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Full text of "Ideen zu einer Geographie der Pflanzen ?nebst einem Naturgema?lde der Tropenla?nder ? auf Beobachtungen und Messungen gegru?ndet, welche vom 10ten Grade no?rdlicher bis zum 10ten Grade su?dlicher Breite, in den Jahren 1799, 1800, 1801, 1802 und 1803 angestellt worden sind /von Al. von Humboldt und A. Bonpland ; bearbeitet und herausgegeben von dem erstern."

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IDEEN 



zu EINER 



GEOGRAPHIE DER PFLANZEN 



NEBST 



4 « 



EINEM NATURGEMALDE 



-^ » • 



DER TROPENLANDER, 




Auf Beobachtungen und Messungen gegründet, welche vom i oten - 
Grade nördhcher bis zum loten Grade südlicher Breite, in den 
Jahren 1799, 1800, 1801, 1802 und 1 8o3 angestellt worden sind, 



VON- 



AL. VON HUMBOLDT UND A. BONPLAND. 



■ \ 






BEARBEITET UND HERAUSGEGEBEN VON DEM ERSTERN. 



MIT EINER KÜPFERTAFEL. 



« « 



TUBINGEN, BEY F. G. COTTA. 

PARIS, BEY F. SCHOELL (rue des macons-sohbonne, in.* 19). 

\ I 

1807. 

^ Mo; Bot. Garden, 

IS95. 



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RREDE. 




\- 



ACH einer fünfjährigen Abwesenheit von 
Europa , nach einem Aufenthahe in Ländern , 
von welchen viele nie von Naturkundii^en besucht 
worden sind, hätte ich vielleicht eilen dürfen, 

T 

eine kurze Schilderung meiner Reise bekannt zu 
machen. Ich hätte mir sorar schmeicheln können , 
dafs diese Eile den Wünschen" des Publikums 



\ 



, Unternehmunoen 

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gemäfs gewesen wäre , von dem ein grofser Theil 
einen so aufmunternden Antheil an meiner per- 
sönlichen Erhaltung und dem Fortgange meiner 

geäufsert hat. Aber ich habe 

■t 

geglaubt, dafs es nützlicher für die Wissenschaf- 

I 

ten sey, ehe ich von mir selbst und den Hinder- 
nissen spreche, welche ich in jenen entfernten 

die Haupt- 



Welt 






/ 



II VORREDE. 



/ 






resultate der von mir beobachteten Erscheinungen 
in ein allgemeines Bild zusammenzufassen. Dieses 
Naturgemälde ist das Werk, welches ich gegen- 
wärtig den Physikern vorzulegen wage, und dessen 
einzelne Theile in meinen nächstfolpenden Arbei- 
ten näher entwickelt werden sollen. 

■ r 

Ich stelle in diesem Naturgemälde alle Erschei- 



f 

m 



nungen zusammen, welche die Oberfläche unsers 
Planeten und der Luftkreis darbietet , der jenen 
einhüllt. Naturkundige, welche den dermaligen 
Zustand unsers empirischen Wissens, besonders 
den der Meteorologie kennen , werden sich nicht 
wundern, so viele Gegenstände in so weni 
Bogen behandelt zu sehen. Hätte ich längere Zeit 
auf ihre Bearbeitung verwenden können , so würde 




mein Werk nur noch 



geworden seyn : 



denn mein Naturgemälde sollte nur allgemeine 
Ansichten, sichere und durch Zahlen auszudrü- 
ckende Thatsachen aufstellen. 



r- \ 



J 



VORREDE. III 



Seit meiner frühesten Jugend hatte ich Ideen 
zu einem solchen Werke gesammeh. Den ersten 
Entwurf zu einer Pflanzen -Geographie legte ich 
meinem Freunde Georg Förster , dessen Namen 
ich nie ohne das innigste Dankgefühl ausspreche , 

L 
\ ■ 

vor. Das Studium mehrerer Theile der physika- 
lisch-mathematischen Wissenschaften, dem ich 



\ 



mich nachmals gewidmet , hat mir Gelegenheit 



verschafllt, meine ersten Ideen zu erweitern. Vor 

L 
J 

allem aber verdanke ich die Materialien zu dieser 

i 

Arbeit meiner Reise nach den Tropenländern. 
Im Angesichte der Objekte, die ich schildern 
sollte ; von einer mächtigen , aber selbst durch 
ihixn innern Streit w ohlthätigen Natur umgeben : 

r 

am Fufse des Chimborazo , habe ich den Pröfsern 
Theil dieser Blätter niedergeschrieben. Ich habe 

r 

geglaubt, ihnen den Titel Ideen zu einer Geogra- 
phie der Pßanzen lassen zu müssen. Jeder andere 

r 
j 

-unbescheidnere Titel würde die Unvollkommen- 



IT VORREDE. 



heit meines Versuchs auffallender und ihn selbst 

F 

der Nachsicht des Publikums unwerther gemacht 



hab 



en. 



/ 



Dem Felde der empirischen Naturforschung 
getreu , dem mein bisheriges Leben gewidmet 



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? 



iesem Werke 



\ 



mannichfaltigen Erscheinungen m 



gend in die Natur 



ge^ sie in ihrem 



geschildert. Dieses Geständnifs , welches den 
Standpunkt bezeichnet , von welchem ich beur- 



» \ 



theilt zu werden hoffen darf, soll zugleich auch 

^ 

daraufhinweisen, dafs es möglich seyn wird. 



^ ■ 

einst ein Naturgemälde ganz anderer und gleich- 
sam höherer Art naturphilosophisch darzustellen. 

i 

I 

Eine solche Möglichkeit nähmlich, an der ich vor 
meiner Rückkunft nach Europa fast selbst gezwei- 
feit; eine solche Reduction aller Naturerscheinun- 
en, aller Thätigkeit und Gebilde, auf den nie 




y 



VORREDE. t 



beendigten Streit entgegengesetzter Grundkräfte 
der Materie 5 ist durch das kühne Unternehmen 



t ^ 



eines der tiefsinnigsten Männer unsers Jährhun- 

r 

derts begründet worden. Nicht vöUig unbekannt 
mit dem Geiste des Schelhngischen Systems, bin 



ich weit von der Meynung entfernt, als könne 



das ächte naturphilosophische Studium den em- 

■t 

pirischen Untersuchungen schaden, und als soll- 
ten ewig Empiriker und Naturphilosophen als 
streitende Pole sich einander abstofsen. Wenige 
Physiker haben lauter als ich über das Unbefrie^ 

^ j 

digende der bisherigen Theorien und ihrer Bil- 

E 

dcrsprache geklagt ; wenige haben so bestimmt 
ihren Unglauben an den speciliken Unterschied 
der sogenannten Grundstoffe geäufsert. ( P^ersuche 

j 

ü&er die gereitzte ßfuskel- und Nen^enfaser^ B. I^ 
S. 376 und 422; ß. IIj, S. 34, io.) Wer kann 



frohern und innigem An theil, als ich 




Systeme nehmen, das, die Atomistik 



VI VORREDE. 



r 

untergrabend, und von der auch von mir einst 
befolgten einseitigen Vorstellungsart, alle Differenz 
der Materie auf blofse Differenz der Raumerfül- 



lung und Dichtigkeit zurückzuführen, entfernt, 



helles Licht über Organismus, Wärme , magne- 
tische'und elektrische, der bisherigen Naturkunde 
so unzugängliche, Erscheinungen zu verbreiten 
verheifst ? " 

- ^ 

Das Naturgemälde , welches ich hier liefere , 
Tündet sich auf Beobachtungen, die ich theils 

^ 

allein, theils mit Herrn Bonpland gemeinschaft- 
lich angestellt habe. Durch die Bande inniger 
Freundschaft viele Jahre lang mit einander ver- 
bunden , die mannichfaltigen Beschwerden thei- 




man 



g 



wir 



? 



wel- 



che als Früchte unserer Expedition zu betrachten 



Namen zugleich fül 



VORREDE. VII 



Während der Redaction dieses Werks iiu Paris 



j. 



habe ich oft des Raths der vortrefflichen Männer- 
bedurft^ mit denen ich das Glück habe in genauen 

F 

Verbindungen zu leben. Herr Laplace y dessen 
Name meiner Lobsprüche nicht bedarf, hat seit 
meiner Rückkunft aus Philadelphia die wärmste 
Theilnahme an der Ausarbeitung meiner unter 



den Tropen gesammelten Beobachtungen bezeugt. 



Aufklärend was ihn umgibt durch die Fülle seiner 
Kenntnisse und die Kraft seines Genies , ist sein. 



gcxxxg 



wohlthäti 




em 



Einflüsse für mich geworden , als für alle junge 



Männer, denen er gern seine wenige Mufse auf- 
opfert. 

Die Pflichten der Freundschaft fordern mich 



^ 



auf 5 nicht minder dankbar Herrn Biot / Mit£ylied 




der ersten Klasse des National-histituts, zu nennen. 
Der Scharfsinn des Physikers ist so glücklich in 
ihm mit der Stärke des Mathematikers vereinigt ^ 



\.J ^■■u 



viii VORREDE. 



g meiner 



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gen sehr nützlich g 



Er 



Ref] 



und die Lichtschwächung berechnet. 



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Mehrere Thatsachen über die Wanderungen der 
Fruchtbäume^ habe ich aus Herrn Sickler s vortrefF- 
Hcher Schrift entlehnt. Herr Decandolle und Herr 

r 

Ramond haben mir interessante Beobachtungen 



\ 



über den Stand der Gewächse in den Schweizer- 
und Pyrenäischen Gebirgen mitgetheilt. Andere 
verdanke ich den klassischen Schriften meines viel- 

F 

jährigen Freundes und Lehrers Willdenow. Es 



y" 




schien nicht unwichtig , einen Rückblick auf die 
;emäfsigte Zone zu ^verfen , und die Vertheüung 
europäischer Pflanzen mit der der südamerikani- 
sehen zu vergleichen. 

h 

Herr Delambre hat mein Tableau der Berc- 
höhen mit mehreren , nie bekannt gemachten 
eigenen Messungen vermehrt. Ein Theil der njgi- 



j 



/ 



VORREDE. IX 



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' nigen ist nach der neuen Laplaceschen Barome- 
terformel durch Herrn Prony berechnet worden. 

F 

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Eben derselbe hat mit der gefälhgsten Bereitwil- 
hgkeit die Berechnung von mehr als vier hun- 
dert Messunijen übernomnaen. 

Ich beschäftige mich gegenwärtig mit der Bear- 
beitung des Bandes , welcher meine aströnomi-^ 



sehen Beobachtungen enthalten soll. Ein Theil 



V 




J 

derselben ist bereits dem Längen-Büreau in Paris 
zur Prüfung vorgelegt worden. Es würde voreili^r 
seyn, vor der Vollendung dieses astronomischen 






Bandes 5 die geographischen Karten, welche ich 



F - , 

gezeichnet 5 oder die Reisebeschreibung selbst 
herauszugeben , da Lage und Höhe eines Orts 

, L 

\ 

fast auf alle physikalische und moralische Erschei- 
nungen einen nähern oder entferntem Einflufs 



haben. Ich darf mir schmeicheln , dafs besonde 



ers 



V 



die Längen -Bestimmungen , zu denen ich wäh- 
rend der mühsehgen Schiffahrt auf dem Orinoco 



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X 



VORREDE. 



^M _ H 



dem Cassiquiare und dem Rio Negro Gelegenheit 
gehabt habe^ denjenigen interessant seyn werden ^ 



welche den mangelhaften Zustand der Geographie 



des Innern von Süd-Amerika kennen. Trotz der 
genauen Beschreibung, welche der Pater Caulin 
von dem Cassiquiare geliefert / haben neuere 
Geographen doch wieder die gröfsten Zweifel 
über die Verbindungsart des Orinoco mit dem 
Amazonenflusse geäufsert. Da ich selbst in diesen 

I 

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Gegenden mit astronomischen Werkzeugen gear- 



\ 



beitet habe, so erwartete ich freylich nicht, dafs 
man mich mit Bitterkeit' tadeln würde, wenn ich 



den Lauf der Berge und Flüsse nicht immer in 




der Natur so finde, als sie die Karte von La Cruz 
angibt : aber es ist das gewöhnliche Schicksal der 

L 

Reisenden, da zu misfallen, wo sie hergebrachten 
Meinungen widersprechen. Nach vollendeter Her- 



r _^ 

' Geographie moderne de Pinkerton , traduite par Walkenaer, T. VI, 
p. 174-177- 



VORREDE. XI 



"> 



ausgäbe meiner astronomischen Beobachtungen 5 
wie der der barometrischen und geodesischen 



h 

Messunejen , werden meine übrigen Arbeiten 



schnell hinter einander dem Publikum vorgelegt 

h 

werden können : denn erst nach der Bearbeitun 

r 

aller jetzt vorräthigen Materialien ^ werde ich 




mich mit der neuen Expedition beschäftigen , 



deren Plan ich entworfen, und von der ich hoffe, 
dafs sie grofse Aufklärung über die wichtigsten 
magnetischen und meteorologischen Erscheinun- 

L _ n 

gen verbreiten soll. 

L 

r 

\ 

Ich kann die ersten Resultate meiner Reise nach 

- 

den Tropenländern nicht bekannt machen , ohne 
diese Gelegenheit zu benutzen , der spanischen 
Regierung, welche fünf Jahre lang mein Unter- 

■ ^ 

nehmen eines so besondern Schutzes gewürdigt 
hat , den Tribut meines tiefen und ehrerbietigen 
Dankes darzubringen. Mit einer Freyheit arbei- 
tend , die vorher nie einem Fremden oder einem 






V ' 



XII 



VORREDE. 



Privat-Manne zu Theil geworden ist, unter einer 
edeln Nation , die im Drange der Begebenheiten 
ihre Eigenthümhchkeit erhahen hat, habe ich in 

i 

jenen fernen Weltgegenden fast kein anderes Hin- 



dernifs gekannt, als das was die Natur den Men- 



sehen entgegensetzt. So wird das Andenken an 



o* 



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meinen Aufenthält in dem neuen Kontinente stets 
mit dem lebhaftesten Dankgefühle für die liebe- 
volle Behandlung begleitet seyn , welche ich , in 
den spanischen Colonien beyder Hemisphären, 
wie in dem nordamerikanischen Freystaate , von 



^ 



i^ 



allen Klassen der Einwohner erfahren habe. 



Rom p im Julius i8o5 



frl 



Al. von Humboldt 



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zu EINER 



GEOGRAPHIE DER PFLANZEN. 




I 

IE Untersuchungen der Naturforscher sind gewöhnhch 
nur auf Gegenstände beschränkt, welche einen sehr geringen 
Theil der Pflanzenkunde umfassen. Sie beschäftigen sich 
fast allein mit Aufsuchung neuer Arten , mit Beschreibun 
der äufsern Form derselben, und mit den Rennzeichen, 



wie 



nach deren Ähnlichkeit sie in Klassen oder FamiHen verei- 
nigt werden. 

Dieses physiognomische Studium der organischen Geschöpfe 
ist unstreitig das wichtigste Fundament aller Naturbeschrei- 
bung. Ohne dasselbe können selbst diejenigen Theile der 
Botanik, welche auf das Wohl der menschlichen Gesellschaft 
einen mehr unmittelbaren Einflufs zu haben scheinen, 
die Lehre von den Heilkräften der Pflanzen , von ihrer 
Kultur und ihrem technischen Gebrauche , keine bedeu- 
tenden Fortschritte machen. So wünschenswerth es dem- 
nach aber auch ist, dafs viele Botaniker sich ausschliefslicli 
diesem weitumfassenden Studium widmen mögen ; so sehr 
auch die natürliche Verkettung der Formen einer philoso- 
phischen Behandlung fähig ist : so ist es dennoch nicht 



-^ 



1 IDEEN ZU EINEU GEOGBAPHIE 

minder wichtig die Geographie der Pflanzen zu bearbeiten, 
eine Disciphn , von welcher kaum nur der Name existirt, 
und welche die interessantesten Materialien zur Geschichle 
unsers Planeten enthält. 

Sie betrachtet die Gewächse nach dem Verhältnisse ihrer 
Vertheilung in den verschiedenen Rlimaten. Fast grenzen- 
los , wie der Gegenstand den sie behandelt , enthüllt sie 

^ — ^ j 

unseren Augen die unermefsliche Pflanzendecke , welche, 
bald dünner , bald dichter gewebt , die allbelebende Natur 
über den nackten Erdkörper ausgebreitet hat. Sie verfolgt 
die Vegetation von den luftdünnen Höhen der ewigen 
Gletscher bis in die Tiefe des Meeres, oder in das Innere 
des Gesteins , wo in unterirdischen Höhlen Kryptogamen 
wohnen , die noch so unbekannt als die Gewürme sind , 
welche sie nähren. ' 

Der obei^e Rand dieser Pflanzendecke liegt, wie der des 
ewigen Schnees, höher oder tiefer, nach dem Breitengrade 
der Orte oder nach der Schiefe der wärmenden Sonnen- 
strahlen. Aber die untere Grenze der Vegetation bleibt uns 
völlig unbekannt : denn genaue Beobachtungen, welche man 



über die unterirdischen Gewächse beyder Hemisphären an- 
estellt hat, lehren, dafs das Innere der Erde überall belebt 
ist, wo organische Reime Raum zur Entwickelung und eine 
sauerstoffhaltige Flüssigkeit zur Ernährung gefunden haben. 
Jene schroflen beeisten Klippen , die hoch über der Wol- 
kenschichte hervorragen , sind mit Laubmoosen und Flech- 
tenarten bew^achsen. Ihnen ähnliche Rryptogamen breiten, 
bald buntgefäi^bt 5 bald von blendender Weisse, ihr weiches 



r^ 



DER PFLANZEN. 3 

faseriges Gewebe über die Stalaktiten-Wände unterirdischer 
Gi^otten und über das feuchte Holz der Bergwerke aus. So 
nähern sich gleichsam die äufsersten Grenzen der Vegetation, 
und bringen Formen hervor , deren einfacher Bau von den 
Physiologen noch wenig erforscht ist. 

Aber die Pflanzen -Geographie ordnet die Gewächse nicht 
blofs nach Verschiedenheit der Klimate und Bei^ghöhen , in 
welchen sie sich finden ; sie betrachtet dieselben nicht blofs 
nach den wechselnden Graden des Luftdruckes, der Tempe- 
ratur, der Feuchtigkeit und elektrischen Tension, unter 
welchen sie sich entwickeln : sie unterscheidet unter den 

Y 

zahllosen Gewächsen des Erdkörpers, wie unter den Thieren, 
zweyRlassen^ die in ihrem Verhältnisse gegen einander (und 
so zu sagen in ihrer Lebensweise) weit von einander abstehen. 
Einige wachsen einzeln und zerstreut. So in der gemäs- 
sigten Zone, in Europa, Solanum dulcamara ^ Lychnis dioica^ 
Polygormm historta, Anthericiim liliago ^ Cratcegus aria, 
TVeissiapaludosay PolytricJiumpilifermn, Fucus saccliarinus , 
Ciavaria pistillaris ^ und Agaricus pi^ocerus : so unter den 
Wendekreisen , im neuen Kontinent , Tlieophrasta americana, 
Ljsiantlius longifolius , Hevea, die mersten Cinchona-Arten, 

F 

Vallea stipularis, Anacardium caraeoli, Quassia simaruba, 

F 

Spondias rnonihin , Manettia recUnata , und Gentiana 
aplijlla. 

Andere Gewächse, gesellig vereinigt, gleich Ameisen und 



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^ Ich habe auf diesen Unterschied und auf andere Verhältnisse der Pfla 

F 

zeu-Geographie schon in meiner Flora Frlhergensis ( 1795) aufmerksam gemacht 



n 



4 IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 



/ 



Bienen 5 bedecken ganze Erdstrecken, von" denen sie alle 
von ihnen verschiedene Pflanzen ausschliefsen. Zu diesen 
gehört das Heidekraut (Erica vulgaris)^ die Erdbeeren (Fra- 
gariavesca), Vaccinium myrtillus ^ Polygonum aviculare'y 
Cyperus fuscus , Aira canescens ^ Pinus sylvestris ^ Sesuvium 
portulacastrum ^ RhizopJwra mangle, Croton argenteiun , , 
Coni^ohulus hrasiliensis , Bratliys juniperina , Escallonia 
myrtilloides , Bromelia Tiaratas , Spliagnum palustre ^Poly- 
trichum commune , Fuciis natans , SpJiceria digitata. Liehen 
Jicem.atomma y Cladonia pasehalis , und Thcelccpliora hirsuta. 
Ob ich gleich unter diesen geselligen Pflanzen manche^^ 
südamerikanische mit aufgezählt habe : so ist ihr Vorkommen 
in den Tropenländern doch im Ganzen seltener, als in der 
gemäfsigten Zone , wo ihre Menge den Anblick der Vegeta- 
tion einförmiger und defshalb unmalcTischer macht. Von 
dem Ufer des Orinoco bis zu dem des Amazonen -Stroms 
und des TJcayale, in einer Ebene von mehr als drey hundert 
Meilen , ist das Land ein ununterbrochener dichter Wald. 
Hinderten nicht trennende Flüsse, so könnten Affen, die 
fast die ausschliefshchen Bewohner dieser Einöde sind, ohne 
die Erde zu berühren, von Zweige zu Zweige sich schwin- 
gend, aus der nördhchen Hemisphäre in die südliche über- 
sehen. Aber diese unermefslichen Waldungen bieten dem 
Auge nicht das ermüdende Schauspiel der geselligen Pflanzen : 
dar. Jeder Theil ist mit anderen Formen geschmückt. Hier 
stehen dichtgedrängt Psychotria^ buchenblätterige Mimosen 
und immerblühende Melastoma : dort verschlin2;en die 
hohen Zweige Cäsalpinien, mit Vanille umrankte Feigen- 



-^> 



J 

ÖER PFLANZEN. 5 

bäume, Lecythis- Arten, und die von gerinnbarer Milch ^ 
strotzenden Heveen. Kein Gewächs übt hier verdrängende 

Herrschaft über die anderen aus. 

Ganz anders sind die Pflanzen in der Gegend der Tro- 
penländer vertheilt, w^elche an Neu -Mexico und Louisiana 
grenzt. Zwischen dem siebzehnten und zwey und zwan- 

■ r 

zigsten Grade nördlicher Breite ist eine kalte, zwey tausend 
Meter (6000 Fufs) über den Meerspiegel erhabene Gebirgs- 

r 

ebene (^AmÄwac nennen die Eingeborenen dieses Land), dicht 
mit Eiclien und mit einer Tannen -Art bewachsen, welche 
sich dem Pinus strohus naht. Liquidambarbäume, Arhutus 
madronnoy und andere gesellige Pflanzen bedecken in den- 
anmuthigcn Thälern von Xalapa den östlichen Abfall der 
mexicanischen Gebirgskette. Boden, Klima, Pflanzen, For- 
men, ja die ganze Ansicht des Landes , nehmen hier einen' 
Charakter an , welcher der gemäfsigten Zone anzugehören 
scheint , und den man innerhalb der Wendekreise , in glei- 
cher Berghöhe, in Südamerika nirgends beobachtet. Die 
Ursache dieses sonderbaren Phänomens liegt wahrscheinlich 
gröfstcntheils in der Gestalt des neuen Kontinents , der an ■ 
Breite übermäfsig zunehmend hoch gegen den Nordpol an- 
steigt ; wodurch das Klima von Anahuac kälter wird, als 

es nach des Landes Lage und Höhe seyn sollte. Canadische 
Pflanzen sind so auf dem hohen Gebirgs-Rücken allmählich 
gegen Süden gewandert 5 und nahe am Wendekreise des 



' Kautschuk ^ durch Absorption des atmospharisclien Oxygens sich aus der 
Milch abscheidend. . 



6 IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 

Krebses sieht man jetzt die feuerspeyenden Berge von Mexico 
mit denselben Tannen bewachsen, welche den nördlichen 
Quellen des Gila und Missury eigen sind. 

In Europa ist die grofse Ratasti-ophe, welche durch plötz- 
liches Anschwellen der Binnenwasser erst die Dardanellen 
und nachher die Säulen des Herkules durchbrochen und 
das breite Thal des Mittelmeers ausgehöhlt hat, dem Ueber- 
gang afrikanischer Pflanzen hinderlich gewesen. Nur die 
wenigen , welche man in Neapel, in Sicilien und in dem 
südlichen Frankreich findet, sind wahrscheinlich, wie die 
Affen A^on Gibraltar, vor diesem Durchbruche eingewandert. 
Die Kälte der pyrenäischen Gebirgspässe beweist , dafs sie 
unmittelbar von "Süden her , aus dem Berberen- Lande , und 

L J 

\ 

nicht durch Spanien von Südwesten her, gekommen sind. 
In den folgenden Jahrtausenden hat das länderscheidende, 
aber für Schiffahrt, gegenseitigen Verkehr und intellecluelle 

r 

Kultur des Menschengeschlechts so wichtige Mittelmeer, 
diese Einwanderung unmöglich gemacht, und die südeuro- 
päische Vegetation kontrastirt defshalb mit der von Nieder- 
Ägypten und den nordatlantischen Küsten, Nicht so ist die 
Pflanzenvertheilung zwischen Canada und der mexicanischen 






Landenge. Beyde Länder haben gleichsam ihre Gewächse 
gegen einander ausgetauscht , und die Hügel , welche' das 
Thal von Tenochtitlan begrenzen , sind fast mit denselben 
Bäumen bedeckt, welche unter dem fünf und vierzigsten Brei- 
tengrade nördlich vom Kranichgebirge und dem Salzsee von 
Timpanogos, vegetiren. Wenn Künstler diesen mexicani- 
schen Theil der Tropenregion besuchten , um in demselben 



DER PFLANZEN. 7 

den Charakter der Vegetation zu studiren , würden sie dort 



• « 



vergebens die Pracht und Gestaltverschiedenheit der Aqui- 
noctial- Pflanzen suchen. Sie würden in dem Parallel der 
westindischen Inseln Wälder von Eichen, Tannen und- 

r 

zweyzeiligen Cypressen finden 5 Wälder , welche die ermü- 
dende Einförmigkeit der geselligen Pflanzen von Canada , 
Nordasien und Europa, darbieten. 

Es wäre ein interessantes Unternehmen, auf botanischen 
Special-Karten die Länderstrecken anzudeuten, welche diese- 
gesellige Verbindung von Gewächsen einerley Art auf dem 
Erdboden einnehmen. Sie würden sich in langen Zügen 
darstellen, die, Unfruchtbarkeit verbreitend, alle Kultur um 
sich her verdrängen , und bald als Heiden , bald als uner- 
mefsliche Grasfluren (Steppen, Savanen), bald als undurch- 

dringlicheWaldungen jdem Verkehre desMenschengcschlechts 
fast gröfsere Hindernisse , als Berge und Meer , entgegen- 
stellen. So beginnt das Heideland, diese Gruppirung der Erica 
vulgaris , Erica tetralix , des^ Liehen icmadophila undi Liehen 
ha^matomma , von der Nordspilze von Jütland , und dehnt 
sich südhch, durch Holstein und Lüneburg', bis über den 
zwey und fünfzigsten Breitengrad hinaus. Von da wendet 
es sich gegen Westen, und reicht, durch die Granitebenen 
von Münster und Breda , bis an die Küsten des englischen 
Oceans. Seit vielen Jahrhunderten herrschen diese Pflanzen 
in den nordischen Ländern. Die Industrie der Anwohner, 

r 

gegen jene Alleinherrschaft ankämpfend , hat ihnen bisher 



' Fast bis Sa" 27'. 



„8 IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 

nur wenig Raum abgewonnen. Aber diese neugefurchten 
Acker, diese Eroberungen des Kunstfleifses , die allein wohl- 
thätigen für die Menschheit , bilden Inseln von frischem 
Grün in der öden Heide. Sie erinnern an jene Oasen 5 
welche den Keim des vegetabilischen Lebens mitten in den 
todten Sandwüsten Lybiens bewahren. 

Ein Laubmoos, Sphaaniun palustre ^ welches den Tropen 
und den gemäfsigten Klimaten gleich eigen ist , bedeckte 
ehemals einen beträchtlichen Theil von Deutschland. Die 

t — m 

häufigen Torfmoore in den baltischen und westdeutschen 
Ländern bezeugen , wie weit jene gesellige Pflanze dort 
einst verbreitet war : denn die neueren Moore verdanken 
zwey Sumpf- Rryptogamen , dem Sphagnum und Mnium 
serpillifolium, ihren Ursprung, während dafs der Torf ältex'er 
Formation aus zusammengehäuften Meer-Ulven und koch- 
salzhaltigen Fucus-Arten entstanden ist, und daher oft auf 
einem Bette kleiner Seemuscheln ruht. Durch Ausrottung 
der Wälder haben ackerbauende Völker die Nässe des 
Klima vermindert. Die Sümpfe sind nach und nach abge- 
trocknet, nriA A^^ Sphagnum , welches den No^maden des ' 
alten Germaniens ganze Länderstrecken unbewohnbar 
machte , ist durch nutzbare Gewächse verdrängt worden. 

Unerachtet das Phänomen der geselligen Pflanzen der 
gemäfsigten Zone hauptsächhch und fast ausschhefslich 
angehört : so. liefern die Tropenländer doch auch einige 
Beyspiele davon. Den langen Rücken der Andeskette in 
einer Höhe von drey tausend Meter über dem Meere ( fast 
9600 Schuh), bedecken in einförmigen Zügen die gelbblu- 



/ 



DER PFLANZEN. 9 

hende Schite {Brathys juniperina') , Schitimani , (BratJrys 
oi^ata ) j Jarwa , eine Grasart , die dem Papporopliorum 
verwandt ist, myrtillblätti^ige Escallonia , mehrere Arten 
strauchartiger Molinen, mid die Tourrettia ^ deren nährendes 
Mark der Indianer oft aus Dürftigkeit den Bären streitig 
macht. In den brennend heifsen Ebenen zwischen dem 
Chinchipe und dem Amazonenflusse wachsen geselHg silber- 
blättriger Croton 3 GoJoja, und die mit farbigen Bracteen 
bedeckte Bougam^illea. In den Grasfiuren (Savanen) de3 
Nieder-Orinoco wachsen Kyllmgia ^ reitzbare Mimosen, und, 
wo eine Quelle ausbricht, die fächerige Morizpalme mit pur- 
purrothen zapfenartigen Früchten. Eben so haben wir im 
Königreiche Neu-Granada, zwischen Turbaco und MahateSy 
am Madalenen-Strome 5 wie an dem westlichen Abfall der 

r 

Schnee- Alpen von Quindiu, fast ununterbrochene Wälder 

J 

von Bambus -Schilf und pisangblättrigen Heliconien gefun- 
den. Aber diese Gruppen geselliger Pflanzen sind stets 
minder ausgedehnt und seltener unter den Wendeki^eisen j 
als in der gemäfsigten und kalten Zone der nördlichen Erde- 
Um über die ehemalige Verbindung nahegelegener Kon- 
tinente zu entscheiden , gründet sich der Geognost auf die 
ähnliche Struktur der Küsten , auf die Schichtung und 
Lagerung ihrer Gebirgsarten , die gleichen Menschen- und 
Thier-Racen, die sie bewohnen, und auf die Untiefen des 
angrenzenden Meeres. Die Geographie der Pflanzen kann 
nicht minder wichtige Materialien für diese Art der Unter- 

^^ ri 1 

suchungen hefern. Sie betrachtet die Gewächse, welche 
Ost -Asien mit Kalifornien und Mexico gemein hat. Sie 



..f 



lo IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 

macht es wahrsclieinlich , dafs Süd- Amerika sich vor der 
Entwickelung organischer Keime auf dem Erdboden von 
Afrika getrennt, und dafs beyde Kontinente mit ihi'en öst- 

^^ ^^ r 

liehen und westhchen Ufern einst, gegen den Nordpol hin, 
zusammengehangen haben. Durch sie geleitet kann man in 
das Dunkel eindringen , Avelches den frühesten Zustand 
unsers Planeten einhüllt, um zu entscheiden, ob n*ach den 
chaotischen Wasserfluthen die trocknende Erdrinde an vielen 
Orten zugleich mit verschiedenen Pflanzenarten bedeckt 
v^orden ist, oder ob (nach der uralten Mythe vieler Völker) 
alle vegetabilischen Keime sich zuerst in einer Gegend ent- 
svickelt haben , von wo sie , auf schwer zu ergründenden 
Wegen und der Verschiedenheit der Klimate trotzend, 
nach allen Weltgegenden gewandert sind. 

\Die Geographie der Pflanzen untersucht , ob man unter 
den zahllosen Gewächsen der Erde gewisse Urformen ent- 
decken , und ob man die specifische Verschiedenheit als 
Wirkung der Ausartung und als Abweichung von einem 
Prototypus betrachten kann. Sie löset das wichtige und oft 
bestrittene Problem, ob es Pflanzen gibt, die allen Klima- 
ten , allen Höhen und allen Erdstrichen eigen sind ? 

Wenn ich es wagen dürfte , allgemeine Folgerungen aus 
dem zu ziehen, was ich selbst in einem geringen Theile 
beyder Hemisphären beobachtet : so sollte ich vermulhen, 
dafs einige kryptogamische Pflanzen die einzigen sind , wel- 
che die Natur überall hervorbringt. Dicranum scoparium, 



' Aucli Herr Scliwai^ fand europälsclie Moose , Funaria hjgrometrica , Dicranum 



DER PFLANZEN. n 

Polytrichuin commune , Verrucaria sanguinea und Ver- 
riicaria limitata Scopoli , wachsen unter allen Breiten , In 
Europa wie unter dem Äquator, auf dem Rücken hoher 
Gebirge wie an den Meeresküsten, überall wo sie Schattert 
und Feuchtigkeit finden. 

Am Ufer des Madalenen - Flusses , zwischen Honda und 
der Ägyptiaca, in einer Ebene wo das Thermometer unun- 
terbrochen fünf und zwanzig bis acht und zwanzig Grade 
zeigt, am Fufse der OcJiroma und des grofsblättrigen Macro- 
cnemum, haben wir Moosdecken gefunden , so dicht gewebt 
und von so frischem Grün, als man sie nur in schwedischen 
oder norddeutschen Wäldern beobachtet. Wenn andere 

L 

Reisende behaupten , dafs Laubmoose und alle Kryptogamen 
überhaupt in der heifsen Zone selten sind : so liegt der 
Grund dieser Behauptung unstreitig darinn , dafs sie nicht 
tief genug ins Innere der Wälder eindrangen, sondern nur 
dürre Rüsten oder kultivirte Inseln besuchten. Von den 
Flechten finden sich sogar viele derselben Art unter allen 
Graden der Breite in der Nord- und Südzone. Sie scheinen 
fast unabhängig vom Einflufse des Klima, wie die Gebirgs- 
arten, auf denen sie wachsen, und von denen kaum eine 
irgend einem Theile der Erde ausschliefslich zugehört. > 
: Unter den phanerogamischen Pflanzen kenne ich keine, 
deren Organe biegsam genug sind , um sich allen Zonen 
und allen Höhen des Standorts anzueignen. Mit Unrecht 
hat man drey Gewächsen , der jälsine media , der Fra^^a-- 



s 



glaucum und Brjum serpillifoUum , auf den blauen Bergen in Jamaika, deren 
Höhe zwey tausend zwey hundert und sechzehn Meter ( 1 1 38 Toisen ) beträgt. 



12 IDEEN ZU EINEU GEOGPiAPHIK 

ria vesca und dem Solanum mgrianf den Vorzug dieser 
. Biegsamkeit zugeschrieben , dessen sich der Mensch allein 
und einige Hausthiere erfreuen , die ihn umgeben. Schon 
die pensylyanische und canadische Erdbeere ist von unserer 
europäischen verschieden. Von der letztern glaubten wir 
zwar 5 Bonpland und ich , einige Pflanzen in Südamerika 
entdeckt zu haben, als wir zu Fufse über die Schneegebirge 
von Quindiu aus dem Madalenenthale in das Flufsthal des 
Cauca kamen. Die wilde Natur dieses Theils der Andeskette, 
die Einsamkeit jener W^älder von Wachspalmen, duftendem 
Styrax und' baumartigen Passifloren , die Unkultur der an- 
;renzenden Gegenden; alle diese Umstände scheinen den 
Verdacht auszuschhefsen , als hätten Vöeel, oder ^ar die 
Hand des Menschen, zufiillig den Samen dieser Erdbeeren 



verstreut 



'garia vesca ? W 



die Blüthe, wenn wir sie gesehen hätten, uns nicht Ver- 

\ 

sdnedenheiten zwischen der andesischen und europäischen 
Fragarm gezeigt haben , da so manche andere Arten dieses 
Geschlechts durch die feinsten Nuancen von einander ab-^ 



' / 

weichen ? Mehrere deutsche und schwedische Gewächse , 
welche man ehemals auf den Granitklippen des Feuerlan- 
des, der Staateninsel, und an den Rüsten der magellanischen 
enge, beobachtet zu haben glaubte, sind, bey näherer 
Untersuchung des Charakters, von Decandolle, Willdenow' 
und Desfontaines , als analoge, "aber von den europäischen 
verschiedene, Species erkannt worden. 




^ Siehe den yortrefflich ausgearbeiteten ALschuitt, Geschichte ehr Pßanzen, 
in Wllldenow's Grundn der Kräuterkimde , iSoa, S. 5o4. 



■- J 



DER PFLANZEN. ' i5 



* 



Ich darf wenigstens mit Zuversicht behaupten , däfs in 
den vier Jahren, die ich in Südamerika in beyden Hemi- 
Sphären herborisirt, ich nie ein einziges vs^ildwachsendes , 
dem neuen Kontinente vor seiner Entdeckung zugehöriges, 
europäisches Gewächs beobachtet habc; Von vielen Pflanzen, 
zum Beyspiel von Alsine media, Solanum nigrum^ Sonchus 
oleraceuSy Apium gras^eolens ^ und Portulaca oleracea, darf 
man blofs behaupten, dafs sie, wie die Völker der kaukasi- 
schen Race , über einen beträchtlichen Theil der nördlichen 

■ t 

Erdstriche verbreitet sind. Ob sie a-uch in den südlicheren- 

^ i 

Lähdern existiren , in welchen man sie bisher noch nicht 

n 

. entdeckt hat, ist eine unzubeantwortende Frage. Naturfor- 
scher sind bisher noch so wenig in das Innere des afrika- 
nischen , südamerikanischen und neuholländischen Konti- 
nents eingedrungen; wir dürfen uns so wenig schmeicheln, 
die Flora dieser Länder vollständig zu kennen , während 
dafs man in Europa täglich unbeschriebene kraütartige 



1 < 



Gewächse, in dem vielbesuchten Pensylvanien sogar unbe- 
sclm ebene Bäume % entdeckt, dafs es vorsichtiger ist, sich 

^ L " 

über diesen Punkt aller allgemeinen apodiktischen Aussprü- 
che zu enthalten. Der Botaniker würde sonst leicht in den 
Fehler der Geognosten verfallen, von denen viele den ganzen 
Erdkörper nach dem Modelle der Hügel ^ konstruiren , welche 
ihnen zunächst liegen. 

Um über das arofse Problem von der Wanderung der 



^ Den Öelil-Nufsbaum, Pjrolariaj, Micliaux. 

'2 Dei^ Brocken , der Monlmartre", der Vesuv , der Peak ■von Dez^bjsliire j der 
Saleve xmd Heiabei'g. 



i4 IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 

Vegetabilien zu entscheiden, steigt die Geographie der Pflan- 
zen in das Innere der Erde hinab, um dort die Denkmähler 
der Vorzeit zu befragen , als versteintes Holz , Gewächs- 
Abdrucke , Torflagen , Steinkohlen , Flötze und Damm- 
erde% welche die Grabstätte der ersten Vegetation unsers 
Planeten sind. Betroffen findet sie südindische Früchte, 

■ L 

Palmenstämme , baumartige Farrenkräuter , Pisangblätter 
und' den Bambos der Tropenländer, in den Erdschichten 
des kalten Nordens vergraben. Sie untersucht, ob diese 
Pflanzen heifser Rlimate , wie Elephantenzähne , Tapir-, 
Rrokodili- und Didclphis-Gerippe , die man neuerdings in 
Europa entdeckt hat , zur Zeit allgemeiner Wasserbedeckun- 
gen, durch die Gewalt der Meeresströme vom Äquator her 
in die gemäfsigten Zonen angeschwemmt worden sind , oder 
ob einst diese nördhchen Klimate selbst Pisanggebüsche 

und Elephanten , Rrokodille und baumartiges Bambos-Schilf 
erzeugten. ' ■ 

Die Ruhe, in der man jene indischen Produkte oft fami- 
lienweise geschichtet entdeckt, scheinet der erstem Hypo- 
these, astronomische Gründe scheinen der letztern entgegen 
zu stehen.' Aber vielleicht sind grofse Veränderungen der 
Rhmate möglich, ohne zu einer gewaltsamen Bewegung der 
Erdachse und zu Perturbationen seine Zuflucht zu nehmen , 
welche der gegenwärtige Zustand der physikalischen Astro- 
nomie wenie; wahrscheinlich macht. 



We 



! 



dafs die 



> Siehe Steffens geistvolle Abhandlung in Schellings Zeitschrift für spekulative 
Phjsik, B. 1 , S. 160. 



■^* . 



DER PFLANZEN. .i5 

w 

r" 

Rinde unsers Planeten noch spätliln flüssig war 5 wenn 

^ ^^ I 

man aus der Natur und aus der Lagerung der Gebirgsarten 
schliefsen darf, dafs die Niederschläge und die Erhärtung 
der Fel'smassen auf dem ganzen Erdboden nicht gleichzeitig 

r 

erfolgt sind : so sieht man ein , wie bey dem Übergange 
der Materie aus dem flüssigen in den festen Zustand, wie 
bey dem Erstarren und dem Anschüsse der Gebirge um 
gemeinschafdiche Kerne, eine ungeheure Masse yon Wärme- 
Stoff frey geworden ist, und wie diese locale Entbindung, 
wenigstens auf eine Zeit lang, die Lufttemperatur einzelner 
Gegenden, unabhängig vom Stande der Sonne, hat erhöhen 
können. Würde aber eine solche temporäre Ei'höhung der 
Luftwärme von so langer Dauer gewesen seyn , als es die 
Natur der zu erkläi-enden Phänomene erheischt? 

Die Veränderungen 5 welche man seit Jahrhunderten in 
der Lichtstärke mehrei^er Gestirne beobachtet hat , begün- ■ 
stigen die Vermuthung, dafs dasjenige, welches das Centrum 
unsers Systems ausmacht, ähnhchen Modificationen von 
Zeit zu Zelt unterworfen ist. Sollte eine vermehrte Inten- 
sität der Sonnenstrahlen einst Tropenwärme über die dem 
Nordpole nahen Länder verbreitet haben ? Sind diese Ver- 
änderungen, welche die Tropen -Regionen veröden, und 
Lappland den Äquinoctial - Pflanzen , den Elephanten und 
Krokodillcn, bewohnbar machen würden, periodisch; oder 
sind sie Wirkungen vorübergehender Perturbationen unsers 
Planetar- Systems ? Alle diese Untersuchungen knüpfen die 
Geographie der Pflanzen an die Geognosie an. Lichtver- 
breitend über die Urgeschichte der Erde, bietet sie der 



i6 



IDEEN zu EINER GEOGRAPHIE 



Phantasie des Menschen ein weites und fast noch unbear- , 



beitetes Feld dar. 



ii. 



Die Pflanzen , welche den Thieren in Hinsicht auf Pveitz- 
empfänglichkeit der Organe und auf die JVatur reitzender 
Potenzen so nahe verwandt sind, unterscheiden sich von 
den Thieren wesenthch durch die Epoche ihrer Wande- 
rungen. Diese, wenig beweglich in der frühern Kindheit, 
verlassen ihre Heimath erst wenn sie heran2;ewachsen sind: 
jene, an den Boden gewurzelt nach ihrer Entwickelung, 
stellen ihre Reisen noch im Samenkorne, gleichsam im Eye, 
an, welches durch Federkronen, Luftbälge, Flügclansätze und 
elastische Ketten {Elater oder Catenula der Morchantien), 

F 

eschickt ist. Herbstwinde, 



Wasser 



g 



Wander 



g 



rofs er auch ist , verschwindet gegen 



aber ihr Einflufs , so 

den, welchen der Mensch auf die Verbreitung der Gewächse 
auf dem Erdboden ausübt. 



Wen 



^. 



an einen Meeresarm gedrängt , sey es durch andere unüber- 
steigllche Natur-IIindernisse gezwungen, endlich sein irrendes 
Leben aufgibt : so beginnt er sogleich einige zur Nahrung und 
Kleidung nützliche Thiere und Pflanzen um sich zu versam- 
meln. Diefs sind die ersten Spuren des Ackerbaues. Langsam 
ist bey den nördHchen Völkern dieser Übergang aus dem 
Jägerleben zum Pflanzenbaue : früher ist die Ansiedelung 
bey vielen Bewohnern der Tropenländer, In jener waldrei- 
chen Flufswelt, zwischen dem Orinoco und dem Maranon, 
hindert der üppige Pflanzenwuchs den Wilden sich 



aus- 



DER PFLANZEN. . 17 



r 



schllefslich von der Jagd zu nähren. Die Tiefe und Schnel- 
ligkeit der Ströme , Überschwemmungen , Blutgier der 
Krokodille und Tiegerschlangen (^0/2), machen den Fisch- 

r ' 

fang oft eben so fruchtlos als beschwerhch. Die Natur 
zwingt hier den Menschen zum Pflanzenbaue. Nothgedrungen 
versammelt er einige Pisangstämme, Carica papaja.Jatropha 

' und nährendes Arum um seine Hütte. Dieser Acker , wxnn 
man so die Vereinigung weniger Gewächse nennen darf ^ 
ersetzt dem Indianer viele Monathe lang, was Jagd, Fisc:h- 
fang und die wildwachsenden Fruchtbäume des Waldes 
ihm versagen. So modificiren Klima und Boden, mehr noch 
als Abstammung, die Lage und die Sitten des Wilden. Sie 
bestimmen den Unterschied zwischen den beduinischen 
Hirtenvölkern und den Pelasgern der altgriechischen Eichen- 
wälder, zwischen diesen und den jagdliebenden Nomaden 
am Mississipi. 
^ Einige Pflanzen, welche der Gegenstand des Garten- und 
Ackerbaues sind , haben seit den fernsten Jahrhunderten 

' das wandernde Menschengeschlecht von einem Erdstriche 
zu dem andern begleitet. So folgte in Europa die Weinrebe 
den Griechen, das Korn den Römern, Baumwolle den 
Arabern. Im neuen Kontinente haben die Tulteker , aus 
unbekannten nordischen Ländern über den Gilastrom ein- 
brechend, den Mais über Mexico und die südhchen Gegen- 
den verbreitet. Kartoffeln und Quinoa findet man überall 
wo die Gebii^gsbewohner des alten Kondinamarca^ durch- 



^ Das Köai^reicii Neu -Granada. 



S 



l8 IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 

i 

I 

gezogen sind. Die Wanderungen dieser efsbaren Pflanzen 

r 

sind gewifs ; aber ihr erstes und ursprüngliches Vaterland 
bleibt uns ein eben so räthselhaftes Problem , als das Vater- 
land der vei^schiedenen Menschen-Racen , die wir schon in 
den frühesten Epochen , zu welchen Völkersagen aufsteigen , 
fast über den ganzen Erdboden vex*breltet finden. Südlich 
und östlich vom kaspischen Meere , am Ufer des Oxus 
und in den Thälei^n von Rm^distan, dessen Berge mit ew^i- 

+ 

gern Schnee bedeckt sind, findet man ganze GebüscTie von 
Citronen-, Granat-, Birnen- und Kirschbäumen. Alle Obst- 
arten, welche unsere Gärten zieren , scheinen dort wild zu 
wachsen. Ich sage scheinen; denn ob diefs ihr ursprüngli- 
ches Vaterland sey, oder ob sie dort einst gepflegt, nach- 
mals verwildert sind, bleibt um so ungewisser, als uralt 
die Kultur des Menschengeschlechts, und daher auch der 
Gartenbau, in diesen Gegenden ist. 

Doch lehrt die Geschichte wenigstens, dafs jene frucht- 
baren Gefilde zwischen dem Euphrat und Indus , zwischen 
dem kaspischen See und dem persischen Meerbusen, Europa 
die kostbarsten vegetabilischen Pi^odukte geliefert haben. 
Persien hat uns den Nufsbauni und die Pfirsiche ^ Armenien 
(das heutige Ilaikia), die Aprikose; Klein-Asien, den süfsen 
Kirschbaum und die Kastanie; Syrien, die Feige, die Gra- 
nate , den Ohl- und Maulbeerbaum geschenkt. Zu Cato's 
Zeiten kannten die Römer weder süfse Kirschen , noch 
Pfirsiche , noch Maulbeerbäume. Hesiod und Homer er- 
wähnen schon des Öhlbaums , der in Griechenland und auf 
den Inseln des Agäischen Meeres kultivirt wurde. Unter 



DER PFLANZEN. 



9 



' ■ 

Tarquin dem Alten existlrte kein Stamm desselben, weder 
in Italien , noch in Spanien , noch in Afrika. Unter dem 
Cansulate des Appius Claudius war das Ohl in Rom noch 

4 

sehr theuer ; aber zu Phnius Zeiten sehen wir den Öhlbaum 
schon nach Frankreich und Spanien verpflanzt. 

Die Weinrebe, welche wir jetzt kultiviren , scheinet Europa 
fremd zu sejn. Sie wächst wild an den Küsten des kaspi- 
schen Meeres, in Armenien und Raramanien. Von Asien 
wanderte sie nach Griechenland, von Griechenland nach 



Sicili 



len. 



Weinstock 



liehen Frankreich, Römer pflanzten ihn an die Ufer des 
Rheins und der Doriau. Auch die Vitis- Arten, welche man 
wild in Neu- Mexico und Canada findet, und welche dem 
zuerst von Normannern entdeckten Theile von Amerika 
den Namen Wineland verschafften , sind von der jetzt über 
Pensylvanien , Mexico, Peru und Chih verbreiteten Fltls 
vinifera specifisch verschieden. 

Ein Kirschbaum, mit reifen Früchten beladen , schmückte 
den Triumph des Lucullus. Die Bewohner Italiens sahen 
damals zuerst dieses asiatische Produkt, welches der Dictator 
nach seinem Siege über den Mithridates aus dem Pontus 
mitbrachte. Schon ein Jahrhundert später waren Kirschen 
gemein in Frankreich^ in England und Deutschland.^ 

So verändert der Mensch nach Willkühr die ursprüngliche 
Veriheilung der Gewächse, und versammelt um sich die 



^ 



' Einige Botaniker beliaiipten; dafs die kleine Varietät von Prunus avium in 
Deutschland wild sey. Von Pflaumen und Birnen haben die Homer nur die 
gröfseren schöneren Abarlen aus Syrien eingeführt. 



