borealem frequentis atque valde luxuriantis per- 
scrutatis observavi. Valde tarnen incertus maneo, an 
ob solum caudiculae defectum planta haec dignitatis 
genericae digna declaranda sit. 

Ad Fl. ophryodem F. Schmidt, Fl. Sachal. n. 432 
(errore calami ophrydioides) pertinet PL EeiniiFr. S a v. 
Enum. 11, 32, 513. 

PL hologlottidi M Sixim. adde syn. Hahenaria neuro- 
petala Miq.! Prol. 139. 

Microscordum. 

Allii Sectio nova. 

Perigonium breviter infundibuliforme pedicello apice 
dilatato disciformi insidens, teuere membranaceum 
6-phyllum, phyllis erectis 1-nerviis obtusis interioribus 
angustioribus subminoribus. Stamina 6, quorum 3 
epipetala ananthera saepeque pi. m. deficientia: fila- 
menta basi adnata anguste subulata perigonio parum 
V. duplo breviora, antherae dorso affixae introrsae 
parvae late ovales. Ovarium lata basi impositum leviter 
trigastrum loculis pliylla interiora perigonii spectan- 
tibus biovulatis. Stylus trisulcus in stigmata 3 oblonga 
circumcirca papulosa arcuatopatentia divisus. Capsula 
carnosoparenchymatosa, matura seminaque non visa. — 
Herba palmaris odore alliaceo, bulbo pisiformi soli- 
tario, tunica exteriore brunnea parallele fibrosa fibris 
fibrillis transversis item parallelis inter se laxe con- 
nexis, interiore hyalina, caulis parte hypogaea vaginae 
hyalinae tubulosae inclusus, foliis 1—2 radicalibus 
quasi in petiolum elongatum contractis lanceolatolinea- 

Mélanges biologiques. XII. 70 



— 554 — 

ribus acuminatis umbellam valde superantibus, bracteis 
tot quot flores, hyalinis acutatis flore paulo brevioribus, 
floribus 1 V. rarius 2, altero brevissime crasseque 
inclusopedicellato, altero si evolutus subsessili. 

Allium monanthum. 

Mandshuria austroorientalis prope limites Koreae, 
ad fl. Sedemi (M. Jankowskr, 1883), Yezo interiori: 
Sapporo, in umbrosis alluvii secus fl. Toychira intra 
ipsum oppidum frequens (Kingo Miyabe, 1884). 

Planta mandshurica ceterum simillima a japonica 
difi'ert floribus rarius 2 et staminibus perigonio duplo 
brevioribus. — Folia circa 10 cm., scapus 5 — 6 cm. 
Spatha 1-nervia 6,5 mm., perigonii pbylla 4,5 mm. 
longa. 

E descriptione plantulae ad vivum factae a cl. 
Kingo Miyabe humanissime communicata sequentia 
extraho in sicco baud observanda: Folia semiteretia 
pagina superiore leviter sulcata, nervis 5 dorso sub- 
prominulis, petiolo tereti. Scapus obtuse triangulus 
inferne purpurascens. Pedicellus 1 — 2 mm., crassior 
quam apex scapi. Perigonium album extus leviter 
roseosuffusum (et in sicco). Filamenta subcomplanata. 
Stylus trigonus semitrifidus. 

Aneilema nudiflorum R. Br. Prodr. 271. adn. 
Clarke in DC. Monogr. Phan. Ill, 210. Benth. Fl. 
Hongk. 376. 

Liukiu (Tashiro! misit Tanaka); China australi: 
Formosa, ad Tamsuy (Oldh.! n. 576), Hongkong 
(Wright!), Whampoa (Hance!). Distrib. a Ceylona! 
ad Himalayam!. 



— 555 — 

Flagellaria indica L. Cod. 2606. Kth. Enum. Ill, 
370. Roxb. FL Ind. II, 154. 

Bonin-sima (Yatabe! sub nom. jap. Santo). Late 
distrib. per tropicos Australiae! Indiae! cum insulis!, 
Africae, a Madagascaria! et Mauritio! ad Guineam! 

Pistia Stratiotes L. Cod. 6967. a. cuneata Engl, 
in DC. Monogr. Phan. II, 634. Zala asiatica Lour. 
Fl. Coch. ed. Willd. 492. 

LiuJciu (Tanaka! flor.), China australi et Cochin- 
china (Loureiro), tum in Philippinis (Cuming!): ad 
Manilam (Kastalski!), penins. Indiae (Heyne!) et 
(aliis varietatibus) in tropicis utriusque orbis. 

Scirpus fuirenoîdes. {Sect. Trichophorum) Tripedalis 
gracilis viridis, culmo laevi apice acute ceterum obtuse 
trigono toto foliato, foliis linearibus longe acuminatis 
margine sursum scabris, ex omnibus v. superioribus 
axillis pedunculigeris, pedunculis glomerulum tribrac- 
teatum plurispicatum subglobosum ferentibus, inflores- 
centia terminali e glomerulis 4 — 6 conflata, quorum 
exteriores 2 — 3 pedunculati basi bracteis umbellam 
duplo superantibus , interiores subsessiles bracteis 
umbella multo brevioribus fulti, spicula ovatooblonga 
multiflora griseobrunnea , squamis arete imbricatis 
oblongolanceolatis mucronatis costa 1 tenui concolore 
margine versus apicem mucroneque sursum serrulato- 
scabris, caryopsi quam squama triente breviore ellip- 
soideotrigona vix stipitata apice mucrone cylindrico 
duplo breviore superata laevi, staminé 1, setis hypo- 
gynis 6 apice incrassato sursum scabris ceterum lae- 
vibus complicatis, vi explicatis caryopsin triplo exce- 
dentibus. 



— 556 — 

Nippon: Yokohama, fine Septembris frf. (ipse), 
Shichinobe, medio Auguste flor. (Yatabe!, japonice 
Matsuzaka susuki). 

Ex affinitate 8. Eriophori Michx., S. lineati Michx. 
et S. polyphylli Yahl, sed jam inflorescentia abunde 
diver sus. 

Culmus 3 mm. crassus, folia 3—3,5 mm. lata, 
spicula fructifera 6 mm., squama 3 mm., caryopsis 
2,1 mm. longa. 

Scirpus concolor. (Sect. Trichophorum) Rhizomate 
crasso oblique, culmo 3-pedali et ultra obtuse trigone 
fere usque ad apicem foliate, foliis planis late linea- 
ribus longe acuminatis ad costam subtus margineque 
sursum dense serrulatoscabris , involucre triphyllo 
umbellâ ampla composita diffusa breviore, radiis valde 
inaequalibus compressotrigonis sursum scabris umbel- 
lulas consimiles minores item compositas ferentibus, 
involucellis acuminatooblongis coloratis, spiculis per 
1 — 3 aggregatis oblongis multifloris, squamis dense 
imbricatis glabris profunde brunneis cum costa tenui 
vix pallidiore acuminatoovatis vix mucronatis caryopsin 
trigonam estipitatam mucrone cylindrico duple breviore 
instructam laevem ochroleucam parum superantibus, 
staminibus 1 — 2, setis hypogynis complicatis apice iu- 
crassato sursum scabris vi extensis caryopsi plus triple 
longioribus. 

Japonia (hb. Lugd. Bat. sub. Sc. Eriophoro ad- 
mixtus, Tanaka! sub nom. jap. Abura gay a): circa 
Yokohama, Auguste fl., Septembri frf. (ipse). 

Habet sese ad simillimum S, Uneatum Michx., ut 
S. Wichurai Böcklr. ad S. Eriophorum Michx. Setis 



— 557 — 

hypogynis apice scabris accedit ad S. polyphyllum 
Vahl, ubi tarnen spiculae parvae globosoovoideae et 
caryopsis brevissime mucronata squamam aequaus. 
S. lineatus Mx. differt squamis aureofuscis cum costa 
lata viridi, caryopsi aequimagna qiiidem sed squama 
sua fere duplo breviore, stipitata brevius mucronata, 
staminibus 3, setis hypogynis tenuissimis laevibus vi 
explicatis caryopsin duplo superantibus. Setas in hisce 
omnibus non numerosas, sed semper 6 video, ita tamen 
complicatas ut tantum earum apices erecti caryopsin 
circumdent parumque super ent, bases vero angulo acutis- 
simo iteratim infractae fasciculos setarum parallelarum 
simulent et facile pro setis numerosis haberi possint. 
Culmus pennam anserinam crassus vel tenuior. 
Folia vulgo 9 mm. lata, sed adsunt usque 18 mm. 
lata, spicula fructifera 6 mm., squamae 2 mm. longae. 

S. Wichurai Böcklr. in Linnaea XXXVI, 729. 
S. EriojyJiorum var . nipponica Franch. Savat. En. II, 
545. a S. EnopTioro Mx. rêvera simillimo optima 
tamen distinguendus non solum setis hypogynis apice 
crassiore sursum scabris fuscescentibus et squamis 
ovatis V. superioribus in quavis spicula lanceolatis (nee 
obovatis) utribusque acutatis, ut habet Franchet, sed 
praesertim caryopsi (1,25 mm.) squama sua (1,5 — 
2 mm.) parum breviore (neque minuta, 0,75 mm., 
squama sua, 2 mm., plus duplo breviore). Setae hypo- 
gynae 8. Wichurai^ si explicabis, caryopsin triplo, 
in S. Eriophoro autem sextuple superant. Stamina 
S, Wichurai 1 — 2 , filamentis caryopsin cum rostro 
aequantibus, in S. EriopJioro Mx. stamen 1 post an- 
thesin cito caducum, in fructu videtur deficiens. 



— 558 — 

Nippon media (Tschonoskü, Tanaka! sub nom. 
jap. Aibaso): Yokoska (Savatier!), Mandshuria: sinu 
Possjet ad limitem Koreae, locis udis pratorum per- 
frequens, med. Aug. frf. (ipse). Vidi praeterea e 
Bengalia orientali (Griffith! n. 6266 frf.), Khasia 
{Scirpus n. 4. Hook. f. et Thorns., nond. flor.). 

Si genus Eleocharis servatur nomen Böckeleri 
adoptandum et Scirpus hakonensis Fr. S a v. E. Wichu- 
rai appellandus est. 

Eriophorum japonicum. Spithamaeum v. pédale robus- 
tum luteoviride, rhizomate obliquo crasso firmo, culmo 
subtrigono superne scaberulo 5 — 7-phyllo, foliis rigi- 
duloherbaceis lanceolatolinearibus acuminatis raargine 
antrorsum scabris planis excepte ipsissimo apice tri- 
quetro, anthelae radiis pluribus scabris val de inaequa- 
libus apice v. a medio 1 — 4-stachyis, spicis numerosis 
viridiatris parvis plurifloris sub anthesi ovoideis postea 
recurvis, bracteis radios subaequantibus, squamis ovato- 
oblongis obtusis teuere membranaceis planiusculis apice 
facillime laceratis, setis hypogynis 6 simplicibus a 
medio ad apicem sursum scaberulis stylum elongatum 
3 - stigmaticum aequantibus, staminibus 3 antheris 
linearibus. 

Nippon borealis prov. Nambu, in alpinis (Tscho- 
noski, flor.) 

Habitus E, latifolii Hoppe, sed radii compositi 
pleiostachyi , setae indivisae E. alpini L. 

Folia usque 3 lin. lata. Spica sub anthesi 6 — 10 mm., 
squamae 4 mm. longae. 

Genus Eriophori lana in fructu elongata mollissima 
rectiuscula Candida v. pallide rubiginosa, squamis 



— 559 — 

spicarum Iaxis elongatis teneris facile caducis tantum 
a Scirpi sectione Trkhophoro distinctum , ubi setae 
complicatae jam sub anthesi elongatae fructu cadente 
tantum extrahuntur, ad quem, cum A. Grayo, contra 
Linnaeum etBenthamium, duco<S. EriophorumMx. 
(Mioph. cyperinum L.). 

Gahnia Boninsimae. {Sect, 1. Lampocarya, Bentli. in 
Bth. Hook. Gen. pi. Ill, 1066). Elata culmo crasso 
tereti, foliis culmeis bractealibusque basi in vaginam 
latam nigrescentem sensim dilatatis longissimis convo- 
lutis scaberrimis inflorescentiam e spicis axillaribus 
sessilibus oblongis summ is confluentibus atris compo- 
sitam valde superantibus, bracteis ex ovata basi cus- 
pidatis, spiculis densissime congestis, squamis 5 exte- 
rioribus atrofuscis sensim increscentibus parum inae- 
qualibus e lanceolata basi valide (interioribus laminae 
aeque longe) aristatis, 3 intimis y^ brevioribus fusco- 
atris: 2 cuspidatis tertia mutica caryopsin superante; 
staminibus 4 ad medium planis parce ciliatis dein fili- 
formibus flexuosis stylo aequilongis, stylo elongato 
squamam pi. duplo superante basi hispido breviter 
2-stigmatico, caryopsi fusca lucida obsolete celluloso- 
reticulata late elliptica v. elliptico-globosa lineis 4 
pallidioribus quasi subtetraquetra styli basi breve 
apiculata. 

Bonin-sima (Mortens! specc. 2 vetusta fruct. 
delapso, Yatabe! fructif.). 

Huic simillima est G. congesta Böcklr. in Linnaea, 
XXXVIII, 352 (Lampocarya cong. Schrad.ined.), ex 
insulis Sandvicensibus (Chamisso! flor.): Oahu (Esch- 
scholtz! fl. in hb. C. A. Meyeri nunc Acad. Petrop., 



— 560 — 

fructif. in hb. Ledebouri, nunc horti Petrop.), quae 
tarnen differt squamis exterioribus 6 e basi ovata ari- 
statis internis brevioribus, 3 intimis parum brevio- 
ribus rotundatoobtusis, caryopsi (hucusque indescripta) 
squamis inclusa paulo breviore fusca lucida laevissima 
styli basi elongata glabra apiculata, stigmatibus fide 
Böckeier 4; caryopsis sine apiculo 5 — 6 mm. 

Culmus pennam anseris tenuiorem crassus, quoad 
basin ignotus. Folia BYapedem longa, vagina vi expla- 
nata ad 9 lin. lata. Spicae compositae axillares 3 cm., 
spiculae 8 mm. longae. Squamae coriaceae, externae 
8,5 — 9 mm., inter nae 7 mm., caryopsis 5,5 mm. longa. 

Adnot. Oahnia Wichurai Böcklr. 1. c. 348, cujus 
patria autori ignota, eodem statu ac descriptioni op- 
time conveniens praesto est e /S'm^o^mr (Dr. Augusti- 
nowicz!). 

Carex grallaioria. {Sect. i. J. 6., Böcklr. in Linnaea 
XXXIX, 15). Rhizomate descendente filiformi sub- 
nudo ad intervalla pollicaria usque sesquipollicaria 
caespites densos foliorum ferente, quorum inferiores 
emortui, summi 1 — 2 floriferi, fasciculis foliorum 
quovis caespite numerosis arcuatoascendentibus basi 
vaginis aphyllis fuscescentibus pluribus vestitis, foliis 
angustissime linearibus planis strictiusculis margine 
scabris, postea elongandis flaccidis; culmis sub anthesi 
2 — 3-pollicaribus subtrigonis scaberulis v. laevibus, 
spica laxa mascula subocto-, feminea circiter quinque- 
flora, priore oblongolineari squamis oblongis obtusis 
fuscis cum costa viridi breviore, posteriore sub anthesi 
fere filiformi basi interrupta pallida tantum ad api- 
cem fuscescente, squamis amplexicaulibus vi expansis 



— 561 — 

late ovatis inferioribus breve aristatis (arista scabra) 
reliquis mucronatoacutis, utriculo sub anthesi squamam 
dimidiam aequante triquetro elliptico apice scabro sty- 
lum superante, stigmatibus 3 plumosovillosis stylo 
plus duplo longioribus. 

Kiusiu interioris pratis alpinis montium Kundsho- 
san, ult. Majo flor. (ipse). 

Cum sola C. leiocarpa C. A. Mey. comparanda, 
quae tarnen rhizomate squamis continuis vestito, tota 
longitudine culmos solitarios emittente, spica feminea 
10 — 20-flora, utriculo glaberrimo sub anthesi lineari, 
nucula juvenili oblonga (nee ut in nostra subglobosa) 
satis nimisque differt, quam ob causam florentem de- 
scribere ausus sum. Nomen dedi ob stipitem elongatum 
quo quidque exemplum collectum quasi grallis susten- 
tum est. Prima species dioica hucusque in Japonia 
détecta! 

Fasciculi innovantes 2 — 3-pollicares, culmo vulgo 
paulo breviores. Squamae florura $ 4 mm., S 6,25 mm. 

Carex rhizopoda. (Sect. 1. B. h., Böcklr. 1. c. 31). 
Virens 1 — lYg-pedalis caespitosa, rhizomate repente 
horizontali elongato flexuoso squamis striatis oblongis 
attenuatis haud contiguis nodoso fibrasque radicales 
crebras undique edente atque e quovis nodo culmigero, 
culmis basi vaginis 2 — 3 aphyllis sequentibus lamini- 
geris tectis, foliis utrinque margineque scabris planis 
linearibus v. late linearibus sensim acutissime acumi- 
natis culmum triquetrum scabrum florentem superan- 
tibus, fructifero paulo brevioribus, spica usque sesqui- 
pollicari et fructifera lineari, parte feminea terminalem 
masculam2 — 4-lo superante, squamis hyalinis utriculo 

Melanges biologiques. XII. 71 



^f^'^'f^J^if 



— 562 — 

erectopatulo duplo brevioribus filamenta aequantibus, 
costa valida pallide virente in feminea brevissime ex- 
currente, in mascula sub apice evanida, utriculo laevi 
virente oblongoelliptico brevissime stipitato in rostrum 
breve conicum obtusum obsolete bidentatum sensim 
attenuate obtuse triangulo circiter 12-nervio nervis 
circiter 6 validioribus omnibus fere ad apicem proten- 
sis, caryopsi triple breviore brevissime stipitata api- 
culataque acute triquetra globosoelliptica lucida minu- 
tissime denseque elevatopunctata , stylo caryopsin 
sesqui stigmata 3 brevia vix exserta duplo super ante. 

Ye^o: circa Ono et Konoma in sylvis secus rivulos 
locis paludosis non rara, medio Junio fr. nond. mature; 
Kiusiu: ad pedem vulcani Wunzen ad rivulos, medio 
Majo eodem statu (ipse). 

Var. longior: bipedalis stenophylla intensius vi- 
ridis, squamis oblongoovatis manifestius mucronatis 
dimidium utriculum superantibus , utriculo angustius 
oblonge paulo longius rostrate, caryopsi nonnihil 
majore. 

Nippon: prope Tokio, 5 Maji fr. perf. mat. s. nom. 
japonico Shiraku suge leg. Yatabe. 

Var. longior, sine rhizomate missa, fortasse olim 
specie sejungenda. 

Typum proprium sistere videtur! Spica fructifera 
var. longioris in mentem vocat spiculam singulam Ç 
(7, sylvaticae Huds. 

Species in quavis statione nonnihil diversa. Rhizoma 
longissimum quod lectum 12 cm., cum squamis 10 mm. 
longis brunneum, parte nuda in interstitiis squama- 
rum passim perspieua tereti, 1,5 mm. crassa. Folia 
plantae yemënsis reliquis subflaccidiora et latiora, 4 — 



— 563 — 

6 mm. lata, in sicco luteoviridia, Jcmsianae 2 — 3 mm., 
nipponicae 2 — 2,5mm. lata. Flores^ 8 — 12, 2 12 — 
15 infimo interdum remoto, reliquis statu fructifero 
utriculo suo ad subsequentem ultra dimidium attingen- 
tibus. Squamae floris feminei 2,5 mm., masculi 3,5 mm. 
longae, var. longioris utriusque sexus 3,5 mm. longae. 
Utriculus in typo 5 — 5,5 mm., in var. longiore 6 mm., 
caryopsis in typo 2 mm. straminea obtusius angulata, 
in var. longiore 2,25 mm. acute angulata subangustior 
secus ipsos angulos nervo viridi notata, ceterum atra, 
faciebus in utraque subconcavis. 

Carex capituliformis Meinsh. in sched. [Sect. 1. B.h. 
Böcklr. 1. c). Radice fibrosa caespitem laxiusculum 
baud amplum pallide viridem ferente, culmis 6 — 8- 
pollicaribus filiformibus trigonis scabris inferne remote 
oligophyllis, vaginis pallide fuscescentibus; foliis planis 
anguste linearibus acuminatis culmum dimidium aequan- 
tibus V. superantibus , spica subglobosa parte mascula 
terminali subinconspicua 3 — 4 -flora, feminea circiter 
10-flora, squamis pallide fuscis ovatis costa pallidiore" 
in infimis subexcurrente mucronatis in reliquis acutis, 
utriculo ovato triquetro in rostrum breve subbidenta- 
tum attenuate subtiliter nervoso flavoviridi squamam 
subduplo superante et ea latiore. 

Nippon: alpeNikko (Tscbonoski), Mandshuria: ad 
Usuri superiorem inter ejus affluentes Ssitucba et 
Daubicha ac secus illos locis paludosis sylvarum fron- 
dosarum cum G. uda frequens (ipse). 

Similis C. nanaeBooii, quae primo obtutu cognos- 
citur spicae parte S linear! pluriflora femineam supe- 
rante V. aequante v. rarius breviore, squamis obtusis 



— 564 — 

utriculo breviore firmiore vix obscurioribus. Diiuen- 
siones utriusque speciei fere eaedem, sed utriculi in 
nostra paulo graciliores et longiores. 

