MÉLANGES BIOLOGIQUES
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TIRES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES
DE
8T.-PETERSB0UBG.
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TOME XIII.
(Avec "26 planches)
St.-PÉTERSBOURG, 1894.
Commissionnaires de l'Académie Impériale des sciences:
à ST.-PÉTERSBOURG: à RIGA: à LEIPZIG:
MM. Eggers & C ie M. N. Kymmel. Voss' Sortiment
(G. Haessel)
•■öö "
et J. Glasounof.
Prix 5 Rbl. 20 Cop. = 13 Mrk.
Imprimé par ordre de l'Académie Impériale des sciences.
Juillet 1894. N. Doubrovine, Secrétaire perpétuel.
n h S ytww
Imprimerie de l'Académie Impériale des sciences.
(Vass.-Ostr., 9 e ligne, J\6 12).
f
CONTENU.
Pages.
Dr. med. A. E. Feoktistow. Zur Physiologie der Klapper des Crotalus durissus . 1 — 4
August Morawitz. Entomologische Beiträge 5— 54
Ph. Owsjannikow. Zur Entwickelungsgeschichte des Flussneunauges. Vorläufige
Mittheilung 55— 67
S. Herzenstein. Über einen neuen russischen Wels (Exostoma Oschanini Herz.) . 69 — 73
Eug. Büchner. Über das Fehlen des Eichhörnchens im Kaukasus 75 — 82
Dr. A. Peoktistow. Über die abnorme Wirkung einiger Curare-Sorten 83 — 86
Nieolaus Kulagin. Über einige im europäischen Russland und in Sibirien vor-
kommende Arten von Regenwürmern 87 — 96
Ivan Schevyrew. Liste des espèces du genre Scolytus de la collection du Musée
de l'Académie Impériale des sciences de St. Pétersbourg • . . 97 — 99
Ph. Owsjannikow. Zur Structur der Nervenfaser 101 — 112
S. Herzenstein. Ichthyoiogische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 1 113—126
Ichthyologische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der Kaiser-
lichen Akademie der Wissenschaften. II 127 — 141
Eug. Büchner. Die Säugethiere der Ganssu-Expedition (1884 — 87) 143—164
N". Kusnezow. Beiträge zur Flora Caucasica. I. Zwei neue Rhamnus-Formen. (Mit
2 Tafeln) 165-168
A. Pamintzin. Arbeiten aus dem botanischen Laboratorium der Kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften zu St.-Petersburg. JV» 2. Eine neue Bacterien-
form: Nevskia ramosa. (Mit einer Tafel) 169 — 174
N. Kusnezow. Neue asiatische Gentianen. (Mit einer Tafel) 175 — 178
Andreas a Semenow. Revisio Hymenopterorum Musei Zoologici Academiae
Caesareae Scientiarum Petropolitanae. I. Genus Cleptes Latr 179 — 186
Revisio Hymenopterorum Musei Zoologici Academiae Caesareae Scientiarum
Petropolitanae. II. Genus Abia (Leach) 187 — 195
Revisio Hymenopterorum Musei Zoologici Academiae Caesareae Scientiarum
Petropolitanae. III. Familia Evaniid a e 197 — 218
S. Herzenstein. Ichthyologische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der ,
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften .'. . 219—235
Dm. Iwanowsky. Über die Mosaikkrankheit der Tabakspflanze ........ 237 — 240
Andreas a Semenow. Chrysididarum species novae 241—265
Eug. Büchner. Über eine neue Sminthus-Art aus China 267—271
Th. Pleske. Die ornithologische Ausbeute der Expedition der Gebrüder G. und
M. Grum-Grzimailo nach Central-Asien (1889-90) . 273—301
Übersicht der Gattung Regulus, Cuv., nebst Beschreibung einer neuen Art
derselben 303—307
Eug. Büchner. Zur Kenntniss der rothen Murmelthiere Central- Asiens 309—324
P. Schalfeew. Carcinologische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. (Mit einer Tafel.) 325 — 336
N. Kusnezow. Neue asiatische Gentianen. [Fortsetzung.] (Mit einer Tafel.) . . . 337—340
Eug. Büchner. Über eine neue Katzen-Art (Felis pallida n. sp.) aus China. . . . 341—343
Pages.
S. Kawasehin. Zur Embryobildung der Birke. (Vorläufige Mittheilung) 345—348
Über die Brandkrankheit der Torfmoose. (Mit einer Tafel.) 349 — 358
Andreas a Semenow. De Coleopterorum familia nova 359 — 366
Revisio synoptica Meloidarum generis Ctenopus Fisch 367 — 376
K. F. Meinshausen. Das Genus Sparganium L. — Systematische Beschreibung
der Arten nebst Darstellung ihrer Verbreitung auf Grundlage ihres Vor-
kommens im Gouvernement St. Petersburg 377 — 397
G. O. Sars. Crustacea caspia. Contributions to the knowledge of the carcinological
Fauna of the Caspian Sea. Part I. Mysid se. (With 8 autographic plates) . . . 399—422
A. Famintzin. Über Chlorophyllkörner der Samen und Keimlinge. (Mit 1 Tafel.) . 423—433
Über das in den Samen von Helianthus annuus entdeckte Chromogen und
zwei neue aus ihm erhaltene, in Wasser lösliche Pigmente : das gelbe und
grüne. (Vorläufige Mittheilung.) 435 — 436
A. Kowalevsky. Etudes expérimentales sur les glandes lymphatiques des Inver-
tébrés. (Communication préliminaire) 437 — 459
G-. O. Sars. Crustacea caspia. Contributions to the knowledge of the carcinological
Fauna of the Caspian Sea. Part II. Cumacea. (With 12 autographic plates.) . 461 — 502
S. Korshinsky. Note sur la Calystegia dahurica Choisy* 503 — 507
Dm. Iwanowsky. Über die Wirkung des Sauerstoffes auf die alkaholische Gährung 509—531
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MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIRES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES
DE
ST.-PËTERSBOURG.
TOME XIII.
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St.-PÉTERSBOURG, 1891.
Commissionaires de l'Académie Impériale des Sciences:
à ST.-PÉTERSBOURG: à RIGA: à LEIPZIG:
M. N. Kymmel. Voss' Sortiment
(G. Haessel)
Prix 1 Rbl. 10 Kop. = 2 Mrk 75 Pf.
MM. Eggers et O
et J. Glasounof.
' Imprimé par ordre de l'Académie Impériale des sciences.
Février 1891. A. Strauch, Secrétaire perpétuel.
Imprimerie de l'Académie Impériale des sciences.
(Vass.-Ostr., 9 e ligne, të 12)
CONTENU.
Pages
Dr. med. A. E. Feoktistow. Zur Physiologie der Klapper des Crotalus durissus . 1 — 4
August Morawitz. Entomologische Beiträge 5 — 54
Ph. Owsjannikow. Zur Entwickelungsgeschichte des Flussneunauges. Vorläufige
Mittheilung 55— 67
S. Herzenstein. Über einen neuen russischen Wels (Exostoma Oschanini Herz.) . 69 — 73
Eug. Büchner. Über das Fehlen des Eichhörnchens im Kaukasus 75 — 82
Dr. A. Feoktistow. Über die abnorme Wirkung einiger Curare-Sorten 83 — 86
Nicolaus Kulagin. Über einige im europäischen Russland und in Sibirien vor-
kommende Arten von Regenwürmern 87 — 96
Ivan Schevyrew. Liste des espèces du genre Scolytus de la collection du Musée
de l'Académie Impériale des sciences de St. Pétersbourg 97 — 99
Ph. Owsjannikow. Zur Structur der Nervenfaser 101—112
S. Herzenstein. Ichthyoiogische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 113 — 126
Ichthyologische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der Kaiser-
lichen Akademie der Wissenschaften. II * 127 — 141
Eug. Büchner. Die Säugethiere der Ganssu-Expedition (1884—87) 143—164
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
• BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE STrPÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Zur Physiologie der Klapper des Crotalus durissus. Von Dr. med. A. E. Feok-
tistow. (Lu le 16 août 1888.)
Im Juni 1887 erhielt ich 10 lebende Crotalus durissus, die ich seit-
dem genau habe beobachten können. — Wegen Mangels an genügenden
Mengen geeigneten Futters (die Thiere wollten ausschliesslich nur ganz
junge Kaninchen fressen), verlor ich 5 davon im Laufe der ersten 6 Monate.
Die übrigen befinden sich gut und fressen nun ausser Kaninchen, auch Vö-
gel. — Sie bewohnen ein grosses Terrarium mit geräumigem Wasserbassin,
Cementboden und permanenter Wasserheizung, welche es ermöglicht, die
Temperatur der Luft im Innern auf 20 — 22° R. zu halten. Futterthiere
werden in genügender Menge gereicht, und sind die Schlangen Sommer und
Winter gleich munter.
Bei dieser Gelegenheit habe ich das Wachsen, Abfallen und die Erneu-
erung der Klapper genau beobachten können. ■ — Bis jetzt ist nichts Siche-
res über die Physiologie dieses Apparates bekannt. — In ganz Amerika
beurtheilen z. B. die Einwohner das Alter einer Klapperschlange nach der
Anzahl der Ringe an der Rassel, und glaubt man dort, dass jährlich ein
neuer Ring hinzukomme (Brehm). Andere glauben wieder, dass bei jeder
Häutung ein neuer Ring gebildet wird, etc. Brehm 1 ) hebt hervor, dass
man an gefangenen und mehrere Jahre nach einander beobachteten Klapper-
schlangen zwar eine Zunahme ihrer Grösse, nicht aber eine Vermehrung
der Glieder ihrer Rassel wahrgenommen hat, dass letztere vielmehr sich
jahrelang nicht veränderte. Wie lang eine Rassel werden kann — giebt
auch kein Autor mit Bestimmtheit an. — Ich bin in die glückliche Lage
gekommen, an gesunden und gut fressenden Exemplaren einige Beobach-
tungen machen zu können, die diese Fragen entscheiden.
Fünf von meinen Schlangen fielen die langen Rasseln selbstständig zu
verschiedenen Zeiten ab, und nun konnte ich vor Allem beobachten, wie
schnell sich selbige wieder ausbilden. — Zuerst will ich aber bemerken,
dass es ganz natürlich ist, wenn die Rassel bei der Klapperschlange perio-
disch oder unperiodisch abfällt. Es besteht ja dieselbe aus leblosem Horn-
1) Brehm, Tbierleben, B. VII, Kriechthiere. 1883, p. 491.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 1.
2 DR. MED. A. E. FEOKTISTOW. [t. XIII
gewebe, welches zu den bekannten hohlen «Kegeln» ausgebildet wird, welche
Kegel einander theilweise wohl umschliessen, die Rasselkette bildend, im-
merhin aber mit einander nur ziemlich lose verbunden sind. Es ist nun ganz
natürlich, dass solch eine Kette, wenn sie einigermaassen lang wird, mecha-
nischen Insulten stark ausgesetzt ist, und desshalb leicht abreissen kann.
Ohne jeden Schaden für die Schlange selbst, lässt sich auch diese Kette ab-
schneiden, oder gewaltsam abreissen. Das ist auch der einfache Grund,
wesshalb die Rassel niemals besonders lang wird, und 15 — 18 gliederige
Klappern zu den Seltenheiten gehören 2 ). Gewöhnlich hält die Rassel nicht
länger aus, als bis sie 8 — 10-gliederig wird.
"Wenn eine Rassel abgefallen ist, so bleibt doch immer wenigstens das
letztgebildete (also erste von der Basis) Glied derselben am Schwänze zu-
rück, da es mit demselben so lange fest verbunden ist, bis es nicht von
einem neuen, darunter sich ausbildenden, verdrängt wird. Dieses letztgebil-
dete Glied der Rassel hat nicht die düsterbraune Farbe der älteren Glieder.
Es ist vielmehr hornartig durchsichtig und nur schwach gelblich gefärbt.
Durch die dünnen Wandungen dieses Rasselgliedes sieht man den horn-
bildenden Kegel am Ende des Schwanzes, als weisse, plattgedrückte, un-
regelmässig-kegelförmige Masse mit tief eingekerbter Spitze, auf's deut-
lichste durchschimmern.
Wie gesagt, konnte ich also an den 5 Exemplaren der Klapperschlangen,
denen ihre Rasseln abgefallen waren, die Neubildung derselben verfolgen.
So lange sie keine längere Rassel hatten, waren sie natürlich auch nicht im
Stande zu klappern. Nun wuchsen aber die Glieder langsam nach und zwar
so, dass bei allen im Laufe von drei bis vier Monaten bereits zwei neue
Glieder, ausser dem erwähnten, zurückgebliebenen (jetzt endständigen
Gliede), vorhanden waren. Solche dreigliederige Rasseln brachten schon
einen ziemlich lauten Ton hervor. — Im Laufe von einem Jahre bildeten
sich die Rasseln bereits zu 5 — 6 gliederigen Ketten aus und waren dann
im Stande den gewöhnlichen, recht intensiven Rasselton hervorzubringen. —
Mit den Häutungen hatte das Nachwachsen der Rasseln nichts gemein 3 ).
Die Oberhaut wird bekanntlich ohne die Rassel abgeworfen, dicht an der
Grenze derselben sich abtrennend, und zwar so, dass das Ende des Schwanzes,
an der abgestreiften Haut, eine Öffnung mit fein gekerbten, den Schuppen-
reihen entsprechenden Rändern darstellt.
2) Rasseln aus 42 Gliedern, wie es S e b a abbildet, gehören wohl in das Gebiet der Phantasie .'
3) Schlegel (Essai sur la physionomie des serpens. T. II, 1837, p. 557) meinte, es entstehe
ein neues Rasselglied bei jeder Häutung. Diese Meinung ist neulich auch von Garman aus-
gesprochen worden. Die Häutungen folgen aber nach meinen Beobachtungen viel schneller auf
einander (eine Häutung alle 6 Wochen), als die Bildung der Rasselglieder.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 2.
T. XIIl] ZUE PHYSIOLOGIE DER KLAPPER DES CROTALUS DURISSUS. 3
Es folgt also aus meinen Beobachtungen, dass je ein Kasselglied im
Laufe von zwei — drei Monaten gebildet werden kann 4 ) und ist mir nicht
klar, wesshalb andere Beobachter an gefangenen Klapperschlangen das
Wachsen der Klapper nicht wahrgenommen haben. Wahrscheinlich wurden
die Schlangen unter für ihr Wohlsein ungünstigen Bedingungen gehalten,
wodurch ihr Lebensprocess deprimirt war. Vielleicht waren aber auch die
Beobachtungen nicht sorgfältig genug angestellt worden.
Was das Rasseln selbst anbelangt, so kann ich die Worte Geyer's im
allgemeinen bestätigen: kriecht die Klapperschlange langsam dahin, so
schleppt sie die Rassel am Boden völlig ruhig nach ; ist sie aber auf der
Flucht, so hebt sie dieselbe in einem Winkel von etwa 60° und rasselt dabei
ununterbrochen. Nur wenn sie ihren Raub verfolgt, hört man davon meistens
nichts. Letzteres ist aber nicht immer der Fall, vielmehr sah ich oft Klapper-
schlangen die ihnen zur Nahrung dienenden Kaninchen mit lautem Rasseln
verfolgen, wovor die letzteren aber durchaus keine Angst zeigten. — Ge-
reizt, nimmt die Klapperschlange die in Brehm's «Kriechthiere» (p. 492)
trefflich wiedergegebene drohende Lage ein, und ist im Stande dabei ge-
radezu stundenlang und ununterbrochen zu rasseln. Das Geräusch,
welches sie dabei hervorbringt, ist schwer mit irgend einem andern zu ver-
gleichen, jedenfalls dem «Zirpen einer Heuschrecke», wie Brehm meint,
nur sehr entfernt ähnlich. Eine starke, grosse Klapperschlange macht ein
so lautes Geräusch mit ihrer Rassel, dass man die Worte einer laut spre-
chenden Person in einer Entfernung von 3 Schritten nicht verstehen kann,
wenn der Schlangenkäfig sich zwischen den Sprechenden befindet. Die
kraftlosen Exemplare, die man gewöhnlich in den Thiergärten sieht, geben
keinen Begriff hierüber. — Taucht die eben vibrirende Klapper in Wasser,
so entsteht ein eigenthümlicher Ton, dem Zischen glühenden Eisens beim
Eintauchen in's Wasser vollkommen ähnlich. Unter dem Wasser ist das
Rasseln fast tonlos. — Hält man eine Klapperschlange mit einer Hand
hinter dem Kopfe, und fasst mit der anderen das Ende des Schwanzes gleich
hinter der Klapper, so wird ihr das Rasseln unmöglich.
Ich habe es versucht, die Zahl der Schwingungen, welche die Rassel
pro Minute macht, zu bestimmen. — Es wurde eine grosse Klapperschlange
am Nacken gefasst, und ihr darauf von einem Assistenten eine Nadel durch
das mittlere Glied einer siebengliederigen Rassel durchgestochen, und zwar
so, dass die Nadel die Rassel im grössten Durchmesser durchdrang, also von
oben nach unten, wenn man sich die Schlange mit auf dem Boden ausge-
strecktem Schwänze ruhig liegend denkt. Da nun die Rassel, bei der ge-
4) Allerdings bei künstlicher "Wärme im Winter, Herbst und Frühjahr. In der Freiheit geht
das "Wachsthum der Rassel offenbar viel langsamer vor sich.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 3.
4 DR. MED.A. E.FEOKTISTOW. ZUR PHYSIOLOGIE U.S. W. [t. XIII
dachten Lage der Schlange, beim Klappern in der Richtung von links nach
rechts und umgekehrt bewegt wird, so konnte die Nadel auf berusstem Papier
Schwingungscurven aufzeichnen. Ich benutzte als Registrirapparat den Dud-
geon'schen Polygraphen mit berusstem, vermittelst des Uhrwerks schnell fort-
gleitendem Papierstreifen. Der Schwanz der Schlange wurde einigermaassen
dadurch fixirt, dass ich letztere, in der Gegend vor dem Anus, mit der
Hand hielt. Nach vieler Mühe gelang es die Nadel auf passende Weise mit
dem Papierstreifen in Contact zu bringen und Schwingungscurven zu ge-
winnen, aus welchen die Zahl der Schwingungen pro Minute (bei bekannter
Schnelligkeit der Fortbewegung des Papierstreifens) mit ziemlicher Ge-
nauigkeit auszurechnen war. — Es zeigte sich dabei, class die Bewegungen
der Klapper aus grossen Schwingungen des ganzen Schwanzes selbst und aus
kleineren Schwingungen der eigentlichen Rassel sich zusammensetzen, und
zwar in der Weise, dass der Schwanz 75 Schwingungen, die Rassel hin-
gegen ihrer 110 pro Minute macht. Es sind das ungefähre Durchschnitts-
zahlen, da ich nur mangelhafte Curven gewinnen konnte, und zwar aus
dem Grunde, weil die Rassel ihre Schwingungen nicht genau in einer Ebene
ausübt. — Stundenlang mit einer solchen Geschwindigkeit ausgeführte Be-
wegungen sind geradezu staunenswerth. Mit blossem Auge beobachtet, sieht
man nur einen Schatten von der sich so rasch bewegenden Klapper 5 ).
5) Über den Bau der Klapper haben folgende Autoren geschrieben: Lacépède. Histoire
des Serpens. Vol. II, p. 390—420. PI. XVII. 1789. Leuckart. Anatom. -physiologische Über-
sicht des Thierreiches. 1855. Czermak. Über den Schallerzeugenden Apparat von Crotalus.
Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. Bd. VIII, p. 294 und f. 1857. W y mann. The mode
of formation of the rattle of the Rattlesnake. Proceedings of the Boston Society of Natural his-
tory. Vol. VIII, p. 121. 1861—1862. Garman. Bulletin of the Museum of Comparative Zoology
at Harvard College. Vol. XIII, JV° 10. The Rattle of the Rattlesnake. 1888.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 4.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Entomologische Beiträge, von August Morawitz. (Lu le 1 Novembre 1888).
I. Zwei neue centralasiatische Carabus- Arten.
Die beiden folgenden Cardben sind von Herrn Haberhauer in den
Bergen östlich von Taschkent gesammelt worden, zugleich mit Carabuspuer
und G Äkinini, Arten, welche in den Gebirgen südlich vom Issikul zuerst
aufgefunden sind.
1. Carabus (Cratocephalus) pupulus: Oblongus, niger, coleopteris cu-
preis, dorso nonunquam viridulis, ore, antennarum articulis primis quatuor
femoribusque rufo-brunneis, capite angustiore pronotoque cupreo-nitente
distincte punctatis, hoc parvo postice rotundatim angustato, usque ad mar-
ginem tenuiter callosum convexo, angulis posticis apice extremo angulatis
minimis; coleopteris ellipticis convexis, humeris vix ullis, obsolete punctato-
striatis, limitibus alternis distinctius tuberculatis. 2 15 mm.
8. Minor, gracilior, tarsorum anticorum articulis quatuor primis valde
dilatatis, transversis, subtus spongiosis. 13'/ 2 mm.
Im Bau mit G. (Cratocephalus) infantulus zunächst übereinstimmend,
es sind, wie bei diesem, die Augen stark gewölbt, das vierte Fühler-
glied kurz u. s. w.; Kopf, Halsschild und Flügeldecken sind aber deutlich
schmäler und erscheint daher diese Art im Ganzen etwas schlanker als
C. infantulus.
Schwarz, auf der Oberfläche des Halsschildes mit Kupferschimmer, die
Flügeldecken kupfrig, beim Weibchen auf der Scheibe mit grünlichem
Schimmer, der Mund, die vier ersten Fühlerglieder und die Schenkel roth-
braun. Die Oberfläche des Kopfes ist deutlich, etwas zerstreut punktirt, der
Clypeus von der Stirn durch eine eingedrückte feine, in der Mitte gerade
Linie abgesetzt und am Vorderrande etwas bogig ausgerandet. An dem Kinn
sind die Seitenlappen vorn abgestutzt, der Kinnzahn ragt über dieselben
als flacher, vorn abgerundeter, über die Fläche des Kinns nach unten vor-
tretender Zapfen vor.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 33. 2
6 AUGUST MORAWITZ, [t. XIII
Das Halsschild erscheint im Vergleich zu den Flügeldecken sehr klein,
ist kaum mehr als l x / 2 mal so breit als lang, an den Seiten bogig gerundet
und nach hinten ziemlich stark verschmälert; der Vorderrandwulst ist in
der Mitte ganz undeutlich; von den kurzen, an der Spitze winkeligen Hin-
terzipfeln nimmt jeder ein Zehntel des Hinterrandes ein. Die Oberfläche des
Halsschildes ist überall ziemlich grob und deutlich, in der Mitte etwas spär-
licher und feiner punktirt, der Eindruck vor den Hinterzipfeln ist flach und
undeutlich.
Die Flügeldecken sind etwas mehr als iy 2 mal länger als breit, nach
vorn etwas verschmälert, an den Schultern in sehr flachem Bogen abge-
rundet; die Punktstreifen werden von den Höckerchen mehr oder weniger
verdrängt, die Höckerchen der zweiten, vierten, sechsten, achten, zehnten
und zwölften Keihe sind nahezu gleich ausgeprägt, fiiessen der Länge nach
stellenweise zusammen, sind im Ganzen ziemlich flach, treten aber, da sie
dunkler, fast schwärzlich sind, deutlich hervor.
2. Carabus (Tribax) eous: Elongatus, convexiusculus, niger, supra laete
cupreus nonunquam cum nitore viridulo, ore, antennarum articulis quatuor
primis, tibiis tarsisque rufo-brunneis nigroque varus ; elytris striis punctatis
quindecim subregularibus, limitibus angustis aequalibus, 4°, 8°, 12° que ra-
rius magis prominentibus. 2 18 mm.
$. Minor, gracilior, tarsorum anticorum articulis quatuor primis valde
dilatatis, transversis, subtus spongiosis. 15 mm.
Schwarz, die Oberseite röthlich kupfern, hin und wieder mit grün-
lichem Schimmer, der Mund mit den Tastern, die ersten vier Fühlerglieder,
die Schienen und Tüsse rothbraun ; die Endglieder der Taster sind schwarz,
die übrigen zum Theil schwärzlich, so auch die ersten Fühlerglieder, die
Spitze der Schienen und der einzelnen Fussglieder.
Der Kopf ist verhältnissmässig klein, hinter den Augen mit sehr flacher
Einschnürung, auf der Oberfläche grob und seicht eingeritzt. Der basale
Ausseneindruck der Mandibeln ist ziemlich scharf begrenzt ; an den Kiefer-
tastern ist das Endglied deutlich länger als das vorhergehende. Die Fühler
sind kurz, nach hinten bis zum Anfang des zweiten Viertels der Flügel-
deckenlänge reichend, das erste Fühlerglied etwa so lang als das dritte, das
vierte kurz, so lang als das zweite und beim "Weibchen am Enddrittel, beim
Männchen aber am Endfünftel fein behaart.
Das Halsschild ist etwa iy 3 mal breiter als lang, vorn in flachem Bogen
ausgerandet, mit abgerundeten Vorderecken und hier deutlich schmäler als
am Hinterrande; an den Seiten ist das Halsschild gerundet, nach hinten zu
kaum wahrnehmbar ausgeschweift. Von den kurzen Hinterzipfeln nimmt
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 34.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 7
jeder etwa ein Siebentel des Hinterrandes ein und ist nur halb so lang als
an der Basis breit, an der nach unten etwas umgebogenen Spitze abgerun-
det und geht in flachem Bogen in den geraden Hinterrand über. Die Ober-
fläche ist deutlich gewölbt, wie der Kopf, von unregelmässigen groben
Kissen durchzogen, die nach den Seiten zu dichter gedrängt sind, wo
das Halsschild auch etwas abgeflacht ist, welche Abflachung nach hinten
zu an Breite etwas zunimmt. Der deutliche Längseindruck vor dem
Hinterrande ist im Grunde stärker vertieft, der hintere Quereindruck
scharf ausgeprägt, der Vorderrandwulst ziemlich fein, doch deutlich ab-
gesetzt.
Die Flügeldecken sind leicht gewölbt, mit ganz flach abgerundeten
Schultern, vor der Spitze kaum ausgeschweift, beim Männchen etwa l 4 / 5 ,
beim Weibchen etwa nur 1% mal breiter als lang und an den Seiten auch
viel gerundeter als beim Männchen ; sie sind bis an den Umbilicallimes ziem-
lich regelmässig gestreift, diese fünfzehn Streifen sind im Grunde deutlich
punktirt, die Zwischenräume erscheinen als schmale, gleichmässig gewölbte
Streifen und ist der vierte, achte und zwölfte von den übrigen nicht ver-
schieden und nur bei einem Männchen ein wenig stärker vortretend; vor
der Spitze lösen sich alle Streifen auf und gehen in eine unregelmässige
Runzel ung über.
Beim Männchen sind die vier ersten Glieder der Vorderfüsse stark
erweitert und mit schwammiger Sohle versehen, das zweite ist fast doppelt
so breit als lang, das dritte um ein Drittel kürzer als dieses und kaum etwas
schmäler, das vierte dagegen ganz klein und kurz, doch auch wenigstens
doppelt so breit als lang.
In der Wiener Entomologischen Zeitschrift hat neuerdings A. v. Semenow eine neue
centralasiatische, gleichfalls zur Abtheilung der tribacogenen Cardben gehörige Art beschrieben,
welche aber noch mehr abzuweichen scheint von den flachen kaukasischen Tribax-Avten als
die hier beschriebene. Mir ist zur Zeit die Beschreibung der von Semenow, auf seiner dies-
jährigen Eeise in Turkestan, entdeckten Art leider noch nicht zugekommen, und kann ich daher
über etwaige nähere oder fernere Verwandtschaft zwischen dieser Art und dem Carabus eous
vorläufig auch keine Angaben machen.
Als Tribax- Gruppe betrachte ich diejenigen Caraben, welche mit den von Fischer (Mém.
d. Mose. V. 1817. p. 463.), als zu seiner Gattung Tribax gehörig, namhaft gemachten Arten über-
einstimmen, welchen Namen Tribax, nur weil er nicht charakteristisch genug sei, Kolenati
(Melet. ent. I. 1845. :p. 25.) durch Platychrus ersetzen zu müssen glaubte. Als Plectes- Gruppe
fasse ich dagegen diejenigen flachen kaukasischen Caraben zusammen, als deren Typus der von
Fischer (Entomogr. Ross. III. 1825 — 28. !p. 230.) schliesslich allein als Plectes aufgefasste
Caràbus ibericus angesehen werden kann. Tribax und Plectes sind zwei äusserst nahe ver-
wandte Gruppen, die, was den Habitus anbetrifft, in einem ähnlichen Verhältniss zu einander
stehen, wie die gleichfalls unter einander äusserst nahe verwandten Gruppen Damaster und
Coptolalrus (cf. Mor. Adeph. 1886. p. 19.). Auch Reitter (Wien. E. Z. 1887. p. 186.) nimmt
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 35. 2*
8 AUGUST MORAWITZ, [t. XIII
jetzt diese beiden Gruppen unter den flachen kaukasischen Caraben als berechtigt an, ersetzt
aber den Namen Fleetes durch den von ihm früher für eine umfangreichere Untergattung vor-
geschlagenen Namen Neoplectes. Über diese Namenänderungj sagte übrigens Ganglbauer
(Deutsche E. Z. 1886. Heft IL p. 305. Anm. 1.): «Hr. Reitter (Wien. E. Z. 1885. p. 27.) hat
unter der irrigen Voraussetzung, dass Pterostichus Drescheri den Typus der Fischer'schen
Gattung Fleetes bilde, für Fleetes im bisherigen Sinne den Namen Neoplectes vorgeschlagen.
Dieser Name ist somit überflüssig», und hätten daher die Bemerkungen, welche Reitter
(Wien. E. Z. 1887. p. 104. 159.) gegen die Nichtannahme des Namens Neoplectes machen zu
müssen glaubte, doch eher gegen seinen Freund Ganglbauer, der überdies selbst die erste
Veranlassung zur Namenänderung gegeben, gerichtet werden müssen und nicht, mit Verheim-
lichung von Ganglbauer's Ausspruch, allein gegen mich, um so mehr, als ich mich, wenn
auch nahezu gleichzeitig, über diese Namenänderung lange nicht so absprechend geäussert,
wie es von Ganglbauer geschehen. Vorläufig kann man die Gruppen Fleetes {Neoplectes) und
Tribax (Platychrus), da sie einmal in Vorschlag gebracht waren, als solche bestehen lassen',
indem so durch Nennung der Gruppe, zu welcher eine etwaige neue oder wenig bekannte Art
gehört, immerhin sogleich ein genauerer Begriff gegeben wird über habituelle Eigenthümlich-
keiten dieser Formen und eingeschränktere Verwandtschaft.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 36.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 9
II. Zur Synonymie einiger Caraben.
In der Deutschen Entomologischen Zeitschrift (1886. p. 379. Anm. 1.)
druckt Ganglbauer die von Fabricius (Syst. El. I. 1801. p. 171. 16.)
gegebene Beschreibung des Carabus lusitaniens wieder ab mit dem Zusatz :
«Diese Beschreibung passt absolut nicht auf G. antiquus Dej. und es ist somit
das in der Fabricius 'sehen Sammlung befindliche Exemplar des G lusi-
taniens, nach welchem Schaum denselben auf G antiquus bezog, nicht als
Type zu betrachten». Wenn dagegen von anderer Seite für die Deutung der
beschriebenen Arten gleichfalls die Beschreibungen als maassgebend angese-
hen worden sind, so spricht Ganglbauer (Soc. ent. IL 1887. Nr. 1.) so-
gleich mit apodictischer Gewissheit über «zahlreiche unrichtige synonymische
Angaben», einzig und allein nach oberflächlicher Ansicht angeblicher Typen,
auch wenn die Beschreibungen «absolut nicht» auf dieselben passen und ohne
auf diese Beschreibungen auch nur im Geringsten einzugehen ; ja, ohne sich
selbst auch nur etwas Zeit zur Überlegung zu gönnen und es für nöthig zu
erachten, seine kategorischen Bemerkungen anders zu begründen als durch
den Wunsch zu «korrigiren». Es ist ja auch kaum statthaft, dass in neuerer
Zeit noch Jemand über Caraben Untersuchungen anstelle ausser Gangl-
bauer allein, der sich zu wiederholten Malen urbi et orbi als Monograph
angekündigt und als solcher von dem austro-germanischen Entomologenring
auch gleich für unfehlbar anerkannt ist. Wer kann denn auch besser ur-
theilen als der Monograph, dessen für 1886 angekündigte Arbeit indessen
immer noch — angekündigt bleibt. Doch ich will auf diese jedenfalls sehr
sonderbaren Ankündigungen nicht näher eingehen. Hier handelt es sich ja
auch zunächst um den Gardbus lusitanicus, mit welchem Schaum den
D e j e a n 'sehen G antiquus identificirt.
Hinsichtlich derjenigen Form, welche Schaum (Berl. E. Z. 1860. p.
81. 4.) als G. lusitanicus in der Fabricius'schen Sammlung fand, ist
Schaum's Hinweis indessen doch wohl von Wichtigkeit, dass Ähren s
(Faun. Ins. Eur. I. 1812. t. 7.) diesen G. lusitanicus recht kenntlich abge-
bildet. Schaum stellt natürlich, wie es Jeder thun muss, der solche rohe
Abbildungen aus alter Zeit vergleicht, an dieselben nur sehr geringe Anfor-
derungen und meint unter «recht kenntlich» doch nur, dass der Habitus
einigermaassen wiedergegeben ist. Ein Vergleich dieser Abbildung, welche
Ganglbauer auffallenderweise ganz unbekannt geblieben ist, mit der von
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 37.
10 AUGUST MOE AWITZ, [t. XIII
Dejean (Iconogr. I. 1829. t. 47. f. 1.) mitgetlieilten, zeigt klar genug, dass
Schaum, der den Dejean'schen G. antiquus ohne Zweifel nie gesehen,
einzig und allein aus dem Grunde, weil Dejean ein recht schlankes Exemplar
des C. lusüanicus abgebildet, wie solche aus der Umgegend von Lissabon
Schaum nicht gekannt, der irrigen Meinung war, dass Dejean die dort
vorherrschenden kürzeren und breiteren Exemplare des G. lusitaniens als
G. antiquus bezeichnete, und hat diese auch Ganglbauer selbst, eben so
wie es Schaum gethan, irrigerweise für den wahren G. antiquus Dej. er-
klärt und als var. antiquus aufgeführt. Dejean waren diese gewöhnlicheren
breiteren Exemplare des C. lusitanicus aus dem mittleren Portugal aber
schwerlich unbekannt, da Dejean (Spec. IL 1826. p. 91. 43.) keineswegs
völlig davon überzeugt, dass es auch wirklich die Fabricius'sche Art sei,
von seinem Cardbus lusitanicus angibt : «mais c'est le même que celui rap-
porté du Portugal par M. le comte de Hoffmann s egg, et qui est regardé
comme le véritable G. lusitanicus dans la collection du Muséum royal de
Berlin et par presque tous les entomologistes». Über den von Fabricius
zuerst bekannt gemachten Gar abus lusitanicus, welchen Ganglbauer auch
nicht einmal zu deuten versucht, kann darnach gar kein Zweifel obwalten,
und sind G. lusitanicus Fabr. und C. lusitanicus Dej. ein und dieselbe Art,
und sind dieselben überdies, da sie nur Unterschiede im Habitus darbieten,
auch nicht einmal als verschiedene Rassen anzusehen. Das von Fabricius
beschriebene Exemplar gehört indessen zu einer schwarzen Farbenabeände-
rung, wie solche sog. Nigrinos übrigens bei fast allen metallischen Carabus-
Arten vorkommen und wie auch unser Museum ein schwärzliches Stück von
der nordportugiesischen Form besitzt.
Ganglbauer führt diese nordportugiesische Form, welche bis zum Jahre
1860 ganz unbekannt war, als G. lusitanicus var. Schaumi Gaubil auf.
Gaubil (Cat. cl. Col. 1849. p. 17. 53 6 .) hat aber, in der irrigen Meinung,
dass G. antiquus Dej. der echte G lusitanicus Fabr. sei, für die von De-
jean unter letzterem Namen beschriebene Art nur einen neuen Namen in
Vorschlag gebracht, welcher neue Name übrigens schon von A. Dey rolle
(Ann. S. E. Fr. 1852. p. 245. n.) zurückgewiesen worden ist. Die er-
wähnte nordportugiesische Form des G. lusitanicus, welche Gaubil damals
eben so unbekannt war wie allen andern Entomologen, ist von Paulino d'
li viera erst viel später in der Serra d' Estrella aufgefunden und zwar wahr-
scheinlich erst kurz vor dem Jahre 1860. Schaum (Berl. E. Z. 1860. p.81.4.)
hielt diese Form irrigerweise für den Dejean'schen C. lusitanicus und scheint
Exemplare dieser Form gleichfalls erst von Paulino erhalten zu haben, und
wollte es ihm daher vielleicht auch überlassen, diese von G. lusitanicus Fabr.
seiner Meinung nach speeifisch verschiedene Form zu benennen. Erst zwei
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 38.
T. XILl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 11
Jahre später gab Schaum (Cat. Col. Eur. ed. II. 1862. p. 3.) den Namen
Hellwigi, und wurde unter diesem Namen die nordportugiesische Form in
grosser Anzahl verbreitet, so dass sie jetzt in den Sammlungen am zahl-
reichsten vertreten ist, und hat sie auch Thomson (Opusc. ent. VII. 1875.
p. 648. 2.) als C. (Hadrocarabus) Hellivigi kurz charakterisirt. Zu dieser
nordportugiesischen Form, welche Schaufuss übrigens als G. lusitaniens
bezeichnet, wie unserem Museum gesandte Exemplare es darthun, gehört
als Sculpturaberration C. descensus Schauf. (Nunq. Otios. I. 1871. p. 195.),
welchen Schaufuss (1. c. IL 1876. p. 367.) selbst bereits zu seinem G.
lusitaniens zieht, und unterschied Schaufuss (1. c. III. 1882. p. 557.) spä-
ter noch eine andere Sculpturaberration als G. mediotuberculatus var. nov.
Diese nordportugiesische Form ist also mit vollem Recht als «Hellwigi» be-
zeichnet worden und lässt sich für den von Ganglbauer hervorgesuchten
Namen «Schaumi» absolut nichts geltend machen als Ganglbauer's Wunsch,
einen eingebürgerten Namen durch einen mit vollem Recht unbeachtet ge-
bliebenen zu ersetzen, der, selbst wenn er gebraucht werden könnte, jeden-
falls nicht zur Bezeichnung der nordportugiesischen Form gebraucht wer-
den darf.
Eine dritte südportugiesische Form ist von Paulino d' Oliveira als
G. antiquus Dej. bezeichnet worden und führt Paulino, der diese drei
portugiesischen Formen als zu Einer Art gehörig ansehen zu müssen glaubt,
diese unter dem Namen C. antiquus auf, weil er der Ansicht war, das G. lusi-
taniens Fabr. auf keine dieser drei Formen zu beziehen sei. Abgesehen
davon sind aber Paulino's Angaben im Übrigen sehr zutreffend, denn Pau-
lino unterscheidet auch drei Formen: eine nordportugiesische von der Serra
d' Estrella und S. do Gérez, welche Paulino indessen gleichfalls irriger-
weise als C. antiquus var. lusitanicus Dej. bezeichnet, eine mittelportugie-
sische von Leiria und Azambuja, zu welcher das als G. antiquus var. Viei-
rae unterschiedene, gleichfalls in der Nähe von Leiria gefundene Exemplar
als Aberration hinzuzuziehen sein dürfte, und endlich eine südportugiesische
von Beja und Faro, welche Form Paulino wohl mit Recht als C. antiquus
Dej. bezeichnet. Paulino d' Oliveira (Mél. entom. 1876. p. 19. Anm.)
hebt es aber ausdrücklich hervor, dass die Exemplare aus dem Süden (Beja
et Faro) und aus dem Norden (Serra d' Estrella et Gerez) so sehr von ein-
ander abweichen, dass es nahe liege, sie als zu zwei verschiedenen Arten
gehörig anzusehen, «mais nous possédons des exemplaires des localités inter-
médiaires (Azambuja et Leiria), qui par leur forme aussi bien que par leur
position géographique établissent la transition parmi les premiers», und ge-
hören diese, den Übergang zwischen den nord- und südportugiesischen For-
men angeblich vermittelnden Exemplare zu G. lusitanicus Fabr.,, Dej.,
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 39.
12 AUGUST MO R AWITZ, [t. XIII
Schaum (= antiquus Ganglb. nee Dej.). Speciell von C. antiquus sagt
Paulino : «Vers le sud du Portugal la forme de ces carabes devient gradu-
ellement plus trappue, le corselet s'élargit et les bords de celui-ci se
rabaissent en même temps que les élytres deviennent plus courts, plus
larges surtout antérieurement et moins convexes». Zu C. antiquus kann die
von Ganglbauer (Deutsch. E. Z. 1886. p. 379.) dafür angesehene Form
schon deshalb nicht gehören, w r eil sie durch «hinten sehr breit aufgebogene
Seiten des Halsschildes» von der nordportugiesischen Form abweicht, welche
letztere nach Ganglbauer (1. c. p. 380.) «hinten weniger breit abgesetzte
und weniger aufgebogene Seiten des Halsschildes hat». Denn G anti-
quus verhält sich in dieser Hinsicht zu G. lusitaniens nach Dejean (Spec.
IL 1826. p. 91. 44.) gerade umgekehrt: «les bords latéraux sont moins re-
levés», was auch in der nach Ganglbauer «eminenten» Dejean'schen Ab-
bildung deutlich zu sehen ist und was auch durchaus übereinstimmt mit
Paulino's Angaben über die südportugiesische Form.
Über die Sculptur der Flügeldecken der mittel- und südportugiesischen
Formen macht Paulino Angaben, welche jedenfalls auch Beachtung ver-
dienen: «Dans les exemplaires de Leiria les lignes des élytres ne sont pas
encore interrompues, tandis qu'elles le sont déjà dans les carabes d'Azam-
buja et dans la plupart des individus plus méridionaux. Dans les premiers
les points des élytres ne terminent pas en pointe, ce qu'on voit déjà dans
les exemplaires d'Azambuja et elle devient ordinairement plus saillante dans
les exemplaires du sud». Paulino hebt es schliesslich noch besonders her-
vor, dass er die Fundorte Azambuja und Leiria nur deshalb bei seinem C.
antiquus verzeichnet, weil die von den genannten Orten stammenden Exem-
plare in der Gestalt mehr mit den südportugiesischen übereinstimmen, «car
par la forme, que nous croyons le principal caractère pour séparer la variété
lusitaniens Dej., ils sont plus rapprochés de V antiquus Dej.», und scheint
darnach Paulino schlanke Exemplare aus dem mittleren Portugal, wie
Dejean ein solches abgebildet, auch nicht gekannt zu haben. Diese scheinen
überhaupt selten zu sein und besitzt auch unser Museum nur ein solches
Männchen des G lusitaniens. Offenbar hat Ganglbauer (1. c. p. 380.)
solche Exemplare aus der Umgegend von Lissabon, wegen ihrer schlanken
Gestalt , vermengt mit der nordportugiesischen Form, welche auch nach
Paulino's Darstellung bei Lissabon unmöglich vorkommen kann, da fast in
der Mitte zwischen Lissabon und der Serra d' Estrella, bei Leiria nämlich,
die mittelportugiesische Form allein vorhanden ist. Die von Ganglbauer
bei seiner var. antiquus, = G lusitaniens Fabr., Dej., Schaum, erwähn-
ten «durch dunkel kupferig grüne Färbung» ausgezeichneten Stücke stammen
auch vielleicht von der nordwestlich von Lissabon befindlichen Serra de
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 40.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 13
Montachique und nicht von «dem südlichsten Gebirge Portugals» , von der
Serra de Monchique, wie es G an gib au er wahrscheinlich in Folge einer
Verwechselung der ähnlich lautenden Namen dieser Serren angibt. Denn
bei der südportugiesischen Form sind die breit abgeflachten Seiten des Hals-
schildes, wie es auch Paulino hervorhebt, nur sehr schwach aufgebogen,
ungleich schwächer als selbst bei der nordportugiesischen Form.
Dass die drei erwähnten portugiesischen Formen in Wirklichkeit nur
Varietäten ein und derselben Art seien, daran dürfte man eigentlich nach
Paulino's Darstellung, dem ein sehr grosses Material dieser Formen vor-
gelegen, nicht wohl zweifeln. Einstweilen halte ich aber dennoch die An-
sicht, dass G. Hellwigi und die dünnfüssigen G. lusitaniens und G. antiquus
nicht als drei verschiedene Arten anzusehen seien, für keineswegs erwiesen,
da ja Paulino, vielleicht befangen von den von ihm wahrgenommenen
Übergängen in der Sculptur der Flügeldecken, auf andere Unterscheidungs-
merkmale gar nicht geachtet. Das mir vorliegende Material ist leider nicht
sehr gross und von C. antiquus ist in unserem Museum überhaupt nur ein
Weibchen vorhanden, welches übrigens zu D ej ean's Beschreibung und Abbil-
dung seines C. antiquus im Ganzen recht gut passt. Nach Dejean und Pau-
lino sind aber bei C. antiquus die Höckerchen der Flügeldecken spitz, ähnlich
wie bei G. scabriusculus, und fliessen sie auch bei unserem Exemplar nicht
zu zusammenhängenden Leisten zusammen; nach Paulino ist letzteres bei
einzelnen Exemplaren der südportugiesischen Form beobachtet worden, wie
denn umgekehrt bei den Exemplaren der mittelportugiesischen Form von
Azambuja, wie ich solche noch nicht gesehen, keine zusammenhängenden
Leisten, sondern nur Höckerchen zwischen den Kettenstreifen vorhanden
sind. Da der C. antiquus wenig bekannt zu sein scheint, so gebe ich hier
einzelne Angaben über das mir vorliegende Exemplar. Es ist auf der Ober-
seite dunkel kupfrig bronzefarben und macht durch den verhältnissmässig
schmalen Kopf, das breite, quere Halsschild und die kurzen, breiten und nur
schwach gewölbten, und wie auch Dejean es hervorhebt, längs dem hohen
Seitenrande überdies breit abgeflachten Flügeldecken einen von C. lusitani-
ens ganz verschiedenen Eindruck. Das Halsschild erscheint im Verhältniss
zu den breiten, nach vorn kaum verschmälerten Flügeldecken, trotz seiner
transversalen Form, klein, ist fast doppelt so breit als längs der Mitte lang,
vorn nur flach ausgerandet mit verrundeten Vorderecken, die Seiten breit
abgeflacht, indessen nur schwach aufgebogen. Auf den opaken Flügeldecken,
welche kaum etwas mehr als 1% mal länger als zusammen breit sind und
deren Schultern nach aussen über das Halsschild vorstehen , sind zwischen
den Kettenstreifen drei Keinen längsgereihter, grober, rundlicher Höckerchen
vorhanden und sind die Höckerchen der mittleren Reihe etwas kleiner als
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 41.
14 AUGUST MOKAWITZ, [t. XIII
diejenigen der seitlichen ; zwischen diesen befinden sich längsgereihte feine
Körnchen, doch sind diese stellenweise undeutlich, da der Grund dazwischen
unregelmässig runzelig ist. Ähnlich gerunzelt und mit gereihten feinen
Körnchen ist auch der Grund der Flügeldecken bei der mittelportugiesischen
Form oder dem G. lusitaniens. Auch Dejean (Spec. II. 1826. p. 90.), was
übersehen worden ist, gibt von seinem G lusitaniens an: «on aperçoit, en
outre, dans les intervalles de ces différentes lignes des petits points peu
distincts, alternativement enfoncés et élevés», während die nordportugiesische
Form oder C. Eellwigi sich unter Anderm durch grössere Glätte auszeichnet
und auf den Flügeldecken für eine solche Runzelung auch gar keinen Platz
hat, indem zwischen den nahe an einander befindlichen erhabenen Streifen
ziemlich gleichartige, gröbere, längsgereihte Körner vorhanden sind, die der
Länge nach häufig stellenweise zusammenfliessen, was so weit gehen kann,
dass zwischen den Kettenstreifen sieben an einander gedrängte convexe Strei-
fen zur Ausbildung kommen. Schon diese Sculpturdifferenz der Flügel-
decken steht einer Identificirung des Dejean'schen G lusitaniens mit der
nordportugiesischen Form entgegen und wird von letzterer überhaupt wohl
Niemand ein Exemplar gesehen haben, welches hinsichtlich der Form und
Breite des Halsschildes und der Sculptur der Flügeldecken übereinstimme
mit der offenbar sehr guten Abbildung, wie sie Dejean von seinem G. lusi-
taniens gegeben. Exemplare, welche mit irgend welchem Recht als Über-
gangsexemplare zwischen den drei besprochenen portugiesischen Formen in
Anspruch genommen werden könnten, sind bis jetzt wenigstens noch nicht
bekannt geworden und glaube ich auch, dass Paulino keine gehabt, wie ich
schon oben erwähnt. Paulino's Angaben in dieser Hinsicht erscheinen um
so zweifelhafter, als Paulino (Revista da Soc. de instrucç. do Porto IL 1882.
p. 98. 2i.), bei sonstiger wörtlicher Wiederholung der von ihm früher in
seinen Mélanges entomologiques gemachten Angaben, z. B. als Varietäten zu
G. guadarramus, sowohl G. Stewarti und C. errans, als auch G. Heydeni
zieht, trotzdem dass diese vier Formen von einander sehr verschieden sind
und ganz allgemein als eben so viele durchaus berechtigte Arten angesehen
werden.
Nach den Angaben, welche Chaudoir (Deutsch. E. Z. 1877. p. 76.)
über G. Gougeleti und G. antiquus macht: «qui a les tarses tout aussi grêles
et aussi allongés et ne paraît différer que par la sculpture moins en relief»,
ist es möglich, dass zu C. antiquus auch der mir unbekannte G. Gougeleti
als Rasse oder Varietät zu ziehen sein dürfte. Chaudoir, der das Benennen
von Varietäten im Allgemeinen nicht für statthaft fand, macht daher auch
gewöhnlich nur über das etwaige Zusammengehören verschiedener Formen
zu Einer Art Angaben, ohne auf Rassenunterschiede oder Varietäten näher
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 42.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 1 5
einzugehen, was bei seinen Angaben stets im Auge behalten werden muss,
und nur so darf es auch verstanden werden, wenn Chaudoir (1. c.) ausser-
dem auch noch die Identität von G. Gougeleti und G. leptopus behauptet.
Denn die Angaben, welche Reiche (Ann. S.E.Fr. 1 863. p. 472. 2.— 1864.
p. 662.) über den C. Gougeleti macht, weichen so sehr von der Beschrei-
bung ab, welche Thomson (Opusc. ent. VII. 1875. p. 648. 3.) von seinem
G. leptopus gibt, dass ein so einfaches Verfahren, beide Formen für absolut
identisch zu erklären, wie es Ganglbauer und jetzt auch Kraatz für be-
gründet halten, ganz und gar nicht gerechtfertigt erscheint, wie aus folgen-
den, nach den Beschreibungen zusammengestellten Diagnosen ersichtlich
sein dürfte:
C. leptopus (Thomson): Niger, capite minore sublaevi, prothorace duplo
angustiore, pronoto antice parum profunde emarginato, lateribus ante medium
rotundatis, disco distincte punctato; coleopteris convexis lateribus rotunda-
tis, inter catenas substriato-punctatis, interstitiis convexiusculis, antice in-
tegris, aequalibus vel 2 :o et 6 :o magis elevatis, limbo angusto parce aspe-
rato-punctato vix metallico. 20 — 22 mm.
$ tarsis anticis articulo 2:o elongato-triangulari, 4:ohaud transverso.
Habitat apud Cordobam.
Sehr verschieden erscheint nach Reiche's Angaben der
G. Gougeleti (Reiche): Obscure aeneus, capite ruguloso medio obsolete
punctulato, pronoto capite dimidio latiore lateribus parum rotundatis et
praesertim postice parum reflexis, antice sat profunde emarginato angulis
anticis obtusis, disco ruguloso vix punctato; coleopteris parum convexis la-
teribus subparallelis, paullo infra medium vix amplioribus, inter catenas
aequaliter seriatim asperato-tuberculatis sine punctis impressis. 22 mm.
Habitat in Hispania meridionali orientali, civitates Malacam et Cordu-
bam versus.
Zu G. leptopus gehören die von Ganglbauer (1. c. p. 377.) als var.
Gougeleti aufgeführten Exemplare von Cordoba, und ist es leider nicht zu
ersehen, ob Ganglbauer Exemplare von Grazalema bei Ronda, westlich
von Malaga, auch wirklich gesehen, da er nur über Cordoba-Exemplare
Angaben macht. Die angeblichen Übergangsexemplare zu Rassen des G.
latus bleiben vorläufig aber ganz zweifelhaft, da Ganglbauer die meisten
der von Thomson angegebenen Merkmale überhaupt einer Beachtung nicht
für werth gehalten. «Noch deutlicher aber vermitteln die Formen von Al-
caraz und Riopar den Übergang zu var. helluo und var. albarracinus», was
aber, da Ganglbauer (1. c. p. 378.) über diese Formen aus der Sierra
de Alcaraz absolut gar nichts angibt, doch nur für Diejenigen genügend
sein kann, die auf eigenes Urtheil vollständig Verzicht geleistet. Dieser
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 43.
16 AUGUST MORAWITZ, [t. XIII
absolut gar nicht charakterisirten , angeblich deutlichen Übergangsform
gibt Kraatz (Deutsch. E. Z. 1886. p. 384.) den Namen «alcaracinus»,
ohne über diese, von ihm benannte Form sonst etwas angeben zu können,
da er sie überhaupt noch gar nicht gesehen und nach seinem eigenen Ge-
ständniss, sich über diese ihm meistens unbekannten, angeblichen Über-
gangsformen auch kein Urtheil bilden und daher auch keine Vermuthungen
anstellen könne!
Es ist selbstverständlich sehr schwierig, zeitraubend und immer mehr
oder weniger unsicher, nach Beschreibungen allein Angaben zu machen.
Ganglbauer scheint ein kritisches Prüfen der Beschreibungen für ganz
überflüssig anzusehen, wie es bei Erörterung von Dejean's G lusitanicus
und G antiquus schon ersichtlich war, und so ist es denn auch erklärlich,
wenn Ganglbauer die Beschreibung, welche ein so ausgezeichneter Be-
obachter wie Thomson (Opusc. ent. VII. 1875. p. 650. 4.) von einer hier-
her gehörigen Form gegeben, sogar ganz unbeachtet gelassen. Thomson's
G (Hadrocarabus) lusitaniens (nee Fabr.) = antiquus (necDej.) kann weder
auf G. lusitanicus, noch auch auf G. antiquus bezogen werden, und erweist
sich den Angaben nach mit Gangib au er's var. portalegrensis als durchaus
identisch, wenigstens stimmt das Wenige, was Ganglbauer über letztere
Form sagt, ganz zu Thomson's Angaben. Diese Form ist aber wahr-
scheinlich nicht verschieden von dem G Gougeleti, wenigstens ist in den
Angaben von Bei che nichts enthalten, was nicht auf diese Form bezogen
werden kann, und desgleichen gehört nach Allem hierher auch der G Luczoti
Laporte (Ann. S. E. Fr. 1832. p. 393. n. — Etud. ent. 1834. p. 88. 2.
— Hist. nat. d. Ins. I. 1840. p. 142. 7. t. 9. f. 9.), welchen Kraatz (Berl.
E. Z. 1860. p. 59. 4.) jedenfalls ganz ohne Grund mit G. antiquus für völ-
lig identisch erklärt. Thomson hält diese Form aber für speeifisch ver-
schieden von G leptopus und müssen die von ihm angegebenen Unterschiede
jedenfalls erst eingehender geprüft werden. Mit solchen inhaltlich hohlen
Phrasen, dass diese oder jene Form, über welche indessen absolut nichts
angegeben wird, den Übergang bilde, ist nichts erreicht als allenfalls eine,
zunächst doch nur subjective, «Brücke» (cf. Deutsch. E. Z. 1886. p. 384.
Anm.) von einer allgemein als Art angesehenen Form zu einer andern. Dass
übrigens die von Ganglbauer unter dem Namen Gardbus latus zusammen-
gefassten Formen nur Bässen ein und derselben Art seien, dies scheint aber
auch Kraatz (Deutsch. E. Z. 1886. p. 384.), so blind er auch sonst für
Ganglbauer eingenommen ist, denn doch zu viel zu sein, indem er unter
Anderm äussert, dass ihm «die Einziehung einer Art, welche der ungemein
scharfsichtige Thomson aufgestellt hat, stets besonders sorgfältig motivirt
werden zu müssen scheint». In Ganglbauer's Arbeit vermisst man aber
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. U.
T. XIIl] EXTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 17
jegliche Motivirung, und ist dies um so mehr zu bedauern, als wohl kaum
Jemandem so bald ein so «ausserordentlich reiches, prachtvolles Material»,
wie Ganglbauer das ihm zugekommene selbst bezeichnet, zur Verfügung
stehen wird. Nach Ganglbauer's (1. c. p. 381.) «nomenclatorischem Stand-
punkt» hätten die als zu Einer Art gehörig aufgeführten Formen wohl auch
als Carabus antiquus zusammenfasst werden müssen, da der Name antiquus
«vor latus Priorität» hat. Doch ist dies insofern gleichgiltig, als vorläufig,
ausser Ganglbauer's unmotivirter Versicherung, absolut gar kein Grund
vorliegt, diese Formen als zu Einer Art gehörig anzusehen.
Wozu es führt, Exemplare, welche sich als sogenannte Typen in einer
Sammlung vorfinden, ohne Kritik als unzweifelhafte Typen anzusehen, dafür
liefert doch wohl der von Dejean beschriebene und abgebildete Carabus
latus ein auffallendes Beispiel. Denn wer auch noch so flüchtig die von
Dejean (Iconogr. 1^1829. t. 47. f. 3.) gegebene Abbildung des G. latus
sich ansieht, dem muss der Gedanke ganz fern liegen, dass C. latus Dej.
und G. Gougeleti Reiche identisch sein könnten, wie es erst Reiche selbst,
nach der männlichen und weiblichen Type, und später auch Chaudoir, nur
nach einer männlichen Type der Dejean'schen Sammlung, dennoch be-
hauptet haben. Kraatz (Deutsch. E. Z. 1876. p. 334.) bezweifelte frü-
her die Angabe Reiche's, dass C. Gougeleti in der Nähe von Malaga ge-
funden sei und auch die Identität der «Carabus, die eventuell bei Malaga
gefunden wurden mit dem Cordoba-Käfer», sagt aber nichtsdestoweniger,
Reiche's Beschreibung sei eine solche, dass darnach die Art nicht wohl zu
erkennen ist. Nachdem Chaudoir aber C. Gougeleti und C. leptopus als zu
Einer Art gehörig bezeichnet, behauptet Kraatz (Deutsch. E. Z. 1877.
p. 77.2.), dass er dieses ein Jahr früher auch schon ausgesprochen, indessen
wies hier Kraatz nochmals auf die Unterschiede der Beschreibungen hin,
«welche kaum erlauben, den grossköpfigen, bläulich schwarzen, violett ge-
randeten G. latus mit leicht punktirtem Halsschilde auf G. Gougeleti zu be-
ziehen», schliesst aber trotzdem seine jedenfalls nicht grundlosen Zweifel mit
der Bemerkung, «indessen ist Chaudoir's Angabe wohl festzuhalten». So fest
eingewurzelt ist der Typenglaube ! In Dejean's Sammlung hat aber ganz un-
zweifelhaft, noch bevor Chaudoir Besitzer derselben wurde, eine Verstellung
der Exemplare stattgefunden: Ein Dejean'sches weibliches Exemplar des G.
latus ist in Folge irgend welcher Unachtsamkeit als Dejean's C. helluo auf-
gestellt worden, denn nur so erscheint die Angabe von Reiche (Ann. S. E.
Fr. 1864. p. 662.) erklärlich, die Dejean'scheType des G. helluo sei, «une
femelle beaucoup plus grosse que toutes celles que j'ai vues». Die von De-
jean gegebene Abbildung des G. latus stellt aller Wahrscheinlichkeit nach die-
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 45.
18 AUGUST MORAWITZ, [t. XIII
ses von Reiche gesehene, angebliche Weibchen des C.helluo dar, während die
D e j e an'sche Abbildung des Weibchens von G helluo den meisten Exemplaren
gegenüber auf die von Reiche gebrauchte Bezeichnung «beaucoup plus grosse»
absolut gar keinen Anspruch machen kann. Ganglbauer (1. c. p. 376.),
welcher unter dem Dejean'schen Namen «helluo» fälschlicherweise eine
südostspanische Form von Aguilas (am Mittelmeer, etwas südlich von Car-
tliagena) aufführt, ist überdies durchaus im Irrthum, wenn er behauptet,
Dejean habe den Fundort seines C.helluo nicht genauer angegeben. Anfangs
war Dejean allerdings nur ein Weibchen des G helluo zugekommen, von
welchem Dejean den speciellen Fundort nicht kannte; später sah er aber
noch andere Exemplare und theilt Dejean (Spec. V. 1831. p. 533. 48.)
selbst dieses auch mit : «M. Goudotatrouvé cet insecte (C.helluo) en Espagne,
près du Guadarama. Dans le mâle les stries des élytres et les trois ran-
gées des points enfoncés sont un plus marqués que dans la femelle». Dass
die bei Guadarrama vorkommende Form des C. latus Dej., welche die fran-
zösischen Entomologen meistens als C helluo bezeichnet, dieser Name auch
mit Recht zukommt, dürfte darnach, schon weil D ej ean selbst diese Gua-
darrama-Form zu seinem C. helluo gezogen, einigermaassen gerechtfertigt
erscheinen; de la Ferté (Ann. S. E. Fr. 1847. p. 449.) indessen, welcher
mittheilt, dass in Dejean's Sammlung, wie es übrigens auch aus Dejean's
Beschreibung evident ersichtlich ist, von C. brevis nur Weibchen vorhanden
seien, glaubte die von Ghiliani gesammelten männlichen Guadarrama-
Exemplare als Männchen zu C. brevis ziehen zu können, das eine de
Brême'sche Exemplar freilich mit Zweifel, weil es «aussi grand que les
plus grandes femelles et entièrement noir sans reflets métalliques», das zweite
aber mit voller Sicherheit: «Si je conserve quelques doutes à l'égard du
premier, je n'en conserve aucun à l'égard du second, que j'ai définitive-
ment placé parmi les G. brevis de la collection Dejean». De la Ferté, der
damalige Besitzer der Dejean'schen Carabiciden- Sammlung, von welchem
erst später Chaudoir die letztere erworben, hat demnach also den De-
jean'schen Typen Exemplare hinzugefügt, ohne die von Dejean bestimmten
und beschriebenen kenntlich bezeichnet zu haben, und ist es daher auch nicht
überraschend, wenn Reiche (Ann. S. E. Fr. 1864. p. 661.) als Typen der
Dejean'schen Sammlung bei G. brevis «S et 2» anführt, obgleich Dejean
von G. brevis gar kein Männchen gekannt. De la Ferté mag, da er über den
Werth von Typen jedenfalls ganz im Unklaren gewesen zu sein scheint,
überhaupt auf die Erhaltung der Dejean'schen Exemplare wenig Gewicht
gelegt haben; wenigstens führt Chaudoir zu wiederholten Malen an,
dass er nicht alle Exemplare erhalten, welche Dejean in seinem Werke
beschreibt.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 46.
T. XIIl] EXTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 19
Was nun die bei Guadarrama gefundene Form anbetrifft, so befindet
sich in unserem Museum ein, unter dem Namen Carabus guadarramus de
Brème von Giuliani eingesandtes, schwarzes Minnchen, wie ein solches
de la Ferté erwähnt, und scheint auch Gaubil (Cat. d. Col. 1849. p. 17. 52.
— Dejr. Ann. S. E. Fr. 1852. p. 239. 2.) unter solcher Bezeichnung ein ähn-
liches gesehen zu haben. Ganglbauer hat aber diese Guadarrama-Form,
welche Dejean zu seinem C.helluo glaubt ziehen zu müssen, mit Dejean's
G brevis vereinigt, obgleich letztere Form, abgesehen von dem Bronzeglanz
und den grünlich metallischen Seiten von Kopf und Halsschild, auch durch
die Sculptur der Flügeldecken constant abzuweichen scheint und auf den
ersten Blick durch die kaum hervortretenden schmalen Kettenglieder sehr
verschieden zu sein und auch nicht einmal mit der Guadarrama-Form an
denselben Orten vorzukommen scheint. Das Männchen des G brevis zeich-
net sich überdies dadurch aus, dass die Flügeldecken auffallend abgeflacht
sind, ähnlich wie bei dem Männchen, welches Dejean als G. complanatus
beschrieben. Nach der Abbildung, welche Dejean (Iconogr. I. 1829. t. 48.
f. 1.) von einem Weibchen des G. brevis giebt, sind die Flügeldecken l 1 /,
mal so lang als breit, in dieser Hinsicht also wirklich sehr wenig von den-
jenigen des G. latus verschieden. Mit dem von Dejean (Iconogr. I. 1829.
t. 48. f. 2.) nach dem einzigen, ihm anfänglich bekannten Weibchen abge-
bildeten G helluo, welches laut Abbildung ein auffallend kleines Halsschild
zeigt, muss aber die von Ganglbauer (1. c. p. 377.) als var. albarracinus
unterschiedene Form verbunden werden, und hat unser Museum ein solches
hinsichtlich des Habitus und des «auffällig kleinen» Halsschildes zu Dejean's
Abbildung des G helluo recht gut passendes, im Übrigen aber mit den ge-
wöhnlichen Guadarrama- Exemplaren übereinstimmendes Männchen von
Seoane als G helluo erhalten, bei welchem auch der aufgebogene Seiten-
rand des Halsschildes viel schmäler abgesetzt ist als bei den Exemplaren,
wie sie bei Guadarrama sonst in grosser Anzahl gefunden worden sind. In
diesen Unterschieden sehe ich aber nicht Rassenunterschiede, sondern indi-
viduelle, wie es ja auch bei vielen andern Carabus - Arten vorkommt, dass
einzelne Exemplare derselben Form durch verhältnissmässig grosses, andere
umgekehrt durch auffällig kleines Halsschild sehr von einander abweichen,
ohne deshalb als verschiedene Rasse in Anspruch genommen werden zu
dürfen. Man kann übrigens auch sagen, die bei Guadarrama von Goudot
gesammelten, von Dejean nachträglich gesehenen Exemplare, welche De-
jean zu seinem G helluo gezogen und wie solche auch die französischen
Entomologen vorherrschend als G. helluo bezeichnen, Ganglbauer aber
ohne hinreichenden Grund mit G brevis verbunden, seien Übergangs-
exemplare zwischen G latus und G helluo Dej. (= var. albarracinus
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 47.
20 AUGUST MORAWITZ, [t. XIH
Gangib.) Es ist ja auch nicht gut anders möglich, als dass zwischen Varie-
täten, welche wirklich zu Einer Art gehören, Zwischenglieder vorhanden sein
müssen, welche wegen des ganzen Habitus der Eine geneigter ist, der einen
bereits bekannt gemachten Form zuzuzählen, während ein Andrer für solche
Exemplare eine besonders zu unterscheidende Varietät annehmen zu müssen
glaubt, indem er Gewicht legt auf Sculptur, die Conformation des Hals-
schildes u. s. w. Erwähnen muss ich übrigens, dass Kraatz (Deutsch. E.
Z. 1886. p. 384.) Ganglbauer's var. albarracinus nach den gemachten
Angaben als Varietät zu G leptopus (Gougeleti Kraatz) zieht wegen des
«kleineren» Kopfes, aber das «auffällig» kleine Halsschild unbeachtet lässt,
trotzdem dass er die Grösse desselben bei G leptopus (Gougeleti Kraatz)
als specifisches Merkmal zum Unterschiede von G. latus ein paar Zeilen
vorher besonders hervorhebt! Doch auch Dejean (Spec. IL 1826. p. 95.)
sagt von seinem G. helluo «la tête est un peu plus petite que celle des espèces
précédentes», und kann daher die Identität von G helluo mit Gangl-
bauer's var. albarracinus wohl als völlig sicher hingestellt werden.
Mit Dejean's G. brevis hat Ganglbauer auch die Weibchen zweier
anderer Formen vermengt, deren Männchen er als G latus var. complanatus
aufführt, doch sind seine Angaben über diese Formen so nichtssagend, dass
es nicht einmal sicher scheint, ob er eine dem Dejean'schen G complanatus
entsprechende Form auch wirklich vor sich gehabt. Auf letztere beziehe ich,
nach dem mir vorliegenden Material, die von Seidlitz (Berl. E. Z. 1867.
p. 169.) bei Escorial gesammelten Exemplare, von welchen Seidlitz auch
unserem Museum zwei Weibchen und ein Männchen mitgetheilt. Das letz-
tere passt auf Dejean's Abbildung und Beschreibung des G complanatus
recht gut, hat auch ziemlich gestreckte, abgeflachte Flügeldecken, welche
etwas mehr als iy 9 mal so lang wie breit sind, während die Weibchen, welche
Dejean unbekannt waren, durch kurze und stark gewölbte Flügeldecken
ausgezeichnet sind, die etwa nur l l / 3 mal länger als breit sind. Das Hals-
schild ist bei dieser Form ziemlich gestreckt, der Vorderrand in der Mitte
tief ausgerandet, und auch die Vorderecken sind weniger verrundet und er-
scheinen beinahe winkelig. Bei den Weibchen sind die Flügeldecken mit
groben Punktstreifen versehen und ziemlich regelmässigen, nur wenig unter-
brochenen Zwischenräumen, welche ^beim Männchen flacher und fast der
ganzen Länge nach in längliche, zum Theil der Quere nach zusammen-
fliessende, Höcker aufgelöst sind, und sind auch die Punktstreifen nur stellen-
weise und auch das nur undeutlich wahrnehmbar. Die Kettenglieder sind
ziemlich schmal, der Kand der Flügeldecken grob runzelig gekörnt. Die
Färbung ist schwarz, mit blauen, stellenweise in's Violette spielenden Bän-
dern, und macht auch de la Brûlerie (Ann. S. E. Fr. 1866. p. 536.) die
Bulletin N. S. T (XXXIII) p. 48.
T. Xm] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 21
Bemerkung «que les individus de l'Escorial sont tous d'un noir plus ou moins
bleuâtre», während bei Navacerrada die Exemplare «presque toujours d'un
bronzé doré très brillant et entourré de vert» seien. Diese bronzeglänzende
Form hat auch Seidlitz (Berl. E. Z. 1867. p. 171.) in der Schlucht, die
von dem Passe von Navacerrada nach La Granja (S. Ildefonso) zu steil ab-
fällt, gesammelt, wie solche Exemplare vor Jahren auch Staudinger in
grosser Anzahl von dort mitgebracht, und hat Schaufuss (Sitzungsb. d. G.
Isis. 1862. p. 190. — Nunq. Otios. IL 1874. p. 319.) diese «nach Dejean's
Beschreibungen» für C.laius Dej. $. = brevis Dej. <5. = complanatus Dej.
(8 minor). = var. helluo Dej. erklärt und unter diesen Namen auch unse-
rem Museum mitgetheilt. Später trennt übrigens Schaufuss (Nunq. Otios.
III. p. 557.) diese «wieder nach Dejean» als verschiedene Arten unter den
Dejean'schen Namen, undscheint Schaufuss damals keine der von Dejean
beschriebenen Formen vor sich gehabt zu haben, wie denn umgekehrt De-
jean diese Ildefonso-Form überhaupt gar nicht gekannt. Diese ist sehr ver-
schieden von der als complanatus zu bezeichnenden Form, mit welcher sie
Ganglbauer ganz ohne Grund zusammengepflanzt, und kann sie als var.
complantus unterschieden werden. Abgesehen von der verschiedenen Fär-
bung unterscheidet sich diese Form dadurch, dass sie im Allgemeinen ge-
drungener ist, namentlich sind auch die Beine und Fühler weniger schlank
und der Kopf breiter und dicker. Das Halsschild ist kürzer und stärker
gewölbt, am Vorderrande in flacherem Bogen ausgerandet, mit stumpferen,
breiteren Vorderecken und stärker gerundeten Seiten. Die Flügeldecken
sind bei beiden Geschlechtern regelmässig gewölbt, wenn auch beim Männchen
weniger stark als beim Weibchen, an der Spitze stumpfer, und mit breiteren
Kettenstreifen versehen, übrigens in der Sculptur ausserordentlich variabel.
Das letzte Rückensegment des Männchens ist am Endrande feiner punktirt
und ist auch der Forceps ein wenig schlanker als bei dem einzigen mir vor-
liegenden Männchen der complanatus- Form von Escorial, und erscheinen
beide Formen überhaupt sehr verschieden von einander und auch von G latus,
wenigstens nach dem mir vorliegenden Material.
Manche der von Ganglbauer als Rassen des G. latus angesehenen For-
men, wenn es auch nur sehr wenige sind, kenne ich nicht, und ist es über-
haupt sehr schwierig, nach seinen Angaben die betreffenden Formen heraus-
zufinden, namentlich wenn die Sammlungsexemplare nicht mit genauer
Fundortsangabe versehen sind, wie es ja leider meistens der Fall ist. Es ist
dies um so schwieriger, als Ganglbauer überdies die einzelnen Formen,
abgesehen von den meistens unrichtigen Namen, unter welchen er sie aufführt,
auch nicht einmal richtig zusammengefasst und ausserdem so manche Unter-
schiede, welche zwischen den betreffenden Formen angegeben worden sind,
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 49. 3
22 AUGUST M0RAW1TZ, [T. XIII
weil ja diese Formen seiner Meinung nach doch alle zu Einer Art gehören, brevi
manu unerörtert gelassen. Gewissermaassen in Vorahnung, dass es einmal
geschehen könne, dass Jemand, ohne kritische Erläuterung der angegebenen
Merkmale und ohne den Nachweis zu liefern, dass letztere nicht von speci-
fischer Bedeutung seien, allgemein als verschieden angesehene Arten zu-
sammenziehen köDne, citirt Kraatz (Berl. E. Z. 1860. p. 55.) Illiger's
Worte: «Der für seine Lieblingswissenschaft so besorgte Creutzer fürchtet,
dass bei der Zusammenfassung aller oft so augenscheinlich abweichenden
Abarten manche Beobachtung verloren gehen werde, weil man eine Abart
nicht der Aufmerksamkeit werth zu halten pflege, welche man ihr wid-
men würde, wenn man sie als verschiedene Art ansähe. Sollte man diese
Gleichgiltigkeit gegen Abarten wohl von einem Andern, als von einem An-
fänger oder einem Dilettanten erwarten dürfen, u. s.w.». Durch möglichstes
Unbeachtetlassen der anderweitig gemachten Angaben glaubt Ganglbauer
sehr selbstständig dazustehen, was indessen bei einem praesumptiven, wenn
auch nur palaearctischen Monographen schwer verständlich ist, und keines-
wegs zu seiner eigenen Erkenntniss beiträgt und auch nicht zur Kenntniss
der Arten, über welche er Aufklärungen zu geben wünscht. Bei den Hadro-
car abus- Arten finden daher auch weder Deyrolle's, de la Brûlerie's,
Heyden's etc. Mittheilungen über das Vorkommen, und, wie bei G. helluo
erwähnt, auch nicht einmal Dejean's Angaben Berücksichtigung, ja, bei
dem durch seinen Fundort so interessanten G. trabuccarius wird nicht ein-
mal angeführt, dass Dieck (Deutsch. E. Z. 1870. p. 148. Anm. 1.) ein
angeblich dazu gehöriges Exemplar auf dem Montserrat gefunden und be-
sprochen, und ein noch besser mit G. trabuccarius übereinstimmendes aus
dem südlichen Aragon erwähnt. Und doch sind dies die ersten Mittheilungen
über das Vorkommen von Hadrocarabus-Formen in den genannten Gegenden,
die überdies in derselben entomologischen Zeitschrift gemacht worden sind,
in welcher auch Ganglbauer's Arbeit erschienen ist! Das Vorkommen des
G. trabuccarius an der Grenze von Spanien und Frankreich, bei dem Col de
Perthus, welches Fauvel bezweifelte, konnte schon damals als nicht so
unwahrscheinlich erscheinen, wie es Fauvel (Faun, gallo -rhénan. I. 1882.
p. 42. Anm.) hinstellt, wenn ihm nur, was bei einem Franzosen zu ent-
schuldigen ist, die von Dieck in deutscher Sprache gemachten Angaben
nicht entgangen wären.
Den G. trabuccarius, nur weil Ganglbauer «die Type von trabuccarius
nicht zugänglich» war, ohne Weiteres als Rasse zu G. latus zu ziehen, ist
jedenfalls auch sehr eigenthümlich, so wenig befriedigend die Beschreibung
und Abbildung, welche Fairmaire (Ann. S. E. Fr. 1857. p. 727. 3. t. 14.
I. f. 2.) von dieser Form nach einem Weibchen gegeben, auch sein mögen.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 50.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 23
Es darf doch jedenfalls nicht unbeachtet gelassen werden, dass es Fair-
maire nicht unbekannt geblieben sein konnte, dass die ähnlichen Dejean'-
schen Formen von Kraatz und Reiche als zu Einer Art gehörig ange-
sprochen waren, und wenn Fairmaire trotzdem eine Form als neue Art
aufgestellt, so muss doch dazu immerinn einiger Grund gewesen sein. Meiner
Ansicht nach ist G trabuccarius eine Form, wie sie sich auch in Aragonien
findet und gehören zu dieser Form, als Abänderung, die von Ganglbauer
als G latus var. aragonicus aufgeführten Exemplare. Diese Form ist bis auf
Weiteres nicht als Varietät von G latus anzusehen, wenn man nicht alle
Unterscheidungsmerkmale, welchen allgemein specifische Bedeutung beige-
legt wird, a priori als unwesentlich einer Beachtung nicht für werth erachtet,
wie es Ganglbauer thut. Hätte Ganglbauer die von Thomson für die
Artunterscheidung der oft überaus ähnlichen Garabus- Arten als höchst wich-
tig hingestellte Untersuchung des Forceps nicht vollständig ignorirt, so hätte
er, ausser andern Unterschieden, jedenfalls auch finden müssen, dass bei
seiner als var. aragonicus bezeichneten Form der Forceps viel breiter ist als
bei G latus. In ähnlicher Weise dem G latus gegenüber durch Breite aus-
gezeichnet ist der Forceps bei einer Form, welche Schaufuss bei Chiva in
der Nähe von Valencia gesammelt und vor wenigen Jahren als den wahren
Dejean'schen G helluo unserem Museum gesandt, welche Form ich für
identisch halte mit Ganglbauer' s G latus var. catalonicus, aber bis auf
Weiteres gleichfalls für selbstständige Art ansehe.
G castilianus, dessen «zuverlässige Deutung» nach Ganglbauer (1. c.
p. 381.) «vom nomenclatorischen Standpunkte von Wichtigkeit» wäre, «da
der Name castilianus vor latus Priorität hätte», kenne ich nicht. Dejean
(Spec. II. 1826. p. 87. 41. — Iconogr. I. 1829. t. 46. f. 3.) kannte nur
ein Männchen und hat Kraatz (Berl. E. Z. 1860. p. 60. 5.) dasselbe Exem-
plar untersuchen können, welches nach ihm «möglicherweise nichts als ein
flaches, männliches Stück des G. Hellwigi (G lusitanicus Dej. sec. Kraatz)
sein» könnte. Nach Gautier (Ann. S. E. Fr. 1865. p. XXXIV. 2.) wäre
aber G castilianus identisch mit G complanatus Dej., und gibt Gautier
hier folgende Synonymie: G. castilianus = latus = complanatus = orevis
= helluo, wobei er schliesslich aber den G latus, worunter auch G au tier
wahrscheinlich den G Gougeleti meint, doch möglicherweise als berechtigte
Art hinstellt, «comme le pense M. Reiche.» Gautier hat diese Angaben
aber offenbar nicht nach den Dejean'schen Typen gemacht und seine Be-
hauptung, dass G. castilianus nach einem Exemplar, «rapporté d'Espagne
par M. Chevrolat», dieselbe Form sei, wie G complanatus, weist darauf
hin, dass er das Männchen des G brevis, welches von Paris aus mehrfach
als G complanatus versandt worden ist, irrigerweise für G castilianus an-
Bulletin N. S. I (XXXHI) p. 51. 3*
24 AUGUST MORAWITZ, [T. XIII
gesehen. Ich halte die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen, dass G castili-
anus als Männchen zu derjenigen Form gehört, welche de la Ferté (Ann.
S. E. Fr. 1847. p. 450.) nach einem gleichfalls einzelnen und zwar weib-
lichen Exemplar als G Egesippii beschrieben. Denn nach de la Ferté ist
der G. Egesippii auch «thorace et elytrorum margine virescente», wie nach
Dejean der G. castilianus, und sind in den Beschreibungen von Dejean
und de la Ferté auch keine als wesentlich anzusehende Unterschiede vor-
handen, nur dass das de la Ferté'sche Exemplar, eben weil es ein weibli-
ches Exemplar war, einen dickeren Kopf hatte. Ganglbauer (1. c. p. 381.)
beachtet auch hier de la Ferté's Beschreibung absolut gar nicht, sondern
sagt, dass G. Egesippii «die Sculptur und Färbung des G cantabricus habe»,
citirt auch Kraatz, obgleich Kraatz (Berl. E. Z. 1860. p. 59. 3.) die von
ihm als G Egesippii angesehenen Exemplare für nicht verschieden von G
cantabricus erklärt, welche nur hinsichtlich der Sculptur der Flügeldecken,
auf welchen die Zwischenräume nicht gleichartig hoch, sondern alternirend
niedriger seien, von den gewöhnlichen Exemplaren des G cantabricus ab-
weichen. A. Deyrolle (Ann. S. E. Fr. 1852. p. 243. 9. t. VI. f. 2.) gab
eine Beschreibung der von ihm für G Egesippii angesehenen Form, welche
aber nach der Abbildung ein viel längeres Halsschild aufweist als es bei
G Egesippii sein kann, welches von delaFertéals «transversal» bezeich-
net wird, und transversal erscheint es auch in der Abbildung, welche De-
jean von seinem G castilianus gegeben. Jacquelin du Val (Gen. d. Gol.
d'Europ. I. 1857. t. 3. f. 12.) gibt dagegen eine Abbildung, die mit der
Deyrolle'schen übereinstimmt, und darnach ist dieser neue G Egesippii
durch die weit breitere Körpergestalt von G macrocephalus var. cantabricus
verschieden. Deyrolle hat vielleicht aber später Exemplare des G cantabri-
cus mit abwechselnd erhabeneren Zwischenräumen der Flügeldecken auch
für G. Egesippi angesehen und unter letzterem Namen versandt und solche
Exemplare mag auch Kraatz gesehen haben. Ganglbauer's G. Egesippii
ist ohne Zweifel identisch mit der von Deyrolle und Jacquelin du Val
abgebildeten Form, obgleich Ganglbauer die letztere Abbildung nicht
citirt, «keinenfalls ist er mit G macrocephalus zu verbinden, doch halteich
ihn für eine Form des G latus, die einzige die vorläufig nicht durch deut-
liche Zwischenglieder in denselben übergeführt werden kann». Aus der vor-
stehenden Darlegung werden aber noch viele andere, von Ganglbauer als
Varietäten des G latus in Anspruch genommene Formen nicht mit dieser
Art verbunden werden dürfen, und hätte auch hinsichtlich der von Gangl-
bauer als G latus var. Egesippii bezeichneten Form die Untersuchung des
Forceps es sicher stellen können, ob es wirklich eine von G. macrocephalus
specifisch verschiedene Form sei, da der Forceps des Männchens von G
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 52.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 25
macrocephalus den andern Hadrocar abus- Arten gegenüber sich dadurch aus-
zeichnet, dass er eine breite, unregelmässig verrundete Spitze hat. Paulino
(Mél. entomolog. 1876. p. 17.) führt G Egesippii als eine ihm unbekannte
Varietät des G macrocephalus auf, scheint aber später Exemplare des Dey-
rolle'schen G. Egesippii gesehen zu haben, da Paulino (Rev. da Soc. de
instr. do Porto II. 1882. p. 97. 15.) über das Vorkommen dieser Form die-
selben Angaben wiederholt, doch ohne den Zusatz, dass ihm diese Form
unbekannt sei.
Ich bin auf die Hadrocar abus- Äxten, nur aus dem Grunde näher einge-
gangen, weil ich an einer Art, dem Dejean'schen G. latus, hinsichtlich
dessen Deutung, da ja Ganglbauer derselben Ansicht ist, von deutscher
Seite kein Einwand erhoben werden dürfte, es zeigen wollte, wie sinnlos es
unter Umständen sein kann, Exemplare einer Sammlung, wenn letztere nicht
unangerührt geblieben, als unbedingt maassgebend anzusehen. Denn wenn
diejenigen Exemplare, nach welchen eine Beschreibung gemacht, nicht so-
gleich als «Typen» kenntlich bezeichnet worden, woran in früherer Zeit fast
Niemand auch nur gedacht, so konnte es vorkommen und ist leider auch
vorgekommen, dass den ursprünglichen Exemplaren später erhaltene, besser
conservirte hinzugefügt worden und bei etwaigem Tausch schliesslich allein
nachgeblieben. Man behält ja die besten Exemplare für sich und gibt die
älteren, oft weniger gut erhaltenen fort. Sind nun einander sehr ähnliche
und zur Zeit noch nicht unterschiedene Arten vorhanden, so liegt die Mög-
lichkeit vor, dass auch der erste Beschreiber einer Art, welcher von Manchen
in Bezug auf die von ihm «creirte» Art für unfehlbar angesehen wird, in
solcher Weise unabsichtlich eine Verwechselung verschuldet. Ja, oft genug
ist eine Art nach einem einzigen Exemplar beschrieben worden, aber «Ty-
pen» dieser Art befinden sich trotzdem in vielen Sammlungen! Dies können
aber allenfalls nur Exemplare sein, welche der erste Beschreiber der be-
treffenden Art als zu dieser Art gehörig determinirt hat, und es fragt sich
dabei nur, ob überhaupt und wie eingehend ein Vergleich mit den ursprüng-
lich beschriebenen Exemplaren oder den sog. Typen gemacht worden ist.
Sogenannte Typen beweisen meiner Ansicht nach gar nichts, wenn sie zu
den Beschreibungen etc. nicht passen, höchstens allenfalls, dass der erste
Beschreiber einer Art sich genau eben so irren konnte wie jeder Andere, ja,
noch sehr viel leichter in früherer Zeit, wo viele Merkmale, aufweiche erst
nachträglich die Aufmerksamkeit gelenkt worden, unbeachtet geblieben
waren. Ichtheile solche, allgemein gehaltene Betrachtungen mit, weil Gangl-
bauer (Soc. ent. II. 1887. p. 1.) ohne Erörterung der Angaben, welche Pio-
chard de la Brûlerie (Ann. S. E. Fr. 1875. p. 118.) über seinen Gara-
bus Saulcyi macht, es für hinreichend hält, einfach zu sagen, «C. Saulcyi
Bulletin N. S. I (XXXni) p. 53.
26 AUGUST MORAWITZ, [T. XIII
Pioch. ist nach einem typischen Exemplare der Sammlung von Dr. L. von
Heyden eine kleine Form von Procrustes Duponcheli Barth». Der G.Saulcyi
ist aber nach de la Brûlerie 22 — 28 mm. lang, der Pr. Duponcheli nach
G au tier aber 26 — 30 mm., und gibt es also von beiden Formen Exem-
plare, welche hinsichtlich der Grösse von einander nicht verschieden sind.
Den G. Saulcyi als «eine kleine Form von Pr. Duponcheli» zu bezeichnen,
ist doch jedenfalls nicht richtig, wenn von ersterer Form vielleicht auch
wirklich Exemplare vorkommen, die kleiner sind als alle bisher beobachteten
von Pr. Duponcheli. Der letztere hat aber nach Barthélémy (Ann. S. E. Fr.
1837. t. 8. f. 13.) eine deutlich dreilappige Oberlippe, nach Solier (Stud,
entom. I. 1848. p. 50.) den mittleren Lappen der Oberlippe «très prononcé
dans la femelle et à peine marqué dans le mâle» und einen Kinnzahn, wel-
cher so breit ist, dass er «cache à peu près en entier la languette» (1. c. p.
61.), und auch nach Schaum (Ins. D. I. l. 1856. p. 176. 2.) einen breiten
Kinnzahn und eine dreilappige Oberlippe; nach Gau tier (Rev. et Mag. Zool.
1866. p. 280. l.) endlich hatten alle von ihm gesehenen Procrustes «une
forte dent très large» und eine dreilappige Oberlippe (cf. 1. c. p. 292 et p.
372.). Piochard de la Brûlerie (1. c. p. 120.) hebt nun in der Charak-
teristik der auch von ihm als Procrustes beibehaltenen Caraben-Gruppe als
wesentlichste Gruppenmerkmale hervor: «Labre trilobé, dent du menton
tronquée ou légèrement échancrée à son extrémité»; die von de la Brûlerie
nicht zur Procrustes-Grwpipe gezogenen, als Garàbus Saulcyi beschriebenen
Exemplare müssen doch wohl eine ausgerandete Oberlippe und einen schma-
len, weder ausgerandeten, noch auch abgestutzten Kinnzahn gehabt haben,
weshalb auch delà Brûlerie den G. Saulcyi nicht in die Procrwsfes-Gruppe
stellt. Wie das von Ganglbauer erwähnte, angeblich typische Exemplar
der Heyden'schen Sammlung in dieser Hinsicht beschaffen, darüber gibt
aber Ganglbauer absolut nichts an. Hat aber dieses sog. typische Exem-
plar eine dreilappige Oberlippe und einen breiten, ausgerandeten oder ab-
gestutzten Kinnzahn, so ist dieses Exemplar doch wohl «nicht als Type zu
betrachten». Die Flügeldecken sind bei der gewöhnlichen Form der in den
Sammlungen als Pr. Duponcheli verbreiteten Art überdies mit ziemlich gro-
ben Punktreihen oder Punktstreifen versehen, bei G. Saulcyi dagegen, nach
de la Brûlerie «punctis minutis bene tarnen perspicuis», und müssten
typische Exemplare des letzteren auch in dieser Hinsicht von den gewöhn-
lichen des Pr. Duponcheli abweichen. Diese gröbere, resp. feinere Punkti-
rung der Flügeldecken dürfte natürlich nicht als ausreichend erachtet wer-
den, um beide Formen von einander zu trennen, und kommen vielleicht auch
vonPr. Duponcheli Exemplare mit feinerer Punktirung vor. Wenigstens theilt
Gautier (Rev. et Mag. Zool. 1866. p. 364.) eine darauf bezügliche Be-
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 5i.
T. Xm] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 27
merkimg von Vuillefroy mit, doch hat Gautier solche Exemplare mit fei-
nerer Punktirung nicht selbst gesehen und könnte daher die Vuillefroy'-
sche Notiz sich auf G. Saulcyi bezichen. Gerade der Umstand aber, dass de
la Brûlerie seinen C. Saulcyi nicht zur Procrwstes-Gruppe zieht, welche
letztere, wie erwähnt, von ihm vorherrschend wegen der abweichenden Bil-
dung der Oberlippe und des Kinnzahns beibehalten wird, hat mich veran-
lasst, den G. Saulcyi nicht ohne Weiteres mit Pr. Duponcheli zu verbinden,
so sehr er mit dem letzteren auch übereinstimmt. Denn de la Brûlerie
hatte jedenfalls nicht ganz wenige Exemplare von G. Saulcyi, da er über das
Vorkommen desselben angibt: «Liban, régions boisées, Khamès! Ehden!
sous les feuilles mortes, les mousses et dans les souches pourries plus sou-
vent que sous les pierres». Und eben weil de la Brûlerie viele, sowohl
männliche als auch weibliche Exemplare gehabt haben muss, welche in der
Bildung der Oberlippe und des Kinnzahns übereinstimmend von den gewöhn-
lichen Stücken des Pr. Duponcheli abweichend waren, so scheint es immer
noch gerathen, beide Formen so lange getrennt aufzuführen, bis der Beweis
erbracht worden, dass auch der Kinnzahn bei diesen Formen variabel ist und
auch «nicht einmal specifische Bedeutung hat», wie auch alle anderen Unter-
scheidungsmerkmale zwischen diesen beiden Formen. Géhin (Catal. d.
Carab. 1885. t. II. 5.) bildet zwar angeblich von einer einzigen Art, welche
er Carabus Ehrenbergi nennt, sowohl die Oberlippe als auch den Kinnzahn als
variabel ab; die von Géhin (I.e. p.XII. 5.) gegebene Charakteristik der be-
treffenden Untergattung passt aber nicht zu den gegebenen Figuren und
überhaupt zu keiner einzigen der als zu dieser Untergattung gehörig aufge-
führten Arten, und hat Géhin offenbar die beiden einander ähnlichen Ghae-
tomelas- und Pseudoprocrustes- Arten als zu Einer Art gehörig angesehen.
Von den Abbildungen der Oberlippe und des Kinnzahns gehört die erste
(von links nach rechts) zu G. praestigiator, die zweite wahrscheinlich zu C.
Saulcyi, die übrigen drei aber zu Pr. Duponcheli. Oder sind die dem Cata-
logue desCarabides beigegebenen Tafeln von Haury ganz selbstständig ent-
worfen, ohne von Géhin auch nur controlirt worden zn sein? Géhin (1. c.
p. IV.) theilt darüber nur mit, dass «Mr. Ch. Haury, de Prague, m'a offert
le concours de son habile crayon, pour ajouter quelques planches», und das
klingt doch so, als ob Géhin die abzuzeichnenden Objecte ausgesucht und die
Beifügung der Tafeln überhaupt sein Verdienst sei.
Dass übrigens die drei- resp. zweilappige Bildung der Oberlippe «nicht
einmal von speeifischer Bedeutung» ist, indem bei einzelnen genuinen Pro-
crustes-Arten die Oberlippe bisweilen auch einfach ausgerandet sein kann,
dies ist schon sehr lange, seit vierzig Jahren nämlich, bekannt, indessen,
vielleicht nicht ohne Vorsatz, unbeachtet geblieben. In der akademischen
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 55.
28 AUGUST MOE AW I TZ, [ï. XIII
Sammlung sind jetzt zwei Weibchen des G. (Procrustes) Foudrasi, desgleichen
ein aus Frankreich stammendes "Weibchen des G (Procrustes) coriaceus vor-
handen mit einer wie bei den typischen Caraben ausgerandeten Ober-
lippe und führt auch Solier (Stud. ent. I. 1848. p. 50.) gerade diese bei-
den Arten als solche an, welche hinsichtlich der Oberlippe variiren. Auch
der von Chaudoir (Stett. E. Z. 1857. p. 82.) beschriebene Procrustes ob-
tritus, bei welchem die «Oberlippe wie bei Garabus ausgerandet» ist, gehört
zu G (Procrustes) Foudrasi, wie schon Schaum (Berl. E. Z. 1864. p. 142. l.)
nach den Chaudoir'schen Originalexemplaren ganz kurz mittheilt; Schaum
hätte nur hierbei die Richtigkeit von Chaudoir's Angabe über die ab-
weichende Bildung der Oberlippe jedenfalls besonders hervorheben sollen,
da ja Schaum (Ins. Deutschi. I. l. 1856. p. 174.) die dreilappige Ober-
lippe als wesentlichstes Merkmal für die Aufrechterhaltung von Procrustes
als Gattung festgehalten, trotz der schon früher gemachten gegentheiligen
Beobachtungen eines so ausgezeichneten Entomologen, wie es Solier war.
Ich gebe, nach unserem leider immer noch sehr geringen Material, mit
Berücksichtigung der anderweitig gemachten Angaben, zunächst eine Cha-
rakteristik der als Procrustes Duponcheli bekannten Art oder des
Gardbus (Pseudoprocrustes) Durvillei: Elongatus, niger, nitidus, parum
convexus, pronoto transversim levissime ruguloso, lateribus postice latius
reflexo, ad basim parum angustato, angulis sat latis, rotundatis, margine
postico medio subrotundato sinuque utrinque distincte, linea media profun-
dus expressa. Coleopteris depressiusculis elongato-ellipticis, grosse striato-
punctatis aut punctato-striatis, limitibus costalibus postice interdum fove-
olis antice tuberculo minuto instructis subinterruptis. Pectus et abdomen
lateribus punctulatis rugulosis. Femoribus posticis subtus sulcatis, tibiis
posticis dorso planiusculis, rugulosis, opacis. Mentum dente latiusculo, apice
emarginato, labrum bisinuatum.
Procrustes Duponcheli Barthélémy Ann. S. E. Fr. 1837. p. 245. t. 8. f. 13.
Procrustes Durvillei Barthélémy Ann. S. E. Fr. 1838. p. V.
Procrustes Durvillei Dupont sec. Geh. Cat. d. Carab. 1885. p. 4.
Procrustes punctatus Gautier Rev. et Mag. Zool. 1866. p. 363. l.
var? sec. Gautier: elytris tenuiter minus regulariter striato-punctatis,
interstitiis tribus (vel limitibus costalibus) elevatioribus.
Procrustes punctatus var. Gautier 1. c. p. 364.
Dagegen dürfte lauten die Charakteristik des
G. (Pseudoprocrustes) Saulcyi: Elongatus, niger, minus nitidus, con-
vexiusculus, pronoto, postice parum angustato angulis rotundatis margine
postico utrinque sinu distincto, linea media vix ulla. Coleopteris maris elon-
gatis, feminae breviter-ellipticis, tenuiter striato-punctatis, limitibus 3 — 5
(costalibus et intercostalibus) saepe angustioribus et elevatioribus, foveolis tri-
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 56.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 29
plice série vel nullis. Tibiis posticis sulco dorsali distincte, tenui. Mentum
dente angusto, labro plerumque eniarginato, rarius bisinuato.
Carabus Ehreribergi Klug Symb. phys. Ins. III. 1832. t. 23. f. 7. <f .
Car abus Saulcyi de la Brûl. Ann. S. E. Fr. 1875. p. 118.
Carabus Ehrenbergi var. juâaicus Géh. Cat. d. Carab. 1885. p. 5.
var.? elytris grosse striato-punctatis, margine violaceo
Procrustes incertus Haury Le Natural. VIL 1885. p. 30. 5 . — Wien. E. Z. 1885.
p. 109. $ . — Géh.. Cat. d. Carab. 1885. t. IL f. 3. ç .
«Morawitzi» Ganglb. Soc. ent. IL JV° 1. sine indicatione generis et subgeneris!
In einer Anmerkung, welche ich meiner Arbeit zur Kenntniss der ade-
phageu Coleopteren (Mém. d. 1' Ac. Imp. d. sc. d. St. Pétersb. XXXIV. 1886.
Nr. 9.) glaubte beifügen zu müssen, um Diejenigen, denen ein grösseres
Material zu Gebote steht und denen die Unterdrückung von Procrustes als
Gattung möglicherweise nicht ganz plausibel scheinen könnte, zu veran-
lassen, einige «einander ähnliche und daher oft mit einander verwechselte»
syrische Carabus- Arten, näher zu untersuchen, habe ich es versucht, nach
den bisherigen Beschreibungen eine Zusammenstellung dieser Arten zu
geben, und habe ich es hervorgehoben, dass diese meistentheils als Carabus
angesehenen, aber «mit der Procrustes- Gruppe übereinstimmenden Arten»
nur mit Unrecht als genuine Carabus- Arten angesehen worden sind. Bei
dieser Zusammenstellung habe ich für die in den Sammlungen theils als Pro-
crustes punctatus, theils als Pr. Duponcheli aufgeführte Art, den Namen
Pr. Durvülei gewählt, weil ich annehmen zu müssen glaubte, dass Géhin
(Cat. d. Carab. 1885. p. 4. io.). im Archiv der französischen entomologischen
Gesellschaft, vielleicht aber auch in Dupont's Sammlung über Pr. Durvülei
die Auskunft gefunden, dass dieser Pr. Durvülei mit dem ein Jahr vorher
publicirten Pr. Duponcheli identisch sei und dass aus diesem Grunde die von
Barthélémy eingereichte Beschreibung und nach Dupont ungenügende
Abbildung, welche die französische entomologische Gesellschaft zur Ver-
öffentlichung angenommen, schliesslich für überflüssig erachtet worden.
Welchen Sinn hat es denn sonst, wenn Géhin einen sonst völlig unbeachtet
gebliebenen und gar nicht festzustellenden Namen als Synonym einer, unter
anderer Bezeichnung schon früher bekannt gemachten, Art aufführt? Aller-
dings kann man dagegen einwenden, dass es trotzdem unsicher sei, dass die-
ser Pr. Durvülei auch mit Pr. Duponcheli identisch sein könne, da es ja
durchaus zweifelhaft bleiben muss, was Géhin als Pr. Duponcheli angese-
hen, da er diesen letzteren zu denjenigen Procrustes-Arten rechnet, deren
erstes Fühlerglied ohne Borste sei. Aber Géhin's überraschende Leistungen
in solcher Hinsicht sind durch die, nach Bertkau (Ent. Jahresb. für 1886.
p. 313.) liebevollen Besprechungen, welche Kraatz zu wiederholten Malen
gegeben, zu allgemein bekannt, um noch Worte darüber zu verlieren. Géhin's
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 57.
30 AUGUST MORAWITZ, [T. XUI
eminentes Talent, die Arten dahin zu stellen, wohin sie nicht gehören, ist ja
von keiner Seite angezweifelt worden, ausser von Heyden (Cat. Col. Eur. et
Cauc. ed. III. 1883.), der sogar einen von Géhin als Etiquetten gedruckten
Catalogue über Thomson's bahnbrechende Arbeit stellt. Was dagegen den
G. (Pseudoprocrustes) Saulcyi anbetrifft, so hatte ich früher, beim Ordnen
der Citate nach der Jahreszahl, den ältesten Klug'schen Namen vorange-
stellt, welcher indessen nicht gebraucht werden kann, da ja Fischer (Bull,
d. Mose. 1829. p. 368. t. 6. f. 5.) schon einen Carabus Ehrenbergi beschrie-
ben hatte und Klug's drei Jahre später bekannt gemachter syrischer Cara-
bus Ehrenbergi selbstverständlich diesen von Klug gegebenen Namen nicht
behalten kann, und war dieser Name zur Zeit jedenfalls unberechtigt. Und
der Name Ehrenbergi ist auch jetzt noch unberechtigt für eine andere Ga-
rabus-Art als diejenige, welcher Fischer diesen Namen beigelegt, da
Fischer's G. Ehrenbergi ganz willkürlich als identisch mit Fischer's (En-
tomogr. Ross. III. 1828. p. 303. 46 6 .) C. incompletus erklärt worden ist,
indem weder Abbildung, noch auch Beschreibung auf letzteren bezogen wer-
den können, und dürfte Fischer's G Ehrenbergi nach diesen schon eher
mit C. maeander verbunden werden als mit G. incompletus Fisch. (= G.
palustris Dej. Icon. I. 1829. p. 358. 66. t. 50. f. 3.). Der G. Saulcyi (Eh-
renbergi Klug) stimmt, wie es auch de la Brûlerie hervorhebt, mit G.
Hemprichi sehr überein, im Habitus und hinsichtlich der Wölbung nament-
lich mit den schlanksten und kleinsten Exemplaren, in allem Anderen aber
so sehr mit G. (Pseudoprocrustes) Durvillei (Duponcheli), dass er sehr wohl
eine Varietät desselben sein kann, und zwar um so eher, als auch der For-
ceps des Männchens ganz übereinstimmenber doch nur so viel bedeutet, dass unter dem von Chevro-
lat gegebenen Sammlungsnamen, was jetzt mit «in litt.» bezeichnet wird,
irgend ein Procrustes in den Sammlungen verbreitet war. Ich halte es so-
gar für ein Unrecht, einen in solcher Weise mehr oder weniger bekannten
Namen nicht zu verwenden, da Vielen das Erkennen der beschriebenen Art
dadurch doch wohl erleichtert wird. Aber die Behauptung, dass der Zusatz
«Chevrolat, collect.» es beweise, dass Laporte seine Beschreibung nach
dem Chevrolat'schen Exemplar gemacht, dürfte denn doch vorläufig abso-
lut durch nichts begründet sein, und wäre jedenfalls auch völlig unmotivirt.
Denn, wie Laporte von seinem Käfer angibt, «noir, un peu luisant. Corselet
finement chagriné et ponctué en arrière; élytres ovalaires, allongées,
peu convexes, couvertes de points assez serrés et disposés de manière à for-
mer de petites lignes longitudinales; ces points se confondent en arri-
ère, et font paraître cette partie de l'élytre chagrinée; côtés de l'abdomen
ponctués. 13 lin.» sind Angaben, welche nicht gut nach einem Exemplar des
C. (Pseudoprocrustes) Burvillei {Duponcheli) gemacht werden konnten. Der
letztere ist ja lang gestreckt, keineswegs «peu luisant», die Punkte der
Flügeldecken bilden auch nicht «de petites lignes», sondern es sind regel-
mässige, vertiefte, ziemlich grob punktirte Streifen vorhanden, welche sich
auch gar nicht zur Spitze hin verwirren, sondern es tritt hier zwischen den
Punktstreifen eine durchaus regelmässige Granulation auf; das Halsschild ist
auch keineswegs als «finement chagriné», sondern die bei Caraben häufig
auftretende Querrunzelung ist eher als grob zu bezeichnen ; endlich sind auch
die ganzen Seiten des Rumpfes punktirt, auch die Seiten der Brust und in
deutlichster Weise auch die Episternen des Prothorax, während Laporte
nur von einer Punktirung der Seiten des Hinterleibs Erwähnung macht.
Der von Laporte erwähnte geringe Glanz des Käfers und die angegebene
Flügeldeckensculptur passen am besten auf die von de la Brûlerie (1. c.
p. 117.) beschriebene Form vom Dshebel-esch- Scheich, welche unter Ande-
rem sich auszeichnet «par la ponctuation de leurs élytres plus atténuée, au
point qu'il faut regarder de près pour la distinguer. Il en résulte que les
séries de points indiquent à peine les stries dont elles occupent l'emplace-
ment et que les intervalles ne font nullement saillie». Jedenfalls passt doch
wohl die von Laporte gegebene Beschreibung des Procrustes punctatus auf
keine andere der bekannt gemachten, aus Syrien stammenden Formen besser
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 62.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 35
als auf die von de la Brûlerie vom Dshebel-esch- Scheich erwähnte, und gibt
auch Ganglbauer (Soc. ent. II. 1887. p. 2.) von letzterer es zu, dass «deren
Zugehörigkeit zu G. praestigiator (Ehrenbergi Gangib.) nicht erwiesen» ist.
Wenn ich endlich nach Thomson's (Opusc. ent. VII. 1875. p. 635.) An-
gaben eine von ihm als Procrustes (Ghaetomelas) Ehrenbergi bezeichnete
Form herangezogen, welche nicht mit G. praestigiator identisch sein kann,
schon wegen der für seine Ghaetomelas- Gruppe angegebenen Merkmale, so
geschah auch dieses wegen der Angaben, welche Thomson über die Sculp-
tur der Flügeldecken macht. Diese werden zwar als «strimmigt puncterade»
bezeichnet, von den von Thomson erwähnten Pseudoprocrustes- und Pro-
crusticus- Arten, welche Thomson in Einer Untergattung als Tribax zusam-
menfasse nämlich G. Hemprichi, G.prasinus (=. Calleyi Thoms.) und G. Bon-
plandi führt aber Thomson (1. c. p. 671.) an «genom elytras sculptur kom-
mer det närmast Ghaetomelas bland Procrustes». Thomson muss demnach
unter dem Namen Ehrenbergi eine hinsichtlich der Flügeldecken den genann-
ten drei Garaben ähnlich sculpirte Art gehabt haben. Dass Thomson etwa
ein auf dem Kücken mit Punktreihen versehenes Exemplar des G. (Pro-
crustes) Mulsanüanus (asperatus Muls.) gehabt haben sollte, mit ausnahms-
weise vorhandenen «vanliga ventral-puncterna», ist übrigens eine Möglichkeit,
die nicht ganz ausgeschlossen bleibt. Der Kinnzahn muss aber bei allen von
Thomson untersuchten Procrustes jedenfalls breit gewesen sein, da Thom-
son von dem Kinnzahn sonst nicht gesagt hätte «lobis fere majore».
Nach de la Brûlerie (Ann. S. E. Fr. 1875. p. 114.) wären Procrustes
punctatus und Pr. Duponcheli mit einander identisch, aber eine Varietät des
Carabus Hemprichi (!), einzig und allein aus dem Grunde, weil unter den
Exemplaren des letzteren auch Individuen vorkommen, bei welchen die Flü-
geldecken auf der Scheibe gereiht punktirt sind : «Son labre est bien celui
d'un Carabe et non celui d'un Procruste». Aber eben so unbegründet ist
auch de la Brûlerie's (I.e. p. 120.) Behauptung, dass Pr. asperatus Muls.
identisch sei mit Pr. impressus und hat de la Brûlerie offenbar die gruben-
lose Varietät des Pr. impressus für Pr. asperatus gehalten, unter welchem
Namen unser Museum bei Antiochia in Syrien gesammelte Exemplare der
grubenlosen Varietät des Pr. impressus auch von Leder er erhalten. Pr.
Mulsanüanus (asperatus Muls.) ist indessen sehr verschieden von Pr. im-
pressus und ist überdies auf dem letzten ventralen Abdominalsegment mit
Borstenpunkten versehen, kann also nach de la Brûlerie's (1. c. p. 121.)
eigenen Angaben nicht zu Pr. impressus gehören. In der Beschreibung, welche
Reiche (Ann. S. E. Fr. 1855. p. 566. 4.) von Pr. impressus gibt, ist diese
Variabilität hinsichtlich der Gruben der Flügeldecken ausdrücklich her-
vorgehoben: «on voit de place en place de très gros points enfoncés, quel-
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 63.
36 AUGUST MORAWITZ, [t. XIII
quefois peu marqués, quelquefois nuls». Wenn de la Brûlerie (I.e. p. 121.)
der Meinung war, dass seine Exemplare in dieser Hinsicht noch abweichen-
der waren, so war dies einfach ein Irrthum, denn bei seinen als Pr. impres-
sus besprochenen Exemplaren waren von den Gruben immer noch «des ves-
tiges», wenn auch «à peine appréciables» vorhanden, wie de la Brûlerie es
selbst angibt.
Zu vielen Behauptungen, welche de la Brûlerie macht, kann man aber
leider nur wenig Vertrauen haben, zumal da er selbst die betreffenden For-
men, trotz unzweifelhaft sehr gewissenhafter Untersuchung, doch nicht rich-
tig unterschieden zu haben scheint. Denn die von de la Brûlerie (1. c. p.
123.) erwähnten, von ihm als Zwitter bezeichneten Exemplare zwischen
Procrustes impressus und Garabus Hemprichi können, nach de la Brûlerie's
eigenen Angaben, ganz leicht den betreffenden Arten zugewiesen werden:
das Männchen von Katana und das "Weibchen von Zebdani sind G (Procrus-
tes) impressus mit zweilappiger Oberlippe, die erwähnten Exemplare von
Nazareth dagegen G. (Pseudoprocrustes) Hemprichi mit dreilappiger Ober-
lippe, und de la Brûlerie ist offenbar nur aus dem Grunde, weil er die
dreilappige Oberlippe als wesentlichstes Kennzeichen der Procrustes gehal-
ten, zu solchen Angaben veranlasst worden. Dass solche Variationen hin-
sichtlich der Bildung der Oberlippe bei den genannten Arten vorkommen
können, dies erscheint mir nicht unwahrscheinlich, beschreibt doch de la
Brûlerie (1. c. p. 113.) das Labrum des G. Hemprichi als «bilobé, mais peu
profondément échancré, droit en son milieu ou même légèrement arqué en
avant», und bei dem mit G. Hemprichi nahe verwandten G. Saulcyi ist die
Oberlippe gewöhnlich auch zweilappig, das einzige mir vorliegende Männ-
chen hat indessen eine deutlich dreilappige Oberlippe! Ja, eine dreilappige
Oberlippe kommt auch bei genuinen Caraben hin und wieder vor; in deut-
lichster Weise dreilappig ist sie bei einem schwärzlichen Männchen des G.
(Megodontus) violaceus aus dem nördlichen Ungarn, welches Merkl unserem
Museum gesandt, und desgleichen sah ich auch ein in Nowo-Rossisk gefan-
genes Exemplar des G. (Megodontus) exaratus, dessen Oberlippe deutlich
dreilappig war. Ich zweifle auch gar nicht daran, dass die von Ganglbauer
(Soc. ent. IL 1887. p. 1.) ohne Frage fälschlich als Procrustes incertus
Ha ury bezeichnete Form, «welche durch den Habitus, die Sculptur und
Färbung lebhaft an G. (Megodontus) purpurascens F. var. aspérulus Kr. er-
innert», eine solche Megodontus-Form ist, deren Oberlippe abweichender-
weise dreilappig ist, was eben auch einzig und allein Ganglbauer veran-
lasst hat, diese als Procrustes anzusehen. Dass sie nicht zu Haury ? s Pr. in-
certus gehören kann, geht aus den Abbildungen, welche Haury (Geh. Cat.
d. Carab. t. II. 3 et t. III. 3 a .) gegeben, deutlich genug hervor. Nach diesen
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 64.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 37
Abbildungen sind bei Haury's Pr. incertus die Flügeldecken mit ziemlich
dicht und regelmässig gereihten groben Punkten und mit drei Reihen ziem-
lich grosser Grübchen versehen, bei C. violaceus var. asperulus Kr. (Claus-
thal) dagegen mit kleinen durchaus unregelmässig zerstreuten Körnchen
bedeckt und überdies von drei stärkeren, geglättenen erhabenen Striemen
durchzogen und, in der Nähe der Naht, mit noch einer ähnlichen, indessen
weit feineren, vierten Strieme versehen, und müssen daher die von Gangl-
bauer für Pr. incertus angesehenen Exemplare mit den von Haury beschrie-
benen in der Sculptur der Flügeldecken auch nicht die geringste Spur von
Aehnlichkeit haben. Ganglbauer, dem Haury mitgetheilt haben mag,
dass er Exemplare seines Pr. incertus im Wiener Museum gesehen, hat nach
den Haury'schen, in der Diagnose und Beschreibung sich widersprechen-
den, unklaren Angaben über die Sculptur der Flügeldecken offenbar die
wirklichen Pr. incertus, wie ich es schon erwähnt, als neue Art angesehen,
und als «Morawitzi» aufgeführt. Die dreilappige Oberlippe bei Procrustes
und die zweilappige bei Garabus sind Merkmale, welche der Mehrzahl der
dazu gehörigen Formen zwar unzweifelhaft zukommen, aber keineswegs in
der Weise, dass die Oberlippe bei Procrustes stets dreilappig, bei Uebersicht der einzelnen Gruppen dieser Abtheilung dürfte
die natürliche Verwandtschaft der hierhergehörigen Caraben zum Ausdruck
bringen:
I. Mentum planiusculum, sinu lato, semicirculari.
Antennae articulo secundo quarto breviore.
Gula plerumque puncto setigero utrinque.
Mas tarsis anticis articulis quatuor subtus spongiosis.
Caput validum vel validiusculum, fronte transversa, collo lato vel latiusculo,
oculis plus minusve subtransversis, postice minus rotundatis.
Clypeus apice emarginatus.
Labrum lateribus fere parallelis.
Mandibulae ad basim externe profundius emarginatae.
Metathorax episternis transversis.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 68.
T. XHl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 41
1. Pachystns Motsch. Bull. Mose. 1865. II. p. 294. (pro parte). — Melancarabus Thorns.
Opusc. ent. VII. 1875. p. 674. — Mandibulae mala interiore recta dentibus aequalibus vel
basali longiore. Mentum dente acute triangulari, marginato. Labrum apice emarginatum.
Abdomen strigis ventralibus profundis, ad latera evanescentibus, vel tenuibus vix indicatis,
vel omnino nullis, segmentis 3 — 5° saepius utrinque setigeris.
II. Mentum medio ad dentem tuberculato-elevatum, sinu angusto.
Antennae articulo secundo quarto aequali vel paulo longiore.
Gula seta nulla utrinque.
Mas tarsis anticis articulis tribus primis subtus spongiosis.
A. Caput validum, fronte valde transversa, collo lato, oculis plus minusve sub-
transversis, margine postico minus rotundatis.
Clypeus apice emarginatus.
Labrum lateribus fere parallelis vel antrorsum vix latius.
Mandibulae ad basim externe profundius emarginatae.
Metathorax episternis transversis.
2. Procwsticus White. Ann. Nat. Hist. XV. 1845. p. 111. — Lamprostus Motsch. Bull.
Mose. 1865. II. p. 297. (ex parte, [exclus. G. Hemprichi, 0. Ehreribergi et C. Brandti). —
Carabus B. (groupe des Lamprostus) de la Brûlerie Ann. S. E. Fr. 1875. p. 113. (ex parte,
exclus. C. Hemprichi, C.Saulcyiet C. Ehreribergi B r ûl. = praestigiator). — Tn&ascThoms.
Opusc. ent. VIL 1875. p. 670. (ex parte, exclus. C. Hemprichi). — Mandibulae mala interiore
recta, bidentata, rarius obsoleta. Mentum dente valido, late triangulari apice rotundato vel
subtruncato, aut angustiore, apice obtuso et toto profunde sulcato. Labrum apice emargi-
natum aut subtruncatum, interdum trilobatum. lobo medio brevissimo aut lobis lateralibus
aequali. Abdomen strigis ventralibus bene expressis, ad latera evanescentibus aut nullis et
solum interdum indicatis, segmentis 5° vel etiam 4 e et 3° interdum puncto setigero utrinque
instructis, plerumque nullo.
B. Caput minus validum, fronte et collo minus latis, post oculos subrotundos
distinctius constrictum.
Clypeus apice subtruncatus.
Labrum antrorsum distinctius dilatatum.
Mandibulae externe ad basim obtusius emarginatae.
Metathorax episternis fere quadratis.
3. Proernstes Bonelli Mém. de l'Ac. d. se. de Turin. 1811. p. 39. — Carabus C. (sous-genre
Procrustes) de la Brûl. Ann. S. E. Fr. 1875. p. 120. — Mandibulae mala interiore inaequali,
sinistra recta bidentata, dextra obliqua dente apicali magis producto, basali saepe obsoleto
vel nullo. Mentum dente lateribus fere parallelo, apice lato, truncato vel emarginato.
Labrum apice plerumque trilobatum, rarius emarginatum. Abdomen strigis ventralibus
bene expressis ad latera evanescentibus vel usque ad latera productis aut omnino nullis ;
segmentis 3 — 5 punctis setigeris nullis. Antennae articulo primo puncto setigero nullo
(Procrustes s. str. Thomson Opusc. ent. VIL 1875. p. 634.) aut, ut apud omnibus aliis,
puncto setigero Jinstructo vel rarissime etiam nullo (Procrustes 2 me section de la Brûl.
1. c. — Macrogenus Motsch. Bull. Mose. 1846. IL p. 398. — Chaetomelas Thoms. Opusc.
ent. VII. 1875. p. 635. (ex parte vel tota parte?). — Sphodristus F au vel Rev. d'Entom.
m. 1884. p. 294).
4. Psendoprocrnstes Mor. Adeph. I. 1886. p. 8. — Lamprostus Motsch. et de la Brûl. ex
parte. — Tribax Thomson ex parte. — Mandibulae mala interiore recta, dentibus fere
aequalibus vel basali longiore vel omnibus obsoletis, tum mala interne directa. Mentum
dente latiusculo apice emarginato vel angusto longitudinaliter sulcato aut antice angustato,
apice subrotundato; lobis lateralibus planis externe rotundatis et marginatis. Labrum
emarginatum, interdum trilobatum. Abdomen strigis ventralibus profundis, usque ad latera
Bulletin N. S. I (XXXm) p. 69.
42 AUGUST MORAWITZ, [t. XIII
productis et in sulcum lateralem exeuntibus; segmentis 3 — 5 punctis setigeris nullis, raris-
sime 5° vel etiam 4° puncto setigero.
5. Ciiaetomclas Thorns. Opusc. ent. VII. 1875. p. 634. (ex parte). — Lamprostus de la Brûl.
(ex parte). Mandibulae elongatae mala interiore inaequali, sinistra recta bidentata, dextra
obliqua dente apicali magis producto, basali minimo, obsolete velnullo. Mentum dente (sec.
Thomson) lato aut angusto, longitudinaliter sulcato, apice rotundato. Caput angustius,
fronte fere quadrata, labro bilobo. Abdomen strigis ventralibus bene expressis, ad latera
evanescentibus, segmentis 3 — 5 punctis setigeris utrinque unico vel duobus.
Die Carabi procrustogenici und die Carabi tribacogenici sind vielleicht
nächst verwandte Gruppenconiplexe, und könnte die eine von de la Brûle-
rie als flache Varietät des G (Chaetomelas) praestigiator ÇEhrenbergi Brûl.)
aufgefasste Form vom Dshebel-Sannin und auch von Géhin als Varietät
dieses de la Brûlerie'schen C. Ehrenbergi angesehene und als var. Piochardi
bezeichnete Form ein wirkliches Bindeglied sein. Nach Ganglbauer (Soc.
ent. II. 1887. p. 2.) erinnert diese mir nicht bekannte Form, welche nach
ihm «eine selbstständige Art bilden dürfte, habituell an Tribax (Fleetes) pon-
ticus», aber leider theilt Ganglbauer sonst gar nichts über diese allgemein
unbekannte Form mit, nicht einmal zu welcher Gruppe sie gehört, nament-
lich auch nicht, ob es eine Art ist, welche dem de la Brûlerie'schen G.
Ehrenbergi, = praestigiator, trotz des abweichenden, an Tribax erinnernden
Habitus dennoch so nahe verwandt ist, dass sie, wenn auch speeifisch ver-
schieden, wenigstens zu derselben Gruppe zu ziehen sei. Ob Sphodristus
acuticollis Motsch. zu den proerustogenen Caraben zu ziehen sei, bleibt zu-
nächst unerwiesen; er scheint unzweifelhafte Beziehungen zu Thomson's
Untergattung Sphodristus zu haben, welche in neuerer Zeit Sphodristocara-
bus genannt wird, und wird diese Gruppe im System zwischen den proeru-
stogenen und tribacogenen Caraben vorläufig die beste Stellung haben, wäh-
rend andrerseits an Pachystus sich Lipaster (Lamprocarabus) anschliessen
dürfte.
Ein Blick auf die vorstehende Zusammenstellung der proerustogenen
Caraben zeigt, dass die Gruppen in verschiedener Weise von einander ab-
weichen. Von den übrigen am meisten differenzirt erscheint die Pachystus-
Gruppe, während die andern durch eine Anzahl gemeinsamer Merkmale zu
der genannten Gruppe gewissermaassen einen Gegensatz bilden. Aber in
anderen Charakteren stimmen die Gruppen PacJiystus und Procrusticus mit
einander überein und stehen, wenn man diese Merkmale voranstellen wollte,
zusammen wiederum in einem Gegensatz zu den drei anderen Gruppen,
welche letzteren auf's Innigste mit einander verwandt sind, obgleich zu den
Gruppen Pseudoprocrustes und Chaetomelas solche Arten gehören, welche
sogar ganz allgemein als genuine Caraben angesehen worden sind, und ist
ihre nächste Verwandtschaft mit der Procrustes- Gruppe wohl nur deshalb
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 70.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 43
ganz allgemein verkannt worden, weil Gewicht gelegt wurde auf angeblich
generische, in Wirklichkeit aber ganz unwesentliche, zum Theil sogar bei
ein und derselben Art variable Merkmale. Wenn ich den Namen Procrusti-
cus für die unter diesem Namen aufgeführte Caraben- Gruppe jetzt definitiv
annehme, nachdem ich (Adeph. I. 1886. p. 46.) schon früher die Zugehörig-
keit des Procrusticus Paiafa zu dieser Gruppe als wahrscheinlich hinge-
stellt, so geschieht es, weil unterdessen Haury (Stett. E. Z. 1887. p. 284 —
290 cum tabula.) den mir leider noch immer unbekannten G. (Procrusticus)
Paiafa offenbar sehr gut abgebildet, und kann über die systematische Stel-
lung dieser Art nach der in der Abbildung deutlich angegebenen Oberlippe,
welche nach vorn nicht erweitert ist, und desgleichen nach der ganzen Con-
figuration des Kopfes, an welchem die Augen klein und nur schwach gewölbt
erscheinen, kein Zweifel obwalten, dass diese Art wirklich zu derselben
Gruppe gehört, wie C. robustus und Verwandte. A. a. 0. habe ich mich auch
gegen die Identificirung von G (Sphodristus) actäicoUis und C. (Procrusticus)
Paiafa ausgesprochen, welcher Ansicht sich auch Kraatz (Deutsch. E. Z.
1887. p. 145.) nachträglich angeschlossen, was aber Ganglbauer (Deutsch.
E. Z. 1887. p. 146 — 147.) trotzdem sogleich «korrigiren» zu müssen glaubte,
wobei er seine absolut irrigen Angaben, über die angebliche Identität der
genannten beiden Caraben überdies mit dem Schluss versehen zu müssen
glaubte: «Mit dem Vorliegenden sind auch die von M or a wit z ausgesproche-
nen Vermuthungen über Sphodristus und Procrusticus widerlegt». Haury
indessen, der sich, in Uebereinstimmung mit mir, gleichfalls gegen die Iden-
tität der beiden genannten Caraben ausspricht, verweist aber trotzdem, um
seine freundschaftlichen Beziehungen nicht zweifelhaft zulassen, auf G an gl-
bauer's Aufsatz, indem er mittheilt, dass er ihn «bis auf dessen Schluss,
vollinhaltlich unterschreibe», was doch jedenfalls schon mehr als diploma-
tisch ist. Haury's Abbildungen sind vortrefflich, seine Beschreibungen
aber leider nicht so, und muss man nur staunen, wenn Haury (1. c.p. 287.)
das Kopfschild als Stirn bezeichnet, die Stirn dagegen als Scheitel, die Kie-
fertaster als dreigliederig und die Lippentaster als zweigliederig angibt u.
s. w., und wenn man daher seine Beschreibungen ab und zu nicht versteht,
so kann es nicht zweifelhaft sein, wem die Schuld dabei zuzuschreiben ist.
Ganglbauer (Stett. E. Z. 1887. p. 339—343.) bespricht gleich darauf
von Neuem Procrusticus Paiafa und Sphodristus acuticollis, indem er durch
Körnchen, die er bei beiden verfolgt, wenn auch nicht mehr die Identität,
so 'doch wenigstens «die nahe Verwandtschaft der beiden Arten eingehend
erörtern» möchte, «da dieselbe von Haury negirt wird». Ganglbauer's (1.
c. p. 343.) auf diese Körnchen basirte, schliessliche «Vermuthung, dass
Paiafa und acuticollis wahrscheinlich noch durch Zwischenformen verbunden
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 71.
44 AUGUST II OR AWITZ, [t. XIII
sind, beweist indessen nur, dass ihm das Verständniss für Gruppenmerkmale
noch vollständig abgeht. Denn obgleich «Pr. Paiafa die Charaktere von Pro-
crustes, denen man früher generischen Werth beilegte, in hohem Grade aus-
gebildet» zeige, wie Ganglbauer (1. c. p. 339.) merkwürdigerweise behaup-
tet, so scheint bei G (Procrusticus) Paiafa, mit Ausnahme der drei rund-
lichen Lappen an der Oberlippe, was ja auch bei andern Caraben hin und
wieder vorkommt, und daher ganz irrelevant ist, trotz Ganglbauer's Be-
hauptung, gar nichts mit der Procrustes-Gru^ipe Uebereinstimmendes vor-
handen zu sein, und wie wenig Ganglbauer die für die Procrwsfes-Gruppe
angegebenen Merkmale kennt, geht aus seiner Schilderung der Mandibeln
von Pr. Paiafa und Sphodristus acuticollis deutlich genug hervor. «Die star-
ken Mandibeln zeigen, nach Ganglbauer (1. c. p. 340.), «bei beiden einen
kräftigen Basalzahn (processus Thomson), der von dem Basalzahn über-
deckte, in zwei divergirende Spitzen getheilte, Mahlzahn, (innere Lade oder
dens basalis Thomson) der linken Mandibel ist in derselben Weise unsym-
metrisch entwickelt, indem seine hintere Spitze viel mehr verlängert ist als
die vordere». Dass es bei Procrustes auf die Bildung der inneren Lade der
rechten Mandibel ankommt, was Thomson überdies ganz besonders her-
vorhebt und als wesentlichstes Merkmal für Procrustes in den Vordergrund
stellt, darum hat sich Ganglbauer wieder einmal nicht gekümmert und
gibt er daher auch überhaupt gar nichts über den Bau der inneren Lade
der rechten Mandibel an. Nichtsdestoweniger kann mit voller Sicherheit
behauptet w r erden, dass G Paiafa und G acuticollis nicht nur nicht identisch
sein können, sondern auch nicht einmal zu ein und derselben Gruppe ge-
hören, wenn man nur beim Suchen nach übereinstimmenden Körnchen
nicht die hauptsächlichsten Unterschiede, wie es Ganglbauer thut, voll-
ständig übersieht. Meinen Ausspruch, dass sich Ganglbauer in die Caraben
noch nicht recht hineingearbeitet zu haben scheint (cf. Adeph. I. 1886.
p. 52.), muss ich leider auch jetzt noch als durchaus begründet aufrecht
erhalten, wobei allenfalls nur der Zusatz «zu haben scheint» angefochten
werden kann.
Zur Procrusticus-Grwp-pe gehören auch G Galleyi und C. torosus, hin-
sichtlich deren Deutung Ganglbauer (Soc. ent. II. 1887. p. 2.) meine
Angaben gleichfalls «korrigiren» zu müssen glaubte, wobei er ausserdem
noch mittheilt, er «werde an anderer Stelle die Synonymie der in diese
Gruppe gehörigen Arten feststellen». Aber dieses ist trotzdem bis jetzt nicht
geschehen, und hat sich auch diese Ganglbauer'sche Ankündigung in gleicher
"Weise als illusorisch erwiesen, wie alle andern. Ich hätte natürlich gern
eine Begründung gesehen von Ganglbauer's zur Zeit völlig unmotivirten
Behauptungen, da das Deuten der gewöhnlich ungenügenden Beschreibungen
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 72.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 45
und der meist wenig befriedigenden Abbildungen aus alter Zeit immerhin
in verschiedener Weise geschehen kann, namentlich wenn zufälligerweise
ein aberrantes Exemplar beschrieben oder abgebildet worden ist. In einem
solchen Falle ist ja oft genug nur dann eine Deutung mit voller Sicherheit
möglich, wenn wieder genau solch ein Exemplar zur Beobachtung kommt,
wie das in der Beschreibung, resp. Abbildung dargestellte. Das von Fischer
(Entomogr. Ross. II. 1823. p. 96. t. 34. f. 2.) als Carabus Galleyi be-
schriebene Exemplar ist aber ein normales und trotzdem behauptet Gangl-
bauer, der G Galleyi Fisch, «ist ohne Frage die von Faldermann be-
schriebene Varietät Boschniaki des C. Stjernvatti Mannerh.»! Hinsichtlich
dieses Ganglbauer'schen apodictischen Ausspruches unterliegt es aber gar
keinem Zweifel, dass Ganglbauer ohne Frage wieder einmal weder
Fischer's, noch auch Faldermann's Angaben über die betreffenden For-
men, noch auch die betreffenden Caraben mit diesen Angaben überhaupt
verglichen. Die Form, welche ich als G. Galleyi ansehe, ist ganz ohne Zwei-
fel die Fischer'sche Art und ich kann dies mit aller Bestimmtheit sagen,
da die von Ménétriés (Cat. rais. 1832. p. 109. 348.) im Talyschgebirge
gesammelten Exemplare von Fischer selbst als G. Galleyi bestimmt worden
sind, und auf diese Form treffen auch alle Fischer'schen Angaben zu, aber
absolut gar nicht auf Faldermann's G Boschniaki. Faldermann (Faun,
transcauc. III. 1838. p. 21.), der als G Galleyi fälschlicherweise den G
prasinus aufführt, scheint Veranlassung dazu gegeben zu haben, dass G.
prasinus auch von Thomson (1. c. p. 671.) und Kraatz (Deutsch. E. Z.
1879. p. 30. 6. — p. 385.) unter dem Namen G Galleyi aufgeführt worden
ist. G Galleyi ist übrigens den grossen, als G Renardi von Chaudoir
(Enum. Carab. 1846. p. 83.) beschriebenen Exemplaren des G. prasinus
sehr ähnlich, indessen sicher specifisch verschieden durch die tiefen, scharf
markirten Sulci ventrales und durch die dichte Punktirung der Flügeldecken,
auf welchen die Punkte wahrscheinlich nie regelmässig gereiht sind, und auf
welchen auch nur selten keine geglätteten Längsstriemen, meist aber als
solche wenigstens die drei Costallimes, oder auch noch ein bis vier Inter-
costallimes mehr oder weniger deutlich hervortreten, wie solche vier Striemen
auch in Fischer's Abbildung der Flügeldecke des G Galleyi deutlich
sichtbar sind. Auf den glatten Costallimes treten hin und wieder gegen die
Flügeldeckenspitze zu einzelne feine Körnchen auf. Bei G Boschniaki sind
die Flügeldecken, wie bei allen andern Varietäten des C. Stjernvalli, auf
der Scheibe gewöhnlich ganz glatt, die hier nur bisweilen auftretenden
Punktstreifen sind immer sehr fein, zwischen dem wenigstens hinten deut-
lichen Nahtstreifen und dem ersten Costallimes sind nur drei solcher Punkt-
streifen vorhanden und zwischen je zwei Costallimes vier, im Ganzen also
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 73.
46 AUGUST MORAWITZ, [t. XIII
die gewöhnlichen fünfzehn regelmässigen Punktstreifen, welche durch sehr
breite, gleichartige Zwischenräume oder Limes von einander in deutlichster
Weise geschieden sind, und erscheinen die Costallimes, namentlich der
dritte, wenigstens hinter der Mitte immer mit grossen Grübchen versehen,
in welchen sich je ein grobes Höckerchen befindet. Wie Ganglbauer den
in Sculptur der Flügeldecken so verschiedenen Fischer'schen Carabus
Calleyi auf G. Stjernvalli hat deuten können, ist darnach ganz unverständ-
lich, da bei G. Calleyi die Punkte so dicht sind, dass sie an den Stellen, wo
sie gereiht auftreten, eine doppelt so grosse Anzahl von Punktreihen auf-
weisen. Auch erscheint der Seitenrand des Halsschildes in der von Fischer
mitgetheilten Abbildung des C. Calleyi gewulstet und nicht abgeflacht; hätte
dem Zeichner ein G. Boschniaki vorgelegen, so hätte er nicht einen solchen
Wulst zeichnen können, da ein solcher bei letzerer Form garnicht vor-
handen ist, sondern der Zeichner hätte die nach hinten breit abgeflachten
Seiten des Halsschildes dieser Form doch wohl zur Darstellung gebracht.
Zetter, der in damaliger Zeit die meisten der von Fischer und Falder-
mann veröffentlichten Tafeln angefertigt, war übrigens ein sehr mittel-
mässiger Zeichner, und sind die von ihm gelieferten Abbildungen ziemlich
schablonenhaft, namentlich glaubte Zetter das Halsschild eines Caràbus
nie herzförmig genug darzustellen. Auf derselben Tafel, auf welcher
C. Calleyi dargestellt ist, erscheint z. B. auch C. maeotis Fisch. (= mingens
Dej.) mit starker Ausbucht vor den nach aussen vorgezogenen, spitzen
Hinterecken des Halsschildes, was überhaupt bei keiner Pachystus-Form
vorkommt, und als Zetter's Gewohnheit bei Beurtheilung solcher Figuren
nicht unberücksichtigt bleiben darf, ebenso wie Fischer's Gewohnheit, fast
jeden Carabus in seinen Beschreibungen mit «thorace lyrato, lyriforme,
cordato oder cordiforme» auszustatten. Das dürfte genügend sein, um
Ganglbauer's Widerspruch hinsichtlich der Deutung des G. Calleyi
geradezu als leichtfertig zu bezeichnen.
Kraatz (Deutsch. E. Z. 1876. p. 142. — 1879. p. 30.5.) hat, durch
die Sculptur der Flügeldecken irre geleitet, die letztgenannte Art, den
G. Calleyi nämlich, als G. torosus aufgeführt. Carabus torosus, der eben so
wie der von Ménétriés (Bull. d. l'Ac. Imp. d. sc. d. St. P. I. 1836. p. 149.) fast
gleichzeitig beschriebene C. Bonplandi fälschlicherweise als aus der euro-
päischen Türkei stammend angegeben ist, stimmt nach der von Frivaldszky
(A' Magyar tudös. 1835. t. 5. f. 2.) gegebenen Abbildung eines Weibchens
von 37 mm. Länge in der Grösse und dem ganzen Habitus mit einzelnen
Exemplaren dieser sehr veränderlichen, unter dem Namen Bonplandi (Spi-
nolae) in den Sammlungen jetzt zahlreich vorhandenen Art durchaus überein,
und da eine andere kleinasiatische, gewöhnlich gleichfalls grün oder kupfrig
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 74.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 47
metallglänzende Procrusticus-Art, nämlich G. robustus Dey r., nachGilnizki
(Rev. et Mag. d. Zool. 1872. p. 474.) hin und wieder auch dunkel blau
oder schwarz gefärbt erscheint, so halte ich es für durchaus sicher, dass
G torosus nichts Anderes ist als ein aberrantes schwärzliches Weibchen
des G. Bonplandi, wenn mir auch ein solches ungewöhnliches Exemplar,
wie es Frivaldszky bekannt gemacht, noch nicht zu Gesicht gekommen.
Mir liegt aber von G. Bonplandi ein Männchen vor, welches in der Form
des Halsschildes, das nach vorn ganz auffallend verjüngt ist, fast genau mit
der citirten, von Frivaldszky gegebenen Abbildung übereinstimmt; bei
einem andern Männchen sind die Flügeldecken in ähnlicher Weise punktirt,
wie bei dem Frivaldszky'schen Exemplar, und es treten auf denselben in
deutlichster Weise die Costallimes als drei glatte Längsstriemen hervor.
Das von Frivaldszky abgebildete Weibchen ist ein in der Sculptur der
Flügeldecken noch mehr abweichendes Stück des G Bonplandi, indem
zwischen den drei, als geglättete Striemen hervortretenden, Costallimes in
ähnlicher Weise auch noch drei Intercostallimes auftreten, ganz so wie es
bei Exemplaren des G Calleyi auch vorkommt. Wenn Ganglbauer (Soc.
cat. IL 1887. p. 2.) behauptet: «C. torosus Kraatz ist gewiss die Fri-
valdszky'sche Art», so bleibt mir das «unverständlich», da Kraatz seinen
G torosus einfarbig schwarz bezeichnet und ihm einen breiten queren
Thorax zuschreibt, während der Frivaldszky'sche G torosus metallisch ist
und ein eher als schmal zu bezeichnendes Halsschild aufweist. Kraatz's
Vermuthung, dass seine Exemplare von Frivaldszky stammen, ist schon
deshalb unwahrscheinlich, weil Frivaldszky, wie aus den angegebenen
Maassen hervorgeht, offenbar nur ein einzelnes Weibchen gekannt, über
welches er in ungarischer Sprache folgende Angaben macht: «Länge
1 Zoll 1 Linie, Breite 6 Linien. Kopf schwarz, gross, nach vorn gestreckt,
die Mitte der Stirn leierförmig erhöht, an beiden Seiten neben den Augen
eingedrückt Halsschild schwarz, herzförmig, in der Mitte nach dem
Kopfe zu convex, am Vorderrande eingesäumt und gekerbt, hinten nieder-
gedrückt und punktirt und fast gerade abgeschnitten, die Seiten aufgebogen,
hinten zwei stumpfe in's Blaugrüne spielende Zipfel bildend .... Flügel-
decken convex, schwarz, l'/ 2 mal breiter als das Halsschild, elliptisch, fein
punktirt mit feinen Längslinien, .... die Ränder aufgebogen dunkel blau-
grün glänzend »
Aus einem Vergleich dieser Frivaldszky'schen Angaben mit den von
Kraatz über seinen G torosus gemachten, leider auch wenig befriedigenden
Bemerkungen ist es doch wohl durchaus sicher, dass die von Kraatz als
G torosus aufgeführte Art nicht identisch sein kann mit der von Fri-
valdszky beschriebenen. Marseul (Abeille. XIX. 1880. p. 124.178.) repro-
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 75.
48 AUGUST MORAWITZ, [t. XIII
ducirt in französischer Sprache, obgleich er einzig und allein «Frivald.
Maggyar. II. 252.» citirt, Wort für Wort die von Kraatz über seinen
G torosus gemachten Angaben und erweckt so den Glauben, als wären diese
Angaben Frivaldszky entlehnt, obgleich nicht ein Wort zu Frivaldszky's
Angaben passt, nur bezieht Mar seul überdies zum Schluss irrigerweise auf
G chalconotus die Angaben, welche Kraatz zum Unterschiede von diesem
über G. torosus mitgetheilt. Die von Sacher (Wien. E. M. 1860. p. 145.)
gemachte Angabe, dass G. torosus zur Gruppe des C. graecus, mingens und
hungaricus gehöre, hat vielleicht Géhin (Cat. d. Carab. 1885. p. 7.io.) ver-
anlasst, diesen falschen G. torosus nach einem männlichen Exemplar von
Diarbekir als Pachystus procrustoides als neue Art zu beschreiben, doch
sind Géhin's Angaben sehr dürftige, und wenn auch in denselben absolut
nichts vorhanden, was nicht auf G. Galleyi bezogen werden kann, so spricht
doch Géhin's (1. c. p. XIII.) Angabe, class die Männchen aller von ihm als
Pachystus angesehenen Arten «ont quatre pulvilli aux tarses antérieurs»,
gegen eine solche Deutung, wenn nicht Géhin, was bei ihm leider nur zu
oft vorkommt, auch in diesem Falle seine angeblich neue Art falsch ein-
gereiht, wie ja überhaupt die Pachystus- Gruppe bei Géhin die allerdifferen-
testen Caraben enthält, da er ja auch G glabratus, cribratus, bessarabicus
und Mniszechi hinzugezogen. Vermuthungen auszusprechen über beschrie-
bene Formen, namentlich wenn über dieselben Jahre lang sonst von keiner
Seite Mittheilungen gemacht worden sind, wird man Denjenigen gestatten
müssen, die sich mit den betreffenden Gruppen einigermaassen vertraut
gemacht. Denn selbst, wenn solche Vermuthungen sich nicht bewähren
sollten, so regen sie doch Diejenigen, denen solche mangelhaft beschriebene
und daher zweifelhaft gebliebene Formen aus Autopsie bekannt sein sollten,
zu Mittheilungen an, wenn auch leider meistens nur dann, wenn sie glauben,
solchen Vermuthungen widersprechen zu müssen. Da aber der von Fri-
valdszky abgebildete G. torosus gar keine habituelle Aehnlichkeit hat mit
G. prasinus {Galleyi Kraatz), mit welchem Kraatz seine Art vergleicht,
so unterliegt es keinem Zweifel, dass auch hinsichtlich des G torosus sich
Ganglbauer offenbar nicht die Mühe gegeben, die Frivaldszky'sche
Originalbeschreibung und Abbildung auch nur anzusehen, sondern sich wahr-
scheinlich mit Marseul's Abeille begnügt. Ueber diese Abeille hat Kraatz
(Ent. Monatsbl. II. 1880. p. 113 — 116.) übrigens eingehend berichtet,
leider aber nicht bemerkt, dass die Reproduktionen nicht immer der ange-
gebenen Quelle entsprechen, wodurch schliesslich nur dem Irrthum Vor-
schub geleistet wird.
Damit habe ich alle Ganglbauer'schen angeblichen Correcturen in
extenso besprochen und stimme ich der früher von Kraatz (Ent. Monatsbl.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 76.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 49
IL 1880. p. 114. Anm.) ausgesprochenen Ansicht bei, dass es hin und wieder
leider eine nicht zu umgehende Notwendigkeit ist, aufzutreten gegen
Solche, die «mit grösster Oberflächlichkeit gegen die Wissenschaft vorgehen»,
— wenn es auch nur die entomologische ist. Es ist aber sehr bezeichnend
für die jetzige Zeit, dass die Jungen, im Bewusstsein ihres hohen Stand-
punkts, geradezu wegwerfend über die Entomologen im Allgemeinen glauben
reden zu müssen, dabei aber leider ausser Acht lassen, dass ohne descriptive
Entomologie eine wissenschaftliche Entomologie gar nicht denkbar ist, und
dass es ihnen selbst auch gar nicht einmal leicht fällt, in dieser Hinsicht
brauchbare Mittheilungen zu machen. Ein solcher unglaublicher Dünkel
gegenüber den von ihnen wo möglich auch «Entomographen» Genannten ist
aber geradezu lächerlich, denn es ist schon seit Latreille, dem hervor-
ragendsten Entomologen oder Entomographen der alten Zeit, auch in der
Entomologie das Bestreben zur Geltung gekommen, die natürliche Verwandt-
schaft der Arten darzulegen, das Ziel ist auch nach Darwin kein anderes
geworden, und der seit alter Zeit von den Systematikern gebrauchte Aus-
druck «Verwandtschaft» bei Erörterung einander nahe stehender Arten ist
doch gewiss eben so wenig zufällig, wie der von «Familie» u. s. w. Die
Jungen sollten doch H. Milne-Edwards's (Leçons sur la phys. et l'anatom.
compar. 1. 1857. p. 8.) Ausspruch beherzigen: «Chaque question s'est mûrie
lentement; et si c'est pour tous une tâche ingrate et fastidieuse que de
rappeler la longue série des opinions fausses ou incertaines dont elle a pu être
l'objet, c'est au contraire une oeuvre utile et pleine de charmes (au moins
pour celui qui l'entreprend) que de montrer comment la lumière s'est faite.