20 IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 



Li:iJi:>5(j i^ici ciiticii 



w 



Indien , in den Pflanzungen der Europäer , bietet ein enger 
Raum den Kaffee aus Yemen, das Zuckerrohr aus China, 
den Indigo aus Afrika , und viele andere Gewächse dar, 
welche beyden Hemisphären zugehören : ein Anblick, der 
um so interessanter ist , als er in die Phantasie des Beob- 

L 

achters das Andenken an eine wunderbare Verkettung von 

Begebenheiten hervorruft, welche das Menschengeschlecht 

über Meer und Land, durch alle Theile der Erde getrieben 
haben. 

Wenn aber auch der rastlose Fleifs ackerbauender Völker 
eine Zahl nutzbarer Pflanzen ihrem vaterländischen Boden 
entrissen, und sie gezwungen hat, alle Klimate und alle 
Berghöhen zu bewohnen : so ist durch diese lanije Knecht- 
Schaft ihre ursprüngliche Gestalt doch nicht merklich ver- 



ändert worden. Die Kartoffel , welche in Chili d: 



■ey 




tausend und fünf hundert Meter ( fast 11,000 Schuh) hoch 
über dem Meere kultivirt wird, trägt dieselbe Blüthe, als 
die, welche man in die Ebenen von Sibirien verpflanzt hat. 
ie Gerste , welche die Pferde des Atriden nährte , war 
unbezweifelt dieselbe, als die, welche wir heute noch ein- 
ernten. Alle Pflanzen und Thiere, welche gegenwärtig den 
Erdboden bewohnen , scheinen seit vielen Jahrtausenden 
ihre charakteristische Form nicht verändert zu haben. Der 
Ibis , welchen man unter Schlangen- und Insekten-Mumien 
in den ägyptischen Katakomben findet , und dessen Alter 
vielleicht selbst über das der Pyramiden hinausreicht ; dieser 
Ibis ist identisch mit dwi ? welcher gegenwärtig an dem 



V 



DER PFLANZEN. ,2i. 

' r 

L 

sumpfigen Ufer des Nils fischt.' Diese Uebereinstimmungen, 
diese Beständigkeit der Form, beweisen , dafs die kolossali- 
schen Thiergerippe und die wundei^bar gestalteten Pflanzen, 
welche das Innere der Erde einschliefst, nicht einer Ausai^- 
' tung jetzt vorhandener Species zuzuschreiben sind, sondern 
dafs sie vielmehr einen Zustand unsers Planeten ahnden 

L - J 

lassen, welcher von der jetzigen Anordnung der Dinge ver- 
schieden , und zu alt ist , als dafs die Sagen des vielleicht 
' später entstandenen Menschengeschlechts bis. zu ihm auf- 
steigen könnten. 

Indem der Ackerbau die Herrschaft fremder eingewan- 
derter Pflanzen über die einheimischen begründet, werden 
diese nach und nach auf einen engen Raum zusammen ge- 
drängt. So macht die Kultur den Anblick des europäischen 
Bodens einförmig , und diese Einförmigkeit ist den Wün- 
sehen des Landschaftmal^rs, w^ie denen des inj, Freyen 
forschenden Botanikers , gleich entgegen. Zum Glücke für 
beyde ist aber diefs scheinbare Übel nur auf einen kleinen 
Theil der gemäfsigten Zone eingeschi'änkt , in welchem Volks- 
menge und moralische Bildung der Menschen am meisten 
zugenommen haben. , In der Tropenwelt ist menschliche 
Kraft zu schwach, unx eine Vegetation zu besiegen , welche , 
den Boden unserm Auge entzieht, und nichts unbedeckt 
läfst, als den Ocean und die Flüsse. 

Die ursprüngliche Heimath derjenigen Gewächse , welche 
das Menschengeschlecht seit seiner frühesten Kindheit zu 

- 1 Beyde findet man in dem Museum der JV^itiirffeschichte zu Paris u.ebeu 



> 
"> 



einander au^estellj. 



■^ 



--. 



22 IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 

begleiten scheinen, ist in eben solches Dunkel vergraben, 
als das Vaterland der meisten Hausthiere. Wir wissen nicht, 
woher jene Grasarten kamen, auf deren mehlreichcn Samen 

f 

hauptsächlich die Nahrung aller kaukasischen und mongo- 
lischen Völker beruht. Wir kennen nicht die Heimath der 

r 

Cerealien , des Weitzens , der Gerste , des Hafers, und des 

T 

L 

Rockens. Diese letztere Grasart scheint noch nicht einmal 
von den Römern kultivirt worden zu sejn. Zwar suchen 
altgriechische Mythen den Ursprung des Weitzens in den 
Fluren von Enna in Sicilien j zwar haben Reisende behaup- 
tet, die Gerste in Nordasien, am Ufer des Samara^ der in 
die Wolga fliefst , den Spelz in Persien ^ bey Hamadan , und 
den Rocken in Kreta, wildwachsend entdeckt zu haben: 
aber diese Thatsachen bedürfen einer genauem Untersu- 
chung ; es ist so leicht einheimische Pflanzen mit fremden 
zu verwechseln, die, der Pflege und Herrschaft des Menschen 
entflohen, verwildernd ihre alte Freyheit in den Wäldern 
wieder finden. Auch die Gewächse, aufweichen derReich- 
thum aller Bewohner der heifsen Zone beruht, Pisans-' 
Melonenbäume, Cocospalmen, Jatropha und Mais, hat man 
noch nirgends ursprünglich wildwachsend beobachtet. Frey- 
lich habe ich mehrere Stämme der ersteren , fern von mensch- 
lichen Wohnungen, mitten in den Wäldern am Cassiquiare 
und Tuamini gesehen : vielleicht aber hat sie doch die Hand 



^ Im Asiatischen Kaptscliak, im Lande Orenburg. 

' Auf einem Berge, vier Tagereisen von Hamadan, fand Michaux wilden 
Spelz, Ervermuthete, dafs Triticum hjbernum und Triticum wUwum in Persien 
einst ebenfalls wildwachsend entdeckt werden würden. 



DER pflanzen; " 25 

f. 

des Menschen dahin versetzt ; denn der Wilde dieser Regio- 
nen, düster, ernst und mifstrauischen Gemüths , lyählt ab- 
gelegene Schluchten , um seine kleinen Pflanzungen anzu- 
legen, Pflanzungen, die er, wechselhebend nach kindischer 
Art, bald wieder verläfst und mit anderen umtauscht. Die 

\ 

verwilderten Pisangstämme und die Melonenbäume ^ schei- 
nen dann bald Erzeugnisse des Bodens, auf dem sie sich mit 
einheimischen Gewächsen zusammengesellen. Eben so wenig 
habe ich je erfahren können , wo im neuen Kontinente die 
Kartoffel wild wachse : diese wohlthätige Pflanze, auf deren 
Kultur sich grofsentheils die Bevölkeruxig des unfruchtbaren 
nördlichen Europa gründet, hat man nirgends in unkul- 
tivirtem Zustande gefunden , weder in Nordamerika , noch 
in der Andeskette von Neu -Granada, Quito, Peru, Chili 
und Chiquitos ; ungeachtet die Spanier mehreren Gebirgs- 

ebenen den täuschenden Namen, Paramo de las Papas, 
geben. _ - 

Durch diese und älinliche Untersuchungen verbreitet die 
Geographie der Pflanzen Licht über den Ursprung des Acker- 
baues, dessen Objekte so verschieden sind als die Abstam- 



mung der Völker , als ihr Runstfleifs , und das Klima , untei 
welchem sie wohnen. In das Gebiet dieser Wissenschaft 
gehören Betrachtungen über den Einflufs einer mehr oder 
weniger reitzenden Nahrung auf die Energie des Charakters, 
Betrachtungen über lange Seefahrten und Kriege, durch 
welche ferne Nationen vegetabilische Produkte sich zu ver- 

' Ich meyne Carica papaja ; denn Carica posoposa glaube ich oft ursprüng- 
lich -wild gesehen zu haben- ' 



34 IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 



schafFen oder zu verbreiten suchen. So greifen die Pflanzen 

r 

gleichsam in die moralische und poHtische Geschichte des 

Menschen ein : denn wenn Geschichte der Naturobjekte 

freyhch nur als Naturbeschreibung gedacht werden kann; so 

nehmen dagegen , nach dem Ausspi^uche eines tiefsinnigen 

Denkers S selbst Naturveränderungen einen acht historischen 

Charakter an , wenn sie Einflufs auf menschliche Begeben- 
heiten haben. 

Alle diese Verhältnisse sind unstreitig für sich schon hin- 
länglich 5 um den weiten Umfang der Disciplin zu schildern , 
welche wir mit dem nicht ganz passenden Namen einer 
Pßanzen-Geographie belegen. Aber der Mensch , der Gefühl 
für die Schönheit der Natur hat , freuet sich dainnn zugleich 
auch die Lösung mancher moraHschen und ästhetischen 
Probleme zu finden. Welchen Einflufs hat die Vertheilunij 
der Pflanzen auf dem Erdboden, und der Anblick derselben 
auf die Phantasie und den Kunstsinn der Völker schabt ? 
.worinn besteht der Charakter der Vegetation dieses oder 



jenes Landes ? wodurch wird der Eindruck heiterer oder 
ernster Stimmung modificirt , welche die Pflanzenwelt in 
■ dem Beobachter erregt ? Diese Untersuchungen sind um 
; so interessanter, als sie unmittelbar mit den geheimnifs- 
vollen Mitteln zusammenhängen , durch welche Landschaft- 
malerey und zum Theil selbst beschreibende Dichtkunst, 
ihre Wirkung hervorbringen. 

Die Natur im Grofsen betrachtet, der Anbhck von Fluren 



\ 



*. ■-- 



^ Sclielüiig's Sjstem des transcendentalen Idealismus . S. 4i5. 



DEH PFLANZEN. 25 

und Waldung , gewährt einen Genufs , welcher wevsenüich 
von dem verschieden ist, welchen die Zergliederung eines 
organischen Körpers und das Studium seiner bewunderns- 
würdigsten Struktur erzeugt. Hier reitzt das Einzelne die = 
Wifsbegierde, dort wirken Massen auf die Phantasie. Wie 
andere Gefühle erweckt das frische Grün der Wiesen , und 
der dunkle Schatten der Tannen ? Wie andei^e die Wälch^r 

r' \ 

der gemäfsigten Zone und die der lYopenländer, in welchen 
die schlanken Stämme der Palmen hoch über dem dick- . 
belaubten Gipfel der Hymenäen gleichsam einen Säulengang 
bilden ? Ist die Verschiedenheit dieser Gefühle in der Natur 
und Gröfse der Massen, in der absoluten Schönheit oder 

■ L 

in dem Kontraste und der Gruppirung der Pflanzenformen 
gegründet ? Worinn liegt der malerische Vorzug der Ti^o- 
penvegetation ? Welche physionomischen Unterschiede beob- 
achtet man zwischen den afrikanischen Gewächsen und 
denen von Südamei^ika, zwischen' den Alpenpflanzen der 

Andeskette und denen der Pyrenäen oder der Gebirge von 
Habesh ? 

Unter der fast zahllosen Menge von Vegetabilien , welche 
die Erde bedecken , erkennt man bey aufmerksamer Beob- 
achtung einige wenige Grundgestalten , auf welche man , 
wahrscheinlich alle übrigen zurückführen kann , und welche 
eben so viele, Familien oder Gruppen bilden. Ich begnüge 
mich hier siebzehn derselben zu nennen, deren Studium 
dem Landschaftsmaler besonders wichtig seyn niufs.- 

1. Bananenform: Pisanggewächse , Musa, Hellconla , Stre- 
htzia. Ein fleischiger, hoher, krautartiger Stamm, aus zarten, 

4 



a6 



IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 



silbervyeifsen , oft schwarzgeflammten Lamellen gebildet. 
Breite, zai^te, seidenartig glänzende, quergestreifte, fast lilien- 
artige Blätter, von denen die jüngeren , gclblicligrün und 
eingerollt, senkrecht emporwachsen, indem die älteren, vom 
Winde zerrissen , mit den Spitzen , wie die Krone der 
Palmen, abwärts gebeugt sind. Goldgelbe länglichte Früchte, 

traubenartig zusammengehäuft. 

2. Pahnenform, Ein hoher , ungetheilter , geringelter 
und gegen die Mitte oft bauchiger und stachliger Schaft, 
auf dem sich eine Krone von gefiederten oder fächerarti- 
gen Blättern majestätisch erhebt. Am Ende des Stammes 
meist zwevklapplge Blumenscheiden, aus welchen die Rispe 
ausbricht. 

^ 

3. Form der baumartigen FarrenTiräuier. Den Palmen 
ähnlich , aber der Schaft minder hoch und schlank , schwarz- 



^ 



I'lSSl 



, mit zarten und schiefgestreiften , hellgrünen , am 
Rande zierlich gekerbteti , fast kohlartigen Blättern. Keine 
Blumenscheiden. , . 

4. Aloe-Form: J.ga^e y Aloe, Yucca, einige Euphorbcn, 
Pourretia. Steife, oft bläulichgrüne , glatte , stechendspitzige 
Blätter. Hohe Blüthen. Slängel, die aus der Mitte entsprin- 

L 

gen und sich bisweilen kandelaberartig theilen. Einige Arten 
erheben die strahlige Krone auf nackten , geringelten , oft 
schlangenartig gewuniieiien Stämmen. 

5. Pothosform: Arum, Pothos, Dracontium. Glänzende, 

r 

grofse, oft spiefs-und pfeilförmige , durchlöcherte Blätter. 
Lange,hellgrüiie, saftige, meist rankende Stängel. Dicke, läng- 
liche Blumen. Kolben, aus weifslichen Scheiden ausbrechend. 



/ 



DER PFLANZEN. 37 

/ 

6. Form der Nadelhölzer: dlleFoliaacerosa, Pinus, Taxus ^ 

r 

Cupressus, einige Proteen, selbst Banksien, Erica-Arten und 
die(durcli angeerbte Monstrosität ?) ungefiederten neu -hol- 
ländischen Mimosen grenzen an die Pinusform. Die Krone , 
bald pyramidal, wie Lerchenbäume und Cypressen , bald 
schirm-, fast palmartig sich ausbreitend, wie Pinus pinea. 

7. Form der Orchideen i Epidendrum ^ Serapias y Orchis. 
Einfache , fleischige , hellgrüne Blätter , mit buntfarbigen , 
wunderbar gestalteten Blüthen , oft parasitisch ; die £;röfste 
Zierde der Tropenvegetation. 

8. Mimosenform : Mimosa ^ Gleditschia , Tamarindus ^ 
Porlieria, Alle fein gefiederte Blätter , zwischen welchen 
die Bläue des Himmels angenehm durchschimmert. Weit- 
schattige Kronen , oft schirmartig gedrückt. 

9. Mahenform: Sterculia , Hibiscus , Ochroma, Camnil^ 
lesia (Flor, Per,). Dickstämmige Bäume mit grofsen, wei- 
chen , meist lappigen Blättern (foliis lobatis ) und pracht- 
vollen Säulenblumen {Columniferce des Linne). 

_ Vi 

10. Rehenform: Lianen, Vitis , P aullinia , Clematis, Mu- 
tisia. Rankende Gewächse mit rissigen holzigen Stämmen 
und vielfach zusammengesetzten Blättern. Die Blüthen meist 



'r^ 



in Doldentrauben und Rispen. 

1 1. Lilienform : Pancratium, Fritillaria , Iris. Stammlose 
Gewächse mit langen , einfachen , hellgrünen, zartgestreiften 5 
oft schwertförmigen und zweyzeihgen, aufrecht stehenden 
Blättern, und mit zarten, prachtvollen Blüthen., bald in 
Scheiden ( iSpathacece des Linne ) , bald ohne Scheiden 
CCoronarice des Linne). 



^■^x 



28 ' IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 

12. Cactusforin : die Cerei. Vielkandge , fleischige, blatl- 
lose, oft gestächelle , säulenförmig ansteigende, tlicils kron- 
leucliterartig geihcilte Gewächse, mit schöngefärbten aus der 
fast unbelebt scheinenden Masse ausbrechenden Blumen. 

•i3. Casiiavlnenforni : Casuarina ^ Ef^uisetum, Blattlose 
Gewächse , vom einfachsten aufsern Baue , mit weichen , 
dünnen, gegliederten, in der Länge gestreiften Stängeln. 

i4- Gras- und Schilf - Form, 

i5. Form der Laubmoose, * 

16. Form der Blätterßecliten, 

17. Form der Hutschwämme, 

Diese physionomischen Abtheilungen weichen oft von 
denen ab , welche die Botaniker in ihren so genannten na- 
türlichen Systemen aufstellen. Bey jenen kommt es allein 
auf gröfse Umrisse, auf das an, was den Charakter der 
Vegetation, und folglich den Eindruck bestimmt, den de 
Anblick der Gewächse und ihre Gruppirung auf das 
Gemüth des Beobachters macht. Die eigentlich botanischen 
Rlassificationen gründen sich dagegen auf die kleinsten, 
dem gemeinen Sinne gar nicht auflallenden , aber bestän- 
digsten und wichtigsten Thefle der Befruchtung. Es wäre 
gewifs ein treffliches , eines gebildeten Künstlers würdiges 
Unternehmen , die Physionomien jener Pflanzengruppen , 
für deren Beschreibung es selbst den reichsten Sprachen 
an Ausdi'ücken fehlt, nicht in Büchern oder Treibhäusei^n, 
sondern in der Natur selbst, in ihrem Vaterlande zu studi- 
^ ren, und sie treu und lebendig darzustellen. Hohe Palmen, 

■ \ 

welche die mächtigen, fedei^artig gekräuselten Blätter über 



V 



DER PFLANZEN. 29 

ein Gebüsch von Hcliconien und Pisanggcwächsen schwingen 5 

j j , Y - 

dornige , schlangenartig aufgerichtete Cactusstämnie , mitten 
unter blühenden Liliengewächsen ; ein baumartiges Farren- 
kraut A^on niexicanischen Eichen umgeben : welche malerische 
Gegenstände für den Pinsel eines gefühlvollen Künstlers 1 

Auf der Schönheit der einzelnen Formen, auf dem Ein- 

-'■■ . -^ 

klänge oder dem Kontraste 5 w;elcher aus ihrer natürlichen 
Gruppiiumg entsteht, auf der Gröfse der organischen Massen 
und der Intensität des Grünes beruht der Vegetations- 
Charakter einer Zone. Viele Gestalten , und gerade die 
schönsten 5 die der Palmen , der Bananeneewächse und der 



y^ 



^ 



baumartigen Farrenkräuter und Gräser , fehlen gänzlich den 
nördlicheren Erdstrichen. Andere , zum Beyspiele die der 
gefiederten Blärter, sind darinn sehr selten und minder zart. 

L ■ 

Die Zahl der baumartigen Pflanzen ist darinn geringer, ihre 
Krone minder hoch und belaubt, seltener mit grofsen pracht- 
vollen Blüthen geziert, als in den Tropenländern. In diesen 
allein hat die gestaltende Natur sich ergötzt, alle Pflanzenfor- 
men zu vereinigen. Selbst die der Nadelhölzer, welche auf den 

■■■■■■'. ■ , 

ersten Anblick zu fehlen scheinen, finden sich nicht blofs 

. - - T r ^ 

auf dem hohen Rücken der Andes , sondern selbst in den 
wärmeren Thälern von Xalapa, und hier und da^ bey Loxa. 



/ 



-^ ' z 



^ Tannen, Cypressen und Juniperus sind drey Geschlechter, die sich in Menge ^ 
in der nördlichen Tropenzone, z. B. in Neu- Spanien, finden. Dagegen scheinen 
sie in der südlichen, wenn gleich auf dem Gehirge ehen so kalten, Tropenzone, 
sehr selten. In der hohen Andeskette von Santa-Fe, Popayan und Quito , habe 
ich kein anderes Nadelholz, als ein Paar Stämme einer Cupressusart^ in dea 
Wäldern von Quindiu und bey Loxa, gefanden, , - 



5o IDEEN ZU EINER GEOGRAPHIE 

Die Physionomie der Vegetation hat unter dem Äquator 
im Ganzen mehr Gröfse , Majestät und Mannichfaltigkelt , 
als in der gemäfsigten Zone. Der Wachsglanz der Blätter* 
ist dort schöner, das Gewebe des Parcnchyma lockerer, 
zarter und saftvoller. Rolossalische Bäume prangen dort 
ewig mit gröfseren , vielfarbigeren, duftenderen Blumen, 
als bey uns niedrige, krautartige Stauden. Alte durch Licht 
verkohlte Stämme sind mit dem frischen Laube der Paul- 
linien , mit Pothos und mit Orchideen gekränzt , deren 
Blüthe oft die Gestalt^ und das Gefieder der Colibri nach- 
ahmt, welchen sie den Honig darbietet. , 

Dagegen enlbehren die Tropen fast ganz das zarte Grün 
der weiten Grasfluren und Wiesen. Ihre Bewohner kennen 
nicht das wohlthätigc Gefühl des im Frühlinge wieder er- 
wachenden , sich schnell entwickelnden Pflanzenlebens. Die 
sorgsame Natur hat jedem Erdstriche eigene Vorzüge ver- 
liehen. Die vegetabiKsche Fiber, bald dichter, bald lockerer 
gewebt; Gefäfse, ausgedehnt und von Saft strotzend, oder 
früh verengt und zu knorriger Holzmasse erhärtend, grö- 
fsere oder geringere Intensität der Farbe , nach Mafsgabe 
des Desoxidations - Prozesses , welchen der reitzende Licht- 
strahl erregt : (iiese und ähnliche Verhältnisse bestimmen den 
Charakter der Vegetation in jeder Zone. 

Die grofse Höhe, zu welcher der Boden sich über der 



V 



1 Em reclit eigentliclier Waclisglanz , da dieses Wachs von Proust in Madrid 

claemiscL. ausgescliieden Avorden ist. '^ 

^ Die Indianer nelimen von dieser' vogelähnlichen Gestalt der Epidendra oft 
die specifiscliea Namen her. 



y 



DER PFLANZEN. 3i 



\ 



Wolkenreglon unter dem Äquator erhebt, gewährt den Ein- 
wohnern dieser Gegend das sonderbare Schauspiel , dafs sie 
aufser den Bananengewächsen und Pahnen auch von Pflan- 
zenfornieii umgeben sind , welche man oft den europäischen 
und nordasiat'schen Rlimaten eigen glaubt. Die heifsen 
Thäler der Andeskette sind mit Heliconien und feinblättri- 
gen Mimosen geschmückt. Höher herauf wachsen bäum- 
artige Farrenkräuter, und die Pflanze , deren Rinde das 
wohlthätigstc Heilmittel gegen das Fieber enthält. In dieser 
milden Region der Clnchona und weiter aufwärts , erheben 
sich Eichen, Tannen, Cypressen, Berberis , BrombeersträuT 
che. Ellern, und eine Menge von Gewächsen, denen wir 
eine nordische Phvsionomie zuzuschreiben gewohnt sind. 
So geniefset der Tropenbewohner den Anblick aller Pflan- 
zenformen. Die Ei^de offenbaret ihm auf ein Mal alle ihre 
vielfachen Bildungen , wie die gestirnte Himmelsdecke von 
Pole zu Pole ihm keine ihrer leuchtenden Welten verbirgt. 
Die Völker Europens geniefsen diesen Vorzug nicht. Viele 
Pflanzenformen bleiben ihnen auf immer unbekannt. Die 
krankenden Gewächse , welche Luxus oder Wifsbe^ierde 
in unsere Treibhäuser einzwängt, erinnei^n uns nur an das, 
was wir entbehren : sie bieten ein verzerrtes , unvollkom- 
menes Bild von der Pracht der Tropenvegetation dar. Aber 
in dem Reichthume und der Kultur der Sprache, in der 
regen Phantasie der Dichter und Maler, finden die Europäer 
einen befriedigenden Ersatz. Der Zauber nachahmender 
Künste versetzt sie in die fernsten Theile der Erde. Wessen 
Gefühl regsam für diesen Zauber , wessen Geist gebildet 



"V 



32 



IDEEN ZU EINER GEOGK DER PFL. 



;cnug ist, um die Natur in allen ihren Thätigkeiten zu 
umfassen , der schafft sich in der Einsamkeit einer öden 

5.- 

Heide gleichsam eine innere Welt : er eignet sich zu, was 

L 

die Kühnheit des Naturfoi^schers , Meer und Luft durch- 
schiffend , auf dem Gipfel beeister Berge oder im Innern 
unterirdischer Höhlen, entdeckt hat. Hier sind wir auf den 
Punkt gelangt , wo Kultur der Völker und Wissenschaft 
am unbestrittensten auf das individuelle Glück einwirken. 
Durch sie leben wir zugleich in dem verflossenen und in 
dem gegenwärtigen Jahrhunderte. Um uns versammelnd was 
menschlicher Fleifs in den fernsten Erdstrichen aufgefunden , 
bleiben wir allen gleich nahe. Ja, die Kenntnifs von dem 

_ ' r 

Innern, geheimen Spiele der Naturkräfte, läfst uns bey 

vielen selbst Schlüsse für die Zukunft wagen , und die Rück- 

kehr grofser Erscheinungen vorher bestimmen. So schafft 
Einsicht in den Weltoi 

und eme innere Freyheit, die mitten unter den Schlägen 
des Schicksals von keiner äufsern Macht zerstört werden 
kann. 



■^ 



I 



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\ 



NATURGEMALDE 



DER 



* * 



TROPENLANDER 



? 



Nach Beobachtungen und Messungen ^ welche 
zwischen dem zehnten Grade nördlicher und^ 
dem zehnten Grade südlicher Breite , in den 



Jahren 1799 bis i8o3 angestellt worden sind. 



V 



'V-W^^ 



VVenn man von der Meeresfläche zum Gipfel hoher 
Gebirge emporsteigt, so verändert sich nach und nach die 
Ansicht des Bodens und die Reihe physikaHscher Erschei- 
nungen 5 welche der Lufthreis darbietet. Die Pflanzen der 
Ebene verUeren sich unter Alpengewächse von mannichfal- 
tiger Bildung. Den hohen Waldbäumen folgt niedriges Ge- 
büsch mit knorrigen Ästen 5 diesem folgen duftende Kräuter, 
deren zartwolHge Oberfläche mit gegliederten Saugröhren 
besetzt ist. Weiter hinauf, in luftdünneren Höhen , wachsen 
gesellig die Gräser, und an die einförmige Grasflar stöfst 
die Region der kryptogamischen Gewächse. Flechtenarten 



liegen hier einsiedlerisch unter ewigem Schnee vergraben 



5 



5 



V 



3 



4' 



4 



N A T U R G E M A L D E 



r 

und bezeichnen die obere Grenze der organischen Schöpfung. 
Mit dem Anbhcke der Pflanzendecke verändern sich auch 
die Gestakcn der Thiere. Andere leben in den hochschat- 
in Wäldern der Ebene , andere in den Grasfluren der 
Alpen 5 welche ewig der schmelzende sauerstofTreiche' Schnee 
benetzt. Selbst das Gestein , die unorganische Masse des 
Erdkörpers, verändert seine Natur, je weiter es sich über 
die Meeresfläche erhebt. Oft finden sich die späteren Granit 
bedeckenden Formationen nur bis zu einer gewissen Höhe, 
und der Gipfel der Gebirge besteht aus demselben Urge- 
stein, auf dem alle andere Gebirgsarten zu ruhen scheinen, 
wenigstens so tief, als Menschen bisher in das Innere unsers 
Planeten eingedrungen sind. Oft ist, selbst auf dem hohen 
Rücken der Cordilleren, der Granit unter neueren Forma- 
tionen versteckt. Felsen, vier tausend Meter (2o53 Toisen) 
über dem jetzigen Meeresspiegel erhaben , schliefsen eine 
Welt von peh 

in sich. Basaltkuppen, Perlstein, Obsidiane und groteske, 
thurmähnliche , Felsen von Porphyrschiefer sind hier und 
da auf dem Gebirgskamme zerstreut. Ihr Vorkommen legt 
der Geognosie schwer zu lösende Probleme auf. Aber nicht 
blofs Pflanzen, Thiere und Gestein, selbst der Luftkreis, 
das Gemisch gasartiger Flüssigkeiten, welches die Erde ein- 
hüllt , und dessen obere Grenze wir nicht kennen 5 selbst 



^ Sur VAnaljse de tair atmospherique , par Humboldt et Gaj~Lussac ^ p.5A., 
Die Luft, \Yelclae man axis dem Schneewasser durch Kochen entwickelt, ist 
oxygenreicher als atmosphärische Luft, aber nicht als die Luft des Flufs- und 



^ V 



Regenwassers. 



^ K 



y 



DER TROPENLÄNDER. 55 

r 

der Luftkreis bietet aufFallencle Verschiedenheiten dar, je 
nachdem man sich von der Ebene entfernt. Wärme und 
Druck nehmen ab , indem Trockenheit und elektrische 

Spannung zunehmen. Die Himmelsbläue wird tiefer und 
dunkler , je mehr man sich erhebt. Die Höhe des Stand- 
orts modificirt zugleich die Abnahme der Schwere , den 
Wärmegrad des kochenden Wassers, die Intensität der 
Sonnenstrahlen und ihre Refraction. So unendlich gering 
auch, yei^glichen mit dem Erddurchmesser, der Abstand 
ist , um den wir uns von dem Mittelpunkte des Sphäroids 
entfernen : so ist diese Entfernung doch schon hinlänglich , 
uns gleichsam in eine Schöpfung zu versetzen , und uns 
gröfsere Verschiedenheiten in Naturprodukten und Klima 
bemerken zu lassen, als ein beträchtlicher Wechsel geogra- 
phischer Breite darbieten würde. 

Diese Verschiedenheiten sind allerdings allen Zonen eigen, 
wo die Natur hohe Gebirgsketten gebildet hat : doch sind 
sie minder auffallend in der gemäfsigten Region , als unter . 
dem Äquator, wo der Rücken der Cordilleren sich fünf 
bis sechs tausend Meter (^565 bis SoyS Toisen) über die 
Oberfläche des Oceans erhebt, und wo jeder Höhe eine 
eigene und unveränderliche Temperatur zugehört. Zwar 

r M 

finden sich in der Nähe des Nordpols Berge , welche den 
Kolossen des Könie^reiches Quito wenie nachgeben , und 
deren Existenz auf den ersten Blick der Meynung ungünstig 
scheint, als habe die Rotation unsers Planeten auf die An- 
häufung der Gebirgsmassen unter den Tropen gewirkt. Der 
Elias -Berg auf der Nordwest -Küste von Noi^d - Amerika , 



■^^ 



36 NATUHGEMÄLDE 

unter 60*^ 21^ nördlicher Breite, erhebt sich zu einer Höhe^ 
von fünf tausend vier hundert ein und vierzig Metei^n 

r 

(2792 Tolsen) 5 der Pico de Buen TIernpo erreicht eben- 
daselbst die Höhe von vier tausend vier hundert neun und 
achtzig Metern (23o4 Tolsen). In unserer mittlem Breite 
von fünf und vierzig Graden hat der Mont - Blanc vier 
tausend sieben hundert vier und fünfzig Meter (2440 Tolsen), 
und ich glaube, man darf Ihn als den höchsten Gipfel des 
alten Kontinentes betrachten, so lange als die Berge von 
Pue-Roachlm^ (das heifst das nördhche Schneeland, Tibet) 
und die nordwesdichen Gebirge von China, welche, der 
Sage nach , höher als der Chimborazo sind , ungemessen 
bleiben. . 

Aber unter fünf und vierzig und sieben und vierzig 
Graden nördlicher Breite in^ der gemäfsigten Zone senkt 
sich die untere Grenze des ewigen Schnees , welche zu- 
gleich auch fast die Grenze alles organischen Lebens ist, 
bis zwey tausend fünf hundert und drejfsig Meter ( i3oo 
Tolsen) herab. Um die Fülle verschiedenartiger Thier- und 
Pflanzenformen zu entwickeln , um die Mannichfaltidveit 
meteorologischer Erscheinungen hervorzubringen , bleibt 
demnach der Natur auf dem Abhänge der Gebirge In unserm 
mildern Erdstriche kaum die Hälfte des Raumes, welchen 
ihr die Tropen darbieten , wo in den Cordilleren die Ve^e- 



^ Relacion del Viaje lieclio por las Golettas Sutll j Mexicana en el A. 1792, 
para reconocer el Estrecho de Fuca (por D." Dionisio Galeano j D." Cayetano 
Valdes), p. 122. 

^ Samuel Turner's Gesandschaflsreise nach Bootan , S. 5oo. 



DER TROPENLANDER. 67 

tation erst in einer Höhe von vier tausend sieben hundert 
und neunzig Metern (2460 Toisen) aufhört. In den Gebir- 

r 

gen der nördlichen Himmelsstriche erhöht im Sommer die 
Schiefe der auffallenden Sonnenstrahlen und die ungleiche 
Dauer der Tage so sehr die Temperatur des Luftkreises , 
dafs der Unterschied der Wärme in der Ebene und in 
^fünfzehn hundert Meter (ySo Toisen) Höhe oft fast ganz 
unbemerkbar wird : defshalb finden sich viele Pflanzen , 
welche am Fufse unserer Alpen wachsen, auch auf den 
hohen Gipfeln derselben. Die kalten Herbstnächte zerstören 
nicht ihre Organisation. Derselben Erniedrigung der Tempe- 
ratur würden diese Gewächse einige Monathe später auch 
in der Ebene ausgesetzt seyn. Einige Gebirgspflanzen der 
Pyrenäen und der südspanischen Schneekette (Sierra nei^ada 
de Grenada) wandern tief in die Thäler herab. Sie finden 
dort eine Wärme , welche sie bisweilen auch , wenn gleich 
auf kürzere Zeit, in höheren Standpunkten erfahren hätten. 
Unter den Wendekreisen dagegen , in einer senkrechten 
Höhe von vier tausend und acht hundert Metern (22^.00 Toi- 
sen) auf dem weiten Berggeländer, \yelches von den Pal- 
men- und Pisanggebüschen der meeresgleichen- Ebene bis 
zum ewigen Schnee ansteigt , folgen die verschiedenen Rli- 
mate , gleichsam schichtenweise über einander gelagert. In 

■ \ 

jeglicher Höhe erleidet die Luftwärme das ganze Jahr hin- 
durch nur unbedeutende Veränderungen. Das Gewicht der 
Atmosphäre, ihre elektrische Ladung, ihre Feuchtigkeit, 
alles ist regelmäfsigen , periodischen Veränderungen unter- 
worfen , deren unwandelbare Gesetze um so leichter zu 






«# 



38 N A T U R G E M A L D E 

F 

entdecken sind, als die Erscheinungen unverwickclter , min- 
der in Perturbationen versteckt sind. Aus diesem Zustande 
der Dinge folgt, dafs unter den Tropen jeder Höhe eigene 
Bedingnisse zugehören , und dafs diese Bedingnisse eine so 
;rofse Verschiedenheit organischer Formen begründen, dafs 
in der peruanischen Andeskette ein Gebirgsabhang von tau- 
send Metern (5oo Klaftern) mehr Mannichfaltigkeit in Na- 
turerzeugnissen darbietet, als eine vierfach gröfsere Fläche 
in der gemäfsigten Zone. 

• i 

Ich habe es gewagt, ein physikalisches Gemälde der Aqui- 
noctialländer zu entwerfen. Ich habe versucht, alle Erschei- 
nungen zusammenzustellen , -welche der Boden und der 
Luflkreis , von den Küsten des stillen Meeres an bis zum 

■ L r 

Gipfel der Cordilleren, dem Beobachter darstellt. Dasselbe 
Gemälde umfafst 
Vegetation ; 

Thiere ; , 

Geognostlsche Verhältnisse ; 

■ 

Ackerbau 5 

Luftw arme ; 

Grenzen des. ewigen Schnees; 

Elektrische Tension der Atmosphäre 5 
Abnahme der Gravitation ; 

Dichtigkeit der Luft; 

Intensität der Himmelsbläue ; 

r 

Schwächung des Lichts beym Durchgange durch die 

Luftschichten; 
Strahlenbi^echung am Horizonte und Siedhitze des 



* ' ^ 



DER TROPENLÄNDE R. Sg 

r 

Wassers in verschiedenen Höhen über der Meeres- 
fläche. 
Um die Erscheinungen der Tropenländer leichter mit 

denen der gemäfsi^rten Zone zu vergleichen , sind noch an- 

dere Verhältnisse, zum Beyspiel, - 

Berghöhen in verschiedenen Weltgc ^ 

Entfernungen , in welchen sie ohne irdische Strah- 
lenbrechung sichtbar seyn w^ürden , ; . . 

hinzugefügt woi^den. : 

Dieses Naturgemälde berührt demnach gleichsam alle Er-. 
scheinungen, mit denen ich mich fünf Jahre lang während 
meiner Expedition nach den Tropenländern beschäftigt habe. 
Es enthält die Hauptresultate der Arbeiten , welche ich in. 
den folgenden Bänden näher entwickeln werde. Eine solche 
Schilderung der Natur heifser Klimate schien mir nicht blofs 
an sich selbst interessant für den empyrischen Physiker; 
sondei*n ich schmeichelte mir auch, dafs sie besonders lehr- 
reich und fruchtbar durch die Ideen werden würde, die sie 
in dem Geiste derer erregen könnte, welche Sinn für allge- 

r , 

meine Naturlchre haben und dem Zusammenwirken der 

r 

Kräfte nachspüren. In der grofsen Verkettung von Ursachen 
und Wirkungen darf kein Stoff, keine Thäti2;keit isolirt 



betrachtet werden. Das Gleichgewicht , welches mitten 
unter den Perturbationen scheinbar streitender Elemente 
herrscht, diefs Gleichgewicht geht aus dem freyen Spiel dy- 
namischer Kräfte hervor ; und ein vollständiger Überblick 
der Natur, der letzte Zweck alles physikalischen Studiums, 
kann nur dadurch erreicht werden , dafs keine Kraft , keine 






4o NATURGEMALDE 

^ 

Formbildung vernachläfsigt , und dadurch der Philosophie 
der Natur ein weites , fruchtversprechendes Feld vorberei- 
tet wird. 

m ich einer Seits hoffte , dafs mein Natur^emälde 



We 



neue und unei^wartete Ideen in denen erzeugen könnte , 
welche die Mühe nicht scheuen eine Zusammenstellung zahl- 
reicher Thatsachen zu studiren : so glaubte ich andrer Seits 
auch , dafs mein Entwurf fähig wäre die Einbildungskraft 
zu beschäftigen , und derselben einen Theil des Genusses 
zu verschaffen , welcher aus der Beschauung einer so wun- 
dervollen , grofsen, oft furchtbaren und doch stets wohl- 
thätigen Natur entspringt. Diese Fülle organischer Gestalten, 
auf dem schroffen Abhänge des Gebirges familienweise ver- 
theilt; dieser Übergang vom üppigen Wuchs der Palmenwäl- 
der und der von Saft strotzenden Heliconien zur dürftigen 
Vegetation der ewigbeschneiten Grasflur; diese Pflanzen 
und Thiergestalten durch das Klima jeder Berghöhe und 
den Luftdruck bestimmt; diese glänzende Schneedecke, 
welche dem Organismus unübersteigbare Grenzen setzt, 
aber diese Grenzen unter dem Äquator zwey tausend zwey 
hundert Meter (iioo Toisen) höher hinaufschiebt als in 
unsrer gemäfsigten Zone; das unterirdische Feuer, durch 
unbekannte Kräfte und Stoffe ernährt, bald in niedrigen 
Hügeln ausbrechend wie im Vesuv , bald in fünffach höhe- 
ren Vulkanen wie im kegelförmigen Gipfel des Cotopaxi ; 
diese Meeresmuscheln , welche der Bergbewohner auf iso- 
lirten Klippen viele tausend Meter über der Meeresfläche 
anstaunt, und welche ihn an die frühesten Katastrophen 



J 

DER TROPENLÄNDER. 4i 

" ' ■ ■ ■ 

der Vorwelt erinnern 5 diese einsamen Luftregionen end- 

r 

lieh 5 zu welchen kühner Mulh und edle Wifsbegierde den 
Aci^onauten' leitet : alle diese Gegenstände, in ein Natur- 
geniälde vereinigt , sind gewifs fähig die Phantasie auf das 

j 

vielfachste zu beschäftigen , und in ihr neue und lebendige 
Bildungen zu gestalten. Auf diese Weise behandelt, könnte 
eine Schilderung der Tropen-Natur Wifsbegierde und Einbil- 
dungskraft zugleich nähren , und zum Studium der Physik 
selbst diejenigen anreitzen , welchen bisher diese reiche 
Quelle des intellectuellen Genusses verschlossen geblieben ist. 
Indem ich diese Ideen entwickle , rede ich nicht sowohl 

r 

von der Arbeit , welche ich in diesem Werke liefere , als 
vielmehr von der Ausführung;, deren ich ein Natur2;emälde 



« * 



der Aquinoctial-Länder fähig halte. Der gegenwärtige Versuch 
bedarf der Nachsicht des Publikums um so mehr, als er 
mitten unter den heterogenesten Beschäftigungen ausgear- 
beitet worden ist. Gestatten neue Unternehmungen', zu denen 
ich mich vorbereite, mir künftio; Mufse und Ruhe : so hoffe 
ich 5 diesem Naturgemälde eine gröfsere Vollständigkeit zu 
geben 5 denn botanische Karten werden das Schicksal der" 

j - ■ ' 

bisher sogenannten geographischen haben, und sich ihrer 

Vollkommenheit allmählig nur dadurch nähern , dafs sich 

die Zahl genauer Beobachtungen und Messungen vermehrt. 

Ich habe die erste Skizze dieser Arbeit an der Küste der 

4r 

Südsee, im Hafen von Huayaquil entworfen im Febi*uar 
i8o3, als ich von Lima zurückkehrte , und mich zu der 



* Herrn Gay-Lussac's Versudie, im September 1804. 

6 



V 



iCr 



y 



^ 



42 - N AT UH GEMÄLDE 

Schiffahrt nach Acapulco vorbereitete. Eine Gopie dieser. 
Skizze schickte ich sogleich Herrn Mulis nach Santa -Fe- 
de-Bogota. Dieser vortreffliche Botaniker, mit dem ich in 
den innigsten Freundschaftsvcrhäknissen gelebt, Aväre mehr 
als irgend jemand im Stande gewesen meine Beobachtungen 
zu berichtigen , und sie durch die seinigen zu erweitern. 
Vierzig Jahre ^ lang hat er das Königreich Neu -Grenada 
durchreist, und die Tropenpflanzen auf allen Höhen untei^- 
sucht 5 in den dürren Sandebenen von Garthairena , an 
den schönen Ufern des Madalenen - Stromes ; wie auf den 

^ 

Hügeln von Turbaco, wo Gustana augusta, Nectandra san- 
guinea und die kolossalischen Stämme des jinacardium 
Caracoli ein dickes Gebüsch bilden. Herr Mutis hat einige 
Jahre lang auf den hohen GebirgseBenen von Pamplona 
nnd Mariquita , andere Jahre am östlichen Abfall der 
Andeskette, nahe bey dem Städtchen Ibague gelebt , einem 
Aufenthalte, der durch ewige Milde der Luft, üppigen 
Pflanzenwuchs und malerische Berggehänge auch mir un- 
vergefslich geworden ist. Kein anderer Botaniker .hat mehr 
Gelegenheit gehabt, wichtige Beobachtungen über die Geo- 
graphie der Pflanzen einzusammeln, da er während des Her- 
barisirens stets barometrische Höhenmessungen angestellt , 
^ und die hohen Gipfel der Cordilleren so vielfältig bestiegen 
hat; Gipfel, auf yvelchen Escalloriia mff^tclloides , TVintera 
granatensis und die ewig blühende Befaria {Bejarid)^ die 
Alpenrose der Ti^openwelt, den fast nackten Felsen bedecken. 
Auch Herr Hänke , welcher den unglücklichen Alessandro 
Malaspina auf seiner Schiffahrt begleitet hat , wird viele Mate- 



-^ 



m 

DER TROPENLÄNDER. 4^ 

rialien zu einer Arbeit wie die meinige besitzen. Zehn Jahre 
lang durchstreift er mit rastlosem Eifer die Andeskette von 
Cochabamba , einen Arm , der die Gebirge von Potosi mit den 
brasihanischen vereinigt. Nicht minder wichtige Beobach- 
tungen für die Pflanzen-Geographie haben wahrscheinlich die 
Herren Sesse und Mocino gesammelt, welche, mit den vege- 
tabilischen Schätzen von Neu-Spanien beladen, so eben nach 
Europa zurückgekehrt sind. Sie haben in einem Lande 
gearbeitet, wo die Vegetation sich von den brennendheissen 
Küsten von Vera- Cruz und Yucatan bis zum ewigen Schnee 
der Vulkane, bis zum Sitlaltepetl (Pico de Orizaba) und 
zum Popocatepec erhebt. Leider aber hat mein Aufenthalt 
in Mexico und in den nordamerikanischen Freystaaten mich 
gehindert mit allen diesen gelehrten Botanikern in Verkehr 
zu treten , und ihren Rath bey der Ausarbeitung dieses Natur- 
gemäldes zu benutzen. 

Die Zeichnung , welche ich selbst in Huayaquil entwor- 
fen , ist in Paris von eipem grofsen Künstler , Herrn Schön- 

> 

berger , weiter ausgeführt worden. Um dieser Ausführun 
diejenige Vollendung zu geben , welche zum Kupferstich 
nöthig ist, hat Herr Turpin die letzte Hand daran gelegt 
Ein Bild, welches an nebenstehende Scalen profilartig ge- 
bunden ist , kann an sich keiner sehr malerischen Aus- 
führung fähig bleiben. Alles Avas geometrische Genauigkeit 
erheischt , ist dem Effekt entgegen. Die Vegetation sollte 
eigentlich blofs als Masse sichtbar seyn , und daher wie in 
militärischen Planen angedeutet werden. Doch habe ich 

r 

;edaubt, dafs ich es mir erlauben dürfte, in der Ebene 



V- 



r 

"44 NATURGEIVIÄLDE 

(gleiclisani im Vorgrunde) die zartblättrigen Pisanggebüsclie 
und die hohen Staninie der Palmen bestimmter auszudrü- 
cken. Man sieht Musagewächse und Fächerpalmen allmählig 

r" - ' 

sich in kleinblättrige Laubbäume , diese sich in niedriges 
Gesträuch, das Gesträuch sich in die Grasflur verlieren. Die 
Region der Gräser reicht so weit als die lockere Erdschicht, 
welche dünner und dünner sich über dem Berggipfel aus- 
bi^eitet. Moose, inselförmig an den klüftigen Felswänden 
vertheilt, Blätterflechten und buntfarbige Psoren bestimmen 
stufenweise die obere Begrenzung der Pflanzendecke. Ge- 
schmackvoller wäre vielleicht das Ganze ausgefallen,' wenn 
keine Zahl, keine Beobachtung um den Umrifs der An- 

r 

deskette selbst geschrieben worden wäre. Aber in dieser 
geographischen Vorstellung sollten zwey sich oft fast aus- 

r 

sehHefsende Bedingungen zugleich erfüllt werden, Genauig- 
keit der Projection und malerischer EfFekt. Wie weit es uns 
geglückt ist diese Schwierigkeit zu überwinden, müssen wir 
der Entscheidung des Pubhkums überlassen. 



^ 



Das Naturgemälde der Tropenländep umfafst alle physi- 
kalischen Erscheinungen , welche die Oberfläche der Erde 
und der Luftkreis von dem löten Grade nördlicher bis zum 
loten Grade südlicher Breite darbietet. Pflanzen- und Tliier- 
formen , und vorzüglich die meteorologischen Phänomene , 
nehmen,, im neuen Welttheile, vom loten bis zum hosten 

m 4 

Grade der Breite einen der Aquatorregion so ganz unähn- 
lichen Charakter an, dafs es umichtig gewesen wäre dasselbe 
Namrgemälde bis an die Wendekreise selbst auszudehnen. 



DER TROPENLÄNDE R. 



\ 



1» 




Nach den geodesisclien Messungen, welche ich im Königreich 
Neu -Spanien angestellt, senkt sich die untere Schneelinie 
unter neunzehn Graden nördhcher Breite noch nicht tiefer 
als vier tausend sechs hundert Meter (aSöo Toisen) herab, 
das heifst, der ewige Schnee fängt dort nur um zwey hundert 
Meter (io4 Toisen) früher als unter dem Äquator an. Dage- 
gen geben die Nähe der gemäfsigten Zone ; die Strömungen 
in den oberen Luftregionen 5 der Einllufs, den in jeder Hemi- 
Sphäre der nähere Pol auf die abweichende Richtung der 
Passatwinde ausübt, und andere Ursachen, welche von der 
Konfiguration des Kontinents abhängen , den unter dem 
3osten und aSsten Breitengrade gelegenen Ländern ein 
KHma und einen Vegetationscharaktcr , den man unter den 
Tropen kaum erwarten sollte. Im Lande Anahuac.(im jetzi^ 
gen Neu -Spanien) wachsen die Tannen (Pmus) bis drey 
tausend neun hundert vier und dreyfsig Meter (2019 Toisen) 
hoch über der Meeresfläche; und kaum sechs hundert fünf- 
zig Meter (332 Toisen) unterhalb der Schneegrenze habe ich 
noch Stämme von neun Decimetern (3 Fufs) Dicke gefunden 5 
während dafs südlicher unter dem 5ten und 6ten Breiten- 
grade hohe Bäume kaum noch auf Bergen von drey tausend 
fünf hundert Metern (lygS Toisen) wachsen. In der Insel 
Cuba sinkt das Thermometer an der Meeresküste im Win- 
ter bisweilen bis zum Eispunkte' herab. Ganze Tage erhält 



I 



-> ^ 



■»—r 



^ Wo nicht das Gegentlieil ausdrücklich heme^kt ist, wird in dieser Schrift 
die Wärme stets nach dem hunderttheillgen (Pieaumürschen) Quecksilberther- 
moraeter hestim.nit. Unter Meilen Yerstehe ich Seemeilen, zwanzig auf einen 
Gradj jede zu fimf tausend fünfhundert fünf und fünfzig Metern (aSÖO Toisen), 



46 . NATUR GEMÄLDE ' 

es sich auf sieben Graden , während dafs man es auf der 
Küste von Vera-Cruz und in S. Domingo, in einer wenig 
südhchern Breite, nie unter siebzehn Graden sieht. In Neu- 
Spanien ist Schnee in den Strafsen der Hauptstadt Mexico, 
im Königreich Michoacan ist er in VaHadohd selbst gefallen; 
obgleich beyde Städte nur zwey tausend zwey hundert vier 
und achtzig Meter (1174 Toisen) und tausend acht hundert 
siebzig Meter (959 Toisen) über der Meeresfläche erhaben 
liegen.- Zwischen dem Äquator und dem 4ten Breitengrade 
hat man dagegen unter vier tausend Metern (soSs Toisen) 
Höhe nie schneien sehen. Alle diese Verschiedenheiten be- 
weisen hinlänglich, dafs ein Naturgemälde der äquatornahen 
Länder nicht die ganze heifse Zone zugleich umfassen kann. 
Mein Naturgemälde stellt einen senkrechten DurchschnitI: 
nach einer Fläche dar, die durch den Rücken der Andes-t 
kette, von Osten gegen Westen, gerichtet ist. Man unter- 
scheidet in der Zeichnung gegen Westen die Küste der 
Südsee, eines Oceans, welcher in dieser Gegend allerdings 
den Namen des friedlichen oder stillen Meeres verdient : 
denn vom laten Grade südlicher bis zum 5ten Grade nörd- 
licher Breite, nicht aber ausserhalb dieser Zone, w^ird seine 
Oberfläche durch keine Stürme beunruhigt. Zwischen deni 
Meeresufer und der hohen Cordillere befindet sich das merk- 
würdige Thal Cuntisuyu^ (der wesdiehe Theil des König- 
reichs Peru), welches sich weit von Süden gegen Norden 
erstreckt, aber kaum zwanzig bis dreyfsig Seemeilen breit 

^— ^ — ! -H ^ ^ , 

. ' — '-^ 

' Gleiclisam das Wesüand in der politisclien Eintlieilung der ^lucas- Länder. 
Garcilasso Comentarios reales, T. I , p. l^-j. 