Carex scita. {Sect. II B, A. a. Böcklr. 1. c. XXXIX, 
16, XL, 379) Ehizomate brevi obliquo squamis casta- 
neis tecto stolonifero, ciilmo fertili 3-pedali gracili 
triquetro laevi ac fasciculo sterili per bina appositis 
basi squamis castaneis superioribus laminigeris vestitis, 
foliis linearibus acuminatis carinatis margine reflexo 
remote scaberulis culmo brevioribus, inflorescentia 
brevi e spiculis 4 — 6 pedunculatis multifloris: termi- 
nali 5 oblongolineari utrinque attenuata erecta, reliquis 
apice masculis, superioribus 2 approximatis breve 
pedunculatis erectiusculis, inferioribus distantibus pe- 
dunculos teretiusculos laeves superantibus nutantibus^ 
fructiferis oblongoellipticis v. oblongolanceolatis pol- 
licaribus v. brevioribus, bracteis foliaceis non vagi- 
nantibus, infima culmum superante, sequente subae- 
quante, tertia spiculam quartaque pedunculum subsu- 
perante fere setaceis, squamis (infimis vacuis) lanceo- 
latolinearibus atris utriculo brevioribus et angustiori- 
bus costa viridi sensim in aristam scabram utriculo 
et in inferioribus squama longiorem abeunte, utriculis 
erectis triquetris membranaceis viridibus secus angulos 
superne atrodenticulatis quavis facie tenue 2 — 3-nerviis 
oblongolinearibus ore parvo quasi immerso brevissime 
bidentatis, stigmatibus 3 (2) late villosis stylum in- 
clusum parum excedentibus, caryopsi in medio utriculo 
laxe nidulante in stipitem stylumque sesquibreviores 
sensim attenuata lanceolatoelliptica acute triquetra 
laevi straminea faciebus convexiusculis. 



— 565 — 

Nippon media, ad rivulos, verosimiliter in montibus 
Hakone (Tschonoski frf.). 

In série mere artificiali androgynarum prope G. sei- 
tulam Boott (111. IV, 177, t. 600., Bcklr. 1. c. XL, 
384.) ponenda, sed ab omnibus hisce jam culmis basi 
squaraatis abhorrens. Quo ultimo signo et gracilitate 
appropinquat speciebus distigmaticis C. cryptocarpae 
C. A. Mey. et C. Middendorffii F. Schmidt, signis 
numerosis tamen adhuc diversis. C. fuscescens Böcklr. 
in Engl. Bot. Jahrb. V, 517. ex Japoniae alpe Nikko^ 
a me non visa, ex eadem cum nunc nominatis affinitate 
videtur et a nostra pariter utriculi squamaeque forma 
distat. 

Culmus 1 mm. crassus. Folia 2,5 — 3,5 mm. lata. 
Spicula S 18 — 25 mm. longa, 2,5 — 4 mm. crassa, 
9 15 — 25 mm. longae, 5 — 7 mm. crassae, parte mas- 
cula bene v. parum perspicua. Squamae 4 — 6 mm., 
0,5 — 1 mm. latae. Utriculus 4 : 1 mm., caryopsis 

2 mm. 

Carex plocamostyla. (Sect. Ill Böcklr. 1. c.) Rhizo- 
mate brevi obliquo stolonifero squamis vetustis brun- 
neis vestito fibris radicalibus villosis paucis, culmo fer- 
tili acute triquetro scabro fasciculoque sterili per paria 
congestis bi-tripedalibus basi squamis purpureis antice 
cinnamomeis infimis aphyllis vestitis, foliis planis dorso 
1- ventre 2-costatis margine serrulatoscabris ligula 
oblonga fusca adnata, heteromorphis: fasciculorum 
sterilium culmum superantibus linearibus longe atte- 
nuatis, culmeis lanceolatolinearibus subito cuspidatis 
Vg inferiore dispositis, inflorescentia brevi e spiculis 

3 — 5 distantibus spicula longius graciiiter peduncu- 



— 566 — 

latis, suramis 1 — 2 masculis erectis linearioblongis 
ex cinereo fuscescentibus, 5 multifloris nutantibus diu 
post anthesin stylis stigmatibusque flexuosis circumdatis 
eorumque ope ambitu late ovalibus, bracteis foliaceis 
evaginatis, infimis foliaceis culmo brevioribus, summa 
subulata basi dilatata colorata S fulciente, squamis 
linearibus 1-nerviis in aristam laevem triente brevio- 
rem subconcolorem sensim desinentibus utriculo pa- 
tente strigosohispido membranaceo ex lanceolata basi 
sensim in rostrum tenue bifidum ipso longius attenuato 
longioribus, stylo longe exserto basi geniculata aequali 
stigmata 2 villosa subsuperante , caryopsi elliptica 
laevi opaca biconvexa. 

Nippon, cum praecedente legit pauca specc. Tscho- 
noski. 

Locus ubi inserenda insystemateBoeckeleri vacat, 
affinitas satis obscura. Solae C. longirostri Torr., 
Boott, 111. I, 30, t. 78. videtur apte comparanda, sed 
haec jam culmo basi esquamato, foliis non heteromor- 
phis, spiculis Iaxis, squamae et utriculi breviorum 
forma et stigmatibus 3 differt, sed stylus basi pariter 
geniculatus. 

Folia fasciculi sterilis ultrapedalia, 2,5 — 3 mm. lata, 
culmea superiora longiora 13 cm. longa, 4 — 5 mm. 
lata. Pedunculi infimi spiculas 2-lo superantes arcuati 
tenuiores quam ille spiculae masculae, qui stricte erec^ 
tus et spicula sua duplo longior. Squamae 8 mm., 
utriculi 6 — 7 mm. longi, 1 mm. lati. 

CarexoligostachysMeinsh. {Sect. Ill, B.h. Böcklr.) 
Laxe caespitosa, cuirais flaccidis superne acute trique- 
tris laevibus (1 — lYg-pedalibus) inferne foliatis basi 



— 567 — 

vaginis squaraiformibiis fuscis sensim majoribus obsitis, 
foliis late linearibus planis flaccidis lutescentiviridibus 
culmo dimidio longioribus; spiculis 3 — 4 distantibus: 
terminali masciila linearioblonga basi attenuata pedi- 
cellata erecta, reliquis inter se remotis femineis ovatis 
V. oblongis laxe 3 — 4-floris tenuissime longe peduncu- 
latis nutantibus v. pendulis, bracteis foliaceis spiculam 
superantibus longe vaginantibus, utriculo stramineo 
glabro compresse triquetro anguste ovato apice sensim 
attenuate subrecurvo longirostri obsolete nervoso ore 
hyaline oblique truncate squamam ovatam acuminatam 
margine fulvidam dorso medio viridem 3-nerviamduplo 
superante. 

Mandshuria austroorientalis : ad Usuri superiorem 
et ejus affluentem Li-Fudin, in sylvis ad rivulos, fine 
Maji 1860 cum fr. fere mat. (Maxim.). 

G. fledens Boott 111. t. 581., huic subsimilis, pe- 
dunculis brevioribus, spiculis plurifloris, forma squa- 
marum cet. diversa. G. cruenta Ne es, ut apud Boott 
III. II, 75, t. 201. descripta et delineata, quoad habi- 
tum propior, sed spiculae multiflorae atque squamae 
cum utriculis diversissimae. Ex descriptione planta 
nostra similis videretur G. filipedi Franch. Savat. 
(Meinshausen mss.). 

Rhizoma breve obliquum stoloniferum, usque 2 mm. 
crassum, fibris radicalibus numerosis. Culmi ab autore 
triquetri dicti mihi potius ancipites videntur, facie una 
tamen medio acute costata. Affinitas cum G. filipede 
Fr. Sav., a me non visa, ex descriptione proxima, 
differt tamen G. filipes foliis 2 — 4 (neque 4 — 8) ram. 
latis, spica S breve pedunculata parum conspicua 10 — 
12 mm. longa (in nostra 15 mm., pedunculum aequans 



— 568 — 

V. eo duplo brevior), spicula 9 superiore breve pedun- 
culata (in nostra pedunculum aequante), inferiore sub- 
nutante (in nostra omnibus nutantibus v. pendulis), 
squama utriculo triente (nee plus duplo) breviore, 
utriculo 4 mm. (nee 6 — 7 mm.) obovato (nee anguste 
oblanceolato) in quavis facie 3 — 5- (nee 5 — 7-) ner- 
vio. — Caryopsis in G. oligostachya 3 mm. longa, fere 
2 mm. lata, acute triquetra, ceterum ut in C. fiUpede 
descripta. 

Carex bostrychostigma. [Sect. Ill, B. h. Bocklr.). 
Rhizomate crasso brevi oblique stolonifero dense fibris 
radicalibus obsesso, culmis spithamaeis v. pedalibus 
acute triquetris laevibus remotiuscule foliatis, foliis 
planis pallide viridibus supra totis scaberulis, subtus 
ad nervös margineque scabris linearibus longe subu- 
latoacuminatis ; inflorescentia elongata rhachi scabra 
e spiculis 6 — 71axifloris rufescentiviridibus : terminali 
mascula solitaria breviore linearicylindrica utrinque 
attenuata magis densiflora, reliquis femineis linearibus 
Iaxis, omnibus erectis, inferioribus breviter exserte 
pedunculatis, bracteis foliaceis basi longe vaginantibus 
infima anguste lineari spiculam superante sequentibus 
setaceis paulatim spicula brevioribus summa squami- 
formi evaginata, stylo incluse quam stigmata 3 utri- 
culum duplo super antia quintuple breviore, utriculo 
membranaceo triquetro quavis facie subtrinervi pallide 
virescente laevi linearilanceolato in rostrum triente 
brevius cylindricum basi purpurascens apice hyalinum 
bifidum V bipartitum attenuate squamam oblongam 
apice hyaline sublacero leviter attenuatam costa lata 
albovirescente faciebus pallide fuscis parum superante. 



— 569 — 

caryopsi linearioblonga subobtuse triquetra opaca laevi 
basi brevissime substipitata apice styli basi cylindrica 
apiculata ochracea faciebus concaviusculis. 

Mandshuria austroorientalis: iu viciniis aestuarii 
Olgae secus flumen Cruiser in sylvaticis herbosis hu- 
midis, fine Junii 1860 fr. fere mat.; Kiusiu: alpe 
AsO'San (ipse). 

Ex affinitate G. sylvaticae Huds., statura bumili, 
spicis erectis contiguis usque ad fructus maturitatem 
stigmatibus flexuosis ferrugineis circumdatis (unde et 
nomen) facile cognoscenda. 

Rhizoma 3 — 4 mm. crassum. Folia in planta japo- 
nica 2—4 mm., in mandshurica 3 — 5 mm. lata. Va- 
gina foliorum extus truncata, intus ligula oblonga ad 
marginem annuliformem libera. Spicula 5 15 — 25 mm., 
saepe sessilis v. summae $ approximata, rarissime basi 
floribus Ç 2 V. 3 aucta, spiculae Ç 8 — 20-florae, 
15 — 30 mm. longae. Utriculus 7 — 8 mm. longus, 
parum latior quam 1 mm. Caryopsis 4 mm. longa, 
0,75 mm. lata. 

Carex capricornis Meinsh. Radice valde fibrosa, cul- 
mis pedalibus erectis triquetris ad angulos scabrius- 
culis sparsim foliatis : foliis longe vaginantibus e lata 
basi sensim longe acuminatis planis nervosostriatis 
margine reflexis; inflorescentia brevi conferta e spiculis 
circa 4 brevipedunculatis , terminali mascula oblongo 
cylindrica fulvida, reliquis femineis late oblongis, om- 
nibus erectopatulis; bracteis foliaceis spiculas 4 — 6-lo 
superantibus basi auriculata brevissime vaginatoam- 
plexicaulibus; utriculo elongatolanceolato in rostrum 
subulatum erectum sensim attenuate , rostri bifidi 

Melanges biologiques. XII. 72 



— 570 — 

dentibus longis recurvopatentibus , squamis subulatis 
longius nervo medio valido aristatis quam fructus 
brevioribus. G. Pseudocyperus ß. hrachystachyus Rgl. 
et Maack, FL üssur. n. 5.55, t. XII, tig. 13 — 17. 

Mandshuria austroorientalis : ad litus borealiorien- 
tale lacus Hanka (Maack ! frf.), in stagno quodam prope 
Nikolskoye ad fl. Suifun (Golde nstädt! fr. immat.). 

C. Pseudocypero L. proxima, sed humilior tenuior, 
spiculis brevibus dentibus arcuatodivergentibus utri- 
culorum tam dense circumdatis quod aspectus pecu- 
liaris atque color cinerascens efficiatur, utriculi angus- 
tiores et densiores quam in C. Pseudocypero L. — 
Meinsh. mss. 

Ex mea opinione valde affinis C. comosae Boott, 
111. I, 14, t. 38, quoad rostri structuram fere identicae. 
Sed G. comosa Boott sistit quasi for mam robustiorem 
G, Pseudocyperi L., a qua, secundum A. Gray Man. 
ed. 5. p. 597 et fide specc. numerosorum e varus locis 
quae ante oculos habeo, distinguitur praesertim rostri 
dentibus recurve -patentibus longioribus et spiculis 
fructiferis crassioribus majoribus. Ab ipso Boott postea 
(111. IV, 140), censetur G. Pseudocyperi L. var. comosa. 
Quum equidem in hb. Mertensiano specc. 2 humi- 
liora brevius spiculata atque inflorescentia congesta 
donata (7. Pseudocyperi invenerim, quorum schedulae 
inscriptum, certe tantum monstrositatem esse, quaeque 
ad Bielefeld in Germania lecta dicuntur atque rostrum 
G, comosae possident, lubenter opinioni Boottianae 
assentirem et banc nostram cum Regelio varietatem 
brachystachyam haberem, nisi praesto essent specc. 
japonica fructu etiam perfecte maturo donata, quae 
rem mutare videntur: 



— 571 — 

Var. capitata: spiculis ovatis v. globosis sessilibus 
V. subsessilibus in capitulum confertis, interdum ad 
spiculam 1 globosam parvam reductis, utriculo rostro- 
que typicae G. capricornis, statura spithamaea v. pedali. 

Nippon: Hakone, ad lacum (T sc ho no ski). 
- Ita habemus C. Pseudocyperum: spicis nutantibus 
longius pedunculatis distantibus cylindricis, rostriden- 
tibus erectopatulis, vulgivagam; G, conicam Boott, 
inflorescentiaeadem, spiculis late v. oblongocylindricis, 
rostri dentibus recurvo-patentibus, horealiamericanam^ 
utramque elatam, et G, capricornem: humilem, inflores- 
centia conferta v. capitata spiculis erectis saepe subses- 
silibus V. sessilibus globosis usque late oblongis, rostro 
G. comosae, Adest fortasse adhuc differentia in eo quod 
utriculi in duobus prioribus subsexfariam, in nostra 
plus quam sexfariam dispositi videntur, sed hoc in vivo 
revidendum est. 

Polypodium senanense (Phymatodes) Rhizomate gracili 
horizontali squamis teneris lanceolatis longe filiformi- 
cuspidatis denticulatis cinnamomeis , stipite filiformi 
erecto opaco ly^-usque fere 3-pollicari, fronde pallide 
viridi membranacea 3 — 4-pollicari 3 poll, lata circum- 
circa regulariter appresse serrulata glabra concolore, 
lobo terminali lanceolate oblonge obtuse acuminate, 
lateralibus minoribus utrinque 2 — 4 spatio lineae unius 
rhachin non attingentibus oblongis obtusis rarius acu- 
tis, reticulo subtranslucente venis principalibus indis- 
tinctis ante marginemevanidis, areolis inter illas 1 — 3, 
soris 1-seriatis inter venas principales singulis. P. tri- 
fidum Fr. Sav. Enum. II, 247, nee Don. 

Japonia (Ono in hb. Franchet, Tanaka!): prov. 



i'^T-i 



— 572 — 

Senano alpe Kumaga-take, japonice Miyama uroboshi 
(Yatabe! frf.). — Vidi frondes 4. 

P. trifidum Don facile distinctum statura, textura 
subcoriacea, colore nigrescente, margine vulgo integro 
rarius tantum hinc inde atque irregulariter serrulato, 
lobis omnibus acuminatis linearioblongis, venis princi- 
palibus usque ad marginem protensis distinctis, squa- 
niis rhizomatis crassioribus ex ovata basi subito cuspi- 
datoacuminatis parcius denticulatis, stipite lucido fir- 
miere crassiore. 



(Tiré du Bulletin, T. XXXI, pag. 12—121.) 



18 Février i oo^ 
2 Mars ^Q^^' 



Über Knospenbildung bei Phanerogàmen. Von A. Fa- 
mintzin. 

Es werden jetzt allgemein zwei Arten von Verzwei- 
gungen: eine axilläre und eine extraaxilläre unterschie- 
den. Die darüber herrschenden Ansichten lassen sich 
in klarer Weise mit folgenden, aus Goebel's Ver- 
gleichenden Entwickelungsgeschichte der Pflanzen- 
organe, entnommenen Zeilen ausdrücken: «Bei radiär 
gebauten Sprossen höherer Pflanzen ist die Verzwei- 
gung weis^ews eine. axilläre, d.h. die Seitensprossen 
stehen in den Achseln der Blätter. Die Beziehungen 
der Blätter zu ihren Achselknospen sind durch War- 
ming's eingehende Untersuchungen klargelegt worden. 
In der vegetativen Region entsteht das Blatt in der 
Regel viel früher als seine Achselknospe». «Der Aus- 
druck, ein Seitenspross stehe in der «Achsel» des Stütz- 
blattes giebt das Verhältniss nur in ganz allgemeiner 
Bezeichnung an». «Es finden sich (nach Warming) 
zwei Extreme : die Achselsprossen können sich entweder 



'.■■■ *<<«=^ 



— 574 — 

ganz oder zum grössten Theil aus der Basis der Stütz - 
blatter entwickeln; oder das Stützblatt entsteht nach 
seiner Achselknospe und auf dieser». «Gelingt es so, 
viele scheinbar abweichende Fälle von anscheinend 
extraaxillärer Verzweigung auf axilläre zurückzufüh- 
ren, so sind wir doch nicht berechtigt die axilläre 
Verzweigung als die einzig gesetzmässige zu betrach- 
ten». «Schon bei radiären Sprossen existiren extra- 
axilläre Zweige. {Vitis, Ampélopsis ^ Euphorbia, The- 
sium, Linaria))), 

«Dass zwischen Stützblatt und Achselspross nicht 
nothwendig immer die Beziehungen obwalten müssen, 
welche bei den radiären Samenpflanzen meist vorhan- 
den sind, das zeigt einerseits die Verzweigung dorsi- 
ventraler Sprosse, andererseits die der radiären Moose 
und Gefäss-Kryptogamen». «Überblicken wir die an- 
geführten Thatsachen, so zeigt sich, dass cidas Gesetz 
der axillären Verzweigung nur eine relativ 'beschränkte 
Gültigkeit hat, nämlich nur für die radiär verzweigten 
Samenpflanzen, und auch hier nicht ausnahmslos». 

Diesem Ausspruche gemäss erschien es wünschens- 
werth die Bildung der Achselkuospen bei Phaneroga- 
men einer erneuten Prüfung zu unterwerfen. Ich un- 
tersuchte die ersten Anlagen der Achselknospen bei 
Monocotyledonen an den Keimlingen von Zea Mays 
und am Stengel von Trasescantia zebrina, bei Dicotyle- 
donen — die Achselknospen von Ephedra, Casuarina, 
Syringa, Populus, Aucuba und war nicht wenig erstaunt, 
bei allen diesen Pflanzen, die Achselknospen aus dem 
über dem Stützblatte gelegenen Internodium hervor- 
sprossen zu sehen. Die Knospenanlagen erschienen mehr 
oder weniger schief, manchmal horizontal gelegen, mit 



— 575 — 

dem Vegetationspunkte nach dem Sttitzblatte, mit ih- 
rer Basis zur Achse des Stengels gewendet; sie befanden 
sich demnach also in einer den Knospen der Moose 
und Equiseten vollkommen entsprechenden Lage. Auf- 
fallend war dabei der Unterschied in der Entwickelung 
der Gewebe des Stützblattes und des über ihm gelege- 
nen, die Anlage der Achselknospe tragenden Interno- 
diums: das Stützblatt hatte sich zu dieser Zeit schon 
ziemlich herangebildet, während die Gewebe des da- 
rüber liegenden Internodiums und der Achselknospe in 
lebhafter Theilung begriffen waren. 

Obwohl die Zahl der von mir untersuchten Pflanzen 
eine verhältnissmässig geringe ist, so glaube ich doch, 
da deren Auswahl eine ganz zufällige war und unter 
ihnen die Repräsentanten sehr verschiedener Typen 
sich vorfinden, berechtigt zu sein den Schluss zu zie- 
hen, dass auch bei den Phanerogamen es nirgends ei- 
nen genetischen Zusammenhang zwischen der axillären 
Knospe und dem Stützblatte gebe; es wäre demnach 
die axilläre Knospenhildungj in dem his jetst angenom- 
menen Sinne aus dem Pflanzenreiche zu streichen. 



(Tiré du BuUetin, T. XXX, pag. 470—472.) 



SÊi 



wmm mmim 

TIRÉS DU 

BULLETIN 



DE 



L'ACADÉMIE LMPÉRIALE DES SCIENCES 



DE 



ST. - PETERSBOURG. 



TOIME XII. 

L I VRA I SO N 5. 



(Avec une planche) 



3>KC 



St.-PETERSBOI'RG, 1886. 

Commissionnaires de l'Académie Impériale des sciences: 

à ST.-PÉTERSBOURG : à RIGA: à LEIPZIG: 

AUi- Eggers & C» M. N. Kymmel; Voss' Sortiment 

et J. Glasounot; (G. Haessel). 



Prix: 30 Cop. arg. = 1 Mk. 



Imprimé par ordre de l'Académie Impériale des Sciences. 
Décembre 1886. C. Vessélofsky, Secrétaire pe-pétuel. 