En voyant la manière dont la science s'est constituée et a grandi peu à
peu, on en saisit mieux l'esprit et les méthodes; on apprend à connaître les
hommes aussi bien que les choses, et l'on s'inspire d'un juste respect pour
les travaux des investigateurs de la Nature, lors même que les fruits de
leur labeur n'auraient pas encore apparu ; car dans cette étude on rencontre
maints exemples de faits qui, restés longtemps stériles et négligés, sont
devenus tout à coup le germe d'une grande découverte lorsque le moment
était arrivé pour en comprendre la portée, et qu'un homme de génie était
venu y apposer son cachet».
Ueber das was Ganglbauer als Gattungen unter den Caraben annimmt
in's Klare zu kommen, ist ein ziemlich vergebliches Bemühen. Gangl-
bauer (Deutsch. E. Z. 1886. p. 305.) gab eine Revision der kaukasischen
Fleetes- oder Trïbax- Arten «ein Bruchstück einer für die Annalen des k. k.
naturhistorischen Hof-Museums in Wien bestimmten umfangreichen Revision
der gesammten paläaretischen Arten der Gattungen Calosoma, Carabus,
Procrustes und Procerus, die ich», wie es Ganglbauer hervorhebt, «hoffent-
Bulletia N. S. I (XXXIII) p. 77.
50 AUGUST MORAWITZ, [T. XIII
lieh ini Laufe dieses Jahres zum AbscMuss bringen werde». In dieser Arbeit
entscheidet sich Ganglbauer (1. c. p. 306.) zweifelhaft, «ob als Gattung
oder Untergattung» für den von Fischer gegebenen Namen Tribax, denn
«ohne Frage ist der Name Tribax gegenüber Plectes prioritätsberechtigt».
Ganglbauer führt aber die dazu gehörigen Arten mit Hinweglassung des
Gattungsnamens Carabus als Tribax auf, erkennt also trotz seiner Zweifel-
haftigkeit Tribax thatsächlich als Gattung an. Umgekehrt führt Gangl-
bauer (Deutsch. E. Z. 1886. p. 374.) «die spanisch-portugiesischen Hadro-
carabus» ohne Ausnahme als Carabus an, dann spricht Ganglbauer (Soc.
ent. II. 1887 p. 1.) von Procrustes-, Chaetomelas- und Lamprostus-Arten,
wobei die Namen dieser einander coordinirt genannt werden und nennt aus-
drücklich (1. c. p. 2.) Tribax Thoms. non Fisch. = Lamprostus Motsch.
«Gruppe»; ferner führt Ganglbauer (Deutsch. E. Z. 1887. p. 130.) «die
Arten der Sphodristocarabus-Grxip-pe» wieder mit Hinweglassung des Gat-
tungsnamens Carabus als Sphodristocarabus auf und in seiner neuesten
Arbeit, welche mir erst während des Drucks dieses Artikels zugekommen,
werden von Ganglbauer (Deutsch. E. Z. 1888. p. 383.) Chaetocarabus und
Melancarabus als Untergattungen von Carabus, dagegen Procrustes als
selbstständige Carabus gleichwerthige Gattung angesehen. Doch vorher
machte Ganglbauer (Stett. E. Z. 1887. p. 343.) die Mittheilung: «Pro-
crustes coriaceus bildet mit dem monotypen Banoni Dej. und dem in der
Flügeldeckensculptur sehr variablen Chevrolati Crist, eine Artgruppe, die
sich durch den Mangel einer Seta an der Spitze des ersten Fühlergliedes
von allen übrigen Artgruppen der Caraben unterscheidet». Dass die
genannten Procrustes auf dem ersten Fühlergliede keine Seta haben, wird
von Ganglbauer, wie es doch den Anschein hat, als etwas Neues und
zwar als seine eigene neueste Entdeckung mitgetheilt. Indessen de la Brû-
ler ie (Ann. S. E. Fr. 1875. p. 121.), der zuerst die Abwesenheit der Borste
auf dem ersten Fühlergliede bei Procrustes coriaceus constatirt und im
Gegensatz zu diesem die Anwesenheit derselben bei Pr. impressus und Pr.
anatolicus hervorgehoben, sah ja vor mehr als einem Decennium gerade
darin bereits «l'indice d'une transition» zwischen Carabus und Procrustes,
«et c'est là une des raisons qui me conduisent à n'attribuer à la division des
Procrustes qu'une valeur subgénérique», und auch Thomson (Opusc. ent.
VII. 1875. p. 634.) führt an, dass bei Procrustes s. str. «antennae articulo
l:o puncto setigero nullo» seien. Ja, sogar Géhin (Cat. d. Carab. 1885.
p. XL) theilt die Procrustes in Gruppen, indem bei einem Theil der Arten
das erste Fühlerglied oder «scape non sétigère» sei, bei andern aber «avec
un pore portant une soie», und führt Géhin (1. c. Note 1.) von letzterem
Merkmal ausdrücklich an «ce caractère se retrouvant dans tous les groupes
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 78.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 51
suivants, il n'en sera plus fait mention», nur dass Géliin irrigerweise zu
den Arten, deren erstes Fühlerglied ohne Borste angegeben worden, auch
den ihm unbekannt gebliebenen Pr. talyschensis, und, wie bereits erwähnt,
auch Pr. Buponcheli Barthél. hinzuzieht und endlich wahrscheinlich durch
die Aehnlichkeit mit dem nach Ganglbauer monotypen Pr. Banoni veran-
lasst, vielleicht ohne Untersuchung, auch den Pr. anatolicus, bei welchem
schon de la Brûlerie die Anwesenheit der Borste auf dem ersten Fühler-
gliede ausdrücklich hervorgehoben. Oder hat Géhin von diesen Arten
wirklich nur solche Exemplare gehabt, bei welchen die Borste des ersten
Fühlergliedes und auch der entsprechende Porus abnormerweise nicht
vorhanden waren? Denn eben so, wie bei den Arten der Pachystus- Gruppe
die Gularborsten (cf. M or. Adeph. I. 1886. p. 20.), welche sonst doch
ziemlich constant vorhanden oder nicht vorhanden zu sein scheinen, könnte
ja auch die Fühlerborste bei einzelnen Arten der Procrustes-Gru^e variable
sein, was unzweifelhaft festzustellen jedenfalls von Interesse wäre, und wäre
dies ein Beweis mehr dafür, dass diesen Borsten keine garzu grosse Bedeu-
tung beigelegt werden dürfe. Bei dem von Ménétriés als Procrustes taly-
schensis beschriebenen Weibchen ist auf dem ersten Gliede des linken Füh-
lers weder eine Borste vorhanden, noch auch die Spur eines Porus zu sehen,
während das erste Glied des rechten Fühlers einen solchen Porus hat, und
wird es daher wohl richtig sein, die Arten der Procrwsfes-Gruppe in einer
Gruppe zu belassen und nicht eine Spaltung zu versuchen nach der An-
oder Abwesenheit der Borste auf dem ersten Fühlergliede, wie es Gangl-
bauer (Stett. E. Z. 1887. p. 343.) für gerechtfertigt zu halten scheint.
Die proern stogenen Garaben sind überhaupt hinsichtlich der Variabilität der
Borsten die interessante Abtheilung der Caraben. Denn dass die Borsten
des 3 — 5ten ventralen Abdominalringes bei den Arten der Pachystus-GrwpTpe
bald vorhanden sind, bald aber auch fehlen, und zwar bei ein und derselben
Art, ist schon früher bemerkt worden und kann sich davon Jeder bei Ver-
gleich einiger Exemplare von G. mingens z. B. leicht überzeugen. Bei den
andern procrnstogenen Caraben scheinen diese Abdominalborsten nur bei
G. (Ckaetomelas) praestigiator constant vorhanden zu sein, bei den übrigen
fehlen sie aber nicht so constant als angenommen wird, und finden sich aus-
nahmsweise ab und zu einzelne Exemplare, bei welchen sie deutlich entwickelt
sind. So ist in unserem Museum ein Männchen des G. (Pseudoprocrustes)
Burvülei {Buponcheli) vorhanden, bei welchem auf dem 5ten Abdominal-
segment jederseits und auf dem 4ten nur auf der rechten Seite eine Borste
vorhanden ist; desgleichen erhielt unser Museum als Carabus lamprus von
Kraatz ein Männchen, bei welchem auf dem 5ten Abdominalsegment jeder-
seits ein Borstenporus vorhanden ist, und zweifle ich auch nicht daran,
Bulletin N. S. I (XXXm) p. 79.
52 AUGUST MORAWITZ, [T. XIII
dass Géhin (Cat. d. Carab. 1885. p. 8.1.) den von Schaufuss (Nunq.
Otios. III. 1882. p. 526.) als selbstständige Art diagnosticirten Carabus
sexpunctatus, welcher nur durch die Anwesenheit der Abdominalborsten auf
dem 3. — 5ten Segment von G (Pseudoprocrustes) robustus unterschieden
wird, mit Recht mit dieser Art vereinigt. Aber das sechste oder sog. letzte
Bauchsegment ist bei allen procrustogenen Caraben jederseits mit Borsten
versehen, mit Ausnahme des G (Procrustes) impresses, bei welchem sie
fehlen, und habe ich daraufhin die von Thomson (Opusc. ent. VII. 1875.
p. 635.) als Procrustes aspericollis erwähnte Art auf G. impressus bezogen.
Dass aber auch bei dieser Art hin und wieder Exemplare vorkommen, bei
welchen auf dem sog. Endsegment Borsten ausnahmsweise vorkommen, dies
kann ersehen werden aus den von Ganglbauer (Soc. ent. IL 1887. p. 2.)
Procrustes hybridus genannten Exemplaren, welche mit dem typischen G.
(Procrustes) impressus in der Sculptur der Flügeldecken übereinstimmen,
aber «durch längere Körpergestalt einen U ebergang zu Hemprichi vermitteln»
sollen. Wenn Ganglbauer auch sagt, «möglicherweise aber haben wir es
doch mit einer selbstständigen Art zu thun», so ist dies, bei der sonst con-
statirten An- oder Abwesenheit solcher Abdominalborsten bei ein und der-
selben Art, eine ganz sicher irrthümliche Vermuthung und ein Irrthum ist
es auch, wenn Ganglbauer der Meinung ist, dass seine Procrustes hybridus
mit den von de la Brûlerie erwähnten angeblichen Hybriden übereinstim-
men, denn de la Brûlerie (Ann. S. E. Fr. 1875. p. 122.) spricht von
solchen einander ähnlichen Exemplaren des G. impressus und G Hemprichi
«surtout si l'on considère ses variétés à points effacés», und nur solche,
überdies, wie bereits erwähnt, in der Bildung der Oberlippe u. s. w. aber-
rante Exemplare, sah de la Brûlerie als vermuthliche Zwitter an.
Da die sog. gewöhnlichen Abdominalborsten, die vanliga ventral-punc-
terna oder die puncta ordinaria abdominis, wie sie Thomson (Opusc. ent.
VII. 1875. p. 625. fig. 23. 1.) nennt, bei einzelnen procrustogenen Caraben
bald vollständig fehlen, bald aber auch, wie bei G. (Procrusticus) robustus
aberr. sexpunctatus sogar in vollständiger Anzahl vorhanden sein können,
so bleibt es natürlich fraglich, ob die Chaetomelas- Gruppe, so wie ich sie
auffasse, auch wirklich der Thomson'schen entspricht. Denn Thomson
führt als Typus dieser Untergattung einen Carabus Ehrenbergi an, welcher
nicht identisch sein kann mit G. praestigiator (Ehrenbergi Brûl.) und noch
weniger mit G Saulcyi (Ehrenbergi Klug.), und bleibt es natürlich fraglich,
ob die von Thomson gemeinte Art identisch ist mit der von de la Brû-
lerie beschriebenen angeblichen Varietät seines G Ehrenbergi, = praesti-
giator, vom Dshebel-esch-Scheich, und muss die Entscheidung dieser Frage
Denjenigen überlassen bleiben, welche die letztgenannte Form kennen. Die
Bulletin N. 'S. I (XXXIII) p. 80.
T. XIIl] ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. 53
Unterschiede zwischen den drei Caraben-Gruppen Procrustes, Pseudopro-
crustes und Chaetomelas sind ohne Zweifel nur sehr geringe, aber schliesslich
können ja auch alle Merkmale, welche zur Gruppirung von Arten innerhalb
einer Gattung benutzt werden können, nur geringfügige sein, bei einzelnen
Arten oder auch ganzen Gruppen schärfer ausgeprägt, bei andern gewisser-
maassen verwischt, und es kann dies ja selbstverständlich auch nicht anders
sein, wenn die einzelnen Arten wirklich einen genetischen Zusammenhang
mit einander haben. Für Gruppen innerhalb einer Gattung solche Merk-
male zu beanspruchen, wie sie für Gattungen gefordert werden, ist ein
absolut unverständliches Verlangen. Wem die Merkmale der Uebergangs-
gruppe Pseudoprocrustes zu geringfügig scheinen sollten, der kann letztere
Gruppe doch wohl mit keiner andern als nur mit der Procrustes-Gruppe
verbinden, doch muss er dann consequenterweise auch die Uebergangsgruppe
Chaetomelas hinzuziehen und nicht, wie Ganglbauer (Soc. ent. IL 1887.
p. 1.) es thut, die letztere als gleichberechtigt mit Procrustes ansehen, die
Pseudoprocrustes-Gmppe aber nicht. Die nächste Verwandtschaft von
C. praestigiator (Ehrenbergi der Entomologen), G Saulcyi (Ehrenbergililug.)
und G Hemprichi, welche drei Arten von denjenigen Entomologen, welche
Gardbus und Procrustes als einander gleichwerthige Gattungen annehmen
zu müssen glaubten, ganz allgemein als zu Gardbus gehörig angesehen
worden sind, mit den Arten der Procrustes-Grwpipe wird aber nicht abge-
stritten werden können, und auf die Erkenntniss der natürlichen Verwandt-
schaft kommt es doch wohl zunächst an, während die Gruppen selbst über-
haupt nur einen relativen Werth haben können, bis eine grössere Anzahl
von Arten genauer untersucht worden, als es bis jetzt der Fall ist (cf. M or.
Adeph. I. 1886. p. 75.). Und so wie die Gruppen selbst, so werden auch
die Abtheilungen innerhalb der Gattung Garabus wo möglich einen noch
geringeren relativen Werth haben, da so manche noch nicht genauer unter-
suchte oder auch jede neu aufgefundene Art nicht nur die versuchte
Charakteristik solcher Abtheilungen modificiren, sondern auch die Er-
kenntniss weiterer verwandtschaftlicher Beziehungen sicherer erschliessen
lassen dürfte.
Alles was Ganglbauer (Soc. ent. II. 1887. p. 1 — 2.) in seinen, nach
Kraatz (Ent. Nachr. 1887. p. 192. Anm. 2.) «werth vollen», in Wirklichkeit
aber unglaublich kleinlichen «Bemerkungen zu einer Arbeit von August
Morawitz» vorgebracht, kann nur als durchaus unüberlegt und leichtfertig
bezeichnet werden, und beziehen sich ja auch Ganglbauer's kleinliche
Bemerkungen überhaupt nur auf zwei, in kleinster Schrift gegebene An-
merkungen, was doch jedenfalls hätte erwähnt werden müssen. Oder ist
die Ueberschrift gegeben worden, ohne dass sich Ganglbauer dabei etwas
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 81. 5
54 AUGUST MORAWITZ, ENTOMOLOGISCHE BEITRÄGE. [t. XIII
gedacht, da ja der gauze Inhalt schliesslich auch ein ganz unbedachter ist?
Auf Ganglbauer trifft jedenfalls Kiesenwetter's (Berl. E. Z. 1865.
p. 357.) gelegentlicher Ausspruch in vollstem Maasse zu, «dass er durch
vorlaute Urtheile dieser Art sich selbst und seinem Rufe den grössten
Schaden zufügt».
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 82.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRES DU
BULLETIN OE L'ACADÉIIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.-PÉTERSBOUBG.
TOME XIII.
Zur Entwickelungsgeschichte des Flussn&unauges. Vorläufige IVIittheilung von
Ph. Owsjannikow. (Lu le 20 décembre 1888.)
Die neuen Methoden, sowohl die Serienschnitte, als auch die neuen
Färbemittel, erlauben jetzt eine viel genauere Untersuchung im Bereiche der
Entwickelungsgeschichte anzustellen , als in früheren Jahren. Auf diese
Weise ist es ganz verständlich, class Dank diesen neuen wissenschaftlichen
Mitteln, viele Lücken, welche in unseren Kenntnissen auch über die Ent-
wickelungsvorgänge des Neunauges vorhanden waren, durch zahlreiche neue
Untersuchungen ausgefüllt sind. Die neuen Thatsachen bringen neue Fragen
mit sich, die ein besonderes Interesse für die vergleichende Entwickelungs-
geschichte haben. Da eine vollständige Publikation meiner Untersuchung über
die Entwickelung des Neunauges nicht so bald erfolgen kann, weil das überaus
reiche Material aus allen Entwickeiungsstaclien geordnet werden muss und
auch die Zeichnungen viel Zeit erfordern, so habe ich beschlossen, eine
kurze, vorläufige Mittheilung zu geben, die zugleich bestimmt ist, meine
vor fast 20 Jahren gemachten Untersuchungen über diesen Gegenstand zu
vervollständigen.
Das Keimbläschen liegt in den Eiern der Neunaugenlarven, die 70 — 90
mm. lang sind, häufig schon excentrisch. In dieser Periode der Entwicke-
lung, wo der Eiinhalt halb flüssig ist, kann das Keimbläschen seine Lage
ändern. Ich habe Gelegenheit gehabt, in einem Präparate drei junge Eier
zu beobachten, in welchen sich das Keimbläschen zwischen dem Dotter und
der Eihaut befand.
Die Graafschen Follikel sind mit Endothelzellen belegt. An der Stelle,
wo die Zellen sich mit ihren zugespitzten Winkeln berühren, meistens am
oberen Pol des Eies, finden sich, nach Behandlung mit salpetersaurem Silber-
oxyd, dunkle Flecken, welche als Eingänge in die Lymphräume betrachtet
werden können.
Die Blutgefässe treten in den Graafschen Follikel an dessen zugespitztem
Ende ein, an welcher Stelle sich auch der thätige Pol des Eies innerhalb
der Follikelmembran befindet. Man hat öfters Gelegenheit zu beobachten,
dass die Spitze des Eies von der Spitze der Follikelhaut ein wenig absteht,
während dieselbe an allen anderen Stellen des Eies ihm eng anliegt.
Bulletin N. S. I I.XXXIII) p. 83. 5*
56 PH. OWSJANNIKOW, [t. XÜI
An allen Eiern der laichfälligen Neunaugen, wenn dieselben aus den
Ovarien entnommen waren, habe ich mit der grössten Deutlichkeit an Schnit-
ten das Keimbläschen gesehen. Der Keimfleck war aber nicht vorhanden. In
sehr vielen Eiern dagegen, die aus dem Weibchen, zum Behuf der künstli-
chen Befruchtung ausgepresst waren, konnte das Bläschen nicht entdeckt
werden. In sehr wenigen Eiern lag dasselbe als eine kleine, platte Scheibe
der Dotterhaut dem thätigen Pol des Eies an. Es unterliegt wohl kaum ei-
nem Zweifel, dass in den Fällen, wo der Eikern nicht zu sehen ist, sein In-
halt sich mit Dotterelementen vermischt hat, denn alle Eier waren befruch-
tungsfähig und bei allen war gleich nach dem Befruchtungsakt der Zapfen
wahrzunehmen.
Die Präparate müssen, damit die einzelnen Theile des Embryo deut-
licher sich von einander abgrenzen, durchaus gefärbt werden. Die allgemein
verbreitete Ansicht, dass die Eihaut die Tinctionsmittel nicht durchlässt, ist
unrichtig. Ich fand, dass mehrere Färbungsmittel in das Ei und den Embryo
eindringen. Am besten färbten sich die Eier, gleichviel ob sie anfangs mit
Flemming'scher Flüssigkeit, mit Spiritus oder Überosmiumsäure behandelt
worden, durch zwölf- bis vierundzwanzigstündiges Liegen in starker, gesät-
tigter Hämatoxylinlösung. Bei längerem Liegen werden die Dotterkörner
kohlschwarz.
Ich besitze eine grosse Reihe von Schnitten, auf denen alle jene Vorgänge
zu sehen sind, die gleich nach der Befruchtung auftreten und an lebendigen
Eiern von A. Müller, Kupffer, Benecke, Calberla und mir beobachtet
und beschrieben wurden.
Durch Behandlung mit Überosmiumsäure erhärtet der Eiinhalt augen-
blicklich, so dass man auf Schnitten den Befruchtungszapfen sammt dem
Protoplasma, das beim Zurückziehen des Dotters von der Eihaut gewöhnlich
auftritt, gut zu sehen bekommt.
Ferner kann man auf den Serienschnitten die verschiedensten Formen
von Mitosen studiren, die bei Theilung des Kernes vor der Bildung der neuen
Dottersegmente auftreten.
Die Zeit, in welcher sich die verschiedenen Metamorphosen im Ei
bilden, ist von der Temperatur abhängig, bei welcher die befruchteten
Eier aufbewahrt werden. Diese Thatsache erklärt, warum die früher von
mir auch an den Eiern des Neunauges beschriebenen Dottertheilungen
rascher vor sich gingen, als bei Calberla. Kupffer berichtet, dass in
Königsberg bei einer Lufttemperatur von 8 — 10° C. die Larven am
16 — 17. Tage ausschlüpften und in Neapel am Ende des 8. Tages. Meine
Larven schlüpften am 9. oder 10. Tage aus, bei einer Lufttemperatur von
etwa 16° PI.
Bulletin N.'S. I (XXXIII) p. 84.
T. XIIl] ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES FLUSSNEUNAUGES. 57
Die erste Furche ist eine Längsfurche, hat also eine méridionale Rich-
tung und theilt den Dotter in zwei ganz gleiche Theile.
Die Furche beginnt vom Kerne aus, welcher längere Zeit fast ganz ober-
flächlich in der Gegend des thätigen Pols liegt.
Die erste Furchung geht überaus langsam vor sich. Man sieht vom
Kerne aus lange Fäden anstrahlen, die besonders deutlich sind und an der
Stelle dichter an einander liegen, an der sich die Furche zu bilden begon-
nen hat.
Vor der vollen Trennung der beiden Furchungshälften , treten mehrere
Kerne auf und zwischen je zwei Kernen eine Spindel. Einer solchen voll-
kommenen Trennung der Dottersegmente haben wir es wahrscheinlich zum
Theil zu verdanken, dass wir in den letzten Tagen der Entwickelung in einer
Eihaut zwei vollständig von einander getrennte Embryonen vorfinden, wie
ich häufig zu beobachten Gelegenheit hatte.
Die zweite Furchung ist ebenfalls eine Längsfurchung, erst die dritte
ist eine aequatoriale.
Nach 15 Stunden stellt das Ei eine Blase dar, deren obere Wand aus
einer Reihe kleinerer Zellen, die untere aus viel grösseren besteht. Die
Baer'sche Höhle hat eine bedeutente Ausdehnung erlangt.
Die Eier von 28 Stunden lassen am Dache der Baer'schen Höhle eben-
falls eine einzige Zellenreihe erkennen.
Am unteren Pol liegt aber eine Gruppe von grösseren Zellen. Der Über-
gang von den kleineren Zellen des oberen Pols zu den grösseren des unteren
ist ein allmählicher.
Bei Eiern von 55 Stunden hat die Baer'sche Höhle einen noch grösseren
Umfang erlangt.
Die kleinsten Zellen liegen am oberen Pol und tragen schon einen
epithelialen Charakter an sich. Auf manchen Schnitten hat das Ei das Aus-
sehen eines Ringes, welcher an einer Stelle, nämlich am oberen Pol, ein-
schichtig, am anderen zwei- oder dreischichtig ist. Zuweilen liegt am unteren
Pol eine kleine Gruppe von Segmentationskugeln. Schon in dieser Periode
findet sich an der unteren Fläche des Eies eine Rusconi'sche Grube. Die
Zellen des äusseren Blattes gehen allmählich auf den Grund der Grube über.
Das Bild dieser Grube giebt Veranlassung anzunehmen, dass dieselbe sich
durch Einstülpung des oberen Blattes gebildet hat, was in der That der Fall
ist. Diese Bildung ist jedoch eine vorübergehende, wenigstens ändert sich
ihr Aussehen sehr bald. Die grössten Zellen finden sich in der Rusconi'-
schen Grube und am Rande derselben.
Nach 80 Stunden hat sich das obere Blatt noch mehr umgebildet, die Zellen
sind noch mehr cylindrisch geworden und haben die Dotterkörner fast ganz
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 85.
58 PH. OW-SJANNIKO'W, [T. XIII
verbraucht. Die Segmentationsliölile hat unterdessen an Umfang stark ab-
genommen. Die ganze untere Hälfte des Eies bestellt aus kleinen runden
Zellen, die jedoch von den noch kleineren Zellen desEpiblasts etwas abste-
hen und viel lockererliegen als die letzteren. Der Rusconi'sche After ist um
diese Zeit am unteren Pol sehr deutlich, seine Form hat sich jedoch verändert,
indem er schmäler und länger geworden ist. Das Ei selbst ist auch länger
geworden und an einem Ende zugespitzt. Diese letztere Erscheinung ist da-
durch entstanden, dass während dieser Periode die Zellenvermehrung beson-
ders reichlich an der oberen Lippe des R u sc oni'schen Afters, an der Über-
gangsstelle des oberen Blattes in das untere, vor sich geht.
Da während dieser Periode, einige Stunden früher, meistens aber später,
manche höchst interessante Vorgänge im Ei sich entwickeln, so wollen wir
dieselben näher betrachten.
Die Bildung des Darmkanals.
In früheren Stadien stellte der Rusconi'sche After eine breite Grube
dar, die durch Einstülpung des Epiblasts entstanden war. Ich spreche von
einer Entwickelungsform, welche wenigstens um 24 Stunden jünger ist, als
die, welche auf der Fig. 10. a. von Scott abgebildet ist. In jener Periode
haben wir in der That eine Gastrula vor uns. In einigen Stunden aber hat die
Zahl der am Grunde des Eies liegenden Dotterkugeln um ein Bedeutendes
zugenommen. Die Baer'sche Höhle hat die Abnahme ihrer Grösse während
dieser Zeit nicht dem Umstände zu verdanken, dass die Zellen durch die
sich bildende Darmspalte in dieselbe hineingeschoben sind, sondern dass
ihre Zahl zugenommen hat.
Die Bildung der Darmhöhle geht dadurch vor sich, dass von der Rusconi'-
schen Grube aus eine Abspaltung der Dotterelemente von dem Drüsenkeim
statt findet, ganz in derselben Weise, wie dieser Vorgang beim Frosch,
Axolotl, Sterlet oft beobachtet und beschrieben worden ist. Bei den eben
genannten Thieren ist diese Erscheinung leichter zu beobachten, weil die der
Spalte anliegenden Zellen, während ihrer Theilung und Abtrennung vom übri-
gen Dotter, Pigmentkörper enthalten. Zuweilen geht ein Pigmentstreif der
Spalte voraus. Da die Eier von Petromyzon garnicht pigmentirt sind, so wird
die Beobachtung etwas schwieriger. Trotzdem kann man an Hunderten von
Präparaten sich überzeugen, dass das untere Blatt, das Entoderm, durch
Abtrennung einer Zellenreihe von dem Dotter entsteht. Es ist noch zu er-
Avähnen, dass vor der Bildung der Darmspalte auf den Schnitten schon eine
besondere Gruppirung der Zellen erkannt werden kann, die später zu den
Elementen des unteren Blattes verwendet werden. Während dieser Periode
und auch etwas später sind zwei von einander gesonderte, nur an der Bie-
Bnlletiu N. S. I (XXXIII) p. SG.
T. XIIl] ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES FLUSSNEUNAUGES. 59
gungsstelle in einander übergehende Blätter, das Ectoderm und das Ento-
derm, vorhanden. Die Zellen des Ectoderms sind kleiner als die des Ento-
derms, was übrigens ganz natürlich ist, da die Entwickelung der ersteren
früher als die der letzteren begonnen hat.
Von nun an liegt der Schwerpunkt der Entwickelungsvorgänge eine Zeit
lang am hinteren Theil des Embryo. Auf gut gelungenen Längsschnitten,
nämlich solchen, welche durch die Mitte des Eies von hinten nach vorn ge-
hen, so dass dieselben die obere und untere Lippe des Rusconi'schen Afters
halbiren, sieht man den Embryo sich schon über die Hälfte des Eies erstrecken.
Er besteht, wie schon erwähnt wurde, aus Ectoderm und Entoderm, und je-
des dieser Blätter hat auf seinem ganzen Wege nur eine Zellenreihe aufzu-
weisen. Man findet freilich Schnitte, in welchen das Ectoderm mehr als eine
Zellenreihe hat, doch hängt das davon ab, dass die Schnitte schief geführt
worden sind und das Messer, mehr an der Oberfläche des Eies gleitend,
einen grösseren Streifen von demselben mitgenommen hat. Ich habe Präpa-
rate gefunden, auf welchen die Darmspalte mit der Segmentationshöhle
zusammenhing. Die Zellen, welche sich an der Decke der Höhle befanden,
unmittelbar unter dem Ectoderm, wurden für die Bildung des unteren Blat-
tes verwendet.
Eier 118 Stunden nach der Befruchtung.
Eier aus dieser Periode unterscheiden sich wenig von denen aus der
vorigen. Sie sind um etwas länger geworden, die beiden Lippen, die obere
und untere und der zwischen ihnen liegende Pfropf, sind noch deutlicher, der
Embryo selbst noch länger geworden. Auf vielen Längsschnitten zeigen die
beiden Blätter noch immer je eine Zellenreihe. Dagegen lassen manche
Querschnitte, wenn sie das hintere Ende des Eies trafen, eine Vermehrung
der Ectodermzellen unterhalb der Rückenfurche erkennen. Es bildet sich
der Rückenmarksstrang. Die solide Bildung, wie schon Calberla gezeigt
hat, wird erst später kanalisirt, indem die Zellen auseinanderweichen und
den Rückenmarkskanal bilden.
Eier 126 Stunden nach der Befruchtung.
Diese Periode ist eine der interessantesten. Der Embryo ist bedeutend
länger geworden. Auf sehr vielen Querschnitten des Eies ist er an zwei Stellen
durchschnitten, am vorderen und hinteren Ende. Am letzteren sieht man das
solide Rückenmark, unter demselben schon die Chorda vollkommen aus-
gebildet und dann das Epithel des Darmkanals, welches die innere Wand
desselben bildet. An beiden Seiten der Chorda liegen zum Theil noch solide
Anlagen der Urwirbel, Wolf 'sehen Gänge und Seitenplatten; die Letzteren
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 87.
60 PH. OWSJANNIKOW, [T. XIII
gehen in ein einschichtiges Blatt über. Ein anderes Bild giebt ein nach vorn
gelegener Schnitt. Das Centralnervensystem ist hier umfangreicher, dicker.
Es hat sich schon ein Centralkanal gebildet, in einiger Entfernung vom
Gehirn, dessen vorderes Ende ebenfalls noch solid ist. Die Chorda ist hier
nicht vorhanden, die Zellen des Entoblasts liegen aber dem Centralnerven-
system unmittelbar an. In einiger Entfernung von dem vorderen Ende des
Embryo ist die Darmhöhle sehr bedeutend. Oben ist sie von einer doppelten
Schicht der Entoblastzellen umgeben, die in der Mitte durch den Rücken-
marksstrang etwas nach unten herabgedrängt sind. An beiden Seiten dieser
Ausbuchtung dagegen, rechts und links von ihr, bildet das Entoblast eine
Erweiterung der Höhle nach oben. Durchmustern wir nun die Schnitte von
hinten nach vorn, so sehen wir, class zwei Falten von dem Entoblast sich
mehr und mehr der Mittellinie nähern. Dadurch erscheinen zwei Höhlen,
eine obere — kleinere und eine untere — grössere. Endlich rücken die Fal-
ten ganz an einander, indem sie einen Ring um die kleinere Höhle bilden,
die schliesslich ganz verschwindet.
Am übrigen Körper scheint die Bildung der Chorda durch einfache Ab-
schnürung der unter dem Bückenmarke liegenden Zellen des Entoblasts vor
sich zu gehen, wie schon Calberla beschrieben und abgebildet hat.
An beiden Seiten der Chorda liegt eine doppelte Reihe von Zellen, die
bald in eine einzige übergeht. Diese Zellen haben sich vom Entoblast
abgetrennt. Zwischen beiden Reihen existirt kein Zwischenraum. Trotzdem
erkennt man schon jetzt die Elemente, welche sich zuUrwirbeln, zu Wolf '-
sehen Gängen und zu Seitenplatten constituiren werden. Übrigens findet
man an manchen Schnitten die Urwirbel schon fast ausgebildet. Die Bildung
einer Höhle im genannten Urorgan, geht später vor sich. Das Epiblast ist
auch während dieser Periode noch durchweg einschichtig, ausser in der
Mittellinie, wo sich das Rückenmark schon gebildet hat. Es sondert sich
auf den Schnitten zuweilen noch von dem Ei vollkommen ab.
Alle Urorgane sind am hinteren Theil des Embryo in ihrer Entwicklung
weiter fortgeschritten als am vorderen. Die Bildung der Höhlen und Kanäle
geht dadurch vor sich, dass entweder die Zellen auseinanderweichen, oder,
wie namentlich im Bereiche des Drüsenkeimes, dass die Dotterplättchen
aufgebraucht werden und an Stelle der Dotterzellen nur leere Hüllen
nachbleiben.
Die Entwickelung schreitet von der Mittellinie nach den Seiten fort.
Nach der Bildung des Rückenmarks und der Chorda entsteht ein Hohlraum,
zuerst in den Urwirbeln, die sich von den übrigen Zellen des Mesoblasts
abtrennen, dann entsteht er in den Wolf 'sehen Gängen und zuletzt in den
Seitenplatten. A. Shipley hat (Fig. 11) angegeben, dass die Wolf 'sehen
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 88.
T. XIIl] ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES FLÜSSNEUNAUGES. 61
Gänge oder das Segmentalorgan sich früher hervorbilden, als die Urwirbel.
Solche Bilder habe ich auf meinen Präparaten nicht gesehen. Die genannte
Figur ist überhaupt zu schematisch gehalten.
Die Urwirbelsegmente sind nicht cubisch, sondern an dem unteren,
inneren Winkel zugespitzt, in der Eichtung nach der Chorda zu.
Über das Entstehen der Sinnesorgane.
Die Bildung des Gehörapparates habe ich erst an 160 Stunden alten
Embryonen beobachtet. Es tritt an der Seite des Gehirns eine grubenförmige
Einsenkung des Ectoderms auf. Die genannte Bildung ist an Querschnitten
sowohl, als auch an Längsschnitten in gleichem Maasse deutlich. Die in der
Mitte der Grube sich befindenden Zellen sind etwas länger, als die übrigen.
Nach einiger Zeit schliesst sich die Grube und wird zu einer Kapsel, zum
künftigen Labyrinth des Gehörapparates. Um diese Zeit sind alle Zellen,
sowohl der Haut, als auch des Nervensystems, noch ziemlich reichlich mit
Dotterplättchen gefüllt. Der Zwischenraum zwischen der Ohrkapsel und
dem Gehirn ist sehr unbedeutend und verschwindet später fast ganz.
Das Auge bildet sich in der 200. bis 240. Stunde nach der Befruch-
tung. An der seitlichen oberen Fläche des Vorderhirns, fast unmittelbar
hinter der Geruchsgrube, findet sich eine sackförmige Erweiterung der
Gehirnwand. Sie erstreckt sich nach hinten und unten. Auf den Längs-
schnitten ist sie besser zu sehen. Die Einen jedoch ergänzen die Anderen.
Anfangs ist die Höhle im Säckchen überaus eng, später wird sie etwas brei-
ter, besonders an ihrem äusseren Ende.
Die erste Anlage der paarigen Augen beim Neunauge hat mehr Ähnlich-
keit mit der Anlage des dritten Auges bei manchen Thieren, als mit der-
jenigen der Augen im Wirbelthierreiche überhaupt. "Wir haben hier näm-
lich einen verhältnissmässig langen, röhrenförmigen Stiel, dessen äusseres,
etwas erweitertes Ende nur zur Retinabildung verwendet wird. Die äussere
Wand des Augenstiels wird dicker, eingedrückt, grubenförmig, in der Weise,
wie sich überhaupt die Retina ausbildet. Das Epithel der Haut, welches
der Augenanlage gegenüber liegt, nimmt an seiner Bildung keinen Antheil.
Es ist während dieser Zeit keine Spur von der Linse zu entdecken.
Die Bildung der Nasengrube geht durch eine grubenförmige Einbuch-
tung des äusseren Blattes vor sich, wie es schon öfters beschrieben wurde.
Die ersten Sinneswerkzeuge scheinen im ganzen Wirbelthierreiche alle
auf dieselbe Weise entstanden zu sein.
Das Herz.
Die erste Anlage des Herzens oder vielmehr des Venengefässes habe
ich bei Embryonen von 133 Stunden gesehen. Auf dem Längsschnitte,
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 89.
G 2 PH. OWSJANNIKOW, [T. XIII
welcher von oben nach unten geführt wurde, erhält man ein Bild, das einige
Ähnlichkeit hat mit der Abbildung von A. Goette in seinem bekannten
Werke über die Entwickelung der Unke (Fig. 37). Wir sehen nämlich, class
die Darmhöhle ihre grösste Ausdehnung in der Gegend des sich bildenden
Kopfes erlangt hat. Nach hinten, zum Rücken hin, wird sie schmäler, bildet
eine sehr schwache Einsenkung in der Mitte des Drüsenkernes und geht
dann als eine sackförmige Vertiefung in den Dotter hinein, in der Richtung
zur Bauchfläche. Die Wände, sowohl der Darmhöhle, als jenes Venensinus,
sind mit Zellen des Entoblasts ausgelegt, die noch lange nicht den epitheli-
alen Charakter angenommen haben. Sie sind gross und voll von Dotter-
körnern. Wir haben in dieser Periode nur die Höhle des Gefässes vor uns,
die sich später vom Darme abschnürt. Sehr wenig ändert sich das Aussehen
der Venenanlage in den nächsten 40 — 50 Stunden.
Bei Embryonen von 180 Stunden hat der Körper eine bedeutende Länge
erlangt. Man sieht auf Längsschnitten die Kiemenhöhle in Form eines lan-
gen Kanals, welcher schon Kiemenspalten hat. Unter der Kiemenhöhle
befindet sich, wie im vorigen Stadium, eine seitwärts vom Darme abgehende
Vertiefung. Sie ist unterdessen etwas länglicher und ihr unteres Ende weni-
ger regelmässig geworden. Dieselbe setzt sich vielmehr in eine Spalte fort,
die man sehr weit nach hinten verfolgen kann und von der, nach allen
Richtungen hin, Risse zu bemerken sind, die sich schliesslich zwischen ein-
zelnen Dotterkugeln verlieren.
Aus diesem Bilde geht hervor, dass wir, lange vor der Ausbildung des
Herzens, ein System von Kanälen haben, die mit einer Flüssigkeit, der
Lymphe, gefüllt sind. In allen genannten Höhlen, in der Darmhöhle, der
Kiemenhöhle u. s. w., finden wir runde Ringe, eine Art von Membranen, die
wahrscheinlich von aufgelösten Dotterkugeln nachgeblieben sind. Man
findet einzelne solche Schläuche, in welchen noch einige wenige Dotterkör-
ner vorhanden, andere, die ganz von ihnen voll sind. Die Körperchen
sind viel kleiner, als die in der Nähe liegenden Zellen oder Dotterkugeln
des Drüsenkeimes. Durchschnittlich kann man annehmen, dass die Dotter-
kugeln, während der zu beschreibenden Periode, die erwähnten Körperchen
9 bis 10 Mal an Grösse übertreffen. Übrigens sind manche von ihnen
grösser, als ich eben angegeben habe.
Weitere bedeutendere Veränderungen, die schon in direktem Zusammen-
hange mit der Herzbildung stehen, sind zu verzeichnen an Embryonen von
200 — 220 Stunden, wenn sie eine Länge von 2 bis 3 mm. erlangt haben.
Unterhalb der Kiemenhöhle bildet sich eine erweiterte ovale Stelle, in der
Weise, als ob der Embryo hier etwas anschwillt. Die Längsschnitte zeigen,
dass sich hier die Seitenplatten rechts und links weit gespalten haben, es
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 90.
T. XIIl] ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES FLUSSNEUNAUGES. 63
legt sich das äussere Blatt an die Haut, das innere an den Darm. Wir
haben dann an beiden Seiten des Darmes zwei ovale Blasen, deren grösster
Durchmesser sich von oben nach unten erstreckt. Die eben beschriebenen
Bildungen erinnern uns lebhaft an die Pleurasäcke der höheren Wirbelthiere,
vor dem Auftreten der Lungen. An einzelnen Schnitten sehen sie ganz
hohl aus, an anderen, mehr nach oben gelegenen, findet man die Anlage
der Segmentalorgane, nämlich der Urnieren.
Um ein deutliches Bild von der Entwickelung des Herzens zu erhalten,
müssen wir uns zu den Querschnitten wenden. Betrachtet man einen solchen
aus der Herzgegend, so hat man um den Oesophagus einen weiten freien
Raum, welcher sich durch Auseinanderweichen der beiden Seitenplatten
gebildet hat, es ist die Körperhöhle. Wir gebrauchen dieses Wort, um dieser
Höhle einen allgemeinen Begriff zu geben. Die Darmfaserplatte oder das
splanchnische Mesoblast ist an gefärbten Präparaten besonders gut zu ver-
folgen. Man sieht auf der rechten, wie auch auf der linken Seite eine Falte
desselben, die um die Segmentalorgane und um die obere Hälfte des Oeso-
phagus geht. Wenn sich die beiden Blätter unter dem geschlossenen Oesopha-
gus begegnen, so nehmen sie die Richtung nach unten und gehen schliess-
lich in den somatischen Mesoblast, der sich an das Ectoderm anlegt. An
der Stelle, an welcher die rechte und die linke Faserplatte sich genähert
haben, nämlich wo die beiden Stücke, zwischen dem splanchnischen und
somatischen Mesoblast einander gegenüber stehen, ist anfangs eine schmale,
später eine viel breitere Spalte, die sich von oben nach unten erstreckt.
Dieser Zwischenraum ist die Herzhöhle. Die genannten Stücke der Darm-
faserplatten waren an ihren oberen und unteren Rändern verwachsen und
werden zu einem geschlossenen Rohre, welches nun frei in die Leibeshöhle
hineinragt und durch ein kurzes Band an den Darm befestigt wird. Schon
vor der Vereinigung des mittleren Theils der Darmfaserplatten, um die
Herzwandungen zu bilden, konnte an ihrem inneren Rande eine besondere
Lage von platten Zellen entdeckt werden. Diese innere Zellenlage trennt
sich von der äusseren und wir haben auf den Querschnitten zwei in einander
liegende Röhren vor uns. Die innere wird zum Endothelüberzuge des Her-
zens, also zum Endocardium. Die zweite, etw r as dickere Röhre wird zum
Muskelgewebe des Herzens, welches von aussen ebenfalls von Endothel-
zellen bedeckt wird. Das Herz entsteht bei Petromyzon aus den Falten
der Darmfaserplatten, die allein das Material zu allen seinen Bestandteilen
geben. Ich hebe besonders hervor, dass die Elemente des Darmes sich bei
der Bildung des Herzens garnicht betheiligen. Die Herzhöhle setzt sich mit
jenen Lymphräumen in Verbindung, die wir oben als Herzanfang bezeich-
net und die sich in die Venen umgewandelt haben. Die Venen haben um
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 91.
64 PH. OWSJANNIKOW, [t. XIII
diese Zeit keine eigenen Wandungen und stehen in Verbindung mit vielen
Kanälen und Lacunen.
Die Literatur des Gegenstandes wird zwar erst später, beim Drucke mei-
ner ausführlichen und mit Zeichnungen versehenen Arbeit ihre volle Würdi-
gung finden, dennoch kann ich jetzt nicht unerwähnt lassen, dass die Be-
obachtungen von A. Shipley auch in Beziehung auf das Herz hochzustellen
sind. Seine Abbildungen (Fig. 24 und 26) entsprechen der Sachlage, nur
sind sie etwas schematisch gehalten. Das Endothel ist an der Darmfaserplatte,
bei der ersten Bildung des Herzens nicht mit jener Deutlichkeit zu sehen,
mit der es auf der Zeichnung wiedergegeben wird.
Da die Bildung des Herzens zu den schwierigsten Objecten der Embry-
ologie gehört, so möchte ich zu den obigen Resultaten noch einige Worte
hinzufügen. P. Meyer in seinem Artikel «Über die Entwickelung des
Herzens und der grossen Gefässstämme bei den Selachiern» theilte eine
Beobachtung mit, nach welcher das Endocardium anders entsteht^ als wir es
auseinandergesetzt haben. Nach ihm legen sich die beiden lateralen Venen
an einander unterhalb des Darmes, wenn dieser sich sehliesst, vereinigen sich
zu einem Gefässe, um ein einheitliches unpaares Rohr, «ein Endothelsäck-
chen» dem Herzen zu liefern. Die Zeichnungen (Tab. 12, Fig. 2 und andere),
welche P. Meyer uns gegeben hat, sprechen ganz für seine Ansicht. In der
That findet man eine Reihe von Präparaten auch aus der Entwickelungs-
geschichte des Neunauges, welche die Meinung von P. Meyer zu bestätigen
scheinen. Es ist nämlich höchst auffallend, dass das Endothelsäckchen des
Herzens oft sehr weit von dem Myocardium entfernt liegt, als ob es selbst-
ständig entstanden sei und in keinem Zusammenhange mit den Seitenplatten
gestanden habe. Ferner findet man die Herzhöhle durch die Seitenplatten
begrenzt, ohne dass an der inneren Fläche derselben das Endothel mit Deut-
lichkeit erkannt werden kann. Dann kommen auch solche Präparate vor,
in welchen die Seitenplatten die untere Fläche des Darmes noch nicht voll-
kommen umlagert haben, ihre beiden Blätter nahe an einander und mehr
zur Peripherie hin liegen und dennoch findet sich mitten in der Körper-
höhle ein Endothelhäutchen des künftigen Endocardiums. Trotz aller dieser
Erscheinungen glaube ich an der Meinung, dass das Endocardium an der
inneren Fläche, ganz in derselben Weise, wie an der äusseren, von den
Seitenplatten sich abgegrenzt hat, festhalten zu müssen. Ich finde mich dazu
gezwungen durch die Bilder, welche ganz junge Stadien der Embryonen,
von c. 2,5 mm., geben. Hier ist das Endocardium auf allen Schnitten aus
der Herzgegend sichtbar, aber immer im -engsten Zusammenhang mit dem
Myocardium. Beide Häute erscheinen dick und sind reichlich mit Dotter-
körnern versehen.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 92.
9
T. XIIl] ZUR ENT WICKELUNGSGESCHICHTE DES FLUSSNEUNATJGES. 65
Bevor ich diesen Abschnitt schliesse, darf ich die Angaben von A.
Goette nicht mit Stillschweigen übergehen, da dieselben im Widerspruche
mit meinen Beobachtungen stehen. Nach ihm bildet sich das Endocardium
aus Entoderm. Da es schwer anzunehmen ist, dass ein so tüchtiger Forscher,
wie Goette, sich geirrt hätte, so muss das Untersuchungsmaterial derart
gewesen sein, dass das Gesehene auf verschiedene Art gedeutet werden
konnte. Es könnte für die Goette'sche Ansicht der Umstand sprechen,
dass der Oesophogus in der Gegend der Herzanlage ziemlich stark an den
Seiten comprimirt ist und mit seiner unteren Fläche das Ectoderm fast
berührt. Hat sich das Herz gebildet, so ist das Lumen des Oesophagus um
die Hälfte kleiner geworden. Dann findet man nicht selten einzelne Zellen
in dem oberen Berührungswinkel der Darmfaserplatten. Eine Abschnürung
des Oesophogus, wie zuweilen geschildert wurde, oder Abspaltung einer
Zellenreihe von seiner unteren Fläche zu Gunsten des Endocardiums, habe
ich niemals gesehen und bleibe desshalb bei meiner oben geschilderten
Annahme.
Das Entoblast.
Die Kiemenhöhle entstellt dadurch, dass die Zellen des Dotters am vor-
deren Ende des Embryo so auseinander weichen, wie wir es bei der Bildung
des Darmes Gelegenheit gehabt haben zu beobachten. Der grosse, dicke,
aus compacter Zellenanlage bestehende Kopf fängt an, sich vom Dotter etwas
zu entfernen, wird kleiner, schmäler. Zwischen ihm und dem Dotter wird
der Vorderkörper des Embryo immer sichtbarer und länger. Mit den äus-
seren Veränderungen gehen die inneren Hand in Hand vor sich. Die gebil-
dete Höhle, die am vorderen Ende anfangs geräumiger war, breitet sich
auch allmählich in ähnlichen Dimensionen nach hinten aus. Die ganz
indifferenten, die Höhle umgebenden Zellen werden zu Epithelzellen. Es
treten in dem gebildeten Kanal, welcher zur Kiemenhöhle wird, seitliche
Ausbuchtungen auf, die sich von vorn nach hinten verbreiten. Die Aus-
buchtungen werden so stark, dass die Entodermzellen das Epithel der Haut
berühren, welches schliesslich resorbirt wird. Der Ausbuchtung gegenüber
ist zuweilen eine schwache Vertiefung zu bemerken. An einzelnen Stellen
glaube ich bemerkt zu haben, dass das Epithel der künftigen Spalte sich so
weit nach aussen hervorgedrängt hat, dass die Zellen der Epidermis hier
dünner erschienen. Die an der unteren Fläche der Kiemenhöhle, in der
Gegend von der ersten bis zur fünften Spalte entstehende Rinne, die sich
später zum grössten Theil ab^chliesst, die Thyreoidea, ist sehr häufig
beschrieben worden und ich habe nichts Wesentliches hinzuzufügen. Die
Bildung des Mundes, die Vereinigung der Ectodermbucht mit dem Ento-
Bulletin N. S. I (XXXIH) p. 93.
66 PH. OWSJANNIKOW, [ï. XIII
derm der Kiemeuliölile ist in den Hauptzügen ebenfalls bekannt. Betrachten
wir einige Längsschnitte, die parallel der Bauclifläclie des Embryo geführt
waren, ungefähr solche, wie sie A. Dohrn auf der Tafel IV (Bd. VII)
gegeben hat, so fällt die Ähnlichkeit zwischen den Kiemenspalten und den
beiden äusseren Winkeln der Mundbucht auf. Es scheint, als ob die Letz-
teren nur die äusserste Reihe jener Spalten bilden. Die Ähnlichkeit bezieht
sich nicht allein auf die Lage, sondern auch auf die Form.
Die Leber bildet sich durch Ausbuchtungen der Darmwand. Man sieht
dieselbe in Vereinigung mit Kanälen, die sich bald zu Röhren abgrenzen.
An der Stelle, wo diese Bildungen vor sich gehen, ist der Darm weniger
reichlich von Dotterzellen umgeben, als in seiner hinteren Abtheilung.
Jedenfalls nehmen die Dotterkugeln keinen Antheil an der Bildung der
Leber. Trotz der Angabe von Kupffer, dass- bei den Neunaugen ein
Canalis neurentericus nicht entsteht, muss ich auf das Entschiedenste sein
Vorkommen bei diesen Thieren behaupten. Es existirt bis jetzt freilich
keine einzige genügende Zeichnung desselben.
Verfolgen wir auf flachen Längsschnitten das Rückenmark, so sehen wir
mit der grössten Deutlichkeit, wie das Ende desselben sich um die Chorda
umbiegt, um dann unterhalb derselben eine Strecke fortzulaufen und als
etwas dünnerer Strang in die obere Wand des Enddarms oberhalb der Anus-
öffnung zu enden. Meine Präparate waren mit Haematoxilin gefärbt und
sowohl die Zellen des Rückenmarkes, als auch der Canalis neurentericus
sahen sehr dunkel aus, wodurch sie von den übrigen abstachen. Die
Zellen waren übrigens auch viel grösser, als andere in der Nachbarschaft
liegende, z. B. als die Epithelzellen. Das Bild des erwähnten Canals
wird dadurch etwas getrübt, dass in seiner Nähe ein grosses venöses
Gefäss liegt.
Das Gehirn und die Ganglien.
In einer vorläufigen Mittheilung, die nicht von Zeichnungen begleitet
ist, lässt sich sehr wenig über die genannten Organe sagen. Mehrere Tage
vor dem Ausschlüpfen der Embryonen besitzt das Gehirn schon mehrere
Abtheilungen. Während der Bildung der Augenblasen stellt die vordere
Wand des Vorderhirns eine sehr dünne Lamelle dar. Die Hemisphären und
die Riechkolben bilden sich später. Die Hypophyse nimmt ihren Ursprung
aus dem Ectoblast, während sie sich bei fast allen anderen Thieren aus den
Zellen des Entoblasts bildet.
Über die Epiphyse habe ich einige Data in der jüngst erschienenen
Schrift über das dritte Auge der Neunaugen gegeben. Alle Ganglien, sowohl
die des Kopfes, als auch des Rumpfes sind aus den Zellen des Ectoderms
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 94.
T. XIIl] ZUR ENTWICKELUXGSGESCHICRTE DES FLUSSXEUNATJGES. 67
hervorgegangen. Die Gehirnganglien scheinen in einer sehr frühen Periode
entstanden zu sein. Später trennen sie sich von der Epidermis ab und
scheinen dem Mesoblast anzugehören. Man sieht sie aber bei Embryonen
von 2 bis 3 mm. noch im Zusammenhange mit der Oberhaut. Die Spinal-
ganglien treten später auf, und zwar nicht oberhalb des Rückenmarkes,
sondern seitwärts. Ich habe Epithelzellen zapfenartig von der Haut nach
innen zu, zwischen die Urwirbel, sich erstrecken gesehen. In späterer Pe-
riode lagen sie, eine rundliche, selbstständige Gruppe bildend, schon getrennt
von der Haut, nahe dem Rückenmarke. Aus diesem letzteren ging ein
kurzes Bündelchen von Nervenfasern, also eine Wurzel, in der Richtung
der Ganglienzellen. Eine Vereinigung zwischen ihnen bestand in jener
Periode noch nicht.
Indem ich diesen kurzen Bericht abschliesse, kann ich nicht unerwähnt
lassen, dass die Beschreibung und die Abbildungen von A. Dohrn über die
Gehirnganglien, z. B. des Trigeminus, Ophthalmicus, Facialis, Vagus und
anderer, im höchsten Grade naturgetreu sind. Ich besitze eine grosse Reihe
von Präparaten, die ganz dasselbe Bild geben, wie seine Fig. 1 , 2, 4 Tab. 10
und besonders Fig. 6 Tab. 11 (Bd. VIII, Hft. 2.).
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 95.
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIRES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Über einen neuen russischen Wels (Exostoma Oschanini Herz.) von S. Her-
zenstein. (Lu le 29 novembre 1888.)
Die Siliiroiden-Gattimg Exostoma scheint, wie schon Day hervorhebt,
besonders an rasch fliessende Gebirgsflüsse gebunden zu sein, während ähn-
liche Gewässer der Ebene von anderen Gattungen bevorzugt werden r ). In
der That, wo wir speciellere Angaben über die Verhältnisse der Fundorte
von einzelnen Arten besitzen, wird diese Behauptung Day's vollkommen
bestätigt. So passen hierauf die Angaben David's über den «Chepadze»
(== GhimarrliicMhys Davidi S au vage = Exostoma Davidi Day) 2 ), diejeni-
gen Anderson's über E. Andersoni 3 ), und auch der Fluss Tschirtschik, wo
einige Exemplare der in Rede stehenden neuen Art gesammelt worden sind,
wird als ein «zur Zeit der Schneeschmelze sehr tiefer und unglaublich reis-
sender Gebirgsfluss, im Sommer und Herbst dagegen als ein sehr ruhiges,
wenn auch rasches Gewässer» geschildert 4 ). Fasst man nun dabei die von
früher her bekannte Verbreitung der Gattung Exostoma und die im vorliegen-
den Aufsatze neu angeführten Daten darüber zusammen, so erweist es sich,
dass diese Gattung nicht etwa den gebirgigen Gegenden Südwest-, Süd- und
Südost-Asiens eigen ist, sondern vielmehr auf jene Gebirgsmassen beschränkt
zu sein scheint, welche das eigentliche Hoch-Asien 5 ) im Westen, Süden und
Osten umsäumen und von den mächtigen Flusssystemen Turkestans, Indiens,
Hinter-Indiens und Chinas bewässert werden. Dem eigentlichen Hoch- Asien,
und zwar nicht bloss den dort liegenden Quellwässern der genannten Fluss-
systeme, sondern auch den Gewässern ohne Abfluss fehlt Exostoma oder
dringt doch höchstens nur wenig über die untere Grenze dieses Gebietes
1) Proc. Zool. Soc. 1876, p. 804; Sc. Res. 2 d . Yarkand Miss., Ichthyology, p. 22 (1878);
Jourii. Linn. Soc. (Zoolog.), XIII., p. 339, 343—344.
2) David, Nouv. Arch. d. Mus. X, Bull. p. 42(1874); Sauvage, Rev. et Mag. d. Zool.
1874, p. 334.
3) Western Yunnan Exp. 1868—1875, Zoolog. Research, p. 866 (1878).
4) 'leAieHKo, Bt KoKaHCKonrB XaHCTB^ (ITyTemecTBie bi> TypKecTaHT>. T. I, lacTt 2.)
CTp. 20 (1875).
5) Ich gebrauche diesen Ausdruck in dem von mir bei der Bearbeitung der Przewalski'-
schen ichthyologischen Ausbeute adoptirten Sinne (vgl. Wissenschaftl. Result, der von N. M.
Przewalski etc. unternom. Reisen. III. 2., pp. I— II, Anmerkung [1888]).
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 119. 6
70 S. HERZENSTEIN, [t. XIII
vor, indem es in den Oberlauf der erwähnten Flusssysteme steigt; so viel
lässt sich wenigstens aus dem zur Zeit schon recht beträchtlichen Material
entnehmen, welches Fedtschenko, Ssewerzow, Stoliczka und besonders
Przewalski mitgebracht haben. Die Flusssysteme Turkestans, Indiens,
Hinter-Indiens etc., die sehr reiche und von einander mehr oder weniger ab-
weichende Faunen beherbergen, verlieren also in Hoch-Asien ihre Eigen-
thümlichkeiten und die dortige Fischfauna ist nicht nur sehr arm, sondern
auch vom äussersten Westen bis zum äussersten Osten sehr einförmig, da
sie nur aus spaltbäuchigen Cypriniden und einer besonderen Gruppe von
Nemachilus-Arten besteht.
Die Gattung Exostoma scheint also darauf hinzuweisen, dass zwischen
jener peripherischen Zone mit so mannigfach gegliederter Fauna und der
hoch-asiatischen mit einförmiger Fauna sich noch eine intermediäre Zone
findet, deren Fauna sich theils entsprechend der peripherischen gliedert,
theils durch eine gewisse Zahl von eigenthümlichen Formengruppen cha-
rakterisirt wird, welche durch die ganze Ausdehnung der Zone von Ost
(China) nach West (Turkestan) verbreitet sind 6 ). Im Allgemeinen würde sich
hier vielleicht eine gewisse Analogie — allerdings im umgekehrten Sinne —
mit den Verhältnissen herausstellen, die zwischen der reich differenzirten
Küstenfauna und der einförmigen Tiefseefauna obwalten. Hoffentlich werden
spätere Forschungen das nöthige Material zur Lösung dieser interessanten
Frage liefern.
Wenden wir uns nunmehr zu der Beschreibung der neuen Art:
Exostoma Oschanini Herz.
D. 1/6. A. 3/5. P. 1/11. V. 1/5.
E. capite valde depresso, labio inferiore ad oris angulos modo evoluto,
dentibus aciculatis, spatio pinnam dorsalem et adiposam inter l 4 / 5 — 2 l / 1(J
pinnae dorsalis basin superante; pinna adiposa a caudali, recte truncata,
plane sejuneta; pinnae analis initio ventralium quam caudalis basi multo
propiore; pectoralibus ventralium basin haud attingentibus.
8055. Fl. Ugam (affl. dext. fl. Tschirtschik), pr. Kumsan. Oschanin.
1887. (I) 7 ).
8056. Taschkent. Majew. 1887 (1).
8057. Amu-Darja super. Dr. A. Regel 1882 (2).
6) Vgl. auch Day, Fislies of India, p. XIV (1878).
7) Die Exemplare werden hier genau in derselben Weise angeführt, wie in dem General-
Cataloge der akademischen Sammlung, d. h. zuerst die No., dann der Fundort, dann der
Sammler mit Beifüguug des Jahres, in welchem dieselben dem Museum zugekommen sind; end-
lich in Klammern die Zahl der Individuen in dem betreffenden Glase.
Bulletill N. S. I (XXXIII) p. 130.
T. XIIl] ÜBER EINEN NEUEN RUSSISCHEN WELS (EXOSTOMA OSCIIANINI HERZ.) 71
Der Körper ist hinter dem stark abgeplatteten Kopfe zuerst auch etwas
plattgedrückt, dann subcyl indrisch und erscheint weiter nach hinten seitlich
zusammengedrückt. Die grösste Körperhöhe ist 7 — 8V 2 mal in der Körper-
länge enthalten und übertrifft 1 7 / 10 — 2 mal die kleinste, welche 3Y 2 — 4 mal
geringer ist als die Länge des Schwanzstieles. Die Länge des vollständig
von weicher Haut umhüllten Kopfes verhält sich zur Körperlänge (ohne
Schwanzflosse) wie 1 : 4% — 5. Die Kopf breite steht der Kopflänge ein
wenig nach, oder kommt derselben gleich, während die Kopfhöhe die
Hälfte der Kopflänge oder etwas weniger ausmacht. Die Augen besitzen
keine freien Augenlider, stehen gleich weit von der Schnauzenspitze und
der Kiemenspalte ab, sind ganz klein und 18 — 20 mal in der Kopflänge
und 5 — 6 mal in der Breite des Interorbitalraumes enthalten. Die vorderen
und hinteren Nasenlöcher erscheinen durch eine schmale Brücke getrennt,
die vorderen sind abgerundet, die hinteren — länglich ; beide besitzen einen
etwas erhabenen Saum. Die Nasalbarteln sitzen auf der die Nasenlöcher
scheidenden Brücke und da der ebenerwähnte Saum der Nasenlöcher sich
sowohl auf den Vorder-, als auch den Hinterrand der Barteln fortsetzt, so er-
halten dieselben eine plattgedrückte, bandförmige Gestalt. Die Maxillar-
barteln sind fleischig, dick, zur Spitze hin sich verjüngend, reichen bis zur
Basis der Pectoralen oder ein wenig darüber hinaus und erscheinen ebenfalls
etwas plattgedrückt. Dieselben sind durch eine Hautfalte mit dem Kopfe
verbunden, welche am letzteren bis zur Verticale des Auges, an den Barteln
bis etwa zu % der Länge reicht. Ebenso zieht eine wohlentwickelte Haut-
falte von den Mundwinkeln längs der unteren Seite der basalen Hälfte der
Maxillarbarteln und setzt sich dann als schmaler Saum bis zur Spitze der
letzteren fort. Die inneren Unterkieferbarteln sind halb so lang, wie die
äusseren, welche letzteren bis zur Kiemenspalte oder etwas darüber hinaus
reichen; beide Bartelpaare des Unterkiefers sind etwas abgeflacht.
Der Mund ist unterständig, quer und weit. Die Oberlippe greift an
den Mundwinkeln ein wenig auf den Unterkiefer über, welcher aus zwei
beweglichen Hälften besteht und sonst keinen Lippensaum zeigt. Die Zähne
bilden im Oberkiefer eine ununterbrochene, in der Mitte breite, an den En-
den zugespitzte, stark bogenförmige Binde; auf dem Unterkiefer erscheinen
dieselben in zwei, an der S}^mphyse durch einen schmalen Zwischenraum
getrennte, ebenfalls vorn und innen breite, hinten und aussen zugespitzte
Gruppen angeordnet. Die Zähne sind meistens beweglich, wenig aus der
Mundschleimhaut hervorragend, borstenförmig und in den vorderen Reihen
etwas abgestumpft. Die glashelle äussere Substanz der Zähne lässt den
dunkleren Axentheil durchscheinen. Der Anfang der Dorsale liegt ungefähr
zwischen dem ersten und zweiten Drittel der Körperlänge. Die Länge der
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 121.
72 S. HERZENSTEIN, [t. XIII
Basis dieser Flosse macht y i0 — y u der Körperlänge aus; die Flossenhöhe
übertrifft 1% — 1% mal die Länge der Basis. Der ungetheilte Dorsalstrahl
ist knorpelig und biegsam. Die Fettflosse ist von der Rückenflosse durch
einen Zwischenraum getrennt, der 1% — 2y i0 mal die Basis der Rücken-
flosse übertrifft. Die Länge der Fettflosse ist ungefähr dem Abstände vom
Anfange der Dorsale bis zu demjenigen der Fettflosse gleich. Die Höhe der
letzteren ist unbedeutend und ihr hinteres Ende wird durch einen merklichen
Zwischenraum von den rudimentären Caudalstrahlen getrennt. Der Anfang
der Anale liegt ungefähr zwischen dem zweiten und letzten Drittel der
Körperlänge, dem Bauchflossengrunde bedeutend näher als der Schwanz-
flossenbasis; die Länge ihrer Basis macht '/ 13 — y i5 der Körperlänge aus,
während ihre Höhe 1% — 2 mal die Länge der Basis übertrifft. Die Pecto-
ralen erreichen mit ihrer Spitze die Basis der Ventralen bei weitem nicht;
ihr äusserer Theil ist horizontal, der innere — subvertical. Der ungetheilte
Brustflossenstrahl ist breit, knorpelig, unten von einer quergestreiften, leicht
ablösbaren Hülle bekleidet. Pori axillares fehlen. Die Bauchflossen sind
ein wenig hinter der Verticale des hinteren Rückenflossenendes eingefügt
und ihre Basis steht dem Ende der Fettflosse bedeutend näher als der
Schnauzenspitze. Ihre Form ist derjenigen der Pectoralen ziemlich ähnlich,
ihre Spitze deckt den After zu und bleibt durch einen geringen Zwischen-
raum von der Afterflosse getrennt. Der ungetheilte Bauchflossenstrahl
erscheint gleichfalls gestreift. Die Caudale ist vertical abgestutzt mit einem
abgerundeten oberen und einem ebensolchen unteren Winkel. Der After
steht ungefähr in der Mitte zwischen der Schwanzflossenbasis und der Kie-
menspalte oder ist der ersteren merklich genähert. Die Haut erscheint auf
dem ganzen Kopfe, sowie auf den vorderen Theilen des Rückens und der
Flanken mit feinen Papillen besäet. Zwischen der Kiemenspalte und dem
Brustflossengrunde zeigt die Haut wabenförmige Vertiefungen, die bei eini-
gen Individuen deutlich ausgesprochen, bei anderen nur angedeutet sind.
Die Färbung und Zeichnung ist an den mir vorliegenden Exemplaren sehr
unbestimmt und undeutlich ; der Körper erscheint auf der Oberseite schmutzig
bräunlich, auf der unteren heller und ist, besonders oben, sehr dicht mit
dunklen Flecken und Puncten besäet, die sich auch auf die Flossen verbreiten.
Die Totallänge erreicht bis 215 mm.
Diese neue Art steht dem E. Stoliczkai Day 8 ) sehr nahe, unterscheidet
sich aber durch die Anwesenheit eines merklichen Zwischenraumes zwischen
dem Ende der Fettflosse und der Schwanzflossenbasis, der bei E. Stoliczkai
fehlt, da beide Flossen ununterbrochen in einander übergehen. Freilich er-
8) Proc. Zoo). Soc. 1876, p. 782; Sc. Res. 2 d . Yarkand Miss., Ichthyology, p. 1, PI. I,
fig. 1 (1878).
r.ulletin N. S. I (XXXIII) p. 123.
/
T. XIIl] ÜBER EINEN NEUEN RUSSISCHEN WELS (RXOSTOMA OSCHANINI HERZ.). 73
wähnt Day dieses Kennzeichen in seiner Beschreibung nicht, aber auf seiner
Figur ist die Continuität der genannten Flossen deutlich zu sehen.
Über diese Art schreibt Herr W. F. seh an in (in einem Briefe an
Herrn N. A. Warpachowski) u. A. Folgendes: «Der neue Wels wurde
zum ersten Mal im April dieses Jahres (1887) in Taschkent, in der Stadt
selbst, in einem, Bosku genannten, aus dem Tschirtschik abgeleiteten Aryk
(Bewässerungsgraben) gefangen und lebte ungefähr zwei Monate im Aqua-
rium des Herrn A. P. Polewitzki. Der Fisch bevorzugte Wasser von
niedriger Temperatur und versteckte sich immer unter Steinen; zweimal
sprang er aus dem Aquarium heraus und blieb beide Male ohne Schaden
etwa 2 Stunden ausserhalb des Wassers» . . . Ein anderes Exemplar «ist von
den Schülern des hiesigen Lehrerseminars, bei Gelegenheit einer mit ihnen
im vorigen Sommer in's Gebirge unternommenen Excursion am 2 1 . August
geangelt worden. Ausserdem soll nach eingezogenen Erkundigungen dieselbe
Art auch in den Flüssen Tschirtschik und Tersa vorkommen. Ich denke,
dass der Fisch in den hiesigen Gebirgsbächen weit verbreitet ist, sich aber
wegen seines Aufenthalts unter Steinen schwer fangen lässt.»
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 123.
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST - PÉTERSBOURG.
tome xin.
Über dâs Fehlen des Eichhörnchens im Kaukasus von Eug. Büchner.
(Lu le 17 janvier 1889.)
Das Fehlen unseres gemeinen Eichhörnchens (Sciurus vulgaris Linn.) in
den Wäldern der Krim, diese interessante zoogeographische Thatsache,
die durch Pallas bekannt wurde und auf welche später verschiedene For-
scher ihre Aufmerksamkeit gelenkt hatten, wobei sie in diesem Factum mit
Recht einen Beweis für die uralte Waldlosigkeit der südrussischen Steppen
zu sehen glaubten, ist neuerdings von Koppen 1 ) in einer umfangreichen
Arbeit sehr eingehend erörtert worden. In dieser Untersuchung ist Koppen
mit ganz besonderer Ausführlichkeit auch auf die Frage eingegangen, wo-
her einzelne Waldsäugethiere, wie z. B. der Edelhirsch oder das Reh, der
Fauna der Krim und des Kaukasus gemeinschaftlich angehören, während
das Verbreitungsgebiet anderer, gleichfalls an den Wald gebundener, Säu-
ger, wie z. B. des Eichhörnchens, nur auf den Kaukasus beschränkt ist, und
gelangt dabei zu folgendem wichtigen Resultalte: «die Krim hat ihre
sämmtlichen Waldsäugethiere aus dem Kaukasus erhalten, und zwar sind sie
über die gefrorene Kertscher Meerenge eingewandert» und dieser Umstand
«erklärt zur Genüge die Thatsache, dass diejenigen Arten derselben, welche
in Winterschlaf verfallen oder wenigstens im Winter nicht wandern, nicht
nach der Krim gelangen konnten und folglich daselbst fehlen» 2 ).
Auf diese Weise glaubt Koppen eine Erklärung für das Fehlen des
Eichhörnchens in der Krim gefunden zu haben; dieser Erklärung ist aber
ein hohes Interesse in zoogeographischer Beziehung nicht abzusprechen,
umsomehr als die von Pallas 3 ) und Nordmann 4 ) aus dieser Thatsache
gezogene Schlussfolgerung, dass nämlich die Krim niemals mit dem Kau-
kasus zusammengehangen habe, geologisch absolut nicht berechtigt ist.
1) Koppen, „Das Fehlen des Eichhörnchens und das Vorhandensein des Rehs und des
Edelhirsches in der Krim" in: Beiträge zur Kenntniss des Russ. Reiches, (2), VI, pag. 1 — 104
(1883).
2) Koppen: Beiträge zur Kenntn. d. Russ. Reiches, (2), VI, p. 61 (1883).
3) Pallas, Zoogr. Rosso-Asiatica, I, p. 184 (1811).
4) Nordmann, Observ. sur la Faune Pontique, p. 55 (1840).
Bulletin N. S. I tXXXIII) p. 125.
76 EUG. BÜCHNER, [N. S. I
Eine Untersuchung der geographischen Verbreitung des gemeinen Eich-
hörnchens hat mich jedoch zu einem anderen Resultate geführt als Koppen
und die schwersten Bedenken für die Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen
in Betreff der Colonisation der Krim und speciell des hypothetischen Colo-
nisationsweges über die gefrorene Kertscher Strasse, bei mir aufkommen
lassen. Ich will in den folgenden Zeilen speciell die Frage über das Vor-
handensein des gemeinen Eichhörnchens im Kaukasus eingehend besprechen
und zugleich zeigen, dass das Fehlen desselben in der Krim durch andere
Ursachen, als die von Koppen vorgebrachten, bedingt wird.
Da ich die Frage über das Vorhandensein des Eichhörnchens im Kau-
kasus mit einer möglichst vollständigen Ausführlichkeit zu behandeln ge-
denke, so will ich zuerst die in der Literatur zerstreuten Angaben über
diesen Gegenstand zusammenstellen und kritisch sichten.
Die ersten Nachrichten über das Vorkommen des Sciurus vulgaris im
Kaukasus finden wir bei Georgi 5 ); derselbe führt nämlich bei Besprechung
der Verbreitung dieser Art unter Anderem auch «am Kaukasus» und «in
Georgien bis an die östliche, waldlose Steppe» an. Dieser Angabe des kritik-
losen Compilators können wir weiter keine Bedeutung beilegen, da sie ohne
Zweifel auf Ungenauigkeit in der Wiedergabe der benutzten Quellen beruht.
Es hatten nämlich bis zum Jahre 1800 nur Gmelin und Güldenstaedt
über das Vorkommen von Sciurus-Arten im Kaukasus und benachbarten
Gebieten berichtet, und während der Letztere 6 ) das von ihm in Georgien
angetroffene Eichhörnchen mit Recht für eine von Sciurus vulgaris verschie-
dene Art erkannte und mit dem Namen Sciurus anomalus belegte, theilte
Gmelin 7 ) über die von ihm in Gilan erbeuteten Eichhörnchen zuförderst
Folgendes mit: «es gibt in Gilan viele Eichhörner; sie leiden aber daselbst
eine besondere Abänderung, wie aus der folgenden Beschreibung erhellet.
Indessen gehören sie zuverlässig zu der Race der Europäischen». Erst später
vergewisserte sich Gmelin 8 ) von der artlichen Selbstständigkeit dieses Eich -
hörnchens aus Gilan und nannte es Sciurus persicus, welche Art übrigens,
nebenbei bemerkt, nur ein Synonym des Güldenstacdt'schen Sciurus ano-
malus ist. Nur diese Angaben von Güldenstaedt und Gmelin konnten
Georgi vorgelegen haben und in wie weit unzuverlässig er dieselben benutzt
hat, ist schon aus dem Umstände zu ersehen, dass er in Georgien nicht
allein das gemeine Eichhörnchen und Sciurus anomalus, sondern auch noch
5) Georgi, Geogr.-physik. und Naturhist. Beschreibung d. Russ. Reiches, Th. 3, Bd. VI,
p. 1584 (1800).
6) Güldenstaedt, Reise durch Russland und im Caucasischen Gebürge, I, p. 312 (1787).
7) Gmelin, Reise durch Russland, III, p. 379 (1774).
8) Gmelin, Linn. Syst. Nat., ed. XIII, I, p. 148 (1788).
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 126.
T. XIIl] ÜBER DAS FEHLEN DES EICHHÖRNCHENS IM KAUKASUS. 77
Sciurus persicus 9 ), welchen letzteren er als selbstständige Art aufführt, vor-
kommen lässt. Wir sehen auf diese Weise, dass diese Angabe von Georgi
ohne weitere Berücksichtigung gelassen werden kann.
Darauf theilt Pallas 10 ) in seiner Zoographia mit, dass Sciurus vulgaris
in grosser Anzahl auch im Kaukasus vorkomme. Es ist mir unbekannt ge-
blieben, auf Grund welcher Materialien und Beobachtungen Pallas diese
Angabe gemacht hat, doch scheint er selbst diese Art während seiner kau-
kasischen Reise nicht angetroffen zu haben, da er wol im entgegengesetzten
Falle nicht unterlassen hätte, über diesen Fund in der Beschreibung dieser
Reise n ) näher zw berichten.
Indem ich von einer nur wenig glaubwürdigen Angabe von Br one wski 12 )
über das Vorhandensein von Eichhörnchen in den Wäldern des nördlichen
Kaukasus einfach bloss Notiz zu nehmen brauche, muss ich bei den Mitthei-
lungen von Eichwald näher stehen bleiben, da dieser Forscher Specialist
war und während seiner in den Jahren 1825 und 1826 nach dem Kaukasus
unternommenen Reise die Fauna untersucht hatte, folglich seine Nachrichten
über dieselbe einen gewissen Werth beanspruchen können. Eichwald 13 )
theilt mit, dass Sciurus vulgaris im Kaukasus vorkomme, und sagt später 1 *)
noch, dass es in allen Wäldern daselbst sehr gemein sei. Nachdem Bog-
danow 15 ) in einer kritischen Besprechung der betreffenden Arbeiten dieses
Forschers die vollständige Werthlosigkeit derselben gezeigt hat, können wir
diesen Angaben von Eichwald keinen weiteren Glauben schenken; es ist
im Gegentheil mehr als wahrscheinlich, dass wir in diesem Falle nicht mit
dem Resultate seiner Beobachtungen, sondern einfach mit einer bei Pallas
entlehnten Mittheilung zu thun haben.
Nach Ménétries 16 ) ist Sciurus vulgaris «assez rare dans les forêts cis-
alpines du Caucase»; in der beigefügten Tabelle, welche die verticale Ver-
breitung der kaukasischen Säugethiere behandelt, führt Ménétries die in
Rede stehende Art für die Region von 2 — 6000 und für diejenige von
6 — 8000' abs. Höhe an. Ferner theilt Nordmann 17 ) mit, dass das gemeine
Eichhörnchen ziemlich selten in Abhasien, Mingrelien und Gurien vorkommt
9) Georgi, Geogr.-phys. und Naturhist. Beschreibung des Russ. Reiches, Th. 3, Bd. VI,
p. 1588 (1800).
10) Pallas, Zoographia Rosso- Asiatica, I, p. 184 (1811).
11) Pallas, Bemerkungen auf einer Reise in die südl. Statthalterschaften des Russ.
Reichs, I— II (1799—1801).
12) BpoHeBCKifi, Hob. Teorp. h HcTop. Cb£,h,. o KaBKa3t, II, p. 26 (1823).
13) Eichwald, Zoologia specialis, III, p. 371 (1831).
14) Eichwald, Fauna Caspio-Caucasica, p. 34 (1841).
15) BorxaHOB-B, Hthum KaBKa3a, p. 10 — 12 (1879).
16) Ménétries, Catalogue raisonné, p. 21 (1832).
17) Nordmann, Faune Pontique, p. 54 (1840).
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 127. 7
78 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
und in den centralen Provinzen des Kaukasus gemein ist. Während ich
weiter unten auf die Angaben dieser beiden Forscher noch zurückkommen
werde, habe ich weiter der Mittheilungen von Wagner und Beketow, die
beide den Kaukasus bereist haben, Erwähnung zu thun. Wagner 18 ) theilt
mit, dass Sciurus vulgaris im Kaukasus seltener vorkomme als in Europa,
während Beketow 19 ) angiebt, dass in den Buchen- und Kastanienwäldern
des Kaukasus eine Menge von Eichhörnchen hausen, die den Arten Sciurus
vulgaris und Sciurus caucasicus angehören. Da jedoch einerseits der Zoolo-
gische Anhang zu Wagner's Reisebeschreibung zweifelsohne compilativen
Charakters, andererseits Beketow nicht Zoologe von Fach ist, seiner aus-
gezeichneten Beschreibung der Umgegenden von Tiflis folglich fehlerhafte
zoologische Nachrichten unterlaufen konnten, so können die erwähnten Be-
merkungen über den uns interessirenden Gegenstand keinen Anspruch auf
Zuverlässigkeit erheben.
In Betreff der Angaben von Ssimaschko 20 ) dass Sciurus vulgaris in
grosser Anzahl im centralen Theile des kaukasischen Gebietes vorkommt,
weniger häufig in Abhasien und selten in den Wäldern Transkaukasiens ist,
habe ich nur zu bemerken, dass dieselben ausschliesslich compilativer Natur
und daher für uns vollständig werthlos sind.
Schliesslich muss ich an dieser Stelle noch einer Mittheilung von Mo-
dest Bogdanow 21 ) erwähnen, in welcher der leider so früh verstorbene
Forscher in Betreff der Verbreitung des Sciurus vulgaris im Kaukasus Fol-
gendes sagt: «unser Eichhörnchen ist ziemlich gemein in den Bergwäldern
des Grossen Kaukasus» und dieser Angabe diejenige von Nordmann hinzu-
fügt. Die erwähnte Mittheilung könnte möglicherweise zur Annahme füh-
ren, Bogdanow habe hier das Resultat seiner Beobachtungen über das
Eichhörnchen, welche er auf seiner im Jahre 1871 nach dem Kaukasus
ausgeführten Reise gemacht hat, niedergelegt; ich halte es daher für nicht
unnöthig, auf Grund einer mündlichen Mittheilung M. N. Bogdanow's
darauf hinzuweisen, dass er 1871 Sciurus vulgaris nirgends im Kaukasus
beobachtet und über das Vorkommen desselben daselbst nur auf Grund der
in der Literatur vorhandenen Angaben geschrieben hat.
Dieses sind alle die wenigen Angaben über das Vorhandensein des ge-
meinen Eichhörnchens im Kaukasus, welche ich in der Literatur gefunden
habe. Ich habe diese Angaben in Verbindung mit kritischen Bemerkungen
über die Competenz und Glaubwürdigkeit der sie mittheilenden Autoren
18) Wagner, Heise nach Kolchis, p. 321 (1850).
19) BeKeTOBT.: B£cth. PyccK. Teorp. 06m;., XV, p. 102 (1855).
20) CimaiiiKO, PyccKaa <&ayHa, MjieKomiTaiom,ifl, p. 589 (1851).
21) Eor,n,aHOBT>: }KypH. Oxotbi h KoHH03aBO,n,CTBa, p. 120 (1873).
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 128.
T. XIIl] ÜBER DAS FEHLEN DES EICHHÖRNCHENS IM KAUKASUS. 79
angeführt, um zu zeigen, in wie weit jede einzelne derselben Anspruch auf
Zuverlässigkeit erheben kann. Aus dieser Besprechung ist zu ersehen, dass
bei der Frage über das Vorkommen des Sciurus vulgaris im Kaukasus neben
der Mittheilung von Pallas, nur noch diejenigen von Mé net ries und
Nordmann in Betracht kommen können. Auch bin ich fest überzeugt, dass
auf Grund der Angaben gerade dieser Forscher das Vorkommen von Sciurus
vulgaris im Kaukasus allgemein anerkannt wird. Nicht nur in allgemeinen
Hand- und Lehrbüchern, sondern auch in speciellen auf die Quellen zurück-
gehenden Arbeiten (wie Catalogen, verschiedenartigen Verzeichnissen, Mo-
nographien u. s. w.), wird bei Besprechung der geographischen Verbreitung
unseres gemeinen Eichhörnchens in der Aufzählung der einzelnen Verbrei-
tungsgebiete desselben immer auch der Kaukasus genannt. Dieses Vorkom-
men des gemeinen Eichhörnchens im Kaukasus wird eben durchgängig als
eine feststehende Thatsache angesehen, und unter anderen auch von solchen
Forschern, wie Menzbier 22 ) und Koppen, welche eingehend die Verbrei-
tung dieses Thieres in Kussland behandelt haben.
Da jedoch die Nachrichten über die Zugehörigkeit des Sciurus vulgaris
zur kaukasischen Fauna so spärliche und dazu ausschliesslich älteren Da-
tums sind, so drängt sich unwillkürlich die Frage auf, ob die mitgetheilten
Angaben von Pallas, Ménétries und Nordmann überhaupt soweit sichere
sind, um das Vorkommen dieser Art im Kaukasus wirklich als constatirt
ansehen zu können. Eine Reihe verschiedener Umstände, zu deren Be-
sprechung ich jetzt übergehe, hat mich auch in der That zur Überzeugung
geführt, dass die Angaben der genannten Forscher irrthümlich sind, und
lässt sich aus der folgenden Betrachtung das Fehlen des gemeinen Eich-
hörnchens im Kaukasus mit Sicherheit nachweisen.
Als ich meine Aufmerksamkeit auf die Frage über das Vorkommen des
gemeinen Eichhörnchens im Kaukasus gelenkt hatte, unterwarf ich zuerst
die sehr ansehnliche russische Eichhörnchensammlung unseres akademischen
Museums einer genauen Durchsicht; es erwies sich dabei, dass unser Mu-
seum keine Vertreter dieser Art aus dem Kaukasus besitzt. War damit
einerseits der Beweis geliefert, dass Ménétries (dessen ganze Reise-
Ausbeute bekanntlich unserem Museum einverleibt worden ist) Sciurus vul-
garis nicht gesammelt hatte, so musste andererseits dieser Umstand im
höchsten Grade auffallend erscheinen, da unsere Sammlung in Betreif kau-
kasischer Säuger eine nicht unbedeutende zu nennen ist und Sciurus vulga-
ris doch nicht selten im Kaukasus vorkommen soll. In den Jahren 1883
und 1884 kaufte unser Museum eine bedeutende und vorzügliche Säuge-
22) MeH36npt: IIpiipoAa 11 Oxoxa, I, p. 11 (1878).
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 129.
80 EUG. BÜCHNER, [ï. XIII
thiersamnilung an, welche Hr. K. Rossikow am Nordabhange des Kaukasus
zusammengebracht hatte, doch auch in dieser Sammlung fehlte Sciurus vul-
garis, abgesehen davon, dass in derselben einerseits die Nager, andererseits
überhaupt die Waldsäuger ganz ausgezeichnet vertreten waren. Ferner
habe ich in keinem Cataloge irgend welcher Sammlung Bälge oder Schädel
von Sciurus vulgaris verzeichnet gefunden, die mit Sicherheit aus dem Kau-
kasus stammen; auch habe ich kein Museum kennen gelernt und von keiner
Sammlung in Erfahrung bringen können, dass sie im Besitze derartigen
Materiales wären 23 ).
Man wird mir vielleicht einwenden, dass das Fehlen von jeglichem kau-
kasischen Materiale in den Sammlungen ein nur zufälliges ist und noch
lange nicht als Beweis für das Fehlen des Eichhörnchens selbst im Kaukasus
angesehen werden kann. Ich glaube aber, dass meine Mittheilung in Bezug
auf unser Museum derartige Einwendungen ausschliesst, da in diesem Falle
das Nichtvorhandensein von Bälgen u. s. w. dieser Art aus dem Kaukasus
absolut nicht einem Zufall zugeschrieben werden kann. Nichtdestoweniger
ziehe ich noch einige Kenner und Durchforscher des Kaukasus aus der
neueren Zeit in dieser Frage zu Rathe.
Professor M. Bogdanow theilte mir nach seiner Rückkehr aus dem
Kaukasus im Herbst 1884 mit, dass er während seines Aufenthaltes im
nördlichen Kaukasus trotz vielfacher Nachforschungen und Erkundigungen
nach Sciurus vulgaris, diese Art doch nirgends gefunden habe. Seine fol-
gende, im Jahre 1886 nach dem Kaukasus unternommene Reise bot ihm
von Neuem die beste Gelegenheit, seine Nachforschungen nach dem gemei-
nen Eichhörnchen fortzusetzen; doch blieben dieselben auch dieses Mal
resultatlos, worüber er mir im September 1887 berichtete.
23) In seinem „Versuche einer natürlichen Anordnung der Nagethiere" theilt Fitzinger
[Sitzungsber. d. K. K. Akad. d.Wissensch.,Wien, I. Abth., Bd. LV, p. 475 (1867)] mit, dass das in
Sibirien und Kaukasien vorkommende Eichhörnchen zu ein und derselben Varietät — Sciurus
vulgaris cinereus — gehöre. Ich habe wol in einer Beschreibung des Gouvernement Eriwan
[}KypH. Mhh. Bh. Ä'fcjiT», IV, 2, p. 119 (1831)] eine Mittheilung in diesem Sinne („b-b 9puBaH-
cKofi npoBiiHum ecTB 64jikh, H'BCKOJibKo jioxohuh, no ubbtv, Ha Chohpciuh") gefunden, die aber
Fitzinger ohne Zweifel unbekannt geblieben ist, sonst existirt in der Literatur, soviel mir be-
kannt, keine ähnliche Angabe. Man könnte daher vielleicht der Meinung sein, dass Fitzinge r's
Angabe auf einer vergleichenden Untersuchung von Materialien dieser Art aus dem Kaukasus
und aus Sibirien basirt, und dass derselben auch voller Glauben zu schenken wäre, wie dies
übrigens auch schon Koppen (Beitr. z. Kenntn. d. Russ. Reiches, (2), VI, p. 12 — 13) gethan hat.
Doch muss ich den Charakter und denWerth der Arbeiten Fitzinger's als zu bekannt voraus-
setzen, um noch speciell hier nachzuweisen, dass die betreffende Mittheilung überhaupt gar
keine Berücksichtigung verdient. Ich will noch bemerken, dass Hr. Dr. Aug. v. Pelzein auf
eine diesbezügliche Anfrage mir die freundliche Mittheilung zukommen Hess, dass in der Zoolo-
gischen Abtheilung des K. K. Naturhistorischen Hofmuseums in Wien kein Exemplar des Sciurus
vulgaris aus dem Kaukasus vorhanden ist.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 130.
T. Xlll] ' ÜBER DAS FEHLEN DES EICHHÖRNCHENS IM KAUKASUS. 81
Nachdem Hr. K. Kossikow, dem wir mehrere sehr gute Arbeiten über
die kaukasische Fauna verdanken, im Herbste 1886 nach langjähriger
Durchforschung des nördlichen Kaukasus nach St. Petersburg zurückgekehrt
war, theilte er mir mit, dass auch er Sciants vulgaris nirgends angetroffen
hat. Kossikow 24 ) kam auch später in seiner «Übersicht der Säugethiere
des Malka-Thales», anlässlich einer Berichtigung der Angaben von Méné-
tries auf diese Frage zurück und sagte hier darüber Folgendes: «ich mei-
nerseits bemerke nur, dass ich das Eichhörnchen während meiner fünfjähri-
gen Beobachtungen im centralen und östlichen Theile des nördlichen Kaukasus,
welche ich in vielen Punkten durchforscht habe, nirgends gefunden habe,
und kann versichern, dass die Annahme über das Vorkommen von Sciurus
vulgaris daselbst jeglicher Grundlage entbehrt».
Ferner erhielt ich von Herrn L. Mlokossiewicz, dem tüchtigen Ken-
ner der kaukasischen Fauna, die gefällige briefliche Mittheilung, dass er
während seines langjährigen Aufenthaltes im Grossen Kaukasus nirgends
Sciurus vulgaris gesehen oder gefunden habe und class es zweifellos sei, dass
diese Art den Kaukasus nicht bewohnt.
Endlich hat auch der Präparator unseres akademischen Museums, Herr
J. Ananow, welcher im Jahre 1886 längere Zeit in den südöstlich von
Wladikawkas gelegenen Bergen des Grossen Kaukasus excursirte, nirgends
das Eichhörnchen gefunden, obgleich er nach demselben specielle Nachfor-
schungen angestellt hat.
Wir sehen auf diese Weise, dass diese Resultate der neueren Durch-
forscher des Kaukasus mit unseren früheren Schlussfolgerungen vollständig
im Einklänge stehen. Nach dem Mitgetheilten kann es meiner Ansicht nach
weiter gar keinem Zweifel unterliegen, dass Sciurus vulgaris überhaupt
nirgends im Kaukasus vorkommt.
Unwillkürlich drängt sich aber die Frage auf, auf welche Weise sind so
gewissenhafte Forscher, wie Pallas, Nordmann und Ménétries, zu ihren
falschen Angaben über das Vorkommen des Eichhörnchens im Kaukasus
gekommen? Ihren Angaben können, meiner Ansicht nach, nur an Ort und
Stelle bei der Bevölkerung eingezogene Erkundigungen zu Grunde gelegen
haben. Beim Sammeln dieser Nachrichten haben aber die genannten For-
scher entweder Angaben über Sciurus persicus auf Sciurus vulgaris bezogen,
oder sie sind durch einen Umstand, den ich mir folgendermaassen erkläre,
in Irrthum geführt worden. Die gewöhnliche volksthümliche Bezeichnung
für Sciurus vulgaris lautet bekanntlich russisch ö-fcjiKa (bjelka), doch wird
dieser selbe Name (einfach oder in Verbindung mit einem Adjektivum) in
24) PocciiKOBt: 3an. Hmh. ÂKa^. HayKT>, LIV, p. 87 (1887).
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 131.
82 EUG. BÜCHNER, ÜBER DAS FEHLEN DES EICHHÖRNCHENS U. S. W; [t. XIII
einigen Gegenden auch auf Myoxus glis angewandt. So heisst z. B. diese
letztere Art nach Pallas 25 ) im Gouvernement Ssamara — 3eMJiHnaa (yfejiKa
(semljanaja bjelka = Erdeichhörnchen) und nach Kessler 26 ) in den Gou-
vernements des Kiew'schen Lehrbezirks — coiurnBaa ö-fejKa (ssonliwaja bjelka
= schläfriges Eichhörnchen) ; der Lokalname des Myoxus glis im nördlichen
Kaukasus lautet jedoch nach Kossikow 27 ) einfach ö^Jina (bjelka). Dieser
letztere Umstand war nun den erwähnten Forschern wol nicht bekannt und
können sie daher die ihnen zugekommenen Mittheilungen über das Vor-
kommen von ÖijiKH (bjelki) anstatt auf Myoxus glis, auf Sciurus vulgaris
bezogen haben. Ihre Angaben beruhen demnach in jedem Falle auf einer
einfachen Verwechselung.
Ich komme nun schiesslich auf das schon oben erwähnte Fehlen unseres
Eichhörnchens in der Krim und auf die Erklärung dieser Thatsache durch
Koppen zurück.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Krim einen gewissen Prozentsatz
ihrer jetzigen Säugethierfauna einer Einwanderung aus dem Kaukasus
verdankt und diese Einwanderung zu einer Zeit stattgefunden hat, als der
Kaukasus mit der Krim noch in direktem Zusammenhange stand. Dieser
letzteren Annahme widersprach aber das Fehlen des Eichhörnebens in der
Krim, da es ja gleichfalls aus dem Kaukasus (wo sein Vorkommen allgemein
angenommen Avurde) nach der Krim hätte gelangen müssen. Aus diesem
Grunde sah sich nun Koppen veranlasst, diese Einwanderung der Wald-
säuger in die Krim in eine Zeit zu verlegen, wo der Kaukasus von der Krim
schon getrennt war, und zwar lässt er diese Einwanderung über die gefro-
rene Kertscher Strasse vor sich gehen, da an einer solchen Winterschläfer
oder zur Winterzeit nicht wandernde Säuger nicht Theil nehmen können.
Diese schon eingangs der vorliegenden Notiz citirte Erklärung für das
Fehlen des Eichhörnchens in der Krim erweist sich nach den mitgetheilten
Betrachtungen als den Thatsachen nicht entsprechend. Das gemeine Eich-
hörnchen konnte nicht aus dem Kaukasus in die Krim einwandern, weil es
im Kaukasus garnicht vorkommt ; es fehlt folglich in der Krim ausschliesslich
nur aus dem Grunde, weil es im Kaukasus nicht vorhanden ist.
25) Pallas, Reise durch versch. Prov. d. Russ. Reichs, I, p. 154 (1801) und Zoographia
Rosso-Asiatica, I, p.178 (1811); vgl. auch 9BepcMaHi>, Ect. Hct. OpeHÖ. Kp., II, p.126 (1850)
und Eaji.iioHT., Oumtb hscjie^ob. o pyccKiixt Ha3BaHiaxi. wueKonnTaioiiinx-B, p. 44 (1858).
26) Keccjiepi.: ^Khbothbih Tyô. KieB. yneÔH. Onp., I, MjieKomiTaioiirifl, P- 48 (1850).
27) Pocchkobt., 3an. Hmd. Aiua. HayiCB, LIV, p. 48 (1887).
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 132.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
BULLETIN DE L'ÂCADÉilE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Über die abnorme Wirkung einiger Curare-Sorten. Von Dr. A. Feoktistow.
(Lu le 28 février 1889.)
Es ist allgemein bekannt, dass grössere Dosen Curare in das Blutgefäss-
system injicirt, bei Warm- und Kaltblütern ihre Wirkungen nicht mehr auf
die Nervenendigungen in den willkürlichen Muskeln beschränken, wie es bei
Injectionen von kleinen Dosen der Fall ist, sondern dass die lähmende Wir-
kung des Curare sich auch auf andere Theile des Nervensystems ausdehnt.
Es ist z. B. bekannt, dass grössere Curare-Mengen auch den nervus vagus,
splanchnicus und oculomotorius lähmen. Von diesen drei Nerven wird aber
vor allem und am häufigsten der n. vagus gelähmt. Diese letztere Eigen-
schaft wusste bereits Cl. Bernard und wurde auf dieselbe auch von Kölli-
ker, Bezold, Heidenhain und Bidder hingewiesen. Böhm zeigte, dass
bei solcher Vaguslähmung die Keizung des peripheren Stumpfes dieses
Nervens mittelst des Tnductionsstromes zur Blutdrucksteigerung und Puls-
beschleunigung durch Beizung der im Vagus verlaufenden ungelähmten
accelerirenden Nerven -Fasern führt. Es ist fernerhin bekannt, dass die
Intensität der vaguslähmenden Wirkung des Curare bei verschiedenen Sorten
desselben eine verschiedene ist. Es ist also im Grunde genommen nichts
neues, wenn ich mir erlaube es mitzutheilen, dass ich neulich bei der
Untersuchung von drei Curare-Sorten gefunden habe, dass alle drei die
erwähnte Lähmung der Vagusendigungen im Herzen hervorrufen. Es hat
dieser Befund nur in sofern eine grosse Bedeutung, als dass ich auf Curare-
Sorten stiess, welche nicht in grossen, sondern in kleinen Dosen diese
Vaguslähmung hervorbrachten. Dosen, welche gerade genügten das Thier
zu «immobilisiren», lähmten bereits den Vagus, was bis jetzt, wie es scheint,
nicht beobachtet worden ist. Die vasomotorischen Reflexe blieben normal,
der Blutdruck war aber etwas niedriger als er gewöhnlich unter gleichen
Bedingungen ist.
Es ist auffallend, dass der Vagus der Hunde und Kaninchen nur vor-
übergehend gelähmt wurde, hingegen der Vagus der Katzen sich als sehr
empfindlich erwies, so dass selbst nach 1 — lY 2 Stunden fortgesetzter künst-
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 177.
84 DK. A. FEOKTISTOW, [t. XIII
licher Respiration seine Functionsfähigkeit nicht wiederhergestellt wurde.
Höchst wahrscheinlich ist diese Erscheinung dadurch zu erklären, dass der
vaguslähm ende Stoff bei den Hunden und bei den Kaninchen schneller als
bei den Katzen ausgeschieden wurde.
Die eine von mir untersuchte Sorte des Curare wurde vor einigen Jah-
ren, die andere im Jahre 1887 von Merck bezogen. Die dritte Sorte hatte
vor vielen Jahren Herr Prof. Owsjannikow von Cl. Bernard persönlich
mitgebracht. Ich benutzte zu meinen Versuchen ganz frisch bereitete
1 — 2°/ -ige Lösungen dieser drei Curare- Sorten, indem ich Katzen und
kleineren Hunden 5 — 10 Mlgrm., Kaninchen 2 — 3 Mlgrm. (trockener Sub-
stanz) intravenös injicirte.
Wenn das Curare von Merck von vornherein eine den Vagus lähmende
"Wirkung besitzen könnte, so ist es von dem Curare von Cl. Bernard
kaum anzunehmen. Es ist vielmehr möglich, dass im Laufe von Jahren eine
Veränderung in der chemischen Zusammensetzung dieses Giftgera enges ein-
getreten ist, und zwar trotz der Aufbewahrung im trockenen Zustande.
Schulz erwähnt z. B. ausdrücklich, dass einige Curare- Sorten, welche vor
einem Jahr noch sich gut und kräftig zeigten, nach Ablauf dieser Zeit ihre
Eigenschaften zum Theil oder ganz einbüssen können. Ferner zeigt zerrie-
benes Curare unter dem Mikroskop hier und da Gruppen von prismatischen
und nadeiförmigen Krystallen, deren Menge mit dem Alter des Präparates
zunimmt. Dieses allein zeigt, dass in dem complicirten Giftgemenge, wel-
ches wir Curare nennen, eine chemische Veränderung vor sich geht und
zwar selbst in dem im trockenen Zustande aufbewahrten.
Es zeigt in der letzten Zeit die Erfahrung zur Genüge, dass das Curare
im Handel ungeheuer oft verfälscht oder schlecht bereitet vorkommt. Bald
bekommt man ganz unwirksame oder schwach wirkende Sorten, Sorten, die
die stärksten Krämpfe hervorrufen etc., endlich Sorten, wie die von mir
untersuchten, welche in kleinen Mengen injicirt, die Vagusenden im Herzen
lähmen und das Präparat wenigstens zu gewissen Zwecken unbrauchbar
machen. Noch schlimmer wäre es aber, wenn ein solches Präparat den Ex-
perimentator irre führen sollte, was namentlich bei solchen toxikologisch-
physiologischen Untersuchungen leicht der Fall sein könnte, wo von einem
zu untersuchenden Gifte gerade Vaguslähmung erwartet wird. — Es ist
deshalb durchaus zu empfehlen, jedes Curare auf seine Eigenschaften
von Zeit zu Zeit genau zu prüfen, bevor man zu den eigentlichen Experi-
menten unter Zuhülfenahme desselben übergeht. Da aber die Unzuver-
lässigkeit des im Handel vorkommenden Curare immer zunimmt, so ist es
die höchste Zeit, der Fabrikation desselben einige Aufmerksamkeit zu
schenken.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 178.
T. XIIl] ÜBER DIE ABNORME WIRKUNG EINIGER CURARE-SORTEN. 85
Bekanntlich bekommen die Droguenhandlimgen das Curare von Brasilien
aus eingeführt, woselbst es von den im Norden des Landes wohnenden
Indianerstämmen fabricirt und verkauft wird. Ebenso wird es von den
Indianern des Orinokogebietes und von denen des British Guyana bereitet
und in den Handel gebracht, Nun wird aber in Süd-Amerika selbst das
Curare verschiedener Bereitung verschieden geschätzt, in Europa aber alle
Sorten unter einer Benennung und zu gleichem Preise verkauft. — Deshalb
wäre es sehr wünschenswerth, dem Vorschlage Schulz's zu folgen und die
Rohstoffe selbst, welche zur Bereitung des Curare dienen, direkt auf den Markt
zu bringen und erst in Europa zu bearbeiten. Es ist das um so viel wün-
schenswerther, als bereits Appun gefunden hatte, class der gehörig aus-
gekochte Saft der Rinde der zur Curare-Darstellung verwandten Strychnos-
arten allein hinreicht, um ein Curare von derselben Wirkung herzustellen,
wie das von den Indianern bereitete. Couty und Lacer da erhielten auch
einen Curare-ähnlichen Stoff aus der Stryclinos triplinervia, welcher Stoff
aber doch nicht die nöthige Intensität und Reinheit der echten Curare-
wirkung zeigte.
Es wäre daher wünschenswerth, alle Ingredientien, die den Indianern
zur Bereitung des Curare dienen, zu prüfen. Als solche sind uns Stryclinos
toxifera, Str. cogens, Str. Schomburgkii, Str. triplinervia, Str. guyanensis,
Str. Castelnaeana, Str. Gubleri, Str. Grevcmxii, Str. Mrsuta, Str. nigricans,
Str. rnbiginosa, ferner Paullinia Cururu (Curara), Cocculus Inème, Boulia-
■mon guyanensis, Burmannia bicolor, Ficus atrox, Manihot utilissima etc.
bekannt. — Es unterliegt keinem Zweifel, dass zur Erzielung der Curare-
wirkung ein Gemenge aller dieser Ingredientien garnicht nöthig ist, sondern
dass eine oder wenige von den genannten Pflanzen das gewünschte Extract
in wirksamer Form liefern würden. Es werden auch alle diese Pflanzen nicht
von einem und demselben Indianerstamme benutzt, sondern von verschie-
denen mehrere der verschiedenen genannten Pflanzen. Es ist ferner sicher,
dass die Beimischung von Schlangengift (oder wenigstens von Schlangen-
zähnen) zum Curare von keiner Bedeutung sein kann, cla erstens alle Rei-
senden etc. behaupten, dass letztere Substanzen dem Curare vor, oder
während des Abkochens beigemengt werden und folglich durch die Hitze
zerstört sein müssen ; zweitens aber habe ich bei dem Schlangengifte keine
Curarewirkung gefunden, allerdings aber eine vaguslähmende Wirkung, die
aber beim Kochen von Schlangengiftlösungen verloren geht.
Vor Jahren hat die Firma Merck das sogenannte Curarinum sulfuricum
in den Handel gebracht, welches sich aber als eine unconstante und unzu-
verlässige Substanz erwiesen hat. In nächster Zeit wird dieselbe Firma
eine constante chemische Verbindung — das Methylcurinhydroxyd — in
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 179.
86 DR. A. FEOKTISTOW, ÜBER DIE ABNORME WIRKUNG U. S. W. [t. XIII
den Handel bringen, welche die Endigungen der motorischen Nerven in
gleicher Weise wie das Curare lähmen soll. Die Zukunft wird zeigen,
ob es gelingen wird, das Curare durch das Methylcurinhydroxyd definitiv
zu ersetzen.
Bullotin N. S. I (XXXIII) p. 180.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS Dû
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE SL-PÉTERSBOUBG.
TOME XIII.
Über einige im europäischen Russland und in Sibirien vorkommende Arten
von Regenwürmern. Von Nicolaus Kulagin, Assistent am Zoologi-
schen Museum der Moskauer Universität. (Lu le 24 mai 1888).
Dank der freundlichen Zustimmung des Herrn Akademikers A. Strauch,
Direktors des Zoologischen Museums der Kaiserlichen Akademie der Wis-
senschaften, war mir die Möglichkeit geboten, die dem genannten Museum
gehörende Sammlung von Regenwürmern in sj^stematischer Hinsicht zu bear-
beiten. Diese Sammlung besteht ausschliesslich aus solchen Formen von Lum-
briciden, welche im Norden des europäischen Russlands und in verschiede-
nen Orten Sibiriens gefunden sind. Zu meiner Verfügung standen 28 Exem-
plare, welche 7 verschiedenen Arten angehören, von denen aber 2, wie man
später sehen wird, eingezogen werden müssen. Zugleich konnte ich auch die
Originalexemplare zu den von Gerstfeldt und Prof. Grube beschriebenen
neuen Species aus Sibirien (Lumbricus brevispinus und L. triannularis) unter-
suchen.
Die s} r stematischen Arbeiten über die nordischen Arten von Regenwür-
mern sind nicht zahlreich. Von den Reisenden des vergangenen Jahrhun-
derts, welche Sibirien besucht haben, erwähnen Georgi 1 ) und Falk 2 ) für Si-
birien nur einer Species, des Lumbricus terrestris L., beschränken sich aber
bloss auf Angabe des lateinischen Namens, ohne zu erwähnen, wo die Art
von ihnen gefunden worden ist. Der Erstere giebt nur zwei in Sibirien ge-
bräuchliche indigene Namen, aber keinen Fundort an, und der Letztere
bemerkt, dass Lumbricus terrestris in Sibirien: «ueberal in mulmiger Erde»
zu finden ist. Ausser in Sibirien wird Lumbricus terrestris im vergangenen
Jahrhundert noch von Mohr 3 ) als auf Island und von Fabricius 4 ) als in
Grönland vorkommend erwähnt.
1) Bemerkungen einer Reise im Russischen Reiche im Jahre 1772. St. Petersb. 1773, p. 193.
2) Beiträge zur topographischen Kenntniss des Russischen Reichs. St. Petersb. 1786, III
447.
3) Mohr. Forsög til en Islandsk Naturhistorie. Kjöbenhavn 1786, p. 113.
4) Fabricius. Fauna Groenlandica.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 181.
88 NICOLAUS KULAGIS, ÜBER EISIGE IM EUROPÄISCHES RUSSLAND [t. XIII
In diesem Jahrhundert führt Prof. Leuckart 5 ) in seiner Beschreibung
der isländischen Fauna noch eine neue, dort vorkommende Species der Farn.
Lumbricidae, den Lumbricus flaviventris, auf. Die Merkmale, welche der
Autor zur Charakteristik dieser Species benutzt, scheinen mir nicht wesentlich
genug, um auf sie eine neue Species zu begründen. Er schreibt nämlich,
class «der Körper cylindrisch ist, nach hinten etwas abgeplattet. Das Kopf-
ende von kolbiger Gestalt und nach vorn ein wenig verengt... Was aber
unsere Art besonders auszeichnet, ist die Stellung der Borsten, die nicht
paarweise an den Seiten des Rückens und Bauches vereinigt sind, wie sonst
gewöhnlich, sondern einzeln stehen. Statt zwei Reihen von Borstenpaaren
finden sich jederseits vier Reihen einzelner Borsten». Ferner werden als
Unterschiede zwischen Lumbricus ßaviventris und anderen Arten die Lage
der Borsten auf dem ersten und zweiten Ringe, die Grösse und die Färbung
des Körpers angegeben. Was das erste Merkmal betrifft — die Beschreibung
der Körperform und der Lippe, — so lässt sich dieselbe ohne allen Zwang auf
mehrere andere Arten derFam. Lumbricidae beziehen. Die Lage der Borsten
ist allerdings ein wichtiges Merkmal, doch findet sich die ebenerwähnte Lage
nicht nur bei Lumbricus ßaviventris, sondern auch bei einigen anderen Arten,
z. B. bei Lumbricus puter Hoffm. und L. stagnalis Hoffm. Was die Anord-
nung der Borsten auf dem ersten Ringe betrifft, so ist eine ausführliche Be-
schreibung derselben nur dann möglich, wenn Querschnitte angefertigt wor-
den sind, und solche hat der Verfasser augenscheinlich nicht gemacht. End-
lich sind die Grösse und die Färbung der Regenwürmer solche Merkmale,
die sich mit dem Alter ändern. Desshalb scheint es mir, dass Lumbricus ßa-
viventris keine neue Species bildet, sondern nach Leuckart's Beschreibung
dem Lumbricus puter Hoffm. {Dendrobaena Boeckii Eis.) am nächsten
steht, welcher letztere im Norden sowohl nach den Angaben von Eisen, als
auch nach den mir zu Gebote stehenden Materialien weit verbreitet ist.
Im Jahre 1851 hat Grube die Regenwürmerbeschrieben, welche Mid-
d end or ff 6 ) in Nord-und Ost- Sibirien gesammelt hat, und zwar werden folgende
Species mit ausführlicher Beschreibung genannt: Lumbricus communis Hoffm.,
der in der Boganida gefunden worden ist. Nach der Lage des Clitellums,
der Lippe und der Zahl der Ringe steht diese Species der Allolobophora mu-
cosa, die später von Eisen 7 ) beschrieben worden ist, sehr nahe. Ferner wer-
5) Prof. Leuckart. Zur Kenntniss der Fauna von Island (Archiv für Naturg. 1849, p.
159—161).
6) Middendorff. Reise in den äussersten Norden und Osten Sibiriens. St. Petersb. 1851,
Band II, T. I, p. 17—20.
7) Eisen. Om Skandinaviens Lumbricider (Öfversigt af Vetensk. Akadem. Förhandl. 1873,
M 8).
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 182.
T. XIIlj UND IN* SIBIRIEN VORKOMMENDE ARTEN VON REGENWÜRMERN. 89
den aus der Boganida zwei neue Species beschrieben: Lurnbricus triannularis
und Lurnbricus multispinus. In meiner ersten Notiz über die Fauna der rus-
sischen Oligochaeta 8 ) hielt ich diese beiden Species, nach der Beschreibung
Grube's, für neu, fand aber in der akademischen Sammlung das Original-
exemplar des Lurnbricus triannularis, von dem ich später eine ausführliche
Beschreibung geben werde, und will mich jetzt nur auf die Bemerkung be-
schränken, dass meiner Meinung nach diese Species ohne Zweifel zu Lurn-
bricus rubeüus Hoffm. gerechnet werden muss.
Alsdann erschien im Jahre 1858 Gerstfeldt's 9 ) Abhandlung, in welcher
gleichfalls einige hierhergehörige Arten beschrieben sind, so Lurnbricus com-
mwwis Hoffm. (Lurnbricus anatomicus~Dugès), der bei Tomsk, in der Umge-
gend von Irkutsk, an der Luchna und am Amur gefunden worden und mit Allo-
lobophora turgida Eis. identisch ist; ferner Lurnbricus multispinus, der in den
wichtigsten Merkmalen mit dem Lurnbricus multispinus Grube übereinstimmt,
und endlich noch eine neue am Amur gefundene Art, Lurnbricus brcvispinus.
Nach genauer Untersuchung desjenigen Exemplars, auf welches Gerstfeldt's
neue Art begründet ist, habe ich mich überzeugt, dass diese Species mit der
überall in Nord-Europa und in Sibirien vorkommenden Allolobophora foetida
Sav. identisch ist. Weiter unten, bei der näheren Beschreibung des Exem-
plars, werde ich die Gründe auseinandersetzen, welche mich zu dieser Schluss-
folgerung geführt haben.
Was den von Grube beschriebenen Lurnbricus multispinus betrifft, so
muss man denselben nach der Zahl der Borsten und nach dem Fehlen des
Lobus cephalicus für jetzt als eine selbstständige Species anerkennen.
Die Regenwürmer des nördlichen europäischen Russlands sind von Prof.
Kessler 10 ) beschrieben worden, und zwar führt er für die Gouvernements
St. Petersburg und Olonez zwei Arten auf, nämlich Lurnbricus agricola Hoffm.
und Lurnbricus communis Hoffm., welcher letztere der Allolobophora turgida
Eis. ähnlich ist.
In neuester Zeit ist die Fauna der nordischen Lumbricidae hauptsächlich
von dem schwedischen Zoologen Eisen in seinen Arbeiten: 1. Bidrag tili
Skandinaviens Oligochaetfauna u ), 2. Om nâgra arktiska Oligochaeter 12 ),
8) H. KyjiaruHt. Kt> 4>ayH-E Oligochaeta, BCTpinaiomHxcfl bt> Poccin. TpyiM 3ooJior.
Otjveji. 06m,. JIfoôht. EcTecT. t. 1-h.
9) Gerstfeldt. Über einige zum Tkeil neue Arten Platoden, Anneliden, Myriapoden und
Crustaceen Sibiriens. St. Petersburg. 1858, p. 8 — 10.
10) MaTepiajibi ruh. no3Hamfl OHeJKCKaro 03epa h OooHeJKCKaro Kpaa, npeuMymecTBeHHO bt>
soojior. oTHooiemn. CUE. 1868 r.
11) Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. Stockholm 1870, p. 953.
12) Ibid. 1872, JV° 1, p. 119.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 183.
90 NICOLAÜS KULAGIN, ÜBER EINIGE IM EUROPÄISCHEN RUSSLAND [t. XIII
3. Om Skandinaviens Lumbricider 13 ), 4. Om New-Englands och Canadas
Lumbricider 14 ) und 5. On Oligochaeta, collected during the Swedish exped. 15 )
behandelt worden. In der ersten Abhandlung beschreibt der Autor ausführ-
lich die 8 in Schweden und Norwegen vorkommenden Species der Farn. Lum-
bricidae und giebt eine synoptische Tabelle zu ihrer Bestimmung. Eine die-
ser Arten — Lumbricus purpureus — wird vom Verfasser als neu aufgestellt,
und für einige andere, namentlich Lumbricus communis, Lumbricus riparius
und Lumbricus tetraëdrus, werden die auf der Skandinavischen Halbinsel
vorkommenden Varietäten aufgezählt. In der zweiten Abhandlung beschreibt
Eisen ziemlich ausführlich 3 Regenwurm-Arten von der Insel Newfound-
land, namentlich: Lumbricus terrestris, Lumbricus rubellus und Lumbricus
puter. Die dritte Arbeit ist wieder den skandinavischen Regenwürmern ge-
widmet, und zwar theilt der Autor in derselben die besser bekannte Gat-
tung Lumbricus in drei Genera: Lumbricus, Allolobophora und Dendrobaena
und begründet ausserdem noch eine ganz neue Gattung Allurus. Aus der
Gattung Allolobophora beschreibt er 3 neue Species: Allolobophora arborea,
Allolobophora norvegica, Allolobophora subrubicunda. Die vierte Abhandlung
bezieht sich auf Regenwürmer aus Canada, New-Foundland und dem Briti-
schen Nord- Amerika ; es werden darin zwei Arten Lumbricus und 6 Arten
Allolobophora behandelt, von welchen letzteren die drei folgenden neu sind:
Allolobophora tumida, Allolobophora tenuis und Allolobophora parva. Ausser-
dem ist daselbst auch eine neue Gattung Tetragonus aufgestellt mit einer Art
T. pupa aus Canada.
Die Regenwürmer von Nordenskiöld's Sibirischer Expedition sind von
Dr. Eisen in seiner fünften und letzten Arbeit beschrieben worden: darun-
ter findet sich eine neue Art Allolobophora Nordenskiöldi, die von dem Ufer
des Jenissej und von der Insel "Waigatsch stammt, ferner eine andere Art,
Allolobophora carnea, die bei Werchojansk (lat. 68°45') und Wirogovo Selo
(60°50') vorkommt, und endlich Dendrobaena rubida, die zwischen Tomsk und
Krasnojarsk (lat. 50°) im Dorfe Jurgotskoje (lat. 62°50') und in Nowaja
Semlja (lat. 73°20') gefunden worden ist.
Alle Untersuchungen von Eisen zeichnen sich überhaupt durch ausführ-
liche, gewissenhafte Beschreibung des ihm zu Gebote stehenden Materials
aus, dennoch kann ich demselben in der Bestimmung der von ihm als neu
beschriebenen Arten nicht beistimmen. In der That, Eisen benutzt als cha-
rakteristische Unterschiede der Arten die Anwesenheit der sogenannten «Tu-
bercula pubertatis» auf dem einen oder dem anderen Segmente, ferner sehr
13) Ibid. 1873, .V« 8, p. 43.
14) Ibid. 1874, N° 2, p. 41.
15) Kongl. Svenska Vet. Akad. Handl., Band 15, 1879.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 184.
T. XIIl] UND IN SIBIRIEN VORKOMMENDE ARTEN VON REGEN WÜRMERN. 91
unbedeutende Verschiedenheiten in der Zahl der Clitellumsegmehte (von 1 bis
3), alsdann die allgemeine Zahl der Segmente und endlich die Körperfär-
bung. Bei meinen anatomischen und embryologischen Untersuchungen der
Regenwürmer Moskau's habe ich mich nämlich überzeugt, dass alle diese
Merkmale sehr veränderlich sind, und dass deren Ausbildung oder Verküm-
merung vom Alter des Regenwurms und von der Jahreszeit, in welcher er
gefangen worden, abhängt. Desshalb sind die folgenden Arten: Attolobophora
subrubicunda, Attolobophora norivegica, Attolobophora tumid a und Attolobophora
parva hinsichtlich ihrer artlichen Selbstständigkeit nicht über allen Zweifel
erhaben.
Die letzte Arbeit über die Fauna der nordischen Regenwürmer ist mein
Referat über die im nordwestlichen Sibirien von N. Gondatti gesammel-
ten Regenwürmer (gelesen in der Sitzung der Zoologischen Abtheilung der
Gesellschaft der Frelinde der Naturwissenschaft, Anthropologie und Ethno-
graphie). N. Gondatti hat an den Flüssen Soswa und Ob drei Arten der in
Rede stehenden Familie gefunden, nämlich: Lwnbricus rubellus Hoffm.,
Attolobophora foetida Sav. und Attolobophora tenuis Eis.
Die mir von dem Zoologischen Museum derKai serlichen Akademie der
Wissenschaften zur Bearbeitung zugesandte Sammlung enthielt folgende
Gattungen und Arten:
I. Allolobophora foetida Sav.
Syn. ? Enterion foetidum Sav., Cuvier, Hist, des Prog. d. Sc. Nat. T. 4, p. 14. Paris 1828.
Lumbricus foetidus Dugès, Annal, d. Scienc. Nat. Ser. II, T. VIII, p. 17, 21, fig. 4.
? Enterion fimetorum Fitzinger. Beobacht. über die Lumbrici. Isis 1833, p. 549 — 557.
Lumbricus annularis Templeton. Ann. Mag. nat. bist. IX, 1836, p. 233.
— ölidus Hoffmeister. Die bis jetzt bek. Art. a. d. Farn. d. Eegenw , p. 32, fig. 5.
ATlolobophor a foetida Eisen. Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. Förbandl. 1873, JY° 8, p. 50 — 51,
fig. 3 u. 4.
Von dieser Art habe ich Exemplare von folgenden Fundorten untersucht:
8 Exemplare aus "Werchojansk von Baron E. Toll in Mai 1885 gefun-
den. Der Kopflappen ist bei einigen Formen von dem ersten Ringe scharf
abgesondert, bei anderen mit ihm verschmolzen. Die Rückenseite des
9-ten, 10-ten und 11-ten Ringes ist breiter als bei allen anderen. Vom 9-ten
an sind die Rückenporen deutlich sichtbar, eine Andeutung derselben ist
zuweilen schon vom 6-ten an bemerkbar. Die Vulva ist deutlich oder wenig-
sichtbar; das Clitellum reicht vom 26 -sten, oder 27-sten bis zum33-sten; der
erste Ring zeichnet sich mehr oder minder von den anderen aus. Vom 15-ten
bis zum 26-sten Ringe findet sich zuweilen an jeder Seite eine Leiste. Die
Gesammtzahl der Ringe schwankt zwischen 81 und 109. Die Totallänge
beträgt 5 — 8,8mm.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 185.
92 NICOLAUS k'ULAGIN, ÜBER EINIGE IM EUROPÄISCHEN" KUSSLAND [t. XIII
3 Exemplare von der Insel Spitzbergen, wahrscheinlich von Akad. C.
E. von Baer's Expedition. Zwei davon ohne Clitellum, das dritte besitzt ein
Clitellmn, das vom 27-sten bis zum 33-sten Ringe reicht. Alle Exemplare
sind schlecht erhalten, was deren ausführliche Beschreibung unmöglich macht.
2 Exemplare vom Flusse Jenissej von Fr. Schmidt gesammelt. Das
eine mit Clitellum vom 26-sten bis zum 32-sten Ringe: die Clitellumringe
sind deutlich gesondert. Die Vulva fehlt. Die Länge beträgt 7,7 mm.; die Ge-
sammtzahl der Ringe beläuft sich auf 113. Das andere Exemplar ist klein
und ohne Clitellum. Beide stehen der Färbung nach der von mir aus dem
Moskauer Gouvernement beschriebenen Varietät von AUolobophora fottida
Sav. sehr nahe 16 ).
2 Exemplare aus Padun am Baikal-See von Czekanowsky gesam-
melt. Das Clitellum reicht vom 26-sten bis zum 33-sten Ringe und vom
15-ten bis zum 27-sten findet sich auf jeder Seite eine Leiste. Ringelzahl
130 — 138. Länge 7 — 8 mm. Das eine Exemplar ist dunkel gefärbt.
1 Exemplar aus Port-Ajan am Ochotskischen Meere von Wosnes-
sensky 1846 gesammelt, leider schlecht erhalten. Das Clitellum reicht
vom25-stenbis zum 32-sten Ringe; die Vulva ist nicht deutlich.
2 Exemplare aus Bolschoje Simowje von Dr. Bunge am 17./29. Juli
gesammelt. Das Clitellum erstreckt sich bei beiden vom 27-sten bis zum
39-sten Segment, die Gesammtzahl der Segmente ist 96, die Länge 5,5 mm.
II. AUolobophora tenuis Eis.
Eisen. Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1874, JV» 2, p. 44—45, fig. 1—4.
Syn. AUolobophora arborea (?) Eisen. Ude. Zeitschrift f. wiss. Zoolog., Bd. XLIII, p .133 — 134.
In der Sammlung sind zwei Exemplare vorhanden, von denen das eine
von Dr. Bunge den 17. Juli in Bolschoje Simowje, das andere von Baron E.
Toll inDolgulach gefunden worden ist. Bei beiden ist der Kopflappen deut-
lich sichtbar, hinten viereckig und nimmt % des Kopfringes ein. Das Cli-
tellum ist bei dem einen undeutlich sichtbar, bei dem anderen dagegen stark
entwickelt und reicht vom 2 5 -sten bis zum 30-sten Ringe. Die Gesammtzahl
der Ringe beträgt bei dem letzteren Exemplar 106. Die Vulva ist fast nicht
zu bemerken. Die Länge beträgt 70 mm., ist also um 10 mm. länger als von
Eisen in der Diagnose angegeben ist.
III. AUolobophora carnea Sav.
Syn. Enterion carneum Savigny. Cuv., Hist, des Prog. d. Sc. Nat., T. 2, p. 12.
Lumbricus trapezoideus Dugès. Annal, d. Sc. Nat., Sér. II, T. VIII., p. 22.
16) H. M. KyjiariiHt. Hsb^ct. O-Ba JIioo. EcTecTu. IIpoTOK. 3acE,H,. ota'bji'b 3oojiorin T. I,
Bbin. 1-fi 1886 r., CTp. 145.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 18G.
T. XIIl] UND IN SIBIRIEN VORKOMMENDE ARTEN VON REGENWÜRMERN. 93
Lumbricus communis earneus H off m eis ter. Die bis jetzt bek. Art. aus d.Fam.d. Regenw. p. 27.
— aquatilis Vejdovsky. System und Morpholog. der Oligochaet. 1884.
Allolobophora mucosa Eisen. Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad. Förh. 1873 JV» 8. p. 47, fig.
7—10.
Lumbricus mucosus Tauber. Annulata Danica. 1879, p. 36.
Zu dieser Art muss der von Grube beschriebene Lumbricus communis
Hoffm., der von Middendorff an der Boganida gefunden worden ist, ge-
rechnet werden. Ich hatte drei Exemplare von der Boganida zu meiner Ver-
fügung. Der Form der Lippe, des Clitellums, der Ringzahl und dem allge-
meinen Habitus des Körpers nach stimmen sie mit der typischen Allolobo-
phora mucosa Eisen überein.
IV. Lumbricus triannularis Grube.
Middendorff. Sibirische Reise, B. II, t. 1. 1851, p. 18 T. II, fig. 3.
Die Charakteristik, welche Grube von dieser Art gegeben hat, ist fol-
gende: Uncinis binis utrinque distichis, in omnibus segmentis aeque dispositis,
segmentis 79 triannularibus, annulo medio paulo elato, uncinos ferente, vul-
vis sub segmento 1 5-mo sitis, clitellis minimum a 29-no usque ad 3 1-mum per-
tinentibus, processu postico lobi capitalis totum segmentum buccale dividente.
Grube, der nur ein Exemplar dieser Species von der Boganida untersucht
hat, sagt, dass dieselbe sich von den anderen Arten durch die dreiringeligen
Segmente, durch die Abwesenheit des Clitellums und durch die Zahl der
Ringe (79) unterscheidet. Bei den beiden Arten Lumbricus agricola und Lum-
bricus rubellus Hoffm., welche der Lippenform nach der Grube'schen Art
am nächsten stehen, schwankt die Ringzahl bei der ersteren zwischen 154 —
180, bei der zweiten zwischen 120 — 140.
Nach den sibirischen Exemplaren von Lumbricus rubellus, die zu mei-
ner Verfügung standen, und nach genauer Untersuchung des Exemplars, auf
welches Grube seine neue Art begründet hat, habe ich mich überzeugt, dass
diese Species nicht für neu gehalten werden kann. Erstens sind die dreiringe-
ligen Segmente eine Erscheinung, die ausschliesslich von der Wirkung der
Reaktive abhängt, wie man sich leicht überzeugen kann, wenn man einige
Exemplare des Lumbricus rubellus Hoffm. in starken Spiritus legt. Was die
Grösse des Clitellums und die Zahl der Ringe bei Lumbricus triannularis
Grube betrifft, so variiren dieselben je nach dem Alter des Regenwurms
und nach der Jahreszeit, in der er gefunden worden. Meiner Meinung nach
kann Lumbricus triannularis nicht für eine neue sibirische Species gehalten
werden, sondern muss mit dem in Sibirien verbreiteten Lumbricus rubellus
vereinigt werden.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 187. 8
94 NICOLAUS KULAGIN, ÜBER EINIGE IM EUROPÄISCHEN RÜSSLAND [t. XIII
V. Lumbricus brevispinus Gerstfeldt.
Gerstfeldt. Über einige zum Theil neue Arten Platoden, Anneliden, Myriapoden und Crusta-
ceen Sibiriens, p. 9, 1858.
Von dieser Art stand mir das Originalexemplar aus der Gegend der Sun-
gari-Mündung zu Gebote. Aus der von Gerstfeldt gegebenen Diagnose er-
sieht man, dass der Hauptunterschied zwischen dieser Art und den übrigen
darin besteht, dass bei dem Lumbricus brevispinus der Kopflappen und die
Borsten unentwickelt sind und das Clitellum fehlt. Bei Determination von jun-
gen Exemplaren der einen oder der anderen Art habe ich die Bemerkung
gemacht, dass bei ihnen alle charakteristischen Merkmale viel kleiner, als bei
den erwachsenen sind; da§ Clitellum erscheint nur in der Zeit der Geschlechts-
reife. Daher scheint es mir, dass die Begründung neuer Arten auf die stär-
kere oder schwächere Entwickelung des einen oder des anderen Merkmals
nicht zulässig ist, besonders wenn die Abänderungen, welche vom Alter des
Exemplars abhängen, nicht bekannt sind. Ausserdem bin ich nach genauer
Untersuchung des Exemplars, welches von Gerstfeldt beschrieben worden
ist, zu dem Schluss gekommen, dass es, der Lippenform und dem Gesammt-
habitus nach, ohne Schwierigkeit zu AUolobophora foetida gerechnet werden
kann.
VT. Lumbricus rubellus Hoffm.
Syn. Enterion rubellum Orley. A mag. Oligoch. Faun. Budapest. 1881, p. 570.
Zwei Exemplare aus Werchojansk von Baron Toll gesammelt. Der Lip-
penform, der Clitellumlage und der Ringzahl nach stimmen sie vollkommen
mit Hoffmeister's Diagnose dieser Art 17 ) überein.
VII. Dendrobaena rubida Sav. var.
Syn. Enterion rubidum Savigny, Cuvier Hist, des Prog. d. Scienc. Nat. Tom 4, p. 20, Paris 1828.
Lumbricus rubidus Dugès. Annal, d. Scienc. Nat. Ser. II, T. VIII, p. 23.
Lumbricus puter Hoffmeister. Die bis jetzt bek. Art. a. d. Fam. d. Regenw., pag. 33, fig. 6.
Lumbricus flaviventr is Leuckart. Archiv fur Naturg. 1849, p. 159.
Lumbricus puter Johns t., Catal. of the Brit, non-parasit worms, pag. 62.
Lumbricus pieter Udekem. Mem. Acad. roy. Belg. T. XXXV, Tab. 4.
Dendrobaena Boeckii Eisen. Öfvers. af Kongl. Vet. Akad. Förhandl. 1873, JV» 8, p. 53 — 54.
Einige Exemplare von der Insel Kildin von Herrn S. M. Herzenstein ge-
sammelt. Sie unterscheiden sich von den typischen Exemplaren, der von
Eisen beschriebenen Dendrobaena Boeckii einerseits durch die Lippenform,
denn bei den von Hrn. Herzenstein gefundenen Exemplaren nimmt der Lobus
cephalicus nicht 3 / 4 des Kopfsegmentes ein, sondern theilt das erste Seg-
17) Hoffmeister. Die bis jetzt bekannten Arten aus der Famil. der R.egenwürmer. Braun-
schweig, 1845.
Bulletin N. S. I (XXXni) p. 188.
T. XIIl] UND IN SIBIRIEN VORKOMMENDE ARTEN VON REGENWÜRMERN. 95
ment in zwei Hälften. Andererseits stehen die Borsten jeder Reihe viel wei-
ter von einander ab, als bei den Exemplaren dieser Art, welche sich in der
Sammlung des Zoologischen Museums der Moskauer Universität befinden
und von dem Prof. Vejdowsky stammen. Auf Grund dieser zwei Merkmale
kann man, meiner Meinung nach, diese Form für eine besondere Varietät
der Bendrobaena rubida Sav. (Dendröbaena BoecJcii Eis.) halten. Das Cli-
tellumreichtvoni28-stenbis zum 32-sten Ringe. Die Gesammtzahl der Ringe
beträgt 70.
Die Exemplare mit der Aufschrift: «Mammuth-Expedition, Schmidt»
und aus dem See Taimyr von Middendorff konnten nicht bestimmt wer-
den, da sie zu schlecht erhalten sind.
Aus allem Angeführten ergiebt sich, dass für den Norden Europa's, Asiens
und Nord-Amerika's überhaupt folgende Arten beschrieben sind:
1. Lumbricus terrestris Lin. (Island, Skandinavien, Nord-Russland, New-Foundland und Nord-
Amerika).
2. — rubéllus H off m. (Skandinavien, Sibirien und New-Foundland).
3. — pur pur eus Eisen (Skandinavien, New-Foundland).
? 4. — midtispinus Grube (Sibirien).
5. ÄRolobophora foetida Sav. (Skandinavien, Sibirien und Nord-Amerika).
6. — tenuis Eisen (Skandinavien, Sibirien und Nord- Amerika).
7. — carnea Sav. (Skandinavien, Sibirien und Nord- Amerika).
8. — cyanea Sav. (Skandinavien, Nord-Russland, Sibirien und Nord- Amerika).
? 9. Nordenshioldii Eisen. (Skandinavien, Sibirien, Nord-Amerika und New-
Foundland).
?10. — subrubicunda Eis. (Sibirien).
?11. — tumida Eisen (Nord- Amerika).
?12. — parva Eisen (Nord- Amerika).
?13. — arbor ea Eisen (Skandinavien).
?14. — norwegica Eisen (Norwegen).
15. — chlor otica Sav. (Skandinavien und Nord- Amerika).
16. Bendrobaena rubida Sav. (Skandinavien, Nord-Russland und Nord- Amerika).
17. Ällurus tetraëdrus Sav. (Skandinavien).
18. Tetragonurus pupa Eis. (Nord- Amerika).
Wenn man diejenigen Arten, denen ich ein Fragezeichen vorgesetzt habe,
nicht als neue Arten anerkennen will, da sie auf sehr unwesentlichen Merk-
malen beruhen, so bleiben für die nördlichen Gegenden folgende Arten
übrig:
Lumbricus terrestris L.
— rubéllus H o ff m.
— purpureus Eis.
Allolobophora foetida Sav.
— tenuis Eis.
— carnea Sav.
— cyanea Sav.
— chlor otica Sav.
Bendrobaena rubida Sav.
Tetragonurus pupa Eis.
Ällurus tetraëdrus Sav.
Bulletin N. S, I (XXXIII) p. 189.
96 NICOLAUS KULAGIN, ÜBER EINIGE IM EUROPÄISCHEN RUSSLAND U. S. W. [T. XIII
Die Verbreitung dieser Arten erstreckt sich über ein weites Gebiet, denn
sie sind in Nord- Amerika, Sibirien, Nord-Russland und Skandinavien gefunden
worden. Einige Arten, wie Lumbricus rubettus, L. terrestris, L. purpureus,
Allolobophora cyanea, A. foetida, A. carnea, A. chlorotica, Dendrobaena ru-
bida und Allurus tetraëdrus werden nicht nur im Norden der alten und neuen
Welt angetroffen, sondern auch in Mittel- und Süd-Europa. Eine solche aus-
gedehnte geographische Verbreitung der gleichen Arten ist meiner Meinung
nach durch die Lebenweise derselben zu erklären: alle Arten der Farn. Lum-
bricidae halten sich in der Erde auf, wo der Kampf um's Dasein und die
äusseren Bedingungen — die Hauptfaktoren für die Erscheinung der Ar-
ten — sehr einförmig und schwach wirken.
Was die von mir bearbeitete Lumbricidensammlung der Kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften speciell anbetrifft, so bietet sie nicht nur ein
allgemeines Interesse dar, sondern hat noch einen besonderen Werth, da sie
Exemplare aus dem höchsten Norden enthält.
Zum Schluss halte ich es für meine Pflicht, Herrn Akademiker A.
Strauch, Director des Zoologischen Museums der Akademie, der mir die
Möglichkeit gegeben hat, die akademische Lumbricidensammlung zu bear-
beiten, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen.
oOf^O
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 190.
MANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE SL-PÉTEHSBOUBG,
TOME XIII.
Liste des espèces du genre Scolytus de la collection du Musée de l'Académie
Impériale des sciences de St. Pétersbourg. Par Ivan Schevyrew,
assistant de zoologie à l'institut forestier. (Lu le 1 9 décembre 1889).
Grâce à l'aimable permission de Mr. le directeur du Musée, l'académicien
A. A. Strauch, j'ai eu la possibilité d'étudier la riche collection des Sco-
lytiens de la faune russe, qui se trouve dans la section entomologique du
Musée de l'Académie. Dans cet article je présente la-liste des espèces du
genre Scolytus Geoffr. de cette collection, déterminées par moi. En donnant
le nom de chaque espèce, je place aussi celui de la personne, qui l'a procurée
et de la localité, où cette espèce a été trouvée. A mesure que j'aurai l'occa-
sion d'étudier les autres groupes de cette intéressante famille des Coléoptères
j'espère publier aussi les résultats de ces études.
Scolytus Geoffr.
1. Geoffroyi Goetze $ Sarepta — Christoph.
S $ Kharkow — Schevyrew.
2. Batzéburgii Jans. $ St. Pétersbourg t „ , ,
$ Astrakhan /
(5$ Sibérie, Radeewka (Amour) — Christoph.
Daurie, Tschita, rivière Ingoda — Czeka-
nowsky.
S. W. Baikal — S olsky.
Monts Boureia — Radde.
3. pygmaeus Fabr. $ Koslow — Solsky.
<$Ç Kharkow — Schevyrew.
4. carpini Er. Caucase, Borshom — Schevyrew.
5. pruni Rtzb. Caucase, Tiflis
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 469.
> — Schevyrew.
Nowotscherkask J
98- I. SCHEV Y RE W, LISTE DES ESPÈCES DU GENRE SCOLYTUS DE LA COLLECTION [t. XIII
6. intricatus Koch. $2 19—22 mai; gouvt. de ]
Woronège > — Czekanowsky.
19 juin; gouvt. de Pensa j
Koslow \ ri i i
> — Solsky.
Samara j
7. rugulosus Koch. Sarepta — Becker.
Kharkowï ,
> — Schevyrew.
Tiflis / J
8. amygdali Guér. Tiflis — Schevyrew.
Je pense que cette espèce ne doit pas être considérée que comme une
variété de l'espèce précédente.
9. Kirschii Skal. Kiew — Schevyrew.
10. muUistriatus Marsh. Sarepta
Sarepta 1
Koslow / "*'
Kharkow — Schevyrew.
Sibérie, Wladiwostok — Christoph.
11. ventrosus nov. sp.
Niger, nitidus, antennis tarsisque ferrugineis; fronte subconvexa, a
marginis anterioris medio radiatim aciculata; prothorace latitudine vix
longiore, parce punctato, punctis in disco subtilioribus, ad apicem late-
raque profundioribus, congestis; elytris prothorace vix longioribus, striato-
punctatis, interstitiis planis, primis et secundis multipunctatis, ceteris unise-
riatim punctatis, ad latera apicemque punctis irregularibus, sutura a basi
ad medium depressa. Abdomine parum truncato, a basi versus apicem vix
ascendente; marginibus segmentorum posticis subincrassatis, medio vix
tuberculatis; segmento ultimo linea longitudinali media depresso.
1. $ Long. 6 millim.
Wladiwostok (Sibérie) — Christoph.
12. unisjpinosus nov. sp.
Niger, nitidus, antennis tarsisque ferrugineis; fronte subplana, pilis flavis
convergentibus hirta; prothorace latitudine vix longiore, disco subtiliter
punctato, punctis lateribus majusculis congestis; elytris prothorace vix lon-
gioribus, striato-punctatis; interstitiis planis, primis irregulariter punctatis,
strigellis nonnullis obliquis, ceteris uniseriatim punctatis, ad latera apicemque
punctis irregularibus, sutura a basi ad medium depressa. Abdominis segmento
Bulletin N. S, I (XXXIII) p. 470,
T. XHl] DU MUSÉE DE L'ACADEMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST. PÉTERSBOURG. 9 9
secundo appendice conico, brevi, acuto, decliviter instructo; marginibus
segmentorum lateralibus subincrassatis.
1. $ Long. 5 1 /, millim.
Tiflis (Caucase) juin. — Sew asti an off.
13. dauricus Chap. var. Königi mihi:
Abdominis segmento ultimo integro non bilobato ut in specie Chapuisi.
$ Ç Turkomania, Kopet-Dag. — König.
OÏSeîoo
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 471.
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIRES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Zur Structur der Nervenfaser. Von Ph.Owsjannikow.(Lu le 30 janvier 1890).
Ende des Jahres 1888 erschien in den Sitzungsberichten der König-
lichen Preussischen Akademie der Wissenschaften, eine Untersuchung von
Dr. Max Joseph, über einige Bestandtheile der peripheren markhaltigen
Nervenfaser. In diesem Artikel spricht der Verfasser unter Anderem über
die Structur des Axencylinders und weist nach, dass derselbe bei allen von
ihm untersuchten Thieren, auf seiner ganzen Länge, eine regelmässige Quer-
streifung zeigte. Um dieselbe zu erhalten, behandelte er die Nerven mit l°/
Lösung von salpetersaurem Silberoxyd und einer Mischung von 10% Salpe-
tersäure mit Wasser. Nachdem die Nerven in dieser Flüssigkeit einige
Stunden gelegen haben, bringt er dieselben erst in eine schwache, dann in
eine stärkere Lösung von doppeltchromsauren Kali, bis sie erhärten, und
untersucht sie alsdann auf Längsschnitten.
Ganz unabhängig von dieser Mittheilung erschien in demselben Jahre,
wahrscheinlich um einige Zeit früher, eine Schrift von Jakimowitsch *),
welche einen ähnlichen Gegenstand behandelt. Dieser Autor hat die Quer-
streifung des Axencylinders ebenfalls gesehen und abgebildet. Er geht aber
in seinen physiologischen Betrachtungen viel weiter als der erstere. Während
Max Joseph die Querstreifung der Cylinderaxis als einen Ausdruck nur
wirklicher Structurverhältnisse dieses Gebildes auffasst, bringt Jakimo-
witsch diese Erscheinung mit der Thätigkeit des Nerven in Verbindung. Er
fand keine regelmässige oder scharf ausgesprochene Streif ung in den Bücken-
marksnerven eines mit Curare vergifteten Frosches, ebenso wenig auch in
den Fasern des Opticus, wenn dieser Nerv unthätig war. Jakimowitsch
hat die Querstreifung aber auch in den Nervenzellen beobachtet und nimmt
in den Nervenfasern mehrere Arten derselben an. Näheres über die Unter-
suchungsmethode, über einzelne Ergebnisse und Schlüsse, so wie auch über
die frühere, hierher einschlagende Literatur, ist in den beiden citirten
Arbeiten nachzusehen. Ich gehe jetzt zur Beschreibung meiner eigenen
Beobachtungen über.
1) Journal de 1' Anatomie et de la Physiologie, normales et pathologiques de l'homme et des
animaux. 1888, Paris.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 497. 8*
102 PH. OWSJANNIKOW, [T. XIII
Ich richtete anfangs meine Aufmerksamkeit auf die marklosen Nerven
des Flusskrebses. Es ist bekannt, dass im Centralorgane dieses Thieres die
Nerven nur aus Cylinderaxen bestehen, die aber eine überaus grosse Breite
erlangen, also zur Untersuchung der feinen Structur sehr geeignet erscheinen,
wie ich, vor längerer Zeit, an grösseren Krebsen gezeigt habe. Das Central-
nervensystem wurde auf verschiedene Weise, auch nach der Vorschrift von
Max Joseph mit salpetersaurem Silberoxyd behandelt, ohne dass die Quer-
streifung zur Ansicht kam, und auch andere, sehr verschiedene Reactive, wie
chlorsaures Gold, Safranin, Osmiumsäure, Salzlösung, Picrinsäure, picrin-
saures Carmin, Haematoxylin, so wie noch weitere Färbungsmittel führten
zu negativen Resultaten.
Ich ging nun zur Untersuchung der markhaltigen Nerven über und
benutzte zu diesem Zwecke den N. ischiadicus des Frosches. Nachdem der
Frosch durch Decapitation getödtet und sein Rückenmark zerstört worden
war, entnahm ich ein Stück des Ischiadicus, legte dasselbe in eine Mischung
aus gleichen Theilen 10°/ Salpetersäure und einer Lösung von 1 Theil sal-
petersaurem Silberoxyd auf 300Theile Wasser, Hess es einige Stunden darin
und brachte es dann in einem dunklen Räume unter. Wie spätere Versuche
mir gezeigt haben, ist es durchaus nicht nöthig, die oben angeführte Quan-
tität von 1 0°/ Salpetersäure der Silberlösung hinzuzufügen ; man erhält
dieselben Resultate, wenn man auch nur ein Viertel oder ein Fünftel davon
anwendet. Darauf wurde das Präparat in destillirtem Wasser ausgespült und
in demselben ein oder zwei Tage gelassen. Jakimowitsch 2 ) berichtet, dass
die Nerven, nachdem dieselben aus der Salpeterlösung entfernt, in frisches
Wasser übergeführt und dann einer intensiven Beleuchtung ausgesetzt worden
waren, schon in einigen Minuten braun wurden. Hier, in St. Petersburg, beson-
ders in unseren dunklen Decembertagen, müssen die Präparate stundenlang
dem Lichte ausgesetzt werden, bis sie eine bräunliche Farbe erhalten.