DER TROPENLlNDER. 

ist. Diefes Längenthal , oder vielmehr diese meernahe Ebene, 
ist von 4° 5o^ südUcher Breite an , gegen Quito oder Chin- 
chasuyu hin , mit einer üppigen kraftvollen Vegetation er-, 
füllt 5 südhcher als jener Parallelkreis findet man eine öde, 
traurige Sandwüste. Von den Hügeln von Amotape an bis 
gegen Coquimbo hin kennen die Einwohner dieser Steppe 
weder Regen noch Donnerwetter, während dafs jenseits 
dieser Hügel , gegen Norden hin , die Wasser viele Monathe 
hindurch , unter tosenden , elektrischen Explosionen , wol-^ 
kenbruchähnlich aus der verfinsterten Luft herabstürzen. 
' Ich habe das Profil der Andeskette ihren höchsten Gip- 
fel, den Chimborazo^ durchschneiden lassen, welcher unter 
i"* 27' südhcher Breite und o*" 19' westlich vom Meridian 
von Quito liegt. Die Höhe dieses Kolosses ist dreymal im 

■ \ 

Jahr iy4i durch die französischen und spanischen' Astro- 
nomen, und im Jahr 1802 durch mich selbst gemessen 
worden. Da diese Messungen halb geodesisch, halb barome- 
-trisch sind; da, je gröfser die Höhenwinkel ausfallen sollen, 
um. so höher die Ebene ist, auf welcher man die Grund- 
linie zwischen den Standzeichen mifst ; und da in dem Calcul 
so beträchtlicher Höhen wahrscheinlich ganz verschiedene 
Barometer- und Refractionsformeln befolgt worden sind : 
so darf man sich nicht wundern, dafs die dem Chimborazö 
bisher zugeschriebenen Höhen so überaus verschieden aus- 



^ Auf einer Karte des Deposito hjdrografico de Madrid, liest man bejm 
CliimLorazo die Zahl 7496 varas. Da diese Zalil genau mit Bouguer's 3:217 
Toisen ziisammentrift : so vermutlie ich fast , dafs Malaspina's Expedition A^u 
Chimborazö nicht gemessen habe. 1 Toise =: SjSSiö varas. - ■ -, 



^ 



48 NATÜRGEMÄLDE 

^ 

fallen. La Condamine bestimmt ihn auf sechs tausend zwcy 
hundert vier und siebzig Meter (3220 Toisen); Don Jorge 

+ 

Juan, der tiefsinnige spanische Geometer, auf sechs tausend 

^ Meter (338o Toisen). Wahr- 
scheinlich liegen die Ursachen dieser Verschiedenheiten nicht' 
in der geodesischen Messung, sondern in der barometrischen 
Bestimmung der Höhe, um welche die Standhnie über der 
Meeresfläche erhaben ist. Die dem Chimborazo nächsten 

\ ■ 

w 

Ebenen sind zwey tausend neun hundert Meter (i488 Toi- 
sen) hoch. Berechnet man ihre Höhe nach Bouguer's baro- 
metrischer Regel : so findet man sie um hundert dreyfsig 
oder hundert vierzig Meter (67 oder 72 Toisen) geringer, 
als wenn man der Sehuckburgischen oder Laplacischen For- 
mel der Temperatur-Correction folgt. Die Höhe des Chimbo-. 
razo, welche La Condamine und Don Jorge Juan angeben, 

' die Höhe der Stadt Quito, 
welche der erstere zu zwey tausend acht hundert fünf und 
vierzig Meter (i46o Toisen), und der letztere zwey tausend 
neun hundert fünf und fünfzig Meter (i5i7 Toisen) annimmt. 
Die Laplacische Formel gibt dieser Stadt zwey tausend neun 
hundert fünf und dreyfsig Meter (i5o6 Toisen); und man 
darf diesem Resultate , welches aus den von La Condamine 
selbst angegebenen Barometerständen folgt, nicht etwa die 
Bouguersche, sogenannte geodesische Operation bey Niguas^ 
entgegensetzen , weil diese , wie an einem andern Orte ent- 
wickelt werden soll , auf sehr unsicheren Datis beruht. Ist 



h 



^ Bouguer, Figure de la terre, p. i66. 



DER TROPENLÄNDER. % 

f 

demnach schon Quito von La Coridamine wahrschemh'ch 
um neun und achtzig Meter (46 Toisen) zu niedrig angege- 
ben, welche andere Modificationen mufs nicht die Messung 
des Chimborazo durcli die Referirung eines Signals auf das 
andere, und durch die Annahme einer zu starken Strahlen- 
bi^echung erlitten haben ? Denn La Condamine und Don 
Jorge Juan , welche in der Höhe von Caraburu nur um 

r 

achtzig Meter (4i Toisen), in der von Quito um hundert 
und zehn Meter (Sy Toisen) von einander abweichen, ent- 
fernen sich in der Höhe des Chimborazo um drey hundert 
und zehn Meter (160 Toisen), das heifst , um ein Einund- 
zwanzigstel des Ganzen ' von einander , ungeachtet beyde 
Astronomen gemeinschaftlich und mit Instrumenten von fast 



gleicher Güte arbeiteten. 



-'/ 



Während meines Aufenthalts in der neuen Stadt Rio- 

j , 

bamba habe ich durch eine trigonometi^ische Messung , die 
ich in der Bimssteinebene von Tapia angestellt, den höchsten 
Gipfel des Chimborazo, bey der Annahme von einem Vier- 
zehntel Strahlenbrechvmg, um drey tausend sechs hundert 
und vierzig Meter (1867 Toisen) über der Ebene erhaben 



^ In den neuesten Messungen von Mecliain und Belambre finden sich indefe 
noch stärkere Differenzen mit älteren Messungen: Puj-Marie, nach Cassini, neun 
■ hundert sechs und fünfzig Toisen; nach Delamhre, acht hundert ein und fünfzm- 
Toisen :Mont-d'or, nach Cassini, tausend acht und vierzig Toisen; nach Delamhre, 
neun hundert acht und sechzig Toisen. Pic du Midi, nach Mechain, tausend vier 
hundert und siebzig- Toisen; nach Vidal, tausend fünf hundert und sechs Toisen: 
Montblanc, nach Deluc, zwey tausend drey hundert ein und neunzig Toiseli; 
nach Pictet, zwej tausend vier hundert sechs und zwanzig Toisen; nach Sans- 
sure, zwej tausend vier hundert und fünfzig Toisen. 

■ ■ ' '■ ' '',"■'' ^ ■■ 7 

Mo Rot n^r^An 



5o N A T Ü R G E M A L D E 

1 

efunden. Nun gibt ineine Baronietcr-Beobachlung, welche 
Herr Gouilly gefälligst nach Laplace's Formel berechnet hat, 
Tapia um zwey lausend aclit hundert sechs und neunzig 
Meter (i485 Toisen) über dem Meere an. Demnach beträgt 

r 

die ganze Höhe sechs tausend fünfhundert sechs und dreyfsig 
Meter (3554 Toisen). Wende ich dagegen Laplace's neue 
Refractionsformel auf meine Höhenwinkel an : so finde ich 
den Chimborazo sechs tausend fünf hundert vier und viei-zig 
Meter (SSSy Toisen) hoch 5 ein Resultat, welches zwischen 
die älteren Angaben fällt, aber der Messung des spanischen 
Astronomen Don Jorge Juan' am nächsten kommt. Die 
Länge der von mir gemessenen Standlinie , tausend sieben 
hundert zwey Meter (875 Toisen), die Natur der Winkel 
und die Güte meines Ramsdenschen Sextanten lassen mich 
hoffen, dafs meine Höhenbestimmung des Chimborazo nicht 
gar viel von der Wahrheit abweicht. 

Der Gipfel dieses kolossalischen Gebirges hat , Trotz der 
Verschiedenheit des Gesteins, einige Ähnlichkeit mit der 
Physionomie des Montblanc. Er ist ein grofses Rugelseg- 
ment , eine Foi^m , welche auf dem beyliegenden Profile , 
der geringen Distanzscale wegen , nicht hat ausgedrückt 
werden können. Eine Landschaft , welche für meine Reise- 
beschreibung bestimmt ist , wird den Chimborazo in seiner 
wahren Gestalt malerisch darstellen. 

Hinter dem Chimborazo ei^hebt sich in der Zeichnung ein 
fünftausend sieben hundert zwey und fünfzig Meter (apSa 



1 



P^iaje a la America merid. p. f)8. (Ed. franp., T. II ^ p. 114.) 



^ 



DER TROPE^JLANDER. 5i 

■ Toisen) hoher, vulkanischer Regelberg, der Cotopaxi (nebst 
dem Tungurahua und dem Sangay), gegenwärtig der ver- 
heerendste aller feuerspeyenden Berge von Quito. Er ist 
fast fünfmal höher als der Vesuv , ein Hügel , der kaum eilf 
hundert sieben und neunzig Meter (61 5 Toisen) erreicht.- 
Doch ist der Cotopaxi noch nicht der höchste Vulkan auf 
unserm Planeten : denn er steht dem Antisana an Höhe - 
nach 5 dessen dickbeeister Gipfel sich fünf tausend acht 

\ m 

hundert zwey und dreyfsig Meter (3995 Toisen) über der 
Meeresfläche erhebt und mehrere kleine Öffnungen hat , 
von denen ich eine im März 1803 rauchen sah. In der Natur 
selbst ist der Cotopaxi entfernter vom Ghimborazo als er 
es in dem Profile zu seyn scheint. Wenn in demselben die 
wahren Horizontaldistanzen angegeben 5 wenn es (wie rnein' 
geognostischer Atlas) die Unebenheiten des Bodens in einer 
bestimmten Gegend treu darstellen sollte : so hätte ich statt 
des Cotopaxi den dem Ghimborazo nahen Vulkan Garguei- 
razo abbilden sollen. Aber ausserdem dafs dieser in der 
schreckenverbreitenden Nacht des igten Julius 1698 fast 
ganz eingestürzt ist , und in den Trümmern seiner alten^ 
Gröfse Avenig Interesse einflöfst, so "bewogen mich auch 
andere Grunde dem Cotopaxi den Vorzug zu geben. Dieser 
Vulkan war es , dessen krachenden unterirdischen Donner 
wir in dem Hafen von Huayaquil fast in jeder Minute 
vernahmen, während ich mein Naturgemälde der Tropen 
entwarf. Ungeachtet der Crater ' des Cotopaxi zwej un 




' Ich habe den Crater des Cotopaxi ohngefähr neun hundert und drejfsJg 
.Meter (478 Toisen), den von Rucupichincha (gleichsam Vater -Pichincha, der 



§■ 






2 



NATUHGEMALDE 



I r 

vierzi2 Seemeilen von uns entfernt war, so liörten wir doch 
sein brüllendes Getöse (los braniidos del Cotopaxi nennen 
es die Einwohner) wie den Donner des schweren Geschü- 

tzes. Im Jahr 1^44 v^^^^^t*^^ man dasselbe in zwey hundert 
und zwanzig Seemeilen Entfernung, bis gegen Honda und 
Monpox am Madalenen-Strome hin. Hätte der Vesuv gleiche 
Intensität des vulkanischen Feuers , oder gleiche unterir- 
dische Verbindungen : so müfste man sein Krachen , der 
Analogie nach, bis Prag oder Dijon gewahr werden. 

Die Höhe, zu wekher im Profil der Rauch des Cotopaxi 

j , ■ 

in die Luft steigt , ist nicht willkührlich , sondern nach 
wirklichen Messungen angegeben. La Condamine , dessen 
Werk ein schwer najchzuahmendes Muster von Genauigkeit 
ist, fand, dafs die Flamme im Jahr 1738 über neun hun- 
dert Meter (fast 2800 Fufs) hoch über dem obern Rande 
des Craters aufloderte. Während dieser Explosionen speyt 
der Cotopaxi , wie andere Vulkane des Königreichs Quito , 
eine ungeheure Masse süfsen, oft mit geschwefeltem Hydro- 
;en geschwängerten Wassers , mit Kohlenstoff durchdrun- 
genen Letten und Fische ' , welche kaum von der Hitze 
verunstaltet sind und zum Geschlecht Pimelodes gehören. 
Es bedarf kaum des Erwähnens , dafs die Px^ojection der 



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Alte, im Gegensatz des Guagua oder des jungen PicTiinclia) tausend vier hun- 
dert drey und seckzig Meter (701 Toisen) im Durchmesser gefunden. Der 
Crater des Vesuv .soll, im Jahr 1801, etwa sechs hundert und sechs Meter 
(5 12 Toisen) hreit gewesen seyn. ■ 

^ Pimelodes Cyclopum. S. das erste Pleft meiner Eeohachtungeu aas der Zoo- 
logie tind vergleichenden Anatomie,. i 



DER TROPEN LÄNDER. 55 

Cordillere blos an einen Höhenmaasstab gebunden ist ; dafs 
aber dieselbe Scale nicht für die horizontalen Entfernungen 
gelten kann. Die höchsten Berge der Ei^de sind so unbe- 
trächtlich 5 wenn man ihre Höhe mit den Entfernungsgröfsen 
vergleicht, dafs der Chiuiborazo , zum Beyspiel , in einer 
Zeichnung, welche auf dem gröfsten Atlasforniat eine Land- 
strecke von zwey hundert Meilen darstellen sollte , noch 

j 

nicht vier Millimeter (2 Linien) hoch ausfallen würde, 
wenn einerley Maasstab für die Ordinalen und Abscissen 
dienen sollte, Wollte mau andrerseits nach der Höhenscale 
meines Profils, ich sage nicht ganz Süd-Anierita in seiner 
Breite, sondern blos den schmalen Landstrich zwischen der 
Südsee und dem westlichen Abfall der Cordillere projiciren: 
so müfste das Profil fast vierzigmal länger als das Format 
dieses Werkes seyn. Wenn man daher einen beträchtlichen 
Theil der Erdoberfläche in Durchschnitten darstellen will , 
um die Construction der Gebirge aufzuklären : so mufs 
man die Idee aufgeben den Höhen- und Distanzscalen einer- 
ley Gröfse zu geben ; ein Umstand, der allerdings den 



"1 



Nachtheil hat , dafs bey der nothwendigen Verengerung 
aller Breitenverhälinisse die Gebii^gsabhänge zu steil aus- 
fallen. Eine solche widersinnig scheinende Verzerrung der 
Umrisse darf aber diesen Länderprofilen so wenig als der. 
geographischen Mercator-Projection vorgeworfen werden , 
da es in Arbeiten dieser Art auf strenge Befolgung fester 
Regeln, und nicht auf malerische ÄhnUchkeit ankommt An 
einem andern Orte , in meinem Versuche einer geognos- 
tischen Pasigraphie , oder in meinem physikaUschen Atlas 



54 N A T ü R G E M Ä L D E 



I I 



Werde ich Gelegenheit haben die Natur dieser Profile näher 
zu erörtern. 

Den östlichen Abfall der Cordillere stellt die Zeichnung 
etwas sanfter als den westlichen vor. Dieser Unterschied 
existirt in dem Theile ^ durch welchen ich die schneidende 
Fläche gelegt habe. Doch bin ich weit davon entfernt zu 
glauben , dafs die ganze Andeskette überall diesen steilern 
Abfall gegen Westen darbietet , wie Buffon und andere 
berühmte Physiker annehmen. Wer des Landes genau kun- 
dig ist , weifs wie w^enig man sich es erlauben darf über den 
fast unbesuchten westlichen Abhang zu entscheiden , und 
wie leicht es ist Nebenketten und einzelne Gebirgsstöcke 
mit dem hohen Pvücken selbst zu verwechseln, der die gren- 
zenlosen , flufsreichen Waldebenen des Beni , Puruz und 
Ucayale von dem schmalen Küstenlande trennt. Die Cordil-^ 
lere übei^steigend , — einmal von Westen gegen Osten, vom 
eisigen Paramo des Guamani , wo man auf drey tausend drey 
hundert Meter (1704 Toisen) Höhe , der Cyclopen-Construc- 
tion ähnhche Ruinen eines Ynca-Pallastes sieht, herab gegen 
den Chinchipe und Amazonen-Flufs; und das andere Mal, 
von Osten gegen Westen, von Jaen de Bracamorros über Mi- 
cuipampa gegen die Südsee hin, —habe ich deuthch bemerkt, 
dafs unter dem 3ten und 6ten Grade südlicher Breite der 
östliche Abhang der Andes minder sanft als der westliche ist. 
Herr Hänke, ein genauer und scharfsichtiger Beobachter, 
behauptet eben dieses' von den fruchtbaren Thälern von 

Mn einem Maniiscripte (Statistik von Cochabamba), das mir der gelehrte 
Möncb Cisuero in Lima geliehen. 



DER TROPENLANDER. 55 

Cliiquitos und Cochabaniba. Im Königreich Neu-Grenada, 
unfern der Hauptstadt Santa-Fe-de -Bogota , ist der östliche 
Abhang der Gordillere so steil , dafs kein Indianer noch 
vom Gebirge Chingasa herab in die Ebenen (Grasfluren) 
von Casanare hat gelangen können. 

Die Kluft, welche ich auf dem östlichen Abfall der An- 
deskeite angedeutet, erinnert den Beobachter an jene engen, 
schauervollen Thäler, welche wahrscheinlich Erdstöfsen und 
vulkanischen Explosionen ihren Ursprung verdanken. Einige 
derselben sind so tief eingefurcht, dafs der Vesuv, die 
Schneekoppe und der Puy-de-Döme, in sie versetzt, noch 
nicht mit den Gipfeln der Höhe der Thalmauern gleich- 
kommen würden. Das wehren seiner furchtbaren Hitze weit 



Q 



send fünf hundert sechs und sechzig Meter (48^4 Fufs), 
das Flufsthal des Cutacu in Peru über tausend vier hun- 
dert Meter (4^00 Fufs) tief, ungeachtet der Boden dieser 
Schluchten noch um eben so viele Fufs über der Meeres- 
fläche erhaben ist. Die Breite dieser Thäler ist oft nicht 
über acht hundert Meter (4ii Toisen), und sie stellen dem 
Geognosten das Bild ungeheurer, unausgefüllter Gänge dar. 
In Europa ist eins der tiefsten Thäler unstreitig das von 
Ordesa am Älont-Perdu in den Pyrenäen, welches nach 
Ramond acht hundert sechs und neunzig Meter (459 Toi- 
sen) mittlerer Tiefe hat. 

Am östhchen Ende meines Profils ist die Küste des atlan- 

I 

tischen Oceans angedeutet.' Um zu zeigen, wie viel länger 
dieser Theil der Zeichnung seyn sollte, ist die unermefsliche 



^ -. 



56 NATURGEMALDE 

Ebene , welche der Amazonen-FIafs und der Gnamia (Rio- 
Negro) begrenzen, imterbrocheji yor^esteWt^ 

So viel von den geognostisclieji Phänomenen , welche 
ich in dem Gontour des Profds auszudrücken gesucht. Im 
Innern desselben habe ich die Geographie der Tropen- 
pflanzen in dem gröfsten Detail entwickelt , welches der 
Raum, eines einzigen Blattes gestaltet. Diese Arbeit gründet 

, sich auf eigene Beobachtungen ; denn sechs tausend zwey 
hundert verschiedene Species von Aquinoctial -Gewächsen 
haben wir , mein Reisegefährte Bonpland und ich , in fünf 
Jahren auf unseren Excursionen iii Süd- Amerika , Mexico, 

.und der Insel Cuba gesammelt. Da wir zu gleicher Zeit 
astronomische , geodesische und barometrische Messungen 

.angestellt : so können wir nach den Journalen unsrer Expe- 
dition fast für jede gesammelte Pflanze Breitengrad, Maxi- 

.. muni und Minimum der Standhöhe über der Meeresfläche, 
Temperatur der Luft und Beschaffenheit des Bodens und 
Natur der in der Nähe anstehenden Gebirgsart angeben. 

- Den Compafs in der Hand, habe ich , nach Angabe unserer 
Manuscripten, in das Profil von Süd- Amerika voi^züglich die 
Pflanzen eingetragen, denen die Natur sehr bestimmte Hö- 
hengrenzen .anzuweisen scheint. Jeder Name ist nach der 
beystehenden Meter- und Toisenscale in die dem bezeieh- 

r 

neten Gewächse zukommende Höhe gesetzt. Wenn eine 
Pflanze auf dem Abhänge der Cordillere eine breite Zone 

\ r 

einnimmt: so ist diefs oft dadurch ausgedi-ückt worden, dafs 
der Name der Pflanze schräe; geschrieben ist. Wenn fast 
alle bisher bekannte Arten einer Gattung in einer Höhe 



b 



■^ - 



DER TROPENLÄNDER. - Sj , 

r 

wachsen, so hat man sich begnügt, den blofsen generischen 
Namen aufzuzeichnen. So finden sich unter dem Äquator 
die Escallonien , TVintera , Befaria und Brathys ^ nur auf 

* 

;rofsen Höhen der Andeskette , .während dafs Mahagony 
iSwitenia)^ Brasilet (Ccesalpinia) ^ Bombax^ und besonders 
Cocollahay Ancennia und Mangle {BhizopJiora) ^ nur In 
tieferen Ebenen und am Meeresstrande wachsen. Die Enge 
des Raumes, den ich zu benutzen hatte, gestattete mir nur 
wenige Arten zu nennen. Solke dieser Versuch hinlängli- 
ches Interesse erregen , so kann ich in der Folge botanische 
Special - Karten liefern, zu denen bereits alle Materialien 
gesammelt sind. Im beyliegenden Profile war es unmöglich 
über hundert und fünfzig Arten von Melastoma^ sechs und 

■ X 

achtzig von Molina , acht und achtzig von Eupatorimi% , 
vierzig Lobelien, zwey und fünfzig Calceolarien und über 

E -. 

vier hundert Grasarten, welche wir in der Tropenregion 
beobachtet, in den ihnen zukommenden Höhen aufzuzeich- 
nen. Bisweilen habe ich den Namen derselben Gattung 
, mehrmals wiederholt , um dadurch anzudeuten, dafs einige 
^ Arten derselben auf fünf hundert Meter (aSö Toisen), an- 
dere auf drey tausend Meter (i559 Toisen) Höhe wachsen. 
Da wir dazu erst seit wenigen Monathen in Europa zurück 
sind : so habe ich es nicht wagen können eine grofse Zahl 

I 

neuer Gattungen hinzuzufügen , die wir bald beschreiben 

> werden, über deren Benennung wir aber noch unschlüssig 

; sind. Ich habe blofs einige aufgeführt, welche in dem ersten 

und zweyten Heft vmserer Plantce (ecjuinoctiales erscheinen 

und jetzt gestochen werden, als Cusparia febrifuga (der 

8 



58 ' NATÜRGEMÄLDE 

wohkhätige Baum, welcher den cortex angosturw liefert :. 
eine neue Gattung, follis ternaüs et altemis)^ die Matisia 
cordatüy und die Wachspalme , Ceroxylon andlcola, über 
welche Bonpland dem National-Institut so eben eine ei£;ene 



_^ 



Abhandlung vorgelesen hat. - 

Um die Vertheilune der Gewächse auf dem Erdboden 
unter einen allgemeinern Gesichtspunkt zu stellen , habe 
ich meine botanische Karte in Regionen abgelheik , von 
derren jede die analogen , in einer Höhe vorkommenden , 
Pflanzenformen in sich begreift. Die Napien dieser Regio- 
nen sind mit gröfserer Schrift bezeichnet, wie die Namen 
der Provinzen in den geographischen Landkarten. 

Wenn man sich von dem Innern des Erdkörpers , oder 
von der Tiefe der Höhlen zu den beschneyten Gipfeln der 
Andes erhebt : so trifft man zuerst auf die Region der un- 
terirdischen Pflanzen, Der untere Rand des Profus nennt 
einige dieser kryptogamischen Gewächse, deren wunderba- 
ren Bau Scopoli zuerst ei^forscht hat, und die ich in meiner 
frühern Jugend in einem eigenen Werke ^ bearbeitet habe. 
Specifisch von den Kryptogamen verschieden, welche man 
auf der Oberfläche der Erde findet, scheinen sie, wie eine 
grofse Zahl dieser letzteren , unabhängig vom Breitengrade 
und dem Rhma. In tiefe Nacht gehüllt, dem Reitze des Son- 
nenstrahles fremd, Stickgas und brennbare Luft aushauchend, 
breitet sich ihr flockiges Gewebe über das feuchte Gestein 
unterirdischer Höhlen, und über die alternde Zimmerung der 



* Floree Fnbergensis Specinien, plantas ciyptogamicas prcesertim suLterra- 



neas recensens; 1790 



V 



,4 



« 



V 



DER TROPEN LAND ER. 5^ 

r 

/ 

Bergwerke aus. In denen von Neu-Gränäda und Mexico, ja 
selbst in der südlichen Heinisphäre , in den peruanischen 
Gruben von Hualgayoc , habe ich dieselben Flechten- und 
Schwamm -Arten entdeckt ( Boletus ceratophora ^ Liehen 
verticillatus y Boletus botrytes, Gymnoderma sinuata, Byssus 
^speciosa)^ y^elche ich in den Bergwerken von England, 
Deutschland und Italien beobachtet. In gleicher Tiefe mit 
diesen unterirdischen Rryptoganlen , vegetlren im ßnsteivi 
Meeresgrunde Fucus - und Ulven- Arten, die sich oft an 
das Senkbley anhängen , und deren frisches Grün dem 
Physiker eine räthselhafte Erscheinung darbietet. 

Wenn wir die zahllose Menge unterirdischer Pflanzen 
verlassen, finden wir uns auf einmal in eine Zone versetzt, 
in welcher die Natur die prachtvollsten Gestalten ent- 
wickelt, und sie zu den schönsten Gruppen vereinigt hat. 
Hier ist die Region der Palmen und Pisang - Gewäehse^ 
welche von der Meeresfläche bis tausend Meter (5i4 Toi- 
sen) hoch auf das Gebirge hinansteigt. Hier herrschen 
fast ausschliefsUch Musa , Heliconia , Alpinia , die wohlduf- 
tendsten Lilien und das Gebüsch schlankstämmiger Palmen. 
Der Balsambaum von Tolu , Hymeneen , die schildblättrige 
Cecropia y Theophrasta , Plumeria , Mus cenda , und die 
Caspare oder Quina von Cai^ony, v( 

Kraft. Vom glühenden Sonnenstrahle getrofferi , bedecken 
das dürre Sandufer Allionia , Conocarpus , Comolmlus 
littoralis ^ Con^ohulus brasiliensis ^ Talinuin^ Avicennia ^ 
Cactus peiresUuy und Seswium portulacastrum. An den 
Plufsufern rankt die Aristohchia cordißora, deren Blume 



^ 



6o N'A T ü R G E M A L D E 

oft volle drey und vierzig Centimeter (16 Zoll) im Durch- 



messer 



hat. 



Einige Gewächse dieser Region zeigen sonderbare, wenn 
gleich nur scheinbare Abweichungen von den allgemeinen 

t 

Gesetzen der geographischen Pflanzenvertheilung. Die süd- 
amerikanischen Palmen werden , wie die des alten Ronti- 
nents , durch Mangel der Wärme gehindert über tausend 
Meter (5i4 Toisen) hoch an dem Abhänge der Gebirge 
anzusteigen. Ein einziger Palmbaum der Andeskette bietet 
die wundersame Erscheinung dar, dafs er, von allen ande- 
ren Arten seiner Familie entfernt, erst in der Höhe der 
.Scheideck und des Gothards- Passes beginnt, und sich mit 
üppigem Wüchse fast bis zu der doppelten Höhe der 
Schneekoppe verbreitet. 

Der Anblick einer solchen Alpenpalme in den Schnee- 
bergen von Quindiu , unter 4'' Ss' nördlicher Breite, hat 
uns auf das lebhafteste überrascht. Ihr oft fünfzig Meter 
( fast i6o Fufs ) hoher , schwarzgeringelter Stamm glänzt 
von reinem Wachse , welches Herr Vauquelin unter meh- 
reren anderen Produkten unserer Expedition , chemiscl 
untersucht hat. Diese Wachspalme {Ceroxylon andicola ) 
haben wir in den Andes von Quindiu und Tolimala , 
zwischen Eichen und Wallnufsbäunien , in einer Berghöhe 
von achtzehn hundert bis zwey tausend acht hundert 
Meter (zwischen goo und i5oo Toisen) beobachtet. 

In der spanischen Beschreibung der Seefahrt des Admiral 
Cordoba wird gesagt', dafs man eine Palme in den engen 
Schluchten der magellanischen Meerenge, unter dem 53sten 



1 



/ 






DER TROPENLANDER. 6i ' 

I 

Grade südlicher Breite (also in einem Klima, das nicht viel 
milder ist als das von Nord-Deutschland) gefunden habe. 
Diese Nachricht, w^elche mir in der Havana ein Gefährte 
von jener Expedition mündlich bestätigt hat, ist um so 
auffallender 5 als es selbst unbotanischen Augen unmöglich 
scheint, eine Palme mit irgend einem andern Baume, als 
höchstens mit einem hochstämmigen Farrenkraute zu ver- 
w^cchseln , dessen Existenz in einem so kalten Klima 

r 

nicht minder sonderbar wäre. In Europa wächst der ein- 
heimische Chamcerops j und die eingeführte afrikanische 

L 

Dattelpalme, nicht nördlicher als 43^ 4<^'- 

Bananen-Gewächse {plantce scitaminece) und die bisher- 
bekannten Heliconien wachsen unter den Tropen nicht 
höher als auf Gebirgsabhängen von vier bis fünf hundert 
Meter (etwa i4oo Fufs). Um so mehr sind wir erstaunt, 
als wir nahe am Gipfel des sogenannten Sattel-Felsens von 
Caracas (la Silla, oder el Gero de Avila, nahe bey CaravaU 
leda), zwey tausend ein hundert und fünfzig Meter oder> 
6600 Fufs hoch über dem Meere, ein Pisang- Gewächs fan- 
den , das über vier Meter (13 Fufs) hoch war, und ein 
so dickes Gebüsch bildete, dafs unsere Indianer die gröfste 
Mühe hatten , uns mit der Axt einen engen Fufsweg zu 
bahnen. Wir fanden diese Pflanze nicht blühend , aber 
dem ganzen Habitus nach ist es eine neue Species von 
Hellconiaf welche diese Bergkälte erträgt, und das seltene 
Beyspiel eines von Alpenpflanzen umgebenen Bananen- 
Gewächses darbietet. > . . 

Sesunuin portulacastrum bedeckt die Meeresküsten von 



03 NATUHGEMÄLDE 



jt 



.'Cumana, wie die unfreundlich kalte Gebirgsebene von Pe- 
rote im. Königreich Neu - Spanien ; eine Ebene , welche 
zw6y tausend drey liundert und vierzig Meter (1200 Toisen) 
über dem Meere erhaben , und mit efflorescirender Kohlen- 

1 '- r 

und Kochsalzsaurer Soda angefüllt ist. Pflanzen der Salz- 
Steppen scheinen , wie Wassergewächse , unempfindlicher 
gegen Klima und barometrischen Luftdruck zu seyn. 

Unmittelbar über der Region der Palmen und Bananen- 
Gewächse liegt die Region der baumartigen Farrenlirüuter. 
Dieser Erdstrich ist zugleich auch die Region der Fieber- 
rinde , nur mit dem Unterschiede , dafs die baumartigen 
Polypodien, dem gemäfsigten Klima treu, sich auf die Zone 
zwischen vier hundert und sechzehn hundert Meter (1200 
und 4800 Fufs ) beschränken , und selten zu gröfseren 
Höhen an den Gebirgsabhängen heransteigen. Mehrere 
China - Arten ( CincJwna ) hingegen bedecken die Andes- 
kette bis zwey tausend neun hundert Meter (1487 Toisen) 
Höhe. Die orangenfarbene und gelbe Fieberrinde (CincJiona 
lanceifolia und Cinchona cordifolia des Mutis) scheuen die 
Eergkälte so wenig, dafs mau sie in Höhen antrifft, welche 
denen des Watsmann in Tyrol, oder des Canigou bey Per- 
pignan gleich sind. Das Thermometer sinkt hier fast bis 
zum Eispunkte herab. Die Cinchona- Arten, welche dagegen 
das heifse Klima am leichtesten ertragen , und defshalb 
am tiefsten in die Thäler herabsteigen, sind die roth 

oblongifolia) ^ die ungleichblüthige {Cin- 



/' 



lifli 



DER TROPENLÄNDEB. 65 



gesehen, welche kaum sieben hundert und vierzig Metei'. 
(579 Toisen) über der Meeresfläche erhaben sind. Die ■ 
berühmte Fieberrinde von Loxa, welche von der Cinchonä 



iß 



¥ 



perußiia ähnhche Art ist, wächst zwischen neunzehn hundert 
und zwej tausend fünfhundert Meter (looo und i3oo Toisen). 
Höhe. Sie ist bisher blofs zwischen 3° 5o' und 5*" i4' süd- 
hcher Breite entdeckt: nämlich in der Provinz Loxa , blofs 
zwischen den Bergflüssen Zamora und Cachiyacu ; in der 
Provinz Jaen de Bracamorros , um das kleine indianische 

u 

Dorf Sagique, und iin nördlichen Theile von Peru, um 
Huancabamba ; während dafs die orangenfarbene China , 



di 



le r 



iiß 



den von einander entlegensten Theilen der andesischen 



/ 



welche wir in dem zweyten Hefte unserer Plantce cecfui- 
noctiales^ unter dem Namen Cinchonä condaminea beschrei- 
ben , um nicht neuen Misverstand durch den Ausdruck 

I 

Cinchonä officinalis "^ jm verursachen, wächst auf Gnelfs 
und Glimmerschiefer, auf feuchtem aber felsigem Boden. 



TT 



^ Linnens Cinchonä officinalis ist ein Gemisch drejer Species, der Cascarilla 
fina von Loxa, welche La Condamine , ^venn gleich etwas unvollkommen, 
gezeichnet, und der Cinchonä lanceifolia und Cinchonä cordifolia, welche Herr 
Mutis zu verschiedenen Zeiten nach Upsal sandte. Cinchonä macrocarpa Vahl, 
ist die Mutische Cinchonä ovalifolia, die mit sechs bis sieben Staubfaden variirt, 
und welche Linne wahrscheinlich nie sah. Die Cinchonä lanceifolia Mut, die 
wahre Calisaja von Santa -Fe, nennt Ruiz Cinchonä angustifolia , und hat sie 
unter diesem Namen in Supphmmto a la Quinologia, 1801, p. 21, gut abge- 



^■. 



64 RATUHGEMÄLDE 

Jahrhunderte lang auf das unbedachtsamste von den China- 
Schälern ( Cascarilleros) verfolgt , . Ist sie selbst In den 
berufenen Chinawäldern von Caxanuma und Uritusingu so 
selten geworden , dafs man In einer Tagei^else oft nur 
wenige Stämme davon sieht. Gegenwärtig werden auf Be- 
fehl der Regierung nur wenige Bäume dieser Species (viel- 
leicht kaum neun hundert) jährHch gefällt, während dafs 
vor 1779 man oft in einem Jahi^e fünf und zwanzig tau- 
send zerstörte. 

. Mehrere Reisende haben versichert. Chinabäume in den 
kältesten Gebirgsebenen (Paramos), nahe am ewigen Schnee, 
etwa vier tausend sechs hundert Meter (sSSS Toisen) hoch^ 
angetroffen zu, haben. Aber wahrscheinlich hat botanische 

. Unkunde einige Arten grofsblättriger Weinmannien , oder 
die Wintera grenadensis mit dem Genus Cuicliona ver- 
wechselt, well jene Alpenpflanzen, wegen ihres häufigen 
Gerbestoffs (tannin), bisweilen ebenfalls mit Vorthell als 
Fietertreibende Mittel In den spanischen Colonien gebraucht 
werden. Wir haben keinen wahren Chinabaum tiefer gegen 

. das Meer hin, als sieben hundert Meter (5^9 Toisen), 

und höher als zwey tausend neun hundert Meter (1487 

,ToIsen ) gesehen. . Denn . mehrere Pflanzen der heifsen 



r 

bildet. Mit dieser Species ist synonym die Clnchona nitida Flor. Peruv. , welche 
Ruiz sonst Cinchona ojßcinalis nannte, wie aucli (nach Zea) Cinchona lanceo- 
lata Flor. Per. , oder Cinchona glabra Kuiz. Die Cinchona ovata Flor. Per. ist 
die Cinchona cordifolia Mnt. , nnd Cinchona longißora Mut. ist identisch mit 
Cinchona grandiflora Flor. Per. Die Cinchona dissimilißora hat stamina eocserta, 
J'olia qhlongo-cordata, und corollce limbum tuho longiorem. Die Cinchona an- 
gustifolia des Swartz ist nicht mit Cinchona angustifolia Ruiz zu verwechseln. 



DER TROPENLANDER. 65 

meeresgleichen Ebenen , als zum Beispiel die Fieberrinde 
der Philippinen , welche unser verewigter Freund Gavanilles 
beschrieben, Forsters China der Südsee', und der so eben 
in der Insel Cuba, in dem wasserreichen Thale der Guines 
entdeckte , und für Cinchona gehaltene Baum , gehören 
wahrscheinlich zu einem der Cinchona nahen , aber von 
ihr verschiedenen Geschlechte. 



X. 



Ahnliche chemische Produkte werden oft von Pflanzen 
erzeu2t, die in ihrer äussern Struktur OTofse Verschieden- 
heit zeigen. Caoutschuc wird aus den Säften der Ficus , 
der Hevea ^ der Cecropia^ der Castilloa^ mehrerer Euphor- 
bien^ und einer baumartigen Lohelia abgeschieden. Garn- 
pher ist in Pflanzen enthalten , welche nicht einmal zu 
einer Familie gehören. In Asien findet er sich in einem 
Lauras ; in Süd-Amerika hat ihn Hänke bey Ayopaya , in 
den fruchtbaren Gebirgen von Cochabaraba , in einem didy- 
namischen Strauche entdeckt. Die Frucht der Myrica 
cerifera gibt dasselbe Wachs , welches der Schaft der 
Wachspalme {Ceroxylon andicola) ausschwitzt. Eben so 
scheint das fieberhellende Princip der China ^ gleich dem 
GerbestofFe und der Galbussäure , in ganz verschiedenen 
Pflanzengeschlechtern enthalten zu seyn. Der Cusparebaum 
der Ebene von Carony und Upatu ( dieses langblättrige 
prachtvolle Gewächs , welches den Cortex angosturcB oder 
die guayanische Fieberrinde liefert) gehört nicht zu dem 
Genus Cinchona, Eben so wenig gehört dazu die Cuspa 

5 China philippica, Cav. Icon. IV, t. Sag. China corjmhifera, Forst Acta Upsal. 
Nov. III, p. 176. 

9 



66 NATURGEMÄLDE ^ 

oder Chma von Curnana , deren Blüthe wir uns frey- 
lich noch nicht haben verschaffen können , welche aber 
wechselsweise stehende Blätter {folia alterna) und keine 
Spur von Afterblättern {stipulce) hat. Dennoch würde ein 
Chemiker leicht die Infusion der Cuspa mit der gelben 
Fieberrinde von Santa-Fe {China cordifolia^ Mutis) ver- 
wechseln. Westlich von Popayan , an den Küsten des 
Südmeers, bey Atacamez, wächst ein Baum, dessen Rinde 

inschaften der Cincliona und tVintera hat , und 
doch wahrscheinlich zu keinem dieser beyden Geschlechter 
gehört. Die Fieberrinde von Cayenne gibt die Coutarea^ 
ein Aublet'sches Genus, zu dem die Port landia heopandra "^ 
gehört. Die Organe aller dieser Pflanzen , welche in den 
heifsesten Thälern fast in gleicher Höhe mit der Oberfläche 
des Meeres wachsen , bilden Produkte , die , ihren che- 
mischen Bestandtheilen nach , denjenigen analog sind , 
welche die Cinchona- Arten an unYreundlich kalten Berg- 
gehängen zwey tausend acht hundert Meter {il\S^ Toisen) 
hoch hervorbringen. 

In der Beschreibung meiner Reise nach den Tropen- 
ländern von Amerika , denke ich eine botanische Special- 
Karte über das Genus Cinchona herauszugeben. Diese Karte 
zeigt alle Standorte dieser wohlthätigen Pflanze in beyden 
Hemisphären an. Man erkennt auf derselben wie die Cin- 
chona- Arten sieben hundert Meilen lang, vom zwanzigsten 
Grade südlicher Breite, bis zum eilften Grade nördlicher 



* Ventenat, Tableau. du Regne vegetal^ II, p. 578. 



V 



DER TROPENLInDER. 67 



/ 



Breite , auf der Andeskette gruppenweise vertheilt sind. 
Der ganze östliche Abfall dieser Rette, südlich von Huanuco, 
bey den Bergwerken von Tipuani, um Apollobamba und 
Yuracarees, ist ein zusammenhängender China -Wald. Hänke 
hat ihn bis Santa -Cruz-de-la-Sierra verfolgt. Die Cinchona 
scheint nicht weiter östlich gewandert zu seyn ; denn in 
den brasilianischen Gebirgen hat man sie noch nicht ent- 
deckt , ob diese gleich , wie oben bemerkt worden ist , 
durch den Bergrücken von Chiquitos mit den Andes von 
Potosi zusammen hängen. Von der hohen Gebirgs-Ebene 
von La Paz verbreitet sich das China -Gebüsch nördlich 
durch die peruanischen Provinzen Guailas und Guamalies 
bis Huancabamba und Loxa. Ein Arm dieses Gebüsches 
läuft gegen Osten durch die Provinz Jaen , wo um die 
berufene Flufsenge (Pongo) von Manseritsche die Uferhügel 
des Maranion mit Cinchona -Stämmen bekränzt sind. Von 
den anmuthigen Thälern um Loxa an , dem Garten der 

r 

Andesischen Gebirge , erstreckt sich die Fieberrinde durch 
das Königreich Quito bis Cuenca und Alausi. Der westliche 
Abhang des Chimborazo ist reichlich damit bedeckt; aber 
auf dem hohen Plateau von Riobamba und Quito , wie 
auf dem der Provinz Pasto , bis Almaguer hin (in diesem 
Thibet der Südzone), scheint dies köstliche Produkt gänz- 
lich zu fehlen. Sollten Erdbeben und die grofsen vulkani- 
sehen Katastrophen , welche diese kalten Gebirgsebenen 
seit Jahrtausenden erleiden , die Zahl der Pflanzenformen 
vermindert haben ? Sollten bey diesem gänzlichen Umsturz 
grofser Landesstrecken viele Arten untergegangen seyn ? 



68 :natürgemälde 



We 



Q 



nigfaldg ist , als in anderen Gegenden ^ welche eben so 
hoch über der Meeresfläche erhaben sind, und ein nicht 
minder unfreundliches Klima haben. Nördlich von Alma- 
guer^ in der Provinz Popayan , findet man beyde Abhänge 
der Andeskette auf einmal wieder mit China - Gebüschen 

— - '- Hl - ' d 

geschmückt. Fast ununterbrochen verbreiten sie sich durch 



Q 



Eb 



die fruchtbaren 



Berggehänge um Mariquita , Guaduas und Pamplona , bi^ 
zu dem meernahen Gebirge von Santa-Martha undMerida, 

in dem heifse Schwefelquellen unter ewigem Schnee her-: 
vorbrechen. 

, Der Sattelberg voii Caracas (la Silla de Avila) und das 
Bergplateau der Provinz Neu - Andalusien , zum Beyspiel 
die Gegend um das Rapuzinerkloster von Caripe , die 
Sandsteingebirge des Tumiriquiri , und die berufene Fels^ 
schneide (Cüchilla) von Guanaguana , sind alle dreyzehu 
hundert bis zwey tausend fünf hundert Meter (700 bis 
i3oo Toisen) über der Meeresfläche erhaben. Sie geniefsen 
gerade das angenehme Mittelklima, in welchem man nie 
der Hitze oder Kälte ausgesetzt ist , und in der die Cm- 
cJiona am besten gedeiht. Das Königreich Neu -Spanien 
hat ebenfalls Gebirgsabhänge , deren Boden - Höhe und 
andere physikalischen Verhältnisse genau denen der Provinz 
]Loxa und anderer chinareichen Länder ähnlich sind, Den- 
noch hat man weder in der Provinz Neu - Andalusien 



DER TROPENLÄNDER. 69 

^ 

(Cumana), noch In Mexico , bis jetzt eine CInchona-Art 
entdeckt, Vielleicht Hegt die Ursache dieser sonderbaren 
Erscheinung in der geringen Höhe der Hügel , welche an 
die hohen Gebirge von Guamocö und Santa-Martha gren- 
zen. Die Andeskette fällt plötzlich ab , ja sie yerschwlndet 
fast ganz zwischen dem noch W^^iig bekannten Golf von 
Cupique und der vielarmigen Mündung (dem Delta) des 
Atracto. Die Landenge von Panama ist niedriger als die 
geringste Höhe in der die Cinchona wächst. Vielleicht hat 
diese wohlthätige Pflanze in ihrer Wanderung gegen Norden 
unübersteigliche Hindernisse in deiii allzu heifsen RHma 
der angrenzenden Länder gefunden? yiellelcht würden die 
Gebirge yon Caracas und Paria , wie die von Mexico , niit 
China-Büschen c;eschmückt seyn , wenn der Rücken der 
Andes In deicher Höhe von den Schneebergen von Santax 
Martha 5 gegen Osten/ und von denen von Tolima und 
Erve , £eo;en Norden , fortliefe. Diese Gründe bietet die 
Naturlehre dar. Aber Ist das Factum selbst unbestreitbar 7 
mufs man die Hoffnung ganz aufgeben , dafs nicht künftig 
einmal In dem Dickigt der Wälder von Xalappa 5 östlich 
von der Stadt Mexico , China entdeckt werden sollte : uni 
Xalappa, wo auf jeden Schritt Milde des Rlima's 5 Luft- 
feuchtigkeit , Felsboden , baumartige Farrenkräuter , hohe 
immerblühende Melastomen , und viele andere , mit der 
Cinchona In Neu -Grenada und Peru gesellig wachsende 
Pflanzen, dem Botaniker diese Entdeckung zu verkündigen 
scheinen ? Der Ostküste von Süd -Amerika hat die Natur 
in der Coutarea, dem Königreich Neu -Spanien, in einer 



V 



^4 



5 



jo NATUR GEMÄLDE 

r 

üehertreihendeh Portlandia , welche Sesse beschreiben wird 
und den nordamerikanischen Freystaaten, in dem Michaux- 
schen Genus Pinhuea'^ (Bartrams Musscenda bracteolata) ^ 
Pflanzenformen gegeben , welche der der CincJiona in 
vielen Blüthentheilen analog sind. 

In der milden Region der Fieberrinde wachsen in Süd- 
Amerika einige Liliengewächse : zum Beyspiel, Cypura und 
Sisjrrmchium , Melastoma - Bäume mit prachtvoll grofsen 
violetten Blumen ^ die strauchartige Bocconia , vielfarbige 
Alströmerien , und baumartige hochstämmige Passifloren , 
hoch und dick, wie unsere norddeutschen Eichen. Hier 



Macro 



: Wotschi 
Weinbaui 



ibaum des indianischen Gebirgevolks , die U\^a 
camarona (Pavons Thibaudia) , ein Genus, welches nahe 
bey Faccinium und Ceratostema steht. Unter dem Schatten 

I 

balsamischer Styraxbäume bedecken hier immergrüne Laub- 



ITe 



^ö 



Wasserrisse 



dieser Bergzone verstecken an steilen Abhängen Dorstenien, 

Gunnerüy Oxalis und eine Menge unbeschriebener Arum- 
Arten. 