Imprimerie de l'Académie Impériale des Sciences. 
Vass.-Ostr., 9« ligne, J\« 12. 



C M T E N ü. 



Pages. 

M. VVarpachowsky, Eine neue Form von Opalina 577—579 

V, Bianchi. Über einen neuen Würger aus der Untergat- 
tung Otomela {Otomela Bogdanowi) 581 — 588 

A. Famintzin. Über Knospenbildung bei Phanerogamen. 

(Mit einer Tafel) 589—598 

Y. Bianchi. Zur Ornis der westlichen Ausläufer des Pamir 

und des Alai 599— G83 



4 Février 1886. 

lb 



Eine neue Form von Opalina. Von Nicolai Warpa- 
chowsky. 

Bei den vergleichend- aDatomischen Untersuchungen 
des Regenwurmes bin ich auf eine neue Form von 
Opalinen gestossen, welche ausschhesslich in der 
Körperhöhle junger Regenwürmer lebt und daselbst 
sehr zahlreich zu finden ist. 

Die Abwesenheit der Mund- und Analöffnung, das 
Vorhandensein kurzer, in Längsreihen angeordneter 
Wimperchen und lichter, sogenannter bläschenförmiger 
Kerne geben Grund, diese Form zu den Opalinen zu 
rechnen, um so mehr, als ihre Körperform eine gewisse 
Ähnlichkeit mit derjenigen der Opalina filum Clap. ^) 
zeigt. Die Anwesenheit einer langen Spicula jedoch, 
welche die von mir entdeckte Opalina von allen anderen 
mir bekannten unterscheidet, veranlasst mich, dieselbe 
als neue Form aufzufassen und ihr den Namen Opalina 
spiculata beizulegen. 



l)Vejdowsky. Beiträge zur vergl.MorpLol.d. Anneliden. Monogr. 
d. Enchytraeiden. Taf. VII, Fig. 9. 

Mélanges biologiques. XII. 73 



■y% . 



— 578 — 

Der Körper der neuen Opalina ist länglich oval , 
vorn etwas zugespitzt und besitzt eine Länge von 
235 — 240 (JL, bei einer Breite von 37 — 38 (j.. Die ganze 
Oberfläche desselben ist mit kurzen Wimperchen be- 
deckt, die regelmässige Längsreihen bilden und am 
vorderen Ende etwas länger und zahlreicher sind. 

Der Kern (n) ist spindelförmig und nimmt die ganze 








Länge des Körpers ein. Statt der contractilen Vacuo- 
len sieht man hier mehrere lichte bläschenförmige 
Kerne (&). 

Das charakteristische Merkmal für die Opalina spi- 
culata besteht in einer langen Spicula (s), welche im 
Innern des Körpers liegt und etwa % seiner Gesammt- 
länge einnimmt. 

Eine Einschnürung, die am hinteren Theile des Kör- 
pers hinter der Nadel vorhanden ist, bezeichnet ein 



— 579 — 

neues Individuum, wobei jedesmal der Entstehung 
der Theilungsfurche die Bildung einer kleinen Spicula 
vorausgellt, so dass also die Spicula der Mutter absolut 
keinen Antheil an der Entstehung der Jungen hat. 

Die Länge der auf diese Art neuentstehenden Opalina 
beträgt etwa 57 — 58 (jl; ihr Körper hat eine ovale 
Form, der Kern nimmt nicht die ganze Länge des- 
selben ein und die Spicula kommt an Länge nur der 
Hälfte des Körpers gleich. 

Die neuentstandenen Opalinen trennen sich entweder 
vom Mutterkörper ab und schwimmen frei umher, 
oder aber, was ebenso häufig ist, sie bleiben zu zwei, 
seltener zu drei und zu vier mit dem mütterlichen 
Körper in Verbindung. 

Durch ihre Entstehungsart erinnert die Opalina 
spiculata am meisten an Opalina proliféra Clap., 
durch die Anwesenheit der Spicula dagegen an Opa- 
lina uncinata Clap. 



(Tiré du Bulletin, T. XXX, pag. 512—514.) 



4 Février 1886. 

lb 



Ober einen neuen Würger aus der Untergattung Otomela 
(Otomela Bogdanowi). Von V. Bianchi. 

Das Exemplar, welches mir bei der Beschreibung 
dieser neuen Art vorlag, ist von Herrn Nikolski, 
Custos am Zoologischen Kabinet der hiesigen Univer- 
sität im nördlichen Persien erbeutet worden. Herr 
Th. Pleske lenkte zuerst meine Aufmerksamkeit auf 
dasselbe und veranlasste dadurch einen näheren Ver- 
gleich mit den nächstverwandten Arten; das Resultat 
dieser Untersuchung war die Feststellung einer beson- 
deren Form, welche ich zu Ehren des Herrn Dr. M. 
N. Bogdanow, des bekannten Monographen der rus- 
sischen Würger, — Otomela Bogdanowi zu nennen vor- 
schlage. 

Herr A. M. Nikolski hat das einzige, typische 
Exemplar dem Zoologischen Museum der Kaiserlichen 
Akademie der Wissenschaften überlassen, wo es unter 
JV2 10142 in den Catalog der ornithologischen Samm- 
lung eingetragen ist. 

fiiélanges biologiques, Xu. 73 



— 582 — 

Unser Würger bildet den Übergang von der Unter- 
gattung Otomela zu der Untergattung Enneoctonus. 
Er nähert sich der ersteren durch seine geringe Grösse, 
seinen Habitus überhaupt und durch seine überein- 
stimmende, mehr oder weniger bräunlichrostrothe 
Färbung; durch seinen, in dem Basal- und Endtheile 
verschiedenfarbigen, Schwanz unterscheidet er sich 
jedoch von allen anderen Arten der Gattung Otomela, 
Dieses letztere Kennzeichen nähert unseren Würger 
^Qm Enneoctonus coUurio (L.), welcher sich jedoch von 
ihm sofort durch seine grelle Färbung und seine ganz 
abweichende Farbenvertheiluiig unterscheidet. Der 
neue Würger verhält sich folglich zu den übrigen 
Otomela- Arten, wie Enneoctonus tigrimis (Drap.) zu 
den Arten der Untergattung Enneoctonus , da E. tigri- 
nus, unter allen seinen Untergattungsgenossen allein 
einen einfarbigen Schwanz besitzt. 

0. Bogdanowi steht der 0. Bomanowi^) {O.phoeni- 
curoides, subsp. RomanowiBogd.)^ abgesehen von der 
abweichenden Schwanzfärbung, am nächsten; von 0. 
Karelini {0. plioenicuroides, subsp. Karelini Bogd.) 
entfernt sie sich schon mehr durch die Färbung des 
Oberkörpers. 

Das typische Exemplar hat ein abgetragenes Som- 
merkleid; daher nehme ich zum Vergleich Exemplare 
von 0. Bomanowi und E, collurio in demselben Zu- 



1) Dâ Otomela phoenicuroides Sewerzow, von Bogdanow in 
zwei gleiclinamige Unterarten gespalten worden ist und es also keine 
typische Form giebt, welche einfach mit dem Namen 0. phoenicuroi- 
des belegt wird, wie es z. B. mit den der 0. isdbeUina verwandten 
Formen der Fall ist, so möchte ich vorschlagen, diese leicht zu 
unterscheidenden Arten einfach 0. Bomanowi und 0. Karelini zu 
nennen. 



— 583 — 

Stande des Gefieders und ebenfalls aus Nord-Persien 
stammend. Ohne die Möglichkeit, dass der neube- 
schriebene Würger eine hybride Form zwischen 0. 
Bomanowi und E. coUurio ist, für absolut ausge- 
schlossen zu halten, lasse ich die lateinische Diagnose 
und eine detaillirte parallele Beschreibung desselben 
folgen. 

0. Otomelae Romanowi Bogd. simillima, sed caudae 
basi et apice discoloribus facile distinguenda. 

Notaeo plus rainusve rufescente-fusco: capite tergo- 
que fuscescente-rufis, interscapulio cinerascente-fusco, 
uropygio füscescente-mfo paululum cinereo tincto; 
fascia fronte -superciliari alba, fascia orbito-temporali 
nigra; loris, genis et regione auriculari nigris; remi- 
gibus nigro-fuscis, primarium parte basali alba, specu- 
lum alae fingente; pogonio interno praesertim basin 
versus albo; remigibus secundariis, tertiariis, scapu- 
laribus tectricibusque alarum superioribus nigro-fuscis, 
raarginem versus late rufis, dein anguste albido mar- 
ginatis; supracaudalibus laete rufis; rectricibus duabus 
mediis fere unicoloribus rufis, apicem versus nigrican- 
tibus; reliquis basi(y2 — % longitudinis rectricum) albis, 
apicem versus plus minusve rufo tinctis, ipso apice 
(Yg — y^ 1. rectr.) fuscescente-nigro, rufo tincto; rectri- 
cum om,nium pogoniis externe et interno plus minusve 
rufescente-albo marginatis, infra pallidioribus, rachi- 
dibus rectricum nigris; gastraeo toto lutescente-albo, 
gutture pallidiore; rostro nigro, pedibus nigro-fuscis. 
Long, ulnae 88, caudae 72, tarsi 20,5 mm. 

Habitat: Aber, prov. Astrabad. Persiae sept. 



584 



Otomela Eomanoivi B o g d . , Otomela Bogdanowi n . sp. , 

c?ad. 21. VI. S ad. 22. VI, 

prov. Astrabad. prov. Astrabad. 

Von der Basis des Von der Basis des 
Schnabels über den Zügel, Schnabels über den Zügel, 
das Auge und die Ohr- das Auge und die Ohr- 
gegend erstreckt sich ein gegend geht ein weisser 
weisser Streif, der sich Streif, der sich nach hin- 



nach hinten etwas erwei- 
tert und den oberen Orbi- 
talrand und die Schläfen- 
gegend einnimmt. 



ten etwas erweitert; der 
obere Orbitalrand und 
die Schläfengegend sind 
schwarz ebenso wie Zü- 
gel und Ohrgegend. 
Ohrfedern Zügel und Ohrfedern 
schwarz. 

Diese Theile bilden einen dunklen Streif längs den 
Seiten des Kopfes, der unter dem obenbeschriebenen 
weissen Streifen liegt. 



Zügel und 
schwarzbraun. 



hellrostfar- 



Oberkopf 
ben. 

Oberrücken 
färben. 

ünterrücken rostfarben. 



graurost- 



Oberkopf bräunlich- 
rostfarben. 

Oberrücken graubraun. 



Bürzel 
färben. 



bräunlichrost- 



Unterrücken bräunlich- 
rostfarben. 

Bürzel bräunlichrost- 
farben schwach grau un- 
termischt. 

Handschwingen braunschwarz mit schmalen weissen 
Rändern; die weissen Basaltheile der ersten Hand- 
schwingen bilden einen Flügelspiegel. 

Achsel- und Armschwingen, Schulter und Ober- 



— 585 — 



flügeldeckfedern brannschwarz, nach den Rändern hin 
rostfarben, schmal weisslich gerandet. 



Oberschwanzdeckfedern 
rostfarben. 

Schwanzfedern einfar- 
big rostfarben, an den 
Enden bräunlich ; unten 
und an den Rändern heller. 



Die Schafte der Steuer- 
federn rostfarben. 



Oberschwanzdeckfedern 
hellrostfarben. 

Nur die zwei mittleren 
Steuerfedern fast einfarbig 
rostfarben, an den Enden 
schwärzlich; alle anderen 
sind im Basaltheile (von 
der Hälfte bis % der Feder- 
länge) weiss, zur Schwanz- 
spitze hin röthlich oder 
rostfarben; im Endtheile 
(welcher ein Viertel bis 
zur Hälfte der ganzen Fe- 
der einnimmt) bräunlich 
schwarz, rostfarben ange- 
flogen; auf der Unterseite 
sind die Steuerfedern hel- 
ler; an den Rändern weiss 
mit mehr oder weniger 
ausgesprochenem rostfar- 
benem Anfluge. 

Die Schafte der Steuer- 
federn schwarz. 



Axillar- und Unter- Axillar- und Unterflü- 
flügeldeckfedern weisslich geldeckfedern weiss, 
isabellfarben. 



Unterseite weisslich , 
stark isabellfarben über- 
flogen. 

Melanges biologiciues. XII. 



Unterseite weisslich , 
schwach isabellfarben 
überflogen. 

74 



wmm 



— 586 — 

Kehle und Kinn heller, als die übrigen Untertheile, 
Schnabel schwarz und Beine schwarzbraun. 

Reihenfolge der Handschwingen: 

3>4>5>2>6 3>4>5>2>6 

Erste, abortive, Handschwinge: 

lang und breit: 20 X kurz und schmal: 13 X 

3.5 mm. 2.5 mm. 

Differenz zwischen der abortiven und 2*®'' Hand- 
schwinge : 

39 mm. 43 mm. 

Fittiglänge 88, Schwanz- Fittiglänge 88, Schwanz- 
länge 75, Tarsus 21 mm. länge 72, Tarsus 2 0,5 mm. 
Der Unterschied zwischen 0. Bogdanowi und E. 
coUurio ist so gross, dass ich eine ausführliche parallele 
Beschreibung für unnöthig halte, und mich begnüge 
nur auf den Schwanz und einige plastische Unterschiede 
dieser Arten näher einzugehen. 

E, coUurio (L.) S adlt. Pers. 0. Bogdanowi^ vide supra, 
sept. 

Die zwei mittleren Steu- Die zwei mittleren Steu- 
erfedern sind nur an der erfedern sind dunkel rost- 
Basis weiss, sonst schwarz; färben, an den Enden mit 
alle äusseren im Basal- Schwarz untermischt. Die 
theile reinweiss, im End- denselben zunächstliegen- 
theile reinschwarz, an den den sind in der Basalhälfte 
Rändern jedoch heller. zuerst weisslich, weiterhin 

Der helle Basaltheil an schwächer oder stärker 

den den mittler enzunächst- rostfarbig, im Endtheile 

liegenden Steuerfedern ist bräunlichschwarz mit rost- 

dem dunklen Endtheile farbenem Anfluge, und 

gleich; je näher man zu besitzen ausserdem noch 



— 587 — 



den äussersten geht, desto 
mehr übertrifft der helle 
Basaltheil den dunklen 
Endtheil an Grösse, so 
dass an den äussersten 
Steuerfedern der dunkle 
nur y^, der helle % der 
ganzen Federläuge ein- 
nimmt. 



Die Ränder des dunk- 



ein subterminales dunkles 
Band. Bei den weiteren 
Steuerfedern wird der 
helle Basaltheil immer 
länger und länger und 
der dunkle Endtheil immer 
kürzer und kürzer; die 
weisse Farbe verdrängt 
immer mehr die Rostfarbe, 
so dass der Basaltheil der 
äussersten Steuerfedern 
dreiviertel der ganzen Fe- 
derlänge einnimmt und 
weiss ist mit schwachem 
rostfarbenen Anfluge; die 
bräunlich-schwarze Farbe 
des Endtheils wird nach 
den äussersten Steuerfe- 
dern hin ebenfalls immer 
heller und heller, während 
der dunkle Subterminal- 
streif ganz verschwindet. 

Der helle Basaltheil 
dringt mehr oder weniger 
keilförmig in den dunklen 
Endtheil ein; an den 3 
äussersten Steuerfedern 
stehen am inneren Saum 
der Feder auf dem hellen 
Felde einige dunkle Fle- 
cken. 

Die Ränder aller Steu- 






m 



— 588 — 

len Theils der einzelnen erfedern sind weiss mit 
Schwanzfedern, ebenso wie rostfarbigem Anfluge und 
deren Unterseite sind hei- nehmen an Breite auf den 
1er. äussersten Schwanzfedern 

zu. Die Unterseite des 
Schwanzes ist heller als 
die Oberseite. 

Reihenfolge der Handschwingen: 
3>4>2>5>6 3>4>5>2>6 

Erste, abortive, Handschwinge: 

lang und breit 18.5 x kurz und schmal 13X 

3.5 mm. 2.5 mm. 

Differenz zwischen der abortiven und 2*^" Hand- 
schwinge: 

42 mm. 43 mm. 

Fittigl. 92; Schwanzl. Fittigl. 88; Schwanzl. 

75; Tarsus 23 mm. 72; Tarsus 20,5 mm. 



>>©<< 



(Tiré du BuUetin, T. XXX, pag. 514-519.) 



22 Avril .^Qn 



Über Knospenbildung bei Phanerogâmen. Von A. Fa- 
mintzin. 

(Mit einer Tafel.) 

Es sind mir nur zwei diesen Gegenstand betreffende 
Abhandlungen bekannt, welche sonderbarer Weise 
beide gleichzeitig im Jahre 1873 erschienen sind: die 
eine von Prof. Kny^) betitelt «Über Axillarknospen bei 
Florideen», die andere von Warming ^) «Recherches sur 
la ramification des Phanérogames». 

Als Ausgangspunkt der von Prof. Kny angeführten 
Betrachtungen über die Knospenbildung der Phanero- 
gâmen dienten die von ihm über die Knospenbildung 
der Florideen gemachten Untersuchungen. Als Haupt- 
resultat seiner an Chondriopsis tenuissima und meh- 
reren Arten von Polysiphonia angestellten Beobach- 
tungen stellte sich heraus, dass schon bei diesen sehr 
einfach gebauten Pflanzen, in denen die Differenzi- 



1) Kny. Über Axillarknospen bei Florideen. 

2) Warming. Recherches sur la ramification des phanérogames. 
Mém. de l'Acad. royale de Copenhague. Ser. 5; Vol. 10. 

Mélanges biologiques. XII. 74* 



— 590 — 

rung des Thalloms in Stengel und Blätter eben erst 
angedeutet erscheint, streng ausgesprochene Beziehun- 
gen der Anlageorte der Knospen (der Zweigsprosse) 
und der Blätter unzweideutig zum Vorschein kommen. 

Die Knospen entstehen nach Kny, sowohl hei Chon- 
driopsis als bei Polysiphonia aus der Basillarzelle des 
Blattes, mit dem Unterschiede aber, dass sie bei Ghon- 
driopsis tenuissima streng axillär gelegen sind, während 
bei den untersuchten Arten der Polysiphonia (P. fihrata, 
P, Brodiaei^ P. sertularioides, P. hyssoides) sie mehr 
oder weniger zur Seite geschoben erscheinen. An der 
Polysiphonia elongata sollen sie dagegen an verschie- 
denen Segmenten die Stellen der Blätter einnehmen 
und letztere in der Blattspirale ersetzen. 

Diesen Beobachtungen lässt Kny eine Zusammen- 
stellung der wichtigsten, die Knospenanlagen bei den 
übrigen Pflanzenklasseu betreffenden Ergebnisse fol- 
gen. Aus den Untersuchungen Leitgeb's an Leber- 
und Laubmoosen einerseits und den von verschiedenen 
Forschern gemachten Angaben über die Knospenbil- 
dung in den übrigen Klassen der Gefässkryptogamen 
andererseits lässt sich nach Kny mit grosser Evidenz 
der Schluss ziehen, dass bei Kryptogamen Axillarknos- 
pen höchst selten, als Ausnahmsfälle nur beobachtet 
werden. Bei Phanerogamen dagegen betrachtet er die 
axilläre Knospenlage als eine allgemeine, nur wenige 
Ausnahmen zulassende Regel. Als Ausnahmsfälle werden 
von ihm unter anderen angeführt: 1) das am Stengel 
von Änchusa^ Pulmonaria, Cynoglossum und mehreren 
anderen Pflanzen in verschiedenem Grade stattfin- 
dende Fortrücken der Achselknospen in verticaler 
Richtung, manchmal {Änchusa officinalis) um ein gan- 



— 591 — 

zes über dem Stützblatte gelegenes Internodium ; 2) das 
Vorkommen mehrerer Knospen in der Blattachsel; als 
Beispiel werden angeführt: Thalictrum aquilegifolium 
mit vier über der Blattbasis abwechselnd links und 
rechts gelegenen Knospen; Lonicera xylosteum mit 
vier übereinander in verticaler Linie gelegenen Achsel- 
knospen; Passiflora mit zwei Achselknospen, deren eine 
in eine Ranke auswächst. Hierher werden ausserdem 
die in horizontaler Linie bei Allium^ Lilium hulbiferum 
und einigen anderen Pflanzen den Stengel im Kreise 
umgebenden Achselknospen , deren Zahl bis auf zwan- 
zig sich steigern kann, als auch die extraaxillär gele- 
genen normalen Zweigknospen der Utricularia mitge- 
rechnet. 