Nachdem die Nerven in einem Tropfen Glycerin unter der Lupe mit
Präparirnadeln in feine Fasern zerlegt waren, wurden sie unter das Microscop
gebracht und bei massiger Vergrösserung (Seibert 5. Oc. I) untersucht. Es
erwies sich, dass einzelne Nerven und Nervenbündel etwas stärker gefärbt
waren, als die anderen. Besonders stark färbten sich die Enden des Nerven-
bündels und boten ein überraschendes Bild. Man glaubte Insectenmuskeln
vor sich zu haben. Schwarze oder braune, schmale, regelmässige Streifen
wechselten mit hellen ab. Der dunkle Strich war nicht gleichmässig schwarz
oder braun, sondern Hess zuweilen regelmässige Linien erkennen, welche an
die Primitivfibrillen der quergestreiften Muskeln erinnerten. Wenn man in
2) 1. c, pag. 150.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 498.
T. XIIl] ZUR STRUCTUR DER NERVENFASER. 103
einigen Präparaten keine Querstreifung entdecken konnte, so brauchte man
nur schwach auf das Deckgläschen zu drücken oder zu klopfen, um ihrer
ansichtig zu werden. Durch diese Manipulation wird das Nervenmark
zusammengepresst, wodurch der A xency linder und an ihm die Querstreifung
zu Tage tritt. Die nähere Untersuchung der Querstreifung ergab, dass dieselbe
in manchen Nerven sich nur auf den Axencylinder beschränkte, in anderen
Fällen auf den ganzen Nerveninhalt, nämlich auch auf das Nervenmark ver-
breitet war. Es fanden sich nämlich Niederschläge in den Lantermann'schen
Einkerbungen. Die beiden oben genannten Forscher sprechen nur von den
Streifen in dem Axencylinder und bilden dieselben auch nur auf ihm ab. Die
Streifung des Cylinders kam allmählich zum Vorschein und wurde erst nach
einigen Tagen gut sichtbar. Es unterliegt also keinem Zweifel, dass bei
gewisser Behandlung der Nerven mit salpetersaurem Silberoxyd, der Axen-
cylinder eine sehr regelmässige Streifung erhält, die uns unwillkürlich an
quergestreifte Muskeln erinnert. Die schwarzen Streifen wechseln mit hellen
ab und wenn der Axencylinder allein gefärbt ist, so fangen die Streifen von
den Ranvier'schen Schnürringen an und liegen hier sehr nahe an einander. In
einiger Entfernung stehen die dunklen Streifen etwas weiter von einander ab.
Nachdem die oben beschriebene Querstreifung in den markhaltigen Nerven
festgestellt worden, ist die Frage zu beantworten, ob dieselbe wirklich mit
dem Ruhezustande oder der Thätigkeit des Nerven in irgend einem Zusam-
menhange steht, wie es Jakimowitsch vermuthet. Ich muss gestehen, dass
mir seine Ideen von vorn herein etwas zu kühn erschienen. Allerdings ist
es ganz natürlich und verständlich, dass jeder Forscher sich selten mit rein
histologischen Thatsachen zufrieden giebt, sondern nach Gesetzen sucht,
welche diese Thatsachen hervorgerufen haben, und sich bemüht der anato-
mischen Structur physiologische Gründe unterzulegen. Da Jakimowitsch
bei seinen physiologischen Betrachtungen sich auf Beobachtungen stützt, so
unternahm ich auch eine Reihe von Versuchen in seinem Sinne. Zuerst muss
ich hervorheben, dass ich meine Beobachtungen im December und Januar
angestellt habe, an Fröschen, welche schon ziemlich abgemagert waren.
Nachdem ich den Frosch mit Curare vergiftet und das Thier sich eine Zeit-
lang im Vergiftungszustande befunden hatte, schnitt ich den N. ischiadicus
heraus. Natürlich konnte von Nerventhätigkeit oder Nervenreizung, nach
einem solchen Versuche, nicht mehr die Rede sein. Trotzdem konnte, bei
geeigneter Behandlung, die Querstreifung des Axency linders, fast in allen
Nerven, auf's Klarste gesehen werden, ganz in derselben Weise, wie bei unver-
gifteten Fröschen. "Wenn Jakimowitsch bei ähnlichen Versuchen andere
Resultate erhalten hat, so müssen höchstwahrscheinlich irgend welche zufäl-
lige Bedingungen bestanden und solches hervorgerufen haben.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 499.
104 PH. OWSJANNIKOW, [ï. XUI
Einige Forscher — Lawdowsky, Schiefferdecker und anderehalten
die Fromann'sche Querstreifung für ein Kunstproduct. Lawdowsky glauht,
dass die Membran des Axencylinders, das Axolema, sich in Falten legt und da-
durch die Querstreifung bedingt wird, eine Ansicht, die auch von einigen
anderen Forschern getheilt wird.
Wir wollen nun versuchen, eine genauere Einsicht über einige, am Axen-
cylinder beschriebene Eigenthümlichkeiten zu gewinnen. Jakimowitsch
erwähnt, dass der Axencylinder an der Stelle der Einschnürung des Nerven
keine Verdickung zeigt, wie man sie gewöhnlich an dieser Stelle beschreibt.
In gewissem Sinne hat er auch vollkommen recht, denn das Auftreten und
das Fehlen dieser Verdickung scheint zum Theil von der Art und Weise,
wie die Präparate bereitet worden, abzuhängen. Bei practischen Übungen,
mit den Studenten der Universität verfuhren wir, um die Kreuze von Ran vier
zu zeigen, auf folgende Weise: Es wird ein frischer Nerv auf-dem Objectiv-
glase in einem Tropfen Wasser mit Nadeln zerzupft, darauf betupft man das
Präparat mit ein Paar Tropfen Lösung von salpetersaurem Silberoxyd,
spült dasselbe mit destillirtem Wasser ab, bedeckt das Präparat mit einem
Deckgläschen, fügt einen Tropfen Glycerin hinzu und setzt es dem Lichte
aus. Nach zwei Stunden hat man bei günstiger Beleuchtung die Ranvier'schen
Kreuze vor sich. In diesen Präparaten sind an Stella der Schnürringe häufig
Verdickungen am Axencylinder zu bemerken. Die schwarzen Kreuze, die
selbst bei mittelgrossen Systemen zu sehen sind, entstehen auf folgende Weise.
Der ziemlich lange Längsstrich rührt vom schwarzgefärbten Axencylinder
her, der kürzere Querstrich entspricht häufig fast dem Querschnitte des
Nerven und wird durch eine Art von Kittsubstanz bedingt, welche die Stelle
der sogenanten Ranvier'schen Schnürringe einnimmt. Wenn unsere Präparate
in anderer Weise, und zwar so bereitet waren, dass ein Theil des Nerven-
stammes in seinem natürlichen Zustande erst zerzupft wurde, nachdem er
einige Zeit hindurch in Silberlösung, darauf in destillirtem Wasser gelegen
und dann, dem Lichte ausgesetzt, eine bräunliche Farbe erhalten hatte, so
zeigten sich die oben erwähnten Kreuze seltener und weniger regelmässig.
Die schwarzen Längslinien waren vorhanden, die Querlinien dagegen erschie-
nen kurz, oder fehlten ganz, oder es waren auch anstatt einer, mehrere kür-
zere Querlinien zu sehen. Ich habe die Bereitung des Präparates noch etwas
modificirt: Ich befestigte nämlich den Nervenstamm an einem hölzernen
Stäbchen in der Art, wie man mit Muskeln verfährt, welche man in aus-
gespanntem Zustande untersuchen will, und zwar wurde der Nerv dabei
nur massig ausgezogen. Nachdem derselbe 24 Stunden in Silberlösung und
schwacher Salpeterlösung gelegen hatte und eben so lange in destillirtem
Wasser, wurde er mit dem Stäbchen zusammen in Spiritus, anfangs in schwa-
Bnlletin N. S. I (XXXIII) p. 500.
T. XIIl] ZUR STRÜCTÜR DER NERVENFASER. 105
chen, später in 95° gelegt und darauf in Nelkenöl übertragen oder auch in
Glycerin untersucht. Wenn so behandelte Nerven zerzupft wurden, waren die
Kreuze sehr häufig garnicht zu sehen. Die schwarze Längslinie war vor-
handen und der Silberniederschlag erstreckte sich über die beiden Stücke
der sich gewöhnlich berührenden Schwann'schen Nervenscheiden. Hier waren
aber die beiden Nervenstücke durch ein schmales Zwischenstück mit einander
verbunden. Der schwarze Niederschlag bedeckte häufig den Axencylinder,
wie ein Muff, und Hess sich in derselben Form auf eine kurze Strecke im Innern
des Nerven verfolgen. In diesen Präparaten waren die Verdickungen des
Axencylinders meist nicht vorhanden. Ich versuchte ferner die frischen Nerven-
stämme an einem Ende mit Gewichten zu belasten und dann in den oben
erwähnten Lösungen aufzuhängen, wobei die weiteren Manipulationen die-
selben waren wie oben. Diese Versuche gaben Bilder, welche sich wenig von
jenen unterschieden, die bei Behandlung des ganzen Nervenstammes mit sal-
petersaurem Silberoxyd und Salpetersäure gewonnen waren. Unter den Bil-
dern, die häufig vorkommen, wenn die Präparate schwach mit Silber gefärbt
sind, ist noch anzuführen, dass an der Stelle der Nerveneinschnürung auf
dem Axencylinder eine braune niedrige Scheibe, in der Art einer Schrauben-
mutter aufsitzt; zu beiden Seiten derselben liegen zwei hellere längliche
Streifen, denen niedrige Scheiben oder dunklere Streifen folgen. In einzelnen
Fällen habe ich die Scheibe vom Axencylinder sich ablösen gesehen , sie war
beweglich, wie einRing auf einem Drahte. Mitunter, nämlich bei ausgespannten
Nerven, war an der Scheibe der Axencylinder heller gefärbt, während die
nebenan liegenden Partien dunkler und dicker erschienen.
Ich habe auch einige Untersuchungen an den Nerven weisser Ratten
angestellt. Die Kittsubstanz war hier in viel grösserer Quantität vorhanden,
als an den Nerven des Frosches und zeigte sich auch viel resistenter gegen
äussere Angriffe. Die Querstriche waren in vielen Fällen auch an ausge-
spannt gewesenen Nerven zusehen und die Ranvier'schen Kreuze erschienen
in sehr regelmässiger Form. An manchen Nerven dagegen löste sich die Kitt-
substanz und erschien als breiter Ring, oder bloss als schwarzer Fleck, oder
in der Weise, wie ich es an Froschnerven beschrieben habe.
Eine der wichtigsten Fragen, die zu beantworten sind, bezieht sich auf
die Ursache der Querstreifung des Axencylinders. Befinden sich die Silber-
niederschläge auf dem Axencylinder oder aber in demselben? Zunächst kann
es als eine feststehende Thatsache angesehen werden, dass die Substanz, in
der sich die Silberniederschläge bilden, den Axencylinder häufig in der
Gegend der Ranvier'schen Einschnürungen mit einer regelmässig dicken
Lage bedeckt. In diesem Falle ist es leicht einzusehen, dass sie dem Axen-
cylinder aufliegt. Die braune, dicke, mit unregelmässigen Conturen versehene
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 501.
106 PH. OWSJANNIKOW, [T. XIII
Masse zieht sich, auf eine kurze Strecke, als ein dünnes Häutchen hin und
dann erst folgen die Querstreifen, die uns näher interessiren. Von diesen ist
es viel schwieriger zu sagen, ob sie nur äusserlich liegen. Um diese Frage
zu entscheiden, machte ich mich an die Untersuchung von Querschnitten
und verfertigte mir mehrere aus Nervenstämmen verschiedener Thiere, wie
Frosch, Ratte, Ochs, auch einiger Fische. Alle diese Präparate lagen anfangs
in Silberlösung und einige von ihnen wurden ausserdem mit Carmin, Ani-
linblau, Haematoxylin oder Safranin gefärbt. Es kamen Querschnitte vor, in
welchen fast der ganze Innenraum einer Schwann'schen Scheide mit einer
schwarzen oder braunen Masse ausgefüllt war, die entweder in allen ihren
Theilen gleichmässig schwarz erschien, oder in ihrer Mitte eine rundliche
Stelle zeigte, die weniger dunkel gefärbt war. Dieses war der Axencylinder.
Alsdann fanden sich im Präparate mehrere dunkle Ringe vor, welche den
Axencylinder umgaben und etwas von demselben abstanden, wobei dieser
Letztere gewöhnlich bräunlich gefärbt erschien. Bei sehr starker Färbung
endlich, fanden sich Niederschläge in dem Axencylinder selbst, scheinbar zwi-
schen den Fibrillen desselben. Die zuerst beschriebenen Figuren, nämlich die
grossen dunklen Scheiben, gehören jenen Querschnitten, welche aus der
Gegend der Ranvier'schen Einschnürungen stammen. Da die schwarzen
Massen innerhalb der Schwann'schen Scheide liegen, so ist es ganz klar, dass
wir es hier nicht mit Schnürringen zu thun haben, sondern mit einer Kitt-
masse, die in der Nervenscheide liegt. Sie umgiebt den Axencylinder und
legt sich zuweilen an die innere Fläche der beiden Ausbuchtungen der
Schwann'schen Scheide an. In anderen Fällen liegt sie nur auf dem Axency-
linder und kann in der Schwann'schen Scheide nach der einen oder anderen
Richtung verschoben werden. Da diese Masse an frischen oder überhaupt
an nicht gefärbten Nerven durchsichtig ist und dasselbe Lichtbrechungsver-
mögen besitzt, wie die Nervenscheide, so entzieht sie sich gewöhnlich der
Beobachtung. An Silberpräparaten dagegen gelingt es zuweilen, durch
Klopfen auf das Deckgläschen, den Querstrich des Kreuzes in zwei gleiche
Theile zu sondern. Da die Substanz, welche den Querbalken des Ranvier'schen
Kreuzes bildet, innerhalb der Nervenscheide liegt, so passt der deutsche
Ausdruck Schnürring nicht zur Bezeichnung der von Ran vier an Nerven
beschriebenen Verengung ihrer Membran und es muss ein anderes Wort dazu
gewählt werden. Darauf macht schon P. Schief ferdecker aufmerksam, dem
wir eine sehr eingehende Untersuchung über die Structur der Nerven ver-
danken.
Die grössere Zahl der Präparate von verschiedenen Thieren, die allmäh-
lich gewonnen wurden, machte es wahrscheinlich, dass eine Querstreifung
auch an marklosen Nerven auftreten kann.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 502.
T. XIIl] ZUR STRUCTÜR DER NERVENFASER. 107
Meine Untersuchungen, die ich in dieser Richtung, aber an Fasern der
Krebse angestellt habe, gaben, wie ich schon erwähnt habe, nur negative
Resultate. Andere Forscher, die sich mit diesem Gegenstande beschäftigten,
haben auch keine Querstreifung entdecken können. Ich wandte mich nun zu
der Untersuchung eines Objectes, welches mir in früheren Jahren eine Reihe
von interessanten Thatsachen geliefert hatte, nämlich zu den Nerven und
zum Rückenmarke des Neunauges. Aber auch hier haben die ersten Präpa-
rate mir nichts Neues geliefert. Schliesslich erhielt ich doch auch hier eine
ebenso regelmässige Streifung, wie an markhaltigen Nerven, wobei aber eine
nothwendige Bedingung darin besteht, dass man die Nerven und das Rücken-
mark von eben getödteten Thieren nimmt. Die grösseren Rückenmarksstücke
müssen durch Nadeln in etwas kleinere zerzupft und dann erst in die Silber-
lösung gethan werden. Benutzt man ganze Stücke des Rückenmarks, so färbt
sich gewöhnlich das ganze Object nur äusserlich, da die Silberlösung wahr-
scheinlich nicht genug in die Tiefe zwischen die einzelnen Fasern eindringt.
In der genannten Lösung (1 auf 200 — 300) müssen die Objecte im dunklen
Räume 20 — 24 Stunden liegen. Dann, wenn die Beleuchtung gut ist, hält
man sie 6 — 24 Stunden in Aq. destillata. Schliesslich wird das Präparat auf
einem Objectglas in destillirtem Wasser noch etwas mehr zerzupft, mit
einem Deckgläschen bedeckt und nach Zufügung eines Tropfens Glycerin
untersucht.
Die Manipulationen, die ich beschrieben habe, können wahrscheinlich
auch verkürzt werden, und es mag auch die Querstreifung hier und da beim
Einlegen grösserer Stücke eintreten; ich hielt es aber für nöthig, das Ver-
fahren genauer anzugeben, welches mir ohne Ausnahme gute Präparate
lieferte. Man erhält die Querstreifung besonders an denjenigen Stellen, wo
die Silberlösung mehr der Beleuchtung ausgesetzt war, und dabei in einer
so regelmässigen und schönen Form, dass man ganz überrascht ist. Man
traut seinen Augen nicht recht und vermuthet in der ersten Zeit, dass vielleicht
zufällig Muskelstücke in das Präparat gelangt sind. Man mustert ein Stück
nach dem anderen und findet verschiedene Übergänge von kaum sichtbaren
Streifen zu vollkommen ausgebildeten. Da beim Zerzupfen des Rückenmarks
auf dem Objectglase natürlicher Weise auch tiefere Schichten zum Vorschein
kommen, so findet man nicht selten Mü 11 er'sche Fasern, nämlich sehr breite,
nackte Axencylinder, die an dem einen Ende hell, durchsichtig, schwach
längsgestreift erscheinen, am anderen dagegen mit einer regelmässigen
Querstreifung versehen sind. Zuweilen, wenn man das Object gut beleuchtet
und Ausdauer hat, dasselbe längere Zeit zu beobachten, sieht man unter
den Augen die Querstreifung in jenen Theilen auftreten-, die früher frei
davon waren. Gewöhnlich zeigt sich aber eine starke, dunklere Streifung an
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 503.
108 PH. OWSJANNIKOW, [t. XIII
jenem Ende, welches der Einwirkung des Silbers mehr ausgesetzt war. Hat
man ein grösseres Stück des Rückenmarks vor sich, an dem das eine Ende
besonders stark durch Silber gefärbt ist, so sieht man an demselben die
einzelnen Schichten stufenartig sich abblättern. Die oberflächlichsten, die
am dunkelsten erscheinen, sind auch kürzer als die übrigen und etwas aufge-
rollt. In diesen Schichten, theils an einzelnen Fasern, theils an ganzen
Bündeln, ist die Querstreifung besonders schön zu sehen. Die Ähnlichkeit
zwischen den quergestreiften Muskeln und den mit Silber bearbeiteten Axen-
cylindern ist besonders auffallend, wenn man die Müller'schen Fasern be-
trachtet. Da sieht man nicht allein die dunklen querliegenden Streifen mit
hellen sich regelmässig abwechseln, sondern man erkennt noch eine sehr
deutliche Längsstreif ung, welche lebhaft an die Köllicker'schen Muskel-
primitivfibrillen erinnert und in der That durch die Nervenfibrillen hervor-
gerufen wird.
Man hat die Querstreifung bis jetzt, wie schon oben angeführt, nur an
Cylinderaxen der markhaltigen Nerven beobachtet und es konnte daher
diese Entdeckung zu keiner allgemeinen Geltung kommen. Immer tauchte
die Frage auf, wenn die Querstreifung durch einen normalen Bestandteil
des Nerven bedingt ist, warum kommt sie nicht in allen Nerven, also auch
in marklosen, vor. Die Entdeckung der Querstreifung an Letzteren, sollte
man glauben, müsste jener Erscheinung eine positive Grundlage verleihen
und sie aus dem Bereiche der Kunstproducte herausführen. Es hat sich aber
diese Voraussetzung, wie man sehen wird, nicht bestätigt. Ich habe aus dem
Rückenmarke des Neunauges, welches auf die oben beschriebene Weise be-
handelt wurde, Querschnitte verfertigt. Natürlich fanden sich darunter viele
Nervenfasern, welche schief geschnitten waren. Die Durchmusterung solcher
Präparate, namentlich die Betrachtung der Müller'schen Fasern, hat er-
wiesen, dass die Querstreif nng nur an der äusseren Fläche der Faser vor-
kommt und sich nicht in die Tiefe erstreckt. Sind die Elemente sehr stark
gefärbt, so ist auch das Innere der Faser entweder gleichmässig braun, oder
es finden sich dunkle Körnchen, die zwischen den Elementarfäserchen mehr
oder weniger regelmässig vertheilt sind. Ein sehr anziehendes und instruc-
tives Bild zeigte mir ein schiefer Querschnitt einer sehr breiten Müller'-
schen Faser. Dieselbe war äusserlich mit einer schönen regelmässigen Quer-
streifung bedeckt. An ihrem oberen Ende, welches etwas schief abgeschnitten
war, befand sich ein dunkler breiter und etwas erhabener Ring. Er hatte
sich dadurch gebildet, dass die äussere Schicht der Faser sich in der Art
einer Membran aufgerollt hatte. Aus diesem Ringe, also aus dem Faser-
abschnitte, ragte eine sehr grosse Anzahl von Nervenprimitivfibrillen her-
vor, an welchen keine Querstreifung vorhanden war. Man könnte das Bild
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 504.
T. Xlll] ZUR STRUCTUR DER NERVENFASER. 109
mit einem Sacke vergleichen, aus welchem ein Strohbund heraussteckt.
Wenn, nach dieser Beobachtung, kein Zweifel mehr darüber bestehen kann,
dass die Querstreifung nur an der äusseren Fläche des Axencylinders vor-
kommt und in gar keiner Beziehung zu den Primitivfibrillen steht, so möchte
ich noch einige Thatsachen anführen, welche dafür sprechen, dass die Be-
handlung der Nervenfasern mit Silber dieselben stark verändert und Ver-
anlassung zu Kunstproducten giebt. Ich gehe nun wieder zu den Ranvier'-
schen Querlinien an den markhaltigen Nerven über. Jeder Histologe weiss,
dass nach Behandlung von frischen Nerven mit einer Lösung von salpeter-
saurem Silberoxyd in der Gegend jener Linie der Axencylinder schmäler
und dunkler ist. Je mehr er sich von der Querlinie entfernt, um so heller
und dicker wird er, bis er seine normale Dimension erlangt hat. Jede
Flüssigkeit, jeder Farbstoff dringt leichter an den erwähnten Stellen ein,
als an anderen, da dort der Axencylinder vom Marke entblösst ist. Von dort
verbreitet sich die Färbung oder Wirkung des Reactivs nach beiden ent-
gegengesetzten Richtungen. Je entfernter die Punkte liegen, um so weniger
und später werden sie angegriffen.
Nicht Alle werden aber mit der eben ausgesprochenen Erklärung ein-
verstanden sein. Einige Forscher glaubten, dass die Cylinderaxen an der
Grenze der Marksegmente auch bei frischen Nerven dünner seien, als an
ihren übrigen Theilen. Dass dieses nicht der Fall ist, dafür sprechen sorg-
fältig angestellte Untersuchungen. Ich habe mich auch oftmals überzeugt,
dass die Axencylinder an jener Stelle dieselben Dimensionen besitzen, wie
an allen übrigen.
Als einen zweiten Beweis für die Veränderlichkeit und Schrumpfung
des Gewebes durch Silberbehandlung möchte ich folgende Thatsache an-
führen. Unter den Rückenmarksstückchen des Neunauges, die mit einer
Lösung von salpetersaurem Silberoxyd behandelt waren, traf ich einige,
welche an einem Ende schmäler waren, als am anderen. An dem ersteren
waren sie stärker gefärbt, hier war die Querstreifung viel intensiver und die
einzelnen Streifen standen einander viel näher. Je mehr man sich von dem
starkgefärbten Ende des Rückenmarksstückchens entfernte, desto breiter und
dicker wurde das Stückchen und um so entfernter lagen die Querstreifen
von einander. Wir sehen hier an ganzen Rückenmarksstückchen dieselben
Erscheinungen, die man an einzelnen Axencylindern beobachtet hat. Be-
weise genug, dass hier und dort dieselben Ursachen, die Schrumpfungs-
processe, statthaben.
Bei Weitem der grösste Theil der Histologen hat sich der Ansicht an-
geschlossen, dass der Axencylinder aus Primitivfibrillen bestellt, nur wenige
haben, auf Grund ihrer eigenen Untersuchungen, sich eine andere Meinung
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 505. 9
110 PH. OWSJANNIKOW, [T. XIII
über die Structur dieses Gebildes geschaffen. So glauben manche, dass der
Axencylinder ein Kohr ist, dessen Inhalt eine halbflüssige Masse darstellt.
Da viele Axencylinder aus dem Rückenmarke des Neunauges eine bedeu-
tende Breite besitzen, so wird dadurch die Untersuchung ihres feineren
Baues sehr erleichtert. Wenn auch in den Nerven fast sämmtlicher Thiere
die Längsstreifung und die Primitivfibrillen im Axencylinder bei starker
Vergrösserung erkannt werden können, so sind dieselben in den Central-
fasern des Neunauges deutlicher und schöner zu sehen, als bei irgend einem
anderen Thiere. Die erste Beobachtung über die Zusammensetzung der
breiten Axencylinder aus feinen Fasern (Primitivfibrillen) ist, so viel ich
weiss, von mir (1854) an den Nerven des Neunauges gemacht worden. Ich
habe Fasern von den Nervenzellen zu dem breiten Axencylinder verfolgt
und ihr Verschmelzen mit jenem gesehen und auch eine Abbildung davon
gegeben (Fig. 3).
Ganz ähnliche Verhältnisse habe ich später auch an den Nerven der
Wirbellosen beschrieben und abgebildet (Fig. 1). Obgleich man über die
Fibrillen-Structur des Axencylinders viel geschrieben hat, so ist mir nicht
bekannt, dass meine Beobachtung über die Verschmelzung der feineren
Nervenzellenausläufer in Centralorganen zu breiten Axencylindern eine Be-
stätigung erfahren hat.
Ich gehe nun zur Schilderung meiner späteren Beobachtungen über.
Das Bild, welches ein ganz frischer, eben aus dem lebenden Thier heraus-
genommener oder ein todter, besonders mit verschiedenen Reactiven be-
handelter Axencylinder giebt, ist ein verschiedenes. Deshalb stimmen die
Beobachtungen verschiedener Forscher über die Structur des Axencylinders
des Neunauges nicht in allen Stücken mit einander überein. Sowohl im
frischen Axencylinder, als auch in einem solchen, welcher mit Essigsäure
oder anderen Reagentien behandelt wurde, lassen sich die Längsstreifen
und die Primitivfibrillen bei stärkeren Vergrösserungen sehr gut erkennen.
Im frischen Axencylinder lässt sich das Axolema von den Primitivfibrillen
nicht trennen und diese scheinen die ganze Breite der Faser einzunehmen.
In einem mit schwacher Essigsäure behandelten Axencylinder dagegen
trennt sich der Inhalt vom Axolema. Ein Bündel, bestehend aus Primitiv-
fibrillen, nimmt die Mitte des Cylinders ein und liegt in einiger Entfernung
von der peripheren Schicht. Das Bild erinnert mich an die Fig. 3, b, c, die
ich von den Nervenfibrillen in der Schwann'schen Scheide der Krebse ge-
geben habe.
Die Primitivfibrillen zeigen Varicositäten und sind durch eine Zwischen-
substanz von einander getrennt. Die Müller'schen Fasern des Rückenmarks
des Neunauges werden gewöhnlich mit glatten Rändern beschrieben, ich
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 506.
T. XIIl] ZUR STRUCTUR DER NERVENFASER. Ill
habe aber eine Faser gesehen, an welcher sehr viele dünne Fäserchen hin-
gen, ungefähr in der Weise, wie die Rückenmarkswurzeln am Rückenmarke
zu hängen pflegen. Freilich zeigte sich dieses nicht auf der ganzen Länge
des Axencylinders, sondern nur an einer beschränkten Stelle, denn weiter
waren die Ränder wieder glatt und eben. Dieser Umstand sprach aber ge-
rade deutlich dafür, dass das untersuchte Object wirklich der Axency linder
war. Auf welche Weise könnte man diese verschiedenen Befunde erklären?
Es ist möglich, dass die Nervenzellenfortsätze, die sich mit der Müller'-
schen Faser verbinden, sehr zart sind und beim Zerzupfen der Präparate,
namentlich wenn dieselben erhärtet sind, leicht von der Faser abreissen.
Ähnliches kann man auch an den Nervenzellenfortsätzen in der Grosshirn-
rinde beobachten. Ist das Präparat ziemlich stark in Chromsäure erhärtet,
so reissen bei der Präparation mit Nadeln alle kleinen Fortsätze ab und man
erhält einen nackten unverästelten Axencylinder. Ganz andere Resultate er-
hält man, wenn man frische Nervenzellen oder solche, die nur kurze Zeit
mit einer Lösung von doppeltchromsaurem Kali behandelt worden sind,
untersucht.
Die Axencylinder erscheinen an zerzupften Präparaten als flache Bänder,
in der That sind sie, wie die Querschnitte es zeigen, runde Fäden. Sehr
häufig hat man an Querschnitten den Axencylinder eckig oder gar stern-
förmig gesehen und beschrieben, nur hatte man in diesen Fällen Schrumpfungs-
producte vor Augen. Wenn man das Präparat in seiner natürlichen Form
erhalten will, so muss die Erhärtung allmählich vor sich gehen und zu
diesem Zwecke ist die Chromsäure noch immer sehr zu empfehlen.
Man hat in der letzten Zeit nicht selten die Ansicht ausgesprochen,
dass das Keratinnetz von Ewald-Kühne zu den Kunstproducten zurechnen
sei. Es wurde festgestellt, dass dasselbe durch die Verdauungsflüssigkeit
eben so wie jedes andere Gewebe aufgelöst wird. Da dieses Netz sich mit
Osmiumsäure nicht färbt, so muss dasselbe eine andere Zusammensetzung
besitzen als das Nervenmark. Die Ansicht, dass wir in diesem Netze Fort-
sätze des Plasma der Nervenfaser besitzen, kann nicht bewiesen werden.
Hätte dieses Netz in der That seine Entstehung einem halbflüssigen Plasma
zu verdanken, so würde dasselbe nicht unter allen Umständen ein und die-
's»
selbe Form besitzen, sondern man würde Stellen finden, an welchen sich das
Plasma zu grösseren Tropfen vereinigt hätte.
Das auf gewöhnliche Art dargestellte Ewald-Kühne'sche Netz hat mir
nichts Neues gezeigt. Um so interessanter war das Bild, welches mir Nerven
von Torpedo und einigen Haifischen gaben. Diese Nerven hatten eine Zeit
lang in einer Lösung von doppeltchromsaurem Kali, dann aber einige Jahre
in Spiritus von 95% gelegen, welcher seiner Zeit einige Mal gewechselt
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 507. 9*
112 PH. OWSJANNIKOW, ZUR STRUCTUR DER NERVENFASER. [t. XIII
worden war. In diesen Präparaten war jede Spur von Nervenmark ver-
schwunden, das Netz war grobmaschig, aber es fanden sich ausserdem Fäden
vor, welche den Axencylinder auf grösseren Strecken spiralförmig umgaben,
und dabei gingen Netz und Spiralfaser nicht von einem Nervenmarksegmente
in das andere über.
Aus Allem, was ich an dem Ewald-Kühne'schen Netze beobachtet habe,
bin ich zu dem Schlüsse gekommen, dass wir in demselben ein normales Ge-
bilde des markhaltigen Nerven besitzen, welches keineswegs als Kunstproduct
betrachtet werden kann.
Litteratur.
Ph. Owsjannikow. Disquisitiones microscopicae de medullae spinalis tex-
tura imprimis in piscibus factitatae. Dorpati 1854.
Recherches sur la structure intime du système nerveux des crustacées
et principalement du homard. Ann. des se. naturelles, tome XV,
1861.
Schief ferdecker. Beiträge zurKenntniss des Baus der Nervenfasern. Archiv
für mikr. Anatomie Bd. XXX, 1887.
Max Joseph. Über einige Bestandtheile der peripheren markhaltigen Nerven-
fasern. Sitzungsberichte der Königl. Preuss. Akad. der Wissen-
schaften zu Berlin. December 1888.
J. Jakimowitch. Sur la structure du cylindre-axe et des cellules nerveuses.
Journal de l'Anat. et de la Physiol, normales et pathologiques,
1888.
Bulletin N. S. I (XXXIII) p. 508.
MELANGES BIOLOGIQUES '
TIKES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.-PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Ichthyologische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der Kaiser-
lichen Akademie der Wissenschaften. Von S. Herzenstein. (Lu
le 29 mai 1890.)
Beim Bestimmen und Ordnen der ichthyologischen Sammlung des Zoo-
logischen Museums, wobei ich mich selbstverständlich an Günther's Cata-
logue of Fishes gehalten habe, fand ich eine nicht unbeträchtliche Zahl von
Fischarten, die sich weder nach dem genannten Catalog, noch nach anderen
ichthyologischen Werken bestimmen Hessen, und die ich daher für neu halten
muss. Die Beschreibung dieser neuen Arten bildet den Gegenstand der vor-
liegenden Abhandlung und ich will derselben noch Bemerkungen hinzufügen
über bereits bekannte Arten, die aber in der einen oder anderen Hinsicht
nicht ausführlich genug beschrieben sind, oder aber von denen wir interes-
sante Varietäten besitzen.
Cottus nivosus n. sp.
8719. Sin. St. Olgae. Maximowicz. 1863. (1) i).
D. 9/15. A. 13. P. 17. V. 4.
C. altitudine corporis 4 4 / 9 , longitudine capitis 2 3 / 8 in longitudine cor-
poris. Oculis diametro 4 4 / 7 in longitudine capitis, diametro V 2
distantibus. Cristis duabus parum elevatis et vix flexuosis in
vertice; vestigiis tuberculorum minimis ad oculorum margines
postero-superiores. Praeoperculo spinis 3 armato. Dentibus vo-
merinis bene evolutis. Linea laterali 34 tubulis osseis formata.
Cute laevi. Ventre excluso, toto corpore maculis albis parvis
crebris ornato.
Die grösste Körperhöhe, welche ca. 3 mal die kleinste übertrifft, ist 4
mal in der Körperlänge enthalten.
'9
1) Die Exemplare werden hier genau in derselben Weise angeführt, wie in dem Generalca-
taloge der akademischen Sammlung, d. h. zuerst die JVs, dann der Fundort, dann der Sammler,
darauf das Jahr der Acquisition, endlich in Klammern die Zahl der Individuen in dem betref-
fenden Glase, wobei (-+-) bezeichnet, dass mehr wie 6 Stück in einem Glase vorhanden sind;
«sicc.» bedeutet ausgetrocknetes, «eff. » ausgestopftes Exemplar.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 23.
114 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
Der Kopf ist ebenso breit wie hoch, indem jede dieser Dimensionen
etwa % der Kopflänge gleichkommt. Die Kopflänge macht 8 / 19 der Körper-
länge aus. Auf dem Scheitel erheben sich 2 kaum gebogene, vom hinteren
Ende des oberen Augenrandes zum Nacken hinziehende und dort etwas
convergirende Leisten, deren grösster Abstand von einander einem Aügen-
diameter ein wenig nachsteht. Etwas nach innen vom vorderen Ende dieser
Leisten bemerkt man jederseits noch eine ganz unbedeutende lineare Er-
habenheit und etwas vor dieser, am Augenrande, einen ganz geringen, ein
winziges Hautläppchen tragenden Höcker. Die Augenränder sind etwas er-
haben, wesshalb der Interorbitalraum ein wenig concav erscheint. Vor und
zwischen den Augen, über der Nasenspitze, sitzen 2 kurze spitze Dörnchen.
Das hintere Maxillenende fällt unter den hinteren Augenrand. Das Praeoper-
culum trägt 3 Stacheln: einen obersten, welcher an Länge etwa 4 / 5 Augen-
diameter beträgt, nach oben und hinten sieht und bis zur Mitte der Operkel-
Länge reicht; einen mittleren, der nahe der Wurzel des ersten entspringt,
bedeutend kürzer und nach hinten gerichtet ist; endlich einen unteren, der
von dem gleich grossen zweiten weit absteht und nach vorn und unten
schaut. Die Leiste des Operculum endet hinten in einen spitzen, kurzen
Stachel. Das Suboperculum trägt auch einen nach unten gerichteten, an
Länge seinem horizontalen Theile ungefähr gleichkommenden Dorn. Flache,
zerstreute Warzen bedecken die Haut an der Oberseite des Kopfes. Bürsten-
zähne am Vomer wohl entwickelt.
Die Seitenlinie besteht aus 34 knöchernen Eöhrchen, welche die ein-
zigen Hartgebilde der Haut am Rumpfe darzustellen scheinen.
Die erste Dorsale ist ziemlich niedrig, indem ihre Höhe dem Abstände
von der Schnauzenspitze bis zum Augencentrum gleichkommt. Die übrigen
verticalen Flossen sind an dem einzigen Exemplare so arg beschädigt, dass
sie sich gar nicht beschreiben lassen. Die Pectoralen reichen bis über den
Anfang der Anale hinaus. Die Ventralen bleiben vom After durch einen
Zwischenraum getrennt, welcher ungefähr der Hälfte ihrer Länge gleich-
kommt.
Der Abstand des Afters von der Schnauzenspitze macht '/ 2 der Körper-
länge aus.
Der Körper ist auf der Unterseite weisslich, oben und an den Seiten auf
einem jetzt nicht mehr näher definirbaren Grunde mit zahlreichen, dicht
stehenden, kleinen weissen Flecken geziert, welche neben der Mittellinie
des Rückens eine gewisse Neigung zeigen, zu kurzen Streifen zusammen zu
fliessen. Dieselben Flecken breiten sich auch auf den Basaltheil der Caudale
und der Pectoralen aus.
Die Totallänge beträgt ca. 185 mm.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 24.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISEKLIGBEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 115
Das mir vorliegende einzige sehr schlecht erhaltene Exemplar lässt sich
nach plastischen Merkmalen eigentlich nicht sicher von G scorpius und
auch wohl von gleich grossen, also jungen Exemplaren mancher nordpaci-
fischer irrten unterscheiden. Seine Zeichnung ist aber so auffallend und
weicht so sehr von derjenigen aller von mir untersuchten oder mir der Be-
schreibung nach bekannten Arten ab, dass ich nicht umhin kann, dasselbe
bis auf Weiteres als eine besondere Art aufzufassen.
Centridermichthys alcicornis n. sp.
8718. Jesso. Maximowicz. 1863. (1).
D. 10/16. A. 14. P. 16. V. 1/3.
C. altitudine corporis 4Y 3 , longitudine capitis 2 4 / 7 in longitudine cor-
poris. Oculis diametro 5% in longitudine capitis, diametro %
distantibus. Praeoperculo spinis quatuor, suprema Y 2 oculi dia-
metri paulo superante, sursum directa, valde compressa, ad
extremitatem 4 — 5 cuspidata. Linea laterali 36 tubulis osseis
formata. Cute sub lineae lateralis initio squamis paucis postice
crenatis praedita.
Die grösste Körperhöhe ist 4V 3 mal in der Körperlänge enthalten und
übertrifft 4% mal die kleinste Körperhöhe.
Die Kopflänge, welche 1% mal die Kopfbreite und 1 7 / 10 mal die Kopfhöhe
übertrifft, macht 7 / 18 der Körperlänge aus. Der Augendiameter, welcher 5%
mal in der Kopflänge und 3% mal in der Länge des postorbitalen Kopfab-
schnittes enthalten ist, übertrifft 2 mal die Breite des ein wenig concaven
Interorbitalraumes. Das hintere Oberkieferende fällt etwas hinter die Ver-
ticale des hinteren Augenrandes. Zwei kleine Stacheln über der Schnauzen-
spitze, 4 Stacheln am Praeoperculum, von denen der oberste etwas länger
als Y 2 Augendiameter ist, aufwärts gebogen und stark zusammengedrückt
erscheint und sich oben in 4 — 5 Zacken theilt. Die 3 übrigen sind be-
deutend kleiner, dabei einfach und abwärts, so wie z. Th. nach vorne
gerichtet.
Unter der Seitenlinie, welche aus 36 knöchernen Köhrchen besteht,
finden sich an dem von den Brustflossen bedeckten Körpertheile mehrere
ziemlich grosse Schuppen, deren freier Band deutlich gezähnelt ist.
Die erste Dorsale hat eine bedeutende Höhe, indem die Länge ihres
grössten Strahles ungefähr % der Kopflänge ausmacht; ein geringer Zwischen-
raum trennt sie von der etwas niedrigeren zweiten, welche zurückgelegt
über die rudimentären Strahlen der Caudale hinausragt. Die Anale ist etwas
niedriger als die zweite Dorsale und reicht zurückgelegt beinahe bis zur
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 25.
116 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
Basis der Caudale. Die Pectorale, deren Spitze über den Anfang der Anale
hinaus reicht, hat ihre 9 — 10 unteren Strahlen mehr oder weniger verdickt
und zeigt in der dieselben verbindenden Haut schwache, aber deutliche
Einschnitte. Alle Pectoralstrahlen sind einfach. Die Brustflossenlänge kommt
dem Abstände von der Schnauzenspitze bis zum Vordeckel gleich. Die Ven-
tralen, deren Länge einer halben Bauchflossenlänge etwas nachsteht, bleiben
durch einen bedeutenden, der Bauchflossenlänge beinahe gleichkommenden
Zwischenraum vom After getrennt. Die Caudale ist abgestutzt und ihre Länge
verhält sich zur Körperlänge wie 1 : 5%,
Die Entfernung des Afters von der Schnauzenspitze macht % der Körper-
länge aus. Die Genitalpapille ist sehr stark entwickelt.
Die Färbung lässt sich wegen der ungenügenden Conservation des
Exemplares nicht näher beschreiben.
Die Totallänge macht 348 mm. aus.
Diese neue Art ist durch ihre bedeutende Grösse und die Form des
oberen Praeopercular-Stachels sehr gut characterisirt.
Hypsagonus gradiens n. sp.
1430. Kamtschatka. Dittmar. 1859. (1).
1483. Sinus Awatscha. Dr. L. a S ehr en ck. 1854. (2).
1484. » » » » » (2).
5468. Kamtschatka. Dr. Peters. 1842. (1) (sicc).
8723. Port. Petropawlowsk. Grebnitzky. 1880. (2).
D. 9 — 11/6 — 7. A. 10 — 11. P. 12 — 13. V. 2.
H. corporis altitudine 3% — 3, capitis longitudine 3% — 3% in corporis
longitudine. Nucha depressa, spinis postocularibus et nuchalibus
binis. Spatio interorbitali valde coneavo. Tentaculo filiformi supra
rostri apice bene evoluto, vel rudimentario, vel nullo. Seriebus
spinarum plus minusve evolutarum in trunco utrinque 5. Radiis
pectoralibus inferioribus 7 — 8 liberis.
Der Umriss des ziemlich stark comprimirten Körpers, dessen grösste
Höhe zur Körperlänge sich wie 1:3 — 1:3% und zur geringsten Körperhöhe
wie 4 7 / 10 : 1 — 4 : 1 verhält, steigt vom Hinterhaupte an beinahe vertical auf.
Vom höchsten Puncte fällt dann das Rückenprofil entweder ganz allmählich,
oder, vom hinteren Ende der ersten Dorsale an, rasch zum Schwanzstiele ab.
Die Kopflänge ist 3% — 3% mal in der Körperlänge enthalten und über-
trifft iy 2 — I 1 /? mal die Kopfbreite, welche der Kopfhöhe ungefähr gleich-
kommt. Auf dem Scheitel findet sich eine unbedeutende trapézoïdale Ver-
tiefung. Die Leisten, welche dieselbe seitlich begrenzen, bilden hinten je
einen stumpfen Stachel. Einen ähnlichen Stachel bildet hinten auch jeder
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 26.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 117
der beiden oberen Orbitalränder, die stark erhoben sind und einen tief
rinnenförmig ausgehöhlten Interorbitalraum begrenzen. An der oberen Seite
der Schnauze, zu welcher hin das obere Profil steil stufenförmig abfällt,
stehen 2 schlanke spitze Dorne; vor diesen findet sich bei manchen Exem-
plaren ein rudimentärer oder massig entwickelter fadenförmiger Tentakel.
Der untere Rand des Praeorbitale zeigt 2 — 3 undeutliche Zacken. Ein
mehr oder weniger entwickelter Höcker steht am hinteren unteren Orbital-
rande von der Wange wagerecht ab. Am hinteren und unteren Vordeckel-
rande sind 4 stumpfe Zähne vorhanden, von denen 1 oder 2 obere wohl ent-
wickelt, die übrigen aber schwach erscheinen. Zerstreute spitze Höckerchen
am Operculum. Das hintere Oberkieferende fällt ein wenig vor oder unter
die Verticale des Augencentrums. Die Unterkieferecken treten knollenförmig
hervor. Der Diameter der Augen, deren hinterer Rand beinahe in der Mitte
der Kopflänge liegt, ist 3% — 3% mal in der Kopflänge enthalten und
kommt der Breite des Interorbitalraum es ungefähr gleich. Die Kiemenhaut
ist an den Isthmus nicht angewachsen, sondern frei. Feine Zähne bilden
eine massig breite Binde am Ober- und Unterkiefer. Gaumen zahnlos.
Die Seitenlinie wird von spärlichen Poren gebildet, die paarweise stehen,
und zwar immer einer vorn, der andere hinter jedem Stachel der gleich zu
beschreibenden 3. Stachelreihe. Abgesehen von einem mehr oder weniger
starken, conischen oder etwas comprimirten, zuweilen auch ein wenig haken-
förmig nach hinten gebogenen Stachel am Schultergürtel etwas über der
Brustflossenbasis, sind die von den knöchernen Körperschildern sich erhe-
benden Höcker oder Stacheln in 5 Längsreihen geordnet. Die erste, an dem
Nackenstachel beginnend, zieht dem Rückenprofil am nächsten, um dann auf
den dorsalen Rand des Schwanzstieles überzugehen. Die zweite, vorne etwas
nach oben aufsteigend, beginnt ungefähr unter dem hinteren Drittel der
ersten Dorsale und verläuft dann bis zur Basis der Caudale. Die dritte fängt
hinter dem oberen Ende der Kiemenspalte mit 3 starken, rückwärts haken-
förmig gebogenen Stacheln an, besteht aber nach hinten aus ganz kleinen,
weit auseinander stehenden Höckerchen. Die vierte, etwa an der Mitte der
Brustflossenbasis beginnende, wird von ziemlich starken, ebenfalls haken-
förmig und rückwärts gebogenen Stacheln gebildet, die nach hinten an
Grösse abnehmen. Die fünfte endlich bestellt aus kleinen, zirweilen kaum
hervortretenden stumpfen Höckerchen, die von der Aussenseite der Bauch-
flossenbasis an längs dem unteren Körperrande verlaufen.
Die erste Dorsale beginnt am höchsten Puncte des Rückenprofils und
reicht etwa bis zur Mitte der Körperlänge. Die längsten Stacheln (der 2. —
4.) kommen an Länge % — 2 / 3 der Kopflänge gleich und sind ebenso wie die
übrigen mehr oder weniger rauh. Ein etwa 1 — 2 / 3 Augendiameter gleicher
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 27.
118 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
Zwischenraum trennt die 1. Dorsale von der 2., welche letztere etwas
niedriger und 2 — 2y 3 mal kürzer ist; die Strahlen der 2. Dorsale erscheinen
auch mehr oder weniger rauh. Die Anale entspringt unter oder etwas
hinter dem hinteren Ende der 2. Dorsale; an den Körper angedrückt bleibt
sie von der Caudale durch einen sehr geringen oder massigen Zwischenraum
getrennt. Die Haut zwischen den einzelnen, namentlich den vordersten
Strahlen der Anale ist tief eingeschnitten. Die Pectoralen reichen mit den
längsten (mittleren) Strahlen bis zum Anfange der Anale oder etwas dar-
über hinaus. Die Einschnitte der Haut zwischen den 5 oberen Strahlen
sind massig tief, zwischen den 7 — 8 unteren reichen sie dagegen bis
zum Grunde, so dass diese letzteren frei erscheinen. Die Ventralen,
etwas hinter der Basis der Pectoralen eingelenkt, reichen bis zum After
oder bleiben vom letzteren durch einen merklichen Zwischenraum getrennt.
Die Länge der hinten unregelmässig abgestutzten Caudale macht Y 5 der
Körperlänge aus oder ist ein wenig geringer.
Die Entfernung des Afters vom Schnauzenende macht etwa % der
Körperlänge aus.
Der Körper und die Rückenflossen sind mit gelblichen, weisslichen und
braunen Makeln und Flecken geziert. Die übrigen Flossen erscheinen
weisslich, die Caudale zeigt eine breite, mehr oder weniger deutliche Quer-
binde an der Basis und eine andere am Hinterrande. Die Anale bietet 2 — 3
unregelmässige schiefe Flecken dar; die Pectoralen sind an der Basis, wie
der Körper, unregelmässig gefleckt, an den Strahlen elegant braun geringelt;
die Ventralen braun gefleckt.
Die Totallänge erreicht 117 mm.
Die im Vorstehenden beschriebene Art steht zweifellos dem Hypsagonus
quadricornisY al. am nächsten, und kann sicher zur Gruppe, für welche Gill
die Gattung Hypsagonus aufgestellt hat, gerechnet werden 2 ). Dieselbe er-
scheint auch dem Aspidophorus proboscidalis Valenciennes 3 ) sehr ähnlich,
welcher für Guichenot 4 ) den Typus einer besonderen Gattung (Agonomalus
Guich.) ausmacht, meiner Ansicht nach aber auch ein Hypsagonus ist, welcher
mit H. gradiens den eigentümlichen unpaarigen (bei H gradiens allerdings
nicht constanten) Tentakel gemein hat. Von beiden zum Vergleich herange-
zogenen Arten weicht die neue Art durch ihre freien unteren Pectoral-
strahlen ab, welcher Character, wie ich glaube, auch zur Aufstellung einer
2) Sie bestätigt auch die von Jordan und Gilbert (Synopsis of the Fishes of N.America,
p. 722, Note [1882]) in ihrer Diagnose der Gattung Hypsagonus ausgesprochene Vermuthung:
«gill membranes probably free from isthmus».
3) Compt. Eend. XLVII, p. 1040 (1858).
4) Mém. d. 1. Société d. sc. nat. de Cherbourg XII, p. 254 (1866).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 28.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 119
Untergattung dienen kann, für welche ich die Benennung Cheiragonus vor-
schlagen möchte.
Was den eben erwähnten unpaarigen Tentakel anbetrifft, so war ich an-
fänglich geneigt, denselben für eine sexuelle, und zwar dem Männchen
eigentümliche Differenz zu halten. Da es sich aber bei weiterer Untersu-
chung erwiesen hat, dass bei Individuen des gleichen Geschlechts, und zwar
bei Weibchen, der Tentakel bald abwesend, bald sehr schwach (bedeutend
weniger als l f 2 Augendiameter lang), bald massig (etwa % — % Augendia-
meter lang) entwickelt ist, so erscheint es wohl mehr begründet, die An-
oder Abwesenheit desselben bloss als eine individuelle Variation anzusehen 5 ).
Ebenso bin ich genöthigt die oben erwähnten Unterschiede in der Länge
der Ventralen nur für individuelle zu erklären, während sie bei manchen
anderen Agoniden sichere Geschlechtsunterschiede darbieten sollen 6 ).
In Betreff der geographischen Verbreitung unserer Art, wie der Hyps-
agoni überhaupt, kann ich die Bemerkung über den auffallenden Umstand
nicht unterdrücken, dass während von der asiatischen Küste des nördlichen
Stillen Oceans schon drei Formen bekannt geworden sind, an der amerika-
nischen, die doch ungleich eifriger erforscht wird, bis jetzt noch keine ein-
zige gefunden worden ist 7 ). Dann scheint der zuerst beschriebene H. quadri-
cornis viel seltener als der H. gradiens zu sein, denn von dem ersteren sind
meines Wissens bis jetzt nur 2 Exemplare bekannt, die sich im British
Museum befinden und von denen eines das von Beechey's Reise stammende
Original-Exemplar ist.
Stichaeus Grigorjewi n. sp.
8720. Mori ad sin. Vulcan. (Jesso). Grigorjew. 1881. (1)
8721. » » » » » » » (1)
D. 54 — 56. A. 42 — 45. P. 14. V. 4.
St. corporis altitudine 9'/ 5 — 7% in ejus longitudine. Capite valde de-
presso, altitudine 2 1 / i , latitudine l 7 / 8 — l%in ejus longitudine, qua
4V 2 — 4}/ 3 in corporis longitudine. Oculis sursum directis diametro
15 in longitudine capitis, 11 — ll 1 ^ in longitudine capitis partis
5) Das einzige bekannte Exemplar von H. prdboscidens besitzt einen sehr langen Tentakel
und ist auch ein Weibchen (Valenciennes, 1. 1., p. 1042).
6) Nach dem grobkörnigen Ausseben der Ovarien zu scbliessen, werden die reifen Eier von
H. gradiens wohl ziemlich gross, etwa so wie bei Agonus cataphr actus (Cf. M'Intosh, Ann. and
Mag. Nat. Hist. (5), XV. p. 433 [1885]).
7) Ich finde wenigstens in der neuesten Liste von Jordan (A Catalogue of the Fishes known
to inhabit the waters of N. America, north of the Tropic of Cancer, with notes on the species
discovered in 1883 and 1884 ; in U. S. Commission of Fishes and Fisheries, Part. XIII, Keport
of the Commissioner for 1885 [1887]) keinen Hypsagonus verzeichnet.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 29.
120 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
postorbitalis, diametris 1% — l 4 / 7 distantibus. Rictu amplo, con-
spicue post oculos porrecto, mandibulae apice ante maxillam pro-
minente. Dentibus vomerinis et palatinis sat fortibiis.
Der vorne nur wenig, hinten stark seitlich comprimirte Körper ist
ziemlich ausgezogen, indem seine grösste Höhe 9% — 7 5 / 8 mal in der Körper-
länge enthalten ist und 3 — 2% mal die geringste Körperhöhe übertrifft.
Der Kopf, dessen Länge % — 3 / 13 der Körperlänge ausmacht, ist stark
flach gedrückt; seine Höhe verhält sich zur Kopflänge wie 1 : 2%, seine
Breite zu derselben Länge wie 1 : l 7 / 3 — 1 : 1%. Die hintere abgerundete
Kiemendeckelspitze ragt ziemlich bedeutend über das obere Kiemenspalten-
ende hinaus. Die Augen sind ganz nach oben gewendet. Der Augendiameter
wird 15 mal von der Kopflänge, l 2 / 3 — 1 4 / 7 mal von der Breite des Inter-
orbitalraumes und 11 — 1 1 x / 2 mal von der Länge des postorbitalen Kopfab-
schnittes übertroffen. Die etwas schief nach oben aufsteigende Mundspalte
reicht weit hinter die Verticale des hinteren Augenrandes. Die Unterkiefer-
spitze überragt den Oberkiefer nach vorn um ein Bedeutendes. Am Kopfe
sind mehrere, wenn auch kleine und weit von einander abstehende, doch
deutliche Poren sichtbar: nämlich ein Ring um das Auge herum, eine Reihe
vom oberen Orbitalrande zum Nacken hin, eine zweite, welche zuerst von
dem unteren Orbitalrande und dann der eben erwähnten Reihe parallel zieht,
und eine Querreihe an der hinteren Grenze des Nackens; ausserdem fallen
noch die Poren am Praeoperculum und an der Mandibula auf. Die Nasen-
löcher sind in kürze, der Schnauzenspitze genäherte Röhrchen ausgezogen.
Die Lippen sind fleischig. Eine Reihe dicht stehender, spitzer conischer
Zähne nimmt die vordere Hälfte des Zwischenkiefers ein. Hinter dem vor-
deren Ende dieser Reihe findet sich noch eine Gruppe ähnlicher, aber
kleinerer Zähne, die übrigens auch eine kurze schmale Binde darstellen
können. Die konischen Zähne jeder Unterkieferhälfte stehen zuerst in einer
unregelmässigen Gruppe, an der vorragenden Unterkieferspitze; dann folgen
grössere und weiter aus einander stehende, um nach hinten kleineren und
dichter stehenden Platz zu machen. Vorn ist am Unterkiefer noch eine
äussere Reihe kleinerer Zähne bemerkbar. Die Vomer- und Gaumenzähne
erscheinen gross, aber ungleich und nicht dicht gestellt.
Der Körper ist vollkommen mit kleinen Schuppen bedeckt. Die Seiten-
linie, aus subverticalen Porenpaaren bestehend, zieht vom oberen Kiemen-
spaltenende dem Rückenprofil entsprechend und wird unweit vom hinteren
Körperende undeutlich.
Die Dorsale beginnt über dem hinteren Ende des Kiemendeckels.
Die Basis des letzten Rückenflossenstachels steht ziemlich weit von
der Caudale ab, der Stachel selbst liegt fast horizontal und ist ver-
Bnlletin N. S. II (XXXIV) p. 30.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 121
mittelst einer Haut an den oberen Rand des Schwanzstieles angeheftet, so
dass die Stachelspitze die Schwanzflossenbasis berührt oder derselben sehr
genähert erscheint. Die Länge der Dorsalstacheln wächst von dem ersten,
kürzesten, ziemlich rasch nach hinten, bleibt dann etwa von 7 — 8 ungefähr
gleich bis fast zum hinteren Flossenende, wo sie wiederum abnimmt. Die
Länge des grössten Dorsalstachels macht etwa y 5 der Kopflänge aus. Die
Anale, deren Höhe derjenigen der Dorsale nachsteht, beginnt unter dem
20. — 22. Strahle der Dorsale. Ihr hinterster Strahl ist mittelst einer Haut
mit der Schwanzflossenbasis verbunden. Die Länge der Pectoralen kommt
dem Abstände von der Schnauzenspitze bis zum Vordeckel ungefähr gleich.
Die Länge der Ventralen macht etwa die Hälfte der Brustfiossenlänge aus.
Die Länge der hinten etwas abgerundeten Caudale ist 10 2 / 3 — 9V 2 mal in
der Körperlänge enthalten.
Die Färbung ist unten weisslich, oben dunkler mit schwärzlichen Flecken.
Undeutliche Flecken treten auch an den Flossen, jedoch mit Ausnahme der
Ventralen, auf.
Die Totallänge erreicht bis 507 mm.
Diese neue Art, die das Museum nebst manchen anderen interessanten
Bereicherungen Herrn A. W. Grigorjew verdankt, dem zu Ehren ich sie
auch benannt habe, steht, so viel ich weiss, wegen ihres robusten Körper-
baues, der stark niedergedrückten Kopfgestalt, der kleinen, nach oben ge-
richteten Augen, der sehr weiten Mundspalte so vereinzelt unter ihren
Gattungsgenossen, dass ich es für vollkommen begründet halte, für sie ein
besonderes Subgenus aufzustellen, welches ich mit dem Namen Dinogunellus
zu belegen vorschlage. — Der japanische Name des Fisches lautet «Nagazka».
Stichaeus dictyogrammus n. sp.
8716. Hakodade. Maximowicz. 1863. (1).
8717. Japonia. » » (2).
D. 44. A. 24 — 25. P. 14. V. 4.
St. corporis altitudine 4 2 / 3 , capitis longitudine 4 in corporis longitudine.
Oculis diametro 5% in longitudine capitis, diametro 10 / 17 — 8 / u
distantibus. Lineis lateralibus utrinque binis principalibus, anasto-
mosibus transversis unitis, ramosque transversos sursum et de-
orsum emittentibus, hisce ramis longitudinalibus pluribus de-
cussatis et tali modo rete formantibus.
Die grösste Höhe des seitlich comprimirten Körpers übertrifft 3 — 2 7 / 10
mal die geringste und ist 4% mal in seiner Länge enthalten.
Bulletin N. S. II (XXXIT) p. 31.
122 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [T. XIII
Die Länge des Kopfes, welche dessen Breite 3% mal und dessen Höhe
l 5 / 7 mal übertrifft, macht x / 4 der Körperlänge aus. Der Augendiameter,
welcher 1 7 / 10 — 1% mal die Breite des etwas convexen Interorbitalraumes
übertrifft, ist 5% mal in der Kopflänge und 3% ! — 3 l / 4 mal in der Länge des
postorbitalen Kopfabschnittes enthalten. Das hintere Oberkieferende fällt
unter den vorderen Augenrand oder unter das Augencentrum. Die Mund-
spalte steigt etwas schief zur Schnauzenspitze hin. Zahlreiche Poren sind
am Kopfe (um das Auge herum, am Praeoperculum , am Unterkiefer etc.)
sichtbar. Die Nasenlöcher erscheinen als kurze Röhrchen und stehen etwa
in der Mitte zwischen dem Auge und der Schnauzenspitze. Die bürstenför-
migen Zähne bilden ziemlich breite Binden in den Kiefern; auch sind die
Vomer- und Gaumenzähne wohl entwickelt.
Der Kopf, eine Stelle zwischen dem Hinterhaupt und der Dorsale und
die Achselgegend sind nackt, sonst erscheint der Körper dicht beschuppt.
Die Vertheilung des Seitenliniensystems lässt schon an den 3 vorliegenden
Exemplaren in den Details mehr oder weniger bedeutende individuelle Va-
riationen erkennen, so dass im Folgenden nur die Hauptzüge skizzirt worden
sind. Die obere Seitenlinie verläuft vom oberen Kiemenspaltenende dem
Rückenprofil entsprechend und vereinigt sich nahe dem hinteren Körperende
mit der mittleren, welche letztere dicht über der Brustflossenbasis beginnt
und an der Mitte des Schwanzflossengrundes endet. Von der oberen Linie
ziehen mehrere Queräste zur Basis der Dorsale, wo sie durch Längs- Ana-
stomosen verbunden werden, welche am Grunde der hinteren Rückenflossen-
hälfte auch eine mehr oder weniger deutliche (oberste) Seitenlinie bilden.
Zwischen der oberen und mittleren Seitenlinie sieht man ausserdem noch
mehrere Queranastomosen. Vom vorderen Theile der mittleren Seitenlinie
ziehen nach unten ziemlich dicht stehende quere Ausläufer, welche zwischen
den Ventralen und dem After durch eine mehr oder weniger ununterbrochene
mediane Linie verbunden sind. Ähnliche Ausläufer finden sich auch über
der Anale, wo sie theils in eine längs der Basis der letzteren verlaufende
Seitenlinie münden, theils von einer über dem hinteren Afterflossenabschnitt
befindlichen Linie gekreuzt werden. Endlich bringen Ausläufer des Seiten-
liniensystems einige grosse Maschen vor der Basis der Pectoralen und vor den
Ventralen hervor.
Die Dorsale beginnt über dem oberen Kiemenspaltenende und ist zu-
weilen hinten vermittelst einer Haut mit der Schwanzflossenbasis verbun-
den. Die Länge der Dorsalstacheln wächst allmählich vom ersten, kürze-
sten, bis zum 5., welcher an Länge etwa Y 3 der Kopflänge beträgt; von da
an bleiben die Stacheln ungefähr gleich lang und nehmen dann in der Nähe
des Hinterendes der Dorsale wiederum ab. Die Anale beginnt unter dem
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 32.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DES KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 123
20. — 22. Dorsalstacliel und ihr letzter Strahl steht etwas vor oder gegen-
über dem letzten Strahl der Dorsale, welcher sie an Höhe nachsteht. Ihre
hinteren Strahlen reichen zurückgelegt bis zur Basis der Caudale. Die Länge
der Pectorale kommt dem Abstände von der Schnauzenspitze bis zum Praeoper-
culum gleich. Die Länge der Ventralen macht eine Hälfte der Brustflossen-
länge aus oder ist etwas geringer. Die Länge der etwas abgerundeten Cau-
dale wird 8 — 7V 2 mal von der Körperlänge übertroffen.
Der Körper scheint einfarbig gewesen zu sein. Am Kopfe gehen vom
Auge nach hinten und unten 2 — 3 dunkle radiäre Streifen. Auf der Anale
und Dorsale bemerkt man dunkle Flecke, an den Pectoralen und an der
Caudale mehr oder weniger unregelmässige dunkle Querbinden.
St. dictyogrammus nähert sich durch seine mehrfachen Seitenlinien dem
St. hexagrammns Schleg. 8 ) und St. enneagrammus Kner 9 ); aber die stark
entwickelten Queranastomosen kenne ich bei keinem anderen Stichaeus; sie
erinnern vielmehr an eine ganz andere Blennioiden- Gattung, namentlich
Dictyosoma Schleg.
Chirolophus japonicus, n. sp.
8724. Hakodade. Maximowicz. 1863. (1).
D. 59. A. 1/43. P. 15. V. 4.
Ch. corporis altitudine 5%, capitis longitudine 6% in corporis longi-
tudine. Oculis diametro 4% in longitudine capitis, paulo minus
quam 1 diametro distantibus. Kostro brevissimo, rictu subhori-
zontali. Plica cutanea transversa fimbriata intra et supra nares
tubulosas; altera très appendices subramosas gerente, lateralibus
media majoribus, supra oculorum marginem anteriorem; tribus
appendicibus, secundum lineam transversam dispositis, supra
oculorum marginem posteriorem, lateralibus pariter media majo-
ribus, sed fere aequantibus appendices laterales plicae modo
clictae; appendicibus minoribus in nucha, in operculo, in prae-
operculo et mandibula. Dentibus numerosis, subincisiviformibus,
arctis, in series duas alternantes dispositis, sed apicibus aciem
continuam formantibus et in série interna minoribus. Corpore
squamis parvis tecto, pone aperturae branchialis extremitatem
superiorem circe 10 poris conspicuis secundum lineam horizon-
talem dispositis appendicibusque minoribus cutaneis intermixes.
8) Schlegel, in Siebold Fauna Japonica, Pisces, p. 136, PI. LXXIII, fig. 1 (1842).
9) Kner, in Sitzungsber. der Wien. Akad. Mathm. naturw. Classe, 1. Abth., Bd. LVIII,
p. 30, 338, Taf. VI, fig. 19 (1868).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 33.
124 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
Der seitlich comprimirte Körper ist gestreckt und wird nur ziemlich
allmählich zur Caudale hin niedriger, indem die grösste Körperhöhe unge-
fähr 5% mal in der Körperlänge enthalten ist und 3y 5 mal die kleinste
Körperhöhe übertrifft.
Die Kopflänge wird 6% mal von der Körperlänge übertroffen. Die Kopf-
breite kommt ungefähr 2 / 3 der Kopflänge gleich und steht nur wenig der
Kopfhöhe nach. Das Auge, dessen Diameter die Breite des Interorbital-
raumes etwas übertrifft und 4% mal in der Kopflänge enthalten ist, steht
ganz dicht am oberen Kopfprofil; der hintere Augenrand liegt zwischen dem
2. und 3. Fünftel der Kopflänge. Das hintere Oberkieferende fällt etwas vor
die Verticale des hinteren Augenrandes. Die Mundspalte ist beinahe hori-
zontal und nimmt im Verhältniss zum oberen und unteren Kopfprofil eine
fast symmetrische Lage ein. Der Kopf besitzt mehrere Haut- Anhänge, und
zwar erhebt sich zwischen und über den röhrenförmigen Nasenlöchern eine
dreieckige, am oberen Rande gezackte Falte; dann folgt über den vorderen
Augenrändern eine andere Querfalte, von welcher letzteren in der Mitte ein
kürzerer (etwa y a Augendiameter langer) und jederseits ein längerer (etwa
1 Augendiameter langer) Anhang abgeht; alle Anhänge sind an der Spitze
mehr oder weniger zerspalten. Über und zwischen den hinteren Augen-
rändern folgen dann zwei etwa 1 Augendiameter lange seitliche und ein kurzer
mittlerer Anhang, die in einer Querreihe stehen und sonst den eben be-
schriebenen ähneln. Auf dem Nacken findet sich eine Gruppe aus 5 grösseren
und mehreren (etwa 8) kleineren getheilten oder einfachen Hautläppchen.
Ähnliche Hautläppchen kommen noch an anderen Kopfstellen vor, und zwar
einer jederseits vor dem oberen Ende der Kiemenspalte, 6 am Praeoperculum,
4 am Unterkiefer und ein ganz kleiner unten, nicht weit von dem Kiemen-
hautrande. Mehrere deutliche Poren treten am Kopfe hervor, so auf dem
Nacken, längs dem oberen Kiemendeckelrande, um das Auge herum, an der
Schnauze, am Unterkiefer. Die vorderen Nasenlöcher stehen ganz dicht über
der Schnauzenspitze und sind in Röhrchen ausgezogen, die an Länge etwa y 3
Augendiameter gleichkommen. Die Lippen sind fleischig. Die zahlreichen
schmalen Zähne stehen, etwas schief nach innen gerichtet, mit ihren cylin-
drischen Basaltheilen in 2 alternirenden Reihen, während ihre etwas spatei-
förmig verbreiteten und zugeschärften Kronen beinahe eine ununterbrochene,
nur an einzelnen Zähnen leicht eingekerbte Firste bilden. Die freie Kiemen-
hautfalte ist breit und fleischig 10 ).
Am Körper fallen zwischen dem Nacken und dem Anfange der Dorsale
4 grössere und ein kleinerer Hautlappen auf, die gleichsam eine Fortsetzung
10) Die von der Kiemenhaut umschlossenen Kadii branchiostegi kann ich nicht genau
zählen.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 34.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 125
der oben beschriebenen Kopfanhänge bilden. Vom oberen Ende jeder Kiemen-
spalte zieht auf einer Strecke, die ungefähr einer halben Kopflänge gleich-
kommt und dem Rückenprofil parallel verläuft, eine Reihe von etwa 10
grossen Poren mit kleinen fadenförmigen Hautanhängen dazwischen. Diese
Reihe bildet die Fortsetzung der oben erwähnten, am oberen Kiemendeckel-
rande befindlichen und stellt wohl den Anfang einer Seitenlinie dar.
Die Dorsale beginnt über dem oberen Kiemenspaltenende und ihr letzter
Strahl sitzt ein w r enig vor der Schwanzflossenbasis, mit welcher er aber doch
durch eine Membran verbunden ist. Der erste Dorsalstrahl ist etwa iy 2 mal
kürzer als der 2. und 3., deren jeder ungefähr l / 2 Kopflänge ausmacht und
welche beide zugleich die längsten Strahlen der Rückenflosse darstellen, denn
die übrigen Strahlen werden nach hinten allmählich kürzer. Die 3 ersten
Strahlen besitzen an der Spitze mehr oder weniger lange, z. Th. auch ver-
ästelte Hautläppchen. Die Anale beginnt unter dem 17. — 18. und endet ein
wenig vor dem letzten Rückenflossenstrahle; die Länge der Afterflossen-
strahlen nimmt, obwohl unbedeutend, nach hinten zu; die hinteren, deren
Länge etwas der Länge der Dorsalstrahlen nachsteht, reichen zurückgelegt
bis zur Basis der Caudale. Die Basis der Pectorale liegt unter dem oberen
Ende der Kiemenspalte und ist mit Schuppen bedeckt. Die Brustflossenlänge
steht nur wenig der Kopflänge nach. Die Basis der Ventralen ist deutlich
vor die Brustflossenbasis vorgeschoben. Ihre Länge ist 2% mal in der Brust-
flossenlänge enthalten. Die Caudale erscheint hinten abgerundet und kurz,
indem ihre Länge 1 mal von der Körperlänge übertroffen wird.
Über die Färbung lässt sich leider nichts mittheilen, da die Haut überall
abgerieben ist.
Die Totallänge gleicht 415 mm.
Die im Vorliegenden behandelte Art steht dem Gh. Ascanii Wahlb.
und dem von Pallas beschriebenen, nachher verschollenen und neuerdings
von Nelson bei Alaska wieder entdeckten Ch. polyactocephalus nahe, weicht
aber von beiden merklich ab. Leider habe ich weder von Gh. Ascanii, noch
von Ch. polyactocephalus Exemplare und muss mich daher beim Vergleich
nur mit den mir zugänglichen Beschreibungen des ersteren u ) und der von
Bean 12 ) gegebenen Abbildung des letzteren begnügen.
11) Hauptsächlich Lilljeborg, Sveriges och Norges Fiskar, p. 492 ssq.
12) Bean in Report upon Natural History Collections made in Alaska by E. W. Nelson,
edit, by H. W. Henshaw (Arctic. Series etc. JV» III) Pt. III. Fishes, PI. XV (1887). — Ob der-
selbe Verfasser auch eine Beschreibung der Nelson'schen Exemplare geliefert hat, weiss ich
nicht. Die Pallas'sche Beschreibung (Blennius polyactocephalus, in Zoograph. Rosso-Asiat. III.
p. 178) ist höchst ungenügend; so wird darin sogar der Ventralen nicht erwähnt, welcher Um-
stand wohl Valenciennes veranlasst hat (Hist. nat. d. poiss. XI, p. 448 [1836]) den Blennius
polyactocephalus Pallas zu Gunellus zu stellen. Jordan und Gilbert haben, freilich nicht
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 35. 10
126 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN ETC. [t. XIII
Von seinem europäischen Gattungsgenossen unterscheidet den Gh. japo-
nicus seine verhältnissmässig riesige Grösse, welcher Umstand wohl harmo-
nirt mit der schon mehrmals betonten Grosswüchsigkeit der nordpacifischen
Formen im Vergleich mit ihren europäischen Verwandten; dann die gleiche
Grösse der supraorbitalen Haut-Anhänge, von welchen bei Ch. Ascanii die
hinteren die vorderen an Länge bedeutend übertreffen; ferner die Form der
Zähne, welche bei Ch. Ascanii eine stumpfconische Gestalt besitzen, die
kurze Porenreihe am Rumpfe hinter dem oberen Kiemenspaltenende, welche
bei der europäischen Art zu fehlen scheint 13 ), etc.
Viel näher scheint der Gh. japonicus dem Gh. polyadocephalus zu stehen,
von dem er hauptsächlich durch die gleiche Länge der vorderen und hinteren
Supraorbitalanhänge abweicht, indem bei Gh. polyadocephalus die vorderen
bedeutend länger als die hinteren erscheinen. Dann fehlen bei dem letzter-
wähnten Ghirolophus die Anhänge am Praeoperculum und am Unterkiefer
beinahe vollständig 14 ).
ganz genau, die Pallas'sche Beschreibung des Bl. polyadocephalus reproducirt und denselben
für einen Chirolophus erklärt (Synopsis of the Fishes of N. America, p. 765 [1882]); ob mit Recht,
scheint mir auch nach Nelson's Fund nicht absolut sicher gestellt.
13) Wenigstens erwähnt der sonst so ausführlich beschreibende, dabei auch die Kopfporen
besprechende Lilljeborg derselben nicht.
Bei dem obigen Vergleiche des Ch. Ascanii mit Ch. japonicus habe ich absichtlich einer
scheinbar sehr auffallenden Differenz nicht erwähnt. Lilljeborg schreibt nämlich Folgendes
über den Bau der Nasenlöcher bei Ch. Ascanii: «Bada (d. h. vordere und hintere Nasenlöcher)
äro rundade, med nägot upphöjde Jcanter... Det främre paret är beläget... innanför 2:ne större
i spetsen genomborrade hudpapiller». Ich halte diese «hudpapiller» bei meiner Art für vordere
Nasenlöcher und kann mir nicht vorstellen, dass zwischen Ch. Ascanii und Ch. japonicus in
dieser Beziehung eine Differenz bestehen sollte.
14) Dagegen ist an der von Bean (1. 1.) gelieferten Abbildung eine Reihe kleinerer An-
hänge zu sehen, welche augenscheinlich denjenigen entsprechen, die bei Ch. japonicus die Poren-
reihe hinter dem oberen Kiemenspaltenende begleiten; auch dürfte es kaum zu bezweifeln
sein, dass Ch. polyadocephalus eine solche Porenreihe besitzt.
o>Kc
Bulletin N. S. II (XXXIV) p.
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIKES Dû
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Ichthyologische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der Kaiser-
lichen Akademie der Wissenschaften. Von S. Herzenstein. (Lu
le 11 septembre 1890.)
IP).
Pleuronectes obscurus u. sp.
8725. Chemulpo aut Nagasaki. Dr. Bunge. 1889 (1).
8726. Wladiwostok. Expositio piscatoria. 1889 (1).
8727. Japonia. Grigorjew. 1881 (1).
8728. » » 1881 (1).
8729. Wladiwostok (Zolotoj Rog). Dr. Sljunin. 1888 (1).
D. 61 — 65. A. 44 — 49. P. 10. V. 5 — 6. Lin. lat. 80.
PI. altitudine corporis 3% — 3 in ejus longitudine, capitis longitudine
3% — 3 a / 10 in corporis longitudine. Oculis diametro 5% — 5y 2 in
capitis longitudine, crista angusta, postice in laminam osseam
rugosam producta, sejunctis. Naribus in latere dextro tubulosis, in
sinistro antica limbo humili, retrorsum in lobulum producto, prae-
dita, postica orificium simplex formante. Dentibus uniseriatis,
incisiviformibus, in latere dextro „ ~, , in latere sinistro ,~, e .
' — 5 ' 12 — 15
Squamis (apud feminas tantum?) cycloideis, imbricatis, haud sparsis.
Linea laterali supra pectorales vix vel leviter curvata, ramo
dorsali carente.
Der Contour des Rückens geht in denjenigen des Kopfes ganz gleich-
massig oder unter Bildung eines sehr wenig deutlich einspringenden Winkels
über. Die grösste Körperhöhe, welche 3 x / 5 — 3 mal die kleinste übertrifft,
ist 2% — 2 3 / 8 mal in der Körperlänge enthalten.
1) S. Bulletin de l' Acad. Impér. d. Sciences de St.-Pétersbourg, Nouvelle Série, II (XXXIV),
p. 23. — Ich möchte nur wiederholen, dass die Exemplare hier genau in derselben Weise an-
geführt werden, wie in dem Generalcataloge der akademischen Sammlung, d. h. zuerst die N°,
dann der Fundort, dann der Sammler, darauf das Jahr der Acquisition, endlich in Klammern
die Zahl der Individuen in dem betreffenden Glase, wobei (-+-) bezeichnet, dass mehr wie 6 Stück
in einem Glase vorhanden sind.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 49. 10*
128 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [T. XIII
Die Kopflänge macht % 9 — 10 / 31 der Körperlänge aus. Die Augen, deren
Diameter 5 2 / 3 — 5% mal in der Kopflänge enthalten ist und der Schnauzen-
länge ungefähr gleichkommt, sind durch eine schmale Leiste getrennt,
welche nach hinten in einen rauhen, schmalen, zuweilen von Haut umhüllten
Streifen übergeht. Die Mundspalte erscheint subvertical; ihr oberes Ende
liegt ungefähr dem unteren Rande des oberen Auges gegenüber. Der Unter-
kiefer springt unbedeutend über den Zwischenkiefer vor. Die Länge des
Oberkiefers macht l x / 5 Augendiameter aus. Die Lippen sind fleischig und
dick. Die Nasenlöcher der Augenseite liegen etwas unter der Mittellinie des
Interorbitalraumes. Das vordere, dicht am Oberkiefer gelagert, ist in ein
nahe der Spitze von einer deutlichen Öffnung durchbohrtes Röhrchen aus-
gezogen; das hintere Nasenloch, das vom vorderen durch einen unbedeu-
tenden Zwischenraum getrennt ist, bildet ein breiteres, aber bedeutend
kürzeres Röhrchen. Auf der blinden Seite liegen beide Nasenlöcher am
oberen Kopfprofil, neben dem Anfange der Dorsale; das vordere ist von
einem niedrigen, hinten in ein dreieckiges Läppchen ausgezogenen Saum
umgeben; das hintere bildet ein einfaches Loch. Die schneidezahnähnlichen
oder, wohl in Folge von Abnutzung, mehr mahlzahnförmigen Zähne er-
scheinen an der Augenseite wenig zahlreich (ca. ~ ) und schwach ent-
wickelt; auf der blinden Seite finden sich in den Kiefern ~i 5 i n eme
Reihe angeordnet. Die Rechenzähne am vorderen Kiemenbogen sind ganz
kurz, breit, wenig zahlreich (8 — 10), zuweilen mit ein wenig umgebogener
Spitze.
Die Schuppen sind cycloid, decken einander dachziegelförmig und breiten
sich an der Augenseite des Kopfes so aus, dass nur die Schnauze, der Inter-
orbitalraum und der Unterkiefer von denselben frei bleiben. Auf der blinden
Seite des Kopfes dagegen ist die Beschuppung sehr schwach, mehr oder
weniger verhüllt und nur an einem Theile der Wange, am oberen Operkel-
rand, am Suboperculum und am hinteren Theil des Interoperculum zu sehen.
Die Beschuppung der Dorsale und der Anale kann höchstens als ganz rudi-
mentär bezeichnet werden. Auf der Caudale dagegen ist die Beschuppung
recht wohl entwickelt. Die Seitenlinie bildet an ihrem Anfange eine kaum
sichtbare oder sehr flache bogenförmige Biegung, deren Länge ungefähr
der Brustflossenlänge gleichkommt und sich zur Höhe der Biegung ca. wie
6 : 1 verhält. Der grösste Abstand des geraden Theiles der Seitenlinie von
dem Bauchcontour ist etwas geringer als eine Kopflänge.
Die Dorsale beginnt etwas vor der Mitte des oberen Auges und ihre
Strahlen wachsen an Höhe vom ersten, dessen Länge einem Augendiameter
merklich nachsteht, etwa bis zum 35. — 37., dessen Länge l / 2 Kopflänge oder
Bulletin N. S. II (XXXIY) p. 50.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 1 29
etwas weniger ausmacht; von hier an nimmt die Strahlenhöhe wiederum
nach hinten ab und der letzte Strahl, dessen Entfernung vom Grunde der
Caudale ungefähr % — % der Höhe des Schwanzstieles gleichkommt, ist be-
deutend niedriger als der erste. Die Anale, deren vorderster, längster (etwa
20. — 21.) und zuweilen auch hinterster Strahl die entsprechenden Dorsal-
strahlen an Höhe etwas übertreffen, endet gegenüber dem Ende der Dorsale.
Dorsal- und Anal-Strahlen ungetheilt. Die Länge der rechten Pectorale
gleicht % — y 3 j der linken % — % der Kopflänge. Von den beiden symmetrisch
gelagerten Ventralen ist eine (die linke) etwas länger oder beide erscheinen
gleich lang, und zwar von einer Länge, die ungefähr 1 / 3 der Kopflänge aus-
macht. Mit ihren Spitzen reichen sie kaum oder merklich über den Anfang der
Anale hinaus. Die Caudale, deren Länge ca. % der Körperlänge gleichkommt,
erscheint hinten etwas abgerundet.
Der Analstachel ragt schwach oder deutlich aus der Haut hervor.
Auf der rechten Seite ist die Färbung am Körper oder auch an den
Flossen sehr dunkel. Die linke Seite ist gelblich und die verticalen Flossen
sind hier entweder von derselben Farbe oder mit Ausschluss des gelblichen
basalen Theiles sehr dunkel. Ausserdem bemerkt man auf der linken Seite
mehr oder weniger zahlreiche, zerstreute, unregelmässige, dunkle Flecken,
und zwar hinter dem Kopfe oder an der Basis der verticalen Flossen. Die
den Flossenstrahlen parallelen dunklen Binden der Dorsale und Anale treten
ziemlich schwach hervor. Die beiden Ventralen, oder nur die rechte, sind
in grösserer oder geringerer Ausdehnung dunkel gefärbt.
Die Totallänge erreicht bis 310 mm.
Die im vorhergehenden beschriebene Art dokumentirt sich durch ihre
breiten zusammengewachsenen und mit groben stumpfen Zähnen bewaffneten
Schlundknochen als zur Gattung Liopsetta der amerikanischen Autoren
gehörig. Die glatte Beschaffenheit der Schuppen unserer Exemplare hängt
wahrscheinlich vom Geschlechte derselben ab, da bekanntlich in der Gattung
Liopsetta die Weibchen in diesem Kennzeichen von dem stark ctenoid be-
schuppten Männchen abweichen sollen 2 ).
Von den anderen Liopsetta- Arten {PI. glaber Stör er, PI. dvinensis
Lilljeb., PI. glacialis Pallas 3 ) weicht PI. obscurus genügend durch seine
dicht stehenden Schuppen ab, welche bei den eben genannten Arten im Gegen-
2) Cf. Bean in Proc. U. S. Nation. Mus., p. 345 (1878).
3) Vgl. Jordan & Goss, A. Review of the Flounders and Soles of America and Europe, in
U. S. Commission of Fishes and Fisheries, Part XIV, Report of the Commissioner for 1886, p. 294
(1889). — Lilljeborg vereinigt diese drei Formen unter dem Namen von PI. glacialis Pali.
(Sveriges og Norges Fiskar, II, p. 410 [1887]).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 51.
130 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
theil mehr oder weniger zerstreut, einander nicht dachziegelförmig be-
deckend erscheinen.
Die kleineren (122 — 150 mm. langen) Exemplare (]Bls 8727—8729)
zeigen noch gesonderte Schlundknochen, wie es nach Jordan und Goss 4 )
auch für unreife Individuen in der Gattung Liopsetta normal sein soll. Sonst
weichen sie in keinem wesentlichen Kennzeichen von den erwachsenen ab;
nur ist die Augenseite bedeutend heller oder ihre dunkle Färbung mehr als
eine dunkle Marmorirung ausgesprochen; auch weisen JVxJVs 8727 und 8728
auf der Augenseite weissliche Flecken auf. Die Kieferzähne dieser letzteren
Individuen sind theils beweglich, theils fehlen sie ganz. Ich möchte darin
nur eine Phase des Zahnwachsthums oder Zahnwechsels sehen 5 ).
Pleuronectes japonicus n. sp.
1583. Hakodate. Maximo wicz. 1863 (3).
6143. » Grigorjew. 1881 (1).
8730. Wladiwostok. Expositio piscatoria. 1889(1).
D. 68 — 70. A. 51. P. 1 1 . V. 6. Lin. lat. 75 — 80.
PI. altitudine corporis 2% — 2% in ejus longitudine, capitis longitu-
dine 4 3 / 10 — 3% in corporis longitudine. Oculis diametro 6'/ 10 —
5y i0 in capitis longitudine, crista angusta, postice in laminam
rugosam producta, sejunctis. Naribus in latere dextro tubulosis, in
sinistro antica limbo humili, retrorsum in lobulum producto, prae-
dita, postica orificium simplex formante. Dentibus uniseriatis, inci-
siviformibus, in latere dextro , ~ . , in latere sinistro .. ~. .
' 1 — 7 ' 15 — ol
Squamis in latere trunci sinistro cycloideis, in latere dextro, parte
ejus interdum anteriore exclusa, plus minusve ctenoideis. Linea
laterali supra pectorales curvaturam insignem formante.
Der Contour des Rückens zeigt dieselbe Beschaffenheit wie bei der vor-
hergehenden Art.
Die grösste Körperhöhe, welche 4% — 3 9 / 10 mal die kleinste übertrifft,
ist 2% — 2% mal in der Körperlänge enthalten.
4) 1. 1., p. 234.
5) Gill wollte bekanntlich die beweglichen Zähne einer Pleuronectes -Art als Gattungs-
Kennzeichen benutzen (Proc. Acad. Nat. Sc. Philadelphia, pp. 221 — 222 [1864]); Bean dage-
gen erklärt dieselben nur für eine zufällige, bei erwachsenen Männchen und Weibchen wäh-
rend der Fortpflanzungszeit vorkommende Erscheinung (Proc. ofU. S. National Museum, p. 346
[1878]).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 52.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 131
Die Kopflänge wird 4 3 / 10 — 3 2 / 3 mal von der Korperlänge übertroffen.
Der Diameter der Augen ist 5y i0 — 6Y 10 mal in der Kopflänge enthalten
und dabei ungefähr ebenso lang wie die Schnauze. Die Augen werden durch
eine niedrige Leiste von einander getrennt, die sich nach hinten in eine
mehr oder weniger breite, rauhe, über das Operculum verlaufende Platte
fortsetzt, und hinter der letzteren ist am oberen Kiemenspaltenende noch
eine kleine rauhe Platte vorhanden. Die Mundspalte erscheint wie bei der
vorigen Art gebildet. Die Länge des Oberkiefers übertrifft 1% — 1% mal
den Augendiameter. Der Unterkiefer springt nicht sehr bedeutend über den
Zwischenkiefer vor. Die Lippen sind ziemlich dünn. Die Nasenlöcher unter-
scheiden sich nicht von denjenigen der vorhergehenden Art. Die mehr oder
weniger schneidezahnähnlichen Zähne, welche auf der blinden Seite viel
stärker als auf der Augenseite entwickelt sind, erscheinen meist schmal,
seltener etwas breiter, stehen auf der blinden Seite dicht neben einander
oder bleiben an den Kronen-, zuweilen auch an den Wurzeltheilen durch
geringe Zwischenräume getrennt. Die Zahl der Zähne macht auf der blinden
Seite im Oberkiefer 12 — 25, im Unterkiefer 15 — 31, auf der Augenseite
resp. — 2 und 1 — 7 aus. Die 9 — 10 Rechenzähne des ersten Kiemen-
bogens sind denjenigen des PI. dbscurus ähnlich.
Die Beschuppung zeigt in Betreff der Ausbreitung keine wesentlichen
Differenzen von derjenigen des PI. dbscurus, nur sind bei der in Rede ste-
henden Art die Schuppen auf der Augenseite der mittleren Dorsal- und
Analstrahlen deutlicher und der Interorbitalraum, gewöhnlich auch die
rechte Pectorale mit Schuppen bedeckt. Die Schuppen sind auf der blinden
Seite cycloid, auf der rechten aber (mit Ausschluss der verticalen Flossen)
am hinteren Rande mit einem oder mehreren deutlichen Stachelchen oder
Zähnchen versehen; dabei erscheint die Bestachelung der Schuppen ent-
weder ziemlich gleichmässig, oder an der hinteren Rumpfhälfte und am
Kopfe besonders ausgeprägt, während sie an der vorderen Rumpfhälfte
schwächer ist oder beinahe fehlt; auch erscheinen in der zuletzt genannten
Region die einzelnen Schuppen zuweilen von der Haut mehr umhüllt, so dass
deren sichtbare Partien durch schmale häutige etwas erhobene Säume von
einander getrennt bleiben, welcher Umstand — wenigstens an in Spiritus
conservirten Exemplaren — dem betreffenden Rumpftheil ein etwas pocken-
narbiges Aussehen verleiht. Die Seitenlinie bildet an ihrem Anfange eine be-
deutende bogenförmige Biegung, deren Länge ungefähr der Brustflossenlänge
gleichkommt und sich zur Höhe der Biegung wie 4:1 — 3:1 verhält.
Die Dorsale beginnt etwas vor der Mitte des oberen Auges und ihre
Strahlen nehmen an Höhe zu vom ersten, dessen Höhe einem Augen-
diameter ungefähr gleichkommt, etwa bis zum 32. — 40., dessen Länge von
Bnlletin N. S. II (XXXIV) p. 53.
132 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
einer halben Kopflänge wenig differirt; dann nehmen diese Strahlen wiederum
nach hinten etwas ab, so dass der letzte, dessen Entfernung von der Caudale
der Höhe des Schwanzstieles etwas nachsteht oder ihr gleichkommt, merk-
lich kürzer als der erste erscheint. Die Strahlen der Anale, von denen der
20. — 24. am längsten ist, verhalten sich den Dorsalstrahlen gegenüber ent-
weder wie bei der vorhergehenden Art, oder aber sie zeigen das entgegen-
gesetzte Verhältniss; in jedem Falle jedoch erscheinen die Differenzen
in der Länge der entsprechenden Strahlen unbedeutend. Die Länge der
rechten Pectorale gleicht % — %, der linken % — % der Kopflänge. Die
Länge der symmetrisch gelagerten Ventralen, von denen eine etwas länger
als die andere sein kann, macht % der Kopflänge aus; mit ihren Spitzen
reichen sie etwas über den Anfang der Anale hinaus. Die Länge der hinten
schwach abgerundeten Caudale ist 6y s — 5 x / 3 mal in der Körperlänge ent-
halten.
Der Analstachel stimmt mit demjenigen des PI. obscurus überein.
Die Färbung scheint auf der blinden Seite weisslich oder gelblich, auf
der Augenseite sandfarben oder bräunlich mit undeutlicher dunkler Mar-
morirung gewesen zu sein.
Die Totallänge erreicht 380 mm.
Unter dem Namen «. Pleur onectes japonicus Steind.» sind in unserem
Museum 3 Exemplare aufgestellt (JVs 1583), welche von Hrn. Dr. Steine
dachner während seiner Anwesenheit in St.-Petersburg so bestimmt worden
sind. Da aber meines Wissens der bekannte Wiener Ichthyologe eine Charac-
teristik dieser Art nirgends gegeben hat, so beschreibe ich die erwähnten,
so wie einige später hinzugekommene Exemplare als neue Art und behalte
zugleich die Steindachner'sche Benennung für dieselbe bei.
Diese neue Art steht zweifellos dem PI. asper Pali, nahe, unterscheidet
sich aber von demselben, soweit ich nach den Beschreibungen 6 ) und meinem
unzureichenden Vergleichmaterial 7 ) urtheilen kann, durch die mehr oder
weniger schneidezahnähnlichen Kiefer-Zähne, sowie durch die Bildung der
Nasenlöcher, welche bei PI. asper auch auf der blinden Seite deutlich röhrig
und überhaupt denjenigen der Augenseite ziemlich ähnlich ausgebildet er-
scheinen.
Im Übrigen scheint diese Art ziemlich stark variabel zu sein. So fällt
eines der unter A r s 1583 aufgestellten Exemplare durch besondere Schlank-
6) Pallas, Zoographia Ross. -Asiat. III, p. 425(1813); Steindachner, Sitzungsber. der Wien.
Akad. Mathem.-Naturw. Classe, 1 Abth., Bd. LXI, p. 425 (1870); Jordan & Gilbert, Synopsis of
the Fishes of N. America, p. 835 (1882); Jordan & Goss, 1. 1., p. 287, 288.
7) N° 8731. Ein Exemplar aus den früheren russisch -amerikanischen Colonien, von der
Russisch -amerikanischen Compagnie dem Museum geschenkt.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 54.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 133
heit auf (Körperhöhe zu Körperlänge wie 1 : 2%) und sticht in dieser Be-
ziehung merklich von den plumperen Individuen JVsJVs 6143 und 8730
(Körperhöhe zur Körperlänge wie 1 : 2%) ab, welche wiederum 2 extreme
Abweichungen in der Beschuppung und Zahnbildung repräsentiren, indem
sich JV° 6143 durch Schuppen mit am stärksten ausgeprägtem ctenoidem
Character und sehr breite und wenig zahlreiche Kiefer-Zähne (-r- rechts,
12
— links) auszeichnet, während Nu 8730 an der vorderen Rumpf half te beinahe
nur cycloide Schuppen und sehr schmale, äusserst zahlreiche Kieferzähne (y
rechts, ^- links) besitzt. Doch habe ich mich schon an dem mir vorlie-
genden spärlichen Material überzeugt, dass diese Kennzeichen zur Auf-
stellung von Arten unzureichend sind; namentlich gilt dies von der Zahl
der Zähne, der ich schon deshalb keinen besonderen Werth beilegen kann,
weil bei anderen Arten bekanntlich fast ebenso grosse Schwankungen in
dieser Hinsicht vorkommen 8 ).
Pleur onectes bicoloratus Basilewsky.
1855. Platessa bicolorata Basilewsky, in Nouv. Mém. de la Soc. de
Nat. d. Moscou. T. X (T. XVI de la collection), p. 260.
1870. Pleuronectes scutifer Steindachner, in Sitzungsber. der Wien.
Akad. Mathem.-Naturw. Classe, I Abth., Bd. LXI, p. 628,
Taf. II.
Unter dem obigen Namen hat Basilewsky im Jahre 1855 diese Art
sehr ungenügend, z. Th. sogar falsch, mit nachfolgenden Worten beschrieben:
«Platessa bicolorata. A Chinensibus nominatur UIu-u3Hm-wü. Corpus
laevissimum oblongo- ovale nudum; supra fuscum, linea laterali
media designatum, a capite usque ad corporis dimidium série
loDgitudinali ossea sextuberculata sub dorso praeditum; subtus
album linea laterali obliqua, antice superiore, postrorsum vero
inclinata. Caput acuminatum, nudum, parvum, oculis magnis,
in dextro latere sitis. Os angustum, supra hians, labio superiore
mobili protractili, dentibus maxillaribus parvulis, setaceis, nume-
rosissimis. Pinnae strictae, — dorsalis et analis in medio dilatatae;
prima ab oculis proveniens, secunda post abdominales orta, utra-
que ad caudam propagata; pectorales et abdominales parvae;
caudalis spatulata ab anali et dorsali intervallo aequali disjuncta.
Habitat in Mari provinciam Shan-durf&a&zm. alluente.
8) Vrgl. z. B. Kr öyer, Danmarks Fiske, II, p. 283, Anmerkung (1843 — 1845).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 55.
134 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
Longitudo secundum Uneam rectam ab apice capitis ad caudae
apicem 6 1 / i poll.
Latitudo maxima 4 poll».
Aus dieser Beschreibung, welche ich ganz genau reproducirt habe, hätte
sich die betreffende Art kaum erkennen lassen, wäre nicht mit anderen
Basilewsky'schen Original-Exemplaren auch dasjenige von Platessa bico-
lorata in unser Museum übergegangen (JVs 6354). Nachdem ich dasselbe
mit der guten Beschreibung und Abbildung des Pleuronectes scutifer Stein-
dachner 's verglichen habe, konnte ich mich von der vollständigen Identität
beider überzeugen; dabei erwies es sich auch, dass die Kieferzähne der
Platessa bicolorata nicht im Geringsten «setacei», sondern, wie bei Pleuro-
nectes scutifer, entschieden «platt gedrückt» oder schneidezahnähnlich sind.
Hippoglossus Grigorjewi n. sp.
8732. Hakodate. Grigorjew. 1881 (1).
D. 88. A. 70. P. 11. V. 6. Lin. lat. ca. 80.
H. altitudine corporis 2% in ejus longitudine, capitis longitudine 3 7 / 9
in corporis longitudine. Oculis dextris diametro 5 2 / 5 in capitis
longitudine, paulo plus Y 3 diametro distantibus; spatio interorbitali
piano. Dentibus in maxilla et mandibula biseriatis, sat grossis,
conicis. Squamis in trunco, toto fere capite et pinnis, exclusis
pectoralibus, in latere dextro ctenoideis, in sinistro cycloideis;
linea laterali supra pectorales arcum bene evolutum formante.
Der Contour des Körpers erscheint oben und unten ziemlich symmetrisch
und steigt von der Schnauzenspitze gleichmässig zur Rückenflosse auf. Die
grösste Körperhöhe, welche 4% mal die kleinste übertrifft, ist 2% mal in
der Körperlänge enthalten.
Die Kopflänge wird 3% mal von der Körperlänge übertroffen. Die im
gleichen Niveau gelagerten rechtsseitigen Augen, deren Diameter 5% mal
in der Kopflänge enthalten ist und der Schnauzenlänge ungefähr gleich-
kommt, sind durch einen schmalen flachen Interorbitalraum getrennt, dessen
Breite % Augendiameter nur wenig übertrifft und welcher sich hinter den
Augen nicht in besondere Bildungen fortsetzt. Die Mundspalte steigt schief
zur Schnauzenspitze auf; der einen schwachen Kinnvorsprung bildende
Unterkiefer überragt nach vorne nur wenig den Oberkiefer, dessen Länge
% der Kopflänge ausmacht. Die Lippen sind schmal und wenig dick.
Die Nasenlöcher sind auf der Augenseite etwa im Niveau des Oberrandes
des unteren Auges und ein wenig vor dem letzteren, auf der blinden Seite
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 56.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 135
dagegen etwas höher gelagert; auf beiden Seiten erscheinen sie ziemlich
gleich gebildet, und zwar ist das vordere mit einem niedrigen, in ein kurzes
Läppchen ausgezogenen Saum versehen, während das hintere ein einfaches
Loch darstellt. Die Kieferzähne sind zweireihig, conisch, ziemlich grob,
namentlich vorne, auf beiden Seiten sich ungefähr bis zum Mundwinkel
erstreckend. Die ziemlich zahlreichen (20) Rechenzähne des vorderen Kie-
menbogens erscheinen zusammengedrückt, schmal, an Länge einem halben
Augendiameter wenig nachstehend.
Die Schuppen lassen an der Augenseite nur den vordersten Schnauzen-
theil, die Kiefer (mit Ausnahme des hinteren Endes des Maxillare) und die
Pectoralen, an der blinden Seite ausserdem noch einen dem oberen Auge
gegenüberliegenden Streifen und den Vordeckel frei. Auf der Augenseite
erscheinen die Schuppen ctenoid, an der blinden Seite — cycloid; ausserdem
sieht man am hinteren Rande mehrerer derselben kleine Nebenschüppchen.
Die Seitenlinie bildet an ihrem Anfange eine deutliche bogenförmige Krüm-
mung, deren Höhe sich zur Länge ungefähr wie 1 :4 verhält; der grösste
Abstand von geraden Theile bis zum Bauchcontour steht einer Kopflänge
etwas nach.
Die Dorsale beginnt etwas vor der Mitte des oberen Auges und ihre
Strahlen wachsen a.: Höhe vom ersten, dessen Länge ungefähr einen halben
Augendiameter ausmacht, etwa bis zum 45., dessen Länge ungefähr % der
Kopflänge gleichkommt; von hier an nimmt die Strahlenhöhe wiederum nach
hinten ab und der letzte Strahl, dessen Entfernung vom Grunde der Caudale
ungefähr der Höhe des Schwanzstieles gleichkommt, ist bedeutend niedriger
als der erste. Die Anale, deren erster Strahl an Länge merklich, deren
höchster (etwa 28.) aber unbedeutend den entsprechenden Strahlen der Dor-
sale nachstehen, endet gegenüber dem Ende der Dorsale. Dorsal- und Anal-
Strahlen ungetheilt. Die Länge der rechten Pectorale gleicht 4 / 9 , der linken
y s der Kopflänge. Die Länge der symmetrisch gelagerten Ventralen macht
% der Kopflänge aus; ihre Spitzen reichen nicht bis zum Anfange der Dor-
sale. Die Länge der am hinteren Rande etwas stumpfwinkelig abgerun-
deten Caudale ist 6% mal in der Körperlänge enthalten. Analstachel nicht
vorragend.
Die Färbung erscheint auf der blinden Seite gelblich, auf der Augen-
seite bräunlich mit undeutlichen dunklen Flecken und Marmorirungen.
Über und unter der Seitenlinie findet sich je eine horizontale Reihe aus
3 — 4 deutlicheren rundlichen schwärzlichen Flecken.
Die Totallänge gleicht 356 mm.
Es ist nicht leicht, die vorstehende Art in eine der von den neueren Auto-
ren angenommenen Gattungen der Hippoglossinen unterzubringen. Ich habe
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 57.
136
S. HERZENSTEIN, ICHTEYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM
[T. XIII
es aber doch vorgezogen dieselbe vorläufig in die Gattung Hippoglossus zu
stellen, obwohl sie von dieser Gattung (in engerem Sinne gefasst) durch
geringere Zahl der Dorsal- und Analstrahlen, durch die doppelte Reihe von
Zähnen im Unterkiefer, sowie endlich durch die Zahnbewaffnung der weiter
unten beschriebenen Schlundknochen abweicht. Trotz dieser Abweichungen
passt unsere Art, meiner Ansicht nach, mehr zu dieser als zu anderen Gat-
tungen der Hippoglossinen. Freilich könnte ich für H. Grigorjewi eine neue
Gattung aufstellen, doch scheint mir dies nicht rathsam ohne Revision der
ganzen Hippoglossinen -Gruppe, in der allem Anscheine nach auch ohne
dies schon eher zu viel als zu wenig Gattungen aufgestellt worden sind.
Um mich auch nach anderen für die Characteristik der Pleuronec-
tiden- Gattungen benutzten Kennzeichen zu orientiren, habe ich bei meiner
Art die Schlundknochen untersucht, wobei es sich erwiesen hat, dass in
dieser Hinsicht H. Grigorjewi etwas zur Gattung Hippoglossina hinneigt.
Bei der von mir untersuchten Hippoglossina microps Günth. 9 ) erscheinen
die Schlundknochen schlank und mit mehreren Reihen feiner Zähne bürsten-
förmig bedeckt, welche letztere keine auffallenden Differenzen in der Grösse
zeigen. Bei Hippoglossus Grigorjewi sind die Schlundknochen gleichfalls
schlank und mit mehreren, etwa 4, Zahnreihen bewaffnet, wobei die Zähne
in der innersten Reihe am grössten sind und in den nach aussen gelegenen
Reihen successiv an Grösse abnehmen. Übrigens will ich keineswegs die Mög-
lichkeit in Abrede stellen, dass der gleichmässigere Character der Be-
zahnung des von mir untersuchten 121 mm. langen Exemplares von Hippo-
glossina microps mit der Jugend desselben im Zusammenhange steht.
Alburnus Charusini Herz. l o)
9) JV° 8733. Ins. Chinchas. Godeffroy. 1867(1).— Freilich gilt dieser Vergleich nur in dem
Fall, wenn die Günther 'sehe Art in Bezug auf Schlundknochen mit Hippoglossina macrops
Steind., dem Typus der Gattung, übereinstimmt. Dieselbe ist aber bis jetzt, meines Wissens, auf
Schlundknochen noch nicht untersucht worden. — Beiläufig möchte ich mit Bezugnahme auf
die in der von Jordan & Goss gegebenen Characteristik der Gattung Hippoglossina (1. 1., p. 231)
gemachte Bemerkung «gill -rakers short and thin» hinzufügen, dass bei diesem Exemplare am
vorderen Kiemenbogen etwa 25 schlanke, an Länge etwa 1 / 2 Augendiameter ausmachende Re-
chen-Zähne vorhanden sind. Leider ist aber auch über die Rechen-Zähne der typischen Art
bis jetzt nichts bekannt.
10) Die beschädigte Schwanzflosse ist an der Abbildung restaurirt worden.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 58.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 137
1889. Alburnus charusinii, Herzenstein in CnncKH h onncame npeAMeTOBt,
Haxo,pm,nxcfl bt> SoojiornqecKOMt My3et HMiiepaTopcKaro Mockob-
CKaro yHHBepcHTeTa. Ota^jit. I, JVs 1 . H. K). 3orpa<i>T> h 6. 6. KaB-
paficKiü: Ciihckh h Ormcanie KOJuieKnjn pbi6T> My3eH, p. 50 (H3b.
HmII. 06m. JIlOÖHT. EcTeCTB03H. h t. ä. T. LVL, B&in. 1).
D. 2/8. A. 3/14. P. 1/15. V. 1/8. Lin. lat. 44-^-p a , . a . .
1 . ' ' 6 ad lin. med. ventns, 3 ad pinn- ventr.
Alb. altitudine corporis 3%, longitudine capitis 4% in longitudine
corporis. Pedunculo caudali distantia a rostri apice ad prae-
operculi marginem posteriorem minore. Oculis diametro 3 4 / 9 in
longitudine capitis, diametris 1% distantibus. Mandibula maxillam
haud superante. Pinna anali sub radio penultimo pinnae dorsalis
incipiente.
Der obere Umriss steigt vom Nacken an massig steil zum Anfange der
Dorsale hinauf, von wo an er ungefähr ebenso massig zum Schwanzstiele
fällt, dessen oberer Rand horizontal verläuft. Der untere Contour verläuft,
ungefähr von der Verticale des Vordeckels an, dem oberen nahezu sym-
metrisch, nur erscheint er in der Mitte ziemlich geradlinig. Die Rückenfirste
ist ziemlich breit abgerundet. Der Bauch bildet zwischen den Bauchflossen
und der Anale einen längs der Mittellinie nackten Kiel. Die Körperhöhe
verhält sich zur Körperlänge wie 1 : 3 2 / 9 . Die Länge des Schwanzstieles
steht dem Abstände von der Schnauzenspitze bis zum Hinterrande des Vor-
deckels nach.
Der Contour des Kopfes erscheint oben merklich zur Schnauzenspitze
geneigt, ohne hier über dem Ende der Mundspalte einen steilen Bogen zu
bilden, dann ziemlich steil abgestuzt und vom Mundwinkel an dem gegen-
überliegenden Theile des oberen Profils symmetrisch. Die Kopflänge, welche
2 mal die Kopf breite und 1% mal die Kopf höhe übertrifft, ist 4% mal in
der Körperlänge enthalten. Der Augendiameter, welcher die Schnauzenlänge
etwas übertrifft, verhält sich zur Kopflänge wie 1 : 3% und zur Breite des
Interorbitalraumes wie 1 : l 1 /.. Der Hinterrand des Auges steht ein wenig
hinter der Mitte der Kopflänge. Das erste Suborbitale ist unregelmässig
pentagonal und breiter als die übrigen, welche unter einander keine auf-
fallenden Unterschiede zeigen. Die Mundspalte steigt steil auf; ihr oberes
Ende steht dem oberen Rande der Pupille gegenüber. Der Unterkiefer be-
sitzt auf der Symphyse ein deutliches Kinnhöckerchen, lässt aber an der Spitze
höchstens eine ganz schwache Spur der bei den anderen Alburnus- Arten sowohl
entwickelten Erhebung wahrnehmen. Dem entsprechend ist auch der Ober-
kieferrand oben nicht spitzbogenförmig ausgeschnitten, sondern regelmässig
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 59.
138 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
abgerundet. Das Maxillare ist am Hinterrande, nahe dem unteren Ende, mit
einem vom vordersten Suborbitale bedeckten Fortsatze versehen. Dieser
Fortsatz ist von etwa trapezoidaler Form; von seinen beiden parallelen
Seiten ist die obere (vordere) auch die längere; von den beiden nicht paral-
lelen bildet die kürzere die Basis des Fortsatzes. An Rechenzähnen finden
sich am vorderen Kiemenbogen ca. 15; sie sind borstenförmig, die längsten,
ungefähr dem Pupillendiameter an Länge gleich, laufen am freien Ende in
eine ganz feine, etwas gebogene Spitze aus. Die Schlundknochen sind ganz
von demselben Bau wie bei A. lucidus. Die Schlundzähne sind ebenso den-
jenigen der eben genannten Art ähnlich und in 2 Reihen (2/5) geordnet. Die
Zähne der inneren Reihe sind also an den in einen deutlich umgebogenen
Haken auslaufenden Kronen comprimirt; die 4 hinteren weisen eine schmale
Kaufläche auf, deren Vorderrand deutlich gezähnelt erscheint.
Die Schuppen zeigen an dem Vorderrücken eine ebenso regelmässige
Vertheilung wie an den Flanken und lassen keine Spur von der für Abra-
mis und Blicca characteristischen schuppenlosen «Naht» wahrnehmen. An
den freien Theilen der einzelnen Schuppen bemerkt man eine geringe An-
zahl (3 — 6) deutlicher radialer Linien und, unter der Loupe, sieht man auch
zahlreiche, sehr feine und dicht stehende concentrische Linien.
Der Anfang der Dorsale steht von dem vorderen Rand der Pupille und
der Basis der mittleren Caudalstrahlen ungefähr gleich weit ab. Die Spitze
der Dorsale ist leider an dem der Beschreibung zu Grunde liegenden ein-
zigen Exemplare abgebrochen; doch sieht man, dass ihr oberer Rand nicht
so steil wie bei Abramis oder Blicca, sondern mehr schräge abfällt. Der
Anfang der Anale Hegt ungefähr unter dem vorletzten Strahle der Dorsale.
Die Spitzen der Pectoralen reichen bis zur Basis der Bauchflossen. Diese
letzteren sind so eingefügt, dass sie horizontal ausgebreitet mit ihrer Längen-
Mitte dem Anfange der Dorsale gegenüber stehen; der Zwischenraum, der
ihre Spitze von der Anale trennt, macht ungefähr % ihrer Länge aus. Die
Caudale des einzigen Exemplares ist stark beschädigt, lässt sich also nicht
beschreiben.
Der After liegt ungefähr in der Mitte zwischen der Basis der mittleren
Caudalstrahlen und dem Brustflossengrunde.
Was die Färbung anbetrifft, so sind der Rücken und der oberste Theil
der Flanken bis zu einer horizontalen Linie, welche ungefähr das obere
Drittel der grössten Körperhöhe abschneidet, mit sehr schwachen dunklen
Puncten bestreut; unterhalb dieser Linie ist der Fisch silberig; die Flossen
sind weisslich und, mit Ausnahme der Ventralen, mit schwacher dunkler
Punctirung.
Die Totallänge gleicht ca. 125 mm.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 60.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER "WISSENSCHAFTEN. 139
Fundort: Die Kamysch-Ssamarskischen-Seen, aus der Mündung des
Flusses Malyi-Usen.
Das einzige dem Moskauer Museum gehörende Originalexemplar wurde
von Hrn. A. N. Charusin gesammelt.
Die im Obigen beschriebene Art gehört eigentlich nicht in den Rahmen der
vorliegenden Arbeit, da unser Museum keine Exemplare derselben besitzt.
Doch hielt ich es, um auch den ausländischen Ichthyologen die in Rede
stehende interessante Form bekannt zu machen, nicht für überflüssig, die-
selbe hier ausführlich zu beschreiben.
Alb. Gharusini erinnert durch seine hohe Körpergestalt an solche Arten,
wie Alb. coeruleus Heck., oder an den noch ungenügend bekannten Alb.
Eichwaldii Fil., welcher sogar noch höher erscheint, aber durch die gerin-
gere Zahl der Analstrahlen von der unserigen abweicht. Die Form der Rechen-
zähne, wie die oben ausführlich beschriebene Bildung des Oberkieferfortsatzes
unterscheidet den Alb. Gharusini von Alb. bipunctatus Bl., bei dem auch
sehr gedrungene Gestalten vorkommen können.
Vielleicht steht eine hohe Alburnus -Form, deren Hr. Rudzsky nur
beiläufig erwähnt 11 ), ohne sie ausreichend zu characterisiren, dem Alb.
Gharusini nahe oder ist mit demselben möglicherweise sogar identisch.
Diese Form stammt aus den Mühlen-Teichen und stillen Gewässern des
Flusses Swiaga, Gouv. Ssimbirsk.
Nemachilus Kuschakewitschi n. sp.
4561. Margelan. M. v. Middendorff. 1878 (6h-).
8744. Andidshan. Kuschakewitsch. 1882 (6-H. 12 )
8745. » » » (6-I-). 12 )
D. 8. A. 6. P. 9. V. 7.
N. altitudine corporis 7 a / 2 — 7, capitis longitudine 4% — 4% in corporis
longitudine, pedunculi caudalis longitudine capitis longitudinem
aequante, capitis longitudine 5 x / 4 — 4}/ 2 in corporis longitudine.
Oculis diametro 8 — 6% in longitudine capitis, diametris 2 — 1%
distantibus. Naribus anterioribus et posterioribus approximatis,
spatio distincte haud sejunctis. Maxilla in medio processum denti-
formem formante, mandibula cochleariformi. Squamis distinctis
(etiam lentis ope) nullis. Pinnae dorsalis initio a rostri apice et
11) M. ß. Py3CKifi, EacceÖHi» pÈKH CBiarH h ero pu6u (TpyßM Oöiii. EcTecTBowcnuT. npn
HMoepaTopcKOMi. Ka3aHCK0Mi. YHiiBepc. XVII, Bbin. 4-ufi), p. 56 (1887).
12) Gesammelt 4/VI 1878.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 61.
140 S. HERZEN STEIN, ICHTBYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [T. XIII
caudalis basi aequidistante vel a rostri apice paulo magis remoto.
Pinnae pectoralis apice rotundato. Pinnarum ventralium apicibus
ano approximatis vel eum attingentibus. Pinna caudali postice dis-
tincte emarginata. Colore infra argenteo, supra et in lateribus
fuscescente, raaculis vittisque transversis, obscurioribus, plus
minusve distinctis orna to. Vesicae natatoriae parte libera nulla.
Intestino fere recto vel flexuram exiguam formante.
Die grösste Körperhöhe, welche 7 — 7% mal in der Körperlänge ent-
halten ist, übertrifft 1% — l l / 6 mal die postdorsale und 2% — 2 mal die
kleinste Körperhöhe. Die Länge des Schwanzstieles kommt der Kopflänge
ungefähr gleich. Die Höhe des Schwanzstieles, welche seine Dicke (am
Grunde des letzteren gemessen) wenig oder gar nicht übertrifft, ist 3% — 3
mal kleiner als seine Länge.
Am Kopfe sind die Stirn und der Scheitel abgeflacht. Die Kopflänge,
welche ö 1 /^ — 4}/ a mal in der Körperlänge enthalten ist, übertrifft ca. 2 mal
die Kopfbreite. Der Augendurchmesser ist 8 — 6% mal kleiner als die
Kopflänge und 2 — 1% mal geringer als die Breite des Interorbitalraumes.
Die hinteren Nasenlöcher sind durch einen massig grossen Zwischenraum
vom Augenrande getrennt , mit einer kurzen , schräg abgestutzten Röhre
versehen und liegen den vorderen dicht an. Der Oberkiefer besitzt einen
deutlichen zahnförmigen Fortsatz in der Mitte. Der Unterkiefer ist löffei-
förmig. Die Lippen erscheinen wenig dick und etwas runzelig. Von den
Barteln reicht das vordere Paar bis zu den Mundwinkeln, das mittlere un-
gefähr bis zur Basis des hinteren und das hintere — bis zur Verticale des
hinteren Augenrandes.
In der Haut sind auch unter Vergrösserung keine deutlichen Schuppen
bemerkbar.
Die Entfernung von dem Anfange der Dorsale bis zur Schnauzenspitze
ist gleich derjenigen vom Anfange der Dorsale bis zur Basis der Caudale
oder etwas grösser. Die Länge der Basis der Dorsale ist höchstens 1% mal
geringer als die Flossenhöhe und 9 — 8 mal in der Körperlänge enthalten.
Die Spitze der Pectorale wird vom 3. — 4. Strahl (von aussen gerechnet)
gebildet und erscheint ziemlich regelmässig zugerundet; die Länge der
Pectoralen wird von der Körperlänge 6% — 5% mal übertroffen. Die Länge
der Ventralen, deren Basis etwas vor oder unter dem Anfange der Dorsale
liegt und deren Spitze vom After durch einen geringen oder gar keinen
Zwischenraum getrennt ist, ist 7 — 6% mal kleiner als die Körperlänge. Die
Länge der Basis der Anale ist l 2 / 3 mal in ihrer Höhe und 11 — 12 mal in
der Körperlänge enthalten. Die ausgebreitete Caudale zeigt einen ziemlich
tiefen Ausschnitt, wobei die beiden Caudallappen von gleicher Länge sind.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 62.
T. Xin] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 141
Die Entfernung von der Basis der Caudale bis zum After gleicht unge-
fähr derjenigeD vom letzteren bis zu den Brustflossenspitzen.
Die Färbung ist auf der Bauchseite silberig, auf den Seiten und auf dem
Bücken bräunlich, mit mehr oder weniger deutlichen dunkleren Flecken,
welche z. Th. zu Querbinden zusammenfliessen. Die Flossen zeigen keine
deutliche Zeichnung.
Die Schwimmblase besitzt keinen frei in die Bauchhöhle hineinragenden
Theil. Der Darm verläuft beinahe geradlinig oder unter Bildung einer nur
ganz kurzen vorderen und hinteren Schlinge.
Die Totallänge erreicht bis 78 mm.
Diese neue Form, welche ich dem Andenken des bekannten Beisenden
in Turkestan A. A. Kuschakewitsch weihe, erinnert an jene NemacMlus-
Arten, welche sich durch einen zahnförmigen Fortsatz am Oberkiefer aus-
zeichnen und z. Th. als Typen besonderer Gattungen aufgefasst werden 12 ),
lässt sich aber von den einen durch die Abwesenheit der fettflossenähnlichen
Hautfalte, von den anderen durch die kurze Dorsale unterscheiden. In diesem
letzteren Kennzeichen stimmt N. Kuschakewitschi mit N. Brandti Kessl.
überein, welcher letztere gleichfalls einen zahnförmigen Vorsprung im
Oberkiefer besitzt, weicht von demselben aber schon allein durch den Man-
gel deutlicher Schuppen ab.
12) So Paracöbitis Bleek. (Atl. ichthyolog. III, p. 4 [1863]) = Pseudodon Kessl. (Kecc-
jtepi>, Phöm [IlyTemecTBie «fe^ieHKo], p. 40[1874]) für N. mcdapterurus Val. und N. Ion-
gicauda Kessl.; ferner Acanthocobitis Peters (Monatsber. Akad. Wiss. Berlin, p. 712fl861])
für N. longipinnis Peters.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 63. H
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Die Säugethiere der Ganssu-Expedition (1884 — 87). Von Eug. Büchner.
(Lu le 29 mai 1890).
In den folgenden Zeilen liefere ich ein Verzeichniss der Säugethiere aus
der Ausbeute der Expedition nach Ganssu, welche in den Jahren 1884 — 87
unter Leitung des Herrn G. Potanin und unter Theilnahme des Herrn
M. Beresowski ausgeführt worden ist 1 ).
Den kleineren Theil der in Rede stehenden Ausbeute bildet eine Samm-
lung von 18 Spiritus-Exemplaren, welche von Herrn G. Potanin an verschie-
denen Punkten Chinas, namentlich in den Provinzen Ordos und Schanssi und
zum geringeren Theile in Ganssu und in der Mongolei, zusammengebracht
worden ist. Diese Sammlung, welche der genannte Reisende dem Zoologischen
Museum der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften geschenkweise
überliess, liefert interessante Daten zur näheren Kenntniss der geographischen
Verbreitung mehrerer Arten. /
Die ansehnliche Balgsammlung der genannten Ausbeute ist von Herrn
M. Beresowski angelegt. Wenn diese Sammlung auch leider als nicht be-
sonders reichhaltig zu bezeichnen ist, was in dem Umstände eine Erklärung
findet, dass dieser erfahrene Reisende speciell ornithologische Zwecke ver-
folgte und den Säugethieren nur nebenbei seine Aufmerksamkeit schenken
konnte, so ist dieselbe doch höchst werthvoll und von ganz bedeutendem In-
teresse. Der Grund hierfür ist in erster Linie darin zu suchen, dass diese
Sammlung beinahe in ihrem ganzen Bestände im südlichen Theile der Provinz
Ganssu (speciell in den mehr oder weniger weiten Umgebungen der Städte
Ssi-gu und Choi-ssjan) zusammengebracht worden ist und auf diese Weise
die ersten sicheren Nachrichten über die Säugethierfauna einer in theriolo-
gischer Hinsicht ganz unbekannten Gegend liefert.
Unsere Kenntniss der Säugethierfauna der Provinz Ganssu war bisher
nur auf die Resultate der Untersuchungen von N. Przewalski beschränkt.
1) Der vorläufige Bericht dieser Expedition ist von Hrn. G. Potanin in den H3BicTia
Hiin. PyccK. Teorpa*. 06m., T. XXIII, pag. 290—319 (1887) veröffentlicht. Hier möchte ich
auch noch gleich bemerken, dass ich bei der Orthographie der geographischen Eigennamen die
Schreibweise der Reisenden beibehalte.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 97. 11*
144 EUG. BÜCHNER, [T. XIII
Seine Beobachtungen und sehr ansehnlichen Sammlungen aus Ganssu stam-
men aber ausschliesslich aus dem nordwestlichen Theile dieser Provinz, wel-
cher den Namen Amdo führt. Die erforschte Säugethierfauna dieses Hoch-
gebirgslandes Amdo, welches den nordöstlichen Endtheil des tibetanischen
Hochplateaus bildet, muss ihrem Bestände nach als palaearktische im weiteren
Sinne charakterisirt werden.
Ein absolut anderes Gepräge trägt die Säugethierfauna des südlichen
Theiles von Ganssu, wie auch die physico- geographischen Verhältnisse der
eigentlichen Provinz Ganssu von denjenigen des Hochplateau's Amdo gänzlich
verschiedene sind. Der südliche Theil von Ganssu bildet nämlich ein Gebirgs-
land, welches aus einem Netze von schmalen und hohen Gebirgszügen besteht,
die von engen und sehr tiefen Thälern durchkreuzt werden; die Vegetation
ist hier eine überaus üppige und verschiedenartige und treten in den Thal-
mulden solche Pflanzenformen auf, die schon auf ganz andere klimatische
Verhältnisse hindeuten 2 ). Dem entsprechend ist auch die Säugethierfauna
eine von derjenigen von Amdo durchaus verschiedene, wie sich dieses aus
dem folgenden Verzeichnisse ergiebt, und möchte ich hier nur auf das Auf-
treten so charakteristischer Formen, wie Ailuropus melanoleucus, Semno-
pithecus Roxellanae, Rhisomys sinensis und anderer mehr, die Aufmerksamkeit
gelenkt haben.
Der "Werth der Untersuchungen von M. Beresowski bestellt folglich
darin, dass der Charakter der Säugethierfauna der Provinz Ganssu erst durch
seine Sammlungen klargelegt wird, und da diese Sammlungen in einer Ge-
gend zusammengebracht worden sind, die zwischen den von Przewalski
und Armand David erforschten Gebieten mitten inne liegt, so liefern sie
uns die interessantesten Aufschlüsse über die Verbreitung vieler Arten in
diesem Theile Central- Asiens.
Die Sammlung von M. Beresowski gehört der ostsibirischen Abthei-
lung der Kaiserl. Russischen Geographischen Gesellschaft und wird dem
Museum dieser Gesellschaft in Irkutsk einverleibt; nur einige wenige Dou-
bletten aus derselben gingen in unser Zoologisches Museum über. Da diese
Sammlung eine ganze Reihe Seltenheiten ersten Ranges und mehrere solcher
Formen enthält, die nur noch der Jardin des Plantes zu Paris besitzt, so
kann ich nicht umhin, an dieser Stelle mein Bedauern darüber auszuspre-
chen, dass diese Schätze an einen Ort gelangen werden, wo sie für die
Wissenschaft so gut wie ganz unzugänglich sind.
2) Eine eingehende physico-geographische Übersicht des südlichen Theiles von Ganssu
wird in der Bearbeitung der ornithologischen Sammlungen der Ganssu-Expedition ihren Platz
finden; diese Bearbeitung, welcher sich die Herren M. Beresowski und V. Bianchi unter-
zogen haben, befindet sich augenblicklich unter der Presse.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 98.
T. XIIl] ' DIE SÄUGETHIERE DER GANSSU-EXPEDITION (1884-87). 145
In Betreff der Bearbeitung dieser Sammlung möchte ich hier noch be-
merken, dass ich mich bei vielen Arten, die einer eingehenden Behandlung
bedürfen, nur ganz kurz fasse, und zwar aus dem Grunde, weil ich auf die
betreffenden Arten in meiner Bearbeitung der Säugethiere der Expeditionen
N. M. Przewalski's zurückzukommen habe und dieselben dann einer er-
schöpfenden Untersuchung zu unterziehen beabsichtige. Die chinesischen
Namen vieler Arten und verschiedene Notizen biologischen Inhalts verdanke
ich den freundlichen Mittheilungen des Herrn Beresowski.
PEIMATES.
CERCOiPITHECIDAE.
Semnopitheeus Roxellanae.
Semnopifhecits Roxellanae, Alph. Milne- Edwards, Comptes
Rend. Acad. Sc. Paris, LXX, p. 341 (1870); Anderson,
Anat. and Zool. Researches Western Yunnan Exp., I, p. 43
(1878).
Rhinopithecus Roxellanae, Alph. Milne-Edwards, Rech, sur
lesMamm., I, 233, II, tab. XXXVI, XXXVII (1868-74).
S. Roxellanae kommt nach Mittheilungen von M. Beresowski in den
Umgebungen der Stadt Ssi-gu, im südlichen Ganssu, sehr selten vor, so dass
es den dortigen Jägern nicht einmal jedes Jahr glückt, diesen Affen zu er-
beuten. In den westlich von Ssi-gu liegenden Gegenden, welche von dem
tangutischen Stamme Tebu bewohnt werden, ist diese Art dagegen nicht
selten und führen die Chinesen von hier jährlich viele Häute, welche sehr
hoch im Preise sind und zu Kleidungsstücken verwendet werden, nach
Tschen-tu-fu (der Hauptstadt von Sse-tschuan) aus. Dieser Affe, welcher
chinesisch ssjan-shun heisst, lebt in grossen Heerden (zu hundert und mehr
Exemplaren) hauptsächlich in Nadelwaldungen, auf einer abs. Höhe von
c. 10,000'; im Winter steigt er tiefer herab, wobei er jedoch nie dieCultur-
zone erreicht.
Aus der Ausbeute von M. Beresowski liegen mir neben dem Schädel
eines alten Exemplares noch die Bälge (nebst den ihnen angehörigen
Schädeln) eines sehr alten und eines noch jungen Männchens vor, welche
im Winter 1885 nicht weit von Ssi-gu in der Gebirgskette zwischen Ganssu
und Sse-tschuan erbeutet wurden.
Der sehr schöne Winterbalg des alten Männchens, an dem ich eine
Körperlänge (von der Nasenspitze bis zur Schwanzwurzel) von 680 mm. und
eine Schwanzlänge von 690 mm. messe, stimmt vollständig mit derOriginal-
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 99.
146 EUG. BÜCHNER, [T. XJII
beschreibung dieser Art überein; nur ist zu bemerken, dass die Haare der
Oberseite, welche den auffallend langen und dichten, glänzend bräunlich-
gelben Pelz bilden, bei meinem Exemplare eine Länge von 300 — 350 mm.
erreichen. Die nackte Haut um die Augen war an diesem Exemplare im
Fleische, nach den Notizen von M. Beresowski, schwach bläulich gefärbt,
welche Färbung sich zu den Lippen beinahe vollständig verlor. Nach einer
von Hrn. Beresowski entworfenen Profil ansieht zu urtheilen, ist die Nase
dieses Affen noch stärker nach oben gekehrt und der Stirn viel mehr ge-
nähert, als dieses auf der Tafel bei Milne-Edwards dargestellt ist.
Das junge Männchen, welches bei der Ausmessung im Fleische eine
Körperlänge von 400mm., bei einer Schwanzlänge von 360,5mm., ergab,
ist dem alten Thiere ganz ähnlich gezeichnet, doch weist es in der Färbung
folgende Unterschiede auf. Kinn, Kehle und Halsseiten, sowie auch die
Stellen am Kopfe, welche bei den Alten intensiv rostbraun erscheinen, sind
bei ihm grau gefärbt; von derselben Färbung ist auch die ganze Unterseite
und diejenigen Partien der Extremitäten, welche bei alten Exemplaren rost-
gelblich oder gelblich gefärbt erscheinen. Der grosse dunkle Fleck, welcher
sich über die Kopfplatte und den Nacken erstreckt und bei den Alten pech-
schwarz erscheint, ist bei diesem jungen Exemplare wohl scharf abgegrenzt,
doch nur dunkelbräunlich gefärbt. Ebenso ist auch die dunkle Längszeich-
nung der Extremitäten und der Schwanz viel heller resp. trüber, als bei
den alten Exemplaren, und mehr grau gefärbt. Auf der Oberseite beträgt
die Höhe des Pelzes nur c. 35 — 45 mm.; die gelblichen Grannenhaare stehen
hier nur in sehr geringer Anzahl, doch sind ihnen in sehr grosser Menge
bräunlichgraue, im Basaltheile graue, Wollhaare beigemengt.
CAENIVOEA.
FELIDAE.
Felis pardus.
Felis pardus, Linné, Syst. Nat., ed. XII, I, p. 61 (1766); Elliot,
Mon. of the Felidae, tab. VI, VII (1883).
Der Leopard kommt überall im südlichen Ganssu in grosser Anzahl vor.
In der Ausbeute des Hrn. M. Beresowski befinden sich zwei Exemplare
aus den Umgebungen der Stadt Choi-ssjan. Der chinesische Name dieser
Katze lautet pao-dse.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 100.
T. Xlll] DIE SÄÜGETHIEEE DER GANSSU-EXPEDITION (1884—87). 147
Felis Temmincki.
FelisTemminckii,Yigors et Horsfield, Zool. Journ.,HI, p. 451
(1828); Elliot, Mon. of the Felidae, tab. XVI (1883).
Diese Katze wurde von Hrn. M. Beresowski im "Winter 1886 in den
Umgebungen der Stadt Ssi-gu in einem Exemplare erbeutet.
Felis euptilura.
Felis euptilura, Elliot, Proc. Zool. Soc. Lond., p. 761, tab.
LXXVI (1871); Elliot, Mon. of the Felidae, tab. XXVII
(1883).
Felis microtis, A. Milne-Edwards, Rech, sur les Mamm., I,
p. 221, II, tab. XXXI A, XXXI B, fig. 1 (1868—74).
Ein Fell dieser Art wurde von Hrn. M. Beresowski aus den Umge-
bungen von Ssi-gu heimgebracht. Dieses Exemplar stimmt vollständig mit
derjenigen Form der F. euptilura überein, welche bei Elliot im Vorder-
grunde seiner vorzüglichen Tafel (und zwar nach dem Milne-Edwards'schen
Originale der Felis microtis) abgebildet ist.
Felis scripta.
Felis scripta, A. Milne-Edwards, Nouv. Arch. Muséum, VII,
Bullet., p. 92 (1871); Milne-Edwards, Rech, sur les
Mamm., I, p. 341, II, tab. LVII, LVIII fig. 1 (1868-74);
Elliot, Mon. of the Felidae, tab. XXIV (1883).
In der Ausbeute des Hrn. Beresowski liegen mir vier Bälge dieser
Art vor, von denen einer aus den Umgebungen der Stadt Ssi-gu und die
übrigen drei aus Choi-ssjan stammen.
Bei diesen Bälgen erscheinen die Flecken auf den Leibesseiten sowohl in
ihrer Färbung, als auch in ihrer Grösse und ihren Umrissen ziemlich variabel.
Der eine von den vier vorliegenden Bälgen aus Choi-ssjan stimmt vollständig
mit der Originalbeschreibung und den vorhandenen Abbildungen dieser Art
bei Milne-Edwards und Elliot überein, nur ist die rostrothe Färbung
auf den einzelnen Körperflecken nicht auf die Mitte derselben beschränkt,
sondern ganz unregelmässig in der schwarzen Färbung jedes einzelnen Flecks
vertheilt. Bei dem Balge aus den Umgebungen von Ssi-gu weisen die Flecken
auf den Leibesseiten nur wenige schwarze Haare auf und erscheinen
herda viel weniger scharf abgegrenzt. Zwei weitere Exemplare, die in der
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 101.
1-48 EUG. BÜCHNEß, [ï. XIII
Stadt Choi-ssjan selbst gefangen wurden und einem gepaarten Paare ange-
hören sollen, unterscheiden sich von den soeben besprochenen darin, dass
beim Männchen die aus schwärzlichen und rostgelblichen Haaren gebildeten
Flecken auf der Oberseite höchst undeutlich und verschwommen erscheinen,
während beim Weibchen nur Spuren einer Fleckenbildung zu bemerken sind,
so dass dieser Balg auf seiner Oberseite eher einfarbig ist und eine ziemlich
starke unregelmässige dunkle Melirung zeigt. Sehr constant erscheinen
andererseits an den soeben besprochenen Exemplaren die Zeichnungen des
Kopfes, Nackens und Halses sammt der Oberbrust und die sehr charakte-
ristische Färbung des Ohres, welches auf seiner Aussenseite schwarz gefärbt
erscheint und einen von seiner Aussenkante vorspringenden weisslichen Fleck
aufweist. Der dicke buschige Schwanz ist bald stärker, bald schwächer un-
regelmässig schwarz geringelt.
Die Chinesen nennen diese Wildkatze — dsi-pao.
CANIDAE.
Oanis lupus.
Canis lupus, Linné, Syst. Nat., ed. XII, I, p. 58 (1766).
Herr M. Beresowski erwarb für seine Sammlung zwei Bälge dieser
Art aus der Umgebung von Ssi-gu. Der Wolf heisst chinesisch — lan.
Vulpes alopex.
Canis alopex, Linné, Syst. Nat, ed. XII, I, p. 59 (1766).
Vulpes alopex, Blanford, Proc. Zool. Soc. Lond., p. 635 (1887);
Blanford, Fauna of Brit. India, Mamm., p. 153 (1888).
In der Sammlung des Herrn M. Beresowski befinden sich vier Bälge
dieser Art, die im Bezirk der Stadt Ssi-gu erbeutet wurden. Der chinesische
Name des Fuchses lautet e-chu.
MUSTELIDAE.
Mustela flavigula.
Mustela flavigula, Boddaert, Elench. Animal., I, p. 88 (1785).
Mir liegt ein Balg dieser Art aus den Umgebungen von Ssi-gu vor.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 102.
T. XIIl] DIE SÄÜGETHIERE DER GANSSU-EXPEDITION (1884—87). 149
Putorius subhemachalanus.
Mttstela subhemachalana, Hodgson, Journ. As. Soc. Beng., VI,
p. 563 (1837).
Putorius suoliemaclialanus , Bl an ford, Fauna of Brit. India,
Mamm., p. 166 (1888).
Herr M. Beresowski brachte eine ganze Anzahl von Fellen dieser Art
heim, welche er auf dem Markte in Ssi-gu erworben hatte. Dieses Wiesel,
das die Chinesen schui-lar nennen, kommt in den Umgebungen von Ssi-gu in
Büschen der Alpenzone vor, von wo es bisweilen auch bis in die Baum-
region heruntersteigt.
Putorius astutus.
Putorius astutus, A. Milne- Edwards, Nouv. Arch. Mus., VII,
Bull.,p. 92 (1870); Milne-Edwards, Rech, sur les Mamm.,
I, p. 345, II, tab. LX, fig. 3, LXI, fig. 2 (1868—74).
Im August 1886 erbeutete Herr M. Beresowski ein Exemplar dieser
Art im Districte der Stadt Ssi-gu, in den Bergen südlich von Tan-tschan. P.
astutus lebt hier auf Alpenwiesen in den Dickichten einer kleinen Rhodo-
dendron-Art.
Lutra vulgaris.
Lutra vulgaris, Erxleben, Syst. Regn. Anim., I, p. 448 (1777);
Thomas, Proc. Zool. Soc. London, p. 195 (1889).
Aus der Ausbeute des Hrn. M. Beresowski liegt mir der Balg eines
ganz jungen Exemplars vor, welches aus der Umgegend von Choi-ssjan
stammt.
Arctonyx leucolaemus.
Melesleucolaemus, A. Milne-Edwards, Ann. Sc. Nat., (5), VIII,
p. 374(1867); A. Milne-Edwards, Rech, sur les Mamm.,
I, p. 195, II, tab. XXIV, XXVI — XXVIII fig. 1 — 2
(1868—74).
Arctonyx obscurus, A. Milne-Edwards, Rech, sur les Mamm.
I, p. 338, II, tab. LXII, LVIII fig. 2 (1868—74).
In der Sammlung des Hrn. M. Beresowski befindet sich der Balg (mit
dem dazugehörigen defecten Schädel) eines Arctonyx, welcher im Juli 1885
im Distrikte der Stadt Ssi-gu gesammelt wurde. Dieses Thier, welches die
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 103.
150 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
Chinesen zwan-dshu nennen, lebt hier in Wäldern auf einer abs. Höhe von
ungefähr 9 — 10,000' und legt seine Höhlen unter grossen Steinen an.
Der erwähnte Balg, welcher von der Nasenspitze bis zur Schwanzwurzel
760 mm. misst und eine Schwanzlänge von 190 mm. aufweist, wobei die
letzten Haare des Schwanzes 53 mm. lang sind, gehört einem jungen Thiere
an und stimmt mit dem von Milne-Edwards beschriebenen Arctonyx ob-
scurus bis in die kleinsten Details überein.
Ausserdem brachte Herr Beresowski noch ein Fell dieser Art heim, das
er auf dem Markte in Choi-ssjan erworben hatte und welches meiner Ansicht
nach einem ausgewachsenen Exemplare angehört. Dieses Fell ist dem er-
wähnten jungen Exemplare äusserst ähnlich und unterscheidet sich von ihm
nur dadurch, dass die Behaarung der Oberseite viel länger, dichter und straf-
fer erscheint und dass auf dem Hintertheile die Grannenhaare lange weissliche
Endspitzen tragen; auch ist sein Schwanz, dessen Länge 290 mm. beträgt,
von denen die Endhaare 130 mm. ausmachen, mit ungefähr dreimal länge-
ren, weisslichen Haaren besetzt. Die Zeichnung des Kopfes und des Halses
ist bei diesem Exemplare derjenigen beim jungen Thiere vollständig ähnlich,
nur erscheinen die hellen Stellen weisslicher gefärbt.
Mit Anderson 3 ) halte ich Arctonyx obscurus specifisch für nicht verschie-
den von Arctonyx leacolaemus, sondern nur für die Jugendform dieses letz-
teren. Beim Vergleiche meines ausgewachsenen Exemplares mit der Abbil-
dung (auf Tafel XXIV) des Arctonyx leucolaemus, erweist es sich aber,
dass bei meinem Balge der weisse Wangenfleck vor dem Ohre nicht vorhan-
den ist und das weissliche Halsband sich nicht so weit auf die Oberbrust
und längs den Halsseiten zii den Schultern hinzieht, wie dieses auf der Tafel
von Milne-Edwards dargestellt ist. Diese Unterschiede sind wohl durch
den Umstand zu erklären, dass das Orginal von Milne-Edwards einem
überaus alten Individuum angehörte.
Aus vollständigem Mangel an Vergleichsmaterial kann ich mir über das
Verhältniss des Arctonyx leucolaemus zu einigen, ihm sehr nahe stehenden,
asiatischen Gattungsgenossen leider kein eigenes Urtheil bilden. Anderson 4 )
hat Arctonyx leucolaemus mit Meles albogularis Blyth specifisch vereinigt,
während Blanford 5 ) unlängst diese beiden Arten zu Arctonyx taxoides Blyth
gezogen hat, wobei er jedoch eine derartige Identificirung für noch frag-
lich hält.
3) Anderson, Anat. and Zool. Researches Western Yunnan Exp., I, p. 199 (1878).
4) Anderson, Anat. and Zool. Researches Western Yunnan Exp., I, p. 198 (1878).
5) Blanford, Fauna of Brit. India, Mamm., p. 180 (1888).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 104.
T. XII]] DIE SlUGETHIEKE DER GANSSU-EXPEDITION (1884—87). 151
URSIDAE.
Ailuropus melanoleucus.
Ursus melanoleucus, Armand David, Nouv. Arch. Muséum V,
Bull. p. 13 (1869).
Ailuropus melanoleucus, A. Mil ne-Edwards, Rech, sur les
Mamm., I, p. 321, II, tab. L— LVI (1868—74); Gervais,
Journ. Zool., IV, p. 79 (1875).
Über das Vorkommen dieser seltenen Bärenform im südlichen Ganssu
theilt mir Herr M. Beresowski folgende Notizen mit. Diese Art ist den
Bewohnern längs dem Ssi-gu-Fluss, von der Stadt Ssi-gu flussaufwärts, nir-
gends bekannt; ebenso kommt sie auch in den Bergen bei Tan-tschan nicht
vor. Höchst selten bewohnt aber Ailuropus melanoleucus den Gebirgszug,
welcher sich im Süden von Ssi-gu hinzieht und die Grenze zwischen den
Provinzen Ganssu und Sse-tschuan bildet; hier verläuft die Nordgrenze der
geographischen Verbeitung dieser Art und bildet wohl dieser Fundort gleich-
zeitig den westlichsten Punkt ihres Vorkommens. Aus diesem Gebirgszuge
stammt auch der sehr schöne, c. 140 cmt. lange, Balg aus der Sammlung
des Hrn. Beresowski. Ailuropus melanoleucus hält sich, nach Mittheilungen
von Jägern, mit Vorliebe in dichten Bambus-Beständen auf einer abs. Höhe
von 10 — 12,000 Fuss auf; das Bambusrohr bildet auch seine Hauptnah-
rung. Dieser Bär soll gleichfalls einen Winterschlaf abhalten und wenn er
von Hunden verfolgt wird, so klettert er, wie dieselben Jäger erzählen, auf
Bäume. Bei den Chinesen heisst diese Art pei-ssjun (weisser Bär) oder chua-
ssjun (gescheckter Bär).
INSECTIVOßA.
SOKICIDAE.
Anurosorex squamipes.
Anourosorexsquamipes, A.Milne-Edwards, Rech, sur les Mamm.,
I, p. 264, II, tab. XXXVIII, XXXVIII A, fig. 1 (1868-74).
In einem sehr schadhaften getrockneten Exemplare, welches von M. M.
Beresowski in den Umgebungen von Ssi-gu todt gefunden worden ist, konnte
ich, nachdem ich den Schädel herauspräparirt hatte, mit Sicherheit diese
interessante Art erkennen.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 105.
152 EUG. BÜCHNER, [T. XIII
CHIßOPTERA.
VESPERTILIONIDAE,
Synotus darjelingensis.
Plecotus darjelingensis, Hodgson in: Horsfield, Ann. Mag. Nat.
Hist., (2), XVI, p. 103 (1855).
Synotus darjelingensis, Dob s on, Cat. Chiropt. Brit. Mus., p. 177
(1878).
Synotus darjelingensis liegt mir in einem Spiritus-Exemplare vor, wel-
ches im südlichen Ganssu, in der Stadt Choi-ssjan gefangen worden ist.
Plecotus auritus.
Vespertilio auritus, Linné, Syst. Nat., ed. XII, I, p. 47 (1766).
Plecotus auritus, Dobson, Cat. Chiropt. Brit. Mus., p. 178
(1878).
Ein Exemplar der langohrigen Fledermaus aus der Sammlung des Hrn.