1 Pinknea puhescens ; S. Persoons treffliche Synopsis plant ar um , I, p. 197, 
^ AuLlet's Vochj ist das Geuus Cucullaria in dem Willdenow'schen Pflanzen- 
systeme , und die Carolß der Flora Bogotensis. Herr Mutis zählt drey Arten 
dieses Geschlechts. Folgende Charaktere hat er mir aus seinen Manuscripten 
2u entlehnen erlaubt : i. Carola augusta, fol. ovatls acuminatis (die Aublet'sche 
Species); 2. Carola gumifera, fol. obovatis verticillato-ternisj 3. Carola graridi- 
floruj fol. verticillatls oblongis. . ; '. , 



"^ 



DER TROPENLANDER. 71 

_ ^ 

In siebzehn hundert Meter (872 Toisen) Höhe, findet 
sich Porlieria hygrometrica •, der wetterverkündigende 
Strauch , den Ruiz und Pavon zuerst beschrieben haben ; 
Citrosmay mit aromatisch duftenden Blättern und Früchten; 
Hypericum haccatum und cayanense ^ zahlreiche Eroteum 
und Symplocos- Arten. Höher hinauf als bis zwey tausend 
zwej hundert Meter (1128 Toisen), habe ich keine Mimose 
gefunden, deren Blatt sich bey der Berührung zusammen- 
zieht. Die Bergkälte scheint der Reitzbarkeit dieses Pflan- 
zengeschlechts diese bestimmte Grenze anzuweisen. Von 

r 

zwey tausend sechs hundert Meter (i532 Toisen) an, und 

r 

besonders in einer Höhe von drey tausend Meter (iSSg 
Toisen), bilden Accena^ Dichondra, Nierembergia ^ Hydro^ 
cotile, Nerteria und Alchemilla einen dichten Rasen. Diefs 
ist zugleich die Region der TVeininannia ^ der Eichen und 
der Spermacocce. Barnadisia und der andesische Berberis 
bilden hier Hecken um die Kartoffel- und Quinoa-Felder, 
Die scharlachblumigen Mutisien umranken hier die Stämme 
der Vallea stipularis. Eichen beginnen in den äquatornahen 
Regionen der Andes nicht unterhalb siebzehn hundert 
Meter (872 Toisen); aber unter dem lyten und 23sten 
Grade nördlicher Breite, im Königreich Neu-Spanien, habe 
ich sie am Gebirgsabhange bis acht hundert Meter (4^0 
Toisen) herabsteigen sehen. Sie allein bieten dem Bewohner 
der Tropen bisweilen ein schwaches Bild vom Erwachen 
der Natur im wiederkehrenden Frühlinge dar : denn sie 
verlieren durch Dürre alle Blätter auf einmal , und das 
junge frische Grün der neuen Schöfslinge kontrastirt dann 



^. .l^uj\'^ ^^._ tW 



73 NATURGEMALDE 



angenehm ^ in der eintretenden Regenzeit , mit äen viel- 
en Blüthen des Epidendrums y dessen Wurzeln die 
schwarzen rissigen Eichenäste dicht umschlingen. 

h 

Ein Baum wundersamer Struktur, aus der Malvenfamilie f 
der CheirantJiostemon y über welchen Herr Cervantes eine 
eigene Monographie zu Mexico herausgegeben, gehört eben- 
falls dieser Höhe der Eichen -Region an. Bis jetzt ist ei* 
noch nicht in den , dem Äquator nächstgelegenen Ländern 
entdeckt worden. Es war lange ein allgemeiner Glaube^ 



ö 



Welt nur ein einzig 



Individuum dieser Pflanze, der uralte Arbol de las Manilas, 
Macpakochiquahuid, welcher nahe bey der Stadt Toluca % 
zwey tausend sechs hundert und siebzehn Meter (i345 
Toisen) über dem Meere, auf einem Porphyr- Felsen wächst. 
Mit dem Boabab in Senegambia , mit dem Drachenbaum von 

r 

Teneriffa, und der kolossahschen Mimosa in den Thälern 

^ 

von Aragua% Ist der Cheiranthostemon von Toluca unstreitig 
einer der ältesten Bewohner unserer Erde, und, wie jene, 
verjüngt er sich jährlich noch in Blüthe und Frucht. 
Neuerdings hat man mehrere Individuen dieses sonderbaren 
Geschlechts in dem Königreich Guatimala entdeckt; und 

r 

da der Baum von Toluca sich fast in den Ringmauern der 
alten Stadt findet, so wird dadurch wahrscheinlich, dafs 
er gepflanzt worden sey : denn die Gärten von Iztapalapan , 

' n_r-_ 

deren Reste Hernandez noch gesehen, bezeugen, dafs die 

™ f ^ \ ' " i ■ " . ^ 

^ Das alte Tolocan, die Hauptstadt der Provinz der Matlanziger, westlich 
Ton Mexico. 

^ Wesllicli Von der Stadt Caracas, el Zamang de! Gueire geaaunt 



DERTROPENLANDEB. 73 

Aztequen (die man für Barbaren verschrieen) Sinn für die 
Kultur seltener Pflanzen hatten. 

r 

Unter dem Äquator finden sich hohe Bäume, das heifst 
solche, deren Stamm fünfzehn bis zwanzig Meter (45 bis 
60 Fufs) erreicht, selten höher als zwey tausend sieben 
hundert Meter (i383 Toisen) über der Meei^esfläche. Schon 
in der Höhe der Stadt Quito fangen die Bäume an zu 
erkranken , und ihr Wuchs ist nicht mehr mit dem zu 
vergleichen 5 den sie in den milderen Thälei'n in der Mit- 
telzone , zwischen zwölf hundert und achtzehn hundert 
Meter (6i5 und 923 Toisen) erreichen. Um so häufiger 
sind hier strauchartige Gewächse. Ich nenne diese Region 
die der Barnadesia oder der Duranta Ellisii und Duranta 
Mutisii : denn diese drey Pflanzen und die Berberis cha- 
rakterisiren die Vegetation der hohen und rauhen Gebirgs- 
ebene von Pasto und Quito , so wie die hohlstämmige 
Polymnia {Arbol loco)^ und der durch Wohlgex^uch berau- 
schende Datura-Baum, die Vegetation von Santa-Fe-de- 
Bogota besonders auszeichnen, In der Region der Barnadesia 
wachsen Casiilleja integrifolia , CastiUeja ßssifolia , Colu- 
mella, das prachtvolle silberblätti-ige Embothrywn emargi- 
natum, und eine Clusia, deren Blume nur vier Staubfäden 
enthält. Der Boden ist hier mit einer grofsen Anzahl von 
Calceolarien geschmückt, deren hochgelbe Blätter angenehm 
mit dem frischen Grün des moosigen Rasens kontrastirt. 
Die Natur hat diesen Calceolarien einen Erdstrich ange- 
wiesen , welcher sich von Chile aus nicht weiter ee^en 
Noi^den 5 als bis i"* l^o^ nördlicher Breite erstreckt. Ruiz, 



10 



"^ 



J* ' 






74" ' NATÜK GEMÄLDE 

\ 

Pavon und Hänke , welche in der Südzone welter als ich 

^ ■ 

vorgedrungen sind , können einst bestimmen , wie weit 
dieses Pflanzengeschlecht gegen den Südpol zu gewandert ist. 
Noch höher auf dem Rücken der Andeskette , zwischen 
zwey tausend acht hundert und drey tausend drey hundert 
Meter (i437 und iGgS Toisen) , liegt die Region der JVin- 
tera greiiadensis und der Escallonia, Diese unwirthbaren 
Gegenden (welche die Spanier wegen der dort ewig herr- 
schenden schlackig-feuchten Kälte Paramos nennen) sind 
mit strauchartigen Gebüschen bedeckt. Der niedrige Stamm 
dieser Gebüsche breitet sich in zahllose knorrige , durch 

. . « « 

den Sauerstoff der Atmosphäre halb verkohlte Aste aus, 
und trägt eine schirmartige Krone mit kleinen, aber immer- 
grünen 5 glänzenden , lederartigen Blättern. Einige Stämme 
der orangenfai-benen Fieberrinde {Cinchona lanceifolia)^ 
einige Rhexien und Melastomen mit dunkel -violetten , fast 
purpurfarbigen Blüthen , verlieren sich in diese Einöden. 
Alstoaia, deren Blätter einen süfslich schmeckenden, aber 
sehr heilsamen , stärkenden Thee ' geben ; Escallonia tubar 



un 



g 
d einige Andromeda - Arten beschatten 



hi 



ied 



ler niearise 



Lobelien 5 Bas^llen und die stets hXuhende Sw er tia qua- 

dricornis. 

Fast alle baumartigen Gewächse, selbst die mit niedi^igem 
Stamme, hören in drey tausend fünf hundert Meter (1795 
ToIsen) Höhe auf. Nur am Vulkan PichmcHa , in einem 
engen Tliale , das vom Ziegelfels des Pichincha (vom Cono 



irrr 



i"«^ '■ I' 



J fX The de Bogota 



DER TROPENLÄNDER. yS 

de los Ladrillos) herabkommt, vier tausend ein hundert 
Meter (2io5 Toisen) über dem Meere , haben wir noch ^ 
eine sonderbare Gruppe baumartiger Syngenesen entdeckt, 
deren Stamm sieben bis acht Meter (etwa 33 Fufs) erreicht. 
Die nahen Mauern von Basah- Porphyr mildern die Kälte 
dieser Gegend. 

An die Region der Escallonia grenzt unmittelbar die der , 
Alpen-Kräuter^ welche sich von drey tausend drey hun- 
dert bis vier tausend ein hundert Meter (1695 bis 3io5 
Tpisen ) erstreckt. Hier wachsen sfesellis; die Gentianen , 
Staehelinen , und die berufene Espeletia frailexon^ welche 
im Thal von Bogota ' sogar bis zwey tausend sechs hundert 
acht und siebzig Meter (iSyS Toisen) herabsteigt, und 
deren dickwollige Blätter oft den Indianern , wenn sie die 
Nacht auf den eisigen Gebirgsgipfeln überfällt, zum Bette 
dienen. In dieser Höhe, und bisweilen schon von fallendem 
Schnee Tage lang bedeckt, überziehen den felsigen Bodei^^ 

^ 

Lobelui nana^ Sida pichincJiensis ^ Raniinculus Gusmani ^ 
Ribes Jrigidum y Gentiana cjuitensis y. und mehrere andere 
Alpenkräuter, welche wir in den nächsten Heften unserer 
Plantce cequinoctiales beschreiben werden. Unter den strauch- 
artigen Gewächsen sind die Molinen die, welche wir am 
Vulkan von Purace bey Popayan , und am Antisana , die 
£;röfste Höhe erreichen gesehen. 



^ Ich habe dea Frailexon um die Kapelle de Wuestra Senora del Egypto 

gefunden. Diefs ist eine merkwürdige Ausnahme : denn seine untere Grenze ist 

nahe am Äquator, di^ej tausend neun hundert Meter (2000 Toisen) über 
dem Meere. 



- y 



r 

76 N A T U R G E M Ä L D E 

■ X 

Die Alpen- Kräuter werden zwischen vier tausend ein 
hundert und vier tausend sechs hundert Meter (2io5 und 

,\ 

2558 Toisen) durch die Region der Gräser^ verdrängt. 
Jaras>a, Stipa , viele neue Arten von Panicum , Avena , 
Agrostis und Dactylisy bedecken geseUig den Boden, und 
diese Grasflur leuchtet von ferne als ein hochgelber Teppich, 



Lande 



Woch 



die Kameelschafe {Llamas) steigen dann, vom Hunger 
getrieben , zur Region der Alpenkräuter herab. 

In vier tausend sechs hundert Meter (2358 Toisen) Höhe, 
findet man unter dem Äquator kein phanerogamisches Ge- 
wächs mehr. Von dieser Grenze an, bis zu der des ewigen 
Schnees , beleben sparsam kryp togamische Pflanzen die 
verwitternde Rinde des nackten Gesteins. Einige scheinen 
sich selbst unter dem ewigen Eise zu verstecken : denn 
gegen den Gipfel des Chimborazo hin, fünftausend fünf 
hundert vier und fünfzig Meter (285o Toisen) über der 
Meeresfläche , habe ich auf einer vorstehenden scharfkan- 
tigen Felsklippe (Grate) noch zwey Flechten, Umbilicaria 
pustulata und Verrucaria geographica, vegetirend gefunden. 
So ist Leben in allen Räumen der Schöpfung verbreitet. 
Aber diese einsamen Pflanzen waren auch die letzten 
mischen Wesen, welche wir in diesen beeisten Höhen 

- 

an dem Boden geheftet gefunden haben. 

Bis hieb er ist die Vertheilung der Pflanzen geschildert 



^ La Condamme , Voyage ä l'Equateur , ]>. /^S. 



,0 



_ DERTROPENLANDER. 77 

worden , welche das Naturgemälde der Tropenländer dar- 
bietet. Ehe wir zu den Erscheinungen des Luftkreises 
oder zu denen der thierischen Schöpfung übergehen, wol- 
len wir einen vergleichenden Blick auf die Vegetation 

* 

unsers nördlichen Welttheils werfen. Wie sehr wäre es zu 
wünschen , dafs man diese Vegetation in einer ähnlichen 
^kizze darstelhe , als ich über die der Tropen -Region zu 
liefern gewagt habe ! Wie viele Materialien hat der nie 
ermüdende Fleifs der Botaniker nicht bereits dazu gesam- 
rnelt ! Wie viel ist nicht in den klassischen Schriften eines 



\ 



Jacquin , Schreber , Pallas , Wulfen , Willdenow , Ehrhart , 
Weber, Link, Host, und vieler anderen vorbereitet ! Die 
berühmten Naturforscher, welche die Schweizer - Alpen , 
die Gebirge von Tyrol , Salzburg und Steiermark durch- 
strichen haben, könnten, wenn sie Höhenmessungen mit 
ihren botanischen Beobachtungen genugsam verbunden hat- 
ten, genauere Pflanzenkarten entwerfen, als man je über 
die unzugänglichere und minder bereiste Andeskette hoffen 
darf. Vielleicht aber ist niemand im Stande die Geographie 
europäischer Alpenpflanzen fruchtbarer zu bearbeiten , als 

■ \ 

Herr Ramond, der so viele Jahre lang die höchsten Gipfel 
der Pyrenäen erstiegen, und geognostische, botanische und 
mathematische Kenntnisse mit dem reinsten Sinn für phi- 
losophische Naturbeobachtung verbindet. 

Ich habe oben die Gründe entwickelt, aus denen unter 



dem 45sten Breitengrade die Phänomene der Pflanzen- 
vertheilung weder so konstant, noch so mannigfaltig seyn 



können, als unter dem Äquator. Der Ätna , die Gebirge 



L^ 



AM 



78 NATURGEMÄLDE 

von Haikia (Armenien) , und der Pic von Teneriffa bewei- 
sen hinlänglich, dafs je weiter man gegen Süden vordringt, 
desto schneidender sich die Pflanzehformen in vei^schiedenen 

■ I _ d 

Bergzonen von einander absondern. Doch ist auch in 
unserm nördlichen Theile des gemäfsigten Himmelsstriches 
diese Absonderung schon auffallend genug, um" sie in einem 
eigenen Bilde darzustellen. Man könnte in der Mitte des-^ 
selben die Höhe von vier tausend sieben hundert fünf und 
siebzig Meter (245o Toisen) andeuten, zu der die grofse 
^europäische Gebirgskette sich im Montblanc erhebt. Der 

4 ■ 

Abfall dieser Rette müfste auf einer Seite sanfter gegen das 
Nordmeer, auf der andern südhchen Seite, gegen das mittel- 
ländische Meer hin, steiler abgebildet werden. Hier erinnern 
Chamcerops , Dattelpalmen , und viele Pflanzen des Atlas , 
dafs ein wahrscheinlich ehmals trocknes , seit der samo- 
thracischen Fluth mit Meerwasser gefülltes Ralksteinthal , 

r 

Europa von Nord -Afrika getrennt hat. Der ewige Schnee 
würde in diesem Naturgemälde der gemcifsigten Zone bis 
zwey tausend sechs hundert Meter (iSSa Toisen) über der 
Meeresfläche, also bis auf eine Grenze herabsteii^en, in der 
unter den! Äquator noch die Wachspalme, die Fieberrinde 
und andere hohe Bäume in voller Vegetationskraft stehen. 
Die Zone, welche in Europa zwischen den Küstenländern 
und der Schneegrenze enthalten ist, hat demnach kaum 

\ - \ 

die Hälfte der Breite als die ihr ähnHche unter den Tro- 
pen, während dafs die Schneehaube, welche die höchsten 

'r f 

Gebirge Europens (den Montblanc und Mont-Rose) bedeckt, 
sechs hundert Meter (Soy Toisen) breiter als die ist, welche 



f 



fr f 



V 



DER TROPENLANDER. 79 

den Gipfel des Chlmborazo einKüllt. Auf den nackten und 
steilen Felsen , welche zwischen dem ewigen Schnee her- 
vorragen , höher als drey tausend ein hundert Meter (1090 
Toisen) über der Meeresfläche , wachsen in den Bergen , 
welche den Montblanc umgeben , Androsace cJiamcBJ asma ^ 
Jacq. 5 Silene acaulls ^ die Saussure drey tausend vier hun- 
dert acht und sechzig Meter (1780 Toisen) hoch gefunden, 

die aber auch bis fünfzehn hundert Meter (769 Toisen) in 
die Ebene herabsteigt 5 Saxifraga androsacea ^ Cordainine 
alpina, Arahis ccerulea ^ Jacq. , und Draha Jiirta, Villars, 
{Draha stellata, Willd.). Bis zu diesen beeisten Höhen wan- 
dern auch allmähhg aufwärts von der Ebene aus Myosotis 
perennis und Androsace carnea^ deren Stengel immer hie- 
driger und niedriger wird. Die letztere ist endlich einblumig, 
und nimmt den ganzen Gebirgsabfall zwischen tausend und 
drey tausend ein hundert Meter (5i3 und 1590 Toisen) ein. 
In den Pyrenäen sind , in zwey tausend vier hundert bis 

■ j , 

drey tausend vier hundert Meter (i23o und 1744 Toisen) 
Höhe , die Klippen mit Cerastium lanatum , Lamarck , 
Saxifraga groeitlandica ^ Aretia alpina und Artemis la rupes- 
tris bedeckt. Das Cerastium lanatum, findet man nicht 

■ __ - ^ 

^ - - -_ 

einmal unterhalb zwey tausend sechs hundert Meter (i532 
Toisen)* 

Zwischen zwey tausend fünf hundert und di-ey tausend 

r 

ein hundert Meter (1281 und 1590 Toisen) Höhe , bilden 
auf dem SteingerüUe, das den ewigen Schnee der Schwei- 
zer- Alpen begrenzt, inselförmige Gruppen Saxifraga hißora 
(AUionii), Saxifraga oppositifolia ^ Achillea nana^ Achillea 



-^^^ 



' ■ -' ' - i-1 



rf?: 



80 N AT U R G E M Ä L D E 

atrata , Artemisia glacialis ^ Gentiana nwalis ^ Banmiculus 
alpestris, Ranunculiis glacialis , und Juncus trißdus. Etwas 
tiefer, zwischen drey tausend und fünfzehn hundert Meter 
(1539 und 769 Toisen), beobachtet' man auf den Pyrenäen 
PotentiUa lupinoides , Willd. , Silene acaulis , Sihhaldia 
procumbens y Carex ciin^ula und Carex nigra ^ AWion. \ 
Semperns^um montanum und Sempen^wum aracJinoideum ^ 
Arnica scorpioides , Anärosace villosa und Androsace 
carnea. In den Schweizer - Alpen , zwischen zwey tausend 
drey hundert und zwey tausend sieben hundert Meter 
(1179 und i383 Toisen), da wo der ewige Schnee und 
der hohe Gletscher nicht an nacktes Gestein, sondern an 
fruchtbare Dammerde grenzt, in Wiesen vom Schneewasser 
getränckt , blühen ^gro^/w alpina , Saxifraga aspera , 
Saxifraga bryoides , Soldanella alpina , Viola bißora , 
Primula farinosa , Pfimula viscosa , Alchemilla penta- 
phylla, Salix reticulata, Salix retusa und Salix herbacea, 
welche höher als irgend ein andres Strauchgewächs an den 
Bergen hinansteigt. Selbst Tussilago farfara und Scatice 
armeria verirren sich von der Ebene bis zu zwey tausend 
sechs hundert Meter (i332 Toisen) Höhe. In gleich luft- 
dünnen Regionen wachsen in den Pyrenäen Scutellaria 
alpina, Senecio persicifolius , Ranunculus alpestris , Ranun- 
culus parnassifolius , Galium pyrenaicum , und Aretia 
vitaliana. Unterhalb der Grenze des ewigen Schnees , zwi- 
schen fünfzehn hundert und zwey tausend fünf hundert 
Meter (769 und 1281 Toisen), findet man in der Alpen- 
kette Eriophorum Scheuchzeri , Eriophorum alpinum > 



r V 



DEll TROPENLANDEB. 81 



.; 



nördlichen 



/ 



V 



Gentiana purpurea \ Gentiana Erandißora ^ Saxifraga 
stellaris , Azalea procumhens , Tussilago alpma ^ Veronica 

j ■ 

alpina ^ Poa alpina , Pinus cemhra und Pinus larix ; am 

E I 

bhange der VyYen'Aen^ Passerina geminißoray 
Passerina nh>alis y Merendera hulhocodium^ ^ Crocus mul- 
tißdus 5 Fritillaria meleagris ^ und Anthemis montana. 

^ r ^1 

Etwas tiefer zeigen sich , um den Montperdu und in 
anderen spanischen Grenzgebirgen , Genista lusitanica /_ 
Pianunculas Gouani , Narcissus bicolor ^ Rubus saxatilis ^ 
und eine Menge schöner Gentianen. Die Alpenrose, PJio- 

ferrugineum^ y liebt in Savoyen und in der 
Schweitz eine Höhe von fünfzehn hundert bis zwey tausend 
fünf hundert Meter (769 und 1281 Toisen). Doch hat 
Herr CandoUe, dem ich gröfstentheils vorstehende Beobach- 
tungen über die Höhe schweitzerischer Alpenpflanzen ver- 
danke , sie in der Jurakette in der tiefen Schlucht des 
Creux-du-vent , also kaum in neun hundert siebzig Meter 
(497 Toisen) Höhe gefunden. In den bairischen und tyroler 
Alpen beginnt die Alpenrose zwischen acht hundert und 
tausend" Meter, oder zwischen 4^0 und 5i5 Toisen. T 

\ ■ 

Graf Stei^nberg's Beobachtung; , nähert sich Rhododendrum 



fi 



gineum und Rlio do dendrum hirsutum. Die beyden letzteren 
wachsen übrigens sowohl auf uranfänglichem als auf Flöz- 
kalkstein, in den Seite eommuni und dem Berg Sumano , 



^ Desfontaines hat diese Pflanze auch am Atlas gefunden. 
'^ Ramond, Memoire sur la Vegetation des montagnes, in Jnnales du Museum 
d'hist. natur. vol, 4j P- SqÖ- 

11 



\ 



1. 



V 



83 NATURGEMÄLDE 



* 1 



j 

r 

der ein tausend zwey hundert sieben und siebzig Meter 
(656 Toisen) hoch ist. 

Die rankende Linnea horealis , welche bey BerHn , in 
Schweden , in Pensylvanien , und an der Nordwestküste 
von Nord- Amerika, in Nutka-Sund , in gleicher Höhe mit 
der Meeresfläche wächst, erscheint in den Schweitzer -Alpen 
erst auf Gebirgsabhängen , die fünf hundert bis sieben 
hundert Meter (162 bis 327 Toisen) über dem Ocean 
erhaben sind. Man liat diesen birkenähnlichen Strauch im 
Wallis, am Ufer des Bergstroms der Tete-noire, und bey 
Genf (nach Saussure) am Voirons entdeckt. Gouan be- 
hauptet, dafs sie auch in Frankreich bey Espinouse, in 
der Gegend von MonlpelHer, vorkomme. 

Unter dem Äquator haben diejenigen Bäume, welche 
man auf einer Höhe von drey tausend fünf hundert Meter 
(1795 Toisen) beobachtet, kaum fünf bis sechs Meter (i5 

r r 

Fufs) hohe Stämme. Nur im Königreich Neu-Spanien findet 
man die merkwürdige Ausnahme , dafs unter 20 Grad 
nördlicher Breite eine Tannenart , welche dem Pinus 
strobus nahe verwandt ist, bis drey tausend neun hundert 
Meter (2000 Toisen), ja dafs mehrere- Eichenarten bis drey 
tausend ein hundert Meter (iSgo Toisen) Höhe, an den 
Gebirgsabhang hinaufsteigen. Wer mit diesem sonderbaren 

r 

Phänomene der Pflanzen-Geographie, mit diesem Lokalein- 
flusse des mexikanischen Klimas unbekannt ist, hält es für 

h 

unmöglich, dafs (unter den Tropen) Berge , die er mit 
hohen Tannen bis an die Spitze bewachsen sieht , doch 
den Ätna , und selbst den Pic von Teneriffa , an Höhe 



. DER TROPENLANDER. 85 

übertreffen. Herr Rainond beobachtet, dafs in den Pyrenäen 
die zu den beeisten Gipfeln am höchsten ansteigenden 
Bäume, die gemeine Riefer (Piniis sylvestris) und Pinus 
rnugJio sind. Beyde nehmen eine Zone zwischen zwey 

r 

tausend und zwey tausend vier hundert Meter (1026 und 
laSo Toisen) ein. ^bies taxifolia und Taxus communis 
erscheinen in den Pyrenäen erst vierzehn hundert Meter 
(718 Toisen) hoch über dem Meere. Sie erheben sich bis 
zu Gebirgen von zwey tausend Meter (1026 Toisen) Höhe. 
Die Buche {Fagus syhatica) wächst zwischen sechs hun- 
dert und achtzehn hundert Meter (Soy und 923 Toisen). 
Aber unsere Steineiche {Quercus robur)^ welche die Ebene 
am Fufse der Pyrenäen bedeckt , erhebt sich kaum bis zu 

- ■ f 

sechzehn hundert Meter (821 Toisen). Sie wandert dem- 

r 

nach vier hundert Meter (aoS Toisen) weniger hoch, als 
der Taxus ^ acht hundert Meter (4 10 Toisen) weniger 
hoch, als die Mugho-Tanne. So hat, selbst an c;rofsen euro- 
päischen Gebirgen ,, jede Baumart ihre bestimmte Zone. 

Herr Ramond hat mir sehr interessante Beobachtungen 
über die gröfste und geringste Höhe mitgetheilt, in welcher 
sich Pflanzen einer Galtung finden. Ich glaube den Phy- 
sikern einen angenehmen Dienst dadurch zu leisten , dafs 
ich einige dieser Messungen , welche mit vortrefflichen 
Werkzeugen angestellt sind, hier einschalte. Ich wähle die 
Gattungen Gentiana ^ Daphne ^ Primula , Ranunculus , 
Saxifraga und Erica zur Probe aus. Am Abhänge der 
Pyrenäen ist beobachtet worden : 



■ -Hil 



/ 



84 NATURGEMÄLDE 

Meter Toisen 

pneumonanthe . . zwisclien , o u. 800 od. zwiscli. o u. 410 

verna . 600 — 5ooo ^07 — i55q 

acaulis . '. '— 1000 — 5ooo ■ — 5i3 — i55g 

Gentiaiia. . < campestris 1000 — 2400 — . 5i5 — laSo 

ciliala. ....... — 1200 — i8oo '■ 6i5 — - 925 

lutea 1200 — 1600 '■ — 6i5 — 821 

punctata, F'illars. ■ 1600 — 2000 ~ 821 — 1026 

laureola'. ...... — 3oo — 2000 i53 — 1026 

Daphiie . . \ mezereum ..... looo — 2000 ^ 5i3 — 1026 

Cneorum 2000 — 2400 ^ — 1026 — 12^0 

elatior , o — 2200 ~ o_ — 112S 

■*^^^'^"^^1^ ^* • < integrifolia ; i5oo — 2000 76g — 1026 

villosa 1800 — 2400 923 — i23o' ■ 

aquatilis o — 2100 —— o — 1077 

Gouani ~ 5oo — 2000 -. 256 — 1026 

thora x4oo — 2000 717 — 1026 

pyrenseiis ..... i5oo — 2400 769 — i25o 

Ranuuculus { alpestris . . . . . , 180,0 — 2600 923 — i332 

amplexicaulfs . . . i8oo — 2400 923 — i23o 

nivalis . 2000 — 2800 ■ — 1026 — 1437 

parnassifolius , . . —— 2400 — 2800 i23o — 1437 

glacialis ...,.., 2400 — 5200 — i25o ~ 1642 

/ tridactylides. . . . — o — loo o — 5i 

r 

geum .....,., 400 — 1600 2o5 — 821; 

longifolia. . . . . . ■ 800 — 2400 ' 410 — i23o 

aizoon 800 ~ 2400 ; 410 — i23o 

pyramidalis .... ^— 1200 — 2000 6i5 — 1026 

Saxifraga. . / '^"''"'" ' " '^oo' - 1800 — 7,8 - 9.3 

cespitQsa . . . ; . . 1600 ~ 3ooo 821 — i53g 

oppositifolia. . . . ~~ ißoo — 3400 -^ — 821 — 1744 

umbrosa . . . , . .' '■ 1400 — 1800 — 718 -^ 923 

granulata 1200 — 1-600 ■ 6i5 — 821 

groenlandica- . . . 2400 — 3400 i23o — 1744 

^ndrosacea. .... ; — — 2400 — 5400 -■ i23o — 1744 

1 Ein. scharfsinniger und unermädeter Naturforsclier , Graf Sternberg, be- 
merkt, dafs Primula marginala ^ Primula viscosa , und Prünula farinosa in 
den Tyroler-Alpen fast nie unter acht hundert Meter (410 Toisen) Höhe ge- 
funden werden. Nur die letztere (eine sonderbare Ausnahme!) wächst bey 
Üegensburg auf niedrigen Hügeln, 

\ 



DER TROPENLÄNDEE. 



85 



\ 



Erica . . . . 



vagans . . . -. ; . . zwiscKen 

vvilgaris ~ — 

tetralix • 

arborea 



Meter 

o u. 900 od. zwiscli. 

O — 2000 

5oo — 2400 — 

— 700 ■ 



5fio 



Toiseu 

o u. 4Ö1 

o ^ — 1026 
256 — i25o 

281 — 559 



^ 1^ 



^^^ r ^^^ 

Unter den Saxifragen der Tyroler- Alpen bemerkt man 



eben* diese Regelmäfsigkeit in der 



Höhe ihres Standorts. 



Der Graf von Sternberg, welcher diese Gebirge untersucht, 

■ r 

und von dem wir bald eine interessante Beschreibung des 
Monte-Baldo zu erwarten haben, bemerkt, dafs Saxifraga 

r 

cotyledon und Saxifraga aizoon schon im romantischen 
Eisackthale , zwischen Brixen und Botzeii,' etwa drey hun- 
dert und fünfzig Meter (178 Toisen) ül^r der Meeresfläche 
beginnen. Man kann ihnen folgen bis auf den Gipfel der 
Grappa bey Bassano , in sechzehn hundert vier und achtzig 
Meter (865 Toisen) Höhe. Sie nehmen demnach eine brei- 
tere Zone als in den Pyrenäen ein. Saxijraga ccesia^ Saxi- 
fi^ciga aspera , und Saxifraga androsacea zeigen sich erst 

^ r 

in einer mittlem Höhe von sieben hundert Meter ( 35^ 
Toisen) , in den bairischen und tyroler Alpen. Zunächst 
auf sie folgen , gegen den Gipfel der Gebirge zu , Saxi- 

L 
J 

frciga auturniißlls , Saxifraga muscosa , Saxifraga mos- 
chata/ und Saxifraga petrcea. Die zu höchst wachsenden 
Saxifragen sind, nach eben diesem Beobachter, Saxifraga 
hurseriana und Saxifraga hryoides, Bey de bedecken selbst 
die öde Kuppe des lombardischen Monte-Baldo , in zwey 
tausend zwey hundert sechs und zwanzig Meter (ii43 
Toisen) Höhe. 

L 

Aber um die Pflanzen-Geographie vollständig zu bearbeiten, - 



86 NATUR GEMÄLDE 

^ 

müfste man nicht blofs Nalurgemälde für die Polarländer, 
für die gemäßigte Zone zwischen dem 4osten und Sosten 
Grade der Breite, und für die jcjuatorihl- Regionen ent- 
werfen; man müfste auch einzelne botanische Karten für' 
die nördliche und südliche Hemisphäre, und für den alten 
und neuen Kontinent Hefern. Die Pflanzen von Chiloe und 
Buenos -Ayres sind specifisch von den griechischen und 
spanischen verschieden. Die Tropenländer von Afrika und 
die gemäfsigten Himmelsstriche von Asien besitzen eine 
Vegetation, welche mit der süd- und nord-amerikanischen 
nur wenige Gewäclise gemein hat. Madagascar, dessen hohe 
Granitberge Gomm^^son für Schneeberge erklärt, und an 
dessen Küsten noch neuerlichst Herr du Petit -Thouars 
herborisirt hat, der Adamsberg auf Selan (Ceilon), und 
der Ophyr auf Sumatra, der, nach Marsden's Beobachtung, 
eine Höhe von drey tausend neun hundert sechs und 
vierzig Meter (2027 Toisen) übersteigt, könnten dem mes- 
senden Botaniker wichtige Materialien über die Pflanzen- 
vertheilung in den Gebirgszonen des alten Kontinents 
liefern. 

j 

Herr Barton in Philadelphia, der mit rastlosem Eifer 
Zoologie, Botanik und indianisches Sprachstudium umfafst, 
beschäftigt sich mit der Geographie der Gewächse in dem 
gemäfsigten Erdstriche des neuen Kontinents. Er hat im 
Jahre 1800 der philosophischen Societät von Pensylva- 
nien eine Abhandlung über diesen Gegenstand vorgelesen, 
welche noch ungedruckt, aber voll der wichtigsten Unter- 
suchungen ist Er bemerkt dai-inn, dafs die Zahl ursprünglich 



DER TROPENLANDER. 87 

wildwachsender, Nord- Amerika und Nord-Europa gemein- 
schafdich zugehörender Pflanzen, weit £;erin£er ist, als 



man gewöhnlich glaubt. Nicht einmal Sonchus oleraceus 
ist einheimisch in dem erstem Welttheile. Mitchella repens 
ist, nach Barton, die Pflanze, welche in den nordameri- 
kanischen Freystaaten den gröfsten Raum einnimmt. Er 
findet sie von 28*" bis 69" nördlicher Breite. Auch Arhuius 
uva ursi erstreckt sich von New-Yersey an bis 73", wo 
Hearne sie beobachtet hat. Dagegen sind auf den engsten 
Raum eingeschränkt Gordonia FrancTilinii ^ und die wun- 

j _ 

dervoll reitzbare Dioncea muscipula. Die Mündung des 
Ohio in den Missisipy, und die Ufer des letztern bedecken 
prachtvolle Pyramidal -Pappeln, Populus deltoides , Marshai, 
und Salix nigra. Der Astronom, Herr ElHcot % bemerkt, 
dafs die letztere südlicher als Sx*' Breite sehr selten wird. 
Dagegen beginnen dort am untern Missisipy die mit Til- 
landsia usneoides bedeckte Cupressus disticha , Lauras 
borhönia y Acer negundo y Magnolia grandißora , Juglans 
Pacan oder illinoinensis (der schöne Juglans mit haselnufs- 
artigen Früchten , J^^gZa??^ rubra, Gärtner), undi Miegia , 
macrosperma, Persoon {Jrundo gigantea , Barton), ein 
sechs und dreyfsig bis zwey und vierzig Fufs hohes Schilf, 
das zwischen 3o^ l^o' und 32° 2' nördhcher Breite ein 
dichtes undurchdringliches Gebüsch bildet. Sehr , seh 
wichtig für die Pflanzen -Geographie ist die Bemerkung des 
Herrn Barton , dafs dieselben Species westHch von der 



* Travels to the Missisipy ^ p. 286. 



- 1 



88 



NATURGEMÄLDE 



1 



/* 



^ ■ 

Gebirgskette der Allegliany welter gegen Norden wandern. 



als in den östlichen atlantischen Ländern, das heifst , als 
in dem schmalen Striche, welcher zwischen dem östlichen 
Ocean und dem Gebirsje enthalten ist. ^ ' 



^sculus flava .... 
Juglans nigra. .... 
Aristolochia syplio . 
IVelumbiiim luteum 

r 

Gleditsia .triacantlios 
Gleditsla monosperma 
Glycine frutescens . . 



O estlich - 

\on (.len Allegliany-Moimtains. 

reiciatbis 56"" nördl. Breite 



4i^ 
SS'* 

56^ 



Westlich 

Ton den AUeghany-Mountains. 

bis 42" nördl. Breite. 

bis 440, — . '■ 

bis 41** 

bis 44° 

bis 41^ 

bis 59^ -— 

bis 40^ — ' 



1 > L 



Überall ist der wesdiche Erdstrich milder , als der 
ösdiche Theil der nordamerikanischen Freystaaten. Baum- 
wolle wird mit Vortheil in Tennesee gebaut , und erträgt 
nicht das Klima gleicher Breite in Nord - Carolina. Die 
ösdiche Küste der Hudsonsbay ist öde und pflanzenleer , 
während dafs die westliche mit Vegctabilien geschmückt 
ist. Selbst in der Vertheilung der Thiere bemerkt Herr 

L ' " " ^ 
t ( ~ 

Barton ähnliche Verhältnisse. Die Klapperschlange (Crotalus 
horridus ) ündet sich östlich von den Alleghany - Bergen 
nur bis 44 Grad , aber westlich von denselben bis 4? 

r ' ^ ' 

Grad nördlicher Breite. Fehlt es den nord-amerikanischen 

' - ■ j " . _ 

Freystaaten, an Gebirgen, die sich mehr als zwey tausend 
Meter über die Meeresfläche erheben (denn die nicht in 
ewigen Schnee .reichenden White -Mountains von New- 
Hampshire können nicht, wie Cutler und Belknap behaup- 
ten , drey tausend zwey hundert fünf und dreyfsig Meter 



DER TROPENLÄNDER. 



\ 



89 

oder 1660 Toisen hoch seyn ) : so sind sie dagegen mit 
desto mannigfaltigeren Gewächsen geziert. Pensylvanien , 
Carohna und Virginien haben fast zAveymal so viel Eichen- 

- r 

arten , als ganz Europa hochstämmige einheimische Bäume 
besitzt. Unter derselben Breite ist in Nord -Amerika der 
Anblick der Vegetation mannigfaltiger und mahlerischer , als 
in unserm Welttheile. Gleditsien, Tulpenbäume und Magno- 
lien bilden dort mahlerische Kontraste mit dem dunkeln. 

4 

p 

Grün der Thuja und Tannen. Die Natur hat sich gleich- 
sam bestrebt, den Boden der Freyheit mit ihren schönsten 
Pflanzenformen zu schmücken. 

So viel von dem Theile meines Naturgemäldes, welches 
die Vertheilung der Gewächse betrifft. Ich gehe nun zu an- 
deren physikahschen Verhältnissen über; denn diese Arbeit 
ist dazu bestimmt, alles zu umfassen, was als veränderlich 
durch die Höhe des Standorts betrachtet werden kann. 
Vierzehn Scalen , welche das Bild einschhefsen , enthalten 
gleichsam das Resultat von dem, was die Naturlehre iri 
ihrem gegenwärtigen Zustande in Zahlen darbietet. Dieje- 
nigen derselben, welche die Luftwärme , die elektrische 

r , 

Spannung und den hygrometrischen Zustand der Atmo- 
sphäre , den Sauerstoffgehalt , die Himmelsbläue , die geo- 
gnostischen Verhältnisse, die Kultur des Bodens und die 

r r ' 

Wohnplätze der Thierarten angeben, gründen sich auf 
meine eigenen Erfahrungen. Ich darf mir schmeicheln^, clafs 
selbst dem Naturphilosophen, der alle Mannigfaltigkeit der 
' INatur den Elementaractionen Einer Materie zuschreibt, 
und der den Weltorganismus durch den nie entschiedenen 



32 



9^ 



N A T U H Cx E M Ä L D E 



Kampfe widerstrebender Kräfte begründet sieht/ eine sol- 

■-. * ^j 

che Zusammenstellung von Thatsachen wichtig seyn mufs. 
Der Empyriker zählt und mifst, was die Erscheinungen 
unmittelbar darbieten : der Philosophie der Natur ist es auf- 
behalten , das allen Gemeinsame aufzufassen und auf Prin- 
cipien zurückzuführen. 

I -- 

■ w 

r - 

Li^t^ärme. 

r- j 

Die, in dem Naturgemälde, der Luft gewidmete Scale 
drückt den höchsten und niedrigsten Thermometerstand 
aus, welcher von fünf hundert zu fünf hundert Meter (aSo 
Toisen) Höhe unter den Tropen beobachtet wird. Eine 
grofse Zahl eigener Beobachtungen , oft von Stunde zu 
Stunde angestellt, sind zur Bestimmung der mitdern Tem- 
peratur angewandt worden; eine Mittelzahl, welche natür- 
lich durch alle Beobachtungen und nicht etwa durch die 
Extreme begründet ist. Auch sind Lokalverhältnisse, beson- 
ders die, welche die nördliche Grenze des Krebswende- 
kreises darbietet, geflissentlich vernachläfsigt worden. So 



-- T 



h -^ 



liest man, zum Beyspiel, in meiner Zeichnung, 



dafs 



SiXl 



den Rüsten, in gleicher Höhe mit der Oberfläche des Mee- 



res, das hunderttheilige Thermometer nicht unterhalb 



18°, 5 



^ Auf diesen, das Leben, in dei' Katur erlialtenden, Kampf scheint der uralte 
Trimurti, die Dreieinigkeit der Hindus, hinzudeuten. Als der Unsterbliche und 
Ewige, der Parabrahma, vom Berge Meru herab die Wehregierung anordnete, 
befahl er dem Shiwa zu zerstören, dem Visnu zu erhalten, und ^dem Brahma, 
mitten im Widerstreit der heyden Gottheiten, fortfahrend zu zeugen und zu 
schaffen. 



DER TROPENLÄNDER. 



9 



herabsinkt, ungeachtet man es in der Hauptstadt der Insel 
Cubä 5 in der Havana , und weiter ösdich , in Matanzas , oft 

1^4 gesehen hat. Aber diese, für niedrige Tropen- 



f 



lande 



Wi 



y 



4 _ 

in einer Gegend Statt, die schon volle dreyzehn Breiten- 
grade nördhcher, als die Zone hegt, bis zu der ich mein 

^ ■ - " - 

Naturgemälde erstrecke. Sie ist Folge der wüthenden Nord- 
stürme , welche die kalten Luftschichten des allzu nahen 
Kontinents über die Insel Cuba jagen. In dem nur wenig 
südlichem, aber von Nord-Amerika fernem Santo-Domingo 
erhält sich das Thermometer, in den Ebenen, das ganze 
Jahr hindurch, zwischen 20° und 3i%2 (16° und ^S" R.). 
Es bedarf übrigens wohl kaum der Bemerkung, dafs alle 
angegebenen Thermometer-Beobachtungen im Schatten und 



sm 



d. 



Wärme ang 






wmi^^aXfWmi i iii iiu trwmma i. ,-!iß7©SBr3^r-^a^«fca?:fl^-Hfl^7»»BE*«*=w!«s«H»n"-: 



HOHEN 

ÜBER DER MEERESFLACHE. 



METER. 



o bis 1000 
. 1000 bis 2000 
:2ooo bis 3ooo 
3ooo bis 4000 
4ooo bis 5ooo 
5ooo bis 600.0 



TOISEN. 



o bi 



18 5oo 



Doo bis 1000 
1000 bis i5oo 
i5oo bis 2000 
2000 bis 25oo 
aSoo bis 3ooo 



HÖCHSTE 



LUFTWÄRME. 



38Vi 



f 



3o,o 
33,7 

20j0 

18,7 

165O' 



NIEDRIGSTE 



LUFTWÄRME. 



i8°,5 



+ '1,2 



OjO 

7,5 

10,0 



MITTLERE 



LUFTWÄRME. 



-f- 2 5°,3 

r 

4- 21,2 
18,7 

3,7 



-4- 



■^- 




Die Zahlen, welche diese Tafel für Höhen angibt, die 



fünf tausend Metei 



o 



565 Toisen) 



übersteigen , 



sind 



von 



k n 



^ 



z' 



Q'2 NATUR GEMÄLDE , 

minderer Genauigkeit , da diese grofsen Höhen bisher zu 
wenig und auf zu kurze Zeit besucht worden sind, um ihre 
mittlere Temperatur bestimmen zu können. Die Kälte, web 
eher wir auf den höchsten Gipfeln der Andeskette ausgesetzt 
gewesen sind, Ist, dem Ausspruch des Thermometers nach, 
nie sehr beträchtlich ; aber die mindere Menge des einge- 
athmeten Sauerstoffs (als Folge der Luftdünne), die Asthe- 
nie des Nervensystems', und andere noch wenig ergründete 
Ursachen machen diese Bergkälte für das Gefühl fast uner- 
träglich. Die französischen und 'spanischen Akademiker ha- 
ben, in ihrer Hütte am Vulkan Pichincha, in einer Höhe von 
vier tausend sieben hundert fünf und dreyfsig Meter (24^8 
Toisen), das hunderttheilige Thermometer nur 6° unter dem 

f 

Eispunkte herabsinken sehen. Am Chimborazo , nahe an 

seinem Gipfel, zeigte mir diefs Instrument noch -— i^jS. Ja 

am Vulkan Antisana, auf der beträchtlichen Höhe von fünf 

tausend vier hundert und drey Meter ('2jj'5 Toisen), fan- 

den wir im Schatten eine Wärme von ig°. Der Sonne aus- 

gesetzt, war diese Wärme so grofs, dafs wir uns entkleideten, 

ungeachtet wir zwey tausend fünf und sechzig Meter (1060 

Toisen) höher als der Ätna, und sechs hundert sieben und 

zwanzig Meter (523 Toisen) höher als der Gipfel des Mont- 
Blanc waren. 



An Orten , welche man für die heifsesten der Erde hält 



! 



^ Besonders des gastrischen Systems, alles dessen, was mit dem untern After- 
geliirn, dem Plexus coeliacus, zusammenliängL : daher in grofsen Berghohen die 
IN^eigung zum Erhrechen, eine Bei'gkrankheit, wie das Seeühel, mal de mer. 



DER TROPENLANDEB. 96 

in Cumana, La Guayra, Carthagena de Yndias, Huayaquil 
(dem Hafen von Quito), an den Ufern des Magdalenen- und 
Amazonenflusses, ist die mittlere Luftwärme 27°, wenn sie 
in Paris und Rom ii%9 und iS"* ist. Aber in eben diesen 
heifscn Gegenden des neuen Kontinents erreicht das Ther- 



fr » 



mometer. Trotz der Nähe des Äquators, sehr selten die Höhe, 
auf welcher wir es sehr häufig selbst im nördlichsten Europa 

beobachten. Ich habe die Gelegenheit gehabt , ein Tableau 
von mehr als ein und zwanzig tausend Beobachtungen z,u 
untersuchen, welche Don Bernardo de Orta, ein königlich- 

r 

spanischer Seeofficier zu Vera-Cruz, mit vortrefflichen In- 
strumenten angestellt hat. In dreyzehn Jahren ist in diesem, 
wie Senegambia) wegen seiner schwülen Hitze berufenen, 
und dazu noch von Flugsand umgebenen, Flafen das Ther- 
mometer nur dreymal über S^" und nie über 35°,6 (28*^,5 R.) 
gestiegen, während dafs man es in Berlin, Petersburg, Wien 
und Paris oft genug auf 56° gesehen. An dem letztern Orte 
stieg es, den i4ten August 1776, gar bis 38'',7, oder bis 3o°,9 
nach der alten Pveaumür'schen Eintheilung. Desto verschie- 
dener ist die mittlere Tempei^atur. In Vera -Cruz beträgt diese 
im Mai, Junius, Julivis, August und September 27^,5, und 
das furchtbare adynamische Fieber, welches unter dem Namen 
f^omito prieto bekannt ist, richtet yerheerungen an, so oft 

r 

die mittlere Luftwärme des Monatbs 25*^,7 übersteigt. In den 
äquatornahen Regionen sind die Extreme der gröfsten und 
get^ingsten Wärme ao*'; in Europa, unter dem 48sten und 
Sosten Breitengrade , sind sie bis 62° von einander entfernt. 
Über das , was man sehr gewagt Temperatur des innern 



le 



94 ' NATÜRGEMÄLDE 

Erdkörpers nennt, mag ich nicht entscheiden. Die Quell- 
wasser geben diese Temperatur (wie ein vortreffllicher Beob- 

r 

achter, Herr von Buch, gefunden) sehr genau an. Nach die- 
sem Maasstabe ist das Innere der Erde unter den Tropen 
kühler als man vermuthen sollte. Ich habe in der Provinz 
Cumana, auf drey hundert neun und achtzig Meter (200 
Toisen) Höhe, die Quellen zu 22%5 (18^ R.)5 auf sieben 
hundert neun und siebzig Meter (400 Toisen) Höhe, zu 21^ 
(i6^8 Pu)5 bey Caraccas , auf tausend drey hundert vier 
und zwanzig Meter (680 Toisen) Höhe, zu l6^2 (i3^R.), 
gefunden. Diese Wärmegrade sind alle geringer, als di 
mittlere Temperatur der' genannten Standorte. 

An der Meeresküste oder in den unübersehbaren Steppep 
{Lianos) von' Calabozo und Cari^ erwärmt sich, während 
der sechs Monathe, in denen es nie regnet, dermafsen der 
Boden, d^kSesmdum, Gomphrena, Thalinum, KflUngici, 
emige Mimosen und andere niedrige Kräuter , welche der 
Wind halb im Sande vergräbt, eine Hitze von 53" ertra^'^en. 
In der schwarzen Erde, die den Vulkan von Jorullo , in 
Neu-Spanien, umgibt, stieg mein Thermometer bis 60*^5 und 
doch ist diese,, vom Krater im Jahr lySg ausgeworfene 
Erde schon hie und da mit Vegetation bedeckt. Dagegen 
erdulden Swertia (juadricomis , Slähelinen, Espeletia frai- 
lexon und' andere Alpenpflanzen der hohen Andeskette das 



. ' Die Steppe zwischen der Bergkette, längs der Küste von Caraccas und dem 
Apiire und JN'ieder-Orinoco 5' so eben, dafs sie überall das Bild des Meer- 
Horizonts darbietet. 



DER TROPENLÄNDER. 9^ 

ganze Jahr hindurch, aufser den wenigen Stunden, wo die 
Sonne den ewigen Nebel durchbricht, eine Kälte von h- 3^5. 
Diese Alpenpflanzen und die Palmen bezeichnen gleichsam 
die Exti^eme der botanischen Thermomcter-Scale. 