Warming's Untersuchungen erstrecken sich sowohl 
auf Zweig- als auch Blüthenknospen der Phanerogamen. 
Die Blüthenknospen sollen öfters axillär, in anderen 
äusserst zahlreichen Fällen dagegen extraaxillär gele- 
gen sein, wobei sie vor ihrem Stützblatte entstehen 
oder das letztere sogar vollkommen entbehren können; 
diese Blüthenknospen sind über den jüngsten Blätter- 
anlagen gelegen und stellen Excrescenzen des Vege- 
tation spunktes dar, die sowohl an den Seiten als auch 
manchmal auf dessen Gipfel sich herausbilden. Bei 
Blüthenknospen der Phanerogamen ist also die axilläre 
Lage, nach Warming's Untersuchungen, bei weitem 
nicht als allgemeine Regel zu betrachten. Ganz anders 
sollen die vegetativen Knospen sich verhalten; bei letz- 
teren lässt sich, nach Warming, eine innige Beziehung 
zu den unter ihnen gelegenen Blättern nachweisen. Er 
spricht sich darüber (pag. 1 9) folgendermaassen aus : 

«Personne, ce me semble, n'a encore exprimé en 



— 592 — 

termes clairs et précis quelle est la relation entre un 
bourgeon et la feuille dite feuille-mère. En général, 
on rencontre seulement des expressions peu precises 
comme celles-ci, que les bourgeons sont situés dans 
l'angle entre la feuille et Taxe-mère, ou à l'aisselle 
de la feuille. Ces expressions sont sans doute parfaite- 
ment correctes, mais elles ne font pas assez ressortir 
le point essentiel, à savoir que le bourgeon axillaire 
est toujours situé tout autant sur la base de la feuille 
que sur l'axe-mère, ou, en d'autres termes, que la 
feuille est située à la fois sur le bourgeon et sur l'axe- 
mère, qu'il existe une connexion étroite entre leurs 
bases». «Mais si l'on avait toujours eu cela devant les 
yeux, certains points n'auraient pas été considérés 
comme si extraordinaires, et même mal compris; l'un 
de ces points est que le bourgeon est, sinon tout en- 
tier, du moins en majeure partie, un développement 
de la base de la feuille; l'autre, que la feuille nait sur 
le bourgeon, auquel elle sert de feuille-mère». «Quand 
au résultat final, il présente une grande concordance 
dans les deux modes de développement, car soit que 
le bourgeon naisse de la base de la feuille, ou la feuille 
de la face inférieure du bourgeon, il se produira entre 
leurs parties libres et l'axe qui les porte une partie 
commune importante.» 

Nach den beiden Autoren, dem Professor Kny und 
"Warming sind demnach bei Phanerogamen die Knos- 
j)en normal in den Achseln der Blätter gelegen; nach 
Warming sollen sie ausserdem mit letzteren in gene- 
tischer Beziehung stehen. 

Ich war deshalb nicht wenig erstaunt auf Längs- 
und Querschnitten durch den Gipfel des Stengels die 



— 593 — 

Genesis und Entwickelung der Achselknospen in einer 
ganz anderen Weise vor sich gehen zu sehen. 

Die erste der untersuchten Pflanzen war Zea Mays, 
nämlich deren mit drei vollkommen entwickelten Blät- 
tern versehenen Keimlinge. Da die Blätter bei Grami- 
neen zweireihig am Stengel stehen, so war es möglich 
mittelst eines richtig geführten Längsschnittes alle 
Blätter der mediären Linie nach, in welcher die mei- 
sten Achselknospen gelegen sind, zu halbiren. Unter 
dem kuppelartigen Vegetationspunkte erschienen die 
oberen stengelumfassenden Blätter dicht über einan- 
der gelegen; etwas weiter unten begannen die Inter- 
nodien allmälig durch intercalaresWachsthum sichtbar 
zu werden. An den noch äusserst kurzen Internodien 
waren schon Knospenanlagen zu unterscheiden (fig. l,c). 
Es bildete sich am Internodium eine nach aussen ho- 
rizontal gerichtete kuppelartige Ausstülpung, welche 
zur Achselknospe sich heranbildete. Diese Ausstülpung 
wurde, wie Fig. 2 (c) und 3 (c) zeigen, durch das 
anfänglich in horizontaler Richtung auswachsende 
Gewebe des Internodiums gebildet. 

Die horizontalen Reihen des Stengelgewebes können 
demnach bis unter die Epidermis der Stengelknospe 
aufs deutlichste verfolgt werden; mit der Zeit richtet 
sich die Knospe mit ihrer Spitze nach oben und bildet 
sich zur typischen Achselknospe heran. 

Eine ganz entsprechende Entwickelung der Achsel- 
knospen aus dem über dem Stützblatte gelegenen In- 
ternodium stellt Tradescantia zebrina dar. Die ersten 
Stadien der Entwickelung sind denen der Achselknos- 
pen von Zea Mays so ähnlich, dass ich es für unnütz 

Mélanges biologiques. XII. 75 



— 594 — 

halte sie durch eine Zeichnung zu erläutern. Die Knospe 
behält ihre ursprüngliche Lage und bleibt auch später- 
hin mit ihrem Vegetationspunkte gegen das Stützblatt 
gerichtet was unzweideutig an der mit 2 Blättern 
schon versehenen in der Fig. 11, c abgebildeten 
Achselknospe deutlich zu sehen ist.- 

Eine ganz ähnliche Genesis der Achselknospen habe 
ich bei den in dieser Hinsicht untersuchten folgenden 
Dicotyledonen, Syringa, Phaseolus, Salix, Ephedra und 
Casiiarina gefunden. Auf axialen Längsschnitten sowohl 
der ruhenden, als auch der. sich entfaltenden Winter- 
knospen erscheinen die Knospenanlagen bei Syringa, 
wie dies schon von Warming nachgewiesen wurde, 
in gewisser Entfernung von dem Vegetationspunkte an- 
gelegt und von ihm durch mehrere schon ziemlich ent- 
wickelte Blätter getrennt. Die Achselknospen werden 
als seitliche Ausstülpungen des sich heranbildenden 
Internodiums sichtbar. Das noch sehr kurze, nach 
unten sich stark verbreiternde Internodium erscheint 
in seinem äusseren Theile aus mehreren zu seiner Ober- 
fläche vertical gestellten und in dieser Richtung ver- 
längerten Zellen zusammengesetzt (Fig. 5, c). In seinem 
unteren, der Knospenanlage entsprechenden Theile wird 
allmälig ein kleines Höckerchen hervorgestülpt, wel- 
ches in schräger Richtung , mit der Spitze gegen das 
Stützblatt zu gerichtet hervorwächst und, wie auf 
Längsschnitten zu sehen ist, aus schräg gegen die 
Achse des Stengels gerichteten Zellenreihen aufge- 
baut wird (Fig. 6, c). 

Eine ganz ähnliche Entwickelung der Achselknospen 
kommt auch bei Phaseolus zu Stande, wie dieses aus 



— 595 — 

der Fig. 22 der Taf. 3 meiner im Jahre 1876 ^) erschie- 
nenen Abhandlung unzweifelhaft hervorgeht. Bei Ephe- 
dra zeugt schon die Lage der ziemlich entwickelten 
Achselknospen, die höher als der Knoten, dem über 
dem Stützblatte gelegenen Internodium eingefügt sind 
(Fig. 12, c), für eine ganz ähnliche Entwickelung. 

Ein interessantes Beispiel bietet endlich in dieser 
Hinsicht Gasuarina dar. Die axillären Knospen sitzen 
mit ihrer Basis anfänglich, wie bei den übrigen von 
mir untersuchten Pflanzen, dem über dem Stützblatte 
gelegenen Internodium auf. Die sie zusammensetzen- 
den Zellen sind in gegen den Stengel hin schräg ver- 
laufenden Reihen geordnet (Fig. 7, c). Die verhältniss- 
mässig wenigen , zu normalen Zweigen sich entwickeln- 
den Achselknospen behalten ihre frühere normale Lage 
bei (Fig. 8); diejenigen dagegen, welche zur Entwicke- 
lung nicht gelangen, werden mit der Zeit vom Stengel 
allmälig auf das Stützblatt herübergezogen (Fig. 9,c) 
und erscheinen jetzt als Ausstülpungen seines Ba- 
sal theils. Dergleichen Verschiebungen der Knospen 
aus ihrer ursprünglichen Lage werden sich auch bei 
mehreren anderen Pflanzen finden; hier will ich nur 
ein einzelnes derartiges Beispiel nämlich der Selaginella 
erwähnen, bei welcher nach Russe w*) und Sachs ^) das 
Sporangium unmittelbar über der Basis des zugehörigen 
Blattes aus dem Stamme, ähnlich wie manche Axillär - 
sprosse der Phanerogamen entspringt. Spätere Zustände 
zeigen das Sporangium der Blattachsel oder selbst der 



3) Famintzin: Beitrag zur Keimblattlehre im Pflanzenreiche. 
(Mém. de l'Acad. de St.-Pétersbourg). 

4) Russow: Vergleichende Unters, p. 138. 

5) Sachs: Lehrb. d. Botanik. 4. Aufl. p. 470. (1874 ) 



— 596 — 

Basis des Blattes eingefügt. Bezeichnend und meinen 
Ansichten ganz entsprechend ist ferner der Verlauf 
des Gefässbündels der Achselknospe ; letzteres tritt bei 
allen untersuchten Pflanzen mit dem Gefässbündel, wel- 
ches dem über der Knospe gelegenen Blatte gehört, 
niemals mit dem des Stützblattes in Verbindung. Die 
der Casiiarina (Fig. 10) entnommene Zeichnung, in 
welcher a das Gefässbündel des Stützblattes, h das des 
aus der Achselknospe entwickelten Zweiges, c,c die 
des Stengels andeuten, lässt dieses Verhalten ganz klar 
erkennen. 

Wenn wir nun alles hier Gesagte berücksichtigen, 
so lässt sich, meiner Meinung nach, in ganz unzweifel- 
hafter Weise folgender Schluss ziehen : die bisher ver- 
muthete (genetische) Beziehung der Achselknospe zu 
ihrem Stützblatte existirt nirgends im Pflanzenreiche; 
für Kryptogamen ist dieser Satz schon von anderen 
Forschern bewiesen; dass dasselbe auch für typische 
Achselknospen der Phanerogamen gilt, habe ich in den 
oben angeführten Zeilen zu beweisen gesucht. Das 
Verhalten der Achelknospen der Phanerogamen zu den 
Blättern scheint mir im Gegentheil dem bei den Moo- 
sen von Leitgeb nachgewiesenen ähnlich zu sein. 
Weitere diesen Gegenstand betreffende Ansichten will 
ich im nächsten Aufsatze folgen lassen. 



Erklärung der Abbildungen. 

Zea Mays. 

Fig. 1. Axialer Längsschnitt durch die Stammspitze eines 
mit entwickelten Blättern versehenen Keimlings, a Vegetations- 
punkt, h^V Blätter, c Achselknospenanlagen. 



— 597 — 

Fig. 2. a Stengel, Hb' Blätter, h' das Stützblatt, h das nächst 
höher gelegene Blatt, c Achselknospenanlage. 

Fig. 3. weiter fortgeschrittenes Stadium der Achselknospe; 
die Bezeichnung ist der der vorigen Figur gleich. 

Syringa. 

Fig. 4. axialer Längsschnitt durch die Stammspitze: a Yege- 
tationspunkt, h Blätter, c Achselknospenanlagen. 

Fig. 5. Radialer Längsschnitt durch ein ganz junges noch 
sehr kurzes Internodium, a Stengel, hb' Blätter, h' das Stütz- 
blatt, h das nächst höher gelegene Blatt, c die Achselknos- 
penanlage. 

Fig. 6. Weiter fortgeschrittenes Stadium der Entwickelung 
der Achselknospe; die Bezeichnungen sind der der vorigen 
Figur gleich. 

Casitarina spec. 

Fig. 7. Radialer Längsschnitt durch eine Achselknospen- 
anlage und der ihr angrenzenden Pflauzentheile. Die Buch- 
staben sind in dieser und den folgenden Abbildungen der 
Casuarina denen der vorigen Figur gleich. Die gegen den 
Stengel schräg nach unten verlaufenden Zellenreihen der 
Knospenanlage sind sehr schön zu sehen. 

Fig. 8. Weiter fortgeschrittenes Stadium; die beiden zu 
Zweigen sich entwickelnden Achselknospenanlagen c haben 
ihre ursprüngliche Stellung beibehalten. 

Fig. 9. Eine abortirte, auf die Basis ihres Stützblattes (5') 
übergewanderte Achselknospe (c). 

Fig. 10. Das dem Achselspross (c) angehörende Gefäss- 
bündel ist, wie die Figur deutlich zeigt, nicht mit dem des 
Stützblattes (&') sondern mit dem des nächst höher gelegenen 
Blattes in Verbindung getreten. 

Traäescantia sebrina. 

Fig. 11. Radialer Längsschnitt durch den Stengel, a Sten- 
gelgewebe, bb' Blätter, h' Stützblatt, c eine mit zwei Blättern 
schon versehene Achselknospe, welche ihre ursprüngliche fast 
horizontale Lage noch beibehalten hat. 



— 598 — 

Epliedra. 

Fig. 12. Radialer Längsschnitt durch den Stengel; die Be- 
zeichnung ist der der vorigen Figuren gleich; die Achselknospe 
c ist ganz deutlich höher als der in der Höhe des Stützblattes 
sich befindende Knoten gelegen. 



(Tiré du Bulletin, T. XXX, pag. 525—531.) 



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Zur Omis der westlichen Ausläufer des Pamir und 
des Alai. Von V. Bianchi. 

Die vorliegende Abhandlung ist das Resultat der 
Durchmusterung einer kleinen Sammlung ^) von Vo- 
gelbälgen aus dem östlichen Theile des Chanats von 
Buchara, die mir der Director des Zoologischen Mu- 
seums der Akademie der Wissenschaften, Herr Dr. 
A. Strauch mit gewohnter Liberalität zur Verfügung 
gestellt hatte. 

Das Gebiet, wo die Sammlung zusammengebracht 
worden, erstreckt sich vom Amu-Darja nordwärts, bis 
zum sogenannten Kaschgar-Dawan oder der Turkestani- 
schen Grebirgskette mit Ausschluss jedoch der letzte- 
ren; den am meisten nach Westen gelegenen Punkt 
bildet die Stadt Karschi, nach Osten — der Berg Tup- 
tschek, der etwas weniger als um einen Breitegrad 



1) Diese Sammlung hat das Zoologische Museum von Herrn 
Grum-Grzimailo gekauft. 



— 600 — 

nach Westen hin vom Gletscher Fed sc henk o's ent- 
fernt ist. Die Gegend liegt mithin in einem in orni- 
thologischer Hinsicht fast unerforschten Gebiete; so 
viel mir bekannt ist, haben hier nur V. Russe w und 
Dr. A. Regel gesammelt, beide verhältnissmässig nur 
sehr wenig, besonders letzterer: die von ihm einge- 
sandten Exemplare (die sich in schlechter Verfassung 
befinden) wurden mir, wie auch einige Bälge aus der 
Ru SS ow' sehen Sammlung von Herrn Th. Pleske 
freundlichst zur Disposition gestellt. 

Aus dem eben angegebenen Grunde interessirte 
mich diese Sammlung in hohem Grade, ich wurde 
aber bei näherer Durchsicht derselben ziemlich ent- 
täuscht, da dieselbe ohne System zusammengebracht 
worden ist und Lücken' aufweist. 

Alles in Allem enthält die Sammlung (Herrn Dr. 
Regel's 10 Exemplare mit eingerechnet) — 388 Bälge, 
die 136 Arten angehören. 

Von dieser Anzahl sind 54 Stück in Samarkand 
(7 Ex.), Dscham (14 Ex.), in der Karschinskischen 
Steppe (26 Ex.) und in Gusar (7 Ex.), d. h. in dem 
Steppenlande Buchara' s gesammelt. Die übrigen 334 
sind im gebirgigen Theile des Chanats, oder, i^hy- 
sisch- geographisch richtiger ausgedrückt, in den 
westlichen Ausläufern des Pamir und des Alai, er- 
beutet. Von den oben erwähnten 54 Exemplaren sind 
21 Arten östlich von Gusar nicht angetroffen worden, 
da aber einerseits die Mehrzahl derselben für die Steppe 
nicht characteristisch ist, andererseits im gebirgigen 
Theile des Chanats auch Steppenland mit seinen Ver- 
tretern existirt, so hielt ich mich für befugt, diese 21 
Arten der Liste der Vögel der Ausläufer des Pamir 



— 601 — 

und des Alai einzuverleiben ohne Bedenken zu hegen 
die Physiognomie der Avifauna derselben zu entstellen. 

Ich nehme folglich in dieser Gegend das Vorhan- 
densein aller 136 Arten an. Diese Anzahl bildet im 
Hinblick auf die Fauna des nördlich angrenzenden 
russischen Turkestan nur wenig mehr, als ein Drittel 
aller wahrscheinlich in dem betreffenden Gebiete vor- 
kommenden Arten. 

Von den in Ost- Buchara aufgefundenen 136 Arten 
führt Dr. Sever tzow (Journ. Orn. 1875) nur fol- 
gende nicht an: 1) Saxicola Finschi^ Heugl., 2) Pra- 
tincola caprata (Linn.), 3) Cyanecula leucocyana^ 
Brehm, 4) Herbivocula neglecta (Hume), 5) Acan- 
thopnetiste nitida (Bljth), 6) TrocJialopterum lineatum^ 
Vig., 7) MicrocicMa Scouleri (Vig.), und 8) Nisaetus 
fasciatus (Vieill.). — Mittlerweile hat V. Russow 
P. caprata und H. neglecta aus Turkestan mitgebracht 
(der erstere Vogel stammt von Tschinas, der letz- 
tere vom See Iskanderkul) und H. Seebohm ein 
Exemplar des MicrocicMa Scouleri aus der Umgegend 
von Samarkand erhalten. Mithin sind von unseren 
136 Arten, so viel ich weiss, im russischen Theile 
von Turkestan nur 5 nicht gefunden worden, nämlich: 
1) S. Finschi, 2) . (7. leucocyana, 3) Ac. nitida^ 
4) TrocJialopterum lineatum und 5) N, fasciatus. Von 
diesen letzteren fünf Arten wurde T. lineatum schon 
früher von Russow beim Eisernen Thore am Fusse 
des Baissun-Tau erbeutet und ein Exemplar des Ni- 
saetus fasciatus stammt von Dr. Regel. 

Auf diese Weise kann man mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit behaupten, dass die Avifauna der west- 
lichen Ausläufer des Pamir und des Alai dieselbe ist, 

Mélanges biologiques. XII. 76 



— 602 — 

wie die der anliegenden Berge jenseits des Gebirgs- 
zuges, der unter dem Namen Kaschgar-Dawan be- 
kannt ist. 

Dieses ist eigentlich die einzige Schlussfolgerung, 
zu 'der mich das Studium dieser Sammlung gebracht 
hat; da beinahe zwei Drittel der Vertreter der Fauna 
unseres Gebietes fehlen, so vermag man die Ähnlich- 
keit derselben mit der benachbarten nur in dem Falle 
zu erkennen, wenn die Fauna des Nachbargebietes 
vollständig erforscht ist, was glücklicherweise in Bezug 
auf die Fauna von Turkestan der Fall ist. Bei dieser, 
dennoch etwas riskirten, Schlussfolgerung laufen wir 
dem ungeachtet Gefahr, einen Fehler zu begehen: 
erstens sind wir nicht im Stande alle die Formen auf- 
zuführen, welche sich nicht bis nach Turkestan ver- 
breiten; zweitens können unter den fehlenden zwei 
Dritteln (obwohl dies wenig wahrscheinlich ist) ende- 
mische Formen kleiner Bergvögel, die Standvögel sind, 
vorkommen; drittens endlich ist ein grösserer Zusatz 
von Formen, die dem Himalaya eigen sind, möglich; — 
Alles dies kann die Ähnlichkeit der Fauna des in 
Rede stehenden Gebietes mit der Turkestanischen 
vermindern. 

In noch grösserem Maasse sind diese Bemerkungen 
in Bezug auf andere, weniger oder noch garnicht er- 
forschte, Nachbargebiete am Platz. 

Im westlichen Himalaya sind circa 100 von den 
obenerwähnten 136 Arten gefunden worden, aber die 
Himalaya-Provinz wird scharf abgesondert durch den 
Zusatz von rein endemischen Formen, welche selbst 
einem ungeübten Sammler nicht leicht entgehen könn- 
ten. — Ungefähr dieselbe Anzahl fand man in Afgha- 



— 603 — 

nistan, einem Laude, das bis jetzt wenig erforscht ist, 
namentlich dessen nördlicher Theil, welcher unmittelbar 
an das in Rede stehende Gebiet grenzt. — Im Pamir 
und der Alai- Steppe fand Dr. Severtzow etwa die 
Hälfte der Arten, die unsere Sammlung aufweist; 
übrigens hält es schwer das Hochplateau des Alai und 
Pamir, deren Thäler in einer Höhe von 11 — 13. 500' 
gelegen sind, mit deren verhältnissmässig niedrigen 
Ausläufern zu vergleichen: man müsste in diesem Falle 
alle Fundorte von unter 10,000' Höhe ausser Acht 
lassen. — Aus eben demselben Grunde ist ein Vergleich 
der Steppenfauna der am Caspimeer gelegenen Wüsten 
unstatthaft; — und in den Bergen von Chorassan sind 
die Forschungen erst kürzlich begonnen. 

Bedenkt man schliesslich, dass mir eigene Beobach- 
tungen fehlen und dass ich dadurch gezwungen worden 
bin, nach Bälgen und den dazu gehörigen Etiquetten 
nur muthmaasslich den Character des jeweiligen Vor- 
kommens der Vögel zu bestimmen, so wird man ein- 
sehen, aus welchem Grunde ich mich jeglicher Schluss- 
folgerungen, die wohl erwünscht wären, enthalte. 

Die Details sind bei jeder Art angegeben, ich halte 
es aber nicht für überflüssig, auf folgende in geographi- 
scher Hinsicht interessante Formen besonders hinzu- 
weisen: Saxicola Finschi, Cyanecula leucocyana^ Her- 
bivociila neglect a , Acanthojmeuste nitida^ Trochalopte- 
rum Uneatum^ Microcichla Scouleri, Gyanistes flavi- 
pectus^ Mhodopechys sanguinea, Nisaëtus fasciatus etc.; 
dagegen in systematischer Hinsicht auf folgende: C 
flavipeduSj Sco2:}S ohsoleta^ Scelospizias cenchroides 
und manche andere. 



— 604 — 

Es sei mir gestattet, noch einige Worte hinsichtlich 
der Bearbeitung des Materials hinzuzufügen. 