G. Potanin wurde am 29. Juli (10. August) 1886 in der südlichen
Mongolei, im Thale des Flusses Ezsin, bei der Stadt Mumin erbeutet.
Vesperugo serotinus.
Vespertilio serotinus, Schreber, Säugeth., I, p. 167, tab. LUI
(1775).
Vesperugo serotinus, Dobson, Cat. Chiropt. Brit. Mus., p. 191
(1878).
Diese Art wurde am 24. Juli (5. August) 1884 in Ordos, im Thale des
Chuan-che nicht weit von der Stadt Che-kou, in einem Exemplare gesammelt.
ßODENTIA.
SCIURroAE.
Pteromys melanopterus.
Pteromys melanopterus, A. Milne-Edwards, Ann. Sc. Nat., Zool.,
(5) VIII, p. 375 (1867); A. Milne-Edwards, Kech. sur
lesMamm.,I, p. 168, II, tab. XV, XV A fig. 2 (1868— 74);
Anderson, Anat. and Zool. Researches Western Yunn. Exp.,
I, p. 283 (1878).
Pteromys xanthotis, A. Milne-Edwards, Rech, sur les Mamm.,
I, p. 301 (1868—74).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 106.
T. XIIl] DIE SÄUGETHIERE DER GANSSU-EXPEDITION (1884— 87). 153
Die sieben Bälge des grossen Pt. melanopterus, welche M. M. Bere-
sowski aus den Umgebungen von Ssi-gu heimbrachte, sind sämmtlich im
Winter erbeutet worden und gehören, mit Ausnahme eines alten Männchens
und eines sehr alten Weibchens, mittelwüchsigen Männchen an.
Diese Exemplare stimmen in allen Charakteren, wie Färbung, Grösse,
Grössenverhältnisse u. s. w., mit den Beschreibungen dieser Art bei Milne-
Edwards und Anderson überein; doch passt die Färbung der Oberseite
und des Schwanzes meiner Bälge nicht gut auf die Abbildung dieser Art bei
Milne-Edwards. Dieser Umstand liess mich sogar eine Zeit lang in den
mir vorliegenden Bälgen eine neue Art vermuthen, doch da mir die citirte
Abbildung bei Milne-Edwards in Betreff der Färbung nicht correkt zu
sein scheint (jedenfalls stimmt sie mit seiner Beschreibung nicht überein)
und da sich ferner in allen anderen Charakteren keine Unterschiede auffin-
den Messen, so hatte ich mich bald über die Identität meiner Bälge mit Pt.
melanopterus vergewissert. Die Bemerkungen von Milne-Edwards über
Pt. xanthotis ferner setzten diese Bestimmung ausser jeden Zweifel. Da ich
diese Art für noch nicht genügend charakterisirt halte, so will ich eine
kurze Besprechung meiner Bälge geben.
Jedes einzelne Grannenhaar auf der Oberseite ist im basalen Theile weit
über die Hälfte seiner ganzen Länge schwärzlich gefärbt, worauf der breite
hellgelbliche Ring und die breite schwarzgefärbte Endspitze folgt. Diesen
Grannenhaaren sind in sehr grosser Menge kürzere, hellschiefergraue Woll-
haare mit breiter gelbbräunlicher Endspitze und nur in sehr geringem Maasse
einfarbige schwarze Stichelhaare beigemischt. Dank dieser Zeichnung der ein-
zelnen Haare, erscheint die ganze Oberseite auf einer hellen graugelblichen
Grundfärbung (beim alten Weibchen ist sie übrigens hellbräunlichgelb) mehr
oder weniger dicht, unregelmässig und grob, glänzend schwarz oder dunkel-
bräunlichschwarz melirt; an dieser Grundfärbung nehmen die gelbbräunli-
chen Spitzen der Wollhaare beinahe gar keinen Antheil, da sie von den
Grannenhaaren verdeckt werden und nur zwischen den Schulterblättern und
im Nacken zum Vorschein kommen. Wenn auch die Grannenhaare der Ober-
seite an und für sich schon weich sind, so bedingt doch in erster Linie das
in grosser Menge vorhandene Wollhaar die auffallende Weichheit und Dich-
tigkeit des Pelzes; die Höhe dieses letzteren beträgt 35 — 50 mm. Die
Oberseite meiner Bälge passt, wie schon erwähnt, nicht vollständig auf die
Abbildung dieser Art bei Milne-Edwards, doch stimmt sie im Ganzen
mit seiner Beschreibung überein; nur ist noch zu bemerken, dass bei Be-
sprechung der Zeichnung der einzelnen Haare Milne-Edwards dieselbe
nicht einzeln für die Grannen- und Wollhaare angegeben hat, welcher Um-
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 107.
154 EUG. BÜCHNER, [ï. X1IJ
stand auch den scheinbaren Unterschied in der Haarzeichnung der Original-
exemplare und meiner Bälge erklärt.
Die Oberseite der Flughäute erscheint nicht besonders dicht von schwarzen
Haaren, von denen nur ein geringer Theil rostgelbe Endspitzen trägt, be-
standen und ist an ihrem Aussenrande von einer grauen Kante umsäumt. Die
Färbung der Oberseite erstreckt sich über den Nacken bis zur Kopfplatte.
Stirn, Nasenrücken, Augenstreifen und Wangen sind grau, fein schwarz oder
dunkelbraunschwarz gestichelt; die Seitentheile der Schnauze, welche die
wenigen, bis c. 70 mm. langen, einfarbigen schwarzen Vibrissen tragen, er-
scheinen etwas heller. Das Auge ist von einem bräunlichen Ringe umgeben.
Mundwinkel, Ober- und Unterlippenrand sind gelblich gefärbt, während
dieselben beim alten Weibchen grau sind; unter der Nase stehen viele
schwärzliche oder braunschwarze Härchen, während ein grosser, rundlicher,
schwarzer Fleck, welcher übrigens beim alten Weibchen nicht so auffallend
ausgeprägt ist und nur verwaschen erscheint, das Kinn ziert. Die Basis der
Aussenseite des Ohres trägt beim alten Männchen und Weibchen einen Busch
rostgelber oder fuchsrother Haare mit dunklen Endspitzen; bei den übrigen
mittelwüchsigen Exemplaren erscheint diese Stelle lange nicht so intensiv
und ist nur gelbbräunlich gefärbt. Die Unterseite ist rostgelblich mit durch-
schimmerndem schiefergrauem Haargrunde ; auf der Unterseite der Flughäute
ist die Färbung eine mehr intensive, einfarbig rostgelbe. Beim alten Weib-
chen ist auf der ganzen Unterseite von dieser rostgelben Färbung keine Spur
zu sehen und Brust undBauch erscheinen durchweg schmutziggrau, mit stellen-
weise verwaschenem gelblichem Anfluge. Der Hinterfuss ist einfarbig schwarz;
seine Sohle ist, mit Ausnahme der langen inneren Sohlenwulst und der fünf
grossen Fussschwielen, vollständig und dicht behaart. Der Schwanz ist gelb-
bräunlich mit viel Schwarz und sehr dunklem Braunschwarz untermischt,
welche Töne sich vornehmlich an den Seiten und auf dem letzten Drittel
des Schwanzes zeigen. Die Schwanzspitze erscheint immer einfarbig dunkel.
Aus dieser Besprechung der Beresowski'schen Exemplare ist zu er-
sehen, dass die Charaktere des von Milne-Edwards aufgestellten P£. xan-
thotis, den er später übrigens selbst für eine Varietät seines Pt. melanopterus
erklärt, sich nur als vom Alterszustande des Kleides abhängige Unterschiede
der letztgenannten Art erweisen. Der auffallende rostgelbe Fleck hinter den
Ohren ist nämlich, wie wir gesehen haben, nur dem alten Männchen und
dem sehr alten Weibchen eigen; ferner weist dieser letztere Balg auch alle
anderen Eigenthümlichkeiten auf, welche für Pt. xanthotis charakteristisch
sein sollen.
Ich nehme an einigen Bälgen folgende Ausmessungen:
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 108.
T. Xül] DIE SÄÜGETHIERE DER GANSSU-EXPEDITION (1884—87). 155
3 ad. $ ad. s med. 3 med.
Länge von der Nasenspitze bis zur Schwanz-
wurzel 460 535 465 485 mm.
Länge des Schwanzes mit den Endhaaren . . 400 <390 455 400 »
Letzte Haare des Schwanzes 74 68 75 75 »
Länge des Hinterfusses 76 77 72 70 »
Nagellänge am Mittelfinger 10,5 12,i 10,8 10 »
Nagellänge an der Mittelzehe 11 12,1 10 9,5 »
M. M. Beresowski hat zwei Männchen, die er im südlichen Ganssu
bei Ssi-gu erbeutete, im Fleische gemessen, wobei das eine Exemplar eine
Länge (mit dem Schwänze) von 71 cmt. zeigte, während das andere 68 cmt.
lang war, von welchen 33 cmt. auf den Schwanz kamen.
Dieses Flughörnchen, welches in den Bergen der Umgebungen der
Stadt Ssi-gu ziemlich häufig vorkommt, wird von den Chinesen zui-ssyn
genannt.
Sciurus davidianus.
Sciurus davidianus, A. Milne-Edwards, Rev. Mag. Zool., (2),
XIX, p. 196 (1867); A. Milne-Edwards, Rech, sur les
Mamm.,1, p. 160, II, tab. XVI, XVIII, fig. 2 (1868-74).
Sc. davidianus kommt sehr häufig im südlichen, gebirgigen Theile der
Provinz Ganssu vor, wo es steiniges Terrain zu seinem Aufenthalte wählt;
dichte Waldungen werden von ihm gemieden. Mir liegen aus der Bere-
sowski'schen Ausbeute drei Exemplare vor, von denen eines im November
1885 bei Ssi-gu, die beiden übrigen bei Choi-ssjan erbeutet worden sind.
Die Chinesen nennen diese Art — ngei-lou-tschu (d. i. Felsmaus).
Tamias McClellandi.
Sciurus McClellandi, Horsfield, Proc. Zool. Soc. Lond., p. 152
(1839).
Sciurus maclellandi, Anderson, Anat. Zool. Researches Western
Yunnan Exp., I, p. 263 (1878).
Diese weitverbreitete Art, deren Literatur und Synonymie Anderson
unlängst sehr eingehend behandelt hat, ist seinen Untersuchungen zu-
folge vielfachen Abänderungen unterworfen. Dieser Umstand hatte auch zur
Aufstellung neuer Arten und Varietäten geführt, welche Anderson auf
Grund eines bedeutenden Untersuchungsmaterials und nach Autopsie der
Originalexemplare specifisch vereinigt hat. Seiner Ansicht nach bildet die
Bulletin H. S. II (XXXIV) p. 109.
156 EUG. BÜCHNER, [T. XIII
von A. Milne-Edwards 6 ) unter dem Namen Sc. Swinhoei beschriebene
Varietät noch eine am besten ausgesprochene Rasse dieser Art. Die mir
vorliegenden, im südlichen Ganssu gesammelten Bälge, von denen zwei im
Winter 1886 von M. M. Beresowski in der nächsten Umgegend von
Ssi-gu und ein weiterer dritter im Frühling 1885 von G. N. Potanin auf
dem Wege zwischen Ssi-gu und U-pin erbeutet worden sind, stimmen mit der
Beschreibung dieser tibetanischen Varietät ganz gut überein. Doch ist bei
meinen Bälgen von den drei dunklen Längsstreifen des Rückens nur die
Mittelbinde, welche zwischen den Schulterblättern ihren Anfang nimmt und
sich bis zur Schwanzwurzel hinzieht, schwarz, während die jederseitigen
breiteren dunklen Binden rostbraun gefärbt sind. Von den vier hellen Längs-
streifen ist das äussere Paar breiter und hellgelblich gefärbt. Der Schwanz
ist in seiner Behaarung und Zeichnung vollständig gleich demjenigen des
Tamias Pallasi.
Ich habe in Betreff des Tamias McClellandi noch zu bemerken, dass ich
dieser Art einen Platz in der Gattung Tamias angewiesen habe, und zwar
im Gegensatz zu beinahe allen Mammologen, welche sie als zu dem Genus
Sciurus gehörig ansprechen. In ihrem ganzen Habitus, in der höchst charak-
teristischen Zeichnung des Rückens, in der Kürze und Behaarung des
Schwanzes, mit einem Worte in allen äusseren Kennzeichen ist die in Rede
stehende Art zweifelsohne ein echter Tamias und können, meiner Ansicht
nach, solche Charaktere, wie der Ohrpinsel und die mehr rudimentäre Nagel-
bildung an der Daumenwarze nicht gegen eine derartige generische Ver-
einigung sprechen. Wenn auch andererseits der Schädel des T McClellandi
in seiner Kürze und Gedrungenheit, im Baue der Stirnbeine und in der An-
lage der Jochbogen stark an den Sciurus-Typus erinnert, so ist doch die
Übereinstimmung dieser Art in ihren äusseren Charakteren mit den typi-
schen Vertretern der Gattung Tamias eine derartig grosse, dass ich auf
Grund der obigen Eigenthümlichkeiten im Schädelbaue eine generische Tren-
nung nicht zulassen kann. Zu Gunsten meiner Ansicht in Betreff der Zuge-
hörigkeit des T McClellandi zur Gattung Tamias spricht auch noch der
Umstand, dass diese Art, nach den Beobachtungen von M. M. Beresowski,
in ihrem ganzen Wesen, in der Lebensweise, in ihrer Stimme, und sogar in
solchen Charakterzügen, wie z. B. ihrer dummen Neugierde und Zutraulich-
keit dem Menschen gegenüber, mit dem sibirischen Burunduk ganz auf-
fallend übereinstimmt.
6) Milne-Edwards, Rech, sur les Hamm., I, p 308 (1868—74).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 110.
T. XIIl] DIE SÄUGETHIERE DER GANSSU-EXPEDITION (1884—87). 157
Tamias Pallasi.
Tamias Pallasi, Baird, Ann. Eep. Smith. Inst, for 1856, p. 55
(1857); Büchner, Wissensch. Res. Reis. Przewalski, Zool.
Th., I, p. 5 (1888).
Am 10 Zii j n\ 1884 erwarb die Expedition mehrere Exemplare dieser
Art im U-tai-schan, bei dem Kloster U-tai, in der Provinz Schan-ssi.
Höchst auffallend ist hier der Aufenthaltsort dieser Art: der Burunduk lebt
nämlich in steilen, mit Geröll bedeckten Thälern und in der Nähe von Fel-
dern in aufgeschütteten Steinhaufen. Chinesisch heisst diese Art, nach B er e-
sowski, Ke-lin-dsa.
Spermophilus Eversmanni.
Spermophilus Eversmannii, Brandt, Bull, scient. Acad. St.-Pétersb.,
IX, p. 43 (1841).
Hr. Potanin erbeutete diesen Ziesel am 6./18. September 1886 im
Changai, bei dem Kloster von Lamyn-gegen.
Spermophilus mongolicus.
Spermophilus mongolicus, A. Milne-Edwards, Ann. sc. nat.,
Zool., (5), VII, p. 376 (1867); Milne-Edwards, Rech, sur
les Mamm., I, p. 157; II, tab. XVII, fig. 1—3, tab. XVHI,
fig. 3 (1868—74).
Spermophilus mongolicus wurde 1884 von Hrn. Potanin in mehreren
Exemplaren in der Ebene südlich von der Stadt Kuku-choto (Guj-chua-tschen),
in der Steppe nördlich vom Gebirgszug Mantou (in Schan-ssi) und in Ordos
(und zwar beim Kloster Schine-ssume, bei der Residenz des Fürsten Dshungor
und bei Schibir-tschaidam) gesammelt. Dieser Ziesel heisst mongolisch —
schara-tschilo.
MÜRTOAE.
Gerbillus unguiculatus.
Gerbillus unguiculatus, A. Milne-Edwards, Ann. Sc. nat., Zool.,
(5), VII, p. 377(1867); A. Milne-Edwards, Rech, sur les
Mamm., I, p. 142; II, tab. XA, fig. 2, tab. XI, fig. 1, 2
(1868—74).
Ein Männchen, welches am 2 f" . arz . 1885 am Flusse Dshanba in
9. April
Amdo (nördliches Ganssu) gefangen wurde, befindet sich in der Ausbeute des
Hrn. M. Beresowski.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 111. 12
158 bug. Büchner, [t. xm
Gerbillus opimus.
Meriones opimus, Lichtenstein in: Eversmann, Reise nach
Buchara, p. 122 (1823).
Hr. Po tanin erwarb ein Exemplar im October 1884 in Ganssu, im
Thale des Chuan-che, zwischen Zsin-jüan und Lan-tschshéu.
Siphneus Pontanieri.
Siphneus Fontanieri, A, Milne-Edwards, Ann. Sc. Nat., (5),
Zool., VII, p. 376 (1867); Milne-Edwards, Rech, sur les
Mamm., I, p. 122; II, tab. VII, VIII, fig. 6—9, 13, et IX,
fig. 5—8 (1868—74).
Am 4./16. April 1886 sammelte Hr. Potanin ein Exemplar dieser häu-
figen Art in der Nähe der, östlich vom Kuku-nor gelegenen, Stadt Donkyr
(zwischen den Dörfern Dshaik und Tschuntschsha). Derselbe Reisende fand
auch im Mai 1885 einen vollständigen, nur der Nagezähne entbehrenden,
subfossilen Schädel dieser Art in quaternären Ablagerungen beim Kloster
Dshoni-Bombo (Jan-tussy-mjao) in Ganssu (nicht weit von der Stadt Min-
tschsheu).
SPALACIDAE.
Rh.izoru.ys sinensis.
Rhizomys sinensis, Gray, Proc. Zool. Soc. Lond., p. 95 (1831);
Gray, 111. Indian Zoology, II, p. XVI (1834); Anderson,
Anat. Zool. Researches Western Yunnan Exp., I, p. 330
(1878).
Rhizomys vestitus, A. Milne-Edwards, Nouv. Arch. Mus., VII,
p. 93 (1871); Milne-Edwards, Rech, sur les Mamm., I,
p. 292, II, tab. XL VI, XL VI A, fig. 2 1868—74).
Die vier Bälge aus der Ausbeute von M. M. Beresowski stimmen mit
der Beschreibung und Abbildung des Rh. vestitus von Milne-Edwards
vollständig überein und ziehe ich, nur auf die Autorität von Anderson hin,
diese Art zu Rhizomys sinensis.
Die Angabe von Milne-Edwards in Betreff der Schwanzlänge, welche
kaum einem Zehntel der Körperlänge des Thieres gleich sein soll, ist ent-
schieden eine irrthümliche, wie aus den weiter unten gegebenen Maassen
zu ersehen ist. Die Färbung der mir vorliegenden Exemplare stimmt voll-
ständig mit derjenigen der Originalexemplare von Milne-Edwards über-
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 112.
T. XIIl] DIE SÄUGETHIEEE DER GANSSU-EXPEDITION (1884—87). 159
ein; meine Bälge, welche grösser sind als diejenigen von Milne-Edwards,
gehören dennoch nicht ausgewachsenen Exemplaren an; die alten Thiere
sollen, wie mir M. M. Beresowski mittheilt, viel dunkler gefärbt sein.
An drei Bälgen nehme ich folgende Ausmessungen:
Länge von der Nasenspitze bis zur Schwanz-
wurzel 480 475 475 mm.
Länge des Schwanzes mit den Endhaaren 108 77 70 »
Letzte Haare des Schwanzes 10 2 »
Von der Nasenspitze bis zur Mitte des Auges 38 31 32 »
Vod der Nasenspitze bis zur Basis des Ohres 66 63 64 »
Länge des Hinterfusses 64 55 53 »
Länge des Nagels an dem Mittelfinger 10,5 6 8 »
Länge des Nagels an der Mittelzehe 8 10 11,6»
Ein Männchen aus Tan-tschan (westlich von Ssi-gu), welches von
M. M. Beresowski im Fleische gemessen und ihm von erfahrenen Jägern
als ein dreijähriges bezeichnet wurde, hatte eine Länge (mit dem Schwanz
gemessen) von 535 mm. Ein Weibchen aus Choi-ssjan, welches Ende April
1885 erbeutet wurde, hatte eine Länge (mit dem Schwanz gemessen) von
465 mm., von denen 80 mm. die Schwanzlänge ausmachten. Bei diesem
Weibchen hielten sich drei c. 150 mm. lange Junge auf; an diesem Balge
nehme ich vier Paar stark entwickelter Zitzen wahr, von welchen ein Paar
hinter den Vorderbeinen und drei Paar zwischen den Hinterbeinen stehen.
Die drei Bälge, von denen ich oben die Ausmessungen gegeben habe,
stammen aus den Umgebungen von Choi-ssjan, aus den Ausläuferu des Zin-
lin (auf der Grenze der Provinzen Ganssu und Schen-si). Im Distrikt von
Ssi-gu kommt diese Art an den ihr zusagenden Stellen überall vor; Bliizomys
sinensis lebt ausschliesslich in grossen zusammenhängenden wilden Bambus-
beständen und das Bambusrohr bildet auch die ausschliessliche Nahrung
dieses Nagers. Die Eingeborenen benutzen sein Fleisch zur Nahrung und
veranstalten aus diesem Grunde specielle Jagden auf dieses Thier. Der chine-
sische Name dieses Nagers lautet — tschshu-ljudsa.
DIPODIDAE.
Alactaga annulata.
Dipus annulatus, A. Milne-Edwards, Ann. Sc. Nat., (5), VII,
p. 376 (1867); A Milne-Edwards, Rech, sur lesMamm.,
I, p. 149, II, tab. X, XA fig. 3 (1868—74).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 113.
160 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
Hr. G. Potanin brachte diese Art aus der Provinz Ordos in zwei
Exemplaren heim, von denen das eine am 9./21. August 1884 am Flusse
Ulan-morin und das andere am 8./20. September 1884 bei Boro-balgassun
erbeutet wurde. Die Ausmessung dieser Spiritus-Exemplare lieferte folgende
Werthe :
Länge von der Nasenspitze bis zur Schwanzwurzel. . 170 130 mm.
Länge des Schwanzes mit den Endhaaren 210 164 »
Letzte Haare des Schwanzes 26 21 »
Von der Nasenspitze bis zur Mitte des Auges 30 21 »
Von der Nasenspitze bis zur Ohrwurzel 41 29 »
Länge des Ohres, von der Basis des Aussenrandes bis zu
seiner Spitze 36 25 »
Länge des Hinterfusses 72 56 »
LAGOMYIDAE.
Lagomys Roylei.
Lagomys Boylei, Ogilby in: Royle, Illustr. of the Bot. etc. of
theHimal. Mount., p. LXIX(1833); Büchner, Wissensch.
Res. Reis. Przewalski, Zool. Th., I, p. 156 (1890).
Am 2./14. und 7./19. Mai 1886 erwarb Hr. Potanin mehrere Exem-
plare dieser Art für seine Sammlung im Nan-schanj, im Thale des Flusses
Bardun, in den Gegenden Ssolomo und Rdosskuj. Dieser Pfeifhase, den die
Tanguten Zsazsyk nennen, lebt hier hoch in den Bergen, oberhalb der "Wald-
grenze.
Lagomys melanostomus.
Lagomys melanostomus, Büchner, Wissensch. Res. Reis. Prze-
walski, Zool. Th., I, p. 176 (1890).
Ein Exemplar dieses Pfeifhaasen sammelte Hr. G. Potanin am 12./24.
April 1886 am See Dere-nor, nördlich vom Kuku-nor.
UNGfULATA.
BOVIDAE.
Gazella subgutturosa.
Antilope subgutturosa, Güldenstaedt, Acta Acad. Petrop., I,
p. 251 (1778).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 114.
T. XIIl] DIE SÄUGETHIERE DEK GANSSU-EXPEDITION (1884—87). 161
Die Chara-ssulta ist eine häufige Erscheinung im südlichen Ordos; im
Gegensatze zum Dseren (G. Przewalskii Büchner), welcher immer in gros-
sen Heerden lebt, kommt die in Rede stehende Antilope nur einzeln oder in
kleinen Trupps vor.
Gazella Przewalskii.
Antilope guttur osa, Przewalski, Monrovia h OpaHa TaHryTOBi,
I. p. 18, II, tab. I fig. 1 (1876) [nee Pallas].
Antilope Guvieri, Przewalski, HeTBepToe IIvt. bt> IJeHTp. A3in,
p. 110 (1888) [nee Ogilby].
Die Dseren- Antilope wurde von der Expedition in grossen Mengen im
südlichen Ordos angetroffen und hier in mehreren Exemplaren für die Samm-
lung erworben.
Nemorhedus Edwardsi.
Gapricornis Milne-Edwardsii, David, Nouv. Arch. Muséum, V,
Bull. p. 10 (1869).
Antilope Edwardsii, A. Milne-Edwards, Rech, sur les Mamm.,
I, p. 364, II, tab. LXXII, LXXIII (1868—1874).
Hr. M. Beresowski erbeutete am 20. December 1885 ein überaus altes
Weibchen dieser Art im Districte der Stadt Ssi-gu, und zwar im Gebirgszuge
zwischen dem Ssi-gu-Flusse und dem Flusse Chei-cho (an welchem Nan-pin
gelegen ist). N. Edwardsi kommt hier ausschliesslich in Gebirgswäldern
einzeln oder in kleinen Trupps vor. Der chinesische Name dieser Antilope
lautet ssan-ljui (d. h. Gebirgs-Esel), während sie tangutisch chen-dse heisst.
CEBVIDAE.
Capreolus caprea.
Gapreolus capraea, Gray, List. spec. Mamm. Brit. Mus., p. 176
(1843).
Das Reh kommt im südlichen Ganssu in den waldlosen Vorbergen des
Kesselthaies von Choi-ssjan vor und zeigt sich hier zuweilen in kleinen
Trupps von 5 — 7 Stück auch auf Feldern. Bei den Chinesen heisst das Reh
poü-lu. Hrn. Beresowski gelang es, drei Exemplare dieser Art für seine
Sammlung zu acquiriren.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 115.
162 EUG. BÜCHNER, [T. XIII
Moschus sifanicus n. sp.
N. M. Przewalski hat zuerst dieses neue Moschusthier im Jahre 1872
im nördlichen Ganssu aufgefunden und dasselbe auch später, während seiner
dritten und vierten Heise, in mehreren Exemplaren für unser akademisches
Museum gesammelt. Neuerdings brachte auch Herr M. Beresowski zwei
Exemplare dieser noch unveröffentlichten Art aus dem südlichen Ganssu
heim. Moschus sifanicus kommt, nach Mittheilungen von Beresowski,
überall in der Waldregion des südlichen Ganssu vor, doch nur in beschränk-
ter Zahl, da er seiner Moschusbeutel 7 ) wegen einer schonungslosen Verfol-
gung von Seiten der Bevölkerung ausgesetzt ist. Die Moschusthiere überhaupt
heissen chinesisch ssjan-dsa, doch da die Chinesen die einzelnen Arten zu un-
terscheiden wissen, so führt bei ihnen Moschus sifanicus ausserdem noch den
Namen dshan-wo-dsy-ssjan , während sie Moschus moschiferus ma-ssjan
nennen 8 ).
Eine eingehende Beschreibung dieser neuen Art behalte ich mir für spä-
ter vor und beschränke mich an dieser Stelle nur darauf, die hauptsächlich-
sten Unterscheidungsmerkmale dieser vorzüglich charakterisirten Art namhaft
zu machen.
Das Ohr des Moschus sifanicus ist 1% mal länger als dasjenige des
Moschus moschiferus. Die Aussenseite des Ohres erscheint mehr oder weni-
ger intensiv schwarz gefärbt oder dicht schwarz melirt und weist eine breite
gelbliche Endspitze auf; innen ist das Ohr zum Kande hin von gelblichen,
zuweilen rostfarben getönten, Haaren bestanden. Ausserdem ist die obere
Hälfte des Ohres längs dem Rande von einem auffallenden, schwärzlichen
7) Über den Moschus, der einen sehr bedeutenden chinesischen Handelsartikel bildet,
theilt mir Hr. M. Beresowski folgende Notizen mit.
«Bei der Qualität des Moschus spielt die Jahreszeit absolut keine Rolle und hängt die-
selbe vollständig vom Alter des betreffenden Individuums ab. Bei jungen Thieren findet sich
Moschus nicht allein in sehr geringer Menge vor, sondern ist auch sehr schlechter Qualität;
erst bei Individuen, die ein Alter von 3 — 5 Jahren erreicht haben, beginnt der Moschus guter
Qualität zu werden. Ferner soll die Quantität des Moschus auch von der Individualität in Ab-
hängigkeit stehen ; so besitzen beispielsweise alte Individuen zuweilen nur sehr wenig Moschus».
«Die Chinesen unterscheiden folgende Moschus-Sorten:
1. Ju-ssjan — eiförmiger Moschus,
2. Mjan-ssjan — mehl- oder pulverförmiger Moschus,
3. Tou-bei-ssjan — erbsenförmiger Moschus (in kleinen Kügelchen mit Beigabe
von pulverförmigem Moschus),
4. Tin-dsy-ssjan — kugelförmiger Moschus (in einem einzigen compacten Stücke).
Die 3. und 4. Sorte sind beinahe gleicher, sehr hoher Güte; die 2. Sorte ist schlechterer
Qualität, während die erstgenannte Sorte, welche, wie es scheint, nur von jungen Individuen
gewonnen wird, im Handel gar keinen Werth repräsentirt».
8) Ausserdem unterscheiden die Chinesen noch ein drittes Moschusthier, welches im unter-
sten Theile der Waldregion vorkommen soll und von ihnen chei-ssjan genannt wird. Leider ist
in der Ausbeute von M. Beresowski dieses Moschusthier nicht vertreten und bleibt es daher
unentschieden, ob dasselbe eine selbstständige Art oder (was jedenfalls wahrscheinlicher sein
dürfte) nur eine Varietät einer der obengenannten Arten darstellt.
Bulletin N. S. II (XXXIVJ p. 116.
T. XIIl] DIE SÄUGETHIERE DER GANSSU-EXPEDITION (1884—87). 163
oder bräunlichschwarzem Saume umkantet. Da bei Moschus moschiferus dage-
gen die Aussenseite des Ohres mit dem Kopfe gleichfarbig und zuweilen zur
Spitze hin dunkler oder schwärzlich gefärbt erscheint, so liefert die besprochene
charakteristische Ohrfärbung des M. sifanicus allein schon ein vorzügliches
Kennzeichen dieser neuen Art, welche im Übrigen den eintönig gefärbten
Individuen des Moschus moschiferus ähnlich erscheint. Ferner unterschei-
det sich unsere neue Art auch im Schädelbaue sehr auffallend von Moschus
moschiferus. Der massivere Schädel des M. sifanicus erscheint viel länger
ausgezogen, namentlich in seiner ganzen vorderen Partie, als derjenige des
M. moschiferus. Die schmäleren Nasenbeine sind bei M . sifanicus auffallend
länger, als beim gewöhnlichen Moschusthiere, und verengen sich innerhalb
der Stirnbeine nur ganz unbedeutend, so dass ihr Frontalrand gerade abge-
stutzt erscheint.
Moschus moschiferus.
Moschus moschiferus, Linné , Syst. Nat., ed. XII, I, p. 91 (1766).
Herr M. Beresowski hat für das südliche Ganssu ausser Moschus si-
fanicus auch noch das gewöhnliche Moschusthier, Moschus moschiferus, nach-
gewiesen und vier Exemplare desselben mitgebracht. Diese Art wählt hier
zu ihrem Aufenthalte Alpenwiesen und Geröll-Lager. Die mir vorliegenden
Exemplare gehören zur einfarbigen Form.
SÜIDAE.
Sus vittatus.
Sus vittatus, Müller et Schlegel, Verhand. natürl. Gesch. Nederl.
Overz. Bezit., Zool., p. 172, 173, tab. XXIX, XXXII
(1839—44); Forsyth Major, Zool. Anz., VI, p. 296
(1883).
Sus moupinensis, A. Milne-Edwards, Nouv. Arch. Muséum,
VII, Bull. p. 93 (1871); Milne-Edwards, Rech, sur les
Mamm. I, p. 377, II, tab. LXXX, LXXXI (1868— 74).
Das Wildschwein, welches chinesisch e-tschshu heisst, kommt in grosser
Menge im südlichen Ganssu vor, wo es sich hoch im Gebirge aufhält und
nur selten in die Thäler herabsteigt. Inder Sammlung des Hrn. M. Bere-
sowski findet sich nur der Balg eines ganz jungen Ferkels aus Choi-ssjan
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 117.
164 EUG. BÜCHNER, DIE SÄUGETBIERE ETC. [t. XIII
vor; es unterliegt wohl keinem [Zweifel, dass hier die Wildschwein-Form
vorliegt, welche Milne-Edwards als Sus moupinensis beschrieben hat und
die nach den Untersuchungen von Forsyth Major mit Sus vittatus iden-
tisch ist.
»<>r*;o
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 118.
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIRES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES
DE
ST.-PtiTERSBOURG.
TOME XIII.
£ / wza / ison 2.
-*£*-
St.-PÉTEKSBOURG, 1892.
Commissionnaires de l'Académie Impériale des sciences:
à ST.-PÉTERSBOURG: à RIGA: à LEIPZIG:
MM. Eggers & C ie M. N. Kymmel. Voss' Sortiment
et J. Glasounof. (G. Haessel).
Prix 1 Ebl. 70 Kop. = 4 Mrk. 25 Pf.
Imprimé par ordre de l'Académie Impériale des sciences.
Septembre 1892. A. Strauch, Secrétaire perpétuel.
CONTENU.
..BE-
N. Kusnezow. Beiträge zur Flora Caucasica. I. Zwei neue Bhamnus-Formen. (Mit
2 Tafeln) 165—168
A. Famintzin. Arbeiten aus dem botanischen Laboratorium der Kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften zu St.-Petersburg. JY° 2. Eine neue Bacterien-
form: Nevskia ramosa. (Mit einer Tafel) 169 — 174
N. Kusnezow. Neue asiatische Gentianen. (Mit einer Tafel) 175 — 178
Andreas a Semenow. Bevisio Hymenopterorum Musei Zoologici Academiae
Caesareae Scientiarum Petropolitanae. I. Genus Cleptes Latr 179—186
Andreas a Semenow. Bevisio Hymenopterorum Musei Zoologici Academiae Cae-
sareae Scientiarum Petropolitanae. II. Genus Abia (Leach) 187 — 195
Andreas a Semenow. Bevisio Hymenopterorum Musei Zoologici Academiae Cae-
sareae Scientiarum Petropolitanae. III. Familia Evaniidae 197 — 218
S. Herzenstein. Ichthyologische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 219—235
Dm. Iwanowsky. Über die Mosaikkrankheit der Tabakspflanze 237 — 240
Andreas a Semenow. Chrysididarum species novae 241 — 265
Eug. Büchner. Über eine neue Sminthus-Art aus China 267 — 271
Th. Pleske. Die ornithologische Ausbeute der Expedition der Gebrüder G. und
M. Grum-Grzimailo nach Central- Asien (1889-90) 273—301
Th. Pleske. Übersicht der Gattung Begulus, Cuv., nebst Beschreibung einer
neuen Art derselben 303—307
Eug. Büchner. Zur Kenntniss der rothen Murmelthiere Central- Asiens. . .... 309—324
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XTTT.
Beiträge zur Flora Caucasica. I. Zwei neue Rhamrius- Formen. Von N. Kusne-
ZOW. (Lu le 10 avril 1891).
(Mit 2 Tafeln).
Rhamnus cathartica L. (Led. Fl. Ross. I, 501; Boissier. FI. Or.
II, 19; Maximowicz. Rhamneae Orientali-Asiaticae. 1866. Mém. d. l'Ac.
Imp. d. Se. d. St. Pétersb. S. VII, T.X, JVs 11, p. 8; Regel. Rhamni species
Imper. Ross, incol. Ac. H. Petr. IV, F. I, 1876, p. 327; MeAB^eBi,.
^epeB&a n KycrapHHKn KaBKa3a. 1883, crp. 44).
a. typica Maxim. Fruticosa, foliis oppositis ovatis ellipticisve basi
subcordatis vel rotundatis rarius subeuneatis breviter cuspidatis glàbris fir-
mis chartaceis, costis utrinque 3 — 4 rarius 5.
S. caucasica v. n. Fruticosa spinosa vel inermis, ramis suboppositis ;
foliorum petiolis pubescentibus, laminis rotundato-ovalibus vel ovatis basi
cuneatis vel rotundatis rarius subcordatis subtus ad venas densius pubescen-
tibus supra subpubescentibus vel glabris herbaceis; costis utrinque 3 — 4
rarius 5; florïbus numerosissimis.
Khamnus cathartica L. a) typica Maxim, kommt im Kaukasus selten
vor. Ich fand ihn nur ein Mal in der Provinz Kuban in der Nähe des Neu-
Aphon'schen Klosters auf den Felsen der Schwarzen Berge. Weit öfter
kommt Eh. cathartica L. im Kaukasus in der obenbeschriebenen Form
8) caucasica Kusnez. vor. — Diese Form unterscheidet sich in ihren
typischen Exemplaren leicht von der Form a) durch ihre grossen weniger
derben, meistentheils abgerundet-eiförmigen Blätter, welche auch im aus-
gewachsenen Zustande (während des Reifens der Früchte) besonders auf
ihrer unteren Seite dicht behaart sind. Eben so sind auch die Blattstiele
und die jungen Zweige behaart. Die Blüthen und die Früchte stehen in
grosser Zahl in den Achseln der Blätter gehäuft. Diese Form erinnert sehr
an die Formen ß. intermedia Maxim, und y. davurica Pali., welche in Asien
an der Grenze der Verbreitung der typischen Form a) von Eh. cathartica
L. gefunden wurden. Nach der Meinung von E. Regel 1 ) müssen diese beiden
Formen als weitere Entwickelungsstadien der Form a) angesehen werden.
1) 1. c, p. 328. Vergl. dazu Maximow. 1. c, pp. 8—9.
Bulletin N. S. n (XXXIV) p. 415. 12 *
166 N. KUSNEZOW, . [T. X11I
Ein weiteres Entwickelungsstadium der Form a) bildet wahrscheinlich auch
die von mir oben beschriebene Form S) caucasica, weil ausser den typischen
Exemplaren von 8) und a) auch solche Übergangsformen vorkommen, von
denen es schwer zu sagen ist zu welcher von beiden sie gehören 2 ). Die be-
haarte Form (= â) von Rh. cathartica L. ist schon früher von Kolenati im
Kaukasus gefunden worden, von Maximowicz aber wurde sie als zur Form
a) gehörig gedeutet 3 ). Medwedew scheint diese behaarte Form nicht zu ken-
nen, indem von ihm nur erwähnt wird, dass die Blätter des Rh. cathartica
L. in der Jugend behaart seien (1. c, p. 45).
Typische Exemplare des Rh. cathartica L. S) caucasica Kusnez.- habe
ich in der Provinz Terek 4 ) und im Tscher nom or'schen Kreise 5 ) gefunden.
Hierher gehören wahrscheinlich auch die jungen im Frühling in der Provinz
Terek 6 ) und im Dagestan 7 ) gesammelten Exemplare. Ihre Blätter sind
kleiner und ihrer Form nach der a) typica Maxim, ähnlich. Weiterhin fand
ich in der Provinz Kuban 8 ), in der Provinz Terek 9 ) und im Dagestan 10 )
schwach behaarte Exemplare, die aber der Form des Blattes und der Menge
der Blüthen nach sich der Varietät S) nähern. Ihr Blattstiel ist behaart.
Endlich begegnete ich im Gouvernenent Tifliss 11 ) solchen Exemplaren,
welche durch ihre an der unteren Seite behaarte Blätter der Varietät 8)
und durch die geringe Zahl ihrer Früchte der Varietät a) gleichen.
Rhamnus cathartica L. kommt entgegen der Behauptung von Med-
wedew 12 ) hauptsächlich, wie es auch für Russland bekannt ist, auf trockenem
Boden in trockenen Gegenden vor. Besonders oft wird er auf steinigem und
felsigem Boden, zwischen den xerophilen Stachelsträuchern, in Eichenwäl-
dern und Strauchbeständen an den Ufern der Flüsse angetroffen. In schattigen
und feuchten Wäldern habe ich ihn dagegen nicht gefunden. Das Wald-
Steppen- Gebiet des nördlichen Kaukasus, Dagestan und die longitudinalen
trockenen Thäler des Central-Kaukasus (Balkarien, Digorien, Bisingi u. s. w.),
als auch die steilen südlichen Abhänge der Schwarzen Berge sind diejeni-
gen Gegenden des nördlichen Kaukasus, wo man dem Rh. cathartica L. var.
2) Vergl. KysHeijOBi.. reo.-ôoTamni. mcxix. cbb. cKjroHa KaBKa3a (Ü3B. H. Pycc. Teo-
rpai>. 06m. t. XXVI, CTp. 60).
3) 1. c, p. 9.
4) BajiKapifl, Eß^oKHMOBCKoe yicptmieme, BepxoBtH ApryHH, He3Jio6Haa, HajitiHK-b.
5) JJjKyöcKaa, Beperoßaa, TeoprieBCKafl.
6) AccHHCKaa, ycTapt-rapAofi, BypTyHafi, HupKeö.
7) 9pnejiH, TeMHpt-XaHt-IIIypa.
8) XyMapHHCKoe yitpinaeHie.
9) HupKefl.
10) EieAHTJii).
11) IlacaHaypt.
12) Vergl. Koppen. Geogr. Verbr. der HolzgewacL.se des Europ. Russl. und d. Kaukasus
I, 1888, p. 143 und Me^BiAeBt 1. c, p. 46.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 416.
T. XIIl] "' BEITKÄGE ZUR FLORA CAUCASICA. I. ZWEI NEUE RHAMNUS-FORMEN. 167
S) caucasica Kusnez. besonders oft begegnet. Im Tschernomor'schen Kreise
kommt er vom Meeresspiegel an längs den mit Gerolle bedeckten Thälern
und an Strandfelsen bis zu der Buchen- und Tannen-Zone hinauf vor.
Im nördlichen Kaukasus war Rh. cathartica L. var. a) schon früher auf
dem Beschtau und in der Nähe von Grosnaja gefunden worden (Meyer). Rh.
cathartica L. var. a) wurde ausserdem in Ossetien von Koch, in Imeretien
von Güldenstädt, in Karabach und Elisawetpol von Hohenacker und in
Talysch von Meyer gefunden 13 ). Nach B,adde 14 ) soll er in Talysch, in
Armenien und in der Nähe von Erserum vorkommen. Diesen Angaben
nach wird die oben erwähnte Behauptung, dass Rh. cathartica L. var. a)
und S) die xerophilen Formationen charakterisirt , keineswegs aber auf
feuchtem Boden, wie es Medwedew angiebt, anzutreffen ist, unzweideutig
bewiesen.
Rhanmus alpinaL. var. nova colchica (Tabl.I). Ramis erectis; foliis
majoribus a basi rotundato-ovatis vel ellipticis acuminatis serrulatis, subtus
non solum ad venas sed in tota pagina inferiore pubescentibus, venis pin-
natis utrinque c. 20 — 30, ßoribus fasciculatis, fasciculis axillaribus, seminis
dorso sulcati ovati trigono compressi rima hiante infra apicem orta.
Diese Varietät des Rhamnus alpina L., welche sich von der typischen
Form durch ihre sehr grossen, nicht nur längs den Adern, sondern überall
auf der unteren Seite behaarten Blätter unterscheidet, wurde bis jetzt
immer von verschiedenen Forschern mit Rh. grandifolia F. et Mey. ver-
wechselt. Meinen Untersuchungen nach können aber der Gestalt des Samens
(Rh. grandifolia F. et Mey. Tabl. II, 2. 3) (seminibus lenticularibus apice
raphe sulciformi brevi transversa bilabiata obsitis), als auch des doldigen
Blüthenstandes nach (fasciculis umbelliformibus axillaribus pedunculis
petiolo multo longioribus suffultis 15 ) Rh. grandifolia F. et Mey. (Tabl. LI) 16)
und Rh. alpinaL. var. colchica Kusnez. (Tabl. I) 17) von einander vollkommen
sicher unterschieden werden. Übergangsformen zwischen diesen beiden
Sträuchern giebt es nicht. Die Angabe Medwedew's 18 ), dass Blüthenbüschel
des Rh. grandifolia F. et Mey. manchmal blattwinkelständig und stiellos
seien, ist meiner Meinung nach falsch. Mit solchen Blüthenbüscheln ver-
sehene Exemplare gehören zu Rh. alpina L. var. colchica Kusnez., nicht
aber zu Rh. grandifolia F. et Mey., dessen Blüthenstand stets doldig ist.
Als falsch hat sich auch die Angabe von Trautvetter, dass die von
13) Vergl. Ledebour 1. c, p. 502.
14) Vergl. Act. Hort. Petrop. VII, p. 430; I, p. 518 und IV, p. 123.
15) Vergl. Boiss. Flora Orientalis II, p. 22.
16) Aus der Abtheilung IV. Frangula (Boiss. 1. c, p. 22.)
17) Aus der Abtbeilung III. Eurhamnus (Boiss. 1. c, p. 19.)
18) MeABfcAeBi, 1. c, p. 48.
Bulletin N. S. H (XXXIV) p. 417.
1 68 N. KUSNBZOW, BEITR. Z. PL. CAUCASICi. I. ZWEI NEUE RHAMNUS-FORMEN. [ï. XIII
Rad de in Borshom im Jahre 1865 gesammelten Exemplare von Rhamnus
zu Rh. grandifolia F. et Mey. var. umbellis sessüibus Trautv. gehören,
erwiesen 19 ). Meinen Untersuchungen nach müssen also diese Exemplare zur
Section in Eurhamnus, nicht aber zur Section IV Frangula, wohin Rh.
grandifolia F. et Mey. gehört, gerechnet werden. Da sie ausserdem der
Gestalt und der Structur sowohl der Samen, als der Blüthenstände nach
denen der Rhamnus alpina L. vollkommen gleichen, in der Form und der
Behaarung der Blätter und in der Zahl ihrer Adern aber alle möglichen
Übergänge 20 ) aufweisen, glaube ich die oben erwähnten Exemplare von
Rhamnus als eine Varietät von Rhamnus alpina L., nämlich var. nova col-
chica, zu unterscheiden.
Rh. alpina L. var. colchica Kusnez. ist also im Kaukasus an folgenden
Stellen bis jetzt gefunden worden:
Borshom [EopjKOMt] (Radde; teste Trautvetter mh Rh. grandifolia F.
et Mey. var. umbellis sessüibus).
Chichamta, 6000 Fuss ü. d. M. (Sredinsky. Vergl. Exempl. im Russ.
Herbar. des Kaiserl. Bot. Gart, in St. Petersburg. Dieses Exemplar trägt
eine Aufschrift von Glehn: var. foliis subtus tomentosis).
Ratscha (Frick. JVs 997. Medwedew unter dem Namen Rh. grandi-
folia F. et Mey. var. brachypus).
Kartalinia, Mingrelia (Kusnezow s. ob.).
Dagegen kommt Rh. grandifolia F. et Mey., welcher sehr nahe zu Rh.
Purschiana DC. steht 31 ), soviel man nach dem Herbarium des Kaiserl. Bot.
Gartens urtheilen kann, im Kaukasus an folgenden Stellen vor:
Talysch, Lenkoran (Hohenacker, Fischer, Meyer).
Samur im Dagestan (Dr. Lagowski: Herb. Trautvetteri).
Iberia (Herb. Fischeri, Hohenacker).
Dagegen ist er nicht im westlichen Transkaukasien, wo er nach Med-
wedew's Angaben 22 ) ebenfalls wachsen soll, anzutreffen.
19) Vergl. Herb. Rossicum im Kaiserl. Russisch. Botan. Garten in St. Petersburg und
Herbar. von Trautvetter. Aucb «Katalog der in den Sommern 1864 und 1865 von G. Radde
gesammelten Kaukasischen Pflanzen, nach den Bestimmungen von Herrn von Trautvetter
(p. 149 in Berichte über die Biologisch-Geographischen Untersuchungen in den Kaukasusländern
I. Th., 1866).
20) Vergl. General.-Herbar. im Kaiserl. Russisch. Botan. Garten in St. Petersburg.
21) Vergl. Regel. Ac. Hort. Petrop. IV, p. 382.
22) MeAB^^ept fc c,, p, 49.
Bulletin K. 8. II (XXXIV) p. 418.
Bulletin de l'Acad Imp. des Se.de St Petersburg.
N Kusnezow zwei neue Rhamniis-Formei
Rhamnus alpina L var. Colchica Kusnez.
1. 2. CrkMfl 2 /i.
3. [1/lOAV l /i.
Bulletin de l'Aead. Imp. des Si' de Si Pétersbnurg.
N Kusnezow zwei neue Rhnmnus-Fiiniieii II
^ll) /^ !>
Rhar
nus grandifolia F. et Mey.
!■ n/io/n,. '/i. 2. 3. CibMH. 'A
4. Co[)Bn>Tie M.
hwwmivti.r B.RliHwa, I 'ffma6fOn,lî«ffmtiêlM .itm /tTl 2.
MANGES BIOLOGIQUES
TIBÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Arbeiten aus dem botanischen Laboratorium der Kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften zu St.-Petersburg. Ns 2. Eine neue Bacterienform:
Nevskia ramosa. Von A. Famintzin. (Aus dem Russischen tiber-
setzt). Mit einer Tafel. (Lu le 10 Septembre 1891).
In den Aquarien meines Laboratoriums hatte sich in den letzten zwei
Jahren öfters eine ganz sonderbare Bacterienform entwickelt, die von allen
übrigen Bactérien sich dadurch auszeichnet, dass sie aus einem gallertartigen
verzweigten Stiele, dessen Endzweige die Bacterienzellen tragen, zusammen-
gesetzt erscheint; ihre theilweise strauchartigen, theilweise schüsseiförmigen
Kolonien von höchst eigenthümlichem Aussehen bildeten an der Wasserober-
fläche mehr oder weniger dichte Rasen. Beim ersten Anblick erinnerten
einige ihrer Formen an die von Metschnikoff 1 ) beschriebene, in der
Körperhöhle von Daphnia pulex und D. magna parasitirende Pasteuria
ramosa (siehe Metschnikoff's Figuren 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und meine Ab-
bildungen 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8). Bei aufmerksamerem Studium erwies sich
aber ihre Ähnlichkeit als eine ganz oberflächliche.
Pasteuria ramosa bildet, nach Metschnikoff kugelförmige Kolonien.
Stark vergrössert erscheint die Kolonie als ein Conglomérat von mehreren
blumenkohlähnlichen Körpern, die den Verzweigungen eines gemeinsamen
Stieles aufsitzen, zusammengesetzt; innerhalb eines jeden dieser Körper
verzweigt sich der Stiel weiter; die letzteren Zweige laufen an ihren Enden
in abgerundete Glieder aus. Letztere wachsen rasch heran, indem sie eine
weintraubenähnliche Form annehmen. Die Kolonie erscheint zu dieser Zeit
schon in mehrere Theile, die aus 4 bis 2 Individuen zusammengesetzt sind,
zerfallen (Metschn. Abbild. 9, 10), worauf bald ihre vollständige Auf-
lösung in einzelne Glieder stattfindet (Metschn. Abbild. 13, 17). An diesen
ovalen Gliedern ist ein stumpfes und ein zugespitztes Ende leicht zu erkennen.
Die Pasteuria-Kolomen werden von Metschnikoff, als durch eine Reihe
aufeinanderfolgender longitudinaler unvollständiger Theilungen zu Stande
gebracht, weshalb die Individuen eine Zeitlang mit ihren Basen aneinander
1) Metschnikoff. Pasteuria ramosa. Ann. d. l'Institut Pasteur. T. 2, p. 165—170 (1888).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 481.
1 70 A. FAMINTZIN, ARBEITEN A. D. BOT. LAB. D. KAISERL. AKAD. D. WISS. ZU [T. XIII
heften bleiben. Nach der vollständigen Isolirung wird innerhalb der Indivi-
duen eine Spore gebildet.
Die von mir untersuchte Bacterienform bildet ebenfalls aus vielen In-
dividuen zusammengesetzte Kolonien (Fig. 1 — 9). In ihr ist gleich der
Pasteuria ramosa ein verzweigter Stiel vorhanden; dagegen sind die Bacte-
rienzellen als stäbchenähnliche Gebilde in den Enden der letzten Verzwei-
gungen des Stieles eingeschlossen; in jedem der Endzweige ist eine Bacte-
rienzelle, parallel der Aussenwand des Zweiges gelegen. Die mittlere Länge
der Zelle beträgt 0,012 mm., im ausgewachsenen Zustande ist sie 2 bis 6
Mal so lang als breit.
Wenn wir nun die Abbildungen und die Beschreibung der Pasteuria
ramosa und der von mir beobachteten Bacterienform vergleichen, so ist
leicht zu ersehen, dass, die Contouren ausgenommen, diese beiden Orga-
nismen ganz verschieden sind: ein jeder Lappen der von Metschnikoff
abgebildeten Kolonien wird von ihm als Zelle gedeutet, während in meinen
Abbildungen nur dessen unansehnlicher Theil der Bacterienzelle entspricht,
alles Übrige aber einen gallertartigen Stiel, in dessen oberem Ende die
Bacterienzelle eingeschlossen ist, darstellt. Eine detailirtere Vergleichung
dieser beiden Organismen wird durch die Unbestimmtheit der von Metsch-
nikoff gegebenen Darstellung über die Struktur und das Verhalten der
Kolonie zu den sie zusammensetzenden Individuen erschwert. Mir wenigstens
ist das Schicksal des axilen Stieles und seiner Hauptzweige während des
Zerfallens der Kolonie in die einzelnen Individuen unklar geblieben. Es ist
nicht gesagt in wie weit der Stiel von den sich ablösenden Gliedern mit-
genommen wird und in welcher Art die Abtrennung der letzteren von der
Kolonie erfolgt.
Nach dieser kurzen Abschweifung will ich zur weiteren Beschreibung
der von mir entdeckten Bacterienform übergehen: Die von der stäbchen-
förmigen Bacterienzelle abgesonderte und sie umgebende Gallerte geht
allmählich an der unteren Seite des Stäbchens in den gallertartigen Stiel
über. Letzterer ist im "Wasser kaum zu unterscheiden; mittelst einer
Methyl-violett-Lösung wird er intensiv gefärbt, und kommt ebenfalls ausser-
ordentlich deutlich an getrockneten Präparaten zum Vorschein. Um ihn in
möglichst unverändertem Zustande zu beobachten ist es nothwendig eine
äusserst schwache Methyl-violett-Lösung zu gebrauchen und, nach dem Er-
langen der erwünschten Färbung, das Präparat in's Wasser zu übertragen.
In einer concentrirten Lösung dieses Farbstoffes schrumpfen die Stiele zu-
sammen und werden vollkommen undurchsichtig. Sonderbarer Weise bleiben
dabei die stäbchenartigen Bacterienzellen ungefärbt; wenigstens schimmert
der farblose Zelleninhalt durch die gefärbte Gallerte ganz deutlich hindurch.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 482.
T. Xm] ST. -PETERSBURG. JV« 2. EINE NEUE BACTERIENFORMI NEVSKIA RAMOSA. 171
Die mittelst Methyl-violett gefärbten Präparate lassen die Mannigfal-
tigkeit der Verzweigungsart der Kolonie äusserst deutlich hervortreten: es
lassen sich sowohl kugelförmige, strauchartige als auch schüsseiförmige
Kolonien in Menge beobachten; bei letzteren wird der Stiel durch eine
Gallertscheibe ersetzt, an deren Rande, auf Stielen verschiedener Länge die
stäbchenförmigen Bacterienzellen befestigt sind (Fig. 9); in demselben Prä-
parate lassen sich auch kleinere aus, 4, 2 oder sogar aus einem Individuum
bestehende Formen ohne Mühe auffinden (Fig. 2, 3, 4, 5, 6, 10, 11). Aus
dem blossen Vergleiche der beigegebenen Abbildungen lässt sich mit
Sicherheit auf den Wachsthumsmodus der Kolonie schliessen: aus den
Zeichnungen ist zu ersehen, dass das Bacteriumstäbchen, nach dem Erlangen
seiner normalen Grösse, durch Quertheilung in zwei neue Zellen zerfällt,
welche ihrerseits eine Quertheilung eingehen und gleichzeitig auch eine
Gabelung des Stieles durch die Neubildung ihrer eigenen Stiele verur-
sachen.
Bis zu einem gewissen Grade ist es möglich an den von der Gallerte
umhüllten stäbchenartigen Zellen ihre Struktur zu studiren; es lassen sich
in ihrem Innern kugelförmige, stark lichtbrechende, den Sporen der Bacté-
rien ähnliche Gebilde unterscheiden. Es ist aber nicht schwer sich davon zu
überzeugen, dass diese Körper mit Bacteriensporen nichts gemein haben;
schon die bedeutenden Schwankungen ihres Durchmessers und die Mannig-
faltigkeit ihrer Umrisse lässt diese Voraussetzung als sehr unwahrscheinlich
erscheinen (Fig. 10, 11, 13, 14 a, 6, b, r, a, e jk, 3). Als entscheidendes
Argument dagegen ist ihre Löslichkeit in Alkohol zu betrachten; es genügt
den Wassertropfen durch 35%- Alkohol zu ersetzen, um diese Körper bis
zur gegenseitigen Berührung anschwellen zu lassen (Fig. 12 a, 6); in
70%- Alkohol tritt rasch ihre fast vollständige Lösung ein; es bleiben nur
wenige punktförmige Partikelchen erhalten, die den Mittelpunkten der auf-
gelösten Körper entsprechen und in Querstreifen in der Bacterienzelle ge-
lagert erscheinen. Ihrer starken Lichtbrechung, als auch der leichten Lös-
lichkeit in Alkohol nach, scheinen diese Gebilde fast ausschliesslich aus
einem ätherischen Öle zu bestehen.
Die stäbchenartigen Zellen lassen sich aus der sie umgebenden Gallerte
befreien; es genügt dazu die mit Alkohol behandelten Präparate in eine
1%-Kalilösung zu bringen; die Gallerte wird rasch gelöst und die nun freien
Zellen werden bei der geringsten Bewegung der sie umgebenden Flüssigkeit
mitgenommen. Die Membran als auch die Form der Bacterienzellen werden
dabei äusserst scharf sichtbar. In einem Gemische von 1%-Kali mit Methyl-
violett werden sowohl die Membran, als auch die zurückgebliebenen, in Alkohol
unlöslichen Reste des Zelleninhaltes intensiv violett gefärbt.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 483.
1 72 A. FAMINTZIN, ARBEITEN A. D. BOT. LAB. D. KAISERL. AKAD. D. WISS. ZU [T. XIII
Diese eigenthüraliche Bacterienform will ich, den obigen Angaben nach,
als neues Genus: NevsMa aufstellen und sie mit dem Namen: Nevskia ramosa
belegen.
Die Bestrebungen Reinkulturen der Nevskia ramosa zu erhalten sind bis
jetzt ohne Erfolg geblieben. Es ist mir nur bei diesen Versuchen gelungen
einen geringen Zuwachs einer Kolonie zu constatiren und ausserdem durch
mehrmaliges Beobachten mich zu überzeugen, dass unter gewissen, bis
jetzt nicht näher zu definirenden, Umständen die stäbchenartigen Bacterien-
zellen der Nevskia ihre gallertartige Hülle verlassen und nun frei im Wasser
zu liegen kommen. Ihr weiteres Schicksal direct zu beobachten ist mir nicht
gelungen; es scheint mir aber wahrscheinlich, dass sie zu gestielten Indivi-
duen heranwachsen, welche späterhin in mehrzellige Kolonien sich umbilden.
Nevskia ramosa bietet, meiner Meinung nach, ein nicht geringes Inter-
esse in der Hinsicht, dass sie als erster Repräsentant, unter den Schizomy-
ceten der mit verzweigtem Stiele versehenen, koloniebildenden Organismen
zu betrachten ist, deren entsprechende Formen in der Classe der Algen, als
der Infusorien schon längst bekannt sind. Als Beispiele letzterer Art mögen
angeführt werden: Urococcus (Polmellaceae), Gamphonema (Diatomaceae),
Epistylis (Infusoria).
Der Nevskia ramosa am nächsten steht der Struktur nach die zu Pol-
mellaceen gehörende Alge:
Urococcus. Nach AI. Braun 's 1 ) Beschreibung: «sondern die grossen,
kugeligen, braunrothen bis blutrothen Zellen dieser Gattung farblose Zell-
hautschichten ab, welche, wie bei Gloeocapsa, durch zwischenliegende
weichere Gallertschichten gesondert zu sein scheinen, wodurch ein deutlich
concentrischer Bau der Hülle entsteht. Die sich umhüllenden Schalen er-
halten sich jedoch bei Urococcus nicht in ihrer ursprünglichen Form und In-
tegrität; selbst nicht weiter an Grösse zunehmend, werden sie von den stets
nachfolgenden inneren Hüllen auf der oberen Seite verdrängt, anfangs bloss
einseitig verdünnt, später, wie es mir wenigstens schien, wirklich durch-
brochen. Indem dieses Hervordringen aus den alten Hüllen sich stets nach
derselben Seite hin wiederholt, entsteht ein häutig-gallertartiger Stiel, aus
ineinandergestellten Schüsselchen gebildet und dadurch von ringförmig ge-
streiftem, scheinbar enggegliedertem Ansehen. Die rothe Zelle, welche die
Spitze dieses Stieles einnimmt, theilt sich zuweilen, und bedingt dadurch
natürlich auch eine nachfolgende Dichotomie des Stieles».
Es scheint mir sehr wahrscheinlich, dass etwas Ähnliches auch beim
Wachsthum des Stieles der Nevskia stattfindet; es ist mir aber nur selten
1) A. Braun. Ueber die Erscheinung der Verjüngung in der Natur, p. 190, 191 (1849 — 50).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 484.
T. XIIl] ST. -PETERSBURG. JVs 2. EINE NEUE BACTERIENFORM: NEVSKIA RAMOSA. 173
gelungen eine schichtenförmige Struktur an den durch Methyl-violett ge-
färbten Exemplaren zu beobachten (Fig. 15); es ist mir dagegen öfters
geglückt eine stärker das Licht brechende, der Zellmembran aussen ange-
schmiegte Schicht zu unterscheiden (Fig. 10, 11, 13).
Ausser Nevskia habe ich auf der Wasseroberfläche noch mehrere ihr
ähnliche Organismen gefunden; unter anderem eine Form die sich von
Nevskia nur durch viel kleinere Dimensionen unterscheidet; in wie weit sie
aber eine selbständige Form, oder nur schwach entwickelte Nevskia-
Kolonien darstellt, muss ich als unentschieden betrachten. Bemerkenswerth
ist die in den Fig. 16, 17 dargestellte Form; die Zellen dieser Bactérie
sitzen längs dem oberen Rande gallertartiger Polster, welche mit breiter
Basis auf dem Wasser schwimmen, dabei aber den oberen sich allmählich bis
zum oberen Rande verschmälernden Theil mit der in die Gallerte einge-
senkten Bacterienzelle ausserhalb des Wassers tragen.
Die Resultate meiner Arbeit können in folgenden Sätzen formulirt
werden :
1) Die von mir entdeckte Bacterienform ist aus einem verzweigten Stiele
und den längs dem äusseren Rande eines jeden Zweiges eingeschlossenen
stäbchenähnlichen Bacterienzellen (in jedem Endzweige zu einer Zelle) zu-
sammengesetzt und bietet ein so eigenthümliches Aussehen dar, dass ich es
für nöthig halte für sie einen neuen Gattungsnamen zu schaffen; ich habe
sie, ihrem ersten Fundorte nach, als Gattung Nevskia und wegen ihres
ästigen Stieles als N. ramosa bezeichnet.
2) Die Entwicklung der Nevskia-Kolowie kommt folgendermaassen zu
Stande: die stäbchenartigen Bacterienzellen verlassen unter gewissen, von
mir nicht näher bestimmten Umständen, die sie umgebende Gallerte und
werden frei liegend im Wasser angetroffen. Die frei liegende Zelle fährt
dabei fort Gallerte auszuscheiden; durch einseitiges stärkeres Anwachsen
derselben wird der gallertartige Stiel gebildet. In dem Maasse, wie die Bac-
terienzelle an Länge zunimmt, nimmt der sie tragende Stiel an Breite und
Dicke in der Nähe der Zelle am stärksten zu. Nach dem Anwachsen bis zur
normalen Grösse geht die Bacterienzelle eine Quertheilung ein; jede der
zwei neu entstandenen Zellen bildet, im Laufe ihrer weiteren Entwickelung
einen eigenen Stiel, der dem alten aufsitzt und auf diese Weise wird die aus
zwei Individuen zusammengesetzte Kolonie mit einem gabelförmigen Stiele
versehen. Es fällt nicht schwer das Weiterwachsen der Kolonie und deren
Heranbildung zu einer aus einem verzweigten Stiele und vielen Bacterien-
zellen zusammengesetzten Kolonie durch fortgesetzte Bacterienzellen- Quer-
theilungen und wiederholte gabelförmige Verzweigungen des Stieles sich
vorzustellen. Die Zweige des Stieles erscheinen nach verschiedenen Rich-
BaUetin N. S. II (XXXIV) p. 485. 13
174 A. FAMINTZIN, ARBEITEN AUS DEM BOT. LABORATORIUM ETC. [T. XIII
tungen, öfters von einem Punkte aus radienartig ausstrahlend, wodurch die
Kolonie einen kugelförmigen Umriss bekommt; ausser kugelförmigen habe
ich strauchartige, schüsseiförmige und vielerlei anders gestaltete Kolonien
der Nevshia, auf deren nähere Beschreibung ich hier verzichte, beobachtet.
3) In der Bacterienzelle lässt sich, nach der Entfernung der sie umge-
benden Gallerte, die Membran vollkommen scharf unterscheiden; im Innern
der Bacterienzelle wird ein ätherisches Öl (oder deren Gemenge) reichlich
in Tropfen ausgeschieden.
Erklärung der Abbildungen.
NevsJcia ramosa.
1) Ein Stück der Kolonie; es sind mehrere Äste des Stieles mit den in ihren Enden ent-
haltenen Bacterienzellen abgebildet.
2) Eine aus zwei Individuen bestehende Kolonie; die in der Gallerte enthaltenen Zellen
sind fast kugelförmig.
3) Ein in der Quertheilung begriffenes, dem Stiele aufsitzendes Individuum.
4) Eine aus zwei Individuen zusammengesetzte Kolonie; die neu entstandenen Zellen sitzen
noch dem Stiele der alten Zelle auf.
5) Eine aus zwei erwachsenen Individuen bestehende Kolonie; das eine von ibnen ist eben
eine Theilung eingegangen.
6) Eine aus vier Individuen zusammengesetzte Kolonie.
7 u. 8) Strauchartige, aus vielen Individuen zusammengesetzte Kolonien; es sind nur Theile
von ihnen abgebildet.
9) Eine ganze schüsseiförmige Kolonie; längs demKande ihrer gallertartigen Platte strahlen
die Zweige mit den in ihnen enthaltenen Bactérien radienartig nach allen Seiten hervor.
10 u. 11) Die aus einem einzigen Individuum bestehende Kolonie ist in schräger Lage ab-
gebildet; man sieht ihre obere Fläche und eine der Seitenflächen, letztere verkürzt; der Zellen-
membran ist aussen eine Schicht der stärker das Licht brechenden Gallerte eng angeschmiegt.
12) Eine Bacterienzelle; die sie umgebende Gallerte ist weggelassen, a man sieht die in
der Zelle enthaltenen Kugeln eines ätherischen Öles; 6 letztere in 35%- Alkohol aufge-
quollen; o nach der Lösung des grössten Theiles ihrer Masse in 70%- Alkohol; i die in 70%-
Alkohol unlöslichen Beste des Zelleninhaltes.
14) Eine Bacterienzelle mit der sie umgebenden Gallerte von oben; es sind sowohl die aus
einem ätherischen Öle bestehenden Gebilde der der Zellenmembran von aussen anliegenden
Schicht der stark lichtbrechenden Gallerte, als auch der Umriss des Stieles abgebildet.
14) a, 6, e, i, d, e, oic, .? Bacterienzellen mit den in ihnen enthaltenen Ablagerungen des
ätherischen Öles.
15) Eine sonderbare Form der Nevshia von oben; rings um zwei Bacterienzellen, deren
eine kugelförmig, ist die schichtenweise reichlich abgelagerte Gallerte äusserst deutlich zu
sehen, was nur selten vorzukommen scheint.
16 u. 17) Von der Nevslcia verschiedene, von mir mehrere Male beobachtete Bactérien;
ihr gallertartiger Stiel sitzt mit breiter Basis der Wasseroberfläche auf; nach oben sich all-
mählich verschmälernd, ragt der gallertartige Stiel in die Luft empor; längs seinem oberen
Bande ist die in ihm enthaltene Bacterienzelle gelagert. Öfters kommt ein Zerspalten des
gallertartigen Fusses in mehrere Theile vor.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 4S6.
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MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XITT.
Neue asiatische Gentianen. Von N. Kusnezow. (Lu le 28 Août 1891.)
(Mit einer Tafel).
Bei der monographischen Bearbeitung der Gattung Gentiana, welche
ich jetzt unternommen habe, fand ich in dem grossen asiatischen Herba-
rium, mit dem sich Akademiker Maximovicz beschäftigte, eine Reihe
neuer Gentianen, deren grösserer Theil schon vom Verstorbenen analysirt,
gezeichnet und als neu erkannt, aber nicht beschrieben worden war; einige
aber waren von ihm noch garnicht bestimmt worden. Die von Maximo-
vicz bestimmten Arten sind im Folgenden durch Maxim., die übrigen, von
mir bestimmten mit n. sp. bezeichnet.
1. Gentiana Maximoviczin. sp. (Chondrophylla, annua) [Fig. 1 — 4].
Caule basi laxe ramoso, glabro, ramis unifloris, foliis oblongo-lanceolatis,
mucronulatis, margine laevibus, imis maximis, calycis 5-fidi lobis ovato-lan-
ceolatis, erectis, corollae tubo parum ampliato brevioribus, corollae clausae
tubo lobos ovatos obtusos subduplo superante, plicis integris, acutis triangu-
laribus, apice bifidis lobis paulo brevioribus, capsula obovato-subglobosa,
basi attenuata, apice rotundata, testa appressa reticulata exalata. Q. v. s.
China borealis: in prov. Kansu occidentali 24 Apr. 1885, in palude
vallis fl. Sining supra Ssiao-ssia. (G. N. Potanin).
G. liumili Stev. haud dissimilis, sed corollae majoris lobis ovatis obtusis,
plicis acutis triangularibus, apice bifidis differt. Planta 20 — 30 mill, longa;
corolla 11 — 13 mill, longa, calyx 6 — 7 mill, longus.
2. Gentiana leucomelaena Maxim. (Chondrophylla, annua) [Fig.
5 — 10]. Caule basi laxe ramoso, glabro, ramis unifloris, foliis oblongo-
lanceolatis muticis, margine laevibus, rosula radicali subnulla, pedunculo
exserto, calycis 5-fidi lobis ovato-lanceolatis erectis corollae tubo brevio-
ribus, corollae apertae albae cum fascia lata intense caerulea tubo lobos
deltoideos subacutos v. obtusiusculos subduplo superante, plicis laciniato-
dentatis, lobis paulo brevioribus, capsula obovato-subglobosa, basi attenuata,
apice rotundata, testa appressa reticulata exalata. O. v. s.
Mongolia occidentalis; alpes Nan-shan 8 — 8500', 28 Juni 1879 (Prze-
walski); Keria 11 — 12500', 24 Juli 1885 (Przewalski). Tibet borealis,
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 505. 13*
176 N. KUSNEZOW, [T. XIII
ad fl. Diao-Tschii 29 Juni 1884 (Przewalski); Tibet, Ladak (Schlagint-
weit 1856, sub nom. G. prostratae Haenk.), N.-W.-Paddum. 12000'.
(Stoliczka, 1865, sub nom. G. humilis Stev.), Kuen-Lun, Tibet boreal. -
occid. 11 — 12000' (Roborowski, 1890). China borealis: prov. Kansu
occidentalis (Potanin, 1885). China occidentalis; regio Tangut (prov.
Kansu); montes Mudshik, regio alpina 11500'. 15 Juni 1880 (Prze-
walski).
G. Jiumili Stev. et G. Maximoviczi mihi proxima, sed differt corolla
aperta alba cum fascia lata intense caerulea atque plicis laciniato-dentatis.
3. Gentiana purpurata Maxim. (Chondrophylla ; annua?) [Fig. 15-1 9].
Glaberrima, flaccida, caulibus pluribus decumbentibus radicantibus floriferis
inter rosulam erectis simplicibus v. superne parce ramosis, ramis unifloris,
foliis rosulatis ovatis v. obovatis inferne attenuatis caulinis longioribus
oblongo-lanceolatis acutis, margins ciliato scabris, floribus brevi-pedunculatis,
calyce corolla triplo breviore, apice truncato, dentibus lineari-subulatis tubo
obconico aequilongis vel illo paulo longioribus, corolla circiter45— 57 millim.
longa, fimbriis destituta, praesertim apice rubella et purpureo-lineolata e
basi cylindrica lobis ovatis acutis, plicis lobis subduplo brevioribus, ovatis
latis apice suberosis, capsula longe stipitata. v. s.
China borealis; prov. Szetschuan septentrionalis 13 August 1885 (Po-
tanin); prov. Szetschuan S. Wushan (Dr. Aug. Henry 1889, sub nom.
G. rubicundae Franchet. JVi: 7271).
Cum G. rubicunda Franchet 1 ) [Fig. 28— 30] collocanda, sed omnibus in
partibus duplo vel triplo major atque floribus brevi pedunculatis, lobis corollae
acutis, foliis imis rosulatis, caulinis longioribus oblongo-lanceolatis acutis
diversissima.
4. Gentiana siphonantha Maxim. (Pneumonanthe, Subsect. 2.Grise-
bach in DC. Prodromus IX, p. 110) [Fig. 11—14]. Collo filamentoso-
comoso, caule erecto, foliis imis aggregatis, lineari-lanceolatis, acutiusculis
3 — 5 nervis subcoriaceis margine scabriusculis, caule vix brevioribus,
floribus sessilibus in capitulum terminale pluriflorum solitarium congestis
v. glomerato-racemosis, glomerulis lateralibus paucifloris pedunculatis oppo-
sitis, calycis integri v. dimidiato-spathacei inaequaliter 5-lobi lobis subulatis
tubo calycis multo brevioribus v. subnullis, corollae tubuloso-infundibulifor-
mis siphonanthae calycem 4 — 5 superantis purpureo-cyaneae lobis ovato-
oblongis subacntis, plicis lanceolatis v. lanceolato- subulatis integris longio-
ribus quam latis, capsula sensim in stylum attenuata. <%. v. s.
1) Franchet. Description de quelques espèces de Gentiana du Yun-Nan. (Bull. d. 1. Soc.
botan. d. France, Tome XXXI, p. 373).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 506.
T. XIII ] NEUE ASIATISCHE GENTIANEN. 177
Mongolia occidentalis; alpes Nan-shan, regio alpina 11 — 12000', 4 Juli
1879 (Przewalski). Tibet borealis; valus fl. Assak-nov-gib. 30 Juli 1884
(Przewalski). China occidentalis: regio Tangut (prov. Kansu). Jugum
inter Nan-shan et Don-Kym ad fl. Eaco 10 — 11000'; in pratis alpinis fre-
quens et in fruticis. 9 Juli 1880 (Przewalski). Kansu; regio alpina jugi Sa
fl. Tetung, in montibus et rupibus frequens. 17 Juli 1872 (Przewalski).
Kansu, mont. Tetung. Regio alpina jugi Tsherik. 8 Aug. 1890 (Grum-
Grshimailo).
G. Olgae Regl. et Schmalh. 2 ) affinis, sed floribus caeruleis, calycis in-
tegri v. subintegri lobis subnullis, corolla siphonantha calycem 4 — 5 supe-
rante ab ilia diversa.
5. Gentiana Regeli n. sp. (Pneumonanthe, Subsect. 2. Grisebach in
DC. Prodromus IX, p. 110) [Fig. 20 — 23], Rhizomatis collo filamentoso-
comoso, caule adscendente v. erecto, foliis lineari-lanceolatis margine scabris,
imis fasciculatis, cyma racemiformi, calycis dimidiato-spathacei inaequaliter
5-lobi lobis linearibus, margine scabriusculis, parte spathacea brevioribus;
corollae tubuloso-subinfundibuliformis caeruleae lobis ovato - oblongis sub-
acutis plicas triangulares bifidas duplo excedentibus, antheris liberis, cap-
sula elliptico-lanceolata utrinque attenuata, testa appressa reticulata exalata.
% v. v. et s.
Turkestan, Kusemtshik 7—9000'; mont. Kakkamyr 7 — 9000'; Talk,
Karakol, Sairam, Alatau 7 — 8000', Kuldsha, Tshubaty 8—9000', Boro-
tala, Urtak-sary, Dshanku 6000' (A. Regel, 1878). Sairam, Urtan-sary,
Kuldsha, ad fl. Kegen (Fetissow, 1877). Karakorum (Clarke, 1876).
Kaskelen, Koketan, Wernoie (Kuschakewicz) (Herb. Turkestan. Horti
Petropolitani ; teste E. Regel sub nom. G. decumbentis L.).
Affinis G. Olgae Rgl. et Schmalh. (1. c.) et G. Renardi Rgl. 3 ).
6. Gentiana glomerata n. sp. (= G. Olivieri Gr. a.glomerata Rgl. 4 ).
Pneumonanthe, Subsect. 2. Grisebach in DC. Prodromus IX, p. 110) [Fig.
24 — 27]. Caule adscendente, foliis lineari-lanceolatis margine scabriusculis,
imis fasciculatis, floribus saepissime numerosis, subsessilibus v. sessilibus, dense
cymoso-subcapitatis v. in racemum glomerato-interruptum dispositis ; calycis
5-fidi integri lobis subulatis tubo brevioribus v. subaequalibus. Corollae tubu-
loso-subinfundibuliformis caeruleae lobis ovato -oblongis, subacutis, plicas
2) ItyremecTBie bt> TypicecTaH/B A. n. <3?e,n,HeHKo (H3B. Hmii. 06m,. Jüo6ht. EcrecTB.,
AHTpono.T. n 9THorp. t. XXXIV, b. 2. C.-IIeTepoyprt. 1882. CTp. 55.).
3j Decas plantarum novarum auctoribus E. K. a Trautvetter, E. L. Regel, C. J. Maxi-
movicz, K. J. Winkler. Petropoli. 1882. p. 7.
4) Gartenflora 1882. taf. 1069. Acta Horti. Petrop. VI. f. II, p. 333,
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 507.
178 N. KUSNEZOW, NEUE ASIATISCHE GENTIANEN. [t. XIII
triangulares bifidas duplo excedentibus, antheris liberis, capsula elliptico-
lanceolata utrinque attenuata. % v. v. et s.
Turkestan in m. Dshirgalan 5 — 6000', Dshagastai 5 — 7000', Kuldsha,
Karakol, Issik-knl, Tekes, Dshanku, Tsitsirkan - Toka ad fl. Kash 5000'
(A. Regel); in valle Narikol 5600', Maralty, ad fauc. Musart 6000'
(Fetissow). Tibet, Hasora. Tashing 24 Sept. 1856 (Schlagintweit sub
nom. G. Olimen Gr. = G. dshungaricae Fisch.). Kashmir. (Dr. Giles sub
nom. G. decumbentis L.) Kuen-Lun. Tach-ta-chon 21 Juli 1889 (Robo-
rowsky).
G. Begeli mihi atque G. Renardi Rgl. (1. c.) affinis.
7. Gentiana Kurroo Royle var. brevidens Maxim. Caulibus caespi-
tosis, plerumque multifloris, foliis imis aggregatis lanceolatis obtusis, superio-
ribus linearibus, calycis 5-fidi lobis brevibus inaequalibus subulatis, corollae
calycem triplo superantis, azureae, campanulatae, lobis ovatis acutis, plicis
integris acutis prominentibus, antheris liberis. Qi v. v. et s.
China: Kansu (Przewalski, Potanin). Mongolia: Ordos (Potanin),
Alaschan (Przewalski).
ojeîo
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 508.
ligues.
Musnezow. Jleiie asiatick Gentian
en.
u.
20.
12.
r
im i
24.
l-4.Lr.MaXllIlDWiüZi n.sp.: l.corolfa. 2-3. ovarium. 4.calyx. 6-10. G.IeUC0ïïieIaeHa Mayiïïl. 5.fIos. S.caLyx. 7-7 semm . B-9.ovariumlO.cor.Ka. ll-14.(l_
g ipli OTiailtha MaXim ILfW 12.coroira.13. ovarium. 14.14. caEyjc. 15-19. G.prpiIFea. Ma)?im. 15.co-roIfa.16. cafyx.lZffos. 18. ovanum.l3se=
■men. 20-23. G.Refjeit a.sp. 20.corof(a. 21,ovariuin. 22.fIos. 1i.cs.Lyx. 24-27. G.ÇjIoïïier a ta .n.sp 24. cor olCa. 25.oa p suf a. 26-27 c afy.x.
2 8-30 CnibicunJa. Fran che t. 28. co-roiu. 2 9.ca psu ra..3û.fLos.
jimt. f\ AB KicTSJiJiM, c.n.B.
MANGES BIOLOGIQUES
TIRES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Revisio Hymenopterorum Musei Zoologici Academiae Caesareae Scientiarum
Petropolitanae. I. Genus Cleptes Latr. Auetore Andrea a Semenow.
(Lu le 9 Octobre 1891).
Materialia hymenopterologica, quae in Museo Zoologico Academiae
Caesareae Scientiarum Petropolitanae inveniuntur, quamvis adhuc longe
incompleta sint, nihilo minus, praeter species nonnullas non descriptas vel
parum cognitas, data quaedam nova ad faunam Imperii vastissimi Rossici,
hucusque nimis ignotam, sensim sensimque melius cognoscendam praebere
mihi videntur.
Quam ob rem editionem singulorum conspectuum specierum, ad ea vel
genera vel familias, quae in collectionibus Musei nostri plenius exhibita
sunt, pertinentium, haud supervacuam esse censeo.
Ad species generis Cleptes Latr. deter minandas praesertim «Mono-
graphiam Chrysididarum orbis terrarum universi» (editio separata Academiae
Scientiarum Hungaricae. Budapestini. 1889) cl. A. Mocsarii et ejusdem
«Additamentum primum ad monographiam Chrysididarum orbis terrarum
universi» (Termész. Füzetek, Vol. XIII. 1890, pp. 45 — 66) consultavi.
Species ad faunam Imperii Rossici pertinentes asterisco (*), loca, quae
in limitibus patriae nostrae inveniuntur, Utteris obliquis notata sunt.
G. Cleptes Latr.
(Mocsâry. Monogr., p. 35).
l*. Cleptes nitidulus F.
(Mocsâry. Monogr., p. 42).
Petropolis (S. Solsky. 1869). — Districtus Jaroslawensis provinciae
ejusdem nominis (A. Jakowlew. 29. VI. 1891; in Salice capred). —
Districtus Dankowensis provinciae Rjasanensis (A. Semenow. 8. VI. 1890;
in floribus Umbettiferarum). — Prov. Saratowensis: Sarepta (A. Becker.
1874).— Silesia: Carolath (Dr. 0. Staudinger. 1873;collegit A. v. Müller
6. VII. 1869).
5 specimina (4 c?, 1 $).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 497.
180 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMEKOPTERORUM MUSEI ZOOLOGICI [t. XIII
2*. Cleptes semicyaneus Tourn.
(Mocsâry. Monogr., p. 51).
Provinciae Jaroslaivensis districtus ejnsclem nominis (A. Jakowlew).
— Prov. Twerensis: prope urbem Rzlmv (V. Bianchi. 13. VI. 1891). —
Prov. Saratowensis: Sarepta (A. Becker).
3 specimina (3 S).
In speciminibus his omnibus femora omnia cyaneo-viridia, in individuis
autem duobus (jaroslawensi et twerensi) tibiae intermediae et posteriores
fortiter infuscatae nitoreque distincto aeneo-viridi ornatae sunt.
Animadversio. Mares harum specierum affinium (i. e. Cl. nitiduli F.
et Cl. semicyanei Tourn.) ita distinguendi sunt:
Pronoto sat crebre punctulato, basi saepius levissime transversim
subsulcato (= rudimentum seriei punctorum basalis). Abdominis segmento
dorsali l°sat sparsim-, 2° sat dense subtiliter punctulatis, 3° rufo-testaceo,
ad marginem tantum apicalem plus minusve piceo.
Cl. nitidulus F.
Pronoto sparsim punctulato y rudimento seriei punctorum basalis omnino
nullo. Abdominis segmento 1° laevi et polito, 2° punctis aliquot subtilibus
et valde dispersis notato, 3" vel maxima parte vel dimidio posteriore vel
tantum margine apicali cyaneis aut viridi-cyaneis.
Cl. semicyaneus Tourn.
3*. Cleptes semianratus L.
(Mocsâry. Monogr., p. 47).
Tauria merid.: mons Tschatyrdagk (23. IV.). — Littora maris Caspii:
Mangyschlak (A. Becker. 1872). — Specimen tertium sine indicatione
incolatus (Herrich-Schaeffer).
3 specimina (3 $).
4. Cleptes flam mi fer, sp. n.
$. Mediocris, validiusculus, capitis fronte et vertice, pronoto, mesonoto
scutelloque laete igneo- seu purpureo-auratis, splendidis, facie aeneo-
viridi, obsolete subaureo-marginata, genis temporumque parte inferiore
viridi-auratis, illis ad basin mandibularum macula indeterminata cupres-
centi- seu rubescenti-aurata notatis, mandibulis testaceis, basi leviter
viridi-aenescentibus; collo pleurisque plus minusve cyaneo-viridibus, vage
Bulletin N. S, II (2ÇXXIT) p. 498,
T. XIIl] ACADEMIAB CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. I. GENUS CLEPTES LATK. i81
subauratis; postscutello viridi-aurato, metanoto cyaneo; abdominis segmentis
2 primis tertiique dimidio basali nec non margine angusto apicali rufo-
testaceis, parte reliqua picea; antennarum scapo nec non femoribus omnibus
(geniculis subtestaceis exceptis) coxisque plus minusve viridi-cyaneis, anten-
narum flagellopiceo-nigro, tibiistarsisque omnibus ettotis testaceis; tegulis
viridi-aenescentibus, extrorsum picescentibus. Antennis longiusculis, apicem
versus distincte compressis, flagelli articulo 2° elongato, subcylindrico, tertio
fere duplo longiore, ultimo apice sat fortiter acuminato. Capite pilis rigidis
dispersisque nigris vestito, facie plana, sat fortiter crebreque punctata,
interstitiis pnnctorum vix rugiformibus, sulculo longitudinal! integro et
distinctissimo, inde ab ocello anteriore usque acl apicem clypei producto;
vertice convexiusculo multo subtilius punctato, ocellis 2 posterioribus
sulculo transverso sat profundo invicem conjunctis; genis sat longis,
flagelli articulo 1° paulo longioribus; oculis subtiliter griseo-pubescentibus.
Pronoto sat elongato, longitudinem mesonoti distincte superante, série
punctorum transversa basali distincta instructo, disco convexo sat
fortiter nec sparsim (anterius paulo crebrius) punctato parceque nigro-piloso,
longitudinaliter inde a basi usque ad suturam anticam (collarem) latam
fortiterque impressam distinctissime suie a to. Mesonoto scutelloque subtilius
parciusque punctulatis, nitidioribus; postscutello sat crebre punctato;
mesopleuris punctato-rugulatis. Metanoto irregulariter reticulato, carinis
longitudinalibus parum deterrainatis; angulis postico-lateralibus leviter
extrorsum clirectis, prominulis, sed summo apice parum acuminatis. Abdo-
mine sat breviter ovato, segmento dorsali 1° in medio nec crebre nec disperse
subtiliter punctulato, interstitiis punctorum laevibus modice latis; segmentis
clorsalibus reliquis crebre et fortius punctulatis ideoque minus nitidis. Alis
sat brevibus, fere aequabiliter sordidis, anticis cellula radiali apice distincte
aperta.
Long. 6 mm.
Specimen unicum (1 ?) sine ulla indicatione loci incolendi, a cl.
Herrich -Schaeffer olim acceptum, verisimiliter ex Europa meridionali.
Haec forma, quae Cl. semiaurato L. $ primo intuitu haud dissimilis est,
nonnullis tarnen characteribus, imprimis pronoto multo longiore longitudi-
naliter distincte sulcato, abdominis forma, alis haud fasciatis, colore nonnul-
larum partium corporis (praecipue antennarum) etc. ab illo longe divergens,
Clepti Âbeillei Buyss. (Revue d'Entom. VI. 1887, p. 6. — Ibidem. VIL
1888, p. 13. — Mocsâry. Monogr. Chrysidid. 1889, p. 59) proxime
affinis esse videtur nec sine dubio ad gradum speciei distinctae a me evecta
est. Secundum descriptiones auctorum citatorum Cl. flammifer m. a Cl.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 493.
182 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MÜSEI ZOOLOGICI [T. XIII
Abeillei Buyss. praesertim facie in $ aeneo-viridi (nee nigra), ocellis 2
posterioribus sulculo transverso conjunctis, pronoto abdominisque segmento
dorsali primo crebrius punctatis coloreque tibiarum distinguendus est. —
Facillime tarnen fieri potest, ut species, hic descripta, -cum Cl. Abeillei
Buyss. conjungenda sit.
5*. Cleptes fallax Mo es. x )
(Mocsâry. Monogr., p. 49).
Germania: Kreuznach (Dr. F. Morawitz).
1 specimen (1 $).
6*. Cleptes obsoletus, sp. n.
$. Minor, capite thoraceque supra sparsira nigro-, subtus corpore toto
grisescenti-pilosis; capite obscure aeneo, temporibus maculisque duabus
frontis plus minusve purpurascentibus, pronoto viridi-aeneo, subaurato
(praesertim basi), mesonoto purpureo- aeneo, scutello et praesertim postscu-
tello subeupreo-auratis, hoc leviter etiam purpurascenti, metanoto saturate
cyaneo, haud opaco; abdominis tantum segmento basali fere toto seeundoque
basi et praesertim ad latera plus minusve testaeeis, femoribus in medio,
antennarum scapo superne flagelloque apicem versus sat fortiter infuscatis;
tegulis pieeis vix aenescentibus. An tennis crassiusculis, flagelli articulo
2° modice elongato nee cylindrico tertio sesqui longiore. Capite sat sparsim
subtiliter irregulariterque punetato, secundum marginem occipitalem tenuiter
sulcato-impresso, facie parum planata, genis distinetis. Pronoto elongato,
longitudinem mesonoti multo superante, convexo, nitido, punetis subtilibus
paucis valdeque dispersis (anterius crebrioribus et paulo fortioribus) notato,
série punetorum transverva basali omnino nulla, sutura anteriore (quae
partem collarem terminât) in medio obsoleta. Mesonoto, scutello et postscu-
tello punetis perpaucis valde remotis subtilibusque instruetis, nitidis;
mesonoto brevi, raesopleuris sat crebre rugoso-punetulatis. Metanoto irregu-
lariter nee fortiter rugoso-subreticulato, carinulis subtilibus longitudinalibus
aliquot distinetis; angulis postico-lateralibus brevibus nee extrorsum promi-
nulis. Abdomine oblongo-ovato, segmento dorsali primo valde nitido,
laevi ac polito, punetis tantum aliquot microscopicis in medio notato,
reliquis crebre subtiliter punetulatis, 3° et praesertim 2° ad marginem poste-
1) Secundum Mocsäry (Monogr. Chrysidid. 1889, p. 49) variëtas hujus speciei oecurrit etiam
iu Rossia, apud Sareptam provinciae Saratowensis.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 500.
T. XIÏl] ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. I. GENUS CLEPTES LATK. 183
riorem plus minusve laevigatis. Alis brevibus, dimidium abdominis vix
superantibus, sirapliciter sordidis, nervis fuscis, anticis cellula radiali apice
leviter incompleta.
Long. 4% mm.
Prov. Saratowensis: Sarepta (A. Becker. 1867).
1 specimen (1 $).
Haec species abdominis segraento dorsali 1° laevi et polito, pronoto
série punctorum basali omnino destituto aliisque notis CI. consimili Buyss.
$ (= Gl. Chyzeri Mocs. Monogr. Chrysidid. 1889, p. 50. — Mocsâry.
Termész. Füzetek. XIII. 1890, p. 47) affinis esse videtur, a quo tarnen
praesertim magnitudine minore, thorace disperse parumque punctato, meta-
noto cyaneo, haud nigro nee opaco, colore abdominis obscuriore, colore
autem antennarum pedumque dilutiore facile dignoscenda est.
7*. Cleptes ipitus F.
(Mocsâry. Monogr., p. 52).
Prov. Kiewensis: Umanj (Dr. F. Morawitz). — Prov. Saratowensis:
Sarepta (A. Becker. 1866, 1868, 1872).
5 specimina (2 c?, 3 $).
8. Cleptes Buyssonis, sp. n.
S. Submediocris, postice attenuatus, capite, pro- et mesothorace, anten-
narum scapo et flagelli articulo primo pedibusque (tarsis piceo-rufescentibus
exceptis) cyaneo-viridibus, his coloribus plus minusve variegatis, tegulis,
metathorace, scutello et postscutello violacescenti-cyaneis, abdomine toto
supra et subtus igneo- seu purpureo-aurato; corpore toto (cum abdomine)
supra dense, infra paulo minus piloso, pilis omnibus rigidis et sat brevibus.
obscuris et plus minusve (praesertim in inferiore parte corporis) grisescen-
tibus. Antennis crassiusculis, nullo modo compressis, apicem versus modice
attenuatis, flagelli articulo 2° cylindrico tertio sesqui longiore. Capite
crebre subrugoso-punctato, facie parum deplanata, sulculo longitudinali
medio nullo, clypeo brevi, in medio leviter subtruncato, genis flagelli arti-
culo 1° vix longioribus. Pronoto longitudinem mesonoti parum superante,
leviter convexo, modice crebre punctato, interstitiis punctorum distinctis
laevibusque, ad marginem basalem leviter transversim impresso, sed série
punctorum transversa basali nulla, parte anteriore (collari) crebrius rugoso-
punctata suturaque omnino distincta postice terminata. Mesonoto remotius
subtiliusque punctato, lobis lateralibus obsolete longitudinaliter sulcatis;
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 501.
184 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MUSEI ZOOLOGICI [t. Xffl
mesopleuris modice crebre subrugoso-punctatis. Scutello punctis tantum
aliquot dispersis subtilibusque notato. Metanoto in medio leviter prominulo,
irregulariter fere reticulatim rugato, carinulis longitudinalibus (externis
obliquis) 4 plus minusve indicatis; angulis postico-lateralibus brevibus,
haud productis, rectis. Abdomine thorace fere angustiore et multo breviore,
gracili, elongato-ovato, posterius sensim distincte attenuato et leviter subacu-
minato, segmento 1° subremote irregulariterque-, 2°, 3° quartique parte
basali sat crebre fortiusque (fere ut in Cl. ingnito F. S) punctatis, 5° (ultimo)
parvo et angustulo, omnino impunctato, apice carinula seu plica
transversa terminato. Alis basi hyalinis, apicem versus leviter aequabi-
literque sordidis, haud fumosis; anticis cellula radial i subcompleta.
Long. 5% mm.
Montenegro (Erb er).
1 specimen (le?).
Ad divisionem III. 3 cl. Mocsârii (Monogr. Chrysidid. 1889, p. 55)
referendus; differt a Gleptibus: aurato Dhlb., orientali Dhlb. et Saussurei
Mocs. imprimis pronoto série punctorum basali destituto, a Cl. Saussurei
Mocs. (qui, secundum auctorem, pronoti série punctorum basali non satis
distincta gaudet) praeterea — capite, pro- et mesonoto haud auratis. Species
nostra nova Clepti Putoni Buyss., imperfecte ab auctore descripto (Revue
d'Entom. V. 1886, p. 151.— Ibidem VIL 1888, p. 13. — Mocsâry.
Monogr. Chrysidid. 1889, p. 56, ubi repetitur descriptio Dom. Buyssonis),
proxime affinis et ab hoc solum corpore minus punctato, alis haud infumatis
char acterib usque adhuc subtilioribus distinguenda esse videtur; quam ob rem
speciem hanc novam haud sine dubio instituo clarissimoque entomologo
gallico Comiti Roberto du Buysson dedico.
9*. Cleptes Morawitzi Radoszk.
(Mocsâry. Monogr., p. 60).
Turkestan: Taschkent (Dr. F. Morawitz; legit cl. A. Fedtschenko).
1 specimen typicum (1 $).
io. Cleptes Mocsarii, sp. n.
?. Minor, pilis rigidis nigris (in inferiore parte corporis plus minusve
grisescentibus) dense vestitus, capite aeneo-nigro, parum nitido, varus
locis (praesertim autem prope oculos et in vertice pone stemraata) violaceo-
aeneo, pro- et mesonoto (cum pro- et mesopleuris), scutello et postscutello
Bulletin N. S. H (XXXIV) p. 502.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAREA.E SCIENT. PETROPOLIT. I. GENÜS CLEPTES LATR. 185
viridi- et cupreo-auratis, modice nitidis, pronoti disco etiam plus minusve
purpurascenti, nietathorace nigro, haud opaco, vage vix aeneo-micante,
abdomine toto piceo, segmento tantum 1° basi (praesertim subtus) leviter
rufescenti, femoribus piceis, tibiis praesertim in triente apicali tarsisque
totis plus minusve rufescentibus, antennis totis fusco-piceis, harum scapo
absque nitore metallico; tegulis rufo-piceis. Antennis crassiusculis nec com-
pressis, flagelli articulo 2° haud cylindrico primo sesqui-, tertio duplo
longiore, articulo ultimo apice obtuse subrotundato. Capite sat crebre nec
fortiter punctato; vertice, fronte facieque convexiusculis, bac indea stemmate
anteriore usque ad clypei apicem profunde longitudinaliter sulcata; genis
leviter elongatis, flagelli articulo 1° aequilongis. Pronoto modice elongato,
parum convexo, haud crebre simpliciterque punctato, basi secundum mar-
ginem posticum distincte transversim impresso serieque obsoletissima
punctorum fere indistinctorum praedito. Mesonoto disperse subtiliusque
punctato; mesopleuris irregulariter, haud fortiter nec crebre rugoso-puncta-
tis. Metanoto leviter deplanato, sat tenuiter subreticulato-rugato, carinulis
longitudinalibus (plus minusve obliquis) tantum extrorsum leviter indicatis;
angulis postico-lateralibus nullo modo productis nec prominulis, rectis.
Abdomine mediocriter elongato, oblongo-ovali, segmento dorsali 1° impunc-
tato sed modice nitido, ceteris haud crebre, subtilissime et nonnihil inae-
qualiter punctulatis, ad marginem posteriorem plus minusve laevigatis.
Alis trientem posteriorem abdominis longitudine superantibus, usque ad
basin leviter sordidis, nervis fuscis; alis anticis cellula radiali incompleta,
nervo radiali ante apicem sensim obliterate, quamvis distincte.
Long. 5 mm.
Hungaria (Erb er).
1 specimen (1 $).
Colore abdominis aliisque signis haec species accedit Glepti Morawitzi
Rad. (Mocsâry. Monogr. Chrysidid. 1889, p. 60), sed ab hoc capitis, thoracis
(praesertim autem metathoracis), antennarum pedumque colore valde diverso,
capite thoraceque multo fortius punctatis, densius et longius pilosis, facie
multo profundius evidentiusque longitudinaliter sulcata, pronoto paulo bre-
viore série punctorum basali haud omnino destitute, metathoracis angulis
postico-lateralibus haud productis, rectis nec ullo modo spiniformibus, apice
fere obtusiusculis, abdomine minus elongato, apicem versus minus angustato,
antennis multo crassioribus et fortioribus etc. jam primo intuitu facillime
dignoscenda est. Clepti consimili Buyss. $ (=Gl. Ghyzeri Mocs.) quoque
affinis esse videtur, a quo, praeter colorem abdominis et mesonoti, facie
distincte longitudinaliter sulcata, pronoto série punctorum transversa basali
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 503.
186 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORÜM ETC. [T. XIII
etsi obsoleta, attamen plus rainusve indicata, metathorace nigro sed non
opaco, abdominis segmentis dorsalibus haud dense subtilissime punctulatis,
1° omnino laevi etc. mox distinguenda est.
Hanc speciem in honorem meritissimi monographi Ghrysididarum
clarissimique hymenopterologi hungarici Dom. Alexandri Mocsâry Buda-
pestinensis nominavi.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 504.
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIRES Dû
BULLETIN DE L'ACADEMIE IMPERIALE DES SCIENCES DE ST.- PETERSBOURG.
TOME XIII.
Revisio Hymenopterorum Musei Zoologici Academiae Caesareae Scientiarum
Petropoiitanae. II. Genus Abia (Leach). Auetore Andrea a Semenow.
(Lu le 23 Octobre 1891.)
Litterae, quibus ad species hujus generis determinandas praesertim usus
sum, hae sunt:
1. André, Éd. Species des Hyménoptères d'Europe et d'Algérie. T. I,
1879 — 1881, pp. 29 — 32.
2. Kirby, W. F. List of Hymen optera in the British Museum. Vol. I.
Tenthredinidae and Siricidae. 1882, pp. 12 — 15, 388.
3. Konow, Fr. W. Description de quelques espèces nouvelles de Ten-
thrédinides et tableau analytique du genre Abia, in: Revue d'Entom.
VI, 1887, pp. 1 — 3, 123.
4. Konow, Fr. W. Tenthredinidae Europae et Catalogus Tenthredini-
darum Europae, in: Deutsch. Ent. Zeitschr. 1890, pp. 225 — 255.
5. M oc sa ry, A. Hymenoptera nova europaea et exotica, in: Magy.
Akad. Term. Értek. (Dissertationes physicae Academiae scientiarum
Hungaricae). Vol. XIII. JV» 11, 1883, pp. 1 — 3.
6. Sichel. Annales Soc. Ent. Fr. 1856. Bull., p. LXX VIII.— Ibidem.
1865, p. 488; pi. X, ff. 2, 3.
7. Thomson, C. G. Hymenoptera Scandinaviae. T. I, 1871 , pp. 26—30.
Species faunae rossicae asterisco (*) notatae sunt; liüerae obUquae loca
omnia in finibus Imperii Rossici significant.
G. Abia (Leach).
(Thomson. Hymen. Scand. I, 1871, pp. 26— 27.— André. Species Hymen. Eur. I, 1879—1881,
pp. 17, 29. — Konow. Deutsch. Ent. Zeitschr. 1890, p. 230).
Subgen. I. PARABIA m.
(A. Semenow. Horae Soc. Ent. Ross. XXV, 1890, p. 174).
l*. Abia (Parabia) Jakowlewi m.
(A. Semenow. Horae Soc. Ent. Ross. XXV, 1890, p. 172: J).
Turkestan occid.: angustiae fluvii Madm in montibus Zerafschanensibus
(A. Semenow. 26. V. 1888).
1 specimen typicum (1 3).
Bulletin N. S. II (XXXTV) p. 509.
188 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MÜSEI Z00L06ICI [t. XIII
Hujus speciei individuum alterum S (in niontibus Zerafschanensibus
quoque ab ill. A. Fedtschenko olim lectum) in collectione Al. Jakowlewi,
Jaroslawensis, vidi; in quo specimine nervus cubitalis alarum anticarum
apice furcatus non est. Quam ob rem hoc Signum, in specimine nostro satis
evolutum, potius individuale quam specificum esse censeo.
Femina hujus speciei adhuc ignota est.
Subgen. II. ABIA Leach in sp.
(Thomson. Hymen. Scand. I, 1871, p. 27. — Konow. Revue d'Entom. VI, 1887, p. 1).
2.* Abia sericea L. 1 )
(Konow. Revue d'Entom. VI, 1887, p. 2).
Odessa (Widhalm. V. 1864). — Transcaucasia: Bor zliom (Acad. Dr.
J. F. Brandt. 1867). — Germania: Berlin (Stein). — Germania. — Bavaria:
Monachii. — Bavaria merid. — Austria (Erber). — Montenegro (Erber). —
Praeterea nonnulla specimina e Museo Vindobonensi (Rogenhofer) absque
indicatione loci incolendi.
18 specimina (11 $, 7 $).
3. Abia symballophtlialma, sp. n.
S. A. scriceae L. simillima et maxime affinis, a qua solum his notis
dignoscitur: antennarum flavido-testacearum basi (i. e. articulis 1°, 2° et 3°
usque ad hujus trientem apicalem) et apice (plerumque tantum articulo
ultimo) plus minusve infuscatis, articulo 4° paulo tenuiore et apice minus
dilatato, oculis majoribus in vertice multo magis approximatis, subcontiguis,
spatio angustissimo lineari separatis, temporibus paulo angustioribus, scu-
tello paulo minus convexo, abdominis plaga dorsali velutino-tomentosa paulo
angustiore, alarum anticarum macula obscura ad apicem cellulae 2 ae radia-
lis nonnunquam evanescente. Ceterum A. sericeae L. omnino similis. — Ab
A. fulgente André, cui accedit colore antennarum, differt imprimis antennis
gracilioribus, articulo 4° longiore et multo tenuiore, oculis in vertice valde
approximatis, temporibus minus latis, scutello convexiore, abdominis singu-
lis segmentis magis convexis fortius et minus confertim sculptis, plaga
velutino-tomentosa angustiore etc. — Femina latet.
Long. 9 2 / 3 — 11 mm.
1) De hujus speciei distributione geographica in Imperio Rossico cf. quoque: Schaposch-
nikow (H. HIanouiHHKOBT>. Horae Soc. Ent. Ross. XVIII, 1884, p. 5) et Paczoski
(I. ïlanocKifi. 3anncKH KieBCK. 06m,. EcTecTBoncn. X, 1889, dp. IV).
Bulletin N. S. IT (XXXIV) p. 510.
T. Xni] .ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. II. GENUS ABIA (LEACH). 189
4 specimiiia (4 S) sine indicatione incolatus e Museo Vindobonensi
(Rogenhofer) nec non a cl. Herrich- Schaeffer olim accepta; verisirni-
liter ex Europa occidentali.
Haec species Abiae sericeae L. adeo proxima est, ut descriptionera ejus
magis disertam plane super vacuam esse censeam.
4* Abia flllgens André.
(Ko now. Revue d'Entom. VI, 1887, p. 2).
Caucasus centr.: Kasbek (Dr. F. Morawitz. 3. VIII. 1875).— Helvetia:
Montreux (9. VI.).
3 specima (1 <?, 2 $).
5. Abia nitons L.
(Konow. Revue d'Entom. VI, 1887, p. 2).
Sine indicatione loci incolendi (Herrich -Schaeffer).
3 speciraina (2 $, 1 $).
Subgen. ZARAEA Leach.
(Thomson. Hymen. Scand. I, p. 28. — Konow. Revue d'Entom. VI, 1887, p. 1).
6. Abia (Zaraea) anrulenta Sich.
(Konow. Revue d'Entom. VI, 1887, p. 1).
Austria (Erb er). — Carniolia.
3 specimina (2 $, 1 $).
7.* Alna (Zaraea) fasciata L. 2 )
(Konow. Revue d'Entom. VI, 1887, p. 1).
Districtus Banenburgensis provinciae Rjazanensis (A. Semenow. 1 et
8. VI. 1883). — Sibiria centralis: Pochabicha (A. Czekanowski). —
Sibiria centralis: vallis fl. Kitojkin (Härtung. 16. — 19. VI. 1873). —
Helvetia (Meyer -Dür). — Helvetia: Chur (Kriechbaumer).
9 specimina (9 $).
2) Quod attinet ad distributionem geographicam hujus speciei in finibus Imperii Rossici,
cf. quoque: A. Jakowlew (Horae Soc. Ent. Ross. XX, 1887, p. 237) et Scbaposctnikow
(Ibidem. XVIII, 1884, p. 5).
Bnlletin N. S. II (XXXIV) p. 511. 14
190 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MUSEI ZOOLOGICI [t. XIII
8. Abia (Zaraea) nigricornis Leach.
(Konow. Eevue d'Entom. VI, 1887, p. 2).
Helvetia (Meyer -Dur). — Helvetia: Chur (Krieclibaumer). — Ger-
mania.
5 specimina (5 $).
9. Abia (Zaraea) mutica Thoms.
(Konow. Eevue d'Entom. VI, 1887, p. 1).
Austria (Erb er).
2 specimina (1 $, 1 $).
10*. Abia (Zaraea) sibirica Mocs. 3 )
(Mocsâry. Magy. Akad. Term. Értek. Vol. XIII. JV» 11, 1883, p. 3).
Minor, levissime depressa, haud dense nigro-pilosa, subnitida, obscure
viridi-aenea, thorace vix cuprescenti, ventre in medio piceo leviterque
rufescenti, antennis nigro-piceis, genubus, tibiis tarsisque stramineis. Anten-
nis sat brevibus, articulo 4° tertio fere 2% breviore, clava crassiuscula, 2-
articulata (i. e. articulis duobus ultimis omnino connatis). Capite submicro-
scopice crebre coriaceo ideoque modice nitido, subtiliter remote punctato;
temporibus sat latis. Thorace subtiliter remote punctulato, subnitido, inter-
3) Qua specie non sine dubio a me determinata, descriptionem nonnib.il incompletam
cl. Mocsârii (1. c.) hic transcribere baud supervacuum existimo:
«Abia Sibirica. — Aenea vel subvirescenti-aenea, fusco-pilosa; antennis brunneis, arti-
culo sexto uniarticulato; mandibulis rufo-piceis, vertice dense minus crasse rude-rugoso;
mesonoto et scutello aeneo-splendentibus, illo cum mesopleuris dense subtilissime rugosiuscule-
punctulatis, punctis sparsis majoribus, boc dense fortius punctato; abdominis segmentis dorsa-
libus virescenti-aeneis, valde dense subtilissime rugosiuscule-punctulatis, sericeo-pubescentibus,
impressione basali coerulea, segmento primo medio carinato; femoribus aeneis, genibus, tibiis
tarsisque pallide testaceis, unguiculis muticis; alis byalinis, iridescentibus, ad radicem brunneis,
venis testaceis, superioris apicem versus infuscatis, bujus cellulis: costali, discoidali tertia,
saepius etiam primae apice, radiali secunda et cubitalibus duabus ultimis cum basi stigmatis,
infuscatis.
Femina: labro testaceo, abdominis segmentis ventralibus, ultimo aeneo excepto, coxis ac
trocbanteribus pedum duorum posteriorum pallide-testaceis. — Long. 9 l / 2 m / m .
Mas: labro piceo-rufo, abdominis segmentis dorsalibus 4 — 6 plaga quadrata holosericeo-
atro-tomentosa ornatis, distincte carinatis, carina postice abbreviata, ventralibus nigris, postice
tenuiter albido-marginatis, coxis ac trochanteribus aeneis. — Long. 8 m / m .
Variât mas: lobis lateralibus mesonoti nigro-aeneis.
Abiae muticae Tboms. pariter socia esse videtur; sed colore capitis, antennarum, thoracis
et abdominis, ab ea certe distincta. — Ab Abia nigricorne Leach (bifida Thoms.), colore
nimium simili: antennis brunneis, colore ventris et praesertim unguiculis muticis, differt.
Patria: Sibiria; olim ab Alberto Kindermann hungaro lecta».
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 512.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAREAB. SCIENT. PETROPOLIT. II. GENUS ABIA (LEACH). 191
stitiis punctorum fere laevibus, sparsim (ad latera paulo densius) breviterque
nigro-piloso. Scutello deplanato, crebrius fortiusque punctulato. Abdomine
sat late ovali, microscopice subcoriaceo, subsericeo-pubescenti, singulis seg-
mentis haud convexis. Alis fulvescenti- hyalinis, anticis macula magna fusco-
testacea limbum anteriorem occupante, inferne in cellulam 2 am discoidalem
dilatata, sub stigmatis picei basi obscuriore ibique utrinque maculam hyali-
nam séparante ornatis. Unguiculis muticis.
$. Capite thoracisque lateribus sat dense longius nigro-pilosis; oculis in
vertice valde approximatis, spatio angustissimo separatis; antennis gracilio-
ribus, clava sat tenui leviterque elongata; abdominis segmentis 4° — 6° plaga
parum determinata velutino-tomentosa breviterque nigro-pilosa ornatis.
$. Capite thoracisque lateribus sparsim brevius nigro-pilosis; oculis in
vertice late distantibus; antennis brevioribus, clava brevi et incrassata.
Species Abiae muticae Thoms. valde affinis et ab hac tantum magnitudine
minore, capite tlioraceque (praesertim in $) minus punctatis, ideo multo
nitidioribus, multo minus breviusque pilosis (praecipue thorace), antennis
(praesertim in $) distincte brevioribus clavaque breviuscula multo magis
incrassata .discrepans.
Long. 9 mm.
Sibiria centralis: vie. Erbochogon ad fl. Tungusham Inferiorem (A.
Czekanowski. 17. VI. 1873), Gliamardaban (A. Czekanowski. 1871).
2 specimina (1 $, 1 $).
Additamentum.
Conspectus dicliotomicus specicrum palacarcticanim g-esieris Âbia (Leach). 4 )
I (IV) Antennae clava crassiuscula, plus minusve ovata, distincte 3-articu-
lata, i. e. articulis duobus ultimis (6° et 7°) distincte separatis.
II (III) Corpus subdepressum, totum longe ac dense hirsutum. Abdomen in
mare plaga velutino-tomentosa dorsali omnino destitutum, singulis
segmentis nullo modo convexis. Alae anticae cellula appendicea
distincta, cellula 2 a cubitali brevi, nervi cubitalis fragmento medio
(quod cellulam 2 am cubitalem limitât) ejusdem parte apicali (quae
cellulam cubitalem 3 am terminât) fere triplo brevàore. Antennae bre-
viusculae. Unguiculi bifidi.
Subgen. I. PAR ABI A m.
4) Fontes:
Konow, Fr. W. Revue d'Entom. VI, 1887, pp. 1 — 2.
Thomson, C. G. Hymenoptera Scandinaviae. I, 1871, pp. 26 — 30.
André, Éd. Species des Hyménopt. d'Europe. I, 1879 — 1881, pp. 29 — 32.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 513. -^*
192 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MUSEI ZOOLOGICI [t. XIII
III (II) Corpus haud depressum, subglabrum ($) vel vage breviusque pilosum
($). Abdomen singulis segmentis plus minusve convexis, in mare
segmentis 4° — 7° plaga velutino-tomentosa semper optime determi-
nata ornatis.
Subgen. IL ABIA Leach.
IV (I) Antennae clava elongata, quasi 2-articulata, i. e. articulis 2 ultimis
(6° et 7°) omnino connatis vel indistincte separatis. Abdomen segmen-
tis 4° — 7° in mare plaga velutino-tomentosa modo nulla modo parum
determinata.
Subgen. III. ZARAEA Leach.
Subgen. I. PARABIA m.
Species unica: subdepressa, tota dense ac longe albido-hirsuta
($), subopaca, nigro-aenea, abdomine subtus in medio late testaceo;
antennis nigris, clava picea; oculis in vertice approximatis, attamen
spatio latidudini tibiae posterions subaequali separatis ($); tborace
non convexo, haud crebre punctato; scutello deplanato crebrius
punctato; abdomine fere indistincte punctulato; alis hyalinis, medio
fascia transverso-obliqua parum determinata maculaque sub stigmate
fuscescentibus notatis. — $ latet. — Long. 1 1% mm.
A. Jakowlewi m. $.
Subgen. IL ABIA Leach.
1 (8) Unguiculis bifidis.
2 (5) Abdominis singulis segmentis valde convexis; scutello fortiter convexo
et super metanotum altius elato; feminae vagina apicem versus
angustata, glutiniis contiguis; unguiculis acute bifidis.
3 (4) Oculis maris minoribus, in vertice spatio distinctissimo, latitudini arti-
culi 3 U antennarum aequante vel etiam hanc paulo superante separatis;
abdomine maris plaga dorsali velutino-tomentosa latiore ornato;
antennis flavido-testaceis, saepissime unicoloribus. — Long. 10 —
13 mm.
A. sericea L. <5$. 5 )
4 (3) Oculis maris majoribus, in vertice fere omnino contiguis, spatio
angustissimo lineari indistincte separatis; abdomine maris plaga dor-
sali velutino-tomentosa angusta ornato; antennis flavido-testaceis
5) Quod attinet ad synonymiam hujus speciei, cf. Konow. Catal. Tenthredinid. Eur., in:
Deutsch. Ent. Zeitscbr. 1890, p. 243.
Bulletin N. S. II (XXXI?) p. 5U.
T. XIll] ACADEMIAB CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. II. GENUS ABIA (LEACH). 193
basi et apice plus rainusve distincte infuscatis. — Ç latet. — Long.
92/ i\ mm
3 A. symbattophthalma m. $.
5 (2) Abdominis dorso subcontinuo, singulis segmentis vix convexis; scu-
tello minus convexo et super metanotum vix elato; feminae vagina
apicem versus dilatata, glutiniis hiantibus.
6 (7) Unguiculis acute bifidis; antennis flavido-testaceis unicoloribus; abdo-
minis dorso in femina non ruguloso, sparsim punctata, caeruleo-
nitenti; vagina apicem versus parum dilatata, glutiniis parvis. —
Long. 10 — 11 mm.
A. mtens L. $ $.
7 (6) Unguiculorum dente inferiore saepissime multo breviore; antennis
flavido-testaceis basi et apice distincte infuscatis; abdominis dorso in
femina subtilissime et confertissime ruguloso et punctulato, opaco;
vagina apicem versus dilatata, glutiniis magnis. — Long. 11— 12 mm.
A. fulgens André $ $,
8 (1) Unguiculis muticis; antennis nigris; obscure aeneo-nigra, dense
nigro-pilosa, capite virescenti-aeneo, pronoto et scutello aeneo-splen-
dentibus, valde dense subtilissime subrugoso-punctulatis. — 2 latet. —
Long. 10 mm. (Ex Mocsâry). 6 )
A. himganca Mo es. $.
6) Mocsâry. Magy. Akad. Term. Értek. Vol. XIII. JV« 11, 1883, p. 1:
«Abia HuDgarîca. — Obscure aeneo-nigra, dense nigro-pilosa; clypeo, fronte supra anten-
nas, vertice et temporibus virescenti-aeneis; antennis nigris, articulo sexto distincte biarticulato,
labro et mandibulis rufo-piceis; pronoto et scutello aeneo-splendentibus, dense rugosiuscule-
punctulatis, mesonoto opaco, subtilissime coriaceo; abdominis segmentis dorsalibus aeneo-splen-
dentibus, valde dense subtilissime subrugose-punctulatis, sericeo-pubescentibus, lateribus et
segmentis tribus primis medio nigro-pilosis, his in medio obsolete carinatis, 4 — 6 plaga
quadrata holosericeo-atro-tomentosa ornatis, distincte carinatis, carina postice abbreviata, seg^
mentis ventralibus nigris, opacis, postice tenuiter albido-marginatis; femoribus obscure aeneo-
nigris, genibus, tibiis tarsisque pallide-testaceis, unguiculis muticis; alis byalinis iridescentibus,
ad radicem nigris, venis testaceis, superioris apicem versus infuscatis, hujus cellulis: costali,
discoidali prima et tertia, radiali secunda et cubitalibus fuscis, stigmate testaceo, basi infus-
cato. — $; long. 10 m / OT .
Abiae muticae Thorns. (Hymenoptera Scandinaviae. Tom. I, 1871, pag. 28. n. 3) valde
similis esse videtur; sed antennarum articulo sexto distincte biarticulato, pronoto et scutello
aeneo-splendentibus, mesonoto subtilissime coriaceo, abdominis segmentis dorsalibus aeneo-
splendentibus, baud cupreo-oricbalceis, praecipue distincta.
In Hungaria meridionali ad thermas Hèrculis sacras Mebadienses anno 1881 circa finem
Aprilis a Ioanne Pâvel, Musei Nationalis Hungarici collectore, détecta».
Nescio, cur in «Catologo Tentbredinidarum Europae», a cl. Fr. W. Konow novissime edito,
(Deutscb. Ent. Zeitschr. 1890, pp. 241 — 254) Tenthredinidae nonnullae palaearcticae etiam ad
faunam europaeam pertinentes [inter alia quoque: Abia hungarica Mo es., Strongylogaster
caucasiens Schaposcbnikow (Entom. Nachrichten, berausg. von Dr. Karsch. 1885, p. 181),
Sciopteryx Semenowi A. Jak. (Horae Soc. Ent. Ross. XX, 1887, p. 240), deinde varietates
nonnullarum specierum ab Al. Jakowlew descriptae etc.] plane omissae sint. — Cf. quoque
animadversionem Al. Jakowlewi, in: Hor. Soc. Eut. Ross. XXVI, 1891, p. 58 (post descrip-
tionem Aïïanti Jakowlewi Knw. in litt.).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 515.
194 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM fflUSEI ZOOLOGICI [ï. XIII
Subgen. III. ZARAEA Leach.
1 (8) Unguiculis muticis.
2 (7) Antennis nigris, corpore aeneo-nigro.
3 (6) Scutello deplanato; alis anticis dilute fuscescentibus, basi maculaque
in cellula l a discoidali sita et fascia ante apicem subhyalinis; corpore
minus obscuro, nitore metallico distinctissimo; femina abdomine
unicolori; mas abdomine plaga dorsali velutino-tomentosa, etsi parum
determinata, attamen bene distincta ornato, torulis lateralibus nullis.
4 (5) Capite thoraceque crebre punctulatis ideoque subopacis, longe ac
dense nigro-pilosis; antennis longioribus, clava modice incrassata.
Long. 9% — 11 mm.
A. mutica Thoms. <$$.
5 (4) Capite thoraceque sat sparsim punctulatis (praesertim in $) ideoque
nitidulis, brevius ac minus dense nigro-pilosis; antennis brevioribus,
clava fortiter incrassata (praecique in Ç). — Long. 9 mm.
A. sibirica Mocs. <5$. 7 )
6 (3) Scutello convexo, transverse elato; alarum anticarum basi albida,
fascia media sine macula dilutiore; corpore vix punctulato, obscuro,
nitore metallico vix distincte; femina segmento primo abdominali
ventrisque basi albidis, nonnunquam metathorace quoque concolori;
mas abdomine absque plaga dorsali velutino-tomentosa, segmentis
7° et 8° utrinque torulo e pilis nigris praeditis, oculis in vertice sub-
contiguis. — Long. 10 — 12 mm.
A. fasciata L. $2-
7 (2) Antennis inde ab apice articuli 3 Ü rufo-testaceis, apice interdum
leviter infuscatis; corpore aureo-cupreo, genubus, tibiis, tarsis ven-
trisque maxima parte rufo-testaceis; alarum anticarum basi albida,
fascia media in cellula discoidali l a maculam dilutiorem continente;
abdomine maris sine plaga velutino-tomentosa dorsali; oculis maris
in vertice subcontiguis; feminae vagina glutiniis sat magnis, apice
divergentibus. — Long. 10 — 12 mm.
A. aurulenta Sich. <$$.
8 (1) Unguiculis bifidis; abdomine in mare plaga dorsali velutino-tomen-
tosa distincta ornato.
7) Cf. supra, nota 3 a hujus opusculi.
Bulletin H. S. II (XXXIV) p. 516.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. II. GENUS ABIA (LEACH). 195
9 (10) Antennis medio rnfis; capite thoraceque et abdominis segmentis tribus
primis in femina fortius et sparsim punctatis; ejusdem singulis seg-
mentis in mare subconvexis. — Long. 11 — 12 mm. (Ex Konow). 8 )
A. candens Knw. $$.
10 (9) Antennis nigris; abdominis dorso in femina confertim et subtiliter
punctulato. — Long. 9% — 12y 2 mm.
A. nigricomis Leach. <$$ 9 )
Praeterea ad faunam palaearcticam pertinent hae species mihi in natura
plane ignotae:
1) Abia parvula Konow (nomen nudum). Deutsch.. Ent. Zeitschr.
1890, p. 243. — Ex Hercynia. (Species adhuc inedita).
2) Abia janonica Cameron. Trans. Nat. Hist. Soc. Glasgow. (N. S.) I,
1886, p. 269. — E Nagasaki.
3) Abia Lewisi Cameron. Ibidem, p. 270. — Ex Jokohama.
8) Konow. Kevue d'Entom. VI, 1887, pp. 2, 123.
9) De syuonyinis hujus speciei cf. Konow. Catal. Tenthredinid. Europae, in: Deutsch. Ent.
Zeitschr. 1890, p. 243, nee non Kirby. List of Hymenopt. Brit. Mus. I, 1882, p. 14 (sub: Abia
onicerae).
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 517.
MANGES BIOLOGIQUES
T1EÉS Dû
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Revisio Hymenopterorum Musei Zoologici Academiae Caesareae Scientiarum
Petropolitanae. III. Familia Evaniidae. Auctore Andrea aSemenow.
(Lu le 20 Novembre 1891).
Species Evaniidarwm hic enumeratae secundum monographiam recentem
cl. Augusti Schlettereri, quae inscribitur: «Die Hymenopteren-Gruppe
der Evaniideu» (Annalen des k. k. Naturhistoriscli. Hofmuseums in "Wien.
Bd. IV, 1889, pp. 107 — 180; 289 — 340; 373 — 546) determinatae
sunt. Praeterea opusculo Dom. B. Jaroscliewskii, quod inscribitur:
«IlepeqeHL Evaniidae, HaiUeHHbixt bï. XapbKOBCKOH ryöepuin», i. e. «Cata-
logus Evaniidarum in provincia Charkowensi observatarum» (TpyAbi O6111,.
ïïcnbiT. Ilpnp. npn Hmd. XaptK. YmiBepc. T. XXIV, 1890, CTp. 385 —
397) nec non litteris omnibus post opus egregium supra nominatum cl.
Schlettereri editis, in quibus descriptiones Evaniidarum inveniuntur x ),
usus sum.
Species nonnullae rariores, vel plane novae sive ineditae, vel in fauna
rossica adhuc ignotae, vel collectionibus Musei nostri déficientes a DD.
Alexandro Jakowlew Jaroslawense, D-re Ferdinando Morawitz et prae-
sertim Johanne Schewyrew Petropolitanis liberalissime mecum communi-
catae sunt; quam ob rem omnibus his viris gratias ago maximas.
Species faunae rossicae asterisco (*) notatae sunt, litter ae, obliquae loca
omnia in finibus Imperii Rossici sita significant.
Gen. I. Evania F.
(Schletterer. L. c, p. 118).
l . Evania appendigasler L.
(Schletterer. L. c, p. 136).
Algeria (S. Solsky. 1864; legit Lallemant). — Zanzibar et Somali
(Dr. 0. Staudinger). — Archipelagic Indicus (Dr. G. Kraatz). — Cuba
(Sievers).
9 specimina (3 <?, 7 $).
1) Utpote: Magretti. Imenotteri di Siria etc., ia: Annali del Mus. Civ. di Stör. Natur, di
Genova. 2 Ser. IX (XIX), 1889 — 90, pp. 522 — 548. — Taschenberg. Zu den Hymenopt.-
Gatt. Evania u. Gasteruption, in: Berlin. Ent. Zeitschr. 1891, pp. 11 — 16.
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 9.
198 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MUSEI ZOOLOGICI [t. XIII
2.* Evania dimidiala F.
(Schletterer. L. c, p. 138).
Territorium maris Gaspii: Baku (A. Goebel. VI. et VII. 1863). —
Maris Gaspii insula Asliur-ade (C ho do row sky). — Provincia Transcaspica:
Aschàbad (A. Semenow. 14. VI. 1888). — Prov. Transcaspica: montes
Kopet-dagh prope Tschuli (A. Semenow. 29. — 30. IV. 1888).
8 specimina (3 <S, 5 Ç).
3. Evania cribrata, sp. n.
c?. Nigro-picea, parum nitida, antennis (praesertiin basin versus) pedi-
busque 4 anterioribus sat pallide rufis. Antennis in medio oculorum longi-
tudinis insertis, scapo flagelli articulo 2° paulo breviore, hoc flagelli arti-
culo 1° quadruplo, flagelli articulo 3° distincte sed parum longiore. Capite
toto (cum temporibus genisque) fortiter crebreque punctato-cribrato, punc-
tis in facie minus regularibus, vage confluentibus, facie praeterea subti-
lissime punctulata vel punctulato-rugulosa, fere plana, utrinque ad apicem
levissime longitudinaliter impressa; fronte planiuscula, vix impressa; genis
flagelli articulo 3° distincte brevioribus; margine occipitali postico leviter
angusteque subelevato; ocellis posterioribus ab oculis minus quam flagelli
articuli 3" longitudine, invicem fere duplo plus distantibus; oculis majus-
culis, elongatis, ellipticis. Pronoto lateraliter utrinque angulo distincte sed
parum prominulo instructo. Mesonoto medio leviter convexiusculo, grosse
sed haud profunde nec regulariter punctato-cribrato, praeterea subtilissime
disperse obsoleteque punctulato, secundum lineas parapsidales propter
sculpturam fortem partium confinium parum conspicuas sed bene determi-
natas sat fortiter impresso, lobis lateralibus (praesertim acl angulos posticos
leviter subreflexos) valde nitidis, fere laevibus; margine postico utrinque
extrorsum (i. e. ad mesonoti angulos posticos obtusiusculos) vix (fere indis-
tincte) obliquato. Scutello grosse irregulariter cribrato, medio longitudinaliter
profunde impresso et sic quasi bipartite, utriusque partis apice retrorsum
fere conice prominulo. Metasterni processu posteriore forcillato, ramis for-
titer divergentibus. Segmento mediano grosse et regulariter rugoso-reticu-
lato, sparsim breviterque (parum conspicue) pubescenti, superne glabro,
utrinque a metapleuris sulco sat angusto et bene determinato (fere ut in
E. dimidiata F.) separate. Sterno toto fortiter cribrato-punctato. Abdominis
petiolo irregulariter grosse nec crebre punctato-rugato; ejus basi ab abdo-
minis parte posteriore compresso-subelliptica multo (fere sesqui) plus quam
a scutello distante. Coxis posterioribus fortiter, grosse et sat crebre (prae-
Bnlletin N. S. III (XXXV) p. 10.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAKEAE SCIENT. PETEOPOUT. III. FAMILIA EVANIIDAE. 199
sertim subtus) punctatis, evidenter sed parum dense breviterque pubescen-
tibus. Tibiis tarsisque quattuor posterioribus haud spinosis; tibiarum posti-
carum calcari apicali majore trientem metatarsi distincte sed parum super-
ante; tarsorum posteriorum metatarso articulis quattuor ceteris simul
sumptis multo breviore, longitudinem articulorum duorum sequentium (2 1 et
3 H ) simul sumptorum haud superante. Alis hyalinis, anterioribus praeter
cellulas 3 basales cellulis quoque: radiali, cubitali, discoidali et submediali
externa omnino determinatis; cellula radiali sat magna.
$. Antennis tenuibus et elongatis, flagello in medio vix incrassato et
indistincte fusiformi; scapo articulis tribus primis flagelli simul sumptis
fere aequilongo. Oculis quam in mare distincte minoribus, genis flagelli
articulo 3° etiam paulo longioribus. Abdominis parte posteriore subsecuri-
formi. Ceterum mari similis.
Long. 8 — 9 mm.
2 specimina (1 c?, 1 $) sine ulla indicatione incolatus, a cl. Lederer
anno 1867 accepta; verisimiliter e subregione mediterranea (sensu zoogeo-
graphico) regionis palaearcticae.
Species insignis et egregia, a congeneribus omnibus capite corporisque
maxima parte fortiter cribratis, praesertim autem scutello longitudinaliter
bipartite mox distinguenda. Secundum monographiam cl. Schlettereri et
liujus operis tabulas dichotomicas (1. c, pp. 125 — 136) inter Evanias:
punctatam Bru 11. et dimidiatam F. in systemate collocanda; praeter specia-
litates jam supra indicatas ab ilia — antennis distincte longioribus, segmento
mediano multo minus pubescenti, abdominis petiolo longiore irregulariter
grosseque punctato, metatarsis posterioribus articulis 4 ceteris eorundem
tarsorum multo brevioribus etc.; ab hac — colore corporis, segmento mediano
multo minus pubescenti, abdominis petiolo haud laevi sed fortiter irregula-
riterque sculpto, coxis posticis multo grossius crebriusque punctatis aliisque
notis divergens. Ab E. appendigaster L., cui subaffinis quoque, praeter
structuram singularem scutelli et sculpturam capitis, antennis longioribus,
sculptura thoracis coxarumque posticarum multo fortiore, abdominis petiolo
fortiter punctato nec ullo modo laevi, colore pedum antennarumque etc.
omnino discedens.
4.* Evania punctata Brull.
(Schletterer. L. c, p. 140).
Tauriae littus méridionale (Widhalm. 1864). — Graecia(Tieffenbach.
1866). — Malaca(Tieffenbach. 1866).— Andalusia (Dr. 0. Staudinger).
8 specimina (6 cf, 2 $).
Bulletin N. S. Ill (XXXY) p. II.
200 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORÜM MUSEI Z00L0GIC1 [T. XIII
5* Evania minuta Oliv. 2 )
(Schletterer. L. c, p. 143).
Fennia: Terijoki (Dr. F. Morawitz. 10. VII. 1891). — Helvetia:
Geneva (Chevrier).
3 specimina (3 $).
Gen. II. Gasteryption Latr.
(Schletterer. L. c, p. 373).
i* Gasteryption affectator L. 3 )
(Schletterer. L. c, p. 384).
Fennia: Ekenäs (A. Morawitz). — Fennia: Terijoki (Dr. F. Mora-
witz). — Petropolis (A. Morawitz. 26. V., 2, 10. VI. 1861; 7. VII.
1862). — Petropolis (Acad. Dr. A. Strauch. 1869).— Petropolis (Dr. F.
Morawitz). — Luga provinciae Petropolitanae (S. Solsky. 1871). —
Districtus Lugensis prov. Petropolitanae (S. Solsky. 1871). — Distr. Boro-
wiczensis prov. Noivgorodensis (A. Jakowlew. 16. VI. 1891). — Distr.
Jaroslawensis provinciae ejusdem nominis (A. Jakowlew. 13. VIL 1891;
in floribus Pastinacae). — Distr. Dankowensis prov. Bjazanensis (A. Seme-
now. 27. V., 11, 19, 28. VI. 1890). — Distr. Banenburgensis ejusdem
provinciae (A. Semenow. 1. VI. 1890). — Pensa (A. Czekanowsky.
1864). — Prov. Penzensis (A. Czekanowsky. 1864). — Prov. Gharko-
wensis (J. Schewyrew. 9. VII. 1884). — Sarepta provinciae Saratowensis
(A. Becker). — Gaucasus orient.: Derbent (A. Becker. 1868). — Trans-
caucasia: Delizlian (Dr. A. Brandt. 7. VI. 1879). — Sibiria centr.: prov.
Irkutensis: Padun ad fl. Angarain (A. Czekanowsky. 1867). — Sibiria
orient.: Amur (Acad. Dr. L. a Schrenck). — Germania: Wiesbaden (S.
Solsky. 1864). — Bavaria: Würzburg (A. Morawitz). — Europa merid.
(Erber). — Hispania: Avila (Dr. G. Seidlitz. 1865).
Multa specimina ($ et $).
2* Gasteryption rubricans Guér. 4 )
(Schletterer. L. c, p. 400).
Tauria (J. Schewyrew. VII. 1880).— Turkestan: Taschkent (W. Balas-
soglo). — Montenegro (Erber). — Andalusia (Dr. 0. Staudinger).
5 specimina (5 $).
2) Quod attinet ad distributionem geographicam hujus speciei in finibus Imperii Rossici, cf.
quidem: B. Jaroschewsky. L. c, p. 387.
3) Cf. quidem: Jaroschewsky. L. c, p. 387.
4) Cf. quidem: Jaroschewsky. L. c, p. 388.
Bulletin H. S. III (XXXV) p. 12.
T. XIIl] ' ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETEOPOLIT. III. PAMILIA EVANIIDAE. 201
3.* Gasteryption rugulosum Ab.
(Schletterer. L. c, p. 401).
District-us Danlcoivensis provinciae Bjazanensis (A. Semenow. 18. VI.
1890). — Prov. Transcaspica: montes Kopet-dagli prope Tsclmli (A. Seme-
now. 29. — 30. IV. 1888).— Hispania: Escurial (Dr. G. Seidlitz. 1865).
4 specimina (4 S).
4.* Gasteryption tibiale Schlett.
(Schletterer. L. c, p. 402).
Provincia Tamboivensis (A. Czekanowsky. 1864). — Littus méridio-
nale Tauriae (Widhalni. 1 864). — Caucasus occid.: TJtsch-dere (E. Koenig.
16. VIII. 1888). — Caucasus orient.: Derbent (A. Becker. 1874). — Sibiria
centr.: Krasnoyarsk (Dr. F. Morawitz; legit Streblov). — Insula Corcyra
(Erber. 1867).
7 specimina (5 S, 2 $).
5.* Gasteryption pyrenaicum Guér. 5 )
(Schletterer. L. c, p. 405).
Tauriae littus méridionale (Widhalm. 1864). — Sarepta provinciae
Saratowensis (A. Becker. 1865). — Transcaucasia: Lagodechi (A. Jakow-
lew; legit Mlokossewicz. VIL 1891). — Prov. Transcaspica: montes
Kopet-dagh prope Tschidi (A. Semenow. 29. — 30. IV. 1888).
5 specimina (2 <?, 3 $).
6.* Gasteryption intermedium, sp. n.
2. Nigrum, abdominis segmentis anterioribus plus minusve rufis vel
rufo-annulatis, mandibulis rufo-testaceis summo apice picescentibus, tegulis
rufescentibus ; tibiis posterioribus basi anguste albido-signatis, metatarsis
posticis nigris unicoloribus. Antennis gracilibus, flagelli articulo 1° non
transverso, 2° hoc sesqui longiore, 3° secundo fere V-/ z longiore, primo una
cum secundo distincte breviore. Capite oblongo, regulariter ovali, opaco,
anterius subtiliter sericeo-pubescenti; parte occipitali subelongata, margi-
nem posticum versus modice gradatimque angustato-rotundata, hoc sat late
reflexo sed non pellucido, medio foveola parvula unica notato; distantia
inter marginem occipitalem et ocellos posteriores distincte longiore quam
spatium inter ocellos posteriores ; hoc flagelli articulo 2° perparum longiore,
distantia ocellorum posteriorum ab oculis flagelli articulum l nm paulo su-
perante; genis distinctis, flagelli articulo 1° paulo brevioribus. Collo modice
brevi, parum breviore quam distantia inter radicem alarum et marginem
5) Cf. quidem: Jaroschewsky. L. c, p. 389.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 13.
202 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTEItORUM MÜSEI ZOOLOGICI [t. XIII
anticum mesonoti. Pronoti utroque angulo huraerali fere mutico, i. e. den-
ticulo subtilissimo, vix conspicuo nec ullo modo prominulo instructo. Meso-
noto opaco, subtiliter confertimque (post suturam crenulatam tenuem sed
bene indicatara vix fortius) coriaceo, impunctato; parte anteriore ad mar-
ginera anticum lineolis divergentibus tenuissimis sed distinctis instructa.
Scutello sat elongato eodem fere modo sculpto. Segmente mediano sat crebre
subreticulatim rugoso. Lateribus sterni, segmenti mediani coxarumque
posticarum subtilissime nec copiose sericeo-pubescentibus. Terebra abdomine
paulo breviore, sed longitudinem pedicelli multo superante; vaginis nigris
unicoloribus. Coxis posterioribus coriaceis. Metatarsis posterioribus ejusdem
tarsi articulis ceteris simul sumptis subaequalibus. Alis hyalinis levissime
aequabiliterque* infumatis, nervis stigmateque fuscis.
Long. 11%— 12% mm.
Districtus Lugensis provinciae Petropolitanae (S. Solsky. 1871). —
Distr. Gdowensis ejusdem provinciae (J. Schewyrew; legit Sobolewsky).
2 specimina (2 $).
Species inter G. foveolatum Scblett. (1. c, p. 410) et Freyi Tourn.
(Schletterer. L. c, p. 408) quasi intermedia; differt ab illo terebra abdo-
mine distincte breviore, sed longiore quam hujus petiolus, vaginis apice
albo non signatis, mesonoto subtiliter sculpto, flagelli articulo 2° primo
tantum sesqui longiore, capite aliter formato; a G. Freyi Tourn. — capite
aliter quoque formato, occipite ad basin marginis reflexi postici in medio
distincte unifoveolato, flagelli articulo 3° secundo evidenter longiore, genis
distinctis, collo longiore etc.; G. erythrostomo Dhlb. (Schletterer. L. c,
p. 409) per omnia signa in descriptionibus satis incompletis virorum claris-
simorum Dahlbomi (Exercit. Hymenopt. etc. VI, 1831, p. 78) nec non
Thomsoni (Opusc. Entom. IX, 1883, p. 847) indicata correspondons, nisi
quod terebrae vaginis gaudet unicoloribus.
7.* Gasteryption fallaciosum, sp. n.
Ç. Praecedenti (G. intermedio m.) proxime affine, a quo his notis dis-
tinguendum: occipite ad marginem reflexum posticum haud foveolato, an-
tennis flagelli articulo 2° paulo longiore, 3° proportionaliter vix breviore,
secundum tantum V/ i superante, pronoti angulis humeralibus denticulis
levissime prominulis armatis, mesonoto paulo fortius coriaceo; ceterum G.
intermedio m. omnino simile.
Long. 15 mm.
Provincia Minskensis (J. Schewyrew).
1 specimen (1 $).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. H.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. III. FAMILIA EVANIIDAE. 203
8* Gasteryption dubiosuin, sp. n.
2. G. intermedio m. proximum et ab hoc solum occipite ad marginem
reflexum posticum haud foveolato, terebra abdomine vix breviore alisque
non fumosis distinguendum; a G. fallacioso m., cui maxime quoque affine,
flagelli articulo 2° paulo breviore, 3° hoc \ l / z longiore, terebra abdomine
vix breviore alisque non fumosis discedens. — Forsan varietas G. fallaciosi m.
Long. 10 — liy 2 mm.
Provincia Petropolitana: Lissino (J. Schewyrew. 23. VI. 1885).
2 specimina (2 Ç).
9* Gasteryption obsoletum, sp. n.
2. G. intermedio m. proximum; ab hoc tantum occipite ad marginem
posticum paulo minus reflexum haud foveolato mesonotoque. fortius, grossius
nec transversim coriaceo, lineolis subelevatis partis anticae subnullis distin-
guendum ; a G. dttbioso m., cui maxime quoque affine, praeter sculpturam
fortiorem mesonoti etiam alis levissime fumosis vix discrepans; a G. falla-
cioso m. flagelli articulo 2° paulo breviore, 3° hoc V/ 3 longiore sculpturaque
mesonoti fortiore nec ullo modo transversa vix divergens. — Fortasse varie-
tas quoque G. fallaciosi m.
Long. 14 mm.
Provincia Penzensis (A. Czekanowsky. 17. — 18. VI. 1864).
1 specimen (1 Ç).
10.* Gasteryption insidiosum, sp. n.
2. Nigrum, abdominis segmentis anterioribus rufo-annulatis, mandibulis
dilute rufo-testaceis, tegulis rufescentibus; tibiis posterioribus basi anguste
albido-signatis, tarsorum posteriorum articulo 1° (metatarso) apice, 2° basi
pallidis. Antennis gracilibus, flagelli articulo 1° non transverso, 2° hoc
sesqui longiore, 3° secundo l x / 3 longiore, primo secundoque simul sumptis
distincte breviore. Capite oblongo-ovali, modice simpliciterque opaco, facie
temporumque parte inferiore subtiliter sericeo-pubescentibus; parte occipi-
tali subelongata, marginem posticum versus modice gradatimque angustato-
rotundata, hoc distincte reflexo, non pellucido, medio haud foveolato; di-
stantia inter marginem occipitalem et ocellos posteriores distincte longiore
quam spatium inter ocellos posteriores; hoc flagelli articulo 1° perparum
longiore; distantia ocellorum posteriorum ab oculis flagelli articulum V m
distincte superante; genis flagelli articulo 1° vix brevioribus. Collo brevi,
evidenter breviore quam distantia inter radicem alarum et marginem anti-
cum mesonoti. Pronoti utroque angulo humerali denticulo minim o vix con-
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 15.
204 ANDREAS SEMENOW, REYISIO HYMENOPTERORUffl MUSEI ZOOLOGICI [T. XIII
spicuo armato. Mesonoto opaco, parte anteriore distincte et sat remote
punctata, lineolis divergentibus fere nullis ; parte postica punctato-rugulosa,
ad latera simpliciter coriacea. Scutello subtransversim ruguloso. Segmente
mediano sat fortiter subreticulatim rugoso. Lateribus sterni, segmenti medi-
ani coxarumque posticarum subtilissime nec copiose sericeo-pubescentibns.
Terebra longitudine abdominis, vaginis nigris, summo apice albicantibus.
Coxis posterioribus coriaceis. Metatarsis posterioribus ejusdem tarsi arti-
culis reliquis simul sumptis subaequalibus. Alis liyalinis leviter aequabili-
terque fumosis; nervis stigmateque fuscis.
Long. 12 mm.
Déserta Kalmukorum (A. Becker. 1868).
1 specimen (1 $).
A G. foveolato Schlett. (1. c, p. 410), cui proximum, differt praeser-
tim occipite aliter formato ad marginem reflexum posticum haud foveolato
nec non flagelli articulo 2° primo minus quam duplo longiore; occipite non
foveolato, mesonoti parte antica distincte punctata, terebra abdomine haud
breviore, vaginis apice leviter albatis a G. intermedio m. divergens; a G.
Freyi Tourn. (Schletterer. L. c, p. 408) praesertim flagelli articulo
3° secundo distincte longiore, genis distinctissimis terebraque longiore dis-
tinguendum; a ceteris speciebus aifinibus (i. e. a G. fallacioso m., dubioso
m. et obsoleto m.) praesertim terebra longitudine abdominis, vaginis apice
leviter albatis sculpturaque mesonoti diversa, a G. fallacioso m. praeterea
flagelli articulo 3° secundo iy 3 longiore dignoscendum 6 ).