Die mittleren Luftwärmen , welche das Naturgemälde von 
tausend zu tausend Meter (5oo zu 5oo Toisen) Höhe an- 



gibt , stelle 



TVärme 



V dem Aqua 



tor vom Meeresspiegel bis zu den höchsten Berggipfeln dar. 
Wenn meine Beobachtungen genau und zahlreich genug 
gewesen sind , so mufs diefs Resultat richtiger sejn , als 
man es fast je für Europa wird ausmitteln können. Diesen 
Vortheil gewährt in den Tropenländern des neuen Konti- 
nents die grofse Erhebung des Bodens. Hier findet man 
Dörfer, welche noch vier hundert Meter (200 Toisen) 
höher liegen-^ als die Spitze des Pico de Teneriffa , und in 
welchen Physiker einen interessanten und nicht sehr be- 
schwerlichen W 

ist es schwer, bestimmte Begriffe von der mittlem Tem- 
peratur gleichhoher Luftschichten zu erlangen. Diejenigen , 
welche zwischen drey tausend und fünf tausend Meter (i5oo 
und :>5oo Toisen) hegen, werden selten besucht; und selbst 
Luftreisen, eines der wichtigsten und unbenutztesten Mittel 
für die Erweiterung der Meteorologie, können ihrer Natur 
nach nich 

der Luftwärme mit völliger Genauigkeit auszumitteln. 
Aus meinen Beobachtungen scheint zu foken, dafs diese 



\ 



oft genug angestellt werden, um die Abnahme 



Abnahme, in der Andeskette, oberhalb drey tausend und 
fünfhundert Meter (1795 Toisen), in Verhältnifs von 5 : 3 



■7 ^ 



g6 NATURGEMALD E 

schneller ist, als in den Luftschichten zwischen der Meei^es- 
küste und zwey tausend und fünf hundert Meter (1281 
Toisen). Diejenige Schicht, in Avelchei die allmählige Erkal- 
tung gleichsam einen Sprung macht und plötzlich schnell 
zunimmt , ist zwischen zwey tausend fünf hundert Meter 
und drey tausend fünf hundert Meter (isSo und lySo 
Toisen), zwischen der Höhe des Gothard und des Ätna 
enthalten. Freylich kann man leicht einsehen, wie viel die 
strahlende Wärme , welche durch die Unebenheiten , durch 

j 

die Natur und Farbe des Bodens mannigfaltig bestimmt 
wird, auf dieses, von mir in den Andes beobachtete, Gesetz 
der Wärmeabnahme Einflufs haben mufs : freylich würde 
ein Aeronaute, der sich unter dem Äquator, fern von den 
Gebirgen, zum Beyspiel über der Meeresfläche oder in den 
unermefslichen Ebenen des Amazonenlandes erhöbe, diefs 
Gesetz wahrscheinlich etwas anders modificirt finden. Doch 
ist zu vermuthen, dafs diese Verschiedenheit der Resultate 
sich nicht weit über vier tausend Meter (aoSs Toisen) Höhe 
erstrecken würde : denn in diesen kiftdünnen Regionen ist 
die Masse der Berggipfel , selbst in der Andeskette , schon 
geringe. Sie bieten daselbst nicht mehr so beträchtliche Ebe- 
nen dar, und der Einflufs strahlender Wärme kann daher 



dort 



s 



nur geringe seyn 



Auf der Reise, welche ich im Junius 1802 nahe bis an 

- 

den Gipfel des Chimborazo gemacht, habe ich die Abnahme 
der Wärme zu hundert sechs und neunzig Meter (101 Toisen) 
für jeden Grad des hunderttheiligen Thermometers gefunden. 
Aus den mittleren Temperaturen zwischen dem Meeresspiegel 



' ^ 



• # 



DER TEOPENLANDER. 



97 



und fünf tausend fünf hundert Meter (2823 Toisen) Höhe 



We 



8 



•efunden wor- 



den sind), ergeben sich hundert vier und neunzig Meter 
(100 Toisen) für jeden Thermometergrad/ Saussui^e nimmt 
für den Sommer hundert sechs und fünfzi«; Meter (po Toi- 

Meter 



Winter 



g 



(111 Toisen) an. Eine noch auffallendere Übereinstimmun 
bietet die letzte grofse Luftreise meines Freundes , des Herrn 
Gay-Lussac, dar. Dieser scharfsinnige Physiker fand im Som- 
mer über Paris genau dieselbe Abnahme der Wärme, web 

* * ■ 

che ich lange vorher für den Äquator bestimmt hatte. Er 
beobachtete (während dafs das Thermometer in Paris 3o" 
zeigte), in einer Höhe von fünf tausend Meter (aSöS Toi- 
sen), Eiskälte (±0"). In sechs tausend Meter (3078 Toisen) 
Höhe stand das Thermometer 3" unter dem Gefrierpunkte. 
Hieraus folgt zwischen o und fünf tausend fünf hundert 
Meter ( 3823 Toisen ) eine Wärmeabnahme von hundert 
drey und achtzig Meter (g5 Toisen) für jeden Therinome- 
tergrad. Rechnet man für alle Luftschichten von der Ebene 
bis sechs tausend neun hundert sieben und siebzig Meter 
(358o Toisen) Höhe , so ergibt sich eine Abnahme von 
hundert drey und siebzig Meter (87 Toisen). Ich habe an 



I 

^ Wirft man einen Blick auf die mittlere Wärme verscliiedener Orte der 

+ ¥ 

gemäfsigten Zone, so bemerkt man, dafs zwischen vierzig und sechzig Grad 
nördlicher Breite ein Grad Temperatur -Verschiedenheit zwej Breitengraden 
zukömmt. Wer also unter den Tropen zwey tausend fimf hundert Meter (1281 
Toisen) an dem Abhänge der Andeskette ansteigt, gelangt vom Klima von JBer- 
lin in das von Rom. ' 



i5 



98 N A T IT I\ G E M A L D E 

r 

einem andern Orte in einer, der ersten Klasse des National- 
Instituts vorgelesenen, Abhandlung^ entwickelt, wie in dem 
Luftmeere, in welches unsix feste Erdmasse eingetaucht ist, 
oberhalb vier tausend sieben hundert Meter (2411 Toisen) 
Höhe, die geograpbische Breite die Temperatur nur wenig 
modificirt, und wie Herr Gay-Lussac (in 48'' nördl. Breite) 
in den hohen Luftschichten überall genau denselben Ther- 
mometerstand beobachtete, welchen Ich nahe am Äquator, 
in gleichen Höhen , auf der Expedition nach dem Gipfel 
des Chimborazo, gefunden hatte.' 

Die Phänomene der Horizontal-Refraction , mit deren 
Theorie Laplaee gegenwärtig beschäftigt ist', scheinen auf 
den ersten Blick dieser gleichen Abnahme der "Wärme in 
Luftregionen, die vom Äquator, der geographischen Breite 
nach, so ungleich entfernt sind, entgegen zu seyn. Diese 
Refraction, welche man seit Bouguer's Zeiten um vier bis 
fünf Minuten geringer in den Tropenländern , als in der 
gemäfsigten Zone annimmt, lassen nähmlich in den ersteren 

F 

auch eine schnellere Abnahme der Wärme vermuthen. Aber 
man mufs nicht vergessen, dafs, nach Delambre's neueren 
Beobachtungen, die Horizontal-Refraction In Europa weit 
kleiner, und, nach Le Gentil, in Ostindien unter den Tro- 
pen weit gröfser ist, als man sie gewöhnlich angibt. In Eu- 
ropa kennen wir dazu noch sehr wenig die Wäi-meabnahme 
während der Wintermonathe; und da die Horizontal -Refrac- 



^ 



' Memoire sur la iimite inferieure des neiges perpetuelles et sur le de'croisse- 
■anent du caloritjue dans las hautes regions de Talmospliere, lu le 5 Frimaire an i3. 



■^ 



DER TROPEN LAND ER. 99 

ß 

■r 

tion von allen Luftschichten abhängt, welche der Lichtstrahl 
durchläuft : so wäre es sehr möglich , dafs eine ungleiche 
Abnahme der Wärme in Schichten , welche höher als sie- 
ben tausend Meter (3591 Toisen), also jenseits aller bishe- 
rigen Beobachtungen liegen, die ungleiche Strahlenbrechung 
begründe. In einer Materie , über welche es noch so sehr 
an genauen und vervielfältigten Erfahrungen fehlt , ist es 
vorsichtiger, statt sich in Vermulhungen zu vei-irren , die 
Resultate , wie sie aus den bisherigen Beobachtungen folgen . 
unverändert zu liefern. 

Der Druck , welchen die Atmosphäre in verschiedenen 
Höhen über der Meeresfläche ausübt, ist durch Barometer- 
stände bezeichnet, welche nach der Laplacischen Formel für 
barometrische Höhenmessungen berechnet sind. Die Tem- 
peratur ist dabey nach dem oben entwickelten Gesetz der 
Wärmeabnahme supponirt. Sey X die Höhe in Meter aus- 
gedi-ückt; H, der Barometerstand an der Oberfläche des 
Meeres ; T, die Temperatur ebendaselbst 5 t, die Temperatur y^ 
welche der Höhe X zugehört; und h, endlich, der gesuchte 
Barometerstand für X : so ist 

T ^ 



, 2(T-^t) 
^ ' 1000 ' ^ 



und hat man so die Zahl m gefunden, so ergibt sich 



1 H 



\ 6412/ 



m 



lOO 



N A T U II G E M Ä L D E 



X 



/^ 



L 

Nach dieser Formel findet man von fünf hundert zu fünf 
. hundert Meter (sSo Toisen) folgende Barometerstände. 



HOHEN 



ÜBER DER MEERESFLACHE. 



IN METER. 



M 



o 
5oo 

1000 

iSoo • 

2000 
2^00 

3ooo 
35oo 
4ooo 
45oo 
5ooo 

t)DOO 

6ooo 
65oo 



IN TOISEN. 



o 

5i3 

1026 

1282 



-^ 



539 



179t) 

2032 

23o8 

20O0 



MITTLERE 



■r f 



TEMPERATUR 



NACH DEM 



iiUNDERTTHF.ILIGEN 

THERMOMETER. 



j 




o 
2 0,3 

24,0 

2 2,6 



+ 21,2 



_}_ 



3 0,0 

18,7 

6,4 

0,4 



BAROMETERHOHEN, 



I JS METER. 



0,76202 
0,71961 
0,67923 
0,641 34 

o,6o5oi 

0,57073 

0,53689 

o,5o4i8 

0,47417 

0,44553 

0,41823 

0,39206 

0,36747 . 

0,34357 

o,32o35 

o,3oo68 



IN LINIEN. 


337,8 ■ 


3 19,03 


3oi,i8 


284,28 


268,24 . 


253,o5 


238,o6 


223,5o 


210,20 


197,55 



i85,4o 
173,84. 
162,95 
1 52,38 
142,61 
1 33,36 



I 

Die mittleren Luftwärmen oberhalb sechs tausend Meter 
(5ooo Toisen) sind hier abermal wenig genau, da sie sich 
nicht auf unmittelbare Erfahrungen , sondern nur auf die , 
in tieferen Regionen beobachtete Wärmeabnahme gründen. 
Saussure hat das Barometer auf dem Gipfel des Mont-Blanc 
bis 0,435 1 5 Meter (16 Zoll 0,9 Linie) herabsinken sehen. 



f 



*t 



DER TROPENLANDEFi. loi 

La Condamine und Bouguer ' fanden auf dem Corazon (süd- 

■ \ 

lieh von der Stadt Quito) 0,4^670 Meter (i5 Zoll g^2 



CTi^^ 



Linien). Ich bin auf dem Chimborazo zu einer Höhe ge 
langt, in welcher das Barometer nur 0,37717 Meter ( 1 3 Zoll 

11,2 Linien) zeigte. Aber Herr Gay-Lussac hat in seiner 
aerostatischen Reise eine Luftdünne ertragen, welche durch 
einen Barometerstand von 0,3288 Meter (12 Zoll 1,8 Linie) 
ausgedrückt wurde. 

Die Barometerhöhe am Meeresufer habe ich zu 0,76202 
Meter (357,8 Linien) bey einer Wärme von 25° angenom- 
men. So folgt dieselbe aus zahlreichen Beobachtungen , 
welche ich an den Ufern des atlantischen und des stillen 
Oceans, in der südlichen und nördlichen Hepiisphäre, an- 

estellt habe. Bouguer nahm als Mittelzahl 28 Zoll 1 Linie; 
der spanische Geometer Don Jorge Juan, 27 Zoll 1 1,5 Linien 
an. La Condamine sagt ausdrücklich : « Wenn die mittlere 
<( Barometerhöhe unter den Tropen nicht gar geringer als 
«28 Zoll ist, so weicht sie wenigstens nur wenig davon 

- 

«ab.** Zwey vortreffliche Barometer, welche ich vor meiner 
Abreise aus Europa, wie alle andere von mir gebrauchte, 
Instrumente, aufs sorgfältigste mit denen der National-Stern- 
warte zu Paris verglichen hatte, und die ohne alle Beschä- 
digung nach Süd-Amerika gelangten, haben mich gelehrt, 



•k i. 



* La Condamine, Vojage ä Vequatcur^ p. 58. « Personne n'a vu le barometre 
> « si bas Jans l'air libre , et vraisemblablement personne n'est monte ä une plus 

r 

« grande hauteur. JYous etiuns (ä la cime du Corazon) a.deux mllle quatre cent 
(( >oixante-dix toises, et nous ponvions re'pondre, ä quatre ou cinq toises pres, 
n de la justesse de cette determiiiation. " , 



■-". 



103 NATURGEMÄLDE 

dafs der mittlere Luftdruck in der heifsen Zone am Meeres- 
ufer etwas geringer , als in den gemafsigten Erdstrichen ' ist. 
Shukburg fand denselben in Europa 0,76301 Meter (28 Zoll 



4 



28 Zoll 2,8 



Linien), bey einer Lufttemperatur von 12^ Dieser Unter- 
schied nähmlich , welcher zwischen der heifsen und gemafsig- 
ten Zone Statt findet, läfst sich nicht durch den Einflufs 
der Wärme allein erklären, um so weniger als in den nie- 
deren Ebenen des wesdichen l'heils von Peru, währ-end dafs 
die Sonne vier bis fünf Monathe lang in dickem Nebel ein- 
gehüllt ist, das Thermometer bis i5° oder 16'' herabsinkt, 
ohne den Barometerstand merklich zu afficiren. 

Der Luftdruck wechselt in der gemafsigten Zone in dem- 
selben Jahre , ja bisweilen in wenigen Monathen , um o,o45 



' Trotz der Versuclie von Shukburg und Fleuriau wäre es doch sehr vfün- 
schenswerth, wenn die mittlere Barometerhöhe der europäischen Meere, zum 
Bejspiel der Ostsee, des atlantischen, mittelländischen, schwarzen (und caspi- 
sehen) Meeres, mit ^orAer und nachher sorgfältig unter sich 'verglichenen Instru- 
menten ausgemittelt würde. Poleni's und Toaldo's vieljährige Beobachtungen 
lehren, dafs dieser mittlere Luftdruck gewissen (wahrscheinlich'periodischen) 
Veränderungen unterworfen ist. Wollen Physiker in künftigen Jahrtausenden 
einst die Frage untersuchen, ob der Luftdruck zu- oder abgenommen hat: so 
werden sie mit Recht unsre Trägheit anklagen, mit der wir unterlassen haben, 
im i8ten und igten Jahrhunderte das Gewicht der Atmosphäre so genau zu 
bestimmen, als es unsere dermaligen Werkzeuge erlauben. Mittlerer Luftdruck 
an den Ufern des Meeres, Intensität der magnetischen Kraft, Sauerstüffmenge 
des Luftkreises, mittlere Wärme und Quantität des gefallenen Regens, sind 
Phänomene, über deren Beständigkeit oder Wechsel kommende Jahrhunderte 
entscheiden werden, wenn wir diese Entscheidung durch sorgfältige Bestim- 
mungen gegenwärtig vorbereiten. Wie sehr haben die Physiker auch nicht in 
dieser Hinsicht die unermüdete Vorsicht der Astronomen nachzuahmen ! 



V. 



'\ 



DER TROPENLANDER. io3 

Meter (:20 Linien). In der Tropenregion zwischen dem loten 
Grade nördlicher und dem loten Grade südHcher Breite, 
wo die Passatwinde (der ewig wehende Ostwind) immer- 
fort eine fast gleich warme und also fast gleich dichte Luft 
herbeyführen , verändert sich der Barometerstand am Mee- 
resufer nie um mehr als 0,0026 (i,4 Linie), ja auf Gebirgs- 
ebenen, die drey tausend Meter (i55g Toisen) über dem 
Meere erhaben sind, nie um mehr als 0,00 1 5 Meter (0,7 
Linie). So gering aber auch diese Barometerveränderungen 
in den dem Äquator nahen Erdstrichen sind, so werden 
sie dagegen um so merkwürdiger durch die aufserordent- 
Kche Regelmäfsigkeit , der sie von Stunde zu Stunde unter- 
worfen sind. Godin ist unstreitig der erste gewesen, welcher 
diesen stündlichen Wechsel , diese Ebbe und Fluth des 
Luftmeeres , während seines Aufenthalts zu Quito -entdeckt 
hat. Doch gibt La Condamine, der uns diese Entdeckung 
überhefert, nicht das tägliche und nächdiche Maximum und 
Minimum der regelmäfsigen Barometerveränderungen an. 
Diese Epochen hat John Farquhar in Calcutta^ wie Moscley 
und Thibaut de Chanvalon ^ in den Antillen , wirklich beob- 
achtet; aber sie stimmen nicht mit denen überein, welche 
wir , Bonpland und ich , seit den ersten Tagen unsrer An- 
kunft in Süd-Amerika wahrgenommen haben , da wir viele 
Nächte hinter einandei- den stündhchen Veränderungen ge- 
folgt sind. Wir haben gefunden, dafs die Barometerhöhe 

' Francis Balfour und John Farquliar, in den Jsiat. researches, ^ol. 4. 

^ Treatise on tropical diseases ,.\^(^i, p. 3. Gilbert's vortreffliche Annalen , 
B. 6, p. i^^. 



io4 NATURGEMALD E 

Morgens um neun Uhr ihr Maximum erreicht hat. Von neun 
Uhr bis Mittag sinkt das Quecksilber gewöhnhch nur wenig; 
aber diefs Fallen ist stets sehr merklich von zwölf Ühr bis 
vier Uhr oder vier Uhr dreyfsig Minuten, wo das Barometer 
auf dexn niedrigsten Punkte ist. Von diesem Minimum an ; 
steigt es abermals bis eilf Uhr Abends, wo es fast eben so 
hoch steht, als um neun Uhr Morgens. Das Barometer sinkt 

r 

abermals die ganze Nacht hindurch, vorzüglich von Mitter- 
nacht an bis vier Uhr dreyfsig Minuten Morgens. Von die- 
sem zweyten Minimum an erhebt es sich wieder bis neun 
Uhr. So gibt es in vier und zwanzig Stunden zwey Ebben 
und zwey Fluthen , in denen die nächtlichen kürzer , als 
die täglichen sind. Diese kleinen stündlichen Veränderungen 
habe Ich identisch gefunden, am Ufer des Amazonenflusses, 
In Cumana oder im Callao (dem Hafen von Uima an der 

I 

Südseeküste). Sie erfolgten zu derselben Zeit, in Gegenden, 
die vier tausend Meter (aoSa Toisen) über dem Meere erha- 
ben liegen, wie in den Ebenen des spanischen Guayana. Sie 
scheinen, und diefs ist am auffallendsten, völlig unabhängig 
vom Wechsel der Temperatur oder dem Einflufs der Wit- 
terung überhaupt. Wenn das Barometer einmal im Sinken 
ist, von ein und zwanzig Uhr bis vier Uhr; wenn es einmal 
im Steigen ist, von vier Uhr bis eilf Uhr : so unterbrechen 
weder Erdbeben , noch Sturmwind, noch mit heftigen Regen- 
güssen begleitete Gewitter, seinen Gang. Der Sonnenstand 
allein scheint diesen zu lenken. ^ An einigen Orten habe ich 



^ Die Kennlnirs der stündiiclien Vei-änderungen des Luftdruckes raaclit selbst 
den kleinsten Fehler verscliwinden , welclien man unLer dem Äquator bey baro- 



h« 



DER TROPENLANDER. 



1 o 5 



viele Wochen hinter einander diese stündlichen Variationen 
so regelmäfsig gefunden , der Anfang des Sleigens und Sinkens 
war so bestimmt, dafs die Betrachtung des Barometers 
nicht um eine Viertelstunde in der wahren Zeit irren liefs. 
Ich hebe hier von den zahlreichen Beobachtungen , die wir 
über die stündlichen Barometerveränderungen von unsrer 
Reise zurückbringen, folgende aus, welche ich in dem Callao 
bej Lima angestellt habe , und welche gleichsam als Typus 
für dieses sonderbare Phänomen gelten kann. Das gebrauchte 
Barometer war von vorzüglicher Güte. Der Nonius liefs 

w 

bequem 0,03 Linie erkennen. Die absolute Höhe der Stände 
war , wegen des unberichtigten Niveau's , um 0,9 Linie zu 



nie 



drig. Die Richtung der Pfeile drückt die Epochen des 
Steigens und Fallens , gleichsam die Fluth und die Ebbe 
des Luftmeeres , aus. 



metrischen Höiaenmessungen , ohne correspondirende Beohachtungen j begehen^ 
kann. Ist der Barometerstand zu irgend einer Stunde bekannt : so weifs man 
bis auf -j^ Linie, mit ziemlicher Gewifsheit, Avie er zu jeder andern gegebenen 
Zeit daselbst seyn "wird. Sey Z der mittlere Barometerstand eines Orts der 
Tropenländer am Ufer des Meeres, so ist die Bärometerhöhe daselbst: 



Um 21.^ 

— 4. 

— n. 

— i6. 



Z H- o ,^- 5. 
Z — 



z 
z 



o 



o 



o 



4- 



1. 



2, 



4 



y 



io6 



NATURGEMÄLDE 



■ 

Stündliche Veränderungen des Luftdrucks , am Sten und gten 
Noi^emher 1802, a?! den Ufern der Südsee ^ in 12" 3' süd- 
licher Breite und jg° i3' westlicher Länge von Paris. 



\ 



STUNDEN. 



•WAHRE ZEIT. 



Uhr 

Am 8 Nov. um io|: 

1 1 



\ 



y 



X 



^ 



\ 



y 



i3 
i5 
16 

17 
>7i 

20 
21 



32I: 

4 

5 
8 

9 
10 



1 1 



1 1 
i3 



BAROMETER- 
STAND 

r 

IN LINIEN. 



336^92 
336,98 

336,72 
336,6o 
336,65 
336,62 
336,55 

336,8o 
336,87 
336,95 
337,25 
337,35 

337,13 
336,90 
336,75 
3 3 6,60 
336,45 

336,5o 
336,85 

336,95 

336,97 

337, i5 

336,90 
336,84 



THERMOMETER 



A.M 



BAROMETER. 



i9>5 

20,0 

20,5 

22,0 

22,7 

23,0 
23,0 

24,5 

2 5,5 
2 5,9 
26,0 
2 5, 5 

2 5,5 
25,0 

22,0 

22,4 

20,0 

20,5 

20,5 



THERMOMETER 

AN DER FREYEN LUrT 
UnD IM SCaATTEN. 



o 



16,3 

16,2 

16,2 

16,2 

16,5 

16,0 
16,0 

16,3 

16,4 

17,0 

18,0 

19j2 

20,4 
22,5 
22,7 
23,2 

20,5 

18,0 




37,5 

34 

34 
34,5 

33,6 
37 



16,1 


39 


16,5 


40 


. 16,4 ■ 


42 


16,4 


42 


16,7 


42 


16,7 


43 

, b^HXr »^ 



DER TROPENLÄNDER 



lO 



7 



Unerachtet ich mehrmals in diesem Abschnitte diese stund- 
liehen Variationen des Barometers mit dem Phänomen der 

--. 

. Ebbe und Fluth verglichen , und bemerkt habe , dafs sie mit 
dem Stande der Sonne in nicht zu verkennendem Zusam- 
menhang stehen: so glaube ich doch nicht, dafs sie unmit- 
telbar und allein in der Attraction dieses Weltkörpers 
gegründet sind. Wäre hier Anziehung der Massen im Spiel, 
wie in der Ebbe und Fluth des Meeres , warum ist es mir 

h 

nie geglückt , so viele Nächte ich auch darauf aufmerksam 
gewesen bin, Einwirkungen des Mondstandes auf die Baro- 



meterhöhe unter dem Äquator zu bemerken ? Herr Mutis, 
dessen Scharfsinn nichts entgeht , und der sich seit dreyfsig 
Jahren mit diesem Phänomene in Santa -Fe (2623 Meter 
oder i347 Toisen über dem Meere) beschäftigt hat, versichert 
zwar, daselbst deutliche Spuren dieser Einwii^kungen in den 
Conjunctionen und Oppositionen entdeckt zu haben. Aber 
gesetzt auch 5 dafs sie wirklich existiren : so scheinen die 
stündlichen Barometerveränderungen unter dem Äquator 
doch noch zu beträchtlich zu seyn , als dafs sie der Anzie- 
hung der Sonne und des Mondes, und der durch sie verui^- 

I 

sachten Erhebung des Luftmeeres, allein zugeschrieben werden 
könnten. Laplace hat in seinem Meisterwerke, in der Meca- 
ni(jue Celeste^ gezeigt, dafs diese Anziehung unter den vor- 
theilhaftesten Umständen k 

L 

könne. Hängt demnach der periodische Wechsel des Luft- 
drucks fast ausschliefslich von dem Sonnenstande ab , und 
hat man Gründe denselben weder der Massen- Attraction 
dieses Central - Gestirns , noch den Wirkungen der von 



aum 



ein Millimeter betragen 



J 



■^ 



108 NATURGEMALDE 

■- r 

^ 

ihm austrahlenden oder wenigstens durch ihn erregten 
Wärme zuzuschreiben : so darf man vielleicht irgend einen 
Einflufs des Sonnenlichtes auf die Atmosphäre ahnden. 
Naturphilosophische Ideen geben diesen Ahndungen ein 
gröfseres Gewicht , und Herr Schelling weist an mehreren 
Orten seiner Werke' scharfsinnig auf die Übereinstimmung 
zwischen dem Gange des Barometers und der Magnetnadel 
hin. Ich werde bald an einem andern Orte ^ ( wenn ich 
meine Beobachtungen über Inclihation , stündliche Declina- 
tion und durch die Zahl der Oscillationen gemessene Inten- 
sität der magnetischen Kraft bekannt mache) auf diesen 
Gegenstand zurückkommen. 

Nahe an dem Wendekreise des Krebses in dem Meer- 
busen von Mexico, zwischen dem neunzehnten und drey 
und zwanzigsten Grade nördlicher Breite, erkennt man bis- 

^ 

weilen einen temporären Einflufs der Wettei^veränderungen 
auf den Luftdruck. In der Havana und in Vera-Cruz erhebt 

\ 

der stürmende Nordwind , welcher kalte Luftschichten her- 
beyführt, das Barometer um fünf bis sieben Linien. Diesem 
Steigen geht ein plötzliches Sinken des Quecksilbers zuvor, 
ein Sinken, welches ein wichtiges und jetzt sorgfältig beob- 
achtetes Prognosticon für die gefahrvolle Schiffahrt in diesem 
Meerbusen ist. Das Barometer erhält sich unveränderlich 
hoch , so lange der Sturm wüthet. Raum ist derselbe vor- 
über, so tritt mit den Passatwinden {la Briza) auch sogleich 



^ Weltseele, S. ]5i. IVeue Zeitsclirift fiir speculative Pliysit, ß- 1 » St. 2, S. 16g. 
^ In einer Schrift, welclie ich mit Herrn Biot in Paris gemeiuschafllich her- 

^tisgehe. 



DER TROPENLANDER. 109 

wieder das regelmäfsige Spiel der stündlichen Barometer- 
Veränderungen ein. 

Cotte hat durch Yergleichung einer grofsen Anzahl genauer 
Beobachtungen ausgemittelt, dafs in Europa der niedrigste 
Stand des Quecksilbers im Durchschnitte zwey Stunden nach 
Culmination der Sonne , also zwey Stunden früher als unter 
dem Äquator eintritt. Wahrscheinlich existiren auch in 
unsrer gemäfsigten Zone diese kleinen periodischen Ebben 
und Fluthen des Luftmeeres. Yielleicht sind sie nur durch 
die vielen Perturbationen einer, an Wärmegehalt und Feuch- 
tigkeit so oft w^echselnden, Atmosphäre versteckt, und Mittel- 
zahlen , aus vielen tausend stündlichen Beobachtungen gezo- 
gen, würden durch Compensation der störenden Ursachen 
die Existenz dieser periodischen Oscillationen des Barometers 
auch in Europa erweisen. Ohne Mittelzahlen würde man 
ja selbst nie die kleinsten ModificatJonen in der Ebbe und 
Fluth des atlantischen Oceans entdeckt haben, 

Ich kann diesen Abschnitt über die Elasticität der Luft 
nicht verlassen , ohne eine physiologische Bemerkung hinzu- 
zufügen. Der Barometerstand in der Stadt Quito ist o,^-5436 

■ _ r 

oder 20 Zoll i Linie ; in der Stadt Micuipampa , im nordöst- 
lichen Theile von Peru , 0,^-4962 oder 18 Zoll 4 Linien. Die 
Bewohner der Meyerey Antisana athmen eine Luft , deren 
Elasticität durch eine Quecksilbersäule von 0,^-4692 (17 Zoll 
4. Linien) ausgedrückt wird. Herr Gay-Lussac hat das Baro- 
meter bis 0,^^-3288 oder 12 Zoll i^Linie sinken sehen. Der 

n- ' 

Mensch , der in der Ebene an einen Luftdruck von 0,^^7579 
(28 Zoll) gewöhnt ist, widersteht allen diesen Veränderun 



gen 



/ 



\ ^ 



HO NATUR GEMÄLDE 

H 

Die Bewohner jener hohen Gebirgsstädte der Andes (Indianer 
und welfse Racen) geniefsen der besten und dauerhaftesten 
Gesundheit. Fremde klagen zwar in den ersten Tagen ihrer 
Ankunft von der Rüste über beschwerhche Respiration , 
besonders wenn sie schnell sprechen, oder sich einer starken 
Muskelbewegung aussetzen ; aber diese Unbehaglichkeit ' 
dauert nur kurze Zeit. Sinkt dagegen das Barometer bis 

■t 

o,4o6o Meter (i5 Zoll), alsdann wird der Einflufs der Luft- 
dünne bedeutender. Auf fünf tausend Meter (3565 Toisen) 
Höhe fühlt man eine aufFallende Ermattung, eine Schwäche 
des ganzen Nervensystems. Man fällt leicht in Ohnmacht, 
so gering auch die Anstrengung ist , zu welcher man seine 
deprimirten Muskeln zwingt. Schwächere Personen fühlen 
dabey grofse Neigung zum Erbrechen; und in Höhen, welche 
fünf tausend acht hundert Meter (2975 Toisen) übersteigen , 
wirkt die, zum Ersteigen der Berge nöthige, starke Muskel- 
bewegung und der Mangel des äufseren Luftdrucks so sehr 
auf die Häute der kleinsten Blutgefäfse , dafs das Blut aus 
den Lippen , aus dem Zahnfleische und aus den Augen her- 
vordringt. Alle diese Erscheinungen wechseln natürlich mit 
der Constitution der Individuen. 

Saussure hat auf seinen Alpenreisen beobachtet, dafs der 
Mensch mehr als der Maulesel der Luftdünne widersteht. 
Ich habe im Königreich Neu-Spanien mit vieler Beschwerde 
ein Pferd am Cofre de Perote bis drey tausend acht hundert 
neun und dreyfsig Meter (1970 Toisen), also hundert und 
vier und dreyfsig Meter ( 69 Toisen ) höher als der Gipfel 
des Pico de Teneriffa gebracht. Das Thier hatte eine stöh- 



DER TROPENLÄNDER. m 

J 

j 

nende , beängstigte Respiration , welche nicht als Folge der 
Muskelanstrengung zu betrachten war , da die Beängstigung 
in tieferen Gegenden verschwand , wo das Gebirge gleich 
steil war. Im Ganzen glaube ich bemerkt zu haben , dafs 

r 

die weifse Merischenrace in Höhen , welche fünf tausend 
acht hundert Meter (sgyS Toisen) nahe kommen, minder 

r 

leidet , als die eingeborenen kupferfarbigen Indianer. 

Der Luftdruck mufs den wichtigsten Einflufs auf die 
vitalen Functionen der Pflanzen , besonders auf die Respi- 
ration ihrer Integumente äufsern. Unerachtet die meisten 
Kryptogamen, und unter den Phanerogamen viele Gräser, 
fast gleichgültig für diese Wirkungen des Luftdrucks scheinen: 
so sind andere Gewächse dagegen um so empfindhcher für 



dieselben. 



/' 



Stcehelina der Andeskette und viele Gentianen erheischen 



*= 



emen Barometerstand von o,46o und 0,487 Meter (17 bis 
18 Zoll). Viele peruanische Alpenpflanzen würden, wenn 
man sie nach Europa in die Ebene verpflanzte , daselbst 
allenfalls wohl die erforderliche Temperatur, nicht aber 
die Luftdünne finden , an welche ihre Organe gewöhnt 
sind, und die zu ihrem Gedeihen erforderUch ist. 

j 

Feuchtigkeit der Atmosphäre. 

Eine eigene Scale des Naturgemäldes stellt die allmählige 
Abnahme der Luftfeuchtigkeit unter dem Äquator, vom Ufer 
des Meeres bis zu dem Gipfel der Andeskette dar. Die Beob- 
achtungen, aus denen ich diese Mittelzahlen deducirt habe, 
sind im Schatten bey voUkommner Himmelsbläue, bald mit 



^ 



1 12 



NÄTURGEMALBE 



dem Saussure'schen , bald mit dem Deluc'schen Hygrometer 
angestellt worden, je nachdem das Instrument die Feucli- 
tigkeit schnell anzeigen sollte , oder es der Luft lange aus- 
gesetzt bleiben konnte. Alle Resultate sind auf Grade des 
Saussure'schen Hygrometers und auf die gleiche Temperatur 
von aS^'jS reducirt. Saussure's und Dalton's Versuche lehren, 
dafs die Correction durch den verschiedenen Luftdruck gänz- 
lich überflüssig ist. 



f^ 




■' ' ' 

Diese Tafel wird künftig einmal für die Strahlenbrechung 

h - , ^ ^ 

wichtig seyn, wenn die Theorie der letztern aus mehr umfas- 
senden Gesichtspunkten wird betrachtet werden. Die Ab- 
nahme der Luftfeuchtigkeit unter dem Äquator beträgt, nach 
meinen Versuchen, ungefähr neunzig Meter (46,17 Toisen) 
für einen Grad des Saussure'schen Hygrometers. 

Trotz der ungeheuren Trockenheit der Luftschichten auf 
dem hohen Gipfel der Andes ( wo das Hygrometer bis 

F 

46*" bey einem Thermometerstande von 3% 7 herabsinkt 
Hygrometer 3 1^7 Sauss. bey a5°,3 Wärme); Trotz dieser 



y 



DER TRÖPENLANDER. 1 13 

r 

Trockenheit der Bergluft , sage ich , befindet sich der Reisende 
gerade in diesen Höhen von zwey tausend fünf hundert bis 
drey tausend fünf hundert Meter (isSS bis 1796 Toisen) 
jeden AugenbUck in dicken Nebel gehüllt. Dieser Nieder- 
schlag ( oder diese mysteriöse Wasserbildung ? ) . 
Folge oder Ursache einer starken elektrischen Tension seyn. 



mas sie 



W 



diefs frische, stets sich erneuernde Grün, mit dem sie prangt. 

In den tieferen Tropenregionen des neuen Kontinents 

enthält eine durchsichtige und viele Monathe lang wölken- 



Wasser 



Wass 



che seines Sohnes, erwiesen. Diese sonderbare Luftbeschaf- 
fenheit ist es , welche die Tropenvegetation Avährend der 
fünf- bis sechsmonathlichen trocknen Jahrszeit erhält. Hätten 
die Pflanzen nicht in einem so hohen Grade die Fähigkeit, 
der Luft das Wasser zu entziehen, wie könnte man Bäume 
und Stauden mit solcher Blätterfülle in Ländern geschmückt 
sehen, wo, wie zum Beyspiel in Cumana , oft in acht bis 
zehn Monadien weder Regen, noch Thau, noch Nebel fällt? 
In Europa habe ich in^ der Ebene nie eine Lufttrocken- 
heit unter Z^ö*" Sauss. bey einer Wärme von iS"" bemerkt. In 
dem zwey tausend zwey hundert fünf und neunzig Meter 
(1 177 Toisen) über dem Meere erhabenen Thale von Mexico, 
sinkt eben diefs Saussure'sche Hygrometer meist bis 42"* und 
44" herab. Wo bleiben die Dünste , welche aus den fünf, 
die Stadt umgebenden Seen tägHch emporsteigen? Denn von 
der grofsen Masse kochsalzsaurer und kohlensaurer Soda 



i5 



r^ 



ii4 NATUHGEMÄLDE 



V 



V 



welche diese hohe Ebene wie mit Schneeflocken Ledeckt, 

7 

werden sie wohl nicht absorbirt. Diese ungeheure Trocken- 
heit der mexicanischen Luft, welche den schädlichsten Ein- 

■ 

r 

flufs auf die Gesundheit der Einwohner und auf den Acker- 
und Gartenbau äufsert , nimmt täglich zu , da man durch 
künsthche Kanäle die Seen zu verringern sucht, und da sich 
die Regenmenge in Neu-Spanien ( wie in den Antillischen 
Inseln) seit fünfzehn Jahren sichtbar vermindert hat. Ist 
diese Abnahme periodisch , oder hängt sie von grofsen kos- 
mischen Veränderungen ab ? Was menschliche Industrie auf 
der Erdoberfläche umwandelt, ist in so grofsen Landstrichen 
zu unbedeutend , als dafs, man diesen künstlichen Verände- 
rungen, zum Beyspiel der Ausi^ottung der Wälder in Nord- 
Amerika, die Verminderung des Piegens, das Seltenerwerden 
der Orkane, der grofsen elektrischen Explosionen, und selbst 
das des Nordsturmes zwischen Vera-Cruz und der Mündung 

r 

des Missisipy zuschreiben dürfte. — Wie grofs mufs nicht 
vollends die Lufttrockenheit in Persien seyn, wo man, nach 
Chardin's Bericht , in der Provinz Rei^man , Häuser von Stein- 

I r 

salz baut ! Aber wann werden Hygrometer in diese Gegen- 
den eindringen? 

Der in der Luft enthaltene Wasserdunst tritt, bald durch 
Erniedrigung der Temperatur , bald durch andere noch wenig 
ergründete Ursachen, in sichtbare Bläschen zusammen, de- 
ren Gruppirung wir mit dem Worte Wolken bezeichnen. 
Die Höhe ihrer untern Schicht , welche ich oftmals gemes- 
sen , scheint unter den Ti^open sehr beständig zu seyn. Sie 
beträgt zu jeder Jahreszeit etwa tausend zwey hundert Meter 



DER TROPENLANDER. n5 

(61 5 Toisen)über der Meeresfläche, und in dieser Höhe mufs 



man unstreitig den Grund suchen, warum man am Abhänge 
der Cordilleren ; in der milden und mittlem Region von 
Xalappa und Guaduas *, fast stets in dicken Nebel gehüllt ist. 
' Die gröfste Höhe des dicken Gewölkes scheint mir nahe am 
•Äquator drey tausend drey hundert bis drey tausend sechs 
hundert Meter (1693 bis i846 Toisen) zu betragen. Aber 
die merkwürdigen kleinen Flocken , welche das Landvolk 
Schäfchen nennt, und deren regelmäfsige , striemartige Ver- 
theilung für eine allgemeine Polarität spricht , sind gewifs 
acht tausend Meter (4io4 Toisen) über dem Meere erhaben. 
Wir haben diese Schäfchen auf dem Vulkan Antisana noch 
hoch über uns gesehen. Herr Gay-Lussac erwähnt ihrer auch 
in der Beschreibung seiner zweyten aerostatischen Reise. 
Wie specifisch leicht müssen nicht Dunstbläschen seyn , 
welche sich in so luftdünnen Regionen schwebend erhalten 
können ! In Europa ist, nach Biot's und Gay-Lussac's Mes- 
sung, die Höhe der untern Wolkenschicht im Sommer eben- 
falls tausend ein hundert neun und sechzig Meter (600 
Toisen), also der der tiefsten Tr-openwolken gleich. In den 
westlichen Ebenen von Peru lösen sich die Dünste nie in 

, - ^ 

Re£en auf In einem Jahrhunderte hat man kaum ein 




ey 



spiel eines viertelstündigen Regens. Auch sind, der Bauart 
der Häuser we^en , Refi;en^üsse daselbst eben so sehr als 



ö^"" , -^v. 



^ Xalappa, westlich von Vera-Cruz ; Guaduas, im Königreich T^eu-Grenada , 
ein Gebirgsstädtchen, in dem die Yicekönige hey der Ankunft von Spanien 
ausruhen, um nicjit zu schnell von der Hitze des Magdalenen- Stroms in das 
eisige Klima von Santa -Fe überzugehen. 



ii6 NATUHGEMALDE 

■t 

Erdbeben zu befürchten. Rührt , was man Anziehung der 
Wolken gegen die Andeskette nennt , von dem senkrecht 
aufsteigenden Luftstrome her, den der Granitsand der er-, 
wärmten Ebenen erregt ? 

Die gröfste Trockenheit, welche Menschen je in den hohen 
Luftschichten beobachtet haben , ist die , welche ebenfalls Herr 

r 

Gay-Lussac in fünf tausend zwey hundert sieben und sech- 
zig Meter (2700 Toisen) Höhe fand. Bey einem Thermo- 

- r 

meterstande von -h 4° sank das Saussure'sche Hygrometer bis 
27^,5 herab. Reducirt man diefs auf die Temperatur von 
25*',3, welche im Sommer in den Ebenen herrscht : so erhält 
man eine Lufttrockenheit von ai'^jS des Saussure'schen Hy- 
grometers. 

Die mittlere Regenmenge, welche in den äquatornahen 
Gegenden in einem Jahre fällt, beträgt 1,89 Meter (70 Zoll). 
In sehr feuchten Gegenden , zum Beyspiel in Huayaquil 

r 

und Gumanacoa, fallen bis 2,43 Meter (90 Zoll). In Europa 
beobachtet man im Durchschnitte 0,69 Meter (22 Zoll). Aber 
nahe an der Alpenkette, zum Beyspiel, bey Genf, hat man 
(nach einem Durchschnitte von neun Jahren) im Mitteljahre' 
0,87 Meter (32 Zoll 7 Linien, nähmHch 3i Zoll 6 Linien 
Regen, und 1 Zoll 1 Linie Schneewasser) gefunden. In Eu- 
ropa fällt in einer Stunde selten 0,009 Meter (4 Linien) 
Regenwasser 5 in Huajaquil habe ich o,o35 Meter (i~ Zoll) 
fallen sehen. 



jf 



^ Pictet,Bibl. Britan. i8o5, n.° 226, p. 1S2: 



't 



DER TROPENLANDER. 117 

1 

j ■ 

-■ ^ 

Elektrischer Zusland der Luft. 

r 

So wie man gegen den Gipfel der Andeskette ansteigt , 
sieht man die elektrische Tension der Atmosphäre in eben 
dem Mafse zunehmen, als Wärme und Feuchtigkeit abneh- 
men. Die Resultate, welche die elektrometrische Scale auf 
dem Naturgemälde enthält, gründen sich auf Versuche, wel- 
che ich auf verschiedenen Höhen in beyden Hemisphären 
mit einem Elektrometer angestellt habe, dessen i,4 Meter 
langer Conduktor, nach Volta's Vorschlag, mit brennendem 
Schwamm armirt war. Die tiefen Luftschichten der Tropen- 
länder , von der Oberfläche des Meeres bis zu einer Höhe 
von zwej tausend Meter (1026 Toisen), zeigen gewöhnlich 
nur eine sehr geringe elektrische Ladung. Nach zehn Uhr 
Vormittags habe ich oft nur mit Mühe einige Bewegung in 
dem empfindlichsten Bennet'schen Elektrometer beobachtet. 
Alle Elektricität scheint indefs in den Wolken angehäuft 
zu seyn , und gerade dieser Mangel des Gleichgewichts- 
zwischen den oberen und unteren Luftschichten erregt 
heftige elektrische Explosionen , welche periodisch sind und 

r 

gewöhnlich in der Ebene zwey Stunden nach der Culmi- 
nation der Sonne, also während des Maximums der Wärme, 

¥ - - 

Statt finden. In den Flufsthälern dagegen, an der Magdalena j 
am Guainia, den die Europäer Rio Negro nennen, und am 
Cassiquiare , treten die Gewitter , mit furchtbaren Regen- 
üssen begleitet , stets bey Nacht, gegen zwölf oder ein Lhr, 
ein — ein Umstand, der dem Reisenden, wenn er im Freyen 
zu schlafen gezwungen ist , sehr unbequem fällt. In der 



ii8 



NATURGEMÄLDE 



\ 



L 



mittlem Höhe, zwischen tausend acht hundert und zwey 
tausend Metern (923 und 1026 Toisen), sind die elektri- 
schen Explosionen am geräuschyollesten. Die Gebirgsebcnen 
von Caloto und Popayan sind besonders wegen der Frequenz 
und Stärke des krachenden Donners bekannt. Höher hin- 
auf, am Abhänge der Andeskette, über zwey tausend Meter 
(1026 Toisen), sind die Gewitter sehner und weniger 
periodisch. y\ber hier, und vorzüglich in drey tausend Meter 
(1539 Toisen) Höhe, bildet sich häufiger Hagel, wobey die 
Luft oft und auf lange Zeit negativ geladen ist. Diese nega- 
tive Elektricität ist in tieferen, nicht tausend Meter (5i3 
Toisen ) über dem Meere erhabenen Gegenden überaus 
selten , und wird kaum auf wenige Augenblicke beobachtet. 
Höher als drey tausend fünf hundert Meter ( lygS Toisen) 
werden elektrische Explosionen noch seltner. Der Hagel fällt 
dort ohne von Gewittern begleitet zu seyn, und über eine 
Höhe von drey tausend neun hundert Meter (2000 Toisen) 
hinaus; fällt er mit Schnee gemengt, und, was am auffal- 
lendsten ist, selbst mitten in der Nacht. Die den hohen An- 
desgipfeln nahen Luftschichten haben stets eine elektrische 
Tension , welche das Saussure'sche Elektrometer durch einen 
Abstand der Kugeln von vier bis fünf Linien ausdrückt. 
Die grofse Lufttrockenheit, Wolkenbildung, Entstehung und 
Verschwindung der Dunstbläschen beleben gleichsam in 
diesen hohen, Regionen das Spiel der Elektricität. Am 
Rande der vulkanischen Cratere geht sie oft schnell vom 
Positiven zum Negativen über. Dazu sieht man jenseits 
der untern Grenze des ewigen Schnees , in den höchsten 



DER TROPENLÄNDER. 



1 1 



9 



^ 



^ 



Gcblrgsebenen , hoch über sich, häufige leuchtende Erschei- 
nungen, welche von keinem Geräusche begleitet sind. Die 
auffallende Menge von Sternschnuppen , welche besonders 
in dein vulkanischen Theile der Cordilleren fallen, und ihre 
gröfsere Häufigkeit in den wärmeren Ländern, könnten ver- 
nmthen lassen , dafs diese Meteore unserm Luftkreise zuge- 
hören , wenn nicht ihre ungeheure Höhe und andere 
Betrachtungen diese Voraussetzung zu bestreiten schienen. 

/ 

r ' 

Himmelsbläue, 

r ^ 

Wenn der Bewohner der Ebene sich drey bis vier tausend 
Meter ( lygS Toisen) hoch am Gebirgsabhange erhebt, so 
überrascht ihn der Anblick der dunklern , gleichsam tiefern 
Himmelsbläue. Diese Intensität der Farbe nimmt mit der 

Menge von Dünsten zu , 
durch welche der Sonnenstrahl zu uns aelan^t. Lichtzer- 

o o - 

Streuung , welche die in der Luft schwimmenden Dunst- 
bläschen verursachen , läfst die Himmelsbläue 



Luftdünne und der geringern 



na 



ch 



un 



d 



> 



nach verschwinden, und verändert sie in eine graulichweifse, 
milchigte Farbe. Je dunner und dunstreiner die Luftmasse 
ist , durch welche wir das Sonnenlicht empfangen , desto 
mehr naht sich die Farbe des Himmelsgewölbes der abso- 
luten Schwärze, welche wir sehen würden, wenn wir ent- 
weder an die Oberfläche des Luftoceans^ gelangen könnten, 
oder wenn gar keine laterale Dispersion des Lichts, bey 
seinem Durchgange durch die Atmosphäre, vor sich ginge. 



j 

^ Wenn anders eine solclie bestimmte, sich abschneidende Grenze denkbar 



ist. 



r 



120 NATURGEMÄLDE 

Das Ryanometer , dessen ich mich auf meiner Expedition 
bedient habe, war (nebst einem eboulloir und einem Magne- 
tometer) von Paul in Genf verfertigt und von Pictet aufs 
sorgfäkigste mit dem Ryanometer vergHchen vv^orden, wel- 
ches Saussure auf dem Mont-Blanc gebraucht hatte. Alle 
Beobachtungen sind im Zenith bey wolkenfreyem Himmel 
angestellt. Ich glaube, im Ganzen die Luftbläue dunkler und 

* ■ > 

energischer unter dem Äquator, als in gleicher Höhe in der 
gemäfsigten Zone gefunden zu haben. Die mittlere Him- 
melsbläue ist in Paris (bey einer Sommerwärme von sS"") 

4 

zw'ischen \&^ und 17^ des Saussure'schen Ryanometers ; 
unter den Tropen, ebenfalls in der Ebene, ist sie sS"* — ein 
Unterschied , welcher wahrscheinlich von der innigem Auf- 
lösung und gleichmäfsigern Vertheilung der Dünste in den 
Aquatorial-Regionen herrührt. Auch sind die schönsten spa- 
nischen und italiänischen Sommernächte nicht mit der stil- 
len Majestät der Tropennächte zu vergleichen. Nahe am 



Äquator glänzen alle Gestirne mit ruhigem planetarischern 

I L 

Lichte. Funkeln ( Scintillation ) ist kaum am Horizonte 

^ 

bemerkbar. Die schwächsten Fernröhre , M'elche man aus 
Europa nach beyden Indien bringt, scheinen dort an Stärke 
zugenommen zu haben : so grofs und beständig ist die Durch- 
sichtigkeit der Tropenluft. 