Ich hielt es für nöthig bei jeder Art kurze Citate 
anzuführen, vermittelst welcher die Genesis der Be- 
stimmung einer jeden Art leicht zu verfolgen ist. 
Dasselbe bezweckt die in vielen Fällen in systemati- 
schen Anmerkungen angegebene Motivirung. Ich habe 
endlich bei einigen Exemplaren die permanente Num- 
mer des ornithologischen Catalogs des Zoologischen 
Museums nur aus dem Grunde angegeben, um das 
betreffende Exemplar zu jeder Zeit leicht auffinden 
und verificiren zu können. 

Ich habe alle Exemplare mit ihren Daten aufge- 
zählt, da das Befolgen dieser Regel, meiner Meinung 
nach, für das Studium der geographischen Verbrei- 
tung und der periodischen Erscheinungen überaus 
wichtig ist. 

Die Daten sind alten Styls. 

Ferner möchte ich noch den Umstand entschuldigt 
wissen, dass die Maassangaben bei mir bald in Milli- 
metern, bald in englischen Zoll angeführt werden. 
Diese scheinbare Inconsequenz findet jedoch in Fol- 
gendem eine Erklärung: während ich selbst mich des 
metrischen Systems bediene, steht bei englischen Au-' 
toren stets das Zollmaass in Gebrauch, beim Vergleich 
von Maassangaben mit solchen aus englischen Quellen, 
habe ich mich nun, um nicht die Angaben aus einem 
Maass in ein anderes überzuführen, ebenfalls des 
englischen Zolles bedient. 

Fast alle Namen der Fundorte konnte ich auf der 
Karte auffinden und nur einige unbedeutende Ort- 
schaften werden auf allgemeinen Karten wohl nicht 



— 605 — 

vermerkt sein. Über die ungefähre geographische Lage 
dieser letzteren kann man aus der beigefügten Marsch- 
route urth eilen. 

Die Originaletiquetten waren in russischer Sprache 
geschrieben, bei ihrer Wiedergabe mit lateinischen 
Lettern habe ich mich an die deutsche Orthographie 
gehalten. Der Name Eines Fundortes übrigens bedarf 
einer besonderen Bemerkung: der Ort, an dem zwi- 
schen dem 9. und 11. Juni gesammelt wurde, ist auf 
den einzelnen Etiquetten Tobi-dara genannt und auf 
der Karte finde ich ihn als Tabi-dara vermerkt, wäh- 
rend in der Marschroute des Herrn Grum-Grzimailo 
(HsB'fecTiH PyccK. Teorp. 06m„ t. XXI (1885), bhh.VL 
CTp. 579 — 582) -) augenscheinlich dieser selbe Ort 
Tawildar oder Tabi-dag genannt wird; ich führe diesen 
Fundort in der Schreibweise der Etiquetten an. 

Marschroute des Herrn Grum-Grzimailo im Jahre 1885. 

15 — 22. III. Samarkand. 
28—29. III. Dscham. 

30. III. Karschi-Steppe, zwischen Dscham und 
Ak-Kuschuch. 
1. IV. Karschi-Steppe, Brunnen Gamisch 20 

Werst von Karschi. 
1. IV. Ibid., Brunnen Taschli, 40 W. v. K. 
3. IV. Karschi. 

7. IV. Jange, am Wege von Karschi nach 
Gusar. 



2) Da diese Marschroute nur einen Theil der Daten und Fund- 
orte enthält, so ist die nachfolgende hauptsächlich nach den Eti- 
quetten, mit manchen Zusätzen meinerseits, um die Lage der Ort- 
schaften näher zu erklären, zusammengestellt. 



9- 


-10. 


IV. 




11. 


IV. 




12. 


IV. 




13. 


IV. 




13. 


IV. 


14- 


-15. 


IV. 




16. 


IV. 


17- 


-19. 


IV. 




20. 


IV. 




21. 


IV. 




22. 


IV. 




23. 


IV. 


24- 


-26. 


IV. 




29. 


IV. 




30. 


IV. 




3. 


V. 


5 - 


- 6. 


V. 




7. 


V. 




8. 


V. 


8- 


-10. 


V. 


12- 


-14. 


V. 




15. 


V. 


17- 


-18. 


V. 




19. 


V. 


21- 


-22. 


V. 



— 606 — 

Gusar. 

Tengi-Charam. 

Tschaschma-Chafisdschan. 

Engpass Tschak-Tschak oder Eisernes 
Thor; — Ak-Rabat. 

Schur-ab. 

Sser-ob. 

Lailjakan. 

Schir-abad. 

"Weg von Schir-abad zumFluss Surchan. 

Ak-Kurgan am Fl. Surchan. 

Kum- Kurgan am Fl. Surchan; Kap- 
tugai. 

Garm -Kurgan am Fl. Surchan. 

Kokaity-Kurgan am Fl. Surchan. 

Sary-Dschuj. 

Regar. 

Karatag. 

Engpass Kara-Kuss im Babadagh (zwi- 
schen den Flüssen Surchab und Ka- 
firnagan). 

Schurjan-Tugai 



am Flusse Kafir- 
nagan. 



Ak-Metschet 

Dschidda-bach 

Kabadian. 

Fluss Wachsch, westliches Ufer. 

Kurgan-Tjube ^ am östlichen Ufer 

San-Tuda J d. Wachsch. 

Kischlak Baijan am Flusse Ktschi-Sur- 
chan (Nebenfluss von Ak-Su, unweit 
von der Stadt Kuljab mündend). 
29—31. V. Baldschuan. 



— 607 — 

7— 8. VI. Karnak (am Ak-Su?). 

9—11. VI. Tabi-dar am Fl. Chingob. 

11. VI. Fluss Chingob. 

12. VI. Kischlak Inku. 

13. VI. Fluss Sagri-Daschte; Kischlak Sagri- 

Dascht. 
14U.18. VI, Sagri-Dascht-Pass, 10,000'; Flüsse 

Chumbou und Bida - Abdschabar 

(10,000'). 
19. VI. Fluss Sagri-Daschte (Rückweg). 
23. VI. Ischtiun 



24. VI. Lairan 

25. VI. Nossany 



am rechten Ufer d. Fl. 
Chingob. 



26. VI. Gardani-Kaftar-Pass. 
27.VI— 2.VII.Berg Tuptschek. 

3. VII. Chysch-Kuljak-Pass im Peter's I Ge- 
birge. 
4 — 5. VII. Nördlicher Abhang des Peter's I Ge- 
birges; Fluss Sinde-Kul (4. VII); 
Kalai-Ljabi-ob (4. VII); Obi-Nasa- 
rok, Fl. Kara-Saur (5. VII). 
11 — 12. VII. Obi-Garm am Fl. Surchab, süd-west- 

lich von Garra. 
13 — 20. VII. Obi-Garm, Faisabad, Kafirnagan, Dju- 
schambe, Karatag und Sary-Dschuj. 
21 — 25. VII. Längs dem Laufe des Flusses Sang- 
Girdan bis Lagari-Murda. 
23. VII. Sarym-Sakli am Sang-Girdan. 
25 — 29. VII. Lagari-Murda-Pass. 
30.VII~8.VIII. Tasch-Kurgan; Schaar; Tchim-Kur- 
gan; D schäm. 
9. VIII. Samarkand. 



— 608 — 

1. Turdus viscivoruS; Linn. 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 185 (Key), 194; Dresser, 
B. Eur., II, tab. 1. 

a, juv. Tuptschek 2. VII. 

h. juv. Lagari-Murda-Pass 26. VII. 

Das Exemplar a trägt noch das Nestkleid, während 
bei dem Exemplar h schon einige Federn auf der Brust 
mausern. 

2. Merula merula (Linn.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 233 (Key), 235; Dresser, 
B. Eur., II, tab. 13. 

a. S adit. Fluss Sang-Girdan 21. VII. 

Das einzige stark mausernde Exemplar, das uns 
vorliegt, ist die typische M, merula und nicht M. 
maxima Seebohm (Cat. B. Brit. Mus., V, p. 405). 

3. Merula atrigularis (Temm.). 
Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 235 (Key), 267. 

a S semiad. Dscham 29. III {M 10116). 

Über die Halsseiten unseres Exemplares, welches 
ein stark abgestossenes Frühlingskleid trägt, erstrecken 
sich schwarze längliche Streifen und der Hals ist von 
schmutzig- weisser Färbung ohne dunkle Schaftstriche. 
Es ist also der Hals nicht gefleckt, wie nach Se- 
vertzow, bei M. mystacinus, welcher noch 1883 
die Selbstständigkeit dieser Form zu vertheidigen 
suchte. 



- 609 — 



4. Monticoia saxatilis (Linn.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 313 (Key), 331; Dresser, 
B. Eur., II, tab. 16 u. 17. 



Tschaschma— Chafisdschan 12. IV. 



Engpass Tschak-Tschak, 
Ak-Babat (Eisernes Thor) 13. IV. 



Sser-ob 


15. IV. 


Schir-abad 


19. IV. 


Karnak 


* 7. VI. 


Karnak 


7. VI. 


Inku 


12. VI. 


1. Sagri-Dascht 


19. VI. 


Ischtiun 


23. VI. 



a. 2 adit. 

h. 2 adit. 

c. S adit. 

d. S adit. 

e. S adit. 

f. S adit. 

g. S adit. 
h S adit. 
1 S adit. 
k. juv. 
I 5 adit. 

Alle im April erlegten Männchen (c, d, e, f) und 
Weibchen {a, h) tragen noch die Spuren des Winter- 
kleides, welche sich darin äussern, dass die Federn 
auf der Brust , auf dem Bauch und auf dem Rücken 
am Ende weiss umsäumt sind. Da die Weibchen über- 
haupt bunter gefärbt sind, so erscheinen diese Säume 
bei ihnen nicht so scharf prononcirt, wie bei den 
Männchen. Diese ümsäumung fehlt beinahe schon 
vollständig bei allen Exemplaren {g, h, i, l), welche in 
der ersten Hälfte des Juni erbeutet wurden. 

Die Steuerfedern des jungen Exemplars (k) haben 
nur drei Viertel der LäHge erreicht, so dass man an- 
nehmen muss, dass dieses Exemplar Anfang Juni das 
Nest verlassen hat. Die breiten rostfarbig - weissen 
Säume auf allen Schwungfedern lassen die Jungen 
dieser Art von den Weibchen, bei welchen diese Säume, 



Mélanges biologiques. XII. 



77 



— 610 — 

namentlich auf den Schwungfedern erster Ordnung, 
nur sehr schmal sind, leicht unterscheiden. 

5. Monticola cyanea (L.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 313 (Key), 316, Dresser, 
B. Eur., II, tab. 18. 

a, S adit. Sser-ob 15. IV. 

h, 5 adit. ibd. 15. IV. 

c. c?adlt. ibd. 15. IV. 

d. 9 adlt. Karatag 3. V. 
e.S Sarym-Sakli 2 3. VIL 

Dresser meint, dass das erwachsene Weibchen 
in der Färbung dem Männchen gleicht, was jedoch nach 
Hume (Stray Feathers, X, p. 109, footnote) nur aus- 
nahmsweise der Fall ist. Unser Exemplar (d) ist oben 
einfaiiDig schwarzbraun, unten mit Ausnahme der Sei- 
ten gefleckt, zur Unterkehle wird die Fleckung eine 
geringere. Auf dem Kinn, der Kehle, Gurgel und Ober- 
brust ist jede Feder am Schafttheile hell und von 
einem dunklen Saume umgeben; auf den Schwung- 
federn sind die Federsäume kaum merklich. 

Die schwärzlichen und weisslichen Ränder der 
blauen Federn sind als Spuren des Winterkleides bei 
dem Exemplar a noch sehr stark, bei b und c schon 
weniger stark prononcirt. Die vorherrschende Färbung 
des Exemplars e ist blau, doch besitzt jede Feder am 
Ende zWei Säume, einen schwärzlichen und einen 
weisslichen und sind die Schwungfedern hell einge- 
fasst; die Schwung- und Steuerfedern mausern nicht, 
das Kleingefieder dagegen sehr stark und gehören 
alle Federn schon dem Herbstkleide an; es ist ein 
junges Exemplar. 



— 611 — 

6. Cinclus asiaticus, Swains. 

Cat. B. Brit. Mus., VI, pp. 307 (Key), 314; Gould, 
B. Asia, IV, tab. 21. 

a. S adit. Ischtiun 23. VI (^. 10042). 
h. juv. Tuptschek 30. VI {]&. 10041). 

Das alte Exemplar trägt ein stark abgestossenes 
Gefieder. 

Das junge Exemplar habe ich mit einem unzweifel- 
haft zu dieser Art gehörigen Jungen, welches Russow 
mit den alten Vögeln erlegte, verglichen und als zu 
dieser Art gehörig erkannt. 

7. Cinclus leucogaster^ Bp. 

Cat. B. Brit. Mus., VI, pp. 307 (Key), 314; Gould, 
B. Asia, IV, tab. 24. 

a. 2 adit. Tuptschek 28. VI {M>. 10040). 

Unser Exemplar trägt ein abgestossenes, jedoch der 
Mauser noch nicht unterworfenes Kleid. 

8. Saxicola oenanthe (L.). 

Dresser, B. Eur., II, tab. 21. 

rt. 2 adlt. Dscham 29. III. 

h. 2 jnv. Lagari-Murda-Pass 29. VII. 

Das Exemplar a hat noch nicht das Frühlingskleid 
angelegt, da die braunen Enden der grauen Federn 
auf dem Oberkörper noch nicht abgestossen sind. 
Das Exemplar b trägt schon das Herbstkleid, doch 
mausern noch die Federn auf dem Kopf sehr stark. 



— 612 — 

9. Saxicola morio, H. u. Ehr. 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp.364 (Key), 372; Severt- 
zow, Turkest. Jevotn., tab. VIII, fig. 1 — 4 (S.talas); 
Henderson und Hume, Lahore to Yarkand, tab. XIII 
{S, Hendersoni). 

a. (5 adit. Dscham 29. Ill (JVs 10043). 

&.cîadlt. ibd. 29. III. 

c. 5 adit. Karschi 3. IV. 

c?.$adlt. Baldschuan • 31. V (JVr 10046). 

e. (? adit. Lagari-Murda-Pass 2 9 .VII. 

/.c^adlt.autum. Lagari-Murda-Pass 27.VII(JVÎ! 10044). 
g, S juv. autum. Lagari-Murda-Pass 27. VII (J\'s 10045). 

Die alten im Frühlinge erbeuteten Männchen (a — c) 
stimmen am besten mit der Abbildung bei Severtzow 
(1. c. ûg. 1) überein und unterscheiden sich ziemlich 
aufikllend von derjenigen bei Gould (B. Asia, IV, 
tab. 29) und Dresser, (B. Eur., II, tab. 33, fig. l^). 
Der Färbung des Kopfes und der Oberseite ist näm- 
lich bei ihnen in viel grösserer Menge ein grau-brau- 
ner Ton beigemischt. Beim Exemplar c treten schwarze 
Federn mit braunen Enden in grösserer Anzahl, als 
bei a und h auf; beim Exemplar e fehlen diese braunen 
Enden wie auf den weissen, so auch auf den schwarzen 
Federn beinahe vollständig. Nach der Färbung der hellen 
Stellen haben unsereExemplare auf dieseWeise eine ent- 
fernte Ähnlichkeit mit der Abbildung von S. capistrata 
bei Gould (1. c. tab. 28), doch unterscheiden sie sich 
von dieser Art sofort dadurch, dass die zweite Schwinge 



3) Nee fig. 2 =lugens (Licht). 



— 613 — 

länger als die 6. .und kürzer als die 5. ist, während bei 
S. capistrata dieselbe Schwinge kürzer als die 6. ist 
und die 7. an Länge überragt. Das erwähnte Verhält- 
niss der Schwingen ist bei allen unseren Exemplaren 
ein constantes. Ich halte unser Exemplar f, welches 
auf der Oberseite noch mausert, für ein ausgewach- 
senes Männchen im Herbstkleide; es ist der Abbil- 
dung dieser Art bei Severtzow (1. c. fig. 3) und 
Hume (1. c.) höchst ähnlich. Mit der letzteren Abbil- 
dung stimmt auch vollständig das junge (g) beinahe 
ganz ausgemauserte Männchen im Herbstkleide über- 
ein. Nach eingehendem Vergleich erwiesen sich diese 
Exemplare als identisch mit einigen Bälgen, welche 
Russow erlegt und an Ort und Stelle bestimmt hatte. 
Das alte Weibchen d in sehr abgetragenem Kleide ist 
der fig. 2 bei Severtzow sehr ähnlich; dieses Exem- 
plar ist mit einem Weibchen der S. leucomela Pali, 
identisch, welches Herr Kibort bei Krasnojarsk erlegt 
hat, wo ausser ihr keine andere Art vorkommt, mit 
der sie verwechselt werden könnte. 

Dr. N. A. Severtzow (Ibis, 1883, p. 69) suchte 
noch 1883 die Unterschiede zwischen S. morio und 
S, leucomela nachzuweisen, aber vergeblich, denn 
Seebohm (cf. ibd. footnote) konnte zwischen diesen 
Arten die erwähnten Unterschiede nicht finden. Die 
Uiiterschiede, welche Biddulph angiebt und die darin 
bestehen sollen, dass die Innenfahne der Schwungfe- 
dern erster Ordnung bei S. morio schwarz, bei S, leu- 
comela dagegen weiss gefärbt ist, sind ebenfalls irrig 
und daher worthies. Biddulph hat nämlich äugen-, 
scheinlich die Arbeit von Blanford und Dresser 
(P. Z. S. 1874, p. 225) benutzt, wo als 8. leucomela 



— 614 — 

die S. lugens Licht, beschrieben ist. Hume (Stray 
Feathers, IX, p. 326 footnote) vertheidigt die Selbst- 
ständigkeit seiner S. Hendersoni bis in die letzte Zeit. 

10. Saxicola deserti, Temm. 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 364 (Key), 383; Dresser, 
B. Eur., II, tab. 27. 

a. 2 adit. Sser-ob 14. lY (J\U0057). 

Diese Art ist mit S. monfana leicht zu verwech- 
seln, doch ist bei dieser letzteren die Innenfahne der 
Schwingen erster Ordnung bis zum Schafte weiss, 
während bei S. deserti die weisse Farbe auf der In- 
nenfahne der erwähnten Federn nur als breiter Rand 
auftritt. Die Länge des Flügels beträgt 3,6^', dieje- 
nige des Schwanzes 2,7''. Nach Seebohm beträgt die 
Fittiglänge der Weibchen von S. deserti 3,5 bis 3,3'^, 
bei den Weibchen von S. montana dagegen schwankt 
dieselbe zwischen 3,9 und 3,6''. Unser Exemplar hat 
ein nur wenig abgetragenes Winterkleid und mag 
desshalb einen etwas längeren Flügel haben. 

11. Saxicola isabellina, Cretzm. 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 365 (Key), 399; Dresser, 
B. Eur., II, tab. 22. 

a. S adit. Sagri-Dascht, FIuss Bida- 

Abdschabar 18. VI (JV« 10047). 

b. $ juv. Tuptschek 30. yi(J\^ 10048). 

c. 2 juv. Lagari-Murda-Pass 27. VII. 

d. $ juv. ibd. 27. VII. 

Das erwachsene Männchen (a) in ziemlich abgetra- 
genem Gefieder unterscheidet sich von der Abbildung 



— 615 — 

dieser Art bei Dresser (Weibchen im Herbstkleide) 
nur durch einen mehr prononcirten grauen Anflug. 
Die jungen Exemplare, (h und d) tragen das gefleckte 
Nestgefieder und hat bei ihnen die Mauser noch nicht 
begonnen. Das Exemplar c befindet sich in voller 
Mauser und gehören die meisten Federn schon dem 
Herbstkleide an. 



12. Saxicol^ Finschi, Heugl. 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 364 (Key), 388; Dresser, 
B. Eur., n, tab. 207 (S. erythraea). 

a, S adit. Tschaschma-Chafisdschan 12. IV (A^ 10058). 

Diese Art ist in der Vertheilung der weissen Fär- 
bung auf der Oberseite (von dem Schnabel bis zu den 
Schwanzdeckfedern) der 8. melanoleuca im Frühlings- 
kleide ähnlich, doch unterscheidet sich diese letztere 
Art sehr auffallend von ihr durch eine weissgefärbte 
Stelle zwischen dem schwarzen Hals und dem Flü- 
gelbug, während S. Finschi seitlich vom Kinn bis zur 
Flügelspitze durchgängig schwarz gefärbt ist. 

Die Federn des Exemplars b sind im Ganzen ziem- 
lich stark abgestossen. 

Bis jetzt ist Tschaschma-Chafisdschan der äusserste 
Fundort dieser Art im Nordwesten und ist sie für 
Turkestan, so viel mir bekannt, noch nicht nachge- 
wiesenj im Südosten ist ihre Verbreitung bis Kan- 
dahar und Quetta, wo sie Swinhoe (Ibis, 1882, 
p. 107) sammelte, verfolgt. 



— 616 — 

13. Saxicola opistholeuca, Strick. 

Cat. B, Brit. Mus., V, pp. 364 (Key), 376; Gould, 
B. Asia, IV, tab. 27. 

a. S adit. ' Tengi-Charam 1 1 . TV (.« 10049). 
h. (5 adit. ibd. 11. IV. 

c. S adit. Kara-Kuss (Engpass 

im Baba-Dagh) 6. V. 

Bei den mir vorliegenden Exemplaren ist das Ge- 
fieder noch wenig abgetragen. 



14. Pratincola caprata (L.). 
Cat. B. Brit. Mus., IV, pp. 179 (Key), 195. 

a, S adlt. Kurgan-Tuebe 18.V(A^ 10050). 

Die Federn unseres einzigen Exemplars sind nur 
wenig abgetragen. 