6) Cum hae omnes species, Gasteryptiis Freyi Tourn. et foveolato Schlett. affines, invi-
cem persimiles sint ideoque difficillimae ad determinandum, hune earum conspectum dichoto-
micum (qui tantum ad feminas dignoscendas aptus est) haud supervacuum esse existimo.
1 (6). Terebra vaginis apice distincte albatis.
2 ^3). Mesonoto subtilissime coriaceo. (Ex Dahlbom).
G. erythrostomum Dhlb.
3 (2). Mesonoto sat fortiter punctato vel punctato-rugoso. Terebra abdominis longitu-
dine.
4 (5). Occipite ad marginem reflexum posticum in medio foveolato. Mesonoto subgrosse
vel grosse et irregulariter punctato-rugoso. Flagelli articulo 2° primo duplo
longiore. (Ex Schletterer).
G. foveolatum Schlett.
5 (4). Occipite ad marginem reflexum posticum haud foveolato. Mesonoto antice sat
tenuiter subremote punctato. Flagelli articulo 2° primo sesqui longiore. Terebra
longitudine abdominis, vaginis summo apice vix albatis.
G. insidiosum m.
6 (1). Terebra vaginis nigris unicoloribus vel summo apice vix dilutioribus.
7 (8). Occipite ad marginem reflexum posticum in medio foveola distincta notato.
Mesonoto subtiliter subtransversim coriaceo, impunctato. Flagelli articulo 3°
secundo 17 3 longiore.
G. intermedium m.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 16.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. III. FAMILIA EVANIIDAE. 205
il.* Gasteryption foveiceps, sp. n.
Ç. Nigrum, abdominis segmentis anterioribus plus minusve rufo-annula-
tis, mandibulis apice vix rufescentibus, tibiis posterioribus basi externe rufo-,
interne albido-signatis, metatarsis posticis nigris unicoloribus. Antennis
modice elongatis, sat gracilibus, flagelli articulo 1° nullo modo transverso,
2° hoc sesqui longiore, 3° secundo paulo longiore, secundo et primo conjunc-
tis evidenter breviore. Capite suboblongo nee nimis angusto, opaco, facie
sat dense sericeo-pubescenti ; parte occipitali mediocriter elongata marginem
posticum versus modice rotundato - angustata, occipite fovea subrotunda
magna et a margine postico remota notato, hoc distincte sed parum subre-
flexo, non pellucido; distantia inter marginem occipitalem et ocellos posteri-
ores evidenter longiore quam spatium inter ocellos posteriores; hoc flagelli
articulo 2° fere sesqui longiore, distantia ocellorum posteriorum ab oculis
eodem articulo flagelli haud breviore; genis flagelli articulo l°haud brevio-
ribus. Collo brevi et crassiusculo, multo breviore quam distantia inter radi-
cem alarum et marginem anticum mesonoti. Pronoti denticulis humeralibus
latis et obtusis, vix prominulis. Mesonoto tenuiter confertimque punctato-
ruguloso; lineolis divergentibus in parte anteriore subnullis. Scutello minus
determinate sed eodem fere modo sculpto. Segmento mediano haud nimis
fortiter reticulato-rugoso. Lateribus sterni, segmenti mediani coxarumque
posteriorum haud dense subtiliterque sericeo-pubescentibus. Terebra cor-
pore toto distincte breviore, abdomini porrecto thoraceque simul sumptis
aequante; vaginis nigris unicoloribus. Coxis posterioribus tenuiter crebreque
subtransversim rugulosis. Metatarsis posterioribus ejusdem tarsi articulis
8 (7). Occipite ad marginem posticum reflexum haud foveolato.
9 (14). Flagelli articulo 3° secundo distincte longiore.
10 (13). Flagelli articulo 3° secundo iy 3 longiore.
11 (12). Mesonoto subtiliter et confertim coriaceo, parte antica lineolis divergentibus
etsi tenuibus, attamen distinctis. Alis pure hyalinis. Terebra abdomine vix
breviore.
G. dubiosum m.
12 (11). Mesonoto subgrosse coriaceo, parte antica lineolis divergentibus subnullis. Alis
levissime subfumatis.
G. obsoletum m.
13 (10). Flagelli articulo 3° secundo vix 1V 4 longiore. Mesonoto tenuiter coriaceo, parte
antica lineolis 2 divergentibus distinctis. Alis levissime subfumatis.
G. faïlaciosum m.
14 (9). Flagelli articulo 3° secundo aequali. Collo brevissimo. (Ex Schletterer).
G. Freyi To urn.
Hae omnes species (quibus etiam G. diversipes Ab. et öbliteratum Ab. forsitan adjungenda
sunt) sectionem separatam, quae terebra feminarum abdomini subaequali vel breviore, sed quam
petiolus evidenter longiore, capite opaco, margine apicali reflexo, pronoti denticulis apicalibus
plus minusve inconspicuis mandibulisque semper plus minusve rufis satis determinata est, in-
stituunt.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 17. J5
206 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MUSEI ZOOLOGICI [T. XIII
ceteris conjunctis subaequali. Alis hyalinis levissirae inaequaliterque fumo-
sis; nervis stigmateque fuscis.
Long. 11 mm.
Provincia Charkowensis (J. Schewyrew. 20. VI.).
1 specimen (1 2).
Haec species propter occiput fovea majuscula a margine postico omnino
remota instructum nec non propter marginem occipitalem posticum nec per-
fecte reflexum nec simplicem ab omnibus congeneribus palaearcticis facile
distinguenda est.
12.* Gasteryption pedemontanum Tourn. 7 )
(Schletterer. L. c, p. 413).
Fennia: Ekenäs (A. Morawitz. 19. VII. 1859). — Provincia Sarato-
wensis: Sarepta (A. Becker. 1865). — Transcaucasia: Abastuman (A. Ja-
kowlew; legit N. a Seidlitz). — Sibiria centralis: Krasnoyarsk (Dr. F.
Morawitz; legit Streblov). — Helvetia: Canton de Vaud: Lutry (Wold-
stedt. 1876). — Persia: Astrabad (Lederer; legit Haberhauer).
7 specimina (3 c?, 4 2).
13* Gasteryption terrestre Tourn.
(Schletterer. L. c, p. 414).
Districtus Jaroslawensis provinciae ejusdem nominis (A. Jakowlew.
23. et 30. VII.). — Bavaria: Würzburg (A. Morawitz).
5. specimina (1 <?, 4 $).
14* Gasteryption Tournieri Schiett. 8 )
(Schletterer. L. c, p. 415).
Districtus Jaroslawensis provinciae ejusdem nominis (A. Jakowlew.
16. VII; in floribus Pastinacae). — Distr. Dankowensis prov. Rjazanensis
(A. Jakowlew). — Distr. Lochwitsensis prov. Poltawensis (J. Schewyrew.
13. VI. 1882). — Tauriae littus méridionale (Widhalm. 1864). — Tauria
(A. Jakowlew). — Montenegro (Erber). — Insula Naxos (S. Solsky.
1864; legit Tieffenbach).
7 specimina (1 S, 6 2).
Gasteryption Tournieri Schiett. et terrestre Tourn. tantum varietates
unius speciei esse videntur.
7) Cf. Jaroschewsky. L. c, p. 390.
8) Cf. Jaroschewsky. L. c, p. 391.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 18.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. III. FAMILIA EVANIIDAE. 207
15* Gasteryption Schewyrewi, sp. n.
c?. Nigrum, tegulis rufo-piceis, abdominis segmentis anterioribus rufo-
annulatis, tibiis posterioribus basi anguste albido-signatis, metatarsis posti-
cis nigris unicoloribus. Antennis gracilibus, flagelli articulo 1° brevi longi-
tudine vix longiore, 2° hoc distincte (circiter 1%) longiore, 3° secundo plus
quam duplo longiore. Capite haud magno nec elongato, omnino opaco (mi-
croscopice transversim striolato), facie subtiliter nec nimis copiose albo-
sericeo-, vertice occipiteque subtilissime griseo-pubescentibus ; parte occipi-
tali sat brevi marginem posticum versus subangustato-rotundata, hoc late
reflexo et toto hyalino, occipite ad basin marginis postici foveola minuta
punctiformi indistincte notato; distantia inter marginem occipitalem et ocel-
los posteriores distincte sed parum longiore quam spatium inter ocellos
posteriores; hoc flagelli articulo 3° aequali, distantia ocellorum posteriorum
ab oculis flagelli articulo 1° aequante; genis flagelli articulo l°vix breviori-
bus. Collo brevi et crassiusculo, multo breviore quam distantia inter radicem
alarum et marginem anticum mesonoti. Pronoti denticulis humeralibus non
prominulis et fere inconspicuis. Mesonoto confertim subtiliter et valde regu-
lariter transversim ruguloso vel potius striolato, fere omnino impunctato,
lineolis divergentibus partis anterioris distinctis sed parum determinatis.
Scutello eodem modo sculpto. Segmento mediano sat confuse nec nimis for-
titer reticulato-rugoso. Lateribus sterni et segmenti mediani sat dense sub-
tiliter sericeo-pubescentibus. Coxis posterioribus superne opacis, ad latera
subtiliter sed distincte transversim strigulosis. Metatarsis posticis ejusdem
tarsi articulis ceteris simul sumptis vix brevioribus. Alis distincte aequabi-
literque subfumosis; nervis stigmateque fuscis.
Long. 11 mm.
Distridus Lochwitzensis provinciae Poltawensis (J. Schewyrew. 3. VI.
1882).
1 specimen (1 3).
G. terrestri Tourn. c? simile et affine, a quo antennis paulo longioribus,
flagelli articulis 1° et 2° non tam brevibus, praesertim autem capite minus
gracili, parte occipitali distincte latiore et breviore, marginem posticum
versus multo minus angustata fortiterque rotundata, ad basin marginis
postici omnino hyalini distincte non foveolato, mesonoto paulo subtilius et
magis regulariter sculpto, impunctato alisque multo magis fumosis diver-
gens. — Secundum tabulam synopticam specierum palaearcticarum cl.
Schlettereri (1. c, pp. 393 — 395) accedit 6. Thomsoni Schlett., a quo
tarnen inter alia flagelli articulo 2° breviore, margine occipitali toto hyalino,
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 19.
208 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MüSEI ZOOLOGICI [t. XIII
sculptura mesonoti, scutelli coxarumque posticarum valde diversa nec non
statura minore et graciliore facile distinguendum est. — A G. Schlettereri 9 )
Magretti (Ann. Mus. Civ. Genova. XXIX, 1890, p. 529) syriaco, cui sub-
simile esse videtur, differt imprimis capitis margine occipitali distincte
reflexo et hyalino, flagelli articulo 2° primo evidenter longiore sculpturaque
regulari mesonoti.
Hanc speciem in honorem entomologi praestantis rossici Dom. J. Sche-
wyrew Petropolitani nominavi.
16.* Gasteryption Tnonisoni Schlett. 10 )
(Schletterer. L. c, p. 417).
Fennia: Ekenäs (A. Morawitz). — Petropolis (A. Morawitz. 16.
VII. 1862; 28. VI. 1864). — Distridus Borowiczensis provinciae Nowgo-
rodensis (A. Jakowlew. 16. VI. 1891). — Distr. Jaroslawensis prov. ejus-
dem nominis (A. Jakowlew. 13. VII; 30. VII; 30. VI. 1890; 21.— 23.
VI. et 19. VII. 1891; in floribus Pastinacae et Anethi).
1 6 specimina (4 c?, 1 2 $).
In individuis nonnullis utriusque sexus tibiae et tarsi postici nigri uni-
colores sunt; quam varietatem nomine var. monochropus designandam pro-
pono.
17.* Gasteryption nigrescens Schlett.
(Schletterer. L. c, p. 420).
Monasterium Kurjazhskij provinciae Oharkowensis (J. Schewyrew. 7.
VII. 1884; in floribus Euphorbiae). — Prov. Oharkowensis (J '. Schewyrew.
3. VI. 1883).
2 specimina (2 Ç).
Haec species egregia propter formam singularem capitis ab omnibus
speciebus affinibus facillime dignoscenda est.
18* Gasteryption coniceps, sp. n.
$. Nigrum, abdominis segmentis anterioribus leviter rufescentibus,
tegulis rufo-piceis, pedibus omnibus fusco-testaceis, unicoloribus. Antenuis
sat gracilibus, scapo brevi, flagelli articulo 1° crassiusculo, non cylindrico
et fere subtransverso, 2° hoc angustiore et circiter 1% longiore, 3° secundo
9) Specie quadam omnino a G. Schlettereri Magretti diversa a cl. prof. Taschenberg
sub eodem nomine descripta (Berlin. Ent. Zeitschr. 1891, p. 15: Gasteruption Schlettereri Ta-
schenb.), hanc nomine Gasteryptii Taschenher gi designandam propono.
10) Cf. Jaroschewsky. L. c, p. 392.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 20.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOUT. III. FAMILIA EYANIIDAE. 209
vix longiore. Capite subnitido, laevigato (microscopice punctulato), tempo-
ribus et praesertim faciê sat dense sericeo-pubescentibus; parte occipitali
obconica, marginem posticum versus fortiter et fere recte angustata, hoc nec
reflexo nec foveolato, sed distincte carinulatim acutiusculo; distantia inter
marginem occipitalem et ocellos posteriores multo longiore quam spatium
inter ocellos posteriores; hoc flagelli articulo 3° subaequali, distantia ocello-
rum posteriorum ab oculis flagelli articulo 2° haud breviore; genis brevis-
simis, flagelli articulo 1° brevioribus. Collo valde brevi, evidenter breviore
quam distantia inter radicem alarum et marginem anticum mesonoti. Pronoti
utroque angulo humerali denticulo lato et validiusculo, prominulo extrorsumque
leviter directo armato. Mesonoto antice fortiter irregulariterque punctato,
inter puncta distinctissime rugato, lineolis laevigatis divergentibus nullis; post
suturam crenulatam par um conspicuam fortissime irregulariter punctato et
fere subreticulatim rugato, lateribus in medio anguste sublaevigatis. Scutello
paulo levius et minus determinate punctato-rugoso. Segmento mediano haud
grosse subreticulatim punctato-rugato. Lateribus sterni et segmenti mediani
parum sericeo-pubescentibus. Terebra corpore breviore, sed longitudinem
abdominis distincte etsi parum superante, vaginis usque ad apicem nigris
unicoloribus. Coxis posterioribus superne sat distincte transversim rugulosis.
Metatarsis posticis ejusdem tarsi articulis reliquis simul sumptis subae-
qualibus. Alis levissime fumosis; nervis stigmateque fuscis.
Long. 10y 2 mm.
Turkestan méridionale: Alai: fl. Kysyl-su (B. Grombczewsky. 20.
VI. 1889).
1 specimen (1 $).
G. nigrescenti Schlett. affine et tantum cum hoc comparandum, sed
statura minore et graciliore, capite minore, minus valido, haud opaco, parte
occipitali minus elongata nec ullo fere modo rotundata, antennarum articu-
lis 2 basalibus crassioribus et paulo brevioribus (praesertim scapo) mesono-
toque crebrius et fortius sculpto facile distinguendum.
19.* Gasteryption vagepunctatum A. Costa.
(Schletterer. L. c, p. 422).
Provincia Charkowensis (J. Schewyrew. 26. VI. 1881).
1 specimen (1 Ç).
Specimen nostrum cum descriptione figurisque cl. Schlettereri (1. c,
p. 422; tab. XIX, fig. 70«, 70&) non omnino congruit, nam capitis parte
occipitali magis elongata, marginem posticum breviter reflexum versus
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 21.
210 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MUSEI Z00L06ICI [T. XIII
rotund a to-angustata, flagelli articulo 2° primo 1% longiore, articulo autem
3° loDgitudinem secundi distinctissime (circiter iy 3 ) superante gaudet.
20* GasteryptioD diuiidiatum, sp. n.
Ç. Nigrum, abdomine toto tegulisque rufo-aurantiacis, tibiis posticis
basi albido-signatis, tibiarum autem anteriorum toto latere superiore tar-
sorumque anticorum maxima parte albicantibus; metatarsis posticis nigris
unicoloribus. Antennis modice longis, flagelli articulo 1° hand transverso,
2° hoc plus quam duplo longiore, 3° secundo paulo longiore, sed quam pri-
mus et secundus simul sumpti distincte breviore. Capite laevigato (indistincte
microscopice punctulato), subnitido, anterius et ad latera sat copiose subti-
literque argenteo-pubescenti; parte occipitali subelongata, marginem posti-
cum versus sat fortiter rotundato-angustata, hoc nec reflexo nec foveolato,
sed tenuissime acutiusculo; distantia inter marginem occipitalem et ocellos
posteriores multo longiore quam spatium inter ocellos posteriores; hoc fla-
gelli articulo 2° fere aequante, distantia ocellorum posteriorum ab oculis
flagelli articulum l nm distincte superante; genis flagelli articulo primo
paulo brevioribus. Collo brevi, evidenter breviore quam distantia inter
radicem alarum et marginem anticum mesonoti. Pronoti utroque angulo
humerali denticulo subtili distincte prominulo leviterque extrorsum di-
recto armato. Mesonoto subnitido sat remote (post suturam crenulatam
fortius) punctato, inter puncta subtilissime vix distincte ruguloso, punctis
omnibus sat magnis et distinctissimis ; parte anteriore ad marginem
anticum lineis divergentibus nullis. Scutello indeterminate punctulato-
ruguloso. Segmento mediano sat fortiter crebreque reticulato - rugoso.
Sterni et segmenti mediani lateribus coxisque posterioribus sat copiose sub-
tiliter argenteo - pubescentibus. Terebra longitudinem corporis distincte
superante; vaginis nigris, summo apice albicantibus. Coxis posterioribus
subtiliter coriaceis, superne vix distincte transversim strigulosis. Metatarsis
posterioribus ejusdem tarsi articulis ceteris simul sumptis haud brevi-
oribus. Alis pure hyalinis; venis stigmateque fuscis.
Long. 12 mm.
FI. Amu-darja prope Petro-Alexandrovsk (Mielberg. VI. 1875).
1 specimen (1 Ç).
Species egregia, colore corporis jam primo intuitu facillime dignoscenda;
secundum tabulas dichotomicas cl. Schlettereri (1. c, pp. 386 — 393;
395 — 397) affînis G. sabuloso Schlett., a quo, praeter colorem diversum
nonnullarum corporis partium, capite laevi et nitido, parte occipitali minus
elongata, marginem posticum versus magis rotundato-angustata, mesonoto
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 22.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. III. FAMILIA EVANI1DAE. 211
nitidiore multo evidentius et magis regulariter punctato, segmento mediano
minus grosse nec distincte reticulato, capitis et sterni lateribus magis
serieeis, terèbrae vaginis tantum summo apice albicantibus etc. longe disce-
dens.
21. Gasteryption dilutum, sp. n.
S. Piceum, occipite et mesonoti parte antica lateribusque plus minusve
rufescentibus, tegulis, abdomine toto, pedibus (metatarsis posticis exceptis)
mandibulisque (apice nigricanti excepto) testaceis; antennis piceis, scapo
subtus testaceo; tibiis posterioribus et anterioribus albicantibus; metatarsis
posticis fuscis albido non signatis; capite toto, collo, segmento mediano nec
non coxis posterioribus dense subtiliterque argenteo-pubescentibus. Antennis
sat longis, flagelli articulo 1° latitudine hand longiore, 2° brevi, praecedenti
sesqui longiore, 3° secundo fere duplo longiore. Capite nitidulo, microscopi-
ce dense punctulato, parte occipitali parum elongata, marginem posticum
versus aequabiliter angustato-rotundata, hoc nec reflexo nec foveolato, an-
gustissime acutiusculo; distantia inter marginem occipitalem et ocellos
posteriores distincte longiore quam spatium inter ocellos posteriores; hoc
flagelli articulo 2° sesqui longiore, distantia ocellorum posteriorum ab oculis
flagelli articulo 2° subaequali; genis flagelli articulo 1° brevioribus. Collo
brevi et crassiusculo, evidenter breviore quam distantia inter radicem ala-
rum et marginem anticum mesonoti. Pronoti angulis humeralibus haucl pro-
minulis. Mesonoto subnitido antice confuse punctato, praeterea microscopice
punctulato, post suturam crenulatam parum conspicuam sat crebre punctato-
ruguloso, ad latera remote indeterminate punctato; parte anteriore ad mar-
ginem anticum lineolis divergentibus nullis. Scutello confuse punctato-rugu-
loso. Segmento mediano evidenter reticulato-rugoso. Coxis posterioribus
subtiliter coriaceo-punctulatis. Metatarsis posterioribus ejusdem tarsi arti-
culis reliquis simul sumptis paulo brevioribus. Alis hyalinis; costa nervisque
ceteris basi pallidis, stigmate dilute fusco.
Long. 12 2 / 3 mm.
Turkestan chineuse: oasis Sandzliu (B. Grombczewsky. 2. VII. 1890).
1 specimen (1 cf).
Species propter colorem corporis inter congénères palaearcticas jam pri-
mo aspectu facile distinguenda; secundum tabulas dichotomicas cl. Schlet-
tereri (1. c, pp. 381 — 386; 393 — 395) 6. laevicipiti Schlett. subaffinis,
a quo, praeter colorem nonnullarum partium corporis, hujus maxima parte
copiose sericeo-pubescenti, antennis longioribus, flagelli articulo 3° in S
secundo fere duplo longiore, capite haud polito quamquam nitidulo, sculptu-
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 23.
212 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MUSEI ZOOLOGICI [ï. XIII
ra mesonoti coxarumque posterior urn subtiliore etc. longe discedere vide-
tur; a G. dimidiato m. (vide supra), cui primo aspectu haud dissimilis, an-
tennis fortioribus, capitis parte occipitali latiore et minus elongata, pronoti
denticulis humeralibus subnullis, pronoto rufescenti multo minus distincte
nec regulariter punctato, metatarsis posterioribus paulo brevioribus, colore
pedum diverso, p'ubescentia sericea capitis, thoracis et segmenti mediani
magis densa et copiosa aliisque signis valde divergens.
22* Gasteryption sabulosum Schlett.
(Schletterer. L. c, p. 423).
Sibiria orientalis: Minussinsk (Dr. F. Morawitz; legit Martjanow).
— Sibiria orient.: montes Bureja (Dr. G. Radde). — Sibiria orient.: Amur
(Acad. Dr. L. a Schrenck).
3 specimina (3 $).
Quae specimina sibirica invicem sat diversa non sine ullo dubio ad Gas-
teryption sabulosum Schlett., Tirolis incolam, refero, quamquam ea cum
descriptione citata figurisque cl. Schlettereri (1. c, tab. XIX, fig. 71«,
71b) satis congruunt, nisi quod specimen amurense et minussinskense coxis
posterioribus distincte transversim rugulosis, mesonoti parte posteriore (pone
suturam crenulatam) minus fortiter sculpta nec non magnitudine paulo
majore (17 mm.) gaudent; individuum autem burejense (18 mm. longum)
mesonotum habet e contrario fortiter crebreque punctatum.
Quam ob rem hanc speciem aream geographicam valde latam occupare
atque, quoad sculpturam mesonoti, nonnihil variabilem esse censeo.
23.* Gasteryption sibiricuni, sp. n.
$. Nigrum, abdominis segmentis anterioribus late rufo-cingulatis, tegu-
lis, pedibus 4 anterioribus nec non antennarum flagello inde ab articulo 3°
rufescenti-fuscis, tibiis metatarsisque posterioribus late albido-signatis.
Antennis sat gracilibus, flagelli articulo 1° suboblongo nec ullo modo trans-
verso, 2° hoc sesqui longiore, 3° praecedentibus duobus simul sumptis haud
breviore. Capite oblongo, omnino simpliciterque subopaco, antice et in inferi-
ore parte temporum sat copiose subtiliterque argenteo-pubescenti, fronte linea
laevigata distinctissima supra antennas instructa, parte occipitali subelonga-
ta marginem posticum versus modice rotundato-angustata, hoc simplici, tenu-
iter carinatim subelevato, sine foveolis; distantia inter marginem occipitalem
et ocellos posteriores distincte longiore quam spatium inter ocellos posterio-
res; hoc flagelli articulum 2 nm fere superante, distantia ocellorum posteriorum
ab oculis flagelli articulo 1° vix breviore; genis flagelli articulo 1° distincte
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 2-t.
T. XIIl] ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. III. FAMILIA EVANIIDAE. 213
brevioribus. Collo evidenter breviore quam distantia inter radicem alarum
et marginem anticum mesonoti. Pronoti utroque angulo humerali denticulo
subtili et acutiusculo, distincte extrorsum prominulo munito. Mesonoto
valde opaco, subtilissime fere microscopice subtransversim ruguloso subti-
literque disperse punctato, post suturam crenulatam ad latera simpliciter
opaco; parte antica lineolis divergentibus distinctissimis instructa. Scutello
opaco, impunctato. Segmente mediano sat regulariter fortiterque reticulato-
rugoso. Lateribus sterni, segmenti mediani coxarumque posticarum subti-
lissime nec nimis copiose sericeo-pubescentibus. Terebra longitudinem cor-
poris distincte superante; vaginis apice late albatis. Coxis posterioribus dis-
tincte subtransversim rugulosis. Metatarsis posterioribus ejusdem tarsi arti-
culis ceteris siraul sumptis subaequalibus. Alis pure hyalinis; nervis stigma-
teque dilute fuscis.
Long. 15 mm.
Sibiria centralis: Krasnoyarsk (Dr. F. Morawitz; legit Streblov).
1 specimen (1 Ç).
0. sabuloso Schlett. (1. c, p. 423) proximura, a quo solum flagelli
articulo 1° paulo longiore, 2° hoc tantum sesqui (nec duplo) longiore, 3°
praecedentibus duobus simul sumptis haud vel vix breviore, capitis parte
occipitali paulo minus elongata, mesonoto aliter sculpto, lineolis divergen-
tibus distinctissimis in parte anteriore notato nec non alis pure hyalinis
distinguendum.
24.* Gasteryption Krieclibaumeri Schlett.
(Schletterer. L. c„ p. 426).
Sibiria orientalis: latus bor. -orient, lacus Baical (Dr. G. Radde).
1 specimen (1 3)\
Quod specimen, tantum 13 mm. attingens, differt a descriptione figu-
risque cl. Seh lettered (1. c, p. 426; tab. XIX, fig. 74a, 746) flagelli
articulo 1° et praesertim 2° paulo brevioribus, denticulis humeralibus pro-
noti subtilibus, acutiusculis, parum prominulis, metatarsis posticis nigris
unicoloribus abdominisque segmentis anterioribus tantum anguste rufo-annu-
latis; ceteris autem notis omnino cum descriptione auctoris citati congruit.
25* Gasteryption granulithorax Tourn. n )
(Schletterer. L. c, p. 427).
Andalusia (Dr. 0. Staudinger).
1 specimen (1 $).
11) Haec species oecurrit sec. Schletterer (1. c, p. 428) etiam in Transcaucasia, ergo
ad faunam rossicam pertinet.
lÎDlletin N. S. III (XXXV) p. 25. j 5 *
214 ANDREAS SE MENOW, REVISIO HYMENOPTERORUM MUSEI ZOOLOGICI [ï. XIII
26. Gasteryption forticorne, sp. n.
S. Nigrum, tegulis rufo-piceis, tibiis posterioribus basi anguste albido-
signatis, tibiis tarsisque anterioribus plus minusve rufescentibus, metatarsis
posticis abdomineque toto nigris unicoloribus. Antennis sat fortibus, cras-
siusculis, scapo brevi, flagelli articulo 1° brevissimo, transverso, 2° brevi
quoque, sed praecedentem circiter l 2 / 3 superante, 3° duobus praecedentibus
simul sumptis evidenter longiore. Capite mediocri, sat brevi, opaco, vertice
pone ocellos tenuissime (fere microscopice) transversim striolato, facie dis-
tincte albido-sericeo-pubescenti ; parte occipitali sat brevi marginem posti-
cum versus fortiter buccato-rotundata leviterque subangustata, hoc simplici,
haud acuto ; distantia inter marginem occipitalem et ocellos posteriores dis-
tincte sed parum longiore quam spatium inter ocellos posteriores; hoc fla-
gelli articulo 2° paulo longiore, distantia ocellorum posteriorum ab oculis
flagelli articulo 2° subaequali; genis subelongatis, flagelli articulo 1° dis-
tincte longioribus. Collo brevi et crasso, multo breviore quam distantia
inter radicem alarum et marginem anticum mesonoti. Pronoti denticulis hu-
meralibus non prominulis. Mesonoto antice grosse irregulariterque rugoso,
lineolis divergentibus fere inconspicuis, post suturam crenulatam minus
indicatam eodem modo sed paulo vadosius rugoso, ad latera etiam fere
coriaceo. Scutello indeterminate rugoso-punctulato, nitido. Segmento media-
no fortiter irregulariterque subreticulato-rugoso. Collo, pronoto, lateribus
sterni, segmento mediano fere toto coxisque posterioribus externe longius et
sat dense subargenteo-pubescentibus. Coxis posticis fortiter rugulosis. Me-
tatarsis posterioribus ejusdem tarsi articulis ceteris simul sumptis vix bre-
vioribus. Alis distincte subfumatis; nervis stigmateque fuscis.
Long. 12 mm.
Andalusia (Dr. 0. Staudinger).
1 specimen (1 S).
Secundum tabulam synopticam specierum palaearcticarum cl. Schlet-
tereri (1. c, pp. 393 — 395) proxime accedit tantum 0. granulithoraci
Tourn., a quo tarnen antennis fortioribus et praesertim crassioribus, capitis
parte occipitali aliter formata, margine postico haud acuto, genis distinctis-
simis et nonnihil elongatis, coxis posterioribus irregulariter rugosis, alis
leviter fumosis etc. facile distinguendum est.
27. Gasteryption caffrarium Schiett.
(Schletterer. L. c, p. 430).
Africa meridionalis (Klug).
1 specimen (1 2).
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 26.
T. Xlll] . ACADEMIAE CAESAREA E SCIENT. PETROPOLIT. III. FAMILIA EVANIIDAE. 215
In individuo nostro, quod cum descriptione cl. Schlettereri satis con-
gruit, tibiae et metatarsi posteriores badii unicolores sunt. Hoc specimen a
el. Klug olim sub nomine verisimiliter museali «Foeni irroratoris Kl.»
acceptum erat.
28* GasterypiiOD sartor Schlett.
(Schletterer. L. c, p. 476).
Nova Granada (Dr. 0. Staudinger. 1872; legit a Nolcken).
1 specimen (1 9).
Gen. III. AulaCUS Jur.
(Schletterer. L. c, p. 489).
l.* Aulacus striatus Jur. 12 )
(Schletterer. L. c, p. 501).
Distridus Dankowensis provinciae Bjazanensis (A. Semenow. 6. VI.
1890) 13 ). — 3 specimina sine indicatione incolatus, verisimiliter e Germania
(Brischke).
4 specimina (4 cf).
2.* Aulacus sibiricola, sp. n.
3. Gracilior, nigro-piceus, abdominis segmentis duobus basalibus rufo-
cingulatis, antennarum scapo, epistomate, partibus oris pedibusque (coxis
exceptis) flavo-testaceis, femoribus tibiisque posterioribus plus minusve
infuscatis. Antemiis modice tenuibus, scapo valde incrassato quam articulus
sequens distincte longiore et multo crassiore; flagelli articulo 2° primo
duplo longiore, 3° secundo et primo simul sumptis distincte longiore. Capite
hemisphaerico, nitido, fronte et vertice convexis, ilia tenuiter crebreque
ruguloso-punctata, hoc pone stemmata disperse simpliciterque punctulato,
facie, genis frontisque maxima parte (praesertim secundum orbitas oculorum)
sat dense pubescentibus ; genis antennarum scapo vix longioribus; margine
occipitali postico angustissime leviterque subelevato; oculis mediocribus
nonnihil subovalibus; ocellis posterioribus ab oculis sesqui plus quam longi-
tudo articuli l 1 flagelli distantibus. Pronoto absque denticulis et processubus
lateralibus. Mesonoti parte media convexa, haud impressa ideoque parum
12) Cf. Jaroschewsky. L. c, p. 393.
13) Hoc specimen (^), quod a reliquis magnitudine majore discedit, ad villam rusticam
patris mei Gremjatschka dictam in trunco exsiccato Betulae albae, quern Xiphydriae cameli L.
individua nonnulla pluries frequentabant, die 6° Junii a. 1890 cepi.
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 27.
216 ANDREAS SEMEN0W, KEVISIO HYMENOPTERORUM MUSEI ZOOLOGICI [T. XIII
cordiformi, minus determinate quam in speciebus affinibus, attamen distincte
grosseque transverso-striata, lobis lateralibus confuse punctato - rugosis.
Scutello indeterminate irregulariterque transverso-rugoso. Segmento medi-
ane- fortiter acuteque subreticulato-rugato; spatio inter metanoti marginem
posteriorem et insertionem petioli abdominalis longiore quam in speciebus
affinibus. Abdomine fortiter compresso (forsan fortuitu?), petiolo elongato et
basin versus valde attenuate, longitudine spatium inter-alarem multo super-
ante, sed quam abdominis ipsius longitudo breviore, toto (usque ad basin)
laevigato. Pedibus longis et gracilibus. Coxis posterioribus elongatis tenuiter
sed sat fortiter transversim rugulosis vel potius ruguloso-coriaceis, externe
longitudinaliter distincte carinulatis. Femoribus tibiisque longis et valde tenu-
ibus. Tarsorum posticorum metatarso articulis reliquis simul sumptis multo
longiore. Unguiculorum margine interno denticulis duobus parvulis armato.
Alis hyalinis, leviter (praesertim basin versus) flavescentib us, maculis obscu-
ris nullis, nervis dilute rufescentibus, stigmate pallide lutescenti, translucido;
alis anticis cellulis cubitalibus duabus, discoidali prima et cubitali secunda
venula interposita (etsi brevi, attamen bene distincta) separatis, cellula
radiali valde elongata, nervo radiali inde ab apice cellulae cubitalis primae
usque ad finem recto; alis posticis cellulis duabus venula brevissima inter-
posita separatis distincte indicatis.
Long. 11 mm.
Sibiria centralis: ad fi. Tunguskam Inferiorem (A. Czekanowsky. 12.
VIII. 1873).
1 specimen (1 cT).
Species propter nonnulla signa, imprimis autem propter innervationem
alarum posticarum evidenter indicatam, egregia; ab A. striato Jur. differt:
statura multo graciliore, antennis crassioribus et paulo (proportionaliter)
brevioribus, scapo magis incrassato, flagelli articulo 3° longiore, longitudi-
nem articulorum duorum antecedentium simul sumptorum distincte super-
ante; sculptura capitis diversa, fronte et praesertim vertice multo conve-
xioribus, margine occipitali postico acutiore, oculis paulo majoribus, genis
brevioribus; spatio inter metanotum et insertionem petioli abdominalis
evidenter longiore; abdominis compressi petiolo valde elongato et basi atte-
nuate; pedibus multo longioribus et gracilioribus, tarsorum posteriorum
metatarsis proportionaliter multo longioribus; alarum anticarum venis stig-
mateque multo dilutioribus, cellula radiali longiore, alis posticis venis dis-
tincte indicatis, etsi non terminatis. A ceteris congeneribus palaearcticis (i. e.
ab Aulacis: Esenbecki Dlilb., gloriatore F. et Patrati Serv.) facilius adeo
distinguenda.
Bulletin M. S. III (XXXV) p. 28.
T. Xlll] ACADEMIAE CAESAREAE SCIENT. PETROPOLIT. III. FAMILIA EVANIIDAE. 217
3* Aulacus Patrati Serv. u )
(Schletterer. L. c, p. 505).
Babai provinciae CharJcowensis (J. Schewyrew. 18. et 23. VI. 1883).
— Momsterium Kurjazhskij ejusdem provinciae (J. Schewyrew. 4. Vit.
1884).
6 specimina (4 <?, 2 9). .
4.* Aulacus Morawitzi, sp. d.
9. Major, robustior, piceo-niger, antennarum scapo inferne, abdomine
pedibusque (coxis exceptis) fusco-rufescentibus , breviter et sat sparsim
griseo-pubescens. Antennis tenuiter setiformibus, apicem versus sensim
fortiterque attenuatis, scapo incrassato, quam articulus sequens evidenter
sed parum longiore et multo crassiore; flagelli articulo 2° primo fere triplo
longiore, 3° secundo et primo conjunctis vix longiore. Capite sat valido,
desuper viso subquadrangulo, nitido, omnino laevi et impunctato (solum
inconspicue microscopice punctulato), sparsim et tenuiter pubescent!, vertice
et fronte parum convexis, illo utrinque pone ocellos posteriores leviter
foveolatim impresso, hac impressionibus longitudinalibus vel foveis nullis;
genis antennarum scapo distincte longioribus; margine occipitali postico
omnino simplici, nec elevato nec reflexo ; oculis sat magnis oblongo-ovalibus ;
ocellis posterioribus invicem et ab oculis circiter climidio articuli 2 1 flagelli
distantibus. Pronoto antice utrinque dente validiusculo, triangulari apiceque
sat acuto munito, processubus lateralibus nullis. Mesonoti parte media regu-
lariter cordiformi, crasse et subremote transversim rugata, fortiter pro-
fundeque longitudinaliter sulcata, parte postica medio tenuiter carinulata,
utrinque ad carinulam breviter transversim striata. Scutello minus deter-
minate transversim rugato. Segmento mediano grosse acuteque subreticulatim
rugato; spatio inter metanoti marginem posteriorem et insertionem petioli
abdominalis haud nimis longo. Abdomine fortissime clavato, leviter com-
presso; petiolo sublongo (fere ut in A. Patrati S er v.), toto usque ad basin
laevi. Terebra corpore toto evidenter breviore, sed longitudinem abdominis
distincte superante, valvulis usque ad apicem nigris, unicoloribus. Coxis
posterioribus apice interne haud productis, superne politis et valde nitidis,
punctis tantum perpaucis indeterminatis vage adspersis. Tarsorum posti-
corum metatarso articulis reliquis simul sumptis subaequali. Unguiculorum
margine interno distincte acuteque 3 -denticulate. Alis hyalinis non fumosis,
14) Cf. Jaroschewsky. L. c, p. 396.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 29.
218 ANDREAS SEMENOW, REVISIO HYMENOPTEKORUM ETC. [t. XIII
anticis macula parvula parumque determinata apicem cellulae cubitalis
primae haud superante sub stigmate notatis, cellulis cubitalibus duabus,
discoidali prima et cubitali secunda contiguis, cellula radiali valde elongata,
nervo radiali iude ab apice cellulae cubitalis primae usque ad finem fere
recto; nervis stigmateque fuscis, hoc in medio dilutiore.
Long. 12% mm.
Provincia Transcaspica sine indicatione loci magis determinata; verisi-
militer e montibus Kopet-dagh prope oppidum Aschabad (Dr. F. Morawitz;
legit K. Eylandt).
1 specimen (1 £).
Haec species, quae propter caput impunctatum coxasque posteriores
politas nee non alarum anticarum maculam obscuram sub stigmate parvam
parumque determinatam facile dignoscenda est, Aulaco Patrati Serv. sat
affinis est, a quo tarnen longe discedit, praeter signa jam supra indicata,
praesertim terebra feminarum distincte breviore, capitis margine occipitali
nullo modo reflexo, alarum anticarum cellula radiali magis elongata etc.; a
ceteris congeneribus palaearcticis facilius adeo distinguenda est, utpote: ab
A. striato Jur. — statura majore et robustiore, coxis posterioribus politis
absque processubus dentiformibus in $, abdominis petiolo longiore, terebra
breviore, mesonoti parte media longitudinaliter profunde sulcata, alis anticis
sub stigmate maculatis, cellulis discoidali prima et cubitali 2 a contiguis- etc.;
ab A. Esenbecki Dhlb. — terebra corpore evidenter breviore, tibiis posticis
politis, alis anticis haud flavis sub stigmate distincte (etsi indeterminate)
maculatis, cellulis discoidali l a et cubitali 2 a contiguis etc.; ab A.gloriatore F.
— coxis posticis politis, capite impunctato, mesonoti parte media longitu-
dinaliter profunde sulcata, vena interposita inter cellulas discoidalem l am et
cubitalem 2 am omnino nulla etc.; ab A. sibiricola m. (vide supra) — statura
majore et multo validiore, petiolo abdominali breviore, capite impunctato,
coxis posticis politis, antennis tenuioribus et brevioribus, metatarsis posticis
brevioribus, alarum anticarum sub stigmate maculatarum cellulis discoidali
l a et cubitali 2 a contiguis, alis posticis nervis omnino destitutis etc.
Hanc egregiam speciem meritissimo hymenopterologo rossico D-ri Fer-
dinando Morawitz dedicavi.
Bulletin N. 8. Ill (XXXV) p. 80.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIBÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.-PÉTERSBOURG.
tome xm.
Ichthyologische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der Kaiser-
lichen Akademie der Wissenschaften, von S. Herzenstein. (Lu le
12 février 1892).
III 1 ).
ARGYROCOTTCTS gen. nov. (Cottidarum).
Pinna dorsalis spinosa radiosa brevior. Ventrales longissimae, apicibus
ultra pinnae analis initium valde productae. Membranae branchiostegae
unitae plicam latam ad isthmum haud adnatam formantes. Fissura post bran-
chiam ultimam nulla. Dentés vomerini evoluti, palatini nulli. Cutis scutis
osseis vel squamis omnino carens.
Diese neue Gattung erinnert durch ihre sehr langen Ventralen 2 ) an
Melletes Bean, von der sie aber durch das Fehlen der Spalte hinter der
letzten Kieme und der Gaumenzähne, sowie durch vollkommene Abwesen-
heit der Schuppen abweicht.
Argyrocottus Zanderi n. sp. 3 )
9679. Post Korsakow (Ins. Sachalin). Dr. Zander 1890 (1).
D. 8/15. A. 13. P. 14 4 ). V. 3. Cd. 18.
A. altitudine corporis 4 5 / 9 , longitudine capitis 3V 5 in longitudine corpo-
ris. Oculis diametro 3 5 / 6 in longitudine capitis, diametro 9 / ]4 dis-
tantibus. Cristis duabus vix evolutis in vertice. Praeopercu-
lum spinis 3 parvis armatum. Ventralibus radium penultimum
1) S. Bulletin de l'Acad. Impér. d. Sciences de St.-Pétersbourg, Nouvelle Série II (XXXIV),
p. 23 und 49. Die Nummern etc. haben hier dieselbe Bedeutung wie in den früheren Bemer-
kungen.
2) Auf die Bedeutung dieses Kennzeichens werde ich weiter unten, in den Bemerkungen
zur Beschreibung der Art, zurückkommen.
3) Diese Art habe ich Herrn Dr. Zander zu Ehren benannt, der sie entdeckt und mit
anderen Sammlungen der Schule der Reformirten Gemeinden zu St. Petersburg geschenkt hat.
Dank dem freundlichen Entgegenkommen des Herrn Oberlehrers R. Haage hat das Zoolo-
gische Museum die Möglichkeit gehabt, aus den Sammlungen des Herrn Dr. Zander die in
wissenschaftlicher Hinsicht werthvollen Objecte tauschweise zu acquiriren.
4) Den untersten, ganz rudimentären Strahl nicht mitgerechnet.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 49.
220 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
pinnae analis attingentibus. Corpore fusco, in lateribus et in
ventro argenteo-maculato ; pinnis dorsalibus obscuris, prima in
medio maculis tribus hyalinis ornata, anali in radiis obscure
maculata et infra obscure marginata; pinnis pectoralibus et ven-
tralibus maculis et vittis obscurioribus ornatis.
Die grösste Körperhöhe, welche ca. 4% mal die kleinste übertrifft, ist
4 5 / 9 mal in der Körperlänge enthalten.
Die Kopflänge, welche 2 l / w mal die Kopfbreite und l 2 / 5 mal die Kopf-
höhe übertrifft, macht 5 / lc der Körperlänge aus. Der Augendiameter, welcher
3 5 / 6 mal in der Kopflänge und l 5 / 6 mal in der Länge des postorbitalen Kopf-
abschnittes enthalten ist, übertrifft 1% mal die Breite des etwas concaven
Interorbitalraumes. Das hintere Ende des Oberkiefers fällt unter das Augen-
centrum ; der Unterkiefer wird vom Oberkiefer etwas überragt. Die Bewaff-
nung des Kopfes besteht aus zwei gut entwickelten spitzen Nasendornen,
die sich vor und zwischen den Augen befinden, und aus drei Stacheln am
Praeoperculum. Von den letzteren ist der obere etwa x / 2 Augendiameter lang
und nach oben gerichtet; der mittlere, kürzere und mehr einem dreieckigen
Zahne ähnliche, entspringt nahe am vorhergehenden und sieht nach hinten ;
endlich ist der ganz schwache und durch einen merklichen Zwischenraum
von dem mittleren getrennte untere Stachel nach unten gerichtet. Die sehr
schwache Leiste am Operculum endet hinten in eine unbedeutende Spitze,
die aus der Haut gar nicht hervorragt. Der Stachel am vorderen unteren
Winkel des Suboperculum erscheint höchstens als ein kaum merkliches
Rudiment. Der kaum vertiefte Scheitel wird von zwei schwachen Leisten
seitlich begrenzt, die vom oberen hinteren Orbitalrande etwas convergirend
nach hinten ziehen. An der Oberseite des Kopfes, namentlich an dem Inter-
orbitalraum und am Scheitel, sieht man mehrere Poren mit etwas aufge-
wulsteten Rändern. Die bürstenförmigen Zähne bilden am Zwischen- und
Unterkiefer je eine breite, nach hinten sich etwas verjüngende Binde.
Die Seitenlinie wird von ca. 35 Röhrchen gebildet, von denen jedes
einen kurzen Ast nach oben und unten sendet. An den Seiten finden sich
spärliche zarte kaum merkliche Stacheln.
Die Länge des längsten Strahles der ersten Dorsale macht eine Hälfte
der Kopflänge aus; ein geringer Zwischenraum trennt die erste Dorsale von
der ungefähr gleich hohen zweiten. Die Pectoralen, deren Spitze bis zur
Verticale des 9 n Strahles der zweiten Dorsale reicht, besteht nur aus un-
getheilten Strahlen; zwischen den sieben unteren dieser Strahlen erscheint
die Flossenhaut mehr oder weniger deutlich ausgeschnitten. Ausserdem
weisen die unteren Pectoralstrahlen an ihrer inneren Seite mehr oder weniger
deutliche Tuberkeln auf. Die ausserordentlich langen Ventralen reichen
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 50.
T. Xin] . ZOOLOß. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 221
mit ihren Spitzen beinahe bis zum vorletzten Strahle der Anale. Von ihren
Strahlen sind die beiden obersten ungefähr von gleicher Länge, während
der innere etwa um x / 3 kürzer erscheint. Die die beiden äusseren Strahlen
verbindende Membran ist merklich weniger als bis zur Mitte, diejenige
zwischen dem 2 n und 3 n Strahle bei nahe bis zum Grunde ausgeschnitten, so dass
der dritte Strahl beinahe frei erscheint. Die Innenseite der Ventralstrahlen
zeigt mehr oder weniger entwickelte spitze Höckerchen. Die Länge der
hinten etwas abgestuzten Caudale macht x / 5 der Körperlänge aus. Der Ab-
stand der Caudalbasis vom hinteren Ende sowohl der Anale als auch der
Dorsale ist etwa 2 / 9 der Körperlänge gleich.
Die Entfernung des Afters von der Schnauzenspitze gleicht 4 / 9 der Kör-
perlänge. Die Genitalpapille fehlt.
Die Färbung erscheint ebenso hübsch, wie eigenthümlich. Die Grundfarbe
des Körpers und Kopfes ist bräunlich, dabei an der Oberseite ziemlich
dunkel, auf dieser Grundfarbe finden sich silberige mehr oder wenig deutlich
dunkel umrandete Flecken und zwar: ein streifenförmiger, welcher vom
vorderen unteren Orbitalrande zum Unterkiefergelenke verläuft; ein eben-
solcher, der vom hinteren unteren Orbitalrande zum Winkel des Praeoper-
culum zieht; zwei übereinander stehende dicht vor der Pectoralbasis ; eine
Reihe von 6 grösseren unregelmässigen Flecken längs der Mitte der Flanken;
ein Haufen kleinerer unter der letztgenannten Reihe, an der von der zurück-
gelegten Brustflosse bedeckten Strecke; zwei kleinere unregelmässige und
hinter diesen ein V-förmiger, mit der Spitze nach hinten gerichteter Fleck
auf der Bauchseite, zwischen dem Brust- und Bauchflossengrunde. Die
erste Dorsale ist, abgesehen von einigen an ihrem oberen Rande befindlichen
milchweissen dunkelpunktirten Flecken, schwärzlich, zwischen den basalen
Hälften des 4 n bis 6 n Strahles dagegen vollkommen glashell. Ein ebenfalls
glasheller kleiner ovaler Fleck befindet sich vor und nahe dem Grunde des
4 n Strahles; ein anderer ähnlicher— hinter dem 6 n Strahl und dicht an dessen
Grunde; neben diesen kleinen hellen Flecken wird die dunkle Flossenfärbung
etwas intensiver. Die zweite Dorsale erscheint gleichmässig dunkel und weist
höchstens Spuren einer Zeichnung auf. Die Anale ist durchsichtig farblos,
mit einem dunkleren unteren Rande und 2 — 3 dunklen Flecken auf jedem
Strahle. Die Caudale ist einförmig dunkel, nur der oberste und unterste
Strahl zeigt schwärzliche mit helleren Zwischenräumen abwechselnde Flecken.
An den Pectoralen sieht man schiefe dunkle Streifen, an den Ventral-
strahlen — dunkle Ringe, ebenso wie dunkle Längsstreifen an der die beiden
oberen Strahlen verbindenden Haut, und zwar je einen an der inneren Seite
jedes dieser Strahlen.
Die Totallänge erreicht 92 mm.
Bulletin N. S. III (XXXT) p. 51. jg
222 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [T. XIII
Die ausserordentliche Länge der Ventralen des untersuchten Exem-
plares kann sich, nach den bekannten Verhältnissen bei den Cottiden, z. Th.
als mit dem vielleicht männlichen Geschlechte desselben zusammenhängend
erweisen 5 ). Wenigstens bemerken Jordan und Gilbert in Betreff der
typischen Art der Gattung Melletes, welche auch durch sehr lange Ven-
tralen charakterisirt wird: «ventrals... extending to the seventh anal ray
(cf )» 6 ). Aber auch vorausgesetzt, dass Weibchen von Argyrocottus kürzere
Ventralen hätten, werden doch diese Flossen wahrscheinlich viel länger als
die entsprechenden Flossen der Weibchen bei der Gattung Cottus"') er-
scheinen, mit der unsere neue Gattung in den übrigen Organisationsver-
hältnissen übereinstimmt.
Sollte sich doch das meiner Meinung nach weniger Wahrscheinliche
bestätigen, sollte also das Weibchen von der im Vorliegenden beschriebenen
Form in der Bildung der Ventralen von den Weibchen der Cottus-Arten
nicht abweichen, so wäre ich trotzdem geneigt, die Gattung Argyrocottus
aufrecht zu erhalten. Denn die in Rede stehende Form bietet auch eine
auffallende eigenthümliche Zeichnung, die meines Wissens den Gottus-Arten
ganz fremd ist. Dieselbe erinnert vielmehr an die Zeichnung mancher japa-
nischer Gentridermichthys- Arten, die neulich von Steindachner und Dö-
derlein beschrieben worden sind. So wird z. B. in Betreff des Gentrid.
argenteus Död. unter Anderem bemerkt: «unter der Seitenlinie zeigen sich
mehrere grosse silberglänzende Flecken... Erste Rückenflosse in der Mitte
glashell und hinten bräunlich» 8 ).
5) Für das männliche Geschlecht unseres Exemplares sprechen auch die Höcker seiner
Pectoral- und Ventralstrahlen.
6) Jordan and Gilbert, Synopsis of the Fishes of North America, p. 716 (1882).
7) Im Sinne von Jordan und Gilbert, o. c, p. 700.
8) Steindachner und Döderlein, Denkschr. mthm.-ntrw. CI. d. Akad. Wien. LUI,
p. 258 (1887); vgl. auch id. XLIX, pp. 210—211 (1884). — Die genannten Autoren fassen solche
Färbungscharaktere z. Th. als Jugendkennzeichen auf, indem sie schreiben (id. LUI, p. 259
[1887]): «Die Jugendformen . . . besitzen wohl sämmtlich unterhalb der Seitenlinie ein mehr
oder weniger in Flecken aufgelöstes helleres Band, das bei vielen einen Silberglanz zeigt».
Diese Bemerkung kann übrigens nicht für alle Centridermichthys-Arten gelten; wenigstens
sollen die Jungen von C. uncinatus Reinh. das für die meisten Cottiden «normale» Jugend-
kleid, d. h. dunkle Querbinden am Körper, zeigen (Collet, Norske Nordhavs-Expedition
1876-1878, Zoologi, Fiske, p. 32 [1880]; cf. auch p. 24).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 52.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 223
Macrurus coelorhynchus Ris so.
(Specimen anomalum).
9680. Madeira. Dux a Leuchtenberg.
ID. 10. 2D.-f-Cd.-i-A.=34-+-10-H42 9 ). P. 20. V. 7. Lin. lat.ca. 70
20
Die Körperhöhe ist 5 mal in der Länge des hinten abgestutzten Körpers
enthalten.
Die Länge des Kopfes, welche 2% mal seine Breite und l 5 / 6 mal
seine Höhe übertrifft, ist 3y 5 mal geringer als die Körperlänge. Der hori-
zontale Augendiameter, welcher merklich grösser als der verticale erscheint,
macht 5 / u der Kopflänge aus und übertrifft die Breite des Interorbitalraumes
1% mal; die Länge des postorbitalen Kopfabschnittes ist 2 3 / 4 mal in der
Kopflänge enthalten. Die Schnauze läuft ziemlich spitz aus und die Mund-
spalte liegt vollständig auf der unteren Kopfseite, so dass ihr Vorderende
ungefähr unter dem Vorderrande des Auges, die Mundwinkel etwas hinter
der Mitte desselben liegen. Am Kopfe sieht man mehrere Leisten, und zwar
jederseits eine, die vom Schnauzenende beginnt und dann nahe dem Orbi-
talrande verläuft, um am nach hinten und unten gerichteten Praeopercular-
winkel zu enden; eine zweite, die gleichsam eine Fortsetzung des oberen
Orbitalrandes bis zum oberen Ende der Kiemenspalte bildet; eine dritte,
welche etwas nach innen von der Mitte des oberen Augenrandes beginnt
und nach hinten und oben, zum Hinterhaupt hin, verläuft. Die aufgezählten
paarigen Leisten sind die auffallendsten und die erste von ihnen bildet
gleichsam eine scharfe Grenze zwischen der oberen und unteren Kopfseite.
Dann existirt noch auf der Oberseite der Schnauze eine minder stark aus-
geprägte mediane Erhebung, die bis zum vordersten Theil des Interorbital-
raumes sich erstreckt und beiderseits durch je eine sehr schwache Leiste
begrenzt wird; die beiden letztgenannten Leisten setzen sich etwas conver-
girend ziemlich weit nach hinten fort. Das Praeoperculum ist ziemlich weit
nach hinten und unten vorgezogen, so dass der Abstand vom Winkel des-
selben bis zum nächsten Punkt des Orbitalrandes ungefähr doppelt so gross
ist als der Abstand vom oberen Ende des Vordeckels bis zu einem entspre-
chenden Punkte des Orbitalrandes. Die Länge des Kinnbartels macht unge-
fähr Y 2 Augendiameter aus. Die bürstenförmigen Zähne bilden im Ober-,
sowie im Unterkiefer eine ziemlich schmale Binde, die die Mundwinkel nicht
erreicht.
9) Da diese Flossen (d. h. die 2. Dorsale, die Caudale und die Anale) bei den Macrurus-
Arten ununterbrochen in einander übergehen, so ist es selbstverständlich schwierig, die Zahl
der Strahlen für jede derselben besonders anzugeben, und deshalb führt man in den Beschrei-
bungen oft nur die Gesammtzahl an. Im vorliegenden Falle fasse ich als Caudale die Gruppe
der dichter stehenden Strahlen, die das abgestutzte Hinterende des Körpers einnehmen.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 53. jg*
224 S. HERZENSTEIN, IÖHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
Die Beschuppung bedeckt beinahe den ganzen Körper und Kopf. Am
Körper sind die Schuppen mit dicht stehenden wohl entwickelten Dörnchen
besetzt, welche an den unregelmässigen Kopfschuppen, namentlich an der
Unterseite des Kopfes, viel schwächer erscheinen; doch zeigen die Schup-
penbildungen an den oben aufgezählten Leisten' einen stärkeren Dorn-
besatz. Kahl sind: ein kleiner]dreieckiger Raum dicht vor dem Vorderrande
der Mundspalte, 2 Linien beiderseits am Kopfe, welche vom Ende der 2°
und 3 n der oben aufgezählten Leisten zum Anfange der Seitenlinie verlaufen;
ein lanzettförmiger Raum zwischen den Ventralen.
Der erste und zugleich höchste Strahl der ersten Dorsale zeigt keine
Zähnchen an seinem Vorderrande und ist kaum hinter dem Brustflossen-
grunde eingelenkt; seine Höhe macht 3 / 5 der Kopflänge aus. Die vordersten
Strahlen der zweiten Dorsale, welche von der ersten etwa durch einen
Raum getrennt ist, welcher der doppelten Basallänge dieser letzteren gleich-
kommt, sind ganz kurz; nach hinten werden sie länger, und zwar macht die
Länge des hintersten etwa 1 / 3 Augendiameter aus. Die Länge der Ventralen,
deren äusserster Strahl in einen kurzen Faden ausgezogen ist, ist 7 8 / 8 mal
in der Körperlänge enthalten. Der Anfang der Anale steht etwas hinter
dem letzten Strahle der ersten Dorsale. Die Analstrahlen, namentlich
die hinteren, übertreffen an Länge die Strahlen der 2 n Dorsale und können
der Länge des postorbitalen Kopfabschnittes gleichkommen. Die Länge der
mittleren Caudalstrahlen macht ungefähr dieselbe Grösse aus.
In Betreff der Färbung ist nur zu bemerken, dass die Anale am schmä-
leren basalen Theile durchsichtig, am breiteren peripheren schwärzlich
erscheint.
Die Totallänge macht 295 mm. aus.
Wie aus der ausführlichen Beschreibung zu ersehen ist, stimmt unser
Exemplar in allen Verhältnissen mit M. coelorhynchus Risso überein, unter-
scheidet sich aber durch die ausserordentlich geringe Zahl der Flossen-
strahlen nicht nur von demselben, sondern überhaupt von allen Macrurus-
Arten, ja sogar von allen Macruriden, welche in so grosser Zahl durch die
Tiefsee-Expeditionen 10 ) bekannt geworden sind. Zuerst war ich geneigt, das
untersuchte Exemplar als einer neuen Art angehörend anzusehen. Nun habe
ich aber von Herrn Prof. Léon Vaillant auf meine Anfrage, ob sich nicht unter
den von ihm in «Expéditions scientifiques du Travailleur et du Talisman
pendant les années 1880, 1881, 1882, 1883. Poissons (Paris 1888)» 11 ) aus
dem Atlantischen Ocean beschriebenen Macrurus- Arten etwa eine solche
10) «Challenger», «Blake», «Travailleur», «Talisman», «Albatros», «Investigator».
11) Dieses "Werk fehlt leider unserer Bibliothek.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 54.
T. Xin] ZOOLOG. MÜSEÜM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 225
wenigstrahlige Form findet, die freundliche Antwort erhalten, worin der
Pariser Ichthyologe unter Anderem schreibt: «je n'ai rien qui ressemble au
Macrurus dont vous me parlez, mais ce que vous m'en dites me ferait peut-
être croire qu'il s'agit d'un individu mutilé accidentellement et dont la cau-
dale serait en voie de réparation. C'est ce... que j'ai observé sur un Poisson
de même forme. quoique d'un groupe très différent, un Notacanthus dont j'ai
fait figurer la portion postérieure du corps à la PI. XXVII fig. 2 e du travail
sur les Poissons des Expéditions du Travailleur et du Talisman».
Ich habe es desshalb vorgezogen, mein Stück einstweilen nur für eine
Monstrosität des M. coelorhynchus Risso anzusehen, obwohl ich mir schwer
denken kann, dass diese Monstrosität durch zufällige mechanische Ver-
stümmelungen hervorgerufen worden sei; denn das Hinterende des Fisches
sieht gar nicht so aus, als ob es verletzt und nachher zugeheilt wäre; eher
haben wir es hier mit einer angeborenen Missbildung zu thun.
Salanx microdon Bleek.
9683. Tjanzsin. Putjata 1892.
Ich möchte hier dieses von der Chingan-Expedition des Herrn Oberst
Putjata stammende, kleine (ca. 52 mm. lange) Exemplar nur seines Fund-
ortes wegen erwähnen. Meines Wissens war diese Art bisher nur aus Japan
bekannt.
GYMNODIPTYCHUS, nov. gen. (Cyprinidarum).
Corpus in lateribus alepidotum. Pinna dorsalis brevis, anacantha, ven-
tralibus opposita. Analis brevis, caudalis furcata. Os inferum, mandibula
margine obtuso, acie cornea carens. Labium inferius carnosum, latum, ad
mentum spatio angusto solum interruptum. Cirrhus utrinque ad angulum
oris singulus. Plica cutanea utrinque squamis majoribus instructa anum
maximamque partem baseos pinnae caudalis includens. Dentés pharynge-
ales cochleariformes 4/3 — 3/4.
Die Formen, welche von mir zu dieser Gattung 12 ) gerechnet werden,
wurden bisjetzt als zur Gattung Diptychus Steind. gehörig angesehen.
Dies scheint mir aber aus mehreren Gründen unzulässig, denn der Autor
der Gattung Diptychus charakterisirt dieselbe u. A. folgendermaassen:
«tr uncus squamis parvis plus minusve obtectum... os inferum in aciem carti-
lagineam attenuatum, labiis modice evolutis» 13 ). Wie aus der Diagnose zu
12) Als Typus sehe ich G. DybowsMi Kessl. an.
13) Verhandlungen der Zool.-bot. Gesellschaft in Wien, Bd. XVI, p. 787 (1866).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 55.
226 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
ersehen, weicht unsere Gattung gerade in allen diesen Kennzeichen von
Diptychus ab 1 *).
Gymnodiptychus pachycheilus n. sp.
7281. Fl. Tetung. Przewalski 1880 (1).
7282. Chuanche pr. Gomi » » (2).
9423. Schin-tschen. Grumm-Grshimailo (1).
9424. » » » (2).
9425. Gumansy. » » (1).
9440. Bagi-Gorgi et Tschurmyn. Przewalski (1).
D. 3/8—9. A. 3/5. P. 1/18—19. V. 1/10. Lin. lat. ca. 95—100.
G. altitudine corporis 6y i0 — 5%, capitis longitudine 4% — 4}/ w in
corporis longitudine. Oculis 6% — 5 x / 8 in capitis longitudine,
diametris 2 — 1% distantibus. Cirris mediocribus lineam verticalem,
oculi marginem posteriorem tangentem, fere attingentibus. Pinnae
dorsalis initio in media corporis longitudine vel plus minusve ante
earn sito. Pinnis ventralibus sub pinnae dorsalis radio penultimo vel
paulo ante eum insertis. Spinis branchialibus in arcu primo 15 —
18 externis, 19 — 25 internis. Dorso obscure maculato.
Die grösste Körperhöhe, die 6y i0 — 5 5 / 9 mal in der Körperlänge ent-
halten ist, übertrifft l 3 / 9 — l 1 /, mal die postdorsale 15 ) und 3 x / 4 — 2% mal die
kleinste Körperhöhe. Die Länge des Schwanzstieles steht der Kopflänge
mehr oder weniger merklich nach, indem sie 5 7 / 9 — 4 4 / 5 mal in der Körper-
länge enthalten ist; die Höhe des Schwanzstieles wird 3 7 / 9 — 2 7 / 9 mal von
seiner Länge übertroffen.
Am Kopfe sind Stirn und Scheitel flach, wobei das obere Kopfprofil
sich bald allmählich zur Schnauzenspitze hin senkt, bald recht steil vor
den Augen abfällt. Die Kopflänge, welche 2 — l 7 / 9 mal die Kopf breite und
1% — 1% mal die Kopf höhe übertrifft, ist 4% — 4y i0 mal in der Körper-
länge enthalten. Der Augendiameter, welcher 1% — iy i0 mal im Abstände
vom Auge bis zum Vordeckel enthalten ist, wird 6 3 / 8 — b l / 8 mal von der
14) Günther (Catalogue of Fishes, VII, p. 171 [1868]) beschreibt die Unterlippe von
Diptychus folgendermaassen: «Lower jaw with a cutting anterior edge covered with a horny
sheath behind which is a distinct uninterrupted labial fold, continuous with the upper lip».
Ebenso liest man bei Day: «lips continuous and having an uninterrupted labial fold across the
mandible» (Fishes of India, p. 534 [1878]): Fishes, in Blanford's Fauna of British India, Vol. I,
p. 255 [1889]). Vielleicht wird damit die Gestalt gemeint, welche durch eine seichte Furche, die
zuweilen bei anderen spaltbäuchigen Cypriniden mit unterbrochener Unterlippe hinter dem
Unterkieferrande sich hinzieht, bedingt wird; jedenfalls hat D. mactäatus, laut ausdrücklicher
Bemerkung Steindachner's: «die Unterlippe in der Mitte unterbrochen» (1. 1., p. 788).
15) d. h. die Körperhöhe unter dem hinteren Dorsalende.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 56.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 227
Kopflänge übertroffen und verhält sich zur Breite des Interorbitalraumes
wie 1:2 — l:l 5 / 8 - Die Länge des postorbitalen Abschnittes des Kopfes ist
2 — 1 % mal in der Kopflänge enthalten. Das Vorderende der Mundspalte
liegt unter dem Niveau des unteren Augenrandes; ihre Breite verhält sich
zur Länge wie 2:1 — 1 5 / 9 :1- Am Unterkieferrande sieht man eine zarte
leicht ablösbare hornige Schicht. Die Barteln reichen ungefähr bis zur
Verticale des hinteren Augenrandes.
Die Entfernung vom Anfange der Dorsale bis zur Schnauzenspitze ist
bald der Entfernung vom Anfange der Dorsale bis zur Schwanzflossenbasis
gleich, bald mehr oder weniger merklich kürzer. Die Länge der Basis der
Dorsale, welche sich zur Höhe der Flosse wie l:iy a — 1:1% verhält, ist
8% — 7 7 / 9 mal geringer als die Körperlänge $ die grösste Rückenflossenhöhe
verhält sich zur kleinsten wie 2y i0 :l — 1 7 / 10 :1. Die Länge der Brustflosse
ist 6 3 / 10 — 5y 3 mal in der Körperlänge enthalten und die Länge ihres
Aussenrandes macht % — % des den äusseren Winkel der Brustflossenbasis
vom entsprechenden Winkel der Ventralbasis trennenden Zwischenraumes
aus. Die Länge der Ventralen, deren Basis dem vorletzten oder drittletzten
Strahle der Dorsale gegenübersteht und deren Spitze vom After durch einen
geringeren oder grösseren Zwischenraum getrennt ist, ist 6 2 / 3 — 6 mal
kleiner als die Körperlänge. Die Länge der Basis der Anale ist 2 — l 7 / 9
mal in der Flossenhöhe und ll 5 / 9 — 10 mal in der Körperlänge enthalten;
an den Schwanzstiel angedrückt, deckt diese Flosse 7 / 10 — y a seiner Länge
und reicht bis zu den rudimentären Caudalstrahlen oder bleibt von denselben
durch einen mehr oder weniger merklichen Zwischenraum getrennt. Die
ausgebreitete Caudale zeigt einen ziemlich tiefen Ausschnitt, indem die
Länge ihres längsten Strahles zu derjenigen des kürzesten sich wie 2 2 / 3 :l —
2 2 /,:l verhält.
Die Schuppen an der Bauchspalte reichen bald etwas weniger als bis
zur Mitte des den After von der Bauchflossenbasis trennenden Zwischen-
raumes, bald merklich weiter nach vorne. Die Höhe der grössten dieser
Schuppen verhält sich zum Augendiameter wie 1 : 2 4 / 7 — 1:2.
Die Zahl der Rechenzähne am ersten Kiemenbogen macht 15 — 18 in
der äusseren und 19 — 25 in der inneren Reihe aus.
Die Färbung erscheint am Körper unten silberig, oben bleigrau. Auf
dem Rücken und z. Th. an den Seiten sieht man ausserdem zahlreiche,
mehr oder weniger deutliche, dunkle Flecken, die durch Anhäufung ebenso
gefärbter Punkte gebildet werden. Die Punktirung und Fleckenbildung kann
sich auch bis zu einem gewissen Grade auf die Flossen, namentlich die
Dorsale und die Caudale, erstrecken. "
Die Total länge erreicht 285 mm.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 57.
228 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIII
Diese neue Art, welche im östlichen Hoch- Asien den westlichen Gymno-
diptychus DybowsMi Kessl. 16 ) vertritt, ist dem letzteren sehr ähnlich und
unterscheidet sich nur durch eine grössere Zahl von Kechenzähnen auf
dem ersten Kiemenbogen (15 — 18 äussere, 19 — 25 innere anstatt 7 — 13
resp. 8 — 14). In meiner nächsten Lieferung von Przewalski'schen Fischen
werde ich mich über diesen Fisch noch ausführlicher auslassen ; hier möchte
ich nur bemerken, dass der Unterschied in der Profilbildung des Kopfes bei
verschiedenen Individuen recht auffallend ist.
ACANTHOGOBIO gen. nov. (Cyprinidarum) 1,1 ).
Corpus modice elongatum, compressum, squamis mediocribus vestitum.
Rostrum parum ante os prominens. Rictus inferior. Os intermaxillare nor-
male. Cirri 2 supramaxillares. Maxiila inferior plana, margine acutiusculo.
Os suborbitale anterius elongatum, orbitam attingens. Apertura branchialis
paulo post oculum desinens. Regio ventralis alepidota. Anus paulo ante
initium pinnae analis perforatus. Pinna dorsalis paulo ante medium corpus
et basin ventralium incipiens; radius 2 U ' indivisus pinnae dorsalis spinam
sat fortem formans. Analis brevis. Dentés biseriati (2/5 — 5/2), externi
subconici, interni subuncinati.
Diese neue chinesische Gattung weicht von der ihr am nächsten ste-
henden Gattung Gobio, die in den chinesischen Gewässern auch stark ver-
treten ist, durch einen, wenn auch nicht sehr starken, so doch vollkommen
deutlichen Stachel, zu dem ihr zweiter ungetheilter Dorsalstrahl umgebildet
ist, ab.
Acanthogobio Guentheri n. sp. 18 ).
7236. Chuanche, pr. Gomi. Przewalski 1880 (6).
7237. » » » » (1).
7238. » » » » (1).
8639. Fl. Sinin. Potanin 1886 (5).
D. 3/7. A. 3/6. P. 1/15. V. 2/7. Lin. lat. 42 -£J.
A. corporis altidudine 4% — 3%, capitis longitudine 4% — 3% in cor-
poris longitudine. Oculis diametro 5% — 4Y 3 in longitudine capitis,
diametris 1 7 / 10 — V/ 6 distantibus. Cirris circa operculi marginem
16) Diptychus LansdeUi Günth. (Ann. and Mag. of Nat. Hist. [6] III, p. 361 [1889]) und
D. Kessleri Kusski (Spengel's Zoologische Jahrbücher [Abtheilung für Systematik] III, p. 796,
Taf. XXIX [1888]) sind beinahe zweifellos Synonyme von D. DyboivsJcii Kessl.
17) Die Diagnose ist nach dem Muster der Bleeker'schen Diagnosen für verschiedene
um die Gattung Gobio sich gruppirende chinesische Gattungen abgefasst.
18) Herrn Dr. Albert Günther zu Ehren benannt.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 58.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 229
posteriorem attingentibus. Altitudine Spinae dorsalis 5 / 8 — 8 / 5 alti-
tudinis maximae pinnae dorsalis aequante. Nonnullis seriebus ma-
cularum obscurarum in dorso (in speciminibus junioribus).
Die grösste Körperhöhe, die 4% — 3 2 / 5 mal in der Körperlänge ent-
halten ist, übertrifft 1% — 1% mal die postdorsale und 2% — 2 mal die
kleinste Körperhöhe. Die Länge des Schwanzstieles, der seitlich zusammen-
gedrückt ist, steht der Kopflänge merklich nach und ist 5% — 4 5 / 6 mal in
der Körperlänge enthalten; die Höhe desselben wird l 8 / 5 — l 4 / 9 mal von
seiner Länge übertroffen.
Am Kopfe sind Stirn und Scheitel flach; das obere Kopfprofil senkt sich
geradlinig zur Schnauzenspitze hin. Die Kopflänge, welche 2 — 1 5 / 8 mal
die Kopf breite und 1% — l 4 / 9 mal die Kopfhöhe übertrifft, ist 4% — 3 7 / 9 mal
in der Körperlänge enthalten. Der Augendiameter, welcher 1 — % mal im
Abstände vom Auge bis zum Vordeckel enthalten ist, wird 5% — 4% mal
von der Kopflänge übertroffen und verhält sich zur Breite des Interorbital-
raumes wie 1:1 7 / 10 — l:iy 6 . Die Länge des postorbitalen Abschnittes des
Kopfes ist 2% — 2y i0 mal in der Kopflänge enthalten. Das Vorderende der
Mundspalte liegt unter dem Niveau des unteren Augenrandes; ihre Breite
verhält sich zur Länge wie 1 7 / 10 — 1%. Die Barteln reichen bis zum hinteren
Kiemendeckelrande, oder etwas mehr, oder im Gegentheil etwas weniger
nach hinten.
Der Anfang der Dorsale steht merklich vor der Mitte der Körperlänge.
Die Länge der Basis der Dorsale, welche sich zur Höhe der Flosse wie
1 3 / 4 :1 — 1 2 / 5 :1 verhält, ist 6 3 / 8 — 6% mal geringer als die Körperlänge; die
grösste Rückenflossenhöhe verhält sich zur kleinsten wie 2 a / 4 :l — 2:1. Die
Länge des Dorsalstachels macht 5 / 8 — 3 / 5 der grössten Rückenflossenhöhe aus.
Die Länge der Brustflosse ist 4 x / 2 — 3 7 / 9 mal in der Körperlänge enthalten;
die Brustflossenspitzen reichen bis zur Bauchflossenbasis, zuweilen aber
auch ein wenig mehr, oder weniger nach hinten. Die Länge der Ventralen,
deren Basis ungefähr dem ersten getheilten Dorsalstrahle gegenüberliegt
und deren Spitze ungefähr bis zum After reicht, ist 5% — 4% mal kleiner
als die Körperlänge. Die Länge der Basis der Anale ist 2 3 / 10 — 1 3 / 4 mal in
der Flossenhöhe und 10 7 / 9 — 9 9 / ]0 mal in der Körperlänge enthalten; an den
Schwanzstiel angedrückt, deckt diese Flosse 7 / 10 — y 2 seiner Länge und
reicht bis zu den rudimentären Caudalstrahlen oder bleibt von denselben
durch einen geringen Zwischenraum getrennt. Die ausgebreitete Caudale
ist massig ausgeschnitten, indem die Länge ihres längsten Strahles sich zu
derjenigen des kürzesten wie ca. 2% : 1 verhält.
Zwischen dem Nacken und dem Anfange der Dorsale bleibt eine mehr
oder weniger bedeutende Fläche schuppenlos; der schuppenlose Theil der
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 59.
230 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCBE BEMERKUNGEN AUS DEM [T. XIII
Bauchfläche erstreckt sich entweder nur bis zur Bauchflossenbasis oder setzt
sich auch hinter derselben bis zum Anfange der Anale fort; hier kann sich
übrigens die schuppenlose Strecke auf einen medianen kahlen Streifen re-
duciren.
Die Entfernung des Afters von der Caudalbasis macht ungefähr l / s der
Körperlänge aus.
Die Färbung ist silberig, am Eücken etwas bräunlich, mit mehr oder
weniger zahlreichen dunklen Punkten. Am Rücken und an den Seiten nahe
demselben befinden sich, namentlich bei jüngeren Exemplaren, einige wenige
Reihen dunkler Flecken, die gleichsam unterbrochene Längsbinden bilden.
Die Totallänge erreicht 177 mm.
PUNGTUNGIA nov. gen. (Cyprinidarum).
Squamae sat magnae, linea lateralis in media cauda decurrens. Os
minimum, sursum directum, terminale; mandibula incrassata, margine an-
teriore transverso subacute. Cirri duo maxillares breves. Dorsalis brevis,
anacantha, ventralibus opposita, Apertura branchialis paulo post praeoperculi
marginem posteriorem desinens; spinae branchiales paucae minutae. Dentés
pharyngeales uniseriati, 5 — 4, compresso-uncinati.
Diese neue Gattung steht offenbar der Pseudorasbora Bleek. (=Mi-
crasjpius Dyb.) nahe und unterscheidet sich von derselben, nach der vor-
stehenden Diagnose, nur durch Anwesenheit von kurzen Barteln, vielleicht
auch durch die Zahl der Schlundzähne und die Ausbildung der Rechenzähne.
Ich bin nämlich in Betreff des Werthes der letzterwähnten Kennzeichen
nicht ganz sicher, da die angeführte Zahl der Zähne bei Pungtungia (5 — 4,
anstatt 5 — 5 wie bei Pseudorasbora) sich als eine individuelle Abweichung
erweisen kann; eben so ist die Anwesenheit sehr schwacher und wenig
zahlreicher Rechenzähne vielleicht auch bei Pseudorasbora zu constatiren 19 ).
Freilich treten noch manche auffallende habituelle Unterschiede, na-
mentlich in der Kopfbildung, hervor, wenn wir die einzige bekannte Pseudo-
rasbora- Art 20 ) mit der ebenfalls einzigen Pungtungia vergleichen. Ich werde
19) Günther schreibt über Pseudorasbora: «gill-rakers none» (Catalogue of Fishes, VII,
p. 186 [1868]); ich kann die Kichtigkeit dieser Angabe an unserem einzigen, dabei ziemlich
mangelhaften Exemplare (JV» 9682. Futschau. Poljakow 1884) nicht prüfen. Auch bin ich
leider genöthigt, in Betreff der in Rede stehenden Verhältnisse bei meiner Pungtungia mich auf
die obige kurze Notiz zu beschränken, da eine eingehendere Untersuchung eine weitere Lädi-
rung des ohnehin ziemlich beschädigten einzigen Exemplares zur Folge hätte.
20) Falls Pseudorasoora parva Schleg. und Ps. pusilla Schleg., welche von Bleeker
(Enumeration des espèces de poissons actuellement connues du Japon etc. [Verhand. Akad.
Amsterdam XVITI], p. 23 [1879]) im Gegensatz zu Günther (o. c, p. 186) auseinander ge-
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 60.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 231
dieselben weiter unten, bei Gelegenheit der ausführlichen Speciesbeschreibung,
näher auseinandersetzen.
Pungtungia Herzi n. sp. 21 ).
Links oben — Vorderansicht des Kopfes der Pungtungia,
rechts oben — von Pseudorasbora.
9681. Pungtung (Korea). Herz 1888.
D. 3/7. A. 2/5. P. 15. V. 8. Lin. lat. ca. 40—.
P. corpore compresso, altitudine ejus 4 in ejus longitudine. Capite de-
presso, longitudine ejus 4 in longitudine corporis. Oculis fere in
media capitis longitudine sitis, diametro l v / 3 distantibus. Genis
ab oculo ad lineam medianam vergentibus et in superficiem inferio-
rem capitis sensim transeuntibus. Dorsalis initio ca. ventralium
basi opposite. Pectoralibus mediam distantiam inter basin earum
et ventralium paulo superantibus. Fascia obscura longitudinali in
medio latere decurrente.
Die grösste Höhe des comprimirten Körpers, welche 1% mal die post-
dorsale und 2 mal die kleinste Körperhöhe übertrifft, ist ca. 4 mal in der
Körperlänge enthalten. Die Länge des Schwanzstieles, die 4}/ 5 mal in der
Körperlänge enthalten ist, übertrifft l 7 / 8 mal seine Höhe.
Am Kopfe sind Stirn und Scheitel stark abgeflacht und das obere Kopf-
profil senkt sich geradlinig zur Schnauze hin. Die Kopflänge, welche l%mal
die Kopf breite und l 5 / 7 mal die Kopf höhe übertrifft, ist ca. 4 mal in der
Körperlänge enthalten. Der Augendiameter ist 3% mal kleiner als die Kopf-
halten werden, sowie Micraspius MianowsJcii Dyb., welchen Warpachowski und ich (3a-
m^tkh no HXTioJiorin AMypa [Tpynu C. IleTepô. 06m,. EcTecTBoncn. XIX, oiMvfcjieHie 3oo;ioriH],
p. 32 [1887]) für ein Synonym der Pseud. parva erklärt haben, in der That verschiedene Arten
sein sollen, so werden doch wohl alle diese drei Pseudorasbora-Arten von Pungtungia Herzi in
der weiter unten hervorgehobenen Weise habituell abweichen.
21) Herrn Otto Herz, welcher diese Art mit einigen anderen Fischen dem Museum ge-
schenkt hat, zu Ehren benannt.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 61.
232 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKÜNEEN AUS DEM [t. XIII
länge und verhält sich zur Breite des Interorbitalraumes wie 1:1%. Die Länge
des postorbitalen Kopfabschnittes ist der Schnauzenlänge ungefähr gleich.
Das Praeorbitale erscheint ungefähr doppelt so lang als hoch. Die Wangen
richten sich gleich vom unteren Augenrande an nach unten und innen und
gehen ganz unmerklich in die untere Kopfseite über, so dass kein auffallender
Winkel zwischen den Seitenflächen und der Unterseite des Kopfes gebildet
wird. Die Mundspalte ist sehr klein, indem ihre Breite einen halben Augen-
diameter kaum übertrifft und eine bogenförmige Spalte an der kleinen Ab-
stutzungsfläche des Schnauzenendes bildet; der Unterkiefer ist vorne gerad-
linig, etwas verdickt und am Rande schwach zugeschärft. Die Lippen sind
an den Mundwinkeln ziemlich stark verdickt, dann aber beinahe durch die
ganze Breite des Unterkiefers unterbrochen. Die Länge der Barteln macht
etwa einen halben Augendiameter aus.
Der Anfang der Dorsale steht ungefähr in der Mitte zwischen der
Schnauzenspitze und der Caudalbasis; die Länge ihrer Basis verhält sich
zur Flossenhöhe wie 1:1% und zur Körperlänge wie 1:9. Die Länge der
Brustflossen ist 6 3 / 10 mal geringer als die Körperlänge. Die Länge der Ven-
tralen, deren Basis ungefähr dem Anfange der Dorsale gegenübersteht und
deren Spitzen beinahe durch % der Flossenlänge vom After getrennt sind,
ist 7% mal in der Körperlänge enthalten. Die Basis der Anale, welche sich
zur Flossenhöhe wie 1:2 verhält, ist 18 mal geringer als die Körperlänge.
Die Caudale ist an dem vorliegenden Exemplare stark beschädigt und kann
desshalb nicht näher charakterisirt werden.
Der After liegt dicht vor der Anale und der Abstand von ihm bis zur
Caudalbasis macht % der Körperlänge aus oder kommt ungefähr dem
Abstände vom After bis zur Mitte des die Brustflossenspitze von der Bauch-
flossenbasis trennenden Zwischenraumes gleich.
Die Färbung erscheint oben und an den Seiten bräunlich, unten silberig.
Ausserdem sieht man am Körper dunkle Punkte, die sich z. Th. auch auf
die Flossen ausbreiten. Vom oberen Ende der Kiemenspalte bis zum
Schwanzflossengrunde zieht sich jederseits eine dunkle undeutlich begrenzte
Längsbinde hin.
Die Totallänge ist wegen des beschädigten Zustandes der Caudale nicht
anzugeben; die Körperlänge ist 63 mm. gleich.
Die auffallende Kopfbildung der beschriebenen Form lässt sich haupt-
sächlich auf eine starke Depression zurückführen, welche sich namentlich
in dem Charakter des Überganges der Wangenoberfläche in die untere
Kopfseite äussert. Im Gegensatz zu den oben für Pungtungia beschriebenen
Verhältnissen, erscheinen die Wangen bei Pseudorasbora subvertical und
bilden mit der Unterseite jederseits einen etwas abgerundeten stumpfen
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 62.
T. XIIl] ZOOLOG. MUSEUM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 233
"Winkel. Daher würde ein durch die Augenmitte geführter Querschnitt bei
Pseudorasbora wie der äussere Umriss der rechten oberen Figur auf dem
Holzschnitt, bei Pungtungia wie derjenige der linken oberen Figur daselbst
aussehen. Dieselbe Depression spiegelt sich auch bei Pungtungia in der
sehr schmalen Gestalt des Praeorbitale ab, welches dagegen bei Pseudoras-
bora ungefähr ebenso hoch wie lang und von unregelmässigem Contour er-
scheint.
Balistes aureolus Richardson.
1844. Batistes aureolus Richardson, in Voyage of the Sulphur (Capt.
Belcher). Zoology, p. 126, pi. 59, fig. 1—2.
1870. Balistes aureolus Günther, Catalogue of Fishes, VIII, p. 215.
4°29'7" N
9678. Oc. indicus, ca. „ ' Dr. Issajew et Delivron. 1891 (1).
D. 28. A. 25. P. 13. Cd. 12. Lin. lat. ca. 45.
Der Körper erscheint ziemlich hoch, indem die Höhe desselben unter
dem Dorsalstachel 2y i0 , über dem Ventralstachel l 4 / 5 mal in der Körper-
länge enthalten ist. Der Schwanzstiel ist seitlich zusammengedrückt. Das
obere Profil fällt ziemlich steil vor dem Auge zur Schnauze ab; das Kinn
ragt nicht vor.
Die Kopflänge ist 2% mal in der Körperlänge enthalten, der Augen-
diameter 3 3 / 10 mal in der Kopflänge, 1% mal in der Breite der etwas con-
caven Stirn und 2y 5 mal in der Schnauzenlänge. Vor dem Auge befindet sich
eine unbedeutende Vertiefung, über welcher die beiden ziemlich kleinen
Nasenlöcher liegen. Die Lippen sind schmal, ohne Schilder, die untere in
der Mitte unterbrochen. Die Kiemenspalte bildet eine verticale, etwa 1
Augendiameter messende Spalte über der Pectoralbasis.
Der Dorsalstachel, der über der Kiemenspalte steht, gleicht an Länge
ungefähr der Schnauze und trägt an seiner Vorderseite 4 Reihen mehr oder
weniger entwickelter Dörnchen. Die tief ausgeschnittene Membran der
ersten Dorsale reicht nicht bis zur zweiten; dagegen endet die Furche,
welche zur Aufnahme des zurückgelegten Dorsalstachels dient, genau
beim Anfange der 2" Dorsale, deren Höhe von vorn nach hinten wenig
verschieden ist und ungefähr a / 2 Länge des Dorsalstachels gleichkommt. Von
der Anale gilt dasselbe. Die Länge der abgestutzten Caudale ist 5 mal in
der Körperlänge enthalten.
Die rhombenförmigen Schilder erscheinen am Kopfe, wo dieselben
keine nackten Zwischenräume frei lassen, und am Abdominaltheile etwas
breiter, an den Körperseiten und an dem Schwanztheile dagegen schmäler;
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 63.
234 S. HERZENSTEIN, ICHTHYOLOGISCHE BEMERKUNGEN AUS DEM [t. XIIJ
sie nehmen an Grösse von vorn nach hinten ab und lassen auch keine beson-
dere Gruppe hinter der Kiemenspalte unterscheiden. Die Sculptur der
Schilder besteht nur aus Höckerchen, welche am Kopfe und am Eücken
mehr oder weniger deutliche sternförmige Figuren darstellen. Die Zahl der
Schilder in einer Querreihe (auf der grössten Breite des Körpers) macht
ca. 30 aus.
Die Färbung erscheint unten weisslich mit einem metallischen Schimmer,
oben dunkel mit verschwommenen schwärzlichen Flecken. Die Membran
der ersten Dorsale ist beinahe ganz schwarz, die übrigen Flossen sind
weisslich, abgesehen von vier hinter einander liegenden länglichen ganz
schmalen schwarzen Flecken dicht am Grunde der 2 n Dorsale.
Die Totallänge gleicht 52 mm.
Die schon im Jahre 1844 von Richardson aufgestellte und kurz be-
schriebene Form ist meines Wissens nachher nur nach den zwei Original-
exemplaren aus Belcher's Reise, deren Fundort nicht angegeben ist, und
noch einigen wenigen Exemplaren ebenfalls unbekannter Provenienz von
Günther in seinem «Catalogue» beschrieben worden. Das mir vorliegende
Exemplar passt sehr gut auf die Richardson'sche Abbildung und Beschrei-
bung 22 ); ich hielt es aber nicht für überflüssig diese auch in Betreff ihres
Vorkommens wenig bekannte Form nochmals etwas ausführlicher zu be-
schreiben.
Das grösste der bisjetzt bekannten Exemplare übertrifft wenig 75 mm.
Dieser Umstand, wie auch einige andere Kennzeichen (die Bedornung des
Dorsalstachels 23 ), die niedrige Dorsale und Anale, die abgestutzte Caudale)
können, z. Th. wenigstens, vom Jugendzustand dieser Individuen abhängen,
wie es schon Hollard 24 ) vermuthungsweise ausgesprochen hat. Weniger
wahrscheinlich erscheint dagegen die Vermuthung desselben Autors, dass
B. aureolus als Jugendform zu seinem B. calolepis 25 ) gehöre.
Die Umstände, unter welchen unser Exemplar gefangen worden ist,
erscheinen auch beach tenswerth. Nach der freundlichen Mittheilung Dr.
22) Dagegen kann ich keine «indistinct raised lines along the series of scales» auf dem
Schwanztheile sehen, welche Günther dieser Art vindicirt. — Der Goldglanz der Unterseite,
dem dieselbe ihren Namen verdankt, ist bei unserem Stücke, wohl unter dem Einflüsse des
Spiritus, bloss als metallischer Schimmer übriggeblieben.
23) Nach Günther nur bei «I inch»-langen Exemplaren; doch sieht man dieselbe deutlich
auch bei unserem doppelt so grossen Stück.
24) Ann. d. sc. nat. Zoologie (4). I, p. 71 (1854).
25) Hollard, ibid., p. 67; Bleeker in Pollen et Van Damm, Recherches sur la faune
de Madagascar. 4 Partie (Poissons et Pêches) p. 3 (1874). —Die Jugendformen von B. maculatus
Lac, welcher'zu einer Gruppe mitl?. aureolus gehört, weichen von demselben durch die ausge-
sprochene Bedornung der Schilder und ganz andere Zeichnung ab (Vgl. Günther, Catalogue
VIII, p. 214 [1870]; Cantor, Catalogue of the Malayan Fishes, p. 344 [1850]).
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 04.
T. XIIl] ZOOLOG. MÜSEÜM DER KAISERLICHEN AKAD. DER WISSENSCHAFTEN. 235
Issajew's wurde dasselbe im offenen Meere, sehr weit vom Festlande, von
einer Welle auf's Deck des «Nachimow» geworfen, welche Thatsache mit
unseren gewöhnlichen Vorstellungen über die Gattung Batistes als Littoral-,
namentlich Corallenriff-Form in Widerspruch steht. Wenigstens erinnere
ich mich nicht, abgesehen von den weiter unten angeführten Quellen, gelesen
zu haben, dass Balistes als Mitglied der pelagischen Thierwelt auftritt 26 ).
So bin ich auch eher geneigt das beschriebene Exemplar als ein verirrtes
oder verschlagenes anzusehen 27 ); und dann würde dieser Fall es ver-
ständlich machen, wesshalb es Balistes- Arten giebt, welche den beiden grossen
Weltmeeren — dem Indopacifischen und Atlantischen — zugleich angehören.
26) Balistes fehlt auch in der Aufzählung der typischen Mitglieder der pelagischen Fisch-
fauna bei Günther (Handbuch der Ichthyologie, p. 194 [1886]); dagegen wird in der speciellen
Beschreibung der Gattung (p. 494) bemerkt: «Schwärme von jungen werden nicht selten mitten
auf hoher See getroffen». Aber die ganze nicht unbedeutende pelagische Ausbeute des «Chal-
lenger», die das Kesultat einer grossen Zahl von Netzzügen ist, scheint nicht mehr als 3 weiter
unten erwähnte Exemplare enthalten zu haben.
27) Noch mehr gilt es wahrscheinlich für «Balistes sp. Three specimens, 5 lines long, from
driftwood, north of Papua, February 21, 1875» (Günther, Pelagic Fishes [in Scientif. Res.
Challenger, Zoology, XXXI], p. 42 [1889]; vgl. auch ibid., p. 2). — Auch ist im Zusammenhange
damit der folgende Passus bei Quoy und G aim ard [in Fr eycin et, Voyage autour du Monde de
l'Uranie et de la Physicienne, Zoologie. I, p. 190 [1824]) zu beachten: «Dans ces belles mers où
l'on navigue paisiblement, il nous est quelquefois arrivé de déplacer des poissons, qui, lorsque
nous passions près de quelques îles, prenaient notre navire pour leur rocher accoutumé, et le
suivaient dans sa route. Nous avons vu de cette manière des chétodons, des glyphisodons
nous accompagner pendant près d'un mois».
o^o«
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 65.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIEÉS Dû
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Über die Mosaikkrankheit der Tabakspflanze. Von Dm. Iwanowsky. (Lu
le 12 février 1892.)
Vor zwei Jahren habe ich, in Gemeinschaft mit Hrn. W. Polowzow,
eine sehr verbreitete Tabakskrankheit beschrieben, welche wir Pocken-
krankheit genannt und deren Ursachen wir damals auseinandergesetzt
haben 1 ). Bei dieser Gelegenheit wurde von uns die Vermuthung ausge-
sprochen, dass die von Ad. Mayer in Holland beschriebene Mosaik-
krankheit des Tabaks 2 ) eigentlich in zwei ganz verschiedene Krankheiten
zerfällt, von denen die eine (nach Mayer, die zweite Phase der Mosaik-
krankheit) — die von uns studirte Pockenkrankheit ist. Bei der Unter-
suchung der Krankheiten des Tabaks in der Krim, im Sommer 1890, konnte
ich mich von der vollständigen Richtigkeit der damals von uns ausge-
sprochenen Vermuthung überzeugen, denn hier begegnete ich auch der
Form der Erkrankung, die von Mayer als erste Phase der Mosaikkrankheit
beschrieben wird, und konnte mich davon überzeugen, dass diese Form
thatsächlich eine ganz selbstständige und in vielen Beziehungen sehr
interessante Krankheit ist 3 ). Bei den dortigen Tabaksbauern (Tataren) ist
sie bloss unter dem Namen «Bosuch» (d. h. Krankheit) bekannt; von Einigen
wird sie auch Marmorkrankheit genannt. Das äussere Aussehen der er-
krankten Pflanzen, der Entwickelungsgang der Krankheit und die Ver-
keilung derselben auf der Plantage entspricht vollständig der von Mayer
gelieferten Beschreibung, so dass ich hier diese Frage nicht weiter zu be-
sprechen brauche. Der Unterschied in der Darlegung fängt erst von der
Stelle an, wo Mayer die Behauptung ausspricht, dass «wenn die Krankheit
sich regelmässig weiter entwickelt, einzelne der helleren und dünneren
Blattpartien vorzeitig absterben, nicht ganz unähnlich, nur viel ausgedehnter,
wie ein solches Absterben punktweise bei Vollreifen Blättern ohne Nachtheil
für die Güte des Produkts häufig auftritt» (S. 452). Auf der beigefügten
Tafel bildet Mayer ein dicht mit braunen Flecken bedecktes Blatt ab; diese
1) Mém. de l'Acad. Imp. des sc. de St. Pétersb. VII Série, t. XXXVII, JV» 7.
2) Landw. Versuchsst. Band 32, S. 451—67.
3) Ich will sie als Mosaikkrankheit bezeichnen, obwohl sie nur einem Entwickelungs-
stadium der von Mayer unter diesem Namen beschriebenen Krankheit entspricht.
Bnlletin N. S. III (XXXV) p. 67. 17
238 dm. iwANOWSKY, [t. xni
Flecken sind stellenweise zusammengeflossen und manche aus dem Blatte
herausgefallen, in Folge dessen das Blatt mit breiten Öffnungen versehen
erscheint. Meiner Ansicht nach ist das abgebildete Blatt von zweien ganz
verschiedenen Krankheiten befallen: der Mosaikkrankheit (in dem von mir
angenommenen Sinne) und der Pockenkrankheit. Beide Krankheiten, obgleich
sie ganz verschiedenen Ursprungs sind, können natürlich auch auf einer
und derselben Pflanze vorkommen 4 ). Die braunen Flecken sind aber bei
Weitem nicht immer an die gelben Theile des von der Mosaikkrankheit be-
fallenen Blattes, wie es Mayer's Ansicht nach der Fall wäre, gebunden;
nicht selten kann man sie mitten in dem dunkelgrünen gesunden Theile
finden. Die Selbstständigkeit dieser beiden Krankheiten kann gegenwärtig
keinem Zweifel mehr unterliegen. Folgendes erlaube ich mir hierfür anzu-
führen:
1. Weder in Kleinrussland, noch in Bessarabien bin ich der Mosaik-
krankheit begegnet, während die Pockenkrankheit dort in hohem Grade
entwickelt ist.
2. In der Krim, wo beide Krankheiten vorkommen, kann man beim
Durchmustern der Tabakspflanzung Exemplare finden, die nur an der Mo-
saikkrankheit, und andere, welche nur an der Pockenkrankheit leiden.
Diese Pflanzen können am leichtesten nach den ganz jungen Blättchen
unterschieden werden. Bei den von der Mosaikkrankheit befallenen Pflanzen
weisen (wie das auch Mayer bemerkt hat) alle weiteren Neubildungen (neue
Blättchen und Triebe) die dieser Krankheit eigenthümlichen Veränderungen
auf, nämlich mosaikartige aus dunkelgrünen und gelben Partieen bestehende
Zeichnungen. Wenn wir daher Exemplaren der braungefleckten Tabaks-
pflanzen begegnen, bei denen jedoch die ganz jungen Blättchen keine Spuren
der Mosaikzeichnung aufweisen, so kann man mit Bestimmtheit sagen, dass
diese Pflanzen an der Pockenkrankheit leiden.
3. Die Mosaikkrankheit ist ansteckend, die Pockenkrankheit besitzt hin-
gegen diese Eigenschaft durchaus nicht.
4. Die Ursache der Pockenkrankheit liegt in den Bedingungen der
Wasserverdunstung durch die Blätter; die Flecken entstehen auf ganz ge-
sunden Blättern bei rascher und plötzlicher Steigerung der Verdunstung
der Pflanze; die Ursachen der Mosaikkrankheit sind dagegen ganz andere,
sie ist, wie oben erwähnt wurde, ansteckend.
5. Die Pockenkrankheit fanden wir bei Datura Stramonium, Hyoscya-
mus niger und vielen anderen Pflanzen; die Mosaikkrankheit geht dagegen,
4) Es ist sogar möglich, dass die von der Mosaikkrankheit befallene Pflanze leichter der
Pockenkrankheit, als die gesunde, unterliegt, weil kranke Pflanzen überhaupt neuen Erkran-
kungen leichter anheimfallen, als gesunde.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 68.
T. Xin] - ÜBER DIE MOSAIKKRANKHEIT DER TABAKSPFLANZE. 239
Mayer's Erfahrungen nach, nicht auf andere Repräsentanten der Familie
der Solanaceen über.
Zu Gunsten der Ansicht, dass beide Krankheiten verschiedene Ent-
wickelungsstadien einer und derselben Krankheit darstellen, wird von
Mayer nur das gleiche Verbreitungsgebiet und ihre zeitliche Aufeinander-
folge angeführt: «Freilich wollen einige Praktiker», schreibt Mayer, «in
den beiden Formen oder besser Stadien der Krankheit zwei selbstständige
Krankheiten erkennen, allein doch wohl nur desshalb, weil das erste Stadium
sich häufig einer oberflächlichen Beobachtung entzieht. Das gleiche Ver-
breitungsgebiet und die zeitliche Aufeinanderfolge der beiden Formen
spricht durchaus dagegen» (1. c, S. 553).
Meine Untersuchungen über die Mosaikkrankheit sind noch nicht abge-
schlossen, da ich auf grosse Schwierigkeiten gestossen bin, welche erst be-
seitigt werden müssen (so z. B. die Unfähigkeit des Tabaksmikroben sich auf
den gebräuchlichen künstlichen Substraten zu entwickeln). Dennoch bin ich
auch jetzt schon im Stande die folgenden Angaben Mayer's zu bestätigen:
1. dass der Saft der an der MosaikJcranJcheit leidenden Pflanzen an-
steckend ist; in das Innere gesunder Pflanzen eingeführt, ruft er nach einer
bestimmten Zeit in den letzteren die Mosaikkrankheit hervor;
2. dass beim Erwärmen bis zu einer dem Siedepunkt nahen Temperatur
der Saft der kranken Tabakspflanze seine ansteckenden Eigenschaften ein-
büsst;
3. dass die Krankheit, in Anbetracht der Abwesenheit von Pilzen und
anderen Parasiten, der Ansteckung durch Bactérien zuzuschreiben ist.
Ich muss dagegen der Angabe des Verfassers, dass der Saft der mosaik-
kranken Blätter, nach der Filtration durch doppeltes Filtrirpapier, seine
ansteckenden Eigenschaften verliere, auf das Bestimmteste widersprechen.
Meinen Erfahrungen nach ruft der filtrirte und auf gesunde Pflanzen über-
tragene Extract der kranken Blätter ebenso sicher die Krankheitserschei-
nungen hervor, als der nicht filtrirte. Andererseits stimmt diese Angabe des
Verfassers nicht mit seiner Ansicht überein, dass die Mosaikkrankheit von
Bactérien verursacht werde, denn eine doppelte Schicht Filtrirpapier kann,
wie bekannt, nicht die Bactérien zurückhalten. Würde diese Beobachtung
Mayer's richtig sein, so müsste man aus derselben eher zu dem Schlüsse
gelangen, dass die Mosaikkrankheit nicht von Bactérien, sondern durch
Pilze, deren Sporen durch das Filtrirpapier nicht passiren können, ver-
ursacht werde. Ich habe indessen gefunden, dass der Saft der mosaikkranken
Blätter seine ansteckenden Eigenschaften sogar nach der Filtration durch
Chamberland' 'sehe Filterkerzen bewahrt. Den gegenwärtig herrschenden
Anschauungen nach ist, wie mir scheint, Letzteres am einfachsten durch die
Bulletin N. S. III (XXXY) p. 69. jy*
240 DM. IWANOWSKY, ÜBER DIE MOSAIKKRANKH. DER TABAKSPFL. [T. Xni
Annahme eines im filtrirten Safte aufgelösten, von den in der Tabakspflanze
vorhandenen Bactérien ausgeschiedenen Giftes zu erklären. Ausser dieser ist
aber noch eine andere, ebenfalls zulässige Erklärung möglich, nämlich dass
die Bactérien der Tabakspflanze durch die Poren der Chamberland'schen
Filterkerzen hindurchdrangen, obgleich ich vor jedem Versuche den von mir
benutzten Filter in üblicher Weise prüfte und mich von der Abwesenheit
feiner Risse und Öffnungen überzeugte 5 ). Einen weiteren sicheren Beweis
von der Güte der von mir gebrauchten Filterkerze sehe ich darin, dass die
am meisten für die Entwickelung der Bactérien günstigen Flüssigkeiten,
nach der Filtration durch diese Kerze, mehrere Monate lang vollkommen
unverändert blieben.
In jedem Falle werden, wie ich hoffe, weitere Untersuchungen diese
Frage aufklären; die vorliegende kurze Bemerkung hatte nur den Zweck
die Selbstständigkeit der zwei Krankheiten, der Mosaik- und der Pocken-
krankheit, festzustellen und zu beweisen, dass sie nicht, wie es Ad. Mayer
meint, verschiedene Entwickelungsstadien einer Krankheit darstellen.
5) Durch die in einen Cylinder mit Wasser versenkte Filterkerze konnte mittelst einer
Kautschukkugel die Luft nicht hindurchgepresst werden.
« '.lletin N. S. III (XXXV) p. 70.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIKES DU
BULLETIN OE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Chrysididarum species novae. Descripsit Andreas a Semen ow. (Lu le
4 Mars 1892).
1. EUampus héros, sp. n.
$. Major, robustior, subelongatus, cyaneo- viridis, modice nitidus, abdo-
minis dorso vage violacescenti, capitis vertice et occipite, pronoti praesertim
parte media scutelloque magis obscuriusque violaceis, clypeo, femorum
(praecipue duorum posticorum) basibus laetius viridibus, ventre subaurato-
viridi, immaculato; antennarum scapo, pedicello et articulo 3° cyaneo-viri-
dibus, articulis ceteris obscure fuscis; tarsis rufescentibus, articulo l°superne
distincte viridi-micante ; tegulis piceis cyaneo-virescentibus. Antennis sat
fortibus, ad apicem distincte compresso-attenuatis, scapo elongato, articulis
duobus sequentibus simul sumptis paulo longiore, articulo 3° secundo 2%
longiore, 4° tertio plus quam duplo breviore, secundo subaequali. Capite
subopaco, crebre atque sat regulariter reticulato-punctulato, sat breviter
nec valde dense griseo-pubescenti , areola parvula laevigata utrinque ad
stemmata posteriora notato; cavitate faciali a stemmate anteriore sat longe
remota, valde profunda, medio longitudinaliter subsulcata, nitida, distincte
(praesertim ad latera) transversim striolata; clypeo fere omnino laevi, nitido;
temporibus latis, longitudinem articuli 3 Ü antennarum etiam paulo superan-
tibus, distinctissime depresso-marginatis ; genis brevibus, antennarum pedi-
cello paululum brevioribus. Thorace parum nitido, toto paulo longius sed
sat sparsim griseo-pubescenti ; pronoto mesonoto evidenter breviore sat grosse
(ad latera minutius) nec profunde reticulato-punctato, medio ad marginem
anteriorem areola parva parumque determinata laevi praedito; mesonoto
medio punctis grossis, rotundis invicem subremotis notato, lobis lateralibus
minus grosse crebriusque subreticulato-punctatis ; scutello punctis grossis,
vadosis, regulariter rotundis lateque remotis ornato, interstitiis punctorum
(sicut in mesonoto) subopacis (i. e. microscopice coriaceis); postscutello for-
titer gibboso cum metathoracis angulis postico-lateralibus grosse, fortiter
regulariterque punctato-reticulato ; his sat validis sed parum prominulis,
apicibus retrorsum directis, subacutis. Abdomine convexo modice nitido,
distinctissime longiusque (praesertim ad latera) cano-pubescenti, segmento
Bulletin N. S. Ill (XXXT) p. 71.
242 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
1° toto remote et sat subtiliter punctato, punctis in medio magis distantibus
et areolam laevem angustam et vix indicatam efficientibus, basi in medio
profunde foveolatim impresso; segmento 2° eodem fere modo (vix crebrius)
punctato; segmento 3° basi subtiliter, apicem et latera versus fortius, creb-
rius et nonnihil subrugose punctato, margine apicali recto in centro angu-
latim exciso, excisura utrinque lobulo prominulo regulariterque angulato
terminata. Ventris segmento penultimo remote indeterminateque, ultimo
subtilius crebriusque ruguloso-punctulatis. Pedibus sat longis cano-pubescen-
tibus, femoribus anticis obsolete parce punctatis; metatarsis posterioribus
ejusdem tarsi articulis 3 sequentibus simul sumptis subaequalibus ; ungui-
culis interne 3-pectinatis. Alis abdominis apicem attingentibus, basi hyalinis,
in dimidio apicali sat fortiter infumatis, venis stigmateque fuscis.
Long. 6y 3 mm.
Chinae prov. Alaschan: montes Alaschanicae (N. Przewalski. Init.
VIL 1871).
1 specimen (1 S).
Species ad sectionem VII am subgeneris Ellampas in sp. cl. Mocsâsii
(Monogr. Chrysidid. 1889, p. 94) pertinens et ab omnibus speciebus hujus
sectionis inter alia magnitudine majore, cavitate faciali distincte transversim
striata etc. divergens.
9 *
Hedychridiuni Jakowlewi, sp. n. ')
$. Mediocre, validiusculum, concinne igneo- seu purpureo-cupreum,
parum nitidum, cavitate faciali saturate viridi-cyanea leviterque violaces-
centi superne viridi-aureo anguste marginata, clypeo viridi-aurato, capitis
parte occipitali aversa leviter viridi-aenescenti, prothoracis parte inferiore
et metathorace plus minusve cyaneo-viridibus, mesopleuris inferne cyaneo-
viridibus, superne laete viridibus aureoque distincte variegatis, pedibus plus
minusve viridi-cupratis, tarsis testaceo-fuscis, ventre mandibulisque piceo-
nigris; tegulis piceis leviter cupreo-micantibus ; capite, thorace, abdominis
lateribus pedibusque sparsim longius albido-pilosis. Antennis crassiusculis,
scapo supra aeneo-virescenti, articulis ceteris nigris ; scapo articulis sequen-
tibus tribus simul sumptis paulo breviore, pedicello articulo tertio 1% bre-
viore, 4° secundo vix longiore. Capite crebre et sat fortiter (occipite paulo
subtilius) punctato, cavitate faciali plana haud profunda, superne omnino
non marginata, crebre simpliciter punctulata, punctis ad marginem frontis
rarioribus; clypeo brevi; temporibus antennarum articulo 3° subaequalibus,
1) Asterisco (*) species ad faunam rossicam pertinentes notatae sunt.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 72.
T. XHl] CHRTSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 243
immarginatis; genis antennarum articulo 2° paulo brevioribus; labio distincte
exserto. Pronoto mesonoto longitudine fere aequali, subtiliter sat crebre
punctulato, praeterea punctis rotundis majoribus sat numerosis notato, late-
ribus ante basin leviter sinuato, angulis posticis retrorsum breviter porrectis
obtusiusculis; mesonoto leviter convexo fere eodem modo sculpto, sed punctis
majoribus paulo minus numerosis et ad marginem posteriorem invicem sat
late remotis; mesopleuris subreticulato-punctatis ; scutello parum convexo,
sat nitido, punctis majoribus numerosis remotisque, punctulis minoribus
perpaucis; postscutello grosse subreticulato-punctato ; metathorace subtilius
et vadose rugoso-punctato; angulis postico-lateralibus metathoracis subspi-
niformibus, extrorsum prominulis, sed apice parum acuminatis et vix retror-
sum inclinatis. Abdomine convexo, fere hemisphaerico, sat nitido, confertim
sed paulo fortius quam in speciebus affinibus punctulato, ad basin segmenti
2 1 etiam subruguloso, segmento 1° basi impressione foveiformi nigra notato;
margine apicali integro, simplici, haud pellucido. Ventre nitido fere im-
punctato. Metatarsis posterioribus ejusdem tarsi articulis ceteris simul
sumptis aequalibus. Alis abdomine paulo brevioribus leviter (praesertim ad
cellulam radialem) sordidis; venis stigmateque fuscis; cellula radiali valde
elongata.
Long. 5 mm.
Prov. Transcaspica: montes Kopet-dagh prope Tschuli (ipse. 29 — 30.
IV. 1888).
1 specimen (1 $).
Species ad divisionem V. 4 cl. Mocsârii (Monogr. Chrysidid. 1889,
p. 145) pertinens, H. cuprato Dhlb. (Mocsâry. L. c, p. 153) subsimilis
esse videtur; ab hoc inter alia postscutello haud viridi, ventre nigro imma-
culate, sculptera scutelli, punctura frontis.etc. oninino discrepans; ab H.
coriaceo Dhlb., cui etiam haud dissimilis, corpore toto longius piloso, colore
superficiel laetiore purpurascenti-cupreo, scutello et postscutello nullo modo
viridibus nee cyaneis, sculptura capitis thoracique fortiore et valde diversa,
abdomine breviore paulo fortius sculpto, antennis fortioribus aliisque signis
longe discedens.
Hanc speciem concinnam amico meo Alexandro Jakowlew, Jarosla-
wensi, dedicavi.
3.* Hedychruni collare, sp. n.
$. Mediocre, subopacum, cyaneo-viride, capite thoraceque plus minusve
violacescenti-variegatis, abdominis dorso laete cupreo-aurato, ad certum
luminis situm levissime virescenti, femoribus viridi-cyaneis leviterque pices-
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 73.
244 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
centibus, tibiis laetius viridi-aeneis, tarsis fusco-testaceis, ventre piceo,
nitido, mandibulis rufo-piceis, basi extrorsum cyaneo-viridibus, tegulis piceo-
rufis vix aenescentibus parumque nitidis ; corpore toto superne brevissime
sparsim griseo-pubescenti. Antennis sat gracilibus, fuscis, scapo fortiter,
pedicello vix cyaneo-virescentibus, illo sat tenui et elongato, articulis tribus
sequentibus simul sumptis aequali, pedicello modice brevi articulo tertio
tantum iy 2 breviore, 4° pedicello subaequali. Capite modice lato, regula-
riter confertimque reticulato-punctulato, punctis tantum pone oculos rugulis
parum conspicuis subtransversis disjunctis; cavitate faciali nee lata nee pro-
funda, subtiliter transversim strigulosa, superne non marginata; clypeo
subelongato baud nitido, ad latera subobsolete punctulato-ruguloso ; fronte
et vertice brevissime nec dense griseo-pubescentibus; genis brevissimis;
temporibus angustis, superne antennarum pedicellum vix superantibus, im-
marginatis. Pronoto valde elongato longitudinem mesonoti fere iy 3 super-
ante, antrorsum sat fortiter angustato, ad marginem anticum fere rectum
medio subtiliter sed profunde transversim impresso, toto confertissime regu-
lariter subreticulato-punctato ideoque opaco; angulis posticis retrorsum sat
porrectis apicibusque leviter extrorsum directis. Mesonoto eodem fere modo
(ad latera et praesertim ad basin paulo grossius) punctato; mesopleuris
paulo grossius et valde regulariter punctato-reticulatis. Scutello subgrosse
(praesertim ad basin), postscutello fere gibboso grossius adeo punctato-
reticulatis; lateribus metathoracis cum hujus angulis postico-lateralibus
recte spiniformibus et extrorsum longe prominulis sat subtiliter punctato-
rugosis. Abdomine parum convexo, segmenti l 1 basi nigro-aenescenti medio
sat fortiter foveatim impressa; segmentis duobus primis confertim et sat
fortiter (ad latera paulo grossius et fere subrugose) punctatis ideoque parum
nitidis, segmento 3° (ultimo) vix remotius, grossius et minus profunde punc-
tato, medio transversim vix depresso, margine apicali vix infiexo, lateraliter
utrinque denticulo parum prominulo angusteque pellucido instructo. Ventris
segmento 2° sat crebre punctato et punctulato, 3° apice non hamato. Femo-
ribus omnibus subtilissime coriaceo-punctulatis; metatarsis posterioribus
fortibus, basi levissime curvatis, articulis reliquis ejusdem tarsi paulo lon-
gioribus. Alis inaequaliter sordidis, venis stigmateque dilute fuscis.
Long. 6 mm.
Sarepta provinciae Saratowensis (A. Becker).
1 specimen (1 $).
Hedychro GerstaecJceri Chevr. subsimile et affine, sed prothorace multo
longiore, densius et magis regulariter reticulato-punctato, margine anteriore
fere recto, frönte brevissime griseo-pubescenti, clypeo subelongato, abdomine
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 74.
T. XIIl] CHRTSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 245
fortius crebriusque punctato ideoque minus nitido etc. facillime dignoscen-
dum; ab H. longicolli Ab., praeter prothoracem longiorem aliterque sculp-
tum, praesertim fronte brevissime pubescenti distingueadum est; a maribus
H. nobilis S cop. iisdem notis jam primo intuitu discedens.
4.* Clirysis (Gonochrysis) tekensis, sp. n.
S. Submediocris, subelongata, parum nitida, sat laete subaurato-viridis,
pronoti parte declivi antica nec non inpressione longitudinali media, mesonoti
lobo medio et postscutello plus minusve cyanescentibus, vertice intra stem-
mata macula nigrescenti notato, abdominis segmento basali subcupreo-viridi,
2° et 3° haud laete subigneo-cupratis distincteque virescentibus (praesertim
2° ad basin et 3 Ü margine apicali), clypeo et cavitate faciali viridi-aureis,
tegulis tibiisque cupreo-refulgentibus, ventre aurato-viridi, nitido, segmenti
2 1 dimidio basali nigro, segmento 1° (basali) nigro postice viridi-cyaneo-
limbato. Antennis sat fortibus nigro-fuscis, articulis tribus basalibus sat
laete cupreis; scapo articulis duobus sequentibus simul sumptis vix longiore,
pedicello articulo 3° sesqui breviore, hoc sequentibus duobus simul sumptis
paulo breviore, articulo 4° secundo vix breviore, 4° — 7° haud tumidis. Ca-
pite sat dense longiusque sordide griseo-piloso, sat fortiter regulariterque
reticulato-punctato, vertice utrinque ad stemmata posteriora leviter foveo-
latim impresso angusteque laevigato, cavitate faciali subprofunda et fere plana
crebre punctato-coriacea, haud dense cum genis cano appresso-pilosa, medio
longitudinaliter distincte sulcata, superne non marginata sed distincte
recteque limitata; clypeo brevissimo, valde lato et obtuso; genis brevibus,
antennarum articulo 2° vix aequantibus; temporibus sat latis, antennarum
articulo 3° subaequalibus, margine superne sensim evanescente obductis,
sub hoc denticulo parvo sed acutiusculo armatis. Thorace toto profunde et
sat grosse punctato sparsimque sordide griseo-piloso; punctis omnibus ro-
tundis, invicem separatis, in mesonoto et scutello magis remotis punctulisque
minutis vage intermixtis; postscutello convexo crebrius reticulato-punctato;
pronoto mesonoto multo breviore, subquadrangulo, apice haud truncato sed
simpliciter fortiterque declivi, disco longitudinaliter anguste leviterque im-
presso, angulis posticis nonnihil retrorsum productis, margine postico dis-
tincte arcuato ; mesonoti lobis lateralibus suturis profundis et omnino deter-
minatis a lobo medio separatis; metathoracis angulis postico-lateralibus
brevibus, fere triangularibus, planis et potius extrorsum quam retrorsum
prominulis. Abdomine parum convexo, angusto, elongato-ovali, retrorsum
subangustato, segmento 1° basi parum impresso et obscurato fere uti thorax
sculpto, 2° et 3° crebrius punctatis, punctis vage invicem rugis conjunctis
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 75.
246 ANDREAS SEMEKOW, [ï. XUI
interstitiisque subtiliter punctulatis; segmento 2° vestigio carinulae longi-
tudinalis vix distinctae notato; segmento 3° (ultimo) supra seriem ante-
apicalem haud incrassato, hac non immersa, longe ante basin segmenti
terminata, e foveolis magnis invicemque separatis circiter 12 (6-+-6) com-
posita; margine apicali arcuato, lenissime undulato. Ventre sat crebre sed
vadose punctulato. Femoribus anticis disperse subtiliter punctulatis; meta-
tarsis posterioribus articulis tribus sequentibus ejusdem tarsi vix longioribus.
Alis levissime sordidis, venis fuscis, cellula radiali apice compléta.
Long. 7% mm.
Prov. Transcaspica: montes Kopet-dagh prope Tsclmli (ipse. 29 — 30.
IV. 1888).
1 specimen (le?).
A Chr. (Holochr.) pelopaeicida Buyss. (Mocsâry. Monogr. Chrysidid.
1889, p. 219) syriaca, cui proxima esse videtur, differt (secundum descrip-
tionem cl. Mocsârii): antennarum articulo 3° quarto quintoque simul
sumptis paulo breviore, 4° — 7° in mare haud tumidis, genis brevibus articulo
3° antennarum multo brevioribus, abdomine haud valde convexo, segmento
ultimo ante seriem ante-apicalem haud calloso, hac non immersa, e foveolis
magnis nec confluentibus circiter 12 composita, tarsis dilutioribus etc. —
Simillima etiam Chr. (Gonochr.) aschabadensi Radoszk. (Revue d'Entom.
X, 1891, p. 183), a qua hoc modo distinguenda (secundum specimen typicum
speciei Radoszkowskii!):
$. Flagelli articulis 2 basalibus plus minusve viridibus, 2° sequentibus
duobus simul sumptis haud breviore; abdomine fortius sculpto, segmentis
2° et 3° laete igneo-auratis, ad latera concinne purpurascentibus, grosse
punctatis, interstitiis punctorum vix punctulatis, segmento 3° supra seriem
ante-apicalem e foveolis permagnis compositam leniter ampliato, margine
apicali longiore; ventre igneo-aurato; cellula radiali apice late aperta.
Chr. ascJiabadensis Rad.
$. Flagelli articulis 2 basalibus laete cupreis, 2° sequentibus duobus
simul sumptis paulo breviore; abdomine subtilius sculpto, segmentis 2° et
3° vix ignitis, minutius copiosiusque punctatis, interstitiis punctorum (prae-
sertim in segmento 3°) confertim punctulatis; segmento 3° supra seriem
ante-apicalem e foveolis paulo minoribus compositam haud ampliato, mar-
gine apicali breviore; ventre aurato-viridi; cellula radiali apice compléta.
Chr. ttliensis m.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 76,
T. XUl] CHRYSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 247
5.* Clirysis (Dichrysis) bispina, sp. n.
$. Mediocris, latiuscula, nitida, splendide viridi-aurata, locis certis vix
cyaneo-refulgens, abdomine nitore distincte cupreo, ad apicem etiam subigneo,
margine apicali concolori, ventre viridi-aureo cupreo variegato, segmento
2° basi late nigro; tarsis dilute fuscis; puis longis (praesertim ad latera)
canis sparsim vestita. Antennis obscure fuscescentibus, articulis duobus
basalibus viridi-auratis; scapo tribus sequentibus simul sumptis distincte
breviore, pedicello articulo 3° plus quam duplo breviore, 4° secundo vix
longiore. Capite haud magno, fronte sat crebre punctata, interstitiis puncto-
rum rugiformibus, vertice intra et praesertim pone stemmata subremote
punctato, interstitiis punctorum laevibus, cavitate faciali modice profunda
medio laevigata, in dimidio superiore tenuiter longitudinaliter sulcata,
superne distincte sed tenuiter carinulato-marginata, fronte praeterea can-
nula transversa sursum biramulosa et cum carinula inferiore (sive cum
margine superiore cavitatis facialis) utrinque carinulis arcuato-obliquis
conjuncta instructa; clypeo leviter elongato, sparsim irregulariter punctato
medioque longitudinaliter carinatim elevato; genis articulo 4° antennarum
vix brevioribus; temporibus angustis, antennarum articulo 3° multo brevio-
ribus, in parte inferiore tenuissime (vix conspicue) marginatis; oculis late
ovalibus. Thorace latiusculo, nonnihil subovali ; pronoto modice brevi meso-
noto evidenter breviore, lateribus recte et valde antrorsum angustato ideoque
regulariter trapeziformi, baud crebre profunde fortiterque punctato, inter-
stitiis punctorum leviter rugiformibus (praecipue ad latera), angulis anticis
obtusis non prominulis, basalibus retrorsum productis, margine basali leniter
arcuato, apicali (seu anteriore) baud truncato sed simpliciter fortiterque
declivi; mesonoto scutelloque valde remote (praesertim medio) profundeque
punctatis, interstitiis punctorum latis, omnino laevibus et nitidis; illius lobo
medio lato, utrinque sutura valde profunda terminato; postscutello trans-
versim convexo grosse subreticulato-punctato ; mesopleuris subremote (fere
ut pronotum) punctatis; metathoracis angulis postico-lateralibus acute sub-
spiniformibus distincte retrorsum incurvis. Abdomine latiusculo, modice
convexo, apicem versus distincte sensimque subangustato, baud crebre et
nonnibil oblique punctato, punctis haud profundis, interstitiis punctorum
laevibus, in medio segmenti basalis subtilissime punctulatis, segmentis 2° et
3° medio carinula longitudinali ad certum luminis situm bene distincta in-
structis, segmento 3° supra seriem ante-apicalem haud incrassato, hac parum
indicata, e foveolis circiter 12 (6-+-6) parvulis, fere punctiformibus ideoque
parum conspicuis, in medio haud separatis composita; margine apicali sat
lato utrinque dente elongato acute spiniformi annate, medio levissime (vix
BnUetin N. S. Ill (XXXY) p. 77.
248 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
distincte) 3-sinuoso. Ventre subtilissime coriaceo-punctulato. Femoribus
anticis sat fortiter haud crebre punctatis; tarsorum posteriorum articulo
basali elongate, ceteris simul sumptis haud breviore. Alis hyalinis, ad apicem
(praesertim in cellula radiali) vix sordidis; venis fuscis, cellula radiali apice
vix aperta.
Long. 8 mm.
Prov. Transcaspica : déserta inter Tschardshuj et Merw (Dr. A. Regel.
V. 1884).
1 specimen (1 $).
Differt a Chr. (Dichr.) bihamata Spin. (Dahlbom. Hymen. Eur. II,
1854, p. 182; tab. IX, fig. 103. — Mocsâry. Monogr. Chrysidid. 1889,
p. 316) aegyptiaca, cui affinis esse videtur, pronoto antrorsum fortiter an-
gustato, angulis posticis productis, truncatura marginis anterioris tota
punctata, cellula radiali fere compléta, abdominis segmente 1° basi vix im-
presso, sulco nullo, segmento ultimo série ante-apicali distincta etsi parum
determinata, margine apicali latiore, spinis duabus longioribus et acutioribus,
spatio inter has leviter arcuato et levissime 3-sinuato, abdomine toto gros-
sius punctate. — A Chr. (Dichr.) prasina Klg. (Symb. phys. 1845. Decas
V; tab. XLV, fig. 10. — Mocsâry. Monogr. Chrysidid. 1889, p. 318)
nubiaca, cui secundum imaginem eximiam a cl. Klug datam proxime affinis
esse videtur, discedit cavitate faciali haud dense pilosa, ventre viridi-aureo
cupreoque variegate (non cyaneo), abdominis segmento ultimo haud viridi-
cyaneo, sat laete aureo-viridi, spinis duabus marginis apicalis multo longi-
oribus et acutioribus. — A Chr. (Dichr.) diacantha Mo es. (Monogr. Chry-
sidid. 1889, p. 319) caucasica imprimis thorace capiteque haud cyaneis,
cavitate faciali superne tenuiter marginata, antennarum articulis tantum
2 primis (scapo et pedicello) aurato-viridibus, flagelli articulo 2° elongate
primo plus quam duplo longiore, thorace profunde nec crebre punctate,
interstitiis punctorum laevibus, abdomine haud crebre, sed fortiter punctate,
segmento ultimo supra seriem ante-apicalem haud convexo, margine apicali
aliter dentato etc. jam facile distinguenda.
6.* Chrysis (Tetrachrysis) gracilicoruis, sp. n.
S. Mediocris, parum elongata nec valde nitida, subaurato-viridis, varus
locis levissime cyaneo-refulgens, abdominis segmentis 2° et 3° distincte
rosaceo-cuprescentibus, basi anguste aeneo-nigro-limbatis, ventris leviter
cuprescentis segmento 2° basi nigro, geniculis tarsisque pallido-testaceis;
disperse nec valde distincte griseo-pilosula. Antennis gracillimis, valde tenu-
ibus et elongatis, scapo viridi-aurato, flagelli articulis 2 primis levissime
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 78.
T. XHl] CHRYSIMDARÜM SPECIES NOVAE. 249
viridi-aenescentibus, ceteris fuscis; scapo articulis duobus sequentibus sub-
aequali, articulo 3° secundo duplo longiore, 4° secundo subaequali vel vix
longiore. Capite lato crebre et fere subreticulatim punctato, cavitate faciali
lata, haud profunda, pilis longis appressis albido-sericeis densissime tecta,
superne acute carinatim marginata: carina marginali sursum acute biangu-
lata, deorsum obtuse uniangulata; clypeo sat brevi et lato, parce punctato,
medio longitudinaliter valde elevato; genis sublongis, longitudine articulo
4° antennarum subaequalibus ; temporibus sat angustis eodem articulo haud
longioribus, tenuiter marginatis; oculis late ovatis. Pronoto sat brevi, late-
ribus fere recto, vix sinuato et ante apicem paulo dilatato, apice haud
truncato, sed sensini declivi, medio vix impresso, subcrebre fortiterque
punctato, interstitiis punctorum leviter rugiformibus ad latera subtiliter
punctulatis; angulis anterioribus obtusis, posticis retrorsum sat productis;
mesonoto longitudinem pronoti multo superante, sat remote (praesertim
medio) punctato sparsimque vix punctulato, ideo magis nitido, lobo medio
haud angusto suturis optime determinatis regulariterque punctato-crenatis
a lobis lateralibus separato ; mesopleuris paulo crebrius (fere ut pronotum)
punctatis; scutello remote et paulo crassius punctato, interstitiis punc-
torum laevibus; postscutello reticulato-punctato ; angulis postico-late-
ralibus metathoracis acutis, elongatis sensimque retrorsum inclinatis.
Abdomine haud longo, modice convexo, toto fere aequabiliter haud crasse
sed crebre (ad latera remotius) punctato, punctis in medio segmenti 2 1
magis numerosis ideoque crebrioribus, interstitiis punctorum in segmente
1° obsolete vix punctulatis, hoc basi late profundeque impresso, seg-
mentis 2° et 3° carinula longitudinali distincta praeditis; segmente 3°
supra seriem ante-apicalem haud convexo, hac parum immersa, usque ad
basin segmenti continuata, e foveolis sat magnis nec confiuentibus circiter
20 (10-i-lO, quarum ultimae ad basin segmenti, i. e. adinitium seriei, fere
punctiformes sunt) composita, margine apicali in medio sat lato, levissime
subarcuato, utrinque denticulo acutiusculo et fere spiniformi terminate, dein
usque ad denticulum minus prominulum nec tarn acutum lateralem fere
recto, hoc ab illo aeque ac a basi segmenti distante. Ventre sat crebre
subcoriaceo-punctulato. Femoribus anticis haud fortiter remote punctatis;
tarsorum posteriorum articulo basali reliquis simul sumptis parum breviore.
Alis fere pure hyalinis, venis dilute fuscis, ad radicem alae pallidis; cellula
radiali incompleta apice late aperta.
Long. 6% mm.
Prov. Transcaspica: Tedshen (ipse. 11. VI. 1888).
1 specimen (1 S).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 79.
250 ANDREAS SEMEN0W, [ï. XIII
Chr. (Tetrachr.) dubitatae Mocs. (prasinae Dhlb. nec Klg.) (Mocsâry.
Monogr. Chrysidid. 1889, p. 498) aegyptiacae affinis esse videtur, sed
colore corporis, praesertim autem abdominis margine apicali haud cyaneo,
antennis valde gracilibus, segmenti abdominalis ultimi série ante-apicali
optime expressa etc. facile distinguenda est.
7. Chrysis (Tetrachrysis) Schalfeewi, sp. n.
3. Submediocris, laete aurato-viridis, fronte, pronoti disco, mesonoti
lobis lateralibus, scutello, foveis metathoracis maculisque duabus parum
determinatis ad latera segmenti abdominalis 2 1 distincte auratis, capitis parte
posteriore aversa, mesonoti lobo medio, postscutello, tegulis femoribusque
levissime cyanescentibus, segmenti abdominalis 3 U margine apicali toto dis-
tincte cyaneo, segmentis 2° et 3° basi sat late nigro-limbatis, ventre viridi-
cyaneo, segmente 2° basi nigro-maculato ; tarsis pallide flavido-testaceis;
disperse et sat breviter griseo-pilosula. Antennis sat fortibus fusco-testaceis,
scapo viridi-aurato ; hoc flagelli articulis 3 primis simul sumptis paulo bre-
viore, articulo 3° secundo circiter \ l / z longiore, 4° tertio perparum breviore.
Capite sat lato, fronte confertim subreticulato-punctata, vertice simpliciter
et minus crebre punctato, utrinque ad stemmata postica sat late laevigato,
cavitate faciali haud valde lata nec profunda, crebre punctulato-coriacea,
pilis albidis appressis dense vestita, longitudinaliter tenue sulcata, superne
distincte marginata, carinula marginali haud nimis determinata, non angu-
lata, utrinque ramulum sat longum et oblique subarcuatum stemma anticum
versus emittente; clypeo modice brevi, sat crebre punctato, apice subtrun-
cato; genis articulo 2° antennarum subaequalibus; temporibus antennarum
articulo 4° vix brevioribus, distincte sed tenuiter marginatis; oculis late
ovalibus, fere subrotundis. Pronoto modice brevi fortiter et subcrasse punc-
tato, interstitiis punctorum angustis ad latera distincte rugiformibus, medio
vix impresso, apice haud truncato sed simpliciter declivi, declivitate tota
punctata, lateribus antrorsum sensim et parum angustato, angulis posticis
retrorsum minus productis, margine basali in medio fere recto; mesonoto
subconvexo sesqui longiore quam pronotum, eodem fere modo sed distincte
remotius punctato, interstitiis punctorum latioribus nitidis, ad latera disperse
punctulatis, lobo medio modice angusto utrinque sutura optime determinata
limitato; mesopleuris crebrius et minus regulariter punctatis; scutello eodem
modo sed etiam laxius (praesertim in medio) punctato, interstitiis punctorum
punctulis aliquot minutis notatis; postscutello transversim convexo sat crasse
subreticulato-punctato; metathoracis angulis postico-lateralibus mediocribus
modieeque acutis, distincte retrorsum incurvis. Abdomine mediocriter con-
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 80.
T. XIIl] CHRYSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 251
vexo, subparallelo, eodem fere modo ac thorax sed paulo subtilius et dis-
tincte crebrius punctato ideoque parum nitido, interstitiis punctorum sub-
tilissime disperseque (vix distincte) punctulatis, segmento 2° carinula longi-
tudinali fere omnino obliterata, 3° convexiusculo omnino ecarinato, supra
seriem ante-apicalem haud incrassato, hac fere non immersa e foveolis raa-
jusculis tantum circiter 8 (4h-4) composita; margine apicali sat brevi den-
tibus 4 brevibus late triangularibus armato, emarginaturis omnibus sub-
aequalibus leniter arcuatis, margine laterali fere recto. Ventre subtilissime
subcoriaceo-punctulato. Femoribus anticis sat subtiliter punctatis; tarsorum
posteriorum articulo basali sequentibus tribus simul sumptis subaequali.
Alis pure hyalinis, venis dilute fuscescentibus ; cellula radiali apice distincte
aperta .
Long. 6% mm.
Turkestan chinense: oasis Sandzhu (B. Grombczewski. 2. VII. 1890).
1 specimen (1 cT).
Chr. (Tetrachr.) palliditarsi Spin. (Mocsâry. Monogr. Chrysidid. 1889,
p. 363) aegyptiacae proxime affinis, a qua his signis, secundum descrip-
tionem cl. Dahlbomi, discedere videtur: capite thoraceque sat regulariter
punctatis, cavitate faciali densissime albo-pilosa superne aliter marginata,
pedicello antennarum haud viridi, segmenti Ultimi abdominalis toto margine
apicali cyanescenti, hujus emarginatura centrali lateralibus etiam vix latiore,
série ante-apicali non immersa e foveolis rotundatis majusculis tantum cir-
citer 8 composita.
Hanc speciem Conservatori Musei Zoologici Academiae Caesareae
Scientiarum Petropolitanae P. Schal feew dedicavi.
8* Chrysis (Tetrachrysis) chrysophora, sp. n.
3. Submediocris, laete aurato- viridis, mesonoti lobo medio basi et apice
tegulisque plus minusve cyanescentibus, segmento abdominali 2° utrinque
macula magna sed parum determinata cupreo-aurea ornato, segmentis 2° et
3° basi sat late nigro-limbatis, segmenti 3" margine apicali violacescenti-
cyaneo, ventre viridi-aurato, segmento 2° basi anguste nigro-maculato, apice
leviter coerulescenti, tarsis dilute testaceis; longius sordide griseo- et cano-
pilosula. Antennis sat fortibus, scapo aurato-viridi, pedicello distincte vires-
centi, articulis 3° et 4° fuscescentibus nitore metallico indistincto, ceteris
subtus dilute rufo-testaceis, supra nigro-maculatis; scapo articulis 4 sequen-
tibus simul sumptis distincte sed parum breviore, articulo 3° praecedente
vix longiore, 4° tertio distincte sed paulo breviore, 5° quarto circiter 1%
longiore. Capite lato, fronte confertim, subtilius et subreticulatim, vertice
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 81.
252 ANDREAS SEMENOW, [T. Xni
paulo crassius, laxius et simpliciter punctatis, cavitate faciali haud lata, sat
profunda, crebre punctulato-coriacea, puis albidis appressis dense vestita,
longitudinaliter subsulcata, superne carinula leviter remota, acuta, sursum
biangulata sed non ramulosa, deorsum haud angulata terminata; clypeo
subbrevi sat crebre subtiliterque punctato; genis sat brevibus antennarum
articulum 4 um baud superantibus ; temporibus antennarum articulo 5° sub-
aequalibus, distinctissime acuteque marginatis; oculis late ovalibus. Pronoto
modice brevi fortiter et sat crasse (ad latera fere reticulatim) punctato,
interstitiis punctorum angustis in medio vage vix punctulatis, medio distincte
lateque subimpresso, apice haud truncato sed fortiter declivi, declivitate
tota punctata, lateribus antrorsum sensim et parum angustato, angulis posti-
cis retrorsum modice productis, margine basali medio recto; mesonoto
subconvexo pronoto plus quam sesqui longiore, eodem modo sed vix remotius
punctato, lobo medio sat angusto, utrinque sutura omnino determinata linii-
tato, postice crasse punctato; mesopleuris grossius et vadosius subreticulato-
punctatis; scutello remote punctato punctulisque aliquot minutis notato;
postscutello remote grosseque punctato, nullo modo reticulato, interstitiis
punctorum subtiliter punctulatis; metathoracis angulis postico-lateralibus
sat latis, apicibus acutiusculis retrorsum directis. Abdomine sat convexo,
subparallelo, segmento 1° eodem modo ac pronotum sed paulo crassius
punctato, segmento 2° evidenter remotius punctato, interstitiis punctorum
vage vix punctulatis, vestigio carinulae longitudinalis plus minusve distincto
praedito, angulis postico-lateralibus subprominulis subtilissime acuminatis;
segmento 3° leviter suboblique punctato, interstitiis punctorum distincte
rugiformibus, in limbo nigro basali simpliciter remoteque punctato, supra
seriem ante-apicalem vix calloso, hac leviter immersa e foveolis sat magnis
irregularibusque circiter 12 (6-*-6) composita; margine apicali sat brevi
nec valde lato, 4-dentato, dentibus omnibus sat angustis, acutis et elongatis,
2 intermediis vix longioribus distincte deorsum subarcuatis, emarginaturis
fortiter arcuatis, centrali lateralibus angustiore. Ventre subtilissime nec
nimis dense coriaceo-punctulato. Femoribus anticis subtiliter obsoleteque
punctulatis; tarsorum posteriorum articulo basali sequentibus tribus simul
sumptis subaequali. Alis hyalinis vix (in cellula radiali distincte) sordidis,
venis fuscis ad basin vix dilutioribus, cellula radiali subcompleta vel apice
angustissime aperta.
Long. 6% — 6% mm.
Prov. Transcaspica: montes Kopet-dagh prope Tschuli (ipse. 29 — 30.
IV. 1888). — Persia borealis (Dr. F. Morawitz; legit 0. Herz).
2 specimina (2 $).
Bullotin N. S. III (XXXV) p. 82.
T. XIIl] CHRYSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 253
Species, quae cum descriptione Chr. (Tetraclir.) annulatae Buy s s.
(Mocsàry. Monogr. Chrysidid. 1889, p. 422) syriacae omnino fere con-
gru it, nisi quod dentibus apicalibus aliter formatis et dispositis, emargina-
tura centrali lateralibns multo angustiore et paulo profundiore, punctura
thoracis baud reticulosa, sed simplici alisque magis hyalinis gaudet; a
Chr. (Tetraclir .) psittacina Buyss. (Mocsâry. L. c, p. 421) persica, cui
abdominis margine apicali similiter dentato et emarginato affinis esse vide-
tur, magnitudine minore, colore antennarum, segmentis abdominalibus : 2°
cannula longitudinali sat distincta prâedito, 3° supra seriem ante-apicalem
baud vcl vix calloso, margine apicali cyaneseenti aliisque aliquot notis dis-
tinguenda est. — A Chr. (Tetraclir.) Schal feewi m. (vide supra), cui primo
aspectu baud dissimilis est, discedit imprimis colore antennarum tarsorumque,
capite latiore, cavitate faciali superne aliter marginata, punctura postscu-
telli, abdominis margine apicali aliter formate et dentato, alis baud pure
hyalinis, cellula radiali apice minus aperta etc.
9.* Clirysis (Tetrachrysis) Biiclincri, sp. n.
$. Mediocris, fortiuscula, concinne laeteque viridi-aurata, spatio intra-
ocellari nec non mesonoti lobo medio basi obscure violacescentibus, hoc ad
apicem nonnihil cyaneseenti, pronoto, mesonoti lobis lateralibus, mesopleuris
scutelloque magis laetiusque auratis, abdominis segmentis 1° et praesertim
2° ad marginera posticum et ad latera concinne cupreo- vel purpurascenti-
auratis, 2° et 3° basi auguste nigro-limbatis, boc supra seriem ante-apicalem
distincte cupreo-aurato, margine apicali subaurato-viridi ad basin cyanes-
eenti, ad seriem ante-apicalem distincte violaceo; ventris segmentis 1° et
2° laete viridi-coeruleis basi sat late nigro-maculatis, 3° basi viridi-subau-
rato, ad apicem sensim coerulescenti, apice late nigro et nigro-cyaneo
limbato; tegulis pedibusque cyaneo-viridibus, tarsis dilute fuscis, mandi-
bulis medio rufescentibus ; valde disperse breviterque griseo-pilosula.
Antennis sat gracilibus, scapo subaurato-viridi, pedicello distincte viridi-
micante, articulis reliquis obscure fuscis; scapo articulis tribus sequenti-
bus simul sumptis evidenter breviore, sed duobus sequentibus simul
sumptis distincte longiore, articulo 3° praecedente sesqui longiore, 4° tertio
iy 3 longiore, 5° quarto parum breviore tertioque subaequali. Capite lato,
latitudinem apicis pronoti distincte superante, fronte sat regulariter reticu-
lato-punctata, vertice subremote irregulariter punctato pareeque punctulato,
cavitate faciali lata et sat profunda, crebre subtransversim punctulato-
rugulosa, haud dense breviterque cano-pubescenti, longitudinaliter canali-
culata, superne acutissime marginata: cannula marginali deorsum levissime
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 83. jg
254 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
uniarcuata, sursum fortius biarcuata, utrinque in ramulum secundum oculi
orbitam internam deorsum currentem continuata; clypeo sat brevi, punc-
tato, apice in medio profunde sinuato; geais brevissimis; temporibus anten-
narum articulo 3° paulo longioribus, acute marginatis, sub hoc margine
denticulo validiusculo armatis; oculis oblongo-ovalibus. Pronoto brevi, apice
recte truncato, truncatura punctata, lateribus antrorsum perparum angus-
tato, haud crebre crasse punctato subtiliterque sparsim punctulato, medio
levissime angusteque impresso, basi late arcuata, angdis posterioribus
retrorsum subporrectis; mesonoto longitudinem pronoti duplo superante
eodem modo at paulo vadosius punctato, lobo medio suturis profundis et
omnino expressis limitato; mesopleuris grosse et sat irregulariter punctatis
copiosiusque punctulatis; scutello convexo crasse et subremote punctato
punctulisque perpaucis admixtis notato; postscutello fortiter convexo meta-
thoraceque toto cum angulis postico-lateralibus crebrius et fere reticulatim
punctatis, interstitiis punctorum angustis vage punctulatis; metatlioracis
angulis postico-lateralibus latis, validis, externe suboblique truncatis. Ab-
domine sat elongato, subparallelo, convexo, segmentis 1° et 2° sat remote,
regulariter fortiterque cribrato-punctatis, interstitiis punctorum sat latis
minustissime disperse punctulatis, segmento 2° vestigio carinulae longitudi-
nalis vix ullo, utroque angulo postico-laterali acutiusculo leviterque promi-
nulo; segmento 3° eodem fere modo sed crebrius et leviter suboblique
ideoque subrugose punctato, supra seriem ante-apicalem leviter sed distincte
calloso, bac sat profunde immersa, e foveolis circiter 16 (8-1-8) inaequa-
libus (intermediis majoribus invicem plus minusve confluentibus) profun-
disque composita, in medio per carinulam brevem in partes duas divisa,
margine apicali lato, impunctato, 4-dentato, dentibus omnibus aequalibus,
sat angustis, elongatis apiceque fortiter acuminatis, emarginaturis profundis
omnibus subaequalibus, lateralibus paulo subobliquis; margine laterali usque
ad basin segmenti fere recto. Ventre microscopice crebre punctulato. Fe-
moribus anticis sat fortiter irregulariterque punctatis ; tarsorum posteriorum
articulo basali sequentibus tribus .simul sumptis paulo longiore. Alis in-
aequaliter sordidis, venis piceis; cellula radiali auguste lanceolata fere om-
nino compléta, secundum marginem costalem fortiter infuscata.
Long. 8y 4 mm.
Nukus ad ß. Amu-darja (Dohrandt. 11. VI. 1875).
1 specimen (1 cf).
Ad divisionem XXI. 6. cl. Mocsârii (Monogr. Chiysidid. 1889, p. 471)
referenda; a Chr. (Tetrachr.) aurulenta Mocs. (1. c, p. 472) mesopotamica,
cui sat affiuis esse videtur, differt cavitate facial i haud dense breviterque
Bulletin N. S. Ifl (XXXV) p. 84.