Auf dem Gipfel des Mont-Blanc, in vier tausend sieben 
hundert fünf und siebzig Meter ( 245o Toisen ) Höhe, hat 
Saussure das Ryanometer auf Sp"" gesehen. Auf dem Pico 
de Teneriffa, am Rande des Graters, schien mir die Hirn- 

^ I 

melsbläue l\i''. Die aufserordentliche Trockenheit dieses 



^ 



\ 



DER TilOPENLÄNDEB. 121 



\ 



I 

afrikanischen Klima's vermehrt dort die Intensität der Farbe : 
denn der Pico von Teneriffa ist tausend und siebzig Meter 
(549 Toisen) tiefer, als der Mont-Blanc. In den südameri- 
kanischen Andes, auf fast fünf tausend acht hundert Meter 
(2975 Toisen) Höhe, beobachtete ich 46" des Kyanonieters. 
Eben diese dunkle Farbe des Himmels wurde von Gay-Lussac 
auf seiner ersten 2;rofsen Luftreise bemerkt. ,; Auf der Höhe 



« von sieben tausend und sechzehn Meter (36oo Toisen) war 
(( es mir auffallend ^* (sagt dieser Physiker in seinem Rapport 
an das National -Institut) « diefs Mal Wolken über mir, und 



(( zwar in einer sehr beträchdichen Höhe , zu sehen. Ganz 
<( anders waren dieselben auf meiner ersten Luftreise gela- 

y 

« gert. Damals erreichte ihre oberste Schicht kaum tausend 
« ein hundert neun und sechzig Meter (600 Toisen), und 
« über mir war der Himmel von der gröfsten Reinheit. Im 
« Zenith schien seine Farbe von der gröfsten Intensität , 
(f wenigstens so dunkel als Berliner - Blau. ^> 

Sch^mchiiiis; des Lichts bey seinem Diirc. 






ii/ik 



\ I 

Das Licht der Sonne und der Gestirne wird bey seinem 
Durchgange durch den Luftkreis allmählig geschwächt. Diese 
Schwächung, dieses partielle Ersterben des Lichts, welches 
mit der Hervorbringung der Erdwärme im innigsten Gausal- 
Zusammenhange steht, nimmt mit der Dichte der Luft- 
schichten zu. Es ist schwächer auf dem Gipfel hoher Berge, 
stärker in der meeresgleichen Ebene. In der Tafel , welche 

■ b - 1 

dem Naturgemälde beygefügt ist, hat man die Lfchtabnahme 

16 



^ 



123 



NATURGEMÄLDE 



SO berechnet , wie sie in einer völlig durchsicluigen , dunst- 
freyen Luft vor sich gehen würde. (Man vergleiche Laplace, 
in der Expositioix du Systeme du Monde, voL I , p. iSy.) 
Die unbeschreibliche Reinheit der Tropenluft verursacht, 
dafs, selbst bey gleicher Höhe des Standorts über der Meeres- 
fläche , das Licht lebhafter und stärker als in Europa ist. 
Wie blendend und ermüdend ist nicht in Westindien das 

■ j ■ 

Tageslicht, selbst an Orten wo kein Reflex Statt findet ! Auch 
suchen die Europäer sich mehr noch vor nervenschwächen- 



W 



Sie schmelzen dort 



gleichsam wieder in ihrem 



Gefühle 



zusammen, was, in den Wirkungen geschieden, doch nur 

F 

aus derselben einfachen, aber nie versiegenden Quelle fliefst. 
Diese geringere Schwächung der Tageshelle in der Tropen- 
Region, über welche es wichtig wäre. Versuche mit dem 
Leslie'schen Photometer anzustellen, erweist sich recht auf- 
fallend in einer astronomischen Erscheinung;. Das röthliche 



Licht , welches der ganz verfinsterte Mond , mittelst einer 
Inflection der Sonnenstrahlen durch die Erdatmosphäre , 
empfängt und zurücksendet , ist bekanntlich in der gcmä- 
fsigten Zone oft so schwach, dafs die Mondscheibe gänzlich 
verschwindet. Dagegen habe ich untei* dem zehnten Grade 
nördlicher Breite, wo die Luft so überaus rein und durch- 
sichtig ist , die verfinsterte Mondscheibe mit fast eben so 
starkem Lichte glänzen sehen , als der Vollmond hat, wenn 
er röthlich in unseren Rlimaten am Horizonte empor steigt. 
Auffallend ist der Einflufs des Sonncnhchtes auf die 

L 
-. 

vitalen Functiojiea der Pflanzen , auf ihre Respiration, auf 



y 



ttf 



DER TROPENLANDER. 



123 



ihre Färbung und , nach Berthollet , auf die Fixirung des 
Stickstoffs in der Fäcula. Diese Betrachtungen bestätigen 
die Vcrmuthung , dafs die ungeschwächtc Helle , welcher 

b I 

die Alpengewächse , besonders in der -Andeskette , ausge- 
setzt sind , zu ihrem resinösen und ai-oniatischen Cha- 
rakter beytrage- 

In dem zweyten Bande meiner Schrift über die gereitzte 
Muskel- und Nerven -Faser habe ich Versuche angeführt, 
welche einen Einflufs des Sonnenlichtes auf die thierischen 

Wärme allein ' nicht zr 
ben werden kann. Sollte nicht diefs sonderbare Gefühl von 

lito oder 



Q 



Mexico klagen, wenn sie den, in drey bis vier tausend Meter 
(i8oo Toisen) Höhe so auffallend stechenden Sonnenstrahlen 
ausgesetzt sind (eine Schwäche und Ermüdung, welche gar 
nicht der Muskelbewegung, oder der, in der luftdünnern 
Region vermehrten Hautrespiration allein zugeschrieben wer- 
den kann), auf eine solche Nerven - Reitzung des unge- 
schwächtern Sonnenlichtes hindeuten ? In der That kenne 
ich nichts erschöpfenderes , als diefs Sonnenlicht auf der 
hohen und kalten Andeskette. Oder kann das gleichsam 
noch unerschöpfte Licht bey dem Widerstände, den es ^ 
gegen dichte Körper anprellead, gleichsam zum ersten Male 

' Ich bediene micb. der unscbadliclieji Fiction , von Wärme und Liclit als von 
verscliiedenen Stoffen zu reden, uneraclitet ich es fiir sehr wahrscheinlich finde» 
dafs Wärme gebundenes Licht, oder Licht freje Wärme sey. Aber Trotz der 
Identität der Materie, ist man immerfort berechtigt, sie als in zwey verschie- 
denen Zuständen zu betrachten. Schelling , Ideen zu einer Philosophie der 
Natur, Tb. I, p. iii , ii5. 



1 ^4 N A T IT R GEMÄLDE 

i 

findet , auf dem Gebirge mehr Wärme , als in den luftdich- 
teren Regionen der Ebene erregen ? 

Strahlenbrechung am Horizonte. 

Strahlenbrechung hängt von der Dichtigkeit der Luft- 
schichten und von der Abnahme ihres Wärrnegehalts ab. 
Sie ist defshalb nach der Höhe des Standorts des Beobach- 
ters verschieden. Laplace hat bewiesen, dafs der Caicul 
der Strahlenbrechung sehr verschieden ausfällt, je nachdem 
der Winkel unter oder über zwölf Grade beträgt. In dem . 
lelztern Falle ist der Einflufs des hygroscopischen Zustandes 
der Luft sehr geringe. In dem ersten Falle dagegen , wo 
der einfallende Strahl gleichsam dicht an der Erdoberfläche 
hinläuft, wird die Betrachtung der Luftfeuchtigkeit und der 
gleichen oder ungleichen Danstvertheilung sehr wichtig: 
denn wenn die Abnahme der Wärme in den höheren 



Luftschichten allein die Strahlenbrechung am Horizonte 



modificirte, so sieht man in der That nicht ein, warum 
die letztere unter dem Äquator anders als in der gemäfsigten 
Zone, ist; denn im Sommer, zwischen der Meeresfläche und 
der beträchtlichen Höhe von sechs bis sieben tausend Meter, 
ist (wie aus Gay-Lussac's und meinen bereits oben berührten 
Versuchen folgt) die perpendiku]äre Wärmeabnahme in 
Europa und in den Kordilleren von Q 

Die französischen Akademiker haben auf der Marmortafel 
welche noch gegenwärtig in dem Jesuiten- Gollegium aufbe^ 
wahrt wird, die Strahlenbrechung am Hoi^izonte , unter 

dem Afjuator, an der Meeresfläche 27% in der Höhe der 



DER TROPENLÄNDER. isS 



Q 



des ewigen Schnees, 19^ 5i^' angegeben. Die Refraction an 
der Oberfläche des Mondes findet Laplace gar nur 5", 
vorauseescLzt , dafs der Dunstkreis dieses Planeten weni^;- 
stens noch luftdünner als das gröfste Vacuuni ist , welches 
wir unter der Luftpumpe hervorzubringen im Stande sind. 

r I ■ 

Auf der Gebirgskette der Andes bemerkt man bisweilen 



ganze Nächte hindurch, tief am Horizonte, ein schwaches 
Licht, welches jenen rund umher erleuchtet. Ich habe diese 

' 1 

Erscheinung mehrmals, besonders in der Meyerey (Hacienda) 
von Antisana, im Königreich Quito, auf zwey tausend zwey 
hundert fünf und neunzig Meter (1177 Toisen) Höhe beob- 
achtet. Saussure hat eine ähnliche Erscheinung auf dem Col- 



de-Geant , in einer Höhe von drey tausend vier hundert 
sechs und zwanzig Meter (1758 Toisen) gesehen. Diese 
Erleuchtung scheint Folge einer sonderbaren Reflection des 
Sonnenlichtes durch die tieferen, den Horizont umejebenden, 
dichten Luftschichten zu seyn. Man vergleiche Biots scharf- 

r t 

sinnige Erklärung in der JstronoTnie phjsique^ vol,I,S. 277. 




sc/ie 




eschajfenheit des Lii/ikreises. 



1 -. _ 

Das Gemisch elastischer Flüssigkeiten, welches unsern Pia- 
neten einhüllt , erstreckt sicH bis zu einer Höhe , die für uns 
bisher unermefslich geblieben ist. Nur die Theorie der Licht- 
abnähme oder Lichtschwächung , und Bouguer's Versuche 
erweisen, dafs die ganze Höhe des Luftkreises, wenn man 
ihre Dichtigkeit auf den Eispunkt und auf einen Barome- 

terdruck von 0,757 Meter reducirt, nur 7820 Meter (4oxi 



120 



NATUHGEMÄLDE 



Toisen) betragen würde ( Laplace , Exposition du syst, du 
Monde, p. i55). Dagegen deuten Crepuscular-Beobachtungen 
an^ dafs selbst in 60000 Meter (30784 Toisen) Höhe die 
Luftdichtigkeit noch grofs genug ist, um uns bemerkbares 
Licht zurückzusenden- 

J- r 

J 

Man hat noch vor Kurzem geglaubt, dafs die chemische 
Beschaffenheit der Atmosphäre nicht blofs an einem und 
demselben Orte YCränderlich sey, sondern auch dafs der 
SauerstofTgehalt derselben abnehme , je mehr man sich von 
der Ebene entferne. Man schrieb einem Wechsel in dem 
Gleichgewichte der Luftarten zu , was allein von der Unvoll- 
kommenheit der angewandten eudiometrischen Mittel her- 
rührte. Die Versuche, welche ich vor sieben Jahren über 
das nitröse Gaz bekannt gemacht , haben dazu beigetragen , 
diesen Irrthum mehr zu verbreiten. 

In diesen letzteren Jahren hatte man angekündigt, dafs 
der SauerstofTgehalt der Atmosphäre, statt sieben oder acht 
und zwanzig Hunderttheile ( wie ihn Lavoisier und fast alle 
Chemiker behaupten), nur zwischen 0,30 und o,23 betrage. 
Diese Angabe war noch zu unbestimmt, um sich damit zu 
begnügen. Dazu gab unter den berühmtesten Scheidekünst- 
lern der eine dem Eudiometer den Vorzug , welches der 
andere geradehin verwarf. Es schien mir daher (gleich nach 
meiner Rückkunft nach Europa) wichtig, eine neue und 
sorgfältige Allheit über den Luftkreis zu unternehmen , um 
die Fragen zu entscheiden : welches eudiometrische Mittel 
unter den jetzt bekannten die gröfste Genauigkeit verspreche? 
ob der Luftkreis 0,21 oder o,25 Oxygen enthalte? wie viele 



/ 



DER TROPENLÄNDEK 



1'2 



1 



Tausendtheile Sauer- oder Wasserstoff man mit Sicherheit 
in einem Luftgemische entdecken könne ? ob die Atmo- 
sphäre in ihrem Mischungsverhältnisse hemerlibar veränder- 

J 

lieh sey, oder ob die Behauptung dieser Unveränderhchkeit 



nur darauf beruhe , 



Q 



geringer als die zwej Hunderttheile sey, über welche man 
in der absoluten Oxygenmenge schwankte ? Ich glaubte 
mich zu dieser Arbeit , die ich mit, Herrn Gay - Lussac in 
einem der Laboratoi^ien der polytechnischen Schule ange- 
fangen , um so mehr verpflichtet, als ich ein unvollkommnes 
Werk meiner frühern Jugend durch ein gründlicheres zu 
ersetzen wünschte. Es geht der Chemie, wie der Astronomie. 
Die Vervollkommnung der Methoden und der Instrumente 

:, sehr kleine Quantitäten mit Sicher- 
heit messen zu können ; und es ist gegenwärtig nicht mehr 
erlaubt , Gröfsen zu vernachläfsigen , welche ehemals unbe- 
stimmbar schienen. Wir haben, Herr Gay-Lussac und ich , 
die ersten Resultate unserer Versuche in einer Abhandlung^ 
bekannt gemacht , welche wir in der Sitzung des ersten 
Pluviose dem National- Institut vorgelegt haben. 

In dem gegenwärtigen Zustande unserer chemischen Kennt- 
nisse ist das Voltaische Eudiometer, oder dasjenige , welches 
auf Verbrennung des Wasserstoffgazes gegründet ist , allen 
anderen vorzuziehen. Es ist das einzige, welches mit Sicher- 
heit Miscliungsveräuderungen entdeckt, die nicht über zwey 
Tausendtheile Oxygen betragen. Schwefelalhali , Phosphor, 

^ Memoire sur Vanaljse de l'air atmospherique , par MM. Humboldt et Gaj- 
Lussae. Paris ^ i8o5. 



128 NATUHGEMALDE 

J 
7. _ ' 

und selbst nitröses Gaz (indem man die Residuen im Fon- 

r 

tana'schen Eudiometcr mit schwefelsauren:i Eisen , oxysjenirter 
Kochsalzsäui^e oder Laugensalzen wäscht), geben die Sauer- 
stofFmengc nur bis ein oder zwey Hunderttheile, und nicht 

' genauer an. Schwefelalkali , wenn man die Auflösung heifs 
anwendet, verschluckt den Stickstoff j und wollte man die 
ganze beobachtete Absorption dem Sauerstoff zuschreiben , 
so würde man von dieaem dreyfsig bis vierzig Hunderttheile 

"in der Atmosphäre zu entdecken glauben. Dieser Action 
heifser Auflösungen von Schwefelalkali, und falschen Voraus- 
setzungen über die Menge Oxygen , welche erforderlich ist, 
um zwey bis drey Theile nitröses Gaz zu sättigen, mufs man 
die ScheeFsche und Lavoisier'sche Behauptung von 0,37 
oder 0,28 atmosphärischen Oxygens zuschreiben. 

Die wahren constituirenden Bestandtheile des Luftkreises 
scheinen demnacK zu seyn : 0,210 Sauerstoffgaz , 0,787 
Stickgaz und o,oo3 Kohlensäure. Die Menge der letztern 
haben wir noch nicht so genau als die des Oxygens aus- 
gemittelt , und wir haben Ursachen zu glauben , dafs sie 
noch etwas geringer als drey Tausendtheile sey : denn, 
pneumatische Genauigkeit ist überall schwer zu erhalten , 
wo tropfbare Flüssigkeiten eine Zeitlang in Contakt mit 
einem Luftgemisch stehen sollen 5 weil etwas Stickstoff mit 

' - ^ M 

dem Sauerstoff und der Kohlensäure absoi^birt wird , und 
die Flüssigkeiten zugleich voii den ihnen ursprünglich bey- 
gemischten Gazarten hergeben — ein Wechsel von Absorp- 
tion und Ausscheidung , welcher den wahren Hergang ver- 
steckt , oder wenigstens unkenntlich macht. 



DER TEOPENLANDER. 129 

Der Luftkreis scheint in seinem chemischen Mischungs- 
Verhältnisse , wenigstens in der Menge von Sauer- vmd 
Stickstoff, keinen Veränderungen unterworfen zu seyn. 
Wenn diese Veränderungen existiren , so gehen sie wahr- 
scheinlich nicht über einen Tausendtheil Oxygen : denn 
.Luft, die wir unter den verschiedenartigsten meteorologi- 
schen Verhältnissen, bey trockner und heiterer Atmosphäre , 
im Nebel, während des Schneyens. im Platzregen und bey 
Winden sammelten, die aus nllen WpI 






bot uns immer zwischen 0,210 und 0^211 Oxygen dar. 

Herr Gay-Lussac hat das merkwürdige Factum begrün- 
det, dafs in 7016 Meter (36oo Toisen) Ivohen Luftregionen 
die Atmosphäre noch dieselben ein und zwanzig Hundert- 
theile Sauerstoff enthält , welche man in den Ebenen findet. 
Sein Versuch ist der einzige , welcher mit grofser Genauig- 
keit über die chemische Mischung so hoher Luftschichten 
angestellt worden ist; und wenn andere Physiker % und ich 
selbst ehemals, die europäische Bergluft für sauerstoffärmer 
erklärt haben ^ so hat der Grund dieser Behauptung wahr- 
scheinlich in der ünvoUkommenheit der angewandten Mittel 
gelegen. Nur Lokalumstände können eine solche Vermin- 
derung der Sauerstoffmenge begründen ; und wenn dieselbe 
auf dem Gipfel des Pico von Teneriffa oder auf einigen 
brennenden Vulkanen der Andeskette Statt findet : so mufs- 

_ f - , 

man die Ursache davon in der Wirkung der Cratere und 
in dem Contact der Luft mit brennenden Schwefelmassen 



^ Volta, Saussure der Vater, und Gruber. Der jüngere Saussure und Volta 
haben neuerdings die Idee von dieser Unreinheit ebenfalls aufgegeben. 

. ^7 ' 



\ 



1 3o N A T U Ti G E M Ä L D E 

F 

suchen. Es ist lange schon die wiclitige Frage aufgeworfen 
worden : ob die almosphärischc Luft auch Hydrogen ent- 
hake ? Mein Freund Gay-Lussac hat durch seine zweyte 
grofse Luftreise bewiesen , dafs wenn diefs Hydrogen in der 
Atmosphäre vorhanden Ist , es In sieben tausend und sech- 
zehn Meter (36oo Toisen ) Höhe nicht in gröfscrer Menge 
als In der Ebene existirt. Diese Untersuchung haben wir 
gegenwärdg beyde gemeinschafllich weiter verfolgt, und durch 
zahlreiche Versuche erwiesen , dafs entweder gar keines oder 
nicht über o,oo5 WasserslofTgaz in unserm Luftkreise vor- 
handen ist : denn diese drey Tausendtheile , einem künstll- 
chen Gemenge von Oxygen und Azote beygemengt , sind 
genau durch die von uns befolgte Methode wieder gefunden 
worden. Da nun auf der andern Seite Luftgemenge , in 
welchen unter sechs Hundcrtth eilen Hydrogen enthalten sind, 
durch den elektrischen Schlag sich nicht entzünden lassen : 

W L 

so scheint daraus zu^ folgen , dafs man wenigstens nicht in 
dem Sinne der empyrischen Antiphlogistiker , Regen und 
andere leuchtende Meteore des Luftkreises durch Verbren- 
nung von Sauei'- und Wasserstoff erklaren könne. 

Unter einer Reihe von Versuchen , welche wir , Gay- 
Lussac und ich, Im März i8o5, im Kloster des Mont- 
Cenis , in einer Höhe von zwey tausend und sechs und 
sechzig Meter (1060 Toisen) über dem Meere angestellt, 
haben wir Luft in dem Innern einer dicken Wolke gesam- 
nielt. Sie enthielt ebenfalls 0,211 Oxygen, und war von 

r 

der Luft , welche wir von Paris in wohlverschlossenen Fla- 
sehen mitgebracht , gar nicht verschieden. 



DER TROPENLANDER. i3i 

Die besläudige Gleichheit In der chemischen Mischung 
des Luftkreises und der Mangel von Hydrogen sind zwey 
Facta, welche für die Theorie der Strahlenbrechung überaus 
wichtig, ja, man könnte sagen, beruhigend sind. Sie bewei- 
sen , dafs die Mathematiker wirklich nur durch das Baro- 
meter , das Thermometer und ITygromeier zu corrigiren 
brauchen , ohne die grofse RefrangiblHtät des Hydrogens 
besorgen zu müssen. 

Aber ausser dem Oxygen und dem Hydrogen enthält die 

j 

Atmosphäre noch eine Menge anderer gazförmiger Dünste, 
welche unsere Instrumente nicht anzeigen, und welche wahr- 
scheinllch den mächtigsten Elnflufs auf die Erhaltung unsrer 
Gesundheit haben. Thenard hat ei'st neuerlichst ( BibL 
medicale, T. 9, p. 10) durch direkte Versuche gefunden, 

I p 

dafs 0,0012 geschwefeltes Wasserstoffgaz, der atmosphärischen 

F 

Luft beygemlscht , hinlänglich ist , Tliiere , welche dieser 
Mischung lange ausgesetzt sind , zu tödten. Diese schädli- 
chen , uns unbekannten Emanationen , welche wahrschein- 

■ r 

lieh grofsentheils von oxygenirter Kochsalzsäure weggebrannt 
werden, bilden sich besonders in dem ebenen Theile der 
Tropenregioncn , wo der Pflanzenwuchs am üppigsten , 
Dammerde und Luft mit zahllosen Insekten angefüllt , und 
daher die Masse der absterbenden , organischen Materie am 
gröfsten ist. Ewige Windstille , unbeschi^eibliche Nässe (theils 
durch Regengüsse, theils durch Flufsüberschwemmungen ), 
vermehren diefs Übel in den dicken Wa}duni>;en zwischen 
dem Orinocö und dem Amazonenflusse. Aber am ^efahr- 
vollesten für die Gesundheit sind die tiefen , feuchten und 

r 



y 



i3 



2 



N A T T J R G E M Ä I. D E 



heifsen Thälei^der Andeskelte, welche zwölf hundert Meter 
(6i5ToIson) tiefe Furchen bilden, und in denen das Ther- 
mometer durch Pveflection der dunkeln Wärmestrahlen über 
zwey und vierzig Grade steigL. EinAufenlhalt wenigerStunden 
ist oft schon hinlänglich , um dem europäischen Reisenden den 
furch terlichsien Typhus zu verursachen, w:ährend dafs die 
^kupferfarbenen Eingeborenen dieser Thäler , welche seit 
vielen Jahrhunderten diese verderbHche Luft einathmen , 
in mehreren derselben der festesten Gesundheit geniefsen. 
So bewundernswürdig ist die Biegsamkeit der , nach ihrem 

Bedürfnifs aneignenden oder ausscheidenden menschlichen 
Natur ! 

■ h 

Abnahme der Schivere. 

- Die Abnahme der Schwere , welche mit der Entfernung 
des Abstandes vom Mittelpunkt der Erde wächst , ist schon 
auf den geringen Höhen , zu welchen sich unsere Gebirge 
erheben , bemerkbar. Da aber die Dichtigkeit der Kordil- 
leren sehr verschieden ist : so habe ich es für nützlicher 
gehalten , die dem Naturgemälde angehängte Tafel nach de 
Theorie zu berechnen , als die Data von den wirldicl 



ii ange- 
stellten Versuchen herzunehmen. Ich darf meinen eigenen 
um so weniger grofse Zuverläfsigkeit zutrauen, als ich durch 
meine beschleunigte Abreise nach den Canarischen Inseln 
verhindert wurde, mir den vortrefflichen Apparat zu ver- 
schaffen, mit dem Zachs alles umfassender Erfindungsgeist 
die Physik bereichert hat. Sey N die Zahl der Oscillationen , 
welche ein einfaches Pendel unter dem Äquator an der 



r^ 



DER TROPENLÄNDER. 



; i33 



Oberfläche der Erde macht ; sey M die Zahl der Oscilla- 
tionen , welche dasselbe Pendel auf einer in Meter ausge- 
drückten Höhe TI zei^t : so ist 



M=N\ 1 



579^ 



576.6575795 



Um durch Vergleichiingen die Ansicht mannichfaltiger zu 

- 

machen, schalte ich hier folgende Zahlen ein. Beobachtete 



Länge des einfachen Secundenpendels in Paris ~ 
Länge des Secundenpendels unter dem Äquator 



\ 



1 ,000000. 



- p 



1 



o 



m 

'99669- 



Gröfse der Erde : Radius in der Ebene des Äquators = 
öSySyoS Meter ( 3371208 Toisen); in der durch beyde Pole 



6356671 Meter (3263443 Toisen). Abplattung 



9032 



Meter (9765 Toisen). Länge eines Grades unter dem Äquator 
:= 51077,70 Toisen (Bouguer und La Condamine); in Frank- 
reich, in der Breite von 5i'',332 1=:= 5i3i6,58Toisen (Mechain 
und Delambre) ; in Schweden, in der Breite von 73'',707 
= 51475,01 Toisen (Melanderhielins Bericht). Man dürfte 
sich vielleicht wundern, dafs ich unter so vielen Zahlen- 
Verhältnissen nicht der inagnctischen Kräfte gedenke. Aber 
die Höhe , zu welcher Menschen gelangen , ist zu gering , 
als dafs die; Intensität dieser Kiäfte davon afficirt werden 
könnte, wie Gay~Lussac's Versuche in Europa und die 
meinigen in der südamerikanischen Andeskette beweisen.^ 
( Siehe das von Biot und mir gemeinschaftlich bearbeitete 
Memoire sur les variations du Magnetisme terrestre^ i8o5 

P'9-) 



5 



N 



l34 NATURGEMALDE 

Geognos tische Ansicht. 

4 

Die Natux^ der Gebirgsarten scheint im Ganzen unabhängig 
von der geographischen Breite, wie von ihrer Höhe über 
der Meeresfläche : sey es , dafs Luftwärme und Luftdruck 
wenig auf die Aggregation der unorganischen Massen gewirkt 
haben ; oder sey es , dafs die Bildung der Erdrinde in eine 
Epoche fällt, in der jede Region noch nicht eine eigene, 
durch den Sonnenstand bestimmte, Temperatur hatte. Auch - 
ist die Höhe der gröfsten Gebirge, in Vergleichung mit dem 
Erddurchmesser, so gering, dafs kleine Verschiedenheiten 
des Niveau's wenig Einflufs auf die grafsen geognostischen 
Phänomene haben ausüben können. Wirft man einen Blick 
auf das Ganze : so erkennt man , dafs fast alle Gebirgsarten 
in allen Höhen und unter allen Zonen angetroffen werden. 

Entdeckt man aber auch keinen allgemeinen Zusammen- 
hang zwischen der Natur des Gesteins und der Lage des 
Orts in Hinsicht auf Breite und Höhe : so kann man den 
lokalen Einflufs der Höhe wenigstens nicht in einem einzel- 
nen Theile der Erdoberfläche verkennen. Stellt man genaue 
Beobachtungen über ein kleines Gebirgsstück an : so wird 
man gewahr, dafs nicht nur das Streichen und Fallen der 

1 

Gebirgsarten einem gewissen Typus folgt, und durch ein 
partikuläres System^ von Anziehungskräften (sey es durch 

' So streichen in der Andeskette von Südamerika , wie in den Gebirgen von 
Venezuela und Neu- Andalusien , Gneifs und Glimmerschiefer gewöhnlich, 
St. 5| des Freyberger Gruhenkompasses j das heifst : ihre Streichungslinie 
macht mit dem Meridian einen Winkel von zwey und fünfzig Graden, von 
J^orden aus gegen Osten gerechnet. Am Fichtelgebirge und , wie ich mit 



DER TROPENLANDER. ^ i55 

magnetische oder elektrische Polarität) bestimmt worden 
ist ; sondern dafs auch ein LoMlgesetz in der Höhe Statt 
findet, zu welcher sich die älteren oder neueren Formatio- 
nen über der Meeresfläche erheben. So bemerkt man , dafs 
In gewissen Regionen die Flözgebirge nicht die Höhe von 
drey tausend Meter ( i55g Toisen) übersteigen; dafs dichter 
Kalk, über achtzehn hundert Meter (9^3 Toisen) hinaus, 
nie mit Sandstein bedeckt ist ; dafs der^Glimmerschiefer nicht 
so hoch, als Gneifs, gegen den Gebirgsrücken ansteigt 5. dafs 
Conglomerate, welche einer gewissen Höhe zukommen, nur 
Geschiebe von Urgebirgsarten und kein kalkartiges Binde- 
mittel enthalten. Für eine bestimmte, nicht weit ausge- 
dehnte Gegend , kann man eine obere Grenze des Basalts , 
des Flözkalks oder des Gypses entdecken, gei^ade wie man 
obere Grenzen der Fichten und Eichen beobachtet. Diese 
Betrachtungen lehren, dafs die Natur selbst es uns nicht 
gestattet eine Scale der Gebirgsarten zu verfertigen , weil 
man kleine und partielle Phänomene nicht zu allgemeinen 
Gesetzen erheben kann. 



dem Yortreüiich.en Freies leben lieobaclitet , in den weslliclien Schweizer- Alpen 
ist diese Richtung, wie das Fallen der UrgeLirgsarten, eLenfalls selir häufig. 
Im Königreich lYeu-Spanien ist das heri'schende Streichen St. 7 bis 8. Ein 
allgemeines, von dem Alter der Gebirgsarten abhängiges , Streichungsgesetz , 
"Welches ich vormals geahndet habe, kann in der äufserstcn Erdrinde, welche 
wir beobachten , schon darum nicht Statt finden, weil die ungleich verikeilten 
kleinen Systeme von Kräften sich ungleich einander beschränken. Dafs aber das 
Streichen und Fallen , einige neuere Gebirgsarten abgerechnet , von grofsen 
kosmischen Phänomenen, und nicht von der Gestalt der Gebirge abhänge, davon 
iiberzeugt sich jeder leicht, der die Struktur grofser Gebii^gszüge in der Katur 
selbst studirt hat. 



36 



NÄTURGEMÄLDE 



i 



Die Äquatorial -Regionen des neuen Kontinents bieten 
zugleieh die höchsten Gebirge und die weit ausgedehntesten 
Ebenen der Welt dar : ein Kontrast, weleher darauf hin- 
zudeuten scheint, dafs die Pvotation unsers Planeten nicht 
die Ursache jener so hoch aufgethürmten Gebirgsmassen ist. 
Das hohe asiatische Plateau von Ilimali und Thibet hegt 
ausserhalb der Tropen 5 und unter dem sechzigsten Grade 
nördlicher Breite erheben sich die Kordilleren zu 
Höhe , welche der kolossalischen Berggruppe von 



einer 



W^enig nachgibt. 



Q 



L 

Die Andeskette (ihr wahrer Name ist Antis, von Jnta', 
Kupfer, in der Quichoa- Sprache) naht sich beiden Polen 
fast in gleicher Entfernung. Ihre äufserslen Enden bleiben 



kaui 



n neun u 



nd 



zwanzi 



bis drejfsi^ Grade davon entfernt. 



X 



Man kann sie von den Granitklippen, welche südlich vom 
Feuerlande hegen, oder von Diego Pvamirez und dem Cap 
Hörn bis zum Eliasberg ( nordwestlich von Port Mulgrave) 
verfolgen 5 das heifst , sie erstreckt sich von SG"" 27' südli- 
cher, bis 60° 13' nördlicher Breite. Sie hat demnach an 

r 

zwey tausend und fünf hundert Meilen Länge , bey einer 
Breite von kaum dreyfsig bis vierzig Meilen. 

Die Höhe dieser Gebirgskette ist weit ungleicher, als man 
gewöhnlich anzunehmen scheint. In der südlichen Hemi- 
sphcäre, zwischen dem Chimborazo und Loxa , ^ibt es ganze 
Strecken der Andes, wo der hohe wasserscheidende Kamm 
derselben kaum die Höhe des Sanct-Goihard erreicht. In 
der nördlichen Zone , in der Landenge von Panama , beson- 
ders bey Cupique , erhebt sich das Land kaum zwey hundert 



DER TROPENLANDER. iSy 

Meter (103 Toisen) hoch. Umfafst man mit einem. Blicke 
die ganze Länge der Andeskette : so beniei^kt man , dafs 
sie viermal zu einer Ungeheuern Höhe und Mächtigkeit 

r 

anschwillt. Unter dem sechzehnten Grade der südlichen 



• * \ 

Breite, in Peru 5 unter dem Äquator selbst, im Königreich 
Quito; in Neu-Spanien, unter neunzehn Grad nördlicher 
Breite j und endlich , der Ostküste von Asien gegenüber , 
unter dem sechzigsten Grade, sind die Gipfel der Andes 
überall höher als der Mont-Blanc : das heifst , sie erreichen 
aufs wenigste fünf bis sechs tausend Meter (s565 bis 3078 
Toisen ). " ~ * "" : , ^ . 

j L 

Mehr aber noch , als durch die Höhe selbst , können die 
Kordilleren durch die Mächtig'keit des hohen Theils ihrer 
Gebirgsmassen (besonders in Quito und Mexico) unsere 
Einbildungskraft in Erstaunen setzen. Am Vulkan Antisana, 
vier tausend ein hundert und fünf Meter (2106 Toisen) 
über dem Meere, also höher als der kegelförmige Gipfel des 
Pico von Teneriffa, habe ich eine Ebene gefunden," welche 

volle zwölf Meilen im Umfange hat. Wenn man von den 
isolirten, sich hier und da thurmähnlich erhebenden Spitzen 
abstrahirt : so kann man unter dem Äquator die mittlere 
Höhe des Gebirgsrückens der Andes auf drey tausend und 
neun hundert bis vier tausend und fünf hundert Meter ( 2000 
bis 23o8 Toisen) anschlagen , während dafs die mitdere 
Höhe der Alpen und Pyrenäen zwischen zwey tausend fünf 
hundert und zwey tausend sieben hundert Meter ( 1283 bis 
i385 Toisen) beträgt. Das Höhenverhältnifs ist demnach fast 



4 



A, 



x8 



i38 NATURGEMÄLDE 

h ' 

\ 

päischen Gebirgsketten beträgt im Durchschnitte nur zehn bis 
zwölf Meilen , während dafs die Andes in dem mächtigen 
Gebirgsstocke bey Quito ein und zwanzig, in Neu-Spanien 
und einem Theile von Peru, zwischen vierzig und sechzi 
Meilen breit sind. Diese Betrachtungen geben einen klarern 
Begriff von der grofsen MassemerscJiiedenheit , welche zwi- 
sehen den Andes, den Alpen und den Pyrenäen Statt findest, 
als die Vergleichung ihrer höchsten GipfeD, welche genau 
sechs tausend fünf hundert vier und vierzig Meter ( SSSy 
Toisen) , vier tausend sieben hundert fünf und siebzig Meter 
(2450 Toisen), und drey tausend vier hundert sechs und 
dreyfsig Meter ( 1763 Toisen) betragen. . . 

Der höchste Theil der Andes ist fast unter dem Äquator 
selbst, eigenthch zwischen ihm und 1" 45' südhcher Breite 
enthalten. Nur an diesem und keinem andern Punkte der 
bisher bekannten Erde findet man Berge, welche eine Höhe 
von sechs tausend Meter (SoyS Toisen) erreichen, oder gar 
übersteigen. Auch gibt es nur drey so kolossahsche Gipfel: 
der Chimborazo (höher, als der Ätna auf die Spitze des 
Canigou; höher, als der S. Gothard auf die Spitze des Pico 
von Teneriffa gesetzt), der Cayambe und der Antisana. Nach 
einer sehr wahrscheinlichen Tradition der Indianer von Li- 
can, ist der Altarberg (e? Altar de los Collanes, oder in 
der Quichoa - Sprache , Capa-Urcu) einst höher als der 
Chimborazo gewesen , aber unter der Regierung des Ouai- 
nia-Abomatha (in, acht Jahre lang dauernden, Nacht ver- 



* Der Chimborazo, Mont-Blaac und Mont-Perclu, 



DER TROPENLANDEPi. i5g 

y m 

J 

breitenden, vulkanischen Ausbrüchen) eingestürzt. In der 
That zeigt der Gipfel dieses merkwürdigen Berges nichts 
als gesenkte Hörner und Zacken — ein Bild der Zerstö- 
rung, welches jeden Abend, wenn die niedergehende Sonne 
ihre Strahlen an den beeisten Trümmern bricht, das pracht- 
vollste Farbenspiel darbietet. 

Der Chimborazo steht, wie der Mont-Blanc , am süd- . 
Westlichen Ende einer kolossalischen Berggruppe. Von ihm 
südlich y in einer Strecke von hundert und zwanzig Meilen, 
reicht keine Spitze der Andeskette in den ewigen Schnee. 
Die mittlere Höhe des Gebirgrückens beträgt daselbst nur 
zwischen drey tausend und drey tausend fünf hundert Meter 
(i 559 und 1795 Toisen). Noch südlicher, jenseits des 8ten 
Breitengrades, oder von der Provinz Guamachuco an, werden 
die beschneyten Gipfel wieder häufiger , vorzüglich in der 
Nähe der alten Incas- Stadt Cusco und auf dem Plateau von 

J 

La Paz, wQ sich die weitberufenen Regelberge Ilimani und 
Cururana erheben. In Chile* ist leider kein einziger Berg 
durch Messung bestimmt', und am südlichen Ende dieses 
Königreichs naht sich die Andeskette so sehr der Meeres- 
küste , dafs man die Klippeninseln des wenig bekannten 
Archipels der Huaytecas gleichsam als abgerissene Trümmer 
derselben betrachten kann. Hier erreicht der mit ewigem 
Schnee bedeckte Cuptana (der Pico de Teyde für die Schif- 
fer dieser Zone) noch die Höhe von drey tausend Meter 



' Ich habe in dem Memoire sur la limite infcrieure de la neige perpetuelle 
Gründe angeführt, welche die grofse Höhe des Descabezado sehr unwahrschein-, 
lieh machen. 



\ 



■■^ 



i4o 



N A T ü R G E M Ä L D E 



(i5go Toisen). Aber weiter gegen den Südpol, In der Nähe 
des Cap Pilar, senken sich die Granitberge bis zu drey 
hundert neun und achtzig Meter (200 Toisen) herab, und 
bilden eine Hügelreihe , welche, ihrer Form wegen , vom 
Meere aus sehr hoch erscheint. ^ 

L 

Nördlich Yom Chimborazo ist die Höhe der Andeskette 
nicht minder ungleich. Von 1" 45' südlicher bis 2^ nörd- 
licher Breite erhält sie sich zwischen fünf tausend und fünf 
tausend vier hundert Meter (2565 und 2770 Toisen). Die 
hier gelegene Provinz Pasto ist eine der höchsten Gebir£;s- 



We 



Weite 



in drey Retten. Die östlichere hat keinen ewigen Schnee 
von 4° bis 10° nördlicher Breite. Aber an ihrem nördlich- 
sten Ende , da , wo sie sich sesen Osten wendet und die 



Rüstenkette von Caraccas zu bilden anfängt, liegt der mäch- 
tige Gebii'gsstock von Santa-Martha und Merida , der sich 



4 



1 1 



bis 2565 Toisen) über dem Meere erhebt, und in dem heifse 
Schwefelquellen unter Ungeheuern Schneemassen ' hervor- 
brechen. Der initiiere Arm der Andeskette, der mit ewigem 
Eise bedeckt ist, zieht sich zwischen dem Cauca und Ma£- 
dalenen-Thale durch Tolima und Erve bis in das goldhal- 
tige Gneifsgebirge von Guämoco , wo er sich unter 8" 10' 
nördlicher Breite In die niedrigen Hügel von S. Lucar ver 
flächt. Der dritte und westlichste Arm endlich , welcher bcy 
B^rbacoas und Taddö ^ in Basalt- und Grünstein -Gerüllen 



Kh 



■-^ 



^ In der gebirgigen Provinz Choco 



i.- 



K L 



DER TROPENLANDER. i4i 

den Piatinasand enthält, läuft, als niedrige Bergkette, längs 
der Küste des stillen Meeres hin, setzt durch den Isthmus 
von Cupiquc und Panama in die nördliche Hälfte des neuen 
Kontinents , und fängt erst im Königreiche Guatimala an , 
sich allmählig zu erheben. Von eilf bis siebzehn Graden nörd- 
lieber Breite beträgt seine mittlere Höhe zwischen zwey tau- 
send sieben hundert und drej tausend ftinf hundert Meter 
(i383 und 1795 Toisen). Aber in der Nähe der Hauptstadt 
Mexico, unter dem neunzehnten Breitengrade, bildet er einen 
Ungeheuern Bergstock,' der dem von Quito und Cusco 
wenig nachgibt. Zwey noch brennende Vulkane , der Popo- 
catepec und der Pico de Orizava , übersteigen hier ftinf 
tausend drey hundert Meter (27 i8 Toisen). Aber diese grofse 
Höhe des Bergrückens dauert nur eine kui^e Strecke. Im 
nördlichen Theile von Anahuac , in der Provinz Neu-Bis- 
caya, sind die Andes (hier Sierra madre genannt, und in 
viele Zweige getheilt) nicht höher als die Pyrenäen. Unter 
dem fünf und fünfzigsten Grade der Breite haben englische 
Reisende durch Messung sie gar nur gegen sieben hundert 
neun und siebzig Meter (4oo Toisen) hoch gefunden. Man 
könnte geneigt seyn , aus diesem allmähligen Abfall zu schlie- 
fsen , als verschwinde die Andeskette völlig gegen den Nord- 
pol hin, wenn man nicht unter öo"" 21^ nördhcher Breite 
die vierte Gebirgsgruppö kennte, deren Gipfel (der Ehas- 
berg und Montana de Buen Tiempo) bereits oben genannt 
worden sind. Hier und in der Halbinsel Analasca scheinen 
die Andes unter dem Meere in Verbindunsj mit den noch 
brennenden Vulkanen yon Kamtschatka zu stehen. Die 






n 



i4^ NATUR GEMÄLDE 

r 

Gebirge des östlichen Asiens sind demnach nur eine Fort 



Setzung 



Wenn 



wahrscheinlich ist , dafs der gröfsere Theil der kupferfarbi- 
gen Bewohner von Amerika Mongolischen Ursprungs ist 5 
wenn man vielleicht Ursache hat, im nördlichen Hindostan 
(im hohen Plateau von Tibet und Butan) den Ursprung 
weitverbreiteter religiöser Mythen , die frühesten Keime 
menschlichen Kunstsinnes , ja aller menschlichen Bildung 
zu suchen : so ist es zwiefach interessant, von jenem Cen- 
tral-Punkte auch die höchsten Gebirgszüge unsers Planeten 
ausgehen zu sehen. 

Ich habe es versucht, mit grofsen Zügen den Umrifs der 
Andeskette zu schildern. Von ihrer innern Struktur und 
den Gebirgsarten , die sie einschliefst , gehören nur folgende 
allgemeine Sätze in ein Naturgemälde. ) 

Die Tropenregion vereinigt fast alle Gesteinarten, welche 
man bisher auf dem ganzen übrigen Erdkörper entdeckt 
hat. Blofs die sonderbare Gebirgsart, welche aus Smaragdit 
und Sade besteht, und welche Buch am Mont-Rose sich 
zu grofsen Höhen hat aufthürmen sehen , habe ich in den 
'Andes nicht angetroffen; auch nicht Rogenstein, Kreide 
und das sonderbare Gemenge von körnigem Kalkstein und 
Serpentin {Verde antico)^ welches in Kleinasien ^ und gegen 
den Euphrat hin gemein seyn soll. Existirt aber auf der gan- 
zen Oberfläche des Erdbodens eine Identität in der Natur 



— ^ - 

^ Auch bey Susa , nordwestlich von Turin, auf Glimmerschiefer aufgesetzt, 

eine sehr alte , "wenig untersuchte und mit einem eigenen IVamen zu hezeich- 
ncnde Formation. . ^ 






DER TROPENLANDEK 



143 ^ 



H ■ 

der Gebirgsarten : so ist die Übereinstimmung , welche wir 
in den fernsten Gegenden in der Schichtung und Lagerung 
oder in dem Alter der Formationen beobachten, nicht min- 
der auffallend. Überall, im Bau der Weltkörper, wie in der 
Construktion der Gebirge 5 in der Schichtung der Forma- 
tionen , wie in der blättrigen Textur einzelner Fossilien ; 
überall hat die gestaltende Natur sich durch einfache und 

allgemeine Gesetze beschränkt. 

Granit ist in der amerikanischen Tropenwelt , wie in den 
übrigen von Physikern beobachteten Theilen des Erdbo-' 
dens, die älteste Gebirgsart , auf welcher alle andere zu 
ruhen scheinen. Er kommt am Fufse der Andeskette zu 
Tage heraus, sowohl an der Rüste der Südsee (zum Bey- 
spiel zwischen Lima und Truxillo), als in den östHchen 
Ebenen des Orinoco und Amazonen-Flusses. Er trägt so- 



wohl die Übergangsformationen des hohen Gebirgsrückens , 
als die Flözlagen der Llanos. Der quarzreiche Granit, wel- 
cher wenig Glimmer und grofse röthlich-weifse Feldspath- 
krystalle einschliefst, scheint unter den Tropen älter, als der 
feinkörnige Granit mit vielem Glimmer in sechsseitigen 
Tafeln krystallisirt. Bald (und meist) ungeschichtet^ bald in 
regelmäfsig streichende 



Winkel 



em- 



Q 



klüfte in unregelmäfsige Säulen zci^spalten , bietet der Granit 
der Andes dieselben geognostischen Phänomene, als der 
der europäischen Alpenkette, dar. Wie dieser, enthält er 
auch oft jene sonderbaren glimmerreichen Massen % welche 



' An den Obelisken und anderen ägyptischen Kunstwerken , die ich hier 



zu 



i44 ' NATURGEMÄLDE 

L 

" ■ L 

wie eingewachsene Stücke eines äliern Granits erscheinen , 
und doch wahrscheinlich nur auf lokale Zusanimenziehun- 
gen in den anschiefsenden Bestandtheilen hindeuten. Speck- 
stein, der (wie ich zu Paris in Hen-n Rozier's vortrefflicher, 
in Ägypten und Arabien gemachter, Fossiliensammlung gese- 
hen) im Granit von Syene, wie im Schweizer- Granit, vor- 
kommt, habe ich in Peru, Neu-Grenada, Venezuela, Mexico 
und am Ober-Orinoco nie in Granitgebirgen entdeckt. 
Eben so wenig Lepidolit, welcher ein partieller Gemengtheil 
eines europäischen Granits ist. Titanschörl und Turmaline 
sind in südamerikanischen Graniten sehr selten , doch er- 
sterer minder als der letztere. In den geognostischen Samm- 
lungen , welche ich dem königlichen Mineralienkabinette 
zu Madrid geschickt, befinden sich sogar Titan - Dendriten , 
die ich beyCaraccas gefunden, und die Herr Proust chemisch 

untersucht hat , da sie den Braunstein-Dendriten sehr ahn- 
lieh sehen. 



Rom untersucht, bemerke ich ehen diese Erscheinung. Der Basalt der Alten, 
von dem ich an einem andern Orte (in meinen Mineralogischen Beobachtungen 
über einige Basalte am Rhein, 1790) gehandelt, ist gröfstentheils nichts anders 
als eine ähnliche hornblendreiche Masse, welche ägyptische Bildhauer aus dem 
Werner'schen Syenit auszuwählen wufsten. Diefs erkennt man deutlich an den 
Feldspathtrüramern derLöwen vor dem heutigen Copitol. Die kolossalischen ägyp- 
tischen Statuen im Capitolinischen Musäum, besonders die, welche eine ihurm- 
ähnliche Verzierung auf dem Kopfe und einen Palmzweig in der Hand hat, 
zeigen recht anschaulich den Übergang vom Granit und Werner'schea Syenit 
zum Basalt der Antic[uarier. Übrigens Legreift der schwarze und grime Basalt 
der letzteren uranfänglichen Grünstein, Syenit, einen Hornsteinporphyr mit 
kleinen fast mikroskopischen Hornbleudekrystailen , Lydischen Stein und Kie- 
selschiefer in sicK " -...-- 



/ ^ 



DER TROPENLANDER. i45 

■ 

F 

Auf dem Granit, als auf der ältesten uns bekannten 
Gebirgsart aufgesetzt, und bisweilen selbst mit ihm alter- 
nirend , erscheint in der Andeskette der Gneifs. Er geht 
allmählich in Glimmerschiefer, wie dieser in den uranfäng- 
lichen Thonschiefer über. Granaten sind in den Tropen des 
neuen Kontinents mehr dem Gneifs , als dem Glimmer- 
schiefer eigen. Auch in Afrika , bey Elephantina , also nahe 
am Wendeki^eise des Krebses , hat Rozier den Granat stets 
im Gneifs entdeckt. Im südlichen Thelle von Peru , welcher 
in der politischen Landesabtheilung gegenwärtig zum Vice- ' 
königreich Buenos-Ayres gehört, erscheint der Granat sogar 
im Porphyr. Ein solcher granatreicher Porphyr bedeckt die 

r 

silberreiche Thoiischieferkuppe von Potosi. Körniger Kalk- 
stein , Chloritschiefer, und uranfänglicher Grünstein bilden 
oft untergeordnete Lager im Gneifs und Glimmerschiefer von 
Südamerika. Der hohe Ramm der Ahdes ist, wie der vieler 

r 

deutschen Gebirge , fast überall mit Porphyr- und Trappfor- 
mationen (Basalt , Mandelstein , Porphyrschiefer und fast 
ungemengten Klingsteinmassen) bedeckt. Die säulförmigen ' 
Absonderungen dieser räthselhaften Gebirgsarten geben den, 

r 

Kordilleren diese thurmähnlichen , zackigen, grotesken For- 
men , an denen man sie von weitem erkennt. Das vulka-, 

m ■ 

nische Feuer bricht in diesem porphyrartigen Trapp-Gesteine 
aus, und es ist ein für den Gcognosten schwer zu lösendes 
Problem , ob diese Porphyre mit glasigem , faserig verwit- 
terndem Feldspath , ob diese Basalte , diese porösen Mandel- 
steine , ob Obsidiane , Perl- und Grünstein durch Feuer 
gebildet , oder ob es früher ei^zeugte Gebirgsarten sind , auf 

19 



i4ö naturgemIlde 

* 

welche die vulkanischen Kräfte ihren zerstörenden und um- 

/ 

V I L 

wandelnden Einflufs ausgeübt haben. 

Glimmerschiefer ist in der Andeskette, wie in den euro- 
päischen Alpen, (nächst dem Porphyr) die am weitesten 
verbreitete Formation. Er enthält oft Lager von Graphit und 
unterteuft andere spätere Gebirgsarten , wie den Serpentin 
mit Schillerspaih und den Jade. Der Serpentin ist (was sehr 
auffallend ist) bisweilen, zum Beyspiele in der Insel Cuba, 
bey Guanavacoa, und in Neu -Spanien bey Guanaxuato , 
mit Werner schem Syenit^ abwechselnd geschichtet. 