Diese östliche Art erreicht im Südwesten ihres Ver- 
breitungsbezirkes das südöstliche Persien und kommt 
in Nordwesten bis zum Atrek und der Chiwinischen 
Oase, wo ^ie von Bogdanow *) gesammelt wurde, vor. 
Im Turkestan ist dieser Wiesenschmätzer, nach Mit- 
theilung von Herrn Th. Pleske, von Russow ge- 
funden worden. 



4) OnepKH npHpoABi XasiiHCKaro oasiica ii necKOBt Kiistut- 
KyM-L. TaniKeHTt, 1882, CTp. 75, 83. 



617 



15. Pratincola maura (Pall.). 

Cat. B. Brit. Mus., IV, pp. 179 (Key), 188; Gould, 
B. Asia, IV, tab. 34 (P. indica). 

a. S adit. Dscham 28. III. 

b. S adit. Lailjakan 16. IV (JV?. 10052). 

c. (Sy) juv. Baijan 22. V (H'. 10051). 

d. (2) juv. ibd. 22. V. 

e. (2) juv. ibd. 22. V. 

Das Kleid der alten Exemplare (a und h) ist wenig 
abgetragen; auf dem schwarzen Rücken sind noch 
viele Federn von den rostfarbigen Rändern,, der Win- 
tertracht umsäumt. 

Zwei rostfarbene eben zum Vorschein tretende Fe- 
dern auf der Brust des Exemplars c geben mir die 
Möglichkeit auch die Jungen im Nestkleide als zu 
dieser Art gehörig anzusprechen. 

16. Ruticilla phoenicura (L.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 335 (Key), 336; Dresser, 
ß. Eur., II, tab. 41. 

a. 3 adit. Schir-abad 17. IV (J\2 10053). 

Das einzige Exemplar ist in abgetragenem Früh- 
lingskleide. 

Die zweite Schwinge dieser Art ist grösser als 
die 6., während bei der folgenden Art dieselbe kleiner 
als die 7. ist. 



5) Die von mir in Klammern gesetzten Geschlechtzeichen halte 
ich für nicht ganz sicher. 

M^angea biologiques. XII. 78 



— 618 — 

17. Ruticllla rufiventris (Vi ei 11.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 335 (Key), 342; Moore, 

P. Z. S. 1854, pi. LVII {R.pJioenicuroides)] Dresser, 

B. Eur., II, tab. 43. 

a. S adit. Inku 12. VI (JV« 10117). 

h. 2 adit. Ischtiuu 23. VI (A^ 10054). 

c. juv. Fluss Sang-Girdan 22. VII (B 10056). 

d. 5 Lagari-Murda-Pass 29. VII (JV» 10055). 
Das alte Männchen (a) mag nach seinem einfarbig- 
schwarzen Mantel zu der Form B, atrata Jard. et 
Selb. ^) gehören. 

Das alte Weibchen (h) habe ich nach einem Exem- 
plar, welches Russow zusammen mit dem Männchen 
erbeutete, bestimmt. Ein anderes Weibchen (d) in fast 
ausgemausertem Herbstkleide ist jenem, trotz anderer 
Nuancen in der Färbung, in der Grösse und den plasti- 
schen Merkmalen vollständig gleich. In diesen Merk- 
malen stimmt auch das Junge (c), welches das ge- 
fleckte Nestkleid trägt, mit den erwähnten Weibchen 
überein. 

Abgesehen von dem Unterschiede in der Färbung, 
scheint das Weibchen von B, rufiventris {Y ,) auch noch 
kleiner als dasjenige von B. erythronota (Eversm.) zu 
sein. Im Längenverhältniss der Schwingen scheinen 
sich diese zwei Arten nicht von einander zu unter- 
scheiden. 

Das junge Exemplar (c), welches das gefleckte Nest- 
kleid trägt und noch nicht (22. VII) zu mausern be- 
gonnen hat, lässt eine zweimalige Brut vermuthen. 

6) Cf. N. Zaroudnoï, Oiseaux de la Contrée Trans-Caspienne, 
p. 37, Bemerkung- von M. Menzbier. 



619 — 



Ich füge noch die Ausmessungen und das Verhält- 
, niss der Schwingen von 6 B. rufiventris und 2 R. 
erytlironota bei. 



B. rufiventris 

a. S adlt. 
h. 2 adlt. 

c. 2 (aut.) 

d. juv. 

e. S adlt. 



Grum-Grzi- 
mailo 



Fittig- 
länge. 



Schwanz- 
lange. 



'84,75 
79,00 
79,00 
77,00 



Russow;- ein/ 81,00 



f. 2 adlt. j gepaartes Paar\ 
B. erytlironota 

a. S adlt.) Russow; ein/' 
h. $ adlt. /gepaartes Paar| 



79,50 



85,50 
83,00 



68,00 
61,50 
63,00 
60,00 

63,00 
60,50 

70,00 
71,00 



Längenverhalt, 
der Schwingen. 



7>2>8 

7>2>8 

7>2>8 

7>2fast=8 

7>8>2>9 

7>2>8 

7>2>8 
7>2>8 



18. Cyanecula caerulecula (Pali.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 294 (Key) 308; Dresser, 
B. Eur., II, tab. 49 {C. suecica). 

a. £ adlt. Dscham 28. Ill (As 10060). 
Das Gefieder ist nur wenig abgestossen. 



19. Cyanecula leucocyana, Brehm. 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 294 (Key) 311 {E, cya- 
necula)-^ Dresser, B. Eur., II, tab. 48 (G. Wolfi). 

a. 5 adlt. Sagri-Dascht-Pass 14. VI (K>. 10061). 
h. S adlt. (Ç) Tuptschek 27. VI Q&- 10059). 

Die Bestimmung des Exemplars h bietet einige 



— 620 — 

Schwierigkeiten, da der weisse Kehlfleck einen schwa- 
chen rostfarbigen Anflug hat und daher die Möglich- 
keit nicht ausgeschlossen ist, dass wir es mit einem 
Bastard von G. leucocyana und (7. caerulecula zu thun 
haben; jedenfalls aber steht es der G. leucocyana viel 
näher. Der Reisende hat es als Weibchen notirt, doch 
muss ich diese Geschlechtsbestimmung entschieden für 
irrthümlich halten, da sogar bei hahnenfedrigen Weib- 
chen der blaue Kehlfleck niemals so intensiv und un- 
unterbrochen auftritt. 

Das Exemplar von Scully, welches in Gilgit gesam- 
melt wurde, scheint nach der Färbung des Kehlsternes 
auch kein typisches zu sein, da Biddulph (S. F. IX, 
p. 330) von ihm sagt: «a faint rufous tinge appears at 
the base of the satin-white feathers, looking very much 
as if there were a change of colour in the feather». 

Das Gefieder der mir vorliegenden Bälge ist ziem- 
lich stark abgetragen. 

Ich weiss nicht, ob diese Blaukehlchen-Form für 
Turkestan schon nachgewiesen ist. Wie es scheint, lie- 
gen die am meisten östlichen Fundorte dieser Art im 
westlichen Theil der himalayanischen Provinz der Re- 
gio aemodo-serica (Severtzow): Scully (Str. Feath. 
IX, p. 330) fand sie in Gilgit am 15. April (3. IV n. 
Jul. Kai.) auf dem Durchzuge (einzelnes Exemplar) und 
nach Biddulph war sie «very common on both sides 
of the Digar pass, between the Nobra and Indus val- 
leys during the last week ^) of June» (Str. F. X, 
p. 268). 



7) Also Mitte Juni, vielleicht brütend. 



— 621 — 

20. Calliope pectoralis, Gould. 

Cat. B. Brit. Mus., V, p. 294 (Key.), 306; Gould, 
B. Asia, IV, tab. 39. 

a. 5 adit. Tuptschek 27. VI (J\2 10062). 

h S adit. ibd. l.VII. 

c. 2 adit. ibd. 2,VII(A^ 10064). 

d. S adit. Chysch-Kuljak-Pass, 

über 10000' 3. VII (J\2 10063). 

e. 2 adit. ibd. 3. VII. 

f. S adit. ibd. 3. VII. 

g. 2 adit. ibd. 3. VII. 
Ä. (5 adit. ibd. 3. VII. 

Alle Exemplare sind in abgetragenem Sommerkleid 
und mausern noch nicht. 



21. Irania gutturalis (Guérin). 

Cat. B. Brit. Mus., V, p. 304; Dresser, B. Eur., II, 

tabb. 53 und 54. 

a. 5 adit. Karnak 7.VI (J\Vl0065). 

h. 2 adit. ibd. 8. VI Q& 10068). 

c. S adit. Fluss Sagri-Dascht 13. VII (As 10066). 

d. S adit. ibd. 13. VII (A» 10067). 

Alle Exemplare sind in abgetragenem Sommerkleid 
und keines mausert. 



— 622 — 

22. Daulias Hafizi (Severtzow). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 293 (Key), 297 {Eri- 
thacus Golmi): Blanford, Eastern Persia, II, tab. X, 
ûg. 2 (optima); Radde, Ornis Caucasica, tab. XV 

(fig. mala). 

a. S adit. Gusar 9. IV. 

h. S adit. Schir-abad 18. IV (JVs 10069). 

c. S adit. ibd. 18. IV. 

d. S adit. Karnak 7. VI. 

e. 2 adit. Fluss Chingob 11. VI (JV« 10070). 

f. $ adit. ibd. 11. VI. 

Die Bestimmung, des Geschlechtes ist bei allen 
Exemplaren, welche ein nur wenig abgetragenes Kleid 
haben, zweifelhaft. 

Bei den Exemplaren a und h ist die Abortivschwinge 
gleich den grossen Flügeldeckfedern und 2 = 5 > 6; 
bei den übrigen Bälgen *(c — f) ist dieselbe etwas 
länger (nicht einmal um 0,1 '0 als die Flügeldeckfedern 
und 2 > 5 > 6. Die unteren Schwanzdeckfedern sind 
in allen Übergängen von weiss bis rostfarbig gefärbt; 
beim Exemplar h ist auf denselben eine Wellenzeich- 
nüng zu bemerken. 

23. Sylvia cinerea fuscipilea, Severtzow. 

Sylvia cinerea ß. fuscipilea Severtzow, Journ. f. 
Orn. 1875, p. 176. 

Sylvia fuscipilea Seebohm, Ibis 1884, p. 427; 
id. Hist. Brit. Birds, I, p. 406. 

Sylvia cinerea fuscipilea Zaroudnoï, Oiseaux 
Trans-Casp. 1885, p. 41. 

a. S adit. Tuptschek 28. VI. 



— 623 — 

I. adit. ibd. 29. VI. 

c. S adit. ibd. 30. VI (A^ 10071). 

cZ. $ adit. ibd. 30. VI. 

e. 5 adit. ibd. 30.VI(A^ 10072). 
Wenn man diese Form als östliche Unterart der 
gemeinen S. cinerea anerkennt, so müssen alle unsere 
Exemplare als zu derselben gehörig angesprochen 
werden. 

Die Bälge sind in abgetragenem Kleide und haben 
noch nicht zu mausern begonnen. 

. 24. Sylvia currusa affinis, Blyth. 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 5 (Key), 19. 

a,S adlt. Sser-ob 15.IV(J\H0165). 

h. 2 adlt. Kara-Kuss, im Baba-dagh 6. V (J\^ 10166). 

. 30. V (J\H0073). 
30. V. 
7. VI. 
23. VI. 
23.VI(AH0074). 

Die östliche Form unserer S. curnica unterscheidet 
sich von dieser letzteren nur dadurch, dass bei ihr die 
zweite Schwinge kürzer als die 6. und länger als die 1., 
während bei S. curruca dieselbe Schwinge länger als 
die 6. und kürzer als die 5. ist. 

Die Färbung der Oberseite der im April und An- 
fang Mai erlegten Exemplare {a und h) ist hellbraun 
und halte ich diese Färbung für diejenige der Winter- 
tracht; die Ende Mai erbeuteten Exemplare sind oben 
aschgrau gefärbt. Auf diese Weise kann man, glaube 
ich, diese Art im Winterkleide mit S. minuscula ver- 



c. s adlt. 


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Karnak 


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— 624 — 

wechseln, doch variirt bei dieser letzteren die Länge 
des Flügels^) zwischen 2,45— 2,3''(62,5— 58,5 mm.), 
während dieselbe bei unseren sieben Exemplaren von 
S. affinis von 2,73 — 2,52'' (69,5 — 64 mm.) beträgt. 
Die Fittiglänge bei den Exemplaren a und h ist 2,65 
und 2,58" (67,5 und 65,5 mm.). 

Von allen mir vorliegenden Exemplaren mausert 
nur das am 7. Juni erlegte Weibchen (e): bei ihm ge- 
hören schon alle kleinen Federn dem Herbstkleide an, 
die frischen Steuerfedern, namentlich die äusseren, sind 
noch kurz, während die Schwingen noch nicht alle 
mausern. Wahrscheinlich war dieses Weibchen ledig 
geblieben, da sogar die am 23. Juni erbeuteten noch 
nicht angefangen haben zu mausern. 

25. Sylvia orphaea Jerdoni (Blyth). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 5 (Key), 16; Nicholson, 
P. Z. S. 1851, p. 195, pl. XLIII {Artamus cucuUatus). 

a, S adlt. Sser-ob 14. IV (10075). 
h. 2 adlt. ibd. 14. IV. 

c. (S) adlt. Karatag 3. V. 

d. 6 adlt. Tabi-dar 10. VI (10076). 

e. S adlt. ibd. 10. VI. 

f. 2 adlt. ibd. 10. VI. 

g. 2 adlt. Inku 12. VI. 

Alle Exemplare gehören der östlichen Form der 
S. orphea an ; sie unterscheiden sich von der Abbildung 
bei Dresser (B. Eur., II, tab. 64) nur dadurch, dass 
bei ihnen die Färbung auf der Unterseite einen sehr 
schwachen isabellfarbenen und auf den Seiten einen 



8) Cf. See b Ohm, Cat. B. Brit. Mus., V, p. 5 (Key). 



— 625 — 

bleigrauen Anflug hat. Sie stimmen vollständig mit 
der Abbildung bei Nicholson (1. c), welcher die Art 
fälschlicherweise in eine andere Gattung stellt, über- 
ein, nur scheint mir diese Zeichnung um ein Geringes 
die natürliche Grösse dieser Art zu übertreffen und 
der Schnabel ist jedenfalls zu gross und dick wieder- 
gegeben. 

Die Länge des Schnabels (d. h. des Culmen), welche 
nach Seebohm (Cat. B. Br. Mus., 1. c) als bestes Crité- 
rium dieser Art angesehen werden muss, beträgt beim 
Exemplar/*0,67'^, beim Exemplar^ 0,70" und variirt bei 
allen übrigen Bälgen zAvischen 0,72 — 0,78''. Die Länge 
des Flügels variirt zwischen 3,07 — 3,20", diejenige 
des Schwanzes von 2,90''— 3,07". 

Das Kleid aller Exemplare ist mehr oder weniger 
stark abgestossen. Herr Zarudnoï brachte diese Form 
aus dem Transcapi-Gebiet mit, während Nikolsky die- 
selbe in Nord-Persien (Firjuse bei Budschnurt 14. u. 
12. VII, 85) erbeutete. Der Schnabel des alten Exem- 
plars von Nikolsky misst 0,78", derjenige des jungen 
(X?. 10077) nur 0,60". 

26. Adophoneus nisorius (Bechst.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 5 (Key), 6; Dresser, B. 
Eur., II, tab. 68. 

a. S am. Tabi-dara 9.VL 

&. 5adlt. ibd. 9.VL 

c. S adlt. ibd. 10. VL 

d. S 2id\t. ibd. 10. VL 

e. S adlt. ibd. 10. VL 

f. S adlt. ibd. 10. VL 

g. S adlt. ibd. 10. VL 

Mélanges biologfiques. XII. 79 



— 626 — 

h, 5 adit. Tabi-dara 11. VI. 

L S adlt. ibd. 11. VI. 

j. 5 adlt. ibd. 11. VI. 
Je, S adlt. Nördl. Abhang Peters I-Gebirge, 

Fluss Kara-Saur 5. VII. 
Aile Exemplare sind in einem mehr oder weniger 
stark abgetragenen Kleide. 

27. Herbivocula indica (Jerd.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 121 (Key), 126. 

a. 5 juv. Lagari-Murda-Pass 28. VII (K>. 10078). 
h. 5 juv. ibd. 28. VII (JVs 10079). 

Ich habe Gelegenheit gehabt die mir vorliegenden 
Exemplare mit Bälgen dieser Art, welche von Rus- 
sow gesammelt und von Herrn Seebohm bestimmt 
worden sind, zu vergleichen. 

Bei beiden Exemplaren fangen auf der Brust Fe- 
derkiele an sich zu zeigen und die frischen, aber 
nicht mausernden. Schwingen und Steuerfedern wei- 
sen darauf hin, dass wir es mit jungen Exemplaren, 
die ihr Nestkleid vermausern, zu thun haben. 

28. Herbivocula neglecta (Hume). 
Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 121 (Key), 131. 

a. adlt. Lagari-Murda-Pass 26. VII (.« 10080). 

Dieses Exemplar babe ich ebenfalls mit Bälgen aus 
der Eussow'schen Sammlung, welche von Herrn See- 
bohm bestimmt worden sind, verglichen. 

Einige Schwingen und das Kleingefieder mausern 
sehr stark, während die Steuerfedern schon ausgemau- 
sert haben. 



— 627 — 

Diese Art wurde schon früher am Iskander-Kul 
(6. YIII) von Russow gesammelt. Unsere Kenntniss 
der geographischen Verbreitung dieser Art westlich 
von Turkestan, wo sie zweifelsohne als Brutvogel vor- 
kommt, ist in letzter Zeit durch die Funde von Za- 
rudnoï ^) und Lorenz ^°) sehr wesentlich erweitert 
worden. Ersterer hat sie- auf dem Kopepet-Dagh er- 
beutet und ich besitze einen Balg von ihm aus den 
Bergen der Umgegend von Aschabad, während Herr 
Lorenz dieselbe für den nördlichen Caucasus nach- 
gewiesen hat. 

29. Acanthopneuste nitida (Blyth). 
Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 39 (Key), 43. 
a. (5) adlt. Dscham 28. III (As 10113). 
Das mir vorliegende Exemplar in ziemlich frischem 
Gefieder stimmt vollständig mit einem Balge meiner 
Sammlung, welchen Herr Zarudnoï im Juli bei Ascha- 
bad erbeutet hat, überein. 

Die Verbreitung dieser Art im Westen scheint mit 
derjenigen der vorigen Art zusammen zu fallen; we- 
nigstens theilt Herr M en z hier ^^) mit, dass Herr Lo- 
renz im Frühjahre 1885 A. nitida im nordwestlichen 
Caucasus gefunden habe. 

30. Acanthopneuste viridana (Blyth). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 39 (Key), 44; Henderson 

u. Hume, Lahore to Yarkand, pi. XIX. 

a. S adlt. Tuptschek 28. VI {M 10114). 

Unser Exemplar, welches ein nur wenig abgestos- 

9) Ois. de la contr. Trans-Caspienne, p. 40. Sep. Abdr, aus Bull. 
Soc. Nat. Mose. 1885, JV« 2. 

10) Ibidem, Anmerkung von M. Menzbier. 

11) Zarudnoï, 1. c, p. 40, Anmerkung. 



— 628 — 

senes Kleid trägt, habe ich mit Exemplaren dieser Art 
aus der Russow'schen Sammlung verglichen; die letz- 
teren waren von Herrn Seebohm bestimmt. 

31. Iduna languida (H. u. Ehr.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 76 (Key), 80; Dresser, 

B. Eur., II, tab. 83. 

a, S adit. Baldschuan 31. V (]\« 10084). 

Durch Vergleich dieses Exemplars, wie überhaupt 
aller Iduna unserer Sammlung, mit Russow'schen 
Exemplaren, welche durch Herrn Seebohm's Hände 
gegangen sind, konnte ich meine Bestimmung einer 
Controlle unterwerfen. Diese Art und Iduna oUvetorum 
besitzen eine Abortivschwinge, welche kürzer oder um 
höchstens 0,05^' grösser als die grossen Flügeldeck- 
federn ist, doch ist die Form dieser Schwinge eine von 
den ÄcrocepJialus-Arten vollständig verschiedene, was 
"auch die Möglichkeit giebt, diese beiden Species von 
den Arten der letzteren Gattung zu unterscheiden. 

Das Exemplar ist in abgetragenem Kleide. — Der 
Flügel misst 77,0, der Schwanz 6,50 mm.; Reihenfolge 
der Schwingen 3>4>5>2>6>7. 

32. Iduna pallida (H. u. Ehr.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 76 (Key), 82; Dresser, 

B.Eur., II, tab. 80, fig. 1. 

a. S adit. Kara-Kuss, Éngpass im 

Baba-dagh 6.V (K 10081). 
6. $ adit. Ak-Metschet 8. V. 

c, $ adit. Dschidda-Bach, Fluss 

Kafirnagan 10. V. 

d. S adit. Baljan 22. V (M. 10082). 