T. XIIl] CHRYSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 255
cano-pubescenti, superne distinctissime marginata, genis brevissimis, anten-
narum articulo 3° quarto distincte breviore, pronoto brevi, abdominis seg-
mentis 2° et 3° hand rugose punctatis etc.; a Chr. (Tetrachr.) chrysoprasina
Forst. (Mocsâry. L. c, p. 473) discedit imprimis antennarum articulo
3° quarto distincte breviore secundoque tantum sesqui longiore, hoc dis-
tincte virescenti, cavitate faciali superne evidentissime marginata, pronoto
brevi, abdominis segmente 2° carinula longitudinali vix ulla, alarum anti-
carum cellula radiali subcompleta etc.; a Chr. (Tetrachr.) xanthocera Klg.
(Mocsàry. L. c, p. 474), quae species ad eandeiù. divisionem a cl. Moc-
sâry relata est, praeter antennarum colorem diversum, praesertim cavitate
faciali superne acute marginata, clypeo brevi apice sinuato, genis brevissi-
mis, abdominis segmento ultimo supra seriem ante-apicalem distincte calloso,
dentibus apicalibus longioribus aliisque notis facile distinguenda est.
Hanc elegantem speciem Conservatori Musei Zoologici Academiae Cae-
sareae Scientiarum Petropolitanae Eug. Büchner dedicavi.
io. Clirysis (Tetrachrysis) Strauclii, sp. n.
Ç. Mediocris, concinna, multicolor: capite rosaceo-aeneo, nitore dilute
viridi, cavitate faciali laete aureo-viridi, hujus linea longitudinali media
clypeoque magis aureis, pronoto, mesonoti lobis lateralibus cum mesopleuris
scutelloque laete rosaceo-cupratis, ad certum luminis situm virescentibus,
postscutello et mesonoti lobo medio viridi-cupratis vix rosaceis, hujus suturis
omnibus nec non truncatura antica pronoti in fundo violacescenti-cyaneis,
metathoracis angulis postico-lateralibus laete auratis basi saturate cyaneo-
viridibus, abdomine concinne purpurascenti-cuprato (ad latera saturatius),
ad certum luminis situm virescenti, segmenti l 1 truncatura tota basali plus
minusve viridi utrinque macula parum determinata violacescenti-cyanea
ornato, segmento secundo maculis duabus magnis basalibus (trientem seg-
menti basalem etiam superantibus) saturate violacescenti-cyaneis concinneque
viridi-aureo-limbatis decorato, segmento 3° (ultimo) limbo sat lato basali mar-
gineque toto apicali saturate violacescenti-cyaneis, illo angustissime viridi-
aureo-marginato ; ventre viridi- aurato, segmento 3° anguste, 2° late basi
nigris, hujus carinula longitudinali basi subigneo-micante ; tegulis pedibusque
subaurato-viridibus, tarsis fusco-testaceis ; longius haud dense cano-pilusula.
Antennis sat longis, scapo aurato-viridi, flagelli articulis 2 basalibus superne
obsolete virescentibus (2° potius cyanescenti), articulis ceteris dilute fuscis;
scapo articulis sequentibus tribus conjunctis paulo breviore, sed duobus
sequentibus unitis evidenter longiore, articulo 3° secundo fere duplo longiore, 4°
secundo paulo longiore, 5° quarto distincte breviore. Capite haud lato, fronte
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 85.
256 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
sat crebre secl non reticulatim punctata, interstitiis punctorum irregulariter
ruguliformibus, vertice paulo remotius irregulariter punctato; cavitate faciali
lata, baud profunda, fere plana, confertiin punctulato-coriacea, medio longitu-
dinaliter tenue sulculata, sat dense albido appresso-pilosa, superne arcuatim
marginata, carinula marginali haud perfecte determinata; clypeo sat brevi,
irregulariter vageque punctato, apice medio subtruncato; genis anteunarum
articulo 2° baud brevioribus; temporibus antennarum articulo 4° vix longi-
oribus distincte acuteque carinatim marginatis; oculis oblongo-ovatis. Pro-
noto elongato, leviter trapeziformi, lateribus antrorsum sat fortiter recteque
angustato, subremote, irregulariter ac profunde punctato et vage vix punc-
tulato, medio fere non impresso, antice subtruncato, truncatura tota punc-
tata, angulis anticis obtusis, posticis retrorsum subporrectis, margine basali
leniter arcuato ; mesonoto longitudinem pronoti parum superante, eodem fere
modo at paulo grossius et multo remotius (praesertim in lobo medio) punc-
tato, utroque lobo laterali plica longitudinali conspicua medio instructo;
mesopleuris eodem modo ac pronotum punctatis; scutello vix convexo medio
valde remote punctato punctulisque perpaucis notato; postscutello gibboso
modice grosse subreticulatim punctato; metathoracis angulis postico-late-
ralibus mediocribus, apice sat acutis, retrorsum parum curvatis. Abdomine
sat longo nec nimis angusto, modice convexo, toto haud grosse nec valde
crebre simpliciter punctato, punctis fere omnibus rotundis, haud profundis,
segmentis 2° et 3 U basi carinula longitudinali parum determinata sed ad
certum luminis situm sat distincta instructis, segmenti 2 l angulis postico-
lateralibus obtusiusculis nec ullo modo prominulis, segmento 3° supra seriem
ante-apicalem fere non incrassato, hac sat elongata, vix immersa, e foveolis
punctiformibus ideoque cum punctis confusis et indistinctis composita, mar-
gine apicali sat lato, 4-dentato, dentibus elongatis spiniformibus, emargina-
turis profundis, lateralibus oblique, centrali simpliciter arcuatis, hac illis
duplo angustiore, margine laterali ad basin dentis lateralis distincte sinuoso.
Ventre subtilissime coriaceo-punctato. Femoribus anticis disperse punctatis,
nitidis ; tarsorum posticorum articulo basali sequentibus tribus simul sumptis
distincte longiore. Alis hyalinis, vix sordidis, venis dilute fuscis, vena post-
costali picea; cellula radiali apice anguste aperta.
Long. 8% mm.
Turkestan chinense: oasis Sandzhu (B. Grombczewski. 2. VII.
1890).
1 specimen (1 $).
Hanc elegantissimam speciem, ad divisionem XIP m cl. Mocsârii (Mo-
nogr. Chrysidid. 1889, p. 423) referendam et ab omnibus speciebus bujus
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 86.
T. Xllj] ' CHRYSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 257
sectionis facillime disÜDguendam, D-ri Al. Strauch, Directori Musei Zoo-
logici Acadeniiae Caesareae Scientiarum Petropolitanae dedicavi.
1 1 . Clirysis (Tetiaclirysis) Pleskei, sp. n.
Ç. Mediocris, gracilis, elongata, parum nitida, multicolor: capite rosaceo-
aenescenti, cavitate faciali laete viridi, ad latera cyauea, superne subaureo-
marginata, clypeo temporumque parte inferiore aurato-viridibus, pronoto,
mesonoti lobis lateralibus scutelloque pins minusve rosaceo- vel subigneo-
cupratis, pronoti sulco medio longitudinali aurato-viridi, trnncatura antica
saturate violacescenti-cyanea , mesonoti lobo medio subaurato-viridi, ad
suturas laterales violacescenti-cyaneo, postscutello minus cuprato, mesopleuris
subigneo-auratis, suturis lateribusque laete viridibus, metatliorace viridi,
cyaneo- et cupreo-variegato, tegulis viridibus, basi cyaneis, abdomine con-
cinne (ad latera laetius) aenescenti-roseo, vage vix virescenti, segmenti 3 11
margine apicali nec non segmenti l 1 parte impressa basali viridi-cyaneis,
illo in medio macula parva plus minusve aurea ornato, ventre saturate
cyaneo leviter viridi-variegato, segmente 2° basi nigro-maculato, pedibus
subaurato-viridibus cyaneo- variegatis, tarsis rufescenti-fuscis ; liaud dense
breviterque griseo-pubescens. Antennis moclice longis, fuscis, scapo viridi,
flagelli articulo basali vix virescenti; scapo articulis sequentibus tribus simul
sumptis paulo breviore, articulo 3° secundo circiter l 3 / 4 longiore, 4° secundo
evidenter sed parum longiore, 5° quarto distincte breviore. Capite baud lato,
fronte sat crebre et fere reticulatim, vertice remote punctatis, cavitate
faciali sat lata, modice profunda, confertim punctulato-coriacea, medio
longitudiualiter tenue sulcata, pilis appressis niveis subdense vestita, superne
obsolete marginata, carinula marginali arcuata vix indicata, sursum obso-
letissime biramosa; clypeo brevi, irregulariter punctato, apice subtruncato,
medio longitudinaliter carinulato; genis brevissimis, antennarum articulo
2° etiam brevioribus; temporibus antennarum articulo 4° subaequalibus,
distincte marginatis, carinula marginali superne sensim obliterata, postice
denticulo obtusiusculo parumque prominulo armatis; oculis oblougo-ovatis.
Pronoto modice brevi, lateribus antrorsum subangustato, subremote et sat
fortiter punctato vageque vix punctulato, medio distincte et anguste longi-
tudinaliter canaliculate, antice truncate, truncatura tota punctata, angulis
posticis retrorsum sat longe productis, margine basali levissime arcuato;
mesonoto longitudinem pronoti evidenter sed modice superante, eodem modo
at vix laxius punctato, utroque lobo laterali plica seu carinula longitudinali
distincta praedito ; mesopleuris eodem fere modo ac pronotum punctatis, sed
interstitiis punctorum distincte rugiformibus ; scutello fere piano crassius et
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 87.
258 ANDREAS SEMENOW, [t. XUI
remotius punctato et punctulato; postscutello convexo haud nimis confertim
ideoque vix reticulatim punctato; metathoracis angulis postico-lateralibus
haud validis, acutiusculis, potius extrorsum directis. Abdomine longo et
angusto, toto haud grosse et subcrebre sirapliciter punctato, punctis fere
omnibus rotundis invicernque omnino separatis, segmento 2° cannula longi-
tudinal! subnulla, ad certurn luminis situm vix distincta notato, angulis
postico-lateralibus obtusis nec prominulis, segmento 3° supra seriem ante-
apicalem levissime subincrassato, hac satis elongata, parum immersa, medio
haud interrupta, e foveolis sat magnis et omnino determinatis circiter 12
(6-1-6) composita, margine apicali sat lato, 4-dentato, dentibus externis
longioribus et fere spiniformibus, internis evidenter brevioribus, attamen
bene determinatis, emarginatura centrali baud profunda, vix arcuata, latera-
libus hac non latioribus, suboblique modiceque profunde arcuatis, margine
laterali usque ad basin segmenti recto. Ventre subtiliter confertimque punc-
tulato. Femoribus anticis laxe simpliciterque punctatis, nitidis, tarsorum
posticorum articulo basali sequentibus tribus simul sumptis distincte lon-
giore. Alis hyalinis, levissime sordidis (praesertim in cellula radiali), venis
fuscescentibus ; cellula radiali elongata, auguste lanceolata, apice vix aperta.
Long. 7 mm.
Turkestan chinense: oasis Sandzhu (B. Grombczewski. 2. VIL 1890).
2 specimina (2 $). .
Quoad sculpturam, structuram antennarum, cavitatis facialis etc., prae-
cedenti (Chr. Strauchi m.) affinis, a qua tarnen imprimis statura subtiliore
et multo graciliore, colore abdominis, pronoto breviore medio longitudinali-
ter distincte canaliculato, structura seriei ante-apicalis dentiumque apicali-
centralium aliisque aliquot signis longe diversa.
Hanc venustulam speciem in honorem Th. Pleske, Academiae Cae-
sar eae Scientiarum Petropolitanae socii nominavi.
12. Clirysis (Tc(raclirysis) leptopoecila, sp. n.
S. Submediocris, gracilis, sat dense longiusque cano-pilosula, opaca,
supra rubescenti-cuprata, subtus viridi- et cyaneo-variegata, cavitate faciali,
clypeo, genis nec non metathorace ad basin dentium postico-lateralium viri-
dibus cyaneoque leviter variegatis, parte inferiore temporum, lobo medio
mesonoti, tegulis, segmenti abdominalis 2 1 toto dimidio basali, segmento
abdominali 3° toto saturate cyaneis, plus minusve violacescentibus, hujus
cannula parum determinata longitudinali leviter virescenti; abdominis seg-
mento primo parte impressa basali obscure viridi; ventre cyaneo-viridi vio-
laceoque variegato, segmento 2° basi late nigro, pedibus viridibus plus
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 88.
T. Xin] CHRYSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 259
minusve violacescenti-cyaneo variegatis, femoribus anticis interne viridi-
subauratis, tarsis fusco-testaceis. Antennis niediocriter elongatis, apicem ver-
sus attenuates, fuscis, scapo laete viridi, articulis 2 sequentibus tertioque
maxima ex parte superne aurato-viridibus; scapo articulis 2 sequentibus
simul sumptis distincte breviore, articulo 3° secundo fere triplo longiore, 4°
praecedenti duplo breviore, 5° quarto distincte sed paulo breviore. Capite
haud lato, fronte et vertice confertim regulariterque (praesertim fronte) reti-
culato-punctatis, cavitate faciali profunda, sat crebre punctulato-coriacea,
longitudinaliter subsulcata (quo sulculo superne foveola punctiformi termi-
nate), superne carinula subtili flexuosa, utrinque abbreviata nec ullo modo
ramifera limitata; ctypeo baud niinis brevi, sat crebre punctato, apice in
medio subangulatim sinuato; genis longis, flagelli articulo 3° etiam paulo
longioribus; temporibus eodem articulo flagelli distincte longioribus, inferne
carinatim marginatis, postice denticulo acutiusculo et prominulo armatis;
oculis sat parvis, oblongo-ovatis. Thorace toto confertim punctato-reticulato;
pronoto sat brevi, nullo modo trapeziformi, lateribus omnino rectis, apice
recte truncato, truncatura tota punctata, medio (praesertim ad apicem) dis-
tincte longitudinaliter subimpresso, basi arcuata, angulis posticis retrorsum
modice porrectis ; mesonoto longitudinem pronoti sesqui superante, lobo medio
sat angusto; scutello parum, postscutello modice convexis; angulis postico-
lateralibus metathoracis subobtusis, brevibus, leviter retrorsum curvatis.
Abdomine sat angusto, convexo, segmentis omnibus (anticis dispersius et
fortius, posticis subtilius et densius) ruguloso-punctatis, segmentis 2° et 3°
medio carinula longitudinali sat indicata praeditis, illius angulis postico-
lateralibus omnino obtusis, hoc elongato, medio late leviterque transversim
depresso, supra seriem ante-apicalem leviter incrassato, bac e foveolis niag-
nis et profundis circiter 8 (4 -t- 4) nonnunquam invicem confluentibus
composita, margine apicali 4-dentato, dentibus internis obtusis, obsoletis,
arcuato-lobiformibus, externis magis determinatis, sed brevibus nec acutis,
emarginatura centrali lateralibus angustiore; margine laterali usque ad basin
recto. Ventre crebre coriaceo-punctulato. Femoribus anticis sat fortiter
crebreque rugoso-punctatis; tarsorum posticorum metatarso articulis ceteris
simul sumptis parum breviore. Alis hyalinis, aequabiliter subinfuscatis, venis
dilute fuscis; cellula radiali secundum margmem costalem anguste infuscata.
Long. 7 mm.
Montenegro (Erber).
1 specimen (1 cf).
Haec venusta species Chr. (Tetraclir .) jucundae Mo es. (Monogr. Chry-
sidid. 1889, p. 430) proxime aftinis esse videtur et fere omnino cum de-
Bnllotin N. S. III (XXXV) p. 89.
260 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
scriptione auctoris citati congruit, nisi quod habet cavitatem facialera superne
aliter marginatara, hujus carinulatn marginalem hand ramulosam, metatho-
racis angulos postico-laterales haud acutos apiceque subigneo-cupreos nec
non abdomen aliter decoratum. — Forsitan S ad Chr. (Tetraclir.) jucundam
Mocs.
13* Chrysis (Tetraclirysis) Biancliii, sp. n.
$. Mediocris, oblonga, sat dense longiusque (praesertim in capite tho-
raceque) fulvescenti-griseo-pilosa, capite et thorace viridibus, capitis clypeo,
cavitate faciali, fronte maxima ex parte, pronoto, scutello et metathorace
saepius levissime subauratis, ceteris partibus capitis thoracisque (praesertim
autem occipite et mesonoto) plus minusve cyanescentibus vel violacescenti-
cyaneis, tegulis cj^anescenti-viridibus ; abdominis segmento 1° viridi- vel
virescenti - aurato , segmento 2° plus minusve purpurascenti - aurato , ad
certum luminis situm levissime aenescenti, ad latera distincte virescenti,
segmento 3° minus nitido sed paulo saturatius (praesertim ad basin) purpu-
rascenti; ventre laete subaurato- vel aurato- viridi, segmento 2° basi sat an-
guste nigro-maculato, 3° tenuiter nigro-circumducto ; pedibus viridibus vage
subauratis, tarsis nigris. Antennis sat longis, haud nimis crassis, apice atte-
nuatis et subacuminatis, scapo articulisque duobus sequentibus viridibus, cete-
ris nigris; scapo articulis 2 sequentibus simul sumptis haud longiore, arti-
culo 3° praecedenti saltern duplo longiore, 4° secundo evidenter sed parum
longiore, 5° quarto vix breviore. Capite lato, latitudinem pronoti evidenter
superante, fronte confertim ideoque subreticulatim, vertice occipiteque remo-
tius punctatis, cavitate faciali lata et sat profunda, fortiter crebreque rugu-
loso-punctulata, medio longitudinaliter subsulcata, superne marginata: can-
nula marginali omnino determinata, acuta, a cavitate faciali distincte remota
sursumque distincte biangulata; clypeo modice brevi, sat copiose punctato,
medio elevato, apice leniter sinuato, genis antennarum articulo 4° subaequa-
libus; temporibus eodem articulo distincte latioribus, minus acute margina-
tis, carinula marginali sursum mox evanescente; oculis sat late ovatis. Pro-
noto brevissimo (fere ut in Chr. ignita L.) mesonoto plus quam duplo bre-
viore, antrorsum vix subangustato, lateribus fere recto, antice subtruncato,
truncatura tota punctata, medio longitudinaliter leviter subsulcatim impresso,
sat crasse regulariterque subreticulatim punctato et vix punctulato, angulis
posterioribus retrorsum sat porrectis, basi in medio distincte subsinuata;
mesonoto eodem fere modo sed paulo remotius punctato et distinctius punc-
tulato, mesopleuris praeterea levissime subrugatis; scutello vix, postscutello
leviter convexis, illo crasse et sat crebre punctato, hoc grosse regulariterque
bulletin N. S. III (XXXV) p. 00.
T. XIIl] CHRYSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 261
reticulato; metatlioracis angulis postico-lateralibus sat latis et brevibus,
retrorsum directis leviterque incurvis. Abdomine modice elongato, convexo,
segmento 1° basi fere non impresso, baud carinato, sat fortiter nec nimis
crebre punctato, interstitiis punctorum vix punctulatis; segmento 2° paulo
crebrius et distincte minutius (praesertim apicem versus) punctato subti-
lissimeque vix distincte punctulato, carinula media tenui et parum determi-
nata instructo, angulis postico-lateralibus haud acuminatis; segmento 3°
crebre, sat subtiliter et nonnihil confuse punctato et punctulato, longitudi-
naliter ecarinato, transversim baud (vel vix) depresso, supra seriem ante-
apicalem non incrassato, levissime tantum subcalloso, bac leviter immersa,
fere usque ad basin segmenti continuata, medio distincte interrupta, e foveo-
lis circiter 1 6 (8 -h 8) profundis et saepius per paria plus minusve confluen-
tibus composita; margine apicali sat brevi et lato, 4-dendato, dentibus sat
brevibus nec nimis acutis, fere in lineam transversam dispositis, emar-
gïnaturis arcuatis parum profundis, centrali lateralibus vix latiore, margine
laterali (a latere viso) inde a dente esterno usque ad basin omnino recto.
Ventre nitido, subtiliter nec nimis crebre coriaceo-punctulato. Femoribus
anticis sat crebre subtiliter punctatis; tarsorum posticorum articulo basali
ceteris simul sumptis perparum breviore. Alis byalipis perparum fuscescen-
tibus, venis fuscis; cellula radiali modice angusta, apice anguste subaperta.
Long. 8 mm.
Prov. Transcaspica : montes Kopet-dagh prope Tsclmli (ipse. 29 — 30.
IV. 1888).
2 specimina (2 $).
Affinis Chr. (Tetraclir.) ignitae L., a qua imprimis statura paulo bre-
viore et minus gracili, sculptura thoracis abdominisque paulo subtiliore,
colore pronoti, tegularum et abdominis valde diverso, praesertim autem ab-
domine paulo breviore et latiore, segmentis omnibus paulo magis convexis,
1° et 2° carinula longitudinali omnino destitutis, segmento 3° aliter con-
structo, utpote medio transversim non impresso, supra seriem ante-apicalem
haud incrassato, hujus foveolis magis confluentibus, margine apicali bre-
viore et paulo latiore, dentibus apicalibus multo brevioribus et paulo obtu-
sioribus, alarum anticarum cellula radiali apice haud perfecte occlusa dis-
cedens. — Chr. (Tetraclir.) mutdbili Buyss. (Mocsâry. Monogr. Chrysidid.
1889, p. 496) syriacae subaffinis quoque videtur, a qua ita distinguenda :
magnitudine majore, antennarum articulis 3 basalibus laete viridibus, arti-
culo flagelli 2° tertio multo longiore, abdominis dentibus apicalibus subaequa-
libus etc. — A.Chr. (Tetraclir.) ambiguaRààoszk. (Revue d'Entom. X, 1891,
p. 188) transcaspica (sec. specim. typ. Radoszkowskii) statura majore,
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 91. jg*
262 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
multo latiore et minus gracili, capite multo latiore, pronoto breviore et
multo magis transverso, basi magis arcuato, metathoracis angulis postico-
lateralibus multo latioribus et obtusioribus, abdomine subtilius et multo
crebrius sculpto, segmente 3° medio transversim haud impresso nec supra
seriem ante-apicalem incrassato, margine apicali breviore et latiore, angulis
apicalibus brevioribus et obtusioribus, fere in lineam transversam dispositis,
colore nonnullarum partium corporis, alis longioribus etc. omnino diversa.
Hanc speciem Conservatori Musei Zoologici Academiae Caesareae
Scientiarum Petropolitanae V. Bianchi dedicavi.
14. Chrysis (Tetraclirysis) Grumorum, sp. n.
S. Mediocris, gracillima, elongata, vertice thoraceque longe sparsimque
fuscescenti-griseo, lateribus cavitatis facialis, temporibus genisque nec non
abdomine ad latera eodem modo albido-pilosulis ; capite thoraceque cyanes-
centi-viridibus plus minusve subaureo-irroratis, vertice, pronoto medio et
lateribus, suturis omnibus tegulisque plus minusve obscure cyanescentibus,
cavitate faciali viridi-subaurata, abdomine nitido subigneo-aurato, ad latera
vix virescenti, segmentis 2° et praesertim 3° basi plus minusve purpuras-
centibus vel purpureis, ventre nitido viridi-aurato, segmente 2° basi sat an-
guste nigro-maculato, pedibus viridibus cyaneo-variegatis, tarsis piceis. An-
tennis sat longis et gracilibus, nigris (scapo cyaneo-viridi flagellique articulis
2 basalibus leviter cyanescentibus exceptis); scapo articulis 2 sequentibus
simul sumptis fere aequilongo, articulo 3° praecedenti saltem duplo longiore,
4° secundo saltem sesqui longiore, 5° quarto subaequali; articulis subtus
incrassatis nullis. Capite sat lato, latitudinem thoracis leviter superante,
confertim, subtiliter regulariterque reticulato-punctato, cavitate faciali valde
lata, leviter sensimque concava, medio disperse, ad latera confertim ideoque
fere reticulatim punctata, secundum lineam mediam haud indicatam levis-
sime transversim rugulosa, superne carinula acute alteque elevata, leviter
undulato-arcuata, utrinque abbreviata simplicique terminata; clypeo haud
producto, sat lato, disperse punctate, medio convexiusculo, apice subsinuato;
genis antennarum articulum 2 um vix superantibus ; temporibus antennarum
articulo 4° paulo brevioribus, obsolete marginatis denticuloque minutissimo
postice armatis; oculis sat breviter ovalibus. Pronoto brevi et fere ut in Glir.
ignita L. formate mesonoto duplo breviore, angulis anticis (humeralibus)
obtusiusculis, medio non sulcato, crebre et sat vadose punctate, inter puncta
confertim subtiliter ruguloso ideoque subopaco; ceteris partibus thoracis
eodem fere modo sculptis, sed scutello et postscutello paulo grossius etsi
adhuc vadosius punctatis; hoc fere gibboso-convexo; metathoracis angulis
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 92.
T. XIIl] CHRYSIDIDARUM SPECIES NOVAE. 263
postico-lateralibus haud productis, brevibus, triangulum rectangularem effi-
cientibus, apice obtusiusculis. Abdomine gracillimo, valde angusto et elon-
gato, parum convexo, segmente 1° eodem fere modo ac postscutellum sculpte,
i. e. grosse vadoseque subreticulato-punctato et inter puncta crebre ruguloso-
punctulato ideoque parum nitido; segmento vero 2° valde nitido, remote sub-
tiliter (praesertim ad apicem) punctate, interstitiis punctorum latis laevi-
busque, tantum ad marginem lateralem subtilissime copiose punctulatis;
carinula longitudinali media tenuissima, sed bene indicata; angulis postico-
lateralibus haud prominulis; segmento 3° crebrius subaciculatim ruguloso-
punctato, ecarinato, sat longo, medio nullo modo transversim impresso nec
supra seriem ante-apicalem incrassato, hac non immersa, e foveolis circiter
14 (7 h- 7) sat magnis et subrotundis saepius per paria invicem approxi-
matis formata; margine apicali sat brevi, 4-dentato, dentibus acutis fere
in lineam transversam dispositis, externis paulo majoribus et longioribus,
emarginaturis simpliciter nec profunde arcuatis separatis, emarginatura
centrali lateralibus distincte latiore; margine laterali ad dentem externo-
apicalem vix sinuosa, deinde usque ad basin segmenti recto. Ventre haud
nimis crebre simpliciterque punctulato, nitido. Pedibus longissimis et valde
gracilibus. Femoribus anticis sat copiose punctatis; tarsorum posteriorum
articulo primo sequentibus tribus simul sumptis vix longiore. Alis hyalinis
leviter aequabiliterque sordidis; cellula radiali angustissima, valde elongata,
apice subcompleta.
Long. 7 3 / 4 mm.
Chinae regio Amdo dicta: promontoria septentrionalia montium Sini-
nensium (G. & M. Grum-Grzhimailo. 14—15. V. 1890).
1 specimen (1 $).
Ad divisionem XXIII. 2 C.b. cl. Moscârii (Monogr. Chrysidid. 1889,
p. 481) referenda et ab omnibus speciebus, illam sectionem formantibus,
statura gracillima, pedibus longis et tenuibus imprimis dignoscenda; affinis
Chr. (Tetrachr.) ignitae L., a qua inter alia statura graciliore (praecipue
corpore toto multo angustiore et magis elongate), capite thoraceque multo
crebrius, subtilius aliterque sculptis, abdominis segmentis 2 ultimis (prae-
sertim autem 2°) nitidis, subtiliter punctatis, segmento vero 3° (ultimo) aliter
formato aliterque dentate, pedibus multo longioribus et tenuioribus, alarum
anticarum cellula radiali angustiore multoque magis elongata jam facile
distinguenda.
In honorem investigatorum praestantissimorum Gr. & M. Grum-
Grzhimailo nominata.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 93.
264 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
15. Chrysis (llexachrysis) Herzensteini, sp. n.
S. Mediocris, modice nitida, subaurato- viridis, in locis profunde im-
pressis levissime cyanescens, vertice, pronoto, lobis lateralibus mesonoti et
scutello plus minusve rosaceo-cuprescentibus, abdomine rosaceo-cuprato,
segmento 1° ad basin, ceteris ad latera et in fundo punctorum majorum dis-
tincte (praesertim ad certum luminis situm) virescentibus, segmentis 2° et
3° basi sat late nigro-limbatis ; ventre viridi-aurato, segmento 2° basi ma-
culis magnis cyaneo-nigris notato, 3° fere toto cuprescenti; flagello anten-
narum fusco-testaceo, tarsis omnibus dilute flavido-testaceis ; corpore toto
sparsim et sat breviter griseo-pubescenti. Antennarum scapo subaurato-
viridi modice elongato, articulis duobus sequentibus simul sumptis vix lon-
giore, 4° secundum paulo superante. Capite haud lato, crebre et sat sub-
tiliter rugoso-punctato, fronte sat angusta, cavitate faciali sat profunda,
leviter concaviuscula, crebre coriaceo-punctulata, pilis appressis albido-seri-
ceis cum genis mediocriter dense vestita, superne non marginata, sulculo
longitudinali in parte tantum superiore indicate ; clypeo leviter elongato,
disperse sed sat copiose punctato, nitido; genis articulo 2° antennarum fere
aequilongis; temporibus satis evolutis, antennarum articulo 3° superne pa-
rum brevioribus, distincte carinatim marginatis; oculis minoribus. Thorace
sat elongato, grosse fere foveolatim et rotunde punctato, interstitiis puncto-
rum plus minusve rugiformibus, subelevatis, vage distincte punctulatis;
postscutello gibboso grossissime reticulato-punctato, basi (ad marginem posti-
cum scutelli sat convexi) foveola sat profunda et in fundo nitidula notato;
mesopleuris minus determinate rugoso-punctatis ; pronoto elongato, attamen
mesonoto multo breviore, medio longitudinaliter profunde excavato, antice
subtruncato, truncatura nec polita nee nitida, sed crebre punctulata, angu-
lis posterioribus retrorsum sat productis; mesonoti lobo medio angusto et
elongato, utrinque sutura distinctissima terminate ; metathoracis angulis
postico-lateralibus acute subspiniformibus , distincte extrorsum directis;
tegulis evidenter rugoso-punctatis. Abdomine convexo nec valde angusto,
segmento 1° (praesertim basi) grossissime punctato, interstitiis punctorum
latis subtilissime punctulatis, basi utrinque area laevigata notata; segmento
2° eodem fere modo, at evidenter subtilius punctato, interstitiis punctorum
multo minus copiose punctulatis; limbo basali nigro simpliciter haud dense
punctato; vestigio carinulae longitudinalis haud elevatae distincto, sat lato,
subtilissime punctulato; segmento 3° haud convexo minus regulariter et
nonnihil oblique punctato et punctulato, in limbo nigro basali simpliciter
remoteque punctato, supra seriem ante-apicalem nullo modo incrassato, hac
sat longa, nullo modo immersa, e foveolis circiter 14 (7 -h 7) plus minusve
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 94.
T. XIIl] CHRYSIDIDARUM SPECIES NOTAE. 265
confluentibus (praesertim mediis), sed in medio distincte separatis composita;
margine apicali sat angusto, sed longo, indeterminate 6-dentato, utpote:
dente obtnso et obsoleto utrinque sub initio seriei ante-apicalis, dein dente
magis determinato laterali ab illo emarginatura haud profunda separato,
praeterea summo apice marginis apicalis lobulum vix prominulum lateque
rotundatum formante ; margine laterali inde a dente laterali superiore usque
ad basin segmenti integro rectoque. Ventre subtilissime punctulato. Femo-
ribus anticis sat fortiter punctatis et punctulatis; tarsorum posteriorum
articulo basali ceteris simul sumptis paulo breviore. Alis levitfer sordidis,
venis fuscis, cellula radiali subcompleta.
Long. 8Y 2 mm.
Persia borealis (Dr. F. Morawitz; legit 0. Herz).
1 specimen (c?).
Ad sectionem I. 1. cl. Mocsârii (Monogr. Chrysidid. 1889, p. 533)
pertinens; subaffinis Chr. (Hexachr.) pulchellae Spin. (Mocsâry. L. c,
p. 533), a qua statura multo majore et robustiore, cavitate faciali medio
nullo modo transversim striolata, pronoto multo longiore medio profunde
longitudinaliter excavato crebriusque sculpto, metathoracis angulis postico-
lateralibus multo subtilioribus, tenuiter acuteque spiniformibus, extrorsum
directis, abdominis segmento 2° crassius punctato, segmenti 3 11 série ante-
apicali haucl immersa, margine apicali multo breviore, dentibus 2 interme-
diis (apicalibus) non discretis, conjunctim lobulum simpliciter arcuatum for-
mantibus, capitis nee fronte nec cavitate faciali cyaneis, vertice, pro- et
mesopleuris, postscutello, metathorace tegulisque vix cyanescentibus, abdo-
mine minus viridi, tarsis pallidis, cellula radiali apice minus aperta etc.
longe divergens; a Chr. (Hexachr.) calimorplia Mocs. (1. c, p. 535) iisdem
notis distinguenda; a Chr. (Hexachr.) plusia Mocs. (1. c, p. 535) imprimis
cavitate faciali nec cyanea nec polita, genis longioribus, abdominis segmenti
3" margine apicali aliter dentato etc. discedens. A Chr. (Hexachr.) sdbulosa
Radoszk. (Mocsâry. L. c, p. 536) praeter alia magnitudine majore, meso-
pleuris lateribusque pronoti nullo modo striatis, abdominis segmento 3°
apice aliter dentato, colore nonnullarum corporis partium etc. facillime
distinguenda; a Chr. (Hexachr.) Bemavendae Radoszk. (Mocsâry. L. c,
p. 538) imprimis segmenti abdominalis 3 11 margine apicali aliter dentato,
cavitate faciali superne immarginata, colore nonnullarum partium corporis
etc. omnino di versa.
Hanc egregiam speciem in honorem Conservatoris Musei Zoologici
Academiae Caesareae Scientiarum Petropolitanae S. Herzenstein no-
minavi.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 95.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DD
BULLETIN DE L'ACADÉIIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Über eine neue Sminthus-Art aus China. Von Eug. Büchner. (Lu le
18 mars 1892).
Die eigenthümliche Gattung Sminthus Keys, et Blas, aus der Familie
der Muridae ist bis jetzt in einer einzigen Art, Sminthus subtilis (Pali.),
bekannt, mit welcher sich alle späterhin beschriebenen Vertreter dieses
Genus (vagus Pall., betuliniis Pall., lineatus Licht., nordmanni Keys, et
Blas, und loriger Nathus.) bekanntlich als identisch erwiesen haben. Die
Veranlassung zu dieser Synonymie haben die mangelhaften ursprünglichen
Beschreibungen dieser überall nur selten auftretenden Art gegeben, ebenso
wie ihre überaus weite Verbreitung, welche sich über das östliche Europa
und den grössten Theil des asiatischen Russland ausdehnt.
Augenblicklich habe ich einen neuen, den zweiten Vertreter dieser
Gattung aufgefunden und muss diese ganz unerwartete Entdeckung unser
Interesse sowohl in systematischer, als auch in geographischer Hinsicht in
hohem Grade erregen. Das in Alcohol conservirte Original (M 2797) zu dieser
neuen Art fand sich in der Säugethier-Sammlung vor, welche von den Gebrü-
dern Gr. und Mich. Grum-Grzimailo während ihrer letzten central-asia-
tischen Expedition zusammengebracht wurde und die unlängst in den Besitz
des Zoologischen Museums der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
übergegangen ist. Diese neue Art, deren Beschreibung ich im Nachfolgen-
den liefere, belege ich mit dem Namen
Sminthus concolor sp. n.
Die ganze Oberseite ist von bräunlicher Färbung, die auf dem Rücken
dunkler, zu den Seiten hin heller, stellenweise braunröthlich, erscheint;
der ganze Rücken erscheint demnach einfarbig und ist von einer Zeichnung
auf demselben keine Spur vorhanden; der Haargrund ist überall ein dunkel-
grauer. Der Kopf ist mit der Oberseite gleichfarbig, mit Ausnahme der
Seitentheile der Schnauze und der breiten Lippenränder, die von weiss-
licher Färbung erscheinen. Die Schnauze ist bis auf die Nasenlöcher, die
durch eine breite, flache Nasenfurche von einander getrennt sind, dicht
behaart. Von den zahlreichen schwärzlichen Schnurrborsten erreichen die
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 107.
268 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
längsten die Ohrenspitze nicht. Die Oberlippe ist nicht gespalten und von
abwärts gerichteten, silberweissen steifen Härchen ziemlich dicht besetzt.
Von den fünf Gaumenfalten sind die erste und zweite ungetheiit, wobei
die zweite in der Mitte winkelig nach hinten gebogen erscheint; die übrigen
Gaumenfalten sind in der Mitte getheilt und die zur Mitte gewandten Enden
der einzelnen Gaumenfalten-Hälften sind nach hinten gerichtet.
Das lange Ohr, welches aus dem Pelze weit hervortritt, ragt nach vorn
angedrückt bis über den Vorderrand des Auges herrüber. Die Ohrmuschel
ist sehr eigenartig geformt, da die Basis ihres Aussenrandes von einem ab-
gerundeten, nach vorn gerichteten, fleischigen Läppchen gebildet erscheint,
welches von der Muschel selbst durch eine Einbuchtung getrennt ist; übrigens
hat auch 8m. subtilis ganz ähnlich gebaute Ohren, und kann daher die
Form der Ohrmuschel als eine charakteristische Eigenschaft der Gattung
angesprochen werden. Das Ohr ist inwendig im Basaltheile nackt, in der End-
hälfte mit kurzen, feinen Härchen spärlich besetzt; aussen ist das Ohr
längs dem Vorderrande und an der Basis des Aussenrandes von längeren,
hellbräunlichen Haaren ziemlich dicht bestanden.
Die Färbung der Oberseite ist gegen die dunkle Färbung der Unter-
seite nicht abgesetzt, sondern es geht die eine Färbung allmählich in die
andere über; die Unterseite erscheint demnach von hellbräunlicher Färbung
mit überall durchschimmerndem grauschwarzem Haargrunde. Auf der
Unterseite stehen acht Zitzen, von denen zwei Paar Brust- und zwei Paar
Bauch-Zitzen sind.
Die Vorder- und Hinterfüsse sind von kurzen weisslichen Härchen
bestanden ; auf den Zehen ist die Behaarung eine nur sehr dünne, mit durch-
schimmernder Haut. Der Vorderfuss hat vier Zehen, die ziemlich lange weiss-
liche, zu der Spitze hin dunkelgefärbte Krallen tragen, und eine kurze Daumen-
warze mit breitem Nagel; die nackte Sohle des Vorderfusses trägt fünf
Schwielen. Der Hinterfuss hat fünf Zehen, die mit Krallen versehen sind,
welche denjenigen des Vorderfusses in Form und Färbung ganz ähnlich
sind; die nackte Sohle des Hinterfusses ist von sechs Wülsten besetzt, von
denen der hinterste langgestreckt ist.
Der dünne, schlanke Schwanz, der anderthalb mal so lang ist als der
Körper, ist einfarbig und von kurzen hellgrauen Härchen nicht dicht be-
standen, durch welche die schuppige Schwanzhaut überall zum Vorschein
tritt.
Die Maasse des Original-Exemplares sind folgende:
Länge von der Nasenspitze bis zur Schwanzwurzel
(mit dem Bande gemessen) 71 mm.
Länge des Schwanzes 105 »
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 108.
T. XIIl] -' ÜBER EINE NEUE SMINTHUS-ART AUS CHINA. 269
Länge von der Nasenspitze bis zur Mitte des Auges 10 mm.
Länge von der Nasenspitze bis zur Ohrwurzel. ... 17,5 »
Länge des Ohres, von der Basis des Aussenrandes bis
zu seiner Spitze 13 »
Länge des Hinterfusses 18 »
Die äusseren Merkmale, welche Sminthus concolor charakterisiren und
gleichzeitig die Unterschiede zwischen unserer neuen Art und Sminthus
sübtilis liefern, lassen sich folgendermaassen zusammenfassen. Sminthus con-
color unterscheidet sich von Sminthus sübtilis: 1) durch die Einfarbigkeit
seiner Oberseite und das Fehlen irgend welcher Zeichnung auf dem Rücken,
während Sm. sübtilis durch einen intensiven schwarzen Rückenstreif charak-
terisirt ist, 2) durch die auffallend bedeutendere Länge der Ohren, da das
Ohr des Sm. sübtilis nach vorn angedrückt höchstens nur bis an den Hinter-
rand des Auges reicht und 3) durch einen bedeutend längeren Schwanz und
die Einfarbigkeit desselben, da der zweifarbige Schwanz des Sm. sübtilis
höchstens eine Länge erreicht, die die Körperlänge nur um ein Weniges
übertrifft. Die weiteren Unterschiede des Sm. concolor, die seine Färbung
und Farbengegensätze liefern und aus der Beschreibung zu ersehen sind,
glaube ich hier nicht weiter hervorheben zu brauchen, da sie nur wenig
charakteristisch sind.
Schädel. Der Schädel des Sminthus concolor ist demjenigen des Sm.
sübtilis vollständig ähnlich, nur erscheint bei unserer neuen Art die ganze
vordere Parthie desselben stärker verschmälert und schlanker ausgezogen
als bei Sm. sübtilis.
Was den Zahnbau der neuen Art anbetrifft, so stehen im Oberkiefer im
Ganzen vier Backenzähne: ein Praemolar und drei Molaren. Der erste
Backenzahn, d. h. der Praemolar, erscheint im Querschnitt rundlich und ist
in seinem vorderen Theile in einen hohen konischen Höcker ausgezogen,
von dem sich jederseits nach hinten zu, auf dem Niveau der Kaufläche, zu
je einem schwachen Schmelzvorsprunge abtrennt. Der zweite und dritte
Backenzahn (oder die beiden ersten Molaren) erscheinen von fast gleicher
Grösse und sind ziemlich regelmässig vierseitig; ihre Kauflächen sind in der
Mitte muldenförmig eingesenkt und ihr Aussen- und Innenrand ist in der Mitte
mit einer Einbuchtung versehen; in den vier Ecken dieser Molaren bildet
der Kronenrand hohe spitze Höcker; an dem Vorderrande des zweiten
Backenzahnes (M x ) ist der Kronenrand zwischen den Eckhöckern näher nach
innen ausserdem noch in eine erhöhte Spitze ausgezogen, die aber nie-
driger und schwächer ist, als die Eckhöcker. Der letzte Backenzahn, welcher
nur unbedeutend grösser ist als der Praemolar, ist von rundlicher Gestalt
mit wenig erhöhtem Kronenrande. Der erste (P) und letzte (M 3 ) Backenzahn
Bulletin N. S. Ill (XXX Y) p. 109. 19
270 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
stehen mit den übrigen nicht in einer Reihe, sondern es ist der Praemolar
ganz nach aussen, der letzte Molar mehr nach innen gestellt.
Im Unterkiefer stehen drei Backenzähne, von denen der erste und zweite
vollständig nach dem Typus des zweiten und dritten Backenzahnes des
Oberkiefers gebaut sind, nur erscheinen bei ihnen die Einbuchtungen in
der Mitte des Aussen- und Innenrandes viel stärker entwickelt und die Kau-
flächen in der Mitte weniger vertieft, als bei den entsprechenden Zähnen
des Oberkiefers ; der erste untere Backenzahn ist an seinen vier Ecken und
am Vorderrande in erhöhte Spitzen ausgezogen und erscheint demnach,
ähnlich wie der zweite obere Backenzahn (MJ, fünf höckerig. Der dritte
Molar endlich, der grösser erscheint als der letzte obere Molar, ist von
rundlicher, nach hinten verschmälerter Gestalt mit gebrochenem Kontour
der Kaufläche, da sein Innenrand mit einer schwachen Einbuchtung und sein
Aussenrand zuerst mit einer wenig merklichen Einschnürung, zum Ende
hin mit einer sehr starken Einbuchtung versehen ist.
Die Backenzähne des Sm. concolor sind denjenigen des Sm. subtilis sehr
ähnlich gebaut, unterscheiden sich aber von ihnen in folgenden Stücken.
Bei Sm. concolor findet sich, wie wir gesehen haben, am Vorderrande des
zweiten oberen Backenzahnes (M x ) zwischen den vorderen Eckhöckern noch
ein spitzer Höcker, der bei Sm. subtilis nur kaum angedeutet erscheint; es
ist folglich dieser Molar bei Sm. concolor fünfhöckerig, bei Sm. subtilis da-
gegen vierhöckerig. Ferner ist der spitze Höcker am Vorderrande des ersten
unteren Molaren, zwischen den vorderen Eckhöckern desselben, bei Sm. con-
color viel grösser und stärker entwickelt, als bei Sm. subtilis ; doch erscheint
dieser Zahn auch bei Sm. subtilis deutlich fünfhöckerig und ist es auffallend,
dass Brandt 1 ) und Blasius 2 ), denen wir eingehende Beschreibungendes
charakteristischen Schädelbaues dieser Art verdanken, dieses übersehen und
den ersten unteren Molaren bei Sm. subtilis als nur vierhöckerig ange-
sprochen haben, umsomehr als schon aus den von Nordmann 3 ) gelieferten
Abbildungen der Zahnreihen deutlich zu ersehen ist, dass dieser Zahn bei
Sm. subtilis mit fünf Höckern versehen erscheint. Als ein weiterer Unter-
schied im Zahnbaue der beiden in Rede stehenden Arten wäre noch die
Einbuchtung an der Aussenseite des letzten unteren Molaren zu erwähnen,
welche bei Sm. concolor eine viel stärkere ist als bei Sm. subtilis.
Nach dem Abkauungsgrade der Zähne zu urtheilen, gehört das Original-
Exemplar dieser Art einem nicht alten Thiere an, da die Höcker der ein-
1) Brandt, Beiträge zur näheren Kenntniss der Säugeth. Russlands, p. 175 (1855).
2) Blasius, Naturgescb. der Säugeth. Deutschlands, p. 302 (1857).
3) Nordmann, Faune Pontique, Atlas, tab. IV, fig. 2 b (1842).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 110.
T. Xlll] ÜBEK EINE NEUE SMINTHUS-ART AUS CHINA. 271
zelnen Molaren nur wenig abgenutzt sind. An dem Schädel selbst nehme ich
noch folgende Ausmessungen:
Basilarlänge 15,5 mm.
Geringste Breite der Stirnbeine 4 »
Länge der Nasalia 7,8 »
Länge der oberen Zahnreihe, an den Zahnkronen ... 3,i »
Vom Hinterrande der oberen Incisiv- Alveole bis zur
Praemolar-Alveole 5,2 »
Vom Hinterrande der unteren Incisiv- Alveole bis zur
Spitze des Condylus 10,7 »
Das Original-Exemplar des Sminthus concolor wurde von den Gebrüdern
Grum-Grzimailo am 28. Juni 1890 in der Ortschaft Gui-dui-scha, am
Nordabhange der Alpen von Ssinin (Si-ning), Provinz Ganssu, erbeutet.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 111. ja*
MANGES BIOLOGIQUES
TIBÉS Dû
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG,
TOME xni.
Die ornithologische Ausbeute der Expedition der Gebrüder G. und M. Grum-
Grzimailo nach Central-Asien (1889-90). Bearbeitet von Th. Pleske.
(Lu le 18 mars 1892).
VORBEMERK.
Die letzte Expedition der Gebrüder G. und M. Gium-Grzimailo nach
Central-Asien hat in allerhand wissenschaftlichen Organen so häufig Er-
wähnung gefunden, dass eine detaillirte Auseinandersetzung ihrer Zwecke
und ihres Verlaufes an diesem Orte sich wohl kaum als nothwendig
erweisen dürfte. Es genügt, meiner Ansicht nach, wenn ich sehr kurz
berichte, dass die genannte Expedition fast zwei Jahre gedauert hat und
während derselben namentlich der östliche Tjan-schan, das Gebirgsland
Bei-schan, das Njan-schan-Gebirge, so wie das Gebirgsland Amdo und
Kuku-nor genauer erforscht wurden. Neben der geographischen Aufnahme
des bereisten Landes, war es besonders die Entomologie, welcher die Ge-
brüder Grum-Grzimailo ihre besondere Aufmerksamkeit schenkten, und
mögen die in dieser Hinsicht erzielten Resultate, namentlich in Hinsicht der
Tagfalter (ffliopalocera), wohl ganz einzig dastehen. Nebenbei wurde aber
auch eifrig an der Anlegung einer Sammlung central-asiatischer Wirbel-
thiere, die für das Zoologische Museum der Kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften bestimmt war, gearbeitet. Diese Sammlung ist äusserst
reichhaltig ausgefallen, da sie 153 Säugethierfelle, 58 Schädel und 72 kleine
Säuger in Weingeist, 1048 Vogelbälge, 120 Reptilien und 90 Fische und dar-
unter eine Reihe Seltenheiten ersten Ranges, wie z. B. vier Felle, 3 Schädel
und ein fast vollständiges Skelett des Equus Przewalskii, enthält. Dazu haben
die Gebrüder Grum-Grzimailo nur an wenigen Stellen die von Prze-
walski bereisten Gegenden berührt, so dass die Materialien der genannten
Reisenden sich gegenseitig vortrefflich completiren. Um die ornithologische
Ausbeute der Expedition richtig beurtheilen zu können, müssen wir bemer-
ken, dass dieselbe an Wintervögeln verhältnissmässig reichhaltiger ist, wahr-
scheinlich weil in dieser Jahreszeit der Ornithologie grössere Aufmerksamkeit
geschenkt werden konnte. Die Anzahl der gesammelten Arten ist nicht
gerade gross zu nennen, doch dürfte dieser Umstand seinen Grund darin ha-
ben, dass ich Herrn G. Grum-Grzimailo bei seiner Abreise gebeten hatte,
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 113.
274 TH. PLESKE, DIE OKNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [T. XIII
möglichst wenig Grallatores und Natatores zu sammeln, um das sehr
beengte Museum der Akademie nicht mit solchem Material zu versehen,
das wir bereits in Menge aus Central- Asien besitzen. Die interessantesten
Stücke der ornithologischen Sammlung der Gebrüder Grum-Grzimailo
sind: ein Accipiter virgatus, ein Paar Falco habylonicus, ein Erythropus
amurensis und eine Loxia curvirostra himalayana, die aus den, von der
letzten Expedition berührten, Gegenden noch nicht bekannt waren; ferner
Nester mit Eiern von Chloris sinica, Oarpodacus pulcherrimus, Parus
superciliosus und Herbivocula afßnis, Eier von Perdix sifanica und Phasia-
nus Strauchii, so wie Exemplare des Grossoptilon auritum im Jugend-
kleide und Dunenjunge von Ibidorliyncha Struthersii. In zoogeographischer
Hinsicht hat die Erforschung des Nordabhanges des Njan-schan das interes-
sante Ergebniss geliefert, dass die Nordgrenze vieler central-chinesischer
Arten, die bis jetzt nicht nördlicher als in dem Gebirgslande Amdo (centraler
Theil von Ganssu) nachgewiesen worden waren, an den Nordabhang des Njan-
schan versetzt werden muss. Endlich hat das reichhaltige Material an Fasanen
aus den Umgebungen von Ssu-tschoü die Möglichkeit verschafft, die, noch
von Przewalski als Phasianus satscheuensis bezeichnete, Form genauer zu
begründen. Die Beschreibung und Abbildung einiger interessanter Stücke
aus der Sammlung der Gebrüder Grum-Grzimailo gedenke ich bei Ge-
legenheit der Behandlung der betreffenden Arten in den «Wissenschaftlichen
Resultaten der Reisen Przewalski's» zu liefern, so wie auch an genanntem
Orte zu versuchen, auf Grund aller Sammlungen aus Central-Asien ein Ge-
sammtbild über die Verbreitung der Vögel in Central-Asien zu entwerfen.
Um nicht bei jedem Exemplare das Datum seiner Erbeutung angeben
zu müssen, habe ich es vorgezogen, der systematischen Aufzählung der Arten
eine genaue Marschroute der Expedition vorauszuschicken, in welcher bei
jedem Orte die Zeit angegeben ist, während welcher ornithologisch gesam-
melt wurde.
Marschroute der Expedition der Gebrüder Grum-Grzimailo.
(Die Höhe über dem Meeresspiegel ist in Metern angegeben.)
•26. v. 89. Ausmarsch aus Dsharkend.
Nordabhang des Tjan-schan, ï 10 - VL "• Atschai-Pass;
• i v ii i. TTT + \.'l *8. TL 89. Bogus -Usslun
zwischen Kuldsha und Urumtschi /\ 2862 v u< VI 89 _ xjmkan-
(Boro-choro-Kette) ) go i ; 23-25. vi. 89. Dshir-
galty; 26. VI. 89. Fl. Kijtyn; 27—28. VI. 89. Dsjan-
dsjun-gol (1707); 3—4. VII. Ludshan (2148); 18. VII. 89.
Lutzogu.
Bulletin N. S. II (XXXIV) p. 114. ■ .
10. VI. — 1. VIII. 89.
T. XIIl] DEE GEBRÜDER G. UND M. GRUM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 275
1—12. VIII. 89. Bogdo-Ola-Gebirge (Bogdo-ola-See — 1986, Schneegrenze — 3682).
f Culturzone zwischen \ U ~ r °- VIIL 89 - Dshan-tschinsa;
12— 23. VIII. 89. <„, -,/-,-. >16. VIIL 89. Ssantei;
( Fukan und Gutschen. j 17 _ 2L VIIL 89 Dshimyssar .
23. VIIL — 7. IX. 89. Centrale Dshungarei. 23. VIII. 89. Gutschen; 24. VIII. — 6. IX.
89. Gaschun (634); 7. IX. 89. Nelssin.
7-11. IX. 89. GutSClien (826).
! 13. IX. 89. Duntschin ; 1 5. IX. 89. Muli-che
16—17. IX. 89. Bajan-cho (1592); 19.IX.
89. Atschik-ssu 23. IX. 89. Katta-ulan-
ussu, Ssassyk-bastu; 29. IX. 89. Kitschi-
ulan-ussu.
\ 4. X. 89. Taseh-bulak; 5. X. 89. Tschik-
1. X. - 18. XL 89. Kreis Turfan. ' ty m ( 54 °); U - X - 89 - Jan-bulak (53);
19. X. 89. Gumidy; 22. X. — 19. XL 89.
' Luktschin-kyr ( — 50).
18. XL — 8. xii. 89. Zwischen Turfan und Chami. 19—21. xi. 89. Pitschan (316);
1—2. XII. 89. Lodun (1206); 5—6. XII. 89. Dshigda
(1027); 7. XII. 89. Astyna (764).
8. xii. 89 — io. il 90. Chami, Kreis Chami, namentlich Karlyk-tagh. 13. xn.89. -
23. I. 90. Chami (842); 26—29. I. 90. Taschar (898);
30—31. I. 90. Ortam (1120); 3—10. IL 90. Chotun-tam
(1722).
10.-23. il 90. Zwischen Chotun-tam und Ang-ssi. 12. il 90. Mor-gol (1170—
1253); 15. IL 90. Kufi (1030); 17—18. IL 90. Schin-
schin-scha (1837); 19 — 21.11. 90. Ta-tschuan (1806);
23. IL 90. Ang-ssi (1009).
24. IL — 27. III. 90. Zwischen Ang-Ssi und SsU-tSCh0Ü. 28. IL 90. Ang-ssi (1009);
1—2. III. 90. Schao-wan (1266); 3. III. 90. Schanto-po
(1372); 4—8. III. 90. Bulundshi (1616); 12. III. 90.
Jui-myn(1550); 14.III.90.Chui-chui-po(1880); 20. m. 90.
Ssa-tschansa; 26—27. III. 90. Ssu-tschoü (1520).
28. m. — 25. iv. 90. Zwischen Ssu-tschoü und Ju-nan-tschen. 3i.ni. 90. Gao-tai
(1349); 5. IV. 90. Ssa-che (1658); 8. IV. 90. Pin-fun-tscha
(1680); 10—16. IV. 90. Matisse [Hjan-schan] (2657);
18. IV. 90. Dschan-mansei (2332); 19—20. IV. 90. Chun-
fy-tschin [Culturzone östlich von Gan-tschoü] (2403);
21 — 24. IV. 90. Pjan-do-go(NordabhangdesNjan-schan).
25. IV. — 3. V. 90. Thal des Tetung-FlllSSes. 25— 28.IV. 90. Ju-nan-tschen [Süd-
abhang des Njan-schan] (3321).
3.— 10. V. 90. Südliches Tetung-Gebirge. 3—5. V. 90. Chadaban-Pass; 4. V.
90. Ssan-dshu-tschun; 5—9. V. 90. Gumanssy (2863).
10—20. v. 90. Gebirge nördlich von der Ebene von Ssi-ning. 10—13. v.
90. Schin-tschen; 12. V. 90. Njan-bo-sjan; 13—14. V. 90.
Tscha-dshi.
20. V. — 1. VII. 90. Alpen Um Ssi-ning. 26. V. — 18. VI. 90. Myn-dan-scha (305$;
15. VI. 90. Gum-bum; 20—30. VI. 90. Ljandsha-sjana-
Pass (3761); 23—28. VI. 90. Gui-dui-scha; 26. VI. 90.
Dshaja-tschen; 30. VI. 90. Tschan-chusa (3123).
1—2. vu. 90. Chuan-che bei Gui-dui (2434).
2—10. vu. 90. Mudshik-che, Vorberge der Dshachar-Gruppe.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 115.
276 .TH. PLESKE, DIE ORNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [t. XIII
10—19. vu. 90. Südabhang der Alpen um Ssi-ning. 12—15. vu. 90. Tschan-
chusa;16.VII.90.Schala-choto; 18.VII.90.Dao-tan-cho.
19. — 26. VII. 90. Kuku-nor (3416).
8. vin. 90. Gebirge an den Quellen des Tetung-Flusses (Nördliches
Tetung- Gebirge) (4246).
8.— 21. vin. 90. Centraler Theil des Njan-schan (4246—4323): 9—12. vni. 90.
Babo-cho; 12. VIII — 20. VIII. 90. Chy-cho; 21. VIII. 90.
Massu-che.
2i.— 25. vni. 90. Nordabhang des Njan-schan auf dem Meridian von
Ssu-tSChOÜ (4323-3551).
26. VIII. — 5. IX. 90. Ssu-tSChOÜ.
5.— 12. ix. 90. Culturzone längs dem Njan-schan.
12— 26. IX. 90. GebirgslandBei-SChan. 21. IX. 90. Otun-tasy- tschau (1862);
22. IX. 90. Jasy-tschan (1496); 26. IX. 90. Chotun-tam.
26. ix. — 7. x. 90. Oase Chami und Südabhang des östlichen Tjan-schan.
27. IX. 90. Ortam, Bagdasch; 29. IX. 90. Chami.
17. x. 90. Dshimyssar.
28. x. 90. Ulan-ussu.
29. x. 90. Jandschi-che.
Ordo ACCIPITRES.
Subordo Faleones.
Farn. FALCONIDAE.
Subfam. Accipitrinae.
Genus Circus,
1. Circus cyaneus (Linn.).
Zwei Exemplare (S u. $) aus Chami und eins (S) aus Luktschin-kyr.
2. Circus einer aceus (Mont).
Ein Exemplar aus Dshan-tschinsa in der Dshungarei.
Genus Astur.
3. Astur palumbarius (Linn.).
Vier alte Weibchen aus Schao-wan und Ang-ssi.
Genus Accipiter.
4. Accipiter nisus (Linn.).
Eine Reihe von Exemplaren aus Luktschin-kyr und Chami.
5. Accipiter virgatus (Temm.).
Ein junges Männchen aus Ssy-dun, im Gebirgslande Bei-schan.
Die Art ist von den russischen Reisenden in Central-Asien früher
nicht nachgewiesen worden.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 116.
T. XIIl] DER GEBRÜDER G. UND M. GRÜM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 277
Subfam. Boteonioae.
Genus Buteo.
6. Buteo ferox (Gm.).
Drei ausgewachsene Vögel aus Gutschen (11 — 13. IX. 89),
Luktschin-kyr und Duntschin.
7. Buteo leucocephalus, Hodgs.
Ein Weibchen aus Gutschen von 9. September 1889.
Subfam. Aquilinae.
Genus Gypaëtus.
8. Gypaëtus barbatus (Linn.).
Ein altes Weibchen aus Katta-ulan-ussu, im östlichen Tjan-schan.
Genus Nisaëtus.
9. Nisaëtus minutus (Br eh m.).
Zwei junge, der dunkelbraunen Form angehörende, Exemplare
aus Gangu, im Bogdo-ola- Gebirge, wurden einem Neste entnommen,
welches in unzugänglichen Felsen angelegt war.
Genus Falco.
10. Falco babyloniens, Gurn.
Ein wunderschönes Männchen aus Luktschin-kyr, in der Oase
Turfan, und ein ebenso schönes Weibchen aus Chami.
11. Falco subbuteo, Linn.
Zahlreiche Exemplare aus Dshan-tschinsa und aus den Umge-
bungen der Stadt Dshimyssar, in der Dshuügarei, so wie vom Bogdo-
ola-Gebirge, im östlichen Tjan-schan.
12. Falco regulus, Pali.
Eine Reihe von Exemplaren aus Luktschin-kyr, so wie cT und $
aus Bulundshi und Gao-tai, auf der grossen Strasse zwischen Ang-ssi
und Ju-nan-tschen.
Genus Cerchneis.
13. Cerchneis tinnunculus (Linn.).
Sehr zahlreiche Exemplare aus der Dshungarei (Dshallassan,
Dshimyssar, Dshan-tschinsa, Ssantei), von den Gebirgen Bogdo-ola und
Boro-choro (Tjan-schan), aus den Bezirken Turfan (Pitschan, Luk-
tschin-kyr,) und Chami, von der grossen Strasse nach Angssi (Chui-
chui-po, Bulundshi), aus dem Njan-schan (Chy-cho), vom Chuan-
che und aus Gumanssy (Amdo). Wie es mir scheint gehören alle
diese Exemplare der Hauptform und nicht deren östlicher Varietät
(C. japonica) an.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 117.
278 TH. PLESKE, DIE ORNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [t. XIII
Genus Erythropus.
14- Erythropus amurensis (Radde).
Ein junges Männchen aus Mor-gol, im Gebirgslande Bei-schan.
Subordo Strides.
Fam. BUBONIDAE.
Genus Scops.
15. Scops giu (Scop.).
Ein junger Vogel aus Lutzogu, im Tjan-schan.
Genus Bubo.
16. Bubo turcomanus (Eversm.).
Die beiden Exemplare aus den Gärten von Chami gehören der
blassen "Wüstenform an.
17. Bubo ignavus, Forst.
Zwei Exemplare vom Kuku-nor und aus Ju-nan-tschen.
Genus Asio.
18. Asio otus (Linn.).
Ein Reihe vollkommen typischer Stücke aus Chami, Luktschin-
kyr und Dshimyssar.
Fam. STRIGINAE.
Genus Carine,
19. Carine bactriana (Hutt.).
Zahlreiche Exemplare aus Luktschin-kyr, Chami, Dshigda uud
Taschar, so wie einzelne Stücke aus Chun-fy-tschin (Kreis Gan-
tschoü) und aus den Alpen um Ssaning (Tschan -chu, Ljandsha-
sjana-Pass.)
Ordo PASSERIFORMES.
Subordo Passeres.
Fam. CORVIDAE.
Genus Corvus.
20. Corvus corax, Linn.
Aus dem Ta-tschuan-Gebirge, im Gebirgslande Bei-schan.
Genus Colaeus.
21. Colaeus monedula collaris (Drumm.).
Zwei Exemplare der östlichen Form der gemeinen Dohle sind
aus Luktschin-kyr eingesandt worden.
Bulletin N. S. III (XXXV) r. 118.
T. Xlll] DEK GEBRÜDER G. UND M. GRUM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 279
22. Colaeus dauricus (Pali.).
Mehrere Exemplare aus Luktschin-kyr und Chami.
23. Colaeus neglectus (Schleg.).
Männchen und Weibchen dieser etwas zweifelhaften Form aus
Luktschin-kyr.
Genus Corone.
24. Corone corone (Linn.).
Ein Männchen und 3 Weibchen aus Luktschin-kyr.
Genus Nucifraga.
25. Nucifraga caryocatactes (Linn.).
Vier Exemplare aus dem Tjan-schan, und zwar vom Bogdo-ola
und aus Ludshan.
Genus Podoces.
26. Podoces Hendersoni, Hume.
Zahlreiche Exemplare aus dem östlichen Tjan-schan (Tasch-bulak)
aus dem Kreise Chami (Lodun, Dshigda) und aus dem Gebirgslande
Bei-schan (Schin-schin-scha, Kufi.).
27. Podoces Jiumilis, Hume.
Einige alte Vögel aus Pin-fun-tscha (Kreis Gan-tschoü), Matisse
(Nordabhang des Njan-schan) und aus Pjan-do-go (Njan-schan), so
wie ein junger Vogel vom Kuku-nor.
Genus Cyanopica.
28. Cyanopica cyanea (Pali.).
Alte Vögel aus Ssan-dshu-tschun und aus Gumanssy (Amdo).
Farn. STURNIDAE.
Genus Sturnus.
29. Sturnus vulgaris Menzbieri, Sharpe.
Ein Pärchen vom Bajan-cho, im Tjan-schan, und ein Weibchen
aus Gaschun in der Dshungarei.
Genus Poliopsar.
30. Poliopsar cineraceus (Temm.).
Zwei alte Männchen aus Gumanssy (Amdo) und vom Flusse
Mudshik (Gebirge südlich vom Chuan-che).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 119.
280 TH. PLESKE, DIE ORMTHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [t. XIII
Farn. FRINGILLIDAE.
Subfam. Coccothraostiuae.
Genus Chloris.
31. Chloris sinica (Linn.).
Vier Exemplare und ein Nest mit 4 Eiern. Die Vögel stammen
vom Chuan-che, vom Mudshik-che, aus Gumanssy und aus Myn-dan-
scha. Das Nest wurde an letztgenanntem Orte am 10. Juni 1890
gefunden.
Subfam. Fringillinae.
Genus Fringilla.
32. Fringilla monti fringilla, Linn.
Ein Weibchen vom Bogdo-ola-Gebirge und ein Exemplar aus
Chami.
Genus Carduelis.
33. Carduelis carduelis major (Tacz.).
Ein Männchen aus Kijtyn.
34. Carduelis caniceps, Vig.
Ein Männchen und zwei junge Vögel vom Bogdo-ola-Gebirge, im
östlichen Tjan-schan.
Genus Chrysomitris.
35. Chrysomitris spinus (Linn.).
Ein Weibchen aus Chotun-tam, im Karlyk-tagh.
Genus Acanthis.
36. Acanthis cannabina fringillirostris (Bp.).
Zwei Männchen vom 15. September 1889 aus Duntschin, im
Tjan-schan. Die Kennzeichen der Acanthis cannabina fringillirostris
(Bp.) treten zwar an unseren Exemplaren nicht hervor und dennoch
möchte ich sie zu der genannten Form rechnen, da der Flügel bei
beiden Stücken zu 81 mm misst.
37. Acanthis brevirostris (Bp.).
Sehr zahlreiche Exemplare aus Pjan-do-go (Njan-schan), vom
Flusse Tetung, aus Myn-dan-scha (Alpen um Ssi-ning). Einzelne Stücke
aus Ortam, im Kreise Chami, und aus Gum-bum, in den Alpen um
Ssi-ning. Aus letztgenanntem Orte wurde auch ein Nest mit einem
Ei eingesandt; da es am 15. Juni 1890 gefunden worden ist, so
hatten es wohl die Jungen bereits verlassen.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 120.
T. XIIl] DER GEBRÜDER G. UND M. GRÜM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 281
Genus Montifrigilla.
38. Montifringilla alpicola (Pali.).
Eine bedeutende Anzahl von Exemplaren aus dem Gebirgslande
Bei-schan (Schin-schin-scha und Ssa-tschinsa), zwischen dem 1 7. und
20. Februar gesammelt.
39. Montifringilla sordida (Stol.).
Eine grosse Suite von Exemplaren, die bei Chotun-tam, im
Karlyk-tagh, gesammelt worden sind.
40. Montifringilla nemoricola (Hodgs.).
Aus dem südlichen Tetung - Gebirge (Cha-daban-Pass) und aus
den Alpen um Ssi-ning (Gui-dui-scha).
41. Montifringilla haematopygia, Go u lcl.
Zwei Männchen aus Ju-nan-tschen, am Tetung-Flusse.
42. Montifringilla Mandellii, Hume.
Mehrere Exemplare vom Pjan-do-go-Passe, im Njan-schan.
43. Montifringilla ruftcollis, Blanf.
Exemplare vom Tetung (Ju-na-tschen und Boschu-chosa) und aus
den Alpen um Ssining (Schala-choto).
Genus Bucanetes.
44. Bucanetes mongoliens (Swinh.)
Die Art wurde im östlichen Tjan-schan (Kitschik-ulan-ussu), im
Njan-schan (Babo-cho) und in den Alpen um Ssi-ning (Tschan-chu)
erbeutet.
Genus Petronia.
45. Petronia petronia (Linn.).
Eine Reihe von Exemplaren aus dem östlichen Tjan-schan, und
zwar aus Duntschin und vom Muli-che.
Genus Passer.
46. Passer montanus (Linn.).
Ein, zum Theil weisses, Exemplar ohne genauere Angabe des
Fundortes.
47. Passer Stoliczkae, Hume.
Meiner Ansicht nach ist Passer Stoliczkae von Passer ammoden-
dri verschieden und jedenfalls als besondere Varietät anzusehen. Die
genauere Erörterung dieser Frage verschiebe ich bis zur Bearbei-
tung der Arten in den «Wissenschaftlichen Resultaten der Reisen
Przewalski's» und will jetzt nur bemerken, dass Passer Stoliczkae
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 121.
282 TH. PLESKE, DIE ORNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [T. XHI
einen fahleren, Passer ammodendri einen graueren Grundton der
Färbung besitzt ; ausserdem hat Passer ammodendri auf dem Bürzel
deutliche Schaftstriche, welche dem Passer Stoliczkae fehlen. Die
Exemplare aus der Ausbeute der Gebrüder Grum-Grzimailo stam-
men aus Chami, Ssa-tschinsa, im östlichen Tjan-schan, so wie aus Ssy-
dun und Schaldran, in Bei-schan.
Genus Serinus.
48. Serinus pusillus (Pali.).
Ein sehr schönes Männchen aus Chotun-tam, im Karlyk-tagh.
Genus Carpodacus.
49. Carpodacus erythrinus (Pali.).
Ein Männchen aus Gui-dui-scha und eine ganze Reihe von
Exemplaren aus Myn-dan-scha, in den Alpen der Umgebungen von
Ssi-ning. Die Männchen kennzeichnen sich durch äusserst intensiven
Ton der karminrothen Färbung.
50. Carpodacus rubicilloides, Przew.
Ein Männchen aus Cha-daban (im südlichen Tetung-Gebirge) und
eine grosse Suite von Exemplaren aus dem Njan-schan, und zwar aus
Massu-che, Babo-cho und Matisse. Das "Weibchen vom 21. August
1890 aus Massu-che, nach der Bestimmung der Herrn Grum-Grzi-
mailo ein junger Vogel, unterscheidet sich vom Frühlingskleide der
übrigen Exemplare durch das Vorhandensein eines schwachen fahlen
Anfluges auf dem ganzen Körper, so wie durch sehr schwache An-
deutung der dunklen Schaftflecken, die bei den alten Weibchen im
Frühlingskleide äusserst stark ausgeprägt sind.
51. Carpodacus rhodocMamys (Brdt.).
Eine grosse Suite von Exemplaren aus dem Tjan-schan, und zwar
aus Kitschi-ulan-ussu, Bajan-cho, Dshigda, Ortam und Taschar, so
wie aus Chotun-tam im Karlyk-tagh.
52. Carpodacus dubius, Przew.
Mehrere Männchen und Weibchen vom Chy-cho und aus Matisse,
im Njan-schan.
53. Carpodacus pulcherrimus (Hodgs.).
Gemein bei Pjan-do-go und Matisse, im Njan-schan, bei Gumanssy
im südlichen Tetung-Gebirge, und bei Myn-dan-scha, in den Alpen
um Ssi-ning. Zu einem Weibchen aus Tschan-chu gehört ein Nest mit
zwei Eiern.
Bnlletin N. S. III (XXXV) p. 122.
T. XIIl] DER GEBRÜDER G. UND M. GRUM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 283
54. Carpodacus Stoliczkae, Hume.
Ein Männchen und ein Weibchen dieser seltenen Art, am 1 . Juli
1890 am Chuan-che erbeutet. Die Vögel nisteten daselbst.
Genus Pyrrhospiza.
55. Pyrrhospiza longirostris, Przew.
Auf dem Ljandsha-sjana-Passe, in den Alpen um Ssining, ange-
troffen und in drei Exemplaren erbeutet.
Genus Uragus.
56. Uragus Sibiriens (Pali.).
Drei Männchen im Winterkleide aus Jandshi-che, Taschar (Kreis
Chami) und Dschan-tschinsa (Kreis Gutschen.)
Genus Loxia.
57. Loxia curvirostra himalayana (Hodgs.).
Ein äusserst typisches, schön ausgefärbtes, altes Männchen der
dem Himalaya eigenen, kleinwüchsigen Form des Kreuzschnabels
wurde am 10. August 1890 im Njan-schan, bei Babo-cho, gesammelt.
Die Art wurde von unseren Reisenden in Central-Asien bisher nicht
eingesandt.
Subfam. Emberizinae.
Genus Pyrrhulorhyncha.
58. Pyrrhulorhyncha pyrrhuloides (Pali.).
Zwei Weibchen aus Jasy-tschan, im Gebirgslande Bei-schan.
Genus Emberiza.
59. Emberiza schoenichis, Linn.
Eine Reihe von Exemplaren aus Taschar und Chami, im Bezirke
Chami, und aus Bulundshi, auf dem Wege nach Ang-ssi.
60. Emberiza Buchanani, Blyth.
Mehrere Exemplare aus dem Tjan-Schan (Dshirgalty, Kijtyn,
Dsjan-dsjun-gol).
61. Emberiza cia, Linn.
Drei Exemplare aus dem Tjan-schan (Boro-choro-Gebirge) und
aus dem Bezirke Chami [Taschar und Ortani (27. Sept. 1890)].
62. Emberiza cioides, Brandt.
Männchen und Weibchen aus Taschar und Ortani. (Bezirk Chami).
63. Emberiza Godlewskii, Tacz.
Die Expedition der Gebrüder Grum-Grzimailo hat die vorlie-
gende Art aus dem Kreise Chami (Ortani, Chotun-tam [26. Sept. 1890]
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 123.
284 TH. PLESKE, DIE ORNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [T. XIII
und Taschar), aus dem Njan-schan (Babo-cho) und aus dem, südlich
vom Chuan-che gelegenen, Gebirge (vom Mudshik-che) eingesandt.
In der letztgenannten Gegend brütete der Vogel und wurden zwei
Nester mit je 3 Eiern gesammelt.
64. Emberiza leucocephala, Gmel.
Der weissköpfige Ammer wurde im östlichen Tjan-schan (am
Bajan-cho, unweit des Muli-che und am Dsjan-dsjun-gol) und im
Njan-schan (Matisse und Njan-bo-sjan) in Menge angetroffen und
gesammelt.
65. Emberiza spodocephala, Pali.
Ein altes Männchen aus den Umgebungen der Stadt Schin-tchen,
südlich von Ssining.
Genus Urocynchramus.
66. Urocynchramus Pylzowi, Przew.
Dieser äusserst seltene, von N. M. Przewalski entdeckte Vogel,
wurde von den Gebrüdern Grum-Grzimailo im Njan-sçhan (Pjan-
do-go und Matisse) und in den Alpen um Ssi-ning (Tschan-chu), so
wie am Tetung-Flusse angetroffen.
Farn. ALAUDIDAE.
Genus Otocorys.
67. Otocorys Ehvesi, Blanf.
Die Alpenlerche wurde aus dem östlichen Tjan-Schan (Kitschi-
ulän-ussu), aus dem Karlyk-tagh (Chotun - tarn), aus Chami, aus
dem Gebirgslande Bei-schan (Schin-schin-scha und Otun-tasy-tschan),
so wie vom Kuku-nor eingesandt.
Genus Melanocorypha.
68. Melanocorypha maxima, Gould.
Ein Junges im Nestkleide aus Dao-tan-cho, in der Provinz
Kuku-nor.
Genus Alauda.
69. Alauda arvensis cantarella, Bp.
Ein Weibchen vom Dsjan-dsjun-gol, im Tjan-schan.
70. Alauda arvensis liopus, Hodgs.
Ein junges Männchen vom Kuku-nor und ein alter Vogel nebst
Nest aus Myn-dan-scha, in den Alpen um Ssi-ning.
Bulletin M. S. Ill (XXXY) p. 124.
T. XIIl] ' DER GEBRÜDER G. UND M. GRUM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 285
Genus Alaudula.
71. Alaudula pispoletta Seébohni, Sharpe.
Aus der Sandwüste Ischtiun, in der Dshungarei, und aus Tschik-
tym im Kreise Turfan.
Farn. MOTACILLIDAE.
Genus Motacilla.
72. Motacilla alba baicalensis, Swinh.
Wurde auf dem Zuge (26 — 27. März 1890), bei Ssu-tschoü in Menge
angetroffen.
73. Motacilla personata, Gould.
Ein Männchen vom Bogdo-ola-Gebirge, im Tjan-schan.
74. Motacilla lugens, Kittl.
Brutvogel in Matisse (Njan-schan), am Tetung-Flusse und am
Mudshik-che, südlich vom Chuan-che.
75. Motacilla borealis, Sund.
Die vorliegende Art wurde im Kreise Gutschen angetroffen, und
zwar bei Gutschen selbst, bei der Stadt Dschimyssar und bei Dshan-
tschinsa.
76. Motacilla citreola, Pali.
Brütete am Tetung-Flusse, in der Provinz Amdo. (Boschu-chosa,
Ju-nan-tschen).
77. Motacilla citreoloides, Hodgs.
Brutvogel im südlichen Tetung-Gebirge (Gumanssy, Ssan-dshu-
tschun) und in den Alpen um Ssi-ning (Myn-dan-scha).
78. Motacilla melanope, Pali.
Ein Männchen vom Bogdo-ola-Gebirge, im Tjan-schan, und ein
anderes aus Gumanssy, im südlichen Tetung-Gebirge.
Genus Anthus.
79. Anthus striolatus, Blyth.
Ein Männchen vom Mudshik-che, im Gebirge südlich vom
Chuan-che.
80. Anthus spipoletta (Linn.).
Die Exemplare aus dem Tjan-schan gehören nicht der asiatischen
Form (A. spipoletta BlacJcistoni), sondern der europäischen Hauptform
an. Ein altes Männchen stammt vom Umkan-gol, im Tjan-schan,
die übrigen aus den Umgebungen von Chami.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 125. 20
286 TH. PLESKE, DIE OKNITHOLOGISCHB AUSBEUTE DER EXPEDITION [T. XH1
81. Änthus rosaceus, Hodgs.
Zahlreiche Exemplare aus dem südlichen Tetung-Gebirge (Cha-
daban), aus dem Njan-schan (Pjan-do-go) und aus den Alpen um
Ssi-ning (Myn-dan-scha). Aus Myn-dan-scha befinden sich in der
Sammlung Nest, Eier und Junge.
Fam. CERTHIIDAE.
Genus Certhia.
82. Certhia familiaris, Linn.
Die Exemplare des Baumläufers aus der Ausbeute der Gebrüder
Grum-Grzimailo gehören der Hauptform und nicht der Certhia
discolor, Hodgs. an. Sie stammen aus Chotun-tam (26. Sept. 1890),
im Kreise Chami, und aus Babo-cho, im Njan-schan.
Genus Tichodroma.
83. Tichodroma mur aria, Linn.
Der Alpenmauerläufer wurde in Luktschin-kyr, im Kreise Tur-
fan, in Chun-fy-tschin, im Kreise Gan-tschoü, und in Matisse, im
Njan-schan-Gebirge gesammelt. Aus Myn-dan-scha, in den Alpen um
Ssi-ning, stammt ein Nest mit 3 Eiern.
Fam. PARIDAE.
84. Parus superciliosus, Przew.
Eine Reihe von Exemplaren aus Matisse, im Njan-schan, und aus
Myn-dan-scha, in den Alpen um Ssi-ning. Aus letztgenanntem Orte
wurde auch ein Nest mit 5 Eiern eingesandt.
85. Parus cyanus tianschanicus, Menzb.
Alle Lasurmeisen stammen aus dem Tjan-schan-System und
gehören zu der von Prof. Menzbier creirten Form. Sie wurden in
den Kreisen Turfan (Pitschan und Tschiktym) und Chami [Chami,
Taschar, Chotun-tam (26. Sept. 1890)] gesammelt.
Genus Poecile.
86. Poecile affinis, Przew.
Zwei alte Vögel aus Matisse und Babo-cho, im Njan-schan.
Genus Calamophilus.
87. Calamophilus biarmicus Sibiriens (Bp.)
Alle Exemplare der Bartmeise aus der Ausbeute der Gebrüder
Grum-Grzimailo gehören der östlichen, bedeutend helleren, Varie-
Bnlletin N. S. III (XXXV) p. 126.
T. XIIl] DER GEBRÜDER 6. UND M. GRÜM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 287
tat an. Sie wurden in den Umgebungen von Chami und in Gaschun
erbeutet.
Genus Leptopoecile.
88. Leptopoecile SopJiiae, Sew.
Bis auf ein einziges Exemplar aus Bulundshi, auf dem Wege
zwischen Ang-ssi und Ssu-tschoü, stammen alle Leptopoecile Sophiae
dieser Sammlung aus Gebirgsgegenden, sind demnach dunkel gefärbt
und gehören zur Hauptform. Die Mehrzahl wurde im Karlyk-tagh,
und zwar bei Taschar, Chotun-tam und Ortam, die übrigen bei
Matisse, im Njan-schan, erbeutet.
Genus Lophobasileus.
89. Lophobasileus elegans, Przew.
Nach den Beobachtungen der Herrn Grum-Grzimailo kommt
die vorliegende Form im Njan-schan-Gebirge vor, wo sie bei Matisse
in einem Exemplare erbeutet worden ist. Drei Männchen wurden
ausserdem aus Ssan-dshu-tschun, im südlichen Tetung- Gebirge,
eingesandt.
Farn. REGULIDAE.
Genus Regulus.
90. Regulus cristatus japonicus (Bp.).
Ein Pärchen aus Matisse, im Njan-schan, gehört unstreitig der
japanischen, graunackigen, Form des Goldhähnchens an.
Farn. LANIIDAE.
Genus Lanius.
91. Lanius sphenocercus, Cab.
Ein Weibchen aus Luktschin-kyr.
92. Lanius mollis, Eversm.
Ein Weibchen aus Chami.
93. Lanius borealis Sibiriens, Bogd.
Ein Exemplar aus Schao-wan, auf dem Wege zwischen Ang-ssi
und Ssu-tschoü.
94. Lanius leueopterus, Sew.
Ein Männchen aus Dshimyssar, im Kreise Gutschen, und ein
Weibchen aus Tschiktym, im Kreise TurfaD.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 127. 20*
288 TH. PLESKE, DIE OKNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [T. Xm
95. Lanius Homey eri, Cab.
Alle vier Exemplare der Sammlung stammen aus dem Kreise
Turfan (Tschiktyni, Luktschin-kyr und Turfan).
96. Lanius excubitor, Linn.
Zwei Exemplare aus der Dshungarei. Ein Männchen wurde in
der Sandwüste Nelssin, ein Weibchen auf der Rückreise bei Gumidy,
im Kreise Urumtschi, erbeutet.
97. Lanius tephronotus, Vig.
Mehrere ausgefärbte Exemplare aus Myn-dan-scha in den Alpen
um Ssi-ning, aus Njan-bo-sjan, im Njan-schan, und ein Weibchen aus
den Umgebungen der Stadt Schin-tschen. Aus Myn-dan-scha stammt
ein wunderschönes Nest mit 6 Eiern dieses Vogels.
98. Lanius phoenicuroides Eomanowi, Bogd.
Drei Exemplare aus dem Gebirgssystem des Tjan-schan, und
zwar ein Männchen aus Bogus-usslun, ein Weibchen aus Dshirgalty
und ein Weibchen aus Gaschun, in der Dshungarei.
Farn. AMPELIDAE.
Genus Ampelis.
'99. Ampelis garrulus, Linn.
Sehr zahlreiche Exemplare des Seidenschwanzes aus dem Kreise
Gutschen (Ulan-ussu), aus dem Karlyk-tagh (Ortam und Chotun-
tam), aus Chami, aus Schao-wan (auf dem Wege nach Ang-ssi) und
aus Ta-tschuan, im Gebirgslande Bei-schan.
Fam. SYLVIIDAE.
Genus Dumeticola.
100. Dumeticola thoracica, Blyth.
Ein Männchen aus Myn-dan-scha, in den Alpen um Ssi-ning.
Genus Sylvia.
101. Sylvia minuscula, Hume.
Zahlreiche Exemplare vom Flusse Dshirgalty, im Tjan-schan,
aus Ssy-dun, im Gebirgslande Bei-schan, und vom Chuan-che.
102. Sylvia nana, H. et Ehrb.
Ein junger Vogel ohne genauere Angabe des Fundortes.
Genus Herbivocula.
103. Herbivocula affinis (Tick.).
Vier alte Vögel aus Myn-dan-scha, in den Alpen um Ssi-ning, und
aus dem südlichen Tetung-Gebirge (Gumanssy, Cha-daban und vom
Bulletin N. S. Ill (XXXT) p. 128.
T. XIIl] DER GEBRÜDER G. UND M. GRTJM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 289
Tetung-Flusse). Aus Myn-dan-scha haben die Gebrüder Grum-
Grzimailo zwei sehr schöne Nester mit Eiern eingesandt.
Genus Phylloscopus.
104. Phylloscopus tristis, Blyth.
Eiu Männchen vom Mor-gol, im Kreise Chami.
105. Phylloscopus swperciliosus Mandellii (Brooks).
Vier Exemplare aus dem südlichen Tetung- Gebirge (Gumanssy
und Ssan-dshu-tschun).
106. Phylloscopus Humei, Brooks.
Zwei Männchen vom Flusse Muli-che, im östlichen Tjan-schan,
und vom Mor-gol, im Kreise Chami.
Farn. TURDIDAE.
Subfam. Saxicoliuae.
Genus Pratincola.
107. Pratincola maura Przewalskii, Plsk.
Alle Exemplare aus der Ausbeute der Gebrüder Grum-Grzima-
ilo stammen aus Gegenden, die südlich von der central-asiatischen
"Wüste gelegen sind, gehören der grosswüchsigen Form an und
bestätigen vollkommen meine früher ausgesprochene Ansicht (in d.
Wissensch. Resuit. d. Reis. Przewalski's) über die centralasia-
tischen schwarzköpfigen Wiesenschmätzer. Die Exemplare wurden in
Pjan-do-go und Matisse (Njan-schan), im nördlichen Tetung- Gebirge,
in den Alpen um Ssi-ning (Tschan- chu), so wie in den Gebirgen
westlich von Schin-tschen gesammelt. Nester und Eier dieses Vogels
sind auch eingesandt worden.
Genus Saxicola.
108. Saxicola isabellina, Cretzschm.
Scheint in Central- Asien eine sehr weite Verbreitung zu haben.
In der Ausbeute der Gebrüder Grum-Grzimailo befinden sich
Exemplare sowohl aus der Dshungarei (Gaschun), aus dem östlichen
Tjan-schan (Duntschin) und aus dem Kreise Gutschen (Muli-che),
als auch aus dem Kreise Gan-tschoü (Pin-fun-tscha) und von Flusse
Tetung.
109. Saxicola deserti, Temm.
Zahlreich in der Sammlung vertreten, und zwar aus der Dshun-
garei (Sandwüsten Nelssin und Gaschun), aus dem östlichen Tjan-
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 129.
290 TH. PLESKE, DIE ORNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [t. XIII
schan (Atschik-su, Duntschin), aus dem Kreise Turfan (Tschiktym)
und von der grossen Strasse nach Ang-ssi (Bulundshi).
110. Saxicola montana, Gould.
Zu je einem Männchen aus Bulundshi, auf dem Wege nach Ang-
ssi, und vom Chuan-che.
Genus Grandala.
111. Grandala coelicolor (Hodgs.).
Ein Männchen aus Dshan-mansei, im Kreise Gan-tschoü, und
ein Weibchen mit zwei Nestjungen, die durch einen Büchsenschuss
aus dem, an einem steilen Abhänge im Ljandsha-sjana-Passe (Alpen
um Ssi-ning) angebrachten, Neste geworfen worden sind.
Subfam. Roticillioae.
Genus Chaemorrhornis.
112. Chaemorrhornis leucocephala (Vig.).
Mehrere Exemplare aus Matisse, im Njan-schan, und aus Cha-
daban, im südlichen Tetung-Gebirge.
Genus Ruticilla.
113. Ruticilla frontalis (Vig.).
Zahlreiche Exemplare aus Tschan -cho und Myn-dan-scha, in
den Alpen um Ssining, so wie aus Matisse, im Njan-schan.
114. Ruticilla atrata (Gmel.).
Sehr zahlreiche alte und junge Vögel vom Ljandsha-sjana-Passe
(Alpen um Ssi-ning), aus Matisse (Njan-schan) und vom Chuan-che.
115. Ruticilla rufiventris (Vieill.).
Ein Weibchen aus Luktschin-kyr, im Kreise Turfan. Das Weib-
chen lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit bestimmen, gehört aber
wahrscheinlich der nördlichen Form des asiatischen Rothschwänzchens
an, da ich nie die typische Ruticilla atrata aus so nördlichen Gegen-
den erhalten habe.
116. Ruticilla Hodgsoni, Moore.
Zwei alte Männchen aus Ju-nan-tschen, im Njan-schan.
117. Ruticilla erythrogastra Sewerzowi, Lor. und Menzb.
Sehr Zahlreiche Exemplare aus Chami, Chotun-tam, Bulundshi
(Strasse nach Ang-ssi) und vom Massu-che (Njan-schan).
118. Ruticilla erythronota, Eversm.
Vier Männchen aus Luktschin-kyr und Tschiktym, im Kreise
Turfan.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 130.
T. XIIl] DER GEBRÜDER G. UND M. GRÜM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 291
119. Buticilla alaschanica, Przew.
Mehrere Männchen und "Weibchen aus Matisse, im Njan-schan.
120. Buticilla coeruleocephala, Gould.
Ein altes Männchen aus Bogus-usslun, im Tjan-schan.
121. Buticilla shisticeps (H o d gs.).
Zahlreiche alte Vögel aus Matisse (Njan-schan), Gumanssy und
Schin-tschen (im südlichen Tetung-Gebirge).
Genus Calliope.
122. Calliope kamtscîiatkensis (Gmel.).
Muss in den Umgebungen von Myn-dan-scha, in den Alpen um
Ssi-ning, nicht selten sein; ausser einigen Vögeln wurde auch ein
Nest mit 5 Eiern eingesandt.
123. Calliope pectoralis (Gould).
Zwei Exemplare vom Umkan-gol, im Tjan-schan.
124. Calliope Tschebaiewi, Przew.
Vier alte Vögel aus Pjan-do-go (Njan-schan), so wie aus Ssan-
dshu-tschun und Cha-daban (im südlichen Tetung-Gebirge).
Subfam. Tardinae.
Genus Merula.
125. Merula maxima, Seeb.
Zahlreiche Exemplare aus Pitschan und Luktschin-kyr, im Kreise
Turfan, so wie vom Bogdo-ola und aus Jan-bulak, im östlichen Tjan-
schan.
126. Merula Kessleri, Przew.
Die vorliegende Art wurde aus Matisse (Njan-schan), Gumanssy
(Tetung-Gebirge) und Gui-dui-scha (Alpen um Ssi-ning) eingesandt.
127. Merula atrigularis, Temm.
Von der schwarzkehligen Drossel liegt eine grosse. Anzahl von
Exemplaren vor, unter welchen, auffallender Weise, keine Bastarde
vorhanden sind. Sie stammen vom Nordabhange des östlichen Tjan-
schan (vom Bajan-cho), aus dem Kreise Turfan (Pitschan), aus dem
Kreise Chami (Chami, Mor-gol), von der Strasse nach Ang-ssi
(Jui-myn) und aus dem Kreise Gan-tschoü (Chun-fy-tschin).
128. Merula ruficollis, Pali.
Ist in der Sammlung der Gebrüder Grum-Grzimailo zahlreich
vertreten. Es liegen Exemplare aus Astyna und Chami (Kreis Chami)
aus Ssy-dun (südlicher Theil des Gebirgslandes Bei-schan), aus Chun-
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 131.
292 TH. PLESKE, DIE ORNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [T. XIII
fy-tschin (Kreis Gan-tschoü), aus Matisse (Njan-schan) und aus Cha-
daban (südliches Tetung-Gebirge) vor.
Genus Tupdus.
129. Turdus viscivorus Hodgsoni, Jerd.
Zwei Exemplare der grosswüchsigen Misteldrossel stammen aus
dem Tjan-schan (Dsjan-dsjun-gol und Bogdo-ola).
130. Turdus pilaris, Linn.
Drei alte Vögel aus Mor-gol, Kreis Chami, und Schao-wan, auf
der grossen Strasse nach Ang-ssi.
Genus Monticola.
131. Monticola saxatilis (Linn.).
Drei Exemplare vom Chuan-che.
Farn. CINCLIDAE.
Genus Cinclus.
132. Cinclus Jcashmiriensis (Gould).
Ein Männchen aus Pjan-do-go, im Njan-schan.
133. Cinclus leucog aster, Bp.
Mehrere Exemplare aus Chotun-tam, im Karlyk-tagh. ( 3 — 7. Febr.
1890).
Farn. TROGLODYTIDAE.
Genus Anorthura.
134. Anorthura pallida (Hume).
. Zahlreiche alte Vögel aus dem Kreise Chami (Chami und Dshigda)
und aus dem Karlyk-tagh (Chotun-tam).
Farn. ACCENTORIDAE.
Genus Accentor.
135. Accentor erythropygius, Swinh.
Zwei Männchen und zwei Weibchen vom Ljandsha-sjana-Paase,
in den Alpen um Ssi-ning.
136. Accentor altaicus, Brdt.
Zwei Exemplare vom Bogdo-ola, im Tjan-schan. Der eine Vogel
ist in der Mauser begriffen (am 5. August).
Bulletin N. S. Ill (XXXT) p. 132.
T. Xlll] DER GEBRÜDER G. UND M. GRUM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 293
Genus Tharraleus.
1-37. Tharrhaleus fulvescens (Sew.).
Ein Männchen vom Umkan-gol, im Tjan-schan; die übrigen,
sehr zahlreichen, Exemplare aus dem Karlyk-tagh (Ortam und
Chotun-tam), so wie aus Pjan-do-go und Matisse, im Njan-schan.
138. Tharrhaleus atrigularis, Brdt.
Alle vier Exemplare aus dem Karlyk-tagh (Ortam, Chotuntam,
Bagdasch).
139. Tliarrhaleus rubeculoides Hodgs.
Mehrere alte Vögel aus Pjan-do-go und Matisse, im Njan-schan,
und aus Ju-nan-tschen (im Tetung-Gebirge).
140. Tharrhaleus strophiatus, Hodgs.
Ein Weibchen aus Matisse, im Njan-schan.
Farn. TIMELIIDAE.
Genus Trochalopterum.
141. Trochalopterum Elliotti, Verr.
Mehrere alte Vögel aus Matisse und Njan-bo-sjan, im Njan-
schan, so wie aus Gumanssy, im südlichen Tetung-Gebirge.
Genus Pterorhinus.
142. Pterorhinus Davidi, Verr.
Zahlreiche Exemplare aus Matisse (Njan-schan), Gumanssy (süd-
liches Tetung-Gebirge) und Gui-dui-scha (Alpen um Ssi-ning).
Farn. HIRUNDINIDAE.
Genus Cotile.
143. Cotile riparia (Linn.).
Eine ganze Reihe von Exemplaren vom Kuku-nor.
144. Cotile rupestris (Scop.).
Ein altes Weibchen aus Chun-fy-tschin, im Tetung-Gebirge.
Genus Hirundo.
145. Hirundo daurica, Linn.
Ein Männchen aus Dshaja-tschen, in den Alpen um Ssi-ning.
Bnlletin N. S. Ill (XXXV) p. 133.
/
294 TH. PLESKE, DIE 0RNITH0L06ISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [t. XIII
Ordo 8CANS0RES.
Farn. PICIDAE.
Subfam. Picioae.
Genus Dendrocopus.
146. Dendrocopus Cabanisi, Main.
Drei alte Männchen aus Dshan-mansei (Kreis Gan-tschoü), aus
Gui-dui (Chuan-che) und aus Ssa-che (südliches Tetung-Gebirge).
Genus Picoides.
147. Picoides tridactylus (Linn.).
Ein Pärchen vom Bogdo-ola, im Tjan-schan.
Subfam. Jynginae.
Genus Jynx.
148. Jynx. torquilla, Linn.
Mehrere alte Vögel vom Mudshik-che (südlich vom Chuan-che),
aus Matisse (Njan-schan) und aus Tscha-dshi (südliches Tetung-Ge-
birge).
Ordo COCCYGES.
Farn. CUCULIDAE.
Genus Cuculus.
149. Cuculus canorus, Linn.
Beide Exemplare aus der Ausbeute der Gebrüder Grum-Grzi-
mailo gehören der Hauptform an; sie stammen aus den Alpen um
Ssi-ning (Tchan-chusa, Ljandsha-sjana).
Ordo CORACIAE.
Farn. CYPSELIDAE.
Genus Cypselus.
150. Cypselus pacificus (Lath.).
Ein "Weibchen aus Schala-choto, in den Alpen um Ssi-ning.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 134.
T. Xin] DER GEBRÜDER G. UND M. GRUM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 295
Ordo COLUMBAE.
Fam. COLUMBIDAE.
Genus Columba.
151. Columba rupestris, Bp.
Exemplare aus dem Tjan-schan (Bogus -usslun) und aus den
Alpen um Ssi-ning (Gui-dui-scha); aus letztgenannter Gegend wurde
auch ein Ei eingesandt.
152. Columba fusca, Pali.
Ein Exemplar aus Otun-tasy-tschan, im Gebirgslande Bei-schan.
153. Columba leuconota, Vig.
Drei alte Vögel vom Ljandsha - sjana - Passe, in den Alpen um
Ssi-ning.
Ordo PTEROCLETES.
Farn. PTEROCLIDAE.
Genus Syrrhaptes.
154. Syrrhaptes paradoxus (Pall.).
Zahlreiche Exemplare aus der Dshungarei (Gaschun) und ein
einzelnes Stück aus Luba-tschen-sjan, im Gebirgslande Bei-schan.
Genus Pterocles.
155. Pterocles arenarius (Pali.)
Alte Vögel aus Gumidy, im Kreise Urumtschi, und aus Luktschin-
kyr, im Kreise Turfan.
Ordo GALLINAE.
Farn. PHASIANIDAE.
Genus Phasianus.
156. Phasianus mongoliens semitorquatus, Sew.
An einer Reihe von Exemplaren dieser Form habe ich mich
überzeugen können, dass der verstorbene D r . N. Ssewerzow voll-
kommen recht gehabt hat, indem er dieselbe von dem Phasianus
mongolicus aus dem Syr-Darja Thale trennte. Ich würde den Raum
dieser Abhandlung überschreiten, wenn ich eine genauere Charakte-
ristik beider Varietäten des Phasianus mongolicus geben würde und
beschränke mich auf den Hinweis, dass die Kennzeichen der vorlie-
genden Form, ein auf der Kehle unterbrochenes Halsband und vor-
herrschend grüner Schimmer des Gefieders, von D r . Ssewerzow (Ibis,
1875, p. 493) richtig hervorgehoben sind. Die Sammlung der Ge-
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 135.
296 TH. PLESKE, DIE ORNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [t. XIII
brüder Grum-Grzimailo enthält Exemplare aus dem Kreise Glit-
schen (Dshan-tschinsa), so wie aus dem Kreise Urumtschi (Dshi-
myssar).
157. Phasianus Strauchi, Przew.
Von Phasianus Strauchi wurden alte Vögel, Dunenjunge und
zahlreiche Eier eingesandt. Sie stammen vom Mudshik-che, südlich
vom Chuan-che, aus den Alpen um Ssi-ning (Gui-dui-scha, Tschan-cho),
vom Tetung-Flusse und aus dem südlichen Tetung-Gebirge (Ssan-
dshu-tschun, Gumanssy).
158. Phasianus satscheuensis, Przew.
Diese, noch vom verstorbenen Przew alski entdeckte und be-
nannte, Art wurde von den Gebrüdern Grum-Grzimailo in bedeu-
tender Anzahl in Bulundshi, Tschi-do-go, Ssy-dun, Ang-ssi, Schanto-po
und Schao-wan, kurz nördlich vom Njan-schan-Gebirge angetroffen.
In der Sammlung unserer Reisenden befinden sich sehr zahlreiche
Exemplare verschiedenen Alters. Ein Vergleich alter ausgefärbter
Männchen mit frisch vermauserten Exemplaren des Phasianus tor-
quatus aus dem Amur-Lande überzeugt uns davon, dass die Vögel
jedenfalls specifisch verschieden sind. Eine parallele Aufzählung der
hauptsächlichsten Kennzeichen der Männchen beider Formen wird
uns von der Richtigkeit dieser Ansicht leicht überzeugen.
Phasianus torquatus (Gmel.) Phasianus satscheuensis, Przew.
S ad. $ ad.
Weisser Superciliarstreifen stark Weisser Superciliarstreifen fehlend
ausgeprägt. oder nur Spuren desselben vorhanden.
Weisser Halsring sehr breit und Weisser Halsring schmal und auf
den ganzen Hals in gleicher Breite der unteren Seite des Halses ganz
umschliessend. fehlend.
Alle breiten Säume der Scapular- Von den breiten Säumen der Sca-
federn nussbraun (Ridgway, IV, 1 2). pularfedern sind die zum Flügelbuge
liegenden glänzend fahl (Ridgway,
V, 13), die am Rücken gelegenen
weinröthlichzimmtfarben(Ridgway,
IV, 15).
Die Secundärschwingen besitzen Die Marbrirung der Secundär-
breite einfarbige Säume und die mar- schwingen reicht bis an die Ränder
brirte Zeichnung beschränkt sich auf der Federn,
die Mitte derselben.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 136.
T. XIIl] DER GEBRÜDER G. UND M. GRÜM-GRZIMAILO NACH CENTRA'L-ÀSIÉN. 297
Die Mitte des Bürzels ist grünlich Der Grundton des ganzen Bürzels
angeflogen und die Seiten desselben ist grau,
von reiner grauer Färbung.
Die den Steiss bedeckenden Federn Die den Steiss bedeckenden Federn
der Bauchseiten sind ockergelb. der Bauchseiteu sind dunkel rostroth,
mit Purpurglanz.
Die metallisch glänzenden rost- Die metallisch glänzenden rostfar-
farbenen Federn der Brust sind nicht benen Federn der Brust sind sammet-
schwarz gesäumt. schwarz gesäumt.
So weit ich ohne das nöthige Vergleichsmaterial urtheilen kann,
gehört unser Vogel weder zu Ph. formosanus, Swinh., noch auch zu
der Varietät aus Chen-si, die David und Oustalet Ois., de Chine,
p. 410 beschrieben haben.
Genus Crossoptilon.
159. Crossoptilon auritum Pali.
Alle Exemplare des Crossoptilon auritum' stammen vom Babo-cho,
im nördlichen Njan-schan. In der Zahl derselben befinden sich einige
höchst interessante Stücke im Jugendkleide, welches von den früheren
Reisenden in Central- Asien nicht eingesandt worden ist. In Matisse
wurden nur Federn gefunden, der Vogel selbst aber nicht beobachtet.
Genus Ithaginis.
160. Ithaginis sinensis, David.
Diese Form wurde auch im nördlichen Njan-schan, und zwar
bei Babo-cho und Chy-cho, nachgewiesen.
Farn. TETRAONIDAE.
Subfam. Perdicinae.
Genus Perdix.
161. Perdix barbata, Verr. et des Murs.
Sehr zahlreich aus dem Tjan-Schan (Dsjan-dsjun-gol), aus den
Kreisen Gutschen (Dschimyssar, Umgebungen der Stadt Ssantei) und
Chami (Chotun-tam) und aus der Dshungarei (Ssary-ssarkë-bulak.).
162. Perdix sifanica, Przew.
Von dieser, von Przewalski entdeckten und von der Perdix
Hodgsoniae, Hume getrennten, Art haben die Gebrüder Grum-Grzi-
mailo zahlreiche Exemplare in den verschiedensten Altersstufen, so
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 137.
298 TH. PLESKE, DIE OMITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [T. XIII
wie mehrere Gelege mitgebracht. Sie wurden im nördlichen Njan-schan
(Matisse, Chy-cho, Babo-cho, Pjan-do-go) und in den Alpen um
Ssi-ning (Myn-dan-scha, Tschan-cho) gesammelt.
Genus Tetraogallus.
163. Tetraogallus liimalayensis (Gray).
Vollkommen typische alte Vögel vom Bogdo-ola und aus Chami.
Subfam. Tetraoninae.
Genus Tetrastes.
164. Tetrastes Sewerzom, Przew.
Zwei junge, noch nicht ganz ausgewachsene Vögel vom Babo-cho,
im nördlichen Njan-schan.
Ordo ANSERES.
Farn. ANATIDAE.
Subfam. Anserinae.
Genus Anser.
165. Anser cinereus, Meyer.
Ein Exemplar aus Gaschun in der Dshungarei. Brutvogel da-
selbst.
166. Anser segetum Middendorffii, Sew.
Ein alter Vogel aus Ssu-tschoü.
167. Anser indiens (Lath.).
Ein Exemplar vom Tetung-Flusse.
Subfam. Anatinae.
Genus Anas.
168. Anas boscas, Linn.
Ein altes Männchen aus Ulan-ussu, im Tjan-schan.
169. Anas zonorhyncha, Swinh.
Ein altes Männchen aus Fui, auf der Strasse nach Ang-ssi.
Genus Querquedula.
170. Querquedula circia (Linn.).
Ein Stück aus dem Bogdo-ola-Gebirge.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 138.
T. XIIl] - DER GEBRÜDER G. UXD M. GRÜM-GRZIMAILO NACH CENTRAL-ASIEN. 299
Genus Dafila. .
171. Dafila acuta (Linn.).
Zwei Exemplare aus Ulan-ussu, im östlichen Tjan-schan, und aus
Bulundshi, auf dem Wege nach Ang-ssi.
Genus Fuligula.
172. Fuligula cristata (Leach.).
Ein Exemplar aus Ssu-tschoü.
Genus Nyroca.
173. Nyroca ferruginea (Gmel.).
Ein altes Männchen aus Bulundshi, auf dem "Wege nach Ang-ssi.
Subfam. Merginae.
Genus Mergus.
174. Mergus serrator, Linn.
Ein Stück vom Chargyn-gol.
Ordo GAYIAE.
Farn. LARIDAE.
Subfam. Sterninae.
Genus Sterna.
175. Sterna Mrundo tibetana, Saund.
Zwei alte Vögel vom Tetung-Flusse.
Ordo LI1IIC0LAE.
Farn. CHARADRIIDAE.
176. Charadrius fulvus, Gm.
Drei alte Vögel aus den Sandwüsten Gaschim und Nelssin, in
der Dshungarei.
Genus Aegialitis.
177. Aegialitis mongolicus (Pali.).
Zwei alte Vögel aus Boschu-chosa.
Genus Vanellus.
178. Vanellus cristatus (Meyer).
Zwei Exemplare aus Dshimyssar, im Kreise Gutschen.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 139.
300 TH. PLESKE, DIE OBNITHOLOGISCHE AUSBEUTE DER EXPEDITION [T. XIII
Farn. SCOLOPACIDAE.
Genus Totanus.
179. Totanus ochropus (Linn.).
Ein Exemplar vom Tetung-Flusse.
Genus Tringoides.
180. Tringoides hypoleucus (Linn.).
Ein Exemplar vom Bogdo-ola, im Tjan-schan.
Genus Tringa.
181. Tringa alpina, Linn.
Ein Exemplar aus Gaschun, in der Dshungarei, und ein zweites
ohne genaue Angabe des Fundortes.
182. Tringa Temminckii (Leisl.).
Zwei Vögel, der eine aus Gaschun, der andere aus Boschu-chosa,
umweit des Tetung-Flusses.
Genus Gallinago.
183. Gallinago scolopacinus, Bp.
Ein Stück aus Chami.
184. Gallinago solitaria (Hodgs.).
Zahlreiche Exemplare aus Chami.
Genus Limosa.
185. Limosa melanura, Leisl.
Ein typischer, grosswüchsiger Vogel aus Chui-chui-po, auf dem
Wege nach Ang-ssi.
Genus Ibidorhyncha.
186. Ibidorhyncha Struthersi, Vigors.
In der Ausbeute der Gebrüder Grum-Grzimailo befinden
sich 7 Exemplare, von denen 4 das, meines Wissens, noch unbekannte
Dunenkleid tragen. Die Vögel stammen aus Schin-tschen (Gebirge
südlich von Ssi-ning), aus Myn-dan-scha (Alpen um Ssi-ning) und aus
Gumanssy (südliches Tetung-Gebirge). Die Jungen lebten auf einer
Insel inmitten eines kleinen Flüsschens und verbargen sich im Gestein.
Ordo FUL1CARIAE.
Fam. RALLIDAE.
Genus Fulica.
187. Fulica atra, Linn.
Zwei alte Vögel aus Ssu-tschoü.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 140.
T. Xni] - DER GEBRÜDER G. UND M. GRUM-GRZIMAILO NACH CENTRAL- ASIEN. ' 301
Genus Rallus.
188. Rallus aquaticus, Linn.
Ein Stück aus Dschimyssar, im Kreise Gutschen, und mehrere
aus Chami.
Ordo PYGOPODES.
Farn. PODICIPITIDAE.
Genus Podiceps.
189. Podiceps minor phillipensis (Bonn).
Drei Exemplare mit verhältnissmässig grossem weissen Spiegel
wurden aus Chami eingesandt.
190. Podiceps nigricollis (Brehm).
Ein Stück vom Tetung-Flusse.
191. Podiceps cristatus, Linn.
Ein alter Vogel vom Kuku-nor.
o:*«c
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 141. 21
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSB0UR6.
TOME XTTT.
Übersicht der Gattung Regulas, Cu v., nebst Beschreibung einer neuen Art
derselben. Von Th. Pleske. (Lu le 22 avril 1892).
Die letzte allgemeinere Bearbeitung hat das Genus Begulus in dem, von
H. Gadow edirten, VIII Bande des Cat. of Birds Brit. Mus. erfahren. Da die,
an genanntem Orte acceptirte, Eintheilung der Goldhähnchen durchaus nicht
mehr genügt und ich ausserdem mich von dem Vorkommen in Central-
Asien einer noch unbeschriebenen Form überzeugt habe, so halte ich es
für angemessen, bei Gelegenheit der Beschreibung der neuen Art, die
ganze Gattung einer Revision zu unterwerfen und einen Schlüssel zur
Bestimmung aller Goldhähnchen zu veröffentlichen, der z. Th. auf eigene
Materialien basirt und z. Th., in Bezug auf die amerikanischen Arten,
Ridgway's Manual of North American Birds entnommen ist.
BESTIMMUNGSTABELLE DES GENUS BEGULUS 1 ).
A. Die Nasenlöcher werden durch je eine einzelne Feder verdeckt. (Sub-
genus Begulus),
a. Die den Scheitel einrahmenden schwarzen Streifen werden vorn durch
ein schwarzes Stirnband verbunden.
aj An den Halsseiten befinden sich wachsgelbe oder safrangelbe Felder;
Zügel schwarz.
a 11 Nacken dunkel grau; hinter den Augen ist keine Fortsetzung
des schwarzen Zügels vorhanden. Culmen: 13 mm.
Begulus mader ensis, Vernon Harcourt.
Gadow, 0. B. B. M. } VIII, p. 84 (1883).
Madeira.
1) Die jungen Vögel, bei denen der Scheitelfleck noch fehlt, lassen sich nach dieser Tabelle
nicht bestimmen.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 143.
304 TH. PLESKE, ÜBERSICHT DER GATTUNG REGULUS, CUV., [ï. XIII
&„ Nacken olivengrün, von derselben Färbung wie der Rücken; der
Zügel setzt sich auch hinter dem Auge fort. Culmen: 11 mm.
Regulus ignicapillus (Brehm).
Gadow, C. B. B. M., VIII, p. 83 (1883).
West-Europa, Kleinasien.
6i An den Halsseiten befinden sich keine wachsgelben oder safran-
gelben Felder; Zügel nicht schwarz.
a u Culmen: 11 — 12 m.
Regulus Teneriffae, Seeb.
Seebohm, H. B. B., I, p. 459 (1883).
Canarische Inseln.
b u Culmen: 9 — 10 m.
a in der vordere Theil der Stirn weisslich
a IV Färbung grauer und düsterer.
Regulus satrapa, Licht.
Ridgway, M. N. A. B., p. 567 (1887).
N.- und 0.- Amerika bis zum
Felsengebirge.
&iv Färbung lebhafter ; die Oberseite mehr olivenfarbig, die
Unterseite mit deutlichem, bräunlich-fahlem Anstriche,
das Gelb und Orangeroth des Scheitels intensiver.
Regulus satrapa olivaceus, Baird.
Ridgway, M. N. A. B., p. 568 (1887).
Die Gestade des Stillen Oceans zwi-
schen Californien und Sitcha.
Civ Färbung noch lebhafter und dunkler, als bei der vorher-
gehenden Form. Oberseite dunkel olivengrün.
Regulus satrapa aztecus, Lawr.
Ridgway, M. N. A. B., p. 591 (1887).
Mexico.
b nl Der vordere Theil der Stirn schwarz.
Regulus Cuvieri, Aud.
Ridgway, M. N. A. B., p. 568 (1887).
Pennsylvanien.
b. Die den Scheitel einrahmenden schwarzen Streifen sind auf der Stirn
nicht verbunden.
a v Culmen: 13 m.
Regulus cristatus azoricus, Seeb.
Seebohm, H. B. B., I, p. 454 (1883).
Azoren.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 144.
T. XIIl] NEBST BESCHREIBUNG EINER NEUEN ART DERSELBEN. 305
&, Culmen: 10 — 1 1 m.
«,i Nacken und Hinterhals grau, vom olivengrünen Rücken ab-
stechend.
Béguins cristatus japonicus (Bp.).
Seebohm, H. B. B., I, p. 454 (1883).
Japan, Ussuriland, Ost-China.
b n Nacken und Hinterhals von derselben Färbung, wie der Rücken.
a m Farben düsterer; Rücken weniger intensiv olivengrün,
Scheitelfleck weniger lebhaft gefärbt.
Begulus cristahis, Koch.
Gadow, C. B. B. M., VIII, p. 80 (1883).
Europa, W. -Asien.
6, n Farben greller; Rücken olivengrün, Scheitelfleck sehr lebhaft
gefärbt.
Begulus cristatus Mmalayensis (Jerd.).
Gadow, C. B. B. M. VIII, p. 81 (1883).
Himalaya-Gebirge; W. -China.
c. Der Scheitelfleck ist von keinen schwarzen Fleck eingefasst; höch-
stens sind die Seiten des Scheitels etwas dunkler als der Grundton
der Oberseite.
Regulus tristis, Plsk.
Orenburg, Transcaspien, Turkestan.
B. Die Nasenlöcher werden von einem Büschel kleiner borsten-ähnlicher
Federn bedeckt (Phyllobasileus).
a. Oberseite gräulich olivenfarben , der Kopf nicht dunkler als der
Rücken; beim alten Männchen ist der Scheitelfleck scharlachroth.
Begulus calendula (Linn.).
Ridgway, M. N. A. B., p. 568 (1887).
N. -Amerika, bis Guatemala.
b. Oberseite olivenfarben, mit russfarbenem Anfluge; der Kopf merklich
dunkler als der Rücken; der rothe Farbenton des Scheitelflecks des
alten Männchens zieht in's Carminrothe oder Purpurfarbene.
Begulus obscurus, Ridgw.
Ridgway, M. N. A. B., p. 568 (1887).
Gaudalupe - Ins. , Unter-
Californien.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 145.
306 TH. PLESKE, ÜBERSICHT DER GATTUNG REGULUS, CUV., [ï. XIII
BEGÜLÜS TRISTIS nov. sp.
JV« 11063. $ 14.
X. 85.
Aksu, Turk. or.
Przewalski.
* ex.
JV« 11064. £ 14.
X. 85.
— — —
—
* ex.
JV» 11065. $ 14.
X. 85.
— — —
—
* ex.
JV« 11997. $ 11.
XI. 78.
TscMnas, Turk. occ.
Kussow.
ex.
JVs 11998. <$ 11.
XI. 78.
— —
—
ex.
JV2 12100. ($) 15.
X. 82.
Orenburg.
Sarudny.
ex.
JV» 12101. 5
X. 90.
Jarkend-Darja, Turk. or.
Pewzow,
* ex.
JV» 12102. 5 7.
XII. 90.
Merw.
Mus. Branicki.
* ex.
JV« 12103. $ 12.
I. 91.
—
— —
* ex.
1888. Regulus cristatus var. himalayensis, Jerd. Pleske, Rev. d. turk. Ornis, p. 29.
1888. Eegulus cristatus, Koch. 3apy,a,HHfi, OpHHT. ({»ayiia OpeiiôyprcKaro Kpaa,
dp. 52.
1890. Eegulus cristatus, Koch. Pleske, Wissensch. Result, d. Reis. Przewalski's.
II, p. 100.
Diagn.: Regulo cristato similis, sed coloribus notaei sordidioribus, magis
griseis, crista occipitali maris unicolore laete crocea, nee aurantia,
lateribus verticis striis nigris in utroque sexu haud ornatis.
Beschreibung: Altes Männchen: Die ganze Oberseite, mit Ausnahme des
Scheitelflecks düster grünlich olivenfarben, auf den Kopfseiten und auf dem
Hinterhalse mehr in's Graue ziehend und auf dem Rücken und namentlich
auf dem Bürzel und auf den Säumen der Steuerfedern grünlicher erschei-
nend. Die schwarze Abzeichnung, welche beim gewöhnlichen Goldhähnchen
zu beiden Seiten des Scheitelflecks auftritt, fehlt bei der vorliegenden Art
entweder gänzlich oder wird dadurch ersetzt, dass der graue Grundton der
Färbung der Oberseite zu beiden Seiten des Scheitelflecks etwas dunkler,
d. h. schwärzlich, erscheint. Was den Scheitelfieck selbst anbetrifft, so
kennzeichnet er sich dadurch, dass er nicht, wie beim gemeinen Goldhähn-
chen, aus grellen orangerothen, von gelben umrahmten, Federn besteht,
sondern vollkommen einfarbig erscheint, und zwar von einer lichteren
Färbung als bei Regulas cristatus. Seine Färbung schwankt zwischen Chrom-
gelb und sehr hell safrangelb. In allen übrigen Stücken unterscheidet sich
die vorliegende Form kaum vom gewöhnlichen europäischen Goldhähnchen.
Altes Weibchen: unterscheidet sich vom Männchen nur durch die sehr
helle, citronengelbe Färbung seines Scheitelflecks, der sehr schwach ausge-
prägt ist und ebenfalls der schwarzen Einrahmung entbehrt.
Maasse der Exemplare.
JV°JV» 11063 11064 11998 12101 12102 11065 11997 12103 12100
Geschlecht
$
S
3
S
$
$
$
$
(?)
Culmen
11
10,5
11
11
10,5
10,5
11,5
11
11
Flügel
55
56
55
52
54
52,5
54
52
53
Schwanz
44
43,5
44
44
44
42,5
43
42
44
Tarsus
18
17
17
17
17
17
17
17
17
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 146.
T. XJIl] NEBST BESCHREIBUNG EINER NEUEN ART DERSELBEN. 307
Verbreitung. Über die Verbreitung der vorliegenden Art lässt sich
nur wenig berichten. Zur Zeit wissen wir, dass der Vogel im Transcaspi-
Gebiete (Merw), in West-Turkestan (Tschinas) und in Ost-Turkestan (Akssu
und Jarkend-Darja) vorkommt. Ausserdem besitzen wir auch ein Exemplar
aus Orenburg.
Was die Synonymie der Art anbetrifft, so glaube ich mich darauf be-
schränken zu müssen, die verzeichneten Citate aufzuführen, die sich unbe-
dingt auf unseren Vogel beziehen. Trotz eifriger Nachsuche ist es mir nicht
gelungen, irgend welche Hinweise auf das Vorkommen der neuen Form
in Central -Asien zu finden oder Beschreibungen auf dieselbe deuten zu
können. Möglich ist es jedoch, dass die graueren Weibchen aus Ssamarkand,
deren Seebohm (Ibis, 1882, p. 423) erwähnt, zu der vorliegenden Form
gehören.
ott°
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 147.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIEÉS Dû
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.-PÉTEBSBOURG,
TOME XIII.
Zur Kenntniss der rothen Murmelthiere Central-Asiens. Von Eug. Büchner.
(Lu le 22 avril 1892).
Zu den charakteristischsten Repräsentanten der in Central -Asien weit
verbreiteten Gattung Arctomys gehören zweifelsohne die sogenannten rothen
Murmelthiere, die in den Sammlungen nur selten vertreten, daher auch
noch ungenügend erforscht sind und deren geographische Verbreitung nur
lückenhaft bekannt ist. Da nun das Zoologische Museum der Kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften in den letzten Jahren in den Besitz eines
reichhaltigen Materiales an solchen Murmelthieren gelangt ist und ver-
schiedene unserer Reisenden aus neuester Zeit neue Mittheilungen über ihre
Verbreitung gesammelt haben, so veranlassen mich diese Umstände folgende
Notizen zur näheren Kenntniss dieser schönen Nager zu liefern, die einiges
Interesse beanspruchen dürften.
Mit dem Namen der «rothen Murmelthiere» belege ich grosswüchsige
und langgeschwänzte Murmelthiere, welche sich von ihren Gattungsgenos-
sen durch lebhafte röthliche Grundfärbung unterscheiden, die sich bei ihnen
ziemlich gleichmässig im Tone über den ganzen Körper lagert. Es sind
dieses diejenigen Vertreter der Gattung Arctomys, die unter dem Namen
Arctomys caudatus Jacq. und Arctomys aureus Blanf. bekannt und augen-
blicklich als zwei verschiedene, gut charakterisirte Arten anerkannt werden.
Das Zoologische Museum der Kaiserlichen Akademie der Wissen-
schaften besitzt an rothen Murmelthieren folgendes Material:
1598. $ VII. 1878. Iskander-kul, V. Russow.
1599. $ VII. 1878. Iskander-kul, V. Russow.
1816. $ 3. VIII. 1878. Iskander-kul, M. v. Middendorff.
2229. 5 VII. 1878. Iskander-kul, V. Russow.
2230. 2 26. VII. 1878. Iskander-kul, V. Russow.
2231. $? IV. 1883. Darwas, Dr. A. Regel.
2232. ? VI. 1883. Kuh-i-Trusch, Kulab, Dr. A. Regel.
2799. $ 28. VI. 1885. Tuptschek, Buchara, Gr. Grum-Grzimailo.
2800. £ VIII. 1887. Jagatschart, Alai, Gr. Grum-Grzimailo.
2801. Ç 25. VII. 1878. Alai, Dr. N. Ssewerzow.
2804. $ 12. VIII. 1878. Alai, Dr. N. Ssewerzow.
2805. $ 31. VIII. 1878. Alai, Dr. N. Ssewerzow.
2806. (J juv. VI. 1887. Kara-ssu, Sarykol, Pamir, Gr. Grum-Grzimailo.
2807. <$ juv. 18. IX. 1889. Ak-ssu, Pamir, B. Grombtschewski.
2808. $ juv. 23. VII. 1879. Alai, Dr. N. Ssewerzow.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 217. 22
310 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
2809. juv. 15. IX. 1889. Ak-ssu, Pamir, B. Grombtschewski.
2810. $ juv. 14. VII. 1878. Alai, Dr. N. Ssewerzow.
2811. $ juv. V. 1887. Gultscha, Alai, Gr. Grum-Grzimailo.
2812. juv. VI. 1887. Katyu-art, Alai, Gr. Grum-Grzimailo.
2813. 5 J uv - ^- 1887. Jagatschart, Alai, Gr. Grum-Grzimailo.
2814. (J juv. V. 1887. Jagatschart, Alai, Gr. Grum-Grzimailo.
Bei der vergleichenden Beschreibung, welcher ich jetzt das vorstehend
verzeichnete Material zu unterwerfen beabsichtige, gehe ich von einer Be-
sprechung der am Iskander-kul erbeuteten Exemplare aus.
Ex. n. 1599, 1816 und 1598: Ober- und Unterlippenrand und
Nasengegend sind schwärzlich; Nasenrücken, Stirn, Kopfplatte (bis zu den
Ohren) und die sich von der Nasenspitze um das Auge und bis an das Ohr
hinziehende Gegend erscheinen sehr dunkel gefärbt, da hier die in grosser
Anzahl eingestreuten schwarzen Stichelhaare und die braunschwarz gefärb-
ten Enden der Grannenhaare die gelbe Basalfärbung dieser letzteren nur
wenig, auf der Kopfplatte fast gar nicht zum Vorschein treten lassen. Theil-
weise die Seitentheile der Schnauze, unterer Wangentheil, Kinn, Kehle und
Halsseiten sind von der Färbung der Unterseite. Die einfarbigen, schwar-
zen Vibrissen erreichen eine Länge von höchstens 55 mm. und es finden sich
ausserdem vielfach Wangen- und Superciliar-Borsten vor. Das Ohr, welches
von einem abgerundeten, nur wenig vortretendem Hautrande von ca. 6 mm.
Höhe gebildet wird, ist aussen dicht von rostgelblichen und innen in der
Aussenhälfte von länglichen rostbräunlichen Haaren bestanden. — Auf der
ganzen Oberseite sind die langen Grannenhaare in ihrem basalen Theile
rostgelblich, zu ihrer Spitze hin rostroth, seltener dunkelrostbraun gefärbt;
diesen Grannenhaaren sind in überaus grosser Menge die kürzeren hellrost-
gelblichen Wollhaare beigemischt. Es erscheint demnach die ganze Ober-
seite auf einer rostgelblichen Grundfärbung dicht und regelmässig dunkel-
roströthlich melirt. Die Höhe des dichten Pelzes beträgt auf dem Hinter-
rücken ca. 50 mm. Auf den Flanken verliert sich allmählich die dunkle,
roströthliche Stichelung vollständig. Die ganze Unterseite ist einfarbig leb-
haft rostgelb gefärbt und es erscheint die Färbung hier von einem Tone,
welcher sich von demjenigen der Grundfärbung der Oberseite nur wenig
unterscheidet. Die Vorder- und Hinterextremitäten sind gleichfalls von,
dieser allgemeinen Färbung, die hier aber intensiver getönt erscheint. —
Der lange und buschige Schwanz ist seiner ganzen Länge nach von schmutzig
rostbräunlicher Färbung, durch welche die schwarzbräunlich gefärbten
Basaltheile der einzelnen Haare nur wenig durchschimmern ; das Schwanz-
ende trägt viele einfarbige braunschwarze Haare, doch bilden dieselben
keine prononcirte dunkle Schwanzspitze.
Ex. n. 2229 unterscheidet sich von den soeben beschriebenen nur
dadurch, dass die Melirung auf der Oberseite weniger dicht auftritt, aber
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 218.
T. XIIl] -' ZUR KENNTNISS DER ROTBEN MURMELTHIERE CENTRAL-ASIENS. 311
dunkler, rostbräunlich schwarz oder schwärzlich ist. Der Schwanz endigt
mit einer kurzen, doch deutlich abgesetzten schwärzlichen Spitze.
Ex. n. 2230 ist in der Färbung der Oberseite dem Ex. n. 2229
ähnlich, weist aber die Schwanzfärbung der Ex. n. 1599 und 1816 auf.
Ex. n. 2799, 2800, 2801 und 2805 unterscheiden sich von den
bisher beschriebenen Bälgen überhaupt dadurch, dass der Ton der allge-
meinen röthlichen Färbung bei ihnen ein intensiverer und zugleich viel leb-
hafterer ist. Die Lippenränder und Nasenspitze sind schwärzlich; die übri-
gen Stellen am Kopfe, die bei den Exemplaren vom Iskander-kul dunkel
gefärbt erscheinen, sind bei den in Rede stehenden Bälgen unbedeutend
schwärzlich oder dunkelbraunschwarz gestichelt und erscheinen Stirn- und
Kopfplatte hell gefärbt; bei Ex. n. 2801 und 2805 erscheint übrigens die
Kopfplatte unbedeutend dunkler. Die ganze Oberseite ist auf roströthlichem
Grunde schwarz oder dunkelbraunschwarz melirt ; die ganze Unterseite und
die Extremitäten sind von einfarbiger roströthlicher Färbung, welche beim
Ex. n. 2799 noch einen dunkleren Ton aufweist, als bei den Ex. n. 2800
und 2801. Der Schwanz ist von langen rostbräunlichen Haaren besetzt,
die zum grössten Theile schwarz bespitzt sind. Das Schwanzende, welches
ungefähr das letzte Viertel der ganzen Schwanzlänge ausmacht, ist von
schwärzlicher Färbung, welche zuerst in geringem Maasse durch die dunklen
Endspitzen der Behaarung und zu der Endspitze hin ausschliesslich durch
einfarbige schwärzliche oder dunkelbraunschwarze Haare bedingt wird.
Das vollständige defecte Ex. n. 2231 ist den Exemplaren n. 2799, 2800
und 2801 im Tone der allgemeinen röthlichen Färbung vollständig ähnlich.
Der Nasenrücken und die Kopfplatte erscheinen aber sehr dunkel, beinahe
einfarbig schwärzlich. Der Schwanz ist mit einer nur kurzen schwärzlichen
Endspitze versehen; in seinem Basaltheile tritt, wenn auch nicht bedeutend,
der dunkelbraunschwärzliche Haargrund vor.
Ex. n. 2804 ist den Bälgen n. 2229 und 2230 vollständig ähnlich
gefärbt, nur ist bei ihm die schwärzliche Stichelung der Oberseite eine fei-
nere und erscheinen die Stirn und Kopfplatte hellgelblich, überaus fein ge-
stichelt. In der Schwanzfärbung unterscheidet sich dieser Balg vom Ex.
n. 2229 nur dadurch, dass die dunkle Schwanzspitze eine grössere Ausdeh-
nung hat und dass auch sonst die Haare auf dem Schwänze vielfach mit
dunklen, schwärzlichen oder schwarzbräunlichen Endspitzen versehen sind.
Die Ex. n. 2806 und 2807, welche jungen Thieren angehören,
sind auf der Oberseite von heller rostgelblicher Grundfärbung mit nicht
besonders dichter schwärzlicher Stichelung; sie weisen demnach vollständig
die Färbung des erwachsenen Ex. n. 2804 auf. Die Lippenränder und
Nasengegend sind, wie gewöhnlich, schwarz gefärbt; die dunkle Stichelung
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 219. 22*
312
EUG. BÜCHNER,
[T. XIII
auf dem Kopfe ist nur eine feine und theilweise spärliche, und tritt hier
daher die helle gelbliche Grundfärbung überall zum Vorschein. Der Schwanz
ist mit einer grossen schwärzlichen Spitze versehen, doch ist auch oberhalb
dieser Endspitze der Schwanzfärbung sehr viel Schwarz oder Schwarz-
braun beigemengt, welches theils von der dunklen Bespitzung, theils von der
zum Vorschein tretenden dunklen Basalfärbung der Haare bedingt wird.
Die Bälge n. 2808 und 2809, welche noch jüngeren und kleinwüchsi-
gen Exemplaren angehören, tragen ein ganz frisch ausgehaartes Kleid, das
beispielsweise demjenigen der erwachsenen Exemplare n. 2801 und 2805
vollständig ähnlich ist.
Die Ex. n. 2810 — 2814 gehören vollständig jungen Thieren an und
tragen noch zum grössten Theile das Wollhaar des Jugendkleides; bei ein-
zelnen dieser Bälge zeigen sich übrigens in grösserer oder geringerer Menge
auf der Oberseite, zum Theil auch auf der Unterseite, schon Grannenhaare
des definitiven Haarkleides. Diese Bälge erscheinen auf der Oberseite rost-
gelblich oder rostfarben, mehr oder weniger dicht mit Schwarz oder Grau
untermischt, da ausser den Stichelhaaren und den schwarzen Endspitzen
der frischen Grannenhaare hier meist auch die dunkle Färbung des Woll-
haares zum Vorschein tritt. Die Unterseite ist nur dünn behaart und er-
scheint mehr oder weniger intensiv rostfarben, mit durchschimmernder
dunkelgrauer Färbung des Wollhaares. Was die Schwanzfärbung dieser
Bälge anbetrifft, so ist bei den Exemplaren n. 2810 und 2811 der Schwanz
mit einer scharf abgesetzten schwarzen Endspitze versehen und erscheint
sonst auf seiner Oberseite von rostgelblicher Färbung mit nur wenig merk-
licher dunkler Melirung; bei den übrigen Bälgen ist der Schwanz beinahe
seiner ganzen Länge nach von schwärzlicher Färbung, wobei die Endspitze
ziemlich intensiv schwarz ausgesprochen ist, während auf der übrigen Aus-
dehnung des Schwanzes die rostgelblichen Spitzen der einzelnen Haare die
schwärzliche Basalfärbung derselben mehr oder weniger maskiren.
Die Ausmessung der soeben beschriebenen Bälge lieferte folgende Werthe :
1599
1816
2229
2230
1598
2799
2800
2801
2231
2804
2805
2807
2808
2809
Von der Nasenspitze
bis zur Schwanz-
wurzel
628
620
668
504
451
575
150
590
618
535
545
515
430
415
Länge des Schwanzes
mit d. Endhaaren
268
274
283
213
198
270
235
255
256
240
245
220
185
215
Letzte Haare des
64
55
67
61
59
46
45
60
46
45
53
51
36
40
Länge des Hinter-
—
91
95
87
71
97
85
85
82
87
85
83
74
75
Länge der Kralle am
Mittelfinger ....
19
16,5
16
13,5
14
16,5
13,5
13
12,5
13
13
12
11
12
Länge der Kralle an
der iJittelzehe. .
18
13,5
14
12
12
17
15
12
14
10,5
—
12
10
11,5
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 220.
T. XIIl] ZUR KENNTNISS DER ROTHEN MÜRMELTHIERE CENTRAL- A SIENS. 313
Nach dieser Besprechung des mir vorliegenden Materiales gehe ich zu
einem näheren Vergleiche meiner Bälge mit Arctomys caudatus Jacq. über,
um die Zugehörigkeit derselben zu der genannten Art klarzulegen.
Zunächst unterwerfe ich die Grösse und Schwanzlänge einer verglei-
chenden Untersuchung. Für erwachsene A. caudatus wird von Blanford
eine Körperlänge (d. h. eine Länge von der Nasenspitze bis zur Schwanz-
wurzel) von ungefähr 635 mm. (= 25 inch.) 1 ' und 609,5 mm. (= 2 feet) 2) ,
von Anderson 3 ) eine solche von 558,5 mm. (= 22 inch.) angeführt; die
Länge des Hinterfusses des A. caudatus misst nach Blanford 86,4 mm.
(= 3,4 inch.). Die Schwanzlänge (inclusive die Endhaare desselben) soll bei
A, caudatus die Hälfte seiner Körperlänge oder auch mehr ausmachen und
beträgt nach Blanford 305 mm. (= 12 inch.) bis 330 mm. (— 13 inch.).
Vergleichen wir diese Angaben mit den von mir oben mitgetheilten Aus-
messungen, so erw r eist es sich, dass einzelne meiner Bälge die für den typi-
schen A. caudatus nachgewiesene Körperlänge nicht nur erreichen, sondern
sogar noch übertreffen; auch die Länge des Hinterfusses weist daraufhin,
dass meine Exemplare in ihrer Stärke den Bälgen aus Kashmir nicht
nachstehen. Aus meiner Maasstabelle ist aber andererseits zu ersehen, dass
der Schwanz bei keinem der mir vorliegenden Exemplare eine Länge er-
reicht, die der halben Körperlänge gleich käme; doch ist der Unterschied
in der Schwanzlänge und der entsprechenden halben Körperlänge immer ein
ganz unbedeutender und beträgt nur ungefähr 15 bis höchstens 50 mm.
Wenn wir den Umstand in Betracht ziehen, dass meine Ausmessungen an
Bälgen genommen sind, bei denen die Rumpfhaut ausgezogen oder der
Schwanz eingetrocknet sein kann, und dass Balg-Maasse überhaupt nur von
relativem Werthe erscheinen, so kann es keinem weiteren Zweifel unter-
liegen, dass meine Exemplare nicht allein in der Grösse, sondern auch im
Verhältniss ihrer Schwanzlänge zur Körperlänge mit A. caudatus vollstän-
dig übereinstimmen.
Was die Färbung und Zeichnung meiner Exemplare anbetrifft, so ist
hervorzuheben, dass dieselben im Tone der allgemeinen röthlichen Färbung
von den Beschreibungen und Abbildungen des A. caudatus nicht weiter
verschieden sind, doch weist die Färbung des Rückens und des Kopfes theil-
wejse unbedeutende Unterschiede auf, die auch daher einer erklärenden Be-
merkung bedürfen.
Die dunkle Färbung des Rückens tritt bei meinen Exemplaren, wie
wir gesehen haben, nur als dunkle Melirung der Grundfärbung auf und
1) Blanford: Journ. As. Soc. Beng., XLIV, pt. 2, p. 122 (1875).
2) Blanford, Fauna of Brit. India, Mamm., p. 390 (1891).
3) Anderson: Proc. Zool. Soc. London, p. 561 (1871).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 221.
314 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
wird von den schwärzlichen (bei den Bälgen n. 1599, 1816 und 1598
dunkelrostbraunen) Endspitzen der Grannenhaare bedingt. Keines meiner
Exemplare hat demnach eine einfarbige schwärzliche Rückenfärbung, wie sie
zuweilen für A. caudatus angegeben wird und wie sie auch die schöne Abbil-
dung dieser Art auf Tafel XIII der Scientific Results of Second Yarkand Mission
zeigt. Doch kann dieser Unterschied in der Rückenfärbung nicht gegen eine
Identificirung meiner Bälge mit A. caudatus sprechen, da dieser Charakter
bei A. caudatus variirt und die Haare auf dem Rücken bei ihm viel häu-
figer nur schwarze Endspitzen tragen, statt ihrer ganzen Länge nach schwarz
gefärbt zu sein. Dieser Umstand wird von Blanford 4 ) in folgender Bemer-
kung speciell hervorgehoben: «In some specimens (males?) the back is very
much blacker than in others, the hairs being dusky or black throughout,
whilst other specimens have only the tips of the hairs black». Dass die
Rückenfärbung (ebenso wenig wie auch der Ton der allgemeinen röthlichen
Färbung) nicht auf Geschlechtsunterschiede zurückzuführen ist, beweist das
mir vorliegende Material.
Ich habe ferner noch auf ein Merkmal näher einzugehen, welches spe-
ciell von Scully 5 ) als sehr charakteristisch für A. caudatus hervorgehoben
worden ist; es soll dieses nämlich die gelbliche Färbung der Stirn und Kopf-
platte, im Gegensatze zu der schwärzlichen Nackenfärbung sein. Gleichzei-
tig möchte ich bemerken, dass auch auf den vorhandenen (von J. Geoffroy
St. Hilaire 6) und Blanford gelieferten) Abbildungen des A. caudatus die
Stirn und Kopfplatte von einer solchen gelblichen Färbung sind und dass
die von Anderson 7 ) unter dem fälschlichen Species-Namen A. hemachalanus
beschriebenen Exemplare dieser Art gleichfalls eine derartige helle Kopf-
färbung aufzuweisen scheinen. Unterwerfen wir nun die mir vorliegenden
Bälge auf dieses Merkmal hin einer Prüfung, so erweist es sich, dass meine
Exemplare im Gegentheil im grossen Ganzen eine Tendenz zu einer allge-
meinen dunklen Kopffärbung zeigen und die meisten von ihnen auf der
Stirn und Kopfplatte mehr oder weniger dunkel gefärbt sind ; doch liegen
mir andererseits auch Bälge vor (wie, z. B., die oben beschriebenen Exem-
plare 2799, 2800 und 2804, theilweise auch die jüngeren Exemplare
2806 und 2807), bei denen die erwähnten Stellen des Kopfes von heller
gelblicher Färbung erscheinen. Diese Exemplare weisen demnach eine
Kopffärbung auf, wie sie von Scully speciell für A. caudatus hervorge-
4) Blanford, Sc. Res. See. Yark. Miss., Mamm., p. 38 (1879).
5) Scully: Ann. Mag. Nat. Hist., (5), VIII, p. 98 (1881).
6) Geoffroy St. Hilaire in: Jacquemont, Voyage dans l'Inde, Mamm. et Ois., tab. V
(1842—43).
7) Anderson: Proc. Zool. Soc. Lond., p. 561 (1871).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 222.
T. XIll] ZUR KENNTNISS DER ROTHEN MURMELTHIERE CENTRAL-ASIENS. 315
hoben worden ist. Da aber das von mir untersuchte Material den Beweis
liefert, dass die Färbung der Stirn und Kopfplatte erheblich variirt, so
kann ich die Kopffärbung nicht als ein specifisches Merkmal des A. caudatus
gelten lassen. Übrigens hat auch Blanford seiner Zeit in der Kopffärbung
des A. caudatus kein charakteristisches Merkmal dieser Art constatiren
können und berücksichtigt er dieselbe nicht weiter auch in seiner neuesten
(in der Fauna of British India erschienenen) Beschreibung dieser Art.
Diese Untersuchung führt mich folglich zum Resultate, dass meine
oben verzeichneten Bälge unzweifelhaft zu A. caudatus gehören. Dieses
Resultat erweitert sehr wesentlich unsere Kenntniss der Verbreitung dieser
Art und liefert gleichzeitig den Beweis, dass dieses Murmelthier der Fauna
des Russischen Reiches angehört. Bekanntlich war Ssewerzow 8 ) der erste
Forscher, der das Vorkommen des A. caudatus für Russisch -Turkestan
nachgewiesen hatte, doch sind seine diesbezüglichen Angaben in der wissen-
schaftlichen Litteratur angezweifelt worden und werden auch bis jetzt in
Betreff der Art-Bestimmung nicht anerkannt. "Wenn auch die vorliegende
Untersuchung das Vorkommen des A. caudatus bis nach Russisch-Turkestan
ausser Zweifel stellt und gleichzeitig die Mittheilungen von Ssewerzow
bestätigt, so möchte ich nichtsdestoweniger noch kurz der Deutungen Er-
wähnung thun, welche die Ssewerzow 'sehen Angaben über dieses Mur-
melthier erfahren haben.
In seiner Fauna Turkestans macht Ssewerzow in Betreff des A. cau-
datus, ausser verschiedenen Fundorts-Angaben, auf die ich noch weiter unten
zurückzukommen habe, nur eine ganz kurze Notiz systematischen Inhalts,
in welcher er mittheilt, dass ein erbeutetes Exemplar, welches ihm verloren
gegangen war, von gelblicher Färbung mit wenig dichter schwarzer Stiche-
lung war und dass dessen Kopf dunkler, schwärzlicher gefärbt erschien;
ausserdem lieferte Ssewerzow hier die Maasse eines jungen Thieres, und
zwar 14 Zoll 2 Lin. für die Körperlänge und 8 Zoll 5 Lin. für die Schwanz-
länge.
Diese Angaben von Ssewerzow wurden zuerst von Blanford 9 ) in
Betreff der Art- Bestimmung in Zweifel gestellt. Bl an ford's Ansicht zufolge
sind die von Ssewerzow angegebenen Maasse für A. caudatus viel zu klein
und passen, ebenso wie auch die Bemerkungen über die Färbung, viel eher
auf A. aureus; gleichzeitig sprach Blanford die Vermuthung aus, dass das
Vorkommen des A. caudatus in Russisch-Turkestan höchst unwahrschein-
8) C'feBepn.oB-b, Bep-r. h TopH3. Pacnp. TypKecT. »hb., CTp. 61, 81 (1873); Ann. Mag. Nat.
Hist., (4), XVIII, p. 50 (1876).
9) Blanford: Journ. As. Soc. Beng., XLIV, pt. 2, p. 115 (1875); 'Sc. Res. See. Yark. Miss.,
Mamm., p. 35 (1879).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 223.
316 EUG. BÜCHNER, [ï. XIII
lieh, die Verbreitung des A. aureus dagegen so weit nach Norden mehr als
möglich sei. Alle diese Betrachtungen veranlassten Blanford, dieses unter
dem Namen A. caudatus in die Fauna Turkestans eingeführte Murmelthier
als A. aureus zu deuten und stellte er daher den Ssewerzow'schen A. cau-
datus (übrigens mit einem Fragezeichen) in die Synonymie seines A. aureus,
eine Deutung, der später auch W. L. Sclater 10 ) folgte.
Diese Ausführungen von Blanford bedürfen, glaube ich, keiner wei-
teren Widerlegung, mit Ausnahme übrigens seiner Bemerkung über die
Grösse des in Rede stehenden Murmelthieres. Die von Ssewerzow mitge-
theilten Maasse sind nämlich, wie dieses ja von ihm selbst speciell hervor-
gehoben wurde, an einem jungen Exemplare genommen, ein Umstand, den
Blanford augenscheinlich übersehen hat; dieser Umstand liefert uns aber
die nöthige Erklärung für den vermeintlichen Grössen-Unterschied zwischen
A. caudatus einerseits und der von Ssewerzow constatirten Murmelthier-
Art andererseits.