Die Identität der Schichtung, welche auf dem ganzen 
Erdboden zu herrschen scheint , wird noch auflallender, 
wenn man die Flözformationen von Südamerika mit denen 
des alten Kontinents vergleicht. Die bildende Natur, durch 
die der Materie einwohnenden Kräfte auf gewisse Prototy- 
pen beschränkt, hat dieselben geognostischen Phänomene 
am Orinoco , an den mexicanischen Küsten des stillen 
Meeres, in Deutschland, Frankreich, Polen, Palästina und 
Nieder-Agypten wiederholt. Am Fufsc der Andeskette un- 



i - ■ ■ 

\ Ich sage mit Werner'scliem Syenit : denn der Syenit der Allen ist Qvöfsten- 
theils Granit. Die Obelisken enthalten, nach Wad's, Pfaff's, Graf Geslers, und ' 
selbst nach Petriui's letzter Untersuchung ( siehe Zoega's Meisterwerk ) , keine 
Hornblende. Herr Rozier und andere Gelehrte, welche Bonaparte's Expedition 
begleiteten, haben beobachtet, dafs bey Syene wahrer Granit die herrschende 
Gebirgsart istj dafs aber hier und da in diesem Granit von Syene kleine, weni 
zusammenhängende Lager von Werner'schem Syenit vorkommen. Dagegen hat 
Herr Rozier am Berge Sinai, dem Uassischen Boden jüdischer Mythen, den 
( hornhlendehaitigen ) Syenit so häufig gefunden, dafs er vorgeschlagen hat,' 
seinen Natnen in Sina'it zu verwandeln. 



g 



-\ 



DER THOPENLÄKDER. 

r 



; 



terscheidet man zwey 



l/: 



-■147 

eine ältere 



\ 



mit kieselartigem Bindemittel , Geschiebe von Urgestei- 
nen einschliefsend, und eine kalkartige mit Brocken von 
Flözgebirgsarten 5 zwey Gypse, und zwey oder gar clrey For- 
mationen von dichtem KalJistein. Ungeheure Flächen von 
siebzig bis achtzig tausend Quadratmeilen sind mit altem 

^ I 

Conglomerat bedeckt , in dem Trümmer von braunem 
Eisenstein und, wie in Sachsen und in Ägypten bey Suez, 
versteintes Holz vorkommen. Auf diesem' alten, weit ver- 
breiteten Sandsteine ruht die Ralksteinformation , welche 
ich ehemals J Ip enli att ^ genmiit habe, und in welcher die 
pelagischen Versteinerungen stets dicht zusammengedrängt, 
oder auf grofsen Höhen isolirt vorkommen. Dunkel rauch- 
graue Farbe, kleine Trümmer von weifsem Kalkspath , eine 
aus dem dichten ins körnige übergehende Textur, und häu- 
fige Schichten von Schieferthon charakterisiren sie in der 
Andeskctte und in Neu-Andalusien, wie in Öber-Bayern und 
in Piemont. Dieser Alpenkalkstein dient zur Untei^lage einem 
blättrigen Gyps, der bisweilen Schwefel und Steinsalz" ent- 
hält. Auf diesen Gyps folgen neuere Formationen , als ein 

■ 

zweyter röthlich - weifser dichter Kalkstein, dessen ebener 
Bruch an das flachmuschlige grenzt, und der oft Höhlen ent- 

ein Kalkstein, der dem des Jura, des Monte-Baldo 
und dem von Mittel-Ägypten analog ist. Auf diesem Jura- 
lalkstein ruht Sandstein mit Mttartigem Bindemittel, und 
auf diesem, doch nicht weit verbreitet und oft verdrückt, 



hält 



^ Siehe meine Schrift über die unterirdischen Gazarten und die Mittel ihi 
Nachtheil zu vermindern ^ S. 47. 



ren 



1148 INATURGEMÄLDE 

^^ ^^ r 

faseriger mit Thongallen gemengter Gyps ^ und spätere Kalk- 
inassen , welche Feuei^- und Hornstein , ja in der l^i^oviuz 
Neu-Barcellona selbst ägyptischen Kiesel' einschliefsen. Die 
hier geschilderte Folge oder Lagerung der Flözformationen 
ist in den grofsen Ebenen zwischen dem Orinoco , Riq 
Negro und Amazonenflusse schwer zu erkennen,' AYeil dort 
alles, was einst das alte Conglomerat zu bedecken schien, 
durch spätere Naturrevolutionen weggeschwemmt worden 
ist. Aber sie zeigt sich deutlich in der Provinz Gumana 
( in der Flözkette des Tumiriquiri ) , in den hohen Gebirgs- 
ebenen von Neu-Gi^enada und im Königreich Neu-Spanien, 
wo mein Freund, Herr Del Rio, längst vor mir die interesT 
santesten Beobachtungen darüber angestellt hat. 

iber Trotz der angedeuteten^ Analogie, w^elche zwischen 
beyden Kontinenten und allen Zonen in der Natur der 
Gebirgsarten , ihrer Schichtung und Lagerung sich findet, 
bieten die Äquatorial - Regionen doch auch mehrere Er- 
■scheinungen dar, welche ihnen gleichsam ausschliefslich ' 
zugehören. Eine der auffallendslen ist die ungeheure Mäch-^ 
tigkeilnndHöhe^ in welcher man alle, dem Granit in Akers.-. 
folge nachstehende Schichten in den Tropen antrißt. In 
dem wesdichcn Theile der europäischen Centralkette beste- 
hen die höchsten Berggipfel aus Granit. Der Glimmerschiefer 
scheint hier die Höhe von zwey tausend vier hundert Meter 
( i23o Tois.en) nicht haben übersteigen zu können, während 
clafs der Granit im Mont-BIanc noch vier tausend sieben 



^ 



' ijn Ägypten selbst . findet sich dieser Kiesel nie im Kalkstein, sondern in 
einem allen Conglomcrat, aus "vveichein aiicli die Memnons- Statuen bestellen. 



#• 



DER TROPENLANDER. 



tr 



49 



hundert fünf vmd siebzig Meter ( 245o Toisen ) hoch zu Tage 
erscheint. In der Andeskette ist diese letzte Gebirgsart fast 
stets durch neuere Formationen versteckt. Man könnte viele 



Jahre lang in dem Königreich Quito und in einem grofsen 
Theile von Peru und Mexico umherreisen., ohne je den 
Granit kennen zu lernen. Am höchsten habe ich diesen 
letztern im neuen Kontinente sich in den Andes voji Quin- 
diu, und doch nur zu drey tausend fünf hundert Meter (lygS 

* — 

Toisen) erheben gesehen. Die mit ewigem Schnee bedeckten 
Gipfel des Chimborazo , Cayambe und Antisana , zu sechs 
tausend fünf hundert vier und vierzig, fünf tausend neun 

■ I ' L - 

hundert und fünf, und zu fünftausend acht hundert drey 
und dreyfsig Meter (SSSy, 3o3o und 2993 Toisen), beste- 
hen aus Porphyr. Dagegen bemerkt man dichten Kalkstein 
in Peru, bey Micuipampa, auf drey tausend sieben hundert 
Meter (1897 Toisen) : Glimmerschiefer am Tolima, einem 
Schneeberge des Königreichs Neu -Grenada , in vier tausend 

' ' LI 

fünf hundert Meter (23o8 Toisen) : Basalt am Vulkan 
Picliincha, unfern der Stadt Quito, auf vier tausend sieben 

r ^ 

hundert sechs und dreyfsig Meter (2430 Toisen) Höhe. In 
Deutschland hat man den Basalt am höchsten in der Schnee- 
grube', 



r" L 



"X 



, tausend zwey hundert sechs xmd achtzig Meter 
(660 Toisen) hoch, über dem Meere gefunden. Mineralogen, 
v\^elche den Porphyr des Chimborazo, alle Basalte und Giüin- 



\ 



^ Geognostische Beobachtungen auf Reisen durch Deutschland und Italien, von 
Lßopold -von Buch, B. I , S\ 122 : eine Schrift, AYclclie von dem BeoLacliUincs- 
geiste lind dem bewundernswürdigen Genie ihres Verfassers zeugt, und in 
fremden Spi-achen bekannt zu werden yerdient 



Wasse 



i5o __ NATTTRGEMÄLDE 

steine nicht durch unterirdisches Feuer verändert, sondern 
von diesem ursprunghch erzeugt hahen, müssen diese Be- . 
trachtungen über die obere Grenze der Formationen für 

I j 

nicht minder wichtig halten , da es in der beschreibenden 
Geognosie, welche eine zuverläfsige Wissenschaft ist , auf 
den gegenwärtigen Zustand der Dinge, und nicht auf Ver- 
muthungen über den Ursprung und die frühesten Katastro- 
phen der Natur ankommt. 

\ 

Die Steinkohlenflöze von Santa-Fe, nahe an dem grofsen 
falle der Tequendama , liegen zwey tausend sechs 
hundert drey und dreyfsig Meter ( i553 Toisen ) hoch. Bey 
Huanuco in Peru soll man Steinkohlen im dichten Kalk- 
stein, in einer Höhe von vier tausend fünf hundert Meter 
(23o8 Toisen) , also fast weit über aller jetzigen Vegetation, 
entdeckt haben. Das Plateau von Bogota , welches sich zwey 
tausend sieben hundert Meter (i383 Toisen) hoch über 
der Meeresfläche erhebt , ist mit Flözformationen , mit dich-' 
tem Kalkstein voll Seemuschel -Versteinerungen, mit Sand- 
Stern, Gyps und Steinsalz angefüllt. Ich zweifle, dafs man 
je irgendwo in Europa" Steinsalz oder Steinkohlen über zwey 
tausend zwey hundert Meter (11:28 Toisen) hoch angetrof- 



Wa. .., 



lien auf so verschiedenen Höhen unter dem Äquator und 
in der gemäfsigten Zone ? 

Die versteinten Seemuscheln, welche man im alten Kon- 
tinent auf der gröfsten Höhe entdeckt hat, sind die des 
Mqnt-Perdu, dem höchsten Gipfel der Pyrenäen. Sie lie- 
gen drey tausend fünf hundert sechs und sechzig Meter 



y 



DER TROPENLÄNDER i5i' 

(1727 Toisen) über dem Meeresspiegel erhaben. In der An- 
deskette sind die Spuren organischer Körper der Yorzöit 

r ■ 

im Ganzen zieniHch sehen , weil Kalkstein und Sandsteinö 



mit kalkartigem Bindemitlel überhaupt den Äquatorial- 

I 

Piegionen von Amerika weniger als unseren Klimaten eigen 
zu seyn scheinen. Doch sind bey Micuipampa , einem Ber£;- 
städtchen, dessen südliche geographische Breite ich 6" 45' 58'' 
gefunden habe, Echiniten, Austern- und Herzmuschel -Ver- 
steinerungen , zwey hundert Meter ( 103 Toisen) höher als 
der Gipfel des Pico von Teneriffa, auf di^ey tausend acht 
hundert acht und neunzig Meter (2000 Toisen) Höhe ent- 
deckt worden. In den Gebirgen von Huancavelica , südöst- 
lich von Lima , liegen die Reste alter pelagischer Schaalthiere 
gar bis vier tausend drey hundert Meter (22o5 Toisen) Höhe. 
Alle fossile Elephanten-Knochen , welche ich aus der hohen 
mexicanischen Gebirgsebene, aus der von Suacha bey Santa- 
Fe de Bogota, aus Quito und Peru mitii^ebracht , und unter 
welchen Cuvier Reste einer neuen, vom Mammut sehr ver- 
schiedenen Gattung bemerkt hat , kommen in grofsen Höhen 
wenigstens zwischen zwey tausend drey hundert und zwey 



tausend neun hundert Meter ( 1 179 und i488 Toisen ) Höhe 



vor. Ich weifs kein Beyspiel, dafs man Elephanten-Knochen 
tiefer am Fufse der Andeskette , also in warmeji Erdstri- 
chen entdeckt hätte; denn die berufenen Riesen-Knochen, 
die ich am Gap von S.* Helena , nördlich von Huaya'quil , 



habe ausgraben lassen , sind weder von Menschen noch von 

Elephanten, sondern von mächtigen Seegeschöpfen (Cetaceen); 

In der gemäfsigten Zone sind tausend Meter (5i 3 Toisen) 



L 
Elf 

*i52. natürgemIlde 

niächtige SchicKten schon sehr selten. In Neu-Spanien und 
Peru, am steilen Abfalle der Kordilleren oder in tief ein- 
gefuixhten Thälern , erkennt man eine Mächtigkeit der 
Porphyrformation von zwey tausend neun hundert bis drey 
tausend zwey hundert Meter ( i488 bis 1642 Toisen). Die 
Pechstein-Porphyre des Chimborazo sind über drey tausend 
sieben hundert Meter (1897 Toisen) mächtig. Der Sandstein 
in dem Flözgebirge von Cuenca (zwischen Quito und'Loxa) 
hat tausend sechs hundert Meter ( 821 Toisen) : die sonder- 
bare Formation von reinem Quarzfels, ösdich von Caxa- 
marca , welche der peruanischen Andeskette eigenthiimlich 
zu seyn scheint , hat zwey tausend neun hundert Meter 
( i488 Toisen) Mächtigkeit. Reine dieser weit- und hoch-, 
verbreiteten Gebirgsarten ist durch das Vorkommen fremd- 
artiger Lager und Flöze unterbrochen! 

Noch charakterisiren die Äquatorial -Region folgende geo- 
gnostische Phänomene , welche an anderen Orten umständ- 
lich entwickelt werden sollen : Unbeschreiblich gi^ofse Fre- 
quenz und Mannichfaltigkeit der Porphyrformationen 5 stetes 
Vorkommen der Hornblende S Mangel des Quarzes und Sel- 
tenheit des Glimmers in diesem Porphyr ; mächtige Schwe- 
fellager , nicht etwa im Gyps oder im Kalksteine, sondern, 
fern von Vulkanen , in Urgebirgen 5 Überflufs an allen 



^1 

■ ^ 

^ Alle Tropen -Porplijre des neuen Kontinents enthalten Hornblende, meist 
zweyerley Feldspath, glasigen und gemeinen, oft Olivin, Augit und etwas Glim- 
mer. BisAvellen sind sie polarisirend : so die, welche wir hey Voisaco, in der 
Provinz Pasto (Königreich JYeu - Grenada ) entdeckt, meinem ßayreuther Ser- 
pentin-Hornblendschiefer physikalisch ähnlich. 



\ 



DER TROPENLANDER. i55 

\ ■ ■ , ■ - ■ i 

Metallen aufser dem- Bley ; das Vorkommet der Pacos- 
Schichten oder eines innigen Gemenges von Thonerde , 
oxidirtem Eisen , gediegenem und kochsalzsaurem Silber ; 
die verschiedene Höhe , in welcher die Natur diese Metall- 
schätze' vertheilt hat, in Peru drey tausend fünf hundert 
bis vier tausend ein hundert Meter (1795 bis 2io3 Toisen) 
hoch 5 und in Neu - Spanien , in milderen Bergregionen , 
kaum tausend sieben hundert oder zwey tausend sechs 
hundert Meter (872 oder i552 Toisen) hoch; Frequenz 
des Quecksilbers, das in der ganzen Andeskette in zahllosen 

^ 

Gängen zerstreut ist, aber v\^enig und meist fruchtlos bear- 
beitet v\^ird ..... 



■ Kein Theil der bekannten Erde ist gröfseren vulkanischen 
Revolutionen untei^worfen , als die Andeskette. Vom Cap 
Hörn bis Analasca , zählt man noch heut zu Tage über vier 
und fünfzig brennende Vulkane. Die feuerspeyenden Berge, 
welche sich am meisten von der Meeresküste entfernen, sind 






^^^ie Fülle silLerlialUger Erze ist so grofs, dafs mit zimelimender Bevölkerun, 
im Neuen Kontinent das Spanisclie Amerika, dessen Gold- und Silber- Ausbeute ^ 
gegenwärtig acht und dreyfsig Millionen Piaster beträgt, dieses Prodult -vvalir- 
sciieinlicli drejmal vergröfsern kann. Neu-Spanien, in dem die Industrie so zu 

* 

sagen erst vor Kurzem zu erwaclieu anfängt, liefert, jälirlicli zwey und zwanzig 
bis fünf und zwanzig Millionen Piaster, wälirend es im Anfange des aclitzebnten, , 
Jabrbunderts kaum eine Ausbeute von fimf bis sechs Millionen hatte ! Die einzige 
Münze der Hauptstadt Mexico hat seit der Entdeckung von Amerika tausend 
neun hundert Millionen. Piaster nach Europa gesandt, eine ungeheure Summe, 
welche von Westen nach Osten geht, und grolsentbeils in China und Indostan 
exisliren mufs. Über den Silberbergbau und die amerikanische Amalgamation 
haben wir vortreffliche Beobachtungen von Herrn Berginspektor SonnenschmicU- 
(der viele Jahre lang die Mexicanischen Gebirge durchreiset hat) zu erwarte^. 

20 



i54 NATURGEMÄLDE 

¥ 

der Popocatepec, der, nach meinen astronomischen Länge- 
Beobachtungen, sieben und dreyfsig, und der Cotopaxi, der 
vierzig Seemeilen landeinwärts liegt. Die Vulkane von Quito 
speyen gegenwärtig nicht fliefsende Laven, sondern nach 
aufsen verschlackte oder an den Seitenkanten erweichte 
Stücke von Grünstein, Basalt und Perlstein-Porphjr , Obsi- 
dian, Bimsstein, ungesalzenes, aber mit geschwefeltem Hydro- 
gen geschwängertes Wasser , ungeheure teigartige Massen von 
gekohltem Letten (in welchem kleine Fische' in zahlloser 
Menge eingehüllt sind), und die sonderbare Moya, welche 
den Indianern zum Brennmaterial dient, und von der , nach 
Vauquelin's Analyse, ~ sich ganz wie thierische und vege- 
tabilische Substanzen verhalten. In einer mit Indigo sorgsam 
bepflanzten mexicanischen Ebene , ein und dreyfsig Meilen 
von der Südseeküsle, Ist in der Nacht des i4ten Septembers 
1759 der Vulkan Jorullo von zwey bis drey tausend kleinen, 
noch rauchenden Regeln (die Einwohner nennen sie Öfen) 
aus der Erde emporgestiegen. Der grofse Vulkan hat in 
Ruiv.em die Höhe von vier hundert vier und achtzi« Meter 



v 



o 4 



V 



248 Toisen) über der alten kultivirten Flur, oder lausend 
zwey hundert und drey Meter (619 Toisen) über der Mecres- 
fläche erreicht. Sein Krater ist noch entzündet ; aber mit 
vieler Arbeit sind wir, Bonpland und ich, zwischen den 
offenen Spalten bis zu seinem Grunde gelangt. Die in diesem 
Rrater gesammelte Luft war beträchtlich mit: Kohlensäure 



^ Pimelodes Cyclopum. Slelie meine Beobachtungen aus der Zoologie und 

vergleichenden Anatomie , Seitß 59, 



DER TROPENLÄNDER. i55 



geschwängert Sollten vielleicht mehrere Kuppen von weifsem 
aufgelöstem Porphyr durch vulkanische Dämpfe umgewan- 
delte Granite und eines ähnlichen Ursprungs seyn , als Herr 
,von Buch so scharfsinnig von den emporgehobenen Porphyren 
von Auvergne und Santorino erwiesen hat ? 

-H 

Entfernung ^ in <^elcher Berge auf der ßleeres- 

Jläche sichtbar sind, 

r 

L 

\ 

Da mein Naturgemälde eine grofse Menge beträchtlicher 
Höhen enthält : so glaubte ich , dasselbe auch dadurch in- 

f - - 

teressant zu machen , dafs es zugleich die gröfstmögliche 
Entfernung angebe , in welcher erhabene Gegenstände in 
der Ebene sichtbar sind. Diese Entfernung hängt bekannt- 
lich von der Krümmung der Erde, von der Höhe des " 
Gegenslandes. und von der Stärke der irdischen Refraction 



ab. Weg 



, die Scale mit Vernachläfsigung desselben berechnet worden. 
Wenn man die angegebenen Entfernungen (welche zugleich 
auch die Halbmesser des Gesichtskreises auf dem Gipfel der 
Berge sind) mit den Weiten vergleicht, in welchen Schiff- 

, fahrer oft den Pico von Teneriffa , den azorischen Kegel- 
berg, den Orizava, die Schneegebirge von Santa-Martha , 
und den Tafelberg gesehen zu haben vorgeben : so mufs 
man diesen Unterschied weniger anomalischen Strahlenbre- 
chungen , als vielmehr der Unkunde des SchifTorts ( der 
geographischen Länge und Breite ) zuschreiben. Man glaubt 
sich nähmlich weiter von dem gesehenen Gegenstande ent- 
fernt 5 als man wirklich ist. Der Strahlenbrechung geht es 



i56 



NATURGEMÄLDE 



auf dem Meere, wie den Strömungen ( Coufahs ) , deren 
Einflufs oft blofs defshalH übertrieben wird weil 



man 



unerwartet auf Klippen und Inseln stöfst , von denen man 

»sich, aus Mangel richtiger astronomischer Bestimmungen, 
sehr fern glaubt. . 

Unter den Tropen, wo die irdische Strahlenbrechung 
weit regelmäfsiger und minder wechselnd ist , sind Höhen- 
Winkel von grofsem noch nicht genugsam erkanntem Nutzen 

^ 

für die Schiffahrt. Der Pico von Teyde , der Sattelberg von 
Caraccas , und der Orizava an der Küste von Vera- Cruz, 

X 

sitid leitende , von der Natur errichtete Signale , die dem 



vorbeysegelnden SchifFer von dem gröfsten Nutzen seyn 
können', wenn er sie gehörig zu benutzen weifs. Ist nähm- 
lich die Höhe eines solchen Küstenberges und seine geogra- 
phische Position genau bekannt : so können sehr einfache 
Beobachtungen den Ort der Schiffer bestimmen. Ich habe 
in diesen letztverflossenen Jahren viele Beobachtim";en dieser 
Art , theils in der Südsee , theils im atlantischen Oceane 



angestellt. Churruca hat sogar Tafeln für die Entfernungen 
berechnet, in welchen der Pico von TenerifFa sich unter 
bestimmten Höhen'winkeln zeigt. 

r 

Die Scale , welche das Naturgemälde über diesen Gegen- 
stand enthält, bietet zugleich der Einbildungskraft die weiten 
Landesstrecken dar, welche das Auge yon dem höchsten 



Gipfel der Andes übersehen würde, wenn nicht Nebel und 
Gewölk den Genufs dieses majestätischen Schauspiels dem 
Reisenden so selten machten. Der Durchmesser dieser Stre- 
cken würde für mich airi Chimborazo , bey meiner Reise zu 



DER TROPENLÄNDER. 



i5 



7 



i 

r 

dem Gipfel desselben, sieben und neunzig Meilen; er würde 
für Herrn Gay-Lussac , bey seiner letzten Luftreise , hundert 
und sechs Meilen gewesen seyn : aber Wolken haben uns 
beyden den Anblick der niederen Regionen entzogen. 

^ ■ 

Untere Grenze des ea^igen Schnees. 

Ich habe oben, wo ich von der allmähligen Abnahme der 

F . - ^ 

Wärme in den hohen Luftschichten handelte, Beobachtungen 
angeführt, welche es wahrscheinlich machen, dafs über der 
Höhe des Mont - Blanc hinaus diese Abnahme unter den 
Tropen dasselbe Gesetz, wie in der gemäfsigten Zone, be- 
folgt. In diesen hohen Regionen scheint nähmlich die Wir- 
kung der strahlenden Wärme, welche die Oberfläche unsers 
luftumflossenen Planeten zurückschickt, sehr gering zu seyn. 
Ihre Temperatur hängt hauptsächlich von einer' Zersetzung 

r ' ■ 

der Sonnenstrahlen bey ihrem Durchgange durch die Licht 
verschluckenden und daher Helle mindernden Luftschichten 
ab. Ganz anders verhält sich die Abnahme der Wärme in 

■ - , . 

L 
J 

den tieferen Regionen der Atmosphäre. Von der Meeres- 

^^ r ^^ 

fläche an bis auf fünf tausend Meter ( 2565 Toisen) Höhe 
folgt diese Abnahme , wenn man die mittlere Temperatur 
vergleicht, anderen Gesetzen als in gröfseren Höhen ; denn 
da diejenigen Luftschichten , in welchen der ewige Schnee 
der Gebirge sich zu finden anfängt, nach Verschiedenheit 
der Bi^eite in verschiedener senkrechter Höhe über der 
Meeresfläche liegen : so darf man mit Sicherheit schliefsen, 

r 

dafs Luftschichten von einerley mittlerer Temperatur sich 
in anderen Höhen unter den Tropen ^ in anderen in der 



l58 NATUR GEMÄLDE 

L 

geinäfsigten Zone finden. Ist demnach die senkrechte War- 
meabnahnie unter dem Äquator bekannt ( ehie Abnahme 
welche ich von der ]\Ieeresfläche bis zm^ untern Grenze des 

■ L 

ewigen Schnees zu zwey hundert Meter oder hundert und 
zwey Toisen, auf einem Grade des hunderttheihgen Ther- 
mometers finde ) : so führt uns diese Betrachtung ganz 
natürlich auf ein Mittel , die Höhe des ewigen Schnees 
nnter allen Breiten durch Rechnung zu bestimmen. Es 
kommt blofs darauf an , die Höhe einer Luftschicht zu 
finden, deren mittlere Wärme = + o^^sey; eine Wärme, 
welche der gleich ist, welche ungefähr in dem Anfange der 
Schneeregion herrscht. Sey i:2",5 die mitdere Temperatur 
der Ebene unter 45^ nördficher Breite : so findet man die 
untere Schneegrenze zu 200 ( i2°,5 — o^4)= 2420 Meter 



4 



Meter mit den unmittelbaren Saussure'sclien und Trallesi- 
sehen Messungen übereinstimmt. Gegen den Nordpol hin 
würde ein Land, dessen mitdere Temperatur in der Fläche 
des Meeres ~h 4^ wäre, den ewigen Schnee in 720 Meter 
(369 Toisen) beginnen sehen. Im Allgemeinen findet man 
nach dieser Methode die Grenze des ewigen Schnees in 
Meter, indem man die durch das hunderttheilige Thermo- 
meter ausgedrückte mitdere Wärme der Ebene zwey hundert 
Mal nimmt. Eine Formel, in welcher die Schneegrenze als 
Function der Breite vorkäme, würde weniger genau seyn, 
weil das physikalische Klima meist sehr unabhängig von der 
geographischen Lage des Orts ist. Dagegen bietet die ange- 
gebene Methode den Vortheil dar, die mittlere Temperatur 



^ 



DER TROPENLANDER. iSg 

eines Landes ohne langjährige Beobachtungen aus dei^ beob- 
achteten Schneehöhe, und zwar sie dazu noch durch ein 
Fielfaches zu finden. 

Doch ich verlasse spekulative Vermuthungen , welche sich 
doch nur auf unvollständige Inductionen gründen , und 
kehre , meinem Plane getreu , zu dem zurück , was die 
empirische Beobachtung unmittelbar gibt. Die Höhe der 
untern Schneelinie nahe am Äquator ist eine der bestimm- 
testen und unabänderlichsten Erscheinungen, welche die 
Natur darbietet. Bouguer bestimmt diese Höhe auf vier 
tausend sieben hundert vier und vierzig Meter (2454 Toisen); 
Ein Miltel aus vielen Messungen hat mir etwas mehr, unge- 
fähr vier tausend acht hundert Meter (2462 Toisen) gegeben. 
Ein grofser Theil ch'eses Unterschiedes beruht auf der von 
Bouguer vernachläfsigten Wärmecorrection in den Barome- 



Q 



Meere und auf der verschiedenen Höhe , welche defshalb , 
Bouguer und ich, dem Signal von Caraburu zuschreiben, 
wie an einem andern Orte gezeigt werden soll. Übrigens 
haben die französischen Akademiker sehr richtig bemerkt, 
dafs in diesen Äquatorial - Ländern , in welchen die Luft- 
temperatur das ganze Jahr hindurch dieselbe ist , die Schnee- 
grenze nicht um fünfzig .bis sechzig Meter schwankt, und 
dafs sie eine rein abgeschnittene sölige Linie bildet , ohne 
dafs der Schnee sich an einem Punkte, zum Beyspiele in 
den Schluchten und Thälern , tiefer als an den steileren 
Abhängen herabzöge. 

Es fehlte bis jetzt noch an Messimg der Schne^linie gegen 



y 



X 



160 



a^ 



NATURGEMALDE 



■ die nördliche Grenze der Tropen hin ; und man hätte in 
der That vermuthen sollen , dafs vom Äquator bis zum 
zwanzigsten Breitengrade die Senkung dieser Linie beträcht- 
lieh seyn könne. Durch barometrische und geodesiche Mes- 



sungen 



die ich in Neu -Spanien am Schneegebirge von 



Toluca 5 am Cofre de Perote , am Popocatepec und am 
Itzaccihuatl angeslellt , habe ich gefunden , dafs nahe am 
Wendekreise des Krebses der ew^ige Schnee erst in vier 
tausend sechs hundert Meter (aSöo Toisen) beginnt. Der 
Unterschied zwischen dieser Region und dem Äqi^^'^or be- 
trägt also kaum noch zwey hundert Meter ( iO!ä Toisen). 
Dagegen fällt Schnee , w^as sehr aufTallend ist, in Neu-Spanien 
ebenfalls zwischen dem neunzehnten und zwanzigsten Grade 
der Breite, volle zwey tausend ein hundert Meter (1077 

^ ■ ^ 

Toisen) tiefer als in Quito; Beweis genug, dafs die augen- 
blicklichen partiellen Erkäliungen beyder Länder sehr ver- 
schieden sind , während dafs mittlere Temperatur fast ganz 
mit einander übereinstimmt. 

Da Neu-Spanien (das eigentliche alte AnahuacV schon an 
die gemäfsigte Zone stöfst : so ist die Grenze des ewigen 
Schnees auch schon darin beträchtlicheren Veränderungen 

r 

unterworfen, als man in einem Tropeulande erwarten sollte. 
Im Julius habe ich diese Schneegrenze vier tausend sechs 
hundert und neunzehn. Meter (2572 Toisen), im Februar 
drey tausend acht hundert und zwanzig Meter (1962 Toisen) 
hoch über dem Meere angetroffen. Die Andeskette hat, so 
weit ich sie kenne, nichts, was man einen eigenthchen 
Gletscher nennen tonnte; Diese prachtvolle Naturerschei- 



•/ 



DER TROPENLÄNDEK' i6\ 

r 

nung , die unabhängig von aller Höhe ist, fehlt den Aqua- 
torial- Ländern ganz, wahrscheinlich weil in denselben nie 
sehr viel Schnee auf einmal fällt , und weil die Lufttempe- 
ratur jeder Höhe daselbst constant ist. Auf dem Chimborazo 
findet man dagegen tiefer als die heutige Schneelinie, wenn 
man gräbt, unter mächtigen Sandschichten uralte Schnee- 
lagen , welche sonderbare Naturkatastrophen In diese Lage 

r 

gebracht haben mögen, und die für ein Alter unsers Pla- 
neten zeugen, das vielleicht weiter als der bestrittene Zodiacus 

L ■ 

von Dendyra hinaufsteigt ! — Man kennt, leider! nicht durch 
Messungen die Höhe der Schneegrenze unter dem fünf 
und zwanzigsten und dreyfsigsten Grade der Breite. Unter 
dem zwey und vierzigsten und sechs und vierzigsten Grade 
beträgt sie in Europa an zwey tausend fünf hundert drey 
und dreyfsig Meter (i3oo Toisen). Ich habe dieses Gesetz, 
welches die Schneelinie zu befolgen scheint , in einer eigenen 
Abhandlung untersucht, welche im December i8o4 in der 
ersten Klasse des französischen National -Instituts verlesen 
worden ist. 



\ 



<-' 



Siedhitze des kochenden Prassers aiif^ verschie- 

denen Höhen über der Jlleeresßäche. 

j 

r 

j 

Der Wärmegrad , welchen Flüssigkeiten annehmen , ehe 
sie zum Sieden übergehen, hängt von ihrer eigen thümlichen 
chemischen Natur, und zugleich auch von dem Gewichte 
der Atmosphäre ab , welches auf sie drückt. So wie diefs 
Gewicht mit der Höhe wechselt , so verändert sich 




%\ 



62 



NATURGEMÄLDE 



der Siedpunkt selbst. Die nachstehende Tafel drückt das 



Gesetz dieser 


Erscheinung aus : ,. . 


L ■ 1 


4 




■ HÖHE 


■ h 


SIFDHITZE DES WASSERS. 






4 4 


ßAROMKTERSTAND. 


■^■■■i' ^ 








ÜBER DEM MEERE. 


j 


HUNDERTGR. 


reaümur'sches 






r , 


- 


THERMOMETER. 


THERMOMETER. 

1 

1 






Meier 


Meter 


n -^ 


j 

A 




1 




r - y 


0,7630 


100,0 




80,0 






1000 


0,6792 


U 

97»! 


77>7 






2000 • 


o,6o5o 


94j3 

_ L 


■ . ■ 75,4 ■ 






3ooo 


0,5368 


9^ß 


1 - ^ - ■- 

73,0 






■ 4ooo 


0,4741 


- 88,1 


70,5 






5ooo 


0,4182 


84,7 


"' ^IjI 






6ooo 


0,3674 


81,0 


64,8 




1 


r 

7000 

' i 


o,32o3 




61,6 





■* 



Da von der Oberfläche des Meeres an bis zu tausend 
Meter ein Grad niedrigem Siedpunktes drey hundert sieben 
und fünfzig Meter Höhenveränderung ausdrückt , und da 
zwischen eben dieser Meeresfläche und 7000 Meter ein Grad 

F 

, noch drey hundert und vier Metern zugehört : so kann man 
im AUgemeinen annehmen , dafs bis zur Höhe des Mont- 
Blanc ein Thermometergrad ungefähr zehn Linien Barome- 
terdruck oder drey hundert und vierzig Meter ( 174 Toisen) 
Höhe ausdrückt. Ich habe , während meiner Expedition, 
eine grofse Menge von Beobachtungen über den Siedpunkt 
des Wassers auf den Gipfeln der hohen Andeskette ange- 

. - • * 

stellt. Ahnliche Versuche des Herrn Caldas ( eines jungen 
Mannes aus Popayan , der mit rastlosem Eifer sich der 
Astronomie und einigen Th eilen der Naturbeschreibung 

■ r 

gewidmet), werde ich in meiner Reisebeschreibung bekannt 



DER TROPENLANDER. i63 

mächen. Diese Arbelt hat freylich fast kein Interesse für 
die Meteorologie ; selbst die Theorie des Luftdrucks bedarf 
ihrer wenig : aber sie zeigt doch, welches Grades der Genauig- 
keit die Bergmessungen mittelst des Thermometers fähig 
sind , wenn man mit Sicherheit kleine Fractionen eines 

I 

Grades angeben kann. 

■J 

P^erbreitung der Thiere^ nach der Höhe ihres 

Vi 

PP^ohnorts betrachtet. . 

■ 

Um das Naturgemälde der Tropen-Regionen vollständi- 
ger zu machen , habe ich eine Scale hinzugefügt , welche 
die Yerschiedenheit der Thiergattungen darstellt , die den 

- 

schroffen Abhang der Andeskette bewohnen. So weit nur 
immer die Vegetation in und auf dem Erdkörper hat vor- 
dringen können, ist thierisches Leben verbreitet. Im Innern 
der Bergwerke und Höhlen leben Dermestesarten und ähn- 
liche Insekten , welche sich von unterirdischen Schwämmen 
nähren. Wie sie , dem Lichte entz< 

des Meeres , benagen Coriphsenen , der gefräfsige Chactodon 
und zahllose Schaaren von Gewürmen, den Seetang (Fuciis)^ 
dessen Früchte mit gallertartigem Schleime überzogen sind. 
Weiter aufwärts, zwischen der Meeresfläche und tausend 
Meter (5i5 Toisen) Höhe, in der Region der Palmen und 
Bananengewächse, finden sich Riesen-Schlangen (Boa)^ der 
grasfressende Manati , undRrokodille, die unbeweglich, wie 

r 

kolossale Statuen von Erz , mit offenem Rachen am Fufse 
des Conocarpus ausgestreckt liegen. Diefs ist der Wohnplatz 
des wehrlosen Flufsschweins (Cwia capybara) .^ daSj wech- 



^ 



164 NATURGEMÄLDE 

7- 

selsweise vom Tiger und Krokodille verfolgt , bald im 
Wasser , bald auf dem Lande seine Rettung sucht. Die 
Wälder dieser heifsen Zone erschallen von dem Regen ver- 
kündenden Geheule der Alouaten , von dem vogelarligen 
Gezwitscher der kleinen Sapajou-AfTgn. und dem stöhnenden 
Klagen des Faulthiers, welches den Stamm der silberblättri- 
gen Cecropia hinankriccht. Sie sind das Vaterland der 
Papagayen , der buntgefiederten Tanagra und des majestä- 
tischen Hocco {Crax paiixl). Der grofse, aber feige ameri- 
kanische Löwe , der furchtbarere prächtig gefleckte Jaguar, 
und der schwarze Tiger des obern Orinoco , welcher noch 
blutdürstiger als der Jagaar ist , sind die Herren dieser 
Wälder. Sie stellen dem kleinen indischen Hirsche (fälsch- 

r 

lieh Cer^us mexicanus genannt ) , der Sus tajassii und dem 
Ameisenbären nach , dessen dehnbare Zunge an dem Brust- 
beine inserirt ist. Die Luft in dieser heifsen Zone , beson- 
ders bis fünf hundert Meter Höhe ( sey es; an den Ufern 



s 



w. 



dem Meeresslrande 5 wo dieser mit Schlamm bedeckt ist), 
wimmelt überall von giftigen Stechfliegen und Mücken 
(Mosffuitos) ^ deren unbeschreibliche Menge einen grofsen 
und so schönen Theil der Erde dem Menschen fast unbe- 

r 

wohnbar macht. Zu diesen Mosquitos gesellen sich noch der 
Oestriis Matisiiy der seine Eyer mit unglaublicher Schnel- 
ligkeit bis in das Muskelfleisch des Menschen lei^t und 
schmerzhafte Geschwülste erregt; Acari, welche die Haut wie 
einen Acker in parallelen Furchen aufschlitzen {Jradores)-^ 
iftigc Spinnen 5 Ameisen und Termiten, deren gefürchlete 



O 



DER TROPENLÄNDER. i65 

\ 

L 

Industrie fast alle menschliche Arbeit zerstört. Alle diese 
Plagen, von denen die Eingeborenen freylich weniger als 
Fremde leiden , verbittern den Lebensgenufs in einer übri- 

j * 

gens so wundervoll schönen, allbelebten Natur. 

Höher aufwärts , in der Region der baumartigen Farren- 
kräuter, zwischen tausend und zwey tausend Meter (5i5 und 
1026 Toisen) Höhe, findet man nicht mehr Krokodille , 
Riesenschlangen, Manati (Flufshühe) und Faulthiere. Der 
Tiger und die Affen werden selten; aber desto häufiger sind 
hier Heei^den von Tapir und Nabelschweinen , und der kleine 
Jaguar ( Fells pardalis ). Menschen , Affen und Hunde sind 
in dieser Höhe vom Minirfloh {Pulex penetrans) , der in der 
heifsern Region seltner als in der mittlem ist, aufs fürchter- 
lichste geplagt. Zwischen zwey und dr'cy tausend Meter (1026 
und iSSg Toisen), in der obern Region der Cinchona, sind 
gar keine Affen niehr , kein Cemis mexicanus ^ aber die 

t 

schöne Tigerkatze {Felis ügrina) ^ Bären und der grofse 
Hirsch der Andes. In dieser Höhe, welche zugleich die des 
rGotthards ist, sind Menschen - Läuse , leider! sehr häufig. 
Zwischen drey und vier tausend Meter ( iSSg und 2o52 
Toisen), in den kalten Gebirgssteppen , lebt die kleine 
Löwenart, welche die Peruaner Puma nennen., und deren 



N 



Spur wir oft noch höher aufwärts auf frischgefallenem 
Schnee gefunden haben 5 der kleine weifsstirnige Bär, und 
einige Viverren: Mit Verwunderung habe ich Golibri-y\rten 
bisweilen bis zur Höhe des Pico von Teneriffa gefunden. 
Die Grasfluren und die Region der wollblättrigen Espeletia 
{Frculcxoji)\ zwischen vier und fünftausend Meter (2o53 



i66 - NATURGEMÄLDE 

' ' ■ ■ 

und ^565 Toisen), ist von den sogenannten Kameelscha- 
fen% von der Vicuna , dem Guanaco und der Alpaca be- 
wohnt, welche in abgesonderten Heerden umher schwärmen. 
Llamas finden sich nur als Hausthiere : denn diejenigen, 
welche am wesdichen Abhänge des Chimborazo geschossen 
werden, sind (so geht die Sage unter den Eingeborenen) 
verwildert, als der Inca Tupayupangi die Stadt Licari, den 
alten Sitz des Cochocandi von Quito , zerstörte. Die Yicuna 
lielit grofse Hohen , wo bisweilen schon Schnee fällt. Trotz 
der Nachstellungen , welche sie seit Jahrhunderten erleiden 5 
sieht man doch noch , auf dem Andesrücken , Heerden von 
drey bis vier hundert, besonders in den Provinzen Pasco" 

J 

(an den Quellen des Amazoneiiflusses) , Guailas und Caxa- 
tambo , besonders in den Gebirgen von GorgOr. Auch uni 
Haancavelica , Cusco und in der Provinz Cochabamba , wo 
das bohe Flufsthal von Gotacages anfängt ; kui-z überall , wo 
der Gebirgsrücken sich zur Höhe des Mont-Blanc erhebt, 
ist die Vicuna noch sehr häufig; Dagegen ist es eine recht 
auffallende Erscheinung der Thiergeographie , dafs Vicunas 
und die ihnen verwandten Gattungen (Alpaca und Guanaco) 
die ganze Andeskette , von Chile an bis zum neunten Grade 
südlicher Breite bewohnen, und dafs weiter nördUch, weder 
in Quito, noch in den Schnee-Gebirgen von Neu-Grenada, 
noch in Neu-Spanien eine Spur ihrer jetzigen oder ehemali- 
gen Existenz zu entdecken ist. Der Straufs von Buenos-Ajres 



^ L 



Mit gleicliem Rechte könnte man sie Antilope nsclaafe nennen : denn sie 
gleu:}ie!> zngleicii dem Kameele , dem Schafe und den Gazellen. 



\ 



DER TROPENLANDER. 167 

bietet ein ähnliches Phänomen dar : er findet sich nicht 

r ' 

\ 

nördhch von der Bergkette von Chlquitos , wo die Wal- 
dungen durch Grasfluren ( Savanen ) untei^brochen sind , 

und wo dieser Vogel ähnliche Nahrung und ein ähnhches 
Klima genlefsen würde. 

\ L 

Die Thiere und Pflanzen gehen kaum über die Schnee- 
grenze hinaus. Unter ewigem Eise vegetiren zwar noch elnke . 
FJechtenarten; aber unter den Vögeln ist der Condor der ein- 
zige , der diese unermefslichen Einöden bewohnt. Wir haben 

ihn in einer Höhe von sechs tausend fünf hundert Meter (5334 
Toisen) schweben sehen. Einige Sphinxe und Fliegen, die wir 
noch fünf tausend sechs hundert zwey und fünfzig Meter' 
(2900 Toisen) hoch antrafen, schienen uns durch senkrecht 
aufsteigende Luftströme unwillkührhch in diese Regionen 
gebracht worden zu sevn. Saussure hat sie ebenfalls auf dem 
Gipfel des Mont-Blanc, Ramond an den Ufern des hohen 

L ■ 

Bergsees am Mont-Perdu gefunden. Sonderbar, dafs dlese\ 
Insekten beobachtet worden sind , so oft Menschen sich auf 
Gebirgen zu sehr grofsen Höhen erhoben haben. 

Diese zoologische Scale, welche hier nur skizirt erscheint, 
enthält die Grundzüge zu einem zoologischen Gemälde , 
welches nach Analogie dessen entworfen werden könnte , 
welches ich für die Pflanzen - Geographie geliefert habe. 



We 



N 



Woh 



* 

dem Erdboden dar. Es wäre interessant, in einem Profil 
die Höhen zu bestimmen, zu welchen sie sich in derselben 
Zone, aber in Gebirgsländern erheben. 



V 



1 68 N A T U R G E M Ä L D E 



r 

Kulliir des Bodens, 

j ^ ' 

I 

Wir haben bisher die physikahschen Erscheinungen ent- 
wickelt, welche die Tropenwelt darbietet; die Modificationen 

I 

des Luftkreises ; die Natur und Schichtung der Gebirgsmassen; 
die vegetabihschen Erzeugnisse des Bodens, und die Thiere, 
welche den Gebirgsabhang bewohnen. Es bleibt uns noch 
übrig, einen Blick auf den Menschen und die Objekte des 
Pflanzenbaus zu werfen. Von der Oberfläche des Oceans 

■ \ 

an, bis nahe an den ewigen Schnee, ist die Andeskette von 
kupferfarbigen Indianern, wie von afrikanischen und eurb- 
päischen Ansiedlern bewohnt. Das Bergland , in der pol> 
tischen Eintheilung der Incas Antisuyu genannt , ist im 
Ganzen sogar weit mehr als die Ebene (Gonlisuyu) kulti- 
virt. Der ackerbauende Fleifs der Völker , ja fast alle pri- 
mitive Civilisatioi:t des Menscheh^eschlechts, steht in umge- 
kehrtem Verhältnisse mit der Fruchtbai-keit des Bodens und 
^mit der Wohlthätigkeit der ihn umgebenden Natur. Je 
karger diese ist, je unüberwindhcher die Hindernisse sind, 
welche sie entgegen stellt; desto stärker werden menschliche 
Kräfte aufgeregt, desto früher werden sie durch Gebrauch 
entwickelt. Auch bildeten die Gebirgsvölkcr von Anahuac, 
Cundinamarca und Antisuyu schon grofse , wohl organisirte 
politische Gesellschaften; schon hatten sie eine intellectuelle 
Kultur 5 welche der von China und Japan nahe kam , als 
in den fruchtbaren Ebenen, 'welche sich östlich von der 

I 

Andeskette gegen das Meer hin erstrecken , die Menschen 
noch, zerstreut und nackt, ein ihierisches Leben führten. 



\ 



_^ 



DER TROPENLÄNDER. 1G9 

TB 

Wenn aber die moralische Kultur des Menschengeschlechts 
sich früher in der gemäfsigten, dem Pole nähern Zone, als 



J F 



in der reichern Tropen-Natur entwickeln mufste 5 wenn man 
einsieht, warum diese Kultur früher auf den hohen Gebirgs- 
ebenen der Andes , als an dem Ufer grofser Flüsse begann : 
so drängt sich desto lebhafter die Frage auf, warum der 
schon gebildete, ackerbauende Mensch nicht in jene glück- 
lichen Klimate zurückzieht, wo der Boden ungepflegt dar- 



bietet was in der kältern ärmern Zone ih 



m nur 



durch 



mühevolle Arbeit abgewonnen werden kann. Was bestimmt 
den Indianer in einer Höhe von drey tausend drey hundert 
dreyzehn Meter (1700 Toisen) unter einem eisigen unfreund- 

" ' r 

liehen Himmel ein steiniges Erdreich zu beackern , wäh- 
rcnd dafs, kaum eine Tagereise von seiner Hütte entfernt, 
ganze fruchtbare Ebenen am Fufse des Gebirges unbewohnt 
hegen ? Welchen Reitz hat ein Land, wo zu allen Jahrszei- 

j ■ 

ten Schnee fällt, wo alle Nächte das Wasser gefriert, und 
wo der Felsboden nur mit wenigen krüpphgen Sträuchen 
bedeckt ist ? Dieser Reitz ist der des Vaterlandes 5 jener 
Bestimmungsgrund liegt in der Macht der Gewohnheit. 

In unserm Europa sind die Dörfer, welche am höchsten 
liegen , tausend sechs hundcx^t bis tausend neun hundert 
Meter (821 bis 974 Toisen) über der Oberfläche des Meeres 
erhaben. So liegt in den Schweizer- und Savoy er- Alpen: 



Meter. 



Das Dorf Saint- Jacques de Val d'Ayas in einer Hölie von . . . . i65i 

Das Dorf Saint7Reniy ,- ■, 160/1 

f- 

Das Doi^f d'Eleva, am Craniont , : i5o8 



_^ 



22 



Tohen, 

857/ 

825. 

672. 



70 



NATURGEMÄLD E 



Meter. 



Das Dorf Lans-le-Bourg am Mont-Cenis in einer Hohe von . . i588 
Das Dorf Formaza ; 126S 



Toise« 

712, 

648. 



V 



In den Pyrenäen liegt : 

Das Dorf Heas in einer Hölie von 1/55 

Das Dorf Gavarnie ^ . . . . lAAA 

Das Doif Barege ^ »ooo 



752. 
741. 
662. 



Höher aufwärts gibt es bey uns keine beständigen Men- 
schenwohnungen % sondern nur Sennhütten, welche die 
Hirten im Sommer bewohnen. In Peru dagegen hat man 
Städte, wie I^asco , Huancavehca und Micuipampa, fast In 
der Höhe des Pico von TenerifFa , und über zweyfach höher 
als der Gipfel der schlesischen Schneekoppe erbaut. Die 
ofterwähnte Viehmeyerey am Vulkan Antisana , im Röni 
reiche Quito, liegt gar vier tausend ein hundert und zwölf 
Meter (aiio Toisen) über dem Meere, und ist vielleicht 
der höchste Ort, welchen unsere Race bleibend auf dem 
Erdboden bewohnt. 

Der Pflanzenbau wird in der Tropenwelt durch die Ver- 
schiedenheit der Rlimate bestimmt, welche wiederum eine 
Folge der Gebirgshöhen sind. Von der Meeresfläche an bis 
zu tausend Meter (5i 3 Toisen) Höhe kultiviren die Ein- 

s , Jatropha , Dioscorea bulbifera , 



geborenen Pisang , 



Mai 



^^ r 

^ Ich recline niclit das Kloster S. Bernhard, welches freylich zwey tausend 
vier hundert acht und zwanzig Meter (1246 Toisen) hoch liegt, aber mit den 
Wohnungen, welche Menschen sich (aus eigenem Triebe und sich selbst Unter- 
halt verschaffend) auswählen, keineswegs verglichen werden kann. 



DER TROPENLANDER. 171 

Cacao und die dem Cacao verwandte Theobroma Bacao. ^ 
Diefs ist die Region der Ananas, der Orangen, der Mamea, 
des Nispero {Acliras) und so vieler anderen w^ohlschmecken- 
den Früchte. Die Europäer haben hier Zuckerrohr, Indigo 
und Kaffe eingeführt — neue Zweige des Pflanzenbaus , 
welche, statt wohlthätig zu werden, vielmehr Unmoralität 
und grenzenloses Elend über das Menschengeschlecht ver- 
breitet haben : denn die Einführung afrikanischer Sklaven, 
indem sie einen Theil des alten Kontinents entvölkert, be- 
reitet dem neuen blutige Schauspiele der Zwietracht und 
Rachgier. 