Auch diese Art habe ich mit Exemplaren aus der 



— 629 — 

Russow'schen Sammlung, welche von Herrn Seebohm 
bestimmt und von Hrn. Th. Pleske mir freundlichst 
zur Untersuchung überlassen worden sind, zu ver- 
gleichen Gelegenheit gehabt. An allen diesen Exem- 
plaren, so wie auch an den Bälgen, die von Herrn Za- 
ru^noi gesammelt worden sind und theilweise sich 
jetzt in meiner Sammlung befinden, konnte ich mich 
überzeugen, dass in den meisten Fällen (bei 1 1 Exem- 
plaren an 10) die zweite Schwinge in der Grösse zwi- 
schen, der 6. und 7. steht und nur bei einem Balge fand 
ich dieselbe um ein Geringes kleiner als die 6. Schwinge. 
Das Verhältniss der Schwingen ist also grösstentheils 
dasjenige der Idima caligata und nur beim Verhält- 
niss 5 > 2 >> 6 kann man diese Art mit Iduna Icm- 
gukla und Iduna opaca (nach Schwingenformel) ver- 
wechseln. Doch ist die erstere durch die auffallende 
Kürze ihrer Abortivschwinge sehr gut charakterisirt, 
während sich die letztere durch ihren stark platt- 
gedrückten Schnabel und ihre Verbreitung (Süd- 
Spanien, Nordwest- und West -Africa) von unserer 
Art genügend unterscheidet. Beim Schwingenverhält- 
niss 5 > 6 > 2 > 7 kann man Id. pallida nur mit 
Id, caligata verwechseln, doch ist diese letztere klei- 
ner, als die erstere Art: bei Id. caligata ist die Flü- 
gellänge immer kürzer, als 61,0 mm. (2,4'0, während 
bei pallida dieselbe dieses Maass immer übersteigt. 
Iduna rama endlich, hat ein sehr charakteristisches Ver- 
hältniss der Schwingen , und zwar ist die zweite klei- 
ner als die 7. oder sogar als die 8. 

Alle Exemplare sind in mehr oder weniger abge- 
tragenem Kleide. 



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— 631 — 

33. Iduna caligata (Licht). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 77 (Key), 85; Dresser, 
B. Eur., II, tab. 84. 

a, S adit. Lagari-Murda-Pass 28. VII (j\« 10083). 

Dieses Exemplar, welches ein stark abgestossenes 
Gefieder trägt, hat noch nicht zu mausern begonnen. 

34. Aedon galactodes familiaris (Ménétr.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 5 (Key), 36; Dresner, B. 
Eur., II, tab. 82 fig. 2. 

a. S adit. Ak-Kurgan 21. IV. 

b. S adit. Kokaity-Kurgan 24. IV. 

Diese Bälge tragen ein nur wenig abgestossenes 
Kleid. 

35. Acrocephalus stentoreus (H. u. Ehr.). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 88 (Key) 98; Stafford 

Allen, Ibis, 1864, pl. I; Henderson a. Hume, Lah. 

to Yark., tab. XVI {A. hrunnescens). 

a. S adit. Kokaity-Kurgan 25. IV {M 10085). 

h. S adit. Baljan 21. V. 

c. 2 adit. ibd. 21. V. 

Bei allen drei Bälgen ist die zweite Schwinge kür- 
zer als die 5. und sind die Beine dunkel gefärbt; die 
Länge des Flügels beträgt bei a — 3,52'^, bei b — 3,49" 
und bei c — 3,47". Daher spreche ich meine Exem- 
plare als zu dieser Art gehörig an und sehe das Ver- 
hältniss der Schwingen als bestes Merkmal für dieselbe 
an. Hemprich und Ehrenberg haben diese Art auf 
folgende Weise diagnostisirt : «Habitu et colore Cur- 



— 632 — 

rucae{Sylviaé) turdoidi simillima, sed paulo inferior, sex- 
pollicaris, remigum 2-da quam ô-ta aut 6-ta minore^^), 
rostro longiore, pedibus gracilioribus. C.turdoides dif-, 
fert, statura majore, remigum 2-da et 3-tia longis- 
simis, pedibus validioribus, longioribus, rostro breviore 
et paulo altiore». 

36. Acrocephalus dumetoruni; Blyth. 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 89 (Key), 104; Dresser, 

B. Eur., II, tab. 86, fig. 2. 
a. S adlt. Kara-Kuss im Baba-dagh 6. V. 
h. S adlt. Ak-Metschet 8. V (JVs 10086). 

c, i adlt. Obi-Garm 11. VII. 

d. S adlt. Lagari-Murda-Pass 27. VIL 

Ich habe die mir vorliegenden Exemplare mit Bäl- 
gen dieser Art aus Turkestan (Ru s sow), aus Achal- 
Teke (Zarudnoi), aus Nord-Persien (Nik ol ski) und 
aus dem Petersburger- und Twerschen Gouvernement 
(Bianchi) verglichen und unter ihnen keine Unter- 
schiede auffinden können. 

Das Kleid der Exemplare a und b ist nur wenig 
abgetragen, dasjenige der Exemplare c und c? jedoch 
schon sehr stark abgestossen ohne der Mauser unter- 
worfen zu sein. 

37. Accentor altaicus, Brandt. 

Cat. B. Brit. Mus., VII, pp. 649 (Key), 660; Gould, 

B. Asia, IV, pl. 49. 
a. S adlt. Sagry-Dascht-Pass, Fluss 

Chumbou, 10,000' 14. VI. 
h. S adlt. ibd. 14. VI(A^ 10090). 

c, 2 adlt. ibd. 14. VI. 

12) Die CursiYSchrift gehört mir an. 



— 633 — 

d. 2 adit. Sagri-Dascht, Fl. Bidà- 

Abdschabar 1 8. VI (JVÎ! 1 0089). 

e. 2 adit. ibd. 18. VI. 

f. S adit. Cliysch-Kuljak-Pass, 

über 10,000' 3. VII (JV« 10087). 

g. 2 adit. ibd. 3.VII(]\s 10088). 

Die im Juli erlegten Exemplare haben noch nicht 
zu mausern begonnen. 

38. Tichodroma muraria (Linn.). 

Dresser, B. Eur., III, tab. 123. 

a. (j) juv. Sagri-Dascht-Pass 13. VI. 
Das Exemplar trägt das Nestkleid. 

39. Myiophoneus Temminckii, Vigors. 

Cat. B. Brit. Mus., VII, pp. 6 (Key), 7; Gould, Cent. 

Him. B., pi. 21. 

a. 2 adit. Karnak • 7. VI. 

&. 5 juv. Fluss Sagri-Dascht 19. VI. 

c. 5 adit. Ischtiun 23. VI. 

cl 5 juv. ibd. 23. VI. 

e. S adit. Lairan 24. VI. 

f. 2 adit. ibd. 24. VI. 

g. 2 juv. ibd. 24. VI. 
7^. 2 juv. Nosany 25. VI. 
i, S juv. Nördl. Abhang Peter's I-Ge- 

birge, Fl. Sinde-Kul 4.VII. 

j, S juv. Obi-Garm Tl.VII. 

Die alten Exemplare sind in einem abgetragenen 
Kleide, die Jungen im Nestkleide; sogar das am 11. 
Juli erlegte Junge hat mit der Mauser noch nicht be- 

Me'langes biologiques. Xn. 80 



— 634 — 

gönnen; bei dem am 19. Juni geschossenen ist der 
Schwanz schon vollständig ausgewachsen. 

40. Trochalopterum lineatum (Vigors). 

Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 356 (Key), 377; Hen- 
derson a. Hume, Lahore to Yarkand, tab. VHI. 

a. 2 adit. Fluss Sang-Girdan 21. VH (Js 10091). 
&.($)juv. ibd. 21. VII (J2 10092). 

c.(2)juv. ibd. 21. VII. 

Die Enden der Steuerfedern sind bei dem von Hen- 
derson und Hume abgebildeten Vogel grauweiss; bei 
unseren jungen Exemplaren sind dieselben jedoch dun- 
kelaschgrau und beim Weibchen hellaschgrau gefärbt. 
Das Gefieder des Weibchens, welches noch nicht zu 
mausern begonnen hat, ist vollständig abgestossen; 
die Jungen tragen das frische Nestkleid. 

Schon früher ist diese Art für den gebirgigen Theil 
Buchara's von Russow, welcher sie am 9. October am 
Fusse des Baussun-Tau (Eisernes Thor) erlegte, nach- 
gewiesen. Dieser Fundort bildet, so viel mir bekannt 
ist, den nord- östlichsten Punkt der Verbreitung die- 
ser Art; die mir vorliegenden Exemplare sind mehr 
östlich, im Gissar, erbeutet. Sowohl im Norden, im 
russischen Turkestan, als auch im Osten, auf dem 
Pamir, kommt I. lineatum schon nicht mehr vor. Bis 
nach, Buchara verbreitet sich also diese himalayanische 
Art aller Wahrscheinlichkeit nach über den uner- 
forschten Badakschan und Hindukusch. In Gilgit und 
weiter nach Südosten, auf allen Gebirgszügen des Hi- 
malaya-Systems, kommt sie, wie es scheint, überall 
als Standvogel vor. 



— 635 — 

41. Microcichla Scoulerî (Vigors), 

Cat. B. Brit. Mus., IX, pp. 312 (Key of Genera), 
p. 322; Gould, B. Asia, IV, tab. 71. 

a. S adit. Kischlak Sagri-Dascht 13. VI (K 10093). 
h. juv. Fluss Sang-Girdan 22.YU(M. 10094). 

Die Federn des erwachsenen Exemplars (a) sind 
ziemlich abgestossen ; das Junge trägt dasjenige Kleid, 
in welchem diese Art als H, atriceps beschrieben 
wurde und ist bei ihm die ganze Oberseite des Kop- 
fes schwarz, die Unterseite, vom Schnabel bis zum 
Schwanz weiss, manche weisse Brustfedern tragen 
dunkle Enden. 

Seebohm (Ibis 1882, p. 423) erhielt ein Exem- 
plar dieser Art aus Samarkand; unser junges Exemplar 
ist in Gissar (Provinz), das alte in Darwas erbeutet; 
weiter südöstlich ist M. Scouleri von Scully in Gil- 
git gefunden worden. Auf diese Weise, hat diese hi- 
malayanische Art in Ost -Buchara ungefähr dieselbe 
Verbreitung, wie Trochalopterum Uneatum, 



42. Aeglthalus coronatus, Severtzow. 

Aegithcdus coronatus, Severtzow, Turkest. Zevotn. 
p. 136, tab. IX, fig. 3. 

Aegithahis atricapükis , id., ibd. p. 137, tab. IX, 
ûg. 4 und 5. 

a. S adit. Karnak 8. VI (A^ 10095). 
h. (S) juv. Nossany 25. VI (K 10096). 
c. ($) juv. ibd. 25. VI. 



— 636 — 

d,{<$) juv. Obi-Garm ll.YII. 

e. juv. ibd. 12. YII (AU0097). 

f. (9) juv. ibd. 12. VIL 

g. juv. ibd. 12. VII (J\2 10098). 
h, juv. ibd. 12. VII. 

Die jungen Exemplare im Nestkleide sind der Fig. 5 
bei Severtzow sehr ähnlich. Doch sind mir die un- 
terscheidenden Charaktere der jungen Ä. coronatns, 
wenn solche überhaupt vorhanden sind, nicht bekannt 
und kann ich daher für die Richtigkeit der Bestim- 
mung nicht einstehen. 



43. Parus cinereus bocchariensiS; Licht. 
Seebohm, Hist. Brit. Birds. I, p. 463. 

a. S adit. Kabadian 14. V ÇKî 10099). 

b. S adit. ibd. 14. V. 

c. 5 adit. ibd. 14. V. 
c?.(Ç)juv. ibd. 14. V, 

Aller "Wahrscheinlichkeit nach gehören meine 
Exemplare zu dieser Form und nicht zu P. cinereus, 
Vieill. 

Die Exemplare a, h und c zeigen ein abgetra- 
genes Kleid und hat bei ihnen die Mauser tioch nicht 
begonnen; das junge Exemplar d trägt das Nestkleid. 
Beim letzteren ist der Kopf schwarzbraun ohne me- 
tallischen Glanz ; der schwarzbraune Kehlfleck und der 
Streifen, welcher nur bis zur Mitte der Unterseite 
geht, sind viel schmäler als bei alten Exemplaren, bei 
welchen der Streifen sieh bis auf den Bauch erstreckt. 



— 637 — 

44. Cyanîstes flavipectus, Severtzow. 

Severtzow, Turkest. Zevotn. p. 133, tab. YIII, fîg. 7; 
Menzbier, Bull. Soc. Z.France, tome IX, 1884, p. 278. 

a. $ adlt. Karnak 7. VI. 

h. S juv. Lagari-Murda-Pass 25. VII (M 10118). 

Das Federkleid des alten Exemplars (a) ist stark 
abgestossen, aber noch ohne Anzeichen von Mauser; 
das Junge trägt das Nestkleid, doch zeigen sich auf 
der Brust schon neue Kiele. 

Die Fundorte dieser zwei Exemplare in Gissar und 
Darwas erweitern etwas den Verbreitungsbezirk die- 
ser Art nach Süden. 

Da eine ausführliche Beschreibung der Jungen von 
C. flavipectus nicht existirt, so habe ich eine solche 
nach dem mir vorliegenden Balge abgefasst. 

Stirn und seitliche Scheitelstreifen blass fahlgelb; 
Scheitel hellschieferfarben ; Wangen, Kinn, Kehle, 
Ohrgegend und Halsseiten von blasser fahlgelber Fär- 
bung ; auf dem Kinn und der Kehle steht ein ziemlich 
deutlich prononcirter Fleck, welcher von dem dunklen 
durchscheinenden Basaltheile der Federn gebildet 
wird; von der Halsoberseite erstreckt sich jederseits 
auf die Halsseiten ein schmaler, langer bräunlich- 
grauer Streifen, welcher jedoch mit dem dunklen Kehl- 
fleck nicht zusammenfällt. Auf dem oberen Theile des 
Rückens steht ein verwaschener matter Fleck. Mittel- 
rücken und Schulter federn sind hellbräunlich mit Bei- 
mischung von Gelb; Hinterrücken und Bürzelgegend 
etwas heller als der Mittelrücken mit bläulichgrauer Bei- 
mischung; Oberschwanzdeckfedern noch heller. Brust, 
Bauch und ünterschwanzdeckfedern von fahlgelber 



— 638 — 

Färbung. Kleine Flügeldeckfedern von der Färbung 
des Rückens; grosse Flügeldeckfedern dunkelblau mit 
c. 7 mm. breiten gelblichweissen Enden. Die Aussen- 
fahne der Handschwingen (mit Ausnahme der ersten, 
deren Aussenfahne durchgängig weiss ist) im Basaltheile 
ultramarinblau, im Endtheile weiss; die Innenfahnen 
derselben grau mit einem weissen Saume an der Basis. 
Die Arm schwingen sind auf ihrer Aussenfahne ultra- 
marinblau, auf ihrer Innenfahne grau gefärbt mit 
weissem Seitensaume. Die Enden der Armschwingen 
sind in einer Breite von 2 mm. weiss; die zwei äusser- 
sten Armschwingen besitzen ein grösseres weisses 
Ende, wobei die weisse Färbung auf der Innenfahne 
einen breiteren Endsaum , als auf der Aussenfahne 
bildet ^^). Die äusserste Steuerfeder ist längs der 
ganzen Aussenfahne und auf der Innenfahne bis zur 
Hälfte weiss , die folgende jederseits ist auf der Aus- 
senseite bis zur Mitte weiss gefärbt und auf ihrer 
Innenfahne steht nur auf dem Endtheile ein grosser 
weisser Keilfleck; auf der dritten Steuerfeder ist end- 
lich auf der Endhälfte nur ein unregelmässiger weisser 
Fleck zu sehen. Alle übrigen Schwanzfedern sind ul- 
tramarinblau, am Schafttheile dunkler gefärbt. 

45. Lophophanes rufonuchalis (Blyth). 
Cat. B. Brit. Mus., V, pp. 4 (Key), 29; Gould, B. 

Asia, II, pl. 60. 
a. 5adlt. Sarym-Sakli 23. VII. « 
h. S adlt. ibd. 23. VII. 

c. S adlt. ibd. 23. VII. 

13) Durcli diesen letzteren Umstand unterscheidet -sich unser 
Vogel von allen anderen Cyanistes- Arten , mit Ausnahme von C. cya- 
nus und C. tianschanicus , welche ihrerseits von C. flavipectus in 
der Färbung des Schwanzes abweichen. 







639 




d. 


S adit. 


Lagari-Murda-Pass 25. VIL 


e. 


S adit. 


ibd. 


25. VII. 


f- 


5 adit. 


ibd. 


25. VIL 


9- 


9 juv. 


ibd. 


25. VIL 


h. 


g adit. 


ibd. 


25. VIL 


i.^ 


5 adit. 


ibd. 


26. VIL 


k. 


5 juv. 


ibd. 


26. VIL 


I 


2 adit. 


ibd. 


27. VIL 


m. 


(5 adit. 


ibd. 


28. VIL 


n. 


Ç adit. 


ibd. 


29. VIL 



Unter den mir vorliegenden Exemplaren fand sich 
L. Beavani, Blyth nicht vor. Die Länge des Flügels 
variirt zwischen 2,8 und 3^1. 

Das junge Exemplar g trägt noch ziemlich viele 
schwarzbraune Federn des Nestkleides auf dem vor- 
deren Theile der Unterseite und namentlich auf dem 
Kopf, wo übrigens auch schon einige Federn mit me- 
tallischem Glanz aufgetreten sind. Beim Exemplar k 
.sind nur noch wenige Federn des Nestkleides auf dem 
Kopf stehen geblieben. Die alten Exemplare w und n 
sind schon beinahe ganz vermausert, während alle 
anderen sich noch in voller Mauser befinden. 

46. Sitta syriaca, Ehrenb. 
Cat. B. Brit. Mus., VIII, pp. 341 (Key), 346. 

a. S adlt. Tengi-Charam 11. IV. 

b. îadlt. Sser-ob 15. IV. 

Ich halte die mir vorliegenden Spechtmeisen, welche 
beide im abgetragenen Kleide sind, für diese Art, da 
bei ihnen die Flügellänge 3,45'^ und 3,26'' beträgt, 
während dieselbe bei S. Neumayeri immer kleiner als 
3,00" ist. So muss ich z. B. für letztere Art eine von 



— 640 — 

« 

Herrn Nikolski in Nord-Persien erbeutete Specht- 
meise ansprechen, da ich bei ihr eine Flögellänge von 
nur 2,8 7^' gefunden habe. 

47. Motacilla alba, Linn. 

Cat. B. Brit. Mus., X, pp. 458 (Key), 467; Dresser, 
B. Eur., III, tab. 125, ûg, 1; Gould, B. Asia, IV, 

tab. 62 {M. dukhunensîs). 

a. 5 adlt. Weg von Karschi nach Gusar 7. IV (JVs 1 11 5). 

Ich kann nicht mit Gewissheit behaupten, dass un- 
ser Exemplar nicht vielleicht M, dukhunensîs ist, da 
ich die letztere nicht zu unterscheiden verstehe. Mei- 
ner Ansicht nach kann weder die Grösse, noch die Fär- 
bung der Oberseite (bei unserem Exemplar ist sie dun- 
kelgrau), noch die gelbliche Färbung der Gesichtstheile 
(bei Jungen) Anhaltspunkte zur Unterscheidung dieser 
beiden Formen liefern. 

Der Balg ist im Sommerkleide. 

48. Motacilla personata, Gould. 

Cat. B. Brit. Mus., X, pp. 458 (Key), 479, tab. V, 
fig. 3; Gould, B. Asia, IV, tab. 63. 

a, S adlt. Baldschuan 30. V. 

Das Exemplar trägt das Sommerkleid. 

49. Calobates melanope (Pall.). 

Cat. B. Brit. Mus., X, pp. 459 (Key), 497; Dresser, 
B. Eur., Ill, tab. 128. 

a, S adlt. Kischlak Sagri-Dascht 13. VI. 

Sharpe (Cat. B. Brit. Mus., X, p. 459 (Key)) führt 
den viel grelleren Ton der gelben Färbung auf den 



— 641 — 

Unterschwanzdeckfedern im Verbal tniss zu der Fär- 
bung der übrigen Unterseite als Merkmal für diese 
Art an. Mir scheint jedoch der Contrast in der Fär- 
bung zwischen dem gelben Bürzel und den Oberschwanz- 
deckfedern und dem grauen Rücken ein viel besseres 
Merkmal zu bieten umsoraehr, da bei den Arten der 
Untergattung Budytes die Oberschwanzdeckfedern mit 
dem Rücken in der Farbe beinahe übereinstimmen. 
Unser Exemplar trägt das Sommerkleid. 

50. Budytes citreola (Pali.). 

Cat. B. Brit. Mus., V. pp. 459 (Key), 503; Dresser, 
B. Eur., m, tab. 127. 

a, S adlt. Karschi 3. IV. 
h. S adlt. ibd. 3. IV. 
c. 2 adlt. ibd. 3. IV. 

Beide Männchen unterscheiden sich von der Dres- 
ser'schen Abbildung dadurch, dass bei ihnen der weiss- 
lich-gelblichen Färbung am Hinterkopfe sehr viel 
Grauschwarz beigemischt ist. Auf dem Halse und dem 
oberen Theile des Rückens steht ein breiter schwarzer 
Kragen, weiter nach hinten ist der Rücken dunkelgrau. 

51. Budytes flava (Linn.). 

Cat. B. Brit. Mus., X, pp. 459 (Key), 516, tab. VI, 

fig. 5. 

a. S adlt. Jange 7. IV (B. 10100). 
Dieses Exemplar ist der Fig. 5 auf der citirten Ta- 
fel höchst ähnlich und kann nicht als B. heema an- 
gesprochen werden, da bei ihm die Ohrfedern und die 
Gesichtstheile nicht weisslich gefärbt sind. 

Mélanges biologiques. XII. 81 



— 642 — 

52. Budytes melanocephala (Licht.). 

Cat. B. Brit. Mus., X, pp. 459 (Key), 527, tab. VIII, 
fig. 3 (M. Feldeggi); Dresser, B. Eur., Ill, tab. 130. 

a. S adit. Karschi 3. IV. 

Unser Balg stimmt mit Fig. 3 (1. c.) vollständig 
überein; das Kinn ist weiss, die schwarze Färbung 
des Kopfes geht etwas auf den Hals, auf welchem 
übrigens die grün« Färbung vorwaltet, über. 