Später hat auch Scully 11 ) die Ansicht ausgesprochen, dass das junge
Murmelthier aus Turkestan, welches Ssewerzow für A. caudatus ange-
sprochen hat, entschieden nicht zu dieser Art gehört. Zur Begründung
dieser Ansicht theilte Scully mit, dass die von Ssewerzow angeführten
Maasse im Verhältnisse der Schwanzlänge zur Körperlänge nicht mit A. cau-
datus übereinstimmen, da ein junges Thier dieser Art bei einer Schwanz-
länge von 8" 5'" eine Körperlänge von ungefähr 17 Zoll aufweisen müsse
und nicht 14" 2'" lang sein kann, wie das Ssewerzow 'sehe Exemplar.
Ferner spricht, nach Scully, auch die dunkle Kopffärbung des Ssewer-
zow'schen Exemplars gegen die Bestimmung desselben als A. caudatus,
da der Kopf dieser Art im Gegentheil hellgefärbt erscheint.
Auf diesen letzteren Einwand Scully's brauche ich nach meinen schon
oben gemachten Bemerkungen über die Kopffärbung des A. caudatus nicht
weiter einzugehen. Was dagegen den ersten Einwand dieses Forschers an-
betrifft, so muss ich die Berechtigung desselben zugeben. Das Verhältniss
der Schwanzlänge zur Körperlänge ist nämlich bei dem jungen Exemplare
von Ssewerzow ein solches, wie ich es bei den zahlreichen Bälgen, die ich
untersucht habe, niemals constatiren konnte, und wie sich dasselbe auch ohne
Zweifel bei A. caudatus überhaupt nicht vorfindet. Nichtsdestoweniger hat
Ssewerzow dennoch mit dem Namen A. caudatus eben diese und nicht
irgend eine andere Murmelthier-Art belegt, ein Umstand, der sich aus fol-
gender Betrachtung ergiebt. Sowohl Ssewerzow, als auch alle späteren
10) W. L. Sclater: Cat. of Mamm. Ind. Mus., II, p. 43 (1891).
11) Scully: Ann. Mag. Nat. Hist, (5), VIII, p. 99 (1881).
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 224.
T. XIIl] J ZUR KEMTNISS DER ROTHEN MURMELTHIERE CENTRAL-ASIBNS. 317
zahlreichen Reisenden und Sammler haben für Russisch-Turkestan das Vor-
kommen von nur zwei Murmelthier-Arten constatirt: dass die eine dieser
beiden Arten Arctomys cliclirous Anderson ist, habe ich 12 ) schon früher
nachgewiesen, während ich in vorliegender Untersuchung die Beweise ge-
bracht habe, dass das andere Murmelthier — A. caudatus ist; A. dichrous
war nun von Ssewerzow unter dem fälschlichen Species-Namen A. baiba-
cinus Brandt in die turkestanische Fauna aufgenommen, die zweite von
ihm in Russisch-Turkestan aufgefundene Art kann folglich nur A. caudatus
sein, wie dieselbe von ihm auch korrekt benannt worden ist. Übrigens be-
sitzen wir auch einen direkten Beweis, dass eben diese Art seiner Zeit
Ssewerzow vorgelegen hat: im Moskauer Universitäts- Museum befinden
sich nämlich (wie wir noch später darauf zurückkommen werden), zwei
Exemplare des A. caudatus aus der Ausbeute von Fedtschenko, deren
Fundort Ssewerzow schon in seiner Fauna Turkestans namhaft gemacht
hat. Dass die Art A. caudatus Ssewerzow überhaupt gut bekannt war,
bezeugen ferner die auf seinen späteren Reisen (auf dem Pamir und Alai)
gesammelten und von ihm bestimmten Bälge. Um nun auf die von Ssewer-
zow angeführten Maasse des A. caudatus zurückzukommen, so unterliegt
es, nach dem Gesagten, keinem weiteren Zweifel, dass diese Maassangaben
einfach fehlerhafte sind und dass dieselben entschieden nicht demjenigen
Exemplare entsprechen, von welchem sie genommen sind.
Wie ich soeben mitgetheilt habe, glaubte Blanford das in Russisch-
Turkestan vorkommende rothe Murmelthier, welches den vorstehenden
Untersuchungen zufolge unzweifelhaft zu A. caudatus gehört, (namentlich
auch aus geographischen Gründen) als seinen A. aureus deuten zu müssen.
Ich habe daher jetzt noch auf die Frage näher einzugehen, wie sich dieser
A. aureus zu A. caudatus verhält. Leider sind mir die Typen des A. aureus
aus eigener Anschauung nicht bekannt und kann ich mir nur aus den von
Blanford 13 ) gelieferten Beschreibungen dieses Murmel thieres ein Urtheil
über dasselbe bilden.
A. aureus soll sich, nach den Untersuchungen von Blanford, in fol-
genden Merkmalen von A. caudatus unterscheiden: 1) durch viel geringere
Grösse und durch einen verhältnissmässig kürzeren Schwanz; 2) durch ge-
ringeres Auftreten von Schwarz in der Schwanzfärbung und 3) durch eine
weniger rostfarben gefärbte Unterseite und durch eine ledergelbe Färbung
der Beine, die bei A. caudatus rostfarbig gefärbt erscheinen.
12) Büchner, Wissensch. Res. Eeis. Przewalski, Zool. Th., I, p. 40 (1888).
13) Blanford: Journ. As. Soc. Beng., XLIV, pt. 2, p. 106, p. 123 (1875); Sc. Bes. See. Yark.
Miss., Hamm., p. 33, tab. XI, XI a (1879).
Bulletin N. S. Ill (XXXY) p. 225.
318 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
Ich halte es nun für nöthig diese Unterschiede einer Kritik zu unter-
werfen und gleichzeitig an dem mir vorliegenden Materiale des A. caudatus
zu prüfen, in wie weit diese Merkmale für die Unterscheidung der beiden
in Rede stehenden Arten charakteristisch sind und die specifische Trennung
derselben berechtigen.
Was zunächst die Grösse und Schwanzlänge des A. aureus anbetrifft,
so giebt Bl an ford für denselben eine Körperlänge von höchstens 475 mm.
(= 18,75 inch.), bei einer Schwanzlänge von höchstens 208,3 mm. (= 6,5 inch.
Schwanzlänge ohne Endhaare -+- 1,75 inch. Endhaare des Schwanzes) an.
Aus einem Vergleiche dieser Maass- Angaben mit den Ausmessungen meiner
Bälge des A. caudatus und mit meinen späteren Bemerkungen über die
Körper- und Schwanzlänge dieser letzteren Art ist einerseits zu ersehen,
dass A. aureus eine Körperlänge aufweist, welche in der That kleiner zu
sein scheint, als diejenige des A. caudatus und den nicht ausgewachsenen
Exemplaren dieses letzteren gleichkommt; andererseits zeigt uns aber dieser
Vergleich, dass bei A. aureus das Verhältniss der Schwanzlänge zur Kör-
perlänge ein dem A. caudatus vollständig ähnliches ist.
Der Unterschied in der Schwanzfärbung der beiden in Rede stehenden
Arten soll sich nach Blanford darin äussern, dass auf dem Schwänze
des A. caudatus das Schwarz in viel grösserer Menge auftritt und gewöhn-
lich den grösseren Theil der ganzen Schwanzlänge einnimmt, während der
Schwanz des A. aureus heller gefärbt erscheint und die schwarze Färbung
sich bei ihm nur auf dem Schwanzende lagert und hier eine bald kleinere,
bald wieder grössere (aber nicht über 2 1 / 2 inch, breite) dunkle Endspitze
bildet. Aus der Besprechung meines Materiales von A. caudatus ist jedoch
zu ersehen, dass die Schwanzfärbung sehr variirt und der Antheil, den die
schwarze Färbung an derselben nimmt, ein sehr verschiedenartiger ist; es
kann daher die Schwanzfärbung nicht ein specifisches Merkmal zur Unter-
scheidung eventueller Arten liefern.
Was endlich den von Blanford hervorgehobenen Unterschied in der
Färbung der Unterseite und der Extremitäten dieser beiden Formen anbe-
trifft, so kann derselbe gleichfalls von keiner specifischen Bedeutung sein,
da dieser Unterschied sich nur im Ton und in der Intensivität der allge-
meinen röthlichen Färbung äussert und ich an meinen Bälgen ein Variiren
in dieser Hinsicht constatiren kann; übrigens theilt auch Blanford 14 ) neuer-
dings mit, dass die rostfarbene Färbung der Unterseite und der Extremi-
täten des A. caudatus bei einzelnen Exemplaren desselben dunkler, bei
anderen wieder heller auftritt.
14) Blanford, Fauna of Brit. India, Mamm., p. 390 (1891).
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 226.
T. XIIl] ZUR KENXTiMSS DER ROTHEX MÜRMELTHIERE CENTRAL-ASIENS. 319
Da auf diese Weise die Merkmale des A. aureus, die diese Art von
A. caudatus unterscheiden sollen, ihrem Zwecke nicht entsprechen und dem-
nach von keinem specifischen Werthe erscheinen, so kann meiner Ansicht
nach auch dem oben erwähnten Grössenunterschiede zwischen den in Be-
tracht kommenden Formen keine weitere Bedeutung beigelegt werden.
Denn dieser einzige Unterschied in der Grösse (resp. in der Körperlänge)
kann an und für sich eine specifische Trennung noch nicht rechtfertigen,
umsomehr, da die Original- Exemplare des A. aureus möglicherweise nicht
ausgewachsenen Individuen angehört haben oder ihre Präparation eine nur
ungenaue Messung ermöglicht hat. Übrigens ist ja dieser Unterschied in
der Körperlänge, wenn wir alle diesbezüglichen von mir oben zusammenge-
stellten Daten in Betracht ziehen, auch nicht ein so wesentlicher und kann
zum Theil auch auf ein Variiren des A. caudatus in seiner Grösse zurück-
geführt werden; so theilt Blanford neuerdings in seiner soeben citirten
Fauna of British India direkt mit, dass die Bälge des A. caudatus aus dem
A stör -Distrikt kleiner erscheinen, als die Maassangaben, die er für diese
Art liefert und welche ich oben wiedergegeben habe.
Kesümire ich nun alles Gesagte, so gelange ich schliesslich zu dem
Resultate, das A. aureus von A. caudatus specifisch nicht zu trennen
ist und dass somit Central-Asien nur eine einzige rothe Murmel-
thier-Art besitzt.
Auch im Schädelbaue kann ich keine Unterschiede wahrnehmen, die
gegen diese Identificirung des A. aureus mit A. caudatus sprechen könnten.
Schon Blanford 15 ) lenkte bei der eingehenden Beschreibung seines A. au-
reus die Aufmerksamkeit auf den Umstand, dass der Schädel dieser Art
unter allen anderen von ihm untersuchten asiatischen Murmelthieren die
meiste Ähnlichkeit mit demjenigen des A. caudatus habe, doch wesentlich
kleiner sei, als dieser. Die von Blanford für die beiden Formen ange-
führten Schädelmessungen weisen übrigens nur unbedeutende Grössenunter-
schiede auf und werden dieselben, meiner Ansicht nach, nur durch ein ver-
schiedenes Alter der betreffenden Exemplare bedingt. Gleichzeitig kann
ich auch die übrigen, von Blanford angegebenen Unterschiede im Schädel-
baue dieser von ihm artlich getrennten Formen nicht als specifische Merk-
male gelten lassen. Diese Unterschiede, die zudem bei Untersuchung und
Vergleich eines geringen Materiales constatirt sind, erscheinen nur unbe-
deutend und sind theils auf Alters -Verschiedenheiten, theils auf Abände-
rungen zurückzuführen, denen die Schädelcharaktere der Arctomyiden
häufig innerhalb einer Art unterworfen sind. Ich möchte hier noch die Be-
15) Blanford, Sc. Res. See. Yarkaud Miss., Hamm., p. 35 (1879).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 227.
320 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
merkung einschalten, dass überhaupt die dem Schädelbaue entnommenen
specifischen Merkmale der Arctomys- Arten verhältnissmässig nur wenig
charakteristisch sind und dass bei der specifischen Trennung der recenten
Murmelthiere jetzt, bevor eine auf umfangreichem Materiale aller Arten
basirte craniologische Untersuchung vorliegt, in erster Linie die äusseren
Charaktere den Ausschlag geben müssen.
Von den von Blanford namhaft gemachten Unterschieden, glaube ich
noch auf die Form der Nasenbeine näher eingehen zu müssen, welche
in ihrem basalen Theile bei A. caudatus breiter sein sollen, als bei A. au-
reus, ein Unterschied, der auch beim Vergleiche der von Blanford gelie-
ferten Abbildungen dieser Schädel recht auffallend erscheint. Bei Unter-
suchung der mir vorliegenden Schädel auf dieses Merkmal hin, erweist es
sich, dass bei dem Schädel n. 1986, der einem alten Individuum aus Dar-
was angehört, die Nasalia in ihrer Breite und Form vollständig ähnlich
denjenigen des A. caudatus sind, wie dieselben von Blanford abgebildet
werden, nur dass sie möglicherweise am oberen Ende etwas schärfer quer
abgestutzt erscheinen; vollständig ähnlich geformte Nasenbeine besitzt fer-
ner ein noch jugendlicher Schädel (ad n. 1588) vom Iskander-kul. Bei den
übrigen von mir untersuchten Schädeln, theilweise von demselben Fundorte,
ist die Breite der Nasenbeine im basalen Theile eine geringere und erschei-
nen daher diese Schädel in der Form ihrer Nasenbeine dem Schädel ähnlich,
der bei Blanford unter A. aureus abgebildet ist. Da die Form der Nasalia
eine so schwankende ist, so kann sie gleichfalls nicht als specifisches Merk-
mal verwerthet werden.
Ich möchte noch folgende Bemerkungen über den Schädel des A. cau-
datus im Allgemeinen machen. Derselbe ist kleiner als derjenige mehrerer
anderer central- asiatischer Murmelthiere, wie z. B. A. robustus, A. dichrous
etc. ; dieser Umstand fällt namentlich in's Auge beim Vergleiche der Maass-
angaben für die Länge des Schädels und für die Breite des Hinterhauptes
und der Jochbogen. Es ist dieses um so auffallender, als A. caudatus in der
Grösse den genannten Murmelthieren nicht nur gleichkommt, sondern häufig
dieselben nicht unbedeutend übertrifft. Das Foramen magnum hat bei dieser
Art eine mehr rundliche Gestalt, ein Umstand, der aus den folgenden Zahlen
für das Verhältniss der Höhe des Hinterhauptloches zur Breite desselben
leicht zu ersehen ist: 10,2:12,5; 9,8:12; 9,7:11,8; 9,8:12,4. Die Stirn-
bildung ist eine dem A. bobac vollständig ähnliche. Die Wurzelbildung des
ersten unteren Backenzahnes scheint eine wechselnde zu sein, wenigstens
weist dieser Zahn im Schädel eines jüngeren Exemplares drei vollständig
getrennte Wurzeln auf, während ich bei einem älteren Schädel diesen Backen-
zahn zweiwurzelig gebildet vorfinde. Der Schmelzvorsprung an der Vor-
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 228.
T. XIIl]
ZUK KEKNTXISS DER ROTHEX MURMELTHIERE CENTRAL-ASIENS.
321
derseite dieses ersten unteren Backenzahnes ist nur äusserst schwach ent-
wickelt.
Im Nachfolgenden gebe ich noch die wichtigsten Ausmessungen einiger
Schädel des A. caudatus:
1172
ad n.
1599
323
ad n.
1816
1534
ad n.
2229
4899
ad n.
1598
1986
ad n.
2231
Basilarlänge
Scheitellänge
Grösste Breite an den Jochbogen
Grösste Breite des Hinterhauptbeines
Geringste Breite hinter den Supraorbitalfortsätzen . . .
Geringste Breite der Stirnbeine
Länge der Nasalia
Grösste Breite der Nasenbeine, vorn
Länge der oberen Zahnreihe, an den Zahnkronen ....
Vom Hinterrande der Incisiv- Alveole bis zur Praemolar-
Alveole
Von der Ausbuchtung der Gaumenbeine bis zum Hinter-
rand der Incisiv-Alveole
Von der Ausbuchtung der Gaumenbeine bis zum Hinter-
rand der Incisivlöcher ■
Länge des Unterkiefers
Länge der unteren Zahnreihe, an den Zahnkronen . . .
Vom Hinterrande der Incisiv-Alveole bis zur Alveole des
vordersten Backenzahnes
86
97,4
60,4
41,7
17
22,7
38
17,5
21,5
26
47
32,6
65,2
20
17
82
93,3
58,3
42
15
23,2
38,5
17
22,2
23
45
31
61
21,2
15
83,3
97.5
59,6
41,6
16
21,7
40,8
18
21,1
25
47,2
33,5
64
20,7
17
70,1
79
38,5
19
20,5
28,5
15
22
20,7
41,2
28,7
56
20,2
14
82,7
61,2
41.7
14,3
26
18,7
22,5
24,3
47
32,7
62,5
20,s
15,8
Ich gehe jetzt zu einer näheren Besprechung der geographischen Ver-
breitung des A. caudatus über, wobei ich aber nur das Vorkommen dieser
Art nördlich von Kashmir (resp. von dem Astor- District und dem südlich-
sten Theile von Gilgit, den nördlichsten Punkten des Verbreitungsgebietes
dieses Murmelthieres, nach den Untersuchungen der indischen Zoologen)
in den Bereich meiner Untersuchung zu ziehen beabsichtige, da ich die in
der Litteratur 16 ) zerstreuten Fundorts- Angaben im System des Himalaya
als bekannt voraussetzen muss.
Das Vorkommen des A. caudatus nördlich von Kashmir ist bis jetzt auf
dem Pamir und im Alai-Gebirge, in den Gebirgsgegenden, welche die östlichen
(im westlichen Winkel von Ost-Turkestan) und die westlichen (im östlichen
Buchara) Ausläufer derselben bilden, und ferner im Sarafschan-Districte des
russischen Ferghana -Gebietes constatirt worden. Dieses Verbreitungsgebiet
umfasst demnach beinahe das ganze Pamir- Gebirgssy stein (im Sinne Ssewer-
zow's) und ist A. caudatus ausserhalb desselben, wie wir weiter unten noch
16) Ausser verschiedenen Angaben über die Verbreitung des A. caudatus, die sich in den
von mir in vorliegender Abhandlung citirten Arbeiten vorfinden, haben noch Adams (Proc.
Zool. Soc. Lond., 1858, p. 521), Scully (Proc. Zool. Soc. Lond., 1880, p. 204) und Lydekker
(Journ. As. Soc. Beng., XL1X, pt. 2, p. 7) verschiedene Daten über das Vorkommen dieses
Murmelthieres geliefert.
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 229.
322 EUG. BÜCHNER, [T. XIII
sehen werden, nur einmal und zwar auf dem Talas-tau (westlicher Tjan-
schan) in Russisch-Turkestan nachgewiesen worden.
Auf dem Pamir ist A. caudatus, nach den Untersuchungen von Sse-
werzow 17 ), überall zu finden, aber sporadisch auf grasreichen Stellen, bis
zu einer Höhe von 14,000'. Ebenso theilt auch Iwanow 18 ) mit, dass dieses
Murmelthier auf dem ganzen Pamir, angefangen von ungefähr 13,000' und
bis 15,000', in Menge vorkommt und in grossen Colonien lebt; im Herbste
zeigten sich diese Murmelthiere ausserhalb ihrer Baue immer seltener und
waren schon Anfang September gar nicht mehr zu sehen. Ferner hat Gr. Grum-
Grzimailo während seiner wiederholten Bereisung des Pamir A. caudatus
hier überall nachgewiesen; aus seiner Ausbeute befindet sich im Zoologi-
schen Museum der Kaiserlichen Akademie auch ein jüngeres Männchen,
welches im süd-östlichen Pamir, am Kara-ssu, auf einer Höhe von 13,000'
erbeutet wurde. Wir besitzen ferner von der letzten Expedition des Herrn
B. Grombtschewski zwei Exemplare, die gleichfalls im östlichen Pamir,
am Ak-ssu, gesammelt wurden. An dieser Stelle muss ich auch noch der
Fundorte der Originale des A. aureus Erwähnung thun; dieselben sind auf
dem Kaskasu-Pass (auf dem "Wege von Yarkand nach dem Pamir) auf einer
Höhe von 13,000' erbeutet und befinden sich im Indian-Museum 19 ) in Cal-
cutta, welches ausserdem noch einen Balg des rothen Murmelthieres vom
Kleinen Pamir besitzt.
Fedtschenko 20 ) war der erste, der A. caudatus für das Alai-Gebiet
nachgewiesen hatte, und zwar fand er dieses Murmelthier nicht selten auf
den nördlichen Ausläufern des Alai-Gebirges, in der Alpenzone zwischen
Schachi-mardan und dem Kara-kasuk-Pass. Den Untersuchungen von Sse-
werzow 21 ) zufolge ist A. caudatus eine höchst charakteristische Erscheinung
des ganzen Alai-Gebietes, welches von diesem Murmelthiere überall und in
überaus grosser Menge bewohnt wird; mehrere Exemplare aus der Sse-
werzow' sehen Ausbeute aus dem Alai befinden sich auch in unserem Zoo-
logischen Museum. Gr. Grum-Grzimailo hatte gleichfalls Gelegenheit
das überaus häufige Vorkommen dieses Murmelthieres in dem von ihm
wiederholentlich durchkreuztem Alai -Gebiete zu bestätigen; dieser Rei-
sende 22 ) hebt ausdrücklich hervor, dass hier kein Stückchen Alpenwiese vor-
17) C'ÊBepijOB'B: 3an. TypnecT. Ot^. Harn. 06m. JIioö. Ect., AHTpon. h 9THorp., I, bhd. 1,
p. 62 (1879).
18) HBaHOBi.: IIpHpoj^a h OxoTa, 1885, I, CTp. 21—22.
19) W. L. S dater, Cat. Mamm. Ind. Mus., p. 43 (1891).
20) 4>e,n,HeHK0, IlyTeniecTBie Bt TypKecTaHt, bbih. 7, Bt KoKaHCKOM-B XaHCTBi»,
dp. 118 (1875).
21) C'BBepnoB'B: 3an. TypKecT. Ota. Hmh. 06m. JIk>6. Ect., AHTpon. h 9THorp., I, Bun. 1,
CTp. 62, 66 (1879).
22) rpyMi.-rpjKHMaäjio: Ü3B. Ham. PyccK. Teorpa*. 06m,., XXII. CTp. 92—93 (1886).
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 230.
T. XIII ] ' ZUR KENNTNISS DER ROTHEN MÜRMELTHIERE CENTRAL-ASIENS. 323
handen ist, wo man nicht wenigstens ein Murmelthier zu Gesicht bekommt, und
dass man sich den Alai ohne diesen Nager überhaupt nicht vorstellen kann.
Unter 8000' hat Grum-Grzimailo A. caudatus nirgends angetroffen und
bildet die Linie des ewigen Schnees die Verticalgrenze seiner Verbreitung.
In dem Berichte über seine im Jahre 1884 in das Alai-Gebiet unternom-
mene Reise führt Grum-Grzimailo 23 ) folgende Fundorte dieses Murmel-
thieres speciell an: er traf A. caudatus zum ersten Male in den an die
Schneeregion grenzenden Partien bei Artscha-Basch in der Nähe vom Kara-
kasuk an, beobachtete ihn auf einer Höhe von 11,500' bei Tschagdar
(ca. 10 Werst vom Kara-kasuk-Pass, längs dem Kock-ssu, entfernt), fand
ihn in überaus grosser Menge längs dem Laufe des Teckelik, von Schuar
bis zur Einmündung des Balakty, und wies endlich das Vorkommen dieses
Nagers in den zwischen dem Kara-ssu und dem Aram liegenden Gegenden
nach. Aus der Ausbeute der von Gr. Grum-Grzimailo im Jahre 1887 in
dem Alai- Gebiete ausgeführten Reise befinden sich in unserem Zoologischen
Museum mehrere Bälge dieses Murmelthieres, die auf dem nördlichen Ab-
hänge des Alai-Gebirgszuges bei Jagatschart (11,000') und bei Gultscha
(5500'), und auf dem Süd- Abhänge des Alai auf dem Pass Katyn-art
(11,200') erbeutet wurden.
Über das Vorkommen des A. caudatus in den westlichen Ausläufern
des Pamir und Alai besitzen wir nur folgende Daten. Im Zoologischen Mu-
seum der Kaiserlichen Akademie befinden sich von der von Dr. A. Regel
im Jahr 1883 nach Ost-Buchara ausgeführten Reise zwei Bälge dieser Art,
von denen der eine in der Provinz Darwas, der andere in den Bergen Kuh-i-
Trusch der Provinz Kulab gesammelt wurden. Gr. Grum-Grzimailo 24 )
traf auf seiner Reise (1885) im östlichen Buchara A. caudatus nur auf dem
Süd- Abhänge des Gebirgszuges Peter's des Grossen an, und zwar fand er
ihn hier auf einer Höhe von c. 14,000' am Fusse des Kara-schura und in den
Umgegenden von Tuptschek, von wo er auch ein Exemplar für unser Mu-
seum heimbrachte. An diese Fundorte reihen sich diejenigen aus den süd-
lichen Theilen unseres Ferghana -Gebietes an. Fedtschenko hat, nach
Mittheilungen von Ssewerzow 25 ), in den Jahren 1870 und 1871 A. cau-
datus am oberen Sarafschan, am Jagnau und am Iskander-kul gefunden;
aus der Ausbeute dieser Reise befinden sich im Zoologischen Museum der
23) Grumm-Grshimailo: Mém. sur les Lépidoptères, réd. par N. M. Romanoff, II,
p. 220, 227, 228, 242 (1885).
24) Grumm-Grshimailo: Mém. sur les Lépidoptères, réd. par N. M. Romanoff, III
p. 388 (1886).
25) C-ÊBepuoBi., BepT. h TopH3. Pacnp. TypnecT. ,/Khb., CTp. 61 (1873).
Bulletin N. S. Ill (XXXY) p. 231.
324 EUG. BÜCHNER, ZUR KENNTNISS ETC. [t. XIII
Moskauer Universität 26 ) ein gestopftes Exemplar ohne näherer Fundorts-
Angabe und ein Balg aus den Bergen (7000' — 10,000') am Jagnau. Am
Iskander-kul fand dieses Murmelthier im Jahre 1878 auch der verstorbene
Conservator V. Russow und sammelte hier mehrere Bälge für unser Zoo-
logisches Museum.
Der nördlichste, bis jetzt bekannte, Fundort des A. caudatus ist die
Karabura-Schlucht, südlich von Aulje-ata, in dem Gebirgszuge (Talass-tau),
der die Wasserscheide zwischen den Flüssen Talass und Tschirtschik bildet;
hier hat Ssewerzow 27 ) seiner Zeit dieses Murmelthier nachgewiesen.
Es fehlt noch gegenwärtig am nöthigen Materiale um die Nordgrenze
der Verbreitung des A. caudatus detaillirt anzugeben. Im Norden grenzt
an das Verbreitungsgebiet des A. caudatus dasjenige des A. dichrous, doch
kommt im Gebiete der einen Murmelthierart neben dieser die andere nicht
vor, und schliessen sie sich gegenseitig geographisch aus; die Grenzbar-
rieren ihrer Verbreitung bilden hohe Gebirgszüge und kommt auf dem Süd-
Abhange derselben A. caudatus vor, während den Nordabhang das Tjan-
schan-Murmelthier bewohnt 28 ).
26) TnxoMHpoB-B h KopiarHHt, Ciihckh h OnHcame Kojui. MjieKonHT. bt> 3oojior. My3.
Hmu. Mockobck. Yhhb., JV» 1 (Tp. Hmh. 06m,. JIk>6. Ect., Ahtpoiioji. h 9THorp., LVI, buh. 4),
CTp. 24 (1889).
27) CfcBepiiOBt, BepT. h TopH3. Pacnp. TypicecT. }Khb., CTp. 81 (1873).
28) In Betreff der nördlichen Begrenzung der Verbreitung des A. caudatus durch das
Auftretendes A. dichrous hat Hr. Gr. Grum-Grzimailo mir nachträglich noch folgende
Bemerkungen freundlichst zugehen lassen: «Die Verbreitungsgebiete des A. caudatus und
A. dichrous in den Gebirgsgegenden, die die "Wasserscheide zwischen dem Syr-Darja und
Tarim bilden, sind derart auffallend abgegrenzt, dass dieses höchst interessante Verhalten auf
der Reise geradezu in die Augen fällt. Die ungefähre Grenze zwischen diesen beiden Murmel-
thier- Arten verläuft in einer Gegend, die in der Tertiär-Zeit die Meerenge zwischen dem Bassin
des Tarim und dem Aralo-Caspischen Becken bildete. Ich selbst hatte Gelegenheit diese beiden
Murmelthiere in den Bergen Ak-baital, nördlich vom Tschatyr-kul zu beobachten; auf dem
nördlichen Abhängen dieses Gebirges lebt A. dichrous, auf dem südlichen — A. caudatus. Herr
A. Wilkins hatte gleichfalls Gelegenheit die gleiche Erscheinung in viel grösserem Maasstabe
zu beobachten, doch kann ich augenblicklich die von diesem Forscher nachgewiesene Grenz-
linie in der Verbreitung dieser beiden Arten nicht genau angeben».
»O^O
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 232.
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIRES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES
DE
ST.-PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
JXvzaison 3 <d dGiyni&ve.
(Avec 2
^^
St.-PÉTERSBOURG, 1894.
Commissionnaires de l'Académie Impériale des sciences:
à ST.-PÉTERSBOURG: à RIGA: à LEIPZIG:
MM. Eggers & C ie M. N. Kymmel. Voss' Sortiment
et J. Glasounof. (G. Haessel)
Prix 2 Rbl. 40 Cop. = 6 Mrk.
Imprimé par ordre de l'Académie Impériale des sciences.
Juillet 1894. N. Doubrovine, Secrétaire perpétuel.
Imprimerie de l'Académie Impériale des sciences.
(Vass.-Ostr., 9 e ligne, JY» 12).
CONTENU.
P. Schalfeew. Carcinologische Bemerkungen aus dem Zoologischen Museum der
Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. (Mit einer Tafel.) 325 — 336
TU. Kusnezow. Neue asiatische Gentianen. [Fortsetzung.] (Mit einer Tafel.) . . . 337 — 340
Eug. Büchner. Über eine neue Katzen-Art (Felis pallida n. sp.) aus China. . . . 341 — 343
S. Nawasehin. Zur Embryobildung der Birke. (Vorläufige Mittheilung) 345 — 348
Über die Brandkrankheit der Torfmoose. (Mit einer Tafel.) 349 — 358
Andreas a Semenow. De Coleopterorum familia nova 359 — 366
Revisio synoptica Melolheiten des Baues der äusseren Antennen halte ich für nöthig nur die ver-
breitete, auf dem äusseren Rande mit wenigen Höckerchen (bei dem grössten
Exemplare mit 4 solchen, also mit 3 Einbuchtungen) versehene Schuppe zu
erwähnen.
Der rechte Scheerenfuss ist bedeutend stärker entwickelt. Das Brachial-
glied ist kurz und auf seiner oberen Seite vor dem Distalende quergefurcht;
der Vorderrand bildet bei dem Distalende einen Kamm aus 3 — 4 (auf dem
linken Fusse — nur aus 2) Zähnen. Das Carpalglied ist etwas länger, besitzt
eine ebensolche distale Querfurche und hat auch die Tendenz zahnartige
Vorsprünge zu bilden. Die Sculptur der Aussenfläche ist auf beiden Schee-
ren ganz verschieden : während die linke fast ebensolche (nur mehr erhabene)
Höckerchen, wie die übrige Körperoberfläche, trägt, ist die Aussenseite der
rechten mit grossen, abgerundeten, brombeerartigen (bei dem alten Exemplare
etwas abgeriebenen) Tuberkeln verziert. Die 3 folgenden Gangbeine sind
einander gleich gestaltet; der Vorderrand der Schenkelglieder ist vor dem
Distalende leicht eingebuchtet und vor dieser Einbuchtung mit einem ganz
schwach angedeuteten Zähnchen versehen; die Klauenglieder unten, vor der
Klaue, mit 5 — 6 schwarzen Dörnchen besetzt 8 ). Das Abdomen, beim
Männchen symmetrisch, beim Weibchen unsymmetrisch und an seinem linken
Rande mit 4 Chitinlamellen versehen, deren jede ein eiertragendes Füsschen
hat, ist auf der Oberfläche mit äusserst kurzen, gruppenweise stehenden
Börstchen bedeckt.
Von den von Dr. Behse gesammelten 19 Exemplaren sind 8 Weibchen;
unter diesen letzteren sind die Abdominalfüsschen von 5 Exemplaren reich-
lich mit Eiern behängt.
8) Wie bei den übrigen Hapalogastren. Bei Placetron (s. u.) sind diese Dornen sebr kräftig
entwickelt.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 337.
332 P. SCHALFEEW, CARCINOLOGISCHE BEMERK. AUS DEM ZOOLOG. [t. XIII
Die Gläser mit diesen Krebsen waren schon von Hrn. A. Brandt mit
der Etiquette «Dermaturus n. sp.» versehen.
Die Abbildung des grössten Exemplares in natürlicher Grösse macht
die Anführung der Maasse unnöthig.
Die kurze Beschreibung des H. inermis d ) von Stimpson brachte mich
in Zweifel, ob nicht vielleicht mein H. Brandti mit dieser Art identisch
wäre. Möglicherweise wird sich dieses späterhin auch bestätigen. Doch ver-
anlassen mich augenblicklich folgende Eigenthümlichkeiten die Artberechti-
gung meines H. Brandti aufrecht zu erhalten: die sehr charakteristische
Sculptur des rechten Scheerenfusses, welche der amerikanische Zoologe gar
nicht erwähnt; der ziemlich dicht — nicht «sparsely» — mit flachen, an
Schuppen erinnernden Höckerchen besetzte Céphalothorax ; endlich die aller-
dings subcylindrischen, keineswegs aber «rugose» zu nennenden Beine. Alles
dieses erlaubt mir, wie gesagt, nicht eine Identificirung meines Krebses mit H.
inermis vorzunehmen, wenigstens so lange ich den letzteren weder «in na-
tura», noch in einer Abbildung oder ausführlicheren Beschreibung kenne.
5. Hapalogaster Mandtii (Brdt.).
Dermaturus Mandtii, Brandt, Vorläufige Mitth. ü. e. neueUnterabth. (Ha-
palogastrica) des Tribus Lithodina in Bull, phys.-math. de l'Ac. Imp.
d. Sc. de St. Pétersbourg, tome VIII, M 17, p. 268(1849); Mélanges
biolog., tome I, p. 58.
1216. Ins. S M Pauli. Wosnessenski. 1848. (1). Spec. orig.
1217. Kadjak. W. Middendorff. 1855. (1).
1221. » Petelin. 1856. (6-+-).
1222. » W. Middendorff. ? (6-+-).
1223. Colon, rosso-americ. D r Be h se. 1856. (6).
1224. » » 1855.(3).
2133. Ins. Behringi. Grebnitzki. 1885. (4).
Da die Brandt'sche Beschreibung dieser Art eine neue Diagnose und
sogar eine ausführliche Beschreibung unnöthig macht, so beschränke ich
mich nur auf einige Bemerkungen.
Der Céphalothorax bietet, was den Umriss, die Form und die relative
Grösse der Vorderrandsfortsätze betrifft, etwa dieselben Verhältnisse wie
bei dem vorigen dar; nur ist er etwas mehr flach und nach vorn weniger
verengt. Seine Oberfläche, wie auch die der Extremitäten, ist von runzei-
förmigen, welligen, nach aussen (resp. nach vorne) sehr kurz und anliegend
beborsteten Querlinien durchschnitten ; auf der äusseren Fläche der Schee-
9) Wahrscheinlich eines jungen Exemplares («length of carapax 0,4 inch.»).
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 338.
T. XIIl] MUSEUM DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 333
renfüsse (auf der rechten Scheere am deutlichsten) sind die erhöhten Zwischen-
räume zwischen diesen Runzeln am Rande fast perlschnurartig sculptirt.
An der Grenze der oberen und inneren- Fläche der Scheere erheben sich
3 — 4 einzelne, in eine Reihe geordnete, Höcker (manchmal auch 6 — 8, und
dann in zwei Reihen). Die betreffende Art ist die am meisten nackte unter
den Hapalogastren ; ausser den oben genannten Börstchen, stehen noch ein-
zelne Büschel längerer Börstchen auf der Innenfläche der Scheeren, längs
der Aussenseite und der schneidenden Fläche der Finger, längs dem unteren
Rande der Propoditen u. s. w. Auch das Abdomen ist verhältnissmässig
nackter, als bei den anderen; seine basalen Platten erscheinen durch einen
ziemlich breiten Zwischenraum von einander getrennt; in dem von ihnen
gebildeten einspringenden Winkel sind einige kurz beborstete "Wärzchen
zerstreut.
Die Abbildung zeigt das Brandt'sche Originalexemplar in natürlicher
Grösse, und ich halte daher eine eingehende Maassangabe für überflüssig.
Ich möchte noch hinzufügen, dass dieses Exemplar vielleicht sehr alt und
daher etwas abgerieben ist ; die Sculptur-Details sind auf den kleineren,
von Hrn. Grebnitzki gesammelten Exemplaren 10 ) viel deutlicher ausge-
prägt. Die Farbe dieser letzteren ist mehr oder weniger blass gelblich-roth,
ein wenig in's Bräunliche spielend ; auf einem Exemplare ist ausserdem eine
aus dunkleren und blasseren Flecken bestehende Marmorirung wahrzu-
nehmen.
II. Placetron, n. gen. 1J ).
Generi Hapalogastro affinis, a quo differt praecipue: laminis basis ab-
dominis paris posterions sutura mediana bene junctis; chelipedibus gracilio-
ribus, longitudine subaequalibus, digitis per totam longitudinem ad instar
cochlearis perfectissime excavatis; apicibus digitorum in utraque chela den-
ticulo corneo subhamato armatis ; articulo chelipedum brachiali subcylindrico,
plus quam duplo longiore, quam latiore; pedibus gressoriis longis, chelipedes
longitudine superantibus ; sterno inter chelipedum insertiones tuberculo
instructo.
Placetron Wosnessenskii, n. s p.
2129. Kadjak. Holmberg. 1854. (1).
2130. ? ? ? (5).
Der Umriss des Céphalothorax dieser eigenthümlichen Art hat die
Form eines ungleichseitigen Sechseckes, dessen 3 längste Seiten (die Ante-
10) Länge des grössten — 17,5 mm., Breite — 16,5.
11) -i{kk% — die Platte, Yjxpov — der Bauch.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 339.
334 P. SCHALFEE W, CARCINOLOGISCHE BEMERK. AUS DEM ZOOLOG. [T. XIII
rolateral-Ränder und der Hinterrand) fast gleich lang sind, der Vorderrand
bildet etwa 2 / 3 des anterolateral und jeder von den posterolateral — 1 J Z
des Hinterrandes; bei ganz jungen (bis 7 mm. messenden) Exemplaren ver-
laufen die Lateral-Ränder fast parallel. Der Vorderrand bildet ein dreiecki-
ges, nach unten gebogenes, der Länge nach gefurchtes Rostrum; die Ecken
sind auch zahnartig vorgezogen; zwischen diesen und dem Rostrum, näher
dem letzteren und von demselben durch einen ziemlich tiefen Ausschnitt
getrennt, steht noch ein spitzer, je nach der Altersstufe mehr oder weni-
ger entwickelter Zahn 12 ). Die ganze Oberfläche des Céphalothorax, sowie der
Beine und der Abdominalplatten ist grob und ungleichmässig mit Schuppen
sculptirt, deren Vorderrand dicht mit steifen Borsten besetzt ist; auf ein-
zelnen Gegenden des Céphalothorax kann man eine gewisse Regelmässigkeit
in ihrer Vertheilung bemerken; im hinteren Theile desselben bieten sie das Aus-
sehen langer, erhabener Linien; auf den Extremitäten, dagegen, sind sie
am kürzesten und regelmässigsten. Die Cervical- und Cardiacobranchial-
Furchen sind bei grossen Exemplaren durch diese grobe Sculptur und
Borsten etwas maskirt.
Die Augen sitzen unter dem Rostrum dicht nebeneinander. Die äusse-
ren Antennen haben eine relativ kleine Schuppe; bei dem 23 mm. langen
Exemplare übertrifft die Geissei die Körperlänge, bei alten ist sie, wie es
scheint, relativ kürzer. Die äusseren Kieferfüsse sehen etwa wie bei Hapa-
logaster Mandtii aus.
Die Scheerenfüsse sind fast gleich lang ; der rechte ist merklich, jedoch
nicht auffallend dicker und dieser Unterschied tritt desto deutlicher hervor,
je älter das Exemplar ist. Das Brachialglied ist fast cylindrisch und auf der
oberen und inneren Seite mit einigen einzeln stehenden Zähnen bewehrt;
ihm annähernd gleich ist auch das etwas kürzere Carpalglied gestaltet. Die
Finger, an der linken Scheere etwa um die Hälfte länger, als die Palma, an
der rechten aber fast ebenso lang wie dieselbe, sind innen ihrer ganzen
Länge nach löffelartig ausgehöhlt; auf der äusseren Seite, etwas von den
schneidenden Rändern gerückt, sind sie mit einer Reihe einzeln stehender
Büschelchen langer, aufrechter Borsten besetzt; der obere schneidende Rand
trägt in der proximalen Hälfte eine Reihe von Zähnen, welche auf der rech-
ten Scheere viel breiter und stumpfer erscheinen; an beiden Scheeren sind
die Fingerspitzen mit einem hornigen, etwas gekrümmten dunkel -pech-
braunen Dörnchen bewaffnet.
Die 3 folgenden Extremitäten sind einander gleich, und seitlich coni-
primirt; die Schenkelglieder sind verbreitert und tragen am bogigen Vorder-
12) Er fehlt bei den 6,5 mm. langen Exemplaren; beim Exemplare, dessen Maasse unten
angeführt sind, misst er 3,5 mm.
Bulletin N. S. III (XXXY) p. 3i0.
T. XIIl] MUSEUM DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 335
rande 5 — 8 von einander entfernte Zähne; die Propoditen sind distal am
unteren Rande mit 3 starken, beweglich articulirten, schwarzbraunen Dornen
bewehrt, von denen 2 dicht am Ende stehen, während der dritte etwas weiter
nach hinten gerückt ist; 10 — 11 ebensolcher Dornen auf dem Unterrande
der Klauenglieder verleihen den letzteren geradezu ein kammartiges Aussehen.
Das flache Abdomen ist in seiner basalen Hälfte ganz von 2 Platten-
paaren bedeckt; die Platten des vorderen Paares erscheinen sehr schmal
und bogenförmig, die des hinteren, längs der Mittellinie des Abdomen fast
nathartig vereinigt, sind dagegen sehr breit; ihr Aussenrand verläuft bogig,
während der Innenrand mit dem Hinterrande unter einem rechten Winkel
zusammentrifft; das Centrum jeder der hinteren Platten ist grübchenartig
vertieft; die auf den Rändern der Schüppchen und erhabenen Linien sitzen-
den Börstchen, sind in der vorderen Hälfte der Platten ebenso gerichtet,
wie auf der Oberseite des Körpers, in der hinteren aber stehen sie nach der
entgegengesetzten Richtung. Was die Distalhälfte des Abdomen betrifft, so
ist sie, soweit sich nach den ziemlich beschädigten Exemplaren urthei-
len lässt, bei den Männchen symmetrisch und, mit Ausnahme eines kleinen
Aftertheiles, ganz lederartig, bei den Weibchen unsymmetrisch und am
linken Rande noch mit 4 gut begrenzten verkalkten Platten mit eiertragen-
den Füsschen versehen ; der Raum zwischen den Rand- und Basalplatten ist
mit grobhöckeriger Haut ausgefüllt.
Die Maasse des grössten, wahrscheinlich sehr alten, aus dem Magen
eines Stockfisches herausgenommenen Exemplares (JVs 2129) in Millimetern:
Länge des Céphalothorax 61,5
Breite « » 73,3
Länge des Vorderrandes 32
» » Anterolateralrandes 50
» » Posterolateralrandes 18
» » Hinterrandes 52,5
» » rechten Scheerenfusses ... 131,8
» seines Brachialgliedes ..... 31
Breite » » 11,8
Länge » Carpalgliedes 23
» seiner Scheere 57,5
» seines bewegl. Fingers 31
» des linken Scheerenfusses. . . 128
» seines Brachialgliedes 32
Breite » » 10
Länge » Carpalgliedes 23,8
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 341.
336 P. SCHALFEEW, CARCINOLOGISCHE BEMERKUNGEN ETC. [t. XIII
Länge seiner Scheere 52,6
» seines bewegl. Fingers ..... 33,7
» des Fusses des 2. Paares .... 152,8
» » » » 3. » 170
» » » »4. » 160
» seines Schenkelgliedes 50,9
Breite » » 20
Länge » Carpal gliedes 25,4
» » Propodites 37,7
» » Klauengliedes 22
Erklärung der Abbildungen.
1. Hapalogaster Brandti, n. sp., £. Nat. Grösse. Ex. N» 1226.
2. Hapalogaster Mandtii (Brdt), £. Nat. Grösse. Ex. N» 1216.
3. Hapalogaster Grebnitzhii, n. sp. a) Abriss des Kopf brustschildes ; b) rechte Scheere, von der
Aussenseite gesehen.
4. Hapalogaster Mertensii Brdt. Kechte Scheere, von der Aussenseite gesehen. Die Behaarung
ist weggelassen.
5. Halbschematische Darstellung der Form und der relativen Lage der Abdominalplatten bei:
a) H. Mertensii, b) H. Brandti und c) H. Mandtii; etwas vergrössert.
6. Placetron Wosnessenskii, n. gen., n. sp. a), 2 (Ex. JV» 2129); die natürliche Grösse vide Maass-
tabelle; b) erstes (?) Abdominalfüsschen desselben Exemplares in nat. Grösse, c) Tergal-
ansicht des Abdomen eines 16 mm. langen, weiblichen Exemplares; etwa l l / 2 Mal
vergrössert.
cfrKo
Bulletin N. S. III (XXXV )p. 342.
lél.W.II.
cklfeev.Bas tenus Hapologaster Brdt.u.verw
LULLKooK.S!Petersburfi
MELANGES BIOLOGIQUES
TIEÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XIU.
Neue asiatische Gentianen. Von N. Kusnezow. [Fortsetzung 1 )]. (Lu le
29 Mai 1892).
(Mit einer Tafel).
8. Gentiana Grombczewskii n. sp. (Pneumonanthe, Subsect. 2. Gri-
sebach in DC. Prodromus IX, p. 110) [Fig. 56 — 58] Rhizomatis collo ,
caule adscendente v. erecto, foliis imis fasciculatis lanceolato-oblongis in
petiolum longum attenuatis 5-nervis raargine sublaevibus, caule brevioribus ;
floribus sessilibus in capitulum terminale globosum pluriflorum solitarium
dense congestis; calycis dimidiato-spathacei abbreviati inaequaliter 5-lobi
lobis subulatis tubo calycis multo brevioribus v. subnullis, corollae tubuloso-
infundibuliformis siphonanthae calycem triplo (rarius subduplo) superantis
flavae lobis ovato-oblongis obtusis, plicis lanceolatis v. lanceolato-subulatis
integris v. apice bifidis lobos corollae aeqiiantibus ; capsula in stipitem longum
attenuata. <%. . v. s.
G. Olgae Regl. et Schmalh. 2 ), G. Regeli Kusnez. 3 ) et G. siphonanthae
Maxim. 4 ) affinis.
Turkestan orientalis 4 Aug. 1889. (Grombczewski). Kokan. Inter Jor-
dan et Karakasuk 9 Juli 1871. 0. Fedczenko; (Herb. Turcestan. Horti
Petropolitani ; teste E. Regel sub nom. G. Olgae Rgl. et Schmalh.).
9. Gentiana hexaphylla Maxim. (Pneumonanthe, Subsect. 3 Grise-
bach in DC. Prodromus IX, p. 111). Fig. [31 — 34] Perennis, caulibus de-
cumbentibus, aliis sterilibus, aliis floriferis; foliis rosulatis nullis, caulinis
linearibus v. lineari-spathulatis anguste albo-marginatis, constanter 6-ver-
ticillatis basi in vaginam unam coalitis, inferioribus brevioribus, superioribus
majoribus obtusis mucronatis; floribus solitariis sessilibus; calycis integri
6-fidi corollae l / 3 — % partem aequantis lobis lineari-spathulatis obtusis
mucronatis tubo truncato sublongioribus margine scabriusculis ; corollae
6-lobae infundibuliformis basi in tubum angustum constrictae apice dilatatae
1) Mél. Biol. XIII, pp. 175—178.
2) IlyTeuiecTBie bt> TypKecTam. A. II. <I>eji,ieHKO (IÏ3B. Hmh. Oôin;. Äw6. EcTecTB. ,
AHTponoj. h 9THorp. t. XXXIV, b. 2. C.-IIeTepôypr'B 1882. CTp. 55).
3) Mél. Biol. XIII. p. 177.
4) 1. c. p. 176. Corrigendum: G. siphonantha Maxim. Capsula sessilis (Fig. 59).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 349.
338 N. KUSNEZOW, [t. XIII
apertae coerulescentis eleganter viridi-vittatae lobis parvis ovatis rotundatis
apice mucronatis, plicis brevibus truncatis v. subtriangularibus margine
crenulatis; antheris liberis, capsula longissime stipitata, stigmatibus oblongis
sessilibus revolutis, testa ^ . v. s.
G. temifoliae Franch. 5 ) affinis.
China borealis; prov. Szetschuan septentrionalis. 10 Aug. 1885 (Po-
tanin).
10. Gentiana tetraphylla n. sp. (Pneumonanthe, Subsect. 3 Grise-
bach in DC. Prodroraus IX, p. 111). Fig. [35 — 37] Perennis, caulibus
pluribus decumbentibus, aliis sterilibus, aliis floriferis ; foliis rosulatis nullis,
caulinis linearibus anguste albo-marginatis margine scabriusculis constanter
4-verticillatis basi in vaginam unam coalitis inferioribus brevioribus superi-
oribus majoribus obtusis mucronatis v. superioribus acutiusculis; floribus so-
litariis sessilibus ; calycis integri 6 — 7-fidi corollae dimidium aequantis lobis
linearibus acutis tubo sublongioribus v. brevioribus margine scabriusculis;
corollae longe campanulato-infundibuliformis coeruleae lobis ovato-deltoideis
acuminatis plicas triangulares acuminatas minuto-crenulatas duplo supe-
rantibus; antheris connatis, capsula longissime stipitata, stigmatibus ob-
longis sessilibus, testa % . v. s.
Forma intermedia, cum G. ternifolia Franch. atque G. hexaphylla
Maxim, collocanda.
Cliina borealis; prov. Szetschuan septentrionalis 10 Aug. 1885 (Po-
tanin).
11. Gentiana chinensis n. sp. (Pneumonanthe, Subsect. 3. Grise-
bach in DC. Prodromus IX, p. 111). [Fig. 38 — 42] Caulibus pluribus
decumbentibus ramosis, ramis apice quadrangularibus angulis scabris; foliis
petiolatis ellipticis margine subcartilagineis tenerrime scabris apice acutius-
culis v. obtusiusculis; cyma capituliformi pauciflora; calycis integri breviter
5-fidi corolla triplo brevioris ore truncati lobis subaequalibus parvis linea-
ribus v. triangularibus acuminatis tubo multo brevioribus basi in angulum
obtusum exhibentibus $ corollae clavatae lobis brevibus ovatis apice acumi-
natis plicas unilaterales triangulares acutissimas multo superantibus ; antheris
liberis; stigmatibus oblongis demum revolutis; capsula longe stipitata ellip-
tica utrinque attenuata intra corollam inclusa v. subexserta ; seminibus glo-
bosis; testa lamelloso-rugosa. %. v. s.
5) Franche t. Description de quelques espèces de Gentiana du Yun-Nan. (Bull. d. 1. Soc.
botan. de France, Tome XXXI. p. 377).
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 350.
T. XHl] NEUE ASIATISCHE GENTIANEN. 339
G. SïkUmensis Clarke 6 ) [Fig. 43 — 45] proxima.
China borealis; prov. Szetchuan. (Dr. A. Henry. J\ls 8867. Gentiana
n. sp. ?).
12. Gentiana spathulaefolia n. sp. (Chondrophylla, annua). [Fig.
53 — 55] Multicaulis basi laxe ramosa, cauliculis apice tenuissime scabris;
foliis basilaribus rosulatis ovatis mucronatis quam caulina spathulata acu-
minata aristata cartilaginea margine glabra majoribus; cauliculis ramisque
1-floris; calycis anguste infundibuliformis dentibus erectis v. rarius subre-
curvatis lineari-lanceolatis dorso carinatis aristatis mucronatisve tubo calycis
duplo brevioribus sinus corollae non attingentibus ; corollae roseae tubo in-
fundibuliformi lobos ovato-subacutos triplo superante, plicis integris acutis
lobos aequantïbus; capsula obovata apice alata inclusa v. e corolla exserta.
v. s.
Forma intermedia, cum G. humili Stev. atque G. pedicellata "Wall,
collocanda. G. apertae Maxim. 7 ), G. Maximoviczi Kusnez. 8 ) etG.leucome-
laenae Maxim. 9 ) affinis.
China borealis; prov. Kansu occidentalis, in monte Jalissan, 17 Juni
1885; in valle fl. Tao-he, 12 Juni 1885; ad monast. Dshoni ad fl. Tao-he,
13 Mai 1885 (Potanin); prov. Szetschuan septentrionalis, ad fl. Nereku,
26 Juli 1885; adfl. Atu-Lunwa, 9 Aug. 1885; adfl. Honton, 9 Aug. 1885;
Guma-kika, 6 Aug. 1885 (Potanin).
Maximovicz bestimmte vorläufig alle diese von Potanin gesammelte
Exemplare als G. aperta Maxim., welche von ihm schon im Jahre 1881 in den
Mél. Biol. del'Ac. Imp. d. Sc. de St. Pétersb.XI, p. 264 nach den von Prze-
walski in Kansu, am Flusse Rako-gol gesammelten Exemplaren, beschrie-
ben worden ist. Eine Vergleichung aber der Exemplare von Potanin [Fig.
53 — 75] mit denen von Przewalski [Fig. 46 — 52] zeigte deutlich, dass
es zwei verschiedene Arten sind, die der Form der Blätter und der Gestalt
der Kronenfalte nach sich leicht von einander unterscheiden lassen.
ß. ciliata v. n. Cauliculis filiformibus scabris foliis spathulatis, supe-
rioribus lineari-lanceolatis, omnibus margine nervoque medio ciliato-scabris;
floribus minoribus, calycis dentibus margine atque dorso carinato ciliato-
scabris; corolla atro-vittata. v. s.
China borealis; prov. Kansu occidentalis. In cacnmine montis Tschagola
supra sylvas. 11 Juli 1885 (Potanin).
6) Hook. Fl. Br. Ind. IV, p. 114.
7) Mél. Biol. XI, p. 264.
8) Mél. Biol. XIII. p. 175.
9) 1. c. p. 175.
Bulletin N..S.JUI (XXXV) p. 351.
340 N. KUSNEZOW, KEUB ASIATISCHE GENTIANEN. [t. XIII
13. Gentiana Haynaldi Kanitz. (Plant, in exped. specul. comitis
Bêla Széchenyi a Ludovico de Lôczy in Asia Centr. collect, enumer. 1891,
p. 39, Tab. IV).
Diese als neu von Kanitz beschriebene Gentiana ist mit der G. Unoides
Franch. zu vereinigen. G. Unoides Francli. ist erst im Jahre 1890 im
Journ. of the Linn. Society. JVs 174, p. 129 nach den von Delavay in
Yunnan gesammelten Exemplaren beschrieben; die Doubletten aber waren
schon vor einigen Jahren unter den verschiedenen grösseren Herbarien
vertheilt. Die Untersuchung der Exemplare Delavay 's, welche im Herba-
rium des K. Bot. Gartens zu St. Petersburg sich befinden, zeigte mir, dass,
so weit man nach der kurzen Beschreibung von Kanitz und seinen schönen
Abbildungen urtheilen kann, seine G. Haynaldi, welche von Lud. Lôczy
in Szetschuan gesammelt wurde, von G. Unoides Franch. nicht zu unter-
scheiden und deshalb der Priorität wegen G. Unoides Franch. zu nennen ist.
14. Gentiana Jankae Kanitz. (Plant, in exped. specul. comitis Bêla
Széchenyi a Ludovico de Löczy in Asia Central, collect, enumer. 1891, p.
41, Tab. IV).
Diese von L. Löczy in Yunnan gefundene schöne Gentiana unter-
scheidet sich nicht von G. rhodantlia Franch., welche im Jahre 1890 im
Journ. of the Linn. Society M. 174, p. 133 nach den ebenfalls in Yunnan
von Delavay gesammelten Exemplaren beschrieben ist und muss mit dieser
letzteren vereinigt werden. Im Herbarium des K. Bot. Gartens zu St. Peters-
burg giebt es Exemplare von G. rhodantha Franch., welche Delavay in
Yunnan und Henry in Ichang gesammelt haben.
15. Gentiana Maximoviczii Kanitz [non Kusnez. in Mél. Biol.
XIII, p. 175] (Plant, in exped. specul. comitis Bêla Széchenyi a Ludovico
de Lôczy in Asia Central, collect, enumer. 1891, p. 39. Tab. III).
Diese von Kanitz nach den Exemplaren von L. Lôczy aus Kansu als
nova species beschriebene Gentiana ist leider auch nicht neu. Die Diagnose
und die schönen Abbildungen zeigen deutlich, dass G. Maximoviczii Kanitz
nichts anderes ist, als G. alerta Maxim., welche noch im Jahre 1881 in den
Mél. Biol. XI, p. 264, nach den Exemplaren von Przewalski aus Kansu,
von Maximowicz beschrieben ist; demnach muss G. Maximoviczii Kanitz
mit der G. aperta Maxim, vereinigt werden.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 352.
Mélanges biologiques.
N.Knsnezow. Neue Asiatische Gentianeii. il.
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31-34-. G. hexa pfrylla Maxim. 31 corolla.32.calyx.33.stamen.34 semen 35-32 G. tetraph.yHa n.sp. 3 5. co-
rolla. 36. calyx 3?pistillum. 38^42. G. chmensrs nsp. <38.coro[la.39.plrca. 40. calyx. 4lcaps:ula.4£. semen.
43-4-5 G. sikkiniensis . Clarke. 43. corolla. 44.cal.yx. 45. capsula. 46-52. Gaperta Maxim. 46ilos. 47coroi- .
la. 40.calyx.49. 50. capsula. 51pistillurn. 52. semen 53~55. C. spathulaefolia . nap. 53. corolla. 54 calyx. 55.
pistillum. 56-53. G. GrromTjczewskfi ri. sp. 56. corolla. 57calyx 58. capsula. 59. Gsiphonanta Maxim. 59.
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MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIRES DU
BULLETIN DE L'ACADEMIE IMPERIALE DES SCIENCES DE ST.- PETERSBOURG.
TOME XIII.
Über eine neue Katzen-Art (Felis pallida n. sp.) aus China. Von Eug. Büchner.
(Lu le 26 août 1892.)
Das Material aus der Gattung Felis, welches in den letzten Jahren von
unseren grösseren Expeditionen und einzelnen Reisenden in verschiedenen
Theilen Asiens zusammengebracht wurde und in den Besitz des Zoologi-
schen Museums der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften überge-
gangen ist, kann leider nicht als ein besonders reichhaltiges bezeichnet wer-
den; nichtsdestoweniger habe ich bei näherer Sichtung dieses Materials ge-
funden, dass zwei Bälge (n. 1917 und 1933) aus der Gruppe der Chaus-
Katzen, welche aus der Ausbeute der vierten Expedition von N. M. Prze-
walski stammen, die Typen einer neuen Art repräsentiren. Im Nachfol-
genden gebe ich eine Beschreibung dieser neuen Art, die ich mit dem
Namen Felis pallida belege, und behalte mir vor auf dieselbe bei Gelegen-
heit der Behandlung der Katzen in den «Wissenschaftlichen Resultaten der
Reisen Przewalski's» näher zurückzukommen.
Diese neue Art steht Felis cliaus Güld., welche bekanntlich in der Fär-
bung nicht unbedeutenden Abänderungen unterworfen ist, recht nahe, unter-
scheidet sich aber von derselben durch folgende constante Merkmale. Die
Aussenseite des Ohres ist bei Felis pallida von der Färbung der Oberseite,
erscheint folglich auf bräunlichgelbem Grunde dicht schwärzlich melirt; bei
F. chaus dagegen ist die Aussenseite des Ohres immer rostroth oder rost-
gelb mit schwarzer oder schwärzlicher Endspitze x ); dem entsprechend ist
auch der kurze Ohrpinsel bei F. chaus schwarz, während derselbe bei F.
pallida bräunlichgelb, mit Schwarz untermischt, erscheint. Ferner wird
diese neue Art durch ihre allgemeine sehr blasse, gelblichgraue Färbung
charakterisirt, in welcher die rostfarbenen Töne, die bei F. chaus namentlich
am Kopfe, auf der Unterseite und den Extremitäten meist sehr intensiv aus-
gesprochen sind, gar keinen Antheil nehmen; die Körpertheile, die bei F.
chaus rostroth oder rostgelb gefärbt erscheinen, weisen demnach bei F. pal-
lida eine weissliche oder graue Färbung auf. Der Schwanz der neuen Art
1) Bei einzelnen Exemplaren (Felis Jacquemonti) der Felis chaus ist diese schwarze Fär-
bung auf der Aussenseite des Ohres, welche sonst einen 6 — 13 mm. breiten Endsaum bildet,
nur auf den äussersten Ohrenrand reducirt.
Bnllotin N. S. IIJ (XXXV) p. 433. 24
342 EUG. BÜCHNER, [t. XIII
ist auffallend länger und buschiger als derjenige der F. cliaus; bei dieser
letzteren Art erreicht der Schwanz eine Länge von höchstens 280 mm.,
während die Schwanzlänge unserer Originalexemplare 345 iura, beträgt.
Die nähere Beschreibung dieser neuen Art ist folgende:
Die ganze Oberseite erscheint auf einer gelblichgrauen Grundfärbung
sehr dicht und unregelmässig schwärzlich oder sehr dunkel bräunlich ge-
stichelt; diese dunkle Melirung, welche keine besondere Zeichnung bedingt,
ist längs dem Rücken intensiver und dichter als an den Seiten. Jedes Grannen-
haar der Oberseite ist in seinem Basaltheile zuerst gelblich und dann schwärz-
lich gefärbt, darauf folgt der meist grosse, zuweilen die Hälfte der ganzen
Haarlänge einnehmende, grauweisslich gefärbte Theil, an welchen sich die
bald kürzere, bald wieder längere, schwarze Endspitze anlehnt. Zwischen
diesen Grannenhaaren ist in grosser Menge das kürzere, sehr dünne Woll-
haar dicht eingestreut; dasselbe ist in seinem Basaltheile hellschieferfarben
und in seinem Endtheile bräunlichgelb gefärbt. Längs dem Rücken, wo
die Grundfärbung dunkler erscheint, sind die Wollhaare in ihrem End-
theile verwaschen dunkelbräunlich gefärbt und weisen die Grannenhaare
ihren grauweisslich gefärbten Theil nur in einer verhältnissmässig geringen
Ausdehnung auf. Auf den Grannenhaaren der Leibesseiten dagegen nimmt
dieser grauweisslich gefärbte Theil an Ausdehnung sehr bedeutend zu und
ist die dunkle Färbung nur auf die äusserste schwarze Endspitze beschränkt;
es erscheint demnach die Grundfärbung längs den Körperseiten sehr
hell, wobei die dunkle Stichelung theils von den Endspitzen, theils von
der dunklen Basalfärbung der Grannenhaare bedingt wird. Die Aussenseite
der Extremitäten ist von der Färbung der Leibesseiten; bei dem kleineren,
überhaupt etwas heller gefärbten Exemplare stehen auf dem Hinterschenkel
vier undeutliche dunklere Querbinden; auf der Innenseite des Vorderarmes
befindet sich eine breite schwärzliche Querbinde. Die Färbung der Sohlen
ist eine schwärzliche.
Die Oberseite des Kopfes ist unbedeutend dunkler gefärbt als der Rücken,
und erscheint auf bräunlichgelbem Grunde dicht schwärzlich gestichelt. Von
derselben Färbung ist auch die Aussenseite der Ohren bis zu ihrer Spitze;
die Innenfläche derselben ist nur längs dem Innenrande von langen weiss-
lichen Haaren ziemlich dicht bestanden, sonst aber nur spärlich mit kür-
zeren, weisslichen Härchen besetzt. Hinter den Ohren steht jederseits ein
einfarbiges blasses rostbräunliches Feld. Die Gegend um die Nase ist bräun-
lich gefärbt; über die Wangen ziehen sich zwei, nicht besonders scharf aus-
gesprochene, rostbräunliche Längsstreifen hin ; der untere beginnt nahe am
Oberlippenrande unter dem Auge und erstreckt sich, in ziemlich gerader
Linie verlaufend, noch c. 45 mm. hinter die Mundwinkel; der obere
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 434.
[T. XII - ÜBER EINE NEUE KATZEN-ART (FELIS PALLIDA N. SP.) AUS CHINA. 343
Wangenstreif nimmt seinen Anfang dicht am unteren Augenrande, verläuft
in einem Bogen über die "Wange, beugt sich dann abwärts und erstreckt
sich eben so weit wie der untere Streifen, mit welchem er hinten zusammen
kommt. Die Färbung zwischen den Wangenstreifen erscheint hellgrau ; unter
dem unteren Wangen streifen ist dieselbe weiss. Die Mundwinkel, Unterlippen-
rand und Kinn sind weiss; die Kehle erscheint verwaschen gelbbräunlich;
sonst ist die ganze Unterseite von langen weissen Grannenhaaren bestanden,
durch welche die gelbbräunliche Färbung des Wollhaares durchschimmert.
Die Schwanzspitze ist schwarz; vor derselben stehen drei (bei n. 1933) oder
vier (bei n. 1917) breite, schwarze Ringe, die durch weissliche Streifen von
einander getrennt sind. Der Basaltheil des Schwanzes ist auf seiner Ober-
seite von der Rückenfärbung, doch gruppirt sich hier bei n. 1917 die dunkle
Stichelung in noch weitere drei verwaschene Binden.
Die Ausmessung der beiden Original -Exemplare lieferte folgende Werthe:
Von der Nasenspitze bis zur Schwanzwurzel. . 775 — 685 mm.
Länge des Schwanzes mit den Endhaaren .... 345 — 348 »
Letzte Haare des Schwanzes 24 — 23 »
Ohrenlänge, von der Basis des Aussenrandes bis
zur Spitze 67 — 58 »
Länge des Ohrpinsels 19 — 22,5 »
Von der Nasenspitze bis zur Mitte des Auges . 43 — 40 »
Von der Nasenspitze bis zur Basis des Aussen-
randes des Ohres 106 — 99 »
Die Original-Exemplare dieser Art wurden von N. M. Przewalski im
März 1884 in der Süd-Tetung-Kette, Provinz Ganssu, erworben. Diese
Katze, welche mongolisch mori-tschelessun heisst, soll hier nicht häufig
vorkommen.
Bulletin X. S. III (XXXV) p. 435.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIMES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURG.
TOME XTTT.
Zur Embryobildung der Birke. (Vorläufige Mittheilung). Von S. Nawaschin.
(Lu le 18 novembre 1892).
In jüngster Zeit sind durch Treub's Entdeckungen die charakteristi-
schen Vorgänge bekannt geworden, welche sich in der Samenknospe der
Casuarineen vor der Befruchtung abspielen. Diese Vorgänge haben sich von
den bei allen nahe stehenden Pflanzen beobachteten als durchaus verschieden
erwiesen, und zwar in solchem Grade, dass Treub die Casuarineen von den
übrigen Angiospermen zu trennen und zu einer einzigen Familie der Classis
«Chalazogamae» zu erheben versucht hat 1 ).
Obschon alle darüber vorhandenen Angaben, auf welche Treub in
seiner Abhandlung hinweist, darin übereinstimmen, dass die Befruchtung
bei allen den Casuarineen verwandten Pflanzen in derselben Weise wie bei
den übrigen Angiospermen erfolgt, so Hessen dennoch vergleichende Unter-
suchungen des Befruchtungsprocesses bei einigen Familien interessante Re-
sultate erwarten; erstens, weil eine gewisse Verwandtschaft zwischen den
Casuarineen einerseits und einigen Apetalen anderseits doch unverkennbar
ist, und zweitens, weil ein Mangel an eingehenderen Untersuchungen gerade
über die fraglichen Familien sich nicht verkennen lässt. So finden wir in
Schacht's Beiträgen manche Angaben über Betulineen, betreffend die Aus-
bildung des Fruchtknotens, die Bestäubung, «unthätiges Verweilen» der
Pollenschläuche im Staubwegcanale und die spät eintretende Befruchtung.
Hofmeister berichtet in kurzen Worten über den Bau des Embryosackes
und die Befruchtung bei der Birke wie folgt: «Im Innern des Eikernes von
Betida alba, Carpinus Betulus erlangt erst gegen Ende Mai der Embryo-
sack seine ihm vor der Befruchtung zukommende Grösse : erst jetzt werden
die Keimbläschen ausgebildet. Unter ihnen liegt an der Wand des Embryo -
sackes dessen verhältnissmässig kleiner Kern; Gegenfüssler der Keimbläs-
chen sind vorhanden. Die den Scheitel des Embryosacks deckenden
Zellschichten durchborend, bewirkt der Pollenschlauch bei der
Birke Mitte, bei der Hainbuche Ende Juni die Befruchtung.
1) M. Treub. «Sur les Casuarinées et leur place dans le système naturel». Extrait des
Annales du Jardia Botanique de Buitenzorg. Vol. X. p. 145 — 231.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 479.
346
S. NAWASCHIX,
[T. XIII
Nachdem Hofmeister also nichts Auffallendes bei der Birke gefunden
hat, war ich nicht wenig erstaunt die Ausbildung der Samenknospe und
besonders die Art des Eindringens des Pollenschlauchs in dieselbe bei der
Birke in den wesentlichsten Zügen mit den bei den Casuarineen von Treub
beschriebenen Vorgängen, übereinstimmend zu finden. Hier will ich mich
darauf beschränken nur über die zwei eben angegebenen Momente der
Embryobildung zu berichten, da letztere mir als Leitfäden zur Ermit-
telung der Analogie zwischen der Birke und den Casuarineen gedient
haben.
Anfang Jnni finden wir die Samenknospe der Birke in ziemlich ent-
wickeltem Zustande; sie bestellt aus dem fast vollkommen ausgebildeten
Integumente und dem Kerne, der seine definitive Grösse schon fast erreicht
hat. In dem Kerne ist aber eine axile Zellreihe, welche gewöhnlich bei den
übrigen Angiospermen deutlich hervortritt, nicht wahrzunehmen; das
Kerngewebe erscheint vielmehr in einen mächtigen centralen, aus zahl-
reichen, länglichtrapezoidischen Zellen zusammengesetzten und einen
peripherischen, zwei bis drei Zellschichten dicken Theile differenzirt. Die
Grenze zwischen den beiden erwähnten Theilen des Kerngewebes ist durch
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 4S0.
T. XIIl] ZUR EMBRYOBILDUNG DER BIRKE. (VORLÄUFIGE MITTBEILÜNG.) 347
eine Linie, die an den mit Eau de Javelle durchsichtig gemachten Präpa-
raten noch immer deutlich wahrgenommen werden kann, scharf markirt.
Ausserdem zeichnet sich der peripherische Theil des Kernes von dem cen-
tralen noch dadurch aus, dass die Zellen desselben zwar unregelmässig ge-
staltet, doch isodiametrich (nicht länglich) erscheinen. Der centrale Theil
des Kernes ist nach unten in einen kurzen Fuss verschmälert, welcher bis
an die Chalaza reicht; dem entsprechend nimmt der peripherische Theil an
der Basis des Kernes an Dicke zu und wird hier aus drei bis vie/ Zell-
schichten gebildet.
Nun wird der entsprechende Entwickelungszustand der Samenknospe bei
den Casuarineen von Treub dadurch charakterisirt, dass ein mächtiges,
scharf différai cirtes «sporenbildendes Gewebe» ((de grand massif de tissu
sporogène, bien délimité et composé de centaines de cellules») das Innere
der Samenknospe einnimmt 2 ).
Von den Unterschieden in der weiteren Entwickelung des sporenbildenden
Gewebes der Birke von derjenigen bei der Casuarina will ich hier absehen,
da sie erst nach Vollendung der von mir schon begonnenen vergleichenden
Untersuchungen über die Embryobildung der übrigen Betulineen und der
ihnen nahverwandten Pflanzen aufgeklärt werden können.
Den Casuarineen ganz analog erscheint das Verhalten des Pollen-
schlauches der Birke, welcher nie in die Fruchtknotenhöhle eintritt
und demnach auch nicht in die Mikropyle eindringt. Er wächst in das
Gewebe des oberen Theiles des Samenträgers bis zum Nabelstrange hinein,
dringt durch den letzteren zur Chalaza vor und steigt dann wieder nach oben,
um schliesslich durch das Kerngewebe bis an den Scheitel des Embryo -
sacks zu gelangen. Auf einem gut gelungenen Medianlängsschnitte des
Fruchtknotens liess sich der Verlauf des Pollenschlauches von der Narbe
aus bis zum Embryosacke ununterbrochen verfolgen. Eine nach diesem
Präparate entworfene Skizze stellt die beigebrachte Abbildung dar, welche
das ebenerwähnte Verhalten des Pollenschlauches zur Genüge erläutert.
Beim Vergleiche derselben mit der ihr entsprechenden Abbildung von
Treub (Tab. XXII) ist zu ersehen, dass beide sogar in manchen Details
mit einander übereinstimmen. So fällt es in beiden Abbildungen auf, dass
der Pollenschlauch jedesmal, wo er eine neue Richtung annimmt und einen
Winkel macht, je ein kurzes Zweiglein treibt. Über das Vorkommen solcher
Zweige bei den Pollenschläuchen der Casuarina sagt Treub: «le tube polli-
nique produit, dans la région chalazienne, quelques courtes branches avant
de pénétrer dans le nucelle» (1. c. p. 179), indem er dabei auf die Tab. XXII
2) M. Treub, Ï. c. p. 210.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 4SI.
348 S. NAWASCHIN, ZUR EMBRYOBILDUNG DER BIRKE. [t. XIII
und XXIII seines Werkes hinweist. Ausserdem sind in meiner Abbildung
zwei deutliche Verengerungen des in dem Kerngewebe hinaufsteigenden
Theiles des Pollenschlauches zu bemerken. Ein Gleiches giebt Treub für
Casuarina an: «Ce rétrécissement du tube pollinique au milieu du nucelle
s'est présenté tôt ou tard dans tous les ovules que j'ai examinés «(fig. 3 a,
3 b. PI. XXIV).
Die Übereinstimmung in dem weiteren Verhalten des Pollenschlauches
der Birke mit demjenigen der Casuarina, ist aber keine vollkommene; der
Ort, an welchem die Pollenschlauchspitze bei der Birke den Embryosack
trifft, scheint constant zu sein, und zwar der Ansatzstelle des Eiapparates
am Scheitel des Embryosacks zu correspondiren. Bei den Casuarineen da-
gegen erscheint der Ort, wo der Pollenschlauch dem Embryosacke sich
anlegt, für die Ausführung der Befruchtung, ganz gleichgültig, wie aus dem
folgenden CitateTreub's zu ersehen ist: «jamais le sommet du tube pollinique
des Casuarina, dans aucun stade d'évolution du sac embryonaire ne se trouve
appliqué contre la surface du sac au dessus de l'endroit où est inséré l'ap-
pareil sexuel» (1. c. p. 199).
Über die Befruchtung der Birke bin ich, wegen der Kleinheit des zu
untersuchenden Objectes, noch nicht in's Klare gekommen; besonders aber
wird die Untersuchung durch die stets vorhandenen zahlreichen Ausstül-
pungen der Pollenschlauchspitze, welche die Auffindung des Pollenzellker-
nes und sogar des Sexualapparates fast unmöglich machen, erschwert.
Die Hauptresultate lassen sich folgendermaassen zusammenfassen.
1) Die Embryobildung der Birke hat zwei Momente mit derjenigen der
Casuarina gemein: das Vorhandensein eines rudimenteren sporogenen Ge-
webes im Innern des Kernes und das Eindringen der Pollenschlauchspitze
in den Kern durch die Chalaza.
2) Die übrigen Vorgänge bei der Embryobildung der Birke: die Ent-
stehung einer einzigen «Macrospore» im sporogenen Gewebe, aus welcher
der Embryosack sich entwickelt, und das Hinaufsteigen der Pollenschlauch-
spitze bis zum Scheitel des Embryosackes sind von denen der Casuarina
verschieden.
3) Es kann demnach an eine Trennung der Casuarineen von den übrigen
Angiospermen nicht gedacht werden; vielmehr führt eine deutliche Ver-
bindung von den Casuarineen, durch Vermittelung der Birke, zu den niederen
Angiospermen (Apetalen) hin.
°ot*Z»°-
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 482.
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIRES DU
BULLETIN DE L'ACADEIIE IMPERIALE DES SCIENCES DE ST.- PETERSBOURG.
TOME XTTT.
Über die Brandkrankheit der Torfmoose. Von. S. Na was chin. (Lu le
4 novembre 1892).
(Mit 1 Tafel).
Seit dem Erscheinen der berühmten Monographie Schimper's über
die Torfmoose ist es bekannt, dass in dem Sporensacke der Sphagnumkapsel
ausser den normalen tetraëdrischen zuweilen auch viel kleinere polyëdrische
Sporen sich entwickeln. Nach Schimper's Angabe sind diese polyèdrischen
Sporen ein Product der weiteren Theilungen der normalen Sporenmutter-
zellen; anstatt nämlich die gewöhnlichen Sporen-Tetraden durch Vierthei-
lung zu erzeugen, theilt sich, nach ihm, jede Sporenmutterzelle in sechszehn
kleinere Polyeder, die Sechszehnflächner sein sollen. Das Schicksal dieser
«polyèdrischen» Sporen ist unbekannt geblieben (bleibt auch unbekannt bis
heut' zu Tage), da, in allen von Schimper angestellten Aussaatversuchen,
diese Sporen als unkeimfähig sich erwiesen haben. Schimper hat ausser-
dem nachgewiesen, dass diese kleineren Sporen zuweilen neben den tetraë-
drischen in derselben Kapsel erzeugt werden; während solche Kapseln bei-
nahe von derselben Dimension sind, wie normale, nur tetraëdrische Sporen
enthaltende, erscheinen die mit den kleineren, «polyèdrischen» Sporen allein
erfüllten Kapseln viel kleiner, wie verkümmert. Solche kleinere Sphagnum-
kapseln wurden von einigen Botanikern Mikrosporangien genannt, und die
kleineren, «polyèdrischen» Sporen zugleich als den Mikrosporen der höheren
Kryptogamen homologe Gebilde angesehen. Die Fähigkeit sich vermittelst
zweierlei Arten von Sporen zu vermehren, ist von Schimper sogar als ein
Merkmal der Ordnung Sphagnaceae hervorgehoben worden, was er in fol-
genden Worten kurz zusammenfasst: «sporae dimorphae, majores depresso-
tetraëdrae, minores polyëdrae». (Monogr., p. 9).
Später jedoch wurde diese Ansicht Schimper's, als auch überhaupt
die Existenz dieser Gebilde seitens mehrerer Botaniker vielfach geleugnet,
denn, erstens, giebt es ja keinen analogen Fall bei den übrigen Moosen,
die, wie bekannt, alle ohne Ausnahme, nur Sporen von einerlei Art erzeugen,
und zweitens, weil die Erzeugung der kleineren Sporen in den Sphagnum-
kapseln überhaupt keine häufige, vielmehr eine anomale Erscheinung ist.
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 531. 24*
350 S. NAWASCHIN, [T. XIII
Es wurden diese Sporen seit Schimper, so viel ich weiss, in der letzten
Zeit, nur dreimal und zwar von Warnstorf, Russow und mir gefunden.
Hinsichtlich der Natur der fraglichen Sporen spricht Goebel in seinen
«Muscineen» die Vermuthung aus, dass «diese räthselhaften Bildungen» viel-
mehr ein durch die Thätigkeit eines unbekannten Pilzes hervorgebrachtes
Deformationsproduct der normalen Sporen seien 1 ). Der deutsche Hepatico-
log Stephani, der ähnliche kleinere Sporen, welche unzweifelhaft einem
Pilze gehörten, in der Kapsel von Antlioceros einmal beobachtete, deutet
ebenfalls die von ihm übrigens nicht untersuchten Mikrospuren von Sphag-
num als Sporen eines Schmarotzers. Warnstorf, hingegen, erklärt diese
Gebilde für echte Mikrospuren, welche männliche Sphagnumpflanzen er-
zeugen, weil sie, seinen Beobachtungen nach, nur bei zweihäusigen Sphagnum-
arten vorkommen sollen 2 ). Diese Angabe Warnstorf 's bin ich genöthigt
schon deshalb als unrichtig zu erklären, weil ich die «Mikrospuren» bei
einem einhäusigen Sphagnum, nämlich bei Sph. squarrosum gefunden habe.
Um die Frage über die wahre Natur der Schimper'schen «Polyeder»
bestimmt zu beantworten, musste deren Entwicklung aufgeklärt werden.
Eine der gestellten Forderung entsprechende Untersuchung habe ich schon
im Jahre 1890 ausgeführt, indem ich die Entwicklung der polyëdrischen
Sporen, die ich als unzweifelhafte Pilzsporen sofort erkannte, von ihrer An-
lage an bis zur Reife verfolgte 3 ). Meine Untersuchungen geben zwar auf
die Frage, über die Art und Weise wie die fraglichen Sporen auskeimen und
die Wirthpflanze inficiren, keine Antwort. Immerhin glaube ich dieselbe
schon veröffentlichen zu müssen, weil sie in Bezug auf die Natur der in
Frage stehenden Bildungen die bestehenden Ansichten — die einen als un-
richtig zu beseitigen, die anderen mit thatsächlichen Gründen, welche bisher
fehlten, zu beweisen vollkommen hinreichen.
Im Juni 1890, während einer Excursion im Gouvernement Wladimir,
habe ich unweit von Orechowo-Sujewo Sphagnum squarrosum gefunden,
welches in grossen, ausgedehnten und reichlich fruchtenden Rasen den quel-
ligen Boden des Waldes bedeckte. Es fiel mir gleich auf, dass während die
meisten Kapseln noch unreif, gelblich-grün und in den Perichaetien einge-
senkt blieben, sich mehrere vorfanden, die zwar bedeutend kleiner, doch stark
gebräunt und durch Streckung des Pseudopodiums schon ziemlich hoch über
die Perichaetien emporgehoben (Fig 1) waren und dem Ansehen nach also
frühzeitig reif erschienen.
1) A. Schenk. Handbuch der Botanik, Bd. II, p. 394.
2) C. "Warnstorf. «Die Acutifoliumgruppe der europ. Torfmoose». Separat aus d. Ab-
handlungen d. Bot. Vereins d. Prov. Brandenburg. XXX. p. 91.
3) S. Nawaschin. «Was sind eigentlich die sogenannten Mikrospuren der Torfmoose?»
(Vorläufige Mittheilung). Bot. Centralbl. Bd. XLIII, p. 289.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 582.
T. XIIl] ÜBER DIE BRANDKRANKHEIT DER TORFMOOSE. 351
Als ich den Inhalt der kleineren Kapseln mikroskopisch untersuchte,
habe ich zu meiner grössten Freude gefunden, dass derselbe aus denjenigen
seltenen und räthselhaften Schimper'schen Polyedern bestand, welche man
auf Tab. XI der Monographie von ihrem Entdecker naturgetreu abgebildet
findet. In dem mitgebrachten Materiale waren viele Kapseln auch in jugend-
lichen Zuständen vorhanden, wodurch mir die Möglichkeit geboten wurde, die
Entwickelung der fraglichen Sporen von ihrer Anlage bis zur vollständigen Aus-
bildung kennen zu lernen. Meine Untersuchungen zeigten mir ganz bestimmt,
dass diese Polyeder, die sogenannten «Mikrospuren» von dem Mycel eines in
denSphagnumkapseln schmarotzenden Pilzes, erzeugt werden. Alle Keimungs-
und Aussaatversuche mit dem zu der Zeit mir zu Gebote gestandenen Ma-
teriale ergaben nur ein negatives Resultat; ich war deshalb genöthigt, fer-
nere Untersuchungen darüber abzubrechen; leider ist es mir nicht ge-
lungen in den zwei letzten Jahren den interessanten Sphagnum-Pilz wieder
zu finden.
Das vegetative Mycel des Schmarotzers lässt sich in ganz jugendlichen
Kapseln, obwohl nicht ohne Schwierigkeit, entdecken. Zur Untersuchung
solcher Kapseln habe ich ausschliesslich Alcoholmaterial benutzt, welches
zur Anfertigung feiner Schnitte selbstverständlich viel geeigneter war, als
die frischen, saftigen, ziemlich weichen jungen Kapseln. Die Art und Weise
der Verbreitung des Mycels im Nährgewebe untersuchte ich auf feinen me-
dianen Längsschnitten der Kapsel (Fig. 2). Es gelang mir an solchen Prä-
paraten das vegetative Mycel des Pilzes von der Basis des zwiebelartigen
Sporogonfusses (Fig. 2 sf) bis in das Parenchym der Kapselwand und der
Columella zu verfolgen (Fig. 2 par., col.).
Das Mycel ist überhaupt sehr zart und nur sparsam verzweigt; es ver-
läuft immer intercellular und treibt keine Haustorien in's Innere der Zellen
des Nährgewebes. Die Hauptmasse des Pilzes entwickelt sich im zwiebel-
artigen Sporogonfusse, besonders aber in den unteren Zellschichten des letz-
teren, wo, wie bekannt, eine lockere Verbindung zwischen dem Sporogon-
fusse einerseits und dem sogenannten Pseudopodium andererseits statt findet;
die unterste Schicht der Basis des Sporogonfusses wächst nämlich mit ihren
grossen, papillenartig vorgewölbten Zellen in das Gewebe des becherförmig
ausgehöhlten oberen Endes des Pseudopodiums hinein (Fig. 2 ps). Diese
und die nächsten oberen Zellschichten des Fusses bilden ein sehr lockeres,
von weiten Intercellularen durchsetztes Gewebe, dessen Zellen von zahl-
reichen Maschen der Hyphen umsponnen werden (Fig. 6). Diese Hyphen
sind fast überall gleich dick (ca. 2 — 3 [/..), fadenförmig und ziemlich dick-
wandig; ihr Plasmainhalt erscheint stark glänzend, fast homogen und enthält
kleine Vacuolen ; trotz aller Mühe konnte ich in diesen Hyphen keine Quer-
BnUetiu N. S. III (XXXV) p. 583.
352 S. NAWASCHIN, [t. XIII
Scheidewände entdecken. In der Fläche der Basis des Sporogonfusses nistend,
bilden diese Hyphen das eigentliche vegetative Mycel, das Lager des Pilzes,
da gerade dieser Theil desselben in den jüngeren Kapseln am reichlichsten
entwickelt ist, so dass die übrigen Theile des Mycels nur als secundäre Ver-
zweigungen dieses Haupttheiles erscheinen. Ob dieser Theil des Sporogons
auch derjenige ist, wo der Pilz zuerst erscheint, oder mit anderen Worten,
die Nährpflanze inficirt wird, will ich einstweilen dahingestellt sein lassen,
da ich keine Gelegenheit hatte, die jüngeren Zustände der erkrankten Pflanze
kennen zu lernen.
Das ebenerwähnte Mycel sendet zahlreiche Hyphen nach oben, in die
Kapsel, und nach unten, in das Pseudopodium. Die hinaufsteigenden Hyphen
wuchern zwischen den Zellen der Kapselwand und Columella und neh-
men allmählich die Beschaffenheit der sporenbildenden Hyphen an, während
die herabsteigenden — die Zellmembranen des Pseudopodiumgewebes durch-
bohren und innerhalb der Zellen wachsen; ihrem intracellularen Verlaufe ent-
sprechend, gewinnen die letzteren Hyphen eine unregelmässige Gestalt viel-
fach gekrümmter, knotiger Fäden, die jedesmal, wo sie eine Zellmembran
durchbohren, stark angeschwollen erscheinen; sie sind zartwandig, mit fein-
körnigem Protoplasma erfüllt und mit grossen Vacuolen versehen. Aller
Wahrscheinlichkeit nach entziehen diese intracellularen Myceläste dem Spo-
rogone Nährstoffe, welche in dem Gewebe des Pseudopodiums reichlich auf-
gespeichert werden. Daher kann man diesen Myceltheil als ein den Hausto-
rien gewisser Pilze analoges Gebilde ansehen. In der That ähneln ihre Zweige,
mit denen sie unweit von der Basis des Sporogonfusses enden, wenigstens
ihrer Gestalt nach, den gewöhnlichen Haustorien, wie aus Fig. 5 zu ersehen
ist. Was nun die hinaufsteigenden Hyphen betrifft, so nehmen dieselben,
wie schon oben gesagt, je weiter sie in's Innere der Kapsel hineinwachsen,
die Beschaffenheit der sporenbildenden Fäden an. Sie drängen sich zwischen
den Zellen des oberen Theiles des Sporogonfusses durch und gelangen in die
mehrschichtige Kapsel wand und die Columella, wo sie sich weiter verbreiten
und verzweigen. Sie erscheinen hier als dickwandige, stark glänzende
Köhrchen, welche im Innern einen ziemlich dünnen, feinkörnigen Proto-
plasmastrang führen; ihre Wände sind mit den Zellmembranen des Nähr-
gewebes fest verschmolzen (Fig. 7). Auch in diesen Theilen des Mycels
konnte ich keine Querscheidewände in den Hyphen entdecken, so dass das
ganze Mycel als ein einzelliger, verzweigter Schlauch erscheint. Es ist wohl
möglich, dass Querscheidewände obwohl nur sehr selten, vorkommen; min-
destens sind mir solche nicht begegnet.
Niemals habe ich die Sporenbildung in dem das sogenannte sterile Ge-
webe der Kapsel durchwuchernden Mycel beobachtet; zu der Zeit aber, wo
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 531.
T. XIIl] ÜBER DIE BRANDKRANKHEIT DER TORFMOOSE. 353
die Mutterzellen der Sphagnumsporen sich zur ersten Theilung anschicken,
treibt das in der Kapselwand nistende Mycel zahlreiche Hyphen in den
Sporensack hinein, wodurch die weitere normale Entwickelung des letzteren
meist vollkommen verhindert wird. Dieser Entwickelungszustand des Pilzes
ist in den reifenden Kapseln, die schon etwas gelblich werden, leicht zu be-
obachten. Der Sporensack der Kapsel besteht zu dieser Zeit aus zwei
Schichten von Sporenmutterzellen, die reichlich mit Chlorophyllkörnern ver-
sehen sind und auf Längsschnitten einer frischen Kapsel als eine schmale,
hufeisenförmige, grüne Zone hervortreten (Fig. 2 sp.). Die äussere und die
innere Wandung des Sporensackes werden von den benachbarten klein-
zelligen Schichten der Kapselwand und der Columella gebildet (Fig. 3 i und e),
die im Gegentheil fast farblos erscheinen. Die Pilzhypheu treten in den
Sporensack meist durch die äussere Wand desselben ein, indem sie immer
zwischen zwei Zellen dieser einschichtigen Lamelle eindringen und anfangs
nur längs derselben kriechen (Fig. 7); bald aber senden die ersten in den
Sporensack gelangten Hyphen zahlreiche Äste quer durch den Sporensack-
raum und wachsen zum sporenbildenden Mycel heran. Sphagnumsporen-
mutterzellen werden von den Pilzhyphen umsponnen und mehr oder weniger
zerdrückt; sie weichen merklich auseinander, wodurch breite Intercellular-
räume entstehen, die später von einem dichten Gewirre sporenbildender
Hyphen völlig erfüllt erscheinen (Fig. 7).
Ich habe niemals die Hyphen in die Sporenmutterzelle eindringen ge-
sehen; so dass in den letzteren nur die Reste ihres eigenen Plasmas ent-
halten sind (Fig. 7 und 9 c*). Daher erscheint mir Schimper's Angabe
kaum begreiflich, dass die polyëdrischen Sporen ein Product der Theilung
des Inhaltes der normalen Sporenmutterzellen seien ; solche Theilung konnte
Schimper auf keinen Fail beobachten, da die «polyëdrischen »Sporen (Pilz-
sporen) immer nur zwischen den verkümmerten Sporenmutterzellen sich
bilden. Vielleicht beruht seine Angabe auf der Thatsache, dass die «poly-
ëdrischen» Sporen nicht selten in derselben Kapsel mit den normalen, tetra-
ëdrischen sich entwickeln, was auch ich öfters beobachtet habe. In solchen
Fällen aber konnte ich mich stets leicht überzeugen, dass es sich hier nur
um eine partielle Zerstörung des Sporensackinhaltes in Folge der lücken-
haften Mycelvertheilung handelte. Es kommt nämlich nicht selten vor,
dass bald kleinere, bald grössere Strecken des Sporensackes in einer er-
krankten Kapsel vom Pilze verschont bleiben, so dass einige Partien der
Sporenmutterzellen zur vollen Entwickelung gelangen und die gewöhnlichen
tetraëdrischen Sporen erzeugen. Wenn eine solche vom Pilze theilweise er-
griffene Kapsel zur Reife kommt, so enthält sie natürlich die Sphagnum-
und Pilzsporen in einer pulverigen Masse gemischt; wenn aber die pilzfreien
Bulletin N. S. III (XXÏV) p. 535.
354 S. NAWASCHIN, [ï. XIII
Tlieile des Sporensackes zu klein sind, so vermögen die hier liegenden Spo-
renmutterzellen weder sich zu entwickeln, noch lebendig zu bleiben, da sie,
wenn auch nicht direct vom Pilze befallen, doch in Folge der auf die ganze
Kapsel ausgeübten schädlichen Wirkung des Parasiten stets zu Grunde
gehen. In solchem Falle erscheint ein Sporensack zum Theil mit Pilzsporen
erfüllt, zum Theil aus sterilem Gewebe bestehend; an letzteren Stellen fallen
die Sporensack wände in der Regel mehr oder weniger zusammen (Fig. 2
bei x). Das Bild junger Entwickelungszustände des vom Pilze befallenen
theilweise mit tetraëdrischen, theil weise mit «polyëdrischen» Sporen erfüllten
Sporensackes konnte wohl zur Annahme führen, dass die letzten Bildungen
von den ersten direct abstammen.
An dem im Sporensacke nistenden und herangewachsenen Mycel fängt bald
die Bildung der Pilzsporen an; sie beginnt im oberen Theile des Sporen-
sackes und schreitet allmählich weiter nach unten. Man kann daher alle
Entwickelungszustände der jungen Sporen auf einem und demselben Längs-
schnitte der Kapsel kennen lernen; bequemer ist es aber die Sporenbildung
an den aus dem Sporensackinhalte isolirten Pilzfäden zu studiren.
Im Allgemeinen ist die Sporenbildung des untersuchten Pilzes der bei
den Brandpilzen, nämlich bei Tilletia bekannten, gleich. Die Anlage der
Sporen erfolgt an den Spitzen der Hyphenzweige und niemals intercalar.
Zwar habe ich öfters beobachtet, dass an beliebigen Stellen der sporen-
bildenden Hyphen mehrere Anschwellungen entstehen, wodurch die ganze
Hyphe knotig wird, doch kommen diese Anschwellungen bloss dadurch zu
Stande, dass die ursprünglich gleichmässig dicke Membran stellenweise
stark aufquillt (Fig. 8 f); im Gegentheil schwellen die Hyphenenden, an
denen die Sporenanlage erfolgt, stets unter bedeutender Ansammlung des
Plasmainhaltes an, während die Membran sich nicht verdickt und sogar
durch Ausdehnung dünner wird (Fig. 8 c, d, e, f).
Zur Zeit der Sporenbildung beginnen die Hyphen des Mycels zu
quellen; am frühesten die primären Mycelzweige, später die secundären,
welche an ihren Enden die oben erwähnten blasenförmigen Sporenanlagen
führen; je mehr die Membran der Hyphen aufquillt, desto enger wird das
Lumen derselben, um schliesslich vollständig zu verschwinden, so dass die
sporenbildenden Hyphen mit der Zeit als solide, homogene, stark glänzende
Stränge erscheinen. Es wandert dabei das ganze Plasma der Hyphen unter
dem stets zunehmenden Drucke der aufgequollenen Membran nach den
Hyphenenden zu, tritt in die blasenförmigen Endanschwellungen der Hyphen
ein und dehnt dieselben mehr und mehr aus.
Diese Anschwellungen sind anfangs meist verschiedenartig und ziemlich
unregelmässig gestaltet (Fig. 8 c, d, e); nachdem sie ihre definitive Grösse
Bulletin N. S. HI (XXXV) p. 536.
T. Xra] ÜBER DIE BRANDKRANKHEIT DER TORFMOOSE. 355
erreicht haben, scheidet ihr Plasmainhalt eine eigene Membran aus, welche
die Sporenanlage von der Mutterhyphe abgrenzt; jetzt rundet sich die junge
Spore vollkommen ab, indem ihr feinkörniger Plasmainhalt eine grosse, oder
mehrere kleine Vacuolen erhält (Fig. 8 k, 1). Nachdem die zarte primäre
Membran der jungen Spore noch etwas an Dicke zugenommen hat, bekommt
sie eine äussere Sculptur, dass heisst, es fängt das Exosporium sich auszu-
bilden an. Zugleich verschwinden die ebenerwähnten Vacuolen, anstatt
welcher ein stark lichtbrechender, centraler Öltropfen im Plasmainhalte
jeder Spore erscheint (Fig. 8 m).
In diesem Entwickelungszustande bleiben die jungen Sporen noch auf
den Enden der Hyphenzweigen sitzen (Fig. 9 a) bis sämmtliche Mycelfäden
vollständig vergallerten. Auf den Längsschnitten der frischen Kapsel, welche
solche junge Sporen enthält, ist der Sporensack dicht mit einer zähen Masse
erfüllt; diese Masse besteht hauptsächlich aus einer gallertartigen Substanz,
in welcher die jungen, noch farblosen Pilzsporen und die Reste der Zellen
des Sporensackgewebes (die Membranen der Sphagnumsporenmutterzellen
und Chlorophyllkörner) eingelagert sind ; hie und da sind auch die Reste der
sporenbildenden Hyphen zu unterscheiden; späterhin verschwinden letztere
vollständig und bleiben nur stellenweise als winzige den reifen Sporen an-
haftende Anhängsel erhalten (Fig. 8 1, Fig. 9 g). Die an den vergallerteten
Hyphen enstehende Masse macht sich übrigens noch später dadurch kennt-
lich, dass sie in den Zwischenräumen der reifen Sporen erstarrt und sehr
verschieden gestaltete, farblose, durchsichtige Körper bildet, welche die
Abdrücke der Sporen auf ihrer Oberfläche führen (Fig. 9 h). Man kann
zuweilen einen solchen Körper mit den ihm fest anhaftenden Sporen finden
(Fig. 9 h unten).
Die in der gallertartigen Substanz eingelagerten jungen Sporen erschei-
nen bald einzeln, bald in kurzen Reihen, niemals aber regelmässig gruppen-
weise geordnet, wie es die Annahme Schimper's verlangt, — es seien diese
Sporen je sechszehn von normalen Sporenmutterzellen erzeugt. Die reihen-
weise geordneten Sporen bilden 3 — 4-gliedrige Ketten (Fig. 9 d, e) und
machen den Eindruck, als ob sie von einer und derselben Hyphe succedan
abgeschnürt würden ; es war aber in solchem Falle immer schwer zu ent-
scheiden, ob sie nicht zufällig an einander hafteten, was in einem mit zahl-
reichen Sporen dicht erfüllten Räume überhaupt sehr leicht geschehen kann.
Wie schon oben angegeben, habe ich die Sporen nur vereinzelt an den Enden
der Hyphen sich entwickeln gesehen; es finden jedoch auch abweichende
Fälle der Sporenbildung statt. So sah ich nicht selten die jungen Sporen
tief eingeschnürt oder mit blasenförmigen Ausstülpungen versehen. Die
letzteren enthalten in der Regel nur eine wässerige Flüssigkeit und sehr
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 537.
356 S. NAWASCHIN, i [t. XIII
winzige, in lebhafter moleculärer Bewegung sich befindende Körnchen; daher
erscheinen letztere Sporen als der normalen Entwickelung unfähige Bildun-
gen (Fig. 9 f). Was aber die erwähnten Einschnürungen betrifft, so kann
ich nur eine Vermuthung aussprechen, dass die Hyphen vielleicht längere
Zeit in ihrer sporenbildenden Thätigkeit verbleiben und mehrere Sporen
abschnüren; es gelang mir indessen nicht dieses direct zu beobachten, da
ich nur in der Sporenbildung weit vorgeschrittene und nur noch an den
Zweigen die letzten, einzelnen Sporen abschnürenden Mycelien zu studiren
Gelegenheit hatte. In der That erschienen alle von mir untersuchten Kap-
seln zum Theil schon mit jungen Sporen erfüllt und waren jugendliche Zu-
stände der sporenbildenden Fäden nur in dem unteren Theile des Sporen-
sackes zu finden.
Die Auflagerung des Exosporiums geschieht von aussen her, auf Kosten
der zwischen den Sporen sich befindenden Gallertmasse. Die durch Auflage-
rung entstehenden Verdickungen nehmen die Form ziemlich regelmässiger,
vieleckiger Täfelchen an, welche mit schmalen, rosa durchschimmernden
Zwischenräumen von einander getrennt bleiben. Diese Zwischenräume bil-
den ein sehr zierliches Netz, dessen Maschen meist 5— 6-seitig sind (Fig.
9 g); auf dem optischen Querschnitte der reifen Spore erscheinen sie als
kleine Vertiefungen des Exosporiums (Fig. 8 m). Während das Endosporium
völlig farblos bleibt, wird das Exosporium bei reifen Sporen ocker- bis
bräunlichgelb gefärbt. Die fertigen Sporen sind sehr klein: ihr Durchmesser
beträgt nämlich nur 11 — 12 [x. Die reife, ausgetrocknete und zum Deckel-
abwerfen fertige Sphagnumkapsel enthält eine pulverartige, bräunliche
Masse der Pilzsporen, die auf dieselbe Weise wie normale Sphagnumsporen
ausgeschleudert werden.
Bei allen von mir angestellten Aussaatversuchen haben die Sporen des
untersuchten Pilzes sich als unkeimfähig erwiesen.^ Mehrere Wochen blieben
sie in verschiedenen Medien und auf verschiedenen Substraten (reines Was-
ser, feuchte Luft, verdünnte Gelatine oder Agar-Agar, Blätter und End-
knospen von Sphagnum) gänzlich unverändert. Ob sie noch unreif und zur
normalen Entwickelung unfähig waren, oder ob sie ihre Keimfähigkeit beim
Transporte und Aufbewahren in der Botanisirbüchse verloren haben, oder
endlich — ob ich mit Dauersporen zu thun hatte, deren Auskeimung erst
im folgenden Frühjahre eintreten sollte, konnte ich bisher nicht entscheiden,
weil mir seitdem kein für Aussaatversuche geeignetes Material zur Ver-
fügung stand. Ich glaube übrigens, diese Sporen als Dauersporen deuten zu
müssen, und zwar aus dem Grunde, weil die Infection der Sphagnumpflanze
aller Wahrscheinlichkeit nach im Frühjahr während der Befruchtung der
Archegonien resp. der Anlage der Kapsel zu Stande kommt.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 538.
T. Xlll] ÜBER DIE BRANDKRANKHEIT DER TORFMOOSE. 357
Zum Schlüsse will ich nun Alles, was die Natur des untersuchten Pilzes
betrifft, kurz zusammenfassen, um eine Charakteristik des neuen Organismus
zu gewinnen und damit seine Angehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe der
Pilze festzustellen.
Das vegetative Mycel des Pilzes stellt feine, farblose, sparsam ver-
zweigte, wahrscheinlich unseptirte Fäden dar, welche zwischen den Zellen
des sterilen Gewebes des Sphagnum- Sporogons wachsen und mehrere, als
Haustorien fungirende Zweiglein in's Innere der Zellen des oberen Endes
des Pseudopodiums treiben. In dem Sporensacke der Sphagnumkapsel, wo
der Pilz zur Sp'orenbildung gelangt, vermehrt sich das Mycel so reichlich,
dass ein dichtes Gewirr der Pilzfäden an die Stelle der Sphagnumsporen-
mutterzellen auftritt; die Sporenmutterzellen werden von den Pilzfäden bald
zerstört, bald zerdrückt. Die sporenbildenden Mycelfäden schwellen an den
Spitzen ihrer Endzweige, unter gleichzeitigem gallertartigem Aufquellen
ihrer Membran, an. Der Inhalt jeder dieser Anschwellungen umgiebt sich mit
einer neuen Membran und wird zur jungen, anfangs farblosen Spore. In
diesem Zustande, der noch in das jugendliche Entwickelungsstadium des
Sphagnumsporogons fällt, hat die von dem Sporensacke eingeschlossene farb-
lose Pilzmasse eine weiche, zähe, gallertartige Beschaffenheit. Diese Masse
färbt sich allmählich ocker- bis bräunlich-gelb, indem der primären Membran
der Sporen ein gelb-braunes Exosporium aufgelagert wird. Gleichzeitig löst
sich die gallertartige Membran der sporenbildenden Fäden durch Verschlei-
mimg auf, so dass die Sporen sich isoliren, und der ganze Sporensackinhalt,
nach dem Vertrocknen der Sphagnumkapsel zur trockenen, bräunlichen,
fein staubartigen Brandpilzmasse wird.
Hinsichtlich der Ausbildung innerhalb der Nährpflanze stimmt also der
untersuchte Pilz fast in allen Charakterzügen mit den typischen Ustilagineen
überein, mit dem Unterschiede nur, dass der Sphagnumbrandpilz, meinen
Untersuchungen nach, wahrscheinlich ein unseptirtes Mycel besitzt. Um nun
die Frage über die Angehörigkeit des neuen Pilzes zu einer der bekannten
Gattungen zu beantworten, sind weitere Untersuchungen über die Sporen-
auskeimung nothwendig, weil die Beschaffenheit des Promycels, resp. die
Art der Sporidienbildung als eins der wichtigsten Merkmale, nach welchen
die Ustilagineengattungen zu unterscheiden sind, anzusehen ist. Aller Wahr-
scheinlichkeit nach gehört der neue Brandpilz der Gattung Tilletia an, da
er sowohl hinsichtlich der Sporenbildung, als der Beschaffenheit der fertigen
Sporen mit den typischen Arten dieser Gattung vollkommen übereinstimmt.
Daher habe ich dem von mir untersuchten Sphagnumbrandpilze einen provi-
sorischen Namen — Tilletia Sphagni — gegeben.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 539. 25
358 S. NAWASCHIN, ÜBER DIE BRAND KRANKHEIT DER TORFMOOSE. [t. XU
Erklärung der Abbildungen.
(Die fig. 1 a und b sind bei 12-facher; fig. 2 bei 54-, fig. 3 bei 300-, fig. 4, 5, 7 und 9 bei 600-,
fig. 6 bei 620-, fig. 8 bei 1000-facher Vergrösserung abgebildet).
Fig. la — eine erkrankte — , b — eine gesunde Spbagnumkapsel, wie sie im Juni im
Walde getroffen wurden.
Fig. 2. Medianer Längsschnitt durch eine erkrankte, unreife Kapsel ; der Sporensack ist
mit den noch farblosen Pilzsporen erfüllt, die in eine zähe Substanz eingelagert sind. Sp. be-
deutet Sporensack, par. — Kapselwand, col. — Columella, sf. — Sporogonfuss, ps. — Pseudo-
podium.
Fig. 3. Ein kleiner Theil desselben Längsschnittes, e — die äussere, i — die innere Wan-
dung des Sporensackes.
Fig. 4 und 5. Zellen des Gewebes des oberen Endes des Pseudopodiums, die von Pilz-
hyphen durchsetzt sind.
Fig. 6. Ein Theil des vegetativen Mycel, dessen Fäden in Intercellularen des Gewebes des
Sporogonfusses wachsen.
Fig. 7. Längsschnitt des Sporensackes (sp) und der angrenzenden Theile der Kapselwand
(par) und der Columella (col). Zwischen den Sporenmutterzellen liegen die sporenbildenden
Pilzfäden mit deutlichen Sporenanlagen; in dem Parenchym der Kapselwand wachsen einige in
den Sporensack durchdringende Hyphen. Im oberen Theile der Abbildung — eine fast reife
Spore.
Fig. 8 und 9. Verschiedene Entwickelungszustände der sporenbildenden Hyphen und der
Sporen. 9 b und c — zwei Gruppen der sporenbildenden Hyphen mit den Sporenanlagen. 9 g
unten — eine reife Spore im optischen Querschnitte gesehen. 9 h verschieden gestaltete Körper
von der erstarrten gallertartigen Substanz.
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Bulletin N. S. III (XXXV) p. 540.
S. Naiascliiii.
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JTavrascJiln. Ute die Branttrankliett der Torfmoose.
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MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DD
BULLETIN ÖE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST.- PÉTERSBOURB.
TOME XIII.
De Coleopterorum familia nova. Scripsit Andreas a Se me now. (Lu le
14 avril 1893).
Anno 1888 pater meus Petrus a Semenow, qui tunc iter per pro vinciam
Transcaspicam Turkestaniam versus mecum faciebat, die 24 Aprilis mensis
in statione viae ferreae militaris transcaspicae Bala-ischem dicta neque procul
a littore orientali maris Caspii sita cujusdam singularis Coleopteri nonuulla
individua ad lumen laternarum media nocte volitantia detexit collegitque.
Cum anno insequenti 1 889 provinciam Transcaspicam denuo investiga-
rem, aliam ejusdem generis speciem, praecedenti proxirae affinem, prope
stationem viae supra nominatae Utsch-adshi dictam, jam multo magis ad
orientem in desertis quae Kara-kum dicunt sita, die 17 Maji mensis etiam
ad lumen laternarum copiose eollegi.
Etsi ambarum harum specierum specimina solum masculina ante oculos
habeo, nihilo secius, cum eae in nulla familiarum hucusque in ordine Coleo-
pterorum institutarum satis apte collocari possint, ad illas species in systema
rite recipiendas familiam novam instituendam esse censeo et ejus descrip-
tionem hie prodo in lucem.
IPetriicl&e,
familia nova Coleopterorum Heteromerorum.
Corpus gracile, elongatum (<3). Habitus debilis quarundam Gerambyci-
darum vel etiam genus Rhipidius Thunb., ad familiam Rhipiphoridarum
spectans, in mentem vocans.
Antennae statim ante oculos subaperte insertae, 11-articulatae, longae
(c5), filiformes, similiter atque in Alleculidis formatae.
Caput thoraci insertum, antice haud productum, pone oculos levissime
angustatum vel vix constrictum, sed nullo modo pedunculatum, vertice fere
piano, simplici, facie subverticaliter declivi. Oculi valde evoluti, laterales,
transversi, subreniformes, valde convexi, antice fere non emarginati ($).
Mandibulae fortes, integrae, ut in Alleculidis compluribus formatae,
tomio curvato, elongato, apice acuto, haud bifido.
Labrum sat breve, late transversum, parum prominulum.
Bulletin N. S. Ill (XXXV) p. 607. 25*
360 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
Palpi maxillares fortiusculi, subeloiigati, fere ut in AUeculidis for-
mati, articulo ultimo non dilatato ($). Palpi labiales multo minores et
tenuiores, articulo ultimo simplici quoque.
Men tu m minusculum, basi angustatum, pedunculo brevi partis sub-
mentalis, basi ipsius menti haud angustiori et ab hoc obsolete discreto in-
nixum. Maxillarum lobi basales permagni, magnitudine fere menti.
Prothorax elytris angustior, subcylindricus, pronoti margine laterali
obsoleto saltern in dimidio basali indicato; apertura ad caput recipiendum lata.
Scutellum patens, sat elongatum, linguiforme.
Elytra nonnihil abbreviata, abdominis apicem non attingentia, plus
minusve fortiter dehiscentia, apice haud acuminata; epipleuris distinctis, in-
flexis, sed a dorso margine nullo separatis.
Alae inferiores (S) valde evolutae, exsertae, haud retractiles, longi-
tudinem abdominis multo superantes, venis firmis; nervulatione eadem fere
atque in AUeculidis.
Coxae anticae haud transversae, subconicae, prominentes, omnino fere
contiguae, basi tantum processu angustiusculo vix discretae. Coxae inter-
mediae subprominulae, subconicae, valde approximatae, mesosterni pro-
cessu angustissimo separatae. Coxae posticae nullo modo distantes, valde
transversales, subparallelae, extus cum episternis metathoracis contiguae.
Troch an teres in omnibus pedum paribus distincti.
Pro sternum sat breviusculum. Episterna prothoracis sat magna, an-
tice a pronoto haut separata. Epimera prothoracis submembranacea, intror-
sum sensim valde attenuata, acetabula antica vix occludentia.
Mesosternum modice breve, apertura antica late subovali. Episterna
mesothoracis magna, cum iisdem metathoracis et cum metasterno ipso con-
tigua. Epimera mesothoracis minuscula acetabula intermedia haud attin-
gentia.
Metasternum maxime evolutum, valde elongatum, mesosterno saltern
triplo longius, super abdomen alte elatum, convexum, medio longitudinaliter
plus minusve sulcatum, postice in medio promotum neque ullo modo emar-
ginatum. Episterna metathoracis magna, valde elongata, subparallela, basi
cum epimeris episternisque mesothoracis contigua. Scutum metathoracis
elytris obtectum ideoque in quiète desuper non visibile.
Abdomen ($) liberum, mobile, parti superiori metathoracis innixum,
hoc multo angustius ut vix nisi longius, teres, anguste subcylindricum, in
speciminibus siccis dorso saepius anguste excavatum, e quinque segmentis
ventralibus evolutis compositum, quorum segmento penultimo antepenultimo
breviore. Organa copulatoria maris semper exserta; penis liberus, valde
Bulletin N. S. HI (XXXV) p. 608.
T. Xlll] DE COLEOPTEROBUM FAMILIA NOYA. 361
elongatus, parameris symmetricis, raagnis, ab hoc distantibus, introrsum ar-
cuatis cirroque longo praedkis l ).
Pedes cursorii, longi, graciles (5).
Femora haud incrassata, elongata, debilia.
Tibiae omnes tenues, longae, vix compressae, spinis duabus acutis api-
calibus (quarum externa, praesertim in tibiis posticis, paulo brevior est)
praeditae.
Tarsi valde tenues, elongati, subtus nec squamosi nec ciliati, hetero-
meri, scilicet 4 anteriores 5-articulati, posteriores 4-articulati; articulis
omnibus apice simpliciter truncatis, articulo basali tarsorum posticorum
parum elongato. Unguiculi tarsorum tenues, simplices (<3).
Haec familia magnam praebet affinitatem cum AUeculidis acceditque im-
primis generibus Steneryx Rttr. 2 ) et Âlleculopsis m. 3 ) hujus familiae, tarnen
1) Quod attinet ad terminologiam partium genitalium cf. Verhoef: Deutsch. Ent. Zeitschr.
1893, pp. 113—170.
2) Clarissimus Edm. Reitter nimis maturate et inconsulte déclara vit (Wien. Ent. Zeitg.
1891, p. 252. — Ibidem, p. 256) genus Balassogloa Sem. (Horae Soc. Ent. Ross. XXV, 1891,
p. 372) idem esse ac genus Steneryx Rttr. (Wien. Ent. Zeitg. 1890, p. 256). Re enim vera haec
duo genera, inter se plane longeque diversa, iis qui sequuntur characteribus facillime sunt dis-
tinguenda.
Unguiculi (J-ris denticulati. Palpi maxillares articulo ultimo non dilatato. Prothorax an-
gustus, subconicus. Prosternum processu intercoxali angustissimo, coxas anticas valde promi-
nentes vix discernente. Coxae intermediae subcontiguae; processu metasterni nullo, mesosterni
angustissimo, vix ullo. Abdominis segmentum basale processu intercoxali distincto nullo. Tarsi
articulo ultimo simplici, nec bilobo nec lamellato. Habitus peculiaris, nonnihil genus Cteniopus
Sol. referens.
gen. Steneryx Rttr.
Unguiculi (J-ris interne omnino integri. Palpi maxillares articulo ultimo late triangulari
seu securiformi. Prothorax latiusculus, nullo modo conicus. Prosternum processu intercoxali
haud nimis angusto, coxas antieas modice prominulas et fere globulosas evidentissime superante.
Coxae intermediae late distantes, processubus latis meso- et metasterni discretae. Abdominis
segmentum basale processu intercoxali distinctissimo. Tarsi articulo penultimo anguste bilobo,
subtus lamellato. Habitus longe diversus, potius subgenus Sphenaria M en. (Tenebrionidarum)
in mentem vocans. (NB. Qui omnes characteres in descriptione mea Balassogloae sphenarioidis
[Horae Soc. Ent. Ross. XXV, 1891, pp. 372—373] satis diserte expositi sunt).
gen. Balassogloa Sem.
3) Alleculopsis, g. n.
AUeculidarum.
Antennae mox ante oculos insertae, elongatae, in £ dimidium corporis distincte sed parum
superantes, fere filiformes, externe leviter serratae, articulo l-o sat brevi, 2-o hoc multo bre-
viore, 3-o his simul sumptis subaequali vel vix longiore, sequentibus subaequalibus, tertio dis-
tincte longïoribus, ultimo penultimo breviore, apice acuminato. — Palpi labiales parvuli, articulo
ultimo crassiusculo, sed non transverso nec triangulari, apice truncato ; maxillares articulo pen-
ultimo brevi, ultimo obliquo, elongato-cultriformi, non transverso. — Mandibulae leviter
prominulae, apice acutae, ante apicem distincte fissae. — Labrum prominulum, transversum,
apice leniter subrotundatum. — Clypeus planiusculus, a fronte subnulla omnino sepa-
rat us. — Caput pone oculos br éviter constrictum et profunde transversim sulcatum. — Oculi
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 609.
362 ANDREAS SE ME NOW, [t. XIII
habita peculiari et nonnullis characteribus, qui non exigui momenti esse
videntur, ab illis discrepat. Alleculidae enim habent abdomen majus, uun-
quam liberum, multo latius, nunquam teres nec perfecte cylindricuin, meta-
sterno baud angustius atque huic plus minusve arte applicatum; elytra nun-
quam abbreviata, alas retractiles semper omnino obtegentia; prothoracem
elytris parum angustiorem, nunquam cylindricum; epimera prothoracis lati-
ora, acetabula antica semper perfecte occludentia; coxas intermedias pla-
niores, baud conicas; unguiculorum tarsalium maris marginem interiorem
saepissime (excepto solum génère Balassogloa Sem.) pectinatum aut denti-
culatum; denique organa copulatoria maris nonnihil aliter (etsi similiter)
constructa.
Restât, ut de affinitatibus familiae nostrae novae cum aliquot aliis He-
teromerorum familiis, a quibus ea jam multo longius distat, pauca dicam.
Quoad babitum generalem familia Petriidarum solummodo cum complu-
ribus Meloidis, Bhipiphoridis et Oedemiridis similitudinem exteriorem prae-
bere videtur; tarnen argute differt: a Meloidis imprimis capite haud nutante,
nullo modo pedunculate neque in collum distinctum constricto, unguiculis
tarsorum omnino simplicibus, nec fissis nec dentatis, coxis anticis aliter for-
grosse granulati, in <5 permagni, valde convexi, majorem partem capitis occupantes, supra in
fronte omnino contigui et connati, occiput versus divergentes, subtus subcontigui, ad
insertionem antennarum anguste sinuati ; in Ç paulo minores, in fronte non contigui, sed valde
approximate — Prothorax elytris angustior, trapezoidalis, antrorsum angustatus, angulis ante-
rioribus obliteratis, margine laterali in dimidio anteriore evanescente. — Scutellum triangu-
läre. — Elytra elongata, sat angusta, epipleuris integris. — Prosternum processu intercoxali
tenuissimo. — Abdomen e 5 segmentis ventralibus evoluti3 sextoque segmento parvulo accessorio
compositum, segmenti basalis processulo intercoxali angustiusculo, acuminato. — Pedes graciles.
Coxae intermediae processulo mesosterni modice angusto evidentissime discretae. Tarsi longi et
sat angusti, articulo penultimo leviter bilobo, subtus bilamellato; unguiculis subtilissime ser-
ratis. — Corpus alatum, statura elongata, gracilis.
Genus Mycetocharinae S ei dl. proxime affine, sed oculorum extrema evolutione mandibu-
lisque ante apicem fissis ab illa distinguendum.
Hujus generis species est typica:
Alleeulopsis deserticola, sp. n.
Elongata, parum convexa, pallide testacea, interdum posterius leviter subinfuscata, non-
nihil nitidula, tota minute punctulata subtilissimeque dense pubescens, capite (palpis antennisque
exceptis) brunneo vel piceo, oculis atris. Prothorace trapeziformi, haud transverso, apicem
versus fortiter angustato, ante angulos basales vix sinuato, apice capite unacum oculis distincte
angustiore; angulis anterioribus subrotundatis, fere nullis, posterioribus bene determinatis; ex-
trorsum nonnihil prominentibus, summo tantum apice vix obtusiusculis; basi truncata, medio
vix rotundata, tenuissime marginata, margine perparum undulato; disco vix convexo. Elytris
thoracis basi distincte sed parum latioribus, elougatis, subparallelis, apice angustato-subrotun-
datis, tenuiter punctato-striatis, interstitiis non convexis. — Ob staturam elongatam species
nonnullas subgeneris Spkenaria M en. nonnihil referens; etiam Mycetocharinae orientàli Faust
haud dissimilis.
$. Statura minore et graciliore, oculis magnis, valde convexis, in fronte contiguis et con-
nexis.
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 610.
T. XIIl] - DE COLE0PTERORÜM FAMILIA NOVA. 363
matis, retrorsum non directis, acetabulis anticis fere non apertis, etc. 4 ); a
Bhipiphoridis — praesertim capite neque inclinato neque pedunculato, vertice
simplici, antennis maris simplicité? filiformibus longisque, acetabulis anticis
fere occlusis, unguiculis tarsorum integris, configuratione et structura pro-
thoracis, unguiculis tarsorum integris, etc.; ab Oedemeridis — praecipue
antennis baud in fronte insertis, acetabulis anticis omnino fere occlusis, tar-
sorum articulis omnibus simplicibus, etc. A ceteris Heteromerorum familiis
Petriidae magis adeo discedunt.
Quae cum ita sint, familia Petriidarum immediate post AUeculidas in
systemate collocanda est.
Multum abest, ut descriptionem hujus familiae supra allatam completam
esse existimem; sexus enim femininus ambarum specierum ad familiam
Petriidarum spectantium, earum status primarii atque vivendi modus mihi
ignoti manserunt.
Ad hanc familiam pertinet solummodo genus quod sequitur.
Petria, g. n.
Corpus gracile, sat elongatum ($).
Antennae (<$) sub lateribus frontis mox ante oculos subaperte insertae,
filiformes, saltern dimidium corporis superantes, interdum etiam toto corpore
longiores, 11-articulatae, articulis 3° — 7° apice extus plus minusve suban-
gulatis, articulo 1° brevi extus ad apicem incrassato, 2° brevissimo, trans-
verso vel subtrans verso, 3° brevi quoque, tamen praecedente saltern sesqui
longiore, 4° tertio plus duplo vel fere triplo superante, sequentibus sensim
longioribus, ultimo simplici apice subacuminato. — Palpi maxillares articulo
$. Statura multo majore, latiore, oculis minoribus, in fronte approximates, sed non conti-
guis, antennis brevioribus, elytris saepissime apicem versus plus minusve infuscatis.
Long. 5 l / 4 — 9 mm.
Prov. Transcaspica: in desertis sabulosis Kara-kum dictis, praesertim ad Kepetek, noctu
frequenter copioseque ad lumen advolans (ipse. V. 1888; V et VI. 1889). — Specimina numerosa
(5$) in coll. P. a Semenow.
Anim adver sio. Ad genus Älleculopsis m. referenda est sine ullo dubio etiam Allecula?
macrophthalma Gebl. (Bull. Soc. Nat. Mose. 1859. II, p. 341), secundum singulum specimen $
a D-re Al. Schrenk ad lac. Ala-kul (Kirgisorum déserta orientalia) olim detectum eximie ab
illustrissimo auctore 1. c. descripta. Hanc quidem speciem eandem esse ac mea Älleculopsis
deserticola diu existimabam, tamen nunc speciem meam transcaspicam ab ilia Gebleri distin-
guendam arbitror; ait enim Gebier speciem suam prothoracem postice rotundatum, supra
valde convexum angulisque posticis obtusis habere, quod in Alleculopsi deserticola m. non
observatur.
4) Quam ob rem ab opinione Edm. Reitteri, qui genus Petria m. ad familiam Meloidarum
referendum et ibi pone genus Ctenopus Fisch, collocandum in litteris judieavit, omnino dis-
sentio. Clarissimus ille vir de genere Petria m. sequentia quidem mihi scripserat: «Der kleine
Heteromere (Petria Sem.) passt in keine Familie besonders, doch scheint es mir, dass man ihn
(allenfalls am Schlüsse der Meloiden, hinter Ctenopus ganz gut placiren kann».
Bulletin N. S. III (XXXV) p. 611.
364 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
ultimo penultimo saltern sesqui longiore, non dilatato, apice leviter attenuato
et subtruncato. — Mandibulae elongatae, integrae, apice acutissimae. —
Labrum transversuin , longitudine saltern duplo latius, apice fere recte
truncatum. — Caput mediocre, pone oculos parum vel vix angustatum,
fronte sat angusta, clypeo breviusculo, transverso, a fronte impressione
subarcuata suturaque tenui separate, apice levissime sinuate. — Oculi (S)
magni, laterales, subreniformes, valde convexi, supra et subtus distantes, ad
insertiorem antennarum vix emarginati, grosse granulati. — Prothorax ely-
tris multo angustior, subcylindricus, basi vix latior quam apice, lateribus
fere rectis, basi et apice recte truncatus, angullo externe ante apicem fortiter exciso. —
Long. 9y a mm.
Ct. persicus m.
12 (11). Fronte et vertice vix convexis. Oculis majoribus et latioribus.
Thorace lateribus medio modice et sensim dilatato valdeque
rotundato. Scutello latiusculo, apice obtuso, basi cum mesonoto
leviter depresso. Elytris distincte pubescentibus, singulo externe
ante apicem fere non angustatum vix exciso. — Long. liy 3 mm.
Ct. Reitteri m.
Bnlletin N. S. IV (XXXVI) p. 13.
370 ANDREAS SEMENOW, [T. XIII
CONSPECTUS SPECIEBUM SYSTEMATICUS ET STNONYMICUS.
Genus Otenopus Fisch.
Ctenopus Fischer. Entomogr. Eoss. II, 1823 — 24, p. 174.
Ctenopus Lacordaire. Gen. Col. V, 1859, p. 689.
Ctenopus Jacquelin-Duval. Gen. Col. Eur. III, 1859—63, p. 435 7 ).
Ctenopus Dokhtouroff: Horae Soc. Ent. Ross. XXIV, 1889, p. 187 »).
Ctenopus Seidlitz. Fauna Bait. Ed. II, 1891, p. 145 (Gatt.) c. nota 6.
Ctenopus Seidlitz. Fauna Transsylv., 1891, p. 145 (Gatt.) c. nota 6.
1. Ctenopus rufoscutellatus Rttr.
Ctenopus rufoscutellatus Reitter: Verhandl. naturf. Ver. Brunn. XXVII, (1889)
1890, p. 122 (nomen nudum).
Ctenopus rufoscutellatus Reitter: Deutsch. Ent. Zeitschr. 1889, p. 38.
Incolatus : Provinciae Transcaspicae oasis Achal-teke: Aschabad (H. Leder,
teste E. Reitter).
2. Ctenopus vitticollis Rttr.
Ctenopus vitticollis Reitter: Deutsch. Ent. Zeitschr. 1889, p. 38.
Incolatus: Transcaucasia australis: vallis Araxis fluminis prope Ordu-
bad (A. Kubischtek, teste E. Reitter).
3. Ctenopus testaceus, sp. n.
Minor, parum elongatus, totus dilute rufo-testaceus, solum antennis
inde ab articulo 4° (praesertim subtus), apicibus mandibularum coxisque
posterioribus partim infuscatis. Antennis elytrorum basin paulo superanti-
bus, modice tenuibus, articulo 2° brevi, 3° hoc duplo longiore, 4° tertio
manifeste breviore, 5° secundo distincte longiore. Capite nitidulo, brevissime
parce pubescenti, fronte lata, leviter convexiuscula, utrinque supra inser-
tionem antennarum profunde foveatim impressa ibique et secundum mar-
ginem internum oculorum haud nimis copiose punctata, etiam vertice ad
latera punctato ; temporibus vage vix punctatis latitudinem oculorum saltern
duplo superantibus; his sat parvis, praesertim angustis; epistomate piano,
fere omnino laevi, a fronte sutura fere recta separato; labro subelongato,
sed evidenter transverso, apice sat profunde subangulatim exciso. Prothorace
latitudini capitis aequante, longitudine sua sesqui latiore, lateribus antrorsum
fortiter recteque dilatato, latitudine maxima in triente anteriore, angulis
anticis et posticis rotundatis, apice fere recto, basi levissime arcuata, disco
7) Hic repetitur descriptio cl. Lacordairei.
8) Repetitur eadem descriptio absque indicatione fontis!
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 14.
T. XIIl] REVISIO SYKOPTICA MELOIDARUItt GENERIS CTEXOPUS FISCH. 371
longitudinaliter subelato, utrinque latera versus sat fortiter declivi ibique
late et profunde foveatim impresso, circa impressiones obsoletissime
parce punctato, medio laevi, nitido; sulculo medio obsoleto solum in dimidio
posteriore distincto. Scutello sat lato, sublaevigato, basi transversim im-
presso. Elytris ad humeros obliquato-rotundatos thorace parum latioribus,
sat brevibus (latitudine l 3 / 4 longioribus), parallelis, in triente posteriore
fortiter subitoque dehiscentibus, apice singulatin parum angustatis et sat
obtuse subrotunclatis, supra nitidis, subtilissime fere microscopice punctu-
latis obsoleteque leviter quasi friatis, brevissime dense subsericeo-pubes-
centibus, singulo nervis 2 dorsalibus tertioque supra-marginali crassis et
acutis (externo dorsali fere cariniformi) praeditis, secundum suturam dor-
salem distincte marginatis. Alis hyalinis fere non fumosis. Abdominis
segmento anali penultimo simpliciter emarginato (<$). Pedibus sat brevibus,
validiusculis. Tibiarum posticarum calcaribus aequalibus, externo vix
latiore apiceque obtuse truncato.
Long. 8%, lat. 3% mm.
Incolatus: Turkestan chinense: oasis Nia (exped. M. Pewtzow! 1 — 20.
IV. 1890). — Individuum unicum (<$) in coll. P. a Semenow.
Haec species jam colore et habitu a congeneribus omnibus facillime
dignoscenda est.
4. Ctenopus aurantiacus, sp. n.
Mediocris, sat elongatus, laete aurantio-testaceus, scutello concolori,
lateribus mesosterni, metasterno toto, abdominis segmentis 3 basalibus
mandibulisque ad apicem piceis, antennis ab articulo 3° sensim infuscatis.
His elytrorum basin parum superantibus, mediocriter tenuibus, levissime
compressis, articulo 2° sat brevi et latiusculo, 3° hoc minus quam duplo
longiore, 4° tertio perparum breviore, 5° secundo evidenter longiore.
Capite sat angusto, nitido, breviter sparsim pallido-pubescenti, fronte lata,
leniter convexa, medio laevi, utrinque ad oculos sat copiose sed baud nimis
dense punctata, vertice convexo temporibusque sat sparsim et minus distincte
punctatis, his latitudinem oculorum saltern duplo superantibus; oculis sat
parvis et angustis; epistomate ad basin labri leviter impresso, sat elongate
apiceque distincte sinuato, a fronte sutura valde arcuata profundeque immersa
separato; labro haud nimis brevi, transverso, apice parum sinuato. Pro-
thorace capite vix latiore, minus brevi, latitudine perparum breviore, ergo
vix trausverso, lateribus in medio valde angulatim dilatato-subrotundato,
dein apicem versus fortiter obliquato-angustato, margine apicali leniter
sinuato, basali fere recto, solum in medio vix sinuoso; angulis posticis ob-
Bulletin N. S. IY (XXXYI) p. 15.
372 ANDREAS SEMENOW, [î. XIII
tusissime rotundatis; disco convexiusculo, latera versus sat fortiter sed
sensim declivi, omnino aequali, nitido, disperse et obsolete punctato ; sul-
culo mediano basi tantum indicato ibique profunde impresso. Scutello latius-
culo basi sat fortiter depresso confertimque subobsolete punctulato. Elytris
ad humeros simpliciter rotundatos thorace multo latioribus, latitudine duplo
longioribus, parallelis, inde a medio sensim, in triente autem posteriore
subito fortius dehiscentibus, apice singulatim sat fortiter angustatis et obtuse
acuminatis, supra sat nitidis, microscopice crebre punctulato-coriaceis,
brevissime dense rufo-pubescentibus, nervis 2 dorsalibus vix indicatis. Alis
modice infumatis. Abdominis segmento anali penultimo late arcuatim exciso,
longitudinaliter sulcatim impresso (&). Pedibus modice brevibus, hand nimis
fortibus. Tibiarum posticarum calcaribus longitudine aequali, sed externo
dilatato apiceque fortiter oblique truncato.
Long. 11, lat. 4% mm.
Incolatus: Persia borealis: Shahrud (H. Christoph!). — Individuum
unicum (<$) in Museo Zool. Acad. Caes. Scient. Petrop.
Quoad colorem scutelli Ct. rufoscutellato Rttr. similis esse videtur; sed
labro evidenter transverso, oculis non tam magnis, fronte multo latiore,
capite minus punctato, prothorace vix transverso aliterque formato, colore
nonnullarum partium corporis (pedum etc.) a specie Reitteriana longe
discrepat. — A Ct. mélanogastro Fisch, differt praesertim, praeter colorem
nonnullarum partium corporis (et imprimis scutelli), statura paulo graciliore,
labro apice multo minus sinuato, capite angustiore et minus valido, minus
punctato, scutello latiore apiceque obtusiore, sutura epistomatis fortiter
arcuata profundeque impressa, prothorace multo angustiore et longiore
latitudinem maximam medio attingente, margine apicali multo angustiore,
alis minus fumatis etc. — A Ct. testaceo m. (v. supra) magnitudine majore,
labro apice minus exciso, fronte impressionibus foveiformibus destituta,
sutura epistomatis fortiter arcuata et impressa, thoracis fere non transversi
confîguratione plane diversa, ejus disco impressionibus omnino destituto,
elytris paulo longioribus, apice singulatim multo magis acuminatis, nervis
dorsalibus fere indistinctis, alis fumosis, pedibus debilioribus, colore meta-
sterni et abdominis aliisque notis valde distat. — A Ct. vitticoïli Rttr.
temporibus multo latioribus, colore et magnitudine jam facile distin-
guendus est.
5. Ctenopus melanogaster Fisch.
Ctenopus melanogaster Fischer. Entomogr. Ross. II, 1823—24, p. 176; tab.
XXXVIII, f. 1.
Ctenopus melanogaster Reitter: Deutsch. Ent. Zeitschr. 1889, p. 37.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 16.
T. XIIl] REVISIO STNOPTICA MELOIDARUM GENERIS CTESOPUS FISCH. 373
Incolatus: Transcaucasia australis: vallis Araxis fluminis prope Ordubad
(teste E. Reitter).
Animadversio. Nescio, hancne speciem Dokliturow 9 ) in finibus pro-
vinciae Transcaspicae habitare indicet. — Ctenopus vero «melanogaster»
Heydeni 10 ), si modo indicatio ejus incolatus (confînia lacus Issyk-kul)
recta est, pertinet certe ad speciem a Gtenopo melanogastro Fischeri
distinctam.
6. Ctenopus persicus, sp. n.
Mediocris, sat elongatus, aurantio-testaceus, nitidus, scutello, apicibus
mandibularum, segmentis abdominalibus 4 basaiibus, meso- et metasterno
piceis, antennis inde ab articulo 4° sensim infuscatis, temporibus macula
obliqua indeterminataque fuscescenti notatis. Antennis elytrorum basin
parum superantibus, modice tenuibus, articulo 2° sat brevi et latiusculo,
3° hoc duplo longiore, 4° tertio sesqui breviore, 5° secundo distincte sed
parum longiore. Capite latiusculo, nitido, ad latera brevissime sparsim
pallido-pubescenti, fronte valde lata et medio (praesertim verticem versus)
valde convexa, utrinque ad oculos fortiter lateque impressa, in impressionibus
sat copiose nee nimis crebre punctata, vertice convexo et praesertim tem-
poribus sat copiose sed minus determinate punctatis, his latitudinem ocu-
lorum sat parvorum praesertimque angustorum 2 x / 2 superantibus; epistomate
sutura modice impressa et fere omnino recta a fronte separate ; labro for-
titer transverso apice parum sinuato. Prothorace sat brevi latitudinem capitis
fere non superante, longitudine circiter \ l / 3 latiore, lateribus in medio for-
tissime angulatim dilatato-subrotundato, dein apicem versus valde angus-
tato-obliquato, margine apicali medio leniter sinuato, basali levissime
arcuato; angulis anticis et posticis omnino obliteratis; disco levissime
convexo, utrinque latera versus sensim declivi, omnino aequali, nitido,
distincte sed disperse punctato; sulculo mediano solum basi vix indicato
ibique leviter impresso. Scutello angusto, fere subacuminato, basi unacum
mesonoto fortissime impresso, apice laevigato et nitenti. Coleopteris ad
numéros non prominulos obliquatosque latitudinem thoracis modice superan-
tibus, latitudine duplo longioribus, parallelis, in triente basali sensim, post
medium fortius dehiscentibus, apice singulatim subacuminatis leviterque
rotundatis, externe in triente basali sat fortiter excisis, supra valde nitidis.
haud nimis crebre grossiusque coriaceo-punctatis et rugulosis, sparsim
brevissime rufo-pubescentibus, nervis duobus dorsalibus tenuibus distinctis,
9) Dokhtouroff: Horae Soc. Ent. Ross. XXIV, 1889, p. 188.
10) Heyden: Deutsch. Ent. Zeitschr. 1887, p. 309.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 17. • 26
374 ANDREAS SEMENOW, [t. XIII
praesertim exteriore bene indicato. Alis sat fortiter fumosis. Abdominis
segmeiito penultimo haud exciso ($). Pedibus modice brevibus, haud
fortibus. Tibiarum posticarum calcaribus longitudine aequali, sed externo
multo latiore, apice simpliciter obtusato.
Long. 9V 2 , lat. 4 mm.
Incolatus: Persia borealis: Shahrud (H. Christoph!). — Specimen uni-
cum (2) in Museo Zool. Acad. Caes. Scient. Petrop.
Diftert a Gt. aurantiaco m. (v. supra), praeter colorem scutelli, praecipue
capite latiore, fronte convexiore utrinque ad oculos late impressa, sutura
epistomatis non tam impressa, haud arcuata, oculis minoribus et angustio-
ribus, thorace evidenter breviore et latiore, lateribus medio mägis adeo
dilatato, scutello multo angustiore, basi cum mesonoto profunde excavato,
elytris nitidioribus multo minus confertim grossiusque sculptis, multo
brevius, subtilius et parcius pubescentibus, etc. — Quoad colorem scutelli
accedit Gt. melanogastro Fisch. , a quo tarnen statura minore et graciliore,
capite minus punctato, vertice et fronte magis convexis, hac utrinque multo
magis impressa, thorace minus brevi latitudinem maximam medio attingente
ibique multo fortius angulatim dilatato, formam regularius hexagon alem
praebente, scutello multo magis angustato basique cum mesonoto profunde
excavato, elytris nitidioribus, aliter sculptis, multo parcius breviusque pubes-
centibus aliisque aliquot signis facile distinguitur. — A Gt. vitticolli Rttr.
structura capitis, colore nonnullarum partium corporis, magnitudine majore
probabiliterque forma scutelli, a Gt. rufoscutellato Rttr. imprimis structura
labri, oculorum et frontis, sculptura capitis, configuratione thoracis nec non
colore nonnullarum partium corporis (scutelli etc.) valde differre videtur.
7. Ctenopus Reitteri sp. n.
Mediocris, laete et dilute rubro-testaceus, scutello, apicibus mandibu-
larum, coxis anticis basi, ceteris totis, meso- et metasterno abdomineque
(segmentis 3 ultimis aurantiacis exceptis) nigris, antennis ab articulo 3°
sensim infuscatis. His elytrorum basin vix superantibus, fortiusculis, arti-
culo 2° modice brevi, tertio hoc 1% latiore, 4° tertio evidenter sed parum
breviore, 5° secundo subaequali. Capite sat lato, nitido, ad latera breviter
sparsimque rufo-pubescenti, fronte sat lata, modice convexiuscula, utrinque
ad oculos sat fortiter nec valde late impressa ibique et secundum marginem
internum oculorum copiose profundeque irregulariter punctata, medio an-
guste subelevata, laevigata atque obsoletissime longitudinaliter subsulcata,
vertice parum convexo medio laevi, ad latera sat copiose sed minus crebre
et paulo subtilius punctato, temporibus latitudinem oculorum vix duplo
Bulletin N. S. IV -(XXXVI) p. 18.
T. XIIl] REVISIO SYNOPTICA HELOIDARUM GENERIS CTENOPUS FISCH. 375
superantibus parum punctatis; oculis sat evolutis nec nimis angustis; epi-
stomate sat brevi, apicem versus fortiter angustato, a fronte sutura leniter
arcuata parumque impressa separato; labro valde transverso apice parum
sinuato. Prothorace capite paulo angustiore, haud brevi, longitudine paulo
(îyj latiore, lateribus medio minus fortiter dilatato valdeque rotundato,
dein antrorsum magis quam basin versus angustato, apice multo angustiore
quam basi, margine antico recto, basali levissime subarcuato; angulis
omnibus omnino obliteratis; disco parum convexo, ad latera fere non declivi,
aequali, nitido, utrinque prope medium sat indeterminate angusteque im-
presso, punctis paucis dispersisque notato, paulo ante basin foveola longius-
cula pro sulco mediano impressa. Scutello lato, indeterminate subpunctato,
basi sat fortiter transversim depresso. Elytris ad bumeros simpliciter sub-
rotundatos thorace evidentissime latioribus, latitudine plus quam duplo
longioribus, parallelis, externe in triente posteriore vix sensimque excisis,
supra subnitidis, sat crasse coriaceis, brevissime haud dense rufo-pubescen-
tibus, nervis duobus dorsalibus tertioque supra- marginali satis distinctis
praeditis. Alis sat fortiter fumosis. Abdominis segmento penultimo late
arcuatim exciso ($). Pedibus sat longis et gracilibus. Tibiarum posticarum
calcaribus aequalibus, exteriore altero paulo tantum latiore, apice simpli-
citer obtusato.
Long. HV3, lat. 4 mm.
Incolatus: Transcaucasia: Dshulfa provinciae Erivanensis (H. Chri-
stoph!). — Singulum specimen ($) in Museo Zool. Acad. Caes. Scient.
Petrop.
Differt a Gt. persico m. (cf. supra) praecipue vertice et frcnte multo
minus convexis, hac utrinque minus impressa, epistomate latiore apicem
versus angustato, oculis evidenter majoribus et latioribus, temporibus autem
angustioribus, thorace angustiore, multo minus transverso, lateribus medio
minus neque angulatim dilatato, magis et latius rotundato, disco miuus
convexo, ad latera non declivi, scutello multo latiore apice nullo modo
acuminato, elytris minus nitidis, densius pubescentibus, singulo apicem
versus minus angustato et externe minus exciso, humeris paulo magis pro-
minulis, etc. — A Gt. melanogastere Fisch., praeter colorem totius corporis
pallidiorem, praesertim statura graciliore et minus forti, capite minus lato,
epistomate evidenter latiore, thorace minus lato et transverso, proportiona-
liter distincte longiore, latitudinem maximam medio attingente ibique magis
et latius rotundato, scutello latiore apiceque obtusiore, elytris acl apicem
minus angustatis, nitidioribus, multo crassius sculptis (evidentissime coria-
ceis nec microscopice punctulatis), minus dense pubescentibus, nervis dor-
Bnlletin N. S. IY (XXXYI) p. 19. 26*
376 ANDREIS SEMENOW, REVISIO SYNOPTIC! ETC. [T. XIII
salibus minus expressis jam facile distinguendus est. — A Gt. aurantiaco m.
(cf. supra), cui statura et habitu primo aspectu similior est, discedit imprimis
labro breviore, epistomate latiore antrorsum angustato, sutura multo minus
arcuata a fronte separato, hac utrinque sat fortiter impressa, thorace paulo
breviore lateribus magis latiusque rotundato, disco valde nitido, minus con-
vexo et ad latera multo minus declivi, elytris ad apicem multo minus angus-
tatis, multo crassius sculptis, ideo nitidioribus, multo brevius parciusque
pubescentibus nee non scutello nigro. — A Gt. vitticolli Rttr. discrepat
magnitudine duplo majore, colore nonnullarum partium corporis nee non
structura temporum; a Gt. rufoscutettato Rttr. structura labri, oculorum,
frontis et thoracis, sculptura capitis atque colore scutelli omnino longeque
divergit.
Hanc distinctissimam speciem amico meo venerabili, meritissimo ento-
mologo austriaco Edm. Reitter dedicavi.
-»oXXo»-
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 20.
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIEES DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST,- PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Das Genus Sparganium L. — Systematische Beschreibung der Arten nebst Dar-
stellung ihrer Verbreitung auf Grundlage ihres Vorkommens im Gouv.
St, Petersburg. Von K. F. Meinshausen. (Lu le 27 mai 1892.)