In der gemäfsigtern Zone, zwischen tausend und zwey 
tausend Meter (5 13 und 1026 Toisen) werden Zuckerrohr, 
Indigo, Pisang und Jatropha Manihot immer seltner. Der 
Kaffe besonders liebt eine kühlere Luft und steinigte Berg- 
gehänge. Baumwolle wird hier noch mit grofsem Vortheil 
gepflanzt, aber nicht Cacao und Indigo, welche nur in der 
;lühendsten Sonnenhitze gedeihen. Zwar wird im Königreich 
Quito Zuckerrohr noch in zwey tausend fünfhundert drey und 
dreyfsig Meter ( i5oo Toisen) Höhe kultivirt 5 aber in solchen 
Gebirgscbenen bedarf es Schutz vor kalten Winden und 
Reflex der strahlenden Wärme. Zwischen tausend und tausend 
fünf hundert Meter ( 5i3 und 769 Toisen) herrscht das 



^ Im Clioco. Der Bacao hat eine grofse, ungeheuer harte Frucht, die der 
Cocosnufs ähn'ich sieht, und welche die Indianer zu Chocolaten -Tassen yerar- 
beiten. Die Zeichnung, die ich davon in Carthago (in der Provinz Popayan) 
gemacht , befindet sich in dem ersten Bande unserer Plantce cequinoctiales in 
Kujjfer gestochen (PL XXX a et XXX b ). . . 



4 + 



lys NATUH GEMÄLDE ■ 

Klima , welches der europäische Ansiedler allen anderen 
vorzieht, weil in demselben ewig milde Frühline^sluft weht' 
und die Atmosphäre von sfechenden Insekten frey ist. Hier 
kommen gewisse Früchte, besonders Anona Cldrimoya , tm 
einer aufserordenllichen Vollkommenheit. Diefs ist die freund- 



Hche Region, in der Caraccas , Loxa , Guaduas, Popayan , 



Jbague, Huancabamba, Chilpanzingo, Valladohd tmdXalappa 
liegen; Städte, deren Fluren mit anmuthigen , ewig blühen- 
den Fruchtgärten geschmückt sind. 

Zwischen tausend und tausend zwey hundert Meter (5 13 
und 61 5 Toisen) Höhe beginnt in den Äquinoctial-Ländern 
des neuen Kontinents die Kultur der" eingeführten europäi- 
schen Getreidearten. Diese nahrhaften Gräser, stete Begleiter 
aller kaukasischen Völker, ertragen , wie der Mensch, die 

n 

verschiedensten Rlimatc , die Tropenhitze und die Kälte , 
welche das ganze Jahr hindurch nahe an der Schneegrenze 
herrscht. In der Insel Cuba, in zwey und zwanzig Grade 
nördlicher Breite, wird wirklich Weitzen mit vielem Vortheil 
kaum hundert und fünfzig Meter (77 Toisen) hoch über dem 
Meere gebaut. In der Provinz Caraccas , zwischen Turmei^a 
und La Victoria, in einer Höhe von fünf hundert Meter 
(206 Toisen) , sieht man schöne Kornfelder; und, was noch 
auffallender ist, in den Thälern von Aragua werden m einc}^ 
Ebene dicht neben einander Zuckerrohr, Indigo, Cacao und 
europäischer Weitzen kultivirt. Doch gehören besondere 



da: 



d h ^ 



warten m so nie- 



■ j 

drigen heifsen Gegenden volle Ähren geben sollen. Ihre wahre 
Höhe unter den Tropen, diejenige, in welcher sie überall 



DER TROPENLÄNDER. 1^5 

f 

reiche Arnten versprechen, fangt erst mit tausend vier hun- 
dert Meter (717 Toisen ),' ungefähr mit der Höhe des 
Brennerpasses an. Im Königreich Neu-Spanien, zum Bey- 
spiele , schiefst der Weitzen um Xalappa ( flach meinen 
Beobachtungen in 19" 3o' 4^^^ nördhcher Breite, und tau- 
send drey hundci-t zwölf Meter oder 674 Toisen hoch über 

dem Meei^e) zwar schnell und üppig in Halme. Man bedient 

sich derselben zur Viehfüttcrung ; aber die Ähren sind fast 
ohne reifes Samenkorn. Selbst der Anfang der einträgli- 
chen Weitzen -Kultur ist in Mexico sehr ungleich an dem 
östlichen und westlichen Abfall der Bei^gkette. Auf jenem 
beginnt die Kultur erst im kalten Plateau von Perote in 
zwey tausend drey hundert zwey und dreyfsig Meter (1197 
Toisen) Höhe 5 während dafs ich sie in diesem, gegen die 
Südsee hin , bis Chilpanzingo in tausend zwey hundert 
neunzig Meter (665 Toisen) Höhe habe herabsteigen sehen.. 
Aber dieser beträchdiche , jedem Reisenden so aufFallende 
Unterschied ist zum Theil auch dem Umstände zuzuschrei-: 

^ 

ben, dafs östhch von Perote das Gebirge sehr prallig und 
zur Rultm^ wenig geschickt ist. Im Ganzen gedeiht euro- 

Quito und 

Neu- Grenada, am befsten tausend sechs hundert bis zwey 
tausend Meter (821 bis 1026 Toisen ) hoch über dem Meere, 
er Mittelertrag dieser fruchtbaren Erdstriche ist fünf und 
zwanzig bis dreyfsig Körner für eines. 

Höher als tausend acht hundert Meter (923 Toisen ) bringt 





der Pisang selten reife Früchte hervor 5 aber die Pflanze 
selbst erträgt noch die Bergkälle , welche in zwey tausend 



1^4 NATURGEMALDE 

fünf hundert Meter (1281 Toisen ) herrscht : nur sind 
Strunk und Blätter hier schon kleiner und weniger saftreich. 
In der milden Mittelzone, zwischen tausend sechs hundert 

und zwey tausend Meter (821 und 1026 Toisen) herrscht 
vorzüglich die Kultur der Gocca (^Erythroxjlum pet^u- 
s^ianumy Wenige Blätter dieser speicheltreibenden, dem 
Europäer unschmackhaft scheinenden Pflanze , mit unge- 
löschten! Kalk gemengt , nähren den -genügsamen Indianer ~^ 
auf langen Reisen in der Cordillere. Zwischen zwey und 
drey tausend Meter (1026 und iSSq Toisen) Höhe wird 
der Ackerbau (Weitzen- und Quinoa - Kultur) am sorg- 
samsten betrieben. Die grofsen Gebirgsebenen , welche sich 
erade in dieser Höhe so häufig in der Andeskette finden, 
und von denen viele fünfzi»; bis sechzig Ouadratmeilen 
Flächeninhalt haben , begünstigen diese Kultur. Ihr gleich- 
förmig ebener (söliger) und defshalb leicht zu beackernder 
Boden läfst vermuthen, dafs sie alte, sey es abgelaufene, oder 
aus Mangel von Zuflufs durch Verdampfung ausgetrocknete 
Seen sind. Wo der Acker über drey tausend drey hundert 
Meter (i6g3 Toisen), also fast wie der Gipfel des Ätna 

r 

über dem Meere erhaben ist , da werden Nachtfröste und 
Hagel oft dem Getreide schädlich. Mais findet sich fast gar 
nicht mehr in zwey tausend vier hundert Meter (i25oToisen) 
Höhe. Zwischen drey und vier tausend Meter ( i539 
und 2o52 Toisen ) ist die Hauptkultur die der Kartoffel 
(Solanum tuberosum)^ deren Wurzel oft eine Gröfse von 



sechs Zoll erreicht , und dabey mehlreicher und wohlschme- 
ckender als in Europa ist. In drey tausend vier hundert 



/ 



DER TROPENLANDER. lyS 

L 

Meter ( 1744 Tolsen) Höhen säet man nicht mehr Weilzen, 
sondern blofs Gerste , und auch diese leidet hier äugen- 
scheinlich von der mangelnden Wärme. Hier sind wir fast 
an die obere Grenze aller Pflanzenkultur gelangt : denn drey 
tausend sechs hundert Meter ( i846 Toisen) über dem Meere 
hört sie gänzlich auf. Die Menschen wohnen hier zerstreut 
mitten unter zahlreichen Heerden von Llaxnas , Schafen , 
Pferden und Rindern , welche sich oft bis in die Region 
des ewigen Schnees verlieren. So bietet die Scale des Acker- 
baus das Bild menschlicher Industrie , von dem Innern der 
Bergwerke bis zu dem beschneyten Gipfel der Andes dar. 

Höhe der vornehmsten Berge auj^ der Erde. 

Da alle physikalischen Erscheinungen , welche in dem 
Naturgemälde der Tropen angedeutet worden sind, sich an 
die Idee von Messung und Höhe anknüpfen : so schien es 
interessant 5 am Ende dieses Versuchs eine Sammlung der, 
in verschiedenen Erdgegenden gemessenen Punkte beyzu- 
fügen. Diese Sammlung , welche die nachfolgende Übersicht 
enthält , wird unstreitig denen zu merkwürdigen Verglei- 
chungen Anlafs geben, welche die Natur im Grofsen zu 
beobachten und ihre geognostischen Ahndungen durch That- 
sachen zu begründen suchen. 

Die Zeichnung selbst stellt die gröfsten Höhen dar, zu 
welchen Menschen ' bisher über der Meeresfläche gelangt 



^ Die gröfste Tiefe, welche Menschen in Bergwerken unter den Tropen (und 

r 

vielleicht irgendwo?) erreicht haben, ist die Mina de Valenciana , welche fünf 
hundert und zehn Meter (söS Toisen) tief ist, deren Tiefstes aber noch tausend 



\ 



76 



NATURGEMÄLDE DER TROPENLANDER. 



guer s 



sind. Saussure's Reise nach dem Mont-Blanc bis vier tausend 
sieben hundert fünf und siebzig Meter (^450 Toisen), Bou- 

und La Condamine's Reise nach dem Gipfel des 
Corazon vier tausend acht hundert vierzehn Meter (2470 
Toisen) hoch , und der Punkt , zu welchem ich an dem Chim- 
borazo gelangt bin , fünf tausend acht hundert zwey und 
neunzie; Meter (3o25 Toisen), finden sich darauf bemerkt : 
aber alle diese Höhen bleiben noch tief unter der zurück , zu 
welcher sich mein Freund , Herr Gay-Lussac , allein in einem 
Luftball über Paris am i6tcn September 1804 erhoben 
hat. Er ist noch vier hundert zwey und siebzig Meter (245 
Toisen) höher als der höchste Gipfel der Andeskette gelangt. 
In 'sieben tausend und sechzehn Meter (56oo Toisen) senk- 
rechter Höhe hat er wichtige Beobachtungen über den Magne- 

r 

tismus und über die chemische Beschaffenheit des Luft- 
kreises gemacht. Sein Unternehmen wird stets, als ein schönes 
Denkmal menschlicher Kühnheit und aufopfernder Liebe 
für die Wissenschaften betrachtet werden. 



r 

seclis hundert fünf und neunzig Meter ( 870 Toisen) über der Oberfläclic der 
Sudsee erbaben ist. Die höcbsten Werke menscblicber Baukunst (die Pyramiden 
des Ckops und das Münster in Strafsburg) haben hundert drey und vierzig und 
Ikundert zwey und dreyfsig Meter, oder 74 und 6S Toisen. 



/ 



V 



f. 



• • 



ÜBERSICHT 



DURCH MESSUNG BESTIMMTER HÖHEN. 



JJiE Klammer ist da hinzugefügtj wo die Messung sehr ungewifs scheint 
Die mit jfiT bezeichneten Höhen sind von mir selbst bestimmt, sey es baro-' 
metrisch oder trigonometrisch. Einige derselben werden wahrscheinlich in der 
Folge noch kleine Veränderungen erleiden, da zur Ausarbeitung gegenwärtiger 
Schrift nicht alle Correctionen mit der Genauigkeit angewandt worden sind, 
als es die angestellten Beobachtungen möglich machen. In dem Bande astro- 
nomischer Beobachtungen und barometrischer Messungen ^erden alle von 
mir im Neuen Kontinente bestimmte Höhen sorgfältig berechnet erscheinen.' 
Alle indischen und spanischen Namen sind so geschrieben, wie die Spanier 
in Amerika sie zu schreiben pflegen. Um sie gehörig auszusprechen, mufs 
man defshalb die Regeln der spanischen Aussprache befolgen. Chimborazo 
wird Tschimborasfo ^ Pichincha wird Pitschinscha ; Chile wird Tschile , fast 
Schile; Quito wird Kito; Cupique wird Cupike; Maranon wird Maranion; 
Xalappa wird Chalappa; Xagua wird Chagua, fast Hagua, ausgesprochen. 



GEMESSENE HÖHEN. 



A. 



ÜBER DER 

MEERESFLÄCHE, 



IM 
METERN. 



I 



6544 
In Amerika. Chimborazo, . ^ ( 6276 

6587 
I 

Cayambe-Urcu . . .^ .' . . .| ^ 

( 6954 

( 5833 
^^**^^^*- • • j 587B 

Colopaxi j 5753 

; 4868 
Rucu-Picliincha 

4816 



I IT 

TO I S EM- 



3358 

3220 

E 

338o 

3o3o 
3o55 
2993 
3oi6 
2g52 

2498 

■ 2471 



NAMEN 



DER 



BEOBACHTER, 



Humboldt. 
I Bouguer, la Condamine. 
Don Jorge Juan und 

XJlloa. 
Bouguer^ la Condamine* 

H. 

H. 

Bouguer. 
Bouguer. 
H. (nach der Laplace'sch 

Barometerformel.) 
Don Jorge Juan, 






i 



7 



8 



ÜBERSICHT 



\ 



GEMESSENE HÖHEN. 



Guagua Pichinclia 



UBETl DER 

MEERESFLÄCHE, 



l IT 



4740 



Tungurahuaj nach den Ausbrü- 
chen von 1772 und der grofscn 
Naturrevolulion von 1797- 

Vorher im Jahr 1742 .... 



4958 



Stadt Quito 



Sfadt Sania-Fe- de-JJogota . 
Stadt Mexico 



Stadt Popayan 

Stadt Guenca (Provinz Quito) . 
Stadt Loxa ( Provinz Quito) . 
Stadt Caxamarca (Peru) . . . 
Stadt Micuipampa (Peru). . . 

Stadt Caraccas 

Meyerey Antisana (Prov. Quito) 



5io6 
2935 

262.5 
2294 
1736 
2.514 
i960 
2748 
3557 
810 

4og5 



Popocatepec (der Vulkan von) 
Mexico). 3 ^ 



Ifzaccihuatl ( Sierra Nevada de 
Mexico ). 

Sitlaltepetel oder Pico de Ori- 
zaba ( Neu - Spanien ). 

Nauvpantepetel oder Coffre de 
Perofe (Neu-Spanien). 

NevadodeToluca(Neu-Spanien) 

r 

Vulkan von Jorullo , aus der 

Ebene emporgehoben , 1759 
(Neu-Spanien). [ 

^ 

Eliasberg ( Nordwestküsfe von 
Amerika). * - 

Montana de Buen - Tiempo 
( ebendaselbst ). 



4796 



53o5 



4026 



4607 



1204 



55i3 



I 



4549 



Vulkan von Arequipa (Peru) . 2693 

Berg Duida , westlich von den 
Orinoco- Quellen. ^ ^^^^ 



I H 
T O I 5 E IT 



2432 



2544 



2620 

i5o6 

1347 
1177 

901 
1290 
1006 
1410 
1825 

416 

2101 



2764 



2461. 



2722 



2066 



2364 



618 



2829 



2334 



i382 



i3o9 



\- 



NAMEN 



DER 



BEOBACHTER. 



Z^a Condamine, 



IX. 



La Condarnine. 

H. (nach der Laplace'sch. 

Baromcterformel ). 
H. 

H. 

H. 

H. 

H. 

H. 

H. 



\ 



H. 



H. 



H. 



H, 



H. 



Expedition der spani- 
schen Seefahrer Quadra 
und Galeano. I 

I 

L 



\ 



^r* 



X .. 



h ■, 



« 4 



BESTIMMTER HOHEN. 



1 




B. 
C. 



D. 



E. 



GEMESSENE HÖHEN. 



Sattelberg (Silla) von Caraccas. 

Tumiriquiri ^ eine Sandstein- 
knppe in Neu - Andalusien. 

Gipfel der Blauen Berge von 
Jamaica. 



*fr 



ÜBER DER 

MEERESFLÄCIIE, 



2564 



1902 



I 



2218 



In derSüdsee : Mowna-Roa (Sandwich-Inseln) 6024 



. .1 



In Asien. . . . Tumel Mezereb j Spitze des Li- 
banon. 



Opliyr (Sumatra) 



In Afrika. . Piqo de Teyde 



Tafelberg . . . 
Morne de Salazes 
Reunion )* 



In Europa, 
IN DER Alpen- 



KETTE 



Mont - Blanc . . 



« 



Monf-Rose. - . 
Order j in Tjrol 
Jungfrau • . . . 
Finsterahorn • . 



Mönch 



Scbreckhorn 



Eiger . . 
Breithorn 



Grofsglockner , in Tyrol - 
AU -Eis 



Aiguillc du Dru 



( ile de la 






2906 

3960 

3705 
3701 

3689 

(43i3) 

(4687) 

j 

(5 180) 
1064 

33oo 



* * 



4775' 

4728 
4660 



4736 
4699 
4180 
4363 
4114 

4079 
3983 
3902 
3898 
3713 

3794 






T W 

T O 1 SE W. 



i3i6 



976 . 



l 



NAMEN 



DER. 



BEOBACHTER. 



'■" - ^^-^ ■ ^.fiA 4'^35> ?-— -^.4^^rt^J- -V -^ , ^Y 



! 



ii38 



r-^ 



207.8 



1491 



^. 



JiT. 



Edward, 



Marchand. 



2027 

1901 
1899 

1893 

(2213) 
(2405) 

(2 658) 
542 

r 

1693 



2450 
2426 

2391 



2430 
2411 

r 

214.5 
22.38 
2111 
2093 
2044 
2002 

2000 
1905 

>947 



La Billardi^re ( Icones 
plant.Syria?^dec.I jp. 5). 

Marsden^ 

^ 

X 

j 

Cordier. 

r 

Borda (nach Shukburgs 
Barometer-Formel). ' 

Feuilli ( geometrisch ). 

Heberden (geometrisch). 

Mßn. Hernandez (geora.) 

La Caille. 

LaCaille^ etwas ungewifs» 



Saussure { nach Shuk- 

burgs Formel ). 
Fielet (geometrisch). 
Deine ( theils geometr. , 

theils barometrisch ). 
Saussure^ 

Etwas ungewifs* 

Tr alles. 

Tr alles. 

Tralles. 

Tr alles* 

Tr alles ^ 

Tralles. 

r 

Eiwas ungewifs. 

Tralles* 

Saussure^ 



i8o 



UBEnSICHT 



GEMESSENE HÖHEN. 







4 * 



"W^efterliorn 



Frau 

Doldenhorix . 
Col - de - Geant 



Rothorn 



Le Gram 011 1 



Buct ..*... 

Watsmann (Oberbayerii) . . . 
Fourche de Betia ...... 

Schneel)erg hey Sferzing . . • 
Steinsalz Yon S. Maurice in Sa- 

Yoyen. 
Steinsalz der Wasserberge in 

TyroL 
Pettine^ Gipfel des Gothard • . 
Fels bey Pafs-Lug (Salzburg^). , 
Gipfel des Brenner (Tyrol)* • 

Monfanrert 

Untersberg (Salzburg), . . . 
Hohestaufen (Salzburg) • . * 

Dole (Jura) 

Alpenpässe von Deutschland ^ 

derSchweitz und Frankreich ^ 

nach Italien : 

über den Mont-Cervin, • 
über den col de Seigne • 

^ 

Über den grand S. Bernard . 
über den col Terret . , • 

Über den petit S. Bernard. 

f . .- . 

über den S. Gofhard . • . 
Über den Mont-Cenis . , 
über den Simplon .... 
über den Splügen .... 
über die Rasfadter Tauren. 

I 

über den Brenner .... 
Deutsche Gebirge ^ nördlich an der Alpen- 

ketfe ; 

Schneekoppe (Schlesien). . . 



I 



ÜBER DER 

MEERESFLÄCHE, 



1 w 

MtTEHN. 



3720 

3666 
3426 
2935 
2732 

3076 
2941 
2633 

2522 
2188 



■ ¥ 



i652 

2722 
2161 

2066 
1869 
1800 
1793 
1648 



3410 
2461 
2428 

2321 
2192 

' r 

2075 
2066 

2oo5 

1925 
1559 
1420 



1608 



I N 
TO IS E H. 



NAMEN 



D ER 



BEOBACHTER. 




1909 

189B 

1881 
1758 
i5o6 
1402 

1578 
1609 

i35i 
1234 

1123 



848 

i397 
1109 
1060 

954 

924 
920 

846 



1760 
1263 
1246 
M91 

1125 
io65 
1060 

1029 
988 
800 



Tr alles. 

Tr alles* 

Tr alles. 

Saussure* 

Saussure* 

Saussure* 

Saussure* 

Bech 

Saussure. 

Buchf 



Saussure* 



Buch* 

Saussure* 

Moll. 

Buch* 

Saussure* 

Sek leg. 

Seh leg* 

Saussure* 



Saussure* 
Saussure* 
Saussure* 
Saussure* 
Saus^ure* 

Saussure* 
Saussure* 
Saussure* 

Scheuchzeri 

Moll. 

Buch* 






825 Gersdorf. 



■-- 



*# 



BESTIMMTER HOHEN 



i8i 



GEMESSENE HÖHEJ^ 



Grofse Rad 
Tafelfichte . 
Hohe Eule . 
Zobtenberg. 
Brocicen . . 




ItaliXnisghe Gebirge, südlich von der Alpen- 

kette : 

Ätna 3338 

Legiione (eigentlich noch zurJ 

Lombardischen Alpenkctte) 2806 



I IT' 
METERWp 



^ 



gehörig), 
Monte -Rotondo (Gorsica) . . 
Monte- d'Oro (Corsica) . , -. 
Monte -Grosso (Gorsica), . . 
Monte-Veüino (Apenninen), . 
Erix (Sicilien) ....... 

Monte 'Gervello (Corsica) . . 
Vesuv f * . . • ..-.•• 
Venda , höchster Gipfel der Eu- 

ganäen 

La Fenesira , ein Gipfel .des 

Monte -Saldo. ...••. 
Monte - Maggiore j der höchste 

Gipfel des Monte-Baldo . . 

Gebirgskette der Pyrenäen : " 

Monf-perdn, der höchste Gi-( 

pfel der spanischen Pyrenäen, 
Vignemale, der höchste Gipfel 

der französischen Pyrenäen, j 
Le Gylindre . - • • ; 
Maladette - . . > . . 
Erster Thurm des Marbore 

Neouvielle 

Breche de Roland, , . 



^_ » L 



Pic du Midi. 
J-e Pic long 



4 « 



l5i2 

1 x5o 
1079 

721 
1062 






2672 
2662 
2237 
2393 
1187 
1826 
1198 



555 



2149 



2227 



343^ 
3356 

3356 

3333 
3255 
3i88 
3i55 
2943 
2935 
2865 

3201 



776 

590 

554 
370 

545 



1 7 r3 



,1440 



1371 
i36i 
1148 
1228 
609. 

6i5 



285 



iio3 



1143 



1763 

1727 

172a 



1710 
1670 

J 

i636 
1619 
iSio 
i5o6 
1470 
1668 



Gej^sdorf. 
Gersdorf. 
Gersdorf. 
Gers darf, 
Deluc. 



/' 



Saussure ( nach Shuk 
bnrgs Formel). 



Pmu 



Perney, 
Perney, 
Perney^ 
Shuhburg* 

Perney. 
Shulihurg» 

Graf Sternherg- 



Graf Sternberg. 



Graf Sternberg. 



Vidal^ Rdboulj Ramond* 
Mi/c/^/7^/^, etwas uiigewifs. 

VidaU 

Vidal und RibouL 

Cordicr^ etw^as ungewifs. 

Vidal und RehouU 

Ramond. 

Ramond. 

Vidal und RibouL 

Mechain. -^ 

Ramond. 



w 



? f 



^ X 



« 4 



iba 



ÜBERSICHT BESTIMMTER HOHEN. 



GEMESSENE IIÖHEK 






ÜBER DER 

MEERESFLÄGHE, 



IN 

METERDJ 



Canigou 



. Pic du Monlaigu * v • • • 
Pyrenäen - Passe zwischen 
Frankreich und Spanien : 

r 

Port de Pinede .... 
Port de Gavernie . . 
Port de Cavarere . . . 

r 

-. 

Pafs des Tourmalet 

In Frankreich j nördlich von den Pyrenäen : 

Montagne de Mezin (Cevennes). 



Mont-d'Or 



^ . 



Gaafal 



Puy-Mary 



Col-de-Cabre 



Puy-de-Döme 



^ Le Ballon (Vogescn ) • • - 

Mont S. Victor (beyAix) , 

In Spanien, südlich von den Pyrenäen : 

Picacho de la Valetta (Sierra Ne- 
vada de Grenada) . . . . 
Pallast von S. Ildefonso. 



In Sghv^^eden : Kinekulle 



In Island . . Sncefials JokuU 

Hekla. . . , 



In Spitzbergen :Parnassus- Berg 



2808 
2781 
2376 



25 16 
233x 
2259 
2194 



2001 
1886 
2043 
1837 
1935 
i658 
i863 
1689 
1477 
1^92 
1403 

970 



2249 
iio5 

3o6 

1659 
ioi3 

1194 



I R 
T O I s i; K . 



1441 

1427 
1219 



1291 
1196 

ii5i 
1126 



1027 

96Ö 

1048 

953 

993 

85z 

966 

867 
768 
817 

720, 

498 



1154 

593 

167 

800 

520 
6i3 



NAMEN 



DER 



BEOBACHTER. 



Cassini. 

M^chain. 

Ramond'. 



Ramond^ 
Ramond. 
Ramonß^ 
Hamond', 



Delamhre. 
Cassini. 



Delarnhre. 

Cassini. 

Delamhre^ 

Cassini. 

Delamhf;e* 

Delamhre^ 

Cassini. 



Thulis 



ThalacTier. 
Thalacker^ 

Bergmann. 

Pos;ehen. 
Po^ eisen. 

Lord Mulgrave. 



■-J ■_ 



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ENDE. 



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EC HELLE 



en 



blkfeäctidnb 



METRES 



niSTANCE 



r<'fif^ ptner la 



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^5oo 



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4OÜO . - Uj'o 



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3ooo . . /32'S 



2000 



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1000 



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J f /2 c'fo 



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Of 0000 



HAUTEURS 

JlfESURKES 



DU Gl^OBE. 



U 



PEIENOMET^ES 
EL^CTRIQUES 

dcha 



,1. 






CÜLTURE 

DU SOZ 
/güq 
iTi/// nevaäi'n au - 
Ji'ssus JuNweau^ 



DKCROIS- 

GravitahoiJ 
cjrprrmi' ßhir 
ies O^cMtii ' 

onstiim nti' 
me Pt'ftiftiic ' 



ASPECT 



J(' i'fliinutfih* 



Cit^l azurc 
Cvauoiucue 



(iol'A 



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t m 

/'IIj'Pi oiuetre 

Je 

Saußure - 



PHRSSroN 
de TAir 

AlDiol]jlieriiiu 

mt'/rftme<f- 



(V/iif tfii CbiiiiboT ii/o ('S4^ '" 
Omt^ tii CAVMxA>e 5q54 fSoöS.J 









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11 



ff 44 V ^ 

Mont-Blanc 4-^S"' fz4.5if V 






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<>n^ tU'ivmpu - 

/'M\/riCiA /ir.' 

P/Y.f i/e^- hm - 

■ ■ ■ ■ 

.iI>imJdHLY Ja 



iiftiju- 4h' St'/ f/t'iiufu' it xiTMii/i - 
(laoo n 



/nupi4vr/r,i; rrum* 
fioft prriihftjjite . 

,/tt xPi^f soiwe/U 
iVpi^rt/- iiß/uf ' 

/it\r//t\wp t/e * 
yr<-A;m^/fU' t/r 
/tm'/ > 

Ai t//y/i' /nJiW 



P/iu Jt' iulttire. 

i/t\'^ftri'/t^-f Je-tC ' 
ßiva/s et Je4t.~^ 
(Vit'prt'^ , 






4l Si>t>i>^' 



J/i/rfistie nnf- 



/Kf/it/ne Jy /trre 
(U/a<\f- Tn^ptZUf/ani 

i'ü't'e//t'/t/t///t ' 

yj/tf' iuPrüm^yU tili - 

J</:i Je S?>.n> T 



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Wi- i/'Po|>avflJi JTSo'^/Q^fi^) 



Pnv dp Dome -^;';^/"/^^^/y 






/ty/f^ipii-'^^ /f'cs 

hrs ßriv4f. o^iir- 
timl '2 /wmr^Ki- 
prt'^'/./ i-ti///u - 

ruthon tiu lAz/eii. 
Icvu/^riif p/ua'^e ' 

(7//V /taire»rJft 

fiUir/'EhYhvnw- 
fjYi/t'lH^i n^ * 

r 

t/ermt'ß'ih'^ I ffii/- 

/////Y/7Y JT/iv/n- 
ii/r ^iiijio^\p/u' - 



a 4000 



In/i'/m/e /ffi^- 



Mt'tif ti'£urdpt''Tn - 
fnyi/n ,//ifrt/ei4/H^'h*e- 
/hl- i/ir/UipOi/tur/L- 

,pfr/u>i/ Jfiiy.-\ Pikilei 
ioton-lfnpt^iJYSiicfv 

Ju^/tt/t^' Pt^rtmt^s 

\/\a J'/'W/'fiH'^^ iljrt- 

n/f/W'J 



1/ k\ 



'^00 



Cf//i ' . Co/im , Camu^ 
J,mlt' Att-t/e^siis t/t' 

\MnJriiiY/U Jy^<^^ 

Ef t///t/\f.ri//ii//i piTii - 
r/<{/7.7P///Ay///t • 



Inie/iSil^ffto- 
yYnneJeh'Z^. 



rahi/n^ - 

Z// ! <'ec^Y/ed^je * 

//t'.'yt/i/w Jt'/'tm^ 

e'j^/pri'Aa/'/iv/f^/f/ 
iTe/u/YJ\rt?i/^ i/f 
m, pit rei/{fi/i.f 
// /i/ Pmpt'rti/u - 
rY Jy ■ äSfS. 



Air of 3e»oö7. 

^/ /SpO"i/tJ/4M//^ 



a ^OQo'^Jffiiöf- 
Imrp- Jifpp' ^ 1^0 

aSSi>^"'Jf/m/ 

'r- t'r" 

J/7fu>,mpp — /i', f'. 



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Iffrmu/itr. 



m^^Y/i/iY i>^ 



/im.of^^y47. 

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I<r/p ,-^i/pp--^,G 

ß^e!"4t$2i 

^ /iSjho) 

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/uz/- ef^44?Si - 

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y ^ i^dö'4 r>y 



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^^^uYrc, I/iJi\fo,i*/t\iO 

L/f/'tp/fll. Ii,l/f,//t<-'4i. \ 

f/'/rw. Jt /fnw Mt/nm^ 
fj'Jo'i '/iiPe*r J/r/t 'ai/u^ 

f/ti/vJui/Sptii/Y^X * 
pYHp/c^' YivJut^^ t/t 
/'PliT^pM 



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Mtä/Li-fA' f/ii* - 
UtWte t/e 2 'f- 



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/,y/ip -n/pp' 0,4. 






//i/r/hi'ih /fw- 
yr/f/if Jf22^ 



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Mr/isi/e/no- 
tp'/i/f iieiS'^ 



Je 5^'^ iT 100' 
liu/ftith/e ^ 

//temvme ^4^\ 



Ilii/ntJi/e. ' 
me}/efme 3<f. 



ß.iryp5!^öSg. 

tJ '^i^iky "i/t'/hiSt- 
Jlfftp-v'/fpp- i4.4 



it :5oY?^Jt' /umf^ 

P'/iW ' ''//pp' ' Z'ffO 



Air o^ 64,54 

(■2U.^24J 

le/np-Jnpp^ 2/^1 



Je f>Sl\i leof 



' «' . ' 



/frmfijf/e ' 

//ii?i/ivi/iY So'' 

i^ii/r/ifi* t/ep/uip 
k*m7fi%^/me /no- 

e/tP/ir*Y't' o^v- 



'P/np-Mitpp, 2r'S- 

Bt7/- oT' yjgöt- 
ihpf Ol.) 

thittee 7'J.\/i,iid 
li'/itp.wpp'':^ 'X^Iq, 

Bur i>T^o-it}'i, 
(S^f" $0.) 

t//f///i't \n/ ' /• /ii/nB' 



stmi it^Y/ej^H^/j 

'/?//Y't'/ti/i/iY /tti>- 

i/4'/I/W tpi-l/it/ipi*' 

/ 7'.t'Ai'//t' mt'/-/n.'' 




^ KCHEIXE 



eD 



5IKTRE.S. 



TF.HPERATUKE 

de l'Air 

tf tZ/renre^f ^,ff/- 

/puj\f^ e*rnr//niY 
en miunniuin 
elnii/tmu(/ti. 
Jal7iermome ' 
//reenfff;rriJe\ 



cvjfposrriox 

Je lliir 

lü/tio^s^p/ic - 

> 



HAVTEUR 

tlela 
lircufe infe'rieore 

de la 
Meiere perpefuelle 

£baa dÜFerciitoi& 
laii^udee - 



65oo 



6000 



OOOO 



DOüÜ 



Regioo» irop 

■ ' ' 

pi'u/rü/ueiitriy 

peiircn cenin^rc 

7d TrTf^pirrdaEre 

/nmferme.ifat 
Kcpe/tJiiniypii - 
/ ad e/re ua -i/e%f- 
J-ütLT t/e w/v.-^ 
64^^^' leT/ftr ^ 
f/iO/nelr€ eni/nie 
tfu//i/ii//iyfj\i r'.S- 



ECHELLE 

des Animaax 

TeloTi la liaufeur 
daTül 



PEGRES 

de Teaa , 

bocillante 

adiffcren^ei 

htuK^euis. 

TLaiuomelrc 

condffradc. 



VÜE s 




J^a>/(>^u/(/i'J 



1 



SITE. 

Liuniere 

Ja/W /'uiJ'il 

Jjife/\fe,r//tii/ 
^f€/^ €/ip/e 

m4xfi^^9^ 

^Ä^ il Tut Je 



ECHELLE 



TOTSES 









Pas d Ru^es 
Jia^Y'*f au xJol , 



Ean bcuiILmte 






4000 



TemperAture 
Iltvinbede ia 

/IttlJCJUSijU u 



4000 



35^00 



5ooo 



4100 



m 



20 0O 



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1000 



^ 0, a Jo 

Temperaiure 
movenne q 

(>. A, ) 

J^iJ/u/u/ieeJe 
i/rJe . niY/tu tjuii 
ifuehi^' Je nmf 



La ifuanhte- ' 
J'i^xyyem al ' 
nwspTiet^tJu t. y 
parait Li riufiu 
Jtuw iee TiiBilr^ 
ryuyn^clx^/arhy 
les plame^ ^ 
JLiulaprojrt' 
/rufe J^A'- f'ifl " 

ea/u peu/^ud- 
tjuefyti-.^itr ^j- 

fltUllESit/iU'^* 

Jej'J/ijY-i'^f /fti)- 
Jtfier/a ci/f^ipo 
.•i/üm J<' /'aä , 



L'air /elire Jeleau 
de Ne^e* Cßn/it/t/^ 



C ^ —6 



de 1,1 a lö, 
Tonip^rahire 
moveiine i&* ' 

Ote/e i/tvttf'on 
Jit/ife-ßrunic 

ffftfuenre^ fv^ 
pea e/eveC' 



,>Oü 



o 



o Ol> 



de 1^,5 "a ?o- 
Tt*nip**rAtor« 

irre/e ti^\^e^ru 
re.(l[e7-,^eraH'nl 

brutneu4£ " 



Ja tfUiUtlibL^^ 

dTufiinygenc ' 
ceittr/fiu Ja/i'L 
/ tur a/rno^p/ie - 
r-t^ue e^tmem- 
Jre t/eJeiLv itul- 
/tume^^ Onnc * 
iroiw<: po-i' pliis 
JTti/Jrtu/hte a 

r . 

■*oa^'^Je/et\iä' 
o/i ^uati /uecaa 
Je/u rner - 



Neu^eperpeL ^ou^ 

l'Ei^tuileur ei Je 3 - laL 

bor, u3^ Ld- iiuj-trü/c ' 
48oor(%4S4^j 

Pti^ de i'arialu'/u Jf. * 
3o?^ Seuje pi^rpeiut^^ 
</ous Icf 20* /tittt hifr 
a4foo "^J^/ fma/iU 
if//e 1/ desce/ul e/i /uner 
a ^3^0 /^ 



yeiye pt-rpeäuße ^\m/. 

aSSoo"^ /iSeo y Je 
Atiiifrar , 



Xeii/e pe/p^lut'äc^ 
.faiu /is 40* de Lit • 

*i Sioo"" /jtee'Jde 
/utiilt'iu - 



' Le Ce/id^r dAj/te(t\f, 
<ptk'/i^ite^.' rrwae/ies e/-^ 
Sp/ti/ix ve/i^ctz/tldm^' 
/e*r auv , peui-efre e/e - 
res €ii cee ne4fte/tet^ ^ 
pt/r /e^< etfuza/i-f us - 

YY/u/il/lS 



Eau bomilajit« 
a 81 f o 

Air oT Joy 






P^j- l^&tpn^ dß^ Omei' 

fiueo, de.<^^ili\Uii e/i 

i'ortJe^^ /w//Jvt7uea k 
Qite/ifue^s Oursdh/t - 

JifrJiUieeft^^ Cap/utui/- 
aiL'^ PltLfT Je poiSJons 



k 84f7 

Bar o"'4z8. 



Pea- La/JUt t^'ve/taet - 
saurtn/ce^ u Lipe/Uc 
Otr/de/tUJeJal/iwJe- 
rii^e . Le p^fti OitTAT a 
ii^^fU /'la/te Orii£id*L ' 
Cei fi'- leptttffum Qae/- 

t^iuY uJdn P/ne'Jeptt' 
/e*t pcnelr,i/hr 



de 18,5 a5ß,4 
Tpiiiperatare 



m^jvcue z^, J 



Pas dei/re/e 
Leii'a/Je « vtf - 
t'e/i/ a 02 */ 



L'arr til/iWJ" - 
p/ierufue con - 

hcnto, ue* J'o 

sn/yefie,L\;'8;^' 
d'i^yfe et^n't'- 
/vn iT,t^eSJdei' 
J- au-honiiftie ' 
Le ftuhirt/niitn 
tle ^fej 'i*a/-uth - 
otw neparatl 
ptU^ cuceJer tm 
iiullieme do^y 
i^e/te^* 



yaye paptltuT/e s/^m 
^ 43^ i/^ /aiihci/i i'tfr. 

Jti^ Pyrt/iee^' a 2449" 
P^Om^ve a 2''iu'"* 
^'Ui' ^ ihncY ut^/ej , 
u ■2Ö^o"*x.*^ /u ct//ie * 
d^s -Vii/ttfiptti,'' de - 
pa^j-e 3w4^."' P7ie/tt/- 
/n'e/ie peii ei»/whiru^ 
da/b/ /tJ- Ztz/iY^- i'u/^i ' 
a/*/e^> 



Oau^ / EtptiZieAi/^ 
on i'ifd l£fnd'er Je la^ 
fuii/ea 4£oe "^^2iei}'J 
./i'/t4iii/tiir- 

Jti Mea-ü/tiY j^otte le 
tQ'^Je (aMuJe eile,' 
/vnJc /tUtfuaiSotj'^ 
de Tttiiiä'tt/' ' 



fS'erra /fiapa/äe Fe - 
/ts äyrui4Z irranJr 
( er/r' Pa/arneJea /'t - 
•spm^^a ■ Jf^onJii/iec ' 
deCti/uuJs dJe/\*/i- 
(^eii/if' ■ BeAtaei>up Je 
pt'i/a: . fPeJ ffif/n.) 



Pe/ilb Cerß' fCerV 
//lYjruj Tapir dti'< S - 
(ÄA';'V7 Fe/i^' pa/Ja/ts ' 

r 

ijuf/p/e-^' x*^myee A/eth- 
a/rs^ Trvupiii/ (L hwliu'j 
i Wa/t'r nuei/i Pae Je 
Beapay Jc'iroceJdtß'^^^ 



a 8if 

(;of SÄ) 



Eau tuoiflajife 



a OJ. o 



B.ir- er SM' 



EiuWuiLiUte 



04. 



*" ^ 



Lhiu Je nur a 
/a x-'nr/aiY p/Y,,- 
Je /'iyuaieu/' 

Ai/re J^<£ tvtau/t^ 

a£3"fna/^' a /a 
pivh>/h/eurJe' 
4th>"'/a f/te/'i'S/ 
a 7^0 Iti '/e/np ■ 

Jt/'üde/'rairJu 

(r/i >/'t pa/ J///.riVW 



J\ei4/e perpe^te/Ze K-Yus 
ies "S '^de lafUitJe ft/r. 



^*i/tt/4.- Siipa/eit ei d/eu 
ti/r^ d'janiir 'Fdte tmed ) 
Tt^re neu- Lwn (FJbf t\m' 
ee/^iJUwia ct^Jara Pti - 
/ttVöeaiA >tirmiäee. ierv- 
m^a-it' JmuiAffeJpfrtte - 
Jt/^*'\iytKr Arfpdt^ Bed . 
CrectJde Z4/7ne/iffff Fia - 
/i//ii^,-/d J/i\'auth* 

^iK\''f/- ffu/rum) 



(7SUR} 
/i.v'- oT ooS. 



Kaahouiflaafe 

h7^7 ] 

B,ir er t7<j. 

/ - 



Pa/r.^' /'mte/iafr Ja 
o/e/e de /ft'i/eJAv e^ - 
ptYe-' de Pe//neste.^ ifui 
n'/it/e/i/ A\-yJii/i/e*'ANt 
/erra/zie^f - 






£a /iji&/re d^ Si>t'Jit^ paraiten^ijenera/ 

t/ida^enJiJtU Ja/ di/tere/ieß^ de /a/äude ei 

Je Atii/lna. ^^jus en /le c^/idie&'ra/tl ^a 'u- 

/re pelt/F paräe t&i ^o$e, o/t deei/mTe at/£ 

Jane c/taaae r^ia/t iardre Je ^i^erpo - 

iS'ttian de-f roeAe^, lme/maist?n e/'/a Jt - 

reeiion de leu/yr caueAe^ ^nt e/e dä&y/u - 

/i€täepaj i£/t ^ysU/ite aejurceif pa/äea 

fur,On reea/i/taitijuu ea:iirft£ Je cer/ut ^ 

nee lahf icca^ ^e/an ieeaueäe^ ^'elh^mt 

&4e d^^en/i^ firmiUia/hs au Jce^u* Ja 
n/pe(Bi Je /a /ner, 

Z.ee Ariane eepiati^rmLaie prdjtnieni~ 

a iof&i^ (ee cwhaf /e^pAt^ e/ee^etM- et/es 

piame^ /e^ pm^ e/eni6/ee Ju ß/ffte dana^ 

a tf 4^' et rmäe parteuäenr^ sar la. * 

^re. fe^ f/ionäft/ne^ eaxitüntla hauieur 

de SSSo 'ZrtZ'" arawe/fient rers le^pt?/e^ 

/le-stcrpe/tdii/i/ piie //e^ Y4//istdera/'/e;e4ir 

K^^iiJ 7ee jj;*^ /es 45?elle^ t}0^ de Lthäi- 

t/e 6er e/i a iramfe t/ee Catie^ t/e 4700"^ 

e///ie/fte de S5oo "d'eievaüan r 

/.CS P/ame-e eaa4/&/ri'a/es tmea/tfriurty. 

ce//e^ eanie/mt'*f en/re /apen/e ^r/tviAt/t^ * 
t^^Y//tJe.- et /es eJtec- Jt/ ß/Y»/t7,'<^iir-üo 

&Yue^ de /a/i4f,/i't^/itpa^ 7i>^' a 24/0"^^ 
Aa/t/ear ati-Je^f^s-ie-f i/a /tweau de /'Oeean . 
'Piu/etc /yj- /iTf/ta/ia/i^ p/e /'a/i a Jeeaa- 
i>t'/-(ör ^f-r/r /e re-f^ t/u Cr/a/e^^e //etw^U 
/Yu/aey'' '^ens / Ftiuate/tr- Let/r .uicien- 

/U'fe re/i/fire,ani se nui/tt/rsle dartr /ar- 

' '- 

Jre Je /e///- %-i/^'d/p>'?£l£*>/t.y p*i/'<^^e/iye ' 

/tr/a/ /a me//te p/e J.mj- /e^' Ze/ies fE//t - 

pe/^'t/ - Le45 yrant^*- , pit <.re/^e/ilM 6ase 

au G/ta^'^. au '.^e/afe , 4/ti '^e/ue/e /lueaee'^ 

etait Jt-Ais/e f>/7//t//J /e^r /pr//i4///e/is .'C- 

Cif/tdoirej. de/ia de if/ee, Jea-z de (rypxe 

etii-o^ deP^feAe^- Ka/eairee.a^e/U de4t^ 

ea^e/np/ej" /fapptutfj- Je PtJen/f^ Je 

j-Z/i/e/ii/Y 4jtii ret/ne Ja/u /ee /h/räes /es 

p/tty e/i)tuntY^- dti iJa/'€ . La p>r/itufia/t 

p*/\'7/t'/nah4pte Jes ßaea/tes, «ife/- //wyi/a' 
/e^ides^des /tat:/tii^ iUftp/a/udiaaes ee~d€s 
/h'p/ty/ee a f*ase Je/j'id/e/i/tY eldePt- 
e/ve pe/Av //W^/e-^i/il'^e i/vare e^»4i/\<^€ 
*jii/' /a Aai/e^ cre/e d^A/fdtr^, ee//i//ie ^^ 
/c".'V Sie/- ee//e Jee A^in/es eAa/nes de FF// ' 
n^pe, 

Pa7 y/u /e^- iJu via/zu /les yea/t yi^ue*^t^ 
aai o-eaepa/lie/tFe^^ au^- Retfw/hfi et^ua- 
£iß/'ta/es du /lauceau i a/tü/te/tt, an d^u^ 
cä^r s^a/' ä/ut /[paLSt:ii/' des eaueAes ft 
/a a/a/tJe /lautei/r a /aattfffe an deeaw 
^re u^fv/y/utfia/is postet'teu/^- au Oru- 
/u/*: - E/I Aai/^pe /e ir/a/u/cn'esf/uL.-ii'U' 
rertpar J'aulres Jii}c/ie^< «^'fffi.-" Hoc"' 
a47aa."iLiaryI/ide.'- o/t /le /e veUpas a/t- 
Jessits t^* }5l>o "^Les i V/nes /es p/as JZe - 
vees Juo/a/'esafUd'fi/iPii/p/n/rt'.Jfi/t^i' 
/euue/ l'd/np/tJ'o/e aA'/fJe,*puestJ<^'eid/' - 
zf/i/e 0£arz e/-pte pgiefifue^' Jf/fU v a/oyi^ - 
fes /Yt^t2/\/en/ ca/n//ie prot/u/t Jau//Y^ ' 
eo/n/ne a/tere par /e /iw i^Jea/up/^-Ly^j 
/p/'/rta/tans de /^Ys se //\ft/i\-/Ua ffu.ui - 
Ct/ve/ua a 4Soe^J.e l'Aa/ fe/i de ävrY .^v 
JetYfir/e pri'S t/e nfia/a/ee a 4400^ de 
/t,atfeur- Lesp/ar/tes defieyafu.a 2.701-*. 

et li^oo'^ sa/iteaaieri&r du ihe^^dePte/- 
res ea/eaires see^'/iJa^es.Je Oypse etdf 

o'e/^e/'r/rte .ßes Co paßes pt'i///ttee se 
t/eui'e/iitOia'J/ide^ aa-dessits de4ioe'^ 

fe/i tMrepe an /u- /es apae vu'au-Jes.if^ 

deiooor^) 

/t' Sa! Jlt Pai/au/fie dei^udo cenlieni 
a ^Soo'Tde /uiuiettr Je/ia/^/ftcs ^sse- 

/ne/is t/'E/ep7tan/s d<'/t( /ispeee pa/uü^ 

t/e/ztii^ - 

des G/Ys de i i/tTiea a/ti tSee "^dipais- 
y^ei//', ane /v/'naiu//L de i^uar^ a /'Oaest 

eiaaa/na/ea e/i a 2<jaa 
La LardJ/t/e dee^i/u/es p/ese/Ue 

pioäi- de jV 7ö/<.u/u> e/i/hi/aes di'ni^pie/- 

aue^" uns i^'a/U e/at't//!est/e /a /ner de'* 

iy^a 40 /leues /fia/i/tt\- 4/ Ja/tt/e-L.^ 

piiis e/et/elf ei /es p/to.- rt/ya/eee par 

les /TtUies ne i'a/nisse/if~p*as Je /tu*e^t 

eaa/a/i/es. /na/s Je^"^ /^te/res pa/u\x^\JcS 

Oh-^'tdiY/i/iee. des Pa/phy/es ef Jes Ba- 

Sii/tes .^ea/iftes ,ei Si/i-k*ttt de / Fau ei 

Yt^e /e/re ea/Zu/eef Ja/is /atpie//e tst 

jvnu/e/ii e/tve/appe u/i patssa/t (te 

Pniielodds Cvclopuml 



0,^164 



35oo 



o.ao^j .. . 3ooo 



0,8 i) 2^ 



iSoo 



o.S'^S'' . 3000 



o,St^4o- .iSoo 



\^4^S' . 1000 



o,S$Ot) - Soo 



a.St-iZ^ 



o 



5 o o 



1 



.1 
















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YJ<^'Ci 




y/ zu acU 





1 








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c^Jt^'ry Yt 



6Uy// Y^//yryu'6i/ 




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yyy^/j/y'yj. 



,7/^7/^^ yZ-y^/z/j'/y-^/nV/yr/y^z' y/f u/r/ /////' 





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Y/J//// Y/YY UP, '' /YY^y 





YY/YY' C/YYJ//r/// 



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/'. 



U/rj^^/SooySrY/So2 Y'//So3 



1, 



PA K 



Alexandre de Humboldt et Aime Bonpland. 



R 



Z'-t/if/ssi' i'/ /rt//./i- /'<fr Jf </>■////////;>/,//, J,;f,i/y/(' /;//• i C A/wA/y/'/- €'/^ 7////'/// ^/ /'/^ /.>■ f'// /i^t'S,y/://-ry,// V/t'//,///,-/ , // L,'///vn,//H,;ni/'/<-, m/i>rr//)i' /u!/- /„///•/A'nt