53. Anthus arboreus, Bechst. 

Cat. B. Brit. Mus., X, pp. 535 (Key), 543 {Ä, triviaUs); 
Dresser, B. Eur., III, tab. 132, ûg. 2. 

a. S adit. Dscham 28. III. 

b. S adlt. ibd. 28. III. 

c, adlt. Gusar 10. IV. 

d, 5 adlt. Tuptschek 28. VI. 

e. 5 adlt. ibd. 30. VI (.N» 10101). 

f, S adlt. ibd. 30. VI. 

Da den mir vorliegenden Exemplaren der oliven- 
grüne Ton in der Färbung, welcher für Anthus ma- 
culatus so charakteristisch ist, vollständig fehlt, so 
sehe ich dieselben als zur westlichen Art gehörig an. 
Das Kleid der Exemplare a und h ist nur wenig ab- 
getragen und dem Herbstkleide dieser Art sehr ähn- 
lich, dasjenige des Balges c ist schon viel mehr 
abgenutzt; die Exemplare d und f tragen ein stark 
abgestossenes Sommerkleid, haben jedoch noch nicht 
zu mausern begonnen. 



— 643 — 

54. Anthus spinoletta Blakistoni, S win hoe. 

Cat. B. Brit. Mus., X, pp. 537 (Key), 592 (A. spi- 
noletta, p. 595 — BlaJcistoni)', Severtzow, Ibis 1883, 
p. 62 {A. GoutelU). 

a. 2 adit. Sagri-Dascht-Pass, Fluss 

Chumbou, 10,000' 14. VI (JV?. 10119). 

Unser Balg passt nach der Severtzow'schen Ta- 
belle (1. c), in welcher übrigens Anthus Blakistoni 
unter dem specifischen Namen Ä. Goutelli angeführt 
wird, nach der Mehrzahl der Merkmale, wenn auch 
nicht nach allen, eher zu dieser Form. Die Länge des 
Flügels beträgt bei unserem Exemplar 3,13'', dieje- 
nige des Schwanzes 2,55''; nach See b oh m (cit. im 
Cat., ut supra p. 595) ist die westliche A. spinoletta 
etwas grösser und variirt bei ihr die Fittiglänge zwi- 
schen 3,6 und 3,3 und der Schwanz von 2,85 bis 2,55; 
bei A. BlaJcistoni: Fitt. 3,4—3,1", Schw. 2,65—2,45". 

Unser Fjxemplar trägt ein stark abgestossenes Som- 
merkleid. 

55. Oriolus kundoo, Sykes. 

Cat. B. Brit. Mus., III, p. 189 (Key), 194; Hen- 
derson and Hume, Lah. to Yark. pl. XI. 

a. S adlt. Schir-Abad 17. IV. 

b. S adlt. Kum- Kurgan 22. IV. 

c. 2 adlt. ibd. 22. IV. 

d. 2 adlt. Kurgan-Tjube 17. V. 

e. ? adlt. Baldschuan 30. V. 

Beim Exemplar c steht ein kleiner schwarzer Fleck 
an der Basis der Aussenfahne der äussersten Steuer- 



— 644 — 

feder; beim Exemplar a sind an der Basis derselben 
Feder nur die Schafte schwarz. Bei diesem letzten 
Exemplar ist auch die schwarze Färbung hinter dem 
Auge viel stärker ausgesprochen als beim Exemplar h, 
bei welchem auf den Steuerfedern das Schwarz voll- 
ständig fehlt. 

56. Lanius minor; Gm. 

Cat. B.Brit. Mus., VIII, pp. 232 (Key), 235; Dresser, 
B. Eur., III, tab. 149. 

a. S adit. Tengi-Charam 1 1 . IV. 

h. S adit. Kara-Kuss (Engpass im Baba-dagh) 5. V. 

c. S adit. Baldschuan 30. V. 

d. 2 adit. Lairan 24. VI. 

e. S juv. Lagari-Murda-Pass 27. VII. 
Die Exemplare a und h tragen ein prachtvolles, 

vollständig frisches Kleid, welches beim Balge c schon 
etwas abgetragen erscheint. Am Exemplar d zeigen 
sich auf der Brust schon Kiele, während e noch im 
Nestkleide ist. 

57. Otomela Romanowi, Bogd. 

Bogdanow, Russ. Lan.,p. 14, tab.l, ûg. 2; Dresser, 
B. Eur., III, tab. 152 (L. isabellinus), 

■a. 2 adlt. Tengi-Charam 11. IV. 

h. S adlt.Tschaschma-Chafisdschan 12. IV. 



c. s adlt. 


Ak-Kurgan 


21. IV. 


d. S adlt. 


Tabi-dara 


9. VI. 


e. S adlt. 


ibd. 


10. VI. 


f, S adlt. 


ibd. 


10. VI. 


g, S juv. 


Sarym-Sakli 


23. VII. 



Alle Bälge tragen ein nur wenig abgetragenes 



— 645 — 

Kleid. Die Färbung der im April erbeuteten Exem- 
plare ist viel greller als bei Junibälgen. 

58. Collurio erythronotus, Vigors. 

Cat. B. Brit. Mus., VIII, pp. 234 (Key), 263; Gould, 
Cent. Him. B., pi. 12, ûg. 2. 

a. S adit. Tschaschma-Chafisdschau 12. IV. 
&. $ adit. Schur-ab 13. IV. 

Die Exemplare sind im etwas abgestossenen Kleide. 

59. Butalis grisoia (Linn.). 

Cat. B. Brit. Mus., IV, pp. 150 (Key), 151; Dresser, 
B. Eur., III, tab. 156. 

a. S adit. Karnak 8. VI. 

In etwas abgestossenem Gefieder. 

60. Erythrosterna parva (Beclist.). 

Cat. B. Brit. Mus., IV, pp. 151 (Key), 161; Dres- 
ser, B. Eur., Ill, tab. 159. 

a. 2 adit. Schir-Abad. 1^. IV. 
In etwas abgestossenem Gefieder. 

61. Terpsiphone paradisi (Linn.). 

Cat. B. Brit. -Mus., IV, p. 344—346 (Key), 347— 
348 J obs.; Gould, B. Asia, II, tab. 18, fig. super, dextr. 

a. 2 adit. \ 

b. S imm., 3'^ veste > Ost-Buchara, Dr. Regel. 

c. S imm., 3'* veste | 

Herr Dr. Alb. Regel sandte in's Zoologische Mu- 
seum der Akademie drei Exemplare dieser Art, leider 
ohne näheren Fundort und Datum der Erbeutung, ein. 



— 646 — 

Zwei von diesen Bälgen sind Männchen im 3. Kleide, 
wie dasselbe S harpe annimmt; in diesem Kleide ist 
der Schwanz sehr lang und rostfarben und die Schwin- 
gen schwarz mit weissem Saume auf der Aussenfahne. 
Bekanntlich ist diese Art schon von Dr. Severtzow 
und V. Russe w für das russische Turkestan nach- 
gewiesen und erstreckt sich demnach der Verbrei- 
tungsbezirk derselben, so wie auch von M, Temmincki, 
weiter nach Norden, als derjenige von einigen andern 
Himalaya- Arten , wie z. B. M, Scoiileri, Troclialopte- 
rum lineatum, etc. 

62. üllia rufula(Temm.). 

Cat. B. Brit. Mus., X, pp. 125 (Key), 156; Dresser, 
B. Eur., III, tab. 161. 

a. S adit. Dschidda-Bach, am Fl. Kafirnagan 10. V. 

63. Carduelis caniceps, Vigors. 

Garduelis caniceps Vigors, P. Z. S. 1831, p. 23; 
Gould, Cent. Him. B., pi. 33, ûg. 1. 

Carduelis orientalis Eversmann, Add. Z. R.-As., 
II, p. 16, tab. 9;- Gould, B. Asia, V, tab. 17. 

a. S adit. Karatag 3. V. 

h. 2 adit. ibd. 3. V. 

c. S adit. Kara-Kuss, Engpass im 

Baba-dagh 6.V. 
c?.(5)juv. Obi-Garm ll.Vn(:te 10123). 

Die Färbung aller Exemplare ist sehr blass und ge- 
hören sie daher zu derjenigen Form, welcher Gould 
den Namen G. orientalis Eversm. beilegen wollte. 

Das junge Exemplar unterscheidet sich von den 
jungen G. elegans durch dieselben Kennzeichen am 



— 647 — 

Schwänze, wie die Alten. Bei G. elegans steht näm- 
lich auf der Innenfahne der äussersten Steuerfeder 
nur ein ovaler weisser Fleck in der Mitte der Feder, 
während bei (7. caniceps die ganze Innenfahne bis an 
die Basis der Feder mit Ausnahme nur eines dunklen 
Endsaumes weiss gefärbt ist. 

Die Exemplare a, h, c tragen ein ziemlich abge- 
stossenes Kleid, das Exemplar d — das Nestkleid ohne 
Anzeichen von Mauser. 

64. Oraegithus pusillus (PalL). 

Pallas, Z. R.-As., II, p. 18; Dresser, B. Eur., III, 

tab. 173. 

a. S adit. Fluss Chingob 11 . VI. 

b. S adit. Sagri-Dascht-Pass, 10,000' 14. VI. 

c. S adit. Tuptschek 30. VI. 

d. S adit. Lagari-Murda-Pass 26. VIL 

e. 2 adit. ibd. 26.VII. 
Das Exemplar d hat mit der Mauser bereits be- 
gonnen und zeigen sich bei ihm auf der Brust Kiele 
der neuen Federn; das Weibchen (e) welches mit dem 
eben besprochenen Exemplare an einem Tage erlegt 
worden ist, hat noch nicht zu mausern angefangen. 

65. Mycerobas carneipes (Hodgs.). 

Hodgson, J. As. Soc. Beng., 1844, vol. XIII, pt. II, 
p. 950; Asiat. Reas., XIX, p. 150 (1836); Gould, 
B. Asia, V, tab. 21. 
a. S adit. Lagari-Murda-Pass 29. VIL 
h, 2 adit. ibd. 29. VIL 

Die Exemplare sind noch nicht der Mauser unter- 
worfen. 



— 648 — 

66. Passer hîspaniolensis. Te m m. 

Dresser, B. Europe, III, tab. 177. 

a, 2 adlt. Schir-abad ^ 18. IV. 

h. S adlt. Kaptugai, Kum-Kurgan 22. IV. 
c. 2 adlt. ibd. 22. IV. 

In einem nur wonig abgetragenen Kleide. 

67. Petronia stulta (Brisson). 

Dresser, B. Eur., III, tab. 180, fig. 2. 

a. S adlt. (9) Lailjakan 16. IV. 
h. pull. ibd. 16. IV. 

c. 2 Sarym-Sakli 23. VII. 

Das Exemplar a ist im abgetragenen Kleide; das 
mit c bezeichnete hat zu mausern begonnen und stehen 
bei ihm auf der Brust schon Kiele. Das junge Exem- 
plar trägt das Nestkleid. 

Bei diesem letzteren hat der Schwanz kaum % 
der Normallänge erreicht, so dass man annehmen darf, 
dass es das Nest im ersten Drittel des April ver- 
lassen hat. 

68. IVIontifringilla nivalis aipicola (Fall.). 

Pallas, Z. R.-As., II, p. 20; Blanford, East. Persia, 
II, p. 248; Radde, Omis Caucasica, p. 171 — 172, 

tab. VIII, fig. 2. 

a. 2 adlt. Sagri-Dascht-Pass, 

• - Fluss Chumbou 14. VÏ (J\rsl0102). 

Leider ist unser Exemplar ein Weibchen, wesshalb 
an demselben die charakteristischen Merkmale dieser 
östlichen Form der im Westen verbreiteten M, niva- 



— 649 — 

lis (L.) schwer nachzuweisen sind, rait Ausnahme, übri- 
gens, der Schnabellänge, die an unserem Balg 15,5 mm. 
beträgt, während für das Männchen von den europäischen 
Alpen Radde eine solche von 12 mm. angiebt. Aus- 
serdem tritt auch auf der grauen Grundfärbung des 
Scheitels die braune Nuance ziemlich scharf hervor. 
Das Exemplar zeigt ein recht abgetragenes Kleid. 

69. Fringilla montifringilla, Linn. 
Dresser, B. Eur., IV, tab. 184. 

a. 9 adit. Baldschuan, Frühjahr 1884. Dr. A. Regel. 

Ein Exemplar dieser Art in einem nur wenig abge- 
tragenen Kleide ist von Dr. Alb. Regel im Frühlinge 
1884, wahrscheinlich auf dem Zuge in Baldschuan 
erbeutet worden. 

70. Fringillauda altaica, Eversm. 

Eversmann, Bull. Soc. Mose. 1848, p. 219; Bp. et 

Schi., Mon. Lox., pl.47; Hume, Str.Feath., I, p. 43; 

IX, p. 354 {F. sordida). 

a. (§) adlt. Fluss Chumbou 14. VI (JVh 10105). 

h S adlt. Sagri-Dascht-Pass 18. VI (J^ 10103). 

c. $ adlt. Tuptschek 28. VI (J\& 10106). 

d, S adlt. ibd. 30. VI (!&. 10104). 

Synonyme dieser Art ^ind Passer pulverulentus, Sè- 
ve r t z o w und Fringilla sordida, Stoliczka. Die Axil- 
larfedern sind weiss, wogegen bei Fringillauda nemo- 
ricola, Hodgs. dieselben gelb gefärbt sind. 

Die Exemplare sind in- mehr oder weniger abge- 
stossenem Kleide. 

Mdlanges biologiques. XII. , 82 



— 650 — 

71. Cannabina cannabina bella (H. u. Ehr.). 

Cabanis, Mus. Hein., I, p. 161; Bp. u. Schl. Mon. 

Lox., pi. 4:9 {L.fringiUirostris); Biddulph, Ibis 1881, 

p. 87; BorAaHOBT», IIt. KaBK., p. 65. 

a, c? adit. Tschaschma-Chafisdschan 12. IV. 
&. c?adlt. Sser-ob 15. IV. 

c. S adit. Sagri-Dascht, 10,000' 13. VI. 

d. £ adit. ibd. 13. VI. 

e. J adit. Nördl. Abhang Peter's I-6ebirge, 

Fluss Kara-Saur 5. VII. 

Obwohl man nicht umhin kann dieser östlichen 
Form unserer westlichen (7. cannabina eine gewisse 
Selbstständigkeit zuzuschreiben, so ist es dennoch 
recht schwierig die Unterscheidungsmerkmale anzu- 
geben. Weder die Grösse des Spiegels (Biddulph), 
noch die Breite der Kanten auf den Schwingen und 
den Steuerfedern, noch die Intensität der rothen 
Färbung auf der Brust (Bogdanow), noch die Grösse 
des Schnabels und des Vogels selbst liefern ein Cri- 
térium für diese Art. Die jungen Vögel und die 
Weibchen sind absolut nicht zu unterscheiden, und 
wenn auch Üie Männchen ein permanentes, wenn auch 
recht feines Unterscheidungsmerkmal besitzen, so 
doch nur im ausgefärbten Sommerkleide. Dieses Merk- 
mal besteht im Fehlen der schwarz-braunen Schaft- 
flecken auf den Federn des Rückens, woraus die 
einförmig kastanien- braune Färbung des letzteren 
resultirt. In dieser Hinsicht gleichen die ostbuchari- 
schen Bälge den persischen. 

Was unsere Exemplare anbelangt, so nähern sich 
die im April (a, b) erbeuteten in Färbung und Zeich- 



• — 651 — 

nung des Rückens der gewöhnlichen Form, nur sind 
die Schaftflecken weniger scharf prononcirt; beim 
Männchen c, welches im Juni erlegt worden, sind nur 
die Striche, die von den dunklen Schäften gebildet 
werden, nachgeblieben; beim Juli-Exemplar (e) endlich 
sind auch diese letzteren nicht mehr vorhanden. 

72. Carpodacus erythrinus (PalL). 
Dresser, B. Eur., IV, tab. 195. 

a. 3 adit. Schir-Abad 17. IV. 

h. J adit. ibd. 17. IV. 

c. (9) adit. ibd. 17. IV. 

d, <S adit. ibd. 18. IV. 

e. (2) adit. ibd. 18. IV. 

f. (? adit. Karatag . 3. V. 

f7.((5)semiadlt. Ak-Metschet 8. V. 

h. S adit. Kischlak Sagri-Dascht 1 3. VI. 

i. (2) adit. Tuptschek 2. VII. 

j. {$) semiadlt. Lagari-Murda-Pass 27. VII. 

/b. 2 adit. ibd. 27. VII. 

Die Bälge a, &, d, f, h sind im rothen Kleide. Alle 
Exemplare tragen ein mehr oder weniger abgetragenes 
Gefieder; keines steht in der Mauser, nicht einmal 
die am 27. VII erbeuteten (j, k). 

73. Rhodopechys sanguinea (Gould). 

Gould, P. Z. S 1837, p. 127; id., B. Asia, V, 

tab. 28; Dresser, B. Eur., IV, tab. 197. 

a. S adlt.^Nördl. Abhang Peter's I- 5.VII(AU0107). 
h, 5 adit./ Gebirge, FlussKara-Saur 5.VIIp 10108). 

Die beiden Exemplare haben augenscheinlich zu 
einem Paare gehört; ihr Gefieder ist abgetragen, aber 
ohne Anzeichen von Mauser. 



— 652 — 

Unsere jetzige Kentniss über die Verbreitung die- 
ses, wie es scheint, überall seltenen Vogels, deutet 
darauf hin, dass zwei separate Verbreitungsbezirke 
desselben bekannt sind: der eine reicht von Palästina 
(Libanon) und Arabien bis nach Nordpersien (Eiburs), 
der andere umfasst Turkestan, wo Severtzow Bh.san- 
guinea für alle seine vier zoogeographischen Bezirke 
nachgewiesen hat. Das Auffinden unserer Exemplare 
am nördlichen Abhänge der Gebirgsketten Peter's I 
erweitert etwas den zweiten Verbreitungsbezirk nach 
Süden hin, verbindet denselben jedoch noch nicht mit 
dem ersten. Es ist vorauszusetzen, dass man diesen 
Bewohner der mit Laubwald bedeckten Vorberge in 
den noch vollständig unerforschten Gebirgsketten des 
nordwestlichen Afghanistan auffinden wird. 

Diese Art scheint überall Standvogel zu sein. 

74. Granativora luteola (Sparr.). 

Gould, B. Asia, V, tab. 14. 

a. (S adit. Tschaschma-Chafisdschan 12. IV. 
&. c?adlt. ibd. 12. IV. 

c. S adlt. ibd. 12. IV. 

d. CÎ adlt. Schir-abad. 19. IV. 
Hier und da sind einzelne Federn noch mit den 

dem Herbstkleide eigenen grauen Spitzen versehen. 

75. Cryptophaga miliaria (Linn.). 
Dresser, B. Eur., IV, tab. 208. 

a. 5 adlt. Dscham 28. III. 
h, 2 adlt. ibd. 28. III. 
c. S adlt. ibd. 29. IE. 
Der Grösse nach nähern sich die ostbucharischen 



— 653 — 

Bälge den westeuropäischen und unterscliciden sich 
scharf von der kleineren Form der vorderasiatischen; 
diese letztere hat neulich von Rad de (Ornis Cauca- 
sica, p. 196) den Namen — var, minor bekommen. — 
Länge des Flügels unserer Exemplare beträgt 112 — 
102 mm., des Schwanzes — 81,5 — 80; der Flügel 
der mir vorliegenden Bälge aus Nordpersien (Nikol- 
ski) misst 91—89, der Schwanz 66—63,5. Radde 
führt für var. minor die Flügellänge von 98 — 84 und 
die Schwanzlänge von 73 — 70 mm. an. 

Das Gefieder unserer Exemplare ist schon ziemlich 
abgestossen. 

76. Glycispina hortulana (Linn.). 

Dresser, B. Europe, IV, tab. 211. 

a. $ adit. Tengi-Charam 11. IV. 

Weder der Hals, noch die Brust unseres Vogels 
hat irgend welche Striche aufzuweisen; der graugelb- 
lichgrüne Kopf ist mit zarten schwarzen Schaftstreifen 
versehen. Einige nordpersische Exemplare sind mit 
demjenigen von Ost-Buchara vollständig identisch, bei 
anderen dagegen sind auf dem Halse und der Ober- 
brust dunkle Striche bemerkbar. Diese letzteren Exem- 
plare können wohl kaum als selbstständige Form — 
E. shah (cf. Blanford, Eastern Persia, II, p. 259) — 
angesehen werden. 

Das Gefieder unserer Bälge ist schon ziemlich abge- 
stossen. 



— 654 — 

77. Glyclspina Buchanani (Blyth.) 

Blyfh, J. As. S. Beng., XVI, p. 780 (1847); Hume, 
Str. Feath., VII, p, 150; Gould, B. Asia, V, tab. 11 
{E. Huttoni). 



a 



. (5 adit. Sser-ob 15. IV. 



Ein vollständig typisches Exemplar im ziemlich 
abgetragenen Kleide. 

78. Hylaespiza Stewart! (Blyth). 

Blyth, J. As. S. Beng., XXIII, p. 215; Gould, B. 
Asia, V, tab. 6 {E. caniceps). 

a. S adlt. \^ Kara-Kuss 6. V. 

h. $(5) adlt. /Engpass im Baba-dagh 6. V(K 10122). 

c. S adlt. Baldschuan ^ 30. V. 

d. S adlt Sarym-Sakli ' 23. VIL 

Das zugleich mit dem Männchen erbeutete Weib- 
chen dieser Art gleicht der Abbildung bei Gould. 
Von den Weibchen der H. Stracheyi und H. da unter- 
scheidet sich dasselbe, wie folgt: 1) durch seine gerin- 
gere Grösse (der Flügel misst 73, der Schwanz 71 mm.), 
2) durch den Umstand, dass die dunklen Schaftflecken 
auf