Meine Beobachtungen und Erfahrungen über das Vorkommen und Ver-
halten der Sparganien- Arten in der russischen Flora, über die ich früher
schon in einer kurzgefassten Schrift (Bulletin de la soc. Imp. des natur. de
Moscou, 1889 n. 1.) einige Notizen und Berichtigungen veröffentlicht hatte,
Hessen erwarten und sprach ich auch schon die Vermuthung aus, class ihre
Mannigfaltigkeit grösser sein müsse und dass in unseren Sammlungen wohl
erst nur die mehr allgemein verbreiteten und häufig vorkommenden Arten
vorliegen möchten. Dieser Gedanke ist um so mehr berechtigt, da die Arten
dieser Gattung vornehmlich in nördlichen Zonen einen grösseren Formen-
kreis aufweisen, auch wohl ihre wahre Heimath in unserem Lande zu ver-
muthen ist, und bewog mich auch auf meinen weiteren botanischen Streife-
reien, die schon in den letztverflossenen Jahren sehr darauf gerichtet waren,
mannigfaltige Defecte zu ergänzen und Zweifel zu lösen, im Laufe dieses
Sommers (1891) diese Aufgabe ganz besonders oben an zu stellen — die
Sparganien in der Zeit ihrer vollen und besten Lebensperiode und Ent-
wicklung, welche in unserem Lande etwa in die Monate Juli und August
fällt, in ihren Verstecken aufzusuchen und an Ort und Stelle zu studiren.
Leider aber erwiesen diese Monate sich auch in diesem Sommer gerade
für die Sparganien nicht als die günstigsten, da durch die vielen, oft starken
und anhaltenden Regen in den schon sehr bewässerten Ortschaften auch
meine Wege von mancherlei Unbequemlichkeiten und Widerwärtigkeiten
stark betroffen und behindert waren. Indess wenn auch die Sammlungen
- bei günstigeren Umständen viel reichhaltiger ausgefallen wären, so waren
sie doch nicht ohne Erfolg und enthielten wiederum einige Neuigkeiten für
die Flora, namentlich aber auch für die Sparganien.
Die Arten der Sparganien, wie bekannt, sind ihrer Lebensbedin-
gungen wegen, vor Allem vom Gewässer abhängig. Doch wie das Gewässer
einerseits ist auch Bodenbeschaffenheit und Landesphysiognomie andererseits
für dieselben von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Wenn in einzelnen
Fällen die Naturmannigfaltigkeit äusserlich deutlich und grell hervorleuchtet,
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 21.
378 K. F. MEINSHAUSEN, [T. XIII
so sind andererseits audi oft kaum differirende Anzeichen bemerkbar, welche
sie erklären. So wachsen z. B. verschiedene Pflanzenarten unter gleichen
Umständen nebeneinander, wie man oftmals Sp. simplex und Sp. glome-
ratum trifft, in einem und demselben Reservoir ohne in gleicher Weise in
andere Zonen einander zu folgen. Sp. natans findet man in demselben See,
nur in grösserer Tiefe des Gewässers, wo unfern am flacheren Saume des-
selben Sp. minimum ebenso gut gedeiht. Worin wäre hier die Ursache zu
finden, dass ersterem in ihrem Vorkommen im Süden westlich schon in Liv-
land und dann östlich schon in der Zone von Moskau die Südgrenze be-
stimmt ist, da es doch weiter im Süden nicht wenige derartige Seen giebt,
in denen sie ebenso versorgt wären, um so mehr da Sp. minimum diese
Grenzen weit überschreitet und im südlichen Russland, bei Kursk gefunden
wird und über ganz Deutschland verbreitet, sogar auch in Frankreich sich
findet?
Meinen Notizen nach fand ich die verschiedenen Arten in Ingrien an
ihren Standorten in folgender Weise vorkommend:
Nur Sp. flaccidum und Sp. natans sind stets fast gänzlich im Wasser
versenkt und nur zur Zeit der Blüthe mit diesen über die Oberfläche her-
vortretend, während die sehr langen, dünnen und schmalen, gerade auf-
strebenden Blätter mit dem überragenden Theil auf dem Spiegel des stets
klaren Gewässers ausgestreckt schwimmen.
Andere mit zarteren Geweben der Stengel und Blätter, meist sehr
kleine und feine Gewächse, als: Sp. perpusillum, Sp. minimum, wahrschein-
lich auch die Arten mit gleichartigen Geweben, die ich aber zunächst erst
in Herbarien genauer kennen gelernt habe, wie: Sp. oligopliyllum und Sp.
angustifolium Mchx., die alle mehr oder minder in flacheren Gewässern,
deren Stand weniger dem Wechsel unterworfen, angetroffen sind, werden
eine Entwässerung, wenn sie nicht häufig immer wieder benetzt werden,
kaum längere Zeit ohne zu verderben ertragen können. Ich begegnete ihnen,
wo sie meist mehr oder minder vom Wasser bedeckt waren, und nur in sel-
tenen Fällen auf dem noch genetzten Grunde versiegender Bäche, auch in
Gräben, gewöhnlich augenscheinlich dem Verderben verfallen.
Hiergegen sind die Arten der ersten Gruppe meist von recht starkem
und kräftigem Wüchse und mit gepolsterten, fleischig flachdreikantigen
Blättern, namentlich: Sp. ramosum Huds., Sp. simplex Huds v Sp. splendens
m., Sp. fluitans Fr. (Sp. glomeratum Laest.), wohl auch Sp. Glelini m., Sp.
americanum Nutt., Sp. simile m., und Sp. subvaginatum m. Sie stehen mit-
unter kaum halb unter Wasser, oft auch nur mit der Basis im Wasser, sonst
mit Stengeln und Blättern hervorragend der Sonne und trockenen Luft aus-
gesetzt, sind daher auch befähigt in südlichen und recht warmen und trocknen
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 22.
T. Xlll] ■ DAS GENUS SPAKGANIÜM L. 379
Zonen ihr Dasein zu erhalten, wofür auch das Vorkommen des Sp. ramosum
in West-Indien und in der bengalischen Flora von Griffith — Postumens
etc. Tom. III, p. 158, t. 168 — in der Abbildung (meiner Ansicht nach
Sp. ramosum Huds.!) Kunde giebt.
In unserer Zone kenne ich nur eine Art mit flachen Blättern aus der
zahlreichen Gesellschaft der zweiten Gruppe, die etwa in gleicher Weise,
wie die oben beschriebene der ersten Gruppe wächst, nämlich — Sp. sep-
tentrionale m., welche während ihrer ganzen Lebensperiode, von der
Blüthe bis zur Fruchtreife nur in gleichmässig träge rieselndem klarem
Gewässer wachsend, mit ihrem Stengel und recht charakteristisch-zweizei-
ligen und aufstrebenden Blättern hervorragend, freudig gedeiht. Ich beobach-
tete die Pflanze im Laufe mehrerer Sommer und fand sie in gleicher Weise
ihren Lebenslauf beginnend und beschliessend.
Man wäre vielleicht geneigt ihr die Befähigung beimessen zu wollen,
auch in der Natur südlicher Zonen ausdauern zu können, wenn nicht hier
in der Landesphysiognomie der Charakter des im Allgemeinen hügeligen
Landes mit den auf Meilen ausgedehnten mächtigen Torfmooren, die düste-
ren, oft dichten-Waldungen, welche dem rauhen nordischen Charakter gemäss
das starke Verdunsten der Gewässer hindern, so deutlich ausgesprochen
wäre. Es erregt vielmehr Verwunderung, wie das hierselbst so engange-
schlossene Land bei so ungleicher Natur zu verharren vermochte.
Ähnliche weitausgedehnte Torfmoore sah ich auch im Süd gebiete
Ingriens, diese sind aber daselbst auf einem festen Kalkstein gelagert, dem
der Quellenreichthum fehlt, daher auch die Torfe von ganz anderer Natur
sind. Dort scheinen die grossen Winterschneemassen sie vornehmlich zu
bewässern und, gedeckt von einer mehr oder weniger niedrigen Strauch-
vegetion, zu erhalten. Da aber die oft stark brennenden Strahlen derFrüh-
lingssonne auf die oft sehr weite offene Schneedecke wirken und sie bald
schmelzen machen und die Wasser in die lockere Unterlage oder in die Tiefen
eilen, die dichten Sphagnum-Torfe auch bald entblösst werden, und wenn
nicht immer wiederholt Regen das entblösste, weite Land netzen und speisen,
gänzlich versiegen müssen, so verdorrt die Vegetation. Daher trifft man
hier meist, wo hin und wieder in den Rinnen vertiefte Auswaschungen noch
das Gewässer in einem muldenartigen mit Kalktufftrümmern untermischten
Boden aufzuhalten vermochten, eine nur kümmerliche Vegetation, die er-
halten blieb. In solchen muldenartigen Tiefen fand ich unter anderen Ge-
wächsen, auch mit einer sehr modificirten Form des Sp. minimum Fr., das
sehr eigenthümliche Sp. splendens m., im Mergelteig fussend.
Im ftordgebiete ist mir der eigenthüm liehen, wohnlichen Einrichtung
wegen, ein bemerkenswerthes Gewächs — das Sp. raus m., welches ich
Bulletin N. S. 1Y (XXXVI) p. 23.
380 K. F. MEINSHAUSEN, [T. XIII
vor einigen Jahren auf dem Gewcässer kleiner Waldseen sah, wo es kleinere
und grössere dicht verwebte Kolonisationen von der Form etwa 3 — 5 Fuss
grosser, rundlicher, schwimmender Inseln, rein ihres Geschlechts bildet,
aufgefallen. Scheinbar unabhängig von einer Bodenbefestigung, vom Winde
bewegt, schifften sie, wenig überragend, auf der Oberfläche der Gewässer,
wo sie durch ihre dunkle Färbung leicht für Fontimlis antipyretic«,, die
hier häufig in den Bächen sich findet, oder andere Moosgeschlechter, auch für
Schlamm angesehen werden könnten.
Da eines der nächsten Inselchen im mooriggeschwärzten Gewässer
nicht anders erreichbar war, zog ich es mit Hülfe eines längeren Stabes,
dessen beblätterte Spitze ich in die äussersten Randpflänzchen eindrehte,
zu mir heran. In dem Gewirr zahlloser Pflänzchen, welche mit den Gipfeln
hinuntergebogen und sämmtlich fest aneinanderhingen, fanden sich inzwischen
nur sehr wenige fructificirende, die dann aber auch sehr schwierig ohne das
Pflänzchen sehr zu verletzen, herauszuwirren waren. Sehr eigenthümlich
erschien das im Verhältniss zum Stengel sehr verdickte, kurzverzweigte,
sprossende Rhizom mit den zahlreichen, bartartig hängenden, schwarzen
langen Wurzelfasern. Wie überhaupt bei den Wassergewächsen die Zer-
setzung der Gewebe rasch von Statten geht, bemerkte ich es an dieser
Pflanze hier ganz besonders. Wenn jüngere Wurzeln an der Neubildung
von etwa Gänsekiel-Dicke recht fest schienen, war doch kaum zollweit davon
entfernt, ältere Bildung bei geringerer Berührung breiartig zerdrückt. Schon
Ende August ist ihre Lebensperiode beendet und der See oberflächlich rein
von der Pflanze. Es gelang mir indess mit einer Harke aus dem etwa 2 — 3
Fuss tiefen Grunde, unter Schlamm etliche Pflanzenstücke und Sprossen
hervorzuziehen.
Sparganien im trocknen Lande wachsend habe ich nicht gesehen und
glaube auch nicht, dass eine unserer Arten ohne Vorhandensein von Wasser
sich entwickeln kann.
Sehr interessant gestalten sich die botanisch-geographischen Betrach-
tungen über die Eigenart der zonischen Verhältnisse Ingriens, in welchen
die Natur des Nordwärtsstrebens der Sparganiumarten sich so deutlich er-
kennen und nachweisen lässt.
Hier etwa im 60° n. Br. bildet der Lauf der Newa, von Osten nach
Westen strömend, eine deutliche Grenzlinie zwischen zwei durch ihre Bo-
denformation und zugehörige Flora grellkontrastirenden Gebieten.
Das eine, der rauhe nordische, ingrische Antheil des karelischen Isthmus,
— ist charakterisirt durch Wasserreichthum der zahlreichen kleineren und
grösseren Bäche und Seen, die ausgedehnten Torfmoorgründe, auch durch
von Moosen stark verwachsene Sümpfe. Obgleich sonst auch trockene, oft
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 2-i.
T. XIIl] DAS GENUS SPARGANIUM L. 381
dürre, licht bewaldete Sandhügelerhebungen das Land vielfach durchziehen,
so stösst man auf seinen Wegen immer wieder auf sehr hindernde und unter-
brechende Sumpfgewässer und die Natur ist bei allem Anscheine grosser
Üppigkeit nur eine meist recht kärgliche und einförmige, — denn hier
zieren die üppige Wiese vielfach die harten Galamagrosüs und dergleichen
Gräser und Kräuterarten; auch ist das blüthenreiche Thal bemerkbar reichlich
mit Epilobium angiistifolium (dem bekannten Kaporka) und anderen hier
sehr verbreiteten kleineren und grösseren Gewächsarten einförmig geschmückt.
Dagegen ist die Zone des Südlandes, welche hier zunächst oft an den
Newa ström stösst, mitunter auch das linke felsige Ufer bildet, auf einer
wärmenden Unterlage — dem silurischen Kalkstein — gelagert, der mehr
oder minder in einem breiten Streifen anstehend und mit Landeserhebungen,
landrückenartig, fast 400 Werst, das weite Land durchzieht, durch seine
begünstigenden Eigenschaften den Boden mit einer grossen Fruchtbarkeit
und einer reichen auch sehr mannigfaltigen Flora begabt. Die Wiese hier,
anscheinend mit spärlichen, oft wenig üppigen Kräutern und Gräsern be-
grünt, bietet die zartesten und nahrhaftesten Gewächse, wie um so mehr
ist das fruchtbare Thal in grösster Fülle von den zierlichsten und schmuck-
vollsten Blüthen geziert. Auch den Waldboden begünstigt eine grössere
Baum- und Gesträuchmannigfaltigkeit als im Nordgebiete. Freilich im All-
gemeinen ist hier dem Lande das Gewässer nicht so reichlich zugemessen
und wird sogar in Zeiten grosser Trockenheit in einzelnen Gegenden recht
bemerkbar entbehrt.
Diesem Lande im Süden wiederum lehnt sich das Diluvium an, welches
durch die höhere Lage des ersteren gegen die rauhen, nordischen Ströme
geschützt, ein ansehnlich gemildertes Klima, dadurch auch eine begün-
stigtere Natur geniesst. Obgleich anscheinend untei gleichartigen Verhält-
nissen mit dem Nordgebiete — die Sand- und Lehmboclenarten des welligen
und hügeligen Landes mit den vielen Gewässern vorherrschend — sind hier
die Landschaften auf kaum über hundert Werst südlicher doch schon um
zwei Wochen, oft auch früher, im grünenden Frühlingsschmuck und über-
haupt ist die Vegetation mit einer reicheren Flora, auch aus den Formen
viel südlicherer und wärmerer Zonen ausgestattet.
Bei so begünstigten Umständen des Landes stellt sich für die begrü-
nende Flora in den ihr eigenen Geschlechtern und» Arten gegenüber der
Nordflora, ein im Verhältniss sehr ungleicher Procentsatz heraus, welcher
natürlich für die Güte und die Vorzüge dieses Südlandes spricht.
Nach gegenwärtiger Kenntniss unserer ingrischen Landesflora ist die
Gesammtzahl der heimischen Arten etwa 910, in welcher die Südflora mit
185 Arten, welche im Nordgebiete nicht gefunden sind, meist aus Ge-
Balletin N. S. IY (XXXVI) p. 25.
382 K. F. MEINSHAITSEN, [t. XIII
schlechtem sehr viel südlicherer Zonen — daher mit 20% im Antheil zu
verzeichnen; dagegen zählt das Nordgebiet (ohne Sparganien wie auch bei
jenen) nur 9 Arten, hiermit würde die Zahl nur 1 °/ ergeben, die wiederum
der Südflora fehlen, oder vielmehr die im besprochenen Südgebiete unserer
Flora nicht genannt sind, da zum Theil auch einige dieser Nordflora in viel
südlicheren Floren aufgeführt werden 1 ), so würden diese das Minimum um
so mehr noch herunterstellen, aber der Kontrast der Zahlen als Hauptbe-
dingung, für das Südgebiet einerseits — die Wärme und Trockenheit des
Landes — ins Gewicht fallen; wie andererseits aber für Sparganium im
Minimum ausgedrückt ist : — Das Wasser ist ihr Element, ihr Leben und
Schutz; die Wärme und Trockenheit ihr Tod!
Die Beweisführung ist nicht schwer und hier so kurz und deutlich dar-
gestellt, dass ihr Vaterland auf den Norden hingewiesen sein müsse, da un-
serem bisherigen, wenn vielleicht auch noch nicht ganz genügendem Wissen,
sie in ihrem Vorkommen durch vorhandenes Material sich nur so erklären
lässt.
Sie entwickeln sich und wachsen im Gewässer, kalt oder warm und
mehr oder minder in der Nässe versenkt überall bis zu ihrer Ausbildung,
doch wo vor ihrer vollen Entwicklung die Gewässer durch baldiges Ver-
dunsten oder Abfluss mehr oder minder sinken oder gar gänzlich versiegen,
werden sie sich nur durch ihre Widerstandsfähigkeit erhalten können.
Härtere mit festeren und härteren Geweben, meist Arten der ersten
Gruppe, wie: Sp. ramosum, Sp. simplex, Sp. splendens, 8p. glomeratum etc.
werden über die Wasserfläche hervorragend minder bedroht sein ; wogegen
solche mit feinen und zarten Geweben, mit dünnen und flachen Blättern und
weichen Stengeln der zweiten Gruppe bei Abnahme dieses Wasserschutzes
nur so lange sie sich durch Herabbeugen unter erwähnten Schutz oder zu
nächst der Nässe befinden, sich nur kärglich zu erhalten vermögen und
bei gänzlichem Schwinden desselben sehr bald verdorren und verderben
müssen.
Ihrer Natur nach sind sie gleichsam auch mit der Widerstandswaffe
durch ihre äusseren und sehr charakteristischen Formeneigenschaften begabt,
die andererseits auch die bemerkbar deutlichen Gruppenmerkmale absehen
1) Z. B. Anemone vemalis L; und Spergula pentandra L. in Deutschlands Flora; Geum
macrophyllum L. — ein Kamtschadale — welches wohl auch mit dem ihm sehr verwandten
Geum strietumA.it. in viel südlicheren Zonen würde wachsen können; Hieracium nigricans m.,
welches wohl das Gepräge eines recht nordischen Gewächses trägt, ist noch sehr fraglich ob es
nicht wie Scirpus caespitosus L. und Carex livida Whlb. in viel südlicheren Zonen gefunden
werden könnte, besonders da Sc. caespitosus (freilich, in etwas entstellter Form) aus Nord-
Frankreich in unseren Herbarien vorliegt, möglicher Weise, auch im südlichen Ingrien ge-
funden werden können.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 26.
T. XIII J - DAS GENUS SPARGANIUM L. 383
lassen. Sie werden durch dieselben in zwei recht entsprechende Sectionen
vertheilt, in welchen schon, wenn die in unserer Flora wachsenden 10 Arten
ihren Eigenschaften nach in den Sectionen vertheilt mit den Zonen verglichen,
folgendes, gewissermaasseu rechtfertigendes Gesetz sich folgern lässt:
a) Hecht kräftige, mehr oder minder mit harten Stengeln und gepolstert-
dicken, gekielt- dreikantigen Blättern begabte Gewächse, — in unserer
Flora: — Sp. ramosum, Sp. simplex, Sp, splendens und 8p. fluitans
mit 4 Arten vertreten.
b) Feine, meist mit sehr zartem Gewebe und weichen dünnen unge-
kielten flachen Blättern. — Sp. natans, Sp. minimum, Sp. flaccidum,
Sp. perpusillum, Sp. ratis und Sp. septentrionale. 6 Arten, daher:
Von a: wachsen gemeinschaftlich in
beiden Gebieten 2; nur im Süd-G. 1; nur im Nord-G. 1.
Von b: wachsen gemeinschaftlich in
beiden Gebieten 2; — » — 0; — » — 4.
gemeinschaftl. 4; nur im Süd-G. 1; nur im Nord-G. 5.
Hierdurch stellt sich in der ingrischen Flora im Zahlenverhältniss für
die Nordzone ein Plus — 5 gegen 1 — heraus, welches wiederum (gegen
das Verhältniss der Südflora) zu Gunsten der Nordflora spricht. Da nun auch
von den in entfernteren Ländern wachsenden, hier nicht eingerechneten Arten
sich keine Widersprüche finden, sondern vielmehr auch die feineren und
zarteren Arten auf den Norden hingewiesen sind, ja, sogar das Sp. angusti-
folium Michx, die feinste und zarteste unserer bekannten Arten, unserem
Wissen nach, kaum den 63° n. Br. nach Süden überschreitet, so scheint die
Höhen- und Ausgangszone für die Arten der Sparganien etwa zwischen dem
65° bis 60° n. Br. zu liegen; von da aus, d. h. vom 60° n. Br. sinkt die
Artenzahl schon bedeutend und ist unter dem 50° n. Br. in dem flachen
Tieflande auf 3 reducirt.
Die Nordgrenze der Arten dieser Gattung für das so mannigfaltige Nord-
land genauer angeben zu wollen, ist bei unserer gegenwärtigen, noch sehr
lückenhaften Kenntniss über dieselben nicht gut möglich. Nach vorhandenen
Notizen und Belegen scheinen es indess die Arten der zweiten Gruppe zu
sein und namentlich Sp. natans und Sp. minimum (im Complex ähnlicher
kleinen und feinen Arten wie Wahlenberg in seiner Flora Lappon. sie an-
giebt), welche im hohen Norden die grösseren und kräftigeren Sparganien
der ersten Gruppe sogar weit überflügeln, ich glaube jedoch, kaum die
Baumgrenzen übersteigen möchten.
Nach El. Fries: (Summa Veget.) in seinen geographischen Tabellen,
erreicht, ausser Sp. natans, keine der übrigen von ihm angeführten Arten
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 27.
384 K. F. MEINSHAUSEN, [ï. XIII
Lappland, und Wahlenberg, in seiner Flora Lapponica (p. 222) sagt von
dem einzigen aufgeführten Sp. natans nebst var. ß, im Hab. «per totam syl-
vaticam et subsylvaticam omnium Lapponiae Snecicae ubique parents, in
septentrionali parte Lappon. kemensis earn hand vidi etc. Ferner zu seinem
ß minimum (?!) sagt er: «in pallidum marginibus et ripis fluviorum erectum
crescit praeeipue in Lappon. infima. — Jedenfalls als die in Gegenden der
äussersten Nordgrenze ihres Vorkommens bewohnende Art, würde letztere
wohl vielleicht mehr als Sp. angustifolium Michx. zu verstehen sein.
Sehr auffällig erscheint das sporadische Vorkommen des Sp. natans L.
im Hochlande von Kurdistan, woselbst die Pflanze in den Höhen von 7 — 8000'
der Gebirge wächst und gesammelt wurde (Kotschy, Plantae Ciliciae-
Kurdicae!). In gleicher Weise ist wohl auch Sp. affine Schnitzl. (das ich
leider aus authentischen Belegen nicht kenne) im Süden von Europa nur
Colonist der Gebirge solcher Höhe.
Da es wohl nicht ohne Interesse sein möchte, kann ich nicht umhin,
einiger Schriften, die mir bei meinen Arbeiten über dieses Thema in mannig-
faltiger Weise auffielen, in kurzgefasster Betrachtung zu erwähnen.
Die Literatur über die Sparganien hat wohl einige Schriften, aber nur
wenige eingehend gründliche und nennenswerthe Bearbeitungen ihrer Arten
aufzuweisen. Die systematischen Arbeiten liegen nur sehr fragmentarisch
vor oder behandeln nur sehr begrenzte Landschaften, da sie, für ihre
Florengebiete bestimmt, das Fernliegende bei Seite lassen durften.
Schnitzlein in seinem vortrefflichen und sehr belehrenden Werke —
Die Typhaceen (Dissert. 1845) — lieferte die erste tiefeingehende, kritisch-
gründliche Betrachtung über die Pflanze selbst, indem er zergliedernd die
phytographischen Eigenschaften, seine Characteres essentiales, die Termini
botanici zurecht und fasslicher gemacht hat, ohne welche das Individium
nicht richtig und deutlich versinnlicht gedacht werden kann. Im systema-
tischen Theil, der etwas bescheidener ausfällt, war wohl leider das dürftig
vorliegende Material die Ursache, dass ein umfassenderes und ansschau-
licheres Sparganienbild ungeschaffen blieb, wie es von seiner Hand wohl
erwünscht gewesen wäre.
Ein anderes Werk, das rühmlich zu nennen ist, leider aber nur wenig
berücksichtigt und citirt wird, lieferte Hart mann mit seiner Flora Scan-
dinaviae, indem er die Arten der Sparganien in dem Buche durch früher
nicht unterschiedene und genannte Arten unserer nordischen Floren er-
weiterte und ihrem verwandtschaftlichen Charakter angemessen, in ein sehr
anschaulich entworfenes System bringt, wo die wenigen, nur 7 Arten, auch
mit nur wenigen Worten deutlich unterschieden und gekennzeichnet sind.
Doch, wie schon erwähnt, behandelt die Flora nur die wenigen Arten ihres
Bulletin N. S. IV (XXXYI) p. 28.
T. XIIl] J DAS GEXUS SPARQANIÜM L. 385
Gebietes, wobei es schwierig bleibt, die Arten fremder Länder richtig ein-
zuschalten.
Weniger leistete Kunth in seiner Enumeratio plantarum omnium
cognitarum (Bd. III, 1841). Hier lieferte er nur eine allgemeine Übersicht
über den damaligen Stand unserer Kenntniss von der Gattung.
Leider ist diese Arbeit nicht so befriedigend ausgefallen wie seine
früheren, namentlich in keinem Vergleiche mit seinen Gramineen (im 1 . Bde),
auch sehr anders als die Cyperaceen (im 2. Bde 1834), welche letztere
grosse Erweiterungen unserer Kenntniss geliefert hat, eine Arbeit, die da-
mals mit grossem Beifall aufgenommen wurde, wie sie auch gegenwärtig in
Ansehen steht und bleiben wird. Bei den Sparganien lieferte der Verfasser eine
nur sehr ungeprüfte, flüchtige Compilation fremder Arbeiten, welche selbst
deutliche Missgriffe enthält. Es fehlen Herbarium- Vergleiche namentlich von
den letzten Reisen: von Chamisso, F^chscholz, Ehrenberg, Mertens
aus dem entfernten Osten und *y ^ anderen Sammlungen, die wohl auch
im K. Berliner Herbarium (wie auch aus Kth. Cyperaceen zu ersehen) reichlich
vorgelegen haben müssen, wodurch die Arbeit ganz anders ausgefallen sein
dürfte.
Michaux in seiner Flora Boreali-Americana (1803) beschreibt in der
Reihenfolge der Gattungen in seinem System (p. 189) sein Sp. angustifolium
— S. foliis plants angustissimis, canlem longissime super antibus, débiliter
fluitantibns. — Obs.: folia vix lineam lata. — Hab.: in amnibus Carolinae.
In so wenigen Worten schon konnte die Pflanze kaum genügender ge-
schildert werden um nicht auch erkannt zu sein ; dennoch ist dieselbe so
sehr missverstanden und verzerrt worden. Es nimmt mich daher Wunder,
dass Rob. Brown in seinem Prodromus florae Novae Hollandiae et ins.
Vandimens (Ed. II, 1823) das Sp. angustifolium (p. 81) für nothwendig findet
in folgender Weise verbessert zu beschreiben: «Foliis planis, Iaxis caule lon-
gioribus, amentis masculis numerosis, stigmatibus ovalibus, drupis obovatis
laevibus apice depressis». — Hierzu wird Sp. angustifolum Michx. —
freilich fraglich — citiert.
Den verschieden lautenden Worten in den Definitionen nach sind zwei
sehr verschiedene Arten so deutlich besprochen, um so mehr noch als sich
mit Sicherheit herausstellt, dass das Blatt mit — planum — nicht richtig
bezeichnet ward, weil durch den Rücken nerv, welcher durch die Presse
nicht leicht sich verwischen lässt, erkannt ist, dass sicherlich auch ein drei-
kantiges Blatt vorgelegen haben müsse.
Kunth, 1. c. erkennt diesen Missgriff nun wohl, hält aber mit Unrecht
R. Brown's Pflanze aufrecht und beschreibt sie, während der Name Sp.
angustifolium Michx., welcher viel älter ist, dem Sp. natans unterstellt
Bulletin N. S. IT (XXXVI) p. 29.
386 K. F. MEINSHATJSEN, [T. XIII
worden ist, obgleich die Pflanze sich von allen Arten so sehr unterscheidet
und gehalten werden müsste.
Schliesslich glaube ich hier noch eines Werkes — Nuttalls genera of
American plants (Tom. II, 1818, p. 203), in welchen drei Arten für die
Gattung aufgeführt sind, erwähnen zu müssen. Es sind diese: Sparganium
ramosum (die ich in unseren Herbarien für Amerika nicht gesehen habe, aber
wohl in den nördlicheren Zonen Nord-Amerika's wachsen könnte); ferner
Sp. americanum, welches, wenn auch etwas dürftig beschrieben, mit Hülfe
des Herbariums, auch unter dem Namen — 8p. eurycarpum Englm., wie
die Pflanze vielfach vertheilt wird und so in unseren Herbarien vorliegt, zu
verstehen ist. Es ist bei dieser Pflanze auffällig, dass Kunth in seinem
Werke einzelne Worte nicht zu berichtigen für nothwendig fand und z. B.
— stylus statt rostrum nachschrieb, da doch bei allen Arten dieser Gattung
die Narbe eine sitzende ist. Als dritte Art (nicht als Synn. wie Kunth meint,
da doch eine 3 deutlich vor dem Namen steht) nennt Nuttall das Sp. angusti-
folium Michx.
Durch diese Schrift ist es wohl ersichtlich, dass unsere Flora wohl noch
manches Neue enthält, was bei fortgesetzt sorgfältigem Nachforschen gefun-
den werden kann.
Es ist deshalb aber auch nicht minder wichtig das bereits Bekanntge-
wordene mitzutheilen, ich habe daher die in der Litteratur vorhandenen
Sparganiumarten zusammengestellt und die in den Herbarien unbeschrieben
sich vorfindenden hinzugefügt.
MONOGRAPHISCHE DARSTELLUNG ALLER BISHER BEKANNTEN ARTEN DER
GATTUNG SPARGANIUM L.
Sectio 1. Trigonae: Folia crassa succosa carinato-trigona.
1. Sp. americanum Nutt. — Gen. plant. II, p. 203. — Culmis erectis
angulatis 1% — 2-pedalibus rigidis, basi paulo incrassatis fibris crassiusculis
copio munitis, foliatis apice ramosis; foliis lato-linearibus carinato-trigonis,
caulinis basi lata plus minus dilatato subamplectantibus, sursum sensim
minus attenuatis culmo longioribus; inflorescentia subramosa rarius simplice,
glomerulis pluribus, inferioribus 3 — 4 foemineis dissitis subinde peduncu-
latis, reliquis masculis sessilibus, ramulorum paucioribus ; fructibus obovatis
apice attenuato-rostratis (serius in maturitate fructu subtruncato-obtusatis) ;
perigonii phyllis paucis (saepius 5) dissitis, caryopsi longioribus basi cune-
ato apice late obtusis. — Sp. eurycarpum En g elm. ex parte.
Hab. : Die Art scheint auf Nord- Amerika beschränkt zu sein. — Unser Herba-
rium besitzt Belege: Ohio (Drege 1850); Californien (Mr. Carthy); Utan (M. E.
Jones JV° 1072); Colorado (M. E. Jones JV« 651); New York (Asa Gray); Florida
(Curtis J\; 2703 — var. androclaäa).
Bulletin N. S. 1Y (XXXVI) p. 30.
T. XIIl] DAS GENUS SPARGANIUH L. 387
Es können kaum Zweifel darüber herrschen, class Sp. eurycarpum E n g 1 m .
nicht dieselbe Pflanze ist, die Nuttall meinte. Die Art steht dem Sp. ramosum
Huds. nahe, unterscheidet sich aber zunächst durch ihre doppelt grösseren
Früchtchen, deren Gipfel später durch das starke Anschwellen der reifen
Caryopse, die das Pericarpium so sehr ausspannt und dadurch verkürzt, dass
dieses oben völlig abgeflacht, in der Mitte nur noch mit dem sehr kurzen
Ende des Rostrum gekrönt erscheint und wo dann rundum die breiten Spitzen
der Perigonien überragen. Ich bemerkte an dieser Pflanze im Blüthenstand,
dass die Äste meist sehr dünn und sehr unregelmässig, oft sehr sparsam
vorhanden sind, aber sehr selten gänzlich fehlen, wo im letzteren Falle auch
wohl simplex gesagt werden kann. Die Form Sp. simplex var. androgyna
Englm. scheint mir eine stark monströse Form dieser Art und wohl auch
nicht selten zu sein.
2. Sp. ramosum Huds. — Fl. Angl. Ed. II, p. 401 — Herb. Norm.
IV et XV, n. 78. Culmis erectis robustis basi incrassatis et valde fibrosis
breveque proliferis, inferne foliatis superne ramosis; foliis late linearibus
superne minus attenuatis carinato-triquetris basi ampliata vaginata amplec-
tantibus, superioribus brevioribus basi latiore sessilibus; infiorescentia sub-
paniculata; glomerulis 7 — 9 v. pluribus, inferioribus 2 — 4 foem. saepius
pedunculatis, superioribus minoribus masculinis, sessilibus; fructibus obo-
vatis apice longe attenuato-rostratis sessilibus, stigmate lineari-elongato ;
perigonii phyllis basi sublineari apice dilatato lamina lati rotundo, caryopsin
aequantibus v. brevioribus, membranaceis.
Hab.: Wie Sp. americanum in seinem Lande, scheint diese Art in der alten
Welt die grösste Verbreitung ihres Geschlechts zu haben und vom hohen Norden
herab bis fast zum Aequator, wenn auch im Süden sporadisch, doch etwa am 20° n.
- Br., in West-Indien (nach der Abbildung t. 168, in Griffith's Postum. II, p. 158
erkannt) und in der Flora Bengalens zu wachsen. Im Norden jedoch überholen
nach Wahlenberg 's Flora Lappon. die flachblättrigen Formen sie bedeutend.
In meiner Schrift über die Sparganien Russlands (Bull, de Mose. 1889
n. 1) nannte ich die Art als eine unter allen europäischen, sehr ausge-
zeichnete. Sie ist, wie auch Sp. americanum, durch ihre eigentümlichen, mit
sehr breiter Basis im Glomerulum sitzenden Früchtchen von allen Arten sehr
verschieden. Untereinander sind diese wiederum: Sp. americanum durch
doppelt grössere Früchtchen, welche zur Reife oben so stark abflachen, dass
die Kugelform des Glomerulum oberflächlich gleichsam völlig glatt erscheint,
in welcher die breiten Gipfel der längeren Perigonien über das Pericarpium
rundum stark überragen. Dagegen sind bei dem Sp. ramosum die Rostra
der Früchtchen auch in der Reife, wenn auch zusammenschrumpfend, stets
verschmälert sehr hervorragend und die kürzeren Perigonien immer ver-
deckt. Das Sp. necglectum Beeby in Brittens, Journal of Botany (Vol. 24,
Balletill N. S. IV (XXXVI) p. 31.
388 K. F. MEINSHAUSEN, [ : f. XII]
p. 124. namentlich auch im 23. Bde. p. 193, t. 238) ist nicht gut als Art zu
charakterisiren, wenigstens kann ich keine unterscheidenden Merkmale auf-
finden. Der Charakter wie auch der Habitus in der Abbildung der Pflanze
selbst, so auch die Perigonien sind ganz die unseres gemeinen Sp. ramosum,
welches auch in unserem Laude geringe Abweichungen aufweist.
3. Sp. splendens m. n. sp. — Culmis erectis saepius flexuoso-gibbosis,
subtriquetris paucifoliis, 1 — lV 2 -pedalibus, basi subtereti vix incrassatis
brève prolifero-repenti ; foliis late linearibus sursum sensim paulo attenuatis
obscure-cinereo-viridibus, basi lata ecarinato-subamplectantibus,superne cari-
natis culmolongioribus; inflorescentia simplice, glomerulis 6 — 7. inferioribus
4 rarius 5 foemineis, dissitis, imis 1 v. 2 longe pedunculatis reliquis sessi-
libus, masculis 2 rarius 3; bracteis culmo longioribus fructibus ellipticis
sursum longe attenuato-rostratis, basi longe attenuate -stipitatis subcoriaceis
laevibus splendentibus, stigmate brevi lineari; perigonii phyllis latiuscule
cuneatis apice paulo dilatatis rotundato-obtusatis, duriusculis.
Hab.: Bisher nur im Süd-Gebiete Ingriens gefunden. Sie wächst in Gräben und
Wasserrinnen mit mergeligem Boden in den Torfmoorgegenden von Gatschiiia
meist zahlreich beisammen.
Eine sehr eigenthümliche Art, die aber in getrocknetem Zustande,
namentlich bei flüchtigem Vergleiche, leicht für eine modificirte Form des
gemeinen Sp. simplex Huds. angesehen werden könnte, genauer betrachtet
besonders an der lebenden Pflanze aber sehr verschieden ist. Lebend ist die
Pflanze ein starkes Individuum von wenig bleigrau -grüner, etwas dunkler
Farbe. Die sehr langen Blätter umfangen den unten etwas dünnen Stengel
mit sehr dünner Basis, wodurch dieselbe stielrund wird; oben hin verdicken
sie sich und sind gepolstert fleischig-flachdreikantig mit abgerundeter Kiel-
kante, die den wenig vorspringen deu Mittelnerv deutlich erkennen lässt.
Auffällig sind die grossen Glomeruli mit ihren regelrecht dicht spiralisch
geordneten Früchtchen, deren sehr lange, wenig dicke konische Schnäbel
rundum hervorstarren und der Pflanze etwas sehr Eigenartiges, Düsteres
verleihen. Getrocknet verliert sich dieser Ausdruck und die Charaktere
fallen nicht so ausgesprochen deutlich in die Augen. Ihrer Gestalt und
Grösse nach passt sie gut in diese Gruppe — Folia succosa, carinato-trigona
— und ist Sp. simplex zunächst zu stellen, wenn auch nicht alle Charaktere
so deutlich für die Gruppe ausgesprochen sind wie bei ersterer und folgender
Art — nämlich — dass die Basis der Pflanze nicht kantig ist, dennoch eine
bedeutsame Zahl der Merkmale übereinstimmend trägt. Sp. simplex ist
durch die sehr stark hervortretende, geschärfte Rückenkante der äusseren
Blattbasen, daselbst am Grunde flach und breit zweischneidig und gewöhnlich
ist ihre Farbe heller und rein grün, dann auch ist der Stengel meist gerade
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 32.
T. Xffl] DAS GENUS SPAftGANlüM L. 389
und steif aufrecht und die Inflorescenz sehr verschieden. Bei dieser sind die
männlichen Glomeruli an sehr kurzer Achse nur 2, selten die dritte ange-
deutet; bei Sp. simplex sind mindestens 5 und diese mehr getrennt. Endlich
sind auch die Pericarpien der Früchtchen lederartig und schrumpfen auch
nicht grubigfaltig zusammen, sondern bleiben glatt und behalten, wenn auch
sehr gedämpft, den ursprünglichen Glanz der Oberfläche, dann auch ist die
Narbe sehr viel kürzer. Die Pericarpien des Sp. simplex sind sonst ähnlich
geformt aber feiner und dünner und schrumpfen daher sehr runzlig zusammen
und verlieren ihren ursprünglichen sehr leuchtenden Glanz fast gänzlich,
dann ist die schmale Narbe doppelt so lang, linienförmig. An ihrem Fund-
orte fiel mir die Pflanze sehr auf.
4. Sp. simplex Huds. — Fl. Angl. p. 401. — Fries, Herb. Norm. XV,
n. 79. Culmis erectis strictis, rarius minus gibbosis subtrigonis, foliosis
(1 — 2-pedalibus) basi compresse subancipiti, fibrosis tenuique prolifero-
repente; foliis crassis carmatis late linearibus apice attenuato-obtusis, viri-
dibus, caulinis basi semiamplectantibus non dilatatis; inflorescentia simplice,
glomerulis 7 — 9 interruptis; 2 — 4, omnibus, infimis longius, superioribus
brevius pedunculatis, summis 4 — 6 masculis sessilibus mox deciduis; bracteis
foliaceis, infimis 1 , rarius 2 culmo paulo longioribus ; fructibus ovatis apice
longe acuminato-rostratis, basi longe stipitatis pericarpio (utriculo) mollius-
culo subtunicato demum corrugato, stigmate longiusculo-lineari ; perigonii
phyllis tunicatis lineari-cuneatis apice obtusis, in stipite sparsim dispositis.
Hab.: In ganz Europa mehr oder minder häufig; in Asien, ganz Sibirien (in
unseren Herb, von Gme lin, Güldenstädt, Maack, Kosteletzki, Mittelasien,
in der Mongolei (Potanin, Przewalski). Aus Afrika sind keine sicheren Quellen
vorhanden. In Amerika — New York (Curtiss, Hart Wright).
Die Art ist durch die stark gekielten Blätter, welche den steif auf-
rechten Stengel an der Basis decken, zweischneidig; ferner sind es auch die
sehr langgestielten Früchtchen mit zerstreut aufsitzenden Perigonien-
blättchen, welche sie auszeichnen.
5. Sp. fluitans Fries, Summa veget. p. 559. — Herb. Norm. XV, n.
80. Culmis erectis v. paulo curvatis (6 — 14-poll.) foliatis, basi vix incrassati
valde fibrosis tenuique prolifero-repentis, superne subtriquetris; foliis late
linearibus carinatis culmo multo longioribus ; inflorescentia simplice, glome-
rulis pluribus, inferioribus 4 — 6, mediis valde contratis, terminalibus 1
rarius 2 masculis, confertis mox omnino deciduis; bracteis foliaceis longis-
simis; fructibus ovatis apice acuminato-rostratis, stigmate brevi subulato-
conico ; phyllis perigonii tunicatis paucis obovato-cuneatis, basi longius atte-
nuatis. — Sp. glomeratum Laestad.
Bulletia N. S. IV (XXXVI) p. 38. 27
390 K. P. MEINSHAUSEN, [T. XIII
Hab.: Die Pflanze scheint in Europa nur etwa im 60° n. Br. vorzukommen. Aus
Scandinavien und Ingrien (hier im Nordgebiete) ist sie keine seltene Pflanze. Aus
Nord- Amerika sah ich Exemplare, die sich von unserer Pflanze nicht unterscheiden.
Asa Gray, (in seinem Manual of botany of North Unit. States) führt sie als Va-
rietät unter Sp. simplex auf.
6. Sp. simile m. n. sp. — Culmis erectis paulo gibbosis trigono-teretibus
angulis costatis ultra pedalibus paucifoliatis, basi minus incrassatis valde
fibrosis proliferisque ; foliis late linearibus carinatis (basilaribus carentibus)
sur sum sensim attenuatis culmo multo longioribus; inflorescentia simplice
subinde ramulo uno, glomerulis inferioribus 3 — 5 foem., imis 2 — 3 pedun-
culatis, reliquis sessilibus, summis 2 — 3 masc. ; bracteis foliaceis imo culmo
longiore ; fructibus oblongo-ellipticis basi brevissime stipitatis v. sessilibus,
junioribus longe rostratis, stigmate subulato brevi; perigonii phyllis spathu-
latis obtusis caryopsi brevioribus tunicatis.
Hab.: In Mittel- Asien — monte Calmytolohey in deserto Siungorico 1771 (von
Falk — nach unseren gegenwärtigen Begriffen im östlichen Theile der Kirgisen-
steppe unfern des Tarbagatai-Gebirges); ferner sammelte die Pflanze im Wilui-
Lande R. Maack.
Sie steht Sp. simplex wohl nahe, ist aber nicht so schlank ; die weiblichen
Glomeruli sind recht zahlreich und zerstreut, während die männlichen nur
sparsam sind. Die Früchtchen sind sehr kurzgestielt, meist aber sitzend.
7. Sp. Glehnii m. n. sp. — Culmis erectis crassis molliusculis subteretibus
Miosis laevibus glabris basi minus incrassatis, fibrosis ; foliis latissime line-
aribus longissimis basi lata vaginato-amplectantibus ; inflorescentia simplice,
glomerulis inferioribus 3 — 4 foem. mediocribus approximatis extraaxillaribus,
imo nonnunquam pedunculatis, masc. 1 — 2; bracteis foliaceis saepius sur-
sum porrectis inflorescentiam pluries superantibus, germen anguste cuneato
apice brève attenuatum, stigmate brevi subcapitato; perigonii phyllis an-
guste clavatis obtusis membranaceis germine aequantibus.
Sp. longifolium Fr. Schm. ex parte, non Turcz.
Hab.: Sachalin, Sümpfe bei der Ansiedlung Tunai, d. 29. Jul. (Glehn).
Die Pflanze ist durch ihren sehr dicken und weichen, reichbeblätterten,
kurzen Halm sehr ausgezeichnet. Ihrer Gestalt nach müsste sie im Wasser
verdeckt wachsen. Die kleinen Blüthenknäuelchen fallen sehr auf. Leider
aber sind die Exemplare alle noch sehr unentwickelt, daher können auch die
Früchtchen nicht genauer beschrieben werden, während die Art jedenfalls
sehr unterschieden ist.
8. Sp. subvaginatum m. n. sp. — Culmis erectis angulari-teretibus, te-
nuibus (iy 2 — 2-ped.) paucifoliatis, basi foliosis et longe fibrosis; foliis lon-
gissimis linearibus basi submembranaceis mox deficientibus, superioribus
braetealibusque solidioribus erectis sursum porrectis, basi latissime tuni-
cato-marginatis culmum vaginato-amplectantibus, longissimis multo super-
Bullotiu N. S. IV (XXXVI) p. 34.
T. Xlll] DAS GENUS SPARGANIUM L. 391
antibus, obscure- viridibus ; inflorescentia brevissima, glomeruli 2 v. 1 foem.,
ima longe pedunculata, terminali 1 rarius 2; fructibus oblongo-ovalibus
utrinque, apicemagis attenuatis (junioribus longius rostratis); stigmate brevi;
perigonii phyllis cuneato-spathulatis marginibus membranaceis, obtusis.
Hab.: Finnland, Archipelago Aboensi-Krànskor pr. Kelo (Ruprecht); Ins.
Sitcha (Mertens). — Flora of the Eocky-Mountains, reg. alpina (coll. C. C. Parry,
als — Sjp. simplex var. angustifolia (En g elm.).
9. Sp. stenophyllum Maxim. — Meinsh. in Bull, de la soc. des nat.
de Mose. 1889, 1. — Culmis erectis subtrigonis diphyllis ultra pedalibus,
basi foliosis incrassatis valde fibrosis, horizontaliter repentibus, foliis line-
aribus carinatis, inferne sensim latioribus applanato-triquetris superne sub-
planis longissimis ; inflorescentia elongata ramosa, glomerulis numerosis ses-
silibus, infiniis remotiusculis; foem. 2 — 3 (rameis 1), reliquis superioribus
pluribus minoribus masculinis; fructibus (fere maturis) obovatis sessilibus
apice lata brevissime attenuata acute rostratis, nervis 5 — 6 prominentibus,
stigmate medioeri v. parvo subulato apice subhamato; perigonii phyllis 5,
linearibus v. euneatis caryopsin aequantibus v. paulo brevioribus.
Sp. angustifolium R. Br. Prodr. p. 189. — Kth., Enum. pl. III, p. 99,
non Mchx.
Hab.: Mandshurei (Goldenstädt); Neu-Seeland (Hochstetter). Die Art ist
von allen hier genannten dieser Gruppe sehr verschieden und leicht erkannt.
6. Planae — Folia tenuia plana ecarinata.
1. Fructibus apice plus minus attenuato - acuminato - rostratis ; stigmatibus saepius linearibus
elongatis v. brevius late subulatis.
10. Sp. natans L. — Fl. Lappon. p. 272. — Fries, Herb. Norm. XIII,
n. 67., XVI, n. 67. — Culmis erectis acute triquetris pauci (2 — 3) foliatis,
basi teretibus foliosis (1% — 3-ped.); foliis linearibus longissimis erectis parte
superiori (fere dim. longitudinis) supra aquam natantibus, 7 nervatis, basi plus
minus dilatatis planis; bracteis foliaeeis sursum magis attenuatis; inflorescentia
saepius ramosa, interrupta, glomerulis pluribus, terminalibus saepius 3 — 5
masculis, inferioribus atque ramorum 2 — 3 foemineis; fructibus saepius
obovatis apice acuminatis, basi longe stipitatis, stigmatibus linearibus sur-
sum minus attenuatis; perigonii phyllis in stipitem longam sparsim dispo-
sais, lineari-euneatis apice truncata ciliatis.
Sp. longifolium Turcz., Fl. Baic.-Dahur. 11, 2, p. 170, n. 1106. —
Fl. Ingr. p. 377!
Hab.: Scandinavien (Fr. Summ, veg.); Ingrien (Schmalhausen, ipse) ; Schitomir
(Golde) sind unsere sicheren Fundorte in Europa; in Asien sind ausser: an der
Angara (Turcz an.), beiKirensk(Stubendorff), Umgegend von der unteren Tun-
guska (Czekanowski 1872); und auf Sachalin, Traiziska 1860 (Fr. Schmidt).
Dann sind auch (wenn die Pflanze dieselbe ist) aus den östlichen Pyrénéen 1832
(Huit du Cavillon) und Kurdistan (Kotschyn. 468) zu nennende Fundorte.
bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 35.
392 K. P. MEINSHAUSEN, [t. XIII
Letztere beiden Fundorte, die aus den Pyrenäen und die andere aus
Kurdistan, scheinen sich wenig zu unterscheiden, namentlich vom ersteren
Fundort durch feineren und schlankeren Wuchs des sehr kurzen Stengels,
auch durch kleinere Blüthenglomeruli. Ob nächstgenannte als Art zu
trennen ist, kann ich, da ich keine Exemplare des Autors gesehen habe,
nicht sagen.
(10 b ). Sp. affine Schnitzl. — Typhae. p. 27. — Rhizoma brevi capi-
tatum, abbreviatum. Caulis elongatis gracilis (1 — 2 ped. alt.) firmiusculis;
internodiis 4 — 6-pollicaribus. Folia caulina dupla caulis longitudine basin
versus dilatata, longe vaginantia, mox angustata ad lineae latitudinem, revo-
luta, folia ramealia 1 — 2 subito attenuata e basi ampla. Inflorescentia foem.
2 — 3 raro 4 in petiolo nonnunquam extraaxillari, terminales masculae 2 — 3
utraque parvula, priorem ovariis ovato-acuminatis stigmateque angusto sub-
recto brevi, posteriores filamentis longissimis. Fructus ovato-oblongus atte-
nuato-acuminatus breve stipitatus. (Schnitzl.).
Im Vergleiche der Definitionen stellen sich allerdings geringe Diffe-
renzen heraus, die an den Individuen zu finden wären, leider aber bieten
diese Worte hier keine deutlichere Begrenzungen für Arten. — Obgleich
Schnitzlein Linné's (Wahlenberg's) Citat der Pflanze seinem Sp. affine
unterstellt, so will es noch nicht sagen, dass sie identisch wären, da dieses eine
Gewächs Scandinaviens, dagegen Sp. affine aus den Alpen der Pyrenäen be-
schrieben ist. Schnitzlein sagt bei seiner Pflanze von den Stengelblättern
«Folia caulina basi dilatata longe vaginantia». Dieses findet ähnlich an
Exemplaren unseres Sp. natans in geringem Wechsel statt — bald sind
die Blätter breiter und länger, dann auch schmäler und kürzer. Reichen-
bach (da sein Sp. natans nur unser Sp. minimum Fries darstellt) ohne Grund,
drückt dieses gar gewaltig aus, wie ich es so in hundert Exemplaren unserer
Pflanzen nie gefunden habe und glaube, nur wenn es solches giebt, es ein
hübsches Extrem darstellen würde. Der Blüthenstand ist einfach, bisweilen
sogar recht ärmlich, öfterer aber auch recht reichlich und mit 2 — 3 starken
Ästen versehen; Schnitzlein jedenfalls hatte nur Exemplare mit einfachen
Blüthenständen vor sich, weil dieses sonst erwähnt worden wäre. Sie scheint
im Süden sich mehr einfach zu entwickeln. Bei den Früchtchen habe ich
keine genauere Vergleiche machen können, da mir an älteren Individuen
der südlichen Form dieser Pflanze gute Fruchtindividuen fehlten. Die Peri-
gonien unterscheiden sich nicht. Sie sind bei beiden Pflanzen breiter oder
schmäler spathulato-cuneata in gewissen Grenzen, doch nie so breit als wie
Reichenbach sie abbildet. Nach Exemplaren unseres Herbarium ist zu be-
merken, dass an Exemplaren des Südens das höchste, verkürzte Blatt, dem
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 36.
T. Xm] DAS GENUS SPAEGANIUM L. 393
männlichen Glomeruli im Blüthenstande zunächst, sehr breit, öfter breit
eirund kurzzugespitzt — so an Exemplaren von Jones, Utan (Amer.);
Kotschy, Kurdistan etc. — vorkommt. Dieses Blatt hatte Reichenbach
nicht in seiner Taf. 417 bemerkt. Doch ob dieses ein verzeichnenswerthes
Merkmal abgiebt, scheint mir zu gering auch nicht zuverlässig.
11. Sp. minimum Fries. — Summ, veget. p. 560. — Herb. Norm. XII,
n. 78. — Meinsh., Sparg. p. 7. — Culmis foliisque submersis, basi sub-
repente-proliferis; culmis triangulari-teretibus (% — iy 2 -ped.), paucifoliatis
flaccidis; foliis linearibus membranaceis subpellucidis superne brevius atte-
nuatis obtusis; bracteis foliaceis basi non dilatatis semiamplectantibus; inflo-
rescentia simplice, glomerulis distinctis, foem. 1 v. 2 rarius 3, masc. 1
minor; fructibus subopacis obovatis apice attenuato rostratis, basi attenuato
v. brevissime stipitatis, stigma brevi lineari-conico ; perigonii phyllis plu-
ribus membranaceis, late lingulatis glabris, internis angustioribus.
Sp. natans Autorum non Linné.
Hab.: Gemein in ganz Europa, in unseren Sammlungen sind Belege aus:
England (Bennet); Frankreich; Deutschland; aus der Schweiz; den Pyrenäen und
aus dem europäischen Russland die Fundorte: Abo, Archipel (Ruprecht); Esth-
land, Dago; Livland, Oesel, Dorpat; Witebsk (Antonow); Warschau (Szubert);
Kursk (Hoefft); Mohilew (Downar); Shitomir (Golde); Meriffa (Czernajew);
Kerebinsk (Le s sing 1832). In Asien scheint die Art zu fehlen und keine Belege
vorhanden, daher die in Le de hour's Flora Rossica angeführten Fundorte auf
andere Arten hinzuweisen sind.
Ein von Bordère aus den Pyrenäen (Ed. Hohenacker) als Sp. mini-
mum vertheiltes Exemplar ist durch den harten und sehr verkürzten Halm
und etwas dicke und sehr lange, schmale Blätter sehr eigenthümlich, scheint
mir aber eine Verkümmerung von Sp. simplex zu sein.
12. Sp. flaccidum m. n. sp. — Culmis elongatis (pedalibus) tenuibus
flaccidis, superne subtriquetro-teretibus, basi vix incrassato fibris longissimis
dense tectis et prolis longiusculis emittentibus ; foliis basealis longissimis
late linearibus tenuibus planis obscure- viridibus culmo multo longioribus;
inflorescentia brevis, glomerulis 3 — 4, summo masculo, reliquis foem. ima
saepius pedunculata; bracteis foliaceis brevioribus culmo paulo longioribus,
omnibus quam etiam caulinis basi latiore culmum amplectantibus, patulis;
fructibus ovato ellipticis subcostatis triquetris, rarius trigonis, rostro brevi
attenuato rarius brevissime stipitato, stigmate ovato minimo; perigonii
phyllis cuneato-spathulatis coloratis submembranaceis subdimidio brevioribus.
Hab.: Ingrien, in tieferen Sümpfen mit faulenden, dunklen Gewässern, unter-
getaucht.
Von Sp. minimum durch die dunkle Farbe der Stengel, Blätter und
Früchtchen und Form der breiten Blätter, die mit der dunkelgrünen (nicht
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 37.
394 K. F. MEINSHAUSEN, [t. XIII
hellberandeten) breiten Basis den dünnen Halm umspannen, auch die auf-
fallend langen Wurzelblätter, unterschieden. Von den übrigen steht sie
schon entfernter.
13. Sp. perpusillum m. n. sp. — Culmis humilis tenuissimis polyphyllis
(2 — 5-poll.) basi minus incrassatis valde fibrosis et proliferis; foliis line-
aribus obtusiusculis, caulinis longissimis culmum longe superantibus, cul-
meis pluribus, superioribus minoribus, atque bractealibus basi latiore culmum
brève vaginanto-amplectantibus; inflorescentia simplice, glomerulis 2 — 3
remotiusculis, omnibus axillaribus sessilibus, foemineis saepius 1 v. 2, ter-
minalis 1 masc. ; fructibus ovalibus utrinque breve attenuatis subtrigono-
teretibus, stigmate ovato erecto minuto; perigonii phyllis oblongis, apice
breve angustato-obtusatis membranaceis ciliatis, basi longius attenuatis,
dimidio fructu subaequantibus.
Hab. : Ingrien, in Wasserrinnen und Lagunen am Gestade des finnischen Meer-
busens, im Nordgebiete (ipse).
Ein sehr kleines und feines Pflänzchen, wohl das kleinste unter unseren
bekannten Arten, könnte vielleicht für eine feinere Form des Sp. mini-
mum gehalten sein, ist aber durch seine kurzen, vorn gläsernen umschlies-
senden Blattbasen, welche sehr eigenartig den Halm umspannen, besonders
verschieden. Die Pflanze ist feiner als Sp. angustifolium Michx., habituell
jedoch nicht unähnlich, die zugespitzten und sehr vortretenden Schnäbel
der Früchtchen unterscheiden sie genugsam. Von Sp. oligocarpum ist sie
sowohl habituell, wie auch durch stets sitzende und achselständige Glomeruli
verschieden.
Hab. : In Ingrien, in Wassergraben am Meerbusen.
14. Sp. oligocarpum Angstr. — Botan. not. 1853, p. 149. Herb.
Norm. XV, n. 81. — Fl. Danica t. 172. — Culmis simplicis vix flaccidis
( 8 / 4 — iy a -ped.), basi minus incrassato valde fibroso, foliis paucis; radicalibus
anguste linearibus obtusis longissimis natantibus, caulinis versus basin dila-
tatis membranaceis longe vaginatis; inflorescentia plus minus remota, glo-
merulis 3 — 4 parvulis, 1 — 3 inferioribus foem. saepius extraaxillaribus
imo pedunculate reliquis sessilibus, terminali 1 v. 2 masc; fructibus ob-
longo-ovatis stipitatis, apice breviter oblique rostratis; perigonii phyllis
spathulatis marginibus undulato-vix dentatis.
Hab.: Scandinavien (Fries, Hartmann, Fl. Danica); Gouv. Archangelsk, bei
Beloosersk (gesammelt von Samuilow, erhalten von Hrn. Antonow); Ost-Sibi-
rien, im See Ilscherogna im Gebiete der unteren Tunguska, d. 13. Juli 1873
(Czekanowski und Müller).
Durch die stark verdickte Halmbasis und die sehr dicht befaserten
Wurzelfäden, wie auch die eigentümlichen, kleinen, dichtgedrängten
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 88.
T. Xin] DAS GENUS SPARGANIUM L. 395
Blüthenknäuelchen mit den vielen Fruchtschnabelspitzen ist die Art leicht
erkannt.
Die Exemplare des Herb. Normale 1. c. sind etwas unnatürlich kurz
und recht kräftig wüchsig, wogegen alle unsere Exemplare von den ange-
gebenen Fundorten — Beloosersk und Tunguska viel feiner und schlanker,
einige sogar an 2 Fuss Länge, ausgedehnt und feiner entwickelt, doch ohne
Zweifel dieselbe Art sind.
15. Sp. ratis m. — Bull, de la soc. des nat. de Moscou 1889, n. 1,
p. 8. — Rhizoma horizontali crassiuscula natante, tota longitudine longe bar-
bato-fibrosum, repente-proliferum ; culmis foliisque plus minus supra aquam
adscendentibus, saepius arcuato-incurvis, culmis 3 — 5-poll., acute triquetris,
basi paucifoliis; foliis linearibus planis apice breve attenuatis obtusis; inflo-
xescentia brevi; glomerulis 2 — 3 rarius 4, omnibus sessilibus, infimis 1 — 2
rarius 3 foemineis, remotiusculis, omnibus axillaribus; bracteis foliaceis basi
dilatata vaginato-amplectantibus, inflorescentia paulo brevioribus, patulis;
fructibus ovato-oblongis subtriquetris utrinque brève attenuatis, stigmate
minuto brève cylindrico v. capitato; perigonii phyllis cuneato-spathulatis
fructu dimidio brevioribus.
Hab.: Ingrien auf dem Gewässer kleiner Waldseen im Nordgebiete, kleine
schwimmende Inseln bildend (ipse).
Schon der Standort spricht so sehr für die Eigenart dieses Gewächses.
b. Fructibus apice obtusis, stigmate minuto capitato.
16. Sp. septentrionale m. — Bull. 1. c. 1889 n. 1, p. 8. — Radix cras-
siuscula longe tenue repente-prolifera; culmis 2 — 5-poll., erectis minus
curvatis 4 — 6-foliatis, basi polyphyllis; foliis alternatim distichis erecto-
patulis, latiuscule linearibus planis obtusis culmo brevioribus; inflorescentia
brevi simplici, glomerulis 2 — 3 rarius 4 appro ximatis, omnibus sessilibus,
summo masculo; bracteis foliaceis linearibus crassiusculis obtusis; fructibus
obovato-ellipticis apice obtuso brevissime cylindrico- rostratis, stigmate
minimo triangulari; perigonii phyllis obovato-cuneatis basi longe attenuatis
membranaceis.
Hab.: Ingrien, nur im Nordgebiete in rieselnden kalten Quellenbächen der
Torfmoore.
Die Art wächst stets nur in Gegenden höherer Torfbildungen in och-
r ige m Bodengrunde, gewöhnlich zahlreich beisammen aber zerstreut mit ein-
zelnen Sumpfgewächsen — namentlich Calla, Garex ampullacea, häufiger
eine härtere und höhere Form der Garex Oederi, alle diese auch sehr zer-
streut, wogegen die hier eingestreute Malaxis paludosa sich gern unter höher
wachsende Gewächse meist in Moosarten geschützt verhält. Sie scheint die
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 39.
396 K. F. MEINSHAUSEN, [t. X1H
grosse Geselligkeit zu meiden und findet sich daselbst nur sehr selten. In
tiefen Gräben, wo die Quellbäche einmünden, ist das Sparganium bisweilen
doch seltener übertragen, ändert unter den neuen Bedingungen seine Tracht
nicht, nur dass es höher und kräftiger, mit den Stengeln und aufgerichteten,
zweigigen Blättern strammer empor sprosst.
17. Sp. angustifolium Michx. — Fl. Bor. Amer. 11, p. 189, non Kunth.
— Herb. Norm. IV et XV, n. 82. — Radix crassa elongata fibrosa; culmis
tenuis elongatis % — 2-ped. paucifoliis, basi foliosis; foliis (radicalibus saepius
emarcidiis evanescentibus) anguste linearibus, longissimis obtusis ; inflorescen-
tiam longe superantibus; glomerulis 2 — 3 minimis remotiusculis,infimo saepius
pedunculato, reliquis sessilibus foemineis, masculis 2 rarius 3 minoribus;
fructibus ovalibus obtusissimis, apice brevissime cylindrico-rostratis, stig-
mate minuto capitato; perigonii phyllis obovatis obtusis vix dimidio longi-
tudinis caryopsi. — Sp. hyperboreum Laestad.
Hab. : Sie scheint im ganzen Norden von Europa, Asien und Amerika, etwa bis
zum 65 ° n. Br. nicht selten zu sein. — In Sümpfen am Kemi-Flusse sammelte
ich selbst die Pflanze. Im nordöstlichen Sibirien, von wo viele Sammler, worunter
Krascheninnikow; in Kamtschatka und Unalaschka — Chamisso, und Sitcha,
Achta (Wossnessenski) in unseren Herbarien, Exemplare mitgebracht und nie-
dergelegt haben.
Durch das eigenthümliche Rhizom und die so sehr stumpfen Früchtchen
in den kleinen und dichten Glomeruli ist die Art sehr ausgezeichnet.
Bulletin.!*. S. IV (XXXVI) p. 40.
T. XIIl] DAS GEXÜS SPARGAXIUM L. 39'
Inhaltsverzeichniss und Nomenklatur der Sparganien-Arten.
Spargaiiium L. (Tournef.) Pag.
affine Schnetsl. — Sp. natans L. var 16
americanum Nutt 10
Sp. eurycarpum Englm.
Sp. simplex var. americanum.
angustifolium Michx 20
Sp. byperboreum Laestad.
angustifolium R. Br. = Sp. stenophyllum Maxim,
boréale Laest.
erectum a L. = Sp. ramosum Huds.
erectum ß L. = Sp. simplex Huds.
eurycarpum Englm. = Sp. americanum Nutt.
flaccidum Meinsb 17
fluitans Fries 14
Sp. glomeratum Laest.
Friesii Beari?
Glebnii Meinsb. ' ' . '„ 14
glomeratum Laestad. = Sp. fluitans Fries.
byperboreum Laestad. = Sp. angustifolium Micbx.
longifolium Turcz. = Sp. natans L.
longifolium Fr. Scbm. ex parte = Sp. Glebnii.
minimum Fries - 17
Sp. natans Autorum pi.
Sp. natans var. minimum Wablenberg, fl. Lapp,
natans L 15
Sp. longifolium Turcz.
neglectum Beeby = Sp. ramosum Huds.
oligocarpum Angst 18
Sp. vaginatum.
perpusillum Meinsb 18
ramosum Huds ' 11
Sp. erectum a L. Wablb.
Sp. neglectum Beeby.
ratis Meinsb 19
septentrionale Meinsb 19
simile Meinsb. 14
simplex Huds 13
Sp. erectum ß Wablb.
simplex v. angustifolium Englm. = Sp. subvaginatum
splendens Meinsb 12
subvaginatum Meinsb 15
Sp. simplex v. angustifolium Englm.
stenopbyllum Maxim 15
Sp. angustifolium R. Braun,
vaginatum Larss. = Sp. oligocarpum Angstr.
Bulletin N. S. IV (XXX VI) p. 41. 28
MÉLANGES BIOLOGIQUES
TIKES BD
BULLETIN DE L'ACADEMIE IMPERIALE DES SCIENCES DE ST.- PETERSBOURG.
TOME XIII.
Crustacea caspia. Contributions to the knowledge of the carcinological
Fauna of the Caspian Sea, by G. 0. Sars, Prof, of Zoology at the
University of Christiania, Norway. (Lu le 14 avril 1893).
Part I.
3VE "Y" S I ID jgB.
With 8 autographic plates.
GENERAL INTRODUCTION.
The Crustacea of the Caspian Sea are as yet but very imperfectly known,
and, with the exception of the Mysidce, the Caspian species of which have
partly been studied by Mr. Czerniavsky, only a few scattered notes have
hitherto been published about that part of the fauna. As, howewer, the Cru-
stacea everywhere are found to represent a very essential bulk of the fauna,
it cannot fail that a closer investigation of the several forms of that class
occurring in the Caspian Sea, would give us important information about
the general character of the fauna of that isolated marine basin, and
thereby throw much light on the difficult questions about the supposed
early connexion of the Caspian Sea with other parts of the Ocean.
Through the kind intervention of Mr. S. Herzenstein, a very interesting
collection of Crustacea made by Mr. Warpachowsky during the past year
in different places of the northern part of the Caspian Sea, has been placed
in my hands for examination. The collection comprises numerous species
belonging to 3 different orders, viz., Schizopoda, Gumacea and Ampliipoda.
Especially the occurrence in the Caspian Sea of Cumacea seems to me to be
of very considerable interest, on account of the exclusive marine character
of that order, and of the other 2 groups -. there are also several very
interesting and apparently new forms. Subsequently I have also received
some other specimens of Caspian Crustacea preserved from an earlier time
in the Zoological Museum of St. Petersburgh, and quite recently the rich
collections of Caspian Crustacea in the possession of Dr. Grimm have been
entrusted to me for investigation.
Bnlletin N. S. IV (XXXVI) p. 51. 28*
400 G. 0. SAKS, [T. XIII
It is thus a very considerable bulk of Caspian Crustacea, that will lie
before me, and I hope that a careful investigation of this vast material will
prove to be of considerable interest, both in systematic and biological
respects, and that several fundamental conclusions relating to the early
history of the Caspian Sea may be hence derived. I think, however, it may
be convenient to delay such a general discussion until the completion of
the systematic investigation of the several groups. On this occasion I only
wish quite briefly to indicate the general suggestions to which a preliminary
examination of the specimens has led me, and which I hope subsequently
to be enabled to support by more reliable facts.
The fauna of the Caspian Sea is, I believe, derived from 3 very differ-
ent sources. One part is of true arctic origin, and constitutes the remnant
of the primitive fauna prevailing at the early time, when a connexion between
the Caspian Sea and the Polar Sea may have existed. Another part of the
fauna is of a more southern character, and may have immigrated, at a much
later period from the Black Sea and the Mediterranean; a direct connexion
being supposed to have existed at that time. A third part of the fauna,
finally, constitutes a number of true fresh- water forms, which have adapted
themselves to living in somewhat brakish water, at the estuaries of the
great rivers debouching in the Caspian Sea. The abyssal region of the Cas-
pian Sea remains still, I believe, nearly quite unexplored. I am, however,
much inclined to believe that, on a closer investigation, the great depths of
that basin will be found to contain a peculiar abyssal fauna exhibiting a
purely arctic character.
On entering upon an investigation of the carcinological fauna of the
Caspian Sea, I have thought it right to treat of each group separately. The
present part comprises only a single family of the Schizopoda, viz., the My-
sidce. It will be shortly succeeded by 2 other parts, the one treating of the
Cumacea, the other of the Amphipoda, and perhaps subsequently a 4th part
will be added, treating of the lower Crustacea, the Entomostraca.
MY SIB JE.
As is well known, the Mysidœ form a family of the lower stalk-eyed
Crustacea, and belong to the subdivision generally termed Schizopoda, on
account of the legs being biramous, or provided with greatly developed exo-
podites acting as powerful swimming organs. Of higher stalk-eyed Crusta-
cea only 2 species of the genus Astacus have hitherto, according to a kind
communication by Mr. Herzenstein, been recorded from the Caspian Sea,
viz., Astacus leptodactylus and A. pacliypus, both being evidently fresh -
Bullotin N. S. IV (XXXVI) p. 52.
T. XIIl] • CRUSTACEA CASPIA. 401
water forms, which have adapted themselses to living in somewhat bra-
kish water. A species of Thelphusa is besides found in the rivers debouching
into the southern part of the Caspian Sea, but this form cannot properly be
referred to the fauna of the Caspian Sea itself. Unlike these 3 forms, the
Mysidœ are generally regarded as being of true marine origin, though
some species are also occasionally met with in pure fresh water lakes, as
first stated with regard to the Mysis relicta ofLovén. But, as indicated by the
specific name, this species is believed to be left from a remote time, when
the lakes were in conuexion with the Ocean, and this view, set forth by
Prof. Lovén, has been subsequently fully confirmed by a closer comparison
with the marine form, Mysis oculata Fabr., abounding in the arctic Ocean.
The Mysis relicta of Lovén is indeed quite certainly a depauperated descend-
ent of that species, exhibiting, as it does, a very close resemblance to imma-
ture specimens of the former 1 ). A similar descent from true marine forms
may in all probability also be attributed to the other Mysidse found to inhabit
pure fresh water.
The Mysidse of the Caspian Sea are as far as is yet known all comprised
within the subfamily Mysince, as defined by Mr. Czerniavsky, and belong to
4 different genera, one of which is now for the first time established. Of the
8 species enumerated in the following pages, 4 are as yet not known beyond
the Caspian Sea, whereas the other 4 are stated to be common also to the
Black Sea. As above stated, most of the Caspian species have already been
described by Mr. Czerniavsky in his valuable work, «Monographia Mysi-
darum imprimis Imperii Rossici». But, as these species are treated of in con-
nexion with species from other parts of the Ocean, it is somewhat difficult
at once to get a view of those occurring in the Caspian Sea. As moreover
some of the species have been rather imperfectly described, and good habi-
tus-figures are not at all given, I have thought it right to re-describe all the
species, which I have had myself an opportunity of examining, and to give
both habitus- and detail-figures of all. The descriptions are made as short
and concise as possible, and are chiefly confined to the real distinctive cha-
racteristics, the oral parts being, as a rule, only treated of in one species
of every genus, as there are generally no appreciable differences to be found
in these parts in species belonging to one and the same genus. Good figures
will on the whole make a minutely detailed description superfluous. To the
descriptions are added short critical remarks on the validity of the species
and its relation to other nearly allied species, as also information as to
occurrence and distribution.
1) See G. 0. Sars, Histoire naturelle des Crustacées d'eau douce de Norvège I. p. 40.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 53.
'102 G. 0. SAES, [T. XIII
The disintegration of the genus Mysis, as formerly defined, into seve-
ral distinct genera, according to the different structure of the antennal
scales, the telson, and the pleopoda in the male, was first proposed by Mr.
Czerniavsky in his above cited work. In a subsequent paper on the British
Mysidae, the Rev. Mr. Norman has adopted a similar subdivision of the
genus, but in some cases he disagrees with Mr. Czerniavsky, as regards
the limitation of the genera. Under these circumstances it would seem to be
appropriate to give an exhaustive diagnosis also of the genera, to which the
Caspian Mysidae ought to be referred.
It may be added, that I have had an opportunity of examining some
of the type specimens of Czerniavsky, which were kindly sent to me from
the Zoological Museum in St. Petersburgh for comparison and identification.
All the plates have been prepared by the autographic method, which
the author has applied in several of his other works, and which I think
may answer the purpose very well. The figures have in every case been ori-
ginally drawn by the aid of the camera lucida, and their correctness is thus
guaranteed.
Gen. 1. Paramysis, Czerniavsky, 1882.
Generic characters. — Form of body (PI. I, fig. 1, PI. II, fig. 1) rather
robust. Carapace well-developed, and but slightly emarginated posteriorly,
its lateral lobes completely obtecting the sides of the mesosome (see PI. II,
fig. I), cephalic part well defined by a conspicuous cervical sulcus, and hav-
ing the anterior edge evenly curved in the middle, frontal spine (see PL I,
fig. 2) large, uncovered. Eyes (ibid.) comparatively short and thick. Superior
antennae (PI. I, fig. 3) of the usual structure, male appendage (see PI. II,
fig. 1 & 2) well-developed and densely hirsute. Inferior antennae (PI. I, fig.
4) having the basal part considerably produced at the exterior corner, scale
very large, with the outer edge quite smooth and produced at the end to a
strong spiniform projection, tip of the scale transversely truncated, with the
inner corner not at all produced, and the apical segment nearly obsolete
(see PI. I, fig. 5). Anterior and posterior lips (PL I, figs. 6 & 10), as also
the mandibles (figs. 7 & 9) of normal structure. First pair of maxillae (PL II,
fig. 3) with the exognath less rudimentary than usual, having in front seve-
ral strong plumose setae wanting in other Mysidae. Second pair of maxillae
(PL II, fig. 4) with the terminal joint of the palp oblong oval in form and
carrying along the outer edge strong, partly ciliated setae, exognath of a
somewhat unusual form, its outer edge being strongly curved so as to form
a broadly rounded lobe, marginal setae very unequal, the proximal ones
being extremely strong and elongated. Maxillipeds (PL II, fig. 5) with the
Bulletin N. S! IV (XXXVI) p. 54.
T. XIIl] - CRUSTACEA CASPIA. 403
basal lobe scarcely larger than the outer masticatory lobe, otherwise of
quite normal structure. Gnathopoda (PI. II, fig. 6) comparatively strongly
built, with the terminal joint lamellar, and armed along the exterior edge
with a row of strong denticulated spines, the outermost of which, represent-
ing the dactylus, is much the largest (see PI. II, fig. 7). Pereiopoda (PI. II,
fig. 8) of uniform structure and rather robust, with the ischial and meral
joints somewhat expanded, tarsal part divided into 4 articulations, dactylar
joint very small, with the terminal claw slender and well defined from the
joint. Outer sexual appendages of male (PL II, fig. 9) of moderate size, and
slightly bilobular at the tip. Third pair of pleopoda in male (PI. II, fig. 10)
biramous, with the outer ramus shorter than the inner and simple conical
in form, terminating in a slender spine. Fourth pair of pleopoda in male (PI.
II, fig. 11) having the outer ramus much elongated, forming a slender cylin-
drical stem divided into 6 articulations, and terminating in 2 somewhat un-
equal flagella, the inner of which is the shorter and Particulate, outer part
of both densely spinulose. Telson (PL I, figs. 11 & 12, PL II, figs 13 & 14)
much elongated and strongly attenuated distally, lateral edges spinulose,
tip slightly incised, the incision being bordered by only a few scattered
spiniform projections, terminal lobes each tipped by a strong spine. Uropoda
(see PL I, fig. 11) of normal structure, outer lamella much larger than the
inner.
Remarks. — The present genus, established by Mr. Czerniavsky, is
very nearly allied to the genera Mesomysis and Austromysis of the same
author, though differing from both in a few particulars, for instance in the
comparatively more fully developed carapace, the rather different shape of
the antennal scales and of the telson, and finally, in the peculiar develop-
ment of the exognath of the 2 pairs of maxillae. Mr. Czerniavsky refers to
this genus 3 species, viz., P. Baeri, P. armata and P. Ullslcyi, but the last-
named form is unquestionably, as will be shown farther down, not a Para-
mysis, but a true Mesomysis. As far as yet known, the genus is not repre-
sented beyond the Caspian Sea.
1. Paramysis Baeri, Czerniavsky.
(Pi. I & II).
Paramysis Baeri, Czerniavsky, Monographia Mysidarum imprimis Imperii Rossici, fasc. 2
p. 56, PL XXYII, PI. XXVIII, figs 1—16, PI. XXIX, figs 1—15.
Specific Characters. — Body (see PL I, fig. 1, PL II, fig. 1) rather
strongly built, with the anterior division but little attenuated in front. Cara-
pace nearly obtecting the whole mesosome, leaving only the dorsal part of
last segment uncovered, lateral lobes even advancing somewhat beyond the
mesosome (see PL II, fig. 1); cephalic part fully as broad as the 1 st segment
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 55.
404 G. 0. SARS, [T. XIII
of metasome, and having the anterior edge considerably curved in the middle.
Frontal spine (see PI. I, fig. 2) rather large and freely projecting between
the insertion of the eyes. The latter (ibid.) comparatively short, scarcely pro-
jecting beyond the sides of the carapace, corneal part somewhat dilated and
distinctly emarginated on the dorsal face. Superior antennae with the pe-
duncle (PI. 1, fig. 3) of the usual somewhat club-shaped form, its last joint
being rather dilated, and provided along the inner edge and the tip with a
dense series of strong plumose setae, inner flagellum nearly 3 times as long
as the peduncle and about half the length of the outer; male appendage
(see PI. II, fig. 2) not fully as long as the peduncle and of the usual struc-
ture. Inferior antennae (PL I, fig. 4) having the basal part produced at the
outer corner to a strong triangular projection; scale very large, nearly twice
the length of the peduncle of the superior antennas, and oblong sublinear in
form, fully 3 times as long as it is broad, outer edge perfectly straight and
produced at the end to a strong spiniform projection, inner edge slightly
arcuate in its proximal part, tip narrowly truncated and carrying about 1 4
of the marginal setae, apical segment indicated by a slight suture cutting off
a small part of the scale at the inner corner (see PI. I, fig. 5). Pereiopoda
(PI. II, fig. 8) with the meral joint shorter than the ischial one and exhibit-
ing interiorly several fascicles of strong setae, tarsal part about the length of
the meral joint and having the 2 middle articulations the largest, last arti-
culation rather small. Outer ramus of 3 rd pair of pleopoda in male (PI. II,
fig. 10) scarcely more than half the length of the inner; 4 th pair (PI. II,
fig. 11) reaching nearly to the tip of the telson, and having the exterior
flagellum of the outer ramus about half as long as the stem. Telson (PI. I,
fig. 11, PI. II, fig. 13) very much prolonged, considerably longer than the
last segment of metasome, and gradually tapering distally, lateral edges
nearly straight, and each armed with about 20 spinules, the outermost of
which is far removed from the tip, apical incision (see PI. I, fig. 12, PI. II,
fig. 14) very small, narrowly rounded at the bottom, and armed with a small
number (from 3 to 7) of dentiform projections, terminal lobes narrow conical
and scarcely diverging, apical spine much stronger than the lateral ones.
Inner lamella of uropoda (PI. II, fig. 1 2) reaching but little beyond the telson,
its base not very much tumefied and having the otolith comparatively small,
inner edge armed, below the marginal setae, with about 10 slender spines,
the outer 2 of which are placed at some distance from the others. Dorsal
face of body ornamented (see PI. I, fig. 1, PL II, fig. 1) with dendritic rami-
fications, issuing from a number of pigmentary centres placed in the usual
manner. Length of adult female (including the antennal scales and caudal
appendages) reaching 26 mm; that of male somewhat less.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 56.
T. XIIl] CRUSTACEA CASPIA. 405
Remarks. — This form has been rather minutely described by Mr.
Czerniavsky, but the peculiar development of the exognath of the 2 pairs
of maxillae would seem wholly to have escaped his attention. It is a very
magnificent species, and easily recognizable from most of its allies, both by
its comparatively large size and by the shape of the antennal scales and of
the telson. Besides the typical form, Mr. Czerniavsky speaks of a variety
„lateralis", observed in a single immature specimen, which, according to
that author, distinguished itself by a somewhat larger cornea, and by the
telson being less prolonged and attenuated, and having moreover the apical
incision extremely shallow.
Occurrence. — The species has been observed in several places of the
Caspian Sea. Mr. Czerniavsky quotes the following localities: Northern part
of the Caspian Sea (Ullsky), Mangischlak (Uli sky), southern part of the
Caspian Sea (Ullsky), the harbour of Astara (Goebel), the promontory
of Zelenyi Bugor (Goebel), and for the variety, littoralis, Petrowsk or
Baku (Goebel). — The species was also represented in the collection of
Warpachowsky by a few beautifully preserved specimens, which occurred
at Stat. 15 off the Tschistyi-Bank, lying at some distance south of the
estuary of the Wolga.
2. Paramysis armata, Czerniavsky.
Paramysis armata, Czerniavsky, 1. c. fasc. 2, p. 63, PI. XXIX, figs 16 — 25.
Remarks. — I have only seen a fragment of this form, comprising the
anterior part of the carapace with the eyes and antennas, which was con-
tained in the type collection of Caspian Mysidse arranged by Mr. Czer-
niavsky. To judge from this fragment, the present species is very nearly
allied to P. Baeri, scarcely differing except in the eyes being comparatively
smaller, and having the corneal part far less expanded.
Occurrence. — According to Mr. Czerniavsky, a single female spe-
cimen of this form was collected by Lieutenant Ullsky of Mangischlak.
Gen. 2. Mesomys, Czerniavsky, 1882.
Generic Characters. — Form of body (see PI. Ill, IV, V & VI, fig. 1) more
or less slender. Carapace deeply emarginated posteriorly, and but imper-
fectly covering the posterior part of the mesosome, anterior edge not angu-
larly produced in the middle; frontal spine uncovered. Eyes (see PI. IV, V,
VI, fig. 2) large, pyriform. Superior antennas (PI. Ill, fig. 2) of the usual
structure. Inferior antennas (PI. Ill, IV, V, VI, fig. 3) less strongly produced
at the outer corner of the basal part than in Paramysis, scale of moderate
Enlletin N. S. IY (XXXVI) p. 57.
406 G. 0. SAKS, [t. XIII
size, with the outer edge smooth and produced at the end to a dentiform pro-
jection, tip more or less obliquely truncated, with the inner corner projecting
beyond the spine of the outer, and having a small apical segment cut off by
a transverse suture. Anterior and posterior lips, as also the mandibles (PI. Ill,
figs 5, 6) of the usual structure. First pair of inaxillae (PI. Ill, fig. 7) with
the exognate quite rudimentary, forming only a slight lamellar ridge finely
ciliated on the edge, but without any trace of setae. Second pair of inaxillse
(PI. Ill, fig. 8, PI. IV, V, VI, fig. 5) with the terminal joint of the palp oval
in form, and edged exteriorly by strong ciliated setae, exognath comparati-
vely small and triangular in form, its outer edge but slightly curved, mar-
ginal setae rather short and uniform in size. Maxillipeds (PI. Ill, fig. 9) with
the basal lobe rather large, outer masticatory lobe well -developed, though
scarcely as large as the basal one. Gnathopoda (PI. Ill, fig. 10) comparati-
vely less robust than in Paramysis, otherwise of much the same structure.
Pereiopoda (PL III, fig. 11, PI. IV, V, VI, fig. 6) likewise rather similar
to those in the said genus, though comparatively less robust, with the ischial
and meral joints less expanded, tarsal part quadriarticulate, with the 1 st
articulation very short and obliquely truncated at the tip, dactylar joint
small, with the terminal claw well defined from the joint and very slender
(see PI. Ill, fig. 12, PI. V, VI, fig. 7). Outer sexual appendages of male
as also the pleopoda (PI. IV, figs 11, 12, PI. V, VI, figs 12, 13) of a simi-
lar structure as in Paramysis. Telson (PI. Ill, fig. 14, PI. IV, fig. 7, Pl.-V,
VI, fig. 8) of moderate size, oblong quadrangular in form, and somewhat
tapering clistally, lateral edges densely spinulose, apical sinus very shallow
or quite obsolete, its edge bordered by a dense series of spiniform pro-
jections, arranged in a regular comb-like manner. Uropoda of the usual
structure.
Remarks. — This genus was characterised by Mr. Czerniavsky as
being intermediate between Mysis s. str. and Paramysis. It comes, however,
in fact still nearer to the genus Austromysis of the same author, the type
of which is M. Hellen G. 0. Sars. The latter genus was not adopted by the
Rev. Mr. Norman , who referred its species to his genus Schistomysis, founded
upon some of the species referred by Mr. Czerniavsky to his genus Syn-
mysis. I fully agree with Mr. Norman, that the 3 species M. Spiritus, M.
ornata and M. assimilés cannot properly be placed in the same genus with
M. flexuosa and M. neglecta, which, according to that author, belong to the
genus Macromysis of White. On the other hand, I think that the genus
Austromysis of Czerniavsky may be retained in the sense of that author,
including probably also the British species M. ParJceri. From the last named
genus the present one is chiefly distinguished by the less obliquely truncated
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 58.
T. Xlll] - CRUSTACEA CASPIA. 407
antennal scales, the uniform structure of the pereiopoda, and by the very
shallow apical sinus of the telson, and its peculiar comb-like armature. Mr.
Czerniavsky refers to this genus 5 species, one of which, M. Kröyeri,
should, however, perhaps more properly be placed within the genus Austro-
mysis, whereas another form described by that author as a Paramysis, must
find its place in the present genus. As far as yet known, the genus is not
represented beyond the Caspian and Black Seas, one of the species, M. la-
custris, having, however, been found in a lake among the mountains of
Caucasus. In the Caspian Sea the genus is represented by 5 species, one of
which is now for the first time established.
2. Mesomysis Ullskyi (Czerniavsky).
(Pi. III).
Paramysis Ullskyi 1 ) Czerniavsky, 1. c, fasc. 2. p. 65, PI. XXVI, figs 13 — 23.
Specific Characters. — Body (see PI. Ill, fig. 1) very slender and elon-
gated, with the anterior division rather attenuated in front, and scarcely longer
than the 4 anterior segments of metasome combined. Carapace deeply emargi-
nated posteriorly, leaving the dorsal part of the last 2 segments of mesosome
uncovered, cephalic part scarcely as broad as the 1st segment of metasome, and
having the anterior edge nearly straight; frontal spine large, uncovered. Me-
tasome very elongated, and gradually tapering posteriorly. Eyes of moderate
size, projecting somewhat beyond the sides of the carapace, corneal part rather
expanded and distinctly emarginated on the dorsal face. Peduncles of the
superior antennae (fig. 2) conspicuously club-shaped, the last joint being con-
siderably dilated and having at the inner corner about 10 strong plumose
setse. Antennal scales (see fig. 3) of middle size, exceeding the peduncles of
the superior antennse by about 1 / i of their length, form oblong linear, the
breadth equalling l / z of the length, terminal part projecting beyond the
outer corner occupying about 1 J 1 of the length of the scale, apical segment
well defined, bearing 5 of the marginal setse (see fig. 4). Pereiopoda (fig. 11)
moderately slender, with the meral joint a little shorter than the ischial
one, tarsal part somewhat longer than the former, with the 1st joint much
shorter than the other 3, which are nearly equal-sized, dactylar joint (see
fig. 12) very small, with the terminal claw nearly setiform. Telson (fig. 14)
comparatively large, exceeding somewhat in length the last segment of me-
tasome, and gradually tapering distally, lateral edges nearly straight, and
armed each with from 18 to 22 spinules, the outermost of which is some-
1) It may be noted, that this species in other parts of the work has been termed Para-
mysis Strauchi, and that the type specimens are labelled in accordance therewith.
Bulletin N. S. IV (XXXYI) p. 59.
408 G. 0. SARS, [t. XIII
what remote from the tip, apical sinus (see fig. 15) rather shallow, though
well-defined, and bordered by about 24 regular dentiform projections acute
at the tip, terminal lobes slightly diverging, and each tipped by a rather
strong spine. Inner lamella of the uropoda (fig. 13) moderately tumefied at
the base, with the otolith well-developed; inner edge armed, below the mar-
ginal setae, with about 9 spines, the outermost of which is placed at some
distance from the others, not far from the tip. Body without any distinct
dendritic ramifications, but having along the back the usual pigmentary
centres. Length of adult female reaching 2 1 mm.
Remarks. — As above stated, this form was referred by Mr. Czer-
niavsky to his genus Paramysis. This is evidently quite erroneous, for it
is in all characteristics a true Mesomysis, as seen both from the above
description and the appended figures. In order to decide the question with
full certainty, I have felt justified to dissect one of the type specimens in
the collection of Czerniavsky. E>om the other species belonging to the
present genus, this form may at once be distinguished by its unusually
slender and elongated body, and the comparatively large telson. Besides the
typical form, Mr. Czerniavsky also records a variety „forma occidentalis" ,
which, however, most probably is only founded upon an immature specimen
of the typical form.
Occurrence. — According to Mr. Czerniavsky, 4 adult female speci-
mens of this form were collected by Lieutenant Uli sky in the mouth of the
Wolga, and thus probably in nearly pure fresh water. Another specimen
was, according to the same author, captured in the northern part of the
Caspian Sea, and a third immature specimen, that upon which the variety
„occidentalis" was founded, was apparently from Petrowsk or Baku. In the
collection of Warpachowsky this species was not represented. Except in
the Caspian Sea it has not yet been recorded.
3. Mesomysis Kowalevskyi, Czern.
(PI. IV).
Mesomysis KotcaievsJcyi, Czerniavsky, 1. c. fasc. 2, p. 50, PI. XXI, PI. XXII, figs 1 — 13.
Specific Characters. — Body (PI. IV, fig. 1) not nearly so slender as in the
preceding species, and having the metasome much less prolonged. Carapace
evenly emarginated posteriorly, cephalic part fully as broad as the 1st seg-
ment of metasome, its anterior edge (see fig. 2) somewhat arched in the
middle, without, however, obtecting the frontal spine, which projects freely
beyond the edge. Eyes (ibid.) rather large, pyriform, projecting somewhat
beyond the sides of the carapace, corneal part well-developed, and, as usual,
emarginated on the dorsal face. Antennal scales (fig. 3) resembling in shape
bulletin N. S. IY (XXXVI) p. 60.
T. XIIl] J CRUSTACEA CASPIA. 409
those in the preceding species, though being perhaps a little smaller and
somewhat more obliquely truncated at the tip, terminal part (6g. 4) in front
of the outer corner occupying about % of the length of the scale, apical
segment well-defined. Pereiopoda (fig. 6) of a similar structure as in M.
Ullskyi, but having the meral joint comparatively shorter, and the tarsal
part much longer than the latter. Outer ramus of the 3rd pair of pleopoda
in male (fig. 11) exceeding half the length of the inner; 4th pair (figs. 10
and 1 2) reaching beyond the tip of the telson, and having the exterior flagel-
lum nearly of same length as the stem of the ramus. Telson (fig. 7) scarcely
longer than the last segment of metasome, and having the outer part slightly
attenuated, lateral edges somewhat flexuous and armed each with from 18
to 20.spinules, the outermost of which is not far remote from the tip, apical
sinus (see fig. 9) well-defined, though not very deep, and bordered with
about 22 regular dentiform projections, terminal lobes, as usual, tipped
by a somewhat larger spine. Inner lamella of the uropoda (fig. 8) moderately
tumefied at the base, with the otolith rather large, inner edge armed,
below the marginal setse, with about 9 slender spines, the outer 2 of which
are placed at some distance from the others. Body everywhere ornamented
with finely dendritic ramifications issuing from a dorsal row of pigmentary
centres, arranged in the usual manner. Length of adult female reaching
18 mm.
JRemarhs. — Although I have not had an opportunity of examining
the type specimens of Czerniavsky, which were wanting in the collection
sent to me, I cannot doubt that the above described species is that so named
by the said author, as it agrees rather well with his description and figures.
It is easily distinguishable from the preceding species by its much shorter
and stouter form of body, and the richly dendritic pigmentary ornament of
the dorsal face, as also by the comparatively shorter telson.
Occurrence. — Three specimens of this form, 2 females and 1 male,
were contained in the collection of Warpachowsky, and occurred at Stat.
28, north of the peninsula Mangischlak 1 ). To judge from their size, they
would seem to belong to the „varietas major" of Czerniavsky, which has
not yet been recorded from the Caspian Sea. — According to Mr. Czer-
niavsky, numerous specimens of the smaller form (forma typica) were col-
lected by Prof. Kowalevsky at Petrowsk or Baku, close to the shores.
Distribution. — According to Mr. Czerniavsky, the larger form of
this species (var. major) has been recorded from 2 different localities of the
1) In a subsequent collection by the same naturalist this species was rather abundantly
represented in 2 other places, viz., at Stat. 49, between the island of Kulaly and that of Mor-
skoj, and 52, at the northern extremity of the island Swjatoj.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 61.
410 G. 0. SARS, [t. XIII
Black Sea, viz., Odessa andOczakow, being in the first-named place extract-
ed from the ventricle of Perca fluviatilis, together with M. intermedia.
4. Mesomysss Czerniavskyi, G. 0. Sars, n. sp.
(PL V.)
Specific Characters. — Very like the last species, though perhaps a
little more slender in form (see PI. V, fig. 1). Carapace having the cephalic
part scarcely narrower that the 1st segment of metasome, its anterior edge
evenly curved in the middle, frontal spine uncovered. Eyes (see fig. 2) pyri-
form, reaching somewhat beyond the sides of the carapace, corneal part
well-developed and distinctly emarginated on the dorsal face. Antennal
scales (see fig. 3) exceeding the peduncles of the superior antennae by about
% of their length, and oblong linear in form, but very little attenuated
distally, terminal part in front of the outer corner (fig. 4) occupying about
Y 7 of the length of the scale, apical segment well-defined. Pereiopoda (fig. 6)
and pleopoda (figs. 12, 13) in both sexes of much the same structure as in
M. Kowalevskyi. Telson (fig. 8) scarcely longer than the last segment of meta-
some, and about twice as long as it is broad at the base, outer part somewhat
attenuated, lateral edges but very slightly flexuous, and armed each with
about 18 spinules, apical sinus (see fig. 9) extremely shallow, nearly obso-
lete, its edge bordered with 16 — 18 regular dentiform projections, spines
of the outlier corners not very strong. Inner lamella of the uropoda (fig. 1 0)
not much tumefied at the base, and having the otolith very small, inner edge
armed, below the marginal setse, with about 7 spines, the 3 outer ones being
somewhat wider apart than the 4 inner. Body without any distinct dendritic
ramifications, though having the usual dorsal pigmentary centres. Length
of adult female reaching 1 8 mm.
Remarks. — The present new species, which I have named in honour
of the distinguished Kussian naturalist Mr. Czerniavsky, is very nearly
allied to M. Kowalevskyi, though apparently distinct, differing, as it does,
rather conspicuously in the want of the rich dendritic ramifications orna-
menting the body of the former species, and also by the apical sinus of the
telson being so very shallow as nearly to be obsolete.
Occurrence. — Some specimens, females and males, of this form were
contained in the collection of Warpachowsky, and occurred at Stat. 27,
lying at the southern point of the Island of Kulaly, north of the peninsula
Mangischlak.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 62.
T. Xlli] - CRUSTACEA CASPIA. 411
5. Mesomysis intermedia, Czern.
(PI. VI).
Mesomysis intermedia. Czerniavsky, 1. c. fasc. 2, p. 52, PI. XXII, figs. 14—20, PI. XXIII,
figs. 1 — 15.
Specific Characters. — Form of body (see PI. VI, fig. 1) nearly as in
M. Gzerniavskyi. Carapace having the cephalic part about as broad as the
1st segment of metasome, anterior edge evenly arched in the middle, frontal
spine uncovered (see fig. 2). Eyes (ibid.) of the usual pyriform shape and
projecting laterally somewhat beyond the sides of the carapace, corneal part,
as seen from above, reniform in shape. Antennal scales (see fig. 3) exceed-
ing the peduncles of the superior antennas by considerably more than 1 / 3
of their length, and oblong rhomboidal in form, the apex being rather obli-
quely truncated, with the terminal part in front of the outer corner (see fig.
4) occupying more than l / i of the length of the scale, apical segment well
defined. Pereiopoda (fig. 6) rather slender, with the ischial and meral joints
comparatively less dilated than in the other species, tarsal part scarcely
longer than the meral joint, dactyl ar joint (fig. 7) of the usual structure.
Pleopoda (fig. 12, 13) scarcely differing from those in the other species,
except that the outer ramus of the 3rd pair in male (fig. 1 2) appears somewhat
smaller, scarcely exceeding half the length of the inner. Telson (fig. 8) about
the length of the last segment of metasome, and rather attenuated distally,
lateral edges nearly straight, and armed each with from 1 6 to 1 9 spinules,
the outmost of which is not far remote from the tip, apical sinus (see fig. 9)
quite obsolete, the terminal edge being transversely truncated and bordered
with a regular series of 14 acute dentiform projections, spines of the outer
corners not very strong. Inner lamella of the uropoda (fig. 10) considerably
tumefied at the base, with the otolith very large, inner edge armed, below
the marginal setae, with 4 spines only, the outmost of which is rather remote
from the apex. Body without any distinct dendritic ramifications, though
having the usual dorsal pigmentary centres. Length of adult female scarcely
exceeding 1 2 mm.
Remarks. — The present species has been rather imperfectly described
and figured by Mr. Czerniavsky, and as I moreover have not had an op-
portunity of examining his type specimens, I should have been in considerable
doubt about the identity of the species here described, if there were not a
single very prominent feature, in which both forms would seem perfectly to
agree, viz., the peculiar want of any true apical sinus on the telson, its apex
being transversely truncated, though exhibiting the usual comblike arma-
ture of the edge. Besides this characteristic, the present species is easily
distinguishable from the 3 preceding ones by the much more obliquely trun-
Bnlletin N. S. IV (XXXVI) p. 63.
412 G. 0. SAKS, [T. XIII
cated antenna! scales, and by the comparatively more slender pereiopoda.
It is also of rather inferior size. Mr. Czerniavsky records also of this spe-
cies 2 forms or varieties; the one ; „forma typica" is said to have the apical
sinus of the telson very shallow or scarcely distinct, the other, „forma
truncata", to have the telson nearly transversely truncated at the tip. In
the figures, however, the telson is everywhere represented as quite trans-
versely truncated, without any trace of an insinuation of the apical edge.
Occurrence. — A few specimens, males and females, of this species were
contained in the collection of Mr. "Warp achovv sky, and occurred at Stat.
15, together with Paramysis Baeri. According to Mr. Czerniavsky, 5
specimens of the typical form were collected by Prof. Kowalevsky at Pe-
trowsk (?).
Distribution. — Black Sea: a single specimen of the „forma truncata",
extracted from the ventricle of a Perca fluviatilis, caught at Odessa (Czer-
niavsky).
6. Mesomysis aberrans, Czern.
Mesomysis àberrans, Czerniavsky, 1. c. fasc. 2, p. 54, PI. XXIII, figs. 16—21.
Remarks. — I have not myself had an opportunity of examining this
form, but it may be here mentioned, as it is stated to occur in the Caspian
Sea. To judge from the description and figures given by Mr. Czerniavsky,
this species is very nearly allied to M. intermedia, differing, however, by
the anterior edge of the carapace being so much produced in the middle as
to nearly quite obtect the frontal spine, and by the apical edge of the telson
being not transversely truncated but even somewhat convex, though armed
in the usual manner.
Occurrence. — The specimens examined by Mr. Czerniavsky, were
collected by Prof. Kowalevsky at Petrowsk (?).
Gen. 3. Katamysis, G. 0. Sars, n.
Generic Characters. — Form of body (see PI. VII, figs 1 and 21) short
and stout. Carapace imperfectly obtecting the posterior part of mesosome,
and having the cephalic part rather short, with the anterior edge angularly
produced in the middle; frontal spine present. Eyes (see fig. 2) scarcely
expanded distally. Superior antennae (fig. 3) of the usual structure, male
appendage very large and densely hirsute (see fig. 21). Inferior antennae
(fig. 4) with the basal part scarcely at all produced at the outer corner,
scale very short, rhomboidal in form, with the outer edge smooth and ter-
minating in a dentiform projection, inner corner much produced and exhi-
biting â distinct apical segment (fig. 5). Anterior lip (fig. 6) armed in front
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 64.
T. Xin] CRUSTACEA CASPIA. 413
with a strong spiniform projection; posterior lip (fig. 7) of the usual shape.
Mandibles (fig. 8 & 9) comparatively large, with the palp well-developed
and edged with ciliated setae. First pair of maxillae (fig. 10) having the
masticatory lobe very narrow and attenuated, exognath forming only a small
laminar expansion ciliated at the edge. Second pair of maxillae (fig. 11)
with the terminal joint of the palp oval in form, and having only a very
restricted number of setae on the outer edge, exognath not very large, and
triangular in form, with comparatively few marginal setae. Maxillipeds (fig.
1 2) with the basal and masticatory lobes well-developed. Gnathopoda (fig.
13) extremely robust, with the joints very much dilated, the meral and
tarsal ones being much the largest, terminal joint (fig. 14) scarcely lamellar,
and having at the tip several very strong and claw-like spines. Pereiopoda
short and stout, the 2 anterior pairs (fig. 15) with the tarsal part well
defined, and composed of 3 articulations; the 4 posterior pairs (fig. 17) having
the tarsal part quite rudimentary, and armed with strong, claw-like, incurved
spines, dactylar joint in the former (fig. 16) normal, in the latter (fig. 18)
nearly obsolete. Pleopoda of male (fig. 22, 23) modified in a similar manner
as in the 2 preceding genera. Telson (fig. 20) not very large, and triangu-
lar in form, tapering to an obtuse point bearing 2 strong spines, lateral
edges spinulose. Uropoda (fig. 19) with the inner lamella but little shorter
than the outer.
Remarks. — The present new genus is chiefly distinguished by the very
remarkable reduction of the terminal part in the 4 posterior pairs of perei-
opoda, which thereby look as if they were mutilated. The structure of the
antennal scales somewhat resembles that in the genus Austromysis, but the
telson is constructed upon a totally different type, not being incised poste-
riorly, but terminating in an obtuse point. Also in the structure of the oral
parts and that of the gnathopoda, the genus exhibits several well-marked
differences from its nearest allies. The genus is as yet only represented by
a single species, to be described below.
o
7. Katamysis Warpachowskyi, G. 0. Sars, n. sp.
(PI. VII.)
Specific Characters. — Body (see PI. VIT, fig. 1 and 21) of rather robust
form, and having the anterior division somewhat tumefied. Carapace deeply
emarginated posteriorly, leaving the dorsal part of the last 2 segments of
mesosome quite uncovered, cephalic part fully as broad as the 1 st segment
of metasome, and having the anterior edge (see fig. 2) rather produced in
the middle, forming a distinct, nearly right angle, which, however, does not
quite obtect the frontal spine. Metasome not much prolonged, and rather
iiullotin N. S. IV (XXXYI) p. 65. 29
414 G. 0. SARS, [T. XIII
attenuated distally, with its last segment, as usual, the longest. Eyes (see
fig. 2) not very large, and but little projecting laterally beyond the sides of
the carapace, form nearly cylindrical, the corneal part being scarcely at all
expanded and but very slightly emarginated on the dorsal face. Superior
antennae with the last joint of the peduncle (fig. 3) having only a few ciliat-
ed setae at the inner corner, male appendage (see fig. 21) fully as long as
the peduncle. Inferior antennae (fig. 4) with the basal part rather thick, and
forming at the outer corner only a very slight obtuse expansion, scale but
very little exceeding the peduncle of the superior antennae, form pronounced
rhomboidal, the outer part in front of the exterior corner occupying nearly
half the length of the scale, apical segment (fig. 5) very distinct and bearing
5 of the marginal setae. Gnathopoda (see fig. 14) having at the tip 5 spines,
the 3 outer of which are not ciliated and claw-like, the 2 inner ones ciliated
in the middle and terminating in a setiform lash. The 2 anterior pairs of
pereiopoda (fig. 15) having the ischial and meral joints rather expanded and
nearly of equal length, the latter edged interiorly with several short spines
in addition to the setae, tarsal part much shorter than the meral joint, with
the 1st articulation rather broad and armed interiorly with several strong
spines, dactylar joint (see fig. 16) small, with the terminal claw well defined
from the joint and setiform. The 4 posterior pairs of pereiopoda (fig. 17)
having the meral joint strongly incurved, forming a genicular bend with the
ischial one, tarsal part represented by a single very short and thick articu-
lation firmly connected with the meral joint, and having in front 4 strong
claw-like spines disposed in pairs (see fig. 18), dactylar joint forming only
a very minute and pellucid lobe, mostly hidden between the spines and setae
issuing from the tarsal joint. Third pair of pleopoda in male (fig. 22) having
the outer ramus a little longer than the inner; outer ramus of 4th pair (fig.
23) reaching beyond the tip of the telson, outer flagellum nearly twice the
length of the inner. Telson (fig. 20) much shorter than the last segment of
metasome, and not nearly twice as long as it is broad at the base, outer
part considerably tapering, lateral edges nearly straight and converging,
being each armed with about 12 spinules, of which the 3 proximal ones
are somewhat larger than the 4 or 5 succeeding ones, which are placed
somewhat more apart, the outer 4 spinules on each side successively increas-
ing in length distally, apical spines much stronger than the others, and
having between them a very small dentiform projection, which sometimes
is minutely bidentate at the tip (see fig. 24). Inner lamella of the uropoda
(see fig. 19) considerably projecting beyond the telson, and moderately tume-
fied at the base, with the otolith of middle size, inner edge armed, below
the marginal setae, in its whole length, with about 13 spines, successively
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 66.
T. XIIl] CRUSTACEA CASPIA. 415
increasing in length, the outmost issuing from the tip itself. Body exhibit-
ing dorsally the usual row of pigmentary centres, which only show a slight
attempt to a dendritic ramification. Length of adult female 8 mm.
Remarks. — The present peculiar Mysidian, which I have much plea-
sure in dedicating to its discoverer, Mr. "Warpachowsky, cannot be con-
founded with any of the other known forms. In its outer appearance it bears
a certain resemblance to some of the species of the genus Mysidopsis, for
example Mysidopsis didelphys, and the telson is also of a rather similar aspect
to that of the said species; but the rhomboidal shape of the antennal scales
at once distinguishes this form from any of the species of Mysidopsis. The
peculiar, as it were, mutilated appearance of the posterior pairs of pereio-
poda may also, without dissection, be easily observed.
Occurrence. — Of this form 4 specimens were contained in the collec-
tion of Warpachowsk3 r . They occurred at Stat. 27, together with Meso-
mysis Gzerniavskyi and Limnomysis Benedeni l ).
Gen. 4. Limnomysis, Czern., 1882.
Generic Characters. — Form of body (see PI. VIII, figs. 1 and 18)
comparatively slender. Carapace imperfectly obtecting the posterior part
of mesosome, cephalic part well-defined, and having the infero-lateral cor-
ners acutely produced and the anterior edge considerably arched in the
middle, frontal spine wanting. Eyes (see fig. 2) elongate and narrow, and
separated in the middle by a rather wide interval. Superior antennae with
the peduncle (fig. 3) but little dilated at the tip, male appendage (figs. 19,
20) small and simple of structure, not hirsute, but only finely ciliated. In-
ferior antennas (figs. 4 and 21) with the basal part considerably produced
at the outer corner, scale narrow lanceolate, bearing on both edges strong
ciliated setae, apical segment rather large and peculiarly modified in the
male (see fig. 21, 21*). Anterior and posterior lips (figs. 5, 7) of the usual
structure. Mandibles (fig. 6) of moderate size, palp having the terminal
joint comparatively short. First pair of maxillae (fig. 8) of normal struc-
ture; 2nd pair (fig. 9) having the terminal joint of the palp oblong oval in
form, with the outer edge minutely serrated and setiferous, exognath compa-
ratively large, oblong triangular in form, with numerous rather short mar-
ginal setae. Maxillipeds (fig. 10) with the basal lobe unusually large, masti-
catory lobes, on the other hand, very small. Gnathopoda (fig. 11) rather
slender, with the terminal joint (fig. 12) lamellar, and edged roundabout
with numerous slender spines, each terminating in a setiform lash. Pereio-
1) Some additional specimens of this Mysidian were contained in a subsequent collection,
and occurred at Stat. 52.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 67. 29*
416 G. 0. SAKS, [T. XIII
poda (fig. 13) of uniform structure and comparatively slender, with the
ischial and meral joints but little expanded, tarsal part divided into 3 arti-
culations, the 1st of which is much the largest, dactylar joint (see fig. 14)
having the terminal claw rather strong and not defined from the joint. Outer
sexual appendages of male (fig. 22) comparatively small. Third pair of ple-
opoda in male (fig. 23) simple, not biramous, but having the proximal part
considerably tumefied; 4th pair (fig. 24) distinctly biramous, inner ramus
of the usual structure, outer one not much prolonged, and forming a some-
what irregular stem, not being divided into any articulations, and terminat-
ing in a single spiniform flagelluni, smooth at the edges. Telson (fig. 1 6)
not very large, with the outer part considerably attenuated, lateral edges
spinulose, tip insinuated in the middle, the sinus (fig. 17) being bordered
with a number of small dentiform projections, terminal lobes each armed
with a strong apical spine. Uropoda (fig. 15) with the inner lamella much
shorter than the outer and considerably tumefied at the base.
EemarJcs. — The present genus, established by Mr. Czerniavsky , is
nearly allied to the genus Diamysis of the same author, the type of which
is Mysis bahirensis G. 0. Sars. It distinguishes itself, however, by the
more slender form of the body, the much fuller development of the apical
segment of the antennal scales and the peculiar modification of this segment
in the male, moreover by a somewhat different form and armature of the
terminal joint of the palp in the 2nd pair of maxillae, as also by the uniform
structure of the pereiopoda and the structure of their dactylar joint, and
finally, by the somewhat different structure of the 4th pair of pleopoda in
the male. The 3 genera Potamomysis, Euxinomysis and Onychomysis of the
same author, would likewise seem to come rather near to the present one,
though being apparently distinct. Mr. Czerniavsky refers to this genus
3 species, viz., L. Brandtii, L. Benedeni, and L. Schmankewiczi, the last 2
of which, however, are only founded upon the 2 sexes of one and the same
species, that described below, whereas the first named would seem to be
distinct. The genus has not yet been known from the Caspian Sea.
8. Limnomysis Benedeni, Czern.
(PI. VIII).
Limnomysis Benedeni, Czerniavsky, I. c. fasc. 1, p. 124, PI. X, figs. 13 — 24, PI. XI.
Syn.: Limnomysis Schmankewiczi, Czern. (male).
» Mysis relicta, var. pontica, Grebnitzki (according to Czern.)
Specific Characters. — Body (see PI. VIII, figs 1 & 18) slender and
elegant in form, with the anterior division but little tumefied, and the poste-
rior one evenly attenuated. Carapace deeply emarginated posteriorly, leav-
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 68.
T. XIIl] CRUSTACEA CASPIA, 417
ing the dorsal part of the last 2 segments of mesosome quite uncovered, la-
teral lobes not even obtecting the sides of the last segment (see fig. 1 8),
cephalic part about as broad as the 1st segment of metasome, and having
the infero-lateral corners produced to acute anteriorly curving projections,
rather conspicuous also in the dorsal view of the animal (see fig. 1 & 2),
anterior edge considerably produced in the middle, though evenly rounded
at the tip. Eyes (see fig. 2) rather narrow, nearly cylindrical in form, and
considerably projecting laterally beyond the sides of the carapace, corneal
part but slightly expanded, and occupying dorsally only l / z of the length of
the eye, its inner edge nearly straight. Superior antennae with the peduncle
(fig. 3) but little longer than the eyes, last joint having in female only a
single plumose seta at the inner corner, the latter being in male (see fig. 1 9)
produced to a narrow digitiform process, male appendage (fig. 20) scarcely
more than half the length of the peduncle and very narrow. Inferior antennae
(figs. 4 & 21) with the outer corner of the basal part produced to a very
strong anteriorly curving spiniform projection, scale in female (fig. 4) about
twice the length of the peduncle of the superior antennas, and regularly lan-
ceolate in form, about 4 times as long as it is broad, with the inner edge
somewhat arched in its proximal part, apical segment occupying about */ 4 of
the length of the scale and bearing 1 2 of the marginal setae, 3 issuing from
the tip; apical segment in male (see fig. 21) freely movable upon the remain-
ing part of the scale, by the aid of a strong muscle quite wanting in female,
its tip (fig. 21) produced to a spiniform or nearly hook-shaped point curved
downwards. Guathopoda (fig. 11) with the basal part very large and fringed
interiorly with strong plumose setae, apical spines (see fig. 12) about 13 in
number, all of same appearance, though the median one (the dactylus) ap-
pears a little stronger than the others. Pereiopoda (fig. 1 3) with the ischial
and meral joints nearly equal- sized, and having on the inner edge numerous
fascicles of slender setae, tarsal part about same length, with the 1st joint
somewhat longer than the other 2 combined, 3rd joint (see fig. 14) forming
at the end interiorly a slight nodular projection armed with 2 short spines,
dactylar joint (ibid.) very small and having at the base of the terminal claw
2 somewhat unequal spines. Outer sexual appendages of male (fig. 22) di-
stinctly bilobular at the tip, the anterior lobe more projecting and fringed
with long stiff bristles. Fourth pair of pleopoda in male (fig. 24) reaching
scarcely to the end of the last segment of metasome, basal part produced
at the outer corner to a triangular projection, outer ramus somewhat irre-
gularly twisted, having the inner edge biangular on the middle and armed,
at the base of the flagellar part, with a small hooked projection. Telson
(fig. 16) much shorter than the last segment of metasome, and rather broad
Dnllctin N. S. IV (XXXVI) p. 69.
418 G. 0. SARS, [T. XIII
at the base, its outer part being abruptly constricted and slightly attenuated
distally, lateral edges somewhat concaved, and armed each with about 10 spi-
nules, the 6 proximal ones being separated by a longer interval from the
three or four outer ones, which are placed somewhat more apart, apical sinus
(see fig. 17) rather shallow and rounded at the bottom, its edge exhibiting
about 5 dentiform projections, terminal lobes scarcely diverging and tipped
each with a rather strong spine. Inner lamella of the uropoda (fig. 15) consi-
derably projecting beyond the telson, and having its basal part very much
tumefied, with the otolith rather large, inner edge armed, below the marginal
setae, with only a single spine, which has its place just behind the auditory
apparatus. Body without any distinct pigmentary ornament, the usual dorsal
pigmentary centres being even quite wanting, with the exception of a single
somewhat ramified pigmentary spot located on the basal part of the telson.
Length of adult female 10 mm.
Remarks. — The very peculiar sexual difference in the structure of the
antennal scales in this form has misled Mr. Czerniavsky to describe
the 2 sexes as 2 different species. For his L. Schmankewiczi is without any
doubt only the male of his L. Benedeni. From L. Brandti the present spe-
cies would seem to differ by a somewhat different shape of the antennal scales,
but otherwise both forms seem to be very nearly allied, and their specific
difference may thus perhaps be questioned. M. Czerniavsky records of
his species L. Benedeni 3 forms or varieties, viz., forma aestuarica, f. inter-
media, and f. similis, chiefly distinguished only by small differences in the
form and armature of the apical sinus of the telson. The form here described
would seem to agree most nearly with the forma aestuarica, which may be
regarded as the typical form.
Occurrence. — Several specimens of this species were contained in the
collection of Warpachowsky, and occurred in 3 different stations, viz.,
St. 15, 27 and 28. In the 2 first-named Stations, however, only solitary
specimens were collected, whereas in Stat. 28 the species would seem to
have occurred rather plentifully 1 ).
Distribution. — Black Sea. According to Mr. Czerniavsky a few spe-
cimens of the typical form (aestuarica) were collected by Mr. Grebnitzki
at the mouth of the river Dniester, and were recorded by that author as
Mysis relicta, var. pontica; the 2 other varieties were collected by Prof.
Mecznicow at Liman Berezan (near Oczakow).
1) This form was also abundantly represented in a subsequent collection, and occurred in
4 different Stations, viz., St. 49, 50 (off Tschistyi Bank), 51 (at tlie island of Kulaly), 52.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 70.
T. XIIl] . CRUSTACEA CASPIA. 419
Explanation of the Plates.
pi. i.
Paramysis Baeri, Czern.
Fig. 1. Adult female, viewed from the dorsal face.
» 2. Front part of the body, with the eyes, superior antennae (with the bases of the flagella)
and right antennal scale, somewhat more strongly magnified; dorsal view.
» 3. Peduncle of the right superior antenna, with the bases of the flagella; viewed from
above.
» 4. Basal part of the left inferior antenna, with the scale (without the marginal setae) and
the base of the flagellum ; dorsal view.
» 5. Outer part of the scale, more strongly magnified, showing the rudimentary apical seg-
ment at the inner corner.
» 6. Anterior lip, viewed from below.
» 7. Mandibles, anterior and posterior lips in situ, ventral view.
» 8. Mandibular palp, somewhat more strongly magnified.
» 9. Masticatory parts of the mandibles.
» 10. Posterior lip.
» 11. Extremity of the tail, with the telson and the right uropod (without the marginal setse);
dorsal view.
» 12. Tip of the telson, more highly magnified.
PI. II.
Paramysis Baeri, Czern.
(Continued).
Fig. 1. Adult male, viewed from left side.
» 2. Peduncle of left superior antenna in male, viewed from below, exhibiting the male
appendage, the hairs of which have been removed in order to show the band-like
insertion of the latter.
» 3. First maxilla.
» 4. Second maxilla.
» 5. Maxilliped with exopodite and epipodite.
» 6. Gnathopod.
» 7. Terminal joint of the latter, more highly magnified.
» 8. Pereiopod of 2nd pair.
» 9. One of the outer sexual appendages of male.
» 10. Third pleopod of male.
» 11. Fourth pleopod of male.
» 12. Inner lamella of left uropod (without the marginal setse).
» 13. Telson viewed from the dorsal face.
» 14. Tip of telson of another specimen, with only 3 dentiform projections at the bottom
of the apical incision.
PI. III.
Mesomysis TJUskyi, (Czern.).
Fig. 1. Adult female, dorsal view.
» 2. Peduncle of right superior antenna, with the bases of the flagella, viewed from
above.
» 3. Basal part of left inferior antenna, with the scale (without the marginal setse) and the
base of the flagellum, dorsal view.
Bulletin N. S. 1Y (XXXVI) p. 71.
420 G. 0. SAKS, [t. XIII
Fig. 4. Extremity of the scale, more highly magnified.
» 5. Right mandible with palp.
» 6. Masticatory part of left mandible.
» 7. First maxilla.
» 8. Second maxilla.
» 9. Maxilliped with exopodite and epipodite.
» 10. Gnathopod.
» 11. Pereiopod of 2nd pair.
» 12. Extremity of the latter, more highly magnified, showing the structure of the dac-
tylar joint.
» 13. Inner lamella of right uropod (without the marginal setse).
» 14. Telson, viewed from the dorsal face.
» 15. Tip of the telson, more highly magnified.
PI. IV.
Mesomysis Kowalevskyi, Czern.
Fig. 1. Adult female, dorsal view.
» 2. Front part of the body, with the eyes and antennse, dorsal face.
» 3. Basal part of left inferior antenna, with the scale (without the marginal setse) and the
base of the flagellum, dorsal view.
» 4. Extremity of the scale, more highly magnified.
» 5. Second maxilla.
» 6. Pereiopod of 2nd pair.
» 7. Telson, viewed from the dorsal face.
» 8. Inner lamella of left uropod (without the marginal setse).
» 9. Extremity of the telson more highly magnified.
» 10. Outer part of the tail of an adult male, viewed from left side, exhibiting the pleopoda
and caudal appendages.
» 11. Third pleopod of male.
« 12. Fourth pleopod of same.
PI. V.
Mesomysis Czerniavsl'yi, G. 0. Sars.
Fig. 1. Adult female, dorsal view.
a 2. Front part of the body, with the eyes and antennse; dorsal view.
» 3. Basal part of left inferior antenna, with the scale (without the marginal setse) and
the base of the flagellum.
» 4. Extremity of the scale, more highly magnified.
» 5. Second maxilla.
» 6. Pereiopod of 2nd pair.
» 7. Extremity of the latter, more highly magnified.
» 8. Telson, viewed from the dorsal face.
» 9. Extremity of the latter, more highly magnified.
» 10. Inner lamella of left uropod (without the marginal setse).
» 11. Male appendage of the superior antennse.
» 12. Third pleopod of male.
» 13. Fourth pleopod of male.
PI. VI.
Mesomysis intermedia, Czern.
Fig. 1. Adult female dorsal view.
» 2. Front part of the body, with the eyes and antennse; dorsal view.
» 3. Basal part of left inferior antenna, with the scale (without the marginal setse) and
the base of the flagellum.
Kullotin N. S. IY (XXXVI) p. 72.
T. XIIl] CRUSTACEA CASPIA. 421
Fig. 4. Extremity of the scale, more highly magnified.
» 5. Second maxilla.
» 6. Pereiopod of 2nd pair.
» 7. Extremity of the latter more highly magnified.
» 8. Telson, viewed from the dorsal face.
» 9. Extremity of the latter, more highly magnified.
» 10. Inner lamella of left uropod (without the marginal setae).
» 11. Tail of an adult male, viewed from left side, showing the pleopoda and caudal
appendages.
» 12. Third pleopod of male.
» 13. Fourth pleopod of male.
PI. VII.
Katamysis Warpachowskyi, G. 0. Sars.
Fig. 1. Adult female, dorsal view.
» 2. Front part of the body, with the eyes and antennae, dorsal view.
» 3. Peduncle of right superior antenna, with the bases of the flagella.
» 4. Basal part of left inferior antenna, with the scale (without the marginal setae) and
the base of the flagellum.
» 5. Extremity of the scale, more highly magnified, exhibiting the apical segment.
» 6. Anterior lip, from below.
» 7. Posterior lip.
» 8. Eight mandible with palp.
» 9. Masticatory part of left mandible.
» 10. First maxilla.
» 11. Second maxilla.
a 12. Maxilliped with exopodite and epipodite.
» 13. Gnathopod.
» 14. Terminal joint of the latter, more highly magnified.
» 15. Pereiopod of 2nd pair.
» 16. Extremity of same, more highly magnified.
» 17. Pereiopod of 3rd pair.
» 18. Extremity of same, more highly magnified.
» 19. Eight uropod (without the marginal setae).
» 20. Telson, viewed from the dorsal face.
» 21. Adult male, viewed from left side.
» 22. Third pleopod of same.
» 23. Fourth pleopod of same.
» 24. Tip of the telson of same.
PL VIII.
Limnomysis Benedeni, Czern.
Fig. 1. Adult female, dorsal view.
» 2. Front part of the body, with the eyes and antennae, dorsal view.
» 3. Peduncle of right superior antenna, with the bases of the flagella.
» 4. Basal part of left inferior antenna, with the scale (without the marginal setae) and the
base of the flagellum.
» 5. Anterior lip, from below.
» 6. Left mandible with palp, and masticatory part of the right one.
» 7. Posterior lip.
» 8. First maxilla.
» 9. Second maxilla.
» 10. Maxilliped with exopodite and epipodite.
» 11. Gnathopod.
» 12. Terminal joint of the latter, more highly magnified.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 73.
422 G. 0. SARS, CRUSTACEA CASPIA. [ï. XIII
Fig. 13. Pereiopod of 2nd pair.
» 14. Extremity of same, more highly magnified, showing the structure of the dactylar joint.
» 15. Eight uropod (without the marginal setse).
» 16. Telson, viewed from the dorsal face.
» 17. Extremity of same, more highly magnified.
» 18. Adult male, viewed from left side.
» 19. Peduncle of left superior antenna of male, viewed from below.
» 20. Male appendage of same, more highly magnified.
» 21. Basal part of left inferior antenna of male, with the scale and base of the flagellum.
» 21* Tip of the scale, more highly magnified.
» 22. One of the outer sexual appendages of male.
» 23. Third pleopod of male.
» 24. Fourth pleopod of male.
?>©<<>o-
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 74.
G.Q.Sars Crustacea caspia.
■Mysidae.Pl.I.
G.O.Sars au+ogr
Paramysis Baeri, Czern.
G.Q.Sars Crustacea caspia.
Mysidae.Pl.IL
G.O.Sars autoqr.
Paramysis Baeri, Czern
(co.n+in.)
G.O.Sars Crustacea caspia.
Mysida.riiE.
%':
{ ,' .■■:.,: '. ■ ■ . ■' • I
I ".',■ ;ffi|H!r»7//= : .|
G.O.Sars autogr.
Mesomysis Ullskyi, (Czern.)
G.Û.Sars Crustacea caspia.
■Mysida.PI.IV.
G.O.Sars au+oc
Mesomysis Kowalevskyi, Czern.
G.O.Sars Crustacea caspia.
Mysidse.Pl..V.
G.O.Sars au+oqr.
Mesomysis Czerniavskyi, G.O.Sars.
n. sp.
G.O.Sars Crustacea caspia.
Mysida.Pl.7I
G.O.Sars autoqr.
Mesomysis intermedia, Czern
G.Q.Sars Crustacea caspia.
Mysidse.Pl.VI,
G.o.Sars autogr, Kata mysis Warpachowsky i, G.O.Sars.
n. gen. & sp.
G.O.Sars Crustacea caspia.
Mysida.Pl.VIII.
G.o.sars autogr. Lirnnomysis "Benedenï, Czern.
MELANGES BIOLOGIQUES
TIRÉS DU
BULLETIN DE L'ACADÉMIE IMPÉRIALE DES SCIENCES DE ST - PÉTERSBOURG.
TOME XIII.
Über Chlorophyllkörner der Samen und Keimlinge. Von A. Famintzin. (Lu
le 17 juin 1893).
Mit einer Tafel.
(Arbeiten aus dem botanischen Laboratorium der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
zu St. Petersburg. N» 5.) *
Viele Forscher haben sich schon mit diesem Gegenstande beschäftigt;
indessen ist bis jetzt keine vollkommen befriedigende Arbeit darüber erschie-
nen. Yon einigen (Schimper, Meyer, Bredow) wird behauptet, dass die
die grüne Farbe des jungen Embryo bedingenden Chromatophoren auch in
dem reifen Samen erhalten bleiben und im letzteren nur deshalb schwer zu
erkennen sind, weil sie zu dieser Zeit ihre grüne Farbe einbüssen und farb-
los werden; während der Keimung des Samens dagegen ergrünend, sollen
sie die grünen Chromatophoren der Keimlinge bilden. Nach der Meinung
anderer (Sachs, Haberlandt, Mikosch, Beiz ung) enthalten reife Samen
keine Chromatophoren, und bei der Keimung sollen die grünen Chromato-
phoren direct aus dem farblosen Plasma sich heranbilden.
Die vorliegende Untersuchung hat den Zweck diese in theoretischer
Hinsicht sehr interessante Frage in unwiderleglicher Weise zu lösen.
Indem ich eine ausführliche Besprechung aller hierher gehörenden Ar-
beiten, wegen der schon vorhandenen Übersichten, für überflüssig erachte,
will ich die Literatur der uns interessirenden Frage nur in sofern berühren,
als es nothwendig ist um das Verhalten meiner Untersuchungen zu den schon
vorhandenen Angaben klar zu legen.
Einen schlagenden Beweis dafür, dass durch die vorhandenen Unter-
suchungen die aufgeworfene Frage noch nicht entgültig entschieden ist,
liefern die fast gleichzeitig im Jahre 1891 erschienenen Arbeiten von Bre-
dow 1 ), der die Ansichten Schimper's zu bekräftigen sucht und die von
* Die Arbeit JY» 3 von Ivanowsky: Über die Mosaikkrankheit der Tabakspflanze ist in
dem Bull, de l'Ac. Imp. des Sc. de St.-Pétersb. Nouv. Sér. Ill (XXXV) p. 67—70, erschienen.
Die Übersetzung der in russischer Sprache von Ivanowsky abgefassten Arbeit JV° 4: Über
die Wirkung des Sauerstoffs auf Alkoholgährung wird in kurzer Zeit erscheinen.
1) Bredow, Beiträge zur Kenntniss der Chromatophoren. Pringsh. Jahrb., Bd. 22, p. 349.
Bulletin N. S. IV(XXXYI) p. 75.
424 A. FAMINTZIN, [t. XIII
B el z ung 2 ), welcher zu entgegengesetzten Resultaten gelangt. Die Verschie-
denheit der von diesen Forschern erlangten Resultate ist desto auffallender,
da sie beide die Chlorophyll körner in dem jungen Embryo, den reifen Samen
und den Keimlingen untersuchten und beide hauptsächlich Lupinus als
Beobachtungsobject gebrauchten.
Bredow 3 ) bestreitet die Meinung, dass beim Reifen der Samen, gleich-
zeitig mit dem Einbüssen der grünen Farbe, auch die plasmatische Grund-
substanz der Chlorophyllkörner gelöst werde und das letztere, während der
Keimung, vom Neuen an verschiedenen Stellen im Plasma sich heranbilden.
Von Schimper schon wurde erwähnt, dass die Chromatophoren der
Keimlinge fertiggebildet in den reifen Samen sich vorfinden; genaue Mittel
für deren Nachweisung in letzteren wurden von ihm dagegen nicht angegeben.
Bredow untersuchte eine grosse Anzahl verschiedener sowohl farbloser, als
gelb und grünlich gefärbter Samen und konnte in allen das Vorhandensein
der Chromatophoren nachweisen. Letztere waren allerdings äusserst schwach
gefärbt, so dass sie nur mittelst starker Immersionssysteme beobachtet
werden konnten. In den meisten Fällen waren die Zellen dermaassen mit
Aleuronkörnern, Öl und Stärkekörnern erfüllt, dass die Chromatophoren
von letzteren vollständig verdeckt wurden. Die Grundmasse der Chromato-
phoren erschien im reifen Samen stark zusammengeschrumpft; dessenunge-
achtet konnte ihre Eiweissnatur mittelst microchemischer Reactionen direct
nachgewiesen werden.
Um die Chromatophoren in den Lupinus- Samen nachzuweisen bearbeitete
Bredow dünne Schnitte derselben, zur Entfernung der Fette, mittelst star-
ken Alkohol und Äther; die durch leises Erwärmen eingetrockneten Schnitte
wurden darauf in concentrirtes Glycerin gebracht; es erschienen nun die Chro-
matophoren, als meistentheils längliche, selten rundliche, blasse, mattge-
färbte Bildungen, deren Durchmesser 0,5 f/.. nicht überstieg. Durch Jodtinc-
tur nahmen sie in Glycerin eine deutlich braune Färbung an.
Von den übrigen microchemischen Reactionen Bredow's will ich nur noch
folgende erwähnen: a) an den, in einer gesättigten Picrinsäurelösung wäh-
rend mehreren Tagen gelegenen und von letzterer gefärbten Schnitten konn-
ten im öl und im Glycerin die Chromatophoren durch ihre intensivere Fär-
bung deutlich unterschieden werden; b) an den ebenfalls in der gesättigten
Picrinsäurelösuug gelassenen und mittelst Wasser von letzterer befreiten
Schnitten wurden die Chromatophoren durch Hämatoxylin (mit Alaun) deut-
lich gefärbt.
2) Beizung, E., Nouvelles recherches sur l'origine des grains d'amydon et des grains
chlorophylliens. Ann. d. Se. Nat. Botan. Sér. VIII, t. 13, p. 5.
3) Bredow, 1. c. p. 359 ff.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 76.
T. XIIJ] ÜBER CHLOROPHYLLKÖRNER DER SAMEN UND KEIMLINGE. 425
Ähnliche Resultate erhielt Breclow auch hinsichtlich der Chroniatopho-
ren in den Samen anderer Pflanzen; bei manchen (Pisum sativum, grüne
Markerbsen) erschienen die Chromatophoren schwach grünlich gefärbt.
"Weniger befriedigend sind Bredow's Resultate hinsichtlich des weite-
ren Schicksals der Chlorophyllkörner während der Keimung. Bei 24 Stun-
den alten Keimlingen des Lupinus erwiesen sich die Aleuronkörner aufge-
löst; die zusammengeschrumpften Zellkerne erhielten bald ihr normales
Aussehen; das Protoplasma war mit einer unzähligen Menge winziger Kör-
perchen, welche meistens kleine, theilweise gerade, theilweise gekrümmte
Stäbchen darstellten, überfüllt. Die äusseren Zellschichten, inclusive die Epi-
dermis, erschienen gelb gefärbt, während die inneren farblos waren. Das gelbe
Pigment soll nach Bredow nur an die oben erwähnten winzigen Körperchen
gebunden sein, weshalb letztere meistens als Theilungsproducte der Chroma-
tophoren des reifen Samens von ihm gedeutet werden. Die in dem reifen Sa-
men zusammengeschrumpften Chromatophoren erlangen, seinen Beobach-
tungen nach, während der Keimung bald ihre früheren Dimensionen und
beginnen sich zu theilen. Der einfachste Theilungsmodus soll in der Art vor-
gehen, dass der Chromatophor sich in die Länge streckt; worauf ein seitlicher
Spalt an ihm erscheint, welcher, allmählich tiefer und tiefer eindringend, den
Chromatophor in zwei theilt. Viel öfter wird letzterer gleichzeitig mittelst
zwei, drei oder noch mehr, von der Peripherie nach Innen eindringenden
Spalten zerstückelt; es kamen unter anderen auch Chromatophoren vor, die
auf einer Seite noch vollkommen intakt waren, auf der anderen dagegen
schon 2, 3 und noch mehr Spalten aufwiesen. Es wurde dabei der Chroma-
tophor durch solche Spalten in mehrere sowohl den Dimensionen, als der
Form nach verschiedene Stücke getheilt. Bredow beschreibt Gruppen der-
selben die aus 10 — 12 unter einander verbundenen Chromatophoren zusam-
mengesetzt waren. An vier Tage alten Keimlingen waren die oben beschrie-
benen winzigen, gefärbten Körnchen etwas angewachsen und die grösseren
unter ihnen erschienen grün gefärbt. Späterhin konnten ebensolche Gebilde
auch in den inneren Zellschichten unterschieden werden.
Übereinstimmende Resultate erhielt Bredow hinsichtlich der grünen
Markerbse {Pisum sativum), deren reife und trockene Samen, äusserlich
grasgrün und auf Durchschnitten hellgrün gefärbt erscheinen. Es gelang
ihm besonders gut die grünlichgefärbten Chromatophoren an mit concen-
trirter Bromkaliumlösung behandelten Schnitten direct zur Ansicht zu
bekommen, nachdem durch dieses Reagenz die Stärkekörner gelöst wurden.
Die Chromatophoren sollen sich ähnlich denen der Lupine durch Spalten
theilen. Mittelst Fuchsinlösung gelang es die Chromatophoren der Keim-
linge roth zu färben.
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 77.
426 A. FAMINTZIN, [t. XIII
Es wurden von Breclow Chromatoplioren noch in den Samen von Cucur-
bita Pepo, Acer crataegifolium, Ipomaea splendens, Pinus austriaca und ei-
niger anderen Pflanzen nachgewiesen.
Beizung ist indessen zu entgegengesetzten Resultaten gelangt. 4 ). In
seiner im Jahre 1889 erschienenen, sowohl die Morphologie, als die Phy-
siologie der Chlorophyllkörner behandelnden Schrift behauptet Beizung,
class die Chlorophyllkörner sich auf dreifache Weise bilden: 1) durch Thei-
lung, 2) direct aus dem Plasma und 3) aus Stärkekörnern. In seiner späte-
ren Abhandlung (1891) untersuchte er, gleich Bredow, das Verhalten der
Chromatophoren in dem jungen Embryo, in reifen Samen und den Keimlin-
gen vonLupinus, als auch von Phaseollis, Pisum und Faba. Zur Beobachtung
wurde hauptsächlich frisches Material gebraucht, welches theilweise in dem
Safte der untersuchten Pflanze, theilweise in schwachem Glycerin untersucht
wurde. Zur Färbung des Zellinhaltes diente Jodgrün.
Die Beobachtungen Belzung's lassen sich folgendermaassen resümiren:
die Zellen des jungen Embryo enthalten nur ein von Vacuolen erfülltes
Plasma und einen Zellkern; es sind in ihnen weder Stärke- noch Chloro-
phyllkörner enthalten; die späterhin erscheinenden Stärkekörner werden
in den Vacuolen abgelagert. In dem zu dieser Zeit grünlichen Embryo ist der
grüne Farbstoff diffus in dem Plasma enthalten; in seltenen Fällen, nämlich
in Lupinus variabilis kommen Chlorophyllkörner vor. Leuciten werden wäh-
rend des Reifens der Samen gar nicht gebildet, so dass reife Samen, nach
Beizung, keine Chromatophoren enthalten. Letztere werden erst während
der Keimung aus den, sowohl in den Samenlappen, als in dem axilen Theile
des Keimlings schon abgelagerten Stärkekörnern gebildet. Die Stärkekörner,
welche späterhin sich auflösen, sollen mit der Zeit durch ein mittelst Chloro-
phyll grün gefärbtes Plasma ersetzt werden, so dass an der Stelle eines zusam-
mengesetzten Stärkekornes ein Chlorophyllkorn entsteht. Beizung ver-
sichert in diesem Falle unmittelbar eine Verwandlung der Stärkekörner in
Chlorophyllkörner beobachtet zu haben.
Bredow's Arbeit, welche während des Druckes von Belzung's Ab-
handlung erst erschien, konnte nicht von Letzterem berücksichtigt werden.
Am Schlüsse wird von Beizung nur auf sein, nach einiger Zeit zu erschei-
nendes Referat über dieselbe in dem: «Bulletin de la Société botanique de
France» 5 ) hingewiesen. In diesem Referate sind aber, meiner Ansicht nach,
4) Beizung, E., Recherches sur l'amydon et les grains de chlorophylle. Ann. d. Sc. Nat.
Bot. Sér. VII, t. 5 (1887). — La Chlorophylle et ses fonctions. 1889. (Thèse présentée ).
— Nouvelles recherches sur l'origine des grains d'amydon et des grains chlorophylliens. Ann.
d. Se. Nat. Bot. Sér. VII, t. 13, p. 5.
5) Bulletin de la Société botanique de France. T. 38, 1891; Revue bibliographique p. 50.
Bnllotin N. S. IV (XXXVI) p. 78.
T. XIII J ÜBER CHLOROPHYLLKÖRNER DER SAMEN UND KEIMLINGE. 427
keine triftigen Einwendungen gegen Bredow, hinsichtlich der uns interessi-
renden Frage, zu finden.
In Folge dieser hier auseinandergesetzten Widersprüche habe ich mir
zur Aufgabe gestellt Methoden aufzusuchen, mittelst deren eine endgültige
Entscheidung der Frage über das Schicksal der Chromatophoren in den rei-
fen Samen und den Keimlingen zu erlangen wäre.
Der Beschreibung eigener Untersuchungen will ich eine möglichst kurze
Besprechung der oben erwähnten Arbeiten vorausschicken. Die von mir
enthaltenen Resultate schliessen sich denen von Bredow an, indessen ist
Bredow' s Arbeit, trotz ihrer sorgfältigen Ausführung und der vielen in
ihr enthaltenen schätzenswerthen Angaben, doch nicht im Stande die vorlie-
gende Frage endgültig zu entscheiden. Die Anwesenheit der Chromato-
phoren im jungen EmbryoMst von Bredow vollkommen bewiesen; seine
microchemischen, zur Nachweisung der Chromatophoren im reifen Samen
angegebenen Reactionen sind sehr schätzenswerth. Leider ist das Verhalten
der, von ihm, durch verschiedene Mittel gefärbten Gebilde gegenüber den
Chlorophyllkörnern der Keimlinge nicht genügend aufgeklärt. Ausserdem
lässt die Untersuchung des Zellinhaltes im concentrirten Glycerin un-
willkürlich Zweifel, über die Übereinstimmung der im letzteren erhaltenen
Bilder mit denen der lebenden Zelle, aufkommen.
In gleichem Grade zweifelhaft scheint mir die Angabe des Verfassers,
dass das gelbe Pigment sowohl derEpidermiszellen, als der darunter liegen-
den Zellschichten ausschliesslich in den ausserordentlich kleinen, seinen An-
gaben nach, aus den Chromatophoren des reifen Samens durch Theilung
hervorgegangenen Körnchen enthalten sei. Jedem mit microscopischen Unter-
suchungen näher vertrauten Forscher ist es gut bekannt wie ausserordent-
lich schwer sich die Färbung der Körnchen oder kleiner Stäbchen bestim-
men lässt. Ganz räthselhaft und anormal ist endlich die von Bredow
beschriebene Theilung der Chromatophoren des Samens, während der Kei-
mung, mittelst einer oder mehrerer Spalten, die von Aussen nach Innen
weiterdringend, das Chlorophyllkorn in eine Menge von einander, sowohl
der Grösse, als der Form nach verschiedener Theile sondern sollen. Ich
will späterhin, gestützt auf eigene Untersuchungen, diesen Beobachtungen
Bredow's eine andere Erklärung zu geben versuchen.
Viel weniger befriedigend sind, meiner Ansicht nach, die Arbeiten Bei-
zung 's. Obwohl in der letzten seiner Arbeiten Sorge getragen wurde
unter möglichst normalen Bedingungen den Zellinhalt zu studieren, näm-
lich in dem Safte der untersuchten Pflanze und schwachem Glycerin, so
sehe ich mich doch gezwungen die Resultate Belzung^'s als falsche zu be-
trachten, da es mir auf die unzweifelhafteste Weise gelungen ist mich, sowohl
Bulletin N. S. IV (XXXVI) p. 79.
428 A. FAMINTZIN, [T. XIII
von der Anwesenheit der Chromatophoren im reifen Samen, als auch von
dem Übergange letzterer in die Chromatophoren der Keimlinge, zu verge-
wissern.
Als Untersuchungsmaterial wurde von mir hauptsächlich die Sonnen-
blume gewählt, da, nach Mikosch's 6 ) Angaben, dieses Object besonders
günstig sein soll um sich von der Abwesenheit der Chromatophoren im rei-
fen Samen, als auch von der Entstehung der Chromatophoren in den Keim-
lingen unmittelbar aus dem Plasma, zu tiberzeugen.
DieStructur des Zelleninhaltes des reifen Samens von Helianthns annuus
lässt sich mit gewünschter Genauigkeit an 10 — 15 p.. dünnen, mittelst des
Microtoms erhaltenen Schnitten studieren. Ein aus frischem Samen heraus-
geschnittenes Stückchen wird auf einem kleinen Korke mit geschmolzenem
Paraffin befestigt und darauf am entgegengesetzten Ende mittelst Microtom
in feine Schnitte zerlegt. Wegen des reichlichen Ölgehaltes lässt sich der
Samen sehr schön schneiden. In einem Tropfen Öl untersucht, erscheint das
Präparat vollkommen durchsichtig, und an vielen Stellen können zwischen
den Aleuronkörnern ausserordentlich scharf kleine, sowohl der Lage als der
Dimension nach den Chromatophoren entsprechende Gebilde unterschieden
werden. Es werden dabei aber noch bei Weitem nicht alle Chromatophoren
sichtbar; es kommen unter Anderem Zellen vor, in denen nur vereinzelte
Exemplare oder sogar gar keine Chromatophoren zu sehen sind, obwohl,
wie ich sogleich zeigen werde, in allen Zellen des Embryo, inclusive die
Epidermiszellen, Chromatophoren in bedeutender Zahl sich vorfinden.
Um sie sichtbar zu machen muss der mittelst Microtom erhaltene Schnitt
durch ein- bis zweimaliges Anhauchen befeuchtet werden. Es treten sodann
in jeder Zelle, ausser vereinzelt gelegenen Chromatophoren, noch eine grosse
Anzahl letzterer in einschichtiger Lage auf der Oberfläche vieler durch das
Anhauchen gequollener Aleuronkörner, als an dem Zellkern deutlich hervo